# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** aed15a4c-5092-550b-ab5f-5767d970e54f
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-02-26
**Language:** de
**Title:** Revision: nur vorübergehende Verschlechterung, ansonsten unveränderter Invaliditätsgrad.
**Docket/Reference:** IV.2012.01002
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2012.01002.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2012.01002
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Sozialversicherungsrichterin Käch
Gerichtsschreiberin Lienhard
Urteil
vom
26. Februar 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin Lotti Sigg
Bonazzi
Sigg Schwarz
Advokatur
Theaterstrasse 3, Postfach 2336, 8401 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1956,
ist gelernte Schemazeichnerin und war seit 1975 in diesem Beruf, aber auch als Gemüseverkäuferin, Raumpflegerin und Servicemitarbeiterin tätig (vgl.
Urk.
10/20/1). V
om 1
9.
Februar 2001 bis zum 3
1.
Dezember 2001
war sie
bei der
Y.___
,
Z.___
, als
Hilfsarbeiterin
tätig, wobei der letzte effektive Arbeitstag der
7.
September 2001 war (
Urk.
10/10
Ziff.
1,
Ziff.
4 und 5).
Vom 1
5.
Februar
2002 bis 3
1.
Oktober 2002 bezog sie Arbeitslosentaggelder (
Urk.
10/13/1).
Am 2
0.
September 2002 meldete sich die Versicherte wegen einer
Fibromyalgie
bei der I
n
v
alidenversicherung zum Leistungsbezug (Arbeitsvermittlung, Rente) an (
Urk.
10/2
Ziff.
7.2,
Ziff.
7.8). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte einen Auszug aus dem individuellen Konto der Ver
sicherten (IK-Auszug;
Urk.
10/5), Arztberichte (
Urk.
10/8/1-13;
Urk.
10/9
;
Urk.
10/17) und
einen Arbeitgeberbericht (
Urk.
10/10)
ein.
Mit Verfügung vom 1
2.
Februar 2003 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch der Versicherten auf Kostengutsprache für berufliche Massnahmen (
Urk.
10/22).
Sodann sprach sie der Versicherten mit Verfügung
en
vom 2
3.
Mai 2003 (
Urk.
10/32) und 1
3.
Juni 2003 (
Urk.
10/34) bei einem Invaliditätsgrad von 53
%
ab
1.
August 2002
eine halbe Rente sowie Zusatzrenten für die Familie zu. Die dagegen am 1
1.
Juli 2003 erhobene Einsprache (
Urk.
10/35) wurde am 2
4.
September 2003 abgewiesen (
Urk.
10/42).
Dieser Entscheid erwuchs unan
gefochten in Rechtskraft.
Vom
5.
bis 3
0.
November 2002 war die Versicherte als Teilzeitverkäuferin bei der
A.___
,
B.___
,
tätig
(
Urk.
10/20/9;
Urk.
10/20/19).
Sodann war sie von Mai bis November 2003 im Restaurant
C.___
,
D.___
, tätig (vgl.
Urk.
10/
57/2). Anschliessend bezog sie Arbeitslosentaggelder und war a
b 2
9.
September 2003 in der geschützten Stätte
E.___
,
D.___
, tätig (
Urk.
10/57/2;
Urk.
10/52).
Vom
2.
Juli bis 3
1.
Dezember 2007 arbeitete die Versicherte in der geschützten Stätte
F.___
als Mitarbeiterin der Cafeteria (
Urk.
10/60
Ziff.
2.1,
Ziff.
2.8).
Eine im Jahr 2004 durchgeführte Revision ergab einen unveränderten Renten
anspruch (Mitteilung vom
1.
November 2004;
Urk.
10/54), ebenso die im Jahr 2007 durchgeführte Revision (Mitteilung vom
7.
Dezember 2007;
Urk.
10/62).
1.2
Am 1
7.
März 2009 (
Urk.
10/64) machte die Versicherte eine Verschlechterung ihres Zustandes geltend. Die IV-Stelle holte aktuelle Arztberichte (
Urk.
10/70;
Urk.
10/72/1-12), einen weiteren IK-Auszug (
Urk.
10/71)
sowie einen
Arbeitge
berbericht
(
Urk.
10/73) ein und sprach der Versicherten nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
10/76-77) mit Verfügung vom
4.
November 2009 bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
eine ganze Rente ab
1.
März 2009 zu (
Urk.
10/89). Diese Verfügung wurde am 2
1.
September 2010 (
Urk.
10/98)
wie
dererwägungsweise
aufgehoben, da die
Rente
gestützt auf einen Arztbericht
erhöht worden war
, der nicht die Versicherte betraf (vgl.
Urk.
10/75/3).
Sodann veranlasste die IV-Stelle eine polydisziplinäre Begutachtung der Ver
sicherten an der Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS)
G.___
, deren Gutachten am
1.
Juni 2011 erstattet wurde (
Urk.
10/102).
Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
(
Urk.
10/105-113) ergingen weitere Arztberichte (
Urk.
10/120;
Urk.
10/124;
Urk.
10/127).
Mit Verfügung vom 1
6.
August 2012 (
Urk.
10/13 2 =
Urk.
2) wies die IV-Stelle das Rentenerhöhungsgesuch ab
.
2.
Gegen die Verfügung vom 1
6.
August 2012 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am 1
8.
September 2012 Beschwerde mit dem Antrag auf deren Aufhebung und
Zusprache
einer ganzen Rente (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
9.
Oktober 2012 (
Urk.
8) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 2
1.
Februar 2013 (
Urk.
11) mitgeteilt. Gleichzeitig wurde ihr
antragsgemäss
die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt und Rechtsanwältin Lotti Sigg
Bonazzi
, Winterthur, als ihre unentgeltliche Rechtsvertreterin ernannt.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die gesetzlichen Grundlagen zum Rentenanspruch und dessen Entstehung (Art. 28 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG), zur Berech
nung
des Invaliditätsgrades
(
Art.
16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG) sowie zur Rentenrevision (
Art.
88a der Verordnung zum Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, IVV) sind im angefochtenen Entscheid zutreffend wieder
gegeben (
Urk.
2
S. 1). Darauf kann, mit den nach
fol
genden Ergänzungen, verwiesen werden.
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Renten
bezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 S. 349 mit Hinweisen). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beur
teilung der Aus
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustan
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheent
scheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditäts
bemessung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3 S. 75 ff; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.3
Gemäss
Art.
88a
Abs.
2 IVV ist bei einer Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen oder bei einer Zu
nahme der Hilflosigkeit oder Erhöhung des invaliditätsbedingten
Betreuungs
aufwandes
oder Hilfebedarfs die anspruchsbeeinflussende Änderung zu berück
sichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat.
Art.
29
bis
IVV ist sinngemäss anwendbar.
1.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin und damit zusammenhängend die Frage, ob und
in welchem Umfang eine bleibende
Verschlechterung ihrer Erwerbsfähigkeit
eingetreten ist.
Ob ein Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich d
es Sachverhalts im Zeitpunkt der erstmaligen
Rentenzusprache
vom 2
3.
Mai 2003 (
Urk.
10/32)
, welche auf umfassen
den Sachverhaltsabklärungen gründete,
mit demjenigen zur Zeit
des Erlasses der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 1
6.
August 2012
(vgl. vorstehend E. 1.2
).
2.2
Die Beschwerdegegnerin ging gestützt auf die medizinischen Abklärungen davon aus, dass die Beschwerdeführerin für jede Tätigkeit zu 50
%
arbeitsfähig sei. Ihr Gesundheitszustand sei somit unverändert
. Die von der Beschwerdefüh
rerin
eingereichten Arztberichte
zeigten
lediglich eine vorübergehende Ver
schlechterung.
Weiter sei der Einkommensvergleich anhand statistischer Werte vorzunehmen und ein Abzug vom Tabellenlohn in Höhe von 10
%
zu gewäh
ren, was einen Invaliditätsgrad von 55
%
ergebe (
Urk.
2 S. 2 f.).
Die beschwerdeweise geltend gemachte Verschlimmerung aufgrund einer Lun
genentzündung sei bei Verfügungserlass nicht bekannt gewesen. Die
Rentener
höhung
könne in jedem Fall erst dann erfolgen, wenn die Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit ohne wesentlichen Unterbruch drei Monate gedauert und zu einem entsprechend höheren Invaliditätsgrad geführt habe. Eine Lungenentzün
dung mit Tracheotomie stelle für sich allein noch keine lang andauernde Verschlechterung des Gesundheitszustandes dar. Es handle sich in der Regel um eine vorübergehende, nicht anspruchsrelevante Situation, weshalb im
Verfü
gungs
zeitpunkt
nicht von einer langdauernden Verschlechterung ausgegangen werden könne. Sollte sich später eine langdauernde Verschlechterung bestäti
gen, sei dies in einem separaten Revisionsgesuch zu prüfen (
Urk.
8).
2.3
Dem hielt die Beschwerdeführerin entgegen, ihre Rückenschmerzen hätten sich bereits im Juni 201
1 massiv und akut verstärkt
und sie sei deswegen am 2
2.
September 2011 operiert worden. Gleichzeitig habe sich auch ihre psychi
sche Gesundheit massiv verschlechtert. Mit dem Tod ihrer Mutter und einer an
deren Verwandten im Winter 2011 sei sie in eine tiefe Depression gefallen. Aus psychiatrischer Sicht sei sie deshalb weder auf dem allgemeinen noch auf dem geschützten Arbeitsmarkt arbeitsfähig; sie habe keine verwertbare
Restarbeits
fähigkeit
. Ende Mai 2012 habe sich ihre Gesundheit infolge einer Lungen
entzündung erneut verschlechtert und sie habe vom 2
1.
Juni bis 1
8.
Juli 2012 hospitalisiert werden müssen. Sie sei aufgrund der seither
reduzierten
Lungen
funktion
in ihrer Leistungsfähigkeit zusätzlich eingeschränkt. Diese Ver
schlechterungen hätten mehr als drei Monate angedauert und seien zu berück
sichtigen; spätestens ab
1.
September 2011 habe sie Anspruch auf Erhöhung ihrer Invalidenrente. Selbst wenn man auf das MEDAS-Gutachten abstelle, müsse die Rente erhöht werden, da der Einkommensvergleich bei korrekter Berechnung
und bei einem Abzug von 20
%
einen Invaliditätsgrad von 70
%
ergebe (
Urk.
1 S. 5 ff.).
3.
3.1
Der erstmaligen
Rentenzusprache
vom
2
3.
Mai 2003 (
Urk.
10/32
) lagen
im Wesentlichen
folgende Arztberichte zugrunde:
Die Ärzte der Rheumaklinik am
H.___
stellten mit Bericht vom 2
9.
Mai 2002 (
Urk.
10/8/12-13) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Fibromyalgiesyndrom
-
Panvertebralsyndrom
-
Haltungsinsuffizienz
-
Adipositas
-
Verdacht auf rezidivierende depressive Störung
-
Hospitalisation
Januar 2001
-
Status nach Sudeckdystrophie Daumen rechts
-
Status nach
Aethylabusus
anamnestisch seit 1.5 Jahren
3.2
Die Ärzte der
I.___
diagnostizierten mit Bericht vom 1
5.
Juli 2002 (
Urk.
10/8/8-9) einen Verdacht auf eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typ (ICD-10 F60.31), eine re
zi
divierende depressive Störung (ICD-10 F33.9) sowie schädlichen
Alkoholge
brauch
(ICD-10 F10.1), gegenwärtig abstinent (S. 1).
Da die Beschwerdeführerin sehr isoliert sei, sei eine baldige Wiederaufnahme der Arbeit, zum Beispiel in einem Beschäftigungsprogramm, zu empfehlen (S. 2).
3.3
Dr.
med.
J.___
, Internist FMH, Hausarzt der Beschwerdeführerin (vgl.
Urk.
10/2
Ziff.
7.5.1), stellte mit Bericht vom 1
9.
Oktober 2002 (
Urk.
10/8/1-2) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
lit
.
A):
-
emotional instabile Persönlichkeit
sstörung
vom
Borderline
-Typ
-
depressive Verstimmung
-
Fibromyalgiesyndrom
-
beidseitig
Gonarthrose
/
femoropatelläre
Arthrose
Keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten die folgenden Diagnosen (
lit
.
A):
-
CAB
bei
Nikotinabusus
-
episodenweise Alkoh
olmissbrauch
-
zentrale
Coxarthrose
rechts
Die Arbeitsunfähigkeit sei in erster Linie psychisch bedingt und werde aufgrund der rheumatologischen Probleme wechselnd erhöht (
lit
. D
Ziff.
7). In einer behinderungsangepassten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin halbtags ar
beits
fähig (
Urk.
10/8/4).
3.4
Dr.
med.
K.___
, Spezialarzt Innere Medizin und Rheumaerkrankungen FMH,
diagnostizierte mit Bericht vom 2
4.
Oktober 2002 (
Urk.
10/9) „wahr
scheinlich“ eine Depression bei
Fibromyalgie
-Syndrom mit
leichtgradigem
panvertebralem Syndrom sowie einen Status nach
Aethylabusus
(
lit
. A). Aus rheumatologischer Sicht sei die Beschwerdeführerin im September und Oktober 2002 vorübergehend zu 30 bis 50
%
arbeitsunfähig gewesen (
lit
. B). Die Arbeitsfähigkeit müsse psychiatrisch festgelegt werden. Aus rheumatologischen Gründen sei die Beschwerdeführerin langfristig für leichte Arbeiten arbeitsfähig (
lit
. D
Ziff.
7).
3.5
Dr.
med.
L.___
, Kinder- und Jugendpsychiatrie und
psy
cho
therapie
FMH,
stellte
mit Bericht vom
6.
Januar 2003 (
Urk.
10/
17) folgende Diag
nosen (
lit
. A):
-
Dysthymie
ICD-10 F34.1
-
rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.9)
-
psychischer Faktor bei rheumatischer Erkrankung (ICD-10 F54)
-
schädlicher Alkoholgebrauch (ICD-10 F10.1)
Seit 3
1.
Oktober 2000 sei die Beschwerdeführerin zu 100
%
und seit 1
5.
Februar 2002 zu 60
%
arbeitsunfähig (
lit
. B). Unter der Psychotherapie könne die Beschwerdeführerin bis anhin knapp kompensiert gehalten werden. Eine Ver
besserung könne jedoch nicht erwartet werden. Die langdauernde psychische Erkrankung wirke sich im Sinne einer stabilen Persönlichkeitsveränderung aus, so dass die Prognose ungünstig sei (
lit
. D
Ziff.
7).
In der bisherigen Tätigkeit seien wöchentlich 20 Stunden Arbeit in Blöcken à 4 Stunden
ab September 2002
zumutbar. In einer behinderungsangepassten Tätigkeit sei eine Erwerbs
tätigkeit halbtags zumutbar, eventuell mehr, dies müsse erprobt werden (
Urk.
10/17/4).
3.6
Gestützt auf diese medizinische Aktenlage, insbesondere auf den Bericht
von
Dr.
L.___
(vgl. das Feststellungsblatt für den Beschluss;
Urk.
10/24/4
), kam die Beschwerdegegnerin
ausgehend von einer 50%igen Restarbeitsfähigkeit in behinderungsangepassten Tätigkeiten (vgl.
Urk.
10/24/4;
Urk.
10/39/1 unten)
mit Verfügung vom
2
3.
Mai 2003
zum Schluss, die Beschwerdeführerin habe bei einem Invaliditätsgrad von
53
% Anspruch auf eine
halbe
Rente ab
1.
August 2002 (
Urk.
10/32
).
I
m Rahmen der Revisionen 2004 und 2007
nannte
Dr.
J.___
mit Bericht vom 1
8.
September 2004 (
Urk.
10/49)
,
vom 1
2.
Oktober 2007 (
Urk.
10/58)
sowie vom
6.
November 2007 (
Urk.
10/59) unverändert
die bisher von ihm gestellten Diagnosen. In der Folge wurde
die bisherige
halbe
Rente
jeweils
formlos bestä
tigt
(vgl.
Urk.
10/54 und
Urk.
10/62)
.
4.
4.1
Vom 2
1.
Januar 2009 bis 2
4.
Februar 2009 befand sich die Beschwerdeführerin
zur
stationär
en Rehabilitation
in der
M.___
.
Mit
Austritts
bericht
vom 2
4.
Februar 2009 (
Urk.
10/72/10-12)
wurden folgende Diagnosen genannt (S. 1):
-
Fibromyalgiesyndrom
-
rezidivierende depressive Störung, derzeit mittelgradig
-
emotional instabile Persönlichkeitsstörung
-
Verdacht auf COPD bei persistierendem
Nikotinabusus
-
episodenweise
Alkoholabusus
, derzeit seit November 2008 unter
Antabus
sistiert
-
episodenweise Morbus
Menière
(März 2006 und September 2006)
-
Gonarthrose
/
Femoropatellararthrose
beidseits
Die Beschwerdeführerin teile mit, im Moment wieder in einer schweren Krise zu sein: Sie sei müde, erschöpft und könne nicht schlafen, habe keine Energie und lebe sehr zurückgezogen.
Zur Zeit
würden ihr die Hüfte und die Knie besonders schmerzhaft zu schaffen machen, zum Teil bedingt durch die winterliche Wet
terlage (S. 1). Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung sei bis zum
3.
März 2009 ausgestellt worden. Die regelmässige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und gege
benenfalls die langsame Reintegration in das Berufsleben sei zu empfehlen (S.
3).
4.2
Mit
einem weiteren
Bericht
vom
1.
April 2009 (
Urk.
10/70)
wiederholten die Ärzte der
M.___
die bereits gestellten Diagnosen (S. 1) und führten aus, es sei m
ittelfristig eine Teilarbeitsfähigkeit von etwa zwei Stunden täglich in einer geschützten Stätte anzustreben
(S. 3)
.
4.3
Dr.
J.___
nannte mit Bericht vom 1
4.
April 2009 (
Urk.
10/72/1-4) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
Fibromyalgie
-Syndrom
-
depressive Stimmungsschwankungen
-
emotional instabile Persönlichkeitsstörung
-
Verdacht auf COPD bei
Nikotinabusus
-
Gonarthrose
/
femoropatelläre
Arthrose beidseits
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr.
J.___
die folgenden (
Ziff.
1.1):
-
episodenweise
Alkoholabusus
, derzeit unter
Antabus
sistiert
-
episodenweise Morbus
Menière
Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin sei stationär bis sich ver
schlechternd (
Ziff.
1.4). Sie sei vom
3.
November 2008 bis 2
4.
Februar 2009 zu 100
%
arbeitsunfähig
gewesen
, was derzeit von der behandelnden Psychiaterin beurteilt werde. Die Beschwerdeführerin gebe sich im Rahmen ihrer Möglich
keiten grosse Mühe, ihre Arbeitsstelle in der geschützten Werkstätte zu behalten (
Ziff.
1.6 - 1.7).
Dr.
J.___
wies bezüglich der Arbeitsunfähigkeit
der Beschwerdeführerin
darauf hin, dass er
ihre
„normale“ Arbeitsfähigkeit seit Jahren nicht mehr the
matisiert habe. Er habe
vom 2
0.
Juni bis 1
1.
Juli 2008 und
vom
3.
November 2008 bis 2
0.
März 2009 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Ab 2
1.
März 2009 habe er der Beschwerdeführerin eine Arbeitsfähigkeit von 40
%
ihres 50
%
-Pensums attestiert, was zwei Morgen pro Woche oder bezogen auf ein 100
%
Pensum eine Arbeitsfähigkeit von 20
%
bedeute (
Urk.
10/72/7).
4.4
Die Ärztinnen und Ärzte der MEDAS
G.___
stellten in ihrem am
1.
Juni 2011 unter Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und der Befunde sowie nach Durchführung einer internistischen, rheumatologischen und psychiatrischen Untersuchung erstatteten Gutachten (
Urk.
10/102) folgende Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit (S.
10 unten f.):
-
Coxarthrose
beidseits mit mässiger zentraler
Protrusion
rechtsbetont
-
Femoropatellararthrose
beidseits bei links ausgeprägter Meniskusverkalkung und
arthroskopisch
bekanntem Knorpeldefekt
-
emotional instabile Persönlic
h
keitsstörung vom
Borderline
-Typ
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
Die folgenden Diagnosen hätten Krankheitswert,
verursachten
aber keine we
sentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 11):
-
chronisches
Lumbovertebralsyndrom
bei altersphysiologischen Veränderun
gen
-
fibromyalgiformes
Beschwerdebild bei Verdacht auf Symptomausweitung
-
Asthmabeschwerden bei persistierendem
Nikotinabusus
-
rezidivierender Äthylüberkonsum
Bezüglich dem anamnestisch gelegentlichen Äthylüberkonsum seien
labormäs
sig
leicht erhöhte Werte festzustellen, was den persistierenden Konsum bestätige (S. 10 unten).
Aus rheumatologischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aufgrund der Cox- und der
Femoropatellararthrose
für Tätigkeiten, die vorwie
gend stehend und oder gehend ausgeübt werden müssten
, eingeschränkt
. Kör
perlich leichte wechselbelastende Tätigkeiten seien
aber
zu 100
%
zumutbar. In psychischer Hinsicht gehe es der Beschwerdeführerin
bei schwierigen familiären Verhältnissen
seit Jahren rezidivierend nicht gut. Aktuell
diagnostiziere
der psychiatrische Gutachter eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typ und eine chronische Schmerzstörung und
komme zum Schluss, dass die Foerster-Kriterien grösstenteils erfüllt seien. Die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei deshalb auf 50
%
(bezogen auf ein 100%-Pensum) redu
ziert (S. 10
Ziff.
3).
Aus rheumatologischen und psychiatrischen Gründen sei die Beschwerdeführerin
für
jede Tätigkeit nur noch zu 50
%
arbeitsfähig, obwohl aus rheumatologischen Gründen in einer leichten wechselbelastenden Tätigkeit auch eine höhere Arbeitsfähigkeit denkbar wäre
(S. 11
Ziff.
5.1
).
Seit der Verfü
gung vom
7.
Dezember 2007 bestehe unverändert dieselbe Arbeitsunfähigkeit (S. 11
Ziff.
5.4).
Aus rheumatologischer Sicht könne seit zirka 2002, dem Beginn der Renten
zahlungen, keine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes festge
stellt werden. Aus psychiatrischer Sicht habe sich das Krankheitsbild in den letzten Jahren schleichend entwickelt (S. 12).
Der psychiatrische Gutachter führte aus, nach dem aktuellen Wissensstand
sei
die Diagnose der Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typ schon seit Jahren sicher und erschwere
die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit immer
. Seit unge
fähr zehn Jahren werde das psychopathologische Bild ergänzt durch die Schmerzsymptomatik, die gemäss rheumatologischer Einschätzung nur ein rudimentäres somatisches Korrelat habe. Der zur Begründung der Diagnose einer
somatoformen
Störung notwendige innerseelische Konflikt sei in einem sehr ausgedehnten Ausmass vorhanden. Die Diagnose einer anhaltenden
soma
toformen
Schmerzstörung verlange, dass ein physiologischer Prozess oder eine körperliche Störung nicht vollständig zur Erklärung des Schmerzes herange
zogen werden könne. Diese Definition setze voraus, dass ein körperliches Korrelat vorhanden sei und man könne sich streiten, ob die gemäss Akten nachgewiesene
Gonarthrose
dieses Kriterium erfülle. Die psychiatrische Dimen
sion der Persönlichkeit decke sich aber mit der Diagnose einer anhaltenden
so
matoformen
Schmerzstörung (ICD-10 F45.41
;
Urk.
10/102/28
). Hinsichtlich der
Foersterschen
Kriterien sei festzuhalten, dass die mitwirkende psychische
Komorbidität
eindrücklich sei. Die körperliche Begleiterkrankung könne
psy
chiatrischerseits
nicht
abschliessend beurteilt werden, dürfe aber in geringem Ausmass vorhanden sein. Ein ausgewiesener sozialer Rückzug habe in allen Belangen des Lebens mindestens teilweise stattgefunden; die Beschwerdeführe
rin traue sich den Aufbau einer Liebesbeziehung nicht mehr zu und auch die
Anzahl der Kontakte sei stark zurückgegangen. Trotz intensiver ambulanter Psychotherapie sei es weiter zu keiner wesentlichen Verbesserung der Situation gekommen und der Verl
auf habe sich damit verfestigt (
Urk.
10/102/29).
In gewissen Teilbereichen sei es zu einer vorübergehenden Besserung gekom
men. So sei 2009 in
der M.___
über eine gute
Rekonditionierung
und über ein Nachlassen der körperlichen Beschwerden berichtet worden. Es sei insgesamt auf eine Restarbeitsfähigkeit zu schliessen und einer Massnahme zur Arbeitsre
habilitation würde auch therapeutischer Wert zukommen. Allenfalls sei eine BEFAS-Abklärung durchzuführen (
Urk.
10/102/29).
Die Beschreibungen der Beschwerdeführerin liessen für die Frage des Beginns der Arbeitsunfähigkeit keine präzise zeitliche Einordnung zu. Der Prozess habe sich schleichend über Jahre entwickelt und sei vorübergehend durch beispiels
weise seelische Krisen, Depressionen und Enttäuschungen in Beziehungen
akzentuiert worden, was zu einer vorübergehend umfangreicheren Arbeitsun
fähigkeit geführt habe (
Urk.
10/102/30
).
4.5
Vom 1
6.
bis 2
7.
September 2011 war die Beschwerdeführerin im
H.___
hospitalisiert. Im Austrittsbericht vom 2
6.
September 2011
(
Urk.
6/1/1)
wurden folgende Diagnosen
gestellt (S. 1):
-
lumboradikuläres
Schmerzsyndrom mit sensomotorischen Defiziten L5/S1 mit und bei
-
Diskushernie L4/5 mit Kompression der Nervenwurzel L5 links
-
Diskushernie L3/4 mit
höhergradiger
recessaler
Stenose links und Kompression der Nervenwurzel L4 links
Als Nebendiagnosen wurden die folgenden genannt (S. 1):
-
Fibromyalgie
mit Generalisierungstendenz
-
rezidivierende depressive Störungen
-
Status nach
Äthylabusus
-
allergisches Asthma
-
Gonarthrose
beidseits
-
hyperchrome
mikrozytäre
Anämie
Die Beschwerdeführerin sei zunächst infolge starker lumbaler Schmerzen
in der Rheumatologischen Klinik hospitalisiert worden.
Am 2
2.
September 2011 sei die Diskushernie operativ behandelt worden. Die Beschwerdeführerin sei vom 1
6.
September bis
7.
November 2011 zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 1).
4.6
Dr.
K.___
diagnostizierte in seinem zuhanden der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin am 1
7.
November 2011 erstatteten Bericht eine lumbale
Diskushernie L4/5 links, operiert am 2
2.
September 2011, eine
Fibromyalgie
so
wie rezidivierende depressive Störungen (
Urk.
10/120
Ziff.
2). Es treffe zu, dass die Beschwerdeführerin aus rheumatologischer Sicht noch zu 50
%
arbeitsfähig sei. Im Juni 2011 sei eine akute massive Verschlechterung der Rückenschmerzen aufgetreten, weshalb die Beschwerdeführerin vollständig arbeitsunfähig gewe
sen sei.
Nachdem eine
periradikuläre
Infiltration sowie Physiotherapie keine Besserung erbracht hätten, sei die Operation erfolgt. Bereits im Oktober und erst recht im November sei der Vorzustand wieder erreicht worden. Nun werde ein Muskelaufbautraining eingeleitet, weshalb im nächsten Jahr die 50%ige Ar
beitsfähigkeit für leichte körperliche Arbeiten gerechtfertigt sei (
Urk.
10/120
Ziff.
3). Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich infolge dieser Begebenheiten vorübergehend verschlechtert (
Ziff.
4).
4.7
M
ed.
pract
.
N.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, führte zuhanden der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin am 2
8.
Januar 2012
(
Urk.
10/
1
24)
aus, die Beschwerdeführerin
im Jahr
2009 behandelt zu haben. Seit Juli 2011
finde
je nach Bedarf ein- bis viermal pro Monat eine psychiat
rische
Behandlung
statt
(
Urk.
10/124
Ziff
1). Die Diagnose laute wie folgt (
Ziff.
2):
-
Züge einer
Borderline
-Persönlichkeit vom emotional instabilen Typ (ICD-10 F60.3)
mit
-
Double Depression (depressive Grundstimmung mit mittelgradig bis schweren depressiven Episoden)
-
starken Stimmungsschwankungen
-
Selbstwertproblematik
-
mangelnde Selbstbegrenzung von anderen Menschen
-
zeitweise schädlichem Alkoholkonsum in Überforderungssituationen
Es treffe nicht zu, dass die Beschwerdeführerin gemäss MEDAS-Gutachten aus psychiatrischer Sicht noch zu 50
%
arbeitsfähig sei. Die frühere Tätigkeit in der Cafeteria des „
E.___
“ im Jahr 2009 habe gezeigt, dass die Beschwerdefüh
rerin aufgrund ihrer Persönlichkeit und ihrer Lebensgeschichte dazu neige, sich selbst im Arbeitskontext zu überfordern. Sie suche Anerkennung und ignoriere dabei bald ihre körperlichen und psychischen Grenzen. In solchen Zeiten be
ginne sie
als Kompensation Alkohol zu trinken. Jedoch sei sie seit der Aufgabe der dortigen Arbeit abstinent und trinke trotz der momentan schwierigen Situa
tion nach dem Tod von zwei Angehörigen nicht, obwohl es ihr psychisch sehr schlecht gehe. Es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin unter den jetzigen Umständen aus psychiatrischer Sicht weder auf dem allgemeinen noch auf dem geschützten Arbeitsmarkt arbeitsfähig sei.
Zurzeit
bestehe keine ver
wertbare Restarbeitsfähigkeit (
Ziff.
3).
Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich zwar nach Ende der Tätigkeit im
E.___
zwischen 2009 und 2010 gebessert, da sie sich nicht mehr so stark unter Leistungsdruck gesetzt habe. Mit dem Tod ihrer Mutter und einer anderen Verwandten im Winter 2011 sei sie erneut in eine tiefe Depres
sion gefallen, aus der sie sich jetzt langsam zu erholen versuche. Familiäre Konflikte würden jedoch immer wieder Rückschläge verursachen. Der Gesund
heitszustand habe sich verschlechtert (
Ziff.
4).
4.8
In einem weiteren Bericht vom 2
9.
März 2012 (
Urk.
10/127) machte med.
pract
.
N.___
unter Wiederholung der bereits gestellten Diagnose die im Wesentlichen gleichen Angaben und hielt fest, die Beschwerdeführerin suche Anerkennung und ignoriere dabei bald ihre körperlichen und psychischen Grenzen. Dies führe regelmässig zu depressiven Episoden. Es könne also davon ausgegangen wer
den, dass sie unter den jetzigen Umständen aus psychiatrischer Sicht weder auf dem allgemeinen noch auf dem geschützten Arbeitsmarkt arbeitsfähig sei; es bestehe keine verwertbare Restarbeitsfähigkeit.
4.9
Vom 2
1.
Juni bis 1
8.
Juli 2012 war die Beschwerdeführerin
erneut in der
M.___
hospitalisiert. Mit Austrittsbericht vom 1
9.
Juli 2012 (
Urk.
3/6) wurden folgende Diagnosen gestellt (S. 1):
-
COPD Stadium II mit relevanter Asthma-Komponente
-
mit kumulativ 40
py
Nikotin bis Mai 2012 bei
-
Zustand nach
Infektexazerbation
mit
respirativer
Partialinsuffizienz,
Tracheostomie
und Beatmung Juni 2012
-
bei primär allergischem Asthma bronchiale
-
individuell beste FEV1 = 1.63 Liter (67
%
der Norm)
-
hat Nikotinstopp erreicht
-
Status nach
phlegmonöser
Entzündung der Halsweichteile mit und bei
-
vom
Tracheostoma
ausgehend
-
Antibiotikatherapie
-
lumboradikuläres
Schmerzsyndrom mit sensomotorischen Defiziten L5/S1 links mit und bei
-
Diskushernie L4/5 mit Kompression der Nervenwurzel L5 links,
Dis
kushernie
L3/4 mit
höhergradiger
recessaler
Stenose links und Kom
pression der Nervenwurzel L4 links (September 2011)
-
erweiterter
interlaminärer
Fensterung L4/5 links,
Nukleotomie
am 2
2.
September 2011
-
Fibromyalgie
mit generalisiertem Schmerzsyndrom
-
h
ypochrome
normozytäre
Anämie
-
rezidivierende depressive Störun
gen
Während des Aufenthaltes habe sich die Beschwerdeführerin gut
rekonditionie
ren
können. Als Therapievorschlag und Prozedere
wurden
eine absolute
Niko
tinkarenz
, ein regelmässiges Kraft- und Ausdauertraining sowie eine regelmäs
sige lungenärztliche Kontrolle empfohlen (S. 3).
5.
5.1
Die seit 2007 ergangenen medizinischen Berichte zeigen zunächst, dass sich die Diagnosen im Verlauf nicht geändert haben.
Der
ursprünglichen
Rentenzuspra
che
lagen im Wesentlichen
die Diagnosen eines
Fibromyalgiesyndroms
, einer beidseitigen
Gonarthrose
und
femoropatellären
Arthrose, psychischer (depressi
ver) Beschwerden und einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typ zugrunde. Auch wurde ein Alkoholmissbrauch erwähnt (vgl. vorstehend E. 3.1-3.5). Diese Diagnosen finden sich auch im Bericht der
M.___
, wo zusätzlich der Verdacht einer
Lungenkrankheit (
COPD
)
erwähnt wurde (vgl. vorstehend E. 4.1). Längerfristige Angaben zur Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin wurden der Natur des Austritts
berichts
ent
sprechend nicht gemacht, es sei jedoch mittelfristig
eine Teilarbeitsfähigkeit von etwa zwei Stunden in einer geschützten Stätte
anzustreben (vgl. vorstehend E.
4.2).
Auch
Dr.
J.___
stellte im Wesentlichen die gleichen Diagnosen wie bereits früher (vgl. vorstehend E. 4.3 und 3.3) und erwähnte
in seinem Bericht vom 1
4.
April 2009
ebenfalls einen Verdacht auf eine COPD.
Dass
Dr.
J.___
bei unveränderter Diagnose ohne genauere Begründung dennoch eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vom 2
0.
Juni bis 1
1.
Juli 2008 und vom
3.
November 2008 bis 2
0.
März 2009 und anschliessend eine Arbeitsfähigkeit von 20
%
attestierte
(vgl. vorstehend E. 4.3)
, ist deshalb nicht ganz schlüssig, zumal eine
lediglich als Verdacht diagnostizierte
COPD kaum für diese Erhöhung der Arbeitsun
fä
higkeit verantwortlich
ist
.
Dr.
J.___
nahm
mit diesem Bericht
eine andere Beurteilung der Auswirkungen des unverändert gebliebenen Gesundheitszu
standes vor, was revisionsrechtlich unbeacht
lich ist (vgl. vorstehend E. 1.2
).
Auch anlässlich der MEDAS-Begutachtung
(vgl. vorstehend E. 4.4)
wurden im Wesentlichen die bereits bekannten Diagnosen gestellt. Einzig die bislang nicht arbeitsfähigkeitsrelevante
Coxarthrose
(vgl. vorstehend E. 3.3)
wirkte sich nun
nach Einschätzung der Gutachter
auf die Arbeitsfähigkeit aus. Zusätzlich stell
ten die MEDAS-Fachpersonen jedoch
die Diagnose
eine
r
chronische
n
Schmerz
störung
mit somatisch
en und psychischen Faktoren
, die der psychiatrische Gut
achter mit nachvollziehbarer Begründung als nicht überwindbar einschätzte
. Die bisher gestellte Diagnose der
Fibromyalgie
liess sich nicht mehr erhärten (vgl.
Urk.
10/102/8
Ziff.
2.1).
Die MEDAS-Begutachtung erlaubte erstmals eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung aller Beeinträchtigun
gen und ergab, dass die Beschwerdeführerin wie bisher (vgl. vorstehend E. 3.6)
noch zu 50
%
arbeitsfähig ist
. Die Gutachter hielten ausdrücklich fest, dass seit 2007 (dem Zeitpunkt der letzten Revision, welche ebenfalls unveränderte Ver
hältnisse ergeben hatte vgl. vorstehend E. 3.6) unverändert dieselbe Arbeits
fähigkeit besteht. Nachdem das MEDAS-Gutachten den praxisgemässen Anfor
derungen an einen Arztbericht (vgl. vorstehend E. 1.4) entspricht, ist von dieser Einschätzung auszugehen. Dass die Beschwerdeführerin ihre Restarbeitsfähigkeit lediglich noch in einer geschützten Stätte verwerten kann, ist dem Gutachten nicht zu entnehmen
.
5.2
An dieser
Beurteilung
vermögen die Berichte von med.
p
ract
.
N.___
(vgl. vor
stehend E. 4.7-4.8) nichts zu ändern, insbesondere da ihnen mangels Anamnese, Befunderhebung und Berücksichtigung aller geschilderter Beschwerden nur untergeordneter Beweiswert zukommt
(vgl. vorstehend E. 1.4). Die abweichende Einschätzung durch med.
pract
.
N.___
, wonach die Beschwerdeführerin nicht mehr arbeitsfähig sei, erscheint deshalb als zu wenig begründet, als dass darauf abgestellt werden kann. Diesbezüglich ist
auch
der Erfahrungstatsache Rech
nung zu tragen, dass nicht nur allgemeinpraktizierende Hausärzte, sondern auch behandelnde Spezialärzte (vgl.
die Urteile I 383/04 vom 26 November 2004, E
. 3.4, und I 139/04 vom 2
0.
Oktober 2004,
E
. 4.2.2, je mit Hinweisen) im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussag
en
.
5.3
Im Jahr 2011 ist aus somatischer
Sicht
eine vorübergehende Verschlechterung ausgewiesen. Die Beschwerdeführerin musste
eine
Diskushernie
operativ behan
deln lassen
(vgl. vorstehend E. 4.5). Nach Angaben von
Dr.
K.___
führte diese Beeinträchtigung
zu einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit der Beschwer
deführerin im Zeitraum von Juni bis Oktober 201
1.
Ab November 2011 sei der Vorzustand wieder erreicht worden (vgl. vorstehend E. 4.6). Diese Verschlech
terung dauerte mehr als drei Monate an und ist deshalb zu berücksichtigen (vgl. vorstehend E. 1.3).
5.4
Hinsichtlich der neu aufgetretenen Lungenproblematik (vgl. vorstehend E. 4.9) ist festzuhalten, dass diese nach Lage der medizinischen Akten im hier massge
blichen Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung nicht zu einer über den Zeit
raum der
Hospitalisation
in
der M.___
hinaus andauernden Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin geführt hat
und deshalb keine Berücksichtigung findet
:
Invalidenversicherungsrechtlich sind nicht die Diagnosen und deren Anzahl ent
scheidend, sondern die Auswirkungen der gesundheitlichen Beein
träch
ti
gungen auf die Arbeitsfähigke
it (BGE 136 V 279 E.3.2.1
mit Hinweis auf BGE 127 V
294).
6.
Soweit die Beschwerdeführerin - bei unveränderten Verhältnissen - eine Berech
nung des Invaliditätsgrades anhand anderer Einkommensparameter ver
langt (vgl.
Urk.
1 S. 8), kann dem nicht gefolgt werden
: Die
Beschwerdegegne
rin
ging angesichts der Erwerbsbiographie der Beschwerdeführerin davon aus, dass sie bereits vor Eintritt des Versicherungsfalles nicht mehr ihren erlernten Beruf als Schemazeichnerin ausübte (vgl.
Urk.
2 S. 2 unten; vgl. auch IV
Anmeldung;
Urk.
10/2
Ziff.
6.3.1; und IK-Auszug;
Urk.
10/5). Die Beschwer
de
füh
rerin selbst gab an, sie habe die Tätigkeit als Zeichnerin infolge der
Kinder
betreuung
für neun Jahre unterbrochen und danach keine Stelle in ihrem angestammten Beruf mehr gefunden. Infolge ihrer Scheidung habe sie danach jeden Job angenommen (vgl.
Urk.
10/23/3 oben). Die Aufgabe der angestamm
ten Tätigkeit erfolgte somit nicht aus gesundheitlichen Gründen. Auch besteht für einen behinderungsbedingten Abzug von 20
%
, wie dies die Beschwerde
führerin fordert, kein Raum. Die Beschwerdegegnerin gewährte aufgrund des Belastungsprofils und der leidensbedingten Einschränkung einen Abzug von 10
%
, womit den
anzunehmenden lohnmindernden Umständen
genügend
Rechnung
getragen wurde. Der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Einkommensvergleich (
Urk.
2/2 S. 3) ist somit nicht zu beanstanden.
7
.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin seit der
Renten
zusprache
im Jahr 2003 unverändert zu 50
%
arbeitsfähig ist und damit weiter
hin Anspruch auf eine halbe Rente hat. Einzig im Zeitraum von Juni bis Oktober 2011 trat eine vorübergehende Verschlechterung mit einer Arbeits
unfähigkeit von 100
%
ein.
Damit ist der angefochtene Entscheid dahingehend abzuändern, dass die Be
schwerdeführerin Anspruch auf eine ganze Rente für die Monate September und Oktober 2011 hat (
Art.
88a
Abs.
2 IVV). Dies führt zur teilweisen Gutheissung der Beschwerde.
8
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
900.-- anzusetzen
. Die Kosten werden d
er Beschwerdeführerin
auferlegt
, da sie nur in geringfügigem Ausmass teilweise obsiegt. Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
werden
die Gerichtskosten
jedoch
einstweilen auf
die Gerichtskasse genommen
.
9
.
Mit Honorarnote vom
2
6.
Februar 2013 (
Urk.
13) machte die
unentgeltliche Rechtsvertreter
in der
Beschwerdefü
hrerin
einen Aufwand von
7
Stunden
35 Minuten
sowie Barauslagen von Fr.
32.70
geltend. Dies erscheint unter Berück
sichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (§ 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
) als
an
gemessen, weshalb Rechtsanwältin Lotti Sigg
Bonazzi
beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 200.-- (zuzüglich
MWSt
) mit insgesamt Fr.
1‘673.35
(inkl. Barauslagen und
MWSt
)
aus der Gerichtskasse
zu entschädigen ist.
Das Gericht erkennt:
1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird
die Verfügung der
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom
1
6.
August 2012 dahingehend abge
ändert, dass die Beschwerdeführerin vom
1.
September bis 3
1.
Oktober 2011 Anspruch auf eine ganze Rente hat.
Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
900
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt
, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse genommen.
Die Beschwerdeführerin wird
auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin, Rechtsanwältin Lotti Sigg
Bonazzi
, Winterthur,
wird mit
Fr.
1'673.35
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichtskasse entschädigt.
Die Beschwerdeführerin wird
auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinge
wiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Lotti Sigg
Bonazzi
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannLienhard