# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 13640a85-ffab-5526-b7ba-f7448aa5de96
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-06-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.06.2018 E-1697/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1697-2018_2018-06-19.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-1697/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 9 .  J u n i  2 0 1 8  

Besetzung 
 Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, 

mit Zustimmung von Richterin Regula Schenker Senn; 

Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei,   

vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar, Rechtsberatung,  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung 

des SEM vom 14. Februar 2018 / N (…). 

 

 

 

E-1697/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die kurdische Beschwerdeführerin hat gemäss einer Meldung des europä-

ischen Visa-Informationssystems (CS-VIS 1) vom 29. Dezember 2015 am 

(…) 2015 ein Schengen-Visum der italienischen Botschaft in Ankara erhal-

ten (A4). Daraufhin sei sie am (…) 2015 von Istanbul nach Basel geflogen 

und suchte am 21. Dezember 2015 in der Schweiz um Asyl nach (A6 

S. 6 f.). 

B.  

B.a Anlässlich der Befragung im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) 

Basel vom 14. Januar 2016 und den Anhörungen vom 31. August 2016 

und 13. Februar 2018 brachte die aus der Umgebung von B._______ 

(Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im […] der Türkei) stammende Ala-

witin vor, ihr Vater sei politisch aktiv gewesen und deswegen vom Staat 

verfolgt worden (A14 F28). Weil auch sie eine Person sei, die ihre Meinung 

äussere, sei sie seitens der Behörden unter Druck gesetzt worden. Sie sei 

im (…) 2013 von der Polizei mitgenommen und verhört worden (A14 

F33 ff.), weil sich zwei ihrer Freundinnen (am Ende der […] Klasse des 

Gymnasiums [A14 F28] bzw. im […] 2013 [A14 F33]) einer Guerilla-Orga-

nisation angeschlossen hätten (A6 S. 8; A14 F28 und 33 ff.; A18 F23). 

Auch die Familien dieser Freundinnen hätten sie bedroht und bedrängt 

(A14 F28 und 41 f.; A18 F54 ff. und 72 ff.). Die Beschwerdeführerin sei fer-

ner auf dem Weg zur Schule oder zur Arbeit ständig von Polizisten beschat-

tet worden (A6 S. 7 f.; A14 F28 und 39; A18 F30 ff.). Anfang (…) 2015 sei 

die Polizei zu ihnen nach Hause gekommen, habe das Haus durchsucht 

und schliesslich ihren Bruder aus politischen Gründen inhaftiert (A6 S. 7 f.; 

A14 F28). Seitdem sei die Familie auch von der Nachbarschaft schikaniert 

worden (A14 F28). Nachdem ihre Mutter – gemäss dem Zentralen Infor-

mationssystem (ZEMIS) am (…) 2015 – mit ihrem minderjährigen Sohn 

beziehungsweise Bruder der Beschwerdeführerin in die Schweiz gereist 

sei, sei diese ohne Familie zurückgeblieben. Als alleinstehende Frau sei 

sie daraufhin in ihrem Kulturkreis seitens der Familie unter Druck gesetzt 

worden; enge Verwandte hätten sie sogar gegen ihren Willen verheiraten 

wollen (A14 F28; A18 F81 ff.). Schliesslich habe der Vater der Beschwer-

deführerin einen Schlepper organisiert, mit welchem sie im (…) 2015 aus-

gereist sei (A14 F46 ff.; A18 F99). 

B.b Als Beweismittel reichte die Beschwerdeführerin anlässlich der Anhö-

rung vom 31. August 2016 ein Schreiben des Dorfvorstehers von 

C._______ vom (…) 2016 (mit Übersetzung) sowie eine Bestätigung der 

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Seite 3 

Inhaftierung ihres Bruders (gemäss Übersetzung wegen des Vorwurfs der 

Mitgliedschaft bei einer bewaffneten Terrororganisation) vom (…) 2016 (mit 

Übersetzung; A14 F3 ff. und 30 ff.; A15) zu den Akten. 

B.c Gemäss dem Zentralen Migrationssystem reichte der Vater der Be-

schwerdeführerin (N […]) – ein vorsitzendes Mitglied der kurdischen HDP 

(Halkların Demokratik Partisi, Demokratische Partei der Völker; A6 S. 8) 

beziehungsweise der BDP (Barış ve Demokrasi Partisi, Partei des Friedens 

und der Demokratie; N 570 743, A6 S. 4) – im Jahr 2011 in der Schweiz ein 

Asylgesuch ein, welches am 30. Juni 2015 von der Vorinstanz gutgeheis-

sen wurde. Ein daraufhin eingereichter Einreiseantrag für die Ehefrau und 

den minderjährigen Sohn wurde am (…) 2015 bewilligt; am (…) 2016 

wurde ihnen gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) Asyl gewährt. 

Der ältere Bruder der Beschwerdeführerin (N […]) reiste im (…) 2017 in die 

Schweiz ein und suchte hier um Asyl nach. Sein Asylverfahren ist derzeit 

noch hängig. 

C.  

Mit Verfügung vom 14. Februar 2018 – tags darauf eröffnet – lehnte das 

SEM das Asylgesuch ab und wies die Beschwerdeführerin aus der Schweiz 

weg. Aufgrund der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs wurde sie 

vorläufig aufgenommen. Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid dahin-

gehend, dass die vorgebrachte Verfolgung der türkischen Behörden man-

gels zeitlichem Kausalzusammenhang ungeeignet sei, Asylrelevanz zu 

entfalten (Art. 3 AsylG). Ausserdem seien die geschilderten Begegnungen 

mit den Sicherheitskräften nicht intensiv genug, als dass ein menschen-

würdiges Leben nicht mehr möglich gewesen wäre (Art. 3 AsylG). Die Be-

drohungen der Familien ihrer Freundinnen seien ohne asylrelevantes Motiv 

und genügende Intensität erfolgt, weswegen auch dieses Vorbringen nicht 

für eine Asylgewährung ausreiche (Art. 3 AsylG). Schliesslich seien auch 

die vorgebrachten familiären Probleme asylirrelevant, weil die wütende Re-

aktion des Onkels nach Ausschlagung eines vorgeschlagenen Heiratskan-

didaten nicht als ernsthaften Nachteil bezeichnet werden könne (Art. 3 

AsylG). Auf die Prüfung der Glaubhaftigkeit der Aussagen habe das SEM 

verzichtet. 

D.  

Gegen diese Verfügung reichte die Beschwerdeführerin durch ihren 

Rechtsvertreter am 19. März 2018 eine Beschwerde beim Bundessverwal-

tungsgericht ein und beantragte dabei, dass die Ziffern 1 bis 3 des Dispo-

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Seite 4 

sitivs der angefochtenen Verfügung aufzuheben seien und die Flüchtlings-

eigenschaft der Beschwerdeführerin – unter Asylgewährung – festzustellen 

sei. In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses zu verzichten. 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 28. März 2018 wies das Bundesverwaltungs-

gericht das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-

ses ab. Innert Frist überwies die Beschwerdeführerin den Kostenvorschuss 

der Gerichtskasse. 

F.  

Im Rahmen der Vernehmlassung vom 30. April 2018 hielt das SEM an sei-

nen früheren Erwägungen fest. Bei der geschilderten Sachlage sei weder 

von einer permanenten noch besonders intensiven Druckausübung auszu-

gehen. Auch sei der offensichtlichen Übertreibung ihrer Lebensumstände 

vehement zu widersprechen. Schliesslich sei die geltend gemachte Re-

flexverfolgung zu verneinen, da diese weder gezielt noch intensiv genug 

sei. Ausserdem sei sie – angeblich im Gegensatz zu ihrem Bruder – nie 

wegen ihrer familiären Verbindungen verhaftet worden. 

G.  

Am 31. Mai 2018 nahm die Beschwerdeführerin ihr Replikrecht wahr. Der 

Kausalzusammenhang zwischen der Druckausübung auf ihre Person res-

pektive der Reflexverfolgung sei vorhanden. Auch seien die Drohung sei-

tens der Familien ihrer Freundinnen sowie die angedrohte Zwangsverhei-

ratung nicht von der Hand zu weisen. In solchen Fällen sei die türkische 

Polizei nicht bereit, die Beschwerdeführerin zu schützen. 

H.  

Im vorinstanzlichen Dossier befinden sich – neben den eingereichten Be-

weismitteln – eine Identitätskarte der Beschwerdeführerin (No. […]) sowie 

eine Kopie eines Auszugs des Familienregisters. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

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Seite 5 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der 

Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 

AsylG). 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

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Seite 6 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 In der Beschwerdeschrift vom 19. März 2018 wurde angeführt, dass die 

Beschwerdeführerin wegen eigenen politischen Aktivitäten seit Jahren un-

ter Druck gesetzt worden sei. Ausserdem habe man sie – weil der Ver-

dacht, sie habe mit dem Anschluss ihrer Freundinnen an die Guerilla etwas 

zu tun, sich nach den Verhören erhärtet habe – ständig bis zu ihrer Aus-

reise beschattet. Von daher gesehen sei die Erwägung, es bestehe kein 

Kausalzusammenhang zwischen den Ereignissen und der Ausreise, von 

der Hand zu weisen. Ausserdem müsse vorliegend von einer Reflexverfol-

gung ausgegangen werden, was jedoch von der Vorinstanz in keiner Weise 

geprüft worden sei. Des Weiteren seien die andauernden Bedrohungen der 

Familien der Freundinnen als intensiv genug zu qualifizieren. Die Möglich-

keit, polizeilichen Schutz zu suchen, habe nicht bestanden, weil die Be-

schwerdeführerin selber im Fokus der Behörden gestanden habe. 

Schliesslich sei auf die traurige Tatsache hinzuweisen, dass in der Heimat 

der Beschwerdeführerin jährlich Hunderte wenn nicht sogar Tausende von 

Frauen zwangsverheiratet würden. Die Beschwerdeführerin sei diesem 

Schicksal nur entkommen, weil sie vorzeitig geflüchtet sei. 

5.2 Die vorinstanzliche Begründung der Verfügung vom 14. Februar 2018 

sowie der Vernehmlassung vom 30. April 2018 ist nicht zu beanstanden. 

Bezüglich einer Verfolgungsmassnahme gilt festzuhalten, dass Angriffe auf 

die in Art. 3 Abs. 2 AsylG genannten Rechtsgüter dann asylrelevant sind, 

wenn sie eine bestimmte Intensität aufweisen. So muss beispielsweise zur 

Gefährdung des Lebens eine direkte und ernsthafte Todesgefahr vorliegen. 

Eine Gefährdung des Leibes erreicht die geforderte Intensität dann, wenn 

dem Betroffenen ernsthafte Verletzungen (physischer oder psychischer 

Natur) zugefügt worden sind oder er diese zu befürchten hat. Leichtere 

Eingriffe erreichen die nötige Intensität nicht. Bei der Beurteilung, ob die 

erlittenen Eingriffe intensiv genug sind, ist mitzuberücksichtigen, dass meh-

rere Eingriffe in die in Art. 3 AsylG genannten Rechtsgüter, die zwar für sich 

allein die nötige Intensität nicht erreichen, insgesamt gesehen das Mass 

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des Erträglichen überschreiten können. Mehrere Eingriffe im obgenannten 

Sinne, die nicht intensiv genug sind, können zu einem unerträglichen psy-

chischen Druck führen, der für die betroffene Person ein weiteres Verblei-

ben im Heimatland verunmöglicht. Dabei ist zu beachten, dass der von der 

asylsuchenden Person geltend gemachte psychische Druck objektiv gese-

hen nachvollziehbar sein muss (vgl. Urteil des BVGer D-6214/2014 vom 

2. Februar 2017 E. 4.1.1). 

5.2.1 Die Vorbringen der Beschwerdeführerin, sie sei im Jahre 2013 (bzw. 

2014; A18 F66 ff.) zweimal von der Polizei festgehalten und für (…) Stun-

den verhört worden, weil zwei ihrer Freundinnen sich einer Guerilla-Gruppe 

angeschlossen hätten (A6 S. 8; A14 F33 ff.), sind einerseits als nicht ge-

nügend intensiv zu werten. Polizeiliche Verhöre sind aus rechtsstaatlicher 

Sicht als legitim zu betrachten, wenn sie gewisse Verfahrensgarantien und 

menschenrechtliche Aspekte einhalten. Aus den Akten ist ersichtlich, dass 

die Beschwerdeführerin während den Verhören lediglich befragt worden 

sei und ihr Fotos gezeigt worden seien (A14 F35). Die Behauptung, dass 

sie nach den Verhören verdächtigt worden sei, in die Sache ihrer Freun-

dinnen verwickelt gewesen zu sein, findet in den Protokollen keine Stütze. 

In einem solchen Fall wäre die Beschwerdeführerin wohl weiter verhört 

worden. 

Anderseits ist der zeitliche (und sachliche) Kausalzusammenhang zwi-

schen den Verhören und der Ausreise im (…) 2015 nicht gegeben. Zwar 

lässt sich allgemein keine starre zeitliche Grenze festlegen, ab wann der 

Kausalzusammenhang als unterbrochen zu gelten hat. In der Praxis wird 

jedoch davon ausgegangen, dass der zeitliche Kausalzusammenhang bei 

einer Zeitspanne von sechs bis zwölf Monaten als zerrissen gilt (vgl. BVGE 

2009/51 E. 4.2.5 m.w.H.). Beim sachlichen Zusammenhang geht es um die 

Frage, ob die Umstände, die zur Vorverfolgung geführt haben, im Zeitpunkt 

der Flucht noch bestanden haben (vgl. NULA FREI, in: Handbuch zum Asyl- 

und Wegweisungsverfahren, Hrsg. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH], 

2. Aufl. 2015, S. 203). Zieht man in Betracht, dass die Beschwerdeführerin 

seit Juni 2013 einzig von Polizisten beschattet wurde (A18 F30 und 35; vgl. 

nachfolgend E. 5.2.2), wogegen der Bruder im (…) 2015 zuhause verhaftet 

worden sei (A6 S. 8), ist – wie das SEM zu Recht erkannt hat – kein Kau-

salzusammenhang zwischen den Verhören und der Ausreise zu erkennen 

(Art. 3 AsylG). 

5.2.2 Weiter brachte die Beschwerdeführerin vor, sie sei ständig von staat-

licher Seite beobachtet, beschattet und behelligt worden (A14 F28; A18 

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F30 ff.). Polizisten hätten sich hinter der Ecke (ihres Hauses) versteckt und 

gewartet. Ausserdem hätten sie sich im Schulhaus blicken lassen (A14 

F39 f.; A18 F32) und die Beschwerdeführerin habe telefonische Drohan-

rufe erhalten (A14 F28). Die Gründe dafür sind in den Protokollen nicht 

genau zu eruieren, mutmasslich liegen sie in den politischen Aktivitäten der 

Familie (A6 S. 8) und dem eigenen politischen Interesse der Beschwerde-

führerin (A14 F28: „Ab diesem Zeitpunkt wurde der türkische Staat auf mich 

aufmerksam“; A18 F33). Auch wenn eine gewisse Zermürbung der Be-

schwerdeführerin in Form von Hyperventilierung zu erkennen ist (A18 F54 

und 69), erreichen diese Eingriffe – auch wenn sie im Zusammenhang mit 

den Verhören des Jahres 2013 betrachtet werden – die notwendige Inten-

sität nicht (Art. 3 AsylG). 

5.2.3 Auch die Drohung einer allfälligen Zwangsheirat (A14 F28 und 44 ff.; 

A18 F83 ff.) ist als nicht intensiv genug zu werten. Den Protokollen ist kein 

weiterer Nachteil zu entnehmen, der als ernsthaft im Sinne von Art. 3 

Abs. 2 AsylG erscheint. 

5.3 Ferner sind die angeblichen Behelligungen durch die Familie ihrer 

Freundinnen nicht wegen der Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit 

zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen den politischen An-

schauungen der Beschwerdeführerin, mithin wegen eines asylrelevanten 

Motivs nach Art. 3 AsylG, geschehen, sondern weil die Beschwerdeführerin 

eine Freundin der abtrünnigen Frauen war. Demzufolge ist auch dieses 

Vorbringen nicht asylrelevant (Art. 3 AsylG). 

5.4 Schliesslich ist auf die vorgebrachte Reflexverfolgung einzugehen. Un-

ter Reflexverfolgung sind behördliche Belästigungen und Behelligungen 

von Angehörigen – vorliegend die Beschwerdeführerin – aufgrund des Um-

standes zu verstehen, dass die Behörden einer gesuchten, politisch unbe-

quemen Person nicht habhaft werden oder schlechthin von deren politi-

scher Exponiertheit auf eine solche auch bei Angehörigen schliessen. Der 

Zweck einer solchen Reflexverfolgung kann insbesondere darin liegen, In-

formationen über effektiv gesuchte Personen zu erlagen beziehungsweise 

Geständnisse von Inhaftierten zu erzwingen. Den Akten zufolge wurde die 

Beschwerdeführerin auch aufgrund der politischen Aktivitäten der Familie 

behelligt (A6 S. 8; A14 F28). 

Der Vater der Beschwerdeführerin – ein Mitglied der HDP respektive BDP, 

welcher mehrmals verurteilt wurde (N […], A33) – reiste im Jahr 2011 aus 

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der Türkei aus und reichte in der Schweiz ein Asylgesuch ein, welches gut-

geheissen wurde. Um sich seiner habhaft zu werden, könnte die Beschwer-

deführerin durch die Polizei beschattet worden sein, jedoch ist nicht nach-

vollziehbar, weshalb dies erst im Sommer 2013 – also knapp zwei Jahre 

nach der Ausreise des Vaters – begonnen hätte. Da – wie bereits in E. 5.2.2 

festgestellt wurde – die Beschattungen als nicht genügend intensiv zu qua-

lifizieren sind, reichen diese als ernsthafte Nachteile bezüglich einer Re-

flexverfolgung ebenfalls nicht aus. 

Ferner gab die Beschwerdeführerin nie an, wegen ihres Bruders, welcher 

am (…) 2015 (A15), also kurz vor ihrer Ausreise, inhaftiert wurde (N […], 

A5 S. 8 ff.), von staatlicher Seite behelligt worden zu sein, weshalb auch 

diesbezüglich keine Reflexverfolgung der Beschwerdeführerin zu erken-

nen ist (Art. 3 AsylG). 

5.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin keine 

asylrelevante Verfolgung nachzuweisen vermochte. Die Vorinstanz hat da-

her das Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 

6.  

6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine aus-

länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-

teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeord-

net (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

6.2 Da das SEM in der angefochtenen Verfügung die vorläufige Aufnahme 

der Beschwerdeführerin in der Schweiz angeordnet hat, erübrigen sich pra-

xisgemäss Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit 

des Wegweisungsvollzugs. 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdefüh-

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Seite 10 

rerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest-

zusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). Sie sind mit dem am 11. April 2018 in gleicher Höhe ge-

leisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer-

legt. Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrens-

kosten verwendet. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe