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**Case Identifier:** b42f2c99-8bf7-531d-8447-06ec2de1aa66
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-10-10
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 10.10.2016 IV 2015/296
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2015-296_2016-10-10.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2015/296

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 03.01.2020

Entscheiddatum: 10.10.2016

Entscheid Versicherungsgericht, 10.10.2016
Art. 8 Abs. 1 ATSG, Art. 16 ATSG, Art. 28 IVG. Invaliditätsbemessung mittels 
Einkommensvergleich. Bei einer Sozialarbeiterin, die behinderungsbedingt 
nicht mehr alle Tätigkeiten ausüben kann, die ihr Beruf beinhaltet, kann das 
zumutbare Invalideneinkommen nicht anhand eines LSE-Lohnes ermittelt 
werden. Vielmehr ist anhand der noch zumutbaren Tätigkeiten (nur 
Büroarbeiten) in diesem Beruf durch einen Berufsberater zu ermitteln, 
welcher Lohn von der Beschwerdeführerin noch erzielt werden kann 
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 10. 
Oktober 2016, IV 2015/296).

Besetzung

Vizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen

Karin Huber-Studerus und Lisbeth Mattle Frei; Gerichtsschreiberin

Fabienne Hug

Geschäftsnr.  

IV 2015/296

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Paul Rechsteiner,

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Oberer Graben 44, 9000 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand 

Rente

Sachverhalt

A. 

A.a  A.___ wurde von ihrer Arbeitgeberin am 9. April 2009 zur Früherfassung 

angemeldet (IV-act. 1). Am 11. Mai 2009 meldete sich die Versicherte selbst zum 

Leistungsbezug an (IV-act. 7). Sie gab an, nach dem Studium zur Sozialarbeiterin an 

der Fachhochschule zu 60% als Jugendarbeiterin bei der Stadt B.___ und zu einem 

30% Pensum als stellvertretende Schulsozialarbeiterin bei der Stadt B.___ gearbeitet 

zu haben (IV-act. 9). Ab dem 1. August 2008 habe sie zu 60% als Schulsozialarbeiterin 

in der Gemeinde C.___ gearbeitet. Laut einem Kurzaustrittsbericht des Psychiatrischen 

Zentrums D.___ vom 15. Mai 2009 war die Versicherte vom 16. März 2008 bis zum 15. 

Mai 2008 wegen einer rezidivierenden depressiven Störung basierend auf einer 

spätadoleszentären Problematik tagesklinisch behandelt worden (IV-act. 16). Vom 4. 

März 2009 bis zum 15. Mai 2009 hatte sich die Versicherte erneut im Psychiatrischen 

Zentrum D.___ in tagesklinischer Behandlung befunden (IV-act. 25). In einem 

Austrittsbericht vom 21. Mai 2009 wurden eine bipolare affektive Störung und eine 

abhängige Persönlichkeitsstörung als Differentialdiagnosen zur rezidivierenden 

depressiven Störung auf dem Hintergrund einer Borderline-Persönlichkeitsorganisation 

erwähnt. Die Ärzte attestierten eine Arbeitsunfähigkeit von 40%. Am 19. Januar 2010 

berichtete Dr. med. E.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH (IV-act. 

35), die Versicherte leide an einem Zustand nach erstmalig schwerstem Verlauf einer 

bipolaren affektiven Störung (F31.0) mit insgesamt drei schweren Suizidversuchen vor 

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dem Hintergrund einer spätadoleszenten Problematik mit fortwährender Alexithymie 

(Unfähigkeit, eigene Affekte genügend wahrnehmen zu können) sowie an einer Bulimia 

nervosa. Aktuell sei die Versicherte in ihrer angestammten Tätigkeit lediglich noch zu 

20% arbeitsunfähig. Am 15. Februar 2010 teilte die IV-Stelle der Versicherten mittels 

Vorbescheid mit, dass sie ihr Rentenbegehren mangels eines rentenbegründenden 

Invaliditätsgrades abweisen werde (IV-act. 43).

A.b  Am 16. März 2010 berichtete Dr. E.___, dass sich der Gesundheitszustand der 

Versicherten verschlechtert habe und dass diese seit dem 25. Februar 2010 zu 100% 

arbeitsunfähig sei (IV-act. 45). Ende Januar 2010 sei eine hypomanische Phase 

eingetreten. Ungefähr ab Mitte Februar habe die Hypomanie in eine schwere 

Depression mit fortdauernden Versagensängsten und Gefühlen der Depersonalisation 

(sich selber fremd sein) umgeschlagen. Am 17. Juni 2010 berichtete das Psychiatrische 

Zentrum D.___, dass die Versicherte aufgrund einer weiteren Verschlechterung des 

psychischen Zustandsbildes seit dem 19. März 2010 stationär behandelt werde (IV-act. 

53). Die Arbeitsunfähigkeit betrage seit Januar 2010 und bis auf weiteres 100%. Unter 

der Voraussetzung eines komplikationsfreien Übergangs von der stationären in die 

teilstationäre Behandlung sei ab September 2010 mit einer Arbeitsfähigkeit von 50% in 

einer behinderungsangepassten Tätigkeit zu rechnen. Jedoch sei die Leistungsfähigkeit 

zu 50% eingeschränkt, weshalb noch eine Arbeitsfähigkeit von 25% bestehe. Es solle 

sich dabei um eine Tätigkeit ohne Schichtdienst, Akkordarbeit, Belastungsspitzen, 

möglichst im Teamverband handeln. Im Rahmen der beruflichen Wiedereingliederung 

sollte die Patientin zunächst für mehrere Monate an einem behinderungsangepassten 

Arbeitsplatz arbeiten. Unter der Voraussetzung eines positiven Verlaufs mit anhaltender 

psychischer Stabilität sei die Wiederaufnahme einer angemessenen Tätigkeit im 

erlernten Beruf als Sozialarbeiterin denkbar. Am 29. September 2010 berichtete das 

Psychiatrische Zentrum D.___, der Gesundheitszustand der Versicherten habe sich 

verbessert, was jedoch keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe. Nach wie vor 

bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit (IV-act. 56). Nach dem Austritt aus der 

Tagesklinik werde die Versicherte nur eine reduzierte Leistung erbringen können und 

deshalb nur teilarbeitsfähig sein. Am 12. November 2010 berichtete das Psychiatrische 

Zentrum D.___, dass die Versicherte am 19. November 2010 aus der Psychiatrischen 

Tagesklinik F.___ austreten werde. Ab dem 22. November 2010 werde sie im 

geschützten Rahmen zu 50% arbeitsfähig sein, was vier Stunden pro Tag während fünf 

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Tagen in der Woche entspreche (IV-act. 58, 66). Am 9. August 2011 berichtete Dr. med. 

G.___, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, dass sich der 

Gesundheitszustand der Versicherten verbessert habe (IV-act. 83). Die bisherige 

Tätigkeit als Sozialarbeiterin sei der Versicherten noch zumutbar, wobei die 

Leistungsfähigkeit zwischen 50% und 80% schwanke. Die Arbeitsfähigkeit am 

bisherigen Arbeitsplatz bzw. im bisherigen Tätigkeitsbereich könne jedoch verbessert 

werden. Am 24. August 2011 hielt Dr. med. H.___ vom Regionalen Ärztlichen Dienst der 

Invalidenversicherung (RAD) fest, dass eine Arbeitsfähigkeit als Sozialarbeiterin nur in 

einem umschriebenen Tätigkeitsfeld mit klar strukturierten Vorgaben und 

regelmässigen Arbeitszeiten ohne ständig wechselnde Anforderungen und ohne 

Schichtarbeit möglich sei (IV-act. 87). Am 13. Januar 2012 berichtete Dr. G.___, dass 

bisher keine manischen Episoden mehr aufgetreten seien und dass auch ein 

Zurückfallen in ein weiteres depressives Bild habe vermieden werden können (IV-act. 

95). Erschwerend hinzugekommen sei eine Übelkeit, welche aus internistischer Sicht 

schwer einzuordnen sei. Eine solche somatische Problematik könne die 

Arbeitsfähigkeit kurzfristig absenken, jedoch sei davon auszugehen, dass das Problem 

der Übelkeit bei der Versicherten behebbar sei.

A.c  Die Versicherte absolvierte vom 5. Dezember 2011 bis am 2. März 2012 ein 

Belastbarkeitstraining und vom 3. März 2012 bis zum 30. November 2012 ein 

Aufbautraining (IV-act. 93, 105, 110, 122, 150). Gemäss dem Schlussbericht vom 22. 

Februar 2012 zum Belastbarkeitstraining sei die Versicherte von Anfang an 

konzentriert, motiviert und während der ganzen Zeit zuverlässig gewesen (IV-act. 109). 

Gemäss dem Schlussbericht zum Aufbautraining vom 11. Dezember 2012 habe die 

Versicherte eine Präsenz von 60% erreicht. Eine volle Leistung sei jedoch nur teilweise 

erreicht worden, da die Versicherte somatische Reaktionen gezeigt hat (IV-act. 154).

A.d  Bereits am 13. Januar 2012 hatte Dr. G.___ berichtet, dass sich der 

Gesundheitszustand und somit die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Versicherten 

nicht verändert hätten (IV-act. 95). Medizinisch erschwerend hinzugekommen seien 

phasenweise Übelkeitszustände, deren Ursache noch nicht bekannt sei. Am 21. 

September 2012 hatte Dr. G.___ angegeben, dass das rezidivierende Erbrechen als 

eine somatoforme autonome Störung zu qualifizieren sei (IV-act. 140). Diese 

Zusatzdiagnose könne möglicherweise einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben. 

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Die sozialarbeiterspezifischen Tätigkeiten wie die Kommunikation, das Telefonieren mit 

Klienten, das Aushalten von komplizierten und längeren Gesprächen mit Klienten, das 

Verfassen von längeren Schriftstücken und die soziale Beurteilung von Klienten seien 

wahrscheinlich mit einer Einschränkung von 20-25% durchführbar. Am 11. Oktober 

2012 hielt RAD-Arzt Dr. med. H.___ fest, dass nicht von einer aktuellen Arbeitsfähigkeit 

von 75-80% auf dem 1. Arbeitsmarkt auszugehen sei (IV-act.143). Das Ziel sei es, die 

Arbeitsfähigkeit mit Coaching spätestens innert sechs Monaten auf 80% zu steigern. 

Am 25. Januar 2013 berichtete Dr. G.___, der Gesundheitszustand der Versicherten sei 

gleich geblieben (IV-act. 161). Er prognostizierte allerdings, dass eine Arbeitsfähigkeit 

von mehr als 50% auf dem 1. Arbeitsmarkt trotz Wiedereingliederungsmassnahmen 

unrealistisch sei. Im Zwischenbericht der I.___ empfahl der Job-Coach am 28. März 

2013, das Arbeitspensum bei einer neuen Stelle nicht auf mehr als 50% festzusetzen, 

da sonst die Belastungsgrenze schnell überschritten sei (IV-act. 175). Im 

Abschlussbericht vom 19. Juni 2013 hielt der Job-Coach fest, dass eine Erhöhung des 

Arbeitspensums auf mehr als 60% nicht geeignet sei (IV-act. 186). Trotz des kurzen 

Arbeitsweges von wenigen Minuten zeige sich, dass die Versicherte nach der Arbeit ein 

grosses Ruhebedürfnis habe und dann auch schlafen müsse. Ihre Energiereserven 

seien schnell verbraucht, obwohl sie kaum mehr private Aktivitäten unternehme. In 

einer konsiliarischen Beurteilung hielt Dr. med. J.___, FMH Neurologie, am 18. Juni 

2013 fest, das anfallsartige Erbrechen weise aus neurologischer Sicht keinen 

Zusammenhang mit der psychiatrischen Erkrankung auf (IV-act. 192). 

Differenzialdiagnostisch erscheine eine Migraine sans Migraine möglich. Im 

Verlaufsbericht vom 5. Juli 2013 stellte Dr. G.___ fest, dass die bipolare Störung nach 

wie vor einen negativen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe. Zudem beeinflusse die 

im Raum stehende Diagnose einer somatoformen autonomen Störung die 

Arbeitsfähigkeit (IV-act. 189). In den Phasen der Übelkeit sei die Versicherte teilweise 

bis zu 100% arbeitsunfähig. Eine Arbeitsfähigkeit von sechs Stunden pro Tag für die 

Tätigkeit als Sozialarbeiterin sei aufgrund der klinischen Erfahrungen rückblickend zu 

optimistisch, weshalb die Arbeitsfähigkeit auf dem 1. Arbeitsmarkt (als Sozialarbeiterin) 

niedriger anzusetzen sei. Aus aktueller Sicht sei zu bezweifeln, ob die zuvor formulierte 

Leistungsfähigkeit von 75-80% auch in einer alternativen (adaptierten) Tätigkeit 

möglich sei. Am 18. Mai 2014 berichtete Dr. G.___, dass sich der Gesundheitszustand 

der Versicherten verschlechtert habe (IV-act. 213). Nach Rücksprache und klinischer 

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Beurteilung mit und durch Dr. K.___, Internist und behandelnder Arzt der Versicherten, 

sei sehr wahrscheinlich, dass die Versicherte an einem cyclic vomiting syndrome leide, 

das ein Grund für die phasenweise Arbeitsunfähigkeit von 100% sei. Die bereits 

gestellten Diagnosen (bipolare Störung, somatoforme autonome Störung) hätten 

weiterhin einen negativen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Der Gesundheitszustand sei 

aus psychiatrischer Sicht instabil. Bei der Versicherten seien eine erhöhte Unruhe und 

auch vermehrt gereizte und tendenziell distanzlose Zustände feststellbar. Es träten 

verstärkt depressive Episoden auf. Aus psychiatrischer Sicht sei es nicht 

verantwortbar, der Versicherten mehr als 40% im 1. Arbeitsmarkt zuzutrauen.

A.e  Am 25. August 2014 notierte der RAD-Arzt Dr. H.___, die derzeitige Einschätzung 

der Arbeitsunfähigkeit von bis zu 50% durch den behandelnden Psychiater Dr. G.___ 

erscheine als zu hoch (IV-act. 234). Die Versicherte müsse psychiatrisch begutachtet 

werden. Der Gutachter habe insgesamt zum Verlauf der Erkrankung und der dadurch 

bedingten Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit und ebenfalls zur 

Diagnose (cyclic vomiting versus somatoforme autonome Störung) Stellung zu 

nehmen. Im Auftrag der IV-Stelle erstattete Dr. med. L.___, Facharzt für Psychiatrie und 

Psychotherapie und Facharzt für Neurologie, am 11. März 2015 ein psychiatrisches 

Gutachten (IV-act. 241). Er hatte die Versicherte am 3. Dezember 2014 und am 18. 

Dezember 2014 untersucht und hielt nun fest, diese leide an einer affektiven Störung 

(ICD-10, F39). Aus medizinisch-theoretischer Sicht sei eine Tätigkeit im angestammten 

Bereich in einem zeitlichen Pensum von sechs Stunden pro Tag an fünf Tagen pro 

Woche zumutbar. Die Leistungsfähigkeit sei dabei um 20% vermindert. Die 

theoretische Gesamtarbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit betrage 60%. Als 

eine angepasste Tätigkeit sei eine Tätigkeit als Sozialpädagogin mit überwiegend oder 

besser ausschliesslich administrativer Tätigkeit (Büroarbeit) und ohne oder zumindest 

ohne intensive Arbeit mit einzelnen Klienten mit psychischen Problemen zu 

qualifizieren. Eine solche angepasste Tätigkeit sei der Versicherten während sieben 

Stunden pro Tag an fünf Tagen pro Woche zumutbar. Die Leistungsfähigkeit sei dabei 

um 15% vermindert, weshalb die theoretisch geschätzte Gesamtarbeitsfähigkeit in 

einer adaptierten Tätigkeit 70% betrage. Da es sich um eine chronische Erkrankung 

handle, könnten wiederholt (depressive) Episoden auftreten, die auch mit einer weiteren 

Verminderung der Arbeitsfähigkeit einhergingen.

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A.f  Am 26. Mai 2015 teilte die IV-Stelle der Versicherten mittels Vorbescheid mit, dass 

sie vorsehe, das Leistungsbegehren abzuweisen (IV-act. 245). Ihr sei es nämlich aus 

medizinischer Sicht zumutbar, eine leidensangepasste Tätigkeit zu 70% auszuüben. 

Damit sei sie in der Lage, ein Einkommen von Fr. 55'020.-- zu erzielen. Im Vergleich 

zum Valideneinkommen von Fr. 85'770.-- resultiere ein nicht rentenbegründender 

Invaliditätsgrad von 38%. Am 1. Juli 2015 wandte der Rechtsvertreter der Versicherten 

zum Vorbescheid ein, das psychiatrische Gutachten weise verschiedene 

Inkonsistenzen auf (IV-act. 253). Der Sachverständige gehe davon aus, dass die 

Versicherte ein Studium zur Sozialpädagogin absolviert habe, obwohl sie als 

Sozialarbeiterin FH ausgebildet sei. Nicht berücksichtigt habe er, dass es sich bei der 

momentanen Arbeit bei der M.___ GmbH bereits um eine angepasste Tätigkeit handle. 

Es falle auf, dass die bisherigen Diagnosen einer bipolaren affektiven Störung und einer 

rezidivierenden depressiven Störung nicht bestätigt und nur eine affektive Störung 

diagnostiziert worden sei. Die zumutbare Arbeitsfähigkeit im angestammten Bereich 

wie in der adaptierten Tätigkeit betrage weniger als 50%. Dr. G.___ habe am 29. Juni 

2015 festgehalten, die Diagnose des Sachverständigen Dr. L.___ sei zu undifferenziert 

ausgefallen. Die Arbeitsfähigkeit sei zu hoch angesetzt worden. Ausserdem sei gar 

nicht auf das cycling vomiting syndrome eingegangen worden. Die IV-Stelle gehe von 

einem Lohn gemäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE), Niveau 3 im 

Gesundheitsbereich, aus. Daraus ergebe sich ein ermittelter Monatslohn von Fr. 

6'550.--. Niveau 3 bedeute aber nach aktueller LSE komplexe praktische Tätigkeiten, 

welche ein grosses Wissen in einem Fachgebiet voraussetzten. Dies widerspreche den 

Ausführungen im Gutachten zur adaptierten Tätigkeit, welche vorwiegend 

administrative Tätigkeiten als Sozialpädagogin voraussetze. Damit wäre eher Niveau 2 

realistisch, in welchem ein Lohn von Fr. 5'300.-- erzielt werden könne. Daraus ergebe 

sich ein jährliches Einkommen von Fr. 63'600.--, ein Invalideneinkommen von Fr. 

44'520.-- und folglich ein Invaliditätsgrad von 49.6%. Unter Berücksichtigung eines 

Leidensabzugs von 5% im Zusammenhang mit den fortbestehenden Belastungen bei 

einer unregelmässig bleibenden Tätigkeit, sei deshalb eine halbe Invalidenrente 

gerechtfertigt.

A.g  Der RAD-Arzt Dr. H.___ hielt am 15. Juli 2015 fest, dass die Berufsbezeichnung in 

der Gesamtbeurteilung irrelevant sei (IV-act. 254). Der Sachverständige habe zu Recht 

darauf hingewiesen, dass nie eine manische Phase im klinischen "Aktualzustand" 

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beschrieben worden sei und dass submanische Phasen zwar möglich, aber nicht mit 

der für ein Gutachten erforderlichen Sicherheit nachgewiesen seien. Da seit Monaten 

kein Erbrechen und keine sonstige vegetative Symptomatik mehr aufgetreten seien, 

könne dies in der Beurteilung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit nicht berücksichtigt 

werden. Gesamthaft seien die Einwendungen von Dr. G.___ nicht geeignet, das 

Ergebnis des Gutachtens zu erschüttern. Am 22. Juli 2015 verfügte die IV-Stelle 

gemäss ihrem Vorbescheid vom 26. Mai 2015 (IV-act. 255).

B. 

B.a  Am 14. September 2015 liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) 

Beschwerde gegen die Verfügung vom 22. Juli 2015 der IV-Stelle (nachfolgend: 

Beschwerdegegnerin) erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung 

der Verfügung und die Zusprache einer halben, eventuell einer Viertelsrente. Zur 

Begründung führte er aus, das Invalideneinkommen sei falsch berechnet worden. Das 

konkret erzielte Einkommen betrage Fr. 23'258.--. Die Taggelder für das Jahr 2014 

beliefen sich insgesamt auf Fr. 18'739.--, womit das Invalideneinkommen Fr. 41'997.-- 

betrage. Bei einem Valideneinkommen von Fr. 85'770.-- ergebe sich ein 

Invaliditätsgrad von über 50%. Zudem sei zu Unrecht kein "Leidensabzug" 

berücksichtigt worden.

B.b  Die Beschwerdegegnerin beantragte am 16. November 2015 die Abweisung der 

Beschwerde. Zur Begründung führte sie aus, das Invalideneinkommen sei zu Recht auf 

der Basis der Tabellenlöhne ermittelt worden, da die Beschwerdeführerin in ihrer 

aktuellen Tätigkeit keine optimal adaptierte Tätigkeit ausübe und da sie die zumutbare 

Restarbeitsfähigkeit nicht ausnütze (act. G 4). Die Beschwerdeführerin habe 

umfassende berufliche Qualifikationen erworben und sei in der Lage, ihr Fachwissen zu 

verwenden. Es sei davon auszugehen, dass sie nicht nur niedrig qualifizierte, sondern 

auch wesentlich anspruchsvollere Bürotätigkeiten verrichten könne. Die 

Beschwerdeführerin verfüge über gute allgemeine kognitive Fähigkeiten und sei 

überdurchschnittlich intelligent. Bei ihr sei lediglich die Fähigkeit zur 

Emotionsregulation leicht reduziert und es bestehe eine vermehrte "Irritierbarkeit" oder 

erhöhte Anfälligkeit für Stress. All diese Dinge seien jedoch bei der 

Arbeitsfähigkeitsschätzung bereits ausreichend berücksichtigt worden. Insbesondere 

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sei aus dem psychiatrischen Gutachten ein zeitlich grösserer Erholungsbedarf aufgrund 

der grösseren Belastung herauszulesen, welcher jedoch mit einer zeitlichen 

Begrenzung der Tätigkeit auf sieben Stunden pro Tag bei einer verminderten 

Leistungsfähigkeit von 15% ebenfalls schon beabsichtigt werde. Die Stellungnahme 

des RAD-Arztes vom 15. Juli 2015 (IV-act. 254) gelte als integrierender Bestandteil der 

Beschwerdeantwort.

B.c  Am 23. Dezember 2015 liess die Beschwerdeführerin die Replik einreichen (act. G 

6). Sie wies darauf hin, dass das Bruttoeinkommen 2014 bei der M.___ GmbH Fr. 

24'422.-- betragen habe. Bei der Korrektur der Tabellenwerte gehe es nicht nur um den 

sogenannten "Leidensabzug"; vielmehr sei nach den Besonderheiten des konkreten 

Falles auch auf weitere behinderungsbedingte Einschränkungen Rücksicht zu nehmen. 

Da im vorliegenden Fall aufgrund des gravierenden Ausgangsbefunds die Anfälligkeit 

für Stress und die "Irritierbarkeit" auch nach erfolgreicher Integration in den 

Arbeitsmarkt unbestrittenermassen hoch bleibe, sei die Berücksichtigung eines 

Abzuges gerechtfertigt.

B.d  Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 8).

Erwägungen

1. 

Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare 

Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die 

während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% 

arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% 

invalid ist, hat einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung (Art. 28 Abs. 1 

IVG). Für die Bemessung der Invalidität wird das Erwerbseinkommen, das die 

versicherte Person trotz Invalidität noch erreichen könnte, in Beziehung gesetzt zum 

Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 

28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG).

2. 

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2.1  Bei der Bemessung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens ist 

entscheidend, wie sich die Gesundheitsbeeinträchtigung auf die Arbeitsfähigkeit der 

versicherten Person auswirkt, das heisst, welche erwerbsrelevanten Einschränkungen 

die Gesundheitsbeeinträchtigung verursacht haben und welche erwerbsrelevanten 

Ressourcen der versicherten Person trotz der Einschränkungen noch zur Verfügung 

stehen. Dabei handelt es sich um eine medizinische Frage, die entsprechend von 

Fachärzten zu beantworten ist. Vorliegend hat sich nebst diversen behandelnden 

Ärzten Dr. L.___ als einziger Gutachter zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin 

geäussert.

2.2  Die Schlussfolgerungen des Sachverständigen Dr. L.___ beruhen auf einer 

umfassenden Würdigung der medizinischen Berichte der behandelnden Ärzte, auf einer 

zweimal drei Stunden dauernden persönlichen Untersuchung der Beschwerdeführerin 

und damit auf einer umfassenden Grundlage. Im Gegensatz zu den behandelnden 

Ärzten hat Dr. L.___ einen weitgehend unauffälligen objektiven Befund erhoben. Diese 

Diskrepanz hat er auf eine Verbesserung des Gesundheitszustandes der 

Beschwerdeführerin in den Monaten vor der Begutachtung zurückgeführt, was 

angesichts des in den früheren medizinischen Berichten beschriebenen und von Dr. 

L.___ retrospektiv bestätigten Verlaufs mit initial schweren Episoden ab dem Jahr 2008 

und einer anschliessenden ständigen Verbesserung des Gesundheitszustandes der 

Beschwerdeführerin überzeugt. Dr. L.___ hat eine nicht näher bezeichnete affektive 

Störung diagnostiziert. Der behandelnde Psychiater Dr. G.___ hatte eine bipolare 

Störung Typ II diagnostiziert, was auf den ersten Blick als eine genauere 

Diagnosestellung erscheinen könnte. Allerdings hat Dr. L.___ überzeugend dargelegt, 

dass nicht hinreichend gesichert sei, dass die hypomanische Episode, welche für eine 

bipolare Störung vorhanden sein müsse, mit der für ein Gutachten notwendigen 

Sicherheit hinreichend nachgewiesen sei. In den Berichten werde zwar verschiedentlich 

eine hypomanische Episode erwähnt, doch könne es sich dabei um eine Fehldeutung 

von Stimmungsschwankungen handeln. Der Umstand, dass Dr. L.___ eine weniger 

spezifische Diagnose gestellt hat, ist also entgegen der Ansicht der 

Beschwerdeführerin nicht auf eine mangelnde Sorgfalt von Dr. L.___ zurückzuführen. 

Für die Arbeitsfähigkeitsschätzung ist aber ohnehin nicht in erster Linie die genaue 

Diagnose, sondern vielmehr der klinische Befund entscheidend, weshalb der Streit um 

die zutreffendere Diagnose für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde kaum von 

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Bedeutung ist. Hinsichtlich des vom behandelnden Psychiater Dr. G.___ erwähnten 

cyclic vomiting syndrome enthält das Gutachten von Dr. L.___ nur wenige 

Ausführungen, was als ein möglicher Mangel des Gutachtens gewertet werden könnte. 

Gemäss der im Gutachten enthaltenen Zusammenfassung der wichtigsten Befunde in 

den Vorakten ist Dr. L.___ jedoch bekannt gewesen, dass die Beschwerdeführerin an 

rezidivierenden Übelkeits- und Erbrechensanfällen gelitten hatte. In der persönlichen 

Untersuchung hat er die Beschwerdeführerin spezifisch zu den Problemen mit Übelkeit 

und Erbrechen befragt. Diese hat angegeben, seit Anfang November 2014 (einen 

Monat vor der ersten Untersuchung bei Dr. L.___) habe sie weder an Übelkeit gelitten 

noch erbrechen müssen. Wohl aufgrund dieser Angabe hat Dr. L.___ dem cyclic 

vomiting syndrome nur eine anamnestische Relevanz, aber keine aktuelle Bedeutung 

mehr zugemessen. Der RAD-Arzt Dr. H.___ hat diese Einschätzung in seiner 

Stellungnahme vom 15. Juli 2015 als aus medizinischer Sicht korrekt beurteilt. Es kann 

folglich kein Mangel des Gutachtens erblickt werden. Schliesslich hat Dr. L.___ auch 

seine Arbeitsfähigkeitsschätzung plausibel und überzeugend begründet. Im Vergleich 

zu den Angaben von Dr. G.___ erscheint der von Dr. L.___ angegebene 

Arbeitsfähigkeitsgrad von 60% für die angestammte und von 70% für eine 

leidensadaptierte Tätigkeit als eher hoch, denn Dr. G.___ hatte im Mai 2014 berichtet, 

die Beschwerdeführerin sei nicht mehr als 40% arbeitsfähig. Allerdings lässt sich dem 

Bericht von Dr. G.___ vom 18. Mai 2014 entnehmen, dass er sich massgebend am 

tatsächlichen damaligen Pensum der Beschwerdeführerin orientiert hatte, die einst 

sozialpädagogisch Familien betreut hatte. Diese Tätigkeit ist von Dr. L.___ überzeugend 

als nicht leidensadaptiert qualifiziert worden, weshalb sie für die Bestimmung des 

Arbeitsfähigkeitsgrades in einer leidensadaptierten Tätigkeit nicht massgebend sein 

kann. Zudem hatte Dr. G.___ noch im August 2011 eine Arbeitsfähigkeit von 50%-80% 

attestiert. Auch der RAD-Arzt Dr. H.___ hatte im Oktober 2012 im Rahmen der 

Eingliederungsmassnahmen eine anzustrebende Arbeitsfähigkeit von 75%-80% als 

zumutbar erachtet. Zu berücksichtigen ist auch, dass Dr. G.___ aufgrund seines 

Behandlungsauftrages wohl primär darauf bedacht gewesen sein dürfte, alles zu 

vermeiden, was die Gesundheit der Beschwerdeführerin möglicherweise gefährden 

oder beeinträchtigen könnte. Der medizinische Sachverständige Dr. L.___, der keinen 

Behandlungsauftrag hatte, hat dagegen die versicherungsmedizinisch relevante Frage 

nach der (maximal) zumutbaren Arbeitsleistung ohne eine "Beeinflussung" aufgrund 

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eines Behandlungsauftrages und damit zuverlässiger beantworten können. Seine 

Arbeitsfähigkeitsschätzung ist auch deshalb überzeugender als jene von Dr. G.___, weil 

die Beschwerdeführerin ihre Arbeitsfähigkeit zusehends hatte steigern können und weil 

sie im Zeitpunkt der Berichterstattung durch Dr. G.___ im Mai 2014 und damit auch vor 

der weiteren Verbesserung ihres Gesundheitszustandes bereits eine höhere 

Arbeitsleistung, als von Dr. G.___ als zumutbar erachtet, erbracht hatte. Sie hatte 

damals nämlich bereits zu 40% in einer nicht leidensadaptierten Tätigkeit gearbeitet 

und war zusätzlich einer Nebenerwerbstätigkeit nachgegangen. Gesamthaft ist deshalb 

mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die 

Beschwerdeführerin für leidensadaptierte Tätigkeiten spätestens ab November 2014 zu 

70% arbeitsfähig gewesen ist.

2.3  Der Sachverständige Dr. L.___ hat sich allerdings nicht zum Verlauf der 

Arbeitsfähigkeit vor November 2014 geäussert. Seinem Gutachten lässt sich nur 

entnehmen, dass die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der Zeit vor November 2014 

zumindest phasenweise höher gewesen sein dürfte. Obwohl die Beschwerdegegnerin 

den Sachverständigen nach dem Verlauf der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit 

gefragt hatte, hatte dieser nur die Arbeitsfähigkeit seit November 2014 angegeben. Der 

Beschwerdegegnerin muss bewusst gewesen sein, dass Dr. L.___ bloss eine 

Arbeitsfähigkeitsschätzung ab November 2014 abgegeben hatte, denn sie hat in der 

Beschwerdeantwort bestätigt, dass sie eine Arbeitsfähigkeit von 70% seit November 

2014 für verwertbar halte. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb sie auch für die Zeit vor 

November 2014 von einer Arbeitsfähigkeit von 70% in einer behinderungsadaptierten 

Erwerbstätigkeit ausgegangen ist, denn für diese Phase fehlt eine mit dem Beweisgrad 

der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellte Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin, wie die folgenden Ausführungen belegen.

3. 

3.1  Die Beschwerdeführerin hat sich im Mai 2009 zum Bezug von Leistungen der 

Invalidenversicherung angemeldet, weshalb der Rentenanspruch gemäss dem Art. 29 

Abs. 1 IVG frühestens im November 2009 hat entstehen können (vgl. BGE 138 V 475 

zum Übergangsrecht in Bezug auf den Art. 29 Abs. 1 IVG). Gemäss den Akten ist die 

Beschwerdeführerin erstmals am 16. März 2008 wegen einer rezidivierenden 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/16

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depressiven Störung basierend auf einer spätadoleszentären Problematik behandelt 

worden. Ab November 2008 war sie erstmals zu 100% arbeitsunfähig. Der Beginn des 

Wartejahres kann jedoch nicht mit Sicherheit bestimmt werden, da der Verlauf der 

Arbeitsfähigkeit noch nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht.

3.2  Das Invalideneinkommen ist das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person 

nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und 

allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei 

ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Art. 16 ATSG). Die Höhe des 

Invalideneinkommens hängt also unter anderem von der Arbeitsfähigkeit der 

versicherten Person ab. Für die Bemessung des Invalideneinkommens ist deshalb 

darauf abzustellen, welche Tätigkeiten die Beschwerdeführerin trotz ihrer 

Beeinträchtigung noch ausführen kann.

3.3  Der Invalidenlohn ist von der Beschwerdegegnerin aufgrund der Schweizerischen 

Lohnstrukturerhebung (LSE) im Wirtschaftszweig Gesundheits- und Sozialwesen 

festgelegt worden. Die Beschwerdeführerin ist im Niveau 3 eingestuft worden, welches 

komplexe praktische Tätigkeiten umfasst, die ein grosses Wissen in einem 

Spezialgebiet voraussetzen. Die Beschwerdegegnerin begründete dieses Vorgehen 

damit, dass die Beschwerdeführerin eine umfassende berufliche Qualifikation erworben 

habe und in der Lage sei, ihr Fachwissen zu verwenden. Die Beschwerdeführerin hat 

zwar eine gute Ausbildung und ein grosses Wissen als Sozialarbeiterin, aber sie kann 

diese berufliche Qualifikation als Folge der Gesundheitsbeeinträchtigung nur an einem 

adaptierten Arbeitsplatz verwerten. Die durchschnittlichen Löhne in der LSE werden 

gestützt auf die Löhne ermittelt, die an allen Arten von (entsprechend qualifizierten) 

Arbeitsplätzen erzielt werden. Im vorliegenden Fall führt das Abstellen auf einen 

Durchschnittslohn der LSE deshalb zu einem verzerrten Bild, da die 

Beschwerdeführerin den Beruf der Sozialarbeiterin wegen ihrer psychischen 

Gesundheitsbeeinträchtigung nicht mehr in gleicher Weise ausführen kann wie eine 

gesunde Person. Die medizinischen Diagnosen der Beschwerdeführerin schränken die 

mögliche Berufsausübung in qualitativer Hinsicht erheblich ein. Dr. L.___ hat die 

adaptierte Ausübung des Berufs der Sozialarbeiterin als eine überwiegend oder besser 

ausschliesslich administrative Tätigkeit (Büroarbeit) und ohne oder zumindest ohne 

intensive Arbeit mit einzelnen Klienten mit psychischen Problemen definiert. Der Lohn 

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für eine solche adaptierte Tätigkeit als Sozialarbeiterin kann offensichtlich nicht anhand 

eines Tabellenlohnes, der auf allen in einer bestimmten Branche erzielten Löhnen 

beruht, ermittelt werden. Deshalb wird ein Berufsberater der Beschwerdegegnerin das 

Profil einer adaptierten Tätigkeit für die Beschwerdeführerin als Sozialarbeiterin 

erstellen müssen. Anhand der Kenntnisse und Erfahrungen der Beschwerdeführerin 

wird er eine ideale Tätigkeit umschreiben. Bei der Ermittlung des erzielbaren Lohnes 

wird zu berücksichtigen sein, dass die Beschwerdeführerin auch indirekt 

behinderungsbedingte Nachteile ökonomisch-betriebswirtschaftlicher Natur zu 

gewärtigen hätte. So hat ein ökonomisch denkender potentieller Arbeitgeber bei der 

Bemessung des Lohnes, den er der Beschwerdeführerin ausrichten würde, 

beispielsweise dem Umstand Rechnung zu tragen, dass mit einem 

überdurchschnittlichen Mass an Krankheitsabsenzen oder kurzzeitigen 

Arbeitsunterbrüchen zu rechnen ist, so dass die effektive Arbeitsleistung der 

Beschwerdeführerin unter derjenigen einer gesunden Sozialarbeiterin mit demselben 

Beschäftigungsgrad liegen kann. Bereits die Gefahr einer solcherart 

unterdurchschnittlichen Arbeitsleistung muss bei einer rein ökonomischen 

Vorgehensweise als zusätzlicher Lohnaufwand qualifiziert und durch die Ausrichtung 

eines entsprechend unterdurchschnittlichen Lohnes kompensiert werden. Unterbliebe 

eine entsprechende Berücksichtigung, wäre ein Teil des der Beschwerdeführerin 

ausgerichteten Lohnes als Soziallohn zu qualifizieren. Ein Soziallohnanteil würde aber 

den Einkommensvergleich zulasten der Beschwerdeführerin in rechtswidriger Weise 

verzerren. Der Berufsberater wird deshalb diesen ökonomisch-betriebswirtschaftlichen 

Aspekt bei der Ermittlung eines durchschnittlich erzielbaren Lohnes an einem 

adaptierten Arbeitsplatz berücksichtigen müssen. Dieser Lohn wird dann das 

Ausgangseinkommen zur Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens bilden. Er 

dürfte deutlich unter dem von der Beschwerdegegnerin früher angenommenen 

Einkommen liegen, da eine rein administrative (Büro-) Tätigkeit als Sozialarbeiterin 

i.d.R. wohl weniger anforderungsreich ist als eine Tätigkeit mit direktem Kontakt zu den 

Klienten. Zur Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens wird die 

Beschwerdegegnerin dieses Ausgangseinkommen dann im Ausmass des 

Arbeitsunfähigkeitsgrades reduzieren.

4. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/16

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4.1  Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung im 

Gutachten für die Zeit ab November 2014 überzeugt, weshalb die Beschwerdegegnerin 

für die Rentenberechnung ab November 2014 von einer Arbeitsfähigkeit von 70% in 

einer adaptierten Tätigkeit ausgehen wird. Da sich der Sachverständige Dr. L.___ nicht 

zur Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin vor dem Begutachtungsdatum 

geäussert hat, ist für die Zeit ab dem (anhand des Verlaufs der Arbeitsfähigkeit und 

damit der Erfüllung des sogenannten Wartejahres gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) zu 

bestimmenden frühestmöglichen Rentenbeginn der Verlauf der Arbeitsfähigkeit noch zu 

ermitteln. Da für die Zeit vor der Begutachtung also noch kein Einkommensvergleich 

erfolgen kann, muss auch die Beurteilung des Rentenanspruchs, die für die Zeit ab der 

Begutachtung an sich bereits möglich wäre, unterbleiben. Das den Rentenanspruch 

bestimmende Rechtsverhältnis kam nämlich nur als Ganzes beurteilt werden (vgl. BGE 

131 V 164). Die Sache ist deshalb in teilweiser Gutheissung der Beschwerde zur 

Vornahme weiterer Abklärungen und zur anschliessenden neuen Verfügung an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

4.2  Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 

1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint 

als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als 

vollständiges Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die 

Beschwerdegegnerin vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von 

Fr. 600.-- zu bezahlen.

4.3  Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei 

Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom 

Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der 

Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In 

der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 

22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. 

Praxisgemäss wird die Parteientschädigung in einem durchschnittlich aufwändigen 

Rentenfall bei vollständigem Obsiegen auf Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und 

Mehrwertsteuer) festgesetzt. Da es sich beim vorliegenden Fall um einen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/16

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durchschnittlich aufwendigen Rentenfall handelt, hat die Beschwerdeführerin einen 

Anspruch auf eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.--.

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom 3. 

Dezember 2013 aufgehoben; die Sache wird zur Vornahme weiterer Abklärungen und 

zur anschliessenden neuen Verfügung im Sinne der Erwägungen an die 

Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2. 

Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen; der in 

gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss wird der Beschwerdeführerin 

zurückerstattet.

3. 

Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von Fr. 

3’500.--  auszurichten.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 10.10.2016
	Art. 8 Abs. 1 ATSG, Art. 16 ATSG, Art. 28 IVG. Invaliditätsbemessung mittels Einkommensvergleich. Bei einer Sozialarbeiterin, die behinderungsbedingt nicht mehr alle Tätigkeiten ausüben kann, die ihr Beruf beinhaltet, kann das zumutbare Invalideneinkommen nicht anhand eines LSE-Lohnes ermittelt werden. Vielmehr ist anhand der noch zumutbaren Tätigkeiten (nur Büroarbeiten) in diesem Beruf durch einen Berufsberater zu ermitteln, welcher Lohn von der Beschwerdeführerin noch erzielt werden kann (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 10. Oktober 2016, IV 2015/296).

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