# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d76b184d-d811-542e-9cbd-0ed9fbcbaef8
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-03-18
**Language:** de
**Title:** Haftung des Gesellschafters und Geschäftsführers einer GmbH, keine Exkulpationsgründe. Reduktion der Schadenhöhe, da Beiträge für das Quartal im Zeitpunkt des Konkurses noch nicht fällig und eine höhere Jahreslohnsumme von mehr als 10 % aber unter Fr. 20‘000.—keine wesentliche meldepflichtige Änderung darstellt.
**Docket/Reference:** AK.2024.00001
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/AK.2024.00001.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
AK.2024.00001
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Slavik
Ersatzrichterin Gasser Küffer
Gerichtsschreiber Nef
Urteil
vom
18. März 2024
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Die
Y.___
GmbH
mit Sitz in
Z.___
war
seit April 2018
bei der Sozialversicherungsanstalt
des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, als beitrags
pflichtige Arbeitgeberin angeschlossen und rechnete mit ihr die paritätischen und FAK-Beiträge ab (vgl. Urk.
9
/
145 und 9/142 und 9/140
). Mit Urteil vom
23
.
Dezember
20
20
eröffnete d
as
Bezirksgericht
Affoltern
den Konkurs über die Gesellschaft
und beauftragte das Konkursamt
Affoltern ZH
mit dem Vollzug
(Urk.
9
/
54
). Mit
Verfügung
de
s
Konkursrichter
s
vom
22. März 2021
wurde das Verfahren mangels Aktiven eingestellt (Urk.
9
/
45
).
1.2
Mit Verfügung vom
6
. November 202
3
(Urk.
9
/
24/2-4)
verpflichtete die Ausgleichskasse
A.___
als Geschäftsführer der
Y.___
GmbH
zur Bezahlung von Schadenersatz von Fr.
31'021.45
. Die dagegen erhobene Einsprache vo
n
X.___
vom
13.
November
202
3
(Urk.
9
/
10; zu den
unterschiedlichen
Vornamen
un
ter
gleicher AHV-Nr. vgl. Urk.
9
/8
) wies die Ausgleichskasse mit
Einspracheentscheid
vom
5
.
Januar
202
4
(Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob
X.___
am 1
5
.
Januar
202
4
Beschwerde und beantragte
sinngemäss
die Aufhebung des Entscheides.
Am 25. Januar 2024 (Urk. 4 und
Urk. 5/1-3) reichte der Beschwerdeführer weitere Unterlagen ein.
Die Beschwerdegeg
nerin schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom
14
.
Februar
202
4
auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
8
), was dem Beschwerdeführer am
16
.
Februar
202
4
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
10
).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 52 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über die Alters- und Hinterlassenen
versicherung (AHVG)
hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder grobfahr
lässige Missachtung von Vorschriften der Versicherung einen Schaden zufügt, diesen zu ersetzen. Handelt es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person, so haften subsidiär die Mitglieder der Verwaltung und alle mit der Geschäfts
führung oder Liquidation befassten Personen.
1.2
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach Art. 52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Bestimmungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (Art. 66 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG), Erwerbsersatz- (Art. 21 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz, EOG) und Arbeitslosen
versicherungsbeiträge (Art. 6 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeits
losenversicherung und die Insolvenzentschädigung, AVIG) sowie auf jene an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bundesgesetz über die Familien
zulagen (Art. 25
lit
. c
FamZG
).
1.3
Der Schaden gilt als eingetreten, sobald anzunehmen ist, dass die geschuldeten Beiträge aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht mehr erhoben werden können (BGE 126 V 443 E. 3a, 121 III 382 E. 3bb, 388 E. 3a, je mit Hinweisen). Dies trifft dann zu, wenn die Beiträge im Sinne von Art. 16 Abs. 1 AHVG verwirkt sind (vgl. beispielsweise BGE 112 V 156, 98 V 26) oder wenn ihre Entrichtung wegen Zahlungsunfähigkeit der beitragspflichtigen Arbeitgeberin nicht mehr möglich ist (vgl. beispielsweise BGE 121 V 234, 240; BGE 141 V 487 E. 2.2). Im ersten Fall gilt der Schaden als eingetreten, sobald die Beiträge verwirkt sind (BGE 123 V 12 E. 5b, 168 E. 2a, 112 V 156 E. 2, 108 V 189 E. 2d, je mit Hinweisen). Im zweiten Fall gilt der Schadenseintritt als erfolgt, sobald die Beiträge wegen der Zahlungsunfähigkeit der Arbeitgeberin nicht mehr im ordentlichen Verfahren nach Art. 14 ff. AHVG erhoben werden können, in der Regel mit der Ausstellung eines Pfändungsverlustscheins oder der Konkurseröffnung über die Arbeitgeberin (BGE 136 V 268 E. 2.6 mit Hinweisen, BGE 123 V 12 E. 5b, 168 E. 2a, 113 V 256 E. 3a, 112 V 156 E. 2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen
Einspracheentscheid
(Urk. 2/2 S.
1 f.
),
aufgrund des Konkurses der
Y.___
GmbH habe eine Arbeitgeber
kontrolle stattgefunden. Dabei habe der Revisor festgestellt, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2018 Netto- statt Bruttolöhne deklariert habe. Dies habe zu einer Differenz geführt, die dem Arbeitgeberkonto belastet worden sei. Der geltend gemachte Schaden in Höhe von Fr. 31'021.45 setze sich daraus sowie den nicht beglichenen
Akonto
- bzw. Schlussrechnungen für die Jahre
2018 (April bis Dezember), 2019
und 2020
zusammen. Der Beschwerdeführer sei seit der Gründung bis zum Konkurs der
Y.___
GmbH Geschäftsführer derselben gewesen. Dabei sei er
den
ihm als Geschäftsführer einer GmbH obliegenden Abrechnungspflichten und dafür besorgt zu sein
,
bei ungenügender Liquidität nur so viel Löhne zu bezahlen, als die darauf geschuldeten Beiträge gedeckt seien
,
nicht nachgekommen. Auch hätte er, wenn wie in der Einsprache vorgebracht, er aufgrund des Gesundheitszustandes oder der Pandemie dazu nicht in der Lage gewesen sei, das Mandat sofort niederlegen müssen. Hätte er die
geschuldeten Beiträge fristgerecht abgeliefert und nur so weit Löhne ausgerichtet, als die
darauf geschuldeten Abgaben bei Fälligkeit hätten beglichen werden können, wäre der
Schaden nicht eingetreten. Der adäquate Kausalzusammenhang
sei
damit erstellt
und die
Voraussetzungen für eine Haftung nach Art. 52 AHVG erfüllt.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich
in seiner Beschwerde
auf den Standpunkt
(Urk. 1),
er akzeptiere den Vorwurf der absichtlichen oder grobfahrlässigen Miss
achtung und Verschuldung nicht. Die vorliegenden Abrechnungen sei
en
irrefüh
rend und nicht nachvollziehbar und die
G
esamt-Summe von Fr. 31'021.45 für das Jahr 2018 nicht stimmig. In seiner zusätzlichen Eingabe vom 25. Januar 2024 (Urk. 4) führte er aus, er habe mit der Abrechnung der Beschwerdegegnerin vo
m
Juli 2020 einen offenen Betrag von Fr. 14'494.30.
3.
3.1
Voraussetzung für eine Haftung nach Art. 52 AHVG ist zunächst das Vorliegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschuldeter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahngebühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 108 V 189 E. 5). Im Hinblick auf die in Art. 14 Abs. 1 AHVG normierte Beitrags- und Abrechnungs
pflicht des Arbeitgebers gehören auch die Arbeitgeberbeiträge zum massge
blichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5
).
3.2
3.2.1
Die Beschwerdegegnerin stützte ihre Forderung gegenüber dem Beschwerdeführer im Wesentlichen auf die Lohndeklarationen der
Y.___
GmbH
für die Jahre 201
8,
2019 und 2020
(Urk.
9
/
12
5
,
9
/
95, 9/57
/2
) sowie die anlässlich der Arbeitgeberkontrolle vom 1
8
. August 20
21
(Urk.
9
/
31
) durch den Kassenrevisor
beigezogenen Lohnausweise, nachdem
die
Finanzbuchhaltung der
Y.___
GmbH
mit den deklarierten Löhnen nicht überein
ge
stimmt
hatte
.
Im Weiteren liegen gebührenpflichtige Mahnungen betreffend nicht
fristgerecht eingegange
ner Lohnbeiträge
(Urk.
9/133, 9/122
, 9/115, 9/107, 9/104, 9/10
0, 9/78, 9/7
3, 9/66
)
,
Zahlungsbefehle
und
Betreibungsbegehren (Urk. 9/131,
9/96
, 9/89, 9/60
)
sowie bewilligte Ratenzahlungsbegehren (Urk. 9/120/1
, 9/75/1
)
und
Verzugs
zins
abrechnungen
(Urk. 9/102,
9/97
)
bei den Akten. Dabei ergibt sich aus den Jahresabrechnungen respektive den Lohnausweisen der
Y.___
GmbH
für die Jahr 201
8
bis 20
20
, dass die Gesellschaft in diesem Zeitraum Lohnzahlungen von insgesamt Fr.
470
'
499
.
70
(Fr.
146’
8
3
9.
90 [9/30]
+ Fr. 1
70
'
556
.
50
[Urk. 9/
90]
+ Fr.
153
'
103
.
30 [Urk. 9/26]
) ausgerichtet,
sie aber
die darauf entfallenden Lohn
beiträge nicht respektive nicht vollständig beglich
en hat
.
Der Ausstand resultiert aus der Gegenüberstellung der gemäss
dem
Kontoauszug geschuldeten und gutgeschriebenen bzw. verrechneten Sozialversicherungs
beiträge (Familienzulagen und CO2-Gutschriften) zuzüglich der Inkassokosten und den von der
Y.___
GmbH
geleisteten Zahlungen. Danach besteht ein Saldo von Fr.
3
6
'
440
.
90
zu Gunsten der Beschwerdegegnerin (vgl. Urk.
9
/
20
).
3.2.2
Im angefochtenen
Einspracheentscheid
(Urk. 2) beziehungsweise in der vorange
gangenen Verfügung (Urk.
9
/
24
/2-4) machte die Beschwerdegegnerin gegenüber dem Beschwerdeführer einen Schaden von
Fr. 31'021.45
geltend.
O
ffene Beitr
agsforderungen
und Inkassokosten
können grundsätzlich
nur insoweit berücksichtigt
werden
, als sie vor Konkurseröffnung vom 23. Dezember 2020 angefallen bzw. in Rechnung gestellt
wurden
.
Mit Blick auf den Kontoaus
zug der
Y.___
GmbH
vom 27. Oktober 2023 (Urk. 9/24/6-11)
ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin
mit Valuta vom 12. Februar 2021
noch
fehlende Lohnbeiträge zuzüglich Verwaltungskosten für die Periode Januar bis Dezember 2020 von Fr. 11'306.25 in Rechnung
gestellt hat
(Urk. 9/24/9)
, wobei
sich dazu
in den Akten keine Abrechnung
finden lässt
.
Aufgrund der Konkurseröffnung vom 23. Dezember 2020
können grundsätzlich
auch Akontorechnung
en
für das letzte Quartal 2020 mangels Fälligkeit nicht mehr
berücksichtigt werden
.
D
a der
Beschwerdeführer am 3. März 2020 für das Jahr 2020 eine voraussichtliche Jahreslohnsumme von Fr. 135'000.-- (Urk. 9/95/2)
deklariert hat,
wogegen gemäss Schlussrechnung vom 12. Februar 2021 (Urk. 9/47) im Jahr 2020 eine Jahreslohnsumme von Fr. 153'103.30 ausgerichtet wurde
,
kann
ihm auch keine meldepflichtige Änderung der Lohnsumme gemäss Art. 35 Abs. 2
der
Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVV)
entgegen
gehalten
werden
, da die Differenz der Lohnsummen unter Fr. 20'000.-- liegt
(vgl.
Rz
. 2057 der Wegleitung über den Bezug der Beiträge in der AHV, IV und EO [WBB]
). Die
Positionen
mit Valuta vom 12. Februar 2021
über einen Betrag
von Fr. 11'306.25
(Fr. 8'486.-- + Fr. 1'769.65 + Fr. 965.30 + Fr. 84.85)
können
daher
nicht in die
Schadensberechnung einbez
ogen werden
.
H
insichtlich der Position mit Valuta vom 9.
Dezember 2021
betreffend
Lohnbeiträge zuzüglich Verwaltungskosten für
die
Periode Januar bis Dezember 20
18
ergibt sich
eine
Nachforderung,
da
anstatt der Bruttolöhne
die Nettol
öhne
als massgebender Jahreslohn
gegenüber
Beschwerdegegnerin
deklariert
worden waren
(vgl. Urk. 9/31/1)
.
Diese falsche respektive irrtümliche Meldung hat der Beschwerdeführer zu vertreten, so dass
die Beschwerdegegnerin
die
entsprechende Nachforderung
in die Schadens
berechnung
einbeziehen durfte.
Vor diesem Hintergrund ist die Schadenssumme um die für das Beitragsjahr 20
20
zusätzlich geforderten Beiträge
zuzüglich Verwaltungskosten
von Fr. 11'306.25
zu reduzieren. Andere offenkundige Anhaltspunkte für Berechnungsfehler liegen nicht vor und wurden auch nicht geltend gemacht. Die Schadensberechnung der
Beschwerdegegnerin
ist damit im reduzierten Schadensbetrag zu bestätigen und es ist von einem vorliegend relevanten Schadensbetrag von Fr.
19
'
715
.2
0
(
Fr.
31'021.45
- Fr.
11'306.25
) auszugehen.
4.
4.1
Art. 14 Abs. 1 AHVG und die Art. 34 ff. AHVV schreiben vor, dass der Arbeit
geber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeitgeber haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsunterlagen über die von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die entsprechenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetz
lich vorgeschriebene
öffentlichrechtliche
Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser
öffentlichrechtlichen
Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG und zieht die volle Schadendeckung nach sich (BGE 118 V 193 E. 2a; 111 V 172 E. 2, je mit Hinweisen; vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_165/2017 vom 8. August 2017 E. 4.2.3).
4.2
Aus den Akten ist ersichtlich, dass die
seit
dem 28. März 2018
im Handelsregister eingetragene
Y.___
GmbH
den ihr als Arbeitgeberin obliegenden Abrechnungs- und Zahlungsverpflichtungen
in den
Jahren 201
8, 2019 und
20
20
nur äusserst schleppend (vgl. dazu die Mahnungen und Betreibungen vorstehend E. 3.2.1) und auch unvollständig nachkam. Die Gesellschaft richtete in den genannten Jahren Lohnzahlungen von insgesamt
Fr. 470'499.70
aus, blieb der Beschwerdegegnerin aber geschuldete Sozialversicherungsbeiträge (inklusive Nebenkosten) in der Höhe von Fr.
Fr. 36'440.90
schuldig (vgl. oben E. 3.2.2 und 3.2.3). Es bedarf keiner weiteren Ausführungen, dass die
Y.___
GmbH
Vorschriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG verletzt hat, weshalb der von ihr verursachte Schaden grundsätzlich voll zu decken ist.
Zu prüfen bleibt, inwieweit diese Missachtung
öffentlichrechtlicher
Arbeitgeber
pflichten auf grobfahrlässiges oder vorsätzliches Verhalten des Beschwerde
führers zurückzuführen ist.
5.
5.1
Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpflicht besteht nach dem Wortlaut des Art. 52 AHVG darin, dass die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber absichtlich oder grobfahrlässig Vorschriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Schaden verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E. 1a). Absicht beziehungsweise Vorsatz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens. Art. 52 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, welche das fehlerhafte Verhalten der Arbeitgeberin oder des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder ein Verschulden im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit ausschliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass eine Arbeitgeberin oder ein Arbeitgeber zwar in vorsätzlicher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden zufügt, aber trotzdem nicht schadenersatzpflichtig wird, wenn besondere Umstände die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und S. 619 E. 3a).
5.2
5.2.1
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn eine Arbeitgeberin oder ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter gleichen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu verlangenden Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorgfalts
pflicht, die in den kaufmännischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss (BGE 112 V 156 E. 4, 108 V 199 E. 3a, je mit Hinweisen).
5.2.2
Formell eingesetzte Geschäftsführer einer GmbH wie auch Personen, die faktisch die Funktion eines Geschäftsführers ausüben, haften für den der Ausgleichskasse zufolge nicht bezahlter Bundessozialversicherungsbeiträge entstandenen Schaden nach den gleichen Grundsätzen wie Organe einer Aktiengesellschaft. Dagegen besteht für den blossen Gesellschafter einer GmbH vorbehältlich einer abweichenden statutarischen Regelung keine Pflicht zur Kontrolle oder Über
wachung der Geschäftsführung, weshalb ihm das Fehlverhalten der Gesellschaft auch nicht angerechnet werden darf (BGE 126 V 237).
6.
6.1
Der Beschwerdeführer brachte zu seiner Entlastung
nichts
vor
.
Er
amtete seit
dem Eintrag der Gesellschaft im Handelsregister
vom
28. März 20218
als einzelzeich
nungsberechtigter Geschäftsführer und Gesellschafter der
Y.___
GmbH
(Urk.
9
/
24
/1
5
). Bei der
Y.___
GmbH
handelte es sich um ein Klein
unternehmen mit einfacher Verwaltungsstruktur und wenigen Angestellten (vgl. Urk.
9/125, 9/95 und 9/57
/2
). Bei derart leicht überschaubaren Verhältnissen muss vom einzigen Geschäftsführer einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung praxisgemäss verlangt werden, dass er den Überblick über alle wesentlichen Belange des Unternehmens hat.
Die Gesellschaft richtete in den genannten Jahren (201
8
bis 20
20
), wie ausgeführt, Lohnzahlungen von insgesamt
Fr. 470'499.70
aus, blieb der Beschwerde
gegnerin aber geschuldete Sozialversicherungsbeiträge in massgeb
licher Höhe schuldig.
Der Beschwerdeführer muss sich demnach den Vorhalt gefallen lassen, dass die
Y.___
GmbH
in den Jahren 201
8
bis 20
20
Lohnzahlungen ausrichtete, ohne dass die darauf entfallen
d
en gesetzlich geschuldeten Sozialversicherungs
beiträge
vollständig abgeführt wurden. Mit anderen Worten wurde den Lohn
zahlungen und dabei insbesondere auch der Ausrichtung des eigenen Lohns des Beschwerdeführers (vgl.
Urk. 9/125, 9/95 und 9/57/2
) Priorität vor der Beitrags
entrichtung eingeräumt, wodurch die Beschwerdegegnerin zu Schaden kam. Indem der Beschwerdeführer nicht gegen dieses pflichtwidrige Handeln der
Y.___
GmbH
einschritt, verletzte er seine
öffentlichrechtlichen
Pflichten als Geschäftsführer einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Er hätte nämlich dafür sorgen müssen, dass die
Y.___
GmbH
nur den Lohn ausrichtet, für die die Gesellschaft auch die entsprechenden Sozialversicherungsbeiträge zu leisten imstande ist (vgl. etwa: Urteil des damaligen Eidgenössischen Versiche
rungsgerichts H 26/06 vom 10. April 2006 mit Hinweis). Im Übrigen belegen auch die aktenkundigen Mahnungen, Betreibungen, nicht eingehaltene Raten
zahlungspläne und Verzugszinsabrechnungen (vgl. E. 3.2.1 hiervor), dass sich der Beschwerdeführer als ehemaliger Geschäftsführer der
Y.___
GmbH
unzureichend um die gesetzlichen Verpflichtungen gekümmert und seine Aufsichts- und Kontrollpflicht nicht wahrgenommen hat.
Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe liegen nach dem Gesagten nicht vor und ein qualifiziertes Verschulden des Beschwerdeführers ist damit zu bejahen.
6.
2
Unter den gegebenen Umständen ist das Verhalten beziehungsweise die Passivität des Beschwerdeführers ohne Weiteres auch als adäquat kausal (BGE 119 V 406 E. 4a) für den bei der Beschwerdegegnerin eingetretenen beziehungsweise vorlie
gend relevanten Schaden von
Fr.
19
'
715
.2
0
zu betrachten.
7.
7.1
Der Anspruch auf Schadenersatz verjährt mit Ablauf von drei Jahren von dem Tage an gerechnet, an welchem die zuständige Ausgleichskasse Kenntnis vom Schaden und von der Person des Ersatzpflichtigen erlangt hat, jedenfalls aber mit Ablauf von zehn Jahren, vom Tage an gerechnet, an welchem das schädigende Verhalten erfolgte oder aufhörte (Art. 52 Abs. 3 AHVG in Verbindung mit Art. 60 Abs. 1 des Obligationenrechts, OR).
Bei Einstellung des Konkursverfahrens mangels Aktiven beginnt die Frist für die Geltendmachung der Schadenersatzforderung (Kenntnis des Schadens) in der Regel mit dem Datum
der Veröffentlichung der Einstellung des Konkursver
fahrens mangels Aktiven im Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB) zu laufen (BGE 129 V 193 E. 2.3).
7.2
Mit Erlass der Schadenersatzverfügung vom
6
. November 20
23
(Urk.
9
/
24
/2-4) wurde die dreijährige Verjährungsfrist seit der Einstellung des Konkursverfahrens der
Y.___
GmbH
mangels Aktiven am 22.
März
20
21
jedenfalls eingehalten, sodass die streitgegenständliche Forderung auch nicht verjährt ist.
7.
3
Nach dem Gesagten ist in Abänderung des
Einspracheentscheides
vom 5. Januar 2024 (Urk. 2) der Beschwerdeführer zu verpflichten, der Beschwerdegegnerin für entgangene Beiträge inklusive Nebenkosten des Jahres 2018 bis 2020 Schaden
ersatz von
Fr.
19
'
715
.2
0
zu leisten.
Insoweit ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
Das Gericht erkennt:
1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der
Einspracheentscheid
vom
5
. Januar 202
4
dahingehend
abgeändert, als de
r
Beschwerdeführer verpflichtet wird, der Sozial
versicherungsanstalt
des Kantons Zürich
, Ausgleichskasse, Schadenersatz im Umfang von
Fr. 19'715.20
zu bezahlen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
4.
Da der Streitwert die erforderliche Grenze von Fr. 30'000.-- erreicht, kann
gegen diesen Entscheid innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde einge
reicht werden (Art. 82 ff., insbesondere Art. 85, in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubNef