# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6cc628c2-71ab-5e91-b24d-f698c905bad4
**Source:** Appenzell Ausserrhoden (AR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 1981-01-24
**Language:** de
**Title:** Appenzell Ausserrhoden Kantonsgericht Sammlung ARGVP 24.01.1981 Verwaltung ARGVP 1988 1017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AR_Gerichte/AR_KG_005_Verwaltung-ARGVP-198_1981-01-24.pdf

## Full Text

A. Entscheide des Regierungsrates 1017

1017

W ahlen und Abstim m ungen. Fristwahrung bei der Abstimmungsbe­
schwerde.

1. Gemäss Art. 47 Abs. 1 derVerordnung vom 6. November 1978 überdie 
politischen Rechte1 (bGS 131.12) kann wegen Verletzung des Stimmrechts 
sowie wegen Unregelmässigkeiten bei der Vorbereitung und Durchfüh­
rung von Wahlen und Abstimmungen beim Regierungsrat Beschwerde ge­
führt werden. Diese ist innert drei Tagen seit der Entdeckung des Be­
schwerdegrundes, spätestens jedoch am dritten Tag nach der amtlichen 
Veröffentlichung des Ergebnisses einzureichen (Art.47 Abs. 2)* ( , . .3)
2. Vorliegendenfalls betrifft der vom Beschwerdeführer gerügte Mangel 
die Abstimmungspublikation des Gemeinderates B. für die Urnenabstim­
mung vom 29. November 1981. Entscheidend ist die Frage, wann der Be­
schwerdeführer den angeblichen Fehler (Beschwerdegrund) im gemeinde- 
rätlichen Edikt entdeckt haben konnte. Unbestritten ist, dass die 
Gemeinde den Stimmberechtigten das Abstimmungsmaterial rechtzeitig 
zugestellt hat. Frühestens zu diesem Zeitpunkt hätte der Beschwerdefüh­
rer den von ihm behaupteten Fehler entdecken können. Ob die dreitägige 
Beschwerdefrist bereits mit der Zustellung der Abstimmungsunterlagen 
an die Stimmberechtigten zu laufen begann, kann dahingestellt bleiben, 
weil die Beschwerde in jedem Fall verspätet eingereicht wurde. «In Abstim­
mungssachen kann die Frist zur Anfechtung eines Mangels nicht indivi­
duell zu laufen beginnen, je nach dem Zeitpunkt, in dem ein Bürger einen 
Fehler in der Abstimmungsvorlage oder im Verfahren entdeckt. Sie muss 
spätestens dann ihren Anfang nehmen, wenn der Mangel dem Stimmbür­
ger nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge bekannt sein kann» (Urteil des 
Schweizerischen Bundesgerichts vom 18. Mai 1973 in Sachen H.B. gegen 
Einwohnergemeinde S. und Regierungsrat des Kantons Appenzell A.Rh., 
Seite 4). Der Beschwerdeführer hat an der öffentlichen Orientierungs­
versammlung vom Mittwoch, 11. November 1981, im Hotel «Ochsen», 
teilgenommen und sich dabei zu Wort gemeldet. Er hat sich acht Tage 
später in einem Leserbrief zu dieser Orientierungsversammlung geäussert. 
Spätestens am 11. November hat er den Beschwerdegrund für seine
1 Heute: Art. 62 Abs. 1 des Gesetzes über die politischen Rechte (bGS 131.12)
2 Heute: Art. 62 Abs. 2 des Gesetzes über die politischen Rechte (bGS 131.12)
3 Vgl. Entscheid Nr. 1016

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A. Entscheide des Regierungsrates 1017,1018

Abstimmungsbeschwerde vom 19. November 1981 entdeckt. Am darauf­
folgenden Tag begann die dreitägige Beschwerdefrist zu laufen. Die am
19. November 1981 der Post übergebene Beschwerde ist offensichtlich zu 
spät eingereicht worden; es ist darauf nicht einzutreten.

RRB 24.1.1981

1018

W ahlen und Abstim m ungen. Die Namen der Unterzeichner von Refe­
rendumsbogen sind vertraulich zu behandeln1.

Der Beschwerdeführer wünscht Einsicht in die Bogen eines Referendums, 
das gegen einen Beschluss des Gemeinderates ergriffen worden ist. Die 
Referendumsbogen sind, einmal eingereicht, der zuständigen Gemeinde­
behörde zu treuen Händen anvertraut. Sie unterliegen von diesem Mo­
ment an dem allgemeinen Grundsatz, wonach die Einsichtnahme in Ak­
ten, die sich im Besitz der Behörde befinden, nur beim Nachweis eines 
schutzwürdigen Interesses zu gestatten ist. Würde bei Referendumsbogen 
von dieser Regel abgewichen, so müssten deren Unterzeichner unter Um­
ständen befürchten, Repressalien ausgesetzt zu werden. Die Ausübung 
des Referendumsrechts würde dadurch in ebenso unnötiger wie untrag­
barer Weise erschwert.

Mit der Einreichung eines Referendums wird erreicht, dass das betref­
fende Geschäft der Einwohnergemeinde zur Abstimmung vorgelegt 
werden muss. Die Unterschriften auf den Referendumsbogen erfüllen und 
erschöpfen ihre Funktion in der Auslösung dieser Abstimmung. Da das 
Referendum nur den Anstoss zur Einleitung des ordentlichen Abstim­
mungsverfahrens gibt, lässt sich schwer vorstellen, welch schutzwürdiges 
Interesse ein Dritter an der Einsichtnahme in die Referendumsbogen 
haben könnte. Im vorliegenden Fall ist denn auch gar nicht versucht wor­
den, ein solches Interesse nachzuweisen.

Zum Begehren um Einsichtgabe in die Begründung des Referendums 
ist zu bemerken, dass ein Referendum überhaupt nicht begründet zu 
werden braucht. Die Unterzeichnung eines Referendums kann aus ganz
1 Vgl. heute: Art. 47 Abs. 2 des Gesetzes über die politischen Rechte (bGS 131.12):

«Die Unterschriftenbogen sind auf der Gemeindekanzlei einzureichen und  
vertraulich zu  behandeln .»

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