# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cefb732e-f0f4-5968-8426-85f975c24346
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-10-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.10.2011 E-5376/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5376-2011_2011-10-04.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­5376/2011

U r t e i l   v om   4 .   O k t ob e r   2 0 1 1

Besetzung Einzelrichter Kurt Gysi,
mit Zustimmung von Richter Hans Schürch;
Gerichtsschreiber Jonas Tschan.

Parteien A._______, geboren (…),
Serbien,  
vertreten durch Annelise Gerber, 

Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 20. September 2011 / N (…).

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge seinen Heimatstaat 
am  13. August  2011  verliess  und  über  Ungarn  und  Österreich 
gleichentags in die Schweiz gelangte, wo er am 15. August 2011 um Asyl 
nachsuchte,

dass er an der Kurzbefragung vom im Empfangs­ und Verfahrenszentrum 
B._______ und an der direkten Bundesanhörung vom 5. September 2011 
im Wesentlichen geltend machte, er gehöre zum Volke der Roma, welche 
in Serbien ohne Grund belästigt und schikaniert würden,

dass  im  Jahre  (…)  das  Haus  seines  Bruders  angezündet  worden  sei, 
wobei dieser dabei ums Leben gekommen sei,

dass der Beschwerdeführer vor ungefähr (…) Jahren auf dem Weg nach 
Hause von (…) überfallen und zusammengeschlagen worden sei,

dass  er  die  (…)  Personen  am  nächsten  Tag  bei  der  Polizei  angezeigt 
habe, die Beamten ihm jedoch mitgeteilt hätten, er habe keine Zeugen,

dass  er  ausserdem  im  (…)  von  seinem  Nachbarn  und  (…)  weiteren 
Personen zu Hause aufgesucht, geschlagen und aufgefordert worden sei, 
das Haus zu verlassen,

dass  das  BFM mit  Verfügung  vom  20.  September  2011  in  Anwendung 
von  Art. 34  Abs. 1  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG, 
SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht eintrat und die Wegweisung aus der 
Schweiz sowie den Vollzug anordnete,

dass  das  BFM  zur  Begründung  im Wesentlichen  anführte,  bei  Serbien 
handle es sich seit dem Beschluss des Bundesrates vom 6. März 2009 
um einen so genannten verfolgungssicheren Staaten im Sinne von Art. 6a 
Abs. 2 Bst. a AsylG,

dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen sei, die daraus  folgende 
Vermutung,  in  seinem  Heimatstaat  finde  keine  Verfolgung  statt  und 
genügender Schutz sei gewährleistet, umzustossen,

dass  seine  Vorbringen  in  keiner  Weise  überzeugen  würden,  sie  seien 
unsubstanziiert und widersprüchlich,

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dass  der  Beschwerdeführer  durch  seine  Rechtsvertreterin  mit  Eingabe 
vom  29.  September  2011  (Poststempel)  gegen  diesen  Entscheid  beim 
Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhob  und  dabei  in  materieller 
Hinsicht  beantragte,  auf  das  Asylgesuch  vom  15.  August  2011  sei 
einzutreten,  es  sei  die  Unzulässigkeit  und  die  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  als  Folge  davon  die  vorläufige 
Aufnahme anzuordnen, gegebenenfalls sei die Sache zur Neubeurteilung 
an das BFM zurückzuweisen,

dass  er  in  prozessualer  Hinsicht  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege ersuchte,

dass  die  vorinstanzlichen  Akten  dem  Bundesverwaltungsgericht  am       
30. September 2011 vorlagen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und erwägt,

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig 
über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG, 
SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines 
Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m. 
Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG, 
SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist 
(Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird 
(Art. 111  Bst. e  AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend 
aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid 
nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

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dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen 
Schriftenwechsel verzichtet wurde,

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32 ­ 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der 
Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs 
materiell  prüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich 
volle Kognition zukommt,

dass  auf  Asylgesuche  von  Personen  aus  Staaten  nach  Art. 6a  Abs. 2 
Bst. a  AsylG,  in  denen  grundsätzlich  Sicherheit  vor  Verfolgung  besteht, 
nicht  eingetreten  wird,  ausser  es  gebe  Hinweise  auf  eine  Verfolgung 
(Art. 34 Abs. 1 AsylG),

dass der Bundesrat Serbien gemäss Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG als Staat 
bezeichnet hat, in dem Sicherheit vor Verfolgung besteht (safe countries),

dass  diese  Vermutung  der  Sicherheit  vor  Verfolgung  mit  konkreten 
Hinweisen auf eine Verfolgung im Einzelfall umgestossen werden kann,

dass  der  Beschwerdeführer  in  der  Beschwerdeschrift  vorbringt, 
verschiedene Organisationen würden seit langem auf die Diskriminierung 
der Roma im Balkan hinweisen,

dass  die  Volksgruppe  der  Willkür  sowie  massiver  Korruption  auf 
Behördenebene ausgesetzt sei,

dass zwar Übergriffe von Privatpersonen auf Angehörige der Roma und 
teilweise  Schikanen  beim  Zugang  zur  medizinischen  Versorgung  sowie 
Diskriminierungen  nicht  völlig  ausgeschlossen  werden  können,  diese 
indessen  im  Allgemeinen  nicht  ein  Ausmass  erreichen,  welches  zur 
Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  genügen  würde,  zumal  am 
25. Februar  2002  das  Bundesgesetz  zum  Schutz  und  zur  Freiheit  der 
nationalen Minderheiten, welches auch für die anerkannte Minderheit der 
Roma Geltung hat, in Kraft getreten ist, 

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dass  zudem  auf  Beschwerdeebene  keine  konkreten  und  stichhaltigen 
Erklärungen  für  die  widersprüchlichen  und  unsubstanziierten  Aussagen 
im  erstinstanzlichen  Verfahren  vorgebracht  und  damit  die  Zweifel  am 
Wahrheitsgehalt der Verfolgungsvorbringen nicht ausgeräumt werden, 

dass das BFM damit zu Recht festgestellt hat, dem Beschwerdeführer sei 
es nicht gelungen, die Vermutung, es handle sich bei Serbien um einen 
Staat, in dem Sicherheit vor Verfolgung besteht, umzustossen,

dass das Bundesamt  zu Recht  nach Art. 34 Abs. 1 AsylG nicht  auf  das 
Asylgesuch des Beschwerdeführers eingetreten ist,

dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein 
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat 
(Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine 
Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und  kein  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen besteht, weshalb die verfügte Wegweisung  im Einklang mit den 
gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  vom  Bundesamt  zu  Recht 
angeordnet wurde,

dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen 
Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt, 
wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder 
nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des 
Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]),

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn 
völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der 
Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen 
Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG),

dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG  und  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]),

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  zulässig  ist,  da  es  dem 
Beschwerdeführer nicht gelungen  ist, die Flüchtlingseigenschaft gemäss  
Art.  1  A  Ziff.  2  FK  glaubhaft  darzutun,  weshalb  das  Prinzip  des 

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flüchtlingsrechtlichen  Refoulementverbots  im  vorliegenden  Verfahren 
keine Anwendung findet,

dass  aus  den  Akten  keine  Anhaltspunkte  ersichtlich  sind,  die  darauf 
schliessen  liessen,  dem  Beschwerdeführer  drohe  in  Serbien 
menschenrechtswidrige  Behandlung  im  Sinne  von  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) oder Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum 
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101),

dass sich der Vollzug der Wegweisung für Ausländerinnen und Ausländer 
als  unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf 
Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und 
medizinischer Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG),

dass weder die allgemeine Lage in Serbien noch individuelle Gründe auf 
eine  konkrete  Gefährdung  im  Falle  einer  Rückkehr  schliessen  lassen, 
weshalb der Vollzug der Wegweisung vorliegend zumutbar ist,

dass der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Serbien 
möglich  ist,  da  er  technisch  möglich  und  praktisch  durchführbar  ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG),

dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  BFM  verfügte  Vollzug  der 
Wegweisung zu bestätigen ist,

dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder 
unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen 
ist,

dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege 
ebenfalls  abzuweisen  ist,  da  sich  die  Rechtsbegehren  als  aussichtslos 
erwiesen haben,

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­ 
(Art. 1 ­ 3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 
VwVG).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
abgewiesen.

3. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils 
zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  an  das  BFM  und  an  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Kurt Gysi Jonas Tschan

Versand: