# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 37b250bb-70a0-5631-ae75-f122f31707c9
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-11-17
**Language:** de
**Title:** Berufliche Massnahmen: Kein Vorbescheidverfahren durchgeführt; betreffend Umschulungsgesuch noch gar nicht abgeklärt; Rückweisung.
**Docket/Reference:** IV.2015.00714
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2015.00714.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2015.00714
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Ersatzrichterin Lienhard
Gerichtsschreiberin Fonti
Urteil
vom
17. November 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Soziale Dienste der Stadt Wädenswil
Y.___
Schönenbergstrasse
4, 8820 Wädenswil
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren
1980,
meldete sich am
8. Juni 2009
unter Hinweis auf
chronische Schmerzen in beiden Armen und Schultern,
eine
chronische Schlafstörung sowie aufgrund
einer
manisch-depressive
n
Symptomatik
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
14/2
). Die
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle,
klärte die medizinische und berufli
che Situation ab und
gewährte
ihr
zwischen Februar 2011
und
April 2012 diverse Eingliederungsmassnahmen (
Berufsabklärung
Y.___
vom
21. Februar bis 18. März 2011, Urk. 14/41,
Schlussbericht vom 31. März 2011, Urk. 14/48
;
Aufbautraining vom 30. Mai bis 25. November 2011
,
Urk. 14/51
,
Schlussbericht vom 30. September
[
richtig: November
]
2011, Urk. 14/72; Arbeit zur
Zeitüber
brückung
vom 26. November bis 31. Dezember 2011, Arbeitstraining im
Z.___
vom 23. Januar bis 22. April 2012, Urk. 14/88
, Schlussbericht vom 17. April 2012, Urk. 14/97). Mit Mitteilung vom 25. Mai 2012 schloss die IV-Stelle die beruflichen Massnahmen ab, da keine Anschlusslösung in der freien Wirtschaft habe erarbeitet werden können (Urk. 14/104).
1.2
Nach Eingang des von der IV-Stelle veranlassten psychiatrischen Gutachtens, das am 16. Mai 2013 erstattet wurde (Urk. 14/117)
,
sprach
die IV-Stelle
der Versicherten
mit Verfügung vom
29. Oktober 2013
bei einem Invaliditätsgrad von
41 %
ab
1. September 2011
eine
Viertelsr
ente
zu (Urk.
14/125;
Begrün
dungsteil Urk. 14/124
).
1.3
Nach Eingang eines am
27. März 2014 gestellten Gesuchs für eine Umschulung
und/
oder Arbeitsvermittlung
(Urk.
14/131
)
lud die
IV-Stelle
die Versicherte zu einem Standortgespräch ein (Urk. 14/138) und hielt mit dem behandelnden Psy
chiater
telefonisch
Rücksprache (Gespräch vom 20. August 2014, Urk. 14/142). Am 29. August 2014 teilte sie der Versicherten mit, es seien zurzeit keine beruf
lichen Eingliederungsmassnahmen möglich (Urk. 14/143). Mit Mitteilung vom 28. Oktober 2014
bejahte die IV-Stelle den Anspruch auf Beratung und Beglei
tung für die Zeit vom 27. Oktober 2014 bis 24. April 2015 (Urk. 14/147). Mit Schreiben vom 13. Mai 2015 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass eine Integration in den Arbeitsmarkt nicht gelungen sei und weitere berufliche Massnahmen nicht angezeigt seien (Urk. 14/155). Daran hielt sie mit Verfügung vom 5. Juni 2015 fest (Urk. 14/159 = Urk. 2)
.
2.
Die Versicherte erhob am
30. Juni
2015
(Urk. 1; vgl. auch
Beschwerde
er
gänzung
vom
7.
Juli 2015,
Urk. 4)
Beschwerde gegen die Verfügung vom
5. Juni 2015
(
Urk.
2) und beantragte
im Wesentlichen
, diese sei aufzuheben und es sei
die Sache zur weiteren Abklärung sowie zur Gewährung weiterer Einglie
derungs
massnahmen zurückzuweisen. Eventuell seien zusätzliche medi
zi
nische Abklärungen vorzunehmen (
Urk.
5 S. 2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
14. September 2015
(Urk.
13
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
15. September 2015
zur Kenntnis gebracht (Urk.
15
).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
1.2
Nach Art. 57a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) teilt die IV-Stelle der versicherten Person den vorgesehenen Endentscheid über ein Leistungsbegehren oder den Entzug oder die Herabsetzung einer bisher gewährten Leistung mittels Vorbescheid mit. Die versicherte Person hat Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 42 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG).
Gegenstand des Vorbescheids sind Fragen, die gemäss Art. 57 Abs. 1
lit
. c-f IVG in den Aufgabenbereich der IV-Stellen fallen (Art. 73
bis
Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV).
Demnach obliegt den IV-Stellen insbesondere (Art. 57 Abs. 1 IVG):
-
die Abklärung der versicherungsmässigen Voraussetzungen (
lit
. c);
-
die Abklärung der Eingliederungsfähigkeit der versicherten Person, die
Berufsberatung und die Arbeitsvermittlung (
lit
. d);
-
die Bestimmung und Überwachung der Eingliederungsmassnahmen sowie
die notwendige Begleitung der versicherten Person während der Mass-
nahmen (
lit
. e);
-
die Bemessung der Invalidität, der Hilflosigkeit und der von der versich-
erten
Person benötigten Hilfeleistungen (
lit
. f).
Nach Durchführung des
Vorbescheidverfahrens
entscheidet die IV-Stelle mittels Verfügung, wobei sie sich darin mit den relevanten Einwänden der Parteien auseinanderzusetzen hat (Art. 74 Abs. 1 und 2 IVV).
1.3
Die versicherte Person hat Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 42 ATSG (Art. 57a Abs. 1 Satz 2 IVG), was unter anderem das Recht der versicher
ten Person umfasst, vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden Ent
scheids sich zur Sache zu
äussern
, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheb
lichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu
äussern
, wenn darauf abgestellt werden soll (BGE 121 V 150 E. 4a mit Hinweisen).
Ein weiterer Aspekt des Anspruchs auf rechtliches Gehör ist das Recht auf eine Begründung, welche die versicherte Person in die Lage versetzt, einen Entscheid sachgerecht anzufechten. Um den verfassungsrechtlichen Anforderungen zu genügen, muss die Begründung wenigstens kurz die Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde leiten
liess
und auf welche sich ihr Entscheid stützt. Dabei muss jedenfalls ersichtlich werden, ob und weshalb die Behörde ein Vor
bringen einer Partei für unzutreffend beziehungsweise unerheblich hält oder ob sie es überhaupt in Betracht gezogen hat (
Kieser
, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., 2009, N 38 zu Art. 49 ATSG
;
BGE 124 V 180). Die Begründung muss so abge
fasst sein, dass eine Anfechtung des Entscheides möglich ist (
Kieser
, a.a.O., N 126 zu Art. 61 ATSG).
Das
Vorbescheidverfahren
bezweckt - nebst der Entlastung der
Verwaltungs
-
rechts
pflegeorgane
-, dem Versicherten den Anspruch auf rechtli
ches Gehör in dem von der Rechtsprechung umschriebenen Sinne zu
gewähr
leisten (BGE 124 V 182 E
. 1c mit Hinweisen).
1.4
Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des rechtli
chen Gehörs führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sa
che selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Es kommt mit anderen Worten nicht darauf an, ob die Anhörung im konkreten Fall für den Ausgang der materiellen Streitentscheidung von Bedeutung ist, d.h. die Behörde zu einer Änderung ihres Entscheides veranlasst wird oder nicht (BGE 132 V 387 E. 5.1
S. 390; 127 V 431 E. 3d/
aa
S. 437).
Vorbehalten sind
rechtsprechungsgemäss
diejenigen Fälle, in denen diese Ver
let
zung nicht besonders schwer wiegt und dadurch geheilt wird, dass die betrof
fene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu
äussern
, die sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei überprüfen kann (vgl. BGE 124 V 180 E. 4a).
2.
2.1
Im Dispositiv der
Verfügung vom 5. Juni 2015 (Urk. 2) verfügte die
Beschwer
degegnerin
den Abschluss der Arbeitsvermittlung.
S
ie
führte aus, es sei trotz der
Bemühungen und der Unterstützung seit Oktober 2014 nicht gelungen, die Beschwerdeführerin innert angemessener Zeit in den Arbeitsmarkt zu integrie
ren. Die Beratung und Begleitung ende per 24. April 201
5.
Zurzeit seien keine weiteren beruflichen Eingliederungsmassnahmen angezeigt.
2.2
Die
Beschwerdeführerin
stellte sich
auf den Standpunkt (Urk. 5), in der ange
fochtenen Verfügung sei überhaupt nicht ersichtlich, mit welchen konkreten Kritikpunkten sich die Beschwerdegegnerin befasst habe und aus welchen Gründen sie keine weiteren Eingliederungsmassnahmen prüfe
. Es liege aufgrund der ungenügenden Begründung ein schwerwiegender Formfehler vor. Zudem erfülle sie die Voraussetzungen für eine Umschulung (S. 4). Beim Entscheid der Beschwerdegegnerin seien ihre Arbeitsmotivation und ihre Arbeitsfähigkeit ausser Acht gelassen worden und es fehle an einer objektiven ärztlichen Abklärung. Die Verfügung sei daher aufzuheben und die Eingliederungsmass
nahmen
seien
ordnungsgemäss zu prüfen. Eventuell müsse der Invaliditätsgrad neu geprüft werden (S. 5).
3.
3.1
Mit Verfügung vom 29. Oktober 2013 sprach die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin bei
einer Arbeitsfähigkeit von 60 % in einer angepassten Tätigkeit und
einem Invaliditätsgrad von 41 % eine
Viertelsrente
zu (Urk. 14/124-125).
3.2
Am 27. März 2014
ersuchte
die Beschwerdeführerin um Gewährung einer Umschu
lung
und/
oder Arbeitsvermittlung (Urk. 14/131).
Die
Beschwerdegegne
rin
führte am 22. Juli 2014 ein Standortgespräch durch (Urk. 14/138; den bei
den zuvor angebotenen Gesprächsterminen vom 23. Mai 2014 [Urk. 14/136] und vom 4. Juli 2014 [Urk. 14/138/1] blieb die Beschwer
de
führerin unentschul
digt fern).
Aus dem Protokoll geht hervor, dass sich die Beschwerdeführerin eine
Tätigkeit und
verkürzte
Berufslehre im Detailhandel vorstellen könnte (S. 3 Ziff. 4, S. 4 Ziff. 6).
3.3
Am 20. August 2014 fand zwischen
Herrn
B.___
, Sanatorium
C.___
, und
dem zuständigen Sachbearbeiter
der Beschwerdegegnerin ein Telefon
gespräch statt.
Der Telefonnotiz
des Sachbearbeiters
ist Folgendes zu entnehmen
(Urk. 14/142)
:
Er erklärt, dass sich die Therapie mit Frau
D.___
schwierig gestaltet. Einerseits leide sie unter den körperlichen Beschwerden und andererseits besteht die psychi
sche Störung. Die Gruppenfähigkeit wie auch die Frustration von Frau
D.___
sei deutlich reduziert. An einem Arbeitsplatz müsste sie jemanden haben, der sich gut um sie kümmert. Der Kontakt mit anderen Menschen sei nicht immer einfach. Zudem sei das Durchhaltevermögen von Frau
D.___
begrenzt.
Ich informiere Herrn
B.___
über die von ihr angebrachte Idee, eine verkürzte Berufslehre zu absolvieren und äussere meine Bedenken. Er kann diese unterstüt
zen. Herr
B.___
sieht auch nicht, da
ss Frau
D.___
derzeit im 1.
Arbeitsmarkt bestehen könnte. Zwar sei sie sehr motiviert, aber sieht, dass momentan weder eine Berufslehre noch der 1.
Arbeitsmarkt das Richtige wäre. Er meint, wichtig für sie wäre eine Tagesstruktur.
Herr
B.___
vertritt meine Ansicht, dass eine Tätigkeit in einem geschützten Bereich vorerst das Beste für sie wäre. Ich erwähne, dass das Sozialamt die Mög
lichkeit hätte eine Tätigkeit im geschützten Bereich für Frau
D.___
zu organi
sieren oder aber sie könne sich selber direkt an
E.___
wenden. Ich teile ihm mit, dass wir auf Grund der Situation seitens IV-Stelle derzeit keine beruflichen Massnahmen oder Integrationsmassnahmen aufgleisen werden.
3.4
Nachdem die Beschwerdegegnerin zuerst m
it Mitteilung vom 29. August 20
14 erklärte
, die beruflichen Massnahmen
seien
abgeschlossen (Urk. 14/143)
, erf
olgte ein Gespräch zwischen ihr
, der Beschwerdeführerin, dem Sozialamt
und
Herrn
B.___
(Urk. 14/146, Urk. 14/156/3-4). Daraufhin erklärte sich die Beschwerdegegnerin bereit, die berufliche Situation weiter abzuklären (Schrei
ben vom 3. Oktober 2014, Urk. 14/146) und sprach
der Beschwerdeführerin
„Beratung und Begleitung“ zu (Mitteilung vom 28. Oktober 2014, Urk. 14/147). In der Folge sandte die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin eine Auf
listung von Internet-Stellenportalen und jeweils einmal im Monat diverse
Stel
lenausschreibungen
zu
und
begleitete sie zu einem Aufnahmegespräch bei der
E.___
. Durch das Sozialamt erhielt die Beschwerdeführerin schliesslich eine 60%-Tätigkeit im Lagerbereich eines Brockenhauses vermittelt, welche sie am 1. März 2015 antrat und am 30. April 2015 infolge Wegfalls der Sozialhilfe sowie den damit verbundenen weiteren Massnahmen wied
er beenden musste (Urk. 14/156/5
-8, Urk. 14/157).
Mit formloser Mitteilung vom 13. Mai 2015 schloss die Beschwerdegegnerin die Arbeitsvermittlung ab (Urk. 14/155).
Mit Schreiben vom 27. Mai 2015 ersuchte die
Beschwerdeführerin
um eine beschwerdefähige Verfügung „mit der Begrün
dung der Ablehnung von Umschulungs- und/oder weiteren beruflichen Einglie
derungsmassnahmen“
(Urk. 14/157)
.
Daraufhin erging
die angefochtene Verfügung vom 5. Juni 2015 (Urk. 2).
Diese trägt die Überschrift „Abschluss Eingliederungsmassnahmen“. Darin führte die Beschwerdegegnerin aus, es sei trotz ihren Bemühungen und der Unterstützung seit Oktober 2014 nicht gelungen, die Beschwerdeführerin innert angemessener Zeit in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Beratung und Begleitung ende per 24. April 201
5.
Zurzeit seien keine weiteren beruflichen Eingliederungsmass
nah
men angezeigt. Im Dispositiv verfügte die Beschwerdegegnerin den Abschluss der Arbeitsvermittlung.
4.
4.1
Aus formaler Sicht ist zuerst festzuhalten, dass
das
Vorgehen der
Beschwerde
gegnerin
der obenerwähnten
(vorst
ehend E. 1.2
)
gesetzlichen Regelung des
Vor
bescheidverfahrens
widerspricht
.
Gemäss
Art. 74
ter
lit
. b IVV kann zwar das Verfahren betreffend beruflicher
Massnahmen
mit einer formlosen Mitteilung und unter Hinweis darauf, dass eine anfechtbare Verfügung verlangt werden kann (Art. 74
quater
IVV), abgeschlossen werden. Doch steht dieses der
Verfah
rensökonomie
dienende vereinfachte Verfahren unter dem Vorbehalt, dass die Anspruchsvoraussetzungen offensichtlich erfüllt sind beziehungsweise dass den Begehren der versicherten Person vollumfänglich entsprochen wird (Art. 74
ter
Abs. 1 IVV). Mithin rechtfertigt sich eine formlose Mitteilung
nur
, wenn die Versicherten damit aller Voraussicht nach vollständig einverstanden sind.
Mit Mitteilung vom 13. Mai 2015 eröffnete
die
Beschwerdegegnerin
der Beschwer
deführerin im Dispositiv, die Arbeitsvermittlung werde abgeschlossen
,
und gleichzeitig
führte sie
in den kurzen Erwägungen aus, es seien keine wei
teren beruflichen
Ein
gliederungsmassnahmen
angezeigt. Mit Schreiben vom 27. Mai 2015 tat die Beschwerdeführerin unmissverständlich kund, dass sie mit der Ablehnung von Umschulungs- und weiteren beruflichen
Eingliederungs
massnahmen
nicht einverstanden sei.
Bereits damit war klar, dass die Beschwerdegegnerin dem Begehren der Beschwer
def
ührerin nicht entsprochen hatte
. In dieser Situation hätte die Beschwerdegegnerin zur Wahrung des rechtlichen Gehörs der Beschwerdeführe
rin vor Erlass der Verfügung das
Vorbescheidverfahren
durchführen müssen (
Urs Müller, Das Verwaltungsverfahren in der Invalidenversicherung, Bern 2010,
S. 415,
Rz
2125).
Diese Verfahrensvorschriften und namentlich auch das Durchlaufen des
Vorbescheidverfahrens
sind zwingend.
4.2
Indem die Beschwerdegegnerin kein
Vorbescheidverfahren
durchgeführt hat, hat sie das rechtliche Gehör der Beschwerdeführerin schwerwiegend verletzt, was einer Heilung grundsätzlich nicht zugänglich ist (vgl. BGE 126 V 130 E. 2b).
Ausserdem
fällt eine ausnahmsweise Heilung dieser schwerwiegenden Verlet
zung nicht in Betracht, da bei der daraus folgenden Rückweisung an die Beschwerdegegnerin nicht auf einen formalistischen Leerlauf geschlossen wer
den kann, zumal die Beschwerdeführerin grundsätzlich Anspruch auf Einhal
tung des Instanzenzuges hat.
Indem die Beschwerdegegnerin zudem einen unklaren Entscheid fällte - das Dispositiv lautete einzig auf Arbeitsvermittlung, in der Überschrift sowie in den kurzen Erwägungen war jedoch von beruflichen
Eingliederungsmassnahmen
im Gesamten die Rede - und diesen ungenügend begründete, verunmöglichte sie eine sachbezogene
Entscheidanfechtung
.
4.3
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde in dem Sinne
gutzuheissen
, als d
ie
Sache zur gehörigen Durchführung des Verwaltungsverfahrens an die
Beschwer
degegnerin
zurückzuweisen
ist
.
Sie hat
einerseits ein korrektes
Ver
fahren hinsichtlich Arbeitsvermittlung sowie andererseits hinsichtlich
eines
Anspruch
s
auf Umschulung durchzuführen.
Bezüglich
letzterem
bleibt zu erwähnen, dass die Beschwerdeführerin mehrfach deutlich um Prüfung d
es Umschulungsanspruches ersuch
t
e
(vgl.
vorstehend E. 3.2;
Protokoll vom 15. August 2014 zum Standortgespräch, Urk. 14/138
S. 3 Ziff. 4 und S. 4 Ziff. 6
; Verlaufsprotokoll Eingliederungsberatung vom 13. Mai 2015, Urk. 14/156
insbesondere S. 3 ff. Ziff. 4
; vgl. auch vorstehend E. 3.4
).
Ob eine Umschulung
angezeigt und durchführbar ist - insbesondere wie es sich mit der objektiven und subjektiven Eingliederungsfähigkeit verhält -
ist
unklar
(
vgl.
vorstehend E.
3.3
), bleibt aber von der
Beschwerdegegnerin
sorgfältig abzuklä
ren.
Die Beschwerdegegnerin ist
sodann
darauf hinzuweisen, dass
zur Umschulung
nebst der Absolvierung einer beruflichen Grundausbildung nach Art.
17
Berufs
bildungsgesetz
unter anderem
auch die Vorbereitung auf eine Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte gehört (
Kreisschreiben über die
Einglieder
ungsmass
nahmen
beruflicher Art,
KSBE,
Version 1. Januar 2014,
Rz
.
4021
).
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
4
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
Damit erweist sich der Antrag der Beschwerdeführerin auf Gewährung der unentgeltli
chen Prozessführung
(Urk. 5 S. 2 Ziff. 6)
als gegenstandslos.
5.2
Die Beschwerdeführerin hat eine Prozessentschädigung beantragt (Urk. 5 S. 2 Ziff. 7).
Im Verfahren der Verwaltungsgerichtsbeschwerde darf obsiegenden Behörden oder mit
öf
fent
lichrechtlichen
Aufgaben betrauten Organisationen in der Re
gel keine Parteientschädigung zugesprochen
werden
(BGE 112 V 356 E. 6 mit Hin
weisen).
Rechtsprechungsgemäss hat die durch die Sozialen Dienste ihrer Wohngemeinde vertretene Beschwerdeführerin somit keinen Anspruch auf eine
Prozessentschä
digung
.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in
dem Sinne gutgeheissen, dass die
angefochtene
Verfügung vom 5. Juni 2015
aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese
nach erfolgter Abklär
ung im Sinne der Erwägun
gen
sowie nach Durchführung eines
Vorbescheidverfahrens
neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
400
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Der Beschwerdeführerin
wird keine Prozessentschädigung zugesprochen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Soziale Dienste der Stadt Wädenswil
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannFonti