# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 59f2281b-4a3e-50e7-9ea5-6e5364f74881
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-08-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.08.2010 D-5343/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5343-2010_2010-08-26.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5343/2010/dcl
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 6 .  A u g u s t  2 0 1 0

Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), 
Richterin Christa Luterbacher, Richter Thomas Wespi,
Gerichtsschreiber Martin Scheyli.

B._______, Irak,
vertreten durch Suzanne Stotz, 
Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende, 
Bertastrasse 8, Postfach, 8036 Zürich,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-
Verfahren); Verfügung des BFM vom 29. Juni 2010.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5343/2010

Sachverhalt:

A.
Der  Beschwerdeführer,  ein  irakischer  Staatsangehöriger  kurdischer 
Ethnie mit letztem Wohnsitz in A._______, verliess seinen Heimatstaat 
gemäss eigenen Angaben am 17. April  2008, von wo er zunächst in 
die Türkei gelangte. Über ihm unbekannte Länder reiste er schliesslich 
am 1. Mai 2008 illegal in die Schweiz ein. Am 9. Mai 2008 stellte er in 
der Schweiz ein erstes Asylgesuch.

B.
Dieses wurde durch das  BFM mit  Verfügung vom 10. Juli  2008  ab-
gelehnt,  verbunden  mit  der  Anordnung  der  Wegweisung  aus  der 
Schweiz  und  des  Vollzugs.  Die  hiergegen  erhobene  Beschwerde 
wurde durch das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 2. Oktober 
2008 abgewiesen.

C.
Am  9.  April  2010  reiste  der  Beschwerdeführer  erneut  illegal  in  die 
Schweiz ein, um gleichentags beim Empfangs- und Verfahrenszentrum 
Basel ein weiteres Asylgesuch zu stellen. 

D.
Am 13. April  2010 wurde der Beschwerdeführer beim  Empfangs- und 
Verfahrenszentrum  Basel  summarisch zu seinen Asylgründen befragt. 
Dabei führte er unter anderem aus, er habe nach der Abweisung seines 
ersten Asylgesuchs die Schweiz am 14. oder 15. März 2009 wieder ver-
lassen und sei nach Finnland gereist. Hier habe er ein Asylgesuch ge-
stellt. Die finnischen Behörden hätten indessen herausgefunden, dass 
seine  Fingerabdrücke  in  Griechenland  registriert  worden  seien,  und 
hätten ihn deshalb dorthin abschieben wollen. Aus diesem Grund sei er  
Ende September 2009 nach Schweden weitergereist,  wo er ebenfalls 
ein Asylgesuch gestellt habe. Auch die schwedischen Behörden hätten 
ihn  in  der  Folge  nach  Griechenland  schicken  wollen,  weshalb  er 
schliesslich beschlossen habe, sich wieder in die Schweiz zu begeben. 

E.
Gemäss entsprechenden Einträgen in der Datenbank „Eurodac“ wurde 
der Beschwerdeführer am 14. April 2008 in Griechenland, am 19. März 
2009 in Finnland und am 9. November 2009 in Schweden im Rahmen 

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des  gemeinsamen  Europäischen  Asylsystems  daktyloskopisch  regis-
triert. 

F.
Am 19. April 2010 wurde der Beschwerdeführer für die Dauer des Ver-
fahrens dem Kanton C._______ zugewiesen.

G.
Am 27. April  2010  richtete  das  BFM an  die zuständigen  finnischen 
Behörden die Mitteilung, gestützt auf die einschlägigen Staatsverträge 
(Abkommen  vom  26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die 
Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für 
die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestell-
ten  Asylantrags  [Dublin-Assoziierungsabkommen,  SR  0.142.392.68]; 
Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates  vom 18. Februar  2003 zur 
Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitglied-
staats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in 
einem Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig  ist  [VO Dublin]; 
Verordnung  [EG]  Nr. 1560/2003  der  Kommission  vom  2. September 
2003  mit  Durchführungsbestimmungen  zur  Verordnung  [EG] 
Nr. 343/2003 des Rates [DVO Dublin]) werde Finnland als zur Durch-
führung des Asylverfahrens zuständig erachtet.

H.
Mit Schreiben vom 3. Mai 2010 teilten die zuständigen finnischen Be-
hörden  dem  BFM  mit,  das  Gesuch  um  Wiederaufnahme  des  Be-
schwerdeführers werde abgelehnt.

I.
Mit Schreiben vom 10. Mai 2010 teilte das BFM den zuständigen fin-
nischen  Behörden  mit,  gestützt  auf  die  erwähnten  Staatsverträge 
werde erneut um die Anerkennung der Zuständigkeit Finnlands für die 
Durchführung des Asylverfahrens ersucht.

J.
Mit  Schreiben  an  das  BFM  vom 18.  Mai  2010  bekräftigten  die  zu-
ständigen finnischen Behörden die Ablehnung ihrer  Zuständigkeit  für 
die Durchführung des Asylverfahrens.

K.
Am 18. Mai 2010 richtete das BFM an die zuständigen griechischen 

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Behörden die Mitteilung, gestützt auf die einschlägigen Staatsverträge 
(vgl.  zuvor,  Bst. G)  werde  Griechenland  als  zur  Durchführung  des 
Asylverfahrens  zuständig  erachtet.  Die  griechischen  Behörden  äus-
serten sich dazu nicht.

L.
Mit  Verfügung  vom 29. Juni  2010  trat  das  BFM gestützt  auf  Art. 34 
Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht 
ein. Zudem ordnete es dessen Wegweisung nach  Griechenland sowie 
den Vollzug an und wies den Genannten an, die Schweiz spätestens am 
Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, wobei es festhielt, 
dass  eine  Beschwerde  gegen  diese  Verfügung  keine  aufschiebende 
Wirkung habe.

M.
Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 26. Juli 2010 focht der Be-
schwerdeführer die Verfügung des BFM vom 29. Juni 2010 beim Bun-
desverwaltungsgericht  an.  Dabei  beantragte  er,  die  genannte  Ver-
fügung sei aufzuheben und das BFM sei anzuweisen, das Selbstein-
trittsrecht im Sinne von Art. 3 Abs. 2 VO Dublin auszuüben. In prozes-
sualer Hinsicht beantragte er zudem, der Vollzug der Wegweisung sei 
vorläufig auszusetzen, seiner Beschwerde sei die aufschiebende Wir-
kung zu erteilen,  und es sei  ihm  die unentgeltliche Rechtspflege im 
Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  zu  ge-
währen.

N.
Mit Zwischenverfügung vom 27. Juli 2010 setzte der Instruktionsrichter 
des Bundesverwaltungsgerichts den Vollzug der Wegweisung im Sinne 
einer vorsorglichen Massnahme vorläufig aus.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005 (VGG, SR 173.32)  beurteilt  das Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Beschwerden 
gegen  Verfügungen,  die  gestützt  auf  das  Asylgesetz  vom  26. Juni 

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1998 (AsylG, SR 142.31)  durch das BFM erlassen worden sind, ent-
scheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  endgültig  (Art. 105  AsylG 
i.V.m. Art. 31-33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1  des Bundesgerichtsgeset-
zes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  können  die 
Verletzung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Missbrauch  und  Über-
schreitung  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Fest-
stellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessen-
heit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

2.
Dem vorinstanzlichen Aktendossier sind – nachdem keine Empfangs-
bestätigung vorliegt  – keine Angaben dazu zu entnehmen, wann die 
angefochtene Verfügung dem Beschwerdeführer eröffnet  wurde. Hin-
gegen findet sich in den Akten die Kopie eines Schreibens der für die 
Eröffnung  zuständigen  Behörde  des  Kantons  Glarus  vom  23. Juli 
2010,  wonach  die  angefochtene  Verfügung  an  diesem  Datum  der 
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers zugeschickt wurde. Die Be-
schwerde vom 26. Juli 2010 erweist sich somit als innert der gesetz-
lichen  Frist  (Art. 108  Abs. 2  AsylG)  beim  Bundesverwaltungsgericht 
erhoben. Auf die im Übrigen formgerecht eingereichte Beschwerde ist 
somit einzutreten (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1, Art. 52 VwVG).

3.
Es stellt  sich im vorliegenden Fall  die Frage,  ob das BFM zu Recht 
gestützt  auf  Art. 34 Abs. 2 Bst. d  AsylG unter  der Annahme auf  das 
vom 9. April 2010 datierende Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht 
eingetreten  ist,  nach  den  Regeln  des  gemeinsamen  Europäischen 
Asylsystems sei Griechenland für die Durchführung des Asylverfahrens 
zuständig. 

3.1
3.1.1 In  diesem Zusammenhang ist  festzustellen,  dass  das BFM zu-
nächst die Ansicht vertrat, nicht Griechenland, sondern Finnland sei für 
die Prüfung des Asylgesuchs zuständig, und somit die finnischen Be-
hörden um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers ersuchte. Mit der 
Mitteilung vom 27. April 2010 begründete das BFM gegenüber den fin-
nischen Behörden die Zuständigkeit Finnlands für die Durchführung des 
Asylverfahrens  folgendermassen:  Der  Beschwerdeführer  habe  sich 
während mehr als drei Monaten in der Schweiz aufgehalten, bevor die-
se am 12. Dezember 2008 Mitglied des Dublin-Systems geworden sei. 

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Die  Zuständigkeit  Griechenlands  –  wohin  der  Beschwerdeführer  am 
13. April 2008 illegal eingereist sei – habe somit geendet. Da der Be-
schwerdeführer  sein  Asylgesuch in  der  Schweiz  vor  dem schweizeri-
schen Beitritt zum Dublin-System gestellt habe, könne die Schweiz nicht 
als  zuständig  erachtet  werden.  Demzufolge  werde  Finnland  gemäss 
Art. 16  Abs. 1  Bst. c  VO Dublin  als  für  die  Prüfung  des  Asylgesuchs 
zuständig erachtet. 

3.1.2 Des Weiteren ist festzustellen,dass das BFM in seinem Schreiben 
vom 10. Mai 2010 an die Adresse der finnischen Behörden ausführte, 
die  Zuständigkeit  Griechenlands  für  die  Durchführung  des  Asylver-
fahrens habe geendet, weil sich der Beschwerdeführer während mehr 
als fünf [recte: drei] Monaten ausserhalb des gemeinsamen Hoheitsge-
biets  der  Mitgliedstaaten  aufgehalten  habe.  Die  Schweiz  sei  dem 
Dublin-System erst am 12. Dezember 2008 im Rahmen eines bilatera-
len  Vertrags  beigetreten.  Es  entspreche  einem  allgemeinen  Rechts-
grundsatz des Völkerrechts, dass solche völkerrechtliche Verträge keine 
Rückwirkung entfalten würden. Die Zuständigkeit für die Prüfung eines 
Asylgesuchs könne somit nur dann bei der Schweiz liegen, wenn der 
Sachverhalt,  auf welchem diese Zuständigkeit  beruhe, sich nach dem 
Beitritt der Schweiz verwirklicht habe. Dies sei vorliegend nicht der Fall,  
nachdem  der  Beschwerdeführer  sein  Asylgesuch  vor  diesem  Datum 
gestellt  habe. Ausserdem habe sich der Beschwerdeführer nach dem 
Schweizer  Beitritt  zum  Dublin-System  nicht  länger  als  fünf  Monate 
illegal in der Schweiz aufgehalten. Dementsprechend setze die Bestim-
mung  des  zuständigen  Mitgliedstaats  im  Moment  des  Beitritts  der 
Schweiz zum Dublin-System ein, also am 12. Dezember 2008. Da der 
Beschwerdeführer  am 18. März  2009  in  Finnland ein  Asylgesuch ge-
stellt  habe und kein Hinweis darauf bestehe, dass er seither das ge-
meinsame Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten verlassen habe, liege ge-
stützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c VO Dublin die Zuständigkeit für die Prü-
fung des Asylverfahrens bei Finnland. 

3.1.3 Mithin vertrat das BFM gegenüber Finnland im Wesentlichen den 
Standpunkt,  Griechenland  könne  gemäss  den  Regeln  des  ge-
meinsamen  Europäischen  Asylsystems  gerade  nicht für  die  Durch-
führung des Asylverfahrens zuständig sein. Gleichwohl  entschied das 
Bundesamt  mit  der  angefochtenen  Verfügung,  gestützt  auf  Art. 34 
Abs. 2  Bst. d  AsylG sei  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers 
nicht  einzutreten,  wobei  dessen Wegweisung nach  Griechenland und 
der entsprechende Vollzug anzuordnen seien. 

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3.2 Die  Beantwortung  der  Frage,  welcher  Mitgliedstaat  des  ge-
meinsamen Europäischen Asylsystems für die Prüfung eines in einem 
Mitgliedstaat  gestellten  Asylgesuchs zuständig  ist,  bemisst  sich  nach 
verschiedenen,  je  nach  Sachverhalt  zur  Anwendung  gelangenden 
Kriterien  (vgl.  Art. 5-14  VO Dublin).  Dabei  ist  im  vorliegenden  Fall  – 
nachdem kein Hinweis auf die Einschlägigkeit eines anderen Kriteriums 
erkennbar  ist  –  insbesondere hervorzuheben,  dass unter der  Voraus-
setzung, dass die asylsuchende Person aus einem Drittstaat kommend 
die  Land-,  See-  oder  Luftgrenze  eines  Mitgliedstaats  illegal  über-
schritten hat,  dieser Mitgliedstaat für die Prüfung des Asylantrags zu-
ständig  ist  (Art.  10  Abs. 1  VO Dublin).  Nachdem  aufgrund  des  ent-
sprechenden Eintrags in der Datenbank „Eurodac“ feststeht, dass der 
Beschwerdeführer  am  14.  April  2008 in  Griechenland  erstmals  im 
Rahmen des gemeinsamen Europäischen Asylsystems daktyloskopisch 
registriert wurde, liegt ein Indiz dafür vor, dass dieser Mitgliedstaat für  
die Durchführung des Asylverfahrens zuständig sein könnte.

3.3 Die  Pflicht  des  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens  zu-
ständigen Mitgliedstaats,  die betreffende asylsuchende Person aufzu-
nehmen (Art. 16  Abs. 1  Bst.  a  VO Dublin),  erlischt  indessen  gemäss 
Art. 16 Abs. 3 VO Dublin, wenn der Drittstaatsangehörige das Hoheits-
gebiet der Mitgliedstaaten für mindestens drei Monate verlassen hat, es 
sei denn, der Drittstaatsangehörige ist im Besitz eines vom zuständigen 
Mitgliedstaat ausgestellten gültigen Aufenthaltstitels. 

3.4  In  Bezug  auf  die  soeben  erwähnte  Erlöschensregel  ist  –  ab-
gesehen davon, dass keinerlei Hinweise für das Bestehen eines durch 
Griechenland als  zuständiger  Mitgliedstaat  im Sinne der  Bestimmung 
ausgestellten Aufenthaltstitels vorhanden sind – festzuhalten, dass die 
fraglichen Staatsverträge (Dublin-Assoziierungsabkommen mitsamt den 
dazugehörigen  gemeinschaftlichen  Rechtsakten)  für  die  Schweiz  mit 
dem 12. Dezember 2008 Rechtskraft  im Sinne der tatsächlichen Um-
setzung erlangten. Mit  anderen Worten war die Schweiz vor dem ge-
nannten  Stichtag  nicht  Mitgliedstaat  des  gemeinsamen Europäischen 
Asylsystems. Somit hat der Beschwerdeführer, der am 1. Mai 2008 in 
die Schweiz einreiste, hier am 9. Mai 2008 ein Asylgesuch stellte und 
sich  bis  mutmasslich  zum  14. oder  15. März  2009  hier  aufhielt,  das 
Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten nach seiner Ersteinreise in Griechen-
land für mehr als drei Monate verlassen. Daraus wiederum folgt, dass 
gestützt auf Art. 16 Abs. 3 VO Dublin die Verpflichtung Griechenlands 
zur Aufnahme des Beschwerdeführers erloschen ist.

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3.5 Von den angestellten Erwägungen unberührt ist die Frage, welcher 
(andere)  Mitgliedstaat  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens  im 
Rahmen  des  Dubliner  Regimes  zuständig  ist.  Gemäss  Angaben  der 
finnischen Behörden stellte der Beschwerdeführer am 18. März 2009 in 
Finnland ein Asylgesuch. Ferner steht fest, dass der Beschwerdeführer 
am 9. November 2009 in Schweden mit einem Eintrag in der Datenbank 
„Eurodac“  erfasst  wurde,  wobei  der  Beschwerdeführer  selbst  angibt, 
bereits Ende September 2009 in diesen Mitgliedstaat gereist zu sein. 
Indem der Beschwerdeführer am 9. April  2010 wieder in die Schweiz 
einreiste, ist somit als möglich zu erachten, dass er sich zuvor während 
mindestens fünf Monaten in Schweden aufgehalten haben könnte. Nach 
dem Erlöschen der Verpflichtung Griechenlands zur Aufnahme des Be-
schwerdeführers  bestehen  folglich  konkrete  Hinweise  darauf,  dass 
Finnland (vgl. Art. 4 Abs. 1, Art. 5 Abs. 2, Art. 13 VO Dublin) oder allen-
falls Schweden (vgl. Art. 10 Abs. 2 Unterabs. 2 VO Dublin) als gemäss 
den einschlägigen Bestimmungen für die Prüfung des Asylgesuchs zu-
ständig zu erachten sind. Dem steht der von den finnischen Behörden 
mit dem Schreiben an das BFM vom 3. Mai 2010 vorgebrachte Stand-
punkt  entgegen,  es  sei  die  Schweiz,  die  für  die  Prüfung  des  Asyl -
gesuchs zuständig sei, nachdem sich der Beschwerdeführer zum Zeit-
punkt in der Schweiz aufgehalten habe, als diese dem Dublin-System 
beigetreten  sei.  Eine  Stellungnahme  Schwedens  zur  Frage  der  Zu-
ständigkeit  liegt  nicht  vor. Es  erübrigt  sich indessen,  im vorliegenden 
Urteil auf diese Fragen näher einzugehen, da es Sache des BFM sein 
wird,  die  Zuständigkeit  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens  ab-
schliessend zu klären. Dabei wird in Betracht zu ziehen sein, ob Finn-
land  oder  Schweden  zuständig  ist  –  wobei  gegebenenfalls  auch  die 
Einleitung  eines  Schlichtungsverfahrens  gemäss  Art. 14  Abs.  2  DVO 
Dublin  zu  erwägen  wäre  –  oder  ob  angesichts  der  gegebenen  Um-
stände die Zuständigkeit  der  Schweiz anzunehmen ist,  dies allenfalls 
auch in Ausübung des  Selbsteintrittsrechts im Sinne von Art. 3 Abs. 2 
VO Dublin.

3.6 Aus  dem  Gesagten  ergibt  sich,  dass  das  BFM  mit  der  an-
gefochtenen Verfügung fälschlicherweise unter der Annahme, nach den 
Regeln des gemeinsamen Europäischen Asylsystems sei Griechenland 
für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig, entschied, gestützt 
auf  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG sei  auf  das  Asylgesuch  des  Be-
schwerdeführers  nicht  einzutreten,  wobei  dessen  Wegweisung  nach 
Griechenland  und  der  entsprechende  Vollzug  anzuordnen  seien.  Die 
Beschwerde  ist  folglich  insofern  gutzuheissen,  als  damit  die  Auf-

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hebung der angefochtenen Verfügung beantragt wird, und die Sache 
ist zur erneuten Beurteilung und zur Durchführung der erforderlichen 
Abklärungen im Sinne der angestellten Erwägungen an die Vorinstanz 
zurückzuweisen.

4.
4.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 
(Art. 63 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG).  Das mit  der Beschwerde-
schrift  gestellte  Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechts-
pflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG erweist sich somit als gegen-
standslos.

4.2 Gemäss  Art.  64  Abs. 1  VwVG i.V.m. Art.  37  VGG kann  der  ob-
siegenden  Partei  von  Amtes  wegen  oder  auf  Begehren  eine  Ent-
schädigung für die ihr erwachsenen notwendigen und verhältnismässig 
hohen Kosten zugesprochen werden (vgl. für die Grundsätze der Be-
messung  der  Parteientschädigung  ausserdem  Art. 7  ff.  des  Regle-
ments  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesver-
waltungsgericht  vom  21. Februar  2008  [VGKE,  SR 173.320.2]). 
Seitens  der  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers  wurde  keine 
Kostennote eingereicht.  Auf die Nachforderung einer solchen wird in-
dessen  verzichtet  (vgl.  Art. 14  Abs. 2  VGKE),  weil  im  vorliegenden 
Verfahren der Aufwand des Schriftenwechsels zuverlässig abgeschätzt 
werden kann. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungs-
faktoren (Art. 9-13 VGKE) sind dem Beschwerdeführer Fr. 300.-- (inkl. 
Auslagen und Mehrwertsteuer) als Parteientschädigung zuzusprechen. 
Dieser Betrag ist dem Beschwerdeführer durch das BFM zu entrichten. 

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen, und die Verfügung des BFM vom 
29. Juni 2010 wird aufgehoben. 

2.
Die Akten werden dem BFM zur erneuten Beurteilung der Sache im 
Sinne der Erwägungen überwiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Dem Beschwerdeführer  wird eine Parteientschädigung von Fr. 300.-- 
zugesprochen, die ihm durch das BFM zu entrichten ist.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Asylverfahren, mit den Akten (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Martin Scheyli

Versand: 

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