# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1bc08063-7d6e-537b-a351-d20f1cb964f3
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-02-07
**Language:** de
**Title:** Unfallversicherung hat Versicherungsdeckung zu Recht verneint, da Beweislosigkeit betreffend Nachweis Anstellungsverhältnis der Beschwerdeführer zu tragen hat.
**Docket/Reference:** UV.2021.00198
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2021.00198.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2021.00198
V. Kammer
Sozialversicherungsrichter Vogel, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Ersatzrichterin Curiger
Gerichtsschreiberin Muraro
Urteil
vom
7. Februar 2023
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch
lic
.
iur
.
Karolin Wolfensberger
Kanzlei am Park
Lutherstrasse 36, 8004 Zürich
gegen
Ersatzkasse gemäss dem Bundesgesetz vom 20. März 1981 über die Unfallversicherung
c/o Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG
Richtiplatz
1, 8304 Wallisellen
Beschwerdegegnerin
Zustelladresse: Ersatzkasse gemäss dem Bundesgesetz vom 20. März 1981 über die Unfallversicherung
c/o Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG
Postfach, 8010 Zürich
Sachverhalt:
1.
Per E-Mail
vom 11. März 2019 teilte
Z.___
, einzige Gesellschafterin und Geschäftsführerin der
A.___
GmbH (vgl. www.zefix.ch)
,
der
‘
Ersatzkasse
gemäss dem Bundesgesetz vom 20.
März 1981 über die Unfall
versicherung
’
(kurz: Ersatzkasse) mit, dass der 1983 geborene
X.___
, welcher als «Küchenmithilfe» im Restaurant tätig gewesen sei, am 15. Februar 2018 von einem Auto angefahren
und dadurch verletzt (dislozierte mediale Schenkelhalsfraktur links)
worden sei (Urk. 9/3). Die Ersatzkasse tätigte
diverse Abklärungen
und
prüfte
ihre Zuständigkeit (vgl. Urk.
9/
21 ff.).
Mit Verfügung vom 12. Oktober 2020 verneinte
sie
eine Leistungspflicht betreffend den gemel
deten Unfall, unter dem Hinweis auf eine fehlende Versicherungsdeckung. Die von
X.___
dagegen erhobene Einsprache (Urk. 9/42)
wurde mit Ent
scheid vom 3. Septe
mber 2021 abgewiesen (Urk. 9/46 = Urk. 2
).
2.
Dagegen erhob
X.___
mit Eingabe vom 8. Oktober 2021 Beschwerde und beantragte, es sei festzus
tellen, dass die Ersatzkasse
aus dem Unfall vom 15. Feb
ruar 2018 uneinges
chränkt leistungspflichtig sei
(Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 22. November 2021 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 8), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 23. Novem
ber 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 10).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Am 14. Januar 2022 wurde gemäss
Auszug der Zentralen Ausgleichsstelle
der Name des Beschwerdeführers
in
X.___
geändert, was im Rubrum entsprechend anzupassen ist.
2
.
2
.1
Gemäss Art. 1a Abs. 1
lit
. a des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) sind nach diesem Gesetz die in der Schweiz beschäftigten Arbeitnehmer, einschliesslich der Heimarbeiter, Lernende
n
, Praktikanten, Volontäre sowie der in Lehr- oder Invalidenwerkstätten tätigen Personen, obligatorisch versichert.
2
.2
Art. 10 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
rechts (ATSG) definiert als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Personen, die
in unselbstständiger Stellung Arbeit leisten und dafür massgebenden Lohn nach dem jeweiligen Einzelgesetz beziehen.
Die Rechtsprechung konkretisiert zudem wie folgt
:
Als Arbeitnehmer gilt, wer, ohne ein eigenes wirtschaftliches Risiko tragen zu müssen, zum Zwecke eines Erwerbs oder einer Ausbildung dauernd oder vorübergehend für einen Arbeitgeber tätig ist, dem er mehr oder weniger untergeordnet ist. Dies betrifft somit vor allem Personen, die einen Arbeitsvertrag im Sinne der Art. 319 ff.
des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünft
er Teil: Obligationenrecht, OR) haben oder die einem öffentlich-rechtlichen Anstellungsverhältnis unterstehen. Aller
dings stellt das Vorliegen eines Arbeitsvertrages keine Voraussetzung für die Anerkennung der Arbeitnehmereigenschaft im Sinne von Art. 1a UVG dar. Diese ist daher jeweils unter Würdigung der gesamten Umstände des Einzelfalles zu beurteilen. Dabei ist zu beachten, dass das UVG im Interesse eines umfassenden Versicherungsschutzes auch Personen einschliesst, deren Tätigkeit mangels Erwerbsabsicht nicht als Arbeitnehmertätigkeit einzustufen wäre, wie beispiels
weise Volontär- oder Praktikantenverhältnisse, bei welchen der für ein eigent
liches Arbeitsverhältnis typische Lohn in der Regel weder vereinbart noch üblich ist. Wo die unselbständige Tätigkeit ihrer Natur nach nicht auf die Erzielung eines Einkommens, sondern auf Ausbildung gerichtet ist, kann eine Lohnabrede somit kein ausschlaggebendes Kriterium für oder gegen den Unfallversicherungsschutz sein. Von der obligatorischen Unfallversicherung werden somit auch Tätigkeiten erfasst, die die Begriffsmerkmale des Arbeitnehmers nicht vollumfänglich erfül
len. Der Begriff des Arbeitnehmers gemäss Art. 1a Abs. 1 UVG ist damit weiter als im Arbeitsvertragsrecht (BGE 147 V 268 E. 4.3 unter anderem mit Hinweis auf BGE 144 V 411 E. 4.2).
2
.3
Im Sozialversicherungsverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz. Danach haben der Versicherungsträger oder das Durchführungsorgan und im Beschwerdefall das kantonale Versicherungsgericht von sich aus für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (Art. 43 Abs. 1 und Abs. 1
bis
sowie Art. 61
lit
. c in Verbindung mit Art. 2 ATSG). Der Untersuchungs
grundsatz wird durch die Mitwirkungspflicht der Versicherten respektive der Parteien beschränkt (Art. 28 und Art. 43 Abs. 2 ATSG), vor allem in Bezug auf Tatsachen, die sie besser kennen als die (Verwaltungs
- oder Gerichts-)
Behörde und welche diese sonst gar nicht oder nicht mit vernünftigem Aufwand erheben könnte (BGE 122 V 157 E. 1a; Urteil des Bundesgerichts 9C_341/2020 vom 4. September 2020 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 138 V 86 E. 5.2.3 und 125 V 193 E. 2; vgl. BGE 130 I 180 E. 3.2).
Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne einer Beweis
führungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweis
losigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewie
sen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Unter
suchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (Urteil des Bundesgerichts 8C_765/2020 vom 4. März 2021 E. 3.2.2 mit Hinweis auf BGE 144 V 427 E. 3.2). Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an der Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfeststellung bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmass
nahmen noch neue wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind (Urteil des Bun
desgerichts 8C_257/2018 vom 24. August 2018 E. 3.3.2 mit Hinweis).
3
.
3.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen Entscheid
(Urk. 2)
, es sei strittig und zu klären, ob der Beschwerdeführer zu den obligatorisch Versicherten im Sinne von Art. 1a Abs. 1 UVG respektive Art. 10 ATSG zu zählen sei und folglich in persönlicher Hinsicht eine Versicherungsdeckung bestehe (Urk. 2
Rz
17).
Es sei darauf einzugehen, welche Indizien für und welche gegen das Vor
liegen eines Arbeitsverhältnisses sprächen. Die Zweckumschreibung der
A.___
GmbH
habe
kein
en Bezug zur Gastronomie. Es sei
daher unerklärlich, weshalb sie die Schadenmeldung
vom 11.
März
2019 ein
gereicht und darin an
gegeben habe
, ein Restaurant zu betreiben
und den
Beschwerdeführer
als Küchen
ge
hilfen angestellt zu haben.
Im Zeitpunkt des Unfalls
habe der Beschwer
deführer
über keine arbeitsmarktliche
Bewilligung beziehungsweise
Genehmi
gung durch das AWA
verfügt
. Sein angeblicher
Praktikanten-Status (Art. 1a Abs. 1
lit
. a UVG) sei
auch zu verneinen, dies im Hinblick
auf die Weisungen und Erläuterungen des Staatssekretariats für Migration (SEM).
Diese Umstände seien
im
Rahmen der Würdigung als Indiz gegen das Vorliegen eines Arbeitsver
hältnisses zu werten.
Die
A.___
GmbH
habe dem Beschwerdeführer sodann weder einen Lohn entrichtet
noch für ihn Sozialversicherungsbeiträge ab
gerechnet. Des Weiteren seien die
Abklärungen
der Beschwerdegegnerin
(unter
anderem bei der Suva, bei der SVA/Ausgleichskasse des Kantons Zürich, beim Fürsorgesekretariat
der Gemeinde
B.___
und bei der Zürich Versicherung) ergebnislos
geblieben
. Versuche,
bei der
A.___
GmbH Auskünfte ein
zuholen,
seien gescheitert,
da die verantwortlichen
Personen nicht auffindbar ge
wesen seien
.
Die Beschwerdegegnerin sei ihrer
Abklärungspflicht
nach Art.
43 ATSG vollumfänglich nachgekommen.
S
owohl der Praktikumsvertrag als auch die Bestätigung von
C.___
seien als
P
arteibehauptungen zu werten
, die per se keinen Na
chweis dafür zu erbringen vermöcht
en,
d
ass der
Beschwer
deführer
im Restaurant
D.___
für die
A.___
GmbH
gearbeitet haben soll
e. Es dränge
sich vielmehr die Vermutung
auf, dass das Erstellen der beiden Dokumente von Überlegungen sozialversicherungsrechtlicher
Art motiviert ge
wesen sei
, in der Hoffnung, für den Einsprecher Leistungen zu
erwirke
n. Für diese Beurteilung spreche
auch de
r Umstand, dass der Vertrag am 6. Februar
2018
un
terschrieben worden sein soll
e
(
bei Arbeitsbeginn am 22. Januar
2018). Es
könne
dabei
offen bleiben
,
ob er tatsächlich bereits an diesem Datum oder erst nach dem Unfall vom 15.
Februar
ve
rfasst bzw. unterschrieben worden sei
.
Mit Einsprache vom 12. November 2020 habe der Beschwerdeführer
die Befragung von
C.___
als Zeugin beantragt
und mit Eingabe vom
17.
November 2020 ihre vom
11. November 2020 datierende Bestätigung zu den Akten
ge
geben.
Ihre darin
enthaltene Aussage sei
klar verständlich. Eine allfällige Abnahme dieses Beweis
antrags
verspreche
keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn, sodass auf die vom Einsprecher beantragte
Befragung von
C.___
a
ls Zeugin verzichtet werden könne (antizipierte Beweiswürdigung).
3.2
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber vor (Urk. 1), es sei davon auszuge
hen, dass ein schriftlicher Praktikumsvertrag zwischen ihm und der
A.___
GmbH vom 7. Februar 2018 vorliege. Er habe mit
C.___
, welche ebenfalls im Restaurant
D.___
als Praktikantin angestellt gewesen sei, zusammen
gearbeitet. Weder der Praktikumsvertrag noch die Zeugenbestätigung von
C.___
seien fingiert und könnten ohne Zeugenbefragung als blosse Partei
behauptung qualifiziert werden. Eine Befragung des Beschwerdeführers sowie von
C.___
sei daher zwingend notwendig. Da ein schriftlicher Prakti
kumsvertrag mit Lohnabrede vorliege, falle der Beschwerdeführer mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit unter das
Versicherungsobligatorium
, und die Beschwerdegegnerin sei aus dem Unfallereignis vom 15. Februar 2018 nach UVG leistungspflichtig. Es sei zudem nicht anzunehmen, dass die Arbeitgeberin den Schaden gemeldet hätte, wäre die Anstellung des Beschwerdeführers bloss fingiert gewesen. Gemäss Art. 1a UVG seien davon abgesehen auch arbeitslose Per
sonen und Schwarzarbeiter versichert. Der Beschwerdeführer habe mit Unter
stützung des
E.___
beziehungsweise der
F.___
AG im Rahmen von Arbeits
integrationsprogrammen für verschiedene Arbeitgeber in der Schweiz, unter an
derem auch als Küchenhilfe im Restaurant
D.___
gearbeitet, um seine Vermittel
barkeit zu verbessern (Urk. 1
Rz
7-10).
Dass die
A.___
GmbH die AHV-Beiträge nicht abgerechnet und auch keine Unfallversicherung für ihre Mitarbeiter abgeschlossen habe, habe der
Beschwerdeführer nicht zu verantworten. Er habe sich auf die Richtigkeit des Praktikumsvertrags verlassen dürfen, in welchem auch vorgesehen worden sei, dass er den Lohn bar beziehe. Es habe sich bereits um die vierte Praktikumsstelle gehandelt, in welcher er mit Unterstützung des
E.___
beziehungsweise der
F.___
AG ab Erhalt des Aufenthaltsstatus F im Dezember 2014 für eine Arbeit
geberin beschäftigt gewesen sei. Die Vorwürfe der Beschwerdegegnerin, der Prak
tikumsvertrag und die Zeugenbestätigung seien zum Zweck erstellt worden, Leistungen zu erwirken, würden als falsch und unbegründet zurückgewiesen. Sie seien zudem diskriminierend. Selbst wenn eine Lohnzahlung aufgrund der Bar
zahlung nicht nachgewiesen werden könne, spreche dies nicht gegen eine Versi
cherungsdeckung gemäss Art. 1a Abs. 1 UVG. Die Beschwerdegegnerin stütze sich auf eine offensichtlich unrichtige Sachverhaltsfeststellung und habe den Untersuchungsgrundsatz und die Begründungspflicht verletzt. Eine antizipierte Beweiswürdigung sei vorliegend nicht möglich, solange man nicht wisse, was die Zeugin aussagen werde. In den Akten würden des Weiteren die Einvernahme des Beschwerdeführers durch die Kantonspolizei, die Antworten der Gemeinde
B.___
beziehungsweise des Fürsorgesekretariats oder auch die Antworten zu einer Befragung der Mitarbeiterin der
F.___
AG fehlen. Auch eine Befra
gung des Beschwerdeführers habe nie stattgefunden. Es sei daher ein entspre
chendes Beweisverfahren durchzuführen (Urk. 1
Rz
11-14).
4
.
4
.1
Gemäss Polizeirapport vom 29. März 2018
(Urk. 9/33)
wurde der Beschwerde
führer am 15. Februar 2018 um circa 19.15 Uhr
beim Überqueren eines
Fussgän
gerstreifen
s
von einem Personenwagen
erfasst. Der Fahrer des Personenwagens war durch das Lesen einer Nachricht auf seinem Handy abgelenkt und übersah dadurch den Beschwerdeführer, welcher durch den Aufprall eine dislozierte mediale Schenkelhalsfraktur links erlitt und am 17. Februar 2018 operiert
werden musste
(Urk. 9/2).
Der Beschwerdeführer verfügte zum Zeitpunkt des Unfalls über den Aufenthaltsstatus F
(vorläufig Aufgenommener; Urk. 9/33 S. 2) und war da
mit gemäss Art. 85 Abs.
6 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Aus
länder (Au
sländergesetz,
AuG
; Stand am 1.
Januar 2018) bloss bei Vorliegen einer kantonalen Bewilligung zur Erwerbstätigkeit berechtigt.
Gemäss der vom Migrationsamt des Kantons Zürich nach Rücksprache mit dem kantonalen Amt für Wir
tschaft und Arbeit (AWA) am 21.
Juni 2019 erteilten
Auskunft verfü
gte der Beschwerdeführer am 15.
Februar 2018 über keine arbeits
marktliche Bewilligung. Demgemäss war er im erwähnten Zeitpunkt nicht berechtigt, einer Erw
erbstätigkeit nachzugehen (Urk.
9/30).
Im Polizeirapport wurde sodann festgehalten, der Beschwerdeführer sei arbeitslos (Urk. 9/33 S. 2), was nur aufgrund seiner eigenen Angabe niedergeschrieben wer
den konnte.
Dies stellt ein klares Indiz gegen eine Tätigkeit, auch gegen eine Praktikumstätigkeit, dar.
4.2
Gemäss Bestätigung der
F.___
AG, welche als
Partnerin der Behörden auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene
agiert
,
bezog der Beschwerdeführer vom 1. März 2016 bis 31.
August 2019 in der Gemeinde
B.___
, wo er
als Asyl
suchender gemeldet
war,
nach den Ansätzen des Kantons Zürich
Sozialhilfe
(Urk
.
3/3).
Es ist sodann belegt, dass er – vor dem hier in Frage stehenden Prak
tikum beim Restaurant
D.___
– an Integrationsmassnahmen teilnahm, unter anderem beim Arbeits- und Integrationsprogramm
«
G.___
»
in
H.___
vom 7. Januar bis 26. Mai 2015 (vgl. das Arbeitszeugnis vom 28. Mai 2015, Urk. 3/7) und bei einem Restaurationsbetrieb in
I.___
im Rahmen eines Arbeits
integrationsprogrammes der
E.___
für Erwachsene vom 4. Januar bis 30. Juni 2017 (vgl. das Zeugnis vom 28. Juni 2017, Urk. 3/8; vgl. ausserdem Urk. 3/6).
4.3
4.3.1
Im zu den Akten gelegten Praktikumsvertrag zwischen dem Beschwerdeführer und der
A.___
GmbH vom 6. Februar 2018 (Urk. 9/1) wurde vereinbart, dass der Beschwerdeführer während einer befristeten Dauer von drei Monaten, vom 22. Januar bis 22. April 2018, als Praktikant im Restaurant
D.___
in
I.___
angestellt werde (Ziff. 1 und 2). Als Lohn wurden Fr. 150.-- brutto bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 42 Stunden vereinbart (Ziff. 4 und 7). Des Weite
ren wurde festgehalten, der Mitarbeiter sei automatisch gegen Berufsunfälle versichert (Ziff. 6).
4.3.2
Zunächst
fällt auf, dass
der Praktikumsvertrag
mit der
A.___
GmbH, vertreten durch
Z.___
, abgeschlossen worden sein soll. Bei der im Jahr 2020 im Handelsregister gelöschten
A.___
GmbH handelte es sich jedoch nicht um eine Gesellschaft mit Bezug zur Gastronomie. Vielmehr bezweckte sie
das Vermitteln von elektronischen Apparaten, speziell auf dem Gebiet der Medizin-Elektronik
(www.zefix.ch)
.
Es ist daher fraglich, ob die
A.___
GmbH in
I.___
je ein Restaurant namens
D.___
geführt hat.
Belegt wurde dies nicht. Die
Versuche
der Beschwerdegegnerin
,
bei der
A.___
GmbH Auskünfte einzuholen,
scheiterten,
da die verantwortlichen
Personen nicht auffindbar gewesen seien (Urk. 2).
Auf Nachfrage der Beschwerdegegnerin erteilte die Ausgleichskasse des Kantons Zürich am 22. Mai 2019 zwar die Auskunft, die Firma
A.___
GmbH sei bei der Suva angeschlossen (Urk. 9/24). Diese gab mit Mailschreiben vom 30. Au
gust 2019
in der Folge
allerdings bekannt, weder sei die
A.___
GmbH bei ihr angeschlossen, noch sei ein Eintrag von Frau
Z.___
in den Systemen gefunden worden (Urk. 9/37).
4.3.3
Dass das
hier
in Frage stehende Praktikum beim Restaurant
D.___
mit Unter
stützung der
F.___
AG erfolgt sein soll, wie vom Beschwerdeführer behauptet (Urk. 1
Rz
10),
kann
nicht belegt
werden
. Im Gegensatz zu den
in E. 4.2 erwähnten
Praktika konnte für das Praktikum beim Restaurant
D.___
kein (Arbeits-)Zeugnis vorgelegt werden. Der Auskunft der Sozialberaterin der
F.___
AG vom 18. Juni 2019 lässt sich überdies nicht entnehmen, dass sie Kenntnis vom Praktikum gehabt hätte. Sie erteilte lediglich in allgemeiner Weise die Auskunft, dass die Meldung einer solchen Tätigkeit immer durch die Arbeit
geberin an das AWA erfolge und dieses dann den Praktikumsvertrag überprüfe (Urk. 9/29). Gegenüber dem Schadeninspektor der Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers
hatte
der Beschwerdeführer
überdies noch angegeben
, die Stelle selbst gefunden zu haben (Urk. 9/6 S. 2).
4.3.4
Aus den Akten ergeben sich überdies weitere Auffälligkeiten im Zusammenhang mit dem Praktikumsvertrag. Gemäss dem Besuchsbericht des Schadeninspektors der Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers vom 1. Mai 2018 (Urk. 9/6 S. 2) konnte der Beschwerdeführer zwar ein auf einem Datenstick abgespeichertes Bewerbungsschreiben vom 25. Januar 2018
(
auf ein im Internet publiziertes Inserat vom 15. Januar 2018
)
vorlegen.
Es ist hingegen nicht dokumentiert, dass dem Schadeninspektor auch der
Praktikumsvertrag – welcher aufgrund der Datumsangaben auf dem Dokument selbst (6. beziehungsweise 7. Februar 2018, Urk. 9/1) zum Zeitpunkt des Besuchs des Schadeninspektors am 1. Mai 2018 (Urk. 9/6) bereits hätte
existieren
müssen – vorgelegt wurde. Wäre
de
m so gewe
sen, wären
dem
Schadeninspektor die folgenden Diskrepanzen mit Sicherheit
auch
aufgefallen: Der im Praktikumsvertrag festgehaltene Arbeitsbeginn vom 22. Januar 2018 steht im Widerspruch zum Datum der Bewerbung vom 25. Ja
nuar 2018 (Urk. 9/1); der Beginn des Arbeitsverhältnisses kann zeitlich nicht vor der Bewerbung liegen. Des Weiteren gab der Beschwerdeführer gegenüber dem Schadeninspektor an, er sei noch im Januar 2018 engagiert worden und zwar vorerst für zwei Monate als Aushilfskraft (Hilfsarbeiter und Allrounder), wobei der Hilfsarbeiterlohn Fr. 450.-
- betragen habe. Bei Bewährung habe Aussicht auf eine Weiterbeschäftigung im Vollzeitpensum bestanden. Im Verlaufe des
Gesprächs mit dem Schadeninspektor wurde dann aber angegeben, das Restau
rant
D.___
habe quasi für den Beschwerdeführer eine andere Person angestellt (Urk. 9/6 S. 2).
Im Praktikumsvertrag
wurde
aber
keine Anstellung als Aushilfs
kraft für zwei Monate für einen Hilfsarbeiterlohn von Fr. 450.-- vereinbart, sondern ein Praktikum für drei Monate mit einem Monatslohn von Fr. 150.-- (Urk. 9/1).
D
ie
se
Ungereimtheiten lassen
erhebliche
Zweifel an der Authentizität des Praktikumsvertrags und
am behaupteten Arbeitseinsatz
aufkommen. Ein Lohnfluss konnte vom Beschwerdeführer sodann nicht belegt werden; er gab selbst an, er habe den Lohn gemäss Praktikumsvertrag in bar erhalten (Urk. 1
Rz
11). Ein Eintrag der
A.___
GmbH im individuellen Konto des Beschwerdeführers (vgl. den IK-Auszug vom 13. Mai 2019 [Urk. 9/22]) fehlt
ebenfalls
.
4.4
C.___
, geboren am 1. Januar 1995, bestätigte am 11. November 2020, dass sie zusammen mit dem Beschwerdeführer vom 22. Januar bis 15. Februar 2018 (Unfallereignis) im Restaurant
D.___
für die Firma
A.___
GmbH im Service/in der Küche gearbeitet habe (Beilage zu Urk. 9/43).
Ebendiese
C.___
unterstützte
den
Beschwerdeführer gemäss Besuchs
bericht des Schadeninspektors der
Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers
ab etwa Mitte März 2018 bei der Mahlzeitenzubereitung
und
half
ihm
bei der Reinigung, bei der Besorgung der Wäsche und des Einkaufs (Urk. 9/6 S. 3). Im Beschwerdeverfahren wurde ein mit dem Praktikumsvertrag des Beschwerde
führers nahezu identischer Praktikumsvertrag zwischen der
A.___
GmbH und
C.___
aufgelegt (Urk. 3/10). Allenfalls mag es zutreffen, dass
C.___
ab dem 22. Januar 2018 im Restaurant
D.___
arbeitete
, was hier nicht zu prüfen ist. Ihre Bestätigung in Bezug auf den Beschwerdeführer steht aber
ebenfalls
im Widerspruch zum vom Beschwerdeführer eigens vorgelegten Bewerbungsschreiben vom 25. Januar 2018: Der Beginn des Arbeitsverhältnisses des Beschwerdeführers konnte zeitlich nicht vor der Bewerbung liegen
(vgl. E.
4.3.4
vorstehend)
. Dieser Widerspruch lässt sich nicht auflösen, weshalb die Bestätigung von
C.___
die Zweifel an der Authentizität des vorgeleg
ten Praktikumsvertrags des Beschwerdeführers (Urk. 9/1)
nicht zu zerstreuen vermag. Daran würde auch eine mündliche Bekräftigung durch
C.___
nichts ändern, zumal
bei der Würdigung ihrer Aussage miteinzubeziehen wäre
, in welcher Beziehung sie zum Beschwerdeführer steht
(vgl. Art. 172
lit
. b ZPO)
.
Mit der Beschwerdegegnerin kann daher in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen) auf ihre Befragung als Zeugin verzichtet werden. Auch eine Befragung des Beschwerdeführers selbst würde keine neuen Erkennt
nisse
zutage fördern, welche nicht bereits in den schriftlichen Eingaben hätten vorgebracht werden können.
4.5
Die Beschwerdegegnerin hat umfassende Abklärungen getätigt und weder den Untersuchungsgrundsatz noch die Begründungspflicht verletzt.
Weshalb sie wei
tere Einkünfte hätte einholen sollen, lässt sich nicht nachvollziehen. Auch lässt sich nicht erkennen, inwiefern ihre Erwägungen diskriminierend sein sollten, musste sie den Sachverhalt doch unter Berücksichtigung der
vielen
Unstimmig
keiten würdigen. Dass sie zum Schluss gelangte, der Nachweis eines Arbeitsver
hältnisses
respektive eines
Praktikums könne nach der im Sozialversicherungs
recht herrschenden Beweismaxime der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht erbracht werden, und die Folgen dieser Beweislosigkeit wirke sich zulasten des Beschwerdeführers aus (Urk. 2
Rz
25), ist nicht zu beanstanden.
5
.
Nach dem Gesagten erweist sich die Beschwerde als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.
Das Gericht
beschliesst
:
Der Name des
B
eschwerdeführers (bisher
X.___)
wird im Rubrum geändert (neu
X.___
)
.
und erkennt sodann:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2
.
Das Verfahren ist kostenlos.
3
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
li
c
.
iur
.
Karolin Wolfensberger
-
Ersatzkasse gemäss dem Bundesgesetz vom 20. März 1981 über die Unfallver
sicherung
-
Bundesamt für Gesundheit
4
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
VogelMuraro