# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 15fd6d99-86a5-5350-bea2-67c37b2cffe1
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** LC240021-O4
**Docket/Reference:** LC240021-O4
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/LC240021-O4.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Zivilkammer  

Geschäfts-Nr.: LC240021-O/U

Mitwirkend: Oberrichterin lic. iur. E. Lichti Aschwanden, Vorsitzende, 

Oberrichter lic. iur. et phil. D. Glur und Ersatzoberrichter 

lic. iur. A. Joss sowie Gerichtsschreiberin MLaw I. Bernheim

Beschluss und Urteil vom 22. September 2025

in Sachen

A._____, 

Klägerin und Berufungsklägerin

vertreten durch Rechtsanwalt MLaw X._____

gegen

B._____, 

Beklagter und Berufungsbeklagter

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____

betreffend Ehescheidung 

Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes (8. Abteilung) des Bezirksge-

richtes Zürich vom 16. Februar 2024; Proz. FE200050

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Rechtsbegehren der Berufungsklägerin:
(act. 51, act. 81)

"1. Die Ehe der Parteien sei gestützt auf Art. 112 ZGB zu scheiden.

 2. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin in folgendem Um-

fang nachehelichen Unterhalt zu bezahlen:

- Fr. 1'975.–

- Fr. 2'000.–

ab Rechtskraft des Scheidungsurteils bis 31. Ja-
nuar 2025

ab 1. Februar 2025 bis zum Eintritt des Beklagten 
in das gesetzliche Pensionsalter gemäss AHV-
Gesetzgebung, mindestens aber bis zum vollen-
deten 65. Altersjahr

Die Unterhaltsbeiträge seien zahlbar monatlich im 
Voraus jeweils auf den Ersten eines jeden Mo-
nats.

Eine abschliessende Bezifferung nach umfassen-
der Auskunftserteilung über die wirtschaftlichen 
Verhältnisse des Beklagten bleibt vorbehalten.

 3. Die Unterhaltsbeiträge seien gerichtsüblich zu indexieren.

 […]"

Urteil des Bezirksgerichts:
(act. 108 = act. 117)

"1. Die Ehe der Parteien wird gestützt auf Art. 112 ZGB geschieden.

 2.

[…]

 3. Der Klägerin wird kein nachehelicher Unterhalt zugesprochen.

 [4. - 6.]

7.

Die Kosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt.

[8. - 10.]"

Berufungsanträge:

der Berufungsklägerin (act. 114 S. 2):

"1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 16. Februar 2024 (Ge-
schäfts-Nr. FE200050-L) sei betreffend Dispositiv-Ziffer 3 aufzu-
heben.

  2. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin ab Rechtskraft des 
Entscheides bis zum tt. Mai 2032 monatliche nacheheliche Unter-
haltsbeiträge von Fr. 1'550.– zu bezahlen, zahlbar jeweils auf den 
Ersten eines Monats im Voraus.

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Eventualiter sei die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorin-
stanz zurückzuweisen.

Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich gesetzli-
che Mehrwertsteuer zulasten des Beklagten."

des Berufungsbeklagten (act. 123 S. 1):

"Die Berufung sei vollumfänglich abzuweisen.

 Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 8.1% MWST)
 zulasten der Berufungsklägerin."

Erwägungen:

1.

Verfahrensgang

1.1. Die Parteien reichten vor Vorinstanz am 22. Januar 2020 ein gemeinsames 

Scheidungsbegehren ein (act. 1; act. 2). In der Folge wurden die Parteien zur An-

hörung vorgeladen, anlässlich welcher keine Einigung über die Scheidungsfolgen 

erzielt werden konnte (Prot. I S. 3). Nach Durchführung eines vorsorglichen Mass-

nahmeverfahrens wurde der Beklagte zuletzt mit Beschluss und Urteil des Oberge-

richts des Kantons Zürich vom 7. Juli 2021 verpflichtet, der Klägerin und Berufungs-

klägerin (fortan Klägerin) persönliche Unterhaltsbeiträge für die weitere Dauer des 

Verfahrens zu bezahlen (act. 39). In der Folge verteilte die Vorinstanz die Parteirol-

len und führte einen doppelten Schriftenwechsel durch, wobei die Parteien auf die 

Durchführung einer Hauptverhandlung verzichteten (Prot. I S. 24 ff. und S. 39). An-

lässlich einer Instruktionsverhandlung einigten sich die Parteien hinsichtlich der gü-

terrechtlichen Folgen (act. 97). Mit Urteil vom 16. Februar 2024 wurde die Ehe der 

Parteien geschieden, wobei mitunter die güterrechtliche Teilvereinbarung geneh-

migt  und  der  Vorsorgeausgleich  vorgenommen  wurde.  Der  Klägerin  wurde  kein 

nachehelicher Unterhalt zugesprochen (act. 117 Dispositivziff. 3). Dagegen erhob 

die Klägerin fristgerecht Berufung und begehrte die Aufhebung der Dispositivziffer 

3 des vorinstanzlichen Urteils und die Zusprechung von nachehelichen Unterhalts-

beiträgen in Höhe von CHF 1'550.– monatlich ab Rechtskraft des Entscheides bis 

zum tt. Mai 2032 bzw. eventualiter die Rückweisung zur neuen Entscheidung an 

die Vorinstanz (act. 114). Mit Verfügung vom 29. April 2024 wurde die Klägerin zur 

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Leistung  eines  Kostenvorschusses  von  CHF  9'000.–  angehalten,  der  rechtzeitig 

eingegangen ist (act. 118; act. 120). Daraufhin wurde mit Verfügung vom 10. Mai 

2024 die Berufungsantwort des Berufungsbeklagten und Beklagten (nachfolgend 

Beklagter)  eingeholt  (act.  123).  Die  Berufungsantwort  datiert  vom  10. Juni  2024 

(act. 123). Mit Verfügung und Beschluss vom 23. August 2024 wurde mitunter die 

Teilrechtskraft  des  Urteils  des  Einzelgerichts  des  Bezirksgerichts  Zürich  vom 

16. Februar  2024  vorgemerkt  (act.  125;  Rechtskraftdatum:  12.  Juni  2024).  Das 

Doppel der Berufungsantwort wurde in der Folge der Klägerin zugestellt (act. 134), 

die  sich  dazu  mit  Stellungnahme  vom  27. November  2024  vernehmen  liess 

(act. 135).  Die  Stellungnahme  wurde  dem  Beklagten  in  der  Folge  zugestellt,  der 

sich nicht mehr vernehmen liess (act. 137). Das Verfahren erweist sich als spruch-

reif. Dieser Entscheid erging nach einer Beratung (Prot. S. 8). Zur Frage der Le-

bensprägung der Ehe der Parteien wurde eine Minderheitsmeinung i.S. von § 124 

GOG zu Protokoll gegeben (act. 139), die den Parteien mit diesem Entscheid zu-

zustellen ist.

1.2.

Im  Beschluss  vom  23.  August  2024  betreffend  Teilrechtskraft  besteht  ein 

Widerspruch zwischen der einleitenden Aufzählung der rechtskräftig gewordenen 

Bestimmungen in Dispositiv-Ziffer 1 und ihrer anschliessenden Wiedergabe mit Be-

zug auf Dispositiv-Ziffer 7 des vorinstanzlichen Urteils betreffend Kostenverteilung: 

Diese Bestimmung wird zwar wiedergegeben, aber fehlt in der einleitenden Aufzäh-

lung. Letzteres ist falsch, wie der Umstand zeigt, dass beide Parteien im Berufungs-

verfahren zur vorinstanzlichen Kostenverteilung (die im Übrigen auf einer entspre-

chenden Vereinbarung der Parteien beruhte, vgl. Ziff. 3 der Teilvereinbarung der 

Parteien betreffend Güterrecht) nichts sagen, und ist ohne Weiteres zu berichtigen 

(Art. 334 ZPO).

2.

Prozessuales

2.1. Mit der Berufung kann eine unrichtige Rechtsanwendung sowie die unrichti-

ge  Feststellung  des  Sachverhaltes  geltend  gemacht  werden  (Art. 310  ZPO).  Die 

Berufungsinstanz überprüft den angefochtenen Entscheid sowohl in rechtlicher als 

auch in tatsächlicher Hinsicht frei. Sie verfügt über volle Kognition (Art. 310 ZPO) 

und  ist  weder  an  die  Argumente  der  Parteien  noch  an  die  Begründung  des  vor-

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instanzlichen  Entscheides  gebunden.  In  der  schriftlichen  Berufungsbegründung 

(Art. 311  ZPO)  ist  hinreichend  genau  aufzuzeigen,  inwiefern  der  erstinstanzliche 

Entscheid in den angefochtenen Punkten als fehlerhaft zu betrachten ist bzw. an 

einem der genannten Mängel leidet. Dies setzt voraus, dass die vorinstanzlichen 

Erwägungen im Einzelnen bezeichnet werden und die Aktenstücke genannt wer-

den, auf denen die Kritik beruht. Stützt sich der angefochtene Entscheid auf meh-

rere selbständige Begründungen, muss sich die Berufung erhebende Partei mit al-

len  Begründungen  auseinandersetzen.  Das  Gleiche  gilt  im  Falle  von  Haupt-  und 

Eventualbegründungen. Was nicht in genügender Weise beanstandet wird, hat Be-

stand. Die Berufungsinstanz kann sich darauf beschränken, die Beanstandungen 

zu beurteilen, welche die Parteien in ihren schriftlichen Begründungen gegen das 

erstinstanzliche Urteil erheben (BGE 138 III 374 E. 4.3.1; BGE 130 III 136 E. 1.4; 

Urteil des Bundesgerichts 5A_635/2015 vom 21. Juni 2016 E. 5.2; HUNGERBÜHLER, 

in: BRUNNER/SCHWANDER/VISCHER [Hrsg.], DIKE Kommentar Schweizerische ZPO, 

3. Aufl. 2025, Art. 311 ZPO N 42 f.). 

2.2. Wie  die  Vorinstanz  zutreffend  festhält,  gilt  für  den  im  Rahmen  des  Schei-

dungsverfahrens festzusetzenden nachehelichen Unterhalt grundsätzlich die Ver-

handlungsmaxime (Art. 277 Abs. 1 ZPO; act. 117 IV E. 1.3 S. 10), wobei zu bemer-

ken ist, dass Kinderunterhalt vorliegend nicht streitgegenständlich war. Danach ha-

ben  die  Parteien  dem  Gericht  die  Tatsachen,  auf  die  sie  ihre  Begehren  stützen, 

darzulegen und die Beweismittel anzugeben (Art. 55 Abs. 1 ZPO). Im Anwendungs-

bereich der Verhandlungsmaxime sind die Parteien – unter Vorbehalt von Noven 

im Sinne von Art. 229 ZPO – an die zwei Schriftenwechsel im Hauptverfahren ge-

bunden (vgl. act. 51 Rz. 7 ff.; act. 55 S. 3 ff.; act. 81 Rz. 4 ff. und act. 85).

3.

Sachverhaltsübersicht

3.1. Die Parteien haben am tt. August 1993 geheiratet, wobei die Klägerin zum 

Zeitpunkt der Eheschliessung 23 Jahre und der Beklagte 26 Jahre alt war. Der Ehe 

sind  kurz  darauf  in  den  Jahren  1995  und  1997  zwei  gemeinsame  –  mittlerweile 

volljährige – Kinder entsprungen. Die Parteien lebten dabei grundsätzlich eine klas-

sische Rollenverteilung. Die Klägerin widmete sich zunächst (neben ihrer Teilzeit-

arbeit) der Betreuung und Erziehung der Kinder und besorgte den Haushalt, wäh-

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rend der Beklagte stets in einem Vollzeitpensum berufstätig war und für die Finan-

zierung der Familie aufkam. Die Parteien lebten – abgesehen von einer mehrmo-

natigen Phase des Getrenntlebens im Jahr 2007 – bis zur Trennung im Jahr 2019 

fortwährend zusammen. Im Jahr 2024 wurde die Ehe der Parteien im Scheidungs-

punkt nach einer Dauer von über 30 Jahren rechtskräftig geschieden.

3.2.

Zum Werdegang der Klägerin gilt es festzuhalten, dass sie nach der obliga-

torischen Schulzeit eine zweijährige Textillehre bei der C._____ absolvierte. Im An-

schluss war sie bei der C._____ zunächst als Kassiererin tätig, arbeitete sich als-

dann über den Kundendienst zu einer Bürotätigkeit empor. Anschliessend war sie 

während etwa eines Jahres als Kioskleiterin tätig und wechselte dann wieder zu-

rück ins Büro, wo sie als stellvertretende Abteilungsleiterin im C._____ D._____be-

schäftigt war. Sie nahm sodann eine Ausbildung in Angriff, um Abteilungsleiterin im 

C._____  in  E._____  zu  werden.  Aufgrund  der  Schwangerschaft  mit  dem  ersten 

Kind im Jahre 1994 brach sie die Ausbildung zur Abteilungsleiterin ab und kündigte 

ihre Stelle als stellvertretende Abteilungsleiterin (act. 51 Rz. 10; act. 55 S. 3 ff.).

3.3. Die Klägerin schränkte ihre Erwerbstätigkeit in der Folge ein und kümmerte 

sich um die Kinderbetreuung und um die Haushaltsführung. Sie arbeitete ab Herbst 

1995 rund einen halben Tag pro Woche bei der C._____ in der Administration wei-

ter. Nach der Geburt des zweiten Kindes im Jahr 1997 wechselte sie infolge eines 

Umzugs zur C1._____ und arbeitete dort ebenfalls rund einen halben Tag pro Wo-

che. Da die Arbeitgeberin eine Erhöhung des Pensums verlangte, kündigte die Klä-

gerin die Stelle per Ende April 2004 (act. 51 Rz. 10 ff.; act. 55 S. 4).

3.4. Ab dem August 2002 verteilte die Klägerin zusätzlich an zwei Tagen pro Wo-

che etwa für eine Stunde Werbung und Prospekte für die F._____. Ab Januar 2007 

konnte  sie  über  einen  Fremdeinsatz  bei  der  G._____  arbeiten,  wobei  sie  für  die 

…zustellung bzw. Logistik-Dienstleistungen verantwortlich und entsprechend in ei-

nem 50%-Pensum angestellt war. Im Jahr 2008 wurde sie direkt von der G._____ 

angestellt und konnte ihr Pensum schrittweise ab Juni 2008 auf 60% und ab Juni 

2010 auf 70% erhöhen. Ab anfangs April 2018 arbeitete sie schliesslich zu einem 

100%-Pensum um die angespannte finanzielle Situation des Sohnes aufzubessern, 

der  keine  Arbeitslosengelder  mehr  erhielt  und  auf  einen  IV-Entscheid  warten 

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musste. Aktuell erzielt die Klägerin ein Einkommen von monatlich netto CHF 5'495.-

–  (inkl.  Anteil  13.  Monatslohn),  entsprechend  einem  jährlichen  Bruttoeinkommen 

zwischen CHF 76'000.– und CHF 77'000.– (act. 51 Rz. 11 ff.; act. 55 S. 4; act. 85 

Rz. 2 ff.).

3.5.

Zum gesundheitlichen Zustand der Klägerin gilt es zu bemerken, dass sie 

mit  einer  Behinderung  geboren  wurde.  Sie  kam  mittels  einer  Zangengeburt  zur 

Welt, bei welcher die Hälfte ihres Kopfes verletzt worden war, was zu Problemen 

mit ihren Augen und dem Gehör führt. Dazu kamen Beschwerden aufgrund späte-

rer Erkrankungen und Unfälle. Schliesslich wurde sie im Jahre 2019 – als die Ehe 

bereits definitiv gescheitert war – Opfer einer schweren Sexualstraftat (durch eine 

Drittperson),  was  Auswirkungen  auf  ihre  psychische  Gesundheit  zeitigte  (act.  51 

Rz. 35 ff.; act. 55 S. 5). 

3.6. Der Beklagte arbeitete während der gesamten Ehe in einem Vollzeitpensum 

und war für die Finanzierung der Familie zuständig. Er erzielt aktuell ein Einkom-

men von jährlich CHF 89'700.– brutto und ist in der Hauswartung tätig (act. 86/51). 

Zur  Ausbildung  und  dem  beruflichen  Werdegang  des  Beklagten  wurden  von  der 

Vorinstanz keine Feststellungen getroffen, wobei die Parteien in den zu berücksich-

tigenden  Schriftenwechseln  auch  keine  weitergehenden  Ausführungen  gemacht 

haben.

3.7. Die  Klägerin  verfügt  unter  Berücksichtigung  des  Vorsorgeausgleichs  per 

Stichtag über ein Vorsorgeguthaben von rund ca. CHF 214'000.– und der Beklagte 

von rund CHF 225'000.– (act. 51 Rz. 70; act. 89; act. 56A). Zum Vermögen hat die 

Vorinstanz keine genauen Feststellungen getroffen, indes haben sich die Parteien 

auf  eine  durch  den  Beklagten  an  die  Klägerin  zu  leistende  güterrechtliche  Aus-

gleichszahlung von CHF 215'000.– geeinigt, womit von einer soliden Vermögens-

lage auszugehen ist.

3.8.

Zur  endgültigen  Trennung  der  Parteien  kam  es  Ende  Mai  2019  (act.  85 

Rz. 42).

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4.

Rechtliches

4.1. Gemäss Art. 125 Abs. 1 ZGB besteht ein Anspruch auf nachehelichen Un-

terhalt, soweit einem Ehegatten nicht zuzumuten ist, für den ihm gebührenden Un-

terhalt unter Einschluss einer angemessenen Altersvorsorge selbst aufzukommen. 

Die Frage, ob und in welchem Umfang einem Ehegatten die Wiederaufnahme oder 

Ausdehnung  einer  Erwerbstätigkeit  nach  der  Scheidung  tatsächlich  möglich  und 

zumutbar ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab und ist nach pflichtgemässem 

Ermessen zu beantworten. Zu berücksichtigen sind gemäss Art. 125 Abs. 2 ZGB 

insbesondere die Aufgabenteilung und Lebensstellung während der Ehe, die Dauer 

der Ehe, das Alter und die Gesundheit der Ehegatten, das Einkommen und Vermö-

gen der Ehegatten, allfällige Kinderbetreuungspflichten, die berufliche Ausbildung 

und die Erwerbsaussichten sowie die Anwartschaften aus AHV und privater bzw. 

staatlicher Vorsorge.

4.2. Der nacheheliche Unterhalt umfasst sowohl den Verbrauchs- als auch ge-

gebenenfalls  den  Vorsorgeunterhalt.  Der  gebührende  Unterhalt 

im  Sinne 

von Art. 125 ZGB knüpft bei lebensprägenden Ehen an den in der Ehe zuletzt ge-

meinsam gelebten Standard (zuzüglich scheidungsbedingter Mehrkosten) an, auf 

dessen Fortführung bei genügenden Mitteln beide Teile Anspruch haben, der aber 

gleichzeitig auch die Obergrenze des gebührenden Unterhalts bildet. Verunmögli-

chen scheidungsbedingte Mehrkosten es, den früheren Lebensstandard aufrecht-

zuerhalten, so hat der Unterhaltsgläubiger Anrecht auf die gleiche Lebenshaltung 

wie der Unterhaltsschuldner (BGE 147 III 293 E. 4.4; BGE 141 III 465 E. 3.1; BGE 

135 III 158 E. 4.3). Können die Ehegatten diesen Unterhalt je selber finanzieren, 

gilt nach dem Wortlaut von Art. 125 Abs. 1 ZGB dabei das Primat der Eigenversor-

gung. Der Zuspruch eines Unterhaltsbeitrages ist mithin subsidiär und nur geschul-

det, soweit der gebührende Unterhalt bei zumutbarer Anstrengung nicht oder nicht 

vollständig durch Eigenleistung gedeckt werden kann. Wenn diese ganz oder teil-

weise  fehlt,  besteht  gegenüber  dem  anderen  Ehegatten  nachehelich  ein  Unter-

haltsanspruch, soweit dieser leistungsfähig ist. Der Unterhaltsanspruch ist zeitlich 

angemessen zu begrenzen (BGE 150 III 305 E. 5.4.2; BGE 147 III 249 E. 3.4.4 f.).

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4.3. Dreh- und Angelpunkt ist die Frage, ob vorliegend von einer lebensprägen-

den Ehe auszugehen ist oder nicht. Die ältere Rechtsprechung des Bundesgerichts 

richtete sich zur Frage der Lebensprägung massgeblich nach der Dauer des tat-

sächlichen Zusammenlebens der Eheleute bzw. nach der Frage, ob Kinder aus der 

Ehe hervorgegangen waren. So wurde mitunter die Lebensprägung vermutungs-

weise bejaht bei einer mindestens zehnjährigen Ehedauer oder bei gemeinsamen 

während der Ehe geborenen Kindern (BGE 141 III 465 E. 3.1). 

4.4.

Im Leitentscheid BGE 147 III 249 hat das Bundesgericht seine Rechtspre-

chung zur Frage der Lebensprägung relativiert, wobei es betonte, dass die Unter-

teilung in lebensprägende und nicht lebensprägende Ehen nicht die Funktion eines 

"Kippschalters" haben dürfe, wobei dieser Gefahr mit einzelfallgerechter Urteilsfin-

dung zu begegnen sei (BGE 147 III 249 E. 3.4.2). Es erwog weiter, die Frage der 

Lebensprägung als solche sei im Einzelfall kritisch zu prüfen. Obwohl die Ehe auf-

gelöst werde, werde nicht auf das jeweilige wirtschaftliche Eigenleistungspotential 

sondern  auf  die  Gesamtleistungsfähigkeit  der  nicht  mehr  bestehenden  Gemein-

schaft abgestellt. Die Sichtweise, dass der gebührende Unterhalt sich am ehelichen 

Status ausrichten solle, könne indes nur dort gerechtfertigt sein, wo der eine Ehe-

gatte  aufgrund  eines  gemeinsamen  Lebensplanes  sein  Erwerbsleben  und  damit 

seine ökonomische Selbständigkeit zugunsten der Besorgung des Haushaltes und 

der Erziehung der Kinder aufgegeben habe und es ihm zufolge dieser gemeinsa-

men Entscheidung nach langjähriger Ehe nicht mehr möglich sei, an seiner frühe-

ren beruflichen Stellung anzuknüpfen oder einer anderen Erwerbstätigkeit nachzu-

gehen,  welche  ähnlichen  ökonomischen  Erfolg  verspreche  (BGE  147  III  249 

E. 3.4.3). Richtschnur für eine einzelfallgerechte Festsetzung seien mithin weniger 

abstrakte Vermutungen als vielmehr die Beurteilung, was angesichts der individu-

ellen Verhältnisse (Aufgabe der wirtschaftlichen Selbständigkeit, Kinderbetreuung, 

Ehedauer,  Möglichkeit  der  Wiedererlangung  der  wirtschaftlichen  Selbständigkeit 

sowie  anderweitige  finanzielle  Absicherungen)  als  angemessen  erscheine  (BGE 

147 III 249 E. 3.4.6). In Bestätigung der Rechtsprechungsänderung hielt das Bun-

desgericht in der Folge in einem weiteren Entscheid fest, dass die bisher für das 

Vorliegen  einer  Lebensprägung  sprechenden  Vermutungen  zu  relativieren  seien 

und keine absolute Geltung beanspruchen würden. Nach dem für das neue Kin-

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desunterhaltsrecht zentralen Gedanken der Gleichstellung ehelicher und nichtehe-

licher Kinder solle es zu möglichst keinen Unterschieden in der Behandlung von in 

der  Ehe  und  ausserhalb  derselben  geborenen  Kindern  kommen.  Es  sei  fraglich, 

inwieweit aus der Kinderbetreuung stammende Nachteile noch zur Begründung ei-

ner Lebensprägung geeignet seien. Aus dem Vorhandensein gemeinsamer Kinder 

allein könne mithin nicht mehr auf die Lebensprägung geschlossen werden (BGE 

148 III 161 E. 4.2 und E. 4.3.1). Im Zuge dieser geänderten Rechtsprechung hat 

das Bundesgericht nicht nur Abstand von Vermutungen im Zusammenhang mit der 

Dauer des ehelichen Zusammenlebens genommen, sondern nunmehr festgehal-

ten, dass auch gemeinsame Kinder für sich genommen nicht eine Lebensprägung 

bewirken würden. Die entsprechende frühere Rechtsprechung gab es damit explizit 

auf  (Urteil  des  Bundesgerichts  5A_604/2024  vom  31.  Dezember  2024  E.  5.1.3). 

Unlängst betonte das Bundesgericht, dass die Frage der Lebensprägung stets ei-

nen  ökonomischen  Hintergrund  habe.  Einzig  dort,  wo  nach  früherer  Rechtspre-

chung ein Kind für sich genommen eine Lebensprägung bewirkt habe, sei sie vor-

dergründig aus "nicht ökonomischen" Überlegungen angenommen worden (BGE 

150 III 305 nicht publ. E. 5.2.1). Diese neu geänderte Rechtsprechung führt dazu, 

dass  das  Vorliegen  einer  lebensprägende  Ehe  im  Verhältnis  zur  alten  Praxis 

restriktiver bejaht wird, was auch die Literatur betont (MAIER, Unterhaltsfestsetzung 

in der Praxis, Ein Kasuistikhandbuch mit Fallbeispielen, 2023, N 194; FamKomm 

Scheidung-BÜCHLER/RAVEANE, Art. 125 ZGB N 5, je m.w.H.).

4.5. Betreffend Beweislast, Behauptungs- und Substantiierungslast kann auf die 

vorinstanzlichen Ausführungen verwiesen werden (act. 117 IV E. 1.3 S. 10). Ergän-

zend ist festzuhalten, dass ausgehend von der Grundregel von Art. 8 ZGB derje-

nige Ehegatte, der einen Unterhaltsanspruch geltend macht, grundsätzlich die Be-

hauptungs-  und  Beweislast  hinsichtlich  der  rechtsbegründenden  Tatsachen  hat. 

Beim nachehelichen Unterhalt hat der ansprechende Ehegatte namentlich den ge-

bührenden Unterhalt, die fehlende Eigenversorgungskapazität und die Leistungs-

fähigkeit des anderen Ehegatten zu behaupten und zu beweisen (GLOOR/SPYCHER, 

in: GEISER/FOUNTOULAKIS [Hrsg.], Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, Art. 1 - 456 

ZGB, 7. Aufl. 2022, Art. 125 ZGB N 44; JUNGO, Zürcher Kommentar ZGB, Beweis-

last Art. 8 ZGB, 3. Aufl. 2018, Art. 8 ZGB N 566 ff.).

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4.6. Wie detailliert im konkreten Fall die Behauptungen zu substantiieren sind, 

hängt insbesondere auch vom Grad etwaiger Bestreitungen der Gegenpartei ab. 

Soweit der Prozessgegner den schlüssigen Tatsachenvortrag der behauptungsbe-

lasteten Partei bestreitet, greift eine über die Behauptungslast hinausgehende Sub-

stanziierungslast. Die Vorbringen sind diesfalls nicht nur in den Grundzügen, son-

dern in Einzeltatsachen zergliedert so umfassend und klar darzulegen, dass dar-

über  Beweis  abgenommen  oder  dagegen  der  Gegenbeweis  angetreten  werden 

kann (BGE 144 III 519 E. 5.2.1.1; SUTTER-SOMM/SCHRANK, in: SUTTER-SOMM/LÖT-

SCHER/LEUENBERGER/SEILER [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozess-

ordnung, 4. Aufl. 2025, Art. 55 ZPO N 26).

5. Würdigung

5.1. Ausgangslage

Im Streit liegt einzig noch die Frage, ob der Beklagte der Klägerin nachehelichen 

Unterhalt schuldet. Die Vorinstanz hat der Ehe die Lebensprägung abgesprochen 

und darauf gestützt den Anspruch auf nachehelichen Unterhalt verneint. Im Sinne 

einer Eventualbegründung hielt sie weiter fest, dass es der Klägerin auch nicht an 

der Eigenversorgungskapazität fehle und der zuletzt gelebte eheliche Lebensstan-

dard nicht substantiiert dargetan sei (act. 117 IV E. 4 S. 15 ff.). Die Klägerin moniert, 

dadurch habe die Vorinstanz Recht unrichtig angewandt, wobei sie eventualiter die 

Rückweisung an die Vorinstanz zur Abklärung der finanziellen Verhältnisse des Be-

klagten beantragt (act. 114 Rz. 22 und 39). 

5.2.

Lebensprägung der Ehe

5.2.1. Die Vorinstanz legte zunächst die finanziellen Verhältnisse der Klägerin dar 

und  veranschlagte 

ihr  derzeitiges  Einkommen  auf  monatlich  mindestens 

CHF 5'495.–  (netto,  inkl.  Anteil  13.  Monatslohn)  für  ihr  aktuelles  100%-Pensum. 

Den  Bedarf  der  Klägerin  setzte  sie  –  ohne  Berücksichtigung  des  Vorsorgeunter-

halts  –  auf  CHF 4'888.–  bzw.  ab  Wegfall  der  Leasingraten  im  Jahr  2024  auf 

CHF 4'648.- fest. Auf den Bedarf des Beklagten ging sie in der Folge nicht weiter 

ein (act. 117 IV E. 3.1 ff. S. 12 ff.). Sodann hielt die Vorinstanz bei der Anspruchs-

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prüfung fest, dass die Klägerin nach jahrelanger Teilzeitarbeit seit dem Jahr 2018 

einer vollen Erwerbstätigkeit nachgehe und angesichts ihrer Einkommenssituation 

nicht davon ausgegangen werden könne, dass sie als Einzelperson ohne Unter-

stützungspflichten  ihre  ökonomische  Selbständigkeit  zugunsten  der  Familie  und 

der Besorgung des Haushalts "irreversibel" aufgegeben habe, nicht mehr an ihre 

frühere berufliche Stellung anknüpfen und/oder keiner ökonomisch Erfolg verspre-

chenden Erwerbstätigkeit nachgehen könne (act. 117 IV E. 4.1 S. 15). 

5.2.2. Die  Klägerin  hält  den  vorinstanzlichen  Ausführungen  zunächst  entgegen, 

dass sich aus den Umständen bzw. aus der erwähnten aktuellen Einkommenssi-

tuation der Klägerin keine Folgerungen in Bezug auf die Frage der Lebensprägung 

der  Ehe  ableiten  liessen.  Die  Tatsache,  dass  die  Klägerin  monatlich  netto 

CHF 5'495.– verdiene, stehe einer Lebensprägung nicht entgegen (act. 114 Rz. 6). 

5.2.3. Wohlmerklich sind alleine aus der Einkommenssituation der Klägerin keine 

Folgerungen in Bezug auf die Lebensprägung abzuleiten. Die vorinstanzlichen Er-

wägungen sind jedoch im Kontext der Würdigung der klägerischen Erwerbstätig-

keiten zu verstehen (act. 117 IV E. 4.1 S. 15). 

5.2.4. So gilt es zu berücksichtigen, dass die Klägerin während der Ehe die meiste 

Zeit – auch wenn in einer anfänglichen Phase während der Kinderbetreuung nur in 

geringem Umfang – einer Erwerbstätigkeit nachging. Da die Kinder gleich zu Be-

ginn der Ehe geboren wurden, konnte sie bereits ab dem Jahr 2007 wieder einem 

Pensum von 50% nachgehen und dieses schrittweise erhöhen, wobei die Erhöhung 

auf  zuletzt  100%  im  Kontext  der  Erwerbsunfähigkeit  des  Sohnes  stand.  Bis  zur 

Trennung im Jahr 2019 ging die Klägerin damit über 12 Jahre lang mindestens zu 

einem 50%-Pensum einer Erwerbstätigkeit nach und war dadurch in die Lage ver-

setzt, ihre ökonomische Selbständigkeit weiterzuentwickeln. Zuletzt ist kein über-

mässiges  Einkommensgefälle  mehr  zwischen  den  Parteien  auszumachen.  Dass 

der gesundheitliche Zustand der Klägerin sie in ihrer Berufsausübung beeinträchtigt 

hätte, wird sodann nicht substantiiert geltend gemacht. In Anbetracht dessen ist die 

vorinstanzliche Schlussfolgerung jedenfalls in einer Gesamtbetrachtung – im Lichte 

der nachfolgenden Erwägungen – nicht zu beanstanden, wonach die Klägerin ihre 

ökonomische  Selbständigkeit  angesichts  der  während  der  gesamten  Ehedauer 

- 13 -

ausgeübten Erwerbstätigkeiten nicht irreversibel aufgegeben hat, auch wenn Kar-

rieresprünge unterblieben sind.

5.2.5. Alsdann setzte sich die Vorinstanz mit den klägerischen Behauptungen be-

treffend  ihre  entgangene  Karriere  auseinander,  die  sie  als  unsubstantiiert  erach-

tete. So habe es die Klägerin unterlassen darzutun, welches Einkommen sie vor 

der Familiengründung als stellvertretende Abteilungsleiterin bei der C._____ erzielt 

habe, welches Einkommen sie als Abteilungsleiterin hätte erzielen können und wie 

hoch ihr Verdienst bei einer solchen oder vergleichbaren leitenden Tätigkeit in ei-

nem Büro heute wäre. Die Klägerin habe damit nicht belegt, inwiefern und mit wel-

chen Auswirkungen sie nicht an ihrer früheren beruflichen Tätigkeit anknüpfen kön-

ne (act. 117 IV E. 4.1 S. 16 f.).

5.2.6. Der Beklagte schliesst sich der vorinstanzlichen Argumentation an und weist 

darauf hin, dass die Klägerin mit keinem Wort dargelegt habe, was für eine Ausbil-

dung sie konkret angefangen hätte und welcher Tätigkeit sie als angebliche Abtei-

lungsleiterin im Büro nachgegangen wäre. Inwiefern es ihr in den letzten 17 Jahren 

aufgrund der Ehe unmöglich gewesen sei, erneut eine Arbeitstätigkeit im Büro auf-

zunehmen um ihre behauptete Karriere voranzutreiben und beispielsweise Weiter-

bildungen in Angriff zu nehmen, sei nicht ausgeführt worden. Die Vorinstanz habe 

damit zu Recht geschlossen, dass die Ausführungen der Klägerin zu ihrer angeblich 

entgangenen Karriere mit Einbussen bei den Verdienstmöglichkeiten unsubstanti-

iert geblieben seien. Der vorliegende Fall zeige zudem exemplarisch, dass die Klä-

gerin trotz voller Integration im Arbeitsleben seit über 17 Jahren kein höheres als 

ihr tatsächliches erwirtschaftetes Einkommen erziele. Dies liege nicht an der Ehe 

bzw. an der Kinderbetreuung, sondern sei vor dem Hintergrund ihrer Ausbildung 

und ihrer Ambitionen zu betrachten. Auch ohne Ehe und Kinder wäre die Klägerin 

im heutigen Zeitpunkt beruflich nicht besser gestellt (act. 123 Rz. 6 ff. und 10). 

5.2.7. Die Klägerin argumentiert dagegen, dass sie heute nicht als ... [Beruf] arbei-

ten würde, wenn sie im Jahre 1994 ihre Karriere als Abteilungsleiterin weiterverfolgt 

hätte. Sie würde eine leitende Tätigkeit im Büro ausüben, welche Stellung ihr kon-

kret zukäme, könne naturgemäss nicht beantwortet werden. Es sei zutreffend, dass 

sie keine Behauptungen zu den von der Vorinstanz erwähnten Einkommen aufge-

- 14 -

stellt habe. Eine solche Beweisführung könne allerdings nicht verlangt werden, zu-

dem verfüge sie über keine Belege mehr, um substantiieren zu können, was sie in 

den Jahren 1993 – 1994 verdient habe, es liege ein Beweisnotstand vor. Ebenso 

wenig müsse die Klägerin behaupten und beweisen, wie hoch ihr Einkommen bei 

einer solchen oder vergleichbaren leitenden Tätigkeit in einem Büro heute wäre, 

zumal nicht bestimmt werden könne, welche konkrete berufliche Tätigkeit die Klä-

gerin heute ausüben würde. Der Umstand, wonach die Klägerin ehebedingt auf die 

Ausbildung zur Abteilungsleiterin bei der C._____ respektive den damit ermöglich-

ten Stellenantritt verzichtet und sich stattdessen dem Haushalt und der Erziehung 

der Kinder gewidmet habe, genüge zum Nachweis eines ehebedingten Verzichts 

auf die (Weiter-)Verfolgung einer eigenen Karriere. Es sei notorisch, dass der Stel-

lenantritt als Abteilungsleiterin im Jahre 1994 zu einer höheren beruflichen Stellung 

geführt hätte, als der Klägerin nun als ... [Beruf] zukomme (act. 114 Rz. 9 f. und 

16). 

5.2.8. Ob  Karriereschritte  erzielt  werden,  hängt  von  vielen  Faktoren  ab,  wie  von 

persönlichen  Eigenschaften  und  Fähigkeiten,  der  Arbeitsmarktsituation,  Wohnort 

etc. oder auch von Zufällen. Derlei zu beweisen gestaltet sich schwierig, wobei die 

bundesgerichtliche Rechtsprechung nicht dahingehend verstanden werden kann, 

dass darüber, welche berufliche Tätigkeit – ohne sich der Haushaltsführung oder 

der Kinderbetreuung zu widmen – tatsächlich ausgeübt worden wäre, Beweis ge-

führt werden müsste, wovon die Parteien ebenfalls nicht ausgehen (act. 114 Rz. 

16; act. 123 Rz. 9). Auch die Vorinstanz kann nicht in einem anderem Sinne ver-

standen werden, wenn sie ausführt, es könne nicht gesagt werden, welche Stellung 

der Klägerin heute konkret zukäme (act. 117 IV E. 4.1 S. 16). Erörterungen über 

ein diesbezügliches Beweismass sind damit müssig. 

5.2.9. In der Literatur wird bisweilen die Auffassung vertreten, einem Karrierenver-

lust komme für den nachehelichen Unterhalt grosse Bedeutung zu (einschränkend 

HAUSHEER/SIEBER, in: HAUSHEER/SPYCHER [Hrsg.], Handbuch des Unterhaltsrechts, 

3. Aufl.  2023,  S.  190  m.w.H.).  Bei  langjährigen  Ehen,  die  von  den  Ehegatten  in 

jungen Jahren zu Beginn ihres Erwerbslebens geschlossen wurden und in denen 

ein  Ehegatte  die  Erwerbstätigkeit  vorübergehend  ganz  oder  teilweise  zugunsten 

- 15 -

der Familie aufgegeben hat, kann es allerdings – mit der Vorinstanz einhergehend 

–  nicht  im  Sinne  der  restriktiveren  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  liegen, 

ohne  Weiteres  darauf  zu  schliessen,  dass  ohne  Unterbruch  der  Erwerbstätigkeit 

Karrierenschritte mit höheren Verdienstmöglichkeiten gemacht worden wären (act. 

117 IV Erw. 4.1 S. 16). Eine solche Annahme, die von der Klägerin im Ergebnis 

postuliert wird, stünde zudem in einem Spannungsverhältnis dazu, dass Kinder für 

sich genommen gerade keine Lebensprägung mehr bewirken sollen und die Frage 

der Lebensprägung stets vor einem ökonomischen Hintergrund zu beurteilen ist. 

5.2.10. Letztlich ist nach der neuen bundesgerichtlichen Formel zu ergründen, ob 

es nicht mehr möglich ist, an einer früheren beruflichen Stellung anzuknüpfen oder 

einer anderen Erwerbstätigkeit nachzugehen, welche ähnlichen ökonomischen Er-

folg verspricht. Vor diesem Hintergrund ist auch ein etwaiger Karrierenverlust als 

Abteilungsleiterin bei der C._____ zu beurteilen, auf dem vorliegend die klägerische 

Argumentation  zur  Begründung  des  nachehelichen  Unterhaltsanspruchs  im  We-

sentlich fusst, was erheischt, dass dazu unter Geltung des Verhandlungsgrundsat-

zes auch entsprechend substantiierte Tatsachenbehauptungen vorzutragen sind. 

5.2.11. Dass die Klägerin bei ihrem Werdegang eine Karriere erzielt hätte, bei der 

sie ökonomisch wesentlich besser gestellt wäre und an die nicht mehr angeknüpft 

werden  könnte,  wird  vom  Beklagten  vorliegend  durch  seine  im  vorinstanzlichen 

Verfahren vorgetragenen Bestreitungen in Frage gestellt. So bestritt er unter Hin-

weis auf einen Auszug des statistischen Lohnrechners Salarium, dass das Einkom-

men der Klägerin mit einer ihrer früheren leitenden Funktion entsprechenden An-

stellung  im  Bürobereich  des  Detailhandels  höher  ausfallen  würde  als  heute.  Der 

Beklagte argumentierte mithin, dass das klägerische Einkommen mit einer ihrer frü-

heren  Funktion  entsprechenden  Anstellung  im  leitenden  Bürobereich  des  Detail-

handels tiefer ausfallen würde als heute. Konkret behauptete er bezugnehmend auf 

die Angaben gemäss Salarium-Auszug, dass das Medianeinkommen bei Qualifika-

tionen, wie sie bei der Klägerin vorausgesetzt werden könnten, knapp CHF 5'700.– 

brutto betrüge, was in Grössenordnung einem Einkommen von CHF 4'900.– netto 

entspreche  und  damit  tiefer  läge  als  das  aktuelle  Nettoeinkommen  der  Klägerin, 

welches sich zuletzt auf CHF 5'510.– belaufen habe (act. 55 S. 4 und 6). 

- 16 -

5.2.12. Die  Klägerin  tat  diese  beklagtische  Behauptung  replicando  als  sinnwidrig 

ab, es sei mithin selbstverständlich, dass die Klägerin deutlich bessergestellt wäre, 

wenn  sie  die  Stelle  als  Abteilungsleiterin  angenommen  und  seither  ihre  Karriere 

verfolgt hätte. Welche Stellung der Klägerin konkret zukäme, könne indes naturge-

mäss  nicht  beantwortet  werden.  Es  sei  davon  auszugehen,  dass  sie  nicht  als  ... 

[Beruf] arbeiten, sondern eine leitende Tätigkeit im Büro ausüben würde, was der 

Beklagte anerkenne. Der eingereichte Auszug aus dem Salarium sei ohne Bezug 

zum vorliegenden Sachverhalt (act. 81 Rz. 7).

5.2.13. Die Klägerin weist zutreffend darauf hin (act. 135 Rz. 3), dass der Beklagte 

den vorgesehenen Schritt der Klägerin zur Abteilungsleiterin nicht bestritt. Er stellte 

auch nicht in Abrede, dass es denkbar wäre, mit einer vergleichbaren Bürotätigkeit 

in einer anderen Branche als in der Detailhandelsbranche ein höheres Einkommen 

zu erzielen. Allerdings bestritt der Beklagte auch, dass ein entsprechend in einer 

anderen Branche erzieltes Einkommen (mit einer vergleichbaren Bürotätigkeit) hö-

her wäre als der aktuelle Verdienst der Klägerin (act. 55 S. 4). 

5.2.14. Entgegen der klägerischen Argumentation kann in Anbetracht der beklagti-

schen Bestreitungen nicht gefolgert werden, der eingereichte Salarium-Auszug sei 

nicht von Relevanz. Die im Salarium-Auszug getroffenen Annahmen (Detailhandel, 

Allgemeine  Büro-  und  Sekretariatskräfte,  Unteres  Kader  ohne  Berufsausbildung) 

entsprechen dem von der Klägerin – soweit substantiiert – vorgetragenen Werde-

gang (act. 56/1). Die Annahmen stehen insbesondere auch im Einklang mit dem 

damaligen Ausbildungsstand der Klägerin (Textillehre). 

5.2.15. Wie ausgeführt, hängt es insbesondere vom Grad etwaiger Bestreitungen 

der Gegenpartei ab, wie detailliert im konkreten Fall die Behauptung zu substanti-

ieren ist. Die Klägerin begnügte sich jedoch in der Folge mit allgemeinen Ausfüh-

rungen, wonach sie selbstverständlich besser gestellt wäre und naturgemäss nicht 

gesagt werden könne, welche Stellung ihr konkret zukäme (act. 81 Rz. 7). Zur be-

klagtischen Bestreitung, wonach sie mit einer vergleichbaren Bürotätigkeit auch in 

einer anderen Branche kein höheres Einkommen erzielen würde als heute, äusser-

te sich die Klägerin sodann nicht in substantiierter Weise.

- 17 -

5.2.16. Genauere Ausführungen zur abgebrochenen Ausbildung zur Abteilungslei-

terin  (etwa  Dauer  der  Ausbildung,  Institution,  beabsichtigter  Abschluss  etc.)  und 

welche  weiteren  Karriereperspektiven  damit  eröffnet  worden  wären,  sind  in  der 

Folge seitens der Klägerin unterblieben. Angesichts der beklagtischen Bestreitun-

gen, die den ökonomischen Erfolg der behaupteten Karriere verglichen zur heuti-

gen Situation in Frage gestellt haben, wären entsprechend detailliertere Ausführun-

gen replicando angezeigt gewesen, womit die ökonomisch erfolgversprechendere 

Karriere nicht dargetan ist. Auf die Frage, ob die Klägerin überdies gehalten gewe-

sen wäre, wie die Vorinstanz verlangt hat, konkrete Einkommenszahlen (Einkom-

men  vor  der  Familiengründung  als  stellvertretende  Abteilungsleiterin,  erzielbares 

Einkommen als Abteilungsleiterin in E._____, gegenwärtig erzielbares bei einer sol-

chen oder vergleichbaren leitenden Tätigkeit) zu substantiieren, muss damit nicht 

weiter eingegangen werden.

5.2.17. Zusammenfassend hat die Vorinstanz im Einklang mit der neuen bundes-

gerichtlichen Rechtsprechung die Lebensprägung und damit einen Anspruch auf 

nachehelichen Unterhalt zu Recht verneint. Richtschnur für eine einzelfallgerechte 

Festsetzung sind nicht mehr bloss abstrakte Vermutungen als vielmehr die Beur-

teilung, was angesichts der individuellen Verhältnisse als angemessen erscheint. 

Auch wenn die Aufgabe der Erwerbstätigkeit wegen der Mutterschaft zweifellos auf 

einem gemeinsamen Entschluss der Parteien beruhte und damit eine ehebedingte 

Aufgabe der ökonomischen Selbständigkeit darstellte, so dass bei einer Trennung 

oder  Scheidung  zum  damaligen  Zeitpunkt  eine  Lebensprägung  (auch  unter  der 

neuen Rechtsprechung des Bundesgerichts) zu bejahen wäre, hatte dieser Schritt 

keine irreversiblen oder dauerhaften Auswirkungen, wie sich daran zeigt, dass sie 

ihre Erwerbstätigkeit noch während der Dauer der Ehe zuerst teilweise und zuletzt 

vollumfänglich  wieder  aufnahm  und  im  Zeitpunkt  der  Trennung  wieder  in  einem 

100%-Pensum arbeitete. Bei Betrachtung der ganzen Dauer der Ehe (bis zur Tren-

nung über 26 Jahre) erscheint die vorübergehende Aufgabe der Erwerbstätigkeit 

zugunsten  der  Haushaltführung  und  Kindererziehung  daher  nicht  als  lebensprä-

gend im Sinne der neuen Rechtsprechung des Bundesgerichts. Dies zeigt sich ex-

emplarisch auch daran, dass das Einkommensgefälle zwischen den Parteien zu-

letzt gering ausgefallen ist. 

- 18 -

5.3. Eventualbegründung

5.3.1. Als Eventualbegründung führte die Vorinstanz an, selbst wenn die Ehe als 

lebensprägend erachtet würde, wäre die fehlende Eigenversorgungskapazität der 

Klägerin zu verneinen. Aus der Gegenüberstellung des Einkommens der Klägerin 

und  ihres  Bedarfs  ergebe  sich,  dass  sie  mit  ihrem  monatlichen  Einkommen  von 

CHF 5'495.– ihren familienrechtlichen Bedarf von monatlich CHF 4'888.– bzw. ab 

Mai 2024 CHF 4'648.– decken könne und ihr darüber hinaus ein Überschuss von 

CHF 607.– bzw. ab Mai 2024 ein solcher von CHF 847.– verbleibe. In Anbetracht 

dessen  sei  davon  auszugehen,  dass  sie  ihren  gebührenden  Bedarf  aus  eigener 

Kraft decken könne. Entsprechend verneinte die Vorinstanz in der Folge auch einen 

Anspruch auf Vorsorgeunterhalt und wies darauf hin, dass die Parteien aufgrund 

des  Ausgleichs  der  Pensionskassenguthaben  nahezu  gleichgestellt  seien.  Über-

dies  wies  sie  darauf  hin,  dass  der  gebührende  Bedarf  aufgrund  der  Lebenshal-

tungskosten der Ehegatten vor der Trennung erweitert um die trennungsbedingten 

Mehrkosten ermittelt werde. Der vor der Trennung gelebte eheliche Standard limi-

tiere den gebührenden Bedarf. Die Klägerin scheine sich auf den Standpunkt zu 

stellen,  dass ihr  aufgrund  der Überschussverteilung  ein  gebührender  Bedarf  von 

letztlich CHF 7'495.– pro Monat (Einkommen der Klägerin von CHF 5'495.– netto 

pro Monat und geforderter Unterhaltsbeitrag von rund CHF 2'000.– pro Monat) zu-

stehe. Die Klägerin habe in diesem Zusammenhang keine substantiierten Ausfüh-

rungen vorgebracht. Eine Begründung dafür, dass der von ihr geltend gemachte 

gebührende  Bedarf  von  letztlich  CHF 7'495.–  unter  Berücksichtigung  der  tren-

nungsbedingten  Mehrkosten  dem  zuletzt  gelebten  ehelichen  Stand  entsprechen 

solle, fehle gänzlich (act. 117 IV E. 4.3 S. 17 f.). 

5.3.2. Die Klägerin kritisiert, mit Bezug auf die Steuern und den Vorsorgeunterhalt 

führe die Begründung der Vorinstanz zu einem unzulässigen Zirkelschluss, da sie 

den Anspruch auf nachehelichen Unterhalt verneint und in der Folge den Vorsor-

geunterhalt sowie die höhere Steuerlast unberücksichtigt lasse. Ausserdem sei das 

familienrechtliche Existenzminimum nicht mit dem gebührenden Bedarf bzw. Un-

terhalt  gleichzusetzen.  Die  Klägerin  habe  die  nachehelichen  Unterhaltsbeiträge 

- 19 -

samt Vorsorgeunterhalt in Nachachtung der zweistufig-konkreten Methode korrekt 

berechnet (act. 114 Rz. 25 ff.).

5.3.3. Der  Beklagte  betont,  die  Klägerin  sei  ohne  Weiteres  in  der  Lage,  den  ihr 

gebührenden Unterhalt aus eigenen Kräften zu erzielen. Zutreffend sei, dass der 

vor der Trennung gelebte eheliche Standard – erweitert um die trennungsbedingten 

Mehrkosten – die Obergrenze für die Zusprechung des nachehelichen Unterhalts 

bilde. Es sei der Klägerin oblegen darzutun, inwiefern der von ihr geforderte Unter-

haltsbeitrag  dem  zuletzt  gelebten  ehelichen  Standard  entsprochen  hätte.  Hierzu 

habe sie sich nie geäussert (act. 123 Rz. 12 f.).

5.3.4. Einigkeit besteht zwischen den Parteien, dass in Übereinstimmung mit der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung die zweistufig-konkrete Methode auch im Be-

reich des nachehelichen Unterhaltes zu beachten ist (BGE 147 III 293 E. 4.5). Eine 

Sparquote wurde zudem nicht behauptet.

5.3.5. Zur Erwägung der Vorinstanz, wonach die Klägerin keine Begründung dafür 

gegeben habe, dass der von ihr geltend gemachte Betrag von letztlich CHF 7'495.– 

unter Berücksichtigung der trennungsbedingten Mehrkosten dem zuletzt gelebten 

ehelichen  Standard entsprechen  würde,  hält  die  Klägerin  lediglich  pauschal fest, 

damit  widerspreche  die  Vorinstanz  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung 

(act. 114 Rz. 27). Mit diesem Hinweis im Berufungsverfahren kommt die Klägerin 

den Begründungsanforderungen nicht nach, zumal nicht darlegt wird, dass bzw. wo 

im erstinstanzlichen Verfahren sie sich dazu geäussert bzw. konkrete Behauptun-

gen vorgetragen hätte. Hinzuweisen ist, dass die Klägerin – zu Recht (BGE 132 III 

598 E. 9.3) – auch nicht geltend macht, die Vorinstanz hätte für den nachehelichen 

Unterhalt aufgrund eines langen Getrenntlebens der Parteien nicht mehr auf den 

während  der  Ehedauer  gelebten  Lebensstandard,  sondern  auf  die  Situation  der 

Ehegatten während der Trennungszeit abstellen sollen. Somit hat es sein Bewen-

den damit, dass die Klägerin in diesem Zusammenhang keine substantiierten Aus-

führungen  vorgebracht  hat,  was  ihr  aufgrund  der  Verhandlungsmaxime  oblegen 

hätte. 

- 20 -

5.3.6. Lediglich der Vollständigkeit halber ist anzufügen, dass die Klägerin davon 

auszugehen scheint, dass sie bei Anwendung der zweistufigen Methode mit Über-

schussverteilung  keinen  ehelichen  Standard  zu  beweisen  habe  (act.  135  Rz.  9). 

Das Bundesgericht hat in seiner jüngsten Rechtsprechung unlängst betont, dass 

sich der nacheheliche (Verbrauchs-)Unterhalt darauf zu beschränken hat, die Auf-

rechterhaltung  des  zuletzt  gemeinsam  gelebten  Standards  zu  ermöglichen.  Dies 

hat zur Konsequenz, dass gegebenenfalls eine zweite Rechnung aufzustellen ist, 

mit welcher in Anwendung der zweistufig-konkreten Methode der Überschuss wäh-

rend des Zusammenlebens zu ermitteln ist, der sodann rechnerisch nach den übli-

chen Teilungsgrundsätzen zu verteilen ist (BGE 147 III 293 E. 4.4). Dass das Bun-

desgericht davon Abstand genommen hätte, dass der nacheheliche Standard unter 

Geltung  des  Verhandlungsgrundsatzes  zu  behaupten  und  zu  beweisen  ist,  lässt 

sich daraus gerade nicht folgern. 

5.3.7. Ferner gilt es zu bemerken, dass der Vorsorgeunterhalt den Ausgleich allfäl-

liger künftiger nachehelicher Einbussen betrifft, wenn ein Ehegatte wegen Kinder-

betreuungspflichten in den Jahren nach der Scheidung keiner oder nur einer be-

schränkten Erwerbstätigkeit nachgehen und deshalb auch nicht die vollen Beiträge 

in die eigene Altersvorsorge einbezahlen können wird (BGE 135 III 158 E. 4.1). Die 

Klägerin setzt sich nicht in genügender Weise mit den vorinstanzlichen Erwägun-

gen zum Vorsorgeunterhalt bzw. der entsprechenden Argumentation auseinander, 

wonach die Parteien aufgrund des Ausgleichs der Pensionskassenguthaben nahe-

zu gleich gestellt seien und kein Anspruch bestehe, künftig im gleichen Umfang wie 

der Beklagte Pensionskassenguthaben äufnen zu können (act. 117 IV E. 4.5 S. 18). 

Sie legt auch nicht dar, wo sie entsprechende Behauptungen im vorinstanzlichen 

Verfahren vorgetragen hätte (act. 114 Rz. 28 f.). 

5.3.8. Da sich die Klägerin insoweit nicht in genügender Weise mit der Eventualbe-

gründung der Vorinstanz auseinandersetzt, hat diese Bestand. Offen bleiben kann 

indes, ob auch unter dem Aspekt der Eigenversorgungskapazität der Klägerin ein 

Anspruch auf nachehelichen Unterhalt zu verneinen wäre. 

5.4.

Fazit

- 21 -

Die  Vorinstanz  hat  der  Klägerin  zu  Recht  keinen  nachehelichen  Unterhalt  zuge-

sprochen.  Die  von  der  Klägerin  angefochtene  Dispositiv-Ziffer  3  ist  ausgangsge-

mäss zu bestätigen und die hiergegen erhobene Berufung ist abzuweisen.

6.

Kosten- und Entschädigungsfolgen

6.1.

Im  Scheidungsverfahren  ist  die  Entscheidgebühr  grundsätzlich  nach  §  5 

Abs. 1 GebVO OG festzusetzen und beträgt in der Regel zwischen Fr. 300.– bis 

Fr. 13'000.–. Ist auch über vermögensrechtliche Rechtsbegehren zu entscheiden, 

die  das  Verfahren  aufwendig  gestalten,  kann  die  Gebühr  bis  zum  Betrag  erhöht 

werden, der für den Entscheid über die vermögensrechtlichen Rechtsbegehren al-

lein zu erheben wäre (§ 5 Abs. 2 GebVO OG). Gegenstand des vorliegenden Be-

rufungsverfahrens  waren  die  nacheheliche  Unterhaltspflicht  und  damit  einzig  ein 

vermögensrechtliches Thema. Demnach ist es angezeigt, die Entscheidgebühr für 

das vorliegende Berufungsverfahren gestützt auf § 12 sowie auf § 5 Abs. 2 und § 4 

Abs. 1 und 3 GebV OG festzusetzen. Der Streitwert wurde gemäss Verfügung vom 

29. April 2024 auf CHF 110'000.– festgesetzt, was unwidersprochen geblieben ist. 

Die Entscheidgebühr für das Berufungsverfahren ist folglich auf CHF 6'000.– fest-

zusetzen und ausgangsgemäss der Klägerin aufzuerlegen.

6.2. Die von der Klägerin an den Beklagten zu bezahlende Parteientschädigung 

ist in Anwendung von §§ 4 Abs. 1 und 3 sowie § 13 Abs. 1 und 2 AnwGebV auf 

CHF 6'500.– zuzüglich 8.1% Mehrwertsteuer festzusetzen. 

Es wird beschlossen:

1.

Im Sinne einer Berichtigung von Dispositiv-Ziffer 1 des Beschlusses vom 

23. August 2024 wird vorgemerkt, dass das Urteil des Einzelgerichts am Be-

zirksgericht Zürich vom 16. Februar 2024 mit Bezug auf die Dispositiv Ziffern 

1, 2, 4, 5, 6, 7 und 8 (einschliesslich Ziffer 7) am 12. Juni 2024 in Rechtskraft 

erwachsen ist.

2.

Schriftliche Mitteilung mit dem nachstehenden Erkenntnis.

- 22 -

Sodann wird erkannt:

1.

Die Berufung wird abgewiesen. Die Dispositiv-Ziffer 3 (nachehelicher Unter-

halt) des Urteils des Einzelgerichts des Bezirksgerichts Zürich vom 16. Fe-

bruar 2024 wird bestätigt.

2.

Die zweitinstanzliche Entscheidgebühr wird auf CHF 6'000.– festgesetzt und 

der Klägerin auferlegt.

Die Kosten des zweitinstanzlichen Verfahrens werden aus dem von der Klä-

gerin geleisteten Vorschuss bezogen. Im Mehrumfang wird der Vorschuss 

zurückerstattet, unter Vorbehalt des Verrechnungsrechtes des Staates.

3.

Die Klägerin wird verpflichtet, dem Beklagten für das zweitinstanzliche Ver-

fahren eine Parteientschädigung von CHF 6'500.– zuzüglich 8.1 % Mehr-

wertsteuer zu bezahlen.

4.

Schriftliche Mitteilung an die Parteien sowie das Bezirksgericht Zürich unter 

Beilage von act. 139, je gegen Empfangsschein. 

Nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist gehen die erstinstanzlichen 

Akten an die Vorinstanz zurück.

5.

Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist innert 

30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 

1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be-

schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder 

Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 

des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG).

- 23 -

Dies ist ein Endentscheid im Sinne von Art. 90 BGG. 

Es handelt sich um eine vermögensrechtliche Angelegenheit. Der Streitwert beträgt 
Fr. 110'000.–.

Die Beschwerde an das Bundesgericht hat keine aufschiebende Wirkung.

Obergericht des Kantons Zürich
II. Zivilkammer

Die Vorsitzende:

Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. E. Lichti Aschwanden

MLaw I. Bernheim

versandt am: