# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 08ea6e5e-4e8e-51cd-bc5e-262c6d5ae0bf
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-02-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.02.2018 E-3686/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3686-2017_2018-02-01.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3686/2017 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 .  F e b r u a r  2 0 1 8  

Besetzung 
 Einzelrichter Markus König, 

mit Zustimmung von Richterin Regula Schenker Senn;  

Gerichtsschreiber Nicholas Swain. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Sri Lanka,   

amtlich verbeiständet durch MLaw Angela Stettler,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 24. Mai 2017 / N (…). 

 

 

 

E-3686/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer, ein Tamile aus B._______ (Nordprovinz) ver-

liess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am (…) Juli 2015 und 

gelangte am 27. Oktober 2015 in die Schweiz, wo er gleichentags ein Asyl-

gesuch stellte. 

A.b Am 29. Oktober 2015 fand im Empfangs- und Verfahrenszentrum 

(EVZ) C._______ die summarische Befragung zur Person (BzP) und am 

15. März 2017 die ausführliche Anhörung des Beschwerdeführers zu den 

Asylgründen statt. Dabei machte dieser im Wesentlichen Folgendes gel-

tend:  

A.c Er habe in Sri Lanka vor der Ausreise einen (…)betrieb geführt. Seine 

Schwägerin D._______, die bei seiner Familie aufgewachsen sei, sei  

im Jahre 2004 der Geheimdienstabteilung der Liberation Tigers of Tamil 

Eelam (LTTE) beigetreten und am (…) 2009 in der Schlussphase des Bür-

gerkriegs ums Leben gekommen. Er selber habe die Tigers auf verschie-

dene Weise unterstützt, namentlich durch Arbeiten auf einem (...)betrieb 

der LTTE und als (...). Ab 2006 habe er zudem mit seinem Fahrzeug regel-

mässig Warentransporte für die Organisation durchgeführt. Beim Kriegs-

ende im Jahr 2009 habe er sich der sri-lankischen Armee ergeben. Er sei 

intensiv zu den LTTE verhört und dann nach E._______ verlegt worden. 

Mit Hilfe eines Bekannten, der Beziehungen zur Polizei gehabt habe, sei 

es ihm nach etwa (…) Monaten gelungen, das Internierungslager zu ver-

lassen. Er sei in der Folge vorsichtshalber etwa ein Jahr lang bei einem 

Freund in F._______ geblieben und dann zur Familie nach Hause zurück-

gekehrt.  

A.d In B._______ habe er sich für die Tamil National Alliance (TNA) enga-

giert und insbesondere für einen Cousin, der bei den Wahlen für die TNA 

kandidiert habe, Propaganda gemacht. Am (…) 2011 sei er deswegen zu 

Hause von vermummten Unbekannten entführt und in ein altes Haus  

gebracht worden, wo er während zweier Monate festgehalten und miss-

handelt worden sei. An den Folgen der Folterungen leide er bis heute, ins-

besondere durch Schmerzen an der Wirbelsäule, den Hüften und in den 

Knien. Nachdem seine Frau ein Lösegeld bezahlt habe, sei er freigelassen 

worden.  

  

E-3686/2017 

Seite 3 

A.e Am (…) 2014 habe im Haus der Familie eine Gedenkfeier für die 

Schwägerin D._______ stattgefunden. Zwei Tage später habe ihn seine 

Frau telefonisch darüber informiert, dass bewaffnete Unbekannte ihn ge-

sucht und unter Beleidigungen das Haus durchsucht hätten. Aus Furcht vor 

erneuten Misshandlungen sei er mit den Kindern zu einem entfernten Ver-

wandten nach G._______ gefahren und habe dort die nächsten Monate 

verbracht. Während dieser Zeit sei zu Hause in B._______ weiterhin nach 

ihm gesucht worden. Unter diesen Umständen hätten er und seine beide 

ältesten Söhne H._______ und I._______ sich zur Ausreise aus der Hei-

mat entschieden. Auf der Flucht sei er durch den Schlepper im Irak von den 

Söhnen getrennt worden und habe alleine weiterreisen müssen.  

B.  

Der Beschwerdeführer reichte neben Identitätsausweisen unter anderem 

die Todesurkunde seiner Schwägerin, mehrere Bestätigungsschreiben und 

Zeitungsartikel aus Sri Lanka sowie Unterlagen zum (…), mit dem er die 

Warentransporte für die LTTE durchgeführt habe, zu den Akten.  

C.  

Am 20. April 2017 wurde dem Beschwerdeführer schriftlich das rechtliche 

Gehör zu Fragen und Ungereimtheiten in Zusammenhang mit seinen Vor-

bringen gewährt. Er nahm dazu fristgerecht Stellung und reichte mit seiner 

Eingabe vom 4. Mai 2017 ausserdem seine Original-Identitätskarte zu den 

Akten. 

D.  

Mit Verfügung vom 24. Mai 2017 (eröffnet am 1. Juni 2017) stellte das SEM 

fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte 

sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie 

den Vollzug an. Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid im Asylpunkt 

teilweise mit der fehlenden flüchtlingsrechtlichen Relevanz der Vorbringen 

(soweit die Internierung als LTTE-Anhänger im Jahr 2009 sowie die zwei-

monatige Festhaltung unter Misshandlungen im Jahr 2011 betreffend) und 

im Übrigen mit der Unglaubhaftigkeit der übrigen Elemente der Sachver-

haltsdarstellung des Beschwerdeführers. 

E.  

E.a Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 29. Juni 2017 liess 

der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin Beschwerde gegen 

die Verfügung der Vorinstanz erheben und beantragen, es sei der Ent-

scheid des SEM vollumfänglich aufzuheben, seine Flüchtlingseigenschaft 

E-3686/2017 

Seite 4 

festzustellen und ihm Asyl zu gewähren; eventualiter sei die vorläufige Auf-

nahme anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um die Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung, um Verzicht auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses sowie um die Beiordnung der Rechtsver-

treterin als unentgeltliche Rechtsbeiständin ersucht. 

E.b Als Beweismittel zur Beschwerde wurde unter anderem ein Arztbericht 

vom 26. Juni 2017 zu den Akten gereicht. 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 5. Juli 2017 hiess der Instruktionsrichter die 

Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, um amtliche 

Rechtsverbeiständung und um Befreiung von der Vorschusspflicht gut. 

MLaw Angela Stettler wurde als amtliche Rechtsbeiständin des Beschwer-

deführers eingesetzt. Die Vorinstanz wurde zur Einreichung einer Ver-

nehmlassung eingeladen.  

G.  

In ihrer Vernehmlassung vom 14. Juli 2017 hielt die Vorinstanz an ihrer 

Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. 

H.  

Der Beschwerdeführer hielt in seiner Replik vom 18. August 2017 ebenfalls 

an seinen Rechtsbegehren fest. Er beantragte das Einholen eines medizi-

nischen Gutachtes zu den Folterspuren (Narben) auf seinem Körper. 

I.  

Mit Eingabe vom 7. September 2017 informierte die Rechtsbeiständin das 

Gericht darüber, dass ein Sohn des Beschwerdeführers, H._______, in die 

Schweiz eingereist sei und am 23. August 2017 ein Asylgesuch gestellt 

habe, das vom SEM unter der Verfahrensnummer N (…) behandelt werde. 

Es wurde um koordinierte Behandlung dieser beiden Verfahren und um 

Beizug der Verfahrensakten des Sohnes ersucht, der sein Asylgesuch aus-

schliesslich mit einer Reflexverfolgung wegen des Vaters begründet habe.  

Am 1. Dezember 2017 teilte die Rechtsbeiständin mit, das SEM habe das 

Asylgesuch des Sohnes H._______ gutgeheissen. Mit der Eingabe wurde 

auch eine aktualisierte Kostennote zu den Akten gereicht. 

  

E-3686/2017 

Seite 5 

J.  

J.a In einer Zwischenverfügung vom 21. Dezember 2017 hielt der Instruk-

tionsrichter fest, dass die Akten des Sohnes (N […]) für die Behandlung 

des Verfahrens des Beschwerdeführers antragsgemäss beigezogen wür-

den. Ausserdem wurde festgestellt, dass auch das SEM das Bundesver-

waltungsgericht mit einer Bemerkung auf seinem Dossierübermittlungs-

Formular vom 30. November 2017 darauf hingewiesen hatte, dass das 

Asylgesuch des Sohnes "aufgrund Reflexverfolgung positiv entschieden" 

worden sei. Unter diesen Umständen wurde dem SEM Gelegenheit gebo-

ten, eine ergänzende Vernehmlassung zu den Akten zu reichen und seine 

Verfügung vom 24. Mai 2017 in Wiedererwägung zu ziehen. 

J.b Das SEM hielt indessen in seiner ergänzenden Vernehmlassung vom 

5. Januar 2018 an seiner Verfügung fest. 

J.c Am 10. Januar 2018 brachte der Instruktionsrichter dem Beschwerde-

führer die ergänzende Vernehmlassung des SEM vom 5. Januar 2018 zur 

Kenntnis. Die amtliche Rechtsbeiständin wurde im Interesse der Vermei-

dung unnötigen Aufwands gebeten, vorderhand vom Einreichen einer Ant-

wort auf diese Vernehmlassung abzusehen.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

  

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Seite 6 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

1.3 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zu-

ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer 

zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend 

aufgezeigt wird, ist das Rechtsmittel des Beschwerdeführers – jedenfalls 

zum heutigen Zeitpunkt – als offensichtlich begründet zu qualifizieren.  

Das Urteil ist unter diesen Umständen nur summarisch zu begründen 

(Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

E-3686/2017 

Seite 7 

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer macht einerseits geltend, er sei nach dem Ende 

des Bürgerkrieges im Jahr 2009 wegen seiner Verbindungen zu den LTTE 

interniert und im (…) 2011 aufgrund seiner politischen Aktivitäten von Un-

bekannten – die Angehörige der sri-lankischen Behörden gewesen seien 

oder jedenfalls enge Verbindungen zu diesen gehabt hätten – entführt und 

unter Folterungen während zweier Monate festgehalten worden. Das SEM 

hat die Glaubhaftigkeit dieser Vorbringens in seiner Verfügung nicht bestrit-

ten (vgl. Verfügung S 3 f.). In der Vernehmlassung vom 14. Juli 2017 wird 

explizit festgehalten, die Vorfälle aus den Jahren 2009 und 2011 seien, wie 

bereits der angefochtenen Verfügung entnommen werden könne, auch aus 

Sicht des SEM "nicht auszuschliessen".  

5.2 Die protokollierten Schilderungen des Beschwerdeführers wirken au-

thentisch und weisen viele weitere Realitätskennzeichen auf. Schliesslich 

wird in mehreren Bestätigungen – auf die im Folgenden zurückzukommen 

sein wird – auf diese Ereignisse hingewiesen. 

5.3 Die Vorfälle aus den Jahren 2009 und 2011 erweisen sich damit als 

glaubhaft gemacht. Weitere Abklärungen (vgl. Replik S. 5) sind in diesem 

Zusammenhang nicht erforderlich. 

6.  

6.1 Gemäss Angaben des Beschwerdeführers seien die Ereignisse ab (…) 

November 2014 unmittelbar fluchtauslösend gewesen. Die Fahndung nach 

ihm seien durch eine private Gedenkfeier für eine Schwester seiner Frau 

ausgelöst worden, die mit den LTTE gekämpft habe und im Krieg gefallen 

sei. Jene Vorbringen qualifiziert das SEM als unglaubhaft.  

Dieser Teil der Begründung der angefochtenen Verfügung vermag nicht zu 

überzeugen: 

6.2  

6.2.1 Vorab ist festzuhalten, dass bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit 

alle Argumente, die für und die gegen die Richtigkeit der Vorbingen der 

asylsuchenden Person sprechen, sorgfältig gegeneinander abzuwägen 

sind (vgl. hierzu etwa ANNE KNEER, LINUS SONDEREGGER, Glaubhaftigkeits-

prüfung im Asylverfahren, ASYL 2015/2 S. 4 m.w.H. auf die publizierte  

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts, die ihrerseits auf einem der ersten 

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Seite 8 

Urteile der vormaligen Schweizerischen Asylrekurskommission [ARK] be-

ruht; vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der ARK [EMARK], 1993 Nr. 11 

E. 4.b).  

6.2.2 Eine solche Abwägung ist der Verfügung des SEM nicht ansatzweise 

zu entnehmen. Die Begründung der Vorinstanz erweckt sogar eher den 

Eindruck, alle für die Glaubhaftigkeit der Vorbringen sprechenden Indizien 

seien systematisch ausgeblendet worden.  

6.3 Die protokollierte Schilderung der Ereignisse ab Ende 2014 erscheint 

substanziiert, plausibel und lebensecht. Die Aussagen sind, wie nachfol-

gend dargelegt wird, im Wesentlichen frei von Widersprüchen, und sie wei-

sen viele weitere Realitätskennzeichen auf. Mit Bezug auf die Frage der 

Glaubhaftigkeit ist ausserdem kein relevanter Unterschied zu den glaub-

haft gemachten Schilderungen der Ereignisse von 2009 respektive 2011 

feststellbar.  

6.4  

6.4.1 Zu den eingereichten Bestätigungen hält das SEM Folgendes fest  

(Hervorhebung BVGer):  

"Zur Untermauerung Ihrer Vorbringen haben Sie namentlich Bestätigun-

gen des Friedensrichters Ihres Dorfes, zweier Parlamentsmitglieder und 

Ihres Dorfvorstehers, sowie Zeitungsartikel eingereicht. Angesichts  

Ihrer unglaubhaft dargelegten Vorbringen kann auf eine eingehende 

Würdigung dieser Unterlagen verzichtet werden. Dennoch sei festzuhal-

ten, dass den erwähnten Dokumenten kein Beweiswert zukommt. 

So kann es sich bei den eingereichten Bestätigungen ebenso gut um 

Gefälligkeitsschreiben handeln, zumal diese erst nach Ihrer Ausreise 

aus Sri Lanka verfasst wurden. Bei den eingereichten Zeitungsartikeln 

lässt sich zudem kein direkter Bezug zu Ihnen feststellen beziehungs-

weise sind Sie darin nicht namentlich erwähnt." (vgl. Verfügung S. 3).  

6.4.2 Die im Zitat hervorgehobene juristische Argumentation ist unzutref-

fend: Selbstverständlich sind die eingereichten Dokumente im Fall ihrer Au-

thentizität geeignet, sich bei der Glaubhaftigkeitsprüfung zugunsten des 

Beschwerdeführers auszuwirken. Zutreffend wäre eher, dass eine eigentli-

che Beurteilung der Glaubhaftigkeit faktisch obsolet wird, wenn ein Sach- 

verhaltselement durch ein zugelassenes (authentisches) Beweismittel im 

Sinn von Art. 12 VwVG positiv-rechtlich bewiesen worden ist.  

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Seite 9 

6.4.3 Unmittelbar nach der Weigerung, die eingereichten Beweismittel 

überhaupt zu berücksichtigen, folgt der Hinweis, dass es sich bei den Do-

kumenten eventuell um "Gefälligkeitsschreiben" handeln könne. Diese 

Aussage ist als solche zwar nicht falsch; vorliegend ergeben sich jedoch 

bei Durchsicht der acht Bestätigungen keine Hinweise darauf, dass es sich 

um konstruierte, inhaltlich unzutreffende Unterlagen handeln könnte. Im 

Übrigen werden darin teilweise auch die (bereits glaubhaft gemachten) Er-

eignisse der Jahre 2009 und 2011 beschrieben. Die Bestätigungen der 

Ehefrau des Beschwerdeführers (es handelt sich um eine eidesstattliche 

Erklärung vor dem "Justice of Peace" und nicht um eine "Bestätigung[…] 

des Friedensrichters"), zweier Parlamentarier, eines Priesters, des (…) der 

(…) und des Leiters eines (…) hinterlassen inhaltlich und formal einen au-

thentischen Eindruck. Dieser wird dadurch bekräftigt, dass die Probleme 

des Beschwerdeführers keineswegs aufgebauscht wirken, sondern im Ge-

genteil teilweise auffällig implizit umschrieben werden (die Bestätigung des 

Priesters der […] vom 12. September 2016 beschränkt sich beispielsweise 

auf die Feststellung, der Beschwerdeführer habe "due to avoidable circum-

stances" seine Heimat verlassen und im Ausland um flüchtlingsrechtlichen 

Schutz nachsuchen müssen). 

6.5  

6.5.1 Die in der Entscheidbegründung des SEM aufgelisteten Unglaubhaf-

tigkeitsindizien lassen sich teilweise schon nach flüchtiger Durchsicht der 

Akten auf sprachliche (oder akustische) Missverständnisse und unter-

schiedliche Interpretationen der protokollierten Aussagen zurückführen. 

Die Argumentation der Vorinstanz wird in den Eingaben des Beschwerde-

führers an das Bundesverwaltungsgericht – und an das SEM (vgl. Sach-

verhalt Bst. C) – weitgehend entkräftet. Im Rahmen der vorliegenden Sum-

marbegründung kann vollumfänglich auf die sorgfältigen und ausführlichen 

Entgegnungen der amtlichen Rechtsbeiständin verwiesen werden (vgl. Be-

schwerde S. 6 ff., Replik S. 1 ff.).  

6.5.2 Die wenigen verbleibenden Unklarheiten betreffen Nebenpunkte  

respektive die Verfolgungstaktik der Behörden gegenüber dem Beschwer-

deführer, die das SEM als wenig einleuchtend erachte (was allerdings nicht 

ernsthaft zulasten des Beschwerdeführers gewertet werden kann).  

Solche Umstände vermögen die positiven Glaubhaftigkeitsindizien offen-

sichtlich nicht aufzuwiegen.  

 

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Seite 10 

6.6  

6.6.1 Am 23. August 2017 stellte der Sohn des Beschwerdeführers in der 

Schweiz ein Asylgesuch. Den Akten N (…) ist zu entnehmen, dass dieser 

Familienangehörige bestätigt, im Jahr 2015 zunächst mit seinem Vater 

(und einem Bruder) aus Sri Lanka geflohen und im Irak durch Schlepper 

von diesem getrennt worden zu sein. Der Bruder und er seien daraufhin 

zusammen J._______ weitergereist, wo sie wegen der illegalen Einreise 

verhaftet worden seien. Die J._______ habe sie daraufhin mit zwei Lais-

sez-Passer (die zu den Akten gereicht wurden) nach Sri Lanka ausge-

schafft. Am Tag nach der Ankunft in Heimatdorf seien sie von Angehörigen 

des Geheimdiensts abgeholt und unter Misshandlungen und Todesdrohun-

gen nach dem Aufenthaltsort des Vaters verhört worden. Ausserdem hätten 

die Beamten wissen wollen, wo der Vater die Waffen der LTTE versteckt 

habe. Nach der Freilassung seien sein Bruder und er im Dezember 2015 

von einem Fischer nach Indien mitgenommen worden. Er selber habe nach 

längerer Zeit das Geld für die Weiterreise in die Schweiz organisieren kön-

nen; der Bruder sei in Indien geblieben und befinde sich mittlerweile in  

K._______.  

6.6.2 Den Befragungsprotokollen des Sohnes ist weiter zu entnehmen, 

dass dieser die Erlebnisse seines Vaters übereinstimmend schildert; die 

Beschreibung der Ereignisse des Jahres 2014 ist erwartungsgemäss  

detailreicher als diejenige der Sachverhaltselemente von 2009 / 2011, die 

der damals (…)- respektive (…)-jährige weitgehend nur vom Hörensagen 

beschreiben konnte. 

6.6.3 Der SEM-internen Erläuterung des Asylentscheids des Sohnes (vgl. 

Aktenstück A27/5 des Dossiers N […]) ist zu entnehmen, dass die Vo-

rinstanz die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausschliesslich mit 

dem Vorliegen einer Reflexverfolgung aufgrund des Vaters begründet hat. 

Auf diesen Umstand machte der für dieses Verfahren zuständige Sachbe-

arbeiter des Verfahrenszentrums Zürich das Gericht bei der Rücksendung 

der Beizugsakten des Sohnes denn auch ausdrücklich aufmerksam (vgl. 

Sachverhalt Bst. J.a). 

6.6.4 In der ergänzenden Vernehmlassung vom 5. Januar 2018 wurde 

trotzdem an der angefochtenen Verfügung festgehalten. Die für das Ver-

fahren des Beschwerdeführers zuständige Sachbearbeiterin des EVZ Alt-

stätten anerkannte zwar die weitgehende Übereinstimmung der Schilde-

rungen der beiden Familienangehörigen. Es wird allerdings einerseits auf 

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Seite 11 

kleine Abweichungen hingewiesen und andererseits festgehalten, dass al-

lein wegen der weitgehenden Gleichheit von einer glaubwürdigen Darstel-

lung des Beschwerdeführers auszugehen "einer gründlichen Glaubhaftig-

keitsprüfung […] entgegenstehen" würde. Diese Haltung ist wenig über-

zeugend, nachdem eine sorgfältige Glaubhaftigkeitsbeurteilung im Verfah-

ren des Beschwerdeführers nach dem oben Gesagten bisher gerade nicht 

vorgenommen worden war.  

6.6.5 Es wird in der ergänzenden Vernehmlassung auch nicht zur nahelie-

genden Frage Stellung genommen, wie es – rechtsdogmatisch und fak-

tisch – möglich sein soll, dass ein Sohn wegen (in Vergangenheit erlittener 

und in Zukunft drohender) Reflexverfolgung aufgrund seines Vaters des 

flüchtlingsrechtlichen Schutzes der Schweiz bedarf, während dies gleich-

zeitig beim Auslöser jener Anschlussverfolgung nicht der Fall sein soll. 

6.7 Zusammenfassend ist nach dem Gesagten festzuhalten, dass es dem 

Beschwerdeführer auch gelungen ist, die fluchtauslösenden Ereignisse 

des Jahres 2014 glaubhaft zu machen. 

7.  

7.1 Hinsichtlich der flüchtlingsrechtlichen Relevanz der Vorbringen des Be-

schwerdeführers ist Folgendes in Betracht zu ziehen:  

7.2 Der Beschwerdeführer wurde spätestens im Jahr 2011 erstmals gezielt 

zugefügten Nachteilen im Sinn von Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt.  

7.3 Furcht vor künftiger Verfolgung ist begründet, wenn eine beachtliche 

Wahrscheinlichkeit dafür besteht, dass sich die befürchteten Verfolgungs-

massnahmen in absehbarer Zukunft verwirklichen. Diese Beurteilung ist 

gemäss langjähriger Praxis nach einem objektivierten Massstab vorzuneh-

men, wobei eine erlittene Vorverfolgung bei der Beurteilung angemessen 

zu berücksichtigen ist, auch wenn sie bereits einige Jahre zurückliegt;  

wer bereits zuvor staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat 

objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht als jemand, 

der erstmals in Kontakt mit staatlichen Sicherheitskräften kommt (vgl.  

bereits EMARK 1993 Nr. 11 Erw. 4c).  

7.4 Die Verfolgung des Beschwerdeführers war im Zeitpunkt seiner Aus-

reise aus Sri Lanka aktuell, zumal damals offenbar der Geheimdienst nach 

ihm fahndete. Ihm stand innerhalb seines Heimatstaats offensichtlich keine 

E-3686/2017 

Seite 12 

Aufenthalts- respektive Schutzalternative zur Verfügung. Es gibt keine kon-

kreten Hinweise darauf, dass sich diese Verfolgungssituation in der Zwi-

schenzeit verändert haben sollte. 

7.5 Nach dem Gesagten hat der Beschwerdeführer im Falle seiner Rück-

kehr in sein Heimatland (weiterhin) begründete Furcht vor ernsthaften 

Nachteilen. Die materiellen Voraussetzungen von Art. 3 AsylG für die An-

erkennung der Flüchtlingseigenschaft sind somit erfüllt.  

7.6 Aus den Akten ergeben sich schliesslich auch keine Hinweise auf das 

Vorliegen von Asylausschlussgründen. Der Beschwerdeführer ist demnach 

auch asylberechtigt. 

7.7 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass die Vorinstanz in ihrer  

Verfügung vom 24. Mai 2017 in Verletzung von Bundesrecht die Flücht-

lingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und die Asylgewährung 

verweigert hat.  

7.8 Die Beschwerde ist gutzuheissen, die angefochtene Verfügung ist  

aufzuheben. Die Vorinstanz ist anzuweisen, den Beschwerdeführer als 

Flüchtling anzuerkennen und ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. 

8.  

8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

8.2 Das Honorar der amtlichen Rechtsbeiständin ist angesichts des Ob-

siegens des Beschwerdeführers dem SEM zur Vergütung unter dem Titel 

einer Parteientschädigung gemäss Art. 64 VwVG aufzuerlegen. Unter  

Berücksichtigung des nachvollziehbaren Aufwands in der aktuellen  

Kostennote und gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfak-

toren (Art. 9–13 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 

173.320.2]) ist das Honorar zulasten der Vorinstanz auf insgesamt 

Fr. 4'615.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) festzusetzen. 

 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-3686/2017 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung vom 24. Mai 2017 wird aufgehoben. Das SEM wird ange-

wiesen, den Beschwerdeführer als Flüchtling anzuerkennen und ihm in der 

Schweiz Asyl zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das Honorar der amtlichen Rechtsbeiständin wird auf Fr. 4'615.– fest- 

gesetzt und dem SEM zur Vergütung als Parteientschädigung auferlegt. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Markus König Nicholas Swain