# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f6a6fac6-6bda-58cd-97b4-a71011d807e9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-10-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.10.2018 D-2439/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2439-2015_2018-10-15.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2439/2015 
lan 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 5 .  O k t o b e r  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 

Richterin Regula Schenker Senn,  

Richter Yanick Felley,    

Gerichtsschreiberin Teresia Gordzielik. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,  

vertreten durch Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende  

Solothurn  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 19. März 2015 / N (…). 

 

 

 

D-2439/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer verliess Eritrea eigenen Angaben zufolge am (…) 

und gelangte über den Sudan, Libyen und Italien am 20. April 2014 in die 

Schweiz, wo er gleichentags ein Asylgesuch stellte. Am 28. Mai 2014 

wurde er summarisch befragt und am 9. Januar 2015 einlässlich angehört. 

Zur Begründung seines Asylgesuches gab er an, in B._______, Eritrea 

(Zoba C._______, Subzoba B._______) geboren und aufgewachsen zu 

sein. Er habe dort die Schule besucht und im (…) auch – inoffiziell und 

nach muslimischem Brauch – geheiratet. Die Eltern und zehn Geschwister 

seien noch dort wohnhaft. Nach Abschluss der elften Klasse sei er am (…) 

nach Sawa geschickt worden. Dort habe es am (…) eine Versammlung 

gegeben, anlässlich derer der Beschwerdeführer und zwei andere Teilneh-

mer sich kritisch geäussert hätten. Namentlich habe er gesagt, dass sie 

[die Schüler] keine Militärausbildung machen, sondern stattdessen die 

zwölfte Klasse besuchen wollten. Nach der Sitzung sei er bestraft worden, 

indem er mehrere Stunden mit den Händen auf den Rücken gefesselt in 

der Sonne habe stehen müssen. Am (…) sei er deshalb im Gefängnis 

D._______ in Sawa in Haft gekommen, wo er gefoltert und schlecht be-

handelt worden sei. Er habe Zwangsarbeit verrichten müssen. Am (…) sei 

er schliesslich von dort geflohen, wobei er sich zwischen Bäumen versteckt 

und die Dunkelheit abgewartet habe. Der Militärdienst in Eritrea sei Skla-

venarbeit für die höheren Militärfunktionäre. Sie hätten Tag und Nacht 

Steine sammeln oder auf den Feldern arbeiten müssen, ohne dass sie ei-

nen Lohn erhalten hätten. Weil er keinen Militärdienst leisten wolle, sei er 

aus Eritrea geflohen. In Eritrea gebe es keine Menschenrechte. Es könne 

sein, dass er bei einer Rückkehr in die Heimat schwer bestraft würde, und 

dass er das vielleicht nicht überleben könne. 

Anlässlich der Anhörung reichte der Beschwerdeführer eine ID-Karte zu 

den Akten. 

B.  

Mit Verfügung vom 19. März 2015 – eröffnet am 21. März 2015 – stellte 

das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

nicht (Dispositivziffer 1), lehnte das Asylgesuch ab (Dispositivziffer 2), und 

ordnete die Wegweisung und deren Vollzug an (Dispositivziffer 3 bis 5). 

D-2439/2015 

Seite 3 

C.  

Mit Eingabe vom 20. April 2015 (Datum Poststempel) erhob der Beschwer-

deführer gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerde und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung 

und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurtei-

lung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Unzuläs-

sigkeit und Unzumutbarkeit der Wegweisung festzustellen, und es sei ihm 

deshalb die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In formeller Hinsicht er-

suchte er um die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie um 

Verzicht auf das Erheben eines Kostenvorschusses. 

Mit der Beschwerde reichte der Beschwerdeführer drei Fotos zu den Akten 

welche ihn gemäss eigener Aussage in Sawa zeigten. 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 24. April 2015 stellte die zuständige Instrukti-

onsrichterin die aufschiebende Wirkung der Beschwerde fest, verzichtete 

auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und verschob die Entschei-

dung über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

und der amtlichen Verbeiständung auf einen späteren Zeitpunkt. Der Be-

schwerdeführer wurde weiter aufgefordert, die in Aussicht gestellte Fürsor-

gebestätigung zu den Akten zu reichen, sowie eine Rechtsvertretung zur 

amtlichen Beiordnung zu benennen. Ferner lud das Gericht die Vorinstanz 

zur Vernehmlassung ein. 

E.  

Am 29. April 2015 reichte das SEM seine Vernehmlassung zu den Akten. 

F.  

Mit Schreiben vom 5. und 7. Mai 2015 reichten sowohl die zuständige So-

zialbehörde (Original) als auch der Beschwerdeführer (Kopie) eine Fürsor-

gebestätigung ein. Ferner beantragte er die Einsetzung von Patricia Müller, 

Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende Solothurn, als amtliche Rechts-

beiständin. 

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 20. Mai 2015 hiess die zuständige Instrukti-

onsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-

rung gut, und ordnete dem Beschwerdeführer die von ihm vorgeschlagene 

Rechtsvertreterin bei. Gleichzeitig wurde er aufgefordert, eine Replik und 

gegebenenfalls eine Beschwerdeergänzung einzureichen. 

D-2439/2015 

Seite 4 

H.  

Am 4. Juni 2015 reichte der Beschwerdeführer seine Replik zu den Akten. 

I.  

Mit Eingabe vom 28. Dezember 2015 reichte der Beschwerdeführer vier 

weitere Beweismittel – namentlich einen Studentenausweis und ein Schul-

zertifikat aus dem Jahr (…) (im Original), ein Schulzeugnis aus dem Schul-

jahr (...) (im Original), sowie eine Scankopie eines Schülerausweises – zu 

den Akten. 

J.  

Mit Schreiben vom 30. Juni 2016 ersuchte die Rechtsvertreterin des Be-

schwerdeführers aufgrund von Kündigung und Stellenwechsel um Entlas-

sung aus der amtlichen Rechtsvertretung. Gleichzeitig beantragte sie die 

Einsetzung von Ruedy Bollack, HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsu-

chende Aargau. 

Mit dem Schreiben reichte die Rechtsvertreterin ein Aufwand- und Ausla-

genblatt zu den Akten. 

K.  

Am 9. Juni 2017 richtete der neue Rechtsvertreter eine Verfahrensstand-

anfrage an die zuständige Instruktionsrichterin und bat um eine baldige 

Entscheidung.  

L.  

Mit Zwischenverfügung vom 16. Juni 2017 entliess das Gericht Patricia 

Müller aus dem amtlichen Mandatsverhältnis. Aufgrund der Spruchreife 

des Verfahrens wurde allerdings davon abgesehen, einen neuen amtlichen 

Rechtsbeistand einzusetzen. Weiter wurde festgestellt, dass davon auszu-

gehen sei, dass die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers – mangels 

anderweitiger Erklärung im Schreiben vom 30. Juni 2016 – ihren Anspruch 

auf das amtliche Honorar an die Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende 

Solothurn abtrete. Ohne anderweitige Stellungnahme werde die Entschä-

digung der amtlichen Rechtsbeiständin im Endentscheid erfolgen. 

M.  

In seinem Schreiben vom 5. Februar 2018 richtete eine Juristin der Rechts-

beratungsstelle für Asylsuchende Solothurn eine weitere Verfahrensstand-

anfrage an das Gericht. Ferner reichte sie eine Beschäftigungsbestätigung 

des Beschwerdeführers ein. Mit Schreiben vom 8. Februar 2018 beantwor-

tete die zuständige Instruktionsrichterin die Verfahrensstandanfrage. 

D-2439/2015 

Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be-

handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM. Dabei entschei-

det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was hier nicht 

zutrifft – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor wel-

chem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl. Art. 105 AsylG 

i.V.m. Art. 31-33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das 

AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

1.4 Der Beschwerdeführer ist legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG) und seine 

Beschwerde erfolgte frist- und formgerecht (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 52 

Abs. 1 VwVG), womit auf die Beschwerde einzutreten ist. 

2.  

Vor der materiellen Prüfung der Beschwerdevorbringen ist festzuhalten, 

dass der Beschwerdeführer unter anderem darauf verweist, dass die Be-

fragung und Anhörung in unterschiedlichen Sprachen durchgeführt wurden 

(Verfügung S. 5, Replik N. 4).  

Hierzu ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer Tigre als Hauptsprache 

angab (A5 F1.17.01, A19 F10). Anlässlich der Befragung – die auf Tigre 

durchgeführt wurde – attestierte er sich selber zudem lediglich Grundkennt-

nisse in Tigrinya (A5 F1.17.03). Ferner thematisierte er den Unterschied 

der Befragungssprachen bereits anlässlich der Anhörung (A19 F123). Dem 

Beschwerdeführer wurde bereits anlässlich der Befragung das Merkblatt 

auf Tigrinya vorgelegt, wobei er bestätigte, dieses verstanden zu haben 

(A5 Bst. c ff.). Ferner bestätigte der Dolmetscher ebenfalls anlässlich der 

Befragung, dass sich der Beschwerdeführer auf Arabisch und Tigrinya un-

terhalten könne (A5 F1.17.03). Anlässlich der Anhörung – mit Tigrinya als 

Verfahrenssprache – gab der Beschwerdeführer auf Nachfrage hin an, den 

Dolmetscher gut zu verstehen (A19 F1), und dass er alle Vorbringen 

wunschgemäss habe anbringen können (A19 F124 f.). Dies wurde vom 

Dolmetscher auch anlässlich der Anhörung bestätigt (A19 F126). Ebenfalls 

bestätigte der Beschwerdeführer dies durch seine Unterschrift am Ende 

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Seite 6 

sowie auf jeder Seite der ihm rückübersetzten Protokolle. Im Ergebnis ist 

es zu keiner verfahrensrechtlich relevanten Gehörsverletzung gekommen 

und es war zulässig, die Anhörung mit Tigrinya als Verfahrenssprache 

durchzuführen. Es ist allerdings dem Umstand, dass es sich bei Tigrinya 

lediglich um die Zweitsprache des Beschwerdeführers handelt, im Rahmen 

der Beurteilung der Glaubhaftigkeit und allfälliger Widersprüche kontextab-

hängig Rechnung zu tragen. 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).  

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).  

4.  

Im Folgenden ist zunächst zu prüfen, ob sich das Bundesverwaltungsge-

richt den vorinstanzlichen Erwägungen zur fehlenden Glaubhaftigkeit des 

vom Beschwerdeführer geltend gemachten Sachverhalts anschliessen 

kann. 

4.1 Glaubhaftmachen im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge-

gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der 

gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die 

Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, 

überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-

len. Eine wesentliche Voraussetzung für die Glaubhaftigkeit eines Verfol-

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Seite 7 

gungsschicksals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substanzi-

ierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der 

dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tat-

sächlich erlittenen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Origi-

nalität, hinreichende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft 

wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, wi-

dersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der 

Beurteilung der Glaubhaftigkeit geht es um eine Gesamtbeurteilung aller 

Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, 

Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdig-

keit usw.), die für oder gegen die gesuchstellende Person sprechen. Glaub-

haft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente über-

wiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der 

Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten 

Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorge-

brachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 

2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 

4.2 Die Vorinstanz stellte in ihrer Verfügung im Wesentlichen und sinnge-

mäss fest, die Vorbringen des Beschwerdeführers hinsichtlich der von ihm 

geltend gemachten Vorfluchtgründe (Aufenthalt und Inhaftierung in sowie 

Flucht aus Sawa) hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit ge-

mäss Art. 7 AsylG nicht stand. Zunächst seien die Vorbringen des Be-

schwerdeführers verschiedentlich nicht hinreichend begründet, mithin in 

wesentlichen Punkten zu wenig konkret, detailliert und differenziert darge-

legt worden. Namentlich habe er keine detaillierten Angaben zu seiner An-

kunft und zu seinem ersten Tag in Sawa machen können. Er habe – trotz 

Aufforderung, seine Beobachtungen und Gefühle zu beschreiben – wenig 

anschaulich und unspontan blosse Alltagsbeschreibungen geschildert, die 

auch eine nie in Sawa gewesene Person hätte machen können. Insgesamt 

erscheine seine Ankunft in Sawa als eindimensionales Ereignis und es 

fehle an einem raumzeitlichen Zusammenhang, mithin an Realkennzei-

chen. Weiter erscheine die Versammlung, an welcher sich der Beschwer-

deführer kritisch geäussert haben wollte, als isoliertes, von der zeitlichen 

und räumlichen Wirklichkeit entrücktes Ereignis. Seine Ausführungen seien 

trotz mehrfacher Aufforderung zur detaillierteren Beschreibung wenig an-

schaulich geblieben. Dies sei insbesondere erstaunlich, als sich der Be-

schwerdeführer anlässlich dieses Anlasses kritisch geäussert und expo-

niert haben wolle. Aufgrund der unzureichend substantiierten Beschrei-

bung der Versammlung und seiner Ankunft in Sawa bestünden erhebliche 

Zweifel daran, dass der Beschwerdeführer überhaupt habe Nationaldienst 

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leisten müssen. Ferner habe der Beschwerdeführer widersprüchliche Aus-

sagen zum Zeitpunkt des Einzugs nach Sawa, zu seiner Flucht von dort, 

sowie zur späteren Entführung und Lösegeldzahlung auf der Reise durch 

den Sudan gemacht. Seine Erklärungen hätten die Widersprüche nicht zu 

entkräften vermocht. Desweiteren seien die Vorbringen des Beschwerde-

führers unglaubhaft, weil sie in wesentlichen Punkten der allgemeinen Er-

fahrung oder Logik des Handels widersprächen, mithin unplausibel seien. 

So könne das Unwissen des Beschwerdeführers in Bezug auf die militäri-

sche Einteilung und seine Rekrutierungsrunde nicht nachvollzogen wer-

den. Auch sei der Wahrheitsgehalt wesentlicher Vorbringen, die ohne zwin-

genden Grund im weiteren Verlauf des Verfahrens nicht mehr vorgebracht 

worden seien, zweifelhaft. Namentlich habe er trotz Nachfrage im Rahmen 

der Anhörung eine schwere Foltermassnahme – die er im Rahmen der BzP 

noch geltend gemacht hatte – nicht mehr erwähnt. Es sei anzunehmen, der 

Beschwerdeführer habe diese Foltermassnahme im Rahmen der Befra-

gung erfunden, sich anlässlich der Anhörung dann aber nicht mehr an 

sämtliche Details seiner konstruierten Inhaftierungsgeschichte zu erinnern 

vermocht. Auch habe er die Anzahl der täglichen Mahlzeiten im Gefängnis 

in Befragung und Anhörung unterschiedlich angegeben.  

4.3 Der Beschwerdeführer verwies im Rahmen seiner Beschwerde bezüg-

lich des Sachverhalts im Wesentlichen auf die Befragungsprotokolle. In Be-

zug auf die von der Vorinstanz für unglaubhaft befundenen Aussagen be-

treffend seines ersten Tags in Sawa machte der Beschwerdeführer einige 

ausführlichere Angaben. Ferner beschrieb er die drei mit der Beschwerde 

eingereichten Fotos. Diese seien ihm von seiner Familie zugeschickt wor-

den und zeigten ihn in Sawa. In Bezug auf die – von der Vorinstanz eben-

falls für unglaubhaft befundenen – Vorbringen zur Versammlung, die zu 

seiner Verhaftung geführt habe, wiederholte er kurz die im Rahmen von 

Befragung und Anhörung bereits gemachten Aussagen. Im Übrigen sei der 

Vorwurf des SEM, er habe sich widersprüchlich zu seiner Flucht aus Sawa 

geäussert, unberechtigt. Er habe an beiden Anhörungen die gleiche Aus-

sage gemacht. Die erste Anhörung sei allerdings auf Tigre, die zweite auf 

Tigrinya durchgeführt worden. Möglicherweise habe dies eine Rolle ge-

spielt. ‚Weggerannt‘ sei nicht so zu verstehen, dass er im Laufschritt ge-

rannt sei, sondern so, dass er die Flucht ergriffen habe, in dem er sich 

zwischen hohem Gras und Bäumen versteckt habe. Auch andere Gefäng-

nisinsassen hätten die Flucht ergriffen, seien ‚weggerannt‘. Der Begriff 

‚wegrennen‘ könne auch als ‚flüchten‘, sich entfernen, türmen, davonlaufen 

verstanden werden und nicht als Art der Fortbewegung. Er habe sich ent-

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sprechend nicht widersprüchlich geäussert. Seine Vorbringen seien nach-

vollziehbar und erfüllten die Voraussetzungen von Art. 7 AsylG. Ferner sei 

er aus dem Gefängnis geflohen und müsse bei einer Rückkehr mit einer 

langen Haftzeit, Folter und Tod rechnen. Demnach erfülle er die Flücht-

lingseigenschaft nach Art. 3 AsylG. Im Kontext der von ihm als Eventualan-

trag vorgebrachten subjektiven Nachfluchtgründe machte der Beschwer-

deführer noch einige ergänzende Angaben zur Flucht aus Sawa. 

4.4 In der Vernehmlassung hielt das SEM zunächst fest, dass die Be-

schwerdeschrift keine neuen rechtserheblichen Tatsachen oder Beweismit-

tel enthalte, die eine Änderung des Entscheides rechtfertigen könnten. 

Trotzdem sei anzumerken, dass die auf Beschwerdeebene eingereichten 

Fotografien zwar den Beschwerdeführer mit weiteren jungen Männern 

zeigten, allerdings in keiner Weise darzutun vermöchten, dass sich der Be-

schwerdeführer in Sawa aufgehalten habe. Somit seien die Fotografien als 

Beweismittel untauglich. Auch habe es der Beschwerdeführer unterlassen, 

auf sämtliche in der Verfügung in nicht abschliessender Weise aufgezählte 

Vielzahl von Ungereimtheiten in seinem Asylvortrag einzugehen. Entspre-

chend blieben sie ungeklärt, was ein weiterer Hinweis für die Unglaubhaf-

tigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers sei. Ferner sei festzuhalten, 

dass die in der Beschwerdeschrift thematisierten Unglaubhaftigkeitsele-

mente in den Beschwerdeausführungen nicht plausibel erklärt worden 

seien. Im Übrigen verweise man auf die Erwägungen, an denen vollum-

fänglich festgehalten werde. 

4.5 In der Replik nahm der Beschwerdeführer – handelnd durch seine 

Rechtsvertreterin – zu verschiedenen Argumenten des SEM Stellung. Zu-

nächst betonte er, dass auf den Fotografien zu Sawa gehörige Gebäude, 

die dort üblichen Militäruniformen sowie die dortige Einrichtung zu erken-

nen sei. Weiterhin führte er die Umstände der Versammlung, an welcher er 

sich kritisch geäussert habe, detaillierter aus. Ferner erklärte er, die militä-

rische Einteilung an der Befragung korrekt wiedergegeben zu haben. Die 

Übersetzung einiger Begriffe im entsprechenden Teil des Befragungspro-

tokolls weise auf die Möglichkeit hin, dass der Dolmetscher den Beschwer-

deführer nicht verstanden habe. Auch sei die Muttersprache des Be-

schwerdeführers Tigre und nicht Tigrinya. Ferner sei es zwar zutreffend, 

dass der Beschwerdeführer an der vertieften Anhörung die eine schwere 

Foltermassnahme nicht erwähnte. Dem Beschwerdeführer falle es aber 

schwer, diese Vorfälle zu schildern. Es bestehe der Verdacht einer post-

traumatischen Belastungsstörung. Im Übrigen werde bezüglich der Glaub-

haftigkeit der illegalen Ausreise auf die Beschwerdeschrift verwiesen, in 

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welcher der Beschwerdeführer die Flucht sehr detailliert und glaubwürdig 

schildere. Bezüglich der Beweislast im Asylverfahren gelte, dass der Rich-

ter bloss von der Wahrscheinlichkeit eines behaupteten Sachverhalts zu 

überzeugen sei. Es gebe keinerlei Hinweise, dass der Beschwerdeführer 

auf legale Weise ausgereist oder dass er nicht in Eritrea aufgewachsen sei. 

Weiterhin werde vollumfänglich an den Vorbringen der Beschwerde fest-

gehalten. 

4.6 Entgegen der Auffassung der Vorinstanz kommt das Gericht zum 

Schluss, dass es dem Beschwerdeführer gelungen ist, seine Desertion aus 

dem Militärdienst glaubhaft zu machen. 

4.6.1 Der vorinstanzlichen Beurteilung der fehlenden Substantiierung der 

Vorbringen des Beschwerdeführers kann so nicht gefolgt werden. 

Zunächst ist der Vorinstanz hinsichtlich der Ankunft des Beschwerdefüh-

rers in Sawa zuzustimmen insofern sie feststellt, dass die Ausführungen 

des Beschwerdeführers diesbezüglich nicht besonders detailliert ausfallen, 

sich weitgehend auf allgemeine Lagerregeln beschränken und – trotz Auf-

forderung – eher wenig Gefühle und persönliche Beobachtungen beinhal-

ten (vgl. A19 F65, F66, F69). Zudem bezieht sich der Beschwerdeführer 

auch explizit auf Erzählungen von Drittpersonen (A19 F66 f.). Der vo-

rinstanzlichen Würdigung dieser Aussagen kann sich das Gericht jedoch 

nicht vorbehaltlos anschliessen. Wie der Beschwerdeführer selber mehr-

fach schildert, ist es für eritreische Jugendliche gewissermassen eine 

Selbstverständlichkeit, nach Abschluss des 11. Schuljahres nach Sawa 

einrücken zu müssen, und werden Erzählungen von Sawa auch durchaus 

im Bekanntenkreis weitergegeben (A19 F50 – F58, F66 f.). Entsprechend 

kann nicht zwingend und bei jedem Schüler erwartet werden, dass die An-

kunft in Sawa mit aussergewöhnlicher Emotionalität besetzt ist. Gleichzei-

tig sind die Schilderungen des Beschwerdeführers zum Beginn seiner Zeit 

in Sawa – berücksichtigt man die gesamte diesbezügliche Aussage begin-

nend mit der Abreise aus B._______ – durchaus in einen grösseren Kon-

text eingebettet und lassen einen raumzeitlichen Zusammenhang erken-

nen. So ist die  

gesamte Schilderung betreffend Abreiseumstände und -modalitäten  

(A19 F50 – F59), die Erklärung für das ungewöhnliche Alter des Beschwer-

deführers zum Einzugszeitpunkt (A19 F60 – 63), seine Rekrutierungsrunde 

(A19 F64), die Ankunft in Sawa und dort geltenden Regeln (A19 F65 – 70), 

die militärische Einteilung inklusive Benennung von Gruppen- und Batail-

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Seite 11 

lonskommandanten (A19 F70 – F74) sowie die Angaben des Beschwerde-

führers zur grundmilitärischen Ausbildung und zum bevorstehenden Wech-

sel in die Schulphase (A19 F75 – F84) insgesamt stimmig, strukturiert, 

nachvollziehbar, und auch – entgegen der Ansicht der Vorinstanz – an ver-

schiedenen Stellen mit Realkennzeichnen ausgestattet. Der Beschwerde-

führer nennt beispielsweise – und mehrheitlich ungefragt – die Konsequen-

zen für seine Familie, falls er nicht nach Sawa gegangen wäre (A19 F54), 

den Umstand dass die Jugendlichen seines Heimatorts alle zusammen 

nach Sawa fuhren (A19 F55), dort aber getrennt wurden (A19 F65), sowie 

Unterschiede im Einschulungsalter zwischen Stadt und Dorf als ursächlich 

für die grossen Altersdifferenzen zwischen den nach Sawa einrückenden 

Schülern (A19 F61 – 63). Gerade die Trennung bei der Ankunft wird im 

Übrigen auch in Erfahrungsberichten zu Sawa erwähnt (vgl. beispielsweise 

Amary Hauchard und Agathe Charnet, Erythrée: „Le camp de Sawa, c’est 

le debut de l‘enfer“, Le Monde, 24. Juni 2016 [folgend: Artikel Le Monde]). 

Zudem ist auch der Fokus des Beschwerdeführers auf den militärischen, 

durchorganisierten und unfreien Charakter des Lebens in Sawa, der aus 

seiner Antwort auf die Frage nach seinen Empfindungen bei der Ankunft 

hervorgeht, im Kontext der Asylvorbringen des Beschwerdeführers (insb. 

der von ihm geltend gemachten Bestrafung für seine Beschwerden anläss-

lich der Versammlung) stimmig (A19 F68 f.). Es leuchtet durchaus ein, dass 

ihm gerade diese Aspekte besonders in Erinnerung geblieben sind. Zuletzt 

machen insbesondere die Aussagen des Beschwerdeführers zur Grund-

ausbildung (A19 F75 – F84) einen sehr kohärenten Eindruck und enthalten 

verschiedentlich Realkennzeichen. So kann der Beschwerdeführer doch 

ohne Weiteres die verschiedenen Ausbildungsphasen sowie deren Dauer 

und Inhalte nennen (beispielsweise die Grundlagen des Exerzierens in der 

ersten Phase der militärischen Grundausbildung, aber noch keine Waffen-

ausbildung, sowie verschiedene Unterrichtselemente in der Schulphase; 

vgl. A19 F76, F79 – F81) und Tagesstrukturen- und Beschäftigungen be-

schreiben (Gartenarbeit, sonntägliches Holzsammeln, nachmittägliche 

Sportstunde zwecks Ermüdung, sowie nochmalige Registrierungsphase 

nach Ende der ersten Phase der militärischen Ausbildung; vgl. A19 F76 

und F78). Insgesamt sind die Aussagen des Beschwerdeführers zur An-

kunft in Sawa zwar nicht besonders ausführlich und emotional geprägt, 

gleichzeitig aber auch durchaus konkret und differenziert ausgefallen, be-

wegen sich mithin durchaus im Spektrum der Erzählung von Selbsterleb-

tem. Hinzu kommt, dass der Aufenthalt in Sawa mit Fotos belegt werden 

konnte, was gewichtig für den entsprechenden Sachverhaltsvortrag spricht 

(vgl. dazu nachfolgend 4.5.4). 

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Ähnliches gilt – sogar in noch ausgeprägterem Masse – für die von der 

Vorinstanz ebenso monierte fehlende Substantiierung des vom Beschwer-

deführer geltend gemachten Haftgrundes, seiner Äusserung im Rahmen 

einer Versammlung. So scheint die Versammlung – gerade im Kontext sei-

ner oben erörterten Ausführungen zur Ankunft in Sawa und entgegen der 

Ansicht der Vorinstanz – keineswegs als isoliertes, von der zeitlichen und 

räumlichen Wirklichkeit entrücktes Ereignis (Verfügung S. 4). So schildert 

der Beschwerdeführer die Situation und Umstände der besagten Ver-

sammlung, namentlich Datum und Uhrzeit (A19 F90), Teilnehmerkreis- und 

anzahl (A19 F89 f.) präzise, und den Inhalt seiner Aussagen (A19 F92) im 

Rahmen der Versammlung durchaus überzeugend. Namentlich ist es 

glaubhaft, dass sich der Beschwerdeführer über den militärischen Charak-

ter der Ausbildung beschwerte, zumal dieser generell – wie oben bereits 

angemerkt – im Rahmen seiner Ausführungen und des von ihm Erinnerten 

eine prominente Rolle einzunehmen scheint (vgl. insbesondere A5 F7.01; 

A19 F68 f., F92). Weiter verstärkt wird diese Beurteilung von verschiede-

nen in der Schilderung enthaltenen Realkennzeichen. So verweist der Be-

schwerdeführer darauf, dass er an besagter Versammlung eben gerade 

keine Sonderrolle gehabt habe, mithin gleich wie alle anderen gewesen sei 

(A19 F91). Er erwähnt zudem spezifisch, was die Vorgesetzten den ver-

sammelten Schülern an der Versammlung erklärten, wobei er insbeson-

dere eine Agrikultur-Anlage referenziert, die in der Nähe von Sawa liegt, 

und wo Schüler aus Sawa auch gemäss anderer Quellen als Arbeitskräfte 

eingesetzt werden (A19 F89; vgl. United Nations Human Rights Council 

[HRC], Report of the Detailed Findings of the Commission of Inquiry on 

Human Rights in Eritrea [A/HRC/29/CRP.1], 5. Juni 2015, S. 436 f. [folgend: 

2015 Bericht HRC]). Ferner, dass sich noch zwei andere Personen kritisch 

geäussert hätten, einer davon über die fehlende medizinische Versorgung 

(A19 F95, die Mangelhaftigkeit der medizinischen Versorgung wird im Üb-

rigen auch in Beschreibungen der Zustände in Sawa betont, vgl. beispiels-

weise den oben zitierten Artikel Le Monde). Diese zwei Personen seien 

ebenfalls bestraft worden (A19 F96). Insgesamt ist auch anzuführen, dass 

ähnliche Bestrafungen für kritische Äusserungen im Rahmen von Ver-

sammlungen in Sawa im einschlägigen Bericht des UNO-Menschenrechts-

rats dokumentiert sind, wobei die betroffene Person ebenfalls in dem vom 

Beschwerdeführer benannten Gefängnis inhaftiert wurde (A5 F7.02; vgl. 

2015 Bericht HRC, S. 200; zum Gefängnis auch S. 240). Als weiteres Indiz 

für die Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers ist zu be-

werten, dass er die eigenen Handlungen selbstkritisch bewertet, die Art 

seiner Äusserung als Fehler bezeichnet, und verschiedentlich auch zugibt, 

D-2439/2015 

Seite 13 

Dinge nicht zu wissen (so beispielsweise A19 F94, F96; aber auch früher 

bereits, A19 F84). 

Auch verpasst die Vorinstanz, die Substantiierung der Schilderungen des 

Beschwerdeführers bezüglich seiner Bestrafung, Inhaftierung und Flucht 

angemessen zu berücksichtigen. Gerade diese Ausführungen fallen näm-

lich ausgesprochen anschaulich aus. So schildert er zeitlich nachvollzieh-

bar und kohärent, wie er zunächst im Anschluss an die Versammlung be-

straft, aber erst zwei Tage später ins Gefängnis überführt wurde (A19 F96 

– F98). Dabei ist auch die Art der Bestrafung für ähnliche Vergehen in Sawa 

dokumentiert (2015 Bericht HRC, S. 272, 304, 305) Daraufhin geht er 

durchaus detailliert auf die Lebensumstände und Schwierigkeiten des Ge-

fängnisalltags ein, wobei er insbesondere Einzelheiten zur Ernährung, zur 

Schlafsituation, Zellenbezeichnung und -grösse erwähnt (A19 F99 – F101). 

Auch die beiden von ihm beschriebenen Arten der Zwangsarbeit, die Gar-

tenarbeit sowie das sinnlose Aufbauen eines Hauses, scheinen lebensnah, 

wobei gerade Letzteres eben nicht als stereotypes und allgemeines Vor-

bringen zu bewerten ist, zumal es vom Beschwerdeführer auch auf über-

zeugende Weise weiter konkretisiert wird (A19 F99, 101).   

Schliesslich ist noch auf die ebenfalls relativ ausführliche und durchaus re-

alitätsnahe Schilderung der Fluchtumstände hinzuweisen (A19 F102 – 

F110). Dabei ist insbesondere zu Gunsten des Beschwerdeführers zu wer-

ten, dass er die Fluchtumstände konkret und detailliert – wiederum nicht 

stereotyp – zu schildern vermag. So bezeichnet er den Tag der Flucht ge-

nau (A19 F102), und ist gerade seine Schilderung, sich während der Arbeit 

im Garten zwischen Bäumen und hohem Gras versteckt und bis zum Ein-

bruch der Dunkelheit gewartet zu haben, einleuchtend. Auch seine kontext-

bezogenen Erläuterungen zu den Wachposten, zur Gefangenenzählung 

am Abend, sowie zu gescheiterten Fluchtversuchen anderer Personen ver-

mögen durchaus zu überzeugen (A19 F103 – 105). 

4.6.2 Ferner kann sich das Gericht der vorinstanzlichen Beurteilung der im 

Rahmen der Verfügung angeführten Widersprüche in den Vorbringen des 

Beschwerdeführers nicht anschliessen. 

Zunächst ist festzustellen, dass der von der Vorinstanz monierte Wider-

spruch bezüglich des Stadiums seiner Schulzeit, in welchem der Be-

schwerdeführer nach Sawa gehen musste, geradezu konstruiert scheint. 

So verweist das SEM auf die Aussage des Beschwerdeführers, dass er die 

zwölfte Klasse bereits begonnen habe, als er nach Sawa gegangen sei, 

D-2439/2015 

Seite 14 

sonst aber jeweils angegeben habe, zum Zeitpunkt seines Einrückens die 

zwölfte Klasse noch nicht begonnen zu haben (Verfügung S. 4, mit Verweis 

auf A5 F1.17.04). Er habe das nicht erklären können (Verfügung S. 4, mit 

Verweis auf A19 F127). Hierzu ist festzustellen, dass dieser angebliche Wi-

derspruch nach Ansicht des Gerichts schlechterdings nicht besteht. Bereits 

in derselben – von der Vorinstanz als Auslöser des Widerspruchs herbei-

gezogenen – Fragefolge zu Beginn der Befragung findet sich auch fol-

gende Aussage des Beschwerdeführers: „Die Schule hiess B._______ 

High School und war in B._______. Dort habe ich die elfte Klasse beendet. 

Dann musste ich die zwölfte Klasse in Sawa machen“ (A5 F1.17.04). Letz-

tere Aussage erfolgte nota bene ohne spezifische Nachfrage des Sachbe-

arbeiters und stimmt mit allen seinen weiteren diesbezüglichen Aussagen 

in Befragung und Anhörung überein (vgl. A5 F7.01, A19 F49 – F55, F127). 

Auch die weiteren von der Vorinstanz als widersprüchlich beanstandeten 

Vorbringen des Beschwerdeführers zu den Umständen seiner Flucht aus 

Sawa sind in keiner Hinsicht fundamental. Vielmehr scheinen die Aussa-

gen grundsätzlich kompatibel. So sind die zentralen Elemente der Flucht 

(Arbeit draussen, Versteck im Wald resp. zwischen vielen Bäumen, Abwar-

ten bis zur Dunkelheit) in Befragung und Anhörung gleichermassen vor-

handen (vgl. A5 F7.02; A19 F102 – F105). Entgegen der Ansicht der Vo-

rinstanz vermag die Erklärung des Beschwerdeführers, dass es sich dabei 

um eigentlich dasselbe handle, durchaus zu überzeugen (A19 F128). We-

nig überzeugend ist demgegenüber die Fokussierung der Vorinstanz auf 

das Wort „weggerannt“ (Verfügung S. 5). Das alleinige Abstellen auf ein 

einzelnes Wort kann, bei sinngemässer Kompatibilität der Darstellung, 

nicht angehen. Dies insbesondere zumal – wie oben thematisiert – zu be-

rücksichtigen ist, dass die beiden Anhörungen in unterschiedlichen Spra-

chen (Tigre, resp. Tigrinya) durchgeführt wurden. Im Übrigen wäre es auch 

bei gleicher Befragungssprache ohne weiteres denkbar, dass ein bestimm-

tes Wort unterschiedlich ins Deutsche übersetzt, respektive dessen ur-

sprünglicher Sinngehalt bei der Übersetzung zumindest ein Stück weit ver-

fremdet wird. 

Der letzte in der Verfügung monierte Widerspruch – dass der Beschwerde-

führer das Lösegeld für seine Entführer im Sudan auf sich getragen res-

pektive dass seine Eltern dieses bezahlt hätten – ist aktenkundig. Aller-

dings erfolgte die unstimmige Aussage im Kontext nicht näher definierter 

Ergänzungsfragen in Bezug auf die Identität (A5 F1.17.07). Bereits wenig 

später in derselben Befragung – dort konkret nach dem Reiseweg befragt 

– gibt der Beschwerdeführer zu Protokoll, die Eltern hätten das Lösegeld 

D-2439/2015 

Seite 15 

bezahlt (A5 F5.02). Dass die dortigen Aussagen im Wesentlichen mit den-

jenigen anlässlich der Anhörung übereinstimmen, wird von der Vorinstanz 

– trotz Kenntnisnahme – zu wenig gewürdigt (vgl. A19 F111 – F117). Nach 

Ansicht des Gerichts kann allerhöchstens von einem geringfügigen Wider-

spruch eher peripherer Natur gesprochen werden, zumal er sich auch nicht 

auf die Asylkernvorbringen des Beschwerdeführers bezieht. 

Zuletzt ist ausdrücklich hervorzuheben, dass die Vorbringen des Be-

schwerdeführers in Befragung und Anhörung weitestgehend deckungs-

gleich ausfallen. Abgesehen von den vorgängig bereits diskutierten Aus-

führungen des Beschwerdeführers, zeichnen sich diverse Details des von 

ihm geltend gemachten Sachverhalts durch ihre Kohärenz und Konsistenz 

aus. Auch die Datierungen und die zeitliche Einordnung der Vorbringen des 

Beschwerdeführers in Bezug auf sein Einrücken in Sawa (A5 F2.01; A19 

F29 f., F46, F52, F55), den Tag seiner Äusserung im Rahmen der Ver-

sammlung und seiner Inhaftierung (A5 F2.01 und F7.01 f.; A19 F49, F85 – 

87), sowie den Tag seiner Flucht (A5 F5.01 f. und F.7.01; A19 F102) sind 

stimmig und präzise. Dabei ist allerdings anzumerken, dass einige der von 

ihm angegebenen Zeitperioden nicht ganz mit den Daten übereinstimmen 

(A5 F2.01 und F7.02; A19 F49, F77). Diese Abweichungen sind zwar zur 

Kenntnis zu nehmen, bewegen sich aber in vertretbarem Rahmen und sind 

entsprechend – wenn überhaupt – als wenig schwer wiegende Ungereimt-

heit zu werten. 

4.6.3 Im Übrigen sind einige weitere kleinere Widersprüche, Ungereimthei-

ten und Auslassungen aktenkundig, welche die Vorinstanz unter dem Titel 

der mangelnden Plausibilität diskutiert (Verfügung S. 5 f.).  

So moniert die Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe weder kohärente 

Angaben zu seiner militärischen Einheit, noch zu seiner Rekrutierungs-

runde machen können. Dieser Einschätzung kann wiederum nicht gefolgt 

werden. Zunächst vermag die Erklärung des Beschwerdeführers im Rah-

men der Replik, es sei möglicherweise in Bezug auf die Einheitseinteilung 

an der Befragung zu Verständigungsproblemen gekommen, zu überzeu-

gen (vgl. Replik N. 4, mit Verweisen auf A5 F7.02). Dies insbesondere, als 

ein Vergleich mit einer gängigen Übersetzungsapplikation nahelegt, dass 

tatsächlich zwei Zählwörter phonetisch protokolliert und nicht mit ihrem ei-

gentlichen Bedeutungsgehalt wiedergegeben wurden (namentlich Kalai 

sowie Kidamai). Berücksichtigt man diesen Umstand, sind die Aussagen 

des Beschwerdeführers nachvollziehbar. Der weitere Vorwurf, der Be-

schwerdeführer habe anlässlich der Befragung seine Rekrutierungsrunde 

D-2439/2015 

Seite 16 

nicht zu nennen vermocht, geht ebenfalls fehl. So verzichtete die befra-

gende Person anlässlich der Befragung bezüglich der Rekrutierungsrunde 

nochmals nachzuhaken, obwohl der Beschwerdeführer allem Anschein 

nach die Antwort auf die vorangehende Frage weiterführte (vgl. A5 F7.02). 

Es scheint nicht billig, dem Beschwerdeführer dies vorzuhalten, zumal eine 

kurze Nachfrage zur Klarstellung problemlos möglich gewesen wäre, und 

– insbesondere – zumal der Beschwerdeführer an der Anhörung problem-

los seine Rekrutierungsrunde zu nennen vermochte (A19 F64). Die in letz-

terem Kontext genannte Rekrutierungsrunde stimmt denn auch mit dem 

von ihm genannten Rekrutierungsjahr (…) überein (vgl. dazu die […]). Im 

Lichte obiger Ausführungen sind auch die anderen Angaben des Be-

schwerdeführers zu seiner militärischen Einteilung und zu den Truppen-

stärken durchaus stimmig (sie sind zwar etwas höher als die Angaben in 

der entsprechenden Literatur, werden vom Beschwerdeführer aber einheit-

lich wiedergegeben und bewegen sich durchaus im Rahmen des Vorstell-

baren; vgl. beispielsweise A5 F7.02; A19 F65, 70, 72). Ebenso gibt er die 

Namen seiner Mesre- und Bataillonskommandanten konsistent zu Proto-

koll (A5 F7.02; A19 F73 f.). Insgesamt, und unter Berücksichtigung des 

Umstands, dass der Beschwerdeführer weniger als (…) Monate in der mi-

litärischen Ausbildung verbrachte, scheinen seine Aussagen zu den militä-

rischen Sachverhaltselementen glaubhaft. 

Zuletzt ist der Vorinstanz allerdings Recht zu geben, insofern sie feststellt, 

dass der Beschwerdeführer – in der Befragung nach den Hafterlebnissen 

gefragt – eine bestimmte Foltermethode angibt, die er im Rahmen der An-

hörung dann jedoch mit keinem Wort wieder erwähnt, auch auf mehrfache 

Nachfrage der Hilfswerksvertretung (A5 F7.02; A19 F99 f. und F118 f.). Zu-

dem gab er in der Befragung zu Protokoll, zweimal täglich Brot erhalten zu 

haben, während er demgegenüber in der Anhörung lediglich einmal täglich 

verpflegt worden sein wollte (vgl. zum Ganzen A5 F7.02; A19 F99). Diese 

Ungereimtheiten sind aktenkundig und durchaus auffällig. Insgesamt gibt 

der Beschwerdeführer aber auch verschiedene haftbezogene Aspekte kon-

sistent und glaubhaft wieder (vgl. die Diskussion oben, E. 4.6.1). Zusam-

menfassend vermögen die Ungereimtheiten diesbezüglich die Glaubhaf-

tigkeit der Haft des Beschwerdeführers nicht umzustossen. 

4.6.4 Zuletzt wird die Sachverhaltsdarstellung des Beschwerdeführers von 

den von ihm mit Eingabe vom 28. Dezember 2015 im Original beigebrach-

ten Schulzeugnissen und -zertifikaten gestützt, die keine objektiven Fäl-

schungsmerkmale aufweisen. Allerdings ist deren Beweiswert – aufgrund 

D-2439/2015 

Seite 17 

ihrer Fälschbarkeit und des blühenden Handels mit solchen Dokumenten 

im eritreischen Kontext – als gering einzustufen. 

Allerdings enthalten die mit Beschwerde ins Recht gelegten Fotografien – 

entgegen der vom SEM in der Vernehmlassung geäusserten Einschätzung 

– durchaus Indizien darauf, dass sich der Beschwerdeführer in Sawa auf-

gehalten hat. Zunächst ist festzustellen, dass die Vorinstanz in ihrer Äusse-

rung anlässlich der Vernehmlassung nicht bestreitet, dass es sich auf den 

Bildern um den Beschwerdeführer handelt (vgl. Vernehmlassung). Man-

gels anderweitiger Indizien kann dieser Einschätzung gefolgt werden. Es 

ist zwar zunächst anzumerken, dass die Bilder den Aufenthalt des Be-

schwerdeführers aufgrund ihrer schlechten Bildqualität und der begrenzten 

Bildausschnitte nicht abschliessend zu beweisen vermögen. Trotzdem sind 

sie aber – sofern für seine Vorbringen relevant – angemessen zu würdigen. 

Das Gericht hält hierzu insbesondere fest, dass die auf den Fotografien 2 

und 3 sichtbare Inneneinrichtung (Boden, Bettgestelle) mit Fotografien der 

Inneneinrichtung von Sawa, die in einschlägigen Berichten abgedruckt 

sind, übereinzustimmen scheinen (vgl. dazu Landinfo [Country of Origin 

Information Centre der norwegischen Migrationsbehörden], Report Eritrea: 

National Service, 20. Mai 2016, S. 14). Obwohl diese Übereinstimmungen 

die Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers hinsichtlich sei-

nes Gefängnisaufenthalts und seiner Flucht nicht direkt beschlagen, so 

sind sie doch ein weiterer Hinweis darauf, dass der Beschwerdeführer sich 

in Sawa aufgehalten hat. Entsprechend stützen die Fotografien den vom 

Beschwerdeführer geltend gemachten Sachverhalt. 

4.6.5 Die Glaubhaftigkeitsprüfung verlangt nach überwiegender Wahr-

scheinlichkeit des behaupteten Sachverhalts. Sie verlangt ein reduziertes 

Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel 

an den Vorbringen der gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die 

Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdar-

stellung sprechen, überwiegen oder nicht. Es geht es um eine Gesamtbe-

urteilung aller Sachverhaltselemente, und Vorbringen sind dann als glaub-

haft zu betrachten, wenn die positiven Elemente überwiegen.  

Im vorliegenden Fall bestehen einige wenige Ungereimtheiten in der Sach-

verhaltsdarstellung des Beschwerdeführers. Allerdings sprechen auch – 

wie oben detailliert ausgeführt – diverse Sachverhaltselemente zu Gunsten 

der Glaubhaftigkeit der von ihm vorgebrachten Asylgründe. In einer Ge-

samtschau und angesichts der vorangehenden Ausführungen kommt das 

Gericht zum Schluss, dass es dem Beschwerdeführer in casu gelungen ist, 

D-2439/2015 

Seite 18 

den von ihm geltend gemachten Sachverhalt als überwiegend wahrschein-

lich, mithin glaubhaft, darzulegen. 

Im Sinne eines Zwischenfazits ist nach dem Gesagten davon auszugehen, 

dass der Beschwerdeführer tatsächlich im Jahr (…) nach Beendigung des 

11. Schuljahrs nach Sawa eingezogen wurde. Er verbrachte dort eine erste 

Periode in der Militärgrundausbildung, bevor er sich anlässlich einer Ver-

sammlung kritisch über den Militärdienst äusserte. Daraufhin wurde er zu-

nächst bestraft, und schliesslich in einem Militärgefängnis von Sawa inhaf-

tiert. Nach mehrmonatiger Haft gelang ihm schliesslich im (…) die Flucht 

über die Grenze in den Sudan. 

5.  

In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer aufgrund 

des von ihm glaubhaft dargelegten Sachverhalts die Flüchtlingseigenschaft 

erfüllt, ihm mithin Asyl zu gewähren ist. 

5.1 Nach Lehre und Praxis setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigen-

schaft im Sinne von Art. 3 AsylG voraus, dass die asylsuchende Person 

ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungs-

weise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nach-

teile müssen gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen 

oder zugefügt worden sein. Die betroffene Person muss zudem einer lan-

desweiten Verfolgung ausgesetzt sein. Ausgangspunkt für die Beurteilung 

der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage, ob im Zeitpunkt der Ausreise eine 

Verfolgung oder eine begründete Furcht vor einer solchen bestand. Die 

Verfolgungsfurcht muss im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein. 

Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen dem 

Ausreisezeitpunkt und dem Zeitpunkt des Asylentscheids sind deshalb zu-

gunsten und zulasten der Asylsuchenden zu berücksichtigen (vgl. dazu 

BVGE 2010/57 E. 2 m.w.H.).  

5.2 Wehrdienstverweigerung oder Desertion vermögen für sich allein die 

Flüchtlingseigenschaft nicht zu begründen, sondern nur dann, wenn damit 

eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG verbunden ist, mit ande-

ren Worten wenn die betroffene Person aus den in dieser Norm genannten 

Gründen (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten 

sozialen Gruppe oder politische Anschauungen) wegen ihrer Wehrdienst-

verweigerung oder Desertion eine Behandlung zu gewärtigen hat, die 

D-2439/2015 

Seite 19 

ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt. Die ge-

setzgeberische Einführung von Art. 3 Abs. 3 AsylG hat die Rechtslage dem-

nach nicht verändert. Im spezifisch eritreischen Kontext können Wehr-

dienstverweigerung oder Desertion – unter bestimmten Umständen – zur 

Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft führen (vgl. zum Ganzen bei-

spielsweise das Urteil des BVGer E-2058/2016 vom 11. Juli 2018 E. 7.2 f., 

mit Hinweisen auf BVGE 2015/3 sowie den dort referenzierten und diesbe-

züglich immer noch einschlägigen Leitentscheid der vormaligen Asylre-

kurskommission: Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen 

Asylrekurskommission (EMARK) 2006 Nr. 3). 

5.3 Dienstverweigerung und Desertion werden in Eritrea unverhältnismäs-

sig streng bestraft. Die Furcht vor einer Bestrafung wegen Dienstverweige-

rung oder Desertion ist dann begründet, wenn die betroffene Person in ei-

nem konkreten Kontakt zu den Militärbehörden stand. Ein solcher Kontakt 

ist regelmässig anzunehmen, wenn die betroffene Person im aktiven 

Dienst stand und desertierte. In diesen Fällen droht nicht nur eine Haft-

strafe, sondern eine Inhaftierung unter unmenschlichen Bedingungen und 

Folter, wobei Deserteure regelmässig der Willkür ihrer Vorgesetzten aus-

gesetzt sind. Die Desertion wird von den eritreischen Behörden als Aus-

druck der Regimefeindlichkeit aufgefasst. Es ist daher davon auszugehen, 

dass die einem Deserteur drohende Strafe nicht allein der Sicherstellung 

der Wehrpflicht dienen würde, was nach zu bestätigender Praxis ‒ immer 

unter der Voraussetzung rechtsstaatlicher und völkerrechtskonformer Rah-

menbedingungen ‒ grundsätzlich als legitim zu erachten wäre; vielmehr 

wäre damit zu rechnen, dass die betroffene Person aufgrund ihrer Deser-

tion als politischer Gegner qualifiziert und als solcher unverhältnismässig 

schwer bestraft würde. Mit anderen Worten hätte ein Deserteur, sollte das 

staatliche Regime seiner habhaft werden, eine politisch motivierte Bestra-

fung und eine Behandlung zu erwarten, die einer flüchtlingsrechtlich rele-

vanten Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG gleichkommt (vgl. dazu bei-

spielsweise das Urteil D-1359/2015 des Bundesverwaltungsgerichts vom 

22. August 2017 E. 6.1, ebenfalls mit Hinweis auf EMARK 2006/3). Der 

konkrete Behördenkontakt ist im Sinne von Art. 7 AsylG glaubhaft zu ma-

chen (EMARK 2006/3 E. 4.11 S. 40). 

5.4 Im Sinne der vorangehenden Ausführungen zur Glaubhaftigkeit der 

Vorbringen des Beschwerdeführers ist vorliegend festzuhalten, dass der 

Beschwerdeführer den konkreten Behördenkontakt glaubhaft gemacht hat 

(vgl. oben E. 4). Er wurde nach Beginn der Militärgrundausbildung in Sawa 

verhaftet, weil er sich kritisch äusserte. Daraufhin verbrachte er mehrere 

D-2439/2015 

Seite 20 

Monate im Militärgefängnis in Sawa, bevor ihm von dort die Flucht gelang. 

Entgegen der Ansicht der Vorinstanz ist es ihm gelungen, den von der oben 

referenzierten Rechtsprechung vorausgesetzten Behördenkontakt glaub-

haft zu machen. 

Der Beschwerdeführer ist nach dem Gesagten als Deserteur im Sinne der 

oben zitierten Rechtsprechung zu betrachten und hat im Falle seiner Rück-

kehr nach Eritrea auch im heutigen Zeitpunkt begründete Furcht, ernsthaf-

ten Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden. Aus den 

Akten ergeben sich keine konkreten Hinweise auf das Vorliegen von Asyl-

ausschlussgründen. Auch eine innerstaatliche Fluchtalternative besteht of-

fensichtlich nicht.  

Bei dieser Sachlage kann davon abgesehen werden, auf weitere Be-

schwerdevorbringen, Beweismittel und Beschwerdeanträge einzugehen, 

und ist das SEM anzuweisen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. 

6.  

6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).  

6.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei ist eine Parteientschädi-

gung für die ihr notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspre-

chen (Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 7 des Reglements vom 21. Febru-

ar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-

tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Mit Eingabe vom 30. Juni 2016 hat 

die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ein Aufwand- und Auslagen-

blatt zu den Akten gelegt, in welcher ein Aufwand von 415 Minuten ausge-

wiesen ist, was angemessen erscheint. Es ist vom in der Beschwerde gel-

tend gemachten Stundenansatz auszugehen, der sich mit Fr. 250.– inner-

halb des von Art. 10 Abs. 2 VGKE vorgeschriebenen Rahmens für die nicht-

anwaltliche Vertretung bewegt.  

Entsprechend ist die vom SEM auszurichtende Parteientschädigung auf 

gerundet Fr. 1‘763.– festzusetzen. Der Anspruch auf das Honorar für die 

amtliche Verbeiständung ist damit als gegenstandslos zu erachten. 

 (Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 21 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer Asyl zu erteilen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Die Vorinstanz wird angewiesen, eine Parteientschädigung im Betrag von 

Fr. 1'763.– an den Beschwerdeführer zu entrichten.  

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

  

Nina Spälti Giannakitsas Teresia Gordzielik 

 

 

Versand: