# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 347ee2a8-bc9a-505d-a07c-6e70051ac4a7
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-06-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.06.2010 E-3745/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3745-2010_2010-06-01.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-3745/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 .  J u n i  2 0 1 0

Einzelrichter Bruno Huber, 
mit Zustimmung von Richter Daniel Schmid;
Gerichtsschreiber Peter Jaggi.

A._______, Somalia,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung
(Dublin-Verfahren);
Verfügung des BFM vom 30. April 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-3745/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge am (...)  in die 
Schweiz gelangt ist, wo er gleichentags im B._______ um Asyl nach-
gesucht hat,

dass er anlässlich der summarischen Befragung im B._______ vom 6. 
Januar 2009 zur Begründung seines Asylgesuchs geltend machte, er 
habe  Somalia  verlassen,  weil  er  von  Aktivisten  der  C._______  zur 
Teilnahme an ihrem Kampf aufgefordert worden sei, was er abgelehnt 
habe,

dass für den Inhalt der weiteren Aussagen auf die Akten zu verweisen 
ist,

dass  das  BFM  am  17.  Februar  2010  das  Asylgesuch  des  Be-
schwerdeführers wegen unbekannten Aufenthalts als gegenstandslos 
geworden abschrieb,

dass  das  Bundesamt  am  12.  März  2010  das  Asylverfahren  wieder 
aufnahm,  nachdem  der  Beschwerdeführer  am  2.  März  2010  im 
D._______ erneut um Asyl nachgesucht hatte,

dass  für  den  Inhalt  der  gesuchsbegründenden  Aussagen  des  Be-
schwerdeführers bei der Kurzbefragung (...) vom 12. März 2010 auf die 
Akten verwiesen wird,

dass das BFM dem Beschwerdeführer  anlässlich  der  Kurzbefragung 
das rechtliche Gehör zu einer allfälligen Wegweisung nach Italien ge-
währte,

dass dieser auf die Frage, ob es spezifische Gründe gebe, die gegen 
die  Zuständigkeit  Italiens  für  die  Behandlung  seines  Asylgesuchs 
sprechen würden, ausführte, er habe dort weder Unterkunft noch Ver-
pflegung  erhalten,  und  die  Frage  nach  Gründen  gegen  eine  Weg-
weisung in dieses Land verneinte,

dass  das  Bundesamt  den  Beschwerdeführer  mit  Verfügung  vom 
22. März 2010 für die Dauer des Verfahrens dem Kanton (...) zuwies,

dass das BFM mit  Verfügung vom 30. April 2010 in Anwendung von 
Art. 34  Abs. 2  Bst. d  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG, 

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SR 142.31) auf  das  Asylgesuch  nicht  eintrat  und  den  Beschwerde-
führer nach Italien wegwies,

dass das Bundesamt den Beschwerdeführer aufforderte, die Schweiz 
spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, und 
den Kanton  (...)  mit  dem Vollzug der  Wegweisungsverfügung  beauf-
tragte,

dass die Vorinstanz festhielt,  eine allfällige Beschwerde gegen diese 
Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung, und die Aushändigung 
der  editionspflichtigen  Akten  gemäss  Aktenverzeichnis  an  den  Be-
schwerdeführer anordnete,

dass  für  die  Begründung  der  Verfügung  auf  die  nachfolgenden  Er-
wägungen verwiesen wird,

dass der Beschwerdeführer mit Rechtsmitteleingabe vom 26. Mai 2010 
(per  Telefax  und  per  Post)  in  materieller  Hinsicht  beantragt,  die  an-
gefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben  und  das  Asylgesuch  sei  zur 
materiellen Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen,

dass er in prozessualer Hinsicht die Erteilung der aufschiebenden Wir-
kung der Beschwerde mit der unverzüglichen Anweisung an die Voll-
zugsbehörde, von allfälligen Vollzugsmassnahmen abzusehen, und die 
Gewährung  einer  Nachfrist  zur  Einreichung  beziehungsweise  Ver-
besserung der Beschwerde beantragt,

dass er den Verzicht auf die Auferlegung von Verfahrenskosten und auf 
die Erhebung eines Kostenvorschusses beantragt,

dass  auf  die  Begründung  der  Rechtsbegehren,  soweit  für  den  Ent-
scheid  wesentlich,  in  den  nachfolgenden  Erwägungen  eingegangen 
wird,

dass das Bundesverwaltungsgericht mit per Telefax übermittelter Verfü-
gung vom 27. Mai  2010 den Vollzug der Wegweisung per sofort  aus-
setzte,

dass die vorinstanzlichen Akten am 28. Mai 2010 beim Bundesverwal-
tungsgericht eingingen,

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und erwägt,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  ent-
scheidet  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG, 
SR 142.31]  i.V.m.  Art. 31-34  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundes-
gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  frist-  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
-  mangels Vorhandenseins eines Belegs für  die Eröffnung der ange-
fochtenen  Verfügung  in  den  Akten  ist  praxisgemäss  von  der  Ein-
reichung  der  Beschwerde  innert  Frist  auszugehen  -  einzutreten  ist 
(Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 52 Abs. 1 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden wird 
(Art. 111 Bst. e AsylG), und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufge-
zeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur 
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2  der Bun-
desverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft  vom 18. April 
1999 [BV, SR 101], Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass 
die  verfügende  Behörde  die  Vorbringen  der  betroffenen  Person  tat-
sächlich hört,  prüft  und bei  der Entscheidfindung berücksichtigt,  was 
sich entsprechend in der Entscheidbegründung niederzuschlagen hat 

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(Art. 35  Abs.  1  VwVG,  vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 38 E. 6.3),

dass die Entscheidbegründung es der betroffenen Person ermöglichen 
soll, die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anzufechten, was nur 
möglich  ist,  wenn  sich  sowohl  die  betroffene  Person  als  auch  die 
Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild ma-
chen können (BGE 129 I 232 E. 3.2),

dass sich die verfügende Behörde nicht explizit mit jeder tatbeständli -
chen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinanderzuset-
zen hat, sondern sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschrän-
ken darf (BGE 126 I 97 E. 2b),

dass vorliegend die Verfügung des BFM vom 30. April  2010 mangels 
Vorhandenseins  der  Seite  3  keine  Entscheidbegründung  enthält, 
welcher  Umstand  es  sowohl  dem  Beschwerdeführer  als  auch  der 
Rechtsmittelinstanz  verunmöglicht,  sich  über  die  Tragweite  des 
Entscheids ein Bild zu machen,

dass  der  Beschwerdeführer  bei  dieser  Sachlage  nicht  imstande 
gewesen ist,  die Verfügung sachgerecht  anzufechten,  und sich nicht 
überprüfen  lässt,  ob  die  Vorinstanz  dessen  Vorbringen  tatsächlich 
gehört, geprüft und bei der Entscheidfindung berücksichtigt hat,

dass das BFM somit seine Begründungspflicht verletzt hat,

dass  zwar  eine  Missachtung  von  Verfahrensvorschriften  durch  das 
BFM aufgrund der umfassenden Kognition des Bundesverwaltungsge-
richts (Art. 106 AsylG) in bestimmten Schranken geheilt werden kann,

dass indessen vorliegend das BFM den Anspruch des Beschwerdefüh-
rers  auf  rechtliches  Gehör  in  schwerwiegender  Weise  verletzt  hat,  
weshalb eine Heilung nicht in Betracht  kommt und die angefochtene 
Verfügung zu kassieren ist,

dass  die  Beschwerde  demnach  im  Sinne  der  Erwägungen  gutzu- 
heissen, die angefochtene Verfügung vom 30. April 2010 aufzuheben 
und die Sache zur Entscheidbegründung an das BFM zurückzuweisen 
ist,

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dass  mit  der  Gutheissung  der  Beschwerde  ohne  vorgängige 
Instruktion die Anträge auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung der 
Beschwerde, auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 
und auf Gewährung einer Nachfrist zur Einreichung beziehungsweise 
Verbesserung der Beschwerde hinfällig geworden sind,

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Verfahrenskosten auf-
zuerlegen sind (Art. 63 Abs. 3 VwVG),

dass aufgrund der Akten nicht davon auszugehen ist, dem nicht vertre-
tenen Beschwerdeführer seien verhältnismässig hohe Kosten entstan-
den,  weshalb  keine  Parteientschädigung  zuzusprechen  ist  (Art.  7 
Abs. 4  des  Reglements  vom 21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]).

(Dispositiv auf der nächsten Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen.

2.
Die Verfügung vom 30. April 2010 wird aufgehoben und die Sache zur 
Entscheidbegründung an das BFM zurückgewiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

5.
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM und  die  zu-
ständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bruno Huber Peter Jaggi

Versand:

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