# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7e6aa8a3-f3aa-5373-904a-5bee8f6bf6a3
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-12-23
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 23.12.2011 UH110299
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_UH110299_2011-12-23.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
III. Strafkammer    
 
 

Geschäfts-Nr.: UH110299-O/U/uh 

 

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. K. Balmer, Präsident, Dr. P. Martin und der 

Ersatzoberrichter lic.iur. A. Schärer sowie die Gerichtsschreiberin  

Dr. B. Stump Wendt 

 

Beschluss vom 23. Dezember 2011 
 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschwerdeführer 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl,  
Beschwerdegegnerin 

 

betreffend Einsprache  
 
Beschwerde gegen die Verfügung des Bezirksgerichtes Zürich,  
10. Abteilung, vom 8. September 2011, GB110056-L 

 

- 2 - 

Erwägungen: 

I. 

 1.a) Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl (nachfolgend: Be-

schwerdegegnerin) vom 1. Juli 2011 ist A._____ (nachfolgend: Beschwerdefüh-

rer) des rechtswidrigen Aufenthaltes im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG 

schuldig gesprochen und mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 60 Tagen, un-

ter Anrechnung eines Tages Haft, bestraft worden (Urk. 9/12). Er nahm den Straf-

befehl gemäss der Gerichtsurkunde am 11. Juli 2011 entgegen (Urk. 9/12). 

 b) Mit einer schriftlichen Eingabe vom 19. August 2011 erhob der Be-

schwerdeführer Einsprache gegen den Strafbefehl (Urk. 9/13). Die Beschwerde-

gegnerin überwies mit Verfügung vom 30. August 2011 den Strafbefehl und die 

Akten an das Einzelgericht Zürich (Urk. 9/15). 

 c) Mit Verfügung des Einzelgerichts des Bezirkes Zürich, 10. Abteilung 

(nachfolgend: Vorinstanz), vom 8. September 2011 wurde auf die Einsprache ge-

gen den Strafbefehl der Beschwerdegegnerin vom 1. Juli 2011 nicht eingetreten 

und festgestellt, dass der Strafbefehl rechtskräftig sei (Urk. 4 S. 3 Dispositivziff. 

1). 

 2.a) Gegen die erwähnte Verfügung der Vorinstanz hat der Beschwerdefüh-

rer mit Schreiben vom 1. Oktober 2011 (Eingang 5. Oktober 20011, Urk. 7, unak-

turierte Beilage) innert der Beschwerdefrist eine Eingabe mit folgenden Inhalt an 

die Vorinstanz gemacht:  

"Ich habe schon seit längerem mein Konsulat in … für eine Heimkehr 
nach B._____ kontaktiert. Leider hat sich wegen meiner Handoperation 
alles verzögert. Jetzt bin ich aber bereit, jederzeit in mein Heimatland 
zurückzukehren." 

 b) Mit einem gleichentags verfassten Schreiben wurde der Beschwerde-

führer durch die Vorinstanz darauf aufmerksam gemacht, dass - falls er rechtlich 

gegen den Entscheid des Bezirksgericht Zürich vom 8. September 2011 vorgehen 

wolle - er innert 10 Tagen ab Erhalt des vorgenannten Entscheids bei der hiesi-

- 3 - 

gen Kammer schriftlich und begründet Beschwerde einreichen müsse (Urk. 7, un-

akturierte Beilage). 

 c) Mit einer Eingabe vom 11. Oktober 2011 an die hiesige Kammer äus-

serte sich der Beschwerdeführer ein weiters Mal (Urk. 2) mit folgendem Inhalt:  

"Meine Einsprache kam verspätet, weil ich zu dieser Zeit krank war und 
es mir nicht möglich war jemanden zu fragen, der für mich diesen Brief 
in deutsch schreibt und Ihnen zuschickt. Ich organisiere jetzt meine 
Heimreise nach B._____ und war schon beim Konsulat und werde so 
bald als möglich nach B._____ zurückgehen." 

 3. a) Mit Verfügung vom 18. Oktober 2011 (Urk. 5), wurde die Vorinstanz 

und die Beschwerdegegnerin zur Stellungnahme gemäss Art. 390 Abs. 2 StPO 

zur Beschwerdeschrift (Urk. 2) eingeladen. Mit gleicher Verfügung wurde der Be-

schwerdeführer aufgefordert, vor einer allfälligen Ausreise ins Ausland zu Handen 

der hiesigen Kammer ein Zustellungsdomizil im Sinne von Art. 87 Abs. 2 StPO in 

der Schweiz zu bezeichnen. 

 b) Fristgerecht teilte die Beschwerdegegnerin mit, dass sie auf eine Ver-

nehmlassung verzichte. Die Vorinstanz nahm - ebenfalls innert Frist - insoweit 

zum Verfahren Stellung, dass sie Teile des bisherigen Verfahrensgangs kurz re-

kapitulierte; jedoch keine konkreten Anträge stellte (Urk. 8). Seitens des Be-

schwerdeführers wurde der hiesigen Kammer bis dato kein Zustellungsdomizil 

mitgeteilt. 

 4. Das Verfahren erweist sich damit als spruchreif. 

II. 

 1.a) Die Rechtzeitigkeit eines Rechtsmittels stellt eine Eintretensvorausset-

zung dar und ist deshalb vorab und von Amtes wegen zu prüfen (BSK StPO-

Riedo, Art. 91 N 68). Die 10-tägige Beschwerdefrist (Art. 396 Abs. 1 StPO) be-

ginnt mit der Zustellung des Entscheides (Art. 384 lit. b StPO). Die Zustellung er-

folgt durch eingeschriebene Postsendung oder auf andere Weise gegen Emp-

fangsbestätigung (Art. 85 Abs. 2 StPO).  

- 4 - 

 b) Vorliegend wurde die Verfügung vom 8. September 2011 dem Be-

schwerdeführer am 28. September 2011 mit Gerichtsurkunde gegen Empfangs-

bestätigung übergeben. Die 10-tägige Beschwerdefrist lief - unter Berücksichti-

gung von Art. 90 Abs. 2 StPO - demnach am 10. Oktober 2011 ab. Diese gesetz-

liche Frist ist nicht abänderbar (Art. 89 Abs. 1 StPO). 

 c) Damit erweist sich die vom 11. Oktober 2011 datierte Eingabe, sofern 

man sie als Beschwerde interpretiert, (Urk. 2) als verspätet (Poststempel vom 13. 

Oktober 2011, Urk. 3). Es kann darauf - mit Verzicht auf weitere prozessuale Wei-

terungen - nicht eingetreten werden. 

 d) Fraglich ist, ob das erste Schreiben des Beschwerdeführers vom 1. Ok-

tober 2011 an die Vorinstanz (Urk. 7, unakturierte Beilage) als fristgerecht einge-

gangene Beschwerde (Eingang am Bezirksgericht Zürich am 5. Oktober 2011, 

Urk. 7, unakturierte Beilage) gegen den Entscheid der Vorinstanz vom 8. Sep-

tember 2011 zu betrachten ist, wenngleich diese Eingabe an eine unzuständige 

Behörde gegangen ist. 

 2.a) Gemäss Art. 91 Abs. 4 StPO gilt die Frist auch gewahrt, wenn die Ein-

gabe spätestens am letzten Tag der Frist bei einer nicht zuständigen Behörde 

eingeht. Diese leitet sodann die Eingabe unverzüglich an die zuständige Strafbe-

hörde weiter. 

 b) Es ist somit zu prüfen, ob dem Schreiben vom 1. Oktober 2011 des Be-

schwerdeführers Beschwerdecharakter zukommt und von der Vorinstanz an die 

zuständige Rechtsmittelinstanz hätte weitergeleitet werden müssen. 

 c) Gemäss Art. 385 Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 396 Abs. 1 StPO 

hat der Beschwerdeführer in der Beschwerde genau anzugeben, welche Punkte 

des Entscheides er anficht (Art. 385 Abs. 1 lit. a StPO), welche Gründe einen an-

deren Entscheid nahe legen (Art. 385 Abs. 1 lit. b StPO) und welche Beweismittel 

er anruft (Art. 385 Abs. 1 lit. c StPO). Genügt eine Eingabe diesen Anforderungen 

nicht, so wird sie durch die Rechtsmittelinstanz an den Beschwerdeführer zur 

Verbesserung innert einer kurzen Nachfrist zurückgewiesen; genügt die Eingabe 

- 5 - 

auch nach Ablauf der Nachfrist den Anforderungen nicht, so tritt die Beschwer-

deinstanz auf die Beschwerde nicht ein (Art. 385 Abs. 2 StPO). 

 d) In seinem oben inhaltlich wiedergegebenen Schreiben vom 1. Oktober 

2011 äussert sich der Beschwerdeführer lediglich zu seinen Vorkehrungen, die er 

zwischenzeitlich getroffen hat, um in sein Heimatland B._____ zurückzukehren 

und die Gründe, weshalb es dabei zu Verzögerungen gekommen ist. Gegenstand 

des Beschwerdeverfahrens gegen den Nichteintretensentscheid der Vorinstanz 

vom 8. September 2011 kann hingegen nur die Frage der Rechtzeitigkeit sein, da 

die Vorinstanz von einer verspäteten Eingabe ausgegangen ist und deshalb keine 

materielle Beurteilung vorgenommen hatte. Der Beschwerdegegner nimmt in sei-

nem Schreiben keinerlei Bezug zu diesem Thema. Vielmehr kann seinen Zeilen 

lediglich eine Absichtsbekundung entnommen werden, nach B._____ zurückzu-

kehren, was allenfalls sogar als Einsicht des Beschwerdeführers in sein illegales 

Verhalten interpretiert werden kann. Somit kann das Scheiben des Beschwerde-

führers zwar als Reaktion auf die Zustellung des Entscheids vom 8. September 

2011 gewertet werden, ihm kommt aber kein Beschwerdecharakter zu, was die 

Vorinstanz zu Recht auch nicht so interpretiert hatte und demnach auch nicht ver-

pflichtet war, gemäss Art. 91 Abs. 4 StPO das Scheiben an die hiesige Instanz 

weiterzuleiten. In der Folge war die Vorinstanz auch nicht verpflichtet, dem Be-

schwerdeführer gemäss Art. 385 Abs. 3 StPO eine Nachfrist zur Verbesserung 

der Beschwerde anzusetzen, resp. zu veranlassen, dass dies durch die Rechts-

mittelinstanz in die Wege geleitet wird, da es sich weder um eine Eingabe mit Be-

schwerdecharakter handelt, noch es sich bei der Vorinstanz, um die vom Gesetz 

vorgesehene Rechtsmittelinstanz, der diese Verpflichtung zukommt, handelt.  

 Dass die Vorinstanz dem Beschwerdeführer sodann mit Schreiben vom 5. 

Oktober 2011, als Reaktion auf seine Eingabe vom 1. Oktober 2011, nochmals 

auf seine Verfahrensrechte und die damit verbundenen Obliegenheiten aufmerk-

sam gemacht hatte, ist eine rechtlich unverbindliche Hilfestellung, die der Be-

schwerdeführer offensichtlich - aus unbekannten Gründen - nicht rechtzeitig zu 

nutzen vermochte. 

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 Dem Schreiben vom 1. Oktober 2011 kann in der Folge kein Beschwer-

decharakter zugemessen werden, weshalb es für das vorliegende Verfahren nicht 

weiter zu berücksichtigen ist. 

III. 

 Da der Beschwerdeführer nicht klar zum Ausdruck gebracht hat, er wolle ei-

ne Beschwerde erheben, kann ausnahmsweise von einer Kostenauflage abgese-

hen werden. 

 

Es wird beschlossen: 

1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 

2. Für das Beschwerdeverfahren werden keine Kosten erhoben. 

3.  Schriftliche Mitteilung an: 

− den Beschwerdeführer (per Gerichtsurkunde) 
− die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl (gegen Empfangsschein) 
sowie nach Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. nach Erledigung allfälliger 
Rechtsmittel an: 

− die Vorinstanz unter Rücksendung der beigezogenen Akten (gegen 
Empfangsschein). 

4. Rechtsmittel: 

Gegen diesen Entscheid kann Beschwerde in Strafsachen erhoben wer-
den. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, vom Empfang an gerechnet, bei der 
Ersten öffentlich-rechtlichen Abteilung des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 

14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebenen Weise 

schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 

- 7 - 

Zürich, 23. Dezember 2011 
 

Obergericht des Kantons Zürich 
III. Strafkammer 

 
Präsident: 

 
 
 

lic. iur. K. Balmer 

Gerichtsschreiberin: 
 
 
 

Dr. B. Stump Wendt 
 
 

	Beschluss vom 23. Dezember 2011
	
	Erwägungen:
	I.
	II.
	1.a) Die Rechtzeitigkeit eines Rechtsmittels stellt eine Eintretensvoraussetzung dar und ist deshalb vorab und von Amtes wegen zu prüfen (BSK StPO-Riedo, Art. 91 N 68). Die 10-tägige Beschwerdefrist (Art. 396 Abs. 1 StPO) beginnt mit der Zustellung d...
	b) Vorliegend wurde die Verfügung vom 8. September 2011 dem Beschwerdeführer am 28. September 2011 mit Gerichtsurkunde gegen Empfangsbestätigung übergeben. Die 10-tägige Beschwerdefrist lief - unter Berücksichtigung von Art. 90 Abs. 2 StPO - demnach ...
	c) Damit erweist sich die vom 11. Oktober 2011 datierte Eingabe, sofern man sie als Beschwerde interpretiert, (Urk. 2) als verspätet (Poststempel vom 13. Oktober 2011, Urk. 3). Es kann darauf - mit Verzicht auf weitere prozessuale Weiterungen - nicht...
	d) Fraglich ist, ob das erste Schreiben des Beschwerdeführers vom 1. Oktober 2011 an die Vorinstanz (Urk. 7, unakturierte Beilage) als fristgerecht eingegangene Beschwerde (Eingang am Bezirksgericht Zürich am 5. Oktober 2011, Urk. 7, unakturierte Bei...

	III.
	Da der Beschwerdeführer nicht klar zum Ausdruck gebracht hat, er wolle eine Beschwerde erheben, kann ausnahmsweise von einer Kostenauflage abgesehen werden.

	1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.
	2. Für das Beschwerdeverfahren werden keine Kosten erhoben.
	3.  Schriftliche Mitteilung an:
	 den Beschwerdeführer (per Gerichtsurkunde)
	 die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl (gegen Empfangsschein)
	sowie nach Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. nach Erledigung allfälliger Rechtsmittel an:
	 die Vorinstanz unter Rücksendung der beigezogenen Akten (gegen Empfangsschein).

	4. Rechtsmittel: Gegen diesen Entscheid kann Beschwerde in Strafsachen erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, vom Empfang an gerechnet, bei der Ersten öffentlich-rechtlichen Abteilung des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. ...