# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 51766e56-8642-5e2e-ba92-d95722835505
**Source:** Fribourg (FR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** FR ac_2a_02_77.pdf
**Docket/Reference:** ac_2a_02_77.pdf
**URL:** https://www.fr.ch/sites/default/files/contens/tc/_www/files/pdf3/ac_2a_02_77.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS FREIBURG 

II. VERWALTUNGSGERICHTSHOF 

Entscheid vom 10. Januar 2003 

In der Beschwerdesache 
(2A 02 77) 

des Konsortiums X, 

Beschwerdeführer, 

gegen 

den Staatsrat des Kantons Freiburg, Chorherrengasse 118, 1700 Freiburg, und  
das Konsortium Y  

Beschwerdegegner, 

betreffend 
Öffentliches Beschaffungswesen 
(Entscheid des Staatsrats vom 20. August 2002) 

 
 
 
 
 
 
 
- 2 -

hat sich ergeben: 

A. 

B. 

C. 

Kilometer 

Das  Autobahnbüro  (neu  seit  1.  Januar  2003:  Autobahnamt)  des  Kantons 
Freiburg  schrieb  im  Amtsblatt  Nr.  4  vom  25. Januar  2002  verschiedene 
Sanierungsarbeiten  an  der  Autobahn  A12,  Abschnitt  Ottisberg,  Grenze 
als 
Freiburg/Bern, 
Beschaffungsgegenstand  im  offenen  Verfahren  öffentlich  aus.  Darunter 
befindet sich das Paket P3.04, Zufahrt zum Anschluss Flamatt; die Arbeiten 
eine 
dieses  Pakets 
Fussgängerunterführung.  Die  Ausschreibungsunterlagen  waren  bei  der 
Vergabebehörde  einzufordern;  das  Vergabeverfahren  wird  in  französischer 
Sprache durchgeführt. 

die  Fahrbahn 

Kilometer 

beziehen 

68.850, 

54.511 

sich 

und 

auf 

bis 

Für  das  Projekt  P3.04  wurden  bis  zum  Eingabetermin,  15.  Mai  2002,  vier 
Offerten  eingereicht  mit  Nettopreisen  zwischen  2'469'098.38  Franken  und 
2'766'868.69 Franken. Unter den Anbietern befanden sich das Konsortium X, 
das  mit  seinem  Angebot  hinsichtlich  des  Preises  an  erster  Stelle  rangierte, 
sowie das Konsortium Y, dessen Offerte kam auf Platz zwei. 

An seiner Sitzung vom 20. August 2002 beschloss der Staatsrat des Kantons 
Freiburg,  die  Arbeiten  für  2'597'903  Franken  an  das  Konsortium  Y  zu 
vergeben.  Die  bereinigte  Offerte  des  Konsortiums  X  mit  2'469'098.40 
Franken  wurde  auf  den  vierten  Rang  gesetzt;  die  Differenz  der  beiden 
Angebote  beträgt  128'804.60  Franken  oder  4,95  %.  Das  Autobahnamt 
informierte  das  Konsortium  X  über  den  Entscheid  des  Staatsrats  mit 
Schreiben vom 26. August 2002. 

Mit  Verwaltungsgerichtsbeschwerde  vom  5.  September  2002  beantragt  das 
Konsortium  X,  die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben  und  ihm  den 
Zuschlag  zu  erteilen.  Zur  Begründung  führte  es  an,  es  bestünden  keine 
Gründe, sein um 5,2 % (= nicht bereinigte Offerte) günstigeres Angebot nicht 
zu  berücksichtigen.  Um  jedoch  eine  definitive  Begründung  abgeben  zu 
können, seien ihm die Resultate der Vergabekriterien zuzustellen. 

Mittels  Telefax  vom  18.  September  2002  stellte  das  Autobahnamt  dem 
Konsortium  X  dessen  Bewertung  der  Offerte  sowie  die  Gesamtbewertung 
aller vier Anbieter zu. 

Der  Staatsrat  schliesst  in  seiner  Beschwerdeantwort  vom  3.  Oktober  2002 
die Abweisung der Beschwerde. 

In  einer  Replik  vom  25.  Oktober  2002  nahm  das  Konsortium  X  zu  den 
einzelnen  Bewertungen  Stellung  und  hielt  an  seinen  Anträgen 
fest. 
Gleichzeitig stellte es das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung 

 
 
- 3 -

und den Antrag, seine Offerte und jene, die den Zuschlag erhalten hat, durch 
einen neutralen Experten überprüfen zu lassen. 

Im  Rahmen  von  vorsorglichen  Massnahmen  wies  der  Instruktionsrichter  die 
Parteien  mit  Verfügung  vom  5.  November  2002  an,  bis  zum  Entscheid  um 
Erteilung der aufschiebenden Wirkung sämtliche Vollstreckungsmassnahmen 
(Abschluss des Vertrags, Beginn der Arbeiten) zu unterlassen. 

Am  18.  November  2002 
Vernehmlassung ein. 

reichte  auch  das  Konsortium  Y  eine 

Mit Eingabe vom 12. Dezember 2002 hat der Staatsrat auf die Replik der X 
vom 25. Oktober 2002 eine Stellungnahme eingereicht. 

Die  Ausführungen  der  Parteien  werden,  soweit  rechtserheblich,  in  den 
nachfolgenden Erwägungen wiedergegeben. 

Der II. Verwaltungsgerichtshof 
zieht in Erwägung: 

1.  a)  Auf das vorliegende Beschwerdeverfahren gelangen die Bestimmungen des 
Gesetzes  vom  11.  Februar  1998  über  das  öffentliche  Beschaffungswesen 
(GöB,  SGF  122.91.1),  des  Reglements  vom  28.  April  1998  über  das 
öffentliche  Beschaffungswesen 
(ÖBR,  SGF  122.91.11)  und  der 
Interkantonalen  Vereinbarung  über  das  öffentliche  Beschaffungswesen  vom 
25.  November  1994  (IVöB,  SGF  122.91.2)  zur  Anwendung.  Nach  Art.  2 
Abs. 1 GöB können Vergabeentscheide kantonaler Auftraggeber unmittelbar 
mit  Beschwerde  an  das  Verwaltungsgericht  weitergezogen  werden.  Die 
Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts zur Beurteilung der Beschwerde vom 
5. September 2002 ist somit gegeben. 

b)  Die  Rechtsmittelfrist  beträgt  zehn  Tage  (Art.  15  Abs.  2  IVöB).  Der 
Beschwerdeführer  dürfte  die  Mitteilung  über  den  Zuschlag  frühestens  am 
27. August  2002  erhalten  haben.  Seine  am  5.  September  2002  den 
Postbetrieben  übergebene  Beschwerde  wurde  somit  innert  der  erwähnten 
Frist eingereicht. 

c)  Das  Angebot  des  Beschwerdeführers  war  hinsichtlich  des  Preises  das 
günstigste der vier berücksichtigten Offerten. Mit der beantragten Aufhebung 
des angefochtenen Entscheids und den Rügen kann er sich gegebenenfalls 

 
 
 
 
 
 
- 4 -

einen Vorteil verschaffen, nämlich den Zuschlag an ihn. Ein schutzwürdiges 
Interesse  an  der  Beschwerdeführung  ist  somit  gegeben  (Art.  76  lit.  a  des 
Gesetzes  vom  23.  Mai  1991  über  die  Verwaltungsrechtspflege  [VRG,  SGF 
150.1]; vgl. auch Art. 15 ff. IVöB). 

ist 

jedoch 

2.  a)  Der  Zuschlagsentscheid  des  Staatsrats  enthält  keine  Begründung.  Im 
festgehalten,  dass  die 
Begleitschreiben  des  Autobahnamt 
wirtschaftlich  günstigste  Offerte  berücksichtigt  worden  sei  ("... 
l'offre 
économiquement la plus avantageuse"). Diese Begründung sagt nichts aus, 
ist  inhaltsleer  und  ist mithin mangelhaft.  Zwar  muss  nach  Art. 13 lit.  h  IVöB 
der  Zuschlagsentscheid  lediglich  kurz  begründet  werden.  Aber  er  stellt  eine 
anfechtbare Verfügung dar, die mit einem Rechtsmittel angefochten werden 
kann.  Die  Begründungspflicht  ergibt  sich  somit  aus  dem  Anspruch  auf 
rechtliches  Gehör,  der  aus  Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung  der 
Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV;  SR  101) 
abgeleitet wird (ALFRED KÖLZ/JÜRG BOSSHART/MARTIN RÖHL, Kommentar zum 
Verwaltungsrechtspflegegesetz  des  Kantons  Zürich,  2.  Auflage,  § 10  N.  36; 
ZBl  101/2000  129);  sie  wird  überdies  in  Art.  66  lit.  c  VRG  ausdrücklich 
festgehalten.  

b)  Nach  dem  Gesagten  hat  die  verfügende  Behörde  -  ausgehend  vom 
Anspruch der Verfügungsadressatin auf rechtliches Gehör - ihren Entscheid 
in  nachvollziehbarer  Weise  zu  begründen.  Die  Begründung  hat  in  einer 
Weise  zu  erfolgen,  dass  die  Betroffenen  in  die  Lage  versetzt  werden,  den 
Entscheid sachgerecht anfechten zu können. Dies ist aber nur dann möglich, 
wenn  sowohl  sie  als  auch  die  Rechtsmittelinstanz  sich  ein  Bild  von  der 
Tragweite  des  Entscheids  machen  können.  Die  verfügende  Behörde  muss 
daher kurz die Überlegungen nennen, von denen sie sich leiten liess und auf 
die  sich  der  Entscheid  stützt.  Dabei  darf  sie  sich  aber  auf  die  wesentlichen 
Gesichtspunkte  beschränken  (ALFRED  KÖLZ/ISABELLE  HÄNER,  Verwaltungs-
verfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Auflage, Zürich 1998, 
N.  354  f.).  Ist  die  Begründung  mangelhaft,  so  wird  die  angefochtene 
Verfügung  entsprechend  der  formellen  Natur  des  Gehörsanspruchs  - 
unabhängig  von  den  materiellen  Erfolgsaussichten  einer  Beschwerde  - 
aufgehoben, sofern der Mangel nicht heilbar ist. Heilbar ist ein Mangel in der 
Begründung dann, wenn diese im Beschwerdeverfahren nachgeholt werden 
kann, 
die 
Rechtsmittelinstanz in der zu entscheidenden Frage über die volle Kognition 
verfügt (KÖLZ/HÄNER, a.a.O., N. 366). 

die  Verfügungsadressatin 

angehört  wird 

dazu 

und 

c) 

Im  angefochtenen  Entscheid  werden  keine  detaillierten  Angaben  darüber 
gemacht,  weshalb  der  Beschwerdeführer  den  Zuschlag  nicht  erhielt.  Das 
Autobahnamt hat dem Beschwerdeführer aber am 18. September 2002 und 
mithin nach Ablauf der Rechtsmittelfrist das Resultat der Bewertung bekannt 

 
 
 
- 5 -

gegeben.  Der  Beschwerdeführer  erhielt  Gelegenheit  zum  Einreichen  einer 
Replik.  Damit  wurde  der  Nachteil,  der  ihm  aus  dem  ursprünglichen  Fehlen 
einer ausreichenden Begründung erwachsen ist, behoben und die Verletzung 
des Gehörsanspruchs geheilt (KÖLZ/BOSSHART/RÖHL, a.a.O., § 10 N. 45; BEZ 
2000 Nr. 25). Die Gehörsverletzung ist für den Ausgang des Verfahrens nicht 
mehr von Bedeutung (andere Auffassung in ZBl 101/2000 S. 129). Fehl geht 
somit die Annahme des Staatsrats, die Eingabe des Beschwerdeführers vom 
25.  Oktober  2002  sei  die  eigentliche  Beschwerdeschrift,  diese  sei  aber 
verspätet  eingereicht  worden  und  deshalb  aus  den  Akten  zu  weisen.  Der 
Beschwerdeführer  hatte  aufgrund  der  mangelhaften  Begründung  des 
Zuschlags  gar  keine  Möglichkeit,  rechtzeitig  eine  sachbezogene  und 
substantiierte Begründung vorzutragen.  

3. 

  Gemäss  Art.  30  Abs.  1  ÖBR  wird  der  Auftrag  dem  Anbieter  mit  dem 
wirtschaftlich  günstigsten  Angebot  vergeben.  Bei  der  Bewertung  ist  das 
Preis-Leistungs-Verhältnis  zu  beachten.  Dabei  können  neben  dem  Preis 
noch  andere  Kriterien  berücksichtigt  werden,  wie  beispielsweise  Qualität, 
Fristen, Ökologie, Zweckmässigkeit, Qualitätssicherung. 

Der Vergabebehörde steht beim Urteil darüber, welches Angebot anhand der 
Zuschlagskriterien  das  wirtschaftlich  günstigste  sei,  ein  erheblicher 
Ermessensspielraum  zur  Verfügung.  Das  Verwaltungsgericht  hingegen  hat 
sich an Art. 16 IVöB und Art. 77 VRG zu halten. Mit einer Beschwerde an das 
Verwaltungsgericht  können  somit  die  unrichtige  oder  unvollständige 
Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  Rechtsverletzungen, 
einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  geltend 
gemacht werden. Die Ausübung des Ermessens hat das Verwaltungsgericht 
aber nicht zu überprüfen. Das heisst, das Verwaltungsgericht kann nicht sein 
Ermessen an die Stelle jenes der Vorinstanz setzen, sondern hat Lösungen 
der  Verwaltung  zu  akzeptieren,  die  mit  sachlichen  Gründen  vertretbar  sind, 
auch  wenn  eine  andere  Lösung  als  zweckmässiger  erschiene.  Bei  Fragen 
technischer  oder  gestalterischer  Art  oder  bei  Eignungsbewertungen  ist  die 
Kognition  praktisch  auf  Willkür  begrenzt,  da  dem  Gericht  in  der  Regel 
genügende  Fachkenntnisse  fehlen.  Das  Gericht  greift  also  nur  dann  ein, 
wenn  der  Entscheid  in  geradezu  willkürlicher  Weise  getroffen  wurde 
(ELISABETH  LANG,  Die  Praxis  des  Verwaltungsgerichts  des  Kantons  Aargau 
zum  Submissionsrecht,  in  ZBl  2002  S.  453  insb.  S.  479;  ZBl  2000  S.  271; 
auch:  HUBERT  STÖCKLI,  Bundesgericht  und  Vergaberecht,  in  BR  2002  S.  3 
insb. S. 6).  

4. 

Der  Beschwerdeführer  erhebt  keine  Rügen,  welche  die  eigentliche 
Ausschreibung  beschlagen.  Er  kritisiert  die  Bewertung  der  verschiedenen 
Vergabekriterien,  die  nach  seiner  Ansicht  ohne  fundiertes  Studium  der 
Unterlagen  und  somit  willkürlich  vorgenommen  wurden  sowie  im  Ergebnis 
"sachlich-objektiv  gesehen  krass  falsch"  sei.  Eine  sachgerechte  Beurteilung 

 
 
- 6 -

seiner  Einwände  erfordere  bauspezifisches  Fachwissen,  über  das  Juristen 
nicht  verfügen  würden.  Die  Offerten  seien  deshalb  durch  einen  neutralen 
Experten  überprüfen  zu  lassen.  Er  sei  überzeugt,  dass  ihm  eine  objektive 
und  korrekte  Bewertung  seiner  Offerte  mindestens  30  bis  35  Punkte 
einbringen würden. 

ist 

dass 

davon 

auszugehen, 

dem  Gesagten 

Nach 
die 
Ausschreibungsunterlagen  den  Transparenzgrundsatz  nicht  verletzten, 
mithin  die  Zuschlagskriterien  bei  der  Ausschreibung  bekannt  gegeben 
wurden und zwar in der Reihenfolge ihrer Bedeutung. Im Folgenden ist daher 
nur  zu  prüfen,  ob  die  Vorinstanz  bei  der  materiellen  Beurteilung  der 
Angebote einen haltbaren Entscheid getroffen hat. Bei dieser Beurteilung ist 
der  Beizug  eines  Gutachters  nicht  notwendig.  Das  Verwaltungsgericht  ist  in 
der  Lage  festzustellen,  ob  die  Zuschlagsbehörde  ihrem  Entscheid  die 
zutreffenden  rechtlichen  Gesichtspunkte  zugrunde  legte  und  ihn  auf  die 
massgeblichen  Sachverhaltselemente  abstützte  (ZBl  2000  S.  271  Erw.  6a 
und b S. 276/277; auch unten Erw. 6c). Anders wäre allenfalls zu verfahren, 
wenn  das  Gericht  wesentliche  Mängel  feststellen  würde.  In  einem  solchen 
Fall müsste die Sache, ohne Beizug eines Experten, zu neuem Entscheid an 
die  Vorinstanz  zurückgewiesen  werden.  Das  ist  aber  vorliegend,  wie  noch 
auszuführen sein wird, nicht der Fall. 

5.  a)  Das Autobahnamt hat in den Ausschreibungsunterlagen in Anlehnung an Art. 
30 ÖBR vier Kriterien, die zwischen 40 und 7 Punkten bewertet wurden, und 
verschiedene  Unterkriterien  festgelegt.  Insgesamt  konnten  100  Punkte 
vergeben  werden.  Die  Offerte  des  Beschwerdeführers  erhielt  55,4  Punkte 
und  jene,  die  den  Zuschlag  erhielt,  73,66  Punkte.  Die  Bewertung  der  vom 
Beschwerdeführer  eingereichten  Offerte  sieht  im  Detail  wie  folgt  aus 
(übersetzt aus dem Französischen): 

Zuschlagskriterien 

Bewertung  Note  Resultat 

1 

Qualität 

23 

6 

1.1  Organigramm der Firma 

1.2  Organigramm über die Baustelle 

1.3  Arbeitsprogramm 

1.4  Ausbildung und Fähigkeit des technischen Kaders 

1.5  Verfahren beim Kauf 

1 

2 

2 

5 

5 

0.50 

0.50 

0.50 

1.00 

1.00 

2.00 

0.10 

0.50 

0.40 

2.00 

 
 
 
 
- 7 -

1.6  Tätigkeit, welche Einfluss auf die Qualität hat 

1.7  Absichtserklärungen 

2 

Leistungen/Zweckmässigkeit 

2.1  Technische Fähigkeiten 

2.2  Einrichten der Baustelle 

2.3  Umwelt 

2.4  Sicherheit 

3 

Andere Kriterien 

3.1  Referenzen 

3.2  Lehrlingsausbildung 

3.3  Schutz der Interessen des Auftraggebers durch 

Anbieter 

4 

Preis 

4.1  Preis 

4.2  Transparenz hinsichtlich Preis 

Total der Bewertung 

7 

1 

30 

12 

6 

6 

6 

7 

3 

2 

2 

40 

35 

5 

100 

0.00 

0.00 

0.00 

0.00 

9 

0.50 

6.00 

0.20 

1,20 

0.10 

0.60 

0.20 

1,20 

2.90 

0.30 

0.90 

1.00 

2.00 

0.00 

37.50 

    35 

0.50 

 2.50 

55.40 

b)  Der  Beschwerdeführer  stellt  diesen  Kriterienkatalog 

(Haupt-  und 
Subkriterien) und dessen Bewertung nicht in Frage. Das Verwaltungsgericht 
hat  somit  keinen  Anlass,  die  Zuschlagskriterien  und  die  Gewichtung  auf 
Sachverhaltmängel oder  Rechtswidrigkeiten  zu  prüfen  (vgl.  VPB 65.94  Erw. 
3b  S.  1049).  Zu  untersuchen  hat  es  im  Folgenden  deshalb  nur  die  vom 
Beschwerdeführer  in  seiner  Eingabe  vom  25.  Oktober  2002  vorgebrachten 
Einwände, mit welcher die vom Autobahnamt vorgenommene Bewertung der 
einzelnen Unterkriterien seiner Offerte gerügt werden.  

c) 

In diesem Zusammenhang ist vorab zu bemerken, dass im Vergabewesen - 
und  hier  verhält  es  sich  nicht  anders  -  grundsätzlich  die  Qualität  und  der 
Preis  in  der  Regel  die  Hauptkriterien  für  die  Ermittlung  des  wirtschaftlich 
günstigsten Angebotes bilden. Der Preis ist wohl ein gewichtiges, aber nicht 
das  allein  massgebende  Kriterium  für  eine  Vergabe.  Insbesondere  kann  es 
angezeigt und auch zulässig sein, ein anderes, zwar etwas teureres als das 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 8 -

billigste,  aber  qualitativ  höherwertiges  oder  aus  anderen  Gründen  dem 
Auftraggeber mehr Nutzen versprechendes Produkt auszuwählen. In diesem 
Sinne bringt erst eine Gesamtschau der massgebenden Gesichtspunkte das 
wirtschaftlich  günstigste  Angebot  und  damit das für  den  Auftraggeber  beste 
Preis-Leistungs-Verhältnis  zu  Tage.  Dabei  steht  den  Vergabebehörden  der 
oben umschriebene Ermessensspielraum zu, in den das Verwaltungsgericht 
nur eingreift, wenn eine sachlich nicht haltbare Lösung getroffen wurde. Der 
Umstand  allein,  dass  der  Beschwerdeführer  in  Bezug  auf  den  Preis  das 
billigste  Angebot  unterbreitete,  kann  für  sich  allein  also  nicht  Grund  für  den 
Zuschlag bilden. 

6.  a)  Das  Autobahnamt  hat  die  Offerte  des  Beschwerdeführers  einer  Bewertung 
unterzogen,  die  Grundlage  für  den  Zuschlagsentscheid  durch  den  Staatsrat 
bildete. Zur Vervollständigung des Sachverhalts ist Folgendes zu erwähnen: 

Am  16.  Juli  2002  fand  eine  Sitzung  von  Vertretern  des  Autobahnamt  und 
anderen  Personen  statt,  an  welcher  die  Benotung  der  vier  eingegangenen 
Offerten  vorgenommen  wurde  ("Justification  de  la  notation  des  critères 
d'adjudication").  Dabei  wurde  ein  mehrseitiges  Protokoll  erstellt.  Daraus 
ergibt  sich,  dass  jedes  einzelne  Subkriterium  beurteilt  und  schriftlich 
festgehalten wurde, ob es den Anforderungen entsprach und gegebenenfalls 
in  welchen  Punkten  nicht.  (Es  handelt  sich  um  die  Beilage  Nr.  18  zur 
Beschwerdeantwort des Staatsrats vom 3. Oktober 2002.) 

Die gleichen Personen führten am 29. Juli 2002 eine weitere Sitzung durch, 
an welcher auch Vertreter der Beschwerdeführer teilnahmen. Dabei ging es 
im Wesentlichen darum, Einzelheiten der Offerte des Beschwerdeführers zu 
besprechen.  Auch  über  diese  Verhandlung  besteht  ein  Protokoll  (Beilage 
Nr. 17 zu Beschwerdeantwort vom 3. Oktober 2002). 

b)  Die Rügen des Beschwerdeführers lauten wie folgt:  

a. Kriterium 1.1: 

jenem  aus 

Sein  eingereichtes  Organigramm  entspreche 
seinem 
"Management-System  ISO  9001:2000"  und  erfülle  somit  alle  Kriterien 
gemäss Qualitäts-Management des Kantons Freiburg vom September 2001. 
Das  Organigramm  der  Firma  A.  sei  sogar  in  französischer  Sprache 
nachgeliefert  worden.  Angesichts  der  Tatsache,  dass  diese  Firma  ein  ISO-
zertifiziertes  Unternehmen  und  damit  aus  betriebswirtschaftlicher  Sicht 
fortschrittlich  und  einwandfrei  organisiert  sei,  könne  eine  Bewertung  des 
Organigramms mit nur gerade der Hälfte der möglichen Punktezahl gar nicht 
stimmen,  das  heisst,  die  Benotung  sei  objektiv  nicht  nachvollziehbar  und 
offensichtlich willkürlich. 

 
 
- 9 -

Diese  Kritik  ist  nach  Auffassung  des  Staatsrats  unzutreffend.  Im  Dokument 
"Annexe  MQ  au  dossier  d'appel  d'offres"  werde  dargelegt,  welche  Angaben 
zu  liefern  waren.  Das  vom  Beschwerdeführer  eingereichte  Organigramm 
zeige aber nicht mit der notwendigen Klarheit die verschiedenen Funktionen, 
wie  im  "Manuel  MQ"  verlangt,  auf.  Dies  sei  auch  im  Protokoll  der  Sitzung 
vom  29.  Juli  2002  unter  Punkt  4.1.  zu  Recht  vermerkt  worden.  So  fehle  im 
Organigramm  der  Unternehmung  B.  der  Name  der  Poliere.  Diese  Angaben 
seien aber notwendig gewesen. 

An der Sitzung vom 16. Juli 2002 wurde festgestellt, dass die Organigramme 
des  Beschwerdeführers  in  deutscher  Sprache  eingereicht  wurden,  die 
angegebenen  Funktionen  nicht  klar  waren,  Abkürzungen  gebraucht  und  die 
Namen  der  Poliere  ("contremaîtres")  nicht  aufgeführt  wurden.  Gleiche  oder 
ähnliche  Kritiken  werden  übrigens  auch  bei  zwei  anderen  Anbietern 
vorgebracht. 
13.3, 
den  Ausschreibungsunterlagen 
"Management de la qualité dans la construction", S. 2) ist ein Beispiel eines 
Organigramms  aufgeführt.  Dort  wird  ausdrücklich  verlangt,  dass  die  Namen 
der  Poliere  anzugeben  sind.  Der  Beschwerdeführer  hat  dies  nicht  getan, 
weshalb der Abzug von einem halben Punkt sich nicht beanstanden lässt. 

(Dokument 

In 

b. Kriterium 1.2: 

Dieses  Organigramm  erfüllt  nach  Auffassung  des  Beschwerdeführers 
ebenfalls alle Kriterien gemäss "Qualitäts-Management", weshalb eine 50%-
ige Benotung objektiv nicht nachvollziehbar sei. 

Der  Staatsrat  bringt  demgegenüber  vor,  in  den  Unterlagen  hätte  der 
Beschwerdeführer weder den Namen des Verantwortlichen für die Sicherheit 
("Chargé de sécurité") noch das Kontrollorgan erwähnt. 

Das  vom  Beschwerdeführer  eingereichte  Organigramm  über  die  Sicherheit 
der  Baustelle  entspricht  den  Anforderungen  (vgl.  Ausschreibungsunterlage 
Dokument  13.3,  S.  3)  nicht.  So  fehlen  tatsächlich  die  Angaben  und  Namen 
über 
für  die  Sicherheit  verantwortlich  sind.  Der 
Punkteabzug ist somit durchaus gerechtfertigt. 

jene  Personen,  die 

c. Kriterium 1.4: 

Die  vorgenommene  Benotung  ist  nach  Meinung  des  Beschwerdeführers 
absolut  unhaltbar.  Gemäss 
"Qualitäts-Management"  werde  ein  CV 
(= Curriculum vitae) des Bauführers im Moment der Vergabe verlangt. Es sei 
ihm  (dem  Beschwerdeführer)  aber  verwehrt  worden,  dieses  Dokument 
anlässlich  des  Vergabegesprächs  vom  29.  Juli  2002  nachzureichen.  lm 
Moment  der  Offerteingabe  am  15.  Mai  2002  sei  es  keinem  Konsortium 
möglich,  die  Person  zu  nennen,  welche  im  Frühjahr  2003  de  facto  die 
führen  werde.  Alle  seine  Bauführer  seien  bestqualifizierte 
Baustelle 
Fachleute  mit  Bauführer-Zertifikat  oder 
"FH-Abschluss",  was  der 
Vergabebehörde auch dokumentiert worden sei. 

 
- 10 -

Der  Staatsrat  weist  darauf  hin,  dass  dem  Angebot  des  Beschwerdeführers 
entgegen  den  Angaben  in  den  Ausschreibungsunterlagen  die  Lebensläufe 
der  leitenden  Angestellten  nicht  beigelegt  waren.  Der  Beschwerdeführer 
hätte dann versucht, diese später nachzureichen. Das Autobahnamt habe sie 
nicht entgegengenommen, weil sie nach Ablauf der Angebotsfrist eingereicht 
wurden. Die Kritik des Beschwerdeführers, die verantwortliche Person könne 
nicht  ein  Jahr  im  Voraus  bezeichnet  werden,  sei  nicht  stichhaltig.  Das  von 
den  beteiligten  Branchen  paritätisch  erarbeitete  und  getragene  Papier 
stipulierte  klar  das  Gegenteil.  Gerade  grosse  Baustellen  seien  langfristig  zu 
planen  und  eine  Unternehmung  müsse  wissen,  welchen  Personen  die 
Verantwortung für eine solche Baustelle übertragen werden solle und könne. 
Zu  Recht  legten  Bund  und  Kanton  grossen  Wert  auf  einwandfreie  Qualität 
der  zu  liefernden  Arbeit  und  setzen  voraus,  dass  sich  die  offerierenden 
Unternehmungen  Gedanken  machten,  wie  sie  die  notwendige  Qualität 
sicherzustellen  gedenken.  In  dieser  Hinsicht  seien  die  Lebensläufe  der  für 
die  Baustelle  verantwortlichen  Mitarbeiter  wichtig.  Vorbehalten  blieben 
natürlich  Fälle  unvorhergesehener  Mutationen  zwischen  Offertstellung  und 
Baubeginn. 

Nach  Art.  23  Abs.  1  ÖBR  muss  das  Angebot  schriftlich,  in  geschlossenem 
Briefumschlag,  direkt  oder  per  Post  eingereicht  werden  und  innerhalb  der 
Frist  bei  der  in  der  Ausschreibung  genannten  Amtsstelle  eintreffen.  Im 
vorliegenden Fall ergibt sich aus des Umständen, dass die Anbieter bis zum 
15. Mai  2002  nicht  nur  das  eigentliche  Angebot,  sondern  auch  die 
entsprechenden  Dokumente  einzureichen  hatten.  Dazu  gehören  die 
Lebensläufe  des  Kaders  und  die  hatte  der  Beschwerdeführer 
unbestrittenermassen  nicht  rechtzeitig  eingereicht.  Es  kann  nicht  angehen, 
dass  ein  Anbieter  nach  Ablauf  der  Eingabefrist  noch  Unterlagen  einreicht, 
namentlich nicht, wenn es um Lebensläufe von engen Mitarbeitern geht. Es 
ist  klar,  dass  hier  diese  Dokumente  Bestandteil  des  Angebots  bilden.  Denn 
für  die  Vergabebehörde  kann  es  nicht  gleichgültig  sein,  unter  wessen 
Verantwortung  und  Leitung  die  Arbeiten  schliesslich  ausgeführt  werden. 
Ausnahmen  von  dieser  Regelung  wären  allenfalls  nur  dann  angebracht, 
wenn  gewisse  Dokumente  oder  schriftliche  Bestätigungen,  wie  etwa  ein 
Betreibungsauszug  oder  Bestätigungen  betreffend  Arbeitsschutz  und 
Arbeitsbedingungen (vgl. ZWR 2001 S. 77), die von dritter Seite einzuholen 
sind,  nicht  rechtzeitig  beigebracht  werden  können.  Auch  dürfen  etwa 
offensichtliche Versehen nach Ablauf der Eingabefrist noch behoben werden 
(LANG,  a.a.O.,  S.  473).  Hier  geht  es  jedoch  nicht  darum,  sondern  um 
Lebensläufe  von  Mitarbeitern.  Es  ist  nicht  einzusehen,  weshalb  diese 
Dokumente nicht rechtzeitig eingereicht wurden.  

Hinsichtlich  des  Einwands,  es  sei  nicht  möglich, 
im  Moment  der 
Offerteingabe darzulegen, wer schliesslich die Baustelle führen werde, kann 
dem  Beschwerdeführer  nicht  gefolgt  werden.  Es  geht  im  vorliegenden  Fall 
um  eine  Baustelle  von  einer  gewissen  Wichtigkeit  und  im  Rahmen  der 
Planung  muss  es  doch  möglich  sein  darzulegen,  wer  die  Baustelle  leiten 

 
- 11 -

wird.  Dass  es  in  der  Folge  Änderungen  geben  kann,  streitet  auch  der 
Staatsrat nicht ab. Aber er hat ein legitimes Interesse, im Voraus zu wissen, 
wer  genau  die  Baustelle  führen  wird.  Mit  der  Unterlassung,  die  verlangten 
Dokumente rechtzeitig einzureichen, hat der Beschwerdeführer bewusst eine 
Schlechtbenotung in Kauf genommen.  

d. Kriterium 1.5: 

Dazu  bringt  der  Beschwerdeführer  vor,  dass  er  sein  aktuelles  und 
zertifiziertes  "Q-Dokument"  eingereicht  habe.  Dass  dieses  mit  nur  2  von  5 
möglichen  Punkten  bewertet  werde,  sei  nicht  nur  unverständlich  sondern 
falsch. 

Diese  Kritik  geht  nach  Meinung  des  Staatsrats  an  der  Sache  vorbei.  Nach 
den Ausschreibungsunterlagen (siehe Dokument 13.3, S. 5) seien unter dem 
Kriterium 1.5 von den Offertstellern folgende Dokumente verlangt worden: 

-  "Procédure  de  choix  des  matériaux  du  système  qualité  de  l'entreprise, 
d'où  devront  ressortir  notamment  les  critères  de  choix,  le  modèle  de 
contrôle", 

-  "Procédure de choix des sous-traitants du système qualité de l'entreprise, 

d'où devra se dégager la procédure de transmission des données". 

Der  Beschwerdeführer  habe  es  unterlassen,  die  Auswahlkriterien  für  den 
Materialeinkauf zu übermitteln. Auch sei das Dokument betreffend der Wahl 
der  Unterakkordanten  mangelhaft  gewesen.  Er  habe  Dokumente 
einzureichen,  die  dem  Subkriterium  1.5  zu  entsprechen  haben,  und  nicht 
einfach eine seiner Zertifikationsdokumentation entnommene Beilage. 

Der  Beschwerdeführer  gibt  selber  zu,  dass  er  lediglich  sein  aktuelles  und 
zertifiziertes Q-Dokument eingereicht hat. Damit kam er den Anforderungen, 
wie  sie  in  den  Ausschreibungsunterlagen  festgehalten  sind,  nicht  nach.  Ein 
Punkteabzug  ist  somit  gerechtfertigt.  Die  eigentliche  Benotung  liegt  im 
Ermessen der Vergabebehörde. 

e. Kriterium 1.6: 

Die  Benotung  mit  0  von  7  möglichen  Punkten  entbehrt  nach  Ansicht  des 
Beschwerdeführers  jeglicher  sachlichen  Berechtigung.  Sein  eingereichtes 
"Q-Dokument  P18"  entspreche  seinem  "Management  ISO  9001:2000"  und 
halte demzufolge sämtlichen objektiven Qualitätsanforderungen stand. 

Der  Staatsrat  bringt  dazu  vor,  dass  mit  der  Offerte  eine  Liste  der  kritischen 
Aktivitäten  oder  der  kritischen  Punkte  einzureichen  war.  Das  sei 
notwendigerweise  nur  aufgrund  einer  Analyse  des  Baustellenablaufs 
möglich.  Der  Beschwerdeführer  habe  ein  allgemeines  Dokument  über  das 
"Management ISO 9001.2000" eingereicht, was nicht gefragt war. 

 
- 12 -

Nach  den  Ausschreibungsunterlagen  (siehe  Dokument  13.3,  S.  5)  war  eine 
Analyse  der  in  der  Unternehmung  vorhandenen  Risiken  und  offenbar  eine 
Liste  der  auf  der  Baustelle  zu  erwartenden  kritischen  Punkte  zu  erstellen. 
Das  vom  Beschwerdeführer  eingereichte  Dokument  entspricht  diesen 
Voraussetzungen  klar  nicht.  Es  handelt  sich  in  der  Tat  um  allgemein 
gehaltene  Aussagen  über  die  Tätigkeit  des  Beschwerdeführers,  die  aber 
nicht  auf  die  Fragen  der  Vergabestelle  eingehen.  Die  vorgenommene 
Benotung ist somit nicht zu beanstanden. 

f. Kriterium 1.7: 

Der  Beschwerdeführer  übergab  dem  Autobahnamt  ein  Dokument  (P19)  mit 
der  Bemerkung  "La  déclaration  d'intention  se  trouve  dans  les  pièces  18  et 
20".  Er  meint,  dass  er  mit  diesem  Hinweis  den  Anforderung  in  der 
Ausschreibung nachgekommen ist. Die Behauptung der Vergabestelle in der 
Sitzung vom 29. Juli 2002, dass das Recht nur ein separates Dokument am 
richtigen Ort zulasse, komme im Ergebnis einem überspitztem Formalismus 
gleich und sei damit unzulässig. 

Der  Beschwerdeführer  hat  unter  dem  Titel  des  Kriteriums  1.7  keine 
eigentlichen  Unterlagen  eingereicht,  sondern  auf  andere  Dokumente 
verwiesen. Ein solches Vorgehen muss als grundsätzlich zulässig bezeichnet 
werden,  insofern  diese  Belege  die  gestellten  Bedingungen  erfüllen.  Das  ist 
nach Auffassung des Staatsrats nicht der Fall. Die Eingaben 18 und 20 des 
Beschwerdeführers  lieferten  keine  Antwort  auf  die  Anforderungen.  Auch  sei 
es  keineswegs  so,  dass  nur  ein  separates  Dokument  am  richtigen  Ort 
zugelassen worden wäre.  

zu 

erstellen 

Welche  Unterlagen  im  Zusammenhang  mit  dem  Kriterium  "Déclaration 
d'intention" 
den 
waren, 
Ausschreibungsunterlagen  (Dokument  13.3,  S.  6).  Dort  sind  fünf  Punkte 
aufgeführt,  auf  welche  der  Beschwerdeführer  offensichtlich  keine 
beziehungsweise  nur  eine  ungenügende  Antwort  gegeben  hat.  Da  er  die 
Dokumente  nicht  einreichte,  kann  dem  Staatsrat  nicht  vorgeworfen  werden, 
das Kriterium 1.7 mit null Punkten bewertet zu haben. 

ergibt 

sich 

aus 

g. Kriterium 2.1: 

Der verlangte technische Bericht ist nach Auffassung des Beschwerdeführers 
sehr  ausführlich  gehalten,  gehe  auf  alle  geforderten  Themen  ein  und 
entspreche dem Schwierigkeitsgrad des offerierten P3.04. Eine Punktierung 
von bloss 50% sei aus diesem Grund schlechterdings nicht nachvollziehbar.  

Der  Staatsrat  entgegnet,  dass  ein  technischer  Bericht  in  Funktion  der 
Risikoanalysen  und  der  Qualität  des  Bauwerks  beeinflussenden  Aktivitäten 
zu  liefern  war.  Der  vom  Beschwerdeführer  abgegebene  Bericht  sei  sehr 
allgemein gehalten.  

 
- 13 -

In  den  Ausschreibungsunterlagen  (Dokument  6.1,  S.  2,  Punkt  2.1)  ist  unter 
dem  Titel  "Maîtrise  technique"  Folgendes  festgehalten:  "L'entreprise  fournit 
un rapport technique qui présente le résultat de ses réflexions, nécessaires à 
l'établissement de l'appel d'offres, en fonction de l'analyse des risques et des 
besoins  du  marché  par  rapport  aux  activités  ayant  une  influence  sur  la 
qualité.  Elle  indique  également  les  moyens  de  production  prévus".  Der 
Beschwerdeführer  hat  zwar  einen  mehrseitigen  technischen  Bericht  erstellt. 
Ob dieser aber tatsächlich den gestellten Anforderungen entspricht, ist mehr 
als  fraglich,  kann  aber  letztlich  offen  bleiben.  Denn  selbst  wenn  man  dem 
Beschwerdeführer für dieses Kriterium die Maximalnote geben würde, ändert 
dies am Ergebnis, dass er mit seiner Offerte nicht auf Rang 1 gelangen kann, 
nichts,  und  zwar  auch  selbst  dann  nicht,  wenn  die  Maximalnote  zum 
Kriterium 4.2 (vgl. unten l. Kriterium 4.2) hinzugezählt würde. 

h. Kriterium 2.2: 

Bei  diesem  Kriterium  geht  es  um  die  Einrichtung  der  Baustelle.  Nach  den 
Ausführungen des Beschwerdeführers habe die Vergabebehörde in den der 
Offerte  beigelegten  Dokumenten  die  lnstallationsplätze  für  das  Los  P3.04 
vergessen.  Er  (der  Beschwerdeführer)  habe  aber  das  verlangte  Dokument 
eingereicht. 

Demgegenüber  bringt  der  Staatsrat  vor,  dass  die  Dokumentation betreffend 
der 
Installationsplätze  keineswegs  vergessen  gegangen  sei.  Der 
Beschwerdeführer  hätte  den  in  den  Submissionsunterlagen  enthaltenen 
Plan, versehen mit einer gelben Leuchtstiftmarkierung, zurückgeschickt. Der 
schematische  Plan  der  Installationen,  wie  in  den  Ausschreibungsunterlagen 
verlangt (Dokument 6.1, S. 2 Punkt 2.2) habe, gefehlt. 

Im  erwähnten  Dokument  sind  die  Anforderungen  bezüglich  der  Einrichtung 
der  Baustelle  umschrieben.  So  müssen  Angaben  gemacht  werden  über  die 
Standorte,  wo  das  Material  gelagert,  die  Baumaschinen  abgestellt  und  sich 
das  Personal  und  die  Verantwortlichen  für  die  Bauausführung  befinden 
werden.  Weiter  war  dazulegen,  wie  die  Probleme  des  Gewässerschutzes 
ist  diesen 
und  der  Abwässer  gelöst  werden.  Der  Beschwerdeführer 
Anforderungen 
seiner 
nicht 
entsprechenden  Eingabe  P20  hat  er  die  vorgesehenen  Depots  mit  einer 
gelben  Farbe  angezeichnet;  aber  weitere  Angaben  fehlen.  Unter  diesen 
Umständen  musste  seine  Offerte  bezüglich  Installation  der  Baustelle  tiefer 
bewertet werden. 

nachgekommen.  Aus 

offensichtlich 

i. Kriterium 2.3: 

In Bezug auf die Umwelt will der Beschwerdeführer das Erforderliche deutlich 
gesagt  haben.  Dass  er  darüber  kein  separates  Dokument  erstellt,  sondern 
auf  andere  Dokumente  verwiesen  habe,  könne  unmöglich  eine  Punktierung 
von nur 10% ergeben. 

 
- 14 -

Gemäss  Angaben  in  den  Ausschreibungsunterlagen  (Dokument  6.1,  S.  2) 
hatte  der  Anbieter  die  Massnahmen  anzugeben,  die  er  hinsichtlich 
Beseitigung  und  Wiederverwertung  der  Abfälle  ("mesures  prises  pour 
l'élimination  et  la  valorisation  des  déchets  et  l'économie  des  moyens  de 
transports")  zu  treffen  beabsichtigt.  Nach  den  Ausführungen  des  Staatsrats 
fehlen solche Angaben. Das trifft zu. Auch wenn kein offizielles Formular zu 
Verfügung  stand,  hätte  der  Beschwerdeführer  in  der  Lage  sein  sollen,  die 
verlangten  Angaben  hinsichtlich  der  Umwelt  zu  machen.  Er  hat  dies  nicht 
getan, weshalb der vorgenommene Punkteabzug nicht zu beanstanden ist. 

j. Kriterium 2.4: 

Der  Beschwerdeführer  macht  geltend,  dass  er  die  Sicherheit  als  oberstes 
Gebot  in  sein  Leitbild  aufnehme  und  dieses  werde  auf  allen  seinen 
Baustellen  strikt  eingehalten.  Das  von  der  Vergabebehörde  vorgestellte 
SUVA-Dokument sei bei ihm schon längst eingeführt und gehöre zum Alltag 
seiner Geschäftstätigkeit. Seine Eingabe P23 an die Vergabebehörde belege 
diese  Aussage  und  sei  ebenfalls  ein  "Q-Dokument"  seines  Management-
Systems.  Es  sei  deshalb  absolut  unverständlich  und  objektiv  nicht 
nachvollziehbar, dass er hier nur 1,2 von 6 Punkten erhalten habe. 

Der  Staatsrat  verweist  auf  Punkt  2.4  des  Dokuments  6.1.  Danach  werden 
Angaben  betreffend  der  Sicherheitsmassnahmen  verlangt,  welche  die 
Unternehmung  in  Funktion  der  Risikoanalyse  vorzunehmen  beabsichtige. 
Der  Beschwerdeführer  hätte  keine  Angaben  betreffend  konkreter 
Risikoanalyse  gemacht  und  im  technischen  Rapport  lediglich  Massnahmen 
vorgeschlagen,  dass  eine  Arbeitsgruppe  gebildet  werde,  die  nach  dem 
Zuschlag  ein  Sicherheitssystem  erarbeiten  werde.  Verlangt  seien  aber 
konkrete,  im  Hinblick  auf  die  spezifische  Situation  der  in  Frage  stehenden 
Baustelle, entsprechende Angaben. 

In  der  Beilage  P23  des  Beschwerdeführers  befinden  sich  hinsichtlich  der 
Sicherheitsfragen  nur  allgemeine  Hinweise.  Angaben  über  die  konkrete 
Baustelle fehlen gänzlich. Mit diesem Verhalten muss der Beschwerdeführer 
zwangsläufig eine Schlechtbewertung seiner Offerte in Kauf nehmen. Wenn 
das  Autobahnamt  hiefür  lediglich  1,2  Punkten  verliehen,  lag  das  in  seinem 
Ermessen,  in  das  einzugreifen  das  Verwaltungsgericht  keine  Veranlassung 
hat.  

k. Kriterium 3.1: 

Der  Beschwerdeführer  gibt  an,  dass  er  seiner  Offerte  drei  Referenzlisten 
beigelegt habe, obwohl nur eine gefordert war. Dass aus diesem Grund eine 
Reduzierung  an  Punkten  resultieren  soll,  könne  nicht  der  Ernst  der 
Vergabebehörde  sein.  lm  Übrigen  sei  er  der  Vergabebehörde  bekannt  und 
diese  wisse  sehr  wohl,  dass  die  geforderte  Erfahrung  vorhanden  sei.  Eine 

 
- 15 -

Punktierung von 0.9 von möglichen 3 Punkten halte einer objektiven Prüfung 
nicht stand. 

Diesbezüglich  ist  in  den  Ausschreibungsunterlagen  Folgendes  festgehalten: 
"L'entreprise  présente  une  réalisation  similaire  à  l'ouvrage  à  exécuter 
(référence  différente  à  celles  du  point  1.2  des  critères  d'aptitude)".  Der 
Staatsrat  legt  dar,  dass  der  Beschwerdeführer  eine  dem  Punkt  1.2. 
identische Referenzliste vorgelegt habe. 

Es mag zutreffen, dass der Beschwerdeführer drei Referenzlisten eingereicht 
hat.  Hier  war  aber  eine  Liste  verlangt  worden,  die  sich  auf  ähnliche/gleiche 
Werke  bezog.  Nach  den  Ausführungen  des  Staatsrats  wurde  keine  solche 
Liste  vorgelegt.  Das  Gericht  hat  keine  Veranlassung,  diese  Aussage 
anzuzweifeln. Aber selbst wenn unter den drei Referenzlisten gleiche Werke 
angeführt wären, liesse sich der Punktabzug nicht beanstanden. Denn es ist 
nicht  Aufgabe  der  Vergabebehörde,  aus  den  drei  Listen  herauszufinden, 
welche vom Beschwerdeführer aufgeführten und realisierten Werke dem Los 
P3.04 gleichkommen. 

l. Kriterium 4.2: 

Nach  den  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  seien  in  der  Verhandlung 
vom 29. Juli 2002 die drei nachgefragten Einheitspreise zur Zufriedenheit der 
Vergabebehörde  beantwortet  und  dokumentiert  worden.  Es  sei  deshalb 
unverständlich,  dass  hier  nur  eine  50%-ige  Punktierung  vorgenommen 
worden sei. 

Der Staatsrat äussert sich dazu nicht und in den Ausschreibungsunterlagen 
ist  nicht  gesagt,  was  unter  "Transparence  de  la  série  de  prix"  zu  verstehen 
ist.  Es  ist  somit  auf  die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  abzustellen 
und davon auszugehen, dass der Punkteabzug nicht gerechtfertigt war. 

c)  Nach  dem  Gesagten  bleibt  festzustellen,  dass  es  dem  Beschwerdeführer 
nicht  gelingt  darzulegen,  der  Entscheid  des Staatsrats  sei  willkürlich  erfolgt. 
Dieser  hat,  von  zwei  Ausnahmen  abgesehen,  in  seinen  Stellungnahmen 
zuhanden  des  Gerichtes  überzeugend  dargelegt,  weshalb  die  Offerte  des 
Beschwerdeführers durch das Autobahnamt tiefer bewertet wurde als die drei 
anderen  Eingaben.  Von  dieser  Beurteilung,  die  sich  auf  das  Autobahnbüro 
als  kompetente  Fachstelle  stützt,  abzuweichen,  hat  das  Verwaltungsgericht 
keinen Grund. Dass das Autobahnamt mit seiner Bewertung sein Ermessen 
missbraucht oder überschritten hat, ist nach dem Gesagten nicht ersichtlich. 
Auch  aus  diesem  Grund  erübrigt  sich  die  Einholung  einer  Expertise.  Die 
Beschwerde erweist sich somit als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 

210.2