# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4adde5e1-802f-540a-ae69-c05383c0e206
**Source:** Appenzell Innerrhoden (AI)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-11-19
**Language:** de
**Title:** Appenzell Innerrhoden Bezirksgericht 19.11.2025 (publiziert) KSE 12-2025
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AI_Aktuell/AI_BZG_001_KSE-12-2025_2025-11-19.pdf

## Full Text

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 Beschwerde gegen Haftverlängerung 

Der dringende Tatverdacht ist beim Beschwerdeführer nach wie vor ausreichend hoch, um 
die Haft zu verlängern. Das Haftgericht hat bei der Überprüfung des dringenden Tatver-
dachts keine erschöpfende Abwägung sämtlicher belastender und entlastender Beweiser-
gebnisse vorzunehmen. Der dringende Tatverdacht muss sich im Verlauf des Verfahrens 
grundsätzlich verdichten bzw. ausreichend hoch verbleiben. 
 
 
Erwägungen: 

 

1. Die Staatsanwaltschaft Appenzell I.Rh. führt gegen A. ein Strafverfahren wegen Frei-

heitsberaubung und Entführung, mehrfacher Vergewaltigung, evtl. mehrfache Ausnüt-

zung einer Notlage oder Abhängigkeit, mehrfache sexuelle Übergriffe und sexuelle Nö-

tigung, evtl. mehrfache Ausnützung einer Notlage oder Abhängigkeit, Förderung der 

rechtswidrigen Ein- und Ausreise sowie des rechtswidrigen Aufenthalts, mehrfache se-

xuelle Belästigung, eventuell Menschenhandel. A. befindet sich seit 16. Mai 2025 in Un-

tersuchungshaft. Mit Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts Appenzell I.Rh. vom 

27. August 2025 wurde die Untersuchungshaft von A. bis und mit 16. Oktober 2025 ver-

längert. 

 

2. Gegen diesen Entscheid erhob der Verteidiger von A. (folgend: Beschwerdeführer) am 

8. September 2025 Beschwerde bei der kantonsgerichtlichen Kommission für Ent-

scheide in Strafsachen und stellte das Rechtsbegehren, Ziffer 1 des Entscheids des 

Zwangsmassnahmengerichts Appenzell I.Rh. vom 27. August 2025 sei insofern aufzu-

heben, als die Untersuchungshaft gegen A. längstens bis zum 16. September 2025 zu 

verlängern sei und A. sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und ihm ein un-

entgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen sei. 

 

3. Das Zwangsmassnahmengericht Appenzell I.Rh. verzichtete mit Schreiben vom 

10. September 2025 mit Verweis auf seinen Entscheid vom 27. August 2025 auf eine 

Stellungnahme. 

 

4. Die Staatsanwaltschaft reichte am 15. September 2025 eine Stellungnahme inkl. Bewil-

ligung vorzeitiger Straf-/Massnahmenvollzug vom 10. September 2025 ein und bean-

tragte die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Sie macht zunächst 

geltend, der Beschwerdeführer befinde sich nicht mehr in Untersuchungshaft, sondern 

im vorzeitigen Strafvollzug, weshalb auf die Beschwerde nicht einzutreten sei. Der drin-

gende Tatverdacht sei klarerweise gegeben, die Opferaussagen seien im Grundsatz 

stringent und entsprächen den allgemein bekannten Mustern von Opfern im Sexualstraf-

recht. Die Fluchtgefahr habe sich aufgrund des über den Beschwerdeführer sowie sein 

Einzelunternehmen eröffneten Konkurses erhöht, da nun auch die berufliche Bindung in 

der Schweiz fehle. Im Falle der Verurteilung sei sodann nicht mit einer Geldstrafe oder 

kurzen Freiheitsstrafe zu rechnen.  

 

5. Der Verteidiger des Beschwerdeführers reichte am 22. September 2025 eine Stellung-

nahme ein. Er macht unter anderem geltend, das Rechtsschutzinteresse des Beschwer-

deführers, nämlich die Entlassung aus der Haft, sei nach wie vor gegeben und der Be-

schwerdeführer sei unverzüglich aus der Haft zu entlassen. 

 

 

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6. Die verhaftete Person kann Entscheide über die Verlängerung der Untersuchungshaft 

bei der kantonsgerichtlichen Kommission für Entscheide in Strafsachen als Beschwer-

deinstanz anfechten (Art. 222 i.V.m. Art. 393 Abs. 1 lit. c StPO und Art. 10 EG StPO). 

Die Beschwerde wurde rechtzeitig innerhalb der Beschwerdefrist von zehn Tagen ein-

gereicht (Art. 396 StPO).  

 

Die Untersuchungshaft des Beschwerdeführers endete am 10. September 2025 mit dem 

vorzeitigen Antritt des Strafvollzuges (vgl. Art. 220 Abs. 1 StPO). Das Rechtsschutzinte-

resse des Beschwerdeführers, nämlich die Entlassung aus der Haft, besteht – wie er zu 

Recht ausführt – jedoch auch nach Bewilligung des vorzeitigen Strafvollzuges (vgl. BGE 

137 IV 177 E. 2), weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist. 

 

7. Untersuchungshaft ist nur zulässig, wenn die beschuldigte Person eines Verbrechens 

oder Vergehens dringend verdächtig ist und besondere Haftgründe vorliegen (Art. 221 

Abs. 1 StPO).  

 

7.1. Dem Beschwerdeführer wird zusammengefasst vorgeworfen, B. (folgend: Privatklägerin) 

unter falschen Versprechungen in die Schweiz gelockt und in der Folge gegen den Willen 

der Privatklägerin sexuelle Handlungen am 12. und 13. Mai 2025 an ihr vorgenommen 

zu haben. Sodann sei er mit der Privatklägerin am 16. Mai 2025 in Richtung Tessin/Ita-

lien losgefahren und habe sie trotz ihrer Aufforderung, sie wolle aussteigen, nicht aus 

dem Auto aussteigen lassen. Zudem wird dem Beschwerdeführer vorgeworfen, weitere 

Frauen aus dem Ausland angeworben zu haben.  

 

Der Beschwerdeführer bestreitet den dringenden Tatverdacht und macht geltend, dass 

aufgrund der erheblichen Widersprüche in den Aussagen der Privatklägerin erhebliche 

Zweifel an den ihm gegenüber erhobenen Vorwürfen bestünden. Sodann habe die Pri-

vatklägerin ihm während der Fahrt nach Italien nicht mitgeteilt, dass sie aussteigen wolle. 

Er habe nicht gehört, dass die Polizei ihn aufgefordert habe, einen Polizeiposten anzu-

fahren. 

 

7.2. Strafprozessuale Haft darf nur angeordnet werden, wenn und solange der Inhaftierte 

eines Verbrechens oder Vergehens dringend verdächtig ist (Art. 221 Abs. 1 StPO). Dabei 

ist zu prüfen, ob aufgrund der aktuellen Untersuchungsergebnisse genügend konkrete 

Anhaltspunkte für eine Straftat und eine Beteiligung der beschuldigten Person an dieser 

Tat vorliegen. Das Haftgericht hat bei der Überprüfung des dringenden Tatverdachts im 

Gegensatz zum erkennenden Sachgericht keine erschöpfende Abwägung sämtlicher 

belastender und entlastender Beweisergebnisse vorzunehmen, sondern nur zu prüfen, 

ob aufgrund der bisherigen Untersuchungsergebnisse genügend konkrete Anhalts-

punkte für ein Verbrechen oder Vergehen vorliegen. Der dringende Tatverdacht muss 

sich im Verlauf des Verfahrens grundsätzlich verdichten bzw. ausreichend hoch verblei-

ben. Dabei kommt es nach bundesgerichtlicher Praxis auch auf die Art und Intensität 

von allenfalls bereits vorbestehenden konkreten Verdachtsgründen an. Zu Beginn der 

Strafuntersuchung sind die Anforderungen an den dringenden Tatverdacht geringer als 

in späteren Prozessstadien. Im Laufe des Strafverfahrens ist in der Regel ein zuneh-

mend strengerer Massstab an die Erheblichkeit und Konkretheit des Tatverdachts zu 

legen. Nach Durchführung der gebotenen Untersuchungshandlungen muss eine Verur-

teilung als wahrscheinlich erscheinen (vgl. BGE 143 IV 316 E. 3.1 f.; Urteil des 

 

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Bundesgerichts 7B_1327/2024 vom 13. Januar 2025 E. 3.2; je mit Hinweisen; FORSTER, 

Basler Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 3. Auflage, 2023, Art. 221 

N 3). 

 

7.3. Zur vorgeworfenen Freiheitsberaubung macht der Beschwerdeführer im Wesentlichen 

geltend, der erste Notruf um 10.55 Uhr habe auf dem Unwohlsein der Privatklägerin be-

ruht. Den inneren Entschluss, das Fahrzeug verlassen zu wollen, habe sie nach dem 

zweiten Anruf um 11:47 Uhr gefasst. Massgeblich sei, ob die Privatklägerin am nächst-

möglichen, zumutbaren Zeitpunkt am Verlassen des Fahrzeugs gehindert worden oder 

ihr eine entsprechende Möglichkeit verweigert worden sei. Der nächstmögliche, zumut-

bare Zeitpunkt ergebe sich aus den Akten frühestens um 12:37 Uhr. Bis dahin sei ein 

unmissverständlich geäusserter Wille der Privatklägerin, sofort aussteigen zu wollen, 

nicht dokumentiert. Der Beschwerdeführer habe die telefonische Anweisung der Kan-

tonspolizei Graubünden um 12:37 Uhr nicht verstanden. Selbst bei unterstelltem Ver-

ständnis komme eine Freiheitsberaubung frühestens für den Abschnitt ab Roveredo 

(12:37 Uhr) bis zur polizeilichen Anhaltung in Maroggia (13:12 Uhr) in Betracht. Dieser 

Zeitraum betrage 35 Minuten und markiere die zeitliche Obergrenze des tatrelevanten 

Geschehens. Der Tatbestand der Freiheitsberaubung sei nach der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung eng auszulegen. 

 

Betreffend den dringenden Tatverdacht der Freiheitsberaubung (Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 

StGB) kann auf die nach wie vor zutreffenden Erwägungen im Entscheid vom 29. Juli 

2025 verwiesen werden. Es ist zu wiederholen, dass aus den dem Gericht vorliegenden 

Aufnahmen der Notrufe (11.42 Uhr, 12.37 Uhr, 12.44 Uhr und 12.52 Uhr) an die Kapo 

GR und an die Kapo TI deutlich wird, dass die Privatklägerin das Auto des Beschwerde-

führers verlassen wollte und dieser den polizeilichen Anweisungen, die nächsten Poli-

zeiposten anzufahren, nicht folgte. Ebenfalls wird deutlich, dass die Privatklägerin 

grosse Angst litt und aussteigen wollte. Der Beschwerdeführer hielt das Auto jedoch erst 

auf der Autobahn auf dem Pannenstreifen an, als die Polizei vor Ort eintraf. Dass der 

Beschwerdeführer nicht gemerkt resp. verstanden haben soll, dass die Privatklägerin 

das Auto verlassen wollte resp. die Polizei ihn angehalten habe, den nächsten Polizei-

posten anzufahren, ist nicht nachvollziehbar. Zudem ist für das vorliegende Verfahren 

nicht von Relevanz, wie lange die Freiheitsberaubung gedauert haben soll, da im jetzi-

gen Zeitpunkt ohnehin nicht «nur» eine Geldstrafe oder eine kurze Freiheitsstrafe droht 

(siehe sogleich). Der dringende Tatverdacht der Freiheitsberaubung ist damit nach wie 

vor ausreichend hoch.  

 

7.4. Betreffend die vorgeworfenen Sexualdelikte führt der Beschwerdeführer aus, die Aussa-

gen der Privatklägerin zum behaupteten Samenerguss am Dienstag seien widersprüch-

lich. Es fehle das Realkennzeichnen der Konstanz im Kern, was die Aussagequalität der 

Privatklägerin mindere. Es bestünden auch Inkonsistenzen zum Ablauf der Situation. 

Der Widerspruch betreffe den emotional und zeitlich markanten Auftakt des Geschehens. 

In der polizeilichen Befragung habe die Privatklägerin für den Dienstag einen Ge-

schlechtsverkehr verneint und ausschliesslich Oralverkehr geschildert. In der ersten 

staatsanwaltschaftlichen Einvernahme habe sie einen vaginalen Geschlechtsverkehr er-

gänzt, in der zweiten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme habe sie zwei vaginale Pe-

netrationen und einen weiteren Versuch im Badezimmer geschildert. Diese Entwicklung 

sei atypisch und bleibe auch unter Berücksichtigung anfänglicher Zurückhaltung uner-

klärt. Sodann sei die Schilderung des behaupteten Oralkontakts vom Montag in der 

 

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beschriebenen Körperlage nicht schlüssig. Es fehle an einer körperlich plausiblen und in 

sich stimmigen Schilderung. Das behauptete Geschehen sei in der beschriebenen Lage 

nicht nachvollziehbar. Die Aussagen der Privatklägerin zu den Positionen, zur Armfixie-

rung sowie zum Eindringen seien in zentralen Punkten widersprüchlich und nicht nach-

vollziehbar. Ein konsistentes, physisch nachvollziehbares Kerngeschehen sei nicht ge-

schildert worden. Auch das Verhalten der Privatklägerin in den Tagen nach den behaup-

teten Übergriffen bilde ein gewichtiges Gegenindiz gegen die Belastungsaussage. Sie 

habe explizit bestätigt, die Wohnung des Beschwerdeführers jederzeit verlassen zu kön-

nen, sei jedoch mehrere Tage in seiner Wohnung verblieben. Sie habe ihr Verbleiben 

nicht mit Angst, Zwang, Abhängigkeit oder fehlendem Geld begründet, sondern mit der 

Erwartung einer arbeitsvertraglichen Lösung. Wer eine Vergewaltigung erlitten habe, su-

che nach allgemeiner Lebenserfahrung Distanz zum mutmasslichen Täter. Die Privat-

klägerin habe hingegen den Abschluss eines Arbeitsvertrags mit ihm verfolgt, obwohl sie 

eine konkrete Alternative in Holland gehabt habe. Dieses Nachtatverhalten widerspreche 

der behaupteten Opfersituation und mache die Annahme, Schock oder Scham erklärten 

die inkonsistenten Aussagen, nicht überzeugend. Die belastenden Aussagen seien in 

zentralen Punkten widersprüchlich und es bestünde keine verlässliche Grundlage für 

einschneidende Zwangsmassnahmen.  

 

Zum vorgeworfenen Ausnützen einer Notlage oder Abhängigkeit macht der Beschwer-

deführer geltend, eine existenzielle Zwangssituation habe offensichtlich nicht bestanden. 

Die Privatklägerin habe erklärt, sie wolle mit dem verdienten Geld die Wohnung ihrer 

Mutter renovieren. Damit schildere sie Zukunftspläne, nicht jedoch eine akute, ausweg-

lose Bedrängnis. Auch die von der Vorinstanz konstruierte 50-Euro-Notlage verfange 

nicht. Die Privatklägerin habe gesagt, der Beschwerdeführer habe ihr Unterkunft und 

Lebensmittel zugesichert - ein Versprechen, welches er eingehalten habe. Dass die Pri-

vatklägerin ihre letzten 50 Euro für Zigaretten verwendet habe, sei mit einer existenziel-

len Notlage unvereinbar. Auch ein Abhängigkeitsverhältnis habe offensichtlich nicht be-

standen. Die Privatklägerin habe erklärt, sie habe ursprünglich nach Holland gehen wol-

len, wo ihr eine Arbeitsstelle angeboten worden sei. Damit habe die Privatklägerin über 

eine echte Wahlfreiheit verfügt. Eine Abhängigkeit scheide unter diesen Umständen aus. 

Sodann sei nicht ersichtlich, wie die Privatklägerin - sie habe den Beschwerdeführer zum 

angeblichen Tatzeitpunkt erst zwei Tage gekannt - innert dieser kurzen Zeitspanne eine 

derart enge Bindung zu ihm entwickelt haben solle, dass von einer relevanten Abhän-

gigkeit die Rede sein könnte. Eine Zwangslage setze voraus, dass selbst ein besonne-

ner Mensch in der konkreten Situation keine zumutbare Alternative gesehen hätte. Die 

sei vorliegend eindeutig nicht der Fall. Die Privatklägerin habe die Möglichkeit gehabt, 

nach Holland zu gehen und dort eine Arbeit aufzunehmen. Auch der gelebte Alltag spre-

che gegen das Vorliegen einer Zwangsatmosphäre: Die Privatklägerin habe erklärt, der 

Beschwerdeführer sei sehr nett gewesen. Selbst unterstellt, es hätte eine Notlage oder 

eine Abhängigkeit bestanden, mangle es an Täterkenntnis: Nach eigener Darstellung 

schildere die Privatklägerin belastende familiäre Umstände erst nach dem behaupteten 

Sexualkontakt beim gemeinsamen Alkoholkonsum am Dienstagabend. Die Kenntnis, die 

Privatklägerin habe Geld verdienen wollen, um die Wohnung ihrer Mutter zu renovieren, 

begründe keine Notlage. Es fehle somit sowohl am Motivationsnexus als auch am Vor-

satz.  

 

In seiner Stellungnahme vom 22. September 2025 ergänzt der Beschwerdeführer, be-

treffend die sexuellen Handlungen vom Montag, 12. Mai 2025, fehle es an einem klar 

 

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erkennbaren Gegenwillen der Privatklägerin, da sie gesagt habe «Wenn es sein muss, 

das nicht in meine Innere, sondern auf meinen Bauch». Der Beschwerdeführer habe die 

Worte als Zustimmung zum Geschlechtsverkehr verstehen müssen. Es liege keine Strin-

genz der Aussagen vor. Die Widersprüche seien fundamental und träfen den Kern der 

Aussagezuverlässigkeit. Die diametralen Angaben zur Bekleidung zerstörten die Aussa-

gekonsistenz an einem wichtigen Punkt. Auch die Frage nach der Häufigkeit des Oral-

verkehrs sei unterschiedlich beantwortet worden. Dieser Widerspruch betreffe den Kern-

vorwurf und erschüttere die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin zusätzlich 

in substanzieller Weise. Auch bezüglich der sexuellen Handlungen vom Dienstag, 

13. Mai 2025, schildere die Privatklägerin zwei einander ausschliessende Versionen des 

Tathergangs. Sodann sei ein klares und unbedingtes «Nein» zum Geschlechtsverkehr 

nicht protokolliert. Die Privatklägerin habe sodann behauptet, die sexuellen Handlungen 

an diesem Abend hätten vor 19:00 Uhr stattgefunden. Der Chatverlauf belege aber, dass 

sie sich um 18:49 Uhr im Büro befunden habe. Der Vorwurf nach Art. 189/190 StGB 

werde sodann durch die Aussage der Privatklägerin «wenn es schon sein muss, ob ich 

obendrauf sein darf», entkräftet. Indem die Privatklägerin eine sexuelle Position vorge-

schlagen hätte, habe sie den Ablauf aktiv mitgestaltet. Dieses Verhalten signalisiere 

keine Ablehnung. Zudem fehle jeder objektivierbare Hinweis auf eine Traumatisierung 

der Privatklägerin. Sie lasse sich nicht behandeln und ihr Verhalten spreche eindeutig 

gegen eine Traumatisierung. Sie zeige ein ausgeprägt konfrontatives Vorgehen, habe 

aktiv an der Einvernahme von C. teilgenommen, habe der Staatsanwaltschaft wiederholt 

Eingaben eingereicht und habe sogar beabsichtigt, ihre damalige Rechtsvertreterin so-

wie Mitarbeiterinnen des Frauenhauses anzuzeigen. Eine Posttraumatische Belastungs-

störung manifestiere sich typischerweise erst mit einer Latenz von Wochen bis Monaten 

nach dem Ereignis. Die polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen, in de-

nen sich die gravierenden Widersprüche gezeigt hätten, hätten jedoch innerhalb von nur 

zwei Wochen nach den behaupteten Taten stattgefunden. Die Berufung auf ein Trauma 

zur Erklärung dieser Widersprüche sei daher nicht nachvollziehbar. 

 

Es ist richtig, dass die Ausführungen der Privatklägerin in den verschiedenen Einvernah-

men nicht immer übereinstimmen. Allerdings führt dies nicht zu einer Relativierung des 

dringenden Tatverdachts. Die Privatklägerin führte konstant aus, sie habe nicht im glei-

chen Zimmer mit dem Beschwerdeführer schlafen wollen und er habe zunächst Annä-

herungsversuche gestartet, die sie nicht gewollt habe. In der Folge sei es dann zu Oral- 

und Geschlechtsverkehr gekommen. Der Beschwerdeführer selbst bestätigt, dass es zu 

Oral- und Geschlechtsverkehr gekommen ist. Entgegen der Aussage des Beschwerde-

führers hat die Privatklägerin in jeder Einvernahme ausgeführt, sie habe dem Beschwer-

deführer ausdrücklich gesagt, dass sie keinen sexuellen Kontakt mit ihm wolle. Dass die 

Privatklägerin den Zeitpunkt der sexuellen Handlungen vom Dienstagabend, 13. Mai 

2025, auf vor 19.00 Uhr festlegte, ist sodann nicht zu beanstanden – es handelte sich 

nur um eine ungefähre Zeitangabe. Wie die Vorinstanz richtigerweise erläutert hat, liegt 

eine Aussage-gegen-Aussage-Konstellation vor. Wie bereits ausgeführt, ist bei der 

Überprüfung des allgemeinen Haftgrundes des dringenden Tatverdachtes keine er-

schöpfende Abwägung sämtlicher belastender und entlastender Beweisergebnisse vor-

zunehmen. Insbesondere die eigentliche Aussagewürdigung ist nicht Aufgabe des Haft-

gerichts. Dies gilt zumindest in einem Fall wie hier, wo an den umstrittenen Aussagen 

keine offensichtlichen Zweifel anzubringen sind (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 

7B_474/2023 vom 6. September 2023 E. 3.4). Insofern bedarf es vorliegend auch keiner 

weiteren Auseinandersetzung mit den einzelnen Aussagen. Auch dass möglicherweise 

 

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keine Traumatisierung der Privatklägerin erfolgt ist, vermag nichts am dringenden Tat-

verdacht zu ändern. Vielmehr kann gestützt auf die Aussagen der Privatklägerin mit er-

heblicher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer 

sexuelle Handlungen gegen den Willen der Privatklägerin vorgenommen hat.  

 

7.5. Entgegen der Ansicht des Zwangsmassnahmengerichts liegt auch der dringende (An-

fangs-)Tatverdacht betreffend (versuchtem) Menschenhandel i.S.v. Art. 182 StGB vor. 

Strafbar nach Art. 182 StGB macht sich, wer als Anbieter, Vermittler oder Abnehmer mit 

einem Menschen Handel betreibt zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung, der Ausbeu-

tung seiner Arbeitskraft oder zwecks Entnahme eines Körperorgans. Das Anwerben ei-

nes Menschen zu diesen Zwecken ist dem Handel gleichgestellt. Als objektives Tatbe-

standsmerkmal ist erforderlich, dass das Opfer ausgebeutet wird. Bei der Ausbeutung 

befindet sich das Opfer in einer Zwangslage hinsichtlich seiner Selbstbestimmungsfrei-

heit. Diese nutzt der Täter zu seinem oder auch zum Vorteil eines Dritten aus (vgl. Basler 

Kommentar Strafrecht, 4. Auflage, 2019, DELNON/RÜDY, Art. 182 N 24 f.). Auch Einmal-

täter werden von dieser Strafnorm umfasst (vgl. DELNON/RÜDY, a.a.O., Art. 182 N 12). 

 

Die Ermittlungen haben ergeben, dass der Beschwerdeführer nebst der Privatklägerin 

diverse weitere Frauen im Alter von meist 20 bis 25 Jahren angeworben hat, um in der 

Schweiz für ihn zu arbeiten. Zumindest mit der Privatklägerin ist es nach der Einreise 

mutmasslich auch zu gegen ihren Willen erfolgten sexuellen Handlungen gekommen. 

Dem Beschwerdeführer musste bewusst sein, dass die Privatklägerin von ihm abhängig 

war. Auch wenn die Privatklägerin tatsächlich ein weiteres Arbeitsangebot in Holland 

gehabt haben sollte, ändert dies nichts an ihrer mutmasslichen Zwangslage. Sie gab an, 

mit 50 Euro in die Schweiz eingereist zu sein und konnte damit nicht frei ihren Aufent-

haltsort ändern. Es liegen genügend konkrete Verdachtsmomente vor, dass der Be-

schwerdeführer die Tatbestandsmerkmale erfüllen könnte. Es ist davon auszugehen, 

dass sich der dringende Tatverdacht betreffend Menschenhandel aus den zusätzlich 

auszuwertenden Daten und möglichen Einvernahmen in den nächsten Wochen entwe-

der weiter erhärtet oder aber entkräftet.  

 

8. 

8.1. Neben dem dringenden Tatverdacht setzt die Untersuchungshaft einen besonderen 

Haftgrund insbesondere im Sinn von Art. 221 Abs. 1 Bst. a bis c und Abs. 1bis StPO 

voraus. Das Zwangsmassnahmengericht begründet die Verlängerung der Untersu-

chungshaft mit Fluchtgefahr.  

 

8.2. Der Beschwerdeführer führt aus, es bestünden keine Anhaltspunkte für eine Fluchtge-

fahr. Der Beschwerdeführer verfüge über keinerlei finanzielle Mittel, die ihm eine Flucht 

ins Ausland ermöglichen könnten. Hinzu komme, dass er am 29. August 2025 in der 

Schweiz ein Asylgesuch gestellt habe. Eine Flucht ins Ausland würde zwangsläufig zum 

Verlust seines aktuellen Status im hängigen Asylverfahren führen, was nicht in seinem 

Interesse liege. Der Beschwerdeführer habe kein Motiv, sich ins Ausland abzusetzen, 

weil dort ein erhebliches Risiko bestünde, verhaftet und aufgrund des von Polen gestell-

ten Auslieferungsersuchens dorthin überstellt zu werden. Im Gegensatz dazu geniesse 

er in der Schweiz den Status eines Asylsuchenden. Nach seiner Haftentlassung werde 

sich der Beschwerdeführer - infolge der Kündigung seiner Wohnung - in ein Bundesas-

ylzentrum begeben müssen, was seine Erreichbarkeit sicherstelle. 

 

 

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8.3. Auch bezüglich Fluchtgefahr ist auf die nach wie vor zutreffenden Erwägungen im Ent-

scheid vom 29. Juli 2025 zu verweisen. Aufgrund der nicht gefestigten Wohnsituation 

des Beschwerdeführers in der Schweiz, der deutschen und polnischen Staatsbürger-

schaft und seiner persönlichen und wirtschaftlichen Nähe zu diversen Ländern besteht 

ein ausgeprägter Auslandbezug. Mit dem eröffneten Konkurs über den Beschwerdefüh-

rer und seine Einzelfirma fehlt eine berufliche Bindung zur Schweiz gänzlich - dies zu-

sätzlich zu den fehlenden familiären und sozialen Bindungen. Trotz des gestellten Asyl-

gesuchs ist ohne weiteres von Fluchtgefahr auszugehen.  

 

9. 

9.1. Die Haft muss überdies verhältnismässig sein. Freiheitsentziehende Zwangsmassnah-

men sind aufzuheben, sobald Ersatzmassnahmen zum gleichen Ziel führen (Art. 212 

Abs. 2 Bst. c StPO).  

 

Gemäss Art. 31 Abs. 3 BV und Art. 5 Ziff. 3 EMRK hat eine in strafprozessualer Haft 

gehaltene Person überdies Anspruch darauf, innerhalb einer angemessenen Frist rich-

terlich abgeurteilt oder während des Strafverfahrens aus der Haft entlassen zu werden. 

Eine übermässige Haftdauer stellt eine unverhältnismässige Beschränkung dieses 

Grundrechts dar. Sie liegt dann vor, wenn die Haft die mutmassliche Dauer der zu er-

wartenden freiheitsentziehenden Sanktion übersteigt (vgl. auch Art. 212 Abs. 3 StPO). 

Bei der Prüfung der Verhältnismässigkeit der Haftdauer ist namentlich der Schwere der 

untersuchten Straftaten Rechnung zu tragen. Der Richter darf die Haft nur so lange er-

strecken, als sie nicht in grosse zeitliche Nähe der (im Fall einer rechtskräftigen Verur-

teilung) konkret zu erwartenden Dauer der freiheitsentziehenden Sanktion rückt (vgl. 

BGE 143 IV 168 E. 5.1). 

 

Die Anordnung der Untersuchungshaft ist ultima ratio. Folglich muss in jeder Phase des 

Verfahrens geprüft werden, ob mit Ersatzmassnahmen (Art. 237 ff. StPO) die mit einer 

allfälligen Inhaftierung verfolgte Zielsetzung ebenfalls erreicht werden kann (vgl. 

FREI/ZUBERBÜHLER ELSÄSSER, a.a.O., Art. 221 N 7). 

 

9.2. Es wurden keine Ersatzmassnahmen beantragt und es ist auch nicht ersichtlich, welche 

Ersatzmassnahmen geeignet wären, die vorliegende Fluchtgefahr zu bannen. Bei der 

Prüfung der zulässigen Haftdauer ist der Umstand, dass die in Aussicht stehende Frei-

heitsstrafe bedingt oder teilbedingt ausgesprochen werden, grundsätzlich nicht zu be-

rücksichtigen (vgl. BGE 143 IV 168 E. 5.1). Aktuell muss entgegen der Ansicht des Be-

schwerdeführers damit gerechnet werden, dass er aufgrund der schweren Vorwürfe im 

Falle einer Verurteilung mit einer Freiheitsstrafe bestraft wird. Überhaft droht dem Be-

schwerdeführer zum jetzigen Zeitpunkt - mit der in Frage stehenden Verlängerung von 

zwei Monaten ergibt sich eine Gesamtdauer von 5 Monaten - nicht. Die Rüge, die Fort-

setzung der Untersuchungshaft sei unverhältnismässig, ist mithin unbegründet. 

 

10. Sämtliche Haftvoraussetzungen sind folglich erfüllt. Es ist somit nicht zu beanstanden, 

dass das Zwangsmassnahmengericht die Untersuchungshaft bis und mit 16. Oktober 

2025 verlängert hat. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

 

(…) 

 

 

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Kantonsgericht Appenzell I.Rh., Entscheid KSE 12-
2025 vom 30. September 2025  

 

Die gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde wurde vom Bundesgericht mit Entscheid 

7B_1073/2025 vom 7. November 2025 abgewiesen, soweit darauf eingetreten wurde.