# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 26c6ef2b-1a2a-5667-9e6f-10f26184183c
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** HG200259-O22
**Docket/Reference:** HG200259-O22
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/HG200259-O22.pdf

## Full Text

Handelsgericht des Kantons Zürich

Geschäfts-Nr.: HG200259-O

U/dz

Mitwirkend: Oberrichterin Dr. Claudia Bühler, Präsidentin, und Oberrichterin 

Noëlle Kaiser Job, Handelsrichter Dr. Alexander Müller und Patrick 

Lerch, Handelsrichterin Dr. Petra Ginter sowie Gerichtsschreiber 

Dario König

Beschluss und Urteil vom 4. Juni 2025

in Sachen

A._____ ,

Kläger

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

gegen

B._____  AG, 

Beklagte

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ 

betreffend Forderung

  
- 2 -

Rechtsbegehren:
(act. 1 S. 2)

 "1.

Es sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger eine Genugtuung 
im Betrag von Fr. 43'300.- zuzüglich Zins von 5 % p.a. seit 
13.8.2008 zu bezahlen.

2.  Es sei Vormerk davon zu nehmen, dass es sich bei Antrag Nr. 1 
um eine Teilklage handelt und sich der Kläger vorbehält, von der 
Beklagten zu einem späteren Zeitpunkt zusätzlich Schadenersatz 
zu verlangen.

3. 

[…]

Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich MWST 
zulasten der Beklagten."

Inhaltsverzeichnis:

A.

2.
3.
4.

Sachverhaltsübersicht ....................................................................................3
Parteien ..................................................................................................3
a.
b.
Prozessgegenstand ...............................................................................3
Prozessverlauf ................................................................................................4
B.
Erwägungen: ...........................................................................................................7
Formelles ........................................................................................................7
1.
1.1. Zuständigkeit..........................................................................................7
1.2. Teilklage .................................................................................................7
Unstrittiger Sachverhalt ..................................................................................8
Rechtliche Vorbemerkungen ..........................................................................9
Subordinationsverhältnis und funktioneller Zusammenhang ........................10
4.1. Subordinationsverhältnis......................................................................10
4.2. Funktioneller Zusammenhang..............................................................10
4.2.1. Parteivorbringen .................................................................................10
4.2.2. Rechtliches .........................................................................................11
4.2.3. Würdigung ..........................................................................................12
5. Widerrechtlichkeit .........................................................................................12
5.1. Parteivorbringen...................................................................................12
5.2. Rechtliches...........................................................................................15
5.2.1. Allgemeines zur Widerrechtlichkeit.....................................................15
5.2.2. Mögliche Schutznormen .....................................................................16
5.2.3. Verantwortung für Sicherheitsvorkehrungen ......................................18
5.2.4. Gutachten ...........................................................................................19
5.3. Würdigung ............................................................................................20
5.3.1. Verantwortlichkeit für die Absturzsicherung........................................20
5.3.2. Tauglichkeit der Absturzsicherung......................................................21
Kausalzusammenhang zwischen Konstruktion und Unfall ...........................26
6.1. Parteivorbringen...................................................................................26

6.

- 3 -

6.2. Rechtliches...........................................................................................28
6.3. Würdigung ............................................................................................30
Entlastungsbeweise......................................................................................37
7.
8. Genugtuungsanspruch .................................................................................38
8.1. Rechtliche Vorbemerkungen................................................................38
8.2. Gesundheitliche Beschwerden des Klägers.........................................39
8.2.1. Parteivorbringen .................................................................................39
8.2.2. Rechtliches .........................................................................................40
8.2.3. Würdigung ..........................................................................................40
8.3. Kausalzusammenhang zwischen Unfall und Beschwerden.................41
8.3.1. Parteivorbringen .................................................................................41
8.3.2. Würdigung ..........................................................................................41
Immaterielle Unbill................................................................................42
8.4.
8.4.1. Parteivorbringen .................................................................................42
8.4.2. Würdigung ..........................................................................................43
8.5. Höhe der Genugtuung..........................................................................43
Fazit ..............................................................................................................45
9.
10. Kosten- und Entschädigungsfolgen ..............................................................46
10.1. Gerichtskosten .....................................................................................46
10.2. Parteientschädigung ............................................................................46

Sachverhalt und Verfahren:

A.

a.

Sachverhaltsübersicht

Parteien

Der Kläger ist eine natürliche Person mit Jahrgang 1976 und Wohnsitz in C._____ 

.

Die Beklagte ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in D._____ , welche die Übernahme 

und Ausführung von Hoch- und Tiefbauarbeiten aller Art bezweckt.

b.

Prozessgegenstand

Der Kläger erlitt im Jahr 2008 einen schweren Arbeitsunfall auf einer Baustelle in 

D._____ . Er stürzte durch eine Deckenöffnung des Flachdachs eines sich in Bau 

befindlichen Gebäudes knapp 6 Meter in die Tiefe und zog sich Verletzungen zu. 

Die Öffnung war zuvor von einem Arbeitnehmer der Beklagten mit einer Konstruk-

tion  aus  Schaltafeln  abgedeckt  worden.  Der  genaue  Unfallhergang  ist  ungeklärt 

und zwischen den Parteien strittig.

- 4 -

Gemäss  Kläger  war  die  angebrachte  Absturzsicherung  nicht  tauglich  und  verur-

sachte deshalb seinen Sturz. Die Beklagte hafte als Geschäftsherrin für die Folgen 

der  ungenügenden  Sicherung durch  ihren  Arbeitnehmer.  Der  Kläger  verlangt als 

Teilklage Genugtuung für seine erlittene immaterielle Unbill.

Die Beklagte bestreitet jegliche Haftung, da sie für die Baustellensicherheit nicht 

verantwortlich gewesen sei. Zudem habe die von ihrem Arbeitnehmer angebrachte 

Sicherung  den  geltenden  Vorschriften  entsprochen.  Sie  müsse  vor  dem  Absturz 

des Klägers absichtlich verschoben worden sein, sonst wäre ein Versagen der Kon-

struktion nicht möglich gewesen.

B.

Prozessverlauf 

Mit Eingabe vom 17. Dezember 2020 (Datum Poststempel) reichte der Kläger die 

vorliegende  Klage  mit  eingangs  erwähnten  Rechtsbegehren  ein  und  stellte  ein 

Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  (act. 1,  act. 2  und 

act. 3/2-48). Mit Beschluss vom 19. Januar 2021 (act. 4) wurde dem Kläger diese 

gewährt,  ihm  Rechtsanwalt  X._____    als  unentgeltlicher  Rechtsbeistand  bestellt 

und  Nachfrist  zur  Einreichung  eines  ergänzten  Beweismittelverzeichnisses 

angesetzt. Der Beklagten wurde gleichzeitig Frist zur Erstattung der Klageantwort 

angesetzt.  Mit  Eingabe  vom  4. Februar  2021  reichte  der  Kläger  das  ergänzte 

Beweismittelverzeichnis ein (act. 6 und act. 7). Die Beklagte reichte mit Eingabe 

vom 25. März 2021 fristgerecht die Klageantwort ein und stellte den Antrag, das 

Verfahren einstweilen auf die Frage der grundsätzlichen Haftung der Beklagten zu 

beschränken (act. 9, act. 10 und act. 11/B, 1-2). Mit Verfügung vom 29. April 2021 

(act. 12) wurde dem Kläger die Klageantwort zugestellt, der Antrag der Beklagten 

auf Verfahrensbeschränkung abgewiesen und die Prozessleitung an Oberrichterin 

Noëlle Kaiser Job delegiert.

Mit  Schreiben  vom  14. Juni  2021  (act. 15)  ersuchte  der  Kläger  das  Gericht  im 

Hinblick auf die auf den 26. August 2021 angesetzte Vergleichsverhandlung (vgl. 

act. 14),  in  informeller  Weise  schriftlich  oder  mündlich  zur  Klageantwort  Stellung 

nehmen  zu  können.  Mit  Schreiben  vom  13.  Juli  2021  (act.  17)  teilte  die 

Instruktionsrichterin  dem  Kläger  mit,  dass 

für  eine  derartige 

informelle 

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Stellungnahme kein Anlass bestehe, zumal sich die Beklagte mit Schreiben vom 5. 

Juli  2021  (act. 16)  ausdrücklich  dagegen  ausgesprochen  habe.  Am  26.  August 

2021 fand die Vergleichsverhandlung statt, welche zu keiner Einigung der Parteien 

führte  (Prot.  S.  7  f.).  Mit  Verfügung  selben  Tages  (act. 19)  wurde  ein  zweiter 

Schriftenwechsel  angeordnet  und  dem  Kläger  Frist  zur  Einreichung  der  Replik 

angesetzt. Nach fristgerechtem Eingang der Replik vom 28. Oktober 2021 (act. 21 

und act. 22/1-2, 13) wurde der Beklagten mit Verfügung vom 4. November 2021 

(act. 23) Frist zur Erstattung der Duplik angesetzt. Diese ging mit Eingabe vom 24. 

Januar 2022 (act. 25) innert Frist ein und wurde dem Kläger mit Verfügung vom 30. 

März 2022 (act. 26) zugestellt. Gleichzeitig wurde den Parteien der Aktenschluss 

angezeigt.  Mit  Schreiben  vom  31.  März  2022  (act. 28)  ersuchte  der  Kläger  um 

Fristansetzung  zur  Stellungnahme  zu  den  Dupliknoven.  Nachdem  die 

Instruktiononsrichterin  ihm  mit  Schreiben  vom  11.  April  2022  (act.  30)  mitgeteilt 

hatte, dass dazu praxisgemäss keine formelle Fristansetzung erfolge, reichte der 

Kläger  am  13.  April  2022  eine  Stellungnahme  (act. 32)  ein.  Diese  wurde  der 

Beklagten  am  4.  Mai  2022  zugestellt  (Prot.  S. 13),  welche  sich  dazu  nicht  mehr 

äusserte. 

Mit  Beweisbeschluss  vom  25. April  2023  (act. 35)  wurden  die  Beweisthemen 

definiert,  die  Beweisabnahme  einstweilen  auf  die  Einholung  eines  Gutachtens 

beschränkt,  den  Parteien  dipl.  Bauingenieurin  E._____ 

  als  Gutachterin 

vorgeschlagen  und  der  Beklagten  Frist  zur  Leistung  eines  Barvorschusses  von 

CHF 12'000.–  angesetzt.  Aufgrund  der  dem  Kläger  gewährten  unentgeltlichen 

Rechtspflege  war  von  ihm  kein  Barvorschuss  einzuverlangen.  Gegen  die 

vorgeschlagene Gutachterin wie auch die Delegation der Beweisabnahme an die 

Instruktionsrichterin  erhoben  die  Parteien  keine  Einwände.  Nach  Eingang  des 

Barvorschusses der Beklagten (vgl. act. 37) wurde E._____  mit Verfügung vom 21. 

August 2023 (act. 41) als sachverständige Person ernannt und den Parteien der 

Entwurf  der  schriftlichen  Instruktion  zugestellt,  um  sich  zur  Fragestellung  zu 

äussern. Mit Eingabe vom 3. August 2023 (act. 38) ersuchte Rechtsanwalt X._____  

um  Ausrichtung  einer  Akontozahlung  in  der  Höhe  von  CHF 10'000.–  an  sein 

Honorar  als  unentgeltlicher  Rechtsvertreter,  welche  ihm  mit  Verfügung  vom  18. 

September  2023  (act. 44)  gewährt  wurde.  Der  Entscheid  über  das  ebenfalls 

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gestellte Gesuch um Erstattung der Kosten von CHF 6'575.75 für die vom Kläger 

in  Auftrag  gegebenen  Berichte/Privatgutachten  wurde  dem  Endentscheid 

vorbehalten. 

Nach Eingang der Stellungnahmen der Parteien vom 1. bzw. 25. September 2023 

(act. 43  bzw.  47)  wurde  die  Gutachterinstruktion  mit  Verfügung  vom  23. Oktober 

2023 (act. 48) abgeändert und die Gutachterin entsprechend instruiert (act. 49). Auf 

Anfrage  der  Gutachterin  (act. 52)  stellte  der  Kläger  dem  Gericht  bzw.  der 

Gutachterin  das  Original  der  Fotoblätter  der  Kantonspolizei  Zürich  (act. 54)  zur 

Verfügung.  Nach  Eingang  des  Gutachtens  vom  27.  März  2024  (act. 62)  wurde 

dieses den Parteien mit Verfügung vom 2. April 2024 (act. 64) und unter Beilage 

der  Rechnung  zur  Stellungnahme  zugestellt.  Mit  Eingabe  vom  23.  April  2024 

(act. 66) verzichtete der Kläger auf eine Erläuterung oder Ergänzung; die Beklagte 

verlangte  mit  Eingabe  vom  7.  Mai  2023  (act.  67)  die  Bestellung  eines 

Obergutachters. Mit Verfügung vom 28. Mai 2024 (act. 69) wurde der Antrag der 

Beklagten abgewiesen und eine Erläuterung des Gutachtens angeordnet. Der vom 

Kläger  mit  Eingabe  vom  4. Juni  2024  gestellte  Antrag,  der  Gutachterin  keine 

Ergänzungsfragen zu unterbreiten, wurde mit Verfügung vom 7. Juni 2024 (act. 73) 

abgewiesen und der Beklagten Frist angesetzt, für die Erläuterung des Gutachtens 

einen Barvorschuss in der Höhe von CHF 7'500.– zu leisten. Dieser Vorschuss ging 

hierorts fristgemäss ein (act. 77). Mit Verfügung vom 11. Juni 2024 (act. 75) wurde 

die  Sachverständige  für  ihr  Gutachten  vom  27.  März  2024  antragsgemäss  mit 

CHF 28'060.80 

entschädigt.  Am 

2. 

Juli 

2024 

erstattete 

sie 

die 

Gutachtenserläuterung  (act.  79),  welche  den  Parteien  mit  Verfügung  vom  4.  Juli 

2024 (act. 82) und unter Beilage der Rechung zur Stellungnahme zugestellt wurde. 

Die  jeweiligen  Stellungnahmen  vom  13.  bzw.  16. August  2024  (act.  85  bzw.  86) 

wurden  den  Parteien  mit  Verfügung  vom  27. August  2024  (act.  90)  gegenseitig 

zugestellt. Mit Verfügung selben Tages wurde die Gutachterin für die Erläuterung 

mit CHF 7'958.85 entschädigt (act. 88).

Mit Verfügung vom 26. November 2024 (act. 93) wurde dem Kläger Frist angesetzt, 

um  die  Adresse  eines  Zeugen  bekannt  zu  geben.  Dieser  Aufforderung  kam  der 

Kläger  mit  Eingabe  vom  2.  Dezember  2024  (act.  95)  nach.  Mit  Beschluss  vom 

- 7 -

3. Dezember  2024  (act. 96)  wurde  die  Abnahme  zusätzlicher  Beweismittel 

beschlossen. In der Folge wurden die Parteien zur Beweisverhandlung auf den 20. 

Januar 2025 vorgeladen, anlässlich welcher die Parteibefragung des Klägers und 

die Befragung des Zeugen F._____  stattfanden (Prot. S. 46 ff.). Mit Verfügung vom 

28. Januar 2025 (act. 100) wurden den Parteien die Protokolle der Befragungen 

zugestellt  und  ihnen  Frist  zur  Erklärung  angesetzt,  ob  sie  auf  Durchführung  der 

mündlichen  Hauptverhandlung  verzichteten.  Nachdem  beide  Parteien  darauf 

verzichtet hatten (act. 102 und 103), wurde ihnen mit Verfügung vom 11. Februar 

2025  (act. 105)  Frist  zur  Erstattung  schriftlicher  Schlussvorträge  angesetzt.  Der 

Kläger erstattete mit Eingabe vom 11. März 2025 (act. 112) und die Beklagte mit 

Eingabe  vom  14. März  2025  (act. 113)  innert  erstreckter  Frist  den  schriftlichen 

Schlussvortrag. Nach gegenseitiger Zustellung der Schlussvorträge (vgl. act. 114) 

äusserte  sich  die  Beklagte  mit  Eingabe  vom  3.  April  2025  (act. 116)  zum 

Schlussvortrag des Klägers. Diese ist dem Kläger mit dem vorliegenden Entscheid 

zuzustellen. Das Verfahren erweist sich als spruchreif.

Erwägungen:

1.

Formelles

1.1.

Zuständigkeit

Die örtliche und sachliche Zuständigkeit des Handelsgerichts ist gegeben (Art. 36 

ZPO; Art. 6 Abs. 2 und 3 ZPO i.V.m. § 44 lit. b GOG) und im Übrigen nicht bestritten 

(act. 9 S. 28 N. 93).

1.2.

Teilklage

Der Kläger verlangt im Rahmen seiner Teilklage nur eine Genugtuung und behält 

sich vor, den Ersatz weiteren Schadens zu verlangen. Dabei handelt es sich um 

eine sogenannte unechte Teilklage, die ohne Weiteres zulässig ist (Art. 86 ZPO; 

DIKE ZPO-FÜLLEMANN, Art. 86 N. 3). An der Vormerknahme eines Nachklagevor-

behalts im Dispositiv, wie es der Kläger mit Rechtsbegehren Ziff. 2 verlangt, besteht 

in der Regel kein Rechtsschutzinteresse (BGer 4A_401/2011 vom 18. Januar 2012, 

E. 4). Da der Kläger vorliegend weder ein Rechtsschutzinteresse dargetan hat noch 

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ein solches ersichtlich ist, ist auf Rechtsbegehren Ziffer 2 nicht einzutreten (Art. 59 

Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 lit. a ZPO).

2.

Unstrittiger Sachverhalt

2.1. Die Beklagte war von der G._____  AG – Bauherrin und Generalunterneh-

merin  –  mit  der  Ausführung  gewisser  Baumeisterarbeiten  auf  der  Baustelle 

H._____  in D._____  beauftragt (act. 9 S. 11 f. N. 24 und 27; act. 21 S. 19 N. 57). 

Die Beklagte übertrug ihrerseits Armierungsverlegearbeiten an die I._____  GmbH, 

für welche der Kläger als Eisenleger arbeitete (act. 9 S. 12 N. 28; act. 1 S. 9 N. 16 

und S. 14 N. 38).

2.2. Auf  dem  Flachdach  des  im  Bau  begriffenen  Gebäudes  am  H._____  

[Strasse] befand sich eine Oberlichtaussparung bzw. Deckenöffnung für das Trep-

penhaus. Diese Öffnung war Teil eines eingebauten Betonelements, welches Be-

standteil des in Elementbauweise erstellten Treppenhauses sein sollte (act. 9 S. 13 

N. 30; act. 21 N. 58). Ein Angestellter der Beklagten, J._____ , sicherte die Öffnung 

am Montag 11. oder Dienstag 12. August 2008 mit einer selbst angefertigten Schal-

tafelkonstruktion (act. 1 S. 8 N. 16; act. 9 S. 13 N. 32). Dazu verwendete er drei 

unterschiedlich breite (vgl. auch act. 62 S. 9), marktübliche Schaltafeln und zwei 

Querleisten. Die Schaltafeln ordnete er mit den Längsseiten zueinander an, an den 

jeweiligen Breitseiten nagelte er die Querleisten als Zwangsleisten an. Die Absturz-

sicherung wurde mit den Zwangsleisten nach unten auf dem Betonrahmen der De-

ckenöffnung platziert (act. 9 S. 14 N. 34 f.; act. 21 S. 20 N. 62). 

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Abb.: Rekonstruktion der Schaltafelabdeckung durch die Polizei (act. 22/13, Foto Nr. 11)

2.3. Am Mittwoch, 13. August 2008, ging der Kläger mehrmals über die abge-

deckte Oberlichtaussparung. Als der Kläger die Öffnung ein weiteres Mal überque-

ren wollte, stürzte er auf den 5.86 m tiefer liegenden Zwischenboden des Treppen-

hauses (act. 1 S. 8 N. 16; act. 9 S. 13 N. 32 und S. 28 N. 96). Wie bereits erwähnt, 

ist der genaue Unfallhergang ungeklärt und zwischen den Parteien strittig. Aner-

kannt ist, dass die Abdeckung auseinanderbrach, wobei ein Teil auf dem Dach lie-

gen blieb, während der Rest mit dem Kläger in die Tiefe fiel (act. 1 S. 19 N. 53; act. 

9 S. 18 N. 49 f. und S. 31 N. 108; vgl. auch act. 22/13 Fotos Nr. 3-6). Durch den 

Sturz zog sich der Kläger mehrere, teils erhebliche Verletzungen zu (act. 1 S. 8 ff. 

N. 17 ff.; act. 9 S. 8 N. 16; zu den Körperverletzungen siehe auch hinten E. 8.2).

3.

Rechtliche Vorbemerkungen

3.1. Der Kläger macht einen Genugtuungsanspruch geltend, welchen er auf die 

Geschäftsherrenhaftung der Beklagten stützt (Art. 55 OR).

3.2. Der Geschäftsherr haftet für den Schaden, den seine Arbeitnehmer oder an-

dere Hilfspersonen in Ausübung ihrer dienstlichen oder geschäftlichen Verrichtun-

gen verursacht haben, wenn er nicht nachweist, dass er alle nach den Umständen 

gebotene Sorgfalt angewendet hat, um einen Schaden dieser Art zu verhüten, oder 

dass der Schaden auch bei Anwendung dieser Sorgfalt eingetreten wäre (Art. 55 

Abs. 1 OR).

- 10 -

3.3. Bei der Geschäftsherrenhaftung handelt es sich um eine einfache Kausal-

haftung (BGE 110 II 456, E. 2). Neben den allgemeinen Haftungsvoraussetzungen 

– Schaden, Widerrechtlichkeit und Kausalzusammenhang – muss ein Subordinati-

onsverhältnis und ein funktioneller Zusammenhang zwischen der dienstlichen oder 

geschäftlichen  Verrichtung  und  der  schädigenden  Handlung  bestehen.  Der  Ge-

schäftsherr kann sich durch den Nachweis gehöriger Sorgfalt oder fehlender Kau-

salität befreien (BGer 4A_616/2019 vom 17. April 2020, E. 4.1.1; 4A_326/2008 vom 

16. Dezember 2008, E. 5.1).

4.

Subordinationsverhältnis und funktioneller Zusammenhang

4.1. Subordinationsverhältnis

Bei J._____ , welcher die Deckenöffnung mit der selbst angefertigten Schaltafel-

konstruktion gesichert hatte, handelte es sich unstrittig um einen Arbeitnehmer der 

Beklagten (act. 1 S. 17 N. 49; act. 9 S. 8 N. 16d), weshalb das Subordinationsver-

hältnis zu bejahen ist.

4.2.

Funktioneller Zusammenhang

4.2.1. Parteivorbringen

4.2.1.1. Zum funktionellen Zusammenhang bringt der Kläger vor, dass die Beklagte 

für  das  Erstellen  des  Neubaus  –  und  dabei  auch  für  die  Abdeckung  der  Ober-

lichtaussparung  –  sowie  für  die  Baustellensicherheit  verantwortlich  gewesen  sei 

(act. 1 S. 8 N. 16 und S. 17 N. 49). J._____  habe im Rahmen der Erstellung des 

Neubaus Bretter über die Oberlichtaussparung gelegt (act. 1 S. 17 N. 50). Die Be-

klagte  bzw.  deren  Mitarbeiter  hätten  auf  dem  Dach  gewisse  Baumeisterarbeiten 

erbracht und seien in Arbeiten rund um die Oberlichtaussparung involviert gewesen 

(act. 21 S. 12 N. 30).

4.2.1.2. Die Beklagte bestreitet, dass ihr die Hauptverantwortung für die Baustelle 

und die Baustellensicherheit zugekommen sei. Die Verantwortung dafür und für das 

Anbringen von Absicherungen hätten die G._____  AG (Bauherrin und GU) und die 

K._____  AG (Bauleitung) getragen (act. 9 S. 11 f. N. 24 f. und S. 22 N. 62). Dem-

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nach habe auch J._____  nicht für das Anbringen der gegenständlichen Absturzsi-

cherung zuständig sein können. Da weder die G._____  AG noch die K._____  AG 

ihrer Sicherungspflicht hinsichtlich der betreffenden Bodenöffnung nachgekommen 

seien, habe J._____  die Absturzsicherung angebracht. Seine dienstliche Verrich-

tung  für  die  Beklagte  habe  in  der  Ausführung  gewisser  Baumeisterarbeiten  und 

nicht im Anbringen, Überwachen und Instandhalten von Absturzsicherungen gele-

gen. Es fehle an einem direkten funktionellen Zusammenhang (act. 9 S. 22 N. 63 

ff.; act. 25 S. 26 f. N. 51 ff.). Die Beklagte habe auf dem Dach einzig das Betonele-

ment eingesetzt. Dies sei notwendigerweise mittels Kran erfolgt, jedoch nicht in der 

Person von J._____ . Die Absturzsicherung sei von diesem nicht in Funktion als 

Hilfsperson der Beklagten angebracht worden (act. 25 S. 26 f. N. 51 ff.).

4.2.2. Rechtliches

Nach Art. 55 OR muss die Hilfsperson in Ausübung dienstlicher oder geschäftlicher 

Verrichtungen  einen  Schaden  verursachen.  Gemäss  Lehre  und  Rechtsprechung 

setzt dies einen inneren Zusammenhang zwischen der Verrichtung und der schä-

digenden Handlung voraus (BSK OR I-KESSLER, 7. Aufl., Basel 2020, Art. 55 N. 13). 

Entscheidend ist, dass zwischen der Tätigkeit, die der Geschäftsherr auf die Hilfs-

person überträgt, und der schädigenden Handlung, die der Schädiger im Interesse 

des  Geschäftsherrn  vornimmt,  ein  direkter,  funktioneller  Zusammenhang  besteht 

(BK-BREHM, Bern 2021, Art. 55 OR N. 21; OFK OR-Komm, FISCHER/BÖHME/GÄHWI-

LER,  4.  Aufl.,  Zürich  2023,  Art.  55  N.  13;  BGer  4A_54/2008  vom  29.  April  2008, 

E. 4.2). Es genügt deshalb nicht, dass der Schaden bloss bei Gelegenheit der Ver-

richtung zugefügt wird, wenn er mit der Verrichtung selber nichts zu tun hat. Der 

Geschäftsherr hat jedoch dafür einzustehen, wenn die Hilfsperson aus eigener In-

itiative eine Aufgabe wahrnimmt bzw. erweitert, sofern er trotz Kenntnis nicht inter-

veniert  (BGer  4A_326/2008  vom  16. Dezember  2008,  E. 5.1;  4A_50/2009  vom 

26. März 2009, E. 2.4).

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4.2.3. Würdigung

Die Beklagte bringt selbst vor, dass die Deckenöffnung Teil eines Betonelements 

war, welches sie mittels Kran auf dem Dach des Gebäudes eingesetzt hatte und 

dass ihr Angestellter, J._____ , die Deckenöffnung mit einer Schaltafelkonstruktion 

sicherte, um einen Absturz von Personen durch diese Öffnung zu verhindern (act. 9 

S. 13 N. 32). Dies tat er in Ausübung seiner dienstlichen Verrichtung, der Ausfüh-

rung von Baumeisterarbeiten. Für die Frage des funktionellen Zusammenhangs ist 

nicht  von  Bedeutung,  ob  die  Beklagte  allgemein  für  die  Baustellensicherheit  und 

J._____  im Besonderen für das Anbringen der Absturzsicherung zuständig war. 

Tatsächlich brachte er eine solche an und zwar im Rahmen seiner Arbeitstätigkeit 

für die Beklagte, weshalb der funktionelle Zusammenhang zu bejahen ist.

5. Widerrechtlichkeit

Zwischen den Parteien ist strittig, ob die Beklagte für die Sicherung der Deckenöff-

nung verantwortlich war und ob die angebrachte Abdeckung zur Sicherung taugte.

5.1. Parteivorbringen

5.1.1. Laut Kläger sind die verwendeten Schaltafeln als Absturzsicherung nicht ge-

eignet,  da  sie  nicht  dafür  vorgesehen  und  nicht  entsprechend  konzipiert  seien. 

Schaltafeln  bestünden  aus  Mehrschichtholz,  das  nicht  durchbruchsicher  sei  und 

gegenüber  anderen  Materialien,  wie  etwa  Massivholz,  eine  weitaus  geringere 

Bruchlast aufweise. Abdeckungen mit Schaltafeln seien umso gefährlicher, wenn 

sie wie hier zusammengenagelt worden seien, was die Durchbruchsicherheit weiter 

reduziere. Die mittlere Schicht einer Schaltafel, welche quer zur Ober- und Unter-

schicht verlaufe, liege bei einer Konstruktion wie der vorliegenden nirgends auf und 

könne entsprechend keine Belastung aufnehmen. Die Abdeckung habe nicht dem 

Stand der Technik entsprochen, da sie weder ausreichend tragfähig noch durch-

bruchsicher gewesen sei, und habe damit gegen diverse Regeln der BauAV und 

VUV verstossen (act. 1 S. 20 N. 54; act. 3/15 und 42). Die generelle Problematik 

mit Schaltafeln als Absturzsicherung sei bereits im Unfallzeitpunkt bekannt gewe-

sen (act. 1 S. 21 f. N. 56 f.; act. 3/43-45).

- 13 -

5.1.2. Der Unfallort habe eine besondere Gefährlichkeit aufgewiesen. So habe die 

Sturzhöhe knapp 6 Meter betragen und sich unter der Öffnung eine Treppe befun-

den (act. 1 S. 22 N. 59). Eine Schaltafelkonstruktion wie die vorliegende sei bereits 

2008 als Abdeckung von solchen Bodenöffnungen untauglich gewesen. Es bestehe 

das Risiko, dass sie auseinanderbreche bzw. die Nägel ausgerissen würden, wenn 

jemand darauf trete. Eine Schaltafel weise eine Abmessung von 2 m x 0.5 m und 2 

cm Dicke sowie ein Gewicht von 10.5 kg auf, mithin die Gesamtkonstruktion ein 

solches  von  nur  rund  20 kg.  Für  die  Abdeckung  seien  Gerüstbretter  und  nicht 

Schaltafeln  zu  verwenden,  da  diese  nicht  als  Tragelemente  ausgelegt  seien 

(act. 21 S. 5 N. 12 f.; act. 22/1-2).

5.1.3. Aufgrund  des  geringen  Gewichts  und  der  gewählten  Zwangsleisten  (aus 

Schaltafeln und nicht ausreichend tief) sei eine Schaltafel nicht gegen ein unbeab-

sichtigtes Verschieben gesichert und könne entsprechend auch nicht als unverrü-

ckbar bezeichnet werden. Vorliegend sei die Schaltafelkonstruktion sehr passge-

nau auf das Loch gelegt worden, weshalb das hohe Risiko bestanden habe, dass 

ein nur sehr geringfügiges Verschieben, das durch das blosse Betreten der Schal-

tafel jederzeit passieren könne, zu einem Nichtaufliegen oder nicht vollständigen 

Aufliegen auf allen vier Seiten führe. In verschobener Position könne die Konstruk-

tion wegen der geringeren Tragfähigkeit den auf sie einwirkenden Kräften weniger 

standhalten, was zu einem höheren Absturzrisiko führe. Dieses erhöhe sich zudem, 

wenn wie vorliegend eine schwere Person auf die Schaltafelkonstruktion trete. Die 

gewählte Konstruktion müsse als mangelhaft qualifiziert werden, da sie nicht mas-

siv genug gewesen sei und unbeabsichtigt habe verschoben werden können (act. 

21 S. 6 N. 14 ff.; act. 22/1; act. 11/2; act. 3/12). Die Beklagte sei direkt in Arbeiten 

rund um die Öffnung involviert gewesen, weshalb sie auf jeden Fall verantwortlich 

gewesen sei, diese angemessen zu sichern (act. 21 S. 18 N. 48 f.).

5.1.4. Die Beklagte entgegnet, dass ein Verschulden ihrerseits bzw. ihres Arbeit-

nehmers J._____  von der Kantonspolizei und der Staatsanwaltschaft ausgeschlos-

sen worden sei. Zudem sei nach Beurteilung der Staatsanwaltschaft ein für die Ver-

letzung des Klägers kausales Verhalten nicht ersichtlich gewesen (act. 9 S. 10 N. 

- 14 -

18 f.; act. 3/12; act. 11/1). Weiter habe die SUVA gegenüber der Beklagten keine 

Regressansprüche weiterverfolgt (act. 9 S. 11 N. 21; act. 3/15).

5.1.5. Für die Sicherheit auf der ganzen Baustelle und die entsprechenden Vorkeh-

rungen für potenziell gefährliche Stellen seien die G._____  AG und die K._____  

AG verantwortlich gewesen, nicht die Beklagte (act. 9 S. 12 N. 25 f.; vgl. auch vorne 

E. 4.2.1.2). Die Deckenöffnung sei Teil eines Betonelements gewesen, welches die 

Beklagte zuvor mit einem Kran auf dem Dach des Gebäudes eingesetzt habe. Um 

die Deckenöffnung sei ein Betonrahmen angebracht gewesen. Eine definitive Ab-

deckung der Öffnung habe aufgrund des damaligen Baufortschrittes noch nicht an-

gebracht werden können (act. 9 S. 13 N. 30 f.; act. 3/13).

5.1.6. Die Schaltafeln und Zwangsleisten seien durch Nägel stabil miteinander ver-

bunden worden (act. 9 S. 14 N. 34; act. 3/13; act. 11/2). Bei korrekter Position der 

Absturzsicherung sei die Öffnung sicher abgedeckt gewesen, sodass kein Absturz 

habe erfolgen können. Auch ein Begehen der Abdeckung und eine grosse Belas-

tung seien dabei ohne Gefahr möglich gewesen. So hätten die beiden Zwangsleis-

ten ein unabsichtliches oder zufälliges Verschieben verhindert, da sie dabei gegen 

den Betonrahmen angestossen wären. Die Absturzsicherung sei somit verrutsch-

sicher bzw. rutschfest gewesen. Es sei sichergestellt gewesen, dass die Konstruk-

tion auf allen vier Seiten vollständig auf dem Betonrahme aufgelegen habe und die 

Lasten direkt auf diesen übertragen worden seien (act. 9 S. 14 f. N. 35 ff.; act. 11/2).

5.1.7. Es habe sich um eine absolut übliche, vorschriftsgemässe und SUVA-kon-

forme Konstruktion gehandelt. Aufgrund des Gewichts von 20 kg und der Zwangs-

leisten könne ein zufälliges Verschieben vollständig ausgeschlossen werden. Ein 

Verschieben sei nur möglich, wenn die Abdeckung bewusst zuerst angehoben und 

dann neu platziert werde. Wenn die Schaltafeln nicht mehr auf allen vier Seiten des 

Betonrahmens auflägen, wirke eine Zwangsleiste als Träger, was die Konstruktion 

unter Umständen nicht aushalte (act. 9 S. 15 f. N. 39 ff.; act. 11/2; act. 3/12).

5.1.8. Aufgrund der zum Zeitpunkt des vorliegenden Ereignisses aktuellen SUVA-

Dokumentation  ergebe  sich,  dass  die  Verwendung  von  Schaltafeln  zwecks  Ab-

sturzsicherung  standardgemäss  erfolgt  sei  (act.  9  S.  24  f.  N.  75;  act.  3/45).  Die 

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Schaltafeln  an  sich  seien  vorliegend  nicht  gebrochen.  Tragfähigkeit  und  Durch-

bruchsicherheit der Abdeckung seien für den Absturz des Klägers irrelevant gewe-

sen. Festigkeit und Qualität des verwendeten Abdeckmaterials hätten den Anfor-

derungen  offensichtlich  genügt  (act.  9  S.  32  N.  111  ff.;  act.  25  S.  12  N.  16  f.; 

act. 3/13; act. 11/2). Das Risiko des Ausreissens der Nägel könne sich nur nach 

einem  absichtlichen  Verschieben  der  Abdeckung  ergeben,  wofür  die  Beklagte 

keine Verantwortung treffe. Die Beklagte bestreitet, dass die Masse von Schaltafeln 

geringer als von massiveren Brettern sei. Die Dicke der gegenständlichen Schalta-

fel betrage 2.7 cm (act. 25 S. 13 N. 22 f.; act. 11/2).

5.1.9. Gemäss  der  Beklagten  ist  ein  unabsichtliches  oder  zufälliges  Verschieben 

auszuschliessen. So halte Prof. Dr. L._____  fest, dass ein zufälliges Verschieben 

bei der Ausführungsart und dem Gewicht der Abdeckung unwahrscheinlich sei (act. 

25  S.  15  N.  25;  act.  11/2).  Die  Abdeckung  sei  nicht  passgenau  auf  die  Öffnung 

gelegt worden, sondern habe einen ausreichenden Überstand aufgewiesen, was 

der allgemeinen Praxis entsprochen habe. Folglich führe ein nur sehr geringfügiges 

Verschieben nicht zu einem nicht mehr vollständigen Aufliegen (act. 25 S. 17 N. 

26e; act. 3/13). Das Versagen der Konstruktion sei eines von mehreren möglichen 

Szenarien und setze auf alle Fälle ein vorheriges bewusstes Verschieben der Ab-

deckung voraus (act. 25 S. 35 N. 88; act. 11/2). Die Verwendung von Schaltafeln 

sei  nicht  kausal  für  den  Absturz  gewesen  (act.  25  S.  41  N.  114;  act. 3/12-13; 

act. 11/2).

5.2. Rechtliches

5.2.1. Allgemeines zur Widerrechtlichkeit

5.2.1.1. Eine Schadenszufügung ist widerrechtlich, wenn sie gegen eine allgemeine 

gesetzliche Pflicht verstösst, indem entweder ein absolutes Recht des Geschädig-

ten  beeinträchtigt  (Erfolgsunrecht)  oder  eine  reine  Vermögensschädigung  durch 

Verstoss gegen eine Norm bewirkt wird, die nach ihrem Zweck vor derartigen Schä-

den schützen soll (Verhaltensunrecht; BGE 133 III 323, E. 5.1; 123 III 306, E. 4a; 

122 III 176, E. 7b; 119 II 127, E. 3). Eine ausservertragliche Haftung wegen Unter-

lassung setzt auch bei der Beeinträchtigung eines absoluten Rechtes ein Nichthan-

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deln trotz Bestehens einer rechtlichen Handlungspflicht voraus. Denn der Grund-

satz, dass die Verletzung eines absoluten Rechtsgutes per se widerrechtlich ist, ist 

auf die Beeinträchtigung durch aktives Handeln ausgerichtet (BGer 4A_520/2007 

vom 31. März 2008, E. 2.1; 4C.119/2000 vom 2. Oktober 2000, E. 2b). Wer eine 

Handlung unterlässt, zu der er nach der Rechtsordnung nicht verpflichtet ist, ver-

stösst  nicht  gegen  diese  und  handelt  nicht  rechtswidrig.  Widerrechtlichkeit  durch 

Unterlassen kann daher nur dann entstehen, wenn eine Schutznorm zu Gunsten 

des Geschädigten ein Handeln ausdrücklich verlangt (BGE 118 Ib 473, E. 2b; 118 

II 502, E. 3; 116 Ib 367, E. 4c; 115 II 15, E. 3b).

5.2.1.2. Solche  Schutznormen  können  sich  aus  irgendeinem  Teil  des  objektiven, 

selbst des ungeschriebenen Rechts, und aus allgemeinen Rechtsgrundsätzen er-

geben (BGE 116 Ib 367, E. 4c; 115 II 15, E. 3c mit Hinweisen; BGer 2A.511/2005 

vom 16. Februar 2009, E. 5.1). Steht ein absolutes Recht auf dem Spiel, so ergibt 

sich nach einem ungeschriebenen Rechtsgrundsatz eine Handlungspflicht für den-

jenigen, der den gefährlichen Zustand geschaffen oder sonst in einer rechtlich ver-

bindlichen Weise zu vertreten hat (BGE 121 III 358, E. 4a; 112 II 138, E. 3a; 95 II 

93, E. 2; 60 II 38, E. 1). Der Gefahrensatz, wonach derjenige, der einen gefährlichen 

Zustand schafft oder unterhält, die zur Vermeidung eines Schadens erforderlichen 

Schutzmassnahmen zu ergreifen hat, ist bei der Verletzung von absoluten Rechts-

gütern – im Gegensatz zu reinen Vermögensschäden – geeignet, bei Fehlen einer 

spezifischen  Schutznorm  eine  Widerrechtlichkeit  zu  begründen 

(BGer 

4A_520/2007  vom  31.  März  2008,  E.  2.1;  4C.119/2000  vom  2.  Oktober  2000, 

E. 2b).  Die  Widerrechtlichkeit  als  Haftungsvoraussetzung  hat  zu  beweisen,  wer 

eine  Genugtuung  beansprucht  (vgl.  BGE  137  III  539,  E.  5.2;  132  III  122,  E.  4.1; 

BGer 4A_104/2012 vom 3. August 2012, E. 2.1).

5.2.2. Mögliche Schutznormen

5.2.2.1. Für die Sicherheit und Unfallverhütung auf dem Bau bestehen zahlreiche 

Normen. Diese finden sich zum einen in der Verordnung über die Sicherheit und 

den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei Bauarbeiten 

(BauAV; SR 832.311.141; im Folgenden Bauarbeitenverordnung), zum anderen in 

- 17 -

der  Verordnung  über  die  Verhütung  von  Unfällen  und  Berufskrankheiten  (VUV; 

SR 832.30).

5.2.2.2. Nach Art. 17 Abs. 2 aBauAV (in der zum Unfallzeitpunkt geltenden Fas-

sung) sind Bodenöffnungen, in die man hineintreten kann, mit einem Seitenschutz 

abzuschranken oder mit einer durchbruchsicheren und unverrückbaren Abdeckung 

zu versehen. Nach Art. 2 lit. d aBauAV ist eine Fläche durchbruchsicher, wenn sie 

allen Belastungen standhält, die während der Ausführung von Arbeiten auftreten 

können. Für die Unverrückbarkeit besteht keine Legaldefinition. Gemäss bundes-

gerichtlicher  Rechtsprechung  muss  eine  Abdeckung  einer  unbeabsichtigten  Ver-

schiebung standhalten, um den Anforderungen von Art. 17 Abs. 2 BauAV zu genü-

gen (BGer 6B_200/2017 vom 1. November 2017, E. 4.2). Auch die Parteien gehen 

gestützt auf die Privatgutachten davon aus, dass eine Abdeckung unverrückbar ist, 

wenn ein zufälliges oder unabsichtliches Verschieben verhindert wird (act. 9 S. 18 

N. 47; act. 21 S. 6 N. 14; act. 11/2; act. 22/1). Nach Art. 33 Abs. 3 aBauAV sind bei 

Dachöffnungen, unabhängig von der Absturzhöhe, Absturzsicherungen anzubrin-

gen. 

5.2.2.3. Die Bauarbeitenverordnung basiert auf Art. 83 Abs. 1 UVG und auf Art. 40 

des Bundesgesetzes vom 13. März 1964 über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und 

Handel (Arbeitsgesetz, ArG; SR 822.11). Sie richtet sich in erster Linie an Betriebe, 

die in der Schweiz Arbeitnehmer beschäftigen (Art. 81 Abs. 1 UVG). Die Verord-

nung über die Unfallverhütung wurde gestützt auf Art. 81 des Bundesgesetzes vom 

6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; 

SR 830.1), Art. 81 ff. UVG und Art. 40 ArG erlassen. Die Bauarbeitenverordnung 

weist vielfach auf baustellentypische Gefahren hin, ohne sich dabei explizit an je-

manden zu wenden. Solche «technischen Normen», wie sie die Bauarbeitenver-

ordnung grösstenteils enthält, verpflichten nicht bloss Arbeitgeber und Arbeitneh-

mer (Bauunternehmer und Bauarbeiter), sondern sind – je nach der Aufgabenver-

teilung auf der Baustelle – von weiteren am Bauwerk beteiligten Personen zu be-

achten (ROGER ANDRES, Arbeitssicherheit beim Bauen: ein Anliegen aller Akteure, 

BR 2017 S. 81 ff., 82; vgl. auch BGer 6B_437/2008 vom 24. Juli 2009, E. 5.7.1). 

- 18 -

5.2.2.4. Gemäss Merkblatt der SUVA "Sicherung von Bodenöffnungen bei Bauar-

beiten" (7. Aufl. März 2008, act. 3/45) sind Bodenöffnungen jeder Art von Gesetzes 

wegen (mit Verweis auf Art. 17 Abs. 2 und Art. 33 Abs. 3 BauAV) entweder in solider 

Weise  abzudecken  oder  mit  einem  Seitenschutz  abzuschranken.  Die  Richtlinien 

der SUVA enthalten folglich keine über die Bestimmungen der Bauarbeitenverord-

nung hinausgehende Anforderungen.

5.2.2.5. Nach Art. 21 VUV sind u.a. Wand- und Bodenöffnungen gegen den Absturz 

von  Personen,  Gegenständen,  Fahrzeugen  und  Material  durch  Abschrankungen 

oder Geländer zu sichern. Auf Abschrankungen oder Geländer kann verzichtet oder 

ihre Höhe verringert werden, wenn dies für die Durchführung von Transporten oder 

für Produktionsvorgänge unerlässlich ist und eine gleichwertige Ersatzlösung ge-

troffen wird. Nach Art. 25 VUV müssen Arbeitsmittel so gestaltet sein, dass sie bei 

ihrer bestimmungsgemässen Verwendung den auftretenden Belastungen und Be-

anspruchungen standhalten. Die Belastbarkeit ist, wenn nötig, gut sichtbar anzu-

schreiben.

5.2.3. Verantwortung für Sicherheitsvorkehrungen

5.2.3.1. Wer  bei  der  Leitung  oder  Ausführung  eines  Bauwerks  mitwirkt,  ist  dafür 

verantwortlich, dass in seinem Bereich die Regeln der Baukunde eingehalten wer-

den (BGer 6B_120/2019 vom 17. September 2019, E. 7.2). Soweit es um Mass-

nahmen der Unfallverhütung geht, hat nicht nur derjenige, der die spezifische Un-

fallgefahr geschaffen hat, für die vorschriftsgemässe Verminderung oder Ausschal-

tung des Risikos besorgt zu sein, sondern hat jeder Arbeitgeber erkennbare Män-

gel, welche für seine Leute eine vermeidbare Gefährdung bilden, zu beheben oder 

durch zweckmässige Intervention die Einhaltung der Unfallverhütungsvorschriften 

zu veranlassen (BGE 109 IV 15, E. 2a). 

5.2.3.2. Wer einen gefährlichen Zustand selber schafft, ist nach ständiger Recht-

sprechung verpflichtet, die durch die Umstände gebotenen Vorsichtsmassnahmen 

zu  treffen.  Demnach  muss  ein  Bauunternehmer  oder  -leiter,  der  eine  Gefahr  für 

Leib  und  Leben  anderer  setzt,  alle  notwendigen  Massnahmen  zur  Verhinderung 

einer Schädigung vorkehren. Dies gilt nicht nur gegenüber seinen eigenen Arbei-

- 19 -

tern,  sondern  auch  allen  Übrigen  von  der  Gefahr  Betroffenen  (BGE  101  IV  28, 

E. 2b).

5.2.3.3. Die  Unterscheidung  verschiedener  Verantwortlichkeitsbereiche  ist  eine 

Folge der beim Bau unumgänglichen Arbeitsteilung. Da sich allerdings die einzel-

nen Tätigkeiten häufig nicht scharf voneinander abgrenzen lassen, überschneiden 

sich  die  Verantwortlichkeitsbereiche  (BGer  6B.58/2003  vom  3. August  2004, 

E. 6.1).

5.2.4. Gutachten

5.2.4.1. Die sachverständige Person soll dem Gericht durch ihre besonderen fach-

lichen  Kenntnisse  die  zur  Entscheidung  notwendige  Erfahrung  beziehungsweise 

das notwendige Fachwissen vermitteln. Die gerichtliche Expertin teilt dem Gericht 

auf Grund ihrer Sachkunde entweder Erfahrungs- oder Wissenssätze ihrer Disziplin 

mit, erforscht für das Gericht erhebliche Tatsachen oder zieht sachliche Schluss-

folgerungen aus bereits bestehenden Tatsachen (BGer 4A_66/2018 vom 15. Mai 

2019,  E. 2.2;  4A_85/2017  vom  4.  September  2017,  E.  2.2.1;  4P.248/2006  vom 

8. Januar 2007, E. 2.6). Die Gutachterin ist im Gegensatz zum (allenfalls sachver-

ständigen) Zeugen, der über eigene Wahrnehmungen aussagt, ersetzbar, weshalb 

sie  vom  Gericht  bestimmt  wird  (BGer  4A_9/2018  vom  31.  Oktober  2018,  E.  5.1; 

4A_85/2017, E. 2.2.1).

5.2.4.2. In Fachfragen darf das Gericht nur aus triftigen Gründen von einem Ge-

richtsgutachten abweichen. Es hat zu prüfen, ob sich auf Grund der übrigen Be-

weismittel und der Vorbringen der Parteien ernsthafte Einwände gegen die Schlüs-

sigkeit der gutachterlichen Darlegungen aufdrängen. Erscheint ihm die Schlüssig-

keit eines Gutachtens in wesentlichen Punkten als zweifelhaft, hat das Gericht nö-

tigenfalls ergänzende Beweise zur Klärung dieser Zweifel zu erheben. Das Abstel-

len auf eine nicht schlüssige Expertise bzw. der Verzicht auf die gebotenen zusätz-

lichen  Beweiserhebungen  kann  gegen  das  Verbot  willkürlicher  Beweiswürdigung 

verstossen (BGE 138 III 193, E. 4.3.1; 136 II 539, E. 3.2).

- 20 -

5.2.4.3. Gemäss der revidierten Zivilprozessordnung gelten private Gutachten der 

Parteien neu als Urkunden (Art. 177 ZPO). Nach Art. 407f ZPO gilt dies auch für 

Verfahren, die bei Inkrafttreten der Änderung per 1. Januar 2025 bereits rechtshän-

gig waren. Partei- oder Privatgutachten stellen daher als solche ein zulässiges Be-

weismittel  im  Sinne  von  Art.  168  Abs.  1  lit.  b  ZPO  dar.  Sie  unterliegen  gemäss 

Art. 157 ZPO der freien Beweiswürdigung des Gerichts; daher ergibt sich ihr Be-

weiswert im konkreten Einzelfall unter Berücksichtigung aller Umstände.

5.3. Würdigung

5.3.1. Verantwortlichkeit für die Absturzsicherung

5.3.1.1. Die Beklagte bestreitet zunächst ihre grundsätzliche Verantwortlichkeit für 

die Sicherung der Deckenöffnung. Wie ausgeführt hat, wer einen gefährlichen Zu-

stand schafft, die zur Vermeidung eines Schadens erforderlichen Schutzmassnah-

men zu ergreifen. Indem die Beklagte als Baumeisterin ein Betonelement mit einer 

beachtlichen  Öffnung  in  das  Flachdach  des  sich  im  Bau  befindlichen  Gebäudes 

einsetzte, schuf sie für die auf dem Dach tätigen Bauarbeiter die erhebliche Gefahr, 

durch  die  Öffnung  knapp  6  Meter  in  die  Tiefe  zu  stürzen.  Entsprechend  war  sie 

verpflichtet, geeignete Massnahmen zur Verhinderung eines Absturzes zu ergrei-

fen. Zu diesem Zweck fertigte ihr Arbeitnehmer J._____  denn auch eine Schalta-

felkonstruktion an und legte diese auf die Öffnung. 

5.3.1.2. Dabei ist unerheblich, ob die Bauleiterin K._____  AG die Hauptverantwor-

tung für die Baustellensicherheit trug. Denn die Beklagte kann sich durch die Untä-

tigkeit der Bauleitung nicht selbst entlasten. Weiter ist zu beachten, dass die Be-

klagte für die Geschäftsherrenhaftung kein Verschulden im Sinne einer Fahrlässig-

keit treffen muss – wie dies für die Strafbarkeit notwendig wäre – sondern lediglich 

eine Handlungspflicht. Ohnehin wäre das hiesige Gericht als Zivilgericht nicht an 

eine strafrechtliche Beurteilung des Verschuldens, des Sachverhalts und der Wi-

derrechtlichkeit gebunden (Art. 53 OR; BGer 4A_230/2021 vom 7. März 2022, E. 2).

5.3.1.3. Im eben zitierten zivilrechtlichen Bundesgerichtsurteil wurde das Isolations-

unternehmen als Geschäftsherr  zur Verantwortung gezogen, weil dessen Arbeit-

- 21 -

nehmer  durch  das  Verlegen  von  Isolationsmaterial  auf  einer  Baustelle  einen  ge-

fährlichen Zustand geschaffen hatte. In der Folge kam es zum Absturz eines eben-

falls auf der Baustelle tätigen Heizungsmonteurs durch eine vom Isolationsmaterial 

verdeckte Bodenöffnung. Die Bauleitung wurde von einem Drittunternehmen wahr-

genommen; gleichwohl wurde das Isolationsunternehmen als für die Sicherung des 

durch dieses geschaffenen gefährlichen Zustandes verantwortlich betrachtet. 

5.3.1.4. Auch im vorliegenden Fall war die Beklagte folglich – unabhängig von der 

generellen Verantwortung der K._____  AG für die Baustellensicherheit – für die 

Sicherung  der  Deckenöffnung  verantwortlich.  Diesbezügliche  Beweise  brauchen 

keine abgenommen zu werden.

5.3.2. Tauglichkeit der Absturzsicherung

5.3.2.1. Weiter stellt sich die Frage, ob die von J._____  angefertigte Absturzsiche-

rung  zur  Vermeidung  eines  Schadens  genügte.  Die  Sicherungspflichten  der  Be-

klagten werden wie erwähnt durch die Bauarbeitenverordnung und die Verordnung 

über  die  Unfallsicherheit  präzisiert.  Vorliegend  ist  insbesondere  Art.  17  Abs.  2 

aBauAV einschlägig, gemäss welchem Bodenöffnungen – wie auch Deckenöffnun-

gen  (Art.  33  Abs.  3  aBauAV)  –  mit  einem  Seitenschutz  abzuschranken  oder  mit 

einer  durchbruchsicheren  und  unverrückbaren  Abdeckung  zu  versehen  sind.  Da 

die streitgegenständliche Öffnung nicht mit einem Seitenschutz abgeschrankt war, 

hatte die von J._____  angefertigte Abdeckung durchbruchsicher und unverrückbar 

zu sein.

5.3.2.2. Im Rahmen seiner Ausführungen zur Tauglichkeit von Schaltafeln als Ab-

sturzsicherung  bemängelt  der  Kläger  insbesondere  deren  fehlende  Tragfähigkeit 

und Massivität. Vorliegend brach jedoch die aus Schaltafeln angefertigte Konstruk-

tion  auseinander  und  nicht  die  Schaltafeln  selbst.  Insofern  erübrigen  sich  Be-

weisabnahmen betreffend die abstrakte Tauglichkeit von Schaltafeln als Absturzsi-

cherung  und  erweist  sich  das  vom  Kläger  beantragte  Gutachten  zum  Stand  der 

Technik  2008  betreffend  Sicherung  von  Bodenöffnungen  (act.  1  N.  54)  als  nicht 

notwendig. 

- 22 -

5.3.2.3. Zur konkreten Tauglichkeit der vorliegenden Absturzsicherung reichten die 

Parteien verschiedene Berichte bzw. Privatgutachten ein (act. 3/42, act. 11/2 und 

act. 22/1), denen Urkundenqualität zukommt (vgl. Ziff. 5.2.4.3 vorstehend). Ausser-

dem wurde ein gerichtliches Gutachten (act. 62) eingeholt. 

5.3.2.4. Während M._____ , N._____  (act. 3/42), die Abdeckung als unverrückbar 

und Prof. L._____ , O._____  AG (act. 11/2), ein zufälliges Verschieben als ausge-

schlossen (S. 3 oben) oder zumindest unwahrscheinlich (S. 2 unten) erachteten, 

ging P._____ , Q._____  (act. 22/1), davon aus, dass die Konstruktion nicht gegen 

unbeabsichtigtes Verschieben gesichert gewesen sei (S. 10). Die gerichtliche Gut-

achterin gelangte zum Schluss, dass unter der Annahme, die Abdeckung habe mit 

den Querleisten nach unten mittig auf der Deckenöffnung gelegen, aufgrund des 

umlaufenden Bereichs zwischen Aussenkanten der Querleisten und den Innenkan-

ten  der  Wandung  geometrisch  ein  horizontales  Verschieben  der  Abdeckung  von 

ca. 5 cm in alle Richtungen möglich gewesen sei (act. 62 S. 16). Ein Verschieben 

der Schaltafelkonstruktion sei aus geometrischen Gründen möglich gewesen, ohne 

dass diese bewusst habe angehoben und in anderer Position neu platziert werden 

müssen (act. 62 S. 19). Durch blosses Betreten oder Begehen habe die Abdeckung 

nicht  unabsichtlich  verschoben  bzw.  verrückt  werden  können.  Denn  die  vorhan-

dene Reibungskraft zwischen Abdeckung und Wandung infolge Eigengewicht der 

Abdeckung plus einer ca. 90 kg schweren Person sei grösser als die horizontale 

Bodenreaktionskraft beim Gehen mit niedriger Geschwindigkeit. Dies gelte selbst 

beim Joggen einer ca. 88 kg schweren Person über die betreffende Schaltafelkon-

struktion (act. 62 S. 18). Hingegen habe die Abdeckung infolge einer horizontalen 

Einwirkung von über 7 kg bzw. über 9 kg – ohne gleichzeitige vertikale Belastung 

durch Betreten/Begehen – unabsichtlich verschoben werden können. Eine solche 

horizontale Einwirkung habe durch seitliches Anstossen bei den Bauarbeiten erfol-

gen  können  (z.B.  Anstoss  durch  Bewehrungseisenbündel  bei  Kranarbeiten,  An-

stoss durch Person o.ä.) (act. 62 S. 19). Die beiden Querleisten/Zwangsleisten und 

das Eigengewicht der Schaltafelkonstruktion hätten ein unabsichtliches oder zufäl-

liges Verschieben nicht verhindert, weil die Zwangsleisten nicht rundum satt an der 

Wandung der Deckenöffnung angelegen hätten (act. 62 S. 19). 

- 23 -

5.3.2.5. Das gerichtliche Gutachten zur Frage der Unverrückbarkeit der Schaltafel-

konstruktion  erweist  sich  als  nachvollziehbar  und  schlüssig.  Soweit  die  von  den 

Parteien  eingereichten  Berichte  von  M._____  ,  N._____  ,  und  Prof.  Dr.  L._____  

gegenteilige Äusserungen enthalten, vermögen sie die überzeugenden Schlussfol-

gerungen im gerichtlichen Gutachten nicht zu entkräften. M._____  begründete die 

von  ihm  angenommene  Unverrückbarkeit  nicht  weiter  (act. 3/42  S.  1),  und  Prof. 

L._____  nahm an, das Eigengewicht von ca. 20 kg sowie die Zwangsleisten hätten 

ein zufälliges Verschieben der Konstruktion verhindert (act. 11/2 S. 2 und 3). Für 

die  Gutachterin  war  diese  Gewichtsangabe  jedoch  mathematisch  nicht  nachvoll-

ziehbar (vgl. act. 62 S. 17 und 19), und sie erklärte auch einleuchtend, dass die 

Zwangsleisten nicht rundum satt an der Wandung anlagen und ein zufälliges Ver-

schieben der Konstruktion infolgedessen nicht verhindern konnten. Von der geo-

metrischen  Verschiebbarkeit  geht  selbst  die  Beklagte  aus,  wenn  sie  behauptet, 

dass der Bereich der möglichen Verschiebung 2.1 cm betragen habe (act. 67 N. 30; 

act. 113 N. 25 und 68). Zwar musste die Gutachterin ihren Berechnungen Masse 

zugrunde legen, die sie anhand der analogen Fotodokumentation der Polizei mittels 

Konstruktion von perspektivischen Hilfslinien auf Bezugsmasse ermittelt hatte (vgl. 

act. 69 E. 3.1; act. 79 S. 4). Dabei lieferte dieses Verfahren lediglich Circa-Masse 

mit  einer  geschätzten  Unschärfe  in  der  Grössenordnung  von  +/–  1  cm  (act. 79 

S. 12). Eine andere Methode zur Massermittlung war aber soweit ersichtlich nicht 

möglich, da die Polizei die Unfallsituation vor Ort seinerzeit weder masslich aufge-

nommen noch digitale Aufnahmen angefertigt und auch die Schaltafelkonstruktion 

nicht sichergestellt hatte (vgl. act. 3/12). Das von der Beklagten aufgebrachte Ver-

fahren der Fotogrammetrie stand aus technischen Gründen nicht zur Verfügung. 

Denn dafür wären u.a. mehrere Fotos eines Objekts aus verschiedenen Aufnahm-

epositionen erforderlich gewesen, wobei ausserdem die Aufnahmepositionen hät-

ten bekannt sein müssen (act. 79 S. 4). Diesen Anforderungen genügt die polizeili-

che Fotodokumentation jedoch offenkundig nicht, was auch die Beklagte letztlich 

akzeptiert (act. 113 N. 26). 

5.3.2.6. Zur Massermittlung auf den Fotoblättern mithilfe der Konstruktion von per-

spektivischen Hilfslinien auf Bezugsmasse erläuterte die Gutachterin, sie habe je-

weils die Kanten der entsprechenden Bauteile auf den abgebildeten Holzmassstab 

- 24 -

unter  Berücksichtigung  allfälliger  geometrischer/perspektivischer  Verzerrungen 

projiziert. Dabei habe sie nicht nur die geometrischen Verzerrungen in der Ebene 

der  Abdeckungskonstruktion  (x-y-Ebene)  beachtet,  sondern  auch  diejenigen,  die 

aus versetzten Höhenlagen in der z-Achse resultierten (act. 79 S. 4). Die Beklagte 

betrachtet das Gutachten in mehrfacher Hinsicht als nicht schlüssig. Sie beanstan-

det, dass im ursprünglichen Gutachten nicht von einer höhenversetzten Lage der 

Schaltafeln S2 und S1 gegenüber der Schaltafel S3 die Rede sei (act. 86 N. 17; 

act.  113  N.  29).  Indessen  begründete  die  Gutachterin  im  Erläuterungsgutachten 

schlüssig,  dass  ohne  Berücksichtigung  der  geometrischen  Verzerrung  in  der  z-

Achse  das  Aussenmass  fälschlicherweise  mit  ca.  1.08 m  –  und  damit  zu  klein  – 

abgelesen werden könnte (act. 79 S. 4 F/A a; illustrativ auch S. 5 Abb. 1). Die Be-

klagte geht, wie auch die Gutachterin, von einem Aussenmass der Abdeckung von 

1.10 m aus. Die Gutachterin beachtete die Höhenversetzung folglich bereits im ur-

sprünglichen Gutachten, thematisierte diese jedoch nicht weiter. Betreffend Länge-

nermittlung der Querleiste erläuterte die Gutachterin nachvollziehbar, dass diese – 

im Gegensatz zur Berechnung der Beklagten – ebenfalls die Verzerrung in der z-

Achse (Höhe) berücksichtigen müsse, da die Querleiste nicht in der gleichen Ebene 

liege wie der (mit)abgebildete Holzmassstab. Gestützt darauf ermittelte die Gutach-

terin eine Länge der Querleiste von ca. 90 cm. Die Ungenauigkeit der mittels Hilfs-

linien eruierten Verzerrung liege, so die Gutachterin, bei 0.5-1 cm (act. 79 S. 6 ff. 

F/A c; vgl. ausserdem S. 7 Abb. 4). Die Querleiste war folglich maximal 91 cm und 

nicht, wie von der Beklagten behauptet (act. 67 N. 18), 93.8 cm lang.

5.3.2.7. Betreffend Masse der Deckenöffnung von ca. 1.00 m x 1.00 m stellte die 

Gutachterin auf Ergänzungsfrage klar, dass diese keinen Teil der Wandung bein-

halten, sondern sich jeweils auf den Abstand zwischen den gegenüberliegenden 

Innenkanten beziehen (act. 79 S. 10 f.; vgl. insb. Abb. 10). Das von der Beklagten 

geltend  gemachte  Mass  von  98  cm  x  98  cm  (act. 67  N.  16)  trifft  somit  nicht  zu. 

Daran ändert auch der von der Beklagten neu eingereichte Plan (act. 68/1) nichts. 

Dabei handelt es sich nicht um einen Ausführungsplan, wie die Gutachterin über-

zeugend  begründete  (act.  79  S.  9).  Mit  Eingabe  vom  16.  August  2024  (act.  86) 

reichte die Beklagte einen weiteren Plan, den Schalungsplan (act. 87/1), ein. Dieser 

stellt ein sogenanntes unechtes Novum dar (Art. 229 Abs. 2 lit. b ZPO), für welches 

- 25 -

die Beklagte mit keinem Wort begründet, weshalb es trotz zumutbarer Sorgfalt nicht 

vorher hätte vorgebracht werden können. Entsprechend ist auf dieses nicht weiter 

einzugehen.  Anzumerken  bleibt,  dass  es  sich  bei  den  auf  dem  Plan  vermerkten 

Massen nur um die geplanten, nicht die effektiven Masse handelt. So vermöchte 

der Plan selbst bei dessen Berücksichtigung keine relevanten Zweifel an den im 

gerichtlichen Gutachten festgehaltenen Massen zu begründen. Auf die von der Gut-

achterin  ermittelten  Circa-Masse  ist  daher  abzustellen.  Die  methodenbedingte 

Massunschärfe ändert nichts daran, dass von der zufälligen Verschiebbarkeit der 

Schaltafelkonstruktion  im  oben  beschriebenen  Sinne  auszugehen  ist  (vgl.  auch 

act. 79 S. 12).

5.3.2.8. Bei diesem Beweisergebnis erübrigt sich die Abnahme weiterer Beweismit-

tel zur Verrückbarkeit der Absturzsicherung. Gegenstand des Zeugnisses der von 

der Beklagten offerierten Zeugen J._____  und R._____  (VRP der Beklagten) wäre 

ohnehin nicht das hier notwendige Fachwissen, sondern eigene Wahrnehmungen. 

Auch ein Augenschein der Deckenöffnung erweist sich vor dem Hintergrund des 

überzeugend begründeten Gutachtens als nicht nötig. Zusammenfassend war die 

verwendete Absturzsicherung unabsichtlich verrückbar, womit sie den Anforderun-

gen von Art. 17 aBauAV nicht entsprach. Die Beklagte verletzte ihre Handlungs-

pflicht; die Widerrechtlichkeit ist zu bejahen.

5.3.2.9. Zur Frage der Durchbruchsicherheit wurden ebenfalls Beweise abgenom-

men  (act.  35,  Beweissatz  1b;  act.  3/12,  3/15,  11/2  und  22/1  sowie  gerichtliches 

Gutachten). Die Gutachterin hielt fest, dass die Schaltafelkonstruktion in korrekter, 

nicht  verschobener  Position  nicht  auseinanderbrechen  konnte,  wenn  ein  93kg 

schwerer (entsprechend dem damaligen Gewicht des Klägers) Bauarbeiter sie be-

trat (act. 62 S. 20 F/A 1.3). Dem Kläger misslingt also der Beweis, dass die Schal-

tafelkonstruktion nicht durchbruchsicher war. Da die Konstruktion jedoch ohnehin 

verrückbar war, ändert sich an der Beurteilung der Widerrechtlichkeit trotz gegebe-

ner Durchbruchsicherheit nichts.

- 26 -

6.

Kausalzusammenhang zwischen Konstruktion und Unfall

Für eine Haftung der Beklagten muss die ungenügende Absturzsicherung kausal 

für den Unfall des Klägers und das Unfallereignis durch eine andere Sicherungs-

methode vermeidbar gewesen sein.

6.1. Parteivorbringen

6.1.1. Der Kläger bringt vor, die Konstruktion von J._____  sei auseinandergebro-

chen, als er sie ein weiteres Mal betreten habe (act. 1 S. 19 N. 53; act. 3/12-13, 

15).  Auch  wenn  er  sich  an  den  eigentlichen  Unfallhergang  nicht  mehr  erinnern 

könne, erinnere er sich noch, dass sich der Unfall ereignet habe, als er die Kon-

struktion ein weiteres Mal betreten habe. Er sei in die Tiefe gestürzt, weil die Kon-

struktion auseinandergebrochen sei und ihn folglich nicht mehr habe tragen können 

(act. 21 S. 22 N. 70 und 72 f.; act. 3/12; act. 11/2).

6.1.2. Es  gebe  keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  die  Abdeckung  vorab 

verschoben worden sei. J._____  habe dies lediglich vermutet und der Kranführer 

S._____ , ebenfalls Angestellter der Beklagten, habe gegenüber der Polizei zu Pro-

tokoll gegeben, dass er die Oberlichtaussparung mit den Eisen, die er am Unfalltag 

auf dem Dach deponiert habe, weder tangiert noch beschädigt habe. Ferner sei er, 

der Kläger, vor dem Unfall mehrere Male über die Schaltafeln gelaufen, ohne dass 

etwas  passiert  wäre,  was  nicht  darauf  hindeute,  dass  die  Schaltafeln  vorab  ver-

schoben worden seien (act. 1 S. 24 f. N. 65 f.; act. 3/12). Die Konstruktion sei, wie 

er sich noch erinnere, vor dem Absturz nie, zumindest nicht sichtbar, verschoben 

gewesen (act. 21 S. 22 f. N. 71; act. 3/12).

6.1.3. Der Unfall wäre gemäss Kläger nicht passiert, wenn bei der Oberlichtausspa-

rung  eine  tragfähige  Abdeckung  verwendet  worden  wäre,  wie  Gerüstbretter  aus 

Massivholz,  da  eine  solche  Konstruktion  nicht  hätte  zusammenbrechen  können. 

Gleiches gelte, wenn die Oberlichtaussparung fix verschlossen worden wäre (act. 1 

S. 25 N. 68; act. 3/42). Für die Absturzsicherung hätte massiveres Holz, wie etwa 

Holzbohlen oder Gerüstbretter verwendet werden müssen. Auch die Zwangsleisten 

hätten nicht aus Schaltafeln bestehen dürfen, sondern aus massiven Kanthölzern, 

die  mit  einer  ausreichende  Tiefe  von  min.  8  cm  rahmenförmig  hätten  eingesetzt 

- 27 -

werden müssen (act. 21 S. 7 N. 16; act. 22/1-2). Eine Alternative wäre die Installa-

tion eines Seitenschutzes gewesen. Dieser hätte den Unfall verhindert, da die Flä-

che gar nicht begangen worden wäre (act. 21 S. 8 N. 17 f. und S. 11 N. 26; act. 

22/1-2; act. 11/13). Eine weitere Möglichkeit wäre eine von unten diagonal über-

spannte Kantholzkonstruktion gewesen (act. 21 S. 9 N. 20 f.). Wäre die Öffnung 

von unten verschlossen worden, hätte sich der Unfall nicht ereignet, da die Abde-

ckung nicht hätte verschoben werden können und der Gegendruck von unten zu 

einer zusätzlichen Tragfähigkeit geführt hätte (act. 21 S. 10 f. N. 25; act. 22/1). Eine 

mangelhafte Konstruktion könne auch langsam nachlassen und das letzte Betreten 

den Tropfen bilden, der das Fass zum Überlaufen bringe, ohne dass sie zuvor hätte 

verschoben werden müssen (act. 21 S. 24 N. 77).

6.1.4. Die  Beklagte  entgegnet,  dass  über  den  exakten  Hergang  des  Absturzes 

keine  gesicherte  Kenntnis  bestehe.  Aus  dem  Polizeirapport  gehe  hervor,  dass 

keine Drittperson den Absturz des Klägers beobachtet habe, und der Kläger könne 

sich an den Unfallhergang nicht mehr erinnern (act. 9 S. 16 f. N. 42 f.; act. 3/12). 

Es werde bestritten, dass der Kläger die Konstruktion betreten habe und diese der 

Belastung nicht standgehalten habe. Es sei ebenso wahrscheinlich, dass der Klä-

ger nach Verschieben der Abdeckung bei einem Tritt ins Leere einen Teil der Ab-

deckung  mitgerissen  habe  oder  selbst  an  der  Absturzsicherung  hantiert  habe 

(act. 9  S.  17  N.  45  f.).  Die  Festigkeit  und  die  Bauart  der  Abdeckung  seien  nicht 

Ursache des Absturzes des Klägers. Da ein zufälliges Verschieben unmöglich sei, 

habe die Konstruktion aufgrund der zuvor erfolgten absichtlichen Verschiebung ver-

sagt. Für ein absichtliches Verschieben spreche auch der Umstand, dass der Klä-

ger zuvor mehrfach über die Abdeckung gelaufen sei, ohne dass etwas passiert 

sei. Während die Abdeckung in nicht verschobener Position einwandfrei gehalten 

habe,  habe  sie  nach  der  Verschiebung  versagt  (act.  9  S.  18  N.  47  ff.;  act.  11/2; 

3/12; 3/42).

6.1.5. Nicht  abschliessend  geklärt  sei,  wie  genau  bzw.  durch  wen  es  zu  diesem 

absichtlichen Verschieben gekommen sei. Jedenfalls habe J._____  die Verschie-

bung  nicht  vorgenommen.  Höchstwahrscheinlich  sei,  dass  die  Absturzsicherung 

aufgrund  der  übrigen  Arbeiten  bewusst  angehoben  und  verschoben  worden  sei 

- 28 -

(act. 9 S. 19 N. 52 f.; act. 11/2). Es könne als notorisch gelten, dass Schutzeinrich-

tungen demontiert oder ausser Funktion gesetzt würden, um die eigene Arbeitsver-

richtung zu erleichtern. Zu denken sei insbesondere an die Armierungsarbeiten, mit 

denen der Kläger und F._____  beschäftigt gewesen seien. Nach Installation der 

Abdeckung sei ein Loch im Betonrand gebohrt und eine Leitung hindurchgezogen 

worden. Dies könne ohne Anheben und temporäres Verschieben der Absturzsiche-

rung nicht erfolgt sein. Es sei ohne weiteres möglich, dass der betreffende Elektro- 

oder Sanitärarbeiter die Abdeckung nicht wieder in die ursprüngliche und korrekte 

Position zurückversetzt habe (act. 9 S. 19 f. N. 54 f.; act. 11/2; act. 3/13).

6.1.6. Vorliegend  sei  es  unmöglich  gewesen,  die  Abdeckung  zu  verschliessen. 

Stützen von unten wären aufgrund der Raumhöhe nicht zu bewerkstelligen gewe-

sen und hätten ein Passieren des Treppenhauses im Rahmen der Bauarbeiten ver-

unmöglicht. Auch die Einbetonierung von Eisen- oder Holzrahmen mit eingelegtem 

Armierungsnetz wäre nicht möglich gewesen, da das Betonelement vorgefertigt ge-

wesen sei (act. 9 S. 24 f. N. 77 ff.; act. 25 S. 22 f. N. 40 und 43; act. 3/45). Bei einer 

ganz oder teilweisen Beseitigung der entsprechenden alternativen Sicherungsvor-

richtung hätte es ebenso bei jeder anderen Massnahme zum Absturz kommen kön-

nen. So hätte auch eine Abdeckung aus Brettern absichtlich verschoben werden 

können (act. 25 S. 25 N. 48).

6.2. Rechtliches

6.2.1. Der natürliche Kausalzusammenhang ist gegeben, wenn ein Verhalten oder 

Umstand unabdingbare Voraussetzung für ein Schadensereignis ist. Dabei ist nicht 

erforderlich, dass es sich um die einzige oder unmittelbare Schadensursache han-

delt. Für den Nachweis der natürlichen Kausalität gilt das Beweismass der über-

wiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 133 III 462, E. 4.4.2). Nach dem Beweismass 

der  überwiegenden  Wahrscheinlichkeit  gilt  ein  Beweis  als  erbracht,  wenn  für  die 

Richtigkeit der Sachbehauptung nach objektiven Gesichtspunkten derart gewich-

tige  Gründe  sprechen,  dass  andere  denkbare  Möglichkeiten  vernünftigerweise 

nicht massgeblich in Betracht fallen (BGE 132 III 157, E. 3.1; 130 III 321, E. 3.3 ; 

vgl. auch BGer 9C_717/2009 vom 20. Oktober 2009, E. 3.3).

- 29 -

6.2.2. Die  tatsächliche  Ursache  für  den  eingetretenen  Erfolg  lässt  sich  im  Haft-

pflichtrecht regelmässig nur aus Indizien schliessen und für den Beweis der natür-

lichen Kausalität kann auch der so genannte Anscheinsbeweis genügen, wenn die 

entsprechenden  Voraussetzungen  erfüllt  sind.  Der  Anscheinsbeweis  verschiebt 

das Beweisthema, indem der Beweisbelastete lediglich den Sachumstand bewei-

sen muss, aufgrund dessen das Gericht – bei Vorliegen eines typischen Gesche-

hensablaufs  –  auf  den  natürlichen  Kausalzusammenhang  mit  der  eingetretenen 

Wirkung schliesst. Der so verstandene Anscheinsbeweis setzt voraus, dass die Ty-

pizität des rechtserheblichen Geschehens nach allgemeiner Lebenserfahrung eine 

behauptete Tatsache als wahr erscheinen lässt, weil Abweichendes ausserhalb je-

der  vernünftigen  Betrachtungsweise  läge  (BGE  143  III  297,  E.  9.5;  BGer 

4A_262/2016 vom 10. Oktober 2016, E. 4.4.2.1; METTLER, Der Anscheinsbeweis 

im schweizerischen Zivilprozess, Diss. 2022, S. 24 ff.).

6.2.3. Nach der Adäquanztheorie sind nur jene natürlichen Ursachen rechtserheb-

lich (adäquat), die nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemei-

nen Lebenserfahrung geeignet sind, einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizu-

führen oder mindestens zu begünstigen (BGer 4A_171/2012 vom 25. Juni 2012, 

E. 2.3). Bei Unterlassungen hat der Geschädigte zu beweisen, dass durch die Er-

füllung der Pflicht zum schadensverhindernden Handeln der Schaden nicht einge-

treten wäre. Dabei genügt es, wenn nach der Erfahrung des Lebens und dem ge-

wöhnlichen Lauf der Dinge eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für den hypothe-

tischen Kausalverlauf spricht (BGer 4A_464/2008 vom 22. Dezember 2008, E. 3.3; 

REY/WILDHABER, a.a.O., N. 705).

6.2.4. Konkurrenz von Teilursachen liegt vor, wenn mehrere Ursachen zusammen 

den Schaden bewirken, jedoch eine dieser Ursachen allein den Schaden nicht her-

beigeführt hätte. Grundsätzlich gilt, dass jeder Teilverursacher im Verhältnis zum 

Geschädigten  für  den  ganzen  Schaden  haftet,  wie  wenn  er  ihn  allein  verursacht 

hätte. Das Verhalten eines Dritten vermag den adäquaten Kausalzusammenhang 

im Normalfall nicht zu unterbrechen. Die vom Dritten gesetzte Ursache müsste so 

intensiv sein, dass sie die vom belangten Schädiger zu vertretende Ursache völlig 

in den Hintergrund drängt (BGE 116 II 519, E. 4b; REY/WILDHABER, Ausservertrag-

- 30 -

liches  Haftpflichtrecht,  6.  Aufl.  2024,  N. 748  ff.).  Das  Vorliegen  von  Entlastungs-

gründen ist vom präsumtiven Haftpflichtigen zu beweisen, wobei an die Intensität 

des  Entlastungsgrundes  relativ  hohe  Anforderungen  gestellt  werden  (BGer 

4A_406/2008  vom  16.  Dezember  2008.  E.  5.2;  REY/WILDHABER,  a.a.O.,  N. 674). 

Nicht als Drittverschulden wird das Verhalten von Hilfspersonen oder anderen Per-

sonen betrachtet, für das der Haftpflichtige aufgrund einer besonderen Haftungs-

norm einzustehen hat (REY/WILDHABER, a.a.O., N. 688).

6.3. Würdigung

6.3.1. Unstrittig ist, dass die Schaltafelkonstruktion beim Unfall auseinanderbrach 

und eine Schaltafel sowie eine Zwangsleiste auf dem Dach liegen blieben, während 

der Rest der Konstruktion hinunterfiel (act. 1 S. 19 N. 53; act. 9 S. 31 N. 108; s. 

auch vorne E. 2.3). Dies ist durch die Fotoblätter der Kantonspolizei (act. 22/13) 

überdies belegt: So werden die auf den Fotos Nr. 3 bis 6 als "3a" beschriftete Schal-

tafel und Zwangsleiste, welche auf dem Dach liegen, in der Legende als "Endlage 

von  Teilen  der  Oberlicht-Abdeckung  beim  Eintreffen  des  Unfallfotodienstes"  be-

zeichnet. Weiter ist auf Foto Nr. 10 die zweite Zwangsleiste ersichtlich (rechts un-

ten), die folglich (wie auch der Kläger) hinunterstürzte. Explizit bestritten ist aller-

dings die Darstellung des Klägers, wonach die Konstruktion auseinanderbrach, als 

er sie ein weiteres Mal betrat (act. 9 S. 17 N. 44; S. 28 N. 97; S. 30 N. 104; S. 30 f. 

N. 106; act. 25 S. 36 N. 94). Zum Hauptbeweis des Klägers, dass die Schaltafel-

konstruktion auseinanderbrach, als er sie (ein weiteres Mal) betrat (act. 35, Beweis-

satz 1d), wurden der Kläger und der Zeuge F._____  befragt sowie ein Gutachten 

eingeholt.

6.3.2. Der Kläger führte anlässlich der Parteibefragung aus, dass sie am Morgen 

des Unfalltages auf die Baustelle gekommen seien und den Plan verlangt hätten. 

Nach dessen Erhalt habe er den ganzen Tag mit F._____  "auf der Decke", d.h. auf 

dem Dach, Eisen gelegt. Den Plan habe er auf dem Lichtschacht, der mit Schalta-

feln abgedeckt gewesen sei, gelassen. Er sei "auf die Schaltafeln drauf" und ein 

paar Mal über die Schaltafeln gelaufen. Seine letzte Erinnerung sei, dass er "auf 

dem  Lichtschacht  drauf"  gewesen  sei.  Er  habe  den  ca.  1 m  x  1 m  grossen  Plan 

aufgemacht und auf der Schaltafel gelassen, um die Positionen der Eisen zu lesen. 

- 31 -

Er habe sich nach unten gebückt, um den Plan zu lesen. Danach wisse er nicht 

mehr, was passiert sei (Prot. S. 56 ff.). Die Aussagen des Klägers sind entgegen 

der Ansicht der Beklagten (vgl. act. 113 N. 52 f.) im Wesentlichen konsistent und 

glaubhaft. Die zum Teil nicht ganz klaren Antworten auf die Fragen betreffend Vor-

bereitung auf die Parteibefragung sind nicht als Beleg widersprüchlichen Aussage-

verhaltens zu werten, sondern auf die bescheidenen Deutschkenntnisse des Klä-

gers zurückzuführen. Korrekt ist, dass der auf den Schaltafeln ausgebreitete Plan 

erstmals anlässlich der Befragung durch das Gericht zum Thema wurde. Da es für 

einen Eisenleger aber normal ist, mit einem Plan zu arbeiten, lässt dessen erstma-

lige Erwähnung anlässlich der Parteibefragung nicht an der Glaubhaftigkeit der klä-

gerischen Darstellung zweifeln. Zwar finden sich im Polizeirapport keine Angaben 

zu  einem  derartigen  Plan.  Allerdings  äussert  sich  der  Polizeirapport  sogar  zur  – 

beim Unfallhergang zentralen – Schaltafelkonstruktion nur rudimentär, indem die 

Endlage der Schaltafeln unvollständig und die (ausgerissenen) Nägel gar nicht the-

matisiert werden (vgl. act. 3/12). Da die Polizisten nicht als Erstes vor Ort waren, 

ist ausserdem möglich, dass andere Bauarbeiter oder die Rettungskräfte den Plan 

zur Seite legten. Dies hatten die Rettungskräfte auch mit denjenigen Schaltafeln 

gemacht, welche nach dem Unfall in der Nähe des Verletzten lagen (act. 3/12 S. 

8). 

6.3.3. Der Zeuge F._____  führte – unabhängig vom Kläger – ebenfalls aus, dass 

"über dem Loch" Schaltafeln waren und sie den Plan "auf dem Schacht" hatten. Er 

sei mit ca. 5-7 m Abstand zum Kläger am Arbeiten gewesen. Der Kläger habe ihm 

gesagt, was er machen solle und er habe die Eisen verteilt. Als er ein paar Minuten 

später den Kopf gedreht habe, habe er den Kläger nicht mehr gesehen. Er habe 

einmal gerufen, nichts. Er habe gesehen, dass der Schacht offen gewesen sei. Er 

habe hindurch geschaut und den Kläger unten gesehen. Er, der Zeuge, habe nichts 

gehört und nicht gesehen, wie der Unfall passiert sei (act. 99 S. 7 ff.). 

6.3.4. Gemäss Gutachten muss die Schaltafelkonstruktion durch eine vertikale Ein-

wirkung belastet worden sein, wodurch die Nägel aus den Schaltafeln herausgezo-

gen wurden und sie in der Folge auseinanderbrach. Es liege nahe, so die Gutach-

terin, dass der Kläger die Konstruktion dazu betreten habe. Theoretisch hätte die 

- 32 -

Vertikalbelastung jedoch auch z.B. durch einen Sturz des Klägers erfolgen können 

(act. 62 S. 28 F/A 2.6). Die Gutachterin erachtet es als "eher unwahrscheinlich", 

dass ein unaufmerksamer Schritt des Klägers ins Leere erfolgt und dabei Teile der 

Schaltafelkonstruktion mitgerissen worden seien. Denn dafür hätte die Schaltafel-

konstruktion zuvor deutlich verschoben sein müssen, so dass ein nicht abgedeckter 

Bereich der Deckenöffnung vorhanden gewesen wäre. Das Gehen auf lose verleg-

ten Bewehrungseisen der oberen Lage einer noch nicht betonierten Decke erfor-

dere aber bereits eine gewisse Aufmerksamkeit, weil die Schritte so abgestimmt 

werden müssten, dass genau ein Bewehrungseisen betreten werde, da sonst Ver-

letzungsgefahr bestehe (act. 62 S. 29 F/A 2.7a). Die Gutachterin erachtet es auch 

als unwahrscheinlich, dass der Kläger beim Hantieren mit der Schaltafelkonstruk-

tion in die Öffnung gestürzt sei, da auf den Fotoaufnahmen keine Hinweise zu ent-

sprechenden Vorgängen der Bewehrungsarbeiten zu erkennen seien, für welche 

die Schaltafelkonstruktion so weit hätte verschoben werden müssen, dass der Klä-

ger in die Öffnung hätte stürzen können (act. 62 S. 29 F/A 2.7b).

6.3.5. Aufgrund  der  ihr  bekannten  Umstände  erachtet  die  Gutachterin  folgenden 

Unfallhergang als überwiegend wahrscheinlich: Unmittelbar vor dem Unfall müsse 

die Schaltafelkonstruktion so weit verschoben gewesen sein, dass ihre Querleisten 

an den Betonwandungen W1 und W2 anlagen. In dieser Position hätten die gegen-

überliegenden Aussenkanten der Schaltafelkonstruktion direkt über den Wandun-

gen W3 und W4 gelegen (act. 62 S. 26 F/A 2.5). Aufgrund der Geometrie der Ober-

kante  der  Betonwandungen  habe  die  verschobene  Schaltafelkonstruktion  nicht 

mehr auf der ebenen Oberkante der Wandungen W3 und W4, sondern auf dem 

nach innen abgefasten Bereich aufgelegen und sich zwischen den gegenüberlie-

genden Betonwandungen W2 und W4 verkeilt. Da die Schaltafel S2 kürzer als die 

Schaltafel S3 gewesen sei, habe S2 gar nicht mehr auf der Wandung W4 aufgele-

gen. Ihr Eigengewicht sei nur noch von den beiden Nagelverbindungen N7 und N8 

und  der  Querleiste  Q2  aufgenommen  worden,  so  dass  sie  nicht  abgestürzt  sei 

(act. 62 S. 27 F/A 2.5). Durch Betreten der Schaltafel S2 durch den Kläger hätten 

deren Nagelverbindungen versagt, wodurch S2 nicht mehr gehalten gewesen und 

der Kläger mit S2 und der darunterliegenden Querleiste Q2 abgestürzt sei. Wäh-

rend dieses Vorgangs sei die Schaltafel S3 belastet worden, habe auf die Beton-

- 33 -

wandung W4 gedrückt und sei ebenfalls abgestürzt (act. 62 S. 28 F/A 2.5). Die Ver-

wendung von Circa-Massen habe keinen Einfluss auf den im Gutachten als über-

wiegend  wahrscheinlich  erachteten  Unfallhergang.  Bei  Verwendung  von  exakten 

Massen hätte die Abdeckung in dieser Position nicht mehr aufgelegen, sondern die 

verschobene Position allein bereits zum Absturz geführt (act. 79 F/A 2.5e).

6.3.6. Für die Frage, ob der Kläger die Konstruktion betreten hat, ist die Befragung 

der weiter zum Beweis offerierten, ausgerückten Polizisten, nicht tauglich, da diese 

erst nach dem Unfall auf die Baustelle kamen. Auch die Befragung des Kranführers 

R._____  und des Maurers J._____  ist nicht zielführend, da diese zum Unfallzeit-

punkt nicht auf dem Dach arbeiteten (act. 3/12 S. 7).

6.3.7. Das  Gutachten  erweist  sich  hinsichtlich  der  Feststellungen  zum  Unfallher-

gang als schlüssig und überzeugend. Nach dem Gesagten gelingt dem Kläger der 

Beweis  der  überwiegenden  Wahrscheinlichkeit,  dass  die  Schaltafelkonstruktion 

auseinanderbrach, als er sie (ein weiteres Mal) betrat. Der Kläger mag sich zwar 

selbst nicht mehr erinnern, ob er die Schaltafeln nochmals betrat, bevor er in die 

Tiefe stürzte. Seine Aussagen vermögen jedoch keine Zweifel am von der Gutach-

terin als überwiegend wahrscheinlich erachteten Unfallhergang aufbringen. Bei den 

beklagtischen Mutmassungen, dass der Kläger bei einem Tritt ins Leere einen Teil 

der Abdeckung mitgerissen habe oder selbst daran hantiert habe, handelt es sich 

um  alternative  Geschehensabläufe,  welche  nicht  nachgewiesen  werden  konnten 

(vgl. vorne E. 6.3.4). Wie noch auszuführen sein wird, kann die Beklagte nicht be-

weisen, dass die Konstruktion derart verschoben war, dass überhaupt ein Tritt ins 

Leere möglich gewesen wäre (s. hinten E. 6.3.12 f.).

6.3.8. Die  Beklagte  stellt  sich  auf  den  Standpunkt,  dass  die  Konstruktion  von 

J._____  durchbruchsicher und unverrückbar gewesen sei, weshalb es nur nach 

deren absichtlichen Verschiebung überhaupt zum Sturz des Klägers habe kommen 

können.  Damit  macht  sie  ein  kausalitätsunterbrechendes  Dritt-  oder  Selbstver-

schulden geltend, für welches sie die Beweislast trägt. Sie stellt die Hypothese auf, 

dass die Absturzsicherung aufgrund der übrigen Arbeiten bewusst angehoben und 

verschoben worden sei. Als mögliche Gründe für das Verschieben nennt sie Armie-

rungs- bzw. Elektro-/Sanitärarbeiten (vgl. vorne E. 6.1.5). Als Beweismittel offeriert 

- 34 -

sie Urkunden, ein gerichtliches Gutachten sowie die Zeugenbefragung von J._____ 

. Mit einem gerichtlichen Gutachten kann nicht herausgefunden werden, ob eine 

bestimmte Person die fragliche Abdeckung damals absichtlich verschoben hatte. 

Auch eine Zeugenbefragung von J._____  erübrigt sich aus diesem Grund, zumal 

die Beklagte nicht geltend macht, dieser habe konkrete Beobachtungen hinsichtlich 

eines  tatsächlichen  Verschiebens  gemacht.  Der  Kranführer  R._____    wurde  von 

der Beklagten nicht als Zeuge angerufen. Im Übrigen war er ebenfalls ein Arbeit-

nehmer der Beklagten (vgl. act. 3/12 S. 3).

6.3.9. Zum  Hauptbeweis  der  Beklagten,  dass  sich  die  Schaltafelkonstruktion  im 

Zeitpunkt  des  Unfalls  in  verschobener  Position  befand  (act.  35,  Beweissatz  1e), 

wurde ein Gutachten eingeholt und zum Gegenbeweis der Kläger sowie der Zeuge 

F._____  befragt.

6.3.10. Gemäss Gutachten kann die Schaltafelkonstruktion zum Zeitpunkt des Un-

falls nicht genau auf der Öffnung positioniert, sondern muss verschoben gewesen 

sein. Es müsse davon ausgegangen werden, dass die Abdeckung derart verscho-

ben gewesen sei, dass die Schaltafeln an einer Seite kein Auflager mehr gehabt 

hätten und somit abgestürzt seien (act. 62 S. 25 F/A 2.1). Es gebe jedoch keine 

Informationen oder Erkenntnisse, die Aufschluss darüber gäben, ob die Schaltafel-

konstruktion  nur  leicht  oder  deutlich  verschoben  gewesen  sei  (act. 62  S.  25  F/A 

2.2). Die notwendige Horizontalbelastung sei z.B. durch ein unabsichtliches seitli-

ches Anstossen beim Abladen der Bewehrungseisenbündel vom Kran auf die De-

cke oder auch durch eine andere Person möglich gewesen (act. 62 S. 25 F/A 2.3). 

Die Gutachterin kann nicht beurteilen, ob die Verschiebung absichtlich oder unab-

sichtlich erfolgt war (vgl. act. 62 S. 26 F/A 2.4).

6.3.11. Gemäss Kläger war die Konstruktion vor dem Absturz nie, zumindest nicht 

sichtbar, verschoben (vgl. vorne E. 6.1.1). Anlässlich der Parteibefragung meinte 

er  auf  entsprechende  Frage,  sich  nicht  erinnern  zu  können,  ob  die  Öffnung  voll-

ständig abgedeckt gewesen sei (Prot. S. 58). Auf Ergänzungsfrage seines Rechts-

vertreters präzisierte er, nie gesehen zu haben, dass die Abdeckung nicht auf dem 

Loch gewesen sei (Prot. S. 59). Der Zeuge F._____  bejahte die Frage, ob sich die 

Abdeckung das letzte Mal, als er vor dem Unfall auf den Schacht geschaut habe, 

- 35 -

noch darauf befunden habe. Die Abdeckung sei den ganzen Tag da gewesen. Als 

der Kläger ihm ein paar Minuten vor dem Unfall gesagt habe, was er machen solle, 

sei die Abdeckung noch da gewesen (act. 99 S. 9).

6.3.12. Der Beklagten gelingt der Beweis, dass die Abdeckung zum Unfallzeitpunkt 

verschoben war. Wie ausgeführt, konnte die Konstruktion nur auseinanderbrechen, 

wenn sie sich nicht korrekt, das heisst in verschobener Position, auf der Decken-

öffnung befand (s. vorne E. 5.3.2.9). Die Gutachterin kann im Nachhinein jedoch 

weder feststellen, ob die Konstruktion nur leicht oder deutlich verschoben war und 

ob die Verschiebung absichtlich oder unabsichtlich erfolgte. Die Tatsache, dass we-

der der Kläger noch der Zeuge eine Verschiebung der Abdeckung wahrnahmen, 

spricht dafür, dass die Abdeckung nicht sichtbar und somit nur leicht verschoben 

war.  Dies  bekräftigt  den  überwiegend  wahrscheinlichen  Unfallhergang,  gemäss 

welchem der Kläger die leicht verschobene Abdeckung betrat (s. vorne E. 6.3.5). 

Überdies spricht auch die allgemeine Lebenserfahrung dafür, dass der Kläger die 

Abdeckung betreten hatte, bevor diese auseinanderbrach.

6.3.13. Entgegen  den  Vorbringen  der  Beklagten  im  schriftlichen  Schlussvortrag 

(act. 113 N. 61) haben weder der Kläger noch der Zeuge F._____  anlässlich der 

Befragung ausgeführt, am Unfalltag Armierungseisen gekürzt oder eingepasst zu 

haben.  Im  Gegenteil  gab  der  Kläger  an,  an  diesem  Tag  nur  die  Oberarmierung 

gemacht zu haben. Die Eisen hätten alle gepasst (Prot. S. 61). Der Zeuge konnte 

sich  nicht  mehr  erinnern,  ob  an  diesem  Tag  Eisen  geschnitten  werden  mussten 

(act.  99  S.  10  f.).  Die  Beklagte  vermag  kein  kausalitätsunterbrechendes  Selbst- 

oder Drittverschulden darzutun, geschweige denn zu beweisen.

6.3.14. Der Kläger wirft der Beklagten vor, dass die angebrachte Abdeckung nicht 

tauglich  war  bzw.  nicht  den  geltenden  Sicherheitsvorschriften  entsprach.  Damit 

macht er die Unterlassung einer genügenden Sicherheitsvorkehrung geltend. Folg-

lich hat er zu beweisen, dass der Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht 

passiert wäre, falls die Öffnung genügend gesichert gewesen wäre. Die Beklagte 

geht grundsätzlich davon aus, dass bereits die streitgegenständliche Konstruktion 

diese  Voraussetzungen  erfüllte.  Betreffend  die  vorgeschlagenen  alternativen  Si-

cherungsmöglichkeiten argumentiert sie, dass diese entweder nicht möglich gewe-

- 36 -

sen seien oder ebenfalls absichtlich hätten entfernt werden können. Sie bestreitet 

nicht explizit, dass eine Abdeckung aus Brettern tauglich gewesen wäre, sondern 

nur, dass diese ebenfalls hätte absichtlich verschoben werden können.

6.3.15. Zum Hauptbeweis des Klägers, dass es möglich gewesen wäre, die Öffnung 

anstelle  der  Schaltafelkonstruktion  durchbruchsicher  und  unverrückbar  abzude-

cken  beziehungsweise  zu  sichern,  namentlich  entweder  durch  eine  Konstruktion 

aus Holzbohlen/Gerüstbrettern, einen Seitenschutz oder eine Verschliessung der 

Öffnung von unten (act. 35, Beweissatz 1c) und dass es diesfalls nicht zum Unfall 

gekommen wäre (act. 35, Beweissatz 1f), wurde ein Gutachten eingeholt; ebenso 

zu den Gegenbeweisen der Beklagten, dass ein Seitenschutz zum damaligen Zeit-

punkt der Baufortschritte aus arbeitstechnischen Gründen und eine Verschliessung 

von unten zufolge der Raumhöhe und der sonstigen räumlichen Verhältnisse nicht 

möglich gewesen wäre (act. 35, Beweissätze 1 c) und dass es bei einer Verwen-

dung einer Konstruktion aus Holzbohlen/Gerüstbrettern in gleicher Weise zum Ab-

sturz gekommen wäre (act. 35, Beweissatz 1f).

6.3.16. Gemäss Gutachten hätte die Deckenöffnung durchbruchsicher und unver-

rückbar abgedeckt werden können. Dafür hätten die Querleisten der Konstruktion 

so positioniert werden müssen, dass die Abdeckung unverrückbar gewesen wäre, 

damit  deren  Tragelemente  stets  auf  den  Wandungen  aufgelegen  hätten  (act.  62 

S. 21 F/A 1.6 a). Die Sicherung hätte auch durch Verschliessen der Deckenöffnung 

von unten erfolgen können. Dafür hätte die Deckenöffnung mit Querträgern unter-

spannt werden müssen, welche auf Deckenstützen (Spriessen) oder – falls letzte-

res aus Platzgründen nicht möglich gewesen wäre – in Auflagerschuhen aufgele-

gen hätten (act. 62 S. 21 f. F/A 1.6 b). Durch eine fachgerechte und tragfähige Si-

cherung der Deckenöffnung von unten wäre es nicht zum Unfall gekommen (act. 62 

S.  30  F/A  2.8  c).  Auch  diese  Erwägungen  erweisen  sich  als  überzeugend  und 

schlüssig. Dem Kläger gelingt somit der Beweis, dass eine den Vorschriften ent-

sprechende Sicherung möglich gewesen wäre und eine solche den Unfall verhin-

dert hätte.

6.3.17. Der  Beklagten  gelingt  zwar  der  Gegenbeweis,  dass  zum  damaligen  Zeit-

punkt  des  Baufortschritts  ein  Anbringen  eines  Seitenschutzes  aus  arbeitstechni-

- 37 -

scher Sicht nicht möglich gewesen wäre. Da es jedoch andere Möglichkeiten ge-

geben hätte, um die Öffnung sicher abzudecken (act. 62 S. 22 f. F/A 1.7), ist dies 

nicht weiter relevant. Zudem gelingt der Beklagten der Gegenbeweis, dass es bei 

Verwendung einer Konstruktion aus Holzbohlen/Gerüstbrettern in gleicher Weise 

zum Absturz gekommen wäre. Dies, weil die Konstruktion aufgrund der Anordnung 

der Querleisten und nicht wegen dem verwendeten Material zur Sicherung untaug-

lich war (act. 62 S. 29 F/A 2.8 a). Dies ändert jedoch nichts am Beweisergebnis.

6.3.18. Zusammengefasst war die aufgrund ihrer Verrückbarkeit ungenügende Ab-

sturzsicherung kausal für den Sturz des Klägers. Der Unfall wäre mit überwiegen-

der Wahrscheinlichkeit nicht passiert, wenn die Öffnung genügend gesichert gewe-

sen wäre, was namentlich mit unterspannten Querträgern hätte geschehen können.

7.

Entlastungsbeweise

7.1. Weiter ist zu prüfen, ob sich die Beklagte entlasten kann. Für den Sorgfalts-

beweis muss der Geschäftsherr kumulativ beweisen, dass er die Hilfsperson sorg-

fältig ausgewählt, instruiert und überwacht hat. Zudem hat er für eine zweckmäs-

sige Organisation des Betriebes und für Verwendung von geeignetem Material zu 

sorgen (BGE 110 II 456, E. 2; HUGUENIN, Obligationenrecht, Allgemeiner und Be-

sonderer Teil, 3. Aufl. 2019, N. 2035).

7.2. Gemäss Beklagter resultiere aus der einwandfreien Funktion und Konformi-

tät der vorliegenden Absturzsicherung, dass sie alle nach den Umständen gebo-

tene Sorgfalt angewandt habe, um einen Absturz des Klägers sowie einen Schaden 

zu verhindern. Die Beklagte habe ihren Arbeitnehmer J._____  notwendigerweise 

richtig ausgewählt, instruiert und überwacht sowie für eine einwandfreie Organisa-

tion der Arbeit und des Betriebs gesorgt. Sie habe ihn auch mit tauglichem Werk-

zeug und Material ausgerüstet (act. 9 S. 26 N. 86).

7.3. Da die Beklagte vom Genügen der streitgegenständlichen Konstruktion aus-

geht,  bringt  sie  nicht  vor,  J._____    instruiert  zu  haben,  die  Öffnung  auf  andere 

Weise zu sichern. Weiter geht sie davon aus, dass die konkrete Konstruktion zur 

- 38 -

Sicherung tauglich gewesen sei. Da dies, wie ausgeführt, nicht der Fall ist, vermag 

sie den Sorgfaltsbeweis nicht zu erbringen.

7.4. Die Beklagte bringt weiter vor, selbst wenn keine ausreichende Sorgfalt ih-

rerseits angenommen werden sollte, habe sich J._____  mit dem Anbringen einer 

korrekten  Absturzsicherung  ohnehin  so  verhalten,  wie  wenn  sie  sämtliche  Sorg-

faltspflichten beachtet hätte (act. 9 S. 10 N. 16k und S. 27 N. 87). Diese Begründung 

des fehlenden Kausalzusammenhangs hilft der Beklagten beim vorliegenden Be-

weisergebnis ebenfalls nicht weiter. Die Beklagte kann sich folglich nicht entlasten.

8. Genugtuungsanspruch

8.1. Rechtliche Vorbemerkungen

8.1.1. Gemäss Art. 47 OR kann das Gericht bei Körperverletzung dem Verletzten 

unter  Würdigung  der  besonderen  Umstände  eine  angemessene  Geldsumme  als 

Genugtuung zusprechen. Die Genugtuung bezweckt den Ausgleich für erlittene Un-

bill, indem das Wohlbefinden anderweitig gesteigert oder die Beeinträchtigung er-

träglicher gemacht wird (BGE 132 II 117, E. 2.2.2; 123 III 10, E. 4c/bb; 123 III 306, 

E. 9; BGer 4A_68/2017 vom 14. Juli 2017, E. 2.1).

8.1.2. Der Begriff der Körperverletzung umfasst sowohl physische als auch psychi-

sche Beeinträchtigungen. Unter immaterieller Unbill wird die subjektive Beeinträch-

tigung  des  körperlichen  oder  psychischen  Wohlbefindens  von  einer  gewissen 

Schwere  verstanden.  Die  immaterielle  Unbill  wird  in  der  Regel  bejaht,  wenn  die 

Verletzung  schwer  ist,  bleibende  Folgen  hat  oder  das  Leben  bedroht,  wenn  der 

Geschädigte  unter  starken  oder  lang  anhaltenden  Schmerzen  leidet,  infolge  der 

Verletzung längere Zeit im Krankenhaus zu verbringen hat oder länger arbeitsun-

fähig  ist  (BGE  110  II  163,  E.  2c;  BGer  4A_463/2008  vom  20. April  2010,  E.  5.1; 

4C.49/2000 vom 25. September 2000, E. 3c; REY/WILDHABER, a.a.O., S. 93; LAN-

DOLT, Genugtuungsrecht, Band 2, 2013, S. 63 ff.).

8.2. Gesundheitliche Beschwerden des Klägers

8.2.1. Parteivorbringen

- 39 -

8.2.1.1. Gemäss Kläger habe er durch den Sturz ein Polytrauma mit unter anderem 

Femurschaftfraktur rechts, Humerusschaftfraktur rechts mit hochgradiger, inkom-

pletter, sensomotorischer axonaler Schädigung des rechten Nervus radialis im Be-

reich des Humerus, intraartikuläre Trümmerfraktur Mittelphalanx Dig. II links (mitt-

lerer  Fingerknochen),  intraartikuläre  Basisfraktur  Metascarpale  II  (Mittelhandkno-

chen), ein leichtgradiges Schädelhirntrauma, ein Thoraxtrauma, eine Kniegelenks-

distorsion  links  sowie  eine  Hüftkontusion  rechts  erlitten  (act.  1  S.  8  f.  N.  17; 

act. 3/17).  Anfangs  2010  seien  zudem  eine  posttraumatische  Belastungsstörung 

und eine somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert worden (act. 1 S. 11 N. 26; 

act. 3/28).

8.2.1.2. Das anfangs 2014 für die SUVA erstattete polydisziplinäre Gutachten habe 

festgehalten, dass der Kläger unter Schmerzen in der gesamten rechten Körper-

hälfte und an der linken Hand leide sowie eine als funktionell zu beurteilende Pa-

rese  [d.h.  unvollständige  Lähmung]  des  rechten  Armes  bestehe.  Psychiatrisch 

habe  sich  eine  ausgeprägte  Konversionssymptomatik  mit  einer  begleitenden  se-

kundären depressiven Symptomatik gefunden (act. 1 S. 12 N. 31; act. 3/35).

8.2.1.3. Anlässlich der kreisärztlichen Schlussuntersuchung im Februar 2017 seien 

weiterhin Schmerzen im Bereich der rechten Körperhälfte festgehalten worden. Der 

Kläger könne seit dem Unfall seine rechte Hand nicht mehr bewegen und schmerz-

bedingt mittlerweile auch die linke Hand im Alltag nur noch schlecht einsetzen. Be-

handlungsmassnahmen, die den Gesundheitszustand des Klägers relevant hätten 

verbessern können, seien zu diesem Zeitpunkt keine mehr zur Verfügung gestan-

den (act. 1 S. 13 f. N. 35; act. 3/36).

8.2.1.4. Die  Beklagte  bestreitet  die  im  geltend  gemachten  Umfang  dauerhafte 

Schädigung des Klägers grundsätzlich (act. 9 S. 29 N. 98).

8.2.2. Rechtliches

Nur Tatsachenbehauptungen, die ausdrücklich bestritten sind, müssen bewiesen 

werden. Bestreitungen sind so konkret zu halten, dass sich bestimmen lässt, wel-

che einzelnen Behauptungen des Klägers damit bestritten werden; die Bestreitung 

- 40 -

muss ihrem Zweck entsprechend so konkret sein, dass die Gegenpartei weiss, wel-

che einzelne Tatsachenbehauptung sie beweisen muss (vgl. Art. 222 Abs. 2 ZPO). 

Der Grad der Substantiierung einer Behauptung beeinflusst insofern den erforder-

lichen  Grad  an  Substantiierung  einer  Bestreitung;  je  detaillierter  einzelne  Tatsa-

chen eines gesamten Sachverhalts behauptet werden, desto konkreter muss die 

Gegenpartei erklären, welche dieser einzelnen Tatsachen sie bestreitet (BGE 141 

III 433, E. 2.6). Eine hinreichende Bestreitung lässt die behauptungsbelastete Par-

tei erkennen, welche ihrer Behauptungen sie weiter zu substantiieren und welche 

Behauptungen sie schliesslich zu beweisen hat (BGer 4A_9/2018 vom 31. Oktober 

2018, E. 2.3; 4A_443/2017 vom 30. April 2018, E. 4.1).

8.2.3. Würdigung

Die Beklagte bestreitet lediglich pauschal die dauerhafte Schädigung im vom Klä-

ger geltend gemachten Umfang. In der Klageantwort behält sie sich eine detaillierte 

Bestreitung  vor  (act.  9  S.  29  N.  98).  Diese  ist  in  der  Duplik  jedoch  nicht  erfolgt. 

Mangels  ausdrücklicher  und  hinreichender  Bestreitung  der  vom  Kläger  detailliert 

aufgeführten gesundheitlichen Beschwerden haben diese als anerkannt zu gelten. 

Nachfolgend  ist  auf  die  Ursächlichkeit  des  Unfalls  für  die  gesundheitlichen  Be-

schwerden des Klägers einzugehen.

8.3. Kausalzusammenhang zwischen Unfall und Beschwerden

8.3.1. Parteivorbringen

8.3.1.1. Der  Kläger  führt  aus,  dass  die  Gutachter  im  Rahmen  der  Erstellung  des 

polydisziplinären Gutachtens 2014 zum Schluss gekommen seien, dass der Unfall 

Auslöser einer psychopathologischen und psychosomatischen Entwicklung mit ei-

ner funktionellen Armlähmung und multiplen Beschwerden im Bewegungsapparat 

gewesen sei. Weiter sei die Beinverkürzung rechts mit Sicherheit durch die Femur-

fraktur entstanden und somit auch unfallkausal. Das Gleiche gelte für die Becken- 

und Hüftprobleme sowie die eingeschränkte Innen- und Aussenrotation der rechten 

Schulter. Relevante unfallfremde Faktoren, die eine Verschlimmerung der gesund-

heitlichen Situation hätten bewirken können, bestünden nicht. Auch der Kreisarzt 

- 41 -

der SUVA habe in seiner Abschlussuntersuchung 2017 betreffend Kausalität keine 

von den ZMB-Gutachtern abweichende Beurteilung vorgenommen. Der Unfall sei 

alleiniger Auslöser für die beim Kläger seit diesem dauerhaft bestehenden und auch 

künftig permanent verbleibenden Beschwerden (act. 1 S. 26 f. N. 72 ff.; act. 3/35, 

3/36 und 3/46).

8.3.1.2. Die Beklagte bestreitet, dass die medizinische Situation des Klägers und 

seine  dauerhafte  Schädigung  ursächlich  auf  das  Ereignis,  sei  es  ausschliesslich 

oder auch nur zum Teil, zurückzuführen seien (act. 9 S. 29 N. 98). Weiter bestreitet 

sie die Kausalität des Unfalls für die Beschwerden des Klägers mit Verweis auf die 

fehlende  Kausalität  zwischen  der  Konstruktion  und  dem  Absturz  (act. 9  S. 39 

N. 146).

8.3.2. Würdigung

Die Beklagte bestreitet die Kausalität zwischen dem Unfall des Klägers und seinen 

medizinischen Beschwerden nur pauschal – die für den zweiten Parteivortrag vor-

behaltene weitergehende Bestreitung erfolgte nicht. Da eine pauschale Bestreitung 

nicht genügt, gilt der Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall des Klägers und 

seinen Beschwerden als anerkannt. Der Unfall des Klägers war Auslöser einer psy-

chopathologischen  und  psychosomatischen  Symptomatik  mit  einer  funktionellen 

Armlähmung  und  multiplen  Beschwerden  im  Bewegungsapparat  (vgl.  vorne  E. 

8.3.1.1).

8.4.

Immaterielle Unbill

8.4.1. Parteivorbringen

8.4.1.1. Der Kläger führt zusätzlich zu den bereits erörterten gesundheitlichen Be-

schwerden (s. vorne E. 8.2.1) aus, dass er nach dem Unfall zunächst drei Wochen 

stationär in der Universitätsklinik Zürich gewesen sei, wo auch die Frakturen ope-

rativ behandelt worden seien. Anschliessend sei ein knapp zweimonatiger Rehabi-

litationsaufenthalt in der Rehaklinik Bellikon gefolgt (act. 1 S. 9 N. 17; act. 3/17). 

Zusammengefasst habe es in den Jahren 2009 und 2010 diverse weitere Operati-

- 42 -

onen  und  zwei  weitere  stationäre  Rehabilitationsaufenthalte  gegeben  (vgl.  act  1 

S. 8 ff. N. 17 ff.).

8.4.1.2. Wegen des Unfalls sei er in seiner Arbeitstätigkeit als Eisenleger dauerhaft 

arbeitsunfähig (act. 3/35, S. 61; act. 3/36, S. 12). Entsprechend habe ihm die SUVA 

bis am 31. August 2017 ein Taggeld auf Basis einer Arbeitsunfähigkeit von 100% 

ausgerichtet (act. 3/37). Seit April 2018 arbeite er in einem Pensum von 25-28% 

und führe leichtere Arbeiten aus. Es sei ihm bislang nicht möglich gewesen, einen 

Arbeitgeber zu finden, der ihn ganztags einstelle und Arbeit zur Verfügung stellen 

könne, die seinem eingeschränkten Arbeitsprofil entspreche. Folglich habe der Un-

fall erhebliche Auswirkungen auf seine berufliche Tätigkeit gehabt (act. 1 S. 14 ff. 

N. 37 ff.).

8.4.1.3. Gemäss Kläger sei die Schwelle einer medizinisch-theoretischen Invalidität 

von  5%  beim  hier  interessierenden  Beschwerdebild  und  der  Tatsache,  dass  ihm 

die SUVA eine Integritätsentschädigung gestützt auf eine Integritätseinbusse von 

45% zugesprochen habe, ohne weiteres erreicht (act. 1 S. 28 N. 79 und S. 17 N. 47; 

act. 3/41). Auch im Haushalt sei er erheblich eingeschränkt. Schliesslich hätten die 

unfallbedingten  Beschwerden  erhebliche  Auswirkungen  auf  seine  Freizeitgestal-

tung – Sport und soziale Kontakte – gehabt (act. 1 S. 16 N. 44 ff.).

8.4.1.4. Die Beklagte bestreitet die Arbeitsunfähigkeit des Klägers im Umfang und 

bezüglich der Dauer sowie eine unfallkausale Einschränkung des Klägers im Haus-

halt und in seiner Freizeitgestaltung sowie seinen sozialen Kontakten (act. 9 S. 29 

N. 99). Betreffend immaterielle Unbill bestreitet sie nur, dass diese auf den Unfall 

zurückzuführen sei (act. 9 S. 39 N. 148).

8.4.2. Würdigung

8.4.2.1. Die Beklagte bestreitet lediglich die Kausalität des Unfalls für die immate-

rielle Unbill, jedoch nicht, dass der Kläger eine solche erlitten hat. Die Kausalität 

des Unfalls für die medizinischen Beschwerden des Klägers wurde bereits bejaht 

(vgl. E. 8.3.2).

- 43 -

8.4.2.2. Der Kläger erlitt durch den Sturz mehrere, teils schwere Verletzungen und 

musste sich zahlreichen Operationen sowie diversen, teils stationären Behandlun-

gen unterziehen. Zu den anfänglich rein physischen Problemen sind psychische in 

Form einer Konversionsstörung und einer depressiven Symptomatik dazugekom-

men. Der Kläger leidet seit dem Sturz permanent unter Schmerzen. Unabhängig 

von  der  heute  noch  bestehenden  teilweisen  Arbeitsunfähigkeit  zeigt  die  von  der 

SUVA bis im Sommer 2017– mithin während 9 Jahren – attestierte 100% Arbeits-

unfähigkeit, dass der Unfall für den Kläger sehr weitreichende und lang anhaltende 

Folgen  hatte.  Schliesslich  bejahte  auch  die  SUVA  einen  Integritätsschaden  des 

Klägers (vgl. act. 3/41).

8.4.2.3. Der Kläger hat durch den Arbeitsunfall folglich klar eine immaterielle Unbill 

erlitten, weshalb grundsätzlich ein Genugtuungsanspruch gegeben ist.

8.5. Höhe der Genugtuung

8.5.1. Bemessungskriterien der Genugtuung sind die Art und Schwere der Verlet-

zung, die Intensität und Dauer der Auswirkungen auf die Persönlichkeit des Betrof-

fenen, der Grad des Verschuldens des Schädigers sowie ein allfälliges Selbstver-

schulden des Geschädigten (BGE 141 III 97, E. 11.2 = Pra 105 Nr. 46; 132 II 117, 

E. 2.2.2). Zu berücksichtigen ist, inwiefern die Zahlung des Geldbetrags die Aus-

sicht auf Linderung des Schmerzes bietet  (BGE 132 II 117, E. 2.2.2; 118 II 410, 

E. 2a).  Dabei  muss  die  Genugtuung  in  einem  ausgewogenen  Verhältnis  zu  den 

Genugtuungsbeträgen stehen, die in vergleichbaren Fällen zugesprochen werden 

(BGE 134 III 97, E. 4.2; BGer 4A_6/2019 vom 19.09.2019, E. 6.3). Die Bemessung 

der Genugtuung hat entsprechend unter Berücksichtigung der im Urteilszeitpunkt 

ergangenen Präjudizien zu erfolgen (BGE 132 II 117, E. 3.3.2).

8.5.2. Der Kläger verlangt CHF 43'300.– als Differenz zwischen einer Genugtuung 

von  CHF 100'000.–  und  der  bereits  ausgerichteten  Integritätsentschädigung  von 

CHF 56'700.–. Dabei geht er von einer Basisgenugtuung von CHF 66'690.– (45% 

von CHF 148'200.–) aus, welche er um den Faktor 1.5 erhöht. Die Erhöhung be-

gründet  er  damit,  dass  er  unfallbedingt  unter  verschiedenen,  erheblichen  Verlet-

zungsfolgen leide, die ihn unter anderem zu einem faktischen Einhänder gemacht 

- 44 -

hätten, er sich zahlreichen Operationen habe unterziehen und dabei auch Gelenke 

habe versteifen müssen, er seinen angestammten Beruf nie mehr werde ausüben 

können und auch einer angepassten Tätigkeit nur noch in sehr limitiertem Umfang 

nachgehen könne, was auch erhebliche finanzielle Konsequenzen gezeitigt habe. 

Seinen  vor  dem  Unfall  ausgeübten  sportlichen  Tätigkeiten  könne  er  nicht  mehr 

nachgehen wie er auch in seiner Freizeitgestaltung stark eingeschränkt sei (act. 1 

N. 80 ff.). Die Beklagte entgegnet lediglich, auch die Ausführungen zur Bemessung 

einer etwaigen Genugtuung seien unzutreffend (act. 9 N. 149).

8.5.3. Bei einem Verkehrsunfall, bei welchem ein 50-jähriger Mann diverse Brüche 

und einen Nervenabriss am linken Arm erlitt, der eine partielle Lähmung des linken 

Arms und der linken Hand zur Folge hatte, und bei dem mehrere chirurgische Ein-

griffe sowie eine berufliche Neuorientierung notwendig waren, wurde im Jahr 2008 

eine  Genugtuung  von  CHF  70'000.–  zugesprochen  (BGer  4A_489/2007  vom 

22. Februar 2008, E. 8). Bei einem Motorradunfall, bei welchem eine 19-Jährige ein 

Schädelhirntrauma und weitere schwere Verletzungen erlitt, die aufwändige ärztli-

che Behandlungen und länger dauernde Spitalaufenthalte erforderten, und welche 

zeitlebens  pflegebedürftig  wurde,  wurde  im  Jahr  2008  eine  Genugtuung  von 

CHF 140'000.– zugesprochen (BGer 4A_373/2007 vom 8. Januar 2008, E. 3).

8.5.4. Wie  ausgeführt  (s.  vorne  E.  8.4.2.2)  erlitt  der  im  Zeitpunkt  des  Unfalls  32-

jährige Kläger mehrere, teils schwere Verletzungen und musste sich zahlreichen 

Operationen sowie diversen, teils stationären Behandlungen unterziehen. Zu den 

anfänglich rein physischen Problemen sind psychische in Form einer Konversions-

störung und einer depressiven Symptomatik dazugekommen. Der Kläger hat seit 

dem Sturz permanent Schmerzen. Unabhängig von der heute noch bestehenden 

teilweisen Arbeitsunfähigkeit zeigt die von der SUVA bis im Sommer 2017 – mithin 

während 9 Jahren – attestierte 100% Arbeitsunfähigkeit, dass der Unfall sehr weit-

reichende und lang anhaltende Folgen hatte. In Anbetracht dieser Umstände und 

der  in  vergleichbaren  Fällen  zugesprochenen  Genugtuungssummen  erweist  sich 

die vom Kläger beantragte Genugtuung von CHF 100'000.– als angemessen.

8.5.5. Da der Kläger bereits eine Integritätsentschädigung von CHF 56'700.– erhal-

ten hat, ist ihm – wie beantragt – eine Genugtuung von CHF 43'300.– zuzuspre-

- 45 -

chen. Zusätzlich hat er Anspruch auf einen ab dem Schadensereignis laufenden 

Schadenszins (Genugtuungszins) als Ausgleich für die vorenthaltene Nutzung des 

Kapitals zwischen dem Verletzungs- und dem Urteilstag (BGE 132 II 117, E. 3.3.2). 

Der Zins ist folglich – wie beantragt – ab dem 13. August 2008 geschuldet.

9.

Fazit

9.1. Die Beklagte war nach Schaffung eines gefährlichen Zustands für die Siche-

rung der Deckenöffnung auf der Baustelle verantwortlich. Ein Arbeitnehmer der Be-

klagten,  J._____  ,  erstellte  die  Absturzsicherung  im  Rahmen  seiner  dienstlichen 

Tätigkeit. Gemäss den damals geltenden Vorschriften hatte die Abdeckung durch-

bruchsicher und unverrückbar zu sein. Die verwendete Abdeckung war jedoch un-

absichtlich verrückbar, weshalb ein Verstoss gegen die einschlägige Schutznorm 

vorliegt und die Widerrechtlichkeit zu bejahen ist. Die ungenügende Sicherung der 

Deckenöffnung war kausal für den Sturz des Klägers. Es wäre möglich gewesen, 

die Deckenöffnung anderweitig zu sichern, so dass es nicht zum Unfall gekommen 

wäre. Die Beklagte kann sich weder mit dem Beweis genügender Sorgfalt noch des 

kausalitätsunterbrechenden Selbst- oder Drittverschuldens entlasten.

9.2. Der Kläger leidet bis heute an diversen gesundheitlichen Beschwerden, wel-

che durch den Arbeitsunfall im Jahr 2008 verursacht wurden, und ist in seiner Ar-

beitsfähigkeit stark beeinträchtigt. Für die erlittene immaterielle Unbill steht ihm eine 

Genugtuung zu. Die Genugtuung ist auf CHF 100'000.– festzusetzen und die Be-

klagte ist – unter Berücksichtigung der Integritätsentschädigung von CHF 56'700.– 

– zu verpflichten, dem Kläger wie beantragt CHF 43'300.– zuzüglich Zins von 5 % 

seit 13. August 2008 zu bezahlen.

10. Kosten- und Entschädigungsfolgen

10.1. Gerichtskosten

Die  Höhe  der  Gerichtsgebühr  bestimmt  sich  nach  der  Gebührenverordnung  des 

Obergerichts (GebV OG) und richtet sich in erster Linie nach dem Streitwert bzw. 

nach dem tatsächlichen Streitinteresse (§ 2 Abs. 1 lit. a GebV OG). Der Streitwert 

wird durch das Rechtsbegehren bestimmt (Art. 91 Abs. 1 ZPO) und beträgt vorlie-

- 46 -

gend CHF 43'300.–. Unter Berücksichtigung des Zeitaufwands des Gerichts und 

der Schwierigkeit des Falls, insbesondere aufgrund des aufwändigen Beweisver-

fahrens  samt  Einholung  eines  Gutachtens  und  Partei-  bzw.  Zeugenbefragung, 

rechtfertigt es sich, die Gerichtsgebühr auf CHF 10'000.– festzusetzen (§ 4 Abs. 1 

und  2  GebV  OG).  Die  Gerichtskosten  sind  ausgangsgemäss  der  unterliegenden 

Beklagten aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Der Nichteintretensentscheid ist im 

Verhältnis zum Sachentscheid von gänzlich untergeordneter Bedeutung und recht-

fertigt keine andere Aufteilung.

10.2. Parteientschädigung

Die  Beklagte  hat  dem  obsiegenden  Kläger  ausserdem  eine  Parteientschädigung 

zu bezahlen (Art. 95 Abs. 3 lit. b ZPO). Dies gilt ungeachtet dessen, dass ihm mit 

Beschluss vom 19. Januar 2021 die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt und ein 

unentgeltliche Rechtsbeistand bestellt wurde (vgl. BGE 140 III 167; OFK ZPO-JENT- 

SØRENSEN, 3. Aufl., Zürich 2023, N. 3 zu Art. 122). Die Parteientschädigung ist nach 

der Verordnung über die Anwaltsgebühren (AnwGebV) zu bemessen. Grundlage 

ist auch hier der Streitwert (§ 2 Abs. 1 lit. a AnwGebV). Die Grundgebühr ist mit der 

Begründung bzw. Beantwortung der Klage verdient (§ 11 Abs. 1 AnwGebV). Für 

die  Erstattung  der  Replik,  die  Teilnahme  an  der  Vergleichsverhandlung,  die 

diversen  Eingaben  betreffend  Gutachten  und  die  Teilnahme  an  der  Beweisver-

handlung  ist  ein  Zuschlag  von  total  80 %  vorzunehmen  (§ 11 Abs. 2  AnwGebV), 

was eine Parteientschädigung von rund CHF 11'500.– ergibt. Hinzu kommt die ge-

setzliche Mehrwertsteuer, da auf Seiten des Klägers offensichtlich kein Vorsteuer-

abzug möglich ist. Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtsvertretung ist die 

Parteientschädigung  direkt  dem  unentgeltlichen  Rechtsbeistand  zuzusprechen 

(KUKO ZPO-JENT-SØRENSEN, 3. Aufl., Zürich 2021, N. 5 zu Art. 122 m.Hw.; DIKE 

ZPO-HUBER, 3. Aufl., Zürich 2025, N. 19 zu Art. 122). Dabei ist zu berücksichtigen, 

dass diesem, wie bereits erwähnt, auf sein Gesuch hin mit Verfügung vom 18. Sep-

tember 2023 eine Akontozahlung in der Höhe von CHF 10'000.– aus der Gerichts-

kasse ausgerichtet wurde (act. 44; § 23 Abs. 3 AnwGebV). In diesem Umfang steht 

der Anspruch auf Parteientschädigung dem Kanton Zürich zu (vgl. Art. 122 Abs. 2 

Satz 2 ZPO und Art. 166 OR; BSK OR I-GIRSBERGER/HERMANN, a.a.O, N. 2 zu Art. 

- 47 -

166). Mit dem Gesuch um Akontozahlung hatte der unentgeltliche Rechtsvertreter 

gestützt auf Art. 95 Abs. 3 ZPO i.V.m. Art. 122 Abs. 1 lit. a ZPO ausserdem die Er-

stattung der Kosten im Betrag von CHF 6'575.75 für Privatgutachten resp. Berichte 

beantragt (act. 38 S. 2). Mit Verfügung vom 18. September 2023 wurde der Ent-

scheid  über  den  allfälligen  Kostenersatz  ausdrücklich  dem  Urteil  vorbehalten 

(act. 44). Im Rahmen der Parteientschädigung sind auch notwendige Auslagen zu 

ersetzen (Art. 95 Abs. 3 ZPO). Ob darunter auch Privatgutachten fallen können, ist 

umstritten,  dürfte  aber  im  Grundsatz  zu  bejahen  sein  (BSK  ZPO-HOFMANN/BAE-

CKERT, 4. Aufl., Basel 2025, N. 43 zu Art. 95, m.Hw.; DIKE ZPO-GRÜTTER, a.a.O., 

N. 20 zu Art. 95). Notwendig sind Kosten für Privatgutachten insbesondere, wenn 

der Prozessstoff nur auf diese Weise richtig erfasst und in gehöriger Substantiie-

rung dargestellt werden kann, was namentlich bei technischen Gutachten der Fall 

sein  kann  (BSK  ZPO-HOFMANN/BAECKERT,  a.a.O.).  Beim  Bericht  von  M._____  , 

N._____, vom 7. September 2020 (act. 3/42) handelt es sich um eine bloss rudi-

mentäre und überdies fehlerhafte Einschätzung. Das Privatgutachten von O._____ 

, P._____, Q._____, vom 19. Oktober 2021 ist zwar ausführlicher gehalten, bein-

haltet aber – wie sich gerade im Vergleich mit dem gerichtlich eingeholten Gutach-

ten zeigt – keine wissenschaftlich fundierte Analyse des Unfallgeschehens. Für die 

gehörige Substantiierung des Sachverhalts war die Einholung eines technischen 

Privatgutachtens  auch  nicht  erforderlich.  Dementsprechend  rechtfertigt  sich  im 

Rahmen der Parteientschädigung kein Kostenersatz.

Das Handelsgericht beschliesst:

1.

Auf das Rechtsbegehren Ziffer 2 wird nicht eingetreten.

2. Mitteilung und Rechtsmittelbelehrung mit nachfolgendem Erkenntnis. 

Das Handelsgericht erkennt:

1.

Die Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger CHF 43'300.- zuzüglich Zins von 

5 % p.a. seit 13. August 2008 zu bezahlen.

- 48 -

2.

Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf CHF 10'000.–; die weiteren Kosten 

betragen:

CHF

36'019.65 Gutachten

CHF

10'000.– Akontozahlung uRB (act. 44)

3.

Die Kosten werden der Beklagten auferlegt und mit den von ihr geleisteten 

Barvorschüssen von CHF 19'500.– verrechnet.

4.

Die Beklagte wird verpflichtet, dem unentgeltlichen Rechtsbeistand des Klä-

gers, Rechtsanwalt lic. iur. X._____ , eine Parteientschädigung von 

CHF 11'500.– (zzgl. 8.1% MwSt.), abzüglich der diesem mit Verfügung vom 

18. September 2023 aus der Gerichtskasse ausgerichteten Akontozahlung 

von CHF 10'000.–, zu bezahlen. Es wird festgehalten, dass der Anspruch 

auf Bezahlung der Parteientschädigung im Umfang der ausgerichteten 

Akontozahlung im Umfang von CHF 10'000.– auf den Kanton Zürich, vertre-

ten durch Zentrale Inkassostelle der Gerichte, Hirschengraben 15, 8021 Zü-

rich, übergegangen ist. 

5.

Schriftliche Mitteilung an die Parteien, an den Kläger unter Zustellung des 

Doppels von act. 116.

6.

Eine bundesrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid ist innerhalb 

von 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 

1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be-

schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder 

Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 

und 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Der Streit-

wert beträgt CHF 43'300.–.

- 49 -

Zürich, 4. Juni 2025

Handelsgericht des Kantons Zürich

Die Vorsitzende:

Der Gerichtsschreiber:

Dr. Claudia Bühler

Dario König