# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5691b47e-9d58-528f-b41f-200c0a8176fb
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-05-03
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 03.05.2022 SK1 2019 3
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SK1-2019-3_2022-05-03.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

Urteil vom 3. Mai 2022

Referenz SK1 19 3

Instanz I. Strafkammer 

Besetzung Moses, Vorsitzender
Michael Dürst und Richter
Michael-Walker, Aktuarin

Parteien A._____
Berufungskläger
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Michael Fleischhauer
Carausch 7, 7203 Trimmis 

gegen

Staatsanwaltschaft Graubünden
Rohanstrasse 5, 7001 Chur
Berufungsbeklagte

B._____ 
Privatklägerin
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. HSG Monika Brenner
Paradiesstrasse 4, 9030 Abtwil SG 

Gegenstand Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 StGB

Anfechtungsobj. Urteil Regionalgericht Plessur vom 29.08.2018, mitgeteilt am 
22.01.2019 (Proz. Nr. 515-2018-24)

Mitteilung 01. September 2022

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Sachverhalt

A. Am 29. August 2018 sprach das Regionalgericht Plessur A._____ (nachfol-
gend: Beschuldigter) der Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 StGB schuldig. 
Es bestrafte ihn mit einer Freiheitsstrafe von 3.5 Jahren, wobei es die erstandene 
Polizei- und Untersuchungshaft von 11 Tagen an die Freiheitsstrafe anrechnete. 
Das Regionalgericht verwies den Beschuldigten für 10 Jahre aus der Schweiz und 
ordnete die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informations-
system SIS an. Darüber hinaus verpflichtete es den Beschuldigten zur Bezahlung 
einer Genugtuung von CHF 10'000.00 an die Privatklägerin B._____. Die Verfah-
renskosten auferlegte es dem Beschuldigten, ebenso die Entschädigung der amt-
lichen Verteidigung, wobei diese vorerst dem Kanton Graubünden belastet wurde. 
Die Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsbeiständin der Privatklägerin aufer-
legte das Regionalgericht Plessur dem Kanton Graubünden.

B. Gegen dieses Urteil erhob der Beschuldigte am 5. September 2018 Beru-
fung. Die Berufungserklärung datiert vom 29. Januar 2019. Der Beschuldigte be-
antragt die vollumfängliche Aufhebung des vorinstanzlichen Urteils. Er sei von der 
Anklage der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB freizusprechen 
und es sei die Zivilklage der Privatklägerin vollumfänglich abzuweisen. Des Weite-
ren seien die Verfahrenskosten vor dem Regionalgericht und dem Kantonsgericht 
von Graubünden auf die Staatskasse zu nehmen. Sodann sei dem amtlichen Ver-
teidiger für das Verfahren vor dem Regionalgericht Plessur eine Entschädigung 
von CHF 4'158.80 zuzusprechen und für das Berufungsverfahren vor dem Kan-
tonsgericht von Graubünden eine angemessene Entschädigung, alles unter Kos-
ten- und Entschädigungsfolge vor der Berufungsinstanz.

C. Mit Eingabe vom 4. Februar 2019 verzichtete die Staatsanwaltschaft auf 
eine Stellungnahme gemäss Art. 400 Abs. 3 StPO.

D. Die Privatklägerin verzichtete mit Schreiben vom 13. März 2019 ebenfalls 
auf eine Stellungnahme.

E. Mit Verfügung vom 26. März 2019 ordnete der damalige Vorsitzende der 
I. Strafkammer gestützt auf Art. 406 Abs. 2 lit. a StPO die Durchführung des 
schriftlichen Verfahrens an.

F. Die schriftlich begründete Berufungserklärung des Beschuldigten datierte 
vom 9. April 2019. 

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G. Die Staatsanwaltschaft nahm mit Schreiben vom 2. Mai 2019 zur Beru-
fungsbegründung des Beschuldigten Stellung. Sie stellte vorerst keine Anträge.

H. Die Stellungnahme der Privatklägerin erfolgte ebenfalls am 2. Mai 2019. Die 
Privatklägerin beantragte, der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Opfer eine 
Genugtuungssumme in Höhe von CHF 10'000, "ev. wie viel mehr" zu bezahlen 
und die Rechtsvertreterin der Privatklägerin sei mit CHF 1'065.70 zu entschädi-
gen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Staates.

I. Da in Anwendung der neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung trotz 
Anordnung des schriftlichen Verfahrens eine mündliche Berufungsverhandlung 
durchzuführen ist (vgl. BGer 6B_973/2019 v. 28.10.2020 E. 2.2), wurden die Par-
teien mit Verfügung vom 29. Juli 2021 zur Hauptverhandlung vorgeladen. Diese 
fand am 3. Mai 2022 statt. Anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigte der 
Beschuldigte seine gestellten Anträge. Die Staatsanwaltschaft stellte folgende 
Schlussanträge (vgl. Art. 81 Abs. 2 lit. d StPO):

1. A._____ sei schuldig zu sprechen der Vergewaltigung gemäss Art. 190 
Abs. 1 StGB.

2. Dafür sei er zu einer Freiheitsstrafe von 3.5 Jahren zu verurteilen. Die 
vorläufige Festnahme und die Untersuchungshaft von insgesamt 11 
Tagen seien an die Strafe anzurechnen.

3. A._____ sei für die Dauer von zehn Jahren des Landes zu verweisen. 
Die Landesverweisung sei im Schengener Informationssystem SIS 
auszuschreiben.

4. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens 
seien vollumfänglich A._____ aufzuerlegen.

5. Kostenfolge für das Berufungsverfahren sei die gesetzliche.

Die Privatklägerin beantragte die Abweisung der Berufung, unter Kosten- und Ent-
schädigungsfolge zulasten des Beschuldigten.

J. Das Urteil wurde am 3. Mai 2022 beraten und dem Beschuldigten gleichen-
tags im Dispositiv schriftlich mitgeteilt (Art. 84 Abs. 2 StPO).

Erwägungen

1. Eintretensvoraussetzungen

Gegen das angefochtene erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Plessur ist 
die Berufung zulässig (Art. 398 Abs. 1 StPO). Die Eintretensvoraussetzungen ge-
ben zu keinen Bemerkungen Anlass. Auf die Berufung ist einzutreten.

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2. Anklagesachverhalt

2.1. In der Anklageschrift vom 18. Mai 2018 wird dem Beschuldigten folgender 
Sachverhalt vorgeworfen: In der Nacht vom 2. auf den 3. September 2017 sei 
B._____ in C._____ im Ausgang gewesen, wo sie im D._____ zwischen 2 und 3 
Uhr ihre flüchtige Bekannte E._____ getroffen habe. Kurz danach hätten die bei-
den Frauen den mit seiner Ehefrau in C._____ wohnhaften tunesischen Staatsan-
gehörigen G._____ und dessen Begleiter, den Beschuldigten, kennengelernt. 
Letztgenannter lebe in Algerien und habe sich ferienhalber bei einem Bekannten 
in C._____ aufgehalten. In der Folge sei die Vierergruppe in einem Taxi zur Bar 
"J._____", ebenfalls in C._____, gefahren. Spätestens in diesem Lokal seien sich 
B._____ und der Beschuldigte nähergekommen und hätten sich gegenseitig 
geküsst. Kurz nach 06.00 Uhr seien die zwei Frauen und die zwei Männer in ei-
nem Taxi zur 4½-Zimmerwohnung von G._____ an der F._____strasse gefahren. 
Dort hätten sie sich ins Wohnzimmer begeben, wo sich kurzzeitig auch die Ehe-
frau des Letztgenannten aufgehalten habe. Nach einigen Minuten habe der Be-
schuldigte B._____ ohne Gegenwehr vom Wohn- ins Gästezimmer "geschleift", 
während E._____ und G._____ im Wohnzimmer geblieben seien. Im Gästezimmer 
habe der Beschuldigte die junge Frau gegen deren Willen ausgezogen, während 
er sie am Oberkörper festgehalten habe. Dazu habe er in gebrochenem Deutsch 
oder auf Englisch zu B._____ gesagt, dass er sie töten werde, wenn sie schreien 
oder sich wehren würde. Nun habe der Beschuldigte die Privatklägerin ins Bett 
gestossen, indem er gegen deren Brustkorb gedrückt habe und habe sich sodann 
ebenfalls ausgezogen. In der Folge habe sich der Beschuldigte auf die auf dem 
Rücken liegende junge Frau gelegt und diese von den Brüsten abwärts geküsst. 
Schliesslich sei der Beschuldigte ohne Kondom mit seinem Penis in die Vagina 
von B._____ eingedrungen und habe den Geschlechtsverkehr vollzogen. 
Während des Aktes sei er meist auf und kurzzeitig – nach einer Drehung – unter 
dem Opfer gelegen. Der Beschuldigte sei während des Geschlechtsverkehrs zum 
Samenerguss gekommen. Unmittelbar nach dem Geschlechtsakt seien E._____ 
und G._____ in den Raum gekommen. B._____ habe sich sogleich angezogen 
und mit E._____ die Wohnung verlassen. Dabei habe der Beschuldigte sie bis 
zum Taxi begleitet. Als der Beschuldigte die Privatklägerin im Sinne obiger Aus-
führungen verbal bedroht habe, habe diese zu weinen begonnen und habe dies 
während des gesamten Aktes getan. Gegenwehr habe B._____ aus Angst nicht 
geleistet, was auch das Ziel der vorausgegangenen Todesdrohung des Beschul-
digten gewesen sei. Dass die Privatklägerin keine sexuellen Handlungen gewollt 
habe und sich diesen nur aus Angst hingegeben habe, sei dem Beschuldigten 

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zum Ereigniszeitpunkt bewusst gewesen. Hinweise dafür, dass der Sexualakt ge-
filmt worden sei – was B._____ während der Tat befürchtet hätte – hätten die Ab-
klärungen nicht ergeben.

2.2. Am 3. September 2017 um 07.24 Uhr habe die Mutter der Privatklägerin die 
Kantonspolizei Graubünden telefonisch darüber informiert, dass ihre Tochter von 
zwei Männern vergewaltigt worden sei. B._____ seien innert der folgenden Stunde 
im K._____ Spital in C._____ eine Urin- und eine Blutprobe entnommen worden. 
Die Auswertung der Blutprobe habe für den Entnahmezeitpunkt eine Blutalkohol-
konzentration von 1.71 Gewichtspromille ergeben. Andere bewusstseinsbeein-
trächtigende Stoffe hätten weder im Blut noch im Urin festgestellt werden können. 
Die Untersuchung der jungen Frau im Institut für Rechtsmedizin in L._____ habe 
im Wesentlichen folgende Befunde ergeben:

– frische fleckenförmige Hautrötungen bzw. Unterblutungen an der Brusthaut 
als Folge stumpfer Gewalteinwirkung

– frische ritzerartige Hautläsion im mittleren und unteren Rückenbereich 
linksseitig als Folge einer scharfen Gewalteinwirkung

– möglicherweise verbrennungsbedingte blasenartige Läsion am Zeigefinger 
der linken Hand

– Alkoholisierung, welche Erinnerungslücken zu erklären vermöge

– keine Verletzungsbefunde des Genitals, der Perianalregion oder des Anus

– unbewegliche Spermien am hinteren Scheidengewölbe als Beleg für statt-
gefundenen Geschlechtsverkehr mit DNA-Profil des Beschuldigten

2.3. Dem Beschuldigten habe am 3. September 2017 um ca. 20.00 Uhr eine 
Blutprobe entnommen werden können. Zu diesem Zeitpunkt sei der Beschuldigte 
alkoholnüchtern gewesen (vgl. zum Ganzen StA act. 1.30).

3. Rechtserheblicher Sachverhalt

3.1. Sachverhalt bis zum Betreten des Zimmers

3.1.1. Bis zum Zeitpunkt des Eintreffens der vier Personen in der Wohnung stim-
men die Aussagen der beteiligten Personen, nämlich des Beschuldigten, der Pri-
vatklägerin sowie den beiden Auskunftspersonen E._____ und G._____, überein 
(vgl. StA act. 4.8, StA act. 4.9, StA act. 4.10; StA act. 4.11; act. H.4; act. H.5). Der 

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angeklagte Sachverhalt (StA act. 1.30) ist somit bis und mit zum Eintreffen in der 
Wohnung von G._____ und dem anschliessenden Aufenthalt der vier Personen im 
Wohnzimmer erstellt. Danach gehen die Darstellung der Privatklägerin und jene 
der zwei Auskunftspersonen und des Beschuldigten auseinander. Gemäss Aus-
sage der Privatklägerin sei sie im Wohnzimmer auf dem Schoss des Beschuldig-
ten gesessen, habe 2-3 Züge eines Joints mitgeraucht und mit dem Beschuldigten 
herumgeküsst. Anschliessend habe der Beschuldigte sie seitlich am Arm gepackt 
und gegen ihren Willen ins Zimmer "geschleift", es sei alles schnell geschehen 
(act. H.5, Fragen 9, 12, 13; StA act. 4.6, Frage 4; StA act. 4.10, Fragen 1, 3, 8, 
Ergänzungsfrage 1). Demgegenüber gaben E._____ und G._____ übereinstim-
mend an, dass die Privatklägerin mit dem Beschuldigten freiwillig ins Zimmer ge-
gangen sei, wobei sich die beiden auf dem Weg ins Zimmer gegenseitig noch 
geküsst hätten. E._____ sagte aus, der Beschuldigte und die Privatklägerin seien 
"am rummachen" gewesen, weshalb G._____ zu den beiden gesagt habe, dass 
sie ins Zimmer gehen könnten, wenn sie dies wollten. Daraufhin seien sie aufge-
standen und hätten sich sofort ins Zimmer begeben. Die Privatklägerin sei 100% 
freiwillig mit ihm in ein Zimmer gegangen (StA act. 4.5, Fragen 10, 11, 12, 24). In 
der zweiten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme gab E._____ zu Protokoll, dass 
der Beschuldigte nach einer Weile vom Sofa im Wohnzimmer aufgestanden sei, 
worauf die auf seinem Schoss sitzende B._____ auf den Boden gefallen sei und 
die beiden laut losgelacht hätten. B._____ habe zu ihr gesagt, dass sie jetzt gehe. 
Die beiden hätten sich an den Händen gehalten und seien in einen anderen Raum 
gegangen. Es sei 100% ausgeschlossen, dass der Beschuldigte die Privatklägerin 
in diesen Raum gezogen oder gebracht habe. Beide hätten "es" gewollt und seien 
Hand in Hand zum Zimmer gegangen. Aufgrund der Aussage von B._____, dass 
sie jetzt mit ihm gehen würde, sei für sie klar gewesen, dass die beiden im Raum 
Sex haben wollten und würden (StA act.4.11, Frage 7). Auch G._____ sprach da-
von, dass sich die Privatklägerin und der Beschuldigte im Wohnzimmer küssten 
("sie waren […] am küssen und so"), wie sie dies bereits vorher getan hätten. Er 
habe dann zu ihnen gesagt, dass sie ins Zimmer gehen könnten, welches sich 
gleich rechts neben der Eingangstüre befinde. Der Beschuldigte und B._____ sei-
en dann in dieses Zimmer gegangen (StA act. 4.7, Frage 1). In der Konfrontein-
vernahme präzisierte G._____, dass sich die Privatklägerin und der Beschuldigte 
bereits die ganze Nacht geküsst hätten. Als alle ins Wohnzimmer gegangen seien, 
wo sich auch seine, G._____ G._____ Ehefrau, aufgehalten habe, habe sich die 
Privatklägerin sofort auf den Schoss des Beschuldigten gesetzt. Dort hätten sich 
beide weiter geküsst. Ihn habe das gestört, weil seine Ehefrau auch dort gewesen 
sei. Deshalb habe er den beiden vorgeschlagen, dass sie doch ins andere Zimmer 
gehen sollten. Sie seien dann verliebt und küssend in das andere Zimmer gegan-

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gen (StA act. 4.10, Frage 20). Auf den Vorhalt, wonach die Privatklägerin ausge-
sagt habe, dass sie vom Beschuldigten ins andere Zimmer geschleift worden sei, 
gab G._____ zur Antwort, er habe gesehen, wie die beiden vom Wohnzimmer ins 
andere Zimmer gegangen seien. Er könne nicht sagen, dass dies mit Gewalt pas-
siert sei. Im Korridor hätten sich die beiden auch noch geküsst (StA act. 4.10, Fra-
ge 22). Die Aussagen der Auskunftspersonen stützen damit jene des Beschuldig-
ten. Dieser sagte aus, sie seien zu viert ins Zimmer auf der rechten Seite des 
Flurs gegangen und hätten sich dort etwa 10 Minuten aufgehalten. Dort hätten er 
und die Privatklägerin sich gegenseitig im Mund- und Halsbereich geküsst. Er und 
die Privatklägerin seien dann übereingekommen, sich in ein anderes Zimmer 
zurückzuziehen. Ob G._____ ihnen dieses Zimmer speziell angeboten habe, wis-
se er nicht mehr. Jedenfalls hätten sie sich dann ins erste Zimmer rechts vom Ein-
gang gesehen zurückgezogen (StA act. 3.7, Frage 2). In einer späteren Einver-
nahme gab er zu Protokoll, er habe die Privatklägerin nicht bedroht, damit sie mit 
ihm ins Zimmer gekommen sei, diese sei freiwillig mit ihm mitgekommen. Sie hät-
ten sich zuvor mehrmals geküsst, sie sei auf seinem Schoss gesessen und ansch-
liessend seien sie "ganz normal" zusammen ins Zimmer gelaufen, "ganz langsam" 
und "mit viel Liebe" (StA act. 4.10, Frage 14). Diese Aussagen bestätigte der Be-
schuldigte auch an der Berufungsverhandlung. Übereinstimmend mit seinen bis-
herigen Aussagen gab er an, E._____ sei neben G._____ und B._____ sei neben 
ihm gesessen. Sie habe seine Hände gehalten und sie hätten sich geküsst. Sie sei 
dann auf seinen Schoss gesessen und sie hätten sich weiterhin umarmt und 
geküsst. Nachdem die Privatklägerin "mehr gewollt habe", seien sie ins Zimmer 
gegangen, nachdem sie fest miteinander geknutscht hätten. Sie seien Hände hal-
tend in dieses Zimmer gegangen, B._____ sei freiwillig mit ihm ins Zimmer gegan-
gen (act. H.4, Fragen 11-13).

3.1.2. Aufgrund der übereinstimmenden Aussagen der zwei Auskunftspersonen 
mit jenen des Beschuldigten gibt es keinen Grund zu Zweifeln daran, dass die Pri-
vatklägerin – entgegen ihrer Aussage – mit dem Beschuldigten freiwillig ins Zim-
mer gegangen ist. Sowohl die beiden Auskunftspersonen als auch der Beschuldig-
te haben eindeutig ausgesagt, dass die beiden küssend und ohne Gewaltanwen-
dung seitens des Beschuldigten miteinander ins Zimmer gegangen seien. Es sind 
keinerlei Anhaltspunkte ersichtlich, dass der Beschuldigte die Privatklägerin gegen 
deren Willen ins Zimmer geschleift haben sollte. Ebenso gibt es keinen vernünfti-
gen Grund, warum die beiden – jeweils unabhängig voneinander aussagenden – 
Auskunftspersonen diesbezüglich hätten lügen sollen. Damit ist erstellt, dass die 
Privatklägerin mit dem Beschuldigten freiwillig ins Zimmer gegangen ist. Bis zum 
Eintreffen im Gästezimmer ist somit noch von Einvernehmen auszugehen.

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3.2. Sachverhalt im Gästezimmer

3.2.1. Ab dem Eintreffen im Gästezimmer bis zum Verlassen desselben stehen 
sich einzig die Aussagen der Privatklägerin und des Beschuldigten gegenüber. 
Der Beschuldigte war von Anfang an geständig, dass er mit der Privatklägerin se-
xuellen Kontakt gehabt hat, wobei er bis zur und noch an der Berufungsverhand-
lung behauptete, dieser sei "nur oberflächlich" gewesen. Er gab an, er sei "nicht 
richtig" in die Privatklägerin eingedrungen, sondern sei mit seinem Penis aussen 
an ihrer Scheide und zwischen ihren Beinen gewesen. Er habe seinen Penis an 
der Scheide der Privatklägerin gerieben, sie hätten sich gegenseitig an den Ge-
schlechtsteilen gerieben und sich gegenseitig geküsst, teilweise seien sie seitlich 
gelegen, teilweise sei sie und teilweise er oben gelegen, bis er zum Orgasmus 
gekommen sei (StA act. 4.8, Frage 4; StA act. 4.10; Frage 17; StA act. 3.7, S. 2 
und Frage 2; act. H.4, V. Fragen 16, 36, 37). Sein Samen habe sich zum Teil 
"oben" auf den Körper der Privatklägerin ergossen und der "Rest" auf der "Kante" 
(act. H.4, V. Fragen 37-39). Der Beschuldigte bestritt jedoch von Beginn an die 
Aussage der Privatklägerin, wonach der sexuelle Kontakt nicht einvernehmlich 
erfolgt sein soll. In den Einvernahmen betonte er mehrfach, der Sex sei einver-
nehmlich und "in der Liebe" gewesen (vgl. StA act. 3.7, S. 2: "Wir haben einver-
nehmlich Liebe gemacht. In dieser Phase war aber niemand dabei"; StA act. 4.8, 
Frage 2: "Es war so, dass ich vergangene Nacht mit einer Frau sexuelle Kontakte 
hatte. Es war so, dass die Frau mich fragte, ob ich mir ihr Sex haben wolle. Da ich 
kein Kondom hatte, sagte ich anfänglich nein. Sie bestand aber darauf. Folglich 
hatten wir gemeinsam einvernehmlichen Sex. Es war das erste Mal, dass ich un-
geschützten Geschlechtsverkehr hatte"; StA act. 4.9: "Nein, wir waren in der Lie-
be. Es gab eigentlich keinen Grund dafür, dass sie weinen sollte. Es gab auch 
keine Anzeichen dafür, dass sie weinen würde"; act. H.4, V. Frage 19: "Nein. Es 
war alles freiwillig und mit Liebe"). 

3.2.2. Die Privatklägerin sagte dagegen aus, sie sei vom Beschuldigten vergewal-
tigt worden. Der Beschuldigte habe, nachdem er sie ins Zimmer geschleift habe, 
die Türe zugemacht, das Licht angemacht und ihr davor und danach etwas ge-
sagt, das sie nicht verstanden habe. Er habe sie rechts an der Schulter gepackt 
und gesagt "ich bringe dich um". Dies habe er in gebrochenem Deutsch gesagt. 
Sie habe sofort zu weinen begonnen und habe Todesangst gehabt. Der Beschul-
digte habe sie ausgezogen und aufs Bett hinuntergedrückt gegen ihren Brustkorb. 
Sie habe nur noch nach Hause gehen wollen. Es sei schnell passiert. Während-
dessen habe sie die ganze Zeit geweint. Nachdem es endlich vorbei gewesen sei, 
habe er das Zimmer verlassen und sie sei weinend auf dem Bett gesessen, split-

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ternackt. Sie habe sich anziehen wollen, da sei E._____ ins Zimmer gekommen. 
Sie habe ihr sofort gesagt, was passiert sei und dass sie nach Hause wolle. 
E._____ habe ihr geantwortet, das habe sie doch gewollt, worauf sie ihr erwidert 
habe, woher sie das wissen wolle, sie habe das nicht gewollt (vgl. act. H. 5, Fra-
gen 9, 14, 15, 21, 31; vgl. ferner StA act. 4.6, Frage 4; StA act. 4.10, Fragen 1, 2, 
7, 9). 

3.3. Sachverhalt nach Verlassen des Gästezimmers

3.3.1. Nach der Phase des Geschlechtsverkehrs zwischen der Privatklägerin und 
dem Beschuldigten stimmen die Aussagen der beteiligten Personen wieder gröss-
tenteils überein. Gemäss der Darstellung der Privatklägerin, der Auskunftsperson 
E._____ und des Beschuldigten sei zuerst G._____ ins Zimmer gekommen, habe 
die dort nackt auf dem Bett sitzende Privatklägerin gesehen und das Zimmer so-
fort wieder verlassen. Nach ihm sei E._____ ins Zimmer gekommen und die Pri-
vatklägerin habe sich angezogen und ihrer Bekannten erzählt, dass sie soeben 
vom Beschuldigten vergewaltigt worden sei (vgl. StA act. 4.7, Frage 5, StA 
act. 4.5, Frage 12). E._____ gab an, der Privatklägerin nicht geglaubt zu haben. 
Sie habe zu dieser gesagt, dass sie sie nicht anlügen solle, sie sei freiwillig mitge-
gangen. Die Auskunftsperson schilderte weiter, die beiden hätten "ganz normalen 
Sex" gehabt, sie schliesse aus, dass die Privatklägerin vergewaltigt worden sei. 
Diese sei "zu 100% freiwillig" ins Zimmer gegangen. Die beiden hätten "sicher un-
geschützten Geschlechtsverkehr" gehabt und die Privatklägerin habe sich einfach 
nur "schäbig" gefühlt, dass sie etwas mit ihm gehabt habe (StA act. 4.5; Frage 24). 
Demgegenüber gab die Privatklägerin zu Protokoll, dass E._____ dies nicht wis-
sen könne und sie dies nicht gewollt habe (StA act. 4.10, Frage 9; act. H.5, Frage 
31). Einig sind sich die beiden Frauen darin, dass sich die Privatklägerin ansch-
liessend angezogen hat und sie gemeinsam mit dem Beschuldigten die Wohnung 
verlassen haben. Während die Privatklägerin jedoch angab, vom Beschuldigten 
dabei mehrfach "in den Schwitzkasten" genommen worden zu sein (vgl. StA 
act. 4.10, Frage 2; act. H.5, Fragen 25, 28 [in der ersten Einvernahme sprach sie 
noch davon, der Beschuldigte habe sie festgehalten und umarmt; vgl. StA act. 4.6, 
Frage 7]), gab der Beschuldigte zu Protokoll, der Privatklägerin seine Jacke gege-
ben zu haben, da diese gefroren habe. Sie habe sich wegen der Kälte an ihn ge-
lehnt (StA act. 3.7, Frage 2), wobei er seine Hand auf ihre Schultern gelegt habe 
(StA act. 4.10, Frage 14) bzw. sie sich mit ihrer Hand an seiner Schulter gehalten 
habe (act. H.4, V. Frage 32). E._____ Aussage bestätigt im Wesentlichen die Dar-
stellung des Beschuldigten. Danach habe der Beschuldigte der Privatklägerin auf 
dem Weg zum Taxi seine Jacke gegeben und seinen Arm um ihre Schultern ge-

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legt. Die beiden hätten zusammen gelacht, zwischendurch habe die Privatklägerin 
aber auch geweint (StA act. 4.5, Frage 16). In einer späteren Einvernahme gab 
E._____ an, der Beschuldigte habe mit ihnen die Wohnung verlassen und der Pri-
vatklägerin seine Jacke gegeben. Zudem habe er seinen Arm über ihre Schultern 
gelegt. Die Privatklägerin habe ihn an der Hand gehalten und/oder ihn am Arm 
gestreichelt. Sie habe noch zur Privatklägerin gesagt, dass ein Vergewaltiger dies 
nicht tun würde. Die Privatklägerin sei weitergegangen, ohne sie zu beachten (StA 
act. 4.11, Frage 7). Die drei Beteiligten sind sich dagegen einig, dass sich der Be-
schuldigte von ihnen verabschiedete, als das Taxi angekommen war (vgl. StA act. 
4.8, Frage 11; StA act. 4.5, Frage 15; StA act. 4.6, Frage 7; act. H.5, Frage 25; 
act. H.4, V. Frage 1). 

3.3.2. Es ist nicht ersichtlich, weshalb E._____ bezüglich der Modalitäten der Be-
gleitung der Privatklägerin durch den Beschuldigten hätte falsch aussagen sollen. 
Zwar lässt sich aus ihren Aussagen im Untersuchungsverfahren insgesamt er-
schliessen, dass sie der Privatklägerin nicht sehr wohlgesinnt zu sein schien. 
Dennoch ist kein vernünftiger Grund auszumachen, weshalb sie das Verlassen 
der Wohnung mit dem Beschuldigten nicht den Tatsachen entsprechend geschil-
dert haben sollte. E._____ erzählte in beiden Einvernahmen in freier Rede und 
von sich aus, wie die Privatklägerin und der Beschuldigte die Wohnung verlassen 
hätten. Mit ihren Aussagen bestätigt sie gleichzeitig die Aussage des Beschuldig-
ten, wonach er der Privatklägerin seine Jacke gegeben und diese bei den Schul-
tern gehalten habe. Von einem "in den Schwitzkasten nehmen", wie das die Pri-
vatklägerin geäussert hat, ist dagegen – nicht zuletzt auch unter dem Gesichts-
punkt, dass die Privatklägerin in der ersten Einvernahme selber ausgesagt hatte, 
dass der Beschuldigte sie umarmt habe – nicht auszugehen. 

3.3.3. Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass die Privatklägerin – gemäss 
den Aussagen der beiden Auskunftspersonen und übereinstimmend mit jenen des 
Beschuldigten – freiwillig mit diesem ins Zimmer mitgegangen ist. Was sich im 
Zimmer genau abgespielt hat, wurde von den Auskunftspersonen nicht wahrge-
nommen, weshalb sich diesbezüglich die Aussagen des Beschuldigten (einver-
nehmlicher Geschlechtsverkehr) und der Privatklägerin (Vergewaltigung) gegenü-
berstehen. Nach dem Geschlechtsverkehr ist wiederum vom Sachverhalt auszu-
gehen, wie er von der Auskunftsperson E._____ und dem Beschuldigten geschil-
dert worden ist, nämlich, dass dieser die beiden Frauen begleitet, der Privatkläge-
rin seine Jacke gegeben und sie bei den Schultern gehalten hatte, bis das Taxi 
eingetroffen war.

4. Tatbestand der Vergewaltigung und Unschuldsvermutung

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4.1. Eine Vergewaltigung nach Art. 190 Abs. 1 StGB begeht, wer eine Person 
weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt, namentlich indem er 
sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck setzt oder zum Wider-
stand unfähig macht. Die Strafnorm schützt vor Angriffen auf die sexuelle Freiheit 
insoweit, als der Täter den zumutbaren Widerstand des Opfers überwindet oder 
ausschaltet (BGE 133 IV 49 E. 4; BGer 6B_935/2020 v.25.2.2021 E. 4.1). Objektiv 
unterscheidet sich die Vergewaltigung gegenüber dem Grundtatbestand der sexu-
ellen Nötigung von Art. 189 StGB nur dadurch, dass das dem Opfer abgenötigte 
Verhalten in der Duldung des Geschlechtsverkehrs unter den vom Täter diktierten 
Bedingungen steht. Die nötigende Handlung richtet sich gegen ein Opfer weibli-
chen Geschlechts, welches unzweideutig den Willen manifestiert, die betreffende 
sexuelle Handlung nicht zu wollen (vgl. Andreas Donatsch, in: Daniel Jositsch 
[Hrsg.], Zürcher Grundrisse des Strafrechts, Strafrecht III, Delikte gegen den Ein-
zelnen, 11. Aufl., Zürich 2018, S. 533). Erforderlich ist eine tatkräftige und mani-
feste Willensbezeugung des Opfers, mit welcher dem Täter unmissverständlich 
klargemacht wird, mit den sexuellen Handlungen nicht einverstanden zu sein 
(BGer 6B_634/2020 v. 31.1.2022 E. 3.2.2; 6B_1444/2020 v. 10.3.2021 E. 2.3.2; 
6B_479/2020 v. 19.1.2021 E. 4.3.3; je mit Hinweisen). Das Nötigungsmittel der 
Drohung umfasst Drohungen, die sich auf wesentliche Beeinträchtigungen der 
Rechtsgüter Leben oder körperliche Integrität des Opfers beziehen, d.h. beträcht-
liche gesundheitliche Nachteile oder Schmerzen zur Folge hätten. Die herrschen-
de Lehre und Rechtsprechung zum Tatbestand der Nötigung stellen darauf ab, ob 
die Drohung geeignet gewesen wäre, eine verständige bzw. besonnene Person in 
der Lage des Opfers gefügig zu machen. Erforderlich ist ein Mass an Zwang, das 
auch eine besonnene Person in der Lage des Opfers zur Aufgabe des Wider-
stands veranlasst hätte (vgl. Donatsch, a.a.O., S. 533 f.). Verlangt wird des Weite-
ren ein Kausalzusammenhang zwischen dem Einsatz des Nötigungsmittels und 
der Duldung bzw. Vornahme der sexuellen Handlung. Es wird vorausgesetzt, dass 
das Opfer die sexuelle Handlung nur deshalb duldete oder vornahm, weil der 
Täter es bedrohte, Gewalt anwendete, psychischen Druck ausübte oder es durch 
andere Nötigungsmittel zum Widerstand unfähig machte (vgl. Stefan Trech-
sel/Carlo Bertossa, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetzbuch, 
Praxiskommentar, 4. Aufl., Zürich 2021, N 3 zu Art. 190 StGB und N 11 zu 
Art. 189 StGB; Donatsch, a.a.O., S. 538 f.). Vollendet wird die Tat damit, dass der 
Täter sein Glied in die Scheide des Opfers einführt, wenn auch nur vorübergehend 
oder bloss in den Vorhof. Eine Ejakulation ist zur Erfüllung des Tatbestands nicht 
erforderlich (vgl. Trechsel/Bertossa, a.a.O., N 4 zu Art. 190 StGB). Subjektiv ist 
Vorsatz gefordert, wobei Eventualvorsatz genügt. Der Täter muss wissen oder mit 
der Möglichkeit rechnen, dass der Wille des Opfers seinem Ansinnen entgegen-

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steht, wobei genügt, wenn die Überwindung dieses ablehnenden Willens in Kauf 
genommen wird (vgl. BGE 87 IV 66 E. 3; Trechsel/Bertossa, a.a.O., N 6 zu 
Art. 190 StGB; Donatsch, a.a.O., S. 593). 

4.2. Gemäss dem in Art. 32 Abs. 1 BV und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten 
Grundsatz "in dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis der Schuld zu 
vermuten, dass der wegen einer strafbaren Handlung Angeklagte unschuldig ist. 
Als Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime, dass sich der Strafrichter nicht 
von der Existenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhalts überzeugt 
erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung erhebliche und nicht zu unterdrü-
ckende Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (BGE 127 I 
38 E. 2.a; 120 Ia 31 E. 2). Als Beweislastregel besagt der Grundsatz, dass der 
Beschuldigte freizusprechen ist, wenn der Beweis seiner Schuld nicht erbracht 
werden kann (Niklaus Schmid/Daniel Jositsch, Handbuch des Schweizerischen 
Strafprozessrechts [zit. Handbuch], 3. Aufl., Zürich 2017, N 234). Die Beweiswür-
digung als solche wird vom Grundsatz der freien und umfassenden Beweiswürdi-
gung beherrscht: Nach Art. 10 Abs. 2 StPO würdigt das Gericht die Beweise frei 
nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung (vgl. BGE 
144 IV 345 E. 2.2.3.1; 141 IV 369 E. 6.1; 133 I 33 E. 2.1). Damit eine Verurteilung 
erfolgen kann, ist beim Richter zunächst eine persönliche Gewissheit hinsichtlich 
der Tatschuld notwendig. Es kann jedoch nicht verlangt werden, dass die Tat-
schuld unter allen Aspekten unwiderlegbar feststeht, da abstrakte und theoreti-
sche Zweifel immer möglich und kaum je ganz auszuräumen sind. Es genügt, 
wenn vernünftige Zweifel an der Schuld des Angeklagten ausgeschlossen werden 
können. Hingegen kann blosse Wahrscheinlichkeit für einen Schuldspruch nie 
genügen (vgl. BGE 144 IV 345 E. 2.1; Niklaus Schmid/Daniel Jositsch, Schweize-
rische Strafprozessordnung [StPO], Praxiskommentar [zit. Praxiskommentar], 
3. Aufl., Zürich 2018, N 6 zu Art. 10 StPO). Die Maxime der freien Beweiswürdi-
gung besagt, dass es keine Rangordnung der Beweise gibt. Vorausgesetzt, diese 
wurden ordnungsgemäss erhoben und sie sind verwertbar, sind sie gleichwertig. 
Die richterliche Autorität beruht nicht auf der äusseren, sondern alleine der inneren 
Autorität eines Beweismittels, bestehend aus dessen zwingend-überzeugender 
Kraft. Der Grundsatz in dubio pro reo besagt jedoch nicht, dass bei sich wider-
sprechenden Beweismitteln automatisch der für den Beschuldigten günstigere 
Beweis zu übernehmen wäre. In einer Aussage gegen Aussage-Konstellation ist 
indes eine besonders sorgfältige und überzeugende Beweiswürdigung erforderlich 
(vgl. Schmid/Jositsch, Handbuch, a.a.O., N 225 ff., insb. auch Fn 401 zu N 235).

5. Aussagewürdigung 

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5.1. Aussagewürdigung betreffend Geschlechtsverkehr

5.1.1. Das Prüfen der Glaubhaftigkeit von Beweisaussagen ist primär Sache der 
Gerichte (BGE 129 I 49 E. 4; 128 I 81 E. 2 mit Hinweisen). Zu prüfen ist, ob die 
Aussagen verständlich, zusammenhängend und glaubhaft sind. Ebenso ist abzu-
klären, ob sie mit den weiteren Beweisen in Einklang stehen (BGer 6B_354/2016 
v. 6.12.2016 E. 3.1 mit Hinweisen). Bedeutsam für die Wahrheitsfindung ist die 
Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage, die durch methodische Analyse ihres In-
halts darauf überprüft wird, ob die auf ein bestimmtes Geschehen bezogenen An-
gaben einem tatsächlichen Erleben des Zeugen entspringen. Damit eine Aussage 
als zuverlässig gewürdigt werden kann, ist sie insbesondere auf das Vorhanden-
sein von Realitätskriterien und umgekehrt auf das Fehlen von Phantasiesignalen 
zu überprüfen. Entscheidend ist, ob die aussagende Person unter Berücksichti-
gung der Umstände, ihrer intellektuellen Leistungsfähigkeit und der Motivlage eine 
solche Aussage auch ohne realen Erlebnishintergrund machen könnte. Metho-
disch wird die Prüfung in der Weise vorgenommen, dass das im Rahmen eines 
hypothesengeleiteten Vorgehens durch Inhaltsanalyse (aussageimmanente Qua-
litätsmerkmale, sogenannte Realkennzeichen) und Bewertung der Entstehungs-
geschichte der Aussage sowie des Aussageverhaltens insgesamt gewonnene Er-
gebnis auf Fehlerquellen überprüft und die persönliche Kompetenz der aussagen-
den Person analysiert werden. Dabei wird zunächst davon ausgegangen, dass die 
Aussage gerade nicht realitätsbegründet ist, und erst wenn sich diese Annahme 
(Nullhypothese) aufgrund der festgestellten Realitätskriterien nicht mehr halten 
lässt, wird geschlossen, dass die Aussage einem wirklichen Erleben entspricht 
und wahr ist (vgl. BGer 6B_1020/2021 v. 25.1.2022 E. 2.3.3; zu den wiederholt 
dargelegten Grundsätzen der Aussageanalyse vgl. BGE 133 I 33 E. 4.3; 129 I 49 
E. 5; 128 I 81 E. 2; vgl. weiter BGer 6B_751/2021 v. 27.8.2021 E. 1.1.2; 
6B_331/2020 v. 7.7.2020 E. 1.2; je mit Hinweisen). 

5.1.2. Betreffend den Ablauf des Geschlechtsverkehrs schilderte die Privatkläge-
rin im Untersuchungsverfahren, dass im Zimmer, in das der Beschuldigte sie ge-
schleift habe, sehr grelles Licht gewesen sei. Sie habe ständig auf diese Lampe 
gestarrt, die wie ein Fliegennetz ausgesehen habe. Im Zimmer habe der Beschul-
digte sie schnell ausgezogen und am Brustkorb festgehalten. Er habe all ihre Klei-
der ausgezogen und sie verbal mit dem Tod bedroht, wenn sie jetzt schreien wür-
de. Sie habe die ganze Zeit über geweint und habe "stark das Gefühl gehabt", 
dass sie in diesem Zimmer beobachtet oder gefilmt werde. Sie habe sich nicht zu 
wehren getraut, habe aber ständig geweint. Nachdem der Beschuldigte sie ausge-
zogen habe, habe er sie aufs Bett geworfen, sich ausgezogen und sei sofort auf 

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ihr gewesen. Er habe mit ihren Brüsten gespielt und sie fast abgeleckt. Er habe 
den Geschlechtsverkehr vollzogen und sei mit seinem Penis in ihre Vagina einge-
drungen. Er habe kein Kondom benutzt und der Akt habe nicht lange gedauert. 
Mehrheitlich sei er auf ihr draufgelegen, einmal habe er sie "wie mit einem Wurf" 
auf ihn "draufgezogen", so dass sie oben gesessen sei. Er sei in ihr "drin" zum 
Orgasmus gekommen (StA act. 4.6, Frage 4). Die Privatklägerin sprach auch da-
von, dass im Raum eine Kamera auf sie gerichtet gewesen sei, sie sich aber nicht 
getraut habe, in diese Richtung zu schauen. Sodann erzählte sie mehrfach, dass 
G._____ während des Geschlechtsverkehrs 2-3 Mal den Raum betreten und sie 
nackt gesehen habe (vgl. StA act. 4.6, Frage 4; StA act. 4.10, Frage 1; act. H.5, 
Frage 32). Im Untersuchungsverfahren hatte die Privatklägerin bzw. ihre Mutter 
noch angegeben, auch von G._____ vergewaltigt worden zu sein (StA act. 4.6, 
Frage 5). Auch der Untersuchungsbericht des IRM St. Gallen hält unter anderem 
die Aussage der Privatklägerin fest, wonach es "eventuell auch zu sexuellen 
Handlungen durch einen weiteren Mann gekommen" sei (StA act. 4.23, S. 2). 
Noch anlässlich der Berufungsverhandlung gab die Privatklägerin mehrmals an, 
nicht zu wissen, was G._____ im Raum, in welchem sie mit dem Beschuldigten 
Geschlechtsverkehr gehabt habe, genau gemacht habe, wobei sie den Vergewal-
tigungsvorwurf implizit aufrechterhielt (vgl. act. H.5, Fragen 32, 34, 37).

5.1.3. Der Beschuldigte schilderte ebenfalls Details zum Ablauf des Geschlechts-
verkehrs gemäss seiner Wahrnehmung. Anlässlich der Berufungsverhandlung gab 
er an, die Privatklägerin habe ihn im Gästezimmer fest umarmt und überall 
geküsst, auch habe sie ihre Kleider ausgezogen. Nachdem sie sich ausgezogen 
habe, habe sie sich aufs Sofa gelegt und er sich auf sie. Er habe sie gefragt, ob er 
aufhören solle, worauf sie geantwortet habe, nein, er solle weitermachen. Sie sei 
damit einverstanden gewesen. Nach dem Geschlechtsverkehr auf dem Bettsofa 
sei er auf die Toilette gegangen und danach zurück ins Zimmer, wo sich B._____ 
aufgehalten habe (vgl. act. H.4, V. Fragen 1, 15, 16, 19, 36). In der ersten polizei-
lichen Einvernahme erzählte der Beschuldigte in freier Rede, dass die Privatkläge-
rin und er sich im Zimmer gegenseitig im Brust- und Kopfbereich berührt hätten. 
Nach fünf bis zehn Minuten habe die Privatklägerin ihren Büstenhalter und die Ho-
se ausgezogen. Er habe sich mit Ausnahme der Boxershorts ebenfalls ausgezo-
gen und diese abgelegt. Er habe dann seinen Penis an der Scheide der Privatklä-
gerin gerieben. Sie hätten sich gegenseitig an den Geschlechtsteilen gerieben, er 
sei aber nicht in sie eingedrungen. Teilweise seien sie seitlich gelegen, teilweise 
sei er und teilweise sie oben gelegen, bis er zum Orgasmus gekommen sei. Er 
denke, dass er in dieser Phase seinen Penis an der Scheide von B._____ gehabt 
habe (StA act. 3.7, Frage 2). In der Konfronteinvernahme ergänzte er, dass er die 

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Privatklägerin gefragt habe, ob er aufhören solle, nachdem sie ihre Hosen ausge-
zogen habe. Er habe ihr auf Englisch gesagt "Stop that?", sie habe gesagt "Nein, 
weitermachen" und habe ihre Unterhose ausgezogen. Sie hätten dann weiterge-
macht. Als sie "fertig" gewesen seien, seien sie noch ca. 2 Minuten im Bett gele-
gen und hätten sich umarmt. Er sei dann auf die Toilette gegangen (StA act. 4.10, 
Frage 14). 

5.1.4. Sowohl die Schilderung der Privatklägerin als auch jene des Beschuldigten 
zum Ablauf des Geschlechtsverkehrs weisen verschiedene Realkennzeichen auf. 
Zu diesen Realkennzeichen zählen bspw. logische Konsistenz, quantitativer De-
tailreichtum, ungeordnete Darstellung, raumzeitliche Verknüpfungen, Interaktions-
schilderungen, Wiedergabe von Gesprächen, Schilderung von Komplikationen 
sowie von ausgefallenen Einzelheiten, die Schilderung von Nebensächlichkeiten 
und unverstandenen Handlungselementen, die Schilderung eigener psychischer 
Vorgänge und deliktspezifische Inhalte (vgl. Revital Ludewig/Sonja Bau-
mer/Daphna Tavor, Einführung in die Aussagepsychologie, in: Lu-
dewig/Baumer/Tavor [Hrsg.], Aussagepsychologie für die Rechtspraxis, Zwischen 
Wahrheit und Lüge, Zürich 2017, S. 46 ff.; Revital Ludewig/Daphna Tavor/Sonja 
Baumer, Wie können aussagepsychologische Erkenntnisse Richtern, Staatsan-
wälten und Anwälten helfen?, in: AJP 11/2011, S. 1424 f.). Das von der Privatklä-
gerin geschilderte "Werfen" auf das Bett, das Besteigen von ihr durch den Be-
schuldigten, das Spielen mit und Ablecken von ihren Brüsten durch den Beschul-
digten, das Eindringen in die Vagina und Nicht-Benützen eines Kondoms und die 
Schilderung, wonach der Akt nur kurz gedauert habe und er "in" ihr zum Orgas-
mus gekommen sei, stellen quantitative Details im Handlungsablauf dar. Auch die 
Erzählung, dass er sie "wie mit einem Wurf" auf ihn "draufgezogen" habe, so dass 
sie dann oben "gesessen" sei, stellt als ausgefallene Einzelheit ein Realkennzei-
chen dar. Ebenso weist die Schilderung des Beschuldigten auf einen realen Er-
lebnishintergrund hin. Der Beschuldigte schilderte gegenseitige Berührungen im 
Brust- und Kopfbereich, das Ausziehen ihrer Kleider, des Büstenhalters und der 
Unterhose durch die Privatklägerin, seine darauffolgende Frage, ob er aufhören 
solle ("Stop that?") und ihre verneinende Antwort. Diese Interaktionsschilderungen 
und Wiedergabe eines kurzen Gesprächs stellen ebenfalls Realkennzeichen dar. 
Die Erzählung des Beschuldigten weist darüber hinaus auch quantitative Details 
wie das gegenseitige Reiben an den Geschlechtsteilen und die verschiedenen 
Positionen während des Geschlechtsaktes auf. Der Beschuldigte gab des Weite-
ren zu, an der Scheide der Privatklägerin zum Orgasmus gekommen zu sein, wo-
mit er ein spezifisches Merkmal des stattgefundenen Geschlechtsverkehrs er-
wähnte. Auch sagte er aus, das erste Mal ungeschützten Geschlechtsverkehr ge-

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habt zu haben und die Privatklägerin danach gefragt zu haben, ob sie weiterma-
chen sollten (vgl. StA act. 4.8, Frage 2; StA act. 4.10, Frage 14). Dies sowie seine 
Aussage, dass sie "danach" noch etwa zwei Minuten auf dem Bett gelegen seien 
und sich umarmt hätten, stellen Nebensächlichkeiten dar, welche ebenfalls zu den 
Realkennzeichen zählen. 

Im Kerngeschehen weisen beide Schilderungen somit einen gewissen Detaillie-
rungsgrad auf. Vor dem Hintergrund, dass der Beschuldigte den Geschlechtsver-
kehr zugegeben hat (wobei er bis zuletzt relativierte, dieser sei "nur oberflächlich" 
gewesen) und der Sex gemäss den Aussagen beider Parteien auch stattgefunden 
hat, ist davon auszugehen, dass die soeben beschriebenen Aussagen beider Be-
teiligten zu den Einzelheiten des Sexualkontaktes aus ihrer Sicht durchaus je ei-
nem realen Erlebnishintergrund entspringen. Die geschilderten Details im Hand-
lungsablauf beider Personen sprechen mithin – unabhängig davon, ob der Sexu-
alverkehr seitens der Privatklägerin freiwillig war – durchaus für einen realen Er-
lebnishintergrund desselben. Dass der Beschuldigte jeweils betonte, mit seinem 
Penis nicht in die Vagina der Privatklägerin eingedrungen zu sein, sondern sich 
nur an dieser gerieben zu haben bzw. nur oberflächlichen Sex mit der Privatkläge-
rin gehabt haben, ist wenig glaubhaft, nachdem aus dem IRM-Gutachten hervor-
geht, dass an der hinteren Scheidewand zahlreiche unbewegliche Spermien des 
Beschuldigten sichergestellt werden konnten, die eine entsprechende Penetration 
belegen. Unklar blieb, was der Beschuldigte mit "oberflächlich" genau meinte. Ob 
er damit nur ein "leichtes" Eindringen mit dem vorderen Teil des Penis statt mit 
dem gesamten Schaft meinte oder tatsächlich nur ein äusseres "Reiben" an den 
äusseren Geschlechtsteilen der Privatklägerin, bleibt – auch angesichts von mög-
lichen Übersetzungsschwierigkeiten vom Arabischen ins Deutsche oder möglichen 
kulturellen Hintergründen wie einer gewissen kulturell bedingten Scham – offen. 
Immerhin sprach er selber an der Berufungsverhandlung davon, dass es zum Ge-
schlechtsverkehr gekommen sei, wenn es auch "nur ein oberflächlicher, nicht 
hundertprozentiger Geschlechtsverkehr" gewesen sei (act. H.4, V. Frage 1). Was 
der Beschuldigte daraus zu seinen Gunsten ableiten wollte, blieb ebenfalls unklar, 
nachdem für die Erfüllung des Tatbestands der Vergewaltigung bereits ein vorü-
bergehendes Einführen des Gliedes in die Scheide des Opfers bzw. sogar bloss in 
den Vorhof genügt (vgl. Trechsel/Bertossa, a.a.O., N 4 zu Art. 190 StGB; Do-
natsch, a.a.O., S. 541). Da aber mit den aufgefundenen Spermien an der hinteren 
Scheidewand der Privatklägerin ein objektiver Beweis für eine Penetration vorliegt, 
steht jedenfalls fest, dass der Beschuldigte – entgegen seiner Aussage – mit sei-
nem Penis in die Scheide der Privatklägerin eingedrungen ist. Fraglich ist jedoch, 
ob der Geschlechtsverkehr wie von der Privatklägerin geäussert gegen deren Wil-

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len stattgefunden hat und bzw. ob sie ihren ablehnenden Willen dem Beschuldig-
ten gegenüber zum Ausdruck gebracht hat. 

5.2. Aussagewürdigung betreffend Drohung

5.2.1. Vorliegend steht das Nötigungsmittel der Drohung von Art. 190 Abs. 1 StGB 
im Vordergrund. Die Privatklägerin führte bei der polizeilichen Einvernahme vom 
3. September 2017 aus, der Beschuldigte habe alle ihre Kleider ausgezogen und 
sie dann verbal mit dem Tod bedroht, wenn sie jetzt schreien würde (StA act. 4.6, 
Fragen 4 und 13). In derselben Einvernahme sagte sie aus, der Beschuldigte habe 
einfach gesagt, dass sie sich nicht wehren dürfe, weil er sie sonst umbringen wür-
de (StA act. 4.6, Frage 21). In der neun Tage später stattfindenden Konfrontein-
vernahme vor der Staatsanwaltschaft sprach die Privatklägerin davon, dass der 
Beschuldigte sie an der Schulter gepackt habe und zu ihr gesagt habe, er bringe 
sie um. Er habe vorher und nachher auch noch etwas gesagt, das sie nicht ver-
standen habe. Er habe "gebrochen Deutsch" geredet (StA act. 4.10, Frage 1). Be-
reits in dieser Einvernahme erwähnte die Privatklägerin das noch in der ersten 
Einvernahme an die Todesdrohung geknüpfte Verhalten (der Beschuldigte habe 
geäussert, er bringe sie um, wenn sie schreien bzw. sich wehren würde), nicht 
mehr. Dies erscheint zumindest insofern erstaunlich, als dass grundsätzlich zu 
erwarten wäre, dass der Wortlaut der (gesamten) Todesdrohung nach neun Tagen 
erinnerlich bliebe und nicht einfach nur die vier Worte für sich, ohne das daran 
geknüpfte Verhalten ("ich bringe dich um, wenn du schreist" bzw. "wenn du dich 
wehrst"). Auch an der gut viereinhalb Jahre später stattfindenden Berufungsver-
handlung sprach die Privatklägerin nur noch davon, dass der Beschuldigte zu ihr 
gesagt habe "ich bringe dich um", nicht aber, welche Verhaltensweisen er damit 
sanktionieren wollte. 

5.2.2. Im Kontrast zu ihren Aussagen im Untersuchungsverfahren, wo die Todes-
drohung nach dem Ausziehen der Privatklägerin durch den Beschuldigten geäus-
sert worden sein soll, sagte sie in der Berufungsverhandlung erstmals aus, die 
Todesdrohung sei sofort gekommen, nachdem der Beschuldigte die Türe zuge-
macht und das Licht angemacht hatte (vgl. StA act. 4.6, Frage 4; act. H.5, Fragen 
9, 14, 20). Diese Diskrepanz in der zeitlichen Darstellung der Todesdrohung könn-
te der seit der Tat verstrichenen Zeit geschuldet sein, ist aber dennoch bemer-
kenswert, da der Zeitpunkt der von ihr behaupteten Drohung damit im Wider-
spruch zur ersten Aussage der Privatklägerin steht. 

5.2.3. An der Berufungsverhandlung sagte die Privatklägerin zudem erstmals aus, 
"Todesangst" gehabt zu haben, was unter dem Gesichtspunkt, dass sie dies 

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während des gesamten Untersuchungsverfahrens nie geäussert hatte, auf eine 
gewisse Aggravation im Zeitverlauf hindeutet und die Glaubhaftigkeit dieser Aus-
sage schmälert. Damit erscheint jedenfalls fraglich, ob die Privatklägerin im Zeit-
punkt der zur Beurteilung stehenden Tat tatsächlich Todesangst gehabt hatte, 
wären doch derart starke Gefühlsäusserungen im Rahmen der Erstaussage zu 
erwarten und nicht erst knapp vier Jahre nach der Tat. 

5.2.4. Zur Frage, wie sich die Privatklägerin und der Beschuldigte verständigt hät-
ten, gab erstere an, sie habe mit dem Beschuldigten gebrochen Deutsch und Eng-
lisch gesprochen (StA act. 4.10, Frage 12) bzw. dieser habe gebrochen Deutsch 
gesprochen (StA act. 4.6, Frage 2). Der Beschuldigte sagte dagegen aus, kein 
Deutsch zu verstehen oder sprechen zu können. Er habe sich mit der Privatkläge-
rin ein bisschen auf Englisch bzw. in einem Mix aus den Sprachen Französisch 
und Englisch unterhalten (StA act. 4.10, Fragen 14, 16; act. H.4. V. Frage 8). An-
lässlich der Berufungsverhandlung äusserte die Privatklägerin denn auch mehr-
fach, dass der Beschuldigte zu ihr gesagt habe "ich bringe dich um", nicht jedoch, 
in welcher Sprache er dies getan habe (vgl. act. H.5, Fragen 9, 14, 19, 20). Sie 
gab nur an, der Beschuldigte habe davor und danach etwas gesagt, das sie nicht 
verstanden habe, und dazwischen den Satz "ich bringe dich um" (vgl. act. H.5, 
Fragen 9, 14). Damit bestätigte sie ihre gleichlautende Aussage aus der Konfron-
teinvernahme (vgl. StA act. 4.10, Frage 1). Aus ihren Aussagen an der Berufungs-
verhandlung geht hingegen nicht hervor, ob die von ihr geschilderte Todesdrohung 
in "gebrochenem Deutsch" oder in einem Mix aus Englisch, Französisch und "ge-
brochenem Deutsch" erfolgt sein soll. Sie gab lediglich zu Protokoll, der Beschul-
digte habe sich mit ihr in einem "Wirrwarr" zwischen Englisch, Französisch und 
"gebrochen Deutsch" unterhalten, es sei eine "Mischung" gewesen, sie könne es 
nicht genau sagen (vgl. act. H.5, Frage 7). Immerhin kann aus ihren Aussagen im 
Untersuchungsverfahren geschlossen werden, dass die Todesdrohung wohl in 
gebrochenem Deutsch erfolgt sein soll (vgl. StA act. 4.10, Frage 1).

5.2.5. Der Beschuldigte bestreitet, dass er die Privatklägerin mit dem Tod bzw. 
überhaupt bedroht haben soll. Er sagte vielmehr aus, es sei alles freiwillig und "in 
der Liebe" geschehen (vgl. act. H.4, V. Frage 19). Der aus Algerien stammende 
und dort wohnende Beschuldigte sagte über sich selbst, dass er weder Deutsch 
verstehe noch spreche, was auch von den beiden Auskunftspersonen bestätigt 
wurde. So sagte E._____ aus, sie habe den Beschuldigten noch im Gästezimmer 
darauf angesprochen, dass er die Privatklägerin gemäss deren Aussage verge-
waltigt haben solle. Er habe sie jedoch nicht verstanden, da er nur Englisch und 
Arabisch spreche (StA act. 4.5, Frage 16). Auch G._____ gab zu Protokoll, dass 

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der Beschuldigte Arabisch, Französisch und etwas Englisch spreche, Deutsch 
könne er nicht (StA act. 4.10, Frage 24). Der Beschuldigte wurde im Untersu-
chungsverfahren über einen Dolmetscher teilweise auf Französisch und teilweise 
auf Arabisch befragt; vor dem Berufungsgericht wurde er über einen Dolmetscher 
in der arabischen Sprache befragt (vgl. StA act. 3.7; StA act. 4.8; StA act. 4.10; 
act. H.4).

5.2.6. Die Aussage der Privatklägerin im Untersuchungsverfahren, wonach die 
Todesdrohung in gebrochenem Deutsch erfolgt sein soll (obwohl der Beschuldigte 
gar kein Deutsch spricht) bzw. die Tatsache, dass sie die vom Beschuldigten bei 
der Drohung gesprochene Sprache nicht klar benennen und wiedergeben konnte, 
sowie ihre in den drei Einvernahmen unterschiedliche Darstellung des genauen 
Wortlauts und des Zeitpunkts der Todesdrohung wecken zumindest Zweifel am 
tatsächlichen Erlebnishintergrund derselben. Bei einem realen Erleben einer To-
desdrohung wie der vorliegenden ("Ich bringe dich um, wenn du schreist") wäre zu 
erwarten, dass die verwendete Sprache als qualitatives Detail der erlebten Todes-
drohung wiedergegeben würde, bzw., dass die angebliche Sprache, in welcher die 
Todesdrohung erfolgt sein soll, mit den vom Beschuldigten beherrschten Spra-
chen übereinstimmen würde. Ebenso wäre zu erwarten, dass der genaue Inhalt 
der Drohung ("Ich bringe dich um, wenn du schreist", vgl. StA act. 4.6, Frage 4) 
bzw. ("Ich bringe dich um, wenn du dich wehrst", vgl. StA act. 4.6, Frage 21) bzw. 
nur ("Ich bringe dich um", vgl. StA act. 4.10, Frage 1; act. H.5, Fragen 9, 14) 
gleichbleibend wiedergegeben würde. Gleiches gilt für die Schilderung, ob diese 
Todesdrohung sogleich beim Eintreffen im Zimmer oder erst nach dem Ausziehen 
der Kleider erfolgt sein soll. Schliesslich hat die behauptete Todesdrohung die Pri-
vatklägerin angeblich derart widerstandsunfähig gemacht, dass sie sich nicht ge-
gen den Geschlechtsverkehr wehrte und auch nicht um Hilfe schrie, obwohl sich in 
den Nebenräumen zwei andere Frauen aufhielten, die ihr hätten zur Hilfe eilen 
können. Mithin scheint die von der Privatklägerin geäusserte Drohung seitens des 
Beschuldigten von einer derart grossen Intensität gewesen zu sein, dass sie sich 
nicht im Geringsten zu wehren getraute, womit erst recht zu erwarten wäre, dass 
die Privatklägerin die Modalitäten der Drohung im Detail zu wiedergeben in der 
Lage sein müsste. Daran ändert, entgegen der Auffassung der Vorinstanz, auch 
der Blutalkoholspiegel der Privatklägerin von 1.7‰ nichts. Zwar hält das IRM-
Gutachten fest, ein solcher Gewichtsgehalt sei zwanglos geeignet, die von der 
Privatklägerin beschriebenen Erinnerungslücken zu erklären (StA act. 4.23). Die 
Privatklägerin hatte jedoch nicht geltend gemacht, sich an die Todesdrohung nicht 
erinnern zu können (vgl. StA act. 4.6, Fragen 4, 13, 15, 21; StA act. 4.10, Fragen 
1, 7; act. H.5, Fragen 9, 14). Es ist damit entgegen der Vorinstanz (vgl. act. B.1, 

20 / 29

E. 3.5.1) nicht davon auszugehen, dass die Privatklägerin sich nicht mehr an die 
genauen Modalitäten und Sprache der Todesdrohung hätte erinnern können, die 
sie immerhin so sehr eingeschüchtert haben soll, dass sie sich danach nicht mehr 
zu wehren getraut hat.

5.2.7. Hinzu kommt, dass die Privatklägerin den Beschuldigten den ganzen Abend 
hindurch geküsst und mit ihm "herumgemacht" hatte und nach dem Aufenthalt auf 
dessen Schoss im Wohnzimmer mit diesem freiwillig und küssend ins Gästezim-
mer gegangen ist (vgl. dazu oben, E. 3.1.1 f.). Es würde einen regelrechten Bruch 
im Verhalten des Beschuldigten darstellen, wenn dieser nach dem einvernehmli-
chen Küssen und Streicheln der Privatklägerin plötzlich die Türe zuknallen und sie 
mit dem Tod bedrohen würde, nachdem die beiden bisher einvernehmlich die 
Nacht miteinander genossen hatten. Vielmehr ist lebensnah davon auszugehen, 
dass das gegenseitige Küssen und Betasten auch nach dem Schliessen der Türe 
weitergegangen ist. Der von der Privatklägerin geschilderte Bruch im Handlungs-
ablauf erscheint auch vor diesem Hintergrund nicht überzeugend bzw. weckt zu-
mindest Zweifel an der Glaubhaftigkeit der von ihr geschilderten Nötigungshand-
lung. Sodann lassen die (widerlegten) Übertreibungen der Privatklägerin, wie sie 
sie für die Phase vor und nach dem Geschlechtsverkehr geschildert hatte (der Be-
schuldigte habe sie gegen ihren Willen ins Zimmer "geschleift" bzw. er habe sie 
beim Verlassen des Hauses mehrmals "in den Schwitzkasten genommen") auch 
Zweifel an ihrer Aussage zum Ablauf des Geschlechtsverkehrs selbst und insbe-
sondere an der von ihr geschilderten Todesdrohung entstehen. Dass die Privat-
klägerin zu Übertreibungen und Dramatisierungen neigt, zeigt auch ihre noch an 
der Berufungsverhandlung wiederholte Aussage, wonach G._____ 2-3 Mal im 
Zimmer gewesen sei und sie sich nicht sicher sei, was dieser dort gemacht habe 
(vgl. E. 5.1.2; act. H.5, Fragen 32, 37). Dies wurde weder von G._____ noch von 
E._____ je bestätigt und erscheint daher äusserst fraglich. Gleiches gilt für ihre 
Aussagen im Untersuchungsverfahren, wonach sie von zwei Männern vergewaltigt 
worden sein soll, wobei sie daran auch anlässlich der Berufungsverhandlung im-
plizit festhielt, indem sie äusserte, dies sei "gut möglich" und sie wisse bis heute 
nicht, was dieser dort getan habe (vgl. act. H.5, Frage 34; vgl. auch E. 5.1.2). Der 
Vergewaltigungsvorwurf an die Adresse von G._____ wurde von keiner der anwe-
senden Personen bestätigt und das gegen ihn geführte Strafverfahren sogar 
rechtskräftig eingestellt (vgl. StA act. 1.25). Die abgebildeten Übertreibungen der 
Privatklägerin wirken sich allesamt negativ auf die Glaubhaftigkeit ihrer Darstel-
lung betreffend die Nötigungshandlung des Beschuldigten aus und lassen berech-
tigte Zweifel an deren Erlebnishintergrund entstehen.

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5.3. Aussagewürdigung betreffend ablehnenden Willen

5.3.1. Die Privatklägerin äusserte, die vom Beschuldigten ausgestossene Todes-
drohung habe sie derart eingeschüchtert, dass sie sich nicht gewehrt und nicht 
geschrien habe (vgl. StA act. 4.10, Fragen 4, 13, 15; StA act. 4.10, Fragen 7, 8). 
Sie begründete ihre unterlassenen Hilferufe damit, dass er zu ihr gesagt habe, 
dass er sie töten würde, wenn sie schreien würde (StA act. 4.6, Frage 13). Sowohl 
die Tatmittel der Drohung als auch die Nötigung sind an einem objektiven Mass-
stab zu messen, womit nur Androhungen ausreichen, die geeignet sind, auch eine 
besonnene Person in der Lage des Betroffenen gefügig zu machen (vgl. BGE 122 
IV 325 E. 1; 120 IV 17 E. 2a/aa). Zwar ist eine Todesdrohung durchaus geeignet, 
jemanden entgegen dessen Willen zum Beischlaf gefügig zu machen. Dennoch ist 
es aus Sicht eines besonnenen Dritten schwer nachvollziehbar, weshalb die Pri-
vatklägerin nicht wenigstens geschrien hat, nachdem im Nebenraum Hilfe erhält-
lich gewesen wäre. Immerhin wurde von der Privatklägerin keinerlei mit der Dro-
hung verbundene Gewaltanwendung seitens des Beschuldigten (an den Hals grei-
fen oder dergleichen) geschildert, die nach der allgemeinen Lebenserfahrung ge-
eignet gewesen wäre, die Ernsthaftigkeit der Todesdrohung zu unterstreichen und 
die Privatklägerin zu einem gefügigen Verhalten zu veranlassen (vgl. auch StA 
act. 4.6, Frage 15, wonach der Beschuldigte sie nicht mit Gegenständen bedroht 
habe, sondern nur verbal). Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die 
Privatklägerin in keiner Einvernahme irgendwelche Abwehrbemühungen oder Wil-
lensbekundungen ihrerseits schilderte, die gezeigt hätten, dass sie mit dem Bei-
schlaf des Beschuldigten nicht einverstanden gewesen wäre. Sie gab lediglich an, 
sofort nach der angeblichen Todesdrohung zu weinen begonnen zu haben und 
dies die ganze Zeit während des Geschlechtsverkehrs gemacht zu haben, bis "es" 
fertig gewesen sei (vgl. E. 3.2.2.; 5.1.2). Der Beschuldigte bestritt dagegen, dass 
die Privatklägerin während des Sexualverkehrs geweint habe, dies habe sie erst 
"ein bisschen" getan, als er von der Toilette zurückgekommen sei (act. H.4, 
V. Fragen 26, 27). Damit ist ein Weinen der Privatklägerin während des Aktes 
zwar nicht widerlegt, aber auch nicht ohne weiteres erwiesen. Andere Willensbe-
kundungen, dass sie den Geschlechtsverkehr mit dem Beschuldigten nicht gewollt 
habe, schilderte die Privatklägerin jedoch nicht, so dass – wie bereits ausgeführt – 
unklar bleibt, weshalb sie der Beschuldigte überhaupt bedroht haben soll. Dass sie 
den Geschlechtsverkehr zu Beginn (oder im Verlaufe desselben) bspw. aufgrund 
groben Vorgehens des Beschuldigten (vgl. die Aussage, er habe sie während des 
Aktes "wie mit einem Wurf" auf ihn "draufgezogen", StA act. 4.6, Frage 4) oder aus 
anderen Gründen plötzlich innerlich nicht mehr gewollt bzw. während des Aktes 
ein Gefühlsumschwung bei ihr stattgefunden haben könnte, ist zwar durchaus 

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denkbar, würde jedoch nicht als unmissverständlich zum Ausdruck gebrachte ne-
gative Willensbekundung im Sinne der Rechtsprechung ausreichen. 

5.3.2. Dennoch ist ein Stimmungsumbruch bei der Privatklägerin nicht von der 
Hand zu weisen, nachdem selbst der Beschuldigte an der Berufungsverhandlung 
zugegeben hat, dass die Privatklägerin nach dem stattgefundenen Geschlechts-
verkehr "ein bisschen" geweint habe, nachdem er von der Toilette zurückgekom-
men sei (act. H.5, V. Fragen 26, 27). Der Beschuldigte bestritt zwar die Aussage 
der Privatklägerin, wonach diese "seit Beginn der Drohung" und den ganzen Akt 
hindurch geweint habe (StA act.4.6, Frage 4; act. H.5, Frage 14). Sein Zugeständ-
nis, dass dies nach dem stattgefundenen Geschlechtsverkehr "ein bisschen" der 
Fall gewesen sei, legt aber nahe, dass ein Stimmungswandel bei der Privatkläge-
rin stattgefunden hatte. Dies wird auch durch die Aussagen von E._____ gestützt, 
die ebenfalls aussagte, die Privatklägerin sei nackt weinend auf dem Bettrand ge-
sessen, als sie ins Zimmer gekommen sei. Auch habe die Privatklägerin beim Ver-
lassen der Wohnung mit dem Beschuldigten gelacht, zwischendurch aber auch 
geweint (vgl. E. 3.3.1). Dass die Privatklägerin den Geschlechtsverkehr mit dem 
Beschuldigten als belastendes Ereignis erlebt hat, erscheint auch vor dem Hinter-
grund der eingereichten Strafanzeige und der von ihr an der Berufungsverhand-
lung geschilderten (bei ihr offenbar) diagnostizierten posttraumatischen Belas-
tungsstörung als glaubhaft (vgl. act. H.5, Frage 41). 

5.3.3. Weiter spricht der Umstand, dass die Privatklägerin unmittelbar nach dem 
stattgefundenen Geschlechtsverkehr gegenüber E._____ äusserte, sie sei vom 
Beschuldigten vergewaltigt worden, aufgrund der Unmittelbarkeit der Äusserung 
grundsätzlich für die Glaubhaftigkeit des Vorwurfs. Gleichzeitig ist es durchaus 
denkbar, dass die Privatklägerin sich nach dem ungeschützten Geschlechtsver-
kehr mit dem Beschuldigten geschämt haben könnte, wie das E._____ vermutete, 
als sie nackt auf dem mit Sperma besäten Bettsofa sass und in diesem Zustand 
von G._____ sowie E._____ gesehen wurde (dazu E. 3.3.1 sowie StA act. 4.5, 
Frage 12; StA act. 4.9, Fragen 5, 7, 10), sie den Akt mithin im Nachhinein bereut 
haben könnte. Ebenso denkbar wäre, dass die Privatklägerin einem allfälligen Ge-
fühls- und Stimmungsumschwung während des Aktes unmittelbar danach verbal 
mit dem Vorwurf der Vergewaltigung Gestalt verliehen haben könnte. Auf jeden 
Fall vermag der gegenüber E._____ geäusserte Vergewaltigungsvorwurf zulasten 
des Beschuldigten nichts daran zu ändern, dass ein ablehnender Wille seitens der 
Privatklägerin für den Beschuldigten hätte erkennbar sein müssen. Da dieser je-
doch stets bestritt, dass die Privatklägerin während des Geschlechtsverkehrs ge-
weint haben soll, erscheint letzteres zumindest fraglich. 

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5.3.4. Hatte der Beschuldigte im Untersuchungsverfahren noch bestritten, dass 
die Privatklägerin überhaupt geweint habe, differenzierte er diesbezüglich in der 
Berufungsverhandlung. Zwar bestritt er weiterhin, dass die Privatklägerin während 
des Geschlechtsverkehrs geweint habe, bejahte dies aber für die Phase nach dem 
Geschlechtsverkehr. Gerade dies spricht aber für die Glaubhaftigkeit seiner Aus-
sage, wäre doch eine solche potentielle Selbstbelastung bei einer Falschaussage 
grundsätzlich nicht zu erwarten bzw. hätte der Beschuldigte weiterhin (wider-
spruchslos) den Standpunkt vertreten können, dass die Privatklägerin nicht ge-
weint habe. Andererseits bestehen bei den Aussagen der Privatklägerin verschie-
dene Fragezeichen in Bezug auf die von ihr behauptete Rolle von G._____ (dieser 
sei während dem Sex 2-3 Mal im Zimmer gewesen) und weitere von ihr geschil-
derten Begebenheiten (im Zimmer sei eine Kamera gewesen, die sie aber nicht 
gesehen habe, da der Beschuldigte ihr gesagt habe, sie dürfe nicht auf diese Seite 
schauen; sie hege den Verdacht, beim Sex gefilmt bzw. beobachtet worden zu 
sein; vgl. E. 5.1.2; StA act. 4.6, Frage 4). All diese Aussagen wurden von keiner 
der Auskunftspersonen bestätigt und erscheinen äusserst fraglich (vgl. auch 
E. 5.2.7). Aufgrund der geschilderten Unstimmigkeiten sowie des Aussageverhal-
tens des Beschuldigten kann auf die Aussage der Privatklägerin, wonach sie 
während des Geschlechtsverkehrs die ganze Zeit über geweint habe, nicht ohne 
weiteres abgestellt werden. Damit kann auch nicht erstellt werden, dass sich der 
Beschuldigte über den erkennbaren Willen der Privatklägerin hinwegsetzte.

5.4. Zwischenfazit

5.4.1. Der erkennenden Kammer verbleiben nach dem Ausgeführten gewichtige 
Zweifel daran, dass der Beschuldigte die Privatklägerin mit dem Tod bedroht ha-
ben soll, um diese zum Geschlechtsverkehr mit ihm gefügig zu machen. Ebenso 
kann nicht ohne Verbleiben von vernünftigen Zweifeln erstellt werden, dass die 
Privatklägerin ihren negativen Willen zum Geschlechtsverkehr mit dem Beschul-
digten (vor oder während des Aktes) gegenüber diesem klar und deutlich zum 
Ausdruck gebracht hatte. 

5.4.2. Ebenso wenig konnte eine Gewaltanwendung seitens des Beschuldigten 
belegt werden. Die körperliche Untersuchung der Privatklägerin ergab das Vor-
handensein von fleckförmigen Hautrötungen bzw. –unterblutungen an der Brust-
haut, die Folge einer stumpfen Gewalteinwirkung gegen die betroffene Region 
darstellten. Im Gutachten des IRM St. Gallen wird dazu festgehalten, dass die Pri-
vatklägerin zur Entstehung der Verletzungen keine Angaben machen konnte. Fer-
ner wurde eine blasenartige Läsion am linken Zeigefinger festgestellt, welche 
gemäss Angabe der Privatklägerin durch eine Verbrennung mit einem Zigaretten-

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stummel hervorgerufen worden sei. Auf der Rückenhaut fanden sich eine ritze ar-
tige Hautläsion im mittleren und unteren Rückenbereich, über deren Entstehung 
die Privatklägerin ebenfalls keine Angaben machen konnte. Gemäss Gutachten 
könnten alle Verletzungen dem fraglichen Ereignis zeitlich zwanglos zugeordnet 
werden (vgl. StA act. 4.23). Die Privatklägerin behauptete nicht, dass die aufge-
fundenen Verletzungen durch den Beschuldigten hervorgerufen worden seien. 
Auch schilderte sie keine Gewalteinwirkung seitens des Beschuldigten ("Ich wurde 
nicht geschlagen", vgl. StA act. 4.6, Frage 12), ausser, dass er sie aufs Bett ge-
stossen habe, indem er gegen ihren Brustkorb gedrückt habe (act. H.5, Frage 14). 
Nach dem Ausgeführten ist nicht ersichtlich, inwiefern die bei der Privatklägerin 
vorhandenen Verletzungen mit dem Geschlechtsverkehr unmittelbar in Verbin-
dung stehen bzw. ob diese nicht bereits vorher entstanden sein könnten, z.B. als 
die Privatklägerin (gemäss Aussage von E._____) vom Schoss des Beschuldigten 
gefallen war oder bei einem allfälligen Ausgreifen an die Brüste der Privatklägerin 
während oder vor dem Geschlechtsverkehr. Aus dem Gutachten geht zudem her-
vor, dass die Privatklägerin keine Verletzungen des äusseren oder inneren Genita-
les, der Perianalregion oder des Anus aufwies, die auf eine gewaltsame Penetrati-
on hinweisen würden (StA act. 4.23).

5.5. Gesamtwürdigung

Zusammengefasst verbleiben der erkennenden Kammer unter Würdigung der ge-
samten Umstände nicht zu unterdrückende Zweifel daran, dass der Beschuldigte 
die Todesdrohung gegenüber der Privatklägerin geäussert und diese auf diese 
Weise dazu gebracht haben soll, den Beischlaf mit ihm widerstandslos zu dulden. 
Wenn die von der Privatklägerin behaupteten Todesdrohung seitens des Beschul-
digten aber nicht als erwiesen gilt bzw. wegfällt, gibt es keine vernünftige Er-
klärung dafür, warum sich die Privatklägerin gegen den Geschlechtsverkehr mit 
dem Beschuldigten, der gegen ihren Willen stattgefunden haben soll, nicht ge-
wehrt hat. In Anwendung der Beweiswürdigungs- und Beweislastregel in dubio pro 
reo ist der Beschuldigte damit von Schuld und Strafe freizusprechen. 

6. Zivilklage

6.1. Nach Art. 126 Abs. 1 StPO entscheidet das Gericht über die anhängig ge-
machte Zivilklage, wenn es die beschuldigte Person freispricht und der Sachver-
halt spruchreif ist (Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO). Dagegen verweist es die Zivilklage 
auf den Zivilweg, wenn die beschuldigte Person freigesprochen wird, der Sach-
verhalt aber nicht spruchreif ist (Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO). Entgegen der früheren 
Regelung in vielen Kantonen und von aArt. 38 OHG verlangt der Gesetzgeber seit 

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1. Januar 2011 nach Möglichkeit auch im Falle eines Freispruchs eine materielle 
Entscheidung der Zivilklage. Allerdings soll das Strafgericht die Zivilklage nur ent-
scheiden müssen, wenn die Sache spruchreif ist, d.h. über den Zivilanspruch ohne 
Weiterungen auf Grund der im bisherigen Verfahren gesammelten Beweise ent-
schieden werden kann. Beweiserhebungen für die Zivilklage muss das Gericht im 
Falle eines Freispruchs keine mehr tätigen (vgl. Annette Dolge, in: Nigg-
li/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar Schweizerische Strafprozessord-
nung/Jugendstrafprozessordnung, 2. Aufl., Basel 2014, N 19 zu Art. 126 StPO). 
Der Prozess zwischen Zivilklägerschaft und beschuldigter Person soll nicht auf 
dem Zivilweg weitergeführt werden, wenn die Situation bereits im Strafverfahren 
klar ist. Die Bestimmung dient insofern den Interessen der beschuldigten und der 
geschädigten Person, der Rechtssicherheit und dem Rechtsfrieden (vgl. Viktor 
Lieber, in: Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar zur Schweize-
rischen Strafprozessordnung StPO, Art. 1-195 StPO, 3. Aufl., Zürich 2020, N 7 zu 
Art. 126 StPO). Die Zivilklägerschaft trägt wie im Zivilprozess die (objektive) Be-
weislast (Art. 8 ZGB) für alle anspruchsbegründenden Tatsachen (vgl. Art. 41 ff. 
OR). Damit trägt sie auch die Folgen der Beweislosigkeit. Allerdings sind diese im 
Adhäsionsprozess insofern gemildert, als einerseits die zum Schuldpunkt ermittel-
ten Ergebnisse von Amtes wegen zu berücksichtigen sind und andererseits bei 
ungenügender Begründung des Sachverhalts keine Klageabweisung, sondern 
lediglich die Verweisung auf den Zivilweg droht. Doch sind auch die Interessen der 
beschuldigten Partei an einem definitiven Entscheid über die Zivilklage zu beach-
ten. Hat es die geschädigte Partei versäumt, ihren Schaden rechtsgenüglich 
nachzuweisen und ist der Fall spruchreif, muss auf dieser Grundlage ein materiel-
ler Entscheid gefällt werden (Dolge, a.a.O., N 25 zu Art. 122 StPO). Ist die Zivil-
klage dagegen noch nicht spruchreif, ist sie auf den Zivilweg zu weisen. Das ist 
gegeben, wenn zwar rechtzeitig Beweisanträge eingereicht wurden, das Beweis-
verfahren aber noch durchgeführt werden müsste. Wurden keine Beweisanträge 
gestellt und ist die Klage beziffert und substantiiert, ist die Spruchreife erreicht 
(Dolge, a.a.O., N 42 zu Art. 126 StPO).

6.2. Die Privatklägerin stellte den Antrag auf Zusprechung einer Genugtuung in 
Höhe von CHF 10'000.00, eventuell "wie viel mehr" (act. A.7). Art. 47 OR be-
stimmt, dass der Richter bei Tötung eines Menschen oder Körperverletzung dem 
Verletzten oder den Angehörigen des Getöteten unter Würdigung der besonderen 
Umstände eine angemessene Geldsumme als Genugtuung zusprechen kann. Die 
Genugtuung bezweckt den Ausgleich für erlittene Unbill, indem das Wohlbefinden 
anderweitig gesteigert oder die Beeinträchtigung erträglicher gemacht wird (BGE 
132 II 117 E. 2.2.2). Genugtuung kann beanspruchen, wer durch einen widerrecht-

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lichen Eingriff immaterielle Unbill erlitten hat. Als Norm für die Bemessung der 
Leistungspflicht eines Haftpflichtigen kommt Art. 47 OR jedoch nur zum Tragen, 
wenn die Haftungsvoraussetzungen einer Haftpflichtnorm – mit Ausnahme des 
Schadens – gegeben sind. Stets vorausgesetzt für einen Genugtuungsanspruch 
sind somit die Widerrechtlichkeit der Tötung oder Körperverletzung (Abwesenheit 
von Rechtfertigungsgründen) sowie ein adäquater Kausalzusammenhang zwi-
schen der Handlung des Haftpflichtigen, der Tötung oder Körperverletzung und 
der immateriellen Unbill. Erforderlich ist im Weiteren das Vorliegen von Verschul-
den (vgl. Martin A. Kessler, in: Widmer Lüchinger/Oser [Hrsg.], Basler Kommentar 
Obligationenrecht I, 7. Aufl., Basel 2019, N 14 f. zu Art. 47 OR). 

6.3. Über den von der Privatklägerin beantragten Genugtuungsanspruch kann 
ohne Weiterungen auf Grund des Ergebnisses des vorliegenden Strafverfahrens 
entschieden werden; der Sachverhalt ist spruchreif. Da ein Freispruch ergeht, erü-
brigen sich weitergehende Beweiserhebungen für die Zivilklage. Da der objektive 
(und subjektive) Tatbestand der Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 StGB 
nicht erfüllt ist, sind sämtliche Voraussetzungen für die Zusprechung einer Genug-
tuung an die Privatklägerin (Körperverletzung, Widerrechtlichkeit, Kausalzusam-
menhang und Verschulden) nicht gegeben (vgl. Art. 47 OR). Demnach ist die Zi-
vilklage gestützt auf Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO abzuweisen.

7. Kosten

7.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Kosten zulasten des Staa-
tes (Art. 426 Abs. 1 StPO e contrario i.V.m. Art. 423 StPO). Somit gehen die Un-
tersuchungskosten von vorliegend CHF 7'638.00, die Teil der Verfahrenskosten 
bilden (Art. 422 Abs. 1 StPO), zulasten des Kantons Graubünden (Staatsanwalt-
schaft). Die Gerichtskosten des erstinstanzlichen Verfahrens von CHF 6'000.00 
gehen ebenfalls zulasten des Kantons Graubünden (Regionalgericht Plessur). 
Dasselbe gilt für die Kosten der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung der Privat-
klägerin von CHF 3'633.60 (vgl. Art. 30 Abs. 1 und Abs. 3 OHG). Im Berufungsver-
fahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres Obsiegens oder Un-
terliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Gerichtskosten des Berufungsverfahrens 
werden in Anwendung von Art. 7 VGS (BR 350.210) in Verbindung mit Art. 424 
Abs. 1 StPO auf CHF 4'000.00 festgesetzt. Auch diese Kosten gehen zulasten des 
Kantons Graubünden und werden auf die Gerichtskasse des Kantonsgerichts ver-
bucht.

7.2. Die amtliche Verteidigung wird nach dem Anwaltstarif des Bundes oder 
desjenigen Kantons entschädigt, in dem das Strafverfahren geführt wurde 

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(Art. 135 Abs. 1 StPO). Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt 
Michael Fleischhauer, machte für das Berufungsverfahren einen Aufwand von 32 
Stunden und 36 Minuten à CHF 200.00 zzgl. Barauslagen von CHF 258.00 gel-
tend. Dieser Aufwand scheint grundsätzlich angemessen und für die Prozess-
führung erforderlich. Allerdings ist der geltend gemachte Aufwand von 3 Stunden 
für die Teilnahme an der Hauptverhandlung aufgrund deren Dauer von lediglich 
knapp 2 Stunden um 1 Stunde zu kürzen, womit der amtliche Verteidiger mit 31.6 
Stunden à CHF 200.00 entschädigt wird. Praxisgemäss beträgt die Kleinspesen-
pauschale 3% (vgl. KGer GR SK1 18 43 v. 11.10.2021 E. 15.4; KGer GR SK2 21 
35 v. 1.7.2021 E. 4.2.2 m.w.H; vgl. auch ZK1 19 103 v. 11.9.2019), womit ein zu 
entschädigender Aufwand der amtlichen Verteidigung von CHF 6'509.60 zulasten 
des Kantons Graubünden (Kantonsgericht) resultiert. Die Entschädigung des 
Rechtsbeistands der unentgeltlichen Rechtspflege für die Privatklägerschaft richtet 
sich ebenfalls nach Art. 135 StPO (vgl. Art. 138 Abs. 1 StPO). Die anlässlich der 
Berufungsverhandlung eingereichte Honorarnote der unentgeltlichen Rechtsbei-
ständin der Privatklägerin in Höhe von 13.15 Stunden à CHF 200.00 ist angemes-
sen. Für die Teilnahme und Reise an die Berufungsverhandlung sind Rechtsan-
wältin Monika Brenner zusätzlich 2.5 Stunden zugute zu halten. Allerdings ist die 
von ihr verrechnete Spesenpauschale von 4% auf praxisgemässe 3% zu kürzen 
(vgl. oben). Somit resultiert ein zu entschädigender Aufwand von 15.65 Stunden à 
CHF 200.00, zzgl. 3% Spesen, zzgl. der geltend gemachten Reisekosten von 
CHF 29.50 sowie 7.7% MwSt., total damit CHF 3'503.80. Diese gehen ebenfalls 
zulasten des Kantons Graubünden (Kantonsgericht). 

7.3. Bei besonders schweren Verletzungen der persönlichen Verhältnisse der 
beschuldigten Person, namentlich bei Freiheitsentzug, hat diese unter anderem 
Anspruch auf Genugtuung, wenn sie freigesprochen wird (vgl. Art. 429 Abs. 1 lit. c 
StPO). Im Falle einer ungerechtfertigten Inhaftierung von kurzer Dauer wird 
gemäss Rechtsprechung grundsätzlich ein Betrag von CHF 200.00 pro Hafttag als 
angemessen erachtet, soweit keine besonderen Umstände einen tieferen oder 
höheren Betrag rechtfertigen (vgl. BGE 143 IV 339 E. 3.1; BGer 6B_502/2020 
v. 6.5.2021 E. 2.2 m.w.H.). Davon abzuweichen besteht vorliegend kein Anlass. 
Der Beschuldigte befand sich vom 3. bis 13. September 2017 in Polizei- und Un-
tersuchungshaft (StA act. 3.5-3.8; StA act. 3.10-3.12). Entsprechend sind ihm für 
diese 11 Tage CHF 200.00 pro Tag, mithin CHF 2'200.00, zulasten des Kantons 
Graubünden zuzusprechen.

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Demnach wird erkannt:

1. A._____ wird vom Vorwurf der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 
StGB freigesprochen.

2. Die Zivilklage von B._____ wird abgewiesen.

3. A._____ wird für die erstandene Polizei- und Untersuchungshaft von 11 
Tagen mit CHF 2'200.00 zulasten des Kantons Graubünden (Kantonsge-
richt) entschädigt.

4.1. Die Untersuchungskosten von CHF 7'638.00 gehen zulasten des Kantons 
Graubünden (Staatsanwaltschaft).

4.2. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens von CHF 13'792.40 (Gerichts-
kosten von CHF 6'000.00, Kosten der amtlichen Verteidigung von 
CHF 4'158.80, Kosten der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung der Pri-
vatklägerin von CHF 3'633.60) gehen zulasten des Kantons Graubünden 
(Regionalgericht Plessur).

4.3. Die Kosten des Berufungsverfahrens von CHF 14'013.40 (Gerichtskosten 
von CHF 4'000.00, Kosten der amtlichen Verteidigung von CHF 6'509.60, 
Kosten der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung der Privatklägerin von 
CHF 3'503.80) gehen zulasten des Kantons Graubünden (Kantonsgericht).

5. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 ff. BGG Beschwerde in 
Strafsachen an das Bundesgericht geführt werden. Die Beschwerde ist dem 
Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, schriftlich innert 30 
Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in 
der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die 
Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen 
und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. 
BGG.

Hinsichtlich des Entschädigungsentscheids kann der amtliche Verteidiger 
sowie die unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin gemäss 
Art. 135 Abs. 3 lit. b StPO, Art. 138 Abs. 1 StPO und Art. 37 Abs. 1 StBOG 
(SR 173.71) Beschwerde an das Bundesstrafgericht erheben. Die Be-
schwerde ist dem Bundesstrafgericht, Viale Stefano Franscini 7, Postfach 
2720, 6501 Bellinzona, schriftlich innert 10 Tagen seit Eröffnung der 
vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in der gemäss Art. 385 StPO 

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in Verbindung mit Art. 39 Abs. 1 StBOG vorgeschriebenen Weise einzurei-
chen. Für die Zulässigkeit, die Beschwerdegründe, die weiteren Vorausset-
zungen und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 393 ff. StPO.

6. Mitteilung an: