# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fab5ca7a-e8e9-5999-9a27-63b89e4bfd68
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-11-13
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Zivilkammer 13.11.2018 ZK2 2015 3
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_007_ZK2-2015-3_2018-11-13.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

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Ref.: Chur, 13. November 2018 Schriftlich mitgeteilt am:
ZK2 15 3 27. November 2018<

Urteil
II. Zivilkammer

Vorsitz Pritzi
RichterInnen Michael Dürst und Pedrotti
Aktuar Guetg

In der zivilrechtlichen Berufung

der X . _ _ _ _ _ , Berufungsklägerin und Anschlussberufungsbeklagte, vertreten 
durch Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Rothenbühler, Blegistrasse 1, 6343 Rotkreuz, 

gegen

den Entscheid des Bezirksgerichts Plessur vom 23. Oktober 2014, mitgeteilt am 
2. Dezember 2014, in Sachen der Y . _ _ _ _ _ , Berufungsbeklagte und Anschluss-
berufungsklägerin, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. et oec. Christian Thöny, 
Bahnhofstrasse 8, 7000 Chur, der Berufungsbeklagten und Anschlussberufungs-
klägerin gegen die Berufungsklägerin und Anschlussberufungsbeklagte,

betreffend Forderung,

hat sich ergeben:

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I. Sachverhalt

A. Am Samstag, 21. Juli 2007, um ca. 17.50 Uhr, fuhr die bei der Y._____ ver-
sicherte A._____ mit dem Personenwagen GR _____ von O.1_____ kommend auf 
der _____strasse in Richtung O.2_____. Weiter hinten in der Kolonne befand sich 
der bei der X._____ versicherte Fahrzeuglenker B._____. Nach der Abzweigung 
O.3_____ setzte dieser zu einem Überholmanöver an. A._____ schwenkte eben-
falls nach links aus. Alsdann wurde deren Fahrzeug instabil und geriet ins Schleu-
dern. Dabei geriet es auf die Gegenfahrbahn, durchschlug den talseitigen 
Bündnerzaun und stürzte den Abhang hinunter. Gemäss Bericht des Kantonsspi-
tals Graubünden vom 26. Juli 2007 erlitt A._____ durch den Unfall eine Lähmung 
unter dem 5. Halswirbel (Arme und Beine), einen offenen Bruch des Oberarm-
schaftes rechts, Rippenbrüche links vorne sowie einen Gesichtsschädelbruch. 

B. Am 4. Oktober 2007 eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden gegen 
B._____ eine Strafuntersuchung wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung, 
stellte diese aber mit Verfügung vom 7. Januar 2008 wieder ein. Mit Entscheid 
vom 12. März 2008 hob das Kantonsgericht von Graubünden die Einstellungsver-
fügung auf entsprechende Beschwerde von A._____ auf und wies die Sache zur 
Beweisergänzung an die Staatsanwaltschaft zurück. Nach erfolgter Beweisergän-
zung stellte die Staatsanwaltschaft Graubünden mit Verfügung vom 4. Mai 2009 
das Verfahren ein zweites Mal ein. Dagegen liess A._____ erneut Beschwerde 
ans Kantonsgericht von Graubünden erheben, welches die Einstellungsverfügung 
ein weiteres Mal aufhob und die Sache zur weiteren Beweiserhebung zurückwies. 
Die Staatsanwaltschaft Graubünden beauftragte sodann am 17. Dezember 2009 
dipl. Ing. FH C._____ des Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamtes St. Gallen mit 
einer Begutachtung zum Fahrverhalten von A._____ und B._____, zu einem allfäl-
ligen Zusammenhang zwischen diesen beiden Fahrverhalten und zum Ablauf des 
Verkehrsunfalles. Gestützt auf dieses Gutachten erhob die Staatsanwaltschaft 
Graubünden am 7. Dezember 2010 gegen B._____ Anklage wegen fahrlässiger 
schwerer Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 2 StGB sowie Verletzung von 
Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 35 Abs. 2 und 3 SVG in Ver-
bindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG. Eventuell sei B._____ der fahrlässigen schweren 
Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 2 StGB sowie der Verletzung von Art. 35 
Abs. 3 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. b VRV i.V.m. Art. 90 Ziff. 1 SVG schuldig zu 
sprechen. Mit Entscheid vom 20. Oktober 2011, ohne schriftliche Begründung am 
25. Oktober 2011 mitgeteilt, sprach das Bezirksgericht Plessur B._____ vom An-
klagevorwurf der fahrlässigen schweren Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 2 

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StGB frei und verwies die Adhäsionsklage von A._____ auf den Zivilweg. Dieses 
Urteil erwuchs unangefochten in Rechtskraft. 

C. Mit Vermittlungsbegehren vom 10. Oktober 2013 gelangte die Y._____ an 
das Vermittleramt Plessur und machte eine Forderung gegen die X._____ geltend. 
Gemäss Klagebewilligung stellte sie anlässlich der Schlichtungsverhandlung vom 
21. November 2013 das folgende Rechtsbegehren:

Rechtsbegehren der klagenden Partei:

1. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin Fr. 173'362.-- zu bezah-
len, zuzüglich 5% Verzugszins ab 14. Oktober 2013.

2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beklagten.

D. Nachdem die Parteien anlässlich der Schlichtungsverhandlung keine Eini-
gung erzielen konnten, reichte die Y._____ mit Eingabe vom 18. Februar 2014 
beim Bezirksgericht Plessur Klage ein. Dabei hielt sie an ihrem anlässlich der 
Schlichtungsverhandlung gestellten Rechtsbegehren fest. Mit Klageantwort vom 
2. April 2014 liess die X._____ die vollumfängliche Abweisung der Klage unter 
Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Klägerin beantragen. In der nach-
folgenden Replik beziehungsweise Duplik hielten beide Parteien an ihren vormals 
gestellten Anträgen fest.

E. Nach Durchführung einer mündlichen Hauptverhandlung erkannte das Be-
zirksgericht Plessur mit Entscheid vom 23. Oktober 2014, mitgeteilt am 2. Dezem-
ber 2014, wie folgt:

1. Die Klage wird teilweise gutgeheissen und die X._____ verpflichtet, 
der Y._____ CHF 115'574.75 zuzüglich Zins zu 5% seit dem 14. Okto-
ber 2013 zu bezahlen. 

2.a) Die Gerichtskosten in Höhe von CHF 9'500.00 (Entscheidgebühr 
CHF 9'000.00, Pauschale Schlichtungsverfahren CHF 500.00 
[VA_124/13-462]) gehen zu 2/3 zu Lasten der X._____ und zu 1/3 zu 
Lasten der Y._____ und werden mit den geleisteten Vorschüssen in 
Höhe von insgesamt CHF 9'500.00 verrechnet. 

   b) Die X._____ hat der Y._____ eine Parteientschädigung in Höhe von 
CHF 14'390.40 zu bezahlen und ihr die geleisteten Vorschüsse in 
Höhe von CHF 6'333.30 zu ersetzen.

3. (Rechtsmittelbelehrung)

4. (Mitteilung).

F. Gegen diesen Entscheid liess die X._____ (nachfolgend entweder als Beru-
fungsklägerin, Anschlussberufungsbeklagte oder Beklagte bezeichnet) am 19. Ja-

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nuar 2015 Berufung an das Kantonsgericht von Graubünden erheben, mit den 
folgenden Begehren: 

1. Das Urteil des Bezirksgerichts Plessur vom 23. Oktober 2014 sei auf-
zuheben und die Klage vollumfänglich abzuweisen.

2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge in beiden Instanzen zu Lasten 
der Klägerin.

G. In ihrer Berufungsantwort mit Anschlussberufung vom 19. Februar 2015 
liess die Y._____ (nachfolgend entweder als Berufungsbeklagte, Anschlussberu-
fungsklägerin oder Klägerin bezeichnet) die folgenden Begehren stellen:

1. Die Berufung sei vollumfänglich abzuweisen.

2. Die Klägerin erklärt Anschlussberufung mit folgenden Anträgen:

2.1 Ziff. 1 des vorinstanzlichen Urteilsdispositivs sei aufzuheben und die 
X._____ zu verpflichten, der Y._____ CHF 173'362.00 zu bezahlen, 
zuzüglich Zins zu 5% ab dem 14. Oktober 2013.

2.2 Die Ziff. 2a/b des vorinstanzlichen Urteilsdispositivs seien aufzuheben 
und die X._____ zu verpflichten, die Gerichtskosten des erstinstanzli-
chen Entscheides vollumfänglich zu übernehmen und der Y._____ für 
das erstinstanzliche Urteil eine Parteientschädigung in Höhe von CHF 
21'558.85 zu bezahlen, zuzüglich 8% MWST.

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich 8% MWST für das 
Berufungsverfahren zulasten der X._____.

H. In ihrer Anschlussberufungsantwort vom 9. April 2015 liess die X._____ die 
vollumfängliche Abweisung der Anschlussberufung unter Kosten- und Entschädi-
gungsfolge in beiden Instanzen zu Lasten der Anschlussberufungsklägerin bean-
tragen.

I. Mit Schreiben vom 10. April 2015 teilte der Vorsitzende der II. Zivilkammer 
des Kantonsgerichts von Graubünden den Parteien mit, dass kein weiterer Schrif-
tenwechsel vorgesehen sei.

J. Auf die Begründung der Anträge, die Ausführungen im angefochtenen Ent-
scheid sowie die im Recht liegenden Beweismittel wird, soweit erforderlich und 
rechtserheblich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen

1.1. Beim angefochtenen Entscheid, welcher offensichtlich eine vermögens-
rechtliche Angelegenheit mit einem Streitwert über CHF 10'000.00 zum Gegen-
stand hat, handelt es sich um einen erstinstanzlichen Endentscheid, welcher mit 

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Berufung angefochten werden kann (vgl. Art. 308 Abs. 1 lit. a ZPO). Die Zustän-
digkeit des Kantonsgerichts von Graubünden ergibt sich aus Art. 7 Abs. 1 des Ein-
führungsgesetzes zur Schweizerischen Zivilprozessordnung (BR 320.100; EGzZ-
PO). Gemäss Art. 311 ZPO ist die Berufung unter Beilage des angefochtenen 
Entscheids innert 30 Tagen seit Zustellung des begründeten Entscheids bezie-
hungsweise seit der nachträglichen Zustellung der Entscheidbegründung schrift-
lich und begründet einzureichen. 

1.2. Der angefochtene Entscheid des Bezirksgerichts Plessur (alte Bezeich-
nung) vom 23. Oktober 2014 wurde den Parteien am 2. Dezember 2014 begrün-
det mitgeteilt und von der Berufungsklägerin am 3. Dezember 2014 entgegen ge-
nommen. Die Berufung erfolgte unter Berücksichtigung des Fristenstillstandes 
gemäss Art. 145 Abs. 1 lit. c ZPO mit Eingabe vom 19. Januar 2015 fristgerecht. 
Als am erstinstanzlichen Verfahren beteiligte Prozesspartei (Beklagte) ist die Beru-
fungsklägerin ohne weiteres zur Ergreifung der Berufung legitimiert (vgl. Peter 
Reetz, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur 
Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO], 3. Aufl., Zürich 2016, N 35 zu Vor-
bemerkungen zu den Art. 308-318 ZPO). Weil sie mit dem angefochtenen Ent-
scheid entgegen ihres Antrags zur Zahlung an die Klägerin verpflichtet wurde, ist 
die Berufungsklägerin darüber hinaus formell wie auch materiell beschwert. Die 
weiteren Formerfordernisse geben zu keinen Bemerkungen Anlass, sodass auf 
die schriftlich und begründet erfolgte Berufung – unter Vorbehalt der Sachlegitima-
tion im vorinstanzlichen Verfahren (vgl. E. 5.1. f.) – einzutreten ist. 

1.3. Mit Verfügung des Vorsitzenden der II. Zivilkammer des Kantonsgerichts 
von Graubünden vom 21. Januar 2015 (act. D.2) wurde der berufungsbeklagten 
Partei die Berufung zur schriftlichen Stellungnahme zugestellt und darauf hinge-
wiesen, dass die Berufungsantwort innert 30 Tagen seit Inempfangnahme dieser 
Verfügung einzureichen sei (Art. 312 Abs. 1 und 2 ZPO). Art. 313 Abs. 1 ZPO be-
stimmt, dass zusammen mit der Berufungsantwort Anschlussberufung erhoben 
werden kann. Die mit Eingabe vom 19. Februar 2015 eingereichte Berufungsant-
wort und Anschlussberufung erfolgte folglich innert Frist. Die Berufungsbeklagte 
und Anschlussberufungsbeklagte ist gleich wie die Berufungsklägerin als Pro-
zesspartei zur Rechtsmittelerhebung legitimiert, sodass auch auf ihre Anschluss-
berufung einzutreten ist. 

2. Der Anspruch auf einen unparteiischen und unabhängigen Richter wird 
nebst den Regeln über den Ausstand von Gerichtspersonen (Art. 47 ff. ZPO) auch 
durch die Bestimmungen von Art. 30 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK konkreti-

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siert. Kantonsrichter Hubert ist zufolge Vorbefassung von sich aus in den 
Ausstand getreten (Mitwirkung als Beisitzer in den erwähnten strafrechtlichen Be-
schwerdeverfahren, vgl. Urteil des Kantonsgerichts Graubünden BK 08 4 vom 
12. März 2008; Urteil des Kantonsgerichts Graubünden SK2 09 28 vom 15. Juli 
2009). Der Wechsel des Vorsitzes von Kantonsrichter Hubert zu Kantonsrichter 
Pritzi wurde den Parteien sodann mit Schreiben vom 21. Dezember 2016 mitge-
teilt (act. D.6). Der Spruchkörper für das vorliegende Berufungsverfahren setzt 
sich demnach aus dem kammervorsitzenden Kantonsrichter Pritzi (Vorsitz), Vize-
präsidentin Michael Dürst sowie Kantonsrichter Pedrotti zusammen. 

3. Mit der Berufung kann eine unrichtige Rechtsanwendung und eine unrichti-
ge Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO). Die 
Berufungsinstanz verfügt insoweit über eine vollständige Überprüfungsbefugnis 
der Streitsache, d.h. über eine unbeschränkte Kognition bezüglich Tat- und 
Rechtsfragen (BGE 142 III 413 E. 2.2.4). Aufgrund der umfassenden Kognition ist 
die Berufungsinstanz nicht an die im Berufungsverfahren vorgebrachten Argumen-
te der Parteien oder an die Erwägungen der Vorinstanz gebunden, weshalb sie 
Rügen auch mit abweichenden Erwägungen gutheissen oder abweisen kann (vgl. 
Peter Reetz/Stefanie Theiler, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], 
Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO], 3. Aufl., Zürich 2016, 
N 6 zu Art. 310 ZPO m.w.H. auf die Rechtsprechung). Mit der Berufung als voll-
kommenes Rechtsmittel können sodann nicht nur die in Art. 310 ZPO explizit ge-
nannten Berufungsgründe der unrichtigen Rechtsanwendung und der unrichtigen 
Feststellung des Sachverhalts gerügt werden; vielmehr kann auch die Unange-
messenheit des erstinstanzlichen Entscheides geltend gemacht werden (vgl. Peter 
Reetz/Stefanie Theiler, a.a.O., 6 zu Art. 310 ZPO). Tatfragen betreffen die wirkli-
chen, d.h. tatsächlichen Umstände. Um Tatfragen geht es dann, wenn der Sach-
verhalt festgestellt wird; so sind etwa die Beweiswürdigung, das Ziehen von 
Schlüssen aus Indizien sowie aufgrund von Expertisen gezogene Schlussfolge-
rungen Tatfragen (BGE 122 I 219 E. 3b-c; BGE 111 II 72 E. 3a; BGE 102 II 7 E.2). 

Die Berufungsinstanz ist indessen nicht gehalten, von sich aus wie eine erstin-
stanzliche Gerichtsbehörde alle sich stellenden tatsächlichen und rechtlichen Fra-
gen zu untersuchen, wenn die Parteien diese in oberer Instanz nicht mehr vortra-
gen. Sie hat sich – abgesehen von offensichtlichen Mängeln – grundsätzlich auf 
die Beurteilung der in der schriftlichen Begründung gegen das erstinstanzliche 
Urteil erhobenen Beanstandungen zu beschränken (BGE 142 III 413 E. 2.2.4). 
Heisst die Berufungsinstanz die Berufung (teilweise) gut, fällt sie in der Regel ei-
nen reformatorischen Entscheid. D.h. sie hebt den angefochtenen erstinstanzli-

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chen Entscheid auf und trifft dann einen neuen Entscheid, welcher an die Stelle 
des erstinstanzlichen Entscheides tritt (vgl. Art. 318 Abs. 1 lit. b ZPO).

4.1. Vorab ist auf die prozessuale Rüge der Berufungsklägerin einzugehen, die 
Vorinstanz habe von einer Einvernahme von B._____ als Zeugen trotz mehrfa-
chen Antrags abgesehen, obwohl der Unfallhergang zwischen den Parteien strittig 
sei. Mit dieser Vorgehensweise habe die Vorinstanz durch Unterlassung der bean-
tragten Befragung den Beweisführungsanspruch der Berufungsklägerin im Sinne 
von Art. 8 ZGB verletzt (vgl. act. A. 1, Ziff. 12).

4.2. Gemäss Art. 152 Abs. 1 ZPO hat jede Partei das Recht, dass das Gericht 
die von ihr form- und fristgerecht angebotenen tauglichen Beweismittel abnimmt. 
Vor der Beweisabnahme werden die erforderlichen Beweisverfügungen getroffen. 
Darin werden insbesondere die zugelassenen Beweismittel bezeichnet und es 
wird bestimmt, welcher Partei zu welchen Tatsachen der Haupt- oder Gegenbe-
weis obliegt. Beweisverfügungen können jederzeit abgeändert oder ergänzt wer-
den (Art. 154 ZPO). Es handelt sich dabei um prozessleitende Verfügungen im 
Sinne von Art. 124 Abs. 1 ZPO (Christian Leu, in: Brunner/Gasser/Schwander 
[Hrsg.], DIKE-Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 2. Aufl., Zürich 
2016, N 24 zu Art. 154 ZPO; Franz Hasenböhler, in: Sutter-
Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivil-
prozessordnung [ZPO], 3. Aufl., Zürich 2016, N 29 zu Art. 154 ZPO). 

4.3. Das berufungsklägerische Vorbringen erweist sich im vorliegenden Kontext 
als rechtsmissbräuchlich. Art. 52 ZPO richtet an alle Verfahrensakteure ein Gebot 
loyalen und ein Verbot illoyalen Verhaltens. Damit werden die beiden Normgehalte 
des Art. 2 ZGB in eine eigenständige Verfahrensregel gemünzt und auf das Pro-
zessverhältnis übertragen (vgl. Botschaft zur Schweizerischen Zivilprozessord-
nung vom 28. Juni 2006, BBl 2006, S. 7274 Ziff. 5.3.1. [zit. Botschaft ZPO]). Das 
Rechtsmissbrauchsverbot wird zwar in Art. 52 ZPO nicht ausdrücklich genannt. 
Dies ändert jedoch an dessen Geltung im Zivilprozess nichts, weil rechtsmiss-
bräuchliches Verhalten immer auch treuwidrig ist (vgl. Christoph Hurni, in: Haus-
heer/Walter [Hrsg.], Berner Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, Bd. 
I, Bern 2012, N 9 zu Art. 52 ZPO). So ist denn auch unter dem Gesichtspunkt des 
Rechtsmissbrauchs das widersprüchliche Verhalten im Prozess (venire contra fac-
tum proprium) verpönt, wenn formelle Rügen, die in einem früheren Prozessstadi-
um hätten geltend gemacht werden können, erst später bei einem ungünstigen 
Verfahrensausgang vorgetragen werden (Urteil des Bundesgerichts 5A_41/2011 
vom 10. August 2011 E. 4.1.2; vgl. zum Ganzen Christoph Hurni, a.a.O., N 60 zu 

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Art. 52 ZPO m.w.H.). Entsprechend sind sämtliche Prozessfehler grundsätzlich 
umgehend zu rügen. Die nicht umgehende Geltendmachung des Fehlers führt zur 
Verwirkung der Anfechtung bzw. zur Heilung des Mangels (Tarkan Göksu, in: 
Brunner/Gasser/Schwander [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung, Kom-
mentar, 2. Aufl., Zürich 2016, N 20 zu Art. 52 ZPO).

4.4. Vorliegend wurde den Parteien mit Verfügung vom 8. Juli 2014 die von ih-
nen eingereichten Urkunden für relevant erklärt. Gleichzeitig wurde auf die Erhe-
bung weiterer Beweise verzichtet (vgl. act. RG Korrespondenz 9). Anlässlich der 
Hauptverhandlung vom 23. Oktober 2014 verwies der beklagtische Rechtsvertre-
ter auf die Rechtsschriften, allerdings ohne den darin gestellten Antrag auf Zeuge-
neinvernahme von B._____ explizit zu erneuern. Sodann wurde an der erwähnten 
Hauptverhandlung kein eigentliches Beweisverfahren mehr durchgeführt. Statt-
dessen wurde den Parteien angezeigt, dass keine zusätzlichen Beweise abge-
nommen werden und dass das Beweisverfahren vorbehaltlos abgeschlossen wer-
de (vgl. act. RG Rechtsschriften 6, Ziff. III.). Weder im Hauptverhandlungsprotokoll 
noch im Plädoyer der Beklagten lassen sich Anhaltspunkte finden, wonach sie 
gegen dieses Vorgehen der Vorinstanz protestiert hätte. Die entsprechende Rüge 
erfolgt erst im vorliegenden Berufungsverfahren und liegt wohl vor allem im un-
günstigen Verfahrensausgang begründet. Vor dem Hintergrund des Gesagten er-
weist sich die späte Rüge der Verletzung von Art. 152 ZPO als rechtsmissbräuch-
lich und ist nicht zu hören, zumal von der rechtsanwaltlich vertretenen Partei er-
wartet werden kann, dass sie diesen Umstand erkennt und sofort dagegen oppo-
niert. 

5.1. Vorab ist der Vollständigkeit halber auf die Sachlegitimation der Klägerin im 
vorinstanzlichen Verfahren einzugehen, welche die Vorinstanz offenbar ohne Prü-
fung bejaht hat. 

5.2. Besteht eine obligatorische Haftpflichtversicherung nach Art. 63 des Stras-
senverkehrsgesetzes (SVG; SR 741.01), räumt Art. 65 Abs. 1 SVG dem Geschä-
digten im Rahmen der vertraglichen Versicherungsdeckung ein direktes Forde-
rungsrecht gegen den Haftpflichtversicherer des (haftenden) Halters ein (vgl. auch 
BGE 97 II 244 E. 1). Statt des Halters als eigentlich Haftpflichtigen kann damit di-
rekt dessen Versicherer als Ersatzschuldner belangt werden. Damit entsteht von 
Gesetzes wegen ein vom Versicherungsvertrag unabhängiges Rechtsverhältnis 
zwischen dem Geschädigten und dem Versicherer (vgl. Urteil des Bundesgerichts 
4C.170/2001 vom 18. Juli 2001 E. 2.a). Das Forderungsrecht gegen den Versiche-
rer reicht aber nicht weiter als der Ersatzanspruch gegen den Schädiger selbst. 

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Zwischen dem Haftpflichtversicherer und dem Fahrzeughalter besteht lediglich 
unechte Solidarität gemäss Art. 51 OR (BGE 90 II 184 E. V.; vgl. Philippe Weis-
senberger, Kommentar Strassenverkehrsgesetz, 2. Aufl., Zürich 2015, N 5 zu 
Art. 65 SVG). Ist der Versicherte entlastet, ist es auch sein Haftpflichtversicherer 
(vgl. BGE 95 II 623 E. 2.b).

Aufgrund der in Art. 72 Abs. 1 i.V.m. Abs. 4 des Bundesgesetzes über den Allge-
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) vorgesehenen Le-
galzession geht dieses direkte Forderungsrecht im Zeitpunkt des Ereignisses von 
der geschädigten Person auf ihren (Sozial-)Versicherungsträger über. Hierfür be-
darf es weder einer besonderen Form, noch einer Willenserklärung 
(vgl. Art. 166 OR). 

5.3. Die Berufungsbeklagte, d.h. die Unfallversicherung der geschädigten 
A._____, klagte im vorinstanzlichen Verfahren gegen die Berufungsklägerin, d.h. 
die Haftpflichtversicherung, bei welcher das mitbeteiligte Fahrzeug von B._____ 
gemäss Art. 63 SVG versichert war. Damit vermag sie sich zufolge Subrogation 
auf das ihr zustehende direkte Forderungsrecht gegen die Haftpflichtversicherung 
von B._____ zu stützen. Die Berufungsbeklagte war damit in der Sache zur Kla-
geerhebung legitimiert. 

6.1.1. Die Haftung von Haltern von Motorfahrzeugen für Schäden, die auf deren 
Betrieb zurückzuführen sind, richtet sich nach den Art. 58 ff. SVG. Dabei statuiert 
Art. 58 Abs. 1 SVG eine Gefährdungs- bzw. Kausalhaftung für Motorfahrzeughal-
ter, wenn der Schaden durch den Betrieb des Fahrzeuges entstanden ist. Sind an 
einem Unfall mehrere Motorfahrzeuge beteiligt, ist die Haftung dieser Halter in den 
Art. 60 f. SVG geregelt. Dabei ist zwischen dem Schaden eines Dritten und dem 
Schaden der Halter zu unterscheiden. Wird ein Dritter geschädigt, so haften die 
beteiligten Motorfahrzeughalter gemäss Art. 60 Abs. 1 SVG kausal und in echter 
Solidarität. Der (Personen-)Schaden eines beteiligten Halters wird demgegenüber 
aufgrund des Verschuldens und besonderer Umstände getragen (Art. 61 Abs. 1 
SVG). 

Die Beteiligung von zwei Motorfahrzeugen, die in Betrieb sind, reicht für die An-
wendbarkeit von Art. 61 Abs. 1 SVG bereits aus (vgl. Roland Brehm, Motorfahr-
zeughaftpflicht, Bern 2008, N 727; Walter Fellmann, Schweizerisches Haftpflicht-
recht, Bd. II, Bern 2013, N 464). 

6.1.2. Gestützt auf Art. 61 Abs. 1 SVG haften die Halter nur, soweit sie nach einer 
anderen Haftungsbestimmung für den Schaden einzustehen haben (vorliegend 

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Art. 58 Abs. 1 SVG). Soweit sich ein Halter gestützt auf Art. 59 Abs. 1 SVG von 
der Haftung befreien kann, ist Art. 61 Abs. 1 SVG auf ihn nicht anwendbar (vgl. 
Urteil des Bundesgerichts 4A_405/2011 vom 5. Januar 2012 E. 4.3; Hans Giger, 
SVG Kommentar, 8. Aufl., Zürich 2014, N 1 zu Art. 61 SVG; Walter Fellmann, 
a.a.O., N 544; Thomas Probst, in: Niggli/Probst, Waldmann [Hrsg.], Basler Kom-
mentar, Strassenverkehrsgesetz, Basel 2014, N 21 zu Art. 61 SVG). 

Die Haftungsbefreiung nach Art. 59 Abs. 1 SVG setzt voraus, dass der Motorfahr-
zeughalter einen dreifachen Beweis erbringt. Er muss beweisen, dass der Unfall 
durch höhere Gewalt oder grobes Selbstverschulden des Geschädigten oder gro-
bes Verschulden eines Dritten verursacht worden ist (hierbei handelt es sich um 
die klassischen Unterbrechungsgründe des Kausalzusammenhangs [vgl. BGE 95 
II 630 E. 4]). Das Selbstverschulden des Geschädigten fällt nur dann als Befrei-
ungsgrund in Betracht, wenn es eine derart hohe Intensität aufweist, dass der 
Kausalzusammenhang zwischen der Betriebsgefahr des Fahrzeugs und dem 
Schaden bei wertender Betrachtung nicht mehr als adäquat bzw. als derart ne-
bensächlich erscheint, dass es sich nicht rechtfertigt, ihm eine rechtliche Wirkung 
beizumessen (Karl Oftinger/Emil Stark, Schweizerisches Haftpflichtrecht, Bd. II/2, 
4. Aufl., Zürich 1989, § 25 N 437 ff. [zit. Karl Oftinger/Emil Stark, Bd. II/2]; Walter 
Fellmann, a.a.O., N 640). Weiter hat er zu beweisen, dass ihn kein Verschulden 
trifft. Schliesslich obliegt ihm auch der Beweis, dass keine fehlerhafte Beschaffen-
heit des Fahrzeugs zum Unfall beigetragen hat (vgl. Thomas Probst, a.a.O., N 9 ff. 
zu Art. 61 SVG; Walter Fellmann, a.a.O., N 666 ff.). Daraus erhellt, dass der Ge-
setzgeber in Abweichung zum allgemeinen Haftpflichtrecht eine vollständige Haf-
tungsbefreiung des Halters durch die zwei zusätzlichen Voraussetzungen von 
Art. 59 Abs. 1 SVG erschweren wollte (vgl. Thomas Probst, a.a.O., N 1 zu 
Art. 59 SVG). Misslingt der Beweis einer der genannten Voraussetzungen, ist 
Art. 61 Abs. 1 SVG anwendbar und der Halter haftet im nach dieser Regelung zu 
bestimmenden Umfang.

Der Wortlaut der Gesetzesbestimmung von Art. 59 Abs. 1 SVG enthält keine An-
haltspunkte dafür, dass hinsichtlich der verschiedenen vom Halter zu erbringen-
den Entlastungsbeweise eine Ausnahme vom Regelbeweismass gelten soll (Urteil 
des Bundesgerichts 4C.332/2002 vom 8. Juli 2003 E. 3.1 m.w.H.). Der Beweis gilt 
damit dann als erbracht, wenn das Gericht vernünftigerweise und nach objektiven 
Gesichtspunkten von der Wahrheit der rechterheblichen Tatsachenbehauptungen 
überzeugt ist. Die Verwirklichung der Tatsache braucht indessen nicht mit Sicher-
heit festzustehen, sondern es genügt, wenn allfällige Zweifel als unerheblich er-
scheinen.

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6.1.3. Gestützt auf Art. 61 Abs. 1 SVG ist für die Haftung gegenüber einem am 
Unfall beteiligten Motorfahrzeughalter das Verschulden aller beteiligten Halter 
massgebend. Eine Abweichung von dieser Regel ist vorgesehen, wenn diese auf-
grund besonderer Umstände gerechtfertigt ist.

Das Gesetz stellt damit hier, anders als bei der einfachen Kausalhaftung nach 
Art. 58 SVG, das Verschulden in den Vordergrund (BGE 84 II 304 E. 3.c; Walter 
Fellmann, a.a.O., N 470 ff.). Die Betriebsgefahr und weitere Umstände werden nur 
berücksichtigt, soweit sich gestützt darauf eine andere Verteilung der Haftung 
rechtfertigt (Roland Brehm, a.a.O., N 744). 

6.1.4. Der Verschuldensbegriff von Art. 61 Abs. 1 SVG entspricht demjenigen von 
Art. 41 OR (Walter Fellmann, a.a.O., N 511; Roland Brehm, a.a.O., N 14).

6.2.1. Bei Fragen nach der Haftung der Beklagten ist die Beweislast in drei Schrit-
ten zu bestimmen. Vorerst ist nach der allgemeinen Regel von Art. 8 ZGB zu 
klären, ob die Klägerin (Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin) be-
weisen kann, dass der Schaden durch den Betrieb eines Motorfahrzeuges verur-
sacht worden ist. Soweit der natürliche Kausalzusammenhang nicht mit wissen-
schaftlicher Genauigkeit nachgewiesen werden kann, genügt es, dass er als 
überwiegend wahrscheinlich erscheint (vgl. BGE 107 II 269 E. 1b; BGE 128 III 271 
E. 2.b./aa). Sodann obliegt es der Berufungsklägerin darzutun, dass sich ihr Versi-
cherungsnehmer B._____ in Anwendung von Art. 59 Abs. 1 SVG gänzlich von der 
Haftung befreien kann. Dafür hat sie kumulativ zu beweisen, dass die Versiche-
rungsnehmerin der Klägerin, A._____ ein grobes Selbstverschulden trifft, B._____ 
kein Verschulden trifft und dass keine fehlerhafte Beschaffenheit des bei ihr versi-
cherten Fahrzeugs den Unfall verursacht hat (vgl. hierzu Thomas Probst, a.a.O., N 
221 zu Art. 58 SVG). Das Gesetz verlangt von ihr aber nicht, dass sie beweist, die 
Adäquanz gelte durch das schwere Verschulden als unterbrochen. In Wirklichkeit 
handelt es sich um ein falsches Problem: Die Adäquanz ist Rechts- und nicht 
Sachfrage; ein Rechtsstandpunkt kann nicht bewiesen werden, er ist darzulegen. 
Eine solche Darlegung ist hier aber unnötig: Wird die höhere Gewalt oder das al-
leinige Grobverschulden der Geschädigten bewiesen, so gilt die Adäquanz bereits 
von Gesetzes wegen als unterbrochen (Art. 59 Abs. 1 SVG; vgl. Roland Brehm, 
a.a.O., N 399). Davon unberührt bleiben indessen die übrigen positiv zu erbrin-
gengenden Haftungsbefreiungsgründe von Art. 59 SVG.

6.2.2. Gelingt der Berufungsklägerin der Beweis der genannten Befreiungsgründe 
nicht, stellt sich sodann die Frage nach den Haftungsquoten gemäss Art. 61 Abs. 

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1 SVG. Anders als Art. 58 SVG kennt Art. 61 SVG keine Vermutung des Ver-
schuldens. Dieses ist von derjenigen Partei zu beweisen, die daraus eine Verän-
derung der Haftungsquote zu ihren Gunsten herleitet (vgl. Hans Giger, a.a.O., N 6 
zu Art. 61 SVG; Roland Brehm, a.a.O., N 818; Walter Fellmann, a.a.O., N 539; 
Urteile des Bundesgerichts 4A_495/2011 vom 5. Januar 2012 E. 4.2; 
4A_270/2011 vom 9. August 2011 E. 3.2). 

6.2.3. Trifft bei einer Haftungskollision keinen der haftenden Motorfahrzeughalter 
am Verkehrsunfall ein Verschulden – oder liegt jedenfalls kein genügender Beweis 
für ein solches vor – so scheidet eine Aufteilung der Haftung nach dem Kriterium 
des Verschuldens gemäss Art. 61 Abs. 1 SVG a priori aus. Folglich wäre auf die 
von jedem Halter zu vertretende Betriebsgefahr seines Fahrzeugs abzustellen 
(BGE 123 III 274 E. 1.a/bb.). Da die Betriebsgefahren, zumindest bei Motorfahr-
zeugen der gleichen Klasse, als gleich gross vermutet werden, führt dieses Krite-
rium grundsätzlich zur Aufteilung der Haftung zu gleichen Teilen, im Sinne des 
Prinzips der partiellen Selbsttragung des eigenen Schadens (vgl. Urteil des Bun-
desgerichts 4A_270/2011 E. 3.2; Thomas Probst, a.a.O., N 24 zu Art. 61 SVG; 
Karl Oftinger/Emil Stark, Schweizerisches Haftpflichtrecht, Bd. I, 5. Aufl., Zürich 
1995, § 9 N 28 [zit. Karl Oftinger/Emil Stark, Bd. I]). 

7.1. Die Vorinstanz erwog in sachverhaltlicher Hinsicht, dass in Übereinstim-
mung mit den Darstellungen der Beklagten lediglich das Manöver der verunfallten 
Fahrzeuglenkerin A._____ erstellt sei. Eine eindeutige Synchronisation der beiden 
Fahrzeuge sei aufgrund des fehlenden Verknüpfungspunktes bzw. der nicht be-
weisbaren Kollision der beiden Fahrzeuge grundsätzlich nicht möglich. Ebenfalls 
sei der Beklagten darin Recht zu geben, dass die verschiedenen Zeugenaussagen 
zum Teil markant auseinander gehen. Allerdings könne der Argumentation, wo-
nach aufgrund dieser sich widersprechenden Zeugenaussagen eine Rekonstrukti-
on des Unfallhergangs nicht möglich sei und ein natürlicher Kausalzusammen-
hang somit nicht nachgewiesen werden könne, nicht gefolgt werden (vgl. ange-
fochtener Entscheid E. 5.b, c).

7.2. In der Folge setzte sich die Vorinstanz eingehend mit den Ausführungen im 
Gutachten des Strassenverkehrs- und Schifffahrtamtes des Kantons St. Gallen 
vom 19. Juli 2010 auseinander (vgl. angefochtener Entscheid E. 5 c ff.). Sie 
kommt zum Schluss, dass die Ausführungen im Gutachten sich grösstenteils mit 
den Feststellungen der Zeugen decken würden. Deren Aussagen stimmten zwar 
nicht in allen Punkten überein, würden dem Gericht jedoch durchaus plausibel und 
in den wichtigsten Punkten als geschlossen erscheinen. Gleiche man die ver-

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schiedenen Zeugenaussagen sowie das Gutachten miteinander ab, so ergebe 
sich folgendes Bild: Die Kolonne sei mit einer Geschwindigkeit von 50 bis 60 km/h, 
eher nur 50 km/h Richtung O.2_____ unterwegs gewesen, als die Fahrzeuglenke-
rin A._____ – unmittelbar nach dem zweiten Einspurpfeil aber noch vor Ende des 
Überholverbotes – zum Überholen des vor ihr fahrenden Fahrzeuges angesetzt 
und gegen links ausgeschwenkt habe. Gleichzeitig habe der sich hinter dem Fahr-
zeug G._____ befindende Fahrzeuglenker B._____ ebenfalls zum Überholen an-
gesetzt, wobei das Überholmanöver gemäss Zeugenaussagen zwischen der 
Sperrfläche und dem zweiten Einspurpfeil eingeleitet worden sei. Daraufhin sei 
das Fahrzeug B._____ von "hinten nach vorne" am Fahrzeug G._____ vorbei "ge-
schossen" und habe sich der ebenfalls im Überholen begriffenen Fahrzeuglenkerin 
A._____ genähert. In der Folge habe diese ein brüskes Brems- und Korrektur-
manöver vollzogen und ihr Fahrzeug gegen die rechte Fahrbahnseite und auf die 
Mauer "zugesteuert" (vgl. angefochtener Entscheid E. 5. h; von der Berufungsklä-
gerin und auch nachfolgend als Tatbestandsvariante 1 bezeichnet). Zum Zeit-
punkt, an dem sich das Fahrzeug A._____ – zwar ausser Kontrolle – wieder auf 
der rechten Fahrbahnseite befunden habe, habe B._____ sein Fahrzeug be-
schleunigt und sei an ihr vorbei gezogen. Als das Fahrzeug B._____ schon fast 
am ins Schleudern geratenen Fahrzeug A._____ vorbei gewesen sei, habe eine 
seiner Mitfahrerinnen aufgeschrien, denn offenbar sei das Fahrzeug von A._____ 
erneut gegen die Fahrbahnmitte zugesteuert. Um die Kollision mit dem Fahrzeug 
A._____ zu vermeiden, habe B._____ sein Fahrzeug weiter beschleunigt, als es 
plötzlich einen Knall gegeben habe. Zum Zeitpunkt der Befragung seien B._____ 
als auch seine Mitfahrerinnen der festen Überzeugung gewesen, dass es zwi-
schen den beiden Fahrzeugen zu einer leichten Kollision gekommen sei, wobei 
der Knall auch auf das Streifen der rechtseitigen Stützmauer oder das Durchbre-
chen des Bündnerzaunes des Fahrzeugs A._____ zurückgeführt werden könnte. 
Unmittelbar danach hätten alle Anwesenden festgestellt, dass das Fahrzeug 
A._____ den Bündnerzaun durchbrochen habe und talabwärts gestürzt sei. Nach-
dem der Fahrzeuglenker B._____ das in der Kolonne zuvorderst fahrend Fahr-
zeug überholt habe, habe er sein Fahrzeug rechts ausgestellt. Im Anschluss sei 
die verunfallte Fahrzeuglenkerin A._____ von B._____, E._____ sowie dem zu-
vorderst fahrenden Fahrzeuglenker, dessen Identität bis heute nicht habe geklärt 
werden können, geborgen worden. Sowohl B._____ als auch E._____ hätten bei 
der Bergung von A._____ festgestellt, dass diese keinen Sicherheitsgurt getragen 
habe.

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7.3. Die Berufungsklägerin rügt eine unvollständige bzw. willkürliche Sachver-
haltsfeststellung. Sie rügt im Speziellen, es sei kein Regelbeweis für die Richtig-
keit der klägerischen Behauptungen erbracht worden. Bereits die Angaben über 
den Ablauf des Unfallereignisses seien widersprüchlich und die verschiedenen 
Zeugenaussagen würden sich erheblich unterscheiden. Die Berufungsklägerin 
könne unter anderem nicht nachvollziehen, weshalb die deckungsgleichen Aussa-
gen von B._____, F._____ und E._____ – zumindest anlässlich seiner ersten Be-
fragung und damit am zeitnahesten nach dem Ereignis – plötzlich völlig anders 
deponiert werden. Wenn die Vorinstanz ausführe, die Fahrzeuglenkerin A._____ 
habe auf dem zweiten Einspurpfeil, aber noch vor Ende des Überholverbots zum 
Überholen des vor ihr fahrenden Fahrzeugs angesetzt und gegen links ausge-
schwenkt, während gleichzeitig der sich hinter dem Fahrzeug G._____ befindende 
Fahrzeuglenker B._____ ebenfalls zum Überholen angesetzt habe, so werde eine 
Tatbestandsvariante unterstellt, die keineswegs als gesichert oder erstellt gelten 
könne. Sie widerspreche auch der Aussage des Zeugen E._____, der anlässlich 
seiner Befragung vom 21. Juli 2007 angegeben habe, B._____ habe sich auf glei-
cher Höhe mit dem zu überholenden Fahrzeug befunden, als dessen Lenkerin 
gegen die Fahrbahnmitte geschwenkt sei. Mit anderen Worten habe die Perso-
nenwagenlenkerin A._____ ihr Überholmanöver in jenem Zeitpunkt noch gar nicht 
begonnen, könne dieses gar nicht begonnen haben, zumal sich der Wagen von 
B._____ neben ihr befunden habe. Die vom Gericht unterstellte Version sei eine 
von zahlreichen Hypothesen und denkbaren Varianten, keineswegs aber eine ge-
sicherte Tatsache. Die Tatbestandsvariante sei auch im Rahmen des Gutachtens 
des Strassenverkehrs- und Schifffahrtamtes St. Gallen vom 19. Juli 2010 nicht 
bestätigt worden. Vielmehr zeige dieses Gutachten auf, dass ein Überholmanöver 
durch B._____ selbst noch nach dem Ende des Überholverbots – dann zwar mit 
erhöhter Geschwindigkeit – möglich gewesen wäre. Die Berufungsklägerin hält 
ferner fest, dass die Vorinstanz bei der Sachverhaltsfeststellung den Umstand un-
berücksichtigt gelassen habe, dass dasselbe Gericht den bei der Beklagten versi-
cherten B._____ – trotz mehrfacher Rückweisungsentscheide – letztlich vollum-
fänglich freigesprochen habe.

7.4. Die Berufungsbeklagte stimmt der Berufungsklägerin darin zu, dass gewis-
se Aussagen der Zeugen widersprüchlich seien, allerdings würden diese Wider-
sprüche irrelevante Sachverhaltsdetails betreffen. Ob der Fahrzeuglenker B._____ 
im Bereich der Unfallstelle zwei oder drei Fahrzeuge in einem Zug überholt habe 
oder nur die letzteren beiden, spiele für die Rekonstruktion des Unfalls und den 
Tatbeitrag B._____s keine Rolle. Das Gutachten des Strassenverkehrs- und 

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Schifffahrtamtes des Kantons St. Gallen vom 19. Juli 2010 habe schliesslich beide 
hypothetischen Geschehensabläufe untersucht und beide für möglich befunden. 
Bei beiden Hypothesen beurteile der Gutachter den kausalen Beitrag B._____ am 
Zustandekommen des Unfalls als wesentlich. Auch wenn das Überholen des 
Fahrzeuges G._____ "weggedacht" werde, ändere sich nichts am massgeblichen 
Sachverhalt. Die von der Vorinstanz angenommene Tatbestandsvariante 1 sei 
aufgrund der Zeugenaussagen und vor allem der Spurenanalyse eine von zwei 
Varianten, wie sich der Überholvorgang und letztlich der Unfall abgespielt habe. 
Wenn die Tatbestandsvariante 1 zugrunde gelegt werde, könne sich B._____ nicht 
auf gleicher Höhe mit dem Fahrzeug von A._____ befunden haben, als diese ge-
gen die Fahrbahnmitte geschwenkt sei, wie dies der Zeuge E._____ darlege. Die 
Spurenanalyse schliesse dies aus. Als Frau A._____ ihr Bremsmanöver begonnen 
habe, sei sie bereits komplett links der Mitte gefahren und dort habe B._____s 
Fahrzeug neben ihr nicht mehr Platz gehabt. Dass B._____ das Überholmanöver 
mit stark überhöhter Geschwindigkeit theoretisch erst nach dem Ende des Über-
holverbots hätte beginnen können, sei eine Variante, die ihn erstens nicht entlas-
ten würde und zweitens auch unwahrscheinlich, denn in jenem Zeitpunkt habe 
A._____ ihr Überholmanöver längst begonnen und sei bereits teilweise über der 
Fahrbahnmitte gefahren. B._____ habe so gar nicht überholen können. Aus haft-
pflichtrechtlicher Sicht sei im vorliegenden Fall lediglich entscheidend, ob bei einer 
der  beiden denkbaren Unfallvarianten das Überholmanöver B._____s nach dem 
gewöhnlichen Lauf der Dinge und der Erfahrungen des Lebens als geeignet er-
scheine, den anschliessenden Verkehrsunfall herbeizuführen oder zumindest zu 
begünstigen. 

Korrekt sei schliesslich der berufungsklägerische Vorwurf, dass sich die Vor-
instanz nur auf eine von zwei möglichen Unfallvarianten fokussiert habe. Es gebe 
tatsächlich einige Unvereinbarkeiten mit gewissen Zeugenaussagen und insbe-
sondere auch mit den Aussagen B._____s. So erwähnte keiner der Befragten ein 
Aufschliessen B._____s auf das bereits überholende Fahrzeug A._____s. Falls sie 
brüsk abgebremst hätte, hätte B._____ ebenfalls bremsen müssen und hätte 
A._____ wahrscheinlich nicht in einem Zug überholen können. Die zweite Unfall-
variante dagegen stimme mit den polizeilichen Abklärungen überein, den Aussa-
gen B._____s, der Zeugin F._____, des Zeugen E._____ anlässlich der kantons-
polizeilichen Einvernahme und des Zeugen G._____ und liege auch dem Ent-
scheid der II. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden vom 15. Juli 
2009 zugrunde (nachfolgend als Tatbestandsvariante 2 bezeichnet). Die Tatbe-
standsvariante 2, bei welcher es bereits ca. 4.5 Meter nach dem Überholverbot zu 

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einer Streifkollision gekommen sei, habe sich mit Verweis auf den kantonspolizei-
lichen Unfallrapport (vgl. act. KB 5) wie folgt abgespielt:

"[…] Beim Ende des Überholverbotes, nach der Abzweigung O.3_____, 
dürfte A._____ sich zum Überholen dieses vor ihr fahrenden Fahrzeuges 
entschlossen haben. Dabei dürfte A._____ übersehen haben, dass ihr Wa-
gen zu diesem Zeitpunkt bereits durch den PW B._____, Audi, GR _____, 
überholt wurde. Während A._____ die Spur wechselte, befand sich 
B._____ bereits neben ihrem Fahrzeug. Mit grosser Wahrscheinlichkeit 
kam es in der Folge zu einer leichten Kollision zwischen den beiden Fahr-
zeugen. Dabei dürfte A._____ mit ihrem Pw, Citroen, GR _____ mit dem 
linken Aussenspiegel leicht mit der rechten hinteren Seitenwand des Pw 
B._____, Audi, GR _____ kollidiert sein. Durch diese leichte Kollision muss 
die Lenkerin erschrocken sein und hat den Wagen brüsk zurück auf die 
rechte Seite gelenkt und gleichzeitig gebremst. Dadurch muss der Wagen 
instabil geworden und ins Schleudern geraten sein. […]"

Es sei eine Schwäche des angefochtenen Entscheides, dass sich die Vorinstanz 
mit dieser möglichen, ja sogar wahrscheinlicheren Unfallvariante 2 nicht näher 
auseinander gesetzt und deshalb auch nicht weiter geprüft habe, wie B._____s 
kausaler Unfallbeitrag und sein Verschulden bei dieser zweiten Variante zu beur-
teilen seien. Allerdings kommt die Berufungsbeklagte zum Schluss, dass bei bei-
den in Frage kommenden Unfallvarianten die Voraussetzungen einer Haftung 
nach Art. 61 Abs. 1 SVG ohne weiteres erfüllt seien. 

8.1. Mit der Berufung kann das Kantonsgericht von Graubünden den angefoch-
tenen Entscheid hinsichtlich des Sachverhaltes vollumfänglich überprüfen (vgl. 
Art. 310 ZPO; vgl. dazu E. 3.) 

8.2. Vorab ist darauf hinzuweisen, dass die berufungsklägerische Rüge, die Vor-
instanz hätte den Umstand berücksichtigen müssen, dass B._____ im Strafverfah-
ren gänzlich freigesprochen worden sei, ins Leere zielt. Denn gemäss Art. 53 OR 
ist der Zivilrichter bei der Beurteilung der Schuld oder Nichtschuld, der Urteils-
fähigkeit oder Urteilsunfähigkeit nicht an die strafrechtliche Zurechnungsfähigkeit 
oder an die Freisprechung durch das Strafgericht gebunden (Abs. 1). Damit regelt 
Art. 53 Abs. 1 OR das Verhältnis zwischen der Kognitionsbefugnis der Zivilgerich-
te und dem Strafrecht, soweit es um die Beurteilung der Schuld oder Nichtschuld 
geht. Nicht geregelt bleiben die Fragen der Bindung des Zivilrichters an ein Straf-
urteil in Sachverhaltsfragen sowie mit Bezug auf die Problembereiche der Wider-
rechtlichkeit und des adäquaten Kausalzusammenhangs (vgl. Roland Brehm, in: 
Hausheer/Walter [Hrsg.], Berner Kommentar, Obligationenrecht, Die Entstehung 
durch unerlaubte Handlung, Art. 41-61 OR, 4. Aufl., Bern 2013, N 22 zu Art. 53 
OR [zit. BK-Roland Brehm]). Aus der Tatsache, dass diese Punkte in Art. 53 OR 
nicht geregelt sind, darf aber nicht e contrario darauf geschlossen werden, dass 

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das Zivilgericht diesbezüglich an die Entscheidung des Strafgerichts gebunden 
wäre (BGE 125 III 401 E. 3; BK-Roland Brehm, a.a.O., N 23 zu Art. 53; Martin 
Kessler, in: Honsell/Vogt/Wiegand [Hrsg.], Basler Kommentar, Obligationenrecht I, 
6. Aufl., Basel 2015, N 4 zu Art. 53 OR; Christian Müller, in: Furrer/Schnyder 
[Hrsg.], Handkommentar zum Schweizerischen Privatrecht, 3. Aufl., Zürich 2016, 
N 12 zu Art. 53 OR). 

Die Unabhängigkeit des Zivilgerichts bedeutet indes nicht, dass dieses willkürlich 
darüber entscheiden darf, ob es ein Strafurteil als verbindlich betrachten will oder 
nicht. Vielmehr hat es in jedem Fall die Voraussetzungen der Haftpflicht unabhän-
gig und frei zu überprüfen. Es kann sich dabei den tatsächlichen Erkenntnissen 
und rechtlichen Einschätzungen des Strafgerichts anschliessen. Das Zivilgericht 
hat aber stets eine eigene Würdigung der Sachlage vorzunehmen und muss dar-
aus eigene Schlüsse ziehen (vgl. BK-Roland Brehm, a.a.O., N 29 zu Art. 53 OR). 
Nur dann, wenn es – nach einer eigenen Würdigung der Beweislage – zum Er-
gebnis gelangt, dass die strafgerichtlichen Feststellungen zutreffen, kann es sich 
diesen anschliessen. Kommt es aufgrund einer eigenen Würdigung zu einer ab-
weichenden Einschätzung, ist es nicht gehalten, sich mit der strafgerichtlichen Er-
kenntnis im zivilrechtlichen Urteil auseinanderzusetzen und darzutun, weshalb sie 
von dieser abweicht. Insoweit kann der Vorinstanz vorliegend kein Vorwurf ge-
macht werden, hat sie die Voraussetzungen der Haftung doch nach einer eigenen 
umfassenden Würdigung des Sachverhalts bejaht. Ohnehin fällt ein unbesehenes 
Übernehmen der strafrechtlichen Erkenntnis mangels Begründung ausser Be-
tracht, sind die entsprechenden Überlegungen des Strafgerichts nicht eruierbar. 
Selbst ein Freispruch steht einer Zusprechung von Schadendersatz durch das Zi-
vilgericht nicht im Weg (vgl. Pra 86 [1997] Nr. 170 E. 4.2.)

8.3.1. Die Verhandlungsmaxime besagt, dass es Sache der Parteien ist, dem Ge-
richt das Tatsächliche des Rechtsstreits darzulegen (vgl. Art. 55 Abs. 1 ZPO). Das 
Gericht darf seinem Urteil nur behauptete Tatsachen zugrunde legen. Beweismit-
tel für bestrittene Tatsachen sind von den Parteien zu nennen. Gemäss Art. 8 ZGB 
hat – gesetzliche Spezialbestimmungen vorbehalten – derjenige das Vorhanden-
sein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet (vgl. zu 
den spezifischen Beweislastverteilungen im jeweiligen Sachzusammenhang nach-
folgende Erwägungen). 

8.3.2. Die schweizerische Zivilprozessordnung ist der freien Beweiswürdigung 
verpflichtet (vgl. Art. 157 ZPO). Diesem Grundsatz nach wertet der Richter die 
Beweise umfassend, pflichtgemäss und nach freier Überzeugung. Sämtliche Be-

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weismittel sind objektiv zu prüfen und gestützt darauf ist zu entscheiden, ob das 
vorhandene Tatsachenmaterial eine zuverlässige Beurteilung des streitigen 
Rechtsanspruchs erlaubt (Urteil des Bundesgerichts 5A_256/2007 vom 20. Juli 
2007 E. 3.2). Der Grundsatz der freien Beweiswürdigung verbietet es, unter den 
Beweismitteln eine Rangordnung vorzusehen; vielmehr sind alle Beweismittel 
grundsätzlich gleichwertig (vgl. Franz Hasenböhler, in: Sutter-
Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivil-
prozessordnung, 3. Aufl., Zürich 2016, N 14 zu Art. 157 ZPO). 

Ob ein Beweis geleistet oder gescheitert ist, beurteilt sich – abhängig vom ver-
langten Beweismass (je nach Beweisgegenstand genügt das Beweismass des 
Regelbeweises/ der überwiegenden Wahrscheinlichkeit/ des Glaubhaftmachens) – 
nach dem Gesamtbild, wie es aus dem Beweisverfahren resultiert und unter 
Berücksichtigung des verlangten Beweismasses (Isabelle Berger-Steiner, Das 
Beweismass im Privatrecht, Bern 2008, N 02.50). Die Beweiswürdigung muss ge-
samthaft betrachtet vertretbar, d.h. plausibel und nachvollziehbar sein (vgl. Urteil 
des Bundesgerichts 4A_257/2007 vom 8. November 2007 E. 2). 

8.3.3. Nach dem bundesrechtlichen Regelbeweismass gilt ein Beweis als er-
bracht, wenn das Gericht nach objektiven Gesichtspunkten von der Richtigkeit 
einer Sachbehauptung überzeugt ist. Ausnahmen von diesem Regelbeweismass 
der vollen Überzeugung ergeben sich aus dem Gesetz und sind durch Rechtspre-
chung und Lehre herausgearbeitet worden. So wird insbesondere eine überwie-
gende Wahrscheinlichkeit als ausreichend betrachtet, wo ein strikter Beweis nicht 
nur im Einzelfall, sondern der Natur der Sache nach nicht möglich oder nicht zu-
mutbar ist und insofern eine "Beweisnot" besteht (BGE 130 III 321 E. 3.2 m.w.H.). 
Nach dem Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (la vraisemblance 
prépondérante, la verosimiglianza preponderante) gilt ein Beweis als erbracht, 
wenn für die Richtigkeit der Sachbehauptung nach objektiven Gesichtspunkten 
derart gewichtige Gründe sprechen, dass andere denkbare Möglichkeiten vernünf-
tigerweise nicht massgeblich in Betracht fallen (BGE 130 III 321 E. 3.3). Beson-
ders bei Strassenverkehrsunfällen gestaltet sich die Beweiserhebung häufig 
schwierig, weshalb in diesen Fällen keine exorbitanten Anforderungen an die Be-
weisführung gestellt werden können. Wenn in einem konkreten Fall kein zwingen-
der Beweis möglich ist, muss es genügen, wenn ein bestimmter Unfallverlauf mit 
überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht (prima-facie-Beweis; vgl. Urban Vin-
cenz Hulliger, Die Haftungsverhältnisse nach Art. 60 und 61 SVG, Diss. Freiburg 
2003, S. 119 und 143 m.w.H.). 

19 / 49

8.3.4. Hinsichtlich der Beweismittel gilt es im vorliegenden Fall das Folgende fest-
zustellen:

Die ZPO sieht in Art. 168 Abs. 1 ZPO einen numerus clausus der zulässigen Be-
weismittelarten vor. Die Vorschrift legt unter dem Vorbehalt des Freibeweises von 
Abs. 2 die sechs zulässigen Beweismittel fest und sagt damit implizit, dass alle 
anderen Beweismittel "unzulässig" seien. Gemäss Art. 168 Abs. 1 ZPO werden 
das Zeugnis, der Urkundenbeweis, der Augenschein, das Gutachten sowie die 
beiden Arten der Parteieinvernahme als Beweismittel zugelassen. 

Wie noch zu zeigen sein wird, stützte sich die Vorinstanz in weiten Teilen auf die 
Ausführungen im Gutachten des Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamtes des 
Kantons St. Gallen vom 19. Juli 2010 (KB 28). Zwar haben Gutachten unter Ein-
haltung spezifischer formeller Voraussetzungen eingeholt zu werden 
(Art. 183 ff. ZPO), damit sie als "gerichtliche Gutachten" i.S.v. Art. 168 Abs. 1 
lit. d ZPO gelten und sie eine entsprechende (verstärkte) Beweiskraft erheischen. 
Indessen kann ein Gutachten, das von einer anderen Behörde in einem anderen 
(z.B. strafrechtlichen) Verfahren eingeholt wurde (sogenanntes Fremdgutachten), 
auch als gerichtliches Gutachten i.S.v. Art. 183 ff. ZPO berücksichtigt werden (vgl. 
BGE 140 III 24 E. 3.3.1.3.). Es handelt sich hierbei gemäss bundesgerichtlicher 
Rechtsprechung um ein vollwertiges Beweismittel, wobei allerdings den Parteien 
grundsätzlich ihre Verfahrensrechte (Geltendmachung von Ausstandsgründen/ 
Stellung von Ergänzungsfragen etc.) gewährleistet sein müssen. Dass letzteres 
vorliegend zutrifft, ist fraglich. Weil aber keine der Parteien gegen das Gutachten 
Einwendungen erhoben hatte und auch nicht im vorliegenden Berufungsverfahren 
erhebt, ist diese Frage nicht weiter zu vertiefen und das Gutachten als Beweismit-
tel zuzulassen.

Des Weiteren stützte sich die Vorinstanz auf diverse Einvernahmeprotokolle, die 
im Rahmen des gegen B._____ geführten Strafverfahrens erhoben worden waren. 
Der Berufungsinstanz ist nicht ersichtlich, als welche "Beweismittelart" die Vorin-
stanz diese Aussagen berücksichtigte. Weil indes die formellen Voraussetzungen 
von Art. 170 ff. ZPO fehlen, um die Aussagen als "Zeugnisbeweis" zu berücksich-
tigen, kommt eine Berücksichtigung nur als Urkundenbeweis i.S.v. Art. 177 ff. ZPO 
in Betracht. Als Urkunden gelten namentlich Dokumente wie Schriftstücke, die ge-
eignet sind, rechtserhebliche Tatsachen zu beweisen (vgl. Art. 177 ZPO). Eine 
Urkunde ist dann zum Beweis geeignet, wenn sie geeignet ist, durch ihren Inhalt 
Rechtserhebliches auszusagen, also allein oder in Verbindung mit anderen Be-
weismitteln entweder dem Beweis oder der Glaubhaftmachung einer Tatsache 

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dienen (vgl. Markus Schweizer/Christian Eichenberger, Schriftliche Zeugenaussa-
gen, in: Jusletter vom 28. Februar 2011, S. 4, N 10). Damit ist für den zivilprozes-
sualen Begriff der Urkunde einzig die "Eignung als Erkenntnisquelle" relevant (vgl. 
Botschaft ZPO, a.a.O., 7322). Den Einvernahmeprotokollen sind Aussagen hin-
sichtlich des vorliegend rechtlich relevanten Sachverhaltes zu entnehmen. Zweifel-
los eignen sich diese Schriftstücke damit als Erkenntnisquelle, weshalb sie als 
"Zeugnisurkunden" berücksichtigt werden können (Markus Schweizer/Christian 
Eichenberger, a.a.O., S. 4 N 7; Heinrich Andreas Müller, in: Brun-
ner/Gasser/Schwander, DIKE-Kommentar ZPO, 2. Aufl., N 7 f. zu Art. 177 ZPO). 
Nicht verkannt werden darf dabei, dass insbesondere B._____ als beschuldigte 
Person i.S.v. Art. 111 ff. StPO nicht der Strafandrohung von Art. 307 StGB unter-
liegt. Demgegenüber sind die im Strafverfahren einvernommenen Personen gleich 
wie Zeugen i.S.v. Art. 169 ff. ZPO der Wahrheit verpflichtet und stehen unter der 
Strafandrohung von Art. 307 StGB. Zu berücksichtigen ist weiter, dass vor allem 
der fehlende persönliche Eindruck des Zeugen auf das Gericht und die fehlende 
Möglichkeit der anderen Partei, dem Zeugen Ergänzungsfragen zu stellen (vgl. 
Art. 173 ZPO) die (formelle) Beweiskraft der Einvernahmen zumindest relativieren. 
Vollen Beweis vermögen die Zeugnisurkunden aber ohnehin lediglich dafür zu er-
bringen, dass die enthaltene Erklärung vom Aussteller abgegeben worden ist 
("formelle Beweiskraft"). Die Beantwortung der Frage, ob die Erklärung der Wahr-
heit entspricht und welche Auswirkungen dies auf die glaubhaft zu machende Be-
hauptung zeitigt (sogenannte "materielle Beweiskraft"), ist sowieso nach den ge-
samten Umständen des Einzelfalls im Rahmen der freien Beweiswürdigung zu 
bestimmen (vgl. E. 8.3.2.). Die Zeugnisurkunde ist für die Wahrheit ihres Inhalts 
ein Indiz – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die materielle Beweiskraft hängt 
dabei wesentlich von der Glaubwürdigkeit des Ausstellers ab; diese wiederum von 
seiner Stellung zu den Parteien und seinem Interesse am Ausgang des Streites, 
resp. am Interesse, die Zeugenaussage im Sinne einer Partei abzugeben. In casu 
ist zu beachten, dass – abgesehen von B._____, welcher als beschuldigte Person 
einvernommen worden war – alle Personen unter Strafandrohung von Art. 307 
StGB einvernommen wurden. Mithin kann die (materielle) Beweiskraft ihrer Aus-
sagen nicht per se als reduziert gelten. Auf die materielle Beweiskraft negativ aus-
zuwirken vermag indes der fehlende persönliche Eindruck des Zeugen auf das 
Gericht und die fehlende Möglichkeit der anderen Partei, dem Zeugen Ergän-
zungsfragen zu stellen (vgl. Art. 173 ZPO).

21 / 49

8.4. In einem ersten Schritt sind anhand der berufungsklägerischen Rügen, 
Vorbringen und Akten die für die Beurteilung des Überholmanövers relevanten 
Sachverhaltselemente zu ermitteln.

Zunächst gilt es festzuhalten, dass das Manöver der verunfallten Fahrzeuglenkerin 
A._____ aufgrund der Ausführungen im Gutachten des Strassenverkehrs- und 
Schifffahrtamtes des Kantons St. Gallen vom 19. Juli 2010 als erstellt gilt, war die-
ses Manöver bereits im vorinstanzlichen Verfahren nicht bestritten. Diese Sach-
verhaltsfeststellung der Vorinstanz (vgl. angefochtener Entscheid E. 5.b) wird 
denn auch im Rahmen der Berufung nicht gerügt. Ebenso unbestritten ist die 
Feststellung, dass der Fahrzeuglenker B._____ das Fahrzeug mit der verunfallten 
Fahrzeuglenkerin A._____ überholte. 

Nicht moniert wird sodann die sich auf die Ausführungen im Gutachten stützende 
Feststellung der Vorinstanz, die Bremseinleitungsgeschwindigkeit von A._____ 
habe ca. 69-75 km/h betragen (Verzögerungswert von 6.5 bis 7.5 m/s2 [älteres 
Fahrzeug ohne ABS] und unter Berücksichtigung einer minimalen Ansprech- und 
Schwellzeit von 0.1 bis 0.2 Sekunden [unsichtbarer Bremsweg]). 

Gleiches gilt hinsichtlich der von der Vorinstanz festgestellten Überholgeschwin-
digkeit des Fahrzeug B._____s von ca. 80 km/h, der fehlenden Kollision zwischen 
dem Fahrzeug von A._____ und B._____ sowie der Haltereigenschaft von 
A._____ und B._____ der von ihnen am Unfalltag gelenkten Fahrzeuge. Diese 
Feststellungen werden im vorliegenden Berufungsverfahren nicht gerügt.

8.5. Sodann lässt sich aufgrund gewisser harter Fakten auf weitere Sachver-
haltselemente schliessen, die dadurch als erstellt gelten: 

So lässt die Tatsache, dass sich das Fahrzeug A._____ vor der ersten Bremsspu-
renzeichnung auf bzw. links der Mittellinie der linken Fahrbahn befand (rechtes 
Vorder- und Hinterrad praktisch auf der Mittellinie), ausschliessen, dass sich das 
Fahrzeug B._____ zur gleichen Zeit neben diesem befinden konnte. Des Weitern 
ist anhand der Spuren des Fahrzeugs A._____ feststellbar, dass A._____ vor dem 
Durchbrechen des Bündnerzaunes eine Vollbremsung, bei welcher eine ca. 21.5 
m lange Blockierspur des rechten Vorderrades gezeichnet wurde, einleitete. Die 
Berufungsklägerin versucht zwar in Abrede zu stellen, dass diese Bremsspur dem 
Fahrzeug A._____ zugeordnet werden könne, was nicht zutrifft. Einerseits führte 
der verantwortliche Polizeibeamte, Wachtmeister H._____, auf Anfrage des Gut-
achters C._____ aus, dass es sich klarerweise um ganz frische Spuren gehandelt 
habe, weshalb diese Spuren dem Unfall zugeordnet worden seien (vgl. KB act. 28 

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S. 9). Des Weitern führt C._____ im Gutachten aus, dass einerseits die intensiv 
gezeichnete Blockierspur zum Umstand passe, dass das Fahrzeug A._____ über 
kein Antiblockiersystem an den Vorderrädern verfüge und andererseits, setze man 
das massstäbliche Fahrzeugmodell auf die beiden rechten Spuren, ersichtlich sei, 
dass die linke Spur einwandfrei mit der Position des linken Hinterrades überein-
stimme. Aus Sicht des Gutachters seien diese Spuren eindeutig durch das Fahr-
zeug A._____ gezeichnet worden. Dieser Sichtweise schliesst sich auch das 
streitberufene Gericht an.

8.6.1 Demgegenüber lässt sich das von der Vorinstanz gestützt auf das Gutach-
ten und in Würdigung der verschiedenen Aussagen erstellte Unfallszenario nicht 
erstellen. 

Dem Gutachten ist zu entnehmen, dass eine eigentliche Synchronisation zwischen 
den beiden Fahrzeugen nicht möglich ist, weil ein eindeutiger Verknüp-
fungs(zeit)punkt fehlt. Daher führt der Gutachter selbst aus, dass "[…]. Selbstver-
ständlich sind leichte Abweichungen möglich, da z.B. die Beschleunigungswerte 
der beiden Fahrzeuge beim Überholmanöver nirgends registriert sind und demzu-
folge angenommen werden mussten. Wie bereits erwähnt, musste für die Syn-
chronisation der Beginn des Überholmanövers und das Ende der Schleuderfahrt 
des Fahrzeuges A._____ gewählt werden. Dabei handelt es sich eher um eine 
Minimalvariante, welche mit 80 km/h noch möglich war. Selbstverständlich wäre 
auch eine höhere Beschleunigung für das Fahrzeug B._____ möglich (hohe Mo-
torleistung 120kW  ca. 163 PS). […]". Als Beginn setzte der Gutachter die Fahrt 
von B._____ so an, "dass das Fahrzeug kurz bevor das Fahrzeug A._____ wie-
derum auf die linke Fahrbahnhälfte geriet, die fragliche Position passiert hatte." 
(vgl. Gutachten, KB 28, S. 13). Ausgangspunkt des Gutachtens bildet demzufolge 
ein auf einer Annahme gründender Synchronisationspunkt. Eine Veränderung die-
ses Synchronisationspunktes führt automatisch zu neuen Annahmen und Berech-
nungen, folglich zu einem neuen Unfallablauf. Bereits aus diesem Grund sind die 
gutachterlichen Schlussfolgerungen, zumindest hinsichtlich des Gesamtablaufes, 
zurückhaltend zu würdigen. 

Wie der Gutachter auf diesen Synchronisationspunkt kommt, entzieht sich der 
Kenntnis des streitberufenen Gerichts. Vermutlich stützte sich dieser auf die Aus-
sage von G._____ anlässlich der Konfronteinvernahme vom 29. September 2008, 
nota bene mehr als ein Jahr nach dem Unfall, anlässlich welcher dieser angab, 
B._____ habe A._____ in dem Moment passiert, als diese ihr brüskes Ausweich-
manöver nach rechts begonnen hatte ("Er war vielleicht etwa auf meiner Höhe. In 

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der Zeit als A._____ die geschilderten Lenkmanöver machte, fuhr B._____ auf der 
Gegenfahrbahn an ihr vorbei. […]"; [vgl. BB act. 6 S. 3]). Diese Schilderung steht 
jedoch im Widerspruch mit den Aussagen der übrigen einvernommenen Personen 
und auch mit seiner eigenen Schilderung des Unfallherganges anlässlich seiner 
ersten Einvernahme am Unfalltag; so führte er aus: "[…]. Anschliessend setzte der 
PW-Lenker GR _____ zum Überholen des verunfallten Fahrzeuges an, und fuhr 
an diesem vorbei. Folglich erschrak die verunfallte Lenkerin und steuerte das Auto 
zuerst auf die Mauer zu, welche sie nicht streifte, anschliessend auf die andere 
Seite über die Gegenfahrbahn hinaus über den Abgrund (Hervorhebungen durch 
den Verfasser)." (vgl. KB act. 10 S. 1). Daraus geht hervor, dass B._____ das 
Fahrzeug A._____ am Überholen begriffen war, als diese mit dem Schwenkmanö-
ver nach links begann. Diese Aussage deckt sich denn auch mit der weiteren Aus-
sage, A._____ sei durch den Überholvorgang behindert worden und darum ge-
zwungen gewesen "ihr Fahrzeug ruckartig abzubremsen". (vgl. KB act. 10 S. 2). 
Auch diese Aussage lässt auf eine nachfolgende Reaktion von A._____ schlies-
sen, erst nachdem bzw. während sie überholt wurde. Auf Gleiches lassen auch die 
Aussagen E._____s anlässlich dessen ersten Einvernahme vom 21. Juli 2007 
schliessen, welcher den Überholvorgang derart schilderte, dass: "[…]. Auf Höhe 
der Einspurstrecke überholte der Audi- Fahrer den aufgeschlossenen kleinen Per-
sonenwagen. Als dieser auf gleicher Höhe mit dem zu Überholenden war, 
schwenkte dessen Lenkerin ihr Fahrzeug zweimal gegen die Fahrbahnmitte und 
wieder bergseitig zum rechten Strassenrand [Mauer] (Hervorhebungen durch den 
Verfasser)." (KB act. 11 S. 1). An diesen Ausführungen hielt er auch in seiner 
späteren Einvernahme fest (vgl. KB act. 14 S. 2). Gleich sind auch die Aussagen 
von B._____, welcher den Ablauf wie folgt beschreibt: "Als ich am ersten Fahrzeug 
(Fahrzeug von A._____ [Anmerkung des Verfassers]) schon beinahe vorbei war, 
schrie eine meiner Mitfahrerinnen auf. Offenbar war das erste überholte Fahrzeug 
gegen die Mitte geraten (Hervorhebungen durch den Verfasser). […]" (KB act. 12 
S. 1). Mit diesem Ablauf deckt sich auch die Schilderung von F._____, der Beifah-
rerin von B._____. Diese schildert in nachvollziehbarer Weise, in Eingestehen von 
Wissenslücken, detailliert und mit der entsprechenden Emotion verknüpft, was ihre 
Ausführungen, auch in Berücksichtigung der kurzen Zeit zwischen dem Überhol-
manöver und der Einvernahme (am 24. Juli 2007), sehr glaubhaft erscheinen las-
sen, das Folgende: "[…]. Zum Zeitpunkt des dieses [sic!] Überholmanövers schau-
te ich auf meine Hände und war mit meinem Gedanken woanders. Als B._____  
mit seinem Pw, _____, zirka auf Höhe des PW A._____, GR _____ befand, 
schaute ich nach rechts und stellte fest, dass die Lenkerin mit ihrem Fahrzeug 
immer mehr gegen die Fahrbahnmitte fuhr (Hervorhebungen durch den Verfas-

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ser). Durch diesen Umstand erschrak ich sehr." Vor dem Hintergrund der de-
ckungsgleichen Äusserungen unterschiedlicher Personen, die voneinander unab-
hängig den Ablauf gleich schilderten, lässt sich am erwähnten gutachterlichen 
Synchronisationspunkt nicht mehr festhalten. Dies umso weniger, als bei der gut-
achterlichen Variante der (nahe) hinter A._____ fahrende B._____ bei einer Voll-
bremsung von dieser unweigerlich ebenfalls hätte abbremsen müssen, was keiner 
der einvernommenen Personen aussagte. Auch erscheint es der Berufungsinstanz 
wenig plausibel, ein vor sich ins Schlingern geratenes Fahrzeug durch Beschleu-
nigung zu überholen. Schliesslich wird die Feststellung der Berufungsinstanz auch 
durch die Aussage von G._____ gestützt, welcher in seiner ersten Einvernahme 
zu Protokoll gab, dass die verunfallte Lenkerin durch B._____ von vorne behindert 
worden sei, durch das rücksichtslose Wiedereinbiegen. Aus seiner Perspektive 
mag dies so zutreffen, wurde doch während des Überholvorganges das Fahrzeug 
A._____ aufgrund ihres Ausschwenkens instabil (vgl. KB act. 10 S. 2; vgl. nachfol-
gende Erwägungen). 

8.6.2. Die vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellungen, wonach A._____ zum 
Überholen des vor ihr fahrenden Fahrzeugs ansetzte und daher gegen links aus-
schwenkte, blieben unbestritten. Auf diese kann abgestellt werden, zumal auch 
aus der vom Gutachter ermittelten Bremseinleitungsgeschwindigkeit von ca. 69-75 
km/h seitens A._____s, unter Berücksichtigung der Fahrgeschwindigkeit der Ko-
lonne von 50 bis 60 km/h (vgl. KB act. 12, act. 15 sowie BB act. 6), darauf ge-
schlossen werden kann, dass A._____ im Begriff war, ein Fahrzeug zu überholen 
(vgl. auch die glaubhafte Aussage von G._____, welcher angibt, vor A._____ habe 
sich ein Fahrzeug befunden [KB act.10; BB act. 6 S. 6]; vgl. auch die Aussage von 
B._____, welcher angibt, A._____ und ein vor ihr fahrendes Fahrzeug überholt zu 
haben [KB act. 12 S. 1]). Anders liesse sich das Ausschwenken von A._____ nach 
links nicht erklären. Wie noch zu zeigen sein wird, sind die diesbezüglichen hypo-
thetischen Einwendungen der Berufungsklägerin nicht stichhaltig (vgl. E. 9.3.3.). 

8.6.3. Sodann gilt es zu prüfen, ob B._____ – wie es die Vorinstanz feststellte – 
auch das Fahrzeug von G._____ gemeinsam mit dem Fahrzeug A._____ in einem 
Vorgang überholt hat. Hierzu gab G._____ in seiner ersten Einvernahme an, er sei 
von B._____ überholt worden und auf die dritte Position versetzt worden. Ansch-
liessend habe B._____ zum Überholen des verunfallten Fahrzeuges angesetzt 
(vgl. KB act. 10, S. 1). B._____ habe dabei ziemlich rasch zum Überholen des vor 
ihm fahrenden Fahrzeuges angesetzt. Er habe sein Fahrzeug abrupt auf die Ge-
genfahrbahn gelenkt und das verunfallte Fahrzeug überholt (KB act. 10, S. 2). Er 
selbst sei durch das Fahrverhalten von B._____ nicht behindert worden. Sein Ab-

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stand zum verunfallten Fahrzeug habe ca. 20 Meter betragen. Diese Schilderun-
gen des Vorganges lassen darauf schliessen, dass B._____ zuerst G._____ und 
erst in einem zweiten Vorgang A._____ überholte, was sich überdies mit der Aus-
sage B._____s deckt, wonach er G._____ bereits auf der O.1_____erbrücke 
überholt habe (KB act. 12 S. 2). Diese letztere Aussage deckt sich wiederum mit 
der Aussage E._____s, welcher in seiner Einvernahme vom Unfalltag noch zu 
Protokoll gab, dass B._____ das Fahrzeug G._____ auf der O.1_____erbrücke 
überholt habe (vgl. KB act.11, S. 1). Dieser sagte anlässlich der Einvernahme 
auch aus, B._____ habe auf den kleinen Personenwagen von A._____ "aufge-
schlossen" und ihn "sodann überholt" (KB act. 11, S. 1). 

Wie dargelegt, ist aufgrund der Schilderungen von G._____ anlässlich seiner Ein-
vernahme vom 21. Juli 2007 in casu einzig darauf zu schliessen, dass B._____ 
zuerst G._____ überholt hatte und erst in einem zweiten Vorgang A._____ über-
holte (vgl. vorstehend). Diese Ausführungen sind in sich geschlossen und nach-
vollziehbar und stimmen des Weitern mit den Aussagen in den ersten Einvernah-
men der übrigen Zeugen überein. Damit erweisen sich diese Aussagen als glaub-
haft. Daran ändert auch die abweichende Schilderung des Unfalles anlässlich der 
Konfronteinvernahme nichts, an welcher G._____ angab, B._____ habe ihn und 
A._____ auf einmal überholt. Zum einen liegt zwischen der Konfronteinvernahme 
und dem Unfalltag über ein Jahr, während welcher Zeit Erinnerungen sich trüben 
und ungenau werden können (vgl. Peter Schumacher, Würdigung von Zeugen- 
und Parteiaussagen, in: AJP 12/2000, S.1455). Dies wird denn auch aus den vie-
len offensichtlichen Widersprüchen der Aussagen G._____s anlässlich seiner 
Konfronteinvernahme und seiner ersten Einvernahme deutlich (vgl. nachfolgend). 

Für einen Überholvorgang von zwei Fahrzeugen spricht auf der anderen Seite die 
Aussage E._____s, welche er ein bzw. zwei Tage nach seiner ersten Einvernah-
me tätigte und einen neuen Unfallhergang schilderte (vgl. KB act. 13 und 14). So 
soll B._____ G._____ nicht schon auf der O.1_____brücke, sondern erst kurz vor 
dem Unfallort, gemeinsam mit A._____, auf einmal überholt haben. Auch die Aus-
sage G._____s anlässlich der Konfronteinvernahme deutet darauf hin, dass 
B._____ das Fahrzeug A._____ auf einmal, d.h. gemeinsam mit seinem, überholt 
hatte. Diese ein Jahr nach dem Unfall wiedergegebene Aussage G._____s er-
scheint der Berufungsinstanz indessen nicht glaubhaft. So schildert G._____ 
schon den gesamten Unfallablauf und im Speziellen den Ablauf des Überhol-
manövers wesentlich anders, als er dies anlässlich seiner ersten Einvernahme tat. 
So spricht er auf einmal gar von einem entgegenkommenden Fahrzeug, welches 
B._____ zum ruckartigen Wiedereinbiegen, knapp vor A._____, veranlasst haben 

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soll. Keiner der übrigen Zeugen äusserte sich zu einem solchen entgegenkom-
menden Fahrzeug. Selbst G._____ konnte in der ersten Einvernahme nicht mehr 
sagen, ob Gegenverkehr herrschte (KB act. 4 S. 2). Zudem steht diese Äusserung 
der Feststellung der Berufungsinstanz entgegen, wonach B._____ zwei Fahrzeu-
ge, d.h. dasjenige von A._____ und das vor dieser fahrende Fahrzeug, überholt 
hatte. Andererseits wies G._____ selbst in der Konfronteinvernahme darauf hin, 
dass er nicht mehr sagen könne, wer genau hinter oder vor ihm gefahren sei, wo-
bei er sogleich wiedergibt, dass A._____ vor ihm gefahren sei (BB act. 6 S. 3). 
Auch widersprechen sich seine Aussagen hinsichtlich des Abstandes zum voraus-
fahrenden Auto. In der ersten Einvernahme gab er noch 20 Meter zu Protokoll, in 
der Konfronteinvernahme äusserte er einen Abstand von 5-10 Metern. Sodann 
hielt er fest, dass B._____ unmittelbar vor A._____ nach rechts eingebogen sei, 
weshalb fast kein Abstand mehr bestanden habe, weshalb A._____ zuerst nach 
rechts Richtung Mauer und dann nach links gefahren sei (BB act. 6 S. 4). Auf ent-
sprechenden Vorhalt führte er sodann korrigierend und abweichend aus, "Es war 
doch einfach so, dass A._____, welche überholen wollte, im Rückspiegel sah, 
dass B._____ überholte, sie dann nach rechts und dann wieder nach links steuer-
te und B._____ in diesem Moment überholte und knapp vor ihr nach rechts fuhr." 
(S. 5). Dieses widersprüchliche Aussageverhalten erweist sich insgesamt als we-
nig nachvollziehbar, nicht stringent und somit nicht glaubhaft. Aufgrund der langen 
Dauer und der verständlicherweise erfolgten Auseinandersetzung mit den erlebten 
Ereignissen, dürfte sich das Erinnerungsbild des Erlebten verändert haben. Inso-
weit kann den anlässlich der Konfronteinvernahme getätigten Aussagen G._____s 
nur eine geringe Glaubhaftigkeit attestiert werden, während die Aussagen, die 
G._____ noch am Unfalltag tätigte, als "unverfälscht" und damit sehr glaubhaft 
gelten können. 

Ähnliches ist hinsichtlich den Ausführungen von E._____ festzuhalten. Während 
seiner unmittelbar nach dem Verkehrsunfall erfolgten Einvernahme am 21. Juli 
2007 führte dieser aus, B._____ habe noch auf der O.1_____brücke den Merce-
des von G._____ überholt (vgl. KB act. 11 S. 1), um in einem zweiten Überholvor-
gang das Fahrzeug von A._____ zu überholen. Diese Ausführungen erweisen sich 
als glaubhaft. So besteht zum einen eine enge zeitliche Nähe der Aussagen zum 
Unfallereignis, zum anderen decken sich diese Aussagen mit den ebenfalls unmit-
telbar nach dem Unfall getätigten Aussagen von B._____ vollständig, ohne dass 
zwischen den beiden ein Gespräch über den Unfallhergang erfolgte, welches Ein-
fluss auf die Aussagen hätte zeitigen können. Zumindest lässt sich ein solches 
Gespräch aufgrund der Akten nicht erstellen. Daran ändert nichts, dass E._____ 

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ebenfalls in seiner späteren Version (22. Juli 2007) ausführte, B._____ habe das 
Fahrzeug von A._____ gemeinsam mit dem Mercedes von G._____ auf der Höhe 
der Abzweigung nach O.3_____ überholt (vgl. KB 13 und 14 S. 1). An dieser Aus-
sage E._____s bestehen Zweifel. Zum einen kommt E._____s Aussage "erster 
Stunde" aufgrund ihrer zeitlichen Nähe zum Unfallereignis besonderes Gewicht zu 
(Peter Schumacher, a.a.O., S. 1455), zumal sich die Sachverhaltsschilderung 
darüber hinaus vollumfänglich mit den Aussagen von B._____ und F._____ deckt. 
Dass E._____ mit B._____ oder F._____ ein Gespräch über den Unfall geführt 
hätte, ist den Akten nicht zu entnehmen. Demgegenüber revidierte E._____ seine 
Aussage einen bzw. zwei Tage nach dem Verkehrsunfall. Offenbar führte E._____ 
mit G._____ unmittelbar nach dem Unfall noch ein Gespräch (BB act. 6 S. 3). 
Letzterer hatte B._____ wohl noch an der Unfallstelle beschuldigt, den Unfall 
durch sein Fahrverhalten verursacht zu haben (BB act. 6 S. 6; KB act. 12 S. 2). Es 
erscheint der Berufungsinstanz daher naheliegend, dass E._____ durch das Ge-
spräch mit G._____ beeinflusst wurde und dieses Gespräch zu einer intensiven 
"Bearbeitung" der Erinnerungen führte wodurch ein verändertes Erinnerungsbild 
resultierte, sodass E._____, "je länger ich über die Ereignisse von gestern Abend 
nachdenke, […]", (KB 13), seine Aussage entsprechend änderte. Diese Aussage 
von E._____ erscheint der Berufungsinstanz mithin als beeinflusst und nicht 
glaubhaft, zumal sich E._____ auch hinsichtlich der Fahrzeuge täuschen könnte, 
fuhr doch vor A._____ noch ein weiteres Fahrzeug (offenbar ein blauer Gelände-
wagen), welcher von B._____ überholt worden war. 

8.6.4. Fraglich ist weiter, wo B._____ zum Überholen ansetzte. In seiner ersten 
Einvernahme sagte E._____ zu diesem Punkt aus: "Dieser (B._____, Anmerkung 
des Verfassers) setzte ziemlich genau auf der Höhe zwischen den zwei Pfeilen 
der Einspurstrecke nach O.3_____ an zu überholen." (KB 11, S. 2). Auf entspre-
chende Nachfrage präzisierte E._____ sodann: "Ja, dieser setzte noch im signali-
sierten Überholverbot zu Überholen an und überfuhr demzufolge noch um einige 
wenige Meter die dortige Sicherheitslinie" (KB 11, S. 2). Anlässlich der zweiten 
Einvernahme vom 22. Juli 2007 hielt E._____ fest: "Der Audi mit GR-
Kontrollschilder überholte den Mercedes mit SZ-Kontrollschilder nicht auf der 
O.1_____brücke sondern erst auf dem geraden Strassenstück, unmittelbar nach 
der weiss gezeichneten Sperrfläche bei der Abzweigung nach O.3_____." (KB 14, 
S. 1). Auch wenn E._____ in der weiteren Einvernahme ausführte, B._____ habe 
zwei Fahrzeuge, d.h. G._____ und A._____ in einem Vorgang überholt, was – wie 
erwähnt – in einer Verwechslung der Fahrzeuge liegen kann (vgl. E. 8.6.3.), ändert 
dies nichts an der Glaubhaftigkeit der Darstellung, B._____ sei noch innerhalb des 

28 / 49

Überholverbotes ausgeschert. Daran ändert auch nichts, dass E._____ die Über-
holstelle einmal als wenige Meter vor dem Überholmanöver, zwischen den zwei 
Pfeilen der Einspurstrecke nach O.3_____ (KB 11, S. 2) und dann als "unmittelbar 
nach dem weiss gezeichneten Sperrstück in der Mitte der Strasse bei der Abzwei-
gung nach O.3_____" (KB 13 und 14, S. 1) definierte. Entfernungsgrössen sind 
bekanntlich kaum genau einschätzbar. Umso weniger, als sich das Überholmanö-
ver innert kürzester Zeit und fliessend abspielte. Im Kern bleibt E._____ jedoch 
stets und dezidiert dabei, dass B._____ noch innerhalb des Überholverbotes aus-
schwenkte und das Überholmanöver initiierte. Diese Angabe lässt sich außerdem 
durch weitere Indizien stützen. Gemäss Fotoblatt der Kantonspolizei Graubünden 
(KB 6) beginnt nämlich die dem Fahrzeug von A._____ zuordenbare Bremsspur 
13.20 Meter nach Ende des signalisierten Überholverbotes. Die Ansprechzeit der 
Bremsen beträgt gemäss Gutachten 0.1-0.2 Sekunden (KB 28, S. 11), was bei der 
ermittelten Bremseinleitungsgeschwindigkeit von A._____ von 69-75 km/h einem 
zurückgelegten Weg von ca. 1.5 Meter entspricht. Ebenfalls ist zu beachten, dass 
B._____ einen Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug A._____ von ca. 1-1½ 
Wagenlängen einhielt, was 5-7.5 Meter entspricht (vgl. BB 7, S. 2 und KB 28, S 
11). Ebenso zu berücksichtigen ist eine übliche Reaktionszeit von einer Sekunde, 
bis zum vollen Eintritt der Bremswirkung. Während dieser Zeit hatte A._____ eine 
Strecke von ca. 19.17 Meter zurückgelegt (69 km/h / 3.6 = 19.17). Legt man der 
Berechnung jeweils die Minimalvarianten zugrunde, ergibt sich, dass A._____ 
25.67 Meter vor Beginn der sichtbaren Bremsspur, und damit ca. 12.5 Meter vor 
Ende des Überholverbotes den auf ihre Höhe aufgeschlossenen Wagen von 
B._____ bemerkt haben muss. Damit ist aber wiederum erstellt, dass B._____ 
sein Überholvorgang in Übereinstimmung mit den glaubhaften Ausführungen von 
E._____ und G._____ noch innerhalb des signalisierten Überholverbotes, nach 
der Sperrfläche, in Überquerung einer Sicherheitslinie (KB act. 11, S. 1 und 2; KB 
act. 13; KB act. 14) begonnen haben muss. Das Überqueren einer Sicherheitslinie 
wurde von der Klägerin zwar nicht explizit behauptet. Dieses ist aber in der Be-
hauptung, B._____ habe eine Sperrfläche überfahren, mitenthalten (argumentum 
a maiore ad minus; vgl. vorinstanzliche Akten, act. II/2, S. 27, Ziff. 2.2.3). Aus dem 
Gesagten erhellt sodann, dass auch A._____ bereits innerhalb des Überholverbo-
tes in der Absicht, das vor ihr fahrende Fahrzeug zu überholen, zum Überholen 
ansetzte, die linke Fahrspur schwenkte und damit das Überholverbot sowie die 
Sicherheitslinie missachtete. 

Ebenfalls ergibt sich aus dem vorstehend Gesagten, dass A._____ das Fahrzeug 
von B._____ erst bemerkte, als dieses sie seitlich am Passieren war. Dies lässt 

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darauf schliessen, dass A._____ vor ihrem eigentlichen Ausscheren nach links 
keinen Kontrollblick durchführte. Andernfalls sie das Fahrzeug B._____ früher er-
kannt und das Überholmanöver kaum mehr begonnen hätte.

8.6.5. Aufgrund des vorstehend Gesagten und in Berücksichtigung der unange-
fochten gebliebenen vorinstanzlichen Feststellungen, stellt sich der Unfallhergang 
für die Berufungsinstanz wie folgt dar:

Die Kolonne war mit einer Geschwindigkeit von ca. 50-60 km/h (KB 19), eher nur 
50 km/h (KB 10, KB 19) in Richtung O.2_____ unterwegs, als die Fahrzeuglenke-
rin A._____ – ca. 12.5 Meter vor Ende des signalisierten Überholverbotes –, ohne 
Kontrollblick nach hinten, zum Überholen des vor ihr fahrenden Fahrzeuges an-
setzte und mit einer Geschwindigkeit von ca. 69-75 km/h langsam gegen links 
ausschwenkte und dabei in Missachtung des signalisierten Überholverbots eine 
Sicherheitslinie überfuhr. Dadurch übersah sie das Fahrzeug von B._____, wel-
ches, seit der O.1_____erbrücke hinter ihr herfahrend, ebenfalls im Überholverbot 
zum Überholen angesetzt hatte und auf der Überholspur auf ihre Höhe aufge-
schlossen hatte und mit einer Geschwindigkeit von ca. 80 km/h an ihr vorbeifuhr. 
Die Beifahrerin von B._____, F._____, bemerkte sodann, dass sich das auf glei-
cher Höhe befindliche Fahrzeug von A._____ ebenfalls nach links ausschwenkte, 
weshalb F._____ warnend aufschrie, was B._____ zum Beschleunigen seines 
Fahrzeuges veranlasste und am Fahrzeug von A._____ vorbei zog, um eine Kolli-
sion zu verhindern, was auch gelang. A._____ erschrak ob dem plötzlichen seitli-
chen Auftauchen des Fahrzeugs von B._____. Aufgrund ihrer Reaktionszeit, 
während welcher sie ihr Überholmanöver nach links weiter ausführte und die Si-
cherheitslinie überquerte, befand sie sich zum Zeitpunkt, als sie die Bremsen 
betätigte und brüsk nach rechts in Richtung Mauer steuerte, beinahe vollständig 
auf der linken Fahrspur. Durch das brüske Brems- und Ausweichmanöver nach 
rechts verlor A._____ sodann die Kontrolle über ihr Fahrzeug, und durchbrach – 
nach einer erneuten Lenkkorrektur nach links – den Bündnerzaun und stürzte tal-
abwärts. 

Nachdem B._____ das in der Kolonne zuvorderst fahrende Fahrzeug überholt hat-
te, sah er das Durchbrechen von A._____ durch den Bündnerzaun im Rückspie-
gel. Er stellte sodann sein Fahrzeug am rechten Strassenrand ab. 

8.6.6 Diese Feststellungen, namentlich die Feststellungen, dass die Bremsspur 
von A._____ zwar vollständig auf der linken Fahrbahn beginnt und sich das Fahr-
zeug von B._____ zu diesem Zeitpunkt nicht mehr neben ihr befunden haben 

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kann, A._____ das Fahrzeug von B._____ aber mindestens eine Sekunde vor 
dem Einsetzen der vollen Bremswirkung wahrgenommen haben muss, sie in die-
ser Zeit bei einer Geschwindigkeit von ca. 69 km/h rund 19 Meter zurückgelegt 
und sich zu diesem früheren Zeitpunkt (ca. 12.5 Meter vor Ende des Überholver-
bots) noch teilweise auf der rechten Fahrspur befunden haben muss, so dass das 
Fahrzeug von B._____ an ihr vorbeifahren konnte und sie bis zum Beginn der 
Vollbremsung (wenn auch nur knapp) passiert hatte – was im Übrigen auch die 
Aussage von G._____ erklärt, wonach B._____ A._____ beim Wiedereinbiegen 
respektive von vorne behindert haben soll, erscheinen der Berufungsinstanz we-
sentlich plausibler, als die vorinstanzlichen Feststellungen zu sein. 

Wäre nämlich B._____ – wie es der Gutachter und die Vorinstanz feststellten – bei 
Beginn der Vollbremsung (mit angeblich geringem Abstand) noch hinter A._____ 
gefahren, hätte er unweigerlich selber abbremsen müssen, was weder er, seine 
Beifahrerin noch einer der weiteren Zeugen ausgesagt hatten. Geradezu als le-
bensfremd erachtet es die Berufungsinstanz, dass A._____ auf ein hinter ihr her-
annahendes Fahrzeug, welches sie im Rückspiegel wahrgenommen hat, mit einer 
Vollbremsung mit einer Lenkbewegung nach rechts reagiert hätte. Viel wahr-
scheinlicher, und aufgrund des vorstehend Gesagten auch als erstellt, erscheint 
die Reaktion A._____s infolge Erschreckens über ein (unerwartet) seitlich an ihr 
vorbeifahrendes Fahrzeug. 

Dass A._____ noch weiter nach links fuhr, sodass sie zum Zeitpunkt der vollen 
Bremswirkung fast vollständig – hinter B._____ – auf der linken Fahrspur war, 
lässt sich entgegen der berufungsklägerischen Vorbringen (vgl. act. A.3, S. 5) oh-
ne weiteres mit der Reaktionszeit erklären, während welcher A._____ ihr Fahr-
zeug weiter nach links steuerte.

9.1. Nachdem in den vorstehenden Erwägungen festgestellt wurde, dass 
B._____ innerhalb des Überholverbotes mit dem Überholmanöver begonnen hat, 
stellt sich nachfolgend die Frage, ob dieses Fehlverhalten für den Unfall 
(mit)ursächlich war.

9.2. Grundlage des Ersatzanspruchs ist wie bereits erwähnt (vgl. E. 6.1.1. ff.) 
Art. 58 Abs. 1 SVG (i.V.m. Art. 65 Abs. 1 SVG). 

9.3.1. Gemäss Art. 58 Abs. 1 SVG haftet der Halter für den (Personen-)Schaden 
nur dann kausal, wenn dieser "durch den Betrieb" (s)eines Motorfahrzeugs verur-
sacht wurde. Der Zusammenhang mit dem Betrieb betrifft dabei nicht nur die Fra-
ge der Adäquanz, wovon ein Grossteil der Lehre auszugehen scheint, sondern 

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auch die Frage der natürlichen Kausalität und ist bei deren Prüfung zu berücksich-
tigen (vgl. Hans Nigg, Haftung nach Art. 58 Abs. 1 und 2 SVG, insbesondere Be-
trieb und Nichtbetrieb des Motorfahrzeugs, in: Fellmann [Hrsg.], Haftpflicht des 
Motorfahrzeughalters – neue Antworten auf alte Fragen, Bern 2013, S. 33, N 110; 
BGE 114 II 376). So fehlt es beispielsweise bereits in tatsächlicher Hinsicht an 
einem Betriebsvorgang, wenn der Unfall "bloss anlässlich des Betriebs" erfolgt 
(BGE 114 II 376 E.1.b; Walter Fellmann, a.a.O., N 366; Karl Oftinger/Emil Stark, 
a.a.O., Bd. II/2, S. 143 m.w.H. auf die Rechtsprechung). Das Bundesgericht folgt 
dabei dem maschinentechnischen Betriebsbegriff (vgl. BGE 88 II 455 E. 1; 97 II 
161 E. 3.b). Das besondere Erfordernis der Kausalhaftung ist deshalb nur dann 
als erfüllt anzusehen, wenn das schädigende Ereignis in seiner Gesamtheit be-
trachtet als (adäquate) Folge der Gefahr erscheint, die durch den Gebrauch der 
maschinellen Einrichtungen (Motor, Scheinwerfer usw.) des Fahrzeuges geschaf-
fen wird (BGE 97 II 164 E. 3 m.w.H.). Der Betrieb umfasst mithin die Gesamtheit 
der mit der Fortbewegung zusammenhängenden Vorgänge (Karl Oftinger/Emil 
Stark, a.a.O., Bd. II/2, S. 113). Als Betriebsvorgang hat auch der Überraschungs-
effekt zu gelten (vgl. Roland Brehm, Betriebsgefahr und Betriebsvorgang des Mo-
torfahrzeugs, in: René Schaffhauser [Hrsg.], Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 
2005, St. Gallen 2005, N 8 [zit. Roland Brehm, Jahrbuch Strassenverkehrsrecht]). 

Natürlich kausal ist jedes fragliche Verhalten, das nicht weggedacht werden kann, 
ohne dass auch der eingetretene Erfolg entfiele bzw. nicht in gleicher Weise oder 
zur gleichen Zeit als eingetreten gedacht werden könnte (Urteil des Bundesge-
richts 4A_444/2010 vom 22. März 2011 E. 2.1). Damit eine natürliche Kausalität 
zwischen dem Betrieb des Motorfahrzeugs und dem Schaden besteht, muss nicht 
notwendigerweise ein direkter Kontakt zwischen dem Fahrzeug und dem Geschä-
digten bestehen (BGE 63 II 339 E. 1). Eine mittelbare Verursachung genügt, so-
fern diese auf den Betrieb zurückgeführt werden kann. So genügt, wenn sich der 
Betriebsvorgang auf Distanz auswirkt, indem bspw. die Scheinwerfer blenden, ein 
plötzliches Ausscheren einen weiteren Strassenbenützer zu einem verzweifelten 
und fatalen Ausweichmanöver zwingt etc. (vgl. hierzu BGE 63 II 339; BGE 66 II 
446 E. 2). 

9.3.2. Ob ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist Tatfrage (BGE 107 II 
269 E. 1b; Urteil des Bundesgerichts 4A_262/2016 vom 10. Oktober 2016 E. 
4.4.1). Der Beweis des natürlichen Zusammenhangs obliegt dem Geschädigten 
(Art. 8 Abs. 1 ZGB; BK-Roland Brehm, a.a.O., N 117 zu Art. 41 OR; Urteil des 
Bundesgerichts 4C.449/2004 vom 9. März 2003 E. 4.4). Angesichts der Abstrakt-
heit des natürlichen Kausalzusammenhangs ist es oft unmöglich, einen strikten 

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Beweis zu erbringen ("res ipsa loquitur"). Wenn nur Vermutungen über die Kausa-
lität möglich sind – was bei Verkehrsunfällen häufig der Fall ist –, muss mit Indizi-
en ("prima facie"-, "Anscheinsbeweis") und mit den Hypothesen gearbeitet wer-
den, die nach den Umständen vernünftigerweise in Betracht fallen (vgl. Urteil des 
Bundesgerichts 5C.174/2003 vom 4. Dezember 2003 E. 4.1.). In solchen Beweis-
notstandsfällen begnügt sich die Rechtsprechung mit dem Wahrscheinlichkeits-
beweis. Macht der Beklagte ebenfalls Hypothesen zu seinen Gunsten geltend, hat 
das Gericht auf die "überwiegende Wahrscheinlichkeit" abzustellen (BGE 132 III 
715; Urteil des Bundesgerichts 4A_744/2011 vom 12. Mai 2012 E. 10.1). Diese 
liegt vor, wenn für die Richtigkeit der Sachbehauptung nach objektiven Gesichts-
punkten derart gewichtige Gründe sprechen, dass andere denkbare Möglichkeiten 
vernünftigerweise nicht massgeblich in Betracht fallen. (vgl. Urteil des Bundesge-
richts 4C.222/2004 vom 14. Dezember 2004 E. 2). Die vom Geschädigten geltend 
gemachte überwiegende Wahrscheinlichkeit verliert an Beweiskraft, wenn andere 
mögliche Schadenursachen plausibel sind (vgl. BK-Roland Brehm, a.a.O., N 117b 
zu Art. 41 OR; vgl. vorstehend E. 8.3.3.). 

9.3.3. Die Berufungsklägerin rügt, der Berufungsbeklagten sei der Beweis des 
natürlichen Kausalzusammenhanges nicht gelungen. Sie habe diesen mittels Re-
gelbeweismass zu erbringen. Weil jedoch noch weitere als die von der Berufungs-
beklagten vorgebrachten Varianten ebenso denkbar seien, sei keineswegs ausge-
schlossen, dass ein plötzliches Unwohlsein, ein Sekundenschlaf oder gar ein In-
sektenstich zum Fehlmanöver geführt hätten, gelinge ihr dieser Beweis nicht (act. 
A.3, S. 7). 

9.3.4. Die Berufungsklägerin verkennt mit ihrem Vorbringen, dass vorliegend das 
Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zum Nachweis der natürli-
chen Kausalität genügt (E. 8.3.3.). Diesen Nachweis vermag die Berufungsbeklag-
te nach Auffassung der Berufungsinstanz angesichts des in E. 8.4. ff. festgestell-
ten Unfallablaufes zu erbringen. Dies einerseits aufgrund des zeitlichen Zusam-
menfallens des Überholvorganges von B._____, d.h. seinem (für A._____ uner-
warteten) seitlichen Auftauchen, während A._____ selbst zum Überholen ansetz-
te. Andererseits aber auch durch das Fehlen weiterer Umstände, welche in einer 
plausiblen Verbindung zum brüsken Abbrems- und Ausweichmanöver stehen 
würden und dieses erklären könnten und für welche Anhaltspunkte bestehen. Die 
von der Berufungsklägerin vorgetragenen Varianten und Ursachen wären zwar 
hypothetisch möglich. Doch werden diese – aufgrund der zeitlichen Nähe des 
Überholmanövers und dem Ausweichmanöver von A._____ – derart in den Hin-
tergrund gedrängt, dass sie kaum mehr in der Lage sind, begründete Zweifel an 

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der dargelegten Kausalität zu begründen. Überdies kann auch ausgeschlossen 
werden, dass A._____ durch ein entgegenkommendes Fahrzeug erschrak bzw. 
durch ein zu nahes Einbiegen von B._____ zum Manöver gezwungen war (vgl. 
E. 8.6.3.). Damit erscheint einzig noch das unerwartete seitliche Auftauchen des 
Fahrzeuges von B._____ neben A._____ für ihr instinktives und abruptes Ab-
brems- und Ausweichmanöver nach rechts mit darauf folgendem Kontrollverlust 
überzeugend. Im Sinne eines Anscheinsbeweis spricht dafür auch das objektiv 
regelwidrige Verhalten von B._____ (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_262/2016 
vom 10. Oktober 2016 E. 4.4.2.2). Dieser setzte noch vor Ende des Überholverbot 
zum Überholen an, was eine Regelwidrigkeit im Sinne des SVG darstellt (vgl. 
E. 9.6.1. ff.). Dass ein Lenker stark erschrickt, kann als typische Folge eines sol-
chen unerwarteten und untypischen Überholmanövers gewertet werden. Sind nun 
wie im vorliegenden Fall keine weiteren Hinweise erkennbar, die auf eine andere 
Ursache für das plötzliche Brems- und Ausweichmanöver schliessen liessen, ist 
für die Frage der tatsächlichen Kausalität auf diesen Anscheinsbeweis abzustel-
len. Die von der Berufungsklägerin genannten Varianten sind zwar hypothetisch 
möglich, aber eben nicht gleich wahrscheinlich und vermögen angesichts des Ge-
schehensablaufes keine genügenden Zweifel zu begründen, um die überwiegende 
Wahrscheinlichkeit auszuschliessen. Damit gilt der natürliche Kausalzusammen-
hang zwischen dem Überholmanöver von B._____ und damit mit dem Betrieb 
dessen Fahrzeuges und der Reaktion von A._____ (Erschrecken samt brüskes 
Brems- und Überholmanöver) als erstellt.

9.3.5. Die Berufungsklägerin bringt vor, die Verletzungen von A._____ wären nicht 
im gleichen Umfange resultiert (act. A.2 S. 10 f.), wenn sie den Sicherheitsgurt 
getragen hätte. Auf die Frage, ob A._____ zum Unfallzeitpunkt angeschnallt ge-
wesen war oder nicht, wird erst im Rahmen der Verschuldensprüfung näher ein-
gegangen (vgl. E. 9.7.3. ff.). Sie braucht vorliegend noch nicht beantwortet zu 
werden. Die Behauptung, die Verletzungen wären bei Tragen des Gurtes geringer 
ausgefallen, betrifft im Kern die Frage nach einer Teilursache. Eine solche Konkur-
renz von Teilursachen liegt vor, wenn mehrere (rechtlich relevante) Einzelursa-
chen zusammen einen Schaden herbeigeführt haben, den jede Einzelursache für 
sich alleine nicht – oder jedenfalls nicht im entsprechenden Umfang hervorgerufen 
hätte (vgl. hierzu Thomas Probst, a.a.O., N 205 zu Art. 58 SVG m.w.H. auf die 
Lehre). Bei konkurrierenden Teilursachen haftet grundsätzlich jeder Mitverursa-
cher für den ganzen Schaden solidarisch, die Mitverursachung durch den Ge-
schädigten bildet ein Reduktions- und nur bei klarem Überwiegen ein Befreiungs-
grund – weil die Adäquanz unterbrechend (vgl. Thomas Probst, a.a.O., N 206 zu 

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Art. 58 SVG). Als Aspekt des natürlichen Kausalzusammenhangs und damit Tat-
frage, trägt die sich darauf berufende Partei, mithin die Berufungsklägerin, die Be-
weislast (Art. 8 ZGB). 

Zur Substantiierung ihrer Behauptung beantragte die Berufungsklägerin bereits in 
ihrer Duplik (S. 13), ein biomechanisches Gutachten einzuholen. Die Vorinstanz 
kam diesem Antrag indessen nicht nach, sondern zeigte den Parteien anlässlich 
der Hauptverhandlung den vorbehaltlosen Abschluss des Beweisverfahrens sowie 
den Verzicht auf die Einholung weiterer Beweise an (vgl. dazu E. 4.4.). Hiergegen 
haben die Parteien weder opponiert noch den Beweisantrag erneuert, was als 
Verzicht auf den entsprechenden Beweisantrag zu werten ist. Mangels Gutachten 
und weiterer Anhaltspunkte gelingt der Berufungsklägerin nicht, ihre vorgetragene 
Behauptung zu beweisen. 

9.3.6. Weiter muss zwischen dem Betrieb des Motorfahrzeuges und dem Scha-
den ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen (BGE 82 II 43 E. 2). Die 
Adäquanz ist eine Rechtsfrage, weshalb sie nicht bewiesen, sondern dargelegt 
werden muss (Roland Brehm, a.a.O., N 231). Eine Ursache ist dann adäquat kau-
sal für den eingetretenen Schaden, wenn sie nicht nur conditio sine qua non des 
Schadens, sondern auch nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allge-
meinen Erfahrung geeignet ist, den eingetretenen Erfolg zu bewirken, so dass der 
Eintritt dieses Erfolges als durch die fragliche Bedingung wesentlich begünstigt 
erscheint. Die Adäquanz ist aufgrund einer ex post Betrachtung mittels nachträgli-
cher Prognose zu beurteilen. Es kommt dabei darauf an, ob der eingetretene Er-
folg objektiv geeignet ist, als Wirkung einer bestimmten Ursache betrachtet zu 
werden (Karl Oftinger/Emil Stark, Bd. I, a.a.O., § 3 N 22; BGE 101 II 69 E. 3.). Mit-
telbare Kausalität genügt, um eine Haftung zu begründen (BGE 81 I 554 E. 2; 
BGE 95 II 630 E. 3); eine körperliche Berührung der Fahrzeuge ist nicht erforder-
lich (Walter Fellmann, a.a.O., N 392). Auch singuläre Folgen können haftungsbe-
gründend sein (BGE 87 II 117 E. 6.c). Die Beurteilung des adäquaten Kausalzu-
sammenhangs bedarf einer richterlichen Wertung, die gemäss Art. 4 ZGB nach 
Recht und Billigkeit vorzunehmen ist (BGE 123 III 110 E. 2 f.). 

9.3.7. Die Berufungsklägerin trägt vor, das Überholmanöver von B._____ sei für 
das brüske Brems- und Ausweichmanöver keinesfalls adäquat kausal. Eine solche 
Reaktion von A._____ Patt sei geradezu abwegig. Ein Überholender müsse 
während seines Manövers nicht mit einer derart abwegigen Reaktion des vor ihm 
ebenfalls überholenden Verkehrsteilnehmers rechnen (vgl. act. A.3, S. 12). 

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Das Vorbringen verfängt nicht. Gemäss Art. 73 der Signalisationsverordnung 
(SSV; SR 741.21) kennzeichnen Sicherheitslinien (weiss, ununterbrochen) insbe-
sondere die Fahrbahnmitte (Abs. 1), die von Fahrzeugen weder überfahren noch 
überquert werden dürfen (Abs. 6 lit. a SSV). Auch ist es gemäss Art. 26 
Abs. 1 SSV den Führern von Motorfahrzeugen im Bereich eines signalisierten 
"Überholen verboten" untersagt, mehrspurig fahrende Motorfahrzeuge zu überho-
len. Aufgrund der Feststellungen der Berufungsinstanz gilt als erstellt, dass 
B._____ sein Überholmanöver bereits ca. 12.5 Meter vor Ende des Überholverbo-
tes (signalisiert durch eine Signalisationstafel sowie Sicherheitslinie) begonnen 
hatte. Damit schuf B._____ eine Situation, die geeignet war, A._____, die – unab-
hängig ihres ebenfalls innerhalb des Überholverbotes angesetzte Überholvorgan-
ges – nicht mit einem Überholvorgang rechnen musste bzw. nicht rechnete, zu 
erschrecken und zu einem entsprechenden reflexartigen Verhalten zu veranlas-
sen, zumal es zu berücksichtigen gilt, dass grundsätzlich jedes Überholmanöver 
eine erhöhte Gefährdung schafft (vgl. BGE 83 II 409 E. 2). 

9.4. Die Berufungsklägerin bringt weiter vor, A._____ hätte mit einem Überholen 
rechnen müssen. Sie könne sich nicht auf den Vertrauensgrundsatz berufen, weil 
sie selbst innerhalb des Überholverbotes zum Überholen des vor ihr fahrenden 
Fahrzeuges angesetzt habe (act. A.3, S. 8 f.). Im Kern beruft sich die Berufungs-
klägerin auf das die adäquate Kausalität unterbrechende grobe Selbstverschulden 
von A._____. Dabei verkennt sie, dass das SVG mit Art. 59 Abs. 1 SVG eine für 
diesen Unterbrechungsgrund spezifische, und von der allgemeinen Unterbre-
chungslehre des allgemeinen Haftungsrechts abweichende Regelung vorsieht und 
letztere als lex specialis verdrängt. Gemäss der genannten Bestimmung wird der 
grundsätzlich haftende Halter von seiner Haftung gänzlich befreit, wenn er be-
weist, dass der Unfall insbesondere durch grobes Verschulden des Geschädigten 
verursacht wurde. Er hat aber zugleich kumulativ darzutun, dass ihn selbst kein 
Verschulden trifft und auch keine fehlerhafte Beschaffenheit des Fahrzeuges zum 
Unfall beigetragen haben (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_479/2009 vom 23. 
Dezember 2009 E. 4). Den mutmasslich haftenden Halter trifft hierfür die Beweis-
last. Misslingt ihm nur einer dieser Beweise, bleibt es bei der Halterhaftung nach 
Art. 58 Abs. 1 SVG (Urteil des Bundesgerichts 4C.332/2002 vom 8. Juli 2003 
E. 4.2). Der Beweis ist jeweils mit dem Regelbeweis (strikter Beweis) zu führen 
(Urteil des Bundesgerichts 4C.332/2002 vom 8. Juli 2003 E. 3). Der Nachweis der 
negativen Tatsache ist zwar schwierig, aber nicht unmöglich. Der Halter kann ihn 
erbringen, wenn er positive Sachumstände nachweist, aus denen das Gericht auf 
die negative Tatsache schliessen kann, für fehlendes Verschulden also die An-

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wendung der erforderlichen Sorgfalt (vgl. Walter Fellmann, a.a.O., § 13 N 668 
m.w.H.). Die übrigen Voraussetzungen müssen bei fehlendem Entlastungsbeweis 
– zumindest im Rahmen der Adäquanzunterbrechung – nicht mehr geprüft werden 
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 4C.332/2002 vom 8. Juli 2003; BGE 111 II 89 E. 1. 
ff.; BGE 64 II 312; Philippe Weissenberger, a.a.O., N 17 zu Art. 59 SVG). 

Gerade dieser Beweis erbringt die Berufungsklägerin nicht. So mangelt es bereits 
an einer Behauptung, B._____ habe sämtliche Sorgfalt walten lassen und keine 
Sorgfaltspflichten verletzt. Zudem muss sich B._____ immerhin vorwerfen lassen, 
sein Überholmanöver noch innerhalb des signalisierten Überholverbotes und in 
Überquerung einer Sicherheitslinie, begonnen zu haben. Diese Regelwidrigkeit 
gereicht ihm klarerweise zum Verschulden (Verletzung von Art. 26 Abs. 1 SSV 
und Art. 73 Abs. 1 und Abs. 6 lit. a SSV; vgl. E. 9.6.1. ff.). Wie hoch dieses Ver-
schulden zu beurteilen ist, muss an dieser Stelle nicht beurteilt werden, genügt 
doch bereits ein minimales Verschulden. Weitere Ausführungen zur Unterbre-
chung des (adäquaten) Kausalzusammenhangs zufolge Selbstverschulden von 
A._____ erübrigen sich somit. Auf die von A._____ angeblich gesetzten Mitursa-
chen (fehlender Rückblick durch A._____; Nichttragen des Sicherheitsgurtes etc.) 
ist sodann erst und einzig im Zusammenhang mit der für die Haftungsaufteilung 
gemäss Art. 61 Abs. 1 SVG relevante Verschuldensqualifikation einzugehen (vgl. 
dazu nachfolgend E. 9.7.1.). 

9.5. Der vorliegend relevante Schaden ist durch die Beteiligung mehrerer Motor-
fahrzeughalter entstanden (vgl. E. 8.4.). Gemäss Art. 61 Abs. 1 SVG wird der 
(Personen)schaden den Haltern nach Massgabe des von ihnen zu vertretenden 
Verschuldens auferlegt, wenn nicht besondere Umstände, namentlich die Be-
triebsgefahren, eine andere Verteilung rechtfertigen. Das primäre Kriterium der 
Haftungsaufteilung ist somit das Verschulden. Bei einem ausschliesslichen Ver-
schulden eines Halters haftet dieser alleine; liegt dagegen ein Verschulden auf 
mehreren Seiten vor, so wird die Haftung im Verhältnis zu den mitwirkenden Ver-
schulden aufgeteilt (Hans Giger, a.a.O., N 2 ff. zu Art. 61 SVG); Philippe Weissen-
berger, a.a.O., N 1 zu Art. 61 SVG). Das Gesetz stellt damit hier, anders als bei 
der einfachen Kausalhaftung nach Art. 58 SVG, das Verschulden in den Vorder-
grund (BGE 84 II 304 E. 3.c; Walter Fellmann, a.a.O., N 470 ff.). Die Betriebsge-
fahr und weitere Umstände werden nur berücksichtigt, soweit sich gestützt darauf 
eine andere Verteilung der Haftung rechtfertigt (Roland Brehm, a.a.O., N 744). Der 
Verschuldensbegriff von Art. 61 Abs. 1 SVG entspricht demjenigen von Art. 41 OR 
(Walter Fellmann, a.a.O., N 511; Roland Brehm, a.a.O., N 14). Das Verschulden 
teilt sich in objektive und subjektive Komponenten auf. Die objektive Komponente 

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des Verschuldens liegt im Verstoss des Schadensverursachers gegen eine Ver-
haltensnorm (vgl. BK-Roland Brehm, a.a.O., N 170 zu Art. 41 OR). Im Strassen-
verkehrsrecht ist objektives Verschulden zu bejahen, wenn ein Verstoss gegen 
Vorschriften, die den Zweck haben, Unfälle zu verhüten und Sicherheit zu schaf-
fen, vorliegt (vgl. BK-Roland Brehm, a.a.O., N 173 zu Art. 41 OR m.w.H.). Zur sub-
jektiven Seite des Verschuldens gehört die Urteilsfähigkeit (BK-Roland Brem, 
a.a.O., N 179 Zu Art. 41 OR). Im Strassenverkehr kommt dabei in der Regel nur 
fahrlässiges Verhalten in Frage, wobei zwischen leichtem, mittlerem und schwe-
rem Verschulden zu unterscheiden ist (Walter Fellmann, a.a.O., N 512). Fahrläs-
sigkeit ist rechtlich "missbilligte Unsorgfalt" (vgl. Thomas Grieder, Die unsorgfältige 
Unsorgfalt, in: AJP 2/2002, S. 959). Grobe Fahrlässigkeit und damit ein schweres 
Verschulden liegt vor, wenn die elementarsten Vorsichtsgebote missachtet wer-
den. Dabei genügt, wenn der Täter das Risiko hätte erkennen müssen (BK-Roland 
Brehm, a.a.O., N 197a f. zu Art. 41 OR; Walter Fellmann/Andrea Kottmann, 
Schweizerisches Haftpflichtrecht, Bd. I, Bern 2012, N 564). Wird diese Intensität 
nicht erreicht, so ist abhängig von den konkreten Umständen von einem leichten 
oder – liegt ein solches nicht mehr vor – von einem mittleren Verschulden auszu-
gehen (BK-Roland Brehm, a.a.O., N 198 ff. zu Art. 41 OR).

Anders als Art. 58 SVG kennt Art. 61 SVG keine Vermutung des Verschuldens. 
Dieses ist von derjenigen Partei zu beweisen, die daraus eine Veränderung der 
Haftungsquote zu ihren Gunsten herleitet (vgl. Hans Giger, a.a.O., N 6 zu Art. 61 
SVG; Roland Brehm, a.a.O., N 818; Walter Fellmann, a.a.O., N 539; Urteile 
4A_495/2011 vom 5. Januar 2012 E. 4.2; 4A_270/2011 vom 9. August 2011 E. 
3.2). Die Beurteilung der besonderen Umstände im Sinne von Art. 61 Abs. 1 SVG 
beruht weitgehend auf richterlichem Ermessen (BGE 123 III 274 E. 1.a/cc). 

9.6.1. Nachfolgend ist das Verschulden von B._____ zu qualifizieren: 

9.6.2 Der Fahrzeugführer muss gemäss Art. 27 Abs. 1 Satz 1 SVG Signale und 
Markierungen befolgen. Je bedeutsamer ein Signal für die Verkehrssicherheit ist, 
umso schwerer wiegt objektiv der Rechtsbruch. Je schwerer die Verkehrsverlet-
zung objektiv wirkt, desto eher wird Rücksichtslosigkeit bzw. ein schweres Ver-
schulden zu bejahen sein, sofern keine besonderen Gegenindizien vorliegen (vgl. 
Philippe Weissenberger, Kommentar SVG, 2. Aufl. 2015, Art. 27 N. 19). Überhol-
verbote