# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ab2b12c3-9cb2-5594-a42c-d219797322a7
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-01-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.01.2024 D-4149/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4149-2023_2024-01-29.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4149/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 9 .  J a n u a r  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richterin Susanne Bolz-Reimann (Vorsitz), 

Richter David R. Wenger, Richterin Daniela Brüschweiler,    

Gerichtsschreiberin Regula Aeschimann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch lic. iur. Dominik Löhrer,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 5. Juli 2023 / N (…). 

 

 

 

D-4149/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zu-

folge im Jahr 2016 zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern. Die 

Familie lebte zuerst einige Zeit in der Türkei und später in Griechenland. 

Danach kam sie im Rahmen eines Dublin-In-Verfahrens in die Schweiz, wo 

sich bereits eine Schwester des Beschwerdeführers (B._______, N […]) 

aufhielt.  

Am 28. April 2022 stellte der Beschwerdeführer ein Asylgesuch und am 

26. Juli 2022 hörte ihn das SEM zu seinen Asylgründen an. Mit Verfügung 

vom 18. August 2022 wies es ihn dem erweiterten Verfahren zu.  

B.  

B.a Anlässlich seiner Anhörung machte der Beschwerdeführer geltend, er 

stamme aus C._______ und habe dort mit seinen Eltern und Geschwistern 

gelebt. Er habe sieben Jahre die Schule besucht und sei nie erwerbstätig 

gewesen. Sein Vater habe Land besessen, wobei es zu Streitigkeiten ge-

kommen sei mit den Personen, welche dieses bewirtschaftet hätten. Die 

genauen Hintergründe des Konflikts kenne er aber nicht. Zudem seien drei-

mal Diebe bei ihnen gewesen. Beim dritten Mal seien ihnen die Nachbarn 

zu Hilfe gekommen, da sie den Lärm und Tumult gehört hätten. Danach 

hätten seine Eltern entschieden, Afghanistan aus Sicherheitsgründen zu 

verlassen. Weiter habe er persönlich Probleme gehabt, von denen er bis-

lang niemandem erzählt habe. Einer der Nachbarn sei ein Taliban gewesen 

und seine Tochter habe manchmal mit ihm gesprochen. Der Nachbar habe 

ihn deswegen einmal in sein Haus gezerrt, zusammengeschlagen und ein 

Messer herausgeholt, um ihn zu töten. Als dessen Frau hinzugekommen 

sei, habe er sich retten können. Aus Angst habe er danach mehrere Tage 

das Haus nicht mehr verlassen. Sodann habe seine Mutter oft geweint, weil 

sie sich Sorgen um seine Schwester gemacht habe. Weiter wisse er noch, 

dass sein Bruder einmal entführt worden sei. Er sei sehr jung gewesen, als 

sie Afghanistan verlassen hätten, und die Eltern hätten ihm nichts Genau-

eres über ihre Probleme erzählt. In seiner Heimat sei es jedoch so, dass 

wenn ein Familienmitglied ein Problem habe, die ganze Familie involviert 

werde und jedes Familienmitglied deswegen ebenfalls Probleme erhalte. 

B.b Als Beweismittel wurden folgende Unterlagen zu den Akten gereicht 

(alle in Kopie): ein Dokument betreffend die Ländereien des Vaters, eine 

Polizeianzeige wegen Grundstücksstreitigkeiten und eine weitere wegen 

Diebstählen sowie die Tazkira des Vaters.  

D-4149/2023 

Seite 3 

C.  

Mit am Folgetag eröffneter Verfügung vom 5. Juli 2023 stellte das SEM 

fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht. Es 

lehnte sein Asylgesuch ab und wies ihn aus der Schweiz weg. Der Vollzug 

der Wegweisung wurde jedoch als unzumutbar erachtet, weshalb er in der 

Schweiz vorläufig aufgenommen wurde.  

D.  

Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 

27. Juli 2023 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diesen 

Entscheid. Darin beantragte er, die angefochtene Verfügung sei im Asyl-

punkt aufzuheben, es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und 

ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an 

die Vorinstanz zurückzuweisen und diese sei anzuweisen, über die Asyl-

gesuche sämtlicher Familienmitglieder koordiniert zu entscheiden und die 

Asylentscheide nachvollziehbar zu begründen; zudem seien alle Asylakten 

zu edieren, insbesondere die Anhörungsprotokolle sämtlicher Familienmit-

glieder. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche 

Prozessführung, Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und 

Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands in der Person des un-

terzeichnenden Rechtsvertreters.  

E.  

Mit Verfügung vom 3. August 2023 wurde das Gesuch um Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen und der rubrizierte Rechts-

vertreter als amtlicher Rechtsbeistand eingesetzt.  

F.  

Das SEM liess sich mit Schreiben vom 18. August 2023 zur Beschwerde 

vom 27. Juli 2023 vernehmen.  

G.  

Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 

28. August 2023 eine Replik zu den Akten.  

H.  

Für die Beurteilung des vorliegenden Verfahrens wurden die elektroni-

schen Akten der Familienangehörigen des Beschwerdeführers konsultiert. 

Es handelt sich dabei um die Dossiers von B._______ (N […]), D._______ 

(N […]) sowie jenes der Eltern und minderjährigen Geschwister (N […]).  

 

D-4149/2023 

Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das 

AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.  

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

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Seite 5 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).  

4.  

4.1 Zur Begründung seiner Verfügung führte das SEM aus, der Beschwer-

deführer mache als Asylgründe Landstreitigkeiten seines Vaters geltend 

sowie den Umstand, dass dreimal Diebe bei ihnen zu Hause gewesen 

seien. Diesen Vorbringen lägen keine asylrechtlich relevanten Motive zu-

grunde. Vielmehr handle es sich um rein private Angelegenheiten. Den Ak-

ten sei zu entnehmen, dass seine Familie sich mit einer polizeilichen An-

zeige an die Behörden gewandt habe. Es könne somit von staatlicher 

Schutzfähigkeit und von entsprechendem Schutzwillen ausgegangen wer-

den. Eine persönlich gegen den Beschwerdeführer gerichtete, gezielte Ver-

folgung liege nicht vor. Das Ereignis mit dem Nachbarn stelle keine Verfol-

gung von asylrechtlich erheblicher Intensität dar, zumal es sich um einen 

einmaligen Vorfall gehandelt habe, der ohne weitere Folgen geblieben sei. 

Die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten daher den Anforderungen 

an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand.  

4.2 In der Beschwerde wurde dargelegt, die Familie des Beschwerdefüh-

rers bestehe neben seinen Eltern aus vier Geschwistern, wobei zwei 

Schwestern bereits volljährig seien. Alle Familienmitglieder hätten in der 

Schweiz um Asyl ersucht und aufgrund der Volljährigkeit von drei der fünf 

Kinder seien es insgesamt vier Asylverfahren, welche dieselbe Familie be-

träfen. Die Schwester B._______ sei vorab von Griechenland aus allein in 

die Schweiz gereist; ihr sei am 10. Juli 2020 Asyl gewährt worden. Der ge-

naue Grund für die Asylgewährung sei zwar nicht bekannt, da positive Asyl-

entscheide nicht begründet würden. Die von ihr geltend gemachte Flucht-

geschichte müsse aber vom SEM überprüft und als glaubhaft sowie asyl-

relevant eingeschätzt worden sein. Zwischenzeitlich gebe es eine neue 

Praxis des SEM, wonach allen Frauen aus Afghanistan die Flüchtlingsei-

genschaft zuerkannt werde. Dies führe dazu, dass sämtliche übrigen Fa-

milienmitglieder des Beschwerdeführers entweder originär oder derivativ 

als Flüchtlinge anerkannt würden. Es handle sich bei ihm um das einzige 

Kind der Familie, dass sowohl volljährig als auch männlich sei. Das SEM 

habe sein Asylgesuch vorab entschieden und abgelehnt, während die Ver-

fahren der Eltern sowie der volljährigen Schwester noch hängig seien. Es 

sei stossend, dass die Asylverfahren der Familienmitglieder nicht koordi-

niert behandelt worden seien, zumal dies aufgrund der Möglichkeit einer 

Reflexverfolgung erforderlich gewesen wäre. Den Akten der übrigen 

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Familienmitglieder lasse sich entnehmen, dass neben den volljährigen 

Schwestern auch der minderjährige Bruder des Beschwerdeführers unter 

anderem geschlechtsspezifische Fluchtgründe geltend gemacht habe. Zu-

dem sei aus den Akten der Verwandten ersichtlich, dass die Familienmit-

glieder nicht alle persönlichen Gründe der jeweils anderen gekannt hätten. 

Angesichts der Vorbringen der übrigen Familienangehörigen müsse davon 

ausgegangen werden, dass nicht allein Landstreitigkeiten und Diebstähle 

der Grund für die Ausreise der Familie gewesen seien, auch wenn dies 

dem Beschwerdeführer allenfalls nicht bewusst gewesen sei. Insbeson-

dere sei die ganze Familie bedrängt worden, weil der Vater nicht in die 

Heirat seiner Tochter – der Schwester des Beschwerdeführers – mit erheb-

lich älteren Männern eingewilligt habe. Eine Berücksichtigung der Vorbrin-

gen der Familienmitglieder, darunter auch jener der Schwester B._______, 

der bereits Asyl gewährt worden sei, könne der angefochtenen Verfügung 

nicht im Ansatz entnommen werden. Diese sei sehr knapp begründet und 

es gehe daraus nicht hervor, dass der Beschwerdeführer im Alter von (…) 

Jahren zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern aus Afghanistan 

geflüchtet sei. Seine Angehörigen hätten teils erhebliche, unter anderem 

geschlechtsspezifische Probleme in der Heimat geltend gemacht, von wel-

chen er keine oder nur sehr wenige Kenntnisse gehabt habe. Der Asylent-

scheid vermittle ein unvollständiges und daher falsches Bild seiner Situa-

tion. Diese sei viel komplexer und umfassender, als vom SEM dargestellt. 

Sollte den volljährigen Schwestern, dem minderjährigen Bruder sowie den 

Eltern aus geschlechtsspezifischen Gründen Asyl gewährt werden, müsse 

angenommen werden, dass von der drohenden Verfolgung auch der Be-

schwerdeführer – im Sinne einer Reflexverfolgung – betroffen gewesen 

wäre. Folglich müsste ihm ebenfalls Asyl gewährt werden. Sollte das Ge-

richt diese Auffassung nicht teilen, werde eventualiter beantragt, die Sache 

zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen. Die angefochtene Verfü-

gung entspreche nicht den tatsächlichen Umständen und sei ungenügend 

begründet, da die Situation der anderen Familienmitglieder darin nicht be-

rücksichtigt werde. Auch wenn einzelne Kinder bereits volljährig seien, hät-

ten die Asylentscheide der Familienangehörigen koordiniert ergehen müs-

sen.  

4.3 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM an der angefochtenen Verfü-

gung fest. Ergänzend wies es darauf hin, dass die neue Asylgewährungs-

praxis betreffend afghanische Frauen und Mädchen an seinem Entscheid 

nichts zu ändern vermöge. Zudem liege aufgrund der Aktenlage keine Re-

flexverfolgung vor.  

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4.4 Der Beschwerdeführer brachte in seiner Replik vor, dass die Vernehm-

lassung der Vorinstanz äusserst kurz sei und darin lediglich ausgeführt 

werde, es liege keine Reflexverfolgung vor. Dieser Standpunkt werde je-

doch nicht begründet, was selbstverständlich wenig überzeuge, zumal in 

der Beschwerdeschrift umfassend dargelegt werde, weshalb von einer Re-

flexverfolgung auszugehen sei.  

5.  

5.1 Vorab ist auf den in der Beschwerde gestellten Eventualantrag respek-

tive das Vorbringen einzugehen, dass das SEM seine Verfügung nicht aus-

reichend begründet habe, indem es sich nicht mit den Vorbringen der Fa-

milienangehörigen auseinandergesetzt habe respektive nicht auf eine 

mögliche Reflexverfolgung eingegangen sei.  

5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer 

Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt 

wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3). Mit dem Ge-

hörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich 

zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidung angemessen zu 

berücksichtigen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass die be-

troffene Person den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten 

kann. Die Behörde muss die wesentlichen Überlegungen nennen, von de-

nen sie sich hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht 

erforderlich ist hingegen, dass sich die Begründung mit allen Parteistand-

punkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen aus-

drücklich erwähnt oder widerlegt. Somit darf sich die Vorinstanz bei der 

Begründung der Verfügung auf die für den Entscheid wesentlichen Ge-

sichtspunkte beschränken und ist nicht gehalten, sich ausdrücklich mit je-

der tatbeständlichen Behauptung auseinanderzusetzen (vgl. BGE 136 I 

184 E. 2.2.1, 126 I 97 E. 2.b). 

5.3 Aus der angefochtenen Verfügung geht mit ausreichender Klarheit her-

vor, weshalb die Vorinstanz die Vorbringen des Beschwerdeführers als 

nicht asylrelevant erachtete. Zwar trifft es zu, dass die Begründung relativ 

knapp ausfällt und nicht auf die Asylvorbringen seiner Familienangehörigen 

eingegangen wird. Diesbezüglich ist indessen festzuhalten, dass der Be-

schwerdeführer anlässlich der Anhörung Gelegenheit erhielt, sich sowohl 

zu seinen eigenen Asylgründen als auch zu allfälligen Problemen der an-

deren Familienmitglieder zu äussern (vgl. SEM-Akte […]-11/11 [nachfol-

gend Akte 11], insbesondere F48 f. und F61). Nach einer Besprechung mit 

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seiner Rechtsvertretung im Hinblick auf seine Mitwirkungspflicht führte er 

ergänzend aus, er wisse noch, dass sein Bruder aus einem ihm unbekann-

ten Grund entführt worden sei und seine Mutter sich Sorgen um seine 

Schwester gemacht habe (vgl. Akte 11, F69). Diesen knappen Angaben 

des Beschwerdeführers sind keine konkreten Anhaltspunkte für eine mög-

liche Reflexverfolgung zu entnehmen. Hätte sich für ihn persönlich eine 

direkte Gefährdung aufgrund der Probleme seiner Familienangehörigen er-

geben, kann angenommen werden, dass der Beschwerdeführer ungeach-

tet seiner Minderjährigkeit im Zeitpunkt der Ausreise dies zumindest in den 

Grundzügen hätte darlegen können. Angesichts seiner Ausführungen be-

stand für die Vorinstanz jedoch keine Veranlassung, näher auf eine allfäl-

lige Reflexverfolgung aufgrund der Fluchtgründe seiner Familienmitglieder 

einzugehen.  

Zwar ist an dieser Stelle festzuhalten, dass es – nachdem der Beschwer-

deführer zusammen mit seinen Eltern und drei Geschwistern in die 

Schweiz gereist ist – möglicherweise sinnvoll gewesen wäre, seine Ange-

hörigen im Asylentscheid zumindest zu erwähnen. Es hätte auch festge-

halten werden können, dass eine seiner Schwestern in der Schweiz bereits 

als Flüchtling anerkannt worden war und Asyl erhalten hatte. Unter den 

vorliegenden Umständen erwies sich dies jedoch nicht als zwingend erfor-

derlich, nachdem sich den Aussagen des Beschwerdeführers nicht entneh-

men liess, dass sich die Fluchtgründe seiner Geschwister auf ihn persön-

lich ausgewirkt hätten respektive dass er deswegen selbst eine Verfolgung 

zu befürchten gehabt hätte. Im Übrigen äusserte sich das SEM in der an-

gefochtenen Verfügung sowohl zu den vorgebrachten Landstreitigkeiten 

seines Vaters als auch zu den Diebstählen bei ihnen zu Hause. Weiterge-

hende Ausführungen zu allfälligen weiteren Problemen einzelner Familien-

mitglieder, von denen der Beschwerdeführer nichts gewusst habe, erwie-

sen sich mangels konkreter Hinweise auf eine Reflexverfolgung als nicht 

notwendig. Die Vorinstanz ist ihrer Begründungspflicht daher ausreichend 

nachgekommen und es besteht keine Veranlassung, die Sache aufgrund 

von formellen Mängeln an das SEM zurückzuweisen.  

5.4 Im Rahmen des Eventualantrags auf Rückweisung der Sache an die 

Vorinstanz wird beantragt, es seien sämtliche Asylakten zu edieren, insbe-

sondere die Anhörungsprotokolle sämtlicher Familienmitglieder. Es wird je-

doch nicht dargelegt, dass beim SEM Einsicht in die Akten der Angehörigen 

des Beschwerdeführers beantragt und diese zu Unrecht verweigert worden 

wäre. Ebenso wenig werden Einverständniserklärungen der betroffenen 

Familienmitglieder vorgelegt, welche für die Gewährung von umfassender 

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Seite 9 

Einsicht in deren Akten erforderlich wären. Vor diesem Hintergrund ist der 

entsprechende Akteneinsichtsantrag abzuweisen.  

6.  

6.1 Die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft setzt voraus, dass die 

asylsuchende Person ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlit-

ten hat, beziehungsweise solche im Falle einer Rückkehr in den Heimat-

staat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft be-

fürchten muss. Die Nachteile müssen der betroffenen Person gezielt und 

aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen oder zugefügt worden 

sein. Zudem muss die geltend gemachte Gefährdungslage aktuell sein 

(vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f. m.H.). Ob eine begründete Furcht vor künfti-

ger Verfolgung vorliegt, ist aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise 

zu beurteilen. Es müssen insbesondere hinreichende Anhaltspunkte für 

eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in der 

gleichen Lage Furcht vor einer Verfolgung hervorrufen würden (vgl. BVGE 

2011/50 E. 3.1.1).  

6.2 Gemäss der Aktenlage und den Ausführungen in der Beschwerde ist 

festzuhalten, dass sich aus den vom Beschwerdeführer geltend gemach-

ten persönlichen Problemen keine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung 

erkennen lässt. Er brachte vor, dass ihn sein Nachbar, ein Taliban, einmal 

in sein Haus gezerrt, zusammengeschlagen und mit einem Messer bedroht 

habe (vgl. Akte 11, F49). Den Vorfall konnte er aber weder zeitlich einord-

nen noch konnte er sich daran erinnern, ob dieser weitere Folgen nach sich 

gezogen hätte (vgl. Akte 11, F62 und F67). Es ist somit nicht davon auszu-

gehen, dass dem Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang bei einer 

(hypothetischen) Rückkehr nach Afghanistan erhebliche Nachteile drohen 

würden.  

6.3  

6.3.1 Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch in erster Linie 

damit, dass sein Vater Landstreitigkeiten gehabt habe und dreimal Diebe 

bei ihnen gewesen seien (vgl. Akte 11, F48). Zu beiden Vorbringen konnte 

er aber keine näheren Angaben machen, da seine Eltern mit ihm nicht dar-

über gesprochen hätten und er sich nur noch vage an die Ereignisse erin-

nern könne (vgl. Akte 11, F53 ff.). Ergänzend führte er aus, sein Bruder sei 

aus einem ihm unbekannten Grund entführt worden und seine Mutter habe 

sich Sorgen um seine Schwester gemacht (vgl. Akte 11, F69). Der Be-

schwerdeführer macht damit sinngemäss geltend, er befürchte bei einer 

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Seite 10 

Rückkehr aufgrund der Probleme seiner Familienangehörigen selbst eben-

falls Nachteile zu erleiden und Opfer einer Reflexverfolgung zu werden.  

6.4  

6.4.1 Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffe-

nen Person auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexver-

folgung vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der Re-

flexverfolgung betroffene Person ebenfalls ernsthaften Nachteilen im Sinne 

von Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nach-

teile mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft be-

gründet befürchten muss (zum Begriff der Reflexverfolgung vgl. Entschei-

dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission  

[EMARK] 1994 Nr. 5 E. 3h sowie BVGE 2010/57 E. 4.1.3). Nicht jede asyl-

relevante Verfolgung eines Familienmitglieds zieht bereits für sich genom-

men eine Verfolgung der übrigen Mitglieder der betreffenden Kernfamilie 

nach sich. Es müssen konkrete Anhaltspunkte vorliegen, welche die dro-

hende Verfolgung nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. etwa Urteil des 

BVGer D-4339/2023 vom 31. August 2023 E. 7.5 m.H.). 

6.4.2 Vorliegend ergeben sich weder aus den Akten des Beschwerdefüh-

rers noch jenen seiner Familienangehörigen konkrete Hinweise auf eine 

ihm – dem Beschwerdeführer – drohende Reflexverfolgung. Die pauschale 

Angabe des Beschwerdeführers, in Afghanistan sei es so, dass bei Prob-

lemen eines Familienmitglieds stets die ganze Familie involviert werde und 

ihrerseits Probleme erhalte (vgl. Akte 11, F69), vermag daran nichts zu än-

dern. Diese Behauptung wird von ihm denn auch nicht näher ausgeführt 

oder belegt. Es ist insbesondere nicht ersichtlich, weshalb die Landstreitig-

keiten des Vaters hätten dazu führen sollen, dass der Beschwerdeführer 

eine gezielt gegen ihn gerichtete Verfolgung zu erwarten gehabt hätte. 

Auch allfällige geschlechtsspezifische Probleme seiner Schwestern müs-

sen sich nicht zwingend auf den Beschwerdeführer auswirken. Vielmehr 

bedürfte es konkreter Anhaltspunkte dafür, dass die Fluchtgründe der 

Schwestern oder auch seiner Eltern oder des jüngeren Bruders dazu führ-

ten, dass er selbst ebenfalls einer Verfolgung ausgesetzt werden könnte. 

Es wird in der Beschwerde aber nicht dargelegt und ist auch nicht ersicht-

lich, weshalb dies vorliegend der Fall sein sollte. Allein aus dem Umstand, 

dass einer seiner Schwestern vorab Asyl gewährt worden war und die üb-

rigen Angehörigen weitergehende Fluchtgründe vorbrachten als der Be-

schwerdeführer selbst, kann nicht abgeleitet werden, dass letzterer reflex-

verfolgt ist. Unter den gegebenen Umständen lässt sich nicht erkennen, 

von welchem potenziellen Verfolger er welche erheblichen Nachteile – aus 

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Seite 11 

einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten Gründe – zu befürchten gehabt 

hätte. Eine begründete Furcht vor einer (Reflex-)Verfolgung, die sich in mit 

beachtlicher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklicht, liegt 

daher nicht vor.  

6.5 Der Vollständigkeit halber ist anzumerken, dass das SEM zwischen-

zeitlich mit Verfügungen vom 13. November 2023 sowohl in Bezug auf den 

Vater als auch den Bruder des Beschwerdeführers (beide N […]) festge-

stellt hat, sie erfüllten die originäre Flüchtlingseigenschaft nicht. Sie wurden 

indessen gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG als Flüchtlinge anerkannt. Die 

Mutter (N […]) sowie die Schwester D._______ (N […]) wurden – ebenfalls 

mit Verfügungen vom 13. November 2023 – gemäss Art. 3  

Abs. 1 AsylG als Flüchtlinge anerkannt. Wie bereits dargelegt, finden sich 

in den Akten der anderen Familienmitglieder jedoch keine konkreten Hin-

weise auf eine mögliche, drohende Reflexverfolgung des Beschwerdefüh-

rers.  

6.6 Insgesamt ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, eine aktuelle 

drohende Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG darzutun. Das SEM hat 

somit zu Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint und sein Asylgesuch 

abgelehnt.  

7.  

Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 

es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz. Der Beschwerdeführer 

verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch 

über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 

2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die Wegweisung wurde demnach 

ebenfalls zu Recht angeordnet. 

8.  

Nachdem das SEM den Beschwerdeführer wegen Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufgenommen hat, stellt 

sich die Frage nach dem Vorliegen von anderen Vollzugshindernissen – 

Unzulässigkeit oder Unmöglichkeit – im vorliegenden Fall nicht. Die Weg-

weisungsvollzugshindernisse sind alternativer Natur; ist eines erfüllt, gilt 

der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar (vgl. BVGE 2009/51 

E. 5.4). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

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Seite 12 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu 

beanstanden ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG; 

Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

Auf die Erhebung von Kosten ist indessen angesichts der mit Zwischenver-

fügung vom 3. August 2023 gewährten unentgeltlichen Prozessführung zu 

verzichten.  

10.2 Mit derselben Instruktionsverfügung wurde dem Beschwerdeführer 

lic. iur. Dominik Löhrer als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet. Diesem 

ist folglich ein amtliches Honorar auszurichten. Der Rechtsvertreter hat 

keine Kostennote eingereicht, weshalb seine Entschädigung aufgrund der 

Akten zu bestimmen ist. Unter Berücksichtigung der massgeblichen Be-

messungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) ist das amtliche Honorar auf ins-

gesamt Fr. 750.– (inklusive Auslagen) festzusetzen. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  

3.  

Dem amtlichen Rechtsbeistand lic. iur. Dominik Löhrer wird zulasten der 

Gerichtskasse ein Honorar in Höhe von Fr. 750.– ausgerichtet.  

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Susanne Bolz-Reimann Regula Aeschimann 

 

 

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