# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 116a8ee8-9172-57c7-a900-c56778cd2bf2
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-04-09
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 09.04.2021 SB200027
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB200027_2021-04-09.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB200027-O/U/ad 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, Oberrichterinnen lic. iur.  

Bertschi und lic. iur. Haus Stebler sowie Gerichtsschreiber MLaw 

Andres 

 

Urteil vom 9. April 2021 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigter, Erstberufungskläger und Anschlussberufungsbeklagter 

 

bis 26. Februar 2020 amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt MLaw X1._____ 

erbeten verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X3._____ 

erbeten verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X2._____ 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich,  
vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. Wyss 

Anklägerin, Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin 

 

sowie 

 

1. B._____,  
Privatkläger, Zweitberufungskläger und Anschlussberufungskläger 

2. C._____ AG,  
andere Verfahrensbeteiligte 

 

1 unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____,  

- 2 - 

 

betreffend versuchte vorsätzliche Tötung etc. und Widerruf 
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 
9. Juli 2019 (DG190019) 
 

 

- 3 - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 21. März 

2019 (Urk. 25/4) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig der / des: 

− versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Ver-
bindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB 

− Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a 
WG 

− mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von 
Art. 19a Ziff. 1 BetmG (Zeitraum vom 10. Juni 2016 bis 15. Mai 2017) 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 10 Jahren Freiheitsstrafe (wovon 

785 Tage durch Haft und vorzeitigen Strafvollzug erstanden sind) sowie ei-

ner Busse von Fr. 1'000.–. 

3. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle 

eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen. 

4. Es wird eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 63 StGB während des 

Vollzugs der Freiheitsstrafe angeordnet. 

5. Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 

23. August 2016 unter Ansetzung einer Probezeit von 4 Jahren gewährte 

bedingte Vollzug für eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 110.– wird 

widerrufen und es wir der Vollzug dieser Geldstrafe angeordnet. 

6. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich 

vom 29. Mai 2017 beschlagnahmten Gegenstände werden zuhanden der 

Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland (2017/28399 in Sachen gegen 

B._____) freigegeben: 

1) A010'387'721, 1 Mobiltelefon, Apple iPhone 3, schwarz, in schwarzem 

Etui, Marke Bugatti, sichtbarer Schaden vorhanden 

- 4 - 

2) A010'387'798, 1 Mobiltelefon, Nokia, blau 

3) A010'387'801, 1 Mobiltelefon, Samsung Galaxy 3, in schwarzem Etui, 

defektes Display 

4) A010'387'812, 1 Mobiltelefon, Motorola 

5) A010'387'823, 1 Mobiltelefon, Samsung Galaxy, defektes Display 

6) A010'387'834, 1 Mobiltelefon, HTC, schwarz, zerkratztes Display 

7) A010'387'856, 1 Mobiltelefon, Nokia 

8) A010'387'867, 1 Mobiltelefon, HTC silberfarben, Umrandung defekt 

9) A010'387'878, 1 Mobiltelefon, Samsung, schwarz 

10) A010'387'889, 1 Mobiltelefon, Nokia, schwarz 

11) A010'388'337, 1 Laptop, Acer, Seriennummer … 

12) A010'388'382, 1 Tablet, Samsung, schwarz, Seriennummer … 

13) A010'388'393, 1 Tablet, Samsung, weiss, Display zersprungen, Se-

riennummer … 

14) A010'388'428, 1 Laptop, Toshiba, schwarz, inkl. Netzkabel, Serien-

nummer … 

15) A010'388'439, 1 externe Festplatte, WD 

16) A010'388'462, 1 Anhänger mit 2 USB-Sticks 

17) A010'388'484, 1 USB-Stick, "Ast-Imitation" 

18) A010'388'495, 1 USB-Stick, Multan 

19) A010'388'508, 1 USB-Stick, Sunrise 

20) A010'388'519, 1 USB-Stick, EMTEC 

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21) A010'388'520, 1 USB-Stick, "Bewerber-Muster" 

22) A010'388'531, 1 Postcard, IBAN …, ltd. auf B._____ 

23) A010'388'542, 1 SIM-Karte, Orange, in Plastiketui 

24) A010'388'553, 1 Mini-SD-Karte, Nokia, 1 GB, mit Adapter 

25) A010'388'564, 1 Mini-Kamera, Minox 

26) A010'388'586, 1 Portemonnaie, schwarz, enthaltend: 

a. 1 Führerausweis, ltd. auf D._____ 
b. 1 ID-Karte, NR. …, ltd. auf D._____ 
c. 1 Medicard, H._____, ltd. auf D._____ 
d. 1 Halbtax, ltd. auf E._____ 
e. 3 Schlüssel, klein 
f. diverse Visitenkarten, Fotos, etc. 

27) A010'388'600, 1 Notizzettel mit handschriftlichen Notizen betreffend 

Google Konto 

28) A010'388'622, 1 Schlüsselbund mit fünf Schlüsseln 

29) A010'388'644, 1 Schlüsselbund mit drei Schlüsseln 

30) A010'383'627, 1 Rucksack, enthaltend: 

a. A010'383'638, 1 Mobiltelefon, Samsung 
b. A010'383'649, 1 Mobiltelefon, Samsung 
c. A010'419'871, 1 Ausländerausweis C, ltd. auf B._____, ZH … 
d. A010'419'882, 1 Agenda 2017 
e. A010'419'917, 1 Apple iPod, inkl. Ladegerät und Kopfhörer, Beats 

by Dr. Dre 
f. A010'419'939, Bargeld, CHF 20.00 
g. A010'419'951, 1 Sonnenbrille 
h. A010'420'027, 1 Schlüsselbund mit 6 Schlüsseln 
i. A010'420'038, diverse Kleinware 
j. A010'419'804, 1 Portemonnaie, schwarz 

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7. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich 

vom 30. Mai 2017 beschlagnahmten Gegenstände werden zuhanden der 

Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland (2017/28399 in Sachen gegen 

B._____) freigegeben: 

1) A010'387'345, Hanf, 1 Gramm brutto 

2) A010'387'378, Hanf, 8 Gramm brutto 

3) A010'387'696, 1 Beutel, weisses Pulver enthaltend 

4) A010'388'666, Betäubungsmittelutensilien, 1 Feinwaage DX-150, 1 

Feinwaage silberfarben, 1 Hanfmühle 

8. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 

23. Juni 2017 beschlagnahmten Gegenstände werden zuhanden der 

Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland (2017/28399 in Sachen gegen 

B._____) freigegeben: 

1) A010'419'826, Bargeld 100 Euro 

2) A010'421'075, 1 Mobiltelefon Apple iPhone 6S, SIM-Karten -Nr. … 

9. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 7. Juni 

2017 beschlagnahmte Tatwaffe 

− A010'468'293, Pistole "Walther PPK", Kaliber 7.65 mm Browning, Seri-

en-Nr. …, mit eingelegtem Magazin und 2 Patronen 

wird eingezogen und ist nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils durch die 

Kantonspolizei Zürich zu vernichten. 

10. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

20. April 2018 beschlagnahmte 

− Krankengeschichte A._____, erstellt von Dr. med. F._____ 

- 7 - 

wird nach Eintritt der Rechtskraft des Urteiles an Dr. med. F._____ heraus-

gegeben. 

11. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

5. November 2017 beschlagnahmte  

− A010'993'427, Mobiltelefon "Apple iPhone 7", schwarz, IMEI unbe-

kannt, Display defekt, mit eingelegter SIM-Karte (Rufnummer …) 

wird nach Eintritt der Rechtskraft des Urteiles an G._____ herausgegeben. 

Wird dieser Gegenstand nicht innerhalb von 60 Tagen herausverlangt, so 

wird der endgültige Verzicht angenommen. 

12. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich 

vom 5. November 2017 beschlagnahmten Gegenstände 

1) A010'420'914, Pfefferspray gross "RSG-8" 

2) A010'421'713, 3 Klappmesser (2 schwarz, 1 silberfarben) 

3) A010'391'272, 1 Pullover weiss, mit Blutanhaftungen 

werden eingezogen und nach Eintritt der Rechtskraft der 

Bezirksgerichtskasse zur Vernichtung überlassen. 

13. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich 

vom 5. November 2017 beschlagnahmten Gegenstände 

1) A010'421,677, Postkundenkarte, Karten-Nr. …. ltd. auf A._____ 

2) A010'421'688, Visa-Karte, ltd. auf A._____ 

werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft des Urteiles her-

ausgegeben. 

Werden diese Gegenstände nicht innerhalb von 60 Tagen herausverlangt, 

so wird der endgültige Verzicht angenommen. 

- 8 - 

14. Der nicht beschlagnahmten, jedoch bei den Akten liegenden, durch die Kan-

tonspolizei Zürich temporär am Tatort eingesetzten Ersatzschlosszylinder 

wird nach Eintritt der Rechtskraft des Urteiles an die Kantonspolizei Zürich, 

EG-LL, zur gutscheinenden Verwendung herausgegeben. 

15. Die Zivilansprüche des Privatklägers werden auf den Zivilweg verwiesen. 

16. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 8'000.– ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr. 12'500.–   Gebühr für das Vorverfahren 

Fr. 1'400.–   Kosten Haftprüfungsverfahren (UB180067-O) 

Fr. 52'477.50   Auslagen (Gutachten und Berichte, ex Gutachten Haaranaly-   se) 
Fr. 10'410.–   Telefonkontrolle 

Fr. 1'588.45   Auslagen 

Fr. 449.–   Auslagen (Gutachten Haaranalyse) 

Fr. 15'531.–   Auslagen Polizei 

Fr. 4'124.65   Entschädigung RA Z._____ (unentgeltlicher Rechtsbeistand) 

Fr. 10'854.70   Entschädigung RA Y._____ (unentgeltlicher Rechtsbeistand) 

Fr. 41'400.–   amtl. Verteidigungskosten (inkl. MWST) 
 
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

- 9 - 

17. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem 

Beschuldigten auferlegt; davon ausgenommen sind die Kosten der 

amtlichen Verteidigung, welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von 

Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse übernommen werden. 

18. Es wird festgestellt, dass der Staat gegenüber der C._____ AG für Schaden 

aus dem Polizeieinsatz vom 16. Mai 2017 gestützt auf Art. 434 StPO dem 

Grundsatz nach schadenersatzpflichtig ist. 

Zur genauen Feststellung des Schadens wird die C._____ AG auf den Zivil-

weg verwiesen. 

Berufungs- und Anschlussberufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 119 S. 2 f.) 

"Unter Aufhebung der Dispositiv-Ziff. 1 - 5, 16 und 17 des Urteils des Be-

zirksgerichts Bülach vom 9. Juli 2019 (DG190019) sei wie folgt zu entschei-

den: 

2. A._____ sei vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne 

von Art. 111 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB freizusprechen. 

3. A._____ sei des einfachen Vergehens gegen das Waffengesetz im Sin-

ne von Art. 33 Abs. 1 WG schuldig zu sprechen und dafür mit einer 

Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu bestrafen. 

4. A._____ sei der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes 

im Sinne von Art.19a Ziff. 1 BetmG schuldig zu sprechen und dafür mit 

einer Busse von CHF 500.00 zu bestrafen. 

5. Von der Anordnung einer ambulanten Behandlung im Sinne von Art. 63 

StGB sei abzusehen. 

6. Von einem Widerruf des mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Win-

terthur/Unterland vom 23. August 2016 angeordneten bedingten Voll-

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zugs einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu CHF 110.00 sei abzuse-

hen. 

7. Die Zivilansprüche des Privatklägers seien auf den Zivilweg zu verwei-

sen. 

8. A._____ sei für die von ihm erstandene Überhaft eine angemessene 

Genugtuung zuzusprechen. 

9.  A._____ sei eine Entschädigung für seine Anwaltskosten in der Höhe 

der heute eingereichten Honorarnote zuzusprechen. 

10. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien auf die Gerichtskasse zu 

nehmen, und die übrigen Verfahrenskosten seien zu einem Zehntel 

A._____ aufzuerlegen und zu neun Zehntel auf die Gerichtskasse zu 

nehmen."  

b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich:  

(Urk. 118 S. 2, sinngemäss) 

Bestrafung des Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 12 Jahren sowie 

einer Busse von Fr. 1'000.–. Im Übrigen Bestätigung des vorinstanzlichen 

Urteils. 

c) Des Vertreters des Privatklägers 1: 

(Urk. 112 S. 2 f.) 

"1.  Dispositiv-Ziffer 15 des angefochtenen Urteils sei vollumfänglich aufzu-

heben und 

1.1.  der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Privatkläger im Sinne 

einer Teilklage Schadenersatz in der Höhe von einstweilen 

CHF 488.80 zuzüglich 5% Zins seit 15. Mai 2017 zu bezahlen; 

1.2.  ferner sei festzustellen, dass der Beschuldigte gegenüber dem 

Privatkläger dem Grundsatz nach schadenersatzpflichtig ist und 

die Geltendmachung weiterer Schadenersatzforderung vorbehal-

ten wird; 

- 11 - 

1 .3. eventualiter zu vorstehenden Anträgen Ziffern 1.1 und 1.2 sei der 

Beschuldigte zu verpflichten, dem Privatkläger eine in Anwen-

dung von Art. 42 Abs. 2 OR durch den Richter zu schätzende 

Geldsumme als Schadenersatz zu bezahlen; 

1.4.  schliesslich sei der Beschuldigte zu verpflichten, CHF 80'000.00 

als Genugtuung zuzüglich Zins von 5% seit dem 15. Mai 2017, 

abzüglich der ihm von der H._____ Versicherungen AG zuge-

sprochenen Integritätsentschädigung von CHF 51'870.00, zu be-

zahlen. Eine Mehrforderung bleibt ausdrücklich vorbehalten; 

2.  Dispositiv-Ziffer 16 des angefochtenen Urteils sei teilweise aufzuheben 

und die Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsbeistandes des Pri-

vatklägers, Rechtsanwalt Y._____, für das Vorverfahren und das vo-

rinstanzliche Verfahren gemäss der eingereichten Honorarnote vom 5. 

Juli 2019 auf CHF 13'871.30 (inkl. MwSt.) festzusetzen. 

3.  Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) gemäss dem 

Ausgang des Verfahrens." 

___________________________________ 

 

Erwägungen: 

I. Prozessgeschichte 

1.  Am 15. Mai 2017 um 22.20 Uhr ging bei der Einsatzzentrale der Kantons-

polizei Zürich ein Notruf ein, wonach an der I._____-Strasse 1 in J._____ ein 

Schuss gefallen sei. Bei dieser Schussabgabe wurde der Privatkläger 1, B._____ 

(nachfolgend "Privatkläger"), schwer verletzt. In der Folge wurde der Beschuldigte 

am 16. Mai 2017 um 13.48 Uhr als Tatverdächtiger festgenommen und anschlies-

send in Untersuchungshaft versetzt, welche mehrmals verlängert wurde (Urk. 

1/13 S. 8 und 18/1/1 sowie 18/2/4, 18/4/3, 18/5/4, 18/6/7, 18/7, 18/8/5). Am 29. 

August 2018 wurde dem Beschuldigten durch die Anklagebehörde der vorzeitige 

- 12 - 

Straf- und Massnahmevollzug bewilligt (Urk. 18/11/3). Nach durchgeführter Unter-

suchung erhob die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich, nunmehr Staats-

anwaltschaft I des Kantons Zürich (fortan Staatsanwaltschaft), am 21. März 2019 

Anklage gegen den Beschuldigten wegen versuchter vorsätzlicher Tötung, Ver-

gehen gegen das Waffengesetz sowie Übertretung des Betäubungsmittelgeset-

zes (Urk. 25/4).  

2.  Dem vorinstanzlichen Urteil kann die Prozessgeschichte betreffend das 

erstinstanzliche Verfahren entnommen werden (Urk. 82 S. 6, Art. 82 Abs. 4 

StGB). Die vorinstanzliche Hauptverhandlung fand am 9. Juli 2019 statt (Prot. I 

S. 6 ff.). 

3.  Mit eingangs wiedergegebenem Urteil vom 9. Juli 2019 (Urk. 82 S. 41 ff.) 

sprach das Bezirksgericht Bülach, II. Abteilung, den Beschuldigten der versuchten 

Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB zum 

Nachteil des Privatklägers B._____ und des Vergehens gegen das Waffengesetz 

im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG sowie der mehrfachen Übertretung des Be-

täubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG schuldig. Es bestrafte 

den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren unter Anrechnung von 

785 Tagen erstandener Haft und vorzeitigem Strafvollzug sowie zusätzlich mit ei-

ner Busse von Fr. 1'000.– unter Festsetzung einer Ersatzfreiheitsstrafe von 10 

Tagen. Weiter ordnete das erstinstanzliche Gericht eine ambulante Behandlung 

im Sinne von Art. 63 StGB während des Vollzugs der Freiheitsstrafe an. Ferner 

wurde die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 

23. August 2016 unter Ansetzung einer Probezeit von 4 Jahren gewährte beding-

te Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 110.– widerrufen. Weiter wurden zahlrei-

che Gegenstände, Betäubungsmittel und -utensilien sowie 100 Euro zuhanden 

der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland (2017/28399 in Sachen gegen 

B._____) freigegeben. Es erfolgten sodann weitere Entscheide betreffend be-

schlagnahmte Gegenstände wie Tatwaffe (Einziehung zur Vernichtung), Kran-

kengeschichte des Beschuldigten (Rückgabe an Dr. F._____), Mobiltelefon (Her-

ausgabe an G._____) sowie weitere Gegenstände wie Pfefferspray, 3 Klappmes-

ser und ein Pullover mit Blutanhaftungen (Einziehung und Vernichtung). Die Zivil-

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klage des Privatklägers wurde auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. Gegen 

dieses Urteil meldete der Beschuldigte über seine Verteidiger fristgerecht Beru-

fung an (Urk. 66 und 68). Nach Zustellung des begründeten Urteils legitimierte 

sich Rechtsanwalt lic. iur. X2._____ mit Vollmacht als weiterer erbetener Verteidi-

ger des Beschuldigten (Urk. 73 f.).  

4.   Mit Eingabe vom 6. Januar 2020 erstattete der erbetene Verteidiger, 

Rechtsanwalt lic. iur. X2._____, namens des Beschuldigten fristgerecht die Beru-

fungserklärung (Urk. 84). Der amtliche Verteidiger, Rechtsanwalt MLaw 

X1._____, erstattete mit Eingabe vom 7. Januar 2020 ebenfalls eine Berufungser-

klärung namens des Beschuldigten (Urk. 85). Auf sein Ersuchen wurde Rechts-

anwalt MLaw X1._____ in der Folge mit Präsidialverfügung vom 26. Februar 2020 

als amtlicher Verteidiger entlassen (Urk. 94), nachdem er mit Eingabe vom 24. 

Januar 2020 mitgeteilt hatte, das Vertrauensverhältnis zum Beschuldigten sei un-

widerruflich gestört und die notwendige Verteidigung sei durch zwei erbetene Ver-

teidiger gewahrt (Urk. 89).  

5.   Ebenfalls mit Präsidialverfügung vom 26. Februar 2020 wurde den Parteien 

Frist zur Anschlussberufung angesetzt (Urk. 96). Am 5. März 2020 erstattete die 

Staatsanwaltschaft Anschlussberufung (Urk. 98) und mit Eingabe vom 23. März 

auch der Privatkläger (Urk. 100). Am 9. April 2021 fand die Berufungsverhandlung 

statt, anlässlich welcher die Parteien die eingangs aufgeführten Anträge stellten 

(Prot. II S.  ff.). Das Verfahren erweist sich als spruchreif. 

II. Prozessuales 

1. Berufungsanträge 

 Der erbetene Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur. 1.1.

X2._____, beantragte in der Berufungserklärung einen vollumfänglichen Frei-

spruch von den Vorwürfen der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 

111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, des Vergehens gegen das Waf-

fengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG sowie der mehrfachen Übertre-

tung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG. 

- 14 - 

Schliesslich stellte er den Antrag, die Kosten des vorliegenden Verfahrens seien 

auf die Gerichtskasse zu nehmen und dem Beschuldigten sei eine angemessene 

Entschädigung und Genugtuung zu bezahlen (Urk. 119 S. 2 f.). 

 Die Staatsanwaltschaft beschränkte ihre Anschlussberufung auf die Be-1.2.

messung der Strafe (Urk. 98 S. 1 f.).  

 Der Privatkläger liess durch seinen unentgeltlichen Rechtsbeistand die 1.3.

Verweisung seiner Zivilansprüche auf den Zivilweg (Dispositiv-Ziffer 15) und die 

festgesetzte Höhe der Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsbeistandes, 

Rechtsanwalt Y._____, für das Vorverfahren und das vorinstanzliche Verfahren 

(Dispositiv-Ziffer 16) anfechten (Urk. 100 S. 3). 

2. Umfang der Berufung 

Demzufolge blieben die Dispositiv-Ziffern 14 (Herausgabe Ersatzschlosszylinder 

an die Kantonspolizei Zürich), 6 - 13 (Entscheide über beschlagnahmte Sachen) 

sowie 18 (Feststellung der Schadenersatzpflicht des Staates gegenüber der 

C._____ AG dem Grundsatze nach) unangefochten. Die Rechtskraft dieser Ziffern 

ist vorab mit Beschluss festzustellen.  

III. Sachverhalt 

A. Anklagepunkt versuchte vorsätzliche Tötung 

1. Anklagesachverhalt 

 Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, am 15. Mai 2017 abends um 22.15 1.1.

Uhr die in seinem Pullover mitgeführte geladene Tatwaffe ergriffen und in Rich-

tung des Privatklägers, der sich beim Fenster im gleichen Raum am Pult befun-

den habe und eventuell gerade aufgestanden sei, gehalten und einen Schuss ab-

gefeuert zu haben. Dadurch habe der Privatkläger verschiedene Verletzungen 

(Weichteilverletzung am Oberarm, Durchschuss mit mehrteiligem Bruch der rech-

ten Kieferhöhle, Jochbeinbruch rechts, Bruch des rechten knöchernen Augenhöh-

lenbodens sowie der mittleren Wand, Durchschuss durch die Siebbeinzellen, 

Bruch der Nasescheidewand und Durchschuss durch die mittlere und äussere 

- 15 - 

knöcherne Augenhöhlenwand links) erlitten und sein linkes Auge sei zerstört wor-

den, weshalb eine intensivmedizinische Notfallversorgung notwendig geworden 

sei.  

 Der Beschuldigte habe gewusst, dass sich in Kopf und Oberkörper le-1.2.

benswichtige und heikle Organe, insbesondere Hirn, Herz, Lunge, Leber, aber 

auch grosse Blutgefässe befinden. Dieser habe auch gewusst, dass ein Schuss in 

Richtung des Opfers diese Organe verletzen und das Opfer töten könnte, was er 

durch den bewusst und gezielt gegen den Privatkläger abgefeuerten Schuss habe 

erreichen wollen. Eventualiter habe der Beschuldigte das Opfer schwer und le-

bensgefährlich verletzen wollen und habe dabei den Tod von B._____ in Kauf ge-

nommen.  

2. Beweisgrundsätze 

Die Vorinstanz hat die massgeblichen Beweisgrundsätze, insbesondere zur Regel 

"in dubio pro reo", zur Aussagenwürdigung und zur Glaubwürdigkeit der zur Tat-

zeit am Tatort anwesenden Personen (Beschuldigter, Privatkläger, K._____ und 

M._____) ausführlich und zutreffend dargelegt, so dass zur Vermeidung von Wie-

derholungen darauf verwiesen werden kann (Urk. 82 S. 7 ff. Ziff. 1.1. - 1.3.). 

3. Äusserer Sachverhalt 

 Standpunkt des Beschuldigten und vorhandene Beweismittel 3.1.

a) Vorab ist festzuhalten, dass die Verletzungen des Privatklägers so, wie sie in 

der Anklage aufgeführt sind, unbestritten sind (vgl. dazu Urk. 9/2). 

b) Der Beschuldigte anerkannte im Laufe der Untersuchung und vor Vorinstanz, 

dass er am 15. Mai 2017 die Tatwaffe hervorgenommen und in der Hand gehalten 

habe (vgl. Urk. 82 S. 9 mit zahlreichen Aktenstellen, insbesondere Urk. 3/4 S. 11 

f. und Prot. I S. 13). Der Beschuldigte macht geltend, es sei ein Unfall gewesen, 

es habe sich anschliessend plötzlich ein Schuss gelöst; dieser sei in die Wand in 

die Ecke gegangen. Er habe niemanden verletzen wollen, er habe keinen Grund 

gehabt, jemanden zu verletzen; er könne nicht sagen, wie sich dieser Schuss ge-

- 16 - 

löst habe, er habe auf niemanden gezielt. Er sei so "drauf" gewesen, er habe 6 

Gramm Kokain und 6 verschiedene Medikamente drin gehabt, im Blut, im Kopf 

und Körper. Er habe Angst und Panik gehabt. Es sei ein Kollege von ihm gewe-

sen und es tue ihm sehr leid (Urk. 3/4 S. 11f., Urk. 3/13 S. 8 und Prot. I S. 13 f.).  

Wie der amtliche Verteidiger vor Vorinstanz vorbrachte, weichen die Aussagen 

des Beschuldigten zum objektiven Tatgeschehen somit in zwei Punkten von der 

Darstellung in der Anklage ab: Der Beschuldigte macht geltend, er habe die Pisto-

le nicht in einer Tasche seines Pullovers, sondern in einer mitgeführten Umhänge-

tasche mitgebracht. Ferner habe er die Pistole nicht in Richtung des Privatklägers 

gehalten (Urk. 57 S. 10). Insbesondere bestreitet der Beschuldigte demnach, 

dass er auf den Privatkläger zielte respektive die Waffe auf diesen richtete.  

Anlässlich der Berufungsverhandlung machte der Beschuldigte keine Aussagen 

mehr zur Sache (Prot. II S. 19 f.). 

c) Nachfolgend sind deshalb die massgeblichen Beweismittel aufzuzeigen und 

anschliessend zu würdigen. Es sind dies die Aussagen des Beschuldigten selbst 

(Ziff. 3.2.), aller am Tatort anwesenden Personen (Ziff. 3.3.) sowie weiterer Per-

sonen, die sachdienliche Angaben machen konnten (Ziff. 3.4.) und weitere Be-

weismittel wie verschiedene Berichte und Gutachten (Ziff. 3.5.). 

 Aussagen des Beschuldigten 3.2.

a) Anlässlich der Hafteinvernahme vom 16. Mai 2017 (Urk. 3/1, Uhrzeit: 17:39 

Uhr) gab der Beschuldigte an, im Laufe des Tages mehrmals zur Wohnung an der 

I._____-Strasse gegangen zu sein und (M._____) habe ihm ein Gramm Kokain 

organisiert. K._____ habe auf seine Anfrage über WhatsApp versucht, nochmals 

zwei Gramm für ihn zu organisieren. Er habe dort in der Wohnung auf dem Sofa 

auf K._____ gewartet; dann sei ein Typ mit einem Rucksack (Privatkläger 

B._____) in der Wohnung erschienen. Als K._____ zurück gekommen sei, habe 

er Koks vom Typen mit dem Rucksack genommen und ihm zwei Gramm gege-

ben. Er habe dann zwei oder drei Linien genommen, es sei starke Ware gewesen. 

Er sei etwas da gewesen und dann habe er "bamm" gehört, jemand habe ge-

- 17 - 

schrien, er sei drauf gewesen und dann weg gerannt und raus (Urk. 3/1 S. 6 ff.). 

Er sei sich so am Bücken gewesen und habe nichts gesehen, er habe keine Ah-

nung, was da abgelaufen sei, er (K._____) sei ein Drogendealer, er wisse nicht, 

mit wem er Probleme habe, er sei drauf gewesen und habe sich gesagt, er müsse 

weg. Er sei dann über den Balkon und auf die andere Seite gerannt, anschlies-

send nach J._____, nach J._____, er habe K._____ angerufen, dieser habe nicht 

abgenommen, er habe dann beim Solarium in J._____ auf dessen Rückruf gewar-

tet. Danach sei er kurz zuhause gewesen und habe die Tabletten (Xanox, Dormi-

cum, Venerol und Lyrica und Ritalin) und die Sonnenbrille geholt. Sein Freund 

L._____ habe ihn dann abgeholt (Urk. 3/1 S. 9 ff.). Der Beschuldigte stellte so-

dann - wie schon erwähnt - in Abrede, eine Faustfeuerwaffe zu besitzen, Messer 

schon, aber keine Waffe. Damit konfrontiert, M._____ habe gesagt, er habe im 

rechten Augenwinkel gesehen, wie er eine Waffe hervorgenommen habe, worauf 

K._____ gesagt habe "mach keinen Scheiss" und dann habe es geknallt, fragte 

der Beschuldigte ungläubig "Ich?" und gab an, die würden träumen, dass er eine 

Waffe habe. Auf Vorhalt, zum Abfeuern habe er schwarze gutsitzende Handschu-

he benützt, die sich zum Abfeuern eignen würden, erklärte der Beschuldigte, er 

besitze nur kurze Handschuhe für das Training, er könne sich nicht erinnern, wo 

diese sich befänden, da er diese schon lange nicht mehr benützt habe (Urk. 3/1 

S. 13 f.). 

b) In der Einvernahme vom 28. Juni 2017  (Urk. 3/4) schilderte der Beschuldigte 

zunächst detailliert den Tagesablauf des 15. Mai 2017 (6 Uhr aufgestanden, ers-

tes Mal zur Wohnung K._____, um Koks zu holen, Geld besorgen, nochmals zur 

Wohnung K._____, um Kokain abzuholen, das M._____ besorgt hatte, Telefonate 

erledigen zuhause wegen Krankentaggeldern und SVA etc., Cafeteriabesuch, 11 

Uhr essen beim Chinesen, wobei der Beschuldigte sich sogar erinnerte, was er zu 

Mittag gegessen hatte, Urk. 3/4 S. 4 ff.). Dann führte er aus, welche Medikamente 

und Drogen er im Verlauf des Tages besorgte und konsumierte und dass er mit 

K._____ hin und her schrieb, damit dieser ihm noch mehr Kokain besorgen könn-

te (Urk. 3/4 S. 8 ff.). Schliesslich gab er an, er habe noch sechs Dormicum ge-

nommen, da er Herzrasen gehabt habe, zu viel Koks, Morphium und Ritalin. Er 

sei zu Fuss gegangen, wie im Traum, so sei er drauf gewesen. Es habe dort (in 

- 18 - 

der Wohnung K._____) mal einen Fall gegeben, deshalb sei er immer mit Hand-

schuhen reingegangen, wenn er dort gewesen sei, er bestätigte auf Nachfrage, 

dass er am Tatabend schwarze Fingerhandschuhe aus Stoff getragen habe. Er 

habe diese dann fortgeworfen. Er beschrieb, wie das Opfer herein gekommen und 

beim Tisch gestanden sei. Dann sei K._____ hereingekommen und auch die 

Hunde. Er habe eine Linie gezogen und dann habe das Opfer "buff" gemacht, ha-

be den Rucksack abnehmen wollen. Er habe Angst und Paranoia bekommen, er 

habe die Knarre hervorgenommen und es habe einen Schuss gegeben. Er wisse, 

dass der Schuss in die Wand gegangen sei. Er sei davon gerannt, habe die Waffe 

weg geworfen, nicht weit von dort und dann auch die Handschuhe weg geworfen. 

Er habe solche Angst gehabt, er habe niemanden verletzen wollen. Er wisse nicht 

mehr, von wem er die Waffe habe, das sei vor einem Monat gewesen. Er wisse 

nicht einmal, wie die Waffe funktioniere, habe sie immer in der Tasche mit dem 

Handy, dem Koks und den Medikamenten dabei gehabt, habe sie sozusagen ver-

gessen. Er habe niemanden verletzen wollen, habe niemanden erschossen, auf 

niemanden gezielt. Gefragt, woher er die Munition habe, erklärte der Beschuldig-

te, er habe sie (die Pistole) nie aufgemacht, er wisse nicht einmal, wie man sie 

aufmache, er könne nicht mit einer Knarre umgehen (Urk. 3/4 S. 10 ff.). Er könne 

sich nicht erinnern, je das Magazin herausgenommen und die Waffe geladen zu 

haben. Diese habe er immer in einer Umhängetasche so über den Oberkörper ge-

tragen, die Knarre sei da immer drin gewesen, er habe immer alles dabei. Auf die 

Frage, was er mit der Waffe genau gemacht habe, erklärte der Beschuldigte, er 

wisse es nicht mehr, er habe gezittert und habe nicht zielen können, es seien vie-

le Leute da gewesen, er habe Angst und Panik gehabt (Urk. 3/4 S. 13 f.).  

c) In der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft vom 11. Juli 2018 (Urk. 3/13) 

stellte der Beschuldigte richtig, er habe nicht gesagt, dass er die Waffe nicht gela-

den habe, sondern er habe die Waffe nicht einmal manipuliert, er wisse nicht wie 

viele Patronen… er wisse nicht, weshalb er die Waffe gehabt habe, er habe diese 

in der … Bar an der N._____-Strasse von einem Mann erhalten, der von ihm Ko-

kain gewollt habe. Auf Vorhalt, dass an der Munition im Patronenlager seine DNA 

gefunden worden sei, somit müsse er die Munition mindestens einmal in der Hand 

- 19 - 

gehalten haben, erklärte der Beschuldigte, er könne das wirklich nicht sagen 

(Urk. 3/13 S. 5). 

d) Im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 8. Februar 2019 

erklärte der Beschuldigte, er habe die Waffe einfach in den Busch geworfen, er 

habe sie nicht versteckt, sondern sie hingeschmissen, wenn er sie hätte verste-

cken wollen, hätte er sie woanders versteckt. Auch die Handschuhe habe er am 

gleichen Ort runter fallen lassen. Er sei dann links gerannt, die Strasse rechts, 

über die Brücke in J._____, dann in Richtung O._____-Strasse, er habe das 

schon gesagt (Urk. 3/15 S. 2 f.). 

f) Schliesslich sei an dieser Stelle festzuhalten, dass die von der Verteidigung als 

nicht verwertbar gerügte Einvernahme vom 7. November 2017 (Urk. 3/8; vgl. 

Urk. 119 S. 5) keine (zusätzlichen) belastenden Aussagen enthält, die für die Er-

stellung des Sachverhaltes notwendig wären bzw. die nicht ohnehin schon aus 

den übrigen unbestrittenermassen verwertbaren Einvernahmen hervorgehen. 

Entsprechend erübrigt sich eine weitergehende Auseinandersetzung mit der Un-

verwertbarkeitsrüge der Verteidigung. 

 Aussagen der am Tatort anwesenden Personen  3.3.

a) Der Privatkläger B._____ 

aa) Der Privatkläger wurde nach der Schussabgabe hospitalisiert und konnte erst 

am 18. Mai 2017 nachmittags erstmals im Universitätsspital Zürich einvernommen 

werden (Urk. 4/1 S. 1ff.): Er gab an, es gehe ihm den Umständen entsprechend, 

er könne sich an die Ereignisse erinnern. Viel könne er nicht erzählen, er habe 

plötzlich einen Knall gehört und sei schon am Boden gelegen, es sei sehr schnell 

gegangen. Es sei in der Wohnung von K._____ passiert, er habe übers Wochen-

ende auf dessen Hunde aufgepasst und sei am Montagabend in der Wohnung 

angekommen, um mit K._____ (wohl K._____) abzurechnen wegen dem Hunde-

hüten. Der andere sei auch schon da gewesen. Er habe sich in der Wohnung an 

den Tisch gesetzt, wo er sich einen Joint gedreht habe. Der Albaner, er nenne ihn 

A'._____, und er hätten diskutiert. Irgendwann sei dann K._____ nach Hause ge-

- 20 - 

kommen und dann sei schon der Knall gekommen. Er verstehe es nicht, sie hät-

ten keinen Streit gehabt. Dieser A'._____ müsse auf ihn geschossen haben. Er 

sei auf einem Stuhl gesessen, K._____ irgendwo bei der Tür und der andere sei 

glaub rechts von ihm auf einem roten Stuhl gesessen. Er habe ihn vielleicht vier 

Mal zuvor gesehen, immer bei K._____, er denke, dieser sei unter Einfluss von 

Kokain gestanden, er habe ihn noch gefragt, ob er eine Linie wolle, aber er habe 

diese verneint. Er könne sich nicht erklären, weshalb er angeschossen worden 

sei. Auch M._____ sei noch in der Wohnung gewesen, dieser habe ihn am Sonn-

tag abgelöst beim Hundeaufpassen.  

Die Verteidigung rügt im Rahmen des Berufungsverfahrens die Verwertbarkeit 

dieser Einvernahme vom 18. Mai 2017 (Urk. 119 S. 5). Wie sich sogleich zeigen 

wird, enthalten diese Aussagen des Privatklägers nichts wesentlich Belastendes, 

das sich nicht auch aus seinen übrigen (anerkanntermassen verwertbaren) Aus-

sagen ergäbe (vgl. nachfolgende Erwägung), sondern eher entlastende Momente 

(keinen Streit gehabt, Einfluss von Kokain). Die einzige vermeintlich belastende 

Aussage, wonach "dieser A'._____ [der Beschuldigte] auf ihn geschossen haben 

müsse", wurde vom Privatkläger zum einen erkennbar als Mutmassung geschil-

dert und geht zum andern ohnehin nicht über das hinaus, was der Beschuldigte 

bereits selber zugibt, mithin dass der Schuss von ihm gekommen sei. Die Frage 

der Verwertbarkeit dieser Einvernahme zu Ungunsten des Beschuldigten kann vor 

diesem Hintergrund offen bleiben, ist daraus doch nichts für ihn Belastendes ab-

zuleiten. 

bb) In der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft am 6. Oktober 2017 sagte der 

Privatkläger in Anwesenheit des Beschuldigten sowie dessen Verteidiger aus. Er 

gab an, am Montag 15. Mai 2017 sei er lange zuhause gewesen, er habe noch-

mals geschlafen und sei so um 19 bis 19.30 Uhr aufgestanden. In der Wohnung 

K._____ sei er so ca. um 21.40/22.00 Uhr angekommen. Es seien dort mehrere 

Leute gewesen, A'._____, P._____ (M._____), Q._____ und R._____ sowie 

S._____. Die Stimmung sei gedämpft, relativ angespannt gewesen, wahrschein-

lich, weil sie alle konsumiert hätten, er wisse auch nicht (Urk. 4/2 S. 3 ff.). Sie hät-

ten zuerst ein bisschen geredet, dann sei er an den Tisch gegangen, um sich ei-

- 21 - 

nen Joint zu drehen. Irgendwann seien Q._____ und R._____ aufgestanden um 

zu gehen, nicht lange, nachdem er gekommen sei. A'._____ und P._____ seien 

noch dort gewesen. Irgendwann sei dann K._____ gekommen. Er wisse jetzt nicht 

mehr, ob er den Joint schon angeraucht oder ihn dann angezündet habe. Die 

Hunde seien zu K._____ gerannt, er sei aufgestanden und habe gesagt: "gut, 

K._____, schön bist Du da." Dann sei der Schuss gefallen, er sei dann auf dem 

Stuhl gesessen. Nochmals dazu befragt, wo er zur Zeit der Schussabgabe positi-

oniert gewesen sei, erklärte der Privatkläger, er sei am Tisch gesessen, habe den 

Joint gedreht, sei aufgestanden als K._____ reingekommen sei, habe den Joint 

angezündet und sei getroffen worden. Zur Zeit der Schussabgabe sei er gestan-

den, er sei am Anzünden gewesen (Urk. 4/2 S. 6 ff.). Zum möglichen Motiv be-

fragt, erklärte B._____, er habe den Schützen mehrmals abgewiesen, als dieser 

mehr Stoff gewollt habe. Sie seien beide Kunden von K._____ gewesen, der Be-

schuldigte habe gedacht, dass er auch verkaufe. Von Freitag auf Samstag habe 

er diesem etwas von seinem eigenen Bedarf geschenkt, K._____ habe ihm ge-

sagt, dass er dann die zwei Gramm, die er A'._____ gebe, zahlen würde (Urk. 4/2 

S. 9 ff., S. 14). Ein paar Tage vor dem Ereignis habe er gehört, dass A'._____ ei-

ne Waffe habe, dieser habe mal so etwas erzählt; daran habe er aber keinen Ge-

danken verschwendet, ob er an diesem Tag eine Waffe dabei gehabt habe, habe 

er nicht gewusst. Mit dem möglichen Motiv konfrontiert, A._____ sei stark abhän-

gig gewesen, habe mehrere Male am Tag genervt und unbedingt mehr Stoff ge-

braucht, worauf dann endlich K._____ gekommen sei, ihm aber kein Kokain habe 

geben wollen, weil dieser nicht genug Geld gehabt habe, der Privatkläger ihm 

aber Kokain versprochen hätte und der Beschuldigte deshalb ausgerastet sei und 

geschossen habe, erklärte B._____, er denke eher, dass K._____ ihm etwas ver-

sprochen habe und der Schuss K._____ hätte treffen sollen, die Abstände seien 

klein, K._____ sei vielleicht einen Meter entfernt von ihm gestanden. Der Schuss 

sei nicht unmittelbar gefallen, nachdem der Schütze nach Kokain gefragt und 

nichts erhalten habe; dieser habe ihn ganz zu Beginn gefragt, nachher sei er ein-

fach auf dem Stuhl gesessen, es habe keine Anzeichen auf Streit gegeben und 

auf einmal sei der Schuss gefallen (Urk. 4/2 S. 11 ff.)  

b) K._____ 

- 22 - 

aa) Der Wohnungsinhaber K._____, der nach der Schussabgabe unverzüglich 

den Polizeinotruf verständigt hatte, schilderte als Auskunftsperson am 16. Mai 

2017, frühmorgens (Beginn der Einvernahme: 01:14 Uhr), d.h. nur wenige Stun-

den nach der Tat, den Tatablauf wie folgt (Urk. 5/1): Er sei übers Wochenende 

weg gewesen und habe für drei Tage seine Hunde M._____ und B._____ zur Be-

treuung anvertraut. Nach seiner Rückkehr an die I._____-Strasse 1 in J._____ 

habe ihm M._____ die Wohnungstüre geöffnet, die Hunde seien ihm entgegen 

geschossen und hätten ihn freudig begrüsst. Daraufhin sei er zum Hundebett ge-

gangen und habe sich niedergekniet und die Hunde mit Küsschen noch fertig be-

grüsst. Dann habe er einen Schuss gehört, er sei völlig überrascht gewesen. 

Nach dem Schuss habe der, welcher geschossen habe, die Waffe wieder in der 

frontseitigen Jackentasche verstaut, dies habe er gesehen. Danach habe dieser 

sich gekehrt und habe die Wohnung verlassen. Dies habe er ziemlich zackig ge-

macht. Ziemlich gleichzeitig habe es Schreie und Blut von B._____ gegeben, 

massive Blutungen. Als nächstes habe ihm M._____ sein Telefon gegeben, damit 

er ohne Zeitverlust die Notfallnummer habe wählen können, weil sein eigenes Te-

lefon noch in der Reisetasche gewesen sei (Urk. 5/1 S. 2). Diese Schusswaffe 

habe der Beschuldigte auch schon früher vereinzelte Male mitgebracht, drei Mal 

sicher, es sei aber schwer zu beurteilen, da er diese nicht immer offen getragen 

habe. Er habe die Waffe zum Angeben und Prahlen gezeigt (a.a.O. S. 7). Es sei 

zu 1000 Prozent klar, dass dieser A._____ geschossen habe, weil er gesehen 

habe, dass dieser die Pistole weg gesteckt habe (S. 8). A._____ habe einen ruhi-

gen und überlegten Eindruck auf ihn gemacht. Dieser trinke keinen Alkohol und er 

denke nicht, dass dieser unter Drogen gestanden sei, das müsste er aber selber 

sagen. Er habe zwei Gesichter und habe ihm schon gedroht, dass er etwas ma-

chen würde, wenn er wiederum keine Betäubungsmittel erhalte (S. 9). K._____ 

gab an, es sei einfach Wahnsinn, ein völliges Rätsel, weshalb dieser das gemacht 

habe. Er habe ohne Vorwarnung geschossen, die Waffe eingesteckt und einfach 

ohne etwas die Wohnung wieder verlassen. Vom Winkel her, sei es nicht möglich, 

dass der Schuss ihm gegolten hätte (S. 11 f. sowie Skizze im Anhang). 

bb) Am 6. Oktober 2017 fand die staatsanwaltschaftliche Einvernahme von 

K._____ als Auskunftsperson in Anwesenheit des Beschuldigten und dessen amt-

- 23 - 

lichem Verteidiger sowie in Anwesenheit des Privatklägers und dessen Rechts-

beistand statt (Urk. 5/11). Dieser gab an, der Privatkläger B._____ habe einmal im 

Monat bei ihm im Hundedienst gearbeitet und der Beschuldigte sei sein Sicher-

heitsdienst gewesen. Bei der Wohnung, in der die Tat stattgefunden habe, habe 

es sich um ein Büro gehandelt und dieses habe nur dem Betäubungsmittelverkauf 

gedient. M._____ sei auch im Hundedienst und auch im Verkauf tätig gewesen. 

Am fraglichen 15. Mai 2017 sei er von Österreich kommend um 22.14 Uhr bei 

seiner Wohnung angekommen. Um 22.17 Uhr sei die Schussabgabe erfolgt und 

um 22.19 Uhr die Alarmierung der Polizei (Urk. 5/11 S. 3 f.). Beim Betreten der 

Wohnung habe er gespürt, dass es Probleme gebe, M._____ habe die Tür geöff-

net, er habe ihn nur ansehen müssen, dann habe er gewusst, woran sie seien, er 

sei rein gegangen und habe gespürt, es sei nicht gut. Er habe A'._____ angese-

hen und gewusst, dass er eine Waffe dabei habe, da er dann immer die Hände in 

der Tasche des Anorak oder des Kapuzenpullis habe. An jenem Tag habe er ei-

nen schwarzen Anorak, so einen dünnen Trainer mit Tasche vorne getragen, es 

sei alles schwarz gewesen, auch schwarze Handschuhe, das sei üblich gewesen, 

wenn er mit einer Waffe herumlaufe. Der Beschuldigte habe ihm auch früher 

schon seine Waffe gezeigt, dies erstmals im Februar 2017, als dieser ihn im 

Rahmen eines Betäubungsmittelverkaufes als sein Sicherheitsmann begleitet ha-

be (a.a.O. S. 6 ff.). Nach seiner Ankunft in der Wohnung habe er alle begrüsst, 

A'._____ ganz kurz, dann sei er zu seinen Hunden gegangen und habe sich hin-

gekniet. Das sei ein Fehler gewesen, er hätte ihm besser einfach zwei Linien offe-

riert, dann wäre wohl alles nicht passiert. Dieser sei im roten Stuhl gesessen, vis-

a-vis B._____ im Stuhl vor dem Pult, letzterer sei mit dem Oberkörper in Richtung 

A'._____ abgedreht gewesen. Er hätte nie erwartet, dass er schiessen würde: 

"Plötzlich: 'Tagg' zieht die Waffe und schiesst. Es war eine Bewegung, zieht die 

Waffe und schiesst." (a.a.O., S. 8 f.). Sein Blick sei auf die Tiere gerichtet gewe-

sen, bis er (der Schütze) sich angefangen habe zu bewegen, er habe gesehen, 

dass er sich bewege, dann sei schon der Schuss gefallen. Auf die Frage, ob er 

das Ziehen der Waffe gesehen habe, erklärte K._____, der zunächst "Zielen" ver-

standen hatte, das Ziehen habe er nicht gesehen, im Blickwinkel habe er einfach 

gesehen…und zeigte dies, indem er die rechte Hand vor sich streckte, als ob er 

- 24 - 

mit einer Handfeuerwaffe zielen würde. A'._____ habe den Schuss abgegeben. 

Vielleicht sei er derart verärgert auf B._____ gewesen, weil ihm dieser die zwei 

Linien nicht gegeben habe, die er verlangt gehabt habe. Dann sei er (A'._____) 

aufgestanden und rausgegangen, worauf er (K._____) ihm gefolgt sei. M._____ 

habe ihn dann zurück gehalten. Er habe sofort die Polizei verständigt über die 

Nummer 117 (S. 10).  

cc) Mit Blick auf die staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 17. Mai 2017 

(Urk. 5/3) rügt die Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung die Unver-

wertbarkeit infolge Aushöhlung der Teilnahmerechte. Nachdem diese Einvernah-

me, wie sich aus den obigen Darlegungen zu den unbestrittenermassen verwert-

baren Einvernahmen ergibt, keine zusätzlichen belastenden Momente enthält, die 

sich nicht bereits aus den anerkanntermassen verwertbaren Einvernahmen erge-

ben würden, braucht auf diese Rüge nicht weiter eingegangen zu werden.  

c) M._____ 

aa) Am 16. Mai 2017 wurde M._____ gegen Mittag, mithin nur etwas mehr als 12 

Stunden nach der Tat (Beginn der Einvernahme: 11.46 Uhr) durch die Kantonspo-

lizei Zürich als Auskunftsperson einvernommen (Urk. 5/2). Zu diesem Zeitpunkt 

befanden sich die Ermittlungen noch im frühen Anfangsstadium und die Strafun-

tersuchung wurde noch gegen Unbekannt geführt (vgl. Urk. 5/2 S. 1 Frage 2). Der 

spätere Beschuldigte befand sich in dieser Phase noch auf der Flucht und konnte 

erst um 13.48 Uhr gleichentags – mithin nach dieser Einvernahme von M._____ 

als Auskunftsperson – im Rahmen einer Polizeikontrolle festgenommen werden 

(Urk. 18/1/1). Eine Gewährung des Teilnahmerechts des Beschuldigten, deren 

Unterbleiben die Verteidigung heute als Unverwertbarkeitsgrund rügt (Urk. 119 

S. 6), war somit bereits faktisch nicht möglich und dies zudem aus Gründen, die 

vom Beschuldigten selber zu vertreten sind. Die Rüge erweist sich entsprechend 

als unbegründet und die besagte Einvernahme als verwertbar.  

M._____ gab in dieser Einvernahme an, er habe die Hunde von K._____ gehütet 

und von Sonntag auf Montag in dessen Wohnung übernachtet. Die Nacht vorher 

sei B._____ dort gewesen und habe auf die Hunde aufgepasst. Wenige Minuten 

- 25 - 

vor 22.20 Uhr sei K._____ nach Hause gekommen, dannzumal seien B._____ 

und der Mann, der auf K._____ gewartet habe, sowie er selbst in der Wohnung 

gewesen, sie seien also vier Personen gewesen. Der Mann habe den Eindruck 

gemacht, dass er nicht gut gelaunt sei. K._____ habe seine Hunde begrüsst, 

B._____ sei weiter vorne im Stuhl am Fenster gesessen. Er habe in diesem Mo-

ment K._____ beobachtet, wie er seine Hunde begrüsst habe und plötzlich habe 

es einen Knall gegeben. Er habe im rechten Augenwinkel gesehen, dass eine 

Waffe beim unbekannten Mann raus gekommen sei, dann habe K._____ gesagt: 

"Mach keinen Scheiss" und dann habe es geknallt. Der Mann habe einen Kapu-

zenpullover mit einer Bauchtasche getragen, in die man die Hände reinstecken 

kann, er habe die Waffe vorher nicht gesehen und er habe diese Waffe aus dieser 

Bauchtasche genommen. Er habe mit dem gestreckten Arm, die Waffe in der 

Hand, in Richtung B._____ oder den Schreibtisch gezielt. Auf Frage, wer sich in 

Zielrichtung aufgehalten habe, erklärte M._____, B._____, K._____ sei auch dort 

gewesen, dieser habe sich über das Hundebett gebückt, er könne nicht sagen, ob 

die Waffe auf B._____ oder auf K._____ gerichtet gewesen sei. Weiter berichtete 

dieser, es habe sich um eine Pistole gehandelt, schwarz, mit metallischem Ober-

teil, nicht verchromt, sondern eher matt, anthrazit. Es sei ihm noch aufgefallen, 

dass der unbekannte Mann schwarze Handschuhe getragen habe. Die Hunde 

hätten laut gebellt, K._____ habe gesagt, "mach etwas", worauf er auf seinem Te-

lefon den Notruf eingestellt und das Telefon dann K._____ hingehalten habe. 

Dann sei er weg gelaufen. Zu diesem Zeitpunkt sei der unbekannte Mann schon 

weg gewesen, er sei ganz ruhig weggegangen. Er habe geschossen, sei aufge-

standen und sei dann gegangen, habe den Raum verlassen (Urk. 5/2 S. 2 ff.). Am 

Montagabend sei zuerst B._____ kurz vor 22 Uhr gekommen, danach der Unbe-

kannte, den er auch hereingelassen habe. Er habe gedacht, dieser habe mit 

K._____ abgemacht, was er auch bestätigt habe. Der Mann sei nicht bester Lau-

ne gewesen und sehr wortkarg. Es sei dann so abgelaufen, wie er geschildert ha-

be. M._____ beschrieb genau, was der Beschuldigte getragen habe und wieder-

holte, dass er bei der Schussabgabe gesehen habe, dass er dünne, schwarze 

Handschuhe aus Hi-Tech Material getragen habe. Er sei sich sicher, dass er die-

se Handschuhe an der Türe noch nicht getragen habe (a.a.O., S. 5 ff.). Schliess-

- 26 - 

lich gab M._____ noch an, die Schussabgabe habe seiner Meinung nach sicher 

nicht B._____ gegolten, dieser habe nichts damit zu tun gehabt. Der unbekannte 

Mann habe seines Erachtens auf K._____ schiessen wollen, B._____ sei einfach 

zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen (a.a.O. S. 9).  

bb) Am 6. Oktober 2017 wurde M._____ bei der Staatsanwaltschaft in Anwesen-

heit des Beschuldigten und dessen amtlichem Verteidiger sowie in Anwesenheit 

des Privatklägers und dessen Rechtsbeistand als Auskunftsperson befragt (Urk. 

5/12). Er gab an, er habe A._____ bei K._____ schon gesehen, er habe diesem 

im Auftrag von K._____ zweimal Drogen verkauft, wenn er in K._____s Abwesen-

heit dessen Stellvertretung gemacht habe. B._____ habe an diesem Tag auf die 

Hunde aufgepasst. Am Sonntag sei Muttertag gewesen und er habe diese Aufga-

be für B._____ übernommen und in der Wohnung, Büro genannt, übernachtet. 

Am Montag habe er mehrere Leute abgewiesen und gesagt, sie sollten auf Herr 

K._____ warten. Auch dem Mann, der A'._____ genannt werde, habe er mehr-

mals gesagt, er solle kommen, wenn K._____ auf 22 Uhr zurück komme (a.a.O., 

S. 4 f.). B._____ sei kurz vor 21.30 oder 22 Uhr gekommen, A'._____ ca. um 

21.45 Uhr und K._____ ca. um 22.05 Uhr, sie seien zu viert in der Wohnung ge-

wesen. Vorher seien noch andere Besucher da gewesen. A'._____ sei ziemlich 

sauer gewesen, weil er lange habe warten müssen, er sei angespannt gewesen. 

Er selbst sei in der Ecke auf der Couch gesessen, A'._____ auf dem Stuhl, 

B._____ auf dem Stuhl vor dem Pult. Die Hunde seien in ihrem Bett gewesen ne-

ben dem Stuhl respektive Pult. K._____ sei gekommen und habe B._____ be-

grüsst, ihn nur mit einem Blick oder einem Hallo oder so, dann habe er die Hunde 

begrüsst. Darauf habe es geknallt und vorher sei noch die Waffe auf B._____ ge-

richtet gewesen. Dieser habe auf das Pult geschaut, K._____ habe gesagt: 

"A'._____, mach keinen Scheiss!" Er habe noch gesehen, wie K._____ die Hände 

in seine Richtung ausgestreckt habe. Nicht genau gesehen habe er, wie der Be-

schuldigte die Waffe gezogen habe, aber irgendwann sei die Hand da gewesen, 

er habe seinen Augen nicht getraut. Danach gefragt, wo sein Blick gewesen sei, 

als es geknallt habe, gab M._____ an, er habe auf A'._____ geschaut, der sich 

nach dem Schuss langsam erhoben habe und rausgegangen sei. Dann habe er 

die Schreie von B._____ gehört, die Hunde hätten ganz laut gebellt. Er habe dann 

- 27 - 

sofort den Notruf gewählt und K._____ das Telefon gegeben wegen der Adresse. 

Er habe panische Angst gehabt, nochmals festgenommen zu werden und habe 

Ohrensausen gehabt und gezittert (S. 6 ff.). Weiter dazu befragt, ob er den 

Schuss als solches, also die Bewegung der Waffe gesehen habe, erklärte dieser, 

er habe die Waffe gesehen, sein Fokus sei aber erst mit dem Knall auf die Waffe 

gefallen. A'._____ habe mehrere Male nach Kokain gefragt, wenigstens eine Linie 

gewünscht. Auf nochmalige Frage des Verteidigers betreffend den Ausruf 

K._____s: "mach keinen Scheiss", der selber angegeben habe, er habe nicht ge-

sehen, wie der Beschuldigte die Waffe gezogen habe, erklärte M._____ noch-

mals, er könne sich nur erinnern, dass K._____ dies gerufen habe, er sei unten 

bei den Hunden gewesen, habe sich dann erhoben, abgedreht und dann habe er 

das gehört, dann habe es einen Knall gegeben. Danach gefragt, ob er gesehen 

habe, dass der Beschuldigte mit der Pistole auf den Geschädigten gezielt habe, 

erklärte M._____, er wisse, dass die Waffe in seine (B._____) Richtung gezeigt 

habe, von ihm (seiner Position) aus gesehen sei es aber nicht feststellbar gewe-

sen, ob er auf B._____ direkt gezielt habe (S. 9 f.). 

 Aussagen weiterer Personen  3.4.

a) L._____ 

aa) Der frühere Arbeitgeber des Beschuldigten, bei dem er als Security gearbeitet 

hatte, erklärte am 18. Mai 2017 gegenüber der Polizei (Urk. 6/1), dass er am 

15. Mai 2017 abends ca. um 23 Uhr einen Anruf vom Beschuldigten erhalten ha-

be, der durcheinander gesprochen habe. Der habe irgendetwas gesagt wie "ich 

habe Scheisse gebaut". Er sei angegriffen worden und hätte sich verteidigen 

müssen. Er habe "abgedrückt", er habe in die Wand geschossen und dass der 

andere von Wandsplittern verletzt sein könnte. Er sei nicht sicher gewesen, ob 

dies eine Phantasie gewesen sei, dass er zu viele Tabletten geschluckt habe, er 

sei komplett neben den Schuhen gewesen (Urk. 6/1 S. 2 ff.). Die Pistole habe er 

nicht dabei gehabt, er habe so eine Handbewegung gemacht, wie wenn er sie 

fortgeworfen hätte. Die anderen seien auch bewaffnet gewesen, sie hätten die 

Waffen auch gezogen, aber er sei schneller gewesen. Am Morgen habe der Vater 

- 28 - 

A'._____ abgeholt, sie hätten gesagt, sie gingen zum Anwalt und dann zur Polizei 

(Urk. 6/1 S. 4 ff.).  

Auch hier ist zur von der Verteidigung erhobenen Rüge der Unverwertbarkeit auf-

grund Nichtgewährung des Teilnahmerechtes des Beschuldigten darauf hinzu-

weisen, dass diese nichts wesentlich Belastendes enthält, das sich nicht bereits 

aus der späteren (anerkanntermassen verwertbaren) Einvernahme ergäbe (vgl. 

nachfolgende Erwägung). Im Übrigen enthalten die Aussagen von L._____ für 

den Beschuldigten durchaus entlastende Momente (vgl. dazu insbesondere unten 

E. III.3.6.b).  

bb) Auch anlässlich der Einvernahme als Auskunftsperson vom 1. November 

2017 bestätigte L._____ in Anwesenheit des Beschuldigten, dieser habe ihm in 

der Tatnacht telefoniert und gesagt, er habe Scheisse gebaut, ob er vorbei kom-

men könne (Urk. 6/21 S. 2 f.). Als er gekommen sei, sei er voll neben den Schu-

hen gewesen, komisch, verängstigt, weiss im Gesicht und er habe riesengrosse 

Pupillen gehabt. Er habe gesagt, er sei in J._____ gewesen und habe Personen-

schutz gemacht, da sei die Situation eskaliert. Die anderen hätten ihn angegriffen, 

eine Waffe gezogen und er hätte sich verteidigen müssen, er habe in die Wand 

geschossen. Klare Antworten darauf, wer ihn angegriffen habe, habe er nicht ge-

wusst. Sie hätten lange geredet, es sei ihm wichtig gewesen, dass dieser sich be-

ruhige. Der Beschuldigte habe Beruhigungsmittel von ihm verlangt und er habe 

ihm zwei "Tramesta" gegeben. Im Hosensack habe dieser auch eine Schachtel 

Medikamente gehabt (S. 4 f.). 

b) T._____ 

In der Einvernahme vom 1. November 2017 gab T._____ als Auskunftsperson – 

nachdem er am 4. Oktober 2017 schon einmal polizeilich als Beschuldigter be-

fragt worden war (vgl. dazu Urk. 6/16) – im Beisein des Beschuldigten sowie des-

sen Verteidigers sowie des unentgeltlichen Rechtsbeistands des Privatklägers zu 

Protokoll, er habe den Privatkläger ca. eine halbe Stunde vorher mit einem ande-

ren Kollegen zur Wohnung an der I._____-Strasse 1 gefahren. Dieser habe 

Schulden bei K._____ gehabt und mit Hundedienst abgearbeitet. A._____, den er 

- 29 - 

als A'._____ kenne, habe über eine Schusswaffe verfügt, die hätten sie alle schon 

mal dort gesehen, ein paar Tage bevor das mit B._____ passiert sei (Urk. 6/20 S. 

2 ff.). Als er selbst einmal Hundedienst gehabt habe, sei A'._____ gekommen und 

habe etwas gewollt. Er habe ihm aber nichts gegeben, weil er nicht verkauft habe. 

Da habe A'._____ ihn dann etwas bedroht, er habe ihm den Föhn (gemeint 

Schusswaffe) gezeigt und gesagt, er solle nicht mit ihm spielen, dabei habe er in-

direkt auf ihn gezielt, das heisse, er habe einfach die Waffe gezogen und dies ge-

sagt. Dann habe er die Waffe wieder eingesteckt in die Tasche seines Hoodie und 

sei gegangen. Ein paar Tage später sei er nochmals kurz dort gewesen und habe 

den Hundedienst an U._____ abgegeben, A'._____ habe Stress gemacht und 

herum geschrien, wo K._____ sei; dabei habe er die Waffe nur kurz gesehen, 

A'._____ sei mit der Hand immer im Pulli drin gewesen, er habe es dann gewusst, 

weil es das letzte Mal auch so ausgesehen habe. Meist sei dieser ganz ruhig ge-

wesen, bei den Vorfällen habe er den Eindruck gehabt, dass dieser gar nicht er 

selbst gewesen sei. Bei der Waffe habe es sich um eine Pistole gehandelt (a.a.O. 

S. 5 ff., S. 9). 

c) V._____ 

aa) Die ebenfalls an der I._____-Strasse 1 in J._____/J._____ wohnhafte 

V._____ meldete sich am 6. Juni 2017 bei der Polizei und überbrachte eine 

Schusswaffe, die sie beim Heckenschneiden leicht versteckt gefunden hatte. Da-

mals hatte sie offenbar angegeben, die Waffe sei leicht versteckt unter den Stei-

nen gelegen (Urk. 1/7 S. 1). Der Fundort ist auf den Fotos im Anhang zum Rap-

port vom 7. Juni 2017 sowie aus den Fotos im Anhang zur Zeugeneinvernahme 

ersichtlich (Urk. 1/7 Fotos im Anhang, Urk. 6/38).  

bb) V._____ gab als Zeugin am 8. Februar 2019 (Urk. 6/37) – in Beisein des Be-

schuldigten und seines Verteidigers – zu Protokoll, sie habe damals am 6. Juni 

2017 die Studen etwas gestutzt, da habe sie den Revolver gesehen und gedacht, 

sie dürfe ihn nicht anfassen und habe ein Tüchlein genommen. Es habe eine Ga-

rage neben dem Block und daneben habe es eine Hecke, die Waffe sei am Bo-

den neben dem Gebüsch gelegen, sie sei dann mit der Pistole auf die Gemeinde 

in J._____, da sei die Stadtpolizei. Später habe sie noch ein Paar Handschuhe 

- 30 - 

gefunden, es sei ein bisschen versteckt gewesen. Die Waffe sei verborgen im 

Gebüsch unter dem Laub gewesen, schon versteckt. Man habe sie von aussen 

nicht gesehen, sie habe sie dann beim Abschneiden der Staude gefunden. Der 

Griff sei auf der Strassenseite und der Lauf weg von der Strasse gelegen. Die 

Handschuhe seien oben im Gebüsch drin aufeinander gelegen, auch versteckt, 

die seien reingetan worden, nicht bloss auf das Gebüsch geworfen (Urk. 6/37 S. 3 

ff.). 

 Weitere Beweismittel 3.5.

a) Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin  

aa) Gemäss dem Gutachten zu Haaranalysen des Beschuldigten vom 28. Juni 

2017 wurden zwei Haarsegmente entsprechend ungefähr den Zeiträumen Mitte 

Dezember 2016 bis Ende Februar 2017 und Ende Februar bis Mitte Mai 2017 un-

tersucht. Es konnten die Wirkstoffe Tramadol (enthalten in verschiedenen starken 

Schmerzmitteln wie Tramal oder Zaldiar) und Methylpheniadat (in Präparaten wie 

Concerta oder Ritalin zur Behandlung von ADHS enthalten oder als Aufputschmit-

tel missbraucht), Kokain und Amphetamin sowie die Designerdrogen MDMA und 

MDA nachgewiesen werden.  

Die Konzentrationen des Wirkstoffes Tramadol waren in beiden Zeiträumen im 

oberen Bereich bekannter Vergleichswerte. Hingegen sprachen die entsprechen-

den Werte für einen deutlich verringerten durchschnittlichen Cocain-Konsum im 

Zeitraum Ende Februar bis Mitte Mai 2017, der im Zeitraum Mitte Dezember 2016 

bis Ende Februar 2017 noch sehr stark gewesen war. Ein Amphetaminkonsum 

konnte für den Zeitraum Ende Februar bis Mitte Mai 2017 gar nicht nachgewiesen 

werden. Ein nennenswerter MDMA und MDA Konsum konnte für den späteren 

Zeitraum Ende Februar bis Mitte Mai 2017 ausgeschlossen werden, in der ersten 

Phase dürfte es ein schwacher oder vereinzelter Konsum gewesen sein. Hinge-

gen war die Konzentration an Methylphenidat im ersten Zeitraum im obersten Be-

reich der bekannten Vergleichswerte, im zweiten Segment und somit in der Zeit-

phase Ende Februar bis Mitte Mai 2017 signifikant tiefer, was vereinbar sei mit ei-

- 31 - 

nem deutlich reduzierten Methylphenidatkonsum als auch mit dem sogenannten 

Auswuchsphänomen infolge eines Konsumabbruchs (Urk. 10/9).  

Im Ergänzungsgutachten vom 2. August 2017 hielt der forensisch toxikologische 

Gutachter fest, die im Haar eingelagerte Menge einer Substanz gebe nur Aus-

kunft über einen durchschnittlichen Konsum im entsprechenden Zeitintervall des 

untersuchten Segments, bezogen auf den 15. Mai 2017 lasse sich dadurch weder 

belegen noch ausschliessen, dass der Beschuldigte in den Tagen vor und nach 

diesem Datum Kokain und Methylphenidat konsumiert habe (Urk. 10/11).  

bb) Gemäss dem Protokoll der ärztlichen Untersuchung war der Beschuldigte 

nach Einschätzung des untersuchenden Arztes am 16. Mai 2017 um 16 Uhr, mit-

hin ca. 18 Stunden nach der Schussabgabe, nicht beeinträchtigt (Urk. 10/12).  

cc) Hingegen kommt der Gutachter des Pharmakologisch-Toxikologischen Gut-

achtens vom 2. August 2017 aufgrund der Analyseergebnisse in der Zusammen-

fassung am Anfang des Gutachtens zur Einschätzung, der Beschuldigte habe im 

Zeitpunkt des Ereignisses deutlich unter der Wirkung von Cocain, Benzodiazepi-

nen, Zolpidem, Methylphenidat/Dexmethylpheniadat und Mirtazapin gestanden.  

Eine zusätzliche Wirkung durch die nachgewiesene Einnahme/ Applikation der 

Substanzen Citalopram/Escitalopram und Dihenhydramin habe nicht bewiesen 

werden können (Urk. 10/14 S. 1). Bei der Aufschlüsselung nach einzelnen Stoffen 

wurde bei Cocain eine Wirkung bejaht, bei den Benzodiazepinen wurde festgehal-

ten, dass die Konzentrationen im therapeutischen Bereich lägen. Für den Wirk-

stoff Zolpidem (Schlafmittel Stilnox und Zoldorm) wurde sodann bei einer Kon-

zentration im niedrig therapeutischen Bereich nur eine schwache Wirkung ange-

nommen sowie für die ermittelte Konzentration an Methylpheni-

dat/Dexmethylphenidat (Ritalin, Concerta etc.) angegeben, diese liege im thera-

peutischen Bereich (Urk. 10/14 S. 3 ff.).  

b) Berichte und Gutachten des Forensischen Institutes Zürich 

aa) Untersuchungsbericht vom 14. September 2017 

- 32 - 

Dem Untersuchungsbericht des Forensischen Instituts Zürich vom 14. September 

2017 (Urk. 13/8) ist zu entnehmen, dass auf der an der I._____-Strasse 1 aufge-

fundenen Pistole Walther PPK keine Finger- oder Handflächenabdruckspuren 

sichtbar gemacht werden konnten. Hingegen liessen sich biologische Spuren fin-

den und teilweise auswerten. Die Auswertung der DNA-Spurenträger ab der Tat-

hülse ergab ein DNA-Mischprofil, zu dem mindestens vier Personen beigetragen 

hatten: Der Beschuldigte konnte aufgrund seines DNA-Profils als anteiliger Spu-

rengeber nicht ausgeschlossen werden. Mit der Spur ab der Munition aus dem 

Patronenlager konnte ein Mischprofil erstellt werden. Als Spurenverursacher 

konnte der Beschuldigte identifiziert werden (Urk. 13/6 S. 4, Urk. 13/8 S. 6 f. und 

Urk. 13/12; zum Einwand der Verteidigung betreffend fehlender schriftlicher Auf-

tragserteilung bezüglich Urk. 13/8 vgl. hiernach).  

bb) Spurenbericht  

Kurz nach dem Vorfall rückten Mitarbeiter des Forensischen Instituts Zürich 

zwecks Spurensicherung zum Tatort aus. Darüber wurde unter anderem der Spu-

renbericht vom 18. Mai 2017 erstellt (Urk. 13/1), in welchem festgestellt wurde, 

dass am Tatort keine Abprallspuren eines Projektils gefunden werden konnten. 

Ob die im Spurenbericht enthaltene Aussage, dass es plausibel scheine, dass ein 

Projektil vom eingesetzten Kaliber beim Durchdringen eines Oberarms und eines 

Schädels so viel Energie verliere, dass es anschliessend keine sichtbaren Ab-

prallspuren auf einer Oberfläche hinterlasse (Urk. 13/1 S. 3), noch unter deskripti-

ve Tatsachenfeststellungen, oder bereits unter fachkundige Interpretation fällt, die 

gemäss Verteidigung die formell korrekte Erstellung eines Gutachtens bedurft hät-

te (Urk. 119 S. 9), braucht nicht weiter untersucht zu werden, wurde doch gerade 

über die Frage, ob der Privatkläger von einem Querschläger/Abpraller oder von 

einem Direktschuss getroffen wurde, im Februar 2018 ohnehin ein Gutachten er-

stellt (dazu sogleich). Überdies bewirkt die von der Verteidigung gerügte Verlet-

zung von Ordnungsvorschriften (insbesondere schriftlicher Auftrag gem. Art. 184 

Abs. 2 StPO) – wie dies die Verteidigung in ihrem Plädoyer unter Verweis auf 

BGE 141 IV 423 E. 3.2 f. auch gleich selber anführt – ohnehin nicht die Unver-

wertbarkeit von Gutachten durch Sachverständige. 

- 33 - 

cc) Gutachten "Schusswaffentechnische Untersuchung" 

Im Gutachten vom 13. Februar 2018 (Urk. 13/18) wurden die Untersuchungen 

und Resultate im Zusammenhang mit den zu prüfenden Fragen einlässlich be-

schrieben. Da der Beschuldigte geltend gemacht hatte, der Schuss sei in die 

Wand gegangen, wurde eine mögliche Abprallstelle an der Zimmertür (Spur Nr. 3) 

sorgfältig untersucht und beurteilt. Mit überzeugender Begründung kamen die mit 

der Ausarbeitung des Gutachtens betrauten Personen zum Schluss, die Spuren 

würden ausserordentlich stark dafür sprechen, dass es sich bei Spur Nr. 3 nicht 

um eine Abprallstelle handle. Sonst im Raum seien keine Hinweise für eine Ab-

prallstelle gefunden worden, jedoch auf der Innenseite des Augenhöhlenrandes 

des Privatklägers. Dies sowie das übrige Spurenbild – insbesondere auch das 

Verletzungsbild beim Privatkläger sowie die Deformation des Projektils – würden 

gesamthaft ausserordentlich stark dafür sprechen, dass der Privatkläger an sei-

nem rechten Arm durch ein Projektil als Direkttreffer und nicht durch einen Quer-

schläger getroffen worden sei, welches anschliessend durch seinen Kopf hin-

durchgedrungen und an einem unbekannten Ort im Raum angeprallt und am 

Fundort liegen geblieben sei (Urk. 13/18 S. 6 ff.,12 f.). Die Stellung des Opfers 

könne so gewesen sein, wie im Gutachten rekonstruiert (vgl. Urk. 13/18 An-

hang 3); es würden aber auch leicht andere, abweichende Körperhaltungen 

ebenso passen, sofern die (Wund-)Kanäle in Übereinstimmung gebracht werden 

könnten. So seien verschiedene Biegungen und/oder Drehungen des Oberkör-

pers mit fixierter Relativposition Arm-Kopf für eine passende Schussposition mög-

lich (Urk. 13/18 S. 13). Ein Vergleich der Tatwaffe mit der Waffe, die auf einem 

gelöschten Foto auf dem Handy des Beschuldigten vorgefunden worden war, 

ergab sodann, dass die übereinstimmenden individuellen Spuren ausserordentlich 

stark dafür sprechen, dass es sich um ein und dieselbe Waffe handelt (a.a.O. 

S. 12). 

Wenn die Verteidigung in ihrem Plädoyer rügt, das Gutachten vom 13. Februar 

2018 sei durch Dr. W._____ erstellt worden, wobei es Hinweise gebe, dass dieser 

bereits bei der Erstellung des Spurenberichts vom 18. Mai 2017 mitgewirkt hätte 

und entsprechend im Sinne von Art. 56 lit. b StPO vorbefasst gewesen sei 

- 34 - 

(Urk. 119 S. 10 f.), ist sie damit nicht zu hören: Zum einen gilt ein beigezogener 

Sachverständiger nach einer ersten Äusserung als Experte mit Blick auf allfällige 

weitere Expertisen in der gleichen Sache nicht bereits als unzulässig vorbefasst. 

So steht gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nichts entgegen, einen ge-

setzeskonform bestellten forensischen Experten über den gleichen Sachverhalt 

mehrmals als Gutachter zu befragen bzw. auch für ergänzende oder vertiefende 

Arbeiten als Sachverständigen beizuziehen, solange dieser sich im Rahmen des 

ersten Bezugs oder "Vorberichts" nicht bereits in der Sache weitgehend festgelegt 

hat (Urteil 1B_551/2019 vom 19. August 2020 E. 4.4.4). Zum andern ist vorlie-

gend festzuhalten, dass von einer massgeblichen Mitwirkung Dr. W._____ am 

früheren Spurenbericht ohnehin nicht auszugehen ist, wurde der Spurenbericht 

doch gerade nicht von jenem, sondern vielmehr von AA._____ und AB._____ er-

stellt und unterzeichnet (Urk. 13/1 S. 1 und 6). Entsprechend ist in der von der 

Verteidigung besonders hervorgehobenen Formulierung des Staatsanwalts im 

Gutachtensauftrag, als dieser – an Dr. W._____ gerichtet – auf "Ihren Spurenbe-

richt vom 18. Mai 2017" Bezug nahm (Urk. 13/11 S. 1; Urk. 119 S. 10 f.), auch 

kein erheblicher Hinweis auf eine Mitwirkung Dr. W._____s am Spurenbericht zu 

erkennen. Vielmehr dürfte der Ursprung der vom Staatsanwalt gewählten Formu-

lierung mit der Funktion Dr. W._____s als Fachbereichsleiter Kriminaltechnik zu-

sammenhängen und der Verweis auf den Spurenbericht als Bezugnahme auf ei-

nen von "seiner" Institution bzw. Fachabteilung erstellten Bericht zu verstehen 

sein. Dafür spricht deutlich, dass die ursprüngliche Aufforderung zur "Ergänzung 

des Spurenberichts" noch nicht an Dr. W._____, sondern an das "Forensische 

Institut Zürich" adressiert und gerichtet war und die Anrede sich an die Mitarbeiter 

des FOR generell richtete (vgl. S. 13/9 S. 1, siehe Adresszeile sowie Anrede 

"Sehr geehrte Damen und Herren – Ich beziehe mich auf Ihren Spurenbericht 

vom 18. Mai 2017…"). Das Gutachten ist ohne Weiteres verwertbar.  

 Würdigung  3.6.

a) Der Beschuldigte stellt sich wie dargelegt auf den Standpunkt, er habe an je-

nem Abend plötzlich Angst und Paranoia bekommen, weshalb er die Waffe her-

vorgenommen und worauf sich versehentlich ein Schuss gelöst habe. Das Aus-

- 35 - 

sageverhalten des Beschuldigten weist dabei verschiedene Auffälligkeiten auf: 

Einerseits passte er teilweise seine Angaben den Erkenntnissen aus dem Unter-

suchungsverfahren an. So stritt er anfänglich vehement ab, überhaupt eine Waffe 

zu besitzen. Dies war klar falsch, konnte doch festgestellt werden, dass der Be-

schuldigte die Tatwaffe schon seit einiger Zeit besass, da diese identisch war mit 

einer von ihm mutmasslich an seinem Wohnort fotografierten Waffe. Und auch 

betreffend das Tragen von Handschuhen ergab sich ein Widerspruch insofern, als 

der Beschuldigte in der ersten Einvernahme in Abrede stellte, solche getragen zu 

haben und später berichtete, er habe diese in der Wohnung K._____ jeweils an-

gehabt, um keine Spuren zu hinterlassen für den Fall einer neuerlichen Haus-

durchsuchung durch die Polizei an diesem Drogenhandelsplatz. Ebenso wollte er 

sich nach über einem Monat plötzlich doch erinnern (vgl. die Ausführungen des 

früheren Verteidigers in Urk. 57 S. 11), die Pistole zufällig – ohne sich dessen 

noch bewusst zu sein – in seiner Umhängetasche dabei gehabt zu haben, quasi 

wie einen anderen Gegenstand des täglichen Bedarfs. Ferner gibt sich der Be-

schuldigte gänzlich unwissend in Bezug auf den Umgang mit Waffen bzw. insbe-

sondere der Tatwaffe. So gab er etwa an, er habe die Waffe nie "aufgemacht", er 

wisse gar nicht, wie das gehe. Er habe diese nach der Übernahme an der 

N._____-Strasse nicht gross geprüft, in die Bauchtasche gelegt und vergessen 

und nie rausgenommen vor dem Vorfall, er habe sie nicht geladen. In der vo-

rinstanzlichen Hauptverhandlung hielt er dafür, es könne sein, dass diese geladen 

gewesen sei, als er sie übernommen habe (Prot. S. 21 f.). Die Darstellung des 

Beschuldigten erscheint zum einen lebensfremd, wenn er behauptet, die Tatwaffe 

über Wochen mit sich geführt zu haben, ohne sich nur im geringsten darum zu 

kümmern, ob diese geladen und gesichert bzw. ungesichert und somit gefährlich 

war. Auf der anderen Seite konnten die DNA-Spuren, die ab der Patrone im Pat-

ronenlager der Tatwaffe gewonnen wurden, dem Beschuldigten zugeordnet wer-

den. Somit steht fest, dass er die Pistole selbst geladen hatte. Er wusste somit 

klar über den Ladezustand der Waffe Bescheid, was auch im Zusammenhang mit 

der Erstellung des subjektiven Sachverhalts respektive der Prüfung des subjekti-

ven Tatbestandes bei der rechtlichen Würdigung von Bedeutung ist. Verschiede-

ne Personen (K._____ und T._____) schilderten sodann, dass der Beschuldigte 

- 36 - 

die Waffe schon früher drohend eingesetzt bzw. diese herumgezeigt und damit 

geprahlt habe. Somit war der Beschuldigte keineswegs so ungeübt im Umgang 

mit Waffen, wie er im Rahmen des vorliegenden Strafverfahrens vorgab. All dies 

weckt bereits gewisse Zweifel an der Version des Beschuldigten, nach welcher er 

nicht bewusst geschossen haben will, sondern sich beim ungeschickten Herum-

hantieren bzw. Hervornehmen der Waffe versehentlich ein Schuss in die Wand 

gelöst habe. Hinzu kommen sodann noch die weiteren Feststellungen, mit wel-

chen die Version des "Schiessunfalls" des Beschuldigten zur reinen Schutzbe-

hauptung verkommt. So sagten sowohl K._____ als auch M._____ übereinstim-

mend aus, beobachtet zu haben, dass der Beschuldigte die Waffe in Richtung des 

Privatklägers gehalten habe bzw. seinen Arm mit der Waffe in der Hand in dessen 

Richtung gestreckt habe. Der Beschuldigte wurde sodann anlässlich der vo-

rinstanzlichen Hauptverhandlung vom Vorsitzenden aufgefordert, den Abzug der 

Pistole zu betätigen. Dabei stellte sich heraus, dass bei nicht vorgespanntem Zu-

stand der Abzug ziemlich stark gezogen werden muss, bevor ein Schuss ausge-

löst wird. Der Vorsitzende stellte entsprechend fest, dass die Waffe nicht einfach 

so losgehe (Prot. I S. 18). Auch dies spricht gegen eine versehentliche Schuss-

abgabe. Die vom Beschuldigten gemachte Aussage, der Schuss sei in die Wand 

gegangen, konnte anhand der Spurensicherung sowie dem Gutachten zur Unter-

suchung möglicher Abprallspuren widerlegt werden. Im Einklang damit sprach 

auch die Untersuchung der Schussverletzungen des Privatklägers dafür, dass es 

sich um einen Direkttreffer und nicht um einen Abpraller gehandelt hatte. Eine un-

kontrollierte Schussabgabe, das heisst ein Unfallgeschehen, wie es der Beschul-

digte geltend macht, erscheint deshalb nahezu unmöglich. Schliesslich ist die 

Version des Beschuldigten bis zu einem gewissen Grad auch in sich widersprüch-

lich, wenn er gegenüber den Strafbehörden angab, aus Angst und Panik zwecks 

Selbstverteidigung zur Waffe gegriffen zu haben, er aber dann gerade nicht habe 

schiessen wollen, sondern die Schussauslösung ein Unfall gewesen sein soll.  

Insgesamt ist nach dem Gesagten die Aussage des Beschuldigten, wonach er die 

Waffe weder auf jemanden gerichtet noch gezielt hatte und er auch nicht gewollt 

abgedrückt habe, sondern der Schuss sich versehentlich beim Hervornehmen der 

Waffe, von der er keine Ahnung gehabt habe, gelöst habe, als Schutzbehauptung 

- 37 - 

zu qualifizieren. Anhand der Gesamtheit des Beweisbildes hat vielmehr als erstellt 

zu gelten, dass der Beschuldigte die Waffe auf bzw. in Richtung des Privatklägers 

gerichtet und abgedrückt hatte, wobei der Schuss den Privatkläger im Sinne eines 

Direkttreffers zunächst am rechten Arm und schliesslich am Kopf getroffen hatte.  

b) Der Beschuldigte macht – wie gesehen – geltend, er sei derart stark unter dem 

Einfluss von Drogen und Medikamenten gestanden, dass er aufgrund der ent-

standenen Unruhe bei der Heimkehr von K._____ in Angst und Panik bzw. Para-

noia geraten sei und deshalb zur Waffe gegriffen habe. An Details konnte oder 

wollte sich der Beschuldigte nicht mehr erinnern, gab aber wiederholt an, er sei 

stark verladen bzw. "so drauf" gewesen.  

Wie oben ausgeführt stand der Beschuldigte gemäss dem Pharmakologisch-

Toxikologischen Gutachten vom 2. August 2017 im Zeitpunkt des Ereignisses 

deutlich unter der Wirkung von Cocain, Benzodiazepinen, Zolpidem, Methylpheni-

dat/Dexmethylpheniadat und Mirtazapin, dies jedoch vorbehältlich eines Nach-

konsums. Der Beschuldigte gab in der ersten Einvernahme selber an, er habe 

nach der Tat zuhause Tabletten geholt (Urk. 3/1 S. 9 f.). Weiter bestätigte 

L._____, dass der Beschuldigte Tabletten dabei hatte und ersterer gab diesem of-

fenbar zwei Temesta, weil er so aufgeregt war (Urk. 6/9 S. 5 und Urk. 6/21 S. 4). 

Ein gewisser Nachkonsum ist deshalb sehr wahrscheinlich. Wie bereits die Vo-

rinstanz ausführte (Urk. 82 S. 12), war der Beschuldigte aufgrund seines bis we-

nige Monate vor der Tat (vgl. das Resultat betreffend 2. Segment entsprechend 

dem Zeitraum von zweieinhalb Monaten bis Ende Februar 2017) sehr starken 

Konsums von Kokain, Benzodiazepinen etc. die Einnahme sehr hoher Dosen ge-

wohnt und kannte den Effekt bei Mischkonsum von verschiedenen Substanzen. 

Dafür spricht auch, dass der Beschuldigte wegen starken Entzugserscheinungen 

vom Untersuchungsgefängnis vorübergehend ins Berner Inselspital zur Behand-

lung verlegt werden musste. Andererseits wies die Vorinstanz aber auch zurecht 

darauf hin, dass der Beschuldigte offenbar im Durchschnitt in den letzten zweiein-

halb Monaten deutlich weniger konsumiert hatte als in den Monaten davor. Fest-

zuhalten ist allerdings nochmals, dass diese aus der Haaranalyse gewonnenen 

Erkenntnisse über diese Analyse des Drogenkonsums des Beschuldigten in ei-

- 38 - 

nem mehrmonatigen Zeitraum vor der Tat wie dargelegt kein verlässliches Mittel 

darstellen, um den Grad der Intoxikation oder das Ausmass seines Rauschzu-

standes bzw. seiner tatsächlichen Beeinträchtigung zum Tatzeitpunkt festzustel-

len. Insgesamt ist zugunsten des Beschuldigten deshalb davon auszugehen, dass 

er im Tatzeitpunkt deutlich unter dem Einfluss von Kokain sowie der Wirkstoffe 

Benzodiazepin und Methylphenidat/Dexmethylphenidat stand.  

Zwar wies bereits die Vorinstanz auf verschiedene Elemente hin, welche gegen 

die Version des Beschuldigten sprechen, wonach plötzlich aufkommende pani-

sche bzw. paranoide Einbildungen, ausgelöst durch den übermässigen Mischkon-

sum von Drogen und Medikamenten, ihn dazu bewegt hätten, die Pistole zu be-

händigen. So wies sie etwa auf sein auffälliges selektives Erinnerungsvermögen 

hin (Urk. 82 S. 11 Ziff. 2.3.1 und 2.3.2.): Demnach war der Beschuldigte in der 

Lage, erstaunlich genaue und bis in Kleinigkeiten gehende Angaben zu machen, 

was vor und nach der Schussabgabe geschah. So konnte er seinen Tagesverlauf 

(u.a. Telefonate mit SVA, wo und was im Restaurant getrunken und gegessen) 

detailliert beschreiben sowie genaue Auskünfte zu seinem Drogen- und Medika-

mentenkonsum erteilen. Ferner konnte er auch seinen Fluchtweg nach der Tat, 

inklusive Ort und Umstände des Versteckens der Pistole sowie das Wegwerfens 

der Handschuhe, relativ genau angeben. Schliesslich ist dem erstinstanzlichen 

Gericht grundsätzlich auch darin beizupflichten, dass von den im Tatzeitpunkt 

unmittelbar mit dem Beschuldigten in Kontakt stehenden Personen – allerdings 

mit Ausnahme von L._____ (dazu sogleich) – nicht über ein speziell auffälliges 

Verhalten bzw. über eine erkennbar starke Beeinträchtigung berichtet worden war 

(Urk. 82 S. 12 Ziff. 2.3.4.). Mit der Vorinstanz bestehen also gewichtige Hinweise 

darauf, dass die Schussabgabe des Beschuldigten nicht primär durch seinen into-

xikierten Zustand bedingt war. Nichtsdestotrotz kann nicht ausser Acht gelassen 

werden, dass auch gewisse Aspekte der Abläufe kurz vor und auch nach der 

Schussabgabe gerade für die Version des Beschuldigten sprechen: Zu nennen ist 

etwa das – soweit erstellbar – gänzlich fehlende Motiv des Beschuldigten für eine 

derartige Tat bzw. der fehlende äussere Anlass, der sein Handeln als absolut irra-

tional erscheinen lässt. So gaben alle Anwesenden übereinstimmend an, dass es 

keinen Streit mit dem Beschuldigten gegeben habe. Wenngleich vereinzelte 

- 39 - 

Äusserungen dahin gingen, dass der Beschuldigte etwas "hässig" gewirkt habe, 

waren sich alle darüber einig, dass die Schussabgabe absolut überraschend bzw. 

völlig aus dem Nichts heraus erfolgte. Es ist tatsächlich nicht ersichtlich, wieso der 

Beschuldigte eine solche Tat ohne Not und ohne ersichtlichen Anlass vor den Au-

gen mehrerer Zeugen begehen würde. Auch bei den vereinzelt geäusserten Er-

klärungsversuchen der Befragten, wonach ein mögliches Motiv gewesen sein 

könnte, dass der Privatkläger dem Beschuldigten kein kostenloses Kokain habe 

abgeben wollen, wäre nicht erklärbar, weshalb der Beschuldigte diesfalls mit dem 

Einsatz der Schusswaffe bis zum Eintreffen von K._____ (und damit eines weite-

ren Zeugen) gewartet hätte, obwohl er sich zuvor mit dem späteren Opfer bereits 

seit längerem im gleichen Raum aufgehalten hatte. Und schliesslich gibt es im-

merhin auch noch einen Zeugen – L._____ – welchem sich der Beschuldigte kurz 

nach der Tat anvertraut hatte und diesem erzählt habe, dass er "Scheisse" gebaut 

und abgedrückt habe, dies aber weil er angegriffen worden sei und sich habe ver-

teidigen müssen. Gemäss L._____ sei der Zustand des Beschuldigten völlig ver-

wirrt, durcheinander, komplett neben den Schuhen und von irrationalen Reaktio-

nen (plötzliches Lachen) begleitet gewesen. Er sei sich teilweise nicht sicher ge-

wesen, ob der Beschuldigte phantasiere oder von tatsächlichen Ereignissen be-

richtete (Urk. 6/9 S. 2 f.).  

Schliesslich wird im psychiatrischen Gutachten vom 12. Februar 2018 sodann ei-

ne durch den vom Beschuldigten konsumierten Substanzcocktail ausgelöste 

Mischintoxikation mit psychotischen Symptomen, welche mit derartigen Wahnvor-

stellungen, wie sie der Beschuldigte schilderte, einhergehen kann, zumindest 

nicht ausgeschlossen (Urk. 12/15 S. 80). Fakt ist immerhin, dass der Zeitpunkt, 

welchen der Beschuldigte später dahingehend beschrieb, dass er plötzlich viele 

Leute gesehen hatte und deshalb Angst und Panik bekommen habe, mit jenem 

äusseren Geschehen einhergeht, als durch das Eintreffen von K._____, welcher 

stürmisch von seinen beiden Hunden begrüsst wurde, tatsächlich einigermassen 

plötzlich eine gewisse Dynamik bzw. Aufregung im kleinen Raum aufgekommen 

sein dürfte, in welchem sich die vier Personen sowie die zwei Hunde K._____s 

befanden. Und soweit der Gutachter dafür hält, dass gerade das Verhalten des 

Beschuldigten unmittelbar nach der Tat – insbesondere das Tragen von Hand-

- 40 - 

schuhen am Tatort bzw. zur Schussabgabe sowie die noch vorhandene Fähigkeit, 

zu flüchten und Waffe und Handschuhe zu beseitigen – eher gegen die Version 

des Beschuldigten sprechen würde, ist dem entgegenzuhalten, dass gerade auch 

die vermeintlich überlegte Beseitigung der Tatmittel wiederum gewisse irrationale 

Momente beinhalteten. So spricht einerseits die unmittelbare Nähe zum Tatort, in 

welcher der Beschuldigte die Tatwaffe beseitigt hatte, und andererseits der Um-

stand, dass er die Handschuhe, welche zwangsläufig mit seinen Spuren (insbe-

sondere DNA) bzw. allenfalls auch mit Schmauchspuren von der Schussabgabe 

kontaminiert gewesen sein mussten, am selben Ort wie die Tatwaffe deponiert 

hatte. 

Nach dem Gesagten ergeben sich anhand verschiedener Beweismittel zwar 

durchaus Zweifel an der Version des Beschuldigten, wonach er aufgrund einer 

plötzlich auftretenden intoxikationsbedingten paranoiden bzw. panischen Hand-

lung zur Waffe griff und einen Schuss auf den Privatkläger abgab. Bei einer Ge-

samtwürdigung der Beweislage lässt sich diese mit Blick auf die Frage nach einer 

allfälligen Einschränkung seiner Schuldfähigkeit für ihn teilweise entlastende 

Sachverhaltsvariante aber vernünftigerweise nicht ausschliessen, sodass – dem 

Grundsatz in dubio pro reo folgend – von dieser für den Beschuldigten günstige-

ren Sachverhaltsvariante ausgegangen werden muss.  

c) Zusammengefasst ist erstellt, dass der Beschuldigte die Waffe auf den Privat-

kläger gerichtet und abgedrückt hat. Insoweit erweist sich der Sachverhalt im Sin-

ne der Anklageschrift als rechtsgenügend erstellt. Im Übrigen ist allerdings in du-

bio pro reo davon auszugehen, dass der Beschuldigte aufgrund der erheblichen 

Intoxikation zum Tatzeitpunkt aus einer plötzlich auftretenden paranoiden bzw. 

panischen Reaktion heraus unvermittelt einen Schuss auf den Privatkläger abge-

geben hatte.  

4. Subjektiver oder innerer Sachverhalt  

In subjektiver Hinsicht wird dem Beschuldigten zunächst direkter Vorsatz vorge-

worfen und eventualiter, dass er dem Privatkläger eine schwere Körperverletzung 

habe beibringen wollen und dabei den Eintritt des Todes in Kauf genommen habe 

- 41 - 

(vgl. oben Ziffer III.A.1.2). In der Untersuchung sowie vor Vorinstanz und auch an-

lässlich der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte an, er habe den Privat-

kläger nicht verletzen wollen, hätte er jemand umbringen wollen, hätte er in den 

Kopf geschossen oder einen zweiten oder dritten Schuss abgegeben (Urk. 82 

S. 14 mit Verweisen, Prot. I S. 23). Der Beschuldigte bestreitet damit den subjek-

tiven Sachverhalt. Auf diesen ist im Rahmen der rechtlichen Würdigung näher 

einzugehen (vgl. hiernach Ziffer IV.A.3.).  

B. Anklagepunkt Vergehen gegen das Waffengesetz  

Die Vorinstanz erachtete bei diesem Anklagvorwurf unter Hinweis auf das Ankla-

geprinzip nur eine einfache Begehung in der Anklageschrift als genügend um-

schrieben (Urk. 82 S. 16). Der Beschuldigte zeigte sich geständig, die Tatwaffe 

am 15. Mai 2017 auf sich getragen und über keine gültige amtliche Tragebewilli-

gung verfügt zu haben (Prot. I S. 26 f.; Berufungsanträge Beschuldigter Ziffer 2). 

Damit ist das einmalige Waffentragen ohne Bewilligung am 15. Mai 2017 erstellt.  

C. Anklagepunkt mehrfache Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes   

Der Beschuldigte war diesbezüglich in der Untersuchung und vor Vorinstanz ge-

ständig (Urk. 82 S. 17 mit Verweisen). Auch anlässlich der Berufungsverhandlung 

ergab sich in Anbetracht der Anträge des Beschuldigen, in welchen dieser selber 

eine Verurteilung wegen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes verlangt, 

nichts anderes. Der Sachverhalt ist entsprechend so, wie in der Anklage be-

schrieben, als erstellt zu erachten.  

IV. Rechtliche Würdigung 

A. Versuchte vorsätzliche Tötung 

1. Vorbemerkung 

Die Vorinstanz führte aus, dass vorliegend aufgrund des erstellten Sachverhalts 

die besonderen Voraussetzungen weder des privilegierten Spezialtatbestandes 

des Art. 113 StGB (Totschlag) noch die qualifizierte Norm von Art. 112 StGB 

(Mord) erfüllt sind (Urk. 82 S. 17 f.). Dem ist beizupflichten, selbst wenn wie dar-

- 42 - 

gelegt zu Gunsten des Beschuldigten davon ausgegangen werden muss, dass er 

aus einer intoxikationsbedingten panischen Reaktion heraus auf den Privatkläger 

geschossen hatte, ändert dies doch nichts daran, dass er ohne jeglichen äusse-

ren Anlass wie Streit oder Kränkung und damit bei objektiver Bewertung aus der 

Warte eines Durchschnittsmenschen der Rechtsgemeinschaft und nach den zum 

Tatzeitpunkt vorliegenden äusseren Umständen in keiner Weise nachvollziehbar 

oder entschuldbar agierte. In Frage kommt somit nur das Grunddelikt der vorsätz-

lichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB, welche die vorsätzliche Verursachung 

des Todes eines Menschen voraussetzt, wobei Eventualvorsatz genügt.  

2. Objektiver Tatbestand 

 Nachdem der Privatkläger den Angriff schwer verletzt überlebte, der tatbe-2.1.

standsmässige Erfolg der Tötungsdelikte gemäss Art. 111 StGB mithin ausblieb, 

kommt von vornherein nur eine versuchte vorsätzliche Tötung im Sinne von 
Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB in Betracht, was nachfolgend 

zu prüfen ist. Auf die entsprechenden Ausführungen der Vorinstanz betreffend 

den objektiven Tatbestand kann zur Vermeidung von Wiederholungen vorab voll-

umfänglich verwiesen werden (Urk. 82 S. 19; Art. 82 Abs. 4 StPO). Die dem Be-

schuldigten zur Last gelegten Verletzungen des Privatklägers erfüllen sodann den 

objektiven Tatbestand der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 

StGB. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes besteht zwischen einer 

versuchten vorsätzlichen Tötung und der damit einhergehenden, durch dieselbe 

Handlung verursachten (einfachen oder schweren) Körperverletzung unechte 

Konkurrenz (MATHYS, Leitfaden Strafzumessung, 2. Aufl. 2019, S. 50 Rz. 123 mit 

Verweis auf BGE 137 IV 113). 

 Der Vorinstanz ist insbesondere darin beizupflichten, dass der Privatkläger 2.2.

durch die Schussabgabe in Richtung des Kopfes oder des Oberkörpers ohne wei-

teres hätte getötet werden können. So ist es dem Zufall zuzuschreiben und auf 

die rasche medizinische Hilfe zurückzuführen, dass der Privatkläger keine tödli-

chen Verletzungen erlitt. Das sich durch den Oberarm und Kopf bohrende Projek-

til war geeignet, schwerste Verletzungen zum Beispiel am Hirn oder Blutgefässen 

zu verursachen, was ohne weiteres hätte zum Tod führen können (Urk. 82 S. 19). 

- 43 - 

 Mit Ausnahme des letztlich glücklicherweise ausgebliebenen tatbestands-2.3.

mässigen Erfolges hat der Beschuldige durch sein Handeln den objektiven Tatbe-

stand von Art. 111 StGB somit erfüllt, wobei wie gesehen eine versuchte Tatbe-

gehung gemäss Art. 22 Abs. 1 StGB vorliegt. 

3. Subjektiver Tatbestand  

 Die Vorinstanz begründete nachvollziehbar, weshalb vorliegend kein direk-3.1.

ter Vorsatz anzunehmen ist (Urk. 82 S. 19 f. Ziff. 1.3.2.). Die Staatsanwaltschaft 

argumentiert in ihrer Anschlussberufungserklärung, es könne der Vorinstanz nicht 

gefolgt werden, wenn sie festhalte, es gäbe keinerlei Anhaltspunkte für eine Pla-

nung der Tat oder eine eindeutige Tötungsabsicht. Es sei davon auszugehen, 

dass der Beschuldigte in sitzender Position die mitgeführte, geladene Waffe ge-

zückt, gegen B._____ gezielt und einen Schuss in dessen Richtung abgegeben. 

Daraufhin habe er die Wohnung ruhig wirkend verlassen. Von der äussern Hand-

lung her sei auf einen direkten Tötungsvorsatz ersten Grades und nicht bloss auf 

Eventualvorsatz zu erkennen (Urk. 98 S. 2; Urk. 118 S. 3). Dass es sich entgegen 

den Behauptungen des Beschuldigten nicht um einen Unfall bzw. eine nur verse-

hentliche Schussabgabe gehandelt hatte, wurde bereits erstellt (oben E. III.3.6.a). 

Eine fahrlässige Tatbegehung scheidet – wie bereits die Vor-instanz zutreffend 

festhielt (Urk. 82 S. 19 f. Ziff. 1.3.3.) – mithin aus. Erstellt werden konnte entspre-

chend, dass der Beschuldigte die Waffe auf bzw. zumindest in Richtung des Pri-

vatklägers richtete und abdrückte. Nachdem keine Hinweise auf eine vorherge-

hende Planung der Tat vorliegen und sodann die genauen Absichten des Be-

schuldigten hinsichtlich seines Handelns in dieser Situation nicht restlos geklärt 

werde können, kann zugunsten des Beschuldigten nicht davon ausgegangen 

werden, dass er den Privatkläger gezielt töten wollte bzw. dass die Tötung des 

Privatklägers sein direktes Handlungsziel darstellte. Entsprechend ist in dubio pro 

reo nicht auf einen direkten Tötungsvorsatz zu schliessen. Es ist deshalb nachfol-

gend zu prüfen, ob Eventualvorsatz zu bejahen ist.  

 Die Vorinstanz hat die bundesgerichtliche Rechtsprechung zum Eventual-3.2.

vorsatz aufgezeigt (Urk. 82 S. 20 f. Ziff. 1.3.4. und 1.3.7), darauf kann vorab ver-

wiesen werden. Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichts ist 

- 44 - 

Eventualvorsatz gegeben, wenn der Täter den Eintritt des Erfolgs beziehungswei-

se die Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, aber dennoch handelt, weil er 

den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er 

ihm auch unerwünscht sein (Urteil des Bundesgerichts vom 15. Februar 2013, 

6B_655/2012 E. 3.4.1 mit Verweisen u.a. auf BGE 138 V 74 E. 8.4.1). Für den 

Nachweis des Vorsatzes kann sich das Gericht – soweit der Täter nicht geständig 

ist – regelmässig nur auf äusserlich feststellbare Indizien und auf Erfahrungsre-

geln stützen, die ihm Rückschlüsse von den äusseren Umständen auf die innere 

Einstellung des Täters erlauben. Zu den äusseren Umständen, aus denen der 

Schluss gezogen werden kann, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in 

Kauf genommen, zählt auch die Grösse des dem Täter bekannten Risikos der 

Tatbestandsverwirklichung und die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung. Je 

grösser dieses Risiko ist und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, des-

to eher darf gefolgert werden, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in 

Kauf genommen (BGE 135 IV 12 E. 2.3.2 und BGE 134 IV 26 E. 3.2.2 mit Hinwei-

sen). Das Gericht darf vom Wissen des Täters auf den Willen schliessen, wenn 

sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufdrängt, dass die 

Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme 

des Erfolgs ausgelegt werden kann (BGE137 IV 1 E. 4.2.3; BGE 133 IV 222 

E. 5.3; je mit Hinweisen). Eventualvorsatz kann indessen auch vorliegen, wenn 

der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolgs nicht in diesem Sinne sehr wahr-

scheinlich, sondern bloss möglich war. Doch darf nicht allein aus dem Wissen des 

Täters um die Möglichkeit des Erfolgseintritts auf dessen Inkaufnahme geschlos-

sen werden. Vielmehr müssen weitere Umstände hinzukommen (BGE 133 IV 9 E. 

4.1 mit Hinweisen). Solche Umstände liegen namentlich vor, wenn der Täter das 

ihm bekannte Risiko nicht kalkulieren und dosieren kann und das Opfer keine 

Abwehrchancen hat (BGE 133 IV 1 E. 4.5 mit Hinweisen, Urteil des Bundesge-

richts 6B_132/2015 vom 21. April 2015 E. 2.2.2). 

 Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, ist die "Wissenskomponente" oh-3.3.

ne weiteres erfüllt, nachdem allgemein bekannt ist und auch im Gutachten des 

IRM nochmals ausdrücklich festgehalten wurde, dass eine Schussabgabe auf ei-

nen Menschen prinzipiell tödlich sein kann (Urk. 82 S. 20 F. Ziff. 1.3.5). Dies ist 

- 45 - 

namentlich dann zu bejahen, wenn der Schuss auf den Oberkörper und Kopf ab-

gefeuert wird: So stellt es Allgemeinwissen dar und bedarf keiner besonderen 

kognitiven Fähigkeiten oder medizinischer Vorkenntnisse, dass sich in Brust und 

Bauch eines Menschen lebenswichtige Strukturen (Organe und Blutgefässe) be-

finden. Ebenso darf die Eignung eines Projektils zur Verursachung lebensgefähr-

licher Verletzungen und dadurch den Tod zu bewirken, als allgemein bekannt vo-

rausgesetzt werden. Weiter befinden sich auch im Hals lebenswichtige Strukturen 

wie Blutgefässe und die Luftröhre, deren Verletzung mit einer Schusswaffe geeig-

net ist, lebensgefährliche Folgen und damit den Tod zu verursachen. Erst recht 

muss dies für den Kopf gelten, wo sich das Hirn, gleichsam das Lebenszentrum, 

und wichtige Gefässe befinden. Auch dies stellt Allgemeinwissen dar und ist dem 

Beschuldigten anzurechnen. 

Es kann sodann zur "Willenskomponente" zunächst wiederum auf die zutreffen-

den Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 82 S. 19 ff. Ziff. 1.3.8. 

und 1.3.9.): Zusammengefasst ist nochmals daran zu erinnern, dass der Beschul-

digte die Waffe schon bei früheren Gelegenheiten mit sich geführt und auch Drit-

ten gezeigt hatte, er mithin in der Tatnacht nicht das erste Mal mit einer Pistole 

hantierte. Weiter wusste er um den Ladezustand der Pistole und richtete diese 

gegen den Privatkläger (vgl. oben E. III.3.6.a). Nachdem von einer versehentliche 

Schussauslösung wie dargelegt nicht auszugehen ist, muss auf ein willentliches 

Betätigen des Abzugs geschlossen werden. Wer eine geladene Pistole in Rich-

tung eines Menschen hält, der sich in kurzer Entfernung befindet, und den Abzug 

zieht, nimmt fraglos in Kauf diesen tödlich zu verletzen. Der Eventualvorsatz ist 

somit erstellt.  

4. Fazit 

 Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass keine Rechtfertigungsgründe er-4.1.

sichtlich sind, namentlich liegen keinerlei Anhaltspunkte dafür vor, dass der Be-

schuldigte unmittelbar vor der Schussabgabe tatsächlich in irgend einer Form an-

gegriffen worden wäre und er sich hätte verteidigen müssen. Wie dargelegt sind 

aufgrund der Aussagen der dannzumal anwesenden Personen (B._____, 

K._____ und M._____) keine äusseren Umstände ersichtlich, die objektiv Anlass 

- 46 - 

zu einer vermeintlichen Bedrohung gegeben hätten. Das nachmalige Opfer sass 

am Pult und drehte sich einen Joint und erhob sich, als K._____ zurück kam und 

seine Hunde mit Küsschen begrüsste; der Privatkläger war dabei seinen Joint an-

zuzünden. M._____ sass auf dem Sofa. Es lag somit keine vermeintliche Bedro-

hungssituation vor.  

 Weiter war die Einsichtsfähigkeit erhalten und – auch dann, wenn wie vor-4.2.

liegend zu Gunsten des Beschuldigten von einer panischen Reaktion aufgrund ei-

ner hochgradigen Intoxikation auszugehen ist – die Steuerungsfähigkeit zwar 

massiv eingeschränkt, aber nicht aufgehoben.  Damit ist die Schuldfähigkeit des 

Beschuldigten gemäss dem psychiatrischen Gutachten zu bejahen (Urk. 12/15 

S. 80 f. sowie S. 85 f.).  

 Demzufolge ist der Beschuldigte der (eventual-)vorsätzlichen versuchten 4.3.

Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schul-

dig zu sprechen. 

B. Weitere Delikte 

1. Vergehen gegen das Waffengesetz 

In der Anklageschrift wurde dem Beschuldigten mehrfaches Vergehen gegen das 

Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG vorgeworfen. Wie bereits er-

wähnt, erachtete die Vorinstanz nur eine einfache Begehung in der Anklageschrift 

als genügend umschrieben. Gemäss den Ausführungen zum Sachverhalt ist er-

wiesen, dass der Beschuldigte am 15. Mai 2017 die Schusswaffe "Walther PPK", 

Kaliber 7.65 mm Browning, ohne die dafür notwendige Bewilligung mit sich getra-

gen hat. In Bestätigung des vorinstanzlichen Schuldspruchs ist der Beschuldigte 

demzufolge wegen Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 

Abs. 1 lit. a WG schuldig zu sprechen. 

2. Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz 

Gemäss den Erwägungen zum Sachverhalt ist erstellt, dass der Beschuldigte im 

Zeitraum zwischen Sommer 2016 und 15. Mai 2017 regelmässig Kokain, Amphe-

- 47 - 

tamine, MDMA und Morphium konsumierte. Das Verhalten des Beschuldigten 

wurde durch die Vorinstanz als mehrfache Übertretung gegen das Betäubungs-

mittelgesetz im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG gewürdigt (Urk. 82 S. 24). Auch 

dieser Schulspruch ist zu bestätigen mit der Präzisierung, dass die Verurteilung 

unter Berücksichtigung der verjährungsrechtlichen Bestimmungen den Konsum 

ab 10. Juli 2016 und nicht ab 10. Juni 2016 betrifft (3 Jahre vor Urteilsfällung 

durch das erstinstanzliche Gericht). 

V. Strafzumessung 

1. Strafrahmen 

1.1. Vorsätzliche Tötung wird mit Freiheitsstrafe von 5 bis 20 Jahren bestraft 

(Art. 111 StGB i.V.m. Art. 40 StGB).  

1.2. Die tat- und täterangemessene Strafe für eine einzelne Tat ist grundsätz-

lich innerhalb des ordentlichen Strafrahmens festzusetzen. Der vom Gesetzgeber 

vorgegebene ordentliche Rahmen ermöglicht in aller Regel, für eine einzelne Tat 

die angemessene Strafe festzulegen. Er versetzt den Richter namentlich in die 

Lage, die denkbaren Abstufungen des Verschuldens zu berücksichtigen. Dieser 

ist nur zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die 

betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde er-

scheint. Die Frage einer Unterschreitung des ordentlichen Strafrahmens kann sich 

stellen, wenn verschuldens- bzw. strafreduzierende Faktoren zusammentreffen, 

die einen objektiv an sich leichten Tatvorwurf weiter relativieren, so dass eine 

Strafe innerhalb des ordentlichen Rahmens dem Rechtsempfinden widerspräche. 

Die verminderte Schuldfähigkeit allein führt deshalb grundsätzlich nicht dazu, den 

ordentlichen Strafrahmen zu unterschreiten. Dazu bedarf es weiterer, ins Gewicht 

fallender Umstände, die das Verschulden als besonders leicht erscheinen lassen 

(BGE 136 IV 55 E. 5.8). Da vorliegend – wie die Vorinstanz ebenfalls zutreffend 

erwogen hat (Urk. 82 S. 24) – keine weiteren solchen Umstände erkennbar sind, 

bleibt es beim vorgenannten Strafrahmen von 5 bis 20 Jahren Freiheitsstrafe. 

- 48 - 

2. Gesamtstrafe  

2.1. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen 

für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe 

der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. 

2.2. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist die Bildung einer Ge-

samtstrafe in Anwendung des Asperationsprinzips nach Art. 49 Abs. 1 StGB nur 

möglich, wenn das Gericht im konkreten Fall für jeden einzelnen Normverstoss 

gleichartige Strafen ausfällt (sog. "konkrete Methode"). Dass die anzuwendenden 

Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Strafen androhen, genügt nicht. Geld-

strafe und Freiheitsstrafe sind keine gleichartigen Strafen im Sinne von Art. 49 

Abs. 1 StGB (Urteil 6B_1031/2019 vom 1. September 2020 E. 2.4.2.; BGE 144 IV 

313 E. 1.1.1; BGE 142 IV 265 E. 2.3.2; 138 IV 120 E. 5.2 S. 122; 137 IV 57 E. 

4.3.1 S. 58). Der Vorinstanz ist beizupflichten, wenn sie sinngemäss ausführt, 

dass für den Verstoss gegen das Waffengesetz für sich alleine gesehen auch die 

Ausfällung einer Geldstrafe als angemessene Strafe in Frage käme (Urk. 82 S. 

25). Nachdem aber vorliegend dieses Nebendelikt in engem Zusammenhang mit 

dem Hauptdelikt der vorsätzlichen Tötung steht, rechtfertigt sich ebenfalls das 

Aussprechen einer Freiheitsstrafe. Indessen wird bei der Strafzumessung zu be-

rücksichtigen sein, dass gemäss dem Erkenntnis der Vorinstanz nur ein einmali-

ger Vorfall zu bestrafen ist.  

2.3. Für die Übertretung gegen das Betäubungsmittelgesetz ist zwingend eine 

Busse bis zu Fr. 10'000.– auszusprechen (Art. 106 Abs. 1 StGB), wie auch die 

Vorinstanz festgehalten hat (Urk. 82 S. 25). 

3. Strafzumessungskriterien 

3.1. Gemäss Art. 50 StGB hat das Gericht die für die Zumessung der Strafe er-

heblichen Umstände und deren Gewichtung festzuhalten. Es hat seine Überle-

gungen in den Grundzügen wiederzugeben, sodass die Strafzumessung nach-

vollziehbar ist (BGE 144 IV 313 E. 1.2 S. 319; 142 IV 365 E. 2.4.3 S. 270 f.; 136 

IV 55 E. 5.5 S. 59 ff.; je mit Hinweisen).  

- 49 - 

Die Vorinstanz hat die Kriterien der Strafzumessung zutreffend aufgezeigt 

(Urk. 82 S. 25 f.). Darauf und auf die aktuelle Rechtsprechung des Bundesge-

richts zur Strafzumessung (Urteile des Bundesgerichts 6B_1038/2017 vom 

31. Juli 2018 und 6B_619/2019 vom 11. März 2020 E. 3.3.; BGE 136 IV 55, E. 5.4 

ff.; 135 IV 130, E. 5.3.1; 132 IV 102, E. 8.1; je mit Hinweisen) kann verwiesen 

werden. Richtig wurde festgehalten, dass zwischen der Tat- und Täterkomponen-

te sowie der objektiven und subjektiven Tatschwere zu unterscheiden ist. Bei der 

Tatkomponente ist als Ausgangspunkt die objektive Schwere des Delikts festzu-

legen. Dabei ist anhand des Ausmasses des Erfolgs sowie aufgrund der Art und 

Weise des Vorgehens zu beurteilen, wie stark das strafrechtlich geschützte 

Rechtsgut beeinträchtigt wurde. Ebenfalls von Bedeutung ist die kriminelle Ener-

gie, wie sie durch die Tat und die Tatausführung offenbart wird (Urteil des Ober-

gerichts Zürich SE090044 vom 7. April 2010 E. 3.1.1.). Die Täterkomponente 

kann für alle Delikte g