# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a37bd472-d85a-5b8e-ad5f-c8675200a28e
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2009-12-17
**Language:** de
**Title:** Dachgeschoss. Kniestock. Messweise.
**Docket/Reference:** BRKE IV Nr. 0204/2009
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRKE_IV_0204_2009_321.pdf

## Full Text

BRKE IV Nr. 0204/2009 vom 17. Dezember 2009 in BEZ 2010 Nr. 10

Strittig  war,  ob  die  Anbringung  einer  Aussenisolation  im Rahmen  einer    Haus-
sanierung die Kniestockmessung dergestalt beeinflusse, dass nach Anbringung der 
Isolation das Kniestockmass von 0,9 m eingehalten gewesen wäre; dies mit der Fol-
ge, dass das betreffende Geschoss neu als   Dachgeschoss einzustufen und damit 
gestützt  auf  §  255  Abs.  2  PBG  eine  – mit  dem  Projekt  anderweitig  konsumierte  –
Ausnützungsreserve geschaffen worden wäre. 

Aus den Erwägungen:

4.4 Dachgeschosse sind horizontale Gebäudeabschnitte, die über der Schnittli-
nie  zwischen  Fassade  und  Dachfläche  liegen.  Gebäudeabschnitte  mit  einer  Knie-
stockhöhe  von  höchstens  0,9  m,  gemessen  0,4  m  hinter  der  Fassade,  gelten  als 
Dachgeschosse (§ 275 Abs. 2 Satz 1 und 2 PBG). 

Strittig  ist  zunächst  der  äussere  Ansatzpunkt  an  der  Fassade,  hinter  dem  die 
Kniestockhöhe gemessen wird. Der Ansicht der Rekurrentin, wonach auf die statisch 
tragende  Aussenmauer,  nicht  aber  auf  eine  darauf  angebrachte  Aussendämmung 
abzustellen sei, kann nicht gefolgt werden. Verschiedene Bauvorschriften bzw. kan-
tonalrechtliche  Grundlagen über die zulässigen baurechtlichen Grundstücksnutzun-
gen (§§ 250 ff. PBG) stellen auf den Begriff der Fassade ab, so etwa die Überbau-
ungsziffer (§ 256 PBG), der Grenz- und der Gebäudeabstand (§ 260 PBG), die Ge-
bäudehöhe  (§  280  PBG)  und  die  Firsthöhe  (§  281  PBG).  Immer  ist  damit  die  äus-
serste  Schicht  der  Gebäudehülle  gemeint,  da  die  betreffenden  Bauvorschriften  die 
äusseren, sicht- und messbaren Dimensionen von Bauten und den freien Raum zwi-
schen den Gebäuden bestimmen und es somit nicht auf den inneren Aufbau, d.h. die 
materielle  Struktur  der  Gebäudehülle  oder  die  Mauerstärke  ankommen  kann.  Auch 
die Skizzen für die Mess- und Berechnungsweisen im Anhang zur Allgemeinen Bau-
verordnung (ABV) und die zeichnerische Darstellung im Entscheid des Verwaltungs-
gerichts  VB.2005.00527  (E.  4.2.)  lassen  diesbezüglich  keinen  anderen  Schluss  zu. 
Es gibt keinen Grund, den Begriff der Fassade in § 275 Abs. 2 Satz 2 PBG anders 
zu verstehen als in Satz 1 von Absatz 2, in Absatz 1 oder in andern einschlägigen 
Bestimmungen des Planungs- und Baugesetzes; vielmehr ist regelmässig nichts an-
deres als die äusserste Schicht der Gebäudehülle gemeint. Dass dem so ist, ergibt 
sich  auch  daraus,  dass  mit  §  33a  ABV  Aussenisolationen  mit  Bezug  auf  die  Ab-
standsvorschriften privilegiert wurden. Wäre der Gesetzgeber von inneren, «festen» 
Bauteilen  der  Aussenmauer  und  nicht  von  der  Oberfläche  der  Isolation  als  Aus-
gangspunkt  für  die  Einhaltung  der  Abstandsvorschriften  ausgegangen,  wäre  diese 
Privilegierung offenkundig nicht nötig gewesen. Überdies wären seitens des Gesetz-
oder  Verordnungsgebers,  wenn  im  Kontext  mit  baurechtlich  relevanten  Messungen 
ab  Fassade  von  inneren  Bestandteilen  der  Aussenmauer  auszugehen  wäre,  diese 

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Bauteile  (in  der  Allgemeinen  Bauverordnung)  genau  zu  bezeichnen  gewesen.  Eine 
solche Definition liegt indes nicht vor.

Wenn  das  Verwaltungsgericht  in  Bezug  auf  eine  Innenisolation  erwogen  hat, 
die  Kniestockhöhe  sei  von  der  Isolationsdicke  der  Gebäudeaussenmauern  unab-
hängig (VB.2005.00484, E. 4.2.1), so kann daraus entgegen der Ansicht der Rekur-
rentin nicht abgeleitet werden, eine Aussenisolation sei nicht Bestandteil der Fassa-
de im Sinne von § 275 Abs. 2 PBG und die Messung des Kniestocks setze nicht auf 
deren äussersten Schicht an, hat sich doch das Verwaltungsgericht bei seiner Erwä-
gung auf Innen- und nicht auf Aussenisolationen bezogen, was zu unterscheiden ist. 
Innenisolationen  sind  in  der  Tat  nicht  kniestockrelevant,  wie  im  Übrigen  auch  De-
ckenverkleidungen  oder  Fussbodenerhöhungen,  die  dazu  dienen  sollen,  das  Knie-
stockmass  von 0,9  m  zu  umgehen.  Über  den  Fassadenbegriff  kann  hieraus  jedoch 
nichts abgeleitet werden.

Nicht zu übersehen ist, dass es für den Bauherrn unter verschiedenen Aspek-
ten  günstig  sein  kann,  ein  Vollgeschoss  in  ein  Dachgeschoss  umzuwandeln;  dies 
namentlich mit Blick darauf, das Dachgeschosse ausnützungsprivilegiert sind (§ 255 
Abs. 2 PBG) oder sich allenfalls nur so die Geschosszahlvorschriften einhalten las-
sen.  Dessen  ungeachtet  ist  die  Gefahr,  dass  die  Vorschrift  von  §  275  Abs.  2  PBG 
durch  die  Anbringung  von  Aussenisolationen  umgangen  wird,  vergleichsweise  ge-
ring,  da  mit  der  Aussenisolation  die  horizontale  Gebäudeausdehnung  vergrössert 
wird, womit – unbesehen der Privilegierung von § 33a ABV – die Einhaltung zahlrei-
cher  Bauvorschriften  in  Frage  gestellt  sein  kann.  Überdies  sind  Aussenisolationen 
einigermassen  kostspielige  bauliche  Massnahmen,  was  sich  Umgehungsabsichten 
ebenfalls entgegenstellen kann; dies im Gegensatz zu Massnahmen wie namentlich 
Deckenverkleidungen,  die  leicht  zu  bewerkstelligen  sind  und  die  Einhaltung  von 
Bauvorschriften nicht negativ beeinflussen können. Daher muss für die Messung der 
Kniestockhöhe  der  Verlauf  der  konstruktiv  wesentlichen  Dachteile  entscheidend 
sein, andernfalls der Umgehung der Geschosszahlvorschriften Tür und Tor geöffnet 
wäre, während für den Ansatzpunkt der Messung der in Rede stehenden 0,4 m die 
Fassadenisolation  und  damit  auch  konstruktiv  nicht  wesentliche  Bauteile  relevant 
sind  (vgl.  VB.2005.00527,  E.  4.2.;  VB.2005.00484;  BRKE  IV  Nr.  87/1994  =  BEZ 
1994 Nr. 21, www.brk.zh.ch).  

Anders wäre dies im Einzelfall nur dann zu sehen, wenn die Anbringung einer 
Fassadenisolation  den  Rahmen  des  technisch  Zweckmässigen  sprengen  würde, 
indem etwa die Isolation eine gänzlich unübliche Stärke aufwiese und zugleich damit 
erstmals  die  Kniestockhöhe  eingehalten  wäre.  Diesfalls  müsste  wohl  auf  eine  als 
solche  nicht  zu  schützende  Umgehungsabsicht  geschlossen  werden.  Im  vorliegend 
zur  beurteilenden  Projekt  bewirkt  zwar  die  Anbringung  der  geplanten  Aussendäm-
mung  eine  Reduktion  der  Kniestockhöhe. Eine Umgehung der Vorschrift von § 275 
Abs. 2 PBG kann in der Anbringung der Aussenisolation indes nicht erblickt werden; 
diese weist eine übliche Stärke auf und bildet eine vernünftige Massnahme zur ener-
getischen Sanierung des bestehenden Gebäudes. Die Messweise der Kniestockhö-
he,  die  im vorliegend  angefochtenen  Bauentscheid  an  der  neuen  Oberfläche  der 
isolierten Fassade ansetzt, ist somit nicht zu beanstanden.