# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8683475b-8b2a-564e-9bb9-a3ce38a00480
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-12-14
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 14.12.2012 OG.2009.00045 (OGZ.2013.71)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2009-00045_2012-12-14.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil
  vom 14. Dezember 2012

  
	
   

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2009.00045 und OG.2009.00046

  
	
   

  
	
   

  
	
  C.______

  
	
    

  
	
  Berufungskläger

  
	
   

  
	
  vertreten
  durch D.______ Vertreter,  

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
  1. A.______

  
	
    

  
	
  Berufungsbeklagter

  
	
   

  
	
   

  
	
  2. B.______

  
	
    

  
	
  Berufungsbeklagte

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Wiederherstellung
  des gesetzmässigen Zustandes (OG.2009.00045)

  
	
  und
  

  
	
  Schadenersatz
  wegen missbräuchlicher Baueinsprache (OG.2009.00046)

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Rechtsbegehren des
  Berufungsklägers (gemäss Eingabe vom 9. November 2009 und Plädoyer
  vom 22. Juni 2012):

  	 

	
   

  	 

	
  „Rechtsbegehren im Verfahren
  OG.2009.00045

  	 

	
   

  	 

	
  	
    1.

    	
    Es sei der Entscheid des
    Kantonsgerichts vom 15. September 2009 aufzuheben.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Es seien die jeweiligen
    Eigentümer der Liegenschaft Nr. [...], Grundbuch [...], Gemeinde
    [...], derzeit die Berufungsbeklagten, zu verpflichten, die auf der
    Liegenschaft Nr. [...], Grundbuch [...], Gemeinde [...], erstellte
    Holzhütte abzubrechen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Eventualiter seien die
    jeweiligen Eigentümer der Liegenschaft Nr. [...], Grundbuch [...],
    Gemeinde [...], derzeit die Berufungsbeklagten, zu verpflichten, die auf
    der Liegenschaft Nr. [...], Grundbuch [...], Gemeinde [...], stehende
    Holzhütte so zu verschieben, dass der gesetzliche Grenzabstand von
    1.50 Metern eingehalten ist.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Subeventualiter seien die
    jeweiligen Eigentümer der Liegenschaft Nr. [...], Grundbuch [...],
    Gemeinde [...], derzeit die Berufungsbeklagten, zu verpflichten, dem
    Berufungskläger eine Entschädigung in Schweizer Franken nach Ermessen des
    Gerichts zu bezahlen.

    
	
     

    	
     

    
	
    5.

    	
    Es seien für den Fall der
    Verweigerung die nötigen Vollstreckungsmassnahmen anzuordnen.

    
	
     

    	
     

    
	
    6.

    	
    Es seien sämtliche Gerichts-
    und Parteiakten des erstinstanzlichen Verfahrens (ZG.2008.00768)
    beizuziehen.

    
	
     

    	
     

    
	
    7.

    	
    Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge
    und zusätzlich Mehrwertsteuerzusatz zulasten der Berufungsbeklagten.“

    

  

  	 

	
   

  	 

	
  Rechtsbegehren im Verfahren
  OG.2009.00046

  	 

	
   

  	 

	
  	
    „1.

    	
    Es sei der Entscheid des
    Kantonsgerichts vom 15. September 2009 aufzuheben.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Es sei der Berufungsbeklagte zu
    verpflichten, dem Berufungskläger CHF 3‘277.95 nebst Zins zu 5 %
    seit 1. Dezember 2008 auf CHF 441.40 sowie seit 1. Januar
    2009 auf CHF 2‘836.55 zu bezahlen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Es seien sämtliche Gerichts-
    und Parteiakten des erstinstanzlichen Verfahrens (ZG.2008.00360)
    beizuziehen.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Alles unter Kosten- und
    Entschädigungsfolge und zusätzlich Mehrwertsteuerzusatz zulasten des
    Berufungsbeklagten.“

    

  

  	 

	
   

  Antrag der
  Berufungsbeklagten (gestellt an der mündlichen Hauptverhandlung vom
  22. Juni 2012, sinngemäss):

  	 

	
   

  	 

	
  	
    1.

    	
    Es seien die Entscheide des
    Kantonsgerichts vom 15. September 2009 in den Verfahren ZG.2008.00768
    und ZG.2008.00360 zu bestätigen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Alles unter Kosten- und
    Entschädigungsfolge zulasten des Berufungsklägers.

    

  

  	 

	
  ____________________

  	 

	
   

  	 

	
   

  	 

	
  Das Gericht zieht in Betracht:

  	 

	
   

  	 

	
  I.

  	 

	
  (Sachverhalt
  und Prozessgeschichte)

  	 

	
   

  	 

	
  1.— a) Die
  vorliegenden Verfahren beschlagen einen nachbarschaftlichen Streit zwischen
  C.______ auf der einen sowie A.______ und B.______ auf der anderen Seite.
  C.______ ist seit 6. März 2007 Eigentümer des Grundstücks
  Nr. [...], Grundbuch [...]. A.______ und B.______ halten das Grundstück
  Nr. [...], Grundbuch [...], seit 28. September 1999 in je hälftigem
  Miteigentum. Die beiden Grundstücke grenzen aneinander. 

  	 

	
   

  	 

	
  b) Auf dem Grundstück von
  A.______ und B.______ steht unmittelbar angrenzend an das Grundstück von
  C.______ ein Holzschuppen; die Situation stellt sich folgendermassen dar: […]

  	 

	
   

  	 

	
  2.— Am 12. Dezember 2007
  stellte C.______ bei der Gemeinde [...] ein Baugesuch für Abbruch und Neubau
  eines Einfamilienhauses, welches am 14. Februar 2008 im Amtsblatt des
  Kantons Glarus publiziert wurde. Gegen dieses Bauvorhaben erhob A.______ am
  11. April 2008 beim Kantonsgericht eine privatrechtliche Baueinsprache
  (ZG.2008.00331). 

  	 

	
   

  	 

	
  3.— In der Folge machte
  C.______ mit Eingabe vom 22. April 2008 widerklageweise gegen A.______
  eine Schadenersatzforderung in der Höhe von Fr. 20‘000.- geltend, welche
  er an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung auf Fr. 3‘277.95 nebst Zins
  zu 5 % seit 1. Dezember 2008 reduzierte (OG.2009.00046).

  	 

	
   

  	 

	
  4.— Am 16. Juni 2008
  zog A.______ die Baueinsprache zurück, worauf der Kantonsgerichtspräsident
  mit Verfügung vom 18. August 2008 das Baueinspracheverfahren als durch
  Rückzug der Klage erledigt abschrieb (Dispositiv Ziff. 1 im Verfahren
  ZG.2008.00331).

  	 

	
   

  	 

	
  5.— Darauf leitete
  C.______ am 4. September 2008 gegen A.______ und B.______ Klage auf
  Wiederherstellung des gesetzmässigen Zustandes ein. Er beantragte hierbei den
  Abriss des Holzschuppens, welcher an der Grenze zu seinem Grundstück steht.

  	 

	
   

  	 

	
  6.— Das Kantonsgericht
  wies die Schadenersatzklage mit Urteil vom 15. September 2009 ab, soweit
  sie nicht zurückgezogen worden war (Dispositiv Ziff. 1 im Verfahren
  OG.2009.00046). Die Gerichtsgebühr für das Verfahren ZG.2008.00360 von
  Fr. 1‘500.- samt Vermittlungskosten von Fr. 175.- wurde C.______
  auferlegt, der überdies verpflichtet wurde, A.______ und B.______ eine
  Parteientschädigung von Fr. 1‘500.- zu bezahlen (Dispositiv
  Ziff. 2-4 im Verfahren OG.2009.00046).

  	 

	
   

  	 

	
  7.— Im Verfahren
  betreffend Wiederherstellung des gesetzmässigen Zustandes wies das
  Kantonsgericht die Klage am 15. September 2009 ebenfalls ab (Dispositiv
  Ziff. 1 im Verfahren OG.2009.00045). Die Gerichtsgebühr setzte das
  Gericht fest auf Fr. 2‘000.- und auferlegte sie mitsamt den
  Vermittlungskosten von Fr. 175.- ebenfalls C.______, welcher
  verpflichtet wurde, A.______ und B.______ für dieses Verfahren eine
  Parteientschädigung von Fr. 2‘000.- zu bezahlen (Dispositiv
  Ziff. 2-4 im Verfahren OG.2009.00045). 

  	 

	
   

  	 

	
  8.— Gegen diese beiden
  Urteile ging C.______ am 9. November 2009 fristgerecht in Berufung
  (OG.2009.00045 und OG.2009.00046).

  	 

	
   

  	 

	
  9.— Mit Eingabe vom
  15. Juli 2011 erhöhte der damalige Rechtsvertreter von C.______ die
  eingeklagte Schadenersatzforderung von Fr. 3‘277.95 auf
  Fr. 25‘443.35. An der Berufungsverhandlung reduzierte der neue
  Rechtsvertreter die geltend gemachte Forderung wieder auf Fr. 3‘277.95
  nebst Zins (OG.2009.00046). 

  	 

	
   

  	 

	
  10.— Am 16. September
  2011 fand eine Instruktionsverhandlung mit einem Augenschein an Ort und
  Stelle des Rechtsstreits statt. Es konnte keine Einigung herbeigeführt werden
  (OG.2009.00045).

  	 

	
   

  	 

	
  11.— Die
  Berufungsverhandlung fand am 22. Juni 2012 statt. Auf die Vorbringen der
  Parteien wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
  eingegangen. Im Übrigen wird auf das bei den Gerichtsakten liegende
  Handprotokoll der Gerichtsschreiberin sowie auf die Plädoyernotizen des
  Rechtsvertreters von C.______ sowie jene von A.______ verwiesen. 

  	 

	
   

  	 

	
  12.— Das Obergericht
  wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 57 ZPO). Es ist damit nicht an
  die von den Parteien geltend gemachten Argumente gebunden; es kann eine Klage
  aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen (vgl. Gehri/Flütsch, in: Gehri/Kramer
  [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung, Zürich 2010, Art. 57
  N 3 m. w. H.).

  	 

	
   

  	 

	
   

  	 

	
  II.

  	 

	
  (Prozessuales)

  	 

	
   

  	 

	
  1.— Am 1. Januar 2011
  ist die eidgenössische Zivilprozessordnung in Kraft getreten. Zu diesem
  Zeitpunkt anhängige Verfahren sind bis zum Abschluss vor der betroffenen
  Instanz nach bisherigem Verfahrensrecht abzuwickeln (Art. 404
  Abs. 1 ZPO CH). Die vorliegend zu beurteilenden Berufungen sind beim
  Obergericht seit 9. November 2009 anhängig. Die Verfahren richten sich
  daher weiterhin nach der früheren kantonalen Zivilprozessordnung (ZPO).

  	 

	
   

  	 

	
  2.— a) Im
  Berufungsverfahren können neue Beweismittel eingebracht werden; diese müssen
  mit der Berufungserklärung eingereicht und bezeichnet werden (Art. 301
  Abs. 3 ZPO). Die Gegenpartei hat innert 30 Tagen seit Mitteilung der
  Berufung die Möglichkeit, neue Beweismittel einzureichen oder zu bezeichnen
  (Art. 302 Abs. 2 ZPO).

  	 

	
   

  	 

	
  b) C.______ hat mit den
  Berufungserklärungen keine neuen Beweismittel in das obergerichtliche
  Verfahren eingebracht. Erst am 15. Juli 2011 reichte sein
  Rechtsvertreter neue Beweismittel ein und begründete die Verspätung damit,
  dass die Beweismittel nicht rechtzeitig eingebracht werden konnten.

  	 

	
  C.______ macht nicht glaubhaft,
  dass eine frühere Einbringung der Beweismittel in den Prozess unmöglich war.
  Daher sind diese Unterlagen aus dem Recht zu weisen. Aus dem Recht zu weisen
  ist ebenso die Fotodokumentation, welche C.______ an der obergerichtlichen
  Verhandlung einreichte.

  	 

	
   

  	 

	
  c) Mit Schreiben vom
  10. November 2009 wurde A.______ und B.______ die Berufung mitgeteilt.
  Innert Frist beantragten sie keine neuen Beweismittel. Sämtliche Eingaben,
  welche im obergerichtlichen Verfahren später erfolgten, sind aus dem Recht zu
  weisen. 

  	 

	
   

  	 

	
   

  	 

	
  III.

  	 

	
  (Anwendbares
  Recht)

  	 

	
   

  	 

	
  1.— Seit dem 1. Juli
  2011 ist das Raumentwicklungs- und Baugesetz vom 2. Mai 2010
  (RBG 2010) in Kraft, welches das Raumplanungs- und Baugesetz vom
  1. Mai 1988 (RBG 1988) ablöste.

  	 

	
   

  	 

	
  2.— Es stellt sich die
  Frage, ob das Raumplanungs- und Baugesetz vom 1. Mai 1988 oder das
  Raumentwicklungs- und Baugesetz vom 2. Mai 2010 anwendbar ist. Die
  Übergangsregelung von Art. 87 Abs. 1 RBG 2010 betrifft einzig
  hängige Baugesuche und Planungen, nicht aber andere hängige Verfahren,
  weshalb sie vorliegend nicht einschlägig ist.

  	 

	
   

  	 

	
  3.— Vorliegend ist ein
  Sachverhalt zu beurteilen, auf welchen im vorinstanzlichen Verfahren noch das
  Raumplanungs- und Baugesetz vom 1. Mai 1988 anwendbar war. Da rechtliche
  Wirkungen und Tatsachen beurteilt werden müssen, die vor dem Inkrafttreten
  des Raumentwicklungs- und Baugesetzes vom 2. Mai 2010 eingetreten sind,
  ist im vorliegenden Verfahren weiterhin das Raumplanungs- und Baugesetz vom
  1. Mai 1988 anzuwenden (vgl. auch Art. 1 Abs. 1 SchlT ZGB).

  	 

	
   

  	 

	
   

  	 

	
  IV.

  	 

	
  (Erwägungen
  im Verfahren OG.2009.00046)

  	 

	
   

  	 

	
  1.— Über
  Schadenersatzansprüche wegen missbräuchlicher oder mutwilliger Einsprachen
  wird im ordentlichen Zivilprozess entschieden (Art. 42 RBG 1988).
  Die Schadenersatzansprüche werden nach dem Obligationenrecht
  (Art. 41 ff. OR) beurteilt.

  	 

	
   

  	 

	
  2.— a) Wer einem
  andern widerrechtlich Schaden zufügt, sei es mit Absicht, sei es aus
  Fahrlässigkeit, wird ihm zum Ersatze verpflichtet (Art. 41 Abs. 1
  OR). Ebenso ist zum Ersatze verpflichtet, wer einem anderen in einer gegen
  die guten Sitten verstossenden Weise absichtlich Schaden zufügt (Art. 41
  Abs. 2 OR).

  	 

	
   

  	 

	
  b) Seine Schadenersatzforderung begründet C.______ damit, dass die
  Baueinsprache und die darauf folgende Bauverzögerung zur Folge gehabt habe,
  dass er der finanzierenden Bank Anzahlungen habe leisten müssen; die
  Zinsbelastung belaufe sich auf insgesamt Fr. 3‘277.95. Wegen der
  missbräuchlichen Baueinsprache habe er diese Zinskosten bezahlen müssen,
  obwohl er das Bauvorhaben zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht realisiert
  hatte. Der Schaden sei „letztlich in der durch die missbräuchliche
  Baueinsprache doppelten finanziellen Belastung für den Berufungskläger
  (Baukreditzinsen für das Bauvorhaben und Mietzinsen am alten Wohnort) zu
  erblicken“.

  	 

	
   

  	 

	
  3.— a) Wie die
  Vorinstanz richtig festgestellt hat, ist die privatrechtliche Klage gegen
  Bauvorhaben ein Rechtsbehelf, der die Interessen des Einsprechers bei der
  Bebauung eines benachbarten Grundstücks wahrt, wobei sie nur missbräuch­lich
  ist, wenn mit ihr Zwecke verfolgt werden, für welche sie nicht bestimmt ist,
  nicht aber bereits, wenn sie sich schliesslich als erfolglos erweist.

  	 

	
   

  	 

	
  b) Wie das Kantonsgericht
  ausführte, ist gerichtsnotorisch, dass der Betrieb von
  Luft-Wasser-Wärmepumpen Lärm verursachen kann. Dass A.______ deswegen
  privatrechtliche Klage erhob, lässt nicht auf einen Missbrauch von
  Verfahrensrechten schliessen, zumal aus den Planungsunterlagen keine Details
  und insbesondere keine technischen Angaben über die Lärmemissionen der
  geplanten Anlage hervorgingen. A.______ konnte daher nicht abschätzen, ob die
  Anlage am geplanten Standort übermässigen Lärm verursacht. Immerhin zog
  A.______ die privatrechtliche Klage gegen das Bauvorhaben von C.______
  zurück, nachdem dessen damaliger Rechtsvertreter versichert hatte, dass die
  Luft-Wasser-Wärmepumpe den in der Lärmschutzverordnung festgelegten
  Planungswert einhalte. A.______ hatte ein berechtigtes Interesse, Angaben
  über die geplante Wärmepumpe zu erhalten. Die Schadenersatzklage von C.______
  ist daher abzuweisen. Im Übrigen kann vollumfänglich auf die zutreffenden
  Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden.

  	 

	
   

  	 

	
   

  	 

	
  V.

  	 

	
  (Erwägungen
  im Verfahren OG.2009.00045)

  	 

	
   

  	 

	
  1.— a) Die
  Baubehörde verfügt nach den Vorschriften des Gesetzes über die
  Verwaltungsrechtspflege die Änderung oder die Entfernung widerrechtlich
  erstellter Bauten, sofern die Abweichung gegenüber den Bauvorschriften nicht
  geringfügig ist (Art. 46 Abs. 1 RBG 1988). Vorbehalten bleibt
  die Zuständigkeit des Zivilgerichts bei Verletzung privater Rechte
  (Art. 46 Abs. 3 RBG 1988). Wer die Verletzung privater Rechte
  – im Rahmen eines Baueinspracheverfahrens – geltend macht, kann binnen
  14 Tagen seit der Publikation im Amtsblatt Vermittlung am Ort der
  gelegenen Sache einleiten (Art. 41 RBG 1988).

  	 

	
   

  	 

	
  b) Soweit C.______
  vorbringt, es seien Vorschriften des Raumplanungsgesetzes verletzt worden,
  kann auf sein Begehren grundsätzlich nicht eingetreten werden, da die
  Zivilgerichte insoweit unzuständig sind. Dies hat bereits die Vorinstanz
  richtig festgehalten. 

  	 

	
   

  	 

	
  2.— a) C.______
  kann nur die Verletzung privater Rechte geltend machen; die Missachtung von
  öffentlich-rechtlichen Grenzabstandsvorschriften kann er nicht rügen (vgl.
  Erw. V. Ziff. 1 Bst. a vorstehend).

  	 

	
   

  	 

	
  b) Wie die Vorinstanz
  richtig feststellt, sind die Kantone befugt, die Abstände festzusetzen, die
  bei Grabungen und Bauten zu beobachten sind (Art. 686 Abs. 1 ZGB).

  	 

	
   

  	 

	
  c) Art. 685 ZGB und
  Art. 686 ZGB gehören zum privatrechtlichen Baurecht. Das Bau- und
  Planungsrecht wird in zunehmendem Ausmass durch das öffentliche Recht des
  Bundes, der Kantone und der Gemeinden geregelt. Die meisten Kantone haben
  gestützt auf das Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (RPG)
  das Planungs- und Baurecht durch öffentliches Recht geregelt (BSK ZGB II-Rey/Strebel, Art. 685/686
  N 1 ff.). In der Zeit zwischen dem Inkrafttreten des ZGB und jenem
  öffentlich-rechtlicher kantonaler Bau- und Planungsvorschriften regelten die
  Kantone die Grenz- und Gebäudeabstände in ihren Einführungs­gesetzen zum ZGB.
  Dabei handelt es sich um kantonales Privatrecht. Diese Rechtsnatur kommt den
  entsprechenden Bestimmungen auch heute noch zu, sofern sie nicht durch das
  Inkrafttreten kantonaler öffentlich-rechtlicher Bau- und Planungsgesetze
  aufgehoben worden sind. Die Grenz- und Gebäudeabstände sind mittlerweile denn
  auch in den meisten Kantonen in den öffentlich-rechtlichen Bau- und
  Planungsgesetzen sowie den entsprechenden Ausführungserlassen geregelt (BSK
  ZGB II-Rey/Strebel,
  Art. 685/686 N 17). Zu prüfen ist daher im Einzelfall, ob eine
  Abstandsvorschrift privatrechtlichen oder öffentlich-rechtlichen Charakter
  hat. Ergibt sich, dass eine solche Norm öffentlich-rechtlicher Natur ist,
  muss untersucht werden, ob es sich dabei allenfalls um eine Doppelnorm
  handelt. In der seit Inkrafttreten des RPG erlassenen kantonalen Bau- und
  Planungsgesetzgebung dürften sich allerdings nur wenige Doppelnormen finden. Dies
  zeigt sich vor allem darin, dass eine Verletzung einer Abstandvorschrift
  ausschliesslich im Verwaltungsverfahren zu rügen ist und daneben nicht auch
  im Zivilprozess geltend gemacht werden kann (BSK ZGB II-Rey/Strebel, Art. 685/686
  N 18). Als Doppelnormen werden Gesetzesbestimmungen bezeichnet, welche
  sowohl privatrechtlichen als auch öffentlich-rechtlichen Charakter haben.
  Deren praktische Bedeutung besteht darin, dass sie von der Verwaltung
  gegenüber dem Grundeigentümer auf dem Verwaltungsweg, vom Nachbarn hingegen
  auf dem Zivilweg durchgesetzt werden können (BSK ZGB II-Rey/Strebel, Art. 680 N 5).

  	 

	
   

  	 

	
  d) Der Kanton Glarus hat
  das Raumplanungs- und Baurecht früher im Raumplanungs- und Baugesetz geregelt
  und heute im Raumentwicklungs- und Baugesetz. Im Einführungsgesetz zum
  Zivilgesetzbuch finden sich heute keine Abstandsvorschriften zu Grabungen und
  Bauten mehr (vgl. Art. 122 - 129ter EG ZGB; teilweise
  aufgehoben). Das EG ZGB regelt in Art. 129 Abs. 1 aber noch:

  	 

	
   

  	 

	
  „Die frei stehende Ablagerung
  von Holz und andern Gegenständen und das Anbringen körperlicher Vorrichtungen
  bis auf eine Höhe von 2 Metern darf nur in einer Entfernung von 50
  Zentimetern, und, wenn sie vor Fensteröffnungen und Gärten zu stehen kommen,
  nur in einer Entfernung von 90 Zentimetern vom nachbarlichen Grundeigentum
  stattfinden.“

  	 

	
   

  	 

	
  e) Vorliegend steht der
  strittige Schuppen an der Grenze des Grundstücks Nr. [...] im Grundbuch
  [...] (vgl. Erw. I. Ziff. 1. Bst. b); für einen Schuppen der
  vorliegenden Art wäre ein Grenzabstand von mindestens 50 Zentimeter
  einzuhalten. Folglich sind die Abstandsvorschriften des EG ZGB nicht
  eingehalten, weshalb nachfolgend zu prüfen ist, ob dafür eine Rechtfertigung
  besteht.

  	 

	
   

  	 

	
  f) Eine dingliche
  Berechtigung zur Begründung eines Näherbaurechts besteht nicht (vgl. die
  Grundbuchauszüge im Verfahren OG.2009.00046).

  	 

	
   

  	 

	
  g) Sodann besteht
  hinsichtlich des Schuppens keine obligatorische Berechtigung von A.______
  gegenüber C.______. Eine solche ist auch zwischen A.______ und dem
  Rechtsvorgänger von C.______ nicht erwiesen.

  	 

	
   

  	 

	
  h) Vielmehr muss von einer
  prekaristischen Gestattung ausgegangen werden, was bedeutet, dass eine Person
  einer anderen auf Zusehen hin und mit dem Vorbehalt des jederzeitigen
  Widerrufs eine Erlaubnis erteilt. Nach der Lehre wird dadurch kein subjektives
  Recht begründet. Solange der Eigentümer die Erlaubnis gewährt, ist der
  Zustand nicht widerrechtlich (Schmid/Hürlimann-Kaup,
  Sachenrecht, 3. Auflage, Zürich 2009, Rz. 1202). C.______ ist nicht
  gewillt, eine solche Erlaubnis zu erteilen, weshalb er von A.______ und
  B.______ die Entfernung des Schuppens verlangen kann.

  	 

	
   

  	 

	
  3.— Die Klage betreffend
  Widerherstellung des gesetzlichen Zustandes ist damit gutzuheissen. A.______
  und B.______ ist für den Abbruch des Holzschuppens eine angemessene Frist
  einzuräumen. 

  	 

	
   

  	 

	
   

  	 

	
  VI.

  	 

	
  (Kosten-
  und Entschädigungsregelung)

  	 

	
   

  	 

	
  1.— C.______ unterliegt im
  Verfahren betreffend Schadenersatz (OG.2009.00046), dagegen obsiegt er im
  Verfahren betreffend Wiederherstellung des gesetzmässigen Zustandes
  (OG.2009.00045). Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten für das Verfahren
  OG.2009.00046 C.______, jene für das Verfahren OG.2009.00045 A.______ und
  B.______ aufzuerlegen (Art. 132 ff. ZPO). Jede Partei
  hat die Gegenpartei im gleichen Verhältnis für die Parteikosten zu
  entschädigen, wie ihr Kosten auferlegt worden sind (Art. 139 Abs. 1
  ZPO). Dementsprechend ist C.______ eine angemessene Parteientschädigung von
  Fr. 2‘000.- zuzusprechen. Da A.______ und B.______ im obergerichtlichen
  Verfahren nicht anwaltlich vertreten waren, haben sie keinen Anspruch auf
  eine Parteientschädigung. 

  	 

	
   

  	 

	
  2.— Im Berufungsverfahren OG.2009.00046 beträgt der Streitwert Fr. 3‘277.95
  (Rechtsbegehren Ziff. 2; vgl. Vogel/Spühler,
  Grundriss des Zivilprozessrechts, 8. Auflage, Bern 2006, 4. Kapitel
  Rz. 95). Im Berufungsverfahren OG.2009.00045 ist der
  Streitwert zu schätzen; er beträgt weniger als Fr. 10‘000.-
  (Art. 156 ZPO i.V.m. Art. 159 ZPO).

  	 

	
   

  	 

	
   

  	 

	
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  Das Gericht erkennt:

  	 

	
   

  	 

	
  	
    1.

    	
    In Gutheissung der Berufung im Verfahren OG.2009.00045
    werden Ziff. 1-4 des Urteils der Vorinstanz vom 15. September
    2009 (im Verfahren ZG.2008.00768) aufgehoben und neu festgesetzt:

    

  

  	 

	
  	
    1.1. 

    	
    Die Klage wird gutgeheissen und es werden A.______ und
    B.______ verpflichtet, den auf Parzelle Nr. [...], Grundbuch [...],
    angrenzend an das Grundstück Nr. [...], Grundbuch [...], erstellten
    Holzschuppen bis am 30. April 2013 abzubrechen.

    
	
     

    	
     

    
	
    1.2. 

    	
    C.______ wird ermächtigt, nötigenfalls direkt bei der
    Kantonspolizei des Kantons Glarus polizeiliche Vollstreckungshilfe auf
    Kosten von A.______ und B.______ anzufordern. Die Kantonspolizei kann einen
    Kostenvorschuss verlangen.

    
	
     

    	
     

    
	
    1.3. 

    	
    Die Gerichtsgebühr für das erstinstanzliche Verfahren
    ZG.2008.00768 von Fr. 2‘000.- und die Vermittlungskosten von
    Fr. 175.- werden, unter solidarischer Haftung, A.______ und B.______
    auferlegt.

    
	
     

    	
     

    
	
    1.4. 

    	
    A.______ und B.______ werden verpflichtet, C.______ für
    das Verfahren ZG.2008.00768 eine Parteientschädigung von Fr. 2‘000.-
    zu bezahlen.

     

    

  

  	 

	
  	
    2.

    	
    Die Berufung im Verfahren OG.2009.00046 wird abgewiesen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Die Gerichtsgebühr für das obergerichtliche Verfahren
    OG.2009.00045 wird festgesetzt auf Fr. 2‘000.- und A.______ und
    B.______ unter solidarischer Haftung auferlegt.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Die Gerichtsgebühr für das obergerichtliche Verfahren OG.2009.00046
    wird auf Fr. 2‘000.- festgesetzt und C.______ auferlegt.

    
	
     

    	
     

    
	
    5.

    	
    A.______
    und B.______ haben C.______ für das obergerichtliche Verfahren
    OG.2009.00045 unter solidarischer Haftbarkeit eine Parteientschädigung von
    Fr. 2‘000.- zu bezahlen.

    
	
     

    	
     

    
	
    6.

    	
    Schriftliche
    Mitteilung an:

    
	
     

    	
    [...]