# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d8c19347-96e6-50b7-b17c-9f48d374ed30
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-11-30
**Language:** de
**Title:** Auf die im Unfallversicherungsverfahren eingeholten Gutachten kann im IV-Verfahren nicht abgestellt werden, da daneben unfallfremde Leiden bestehen, welchen möglicherweise Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zukommt. Zudem Beurteilung aus interdisziplinärer Sicht erforderlich bei polymorbidem Beschwerdeführer. Rück- und zugleich Überweisung an IV-Stelle für Versicherte im Ausland.
**Docket/Reference:** IV.2017.00796
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2017.00796.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2017.00796
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Gerichtsschreiberin Widmer
Urteil vom 30. November 2018
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Markus Bischoff
Schifflände 22, Postfach 126, 8024 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der 1959 geborene X.___ ist gelernter Automechaniker und arbei
tete von Mai 2008 bis November 2009 sowie nach zwischenzeitlicher Arbeits
losigkeit ab August 2010 vollzeitlich als Elektriker/Elektromonteur (Urk. 7/2/3-4, Urk. 7/9/126). Am 3. Oktober 2010 erlitt er einen Verkehrsunfall, bei welchem er als Beifahrer eines PKW in eine Kollision mit einem Bus verwickelt wurde (Un
fallmeldung vom 22. Oktober 2010, Urk. 7/9/126). Am 5. April 2011 meldete er sich unter Hinweis auf eine infolge dieses Unfalls erfolgte Unterschenkel
am
pu
tation links bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/2/4-6). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, liess einen Auszug aus dem individuellen Konto des Versicherten erstellen (IK-Auszug, Urk. 7/7), holte Berichte der behandelnden Ärzte (Urk. 7/8, 7/13) sowie einen Arbeitgeberfragebogen (Urk. 7/14) ein und zog die Akten der Suva bei (Urk. 7/9, 7/23, 7/25, 7/33-34, 7/37, 7/40, 7/44, 7/51, 7/60). Letztere enthielten unter anderem ein psychiatrisches (Urk. 7/60/678-715) sowie ein neurologisches Teilgutachten (Urk. 7/60/649-674) und ein - laut Suva nur teilweise verwertbares (Urk. 7/53, 7/60/734) - interdisziplinäres Gutachten, verfasst vom orthopädischen Gutachter (Urk. 7/60/615-643) samt Aktengutachten und Vorbemerkungen (Urk. 7/60/609-613). Das Verfahren zwischen dem Beschwerdeführer und der Suva wurde mittels eines Vergleichs über eine Rente und Integritätsent
schädi
gung abgeschlossen (Urk. 7/60/799, 7/68/1). Die IV-Stelle holte die Stellung
nahme ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 19. April 2017 ein. Darin hielt Dr. med. Y.___, Facharzt für Chirurgie, fest, die Gutachten seien beweiskräftig, und übernahm die im psychiatrischen Teilgutachten angegebene Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit von 100 % ab August 2011 (Urk. 7/71/6-7). Dementsprechend errechnete die IV-Stelle einen Invaliditätsgrad von 8 % (Urk. 7/70/1, 7/71/8) und stellte dem Versicherten mit Vorbescheid vom 25. April 2017 die Abweisung seines Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 7/72). Dagegen erhob der Versicherte am 24. Mai 2017 Einwand (Urk. 7/75). Nach erneutem Einholen einer RAD-Stellungnahme (Urk. 7/77/2-3) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren des Versicherten mit Verfügung vom 15. Juni 2017 ab (Urk. 7/78 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 15. Juni 2017 erhob der Versicherte am 20. Juli 2017 Beschwerde mit dem Antrag, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm ab Oktober 2011 mindestens eine halbe Invalidenrente auszurichten (Urk. 1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 13. September 2017 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was dem Beschwer
de
führer am 18. September 2017 mitgeteilt wurde (Urk. 8).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
ge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegli
che
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weit
gehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflicht
gemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozial
versicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen
, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbe
sondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entschei
dend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt, der Beschwerdeführer sei seit dem Unfall im Oktober 2010 in seiner Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt. Da er vor dem Unfall nur kurz als Elektriker gearbeitet habe und davor im Baugewerbe, sei für die Bestimmung des Valideneinkommens auf den Tabellenlohn betreffend das Baugewerbe abzu
stellen. Eine angepasste Tätigkeit sei ihm zu 100 % zumutbar. Gestützt auf den mit Hilfsarbeiten erzielbaren Tabellenlohn und ohne Vornahme eines Leidens
ab
zugs ermittelte die Beschwerdegegnerin einen nicht rentenbegründenden Inva
liditätsgrad von 8 %. Zum Einwand des Beschwerdeführers führte sie aus, die Thrombangitis obliterans, die Ruptur des Ligamentum fibulotalare anterius, die Femoropatellararthrose rechts, der Diabetes mellitus Typ II sowie die chronische Lumbago würden die Arbeitsfähigkeit in einer dem Belastungsprofil entspre
chen
den Tätigkeit nicht weiter einschränken. Ferner sei sie nicht an den Vergleichs
vorschlag der Suva gebunden (Urk. 2).
In ihrer Beschwerdeantwort verwies sie auf die Stellungnahmen ihres RAD. Ferner wies sie darauf hin, dass der von der Suva beauftragte orthopädische Teilgut
achter bezüglich seines Fachgebiets eine leichte, vorwiegend oder ausschliesslich sitzende Tätigkeit für zumutbar gehalten habe. Für den Fall, dass sie aufgrund eines Wohnsitzwechsels des Beschwerdeführers vor Verfügungserlass ins Ausland unzuständig gewesen sei, sei aus prozessökonomischen Gründen von der Aufhe
bung der angefochtenen Verfügung und der Überweisung an die zuständige Be
hörde abzusehen (Urk. 6).
2.2
Der Beschwerdeführer wandte dagegen zusammengefasst ein, die Beschwerde
gegnerin habe ihre Abklärungspflicht in eklatanter Weise verletzt. Das von der Suva eingeholte Gutachten sei nicht beweiskräftig und es gehe nicht an, lediglich auf jene zwei der drei Teilgutachten abzustellen, welche zu ihren Gunsten ausgefallen seien. Nebst den Unfallbeschwerden lägen zahlreiche krankheits
bedingte Einschränkungen vor, welche laut dem orthopädischen Teilgutachten 25 % der Einschränkungen ausmachten. Die Komplexität der Beschwerden mache das Einholen eines polydisziplinären Gutachtens notwendig (Urk. 1).
3.
3.1
Am 3. Oktober 2010 sass der Beschwerdeführer in einem Personenkraftwagen, welcher mit einem Bus kollidierte. Unmittelbar danach wurde er bis zum 20. Oktober 2010 im Z.___, Klinik für Unfallchirurgie, stationär behandelt. Die Ärzte des Z.___ nannten als Diagnose ein Polytrauma vom 3. Oktober 2010 mit offener Luxationsfraktur des linken oberen Sprunggelenks (OSG), Fraktur des Fibulaköpfchens links, Sternumfraktur, stumpfem Abdominal
trauma und Exkorationen am linken Knie (Urk. 7/8/13). Dem Bericht des Z.___ vom 19. Januar 2011 ist zu entnehmen, dass eine Wundheilungsstörung des OSG links sowie eine Thrombangitis obliterans (Morbus Winiwarter-Bürger) vorge
legen habe und bei langwierigem Heilungsverlauf und schlechter Heilungs
prognose am 20. Dezember 2010 der linke Unterschenkel amputiert worden sei (Urk. 7/13/5-6).
3.2
Der von der Suva beauftragte Dr. med. A.___, Facharzt für Neurologie, untersuchte den Beschwerdeführer am 4. Juli 2014 neurologisch und erstattete
sein Teilgutachten am 27. April 2015 (Urk. 7/60/649). Er berichtete, der Beschw
er
deführer habe als Hauptbeschwerden kontinuierlich Schmerzen im linken (ampu
tierten) Fuss. Zusätzlich zu diesem Grundschmerz habe er etwa zweimal täglich während fünf bis zehn Sekunden das zu maximaler Schmerzintensität führende Gefühl, als würden ihm die Zehen abgerissen. Ausserdem leide er vor allem bei Belastung an Schmerzen im linken Knie. Beim Tragen der Prothese seien die Knieschmerzen stärker, dafür die Phantomschmerzen geringer (Urk. 7/60/660). Wenn er sitze und das Bein nicht belaste, bemerke er keinen Knieschmerz. In Abweichung davon habe der Beschwerdeführer angegeben, die Phantom
schmer
zen würden sich bei Belastung respektive beim Gehen mit Prothese verstärken. Des Weiteren habe der Beschwerdeführer über Schmerzen im Kreuz rechts beziehungsweise in der rechten Hüfte geklagt. Auch seelische Probleme mit Konzentrations- und Gedächtnisstörungen habe er vorgetragen, wobei diese in der Exploration nicht zu beobachten gewesen seien (Urk. 7/60/661-662, 7/60/668-669). Dr. A.___ stellte folgende Diagnosen: Unterschenkelampu
ta
tion links am 20. Dezember 2010, im Anschluss an eine schlecht verheilte offene Unterschenkelfraktur links am 3. Oktober 2010, mit sowohl Amputa
tions
stumpf- als auch Phantomschmerzen; Morbus Winiwarter-Buerger (Throm
ban
gitis obliterans); erheblicher Nikotinabusus mit etwa 40 Zigaretten täglich; Diabetes mellitus Typ II; unspezifische Lumbalgien bei im CT der Wirbelsäule vom 3. Oktober 2010 gesicherten degenerativen Veränderungen, ohne Hinweis für traumatische Läsionen an der Wirbelsäule. Dabei sei einzig die erstgenannte Diagnose unfallkausal, weshalb die übrigen Diagnosen nicht weiter zu diskutieren seien (Urk. 7/60/670). Dr. A.___ wies auf widersprüchliche Angaben des Beschwerdeführers bezüglich seiner Schmerzen hin und gelangte insgesamt zum Schluss, es zeige sich eine deutliche Diskrepanz zwischen dem subjektiv geklagten Schmerzausmass und den in den objektiven Befunden und der Verhaltens
beo
bachtung nachvollziehbaren Schmerzkorrelaten. Hinzu komme, dass der Be
schwer
deführer sich seit Jahren in keiner entsprechenden fachärztlichen Behand
lung befinde und die Schmerzmittel in unüblich tiefer Dosis einnehme (Urk. 7/60/670-671). Die Angabe des Beschwerdeführers, dass er den ganzen Tag nur sitze oder liege, sei diskrepant zu seinem fast athletischen Habitus an den Armen. Amputationsstumpf- und Phantomschmerzen träten häufig auf nach Ampu
tationen, die vom Beschwerdeführer geklagte Intensität könne aber nicht in vollem Ausmass nachvollzogen werden. Anhaltspunkte für ein zusätzliches neuropathisches Schmerzsyndrom würden fehlen. Er habe den Eindruck, dass die Prothese nicht optimal passe. Gegebenenfalls könne durch eine bessere Prothe
senversorgung eine Schmerzlinderung erreicht werden, wobei er diesbezüglich auf das orthopädische Fachgutachten verweise. Aus neurologischer Sicht könnte die medikamentöse Therapie verbessert werden (Urk. 7/60/672). Hinweise auf eine Schädel-Hirn-Verletzung würden ebenfalls fehlen. Dr. A.___ gelangte zum Schluss, aus neurologischer Sicht sei der Beschwerdeführer in einer leidens
a
dap
tierten Tätigkeit, welche vorwiegend im Sitzen möglich sei, gegebenenfalls mit kurzen Gehstrecken, wechselbelastend und mit selbstgewählten Positions
wech
seln, voll respektive mit einer Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 100 % ein
setzbar (Urk. 7/60/673).
3.3
Am 10. und 17. Juli 2014 wurde der Beschwerdeführer von Dr. med.
B.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, psychiatrisch untersucht. Dr. B.___ erstattete sein Teilgutachten zuhanden der Suva am 8. Februar 2015
(Urk. 7/60/678). Er führte aus, nach der Unterschenkelamputation vom 20. Dezem
ber 2010 sei aus psychiatrischer Sicht eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Episode (ICD-10: F43.2) mit psychotraumatologischen Symptomen diagnostiziert worden. Bei einer Anpassungsstörung handle es sich um eine dynamische und meistens passager auftretende manifeste psychopathologische Symptomatik, welche im Allgemeinen nach einer passageren Verlaufszeit zu einer
angemessenen Anpassung des Betroffenen an die veränderte Lebenssituation führ
e, sodass die vorliegenden Beschwerden die Schwelle einer Störung mit Krank
heitswert unterschreiten würden. Definitionsgemäss werde eine Anpassungs
störung nicht als langfristig eigenständiges Erkrankungsgeschehen qualifiziert. Die Diagnose der Anpassungsstörung durch das psychosomatische Konsil in der C.___ sei nachvollziehbar belegt (Urk. 7/60/699). Für die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung fehle es an einem Ereignis kata
stro
phenartigen Ausmasses. Hinzu komme, dass die Symptomatik sich innert sechs Monaten nach dem Trauma manifestieren müsste, was beim Beschwerdeführer nicht der Fall gewesen sei (Urk. 7/60/702). Auch die erhobenen Befunde und die vorgeschlagene Medikation würden die Diagnose einer posttraumatischen Belas
tungsstörung nicht belegen (Urk. 7/60/703). Eine fachärztliche ambulante Behand
lung habe der Beschwerdeführer erst im zeitlichen Umfeld des geplanten Fall
abschlusses seitens der Unfallversicherung gut zweieinhalb Jahre nach dem Un
fall
ereignis aufgenommen (Urk. 7/60/704). Die erst später diagnostizierte mittel
gradige bis schwere depressive Episode habe sich im Rahmen eines unfallfremden Erkrankungsgeschehens entwickelt (Urk. 7/60/705). Ferner entspreche die Thera
pieintensität nicht dem Vorliegen einer schweren depressiven Episode (Urk. 7/60/707). Dr. B.___ gab an, die psychopathologischen Befunde würden auf nur punktuelle kognitive Beeinträchtigungen bei einem doch weitgehend unauf
fälligen verbalen Ausdrucksverhalten sowie auf eine affektiv erkennbare Niedergeschlagenheit, Bitterkeit, Hoffnungslosigkeit und dysphorische Resigna
tion verweisen. Dies verbunden mit einem Hadern bezüglich des persönlichen Schicksals und einer depressiv gefärbten, beschämten Selbstherabsetzung
(Urk. 7/60/709). Dr.
B.___
diagnostizierte persistierende isolierte posttrauma
tische
Symptome bei Status nach Anpassungsstörung im Rahmen eines Unfallereig
nisses und nachfolgendem komplexem Behandlungsverlauf (ICD-10: F43.21), eine aktuell chronisch verlaufende mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32
.1) und ein Abhängigkeitssyndrom von Tabak mit ständigem Substanzgebrauch (ICD-10: F17.25). Zudem äusserte er den Verdacht auf eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41; Urk. 7/60/710). Bei der unfallfremden Depression handle es sich um eine psychische Beeinträchtigung mit Krankheitswert, welche vorrangig auch Einfluss auf das psychophysische Leistungsvermögen nehme (Urk. 7/60/711). Die chronische Schmerzstörung sei nur mit der Aussagekraft einer Verdachtsdiagnose ausgewiesen, da im vorlie
gen
den Fall nicht alle Kriterien erfüllt seien, respektive da die körperlichen Faktoren bezüglich der Schmerzproblematik im Vordergrund stünden. So die Stumpf- und Phantomschmerzen, welche auch diagnostisch im Rahmen der somatischen Diag
nosen einzuordnen seien (Urk. 7/60/712). Einzig diese Verdachtsdiagnose sowie die persistierenden isolierten posttraumatischen Symptome bei Status nach Anpassungsstörung seien mit überwiegender Wahrscheinlichkeit unfallbedingt (Urk. 7/60/713). Dr. B.___ gelangte zum Schluss, die vorliegenden unfallbe
dingten kognitiven und affektiven Beeinträchtigungen würden eine einfach strukturierte manuelle Tätigkeit im Rahmen eines Produktionsprozesses in sitzen
der Ausübung und unter Einhaltung von grösseren Pausen bei akuter Schmerz
haftigkeit erlauben. Dabei sollten manuell routinierte Arbeitsabläufe ohne zu grosse Anforderungen an komplexe technisch-kognitive Lerninhalte im Vorder
grund stehen. Bei dem unfallbedingten psychiatrischen Gesundheitszustand sei ein 50%iger zeitlicher und leistungsmässiger Umfang beim Wiedereinstieg in eine angepasste Tätigkeit dem Leistungsvermögen angepasst. Nach einer Einarbei
tungszeit und dem Erwerb einer gewissen Routine der Arbeitsabläufe könne mit einer schrittweisen Steigerung bis zu 100 % zeitlichem Umfang gerechnet werden. Ob die Leistung angesichts der schmerzbedingt notwendigen Pausen ebenfalls auf 100 % gesteigert werden könne, lasse sich wohl nur im Rahmen der praktischen Erprobung beantworten (Urk. 7/60/714).
3.4
Prof. Dr. med. D.___, Facharzt für Chirurgie und Orthopädie, ver
fasste das von der Suva in Auftrag gegebene interdisziplinäre Gutachten vom 23. Mai 2015 unter Berücksichtigung seiner Untersuchung des Beschwerdeführers vom 1. Juli 2014, der neurologischen und psychiatrischen Teilgutachten sowie der vorhandenen Akten (Urk. 7/60/615). Dr. D.___ beschäftigte sich in seinem Gutachten vorab mit der Frage, ob die Amputation vermeidbar gewesen wäre und bejahte dies mit grosser Wahrscheinlichkeit. Er führte aus, der Be
schwerdeführer werde von dieser Frage beherrscht und für ihn sei - auch vor dem Hintergrund seines Kulturkreises - durch die Amputation eine Welt zusammen
gebrochen (Urk. 7/60/616-623). Sodann sei es bei der Amputation selber zu krassen Fehlern gekommen, womit der Grundstein für die nun chronifizierten und im Mittelpunkt stehenden Stumpf- und Phantomschmerzen gelegt worden sei (Urk. 7/60/624). Hernach sei die erforderliche regelmässige Anpassung des Pro
the
senschaftes an den asymmetrischen Rückgang des Stumpfvolumens ungenü
gend erfolgt. Folge sei in diesen Fällen eine Zunahme von Phantomschmerzen (Urk. 7/60/629). Anlässlich seiner Untersuchung fand er eine schlecht passende Prothese vor, welche ein Bleigewicht sei (Urk. 7/60/635). Bezüglich der Mög
lich
keit einer Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess hielt Dr. D.___ fest, von orthopädischer Seite spreche nichts gegen eine leichte, vorwiegend oder ausschliesslich sitzende Tätigkeit, weder die Amputation noch die Kreuz
schmer
zen. Er denke an eine Abklärung in der Eingliederungsstätte E.___, jedoch halte er die Aussichten bei dem 55jährigen Beschwerdeführer für hoffnungslos (Urk. 7/60/639). Die Aussichten auf eine berufliche Eingliederung seien weiter erschwert durch mangelhafte Deutschkenntnisse, die psychische Situation, den Morbus Winiwarter-Buerger mit chronischem Nikotinabusus und den Diabetes mellitus Typ II mit entsprechenden Risikofaktoren (Urk. 7/60/640). Zusammen
fassend nannte Dr. D.___ folgende Diagnosen aus sämtlichen Fachge
bieten: 1.) posttraumatische Unterschenkelamputation links am 20. Dezember 2010, 2.) persistierende isolierte posttraumatische Symptome bei Status nach Anpassungsstörung im Rahmen eines Unfallereignisses und nachfolgendem komplexem Behandlungsverlauf, 3.) aktuell chronisch verlaufende mittelgradige depres
sive Episode, 4.) chronische Stumpf- und Phantomschmerzen mit soma
tischen und psychischen Faktoren, 5.) Abhängigkeitssyndrom von Tabak mit stän
digem Substanzgebrauch und Morbus Winiwarter-Buerger, 6.) Diabetes melli
tus Typ II sowie 7.) unspezifische Lumbalgien. Insgesamt schloss er, es sei nicht einfach, Unfall- und Nichtunfallfolgen auseinanderzuhalten. Die durch
unfallfremde Faktoren verursachte Invalidität schätze er auf 25 % (Urk. 7/60
/641). Für unfallkausal halte er die Diagnosen 1 bis 4. In Anbetracht der Unfallfolgen könne der Beschwerdeführer noch ohne fremde Hilfe den eigenen Haushalt be
sorgen (Urk. 7/60/642).
3.5
PD Dr. med. F.___, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Leiter Fachgruppe Chirurgie der Abteilung Versicherungsmedizin der Suva, hielt in seiner Aktenbeurteilung vom 22. Oktober 2015 fest, es lasse sich nicht feststellen, inwieweit tatsächlich eine Diskussion unter den Teilgutachtern als Voraussetzung einer integrativen Gesamtbeurteilung stattgefunden habe (Urk. 7/60/733). Die von Prof. D.___ gezogene Schlussfolgerung, es sei nur die eigene Haus
haltsführung möglich, lasse sich nicht alleine mit der Amputation respektive mit der orthopädischen Diagnose begründen. Der neurologische Teilgutachter sei zu
ständig für die Beurteilung der Stumpf- und Phantomschmerzen und dieser halte eine adaptierte Tätigkeit für voll zumutbar. Eine Diskussion zwischen den Teil
gutachtern hierzu finde sich nicht. Das orthopädische, federführende Teilgut
achten weise erhebliche Mängel in Bezug auf die Form und die versicherungs
medizinischen Konklusionen auf. Es werde eine Neuvergabe des orthopädischen
Teilgutachtens empfohlen mit dem Auftrag, die versicherungsmedizinische Frage
s
tellung unter Einbezug der bestehenden neurologischen und psychiatrischen Gutachten zu beantworten (Urk. 7/60/734).
3.6
RAD-Arzt Dr. Y.___ gab am 19. April 2017 gestützt auf die Gutachten von Prof. D.___, Dr. A.___ und Dr. B.___ seine Beurteilung ab. Den Diabetes mellitus Typ II, den Verdacht auf eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) sowie das Abhängig
keits
syndrom von Tabak mit ständigem Substanzgebrauch (ICD-10: F17.25) qua
li
fizierte er als Diagnosen ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Er gelangte zum Schluss, in der bisherigen Tätigkeit als Elektriker sei der Beschwerdeführer seit dem 3. Oktober 2010 voll arbeitsunfähig. In einer ange
passten Tätigkeit sei der Beschwerdeführer indes nur bis zum 3. Juli 2011 voll arbeitsunfähig gewesen, hernach habe vom 4. Juli bis am 3. August 2011 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bestanden und seit dem 4. August 2011 bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit. Angepasst sei eine einfach strukturierte manuelle Tätigkeit im Rahmen einer beruflichen Aktivität, welche wechselbelastend, teils sitzend und teils ebenerdig gehend oder stehend ausgeführt werden könne, wobei die Sitzphase überwiegen sollte (Urk. 7/71/6-7).
In der ergänzenden Stellungnahme vom 12. oder 13. Juni 2017 hielt der RAD an seiner Stellungnahme vom 19. April 2017 fest. Er führte aus, darin sei die Thrombangitis obliterans bereits berücksichtigt worden. Die Ruptur des Ligamen
tum fibulotalare anterius sei alt und - wie auch die Femoropatellararthrose rechts - ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit gemäss am 19. April 2017 formuliertem Belastungsprofil. Der Diabetes mellitus stelle keine Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit dar. Die chronische Lumbago sei zwar diagnostiziert worden, doch habe der Beschwer
deführer anlässlich der Untersuchung nicht darüber geklagt und sie sei auch bei den Untersuchungsbefunden unerwähnt geblieben, weshalb ihr keine Bedeutung zukomme (Urk. 7/77/2-3).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich beim Erlass der angefochtenen Verfügung primär auf die Stellungnahmen ihres RAD. Diese wiederum basierten auf den von der Suva in Auftrag gegebenen Gutachten. Diesbezüglich liess die IV-Stelle ausser Acht, dass der für die interdisziplinäre Beurteilung zuständige, federführende Orthopäde Prof. D.___ eine ausserhäusliche Arbeitstätigkeit sinngemäss nicht mehr für zumutbar hielt (Urk. 7/60/642). Dies erweckt erste Zweifel an den RAD-Stellungnahmen. Zwar ging Prof. D.___ aus rein orthopädischer Sicht von der theoretischen Möglichkeit einer angepassten Tätigkeit aus (Urk. 7/60/639), doch nicht unter Berücksichtigung des Zusammenwirkens sämt
licher Beeinträchtigungen.
Bei komplexen gesundheitlichen Beeinträchtigungen hat die Einschätzung der Leistungsfähigkeit auf umfassender, die Teilergebnisse verschiedener medizini
scher Disziplinen integrierender Grundlage zu erfolgen
(BGE 137 V 210 E.
1.2
.4). Solche komplexen gesundheitlichen Beeinträchtigungen liegen beim Beschwer
de
führer vor, zumal er polymorbid ist, respektive weist er mehrere, verschiedene Fachgebiete betreffende Erkrankungen auf, zwischen welchen möglicherweise eine Interaktion besteht. Mithin wäre die Beurteilung
der Leistungsfähigkeit
des Beschwerdeführers aus
polydisziplinärer
beziehungsweise gesamtmedizinischer Sicht notwendig gewesen, wobei die Differenzen in der Beurteilung zwischen den einzelnen Teilgutachtern zu diskutieren gewesen wären (
Urteil
des Bundesgerichts
I 85/04 vom 2
7. April
2004
E. 2.3).
4.2
Entscheidend ist aber, dass die IV-Stelle im Gegensatz zur Suva auch die Aus
wirkungen der nicht unfallkausalen Diagnosen zu berücksichtigen hat. Nament
lich hat der psychiatrische Teilgutachter Dr. B.___ die beim Beschwerdeführer vorliegende Depression als unfallfremd erachtet (Urk. 7/60/705, 7/60/710), indes darauf hingewiesen, dass es sich dabei um eine psychische Beeinträchtigung mit Krankheitswert handle, welche vorrangig auch Einfluss auf das psychophysische Leistungsvermögen nehme (Urk. 7/60/711). Der RAD listete die Depression unter den Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (Urk. 7/71/6), über
nahm aber im Widerspruch dazu die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in ange
passter Tätigkeit von Dr. B.___ (Urk. 7/71/7), in welcher ausschliesslich die un
fall
kausalen Beeinträchtigungen berücksichtigt wurden (Urk. 7/60/714). Prof.
D.___
, welcher (ohne Begründung und in Abweichung von Dr. B.___) eine Unfallkausalität der Depression annahm (Urk. 7/60/641-642), sah keine verwertbare Restarbeitsfähigkeit mehr als gegeben (Urk. 7/60/642). Vor diesem Hintergrund ist zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin die Beur
teilung von Dr. B.___ ohne nähere Prüfung der Auswirkungen von unfall
frem
den psychiatrischen Diagnosen - namentlich der chronisch verlaufenden depres
siven Episode - übernommen hat. Hinzu kommt als weiterer Mangel, dass Dr. B.___ nicht eindeutig von einer 100%igen Leistungsfähigkeit ausging, indem er festgehalten hat, ob die Leistung angesichts der schmerzbedingt notwendigen Pausen ebenfalls auf 100 % gesteigert werden könne, lasse sich wohl nur im Rahmen der praktischen Erprobung beantworten (Urk. 7/60/714).
Auch der neurologische Teilgutachter Dr. A.___ hatte in seiner Beurteilung einzig die Unterschenkelamputation und die dadurch verursachten Schmerzen
berücksichtigt, nicht hingegen die unfallunabhängigen Diagnosen (Urk. 7/60
/670). Insbesondere allfällige mit dem Morbus Winiwarter-Buerger verbundene Funk
tions
störungen - allenfalls zusammenwirkend mit einer anderen Erkrankung - wurde folglich nicht gutachterlich beurteilt. Bezüglich des Morbus Winiwarter-Buerger beziehungsweise der
Thrombangitis obliterans
hielt der RAD zwar fest, er habe diese(n) berücksichtigt (Urk. 7/77/2). Er führte die Thrombangitis oblite
rans zwar bei den Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit auf (Urk. 7/71/6), indes ist nicht ersichtlich, dass er die Auswirkungen dieser Erkran
kung tatsächlich berücksichtigt hätte, zumal er sich dann bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auf das psychiatrische und allenfalls das neurologische Teilgut
achten stützte (Urk. /71/7), in welchen die Auswirkungen des Morbus Wini
warter-Buerger nicht miteinbezogen worden waren. Dass diesem Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zukommt, ist angesichts dessen, dass er sowohl vom RAD als auch von Prof. D.___ als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fähig
keit aufgelistet wurde, und da er laut Prof. D.___ die Arbeitsfähigkeit zusammen mit dem Diabetes gar um nahezu 25 % einschränken soll (Urk. 7/60/641), nicht ausgeschlossen.
4.3
Insgesamt ist nach dem Gesagten festzuhalten, dass das Abstellen der Beschwer
degegnerin auf die Ergebnisse der einzelnen von der Suva in Auftrag gegebenen Teilgutachten nicht taugt, primär weil darin nur die unfallbedingten Einschrän
kungen berücksichtigt wurden, wobei daneben namentlich der (je nach Ansicht unfallkausalen oder unfallfremden) Depression und dem Morbus Winiwarter-Buerger Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zukommen könnte. Weiter bestehen bezüglich der Gesamtbeurteilung Widersprüche und es fehlt eine transparente konsiliarische Gesamtbeurteilung. Insofern erweist sich der Sachverhalt als nicht rechtsgenügend abgeklärt.
5.
5.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht; GSVGer). In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Be
gehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der ent
scheidrelevante Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
ge
richts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
5.2
Nach dem Gesagten kann die Frage nach der aus invalidenversicherungs
recht
licher Sicht noch zumutbaren Arbeitstätigkeit beziehungsweise nach der Arbeits
fähigkeit in angepasster Tätigkeit aufgrund der vorliegenden Akten nicht beant
wortet werden.
Die Sache ist daher
zu weiteren Abklärungen im Sinne der Erwägungen sowie zum hernach neuen Entscheid grundsätzlich an die Beschwer
de
gegnerin
zurückzuweisen
. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.3
Vorliegend stellt sich indes die Frage, ob aufgrund der zwischenzeitlichen Ver
legung des Wohnsitzes des Beschwerdeführers ins Ausland die Sache im Sinne einer Überweisung an die IV-Stelle für Versicherte im Ausland «zurückzuweisen» ist. Es fehlen Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer bereits vor Erlass der angefochtenen Verfügung ins Ausland gezogen wäre (vgl. Urk. 2) und die Beschwerdegegnerin daher für den angefochtenen Entscheid unzuständig gewe
sen wäre. Da eine Rückweisung dazu führt, dass das Verfahren erneut am laufen ist, gelangt Art. 40 Abs. 2
quater
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) zur Anwendung:
Verlegt eine versicherte Person, die ihren Wohnsitz in der Schweiz hat, während des Verfahrens ihren Wohnsitz ins Ausland, so geht die Zuständigkeit auf die IV-Stelle für Versicherte im Ausland über
. Eine Rück- und zugleich Überweisung an die IV-Stelle für Versicherte im Ausland steht auch in Einklang damit,
dass Personen mit Wohnsitz im Ausland ein schutzwürdiges sachliches Interesse daran haben, dass ihr Rentenanspruch von der IV-Stelle für Versicherte im Ausla
nd beurteilt wird, da diese auf
grund ihrer Kenntnisse und Erfahrung besser als eine kantonale
IV-Stelle (und auch besser als das angerufene Gericht)
in der Lage ist, Abklärungen im Ausland durchzuführen oder relevante Geschehensabläufe ausserhalb der Schweiz kompetent zu würdigen (Urteil des Bundesger
ichts I 8/02 vom 16. Juli 2002 E. 2.4). Im Übrigen wäre die Sache mangels Spruchreife auch im Falle der Unzuständigkeit der Beschwerdegegnerin an die IV-Stelle für Versicherte im Ausland zu überweisen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_891/2010 vom 31.
Dezember 2010 E. 2.2
).
6.
6.1
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung
von Leistungen der Invalidenversicherung. Das Verfahren ist daher kosten
pflichtig
. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit
wert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und ermessensweise auf
Fr. 7
00.
--
anzusetzen. Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten
der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.Nach § 34 Abs. 1 GSVGer ist diese ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen (§ 34 Abs. 3 GSVGer)
und
vorliegend auf Fr.
2'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzu
setzen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom
15. Juni 2017
aufgehoben und die Sache
nach Eintritt der Rechtskraft dieses Ent
scheides
im Sinne einer Rückweisung
an die
IV-Stelle für Versicherte im Ausland über
wiesen
wird, damit diese
den Sachverhalt rechtsgenügend abkläre und
hernach über den
A
nspruch de
s Beschwerde
führer
s auf eine Invalidenrente
neu
entscheid
e.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Prozessent
schädigung von
Fr. 2
’000
.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Markus Bischoff
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
-
IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVST, Avenue Edmond-Vaucher 18, Case postale 3100, 1211 Genf 2 (nach Eintritt der Rechtskraft unter Beilage von Urk. 7/1-80)
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht; BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GrünigWidmer