# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1dc14fed-7f69-5743-be5e-81d9adaebf18
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-02-07
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 07.02.2024 BG.2023.52
**Docket/Reference:** BG.2023.52
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_BG-2023-52_2024-02-07

## Full Text

Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO);;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO);;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO);;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO)

Beschluss vom 7. Februar 2024 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 

Roy Garré, Vorsitz, 

Daniel Kipfer Fasciati und Miriam Forni,     

Gerichtsschreiberin Inga Leonova  

   
Parteien   

KANTON APPENZELL I.RH., Staatsanwaltschaft 

des Kantons Appenzell I.Rh., 

 

Gesuchsteller 

 

 gegen 

   

KANTON ST. GALLEN, Staatsanwaltschaft des 

Kantons St. Gallen, Untersuchungsamt Gossau,  

 

Gesuchsgegner 

 

 

Gegenstand  Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO) 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BG.2023.52 

 

 

 

 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Im Zusammenhang mit mutmasslich mangelhaft geführten Buchhaltungen 

der von A. beherrschten Gesellschaften B. AG (mit Sitz an der X.-Strasse, 

Y. [AI]) und C. GmbH (mit Sitz an der W.-Strasse, Y. [AI]) erstattete die Kan-

tonale Steuerverwaltung Appenzell Innerrhoden (nachfolgend «Steuerver-

waltung AI») am 6. Oktober 2021 bei der Staatanwaltschaft Appenzell Inner-

rhoden (nachfolgend «StA AI») Strafanzeige wegen des Verdachts auf Steu-

erbetrug nach Art. 181 StG und Art. 186 DBG für die Steuerperiode Januar 

bis Dezember 2019 (Verfahrensakten AI, Ordner 1, Lasche S1, Urk. S1/1). 

In der Folge eröffnete die StA AI das Verfahren ST.2021.459 und beauftragte 

am 20. Oktober 2021 die Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden (nachfol-

gend «Polizei AI») mit der Durchführung der erforderlichen Ermittlungen 

(Verfahrensakten AI, Ordner 1, Lasche S1, Urk. S 1/2).  

 

 

B. D. war im Handelsregister ab dem 21. August 2019 als geschäftsführender 

Gesellschafter der F. GmbH eingetragen. Am 7. Februar 2020 eröffnete das 

Bezirksgericht Appenzell Innerrhoden über die Gesellschaft Konkurs. Mit 

Rapport vom 23. August 2022 hielt die Polizei AI zuhanden der StA AI in 

Bezug auf den Verdacht der Misswirtschaft fest, dass D. den Konkurs der 

F. GmbH verschleppt habe, indem er trotz Anzeichen der Überschuldung 

nicht die für diese Situation gemäss OR vorgeschriebenen Massnahmen er-

griffen und dadurch ermöglicht habe, dass sich die Vermögenslage der Ge-

sellschaft verschlimmere (Verfahrensakten AI, Ordner 2, Lasche S2, 

Urk. S2/1). Dieses Verfahren wird bei der StA AI unter der Geschäftsnummer 

ST.2022.362 geführt. 

 

 

C. Am 23. November 2022 erstattete der Steuerberater der C. GmbH und B. AG 

bei der Polizei Gossau Strafanzeige und gab an, Ungereimtheiten bei der 

Prüfung der Buchhaltung für das Jahr 2021 festgestellt zu haben. Es seien 

vom Firmenkonto Bargeldbeträge ohne Belege und ohne erkennbare Ge-

genleistung von weit über Fr. 2 Mio. abgehoben und mutmasslich für Erwerb 

von vier Liegenschafen im Raum St. Gallen verwendet worden. In der Folge 

eröffnete der Kanton St. Gallen gegen D. unter der Geschäftsnummer 

ST.2022.40151 ein Strafverfahren wegen des Verdachts der Veruntreuung, 

eventuell ungetreue Geschäftsbesorgung (Verfahrensakten SG, 

ST.2022.40151, Urk. S/1 und D/1). In der Folge ersuchte das Untersu-

chungsamt Gossau (nachfolgend «StA Gossau») die StA AI am 14. Dezem-

ber 2022 um Übernahme des im Kanton St. Gallen hängigen Verfahrens 

- 3 - 

 

 

ST.2022.40151 gegen D. (Verfahrensakten AI, Ordner 1, Lasche GS, 

Urk. GS 1).  

 

 

D. Unter Verweis auf das gleichentags stattgefundene Telefongespräch teilte 

die zuständige Staatsanwältin bei der StA Gossau der StA AI mit E-Mail vom 

25. Januar 2023 mit, dass der leitende Staatsanwalt in der Gerichtsstands-

frage in der kommenden Woche ein Telefonat seitens des leitenden Staats-

anwaltes der StA AI erwarte (Verfahrensakten SG, ST.2022.40151, 

Urk. GS/2).  

 

 

E. Am 11. April 2023 liessen A. und die B. AG bei der StA AI Strafanzeige we-

gen Betrugs, Veruntreuung, ungetreuer Geschäftsbesorgung, Urkundenfäl-

schung etc. gegen Unbekannt einreichen, wobei als mutmasslich verantwort-

liche Personen D. und dessen Bruder genannt wurden (Verfahrensakten AI, 

Ordner 3, Lasche S4, Urk. S4/1). Mit Schreiben vom 4. Juli und 3. August 

2023 ergänzten sie ihre Strafanzeige (Verfahrensakten AI, Ordner 3, Lasche 

S4, Urk. S4/3-S4/4). Daraufhin eröffnete die StA AI das Strafverfahren 

UT.2023.88 (Verfahrensakten AI, Ordner 3, Lasche S4, Urk. S4/6). 

 

 

F. Mit Schreiben vom 1. Juni 2023 gelangte das Kantonale Untersuchungsamt 

St. Gallen (nachfolgend «StA SG») an die StA AI und ersuchte um Über-

nahme des bei ihr gegen D. hängigen Verfahrens ST.2022.25405 wegen 

Geldwäscherei. Das Ersuchen wurde damit begründet, dass der Kanton 

St. Gallen ein Strafverfahren in Bezug auf eine aus Albanien und dem Ko-

sovo operierende Täterschaft führe, welche im Internet betrügerische Invest-

mentplattformen betrieben habe. Im Rahmen dieser Ermittlungen seien de-

liktische Geldflüsse zuhanden der C. GmbH festgestellt worden. Daher 

werde gegen D. als verantwortliche Person der C. GmbH bzw. für den Emp-

fang der deliktischen Gelder wegen Geldwäscherei ermittelt. Im Kanton Ap-

penzell Innerrhoden sei gegen ihn u.a. ein Verfahren wegen Misswirtschaft 

und damit wegen eines schwerwiegenderen Delikts hängig (Verfahrensak-

ten AI, Ordner 1, Lasche GS, Urk. GS 4). 

 

 

G. Mit Schreiben vom 23. August 2023 lehnte die StA AI die Übernahme der 

Ersuchen vom 14. Dezember 2022 (Verfahren ST.2022.40151) und 1. Juni 

2023 (Verfahren ST.2022.25405) ab und ersuchte ihrerseits um Übernahme 

der bei ihr hängigen Verfahren ST.2021.459, ST.2022.362 und UT.2023.88 

(Verfahrensakten AI, Ordner 1, Lasche GS, Urk. GS 5).  

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H. Im Verfahren ST.2021.459 ging bei der StA AI am 5. September 2023 der 

(Sammel-)Bericht der Polizei AI vom 4. September 2023 ein, in welchem 

A. und D. als beschuldigte Personen aufgeführt wurden. Im Bericht wurde 

darauf hingewiesen, dass D. bei der C. GmbH über Einzelunterschrift ver-

füge und ausserdem bei weiteren Gesellschaften, wovon die meisten in Li-

quidation (darunter auch B. AG und C. GmbH), in diversen Kantonen als 

Vertreter aufgeführt werde. Abschliessend wurde auf den von der Polizei AI 

an die StA AI bereits am 23. August 2022 erstatteten Rapport wegen des 

Verdachts auf Misswirtschaft im Zusammenhang mit der F. GmbH hingewie-

sen (Verfahrensakten AI, Ordner 1, Lasche S1, Urk. S1/3). 

 

 

I. Im Sinne eines abschliessenden Meinungsaustausches lehnten die Kantone 

St. Gallen und Appenzell Innerrhoden mit Schreiben vom 4. September und 

17. Oktober 2023 ihre Zuständigkeit ab und hielten an ihren jeweiligen Über-

nahmeersuchen fest (Verfahrensakten AI, Ordner 1, Lasche GS, Urk. GS/6 

und GS/7). 

 

 

J. Daraufhin gelangte die StA AI mit Gesuch vom 22. November 2023 an die 

Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts. Sie beantragt, die Behörden 

des Kantons St. Gallen seien zur Verfolgung und Beurteilung der vornehm-

lich D. in den Verfahren ST.2021.459, ST.2022.362 und UT.2023.88 vorge-

worfenen Delikte für berechtigt und verpflichtet zu erklären (act. 1).  

 

 

K. Das Schreiben vom 6. Dezember 2023, worin der leitende Staatsanwalt der 

StA Gossau die Abweisung des Gesuchs beantragte, wurde der StA AI am 

darauffolgenden Tag zur Kenntnis gebracht (act. 3, 4).  

 

Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen eingegangen. 

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1. Die Eintretensvoraussetzungen (durchgeführter Meinungsaustausch zwi-

schen den involvierten Kantonen und zuständigen Behörden, Frist und Form; 

vgl. Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2014.7 vom 21. März 2014 E. 1) 

sind vorliegend erfüllt und geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Auf das 

Gesuch ist einzutreten. 

  

- 5 - 

 

 

2.  

2.1 Für die Verfolgung und Beurteilung einer Straftat sind die Behörden des Or-

tes zuständig, an dem die Tat verübt worden ist (Art. 31 Abs. 1 und 2 StPO). 

Der Ausführungsort befindet sich dort, wo der Täter gehandelt hat (BGE 86 

IV 222 E. 1). Hat eine beschuldigte Person mehrere Straftaten an verschie-

denen Orten verübt, so sind für die Verfolgung und Beurteilung sämtlicher 

Taten die Behörden des Ortes zuständig, an dem die mit der schwersten 

Strafe bedrohte Tat begangen worden ist. Bei gleicher Strafdrohung sind die 

Behörden des Ortes zuständig, an dem zuerst Verfolgungshandlungen vor-

genommen worden sind (Art. 34 Abs. 1 StPO). 

 

2.2 Die Beurteilung der Gerichtsstandsfrage richtet sich nach der aktuellen Ver-

dachtslage. Massgeblich ist nicht, was der beschuldigten Person letztlich 

nachgewiesen werden kann, sondern der Tatbestand, der Gegenstand der 

Untersuchung bildet, es sei denn, dieser erweise sich von vornherein als 

haltlos oder sei sicher ausgeschlossen. Es gilt der Grundsatz in dubio pro 

duriore, wonach im Zweifelsfall auf den für den Beschuldigten ungünstigeren 

Sachverhalt abzustellen bzw. das schwerere Delikt anzunehmen ist (vgl. Be-

schluss des Bundesstrafgerichts BG.2014.10 vom 10. Juni 2014 E. 2.1). 

 

 

3.  

3.1 Der Gesuchsteller begründet sein Gesuch damit, dass sich die verschiede-

nen Verfahren in der Hauptsache nicht gegen die Gesellschaften, sondern 

gegen D. richten würden. D. habe sein Geschäftsdomizil und Wohnsitz stets 

im Kanton St. Gallen gehabt und habe keine Bezugspunkte zum Kanton Ap-

penzell Innerrhoden, weshalb er jegliche Handlungen als faktisches Organ 

der Gesellschaften im Kanton St. Gallen getätigt habe. Am Sitz der drei frag-

lichen Gesellschaften (F. GmbH, B. AG und C. GmbH), soweit dieser in 

Y. (AI) gewesen sei, hätten keine Geschäftstätigkeiten stattgefunden. Im 

Kanton Appenzell Innerrhoden habe es nur einen Briefkasten gegeben und 

die Korrespondenz sei per Nachsendeauftrag in den Kanton St. Gallen ge-

leitet worden. Es handle sich daher um fiktive Sitze. Der Tatort liege mithin 

im Kanton St. Gallen, weshalb auch die Vornahme erster Ermittlungen ge-

mäss Art. 34 StPO durch die StA AI irrelevant sei (act. 1).  

 

3.2 Der Gesuchsgegner wendet dagegen im Wesentlichen ein, die F. GmbH 

habe im Kanton Appenzell Innerrhoden nicht nur einen fiktiven Sitz. Nach 

deren Übernahme durch D. im August 2019 sei der Sitz in Y. (AI) gewesen, 

wo auch der Konkurs eröffnet worden sei. Dasselbe gelte für die anderen 

beiden Gesellschaften. Da die Vorwürfe der Veruntreuung, ungetreuer Ge-

schäftsbesorgung und Misswirtschaft gleichhohe Strafdrohung aufweisen, 

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komme es darauf an, wo die ersten Verfolgungshandlungen vorgenommen 

worden seien. Dies sei im Kanton Appenzell Innerrhoden geschehen. Aus-

serdem sei von einer konkludenten Anerkennung des Gerichtsstandes durch 

den Gesuchsgegner auszugehen, da von der ersten Anzeige bis zum vorlie-

genden Gerichtsstandskonflikt mehr als ein Jahr vergangen sei (act. 3). 

 

3.3  

3.3.1 Gemäss Art. 36 Abs. 1 StPO sind bei Straftaten nach den Artikeln 163–171bis 

StGB die Behörden am Wohnsitz, am gewöhnlichen Aufenthaltsort oder am 

Sitz der Schuldnerin oder des Schuldners zuständig. Betreibungs- und Kon-

kursdelikte sollen an ihrem Ursprungsort, in der Regel am Sitz der betreffen-

den Unternehmung (regelmässig gleichzeitig Ort der Zwangsvollstreckung), 

verfolgt werden, da an diesem Ort die Beweise am besten gesammelt wer-

den können (Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2011.5 vom 1. Juni 

2011 E. 2.2 m.w.H.). Dabei ist massgeblich, wo sich der Sitz zum Zeitpunkt 

der Konkurseröffnung befunden hat (vgl. die Beschlüsse des Bundesstrafge-

richts BG.2018.1 vom 2. März 2018 E. 2.2; BG.2016.4 vom 7. Juni 2016 

E. 3.1; BG.2015.23 vom 24. August 2015 E. 3.1; s.a. TPF 2011 178 E. 3.3). 

Ist der (formelle) Sitz rein fiktiv, bestimmt sich die Zuständigkeit nach dem 

tatsächlichen Geschäftssitz bzw. Wohnsitz des Schuldners (MO-

SER/SCHLAPBACH, Basler Kommentar, 3. Aufl. 2023, Art. 36 StPO N. 2 

m.w.H.; SCHLEGEL, Zürcher Kommentar, 2. Aufl. 2020, Art. 36 StPO N. 2). 

Die Annahme eines fiktiven Sitzes darf nicht leichthin angenommen werden. 

Sie drängt sich nur auf, wenn konkrete Hinweise dafür vorliegen, dass dieser 

bloss vorgeschoben und die effektive Geschäftstätigkeit anderswo vorge-

nommen wird (Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2016.4 vom 7. Juni 

2016 E. 3.1; für zahlreiche Beispiele vgl. Beschluss der Beschwerdekammer 

BG.2018.14 vom 14. August 2018 E. 3.1-3.4). 

3.3.2 Die Beschwerdekammer kann (wie die beteiligten Staatsanwaltschaften un-

ter einander auch) einen anderen als den in Art. 31-37 StPO vorgesehenen 

Gerichtsstand festlegen, wenn der Schwerpunkt der deliktischen Tätigkeit 

oder die persönlichen Verhältnisse der beschuldigten Person es erfordern 

oder andere triftige Gründe vorliegen (Art. 40 Abs. 3 StPO). Ein solches Ab-

weichen vom gesetzlichen Gerichtsstand kann aus Zweckmässigkeits-, Wirt-

schaftlichkeits- oder prozessökonomischen Gründen gerechtfertigt sein, soll 

indes die Ausnahme bleiben (BGE 129 IV 202 E. 2 S. 203; Beschluss des 

Bundesstrafgerichts BG.2014.8 vom 9. April 2014 E. 2.1 m.w.H.).  

3.4  

3.4.1 Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass die D. vorgeworfenen Tatbe-

stände der Misswirtschaft (Art. 165 Ziff. 1 StGB), der Veruntreuung (Art. 138 

StGB) und der ungetreuen Geschäftsbesorgung (Art. 158 StGB) die mit der 

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schwersten Strafe bedrohten Delikte darstellen. Aktenkundig ist, dass der 

angezeigte Sachverhalt in Bezug auf die Misswirtschaft im Zusammenhang 

mit der F. GmbH am 23. August 2022 im Kanton Appenzell Innerrhoden und 

damit vor Eingang der Strafanzeige betreffend die C. GmbH und B. AG vom 

23. November 2022 im Kanton St. Gallen erfolgt ist. Dementsprechend ist für 

die Bestimmung des Gerichtsstandes grundsätzlich der Sitz der F. GmbH 

massgebend.  

 

3.4.2 Zum Zeitpunkt der Konkurseröffnung am 18. Februar 2020 hatte die 

F. GmbH ihren Sitz in Y. (AI), wo in Anwendung von Art. 36 Abs. 1 StPO 

grundsätzlich auch der ordentliche Gerichtsstand liegt. Die Gesellschaft 

wurde im März 2015 durch E. gegründet und hatte ihren Sitz in Z. (SG). Mit 

deren Übernahme durch D. per 21. August 2019 wurde der Sitz gleichentags 

nach Y. (AI) verlegt. D. gab anlässlich der Konkurseröffnung an, dass er mit 

der Gesellschaft seit seiner Übernahme keinerlei Aufträge ausgeführt habe 

und die Gesellschaft daher inaktiv gewesen sei. Zum Zeitpunkt der Kon-

kurseröffnung bestanden laut D. weder Miet- noch Arbeitsverträge (Verfah-

rensakten AI, Ordner 2, Lasche S2, Konkurseinvernahme vom 18. Februar 

2020). E. bestätigte, dass bei Konkurseröffnung keine Arbeitsverträge be-

standen und gab an, dass ein Mitarbeiter im Jahr 2018 für ca. ein halbes 

Jahr bei der Gesellschaft tätig gewesen sei. Das Inventar der Konkursitin 

bestand hauptsächlich aus einer Forderung gegenüber dem Gesellschafter 

E., der angab, bis 2019 gratis gearbeitet und dies mit dem Lohn verrechnet 

zu haben (Verfahrensakten AI, Ordner 2, Lasche S2, Konkurseinvernahme 

vom 26. Februar 2020). Gestützt auf diese Angaben ist anzunehmen, dass 

die Gesellschaft seit der Übernahme durch D. im August 2019 weder an ih-

rem Sitz noch am Wohnsitz ihres Gesellschafters aktiv war. Die Feststellung 

der Polizei AI im Rapport vom 23. August 2022, wonach allfällige Geschäfts-

tätigkeit der F. GmbH nach der Verlegung des Gesellschaftssitzes per 

21. August 2019 in Y. (AI) ausgeführt worden sein dürfte (Verfahrensakten 

AI, Ordner 2, Lasche S2, Urk. S2/1), stellt wohl lediglich eine nicht zutref-

fende Mutmassung dar. Die Polizei AI hat diesbezüglich – soweit ersicht-

lich – keine Abklärungen vorgenommen. Unter diesen Umständen sind keine 

konkreten Anhaltspunkte ersichtlich, dass die effektive Geschäftstätigkeit der 

F. GmbH nach der Sitzverlegung im August 2019 in Z. (SG) vorgenommen 

worden und der Sitz in Y. (AI) lediglich vorgeschoben wäre. Damit besteht 

kein Anlass, vom ordentlichen Gerichtsstand am Konkursort abzuweichen. 

Das Gesuch ist daher abzuweisen.  

 

3.5 Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass die Ansicht des Gesuchstel-

lers, wonach A. lediglich «vorgeschobene Person» bzw. «Sündenbock» von 

D. gewesen sei, angesichts der vorliegenden Verfahrensakten nicht 

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überzeugt. Zwar werden die Rollen der mutmasslich Beteiligten erst im Straf-

verfahren zu klären sein und gestützt auf bisherige Erkenntnisse ist anzu-

nehmen, dass in den angezeigten Sachverhalten D. möglicherweise die 

Hauptfigur darstellt, die ausschliesslich oder hauptsächlich im Kanton 

St. Gallen gehandelt hat. Dennoch ergeben sich aus den vorliegenden Akten 

diverse Hinweise dafür, dass A. von seinem Wohn- und Geschäftsort in 

Y. (AI) für die C. GmbH und B. AG Handlungen vorgenommen hat und in die 

mutmasslich deliktischen Handlungen von D. involviert sein könnte. A. grün-

dete im Jahr 2018 die C. GmbH und ist im Handelsregister als deren einziges 

Organ eingetragen. Ebenso wurde er nach der Übernahme der B. AG im 

April 2019 als deren einziges Organ im Handelsregister eingetragen. Bei bei-

den Gesellschaften war A. einzelunterschriftberechtigt (Verfahrensakten AI, 

Ordner 3, Lasche S4, Urk. S4/1, Beilage 3). Ferner hatte A. seinen Wohn- 

und Geschäftssitz als Einzelunternehmer an derselben Adresse (X.-Strasse, 

Y. [AI]) wie die B. AG (Verfahrensakten AI, Ordner 1, Lasche S1, Register 14, 

Personen- und Firmenabklärungen). An der Geschäftsadresse der C. GmbH 

(W.-Strasse, Y. [AI]) könnte die Einzelfirma von A. laut den polizeilichen Ab-

klärungen im Parterre ihr Magazin bzw. ihre Werkstatt haben (Verfahrensak-

ten AI, Ordner 1, Lasche S1, Urk. S1/3, Register 14, Liegenschaftsabklärun-

gen). Der Umstand, dass A. D. die Geschäftsführung der beiden Gesell-

schaften überlassen und ihn damit faktisch zum Organ der beiden Gesell-

schaften gemacht haben soll, wie dies von ihm behauptet wird, führt nicht 

zwangsläufig dazu, dass A. für sie keine Handlungen vorgenommen hat und 

an deren Geschäftstätigkeit in keiner Weise beteiligt war. Beispielsweise 

führte A. in seiner Strafanzeige vom 11. April 2023 aus, D. habe ihn Ende 

August 2022 aufgefordert, offene Betreibungen der C. GmbH in der Höhe 

von ca. Fr. 30'000.-- beim Betreibungsamt Appenzell Innerrhoden zu bezah-

len, was er auch getan habe. Nachdem A. vom Betreibungsamt Appenzell 

Innerrhoden gleichentags erfahren habe, dass auch B. AG finanzielle 

Schwierigkeiten habe, habe er mit zwei Steuerberatern bzw. Buchhaltern 

eine Sitzung einberufen (Verfahrensakten AI, Ordner 3, Lasche S4, 

Urk. S4/1, S. 9 ff.). Wie der Gesuchsteller zutreffend einwendet, gab es Um-

leitungen der Post von den Geschäftsadressen der beiden Gesellschaften in 

Y. (AI) an die Geschäfts- oder Wohnadresse von D. in Z. (SG). Aktenkundig 

ist indes auch eine für die C. GmbH von D. in Auftrag gegebene Umleitung 

der Post für die Zeit vom 26. November 2020 bis 25. November 2021 von 

der V.-Strasse in U., SG (wo sich der Showroom der B. AG befand) an deren 

Gesellschaftssitz an der W.-Strasse in Y. (AI) (Verfahrensakten AI, Ordner 1, 

Lasche S1, Urk. S1/3, S. 23 und Register 13). Es kann nicht ausgeschlossen 

werden, dass in diesem Zeitraum die Post von A. als einzigem Organ der 

Gesellschaft entgegengenommen wurde. Überdies geht aus der Strafan-

zeige der Steuerverwaltung AI vom 6. Oktober 2021 hervor, dass A. als 

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Einzelunternehmer der von ihm vertretenen B. AG veraltetes Material im Be-

trag von rund Fr. 70'000.-- verkauft habe. Weiter habe D. in der Funktion des 

Geschäftsführers der C. GmbH an einer Liegenschaft von A. Bauarbeiten 

koordiniert. Weiter hält es die Steuerverwaltung AI für möglich, dass von 

C. GmbH an Dritte bezahlte überhöhte Aufwendungen allenfalls via Darle-

hen teilweise wieder an A. zurückgeflossen sein könnten (Verfahrensakten 

AI, Ordner 1, Lasche S1, Urk. S1/1). Damit kann eine aktivere Rolle von 

A. an den D. vorgeworfenen Handlungen im Zusammenhang mit den beiden 

Gesellschaften im jetzigen Verfahrensstadium nicht mit Sicherheit ausge-

schlossen werden. Soweit A. für die beiden Firmen gehandelt hat, wäre das 

jedenfalls auch in Y. (AI) gewesen. All dies spricht im Übrigen gegen die 

Behauptung des Gesuchstellers, wonach es sich auch bei den Sitzen der 

C. GmbH und B. AG im Kanton Appenzell Innerrhoden lediglich um fiktive 

Sitze handle. 

 

3.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der ordentliche Gerichtsstand im 

Kanton Appenzell Innerrhoden liegt und vorliegend kein triftiger Grund er-

sichtlich ist, von diesem abzuweichen. Bei diesem Ergebnis kann dahinge-

stellt bleiben, ob der Gesuchsteller seine Zuständigkeit konkludent aner-

kannt hat.  

 

 

4. Nach dem Gesagten ist das Gesuch abzuweisen und es sind die Strafbehör-

den des Kantons Appenzell Innerrhoden für berechtigt und verpflichtet zu 

erklären, die den Beschuldigten in den Verfahren ST.2021.459, ST.2022.362 

und UT.2023.88 zur Last gelegten Straftaten zu verfolgen und zu beurteilen. 

 

 

5. Praxisgemäss ist bei interkantonalen Gerichtsstandskonflikten in der Regel 

(SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 649 ff.) keine Gerichtsgebühr zu erheben 

(vgl. Art. 423 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 66 Abs. 4 BGG per analogiam; vgl. 

schon BGE 87 IV 144). Vorliegend ist auf die Erhebung einer Gerichtsgebühr 

zu verzichten. 

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Appenzell Innerrhoden sind be-

rechtigt und verpflichtet, die den Beschuldigten in den Verfahren ST.2021.459, 

ST.2022.362 und UT.2023.88 zur Last gelegten Delikte zu verfolgen und be-

urteilen. 

 

2. Es wird keine Gerichtsgebühr erhoben. 

 

 

Bellinzona, 7. Februar 2024 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:  

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Staatsanwaltschaft des Kantons Appenzell I.Rh. 

- Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen, Untersuchungsamt Gossau 

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.