# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b0beab32-b1b8-5ce3-a4bc-55cf4978c844
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-06-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.06.2020 D-188/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-188-2019_2020-06-05.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-188/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  5 .  J u n i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richterin Mia Fuchs (Vorsitz), 

Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger,  

Richterin Contessina Theis, 

Gerichtsschreiber Martin Scheyli 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am [...], 

Albanien,  

vertreten durch Annalena von Allmen, MLaw,  

Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende,  

[...], 

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 3. Januar 2019  

 

 

 

D-188/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin ist albanische Staatsangehörige mit letztem 

Wohnsitz in Tirana. Gemäss eigenen Angaben verliess sie ihren Heimat-

staat am 22. Oktober 2018 und reiste am 23. Oktober 2018 in die Schweiz 

ein. Am 24. Oktober 2018 ersuchte sie beim damaligen Empfangs- und 

Verfahrenszentrum Basel um Asyl.  

B.  

Mit Zwischenverfügung vom 25. Oktober 2018 eröffnete das Staatssekre-

tariat für Migration (SEM) der Beschwerdeführerin, sie sei nach dem Zu-

fallsprinzip dem Verfahrenszentrum Zürich zugewiesen worden, wo ihr 

Asylgesuch gestützt auf Art. 4 der Testphasenverordnung vom 4. Septem-

ber 2013 (TestV, SR 142.318.1) behandelt werde. Dabei wurde sie durch 

das SEM am 31. Oktober 2018 zu ihrer Person befragt und am 12. Dezem-

ber 2018 eingehend zu den Asylgründen angehört. 

C.  

Anlässlich ihrer Befragungen machte die Beschwerdeführerin im Wesent-

lichen geltend, sie habe Albanien gemeinsam mit ihrer Mutter, B._______, 

und ihren beiden jüngeren Brüdern, C._______ und D._______ [...], wegen 

der Probleme mit ihrem Vater verlassen. Ihr Vater sei sowohl gegen die 

Mutter als auch gegen sie selbst und die beiden Brüder äusserst gewalttä-

tig gewesen. Einige Jahre lang hätten sie alle in Griechenland gelebt, und 

in dieser Zeit, etwa 2012 oder 2013, habe ihr Vater einmal sie alle zusam-

men mit einer Motorsäge töten wollen. Ihre Mutter habe sich später schei-

den lassen, aber selbst danach habe er sie immer wieder geschlagen. Der 

Vater habe ständig Geld von ihnen verlangt, was die Mutter aber verweigert 

habe. Ihr selbst, der Beschwerdeführerin, habe er einmal auf der Strasse 

aufgelauert und ihr das gesamte Geld abgenommen, das sie bei sich ge-

tragen habe. Sie und ihre Mutter hätten versucht, bei einem Posten der 

albanischen Polizei in Tirana gegen den Vater wegen der Übergriffe An-

zeige zu erstatten. Die Polizisten hätten aber gesagt, sie wollten damit 

nichts zu tun haben. Zwei oder drei Tage vor der Ausreise habe er sie auf 

dem Heimweg ein weiteres Mal abgepasst und von ihr Geld verlangt. Als 

sie gesagt habe, dass sie kein Geld für ihn habe, sei sie von ihm an den 

Haaren gepackt und so bis zur Wohnung ihrer Mutter gezogen worden, wo 

er wie verrückt gegen die Tür geschlagen habe, bis die Mutter geöffnet 

habe. Dann sei sie von ihm heftig ins Haus geworfen worden. Er habe ge-

sagt, er würde wieder vorbeikommen, und er könne nicht vergessen, dass 

D-188/2019 

Seite 3 

sie ihm kein Geld gegeben habe. Aus Angst vor dem Vater, und weil sie 

von niemandem Unterstützung erhalten hätten, habe ihre Mutter beschlos-

sen, mit den Kindern das Land zu verlassen. 

D.  

Am 27. Dezember 2018 unterbreitete das SEM der Rechtsvertreterin der 

Beschwerdeführerin den Entwurf seines Entscheids zur Stellungnahme.  

E.  

Am 31. Dezember 2018 übermittelte die Rechtsvertreterin dem Staatssek-

retariat ihre Stellungnahme sowie ein ärztliches Zeugnis betreffend die 

Mutter der Beschwerdeführerin. 

F.  

Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 3. Januar 2019 lehnte das SEM 

das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab und ordnete deren Wegwei-

sung aus der Schweiz sowie den Vollzug an.  

G.  

Diese Verfügung focht die Beschwerdeführerin mit Eingabe ihrer Rechts-

vertreterin vom 10. Januar 2019 beim Bundesverwaltungsgericht an. Dabei 

beantragte sie die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zu-

rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur vollständigen Abklärung des 

Sachverhalts, eventualiter die Feststellung ihrer Flüchtlingseigenschaft so-

wie die Gewährung des Asyls, subeventualiter die Anordnung der vorläufi-

gen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. In pro-

zessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG. Weiter beantragte sie, das 

Verfahren sei mit dem gleichzeitig anhängig gemachten Beschwerdever-

fahren von B._______, C._______ und D._______ zu vereinigen, eventu-

aliter zu koordinieren. Als Beweismittel wurden mit der Eingabe zwei ärzt-

liche Zeugnisse in Bezug auf die Beschwerdeführerin sowie ein ärztliches 

Zeugnis betreffend B._______ eingereicht.  

H.  

Mit Zwischenverfügung vom 18. Januar 2019 wies die zuständige Instruk-

tionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-

rung ab. Zugleich wurde die Beschwerdeführerin zur Leistung eines Kos-

tenvorschusses von Fr. 750.– mit Frist bis zum 4. Februar 2019 aufgefor-

dert, unter Androhung des Nichteintretens im Unterlassungsfall. Im Übrigen 

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Seite 4 

wurde festgehalten, das Verfahren werde in Koordination mit dem Be-

schwerdeverfahren D-179/2019 betreffend B._______, C._______ und 

D._______ behandelt. 

I.  

Mit Einzahlung vom 4. Februar 2019 wurde der verlangte Kostenvorschuss 

fristgerecht geleistet.  

J.  

Mit Eingaben vom 5. und 27. Februar 2019 übermittelte die Rechtsvertre-

terin zwei weitere ärztliche Zeugnisse sowie eine Stellungnahme zum ge-

sundheitlichen Zustand der Beschwerdeführerin und dessen Auswirkun-

gen auf die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs.  

K.  

Mit Vernehmlassung vom 20. März 2019 hielt das SEM vollumfänglich an 

seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.  

L.  

Mit Zwischenverfügung vom 22. März 2019 wurde der Beschwerdeführerin 

bezüglich der Vernehmlassung der Vorinstanz das Replikrecht erteilt.  

M.  

Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 8. April 2019 gab die Beschwer-

deführerin eine entsprechende Stellungnahme ab. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Beschwerden ge-

gen Verfügungen, die gestützt auf das Asylgesetz (AsylG, SR 142.31) 

durch das SEM erlassen worden sind, entscheidet das Bundesverwal-

tungsgericht grundsätzlich (mit Ausnahme von Verfahren betreffend Perso-

nen, gegen die ein Auslieferungsersuchen des Staates vorliegt, vor wel-

chem sie Schutz suchen) endgültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; 

Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

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Seite 5 

1.2 Für das vorliegende Verfahren gilt nach der am 1. März 2019 in Kraft 

getretenen Änderung des AsylG das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Über-

gangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015), 

unter Einschluss der TestV. 

2.  

Die Beschwerdeführerin ist legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG 

und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde (aArt. 108 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 40 und Art. 6a Abs. 2 Bst. a 

AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist ein-

zutreten. 

3.  

Das vorliegende Urteil erfolgt koordiniert mit dem gleichzeitig ergehenden 

Entscheid im Verfahren D-179/2019 betreffend B._______, C._______ und 

D._______. 

4.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können im Anwen-

dungsbereich des AsylG die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich 

Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Bereich des Ausländerrechts richtet 

sich die Kognition des Gerichts nach Art. 49 VwVG (BVGE 2014/26 E. 5). 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in ihrem 

Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Re-

ligion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe  

oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen aus-

gesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu 

werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von 

Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen 

psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). Dabei ist auch den frauenspe-

zifischen Fluchtgründen Rechnung zu tragen. 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlings-

eigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender 

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Seite 6 

Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor-

bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi-

dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf 

gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.3 Das SEM führte zur Begründung der Ablehnung des Asylgesuchs ‒ ab-

gesehen davon, dass es sich beim Heimatstaat der Beschwerdeführerin, 

Albanien, um einen verfolgungssicheren Staat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 

Bst. a AsylG handle ‒ im Wesentlichen aus, ihre Vorbringen seien asyl-

rechtlich nicht relevant. Dieser Einschätzung der Vorinstanz ist beizupflich-

ten. Wie in der angefochtenen Verfügung zutreffenderweise ausgeführt 

wurde, kann einzig aufgrund des Vorbringens, die Beschwerdeführerin be-

ziehungsweise deren Mutter hätten bei einem Posten der albanischen Po-

lizei in Tirana insgesamt zweimal vergeblich versucht, gegen ihren Vater ‒ 

den ehemaligen Ehemann der Mutter ‒ wegen der erlittenen Übergriffe An-

zeige zu erstatten, nicht vom Fehlen eines entsprechenden Schutzwillens 

der albanischen Behörden gesprochen werden. Es wäre der Beschwerde-

führerin zuzumuten gewesen, ihren Anspruch auf Entgegennahme der An-

zeige und auf angemessenen Schutz bei einer übergeordneten staatlichen 

Behörde geltend zu machen. Auch hat die Beschwerdeführerin, wie von 

der Vorinstanz ebenfalls zurecht festgestellt wurde, keine Anstalten unter-

nommen, in anderweitiger Hinsicht Unterstützung zu erlangen, so insbe-

sondere beim in der angefochtenen Verfügung erwähnten Beratungszent-

rum für gewaltbetroffene Frauen. Des Weiteren ist nicht ersichtlich, wes-

halb die Beschwerdeführerin keine innerstaatliche Aufenthaltsalternative in 

Erwägung gezogen hat, um sich den Behelligungen durch ihren Vater zu 

entziehen. Der Beschwerdeschrift ist nichts zu entnehmen, was geeignet 

wäre, an den soeben getroffenen Einschätzungen etwas zu ändern. Dabei 

ist festzuhalten, dass angesichts der offensichtlich nicht gegebenen asyl-

rechtlichen Relevanz der Vorbringen die Frage der Glaubhaftigkeit – deren 

abschliessende Beurteilung gemäss Ausführungen in der Beschwerde-

schrift weitere psychiatrische Abklärungen erfordere ‒ nicht von entscheid-

wesentlicher Bedeutung ist. 

5.4 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Vorinstanz das Asylgesuch der 

Beschwerdeführerin zu Recht abgelehnt hat. 

6.  

Die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein Asylge-

such hat in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge (Art. 44 

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Seite 7 

AsylG). Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtli-

che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer 

solchen (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die verfügte 

Wegweisung steht daher im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen 

und wurde von der Vorinstanz zu Recht angeordnet. 

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 

den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus-

länderinnen und Ausländern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesge-

setzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration 

[AIG, SR 142.20]). 

7.2 Die erwähnten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der 

Wegweisung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit) sind al-

ternativer Natur: Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der Weg-

weisung als undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit in 

der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu 

regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4, 2013/1 E. 6.2). 

7.3 Weil sich vorliegend der Vollzug der Wegweisung aus den nachfolgend 

aufgezeigten Gründen als unzumutbar erweist, ist auf eine Erörterung der 

beiden anderen Kriterien zu verzichten. 

7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug 

Kinder betroffen, so ist im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung dem Kindes-

wohl Rechnung zu tragen. Dabei sind unter dem Aspekt des Kindeswohls 

sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die im Hinblick auf 

eine Wegweisung wesentlich erscheinen (vgl. BVGE 2009/28 E. 9.3.2; Ent-

scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission 

[EMARK] 1998 Nr. 13 E. 5e/aa, 1998 Nr. 31 E. 8c/ff/ccc S. 260, 2005 Nr. 6 

E. 6.2 S. 57 f.). 

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Seite 8 

7.5 In Bezug auf die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin 

ergibt sich aus den im vorinstanzlichen Verfahren sowie auf Beschwerde-

ebene eingereichten ärztlichen Zeugnissen, soweit vorliegend von Bedeu-

tung, Folgendes. 

Aus zwei im Wesentlichen gleichlautenden ärztlichen Zeugnissen des 

E._______ vom 10. Januar 2019 ergibt sich, es liege eine Reaktion auf 

schwere Belastung (gemäss Klassifikation ICD-10: F43.9) vor.  

Einem medizinischen Bericht der gleichen Klinik vom 16. Januar 2019 ist 

im Wesentlichen Folgendes zu entnehmen: Die Beschwerdeführerin leide 

seit langem unter Schlafstörungen, ausgeprägter Schreckhaftigkeit und 

grosser Traurigkeit. Sie habe, seit sie sich erinnern könne, gewalttätige 

Übergriffe durch ihren Vater erlebt. Am meisten jedoch habe in der Familie 

ihre Mutter unter der körperlichen Gewalt durch diesen gelitten. So sei der 

Vater einmal mit einer Motorsäge auf die Mutter losgegangen. Sie selbst 

könne an ihren Beinen Narben von Messerstichverletzungen zeigen und 

beschreibe Knochenbrüche von Übergriffen, bei welchen der Vater sie über 

ein Hindernis gestossen habe. Ihre Schlafstörungen und die Schreckhaf-

tigkeit bestünden seit der Trennung der Eltern, welche erfolgt sei, als sie 

zwölf Jahre alt gewesen sei. Die Gewalt habe danach jedoch nicht aufge-

hört und schliesslich zur Flucht der Mutter mit ihren drei Kindern geführt. 

Beim Einschlafen würden sich ihr Erinnerungen an Gewaltszenen mit dem 

Vater aufdrängen, und sie leide an taktilen Halluzinationen. Deswegen 

habe sie in der Asylunterkunft einmal so laut geschrien, dass dies zu einem 

Einsatz des Sicherheitsdienstes geführt habe. Diagnostisch erfülle die Be-

schwerdeführerin die Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung 

(ICD-10: F43.1) nach lebensbedrohlicher körperlicher Gewalt gegen sich 

und gegen die eigene Mutter durch den Vater seit jüngster Kindheit.  

Aus einem weiteren fachärztlichen Bericht der gleichen Klinik vom 4. Feb-

ruar 2019 geht im Wesentlichen Folgendes hervor: Die Beschwerdeführe-

rin leide unter einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung nach 

wiederholten, schweren gewalttätigen Übergriffen durch den Vater gegen-

über ihr selbst und Beobachtung der Misshandlungen der Mutter. Es 

handle sich um eine langjährige und schwere körperliche Kindesmisshand-

lung mit mehrfacher und langfristiger Traumatisierung. Voraussetzung für 

jede erfolgreiche Traumatherapie seien die Stabilisierung der äusseren Si-

tuation – insbesondere kein Täterkontakt – und die Schaffung einer stabi-

len und sicheren psychosozialen Situation. Bei einer Rückkehr der Be-

schwerdeführerin in ihren Heimatstaat sei davon auszugehen, dass diese 

Faktoren nicht erfüllt würden. Unter diesen Umständen sei von einer gra-

vierenden Verschlechterung des aktuell leicht stabilisierten psychischen 

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Seite 9 

Zustandes auszugehen. Auch würde dies eine erneute starke Belastung 

darstellen, die vor dem Hintergrund des aktuellen Krankheitsbildes bei 

stark erhöhter Vulnerabilität zu einer weiteren Traumatisierung führen 

könnte. Besonders problematisch sei das hohe Suizidrisiko von Patienten 

mit schweren psychiatrischen Erkrankungen. Insbesondere aufgrund der 

sehr frühen und langanhaltenden Traumatisierung sei zudem das Risiko 

der Entwicklung einer komplexen Symptomatik mit komorbiden Störungs-

bildern im Verlauf als sehr hoch einzuschätzen. Im unwahrscheinlichen 

Fall, dass eine allfällige Rückführung in den Heimatstaat nicht zu einer Re-

traumatisierung und damit zu einer akuten, unmittelbaren Verschlechte-

rung des Zustandsbildes führen würde und es möglich wäre, im Herkunfts-

land die Stabilisierung durch Schaffung eines sicheren Umfeldes zu ge-

währleisten, sei es unwahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin in Al-

banien Zugang zu einer für sie dringend notwendigen traumatherapeuti-

schen Behandlung erhalten würde. Zusammenfassend bestehe bei der Be-

schwerdeführerin im Falle einer Rückkehr ins Heimatland ein sehr hohes 

Risiko einer Retraumatisierung und damit einer unmittelbaren, deutlichen 

Verschlechterung des psychischen Zustands mit Gefahr für Leib und Le-

ben. Mögliche Folgen seien primär die Entwicklung akuter Suizidalität, die 

weitere Chronifizierung der posttraumatischen Belastungsstörung mit 

schwersten Einschränkungen der Lebensgestaltung und die Entwicklung 

langfristiger schwerer, komorbider psychischer Störungen, die ebenfalls 

mit hohem Suizidrisiko behaftet seien. 

7.6  

7.6.1 In Bezug auf die geltend gemachten Gewalterfahrungen seitens des 

Vaters der Beschwerdeführerin ist zunächst festzustellen, dass diese – 

auch wenn ihnen, wie zuvor ausgeführt, keine asylrechtliche Relevanz zu-

kommt – angesichts der übereinstimmenden ärztlichen Zeugnisse und der 

im vorinstanzlichen Verfahren gemachten Aussagen als glaubhaft zu er-

achten sind. Weiter besteht auch kein Anlass, die Stichhaltigkeit der fach-

ärztlichen medizinischen Diagnosen und die entsprechenden Schlüsse 

hinsichtlich des derzeitigen gesundheitlichen Zustands wie auch der mög-

lichen künftigen Entwicklung in Zweifel zu ziehen.  

7.6.2 Zwar wurde mit Zwischenverfügung vom 18. Januar 2019 gestützt 

auf eine summarische Prüfung der Akten die Einschätzung vertreten, die 

damals geltend gemachten gesundheitlichen Probleme seien nicht als ge-

eignet zu erachten, die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach 

Albanien zu begründen. Jedoch hatte die Beschwerdeführerin im vo-

rinstanzlichen Verfahren lediglich vorgebracht, sie habe ein paar Flecken 

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Seite 10 

am Körper und leide unter Vitaminmangel. Die psychisch-medizinischen 

Probleme wurden erst aufgrund der weiteren Eingaben im Verlauf des Be-

schwerdeverfahrens ersichtlich. Aufgrund der dabei eingereichten ärztli-

chen Zeugnisse sowie verschiedener im Verfahren D-179/2019 betreffend 

die Mutter und die beiden Brüder eingereichter Beweismittel ergaben sich 

auch zusätzliche Anhaltspunkte zum Ausmass der Misshandlungen und 

Bedrohungen durch den Vater der Beschwerdeführerin. Dabei ist der Be-

schwerdeführerin unter den gegebenen Umständen nicht vorzuwerfen, 

dass sie ihre gesundheitlichen Leiden nicht bereits zu einem früheren Zeit-

punkt geltend gemacht hat. Opfer einer Traumatisierung haben bekannter-

massen oftmals grosse Probleme, die gemachten Erlebnisse zur Sprache 

zu bringen (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.1). Diese Schwierigkeiten können ‒ 

auch abhängig von der kulturellen Sozialisierung der Opfer ‒ unter ande-

rem durch die von der betroffenen Person entwickelten Selbstschutzme-

chanismen erklärt werden. Diesbezüglich ist im vorliegenden Fall beson-

ders zu berücksichtigen, dass sich die erlittenen Gewalterfahrungen über 

einen langen Zeitraum erstreckten und die Beschwerdeführerin bereits in 

frühestem Alter und über die gesamte Kindheit hinweg davon betroffen war.  

7.6.3 Aus den vorhandenen ärztlichen Zeugnissen ergibt sich, dass die Be-

schwerdeführerin aufgrund des Erlebten unter einer schwerwiegenden 

Traumatisierung leidet, welche eine anhaltende psychotherapeutische Be-

handlung erforderlich macht. Dabei enthalten die ärztlichen Zeugnisse 

auch die nachvollziehbare Aussage, dass eine solche Behandlung nur in 

einem geschützten Umfeld erfolgversprechend ist, andernfalls das Risiko 

einer Chronifizierung der bereits heute erheblichen psychischen Erkran-

kung besteht. Es muss davon ausgegangen werden, dass im Falle einer 

Rückkehr nach Albanien – ungeachtet der Frage, welche Behandlungs-

möglichkeiten dort für sie tatsächlich verfügbar wären – die Furcht vor künf-

tigen weiteren Übergriffen seitens des Vaters die gesundheitliche Situation 

der Beschwerdeführerin weiter verschlechtern könnte. Angesichts der vor-

liegenden Diagnose und der erwähnten besonderen Umstände muss da-

her davon ausgegangen werden, dass eine Rückkehr in den Heimatstaat 

die Beschwerdeführerin in psychisch-medizinischer Hinsicht mit erhebli-

cher Wahrscheinlichkeit in eine Situation bringen würde, die einer konkre-

ten Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG gleichkäme. Dabei ist über 

das bisher Gesagte hinaus auch in Erwägung zu ziehen, dass ungewiss 

erscheint, in welchem Ausmass die Beschwerdeführerin in Albanien über 

ein tragfähiges familiäres Netz verfügt. Zwar leben in Albanien – abgese-

hen vom Vater – verschiedene Familienangehörige (Grosseltern, Onkel 

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Seite 11 

und Tanten). Jedoch machte die Mutter der Beschwerdeführerin im betref-

fenden Verfahren D-179/2019 geltend, es sei mit diesen Angehörigen auf-

grund der Scheidung mit dem Ehemann – dem Vater der Beschwerdefüh-

rerin – zum Zerwürfnis gekommen, was auch unter Berücksichtigung des 

sozio-kulturellen Hintergrunds als glaubhaft erscheint. Dem steht gegen-

über, dass die Beschwerdeführerin in ihrem Heimatstaat aufgrund ihres 

Bedarfs an psychiatrischer Behandlung auf die finanzielle Unterstützung 

seitens ihrer Verwandten angewiesen sein dürfte. Von einer selbständigen 

Sicherung des Existenzminimums durch die Beschwerdeführerin kann in 

Anbetracht ihrer eigenen gesundheitlichen Verfassung nicht ausgegangen 

werden. Aus den gleichen Gründen hat sie auch durch ihre Mutter und ihre 

beiden Brüder – deren jüngere im Übrigen noch minderjährig ist – keine 

entsprechende Unterstützung zu erwarten. Unter Berücksichtigung aller 

wesentlichen Umstände ergibt sich somit der Schluss, dass der Vollzug der 

Wegweisung der Beschwerdeführerin nach Albanien als unzumutbar zu er-

achten ist. 

8.  

Nach den angestellten Erwägungen ist die Beschwerde hinsichtlich des 

Vollzugs der Wegweisung gutzuheissen; im Übrigen ist sie abzuweisen. 

Nachdem vorliegend auch keine Gründe für die Anwendung von Art. 83 

Abs. 7 AIG aktenkundig sind, sind die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der 

angefochtenen Verfügung aufzuheben, und das SEM ist anzuweisen, den 

Aufenthalt der Beschwerdeführerin nach den gesetzlichen Bestimmungen 

über die vorläufige Aufnahme zu regeln (Art. 44 AsylG und Art. 83 Abs. 4 

AIG). 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind der Beschwerdeführerin um 

die Hälfte reduzierte Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 375.– aufzuer-

legen (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2] i.V.m. Art. 16 Abs. 1 Bst. a 

VGG). Dabei ist zur Begleichung der Verfahrenskosten der geleistete Kos-

tenvorschuss von Fr. 750.– anteilsmässig zu verwenden, womit der Be-

schwerdeführerin der Überschuss von Fr. 375.– zurückzuerstatten ist. 

9.2 Nachdem die Beschwerdeführerin hinsichtlich des Wegweisungsvoll-

zugs – und insofern teilweise – obsiegt hat, ist ihr eine angemessene, um 

die Hälfte reduzierte Parteientschädigung zu entrichten (vgl. Art. 64 Abs. 1 

VwVG i.V.m. Art. 37 VGG; Art. 7 ff. VGKE). Seitens der Rechtsvertretung 

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Seite 12 

ist keine Kostennote eingereicht worden. Auf die Nachforderung einer sol-

chen wird indessen verzichtet (vgl. Art. 14 Abs. 2 VGKE), weil im vorliegen-

den Verfahren der Aufwand des Schriftenwechsels zuverlässig abge-

schätzt werden kann. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemes-

sungsfaktoren (Art. 9‒13 VGKE) sowie um die Hälfte gekürzt (Art. 7 Abs. 2 

VGKE) wird die Parteientschädigung auf Grund der Akten daher auf 

Fr. 800.‒ (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt. Dieser Betrag 

ist der Beschwerdeführerin durch das SEM zu entrichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-188/2019 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird, soweit den Vollzug der Wegweisung betreffend, gut-

geheissen. Im Übrigen wird sie abgewiesen. 

2.  

Die Dispositivziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfügung werden aufge-

hoben, und das SEM wird angewiesen, die vorläufige Aufnahme der Be-

schwerdeführerin in der Schweiz anzuordnen. 

3.  

Der Beschwerdeführerin werden reduzierte Verfahrenskosten von 

Fr. 375.– auferlegt. Vom geleisteten Kostenvorschuss wird der Beschwer-

deführerin der Überschuss im Betrag von Fr. 375.– zurückerstattet. 

4.  

Der Beschwerdeführerin wird eine reduzierte Parteientschädigung von 

Fr. 800.‒ zugesprochen, die ihr durch das SEM zu entrichten ist. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Mia Fuchs Martin Scheyli 

 

 

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