# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1279d35a-02a7-58e1-ba4d-9b6d00638bff
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-02-17
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 17.02.2014 SB130458
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB130458_2014-02-17.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 
 

Geschäfts-Nr.: SB130458-O/U/eh 
 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. R. Naef, Präsident, Oberrichter lic. iur. S. Volken 

und Oberrichterin lic. iur. L. Chitvanni sowie Gerichtsschreiberin  

lic. iur. C. Grieder 

 

Urteil vom 17. Februar 2014 

 

in Sachen 

 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  
vertreten durch Leitenden Staatsanwalt Dr. iur. U. Weder,  

Anklägerin und I. Berufungsklägerin 

 

gegen 

 

A._____, 
Beschuldigte und II. Berufungsklägerin 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin lic. iur. X._____ 

 

betreffend  

versuchte vorsätzliche Tötung 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom  
11. September 2013 (DG130059) 

 

-   2   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom  

7. März 2013 (Urk. 26) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 

Das Gericht erkennt: 

1. Die Beschuldigte A._____ ist schuldig 

− der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in 
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB. 

2. Die Beschuldigte wird bestraft mit 3 ¾ Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und 

mit heute 435 Tage durch Haft erstanden sind. 

3. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 5'000.00 ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr. 735.00   Kosten der Kantonspolizei  

Fr. 3'000.00   Gebühr Anklagebehörde 

Fr. 17'941.85   Auslagen Untersuchung  

Fr.    amtliche Verteidigung (ausstehend) 
 
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

4. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-

nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden der Beschuldigten 

auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichts-

kasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 

Abs. 4 StPO.  

5. (Mitteilung) 

6. (Rechtsmittel) 

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Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung der Beschuldigten: 

 (schriftlich; Urk. 80 S. 1) 

1. Die Berufung der Staatsanwaltschaft IV sei abzuweisen. 

2. Die Beschuldigte und II. Berufungsklägerin sei der fahrlässigen Körperver-

letzung schuldig zu sprechen. 

3. Sie sei mit einer Geldstrafe von 210 Tagessätzen à Fr. 30.-- zu bestrafen. 

4. Für die erstandene Haft sei ihr eine Genugtuung von Fr. 100.--/Tag zu  

vergüten. 

5. Die Kosten des Verfahrens in der 1. Instanz seien im Umfang der für bean-

tragte Strafe notwendigen Kosten der Beschuldigten und II. Berufungs-

klägerin aufzuerlegen aber wegen offensichtlicher Unerhältlichkeit auf die 

Staatskasse zu nehmen. Die übrigen Kosten sowie die Kosten der amtlichen 

Verteidigung seien auf die Staatskasse zu nehmen. 

6. Die Kosten des Berufungsverfahrens inkl. der amtlichen Verteidigung seien 

auf die Staatskasse zu nehmen.  

b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft: 

(schriftlich; Urk. 79 S. 1) 

1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 11. September 2013 sei grund-

sätzlich zu bestätigen, namentlich auch im Schuldpunkt betr. die versuchte 

vorsätzliche Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 

Abs. 1 StGB, mit folgender wesentlicher Ausnahme: 

2. Die Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren zu bestrafen,  

unter Anrechnung der erstandenen Untersuchungs-, Sicherheitshaft und 

vorzeitigem Strafvollzug von 594 Tagen (bis 17. Februar 2014) 

-   4   - 

 
Erwägungen: 

I. Verfahrensgang und Umfang der Berufung 

1. Verfahrensgang 

1.1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil vom 11. September 

2013 sprach das Bezirksgericht Zürich, 9. Abteilung, die Beschuldigte der  

versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit 

Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig und bestrafte sie mit einer unbedingten Freiheits-

strafe von 3 ¾ Jahren, unter Anrechnung von 435 Tagen erstandener Haft  

(Dispositiv-Ziffern 1 und 2). Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen 

Verfahrens, ausgenommen derjenigen der amtlichen Verteidigung, auferlegte sie 

der Beschuldigten, wobei sie diejenigen der amtlichen Verteidigung unter dem 

Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4 StPO auf die Staatskasse nahm (Dispositiv-Ziffer 3 

und 4). 

1.2. Mit Eingabe vom 13. September 2013 meldete die Staatsanwaltschaft  

Berufung an (vgl. Urk. 50). In der Berufungserklärung vom 17. Oktober 2013  

beschränkte die Anklagebehörde diese Berufung ausdrücklich auf die Bemessung 

der Strafe und die Kostenfolgen (vgl. Urk. 58) und beantragte, im Vergleich zu der 

am 11. September 2013 ausgefällten Freiheitsstrafe eine erheblich höhere Strafe 

auszufällen. Beweisanträge wurden keine gestellt. 

1.3. Gegen dieses Urteil meldete auch die Verteidigung fristgerecht am  

17. September 2013 Berufung an (vgl. Urk. 51). In der Berufungserklärung vom 

28. Oktober 2013 focht sie sämtliche Dispositivziffern des vorinstanzlichen Urteils 

an und beantragte, die Beschuldigte vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen  

Tötung freizusprechen und wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geld-

strafe von 210 Tagessätzen à Fr. 30.-- zu verurteilen. Weiter beantragte die  

Verteidigung die Zusprechung einer Genugtuung in der Höhe von Fr. 100.-- pro 

Tag für die zu Unrecht erstandene Haft (vgl. Urk. 60). Beweisanträge wurden 

ausdrücklich keine gestellt. 

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1.4. Mit Entscheid vom 4. Dezember 2013 bewilligte die Verfahrensleitung der 

Beschuldigten auf ihr Gesuch hin (Urk. 68) den vorzeitigen Strafantritt, wo sie sich 

seither befindet (vgl. Urk. 70, 72 u. 82). 

1.5. In der Folge wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung vorgeladen (vgl. 

Urk. 73). Diese fand am 17. Februar 2014 statt in Anwesenheit der Beschuldigten, 

ihrer Verteidigung und des Leitenden Staatsanwaltes (Prot. II S. 5). 

2. Umfang der Berufung 

Gestützt auf die oben zitierten Berufungserklärungen sind sämtliche Punkte des 

vorinstanzlichen Urteils angefochten und stehen daher zur Disposition (vgl. auch 

Prot. II S. 6).  

II. Sachverhalt 

1. Anklagevorwurf 

1.1. Die Anklagebehörde wirft der Beschuldigten in objektiver Hinsicht zusam-

mengefasst vor, am 3. Juli 2012 dem Privatkläger in der Wohnung seiner Mutter 

in Zürich im Laufe eines Gerangels mit einem Fleischmesser, welches sie in ihrer 

rechten Hand hielt, mit grosser Wucht in dessen linken Oberarm gestochen zu 

haben, wobei der Stich durch die Weichteile von der linken Oberarmvorderseite 

nach hinten unten bis in die linke Brusthöhle des Privatklägers gereicht und die 

Eindringtiefe des Messers in seinen Brustkorb rund ca. 10 bis 12 cm betragen  

habe. Dadurch habe der Privatkläger u.a. eine Verletzung des Brustfells links-

seitig und eine Verletzung der Lungenhaut sowie eine scharfe Durchtrennung  

seiner linken Rippen erlitten, weswegen er sich in unmittelbarer Lebensgefahr  

befunden und was mehrere stationäre Behandlungen im Universitätsspital Zürich 

erfordert habe (vgl. Anklage Urk. 26 S. 3 f.).  

1.2. In subjektiver Hinsicht habe die Beschuldigte den Stich wissentlich und  

willentlich ausgeführt und habe im Moment, als sie mit dem Messer auf die  

geschilderte Weise auf den Privatkläger eingestochen habe, gewusst, dass sie 

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ihn durch den Stich verletzen würde und zumindest ernsthaft für möglich ge-

halten, dass der Stich für ihn tödliche Folgen hätte haben können, was sie gewollt 

bzw. zumindest billigend in Kauf genommen habe (vgl. Anklage Urk. 26 S. 6). 

1.3. Der Beschuldigten wird daher eine zumindest eventualvorsätzlich versuchte 

Tötung vorgeworfen. 

2. Ausgangslage 

2.1. Die Vorinstanz hielt in ihrem Entscheid nach einer eingehenden Beweis-

würdigung fest, der eingeklagte Sachverhalt sei sowohl in objektiver als auch in 

subjektiver Hinsicht als erstellt zu betrachten. 

2.2. Demgegenüber stellte die Beschuldigte - sowohl in der Untersuchung als 

auch anlässlich der Hauptverhandlung und in der Berufungsverhandlung - in  

Abrede, dass sie dem Privatkläger etwas habe antun wollen. Sie habe zwar das 

Küchenmesser, welches sie in der Küche zum Gemüserüsten verwendet habe, in 

der Hand gehabt, als sie das Wohnzimmer betreten habe. Sie habe dem Privat-

kläger damit aber nichts machen wollen. Als sie ins Wohnzimmer gekommen sei, 

habe der Privatkläger sie gegen die Wand gestossen, worauf sie auf ihn gefallen 

sei. Dass sie ihn gestochen habe, habe sie gar nicht gespürt. Jedenfalls wisse sie 

wirklich nicht, was geschehen sei (vgl. u.a. Urk. 45 S. 5 f., Urk. 78 S. 6f., so auch 

die Verteidigung in Urk. 47 S. 3). 

2.3. Damit ist vorliegend zu prüfen, ob der eingeklagte Sachverhalt erstellt  

werden kann. 

3. Vorhandene Beweismittel und Verwertbarkeit sowie Grundsätze der  
Beweiswürdigung 

3.1. Als Beweismittel liegen neben den Aussagen des Privatklägers (Urk. 1/2 und 

9/1) sowie jene der Beschuldigten (Urk. 8/1-8/4 sowie Urk. 21/5 und 21/6, Urk. 45 

und Urk. 78), die polizeilichen Aussagen der Söhne des Privatklägers (vgl.  

Urk. 10/1 und 10/2) bzw. des Sohnes der Beschuldigten (vgl. Urk. 10/3) bei den 

Akten, ferner diverse Fotodokumentationen (vgl. Urk. 6/1, 6/2 und 6/4), die 

ärztlichen Befunde des Universitätsspitals Zürich vom 31. Juli 2012 (samt 

-   7   - 

Traumaprotokoll, Austritts- und Operationsbericht, vgl. Urk. 11/3) und von  

Dr. B._____ (vgl. Urk. 11/21) sowie das Gutachten des IRM zur körperlichen  

Untersuchung des Privatklägers (vgl. Urk. 11/13), der Kurzbericht und der  

ärztliche Befund des Stadtspitals Triemli (vgl. Urk. 12/1 und 12/4) sowie das Gut-

achten des IRM zur körperlichen Untersuchung der Beschuldigten (vgl. Urk. 12/6), 

der Datenträger mit dem aufgezeichneten Meldungseingang bei der Einsatz-

zentrale der Nummer 144 (vgl. Urk. 13/4) samt Protokoll der Aufzeichnung des 

Telefongespräches der Beschuldigten mit Schutz & Rettung vom 3. Juli 2012 (vgl. 

Urk. 13/5) sowie die Protokolle der ärztlichen Untersuchungen der Beschuldigten 

und des Privatklägers samt den diesbezüglichen chemisch-toxikologischen  

Gutachten (vgl. Beschuldigte: Urk. 16/4 und 16/6; Privatkläger: Urk. 17/3 und 

17/6). 

3.2. Die polizeilichen Befragungen der Söhne des Privatklägers bzw. der  

Beschuldigten (vgl. Urk. 10/1-3) fanden in Abwesenheit der Beschuldigten statt 

und sind daher zu ihren Lasten nicht verwertbar. Sie waren ohnehin nicht Zeugen 

des eingeklagten Vorfalls, weswegen sie nichts zu dessen Aufklärung beitragen 

konnten. Im Übrigen sind die oben aufgeführten Beweismittel ohne Einschrän-

kungen verwertbar.  

3.3. Die Vorinstanz hat in ihrem Entscheid die theoretischen Grundsätze der  

richterlichen Beweiswürdigung ausführlich wiedergegeben und darauf hin- 

gewiesen, dass bei der Abwägung von Aussagen zwischen der Glaubwürdigkeit  

einer Person und der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen zu unterscheiden ist. Zur 

Vermeidung von Wiederholungen ist vorab darauf zu verweisen (vgl. Urk. 57 S. 7 

ff., Art. 82 Abs. 4 StPO).  

4. Aussagen der Beschuldigten 

4.1. Erste Aussagen der Beschuldigten finden sich auf dem Datenträger (vgl. 

Urk. 13/4) bzw. dem Protokoll der Aufzeichnung ihres Telefongespräches mit 

"Schutz & Rettung" (Telefonnummer 144; vgl. Urk. 13/5), welches sie unmittelbar 

nach dem hier zu diskutierenden Vorfall am 3. Juli 2012 führte. Die Beschuldigte 

wurde im Laufe der Untersuchung sodann mehrmals (vgl. Urk. 8/1-4 sowie  

-   8   - 

Urk. 21/5 und 21/6) sowie anlässlich der Hauptverhandlung (vgl. Urk. 45) befragt. 

Die Vorinstanz hat die wesentlichen Depositionen der Beschuldigten in ihrem  

Entscheid festgehalten (vgl. Urk. 57 S. 12 f.), worauf im Folgenden noch einzu-

gehen ist. 

4.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung schilderte die Beschuldigte, dass sie 

von der Küche ins Zimmer gegangen sei, um dem Privatkläger zu sagen, dass sie 

in ihre Wohnung zurückkehre, da sie nicht länger mit ihm habe streiten wollen. Als 

sie das Zimmer habe betreten wollen, habe er die Tür zugemacht und sie sei ein-

geklemmt worden zwischen der Tür und deren Rahmen. Sie sei sehr überrascht 

gewesen. Dann habe er sie gepackt und an die Wand gestossen. Was danach 

passiert sei, wisse sie nicht. Ob sie beispielsweise auf ihn gefallen sei. Sie habe 

vor ihm gestanden und der Privatkläger habe sie mit seinen Armen um den Bauch 

gehalten. Sie habe ihre Arme auf ihm gehabt. In dem Augenblick habe sie gese-

hen, dass irgendwo Blut geflossen sei. Er habe sie dann losgelassen und sie hät-

ten dann zusammen sein T-Shirt ausgezogen. Sie habe dann sofort dem Notfall 

telefoniert und danach seine Wunde gereinigt, getrocknet und mit einem  

Lappen zugebunden. Sie habe ihm Wasser gegeben und ihm geholfen. Sie sei 

immer neben ihm geblieben bis der Notfall gekommen sei. Sie wisse nicht, wieso 

sie mit dem Messer zu ihm gegangen sei. Sie habe nicht die Absicht gehabt,  

dieses Messer in die Hand zu nehmen und dann zu ihm zu gehen. Sie habe ihm 

nichts antun wollen (Urk. 78 S. 6ff.).  

5. Aussagen des Privatklägers 

5.1. Die erste Befragung des Privatklägers erfolgte im Universitätsspital Zürich. 

Seine Depositionen sind im Nachtragsrapport des befragenden Polizeibeamten 

vom 4. Juli 2012 fest gehalten (vgl. Urk. 1/2). Weiter wurde der Privatkläger am 

30. Juli 2012 als Auskunftsperson in Anwesenheit der Beschuldigten befragt  

(Urk. 9/1), wobei ihm teilweise die im Nachtragsrapport festgehaltenen Aussagen 

vorgehalten wurden.  

-   9   - 

5.2. Auch die wesentlichen Aussagen des Privatklägers wurden im vorinstanzli-

chen Entscheid wiedergegeben (vgl. Urk. 57 S. 17 ff.). Darauf ist zurückzu-

kommen. 

6. Ärztliche Berichte und Gutachten 

6.1. Die Verletzungen des Privatklägers erforderten eine operative Versorgung in 

der Klinik für Unfallchirurgie des Universitätsspitals Zürich und führten zu einem 

elftägigen Spitalaufenthalt (vgl. Austrittsbericht und Operationsbericht vom 18. Juli 

2012 S. 2, beide beigeheftet an Urk. 11/3).  

Gemäss ärztlichem Befund erlitt der Beschuldigte eine Stichverletzung im Bereich 

des linken Oberarms bis in den Thoraxraum reichend, wodurch die Lungenhaut 

mit resultierendem Hämatopneumothorax (Einblutung in den Brustkorb) auf der 

linken Seite verletzt wurde. Die Stichrichtung reichte vom linken Oberarm nach 

hinten und unten bis in die Thoraxhöhle, wobei die Eindringtiefe auf mindestens 

10 - 12 cm geschätzt wurde (vgl. Urk. 11/3). Der Privatkläger war nach ärztlichem 

Befund nach der Verletzung und bis postoperativ in einem kritischen Zustand, 

zumal durch die Verletzung eine starke Blutung im Thoraxraum ausgelöst wurde 

und zusätzlich die Gefahr eines Spannungspneumothorax bestand (vgl.  

Urk. 11/3). Dem angeforderten Gutachten zur körperlichen Untersuchung ist zu 

entnehmen, dass durch die Stichverletzung im Bereich des linken Oberarmes, 

welche durch die Weichteile bis in die linke Brusthöhle reichte, das Brustfell links-

seitig verletzt wurde, was zu Einblutungen in die linke Brusthöhle und einem  

Kollaps des linken Lungenflügels führte (vgl. Urk. 11/13 S. 4). Im Eintrittsbereich 

der Stichverletzung in den Brustkorb war zudem eine Rippe scharf durchgetrennt 

worden. Nach gutachterlicher Beurteilung konnte die Stichrichtung und die bereits 

im ärztlichen Befund angegebene Sticheindringtiefe durchaus mit dem als  

Tatwerkzeug zur Diskussion stehenden Küchenmesser (einschneidiges Küchen-

messer, Länge gesamt ca. 30 - 31 cm, Klingenlänge ca. 18,5 cm) erreicht werden. 

Die Winkelform der insgesamt 10 cm langen Hautverletzung am linken Oberarm 

liess die Gutachter weiter auf einen gegenüber dem Einstich leicht abgedrehten 

Ausziehwinkel schliessen. Die Gutachter äusserten sodann, bei der Fraktur einer 

linksseitigen Rippe dürfte es sich im Gesamtkontext um eine scharfe Rippen-

-   10   - 

durchtrennung im Eintrittsbereich der Stichverletzung in den Brustkorb gehandelt 

haben, was für eine doch erhebliche Gewalt bei der Verletzungsbeibringung 

spricht (vgl. Urk. 11/13 S. 5). Aufgrund der festgestellten Verletzungen befand 

sich der Privatkläger in unmittelbarer Lebensgefahr, zumal er ohne ärztliche  

Versorgung ohne weiteres verblutet wäre (vgl. Gutachten Urk. 11/13 S. 5).  

Bei der Frage nach bleibenden Nachteilen beim Privatkläger verweist das Gutach-

ten auf den Arztbericht vom 31.07.2012, wonach keine bleibenden Schäden am 

Arm zu erwarten seien, da keine grösseren Nerven verletzt worden seien. Ob  

allerdings aufgrund der zu erwartenden, narbigen Abheilung der Muskelverletzun-

gen gewisse Funktionseinschränkungen des linken Armes resultieren würden, 

liess sich noch nicht abschätzen (vgl. Urk. 11/13 S. 7), was auch der behandelnde 

Arzt Dr. B._____ in seinem Befund vom 13. November 2012 fest hielt (vgl.  

Urk. 11/21 S. 2). Weiter halten sowohl das IRM als auch Dr. B._____ fest, aus 

rechtsmedizinischer Sicht sei allenfalls eine möglicherweise die Lebensqualität 

einschränkende und therapiebedürftige psychische Beeinträchtigung durch die 

traumatische Erfahrung als Opfer eines Messerangriffs durch die Lebenspartnerin 

vorstellbar (vgl. Urk. 11/13 S. 6 und Urk. 11/21 S. 2). Immerhin wird dem Privat-

kläger attestiert, sich punkto Herz und Lunge vollständig erholt zu haben (vgl.  

Urk. 11/21 S. 2). Dem ärztlichen Befund von Dr. B._____ vom 13. November 

2012 ist schliesslich zu entnehmen, dass der Privatkläger seit 1. Oktober 2012 

wieder voll an seinem angestammten Arbeitsplatz arbeitet (vgl. Urk. 11/21 S. 2).  

6.2. Die Beschuldigte wurde am 3. Juli 2012, mithin am Tattag, im Stadtspital 

Triemli ambulant behandelt (vgl. Kurzbericht vom 3. Juli 2012 [Urk. 12/1] und ärzt-

licher Befund vom 16. Juli 2012 [vgl. Urk. 12/4]). Dem angeforderten Gutachten 

zur körperlichen Untersuchung kann entnommen werden, dass sich bei der  

Beschuldigten 3 ½ Stunden nach dem zur Diskussion stehenden Ereignis vier  

frische, gruppiert angeordnete Stichverletzungen an der linken Oberarmbeuge-

seite feststellen liessen, von denen drei oberflächlich und eine geringgradig tiefer 

reichen erschienen. Laut klinischen Angaben habe keine der Verletzungen zu 

Nerven- und Gefässverletzungen geführt. Daneben ergaben sich mehrere,  

gruppiert und parallel angeordnete, frische, überwiegend oberflächliche sowie 

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teils ins Unterhautfettgewebe reichende Schnittverletzungen an der rechten 

handgelenksnahen Unterarmbeugeseite und an der linken Handgelenkbeugeseite 

(vgl. Urk. 12/6 unter Hinweis auf die ärztlichen Berichte des Triemlispitals  

Urk. 12/1 und 12/4). Nach gutachterlicher Beurteilung sind die vorerwähnten 

Stich- und Schnittverletzungen an den oberen Gliedmassen von eigener Hand 

problemlos erreichbar und aus rechtsmedizinischer Sicht infolge der Wund-

morphologie (gruppierte Wundanordnung, insgesamt geringe Wundtiefe, mehrere 

oberflächlichste Probierstiche neben einer im Vergleich tieferen Stichwunde am 

linken Oberarm, Wundparallelität und -gleichmässigkeit am rechten Unterarm und 

linken Handgelenk) mit einer Selbstbeibringung durch Einsatz eines Messers  

vereinbar. Eine Fremdbeibringung lasse sich gemäss Gutachten zwar nicht  

zweifelsfrei ausschliessen, jedoch stehe eine Selbstbeibringung im Vordergrund. 

Die Verletzungen führten zu keiner Lebensgefahr, bleibende Schäden seien,  

ausser Narben, nicht zu erwarten (vgl. Urk. 12/6). Die Verletzungen am Bauch 

resp. am linken Fussaussenknöchel, am rechten Daumen und Daumennagel  

seien frisch, durch „halbscharfe“ (z.B. Fingernagelkratzspuren) resp. Stumpfe 

Gewalteinwirkung entstanden und zeitlich mit der geltend gemachten körperlichen 

Auseinandersetzung am 3. Juli 2012 vereinbar (vgl. Urk. 12/6 S. 6). 

6.3. Die chemisch-toxikologischen Gutachten des IRM ergaben, dass sowohl die 

Beschuldigte als auch der Privatkläger im Tatzeitpunkt nicht unter dem Einfluss 

von Alkohol oder von anderen Stoffen standen (vgl. Urk. 16/4 und 16/7 bzw. 17/3 

und 17/6).  

7. Würdigung 

7.1. Glaubwürdigkeit der Beschuldigten und des Privatklägers 

7.1.1. Hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der Beschuldigten ist festzuhalten, dass 

sie weder verpflichtet ist, durch aktives Verhalten die Untersuchung zu fördern, 

noch gezwungen werden kann, sich selbst durch Aussagen zu belasten (vgl.  

Art. 113 Abs. 1 StPO). Ebenso wenig treffen sie strafprozessrechtlich irgend-

welche Wahrheitspflichten. In diesem Zusammenhang erwog bereits die  

Vorinstanz zutreffend, dass die Beschuldigte ein - grundsätzlich legitimes -  

-   12   - 

Interesse daran haben könnte, die Geschehnisse in einem für sie günstigen Licht 

darzustellen. Korrekt erwog sie weiter, dass daraus jedoch nicht bereits der  

generelle Schluss gezogen werden darf, ihre Aussagen deshalb stets mit grosser 

oder grösster Zurückhaltung zu würdigen (vgl. Urk. 57 S. 9 f.). Entscheidend ist 

die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen. Darauf nahm denn auch die Vorinstanz  

Bezug, wenn sie auf diverse im Einzelnen aufgeführte Widersprüche und Unge-

reimtheiten in ihren Aussagen hinwies (vgl. Urk. 57 S. 12 ff.), welche zuge-

gebenermassen ihre allgemeine Glaubwürdigkeit nicht erhöhen. 

7.1.2. In Fällen der sogenannten „Vier-Augen-Delikte“, wo sich also Täter und  

Opfer - wie hier - alleine gegenüber stehen und keine weiteren Zeugen vorhanden 

sind - kann nicht gesagt werden, dass die Androhung von Straffolgen dem Opfer 

generell zu erhöhter Glaubwürdigkeit verhilft. Das Opfer wurde nach geltendem 

Prozessrecht als Auskunftsperson einvernommen (vgl. Art. 178 Abs. 1 lit. b-g 

StPO) und der Hinweis auf die möglichen Straffolgen erfolgte aufgrund dieser 

prozessualen Stellung. Eine andere Beurteilung würde dazu führen, dem Opfer 

generell eine erhöhte Glaubwürdigkeit zuzusprechen, und dies widerspräche allen 

strafprozessualen Grundsätzen, was im vorliegenden Fall auch hinsichtlich des 

Privatklägers nicht zu geschehen hat. Zur generellen Glaubwürdigkeit des Privat-

klägers ist allerdings anzuführen, dass er einerseits eine langjährige Beziehung 

zur Beschuldigten unterhielt und andererseits in das vorliegende Strafverfahren 

involviert ist und dadurch - auch wenn er hier keine Zivilansprüche stellte - ebenso 

wie die Beschuldigte ein Interesse am Ausgang des Verfahrens haben könnte. 

7.1.3. Im Ergebnis kommt der allgemeinen Glaubwürdigkeit einer einvernomme-

nen Person im Sinne einer dauerhaften personalen Eigenschaft kaum mehr  

relevante Bedeutung zu. Weitaus bedeutender für die Wahrheitsfindung als die 

allgemeine Glaubwürdigkeit ist - wie schon erwähnt - die Glaubhaftigkeit der kon-

kreten Aussagen (BGE 133 I 33 E. 4.3, Urteil des Bundesgerichts 6B_692/2011 

vom 9. Februar 2012 E. 1.4, je mit Hinweisen). Vorliegend ist daher insgesamt 

festzuhalten, dass die allgemeine Glaubwürdigkeit der Beschuldigten und des  

Privatklägers auf der gleichen Stufe anzusiedeln ist. Im Folgenden ist somit die 

Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen zum Tatvorwurf zu analysieren. Dabei 

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sind die Aussagen zu den verschiedenen Phasen des Geschehens (erster Teil: 

Vorgeschichte und Tathandlung bis zum Aufdrücken der Wohnzimmertüre und 

Betreten des Wohnzimmers durch die Beschuldigte (Anklage Urk. 26 S. 2 bis S. 3 

Mitte; und zweiter Teil: Tathandlung danach, d.h. ab Anklageschrift S. 3 Mitte) zu 

unterscheiden. 

7.2. Sachverhalt erster Teil 

7.2.1. Der erste Teil des Sachverhalts umfasst die Vorgeschichte und die Tat-

handlung bis zum Aufdrücken der Wohnzimmertüre und Betreten des Wohn-

zimmers durch die Beschuldigte. Dieser Sachverhaltsteil ist - wie bereits die  

Vorinstanz fest hielt - im Wesentlichen unbestritten. So sind die in der Anklage 

umschriebenen Lebensumständen der Beschuldigten und des Privatklägers und 

deren Verhältnis zueinander, namentlich, dass die Beschuldigte seit ca. 2004 die 

Lebenspartnerin des Privatklägers war, wobei beide, obschon sie nie an einer 

gemeinsamen Adresse gemeldet waren, faktisch teilweise zusammen lebten, kor-

rekt. Unbestritten ist sodann, dass der Privatkläger gegen Ende des Jahres 2011 

bzw. Anfang des Jahres 2012 der Beschuldigten mitgeteilt hatte, dass er eine  

andere Frau heiraten wollte. Einigkeit herrscht sodann in den Darstellungen, dass 

zwischen den Parteien am Tattag eine Auseinandersetzung statt fand, in deren 

Verlauf der Privatkläger von der Beschuldigten verlangte, dass sie die Wohnung 

verlässt, bis er in der folgenden Nacht von der Arbeit zurück kommt. Unbestritten 

ist weiter, dass der Privatkläger im Laufe dieser Auseinandersetzung den  

Wohnungsschlüssel vom Schlüsselbund der Beschuldigten entfernte. Schliesslich 

steht fest, dass der Privatkläger im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung die 

Beschuldigte und deren Familie mehrfach beleidigte, worauf sich die Beschuldigte 

ins Wohnzimmer zum Privatkläger begeben wollte, wobei sie das in der Anklage 

umschriebene Küchenmesser in der Hand hielt. Ebenso unbestritten ist, dass der 

Privatkläger die Wohnzimmertüre zuzudrücken versuchte, um die Beschuldigte 

am Betreten des Wohnzimmers zu hindern, wobei der Privatkläger - nachdem 

sich ein Teil des Körpers der Beschuldigten bereits zwischen Türe und Türrahmen 

befand und auch sie gegen die Türe drückte - auf dem Parkettboden ohne zu 

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stürzen ausglitt, so dass die Beschuldigte mit dem Messer in der Hand das 

Wohnzimmer betreten konnte (vgl. Anklage Urk. 26 S. 3).  

7.2.2. Unterschiedlich ist die Darstellung der Parteien, ob die Beschuldigte bereits 

zuvor im Laufe der verbalen Auseinandersetzung die Küche mit dem Küchen-

messer verliess, sich zum Privatkläger begab und dann wieder in die Küche zu-

rückkehrte. Auf Vorhalt der Aussagen des Privatklägers gegenüber der Polizei 

(vgl. Urk. 1/2 S. 2), hielt die Beschuldigte für möglich, dass sie vor der eigentli-

chen Tat schon einmal mit dem Messer ins Wohnzimmer getreten war (vgl.  

Urk. 8/1 S. 8), wobei sie betonte, ihm dabei mit dem Messer nichts gemacht zu 

haben. Im späteren Verlauf der Einvernahme erklärte sie, sie wisse nicht, ob sie 

dies zuvor getan habe, wobei sie relativierte, vielleicht sei sie schon mehrfach mit 

dem Messer in die Stube gegangen (vgl. Urk. 8/1 S. 9). In der polizeilichen Ein-

vernahmen vom 7. August 2012 erklärte sie dazu, sie sei nicht sicher, aber sie 

glaube es nicht, fast zu 100% nicht (vgl. Urk. 8/3 S. 5). Wenig später stellte sie 

dies in derselben Einvernahme kategorisch in Abrede (vgl. Urk. 8/3 S. 8). Dabei 

blieb sie auch an der Schlusseinvernahme (vgl. Urk. 8/4 S. 11). Ob sich die  

Beschuldigte nun schon in der ersten Phase des Geschehens mit dem Messer in 

der Hand zum Privatkläger in die Stube begab, ist für die Beurteilung des eigentli-

chen Vorwurfs, nämlich den später ausgeführten Messerstich in den Oberkörper 

des Privatklägers, von vernachlässigbarer Bedeutung, weshalb hier darauf  

verzichtet werden kann, vertiefter darauf einzugehen. Immerhin zeigt die unter-

schiedliche Darstellung das unstete Aussageverhalten der Beschuldigten auf. 

7.3. Sachverhalt zweiter Teil 

7.3.1. Die Anklage umschreibt im zweiten Sachverhaltsteil im Einzelnen die vom 

Privatkläger an jenem Tag mit dem Küchenmesser erlittenen Verletzungen (vgl. 

Urk. 26 S. 3 f.), welche den oben ausführlich zitierten ärztlichen Berichten und 

dem Gutachten zu entnehmen sind. Die Beschuldigte stellte in der Schluss- 

einvernahme die These auf, die Verletzung des Privatklägers am Brustkorb und 

an der Lunge stamme vom Spital (vgl. Urk. 8/4 S. 4). Sie habe an jenem Tag nur 

seine Verletzung am Oberarm gesehen. Ihm sei im Spital ein Schnitt gemacht 

worden und „sie“ hätten dort einen Fehler gemacht (vgl. Urk. 8/4 S. 3). Dazu  

-   15   - 

erwog bereits die Vorinstanz zutreffend, der Standpunkt der Beschuldigten sei  

insofern verständlich, als auch die zunächst ausgerückte Sanität anlässlich der 

medizinischen Erstversorgung vor Ort beim Privatkläger „lediglich“ eine Stich-

wunde am linken Oberarm festgestellt habe und erst bei der Behandlung im  

Universitätsspital der Einstich im Brust- und Thoraxbereich zum Vorschein  

gekommen sei, was eine Notoperation nötig gemacht habe (vgl. Urk. 1/1 S. 6 vgl. 

Vorinstanz Urk. 57 S. 11, vgl. auch Gutachten Urk. 11/13 S. 2). Mit der Vorinstanz 

lässt sich daraus schliessen, dass der Einstich in den Brust- und Toraxbereich so 

unter dem Oberarm lag, dass er nur schwer erkennbar war (vgl. Urk. 57 S. 11). 

Ergänzend ist beizufügen, dass die Stichwunde am Oberarm des Privatklägers im 

Gegensatz zum Einstich in den Rumpf stark blutete, was durchaus geeignet war, 

die Aufmerksamkeit der ausgerückten Sanität auf diesen Körperteil zu fokussie-

ren. Der Vorinstanz ist sodann darin zuzustimmen, dass aus den vorliegenden 

ärztlichen Unterlagen deutlich hervor geht, dass auch die später entdeckte Verlet-

zung im Oberkörper durch einen mit dem Messer ausgeführten Einstich in den 

Brust- und Thoraxbereich entstand und nicht erst durch die Operation zugefügt 

wurde (vgl. Urk. 57 S. 11). Dafür sprechen die Feststellungen in den verschiede-

nen oben ausführlich zitierten ärztlichen Befunden, insbesondere die festgestellte 

Stichrichtung, welche vom linken Oberarm nach hinten und unten bis in die  

Thoraxhöhle reichte, aber auch die Eindringtiefe, welche auf mindestens 10 bis 12 

cm geschätzt wurde und durchaus mit dem als Tatwerkzeug zur Diskussion  

stehenden Küchenmesser erreicht werden konnte (vgl. Urk. 11/3 und Urk. 11/13 

S. 5), und die Fraktur einer linksseitigen Rippe, welche im Gesamtkontext als eine 

scharfe Rippendurchtrennung im Eintrittsbereich der Stichverletzung in den Brust-

korb beurteilt wurde (vgl. Urk. 11/13 S. 5). Damit ist mit der Vorinstanz erstellt, 

dass die in der Anklageschrift festgestellten Verletzungen des Privatklägers mit 

dem zur Diskussion stehenden Küchenmesser verursacht wurden. Dass beim 

Privatkläger aufgrund der im Einzelnen umschriebenen Verletzungen eine unmit-

telbare, konkrete Lebensgefahr bestand, ist durch das vorhandene ärztliche  

Gutachten erstellt (vgl. Urk. 11/13 S. 5) und wurde im Übrigen selbst von der  

Beschuldigten nicht in Frage gestellt (vgl. u.a. Urk. 8/1 S. 7; Urk. 47 S. 4; so auch 

Vorinstanz in Urk. 57 S. 11 f.).  

-   16   - 

7.3.2. Strittig ist, wie es in der Folge zu den in der Anklage im Einzelnen  

umschriebenen Verletzungen des Privatklägers kam. Diesbezüglich klaffen die 

Angaben der Beschuldigten und des Privatklägers auseinander, worauf näher 

einzugehen ist. 

7.3.3. Der Privatkläger äusserte sich in zwei Einvernahmen zum Tageschehen 

(vgl. Urk. 1/2 S. 2 f. und Urk. 9/1). 

7.3.3.1. In seiner noch im Universitätsspital erfolgten Befragung, welche durch 

den Polizeibeamten festgehalten wurde, erklärte der Privatkläger nach Schilde-

rung der an jenem Tag laufenden verbaler Auseinandersetzung, die Beschuldigte 

habe, nachdem ihr gelungen sei, die von ihm zugehaltene Wohnzimmertüre auf-

zudrücken und in die Stube zu treten, ihm mit dem in ihrer rechten Hand befindli-

chen Messer einen von oben geführten Stich in seine linke Schulter zugefügt (vgl. 

Urk. 1/2 S. 2). Nachdem sie das Messer wieder aus seinem Körper herausgezo-

gen und dieses weiter in ihren Händen vor ihm gehalten habe, habe er die Klinge 

mit seinen Händen umfasst, um eine weitere Attacke zu verhindern (vgl. Urk. 1/2 

S. 2). 

7.3.3.2. In der noch im selben Monat durchgeführten staatsanwaltschaftlichen 

Einvernahme bestätigte der Privatkläger, von der Beschuldigten mit einem Mes-

ser verletzt worden zu sein (vgl. Urk. 9/1 S. 3). Zum Geschehen nach dem Eintritt 

der Beschuldigten in die Stube, nachdem ihm nicht gelungen worden war, die 

Wohnzimmertüre zuzuhalten, sagte er aus, er habe seinen linken Arm nach oben 

gehalten, um sein Herz zu schützen (vgl. Urk. 9/1 S. 4). Weiter spekulierte er, 

wenn er gewusst hätte, was passieren würde, hätte er vielleicht einen Stuhl neh-

men können, um sich zu wehren. Dann habe die Beschuldigte - so der Privat-

kläger weiter - gestochen und in diesem Moment habe er nicht einmal ein 

Schmerz, sondern nur etwas Warmes gespürt und gesehen, dass Blut fliesse (vgl. 

Urk. 9/1 S. 5). Die Vorinstanz wertete diese Angaben, wie jene zum ganzen  

Ablauf danach, insbesondere jene, wie es dazu kam, dass die Beschuldigte den 

Notruf anrief, als überaus lebensnah und detailreich und somit überzeugend (vgl. 

Urk. 57 S. 18), was zu übernehmen ist. Weiter erscheint auch die Schilderung des 

Privatklägers authentisch, er habe in Sorge um die Beschuldigte, nämlich weil sie 

-   17   - 

- was sie bestätigte (vgl. u.a. Urk. 8/1 S. 6) - nach dem Vorfall angefangen habe, 

sich selber mit dem Messer Schnittverletzungen beizubringen, diese zu  

beschwichtigen versucht, indem er ihr gesagt habe, sie würden keine Polizei  

rufen, alles gehe in Ordnung (vgl. Urk. 9/1 S. 5), welche Erklärung im Übrigen 

zumindest dem Sinn nach mit der Darstellung der Beschuldigten in Einklang zu 

bringen ist, der Privatkläger habe ihr gesagt, dass sie nichts erzählen soll, er  

werde sagen, dass er sich selbst gestochen habe (vgl. Urk. 8/3 S. 7). Zuzustim-

men ist der Vorinstanz weiter, dass insbesondere die Schilderung des Privat-

klägers darüber, wie er den Arm hochhielt, um sein Herz zu schützen, auf wirklich 

Erlebtes hindeutet, hätte er doch dieses passende Detail kaum erwähnt, wenn 

sich das Ganze als Unfall ereignet hätte, wie dies die Beschuldigte geltend  

machen lässt (vgl. Urk. 47 S. 5). Weiter erwog die Vorinstanz zu Recht, dass auch 

die Schilderung des Privatklägers, der Stich sei durch den Arm in den Brust-

bereich gegangen, so dass er zuerst gedacht habe, mehrmals gestochen worden 

zu sein (vgl. Urk. 9/1 S. 8), von ebensolcher Lebensnähe zeugt und durchaus 

plausibel ist.  

7.3.3.3. Der Privatkläger schilderte in der Folge, dass die Beschuldigte das  
Messer in der rechten Hand hielt und zeigte wie sie dieses in der Hand hielt, als 
sie ihn verletzte, indem er die rechte Hand hoch hielt (vgl. Urk. 9/1 S. 8). In  

diesem Zusammenhang räumte er ein, er könne alles nicht so genau sagen, was 

seine Bemühungen, um korrekte Wiedergabe des Geschehenen unterstreicht und 

was er zusätzlich mit der Erklärung, es sei der Horror gewesen (vgl. Urk. 9/1 S. 8) 

- eine wahrlich situationsadäquate Bewertung des Geschehens - durchaus  

plausibel machen konnte. Auf Erlebtes weist sodann auch seine Schilderung hin, 

er habe gespürt, dass es eine lebensgefährliche Situation gewesen sei, weshalb 

er die Arme nach oben gehalten und die Beschuldigte irgendwie habe abblocken 

wollen (vgl. Urk. 9/1 S. 8), welche Abwehrreaktion entgegen der Verteidigung  

keineswegs als "relativ ungewöhnlich" bezeichnet werden kann (vgl. Zusatzfrage 

der Verteidigung in Urk. 9/1 S. 19).  

7.3.3.4. In Übereinstimmung mit der Darstellung der Beschuldigten (vgl. Urk. 8/3 

S. 9) schilderte der Privatkläger sodann, es seien beide gestanden, als die  

-   18   - 

Beschuldigte auf ihn mit dem Messer eingestochen habe (vgl. Urk. 9/1 S. 9 und  

S. 12). Dazu präzisierte er auf Frage, er sei dabei nicht ruhig gestanden, sondern 

habe sich rückwärts bewegt (vgl. Urk. 9/1 S. 9).  

7.3.3.5. Offen räumte er in seinen Aussagen auch (weitere) Unsicherheiten ein, 

wie beispielsweise, er sei nicht sicher, ob die Beschuldigte das Messer so hielt, 

dass sie den Zeigfinger oder den kleinen Finger näher bei der Klinge hatte (vgl. 

Urk. 9/1 S. 8) bzw. er sei nicht sicher, es sei aber möglich, dass er die Beschul-

digte einmal gegen die Wand gedrückt habe, als sie das Messer in der Hand hielt, 

bevor sie ihn damit verletzte (vgl. Urk. 9/1 S. 11). Der Privatkläger bejahte sodann 

die Frage, ob zwischen ihm und der Beschuldigten ein Gerangel stattgefunden 

habe, als sie das Messer in der Hand gehalten habe, bevor sie ihn mit dem  

Messer verletzt habe und wiederholte präzisierend, sie habe das Messer in der 

Hand gehalten und er habe sich gewehrt, daher sei es zum Gerangel gekommen. 

Er sei sicher nicht einfach gesessen und habe gewartet, bis sie ihn steche. Auf 

entsprechende Frage schätzte er, dieses Gerangel habe ca. 5 - 10 Minuten  

gedauert bis es zum Stich gekommen sei (vgl. Urk. 9/1 S. 11). Noch konkreter 

wurde der Privatkläger auf Vorhalt der Darstellung der Beschuldigten, sie sei, 

nachdem sie vom Privatkläger gegen die Wand gedrückt worden sei, an dieser 

Wand abgeprallt und auf ihn gefallen; dabei müsse sie ihn mit dem Messer am 

Arm durch einen Stoss verletzt haben. Er erklärte nämlich dazu, dies sei ganz 

normal und real; wenn man von jemandem mit dem Messer bedroht werde, so 

stehe man nicht still und schaue, was passiere. Er habe versucht, sich mit seinen 

Händen zu wehren. Er habe ihr gar nicht die Möglichkeit geben wollen, zu ihm zu 

kommen, bzw. nicht gewollt, dass sie zu nahe komme und dann habe er sie  

gestossen, worauf sie ihn gestossen habe (vgl. Urk. 9/15 f.).  

7.3.3.6. Der Privatkläger gab zu, im Rahmen der zuvor angefangenen verbalen 

Auseinandersetzung sowohl die Beschuldigte als auch ihre Familie beleidigt zu 

haben (vgl. Urk. 9/1 S. 4). Wird zusätzlich berücksichtigt, aufgrund welcher Vor-

geschichte die Beschuldigte sich zum Privatkläger in die Stube begab (laufende 

verbale Auseinandersetzung, Aufforderung des Privatklägers zur Schlüssel-

rückgabe und zum Verlassen der Wohnung nach mehrjähriger Beziehung noch 

-   19   - 

am selben Tag), wobei sie sich dort mit einem Messer in der Hand unbe-

strittenermassen zuerst mit Gewalt Einlass in das Wohnzimmer verschaffen 

musste, so erscheint die Darstellung des Privatklägers, bereits anlässlich seiner 

Befragung im Universitätsspitals, die Beschuldigte habe wie eine Furie reagiert 

(vgl. Urk. 1/2 S. 2), durchaus nachvollziehbar. In diese Richtung geht auch seine 

Schilderung in der späteren Einvernahme, die Beschuldigte habe beim Auf-

drücken der Wohnzimmertüre "irgendwie sehr viel Kraft" gehabt, und sie sei beim 

weiteren Verlauf der Auseinandersetzung, als sie ihm gegenüber gestanden sei, 

"wie nicht normal in diesem Moment", "nicht bei klarem Denken" gewesen (vgl. 

Urk. 9/1 S. 10).  

7.3.3.7. Die Aussagen des Privatklägers zeigen deutlich auf, dass er der Beschul-

digten gegenüber nach wie vor wohl gesinnt ist. Nicht nur sagte er äusserst  

zurückhaltend aus, er entlastete sie in verschiedener Hinsicht, so beispielsweise 

indem er immer wieder auf ihren aussergewöhnlichen Gemütszustand („zurech-

nungsunfähig“ „nicht normal in diesem Moment“, „nicht bei klarem Denken“, vgl. 

Urk. 9/1 S. 9 f.) an jenem Tag oder aber auf ihren allgemein schlechten Gesund-

heitszustand  („sie ist eine kranke Frau“, vgl. Urk. 9/1 S. 10) hinwies. Weiter  

spekulierte er gar, die Beschuldigte hätte ihn möglicherweise nicht gestochen, 

wenn er sich nicht gewehrt hätte (vgl. Urk. 9/1 S. 10). Er schloss aus, dass die 

Beschuldigte die Tat geplant haben könnte (Urk. 9/1 S. 16) und betonte mehrfach, 

dass sie ihm unmittelbar nach der Stichverletzung Hilfe leistete (vgl. Urk. 9/1 u.a. 

S. 16). Wiederholt bemerkte er, es wäre ihm am liebsten, wenn die Beschuldigte 

keinen Tag ins Gefängnis müsse (vgl. Urk. 9/1 S. 16 f.), ja er äusserte gar den 

Wunsch, dass sie einander die Hand geben mögen und dass das Ganze vorbei 

sei (vgl. Urk. 9/1 S. 17). Bei diesem Stand der Dinge kann nicht gesagt werden, 

der Privatkläger habe die Beschuldigte zu Unrecht belasten wollen. Dies geht im 

Übrigen auch deutlich daraus hervor, dass er die Fragen um die eigene Ein-

schätzung nach einer Verletzungs- oder gar Tötungsabsicht der Beschuldigten 

(vgl. Urk. 9/1 S. 16) ausweichend beantwortete, jedenfalls nicht klar bejahte.  

7.3.3.8. Gegen die Annahme einer unwahrheitsgemässen Belastung spricht aber 

auch, dass der Privatkläger sich durchaus positiv über die Beschuldigte äusserte. 

-   20   - 

So bezeichnete er das Verhältnis seiner Kinder zur Beschuldigten als phänome-

nal (vgl. Urk. 9/1 S. 17) und verneinte, in der Beziehung zu ihr andere Probleme 

gehabt zu haben, wobei er von sich aus beifügte, wenn er die ganzen Jahre  

anschaue, so hätten sie es schön zusammen gehabt (vgl. Urk. 9/1 S. 13). 

7.3.4. Auch die Beschuldigte äusserte sich mehrfach zum Geschehen. 

7.3.4.1. Konstant erklärte die Beschuldigte, sie habe den Privatkläger nicht ver-

letzen oder gar töten wollen (vgl. Urk. 8/1 S. 5, Urk. 8/2 S. 2, Urk. 8/3 S. 13,  

Urk. 8/4 S. 3, 5 ff., Urk. 45 S. 5). Zum Tatablauf machte sie im Rahmen ihrer Ein-

vernahmen indessen voneinander divergierende Aussagen, auf welche im  

Folgenden einzugehen ist. 

7.3.4.2. Bemerkenswert detailliert äusserte sich die Beschuldigte zum Geschehen 

anlässlich ihrer ersten polizeilichen - damit der tatnächsten - Einvernahme. So 

schilderte sie, sie habe das Messer in der Hand getragen, als sie die Küche ver-

lassen habe. Dabei präzisierte sie auf Frage, das Messer so gefasst zu haben, 

dass der kleine Finger ihrer rechten Hand bei der Klinge war, „also nicht mehr so 

wie vorhin beim Gemüseschneiden“ (vgl. Urk. 8/1 S. 5). Dazu lieferte sie auch die 

Erklärung, sie habe nicht mit der Klinge voran zum Privatkläger ins Wohnzimmer 

gehen wollen (vgl. Urk. 8/1 S. 5). Weiter legte sie dar, der Privatkläger habe die 

Wohnzimmertüre zugedrückt, was sie zur Spekulation veranlasste, vielleicht habe 

der Privatkläger Angst vor ihr und dem Messer gehabt. Sie habe dann gegen die 

Wohnzimmertüre gedrückt und habe, nachdem der Privatkläger plötzlich die Türe 

losgelassen habe, das Wohnzimmer betreten. Der Privatkläger habe sie dabei an 

den Oberarmen gepackt und sie gegen die Wand gedrückt, von welcher sie  

abgeprallt sei und worauf sie auf ihn gefallen sei. Dabei müsse sie ihn mit dem 

Messer am Arm durch einen Stoss verletzt haben (vgl. Urk. 8/1 S. 5). Danach - so 

die Beschuldigte weiter - habe der Privatkläger sie um ihren Bauch, sie ihn  

irgendwie um den Hals gehalten, wobei sie immer noch das Messer in ihrer  

rechten Hand getragen habe. Die Beschuldigte sprach in diesem Zusammenhang 

von einem Gerangel mit dem Privatkläger, bei welchem sie sich auch selber mit 

dem Messer an ihrem linken Oberarm verletzt haben dürfte (vgl. Urk. 8/1 S. 5).  

-   21   - 

7.3.4.3. Bereits in derselben Einvernahme sind Widersprüche zu dieser Schilde-

rung auszumachen. Vorerst steht ihre Bestreitung, bemerkt zu haben, dass der 

Privatkläger etwas Angst vor ihr habe (vgl. Urk. 8/1 S. 7) in Widerspruch zu ihrer 

früheren spontanen und anderslautenden Äusserung, wonach der Privatkläger 

vielleicht Angst vor ihr und dem Messer gehabt habe (vgl. oben), was vorerst die 

Frage aufwirft, weshalb sie zuvor spontan Angstgefühle des Privatklägers ver-

mutete. Weiter können auch nach der Darstellung der Beschuldigten lediglich  

solche Angstgefühle das unbestrittene Verhalten des Privatklägers erklären, der 

wohl nicht völlig grundlos durch das Zudrücken der Wohnzimmertüre ihr den  

Zutritt zur Stube verhindern wollte. Sodann, und dies ist entscheidend, passt ihre 

Erklärung, weshalb sie das Messer in der Hand getragen habe, nämlich, sie wisse 

es nicht, sie habe in der Küche damit gearbeitet, sie habe es nicht plötzlich in die 

Hand genommen, sie habe es schon in der Hand getragen, um das Gemüse zu 

rüsten (vgl. Urk. 8/1 S. 7), nicht zur oben wiedergegebenen detaillierten Darstel-

lung, wie sie das Messer fasste, nämlich anders als beim Gemüserüsten  

(vgl. oben), welche Darstellung auf ein bewusstes Ergreifen des Messers zur  

Mitnahme in die Stube hindeutet.  

7.3.4.4. In der nachfolgenden Einvernahme relativierte sie ihre frühere Darstellung 

indem sie erklärte, sie sei damals unter Schock gestanden und wisse nicht mehr, 

ob sie alles genau richtig erzählt habe, bzw. machte Erinnerungslücken geltend, 

nämlich sie wisse selber nicht, was damals war (vgl. Urk. 8/3 S. 4). Zum eigentli-

chen Tatgeschehen schilderte sie im Gegensatz zur früheren Aussage, sie habe 

nicht gespürt, ob und wie sie den Privatkläger gestochen habe. Als sie aufgrund 

des plötzlich nachlassenden Drucks des Privatklägers gegen die Türe in die  

Stube reingekommen sei, habe er sie gegen die Wand gestossen und sie sei  

- soweit sie sich daran erinnere - in diesem Moment auf ihn gefallen. So wie sie 

sich erinnere, habe der Privatkläger sie um den Bauch gehalten und sie ihn oben, 

bzw. am Oberkörper und wahrscheinlich habe sie ihn in diesem Moment ge-

stochen, weil sie immer noch das Messer in der Hand gehalten habe (vgl. Urk. 8/4 

S. 4 und S. 6). Auffällig ist vorerst, dass ihre neue Version des Geschehens ihre 

ursprüngliche Darstellung in Frage stellt, die Stichverletzung sei erfolgt, als sie 

nach dem Stoss des Privatklägers von der Wand abgeprallt sei. Denn damit  

-   22   - 

schilderte sie die Stichverletzung nicht mehr wie bisher als unmittelbare Folge  

ihres Abprallens von der Wand, sondern als später erfolgt. Dazu kommt, dass, 

wie die Vorinstanz bereits zutreffend festhielt, ihre in dieser Einvernahme neu  

geäusserte Darstellung, sie habe dem Privatkläger die Stichverletzung zugefügt, 

als sie ihn am Oberkörper festgehalten habe, schon aufgrund der Tatsache, dass 

sie das Messer als Rechtshänderin in der rechten Hand hielt und der Privatkläger 

die Stichverletzung auf der linken Seite aufwies, nicht nachvollziehbar ist. Denn 

diese Darstellung liesse eine Verletzung des Privatklägers auf der rechten Seite 

erwarten (vgl. Vorinstanz Urk. 57 S. 13). Ergänzend ist zu bemerken, dass auch 

nicht klar ist, wie sie den Privatkläger mit dem Messer in der Hand überhaupt  

hätte festhalten können. Weiter ist in Erinnerung zu rufen, dass die Beschuldigte 

in der ersten Einvernahme den Privatkläger „irgendwie um den Hals gehalten“ 

haben will, was erst recht die erlittene Stichverletzung nicht plausibel erklären 

kann. Dazu kommt, dass ihre Aussagen auch darüber divergieren, wann sie das 

Messer wegwarf: In der ersten Einvernahme will sie das Messer erst auf den  

Boden fallen gelassen haben, als sie merkte, dass er blutete (vgl. Urk. 8/1 S. 5), 

während dem sie in der Schlusseinvernahme das Messer bereits weggeworfen 

haben will, als der Privatkläger sie mit dem Arm umklammerte (vgl. Urk. 8/4 S. 4), 

welch letzte Version wiederum eine Beibringung der Stichverletzung in dieser 

Phase ausschliessen würde. 

7.3.4.5. Nicht nachvollziehbar ist sodann, wie ihr Abprallen von der Wand eine 

derart tiefe Stichverletzung verursacht haben soll, so dass eine unfallbedingte 

bzw. unbewusste Verabreichung nicht angenommen werden kann (vgl. dazu die 

Vorinstanz in Urk. 57 S. 13). Dies schon gar nicht wenn man davon ausgeht, sie 

habe - wie sie dies in ihrer ersten Einvernahme schilderte - das Messer so gehal-

ten, dass der kleine Finger ihrer rechten Hand bei der Klinge war (vgl. Urk. 8/1  

S. 5), denn bei dieser Haltung wäre die Messerklinge nicht in Richtung des ihr  

gegenüber stehenden Privatklägers gerichtet gewesen. Dazu kommt, dass in  

jener Phase des Geschehens niemand zu Boden fiel (vgl. Urk. 8/3 S. 5 f.), so 

dass auch nicht die Wucht eines solchen Aufpralls als Erklärung für die tiefe 

Stichverletzung herhalten kann. Dafür, dass eine erhebliche Gewalt bei der  

Verletzungsbeibringung im Spiele war, zeugt aber nicht nur die Einstichtiefe, son-

-   23   - 

dern auch die im Eintrittsbereich der Stichverletzung in den Brustkorb des Privat-

klägers festgestellte scharfe Rippendurchtrennung (vgl. Gutachten Urk. 11/13  

S. 5).  

7.3.4.6. Fragen wirft auch die Erklärung der Beschuldigten auf, sie habe bei ihrem 

Gang zum Wohnzimmer das Küchenmesser deshalb mitgenommen, weil sie in 

der Küche damit beschäftigt gewesen sei, Gemüse zu rüsten (vgl. u.a. Urk. 8/1 

S. 5). Die ausgerückte Polizei erstelle noch am Tattag eine detaillierte Foto-

dokumentation (vgl. Urk. 6/1 und 6/2). Die in diesem Zusammenhang erstellten 

Aufnahmen der Küche zeigen zwar eine Schüssel mit zerkleinertem Gemüse, im 

Übrigen aber eine aufgeräumte Küche (vgl. Urk. 6/1 S. 5 und 6 sowie Urk. 6/2  

S. 11 und insbesondere S. 15). Dass die Küchenarbeiten noch im Gange ge-

wesen wären, als die Beschuldigte die Küche verliess, lässt sich damit aufgrund 

dieser Bilder nicht sagen. Dazu passt immerhin ihre im Gegensatz zur früheren 

anderslautenden Erklärung in der zweiten polizeilichen Einvernahme, sie wisse 

nicht, weshalb sie am Schluss mit dem Messer aus der Küche gekommen sei 

(vgl. Urk. 8/3 S. 4). Ebenso erklärte die Beschuldigte anlässlich der Berufungs-

verhandlung, sie habe "alles" (gemeint: Rüstarbeiten) beendet und das Messer 

noch in der Hand gehabt, als sie zu ihm gegangen sei, um ihm das zu sagen  

(Urk. 78 S. 8). 

7.3.4.7. Die Beschuldigte machte zum Tatgeschehen in der zweiten polizeilichen 

Einvernahme - wie oben geschildert - sowie in den nachfolgenden Einvernahmen 

Erinnerungslücken geltend. So gab sie an, nicht mehr zu wissen, was damals 

war, sie habe nicht gespürt, ob und wie sie den Privatkläger gestochen habe  

(vgl. Urk. 8/3 S. 4), an welcher Darstellung sie auch in den späteren Einver-

nahmen fest hielt (vgl. Urk. 8/4 S. 4 ff. und Urk. 45 S. 5 f.). Dies steht vorerst in 

Widerspruch zu ihren Schilderungen anlässlich der ersten polizeilichen Einver-

nahme. Auffallend ist, dass sie, obschon sie vorgab, sich an den Tatablauf nicht 

mehr erinnern zu können, in der Schlusseinvernahme dennoch verschiedene  

Details neu schildern konnte, was aufhorchen lässt. So berichtete sie darüber, sie 

sei, nachdem sie der Privatkläger gegen die Wand gestossen habe, kurz weg ge-

wesen (vgl. Urk. 8/4 S. 4). Daran, dass sie "halbwegs" das Bewusstsein verloren 

-   24   - 

habe, hielt sie auch anlässlich der Hauptverhandlung vor Vorinstanz fest (vgl.  

Urk. 45 S. 6). Weiter schilderte sie erstmals anlässlich der Schlusseinvernahme, 

der Privatkläger habe ihr "bevor es dazu gekommen" sei, gesagt, er werde sie 

dorthin bringen, wo ihr Platz sei (vgl. Urk. 8/4 S. 4 und S. 8), was sie auch an der 

Hauptverhandlung wiederholte (vgl. Urk. 45 S. 6), wobei sie freilich nicht mehr  

sagen konnte, wie ihre verbale Reaktion zu dieser Äusserung war (vgl. Urk. 8/4  

S. 8), bzw. was er damit überhaupt gemeint habe (vgl. Urk. 45 S. 6). Bemerkens-

wert ist, dass sie an der Hauptverhandlung diese für sie unverständliche Äus-

serung im Zusammenhang mit dem stattfindenden Streit stellte (vgl. Urk. 45 S. 6), 

während dem sie in der Schlusseinvernahme noch behauptet hatte, sie habe mit 

ihm nicht gestritten zu diesem Zeitpunkt (vgl. Urk. 8/4 S. 8). Angesichts der Tat-

sache, dass sie zuvor vom Privatkläger unbestrittenermassen mehrfach beleidigt 

worden war, dass er zudem von ihr nach achtjähriger Beziehung die Rückgabe 

des Wohnungsschlüssels und deren Verlassen der Wohnung verlangte, erscheint 

ihre Erklärung, sie sei bloss überrascht und enttäuscht, indessen nicht wütend 

gewesen (vgl. Urk. 8/3 S. 13) als gewichtige Untertreibung. Schliesslich hatte sie 

selber in ihrer ersten Einvernahme erklärt, sie hätten sich (sie und der Privat-

kläger) "richtig gestritten" (vgl. Urk. 8/1 S. 4), was sie freilich in der Schlussein-

vernahme und an der Hauptverhandlung wieder in Abrede stellte (vgl. Urk. 8/4 

S. 8 und Urk. 45 S. 6). 

7.3.4.8. Die Beschuldigte vermutete in der ersten Einvernahme, sie habe sich die 

Verletzung an ihrem linken Oberarm selber beigefügt, als sie in einem Gerangel 

mit ihm verwickelt gewesen sei (vgl. Urk. 8/1 S. 5.), was zwangsläufig den 

Schluss zulässt, sie habe in jenem Zeitpunkt das Messer noch in der Hand gehal-

ten, was wiederum mit ihren oben zitierten Aussagen in Widerspruch steht. Nach 

ihrer Darstellung fand die Verletzung des Privatklägers, die sie als Folge ihres 

Abprallens von der Wand dargestellt hatte (vgl. Urk. 8/1 S. 5 und S. 7), vor dem 

erwähnten Gerangel statt. In der zweiten polizeilichen Einvernahme verneinte sie 

auf Vorhalt der Aussagen des Privatklägers, dass es überhaupt zu einem  

Gerangel gekommen sei, bestritt, dass sie gekämpft hätten und ergänzte, das 

Ganze habe ein bis drei Minuten gedauert (vgl. Urk. 8/3 S. 11). In der Schluss-

einvernahme bekräftigte sie, es habe kein Gerangel gegeben (vgl. Urk. 8/4 S. 12), 

-   25   - 

was sie in der Hauptverhandlung indessen damit relativierte, es habe kein  

Gerangel gegeben, ausser, dass sie sich verteidigt habe (vgl. Urk. 45 S. 5). In der 

Berufungsverhandlung bestreitet sie schliesslich nicht mehr, dass die Verletzun-

gen des Privatklägers von ihr stammten (Urk. 78 S. 6ff.). Auch diese Aussagen 

zeigen das unstete Aussageverhalten der Beschuldigten auf.  

7.3.5. Gesamthaft gesehen zeigen die Aussagen der Beschuldigten diverse  

Widersprüche und Ungereimtheiten auf, so dass sie nicht zu überzeugen ver-

mögen. Sie lassen zudem deutlich ihr Bestreben aufscheinen, den Vorfall als  

Unfall erscheinen zu lassen. Dies macht sie schliesslich mit ihrer Aussagen  

anlässlich der Berufungsverhandlung deutlich, als sie die Frage, ob es sich um 

einen Unfall gehandelt habe, bejahte (Urk. 78 S. 8).  

7.3.5.1. Es trifft zwar zu, dass das Gutachten zur körperlichen Untersuchung des 

IRM fest hält, es könne aus rechtsmedizinischer Sicht nicht ausgeschlossen  

werden, dass die Stichverletzung nicht durch ein aktives Zustechen der Tatver-

dächtigen, sondern im Rahmen einer "Rangelei" resp. eines Kampfgeschehens 

entstanden sei (vgl. Urk. 11/13 S. 6 Ziff. 8). Bereits die Vorinstanz erwog dazu  

indessen zutreffend, dass dieser Umstand nicht dazu führen kann, diese Version 

der Beschuldigten unbesehen von allen anderen Würdigungskriterien zu über-

nehmen. Denn die gutachterliche Beurteilung bedeutet lediglich, dass sich  

die Version der Beschuldigten nicht bereits aufgrund der ärztlichen Akten aus-

schliessen lässt (so die Vorinstanz in Urk. 57 S. 16).  

7.3.5.2. In diesem Zusammenhang ist mit der Vorinstanz (vgl. Urk. 57 S. 16)  

darauf hinzuweisen, dass gemäss ärztlicher Dokumentation über die Beschuldigte 

keine Verletzungen, Beulen oder ähnliches an ihrem Kopf festgestellt werden 

konnten. Dies obschon sie geltend machte, mit einer gewissen Wucht vom Privat-

kläger gegen die Wand gestossen worden zu sein und dort den Kopf angeschla-

gen zu haben. In diesem Zusammenhang sprach sie von "abprallen" und davon, 

für kurze Zeit gar das Bewusstsein verloren zu haben, dennoch stellten die Ärzte 

bei der Beschuldigten keinerlei Spuren solcher Gewalt fest. Gemäss Gutachten 

steht jedenfalls fest, dass auch ihre Kopfhaut untersucht und als unverletzt  

beurteilt wurde (vgl. Urk. 12/6 vgl. auch Fotodokumentation in Urk. 6/4 S. 38 ff.). 

-   26   - 

Die Verteidigung versucht diesen Umstand damit zu erklären, dass man, wenn 

man gegen eine Wand geworfen werde, naturgemäss mit dem Rücken zuerst 

aufpralle und so einen Teil der Wucht auffange. Ausserdem habe die Beschuldig-

te die Haare zusammengebunden gehabt, weshalb der Schädel keinen direkten 

Kontakt mit der Wand gehabt habe (Urk. 80 S. 4). Einerseits leuchtet jedoch nicht 

ein, wieso jemand zuerst mit dem Rücken an die Wand prallen sollte, hängt dies 

doch von verschiedenen Umständen ab (Kopfhaltung, Fallwinkel etc.). Anderer-

seits ist auch nicht überzeugend, dass zusammengebundene Haare einen harten 

Aufprall derart zu dämpfen vermögen, dass keinerlei Verletzungen entstehen. Die 

unverletzte Kopfhaut ist vielmehr mit der Vorinstanz ein Indiz, welches zumindest 

gegen die von der Beschuldigten geschilderte Wucht spricht, mit welcher sie vom 

Privatkläger gegen die Wand gestossen worden sein soll.  

7.3.5.3. Der Vorinstanz ist sodann zuzustimmen, dass die Schilderung der  

Beschuldigten, wie sie nach dem Stoss des Privatklägers von der Wand abprallte, 

schwer mit der Beschaffenheit einer Zimmerwand im Einklang zu bringen ist,  

zumal nicht zu erwarten ist, dass man als Folge eines solchen Stosses in die  

Gegenrichtung abprallt, mitunter regelrecht zurückspickt, sondern eher dass man 

danach zu Boden geht (vgl. Urk. 57 S. 13), was nach Darstellung sowohl der  

Beklagten als auch des Privatklägers indessen - wie am anderen Ort festgehalten 

- nicht geschah.  

7.3.5.4. Wenn die Beschuldigte weiter die vom Privatkläger erlittene Verletzung 

eher als Ergebnis eines Unfalls und nicht als absichtliche Stichbeibringung dar-

zustellen versucht, so stellt sie zwangsläufig auch die in der Anklage erwähnte 

grosse Wucht, mit welcher der Einstich erfolgt sein soll in Abrede (vgl. auch  

Vorinstanz in Urk. 57 S. 16). Diesbezüglich kann auf die Schlussfolgerung des 

Gutachtens der körperlichen Untersuchung des Privatklägers verwiesen werden 

(vgl. Urk. 11/13 S. 5 zu Ziff. 2): Darin wird - wie bereits oben schon mehrfach  

dargetan - festgehalten, dass die Sticheindringtiefe geschätzte 10 - 12 cm betrug, 

wobei auch eine Fraktur einer linksseitigen Rippe festgestellt werden konnte, bei 

welcher es sich im Gesamtkontext um eine scharfe Rippendurchtrennung im Ein-

trittsbereich der Stichverletzung in den Brustkorb handelte, was nach über-

-   27   - 

zeugender gutachterlicher Feststellung für eine doch erhebliche Gewalt bei der 

Verletzungsbeibringung spricht. Damit kann die zur Diskussion stehende Wucht 

beim Einstich als erstellt gelten. 

7.3.5.5. Offenbar bildete die Frage nach der Verantwortlichkeit für die Verletzung 

des Privatklägers unmittelbar nach der Tat Gegenstand von Erörterungen  

zwischen den Streitparteien. So erwähnte die Beschuldigte selber, der Privat-

kläger habe - in jenem Moment als sie auf das Eintreffen der Sanität gewartet  

hätten und sie (die Beschuldigte) sich selber an den Handgelenken geschnitten 

habe - zu ihr gesagt, sie solle nichts erzählen, er werde sagen, dass er sich selber 

gestochen habe (vgl. Urk. 8/3 S. 7), was auch der Privatkläger sinngemäss  

bestätigte (vgl. Urk. 9/1 S. 5, vgl. oben). Wenn nun die Verletzung des Privat-

klägers lediglich auf einen Unfall zurückzuführen gewesen wäre und der Privat-

kläger unbeabsichtigt ins Messer gefallen wäre bzw. sie mit dem Messer auf ihn 

gefallen wäre, so hätte es - so die Vorinstanz zutreffend - keinerlei Grund für eine 

solche Absprache gegeben (vgl. Urk. 57 S. 13 f.). Denn dann hätte einfach das 

tatsächlich Geschehene geschildert werden können, ohne dass der Privatkläger 

die Schuld dafür hätte übernehmen müssen. Dies weist wiederum darauf hin, 

dass zu jenem Zeitpunkt offenbar beide von der Verantwortlichkeit der Beschul-

digten ausgingen. 

7.3.5.6. Zu guter Letzt ist auf den Inhalt des Telefongesprächs, den die Beschul-

digte unmittelbar nach der Tat mit einem Mitarbeiter von Schutz und Rettung führ-

te, einzugehen (vgl. Protokoll Gespräch in Urk. 13/5). Die Vorinstanz hat in ihrem 

Entscheid den Text dieses Gesprächs wiedergegeben, worauf zur Vermeidung 

von Wiederholungen zu verweisen ist (vgl. Urk. 57 S. 20 unter Hinweis auf  

Urk. 13/5; Art. 82 Abs. 4 StPO). Diesem Gespräch ist immerhin zu entnehmen, 

dass sich die Beschuldigte unmittelbar nach der Tat auf ausdrückliche Frage als 

die Person bezeichnete, welche den Stich verabreichte. Dass es sich dabei um 

einen Unfall gehandelt habe oder aber, dass der Privatkläger ihr unglücklich ins 

Messer fiel, ist demgegenüber in diesem Gespräch - wie die Vorinstanz korrekt 

festhielt - nicht die Rede.  

-   28   - 

7.3.5.7. Am Rande sei noch erwähnt, dass die Darstellung der Beschuldigten  

bezüglich Mitnahme des Messers als sie sich in die Stube zum Privatkläger  

begeben wollte (Messer bewusst nicht wie beim Gemüserüsten in die Hand  

genommen, vgl. Urk. 8/1 S. 5), deutliche Hinweise enthält, dass sie bewusst das 

Messer mitgenommen haben muss. Zusätzlich ist unerklärlich, weshalb sie  

spätestens als sie die Wohnzimmertüre aufdrücken musste, das Messer nicht 

weglegte, zumal dieses ihr dabei im Wege stehen musste. Damit ist freilich noch 

nicht gesagt, dass sie bereits in jenem Zeitpunkt mit dem Einsatz des Messers 

rechnete.   

7.3.5.8. Auch diese zusätzlichen Erwägungen lassen die verschiedene Darstel-

lungen der Beschuldigten nicht plausibler erscheinen. Mit der Vorinstanz sind  

daher die Vielzahl der Widersprüche sowie der aufgezählten Ungereimtheiten für 

die Gesamtwürdigung ihrer Aussagen von Belang (vgl. Urk. 57 S. 17). Selbst 

ausgehend davon, dass bei mehrfacher Befragung derselben Person zum  

gleichen Thema gewisse Diskrepanzen zwischen den verschiedenen Depositio-

nen vorkommen, wie dies insbesondere der Fall sein kann bei Einvernahmen, die 

unter Beizug eines Dolmetschers stattfinden, so betreffen die hier aufgezeigten  

Ungereimtheiten und Widersprüche das Kerngeschehen, weshalb sie die Glaub-

haftigkeit ihrer Aussagen erschüttern. Wenn die Vorinstanz daher erwog, dass  

ihre Vorbringen, der Privatkläger sei anlässlich eines Sturzes selber ins Messer 

gefallen bzw. sie habe ihn im Rahmen einer Rangelei unabsichtlich gestochen, 

als Schutzbehauptungen qualifizierte, so ist dem zuzustimmen. 

7.3.6. Demgegenüber sind die Aussagen des Privatklägers - wie oben dargetan - 

in den wesentlichen Punkten frei von Widersprüchen.  

7.3.6.1. Seine Darstellung ist zudem in verschiedener Hinsicht mit den medizini-

schen Unterlagen vereinbar. So steht beispielsweise auch seine Schilderung, er 

habe die Messerklinge nachdem die Beschuldigte diese aus seinem Körper  

herausgezogen habe, mit seinen Händen umfasst, um eine weitere Attacke zu 

verhindern (vgl. Urk. 1/2 S. 2), sowohl mit seinen späteren Depositionen als auch 

mit den im Gutachten beschriebenen „sogenannt aktiven Abwehrverletzungen“, 

-   29   - 

oberflächliche Schnittverletzungen an seiner rechten Hand im Einklang (vgl. 

Urk. 11/13 S. 4 und Urk. 9/1 S. 11; so auch Vorinstanz Urk. 57 S. 17).  

7.3.6.2. Die Vorinstanz erwog weiter zu Recht, dass auch wenn der Privatkläger 

zur genauen Position während des Messerangriffs nicht mehr detailliert Auskunft 

geben konnte, aus seinen Aussagen zweifelsfrei deutlich wird, dass es zwischen 

ihm und der Beschuldigten zu einem Gerangel (vgl. Urk. 57 S. 18), bzw. zu einer 

körperlichen Auseinandersetzung kam, zumal er mit Vehemenz sein aktives  

Abwehrverhalten schilderte. Handgreiflichkeiten finden im Übrigen auch in der 

Darstellung der Beschuldigten Bestätigung, welche ja, wie oben gesehen, selber 

über den Stoss an die Wand seitens des Privatklägers sowie von gegenseitigem 

Packen berichtete. Weshalb dieses tätliche Aufeinandertreffen der Streitparteien 

kein Gerangel darstellen sollte, ist nicht nachvollziehbar. Dies umso weniger, als 

die von beiden Seiten angegebene unterschiedliche Dauer dieses stehend ge-

führten tätlichen Disputs (Beschuldigte: 1 bis 3 Minuten; Privatkläger 5-10 Minu-

ten) insofern als marginal bezeichnet werden kann, als es sich dabei nichts  

anders als um eine Schätzung handelt. Unter diesem Blickwinkel steht die  

Annahme eines Gerangels - entgegen der Verteidigung (vgl. Urk. 47 S. 3) -  

keineswegs mit dem Bericht des forensischen Instituts Zürich im Widerspruch, 

welcher lediglich aufgrund der Blutspuren im Wohnzimmer ein Gerangel und/oder 

längere Kampfhandlungen "eher" ausschliesst (vgl. Urk. 6/3 S. 10). Dass sowohl 

der Privatkläger als auch die Beschuldigte im Übrigen gestanden sein müssen, 

als ihm der Messerstich versetzt wurde und dass auch niemand hinfiel bei der tät-

lichen Auseinandersetzung geht - dies in Ergänzung zur Vorinstanz - nicht nur 

aus seinen Schilderungen (vgl. Urk. 57 unter Hinweis auf Urk. 9/1 S. 8 f. und  

S. 11 f.), sondern auch aus denjenigen der Beschuldigten hervor. Korrekt ist so-

dann, dass sich die beim Privatkläger festgestellte Verletzung zwanglos mit dem 

von ihm geschilderten Ablauf vereinbaren lässt (so Vorinstanz in Urk. 57 S. 19; 

vgl. auch Gutachten Urk. 11/13).  

7.3.6.3. Es trifft nun zu, dass der Privatkläger die langjährige Beziehung mit der 

Beschuldigten oberflächlicher zu schildern versuchte, als sie es in der Tat war 

(vgl. Einwand Verteidigung in Urk. 47 S. 4). Daraus kann indessen nicht abgeleitet 

-   30   - 

werden, dadurch seien seine Schilderungen zum eigentlichen Tatgeschehen in 

Mitleidenschaft gezogen worden. Dass er der Beschuldigten zudem nach wie vor 

wohl gesinnt ist, zeigen seine Depositionen - wie oben dargetan- in mehrfacher 

Hinsicht, welche eine zu Unrecht erfolgte Belastung der Beschuldigten aus-

schliessen. Selbst die Verteidigung geht im Übrigen nicht davon aus, dass der 

Privatkläger nicht die Wahrheit sagt (vgl. Urk. 47 S. 4). Anhaltspunkte dafür, dass 

seine Depositionen ein Produkt nachträglicher  Empfindungen sein sollen (vgl. 

Einwand der Verteidigung Urk. 47 S. 4), bestehen keine.  

7.3.6.4. Zusammenfassend kann mit der Vorinstanz festgehalten werden, dass 

die Darstellung des Privatklägers im Kernbereich, nämlich die Beschuldigte habe 

auf ihn einmal eingestochen, widerspruchsfrei und plausibel ist. Sie steht sodann 

auch mit dem übrigen Beweisergebnis im Einklang, weshalb sie - wiederum mit 

der Vorinstanz - überzeugt und somit als glaubhaft einzustufen ist (vgl. Urk. 57  

S. 22).  

7.3.7. Damit ist aber auch der im zweiten Teil eingeklagte Sachverhalt in objekti-

ver Hinsicht rechtsgenügend erstellt.  

7.3.8. Was die Beschuldigte im Übrigen bei der Ausführung dieses Stichs wusste, 

wollte oder in Kauf nahm, ist im Rahmen der rechtlichen Würdigung zu erläutern. 

Zwar betrifft was der Täter wusste, wollte oder in Kauf nahm innere Tatsachen, 

auf welche anhand der Würdigung des äusseren Verhaltens des Täters sowie  

allenfalls weiterer Umstände geschlossen werden kann, und ist damit eine Tat-

frage. Rechtsfrage ist indessen, ob im Lichte der festgestellten Tatsachen der 

Schluss auf einen Vorsatz bzw. Eventualvorsatz als berechtigt erscheint (vgl. 

BGE 137 IV 1 E. 4.2.3., BGE 135 IV 152 E 2.3.2 mit Hinweisen, Entscheid des 

Bundesgerichtes 6B_388/2012 vom 12. November 2012 E. 2.2.4). Das gilt grund-

sätzlich auch dann, wenn bei Fehlen eines Geständnisses des Täters aus  

äusseren Umständen auf innere Tatsachen geschlossen werden muss. Insoweit 

überschneiden sich Tat- und Rechtsfragen (vgl. BGE 130 IV 62 f., 133 IV 17). Um 

betreffend den subjektiven Sachverhalt Rückschlüsse ziehen zu können, müssen 

also die äusseren Umstände des Tathergangs hinzugezogen und analysiert  

werden. Aufgrund der fast untrennbaren Verknüpfung des subjektiven Sachver-

-   31   - 

haltes und dessen rechtliche Würdigung wird der subjektive Sachverhalt daher 

nachfolgend behandelt. 

III. Rechtliche Würdigung 

1. Parteistandpunkte und vorinstanzliches Urteil 

1.1. Die Staatsanwaltschaft beantragt, die Beschuldigte der versuchten Tötung 

im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu 

sprechen, wobei sie ihr diesbezüglich zumindest Eventualvorsatz vorwirft (vgl. 

Anklage Urk. 26 S. 4). 

1.2. Demgegenüber stellte sich die Verteidigung bereits vor Vorinstanz auf  

den Standpunkt - allerdings von einem anderen Sachverhalt ausgehend -, die  

Beschuldigte habe sich lediglich der fahrlässigen Körperverletzung schuldig  

gemacht (vgl. Urk. 47 und Urk. 60), was sie auch im Berufungsverfahren tut 

(vgl. Urk. 80).  

Zur Begründung führte sie im Berufungsverfahren an, es müsse sich alles innert 

einer kurzer Zeitspanne abgespielt haben und die Beteiligten könnten den Tat-

ablauf nicht mehr eruieren. Es könne sein, dass der Privatkläger gemeint habe, 

die Beschuldigte wolle auf ihn einstechen, nachdem er sie masslos provoziert ha-

be. Ob sie es effektiv gewollt habe, wüssten wir nicht, auch der Privatkläger wisse 

dies nicht. Der Privatkläger gebe selber zu, dass es vielleicht nicht passiert wäre, 

wenn er die Türe nicht zugedrückt hätte. Das Gutachten des IRM halte die Sach- 

darstellung der Beschuldigten für nicht ausgeschlossen. Aus den Aussagen der  

Beschuldigten ergebe sich kein abschliessendes Bild. Vor allem vermöge die 

Aussage des Privatklägers keinesfalls davon zu überzeugen, dass die Beschul-

digte vorsätzlich gehandelt habe. Die Beschuldigte sei deshalb vom Vorwurf der 

versuchten Tötung freizusprechen und der fahrlässigen Körperverletzung schuldig 

zu sprechen (Urk. 80 S. 1 u. S. 9).  

-   32   - 

1.3. Die Vorinstanz kam zum Schluss, die Beschuldigte habe den Tatbestand der 

versuchten (eventual-) vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Ver-

bindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB erfüllt (vgl. Urk. 57 S. 28).  

2. Vorsätzliche Tötung im Sinne von Art. 111 StGB 

2.1. Wer vorsätzlich einen Menschen tötet, ohne dass eine der besonderen  

Voraussetzungen der Art. 112 bis 117 StGB zutrifft, wird mit Freiheitsstrafe nicht 

unter fünf Jahren bestraft. Tritt der zum Tatbestand gehörende Erfolg nicht ein, ist 

zu prüfen, ob ein Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB vorliegt. 

2.2. Die Anklage wirft der Beschuldigten keinen Mord vor, so dass sich dies-

bezügliche Erörterungen erübrigen.  

2.3. Objektiver Tatbestand von Art. 111 StGB 

2.3.1. Es ist erstellt, dass die Beschuldigte dem Privatkläger die in der Anklage 

umschriebene Stichverletzung am linken Oberarm bis in den Thoraxraum zufügte, 

wobei zum Verletzungsbild im Einzelnen auf die schon oben zitierten ärztlichen 

Berichte verwiesen werden kann (vgl. insbesondere Urk.11/3 und 11/13, zitiert 

oben in Ziff. II. 6.1.). Die Ärzte bejahten im angeforderten ärztlichen Gutachten 

sodann das Vorliegen einer unmittelbaren Lebensgefahr (vgl. Urk. 11/13), was 

auch die Beschuldigte nicht in Zweifel zieht.  

2.3.2. Damit ist der objektive Sachverhalt des Grundtatbestandes von Art. 111 

StGB, bis auf den ausgebliebenen Erfolg, erfüllt.  

3. Versuchte Tatbegehung 

3.1. Fehlt es wie vorliegend an der Erfüllung des objektiven Elements des  

Todeseintrittes im Sinne von Art. 111 StGB, ist folglich der zum Tatbestand  

gehörende Erfolg nicht eingetreten, so ist von einem Versuch auszugehen.  

3.2. Diesbezüglich kann vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der  

Vorinstanz, die zutreffend einen vollendeten Versuch bejahte, verwiesen werden 

(vgl. Urk. 57 S. 27 f.).  

-   33   - 

4. Subjektiver Tatbestand von Art. 111 StGB 

4.1. Die Verteidigung machte vor Vorinstanz und im Berufungsverfahren geltend, 

der in der Anklageschrift aufgeführte Vorsatz bzw. Eventualvorsatz bezüglich des 

Versuchs einer Tötung sei nicht erstellt (vgl. Urk. 47 S. 5 f., vgl. auch Urk. 80  

S. 9). 

4.2. Dass die Beschuldigte die Tat mit Wissen und Wollen, also mit direktem 

Vorsatz (Art. 12 Abs. 2 Satz 1 StGB), ausgeführt hätte, kann den Akten nicht ent-

nommen werden, was auch die Vorinstanz ausschloss (vgl. Urk. 57 S. 26). 

4.3. Vorsätzlich handelt indessen bereits, wer die Verwirklichung der Tat für 

möglich hält und in Kauf nimmt (vgl. Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB). Der eventual-

vorsätzlich handelnde Täter weiss demnach einerseits um die Möglichkeit bzw. 

das Risiko der Tatbestandsverwirklichung und nimmt andererseits den Eintritt des 

als möglich erkannten Erfolg ernst, rechnet mit ihm und findet sich mit ihm ab (vgl. 

BGE 134 IV 26 S. 3.2.2; BGE 133 IV 9 E. 4.1; BGE 130 IV 58 E. 8.2. und 8.3. 

m.H.), mag er ihm auch unerwünscht sein. Gefordert ist mithin das Wissen des 

Täters darum, dass seine Handlungen beim Opfer mindestens möglicherweise 

den Tod bewirken können sowie sein auf den Tod des Opfers gerichteter Wille 

resp. die Inkaufnahme des Todes des Opfers. Nicht erforderlich ist, dass sich der 

Täter gerade die tatsächlich eingetretenen konkreten Folgen vorgestellt zu haben 

braucht (BSK StGB II- Roth / Berkemeier, 3. Auflage, Basel 2013, N. 25 zu  

Art. 122 StGB sowie BSK StGB II - Schwarzenegger, 3. Auflage, Basel 2013, N 7 

zu Art. 111 StGB, Donatsch, Strafrecht III, 10. Auflage, Zürich 2013, S. 50).  

Eventualvorsatz kann unter anderem angenommen werden, wenn sich dem Täter 

der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolgs infolge seines Verhaltens als so 

wahrscheinlich aufdrängte, dass sein Verhalten vernünftigerweise nur als Inkauf-

nahme dieses Erfolgs gewertet werden kann. Eventualvorsatz kann indessen 

auch vorliegen, wenn der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolges bloss möglich 

ist, ja selbst dann, wenn sich diese Möglichkeit, statistisch gesehen, nur relativ 

selten verwirklicht. Doch darf nicht allein aus dem Wissen der Beschuldigten um 

die Möglichkeit des Erfolgseintritts auf dessen Inkaufnahme und damit auf Even-

-   34   - 

tualvorsatz geschlossen werden. Vielmehr müssen weitere Umstände hinzukom-

men. Die blosse Hoffnung auf das Ausbleiben der Tatbestandserfüllung schliesst 

deren Inkaufnahme nicht aus. Auch die dem Täter bekannte Nähe des Verlet-

zungsrisikos ist entscheidend. Je näher die Möglichkeit der Tatbestandsverwirkli-

chung liegt, desto eher lässt sich auf eine Inkaufnahme schliessen (vgl. ZR 109 

[2010] Nr. 58 und Urk. 100 S. 32). Diese Kriterien wiederholte das Bundesgericht 

auch in einem jüngeren Entscheid (vgl. Entscheid des Bundesgerichtes 6B_572/ 

2011 vom 20. Dezember 2011, E. 2). 

Das Bundesgericht hat sich mehrfach mit dem subjektiven Tatbestand bei  

Messerstechereien befasst und jeweils die Voraussehbarkeit der Todesfolge bei 

Messerstichen anerkannt. Insbesondere hat das Bundesgericht bereits vor  

geraumer Zeit festgehalten, das Wissen um das Vorhandensein von wichtigen 

Organen und Blutgefässen im Bauchbereich bzw. Brustbereich könne als  

allgemein bekannt vorausgesetzt werden und verschiedentlich darauf hinge-

wiesen, dass es keiner besonderen Intelligenz bedürfe, um zu erkennen, dass 

ungezielte Messerstiche im Brust und Bauch eines Menschen den Tod zur Folge 

haben können (vgl. BGE 109 IV 6; Entscheid des Bundesgerichtes 6B_829/2010 

vom 28. Februar 2011 E. 3.2.). Weiter hat es ausgeführt, dass wer mit einem 

Messer mit grosser Wucht in die Herz-, Lungen-, oder Bauchgegend eines  

Menschen steche, dessen Tod zumindest in Kauf nimmt und sich mit der Todes-

folge als reale Möglichkeit abfinde, auch wenn er sie nicht wünsche (vgl.  

BJM-1997, S. 34). Daran hat sich auch in der jüngsten Rechtsprechung nichts 

geändert (vgl. Entscheide 6B_480/2011 vom 17. August 2011, 6B_432/2011 vom 

18. August 2011 und 6B_572/2011 vom 20. Dezember 2011).  

4.3.1. Vorliegend ist vorerst auf die Ausführungen der Beschuldigten hinzuweisen, 

welche in ihrer ersten Einvernahme auf die Frage, ob sie sich vorstellen könne, 

welche Verletzungen mit einem solch grossen Messer zugefügt werden könnten, 

antwortete: "Ja, das kann ich mir schon vorstellen. Das kann jegliche Verletzun-

gen geben auch tödliche Verletzungen." (vgl. Urk. 8/1 S. 6). Es darf daher ohne 

weiteres angenommen werden, dass der Beschuldigten bewusst war, dass die 

Stichbewegung gegen den Oberkörper des Privatklägers, welche mit einem  

-   35   - 

Messer mit einer Klingenlänge von ca. 20 cm ausgeführt wurde, eine tödliche  

Verletzung hätte herbeiführen können. Dazu kommt, dass - wie aufgrund des  

erstellten Sachverhaltes, namentlich des daraus resultierten Verletzungsbildes 

(vgl. Urk. 11/13 S. 5) fest steht -, die Stichbewegung mit erheblichem Gewaltein-

satz erfolgte und zwar im Rahmen eines dynamischen Geschehens. Angesichts 

der Gesamtsituation kann mit Fug gesagt werden, dass eine nur geringfügig an-

dere Bewegung entweder der Beschuldigten oder aber des Privatklägers bei der 

ausgeführten Stichverletzung sehr wohl zu dessen Tod hätte führen können und 

dass letztendlich die genauen Auswirkungen des Stiches und damit auch ein  

allfälliger Eintritt des Todes des Privatklägers im Bereich des Zufälligen lagen. 

Vorliegend befand sich der Privatkläger zudem in Lebensgefahr, zumal er auf-

grund seiner starken Blutungen im Brustbereich gestorben wäre, wenn er nicht so 

schnell hätte operiert werden können (vgl. Urk. 11/13).  

4.3.2. Mit der Vorinstanz ist daher die Schwere der dabei manifestierten Sorg-

faltspflichtverletzung ebenso eklatant, wie das der Beschuldigten bekannte Risiko, 

dass der Privatkläger als Folge der Stichverletzung sterben könnte, als gross  

einzustufen ist (vgl. Urk. 57 S. 27).  

Damit steht fest, dass die Beschuldigte zumindest unter Inkaufnahme des Todes 

des Privatklägers auf diesen einstach. 

4.4. Zusammenfassend ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass die Beschuldig-

te durch ihr Verhalten den Tatbestand der versuchten vorsätzlichen Tötung im 

Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB erfüllt hat,  

weswegen sie diesbezüglich schuldig zu sprechen ist. 

IV. Sanktion 

1. Vorbringen der Staatsanwaltschaft 

1.1. Die Staatsanwaltschaft stellte in ihrer Berufungserklärung Antrag auf eine 

höhere Strafe (vgl. Urk. 58). 

-   36   - 

1.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung beantragte die Staatsanwaltschaft im 

Strafpunkt eine Freiheitsstrafe von 6  Jahren. Zur Begründung fügte der Staats-

anwalt an, das objektive Tatverschulden wiege im konkreten Fall schwer. Die  

Vorinstanz gehe zu Recht von einer grossen kriminellen Energie und Gewaltbe-

reitschaft der Beschuldigten aus. Das schwere Tatverschulden werde durch die 

vom Gutachter attestierte Verminderung der Schuldfähigkeit reduziert. Weiter sei 

zu berücksichtigen, dass die Beschuldigte nicht mit direktem, sondern Eventual-

vorsatz gehandelt habe und es das Opfer gewesen sei, welches den dem Mess-

erstich vorangegangenen verbalen Streit angezettelt habe. Es sei deshalb eine 

Einsatzstrafe von 8 Jahren angemessen. Wenn man nun noch den Versuch  

berücksichtige, der in concreto sehr leicht zum Tod des Opfers hätte führen  

können und dass unter dem Aspekt von Einsicht und Reue nur eine minimale 

Strafreduktion begründet werden könne, erscheine eine Freiheitsstrafe von  

6 Jahren dem Verschulden der Beschuldigten angemessen (Urk. 79 S. 4).  

2. Vorbringen der Verteidigung 

Die Verteidigung beantragte an der Berufungsverhandlung für den Fall des 

Schuldspruchs im Sinne der Anklage eine Freiheitsstrafe von 3 ¾ Jahren mit der 

Begründung, die Vorinstanz habe die Strafzumessungsgründe richtig erkannt und 

gewürdigt. Sie habe zu Recht berücksichtigt, dass hier aussergewöhnliche  

Umstände vorlägen, die eine Unterschreitung des ordentlichen Strafrahmens 

rechtfertigten. Es sei keine Schwere ersichtlich und es sei vielmehr mit der  

Vorinstanz von einem leichten Verschulden auszugehen. Es sei deshalb im Falle 

eines Schuldspruchs wegen vorsätzlicher Tötung die von der Vorinstanz ausge-

fällte Strafe zu bestätigen (Urk. 80 S. 10).  

3. Strafrahmen 

3.1. Die vorsätzliche Tötung nach Art. 111 StGB sieht als Sanktion eine Frei-

heitsstrafe zwischen 5 und 20 Jahren vor.  

3.2. Da vorliegend der Erfolg ausblieb, indem die Todesfolge beim Privatkläger 

nicht eintrat, liegt nur der Versuch einer Tötung vor. Art. 22 Abs. 1 StGB lässt eine 

-   37   - 

Strafmilderung nach Art. 48a StGB zu, wobei es sich bezüglich des Versuchs um 

einen sog. fakultativen Strafmilderungsgrund handelt. Art. 48a StGB setzt für die 

Strafe keine untere Grenze, soweit das Mindestmass der Strafart nicht unter-

schritten wird. 

3.3. Gemäss Gutachten, dessen Schlussfolgerungen am anderen Ort zu erörtern 

sind (vgl. Urk. 14/14), lag bei der Beschuldigten zum Tatzeitpunkt eine mittel-

gradige Verminderung der Schuldfähigkeit (Steuerungsfähigkeit, vgl. Urk. 14/14  

S. 58) vor. Demgegenüber kann die Beschuldigte den Strafmilderungsgrund des 

Art. 48 lit. c StGB (Handeln in einer nach den Umständen entschuldbaren heftigen 

Gemütsbewegung oder unter grosser seelischer Belastung) nicht für sich in  

Anspruch nehmen. Es ist in diesem Zusammenhang auf die Ausführungen zu  

Art. 113 StGB zu verweisen (Donatsch, Flachsmann, Hug, Weder, Zürich 2013, 

19. Auflage, N6 zu Art. 48): Art. 113 StGB privilegiert den Täter, der in einer nach 

den Umständen heftigen Gemütsbewegung oder unter grosser seelischer  

Belastung handelt. Die heftige Gemütsbewegung und die grosse seelische  

Belastung müssen indessen entschuldbar sein, wobei die Gemütsbewegung bzw. 

die seelische Belastung zu bewerten ist, nicht die Tat (vgl. Trechsel/Fingerhuth, 

Praxiskommentar zum StGB, 2013, 2. Auflage, N 8 zu Art. 113 StGB mit Hin-

weisen, vgl. auch BSK StGB II - Schwarzenegger, 3. Auflage 2013, N 12 und 19 

zu Art. 113 StGB).  

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung setzt der Begriff der Entschuld-

barkeit voraus, dass die heftige Gemütsbewegung oder die grosse seelische  

Belastung bei objektiver Betrachtung nach den sie auslösenden Umständen  

gerechtfertigt und die (hier versuchte) Tötung dadurch bei Beurteilung nach  

ethischen Gesichtspunkten in einem wesentlich milderen Licht erscheint. Es muss 

angenommen werden können, auch eine andere, anständig gesinnte Person wäre 

in der betreffenden Situation leicht in einen solchen Affekt geraten. Die Frage, ob 

der Täter in einer nach den Umständen entschuldbaren heftigen Gemüts-

bewegung oder unter grosser seelischer Belastung im Sinne von Art. 113 StGB 

gehandelt hat, ist dabei nicht vom psychiatrischen Gutachter, sondern vom  

Gericht nach psychologischen, normativ ethischen Kriterien zu beurteilen (vgl. 

-   38   - 

Entscheid des Bundesgerichtes 6B_66/2011 vom 16.6.2011 E. 4.4 am Ende unter 

Hinweis auf den Entscheid des Bundesgerichtes 6P.194/2000 vom 7.3.2001 

E. 1c). Nach der Darstellung der Beschuldigten, hatte sie bereits vor geraumer 

Zeit (ca. ein halbes Jahr) in Erfahrung gebracht, dass der Privatkläger eine 

Freundin hatte. Neu verlangte der Privatkläger von ihr an jenem Tag - nach 

8jähriger Beziehung - die unverzügliche Rückgabe des Wohnungsschlüssels und 

damit den Auszug aus der Wohnung, wobei der Privatkläger sie im Rahmen der 

dadurch entstandenen verbalen Auseinandersetzung beschimpfte. Zwar ist nicht 

in Zweifel zu ziehen, dass ihr diese plötzlich veränderte Situation emotional stark 

zu schaffen machte. Vorliegend scheiterte indessen die Berücksichtigung einer 

allfälligen heftigen Gemütsbewegung an der zusätzlich erforderlichen Entschuld-

barkeit, welche sich wie dargetan nach einem objektiven Massstab beurteilt. Dass 

nämlich ein solch offener Streit ein Durchschnittsmensch der Rechtsgemein-

schaft, welcher die Beschuldigte nach Herkunft, Erziehung und täglicher Lebens-

führung angehört, in einer gleichen Situation in eine derartige Gefühlswallung  

geraten könnte, lässt sich bei der gegebenen Sachlage nicht sagen. Insbesonde-

re wäre eine besonnene Person durch die vom Privatkläger zugestandenen  

Beleidigungen ("Tschetnik") sowie dessen Aufforderung zur Schlüsselrückgabe, 

nicht in eine solche Gefühlserregung geraten, dass sie nicht mehr in der Lage 

gewesen wäre, ihr Verhalten zu kontrollieren. Es mag also zutreffen, dass die 

Gemütsbewegung aus den gesamten objektiven und subjektiven Umständen her-

aus psychologisch erklärt werden könnte, doch genügt dies für die Annahme der 

Entschuldbarkeit praxisgemäss nicht. Demgegenüber kann der Beschuldigten  

- wie nachfolgend auszuführen ist - tätige Reue gemäss Art. 23 StGB zu Gute  

gehalten werden, was zu einer Strafmilderung führt.  

3.4. Der oben angegebene ordentliche gesetzliche Strafrahmen ist gemäss  

neuer bundesgerichtlichen Praxis nur bei ganz aussergewöhnlichen Umständen 

zu verlassen (vgl. BGE 136 IV 63, Urteil 6B.611/2010 vom 26.4.2010, Erw. 4.). 

Demgemäss drängt sich eine Erweiterung des ordentlichen Strafrahmens nur auf, 

wenn aufgrund der Gesamtwürdigung eine Strafe innerhalb des ordentlichen 

Rahmens nicht mehr als angemessen und dem Rechtsempfinden zuwiderlaufend 

erscheint. Vorliegend bestehen - entgegen der Vorinstanz (vgl. Urk. 57 S. 40) und 

-   39   - 

wie nachfolgend zu zeigen sein wird - keine Gründe, den ordentlichen Straf-

rahmen zu verlassen. 

4. Strafzumessungsregeln 

Die Vorinstanz hat die anzuwendenden Strafzumessungsregeln in ihrem Ent-

scheid aufgeführt und zutreffend festgehalten, dass zwischen Tat- und Täter-

komponente zu unterscheiden ist. Darauf kann verwiesen werden (vgl. Urk. 57  

S. 29 ff., Art. 82 Abs. 4 StPO).  

5. Tatkomponente 

5.1. Die Tötungsdelikte gehören - was schon der Strafrahmen aufzeigt - zweifel-

los zu den schwersten Delikten unserer Rechtsordnung. Wer mit seinem Vor-

gehen den Tod eines Menschen in Kauf nimmt, der begeht eine ganz gravierende 

Gewalttat. 

5.1.1. Die Schwere der Tat wird dadurch in Grenzen gehalten, als der eigentliche 

Taterfolg des eingeklagten Straftatbestandes, der Tod des angegriffenen Privat-

klägers, nicht eingetreten ist. Es liegt mithin "nur" versuchte Tatbegehung vor. 

Hier ist von einer vollendeten versuchten Tötung auszugehen. Damit ist der Ver-

such bei der objektiven Tatkomponente (also unabhängig vom Verschulden des 

Beschuldigten) zu berücksichtigen (vgl. hierzu Mathys, Zur Technik der Straf-

zumessung in SJZ 100/2004 S. 178). Das Mass der zulässigen Reduktion der 

Strafe hängt beim Versuch nach der Rechtsprechung unter anderem von der  

Nähe des tatbestandsmässigen Erfolgs und den tatsächlichen Folgen der Tat ab 

(Urteil des Bundesgerichtes 6S.44/2007 vom 6. Juni 2007 E. 4.5.4. und 4.5.5.  

unter Verweis auf BGE 121 IV 49 E. 1b). 

Hinsichtlich der Nähe des tatbestandsmässigen Erfolgs ist festzuhalten, dass für 

den Privatkläger aufgrund der erlittenen Verletzungen des Brustraumes eine un-

mittelbare Lebensgefahr bestand (vgl. Urk. 11/13 S. 5), welche nur durch eine 

Notoperation gebannt werden konnte. Der Stich verursachte aber auch eine  

Verletzung des linken Oberarmes, welche allerdings wenig gravierend war. Die 

tatsächlichen Folgen der Tat müssen daher als beträchtlich bezeichnet werden, 

-   40   - 

zumal die Integrität des Privatklägers von der Art der Handlung her auf gravieren-

de Art und Weise beeinträchtigt wurde. Der Privatkläger trug bleibende Narben 

aus diesem Vorfall. Er musste eine Operation und nachfolgende ärztliche  

Behandlungen bzw. Nachbehandlungen über sich ergehen lassen, welche einen 

mehrtägigen Spitalaufenthalt erforderten. Hinzu kommen die erlittenen körperli-

chen Schmerzen und die heute noch ungewissen psychischen Folgen (vgl.  

Urk. 11/13 S. 6). 

5.1.2. Was das Vorgehen der Beschuldigten betrifft, ist mit der Vorinstanz festzu-

halten, dass sie mit Wucht durch den Arm hindurch bis tief in den Brustkorb des 

ihr von Angesichts zu Angesichts gegenüberstehenden Privatkläger hinein stach, 

womit sie nicht nur ihre Geringschätzung des Rechtsguts der körperlichen Unver-

sehrtheit zum Ausdruck brachte, sondern auch eine grosse kriminelle Energie und 

Gewaltbereitschaft manifestierte.  

5.1.3. Ausser der Tatsache, dass nur versuchte Tatbegehung vorliegt, lassen sich 

keine weiteren Umstände erkennen, die die Beschuldigte in objektiver Hinsicht  

irgendwie entlasten würden. Entgegen der Vorinstanz kann die objektive Tat-

schwere nicht als eher noch leicht, mit einer gewissen Nähe zum Totschlag  

bewertet werden, sondern ist als mittelschwer einzustufen.  

5.1.4. Die Einsatzstrafe liegt damit - noch ohne Berücksichtigung der Tatsache, 

dass es bei einer versuchten Tatbegehung blieb - im mittleren Bereich des fest-

gesetzten Strafrahmens. Bei der versuchten Tatbegehung ist zu berücksichtigen, 

dass es einerseits weitgehend dem Zufall oblag, dass der Privatkläger keine tödli-

chen Verletzungen erlitt. Weiter ist in diesem Zusammenhang mit der Vorinstanz 

festzuhalten, dass der tatbestandsmässige Erfolg aufgrund der erlittenen Ver-

rletzungen nahe lag (vgl. Urk. 57 S. 34). Wenn die Vorinstanz hier die Hilfeleis-

tungen der Beschuldigten berücksichtigte, so ist dies nicht korrekt, da dies ledig-

lich (aber immerhin) im Rahmen der Beurteilung des Nachtatverhaltens zu ge-

schehen hat. Insgesamt führt die versuchte Tatbegehung zu einer eher geringen 

Strafreduktion. Insgesamt ist das objektive Tatverschulden unter Berücksichtigung 

des Versuchs als erheblich zu einzustufen, weshalb von einer Einsatzstrafe von  

10 Jahren auszugehen ist.  

-   41   - 

5.2. Bei der Bewertung des subjektiven Verschuldens stellt sich die Frage, wie 

dem Täter die objektive Tatschwere tatsächlich anzurechnen ist. Dabei spielen 

nebst der Frage einer verminderten Schuldfähigkeit (Art. 19 StGB) das Motiv und 

weitere subjektive Verschuldenskomponenten eine Rolle. 

5.2.1. Vorweg ist festzuhalten, dass die Beschuldigte, indem sie den Tod des  

Privatklägers in Kauf nahm, "nur" eventualvorsätzlich handelte, was auch die  

Vorinstanz berücksichtigte (vgl. Urk. 57 S. 36). Weiter ist positiv hervorzuheben, 

dass sie die konkrete Tat nicht von langer Hand plante, sondern den Tat-

entschluss vielmehr im Sinne einer Kurzschlussaktion fasste. Letztlich erscheint 

der Stich - mit der Vorinstanz - das Ergebnis eines massiven verbalen Streites, 

der hauptsächlich vom Privatkläger angezettelt worden war und in deren Verlauf 

sie auch beschimpft wurde (vgl. Urk. 57 S. 33 f.). 

5.2.2. Nachfolgend ist die Frage nach einer allfälligen Verminderung der Schuld-

fähigkeit zu erörtern. 

5.2.2.1. Betreffend das Vorliegen einer psychischen Störung, die Schuldfähigkeit, 

die Rückfallgefahr und die Massnahme wurde durch die Staatsanwaltschaft ein 

psychiatrisches Gutachten bei der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich ein-

geholt (vgl. Gutachten vom 11. Januar 2011 [recte wohl 11. Januar 2013], vgl. 

Urk. 14/14). Der Gutachter, dessen Schlussfolgerungen ausführlicher im  

vorinstanzlichen Entscheid korrekt festgehalten werden, weshalb darauf ver-

wiesen werden kann (vgl. Urk. 57 S. 35), kam mit Bezug auf die hier interessie-

rende Frage der Schuldfähigkeit der Beschuldigten zum Schluss, die affekt- 

akzentuierte Tat lasse bei erhaltener Fähigkeit der Beschuldigten, das Unrecht  

ihrer Tat zu erkennen, die Annahme einer mittelgradig verminderten Steuerungs-

fähigkeit zu (vgl. Urk. 14/14 S. 58).  

5.2.2.2. Es besteht nun kein Anlass, die ausführlich begründeten, nachvollzieh-

baren und schlüssigen Schlussfolgerungen des Gutachters, die zudem von keiner 

Seite bemängelt werden, hier in Frage zu stellen, weshalb diese - mit der  

Vorinstanz - zu übernehmen sind.  

-   42   - 

5.2.2.3. Dies bedeutet - wie die Vorinstanz zutreffend erwog -, dass der Schuld-

vorwurf, welcher der Beschuldigten gemacht werden kann, verglichen mit dem 

Schuldvorwurf bei voller Schuldfähigkeit in entsprechendem, d.h. erheblichem, 

Ausmass geringer ist (vgl. dazu BGE 136 IV 55).  

5.2.3. Zum Motiv der Beschuldigten erwog die Vorinstanz, es lasse sich nur 

erahnen, dass sie aus Enttäuschung über die kaputte Beziehung und aus  

Kränkung hinaus gehandelt habe. Zutreffend führte sie zudem an, dass diese 

Komponenten bereits im Gutachten Berücksichtigung fanden, weshalb sie vor-

liegend nicht nochmals zu berücksichtigen sind (vgl. Urk. 57 S. 35), weswegen 

das Motiv neutral zu werten ist. 

5.2.4. Unter Beachtung der gutachterlichen Ausführungen ist das objektive Tat-

verschulden angemessen zu reduzieren. Insgesamt reduziert sich das bei der 

objektiven Tatschwere festgestellte Verschulden von erheblich zu noch nicht  

erheblich. Daher erscheint eine Einsatzstrafe von 6 Jahren als angemessen.  

6. Täterkomponente 

Die Täterkomponente umfasst das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse sowie 

das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren.  

6.1. Zu den persönlichen Verhältnissen der Beschuldigten kann vorweg auf die 

diesbezüglichen Ausführungen im Gutachten (Urk. 14/14), auf die Personalakten 

(insbesondere Urk. 21/1 5 und 21/6), die Befragung anlässlich der Hauptverhand-

lung (Urk. 45) sowie den im vorinstanzlichen Urteil ausführlich geschilderten  

Werdegang verwiesen werden (vgl. Urk. 57 S. 37 f.). 

An der Berufungsverhandlung führte die Beschuldigte zu ihrer persönlichen  

Situation aus, sie arbeite in der Wäscherei des Gefängnisses. Es gehe ihr  

gesundheitlich nicht gut, sie habe Probleme mit den Augen, mit dem Kopf und 

den Gelenken. Diese seien entzündet, sie habe Arthrose und Arthritis. Sie pflege 

telefonischen Kontakt zu ihrer Familie. Sie sei inzwischen von ihrem Mann  

geschieden. Nach ihrer Haftentlassung werde sie versuchen, hier eine Arbeit und 

-   43   - 

eine Wohnung zu finden. Falls dies nicht gelingen sollte, werde sie nach Öster-

reich zurückgehen (Urk. 78 S. 3 u. S. 5).  

Aus der Biografie der Beschuldigten lassen sich - über die bereits im Gutachten 

berücksichtigten hinaus - keine strafzumessungsrelevanten Faktoren ableiten. 

6.2. Die Beschuldigte ist nicht vorbestraft, was neutral zu werten ist.  

6.3. Zum Nachtatverhalten erwog die Vorinstanz (zwar an anderem Ort, vgl.  

Urk. 57 S. 34) zutreffend, dass es die Beschuldigte selber war, welche gleich im 

Anschluss an das Zufügen der Stichverletzung die Wunde notversorgte und den 

Notruf alarmierte und damit dafür sorgte, dass der Privatkläger rechtzeitig operiert 

und vor dem Verbluten bewahrt werden konnte, was sie korrekt als tätige Reue im 

Sinne von Art. 23 StGB berücksichtigte und zu einer merklichen Strafminderung 

führen muss. 

Ein Geständnis liegt nicht vor. Die Beschuldigte beteuerte während des ganzen 

Verfahrens immer wieder, wie leid ihr tue, was geschehen ist. Zu Recht erwog die 

Vorinstanz dazu, dass nicht angebracht ist, dies als aufrichtige Reue zu ihren 

Gunsten zu berücksichtigen (vgl. Urk. 57 S. 39). In diesem Zusammenhang ist  

mit der Vorinstanz insbesondere auf die Aussagen der Beschuldigten anlässlich 

ihrer Befragung zur Person zu verweisen, wo sie ausführte, "Während Herr 

C._____, seine Freundin und seine Mutter draussen spazieren, muss ich hier lei-

den. Schuld daran sind die anderen." (vgl. Urk. 21/6 S. 3). Diese Äusserungen 

sind Ausdruck von ungerechtfertigtem Selbstmitleid und lassen nicht auf tief  

empfundene Reue schliessen.  

6.4. Schliesslich ist die Wirkung der Strafe auf das Leben der Beschuldigten mit 

zu berücksichtigen, womit letztlich die Strafempfindlichkeit angesprochen wird.  

Eine deutlich erhöhte Strafempfindlichkeit - wie von der Rechtsprechung verlangt 

- ist nicht ersichtlich (so auch Vorinstanz Urk. 57 S. 39). Die Beschuldigte ist 

nunmehr geschieden und ging im Zeitpunkt der Tat keiner Erwerbstätigkeit nach. 

Sie hat zwar gesundheitliche Probleme, welche sie indessen - sofern nötig -  

zusammen mit der vom Gutachter als sinnvoll erachtete Therapie (vgl. Urk. 14/14 

-   44   - 

S. 59 ff.) während des Strafvollzugs behandeln lassen bzw. durchführen kann. Es 

liegt daher keine Konstellation mit aussergewöhnlichen Umständen vor, welche 

aktuell irgendeine besondere Strafempfindlichkeit - aus persönlichen oder berufli-

chen Gründen - zu begründen vermöchte. Wie das Bundesgericht festhielt, stellt 

selbst die Verbüssung einer langjährigen Freiheitsstrafe für jede selbst in ein  

familiäres oder soziales Umfeld eingebetteten Beschuldigte eine gewisse Härte 

dar. 

6.5. Insgesamt führt die Würdigung der Täterkomponente, insbesondere des 

Nachtatverhaltens zu einer merklichen Reduktion der Einsatzstrafe. 

7. Gesamtergebnis der Sanktion 

Ausgehend von der im Rahmen der Tatkomponente festgesetzten hypothetischen 

Freiheitsstrafe von 10 Jahren und in Würdigung der vorstehend aufgeführten wei-

teren Strafzumessungsfaktoren erweist sich eine Freiheitsstrafe von 5 Jahren als 

angemessen. Vor diesem Hintergrund erscheint das von der Vorinstanz ausge-

sprochene Strafmass als zu mild und dasjenige von der Staatsanwaltschaft gefor-

derte als leicht überhöht.  

8. Anrechnung der Haft 

Die Beschuldigte wurde am 3. Juli 2012 verhaftet. Seither war sie entweder in  

Untersuchungs- bzw. Sicherheitshaft oder im vorzeitigen Strafvollzug. Die ausge-

standene Haft von insgesamt 594 Tagen bis und mit heute ist auf die Strafe anzu-

rechnen. 

V. Vollzug 

Bei dieser Strafhöhe steht die Gewährung des (teil-)bedingten Strafvollzugs aus 

objektiven Gründen nicht zur Diskussion (Art. 42 Abs. 1 StGB und Art. 43 Abs.1 

StGB), weshalb sich weitere Ausführungen erübrigen. 

 

-   45   - 

VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

1. Kosten der ersten Instanz 

Ausgangsgemäss sind die vorinstanzliche Kostenfestsetzung und die Kostenauf-

lage zu bestätigen (Art. 426 StPO). 

2. Kosten der Berufungsinstanz 

2.1. Die Kosten im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien nach Massgabe  

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Beschuldigte un-

terliegt mit ihren Anträgen zu 4/5, weshalb ihr die Kosten zu 4/5 aufzuerlegen sind 

und zu 1/5 auf die Gerichtskasse zu nehmen sind. Die Kosten der amtlichen Ver-

teidigung im Berufungsverfahren sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu  

nehmen, wobei die Rückzahlungspflicht betreffend 4/5 der Kosten der amtlichen 

Verteidigung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten bleibt. 

2.2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 4'000.-- anzu-

setzen. 

3. Entschädigung für die amtliche Verteidigung 

3.1. Die amtliche Verteidigerin hat mit Eingabe vom 10. Februar 2014 (vgl.  

Urk. 77/1-2) ihre Honorarnote eingereicht und an der Berufungsverhandlung ihren 

weiteren Aufwand beziffert (vgl. Urk. 80A).  

3.2. Die geltend gemachten Aufwendungen sind ausgewiesen. Sie ist damit  

für das Berufungsverfahrens mit Fr. 5'000.-- inklusive Mehrwertsteuer zu ent-

schädigen. 

 

 

 

-   46   - 

Es wird erkannt: 

1. Die Beschuldigte A._____ ist schuldig der versuchten vorsätzlichen Tötung 

im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB. 

2. Die Beschuldigte wird bestraft mit 5 Jahren Freiheitsstrafe, wovon 594 Tage 

durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft sowie vorzeitigen Strafvollzug bis 

und mit heute erstanden sind. 

3. Das erstinstanzliche Kostendispositiv (Ziff. 3 und 4) wird bestätigt. 

4. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 4'000.-- ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 5'000.--   amtliche Verteidigung 

5. Die Kosten des Berufungsverfahrens mit Ausnahme der Kosten der amtli-

chen Verteidigung werden der Beschuldigten zu 4/5 auferlegt und zu 1/5 auf 

die Gerichtskasse genommen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung  

werden einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Die Rückzahlungs-

pflicht betreffend 4/5 der Kosten der amtlichen Verteidigung bleibt gemäss 

Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten. 

6. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an 

− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden  
der Beschuldigten (übergeben) 

− die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich (übergeben) 
− den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 

Vollzugsdienste  
− den Privatkläger C._____  

 
(Eine begründete Urteilsausfertigung gemäss Art. 84 Abs. 4 StPO wird 
den Privatklägern nur zugestellt, sofern sie dies innert 10 Tagen nach 
Erhalt des Dispositivs verlangen.) 

sowie in vollständiger Ausfertigung an 

− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden  
der Beschuldigten 

− die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich  

-   47   - 

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung all-

fälliger Rechtsmittel an 

− die Vorinstanz 
− den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 

Vollzugsdienste 
− das Migrationsamt des Kantons Zürich  
− die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A  
− die KOST Zürich mit dem Formular "Löschung des DNA-Profils und 

Vernichtung des ED-Materials" zwecks Bestimmung der Vernichtungs- 
und Löschungsdaten 

− die SUVA Zentralschweiz, … [Adresse],  
z.H. D._____ betr. Urk. 75 

7. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen 

erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundes-

gerichtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzung