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**Case Identifier:** 482be92a-19a4-580f-b0af-a2db4a98e6e1
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-09-21
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 1. Kammer 21.09.2020 U 2019 45
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_001_U-2019-45_2020-09-21.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

U 19 45

2. Kammer 

Vorsitz von Salis
Richter Meisser, Pedretti 
Aktuar ad hoc Fässler

URTEIL

vom 21. September 2020

in der Streitsache

A._____,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Martin Suenderhauf,

Beschwerdeführer

gegen 

Kantonales Sozialamt Graubünden,

Beschwerdegegner

betreffend Opferhilfe

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1. Am 1. Juni 2017, um ca. 14:00 Uhr, versuchte das Betreibungsamt der Re-

gion B._____ am Wohnort von C._____ in X._____ eine früher angekün-

digte Pfändung zu vollziehen. Zur Unterstützung wurde die Kantonspolizei 

Graubünden aufgeboten. Nachdem die uniformierten Kantonspolizisten 

A._____ und D._____ bei C._____ geklingelt hatten und dieser die Türe 

geöffnet hatte, stellte A._____ seinen Fuss zwischen Türe und Türrahmen, 

um das augenblickliche Schliessen der Tür durch C._____ zu verhindern. 

Dieser zog sich daraufhin in Richtung Küche zurück. Dabei folgten ihm die 

beiden Polizisten in die Wohnung. In der Küche behändigte C._____ ein 

Santoku-Küchenmesser, worauf A._____ seine Dienstwaffe zog und auf 

C._____ richtete. A._____ forderte C._____ auf, das Küchenmesser weg-

zulegen, was dieser (erst) nach kurzem Geschrei tat. In der Folge verlies-

sen die Polizisten die Wohnung und forderten Verstärkung an. Nach ca. 15 

Minuten kam C._____ aus seiner Wohnung und liess sich widerstandslos 

durch die anwesenden Polizisten festnehmen.

2. Die Staatsanwaltschaft Graubünden verurteilte C._____ mit Strafbefehl 

vom 4. September 2018 wegen mehrfacher Gewalt und Drohung gegen 

Behörden und Beamte gemäss Art. 285 Ziff. 1 StGB sowie des mehrfachen 

Ungehorsams des Schuldners im Betreibungs- und Konkursverfahren 

gemäss Art. 323 StGB zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 

Fr. 40.--, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von drei Jahren, sowie 

zu einer Busse von Fr. 700.--.

3. Am 19. Oktober 2018 stellte A._____ ein Gesuch um Ausrichtung einer Ge-

nugtuung von Fr. 4'000.-- zuzüglich 5 % Zins seit 1. Juni 2017 gemäss Op-

ferhilfegesetz an das Kantonale Sozialamt Graubünden (nachfolgend: 

SoA), Opferhilfe Graubünden, Entschädigungs- und Genugtuungsstelle.

4. Am 24. Oktober 2018 stellte der Rechtsvertreter namens und im Auftrag 

von A._____ und D._____ das Gesuch um Zusprechung einer Genugtu-

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ung. Für A._____ ersuchte er um eine Genugtuung von Fr. 4'000.-- zuzüg-

lich 5 % Zins seit 1. Juni 2017; unter gesetzlicher Kosten- und Entschädi-

gungsfolge.

5. Am 6. November 2018 ersuchte das SoA A._____ darzulegen, inwieweit 

sein Leben durch die Handlungen des Täters beeinträchtigt wurde (z.B. mit-

tels Bestätigung von Inanspruchnahme psychologischer Hilfe, Arbeitsun-

fähigkeitszeugnis, Kurse, um das Erlebte besser verarbeiten zu können, 

etc.).

6. Mit Schreiben vom 29. November 2018 legte der Rechtsvertreter von 

A._____ dar, dass dieser sich zwei Mal für Gespräche an die Opferhilfe 

gewandt habe. Polizisten seien jedoch grundsätzlich an das Amtsgeheim-

nis gebunden, weshalb es nicht möglich sei, sich im familiären Umfeld oder 

mit Kollegen auszutauschen. A._____ denke immer wieder an das Erlebte 

und sehe sich in der Nacht immer wieder mit Bildern von diesem Ereignis 

konfrontiert. Er könne auch den eigentlichen Dienst nicht in gleicher Weise 

unbeschwert ausüben wie vor den Geschehnissen.

7. Am 30. November 2018 forderte das SoA die Akten betreffend die Beratung 

von A._____ von der Opferhilfe Graubünden, Beratungsstelle, an.

8. Mit Schreiben vom 6. Dezember 2018 gab die Beratungsstelle der Opfer-

hilfe Graubünden die Akten der Opferberatung heraus.

9. Mit Verfügung vom 25. März 2019 wies das SoA das Gesuch betreffend 

Ausrichtung einer Genugtuung vom 24. Oktober 2018 ab. Die Abweisung 

begründete das SoA hauptsächlich damit, dass aus den Akten nicht ersicht-

lich sei, dass das Leben des Beschwerdeführers durch das Ereignis am 

1. Juni 2017 nachhaltig verändert worden sei. Die erlittene Beeinträchti-

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gung vermöge die Schwere der Beeinträchtigung, welche für eine Genug-

tuung gefordert werde, nicht zu begründen.

10. Gegen diesen abschlägigen Entscheid des SoA vom 25. März 2019 ge-

langte A._____ (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 24. April 2019 mit Be-

schwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Darin be-

antragte er, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, das SoA sei zu 

verpflichten, ihm eine Genugtuung von Fr. 3'000.-- auszubezahlen und die 

Kosten des Beschwerdeverfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen. 

Ebenso sei dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor der Vorinstanz 

eine Entschädigung von Fr. 1'414.20, eventualiter eine nach richterlichem 

Ermessen festzusetzende Parteientschädigung zuzusprechen, alles unter 

gesetzlicher Entschädigungsfolge für das Beschwerdeverfahren. Begrün-

dend führte der Beschwerdeführer hauptsächlich an, dass das SoA den 

Sachverhalt unzureichend festgestellt habe. Es sei unumgänglich, dass im 

Beschwerdeverfahren die gesamten Strafakten beigezogen würden. Eine 

Genugtuung sei bereits aufgrund der konkreten Schwere der Delikte und 

der daraus abzuleitenden notorisch vorhandenen schweren Beeinträchti-

gung indiziert. Es sei zudem unbillig, nur denjenigen Opfern eine Genugtu-

ung zuzusprechen, die ihr Leiden mittels eines Therapieberichtes nachwei-

sen können.

11. Mit Vernehmlassung vom 17. Mai 2019 beantragte das SoA (nachfolgend: 

Beschwerdegegner) die kostenfällige Abweisung der Beschwerde, soweit 

darauf eingetreten werden könne.

Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, die angefochtene 

Verfügung sowie die weiteren Akten wird, soweit erforderlich, in den nach-

stehenden Erwägungen eingegangen.

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Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Anfechtungsobjekt ist vorliegend die Verfügung des Beschwerdegegners 

vom 25. März 2019, worin das Gesuch des Beschwerdeführers betreffend 

Ausrichtung einer Genugtuung vom 24. Oktober 2018 abgewiesen wurde. 

Gemäss Art. 6 Abs. 1 der Vollziehungsverordnung zum Bundesgesetz über 

die Hilfe an Opfer von Straftaten (VVzOHG; BR 549.100) kann gegen die 

gestützt auf diese Verordnung ergangenen Verfügungen innert 30 Tagen 

seit Mitteilung Beschwerde beim Verwaltungsgericht eingereicht werden. 

Dieses überprüft die angefochtene Verfügung frei. Die Verfügung des Be-

schwerdegegners vom 25. März 2019 stellt ein taugliches Anfechtungsob-

jekt dar. Das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden ist gemäss 

Art. 26 Abs. 1 des Opferhilfegesetzes (OHG; SR 312.5) und Art. 6 VVzOHG 

örtlich und sachlich zuständig.

1.2. Der Beschwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung berührt und 

hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung, 

weshalb er gemäss Art. 50 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege 

(VRG; BR 370.100) zur Beschwerde legitimiert ist. Auf die im Übrigen frist- 

und formgerecht (Art. 38 VRG, Art. 6 VVzOHG) erhobene Beschwerde ist 

somit einzutreten.

1.3. Das Verwaltungsgericht entscheidet in einzelrichterlicher Kompetenz, 

wenn der Streitwert Fr. 5'000.-- nicht überschreitet und keine Fünferbeset-

zung vorgeschrieben ist (Art. 43 Abs. 3 lit. a VRG). Der Streitwert beträgt 

vorliegend Fr. 4'414.20 (Fr. 3'000.-- + Fr. 1'414.20), womit grundsätzlich die 

Einzelrichterin entscheidet. Dennoch wird vorliegend die Dreierbesetzung 

angeordnet (Art. 43 Abs. 4 VRG).

2. Gemäss Art. 4 Abs. 1 VVzOHG kann das Amt zur Ermittlung des Sachver-

haltes Beteiligte und Auskunftspersonen befragen, sämtliche Akten, Urkun-

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den und Sachverständige beiziehen sowie andere zweckmässige Erhebun-

gen vornehmen. Die am Verfahren Beteiligten sind verpflichtet, an der Fest-

stellung des Sachverhalts mitzuwirken (Art. 11 Abs. 2 VRG), womit auch 

ausdrücklich das Opfer gemeint ist (Art. 4 Abs. 3 VVzOHG). Die Behörde 

erhebt die notwendigen Beweise, wobei sie an Begehren zur Ermittlung 

des Sachverhalts nicht gebunden ist (Art. 11 Abs. 3 VRG). Der Beschwer-

deführer hält den Beizug sämtlicher Strafakten zum Vorfall vom 1. Juni 

2017 für unumgänglich, ohne dieses Vorbringen zu substantiieren. Zu die-

sem Begehren ist festzuhalten, dass der Beschwerdegegner am 25. Okto-

ber 2018 die Akten des Strafverfahrens VV.2017.1354/CAN zur Einsicht-

nahme von der Staatsanwaltschaft Graubünden anforderte (vgl. beschwer-

degegnerische Akten/Opferhilfe [Bg/OH-act.] 10). Die Strafakten 

VV.2017.1354/CAN (Dossier 1, 3 - 8 [ohne Dossier 2, Akten zur Person]) 

wurden dem Beschwerdegegner am 26. Oktober 2018 zugestellt (vgl. 

Bg/OH-act. 11). Dem Vertreter des Beschwerdeführers wurde am 30. Ok-

tober 2018 das Ersuchen um Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft 

Graubünden mitgeteilt (vgl. Bg/OH-act. 12). Beim Vorfall vom 1. Juni 2017 

waren neben C._____ die beiden Polizisten in der Person von D._____ und 

dem Beschwerdeführer anwesend. Alle ihre Aussagen liegen vor (vgl. be-

schwerdegegnerische Akten/Staatsanwaltschaft Graubünden [Bg/StA GR-

act.] vollständiges Dossier 4/ Gewalt und Drohung gegen Behörden und 

Beamte vom 1. Juni 2017 in X._____ z.N. von A._____ und D._____/ Nr. 1 

- 28). Der Strafbefehl gegen C._____ war im Zeitpunkt der Einreichung des 

Gesuchs um Opferhilfe rechtskräftig, sodass sämtliche Strafakten zu die-

sem Vorfall bereits im vorinstanzlichen Verfahren im Recht lagen. Der 

Rechtsvertreter erhielt vorinstanzlich nach Erlass der angefochtenen Ver-

fügung sämtliche Akten zugestellt (Bg/OH-act. 22-24). Zudem ist der Be-

schwerdeführer anwaltlich vertreten und ihm ist nicht zuletzt aufgrund die-

ser Tatsache zumutbar, die relevanten Akten aus dem Strafverfahren, ins 

Beschwerdeverfahren einzubringen.

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Nach Ansicht des Gerichts kann deshalb auf den Beizug weiterer Akten 

verzichtet werden, weil es aufgrund der bereits abgenommenen Beweise 

seine Überzeugung gebildet hat und ohne Willkür annehmen kann, dass 

diese durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert wird (antizipierte 

Beweiswürdigung, vgl. BGE 143 III 297 E.9.3.2, 141 I 60 E.3.3. m.H., 140 III 

16 E.2.1).

3. In materieller Hinsicht streitig und zu prüfen ist, ob dem Beschwerdeführer 

als Kantonspolizist aufgrund der Vorkommnisse im Rahmen eines Polizei-

einsatzes ein Genugtuungsanspruch gemäss Opferhilfegesetz (OHG) zu-

steht.

3.1. Gemäss dem OHG hat jede Person, die durch eine Straftat in ihrer körper-

lichen, psychischen oder sexuellen Integrität unmittelbar beeinträchtigt 

worden ist (Opfer), Anspruch auf Unterstützung nach diesem Gesetz (Art. 1 

Abs. 1 OHG). Das Opfer und seine Angehörigen haben einen Anspruch auf 

eine Genugtuung, wenn die Schwere der Beeinträchtigung es rechtfertigt; 

die Artikel 47 und 49 des Obligationenrechts sind sinngemäss anwendbar 

(Art. 22 Abs. 1 OHG). Bei Eingriffen in die körperliche Integrität wird die 

erforderliche Schwere der Beeinträchtigung in der Regel verneint, wenn die 

Verletzungen ohne grosse Komplikationen und dauernde Folgen verheilen. 

Bei vorübergehenden Beeinträchtigungen setzt ihre genügende Schwere 

besondere Umstände voraus, die etwa durch lange bzw. mehrmonatige 

Spitalaufenthalte oder lange Arbeitsunfähigkeiten oder Leidenszeiten mit 

besonders heftigen Schmerzen begründet werden können. Die für eine Ge-

nugtuung erforderliche Schwere einer heilbaren körperlichen Verletzung 

kann sich auch durch die damit bewirkten erheblichen psychischen Beein-

trächtigungen, wie posttraumatischen Störungen mit Persönlichkeitsverän-

derungen, ergeben. Die Höhe der Genugtuung wird nach der Schwere der 

Beeinträchtigung bemessen (Art. 23 Abs. 1 OHG), die namentlich von der 

Intensität und Dauer der körperlichen und psychischen Folgen und ihren 

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Auswirkungen auf das Berufs- und Privatleben des Opfers abhängen (vgl. 

zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 1C_320/2019 vom 23. April 2020 

E.4.3. m.H.; GOMM, in: GOMM/ZEHNTNER [Hrsg.], Handkommentar Opferhil-

fegesetz, 3. Aufl., Bern 2009, Art. 22 Rz. 9).

3.2. Der Beschwerdeführer bringt vor, dass sich mit Bezug auf Verletzungen 

der psychischen Integrität teilweise eine differenzierte Betrachtungsweise 

aufdränge. Seelisches Leid lasse sich nur schwer bemessen und eine psy-

chische Beeinträchtigung nur schwer nachweisen. Es sei jedoch unbillig, 

nur denjenigen Opfern eine Genugtuung zuzusprechen, die ihr Leiden mit-

tels eines Therapieberichtes nachweisen können. Genugtuungserhöhend 

seien gemäss Beschwerdeführer folgende Umstände zu berücksichtigen: 

der Einsatz (oder allenfalls nur das Vorhandensein) von Waffen 

oder anderen gefährlichen Gegenständen, mehrere Täter, der Tatort sei 

ein geschützter Bereich (Wohnung, Arbeitsplatz), das Opfer habe sich in 

Lebensgefahr befunden, mehrfache/wiederholte Tatbegehung bzw. ein 

längerer Zeitraum der Tatbegehung, ausserordentlich schwere psychische 

Beeinträchtigung, welche durch Therapieberichte belegt sei.

C._____ habe das Santoku-Küchenmesser, welches eine Klingenlänge 

von 20 cm aufweise, in der linken Hand gehalten und sich damit bis auf 

eine Distanz von ca. 30 cm auf den Beschwerdeführer zubewegt. Die 

Klinge habe sich dabei in waagrechter, seitlicher Position befunden. 

Während der Annäherung habe er den Beschwerdeführer aufgefordert zu 

schiessen. Der Beschwerdeführer habe sich in einem Gewissenskonflikt 

befunden, entweder auf den unmittelbar vor ihm stehenden C._____ zu 

schiessen oder die totale Eskalation durch einen Rückzug zu vermeiden. 

Nach dieser mehrminütigen Bedrohungslage habe sich C._____ letztlich 

über das Gespräch dazu bewegen lassen, das Messer wegzulegen. Darauf 

habe der Beschwerdeführer die Waffe gesenkt und die Wohnung verlas-

sen. Der Beschwerdeführer habe sich aufgrund der unberechenbaren Ver-

haltensweise von C._____ über einen längeren Zeitraum in unmittelbarer 

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Lebensgefahr befunden und Todesängste erlitten. Eine Genugtuung sei 

bereits aufgrund der konkreten Schwere der Delikte und der daraus abzu-

leitenden notorisch vorhandenen schweren Beeinträchtigung indiziert. Der 

Beschwerdeführer leide unter den Ereignissen des damaligen Einsatzes 

und habe sich auch deshalb entschlossen, das Anstellungsverhältnis als 

Polizeibeamter per 30. Juni 2019 aufzulösen. 

3.3. Der Beschwerdegegner vertritt die Ansicht, dass die Kantonspolizisten von 

einer gewissen Gewaltbereitschaft von C._____ ausgingen, weshalb sie 

bereits Handschuhe und Schutzwesten trugen. Dass der Beschwerdefüh-

rer die Waffe ziehen musste, stehe in unmittelbarem Zusammenhang mit 

seiner Tätigkeit als Kantonspolizist. Eine allfällige psychische Beeinträchti-

gung habe damit lediglich einen mittelbaren Zusammenhang mit der Straf-

tat und sei für das Verfahren vor der Opferhilfebehörde irrelevant. Sodann 

führte der Beschwerdegegner aus, dass gemäss Rechtsprechung des Bun-

desgerichts ein Raubüberfall, bei welchem das Opfer mit einer Faustfeuer-

waffe bedroht wurde, nicht einen dauernden, erheblichen psychischen 

Schaden mit anhaltender Erwerbsunfähigkeit zu verursachen vermöge. Es 

sei zwar üblicherweise mit einer Traumatisierung zu rechnen, das Opfer 

überwinde diese jedoch in aller Regel innert einiger Wochen oder Monate 

(vgl. BGE 129 V 177 E.4.3. m.H.).

Der Beschwerdeführer habe ausgesagt, dass C._____ das Messer seitlich 

hielt und es nicht nach vorne gerichtet war (Bg/StA GR-act. 24 S. 5 Ziff. 7). 

Somit könne nicht von einem direkten Angriff ausgegangen werden. Der 

Beschwerdeführer habe keine Hinweise gemacht oder Beweise erbracht, 

inwiefern sich sein Leben nach dem Ereignis vom 1. Juni 2017 wesentlich 

verändert habe. Der Beschwerdeführer sei seinen alltäglichen Pflichten be-

reits am Folgetag nachgekommen. Die beruflichen Leistungen seien im 

Wesentlichen unvermindert möglich gewesen (vgl. Bg/OH-act. 14). 

Gemäss den vorliegenden Akten könne lediglich von einer minimalen psy-

chischen Störung ausgegangen werden.

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Weiter verwies der Beschwerdegegner auf einen Entscheid des Bundes-

gerichts, in welchem ein Kantonspolizist im Rahmen eines Polizeieinsatzes 

in eine Rauferei verwickelt und von einem Angreifer im Gesicht getroffen 

worden sei. Der Kantonspolizist hatte eine offene Wunde, welche genäht 

werden musste, und es wurde eine posttraumatische Belastungsstörung 

diagnostiziert. Da allerdings nicht nachgewiesen wurde, dass die Persön-

lichkeit des Opfers sich dauerhaft und signifikant verändert hatte, wurde ein 

Anspruch auf Genugtuung verneint (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

1C_509/2014 vom 1. Mai 2015 E.2.1 ff.).

Schliesslich bringt der Beschwerdegegner vor, dass der Auftrag bzw. die 

Arbeit als Kantonspolizist ein gewisses Gefährdungspotential mit sich 

bringe. Die vom Beschwerdeführer zitierten Ausführungen aus der Literatur 

würden sich jedoch auf Fälle beziehen, bei welchen die Opfer nicht per se 

schon aufgrund ihrer Tätigkeit mit gewissen Gefahren rechnen müssten. 

Diese Ausführungen seien deshalb nicht auf den vorliegenden Fall anzu-

wenden.

3.4.1. Relevant für den Anspruch auf Genugtuung ist die "Schwere der Beein-

trächtigung". Aus den Akten der Staatsanwaltschaft Graubünden ergibt 

sich, dass die Bedrohungssituation innerhalb eines Zeitraumes von maxi-

mal neun Minuten, d.h. zwischen 13:55 Uhr und 14:04 Uhr vorlag (Bg/StA 

GR-act. 1 S. 1 f.). C._____ legte das Messer nach einem kurzen Wortwech-

sel nieder (vgl. Bg/StA GR-act. 1 S. 3). Er hielt das Messer gemäss Straf-

befehl vom 4. September 2018 senkrecht entlang des Körpers (vgl. Bg/OH-

act. 6 S. 3 Ziff. 2). D._____ sagte als Auskunftsperson aus, dass das Mes-

ser waagrecht in Richtung des Beschwerdeführers gehalten wurde (vgl. 

Bg/StA GR-act. 23 S. 3 Ziff. 2 und S. 4 Ziff. 7 f.). Der Beschwerdeführer 

gab als Auskunftsperson an, dass C._____ das Messer waagrecht und seit-

lich gehalten habe, wobei er seine Aussage präzisierte, wonach C._____ 

in der letzten Situation das Messer seitlich hielt. Es sei gut möglich, dass 

er es vorher nach vorne gerichtet hatte (vgl. Bg/StA GR-act. 24 S. 3 Ziff. 2 

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und S. 5 Ziff. 7). C._____ sagte aus, dass er das Messer nach unten mit 

der Klinge nach hinten gehalten habe (vgl. Bg/StA GR-act. 21 S. 4 Ziff. 24) 

bzw. das Messer nie erhoben habe und es am Oberschenkel mit der Klinge 

nach unten gehalten habe (vgl. Bg/StA GR-act. 26 S. 3 Ziff. 1 und S. 5 

Ziff. 9).

C._____ habe mit dem Santoku-Küchenmesser nicht einen Angriff beab-

sichtigt, sondern er habe sich von den zwei Polizisten bedroht gefühlt und 

das Messer zu seinem Schutz behändigt. Er habe sich bezüglich des Fus-

ses in seiner Türe genervt und seinen Anwalt kontaktieren wollen. Als die 

Polizei ihm in die Wohnung folgte, habe er Panik bekommen, wobei er in 

die Küche gelaufen sei und ein Küchenmesser aus dem Messerblock ent-

nommen habe. Der Beschwerdeführer richtete seine Dienstwaffe auf ihn. 

Nach kurzem Geschrei legte C._____ das Messer zur Seite (vgl. 

Bg/StA GR-act. 1 S. 3, act. 21 und act. 26). Während der Auseinanderset-

zung/Bedrohungssituation habe der Abstand zwischen C._____ und dem 

Beschwerdeführer gemäss D._____ 1.5 m betragen (vgl. Bg/StA GR-act. 

23 S. 3). Gemäss Beschwerdeführer habe der Abstand zwischen dem 

Oberkörper von C._____ und dem Lauf seiner Pistole zeitweise 0.3 m be-

tragen (vgl. Bg/StA GR-act. 24 S. 3). C._____ sprach von 1.5 m bis 1.8 m 

Abstand (vgl. Bg/StA GR-act. 26 S. 8).

Angesichts des Umstands, dass die Bedrohungslage maximal wenige Mi-

nuten lang dauerte, der Beschwerdeführer zusammen mit einem Berufs-

kollegen einem einzelnen Täter gegenüberstand – und darüber die Aussa-

gen über den gegenseitigen Abstand zwischen 0.3 Meter und 1.8 Meter 

variieren – und überdies der Beschwerdeführer in Schutzausrüstung mit 

gezogener Schusswaffe dem Täter mit dem Santoku-Küchenmesser ge-

genüber physisch überlegen war, erhellt sich dem Gericht die Schwere der 

Beeinträchtigung, die zu einer Genugtuung nach OHG berechtigen sollte, 

nicht.

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3.4.2. Der Beschwerdeführer stand im Ereigniszeitpunkt seit gut 11.5 Jahren im 

Dienst der Kantonspolizei (vgl. beschwerdeführerische Akte [Bf-act.] 6). 

Aufgrund seiner Ausbildung und mehrjährigen Berufserfahrung ist davon 

auszugehen, dass er sich funktionsgemäss mit derartigen Situationen (an-

tizipierend) auseinandergesetzt hat und ihnen angemessen begegnen 

konnte. Dass die Polizisten mit der Gewaltbereitschaft von C._____ rech-

neten bzw. rechnen mussten, zeigt die Tatsache, dass die Polizisten mit 

Handschuhen und Schutzwesten zum Einsatz erschienen (vgl. Bg/StA GR-

act. 23 S. 3 Ziff. 2, Bg/OH-act. 6 Ziff. 2). Für beide Polizisten war es zudem 

mindestens das zweite berufliche Zusammentreffen mit C._____ (vgl. 

Bg/StA GR-act. 23 und 24 je S. 2). Die Polizisten haben sich auch deshalb 

gemäss eigenen Aussagen vorgenommen, dass die Türe, wenn sie einmal 

aufgehe, nicht mehr zugehe (vgl. Bg/StA GR-act. 23 Ziff. 2). Überrascht 

von der Gewaltbereitschaft von C._____ wurden sie folglich nicht. 

3.4.3. Dass sich der Beschwerdeführer in einem Gewissenskonflikt befunden ha-

ben soll, entweder auf den unmittelbar vor ihm stehenden C._____ zu 

schiessen oder die totale Eskalation durch einen Rückzug zu vermeiden, 

überzeugt ebenfalls nicht. Der Schusswaffengebrauch ist gemäss Recht-

sprechung des Bundesgerichts nur ein subsidiäres und letztes Mittel (vgl. 

BGE 136 I 87 E.4.1. m.H.). Die Dienstwaffe darf nur als ultima ratio einge-

setzt werden, wenn andere verfügbare Mittel nicht ausreichen. Dem Be-

schwerdeführer als erfahrenem Polizisten war dies zweifellos bewusst und 

es stand ihm jederzeit offen, den Rückzug anzutreten und Verstärkung an-

zufordern, was letztlich auch so geschah. Der Vorfall stellte eine ausserge-

wöhnliche Situation für den Beschwerdeführer in seiner beruflichen Tätig-

keit als Polizist dar, welche Stress und Überforderung auszulösen vermag. 

Dennoch ist nach Ansicht des Gerichts aufgrund der Gesamtumstände – 

auch angesichts der verhältnismässig raschen Deeskalation – die notwen-

dige Schwere der Beeinträchtigung für die Zusprechung einer Genugtuung 

nicht erstellt.

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3.4.4. Der Beschwerdeführer hat das Arbeitsverhältnis mit der Kantonspolizei auf 

den 30. Juni 2019 beendet (vgl. Bf-act. 6). Entgegen den Ausführungen 

des Beschwerdeführers erschliesst sich dem Gericht nicht, dass der Be-

schwerdeführer das Anstellungsverhältnis wegen den Ereignissen des Ein-

satzes vom 1. Juni 2017 aufgelöst hat. Die Kündigung erfolgte 1.5 Jahre 

nach dem in Frage stehenden Vorfall. Ein Kausalzusammenhang ist für das 

Gericht nicht ersichtlich, zumal zu keinem Zeitpunkt eine Arbeitsunfähigkeit 

des Beschwerdeführers bestanden hatte.

3.4.5. Gegen die anspruchsbegründende Schwere der Beeinträchtigung spricht 

im vorliegenden Fall auch die Tatsache, dass der Beschwerdeführer nach 

dem Vorfall keine Hilfe in Anspruch genommen hat, weder therapeutische 

noch ärztliche. Es ist somit aktenmässig nicht erstellt, dass und inwieweit 

der Beschwerdeführer aufgrund des besagten Vorfalls schwer psychisch 

beeinträchtigt wurde. Ein Genugtuungsanspruch ist auch aus diesem 

Grund zu verneinen.

3.5. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Schwere der Be-

einträchtigung vorliegend nach Ansicht des Gerichts keinen Anspruch auf 

Genugtuung für den Beschwerdeführer aufgrund des Polizeieinsatzes vom 

1. Juni 2017 zu begründen vermag. Der Beschwerdeführer erlitt keinen 

Körperschaden und er konnte seine Arbeitstätigkeit bereits am folgenden 

Tag wieder ausüben; es bestand unbestrittenermassen nie Arbeitsunfähig-

keit. Er konsultierte weder Psychologen noch Psychiater, d.h. er nahm we-

der therapeutische noch ärztliche Hilfe zur Aufarbeitung der erfahrenen 

Stress- und Überforderungssituation in Anspruch. Allein dies spricht gegen 

die geltend gemachte Schwere seiner Beeinträchtigung. Aus den Akten 

geht auch hervor, dass den Beschwerdeführer vor allem die angeblich 

mangelnde Unterstützung durch die Staatsanwaltschaft Graubünden und 

das Polizeikommando beschäftigte, was nur am Rande mit dem eigentli-

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chen Vorfall zu tun hat, in welchem er Opfer war. Eine eigentliche dauer-

hafte und signifikante Veränderung der Persönlichkeit des Beschwerdefüh-

rers ist in den Akten nicht belegt, was er im Übrigen auch selbst nicht gel-

tend macht. Die Verfügung des Beschwerdegegners vom 25. März 2019, 

welche einen Genugtuungsanspruch gemäss Art. 22 OHG verneinte, ist so-

mit rechtens und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.

4. Gemäss Art. 13 und Art. 19 Abs. 3 OHG i.V.m. Art. 5 OHV können Anwalts-

kosten als Soforthilfe oder längerfristige Hilfe geltend gemacht werden. Das 

Opfer hat die Übernahme seiner Anwaltskosten aufgrund von Art. 15 Abs. 

3 OHG grundsätzlich bei der Beratungsstelle geltend zu machen. Vorlie-

gend ist auf das Gesuch um Kostenübernahme der Anwaltskosten in der 

Höhe von Fr. 1'414.20 nicht einzutreten, zumal die vorinstanzlichen An-

waltskosten auch nicht Gegenstand des angefochtenen Entscheids waren.

5. Gerichtskosten werden – vorbehältlich mutwilliger Prozessführung – nicht 

erhoben, da die Verwaltungs- und Gerichtsbehörden vom Opfer für Verfah-

ren betreffend Genugtuung keine Kosten erheben (vgl. Art. 30 Abs. 1 und 

2 OHG). Bund, Kanton und Gemeinden sowie mit öffentlich-rechtlichen Auf-

gaben betrauten Organisationen wird in der Regel keine Parteientschädi-

gung zugesprochen, wenn sie in ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegen 

(vgl. Art. 78 Abs. 2 VRG). Davon abzuweichen, besteht vorliegend kein An-

lass, so dass dem Beschwerdegegner keine Parteientschädigung zuzu-

sprechen ist.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2. Es werden keine Kosten erhoben.

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3. [Rechtsmittelbelehrung]

4. [Mitteilungen]