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**Case Identifier:** 18cdd26b-eea7-5cc6-a05b-30342f557127
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-20
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 20.06.2024 IV 2023/180
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2023-180_2024-06-20.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2023/180

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 15.07.2024

Entscheiddatum: 20.06.2024

Entscheid Versicherungsgericht, 20.06.2024
Art. 28 IVG. Art. 54 GerG. Invalidenrente. Beweiswert von 
neuropsychologischen Teilgutachten. Arbeitsunfähigkeitsrente bei einer 
einen Tag über das Wartejahr hinausgehenden Arbeitsunfähigkeit (Entscheid 
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. Juni 2024, IV 
2023/180). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 8C_488/2024.

Entscheid vom 20. Juni 2024

Besetzung

Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Tanja Petrik-Haltiner und Corinne 

Schambeck; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Geschäftsnr.

IV 2023/180

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Zahner, Studer Zahner Anwälte AG, 

Neugasse 40, Postfach 2020, 9000 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

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Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.  

A.___ meldete sich im Januar 2018 zum Bezug von Leistungen der 

Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, sie habe eine Berufslehre zur Fachfrau 

Betagtenbetreuung absolviert. Zudem verfüge sie über einen Abschluss einer 

Diplommittelschule. Seit August 2017 befinde sie sich in einer Umschulung zur 

medizinischen Praxisassistentin (vgl. auch IV-act. 2 und 3). Die Allgemeinmedizinerin 

Dr. med. B.___ hatte im November 2017 festgehalten (IV-act. 4), die Versicherte leide 

an einem Ehlers-Danlos-Syndrom, das rezidivierende, chronische Schmerzen sowie 

eine deutlich verminderte körperliche Belastbarkeit verursache. Mit einer Mitteilung 

vom 12. Februar 2018 gewährte die IV-Stelle der Versicherten eine Berufsberatung (IV-

act. 24).

A.a. 

Gegenüber dem Eingliederungsverantwortlichen der IV-Stelle gab die Versicherte 

an, sie könne auch eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit nur zu maximal 50 Prozent 

ausüben (vgl. IV-act. 33). Die RAD-Ärztin Dr. med. C.___ hatte allerdings nach einer 

Würdigung der medizinischen Berichte notiert, leichte, wechselbelastende Tätigkeiten 

seien der Versicherten uneingeschränkt zumutbar (IV-act. 22). Der 

Eingliederungsverantwortliche empfahl eine medizinische Abklärung (IV-act. 34). Im 

Auftrag der IV-Stelle erstatteten der Orthopäde Dr. med. D.___ und der Psychiater Prof. 

Dr. med. E.___ am 8. August 2018 ein bidisziplinäres Gutachten (IV-act. 124). 

Gegenüber dem orthopädischen Sachverständigen gab die Versicherte an, sie könne 

sich nicht vorstellen, länger als fünf Stunden am Stück zu arbeiten, denn nach dieser 

Zeitspanne schmerzten das Iliosacralgelenk und auch der Rücken so sehr, dass ein 

Weiterarbeiten nicht möglich sei. Zudem müsse sie sehr viel Zeit in das körperliche 

Training investieren, damit sie ihren gegenwärtigen Gesundheitsstatus wahren könne. 

A.b. 

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Mit einer Vollzeittätigkeit könnte sie ihr Programm nicht mehr weiterführen. Der 

orthopädische Sachverständige hielt fest, die Versicherte habe einen offenen und 

authentischen Eindruck hinterlassen. Er habe keine Hinweise auf Verdeutlichungen, auf 

eine Aggravation oder gar auf eine Simulation feststellen können. Zudem habe nichts 

auf eine Selbstlimitierung hingedeutet. Die Versicherte habe eine uneingeschränkte 

allgemeine Mobilität mit allerdings einem diskreten linksseitig hinkenden Gangbild 

präsentiert. Sie habe während der Anamneseerhebung zunächst während zehn 

Minuten in einer sitzenden Position verharrt, dann aber darum gebeten, sich kurz 

hinlegen zu dürfen. Nach etwa 25 Minuten habe sie sich von der Liege erhoben und 

wieder auf dem Stuhl Platz genommen. Im Gespräch habe sie deutlich wehklagend, 

verschlossen und fordernd gewirkt. Bei der klinischen Untersuchung habe sie sehr gut 

und motiviert mitgearbeitet. Beim Aus- und Ankleiden habe sie eine gute allgemeine 

Mobilität sowie eine gute Feinmotorik präsentiert. Der (im Gutachten detailliert 

beschriebene) objektive klinische Befund sei abgesehen von einer Hypermobilität 

respektive Instabilität des linken Iliosacralgelenks, die sich im Rahmen des Vorlauftests 

gezeigt habe, unauffällig gewesen. Diagnostisch leide die Versicherte an einem 

chronischen thoraco-lumbalen Schmerzsyndrom ohne eine Radiculopathie (bei einem 

hypermobilen Ehlers-Danlos-Syndrom Typ III, einer muskulären Dysbalance und 

Haltungsinsuffizienz sowie einem Status nach einer im Jahr 2015 erfolgten 

Vertebroplastie des BWK 7), an einem Hypermobilitätssyndrom aller Gelenke mit einer 

betonten Instabilität der beiden Iliosacralgelenke, an einer chronisch rezidivierenden 

Tenosynovialitis der FCU-Sehnen beidseits, an einem erworbenen Pes planovalgus 

beidseits, an einer Osteopenie sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an 

einem Status nach einer im Jahr 2000 erlittenen distalen Radiusfraktur rechts ohne 

Funktionseinschränkung. Die angestammte, als körperlich mittelschwer belastend zu 

qualifizierende Tätigkeit sei der Versicherten nicht mehr zumutbar. Für eine optimal 

adaptierte, körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit könne dagegen keine 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert werden. Die angestrebte Tätigkeit als 

medizinische Praxisassistentin könne durchaus als leidensadaptiert qualifiziert werden. 

Der psychiatrische Sachverständige führte aus, die Versicherte sei fordernd 

aufgetreten. Sie habe ihre Unterlagen auf dem Schreibtisch des Sachverständigen 

ausgebreitet und den Schreibtisch ohne zu fragen genutzt, wie wenn er ihr gehören 

würde. Der Sachverständige habe mehrfach darum bitten müssen, seine Füsse noch 

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unter seinem eigenen Schreibtisch platzieren zu dürfen. Trotz mehrfacher verbaler und 

non-verbaler Hinweise habe sie „die Bedürfnisse des Sachverständigen zu keinem 

Zeitpunkt wahrgenommen“. In der Untersuchung habe sie sich nicht abwartend 

verhalten. Sie habe sofort Blickkontakt aufgenommen und problemlos gehalten. Sie 

habe für ihre Interessen „gekämpft“ und sich durchsetzungswillig gezeigt. Insgesamt 

habe ein befriedigender rationaler und emotionaler Rapport hergestellt werden können. 

Abgesehen davon sei der (im Gutachten detailliert beschriebene) objektive klinische 

Befund unauffällig gewesen. Die Versicherte habe über keine psychische 

Gesundheitsbeeinträchtigung geklagt und auch auf gezielte Nachfragen hin keine 

Symptome einer psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung genannt. Diagnostisch 

leide sie an einem chronischen Schmerz ohne Hinweise auf eine Anpassungsstörung 

oder auf eine Schmerzverarbeitungsstörung sowie an einer 

Persönlichkeitsakzentuierung mit fordernden Anteilen. Aus psychiatrischer Sicht sei die 

Versicherte uneingeschränkt arbeitsfähig. Nach der Konsensbesprechung hielten die 

Sachverständigen fest, der Versicherten sei die angestammte Tätigkeit nicht mehr, eine 

ideal leidensadaptierte Tätigkeit dagegen ohne Einschränkungen zumutbar. Die RAD-

Ärztin Dr. C.___ qualifizierte das Gutachten als überzeugend (IV-act. 126).

Der Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle erstellte in der Folge einen 

Eingliederungsplan, der die Unterstützung der Versicherten bei der bereits begonnenen 

Umschulung zur medizinischen Praxisassistentin vorsah (IV-act. 130). Im Oktober 2018 

erlitt die Versicherte allerdings als Fahrgast eines Busses bei einem Verkehrsunfall ein 

„Schleudertrauma“ (vgl. IV-act. 155). Die Versicherte klagte anschliessend unter 

anderem über Schwindelbeschwerden; eine Abklärung durch die Hals-Nasen-

Ohrenklinik des Kantonsspitals St. Gallen am 27. November 2018 und am 4. Dezember 

2018 ergab allerdings keinen Hinweis auf einen vestibulären Schwindel, weshalb die 

Ärzte einen episodisch ungerichteten Schwindel diagnostizierten (IV-act. 167). Im 

Januar 2019 unterzeichnete die Versicherte den Eingliederungsplan (IV-act. 191). Am 3. 

Januar 2019 fand eine weitere Abklärung bezüglich der Schwindelbeschwerden statt. 

Die Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen berichtete am 16. Januar 2019 

(IV-act. 200), am ehesten sei von einer Verstärkung der vorbestehenden Migräne im 

Sinne einer vestibulären Migräne nach einem „cranio-cervicalen 

Beschleunigungstrauma“ auszugehen. Objektive Befunde hätten nicht festgestellt 

A.c. 

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werden können. Bereits während der Untersuchung sei eine aggravierende 

Beschreibung der Symptome aufgefallen. Im Anschluss an die Untersuchung habe die 

Versicherte innerhalb weniger Tage mehrere Nachrichten verfasst, in denen sie auf 

einen sehr hohen Leidensdruck bezüglich der nicht objektivierbaren Befunde 

hingewiesen habe. Mit einer Verfügung vom 12. März 2019 gewährte die IV-Stelle eine 

Kostengutsprache für die Umschulung zur medizinischen Praxisassistentin (IV-act. 

243). Mit einer Mitteilung vom 14. Januar 2020 gewährte sie eine zusätzliche 

Kostengutsprache für ein „Job Coaching“ (IV-act. 314).

Am 8. Mai 2020 führte Dr. phil. F.___ von der Klinik für Neurologie des 

Kantonsspitals St. Gallen eine neuropsychologische Untersuchung der Versicherten 

durch (IV-act. 328). Die Sachverständige hielt in ihrem Untersuchungsbericht fest, die 

Versicherte habe während mehr als drei Stunden kooperativ mitgearbeitet. Die 

Untersuchung sei einmalig durch eine kurze Pause unterbrochen worden. Das 

Arbeitstempo der Versicherten sei mittel bis langsam, die Vorgehensweise kompliziert 

gewesen. Die Spontansprache und das Sprachverständnis hätten sich auf einem 

hohen Niveau bewegt. Die Versicherte habe sich schwatzhaft gezeigt, häufig 

nachgefragt und den Eindruck vermittelt, dass sie sich oft Gedanken, Sorgen und 

Ängste mache. Das Denken habe eher perseverierend und rigid gewirkt. Die 

Versicherte sei weitschweifig gewesen. Sie sei oft nicht auf den Punkt gekommen und 

habe sich in Details verloren. Sie habe insgesamt psycho-physisch stark angespannt 

gewirkt. Die emotionale Wahrnehmung und die Körperwahrnehmung seien wenig 

entwickelt gewesen. Der Umgang mit Körpermissempfindungen, negativen Gefühlen 

und negativen Gedanken habe dysfunktional gewirkt. Die Tests hätten eine leicht- bis 

mittelgradige neuropsychologische Störung ergeben. Im Vordergrund habe ein bis 

mittelschweres dysexekutives Syndrom gestanden. Die Versicherte werde bei allen 

praktischen Ausbildungen und neuen Arbeitsstellen eine überdurchschnittlich lange 

Einarbeitungszeit benötigen. Eine Tätigkeit als medizinische Praxisassistentin bei einem 

Spezialisten oder Psychiater wäre für die Versicherte geeigneter als die Tätigkeit in 

einer Hausarztpraxis mit mehreren Ärzten. Die Leistungsfähigkeit sei zu 30–50 Prozent 

eingeschränkt.

A.d. 

Im Schlussbericht vom 19. Februar 2021 hielt der „Job Coach“ fest (IV-act. 367), 

die Versicherte habe sich ein gutes theoretisches Fachwissen angeeignet, aber 

A.e. 

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Schwierigkeiten dabei gezeigt, das theoretische Wissen in die Praxis umzusetzen. 

Beeinträchtigend habe sich insbesondere eine ausgeprägte Unsicherheit ausgewirkt. 

Das Arbeitstempo sei sehr langsam gewesen; die Versicherte habe es im Verlauf der 

Ausbildung, die zwei Jahre statt nur ein Jahr gedauert habe, weil die Versicherte nur in 

einem Pensum von 50 Prozent gearbeitet habe, kaum steigern können. Sie sei jeweils 

rasch überfordert gewesen und sie habe immer wieder in ihrem Denken „festgesteckt“. 

Sie benötige einen Arbeitsplatz bei einem spezialisierten Arzt mit möglichst vielen 

Routinearbeiten. Realistisch betrachtet könne sie wohl nur als eine Assistenzperson für 

eine ausgebildete medizinische Praxisassistentin eingesetzt werden. Im Juni 2021 

konnte die Versicherte die Umschulung erfolgreich abschliessen (vgl. IV-act. 431 und 

IV-act. 442 f.). Der „Job Coach“ teilte der IV-Stelle im Juli 2021 mit, dass die 

Versicherte eine Anstellung in einem Pensum von 50 Prozent gefunden habe (IV-act. 

439; vgl. auch IV-act. 444). Mit einer Mitteilung vom 5. Oktober 2021 schloss die IV-

Stelle die berufliche Eingliederung mit dem Hinweis ab, weitere 

Eingliederungsmassnahmen seien nicht vorgesehen (IV-act. 464).

Zur Prüfung des Rentenbegehrens beauftragte die IV-Stelle die estimed AG mit 

einer polydisziplinären Begutachtung der Versicherten. Am 22. März 2023 erstattete die 

estimed AG das in Auftrag gegebene polydisziplinäre Gutachten (IV-act. 574 ff.). Der 

internistische Sachverständige hielt fest, aus der Sicht seines Fachgebietes sei keine 

Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu stellen. In der Untersuchung 

hätten sich keine Hinweise auf Inkonsistenzen oder Diskrepanzen ergeben. Der 

neurologische Sachverständige führte aus, in neurologischer Hinsicht sei insbesondere 

die Brustwirbelkörperfraktur relevant, die die Versicherte im Jahr 2015 erlitten habe. In 

der Folge dieser Fraktur habe sich gemäss den Unterlagen nämlich ein 

neuropathisches Schmerzsyndrom entwickelt. Nach der im April 2018 erfolgten 

thoraskopischen Neurolyse habe sich die Situation allerdings deutlich verbessert. Die 

im weiteren Verlauf zunehmenden Einschränkungen gehörten nicht zum 

neurologischen Fachgebiet. Bei der aktuellen Untersuchung hätten sich Diskrepanzen 

gezeigt: Die geschilderte Intensität der Beschwerden habe im Widerspruch zur Vagheit 

der Angaben gestanden und die massiven subjektiven Beschwerden hätten nicht mit 

der erkennbaren körperlichen Beeinträchtigung in der Untersuchung korreliert. Rein 

neurologisch könnten die Beschwerden der Versicherten nicht erklärt werden. Eine 

A.f. 

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Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei nicht zu stellen. Die 

neuropsychologische Sachverständige hielt fest, die Versicherte habe nicht nur im 

Anamnesegespräch ein erhöhtes Mitteilungsbedürfnis gezeigt. Auch während der Tests 

habe sie immer wieder im Thema ausgelenkt und begonnen, wahrgenommene 

Schwierigkeiten und Belastungen zu diskutieren. Sie habe sich angetrieben und 

wiederkehrend einschiessend präsentiert, sei der Sachverständigen ins Wort gefallen 

und habe teilweise gebremst werden müssen. Das wiederkehrende impulsiv 

ablenkende Verhalten der Versicherten habe einen erhöhten Aufwand für die 

Strukturierung der Untersuchung verursacht und vereinzelt auch zu einer Verwirrung 

der Sachverständigen geführt, wobei allerdings beide Parteien solche Situationen mit 

Humor genommen hätten. Im Testverhalten habe sich die Versicherte kooperativ und 

leistungsbereit gezeigt. Die Auffassungsgabe habe keine Auffälligkeiten gezeigt. Das 

Instruktionsverhältnis habe sich gut präsentiert. Beim Wechsel auf neue Testkriterien 

habe die Versicherte keine Schwierigkeiten gezeigt. Der Spontanantrieb, das 

Arbeitstempo und die Arbeitsplanung seien regelrecht gewesen. Die Versicherte habe 

weder Ermüdungszeichen noch andere klinische Zeichen von 

Aufmerksamkeitsstörungen, wie etwa das Verlieren des Gesprächsfadens, verlängerte 

Antwortlatenzen, eine verminderte Konzentrationsspanne oder eine vermehrte 

Ablenkbarkeit, gezeigt. Ein Schmerzverhalten sei ebenfalls nicht ersichtlich gewesen. 

Erst bei der Verabschiedung habe die Versicherte erwähnt, dass sie unter 

Kopfschmerzen und Schwindel leide. Der Affekt und die Schwingungsfähigkeit seien 

positiv gewesen. Die Belastbarkeit und die Daueraufmerksamkeit seien gegeben 

gewesen. Die Versicherte habe die vierstündige Untersuchung mit zwei kurzen Pausen 

absolvieren können. Die psychomentale Belastbarkeit sei vermindert gewesen. Die 

Versicherte habe sich subjektiv deutlich beeinträchtigt wahrgenommen und sich zu 

wenig zugemutet. Die objektivierte positive Befundlage sei von ihr kaum angenommen 

worden. Am Tag nach der Untersuchung habe sie in einer Nachricht nochmals auf ihre 

Verunsicherung hinsichtlich der positiven Befundlage hingewiesen. Sie habe geltend 

gemacht, die neuropsychologische Untersuchung im Jahr 2020 habe ergeben, dass 

alle ihre kognitiven Schwierigkeiten auf eine neuropsychologische Störung 

zurückzuführen seien. Die neuropsychologische Sachverständige führte weiter aus, die 

Ergebnisse der aktuellen Tests hätten keinen Hinweis auf eine neuropsychologische 

Störung geliefert. Die Versicherte habe über alle Bereiche der höheren 

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Hirnleistungsfunktionen hinweg eine gute bis sogar überdurchschnittliche Leistung 

erbracht. Die im Bericht aus dem Jahr 2020 erwähnten Beeinträchtigungen hätten sich 

aktuell nicht gezeigt. Auf die Frage der Sachverständigen, was denn aktuell anders als 

damals gewesen sei, habe die Versicherte ausgeführt, damals habe sie sich in einem 

Praktikum in einer Hausarztpraxis mit einem begleitenden „Job Coaching“ befunden, 

was eine sehr überfordernde, belastende Zeit gewesen sei. Aus der Sicht der 

Sachverständigen sei retrospektiv angesichts der aktuellen guten Befunde davon 

auszugehen, dass die Ergebnisse der damaligen Untersuchung auf eine Beeinflussung 

der kognitiven Leistungsfähigkeit durch Schmerzen und eine depressive Störung 

zurückzuführen seien. Aus neuropsychologischer Sicht könne aktuell jedenfalls keine 

Diagnose gestellt werden. Der psychiatrische Sachverständige führte aus, die 

Versicherte habe mit gut modulierter Stimme und angemessenem Sprachtempo 

gesprochen. Die Antwortlatenzen seien kurz gewesen. Die Versicherte habe keine 

Pausen benötigt und auch keine Positionswechsel vorgenommen. Eine 

Ermüdungstendenz sei nicht zu beobachten gewesen. Die Gestik sei unauffällig 

gewesen. Die Mimik sei sehr lebendig gewesen. Die Versicherte habe häufig und 

herzlich gelächelt. Eine Beeinträchtigung des Gedächtnisses, der Auffassung oder der 

Konzentration hätten nicht festgestellt werden können. Bei der Lösung einer 

Logikaufgabe sei aufgefallen, dass die Versicherte zunächst sehr nervös gewesen sei 

und überfordert gewirkt habe, obgleich sie kurz darauf den Lösungsweg sehr klar habe 

benennen können. Dabei sei der Eindruck entstanden, dass die Versicherte unter 

Leistungsdruck zunächst mit einer starken Überforderung reagiere. Im Affekt sei die 

Versicherte sehr schwingungsfähig gewesen. Der Antrieb sei uneingeschränkt 

gewesen. Zeichen für eine ausgeprägte Müdigkeit hätten nicht festgestellt werden 

können. Im Übrigen sei der objektive klinische Befund unauffällig gewesen. Insgesamt 

hätten sich gewisse Diskrepanzen und Inkonsistenzen gezeigt: Die subjektiv 

geschilderten Angaben zu Schmerzen und Müdigkeit hätten nicht zur Tatsache 

gepasst, dass sich in der Verhaltensbeobachtung weder ein Schmerzverhalten noch 

eine Müdigkeit respektive Erschöpfung hätten feststellen lassen. Den Schmerz selbst 

habe die Versicherte allerdings so plastisch beschrieben, dass zumindest bezüglich der 

Schmerzen nicht von Aggravationstendenzen, sondern eher von einer 

Schmerzfehlverarbeitung (mittelgradigen Ausmasses) auszugehen sei. Im Alltag gehe 

die Versicherte noch diversen Aktivitäten nach; das Funktionsniveau sei höher als die 

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Leistung im Beruf. Die Versicherte nehme schliesslich auch keine psychiatrische oder 

psychologische Hilfe in Anspruch. Zusammenfassend sei eine anhaltende 

Schmerzstörung zu diagnostizieren. Diese beeinträchtige die Widerstands- und die 

Durchhaltefähigkeit, was zur Folge habe, dass die Versicherte vermehrte Pausen 

benötige. Das zumutbare Pensum betrage 80 Prozent. Der rheumatologische 

Sachverständige hielt fest, der Gang der Versicherten sei sowohl während der 

Untersuchung als auch auf dem Weg vom Wartebereich zum Untersuchungszimmer 

generell etwas langsam gewesen. Die Beschwerdeschilderung sei sehr ausschweifend 

gewesen. In der Fokussierung auf das Krankheitsbild des Ehlers-Danlos-Syndroms und 

der Schmerzen sei es für den Sachverständigen nicht ganz einfach gewesen, die 

Hauptprobleme herauszukristallisieren. Die Konzentration habe gut gewirkt. Die 

Versicherte sei ruhig im Stuhl gesessen. Sie habe keine Ermüdungserscheinungen 

gezeigt. Im Gespräch seien keine eindeutigen verbalen oder averbalen 

Schmerzäusserungen zu erkennen gewesen. In der klinischen Untersuchung habe sich 

ein leichter Beckenschiefstand links mit einer leichten, akzentuierten thorakalen 

Kyphose und einem Shift der Wirbelsäule nach links gezeigt. Im Liegen habe keine 

wesentliche Beinlängendifferenz festgestellt werden können. Die Versicherte habe eine 

Berührungsdolenz über dem ganzen Rücken ohne eine eigentliche segmentale 

Bevorzugung angegeben. Die Halswirbelsäule sei spontan rasch und frei beweglich 

gewesen. Bei der gezielten Untersuchung habe die Versicherte die Halswirbelsäule 

eher vorsichtig und etwas sakkadiert bewegt. Auch die Brust- und die 

Lendenwirbelsäule seien frei beweglich gewesen, bei der gezielten Untersuchung 

jedoch vorsichtig und teils sakkadiert bewegt worden. Die Muskulatur sei insuffizient 

gewesen. An den Weichteilen habe die Versicherte ebenso wie bezüglich der gesamten 

Wirbelsäule eine praktisch ubiquitäre Druckdolenz angegeben. Die Fibromyalgiepunkte 

seien praktisch alle positiv gewesen. Spontan habe sich keine Überstreckung der Knie 

gezeigt. Die Prüfung auf Hypermobilitätssymptome („Beighton Score“) habe eine 

Hypermobilität der Handflächen, der Ellbogen, der Unterarme, des kleinen Fingers links 

sowie der beiden Knie ergeben. Aktuell seien somit acht von neun Zeichen erfüllt 

gewesen. Die Beweglichkeit der Gelenke sei sowohl bezüglich der Grob- als auch der 

Feinmotorik unauffällig gewesen, habe insgesamt aber hypermobil angemutet. Nur die 

Hüftbeweglichkeit sei bei subjektiven Beschwerdeangaben eingeschränkt gewesen. 

Rheumatologisch sei es schwierig, zur Konsistenz und Plausibilität Stellung zu nehmen, 

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denn ein komplexes Beschwerdebild sei durchaus typisch für die Grunderkrankung 

(Ehlers-Danlos-Syndrom). Insgesamt sei etwas der Eindruck entstanden, dass die 

Symptome teilweise vage und ausschweifend sowie teilweise nicht einer organischen 

Grundlage folgend geschildert worden seien. Die subjektiv geschilderten beruflichen 

Einschränkungen korrelierten nicht ganz mit den durchaus gängigen 

Alltagsbelastungen. Die Diagnose einer hypermobilen Form eines Ehlers-Danlos-

Syndroms sei allerdings gesichert. Bezogen auf die eindeutig objektivierbaren Befunde 

(„streng organisch“ habe ausser der Hypermobilität keine Pathologie erkannt werden 

können) seien die Krankheitsmerkmale als eher gering einzustufen. Schwere 

Organkomplikationen wie Luxationen, Sehnenrisse oder eine kardiale Mitbeteiligung 

fehlten; das Beschwerdesyndrom erinnere eher an ein primäres Fibromyalgiesyndrom 

(wenig modulierbar, schwierig fassbar, gewisse Diskrepanzen). Insgesamt könne 

lediglich ein vermehrter Pausenbedarf im Umfang von 20 Prozent attestiert werden. 

Nach der Konsensbesprechung führten die Sachverständigen aus, die Versicherte leide 

an einem Ehlers-Danlos-Syndrom sowie an einer anhaltenden Schmerzstörung. 

Interdisziplinär sei ein Arbeitsfähigkeitsgrad von 80 Prozent für leidensadaptierte 

Tätigkeiten zu attestieren. Die RAD-Ärztin Dr. C.___ qualifizierte das Gutachten als 

überzeugend (IV-act. 588).

Mit einem Vorbescheid vom 4. April 2023 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit 

(IV-act. 591), dass sie die Abweisung ihres Rentenbegehrens vorsehe. Zur Begründung 

führte sie an, die Versicherte sei als teilerwerbstätig zu qualifizieren, da sie vor dem 

Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung nur zu 90 Prozent erwerbstätig gewesen sei. 

Im Erwerbsbereich liege eine Einschränkung von 20 Prozent vor. Im Haushaltsbereich 

bestehe keine Einschränkung. Der anhand der sogenannten „gemischten Methode“ 

berechnete Invaliditätsgrad betrage folglich 18 Prozent (= 90% × 20% + 10% × 0%). 

Ein Rentenanspruch bestehe aber erst ab einem Invaliditätsgrad von 40 Prozent. 

Dagegen wandte die Versicherte am 23. Mai 2023 ein (IV-act. 596), sie habe nach dem 

Abschluss ihrer Erstausbildung im Vollpensum gearbeitet. Das Pensum habe sie 

krankheitsbedingt auf 90 Prozent reduziert. Im Haushalt sei sie sehr wohl 

eingeschränkt. Das Gutachten der estimed AG überzeuge nicht. Sie könne unmöglich 

mehr als 50 Prozent arbeiten. Im August 2023 reichte sie einen Bericht der Psychiaterin 

Dr. med. G.___ ein (IV-act. 601–1 f.), die festgehalten hatte, dass die Versicherte nur in 

A.g. 

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B.  

einem halben Pensum arbeiten könne und dass die Leistung um etwa 10–15 Prozent 

vermindert sei. Am 16. August 2023 wies Dr. G.___ die IV-Stelle telefonisch darauf hin 

(IV-act. 610), dass die Versicherte einen Teil ihrer Defizite verheimliche und kaschiere, 

weshalb diese im anfänglichen und oberflächlichen Kontakt nicht auffallen würden. Erst 

nach mehreren Sitzungen habe Dr. G.___ das volle Ausmass der Ausfälle und Defizite 

erkannt. Die Versicherte sei krankhaft detailversessen. In ihrer Stellungnahme habe Dr. 

G.___ um jeden Satz kämpfen müssen, weil die Versicherte alles hinterfragt und 

korrigiert, ergänzt und präzisiert habe. Das Gutachten sei in Ordnung. Es zeige jene 

Befunde, die bei einem kurzzeitigen Kontakt offenbar würden. Sie selbst habe das volle 

Ausmass auch erst jetzt entdeckt. Sie frage sich, wie die Versicherte mit ihrer 

Umständlichkeit eine verwertbare Arbeitsleistung erbringen könne, aber die Versicherte 

erlaube ihr keine Kontaktaufnahme mit dem Arbeitgeber. Jedenfalls müsse nun eine 

neuropsychologische Abklärung durchgeführt werden. Die Sachbearbeiterin der IV-

Stelle hielt fest, Dr. G.___ sei am Telefon „recht energisch“ gewesen. Die RAD-Ärztin 

Dr. C.___ notierte, die neuen Akten weckten keinen Zweifel an der Überzeugungskraft 

des Gutachtens (IV-act. 612). Mit einer Verfügung vom 11. September 2023 wies die 

IV-Stelle das Rentenbegehren der Versicherten mangels eines rentenbegründenden 

Invaliditätsgrades ab (IV-act. 613).

Am 11. Oktober 2023 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) 

eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 11. September 2023 erheben (act. G 1). 

Sie liess die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Zusprache einer Rente, 

eventualiter die Einholung eines Gerichtsgutachtens sowie subeventualiter die 

Rückweisung der Sache an die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) zu 

weiteren Abklärungen beantragen. Zur Begründung liess sie ausführen, das Gutachten 

der estimed AG leide an diversen formalen und inhaltlichen Mängeln. Zu kritisieren sei 

insbesondere, dass die Sachverständigen der für ein Ehlers-Danlos-Syndrom typischen 

„chronic fatigue“ nicht hinreichend Rechnung getragen hätten. Bezüglich der 

Invaliditätsbemessung sei zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin in einem 

Vollpensum erwerbstätig gewesen sei und dass sie das Pensum krankheitsbedingt auf 

90 Prozent reduziert habe. Das Valideneinkommen dürfe nicht ausgehend vom 

aktuellen Lohn ermittelt werden. Massgebend sei, was die Beschwerdeführerin als 

B.a. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 12/26

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Fachfrau Betreuung verdienen würde. Auch als Ausgangswert für das 

Invalideneinkommen tauge der aktuelle Lohn nicht, da die Akten verschiedene 

Hinweise darauf enthielten, dass dieser einen Soziallohnanteil enthalte. Am 6. 

November 2023 liess die Beschwerdeführerin eine Stellungnahme von Dr. F.___ zum 

neuropsychologischen Teilgutachten der estimed AG einreichen (act. G 3). In ihrer 

Stellungnahme hatte Dr. F.___ festgehalten (act. G 3.1), das Ergebnis der 

neuropsychologischen Untersuchung sei von der Sachverständigen der estimed AG 

korrekt dargestellt worden; die Untersuchungsergebnisse könnten so interpretiert 

werden. Allerdings sei ein anderer Bereich der statistischen Kennwerte erhoben 

worden, was gewisse Unterschiede in der Klassifikation zumindest einiger Testbefunde 

erkläre. Eigentlich hätte die Verlaufsuntersuchung vergleichbare Tests beinhalten 

sollen. Die psycho-physische Belastbarkeit sei weder zu Beginn noch im Verlauf 

bestimmt worden. Bekanntlich könnten Schwächen bei einer psycho-physischen 

Überforderung nicht mehr kompensiert werden, was sich aber auf der Testebene nicht 

zwingend zeigen müsse. Die Sachverständige der estimed AG habe gewisse 

Schwächen festgestellt, diese aber nicht als Störungen deklariert. Sie hätte in Bezug 

auf die Alltagsanforderungen darauf näher eingehen müssen.

Die Beschwerdegegnerin beantragte am 29. November 2023 die Abweisung der 

Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung führte sie an, das Gutachten der estimed AG 

überzeuge in jeder Hinsicht. Die Kritik der Beschwerdeführerin sei nicht 

nachvollziehbar. Für die Bestimmung des Valideneinkommens sei entscheidend, was 

die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Invaliditätsbemessung überwiegend 

wahrscheinlich tatsächlich verdient hätte. Im Zeitpunkt der Invaliditätsbemessung sei 

die Beschwerdeführerin als medizinische Praxisassistentin tätig gewesen, weshalb zu 

Recht von jenem Lohn ausgegangen worden sei. Ein „reiner“ Einkommensvergleich 

würde zu keinem anderen Ergebnis als die Invaliditätsbemessung nach der 

„gemischten Methode“ führen.

B.b. 

Am 17. Januar 2024 wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche 

Rechtspflege bewilligt (act. G 8).

B.c. 

Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Replik (act. G 10).B.d. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 13/26

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Erwägungen

1.

Der Zweck dieses Beschwerdeverfahrens erschöpft sich in der Überprüfung der 

angefochtenen Verfügung auf deren Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem 

des mit der angefochtenen Verfügung abgeschlossenen Verwaltungsverfahrens 

entsprechen muss. Das Verwaltungsverfahren hat sich nach dem verbindlichen 

Abschluss der beruflichen Eingliederung am 5. Oktober 2021 auf die Prüfung des im 

Januar 2018 eingereichten Rentenbegehrens und folglich auf die Frage beschränkt, ob 

die Beschwerdeführerin ab dem 1. Juli 2018 (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG) einen Anspruch 

auf eine Rente der Invalidenversicherung gehabt hat.

2.

Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare 

Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die 

während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 

mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses 

Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen 

Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität 

einer vollerwerbstätigen Person wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte 

Person nach dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung 

der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen bei einer 

ausgeglichenen Arbeitsmarktlage durch eine ihr zumutbare Erwerbstätigkeit erzielen 

könnte, in Beziehung zu jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, 

wenn sie gesund geblieben wäre (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG). Bei einer 

nicht erwerbstätigen Person entspricht die Invalidität dem Grad der Beeinträchtigung 

im Aufgabenbereich (Art. 28a Abs. 2 IVG). Bei einer teilweise erwerbstätigen Person 

wird die Invalidität für den Erwerbsbereich anhand eines Einkommensvergleichs (Art. 

28a Abs. 1 IVG) und jene für den Aufgabenbereich anhand eines Betätigungsvergleichs 

(Art. 28a Abs. 2 IVG) ermittelt; die beiden Invaliditätsgrade werden nach dem Anteil des 

jeweiligen Bereichs gewichtet und addiert (sog. „gemischte Methode“; Art. 28a Abs. 3 

IVG).

Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin reichte am 21. März 2024 eine 

Kostennote über 6'628.75 Franken ein (act. G 12).

B.e. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 14/26

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3.

Die Beschwerdeführerin hat nach dem Abschluss ihrer ersten Berufsausbildung in 

einem Vollpensum gearbeitet. Später hat sie das Pensum auf 90 Prozent reduziert. Sie 

hat geltend gemacht, dass diese Reduktion krankheitsbedingt erfolgt sei. Ein anderer 

Grund für die Reduktion des Pensums ist nicht erkennbar. Zudem enthalten die Akten 

Hinweise darauf, dass die Beschwerdeführerin damals bereits an relevanten 

gesundheitlichen Problemen gelitten hat, weshalb überwiegend wahrscheinlich 

feststeht, dass sie ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung weiterhin in einem 

Vollpensum erwerbstätig gewesen wäre. Die Beschwerdeführerin ist folglich als 

vollerwerbstätig zu qualifizieren, was bedeutet, dass die Invalidität anhand eines 

(„reinen“) Einkommensvergleichs nach Art. 16 ATSG zu bemessen ist.

4.

Die Beschwerdeführerin hat eine Ausbildung zur Fachfrau Betagtenbetreuung mit einer 

begleitenden schulischen Ausbildung zur kaufmännischen Angestellten absolviert. Sie 

hat im Rahmen der Anmeldung zum Leistungsbezug überzeugend aufgezeigt, dass sie 

krankheitsbedingt einen Karrierewechsel zur medizinischen Praxisassistentin 

eingeschlagen hat. Sowohl das Gutachten von Prof. Dr. E.___ und Dr. D.___ als auch 

jenes der estimed AG belegen mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer 

Gesundheitsbeeinträchtigung die Tätigkeit als Fachfrau Betagtenbetreuung nicht weiter 

hätte fortführen können. Der Berufswechsel ist also eindeutig krankheitsbedingt erfolgt, 

was bedeutet, dass es sich bei der Arbeit als medizinische Praxisassistentin nicht um 

die Validen-, sondern um die Invalidenkarriere handelt. Nichts deutet darauf hin, dass 

die Beschwerdeführerin ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung einen Berufswechsel 

eingeschlagen hätte. Das bedeutet, dass die Validenkarriere die Weiterausübung des 

erlernten Berufs der Betagtenbetreuerin ist. Das Valideneinkommen entspricht folglich 

jenem Lohn, den die Beschwerdeführerin in diesem Beruf erzielt hätte. Der zuletzt 

erzielte Lohn (Jahr 2017) hat 59’644 Franken pro Jahr betragen (vgl. IV-act. 21–5), was 

hochgerechnet auf ein Vollpensum einem Lohn von 66’271 Franken (= 59’644 Franken 

÷ 90%) entspricht. Gemäss den Ergebnissen der Schweizer Lohnstrukturerhebung für 

das Jahr 2018 hat der standardisierte Monatslohn einer Pflegeangestellten 5’170 

Franken pro Monat betragen (TA1, Kompetenzniveau 2, Branchen 86–88), was unter 

Berücksichtigung der damals betriebsüblichen Wochenarbeitszeit von 41,6 Stunden 

(Jahre 2017 und 2018, Branchen 86–88) einem Jahreslohn von 64’522 Franken 

entspricht. Der von der Beschwerdeführerin effektiv erzielte Lohn ist leicht höher 

gewesen, was überwiegend wahrscheinlich mit ihrer beruflichen Qualifikation und der 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 15/26

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Berufserfahrung, über die sie damals bereits verfügt hat, zu erklären ist. Für die 

Bestimmung des Valideneinkommens ist folglich vom zuletzt erzielten Lohn von 66’271 

Franken im Jahr 2017 auszugehen.

5.  

Für die Bestimmung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens ist 

massgebend, welche Tätigkeiten der Beschwerdeführerin aus medizinischer Sicht in 

welchem Umfang zugemutet werden können. Zur Beantwortung dieser Frage hat die 

Beschwerdegegnerin Berichte der behandelnden Ärzte eingeholt und die 

Sachverständigen Prof. Dr. E.___ und Dr. D.___ mit der Erstellung eines bidisziplinären 

Gutachtens sowie zu einem späteren Zeitpunkt die estimed AG mit der Erstellung eines 

polydisziplinären Gutachtens beauftragt. Die Sachverständigen der estimed AG haben 

die Beschwerdeführerin umfassend internistisch, neurologisch, neuropsychologisch, 

psychiatrisch und rheumatologisch untersucht. Sie haben die massgebenden Vorakten 

eingehend gewürdigt. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat geltend 

gemacht, die Aktenzusammenfassung sei unvollständig, weshalb davon auszugehen 

sei, dass die Sachverständigen der estimed AG die Vorakten nur unvollständig 

gewürdigt hätten. Allerdings lässt sich den Ausführungen der Sachverständigen im 

Gutachten der estimed AG entnehmen, dass ihnen sämtliche relevanten medizinischen 

Aspekte bekannt gewesen sind und dass sie allen relevanten Gesichtspunkten 

eingehend Rechnung getragen haben. Zudem haben sie der Beschwerdeführerin die 

Möglichkeit gegeben, ausführlich Stellung zur gesundheitlichen Problematik zu 

nehmen, wobei die Beschwerdeführerin nicht nur mündlich geschildert hat, woran 

genau sie gelitten hat; sie hat auch eine umfassende schriftliche Liste ihrer 

Beschwerden und der Krankengeschichte abgegeben. Zusammenfassend deutet 

nichts darauf hin, dass die Sachverständigen der estimed AG eine wesentliche 

Tatsache übersehen oder ignoriert hätten. Auch der Rechtsvertreter der 

Beschwerdeführerin hat keine relevante Tatsache nennen können, die von den 

Sachverständigen der estimed AG übergangen worden wäre. Seine (formalistische) 

Kritik am Gutachten ist nicht geeignet, Zweifel an der Überzeugungskraft des 

Gutachtens zu wecken.

5.1. 

Der internistische und der neurologische Sachverständige haben überzeugend 

aufgezeigt, dass sie in ihren Fachgebieten keine relevante 

Gesundheitsbeeinträchtigung hatten feststellen können. Auch die Berichte der 

behandelnden Ärzte enthalten keinen Hinweis auf eine relevante internistische oder 

neurologische Gesundheitsbeeinträchtigung, weshalb die Schlussfolgerung der beiden 

5.2. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 16/26

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Sachverständigen, rein bezogen auf ihr Fachgebiet sei eine uneingeschränkte 

Arbeitsfähigkeit zu attestieren, überzeugt.

Die neuropsychologische Sachverständige hat sowohl die Testergebnisse als auch 

die von ihr im Rahmen der Exploration und Verhaltensbeobachtung erhobenen 

objektiven klinischen Befunde detailliert geschildert. Sie hat anschaulich aufgezeigt, 

dass sie objektiv klinisch keine relevante kognitive Funktionsbeeinträchtigung hatte 

feststellen können, dass die Beschwerdeführerin in den Tests durchwegs gute bis sehr 

gute Leistungen erbracht, sich aber ganz offensichtlich viel weniger zugetraut hatte. 

Die Sachverständige hat darauf hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin bereits 

unmittelbar nach den Tests Mühe bekundet habe, die guten bis sehr guten Leistungen 

zu akzeptieren, und dass die Beschwerdeführerin dann am Folgetag in einer 

ausführlichen Nachricht nochmals darauf hingewiesen habe, dass ihr Leistungsniveau 

gar nicht so gut sein könne, wie die Tests glaubhaft machten. Allerdings ist es nicht 

möglich, in einer neuropsychologischen Testung dissimulierend ein besseres als das 

objektiv vorhandene Leistungsniveau zu zeigen, denn in den standardisierten Tests 

kann ein Explorand nur (maximal) die ihm objektiv mögliche Leistung erbringen. 

Vergleicht man die guten Testergebnisse in der neuropsychologischen Testung mit den 

Akten, zeigt sich eine auffällige Übereinstimmung einerseits mit den sehr guten 

schulischen Leistungen, die die Beschwerdeführerin während der gesamten 

Umschulung erbracht hat, und andererseits mit dem Umstand, dass die Unsicherheit 

der Beschwerdeführerin während der gesamten Umschulung die grösste Hürde 

dargestellt hat. Obwohl die Beschwerdeführerin durchaus in der Lage gewesen wäre, 

die für die erlernte Tätigkeit erforderlichen Arbeiten selbständig auszuführen, ist sie 

immer wieder gescheitert, weil sie sich selbst nichts zugetraut hat. Das hat sich im 

Übrigen auch bei der psychiatrischen Begutachtung eindrücklich gezeigt: Auf die 

Aufforderung, eine einfache Logikaufgabe zu lösen, hat die Beschwerdeführerin 

zunächst mit einer „Blockade“ reagiert, obwohl sie anschliessend problemlos in der 

Lage gewesen ist, die Aufgabe perfekt zu lösen. Der Sachverständige hat daraus den 

Schluss gezogen, dass die Beschwerdeführerin mit Druck oder mit Stress nicht 

umgehen könne, was mit der Unsicherheit der Beschwerdeführerin bezüglich der 

eigenen Fähigkeiten zusammenhängen dürfte. Die Beschwerdeführerin hat im 

Beschwerdeverfahren eine Stellungnahme der Neuropsychologin Dr. F.___ eingereicht, 

die sie im April 2020 neuropsychologisch untersucht hatte. In dieser Stellungnahme hat 

Dr. F.___ bemängelt, dass die Testung als Verlaufstestung nicht aussagekräftig genug 

sei, weil nicht dieselben Tests durchgeführt und weil deren Ergebnisse anders 

gewichtet worden seien. Allerdings hat Dr. F.___ verkannt, dass die 

neuropsychologische Sachverständige der estimed AG gar nicht den Auftrag gehabt 

5.3. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 17/26

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hat, eine Verlaufstestung durchzuführen. Der Umstand, dass sie nicht nochmals 

dieselben Tests wie zuvor Dr. F.___ durchgeführt hat, ist deshalb irrelevant. 

Entscheidend ist, dass die neuropsychologische Sachverständige die massgebenden 

neurokognitiven Fähigkeiten umfassend getestet hat, was denn auch von Dr. F.___ 

nicht in Abrede gestellt worden ist. Die Stellungnahme von Dr. F.___ enthält, 

abgesehen von der eingeschränkten Vergleichbarkeit, keine Kritik am 

neuropsychologischen Teilgutachten der estimed AG, weshalb diese Stellungnahme 

nicht geeignet ist, Zweifel am Ergebnis des neuropsychologischen Teilgutachtens der 

estimed AG zu wecken. Die neuropsychologische Sachverständige der estimed AG hat 

zudem eingehend Stellung zu den Ergebnissen von Dr. F.___ im Bericht aus dem Jahr 

2020 genommen und überzeugend erklärt, dass die damaligen Ergebnisse von einer 

akuten Überforderungssituation, in der sich die Beschwerdeführerin damals befunden 

habe, überschattet gewesen seien. Die Akten aus der damaligen Zeit (April 2020) 

zeigen, dass die Beschwerdeführerin damals mit ihrer Ausbildung überfordert gewesen 

war, was sich in vermehrten Schmerzen, in einer gewissen Depressivität und in einer 

Unfähigkeit, das erlernte Wissen im Rahmen der Ausbildung in die Praxis umzusetzen, 

geäussert hatte. Gegenüber der neuropsychologischen Sachverständigen der estimed 

AG hat die Beschwerdeführerin erklärt, dass es ihr im Begutachtungszeitpunkt besser 

gegangen sei als noch im April 2020. Zusammenfassend belegt also das Gutachten 

von Prof. Dr. E.___, dass die Beschwerdeführerin im Jahr 2018 aus psychiatrischer 

Sicht uneingeschränkt arbeitsfähig gewesen ist; das Gutachten der estimed AG belegt, 

gerade angesichts der durchwegs guten bis sehr guten Leistungen in der 

neuropsychologischen Testung, dass die Beschwerdeführerin auch im Jahr 2022 aus 

neuropsychologischer und aus psychiatrischer Sicht (vgl. dazu die nachfolgende E. 5.4) 

abgesehen von einem leicht erhöhten Pausenbedarf uneingeschränkt arbeitsfähig 

gewesen ist. In der Zeit zwischen diesen beiden Begutachtungen hat sich die 

Beschwerdeführerin nie in psychiatrischer oder psychotherapeutischer Behandlung 

befunden. Sie hat erfolgreich eine Umschulung mit guten bis sehr guten Schulnoten 

abgeschlossen. Der einzige Hinweis auf eine mögliche vorübergehende relevante 

neuropsychologische oder psychiatrische Gesundheitsbeeinträchtigung ist im Bericht 

über die neuropsychologische Testung aus dem Jahr 2020 zu finden, der unter 

anderem einen Hinweis auf eine „gewisse Depressivität“ (bei einer damals starken 

Belastung der Beschwerdeführerin durch die Umschulung) enthält. Abgesehen von 

jener vorübergehenden Beeinträchtigung im Jahr 2020 ist anhand der Akten mit dem 

erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt, dass die 

Beschwerdeführerin im gesamten hier massgebenden Zeitraum in 

neuropsychologischer Hinsicht uneingeschränkt arbeitsfähig gewesen ist.

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 18/26

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Der psychiatrische Sachverständige der estimed AG hat abgesehen von einer 

Schmerzfehlverarbeitungsstörung, die er mit einer sorgfältigen und überzeugenden 

Begründung anhand der massgebenden Angaben in den Akten und des von ihm 

erhobenen objektiven klinischen Befundes diagnostiziert hat, keine psychische 

Gesundheitsbeeinträchtigung feststellen können. Seiner detaillierten Befundschilderung 

lässt sich entnehmen, dass der objektive klinische Befund unauffällig gewesen ist. Die 

Beschwerdeführerin hat zudem, selbst auf gezielte Nachfragen hin, Beeinträchtigungen 

ihrer psychischen Gesundheit verneint. Der Umstand, dass sie sich nach der Eröffnung 

des Vorbescheides, mit dem ihr die Beschwerdegegnerin die Abweisung des 

Rentenbegehrens angekündigt hatte, in eine psychiatrische Behandlung begeben hat, 

kann nicht als ein Indiz für eine nachträgliche Verschlechterung des psychischen 

Gesundheitszustandes interpretiert werden, sondern dürfte vielmehr darauf 

zurückzuführen sein, dass der unerwünschte Inhalt des Vorbescheides zu einer 

vorübergehenden Verstimmung geführt hat und dass die Beschwerdeführerin versucht 

hat, die Beschwerdegegnerin davon zu überzeugen, dass sie nur zu 50 Prozent 

arbeitsfähig sei. Die behandelnde Psychiaterin hat in ihren Berichten und 

Stellungnahmen keine objektiven klinischen Befunde erwähnt, die auf eine 

arbeitsfähigkeitsrelevante psychische Gesundheitsbeeinträchtigung hinweisen würden. 

Ihre Ausführungen sind mehrheitlich bloss eine Wiedergabe der subjektiven 

Überzeugungen der Beschwerdeführerin, die bereits vor der Begutachtung durch die 

estimed AG bestens bekannt gewesen waren. Die Behauptung, erst nach mehreren 

Sitzungen zeige sich das wahre Krankheitsbild, überzeugt nicht, denn die behandelnde 

Psychiaterin hat sich lediglich darauf beschränkt, dies zu behaupten, ohne zu 

erwähnen, worin genau denn dieses Krankheitsbild bestehen sollte. Die Unsicherheit 

der Beschwerdeführerin, der übertriebene Wunsch, alles perfekt zu machen, und das 

„Verzetteln“ in Details sind jedenfalls den Sachverständigen der estimed AG bereits 

bekannt gewesen. Darauf hatte bereits der psychiatrische Sachverständige Prof. Dr. 

E.___ in seinem Gutachten hingewiesen, in dem er unter anderem ein „Bombardement 

an E-Mails“ erwähnt hatte, das sich bereits in jenem frühen Verfahrensstand in den 

Akten der Beschwerdegegnerin wiedergefunden hatte. Auch Prof. Dr. E.___ hatte keine 

relevante psychische Gesundheitsbeeinträchtigung feststellen können. Er hatte in 

seinem Gutachten anschaulich einen weitestgehend unauffälligen objektiven klinischen 

Befund beschrieben. In der Zeit zwischen der Begutachtung durch Prof. Dr. E.___ im 

Jahr 2018 und der Begutachtung durch die estimed AG im Jahr 2022 hatte sich die 

Beschwerdeführerin nie in einer psychiatrischen oder psychotherapeutischen 

Behandlung befunden. Damit steht mit dem erforderlichen Beweisgrad der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die Beschwerdeführerin im gesamten hier 

massgebenden Zeitraum, abgesehen von der Schmerzstörung, an keiner relevanten 

5.4. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 19/26

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psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung gelitten hat. Der psychiatrische 

Sachverständige der estimed AG hat geltend gemacht, aufgrund der Schmerzen habe 

die Beschwerdeführerin einen leicht erhöhten Pausenbedarf, weshalb sie selbst für 

ideal leidensadaptierte Tätigkeiten effektiv nur zu 80 Prozent arbeitsfähig sei. Dieses 

Arbeitsfähigkeitsattest überzeugt, da der psychiatrische Sachverständige anschaulich 

aufgezeigt hat, dass die Beschwerdeführerin tatsächlich an Schmerzen leidet (und 

nicht etwa aggraviert oder simuliert, worauf auch die übrigen Sachverständigen 

hingewiesen haben) und dass sie deshalb weniger durchhaltefähig ist respektive 

vermehrt Pausen benötigt.

Die Beschwerdeführerin hat im Vorfeld der Begutachtung eine Untersuchung durch 

einen auf das Ehlers-Danlos-Syndrom spezialisierten Sachverständigen beantragt, 

weshalb die Beschwerdegegnerin die estimed AG unter anderem mit einer 

rheumatologischen statt der ursprünglich vorgesehenen orthopädischen Begutachtung 

beauftragt hat. Die Beschwerdeführerin hat bemängelt, das sei nicht ausreichend 

gewesen, da nur ein Spezialist für das Ehlers-Danlos-Syndrom dessen Auswirkungen 

auf die Arbeitsfähigkeit richtig beurteilen könne. Diese Rüge ist unbegründet. 

Entscheidend für die Arbeitsfähigkeitsschätzung sind nämlich die objektiv klinischen 

Beeinträchtigungen respektive das objektive klinische Funktionsniveau. Weshalb ein 

erfahrener rheumatologischer Sachverständiger ohne ein besonderes Spezialwissen 

bezüglich des Ehlers-Danlos-Syndrom nicht in der Lage sein sollte, einen umfassenden 

und aussagekräftigen objektiven klinischen Befund zu erheben, ist nicht einzusehen. 

Zudem handelt es sich beim Ehlers-Danlos-Syndrom zwar um ein seltenes, aber doch 

in Fachkreisen gut bekanntes Syndrom, weshalb davon auszugehen ist, dass auch ein 

„Nicht-Spezialist“ die Auswirkungen des Syndroms auf die Arbeitsfähigkeit zuverlässig 

feststellen kann. Der rheumatologische Sachverständige hat die Beschwerdeführerin 

umfassend untersucht. Er hat die von ihm erhobenen objektiven klinischen Befunde 

detailliert angeführt und mit seiner Befundschilderung aufgezeigt, dass er abgesehen 

von einer Hypermobilität einzelner Gelenke keine Auffälligkeiten hatte feststellen 

können. Er hat sich eingehend mit dem typischen Krankheitsbild des Ehlers-Danlos-

Syndrom auseinandergesetzt und dargelegt, dass es bislang noch nicht zu 

gravierenderen Gesundheitsbeeinträchtigungen gekommen sei, die durch dieses 

Syndrom verursacht worden wären respektive oft mit diesem Syndrom einhergingen. 

Seine Schlussfolgerung, bei „strenger“ Betrachtung müsste an sich eine 

uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit attestiert werden, weil sich die Hypermobilität nicht 

auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirke, dass unter Berücksichtigung 

der anschaulich, plastisch und überzeugend geschilderten Schmerzen aber ein 

vermehrter Pausenbedarf im Umfang von 20 Prozent zu gewähren sei, überzeugt. Zu 

5.5. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 20/26

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6.  

beachten ist, dass bereits der orthopädische Sachverständige Dr. D.___ eine 

uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten attestiert hatte, da 

auch er in seiner damaligen Untersuchung keine relevante objektive 

Gesundheitsbeeinträchtigung hatte feststellen können. Die Kritik der 

Beschwerdeführerin am rheumatologischen Teilgutachten der estimed AG ist somit 

nicht geeignet, Zweifel an der überzeugenden Schlussfolgerung zu wecken, bei einem 

abgesehen von einer Hypermobilität und glaubhaft geschilderten Schmerzen völlig 

unauffälligen objektiven klinischen Befund sei die Beschwerdeführerin (fast) 

uneingeschränkt arbeitsfähig.

Die Beschwerdeführerin hat schliesslich bemängelt, die Sachverständigen der 

estimed AG hätten keine ausreichende Konsensbesprechung durchgeführt. Auch 

dieser Einwand überzeugt nicht. Der internistische, der neurologische und die 

neuropsychologische Sachverständige haben eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit 

attestiert; der rheumatologische und der psychiatrische Sachverständige haben eine 

Arbeitsunfähigkeit von 20 Prozent attestiert, die sie beide mit einem durch die 

Schmerzen bedingten erhöhten Pausenbedarf begründet haben. Bei dieser 

Ausgangslage ist es wenig erstaunlich, dass rasch ein Konsens gefunden worden ist, 

denn das Resultat hat ja geradezu auf der Hand gelegen. Zusammenfassend überzeugt 

die Arbeitsfähigkeitsschätzung der Sachverständigen der estimed AG in jeder Hinsicht, 

weshalb gestützt auf das Gutachten der estimed AG mit dem erforderlichen 

Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht, dass die 

Beschwerdeführerin im hier massgebenden Zeitraum (abgesehen von einer 

vorübergehenden Beeinträchtigung im Mai 2020; vgl. die nachfolgende E. 6.1) für 

leidensadaptierte Tätigkeiten zu 80 Prozent arbeitsfähig gewesen ist. Damit besteht 

keine Notwendigkeit, dem entsprechenden Begehren der Beschwerdeführerin gemäss 

im Beschwerdeverfahren eine Begutachtung durchzuführen oder die Sache zur 

weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

5.6. 

Der Bericht von Dr. F.___ über die neuropsychologische Testung vom 8. Mai 2020 

belegt, dass die Beschwerdeführerin an jenem Tag an einer relevanten neurokognitiven 

Beeinträchtigung gelitten hat und dass sie deshalb zu 30–50 Prozent arbeitsunfähig 

gewesen ist. Die Ursache für diese neurokognitive Beeinträchtigung ist gemäss den 

überzeugenden Ausführungen von Dr. F.___ nicht nur in der damals akuten 

Belastungssituation im Rahmen der Umschulung, sondern auch in einer „gewissen 

Depressivität“ zu erblicken gewesen, was die neuropsychologische Sachverständige 

der estimed AG in ihrem Teilgutachten aus dem Jahr 2022 als überzeugend bestätigt 

6.1. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 21/26

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hat. Die Auffassung des Bundesgerichtes, eine Arbeitsfähigkeitsschätzung eines 

neuropsychologischen Sachverständigen habe keinen Beweiswert, wenn sie nicht 

durch einen psychiatrischen Sachverständigen „abgesegnet“ worden sei, würde dazu 

zwingen, dieses Attest hier zu ignorieren. Darin wäre aber eine willkürliche Verletzung 

des Gebotes der freien Beweiswürdigung zu erblicken, denn es existiert keine 

gesetzliche Grundlage für eine Beschränkung der für die Arbeitsfähigkeitsschätzung 

massgebenden Beweismittel, die es rechtfertigen würde, eine neuropsychologische 

Arbeitsfähigkeitsschätzung zu ignorieren. Der Umstand, dass regelmässig 

neuropsychologische Testungen durchgeführt werden, zeigt ja gerade, dass 

Neuropsychologen über ein besonderes Fachwissen verfügen, das den medizinischen 

Sachverständigen fehlt. Könnte ein psychiatrischer Sachverständiger die Frage nach 

der neuropsychologischen Leistungsfähigkeit einer versicherten Person selbst 

beantworten, müsste er nämlich keinen Neuropsychologen mit einer Testung der 

neurokognitiven Fähigkeiten der versicherten Person beauftragen. Das bedeutet 

allerdings, dass eine neuropsychologische Expertise auf Sachverstand beruht, über 

den ein psychiatrischer Sachverständiger nicht verfügt. Weshalb ausgerechnet seine 

Unterschrift darüber entscheiden soll, ob eine neuropsychologische Expertise vollen 

oder aber gar keinen Beweiswert hat, ist nicht einzusehen. Zusammenfassend besteht 

keine Veranlassung, neuropsychologische Teilgutachten bei der Beweiswürdigung 

anders als medizinische Teilgutachten zu behandeln. Die von Dr. F.___ überzeugend 

begründete und von der neuropsychologischen Sachverständigen der estimed AG 

explizit als beweiskräftig qualifizierte Arbeitsfähigkeitsschätzung kann folglich nicht 

ignoriert werden.

Nach der allgemeinen Lebenserfahrung dürfte die von Dr. F.___ festgestellte 

Einschränkung am 8. Mai 2020 bereits seit mindestens einigen Wochen bestanden und 

nach dem 8. Mai 2020 auch noch für mehrere Wochen angehalten haben. Weil sich die 

Beschwerdeführerin aber in jener Zeit weder in einer psychiatrischen noch in einer 

psychotherapeutischen Behandlung befunden hat, existieren keine medizinischen 

Berichte, die diese Einschränkung in den Wochen vor und nach dem 8. Mai 2020 

belegen könnten. Von weiteren Abklärungen kann kein Erkenntnisgewinn erwartet 

werden, weil keine Berichte aus jener Zeit existieren, aus denen retrospektiv 

Schlussfolgerungen bezüglich der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in jener Zeit 

aus neuropsychologischer Sicht gezogen werden könnten. Folglich liegt hinsichtlich 

der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus neuropsychologischer Sicht für die 

Zeit vor und nach dem 8. Mai 2020 eine objektive Beweislosigkeit vor, deren Folgen in 

einer lückenfüllenden analogen Anwendung des Art. 8 ZGB die Beschwerdeführerin zu 

tragen hat. Das bedeutet, dass nur für den 8. Mai 2020 eine relevante 

6.2. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 22/26

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Arbeitsunfähigkeit von 30–50 Prozent aus neuropsychologischer Sicht nachgewiesen 

ist.

Diese nur für einen Tag belegte Arbeitsunfähigkeit muss für den Rentenanspruch 

folgenlos bleiben, weil die Beschwerdeführerin damals ein Taggeld der 

Invalidenversicherung bezogen hat (vgl. IV-act. 245), was gemäss dem Art. 29 Abs. 2 

IVG eine Rentenzusprache für jenen Zeitraum zum Vorneherein ausschliesst.

6.3. 

Hätte die Beschwerdeführerin am 8. Mai 2020 kein Taggeld bezogen, könnte sie 

nach der gesetzlichen Konzeption trotzdem keinen Rentenanspruch haben, da eine nur 

für einen Tag ausgewiesene Arbeitsunfähigkeit weder als länger dauernde noch als 

voraussichtlich bleibende Erwerbsunfähigkeit qualifiziert werden kann. Im kantonalen 

Beschwerdeverfahren IV 2016/328 ist den drei Abteilungen des Versicherungsgerichtes 

des Kantons St. Gallen in Anwendung des vom Art. 54 GerG (sGS 941.1) vorgesehenen 

Verfahrens jedoch die folgende Frage gestellt worden: „Haben Versicherte, die 

während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 

40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und die nach Ablauf dieses Jahres weiterhin 

zu mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig sind, grundsätzlich Anspruch auf eine Rente, 

obwohl zumutbare Eingliederungsmassnahmen, welche ihre Arbeitsfähigkeit […] 

wieder herstellen, erhalten oder verbessern können, nicht abgeschlossen sind?“ Diese 

Frage ist mehrheitlich bejaht worden, weshalb sich die Rechtsprechung des 

Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen seither nach der entsprechenden 

Formulierung richtet, die – entweder als Ergebnis einer Interpretation des Art. 28 Abs. 1 

IVG oder als gerichtliche Ausfüllung einer Lücke im Art. 28 IVG – dem ihrerseits klaren 

und eindeutigen Wortlaut entsprechend Anwendung finden muss. Ein entsprechender 

Rentenanspruch beruht dabei nicht auf einer Invalidität im Sinne des Art. 8 Abs. 1 

(i.V.m. Art. 7 Abs. 1) ATSG, sondern – wie bei einem UV- oder MV-Taggeld – auf einer 

Arbeitsunfähigkeit im Sinne des Art. 6 Satz 2 ATSG (vgl. etwa den Entscheid IV 

2021/136 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 28. April 2022, E. 5.2). Im BGE 

148 V 397 hat das Bundesgericht einen Entscheid des St. Galler 

Versicherungsgerichtes, mit dem gestützt auf diesen „gemeinsamen Entscheid“ nach 

Art. 54 GerG eine Rente zugesprochen worden war, als rechtswidrig aufgehoben. Es 

hat festgehalten (E. 6.2), der Gesetzgeber sei sich mit der Formulierung des Art. 28 

Abs. 1 lit. c IVG bewusst gewesen, dass der Anspruch auf eine Invalidenrente nur 

entstehen könne, wenn nach dem Ablauf des Wartejahres eine entsprechende 

rentenbegründende Erwerbsunfähigkeit respektive Invalidität eintrete. Er habe die 

Ansprüche auf medizinische Massnahmen und Taggelder eingehend geregelt, wobei 

insbesondere zu erwähnen sei, dass die medizinischen Massnahmen zu den 

6.4. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 23/26

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Eingliederungsmassnahmen gehörten (vgl. Art. 8 Abs. 3 lit. a IVG). Gemäss dem Art. 22 

Abs. 1 IVG hätten Versicherte während der Durchführung von 

Eingliederungsmassnahmen nach Art. 8 Abs. 3 IVG einen Anspruch auf ein Taggeld, 

wenn sie an wenigstens drei aufeinander folgenden Tagen wegen der Massnahme 

verhindert seien, einer Arbeit nachzugehen, oder wenn sie in ihrer gewohnten Tätigkeit 

zu mindestens 50 Prozent arbeitsunfähig seien. Dass der Gesetzgeber im Rahmen 

dieser Regelung die vom Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen ins Feld geführte 

Konstellation einer „Taggeldlücke“ in der Invalidenversicherung übersehen hätte, sei 

nicht anzunehmen. Der Art. 28 Abs. 1 IVG enthalte also keine Lücke. Ohnehin könnte 

eine „Taggeldlücke“ nicht mit einer Rente „ausgefüllt“ werden. Dem 

Versicherungsgericht sei vor allem in Erinnerung zu rufen, dass der Grundsatz 

„Eingliederung vor Rente“ greife, wenn die Erwerbsfähigkeit der versicherten Person 

durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder hergestellt, erhalten oder 

verbessert werden könne. Nur wenn keine entsprechenden Massnahmen (mehr) in 

Frage kämen, könne ein Rentenanspruch bejaht werden; andernfalls seien vorab 

geeignete Eingliederungsmassnahmen anzuordnen. Nach der gesetzlichen Konzeption 

könne eine Rente vor der Durchführung von Eingliederungsmassnahmen nur 

zugesprochen werden, wenn die versicherte Person wegen ihres 

Gesundheitszustandes nicht oder noch nicht eingliederungsfähig gewesen sei. Dass 

der Rentenanspruch grundsätzlich erst nach der Beendigung der 

Eingliederungsmassnahmen entstehen könne, gelte dabei selbst im Fall, dass diese nur 

einen Teilerfolg gebracht hätten oder gescheitert seien. Das Versicherungsgericht des 

Kantons St. Gallen vertritt die Auffassung, dass dieses Urteil des Bundesgerichtes sich 

nicht gegen die Praxis des Versicherungsgerichtes ausspreche. Das Bundesgericht 

gehe selbst davon aus, dass trotz eines Verbesserungspotentials in medizinischer 

Hinsicht nach der Erfüllung des Wartejahres ein Rentenanspruch entstehen könne. Der 

„gemeinsame Entscheid“ nach Art. 54 GerG ziele nicht auf die Zusprache von 

Berufsunfähigkeitsrenten ab, sondern berücksichtige vielmehr eine Arbeitsfähigkeit in 

einer adaptierten Tätigkeit bei der Rentenzusprache nach dem Ablauf des Wartejahres. 

Am „gemeinsamen Entscheid“ sei deshalb festzuhalten. Das bedeutet, dass jede 

relevante Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit nach dem Ablauf des 

Wartejahres geeignet ist, einen Rentenanspruch zu begründen. Da der 

Beschwerdeführerin die körperlich belastende angestammte Tätigkeit als Fachfrau 

Betagtenbetreuung schon im Jahr 2018 nicht mehr zumutbar gewesen ist, ist das 

Wartejahr am 8. Mai 2020 erfüllt gewesen. Nach der Praxis des St. Galler 

Versicherungsgerichtes ist die für den 8. Mai 2020 belegte Arbeitsunfähigkeit für 

sämtliche Tätigkeiten folglich geeignet, einen befristeten Rentenanspruch auszulösen. 

Darauf wird unten (E. 8) näher eingegangen.

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 24/26

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7.

Da der Beschwerdeführerin die körperlich belastende angestammte Tätigkeit als 

Fachfrau Betagtenbetreuung nicht mehr zumutbar ist, kann die Invalidenkarriere nicht 

der Validenkarriere entsprechen. Die Beschwerdeführerin hat eine Umschulung zur 

medizinischen Praxisassistentin absolviert. Die Sachverständigen der estimed AG 

haben diese Tätigkeit mit einer überzeugenden Begründung als leidensadaptiert 

qualifiziert. Die Beschwerdeführerin übt diese Tätigkeit effektiv aus. Sie hat im 

Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Verfügung bei einem Pensum von 50 

Prozent einen Lohn von 27’950 Franken erzielt, was hochgerechnet auf ein Vollpensum 

einem Jahreslohn von 55’900 Franken entspricht. Dieses Einkommen liegt unter dem 

statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne, was bedeutet, dass es nicht der 

effektiven Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin entsprechen und folglich nicht als 

Ausgangswert für die Bestimmung des Invalideneinkommens herangezogen werden 

kann. Folglich ist auf statistische Werte abzustellen. Da die Beschwerdeführerin 

weiterhin im Gesundheitswesen tätig gewesen ist (Branchen 86–88) und da ihr neuer 

Berufsabschluss qualitativ ihrem ursprünglichen Berufsabschluss entsprochen hat 

(EFZ), entspricht der Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren 

Invalideneinkommens dem statistischen Zentralwert, der bereits bei der Bestimmung 

des Valideneinkommens als Vergleichsgrösse berücksichtigt worden ist (vgl. E. 4). Er 

beträgt also 64’522 Franken. Die Nominallohnentwicklung kann ausgeblendet werden, 

da die statistischen Ergebnisse keine berufs-, sondern nur eine branchenspezifische 

Entwicklung ausweisen, weshalb auf der Validen- und der Invalidenseite dieselbe 

Nominallohnentwicklung zu berücksichtigen wäre. Da die Beschwerdeführerin 

abgesehen von einem leicht erhöhten Pausenbedarf uneingeschränkt arbeitsfähig ist, 

kommt die Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzuges praxisgemäss nicht in Frage. 

Das Invalideneinkommen beträgt folglich 80 Prozent von 64’522 Franken, also 

51’618 Franken.

8.

Bei einem Valideneinkommen von 66’271 Franken und einem Invalideneinkommen von 

51’618 Franken resultiert eine Erwerbseinbusse von 14’653 Franken und damit ein 

Invaliditätsgrad von 22 Prozent. Für den 8. Mai 2020 ist ein Arbeitsunfähigkeitsgrad von 

30–50 Prozent ausgewiesen. Nach der offenkundig beweisrechtswidrigen, aber leider 

konstanten und damit für das Versicherungsgericht unausweichbar massgebenden 

Praxis des Bundesgerichtes muss auf den Mittelwert, also auf eine Arbeitsunfähigkeit 

von 40 Prozent, abgestellt werden. Damit ergibt sich für jenen Tag ein 

Invalideneinkommen von 38’713 Franken (= 64’522 Franken × 60%) und folglich eine 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 25/26

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Erwerbseinbusse von 27’558 Franken respektive ein Invaliditätsgrad von 41,58 

beziehungsweise 42 Prozent. Damit bestünde für den Monat Mai 2020 sowie für die 

Monate Juni, Juli und August 2020 (dreimonatige „Verzögerung“ einer 

Rentenaufhebung gemäss der bundesgerichtlichen Praxis zum Art. 88a Abs. 1 IVV) ein 

Anspruch auf eine Viertelsrente, wenn die Beschwerdeführerin damals kein Taggeld 

bezogen hätte. Der Taggeldbezug schliesst eine Rentenzusprache allerdings aus, 

weshalb sich die angefochtene Verfügung im Ergebnis als rechtmässig erweist.

9.  

Die angesichts des durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf 600 Franken 

festzusetzenden Gerichtskosten wären an sich der unterliegenden Beschwerdeführerin 

aufzuerlegen. Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung ist sie aber 

von der Pflicht, die Gerichtskosten zu bezahlen, vorläufig befreit. Da ihr auch die 

unentgeltliche Rechtsverbeiständung bewilligt worden ist, hat ihr Rechtsvertreter einen 

Anspruch auf eine Entschädigung, die 80 Prozent seines erforderlichen 

Vertretungsaufwandes abdeckt (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Der Rechtsvertreter hat eine 

Honorarnote über 6’628.75 Franken eingereicht (act. G. 12.1). Darauf kann jedoch nicht 

abgestellt werden, denn der erforderliche Vertretungsaufwand ist insgesamt als für 

einen „IV-Rentenfall“ durchschnittlich zu qualifizieren. Zudem ist nur ein 

Schriftenwechsel durchgeführt worden. Zwar sind die Akten überdurchschnittlich 

umfangreich gewesen, aber der entsprechende Mehraufwand für das Aktenstudium 

wird durch den eingesparten Aufwand für den zweiten Schriftenwechsel mehr als 

aufgewogen. Dennoch ist der Gesamtaufwand nicht unterdurchschnittlich gewesen, 

weil der Rechtsvertreter Dr. F.___ zu einer Stellungnahme zum neuropsychologischen 

Teilgutachten aufgefordert hat, was sinnvoll gewesen ist und einen geringen 

Zusatzaufwand verursacht hat. Deshalb rechtfertigt es sich, von einem insgesamt 

durchschnittlichen Aufwand auszugehen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin 

ist folglich mit 80 Prozent von 4’000 Franken, also mit 3’200 Franken, zu entschädigen. 

Sollten es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten, wird die 

Beschwerdeführerin zur Nachzahlung der Gerichtskosten und zur Rückerstattung der 

Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung verpflichtet werden können 

(Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).

9.1. 

Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, bei den Kosten 

für die Stellungnahme von Dr. F.___ habe es sich um Abklärungskosten im Sinne des 

Art. 45 ATSG gehandelt, die der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen seien. Die 

Stellungnahme von Dr. F.___ hat allerdings keinen Beitrag zur Sachverhaltsermittlung 

geleistet, denn ihr Inhalt hat sich auf eine reine Würdigung der beiden 

9.2. 

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 26/26

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St.Galler Gerichte

Entscheid

1.

Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.

Die Beschwerdeführerin ist vorläufig von der Pflicht, die Gerichtskosten von 600 

Franken zu bezahlen, befreit.

3.

Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin wird mit 3’200 Franken (einschliesslich 

Barauslagen und Mehrwertsteuer) entschädigt.

neuropsychologischen Berichte (den Bericht von Dr. F.___ aus dem Jahr 2020 und das 

neuropsychologische Teilgutachten aus dem Jahr 2022) beschränkt, ohne dass Dr. 

F.___ die Beschwerdeführerin nochmals untersucht oder sonstige medizinische 

Abklärungen getätigt hätte. Zur Erfüllung der Untersuchungspflicht im 

Beschwerdeverfahren ist die Einholung dieser Stellungnahme also nicht notwendig 

gewesen. Folglich kann auch nicht davon ausgegangen werden, dass die 

Beschwerdeführerin zur Erfüllung ihrer Mitwirkungspflicht bei der 

Sachverhaltsabklärung gezwungen gewesen wäre, diese Stellungnahme einzuholen. 

Die Kosten für diese Stellungnahme hat die Beschwerdeführerin deshalb selbst zu 

tragen. Weder das Gericht noch die Beschwerdegegnerin haben diese Kosten zu 

entschädigen. Damit bleibt es bei einer Entschädigung von 3’200 Franken.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 20.06.2024
	Art. 28 IVG. Art. 54 GerG. Invalidenrente. Beweiswert von neuropsychologischen Teilgutachten. Arbeitsunfähigkeitsrente bei einer einen Tag über das Wartejahr hinausgehenden Arbeitsunfähigkeit (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. Juni 2024, IV 2023/180). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 8C_488/2024.

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		2026-01-28T05:17:06+0100
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