# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 13ec2a6f-9cdb-50c3-9d88-6407763aaadb
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-08-20
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 5. Kammer 20.08.2010 R 2010 30
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_005_R-2010-30_2010-08-20.pdf

## Full Text

R 10 30

5. Kammer 

URTEIL
vom 20. August 2010

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Wiederherstellung des gesetzmässigen Zustandes

1. a) … ist Eigentümer von Parzelle 429 in …, Gemeinde … Diese Parzelle liegt in 

der Landwirtschaftszone. Sie grenzt an einen im Eigentum der Gemeinde 

stehenden, dort entlang führenden Güter-, Land- und Wanderweg (Flurweg-

/Strassenparzelle 435).  

b) Am 02.07.2008 forderte die Gemeinde den genannten Eigentümer unter 

Verweis auf das kantonale Einführungsgesetz zum Schweizerischen 

Zivilgesetzbuch (EGzZGB; BR 210.100) auf, die entlang der Strasse von ihm 

gepflanzten Lärchen bis zum 31.10.2008 aus dem gesetzlichen 

Abstandsbereich zu beseitigen.

c) Am 02.10.2008 lehnte … dieses Ansinnen ab. Am 11.11.2008 hielt die 

Gemeinde unter Verweis auf Art. 23 des kommunalen Baugesetzes (BG) und 

Art. 21 der Strassenverordnung des Kantons Graubünden (StrV; BR 807.110) 

an ihren Begehren fest und verlängerte die Beseitigungsfrist für die Lärchen 

bis zum 01.12.2008.

d) Am 08.03.2010 – also ca. 15 Monate später - verfügte der Gemeindevorstand 

gegenüber …, die Lärchen seien bis spätestens am 30.04.2010 aus dem 

gesetzlichen Abstandsbereich zu entfernen. Falls dieser Aufforderung nicht 

innert Frist nachkomme, werde der Gemeindevorstand gestützt auf Art. 108 

Abs. 2 BG die erforderlichen Massnahmen durch Dritte auf seine Kosten 

vornehmen. Dafür stehe der Gemeinde ein gesetzliches Pfandrecht 

gegenüber dem Grundeigentümer zu. Nach Art. 23 Abs. 4 BG richteten sich 

die Grenzabstandsvorschriften für Pflanzen nach dem EGzZGB. Art. 96 

EGzZGB lege für hochstämmige Bäume, die nicht zu den Obstbäumen 

gehörten, den Abstand zur Grenze mit 6 m fest. Bei Gefährdung fremden 

Eigentums im Interesse der öffentlichen Sicherheit und zur Wahrung des Orts- 

und Landschaftsbildes könne die Gemeinde gemäss BG die Beseitigung von 

Pflanzen verfügen, auch wenn die nachbarrechtliche Verjährungsfrist 

abgelaufen sei.  

2. Dagegen erhob der besagte Grundeigentümer am 07.04.2010 Beschwerde 

beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit dem Begehren die 

angefochtene Gemeindeverfügung vom März 2010 sei aufzuheben. Die 

Vorinstanz sei zu verpflichten, Beweise für ihr rechtswillkürliches Ansinnen zu 

erbringen und die Legitimation ihrer Forderung zur Beseitigung der Lärchen 

in genügender Weise zu substantiieren respektive zu dokumentieren oder 

eventuell ihre neuen Usanzen auf dem ganzen Gemeindegebiet umzusetzen. 

Ihm sei eine Umtriebsentschädigung von Fr. 750.-- zuzusprechen. 

Die Lärchen und auch die sonstigen Bäume auf Parzelle 429 bildeten keine 

Gefahr für den Weg. Dies habe der Augenschein vom 24.11.2008 mit dem 

Gemeindepräsidenten klar gezeigt. Nachdem die Gemeinde unmittelbar nach 

Fristablauf am 01.12.2008 keine Verfügung erlassen habe, hätten er und sein 

Vater gutgläubig davon ausgehen können, dass die Bepflanzung der Lärchen 

rechtmässig und somit alles erledigt sei. Es verstosse gegen Treu und 

Glauben, wenn die Gemeinde nun 15 Monate nach dem Augenschein eine 

Beseitigungsverfügung erlasse. Ausserdem müsste die Gemeinde, wenn 

schon, solches auf dem ganzen Gemeindegebiet umsetzen. Dies tue die 

Gemeinde aber nicht. 

Es handle sich bei der Parzelle 435 nicht um eine Strasse, sondern um einen 

Flur- und Wanderweg. Hier sei nur land- und forstwirtschaftlicher Verkehr 

sowie die Zufahrt für Anstösser zulässig. Ansonsten sei der Weg mit einem 

allgemeinen Fahrverbot belegt. 

Die zwei Voraussetzungen im Art. 23 BG müssten kumulativ erfüllt sein. Es 

seien aber beide Voraussetzungen nicht erfüllt. Beim Weg handle es sich 

nicht um einen öffentlichen Verkehrsweg. Die Bäume stünden nicht auf, 

sondern unterhalb der Grenze des Weges. Die öffentliche Sicherheit sei nicht 

tangiert. Der Weg werde auch nicht vom Schnee geräumt. 

In … stünden vier entlegene Maiensässe. Es könne nicht von einem Ortsbild 

gesprochen werden. Auf Parzelle 429 stünden unter anderem bereits vier 

über 40-jährige Lärchen, welche das Landschaftsbild bisher nie gestört 

hätten. In der ganzen Fraktion … stünden Hunderte von Lärchen, welche zum 

Landschaftsbild gehörten. Die Gemeinde und der Kanton hätten hier während 

der letzten Jahrzehnte selbst Dutzende von Lärchen gepflanzt. Die 

beanstandete Lärchenreihe stehe schon seit über 15 Jahren dort. Sie stünden 

über 1.5 Kilometer Luftlinie entfernt vom nächsten ganzjährig bewohnten 

Siedlungsgebiet in ...

Parzelle 429 befinde sich in einem Trockengebiet mit Magerwiesen in der 

Gefahrenzone. Weil der Hang rutschgefährdet sei, brauche es hier möglichst 

viele Pflanzen, welche den grössten Teil des Schmelzwassers aufnähmen. 

Pappeln, Birken und Lärchen seien dafür besonders geeignet.

Der Weg sei an einigen Stellen nicht einmal 1.9 m breit. Die Lärchen 

beeinträchtigten den Weg nicht. Sie seien für viele Vögel und Insekten eine 

wichtige Nährpflanze.

3. In ihrer Vernehmlassung beantragte die Gemeinde die kostenfällige 

Abweisung der Beschwerde; eventuell sei der Beschwerdeführer zumindest 

zu verpflichten, die entlang der Grenze des Weges gepflanzten Bäume 

(Lärchen/Stechpalmen) als Hecke auf eine Höhe von 1.5 m ab gewachsenem 

Boden zurückzuschneiden.

Aufgrund der Vorgeschichte habe der Beschwerdeführer nicht darauf 

vertrauen können, die Gemeindeverantwortlichen würden allein wegen einer 

einjährigen Unterbrechung die Angelegenheit nicht weiter verfolgen. Aus dem 

Unterbruch vermöchte der Beschwerdeführer ohnehin nichts zu seinen 

Gunsten abzuleiten. Er habe keine Vorkehren getroffen, welche sich nicht 

wieder rückgängig machen liessen. 

Das rechtliche Gehör sei nicht verweigert worden. Vor Erlass der 

angefochtenen Verfügung habe der Beschwerdeführer Gelegenheit gehabt, 

der Gemeinde seine Sicht der Dinge darzulegen. 

Durch die Aufnahme ins BG seien die Bestimmungen von Art. 96 Abs. 1 und 

2 EGzZGB zu öffentlichem Baurecht gemacht worden. Der kommunale 

Gesetzgeber habe die Verjährungsregelung modifiziert. Dazu sei er nur im 

Rahmen des öffentlichen Baurechts berechtigt. Eine solche nahe 

Bepflanzung entlang einer Strasse könne zu einer zusätzlichen Gefährdung 

der Strassenbenützer führen. Auch sei damit zu rechnen, dass Wurzeln dieser 

hochstämmigen Pflanzen in den Wegbereich hineinragten und dort 

gefährliche Hindernisse darstellten. Die Voraussetzungen für die Beseitigung 

seien somit gegeben. 

Hier liege kein Flurweg, sondern ein im Generellen Erschliessungsplan (GEP) 

ausgeschiedener Güter-, Land- und Wanderweg vor, welcher als selbständige 

Parzelle ausgeschieden sei und auch ständig benutzt werde. Solche Flurwege 

dienten nur einer temporären Nutzung. Selbst wenn Art. 23 BG nicht zur 

Anwendung käme und keine Beeinträchtigung des Orts- und Landschaftsbilds 

vorläge, könnte die Bepflanzung nicht belassen werden. Es käme nämlich Art. 

76 Abs. 5 KRG zur Anwendung. Dieser sehe für solche Bepflanzungen vor, 

dass sie jährlich auf die Grenze und auf eine Höhe von 1.5 m ab 

gewachsenem Boden zurückgeschnitten würden. Hier handle es sich um 

einen Lebhag.

4. Am 30.04.2010 schrieb das Amt für Wald (AfW), bei jenen Lärchen handle es 

sich nicht um Wald. Es gehe dabei um die Einzäunung/Einfriedung der 

Parzelle 429 gegenüber den Nachbarparzellen nicht nur mittels eines 

Holzzaunes, sondern auch mit besagten Lärchen. Im Waldentwicklungsplan 

sei die Strasse bis zur Parzelle 438 als Waldstrasse definiert.

5. Am 07.05.2010 nahm das Amt für Natur und Umwelt (ANU) Stellung. Art. 21 

StrV sei hier nicht anwendbar, wohl aber Art. 23 Abs. 1 BG. Gemeint sei wohl, 

dass die Gemeinde die Entfernung anordnen könne, wenn die Pflanzen 

fremdes Eigentum gefährdeten oder im Interesse der Sicherheit oder zur 

Wahrung des Orts- und Landschaftsbilds. Die Gemeinde sage nicht, aus 

welchem dieser Gründe die Lärchen entfernt werden müssten. Das ANU 

vermöge weder eine Gefährdung fremden Eigentums noch ein 

Sicherheitsrisiko auszumachen. Zur Wahrung des Orts- und Landschaftsbilds 

erscheine eine Entfernung nicht notwendig. Die Lärchen hätten keine 

besondere ökologische Bedeutung. Als Hecke würden sie auf eine 

naturfremde Art verwendet. Lärchen so nahe an einem Weg seien zudem 

unpraktisch, weil sie ab einer bestimmten Höhe in den Weg hineinragten, 

wenn die Äste nicht entfernt würden. Dies sei vorläufig nicht der Fall.

6. Am 28.05.2010 replizierte der Beschwerdeführer. Er habe keine 

Verweigerung des rechtlichen Gehörs geltend gemacht. Die Lärchen hätten 

die Funktionen, einerseits die Parzelle 429 für jeden Dritten erkennbar zu 

machen und anderseits das Wasser im Frühjahr aufzunehmen, damit 

Rutschungen auf ein Minimum reduziert würden. Die Lärchen hätten 

Pfahlwurzeln und ragten deshalb nicht in den Weg. Allenfalls überragende 

Äste würden regelmässig gekappt. Art. 23 BG sei ein Verstoss gegen 

Bundesrecht (ZGB) und kantonales Recht (EGzZGB). Die Vorschriften über 

Lebhäge kämen nicht zur Anwendung.

7. Am 08.06.2010 verzichtete die Gemeinde auf eine Duplik, beantragte jedoch 

die Durchführung eines Augenscheins.

8. Am 11.06.2010 (Poststempel) schrieb das ANU, unter einem Lebhag 

verstünde es eine Hecke, die regelmässig geschnitten und dadurch sehr dicht 

werde. Spezielle Vorschriften über Lebhäge seien in erster Linie im Baugebiet 

notwendig. Die umstrittenen Lärchen und die Ilex seien entlang des 

Holzzauns wohl mit der Absicht gepflanzt worden, einen gewissen Sichtschutz 

zu erreichen. Die Pflanzung wirke zwar heckenähnlich, entspreche aber nicht 

einem Lebhag. Sie erwecke nicht den Eindruck einer grünen, 

undurchdringlichen Wand. Vielmehr nehme man die 10 Lärchen als eine 

Reihe von 10 Bäumen mit dazwischen gepflanzten Ilex wahr. Auch wenn man 

die Pflanzung von heute rund 5 m auf 1.5 m stutzen würde, entstünde kein 

Lebhag. Die Lärchen und Stechpalmen bildeten nicht, wie die Gemeinde 

sage, „zweifellos einen Lebhag“.

9. Am 20.08.2010 führte das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden (V. 

Kammer) einen Augenschein an Ort und Stelle durch. Der Beschwerdeführer 

war dabei persönlich in Begleitung seines Vaters anwesend. Die Gemeinde 

war durch den Gemeindepräsidenten sowie ihren Rechtsvertreter (RA …) vor 

Ort präsent. Ferner waren noch zwei Vertreter des Amtes für Natur und 

Umwelt (ANU) zugegen. Allen Anwesenden wurde sodann im Bereich des 

Lärchenbestands auf Parzelle 429 unterhalb der Flurwegparzelle 435 die 

Gelegenheit geboten, sich noch mündlich zur ganzen Sache zu äussern. Der 

Beschwerdeführer legte dabei noch vier Farbfotos (Format A4) vom 

November 2008 zu den Akten, auf denen die umliegende Winterlandschaft 

und umgestürzte Bäume zu sehen sind. An einem zweiten Standort 

(Bewaldung entlang des Flurweges unterhalb des Hauses des 

Beschwerdeführers) wurde den Parteien und Beigeladenen ebenfalls noch 

die Möglichkeit gegeben, sich zur Gefahrensituation sowie zum 

Landschaftsbild in diesem Teilabschnitt entlang der Parzelle 435 – im 

Direktvergleich zu den Verhältnissen bei der Parzelle 429 - zu äussern. Am 

dritten Standort (ca. 150 m oberhalb des Hauses des Beschwerdeführers bei 

der Strassenkreuzung im Wald) machte sich das Gericht noch ein eigenes 

Bild von den dort gewachsenen Baumreihen und den dortigen Abständen zu 

der dort wesentlich breiteren Strasse.

Auf die weiteren Vorbringen der Parteien wird, soweit notwendig, in den 

nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. a) Laut Art. 6 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210) 

werden die Kantone in ihren öffentlich-rechtlichen Befugnissen durch das 

Bundeszivilrecht nicht beschränkt. Gemäss Art. 107 Abs. 2 des 

Raumplanungsgesetzes für den Kanton Graubünden (KRG; BR 801.100) 

gehen die unmittelbar anwendbaren Bestimmungen des KRG allenfalls davon 

abweichenden kommunalen Vorschriften vor, worunter laut Ziff. 5 namentlich 

die kantonalen Bauvorschriften im Sinne von Art. 72 - 84 KRG zählen. In Art. 

76 Abs. 5 KRG wird sodann bestimmt: „Lebhäge dürfen mit einem Abstand 

von 0.5 m von der Grenze angelegt werden, sofern sie jährlich auf die Grenze 

und eine Höhe von 1.5 m ab gewachsenem Boden zurückgeschnitten werden. 

Höhere Lebhäge sind um das Mass der Mehrhöhe zurück zu setzen, jedoch 

um maximal 2.5 m.“ In Art. 23 BG wird sodann was folgt stipuliert: „Die 

Grenzabstandsvorschriften für Pflanzen richten sich nach dem EG ZGB. Bei 

Gefährdung fremden Eigentums im Interesse der öffentlichen Sicherheit und 

zur Wahrung des Orts- und Landschaftsbildes kann die Gemeinde die 

Beseitigung von Pflanzen verfügen, auch wenn die nachbarrechtliche 

Verjährungsfrist abgelaufen ist.“ Und in Art. 96 EGzZGB wird zu den 

Grenzabständen bei Pflanzen schliesslich noch was folgt geregelt (Abs. 1): 

„Beim Pflanzen von Bäumen und Sträuchern sind, ausser gegenüber 

Waldgrundstücken, folgende Grenzabstände einzuhalten: Ziff. 1: 6 m für 

hochstämmige Bäume, die nicht zu den Obstbäumen gehören, sowie 

Nussbäume; Ziff. 2: 4 m für hochstämmige Obstbäume mit Ausnahme der 

Nussbäume; Ziff. 3: 2 m für Zwergobstbäume, Zwetschgen- und 

Pflaumenbäume und dergleichen; Ziff. 4: 0.50 m für kleinere Gartenbäume 

und Sträucher, die auf eine Höhe von 3 m zurückgeschnitten werden; der 

Nachbar kann verlangen, dass sie alljährlich im Herbst in dieser Weise 

beschnitten werden; dieser Anspruch unterliegt keiner Verjährung; Ziff. 5: 0.30 

m für Reben.“ Nach Art. 96 Abs. 3 EGzZGB verjährt das Recht auf Einsprache 

gegen die Verletzung der Abstandsvorschriften nach 5 Jahren, von der 

Pflanzung an gerechnet. Die Bestimmungen dieses Artikels gelten 

sinngemäss für wildwachsende Bäume und Sträucher.

b) Der vorliegende Streitfall ist im Licht der soeben zitierten 

Gesetzesbestimmungen zu entscheiden. Zunächst gilt es dazu klarzustellen, 

dass das öffentliche Recht der Kantone - und damit selbstverständlich auch 

der Gemeinden – dem Bundesprivatrecht und dem darauf beruhenden 

kantonalen Privatrecht vorgeht. Die öffentlich-rechtliche Bestimmung in Art. 

23 BG der betreffenden Gemeinde verstösst daher auch nicht gegen 

Privatrecht auf Stufe Bund oder Kanton (z.B. Art. 96 EGzZGB). Die 

gegenteilige Argumentation des Beschwerdeführers ist unzutreffend. 

Dasselbe gilt bezüglich des von ihm als verletzt angerufenen 

Rechtsgleichheitsgebots in Sachen Entfernung von Bäumen oder Sträuchern 

auf dem übrigen Gemeindegebiet in ähnlichen Fällen durch die Vorinstanz. 

Erstens existiert kein Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht und 

zweitens stellt die Bestimmung laut Art. 23 BG lediglich eine Kann-Vorschrift 

dar. Die konkrete Anwendung dieses gesetzlich eingeräumten 

Ermessensspielraums der Gemeinde unterliegt aber wiederum dem 

Gleichbehandlungsgebot nach Art. 8 BV. Wie den Schreiben des Amtes für 

Natur und Umwelt (ANU) vom 05.05.2010 und 10.06.2010 zu entnehmen ist, 

dürfte sich auf dem übrigen Gemeindeterritorium aber tatsächlich keine 

vergleichbare Bepflanzungssituation (zirka 10 Lärchen in loser Reihenfolge 

mit Ilex [Stechpalmen] dazwischen auf einer Länge von rund 25 m am 

westlichen Rand der Parzelle Nr. 429 vor etwa 15 Jahren [1995] gepflanzt, 

zwecks Einfriedung, Einzäunung und Abgrenzung des Grundstücks 

gegenüber dem oberhalb unmittelbar im Westen daran angrenzenden und 

öffentlich benutzten Fuss- und Fahrweg auf Parzelle 435 der Gemeinde) 

auffinden lassen.

c) Entgegen der Darstellung der Gemeinde kann Art. 76 Abs. 5 KRG vorliegend 

aber nicht zur Anwendung kommen, weil das ANU mit ausführlicher und 

überzeugender Begründung dartun konnte, dass es sich bei der fraglichen 

Bepflanzung nicht um eine „Hecke“ oder einen „Lebhag“ (Grünhag) im Sinne 

der dort erwähnten Abstandsvorschrift handelt  (vgl. dazu auch Merkblatt, 

ANU, Januar 2003, „Hecken Hecken ….“). Andere Bestimmungen über die 

minimal einzuhaltenden Grenzabstände von Pflanzen gegenüber Bauten oder 

Strassen etc. kennt das KRG nicht.

d) Nicht richtig ist sodann, dass es sich bei Art. 23 BG um eine 

Strassenabstandsvorschrift handeln soll. Der Strassenabstand (inkl. Zu- und 

Ausfahrten) wird vielmehr in Art. 28 BG separat und eigenständig geregelt, 

worin Pflanzen nicht erwähnt werden. Art. 23 BG stellt deshalb eine 

allgemeine Abstandsvorschrift dar. Er schafft die gesetzliche Grundlage, 

damit Pflanzen – wie z.B. hochstämmige Bäume und Nussbäume, 

Mindestabstand 6 m (vgl. Art. 23 i.V.m. Art. 96 Abs. 1 Ziff. 1 EGzZGB); 

hochstämmige Obstbäume 4 m (Ziff. 2); Zwergobstbäume, Zwetschgen- und 

Pflaumenbäume 2 m (Ziff. 3); kleinere Gartenbäume und Sträucher 0.50 m 

(Ziff. 4); Rebstöcke 0.30 m (Ziff. 5) – einen jeweils (je nach Pflanzenart, 

Ausdehnung und Grösse) angemessenen Grenzabstand einhalten müssen. 

Gemäss Art. 23 Satz 2 BG müssen Pflanzen auf Verlangen der Gemeinde 

entfernt werden, sofern zum einen eine Gefährdung fremden Eigentums im 

Interesse der öffentlichen Sicherheit und zum anderen eine Beeinträchtigung 

des Orts- und Landschaftsbildes vorliegt. Beide Voraussetzungen müssen 

nach dem Wortlaut der Vorschrift also kumulativ (gemeinsam) erfüllt sein, um 

einen behördlichen Eingriff im Einzelfall rechtfertigen zu können.

e) Wie sich im Zuge des gerichtlichen Augenscheins am 20.08.2010 vor Ort 

zeigte, kann aus Sicht des Gerichts weder von einer Gefährdung fremden 

Eigentums im Interesse der öffentlichen Sicherheit (durch Umstürzen und 

Entwurzelung der Lärchen[-reihe] im Winter oder durch Herabfallen von 

Ästen/Zweigen auf den oberhalb vorbeiführenden Fuss- und Wanderweg der 

Gemeinde; Augenschein Standort 1) noch von einer Beeinträchtigung des 

gewachsenen Orts- und Landschaftsbildes (keine Störung des ringsum mit 

grossen Nussbäumen [unweit im Westen oberhalb des kommunalen Fuss- 

und Fahrwegs; vgl. dazu die 4 eingereichten Farbfotos des 

Beschwerdeführers anlässlich des Augenscheins sowie besonders die vom 

ANU zu den Akten gegebenen Fotos 1-3 plus Luftaufnahme] oder sonst mit 

dichten Sträuchern und hochstämmigen Bäumen umrahmten Fusswegs [vgl. 

Wegabschnitte unterhalb [vor] als auch oberhalb [rund 150 m nach] dem 

Wohnhaus des Beschwerdeführers; Augenschein Standorte 2 und 3) 

ernsthaft die Rede sein. Wie der Beschwerdeführer zu Recht ausführte, 

können die sein Grundstück Parzelle 429 im Westen säumenden Lärchen und 

Stechpalmen - letztere wurden in der angefochtenen Verfügung überhaupt 

nicht erwähnt – von ihrem Gefährdungspotential her bestimmt nicht mit den 

grossen und massiven Nussbäumen (oberhalb der Wegparzelle 435) in 

unmittelbarer Nähe seiner filigranen Lärchenreihe unterhalb der Wegparzelle 

435) verglichen werden. Es erstaunt deshalb nicht, dass sich der 

Beschwerdeführer über das Vorgehen der Gemeinde gewundert hat, die viel 

kleineren und leichteren Lärchenbäume entfernen lassen, im Gegenzug die 

viel grösseren und wegen des Gewichts ihrer Äste viel gefährlicheren 

Nussbäume für Fussgänger und Wanderer auf ihrer Wegparzelle 435 jedoch 

offensichtlich weiterhin bestehen lassen zu wollen. Eine derartige 

Risikobeurteilung leuchtet in der Tat nicht ein und ist objektiv auch kaum 

verständlich. Hinzu kommt, dass die Lärchen Pfahlwurzeln haben und sich 

folglich in die Tiefe und nicht in die Breite (auf den nahen Fuss- und Fahrweg 

der Gemeinde) ausbreiten. Was den Eventualantrag der Gemeinde auf 

Kappung bzw. auf Zurückschneiden der schon vor ca. 15 Jahren gepflanzten 

Lärchenbäume auf eine Höhe von 1.5 m – nach Art. 76 Abs. 5 KRG – betrifft, 

so erklärten die Vertreter des ANU dazu im Rahmen des Augenscheins 

unmissverständlich, dass es für eine solche Massnahme nun längst zu spät 

sei und diese den „Tod der Lärchen“ bedeuten würde. Ein Zurückschneiden 

der Lärchen wäre höchstens in den ersten fünf Jahren seit der Pflanzung 

möglich und vertretbar gewesen. Damit war aber natürlich einzig eine 

Kappung in der Höhe und sicherlich nicht ein Abschneiden der seitlich 

dereinst in den Fuss- und Fahrweg der Gemeinde hineinragenden Äste und 

Zweige der Lärchen gemeint. An der Unterhalts-, Schneide- und 

Räumungspflicht des Beschwerdeführers in Bezug auf seitlich im Westen in 

den kommunalen Fuss- und Fahrweg hineinragende Äste besteht für das 

Gericht denn auch - unbesehen der Verfügung der Gemeinde - absolut kein 

Zweifel. Dies ändert indessen nichts daran, dass die in Art. 23 Satz 2 BG 

zuerst erwähnte Voraussetzung für eine Entfernung der fraglichen Lärchen 

hier offenkundig nicht als erfüllt betrachtet werden kann. Abgesehen davon 

wäre auch die zweite Voraussetzung einer inakzeptablen und störenden 

Beeinträchtigung des derzeitigen Orts- und Landschaftsbildes im 

betreffenden, weitab gelegenen Teilgebiet … (832 m.ü.M) durch die strittige 

Lärchenreihe (samt Stechpalmen) entlang der Wegparzelle 435 nicht erfüllt 

worden. Wie namentlich die eingereichten Farbfotos 1-3 des ANU sowie 

insbesondere die beigelegte Luftaufnahme mit aller Deutlichkeit belegen, 

zeichnet sich das fragliche Teilgebiet gerade durch einzelne Baumgruppen 

sowohl entlang als auch neben dem gemeindeeigenen Fuss- und Fahrweg 

auf Parzelle 435 aus. Dies mag nicht zuletzt damit etwas zu tun haben, dass 

sich in unmittelbarer Nähe ein Bergbach befindet, gegen dessen 

Geländeunterspülung (Erosionsgefahr) die Existenz von stark 

wasseraufsaugenden Bäumen und Pflanzen durchaus sinnvoll und nützlich 

erscheint. Bei der Lärche (lateinisch: larix) handelt es sich zudem um ein 

einheimisches und ortsübliches Kieferngewächs. Charakteristisch präsentiert 

sich die Lärche als hoher, schlanker Nadelbaum, der im Herbst sämtliche 

Nadeln abwirft. Sie kann bis zu 40 m hoch werden, wobei der untere Teil des 

Stammes in der Regel frei von Ästen ist. Unbekümmert des mutmasslichen 

Nutzens der fraglichen Lärchenreihe am gewählten Standort (Wegrand) lässt 

sich anhand des Gesamteindrucks am Augenschein somit festhalten, dass 

von einem unzumutbaren „Störfaktor“ für die wilde und sehr reizvolle Wald-, 

Wiesen-, Bach- und Gebirgslandschaft vor Ort bloss „wegen der 

Nichtentfernung von 10 Lärchen entlang der Parzelle 435“ sicherlich noch 

keine Rede sein kann. Eine negative Beeinträchtigung des herrschenden 

Orts- und Landschaftsbilds ist deshalb klar zu verneinen.

f) Zusammengefasst ergibt sich somit, dass die Gemeinde weder gestützt auf 

Art. 23 BG (i.V.m. Art. 96 EGzZGB) noch aufgrund von Art. 76 Abs. 5 KRG 

berechtigt war, die Entfernung (Hauptantrag) oder zumindest die 

Zurückschneidung der Lärchen auf eine Höhe von 1.5 m (Eventualantrag) zu 

verlangen. Die angefochtene Verfügung vom 08.03.2010 erweist sich 

infolgedessen als nicht rechtmässig und ist aufzuheben, was im Ergebnis zur 

Gutheissung der Beschwerde vom 07.04.2010 führt.

2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf Art. 

73 Abs. 1 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes (VRG; BR 370.100) 

vollumfänglich der Gemeinde aufzuerlegen. Eine aussergerichtliche 

(Umtriebs-) Entschädigung steht dem anwaltlich nicht vertretenen 

Beschwerdeführer indessen praxisgemäss und gestützt auf Art. 78 Abs. 1 

VRG nicht zu.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die angefochtene Verfügung der 

Gemeinde vom 8. März 2010 aufgehoben.

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 1'500.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 364.--

zusammen Fr. 1'864.--

gehen zulasten der Gemeinde … und sind innert 30 Tagen seit Zustellung 

dieses Entscheids an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, 

zu bezahlen.