# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e89bc56d-9517-5264-9d8c-f4fdf7dd4758
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-08-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.08.2015 E-5268/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5268-2014_2015-08-20.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-5268/2014 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 0 .  A u g u s t  2 0 1 5  

Besetzung 
 Richter Walter Stöckli (Vorsitz), Richter Markus König,  

Richter Daniel Willisegger,  

Gerichtsschreiberin Tu-Binh Tschan. 

   
Parteien 

 
A._______, geboren (…), Syrien, 

vertreten durch Peter D. Deutsch, Fürsprecher, Augsburger 

Deutsch & Partner, (…), 

Beschwerdeführer,  

 

  
Gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt  

für Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   
Gegenstand 

 
Flüchtlingseigenschaft und Asyl; 

Verfügung des BFM vom 13. August 2014 / N (…). 

 

 

 

E-5268/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a. Der Beschwerdeführer – ein syrischer Staatsangehöriger kurdischer 

Ethnie mit letztem Wohnsitz in B._______ – verliess Syrien eigenen Anga-

ben zufolge am 9. August 2012 und reiste am 26. Dezember 2012 in die 

Schweiz ein, wo er am nächsten Tag um Asyl nachsuchte. 

An der Befragung vom 11. Januar 2013 und der Anhörung zu den Asylgrün-

den vom 2. Juli 2014 machte er zur Begründung des Asylgesuchs im We-

sentlichen geltend, er habe Syrien aus Angst vor den Islamisten verlassen. 

Diese hätten seinen Vater am 29. Juni 2012 entführt und für dessen Frei-

lassung ein Lösegeld von 15 Millionen syrische Lira (Äquivalent nach da-

maligem Kurs des SYP: rund 220'000 CHF) gefordert. Er sei in die Türkei 

gereist, um dort bei den Verwandten diese Summe "aufzutreiben", er habe 

indes nur 5 Millionen sammeln können, was er den Entführern auch telefo-

nisch mitgeteilt habe. Sein Bruder habe ihn sodann am 14. Juli 2012 tele-

fonisch darüber informiert, dass man den Vater tot aufgefunden habe. Die 

Brüder hätten die Leiche untersuchen lassen, und obwohl der Körper Fol-

terspuren aufwies, sei als Todesursache ein Schlaganfall diagnostiziert 

worden. Er sei danach nach Syrien zurückgekehrt, wo die Islamisten ihn 

weiterhin bedroht hätten, zumal er mit dem Roten Halbmond zusammen 

gearbeitet habe. Nachdem er in der Schweiz angekommen sei, habe ihm 

seine Mutter telefonisch mitgeteilt, der Dorfvorsteher habe ihr gegenüber 

den Vorwurf geäussert, er sei trotz Erhalts der Reservistenkarte nicht ins 

Militär eingerückt.  

A.b. Mit Verfügung vom 13. August 2014 – eröffnet am 18. August 2014 – 

stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte seine Wegweisung aus 

der Schweiz und schob den Vollzug der Wegweisung wegen Unzumutbar-

keit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf.  

B.  

Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 17. September 

2014 durch seinen Rechtsvertreter ans Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben 

und es sei ihm Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Sache zur Neubeur-

teilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.  

In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung ersucht.  

E-5268/2014 

Seite 3 

C.  

Mi Zwischenverfügung vom 17. Februar 2015 wurde das Gesuch um Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung wegen Aussichtslosigkeit der 

gestellten Rechtsbegehren abgewiesen und die Leistung eines Kostenvor-

schusses in der Höhe von Fr. 600.– verlangt, welcher Betrag fristgerecht 

einbezahlt wurde.  

D.  

Mit Eingabe vom 16. März 2015 reichte der Beschwerdeführer eine Stel-

lungnahme zur Begründung der Zwischenverfügung vom 17. Februar 2015 

betreffend die nach summarischer Prüfung der Akten festgestellte Aus-

sichtslosigkeit der Begehren ein.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1. Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet 

auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig über 

Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art 83 Bst. d Ziff. 1 

BGG).  

1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmten (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).  

1.3. Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges 

Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher 

zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutre-

ten.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

E-5268/2014 

Seite 4 

3.  

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet (vgl. dazu auch Erwägung 7).  

4.  

Der Antrag in der Beschwerde des anwaltlich vertretenen Beschwerdefüh-

rers lautet auf "Aufhebung der angefochtenen Verfügung". Indes wird auf-

grund der Begründung (vgl. Erwägung 6.2 unten) ersichtlich, dass die Auf-

hebung der vom Bundesamt angeordneten vorläufigen Aufnahme (Dispo-

sitivziffern 4 bis 7) zu Ungunsten des Beschwerdeführers nicht beabsichtigt 

war, es sich somit um einen redaktionellen Fehler des Rechtsanwaltes han-

deln muss.  

Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet somit lediglich die in der 

Beschwerdebegründung aufgeworfene Frage, ob die Vorinstanz zu Recht 

die Flüchtlingseigenschaft nicht anerkannte, das Asylgesuch ablehnte und 

die Wegweisung anordnete, oder ob die Dispositivziffern 1 bis 3 der ange-

fochtenen Verfügung aufzuheben sind.  

5.  

5.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden; als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-

bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-

chischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG). 

5.2. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

6.  

6.1. Die Vorinstanz begründete ihren abweisenden Entscheid im Wesent-

lichen mit der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers. 

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Seite 5 

Zur geltend gemachten Entführung und Ermordung des Vaters durch Isla-

misten führte das BFM aus, die entsprechenden Angaben des Beschwer-

deführers seien zu wenig konkret, detailliiert und differenziert dargelegt. 

Unter anderem habe er keine genauen Angaben zur Täterschaft und dem 

Motiv der Entführung machen können, obwohl er in der Türkei mehrmals 

am Tag mit den Entführern telefonisch in Kontakt gestanden sei. Zudem 

habe er auch eineinhalb Jahre nach der Einreichung des Asylgesuchs kei-

nes der Beweismittel zu den Akten gereicht, welche er anlässlich der Schil-

derung der Begleitumstände der Entführung und Ermordung des Vaters 

erwähnt habe, so unter anderem ein medizinischer Untersuchungsbericht 

zur Todesursache des Vaters. Zudem sei die Forderung der Entführer auf 

eine Lösegeldzahlung in der Höhe von 15 Millionen syrische Lira als unre-

alistisch einzustufen und es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Entfüh-

rer nicht die Rückkehr des Beschwerdeführers aus der Türkei abgewartet, 

sondern den Vater vorher umgebracht hätten. Dass nach Angaben des Be-

schwerdeführers die anderen Familienangehörigen nicht von den Islamis-

ten bedroht worden seien, sei erstaunlich. Dieses unlogische Verhalten der 

Entführer lasse die Darstellung des Beschwerdeführers ebenfalls als nicht 

nachvollziehbar erscheinen. Das Vorbringen betreffend den Erhalt der Re-

servistenkarte sei, da es nicht bereits anlässlich der Befragung erwähnt 

wurde, als nachgeschoben zu qualifizieren, da es ohne zwingenden Grund 

erst im späteren Verlauf des Verfahrens geltend gemacht worden sei und 

nicht nur eine Konkretisierung bereits dargelegter Ereignisse darstelle, zu-

mal weder die erwähnte Reservistenkarte noch das Militärbüchlein einge-

reicht worden seien.  

6.2. Diesem Argumentarium wird in der Beschwerde vorab entgegengehal-

ten, der Beschwerdeführer habe der Vorinstanz am 30. Juli 2014 das in 

Kopie beigelegte Beweismittel (Arztbericht vom 16. Juli 2012 mit deutscher 

Übersetzung) im Original eingereicht, doch habe die Vorinstanz dieses in 

seiner Verfügung vom 13. August 2014 überhaupt nicht gewürdigt. Weiter 

hält er den Vorhaltungen der Vorinstanz zum "unlogischen Verhalten" der 

Entführer einerseits entgegen, dass die Höhe der von den Entführern ein-

geforderten Summe in Anbetracht der sich in der Familie befindlichen Lie-

genschaften "angemessen" gewesen sein dürfte. Andererseits sei der Va-

ter gemäss der Darstellung des Beschwerdeführer und dem eingereichten 

Arztbericht eben gerade nicht direkt von den Entführern "umgebracht" wor-

den, sondern Todesursache sei ein wegen der Aufregung und den erlitten 

Folterungen eingetretener Schlaganfall gewesen. Schliesslich habe der 

Beschwerdeführer ausdrücklich darauf hingewiesen, dass seine Ge-

schwister ebenfalls gefährdet seien und sich der Bedrohungslage nur 

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Seite 6 

durch häufigen Aufenthaltswechsel hätten entziehen können. Zudem sei er 

vom Militär als Reservist aufgeboten worden, weshalb der beigelegte Haft-

befehl vom 16. Juni 2014 (eingereicht in Kopie mit deutscher Übersetzung) 

gegen ihn ergangen sei. Damit habe die Vorinstanz zu Unrecht die Un-

glaubhaftigkeit der Aussagen festgestellt. Hingegen werde in der ange-

fochtenen Verfügung nicht bestritten, dass die Vorbringen des Beschwer-

deführers einer Verfolgungssituation im Sinne von Art. 3 AsylG entspre-

chen würden und damit die Voraussetzungen für die Asylgewährung erfüllt 

wären. Deshalb sei die Beschwerde gutzuheissen und dem Beschwerde-

führer Asyl zu gewähren.  

6.3. Das Bundesverwaltungsgericht stellte in seiner Zwischenverfügung 

vom 17. Februar 2015 im Zusammenhang mit der summarischen Beurtei-

lung der Prozesschancen fest, dass einerseits die in der Beschwerde vor-

gebrachten Argumente betreffend die Nichtwürdigung des Arztberichtes in 

keiner Weise überzeugen würden, zumal gemäss den vorinstanzlichen Ak-

ten kein Beweismittel, namentlich nicht das Original des besagten Arzt-

zeugnisses, bei der Vorinstanz eingereicht worden sei, und die Postquit-

tung vom 30. Juli 2014 lediglich das Anfertigen einer Fotokopie und den 

Kauf eines vorfrankierten Briefumschlages belege. Andererseits werde das 

auf Beschwerdeebene neu vorgebrachte Sachverhaltselement, der Be-

schwerdeführer sei vom Militär als Reservist aufgeboten worden, mit der 

Fotokopie eines angeblichen Haftbefehls vom 16. Juni 2013 mitnichten be-

legt, da das darin unterstellte Verbrechen die Mitgliedschaft in einer politi-

schen Organisation und die Verachtung der öffentlichen Ordnung sei.  

6.4. In seiner Stellungnahme vom 16. März 2015 machte der Beschwerde-

führer geltend, er habe das Original des Arztzeugnisses am 30. Juli 2014 

bei der Vorinstanz eingereicht. Er verfüge nun nur noch über die sich in 

den Akten des Bundesverwaltungsgerichts befindliche Kopie. Die Aussa-

gen zum eingereichten Haftbefehl und dessen (fälschlichen) Konnex zum 

Aufgebot als Reservist sei auf ein sprachliches Missverständnis zwischen 

dem Beschwerdeführer und seinem Rechtsvertreter zurückzuführen. Der 

Haftbefehl beziehe sich nach Aussagen des Beschwerdeführers auf seine 

Mitgliedschaft bei der Kurdisch-Demokratischen Partei, welche das Rote 

Kreuz (recte: Roter Halbmond) unterstütze. Da die Gesundheitsversorgung 

ein staatliches Monopol darstelle, sei die Unterstützung des Roten Kreuzes 

(recte: Roten Halbmondes) eine Verachtung der öffentlichen Verwaltung. 

Das Original des Haftbefehls wurde ebenfalls beigelegt.  

7.  

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Seite 7 

7.1. Bei der Sichtung der Akten im Hinblick auf die Abfassung des Urteils 

stellte das Bundesverwaltungsgericht fest,  

- dass am 28. Mai 2015 eine Dossierbestellung des SEM beim Gericht ein-

gegangen und das vorinstanzliche N-Dossier gleichentags ans SEM 

übermittelt worden ist, 

- dass das Dossier am 11. Juni 2015 ans Gericht retourniert worden ist,  

- dass das SEM den Besitz seines Dossiers dazu benutzt hat, das gemäss 

vorinstanzlichem Eingangsstempel bereits am 31. Juli 2014 beim BFM 

eingegangene Original des vom Beschwerdeführer eingereichten Arzt-

zeugnisses samt Briefumschlag den Akten hinzuzufügen, 

- dass dieser Vorgang vom SEM weder zuhanden des Gerichts noch zu-

handen der BFM-/SEM-Akten dokumentiert oder kommentiert worden ist. 

7.2. Damit rügt der Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene zu Recht, 

dass die Vorinstanz den – sowohl der vorinstanzlichen Verfügung als auch 

der Zwischenverfügung des Gerichts vom 17. Februar 2015 zu Grunde ge-

legenen – Sachverhalt in Verletzung von Art. 12 i.V.m. Art. 49 Bst. b VwVG 

unkorrekt beziehungsweise unvollständig ermittelt habe. Der Verfahrens-

fehler liegt darin, dass sie das am 30. Juli 2014 eingereichte Original-Be-

weismittel überhaupt nicht gewürdigt hat. Zudem ist in der Begründung 

der angefochtenen Verfügung (vgl. E. 6.1) und im unkommentierten Ver-

vollständigen der Akten – ohne dass das Gericht auf die vorherige Unvoll-

ständigkeit hingewiesen worden wäre – eine grobe Verletzung der Akten-

führungspflicht durch die Vorinstanz zu erblicken. Die Aktenführungspflicht 

der Verwaltung stellt das Gegenstück zum Akteneinsichtsrecht der be-

schwerdeführenden Person dar, welches seinerseits Bestandteil des recht-

lichen Gehörs nach Art. 29 Abs. 2 BV bildet, und ist insofern ein Teilaspekt 

des Anspruchs auf rechtliches Gehör, als die Wahrnehmung des Aktenein-

sichtsrechts eine korrekte Aktenführung voraussetzt (vgl. BGE 124 V 372 

E. 3b, 124 V 389 E. 3a). Die Behörde ist verpflichtet, ein vollständiges Ak-

tendossier über das Verfahren zu führen, um gegebenenfalls ordnungsge-

mäss Akteneinsicht gewähren und bei einem Weiterzug diese Unterlagen 

an die Rechtsmittelinstanz weiterleiten zu können (vgl. BGE 130 II 473 E. 

4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_231/2007 vom 5. November 2007 E. 

3.2; OESCHGER/WALDMANN, in: Praxiskommentar zum Bundesgesetz über 

das Verwaltungsverfahren [VwVG], Zürich 2009, N. 34 ff zu Art. 26 VwVG). 

Der verfassungsmässige Anspruch auf eine geordnete und übersichtliche 

Aktenführung verpflichtet die Behörden und Gerichte, die Vollständigkeit 

der im Verfahren eingebrachten und erstellten Akten sicherzustellen (BGE 

138 V 218 E. 8.1). 

E-5268/2014 

Seite 8 

7.3. Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-

richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen 

Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation der Verfügung und 

Rückweisung an die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere 

Tatsachen festgestellt werden müssen und ein umfassendes Beweisver-

fahren durchzuführen ist. Entscheidungsreife kann zwar auch durch die 

Beschwerdeinstanz hergestellt werden, wenn dies im Einzelfall aus pro-

zessökonomischen Gründen angebracht erscheint (vgl. BVGE 2012/21 

E. 5); sie kann und soll aber die Grundlagen des rechtserheblichen Sach-

verhalts nicht gleichsam an Stelle der verfügenden Verwaltungsbehörde 

erheben, zumal die Partei bei diesem Vorgehen einer Instanz verlustig 

ginge und, angesichts der seit 1. Februar 2014 geltenden Kognitionsbe-

schränkung der Beschwerdeinstanz (vgl. Art. 106 Abs. 1 AsylG), zudem die 

Angemessenheitsüberprüfung verlöre.  

7.4. Vorliegend ist die Kassation der angefochtenen Verfügung nicht so 

sehr aus dem Grund angezeigt, dass noch notwendige Abklärungen bezie-

hungsweise relativ aufwändige und umfangreiche Beweiserhebungen zu 

tätigen wären, um den Sachverhalt zu vervollständigen. Vielmehr hat die 

Vorinstanz mit ihrer Vorgehensweise ihre Aktenführungspflicht und ihre 

Pflicht für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen 

Sachverhaltes zu sorgen in grober Weise verletzt, was eine Zurückweisung 

und grundlegende Neubeurteilung der Sachlage (inklusive der auf Be-

schwerdeebene geltend gemachten Vorbringen und eingereichten Beweis-

mittel) notwendig macht, da diese formellen Fehler auf Beschwerdeebene 

nicht geheilt werden können.  

7.5. Die Beschwerde ist dementsprechend gutzuheissen. Die angefoch-

tene Verfügung ist in den Dispositivziffern 1 bis 3 aufzuheben und die Sa-

che zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung sowie zu neuer Entschei-

dung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die vorinstanzlichen Akten sind, 

zusammen mit Fotokopien der relevanten Akten des Beschwerdedossiers, 

welches ebenfalls Prozessstoff des vorinstanzlichen Verfahrens bilden 

wird, dem SEM zuzustellen.  

8.  

8.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der mit Zwischenverfügung vom 17. Fe-

bruar 2015 erhobene Kostenvorschuss wird dem Beschwerdeführer zu-

rückerstattet. Der Beschwerdeführer wird aufgefordert, seine Kontodaten 

dem Bundesverwaltungsgericht zu übermitteln.  

E-5268/2014 

Seite 9 

8.2. Dem professionell vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts sei-

nes Obsiegens eine Entschädigung für die ihm notwendigerweise erwach-

senen Parteikosten zuzusprechen (Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des 

Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 

vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Gemäss 

Art. 14 Abs. 1 VGKE haben die Parteien, die Anspruch auf Parteientschä-

digung erheben, und die amtlich bestellten Anwälte und Anwältinnen dem 

Gericht vor dem Entscheid eine detaillierte Kostennote einzureichen. Vor-

liegend hat der Rechtsvertreter keine Kostennote eingereicht, obschon ihm 

dies im Rahmen der Eingaben vom 17. September 2014 und 16. März 

2015 möglich gewesen wäre. Der Aufwand ist deshalb auf Grund der Akten 

(Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE) unter Berücksichtigung der massgeblichen 

Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) zu schätzen und die Entschädi-

gung auf Fr. 1085.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteueranteil) festzuset-

zen.  

Das SEM ist anzuweisen, dem Beschwerdeführer diesen Betrag als Par-

teientschädigung für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht 

auszurichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-5268/2014 

Seite 10 

 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Dispositivziffern 1 bis 3 der Verfügung vom 13. August 2014 werden 

aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung 

an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der mit Zwischenverfügung 

vom 17. Februar 2015 erhobene Kostenvorschuss wird dem Beschwerde-

führer zurückerstattet. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädi-

gung von Fr. 1085.– zu entrichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter:  Die Gerichtsschreiberin: 

  

Walter Stöckli Tu-Binh Tschan 

 

 

 

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