# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d07795ff-90c9-558e-9197-d98ed977d8d1
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-02-26
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 26.02.2025 SK 2024 6
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2024-6_2025-02-26.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 24 6+7

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 26. Februar 2025 

Besetzung Oberrichter Knecht (Präsident i.V.), 
Obergerichtsuppleantin Mühlethaler, Oberrichter Schmid
Gerichtsschreiber Mäder

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Strafkläger/Berufungsführer

C.________
a.v.d. Rechtsanwalt D.________

Beschuldigter/Straf- und Zivilkläger

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Anschlussberufungsführerin

Gegenstand versuchte schwere Körperverletzung, evtl. einfache Körperverlet-
zung mit einem gefährlichen Gegenstand und einfache Körperver-
letzung, sowie Drohung (Beschuldigter 1)

versuchte einfache Körperverletzung mit einem gefährlichen Ge-
genstand (Beschuldigter 2)

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-
Seeland (Kollegialgericht) vom 18. Oktober 2023 (PEN 22 
741/742)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland (Kollegialgericht; nachfolgend: Vor-
instanz) fällte am 18. Oktober 2023 folgendes Urteil (pag. 560 ff.; Hervorhebungen 
im Original):

A.

I.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der versuchten schweren Körperverletzung, begangen am 10.04.2020 in ________ (Adresse) 
z.N. von C.________

2. der Drohung, begangen am 10.04.2020 in ________ (Adresse) z.N. von C.________

und in Anwendung der 
Art. 122 Abs. 2 und 3 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, 
Art. 180 Abs. 1 StGB,
Art. 40, 41, 42, 44, 47, 49 Abs. 1, 51, 66a Abs. 1 lit. b StGB, 
Art. 426 ff. StPO

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt.

Die Polizei- und Untersuchungshaft von 5 Tagen (10.04.2020 - 14.04.2020) wird im Umfang von 
5 Tagen auf die Freiheitsstrafe angerechnet.

2. Zu einer Landesverweisung von 5 Jahren. 

3. Zu den auf den Schuldspruch entfallenden, anteilsmässigen (1/2) Verfahrenskosten, sich zu-
sammensetzend aus Gebühren von CHF 8'800.00 und Auslagen (inkl. Kosten für die amtliche 
Verteidigung) von CHF 18'379.20, insgesamt bestimmt auf CHF 27'179.20 (ohne Kosten für die 
amtliche Verteidigung auf CHF 13'498.95).

[Tabelle Verfahrenskosten]

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 500.00. Die redu-
zierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 26'679.20 (ohne Kosten für die amtliche Verteidi-
gung CHF 12'998.95).

II.

Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung von A.________ 
durch Rechtsanwalt B.________ werden wie folgt bestimmt:

[Honorartabelle] 

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt B.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 13'680.25. 

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen und 
Rechtsanwalt B.________ die Differenz von CHF 2'965.30 zwischen der amtlichen Entschädigung 

3

und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 
Abs. 4 StPO).

B.

I.

C.________ wird freigesprochen:

1. von der Anschuldigung der versuchten einfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen 
Gegenstand, angeblich begangen am 10.04.2020 in ________(Adresse) z.N. von A.________

2. unter Auferlegung der anteilsmässigen, auf den Freispruch entfallenden (1/2) Verfahrenskosten, 
sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 8'150.00 und Auslagen (inkl. Kosten für die amtli-
che Verteidigung) von CHF 13'883.25, insgesamt bestimmt auf CHF 22'033.25, an den Kanton 
Bern.

[Tabelle Verfahrenskosten]

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 500.00. Die redu-
zierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 21'533.25 (ohne Kosten für die amtliche Verteidi-
gung CHF 7'762.50).

3. Die amtliche Entschädigung für die amtliche Verteidigung von C.________ durch Rechtsanwalt 
D.________ wird wie folgt bestimmt.

[Honorartabelle]

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt D.________ für die amtliche Verteidigung von 
C.________ mit CHF 13'770.75.

II.

C.________ wird schuldig erklärt:

1. der Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, 

1.1 begangen am 24.12.2021 in ________(Adresse) durch Nichtbeherrschen des Fahrzeugs
1.2 begangen am 02.04.2022 in ________ (Adresse) durch Missachtung des Vortritts

in Anwendung der 
Art. 47, 49 Abs. 1, 106 StGB, 
Art. 90 Abs. 1 i.V.m. Art. 31 Abs. 1 und Art. 36 SVG,
Art. 3 Abs. 1 und Art. 14 VRV,
Art. 426 ff. StPO

verurteilt:

1. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 500.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbe-
zahlung wird auf 5 Tage festgesetzt.

2. Zu den anteilsmässigen (1/2) auf den Schuldspruch entfallenden Verfahrenskosten in der Höhe 
von CHF 250.00. 

[Tabelle Verfahrenskosten]

C.

I.

Betreffend Zivilpunkt wird in Anwendung von Art. 41 und 47 OR sowie Art. 126 Abs. 3 StPO und 
432 ff. StPO erkannt:

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1. Die Zivilklage des Straf- und Zivilkläger C.________ wird dem Grundsatz nach gutgeheissen 
und für die vollständige Beurteilung der Forderung auf den Zivilweg verwiesen.

2. Für den Zivilpunkt werden keine Kosten ausgeschieden.

II.

Weiter wird verfügt:

1. Folgender Gegenstand wird zur Vernichtung eingezogen (Art. 69 StGB):

- Beschlagnahmtes Küchenmesser.

2. Die erfassten biometrischen erkennungsdienstlichen Daten (PCN ________) von A.________ sind 
nach Ablauf der gesetzlichen Frist von 30 Jahren zu löschen (Art. 16 Abs. 2 Bst. h i.V.m. Art. 16 
Abs. 3 DNA-ProfilG und Art. 354 Abs. 4 lit. a StGB). 

3. Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) im 
Schengener Informationssystem von A.________ gemäss Art. 20 N-SIS-Verordnung angeordnet.

4. [Eröffnungsformel]

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete Rechtsanwalt B.________ mit Schreiben vom 2. No-
vember 2023 namens und im Auftrag des Beschuldigten/Strafklägers/Berufungs-
führers (nachfolgend: Beschuldigter 1) fristgerecht Berufung an (pag. 571). 

Die schriftliche Urteilsbegründung datiert vom 3. Januar 2024 und wurde den Par-
teien gleichentags mit Verfügung zugestellt (pag. 576 ff. und pag. 633). 

Mit Berufungserklärung vom 23. Januar 2024 teilte Rechtsanwalt B.________ frist-
gerecht mit, die Berufung des Beschuldigten 1 richte sich gegen das gesamte Urteil 
vom 18. Oktober 2023, d.h. insbesondere gegen den Schuldspruch, die Sanktion, 
die Landesverweisung, die Kosten- und Entschädigungsfolgen, den Zivilpunkt so-
wie den Freispruch des Beschuldigten/Straf- und Zivilklägers (nachfolgend: Be-
schuldigter 2) inkl. der diesbezüglichen Konsequenzen (pag. 658 f.). 

Mit Eingabe vom 6. Februar 2024 teilte Rechtsanwalt D.________ namens und im 
Auftrag des Beschuldigten 2 mit, es werde weder ein Nichteintreten auf die Beru-
fung des Beschuldigten 1 beantragt noch Anschlussberufung erklärt (pag.666). 

Die Generalstaatsanwaltschaft teilte ihrerseits mit Schreiben vom 12. Februar 2024 
mit, dass kein Nichteintreten auf die Berufung des Beschuldigten 1 beantragt, hin-
gegen Anschlussberufung beschränkt auf die Strafzumessung betreffend den Be-
schuldigten 1 erklärt werde (pag. 668 f.). 

Die oberinstanzliche Berufungsverhandlung fand am 25. Februar 2025 vor der 
2. Strafkammer statt (pag. 730 ff.). 

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Im Hinblick auf die Berufungsverhandlung wurden über beide Beschuldigten von 
Amtes wegen Strafregisterauszüge (datierend vom 11. Februar 2025; pag. 723 f.) 
sowie Leumundsberichte mit Berichten über die wirtschaftlichen Verhältnisse (da-
tierend vom 10. bzw. 17. Januar 2025; pag. 708 ff.) eingeholt. Betreffend den Be-

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schuldigten 1 wurden sodann ein Betreibungsregisterauszug (datierend vom 18. 
Februar 2025; pag. 726) sowie ein Bericht hinsichtlich der Prüfung der strafrechtli-
chen Landesverweisung bei den Einwohner- und Spezialdiensten der Stadt Biel 
(datierend vom 24. Dezember 2024; pag. 703 ff.) und beim Staatssekretariat für 
Migration (nachfolgend: SEM; datierend vom 29. Januar 2025; pag. 718 ff.) einge-
holt. 

Anlässlich der Berufungsverhandlung wurden beide Beschuldigten ergänzend zur 
Person und zur Sache einvernommen (pag. 733 ff.). 

4. Anträge der Parteien

4.1 Anträge des Beschuldigten 1

Rechtsanwalt B.________ stellte oberinstanzlich namens und im Auftrag des Be-
schuldigten 1 die folgenden Anträge (pag. 753 f.):

I. ANTRÄGE IM VERFAHREN GEGEN A.________

1. In Gutheissung der Berufung sei der Beschuldigte freizusprechen: 

a) von der Beschuldigung der versuchten schweren Körperverletzung, eventuell der einfachen Kör-
perverletzung mit gefährlichem Gegenstand und einfachen Körperverletzung, angeblich begangen 
am 10.04.2020 in ________(Adresse) z.N. von C.________; 

b) von der Beschuldigung der Drohung, angeblich begangen am 10.04.2020 in ________(Adresse) 
z.N. von C.________ (soweit nicht eine Einstellung erfolgt); 

unter Zuerkennung einer Entschädigung für die Verteidigungskosten (beide Instanzen) gemäss 
eingereichten Kostennoten und einer Genugtuung nach richterlichem Ermessen für die ausge-
standene Untersuchungshaft und den Verlust der Wohnung; 

2. Die Verfahrenskosten für beide Instanzen seien dem Kanton Bern aufzuerlegen; 

3. Die Zivilklage sei abzuweisen, eventuell auf den Zivilweg zu verweisen; 

- unter Kosten- und Entschädigungsfolge -

4. Das Honorar der amtlichen Verteidigung sei gemäss Kostennoten festzusetzen bzw. zu bestim-
men; 

5. Weitere Verfügungen seien - soweit nötig - von Amtes wegen zu treffen. 

II. ANTRÄGE IM VERFAHREN GEGEN C.________

1. In Gutheissung der Berufung sei der Beschuldigte gemäss Anklage schuldig zu erklären der ver-
suchten einfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand, begangen am 
10.04.2020 in ________ (Adresse), z.N. von A.________

und er sei angemessen zu bestrafen; 

2. Die Verfahrenskosten seien zufolge Verurteilung dem Beschuldigten aufzuerlegen. 

4.2 Anträge der Generalstaatsanwaltschaft

Die oberinstanzlichen Anträge der Generalstaatsanwaltschaft lauten wie folgt 
(pag. 749 f.; Hervorhebungen im Original): 

A. A.________ 

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I.

A.________ sei schuldig zu erklären: 

1. der versuchten schweren Körperverletzung, begangen am 10. April 2020 in ________ (Adres-
se) zum Nachteil von C.________; 

2. der Drohung, begangen am 10. April 2020 in ________(Adresse) zum Nachteil von C.________. 

II.

A.________ sei in Anwendung von Art. 22 Abs. 1, 40, 41, 43, 44, 47, 49 Abs. 1, 50, 51, 66a Abs. 1 lit. 
b, 122 Abs. 2 und 3, 180 Abs. 1 StGB; Art. 426 ff. StPO 

zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten, unter Gewährung des teilbedingten Vollzugs, wovon 
6 Monate unbedingt zu vollziehen seien und der Vollzug von 24 Monaten bei einer Probezeit von 
2 Jahren aufzuschieben sei, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft von 5 Ta-
gen;

2. zu einer Landesverweisung von 5 Jahren (mit Ausschreibung der Einreise- und Aufenthaltsver-
weigerung im Schengener Informationssystem); 

3. zur Bezahlung der anteilsmässigen erstinstanzlichen und den gesamten oberinstanzlichen 
Verfahrenskosten (inkl. eine angemessene Gebühr gemäss Art. 21 VKD). 

B. C.________ 

I.

Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 18. Oktober 
2023 in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich 

1. des Schuldspruchs wegen Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz (Nichtbeherr-
schen des Fahrzeugs und Missachtung des Vortritts); 

2. der Verurteilung zu einer Übertretungsbusse von CHF 500.00. 

II.

C.________ sei freizusprechen von der Anschuldigung der versuchten einfachen Körperverletzung 
mit gefährlichem Gegenstand, angeblich begangen am 10. April 2020 in ________(Adresse) zum 
Nachteil von A.________; unter Auferlage der anteilsmässigen Verfahrenskosten an den Kanton Bern 
und unter Ausrichtung einer angemessenen Entschädigung. 

Die auf die rechtskräftigen Schuldsprüche entfallenden anteilsmässigen Verfahrenskosten seien 
C.________ zur Bezahlung aufzuerlegen. 

C. Weitere Verfügungen 

Im Weiteren sei zu verfügen: 

1. Das beschlagnahmte Küchenmesser sei zur Vernichtung einzuziehen (Art. 69 StGB). 

2. Es sei über die Aufbewahrung bzw. Löschung der erhobenen erkennungsdienstlichen Daten 
(PCN ________) von A.________ zu verfügen. 

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3. Die Honorare der amtlichen Verteidiger seien gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO).

4.3 Anträge des Beschuldigten 2

Rechtsanwalt D.________ stellte anlässlich der Berufungsverhandlung namens 
und im Auftrag des Beschuldigten 2 die folgenden Anträge (pag. 751 f.; Hervorhe-
bungen im Original):

A Strafverfahren gegen A.________

1. A.________ sei schuldig zu sprechen, wegen 

1.1 versuchter schwerer Körperverletzung 

1.2 Drohung 

begangen am 10. April 2020, in ________(Adresse), z.N. von C.________ und sei angemessen zu 
bestrafen. 

2. Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten seien A.________ aufzuerlegen. 

3. Die Entschädigung für die amtliche Rechtsvertretung des Privatklägers C.________ sei gemäss 
eingereichter Kostennote festzusetzen und dem Kanton zur Bezahlung aufzuerlegen, unter Vor-
behalt der in Art. 426 Abs. 4 StPO vorgesehenen Nachzahlungspflicht des Beschuldigten. 

4. Zivilforderung: Die Zivilklage des Privatklägers C.________ sei dem Grundsatz nach gutzuheissen 
und zur vollständigen Beurteilung der Forderung auf den Zivilweg zu verweisen. 

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen 

B Strafverfahren gegen C.________ 

1. Es sei festzustellen, dass die erstinstanzlichen Schuldsprüche wegen Widerhandlungen gegen 
das Strassenverkehrsgesetz (B./II./1. Urteil des Regionalgerichts Berner Jura - Seeland vom 
18. Oktober 2023) in Rechtskraft erwachsen sind. 

2. C.________ sei freizusprechen vom Vorwurf der versuchten einfachen Körperverletzung mit ei-
nem gefährlichen Gegenstand, angeblich begangen am 10. April 2020, in ________(Adresse), 
z.N. von A.________. 

3. Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten seien dem Kanton aufzuerlegen. 

4. Das Honorar des amtlichen Verteidigers und die Entschädigung für die Verteidigungskosten seien 
gemäss eingereichter Kostennote zu bestimmen. 

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochte-
nen Punkten (Art. 303 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO; 
SR 312.0). 

Aufgrund der vollumfänglichen Berufung des Beschuldigten 1 ist das Urteil der Vor-
instanz grundsätzlich in allen Punkten zu überprüfen, die den Beschuldigten 1 in 
seiner Stellung als beschuldigte Person und als Privatkläger betreffen. Die Gene-
ralstaatsanwaltschaft hat das erstinstanzliche Urteil ihrerseits nur teilweise ange-
fochten. Ihre Anschlussberufung richtet sich einzig gegen den Sanktionenpunkt be-

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treffend den Beschuldigten 1 (Ziff. A.I.1. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). 
Der Beschuldigte 2 hat weder Berufung noch Anschlussberufung erklärt.

Damit sind der Schulspruch betreffend den Beschuldigten 2 wegen Widerhandlun-
gen gegen das Strassenverkehrsgesetz, die hierfür ausgesprochene Übertretungs-
busse sowie die damit einhergehenden Kostenfolgen (Ziff. B.II.1. und B.II.2. des 
erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) in Rechtskraft erwachsen. Ebenso in Rechts-
kraft erwachsen ist mangels anderslautenden Antrags die Festlegung der amtlichen 
Entschädigungen (vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer] 6B_1231/2022 vom 
10. März 2023). Demgegenüber ist die Verlegung der Verfahrenskosten betreffend 
den Vorfall vom 10. April 2020 von der materiellen Beurteilung desselben abhängig 
und daher nicht in Rechtskraft erwachsen. Damit einhergehend ist auch über die 
Rück- und Nachzahlungspflichten betreffend die Entschädigungen der amtlichen 
Verteidigungen im erstinstanzlichen Verfahren neu zu befinden. Nicht der Rechts-
kraft zugänglich ist schliesslich die Verfügung betreffend die erhobenen biometri-
schen erkennungsdienstlichen Daten des Beschuldigten 1. 

Die Kammer überprüft das vorinstanzliche Urteil in den angefochtenen Punkten mit 
voller Kognition (Art. 398 Abs. 3 StPO). In denjenigen Punkten, in welchen die Ge-
neralstaatsanwaltschaft Anschlussberufung erklärt hat (Sanktionenpunkt betreffend 
den Beschuldigten 1), ist die Kammer nicht an das Verschlechterungsverbot 
gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden, d.h. sie darf das Urteil in diesem Punkt 
auch zu Ungunsten des Beschuldigten 1 abändern. Soweit weitergehend ist die 
Kammer an das Verschlechterungsverbot gebunden.

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Vorwurf gemäss Anklageschrift

Den beiden Beschuldigten wird – soweit oberinstanzlich noch zu beurteilen – 
gemäss Anklageschrift vom 25. Oktober 2022 folgender Sachverhalt zur Last ge-
legt (pag. 433 f.; Hervorhebungen im Original):

A. A.________

1. Versuchte schwere Körperverletzung, evtl. einfache Körperverletzung mit einem gefährli-
chen Gegenstand und einfache Körperverletzung, 

begangen am 10.04.2020, ca. 14:15 Uhr, in ________(Adresse), zum Nachteil von C.________, geb. 
C.________1980, in der gemeinsamen Wohnung, indem der Beschuldigte anlässlich einer wechsel-
seitigen tätlichen Auseinandersetzung dem Privatkläger C.________ in den rechten Oberarm biss, 
ihm mindestens einmal, evtl. mehrmals, mit der Faust ins Gesicht, insbesondere auf das linke Auge, 
schlug und ihm mit einer Messerklinge, evtl. mit einem anderweitigen scharfkantigen Gegenstand, un-
ter dem linken Auge eine Stich-/Schnittverletzung zufügte und ihm evtl., als er am Boden lag, einen 
Fusstritt gegen die linke Brustseite versetzte. 

Der Privatkläger erlitt anlässlich dieser Auseinandersetzung folgende Verletzungen: Eine ca. 1 bis 1.5 
cm lange und ca. 0.4 cm klaffende, glattrandige Hautdurchtrennung mit spitzen Wundwinkeln an der 
linken Wange in unmittelbarer Nähe des linken Auges, am linken Auge eine Schwellung des Oberlids 
sowie eine druckschmerzende Prellung des Augapfels (contusio bulbi) mit einer Glaskörperblutung, 

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zwei Löchern in der Netzhaut und einer Überwässerung der Netzhaut (sog. Berlin-Ödem), eine leichte 
Schürfung von ca. 2 cm Durchmesser an der linken Brust bzw. am linken Brustkorb, ein halbrundes, 
geformt imponierendes Areal mit mehreren kleinen, oberflächlichen Hautabschürfungen am rechten 
Oberarm und eine ca. 2.5 x 1 cm grosse Hautunterblutung am linken Oberarm. 

Der Beschuldigte hielt es für möglich und nahm es zumindest in Kauf, dass er mit seinem Handeln, 
insbesondere mit dem Einsatz des Messers, evtl. des anderweitigen scharfkantigen Gegenstands, an-
lässlich einer wechselseitigen tätlichen und folglich dynamischen Auseinandersetzung, das Auge des 
Privatklägers dauerhaft hätte unbrauchbar machen und / oder bei ihm eine arge und bleibende Ent-
stellung des Gesichts, insbesondere eine Narbe, hätte verursachen und / oder ihm eine andere 
schwere Schädigung des Körpers hätte zufügen können. 

Eventualiter: Der Beschuldigte hielt es für möglich, dass er mit seinem Handeln dem Privatkläger ein-
fache Verletzungen hätte zufügen können und nahm diese zumindest in Kauf. Insbesondere hielt er 
es einerseits für möglich und nahm es zumindest in Kauf, mit seinem Faustschlag gegen das linke 
Auge des Privatklägers dieses zu verletzen und ihm dabei unter anderem mindestens eine Prellung 
zuzufügen. Andererseits hielt er es für möglich und nahm es zumindest in Kauf, dass er durch den 
Einsatz des Messers, evtl. des anderweitigen scharfkantigen Gegenstands, im Rahmen einer wech-
selseitigen tätlichen und dynamischen Auseinandersetzung dem Privatkläger eine Schnitt-
/Stichverletzung zufügen würde, zumal er wusste, dass ein Messer, evtl. ein scharfkantiger Gegen-
stand, bei einem solchen Einsatz geeignet ist, um solche Verletzungen zu verursachen.

2. Drohung, 

begangen am 10.04.2020 in ________(Adresse), zum Nachteil von C.________, geb. 
C.________1980, in der gemeinsamen Wohnung, indem der Beschuldigte dem Privatkläger, 
C.________, nach der unter A. Ziff. 1 hiervor geschilderten Auseinandersetzung mit dem Tod drohte, 
wodurch er den Privatkläger in Angst und Schrecken versetzte.

B. C.________

1. Versuchte einfache Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand,

begangen am 10.04.2020, ca. 14:15 Uhr, in ________(Adresse), zum Nachteil von A.________, geb. 
A.________1998, in der gemeinsamen Wohnung, indem der Beschuldigte anlässlich der unter A. Ziff. 
1 hiervor aufgeführten wechselseitigen tätlichen Auseinandersetzung versuchte, A.________ mit ei-
nem Kleiderständer zu schlagen. Der Beschuldigte hielt es für möglich und nahm es in Kauf, dass er 
A.________ im Rahmen einer wechselseitigen tätlichen und folglich dynamischen Auseinanderset-
zung mit seinem Handeln hätte am Körper schädigen und ihm einfache Verletzungen hätte zufügen 
können, insbesondere dass er ihm beispielsweise durch einen Schlag mit dem Kleiderständer gegen 
den Körper Prellungen hätte zufügen können.

7. Beweismittel

Die Vorinstanz hat die erstinstanzlich vorhandenen Beweismittel in ihrer Urteilsbe-
gründung zusammenfassend wiedergegeben (pag. 584 ff., S. 9 ff. der erstinstanzli-
chen Urteilsbegründung). Darauf kann vorab verwiesen werden. Auf eine erneute 
Zusammenfassung dieser sowie der oberinstanzlich neu erhobenen Beweismittel 
wird verzichtet. Soweit sich (ergänzende) Bemerkungen zu den einzelnen Beweis-
mitteln aufdrängen, erfolgen diese unmittelbar im Rahmen der nachfolgenden Be-
weiswürdigung. 

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8. Unbestrittener / bestrittener Sachverhalt

Unbestritten ist, dass es zwischen den beiden Beschuldigten am 10. April 2020 in 
________(Adresse) in der gemeinsamen Wohnung zu einer wechselseitigen tätli-
chen Auseinandersetzung kam, in deren Verlauf der Beschuldigte 1 den Beschul-
digten 2 schlug. Der Beschuldigte 2 gestand seinerseits ein, den Beschuldigten 1 
gebissen zu haben. Bei den anschliessenden medizinischen Untersuchungen wur-
den beim Beschuldigten 2 folgende Verletzungen festgestellt: Eine 1 bis ca. 1.5 cm 
lange und ca. 0.4 cm klaffende, glattrandige Hautdurchtrennung mit spitzen Wund-
winkeln an der linken Wange in unmittelbarer Nähe des linken Auges, am linken 
Auge eine Schwellung des Oberlids sowie eine druckschmerzende Prellung des 
Augapfels (contusio bulbi) mit einer Glaskörperblutung, zwei Löchern in der Netz-
haut und einer Überwässerung der Netzhaut (sog. Berlin-Ödem), eine leichte 
Schürfung von ca. 2 cm Durchmesser an der linken Brust bzw. am linken Brust-
korb, ein halbrundes, geformt imponierendes Areal mit mehreren kleinen, ober-
flächlichen Hautschürfungen am rechten Oberarm und eine ca. 2.5 x 1 cm grosse 
Hautunterblutung am linken Oberarm. Diese Verletzungen sind unbestritten.

Umstritten ist, ob der Beschuldigte 1 im Verlauf der wechselseitigen tätlichen Aus-
einandersetzung ein Messer oder einen anderweitigen scharfkantigen Gegenstand 
beim Schlag gegen das Gesicht des Beschuldigten 2 einsetzte und Letzterem da-
durch die festgestellte Hautdurchtrennung unterhalb des linken Auges zufügte. 
Weiter umstritten ist, ob der Beschuldigte 2 seinerseits den Beschuldigten 1 mit ei-
nem Kleiderständer angegriffen hat resp. angreifen wollte.

9. Erwägungen der Vorinstanz

Die Vorinstanz erwog beweiswürdigend, der Beschuldigte 2 habe den Vorfall von 
der ersten Befragung an detailliert und stimmig geschildert und auch eigenes Fehl-
verhalten eingeräumt. Er habe stets sehr sorgfältig differenziert, was er genau wis-
se und was er bloss aus den konkreten Umständen kombiniere oder nicht mehr 
wisse. Es fänden sich somit viele Realitätskennzeichen in seinen Aussagen, nicht 
hingegen eine Aggravierungstendenz. So habe er den Beschuldigten 1 nicht über-
mässig belastet, sondern geäussert, dass er das Messer nicht in den Händen des 
Beschuldigten 1 gesehen habe. Obwohl der Schluss nahegelegen habe, dass das 
Messer das Tatwerkzeug sei, habe er dies nie als sichere Tatsache hingestellt. 
Auch habe er stets eingeräumt, dass er am rechten Auge eine Verletzung habe, die 
er sich am Vorabend bei einem Fussballspiel zugezogen habe. Er habe auch aus-
geführt, dass er von E.________ gepackt worden sei und ihm der Beschuldigte 1 
daraufhin einen starken Schlag gegen das Auge habe versetzen können. Trotzdem 
habe er erwähnt, dass es durchaus sein könne, dass E.________ sie bloss habe 
trennen wollen. Seine Aussagen seien nicht nur konstant, detailliert und stimmig, 
sondern enthielten keine unauflösbaren inneren Widersprüche, seien teilweise ent-
lastend, wirkten sehr differenziert und selbsterlebt. Die Angaben des Beschuldig-
ten 2 stünden zudem im Einklang mit den ärztlichen Befunden (pag. 603 f.; S. 28 f. 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 

Der Beschuldigte 1 habe demgegenüber diverse Geschehensabläufe in verschie-
denen Varianten geschildert. Zudem seien seine Ausführungen mit zunehmendem 

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Zeitablauf immer detaillierter geworden. Er habe auch unterschiedliche Umstände 
geschildert, wie er in den Finger gebissen worden sei und wie er darauf reagiert 
habe. Schwer vorstellbar sei sodann seine Beschreibung, wie der Beschuldigte 2 
ihn in den Finger gebissen haben solle, wenn beide eine Stange je an einem Ende 
gehalten und zusammen darum gerungen haben sollen. Zudem wolle er einmal mit 
einem Fusstritt und ein anderes Mal mit einem Faustschlag reagiert haben. Unlo-
gisch erscheine auch seine Aussage, dass er ins Zimmer des Beschuldigten 2 ge-
gangen sei, als er bemerkt habe, dass dieser den Kleiderständer behändigt habe, 
um damit auf ihn loszugehen. Er sei damit – folge man seinen Angaben – bereits 
präventiv seinem Opponenten entgegengegangen, bevor dieser überhaupt mit der 
Stange einen Angriff auf ihn gestartet habe. Damit könne vorweg eine Notwehr-
situation ausgeschlossen werden, da noch kein entsprechender Angriff stattgefun-
den habe. Darüber hinaus hätte er sich in dieser Situation auch einfach entfernen 
können, zumal sich der Beschuldigte 2 noch in seinem Zimmer befunden habe und 
E.________ anwesend gewesen sei. Insgesamt seien die Aussagen des Beschul-
digten 1 inkonstant sowie teilweise widersprüchlich und unlogisch. Der Detaillie-
rungsgrad der Aussagen sei im Vergleich zu den Aussagen des Beschuldigten 2 
zudem deutlich schlechter. Es widerspreche sämtlicher Lebenserfahrung, dass die 
Angaben mit zunehmendem Zeitablauf immer detaillierter, aber offenkundig auch 
zielgerichteter würden (pag. 604, S. 29 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 

Die Aussagen von E.________ anlässlich der ersten Befragung deckten sich weit-
gehend mit den Aussagen des Beschuldigten 2. Auch er gebe an, keinen Kleider-
ständer gesehen zu haben. Dies, obwohl es scheine, dass er ansonsten eher Par-
tei für den Beschuldigten 1 ergriffen habe. Diese zeitnahen Aussagen erschienen 
relativ unverfälscht. In der zweiten Befragung habe sich E.________ klar auf die 
Seite des Beschuldigten 1 gestellt, indem er sich habe zur Behauptung verleiten 
lassen, dass der Beschuldigte 2 das Messer in der Küche geholt habe und damit in 
sein Zimmer gegangen sei, um später den Beschuldigten 1 belasten zu können. 
Anlässlich seiner ersten Befragung habe er noch angegeben, dass kein Messer 
zum Einsatz gekommen sei, womit die Theorie der Selbstzufügung der Verletzung 
in diametralem Widerspruch zu seiner ersten Aussage stehe. Im Widerspruch zu 
den Angaben der beiden Beschuldigten will er zudem andere Handlungen gesehen 
haben (Packen am Hals, Schwitzkasten, der Beschuldigte 1 am Boden und der Be-
schuldigte 2 auf ihm, was er später wieder relativiert habe). Nach seinen Aussagen 
solle der Vorfall einmal in der Küche bzw. vor dem WC, ein anderes Mal im Schlaf-
zimmer des Beschuldigten 2 stattgefunden haben, und zum Schluss solle sogar 
noch eine vierte Person anwesend gewesen sein. Die tatnächsten Aussagen von 
E.________ deckten sich teilweise mit den objektiven Beweismitteln sowie den 
Aussagen des Beschuldigten 2. Insbesondere die Aussagen anlässlich der zweiten 
Befragung seien jedoch in einem solchen Ausmass widersprüchlich, unglaubhaft 
und unzuverlässig, dass auf diese nicht abgestellt werden könne (pag. 604 f.; 
S. 29 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 

Zusammenfassend sei auf den Aussagen des Beschuldigten 2 abzustellen, die 
insbesondere durch die objektiven Beweismittel (vor allem durch die Arztberichte) 
und teilweise durch die tatnächsten Aussagen von E.________ bestätigt würden 
(pag. 605; S. 30 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

12

10. Vorbringen des Beschuldigten 1

Die Verteidigung des Beschuldigten 1 führte anlässlich des oberinstanzlichen Par-
teivortrags im Wesentlichen aus, die Vorinstanz habe die Beweise einseitig zu Las-
ten des Beschuldigten 1 gewürdigt. Es sei eine Schwarz-Weiss-Malerei. Bei der 
Würdigung der Beweismittel sei insbesondere zu berücksichtigen, dass es Über-
setzungsprobleme gegeben habe und mit der Übersetzung stets viel der Präzision 
einer Aussage verloren gehe. 

Erstellt sei, dass beim Beschuldigten 2 unterhalb des Auges eine scharfkantige 
Verletzung vorhanden gewesen sei. Alles andere sei «Fischen im Trüben». Trotz 
umfangreicher Befragungen werde man nie wissen, was nun genau geschehen sei. 
Man könne versuchen, die Aussagen zu analysieren. Ein klarer Ablauf werde dabei 
nie herauskommen, denn bei der Hauptfrage, ob der Beschuldigte 1 das Messer 
eingesetzt habe, würden die Aussagen der Beteiligten diametral auseinanderge-
hen. Der Beschuldigte 2 weise ein sehr selektives Erinnerungsvermögen auf. So 
habe dieser bei der Einvernahme vom 31. März 2021 insgesamt zehn Mal gesagt, 
er erinnere sich nicht und wisse es nicht. Anlässlich der Berufungsverhandlung 
könne er sich dann plötzlich doch erinnern. Die Aussagen von E.________ könne 
man entgegen der Vorinstanz nicht als gänzlich unglaubhaft qualifizieren, denn 
dieser habe immerhin unter Wahrheitspflicht ausgesagt. Den Aussagen von 
E.________ sei zu entnehmen, dass der Beschuldigte 2 das Messer selbst geholt 
habe, damit auf sein Zimmer gegangen sei und sich dort eingeschlossen habe. 
Dies unterstütze die Theorie der Selbstverletzung. 

Klar sei einzig, dass die Beschuldigten untereinander ein angespanntes Verhältnis 
gehabt und zusammen in einer Wohngemeinschaft gelebt hätten. Der Beschuldigte 
2 sei mit dem Verhalten des Beschuldigten 1 nicht einverstanden gewesen. Das 
Auge des Beschuldigten 2 sei zudem bereits beim Fussball verletzt worden. Bei der 
angeklagten wechselseitigen Schlägerei sei es zu Bissen, auch durch den Be-
schuldigten 2 gekommen. Das Motiv für den Streit bleibe jedoch unklar, genauso 
wie die Frage, wie es zu den Verletzungen und das Messer ins Zimmer gekommen 
sei. Es sei auch nicht klar, ob es zu einer Drohung gekommen sei.

Die Aussagen des Beschuldigten 1 seien mit Ausnahme einiger Details konstant, 
wobei der Zeitablauf sowie der semantische Verlust durch die Übersetzung zu 
berücksichtigen seien. Die Version des Beschuldigten 1 sei zumindest nicht weni-
ger glaubhaft als diejenige des Beschuldigten 2. Er gehe davon aus, dass der Be-
schuldigte 2 den Beschuldigten 1 aus der Wohnung habe haben wollen, was ihm 
schliesslich gelungen sei. Die Verletzungen des Beschuldigten 1 an seinen Knien 
seien mit den Aussagen des Beschuldigten 2 nicht erklärbar. Vielmehr sei es so, 
dass der Beschuldigte 1 nach einem Stoss des Beschuldigten 2 zu Boden gegan-
gen sei. Letzterer habe in der Folge die Kleiderstange behändigt. Auf dem Bild se-
he man, dass der Kleiderständer zerlegt sei und auf dem Boden liege. Die Aussa-
gen des Beschuldigten 1, wonach er sich lediglich verteidigt habe, seien konstant. 
Er habe sich im Gegensatz zum Beschuldigten 2 auch selbst belastet, indem er 
ausgesagt habe, dass er den Beschuldigten 2 mit der Faust ins Gesicht geschla-
gen habe. Es sei davon auszugehen, dass der Beschuldigte 2 das Messer behän-
digt habe und damit in sein Zimmer gegangen sei. Für diese Version spreche im 

13

Übrigen, dass am Messer keine frischen Blutspuren gefunden worden seien. Die 
Aussagen des Beschuldigten 2 seien auch betreffend das Messer komisch. Vom 
Beschuldigten 2 werde nur ein Schlag geschildert. Es müssten aber zwingend zwei 
Handlungen gewesen sein. Nach Auffassung der Verteidigung seien drei Phasen 
zu bilden: Zunächst habe es eine Rangelei gegeben, wobei E.________ die Be-
schuldigten getrennt habe. Dann seien die Geschehnisse rund um den Kleider-
ständer vorgefallen, wozu auch der Schlag aufs linke Auge sowie die Bisse zählten. 
Schliesslich sei in einem dritten Schritt die Schnittverletzung beim Beschuldigten 2 
entstanden. 

Zusammenfassend sei es ein Rätsel, wie die Vorinstanz zum Schluss gekommen 
sei, dass die Aussagen des Beschuldigten 2 glaubhaft seien. Der angeklagte 
Sachverhalt sei nicht erstellt. Dasselbe gelte für die angebliche Drohung. Auch hier 
habe nach dem Grundsatz in dubio pro reo ein Freispruch zu erfolgen. Erstellt sei 
nur, dass der Beschuldigte 1 dem Beschuldigten 2 nach dem Angriff mit dem Klei-
derständer einen Faustschlag ins Gesicht gegeben habe. 

11. Erwägungen der Kammer

11.1 Aussagen des Beschuldigten 2

Es kann vorweggenommen werden, dass die Kammer – wie bereits die Vorinstanz 
– die Aussagen des Beschuldigten 2 zum Kerngeschehen als selbsterlebt und 
durchwegs glaubhaft erachtet. Dies aufgrund der nachfolgenden Überlegungen:

Aus dem Einvernahmeprotokoll vom 10. April 2020 (pag.160 ff.) kann entnommen 
werden, dass der Beschuldigte 2 bereits anlässlich der telefonischen Meldung ge-
genüber der Polizei angegeben hatte, mit einem Messer verletzt worden zu sein 
(pag. 162, Z. 63-65). Er sagte anlässlich dieser Einvernahme auf Frage hin aus, er 
wisse nicht genau, womit er verletzt worden sei. Als er den Schlag bekommen ha-
be, habe er nicht sehen können, was es gewesen sei (pag. 163, Z. 139-141; 
pag. 164, Z. 172). E.________ sei während der Schlägerei dazugekommen und 
habe versucht, sie zu trennen (pag. 162, Z. 67 f.; ferner pag. 162, Z. 76 und 87 f.). 
E.________ habe ihn festgehalten, worauf der Beschuldigte 1 ihn mit einer schwe-
ren Sache «ins Auge» gestochen habe (pag. 162, Z. 68 ff.). Dass der Beschuldig-
te 2 bereits in seiner ersten Befragung unumwunden einräumte, nicht gesehen zu 
haben, womit er «gestochen» wurde, spricht für die Glaubhaftigkeit seiner Aussa-
gen. Da dem Beschuldigten 2 die Verletzung unmittelbar neben dem Auge zuge-
fügt wurde, hat er dies aus nachvollziehbaren Gründen als «Stich» gegen sein Au-
ge wahrgenommen. Es ist ferner verständlich, dass der Beschuldigte 2, als er sah, 
dass er blutete und ein Messer auf dem Boden bemerkte, davon ausging, der Be-
schuldigte 1 habe ihn damit verletzt (pag. 162, Z. 70 ff. und pag. 166, Z. 267 f.). 
Danach gefragt, wie oft er mit dem Gegenstand geschlagen worden sei, gab der 
Beschuldigte 2 glaubhaft an, er wisse dies nicht (pag. 163, Z. 116 f.). Auch diesbe-
züglich verzichtete er darauf, Mutmassungen anzustellen und zu übertreiben, was 
ebenfalls für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen spricht. Es wäre für den Beschul-
digten 2 ein Leichtes gewesen, dem Beschuldigten 1 weitere Schläge zu unterstel-
len. Hätte er den Beschuldigten 1 zu Unrecht belasten wollen und sich die Verlet-
zung tatsächlich selbst zugefügt, wäre zu erwarten gewesen, dass er ausgesagt 

14

hätte, er habe das Messer in der Hand des Beschuldigten 1 gesehen. Dies tat der 
Beschuldigte 2 jedoch nicht. 

Weiter belastete sich der Beschuldigte 2 in der Einvernahme vom 10. April 2020 
selbst. So gestand er ein, wegen der Aussagen des Beschuldigten 1 wütend ge-
worden zu sein, woraufhin es zu einer Schlägerei gekommen sei (pag. 162, 
Z. 100 ff.). Er versuchte mithin nicht, die Schuld für die Auseinandersetzung allein 
dem Beschuldigten 1 zuzuschieben und gestand ein, den Beschuldigten 1 ge-
schlagen und in den Finger gebissen zu haben (pag. 163, Z. 130 ff. und pag. 163, 
Z. 135 ff.). Der Beschuldigte 2 unterliess es auf entsprechende Nachfrage hin, dem 
Beschuldigten 1 im Tatzeitpunkt Alkohol- und/oder Drogenkonsum zu unterstellen 
und gab diesbezüglich differenzierte, zurückhaltende Antworten (pag. 166, Z. 295 
und 302). Angesprochen auf eine weitere Verletzung im Kopfbereich erwähnte der 
Beschuldigte 2 schliesslich Schmerzen am anderen Auge, fügte aber sogleich an, 
dass diese nicht vom Beschuldigten 1 stammten, sondern von einem anderen 
Mann. Sie sei aber von diesem anderen Mann nicht bewusst verursacht worden, 
sondern es sei ein Unfall gewesen. Weder der Beschuldigte 1 noch E.________ 
hätten damit etwas zu tun (pag. 165, Z. 203 ff.). Der Beschuldigte 2 nutzte auch 
hier die Gelegenheit nicht, den Beschuldigten 1 zusätzlich zu belasten und ihm die-
se Verletzung ebenfalls zuzuschreiben. Vielmehr machte er erneut differenzierte 
Aussagen und führte aus, den Beschuldigten 1 ebenfalls gebissen zu haben 
(pag. 165, Z. 221 f.). Er gab demnach eigenes Fehlverhalten und eigene Tätlichkei-
ten unumwunden zu. Auf Vorhalt der anderslautenden Aussagen des Beschuldig-
ten 1 ging er sodann nicht zum Gegenangriff über, sondern schilderte erneut seine 
eigenen Wahrnehmungen und räumte hierbei Unsicherheiten ein (vgl. pag. 164, 
Z. 184 ff.; ferner pag. 165, Z. 241). 

Er erwähnte ferner, dass er und der Beschuldigte 1 oft Streit wegen der Hausregeln 
gehabt hätten, da Letzterer diese missachtet habe (pag. 166, Z. 271; vgl. auch 
pag. 166, Z. 293 f.; pag. 167, Z. 331 ff. und 337 ff.). Der dabei vom Beschuldigten 2 
genannte Grund für die Auseinandersetzung (lautes Musikhören bzw. lautes Spre-
chen per Handychat per Lautsprecher sowie Anschauen von YouTube-Videos in 
der Nacht) korreliert mit demjenigen, der E.________ bei seiner ersten Einvernah-
me nannte (vgl. pag. 149, Z. 59). 

Der Beschuldigte 2 beschrieb nach Auffassung der Kammer anschaulich, wie sich 
das Kerngeschehen abgespielt haben soll. So sagte er aus, den Schlag bzw. den 
Stich beim Auge, der zur Verletzung geführt hatte, erst erhalten zu haben, als 
E.________ ihn festgehalten habe (pag. 162, Z. 68 ff. und 102 ff.; pag. 163, 
Z. 112). Hierbei zeigte er mit Gesten, wie E.________ ihn von hinten umklammert 
bzw. an den Oberarmen festgehalten habe, und führte in diesem Zusammenhang 
aus, es könne sein, dass dieser sie nur habe trennen wollen (pag. 163, Z. 106 ff.). 
Bereits zu Beginn der Einvernahme vom 10. April 2020 gab er gegenüber der Poli-
zei an, dass er sich nicht sicher sei, ob E.________ ihn nur getrennt habe oder was 
er genau gewollt habe (pag. 162, Z. 86 f.). Damit beschuldigte der Beschuldigte 2 
E.________ nicht aufs Geratewohl, obwohl er zugleich aussagte, der Beschuldigte 
1 und E.________ seien Kollegen (pag. 162, Z. 86 ff.; pag. 163, Z. 123; pag. 166, 
Z. 283 und Z. 286 f.). Stattdessen merkte er an, dass E.________ anständig und 

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respektvoll sei und die Regeln sowie ihn akzeptiere (pag. 167, Z. 342). Anders als 
E.________ (vgl. E. II.11.3 hiernach) erwähnte der Beschuldigte 2 keine vierte Per-
son bzw. keinen «Jungen aus dem Sudan» (vgl. pag. 162, Z. 76 und 85). 

Der vom Beschuldigten 2 geschilderte Fusstritt auf der linken Brustseite stimmt im 
Übrigen mit den medizinischen Berichten überein (vgl. E. II.11.4 hiernach und 
pag. 163, Z. 120-122). 

Ebenfalls für die Glaubhaftigkeit der Erstaussagen des Beschuldigten 2 spricht, 
dass dieser die Todesdrohung nur nebenbei erwähnte, als er danach gefragt wur-
de, ob der Beschuldigte 1 ihn tödlich habe verletzen wollen. Er war dabei in der La-
ge, die Drohung örtlich und zeitlich in den Gesamtkontext einzubetten. So führte er 
aus: «Als die Schlägerei vorbei war hat er mir gedroht, dass er mich umbringen 
wolle. Das war, als er ausserhalb meines Zimmers war.» (pag. 164, Z. 179 ff.). 
Auch dies spricht für die Wiedergabe von Selbsterlebtem. 

Dem Einvernahmeprotokoll vom 31. März 2021 ist zu entnehmen, dass der Be-
schuldigte 2 einleitend zu Protokoll gab, sich nicht mehr genau zu erinnern, was 
damals passiert sei. Er habe Probleme mit der Konzentration und vergesse viel. 
Seit zwei Jahren nehme er Medikamente gegen den Stress. Er spreche zudem 
nicht gerne über den Vorfall, da dann der Stress wieder hochkomme (pag. 175, 
Z. 95 ff.). 

Als Auslöser für die Auseinandersetzung nannte der Beschuldigte 2 sodann über-
einstimmend zu seinen Erstaussagen den Lärm in der Nacht, weswegen er nicht 
habe schlafen können (pag. 175, Z. 111 f.). Auf Frage hin konnte er sich nicht mehr 
daran erinnern, wer mit der Auseinandersetzung angefangen hat. Hätte er den Be-
schuldigten 1 über Gebühr belasten wollen, hätte er dem Beschuldigten 1 mühelos 
die erste Tätlichkeit zuschreiben können (pag. 175, Z. 118 f.). Als ihm in der Folge 
die Aussagen des Beschuldigten 1 vorgehalten wurden, wonach er [der Beschul-
digte 2] es gewesen sei, der mit dem Schlagen angefangen habe, stellte er jedoch 
implizit in Abrede, als erster zugeschlagen zu haben, und begründete dies damit, 
dass er diesfalls in das Zimmer des Beschuldigten 1 gegangen wäre, der Beschul-
digte 1 sei aber in sein Zimmer gekommen (pag. 176, Z. 124 f.). Der Beschuldigte 2 
gestand zudem erneut unumwunden ein, den Beschuldigten 1 gebissen zu haben 
(pag. 176, Z. 134 f.). Er machte damit erneut differenzierte Aussagen, die mit sei-
nen Erstaussagen im Einklang stehen.

Der Beschuldigte 2 war sodann in der Lage, die Abfolge der Auseinandersetzung 
erneut wiederzugeben. So soll ihn der Beschuldigte 1 auf der rechten Körperseite 
gebissen und ihm mit etwas auf seinen Kopf ins Gesicht geschlagen haben, so 
dass er zu Boden gefallen sei (pag. 176, Z. 144 ff.). Erst sei der Schlag mit dem 
Gegenstand gewesen. Danach sei er zu Boden gegangen, und schliesslich habe 
der Beschuldige 1 ihn mit der Faust geschlagen und mit dem Fuss getreten 
(pag. 177, Z. 182 f.). Auf die Frage, womit ihm ins Gesicht geschlagen worden sei, 
sagte der Beschuldigte 2 in Übereinstimmung zu seinen Erstaussagen aus, dies 
nicht genau zu wissen bzw. sich nicht mehr genau zu erinnern (pag. 176, Z. 151 f.). 
Er erinnere sich, dass es irgendein Gegenstand gewesen sei. Er wisse aber nicht, 
was. Er habe starke Schmerzen gehabt, als er zu Boden gegangen sei (pag. 176, 

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Z. 156 f.). Auch auf die Frage, wie oft er auf das linke Auge geschlagen worden sei, 
sagte der Beschuldigte 2 aus, sich nicht genau zu erinnern. Ohne jegliches Aggra-
vieren und ohne übermässige Belastung fügte er an, dass er denke, es sei nur 
einmal gewesen (pag. 177, Z. 166). Auch bei der Angabe der Schmerzen auf einer 
Skala von 1-10 verzichtete er darauf, die 10 zu nennen, sondern nannte die 8 
(pag. 177, Z. 170), was bei der erlittenen Schnittverletzung einen nachvollziehba-
ren Wert darstellt. Zugleich erklärte er auf plausible Art und Weise, weshalb er kei-
ne Angabe zur Stärke der nachfolgenden Fusstritte und Faustschläge machen 
konnte (pag. 178, Z. 207 ff. und pag. 179, Z. 236 f.: «Ich kann es ihnen nicht sagen. 
Die Schmerzen des Schlages mit dem Gegenstand waren stärker als die ande-
ren»). Auch bei den Fragen nach der Anzahl Fusstritten und Faustschlägen ver-
zichtet er darauf, den Beschuldigten 1 übermässig zu belasten und gab jeweils an, 
sich nicht erinnern zu können (pag. 178, Z. 199 und 230). Es wäre dem Beschul-
digten 2 auch diesbezüglich ein Leichtes gewesen, von mehreren oder einer Viel-
zahl an Fusstritten und Faustschlägen zu sprechen. Dass er darauf verzichtete, un-
termauert sein aufrichtiges und zurückhaltendes Aussageverhalten.

Seine Aussage, wonach er nach dem Schlag mit dem Gegenstand kurzzeitig «be-
wusstlos» gewesen sei (vgl. pag. 177, Z. 173), relativierte er im Verlauf der Einver-
nahme auf Nachfrage der Staatanwältin dahingehend, dass er nicht zu 100 % be-
wusstlos, sondern «halb, halb» gewesen sei. Er habe gesehen und gespürt, dass 
der Beschuldigte 1 etwas mit den Füssen gemacht habe (pag. 178, Z. 212 ff.). Es 
handelt sich somit um keinen unauflösbaren Widerspruch im Aussageverhalten des 
Beschuldigten 2. Vielmehr ist davon auszugehen, dass er vom Schlag ins Gesicht 
benommen am Boden lag. Das gewählte Wort «bewusstlos» dürfte vom Beschul-
digten 2 mithin nicht im wörtlichen Sinne gemeint gewesen sein, sondern im Sinne 
einer verminderten Wahrnehmungsfähigkeit, zumal Deutsch nicht seine Mutter-
sprache ist.

Der Beschuldigte 2 führte zudem erneut aus, er habe im Zimmer ein Messer gese-
hen und deswegen der Polizei gesagt, dass er mit diesem verletzt worden sei 
(pag. 179, Z. 262 ff.). Auch merkte er nochmals an, dass er damals gedacht habe, 
dass sein Auge bluten würde, und er deshalb nur an sein Auge gedacht habe 
(pag. 179, Z. 270 f.). Auf Vorhalt der Aussage des Beschuldigten 1, wonach er [der 
Beschuldigte 2] ein Messer in der Küche geholt habe und in sein Zimmer gegangen 
sei, und auf Frage, ob er sich mit dem Messer selbst verletzt habe, bezichtigte er 
den Beschuldigten 1 der Lüge und stellte die Frage in den Raum, weshalb er sich 
selbst hätte verletzen sollen (pag. 180, Z. 290 ff.). Ebenfalls übereinstimmend zu 
seinen Erstaussagen führte der Beschuldigte 2 aus, die Verletzung an seinem an-
deren Auge stamme vom Vortag, und ergänzte hierzu neu, diese sei ihm Rahmen 
eines Fussballspiels entstanden. Ein anderer Spieler sei mit seinem Finger unab-
sichtlich in sein Auge gekommen (pag. 180, Z. 284 f.). 

Auch anlässlich der Einvernahme vom 31. März 2021 bestätigte der Beschuldigte 2 
die Drohung erst auf Nachfrage hin (pag. 180, Z. 302 f.). Er führte aus, der Be-
schuldigte 1 habe vieles gesagt. Was er bei der Polizei ausgesagt habe, stimme 
(pag. 180, Z. 306 ff.). Der Beschuldigte 2 gab sodann an, die Drohung damals ernst 
genommen zu haben (pag. 181, Z. 316). Damals sei alles möglich gewesen. Heute 

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hingegen könne er die Drohung nicht mehr ernst nehmen (pag. 181, Z. 312 f.). Die-
se Gefühlsschilderungen sind nach Auffassung der Kammer stimmig und glaubhaft, 
begründete der Beschuldigte 2 die damals verspürte Angst doch nachvollziehbar 
und schloss er sich aus Angst vor dem Beschuldigten 1 bis zum Eintreffen der Poli-
zei in seinem Zimmer ein (pag. 181, Z. 318 f.). 

Nach Auffassung der Kammer fügen sich die Aussagen vom 31. März 2021 stim-
mig in die Erstaussagen des Beschuldigten 2 ein, ohne dass sie einstudiert wirkten. 
Auch anlässlich der Einvernahme vom 31. März 2021 verzichtete der Beschuldig-
te 2 auf Aggravierungen und übermässige Belastungen des Beschuldigten 1. Er 
belastete sich teils selbst und gab zu, wenn er sich nicht mehr erinnern konnte. Die 
Kammer erachtete die Aussagen vom 31. März 2021 somit ebenfalls als glaubhaft. 

In der Einvernahme vom 22. März 2023 bestätigte der Beschuldigte 2 erneut das 
bereits Ausgesagte. Er führte abermals aus, dass er und der Beschuldigte 1 sich 
gegenseitig gebissen hätten (pag. 186, Z. 93 f.), er vom anderen Mann gepackt 
worden sei (pag. 186, Z. 90), der Beschuldigte 1 in diesem Zeitpunkt etwas ge-
nommen habe, er nicht wisse was und er daraufhin einen starken Schlag erhalten 
habe (pag. 186, z. 97 f.). Er habe das Messer in seinem Zimmer gesehen und sei 
daher davon ausgegangen, dass der Beschuldigte 1 ihn mit dem Messer geschla-
gen habe (pag. 186, Z. 102 f.). Erneut erklärte der Beschuldigte 2 anschaulich, 
weshalb es seiner Ansicht nach nicht sein könne, dass er das Messer in der Küche 
selbst geholt und sich damit verletzt habe («Ich habe mein Zimmer abgeschlossen. 
Wenn ich draussen gewesen wäre, hätte es sein können, dass es weitergegangen 
wäre mit der Auseinandersetzung.» [pag. 186, z. 116 ff.]). Auch betreffend den 
Grund des Streits gab er aufs Neue an, der Beschuldigte 1 habe in der Nacht laut 
Musik gehört, weshalb er nicht habe schlafen können. Der Beschuldigte 1 habe die 
Regeln nicht eingehalten (pag. 188, Z. 179 ff.). 

Hinsichtlich der vom Beschuldigten 1 ins Spiel gebrachten Kleiderstange gab der 
Beschuldigte 2 zu, eine solche in seinem Zimmer zu haben. Diese sei während des 
Konflikts auf den Boden gefallen. Alle Kleider seien auf dem Boden gewesen, als 
die Polizei gekommen sei (pag. 187, Z. 121 ff.). Der Beschuldigte 2 schien sich an-
lässlich dieser Einvernahme daran zu stören, dass ihm vorgeworfen wird, er habe 
den Beschuldigten 1 mit einer Kleiderstande geschlagen (vgl. pag. 184, Z. 33-41). 
So führte er aus, dass dies nicht der Wahrheit entspreche, und stellte die Frage in 
den Raum, weshalb der Beschuldigte 1 dann nicht verletzt gewesen sei (pag. 185, 
Z. 58-62 und Z. 79 ff.). Er habe während der Auseinandersetzung nicht die Chance 
gehabt, einen Gegenstand zu nehmen und den Beschuldigten 1 damit zu schlagen 
(pag. 185, Z. 51-53). Diese Ausführungen decken sich mit dem Bild auf pag. 171, 
auf welchem zu sehen ist, wie ein kompletter Kleiderständer mit diversen Klei-
dungsstücken auf dem Boden des Zimmers des Beschuldigten 2 liegt. Die Aus-
führungen der Verteidigung des Beschuldigten 1, wonach der Kleiderständer zer-
legt gewesen sei, sind mithin nicht zutreffend (vgl. pag. 171).

Schliesslich gab der Beschuldigte 2 in dieser Einvernahme abermals zu, dass er 
ebenfalls wütend gewesen sei und es hätte sein können, dass die Auseinanderset-
zung weitergegangen wäre, hätte er sich nicht in sein Zimmer begeben (pag. 186, 
Z. 116-118). 

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An der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 17. Oktober 2023 (pag. 528 ff.) 
machte der Beschuldigte 2 konstante Aussagen zum Grund des Streits (pag. 529, 
Z. 6 und 13 f.), zum konkreten Ablauf der Auseinandersetzung (pag. 529, Z. 6 ff.), 
zum engen Verhältnis zwischen dem Beschuldigten 1 und E.________ (pag. 529, 
Z. 31 f.; pag. 530, Z. 16 f.) und zum Messer in seinem Zimmer (pag. 530, Z. 6 ff.). 
Die Vorwürfe gegen sich selbst stritt er – mit Ausnahme des Beissens – erneut ab 
(pag. 529, Z. 7 ff. und Z. 36; pag. 530, Z. 16 f. und 33 ff.). Der Beschuldigte 2 
bestätigte die Drohung und die dadurch bei ihm ausgelöste Angst. Er fügte von sich 
aus an, der Beschuldigte 1 habe ihn mit «ich töte dich», «ich verletzte [recte: ver-
letze] dich», «ich schlage dich» bedroht (pag. 530, Z. 39 f.). 

Diesen Aussagen ist zwar nichts Neues zu entnehmen. Sie bestätigen jedoch das 
bereits Gesagte und sprechen mithin für die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Be-
schuldigten 2. 

Schliesslich gab der Beschuldigte 2 auch anlässlich der Berufungsverhandlung 
vom 25. Februar 2025 zu Protokoll, der Streit sei entstanden, da der Beschuldigte 1 
am Vorabend laut Musik gehört habe (pag. 743, Z. 35 ff.). In Übereinstimmung mit 
seinen bisherigen Aussagen gab er erneut den Ablauf der Auseinandersetzung 
wieder (pag. 744, Z. 2 ff. und Z. 26 ff.; pag. 745, Z. 4 ff.) und zeigte mittels Gesten 
anschaulich, wie E.________ ihn festgehalten haben soll, als er vom Beschuldigten 
1 mit der Faust ins Gesicht geschlagen wurde (pag. 744, Z. 6). Der Beschuldigte 2 
führte abermals aus, er wisse nicht, womit er geschlagen worden sei. Es sei etwas 
Hartes resp. Schweres gewesen (pag. 744, Z. 9 ff.). Den Gegenstand habe er nicht 
gesehen (pag. 744, Z. 18 f.). Auch konnte er die Geschehnisse sowohl örtlich als 
auch zeitlich in den Kontext setzen (pag. 744 f., Z. 44 ff.). In Bezug auf die Drohung 
gab er an, er sei mit dem Tod bedroht worden und der Beschuldigte 1 habe seine 
Mutter beleidigt (pag. 746, Z. 22 f.). Diese Aussagen sind konstant und decken sich 
mit den Aussagen, die der Beschuldigte 2 bis zu diesem Zeitpunkt getätigt hatte. 

Zusammenfassend gelangt die Kammer zum Schluss, dass auf den Aussagen des 
Beschuldigten 2 abgestellt werden kann. 

11.2 Aussagen des Beschuldigten 1

Bei der Würdigung der Aussagen des Beschuldigten 1 zeigt sich ein gänzlich ande-
res Bild. Wie im Nachfolgenden dargelegt, finden sich verschiedene unauflösbare 
Widersprüche und Unstimmigkeiten in den Schilderungen zum Kernsachverhalt 
und zum Ablauf der Auseinandersetzung, die sich auch nicht mit den von der Ver-
teidigung angeführten, angeblichen Übersetzungsschwierigkeiten erklären lassen. 

So fällt auf, dass der Beschuldigte 1 gleich zu Beginn der tatnächsten Einvernahme 
vom 10. April 2020 zu Protokoll gab, er sei bereit, Aussagen zu machen, aber er 
habe nichts getan (pag. 192, Z. 28). Zudem sprach er sogleich die Verletzung an, 
die der Beschuldigte 2 am Vortrag am anderen Auge beim Fussballspielen erlitten 
hatte (pag. 193, Z. 38), und erwähnte er, dass sich der Beschuldigte 2 über sein 
Telefonieren beschwert hatte. Gemäss den Aussagen des Beschuldigten 1 sei dies 
jedoch um 21:00 Uhr bzw. noch vor der Nachtruhe gewesen (pag. 193, Z. 43 ff.). 

Betreffend das Kerngeschehen am darauffolgenden Morgen führte der Beschuldig-
te 1 anlässlich der Einvernahme vom 10. April 2020 aus, er sei mit Unterhose und 

19

Badetuch bekleidet ins Bad gegangen, als der Beschuldigte 2 begonnen habe, ihn 
zu schlagen (pag. 193, Z. 57 ff.). Die ganze Auseinandersetzung habe vor dem 
Badezimmer stattgefunden (pag. 194, Z. 108). E.________ sei rausgekommen und 
habe sie getrennt. Der Beschuldigte 2 sei daraufhin in sein Zimmer gegangen, ha-
be einen Kleiderbügel (gemeint: Kleiderständer) genommen und ihn damit ge-
schlagen. Daraufhin sei er [der Beschuldigte 1] davongerannt (pag. 193, Z. 60-63). 
Anlässlich der Einvernahme vom 21. Mai 2021 präsentierte der Beschuldigte 1 
diesbezüglich einen anderen Ablauf. Erneut gab er zu Protokoll, dass der Beschul-
digte 2 in sein Zimmer gegangen sei, um den Garderobenständer zu holen. Dieser 
habe ihn damit schlagen wollen. Als er dies bemerkt habe, sei er nun jedoch nicht 
weggerannt, sondern habe sich aktiv zu ihm hinbegeben (pag. 215, Z. 74 ff.). An-
lässlich der Einvernahme vom 22. März 2022 führte der Beschuldigte 1 auf diesbe-
zügliche Frage hin explizit aus, die Auseinandersetzung mit dem Kleiderständer 
habe im Zimmer des Beschuldigten 2 stattgefunden (pag. 228, Z. 43 f.). Die Aus-
einandersetzung habe draussen begonnen. Als er gesehen habe, dass der Be-
schuldigte 2 den Ständer genommen habe, sei er zu ihm in sein Zimmer gegangen 
(pag. 229, Z. 47 f.). Dem Beschuldigten 1 ist nach seiner Ersteinvernahme offenbar 
bewusst geworden, dass sich seine erste Variante (ganze Auseinandersetzung 
fand vor dem Badezimmer statt, pag. 194, Z. 108) nicht mit den Kampfspuren im 
Schlafzimmer des Beschuldigten 2 in Einklang bringen lässt. Dementsprechend 
dürfte er seine Aussagen angepasst haben. Die zweite Variante des Beschuldig-
ten 1 ist jedoch ebenso wenig stimmig. So ist nicht nachvollziehbar, weshalb der 
Beschuldigte 1, nachdem er gesehen haben will, wie der Beschuldigte 2 in seinem 
Zimmer einen Kleiderständer behändigen ging, um ihn angeblich damit zu attackie-
ren, nicht die Wohnung verliess oder sich in seinem Zimmer oder im Bad ein-
schloss, sondern dem Beschuldigten 2 in dessen Zimmer gefolgt sein will. Es ergibt 
schlicht keinen Sinn, dass der Beschuldigte 1 dem Beschuldigten 2 in dessen 
Zimmer gefolgt sein will, um – wie von ihm behauptet – nicht verletzt zu werden 
(vgl. pag. 229, Z. 59 f.; siehe auch pag. 738, Z. 9 ff.), zumal es ihm gemäss eige-
nen Aussagen anschliessend ohne weiteres möglich war, die Wohnung zu verlas-
sen und zum Nachbarn zu gehen (pag. 230, Z. 121). 

Der Beschuldigte 1 machte auch bezüglich der Anwesenheit von E.________ we-
nig stimmige Aussagen. Gemäss seinen Erstaussagen vom 10. April 2020 war 
E.________ praktisch während der gesamten Auseinandersetzung dabei gewesen 
(vgl. pag. 193, Z. 60 ff.). Auf Vorhalt, wonach E.________ explizit verneint habe, 
dass ein Kleiderständer verwendet worden sei, führte der Beschuldigte 1 anlässlich 
der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 17. Oktober 2023 demgegenüber aus, 
E.________ sei draussen gewesen und nicht dort, wo sie [die Beschuldigten] ge-
wesen seien (pag. 537 Z. 39 ff.). Dieses Aussageverhalten illustriert beispielhaft, 
wie der Beschuldigte 1 seine Aussagen jeweils dem aktuellen Kenntnisstand bzw. 
den ihm gestellten Fragen anpasste. 

Das soeben Ausgeführte gilt auch betreffend den Grund, weshalb der Beschuldig-
te 1 die Wohnung verlassen haben will. Auch hier finden sich in seinen Aussagen 
zwei unterschiedliche Varianten, zwischen denen er stetig hin und her wechselte. 
So gab er anlässlich der Einvernahme vom 10. April 2020 zu Protokoll, er sei zu 
seinem Nachbarn gegangen, weil sein Finger geblutet habe. Der Nachbar habe ihn 

20

mit Zitronensaft gepflegt und ihm Wasser gegeben. Er sei zurück in die Wohnung 
gekommen. Der Beschuldigte 2 sei zu diesem Zeitpunkt in der Wohnstube gewe-
sen. Daraufhin sei der Beschuldigte 2 in die Küche gegangen und habe ein Messer 
geholt. Damit sei der Beschuldigte 2 in sein Zimmer gegangen und habe die Polizei 
gerufen (pag. 193, Z. 68 ff). Anlässlich der Einvernahme vom 21. Mai 2021 änderte 
der Beschuldigte 1 seine Aussagen dahingehend ab, dass der Beschuldigte 2 
zunächst in die Küche gegangen sei, wo er ein Messer geholt habe. Erst als er dies 
gesehen habe, sei er zum Nachbarn gerannt, der ihm eine Zitrone gebracht habe 
(pag. 215, Z. 80-83). Nur zehn Monate später wechselte der Beschuldigte 1 wieder 
zur ersten Variante (vgl. pag. 230 ff., Z. 121 ff.; insbesondere pag. 231, Z. 142 ff.). 
An der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 17. Oktober 2023 führte der Be-
schuldigte 1 wiederum aus, der Beschuldigte 2 habe ein Messer in der Küche ge-
holt, woraufhin er zum Nachbarn gegangen sei (pag. 538, Z. 22 ff.). Der Beschul-
digte 1 sprang somit über alle Einvernahmen hinweg munter zwischen den beiden 
Varianten hin und her. Diesbezüglich ist ebenso wenig glaubhaft, dass der Be-
schuldigte 1 im angeblichen Wissen darum, dass der Beschuldigte 2, mit welchem 
er zuvor eine tätliche Auseinandersetzung gehabt hatte, ein Messer aus der Küche 
geholt und sich mit diesem in sein Zimmer zurückgezogen hatte, einfach so du-
schen gegangen sein und dabei die Türe zum Bad nicht abgeschlossen haben will 
(vgl. pag. 194 Z. 80: «Die Dusche war nicht abgeschlossen»).

Als dem Beschuldigten 1 anlässlich der Einvernahme vom 10. April 2020 ein Foto 
mit der Verletzung des Beschuldigten 2 unter dessen linken Auge vorgelegt wurde, 
stritt er nicht ab, diese Verletzung verursacht zu haben. Stattdessen antwortete er: 
«Ja, das ist die Verletzung von meinem Faustschlag» (pag. 194, Z. 116-118). Of-
fenbar hatte sich der Beschuldigte 1 in diesem frühen Stadium der Untersuchung 
noch keine Gedanken dazu gemacht, dass eine solche Verletzung unmöglich von 
einem Faustschlag herrühren kann und ihm deshalb kaum geglaubt werden wird 
(vgl. hierzu auch die Feststellungen des Instituts für Rechtsmedizin [nachfolgend: 
IRM]; pag. 91, in welchen von einer scharfen Gewalteinwirkung, am ehesten von 
einer Stich-/Schnittverletzung die Rede ist). Es fällt zudem auf, dass der Beschul-
digte 1 anfänglich noch von einem Fusstritt sprach, den er dem Beschuldigten 2 ins 
Gesicht gegeben haben will. Dies, nachdem ihn der Beschuldigte 2 gebissen habe. 
Als er dem Beschuldigten 2 einen Fusstritt ins Gesicht gegeben habe, habe dieser 
aufgehört, ihn in den Finger zu beissen (pag. 193, Z. 63 f.). In seinen späteren 
Aussagen sprach er hingegen nur noch von einem Faustschlag ins Gesicht und 
korrigierte den entsprechenden Vorhalt (vgl. pag. 194, Z. 97 ff.; vgl. ferner pag. 
220, Z. 236 ff. sowie pag. 194, Z. 111 und 118). Die Behauptung des Beschuldig-
ten 1, wonach die Verletzung unter dem Auge des Beschuldigten 2 durch einen 
Faustschlag verursacht worden sei, steht nicht zuletzt im Widerspruch zur Theorie 
seines Verteidigers, wonach der Beschuldigte 2 sich mit dem Messer selbst verletzt 
habe, zumal der Beschuldigte 1 aussagte, dass der Beschuldigte 2 bereits am Au-
ge geblutet habe, als Letzterer das Messer in der Küche geholt habe (pag. 221, 
Z. 303; vgl. ferner die Aussagen von E.________, wonach der Beschuldigte 2 be-
reits am linken Auge geblutet habe, als dieser auf dem Beschuldigten 1 gesessen 
sei, pag. 149 Z. 40 ff.). Diesbezüglich passte der Beschuldigte 1 seine Aussage an-
lässlich der Berufungsverhandlung insoweit an, als er angab, die Wunde habe nach 

21

dem Streit noch nicht so wie auf dem Foto auf pag. 73 ausgesehen (pag. 739, 
Z. 1 ff.). Diese wiederholten Anpassungen im Aussageverhalten sprechen klar ge-
gen die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten 1.

Die Aussagen des Beschuldigten 1, wonach er den Beschuldigten 2 neben dem 
Faustschlag ins Gesicht weder geschlagen noch getreten habe (vgl. pag. 217, 
Z. 142; pag. 219, Z. 211 ff.; pag. 231, Z. 146 f.), stehen im Widerspruch zu den 
Feststellungen des IRM, wonach beim Beschuldigten 2 diverse weitere kleine Ver-
letzungen festgestellt werden konnten (vgl. pag. 90 ff.). 

Der Beschuldigte 1 ging sodann wiederholt zum Gegenangriff über. Während der 
Beschuldigte 2 sich nicht explizit festlegen wollte, wer mit der tätlichen Auseinan-
dersetzung begonnen hatte (vgl. E. II.11.1 hiervor), zögerte der Beschuldigte 1 
nicht, die gesamte Verantwortung dem Beschuldigten 2 zuzuschieben. So sei das 
Schlagen vom Beschuldigten 2 ausgegangen (pag. 193, Z. 58 f.; pag. 195, 
Z. 169 ff.; pag. 215, Z. 72 f.; pag. 228, Z. 26 f.). Dieser habe ihn unter anderem mit 
einem Kleiderbügel (gemeint: Kleiderstange) geschlagen und ihm in den Finger 
gebissen (pag. 192, Z. 62 ff.; pag. 215, Z. 74 ff.; pag. 228, Z. 33 ff.). Der Beschul-
digte 2 habe ihm auch in den Nacken geschlagen, sodass er auf die Knie gefallen 
sei (pag. 195, Z. 155 ff.). Er habe von ihm viele Schläge erhalten (pag. 218, Z. 164) 
und ebenfalls Verletzungen gehabt; insbesondere Kopf- und Knieschmerzen 
(pag. 219, Z. 198). Der Beschuldigte 2 habe ihm auf den Kopf, an das Knie und auf 
den Rücken geboxt (pag. 229, Z. 56). Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptver-
handlung vom 17. Oktober 2023 machte er schliesslich geltend, der Beschuldigte 2 
sei ihm – als er auf dem Boden gelegen sei – auf den Kopf gestanden und habe ihn 
mit dem Fuss getreten (pag. 540, Z. 18). Diese Ausführungen des Beschuldigten 1 
finden keine Stütze in den Feststellungen des IRM, wonach beim Beschuldigten 1 
einzig eine Verletzung am Finger und Hautabschürfungen an den Knien und am 
rechten Unterschenkel festgestellt werden konnten. Der übrige Körper sei unver-
sehrt gewesen (pag. 103). Auf diese Diskrepanz angesprochen, führte der Be-
schuldigte 1 aus, er sei am Kopf nicht untersucht worden (pag. 234, Z. 238-240). 
Dies trifft jedoch nicht zu. So kann dem erwähnten IRM-Gutachten vom 27. April 
2020 entnommen werden, dass der übrige Körper unverletzt gewesen sei 
(pag. 103). Es entspricht der gängigen Praxis des IRM, den gesamten Körper auf 
Verletzungen abzusuchen und insbesondere an Stellen, an denen eine Verletzung 
oder Schmerzen geltend gemacht werden, genauer zu untersuchen. Der Beschul-
digte 1 sagte ferner aus, dass der Beschuldigte 2 immer versuche, ihm die Schuld 
zuzuweisen, seinen Ruf zu ruinieren. Der Beschuldigte 2 habe immer versucht, 
seine Privatsphäre zu stören (pag. 194, Z. 83 ff.; ferner pag. 196, Z. 202 f.; 
pag. 197, Z. 244 ff.). Auch sonst versuchte der Beschuldigte 1, sich in eine Opfer-
rolle zu begeben (vgl. u.a. pag. 218, Z. 164: «Ich habe auch viele Schläge von ihm 
erhalten und bin nicht ins Spital gegangen»; pag 219, Z. 198: «Ich habe auch Ver-
letzungen bekommen. Ich hatte Kopfschmerzen und Knieschmerzen») und den 
Beschuldigten 2 in ein schlechtes Licht zu rücken (vgl. u.a. pag. 221, Z. 281 f.: «Er 
hat viel versucht mir Probleme zu verursachen»).

Hätte sich der Vorfall tatsächlich so abgespielt, wie vom Beschuldigten 1 geschil-
dert, hätte es sodann keinen Grund gegeben, sich gegenüber dem Beschuldigten 2 

22

zu entschuldigen (vgl. pag. 194, Z. 122 ff.). Zudem wäre zu erwarten gewesen, 
dass der Beschuldigte 1 und nicht der Beschuldigte 2 die Polizei gerufen hätte. Der 
Beschuldigte 1 sagte jedoch sogar aus, dass er den Beschuldigten 2 gebeten ha-
be, die Polizei nicht zu rufen (pag. 194, Z. 123 f.).

Mit Blick auf den Kleiderständer ist zwar zu konstatieren, dass der Beschuldigte 1 
diesen von Beginn an erwähnte und konstant geltend machte, der Beschuldigte 2 
habe diesen ergriffen, um ihn damit zu schlagen. Bei einem Kleiderständer handelt 
es sich um keinen Gegenstand, der üblicherweise bei einer tätlichen Auseinander-
setzung zum Einsatz kommt. Gleichzeitig lebte der Beschuldigte 1 mit dem Be-
schuldigten 2 zusammen und wird gewusst haben, dass Letzterer einen Kleider-
ständer in seinem Zimmer hat. Auch dürfte er mitbekommen haben, dass dieser – 
wie vom Beschuldigten 2 ausgesagt – bei der Auseinandersetzung umgestossen 
wurde und zu Boden gefallen ist. Es lag somit nahe, den Kleiderständer als Tat-
werkzeug ins Spiel zu bringen, weshalb daraus nichts zur Glaubhaftigkeit der Aus-
sagen des Beschuldigten 1 abgeleitet werden kann. In diesem Zusammenhang fällt 
zudem auf, dass der Beschuldigte 2 gemäss den Aussagen des Beschuldigten 1 
nur einen Teil des Kleiderständers genommen haben soll (pag. 229, Z. 73; 
pag. 230, Z. 91). Es ist jedoch schwer vorstellbar, dass der Beschuldigte 2 in der 
damaligen, hektischen Situation die Ruhe bewahrte und die Zeit hatte, den Kleider-
ständer zunächst auseinanderzunehmen und diesen dann – vor dem Eintreffen der 
Polizei – wieder zusammenzubauen, die Kleider daran zu hängen und ihn bewusst 
umzustossen (vgl. hierzu auch die Fotos des Kleiderständers, pag. 171). Eine sol-
che Raffinesse und kriminelle Energie passte nicht zum zurückhaltenden und teil-
weise sogar selbstbelastenden Aussageverhalten des Beschuldigten 2 
(vgl. E. II.11.1 hiervor). Aus dem Umstand, dass die Staatsanwaltschaft den Be-
schuldigten 2 zu diesem Vorwurf befragt und in Anwendung des Grundsatzes in 
dubio pro duriore Anklage erhoben hat, lässt sich im Übrigen nichts zugunsten des 
Beschuldigten 1 ableiten. Wird Strafantrag gestellt, so hat die Staatsanwaltschaft 
zu ermitteln und die beschuldigte Person zum Vorwurf zu befragen (vgl. Art. 6 f. 
StPO). Da es sich vorliegend um einen einzelnen Lebenssachverhalt handelt und 
die einzelnen angeklagten Handlungen sich nicht losgelöst voneinander beurteilen 
lassen, war es nur konsequent, den gesamten Sachverhalt dem Gericht zur Beur-
teilung zu überweisen. 

Zusammengefasst sind die Aussagen des Beschuldigten 1 zum Kerngeschehen 
und namentlich zum Einsatz des Kleiderständers durch den Beschuldigten 2 alles 
andere als stimmig und mithin nicht glaubhaft. Auf die Aussagen des Beschuldigten 
1 zum Kerngeschehen kann folglich nicht abgestellt werden. 

11.3 Aussagen des Zeugen

Der Zeuge E.________ wurde insgesamt zweimal zur Sache befragt. Wie den 
nachfolgenden Erwägungen zu entnehmen ist, kann auf dessen Aussagen nur sehr 
beschränkt abgestellt werden.

Anlässlich der delegierten Einvernahme vom 10. April 2020 führte E.________ in 
freier Erzählung aus, er habe plötzlich Lärm gehört und gedacht, die Beschuldigten 
würden Fussball spielen. Er sei aufgestanden und habe die beiden im anderen 

23

Schlafzimmer angetroffen und gesehen, dass sie sich geprügelt hätten. Er sei da-
zwischengegangen und habe den Beschuldigten 1 weggezogen. Der Beschuldig-
te 2 habe zu ihnen gesagt, dass sie verschwinden sollten. Danach habe er die Türe 
geschlossen und die Polizei kontaktiert. Der Beschuldigte 1 sei ins Bad gegangen. 
Danach sei bereits die Polizei gekommen (pag. 149, Z. 25 ff.). 

E.________ verneinte die Frage, ob er gesehen habe, wie sich die Beschuldigten 
geschlagen hätten (pag. 149, Z. 38-40). Er habe auch kein Messer gesehen und 
wisse nicht, wieso der Beschuldigte 2 geblutet habe (pag. 149, Z. 44 ff.). Sodann 
führte E.________ auf Frage nach dem Grund der Auseinandersetzung aus, der 
Beschuldigte 1 habe am Vorabend laut telefoniert. Der Beschuldigte 2 habe nicht 
schlafen können. Er denke, dass dies der Grund sei (pag. 59 f.). 

Den Erstaussagen von E.________ zufolge war es also der Beschuldigte 2, der 
sich nach der Auseinandersetzung zurückgezogen und die Polizei informiert hat. 
Dies stützt die Version des Beschuldigten 2. Wäre er der primäre Aggressor gewe-
sen, wäre nicht zu erwarten, dass er sich zurückzieht und die Polizei avisiert. Auch 
betreffend den Grund für die Auseinandersetzung bestätigen die Aussagen von 
E.________ die Ausführungen des Beschuldigten 2. Er gab – anders als der Be-
schuldigte 1 – sodann an, zu keinem Zeitpunkt ein Messer gesehen zu haben 
(pag. 149, Z. 49). Auch den Einsatz eines Kleiderständers erwähnte er nicht (vgl. 
pag 148 ff.). Soweit darüberhinausgehend lassen sich aus den Erstaussagen von 
E.________ keine Rückschlüsse zum Kerngeschehen ziehen. 

Bei der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 30. August 2022, die mehr als 
zwei Jahre nach dem Vorfall erfolgte, führte E.________ gleich zu Beginn aus, er 
kenne die beiden Beschuldigten nicht (pag. 153, Z. 16), und antwortete auf die ers-
ten drei Fragen jeweils damit, dass er sagen werde, was er gesehen habe 
(pag. 153, Z. 17, 26 und 31). Er richtete mithin gleich zu Beginn der Einvernahme 
sein Augenmerk darauf, sich als objektiven Zeugen zu präsentieren, und hielt in 
diesem Sinne fest, dass beide Beschuldigten keine Freunde von ihm seien (vgl. 
pag. 153, Z. 17 f. und Z. 32 f.). Sodann führte E.________ aus, er habe bereits bei 
der ersten Einvernahme alles erzählt, was er damals noch gewusst habe (pag. 154, 
Z. 49 f.). Vor diesem Hintergrund erstaunt, dass E.________ in der Folge etliche 
Ausführungen machte, die er zwei Jahre zuvor noch nicht gemacht hatte, zumal es 
wenig wahrscheinlich ist, dass er sich zwei Jahre nach dem Vorfall besser erinnern 
konnte.

Im Widerspruch zu seinen Erstaussagen gab E.________ nun zu Protokoll, ein 
Messer gesehen zu haben. Der Beschuldigte 2 sei in die Küche gegangen, habe 
das Messer genommen und habe sich schliesslich in sein Zimmer zurückgezogen 
(pag. 154, Z. 56 f.). Der Beschuldigte 1 sei ruhiger gewesen als der Beschuldigte 2. 
Er glaube, Letzterer habe das Problem grösser machen wollen, damit er nicht mehr 
in der Wohnung wohnen müsse (pag. 154, Z. 64 ff.). Der Beschuldigte 2 habe den 
Beschuldigten 1 am Hals gepackt und ihn in den Schwitzkasten genommen 
(pag. 154, Z. 69-71). Eine weitere Person, ein Junge aus dem Sudan, sei ebenfalls 
anwesend gewesen (pag. 154, Z. 71). Der Beschuldigte 2 habe stark geblutet, als 
er in sein Zimmer gegangen sei (pag. 154, Z. 76 f.). Es sei der Beschuldigte 2 ge-
wesen, der mit der Auseinandersetzung begonnen habe (pag. 155, Z. 92). Dies sei 

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in der Küche geschehen, wo alle zusammen am Kochen gewesen seien (pag. 155, 
Z. 102 f.). Der Beschuldigte 2 habe den Beschuldigten 1 beschimpft (pag. 155, 
Z. 119). Er gab sodann an, der Beschuldigte 2 habe bereits eine Verletzung am 
Auge gehabt. Vielleicht habe der Beschuldigte 1 ihn erneut an dieser Stelle getrof-
fen (pag. 157, Z. 169 f.). Der Beschuldigte 2 habe es so geplant, dass man glaube, 
der Beschuldigte 1 habe ihn verletzt. Die Verletzung sei aber bereits vorher da ge-
wesen (pag. 157, Z. 178 f.; vgl. auch pag. 158, Z. 209). 

Diese Aussagen von E.________ anlässlich seiner zweiten Einvernahme stehen 
diametral im Widerspruch zu seinen Erstaussagen. Er änderte seine Aussagen er-
kennbar zugunsten des Beschuldigten 1 ab und verstrickte sich dabei in Wider-
sprüche und Ungereimtheiten. Diese Zweitaussagen von E.________ stellen offen-
sichtlich ein Gefälligkeitszeugnis dar. Selbst bei der zweiten Einvernahme, bei der 
er sich sichtlich bemüht zeigte, zugunsten des Beschuldigten 1 auszusagen, war er 
nicht in der Lage, deckungsgleiche Aussagen zu denjenigen des Beschuldigten 1 
zu machen. Auf seinen Zweitaussagen kann folglich nicht abgestellt werden.

11.4 Weitere Beweismittel

Auf die weiteren Beweismittel wurde – soweit angezeigt – bereits im Rahmen der 
Würdigung der Aussagen der Beschuldigten eingegangen. Die IRM-Gutachten so-
wie das Foto des Zimmers des Beschuldigten 2 stützen die Aussagen des Be-
schuldigten 2. Dem Rapport Forensik vom 19. Mai 2020 (pag. 63 ff.) kann ent-
nommen werden, dass die Verletzungen des Beschuldigten 2 unterhalb seines lin-
ken Auges von einem scharfkantigen Gegenstand verursacht worden sein dürften. 
Das am Tatort aufgefundene Küchenmesser (pag. 79) wurde gemäss Rapport im 
IRM ausgewertet und einem Blutvortest unterzogen. Dabei resultierte auf der Mes-
serklinge und dem Messergriff ein schwach positives Resultat auf menschliches 
Blut (pag. 65). Diese Feststellungen stützen ebenfalls die Schilderungen des Be-
schuldigten 2. Es liegt damit nahe, dass die Verletzung unter dem linken Auge 
durch das Küchenmesser verursacht wurde. 

11.5 Beweisergebnis und erstellter Sachverhalt

Im Ergebnis erachtet die Kammer den angeklagten Sachverhalt betreffend den Be-
schuldigten 1 als erstellt, wobei in Bezug auf den Vorwurf der versuchten schweren 
Körperverletzung zum Nachteil des Beschuldigten 2 von mindestens einem Faust-
schlag auf das linke Auge und einem weiteren Schlag mit einem scharfkantigen 
Gegenstand unter das linke Auge des Beschuldigten 2 ausgegangen wird. Auch 
wenn einiges dafürspricht, dass es sich beim scharfkantigen Gegenstand um das 
aufgefundene Küchenmesser handelt, lässt sich dies nicht mit genügender Be-
stimmtheit nachweisen. Der Beschuldigte 2 gab selbst an, nicht gesehen zu haben, 
mit was für einem Gegenstand er getroffen wurde. Dieser Punkt hat folglich offen 
zu bleiben. Wesentlich für die rechtliche Würdigung ist, dass der Beschuldigte 1 ei-
nen Gegenstand einsetzte, der bei einem Schlag gegen das Gesicht eine solche 
scharfkantige Verletzung verursachen kann, wie sie vorliegend dokumentiert ist. 

Gestützt auf die glaubhaften Aussagen des Beschuldigten 2 kann ferner als erstellt 
gelten, dass der Beschuldigte 1 dem Beschuldigten 2 nach der tätlichen Auseinan-
dersetzung mit dem Tod drohte. 

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Dass der Beschuldigte 2 einen Kleiderständer gegen den Beschuldigten 1 einsetzte 
bzw. einzusetzen versuchte, ist hingegen als Schutzbehauptung zu qualifizieren. 
Der entsprechende Anklagesachverhalt betreffend den Beschuldigten 2 ist folglich 
nicht erstellt und der vorinstanzlich ausgesprochene Freispruch zu bestätigen. 

Die Kammer geht nach dem Gesagten von folgendem, erstellten Sachverhalt aus:

Am 10. April 2020, ca. 14:15 Uhr, in ________(Adresse) biss der Beschuldigte 1 
anlässlich einer wechselseitigen tätlichen Auseinandersetzung dem Beschuldigten 
2 in den rechten Oberarm, schlug ihm mit der Faust ins Gesicht (auf das linke Au-
ge) und schlug ihm mit einem scharfkantigen Gegenstand unter das linke Auge, 
wodurch er ihm eine Stich-/Schnittverletzung zufügte. Als der Beschuldigte 2 am 
Boden lag, verpasste der Beschuldigte 1 ihm zudem einen Fusstritt gegen die linke 
Brustseite. 

Der Beschuldigte 2 erlitt anlässlich dieser Auseinandersetzung folgende Verletzun-
gen: Eine ca. 1 bis 1.5 cm lange und ca. 0.4 cm klaffende, glattrandige Hautdurch-
trennung mit spitzen Wundwinkeln an der linken Wange in unmittelbarer Nähe des 
linken Auges, am linken Auge eine Schwellung des Oberlids sowie eine druck-
schmerzende Prellung des Augapfels (contusio bulbi) mit einer Glaskörperblutung, 
zwei Löchern in der Netzhaut und einer Überwässerung der Netzhaut (sog. Berlin-
Ödem), eine leichte Schürfung von ca. 2 cm Durchmesser an der linken Brust bzw. 
am linken Brustkorb, ein halbrundes, geformt imponierendes Areal mit mehreren 
kleinen, oberflächlichen Hautabschürfungen am rechten Oberarm und eine ca. 2.5 
x 1 cm grosse Hautunterblutung am linken Oberarm. 

Im Rahmen der hiervor geschilderten Auseinandersetzung drohte der Beschuldigte 
1 dem Beschuldigten 2 zudem mit dem Tod, wodurch dieser in Angst und Schre-
cken versetzt wurde, worauf sich der Beschuldigte 2 in sein Zimmer zurückzog, 
sich einschloss und die Polizei verständigte. 

III. Rechtliche Würdigung

12. Versuchte schwere Körperverletzung

12.1 Theoretische Grundlagen

Für die rechtlichen Grundlagen zum Tatbestand der schweren Körperverletzung, 
zum Versuch und zur Notwehr kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vor-
instanz verwiesen werden (pag. 609 f. und pag. 611 f.; S. 34 f. und S. 36 f. der erst-
instanzlichen Urteilsbegründung). 

12.2 Erwägungen der Kammer

Der Beschuldigte 2 erlitt durch den Faustschlag sowie den Schlag mit einem scha-
rfkantigen Gegenstand eine klaffende, glattrandige Hautdurchtrennung mit spitzem 
Wundwinkel an der linken Wange unterhalb des linken Auges, am linken Auge eine 
Schwellung des Oberlids sowie eine druckschmerzende Prellung des Augapfels 
(contusio bulbi) mit einer Glaskörperdurchblutung, zwei Löchern in der Netzhaut 
und einer Überwässerung der Netzhaut (sog. Berlin-Ödem). Das Auge wurde mit-
hin erheblich verletzt. Es besteht nach wie vor das erhöhte Risiko, dass sich die 

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Netzhaut vorzeitig ablösen könnte. Zudem resultierten bleibende Narben. Eine le-
bensgefährliche Verletzung, eine dauerhafte Entstellung oder bleibende Schäden 
hat der Beschuldigte 2 hingegen nicht davongetragen. Objektiv betrachtet hat der 
Beschuldigte 1 somit in natürlich und adäquat kausaler Weise eine einfache Kör-
perverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand verursacht. Der tatbestands-
mässige Erfolg – die schwere Körperverletzung – ist vorliegend ausgeblieben, wo-
mit einzig die versuchte Begehung in Betracht kommt, die ebenfalls unter Strafe 
steht (Art. 122 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB) 

Beim vorliegenden Beweisergebnis steht ausser Frage, dass es sich um eine ver-
suchte schwere Körperverletzung handelt. Ein Schlag mit einem scharfkantigen 
Gegenstand gegen die Kopfregion in einer dynamischen, tätlichen Auseinanderset-
zung kann ohne Weiteres zu einer lebensgefährlichen Verletzung, einer dauerhaf-
ten Entstellung oder einem bleibenden Schaden führen. Dies war dem Beschuldig-
ten 1 zweifellos bewusst (vgl. pag. 217, Z. 155; pag. 218, Z. 168; pag. 223, Z. 346), 
weshalb er bis zuletzt den Einsatz des scharfkantigen Gegenstands – anders als 
den Faustschlag – abgestritten haben dürfte. Was die Willensseite betrifft, ist mithin 
davon auszugehen, dass der Beschuldigte 1 eine schwere Körperverletzung des 
Beschuldigten 2 als mögliche Folge seines Schlags mit einem scharfkantigen Ge-
genstand in das Gesicht des Beschuldigten 2 billigend in Kauf nahm. Aufgrund der 
Art und Weise der Tatbegehung musste sich dem Beschuldigten 1 eine schwere 
Körperverletzung des Beschuldigten 2 als derart wahrscheinlich aufdrängen, dass 
sein Handeln vernünftigerweise nur als Inkaufnahme eines solchen Erfolgs ausge-
legt werden kann. Wäre der Schlag nur etwas höher erfolgt oder hätte der Be-
schuldigte 2 seinen Kopf kurz zuvor ein wenig nach unten bewegt, hätte der Be-
schuldigte 1 das Auge getroffen, was mit grosser Wahrscheinlichkeit zu bleiben-
den, schweren Schäden geführt hätte. Das eine solche schwere Verletzung ausge-
blieben ist, ist denn auch einzig dem Zufall zu verdanken und war für den Beschul-
digten 1 weder steuer- noch kontrollierbar. Es liegt damit ein eventualvorsätzliches 
Handeln des Beschuldigten 1 vor. Der subjektive Tatbestand von Art. 122 StGB ist 
damit erfüllt. Das Versuchsstadium hat der Beschuldigte 1 mit dem Schlag ins Ge-
sicht fraglos erreicht.

12.3 Rechtfertigungs- und Schuldausschliessungsgründe

Entsprechend dem Beweisergebnis ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte 2 
den Beschuldigten 1 nicht mit einem Kleiderständer angegriffen hat bzw. angreifen 
wollte. Vielmehr hat der Beschuldigte 1 dem Beschuldigten 2 im Rahmen einer dy-
namischen, tätlichen Auseinandersetzung einen Faustschlag gegen das linke Auge 
sowie einen Schlag mit einem scharfkantigen Gegenstand gegen dessen Gesicht 
ausgeteilt. Entsprechend lag keine Notwehrsituation gemäss Art. 15 StGB vor.

Andere Rechtfertigungs- oder Schuldausschliessungsgründe wurden nicht geltend 
gemacht und sind auch nicht ersichtlich. 

12.4 Fazit

Der Beschuldigte 1 hat sich nach dem Gesagten der versuchten schweren Körper-
verletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 und 3 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, began-

27

gen am 10. April 2020 in ________(Adresse), zum Nachteil des Beschuldigten 2 
strafbar gemacht. 

13. Drohung

13.1 Gültigkeit des Strafantrags

13.1.1 Vorbringen des Beschuldigten 1

Anlässlich des oberinstanzlichen Schlussvortrags führte die Verteidigung des Be-
schuldigten 1 aus, sofern der angeklagte Sachverhalt betreffend die Drohung als 
erwiesen erachtet werde, habe mangels gültigen Strafantrags eine Einstellung zu 
erfolgen. Dies, da der Sachverhalt im Strafantrag vom 3. Juli 2020 nicht genügend 
umschrieben sei (pag. 729).

13.1.2 Theoretische Grundlagen

Nach der Praxis des Bundesgerichts liegt ein gültiger Strafantrag vor, wenn die an-
tragsberechtigte Person innert Frist bei der nach kantonalem Recht zuständigen 
Behörde und in der vom kantonalen Recht vorgeschriebenen Form ihren bedin-
gungslosen Willen zur Strafverfolgung des Täters so erklärt, dass das Strafverfah-
ren ohne weitere Willenserklärung weiterläuft (BGE 115 IV 1 E. 2a). Dazu ist erfor-
derlich, dass der Sachverhalt, der verfolgt werden soll, zweifelsfrei umschrieben 
wird. Hingegen ist es nicht Sache der antragsstellenden Person, den Sachverhalt 
rechtlich zu qualifizieren. Die rechtliche Würdigung obliegt der Strafbehörde 
(vgl. BGE 131 IV 97 E. 3.3; 115 IV 1 E. 2a; 85 IV 73 E. 2; RIEDO, Der Strafantrag, 
Diss. 2004, S. 400 f.). Weiss die antragsberechtigte Person zwar um das Vorliegen 
einer Straftat, vermag sie aber aufgrund fehlender Detailkenntnisse noch nicht ein-
zuschätzen, ob es sich um ein Offizial- oder ein Antragsdelikt handelt, beginnt die 
Antragsfrist trotzdem bereits zu laufen. Ist etwa unklar, ob es sich bei der zu beur-
teilenden Straftat gegen die körperliche Integrität um ein Offizial- oder ein Antrags-
delikt handelt, und will die antragsberechtigte Person nicht nur ein Offizialdelikt, 
sondern auch ein damit allfällig einhergehendes Antragsdelikt verfolgt wissen, so 
muss sie sicherheitshalber stets einen Strafantrag einreichen (vgl. BGE 129 IV 1 E. 
3.1; ferner DONATSCH/TAG, Strafrecht I, Verbrechenslehre, 8. Aufl. 2006, S. 411 
Fn. 62; RIEDO, a.a.O., S. 452). Treffen verschiedene Tatbestände zusammen, steht 
es der antragsberechtigten Person frei, falls sie eine Anzeige in Bezug auf Offizial-
delikte einreicht, auf eine Strafverfolgung von daneben einhergehenden Antragsde-
likten zu verzichten (BGE 115 IV 1 E. 2a; 85 IV 73 E. 2). Fehlt ein rechtsgültiger 
Strafantrag, ist ein bereits begonnenes Verfahren einzustellen (RIEDO, in: Basler 
Kommentar, Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N. 108 zu Art. 30 StGB). 

13.1.3 Erwägungen der Kammer

Im Strafantragsformular vom 10. April 2020 wird das Delikt der Drohung nicht expli-
zit erwähnt, sondern nur eine einfache, eventuell schwere Körperverletzung aufge-
führt. Auf dem Formular ist jedoch erwähnt, dass es um den Sachverhalt vom 
10. April 2020 geht, der sich zwischen 14:15 – 14:35 Uhr in ________(Adresse) 
abgespielt hat (pag. 57). Aus dem Einvernahmeprotokoll vom selben Tag, das 
ebenfalls den Sachverhalt vom 10. April 2020 behandelt und (wie das Strafantrags-
formular) beim Betreff nur «Körperverletzung in der Wohnung» aufführt, geht her-

28

vor, dass der Beschuldigte 2 nach erfolgter medizinischer Erstbehandlung direkt 
aus dem Spitalzentrum Biel der Einvernahme zugeführt wurde. Zu diesem Zeit-
punkt war er noch nicht anwaltlich vertreten (pag. 160). Anlässlich ebendieser Ein-
vernahme gab der Beschuldigte 2 unmissverständlich zu Protokoll, dass der Be-
schuldigte 1 ihm nach der Schlägerei gedroht habe, ihn umbringen zu wollen (vgl. 
pag. 164, Z. 179 f.). Nach Auffassung der Kammer gab der Beschuldigte 2 damit in 
genügender Weise zur Kenntnis, dass er den gesamten Sachverhalt strafrechtlich 
verfolgt haben und einen diesbezüglichen Strafantrag stellen wollte. Dass es die 
Polizei in der Folge versäumte, im Strafantragsformular auch den Tatbestand der 
Drohung aufzuführen, kann dem Beschuldigten 2 nicht zum Nachteil gereichen. 
Der Vorwurf und der diesbezügliche Sachverhalt ergeben sich unmissverständlich 
aus seinen Aussagen vom selben Tag. Der Beschuldigte 2 war damals weder an-
waltlich vertreten noch der deutschen Sprache genügend mächtig (vgl. hierzu 
pag. 160, Z. 4). Im Schreiben der Verteidigung des Beschuldigten 2 vom 3. Juli 
2020, das noch innert der Antragsfrist gemäss Art. 31 StGB erfolgte, wurde sodann 
nochmals ausdrücklich festgehalten, dass der Beschuldigte 2 die Strafverfolgung 
sämtlicher, das Ereignis vom 10. April 2020 betreffenden Delikte wünscht 
(pag. 353). Diese Willensäusserung ist jedenfalls für denjenigen Sachverhalt, den 
der Beschuldigte 2 bereits an seiner Einvernahme vom 10. April 2020 schilderte, 
als genügend zu betrachten. 

Nach dem Gesagten liegt ein gültiger Strafantrag betreffend den Vorwurf der Dro-
hung vor. 

13.2 Theoretische Grundlagen

Für die rechtlichen Grundlagen zum Tatbestand der Drohung kann auf die Aus-
führungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 613; S. 38 der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung). 

13.3 Erwägungen der Kammer

Der Beschuldigte 1 hat dem Beschuldigten 2 im Nachgang zur wechselseitigen tät-
lichen Auseinandersetzung mit dem Tod gedroht. Hierbei handelt es sich um eine 
Drohung im Sinne des Strafgesetzbuchs, war diese doch geeignet, den Beschul-
digten 2 in Angst und Schrecken zu versetzen. Der Beschuldigte 2, der noch unter 
dem Eindruck der vorausgegangenen Auseinandersetzung stand, bei welcher er 
einen Faustschlag auf sein linkes Auge und einen Schlag mit einem scharfkantigen 
Gegenstand ins Gesicht erhalten hatte, wurde dadurch erheblich in seinem Sicher-
heitsgefühl beeinträchtigt. So schloss er sich nach der Auseinandersetzung und der 
ausgesprochenen Todesdrohung aus Angst vor dem Beschuldigten 1 in seinem 
Zimmer ein und alarmierte die Polizei. Der objektive Tatbestand der Drohung nach 
Art. 180 Abs. 1 StGB ist damit erfüllt. 

Der Beschuldigte 1 handelte direktvorsätzlich. Aus dem Kontext ergibt sich ohne 
Weiteres, dass er den Beschuldigten 2 mit der Todesdrohung einschüchtern wollte. 
Er musste sich dabei bewusst sein, dass eine solche Todesdrohung im Nachgang 
zur tätlichen Auseinandersetzung beim Beschuldigten 2 Angst und Schrecken aus-
löst, was er auch bezweckte. Damit ist der subjektive Tatbestand ebenfalls erfüllt. 

29

13.4 Rechtfertigungs- und Schuldausschliessungsgründe

Rechtfertigungs- und/oder Schuldausschliessungsgründe wurden keine geltend 
gemacht und sind auch nicht ersichtlich. 

13.5 Fazit

Der Beschuldigte 1 hat sich nach dem Gesagten der Drohung, begangen am 
10. April 2020 in ________(Adresse), zum Nachteil des Beschuldigten 2 schuldig 
gemacht.

IV. Strafzumessung

14. Grundsätze der Strafzumessung

Die Vorinstanz hat die allgemeinen Grundsätze der Strafzumessung korrekt wie-
dergegeben (pag. 616, S. 41 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Darauf kann 
verwiesen werden.

15. Anwendbares Recht

Der Beschuldigte beging die Taten am 10. April 2020. Im Rahmen der per 1. Juli 
2023 in Kraft getretenen Harmonisierung der Strafrahmen wurde der Strafrahmen 
von Art. 122 StGB insoweit angepasst, als neu nur noch eine Freiheitstrafe von ei-
nem Jahr bis zu 10 Jahren ausgesprochen werden kann. Eine Freiheitsstrafe ab 
sechs Monaten, wie es das im Tatzeitpunkt geltende Recht noch vorsah (Art. 122 
aStGB), ist nicht mehr möglich. Das neue Recht ist mithin in keiner denkbaren Va-
riante milder, weshalb das im Tatzeitpunkt geltende Recht anzuwenden ist.

16. Strafrahmen und Strafart

16.1 Theoretische Grundlagen

Die tat- und täterangemessene Strafe ist grundsätzlich innerhalb des ordentlichen 
Strafrahmens der anzuwendenden Strafbestimmung festzusetzen. Der ordentliche 
Strafrahmen wird durch Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe nicht auto-
matisch erweitert. Der ordentliche Rahmen kann aber verlassen werden, wenn 
aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte 
Strafe im konkreten Fall als zu hart bzw. zu milde erscheint. Die Frage einer Unter-
schreitung des ordentlichen Strafrahmens kann sich stellen, wenn verschuldens- 
bzw. strafreduzierende Faktoren zusammentreffen, die einen objektiv an sich leich-
ten Tatvorwurf weiter relativieren, sodass eine Strafe innerhalb des ordentlichen 
Strafrahmens dem Rechtsempfinden widerspräche (BGE 136 IV 55 E. 5.8). 

Die versuchte Tatbegehung bei der schweren Körperverletzung stellt einen Straf-
milderungsgrund dar, der es grundsätzlich ermöglichte, den Strafrahmen nach un-
ten zu verlassen. Mildert das Gericht die Strafe, so ist es nicht an die angedrohte 
Mindeststrafe gebunden (Art 48a Abs. 1 StGB). Das Gericht kann zudem auf eine 
andere als die angedrohte Strafart erkennen, ist aber an das gesetzliche Höchst- 
und Mindestmass der Strafart gebunden (Art 48a Abs. 2 StGB). 

30

Gemäss Art. 41 Abs. 1 StGB kann das Gericht statt auf eine Geldstrafe auf eine 
Freiheitsstrafe erkennen, wenn (lit. a) eine solche geboten erscheint, um den Täter 
von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten oder (lit. b) eine 
Geldstrafe voraussichtlich nicht vollzogen werden kann. Es hat die Wahl der Frei-
heitsstrafe näher zu begründen (Art. 41 Abs. 2 StGB; BGE 144 IV 313 E. 1.2; Urteil 
des BGer 6B_93/2022 vom 24. November 2022 E. 1.3.3 mit Hinweisen). 

Die Frage, ob im zu beurteilenden Einzelfall eine Geld- oder Freiheitsstrafe auszu-
sprechen ist, beurteilt sich gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nach 
Art. 47 StGB, d.h. nach dem Ausmass des (Einzeltat-)Verschuldens, wobei die 
Geldstrafe gegenüber der Freiheitsstrafe als mildere Sanktion gilt. Das Gericht hat 
dabei neben dem Verschulden des Täters, der Zweckmässigkeit der Strafe, ihren 
Auswirkungen auf die Täterschaft und auf ihr soziales Umfeld sowie ihrer Wirksam-
keit unter dem Gesichtswinkel der Prävention Rechnung zu tragen. Bei alternativ 
zur Verfügung stehenden und hinsichtlich des Schuldausgleichs äquivalenten 
Sanktionen ist im Regelfall jene zu wählen, die weniger stark in die persönliche 
Freiheit des Betroffenen eingreift bzw. die ihn am wenigsten hart trifft. Dies gilt 
auch im Rahmen der Gesamtstrafenbildung. Der Täter darf aufgrund des Um-
stands, dass mehrere Delikte gleichzeitig zur Beurteilung stehen, für die einzelnen 
Taten nicht schwerer bestraft werden als bei separater Beurteilung (Urteile des 
BGer 6B_244/2021 und 6B_254/2021 vom 17. April 2023 E. 5.3.3. mit Hinweisen). 

Mit dem Hinzufügen des Wortes «voraussichtlich» hat der Gesetzgeber die Anfor-
derungen an die Prognose der Nichtleistung der Geldstrafe herabgesetzt (TRECH-
SEL/KELLER, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Praxiskommentar, 4. Aufl. 2021, N. 3 zu 
Art. 41 StGB). Die Abschätzung, ob eine Geldstrafe voraussichtlich nicht vollzogen 
werden kann, erfordert eine Vollstreckungsprognose, wobei gemäss bundesge-
richtlicher Rechtsprechung bei den Vollzugschancen primär die Vollzugsmoda-
litäten zu berücksichtigen sind. Die Gerichte müssen damit im Rahmen des Pro-
gnoseurteils auf den zu erwartenden Vollzug vorausblicken, um die Vollzugschan-
cen abschätzen zu können. Mangelnde Aussicht auf Vollstreckbarkeit einer Gelds-
trafe darf indes nicht dazu führen, dass von vornherein eine kurze Freiheitsstrafe 
ausgesprochen wird (BGE 134 IV 60 E. 6.5.1 und E. 8.3 mit Hinweisen). Die Vor-
aussetzungen einer negativen Vollstreckungsprognose sind mithin restriktiv auszu-
legen, nicht zuletzt, weil bei Nichtbezahlung der Geldstrafe gemäss Art. 36 Abs. 1 
StGB eine Ersatzfreiheitsstrafe zu vollziehen ist. Die Geldstrafe soll grundsätzlich 
auch für Mittellose zur Verfügung stehen (BGE 134 IV 60 E. 5.4 und 8.4). Fraglich 
erscheint der Vollzug der Geldstrafe bei Verurteilten, deren Mittel das Existenzmi-
nimum nicht erreichen, die nicht arbeitsfähig sind oder die gemeinnützige Arbeit 
von vornherein ablehnen (TRECHSEL/KELLER, a.a.O., N. 3 zu Art. 41 StGB).

16.2 Erwägungen der Kammer

Eine schwere Körperverletzung nach Art. 122 aStGB wird in der im Tatzeitpunkt 
geltenden Fassung mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren ge-
ahndet. Eine Drohung nach Art. 180 Abs. 1 StGB wird demgegenüber mit Frei-
heitsstrafe von bis zu drei Jahren oder Geldstrafe sanktioniert. 

31

Die Vorinstanz erkannte sowohl für den Schuldspruch wegen versuchter schwerer 
Körperverletzung als auch für denjenigen wegen Drohung auf eine Freiheitstrafe. 
Sie begründete die Wahl der Strafart damit, dass eine Geldstrafe aufgrund des 
bloss geringen Einkommens des Beschuldigten 1 und des nicht vorhandenen Ver-
mögens voraussichtlich nicht vollzogen werden könnte (pag. 617; S. 42 der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung). 

Wie die nachfolgenden Erwägungen zur Strafzumessung in Bezug auf die versuch-
te schwere Körperverletzung zeigen (vgl. E. IV.17.1 ff. hiernach), liegen keine be-
sonderen Umstände vor, welche die in Art. 122 aStGB angedrohte Mindeststrafe 
von sechs Monaten Freiheitsstrafe im konkreten Fall als zu hart erscheinen liessen. 
Die versuchte Tatbegehung rechtfertigt es somit im vorliegenden Fall nicht, den 
Strafrahmen nach unten zu verlassen. Für den Schuldspruch wegen versuchter 
schwerer Körperverletzung nach Art. 122 aStGB kommt daher nur eine Freiheits-
strafe innerhalt des ordentlichen Strafrahmens in Frage. 

In Bezug auf die Drohung kommt aufgrund das noch leichte Tatverschulden (vgl. 
E. IV.18. hiernach) sowohl eine Geld- als auch eine Freiheitsstrafe in Frage. Da der 
Beschuldigte 1 für den Schuldspruch wegen versuchter schwerer Körperverletzung 
eine teilbedingte Freiheitsstrafe erhält (vgl. E. IV.17.7 hiernach) und somit bereits 
einen unbedingten Freiheitsentzug von sechs Monaten zu gewärtigen hat, drängt 
sich für den Schuldspruch wegen Drohung aus spezialpräventiver Sicht keine Frei-
heitsstrafe auf. Aus dem Betreibungsregisterauszug vom 18. Februar 2025 geht 
zudem hervor, dass der Beschuldigte 1 zwar über drei offene Betreibungen im Ge-
samtumfang von etwas über CHF 7'000.00 verfügt. Soweit ersichtlich, wurde die äl-
teste dieser Forderungen im Umfang von CHF 265.95 unterdessen jedoch 
vollständig bezahlt; betreffend die beiden weiteren Betreibungen läuft zudem eine 
Lohnpfändung (pag. 726 f. und pag. 735, Z. 16 ff.). Der Beschuldigte 1 geht im Ur-
teilszeitpunkt einer Arbeit nach und erzielt ein regelmässiges Einkommen (vgl. 
pag. 709 und pag. 734 Z. 38 ff.). Mit Blick auf die in E. IV.16.1 hiervor zitierte bun-
desgerichtliche Rechtsprechung ist dem Beschuldigten 1 folglich keine negative 
Vollstreckungsprognose zu stellen. Für diesen Schuldspruch ist folglich eine Gelds-
trafe auszusprechen. Diese ist kumulativ zur Freiheitsstrafe zu verhängen.

17. Freiheitsstrafe (versuchte schwere Körperverletzung)

17.1 Objektive Tatschwere

Die Vorinstanz behandelte unter dem Titel der Schwere der Verletzung oder Ge-
fährdung des betroffenen Rechtsguts einzig die Gefährdung sowie die tatsächlich 
eingetretenen Verletzungsfolgen und führte aus, es sei auf glückliche Umstände 
zurückzuführen, dass der Erfolg nicht eingetreten sei. Anschliessend nahm sie eine 
separate Strafmilderung zufolge Versuchs vor (pag. 618; S. 43 der erstinstanzli-
chen Urteilsbegründung). Bei der Beurteilung der Schwere der Verletzung des be-
troffenen Rechtsguts ist jedoch nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung in 
einem ersten Schritt vom (hypothetisch) vollendeten Delikt auszugehen.

Die Körperverletzungsdelikte schützen einerseits das Rechtsgut der körperlichen 
Integrität und andererseits die körperliche und geistige Gesundheit (GETH, in: 
Trechsel/Pieth [Hrsg.], Praxiskommentar, 4. Aufl. 2021, N. 4 f. zu Vor Art. 122 

32

StGB). Ausführungen zum Ausmass des verschuldeten Erfolgs gestalten sich vor-
liegend insofern schwierig, als die Tat nur versucht begangen wurde und die unter-
schiedlichsten hypothetischen Verletzungsbilder vorstellbar sind. Die Schläge mit 
der Faust und dem scharfkantigen Gegenstand erfolgten aus einer dynamischen 
Situation heraus gegen den Kopf bzw. das Gesicht des Beschuldigten 2 und damit 
gegen eine hochsensible Körperregion. Der Beschuldigte 2 hätte durch den er-
wähnten Schlag mit dem scharfkantigen Gegenstand ohne Weiteres sein Augen-
licht verlieren können. Das (hypothetische) Ausmass der Verletzung des Rechts-
guts bei vollendeter Tatbegehung ist damit als erheblich zu bezeichnen. 

Betreffend die Art und Weise der Rechtsgutverletzung bzw. die Verwerflichkeit des 
Handelns ist zu berücksichtigen, dass die tätliche Auseinandersetzung zwischen 
den Beschuldigten aus der konfliktgeladenen Situation heraus entstand und nicht 
von längerer Hand geplant war. Der Tat ging voraus, dass sich die beiden Be-
schuldigten betreffend Einhaltung der Hausordnung bzw. Nachtruhe nicht einig wa-
ren und es in der Nacht zuvor diesbezüglich erneut Unstimmigkeiten gegeben hat-
te. Beim Beschuldigten 2 handelt es sich mithin um kein Zufallsopfer, wobei die Tat 
erfolgte im Rahmen einer tätlichen Auseinandersetzung erfolgte. Der Beschuldig-
te 1 hat dabei bewusst den scharfkantigen Gegenstand zur Hand genommen und 
gegen den Beschuldigten 2, der in diesem Moment von E.________ festgehalten 
wurde, eingesetzt. Dem Schlag mit dem scharfkantigen Gegenstand ging mithin ein 
bewusster Entscheid des Beschuldigten 1 voraus, diesen zur Hand zu nehmen und 
gegen den unbewaffneten Beschuldigten 2 bzw. gegen dessen Kopf einzusetzen. 
Dies zeugt von einer beachtlichen kriminellen Energie und hat die tätliche Ausein-
andersetzung zwischen den Beschuldigten unvermittelt auf ein massiv höheres, 
Gefahrenlevel gehoben. Der Beschuldigte 1 legte hierbei keine besondere Raffi-
nesse an den Tag. Vielmehr dürfte er sich für denjenigen Gegenstand entschieden 
haben, der in dieser Situation greifbar war. 

Insgesamt und mit Blick auf den grossen Strafrahmen von sechs Monaten bis zu 
zehn Jahren Freiheitsstrafe bewegt sich das objektive Tatverschulden noch im mitt-
leren Bereich und erachtet die Kammer beim objektiven Tatverschulden eine Strafe 
von 48 Monaten für das (hypothetisch) vollendete Delikt als angemessen.

17.2 Subjektive Tatschwere

In Bezug auf die Willensrichtung lässt sich festhalten, dass der Beschuldige 1 
eventualvorsätzlich handelte, was verschuldensmindernd zu berücksichtigen ist. 
Sein Handeln (gezielter Schlag mit einem scharfkantigen Gegenstand ins Gesicht 
des Opfers) lag jedoch nahe an der Grenze zum direkten Vorsatz. Vor diesem Hin-
tergrund erscheint eine Reduktion um sechs Monate als angemessen. 

Zur Auseinandersetzung zwischen den Beschuldigten kam es, weil der Beschuldig-
te 2 den Beschuldigten 1 am Vorabend und mutmasslich auch am Morgen zurecht-
gewiesen hatte, in der Nacht weniger Lärm zu machen. Bereits zuvor kam es wie-
derholt zu verbalen Streitigkeiten wegen der Hausregeln. Die Schläge mit der Faust 
und dem scharfkantigen Gegenstand dürften somit aufgrund von Frust und Unver-
ständnis über die Zurechtweisung durch den Beschuldigten 2 erfolgt sein. Die 
Stimmung zwischen den Beschuldigten war bereits zuvor angespannt und hat sich 

33

am Morgen der Tat entladen. Diese Beweggründe des Beschuldigten 1 wirken sich 
insgesamt neutral aus. 

Die Tat wäre sodann ohne Weiteres vermeidbar gewesen. Innere oder äussere 
Umstände, die es dem Beschuldigten 1 erschwert oder verunmöglicht hätten, sich 
rechtskonform zu verhalten und dem Beschuldigten 2 nicht mit der Faust und ei-
nem scharfkantigen Gegenstand ins Gesicht zu schlagen, sind nicht ersichtlich. Die 
gereizte Stimmung in der Wohngemeinschaft und die vorausgegangene Auseinan-
dersetzung vermögen ein solches Verhalten nicht ansatzweise zu rechtfertigen. 
Der Beschuldigte 1 hätte sich anderweitig behelfen können, den Konflikt zu lösen 
(z.B. mittels Aussprache, allenfalls unter Beizug / mit Unterstützung Dritter). Die 
gegebene Vermeidbarkeit wirkt sich neutral aus. 

Insgesamt führt die Beurteilung der subjektiven Tatschwere zu einer Verschuldens-
minderung von 6 Monaten auf 42 Monate. 

17.3 Strafmilderung zufolge Versuchs

Für den Umstand, dass es beim Versuch geblieben war, nahm die Vorinstanz ei-
nen Abzug von vier Monaten vor und hielt fest, dass es mehr oder weniger dem 
Glück resp. Zufall zuzuschreiben sei, dass keine schweren körperlichen Schäden 
verursacht worden seien (pag. 618; S. 43 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 

Das Mass der zulässig