# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d1ee70b5-fb78-5d52-9a9f-dd14287d974b
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-31
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 31.01.2023 SB220309
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB220309_2023-01-31.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: SB220309-O/U/nm-as 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Stiefel, Präsident, Oberrichterin lic. iur. Bertschi 

und Ersatzoberrichterin Dr. Schoder sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw Boese 

 

Urteil vom 31. Januar 2023 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigte und Berufungsklägerin 

 

bisher amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X1._____,  

ab 24. Oktober 2022 amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X2._____,  

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland,  
Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 

betreffend mehrfachen Diebstahl etc. und Widerruf 
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 
8. März 2022 (DG210038) 
 

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Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom 27. August 

2021 (Urk. D1/16) ist diesem Urteil beigeheftet.  

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 40 S. 27 f.) 

1. Die Beschuldigte hat sich wie folgt schuldig gemacht: 

− mehrfacher Diebstahl im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB (Dossiers 1, 2, 
3, 5, 6 und 7) 

− mehrfacher Hausfriedensbruch im Sinne von Art. 186 StGB (Dossiers 1 
und 7) 

2. Das Verfahren wegen geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB wird eingestellt (Dossier 4). 

3. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 9 Monaten, dies 

unter Anrechnung von 1 Tag Haft. 

4. Die Freiheitsstrafe ist zu vollziehen. 

5. Es wird keine ambulante Behandlung gemäss Art. 63 StGB (Behandlung 

psychischer Störungen) angeordnet.  

6. Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Baden vom 25. November 2016 

für eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je Fr. 30.– gewährte bedingte 

Strafvollzug, wird widerrufen. 

7. Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 13. September 

2018 für eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je Fr. 30.– gewährte be-

dingte Strafvollzug, wird widerrufen. 

8. Die Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 66abis StGB für 3 Jahre des 

Landes verwiesen. 

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9. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland 

vom 16. August 2021 beschlagnahmten Gegenstände werden zur Verwer-

tung eingezogen: 

− Portemonnaie Marke Mollerus (A013'439'491) 
− Damenmantel Marke Fuchs Schmitt (A013'439'515) 

Ein allfälliger Erlös wird zur Deckung der Verfahrenskosten verwendet.  

Ist eine Verwertung nicht möglich, sind diese einer gemeinnützigen Organi-

sation zu übergeben oder zu vernichten. 

10. Die Beschuldigte wird wie folgt zu Schadenersatz verpflichtet: 

− B._____ AG, Privatkläger 3, Fr. 588.40 
− C._____ AG, Privatkläger 4, Fr. 588.– 

11. Die folgenden Genugtuungsbegehren werden vollumfänglich abgewiesen: 

− D._____, Privatkläger 2, Fr. 250.– 
− B._____, Privatkläger 3, Fr. 90.– 
− B._____ AG, Privatkläger 3, Fr. 150.– 
− C._____ AG, Privatkläger 4, Fr. 200.– 

12. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 2'500.– ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr. 4'500.–   Auslagen Vorverfahren  

Fr. 10'362.–   Auslagen Gutachten 

Fr. 60.–   Auslagen inner- und ausserkantonale Verfahrenskosten 

Fr. 10'653.15   amtl. Verteidigungskosten (inkl. Mehrwertsteuer) 
 
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der 

Beschuldigten auferlegt; davon ausgenommen sind die Kosten der 

amtlichen Verteidigung, welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von 

Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse übernommen werden. 

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Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung der Beschuldigten: 

(Urk. 42 S. 2 f.; Urk. 63 S. 1 f.) 

1. Es seien die Dispositivziffern 3-8, 10 und 13 des Urteils des Bezirksge-

richts Bülach, II. Abteilung, vom 8. März 2022 aufzuheben. 

2. Die Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten zu bestra-

fen. 

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschieben, unter Ansetzung ei-

ner Probezeit von 2 Jahren. 

Eventualiter sei der Vollzug der Freiheitsstrafe zu Gunsten einer ambu-

lanten Behandlung im Sinne von Art. 63 StGB aufzuschieben. 

4. Es sei eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 63 StGB anzu-

ordnen. 

5. Auf den Widerruf des bedingten Vollzugs der mit Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 13. September 2018 festgesetzten 

Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 30.– sei zu verzichten und es sei 

stattdessen die Probezeit um ein Jahr zu verlängern. 

6. Auf den Widerruf des bedingten Vollzugs der mit Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft Baden vom 25. November 2016 ausgefällten Geld-

strafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 30.– sei zu verzichten und es sei 

stattdessen die Probezeit um 9 Monate zu verlängern. 

7. Es sei auf die Anordnung einer Landesverweisung im Sinne von 

Art. 66abis StGB zu verzichten. 

8. Die Zivilansprüche der Privatklägerinnen seien auf den Zivilweg zu 

verweisen. 

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9. Die Verfahrenskosten der ersten Instanz seien der Beschuldigten zu 

drei Vierteln aufzuerlegen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu 

nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien vollumfänglich 

auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten des Berufungsverfah-

rens seien auf die Gerichtskasse zu nehmen. 

b) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland:  

(Urk. 47, schriftlich) 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils. 

 

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Erwägungen: 

I. Verfahrensverlauf / Gegenstand des Berufungsverfahrens 

1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene, mündlich eröffnete Ur-

teil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 8. März 2022 liess die Be-

schuldigte noch gleichentags Berufung anmelden (Urk. 27; Prot. I S. 22; Urk. 29). 

Nach Erhalt des begründeten Urteils (Urk. 37; Urk. 40) reichte ihre amtliche Ver-

teidigung mit Eingabe vom 10. Mai 2022 rechtzeitig die Berufungserklärung ein 

(Urk. 42).  

2. Mit Präsidialverfügung vom 21. Juni 2022 wurde die Berufungserklärung den 

Privatklägerinnen und der Staatsanwaltschaft zugestellt sowie Frist angesetzt, um 

zu erklären, ob Anschlussberufung erhoben oder ein Nichteintreten auf die Beru-

fung der Beschuldigten beantragt werde (Urk. 43). Mit Eingabe vom 22. Juli 2022 

beantragte die Staatsanwaltschaft die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils 

und verzichtete damit sinngemäss auf die Erhebung einer Anschlussberufung 

(Urk. 47). Die Privatklägerinnen liessen sich innert Frist nicht vernehmen. 

3. Am 1. September 2022 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 31. Januar 

2023 vorgeladen (Urk. 49). 

4. Aufgrund der bevorstehenden Beendigung seiner anwaltlichen Tätigkeit per 

Ende 2022 ersuchte Rechtsanwalt Dr. iur. X1._____ mit Eingabe vom 11. Oktober 

2022 um einen umgehenden Wechsel der amtlichen Verteidigung. Er wies darauf 

hin, dass die Beschuldigte bereits Rechtsanwalt lic. iur. X2._____ mit der Wah-

rung ihrer Interessen beauftragt habe, und reichte eine entsprechende Vollmacht 

vom 6. Oktober 2022 zu den Akten (Urk. 52; Urk. 53). Nachdem Rechtsanwalt lic. 

iur. X2._____ auf Anfrage des Gerichts bestätigt hatte, er sei mit dem beantragten 

Wechsel der Verteidigung einverstanden (Urk. 54; Urk. 55), wurde er mit Präsidi-

alverfügung vom 24. Oktober 2022 als neuer amtlicher Verteidiger bestellt. 

Rechtsanwalt Dr. iur. X1._____ wurde aus dem amtlichen Mandat entlassen und 

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gemäss Beschluss vom 15. November 2022 für seine Aufwendungen im Beru-

fungsverfahren entschädigt (Urk. 56; Urk. 60).  

5. Am 31. Januar 2023 fand die Berufungsverhandlung statt, anlässlich wel-

cher die Beschuldigte an den eingangs wiedergegebenen Anträgen gemäss ihrer 

schriftlichen Berufungserklärung vom 10. Mai 2022 festhielt (Prot. II S. 5 ff.; Urk. 

63). 

6. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechtskraft 

des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Die Beschuldigte 

wendet sich mit ihrer Berufung gegen das von der Vorinstanz festgelegte Straf-

mass und den Vollzug dieser Strafe (Dispositivziffern 3 und 4). Weiter ficht sie 

den Widerruf des bedingten Strafvollzugs in Bezug auf zwei Geldstrafen aus 

früheren Verurteilungen aus den Jahren 2016 und 2018 an (Dispositivziffern 6 

und 7). In Abänderung des vorinstanzlichen Urteils verlangt sie die Anordnung ei-

ner ambulanten Behandlung im Sinne von Art. 63 StGB (Dispositivziffer 5). Sie 

wendet sich gegen die Anordnung einer fakultativen Landesverweisung (Disposi-

tivziffer 8) und die Verpflichtung zur Zahlung von Schadenersatz an die Privatklä-

gerinnen 3 und 4 (Dispositivziffer 10). Schliesslich ficht sie die erstinstanzliche 

Kostenauflage gemäss Ziffer 13 an (Urk. 42 S. 2 f.; Urk. 63 S. 1). In diesem Um-

fang steht das vorinstanzliche Urteil unter Vorbehalt des Verschlechterungsver-

bots (Art. 391 Abs. 2 StPO) zur Disposition. 

Unangefochten blieben die Dispositivziffern 1 (Schuldspruch), 2 (Verfahrensein-

stellung betr. geringfügiger Diebstahl gemäss Dossier 4), 9 (Einziehung), 11 (Ab-

weisung von Genugtuungsbegehren) und 12 (Kostenfestsetzung). Entsprechend 

ist vorab mittels Beschluss festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in die-

sem Umfang in Rechtskraft erwachsen ist. 

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II. Strafzumessung 

1. Urteil der Vorinstanz / Standpunkt der Beschuldigten 

1.1. Die Vorinstanz bestrafte die Beschuldigte mit einer unbedingten Freiheits-

strafe von 9 Monaten, unter Anrechnung von einem Tag erstandener Haft (Urk. 

40 S. 16, 27). Die Beschuldigte lässt beantragen, sie sei mit einer Freiheitsstrafe 

von 6 Monaten zu bestrafen. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschieben 

und die Probezeit auf zwei Jahre festzusetzen (Urk. 42 S. 2; Urk. 63 S. 1).  

1.2. Nachdem die Staatsanwaltschaft die Bestätigung des vorinstanzlichen Ur-

teils beantragte und damit auf eine Anschlussberufung verzichtete (Urk. 47), ist bei 

der nachfolgenden Überprüfung der Sanktion das Verschlechterungsverbot zu be-

achten (Art. 391 Abs. 2 StPO), und eine strengere Bestrafung durch das Beru-

fungsgericht von vornherein ausgeschlossen. 

2. Sanktionsart 

2.1. Die Vorinstanz fällte für die von der Beschuldigten verübten Delikte eine 

Freiheitsstrafe aus. Zwar ergibt sich aus der Urteilsbegründung, dass sie für sämt-

liche Taten jeweils Einzelstrafen von unter sechs Monaten als angemessen er-

achtete (Urk. 40 S. 10 ff.). In diesem Bereich besteht eine gesetzliche Prioritäts-

ordnung zugunsten nicht freiheitsentziehender Sanktionen (BGE 144 IV 217 E. 

3.3.3 mit zahlreichen Hinweisen). Ihre Wahl der Sanktionsart begründete die Vo-

rinstanz mit der Häufigkeit der einzelnen Tatbegehungen und der einschlägigen 

Vorstrafen der Beschuldigten (Urk. 40 S. 9). Wie bereits im erstinstanzlichen Ge-

richtsverfahren beantragt auch die amtliche Verteidigung, die Beschuldigte sei mit 

einer Freiheitsstrafe zu sanktionieren. Sie begründet ihren Antrag hingegen ge-

stützt auf Art. 41 Abs. 1 lit. b StGB (Urk. 42 S. 2; Urk. 63 S. 1; vgl. auch Urk. 25 S. 

9).  

2.2. Gemäss Art. 41 Abs. 1 StGB kann das Gericht statt auf eine Geldstrafe auf 

eine Freiheitsstrafe erkennen, wenn eine solche geboten erscheint, um den Täter 

von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten oder eine 

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Geldstrafe voraussichtlich nicht vollzogen werden kann. Das Gericht hat die Wahl 

der Freiheitsstrafe näher zu begründen (Art. 41 Abs. 2 StGB). 

2.3. Die Beschuldigte weist bereits vier Verurteilungen auf wegen Diebstahls, 

teilweise in Verbindung mit Hausfriedensbruch (Urk. 62). Sie ist somit nicht nur 

einschlägig vorbestraft, ihre Vorstrafen betreffen auch identisches Verhalten, 

nämlich die Entwendung von Waren des mittleren oder oberen Preissegments 

aus Einkaufsgeschäften, für die sie teilweise bereits mit einem Hausverbot belegt 

worden war. Für die in der Vergangenheit verübten Straftaten wurden jeweils 

Geldstrafen ausgesprochen, was die Beschuldigte jedoch nicht von weiterer De-

linquenz abhielt. Vielmehr wurde sie nur wenige Monate nach ihrer entsprechen-

den Bestrafung und damit noch während laufender Probezeiten wiederholt ein-

schlägig rückfällig, weshalb mehrmals über den Widerruf des ihr gewährten be-

dingten Strafvollzugs zu befinden war. Nach ihrer Verurteilung mit Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt vom 3. Juni 2015 vergingen nur rund 

fünf Monate, bis die Beschuldigte am 14. November 2015 erneut einen Diebstahl 

beging. Die ausgesprochene Probezeit von zwei Jahren wurde deshalb um ein 

Jahr verlängert. Nachdem die Beschuldigte in der Folge erneut während der (ver-

längerten) Probezeit delinquiert hatte, wurde sie verwarnt. Auch die mit Strafbe-

fehl der Staatsanwaltschaft Baden vom 25. November 2016 bedingt ausgespro-

chene Geldstrafe vermochte keinen nachhaltigen Eindruck auf die Beschuldigte 

zu machen, wurde sie doch nur zwei Monate nach ihrer Verurteilung abermals 

einschlägig straffällig (27. Januar 2017). Die dafür ausgesprochene Verwarnung 

zeigte ebenfalls keine Wirkung. Aufgrund einschlägiger Delinquenz während der 

noch laufenden Probezeit von drei Jahren wurde diese um anderthalb Jahre ver-

längert. Im vorliegenden Verfahren ist erneut über den Widerruf des bedingten 

Strafvollzugs dieser Vorstrafe zu befinden. Die mit Strafbefehl der Staatsanwalt-

schaft Zürich-Sihl vom 13. September 2018 angesetzte Probezeit von vier Jahren 

wurde bereits ein Jahr später infolge einer weiteren Verurteilung der Beschuldig-

ten u.a. wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs um zwei Jahre verlängert. Der 

Widerruf des bedingten Strafvollzugs dieser Vorstrafe bildet ebenfalls Gegenstand 

dieses Verfahrens. Mit Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern - Mit-

telland vom 13. September 2019 wurde die Beschuldigte erstmals mit einer unbe-

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dingten Geldstrafe sanktioniert. Allerdings folgte auch dieser Verurteilung nur zwei 

Monate später der vorliegend zu beurteilende Diebstahl vom 13. November 2019 

(Dossier 2). Die Beschuldigte liess sich somit auch durch den Vollzug der zuletzt 

ausgefällten Geldstrafe nicht von der Begehung weiterer einschlägiger Delikte 

abhalten. Der sachverständige Gutachter, Facharzt Dr. med. E._____, weist in 

seinem Gutachten vom 22. Juni 2021 entsprechend darauf hin, dass die anklage-

gegenständlichen Taten als Deliktserie einzustufen seien, die sich quasi nahtlos 

in bereits früher von der Beschuldigten gezeigte serielle Tatbegehungen einreihe 

(Urk. D1/9/10 S. 46). Vor diesem Hintergrund besteht keine Veranlassung, die 

neu zu beurteilenden Straftaten nochmals mit einer Geldstrafe zu sanktionieren. 

Angesichts der wiederholten einschlägigen Delinquenz der Beschuldigten und der 

Tatsache, dass die bisher gegen sie verhängten Sanktionen die ihnen zugedachte 

präventive Wirkung verfehlten, kann nicht davon ausgegangen werden, dass eine 

Geldstrafe, selbst wenn sie unbedingt ausgesprochen würde, die Beschuldigte 

genügend beeindrucken würde, um sie von weiterer Delinquenz abzuhalten. Im 

Sinne der Zweckmässigkeit und der präventiven Effizienz der Sanktion ist deshalb 

eine Freiheitsstrafe vorzusehen für sämtliche Delikte, die zur Beurteilung stehen. 

Der erhöhten Strafempfindlichkeit der Beschuldigten (vgl. Urk. D1/9/10 S. 53) ist 

im Zusammenhang mit dem Strafvollzug Rechnung zu tragen (E. IV.3.3.). 

3. Ausfällung einer Zusatzstrafe 

3.1. Mit Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern - Mittelland vom 

13. September 2019 wurde die Beschuldigte wegen teilweise geringfügigen Dieb-

stahls, Hausfriedensbruchs und mehrfacher geringfügiger Sachbeschädigung zu 

einer unbedingten Geldstrafe verurteilt. Die Delikte gemäss Dossier 1 beging sie 

noch vor dieser Verurteilung, die Tathandlungen gemäss den übrigen Dossiers 

danach. Es ist daher die Ausfällung einer Zusatzstrafe nach Art. 49 Abs. 2 StGB 

bei teilweiser retrospektiver Konkurrenz zu prüfen.  

3.2. Eine Zusatzstrafe im Sinne dieser Bestimmung kann nur ausgesprochen 

werden, soweit die Strafen der neu zu beurteilenden Delikte und die Grundstrafe 

gleichartig sind. Die Frage der Gleichartigkeit von Strafen beurteilt sich bei der ret-

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rospektiven Konkurrenz gleich wie bei der Konkurrenz nach Art. 49 Abs. 1 StGB 

(BGE 142 IV 265 E. 2.3.1 f., E. 2.4.2; BGE 138 IV 120 E. 5.2; je mit Hinweisen). 

Das Zweitgericht ist bei der Bildung einer Zusatzstrafe nicht befugt, die Strafart 

des rechtskräftigen ersten Entscheids zu ändern (BGE 142 IV 265 E. 2.3.2 und E. 

2.4.2 mit Hinweisen). Umgekehrt ist es aber auch nicht an die im rechtskräftigen 

Erstentscheid ausgesprochene Strafart gebunden. Vielmehr ist das Zweitgericht 

hinsichtlich Art, Dauer und Vollzugsform der Strafe für die von ihm zu beurteilen-

den Straftaten frei und durch die Grundstrafe (im Voraus) nicht eingeschränkt 

(BGE 142 IV 235 E. 2.4.6). Wird eine andere Strafart für das zusätzliche Delikt 

ausgewählt, kann keine Zusatzstrafe ausgefällt werden (ACKERMANN, in: Nig-

gli/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar Strafrecht I, 4. Auflage, Basel 2019, 

N 174 zu Art. 49 StGB).  

Zum konkreten Vorgehen bei der Strafzumessung im Fall teilweiser retrospektiver 

Konkurrenz hat das Bundesgericht wiederholt festgehalten, dass die Delikte vor 

dem Ersturteil und diejenigen danach getrennt bzw. selbstständig zu behandeln 

sind. Es ist somit zwischen Taten, die vor und solchen, die nach dem Ersturteil 

begangen wurden, zu unterscheiden. Das Zweitgericht hat zunächst zu beurteilen, 

ob bezüglich der Taten, welche vor dem Ersturteil begangen wurden, unter Be-

rücksichtigung der ins Auge gefassten Strafart die Bildung einer Zusatzstrafe ge-

mäss Art. 49 Abs. 2 StGB in Betracht fällt. Ist dies der Fall, hat es in Anwendung 

des sich aus Art. 49 Abs. 1 StGB ergebenden Schärfungsgrundsatzes eine Zu-

satzstrafe zur Grundstrafe festzulegen. Kann Art. 49 Abs. 2 StGB nicht angewandt 

werden, weil die für die vor dem Urteil begangenen Straftaten vorgesehene Straf-

art von derjenigen der bereits verhängten Strafe abweicht, so muss das Gericht 

eine zu kumulierende Strafe verhängen. Anschliessend hat es für die nach dem 

Ersturteil begangenen Taten eine unabhängige Strafe festzulegen, gegebenenfalls 

in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB. Schliesslich hat das Zweitgericht die für 

die vor dem Ersturteil begangenen Straftaten festgelegte Zusatzstrafe oder zu 

kumulierende Strafe mit derjenigen für die neuen Taten zu addieren (BGE 145 IV 

1 = Pra 108 [2019] Nr. 137, E. 1.3; Urteile des Bundesgerichts 6B_759/2019 vom 

11. März 2020 E. 2.3.2; 6B_144/2019 vom 17. Mai 2019 E. 4.3.1). 

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3.3. Die Regionale Staatsanwaltschaft Bern - Mittelland sanktionierte die von ihr 

zu beurteilenden Delikte im Strafbefehl vom 13. September 2019 mit einer Geld-

strafe. Nachdem für die Delikte gemäss Dossier 1, wie gezeigt, eine Freiheitsstra-

fe auszufällen ist (vgl. E. II.2.3.), sind die Voraussetzungen für die Bildung einer 

Zusatzstrafe gemäss Art. 49 Abs. 2 StGB nicht erfüllt. Es ist vielmehr auf eine 

neue Strafe zu erkennen. Anschliessend ist in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 

StGB eine Strafe für die nach dem Strafbefehl vom 13. September 2019 began-

genen Taten zu bemessen, nachdem für diese ebenfalls Freiheitsstrafen auszu-

sprechen sind (vgl. E. II.2.3.). Die ermittelten Strafen sind abschliessend zu addie-

ren. 

4. Strafrahmen / Grundlagen der Strafzumessung 

Die Vorinstanz hat den massgeblichen Strafrahmen von Art. 139 Ziff. 1 StGB kor-

rekt mit drei Tagessätzen Geldstrafe bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe abgesteckt 

und festgehalten, dass keine ausserordentlichen Umstände ersichtlich sind, die 

ein Verlassen des ordentlichen Strafrahmens als angezeigt erscheinen liessen 

(Urk. 40 S. 8 f.). Die tat- und täterangemessene Strafe ist deshalb innerhalb des 

ordentlichen Strafrahmens festzusetzen. Die rechtlichen Grundlagen zur Strafzu-

messung mit der Unterscheidung zwischen Tat- und Täterkomponente wurden im 

vorinstanzlichen Urteil ebenfalls zutreffend dargelegt, weshalb diese nicht wieder-

holt werden müssen (Urk. 40 S. 9 f.). 

5. Strafe für Delikte vor der Verurteilung mit Strafbefehl der Regionalen 
Staatsanwaltschaft Bern - Mittelland vom 13. September 2019 (Dossier 1) 

5.1. Tatkomponente 

5.1.1. In Bezug auf den verübten Diebstahl zum Nachteil der F._____ AG ist bei 

der objektiven Tatschwere zu berücksichtigen, dass der Deliktsbetrag mit 

Fr. 825.– noch nicht hoch ist. Hinsichtlich der Art und Weise des Vorgehens fällt 

verschuldenserhöhend ins Gewicht, dass sich die Beschuldigte nach Behändi-

gung der Damenhandtasche in eine Umkleidekabine begab, dort die Diebstahlssi-

cherung entfernte, um die Tasche anschliessend unbehelligt und ohne Bezahlung 

aus dem Verkaufsgeschäft zu entwenden. Sie ging somit strategisch und plan-

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mässig vor, auch wenn sie sich gemäss eigenen Aussagen erst vor Ort dazu ent-

schlossen hatte, die Tasche der Marke MCM aus der Verkaufsauslage zu stehlen 

(Urk. D1/7/4 F/A 20). Der Verteidigung ist insofern zu folgen, wenn sie vorbringt, 

die Beschuldigte habe keine raffinierten und aufwändigen Vorkehrungen getrof-

fen, um ihre Tat vorzubereiten und auszuführen (Urk. 25 S. 10). Allerdings ist dies 

bei solchen Taten grundsätzlich auch nicht nötig. Die kriminelle Energie erscheint 

vor diesem Hintergrund nicht gross. Das objektive Verschulden wiegt noch leicht. 

5.1.2. Bei der subjektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass die Beschuldig-

te direktvorsätzlich handelte. Zum Tatzeitpunkt befand sie sich nicht in wirtschaft-

licher Bedrängnis oder einer finanziellen Notlage. Zu ihren Beweggründen ist 

vielmehr unter Hinweis auf das psychiatrische Gutachten vom 22. Juni 2021 fest-

zuhalten, dass die Taten der Beschuldigten subjektiv dazu dienten, sich über die 

Aneignung materieller Güter aus einer Stimmung von Traurigkeit, Vereinsamung 

und Verlassenheit zu lösen und ihr Selbstwertgefühl zu stärken. Dies geschah vor 

dem Hintergrund einer gewissen Überbewertung und übersteigerter Bedeutungs-

zumessung von Wertgegenständen (Urk. D1/9/10 S. 42, 44; vgl. auch Urk. D1/7/1 

F/A 17; Urk. D1/7/4 F/A 10, 35). Die Beschuldigte gab entsprechend an, es sei ihr 

zu jener Zeit nicht gut gegangen. Sie sei unter Druck gestanden und sehr depri-

miert gewesen, da sie sich von ihren Familienmitgliedern verlassen und quasi 

verstossen gefühlt habe. Aufgrund ihrer schlechten psychischen Verfassung habe 

sie sich zur stationären therapeutischen Behandlung in der Klinik G._____ befun-

den. Nachdem ihre Mutter ihr den Wunsch abgeschlagen habe, im Rahmen eines 

gewährten Tagesurlaubs bei ihr zu übernachten, sei sie sehr verletzt gewesen. 

Als sie kurze Zeit nach dieser Absage in der Verkaufsauslage der F._____ AG die 

Handtasche gesehen habe, habe dies ein schönes und interessantes Gefühl in ihr 

ausgelöst. Das Gefühl habe angehalten bzw. sei noch stärker geworden, als sie 

die Diebstahlssicherung entfernt und das Geschäft mit der unbezahlten Tasche 

verlassen habe (Urk. D1/7/1 F/A 17 f.; Urk. D1/9/10 S. 23 ff.). Indem die Beschul-

digte die Damenhandtasche in erster Linie zur Stimmungsaufhellung und Selbst-

wertbestätigung entwendete, handelte sie letztlich aus egoistischen Motiven.  

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5.1.3. Facharzt Dr. med. E._____ attestiert der Beschuldigten zwar eine vollstän-

dig erhaltene Fähigkeit zur Einsicht in das Unrecht ihres Verhaltens, stellt jedoch 

eine verminderte Fähigkeit zu einsichtsgemässem Handeln fest. Auf der Basis ih-

rer Persönlichkeitsstörung habe sich bei ihr in den letzten Jahren eine rezidivie-

rende depressive Störung entwickelt. Die mit der zunehmenden depressiven 

Stimmung einhergehende affektive Labilisierung habe bei ihr ein Kompensations-

bestreben bewirkt. Allerdings habe sie dafür nicht über adäquate und taugliche 

Mittel verfügt, sondern vielmehr nur die vermeintlich hilfreiche Strategie einer 

Selbstwerterhöhung durch die unrechtmässige Aneignung von Wertgegenständen 

für sich erkannt. Da die Beschuldigte bei der konkreten Tatbegehung verschiede-

ne Vorsichtsmassnahmen getroffen und ihr Umfeld genau beobachtet habe, um 

einer Entdeckung des Diebstahls zu entgehen, sei die Verminderung der Fähig-

keit zu einsichtsgemässem Handeln zum Tatzeitpunkt nur als leichtgradig einzu-

stufen (Urk. D1/9/10 S. 45). Die insofern leicht verminderte Schuldfähigkeit der 

Beschuldigten führt zu einer leichten Relativierung der subjektiven Tatschwere 

(Art. 19 Abs. 2 StGB). Hinsichtlich des Diebstahls zum Nachteil der F._____ AG 

liegt folglich ein leichtes Verschulden vor, wofür eine Einsatzstrafe von 50 Tagen 

Freiheitsstrafe angemessen erscheint. 

5.1.4. In Bezug auf den Hausfriedensbruch zum Nachteil der F._____ AG ist bei 

der objektiven Tatschwere verschuldenserhöhend zu berücksichtigen, dass sich 

die Beschuldigte mit zweieinhalb Stunden relativ lange in den Verkaufsräumlich-

keiten aufhielt. Zweck ihres Aufenthalts war die Verübung eines Diebstahls. Ver-

schuldenserhöhend fällt ins Gewicht, dass der Beschuldigten knapp drei Jahre 

zuvor ein Hausverbot für alle F._____-Verkaufsstellen für die Dauer von mindes-

tens fünf Jahren erteilt worden war, nachdem sie ebenfalls Wertgegenstände aus 

der Verkaufsauslage entwendet hatte. Dass die Beschuldigte keine besonderen 

Hindernisse zu überwinden hatte, um in das Verkaufsgeschäft zu gelangen, wirkt 

nicht verschuldensmindernd, da dies in der Natur eines für Kundschaft frei zu-

gänglichen Geschäfts liegt. Die objektive Tatschwere wiegt nach dem Erwogenen 

nicht mehr ganz leicht. 

-  15  - 

5.1.5. Bei der subjektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass die Beschul-

digte direktvorsätzlich handelte. Da der Hausfriedensbruch als Begleitdelikt zum 

vorstehend beurteilten Diebstahl zum Nachteil der F._____ AG erscheint, kann 

auf die dortigen Erwägungen zum Beweggrund der Beschuldigten und der leich-

ten Verminderung ihrer Schuldfähigkeit verwiesen werden (E. II.5.1.2. f.). Die 

subjektive Tatschwere erfährt dadurch eine leichte Relativierung, weshalb insge-

samt ein leichtes Verschulden gegeben ist. Der Hausfriedensbruch gemäss Dos-

sier 1 wäre bei isolierter Betrachtung mit einer Freiheitsstrafe von 30 Tagen zu 

sanktionieren. In Anwendung des Asperationsprinzips erscheint eine Erhöhung 

der vorstehenden Einsatzstrafe um 20 Tage Freiheitsstrafe angemessen. 

5.2. Täterkomponente 

5.2.1. Über das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse der aktuell 54-

jährigen Beschuldigten ist bekannt, dass sie in H._____, Serbien, geboren wurde 

und dort zusammen mit ihrer jüngeren Schwester bei den Eltern aufwuchs. Wäh-

rend ihrer Kindheit und der Zeit als Jugendliche erfuhr sie physische Gewalt durch 

beide Elternteile und vermisste von diesen Liebe, Zuwendung, Unterstützung und 

Geborgenheit. Der sachverständige Gutachter spricht in diesem Zusammenhang 

von einer ausgeprägten emotionalen Verwahrlosung der Beschuldigten. Diese sei 

noch dadurch verstärkt worden, dass die jüngere Schwester von beiden Eltern 

bevorzugt worden sei, ohne dass dafür nachvollziehbare Gründe ersichtlich ge-

wesen seien. Als Folge davon habe sich die Beschuldigte häufig gefragt, ob sie 

überhaupt das biologische Kind ihrer Eltern sei, um deren Verhalten ihr gegen-

über einordnen und verstehen zu können (Urk. D1/9/10 S. 36 f.). In H._____ ab-

solvierte die Beschuldigte die obligatorische Schulzeit. Im Anschluss daran be-

gann sie eine Ausbildung zur Kindergartenbetreuerin, welche sie jedoch im zwei-

ten Ausbildungsjahr abbrechen musste, da sie im Alter von ca. 17 Jahren zu ihren 

Eltern in die Schweiz migrierte. Diese waren bereits vier Jahre zuvor hierher aus-

gewandert, während die Beschuldigte mit ihrer Schwester bei der Grossmutter vä-

terlicherseits verblieb. In der Schweiz nahm die Beschuldigte die begonnene Aus-

bildung nicht wieder auf und besuchte auch keine anderweitigen Schulen. Sie 

bemühte sich jedoch, die deutsche Sprache zu erlernen und arbeitete während 

-  16  - 

knapp 30 Jahren als Service-Angestellte in der Gastronomie. Aufgrund eines ge-

sundheitlichen Zusammenbruchs musste die Beschuldigte im November 2013 ih-

re langjährige Arbeitsstelle aufgeben und geht seither keiner Erwerbstätigkeit 

mehr nach. Seit Anfang 2014 bezieht sie eine IV-Rente samt Ergänzungsleistun-

gen. Die Beschuldigte leidet gemäss eigenen Angaben an anhaltenden Nacken- 

und Rückenbeschwerden. Sodann wurden bei ihr Arthrosen und Fibromyalgie-

Druckpunkte festgestellt. Über weitere körperliche Erkrankungen der Beschuldig-

ten liegen keine abschliessenden Diagnosen vor. Auf die bei ihr bestehenden 

psychischen Krankheiten wird nachfolgend im Detail einzugehen sein (E. IV.2.3.).  

Die Beschuldigte war zwei Mal verheiratet. Die erste Ehe ging sie im Jahr 1988, 

d.h. im Alter von ca. 20 Jahren mit I._____ ein. Als Grund für die Heirat gab die 

Beschuldigte an, dies habe ihr die Flucht aus dem Elternhaus ermöglicht. Ein Jahr 

später kam der gemeinsame Sohn J._____ (Jahrgang 1989) zur Welt. Die Schei-

dung von ihrem ersten Ehemann erfolgte im Jahr 1994. Rund acht Jahre später 

lernte die Beschuldigte K._____ kennen. Nach der Geburt des gemeinsamen 

Sohnes L._____ (Jahrgang 2002), heiratete die Beschuldigte ihren neuen Partner. 

Zwei Jahre nach der Eheschliessung kam der zweite gemeinsame Sohn namens 

M._____ (Jahrgang 2005) zur Welt. Im Jahr 2016 erfolgte die Scheidung von 

K._____. Dieser wohnt seither mit den zwei gemeinsamen Söhnen in der vormals 

ehelichen Wohnung, während die Beschuldigte in einer kleineren Wohnung allei-

ne lebt. Sie pflegt nach wie vor engen Kontakt zu ihren drei Kindern, welche in-

zwischen alle volljährig sind (vgl. zum Ganzen Urk. D1/9/10 S. 12 ff., 34 ff.; 

Urk. D1/13/3; Urk. D5/8/3; Prot. I S. 6 ff.; Prot. II S. 8 ff.). Die dysfunktionale Be-

ziehung zu ihren Eltern und die körperlichen Erkrankungen der Beschuldigten wir-

ken sich leicht strafmindernd aus. Im Übrigen ergeben sich aus ihrer Biographie 

und den persönlichen Verhältnissen keine strafzumessungsrelevanten Faktoren. 

Die psychischen Beeinträchtigungen der Beschuldigten und die daraus resultie-

rende Verminderung ihrer Schuldfähigkeit wurden bereits bei der subjektiven Tat-

schwere berücksichtigt. 

-  17  - 

5.2.2. Erheblich straferhöhend ist zu berücksichtigen, dass die Beschuldigte im 

Zeitpunkt der Tatbegehung bereits drei einschlägige Vorstrafen wegen Diebstahls 

erwirkt hatte: 

− Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt vom 

3. Juni 2015 war sie wegen mehrfachen Diebstahls zu einer Geldstrafe 

von 90 Tagessätzen zu Fr. 30.– und zu Fr. 500.– Busse verurteilt worden. 

Der Vollzug der Geldstrafe war aufgeschoben worden, unter Ansetzung 

einer Probezeit von 2 Jahren. 

− Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Baden vom 25. November 2016 

war die Beschuldigte wegen mehrfachen Diebstahls und Sachbeschädi-

gung schuldig gesprochen und mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen 

zu Fr. 30.– sowie mit Fr. 800.– Busse bestraft worden. Der Vollzug der 

Geldstrafe war wiederum aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre 

festgesetzt worden. 

− Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 13. September 

2018 war die Beschuldigte wegen Diebstahls zu einer Geldstrafe von 

90 Tagessätzen zu Fr. 30.– verurteilt worden. Die Probezeit für den auf-

geschobenen Vollzug der Geldstrafe war auf 4 Jahre festgesetzt worden. 

Die Delikte gemäss Dossier 1 verübte sie während zwei laufenden Probezeiten in-

folge der Verurteilungen mit den obgenannten Strafbefehlen vom 25. November 

2016 und vom 13. September 2018 (Urk. 62).  

5.2.3. Unter dem Aspekt des Nachtatverhaltens ist dem Verhalten des Täters nach 

der Tat und im Strafverfahren Rechnung zu tragen. Ein Geständnis, das koopera-

tive Verhalten bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Reue und Einsicht in 

das Unrecht des eigenen Verhaltens wirken sich strafmindernd aus. Umfangreiche 

und prozessentscheidende Geständnisse können eine Strafreduktion von bis zu 

einem Drittel bewirken (BGE 121 IV 202 E. 2d/cc). Der Grad der Strafminderung 

hängt aber insbesondere davon ab, in welchem Stadium des Verfahrens das Ge-

ständnis erfolgte. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann ein Ge-

ständnis bei der Analyse des Nachtatverhaltens im Rahmen der Strafzumessung 

-  18  - 

zugunsten des Täters berücksichtigt werden, wenn es Ausdruck von Einsicht und 

Reue ist. Ein Verzicht auf Strafminderung kann sich demgegenüber aufdrängen, 

wenn das Geständnis die Strafverfolgung nicht erleichtert hat, namentlich weil der 

Täter nur aufgrund einer erdrückenden Beweislage oder erst nach Ausfällung des 

erstinstanzlichen Urteils gestand (Urteil des Bundesgerichts 6B_1388/2021 vom 3. 

März 2022 E. 1.3.2 mit Hinweisen). 

Das vollumfängliche Geständnis der Beschuldigten bereits anlässlich der polizeili-

chen Einvernahme vom 25. Oktober 2019 (Urk. D1/7/1 F/A 9 ff., 20 f.; vgl. auch 

Urk. D1/7/2 F/A 6; Urk. D1/7/3 F/A 6 f.; Urk. D1/7/4 F/A 5, 45; Urk. D2/6 F/A 7 ff.; 

Prot. I S. 9) fällt nur marginal strafmindernd ins Gewicht, da die objektive Beweis-

lage mit einer Videoaufzeichnung, welche sie beim Betreten des Verkaufsge-

schäfts (nicht aber bei der Diebstahlsbegehung) zeigt, belastend war 

(Urk. D1/8/3+5; vgl. auch Urk. D1/1 S. 3). Dennoch führte die Anerkennung des 

Delikts und ihr kooperatives Verhalten zu einer gewissen Vereinfachung der Un-

tersuchung. Die Beschuldigte erklärte bereits im Vorverfahren, dass sie die verüb-

te Tat als grossen Fehler bereue, und zeigte sich einsichtig in das Unrecht ihres 

Verhaltens (Urk. D1/7/1 F/A 28 f.; Urk. D1/7/2 F/A 45; Urk. D1/7/3 F/A 9; Prot. I S. 

13; vgl. auch Urk. D1/9/10 S. 45). Zu berücksichtigen ist allerdings, dass sie die 

Delinquenz umgehend mit ihrem schlechten psychischen Zustand erklärte und 

sich insofern weniger als Täterin, sondern als Opfer von belastenden äusseren 

Umständen sah, die sich zum Tatzeitpunkt negativ auf ihre Verfassung ausgewirkt 

hätten (Urk. D1/7/1 F/A 17; Urk. D1/7/4 F/A 10, 35 ff.; Prot. I S. 9 f.; vgl. auch Urk. 

D1/9/10 S. 46 f.). Zudem verübte die Beschuldigte nur kurze Zeit nach der Tat 

gemäss Dossier 1 weitere Diebstähle, welche einerseits mit Strafbefehl vom 13. 

September 2019 sanktioniert wurden und andererseits Gegenstand der weiteren 

Dossiers dieses Verfahrens bilden. Demnach sind die Aussagen der Beschuldig-

ten betreffend ihre Reue und Einsicht in das Unrecht ihres Verhaltens als blosse 

Lippenbekenntnisse zu werten und nicht strafmindernd zu berücksichtigen. 

5.2.4. Insgesamt wirkt sich die Täterkomponente aufgrund des belasteten straf-

rechtlichen Leumunds der Beschuldigten deutlich straferhöhend aus. Für die De-

-  19  - 

likte gemäss Dossier 1 erweist sich eine Freiheitsstrafe von 100 Tagen als ange-

messen. 

6. Strafe für Delikte nach der Verurteilung mit Strafbefehl der Regionalen 
Staatsanwaltschaft Bern - Mittelland vom 13. September 2019 

6.1. Tatkomponente 

6.1.1.  Dossier 6 

Bei der objektiven Tatschwere betreffend den Diebstahl zum Nachteil von 

D._____ ist der nicht unerhebliche Deliktsbetrag von Fr. 1'980.– zu berücksichti-

gen. Zwar entwendete die Beschuldigte lediglich einen Gegenstand aus der Ver-

kaufsauslage, nämlich eine Tasche der Marke D._____. Allerdings suchte sie 

ganz gezielt einen besonders teuren Verkaufsgegenstand aus. Das Deliktsgut 

versteckte sie zunächst in einer mitgeführten Stofftasche und alsdann unter ihrem 

Pullover, bevor sie das Ladenlokal verliess. Die Beschuldigte ging somit routiniert 

und zielstrebig vor. Dennoch ist gestützt auf ihre Aussagen verschuldensmin-

dernd zu gewichten, dass sie sich erst im Geschäft von D._____ spontan zur 

Entwendung der erwähnten Tasche entschloss (vgl. Urk. D1/7/4 F/A 20). Entspre-

chend ist der Verteidigung zu folgen, wenn sie vorbringt, die Beschuldigte habe 

keine raffinierten und aufwändigen Vorkehrungen getroffen, um ihre Tat zu verde-

cken (Urk. 25 S. 10). Insbesondere konnte die Beschuldigte bei der Tatbegehung 

durch das Verkaufspersonal beobachtet werden, woraufhin zwei Mitarbeiter eines 

privaten Sicherheitsunternehmens aufgeboten wurden (Urk. D6/1). Insgesamt 

liegt keine grosse kriminelle Energie vor. Die objektive Tatschwere wiegt nicht 

mehr leicht. 

Bei der subjektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass die Beschuldigte den 

Diebstahl gemäss Dossier 6 mit direktem Vorsatz beging. Zum Tatzeitpunkt be-

fand sie sich nicht in wirtschaftlicher Bedrängnis oder einer finanziellen Notlage. 

Vielmehr erklärte sie auf entsprechende Frage nach dem Grund für die Deliktsbe-

gehung, es sei ihr an jenem Tag wirklich sehr schlecht gegangen (Urk. D1/7/5 

F/A 5). Indem die Beschuldigte die Damenhandtasche in erster Linie zur Stim-

mungsaufhellung und Selbstwertbestätigung entwendete, handelte sie letztlich aus 

-  20  - 

egoistischen Motiven. In Bezug auf ihre Beweggründe und die leichte Verminde-

rung ihrer Schuldfähigkeit kann im Übrigen auf die vorstehenden Erwägungen zu 

Dossier 1 verwiesen werden, welche gleichermassen auch hier gelten (E. II.5.1.2. 

f.). Die subjektive Tatschwere wird demnach leicht relativiert, woraus insgesamt 

ein gerade noch leichtes Verschulden resultiert. Die von der Vorinstanz festge-

setzte Einsatzstrafe von 2 Monaten Freiheitsstrafe erscheint eher wohlwollend, 

aber knapp angemessen. 

6.1.2.  Dossier 5 

Bei der objektiven Tatschwere des Diebstahls zum Nachteil der B._____ AG ist 

zunächst die grössere Menge an entwendeten Gegenständen und der nicht uner-

hebliche Gesamtwert dieses Deliktsguts von Fr. 1'116.40 zu berücksichtigen. Die 

Vorgehensweise der Beschuldigten erweist sich als planmässig, routiniert und 

durchdacht. So behändigte sie auf verschiedenen Stockwerken des Geschäfts 

Verkaufsgegenstände, von welchen sie die Diebstahlssicherungen, Etiketten bzw. 

Verpackungen entfernte und in Verkaufsregalen deponierte. Anschliessend ver-

staute sie die Ware in ihrer mitgeführten Tasche und verliess damit das Geschäft, 

ohne zu bezahlen. Die Art und Weise ihres Vorgehens ist verschuldenserhöhend 

zu gewichten, auch wenn die Beschuldigte keine besonderen und raffinierten Vor-

kehrungen traf, um ihre Tat zu verdecken. So konnte ihr Besuch im B._____ …-

haus N._____ [Ortschaft] über verschiedene Überwachungskameras verfolgt wer-

den. Sodann hinterliess sie die Diebstahlssicherungen, Etiketten und Verpackun-

gen der Ware im Laden selber, womit sie Rückschlüsse auf ihre Identität riskierte. 

Die Beschuldigte sagte zwar aus, sie habe sich erst im Verkaufsgeschäft selbst 

zur Deliktsbegehung entschlossen, als sie gemerkt habe, dass niemand schaue 

(Urk. D5/4 S. 2; vgl. auch Urk. D1/7/4 F/A 21, 25, 29). Dennoch fällt verschuldens-

erhöhend ins Gewicht, dass sie sich offenbar Zeit liess, um gezielt Waren aus ver-

schiedenen Abteilungen auszusuchen. Die objektive Tatschwere wiegt eher leicht. 

Bei der subjektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass die Beschuldigte mit 

direktem Vorsatz handelte. Hinsichtlich ihrer Beweggründe und der leichten Ver-

minderung ihrer Schuldfähigkeit kann einleitend auf die entsprechenden Erwä-

gungen unter Dossier 1 verwiesen werden, welche auch vorliegend Geltung ha-

-  21  - 

ben (E. II.5.1.2. f.). Zu ergänzen ist, dass die Beschuldigte wiederholt angab, sie 

sei davon ausgegangen, sie habe an jenem Tag einen Termin bei ihrer Thera-

peutin. Nachdem sich herausgestellt hatte, dass sie das Datum verwechselt hatte 

und Frau O._____ noch in den Ferien war, sei sie sehr nervös und frustriert ge-

wesen, da sie das dringende Bedürfnis nach einer therapeutischen Sitzung ge-

habt hätte. Es sei ihr dazumal bereits seit mehreren Tagen sehr schlecht gegan-

gen. Aus ihrem Gemütszustand heraus sei es dann zum Klauen gekommen. Im 

Moment, als sie die Waren behändigt und in ihrer mitgeführten Tasche verstaut 

habe, habe dies ein schönes, warmes Gefühl in ihr ausgelöst und sie sei für eini-

ge Minuten fröhlich gewesen (Urk. D1/7/4 F/A 9, 26 ff.; Urk. D1/9/10 S. 28; Urk. 

D5/4 S. 3). Aufgrund der leicht verminderten Fähigkeit der Beschuldigten, ge-

mäss ihrer Einsicht in das Unrecht ihres Verhaltens zu handeln, wird die subjekti-

ve Tatschwere entsprechend relativiert. Für das insgesamt leichte Verschulden 

erweist sich isoliert betrachtet eine Freiheitsstrafe von 50 Tagen angemessen. 

Dem Asperationsprinzip Rechnung tragend, ist die vorstehend festgelegte Ein-

satzstrafe um 30 Tage Freiheitsstrafe zu erhöhen.  

6.1.3.  Dossier 2 

Hinsichtlich des Diebstahls zum Nachteil der C._____ AG fällt bei der objektiven 

Tatschwere der bloss geringe Deliktsbetrag von insgesamt Fr. 588.– verschul-

densmindernd ins Gewicht. In Bezug auf die Art und Weise des Vorgehens wirkt 

hingegen verschuldenserhöhend, dass die Beschuldigte nach Behändigung der 

Skibekleidung die Jacke in ihrer mitgeführten Tasche verstaute und die Skihose 

unter ihrer getragenen Oberbekleidung an ihrem Rücken versteckte, um das De-

liktsgut unentdeckt und ohne Bezahlung aus dem Verkaufsgeschäft entwenden zu 

können. Ihr Vorgehen lässt damit eine gewisse Planmässigkeit erkennen, auch 

wenn die Beschuldigte ihren Entschluss zur Entwendung der Skibekleidung ge-

mäss eigenen Aussagen erst spontan im Laden fasste (Urk. D2/3 S. 2; vgl. auch 

Urk. D1/9/10 S. 26). Mit der Verteidigung traf sie jedoch keine raffinierten und 

aufwändigen Vorkehrungen, um ihre Tat zu verdecken (vgl. Urk. 25 S. 10), wes-

halb ihr Vorgehen keine grosse kriminelle Energie erkennen lässt. Vor diesem 

Hintergrund wiegt die objektive Tatschwere leicht. 

-  22  - 

Bei der subjektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass die Beschuldigte di-

rektvorsätzlich handelte. Nach den Beweggründen für ihre Tat befragt, gab die 

Beschuldigte an, sie habe sich dazumal sehr depressiv und verlassen gefühlt. Die 

elegante Skibekleidung, welche sie in der Verkaufsauslage gesehen habe, habe 

beim Anprobieren einfach ein komisches Gefühl und eine angenehme körperliche 

Wärme in ihr hervorgerufen. Wie es letztlich dazu gekommen sei, dass sie die 

Skihose und -jacke ohne Bezahlung aus dem Geschäft entwendet habe, könne sie 

allerdings nicht mehr genauer beschreiben (Urk. D1/9/10 S. 26). In Bezug auf den 

Deliktsmechanismus und die leichte Verminderung der Schuldfähigkeit kann auf 

die vorstehenden Erwägungen zu Dossier 1 verwiesen werden, welche vorliegend 

ebenso Geltung haben (E. II.5.1.2. f.). Die subjektive Tatschwere wird somit leicht 

relativiert. Für das insgesamt sehr leichte Verschulden erscheint isoliert betrachtet 

eine Freiheitsstrafe von 30 Tagen angemessen. In Anwendung des Asperations-

prinzips ist die vorstehend festgelegte Einsatzstrafe um 20 Tage Freiheitsstrafe zu 

erhöhen.  

6.1.4.  Dossier 3 

Bei der objektiven Tatschwere ist zunächst der bloss geringe Deliktsbetrag von 

Fr. 449.– leicht verschuldensmindernd zu berücksichtigen. Zur Vorgehensweise 

bei der Tatbegehung lassen sich der Anklageschrift keine Angaben entnehmen. 

Dennoch ist festzuhalten, dass die Beschuldigte mit einem Portemonnaie der 

Marke Mollerus gezielt einen Gegenstand des oberen Preissegments aussuchte. 

Zweifel am Verkaufswert konnte sie nicht haben, da das Portemonnaie mit einem 

gut sichtbaren Preisschild versehen war (vgl. Urk. D2/8/3 S. 1). Ihr Verhalten ziel-

te somit auf einen möglichst beträchtlichen Deliktserlös. Die objektive Tatschwere 

wiegt leicht. 

Bei der subjektiven Tatschwere ist zunächst das direktvorsätzliche Handeln der 

Beschuldigten zu berücksichtigen. In Bezug auf ihre Beweggründe und die leichte 

Verminderung ihrer Schuldfähigkeit kann auf die entsprechenden Erwägungen 

unter Dossier 1 verwiesen werden, welche auch in Bezug auf die Tat gemäss 

Dossier 3 Geltung haben (E. II.5.1.2. f.). Die subjektive Tatschwere erfährt somit 

eine leichte Relativierung. Das Verschulden wiegt insgesamt sehr leicht, wofür 

-  23  - 

isoliert betrachtet eine Freiheitsstrafe von 30 Tagen angemessen wäre. In An-

wendung des Asperationsprinzips ist die vorstehend festgesetzte Einsatzstrafe 

um 20 Tage Freiheitsstrafe zu erhöhen.  

6.1.5.  Dossier 7 

In Bezug auf den Diebstahl zum Nachteil der B._____ AG ist bei der objektiven 

Tatschwere der geringe Deliktsbetrag von insgesamt Fr. 348.–, welcher nur knapp 

über der Grenze eines noch geringfügigen Vermögensdelikts im Sinne von 

Art. 172ter Abs. 1 StGB liegt, verschuldensmindernd zu gewichten. Die Beschuldig-

te behändigte einen Ohrschmuck und einen Haarglätter aus der Verkaufsauslage 

und verstaute diese Gegenstände in ihrer mitgeführten Handtasche, bevor sie das 

Geschäft durch den Ausgang verliess, ohne zu bezahlen. Ihr Vorgehen zeugt von 

einer gewissen Planmässigkeit und Routine. Daran ändert nichts, dass sich die 

Beschuldigte gemäss eigenen Aussagen erst spontan im Laden zur Deliktsbege-

hung entschloss (vgl. Urk. D1/7/4 F/A 20). Mit der Verteidigung traf sie jedoch kei-

ne raffinierten und aufwändigen Vorkehrungen, um ihre Tat zu verdecken (vgl. 

Urk. 25 S. 10), weshalb ihr Vorgehen keine grosse kriminelle Energie aufweist. Die 

objektive Tatschwere wiegt leicht. 

Bei der subjektiven Tatschwere ist massgeblich, dass die Beschuldigte direktvor-

sätzlich handelte. Zum Tatzeitpunkt befand sie sich nicht in wirtschaftlicher Be-

drängnis oder einer finanziellen Notlage. Vielmehr erklärte sie auf entsprechende 

Frage nach dem Grund für die Deliktsbegehung, es sei ihr effektiv sehr schlecht 

gegangen. Sie könne sich allerdings nicht erklären, weshalb es zur Entwendung 

des Ohrschmucks und des Haarglätters gekommen sei (Urk. D1/7/5 F/A 11). Der 

zugrunde liegende Deliktsmechanismus und die Umstände, weshalb bei der Be-

schuldigten von einer leichten Verminderung ihrer Schuldfähigkeit auszugehen ist, 

wurden vorstehend bereits dargestellt. Auf die entsprechenden Erwägungen kann 

verwiesen werden (E. II.5.1.2. f.). Die subjektive Tatschwere erfährt demnach eine 

leichte Relativierung, woraus ein insgesamt sehr leichtes Verschulden resultiert. 

Dafür erscheint isoliert betrachtet eine Freiheitsstrafe von 30 Tagen angemessen. 

In Anwendung des Asperationsprinzips ist die vorstehend festgesetzte Einsatz-

strafe um 20 Tage Freiheitsstrafe zu erhöhen. 

-  24  - 

In Bezug auf den Hausfriedensbruch zum Nachteil der B._____ AG ist bei der ob-

jektiven Tatschwere verschuldensmindernd zu gewichten, dass sich die Beschul-

digte nur wenige Minuten in den Verkaufsräumlichkeiten aufhielt. Zweck ihres 

Aufenthalts war die Verübung eines Diebstahls. Verschuldenserhöhend fällt ins 

Gewicht, dass der Beschuldigten nur 11 Monate zuvor ein unbefristetes Hausver-

bot für sämtliche, namentlich aufgeführte B._____-Filialen in der Schweiz erteilt 

worden war, nachdem sie am 9. Juli 2020 bereits zahlreiche Gegenstände im 

Verkaufswert von Fr. 1'116.40 aus der Verkaufsauslage entwendet hatte (Dossier 

5; Urk. D7/5). Dass die Beschuldigte keine besonderen Hindernisse zu überwin-

den hatte, um in das Verkaufsgeschäft zu gelangen, wirkt nicht verschuldensmin-

dernd, da dies in der Natur eines für Kundschaft frei zugänglichen Geschäfts liegt. 

Die objektive Tatschwere wiegt nach dem Erwogenen leicht. 

Bei der subjektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass die Beschuldigte mit 

direktem Vorsatz handelte. Da der Hausfriedensbruch als Begleitdelikt zum vor-

stehend beurteilten Diebstahl zum Nachteil der B._____ AG erscheint, kann auf 

die dortigen Ausführungen zu den Beweggründen der Beschuldigten und der 

leichten Verminderung ihrer Schuldfähigkeit verwiesen werden (E. II.5.1.2. f.). Die 

subjektive Tatschwere wird leicht relativiert, weshalb insgesamt von einem sehr 

leichten Verschulden auszugehen ist. Der Hausfriedensbruch gemäss Dossier 7 

wäre bei isolierter Betrachtung mit einer Freiheitsstrafe von 30 Tagen zu sanktio-

nieren. In Anwendung des Asperationsprinzips erscheint eine Erhöhung der vor-

stehenden Einsatzstrafe um 20 Tage Freiheitsstrafe angemessen. 

6.2. Täterkomponente 

6.2.1. In Bezug auf das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse der Beschul-

digten kann auf vorstehende Erwägungen verwiesen werden (E. II.5.2.1.). Daraus 

ergeben sich leicht strafmindernde Faktoren, insbesondere die belastete Kind- 

und Jugendzeit sowie die bereits seit mehreren Jahren andauernden körperlichen 

Erkrankungen der Beschuldigten. Ihre psychischen Beeinträchtigungen und die 

daraus resultierende Verminderung ihrer Schuldfähigkeit wurden bereits bei der 

subjektiven Tatschwere berücksichtigt. 

-  25  - 

6.2.2. Die zahlreichen und ausnahmslos einschlägigen Vorstrafen der Beschuldig-

ten sind hingegen ganz erheblich straferhöhend zu gewichten. Bevor die Be-

schuldigte die Delikte gemäss den Dossiers 2, 3, 5, 6 und 7 verübte, kam zu den 

vorstehend aufgeführten Verurteilungen (E. II.5.2.2.) noch ein Strafbefehl der Re-

gionalen Staatsanwaltschaft Bern - Mittelland vom 13. September 2019 hinzu, mit 

welchem sie wegen mehrfachen, teilweise geringfügigen Diebstahls, Hausfrie-

densbruchs und mehrfacher geringfügiger Sachbeschädigung schuldig gespro-

chen und erstmals mit einer unbedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu 

Fr. 20.– und mit Fr. 800.– Busse bestraft worden war (Urk. 62). Dennoch wurde 

die Beschuldigte mit dem Diebstahl zum Nachteil der C._____ AG (Dossier 2) nur 

zwei Monate nach dieser letzten Verurteilung vom 13. September 2019 wegen 

einschlägiger Delikte erneut straffällig (Urk. 62). Deutlich straferhöhend kommt 

hinzu, dass sie sämtliche Taten der Dossiers 2, 3, 5 und 6 während zwei laufen-

den Probezeiten beging. Gleichermassen ist zu berücksichtigen, dass die Be-

schuldigte die Straftaten zum Nachteil der C._____ AG, der B._____ AG und der 

D._____ (Dossiers 2, 5, 6 und 7) während des bereits eingeleiteten Strafverfah-

rens wegen identischer Delikte (vgl. Dossier 1) verübte. Besonders dreist er-

scheint, dass sie nur wenige Wochen nach ihren Einvernahmen bei der Kantons-

polizei Zürich vom 25. Oktober 2019 bzw. vom 19. Mai 2020 wieder einschlägig 

delinquierte (Taten vom 13. November 2019 [Dossier 2] bzw. vom 9. Juli 2020 

[Dossier 5]).  

6.2.3. Die Beschuldigte zeigte sich hinsichtlich sämtlicher Delikte der Dossiers 2, 

3, 5, 6 und 7 von Anfang an geständig (Urk. D1/7/2 F/A 5; Urk. D1/7/4 F/A 5 ff., 

45; Urk. D1/7/5 F/A 3, 10, 14; Urk. D2/6 F/A 7 ff.; Urk. D5/4 S. 2 ff.; Prot. I S. 9). 

Angesichts der erdrückenden Beweislage wäre ein Bestreiten der Anklagevorwür-

fe wenig überzeugend gewesen. So wurde die Beschuldigte durch Videoaufnah-

men der Verkaufsräumlichkeiten und Beobachtungen von Ladendetektiven oder 

des Verkaufspersonals belastet (Urk. D1/7/5 F/A 4; Urk. D5/1+5; Urk. D6/1; 

Urk. D7/1 S. 3). Darüber hinaus wurde diverses Deliktsgut auf ihrem Körper, in ih-

ren Taschen und in ihrer Wohnung sichergestellt (Urk. D1/7/2 F/A 5; Urk. D1/9/10 

S. 26 f.; Urk. D2/1 S. 3; Urk. D2/6 F/A 7 ff.; Urk. D2/8/3 S. 1; Urk. D6/1 S. 2). Ein-

zig der Diebstahl gemäss Dossier 3 hätte der Beschuldigten ohne ihr Geständnis 

-  26  - 

voraussichtlich nicht nachgewiesen werden können. Dennoch trugen ihre Aussa-

gen zu den einzelnen Tatvorwürfen zu einer gewissen Vereinfachung des Verfah-

rens bei, was leicht strafmindernd zu berücksichtigen ist. Die Beschuldigte beteu-

erte bereits im Vorverfahren ihre Einsicht in das Unrecht ihres Verhaltens und 

dass sie unbedingt damit aufhören wolle (Urk. D1/7/4 F/A 10, 37; Urk. D2/6 

F/A 26, 38; Urk. D5/4 S. 2 f.). Zu berücksichtigen ist allerdings, dass sie ihre De-

linquenz umgehend mit ihrem schlechten psychischen Zustand erklärte und sich 

insofern weniger als Täterin, sondern als Opfer von belastenden äusseren Um-

ständen sah, die sich zum Tatzeitpunkt negativ auf ihre Verfassung ausgewirkt 

hätten. M.a.W. externalisierte sie die Verantwortung für ihre Taten und sagte 

mehrfach aus, dass die Diebstähle ihr nichts bringen würden, sondern sie sich nur 

selbst damit schade (Urk. D1/7/4 F/A 10, 35 ff., 44; Urk. D1/7/5 F/A 4 f., 11; 

Urk. D2/6 F/A 23 f., 27, 35; Prot. I S. 9 f.; vgl. auch Urk. D1/9/10 S. 46 f.). Das 

Nachtatverhalten führt somit zu keiner merklichen Strafminderung. 

6.2.4. Insgesamt wirkt sich die Täterkomponente aufgrund der zahlreichen Vor-

strafen und der insofern belasteten Deliktsbiographie der Beschuldigten erheblich 

straferhöhend aus. Für die nach dem 13. September 2019 verübten Straftaten 

(Dossiers 2, 3, 5, 6 und 7) erweist sich eine Freiheitsstrafe von 230 Tagen als an-

gemessen. 

7. Fazit 

Nach Massgabe der vorstehenden Erwägungen zur Strafzumessung bei 

teilweiser retrospektiver Konkurrenz (vgl. E. II.3.) ist die soeben genannte Frei-

heitsstrafe von 230 Tagen mit der für die vor dem Strafbefehl der Regionalen 

Staatsanwaltschaft Bern - Mittelland vom 13. September 2019 begangenen Delik-

te festgesetzte Freiheitsstrafe von 100 Tagen (Dossier 1; vgl. E. II.5.2.4.) zu ad-

dieren. Daraus resultiert eine Freiheitsstrafe von 330 Tagen, was umgerechnet 11 

Monaten entspräche. Aufgrund des Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 

StPO) hat es indessen mit der von der Vorinstanz ausgesprochenen Sanktion von 

9 Monaten Freiheitsstrafe sein Bewenden. An diese Strafe ist ein Tag erstandene 

Haft anzurechnen (Art. 51 StGB; Urk. D5/7/1+3). 

-  27  - 

III. Widerruf / Vollzug 

1. Widerruf 

1.1. Sämtliche zur Anklage gebrachten Taten fallen in die mit Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 13. September 2018 angesetzte und hernach 

verlängerte Probezeit. Die Delikte gemäss den Dossiers 1, 2, 3, 5 und 6 wurden 

sodann während der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Baden vom 25. No-

vember 2016 festgesetzten und ebenfalls verlängerten Probezeit verübt. Damit ist 

über den Widerruf des bedingten Strafvollzugs der damals ausgesprochenen 

Strafen zu entscheiden.  

1.2. Die Vorinstanz erklärte die mit Strafbefehl vom 25. November 2016 ausge-

sprochene Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 30.– für vollziehbar. Ebenso 

widerrief sie den bedingten Strafvollzug hinsichtlich der mit Strafbefehl vom 

13. September 2018 ausgesprochenen Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 

Fr. 30.– (Urk. 40 S. 16 f., 27). Die amtliche Verteidigung beantragt im Berufungs-

verfahren hingegen, es sei auf den Widerruf zu verzichten und die laufenden Pro-

bezeiten der vorstehenden Verurteilungen zu verlängern (Urk. 42 S. 2; Urk. 63 S. 

1). 

1.3. Die rechtlichen Grundlagen zu Art. 46 Abs. 1 StGB wurden im vorinstanzli-

chen Urteil zutreffend dargelegt, worauf zur Vermeidung von Wiederholungen 

verwiesen werden kann (Urk. 40 S. 16).  

1.4. Wie bereits dargelegt, hat die Beschuldigte bereits vier einschlägige Vor-

strafen wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs erwirkt (Urk. 62). Sie liess sich 

jedoch weder durch die bisher gegen sie verhängten Geldstrafen noch die laufen-

den Probezeiten in irgendeiner Weise beeindrucken, sondern delinquierte jeweils 

innert kürzester Zeit nach den jeweiligen Verurteilungen wieder in gleicher Art und 

Weise. So vergingen nach Erlass des Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des 

Kantons Basel-Stadt vom 3. Juni 2015 nur rund fünf Monate, bis die Beschuldigte 

am 14. November 2015 erneut einen Diebstahl beging. Die ausgesprochene Pro-

bezeit von zwei Jahren wurde deshalb um ein Jahr verlängert. Infolge erneuter 

-  28  - 

einschlägiger Delinquenz während der (verlängerten) Probezeit wurde die Be-

schuldigte verwarnt. Nach ihrer Verurteilung mit Strafbefehl der Staatsanwalt-

schaft Baden vom 25. November 2016 wurde die Beschuldigte am 27. Januar 

2017, d.h. innert zwei Monaten wieder einschlägig straffällig. Die dafür ausge-

sprochene Verwarnung zeigte ebenfalls keine Wirkung. Aufgrund gleichartiger 

Delinquenz während der noch laufenden Probezeit von drei Jahren wurde diese 

um anderthalb Jahre verlängert. Auch die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Zürich-Sihl vom 13. September 2018 angesetzte Probezeit von vier Jahren wurde 

bereits ein Jahr später infolge einer weiteren Verurteilung der Beschuldigten u.a. 

wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs um zwei Jahre verlängert. Mit dem-

selben Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern - Mittelland vom 13. 

September 2019 wurde die Beschuldigte erstmals mit einer unbedingten Geldstra-

fe sanktioniert. Allerdings folgte dieser Verurteilung nur zwei Monate später der 

vorliegend zu beurteilende Diebstahl vom 13. November 2019 (Dossier 2). Die 

Beschuldigte delinquierte allerdings nicht nur während laufender Probezeiten, 

sondern auch während hängiger Strafuntersuchung. Dabei fällt auf, dass sie teil-

weise nur wenige Wochen nach ihren Einvernahmen durch die Strafverfolgungs-

behörden gleich gelagerte Straftaten verübte (Dossiers 2 und 5). Das dargestellte 

Verhalten der Beschuldigten zeugt von erheblicher Hartnäckigkeit und Unbelehr-

barkeit. Obwohl in der Vergangenheit trotz weiterer einschlägiger Delinquenz je-

weils auf einen Widerruf des bedingten Strafvollzugs verzichtet wurde, vermoch-

ten die ausgesprochenen Verwarnungen und verlängerten Probezeiten keine Än-

derung in ihrem Verhalten zu bewirken. In seinem psychiatrischen Gutachten vom 

22. Juni 2021 schätzt Facharzt Dr. med. E._____ die von der Beschuldigten aus-

gehende Gefahr für die Begehung vergleichbarer Delikte (konkret: Ladendieb-

stähle) als deutlich ein (Urk. D1/9/10 S. 46 ff., 50). Vor diesem Hintergrund und in 

Anbetracht der vorliegend zu beurteilenden Straftaten erweist es sich nicht als 

sachgerecht, nochmals auf den Widerruf zu verzichten (vgl. Art. 46 Abs. 2 StGB). 

Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Baden vom 

25. November 2016 ausgefällten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 30.– ist 

daher zu widerrufen. Ebenso ist der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der 

-  29  - 

Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 13. September 2018 festgesetzten Geldstrafe 

von 90 Tagessätzen zu Fr. 30.– zu widerrufen. 

1.5. Nachdem für die während der laufenden Probezeiten verübten Delikte eine 

Freiheitsstrafe auszufällen ist (vgl. E. II.2.3.), fällt die Bildung einer Gesamtstrafe 

mangels Gleichartigkeit der Sanktionen ausser Betracht (Art. 46 Abs. 1 StGB in 

Verbindung mit Art. 49 Abs. 1 StGB). Eine nachträgliche Umwandlung der wider-

rufenen Geldstrafen in Freiheitsstrafen ist ausgeschlossen (BGE 137 IV 249 

E. 3.4.2 f.). 

2. Vollzug 

2.1. Eine Verurteilung zu einer bedingten Strafe nach Art. 42 StGB setzt das 

Fehlen einer ungünstigen Prognose voraus. Wird eine stationäre oder ambulante 

Massnahme angeordnet, ist diese Voraussetzung von vornherein nicht gegeben. 

Die Anordnung einer Massnahme bedeutet zugleich eine ungünstige Prognose 

und schliesst demnach den bedingten Aufschub einer Strafe aus (BGE 135 IV 

180 E. 2.3; Urteile des Bundesgerichts 6B_293/2019 vom 29. März 2019 E. 2.1; 

6B_223/2016 vom 8. September 2016 E. 3.3; je mit Hinweisen). 

2.2. Wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird, ist für die Beschuldigte eine ambu-

lante Behandlung im Sinne von Art. 63 StGB (Behandlung psychischer Störungen) 

anzuordnen (E. IV.2.8.). Damit liegt eine ungünstige Prognose vor und die Gewäh-

rung des bedingten Strafvollzugs ist von vornherein ausgeschlossen. Die Frei-

heitsstrafe ist daher zu vollziehen. Nachfolgend wird darüber zu entscheiden sein, 

ob der Strafvollzug zugunsten der ambulanten Massnahme aufzuschieben ist 

(E. IV.3.). 

IV. Massnahme 

1. Urteil der Vorinstanz / Standpunkt der Beschuldigten 

1.1. Die Vorinstanz verzichtete entgegen den übereinstimmenden Anträgen der 

amtlichen Verteidigung und der Staatsanwaltschaft auf die Anordnung einer am-

-  30  - 

bulanten Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB. Zur Begründung führte sie zu-

sammengefasst aus, dass nicht die bei der Beschuldigten diagnostizierten psy-

chischen Störungen, sondern ihr fataler Umgang mit emotionalen Unannehmlich-

keiten zu den angeklagten Taten geführt hätten. Die insofern vernachlässigbare 

Kausalität zwischen dem psychischen Zustand der Beschuldigten und den An-

lassdelikten sowie allfälligen künftigen Straftaten rechtfertige die Anordnung einer 

psychotherapeutischen Massnahme nicht (Urk. 40 S. 19 f., 27).  

1.2. Die amtliche Verteidigung beantragt auch im Berufungsverfahren die An-

ordnung einer ambulanten Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB. Sie stützt sich 

dabei auf die Feststellungen und Empfehlungen von Facharzt Dr. med. E._____ 

in seinem Gutachten vom 22. Juni 2021, auf welche nachfolgend einzugehen sein 

wird (Urk. 42 S. 2; Urk. 63 S. 1, 4 ff.; vgl. auch Urk. 25 S. 2, 16). Damit setzt sie 

sich in Widerspruch mit ihrem Antrag auf Gewährung des bedingten Strafvollzugs 

(BGE 135 IV 180 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_293/2019 vom 29. März 

2019 E. 2.1; je mit Hinweisen). Eventualiter beantragt die Verteidigung, es sei der 

Vollzug der Freiheitsstrafe zugunsten der ambulanten Behandlung aufzuschieben 

(Urk. 42 S. 2). Angesichts dieser Anträge steht der Anordnung einer ambulanten 

Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB das Verschlechterungsverbot (Art. 391 

Abs. 2 StGB) nicht entgegen. 

2. Ambulante Massnahme 

2.1. Nach Art. 56 Abs. 1 StGB ist eine Massnahme anzuordnen, wenn eine 

Strafe alleine nicht geeignet ist, der Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu be-

gegnen, ein Behandlungsbedürfnis besteht oder die öffentliche Sicherheit dies er-

fordert und die Voraussetzungen der gesetzlich vorgesehenen Massnahmen er-

füllt sind. Darüber hinaus darf der mit der Massnahme verbundene Eingriff in die 

Persönlichkeitsrechte des Täters im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit und 

Schwere weiterer Straftaten nicht unverhältnismässig sein (Art. 56 Abs. 2 StGB). 

Ist der Täter psychisch schwer gestört und hat er eine mit Strafe bedrohte Tat 

verübt, die mit seinem Zustand in Zusammenhang steht, so kann das Gericht eine 

ambulante Behandlung anordnen, sofern zu erwarten ist, dadurch lasse sich der 

-  31  - 

Gefahr weiterer mit der Störung des Täters in Zusammenhang stehender Taten 

begegnen (Art. 63 Abs. 1 StGB). 

2.2. Das Gutachten von Facharzt Dr. med. E._____ vom 22. Juni 2021 äussert 

sich ausführlich zur psychischen Verfassung der Beschuldigten, zum Zusammen-

hang mit den angeklagten Taten, zur Legalprognose, zur Massnahmenindikation 

und zur zweckmässigen Behandlungsmethode (Urk. D1/9/10 S. 34 ff.). Die gut-

achterlichen Ausführungen erweisen sich als inhaltlich detailliert, differenziert und 

in sich schlüssig, weshalb darauf abgestellt werden kann. Das psychiatrische 

Gutachten wird von der Beschuldigten denn auch nicht in Frage gestellt (Urk. 42 

S. 16). 

2.3. Gemäss der Diagnose von Facharzt Dr. med. E._____ liegt bei der Be-

schuldigten eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.6) 

vor, welche als schwer einzustufen ist. Daneben leidet sie an einer anhaltenden 

somatoformen Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) und an einer mittelschweren de-

pressiven Episode (ICD-10: F32.1), wobei die letztere Störung inzwischen als 

chronifiziert erscheint (Urk. D1/9/10 S. 40 ff., 49). Damit besteht bei der Beschul-

digten eine schwere psychische Störung im Sinne von Art. 63 Abs. 1 StGB. Dass 

die angeklagten Straftaten motivational auf eine Kleptomanie (ICD-10: F63.2) zu-

rückzuführen sind, schliesst der sachverständige Gutachter aus. Er ordnet das 

deliktische Verhalten der Beschuldigten vielmehr vor dem Hintergrund ihrer de-

pressiven und ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung ein. Die damit ein-

hergehende affektive Labilisierung bewirke ein Kompensationsbestreben. Die Be-

schuldigte habe die Diebstähle begangen, um sich über die Aneignung von Wert-

gegenständen aus einer Stimmung von Traurigkeit, Vereinsamung und Verlas-

senheit zu lösen und ihr Selbstwertgefühl in gewisser Überbewertung und über-

steigerter Bedeutungszumessung materieller Güter zu stärken (Urk. D1/9/10 S. 42 

ff.).  

Der Vorinstanz ist deshalb nicht zu folgen, wenn sie festhält, dass die kausale 

Ursache für die wiederholte Delinquenz der Beschuldigten nicht in ihren psychi-

schen Störungen liege, sondern in ihrem inadäquaten Umgang mit emotionalen 

Unannehmlichkeiten (Urk. 40 S. 19). Facharzt Dr. med. E._____ legt überzeu-

-  32  - 

gend dar, dass die zu beurteilenden Delikte der Überwindung bzw. Kompensation 

von zunehmenden depressiven Verstimmungen dienten, welche auf Basis der 

ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung entstanden waren und jeweils 

durch äussere Lebensumstände (z.B. eheliche Probleme, Auseinandersetzungen 

mit der Mutter oder Schwester, soziale Isolation) aktiviert wurden (Urk. D1/9/10 

S. 42 ff., 45, 47). Die angeklagten Straftaten stehen somit in einem ausreichend 

engen Zusammenhang mit den bei der Beschuldigten festgestellten Persönlich-

keitsstörungen. Es spielt keine Rolle, in welcher Weise Anlasstat und psychische 

Störung zusammenhängen; die Tat kann unmittelbar aus der Störung hervorge-

hen oder nur mittelbar in ihr begründet sein (STRATENWERTH/BOMMER, Schweize-

risches Strafrecht, Allgemeiner Teil II: Strafen und Massnahmen, 3. Auflage, Bern 

2020, S. 304; TRECHSEL/PAUEN BORER, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Praxiskommen-

tar Schweizerisches Strafgesetzbuch, 3. Auflage, Zürich/St. Gallen 2018, N 6 zu 

Art. 59 StGB).  

2.4. Nach ausführlicher Abwägung der legalprognostisch günstigen und un-

günstigen Faktoren schätzt der sachverständige Gutachter die von der Beschul-

digten ausgehende Gefahr für die Begehung vergleichbarer Delikte (konkret: La-

dendiebstähle) als deutlich ein. Er führt aus, dass die Beschuldigte nebst einer 

medikamentösen Behandlung ihrer depressiven Störung weiterhin eine psycho-

therapeutische Behandlung benötige, um den Defiziten im Zusammenhang mit ih-

rer ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung entgegenwirken zu können. 

Aus verhaltenstherapeutischer Sicht sei der Aufbau eines stabilen und tragfähigen 

Selbstwertgefühls, einer verbesserten Selbstwahrnehmung, einer Erhöhung der 

emotionalen Zugänglichkeit und einer Stärkung von Konfliktlösungsstrategien 

zentral. In die Behandlung sollten sodann deliktpräventive Ansätze integriert wer-

den, um die Beschuldigte für die frühzeitige Wahrnehmung emotionaler und kog-

nitiver Stimuli hinsichtlich weiterer Straftaten zu sensibilisieren und verlässliche 

Handlungsalternativen zu erarbeiten (Urk. D1/9/10 S. 47 f., 50 f.). Gestützt auf die 

gutachterlichen Feststellungen ist damit von der Behandlungsbedürftigkeit der 

Beschuldigten auszugehen (Art. 56 Abs. 1 lit. b StGB). 

-  33  - 

2.5. Zur Verbesserung der Legalprognose empfiehlt Facharzt Dr. med. E._____ 

die Anordnung einer ambulanten Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB und 

weist darauf hin, dass sich die Beschuldigte bereit zeige, die therapeutische Be-

gleitung durch M.sc. O._____, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, fortzu-

setzen (Urk. D1/9/10 S. 23, 48, 51 f.). Die Beschuldigte bestätigte nicht nur im 

Rahmen der Untersuchung, sondern auch vor Vorinstanz sowie anlässlich der Be-

rufungsverhandlung ihre Bereitschaft, sich weiterhin psychotherapeutisch behan-

deln zu lassen. Sie wies wiederholt darauf hin, nach wie vor bei Frau O._____ in 

psychiatrischer Behandlung zu sein und alle zwei bis vier Wochen Sitzungen bei 

ihr wahrzunehmen. Darüber hinaus sei sie seit Februar 2021 auch Patientin von 

Dr. med. P._____, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH, den sie alle drei 

Wochen aufsuche. Er habe ihr Antidepressiva und Antipsychotika (Cymbalta und 

Quetiapin) verschrieben, welche Medikamente sie täglich einnehme (Urk. D1/7/5 

F/A 12 f.; Urk. D2/6 F/A 19 ff.; Prot. I S. 13 ff.; Prot. II S. 15 f., 18, 20, 24; vgl. auch 

Urk. D1/9/10 S. 10, 31 f.). Die Beschuldigte erweist sich folglich auch als mass-

nahmenwillig. 

2.6. Allerdings stellt sich vorliegend die Frage, ob die Anordnung einer ambu-

lanten Massnahme geeignet ist, um der Rückfallgefahr wirksam zu begegnen. So 

befindet sich die Beschuldigte bereits seit 2015, d.h. während rund acht Jahren 

durchwegs in therapeutischer Behandlung bei Frau O._____. Gegenstand der 

ambulanten Therapie bilden nicht nur die bei der Beschuldigten bestehenden 

psychischen Störungen, sondern auch die daraus resultierenden Diebstähle. Frau 

O._____ gab gegenüber dem sachverständigen Gutachter an, sie habe mit der 

Beschuldigten u.a. daran gearbeitet, alternative Verhaltensweisen zur Vermei-

dung von erneuter Delinquenz zu erlernen und anzuwenden (Urk. 64; Urk. 

D1/9/10 S. 31 f.; vgl. auch Urk. D1/7/4 F/A 30 ff.; Urk. D2/6 F/A 19 ff.). Dennoch 

vermochte die mehrjährige therapeutische Behandlung keine nachhaltige Ände-

rung im Verhalten der Beschuldigten zu bewirken. Die zahlreichen und stets ein-

schlägigen Vorstrafen zeigen vielmehr auf, dass sie immer wieder in ihre alten 

Verhaltensmuster zurückfiel und ihre depressiven Verstimmungen sowie ihr ge-

ringes Selbstwertgefühl mittels Entwendung von Wertgegenständen aus Ein-

kaufsgeschäften zu kompensieren versuchte. In diesem Zusammenhang ist so-

-  34  - 

dann zu berücksichtigen, dass die Beschuldigte die Delikte gemäss Dossier 1 zu 

einem Zeitpunkt beging, als sie sich für eine zweimonatige stationäre Behandlung 

in der Klinik G._____ aufhielt. Während dieses Klinikaufenthalts wurden zunächst 

die depressive Persönlichkeitsstörung und die chronische Schmerzstörung der 

Beschuldigten behandelt. Nach der Tatbegehung wurde auch der Diebstahl vom 

22. Juni 2019 (Dossier 1) thematisiert und die Beschuldigte dazu befragt, wie es 

dazu gekommen sei bzw. welche Gefühle sie dabei empfunden habe (Urk. 

D1/9/10 S. 33 f.). Auch diese Auseinandersetzung mit dem Deliktsmechanismus 

unmittelbar nach Verübung einer einschlägigen Straftat und mit einer/m anderen 

Psychotherapeutin/en als Frau O._____ bewirkte ebenfalls keine anhaltende Kon-

trolle der Beschuldigten über ihre Verhaltensmuster, verübte sie doch nicht einmal 

zwei Monate nach ihrer Entlassung aus der Klinik G._____ (22. Juli 2019) den un-

ter Dossier 2 angeklagten Diebstahl.  

Trotzdem erachtet Facharzt Dr. med. E._____ die Anordnung einer ambulanten 

therapeutischen Massnahme auch gegenwärtig noch als zur Verbesserung der 

Legalprognose zielführend. Zur Begründung führt er aus, dass die Herausarbei-

tung deliktrelevanter Stimuli vor und während der Tatbegehung im Rahmen der 

bisherigen Behandlungen noch zu wenig Platz gegriffen hätten. Ebenso habe eine 

vertiefte Auseinandersetzung der Beschuldigten mit ihrem deliktischen Verhalten 

und dem Zusammenhang zu ihrer psychischen Verfassung noch nicht stattgefun-

den. Der Grund dafür sei, dass die Beschuldigte bislang keiner gerichtlich aufer-

legten und damit quasi verpflichtenden Massnahme im Sinne von Art. 56 ff. StGB 

unterlegen sei. Eine stringente Therapieverpflichtung auf freiwilliger Basis sei bei 

der Beschuldigten nicht ausreichend vorhanden gewesen. So ergebe sich aus 

den Auskünften von Frau O._____, dass die Beschuldigte einer Neigung unterle-

gen sei, sich der Therapie zwar nicht gänzlich zu entziehen, jedoch dieser auszu-

weichen. Ein ähnlich vermeidendes Verhalten zeigte die Beschuldigte offenbar 

auch während ihres stationären Aufenthalts in der Klinik G._____. Folglich schätzt 

der sachverständige Gutachter die Anordnung einer ambulanten therapeutischen 

Massnahme als erfolgsversprechend und damit geeignet ein, um die bei der Be-

schuldigten bestehende Rückfallgefahr zu reduzieren, da die verlässliche Wahr-

nehmung der Behandlungstermine regelmässig durch die Bewährungs- und Voll-

-  35  - 

zugsdienste überwacht würde. Sodann hätte die Beschuldigte mit Interventionen 

zu rechnen, sollte sie Termine versäumen oder sich anderweitig unzuverlässig 

zeigen. Ein klarer, verbindlicher und kontrollierender Rahmen sei nötig, um die 

Beschuldigte genügend nachhaltig in die therapeutische Behandlung einbinden zu 

können (Urk. D1/9/10 S. 33, 47 f., 51). 

In diesem Zusammenhang ist weiter zu berücksichtigen, dass die Beschuldigte 

erst seit Februar / März 2020 regelmässig Medikamente einnimmt zur Behand-

lung ihrer depressiven Störung (Urk. D1/7/4 F/A 40 ff.; Urk. D1/9/10 S. 21 [Cym-

balta]). Nachdem sie einräumte, die verschriebenen Medikamente in der Vergan-

genheit nicht immer verlässlich eingenommen zu haben, erscheint die Anordnung 

einer ambulanten therapeutischen Massnahme mit Facharzt Dr. med. E._____ 

auch vor diesem Hintergrund geeignet, um eine wirksame medikamentöse Ein-

stellung der Beschuldigten zu erreichen und ihre Medikamentencompliance re-

gelmässig zu überprüfen. Zudem hätte die Beschuldigte auch in dieser Hinsicht 

mit Konsequenzen zu rechnen, sollten die Bewährungs- und Vollzugsdienste eine 

medikamentöse Malcompliance feststellen (Urk. D1/9/10 S. 51). Folglich ist der-

zeit noch von der Eignung einer ambulanten therapeutischen Behandlung im Sin-

ne von Art. 63 StGB auszugehen, um die belastete Legalprognose der Beschul-

digten zu verbessern.  

2.7. Gestützt auf die Feststellungen im psychiatrischen Gutachten erweist sich 

die Anordnung einer ambulanten therapeutischen Massnahme sodann als erfor-

derlich. Ein milderes Behandlungssetting kommt nicht in Betracht. Einer Fortset-

zung der psychotherapeutischen Behandlung in Form einer Weisung nach Art. 44 

Abs. 2 StGB steht die ausgewiesene Behandlungsbedürftigkeit der Beschuldigten 

entgegen (Urk. D1/9/10 S. 48, 50 f.; Urteil des Bundesgerichts 6B_652/2016 vom 

28. März 2017 E. 3.3.2 und E. 3.4.1). Gemäss Gutachten geht von der Beschul-

digten eine deutliche Rückfallgefahr für den Anlasstaten ähnliche Delikte aus. Vor 

diesem Hintergrund ist nicht von einem unverhältnismässigen Eingriff in ihre ge-

schützten Persönlichkeitsrechte auszugehen. Für die Zumutbarkeit einer ambu-

lanten Behandlung im Sinne von Art. 63 StGB spricht denn auch, dass die Be-

schuldigte selbst die Anordnung einer solchen beantragt (Urk. 42 S. 2).  

-  36  - 

2.8. Nach dem Erwogenen sind die Voraussetzungen zur Anordnung einer am-

bulanten Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB erfüllt.  

Sämtliche Fragen hinsichtlich des Vollzugs dieser Massnahme, wie insbesondere 

die nähere inhaltliche Ausgestaltung der therapeutischen Behandlung und die 

Wahl der therapierenden Person, liegen in der Kompetenz der Vollzugsbehörde 

(BGE 134 IV 246 E. 3.3; BGE 130 IV 49 E. 3.1).  

3. Aufschub des Strafvollzugs 

3.1. Die Verteidigung beantragt (im Sinne eines Eventualantrags), der Vollzug 

der Freiheitsstrafe sei zu Gunsten der ambulanten Massnahme aufzuschieben 

(Urk. 42 S. 2; Urk. 63 S. 1). Zur Begründung führt sie aus, dass sich aus der vom 

sachverständigen Gutachter evaluierten Rückfallgefahr für weitere Vermögensde-

likte keine den Strafaufschub ausschliessende Gefährlichkeit der Beschuldigten 

ableiten lasse. Zudem erscheine es für die Bearbeitung ihrer störungsbedingten 

Defizite geradezu notwendig, dass sie sich Alltagssituationen ausgesetzt sehe, 

um den Deliktsmechanismus im Rahmen einer nunmehr deliktorientierten Thera-

pie aufarbeiten zu können. Ein Vollzug der auszusprechenden Freiheitsstrafe 

würde dies über Monate hinweg verhindern. Schliesslich würde eine Inhaftierung 

die Beschuldigte aus ihrem zerbrechlichen sozialen Umfeld herausreissen und to-

tal entwurzeln, was die Erfolgsaussichten der Therapie erheblich und wohl ent-

scheidend beeinträchtigen würde. Dies entspreche auch den Empfehlungen des 

Gutachters, der einerseits eine stationäre therapeutische Massnahme als nicht 

zweckmässig erachte und andererseits auf eine mögliche suizidale Reaktion der 

Beschuldigten im Falle des Vollzugs der Freiheitsstrafe hinweise (Urk. 63 S. 4; 

vgl. auch Urk. 25 S. 15). 

3.2. Das Gericht kann den Vollzug einer zugleich ausgesprochenen Freiheits-

strafe zu Gunsten einer ambulanten Massnahme aufschieben, um der Art der Be-

handlung Rechnung zu tragen (Art. 63 Abs. 2 StGB). Gemäss bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung ist vom Ausnahmecharakter des Strafaufschubs auszugehen. 

Wird dennoch vom Regelfall der gleichzeitigen Durchführung von ambulanter  

Massnahme und Strafvollzug abgewichen, bedarf dies einer hinreichenden Recht-

-  37  - 

fertigung. Der Strafaufschub ist anzuordnen, wenn eine tatsächliche Aussicht auf 

erfolgreiche Behandlung durch den sofortigen Vollzug der ausgefällten Freiheits-

strafe erheblich beeinträchtigt würde. Dies ist nicht erst anzunehmen, wenn der 

Vollzug eine Therapie verunmöglicht oder den Behandlungserfolg völlig in Frage 

stellt. Die Therapie geht vor, falls eine sofortige Behandlung gute Resozialisie-

rungschancen bietet, die der Strafvollzug klarerweise verhindern oder vermindern 

würde. Dabei sind einerseits die Auswirkungen des Strafvollzuges, die Erfolgsaus-

sichten der ambulanten Behandlung und die bisherigen Therapiebemühungen zu 

berücksichtigen, andererseits aber auch das kriminalpolitische Erfordernis, Strafta-

ten schuldangemessen zu ahnden bzw. rechtskräftige Strafen grundsätzlich zu 

vollziehen (BGE 129 IV 161 E. 4.1 und E. 4.3; Urteile des Bundesgerichts 

6B_1440/2019 vom 25. Februar 2020 E. 4.3; 6B_495/2012 vom 6. Februar 2013 

E. 6.2). Für die Beurteilung der Frage, ob der sofortige Vollzug der Strafe den The-

rapieerfolg erheblich gefährden würde, stützt sich das Gericht auf ein sachver-

ständiges Gutachten (vgl. Art. 56 Abs. 3 lit. c StGB). 

3.3. Facharzt Dr. med. E._____ bejaht zwar die Frage, ob der ambulanten Be-

handlung auch bei gleichzeitigem oder vorherigem Strafvollzug Rechnung getra-

gen werden könne. Er wendet jedoch ein, dass im Falle des Vollzugs einer Frei-

heitsstrafe der Aspekt einer suizidalen Reaktion der Beschuldigten beachtet wer-

den müsse (Urk. D1/9/10 S. 53). Der Gutachter spricht damit die Gefahr eines 

psychischen Zusammenbruchs der Beschuldigten unter dem Haftregime des or-

dentlichen Strafvollzugs an. Ein solcher würde sich zweifellos auch negativ auf die 

Durchführung der ambulanten Massnahme auswirken. So müssten insbesondere 

deliktpräventive und verhaltenstherapeutische Ansätze vorübergehend zurückge-

stellt werden, bis die Beschuldigte wieder ausreichend stabilisiert werden konnte 

und sich zugänglich zeigt für die ambulante Therapie. Derartige Behandlungsin-

halte (Sensibilisierung hinsichtlich deliktrelevanter Stimuli, Erarbeiten von verläss-

lichen Handlungsalternativen zur Delinquenz, Aufbau eines stabilen und tragfähi-

gen Selbstwertgefühls, Verbesserung der Selbstwahrnehmung etc.) sind gemäss 

den Ausführungen des Gutachters jedoch zentral, um bei der Beschuldigten eine 

nachhaltige Reduktion der Rückfallgefahr herbeiführen zu können (Urk. D1/9/10 

S. 48, 51). Entsprechend würde der Strafvollzug die Erfolgsaussichten der ambu-

-  38  - 

lanten Behandlung erheblich beeinträchtigen. Weiter ist der Verteidigung zuzu-

stimmen, dass der Vollzug der Freiheitsstrafe die Beschuldigte aus ihrem ge-

wohnten Umfeld und ihrem gelebten Alltag reissen würde. Die ambulante Mass-

nahme soll aber gerade im normalen Alltag der Beschuldigten greifen und ihre de-

liktpräventiven Wirkungen dort entfalten. Der Strafvollzug erscheint auch vor die-

sem Hintergrund nicht zielführend. Zu berücksichtigen ist ferner, dass die Be-

schuldigte – soweit ersichtlich – seit mehr als anderthalb Jahren nicht erneut straf-

fällig wurde, was angesichts ihrer sonstigen Kadenz bezüglich Straftaten doch 

gewissermassen als Erfolg zu werten ist. Sodann kann der Beschuldigten nicht 

abgesprochen werden, dass sie sich mit der mehrjährigen ambulanten Psycho-

therapie bei Frau O._____ darum bemühte, ihre psychischen Störungen zu be-

handeln und von ihrem deliktischen Verhalten wegzukommen. Dass sie teilweise 

versuchte, der Behandlung (inhaltlich) auszuweichen und Termine nicht immer 

verlässlich wahrnahm, kann ihr nicht zum Vorwurf gemacht werden. Ebensowenig 

kann ihr vorgehalten werden, dass sie trotz ihrer wiederholten und stets einschlä-

gigen Delinquenz keine andere Therapeutin bzw. keinen anderen Therapeuten 

aufsuchte. So ist dieses ausweichende Verhalten sowie ihre Untätigkeit hinsicht-

lich eines Wechsels ihrer behandelnden Psychotherapeutin auf ihre schweren 

Persönlichkeitsstörungen zurückzuführen.  

Massgeblich ist weiter, dass im Falle eines Strafaufschubs der Bewährungsdruck 

aufrecht bleibt. Erweist sich die ambulante Behandlung als aussichtslos oder nicht 

erfolgreich, so ist die aufgeschobene Freiheitsstrafe zu vollziehen (Art. 63b Abs. 2 

StGB). Dies dürfte eine ausreichend präventive Wirkung auf die Beschuldigte ent-

falten, wird sie mit diesem Urteil doch erstmals mit einer Freiheitsstrafe sanktio-

niert. Sodann befand sie sich im Rahmen des vorliegenden Verfahrens erstmals – 

wenn auch nur kurz – in Haft, was ebenfalls deutlichen Eindruck auf sie gemacht 

haben wird. Vor diesem Hintergrund steht das kriminalpolitische Erfordernis, 

Straftaten schuldangemessen zu ahnden bzw. rechtskräftige Strafen grundsätz-

lich zu vollziehen, einem Aufschub des Strafvollzugs nicht entgegen. 

3.4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe ist nach dem Erwogenen zu Gunsten der 

ambulanten Massnahme aufzuschieben. 

-  39  - 

V. Landesverweisung 

1. Urteil der Vorinstanz / Standpunkt der Beschuldigten 

1.1. Die Vorinstanz ordnete gegen die Beschuldigte – ohne entsprechenden 

Antrag der Staatsanwaltschaft – eine fakultative Landesverweisung für die Dauer 

von 3 Jahren an (Urk. 40 S. 27). In ihrer Begründung wies sie zusammengefasst 

darauf hin, dass die Beschuldigte trotz mehrmaligen Verurteilungen immer wieder 

aufs Neue straffällig geworden sei und keine ernsthaften Versuche unternommen 

habe, um ihr Verhalten nachhaltig zu verbessern. Sie habe damit eine erhebliche 

Geringschätzung gegenüber der hiesigen Rechtsordnung bewiesen, welche sich 

auch durch eine antidepressive Therapie nicht auflösen dürfte. Die deutliche 

Rückfallgefahr lasse in den Hintergrund treten, dass die objektive Tatschwere an-

gesichts der relativ geringen Deliktsumme nicht übermässig hoch sei. Insgesamt 

sei das öffentliche Interesse an einer Landesverweisung schwerer zu gewichten 

als dasjenige der Beschuldigten an einem Verbleib in der Schweiz (Urk. 40 S. 20 

ff.).  

1.2. Die Beschuldigte wurde im Rahmen ihrer Befragung anlässlich der Haupt-

verhandlung darauf hingewiesen, dass die Anordnung einer (fakultativen) Lan-

desverweisung auch ohne entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft ange-

sichts ihrer zahlreichen Vorstrafen langsam von Amtes wegen zu prüfen sei. Die-

sem Hinweis folgten einige Fragen zu ihren Sprachkenntnissen sowie zu ihren 

persönlichen Bindungen zur Schweiz und zu ihrem Heimatstaat Serbien (Prot. I 

S. 12 ff.). Im Anschluss an die Befragung der Beschuldigten äusserte sich die 

amtliche Verteidigung in Ergänzung ihrer Plädoyernotizen zur Frage der Anord-

nung einer Landesverweisung, welche von der Vorinstanz in den Raum gestellt 

worden war (Prot. I S. 18 f.). Folglich liegt keine Verletzung des rechtlichen Ge-

hörs vor. 

1.3. Die amtliche Verteidigung beantragt im Berufungsverfahren, es sei auf die 

Anordnung einer Landesverweisung im Sinne von Art. 66abis StGB zu verzichten, 

da sich eine solche als unverhältnismässig erweise. Das Verschulden hinsichtlich 

der verübten Taten wiege leicht. Die Beschuldigte habe durch ihr Vorgehen keine 

-  40  - 

grosse kriminelle Energie offenbart, aus welcher eine Gefährdung der öffentlichen 

Sicherheit und Ordnung resultieren würde. Zudem habe sich die ungünstige Le-

galprognose, die ihr im psychiatrischen Gutachten attestiert worden sei, bislang 

nicht bestätigt. Vielmehr habe die Beschuldigte gezeigt, dass sie den Ernst der 

Lage erkannt habe und gewillt sei, die hiesige Rechtsordnung zu respektieren. 

Bei der Interessenabwägung sei sodann zu berücksichtigen, dass die Beschuldig-

te seit mittlerweile 39 Jahren in der Schweiz lebe. Während zwei Dritteln ihrer 

Aufenthaltsdauer sei sie im Gastgewerbe erwerbstätig gewesen. Dass die Be-

schuldigte über kein grosses soziales Umfeld verfüge, lasse nicht auf eine miss-

lungene Integration schliessen. Vielmehr entspreche dies ihrer Persönlichkeit und 

hänge zweifellos mit den gutachterlich diagnostizierten Störungen zusammen. Die 

wenigen Personen, zu denen sie engen und beinahe täglichen Kontakt pflege, 

hielten sich allesamt in der Schweiz auf. Dies seien in erster Linie ihre drei er-

wachsenen Söhne, die Schwester und ihre Mutter, welche allesamt in derselben 

Kleinstadt leben würden wie die Beschuldigte. Sodann stehe diese in regelmässi-

gem Kontakt mit ihrem Onkel, einer Cousine und ihren drei guten Kolleginnen. 

Anlässlich der Berufungsverhandlung wiesen sowohl die Beschuldigte als auch ih-

re Verteidigung darauf hin, dass sich die Beziehung zu den Söhnen normalisiert 

und intensiviert habe, seit das Scheidungsverfahren abgeschlossen sei und der 

Einfluss des Vaters mit zunehmendem Alter abgenommen habe. Eine ähnliche 

Verbesserung habe das Verhältnis zur Schwester und der Mutter erfahren, wel-

che beide schwer erkrankt und deshalb auf die Unterstützung der Beschuldigten 

angewiesen seien. In Serbien habe die Beschuldigte abgesehen von ihrer 

Grossmutter, zu welcher sie ebenfalls regelmässigen Kontakt pflege, weder Ver-

wandte noch Freunde oder Bekannte. Es fehle ihr dort an einer wirtschaftlichen 

Grundlage, einer Wohnmöglichkeit und der notwendigen medizinischen Versor-

gung. Insgesamt würde das private Interesse der Beschuldigten an einem Ver-

bleib in der Schweiz das öffentliche Interesse an ihrer Wegweisung überwiegen 

(Urk. 42 S. 2; Urk. 63 S. 1, 6 ff.; Prot. II S. 9, 13 f., 23 f.; vgl. auch Prot. I S. 18 f.).  

-  41  - 

2. Rechtliche Grundlagen 

2.1. Nach Art. 66abis StGB kann das Gericht eine Ausländerin für 3-15 Jahre 

des Landes verweisen, wenn sie wegen eines Verbrechens oder Vergehens, das 

nicht von Art. 66a StGB erfasst wird, zu einer Strafe verurteilt oder gegen sie eine 

Mass-nahme nach den Art. 59-61 StGB oder Art. 64 StGB angeordnet wird.   

2.2. Die nicht obligatorische Landesverweisung hat unter Berücksichtigung des 

Verhältnismässigkeitsprinzips nach Art. 5 Abs. 2 und Art. 36 Abs. 2 und 3 BV zu 

erfolgen. Zu prüfen ist, ob das öffentliche Interesse an der Landesverweisung das 

private Interesse der beschuldigten Person am Verbleib in der Schweiz überwiegt. 

Die erforderliche Interessenabwägung hat sich an den Anforderungen von Art. 8 

Ziff. 2 EMRK an einen Eingriff in das Privat- und Familienleben zu orientieren. Bei 

der Verhältnismässigkeitsprüfung sind namentlich die Art und Schwere des Ver-

schuldens, die seit der Tatbegehung verstrichene Zeit und das bisherige Verhal-

ten der betreffenden Person, die Dauer des bisherigen Aufenthalts in der Schweiz 

und die Intensität ihrer sozialen, kulturellen und familiären Bindungen sowohl im 

Gastgeberstaat als auch im Heimatland zu berücksichtigen (Urteile des Bundes-

gerichts 6B_429/2021 vom 3. Mai 2022 E. 3.1.1; 6B_140/2021 vom 24. Februar 

2022 E. 6.2; 6B_1005/2020 vom 22. Dezember 2020 E. 1.1; je mit Hinweisen). 

Die Anordnung einer fakultativen Landesverweisung setzt keine Mindeststrafhöhe 

voraus (Urteile des Bundesgerichts 6B_429/2021 vom 3. Mai 2022 E. 3.1.1; 

6B_140/2021 vom 24. Februar 2022 E. 6.2; je mit Hinweisen). Nach dem Willen 

des Gesetzgebers soll sie gerade in Fällen zur Anwendung gelangen, bei denen 

es um Gesetzesverstösse von geringerer Schwere, aber dafür um wiederholte 

Delinquenz geht (Urteile des Bundesgerichts 6B_429/2021 vom 3. Mai 2022 E. 

3.1.1; 6B_140/2021 vom 24. Februar 2022 E. 6.2; 6B_1123/2020 vom 2. März 

2021 E. 3.3.1; je mit Hinweisen). 

3. Würdigung 

3.1. Die Beschuldigte ist serbische Staatsangehörige und verfügte während des 

Deliktszeitraums über eine Niederlassungsbewilligung C für die Schweiz 

(Urk. D1/1 S. 1; Urk. D7/1 S. 1). Sie gilt somit als Ausländerin im Sinne von 

-  42  - 

Art. 66abis StGB. Die Schuldsprüche gegen die Beschuldigte wegen mehrfachen 

Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB und mehrfachen Hausfriedens-

bruchs im Sinne von Art. 186 StGB sind bereits in Rechtskraft erwachsen. Die Vo-

rinstanz hat zutreffend festgehalten, dass Art. 66a Abs. 1 lit. d StGB in verfas-

sungskonformer Auslegung den schlichten Ladendiebstahl unter Verletzung eines 

Hausverbots in einem Einkaufsgeschäft nicht erfasst (BGE 145 IV 404 E. 1.5.3). 

Die von der Beschuldigten verübten Delikte fallen somit nicht unter den Deliktska-

talog von Art. 66a Abs. 1 StGB (obligatorische Landesverweisung). Nachdem sie 

mit diesem Urteil mit einer Freiheitsstrafe zu sanktionieren ist, fällt hingegen die 

Anordnung einer fakultativen Landesverweisung in Betracht, sofern sich diese als 

verhältnismässig erweist.  

3.2. Die heute 54-jährige Beschuldigte wurde am tt. April 1968 in H._____, Ser-

bien, geboren und wuchs dort zusammen mit ihrer jüngeren Schwester bei den El-

tern auf. In ihrem Geburtsort absolvierte sie die obligatorische Schulzeit und be-

gann im Anschluss daran eine Ausbildung zur Kindergartenbetreuerin. Diese 

musste sie jedoch im zweiten Ausbildungsjahr abbrechen, da sie im Alter von ca. 

17 Jahren in die Schweiz migrierte. Ihre Eltern waren bereits vier Jahre zuvor 

hierher ausgewandert, während die Beschuldigte mit ihrer Schwester bei der 

Grossmutter väterlicherseits verblieb (Urk. D1/9/10 S. 12 ff., 34 ff.; Urk. D1/13/3 

F/A 5 f., 8; Urk. D5/8/3; Prot. I S. 6 f.; Prot. II S. 8 ff.). Ihre Kindheit und Jugend 

verbrachte die Beschuldigte folglich in ihrem Heimatland. In der Schweiz lebt sie 

nun seit 1984, d.h. während rund 39 Jahren. 

3.3. Hierzulande nahm die Beschuldigte die begonnene Ausbildung zur Kinder-

gartenbetreuerin nicht wieder auf und besuchte auch keine anderweitigen Schu-

len. Sie bemühte sich jedoch, die deutsche Sprache zu erlernen und arbeitete 

während knapp 30 Jahren als Service-Angestellte in der Gastronomie. Auch nach 

der Geburt ihrer drei Kinder war die Beschuldigte durchwegs im Teilzeitpensum 

erwerbstätig (Urk. D1/9/10 S. 16 ff.; Urk. D1/13/3 F/A 8 f.; Urk. D5/8/3; Prot. I S. 7, 

12; Prot. II S. 10). Folglich ist ihr trotz fehlender Ausbildung die berufliche Integra-

tion in der Schweiz gelungen. In sprachlicher Hinsicht fällt es der Beschuldigten 

zwar trotz ihres langen Aufenthalts teilweise schwer, komplexere Sachverhalte 

-  43  - 

oder Fragen zu verstehen. Sodann erscheint ihr aktiver Wortschatz eher be-

schränkt. Dennoch kann sie sich ohne Weiteres verständlich ausdrücken und be-

nötigte auch während des vorliegenden Verfahrens keine Unterstützung durch ei-

ne Dolmetscherin. 

3.4. Aufgrund eines gesundheitlichen Zusammenbruchs (vermutet wird ein 

Hirnschlag) im November 2013 musste die Beschuldigte ihre langjährige Arbeits-

stelle als Servicekraft aufgeben. Seither geht sie keiner Erwerbstätigkeit mehr 

nach, sondern bezieht seit inzwischen 9 Jahren eine IV-Rente samt Ergänzungs-

leistungen. Da sich keine Verbesserung ihrer körperlichen Leiden abzeichnet und 

die Beschuldigte bereits fortgeschrittenen Alters ist, wird sie aller Voraussicht 

nach auch weiterhin keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen können. Die Be-

schuldigte leidet gemäss eigenen Angaben an anhaltenden Nacken- und 

Rückenbeschwerden. Sodann wurden bei ihr Arthrosen und Fibromyalgie-

Druckpunkte festgestellt. Über weitere körperliche Erkrankungen der Beschuldig-

ten sind keine abschliessenden Diagnosen bekannt (Urk. D1/9/10 S. 19 ff.; 

Urk. D1/13/3 F/A 14; Prot. II S. 10, 15, 24 f.).  

3.5. In psychischer Hinsicht stellt Facharzt Dr. med. E._____ in seinem Gutach-

ten vom 22. Juni 2021 fest, dass die Beschuldigte an einer schweren ängstlich-

vermeidenden Persönlichkeitsstörung, einer anhaltenden somatoformen 

Schmerzstörung und einer mittelschweren depressiven Episode leidet, wobei er 

die letztere Störung inzwischen als chronisch einstuft. Die Beschuldigte nimmt di-

verse Medikamente ein, einerseits zur Schmerzlinderung, andererseits zur allge-

meinen Beruhigung und Behandlung ihrer depressiven Störung (Urk. D1/9/10 S. 

20, 40 ff., 49; Urk. D1/13/3 F/A 14; Urk. D5/8/3; Prot. II S. 15, 24). Darüber hinaus 

befindet sich die Beschuldigte seit 2015, d.h. während rund acht Jahren durch-

wegs in therapeutischer Behandlung bei M.sc. O._____, Fachpsychologin für 

Psychotherapie FSP. Vor knapp zwei Jahren wurde sie zudem Patientin von Dr. 

med. P._____, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH, um ihre psychi-

schen Störungen und die daraus resultierende Delinquenz mit dessen Unterstüt-

zung intensiver angehen zu können (Urk. D1/7/5 F/A 12 f.; Urk. D2/6 F/A 19 ff.; 

Prot. I S. 13 ff.; Prot. II S. 15 f., 24; Urk. 64; vgl. auch Urk. D1/9/10 S. 10, 31 f.). 

-  44  - 

Entgegen der Vor-instanz hat die Beschuldigte damit ihre Behandlungsbereit-

schaft und den Willen manifestiert, ihre deliktischen Verhaltensmuster zu über-

winden. Dass die langjährigen Therapiebemühungen noch keine nachhaltige Ver-

besserung ihrer Legalprognose bewirken konnten, erklärt der Gutachter mit ihrer 

Neigung, sich der Therapie zwar nicht gänzlich zu entziehen, jedoch dieser aus-

zuweichen. Aus demselben Grund dürfte die Beschuldigte auch nichts unternom-

men haben, um sich durch eine andere Person als Frau O._____ psychothera-

peutisch behandeln zu lassen. Dieses Verhalten ist auf die schweren Persönlich-

keitsstörungen der Beschuldigten zurückzuführen und kann ihr deshalb nicht zum 

Vorwurf gemacht werden. Um einem weiteren Ausweichen der Beschuldigten hin-

sichtlich ihrer Therapie entgegenzuwirken und die Rückfallgefahr effektiv zu redu-

zieren, ist mit diesem Urteil eine ambulante therapeutische Massnahme anzuord-

nen (E. IV.2.8.). Die Beschuldigte leidet zwar sowohl in körperlicher als auch in 

psychischer Hinsicht an diversen und teilweise schweren Erkrankungen. Diese 

stehen der Anordnung einer Landesverweisung jedoch nicht per se entgegen, da 

der Beschuldigten auch in ihrem Heimatland die erforderlichen Medikamente und 

psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. 

3.6. Die Beschuldigte war zwei Mal verheiratet, wobei ihre Ex-Ehemänner beide 

ebenfalls aus Serbien stammen. Aus diesen Beziehungen gingen drei Söhne her-

vor, welche allesamt inzwischen volljährig sind (J._____: Jahrgang 1989; 

L._____: Jahrgang 2002; M._____: Jahrgang 2005). Gemäss eigenen Angaben 

pflegt die Beschuldigte engen und beinahe täglichen Kontakt zu ihren Kindern, 

welche in derselben Kleinstadt wie sie leben und häufig bei ihr übernachten oder 

zu Besuchen vorbeikommen. Ebenfalls in Q._____ wohnen die Mutter und die 

Schwester der Beschuldigten. Auch wenn ihr Verhältnis in der Vergangenheit 

durchaus belastet war, beschrieb die Beschuldigte anlässlich der Berufungsver-

handlung, dass eine massgebliche Verbesserung eingetreten sei, seit diese auf-

grund von schweren Erkrankungen auf ihre Unterstützung und Pflege angewiesen 

seien. Diese Angaben können der Beschuldigten nicht widerlegt werden, weshalb 

zu ihren Gunsten darauf abzustellen ist. Abgesehen von ihren Familienmitgliedern 

verfügt die Beschuldigte über kein tragfähiges soziales Umfeld. Gemäss eigenen 

Aussagen verfügt sie nur über drei gute Kolleginnen. Die Beschuldigte verbringt 

-  45  - 

gerne Zeit alleine Zuhause (Urk. D1/9/10 S. 14 ff.; 19, 24, 26, 32, 36 ff.; 

Urk. D1/13/3 F/A 4, 7; Prot. I S. 6, 8 f.; Prot. II S. 9, 13 f., 23 f.). Mit der Vorinstanz 

ist deshalb zwar festzuhalten, dass die Beschuldigte hierzulande nicht sozial inte-

griert scheint. Dennoch ist ihr Sozialverhalten als Folge ihres psychischen Stö-

rungsbildes zu werten. Facharzt Dr. med. E._____ führt diesbezüglich aus, dass 

der Beschuldigten ein quasi "generelles" zwischenmenschliches Defizit konstatiert 

werden müsse, welches ihr in weitgehend allen Lebensbereichen den Zugang zu 

anderen Personen erschwere. Zur Vermeidung von Enttäuschungen und Abwer-

tungen ihres ohnehin geringen Selbstwertes durch zwischenmenschliche Kontak-

te reagiere die Beschuldigte mit dem Rückzug aus dem sozialen Beziehungsnetz 

(Urk. D1/9/10 S. 40 f.).  

In Serbien lebt als einzige Verwandte noch die bereits 90-jährige Grossmutter der 

Beschuldigten, zu der sie einen engen und regelmässigen Kontakt pflegt. Über 

weitere Bezugspersonen in ihrem Heimatland ist nichts bekannt. Ihre Tante ist in-

zwischen verstorben (Prot. I S. 12 ff.; Prot. II S. 15, 20 f.; vgl. auch Urk. D1/9/10 

S. 32). Fest steht jedoch, dass sie in der Vergangenheit regelmässig Reisen in ihr 

Heimatland unternahm und sich jeweils während mehrerer Wochen pro Jahr dort 

aufhielt. Zuletzt reiste sie zusammen mit ihren Kindern für die serbisch-orthodoxe 

Weihnachtsfeier anfangs Januar 2023 in ihre Heimat (Urk. D2/6 F/A 39; Prot. I S. 

14 f.; Prot. II S. 15, 20 f.; Urk. 63 S. 8 f.). Auch wenn die Beschuldigte angab, die 

serbische Sprache zu beherrschen (Prot. I S. 12), dürfte es ihr aufgrund der 

ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung und der daraus resultierenden 

Defizite in ihrem zwischenmenschlichen Verhalten sehr schwer fallen, ein soziales 

Beziehungsnetz in Serbien aufzubauen. Konkret besteht die Gefahr einer sozialen 

Isolation, welche als Konsequenz zu einer Verstärkung sowohl der depressiven 

Störung als auch der somatoformen Schmerzstörung führen dürfte. Insofern ist 

der Vorinstanz nicht zu folgen, wenn sie die Resozialisierungschancen der Be-

schuldigten im Heimatland als intakt bewertet (Urk. 40 S. 23).  

3.7. Die Beschuldigte ist zwar auch in der Schweiz kaum sozial integriert und 

geht bereits seit bald 10 Jahren keiner Erwerbstätigkeit mehr nach, sondern be-

zieht infolge eines Hirnschlags eine Rente der Invalidenversicherung sowie Er-

-  46  - 

gänzungsleistungen. Vor dem Hintergrund ihrer langen Aufenthaltsdauer in der 

Schweiz von beinahe 40 Jahren und ihrer familiären Bindungen hierzulande wür-

de die Anordnung einer Landesverweisung jedoch erheblich in die Lebensgestal-

tung der Beschuldigten eingreifen. Es ist daher von ihrem ernstlichen Interesse an 

einem weiteren Verbleib in der Schweiz auszugehen.  

3.8. Hinsichtlich der Art und Schwere der zu beurteilenden Delikte kann auf die 

vorstehenden Erwägungen zur Strafzumessung verwiesen werden (E. II.5. f.). 

Hervorzuheben ist, dass Facharzt Dr. med. E._____ zur Einschätzung gelangt, 

die Beschuldigte sei zu den jeweiligen Tatzeitpunkten nur eingeschränkt fähig 

gewesen, gemäss ihrer (vollständig erhaltenen) Einsicht in das Unrecht ihres Ver-

haltens zu handeln. Auf der Basis ihrer Persönlichkeitsstörung habe sich bei der 

Beschuldigten in den letzten Jahren eine rezidivierende depressive Störung ent-

wickelt. Die mit der depressiven Stimmung einhergehende affektive Labilisierung 

habe bei ihr ein Kompensationsbestreben bewirkt. Allerdings habe sie dafür nicht 

über adäquate und taugliche Mittel verfügt, sondern vielmehr nur die vermeintlich 

hilfreiche Strategie einer Selbstwerterhöhung durch die unrechtmässige Aneig-

nung von Wertgegenständen für sich erkannt (Urk. D1/9/10 S. 45). Das delikti-

sche Verhalten der Beschuldigten stellt somit eine mittelbare Folge ihres psychi-

schen Störungsbildes dar, was für eine schlechte Legalprognose spricht. Mass-

gebend ist weiter, dass das Verschulden der Beschuldigten für jede einzelne der 

vorliegend zu beurteilenden Taten als leicht resp. gerade noch leicht gewichtet 

wurde. Der Wert des entwendeten Deliktsguts war in den überwiegenden Fällen 

(Dossiers 1, 2, 3, 7) nicht besonders hoch. Dennoch beläuft sich der Deliktsbetrag 

auf insgesamt rund Fr. 5'300.–, was durchaus erheblich ist.