# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c0a094ce-3405-5b9a-92c2-b3712077ad54
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-03-21
**Language:** de
**Title:** Medizinischer Sachverhalt ungenügend abgeklärt, da nicht auf RAD-Untersuchungsbericht abgestellt werden kann.
**Docket/Reference:** IV.2014.01226
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2014.01226.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2014.01226
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichter Vogel
Gerichtsschreiberin Schwegler
Urteil
vom
21. März 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch
die
Beiständin
Y.___
diese vertreten durch Rechtsanwältin Christine Fleisch
Meier
Fingerhuth
Fleisch
Häberli
, Rechtsanwälte
Lutherstrasse 36, 8004 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1982,
meldete sich am
7.
Februar 2006
(
Urk.
15/98)
beim Amt für AHV und IV des Kantons
Z.___
, IV-Stelle,
zum Leistungsbezug an.
Mit
Verfügung vom
1
2.
Juni 2006
gewähr
te die IV-Stelle
nach erwerblichen und medizini
schen Abklärungen
Berufsberatung sowie
eine
Abklärung der be
ruflichen
Ein
gliederungsmöglichkeiten
(
Urk.
15/7)
und
im Anschluss daran die Übernahme der Mehrkosten der erstm
aligen beruflichen Ausbildung
(
Kosten
gutsprache vom 2
3.
August 2007,
Urk.
15/21; vgl. auch Kostengutsprache vom 1
3.
März 2008
,
Urk.
15/32
).
Nach
Abschluss der
Anlehre
zum
Hauswartmitar
beiter
(
Anlehr
-Ausweis vom 1
2.
August 2009,
Urk.
15/57) begann
X.___
eine Lehre zum Fachmann Betriebsunterhalt (Schlussbericht vom 1
5.
Juli 2010,
Urk.
15/66), welche er allerdings nicht abschloss (Schlussbericht vom 1
5.
Juli 2010,
Urk.
15/66). D
ie IV-Stelle
sprach
dem Versicherten
daraufhin
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 42 %
mit Verfügung vom 1
4.
Oktober 2010
eine
Viertelsrente
zu
(
Urk.
15/87; Verfügungsteil 2,
Urk. 15/77)
.
I
m Jahr 2012
leitete die mittlerweile zuständige Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
von Amtes wegen eine Revision ein (
Urk.
15/114).
Die IV-Stelle tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und liess den Versicherten von med.
pract
.
A.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
cho
therapie,
vom
Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD) untersuchen (
Urk.
15/159).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom
8.
August 2014,
Urk.
15/161; Einwand vom
7.
Oktober 2014,
Urk.
15/167) hob die IV-Stelle die Rente mit Verfügung vom 2
2.
Oktober 2014 (
Urk.
2) auf das Ende des der Zustellung folgenden Monats auf.
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 2
1.
November 2014 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei ihm weiterhin eine
Viertelsrente
zuzusprechen. Eventualiter sei die Verfügung vom 2
2.
Oktober 2014 aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflich
ten, ein psychiatrisches Gutachten zu veranlassen. Gestützt auf das Gutachten sei über den Anspruch auf eine IV-Rente neu zu verfügen. In prozessualer Hin
sicht stellte er den Antrag auf unentgeltliche Prozessführung und Bestellung von
Rechtsanwältin
Christine Fleisch, Zürich, als unentgeltliche
Rechtsbei
stän
din
(
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 2
9.
Januar 2015 schloss die
Beschwer
degegnerin
auf Abweisung (
Urk.
14 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
15/1-175). Der Beschwerdegegnerin wurde mit Verfügung vom
2.
März 2015
(
Urk.
18)
eine Frist von 20 Tagen zur St
ellungnahme zu den Eingaben des Be
schwerdeführers
vom 1
5.
Januar
(
Urk.
11)
und 1
9.
Februar
2015
(
Urk.
16)
an
gesetzt. Nachdem di
e
Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 2
5.
März 2015 Stellung
genommen hatte
(
Urk.
20)
,
wurde ein zweiter Schriftenwechsel ange
ordnet und dem Beschwerde
führer die unentgeltliche Prozessführung gewährt und Rechtsanwältin Christine
Fleisch, Zürich, als unentgeltliche
Rechtsvertrete
rin
für das vorliegende Verfah
ren bestellt (Verfügung vom 2
7.
März 2015,
Urk.
21).
Mit Replik vom 1
1.
Mai 2015 (
Urk.
23)
hielt der Beschwerdeführer an seinen An
trägen fest. Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (
Urk.
26), was dem Beschwerdeführer am 2
6.
Juni 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
27).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
In der angefochtenen Verfügung vom 2
2.
Oktober 2014 (
Urk.
2) hielt die
Be
schwerdegegnerin
dafür, dass anlässlich der RAD-Untersuchung keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt w
o
rde
n sei
, so dass
eine verbesserte Leistungsfähigkeit vorliege
,
kein IV-re
levanter Gesundheitsschaden ausgewiesen
und
die Rente aufzuheben sei.
Der Beschwerdeführer
brachte in der Beschwerde im Wesentlichen vor, dass sich der Sachverhalt seit der Verfügung vom 1
4.
Oktober 2010 nicht geändert habe, so werde auch im RAD-Bericht vom 2
2.
April 2014 festgehalten, dass es sich weder um eine eindeutige Verbesserung noch um eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes handle, weshalb medizinisch-theoretisch von einem un
ver
änderten Gesundheitszustand auszugehen sei (
Urk.
1 S. 6).
Die Unterlagen würden das Vorliegen einer asthenischen Persönlichkeitsstörung, welche zudem
mit einer Depression einhergehe, belegen. Wie der RAD richtig festgehalten habe,
habe sich der Zustand des Beschwerdeführers weder seit der Zusprechung der
Viertelsrente
noch in Bezug auf den
Zustand
anlässlich der beruflichen Mass
nahmen und medizinische
n
Abklärungen durch die Klinik
B.___
ver
bessert. Ein Revisionstatbestand sei damit nicht gegeben (
Urk.
1 S. 12). Des Weiteren sei festzuhalten, dass das Gutachten des RAD nicht überzeuge, da es auf Behaup
tungen basiere, welche argumentativ nicht begründet würden
,
und
zudem die übrigen medizinischen Akten nicht gewürdigt bzw. einbezogen wor
den
seien (
Urk.
1 S.
12).
Ergänzend führte der Beschwerdeführer in der Stellung
nahme vom 1
5.
Januar 2015 aus, dass die RAD-Beurteilung auf einer Moment
auf
nahme beruhe - eine Erfassung der Diagnose und der damit ver
bundenen
Leis
tungsfähigkeit sei jedoch nur über einen längeren Zeitraum mög
lich (
Urk.
1
1 S. 4).
In der
Beschwerdeantwort vom 2
9.
Januar 2015 konstatierte die
Beschwerde
geg
nerin
, auf den RAD-Untersuchungsbericht könne abgestellt werden und es liege eine Verbesserung des Gesundheitszustandes vor (
Urk.
14).
Mit Eingabe vom 1
9.
Februar 2015 reichte der Beschwerdeführer den Zwi
schen
be
richt der
C.___
AG vom
6.
Februar 2016 ein, wel
cher ein weiterer Hinweis dafür sei, dass er auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht arbeits
fähig sei (
Urk.
16 und
Urk.
17).
Die Beschwerdegegnerin nahm am 2
5.
März 2015 Stellung und hielt an ihren Ausführungen fest. Ergänzend führte sie aus, dass - sofern ein Revisionsgrund verneint würde - die Verfügung mit der substituierten Begründung der
Wiede
r
erwägung
zu schützen sei. Zum E
inen hätten bei
Rentenzusprache
wenig medi
zinische Akten vorgelegen und weitere Abklärungen wären angezeigt gewesen - zum Anderen habe keine Überwindbarkeitsprüfung stattgefunden, obwohl diese nach
Art.
7
Abs.
2
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG)
hätte vorgenommen werden müssen (
Urk.
20).
Mit Replik vom 1
1.
Mai 2015 brachte der Beschwerdeführer in der Hauptsache vor,
dass die Beurteilung, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen
Leis
tungszusprechung
darbot, als absolut vertretbar erscheine. Damit scheide die Annahme der zweifellosen Unrichtigkeit aus
(
Urk.
23)
.
2.
2.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbe
zügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai
2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszu
stan
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im
Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beur
tei
lung
einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
sprache
ent
scheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditäts
be
messung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
2.2
Fehlen die in Art. 17 ATSG genannten Voraussetzungen, so kann die
Renten
ver
fügung
lediglich nach den für die Wiedererwägung rechtskräftiger
Ver
wal
tungsverfügungen
geltenden Regeln abgeändert werden. Danach ist die Ver
wal
tung befugt, auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Ge
gen
stand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn sich diese als zweifellos unrichtig erweist und ihre Berichtigung von er
heblicher Bedeutung ist (
Art.
53
Abs.
2 ATSG; BGE 110 V 176 E. 2a, E. 1 mit Hinweisen).
Das Gericht kann eine zu Unrecht ergangene Revisionsverfügung gegebenen
fall
s mit der substituierten Begründung schützen, dass die ursprüng
liche
Ren
ten
ver
fügung
zweifellos unrichtig und die Berichtigung von erhebli
cher Bedeu
tung ist (BGE 125 V 368 E. 2 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 128 V 272 E. 5b/
bb
; Urteile des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom
3.
September 2014 E. 3.2.2, 9C_762/2013 vom 2
4.
Juni 2014 E. 4.2 und 9C_562/2008 vom 3. November 2008 E. 2.2 je mit Hinweisen).
2.3
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzun
gen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie
setzen die für die Invalidenver
sicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tio
nelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbs
tätigkeit oder Tätigkeit im Aufgaben
bereich auszuüben. Sie sind in ihrem medi
zinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
des Bundes
gesetzes über die Invalidenversicherung IVG
). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigne
ten Prüf
methoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz
und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1).
Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Un
tersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifi
ka
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis ver
sicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte ge
hö
ren – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zu
ver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
3.
3.1
Die medizinische Aktenlage im Zeitpunkt der Verfügung vom
1
4.
Oktober 2010 präsentierte sich folgendermassen:
3.1.1
Dr.
med.
D.___
, Ärztin für Allgemeine Medizin FMH, attestierte dem Beschwerdeführer in ihrem von der
damals zuständigen IV-Stelle
einge
hol
ten
Arzt
bericht
vom 2
2.
Februar 2006 (
Urk.
15/1 S. 3) vollumfängliche Arbeits
un
fähig
keiten vom
-
1
0.
bis 2
1.
Juni 1999,
-
1
.
bis 1
9.
August 1999,
-
1
7.
bis 2
2.
Januar 2001 und vom
-
2
6.
April bis
2.
Mai 2005.
Als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gab sie eine Alkohol- und Drogensucht bei Entwicklungsstörung seit der Pubertät an (
Urk.
15/1 S. 3). Medizinisch-theoretisch sei er voll arbeitsfähig (
Urk.
15/2).
3.1.2
Die behandelnden Ärzte der
E.___
hielten in ihrem
dannzumal
eingeholten Bericht vom 1
5.
März 2006 (
Urk.
15/6 S. 5 ff.)
fest
, dass der Beschwerdeführer sich in stationärer Behandlung befinde.
Behandlungs
be
ginn
sei der 2
1.
Oktober
2005 gewesen und die Behandlung werde voraussicht
lich Ende März 2006
beendet
. Sie notierten
1) eine astheni
sche
Persönlichkeits
störung
(ICD-10 F60.7) und 2) ein
Alkoholabhängigkeits
syndrom
(ICD-10 F10.25)
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
15/6 S.
5). Seit dem
14./1
5.
Lebensjahr habe der Beschwerdeführer bei Konfrontation mit
Belas
tungs
-
und Konfliktsituationen zunächst auf Cannabis und später auf Alkohol zurück
gegriffen, um die inneren Spannungen zu besänftigen. Vor die
sem Hin
ter
grund habe er die Adoleszenz nicht nutzen können, um eine reife Persön
lichkeits
struk
tur auszubilden, weshalb jetzt von einer asthenischen oder ab
hängi
gen
Persön
lich
keits
störung
auszugehen sei (
Urk.
15/6 S. 5).
Die behandelnden Ärzte konstatierten, dass der Beschwerdeführer zuletzt
Gele
genheitsjobs
innegehabt habe und er - sofern er wieder gezwungen sein würde, diesen nachzugehen - nur eingeschränkt arbeitsfähig sei, da das Bewältigen der
Kränkungen und reakt
ivierten
Selbstunwertgefühle
sowie
der
Hilflosigkeits
gefühle
seine Leistungsfähigkeit einschränken würden. Sie empfählen deshalb dringend zunächst
eine
berufsberaterische
Abklärung mit dem Ziel, eine den Fähigkeiten und Interessen des Beschwerdeführers angemessene Erstausbildung im beschützten Rahmen zu finden (
Urk.
15/6 S. 9).
3.1.3
Dr.
med.
F.___
von
der Abteilung Orthopädie
des
B.___
notierte in seinem von der
IV-Stelle
Z.___
eingeholten Arztbericht vom
3.
Juni 2007 1) eine
Ansatztendinose
M.
infraspinatus
Schulter rechts und 2)
eine
Patellagleitlagerdysplasie
Knie links (
Urk.
15/15 S.
1). Er gab an, dass sich die Beschwerden in der rechten Schulter bei sich wiederholenden Bewe
gungen ver
schlechtern könnten
.
V
on Seiten des linken Knies
lägen
aktuell keine Be
schwer
den mit Auswirkung a
uf die Arbeitsfähigkeit vor (
Urk.
15/15 S.
3). Die bisherige Tätigkeit sei ihm aber zu 100
%
zumutbar ohne Verminderung der Leistungs
fähig
keit (
Urk.
15/15 S. 4).
3.2
Die aktuelle medizinische Aktenlage präsentiert sich im Wesentlichen wie folgt:
3.2.1
Dr.
med.
G.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in
seinem von der Beschwerdegegnerin eingeholten Arztbericht vom 1
3.
März 2014
folgende Diagnosen, alle bestehend seit Jahren, mit Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit fest
(
Urk.
15/154 S. 1)
:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0)
-
Abhängige (asthenische) Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7)
-
Schädlicher Gebrauch von Alkohol und Cannabis (ICD-10 F10.1/11.1)
Dr.
G.___
führte aus, dass sich seit seinem letzten Bericht vom 1
9.
September 2013 weiterhin eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gezeigt habe, welche gemittelt bei ca. 50
%
liege. So sei es nach reiflicher Überlegung zur Kündigung auf Ende Oktober 2013 in der geschützten Werkstatt
H.___
in
I.___
gekommen, da ein Wiedereinstieg einfach nicht habe klappen können. Der Be
schwerdeführer sei jedoch gewillt, dort wieder einzusteigen, sobald eine grössere Konstanz vorhanden
sei. So habe er phasenweise
seiner Mutter, die im Septem
ber 2013 die Schulter gebrochen habe, bei der Hausarbeit
he
lfen
können
, dies jedoch nicht durchgehend und ohne Unterbrüche. Auch der geplante Einstieg in die interne Arbeitsgruppe des
C.___
habe nicht funktioniert und es sei jetzt ab Mitte März 2014 ein erneuter Anlauf mit drei Tagen nach
mittags und zwei Tagen vormittags entspre
chend 50
%
Anwesenheit geplant (
Urk.
15/154 S. 1).
Als Mitarbeiter im Reinigungsdienst sei er zu 50
%
arbeitsunfähig seit dem
6.
Mai 201
3.
Seit dem letzten Bericht im September 2013 habe es keine gravie
renden Änderungen bezüglich der Einschränkungen gegeben, dies trotz Abklin
gen der Depression. Weiterhin bestünden Probleme im Antrieb und Mangel an Energie, Dinge umzusetzen. Wie bereits im Zwischenbericht vom 1
9.
September 2013 erwähnt, sei der sporadische Alkohol- und Cannabiskonsum nicht ursäch
lich für die Phasen, in denen auf die vorliegenden Ressourcen nicht zugegriffen werden könne, sodass eine kontinuierliche Arbeitsfähigkeit vorhanden wäre (
Urk.
15/154 S. 3 f.).
3.2.2
Am 1
8.
Juli 2014 wurde der Beschwerdeführer von med.
pract
.
A.___
unter
sucht.
Psychiatrische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit lägen keine vor. Ohne
dauerhafte
Auswirkungen bestehe 1) eine Alkoholabhängigkeit (ICD-10 F12.2), 2) eine Cannabisabhängigkeit (ICD-10 F12.2) und 3) abhängige Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1).
Bei der aktuellen RAD-Untersuchung hätten sich keine wesentlichen depressi
ven Symptome gefunden. In den Berichten fehle eine Herleitung, wie man zur
Diagnose einer abhängigen Persönlichkeitsstörung gekommen sei, sowie eine Begründung, warum nicht nur eine abhängige Persönlichkeit, sondern gar eine Persönlichkeitsstörung vorliege (
Urk.
15/159 S. 5).
Der Beschwerdeführer schildere bei sich abhängige Persönlichkeitszüge (er könne
schlecht nein sagen). Andererseits sei er z.B. 2012 in der Lage
gewesen
, alleine mit
dem
Rucksack
und einem monatlichen Budget von
Fr.
250.--
vier Monat
e durch die Schweiz zu wandern
. Das tatsächliche Leben zeige also be
achtliche selbständige Fähigkeiten, so dass nicht von einer abhängigen
Persön
lichkeits
stö
rung
ausgegangen werden könne (
Urk.
15/159 S. 5).
Die Leistungsfähigkeit habe sich verbessert, so liege keine Depression mehr vor, auch eine abhängige Persönlichkeitsstörung sei nicht mehr erkennbar. Die vom Beschwerdeführer geschilderte Angst vor dem ersten Arbeitsmarkt sei nicht IV-relevant. Es liege eine Ent
wöhnung von voller Arbeit vor (
Urk.
15/159 S. 6).
4.
4.1
Die durch med.
pract
.
A.___
vorgenommene Beurteilung lässt auf eine Ver
besserung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers schliessen, da er keine
Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit notierte und entsprechend von einer vollumfänglichen Arbeitsfähigkeit ausging. Aller
dings kann der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers gestützt auf den RAD-Untersuchungsbericht nicht abschliessend beurteilt werden:
Med.
pract
.
A.___
konstatierte
im RAD-Untersuchungsbericht
, dass
in den
Arzt
b
erichten
eine Herleitung der Diagnose der abhängigen
Persönlichkeitsstö
rung
und ebenso eine Begründung, warum nicht nur
eine abhängige Persön
lichkeit
vorli
ege, fehl
t
e
n
.
Der
Beschwerdeführer
schildere
zwar abhängi
ge
Per
sönlich
keitszüge
(er könne schlecht nein sagen),
sei
andererseits
aber
im
Jahre
201
2 in der Lage gewesen
, alleine mit
dem
Rucksack vier Monate durch die Schweiz zu wandern
.
Das tatsächliche Leben zeige also beachtliche selbständige Fähig
keiten
des Beschwerdeführers
, so dass nicht von einer abhängigen
Per
sönlich
keits
stö
rung
ausgegangen werden könne (
Urk.
15/159 S.
5).
Es liege keine
Depression mehr vor, auch eine abhängige Persönlichkeitsstörung sei nicht
mehr erkennbar. Die vom Beschwerdeführer geschilderte Angst vor dem
1.
Arbeits
markt sei nicht
IV-
relevant. Es liege eine Entwöhnung von voller Arbeit vor (Urk.
15/159 S. 6).
Die
se
Begründung von med.
pract
.
A.___
vermag allerdings - unter Berück
sichtigung, dass die abhängige Persönlichkeitsstörung
von den
Ärzte
n
der
E.___
im Bericht vom 1
5.
März 2006 (E. 3.1.2), von den Ärzten der
Psychiatrischen Klinik
J.___
in ihrem Bericht
über die
Hospi
talisation
vom 2
1.
August 2006 bis
zum 1
2.
Januar 2007 (
Urk.
15/132 S. 7
)
und
aktuell
von
Dr.
G.___
(E.
3.2.1)
wiederholt diagnostiziert wurde, nicht
voll
umfänglich
zu überzeugen.
Dem Beschwerdeführer ist es noch nie gelungen, für länge
re Zeit im ersten Arbeitsmarkt F
uss zu fassen, weshalb nicht von einer Entwöhnung von voller Arbeit gesprochen werden kann. Des Weiteren bezog med.
pract
.
A.___
den Umstand, dass der Beschwerdeführer betreut wohnt, in keiner Weise in seine Würdigung ein.
Damit bestehen einige Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit des Un
tersuchungsberichts von med.
pract
.
A.___
, womit nicht darauf abgestellt wer
den kann (vgl. E.
2.3
).
4.2
Auf die im
Recht liegenden Arztberichte von
Dr.
G.___
(vgl.
Urk.
15/130;
Urk.
15/138;
Urk.
15/150;
Urk.
15/154;
Urk.
15/166;
Urk.
13/11) kann unter Berücksichtigung der Erfahrungstatsache, dass behandelnde Arztpersonen bzw.
The
rapiekräfte
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauens
stellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussa
gen (BGE 135 V
465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc), nicht abgestellt werden.
4.
3
Nach dem Gesagten können aufgrund der vorliegenden Akten, insbesondere auch
de
s
RAD-Untersuchungsbericht
s
,
der aktuelle Gesundheitszustand de
s Be
schwer
de
führers
sowie
seine
Arbeitsfähigkeit nur ungen
ügend festgestellt wer
den
. Die medizinische Aktenlage lässt demnach keine abschliessende Beurtei
lung der strittigen Renten
aufhebung
zu.
Die Sache ist
somit
an die
Beschwerde
gegnerin
zurückzuweisen (E.
2.4), damit sie den aktuellen psychischen Gesund
heitszu
stand
mittels eines verwaltungsexternen Gutachtens
rechtsgenüglich
ab
klärt und hernach über
den
Leistungsanspruch entscheidet. In die
sem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rück
weisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist gestützt auf
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) unter
Berücksichti
gung der Bedeutung der Streitsache und der Schw
ierigkeit des Prozesses auf
Fr. 2‘7
00.-- (inklusive
Mehrwertsteuer
und Barauslagen) festzusetzen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefoch
tene Verfügung vom 2
2.
Oktober 2014 aufgehoben,
und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen
wird
, damit diese, nach erfolgter Ab
klärung im Sinne der Erwägun
gen, über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers
neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt. Rech
nung
und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zu
gestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der unentgeltlichen Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers, Rechtsanwältin Christine Fleisch, Zürich,
eine
Prozessentschädi
gung
von
Fr.
2‘700
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Christine Fleisch
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstSchwegler