# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9ed55dcb-c7ff-5960-827d-c10b0953fc2b
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-05-27
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 27.05.2021 200 2020 591
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2020-591_2021-05-27.pdf

## Full Text

200 20 591 IV
WIS/SHE/LAB

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 27. Mai 2021

Verwaltungsrichterin Wiedmer, Kammerpräsidentin
Verwaltungsrichterin Mauerhofer, Verwaltungsrichter Loosli 
Gerichtsschreiber Schnyder

A.________
vertreten durch B.________ AG, Rechtsanwältin C.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 17. Juni 2020

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1961 geborene A.________ (nachfolgend Versicherte bzw. Beschwer-
deführerin) meldete sich im November 2015 unter Hinweis auf Schulter-, 
Hand- und Fussprobleme bei der IV-Stelle Bern (nachfolgend IVB oder 
Beschwerdegegnerin) zum Leistungsbezug an (Akten der IVB, Antwortbei-
lage [AB] 1). Die IVB tätigte in der Folge erwerbliche und medizinische Ab-
klärungen. Insbesondere zog sie das vom damaligen Unfallversicherer, der 
D.________ AG, in Auftrag gegebene orthopädisch-psychiatrische Gutach-
ten der E.________ GmbH (nachfolgend Begutachtungsstelle E.________) 
vom 25. August 2016 (AB 37.2) bei, holte beim Regionalen Ärztlichen 
Dienst (RAD) Aktenbeurteilungen vom 19. Oktober 2016 (AB 39) und vom 
6. März 2017 (AB 50) ein und verfügte am 18. April 2017 (AB 51) bei einem 
errechneten Invaliditätsgrad von 20% die Abweisung des Rentenbegeh-
rens. Die Verfügung blieb unangefochten. 

B.

Im Mai 2018 (AB 63) stellte die Versicherte unter Hinweis auf eine erhebli-
che Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes seit April 2017 ein er-
neutes Leistungsbegehren. Nach Einholen von Aktenbeurteilungen des 
RAD (AB 66, 68, 70, 82 ff.) trat die IVB mit Verfügung vom 19. Februar 
2019 (AB 87) mit der Begründung, seit der letzten Verfügung habe sich 
weder die berufliche noch die medizinische Situation geändert, nicht auf 
das Leistungsbegehren ein. Die dagegen erhobene Beschwerde (AB 88/3) 
hiess das Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Sozialversicherungsrecht-
liche Abteilung, mit Urteil vom 29. Mai 2019, IV/2019/217 (AB 92) – soweit 
es darauf eintrat – gut, hob die angefochtene Verfügung auf und wies die 
Sache an die Beschwerdegegnerin zurück, damit sie auf die Neuanmel-
dung eintrete und nach getätigten Abklärungen neu verfüge. Das Urteil er-
wuchs unangefochten in Rechtskraft. In der Folge tätigte die IVB weitere 
medizinischen Abklärungen. Insbesondere holte sie beim F.________ 
(MEDAS F.________) ein neuropsychologisches Gutachten vom 18. März 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 3

2020 (AB 133/125) und bei Dr. med. G.________, Facharzt für Neurologie 
sowie Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiatrisches Gutachten vom 
23. März 2020 (AB 133/2) ein. Mit Vorbescheid vom 27. März 2020 (AB 
136) stellte die IVB in Aussicht, bei einem Invaliditätsgrad von 6% einen 
Rentenanspruch zu verneinen. Nach dagegen erhobenen Einwänden (AB 
138, 141 f., 144) holte sie beim RAD Aktenbeurteilungen vom 11. Juni 2020 
(AB 152 f.) ein und verfügte am 17. Juni 2020 (AB 155) dem Vorbescheid 
entsprechend.

C.

Mit Eingabe vom 14. August 2020 erhob die Versicherte, vertreten durch 
Rechtsanwältin C.________, dagegen Beschwerde mit folgenden Rechts-
begehren:

1. Es sei die Verfügung vom 17. Juni 2020 aufzuheben.

2. Es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine 
Invalidenrente nach Gesetz zu gewähren.

3. Es sei die Beschwerdeführerin polydisziplinär durch das Gericht begutachten zu 
lassen.

4. Eventualiter sei die Sache zwecks polydisziplinärer Begutachtung und ansch-
liessendem Neuentscheid an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

5. Es sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren 
und es sei ihr in der Person der Unterzeichneten einen unentgeltlichen Rechts-
beistand zu bewilligen.

Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin.

Mit Beschwerdeantwort vom 17. September 2020 schloss die Beschwerde-
gegnerin auf Abweisung der Beschwerde. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 4

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Ver-
waltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Ok-
tober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist ge-
geben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die 
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da unter Berücksichtigung des 
Fristenstillstandes auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG; vgl. 
Art. 38 Abs. 4 lit. b ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten.

1.2 Anfechtungsgegenstand bildet die Verfügung vom 17. Juni 2020 
(AB 155). Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch und dabei insbe-
sondere, ob seit der rentenabweisenden Verfügung vom 18. April 2017 (AB 
51) eine anspruchsrelevante Änderung des Gesundheitszustandes einge-
treten ist.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 
80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 5

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauern-
de ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbs-
unfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder 
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung 
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs-
möglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeits-
markt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Arbeits-
unfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbereich, 
sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Erwerbs-
möglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausgegliche-
nen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss teilweise 
Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähigkeit (BGE 
130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).

2.2 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können 
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 
ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG so-
wie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Be-
fundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann 
anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchti-
gung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 145 V 
215 E. 5.1 S. 221). 

2.2.1 Die Sachverständigen sollen die Diagnose so begründen, dass die 
Rechtsanwender nachvollziehen können, ob die klassifikatorischen Vorga-
ben tatsächlich eingehalten sind (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 141 V 
281 E. 2.1.1 S. 285). Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung erfolgt 
die Prüfung, ob ein psychischer Gesundheitsschaden eine rentenbegrün-
dende Invalidität zu bewirken vermag, schliesslich anhand eines strukturier-
ten normativen Prüfungsrasters (BGE 143 V 418 E. 7 S. 427, 141 V 281 E. 
4.1 S. 296). Dies gilt für sämtliche psychischen Störungen (BGE 143 V 418 
E. 7.2 S. 429).

2.2.2 Eine invalidenversicherungsrechtlich erhebliche Gesundheitsbeein-
trächtigung liegt nur vor, wenn die Diagnose im Rahmen einer Prüfung auf 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 6

der ersten Ebene auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe 
nach BGE 131 V 49 standhält. Danach liegt regelmässig keine versicherte 
Gesundheitsschädigung vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggra-
vation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht. Hinweise auf solche und 
andere Äusserungen eines sekundären Krankheitsgewinns ergeben sich 
namentlich, wenn eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten 
Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht, in-
tensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch 
vage bleibt, keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch ge-
nommen wird, demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständi-
gen unglaubwürdig wirken oder schwere Einschränkungen im Alltag be-
hauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. 
Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Verhalten hin. 
Besteht im Einzelfall Klarheit darüber, dass nach plausibler ärztlicher Beur-
teilung die Anhaltspunkte auf eine Aggravation eindeutig überwiegen und 
die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Verhaltens klar überschritten 
sind, ohne dass das aggravatorische Verhalten auf eine verselbständigte, 
krankheitswertige psychische Störung (vgl. BGE 127 V 294 E. 5a S. 299) 
zurückzuführen wäre, fällt eine versicherte Gesundheitsschädigung ausser 
Betracht und ein Rentenanspruch ist ausgeschlossen, selbst wenn die klas-
sifikatorischen Merkmale einer psychischen Störung gegeben sein sollten 
(vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG erster Satz). Soweit die betreffenden Anzeichen 
neben einer ausgewiesenen verselbständigten Gesundheitsschädigung 
(BGE 127 V 294 E. 5a S. 299) auftreten, sind deren Auswirkungen derweil 
im Umfang der Aggravation zu bereinigen (BGE 141 V 281 E. 2.2 und 2.2.1 
S. 287; SVR 2016 UV Nr. 25 S. 83 E. 6).

2.3 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine 
Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe-
reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wie-
der herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätzlich 
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min-
destens 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach Ablauf 
dieses Jahres zu mindestens 40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b und c). 
Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, 
wenn die versicherte Person mindestens 70%, derjenige auf eine Dreivier-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 7

telsrente, wenn sie mindestens 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad 
von mindestens 50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem 
Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein solcher auf eine Viertelsrente.

2.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2018 IV 
Nr. 27 S. 87 E. 4.2.1).

2.5 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines 
Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf 
Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufge-
hoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG).

2.5.1 Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den 
tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit 
den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist deshalb nicht 
nur bei einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustandes, son-
dern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen 
(oder die Auswirkungen auf die Betätigung im üblichen Aufgabenbereich) 
des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert 
haben. Dazu gehört die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer 
Angewöhnung oder Anpassung an die Behinderung. Ein Revisionsgrund ist 
ferner unter Umständen auch dann gegeben, wenn eine andere Art der Be-
messung der Invalidität zur Anwendung gelangt oder eine Wandlung des 
Aufgabenbereichs eingetreten ist (BGE 144 I 103 E. 2.1 S. 105, 141 V 9 E. 
2.3 S. 10; SVR 2018 UV Nr. 22 S. 79 E. 2.2.1).

2.5.2 Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung oder das Revisionsge-
such ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewis-
sern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 8

des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist. Stellt sie fest, dass 
der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine 
Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls 
hat sie zusätzlich noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, 
um nunmehr eine rentenbegründende (bzw. anspruchsrelevant höhere) In-
validität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall ob-
liegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 
198 E. 3a S. 198; SVR 2008 IV Nr. 35 S. 117 E. 2.1).

2.5.3 Liegt eine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist der Ren-
tenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter Be-
rücksichtigung des gesamten für die Leistungsberechtigung ausschlagge-
benden Tatsachenspektrums neu und ohne Bindung an frühere Invaliditäts-
schätzungen zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11, 117 V 198 E. 4b S. 200; 
SVR 2019 IV Nr. 39 S. 124 E. 5).

2.5.4 Als zeitliche Vergleichsbasis ist einerseits der Sachverhalt im Zeit-
punkt der ursprünglichen Rentenverfügung und anderseits derjenige zur 
Zeit der streitigen Revisionsverfügung zu berücksichtigen (BGE 130 V 343 
E. 3.5.2 S. 351, 125 V 368 E. 2 S. 369; SVR 2010 IV Nr. 53 S. 166 E. 3.1).

3.

3.1 Das Verwaltungsgericht stellte in VGE IV/2019/2017 (AB 92) rechts-
kräftig und damit auch für dieses Verfahren verbindlich fest, die Beschwer-
deführerin habe glaubhaft gemacht, dass es seit der rentenverneinenden 
Verfügung vom 18. April 2017 (AB 51) zu einer wesentlichen Änderung in 
den für den Invaliditätsgrad erheblichen Tatsachen gekommen ist (E. 5.3). 
Nachfolgend ist zu prüfen, ob zwischen der ursprünglichen Verfügung vom 
18. April 2017 und der hier angefochtenen Verfügung vom 17. Juni 2020 
(AB 155) tatsächlich eine wesentliche Änderung in medizinischer bzw. er-
werblicher Hinsicht eingetreten ist, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und 
damit einen allfälligen Rentenanspruch zu beeinflussen (vgl. E. 2.5 hiervor).

3.2 Was die Verfügung vom 18. April 2017 (AB 51) betrifft, ist den Akten 
im Wesentlichen das Folgende zu entnehmen:

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 9

3.2.1 Im orthopädisch-psychiatrischen Gutachten der Begutachtungsstelle 
E.________ vom 25. August 2016 (AB 37.2) wurden folgende Diagnosen 
gestellt (S. 21 Ziff. 6):

- Chronisch intermittierende leichtgradige Restbeschwerden Ellbogen links (ICD-
10 M25.52)

- Anamnestisch chronische, teilweise bewegungs- und belastungsabhängige Un-
terschenkel- und Fussschmerzen beidseits (ICD-10 M79.60)

- Chronische, teilweise bewegungs- und belastungsabhängige Schulterschmer-
zen rechts (ICD-10 M79.61)

- Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-
10 F45.41)

- Histrionische Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73.1)

- Aktenanamnestisch Status nach Diagnose einer mittelschweren bis schweren 
depressiven Episode im September 2015 im Rahmen der Schmerzsymptoma-
tik, Status nach Diagnose einer leicht bis mittelgradig ausgeprägten depressi-
ven Episode bei rezidivierender depressiver Episode im April 2016, aktuell re-
mittiert.

Psychosoziale und allenfalls auch soziokulturelle Belastungsfaktoren hätten 
einen entscheidenden Einfluss auf die weiterhin persistierende Arbeitsunfä-
higkeit (S. 23 Ziff. 8). Bezüglich der psychischen Beschwerden sei es be-
reits zu einer namhaften Besserung der depressiven Symptomatik gekom-
men, die gegenwärtig nur noch subklinisch ausgeprägt sei und keine Ein-
schränkung der Arbeitsfähigkeit begründe. Trotzdem sei die Beibehaltung 
der ambulanten Psychotherapie und Psychopharmakotherapie für die 
nächsten Monate indiziert. Bezüglich der somatisch im Vordergrund ste-
henden rechtsseitigen Schulterbeschwerden sei es wichtig, dass die Versi-
cherte ein regelmässiges Bewegungsprogramm durchführe (Ziff. 9). Die 
heute noch begründbare Einschränkung der Belastungsfähigkeit am Bewe-
gungsapparat werde durch eine Pathologie an der rechten Schulter be-
dingt, die eine leichte Verminderung der Belastungsfähigkeit der betreffen-
den Schulter begründe. Diese beziehe sich auf Aktivitäten, bei denen der 
rechte Arm über die Horizontale oder hinter die Körperebene eingesetzt 
werden müsse. Dies wirke sich auch auf beruflicher Ebene dahingehend 
aus, dass vorderhand nur körperlich leichte bis höchstens mittelschwere 
Tätigkeiten möglich seien, bei denen eine Hebe- und Traglimite von 10 kg 
nicht überschritten werde und der rechte Arm ausschliesslich unterhalb der 
Horizontalen und vor der Körperebene eingesetzt werden müsse. In Anbe-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 10

tracht des aktuellen Zustandes sei eine künftige Besserung der Situation an 
der rechten Schulter durchaus realistisch, sodass letztlich wahrscheinlich 
wieder alle Tätigkeiten in Frage kämen, welche für die Versicherte aufgrund 
ihrer allgemeinen körperlichen Konstitution, ihrer ausbildungsmässigen Vo-
raussetzungen und ihrer persönlichen Neigungen in Frage kämen. Bezüg-
lich der unfallbedingten Problematik am linken Ellbogen sei es zu einer sta-
bilen Ausheilung der erlittenen Fraktur gekommen und auch die Beweglich-
keit sei heute wieder seitengleich. Entsprechend ergebe sich dadurch der-
zeit kein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit für Tätigkeiten ohne übermässig 
hohe Ansprüche an den linken Ellbogen und die Versicherte könne auch 
ihre angestammte Tätigkeit als … wahrscheinlich wieder uneingeschränkt 
ausüben. Von psychiatrischer Seite lasse sich in einer schulteradaptierten 
Tätigkeit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen (Ziff. 10 und 
S. 25 Ziff. 8a).

3.2.2 In der RAD-Aktenbeurteilung vom 19. Oktober 2016 (AB 39) kam 
Dr. med. H.________ zum Schluss, es könne uneingeschränkt auf das 
Gutachten der Begutachtungsstelle E.________ vom 25. August 2016 ab-
gestellt werden. Funktionelle Einschränkungen bestünden lediglich in einer 
verminderten Belastbarkeit der rechten Schulter und des linken Ellbogens. 
Nach dem Unfallereignis vom 13. Juni 2014 habe für acht Wochen eine 
vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden, danach eine vollständige Ar-
beitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit. Dr. med. I.________, 
Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewe-
gungsapparates, kam in der RAD-Beurteilung vom 6. März 2017 (AB 50) 
zum Schluss, die im Vorbescheidverfahren vorgelegten Berichte beinhalte-
ten die bei der Gutachterstellung bekannten Gesundheitsschäden. Neue 
Befunde mit wesentlichem Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit würden nicht 
vorgelegt. Somit sei keine Neubeurteilung erforderlich.

3.3 Was den Gesundheitszustand seit der Verfügung vom 18. April 
2017 (AB 51) betrifft, ist den Akten im Wesentlichen das Folgende zu ent-
nehmen:

3.3.1 Im neuropsychologischen Gutachten von der MEDAS F.________ 
vom 18. März 2020 (AB 133/125) wurde festgehalten, die Testergebnisse 
der Versicherten würden als nicht valide angesehen. Sie habe beide Teile 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 11

der Symptomvalidierungstests mit Werten, die am Cut-Off gelegen hätten, 
absolviert. Während der gesamten Untersuchung habe ein aggravierendes 
Verhalten festgestellt werden können (S. 133 Ziff. 4.3), weshalb keine Dia-
gnosen gestellt werden könnten (S. 135 Ziff. 6.1 f.). Die Zusammenstellung 
der Befunde der Leistungstests lasse auf ein Aggravationsverhalten 
schliessen. Daher könnten die Ergebnisse der Leistungstests inhaltlich 
nicht ausgewertet werden und lieferten wegen mangelnder Mitarbeit keine 
verwertbaren neuropsychologischen Befunde, da sie wahrscheinlich nicht 
das effektiv vorhandene kognitive Leistungsniveau abbildeten. Unter diesen 
Umständen bestehe andererseits auch das Risiko, dass tatsächliche und 
spezifische kognitive Defizite differentialdiagnostisch nicht festgestellt wer-
den könnten (S. 135 f. Ziff. 6.3). Es hätten sich in den untersuchten Berei-
chen mehrheitlich unterdurchschnittliche Ergebnisse gefunden. Da die Er-
gebnisse der Symptomvalidierungstests auf ein aggravierendes Verhalten 
hinwiesen, könne weder das Vorhandensein allenfalls funktioneller Ein-
schränkungen (S. 137 Ziff. 7.1) noch die Arbeitsfähigkeit beurteilt werden 
(S. 139 Ziff. 8.1 f.). 

3.3.2 Dr. med. G.________ stellte im psychiatrischen Gutachten vom 23. 
März 2020 (AB 133/2) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit folgende 
Diagnosen (S. 87 Ziff. 6.1):

- Ausgeprägte chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen 
Faktoren (ICD-10 F45.41) 

- Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen, psychi-
sche und Verhaltensstörungen durch Opioide, schädlicher Gebrauch, Differen-
tialdiagnose: Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F11.10/F11.24).

Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte Dr. med. 
G.________ Probleme verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbe-
wältigung im Sinne histrionisch akzentuierter Persönlichkeitszüge (ICD-10 
Z73.1), Angst und depressive Reaktion gemischt (ICD-10 F41.2) sowie 
psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak, Abhängigkeitssyndrom, 
gegenwärtiger Substanzgebrauch (ICD.10 F17.24; S. 88 Ziff. 6.2). Der Ge-
sundheitszustand und die Symptome hätten sich verglichen mit der Situati-
on im Zeitpunkt der Verfügung vom 18. April 2017 (AB 51) leicht ver-
schlechtert. Die von der untersuchenden Psychiaterin im Gutachten der 
Begutachtungsstelle E.________ aus dem Jahre 2016 gestellten Diagno-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 12

sen hätten weitgehend ihre Gültigkeit behalten. Zusätzlich seien aufgrund 
des ermittelten hohen Opiatspiegels psychische und Verhaltensstörungen 
durch psychotrope Substanzen, psychische und Verhaltensstörungen 
durch Opioide, schädlicher Gebrauch, Differentialdiagnose: Abhängigkeits-
syndrom (ICD-10 F11.10/F11.24) sowie eine Angst und depressive Reakti-
on gemischt (ICD-10 F41.2) zu diagnostizieren. Die gegenwärtig vorliegen-
den Diagnosen würden eine 30%-ige Einschränkung der Leistungsfähigkeit 
bezogen auf ein hypothetisches Arbeitspensum von 100% begründen (S. 
114 Ziff. 8.4). Die Beurteilung der Leistungsfähigkeit stütze sich auf die 
beklagten chronischen Schmerzen, auf das Studium der Versicherungsak-
ten, die aktuelle Exploration, die klinisch-neurologische Untersuchung und 
die im Rahmen der Exploration und der fachärztlichen Untersuchung ge-
wonnenen sogenannten indirekten Indizien. Insbesondere aufgrund der 
allgemeinen Indizien (u.a. unbeobachtetes Gangbild, Schnelligkeit und Ab-
lauf der Bewegungen, Mitschwingen der Arme, Spontanmotorik, spontane 
Kopfdrehungen, kein Positionswechsel während der Untersuchung, keine 
entlastenden Körperbewegungen, kein Aufstehen während der Exploration, 
speditives An- und Auskleiden), der Indizien anhand des explorierten Ta-
gesprofils, dazu Indizien anhand der Schmerzschilderung (dabei werde auf 
adäquate, vage, distanzierte Schilderung geachtet) und ergänzender Indi-
zien zum Ausschluss einer hirnorganischen Störung (dabei werde auf die 
Konzentration während der Exploration, Merkfähigkeit für Altbekanntes, 
u.a. Geburtstagsdaten, Hochzeitstag, Telefonnummern, Merkfähigkeit für 
Wichtiges, u.a. Höhe der derzeitigen Einkünfte, und Merkfähigkeit für Rou-
tinedinge geachtet) würden sich Hinweise auf nicht im vorhandenen Um-
fang geklagte Beschwerden im Sinne zumindest einer Symptomausweitung 
ergeben. Die beklagte Intensität und das Ausmass der Beschwerden seien 
mit dem alltäglichen Aktivitätsniveau nicht vereinbar. Die gutachterliche 
Konsistenzprüfung habe daher Diskrepanzen und Inkonsistenzen ergeben. 
In der Selbsteinschätzung beurteile sich die Versicherte als zu 100% ar-
beitsunfähig für alle Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt. Aufgrund der 
im Rahmen der aktuellen psychiatrischen Untersuchung erhobenen medi-
zinischen Befunde könne dieser Selbsteinschätzung nicht gefolgt werden. 
Es liege eine ausgeprägte Selbstlimitierung vor. Unter Berücksichtigung der 
Diskussion im Gutachten sowie der multiplen Diskrepanzen und Inkonsis-
tenzen könne aufgrund der Schmerzstörung bezogen auf ein hypotheti-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 13

sches Arbeitspensum von 100% allenfalls von einer um 30% reduzierten 
Leistungsfähigkeit (Rendement) ausgegangen werden. Die attestierte Ein-
schränkung der Arbeitsfähigkeit von 30% aufgrund der Schmerzstörung 
werde aufgrund der reduzierten Ressourcen im Hinblick auf die Überwin-
dung der geltend gemachten diffusen Schmerzen attestiert. Das Vorliegen 
einer mitwirkenden, psychisch ausgewiesenen Komorbidität von erhebli-
cher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer liege allerdings nicht vor. 
Auch liege kein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belangen des 
Lebens vor (S. 100 f. Ziff. 6.3). 

3.3.3 Dr. med. J.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychothera-
pie beim RAD, führte in der Beurteilung vom 11. Juni 2020 (AB 153) aus, 
das psychiatrische Gutachten des Dr. med. G.________ berücksichtige 
sämtliche Vorakten und es seien darin sämtliche medizinischen Berichte 
einzeln aufgeführt und ausführlich gewürdigt worden. Unter Berücksichti-
gung sämtlicher Vorakten, der durch den Gutachter erhobenen Befunde im 
psychiatrischen Fachgebiet, der ausführlich dokumentierten Verhaltensbe-
obachtungen, der von der Versicherten selbst vorgebrachten Klagen, der 
erhobenen Laborbefunde sowie der Ergebnisse der neuropsychologischen 
Untersuchung in der MEDAS F.________ nenne Dr. med. G.________ 
medizinisch plausible Diagnosen mit und ohne Auswirkung auf die Arbeits-
fähigkeit. Er nehme Bezug auf das ICD-10-Klassifikationssystem und lege 
dar, welche Kriterien erfüllt seien. Er diskutiere früher attestierte Diagnosen 
im psychiatrischen Fachgebiet und begründe, warum diese aufgrund seiner 
fachärztlichen Einschätzung nicht vorlägen. Er zitiere in diesem Zusam-
menhang relevante Fachliteratur, mit der er seine Einschätzungen begrün-
de. Weiter berichte der psychiatrische Gutachter über zahlreiche durch ihn 
festgestellte Diskrepanzen und Inkonsistenzen. Anlässlich der neuropsy-
chologischen Untersuchung seien zudem Hinweise für Symptomverdeutli-
chung und Aggravation festgestellt worden, und es habe daher der begrün-
dete Verdacht auf eine nicht-authentische neuropsychologische Störung 
vorgelegen. Der RAD beurteile das psychiatrische Gutachter von Dr. med. 
G.________ als schlüssig (S. 10 f. Ziff. 1). Was die im Vorbescheidverfah-
ren bei der Beschwerdegegnerin eingegangenen medizinischen Berichte 
betrifft, so attestierten die ambulanten psychiatrischen Behandelnden 
ebenso wie auch Dr. med. G.________ die Diagnose einer chronischen 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 14

Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 
F45.41). Wie bereits in früheren Berichten des Spitals K.________ postu-
lierten diese weiterhin das Vorliegen einer rezidivierenden depressiven 
Störung, gegenwärtig schwere Episode, ohne psychotische Symptome, bei 
ausgeprägten psychosozialen Belastungen und chronischer Schmerz-
störung (CD-10 33.2). Dr. med. G.________ habe im Gutachten dargelegt, 
dass die für diese Diagnose erforderlichen Kriterien nicht erfüllt seien. Wei-
ter werde von der Versicherten berichtet, dass sie im Kontext des negati-
ven IV-Bescheides „dekompensiert sei''. Die gemäss ICD-10 für eine 
schwere Depression erforderlichen Symptome eines „somatischen Syn-
droms'' (insbesondere frühmorgendliches Erwachen, Morgentief, objektive 
Befunde psychomotorischer Hemmung, deutlicher Appetitverlust, Ge-
wichtsverlust, etc.) seien nicht dokumentiert. Bei der berichteten Dekom-
pensation handle es sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit um die im 
psychiatrischen Gutachten von Dr. med. G.________ beschriebenen „vor-
übergehenden Anpassungsstörungen aufgrund multipler nicht versiche-
rungsmedizinisch relevanten psychosozialen Belastungsfaktoren''. Die Ver-
sicherte sei während knapp drei Wochen in der psychiatrischen Klinik 
L.________ behandelt worden. Eine stationäre Therapie auf der Station für 
Menschen mit Depressionen habe sie abgelehnt, da sie mit „Treppen nicht 
zurecht käme'', was nicht plausibel sei. Die aktenkundig fehlende medika-
mentöse Anpassung und die in Anbetracht der attestierten Diagnose einer 
schweren depressiven Episode eher kurze stationäre Behandlung 
sprächen gegen das Vorliegen der postulierten Diagnose einer schweren 
depressiven Episode; die teilweise Ablehnung der ärztlich empfohlenen 
Therapie spreche gegen einen erheblichen Leidensdruck. Sie sei in „ge-
bessertem Zustand'' aus der psychiatrischen Klinik L.________ ausgetre-
ten und anschliessend für 14 Tage auf der medizinischen und neurologi-
schen Abteilung der Klinik M.________ behandelt worden. In deren Aus-
trittsbericht würden keine Diagnosen aus dem psychiatrischen Fachgebiet 
aufgelistet, welche unter Zugrundelegung des ICD-10-
Klassifikationssystems gestellt und codiert worden seien. Ein bei Eintritt am 
29. April 2020 dokumentierter Psychostatus habe mit uneingeschränkten 
kognitiven Funktionen, fehlendem Wahn, fehlenden Zwängen und fehlen-
den akuten Suizidgedanken keinen Krankheitswert gezeigt. Das im Bericht 
dokumentierte Verhalten dokumentiere mit überwiegender Wahrscheinlich-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 15

keit die ebenfalls bereits im Gutachten des Dr. med. G.________ genann-
ten „histrionischen Persönlichkeitszüge'' mit übermässiger Emotionalität 
und aufmerksamkeitsheischendem Verhalten mit dem Bestreben, im Mit-
telpunkt zu stehen. Zusammenfassend sei festzuhalten, dass sich durch 
die im Vorbescheidverfahren eingereichten medizinischen Berichte keine 
neuen Diagnosen und keine neuen objektiven Befunde im psychiatrischen 
Fachgebiet seit der Begutachtung durch Dr. med. G.________ ergeben 
würden (S. 11 ff. Ziff. 2). Damit könne weiterhin an der gutachterlichen Be-
urteilung durch Dr. med. G.________ festgehalten werden (Ziff. 3, vgl. 
diesbezüglich auch RAD-Beurteilung von Dr. med. N.________, Facharzt 
für Allgemeine Innere Medizin vom RAD, vom 11. Juni 2020 [AB 152]). 

3.4 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, un-
abhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander wi-
dersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, oh-
ne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, 
warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt 
(BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht 
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi-
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati-
on einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag-
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei-
nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag 
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen In-
halt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 
E. 3a S. 352).

Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen Spezial-
ärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchun-
gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörte-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 16

rung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Be-
weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete In-
dizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 
E. 1.3.4 S. 227, 135 V 465 E. 4.4 S. 470, 125 V 351 E. 3b bb S. 353; SVR 
2019 IV Nr. 40 S. 128 E. 3, 2018 IV Nr. 27 S. 87 E. 4.2.2). Eine von ande-
ren mit der versicherten Person befassten Ärzten abweichende Beurteilung 
vermag die Objektivität des Experten nicht in Frage zu stellen. Es gehört 
vielmehr zu den Pflichten eines Gutachters, sich kritisch mit dem Aktenma-
terial auseinanderzusetzen und eine eigenständige Beurteilung abzugeben. 
Auf welche Einschätzung letztlich abgestellt werden kann, ist eine im Ver-
waltungs- und allenfalls Gerichtsverfahren zu klärende Frage der Beweis-
würdigung (BGE 132 V 93 E. 7.2.2 S. 110).

3.5

3.5.1 In somatischer Hinsicht stellte das Verwaltungsgericht bereits in 
VGE IV/2019/217 fest, dass die orthopädischen bzw. internistischen RAD-
Beurteilungen aus den Jahren 2018 (AB 66, 70) und 2019 (AB 82 f.), wo-
nach sich seit der Verfügung vom 18. April 2017 aktenmässig keine rele-
vanten Änderungen ergeben würden, grundsätzlich nachvollziehbar sind. 
Dies zumal mit den persistierenden Ellenbogenschmerzen links ein Ver-
laufs-MRI einen Normalbefund gezeigt habe und im Übrigen auch im Be-
richt der Klinik O.________ vom 26. März 2019 (AB 89/4) gestützt auf bild-
gebende Verlaufsuntersuchungen ein im Prinzip unverändertes Beschwer-
debild im Vergleich zur Vorkonsultation im Oktober 2016 festgehalten wor-
den sei. Auch der Bericht von Dr. med. P.________, Facharzt für Anästhe-
siologie vom Spital K.________, vom 28. August 2018 (AB 78/2) vermöge 
nicht aufzuzeigen, inwiefern sich in seinem Fachgebiet im Vergleich zur 
Referenzlage im Jahr 2017 eine spezifische Befundänderung ergeben ha-
ben soll (AB 92/19 E. 5.1). In dem nach der Urteilsfällung bei der Be-
schwerdegegnerin eingegangenen Bericht von Dr. med. P.________ vom 
8. April 2019 erwähnt dieser gleichlautende Schmerzäusserungen der Be-
schwerdeführerin wie während des gesamten bisherigen Verlaufs (AB 
101/2). Die im selben Bericht unter der Diagnose „Schmerzkrankheit im 
Chronifizierungsstadium III nach Gerbershagen" aufgelisteten Schulter-
schmerzen, Ellenbogenschmerzen, tibialen Schmerzen wie auch Schmer-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 17

zen im Bereich ISG waren dem Verwaltungsgericht bei der Fällung seines 
Urteils aufgrund früherer Berichte (vgl. u.a. Berichte von Dr. med. 
P.________ vom 9. März 2018 [AB 67/4] und 28. August 2018 [AB 78/2]) 
ebenfalls bereits bekannt. Bezüglich der Schmerzen im Bereich des ISG 
ergibt sich das Folgende: Bereits im Bericht des Spitals K.________ vom 6. 
Dezember 2016 wurde dargelegt, diese würden seit ca. vier Jahren persis-
tieren (AB 47/5). Med. pract. Q.________, Praktischer Arzt, sprach im 
Schreiben vom 26. Mai 2018 an den ehemaligen Rechtsvertreter der Be-
schwerdeführerin von nach dem Sturz im Jahr 2014 aufgetretenen persis-
tierenden ISG-Schmerzen (AB 67/2). Ebenfalls wurden in den Berichten 
des Spitals R.________ vom 5. September 2018 (AB 88/24) und 2. Okto-
ber 2018 (AB 80/2) persistierende ISG-Schmerzen diagnostiziert. Die Be-
richte waren dem Verwaltungsgericht bei der Fällung von VGE IV/2019/217 
allesamt bekannt. Damit erweist sich die in der Beschwerde vorgebrachte 
Ansicht, die Berichte des Spitals K.________ zwischen Dezember 2016 
und April 2019 würden eine Veränderung des somatischen Gesundheitszu-
standes belegen und neu bestünden Beschwerden im ISG (Beschwerde S. 
5 Ziff. 11) als unzutreffend. Dass im „letzten Abklärungsverfahren" bezüg-
lich der Beschwerden im ISG keine pathologischen Befunde festgestellt 
wurden (Beschwerde S. 5 Ziff. 1; AB 37.2/16 Ziff. 5.1), ändert daran nichts. 
Auch seit der Verfügung vom 19. Februar 2019 (AB 87) ist in somatischer 
Hinsicht keine Veränderung eingetreten. Ebenfalls keine Veränderung im 
somatischen Bereich zu begründen vermag die rein subjektive Aussage der 
Beschwerdeführerin, sie habe anlässlich der Begutachtung bei Dr. med. 
G.________, nach ihrem aktuellen Leiden befragt, mitunter Schmerzen im 
ISG-Bereich sowie ausstrahlende Schmerzen in die linke Hüfte (die 
Schmerzen würden sich beim Sitzen zeigen und in das Gesäss ausstrah-
len) als eines ihrer Hauptprobleme angegeben (Beschwerde S. 6 Ziff. 13; 
vgl. auch AB 133/65 f. Ziff. 3.2.1). Bereits im Bericht von Dr. med. 
S.________, Praktischer Arzt sowie Facharzt für Neurologie, vom 4. Sep-
tember 2015 wird von im Verlauf zunehmender Ischialgie bzw. Hüftschmer-
zen links sowie von Rückenschmerzen mit Blockierung der LWS-
Beweglichkeit berichtet; betreffend Hüftschmerzen und ISG sei eine MRI-
Abklärung angeordnet worden [AB 24.2/7]). Auch wurden noch vor der Be-
gutachtung im Jahre 2016 Leisten- und Hüftschmerzen (Bericht von Dr. 
med. T.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 18

des Bewegungsapparates, vom 13. Oktober 2015 [AB 25/7]), eine Lum-
boischialgie (Bericht von Dr. med. U.________, Fachärztin für Allgemeine 
Innere Medizin, vom 18. Dezember 2015 [AB 13/2 Ziff. 1.1]) sowie chroni-
sche Beinschmerzen (Bericht des Spitals K.________ vom 6. Januar 2016 
[AB 25/3]) angegeben. Diese Berichte waren den Gutachtern der Begut-
achtungsstelle E.________ bekannt. Auch sind in den weiteren Berichten 
bis zur Verfügung vom 18. April 2017 (AB 51) chronische Beinschmerzen 
(Berichte der Klinik O.________ vom 26. Oktober 2016 [AB 47/11] und vom 
30. November 2016 [AB 47/7]) und persistierende Schmerzen im Bereich 
des ISG (seit vier Jahren bestehend und ausstrahlend in den linken Ober-
schenkel; Bericht des Spitals K.________ vom 6. Dezember 2016 [AB 
47/5]) aufgeführt. Auch danach ist es weder bis zum Erlass der Verfügung 
vom 19. Februar 2019 (AB 87), welcher Gegenstand des Urteils VGE 
IV/2019/217 vom 29. Mai 2019 (AB 92) war, noch bis zum Erlass der hier 
angefochtenen Verfügung am 17. Juni 2020 (AB 155) zu einer Verände-
rung dieser Symptomatik gekommen, zumal im Bericht der Klinik 
M.________ vom 12. Mai 2020 ausgeführt wird, seit 2016 würden Schmer-
zen in der linken Hüfte auftreten, dies im Bereich des linken Hüftgelen-
kes/ISG, und würden in den linken Oberschenkel ausstrahlen (AB 144/4). 
Damit ist erstellt, dass es in somatischer Hinsicht seit der Verfügung vom 
18. April 2017 (AB 51) zu keiner wesentlichen Veränderung des Gesund-
heitszustandes gekommen ist, und es bedurfte diesbezüglich keiner weite-
ren Abklärungen durch die Beschwerdegegnerin. Demnach ist die Be-
schwerdeführerin – entgegen ihren Vorbringen (Beschwerde S. 6 Ziff. 14) – 
aus somatischer Sicht in einer leidensangepassten Tätigkeit weiterhin voll-
zeitlich und ohne Einschränkungen arbeits- und leistungsfähig und es ist 
nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin lediglich eine psych-
iatrische Begutachtung veranlasste.

3.5.2 In psychiatrischer Hinsicht erfüllen das psychiatrische Gutachten 
von Dr. med. G.________ vom 23. März 2020 (AB 133/2) sowie das neu-
ropsychologische Teilgutachten von der MEDAS F.________ vom 18. März 
2020 (AB 133/125) – jedenfalls was Befunderhebung und Diagnostik betrifft 
– die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige 
medizinische Entscheidgrundlage (vgl. E. 3.4 hiervor). Insbesondere beru-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 19

hen die fachärztlichen Schlussfolgerungen auf klinischen Explorationsge-
sprächen und sind in Kenntnis der Vorakten getroffen worden. 

Die Beschwerdeführerin bringt vor, die somatische Komponente sei bei der 
psychiatrischen Begutachtung nicht berücksichtigt worden, womit ein allfäl-
liges Belastungsprofil nicht abschliessend beurteilt werden könne. Weiter 
sei es nicht nachvollziehbar, warum Dr. med. G.________ trotz der in den 
Vorakten durch verschiedene Ärzte gestellten Diagnosen sowie der in der 
psychiatrischen Exploration erhobenen Befunde keine depressive Störung 
diagnostiziere und zum Schluss komme, die Beschwerdeführerin leide nicht 
an Ängsten (Beschwerde S. 6 ff. Ziff. 15 ff.). Die Ausführungen vermögen 
das psychiatrische Gutachten nicht zu entkräften. Im Vorfeld der psychiatri-
schen Begutachtung durch Dr. med. G.________ wurde eine neuropsycho-
logische Untersuchung in der MEDAS F.________ durchgeführt. Dabei 
absolvierte die Beschwerdeführerin beide Teile des Symptomvalidierungs-
tests mit Werten, die am „Cut-Off" lagen. Im Verlauf der gesamten Untersu-
chung konnte ein aggravierendes Verhalten beobachtet werden, weshalb 
die Gutachterin die Testergebnisse als „nicht valide" beurteilte (AB 133/133 
Ziff. 4.3) und nicht in der Lage war, Diagnosen zu stellen oder eine allen-
falls neuropsychologisch bedingte funktionelle Einschränkung festzustellen 
(AB 133/135 Ziff. 6.1 f., 133/137 Ziff. 7.1). Die Folgen dieser Beweislosig-
keit hat – wie die Beschwerdegegnerin zur Recht vorbringt (Beschwerde-
antwort S. 4 Ziff. 8) – die Beschwerdeführerin zu tragen. Dr. med. 
G.________ hat die neuropsychologischen Untersuchungsergebnisse wie 
auch die Berichte der behandelnden Ärzte mitberücksichtigt (AB 133/6 ff. 
Ziff. 1.3.4 und 2 sowie 133/85 f. Ziff. 4.3). Ebenfalls berücksichtigte er die 
somatische Komponente und subsumierte diese unter der Diagnose aus-
geprägte chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen 
Faktoren (ICD-10 F45.41). Er stellte seine Diagnosen aufgrund sämtlicher 
(somatischer wie auch psychiatrischer) Berichte, seiner umfassenden 
psychiatrischen Untersuchung und auch unter Berücksichtigung der neuro-
psychologischen Befunde. Ausserdem legte er nachvollziehbar und über-
zeugend dar, welche dieser Diagnosen Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 
haben und welche nicht (AB 133/87 ff. Ziff. 6). Dr. med. G.________ dia-
gnostizierte keine depressive Störung, sondern eine Angst und depressive 
Störung, gemischt (ICD-10 F41.2), weil die Stimmung der Beschwerdefüh-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 20

rerin anlässlich der psychiatrischen Exploration „phasenweise allenfalls 
leicht gedrückt", aber „ohne durchgehende Depressivität" und die „emotio-
nale Schwingungsfähigkeit" erhalten waren (AB 133/95 Ziff. 6.3). Weiter 
kam er zum überzeugenden Schluss, eine affektive Störung im Sinne einer 
depressiven Episode liege nicht vor, zumal keine durchgehend gedrückte 
Stimmung und kein verminderter Antrieb hätten objektiviert werden können. 
Zudem gebe es keine Hinweise auf Schuldgefühle oder verminderten Ap-
petit, keine Ängste oder Zwänge im strengen psychiatrischen Sinne und es 
liege keine hypochondrische Störung vor. Da vorliegend weder die Angst 
noch die Depression ein Ausmass erreiche, das eine entsprechende ein-
zelne Diagnose rechtfertigen würde, hat Dr. med. G.________ diesbezüg-
lich schlüssig nur eine Angst und depressive Störung, gemischt (ICD-10 
F41.2) diagnostiziert (AB 133/101 Ziff. 6.3; vgl. auch DIL-
LING/MOMBOUR/SCHMIDT [HRSG.], Internationale Klassifikation psychischer 
Störungen: ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien, 10. Aufl. 
2015, S. 199 f.). Die von der Rechtsvertreterin dagegen vorgebrachten 
Einwände vermögen nicht zu überzeugen. Was die von ihr erwähnten, 
während der Exploration erhobenen Befunde bzw. von der Beschwerdefüh-
rerin selbst genannten Einschränkungen betrifft (vgl. Beschwerde S. 7 f. 
Ziff. 18 ff.), wies Dr. med. G.________ auf das auch anlässlich der psychia-
trischen Untersuchung aufgefallene theatralisch und dramatisch wirkende 
Verhalten, das Vorbringen der Klagen mit übermässiger Emotionalität, die 
Sprunghaftigkeit und Ungenauigkeiten im formalen Gedankengang sowie 
die teilweise vagen und diffusen Angaben hin (AB 133/95 Ziff. 6.3). Die 
neuropsychologische Gutachterin stellte denn auch fest, wegen Aggravati-
on hätten keine validen Befunde erhoben werden können (AB 133/133 ff. 
Ziff. 4.3) und Dr. med. G.________ hielt mit Verweis auf die Exploration 
und psychiatrische Untersuchung sowie auf die Dokumentation in der ge-
samten Versicherungsakte fest, klinisch imponiere ein subjektives 
Schmerzsyndrom (AB 133/97 Ziff. 6.3). 

Auch was die Beschwerdeführerin bezüglich der von Dr. med. G.________ 
festgestellten Diskrepanzen vorbringt (Beschwerde S. 8 f. Ziff. 21 ff.), ver-
fängt nicht. Erstens ist auf das bereits dargelegte Verhalten der Beschwer-
deführerin während den psychiatrischen und neuropsychologischen Explo-
rationen zu verweisen. Zweitens ergibt sich bezüglich des Aktivitätsniveaus 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 21

bzw. Tagesablaufs das Folgende: Die Beschwerdeführerin schätzt sich 
momentan als zu 100% arbeitsunfähig ein (AB 133/77 Ziff. 3.2.13). Dem 
entgegenstehend erledigt sie Haushalttätigkeiten: Sie kocht die Mahlzeiten, 
erledigt die Einkäufe alleine oder zu Dritt, wäscht die Wäsche und hängt 
diese auf, geht viel spazieren (ja nach Wetter und Befindlichkeit drei Mal 
am Tag und bis zu einer Stunde) und fährt, wenn auch nur kurze Strecken, 
Auto. Zudem besucht sie ein „...", ..., spielt mit den Töchtern ..., und be-
schäftigt sich „mit ...'' (AB 133/75 f. Ziff. 3.2.10 f.; 133/131 f. Ziff. 3.2.2 f.). 
Damit ist nichts daran auszusetzen, dass der Gutachter von Diskrepanzen 
zwischen der angegebenen schweren subjektiven Beeinträchtigung und 
dem psychosozialen Funktionsniveau bei der Alltagsbewältigung spricht 
(vgl. u.a. AB 133/106 Ziff. 7.3.2), und es ist entgegen dem Vorbringen der 
Beschwerdeführerin (Beschwerde S. 8 Ziff. 22) nicht davon auszugehen, 
dass sie über keine nennenswerten Tagesaktivitäten verfügt. Ausserdem 
pflegt sie regelmässig soziale Kontakte innerhalb und ausserhalb der Fami-
lie. So gab sie anlässlich der psychiatrischen Untersuchung selber an, 
manchmal gehe sie zu ihrem Bruder oder zu Kollegen zu Besuch (AB 
133/69 Ziff. 3.2.2). Weiter gab sie an, zu den vier in der Schweiz lebenden 
Brüdern (krankheitsbedingt weniger) Kontakt zu haben (AB 133/71 Ziff. 
3.2.5). Auch hat sie telefonischen Kontakt zur Mutter (AB 133/71 Ziff. 3.2.5) 
und eine Kollegin habe ihr einen Teil ihres ... „gegeben" (AB 133/75 Ziff. 
3.2.10).

An den Schlussfolgerungen des psychiatrischen Gutachtens des Dr. med. 
G.________ vom 23. März 2020 (AB 133/2) vermögen auch die danach 
datierenden Berichte der behandelnden Ärzte (vgl. Berichte des Spitals 
K.________ vom 6. April 2020 [AB 147/14] und 30. April 2020 [AB 142/3], 
der psychiatrischen Klinik L.________ vom 28. April 2020 [AB 141/2] und 7. 
Mai 2020 [AB 147/8] sowie der Klinik M.________ vom 12. Mai 2020 [AB 
144/2]) nichts zu ändern. Die RAD-Psychiaterin Dr. med. J.________ kam 
nach Einsicht in die besagten Berichte in der Aktenbeurteilung vom 11. Juni 
2020 zum nachvollziehbaren Schluss, es würden sich keine neuen Diagno-
sen und keine neuen objektiven Befunde im psychiatrischen Fachgebiet 
ergeben, und es könne weiterhin an der gutachterlichen Beurteilung des 
Dr. med. G.________ festgehalten werden (AB 153/13 Ziff. 2 f.). Der Eintritt 
in die psychiatrische Klinik L.________ erfolgte aufgrund passiver Suizid-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 22

gedanken nach einem „negativen IV-Entscheid" (AB 147/8 f.). Dies deutet 
auf ein reaktives Geschehen hin (vgl. auch AB 147/14), welches von vorn-
herein grundsätzlich nicht invalidisierend ist (vgl. dazu etwa BGE 143 V 409 
E. 4.5.2 S. 416). Bei Austritt aus der psychiatrischen Klinik L.________ 
wurde denn auch von einem gebesserten Zustand berichtet (AB 147/9). Dr. 
med. V.________, Praktische Ärztin, gab im Bericht vom 30. April 2020 
zwar an, die gutachterliche Beurteilung einer 70%-igen Arbeitsfähigkeit auf 
dem ersten Arbeitsmarkt sei nicht ganz nachvollziehbar, wies aber darauf 
hin, dass eine genauere Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im Rahmen ih-
res Berichts nicht möglich sei und eventuell eine weitere fachspezifische 
Begutachtung erfordere (AB 142/4 Ziff. 3). Damit vermag sie keine Zweifel 
an der Einschätzung von Dr. med. G.________ zu begründen. Es kann 
denn auch nicht angehen, ein Administrativgutachten stets dann in Frage 
zu stellen und weitere Abklärungen vorzunehmen, wenn die behandelnden 
Ärzte nachträglich zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an 
vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten (Entscheid 
des BGer vom 24. November 2015, 9C_353/2015, E. 4.1). Aufgrund des 
Dargelegten erübrigen sich auch in psychiatrischer Hinsicht in antizipierter 
Beweiswürdigung weitere Sachverhaltserhebungen. 

Was die gutachterliche Einschätzung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit 
von 70% in einem Vollzeitpensum (AB 133/111 ff. Ziff. 8) betrifft, ist diese 
unter E. 4 hiernach anhand des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 
141 V 281 zu verifizieren, wobei hierfür die Beschwerdeführerin die materi-
elle Beweislast zu tragen hat (vgl. E. 2.2.2 ff. hiervor).

4.

Hinsichtlich des Verhaltens der Beschwerdeführerin anlässlich der neuro-
psychologischen Untersuchung ist dem diesbezüglichen Gutachten das 
Folgende zu entnehmen: Es sei nicht leicht gewesen, mit der Beschwerde-
führerin in Kontakt zu kommen. Sie habe bereits im Wartezimmer laut ge-
weint, sei der Aufforderung, ins Untersuchungszimmer zu kommen, mit 
unwilligen Schritten nachgekommen und habe nach Eintritt ins Zimmer ihre 
Tasche und Jacke auf den nächsten Stuhl geworfen. Dabei habe sie die 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 23

ganze Zeit geweint. Auf Fragen habe sie nur bedingt, meistens auf 
Deutsch, geantwortet. Immer wieder sei sie laut und anklagend geworden 
und habe sich sehr unverhältnismässig verhalten. Auffassung, Ausdauer 
und Konzentration seien während des Gesprächs unauffällig gewesen, 
biografische Daten habe sie abrufen können. Affektiv sei sie histrionisch bei 
einer etwas gedrückten Stimmung gewesen. Ein Leidensdruck sei spürbar 
gewesen. Das Instruktionsverständnis während der Testuntersuchung sei 
auffällig gewesen, die Beschwerdeführerin habe sich unkooperativ verhal-
ten und die Untersuchung mehrfach abbrechen wollen. Ihre Verhaltenswei-
se und ihr Benehmen seien so unbeherrscht gewesen, dass ihr mehrfach 
habe klargemacht werden müssen, dass sie sich in einer Begutachtungssi-
tuation befinde. Ihre Mitarbeit sei nicht motiviert gewesen (AB 133/132 Ziff. 
4.1). Unter diesen Umständen wurden die Testergebnisse von der Gutach-
terin als nicht valide beurteilt; die Beschwerdeführerin habe beide Teile des 
Symptomvalidierungstests mit Werten, die am Cut-Off gelegen hätten, ab-
solviert. Im Verlauf der gesamten Untersuchung habe ein aggravierendes 
Verhalten beobachtet (AB 133/133 Ziff. 4.3) und deshalb keine Diagnosen 
gestellt werden können (AB 133/135 Ziff. 6.1 f.). Auch die Ergebnisse der 
Leistungstests konnten inhaltlich nicht ausgewertet werden und lieferten 
wegen mangelnder Mitarbeit keine verwertbaren neuropsychologischen 
Befunde (AB 133/136, 133/139 Ziff. 8).

Auch während der psychiatrischen Exploration bei Dr. med. G.________ 
präsentierte sich ein ähnliches Bild: Diesem fiel ein nahezu theatralisch und 
dramatisch wirkendes Verhalten und Vorbringen der Klagen mit übermäs-
siger Emotionalität auf. Die Angaben insbesondere zu den Unfallereignis-
sen und Beschwerden sei vage und diffus gewesen. Trotz der geltend ge-
machten anhaltenden Intensität der Schmerzen an 24 Stunden am Tag an 
30 Tagen im Monat habe die Beschwerdeführerin während der gesamten 
zweieinhalbstündigen Untersuchung nicht schmerzgequält gewirkt. Auch 
sei kein Positionswechsel beobachtet worden und das Gangbild habe keine 
Auffälligkeiten aufgewiesen (AB 133/78 ff. Ziff. 4.1 f.). Der psychiatrische 
Gutachter sprach denn auch davon, dass sich vorliegend Hinweise auf 
nicht im vorhandenen Umfang geklagte Beschwerden mindestens im Sinne 
einer Symptomausweitung ergeben würden. Die beklagte Intensität und 
das Ausmass der Beschwerden seien mit dem geschilderten alltäglichen 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 24

Aktivitätsniveau nicht vereinbar. Die gutachterliche Konsistenzprüfung habe 
daher Diskrepanzen und Inkosistenzen ergeben; es läge eine ausgeprägte 
Selbstlimitierung vor (AB 133/100 Ziff. 6.3). Auch was berufliche Massnah-
men anbelangt, führte Dr. med. G.________ aus, diese seien aufgrund der 
Selbstlimitierung und Aggravation nicht erfolgversprechend (AB 133/104 
Ziff. 7.2). Weiter führte er aus, es bestünden Diskrepanzen zwischen der 
subjektiv geschilderten Intensität der Beschwerden und der Vagheit der 
Beschwerden, zwischen den massiven subjektiven Beschwerden und der 
erkennbaren körperlich-psychischen Beeinträchtigung in der Untersu-
chungssituation, zwischen den eigenen Angaben und den fremdanamnes-
tischen Informationen einschliesslich der Aktenlage, zwischen schwerer 
subjektiver Beeinträchtigung und dem psychosozialen Funktionsniveau bei 
der Alltagsbewältigung sowie zwischen den zeitnah zur Untersuchung als 
eingenommen angegebenen Medikamenten und deren Nachweis im Blut-
serum. Die Präsentation einer erheblichen Behinderung („Ich kann nicht 
arbeiten") stehe nicht in Einklang mit der Verhaltensbeobachtung und dem 
klinischen Befund, sei klinisch untypisch und nicht plausibel. Zusammen-
fassend würden die vorliegenden Befunde bei kritischer Würdigung ein in 
sich unschlüssiges, inkonsistentes Bild ergeben (AB 133/105 f. Ziff. 7.3.2).

Damit ist eine Aggravation erstellt, wobei die Grenzen eines bloss verdeut-
lichenden Verhaltens bzw. einer Symptomausweitung klar und bei weitem 
überschritten worden sind, ohne dass die Aggravation auf eine verselbst-
ständigte, krankheitswertige psychische Störung zurückzuführen wäre. 
Somit liegt aus psychiatrischer Sicht keine versicherte Gesundheitsschädi-
gung vor (vgl. E. 2.2.2 hiervor). Bei dieser Ausgangslage erübrigt sich eine 
indikatorengeleitete Überprüfung des psychischen Leidens (vgl. E. 2.2.1 
hiervor) bzw. kann auf die von Dr. med. G.________ attestierte 30%-ige 
Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit in einer leidensange-
passten Tätigkeit nicht abgestellt werden. Folglich ist die Beschwerdeführe-
rin in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 100% und ohne Leistungsein-
busse arbeitsfähig. Selbst, wenn zu ihren Gunsten davon ausgegangen 
würde, dass eine revisionsrechtlich relevante Verschlechterung des psychi-
schen Gesundheitszustandes vorliegen würde und sie gemäss der gutach-
terlichen Einschätzung in einer leidensangepassten Arbeit zu 30% arbeits- 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 25

und leistungsfähig wäre, würde dies am Resultat, wie nachfolgend gezeigt, 
nichts ändern.

5.

5.1 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was 
die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns 
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde 
tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nöti-
genfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepass-
ten Verdienst angeknüpft (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110, 134 V 322 E. 4.1 
S. 325; SVR 2017 IV Nr. 52 S. 157 E. 5.1).

5.2 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der 
beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte 
Person konkret steht (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 296). Hat die versicherte 
Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine 
ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können 
nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für 
Statistik (BfS) herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herange-
zogen werden (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 297; SVR 2019 IV Nr. 28 S. 88 E. 
5.1.3).

Es gilt zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen, 
die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich 
zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmern 
lohnmässig benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unterdurch-
schnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Diesem Umstand ist mit ei-
nem Abzug vom Tabellenlohn Rechnung zu tragen (BGE 134 V 322 E. 5.2 
S. 327, 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481). Die Frage, ob und in welchem Ausmass 
Tabellenlöhne herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persönlichen und 
beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles ab (leidensbedingte Ein-
schränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Be-
schäftigungsgrad). Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das Invalidenein-
kommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, wo-
bei der Abzug auf insgesamt höchstens 25% zu begrenzen ist (BGE 135 V 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 26

297 E. 5.2 S. 301, 134 V 322 E. 5.2 S. 327; SVR 2018 IV Nr. 46 S. 148 E. 
3.3). Zu beachten ist, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizini-
schen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht 
zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und 
so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen 
(BGE 146 V 16 E. 4.1 S. 20).

5.3 Frühestmöglicher Rentenbeginn wäre unter Berücksichtigung der 
sechsmonatigen Karenzfrist von Art. 29 Abs. 1 IVG, der Neuanmeldung 
vom Mai 2018 (AB 63) und einer allfälligen Verschlechterung der Arbeits- 
und Leistungsfähigkeit im November 2016 (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) der 
1. November 2018 (Art. 29 Abs. 3 IVG), weshalb auf diesen Zeitpunkt hin 
der Einkommensvergleich durchzuführen wäre.

5.4 Die Beschwerdegegnerin ist davon ausgegangen, dass die Be-
schwerdeführerin bei guter Gesundheit nach wie vor bei der W.________ 
AG als ... tätig wäre (AB 155/2), was nicht zu beanstanden ist, zumal der 
Beschwerdeführerin aus gesundheitlichen Gründen gekündigt wurde (AB 
133/146). 2013, d.h. im Jahr vor dem Unfall vom 13. Juni 2014 betrug das 
Bruttoeinkommen Fr. 52'743.15 (AB 10.3/2). Angepasst an die No-
minallohnentwicklung per 2018 (vgl. Tabelle T1.2.10 des BfS, Nominal-
lohnindex, Frauen 2011-2019, Ziff. 45-47 [Handel und Reparatur von Mo-
torfahrzeugen], 103.5 [2013], 108.4 [2018]) ergäbe sich ein massgebendes 
Valideneinkommen von Fr. 55'240.15 (52'743.15 / 103.5 x 108.4). 

5.5 Das Invalideneinkommen wäre anhand der Tabellenlöhne zu ermit-
teln, zumal die Beschwerdeführerin ihre Restarbeitsfähigkeit nicht verwertet 
(E. 5.2 hiervor). Im tiefsten Kompetenzniveau der Tabelle 
TA1_tirage_skill_level der LSE 2018 verdienten Frauen im Jahr 2018 mo-
natlich Fr. 4'371.--. Aufgerechnet auf ein Jahr, angepasst an die betriebsüb-
liche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden (Totalwert der Tabelle "Be-
triebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen in Stunden pro Wo-
che" des BfS) und unter Berücksichtigung der Arbeits- und Leistungsfähig-
keit von 70% ergäbe dies ein Jahreseinkommen von Fr. 38'276.85 
(Fr. 4'371.-- x 12 Monate / 40 Stunden x 41.7 Stunden x 70%). Die Be-
schwerdegegnerin hat einen invaliditätsbedingten Abzug von 10% gewährt, 
da die gesundheitlichen Einschränkungen das Tätigkeitsspektrum verrin-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 27

gern würden (AB 155/2). Der Abzug erscheint nicht angemessen. Die be-
stehenden gesundheitlichen Einschränkungen wurden bereits beim Anfor-
derungs- und Belastungsprofil angemessen berücksichtigt, weshalb sie 
nicht nochmals abzugsrelevant herangezogen werden dürfen (E. 5.2). Zu-
dem umfasst der beigezogene Tabellenlohn im tiefsten Niveau bereits eine 
Vielzahl von leichten bis mittelschweren Tätigkeiten, wie sie der Beschwer-
deführerin zumutbar sind (Entscheid des BGer vom 29. Juni 2018, 
9C_862/2017, E. 3.3.1). Weiter würde eine Leistungseinschränkung bei 
einer ganztags ausübbaren Verweistätigkeit keinen Abzug vom Tabellen-
lohn rechtfertigen (Entscheid des BGer vom 15. März 2017, 8C_14/2017, 
E. 6.3). Auch die übrigen Einzelfallkriterien (Alter-, Dienstjahre, Nationa-
lität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad; vgl. E. 5.2 hiervor) ver-
möchten vorliegend keinen zusätzlichen Abzug zu begründen, denn Hilfs-
arbeiten werden auf dem massgebenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt 
altersunabhängig nachgefragt, weshalb sich der Faktor Alter nicht lohnsen-
kend, sondern im Kompetenzniveau 1 sogar lohnerhöhend auswirkt (Ent-
scheid des BGer vom 16. September 2020, 9C_768/2019, E. 3.3.2; vgl. 
auch Median-Wert, Frauen, ohne Kaderstelle der Tabelle TA9 [Monatlicher 
Bruttolohn {Zentralwert und Quartilbereich} nach Lebensalter, beruflicher 
Stellung und Geschlecht, Privater Sektor der LSE 2018]). Was den Aufent-
haltsstatus der Beschwerdeführerin betrifft, gab sie anlässlich der Begut-
achtung im Jahr 2016 an, über eine Niederlassungsbewilligung (Kategorie 
C) zu verfügen (AB 37.2/10 Ziff. 2.7). Ausländerinnen mit einer Niederlas-
sungsbewilligung verdienen zwar bei Stellen ohne Kaderfunktion weniger 
als Schweizerinnen (Fr. 4'989.-- resp. Fr. 5’946.-- [vgl. Tabelle T12_b der 
LSE 2018]), aber dennoch mehr als das für die Invaliditätsbemessung her-
angezogene Durchschnittseinkommen (Fr. 4'371.-- [vgl. Ausführungen 
hiervor]). Damit würde auch der Aufenthaltsstatus keinen Abzug vom Ta-
bellenlohn begründen. Gleiches gilt für das Kriterium der Dienstjahre, zu-
mal es zu beachten gilt, dass deren Bedeutung im privaten Sektor ab-
nimmt, je niedriger das Anforderungsprofil ist (Entscheid des BGer vom 26. 
April 2018, 8C_699/2017, E. 3.2). 

5.6 Bei einem Valideneinkommen von Fr. 55'240.15 (E. 5.4 hiervor) und 
einem Invalideneinkommen von Fr. 38'276.85 (E. 5.5 hiervor) würde ein 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 28

rentenausschliessender Invaliditätsgrad von gerundet maximal 31% resul-
tieren ([Fr. 55'240.15 - Fr. 38'276.85] / Fr. 55'240.15 x 100).

5.7 Zusammenfassend ist die Verfügung vom 17. Juni 2020 (AB 155) 
nicht zu beanstanden. Die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.

6.

6.1 Gemäss aArt. 69 Abs. 1bis IVG in der bis 31. Dezember 2020 gültig 
gewesenen und hier anwendbaren Fassung (vgl. Art. 83 ATSG) ist das 
Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitig-
keiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kosten-
pflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig 
vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen.

Vorliegend sind die Verfahrenskosten auf Fr. 800.-- festzusetzen und – 
unter Vorbehalt der unentgeltlichen Rechtspflege (vgl. E. 6.3 hiernach) – 
der unterliegenden Beschwerdeführerin zur Bezahlung aufzuerlegen (Art. 
108 Abs. 1 VRPG).

6.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf eine 
Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Umkehr-
schluss]).

6.3 Zu prüfen bleibt das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege.

6.3.1 Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von 
den Kosten- und allfälligen Vorschuss- sowie Sicherstellungspflichten, 
wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechts-
begehren nicht aussichtslos erscheint. Unter den gleichen Voraussetzun-
gen kann überdies einer Partei eine Anwältin oder ein Anwalt beigeordnet 
werden, wenn die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse es rechtferti-
gen (Art. 61 lit. f ATSG sowie Art. 111 Abs. 1 und 2 VRPG; SVR 2011 IV 
Nr. 22 S. 61 E. 2, 2011 UV Nr. 6 S. 22 E. 6.1).

6.3.2 Im vorliegenden Fall war das Verfahren nicht als von vornherein 
aussichtslos zu bezeichnen. Die Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin ist 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 29

aufgrund der Akten (Akten der Beschwerdeführerin [act. IA] und im Ge-
richtsdossier) erstellt. Weiter war eine anwaltliche Verbeiständung geboten, 
so dass der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege zu ge-
währen ist unter Beiordnung von Rechtsanwalt C.________ als amtliche 
Anwältin.

6.4 Dementsprechend ist die Beschwerdeführerin – unter Vorbehalt der 
Rückzahlungspflicht gemäss Art. 123 der Schweizerischen Zivilprozess-
ordnung vom 19. Dezember 2008 (ZPO; SR 272) – von der Zahlungspflicht 
betreffend die Verfahrenskosten zu befreien.

6.5 Gemäss Art. 42 des kantonalen Anwaltsgesetzes vom 28. März 
2006 (KAG; BSG 168.11) bezahlt der Kanton den amtlich bestellten Anwäl-
tinnen und Anwälten eine angemessene Entschädigung, die sich nach dem 
gebotenen Zeitaufwand bemisst und höchstens dem Honorar gemäss der 
Tarifordnung für den Parteikostenersatz entspricht. Bei der Festsetzung 
des gebotenen Zeitaufwandes sind die Bedeutung der Streitsache und die 
Schwierigkeit des Prozesses zu berücksichtigen. Auslagen und Mehrwert-
steuer werden zusätzlich entschädigt (Abs. 1). Die Aufwendungen für die 
Erlangung des Rechts auf unentgeltliche Rechtspflege sind nach den glei-
chen Regeln zu entschädigen (Abs. 3). Nach Art. 42 Abs. 4 KAG i.V.m. Art. 
1 der Verordnung vom 20. Oktober 2010 über die Entschädigung der amtli-
chen Anwältinnen und Anwälte (EAV; BSG 168.711) beträgt der Stunden-
ansatz Fr. 200.--.

Die Kostennote vom 19. November 2020, in welcher Rechtsanwältin 
C.________ einen Aufwand von 10.5 Stunden à Fr. 270.-- und Auslagen 
von Fr. 85.05 geltend macht, ist nicht zu beanstanden. Somit ist der tarif-
mässige Parteikostenersatz auf Fr. 3‘144.90 (inkl. Auslagen und MWSt.) 
festzulegen. Entsprechend ist das amtliche Honorar auf Fr. 2‘353.30 (Fr. 
2‘100.-- [10.5 Stunden à Fr. 200.--] zuzüglich Auslagen von Fr. 85.05 und 
MWSt. von Fr. 168.25 [7.7% von Fr. 2‘185.05]) festzusetzen und Rechts-
anwältin C.________ aus der Gerichtskasse zu vergüten. Die Beschwerde-
führerin hat dem Kanton Bern diese Kosten nach den Voraussetzungen 
von Art. 123 ZPO – d.h. sobald sie innert zehn Jahren nach Abschluss des 
Verfahrens zur Nachzahlung in der Lage ist – nachzubezahlen (Art. 113 
VRPG).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 30

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Beiordnung von 
Rechtsanwältin C.________ als amtliche Anwältin wird gutgeheissen.

3. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen 
Rechtspflege wird die Beschwerdeführerin – unter Vorbehalt der Nach-
zahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO – jedoch von der Zahlungspflicht 
befreit.

4. Der tarifmässige Parteikostenersatz der amtlichen Anwältin wird in die-
sem Verfahren auf Fr. 3‘144.90 (inkl. Auslagen und MWST) festge-
setzt. Davon wird Rechtsanwältin C.________ nach Eintritt der 
Rechtskraft dieses Urteils aus der Gerichtskasse eine auf Fr. 2‘353.30 
festgesetzte Entschädigung (inkl. Auslagen und MWST) vergütet. Vor-
behalten bleibt die Nachzahlungspflicht nach Art. 123 ZPO.

5. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

6. Zu eröffnen (R):
- B.________ AG z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern  
- Bundesamt für Sozialversicherungen
- Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334,

3001 Bern

Die Kammerpräsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 27. Mai 2021, IV/20/591, Seite 31

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.