# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e8cde70f-44e8-5d96-b744-db6ae5026602
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-09-28
**Language:** de
**Title:** Rückweisung an die IV-Stelle zur Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen nach vorgängigem Hinweis auf eine mögliche reformatio in peius
**Docket/Reference:** IV.2023.00259
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2023.00259.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2023.00259
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Ersatzrichter Sonderegger
Gerichtsschreiber Brügger
Urteil
vom
28. September 2023
in Sac
hen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch
Protekta
Rechtsschutz-Versicherung AG
Direktion Bern, Rechtsanwältin Karin Moser
Monbijoustrasse
5, Postfach, 3011 Bern
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1964, arbeitete vom 1. März 2016 bis zum 31. März 2022 (letzter effektiver Arbeitstag: 24. Juli 2021) bei der
Y.___
AG als Verkäuferin (Urk. 7/16). Wegen Arthrose an den kleinen Fingergelenken beidseits meldete sich die Versicherte am 13. Januar 2022 (Eingangsdatum) bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/3). Die Sozialver
sicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog die Akten der Krankentag
geldversicherung «Schweizerische Mobiliar Versicherungs
gesellschaft» bei (Urk. 7/9/1-22, Urk. 7/36/1-8). Am 14. Februar 2022 teilte die IV-Stelle der Ver
sicherten mit, dass aktuell keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien (Urk. 7/15). Im Weiteren holte sie den Arbeitgeberbericht der
Y.___
AG vom 15. Februar 2022 (Urk. 7/16) ein und nahm das von der «Mobiliar» in Auftrag gegebene rheumatologische Gutachten des
Z.___
vom 12. September 2022 (Urk. 7/25) zu den Akten. Ausserdem holte die IV-Stelle die Arztberichte von Dr. med.
A.___
, FMH Rheumatologie, vom 2. November 2022 (Urk. 7/28; unter Beilage diverser weiterer Arztberichte, Urk. 7/29-34), von Dr. med.
B.___
, Facharzt für Neurologie, vom 28. November 2022 (Urk. 7/37, Urk. 7/38) und von Dr. med.
C.___
, Leitender Arzt Handchirurgie am Spital
D.___
, vom 4. Dezember 2022 (Urk. 7/40) ein. Am 11. Januar 2023 nahm Dr. med.
E.___
, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Be
wegungsapparates, vom regionalen ärztlichen Dienst (RAD) der IV-Stelle Stel
lung (Urk. 7/44/5-7). Mit Vorbescheid vom 19. Januar 2023 kündigte die IV-Stelle der Versicherten an, dass sie ab Juli 2022 eine ganze Rente und ab März 2023 eine Rente von 52 % einer ganzen Rente ausrichten werde (Urk. 7/46). Gegen diesen Vorbescheid erhob
X.___
durch die
Protekta
Rechtsschutz-Ver
sicherung AG am 3. Februar 2023 (Urk. 7/48) bzw. am 9. März 2023 (Urk. 7/56) Einwand. Mit Verfügung vom 5. April 2023 sprach die IV-Stelle
X.___
mit Wirkung ab dem 1. Juli 2022 basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze Invalidenrente und mit Wirkung ab dem 1. März 2023 eine Rente von 52 % einer ganzen Invalidenrente zu (Urk. 2).
2.
Gegen diese Verfügung erhob
X.___
durch die
Protekta
Rechtsschutz-Ver
sicherung AG am 12. Mai 2023 Beschwerde mit folgenden Anträgen (Urk. 1 S. 2):
1.
Die Verfügung vom 05.04.2023 sei aufzuheben.
2.
Der Beschwerdeführerin sei ab Juli 2022 eine ganze Invalidenrente auszu
richten.
3.
Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zur weiteren Abklä
rung zurückzuweisen.
- unter Kosten- und Entschädigungsfolgen -
Die Beschwerdegegnerin ersuchte am 21. Juni 2023 um Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin am 3. Juli 2023 mitgeteilt wurde (Urk. 8). Mit Eingabe vom 18. Juli 2023 (Urk. 9) reichte die Beschwerde
führerin die Sprechstundenberichte von Dr.
C.___
vom 2. Mai 2023 (Urk. 10/1) und vom 8. Juni 2023 (Urk. 10/2) ein. Diese wurden der Beschwerdegegnerin am 7. August 2023 zugestellt (Urk. 11).
3.
Mit Beschluss vom
3
1.
August
2023 teilte das Gericht
der Beschwerdeführerin
mit, dass es allenfalls zum Schluss gelangen könnte, dass auf der Grundlage der bestehenden medizinischen Akten keine abschliessende Beurteilung des Leistungs
anspruchs
der Beschwerdeführerin
möglich sei, was zur Folge hätte, dass die angefochtene Verfügung vom
5.
April 2023
aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zu neuer Entscheidung nach ergänzenden Abklä
run
gen zurückzuweisen wäre. Das Gericht machte
die Beschwerdeführerin
darauf aufmerk
sam, dass im Falle eines Urteils im Sinne der Erwägungen eine Schlechter
stellung resultieren könnte und setzte
ih
r
Frist
an, um dazu Stellung zu nehmen und die Beschwerde gegebenenfalls zurückzuziehen (Urk.
12
).
Mit Eingabe vom 1
3.
September 2023 teilte die Beschwerdeführerin mit, dass sie aus
drücklich an der Beschwerde festhalte (
Urk.
14).
4
.
Auf die Vorbringen
der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung
haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da der Zeit
punkt des Invaliditätseintritts (Art. 28 Abs. 1 und 1
bis
IVG) und jener des Renten
anspruchs nicht unbedingt identisch sind, fällt eine Invalidenrente unter das neue Recht, wenn der Anspruchsbeginn ab dem 1. Januar 2022 liegt, auch wenn die Invalidität vor diesem Zeitpunkt eingetreten ist. Neurechtliche Invalidenrenten sind somit Renten, auf die gemäss Art. 29 Abs. 1 und 2 IVG der Anspruch ab dem 1. Januar 2022 entsteht (
vgl.
Rz
. 1008 des Kreisschreibens zu den Übergangsbe
stimmungen zur Einführung des linearen Rentensystems, KS ÜB WE IV, gültig ab 1. Januar 2022).
Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 202
2.
Da die Entstehung eines Rentenanspruchs vorliegend frühestens ab
Juli 2022
in Betracht fällt, sind die ab 1. Januar 2022 gültigen Rechtsvorschriften anwendbar.
1
.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1
.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
Als Erwerbseinkommen im Sinne von Artikel 16 ATSG gelten gemäss Art. 25 Abs. 1 IVV mutmassliche jährliche Erwerbseinkommen, von denen Beiträge nach AHVG erhoben würden. Nicht dazu gehören indessen:
a.
Leistungen des Arbeitgebers für den Lohnausfall
infolge Unfall
oder Krankheit bei ausgewiesener Arbeitsunfähigkeit;
b.
Arbeitslosenentschädigungen, Erwerbsausfallentschädigungen nach EOG und Taggelder der Invalidenversicherung.
Die massgebenden Erwerbseinkommen nach Artikel 16 ATSG sind in Bezug auf den gleichen Zeitraum festzusetzen und richten sich nach dem Arbeitsmarkt in der Schweiz (Art. 25 Abs. 2 IVV). Soweit für die Bestimmung der massgebenden Erwerbseinkommen statistische Werte herangezogen werden, sind die Zentral
werte der Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik massgebend. Andere statistische Werte können beigezogen werden, sofern das Einkommen im Einzelfall nicht in der LSE abgebildet ist. Es sind altersunabhängige und geschlechtsspezifische Werte zu verwenden (Art. 25 Abs. 3 IVV). Die statistischen Werte nach Absatz 3 sind an die betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsab
teilungen und an die Nominallohnentwicklung anzupassen (Art. 25 Abs. 4 IVV).
1
.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Eine Rente nach Abs. 1 wird nicht zugesprochen, solange die Möglichkeiten zur Eingliederung im Sinne von Art. 8 Abs. 1
bis
und 1
ter
nicht ausgeschöpft sind (Art. 28 Abs. 1
bis
IVG). Gemäss Art. 28b Abs. 1 IVG wird die Höhe des Rentenan
spruchs in prozentualen Anteilen an einer ganzen Rente festgelegt. Bei einem Invaliditätsgrad von 50-69 % entspricht der prozentuale Anteil dem Invaliditäts
grad (Abs. 2). Bei einem Invaliditätsgrad ab 70 % besteht Anspruch auf eine ganze Rente (Abs. 3). Bei einem Invaliditätsgrad unter 50 % gelten die folgenden prozentualen Anteile (Abs. 4):
Invaliditätsgrad
prozentualer Anteil
49 Prozent
47.5
Prozent
48 Prozent
45
Prozent
47 Prozent
42.5
Prozent
46 Prozent
40
Prozent
45 Prozent
37.5
Prozent
44 Prozent
35
Prozent
43 Prozent
32.5
Prozent
42 Prozent
30
Prozent
41 Prozent
27.5
Prozent
40 Prozent
25
Prozent
1.5
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leis
tung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung (BGE 125 V 413 E. 2d; Urteil des Bundesgerichts 8C_780/2007 vom 27. August 2008 E. 2.3; vgl. Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz ü
ber die Invalidenversicherung, 4
. Auflag
e 2022,
Rn
11 zu Art. 30
). Rechtsprechungsgemäss bildet eine solche Verfügung insgesamt den Anfechtungs- und Streitgegenstand und unterliegt integral der gerichtlichen Prüfung, selbst wenn nur einzelne Punkte davon bestritten sind (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_440/2017 vom 25. Juni 2018 E. 5.1 [in BGE 144 V 153 nicht publiziert] und 9C_50/2011 vom 25. Mai 2011 E. 2.1).
Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine abgestufte oder befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Abstufung oder die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blieben. Die gerichtliche Prü
fung hat vielmehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise gere
gelten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Abstufung oder Aufhebung der Rente zu erfassen (BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; Urteile des Bundesgerichts 8C_765/2007 vom 11. Juli 2008 E. 2 und I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen). Dabei ist in anfechtungs- und streit
gegen
ständlicher Hinsicht irrelevant, ob eine rückwirkende Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente in einer oder in mehreren Verfügun
gen gleichen Datums eröffnet wird (BGE 131 V 164 Regeste; Urteil des Bundes
gerichts 8C_489/2009 vom 23. Okt
ober 2009 E. 4.1 mit Hinweis).
1.
6
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestat
ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizi
nische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen ver
fügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je
m.w.H
.).
1.
7
Gemäss Art. 54a IVG stehen die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) den IV-Stellen für die Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungs
anspruchs zur Verfügung (Abs. 2). Sie legen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der versicherten Person für die Ausübung einer zumutbaren Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich fest (Abs. 3). Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Abs. 4). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizi
nischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Bei der Festsetzung der funktionellen Leistungsfähigkeit (Art. 54a Abs. 3 IVG) ist die medizinisch attestierte Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit und für angepasste Tätig
keiten unter Berücksichtigung sämtlicher physischen, psychischen und geistigen Ressourcen und Einschränkungen in qualitativer und quantitativer Hinsicht zu beurteilen und zu begründen (Abs. 1
bis
). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwal
tung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entschei
den haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdi
gen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
gerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxis
gemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1).
Soll ein Versicherungsfall ohne Einho
lung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswür
digung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststel
lungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung vom
5.
April 2023 (
Urk.
2) aus, die Abklärungen hätten ergeben, dass die Beschwerdeführerin seit dem 2
6.
Juli 2021 dauerhaft in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei. Nach Ablauf des Wartejahres im Juli 2022 sei sie in sämtlichen Tätigkeiten zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen und habe deshalb Anspruch auf eine ganze Rente. Seit Dezember 2022 könne ihr die Ausübung einer angepassten Tätigkeit zu 50
%
zugemutet werden.
Dabei sollte es sich um Tätigkeiten handeln, bei denen keine wesentliche Funktion der Hände und der Finger wie beispiels
weise repetitives Greifen erforderlich sei und kein vollständiger Faust
schluss benötigt werde.
Für das Arbeitsumfeld sei zudem Wärme erforderlich, Tätigkeiten in kühler und feuchter Umgebung seien nicht möglich. Mit einer solchen Tätigkeit könnte die Beschwerdeführerin ein Einkommen von
Fr.
24'409.95 erzielen. Ver
glichen mit dem Einkommen von
Fr.
51'357.--, welches die Beschwerde
führerin
ohne
Gesundheitsschaden erzielen würde, ergebe sich eine Erwerbs
einbusse von
Fr.
26'947.05 bzw. 52
%
.
Die Verbesserung werde berücksichtigt, sobald sie drei
Monate angedauert habe. Die Beschwerdeführerin habe somit ab März 2023 Anspruch auf eine Rente von 52
%
einer ganzen Invalidenrente.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin in der Beschwerde vom 1
2.
Mai 2023 (
Urk.
1) geltend, sie sei im Jahr 2018 bei der Arbeit auf die Hände gestürzt und leide seither unter grossen Beschwerden an beiden Händen, die Diagnose laute erosive Fingerpolyarthrose. Es sei eine Operation der rechten Hand im Sommer 2021 mit schlechtem Verlauf erfolgt. Die Beschwerdeführer
in
sei seit dem 2
6.
Juli 2021 zu 100
%
arbeitsunfähig. Die Beschwerdegegnerin bzw. der RAD hätten lediglich auf die Beurteilung de
r
behandelnden
orthopädischen Fach
ärzte
abgestellt und hätten jene der behandelnden Rheumatologin
sowie das von der Krankentaggeldversicherung in Auftrag gegebene rheumatologische Gutach
ten
unberücksichtigt gelassen.
Aufgrund der abweichenden rheuma
tologischen Einschätzungen bestünden erhebliche Zweifel an der versicherungs
internen Beurteilung des RAD, weshalb die Beschwerdegegnerin zwingend weitere Abklä
rungen hätte in die Wege leiten müssen.
Die Beschwerdeführerin sei am 1
7.
April 2023 am rechten Zeigefinger operiert worden und es müssten noch weitere Finger operiert werden. Während dieser Zeit liege eindeutig eine volle Arbeits
un
fähigkeit für jegliche Tätigkeiten vor, was von der Beschwerde
gegnerin ebenfalls nicht kor
rekt gewürdigt worden sei. Zudem würden Abklärungen
betreffend die Rücken
schmerzen
vorgenommen.
3.
3.1
Gemäss dem rheumatologischen Gutachten des
Z.___
vom 12. September 2022 (Urk. 7/25) besteht bei der Beschwerdeführerin mit Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit eine erosive Fingerpolyarthrose, Differentialdiagnose:
Psoriasisarthritis
sine Psoriasis (bei Status nach Silikon Arthroplastik PIP IV und V Hand rechts am 26. Juli 2021, Methotrexat 20 mg/Woche seit 10. Mai 2022 und Operation PIP-Gelenke II-IV links geplant). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestün
den belastungsabhängige Knieschmerzen links, Differentialdiagnose: beginnende Gonarthrose, sowie ein Diabetes mellitus Typ 2 seit 2012. Die präsentierten Beschwerden und die geltend gemachten Einschränkungen seien im Licht der ent
zündlichen destruktiven Fingergelenkveränderungen plausibel. Die berichte
ten Einschränkungen im Alltag und die im Umgang damit getroffenen Dispo
siti
onen wie Entlastung vom eigenen Haushalt und Inanspruchnahme der Hilfe der Tochter seien konsistent mit den erhobenen Befunden. Der bisherige Verlauf sei trotz adäquater handchirurgischer und rheumatologischer Behandlung leider unbefriedigend. Geplant seien jetzt die operative Sanierung der PIP-Gelenke II-V
an der linken Hand und die Revision der Basisbehandlung mit Methotrexat. Die Prognose werde abhängen vom Resultat der bevorstehenden handchirurgischen Eingriffe und davon, ob eine alternative Basistherapie, zum Beispiel mit einem
Biologikum
, wirksam sei.
Die Beschwerdeführerin sei zurzeit in allen manuellen Verrichtungen erheblich beeinträchtigt. Auch feinmotorische Tätigkeiten seien nicht möglich, kraftauf
wendige Manipulationen ohnehin nicht. Die Beschwerdeführerin sei zurzeit auch für die Besorgung des Haushaltes und zum Teil für die Körperpflege auf Unter
stützung angewiesen. Als Ressource zu werten sei die abgeschlossene Ausbildung als Einzelhandelskauffrau. Ungünstig im Hinblick auf eine spätere Wiederein
glie
derung in den Arbeitsprozess seien die derzeitige Stellenlosigkeit und das fort
ge
schrittene Alter. Zurzeit könne kein Belastungsprofil definiert werden. Abzu
war
ten sei das Resultat der geplanten handchirurgischen und rheumatologischen Therapien. Zurzeit sei die Beschwerdeführerin für jede Tätig
keit zu 100 % arbeits
unfähig.
3.
2
Laut dem Arztbericht der Rheumatologin Dr.
A.___
vom 2. November 2022 bestehen bei der Beschwerdeführerin folgende Diagnosen (Urk. 7/28/4):
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
1.
Frozen
hands
bei
-
Status nach Sturz auf Hände bei bestehender Fingerpolyarthrose, DD
Psoriasis
arthritis
sine Psoriasis
-
Positive FA für Psoriasis
vulgaris
(Vater), fraglich früher geringe Haut
manifestationen bei Patientin
-
Röntgen Hände beidseits mit proliferativen Veränderungen an den DIP
Gelenken, fast
Ankylosierung
DIP V rechts, IV links
-
2-Phasen-Skelettszintigraphie vom 12.4.22: Arthritiden/
Synovitiden
der PIP
Gelenke II-V der linken Hand (
Pmax
Dig
III) und der DIP-Gelenke II und III rechts, aufgrund Verteilungsmuster vereinbar mit
Psoriasis
arthritis
. Verdacht auf
Enthesitis
Achillessehne rechts. Kein Hinweis auf andere Gelenk
entzündungen.
-
Labor: CRP 6, BSQ normal, ANA neg., RF neg., anti-CPP
neg
2.
Erosive Fingerpolyarthrose (
Heberdenarthrosen
)
-
Status nach
Siliconarthroplastiken
der PIP-Gelenke IV und V Hand rechts sowie Steroidinfiltration der PIP-Gelenke II und III vom 26.7.21 bei aus
geprägter Polyarthrose beider Hände
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
3.
Diabetes mellitus Typ II, seit 2012 bekannt
-
ungenügend kontrolliert
-
Orale Antidiabetika unregelmässig
-
HbAlc
DCCT 10.9%,
HbAlc
IFCC 96mmol/
mol
4.
Mediale Gonarthrose links
-
Intermittierender Erguss
5.
Akute Prurigo
-
Wahrscheinlich KM-Gabe bei Skelettszintigraphie
Die Beschwerdeführerin habe 2018 einen Sturz rückwärts nicht klar auf die Hände erlitten. Danach seien aber beide Hände angeschwollen, was als schwere Prellung interpretiert worden sei. Zuvor habe die Beschwerdeführerin mit den Händen keine Probleme gehabt. Eine Fraktur sei durch Röntgenaufnahmen ausge
schlos
sen worden. Die Beschwerdeführerin habe dann auch starke Schmerzen in den PIP-Gelenken beidseits gehabt. Im Verlauf sei links eine Besserung ein
ge
treten, rechts hätten die Schmerzen angehalten, besonders am
Dig
IV und V. Des
halb sei am 26. Juli 2021 eine
Siliconarthroplastik
der PIP-Gelenke IV und V rechts sowie eine
Stereoidinfiltration
der PIP-Gelenke II und III rechts erfolgt. Aktuell bestün
den starke Schmerzen am
Dig
III links, es seien aber eigentlich alle Finger geschwollen. Daneben bestünden auch Schmerzen am Knie links, schon seit der Kindheit.
Eine Wiederaufnahme der Arbeit werde kaum möglich sein. Die Beschwerde
führerin sei seit dem Unfall von 2018 zu 100 % arbeitsunfähig. Ihre Arbeit als Verkäuferin in einem Matratzengeschäft sei mit schwerer Arbeit für die Hände verbunden. Das Greifen mit den Händen sei ihr nicht mehr möglich. Auch die Ausübung einer leidensangepassten Tätigkeit sei ihr nicht möglich. Die Prognose sei ungünstig wegen des bisher frustranen Verlaufs der Behandlung an den Hän
den.
3.
3
Gemäss dem Arztbericht des Neurologen Dr.
B.___
vom 28. November 2022 (Urk. 7/37, Urk. 7/38) bestehen bei der Beschwerdeführerin folgende Diagnosen:
•
Intermittierendes Brennen der Hände beidseits unklarer Ätiologie, DD
muskulär bedingt, im Rahmen einer Small-Fiber-Polyneuropathie, DD
unklar
•
Frozen
-Hands bei Status nach Sturz auf bestehende Fingerpolyarthrose,
DD Psoriasis-Arthritis
•
Erosive Fingerpolyarthrose
•
Diabetes mellitus Typ 2, seit 2012
•
Mediale Gonarthrose links
•
Akute Prurigo
In der Befundzusammenschau bestehe weder ein Hinweis auf ein Karpal
tunnel
syndrom noch ein
Sulcus
-
ulnaris
-Syndrom noch für ein
Thoracic
-Outlet-Syn
drom. Das Brennen in den Händen sei möglicherweise muskulär bedingt. Wenn es neuropathisch wäre, wäre lediglich eine Small-Fiber-Poly
neuropathie möglich, da sich elektrophysiologisch die Nerven unverändert darstellen würden (Urk. 7/38/2). Die Fragen nach der Arbeitsfähigkeit könnten aus neurologischer Sicht nicht beantwortet werden (Urk. 7/37/5).
3.
4
Laut dem Bericht des Orthopäden Dr.
C.___
vom 4. Dezember 2022 (Urk. 7/40) bestehen bei der Beschwerdeführerin mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein (1.)
Frozen
Hands beidseits (Differentialdiagnose:
Psoriasisarthritis
sine Psoriasis), (2.) eine erosive Fingerpolyarthrose an den Händen beidseits und (3.) ein Status nach Silikon-Arthroplastiken PIP 4 + 5 an der Hand rechts vom 26. Juli 2021 sowie ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein Diabetes mellitus Typ 2 und eine mediale Gonarthrose links. Die Beschwerdeführerin sei in ihrer ange
stamm
ten Tätigkeit seit dem 26. Juli 2021 zu 100 % arbeitsunfähig. In manuellen Tätigkeiten sei sie erheblich beeinträchtigt. Es seien ihr keine kraftvollen und feinmotorischen Tätigkeiten mehr möglich. In den nächsten Monaten könne die Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit nicht erwartet werden. Die Beschwerde
führerin werde weiter rheumatologisch behandelt und es seien für das Frühjahr 2023 erneut handchirurgische Operationen (Arthroplastiken der PIP-Gelenke an der linken Hand) vorgesehen. Das bisherige Arbeitsverhältnis sei von der Arbeit
geberin aufgelöst worden und die Ausübung dieser Tätigkeit, bei welcher die Beschwerde
führerin schwere Matratzen habe heben und transportieren müssen, sei auch nicht mehr zumutbar. Eine angepasste Tätigkeit wäre dagegen sicher mit mindestens 50 % des zeitlichen Pensums zumutbar. Für die Wieder
eingliederung in eine Erwerbstätigkeit ungünstig seien die aktuelle Stellen
losigkeit der Beschwerde
führerin und ihr fortgeschrittenes Alter.
3.
5
Gemäss der Stellungnahme von RAD-Arzt Dr.
E.___
vom 11. Januar 2023 (Urk. 7/44/5-7) liegt bei der Beschwerdeführerin ein dauerhafter Gesund
heits
schaden im Bereich beider Hände vor bei dringendem Verdacht auf Psoriasis Arthritis. Bedingt durch diesen Gesundheitsschaden seien sämtliche Tätigkeiten, die unter Einsatz der Hände und der Finger vorgenommen werden müssten, nicht mehr möglich. In dem angestammten Beruf als Verkäuferin von Matratzen und Bettwaren bestehe seit dem 26. Juli 2021 dauerhaft eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %, welche in dieser Grössenordnung verbleibe. In angepasster Tätigkeit bestehe seit dem 4. Dezember 2022 nach Einschätzung des RAD gestützt auf den Bericht von Dr.
C.___
entsprechend dem Belastungsprofil eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. Es könnten Tätigkeiten ausgeführt werden, bei denen keine wesentli
che Funktion der Hände und der Finger wie beispielsweise repetitives Greifen erforderlich sei und welche einen vollständigen Faustschluss benötigen würden. Eine wechselbelastende leichte Tätigkeit mit der Möglichkeit des Sitzens, Laufens und Gehens sei möglich. Mittelschwere und schwere Arbeiten seien nicht mög
lich. Für das Arbeitsumfeld sei Wärme erforderlich. Tätigkeiten in kühler oder feuchter Umgebung seien nicht möglich.
4.
4.1
Es ergibt sich aus den medizinischen Akten, dass bei der Beschwerdeführerin erhebliche gesundheitliche Probleme im Bereich beider Hände bestehen, welche ihre Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen. Insbesondere scheint die Ausübung der bis
herigen Tätigkeit als Verkäuferin in einem Matratzen- und Bettwarengeschäft nicht mehr möglich. In diesem Punkt stimmen die vorhandenen Einschätzungen überein, wobei es aber anzumerken gilt, dass Dr.
A.___
der Beschwerde
führerin seit dem Unfall im Jahr 2018 eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit beschei
nigt (Urk. 7/28/5), obwohl sie bis zur Operation im Juli 2021 ihrer Erwerbstätig
keit grösstenteils nachgegangen ist (Urk. 7/16/8). Die übrigen Berichte attestieren der Beschwerdeführerin dementsprechend eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit von 100 % in der angestammten Tätigkeit erst seit der Operation vom 26. Juli 2021.
Bezüglich der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit bestehen dagegen unterschiedliche Einschätzungen. Während sowohl die behandelnde Rheumato
login Dr.
A.___
als auch das von der Krankentaggeldversicherung einge
holte rheumatologische Gutachten des
Z.___
der Beschwerdeführerin eine voll
ständige Arbeitsunfähigkeit bescheinigen, gehen der behandelnde Orthopäde Dr.
C.___
und gestützt auf seine Beurteilung auch der RAD-Arzt Dr.
E.___
von einer Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit aus. RAD-Arzt Dr.
E.___
setzt sich aber mit den rheumatologischen Beurteilungen nicht aus
einander und stellt ohne weitere Begründung auf die Einschätzung von Dr.
C.___
ab. Soweit sich RAD-Arzt Dr.
E.___
auf den Standpunkt stellt, es könne von einer Verbesserung des Gesundheitszustandes und damit der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit zwischen dem rheumatologischen Gutachten vom 12. September 2022 (Urk. 7/25) und dem Bericht von Dr.
C.___
vom 4. Dezember 2022 (Urk. 7/40) bzw. ab diesem Zeitpunkt ausgegangen werden, scheint dies nicht nachvollziehbar. Dr.
C.___
hielt bereits in seinem Arztzeugnis vom 22. Oktober 2021 (Urk. 7/9/7-8) fest, dass der Beschwerde
führerin in angepasster Tätigkeit (Bürotätigkeiten, beratende Tätigkeiten ohne manuelle Belastung und ähnliches) eine Tätigkeit in Vollzeit möglich sei. In Kenntnis dieser Einschätzung wird der
Beschwerdeführerin dagegen im rheumatologischen Gutachten des
Z.___
vom 12. September 2022 (Urk. 7/25) eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten bescheinigt. Es bestehen mithin unterschiedliche Beur
teilungen der Arbeits
fähigkeit in ange
passter Tätigkeit aus rheumatologischer und aus orthopädischer Sicht und es kann nicht einzig auf die Einschätzung von Dr.
C.___
abgestellt werden mit der Begründung, dass es sich bei dieser um die aktuellste handelt, sondern es bedarf einer grundsätzlichen Auseinandersetzung mit der Frage, warum auf die Beurteilung von Dr.
C.___
und nicht auf die davon abweichenden rheumato
logischen Beurteilungen abgestellt werden soll. Soweit auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit von Dr.
C.___
abgestellt wird, ist ausser
dem nicht ersichtlich, inwiefern sich aus dieser eine Verbesserung der Arbeits
fähigkeit in angepasster Tätigkeit ab dem 4. Dezember 2022 ergeben soll, sondern es verhält sich vielmehr so, dass laut der Einschätzung von Dr.
C.___
die Beschwerdeführerin in angepasster Tätigkeit grundsätzlich arbeitsfähig ist, auch schon in der Zeit vor dem 4. Dezember 2022. Wird auf die Einschätzung von Dr.
C.___
abgestellt, müsste mithin von einer Arbeitsfähigkeit in behin
derungs
angepasster Tätigkeit spätestens ab dem 22. Oktober 2021 ausgegangen werden und es wäre zu prüfen, ob sich diese verschlechtert hat, von einer vollzeitigen Arbeits
fähigkeit zu einer solchen von lediglich noch mindestens 50 %, wobei eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 50 % nicht ausschliesst, dass ein höheres Pen
sum möglich wäre.
Es scheint denn auch nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerde
führerin nach dem ersten operativen Eingriff an der rechten Hand vom 26. Juli 2021 bis zum 4. Dezember 2022 und damit während der Dauer von gut 16 Monaten voll
ständig arbeitsunfähig gewesen sein soll, weitere operative Eingriffe und Behand
lungen demgegenüber lediglich noch eine vorübergehende Arbeitsun
fä
higkeit in angepasster Tätigkeit verursachen sollen.
4.2
Insgesamt scheint damit die medizinische Aktenlage nicht als genügend, um die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin beurteilen zu können. Es scheinen wei
tere Abklärungen über den Gesundheitsschaden der Beschwerdeführerin und über den Verlauf der Arbeitsfähigkeit seit dem 26. Juli 2021 notwendig.
Die vorhan
denen medizinischen Unterlagen erlauben keine zuverlässige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin, weshalb die Beschwer
degegnerin wei
tere Abklärungen hin
sichtlich des Gesundheitszustands der Beschwerde
führerin vor
zunehmen hat.
4.3
Die angefochtene Verfügung vom
5.
April
2023
(Urk. 2) ist folglich aufzu
heben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie wei
tere medizinische Abklärun
gen über den Gesundheitsschaden
der Beschwerdeführerin
und über den Verlauf der Arbeitsfähigkeit seit dem
2
6.
Juli 2021
vornimmt und anschliessend den Invaliditätsgrad
der Beschwerdeführerin
auf
grund eines Einkommens
vergleichs neu berechnet. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzu
heissen.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen, weshalb der vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Parteientschädi
gung hat. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf Fr
.
1’200
.-- (inklusive Barauslagen und Mehr
wertsteuer) festzulegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutge
heissen, dass die angefochtene Verfügung
vom
5. April 2023
aufgehoben
wird
und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklä
rung im Sinne der Erwägungen, über d
en Leistungs
anspruch der Beschwerdeführerin
neu ver
füge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine Parteient
schädigung von
Fr.
1’200
.-- (inkl. Barauslagen und MWST) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Protekta
Rechtsschutz-Versicherung AG
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstBrügger