# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 187458e5-44bc-5e22-af5a-88ae87dbea0e
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2002-02-28
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Sonstige Kammern 28.02.2002 SF 2001 30
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_999_SF-2001-30_2002-02-28.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
  Tribunale cantonale dei Grigioni
  Dretgira chantunala dal Grischun

Ref.: Chur, 25. bis 28. Februar 2002 Schriftlich mitgeteilt am: 
SF 01 30 (mündlich eröffnet am 28. Februar 2002)

Urteil 
Strafkammer

Präsident Schmid, Kantonsrichter Jegen, Sutter-Ambühl, Riesen-Bienz und Vital, 
Aktuar ad hoc Cavegn.

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In der Strafsache

des M. R . ,  Angeklagter, privat verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. Lorenz Erni, 
Ankerstrasse 61, Postfach, 8026 Zürich,

mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 1. Dezember 2001, 

wegen vorsätzlicher Tötung im Sinne von Art. 111 StGB,

in Anklagezustand versetzt,

hat sich ergeben:

A. M. R. wurde am S. in C. geboren, wo er bei seinen Eltern in geordneten 
Familienverhältnissen aufwuchs. In C. besuchte er die Primarschule sowie das 

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Gymnasium und schloss mit der Handelsmatura ab. Danach studierte er 
Rechtswissenschaften an der Universität Zürich. Im Jahre 1976 erwarb M. R. den 
Doktortitel und 1977 das Bündnerische Anwaltspatent. Bereits im Jahre 1975 hatte 
M. R. die Stelle eines Untersuchungsrichters bei der Staatsanwaltschaft 
Graubünden angetreten. Ab 1977 war er als Departementssekretär beim Justiz- und 
Polizeidepartement Graubünden tätig. Seit 1984 ist M. R. Kommandant der 
Kantonspolizei. Unter anderem übte er das Amt des Präsidenten der Konferenz der 
Kantonalen Polizeikommandanten der Schweiz aus. Derzeit präsidiert er das 
Ostschweizer Polizeikonkordat. Seit 18 Jahren ist er Kommandant der 
Polizeigrenadierkurse des Ostschweizer Polizeikonkordates.

Militärisch bekleidet M. R. den Rang eines Oberst im Generalstab.

Im Jahre 1975 heiratete M. R. E. Z.. Aus dieser Ehe entspross im Jahre 1975 
eine Tochter.

Im schweizerischen Zentralstrafregister ist M. R. nicht verzeichnet.

B. Am 30. März 2000 eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden zur 
Klärung der Rechtmässigkeit und Verhältnismässigkeit der Anordnung und 
Durchführung der Tötung von E. K., geboren am N., eine Strafuntersuchung. Mit der 
Durchführung der Untersuchung wurde vorerst der Pikett-Untersuchungsrichter 
betraut. Die Regierung des Kantons Graubünden bestellte auf Antrag des I. 
Staatsanwaltes durch Beschluss vom 11. April 2000 den Zürcher Staatsanwalt lic. 
iur. Robert Akeret als ausserordentlichen Staatsanwalt und lic. iur. Jürg 
Vollenweider, Geschäftsleiter der Bezirksanwaltschaft Pfäffikon ZH, als 
ausserordentlichen Untersuchungsrichter. Das Verfahren wurde in der Folge gegen 
den Kommandanten der Kantonspolizei, Dr. iur. M. R., geführt. Nach der 
Schlussverfügung vom 13. Oktober 2000 stellte der Rechtsvertreter der 
Angehörigen von E. K. am 26. Oktober 2000 mehrere Anträge auf Ergänzung der 
Strafuntersuchung. Diese wurden mit Verfügung des ausserordentlichen 
Untersuchungsrichters vom 13. November 2000 abgewiesen, soweit ihnen nicht 
bereits entsprochen worden war. Mit Verfügung vom 25. November 2000, mitgeteilt 
am 1. Dezember 2000, stellte die Staatsanwaltschaft Graubünden die 
Strafuntersuchung gegen M. R. ein. Dagegen legten E. K. und R. K., der Vater und 
der Bruder des Getöteten, am 21. Dezember 2000 Beschwerde bei der 
Beschwerdekammer des Kantonsgerichtes von Graubünden ein und beantragten 
die Aufhebung der Einstellungsverfügung. 

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Mit Entscheid vom 19. Februar 2001, mitgeteilt am 9. August 2001, hiess die 
Beschwerdekammer des Kantonsgerichtes von Graubünden die Beschwerde gut, 
hob die angefochtene Einstellungsverfügung auf und wies die Sache an die 
Staatsanwaltschaft Graubünden zurück.

C. Die Staatsanwaltschaft erliess am 31. Oktober 2001 erneut eine 
Schlussverfügung. Am 1. Dezember 2001 versetzte sie Dr. M. R. wegen 
vorsätzlicher Tötung gemäss Art. 111 StGB in den Anklagezustand und überwies 
den Fall gestützt auf Art. 346 StGB und Art. 45 StPO dem Kantonsgericht von 
Graubünden zur Beurteilung. Gemäss Anklageschrift vom gleichen Tag wurde der 
Anklage folgender Sachverhalt zugrunde gelegt:

“1. Schussabgaben durch E. K.

1.1. Schüsse auf das Hotel-Restaurant “R.”

Am Sonntag, 26. März 2000, nach ca. 0815 Uhr gab E. K. aus seiner 
Wohnung im 5. Stockwerk des Mehrfamilienhauses S. in C. mit seinem 
Sturmgewehr 17 Schüsse auf das Hotel-Restaurant “R.” an der M. in C. 
ab. Davon durchschlugen zwei ein Saalfenster der P. (act. 8.1. S. 2; 8.2.2.; 
8.2.3.). Weitere 13 Einschüsse drangen im Bereiche des Wintergartens 
ein, zwei Schüsse prallten an der Hausmauer ab (act. 8.1. S. 5; 8.2.3. 
Photoblatt 5; 8.2.4.; 8.2.5.; 8.3.3.; 8.3.5.).

Im Zeitpunkt der Schussabgabe auf das Hotel-Restaurant “R.” hielt sich 
der Küchenbursche S. A. in der P. auf, und zwar genau in der Schusslinie. 
Dabei flog eine Kugel über ihn hinweg in die Ausstellungsvitrine. A. warf 
sich sofort zu Boden und verharrte still, bis keine Schüsse mehr fielen (act. 
4.2. S. 1/2).

1.2. Schüsse auf Polizeigrenadiere und ins Treppenhaus

1.2.1. Um ca. 1110 Uhr stürmten Grenadiere der Kantonspolizei die Wohnung 
E. K.s vom Treppenhaus her. Nachdem die Wohnungstüre gerammt 
worden war, drangen zuerst ein Polizeihund und anschliessend die ersten 
Grenadiere vor. E. K. befand sich auf dem Sofa in der vom Eingang her 
gesehen rechten Ecke des Wohnraumes. Er hatte ein Sturmgewehr im 
Anschlag und eröffnete sofort und ohne jegliche Vorwarnung das Feuer 
zuerst auf den Hund, welchen er mit zwei Schüssen tödlich verletzte. 
Danach richtete K. seine Waffe gegen die vorrückenden Grenadiere und 
traf den an erster Stelle befindlichen Grenadier C. C. in die Brust (act. 
3.2.2. S. 2 - 4; 3.2.3. S. 3.; 3.2.4. S. 2/3; 3.2.9. S. 2; 3.2.12. S. 2; 3.5.2. S. 
2/3).

Nachdem C. zusammengebrochen war, gab K. weitere Schüsse Richtung 
Treppenhaus ab, in welches sich die nachfolgenden Grenadiere nach den 
ersten Schüssen zurückgezogen hatten (act. 3.2.2. S. 4 und 11; 3.2.3. S. 
4/5; 3.2.4. S. 3; 3.2.12. S. 2; 3.5.2. S. 4). Dabei wurde Grenadier P. durch 
einen Splitter am Auge verletzt, weshalb er sich in entsprechende ärztliche 

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Behandlung begeben musste (act. 3.2.4. S. 3/4). Im weiteren gab K. einen 
gezielten Schuss auf den Kopf des schwerverletzten Grenadiers C. ab. 
Das Projektil durchschlug dessen Helm am oberen Rande des 
Panzerglasvisiers und prallte an der Rundung des Titanhelms ab (act. 8.1. 
S. 7; 8.2.33; 8.2.34).

C. C. erlitt eine Schussverletzung im Brustkorb links mit grossflächiger 
Rippenverletzung (5.-8. Rippe), eine Zertrümmerung des Schulterblattes 
und einen Pneumothorax (Luftansammlung im Brustfell). Infolge des 
Spannungspneumothorax’, eines Infektes sowie Atemstillstandes und 
grossen Blutverlustes bestand Lebensgefahr. Ausserdem bleiben eine 
Atembehinderung in Form einer paradoxen Beweglichkeit des 
Brustkastens mit Schmerzen bei bestimmten Bewegungen und eine 
Einschränkung der Schulterbeweglichkeit bzw. eine vermehrte 
Druckempfindlichkeit im Bereiche des zertrümmerten linken 
Schulterblattes als Nachteile zurück. Wegen der Defektheilung im 
Bereiche des linken Brustkorbes sowie aus Gründen der psychischen 
Belastbarkeit musste C. C. von seinem Einsatz als Polizeigrenadier 
entlastet und mit einer rückwärtigen Aufgabe betraut werden (act. 7.1.; 
7.4.).

1.2.2. Nachdem der verletzte Grenadier C. abtransportiert worden war, gab E. 
K. einen weiteren Schuss ins Treppenhaus ab, sodass sich Grenadier G., 
welcher zu diesem Zeitpunkt die Wohnung K. von der Treppe ins obere 
Stockwerk aus sicherte, dorthin in Sicherheit bringen musste (act. 3.2.2. 
S. 5; 3.2.12. S. 3).

1.2.3. Um ca. 1347 Uhr gab E. K. mehrere Schüsse ins Treppenhaus ab. Dabei 
traf ein Querschläger den Grenadier H. L., welcher zu diesem Zeitpunkt 
auf der Treppe vom 4. Stock in die zwischen dem 4. und 5. Stock gelegene 
Zwischenetage (Abwartswohnung) stand und mit einer Schrotflinte die 
Wohnung K. sicherte, am linken Arm. Ein Projektilsplitter traf ausserdem 
die Schutzbrille L.s im Bereiche des linken Auges (act. 8.2.34. Photoblatt 
72).

H. L. erlitt eine Schutzverletzung des linken Vorderarms mit starker 
Muskelzerstörung, Zertrümmerung der Speiche und einer 
Nervenverletzung (act. 7.2). Sicher zu erwartende bleibende Nachteile 
sind: Das Fehlen eines Knochenteils der Speiche, welcher einen Teil des 
Ellbogengelenkes bildet; dadurch sind die Drehbewegungen im Vorderarm 
stark eingeschränkt. Im weiteren sind mehrere Streckmuskeln, welche die 
Hand- und Fingerbewegungen bewirken, durch den Schuss zerfetzt 
worden und nicht ersetzbar. Zusätzlich liegt ein beträchtlicher 
Nervenschaden vor, der höchstens teilweise erholungsfähig ist. Diese 
Nervenlähmung hat eine bleibende Streckschwäche aller Langfinger und 
des Handgelenkes zur Folge. Ausserdem besteht eine bleibende 
Instabilität zwischen Elle und Speiche am Handgelenk. Im übrigen bleibt 
vermutlich eine lebenslängliche Arbeitsunfähigkeit als Grenadier zurück 
(act. 7.3; 7.5).

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1.2.4.  Um ca. 1407 Uhr gab E. K. einen weiteren Schuss aus seiner Wohnung 
heraus ins Treppenhaus ab (act. 5.1., 1407 Uhr; act. 3.2.8. S. 2; act. 
3.2.13. S. 2/3).

1.3. Schüsse in der Wohnung K.

1.3.1. Um ca. 1200 Uhr gab E. K. in seiner Wohnung einen einzelnen Schuss 
ab (act. 5.1., 1200 Uhr; act. 3.2.2. S. 7; 3.2.6. S. 2).

1.3.2. Als um ca. 1513 Uhr das Telephon in seiner Wohnung klingelte, gab E. 
K. einen weiteren Schuss ab, mit welchem er offenkundig sein Telefon 
zerschoss (act. 5.1., 1513 Uhr; 3.2.2. S. 10; 3.2.6. S. 6; 3.2.7. S. 3; 3.2.8. 
S. 4).

1.3.3. Um ca. 1733 Uhr riss E. K. die Wohnungstüre auf. Hierauf wurde ein 
Schrotschuss auf den Bereich der Türklinke abgegeben. K. wich in die 
Wohnung zurück und liess “aua” hören. Anschliessend gab E. K. in seiner 
Wohnung einen weiteren Schuss ab (act. 5.1., 1733 Uhr; 3.2.7. S. 4; 
3.2.13. S. 4).

E. K. gab im Laufe des ganzen Tages insgesamt 35 Schüssse aus seinem 
Sturmgewehr ab und verfügte zuletzt noch über 15 weitere Schuss in 
seiner durchgeladenen Waffe. Darüberhinaus behändigte K. nach der 
Bergung Grenadier C.s auch dessen mit 13 Schuss (1 Patrone im 
Patronenlager, 12 im eingesetzten Magazin) durchgeladene Dienstpistole 
“SIG Sauer 228” (act. 3.5.2. S. 5; act. 3.2.12. S. 4; act. 8.1. S. 4 und 7; 
8.2.12.; 8.2.22. Photoblatt 46).

2. Polizeiliche Massnahmen

2.1. Zwangsmittel

Nach dem misslungenen Versuch, E. K. in seiner Wohnung zu 
überwältigen, prüfte die Einsatzleitung der Kantonspolizei, deren Führung 
der Angeklagte in seiner Eigenschaft als Kommandant innehatte, sehr 
intensiv verschiedene Möglichkeiten des Zugriffs auf K. zur Beendigung 
des Amoklaufs. Insbesondere wurden ein erneuter Sturm auf die 
Wohnung unter Einsatz eines Reizstoffes, der Einsatz eines 
Granatwerfers zur Ablenkung und ein Eindringen in die Wohnung vom 
darüberliegenden Balkon erwogen (act. 2.1. S. 7/8; 3.1.1. S. 9; 3.2.10. S. 
3/4). Diese Varianten mussten indessen aus verschiedenen Gründen 
allesamt verworfen werden.

2.2. Kommunikation

Gleichzeitig wurden verschiedene Versuche unternommen, mit E. K. 
Kontakt aufzunehmen. Nach den Schüssen ins Treppenhaus, bei welchen 
Grenadier L. verletzt worden war, kam ein Gespräch zwischen einem 
Grendadier und K. zustande. Im wesentlichen versuchte der Grenadier E. 
K. Hilfe anzubieten, insbesondere mit dem Polizeipsychologen oder mit 
seiner Familie, was K. indessen kategorisch ablehnte. Er erklärte während 
des Gesprächs, man solle ihn in Ruhe lassen, wenn die Polizei nicht ginge, 
gehe es einfach so weiter, die Polizeibeamten sollten nur kommen, er sei 

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bereit, er lege die Waffe nicht weg und nehme die Polizeibeamten mit. Den 
Polizeibeamten machte K. trotz gewisser Stimmungsschwankungen 
insgesamt einen ruhigen bzw. orientierten Eindruck; insbesondere schien 
er nicht unter Drogeneinfluss zu stehen. Er stand dabei im Bereiche der 
Wohnungstüre und liess den Lauf seines Sturmgewehres sehen (act. 
3.2.13. S. 3). E. K. beendete das Gespräch schliesslich mit den Worten 
“gut, machen wir weiter”, stiess die Wohnungstüre zu und verbarrikadierte 
sie (act. 3.2.2. S. 8-10; 3.2.3. S. 7/8; 3.2.6. S. 3-5; 3.2.8. S. 3/4; 3.2.12. S. 
3-5).

2.3.Einschätzung durch den Polizeipsychologen

Der beigezogene Polizeipsychologe konstatierte aufgrund des 
offensichtlich sehr labilen Zustandes von E. K. eine nicht einschätzbare 
Gefährdung von allem, was sich K. näherte bzw. in seiner Umgebung 
befand. Den Polizeikräften und dem Polizeipsychologen war im weiteren 
bekannt, dass E. K. Konsument von Psilocybinpilzen war, welche eine 
halluzinogene Wirkung haben und zu sprunghaften Gemütszuständen 
führen können. Der Psychologe schätzte E. K., auch angesichts von 
dessen bisherigem und taktisch geschicktem Verhalten, als zu keinem 
Zeitpunkt berechenbar und zu allem entschlossen ein. Ein Ende der 
Ausnahmesituation war aus Sicht des Psychologen nicht absehbar, eine 
allfällige Beruhigung im Laufe der folgenden Stunden oder der Nacht nicht 
einschätzbar (act. 3.4.1.).

2.4. Passive Massnahmen

Unter diesen Umständen bestand, soweit es um die Beendigung des 
Amoklaufes und die Ergreifung E. K.s ging, die einzige Möglichkeit darin, 
weiterhin zuzuwarten in der Hoffnung auf eine Deeskalation bzw. 
Normalisierung der Stimmungslage K.s. Diese Strategie wurde damit 
eingeschlagen, dass Ablösungen für die Nacht organisiert wurden. Die 
Polizei richtete sich auf eine längere Entwicklung respektive einen 
längeren Einsatz ein und bot deshalb auch Kräfte aus dem 
Ostschweizerischen Polizeikonkordat auf (act. 2.1. S. 8; 3.1.1. S. 9 und 
11; 2.3.1. S. 1; 2.3.2.; 3.4.1. S. 9).

3. Schiessbefehl und Schusswaffeneinsatz

3.1. Nachdem E. K. anlässlich des ersten Sturms auf seine Wohnung 
unvermittelt und ohne jede Vorwarnung das Feuer auf die 
Polizeigrenadiere eröffnet hatte, erging durch den Angeklagten, welcher 
um 1030 Uhr erschienen war, über das bereits Geschehene informiert 
worden war, die weitere Entwicklung selbst mitverfolgt, nach dem 
misslungenen Stoss in die Wohnung die Einsatzleitung übernommen und 
in Beratung mit den Fachkräften eine umfassende Lagebeurteilung 
vorgenommen hatte - welche er in der Folge mit den erwähnten 
Fachleuten sowie insbesondere auch mit dem kurz nach 1300 Uhr 
eingetroffenen Polizeipsychologen laufend überprüfte -, an alle 
eingesetzten Polizeikräfte der Befehl, dass der Täter, wenn er mit der 
Waffe erscheine, sofort zu neutralisieren sei, um so die Gefahr weiterer 
Schüsse zu vermeiden, welche Leib und Leben unbeteiligter Dritter 

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gefährden konnten, insbesondere angesichts der Umstände, dass die 
Liegenschaft S. an erhöhter Stelle in einer Distanz bis zu wenigen hundert 
Metern östlich der stark besiedelten Wohnquartiere K., Winterberg, 
Grünberg, Kornquader und Foral mit einer Bevölkerung von mehreren 
tausend Personen liegt und die kontrollierte Schussdistanz eines 
Sturmgewehrs zwischen 400 und 500 Meter beträgt, die mögliche Schuss- 
bzw. Wirkungsdistanz indessen bei rund 3'500 Metern liegt und damit auch 
auf diese Entfernung ein Schuss tödlich treffen kann. Soweit es die 
Präzisionsschützen betraf – deren Gewehre zum damaligen Zeitpunkt 
zunächst noch nicht eingeschossen waren, weshalb sie lediglich 
Feuerunterstützung geben konnten -, lautete der Befehl zunächst 
dahingehend, den Täter zu erschiessen, wenn er mit der Waffe erscheine 
und Anstalten treffe, diese einzusetzen. Dieser letztere Zusatz wurde bei 
der späteren Bestätigung des Schiessbefehls nicht mehr explizit erwähnt 
(act. 3.1.1.).

3.2. Der Schiessbefehl stützte sich auf Ziff. 2.1. und 2.2. des Dienstbefehls des 
Polizeikommandos des Kantons Graubünden betreffend den 
Schusswaffengebrauch durch die Polizei sowie auf die Bestimmungen des 
allgemeinen Notwehrrechts. Er wurde vom Angeklagten laufend auf seine 
Verhältnismässigkeit überprüft und stand unabhängig neben den anderen 
Massnahmen, welche zur Beendigung des Amoklaufes eingeleitet oder 
erwogen wurden.

3.3. Nachdem er kurz nach ca. 1733 Uhr in seiner Wohnung einen Schuss 
abgegeben hatte, betrat E. K. um ca. 1740 Uhr den Balkon seiner 
Wohnung. Dabei hielt er in der rechten Hand das mit 15 Schuss 
durchgeladene Sturmgewehr mit ausgeschalteter Seriefeuersperre, längs 
am Körper anliegend, den Kolben zwischen Körper und Unterarm haltend, 
die Hand am Pistolengriff. Der Lauf zeigte Richtung Boden. K. bewegte 
sich auf dem Balkon Richtung M. bzw. B. und suchte mit starrem Blick die 
Gegend ab. Als er mit Front Richtung Hotel “R.” stand, tötete ein 
Präzisionsschütze aus seiner Stellung im Hotel in Ausführung des 
genannten Schiessbefehls E. K. mit einem gezielten Schuss in den Kopf 
(act. 8.1. S. 4 und 7; act. 8.3.12.; 8.3.14.; 8.3.16.; 8.3.17.; 3.3.1.; 3.3.2.; 
3.3.4.; 3.3.5.).”

D. Am 2. November 2000 liessen E. K. und R. adhäsionsweise eine Klage 
auf Schadenersatz und Genugtuung einreichen und was folgt beantragen:

“1. Es sei festzustellen, dass der Kanton Graubünden für die Folgen der am 
26.3.2000 begangenen Tötung zum Nachteil von E. K. sel. vollumfänglich 
ersatzpflichtig ist.

2. Den Klägern sei eine Genugtuung von je Fr. 50'000.-- zuzüglich Zins zu 5% 
seit dem 26.3.2000 auszurichten.

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich 7,5% Mehrwertsteuer.”

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E. Der Kanton Graubünden liess mit Stellungnahme vom 8. Februar 2002 
was folgt beantragen:

“1. Die Adhäsionsklage sei auf den Zivilweg zu verweisen.
2. Eventuell sei die Adhäsionsklage abzuweisen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge – letztere zuzüglich 

Mehrwertsteuer – zulasten der Adhäsionskläger.”

F. Anlässlich der Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht von 
Graubünden vom 25. und 26. Februar 2002 waren der Angeklagte, sein privater 
Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. iur. Lorenz Erni, der Rechtsvertreter der 
Adhäsionskläger, Dr. iur. Jean Pierre Menge, sowie der Rechtsvertreter des 
Kantons Graubünden, Rechtsanwalt lic. iur. Hans-Ulrich Bürer, anwesend. Die 
Anklage wurde vom ausserordentlichen Staatsanwalt lic. iur. Robert Akeret 
vertreten.

G. Der ausserordentliche Staatsanwalt lic. iur. Robert Akeret stellte den 
Antrag auf Freispruch des Angeklagten vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung in 
Anwendung von Art. 33 StGB. Kostenfolge sei die gesetzliche. Das beim 
kriminaltechnischen Dienst lagernde Sturmgewehr sowie die sichergestellte 
Munition seien dem zuständigen Zeughaus auszuhändigen. Zur Begründung 
machte er im Wesentlichen geltend, E. K. habe am 26. März 2000 nach 08.15 Uhr 
von seiner Liegenschaft im 5. Stockwerk am S. 17 Schüsse auf das Hotel R. 
abgefeuert. Eine Kugel habe den Küchenburschen A. nur knapp verfehlt. Dass 
keine Menschen verletzt oder getötet worden seien, grenze an ein Wunder und sei 
nicht zuletzt dem Umstand zu verdanken, dass am fraglichen Morgen der Wechsel 
von Winter- auf Sommerzeit vollzogen worden sei und das Frühstück sich 
infolgedessen verzögert habe. Die polizeiliche Führung habe sich in Anbetracht der 
gefährlichen und unkontrollierten Haltung des Täters zum Stoss in die Wohnung 
und zur Überwältigung des Täters entschlossen. Nach dem Einsatz einer 
Blendschockgranate seien Grenadiere hinter einem Polizeihund in die Wohnung 
gestürmt. E. K. habe auf dem Sofa sitzend mit dem Sturmgewehr 90 im Anschlag 
sofort das Feuer auf den Hund eröffnet und diesen getötet. Alsdann habe er die 
Waffe auf die Grenadiere gerichtet und dabei C. C. getroffen. Ein weiterer Grenadier 
sei am Auge verletzt worden. Dann habe K. einen gezielten Schuss auf den am 
Boden liegenden Grenadier C. abgegeben. Der Schuss habe den Helm am oberen 
Rande durchschlagen und sei dann abgeprallt, da Grenadier C. das Helmvisier nicht 
vollständig geschlossen habe. Grenadier C. habe schwere Verletzungen erlitten 
und habe in Lebensgefahr geschwebt. Der Polizei habe sich die Situation geboten, 
dass der Täter ein ausserordentlich hohes Gefahrenpotential aufweise, er ohne 

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Vorwarnung schiesse, ein Grenadier lebensgefährlich verletzt im Spital liege und 
ein anderer eine Augenverletzung erlitten habe. Um 12.00 Uhr habe der Täter einen 
weiteren Schuss abgegeben. In dieser Lage habe der Angeklagte den Befehl an die 
eingesetzten Polizeikräfte erlassen, den Täter zu neutralisieren, also zu 
erschiessen, wenn dieser mit der Waffe erscheine. Es habe davon ausgegangen 
werden müssen, der Täter mache unvermittelt Gebrauch von seiner Waffe. Der 
Versuch einer Kontaktaufnahme sei gescheitert. Um 13.47 Uhr habe der Täter 
mehrere Schüsse ins Treppenhaus abgegeben, wobei ein Querschläger den 
Grenadier H. L. am linken Arm getroffen habe. Dieser habe bleibende Nachteile 
erlitten. Trotz intensiver Bemühungen sei es der Polizei nicht gelungen, K. zu 
beruhigen oder zur Aufgabe zu bewegen. K. habe vielmehr wissen lassen, dass er 
schiessen werde, wenn die Polizei in die Wohnung komme. Um 14.07 habe er ein 
weiteres Mal ins Treppenhaus und um 15.13 Uhr ins Telefon geschossen, als über 
dieses versucht worden sei, mit ihm Kontakt aufzunehmen. In dieser Phase sei der 
Schiessbefehl bestätigt worden. Um 17.33 Uhr habe K. die Türe aufgerissen. Ein 
Schrotschuss eines Grenadiers gegen die Türe sei abgeprallt und habe K. im 
Gesicht getroffen. K. habe leichte Schürfungen erlitten, sei in die Wohnung 
zurückgewichen und habe erneut einen Schuss abgegeben. 7 Minuten später sei er 
bewaffnet auf dem Balkon erschienen, worauf es zum Todesschuss gekommen sei. 
Der Schusswaffengebrauch sei in Graubünden öffentlich-rechtlich geregelt und 
zwar in dem sich auf die polizeiliche Generalklausel abstützenden Dienstbefehl. Die 
Bestimmungen der Notwehr gemäss Art. 33 StGB würden aber im Falle einer 
Abwehr mit der Überprüfung der Recht- und Verhältnismässigkeit des erteilten 
Schiessbefehles vorgehen. Art. 33 StGB erfordere einen Angriff oder eine 
unmittelbare Drohung dazu. Nach der Lehre sei eine unmittelbare Drohung auch 
dann gegeben, wenn der Angreifer auf den Angriff noch verzichten könne und nicht 
erst, wenn es kein zurück mehr gebe. Die Notwehrhandlung müsse in einer den 
Umständen angemessenen Weise erfolgen. Beim Schusswaffengebrauch sei eine 
enge Grenze zu ziehen. Eine Abwehr könne schon dann geboten sein, bevor der 
Angreifer seine Waffe gezogen habe. Das Bundesgericht habe in BGE 122 IV 5 f. 
festgehalten, dass angesichts einer permanenten Gefahr der Begriff des 
gegenwärtigen Angriffs weiter ausgelegt werde und sich auf Situationen erstrecke, 
in denen der Angriff zeitlich weiter entfernt sei als der Angriff, welcher sich aufgrund 
einer Notwehrsituation ereignen würde. Im konkreten Fall sei von der Situation 
auszugehen, wie sie sich am fraglichen Sonntag aus der Situation des Angeklagten 
und seiner Leute präsentiert habe, und nicht nach dem sich heute darstellenden 
Sachverhalt. Bereits die Beschwerdekammer des Kantonsgerichtes habe 
ausgeführt, dass die Erteilung des Schiessbefehls nach den Umständen eine 

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adäquate Antwort auf die äusserst gefährlichen und brutalen Angriffe K.s gewesen 
sei. Dessen Verhältnismässigkeit sei bejaht worden. Zutreffend sei auch, dass ein 
Schiessbefehl, der den Tod eines Menschen zur Folge habe, laufend überprüft 
werden müsse, wenn sich eine Lage tatsächlich ändere. Die Situation habe sich 
vorliegend aber nicht geändert. Die Lage habe sich nach Erteilung des ersten 
Schiessbefehls sogar verschärft. Der Täter habe weiterhin unberechenbar 
geschossen. Eine Kontaktaufnahme durch einen Grenadier im Verlaufe des 
Nachmittages sei erfolglos gewesen. K. habe jede Kontaktaufnahme auch mit 
Angehörigen und dem Polizeipsychologen abgelehnt und der Polizei gedroht, seine 
Waffe einzusetzen. Der Polizeipsychologe habe auf eine nicht einschätzbare 
Bedrohung von allem, was sich K. nähere, geschlossen. K. habe mit einem 
seriefeuertauglichen Sturmgewehr 90 mit Kriegsmunition und einem Wirkungskreis 
von kontrolliert 400 bis 500 Meter und unkontrolliert 3,5 Kilometern schiessen 
können, weshalb die Gefahr tödlicher Treffer virulent gewesen sei. Es habe damit 
eine nicht einzugrenzende Gefahr für die stark besiedelten Wohnquartiere K., 
Winterberg, Grünberg, Kornquader und Foral bestanden. Ferner sei bekannt 
gewesen, dass K. ein Konsument von Psilocybinpilzen gewesen sei, was eine 
verstärkte Aggressivität möglich gemacht hätte. Damit sei die Erteilung des 
Schiessbefehls in dieser Phase erst recht geboten gewesen, auch als der 
Angeklagte den Befehl um 16.45 Uhr erneut gründlich überprüft und bestätigt habe. 
Der Schiessbefehl sei die ultima ratio gewesen. Bereits die Beschwerdekammer 
habe die Gründe zusammengefasst und sei zum Schluss gekommen, dass die 
Polizei die Alternativen genügend abgeklärt habe und ihr kein Fehler vorzuwerfen 
sei. Ein Todesschuss habe gewählt werden müssen, weil ein entschlossener Täter 
vorhanden gewesen sei, bei dem damit habe gerechnet werden müssen, dass er 
bei einer blossen Verletzung die vorhandene Restenergie zu einem 
lebensbedrohenden Angriff genutzt hätte. In solchen Fällen sei es in- und 
ausländische Doktrin, die Angriffsunfähigkeit durch die schlagartige Ausschaltung 
aller Aktivitäten herbeizuführen. Als E. K. um 17.40 Uhr mit der Waffe in der Hand 
auf dem Balkon erschienen sei, habe sich der Polizei eine Situation geboten, 
aufgrund welcher der Schiessbefehl erteilt worden sei. Die Situation sei kritisch 
gewesen, zumal K. sieben Minuten vorher durch die Wohnungstür ins Treppenhaus 
geschossen habe. Er habe die Waffe derart gehalten, dass er sie schlagartig 
jederzeit hätte einsetzen können. Die Tragart werde in der Rekrutenschule geübt 
und im Militär für eben einen solchen Einsatz instruiert. Die Waffe funktioniere in 
Sekundenbruchteilen nach dem Willen des Angreifers. Auf die Präzisionsschützen 
habe K. den Eindruck eines jederzeit zum unkontrollierten und gezielten Schuss 
bereiten Mannes verübt. Damit seien die Anzeichen einer akuten Gefahr vorhanden 

11

gewesen. Der Angegriffene habe daher nicht warten müssen, bis es zu spät 
gewesen sei. Damit habe sich die Notwehrsituation seit der Erteilung des 
Schiessbefehls nicht mehr verändert und habe nicht noch einmal überprüft werden 
müssen. Daran ändere auch nichts, dass der Kommandant nicht mehr vor Ort 
gewesen sei. Die Situation habe sich in keiner Weise verändert, K. habe gar noch 
sieben Minuten zuvor geschossen. Bei der Verhältnismässigkeit hänge das 
zulässige Mass vom Wert des angegriffenen Rechtsgutes und der Art des Angriffes 
ab. Werde aber festgestellt, dass eine unbestimmte Anzahl von Menschen einer 
tödlichen Gefahr ausgesetzt gewesen sei und die Polizei aus ihrer Aufgabe heraus, 
Gefahren abzuwehren, verpflichtet gewesen sei, zu handeln, Notwehrhilfe zu leisten 
und den Angreifer zu neutralisieren, sei der Todesschuss das einzig adäquate Mittel 
dazu gewesen. Selbst Art. 2 Abs. 2 lit. a EMRK lasse eine gewollte Tötung zu, wenn 
sie sich aus einer unbedingt erforderlichen Gewaltanwendung ergebe, um die 
Verteidigung eines Menschen gegenüber rechtswidriger Gewaltanwendung 
sicherzustellen. Der Angeklagte habe seinem Auftrag entsprechend gehandelt und 
als Einsatzleiter weiteres Unheil verhindert.

Zu einer allfälligen Strafe, wenn der Angeklagte entgegen seinem Antrag 
schuldig gesprochen werden sollte, nahm der ausserordentliche Staatsanwalt nicht 
Stellung.

H. Der Rechtsvertreter von E. K. und R. K., Rechtsanwalt Dr. iur. Jean-Pierre 
Menge, bestätigte und begründete seine in der Adhäsionsklage vom 2. November 
2000 gestellten Anträge. Im Wesentlichen führte er aus, auch wenn E. K. nicht nur 
Opfer, sondern auch Täter gewesen sei, sei die tödliche Schussabgabe nicht 
gerechtfertigt. Es habe im Strafverfahren ein Schuldspruch und im zivilrechtlichen 
Verfahren eine Verurteilung des Angeklagten zu erfolgen. Art. 10 BV garantiere das 
Recht auf Leben. Eingriffe dagegen seien nur zulässig, wenn sie auf einer 
gesetzlichen Grundlage beruhten, im öffentlichen Interesse lägen, verhältnismässig 
seien und das Grundrecht nicht seines Wesensgehaltes beraubten. Der UNO-Pakt 
II verlange auch den gesetzlichen Schutz des Lebens. Die Dienstbefehle über den 
Schusswaffengebrauch durch die Polizei und die Präzisionsschützen würden für 
einen dermassen schwerwiegenden Eingriff in die persönliche Integrität nicht 
ausreichen. Art. 32 StGB könne bei einer fehlenden gesetzlichen Grundlage nicht 
zur Anwendung kommen. Es seien die Bestimmungen der Notwehr nach Art. 33 
StGB anwendbar. Die Notwehr verlange einen gegenwärtigen Angriff. Dieser müsse 
im Gange sein oder unmittelbar bevorstehen. Letzteres verlange, dass Anzeichen 
einer Gefahr vorhanden seien, die eine Verteidigung nahe legten, etwa wenn der 

12

Angreifer eine drohende Haltung annehme, sich zum Kampfe vorbereite oder 
Bewegungen mache, die in diesem Sinne gedeutet werden könnten. Würden 
verschiedene Abwehrmöglichkeiten bestehen, sei nach dem Grundsatz der 
Subsidiarität die ungefährlichste Art der Verteidigung zu wählen. Bei einem 
Todesschuss könne eine solche Art der Verteidigung nur gewählt werden, wenn der 
Angreifer Leib und Leben gefährde. Subsidiarität und Proportionalität der Abwehr 
müssten nach der Situation beurteilt werden, in der sich der Angegriffene im 
Zeitpunkt der Tat befinde. Im konkreten Fall sei der Schiessbefehl nach dem 
misslungenen Vorstoss in die Wohnung ergangen. Die Situation habe sich am 
Nachmittag dann aber beruhigt. Es habe eine Deeskalation stattgefunden. Selbst 
als K. um 17.30 Uhr seine Türe aufgerissen habe, habe er von seiner Waffe nicht 
Gebrauch gemacht. Vielmehr sei er von einem Schrotschuss verletzt worden. Es 
sei nicht nachvollziehbar, weshalb der Schiessbefehl nicht laufend anderen 
Gegebenheiten angepasst worden sei. Als K. auf den Balkon getreten sei, sei kein 
einziger Polizeibeamter mit einem unmittelbaren Angriff bedroht worden. Auch die 
Präzisionsschützen seien hinter einem Tagesvorhang verborgen und damit für K. 
nicht sichtbar gewesen. Bei der polizeilichen Abwehr von Angriffen gegen Dritte 
müsse ebenfalls das Prinzip der Verhältnismässigkeit herangezogen werden, 
welches sich auf die Bereiche der Geeignetheit, der Erforderlichkeit und der 
Verhältnismässigkeit im engeren Sinne aufteile. Bei der Erforderlichkeit sei stets 
das Ziel, eine Intervention mit dem mildest möglichen Mittel vorzunehmen. 
Vorliegend sei aber keine Verbindung zu K. aufgenommen worden, obwohl sich 
dieser nach der ungezielten Schussabgabe auf das Restaurant R. völlig ruhig 
verhalten habe. Nichts habe zu diesem Zeitpunkt darauf hingedeutet, dass es sich 
um einen rücksichtslosen Menschen gehandelt habe, zumal er ja nicht gezielt auf 
Menschen geschossen habe. Es hätten auch Kontakte zur Familie K. bestanden. K. 
hätte mit seinen Angehörigen konfrontiert werden sollen, insbesondere mit seiner 
Stiefmutter, zu der er ein gutes und inniges Verhältnis gepflegt habe. Durch das 
Eindringen der Grenadiere in die Wohnung sei K. geradezu in die Ecke und in eine 
Notwehrsituation gedrängt worden. Es sei nachvollziehbar, wenn auch nicht zu 
billigen, dass er sich mit seiner Waffe zur Wehr gesetzt habe. Es werde bezweifelt, 
dass der Polizeibeamte S. das notwendige Fachwissen gehabt habe, um den 
Verzicht auf einen Einsatz von Reiz- oder Tränengas beurteilen zu können. Unter 
Feuerunterstützung der Präzisionsschützen hätte eine Gasgranate vom sich schräg 
über dem Balkon K.s befindlichen Balkon abgeschossen werden können. Ein 
Tränengaseinsatz wäre ebenso möglich gewesen. Der Polizeipsychologe habe 
gesagt, dass K. zu keinem Zeitpunkt berechenbar gewesen sei. Damit habe die 
Gefahr einer Provokation keine Rolle mehr gespielt. Ob K. über eine Gasmaske 

13

verfügt habe, sei eine reine Spekulation gewesen. Dass die eingesetzte und hinter 
dem Fenster gezündete Schock-Blendgranate keine Wirkung gezeigt habe, sei 
verständlich, habe sich K. doch mit dem Rücken zum Fenster befunden und sei das 
Fenster hoch gewesen. Der Sturm der Wohnung sei wenig durchdacht gewesen, 
was mit dem Studium des Grundrisses zum voraus hätte festgestellt werden 
können. Die Rückzugsaktion sei überdies chaotisch verlaufen. Gravierend sei, dass 
K. nicht darauf aufmerksam gemacht worden sei, er werde bei Betreten des Balkons 
mit der Waffe erschossen. Wenn ausgeführt werde, dies hätte zu einer Steigerung 
der Unberechenbarkeit K.s führen können, werde die Fachkompetenz des 
Psychologen bestritten. Dieser habe auch nicht als unabhängiger Experte gelten 
können. Seinem Bericht könne daher nicht ein allzu grosses Gewicht beigemessen 
werden, zumal er ohne persönlichen Kontakt auf die Gemütslage von K. 
geschlossen habe. Dies sei unfachmännisch. Eine Warnung hätte umso mehr 
ausgesprochen werden müssen, als beim Sprechkontakt im Treppenhaus keine 
Notwehrsituation vorgelegen habe. Zu den passiven Massnahmen hätte auch die 
grossräumige Evakuation der Umgebung gehört. Es hätte daher der Sachzwang 
des Schutzes von unbeteiligten Dritten vermieden werden können. Der Einwand, 
dies sei nicht notwendig gewesen, da ohnehin ein Schiessbefehl bestanden habe, 
sei nicht nachvollziehbar. Bereits als die Grenadiere im Treppenhaus längere Zeit 
die Hand von K. sowie den Lauf des Gewehres gesehen hätten, wäre es möglich 
gewesen, einen gezielten Schuss darauf abzugeben und E. K. so angriffsunfähig zu 
machen, zumal der Schiessbefehl bereits bestanden habe. Für die 
Präzisionsschützen sei nach dem missglückten Sturm der Wohnung der Befehl 
ausgegeben worden, K. sei zu erschiessen, wenn er mit der Waffe erscheine und 
Anstalten mache, diese einzusetzen. Dies sei mit noch nicht eingeschossenen 
Gewehren begründet worden. Umso mehr sei es möglich gewesen, bei 
eingeschossenen Gewehren zuerst abzuwarten, ob K. Anstalten zum Gebrauch der 
Waffe treffe. Weiter sei dem Angeklagten vorzuwerfen, dass er den Einsatzort zu 
Gunsten einer Medienkonferenz und der Begrüssung neuankommender 
Grenadiere verlassen habe, hätte er doch sonst seinen Einsatzbefehl anhand der 
aktuellen Gegebenheiten nochmals überprüfen können. Die Ablösung hätte auch 
beim KP-Front begrüsst werden können. Wenn die Präzisionsschützen bei K. bei 
dessen Aufenthalt auf dem Balkon eine starre, versteinerte und böse Mimik 
festgestellt hätten, sei dies angesichts der Schrotkugeln, die ihn getroffen hätten, 
nicht verwunderlich und habe nichts mit dessen Angriffshaltung zu tun. Dieser 
Sachverhalt sei der Einsatzleitung gar nicht bekannt gewesen. Es sei nur gemeldet 
worden, dass K. auf den Balkon getreten sei. Wie er die Waffe gehalten habe, sei 
nicht weitergemeldet worden. Der Chef Grenadier habe in der Folge den 

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Schiessbefehl erteilt, obwohl ihm die Präzisionsschützen gar nicht unterstanden 
hätten. K. habe überdies die linke Hand in der Hosentasche gehalten und sei zu 
nahe an der Balkonbrüstung gestanden. Eine unmittelbare Gefahr sei von ihm nicht 
ausgegangen. Aufgrund seiner Körpergrösse habe man gesehen, dass sich seine 
Hand am Pistolengriff befunden habe. Die Präzisionsschützen seien nicht mit einem 
Angriff bedroht gewesen. K. sei überdies wohl mit einer gesicherten Waffe dort 
gestanden. Schliesslich sei die falsche Munition verwendet worden. Es wäre 
angebracht gewesen, Vollmantelmunition einzusetzen. Dies lasse auch Art. 7 des 
Dienstbefehles für Präzisionsschützen zu. Selbst die Teilmantelmunition hätte bei 
richtiger Verwendung nicht zum Tode führen müssen. Es hätte leicht in die Schulter 
geschossen werden können. Mit einer zerfetzten Schulter hätte K. keinen weiteren 
Schuss mehr abgeben können. Ein gezielter Schuss auf den Kopf sei daher 
unverhältnismässig gewesen. In der Schulter wäre auch kein lebenswichtiges 
Organ getroffen worden. Aufgrund der Grösse K.s sei selbst ein Schuss in die Hüfte 
möglich gewesen. Es werde bestritten, dass K. nach den Schrotschussverletzungen 
nicht entscheidend in seiner Handlungsfähigkeit beeinträchtigt gewesen sei. Sein 
wirres Verhalten sei dem Genuss von Psilocybinpilzen zuzuschreiben. Wenn der 
Experte dies nicht habe feststellen können, sei dies auf die zu spät erfolgte 
Blutentnahme zurückzuführen. Von der Notwehr nicht erfasst seien Handlungen, 
die darauf gerichtet seien, einem möglichen, aber noch unsicheren Angriff 
vorzubeugen. K. sei ohne Anzeichen von Gewaltbereitschaft auf den Balkon 
getreten. Er habe das Gewehr nicht in den Anschlag genommen, nachdem er sich 
auf alle Seiten umgesehen habe. Damit sei niemand durch einen unmittelbar 
drohenden Angriff gefährdet gewesen, insbesondere nicht die Präzisionsschützen. 
Die Heftigkeit des gezielten Todesschusses sei unverhältnismässig gewesen. Die 
Präzisionsschützen hätten auch dann noch eingesetzt werden können, wenn K. 
wirklich Anstalten zum Gebrauch der Waffe gemacht hätte. Dies sei innert 
Sekundenbruchteilen gar nicht möglich gewesen, weil K. nahe an der 
Balkonbrüstung gestanden habe, einen Schritt zurück hätte machen und die Hand 
aus der Hosentasche hätte holen müssen. Eine extensive Auslegung des 
unmittelbar drohenden und bevorstehenden Angriffs sei abzulehnen. Ebenso hätte 
schon vorher die Möglichkeit bestanden, einen Warnruf auszugeben. Es hätte alles 
Erdenkliche unternommen werden müssen, um den Täter über die Konsequenzen 
seines Handelns aufmerksam zu machen. Der Wechsel in der Befehlsausgabe weg 
vom Anstaltentreffen sei nicht verhältnismässig. Zusammenfassend seien Leib und 
Leben von Polizisten und Drittpersonen nicht gefährdet gewesen. Der 
Schiessbefehl und dessen Ausführung seien daher unverhältnismässig und nicht 
von Art. 33 StGB gedeckt. Im Übrigen sei die Gefährdung weiterer Personen durch 

15

die Unterlassung einer Evakuation von der Polizei mitgeschaffen worden. E. K. sei 
durch einen Befehl des Angeklagten in widerrechtlicher und schuldhafter Weise 
getötet worden. Schuldmilderungsgründe seien nicht vorhanden, der Angeklagte 
habe vollumfänglich für sein Verhalten einzustehen. Da keine Notwehrsituation 
bestanden habe, könne auch kein Exzess ausgeübt worden sein. Ebensowenig sei 
Putativnotwehr gegeben. Für die Adhäsionsklage sei das Kantonsgericht gestützt 
auf Art. 20 Abs. 3 VG zuständig. Der Schaden sei zukünftig und nicht absehbar. 
Das Verhalten des Angeklagten sei schuldhaft und widerrechtlich gewesen. Der 
Kausalzusammenhang sei offensichtlich. Die immaterielle Unbill der Geschädigten 
sei hoch und praxisgemäss sei die Rücksichtslosigkeit des Schädigers als 
erhöhender Umstand zu berücksichtigen. Das Verschulden des Angeklagten wiege 
äusserst schwer. Der Vater und der Bruder hätten ein enges Verhältnis zum 
Getöteten gepflegt. E. K. sei zudem noch jung gewesen, was sich ebenso 
genugtuungserhöhend auswirke wie die Begleitumstände der Tat. Eine Genugtuung 
von je Fr. 50'000.-- sei angemessen.

I. Der Verteidiger von M. R., Rechtsanwalt Dr. iur. Lorenz Erni, stellte und 
begründete folgenden Antrag:

“Dr. M. R. sei vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung freizusprechen.”

Der Angeklagte stehe wegen eines Befehls vor Gericht, mit dem er verhindert 
habe, dass E. K. weitere Personen an Leib und Leben hätte schwer gefährden, 
verletzen oder gar töten können. Wäre K. nicht rechtzeitig erschossen worden, wäre 
es schwierig, zu rechtfertigen, weshalb es zu weiteren Opfern gekommen sei. 
Grundlage des Entscheides könne nur die damalige Situation sein. Im Nachhinein 
gewonnene Erkenntnisse dürften nicht massgebend sein. Relevant sei viel mehr, 
was der Beamte im Zeitpunkt, in dem er sich zum Waffengebrauch entschliesse, 
von der Sachlage habe halten müssen. Der Hintergrund, nach welchem der 
Entschluss gefasst worden sei, K. zu neutralisieren, seien die zahlreichen Schüsse 
auf das Restaurant R. gewesen. Es habe weiter damit gerechnet werden müssen, 
dass mit Seriefeuer geschossen werde. K. habe beim Sturm der Wohnung den 
Polizeihund erschossen, einen Polizeibeamten niedergeschossen und in der Folge 
noch auf dessen Kopf gezielt. Damit habe man von einem rücksichtslosen, zu allem 
entschlossenen, vor nichts zurückschreckenden und absolut unberechenbaren 
Gewalttäter ausgehen müssen. E. K. habe sich bereits vor dem Schiessbefehl der 
mehrfachen Gefährdung des Lebens, der schweren Körperverletzung und des 
Mordversuchs schuldig gemacht. Dies habe bei der Entschlussfassung 
berücksichtigt werden müssen. Der Angeklagte habe als Einsatzleiter gar keine 

16

andere Wahl gehabt. Den ganzen Nachmittag habe sich trotz laufender 
Überprüfung der Sachlage kein Anhaltspunkt für eine Modifizierung des Befehls 
ergeben. Der Schuss um 17.40 Uhr sei ebenfalls rechtmässig. Grundlage hiefür 
bilde das Notwehrrecht. Auch die Polizei könne sich auf diesen 
Rechtfertigungsgrund berufen, was in BGE 115 IV 164 f. bestätigt worden sei. 
Vorausgesetzt sei eine Notwehrlage. Der Angegriffene brauche aber nicht zu 
warten, bis es zu spät sei. Die Unmittelbarkeit der Bedrohung verlange, dass 
Anzeichen einer Gefahr vorhanden seien, die eine Verteidigung nahe legten. Nicht 
gerechtfertigt seien Handlungen, die darauf gerichtet seien, einem zwar möglichen, 
aber noch unsicheren Angriff vorzubeugen und jemanden vorsorglich kampfunfähig 
zu machen. Habe jemand ernsthaften Grund zur Annahme, der Angreifer stehe im 
Begriff, das Feuer gegen ihn zu eröffnen, brauche er somit nicht zu warten, bis es 
zu spät sei. Insbesondere müsse nicht das Ziehen der Waffe oder gar ein erster 
Schuss abgewartet werden. Die Abwehr müsse angemessen sein, wobei nur das 
leichteste Abwehrmittel gerechtfertigt sei und die mit der Abwehr verbundene 
Verletzung in einem angemessenen Verhältnis zur Schwere des Angriffes stehe. 
Angesichts der durch E. K. bedrohten Rechtsgüter sei die Verhältnismässigkeit 
gegeben. Festzuhalten sei, dass der Angeklagte bei der Erteilung des 
Schiessbefehles nicht habe voraussehen können, unter welchen konkreten 
Umständen der Täter mit der Waffe erscheine. Es habe daher grundsätzlich die 
Gefahr abgeschätzt werden müssen, die sich bei einem Erscheinen K.s mit der 
Waffe verwirklichen würde. Die konkreten Umstände könnten nur insofern 
herangezogen werden, als gestützt darauf im Sinne einer zusätzlichen Kontrolle zu 
überprüfen sei, ob die Voraussetzungen der Notwehr beziehungsweise der 
Notwehrhilfe im fraglichen Zeitpunkt tatsächlich bestanden hätten. Selbst 
andernfalls müsse immer noch überprüft werden, ob eine andere Formulierung des 
Befehls überhaupt möglich gewesen wäre. Der Angeklagte habe davon ausgehen 
dürfen, dass die Polizeibeamten aufgrund ihrer Ausbildung nur dann schiessen 
würden, wenn vom Täter eine Gefahr ausgehe. Da der Angeklagte zum Zeitpunkt 
des Todesschusses nicht vor Ort gewesen sei, könne es für die Beurteilung der 
Anklage nur darauf ankommen, ob die grundsätzliche Einschätzung richtig gewesen 
sei, dass das Erscheinen von K. mit der Waffe eine Notwehrlage begründe, die 
einen gezielten Todesschuss durch Präzisionsschützen gerechtfertigt habe. Eine 
Notwehrlage sei ausgewiesen. K. habe wiederholt bewiesen, dass er von der Waffe 
ohne Rücksicht auf das Leben anderer unvermittelt Gebrauch mache. Er sei im 
Besitze eines Sturmgewehrs mit grosser Reichweite gewesen. Das 
Gefährdungspotential sei vom Balkon aus auch bei unkontrollierten Schüssen 
enorm hoch gewesen. Aufgrund des Verhaltens habe mit jederzeitigen weiteren 

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Schüssen gerechnet werden müssen. Die Anzeichen einer Gefahr seien in 
ausgeprägter Weise vorhanden gewesen und hätten sich bereits verwirklicht, K. 
habe seinen Kampf bereits angetreten. Polizeibeamte und Dritte hätten diesem 
Risiko nicht ausgesetzt werden dürfen. Der Angriff habe daher bereits begonnen 
und angedauert. Er sei nie beendet worden, auch wenn es gewisse Pausen 
gegeben habe. Es sei nie darum gegangen, einem unsicheren Angriff vorzubeugen. 
Die Gefahr weiterer Schüsse sei vielmehr über den ganzen Zeitraum vorhanden 
gewesen. Bei K. als Amokläufer habe man im Unterschied zu einem Geiselnehmer 
gewusst, was zu erwarten sei. Vor diesem Hintergrund könne nicht in Frage gestellt 
werden, dass eine Notwehrlage bestanden habe, als der Angeklagte entschieden 
habe, K. zu neutralisieren. Dieser Befehl sei an alle Polizeikräfte ergangen. Erst 
nachdem der Angeklagte darauf aufmerksam gemacht worden sei, dass die 
Präzisionsschützen ihre Gewehre noch nicht eingeschossen hätten, sei der Befehl 
für diese insoweit modifiziert worden, als diese nur hätten schiessen sollen, wenn 
der Täter Anstalten treffen würde, wieder von seiner Waffe Gebrauch zu machen. 
Bei den Präzisionsschützen sei der Befehl nur modifiziert worden, weil sie bei 
Fehlschüssen aus den nicht eingeschossenen Gewehren andere gefährdet hätten. 
An der Einschätzung, bereits mit dem Erscheinen der Waffe sei von einem 
drohenden Angriff auszugehen, habe sich freilich nichts geändert. Auch um 17.40 
Uhr sei das Gefährdungspotential nicht verringert gewesen. Es habe weiterhin von 
plötzlich gezielten oder ungezielten Schüssen ausgegangen werden müssen. Die 
Situation habe sich keinesfalls beruhigt. K. habe im Verlaufe des Nachmittags in 
unregelmässigen Abständen Schüsse ins Treppenhaus, auf die Wohnungstüre oder 
in die Wohnung abgegeben und dabei einen Grenadier getroffen. Die Gefährlichkeit 
der Lage gehe aus den Schilderungen der verschiedenen Grenadiere in der 
Untersuchung hervor. Die Situation sei äusserst angespannt gewesen. Jederzeit 
habe mit einem neuen Schlag gerechnet werden müssen. Von grosser Bedeutung 
sei dabei die Einschätzung des beigezogenen Polizeipsychologen gewesen, mit 
welchem sich der Angeklagte den ganzen Tag über laufend und intensiv beraten 
habe. Es wäre unverzüglich reagiert worden, hätte sich über den Tag eine andere 
Einschätzung der Lage ergeben. Aus dem Bericht des Polizeipsychologen gehe 
hervor, dass dieser auf ein ungemein rücksichtsloses und brutales Verhalten von K. 
gegenüber Mensch und Tier geschlossen habe. Danach habe die 
Rücksichtslosigkeit im Laufe des Tages nicht abgenommen, sondern sei durch ein 
zunehmend perfideres Verhalten verstärkt worden. Die sprunghaften Wechsel des 
Gemütszustandes hätten auf eine kaum einschätzbare emotionale Lage 
hingewiesen. Die Zeichen des Kommunikationsabbruches und der 
Kommunikationsverweigerung hätten dahingehend verstanden werden können, 

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dass sich K. als Einzeltäter verstanden und sich zum letzten Gang gerüstet habe. 
Diese Einschätzung des Polizeipsychologen sei für den Angeklagten 
nachvollziehbar gewesen und habe mit dem äusseren Geschehensablauf 
übereingestimmt. Eine Veränderung habe sich auch nicht um 17.40 Uhr ergeben, 
als K. mit der Hand am Pistolengriff seiner Waffe auf dem Balkon erschienen sei. 
Dies habe aufgrund der gesamten Umstände als ein erneuter unmittelbarer Angriff 
verstanden werden müssen. Unerheblich sei, ob K. in diesem Moment tatsächlich 
habe schiessen wollen. Er habe das Gewehr aber so gehalten, wie es im 
Militärdienst in der sogenannten Freihandstellung geübt werde. Diese Stellung 
werde nur in hoher Gefechtsbereitschaft benutzt und stelle ein Anzeichen von 
Gefahr dar. K. hätte damit jederzeit schiessen können und habe auch offensichtlich 
etwas gesucht. Selbst wenn kein Schiessbefehl vorgelegen hätte, wäre der Schuss 
aufgrund dieser Umstände gerechtfertigt gewesen. Die Notwehrlage sei damit zu 
bejahen. Wenn ein Präzisionsschütze über Funk nachgefragt habe, sei dies erfolgt, 
weil die Präzisionsschützen ansonsten auf Kommando schiessen würden. 
Festzuhalten sei, dass nur der Schiessbefehl und dessen Ausführung Gegenstand 
des Strafverfahrens seien, nicht aber die von der Polizei beschlossene Strategie. 
Ein weiterer Stoss von Grenadieren in die Wohnung sei viel zu gefährlich gewesen. 
Der Einsatz von Reizstoffen sei nicht in Frage gekommen. Ein Zugriff über den 
Balkon oder die Fenster sei zu gefährlich gewesen. Der Versuch der Aufnahme 
einer Kommunikation sei gescheitert, obwohl man K. angeboten habe, mit 
Angehörigen zu sprechen. Dieser habe wissen lassen, dass sie weitermachen 
würden. Auch eine telefonische Kontaktaufnahme sei gescheitert. Zu Unrecht seien 
fehlende Absperrungen beanstandet worden. Die M. sei abgesperrt und der Betrieb 
der B. eingestellt worden. Absperrungen über das gesamte im Schussbereich 
befindliche Gebiet seien nicht möglich gewesen. Zudem seien Polizeibeamten rund 
um den Tatort postiert gewesen und sei es nicht möglich gewesen, sie ausreichend 
zu schützen. Die Notwehrlage hätte daher selbst dann bestanden, wenn ein grosser 
Teil von C. evakuiert worden wäre. Solches wäre zu gefährlich gewesen, da 
jederzeit mit dem Erscheinen K.s auf dem Balkon habe gerechnet werden müssen. 
Wenn der Befehl, sich in Sicherheit zu halten, nicht von allen Leuten eingehalten 
worden sei, lasse dies nicht auf eine Entschärfung der Situation schliessen. Es sei 
zu Recht auf die Strategie des Abwartens gesetzt worden. Für die Angemessenheit 
des Todesschusses sei zu beachten, dass ein Schuss habe vermieden werden 
müssen, der es K. erlaubt hätte, von seiner Waffe weiteren Gebrauch zu machen. 
Ein Schuss in die Schulter hätte diese Gefahr nicht beseitigt, wenn K. damit nicht 
wie erwartet getötet worden wäre. Nicht zuletzt wäre er dann für die 
Präzisionsschützen unerreichbar hinter der Balkonbrüstung gewesen. Er hätte unter 

19

der seitlichen Plastikbalkonbrüstung weiter schiessen können. Eine Vorwarnung 
wäre nicht zu verantworten gewesen, sondern hätte K. provozieren und das 
Gegenteil bewirken können. Ein Vollmantelgeschoss mache den Täter keinesfalls 
immer angriffsunfähig. Aus der Polizeipraxis seien viele Fälle bekannt, bei welchen 
der Täter weiter habe agieren können. Entscheidend sei des Weiteren, dass mit der 
Wahl von Deformationsgeschossen die Gefährdung unbeteiligter Dritter und 
Polizeibeamter vermieden oder zumindest stark reduziert werden könne. 
Vollmantelgeschosse würden durchschlagen. Weil nie vorausgesehen werden 
könne, unter welchen Umständen die Präzisionsschützen schiessen müssten, 
würden diese immer Teilmantelgeschosse verwenden. Dies gelte auch für 
Polizeikorps anderer Kantone. Es müsse festgehalten werden, dass die Gefahr von 
E. K. ausgegangen sei und die Abwehr eines drohenden Angriffs nur dann 
verhältnismässig gewesen sei, wenn sie zum sofortigen Tod des Täters geführt 
habe. Schliesslich sei darauf hinzuweisen, dass der Angeklagte seinen Entscheid 
nicht allein gefällt habe, sondern nach intensiver Diskussion im Team, in welchem 
unter anderem der Chef Sicherheitspolizei, der Pikettoffizier, der Chef 
Fahndungsdienste und der diensthabende Untersuchungsrichter beteiligt gewesen 
seien. Alle seien zur gleichen Auffassung gelangt und hätten die Meinung geteilt, 
dass der Schiessbefehl die einzige Möglichkeit dargestellt habe, die vom Täter 
ausgehende grosse Gefahr zu bannen.

J. Der Rechtsvertreter des Kantons Graubünden, Rechtsanwalt lic. iur. Hans-
Ulrich Bürer, stellte und begründete in seinem Plädoyer folgende Anträge:

“1. Die Adhäsionsklage sei auf den Zivilweg zu verweisen.
2. Eventuell sei die Adhäsionsklage abzuweisen.”

Zur Widerrechtlichkeit und zum Verschulden verwies der Rechtsvertreter auf 
das Plädoyer der Verteidigung. Werde der Angeklagte freigesprochen, sei die 
Adhäsionsklage auf den Zivilweg zu verweisen. Für das Feststellungsbegehren der 
Adhäsionskläger fehle es zum vornherein an einem rechtlichen Interesse, könnten 
sie ihre Begehren doch beziffern. Bei Genugtuungsklagen von Geschwistern müsse 
Zurückhaltung geübt werden. Im Zeitpunkt des Todesschusses hätten sie bereits 
getrennte Haushalte geführt. Der Beweis einer besonders intensiven Beziehung des 
Bruders mit dem getöteten E. K. sei nicht erbracht. Die Beziehung des Getöteten 
zum Vater sei keinesfalls gut und harmonisch gewesen, habe E. K. doch aus vom 
Vater zu verantwortenden Gründen im Jahre 1999 das Elternhaus verlassen 
müssen. Von der nach der Rechtsprechung erforderlichen Intensität der 
immateriellen Unbill könne daher nicht gesprochen werden. Auch der Vater habe 
keine weiteren Beweise hiezu offeriert. Die eingeklagten Genugtuungssummen 

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würden zudem weit über der Praxis liegen. Genugtuungserhöhende Umstände 
seien nicht auszumachen. Demgegenüber lägen genugtuungsreduzierende 
Elemente vor.

K. In der persönlichen Befragung führte Dr. M. R. im Wesentlichen aus, im 
Zeitpunkt des ersten Zugriffs sei er noch nicht auf dem Platz gewesen. Der 
Pikettoffizier W. R. sei als erster anwesend gewesen, ebenso der Chef der 
Sicherheitspolizei S. R.. Die formelle Leitung habe dem Pikettoffizier oblegen. Der 
erste Zugriff in die Wohnung zur Bereinigung der Situation sei von Grenadier R. B. 
angeführt worden. Der Chef Grenadier U. N. habe den Einsatz geleitet. Die 
Präzisionsschützen seien eine selbständige Einheit und dem Chef 
Präzisionsschützen unterstellt, dieser wiederum der Einsatzleitung. Über die 
Unterstellung werde aber wie im konkreten Fall ad hoc entschieden. 
Ausrüstungsgegenstände der Polizeibeamten seien eine Pistole 9 mm, eine 
Maschinenpistole sowie eine Schrotflinte. Auf diesen Waffen würden die 
Polizeibeamten ausgebildet. Es werde separat geprüft, welche Waffen zum Einsatz 
gelangten, wobei eine Dienstpistole und Schrotwaffen immer mitgeführt würden. 
Über das Mitführen befinde der Truppenchef, eventuell der Chef Grenadiere. Über 
den konkreten Gebrauch im Einzelfall hingegen entscheide der Polizeibeamte 
selber. Dr. M. R. führte weiter aus, bei seinem Erscheinen um 10.30 Uhr sei der 
Pikettoffizier für den Einsatz verantwortlich gewesen, unterstützt durch den Chef 
Sicherheitspolizei, den Chef Grenadier, dessen Stellvertreter und einen Vertreter 
der Fahndung C.. Diese hätten sich 20 bis 30 Meter südlich der K. am S. befunden. 
Der Stoss der Grenadiere in die Wohnung K.s sei bereits im Gange gewesen. Er 
habe darauf keinen Einfluss mehr ausgeübt. Vielmehr sei er durch den Pikettoffizier 
über die Ereignisse orientiert worden. Sie hätten wegen der verwendeten Muntion 
und der Einschüsse im Restaurant R. davon ausgehen müssen, dass der Täter ein 
Sturmgewehr verwendet habe. Das Trefferbild habe auf Seriefeuer schliessen 
lassen. Er habe nach der Orientierung erfahren, dass der Zugriff gescheitert sei, der 
Polizeihund tot sei und der Grenadier C. schwer verletzt worden sei. Der 
Pikettoffizier habe versucht, die Lage zu beruhigen. Er selbst habe die Situation vor 
Ort in Augenschein genommen, das Gefährdungspotential abgeschätzt und die 
Führungskräfte zum Restaurant R. hinaufbeordert. Alsdann sei die M. gesperrt und 
die sofortige Einstellung des Betriebs der B. angeordnet worden. Im Restaurant R. 
sei dann eine Lagebeurteilung vorgenommen worden. Später sei die K. abgesperrt 
worden. Er habe die Kommandoposten am S. und am R. vereint. Dort hätten sich 
in der Folge der Pikettoffizier, der Chef Sicherheitspolizei, der Chef 
Fahndungsdienste, der Stellvertreter Präzisionsschützen, der Stellvertreter des 

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Chefs Sicherheitspolizei sowie der diensthabende Untersuchungsrichter 
aufgehalten. Des Weiteren sei ein Psychologe eingeschaltet worden. Dann habe er 
für die Entschlussfassung zum Schiessbefehl Wissen erschlossen. Dafür habe er 
Informationen über das Umfeld des Täters beschafft, verschiedene 
Vorgehensweisen mit Vor- und Nachteilen und deren Chancen in Erwägung 
gezogen. Dies habe er mit Fachleuten besprochen. Insbesondere ein 
Reizstoffeinsatz sei nach dem Beamten S. technisch nicht möglich gewesen. Ein 
solcher wirke auch nicht innert Sekunden und könne unberechenbare Reaktionen 
auslösen. Eine vollständige Evakuation des Mehrfamilienhauses am S. sei bis 17.00 
Uhr ausgeschlossen gewesen, da einige Bewohner an der Wohnungstüre K.s 
hätten vorbeigehen müssen. Für diese seien telefonische Warnungen 
ausgesprochen worden. Ein zweiter Zugriff sei geprüft worden, habe aber nur über 
die Eingangstüre vollzogen werden können. Dessen Risiko sei als zu gross erachtet 
worden. Die Geschehnisse hätten die Grundlage für den Schiessbefehl gebildet, 
wobei auch die verworfenen Varianten in die Beschlussfassung eingeflochten seien. 
Ziel des Schiessbefehls sei nicht die Verhaftung K.s gewesen, sondern die 
Eliminierung der von ihm ausgehenden Gefahr. Dieser Schiessbefehl habe andere 
Möglichkeiten sozusagen überlagert und nicht ersetzt. Mit dem Befehl, der Täter sei 
zu neutralisieren, wenn er mit der Waffe erscheine, sei bezweckt worden, dass der 
Täter mit Sicherheit nicht mehr von seiner Waffe Gebrauch machen könne. Dieser 
Befehl habe sich auf verschiedene mögliche Örtlichkeiten bezogen, an denen K. 
hätte erscheinen können. Mit den bestehenden Voraussetzungen sei aber der Tod 
K.s in Kauf genommen worden. Der Schiessbefehl habe sich an alle Polizeikräfte 
gerichtet, nämlich an die Grenadiere, die Präzisionsschützen sowie die Polizeikräfte 
der Fahndung C.. Befehlsempfänger seien die Führungskräfte Chef Grenadier, 
Pikettoffizier und Chef Sicherheitspolizei gewesen. Über Funk oder mündlich sei der 
Schiessbefehl alsdann auf die untere Ebene weitergeleitet worden. Der Befehl habe 
für die Präzisionsschützen gleich gelautet. Danach sei der Stellvertreter Chef 
Präzisionsschützen an ihn herangetreten und habe ihn darauf aufmerksam 
gemacht, dass die Waffen noch nicht eingeschossen seien und der Schiessbefehl 
von den Präzisionsschützen so nicht erfüllt werden könne. Darauf sei der Befehl für 
die Präzisionsschützen insoweit angepasst worden, als sie nur zu schiessen hätten, 
wenn der Täter Anstalten treffe, die Waffe zu gebrauchen. Damit habe verhindert 
werden sollen, dass weitere Polizisten und Dritte gefährdet würden. Für die anderen 
Polizeikräfte habe keine Einschränkung bestanden. Das bisherige Täterverhalten 
habe keinen anderen Schluss zugelassen, als dass beim Erscheinen mit der 
Schusswaffe nicht abgewartet werden könne, bis der Täter die Waffe im Anschlag 
habe oder einen Schuss daraus abgebe. Es habe nicht jedem Polizeibeamten 

22

genaue Anweisungen für jede Situation gegeben werden können, sondern sei ein 
grundsätzlicher Befehl für den Fall einer Notwehr- oder Notwehrhilfesituation 
ergangen. Die Einschränkung bezüglich eines Anstaltentreffens sei bewusst 
ausgeschlossen worden. Es seien Teilmantelgeschosse verwendet worden, die 
sich deformierten und grössere Verletzungen hervorrufen würden und eine grössere 
Mannstoppwirkung hätten. Das Risiko eines Durchschusses entfalle im 
wesentlichen. Wenn das Geschoss gleichwohl wieder austrete, entfalte es kaum 
eine Gefahr mehr. Besonders bei engen Verhältnissen sei diese Munition vorteilhaft. 
Vollmantelmunition gefährde unbeteiligte Dritte, ermögliche ein Zurückschiessen 
des Täters und bringe die Gefahr von Querschlägern mit sich. Die Verwendung von 
Teilmantelmunition liege in der Doktrin von Grenadieren, Präzisionsschützen und 
anderer Spezialeinheiten und sei seit Jahrzehnten üblich. Darüber seien auch die 
Präzisionsschützen orientiert gewesen. Dies sei Teil ihres Ausbildungsprogramms. 
Auch wenn in Ziff. 7 des Dienstbefehls 1998 die Munition im Einzelfall bestimmt 
werde, liege der Gebrauch von Teilmantelmunition in der Doktrin. Aufgrund des 
Wortlautes des Schiessbefehls habe kein Zweifel bestanden, dass bei einem 
Schuss mit Teilmantelmunition mit der Todesfolge gerechnet werden müsse. Alle 
Beteiligten hätten es auch eindeutig so verstanden.

Der um 12.00 Uhr aufgebotene Polizeipsychologe W. sei um 13.00 Uhr beim 
Kommandoposten eingetroffen. W. sei den ganzen Nachmittag über sein engster 
Berater gewesen, insbesondere als die Phase der Kontaktaufnahme eingeleitet 
worden sei. Diesen ins Treppenhaus zu schicken, sei als zu risikoreich erachtet 
worden, ebenso wie eine direkte Konfrontation von E. K. mit Angehörigen, 
insbesondere mit der Mutter. Für den Versuch von telefonischen Kontaktaufnahmen 
habe er sich mit dem Polizeipsychologen ins Auto zurückgezogen. W. sei immer in 
seiner Begleitung gewesen. Sie hätten sich immer wieder beraten und gegenseitig 
die Meinung ausgetauscht. Es sei für sie nicht abschätzbar gewesen, welcher 
Anlass dem Verhalten von K. zugrunde gelegen habe, ob etwa von einem 
Ausnahmezustand des Täters oder von einem Konsum von Drogen habe 
ausgegangen werden müssen. Aus psychologischer Sicht habe eine 
Ausnahmesituation und eine Unberechenbarkeit bestanden. Es habe keine festen 
Anhaltspunkte für das Verhalten gegeben.

Hinsichtlich der Ereignisse nach 17.30 Uhr führte Dr. M. R. aus, der Chef 
Präzisionsschützen sei ein erfahrener Mann. Jeder Präzisionsschütze sei in einer 
Grund- und Fortbildung geschult, in welcher auch die Frage der 
Verhältnismässigkeit behandelt werde. Es würden zweierlei Aufträge an 

23

Präzisionsschützen erteilt, nämlich einerseits Niederhaltefeuer, und andererseits 
Schussabgaben auf einen Täter. Letztere hätten meist den Auftrag, den Täter zu 
töten. Der Entschluss obliege der Polizeiführung, nämlich dem Leiter 
Präzisionsschützen und dem Zugriffschef. Jeder Polizeibeamte müsse sich zwar die 
Frage der Verhältnismässigkeit stellen. Weil Präzisionsschützen jedoch nur diese 
Teilaufgabe erledigen müssten, könnten sie die Konsequenzen der ihnen erteilten 
Befehle nicht abschätzen. Bei den Voraussetzungen des Schiessbefehls müssten 
die Präzisionsschützen daher nicht im Einzelnen überprüfen, ob ein Schuss 
gerechtfertigt sei, es sei denn, die Situation präsentiere sich anders, etwa wenn ein 
Täter ohne Waffe erscheine. Daher hätte der Präzisionsschütze vorliegend gar nicht 
mehr rückfragen müssen. An sich wäre dieser verpflichtet gewesen, sofort zu 
schiessen, und hätte keine Wahlfreiheit besessen. Hätte sich die Situation aber 
geändert, hätte er von sich aus auf einen Schuss verzichten können. Der Chef 
Grenadier U. N. sei gut ausgebildet, verfüge über langjährige Erfahrung und erteile 
Grenadierkurse beim Ostschweizer Polizeikonkordat. 

Dr. M. R. machte geltend, der erste Schiessbefehl sei immer wieder überprüft 
worden. Es habe sich inhaltlich aber nichts geändert. Er selbst habe den Platz um 
16.30 bis 17.00 Uhr verlassen, um an eine Medienkonferenz zu gehen und 
andererseits Ablösungen in Empfang zu nehmen. Die Führung habe er dem Chef 
Sicherheitspolizei, S. R., übergeben, der immer im KP-Front gewesen sei und alles 
mitbekommen habe. Sie seien den ganzen Tag über miteinander in Kontakt 
gewesen. R. habe die volle Funktion übernommen, sei sein Stellvertreter vor Ort 
gewesen und habe eigenständige Befugnisse für alles gehabt. Bei einer 
veränderten Situation hätte er den Schiessbefehl selbständig aufheben oder 
abändern können. Er habe R. keinerlei Auflagen gemacht. Die laufende 
Überprüfung der Lage habe während seiner Abwesenheit R. oblegen. Solange sich 
aber keine äusseren Anzeichen der Veränderung ergeben hätten, erachte er sich 
für den zur Zeit des Todesschusses bestehenden Grundbefehl weiterhin 
verantwortlich. Er hätte an Stelle R.s nicht anders entschieden. Wenn ihm nun 
vorgeworfen werde, ungenügende Vorkehrungen bezüglich Absperrungen getroffen 
zu haben, sei zu beachten, dass die gesamte Gefährdung von der Wohnung K.s, 
das heisst vom Balkon, dem Küchenfenster oder der Haustüre ausgegangen sei. K. 
habe über hunderte von Metern gezielte und über Kilometer ungezielte Schüsse 
abgeben können. Keinesfalls sei ein Schusswaffengebrauch in der Nähe von 
Schaulustigen geplant gewesen sei. Als er sich zur Medienkonferenz entfernt habe, 
habe sich die Situation nicht zugespitzt gehabt. Die Schüsse seien erst später 
gefallen. Er habe überdies auch neu ankommende Grenadiere in Empfang und 

24

deren Einsatz organisieren müssen. Die Stellvertretung sei während dieser Zeit 
vollumfänglich sichergestellt gewesen.

In seinem Schlusswort führte der Angeklagte aus, sein Entschluss zum 
Schiessbefehl sei nach reiflicher Überlegung und aufgrund einer Beurteilung der 
Lage erfolgt, die laufend überprüft worden sei. Er habe nach bestem Wissen und 
Gewissen gehandelt. Das Ziel sei gewesen, die Gefahr zu eliminieren und nicht den 
Täter zu töten. Er bedaure, dass der Einsatz mit so viel Leid für Angehörige und 
direktbeteiligte Polizeibeamten verbunden gewesen sei.

Auf die weiteren Ausführungen in den Plädoyers und auf die richterliche 
Befragung des Angeklagten wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden 
Erwägungen eingegangen.

Die Strafkammer zieht in Erwägung :

1. M. R. wurde mit Anklageverfügung vom 1. Dezember 2001 wegen 
vorsätzlicher Tötung gemäss Art. 111 StGB in den Anklagezustand versetzt. Nach 
Art. 45 Abs. 1 lit. a StPO beurteilt das Kantonsgericht als erstinstanzliches Gericht 
alle Verbrechen, welche mit Zuchthaus über fünf Jahre bedroht sind. Massgebend 
für die sachliche Zuständigkeit ist allein die abstrakte Strafdrohung der eingeklagten 
Tat (PKG 1965 Nr. 41; Padrutt, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons 
Graubünden [StPO], 2. Aufl., C. 1996, S. 29). Auf die beantragte Strafe kommt es 
nicht an. Die vorsätzliche Tötung nach Art. 111 StGB ist mit einer Strafe von 
Zuchthaus nicht unter fünf Jahren bedroht. Das Kantonsgericht ist folglich für die 
vorliegende Streitsache zuständig.

2.a) Nach Art. 111 StGB wird, wer vorsätzlich einen Menschen tötet, ohne 
dass eine der besonderen Voraussetzungen (Art. 112 f. StGB) der nachfolgenden 
Artikel zutrifft, mit Zuchthaus nicht unter fünf Jahren bestraft. Diese Bestimmung 
setzt voraus, dass der Tod eines anderen Menschen verursacht wird. In subjektiver 
Hinsicht ist Vorsatz erforderlich. Als solcher gilt bei Art. 111 StGB auch ein 
Eventualvorsatz. Eine Tat begeht vorsätzlich, wer diese mit Wissen und Willen 
ausführt. Zum Vorsatz gehört dabei nur das auf die objektiven Merkmale des 
Deliktstatbestandes bezogene Wissen und Willen, nicht aber auch das Bewusstsein 
der Rechtswidrigkeit oder gar dasjenige der Strafbarkeit (BGE 107 IV 192, 99 IV 58 
f.). Eventualvorsatz liegt vor, wenn der Täter den als möglich vorausgesehenen 
Erfolg für den Fall seines Eintrittes billigt, sich mit ihm abfindet oder ihn in Kauf 

25

nimmt. Die Beweislast für die dem Angeklagten zur Last gelegte Tat liegt 
grundsätzlich beim Staat (Schmid, Strafprozessrecht, 3. Aufl., Zürich 1997, N 278).

b) Dass der objektive Tatbestand mit der Tötung von E. K. durch einen 
gezielten Schuss eines Präzisionsschützen in den Köpf erfüllt ist, bedarf keiner 
weiteren Erläuterung. In subjektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass ein Vorsatz zur 
Tötung klar gegeben ist. Wie sowohl der Angeklagte an der mündlichen 
Hauptverhandlung als auch die untersuchungsrichterlich einvernommenen 
Polizeibeamten zu Protokoll gegeben haben, lautete der vom Angeklagten 
erlassene Befehl dahingehend, dass E. K. zu neutralisieren sei, wenn er mit der 
Waffe erscheine. Der Angeklagte führte anlässlich der Hauptverhandlung sowie in 
den Einvernahmen selbst aus, dass mit dem Begriff “neutralisieren” ein 
Kampfunfähigmachen verstanden wird. Unter den gegebenen Umständen habe im 
Falle des Erscheinens von E. K. mit der Waffe nur ein Todesschuss gemeint sein 
können (act. 3.1.1. S. 6). Dies geht auch aus der Verwendung von Teil-
mantelmunition durch die Präzisionsschützen hervor, bei welcher mit der 
Todesfolge gerechnet werden muss. Folglich war dem Angeklagten und den 
Polizeikräften bewusst, dass mit einer Schussabgabe auf E. K. mit der Waffe 
dessen Tod bewirkt werden sollte. Die Tötung war der Zweck der Schussabgabe 
und wollte damit erreicht werden. Da qualifizierende Merkmale im Sinne von Art. 
112 StGB oder Art. 113 StGB nicht vorliegen, ist der Grundtatbestand der 
vorsätzlichen Tötung sowohl in objektiver als auch in subjektiver Hinsicht erfüllt (vgl. 
Rehberg/Schmid, Strafrecht III, 7. Aufl., Zürich 1997, S. 1 ff.).

3.a) Die Erfüllung des Tatbestandes von Art. 111 StGB hat nicht in jedem Fall 
zur Folge, dass der Täter schuldig zu sprechen und zu bestrafen ist. Dazu muss die 
Tat auch rechtswidrig sein. Dies ist bei einer Tötung zwar in der Regel der Fall. Aus 
Art. 32 ff. StGB ergibt sich aber, dass ein normwidriges Verhalten ausnahmsweise 
durch einen besonderen Rechtssatz, den sogenannten Rechtfertigungsgrund, 
erlaubt wird. Rechtswidrig ist ein tatbestandsmässiges Verhalten folglich erst, wenn 
es nicht durch einen Rechtfertigungsgrund gedeckt wird.

b) Nach Art. 32 StGB ist eine Tat, die das Gesetz oder eine Amts- oder 
Berufspflicht gebietet, oder die das Gesetz für straflos erklärt, kein Verbrechen oder 
Vergehen. Das Gesetz, welches das Gebot oder die Erlaubnis enthält, braucht kein 
Bundesgesetz, auch kein Gesetz im formellen Sinne zu sein. Zur Rechtfertigung 
kann sich der Täter vielmehr auf jeden Rechtssatz berufen, gleichviel, ob dieser in 
einem Gesetz oder in einer Verordnung, in einem eidgenössischen oder kantonalen, 

26

zivil- oder öffentlichrechtlichen Erlass enthalten ist (BGE 94 IV 5 ff., 85 IV 5). Blosse 
Verwaltungsvorschriften liess das Bundesgericht bisher genügen, da Art. 32 StGB 
durch Amtspflicht gebotenes Handeln ebenfalls als Rechtsfertigungsgrund 
anerkennt, die Amtspflichten aber, was dem Gesetzgeber nicht entgangen sein 
kann, bei weitem nicht alle in gesetzlichen Bestimmungen geregelt sein können. 
Gerade kantonale Vorschriften über den Waffengebrauch der Polizei sind häufig in 
blossen Dienstanweisungen oder Dienstreglementen zu finden (vgl. 
Rehberg/Donatsch, Strafrecht I, 7. Aufl., Zürich 2001, S. 204; a.M. Schubarth, 
Kommentar zum schweizerischen Strafrecht, Schweizerisches Strafgesetzbuch, 
Besonderer Teil, Bd. I, Art. 111 - 136 StGB, Bern 1982, S. 72.) 

Ist eine Situation strafrechtlich zu beurteilen, in der ein Polizeibeamter seine 
Schusswaffe präventiv gebraucht, weil ein gefährlicher Angriff auf ihn, seine 
Kollegen oder Dritte durchgeführt wird oder diese mit einem solchen Angriff bedroht 
werden, stellt dies aber einen Fall der Notwehr dar. Die Zulässigkeit der Notwehr ist 
auch für Polizeibeamte strafrechtlich ausschliesslich nach Art. 33 StGB zu würdigen 
(Noll, Die Rechtfertigungsgründe im Gesetz und in der Rechtsprechung, in: ZStrR 
80 1964 S. 160; Walder, Vorsätzliche Tötung, Mord und Totschlag, Art. 111 - 113 
StGB, in: ZStrR 96 1979 S. 113 ff., S. 132 f.). Entsprechende Dienstvorschriften 
haben lediglich die Funktion, die verwaltungsrechtliche Grundlage für einen 
Waffengebrauch zu schaffen. Art. 33 StGB lässt sich durch das kantonale Recht 
aber weder ausdehnen noch einschränken (BGE 115 IV 164; Rehberg, Über den 
Schusswaffengebrauch der Polizei in strafrechtlicher Sicht, Kriminalistik 1976 S. 
563 ff., 1977 S. 35 ff., S. 81 ff. und S. 128 ff., 1977 S. 37; Hug, 
Schusswaffengebrauch durch die Polizei, Diss., Zürich 1980, S. 32 ff.).

c)aa) Wird jemand ohne Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem 
Angriffe bedroht, so ist der Angegriffene und jeder andere berechtigt, den Angriff in 
einer den Umständen angemessenen Weise abzuwehren (Art. 33 Abs. 1 StGB). Für 
den Polizeibeamten dürfen in Bezug auf den drohenden Angriff und seine Abwehr 
keine einschränkenderen Voraussetzungen aufgestellt werden. Wenn er von 
Berufes wegen sich besonderer Gefahren aussetzt, so muss ihm umso mehr 
zugebilligt werden, sich gegen die Verwirklichung der Gefahr zu wehren, wenn sie 
in einem unrechtmässigen Angriff auf seine Person oder auf Dritte besteht. 

bb) Für die Zulässigkeit der Notwehr bedarf es einer Notwehrlage, welche 
durch einen gegenwärtigen oder unmittelbar drohenden rechtswidrigen Angriff 
begründet sein muss. Der Angriff kann auf ein beliebiges persönliches Rechtsgut 

27

abzielen, wobei der Angreifer das Rechtsgut nicht mit Wissen und Willen 
beeinträchtigen oder bedrohen muss. Eine Strafbarkeit ist nicht erforderlich, die 
Rechtswidrigkeit genügt (Dubs, Notwehr, in: ZStrR 89 1973 S. 337 ff., S. 344). Am 
Notwehrrecht ändert sich auch dann nichts, wenn ein Bedrohter Anlass zum Angriff 
durch schuldhaftes Verhalten gegeben hat. Selbst wenn der Angegriffene zudem 
die Möglichkeit eines Angriffes vorausgesehen hat, ist er nicht verpflichtet, dem 
Angriff aus dem Wege zu gehen (BGE 104 IV 56, 102 IV 230; Dubs, a.a.O., S. 352). 
Nur bei einer vorsätzlichen Provokation des Angriffes fehlt es am erforderlichen 
subjektiven Rechtfertigungselement (Rehberg, Strafrecht I, S. 149; Trechsel, a.a.O., 
N 11 zu Art. 33 StGB; Stratenwerth, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Allgemeiner 
Teil I, 2. Aufl., Bern 1996, S. 237). Es stellt aber keinerlei Provokation dar, wenn der 
Angegriffene den Angriff voraussieht und sich zur Verteidigung rüstet, ihn aber nicht 
durch vorwerfbares Verhalten veranlasst. In solchen Fällen die Notwehr zu 
beschränken, besteht kein Grund (BGE 102 IV 230; Stratenwerth, Allgemeiner Teil 
I, S. 237). 

In zeitlicher Hinsicht ist vorausgesetzt, dass ein Angriff unmittelbar drohen 
oder bereits im Gange sein muss. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung 
müssen dafür jedenfalls Anzeichen einer Gefahr vorhanden sein, die eine 
Verteidigung nahe legen, zum Beispiel der Angreifer eine drohende Haltung 
annimmt, sich zum Kampfe vorbereitet oder Bewegungen macht, die in diesem 
Sinne gedeutet werden können (BGE 93 IV 83; Rehberg, Strafrecht I, S. 150; 
Rehberg, Kriminalistik 1977, S. 37). Der Angegriffene braucht dabei nicht zu warten, 
bis es zu spät ist, sich zu wehren (Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, 
Kurzkommentar, 2. Aufl., Zürich 1997, N 6 zu Art. 33 StGB; Dubs, a.a.O., S. 343). 
Die Wirksamkeit der Verteidigung hängt nämlich gerade davon ab, ob der 
Angegriffene dem Angreifer zuvorkommt (Dubs, a.a.O., S. 342). Die Bestimmung 
des Zeitpunktes des drohenden oder im Gange befindlichen Angriffes ist aber 
heikel. Eine Abwehr ist zulässig, sobald mit einem Angriff ernstlich zu rechnen ist 
und jedes weitere Zuwarten die Verteidigungschance gefährdet (Trechsel, a.a.O., 
N 6 zu Art. 33 StGB). Dass der Angreifer in diesem Zeitpunkt an sich durchaus noch 
auf den Angriff verzichten kann und somit theoretisch nicht feststeht, ob der Angriff 
eventuell auch bei Fehlen der Abwehr nicht erfolgt wäre, schliesst die Anwendung 
von Art. 33 StGB nicht aus. Unmittelbar drohend ist ein Angriff nicht erst dann, wenn 
es für den drohenden Angreifer kein Zurück mehr gibt, sondern schon dann, wenn 
der Bedrohte nach den gesamten Umständen mit dem sofortigen Angriff rechnen 
muss (Dubs, a.a.O., S. 343). Unzulässig sind demgegenüber Handlungen, die 
darauf gerichtet sind, einem zwar möglichen, aber noch unsicheren Angriff in 

28

präventiver Weise vorzubeugen (BGE 93 IV 81). Eine Notwehrlage wiederum 
besteht nur so lange, wie der Angriff andauert. Ist dieser aufgegeben worden oder 
aber die mit dem Angriff verbundene Verletzung von Rechtsgütern bereits 
abgeschlossen, stehen dem Angegriffenen aus Art. 33 StGB keine Befugnisse mehr 
zu. Wann ein Angriff auf ein bestimmtes Rechtsgut als abgeschlossen zu gelten hat, 
lässt sich freilich nicht einheitlich beurteilen und kann im Einzelfall fraglich sein. 
Nach der Rechtsprechung hat der Angriff etwa so lange als gegenwärtig zu gelten, 
als die Zufügung einer neuen oder die Vergrösserung der bereits eingetretenen 
Verletzung durch das Verhalten des Angreifers unmittelbar bevorsteht (BGE 102 IV 
4; Stratenwerth, Allgemeiner Teil I, S. 291; Rehberg, Strafrecht I, S. 151). 

Zu beachten ist, dass sich die Notwehr nur gegen den Angreifer richten und 
nur zum Zwecke der Abwehr des Angriffes verübt werden darf. Der sich auf die 
Notwehr berufende Täter muss sich überdies der Notwehrlage bewusst sein und mit 
dem Willen zur Verteidigung handeln (Rehberg, Strafrecht I, S. 154). 

cc) Eine Notwehrhandlung muss in zweierlei Hinsicht den Grundsatz der 
Verhältnismässigkeit wahren. Einerseits muss die Abwehr insoweit angemessen 
sein, als die Mittel verhältnismässig sind, die es braucht, um den Angriff 
zurückzuschlagen. Dies beurteilt sich nach den Umständen des Einzelfalls, 
namentlich nach dem Grund und der Art der Massnahme sowie den Mitteln und der 
Zeit, die dem Handelnden zur Verfügung stehen. Zulässig ist nur das mildeste 
erfolgversprechende Mittel, das heisst, dasjenige, das den Angreifer am wenigsten 
verletzt (Stratenwerth, Allgemeiner Teil I, S. 234). Weniger gefährliche Mittel dürfen 
dem Angegriffenen nicht zur Verfügung stehen (BGE 107 IV 15; Trechsel, a.a.O., N 
10 zu Art. 33 StGB). Besondere Zurückhaltung ist geboten bei der Abwehr mit 
gefährlichen Werkzeugen, deren Verwendung stets die Gefahr schwerer oder gar 
tödlicher Verletzungen mit sich bringt wie bei Schusswaffen. Angemessen ist die 
Abwehr mit einer Schusswaffe, wenn der Angriff nicht mit anderen weniger 
gefährlichen und zumutbaren Mitteln hätte abgewendet werden können, der Täter 
soweit möglich gewarnt worden ist und der Abwehrende vor Einsatz des 
gefährlichen Werkzeuges das Nötige zur Vermeidung einer übermässigen 
Schädigung vorgekehrt hat (BGE 107 IV 15). Ihm muss es aber gestattet sein, statt 
unsicherer sogleich voraussichtlich sichere Mittel einzusetzen, wenn es sonst für 
eine Gegenwehr zu spät sein könnte (Stratenwerth, Allgemeiner Teil I, S. 234). In 
diesem Zusammenhang sind auch die Fähigkeiten des Notwehrtäters in die 
Überlegungen miteinzubeziehen (vgl. BGE 102 IV 68).

29

dd) Andererseits muss geprüft werden, ob das Verhältnis zwischen dem Wert 
des angegriffenen und des vom Verteidiger verletzten Rechtsgutes angemessen ist 
(BGE 107 IV 15). Selbst wenn der Notwehrtäter sich der ungefährlichsten oder 
einzig erfolgversprechenden Verteidigungsart bedient, muss die Abwehrhandlung 
dem Grundsatz der Proportionalität wenigstens insofern entsprechen, als die durch 
den Angriff einerseits und durch die Abwehr andererseits drohenden 
Rechtsgüterverletzungen nicht in einem offensichtlichen Missverhältnis stehen 
(Rehberg, Strafrecht I, S. 155). 

ee) In der Beurteilung der Abwehr darf jedoch nicht abschliessend auf die 
von Angreifer und Verteidiger tatsächlich verursachten oder gewollten 
Rechtsgutverletzungen abgestellt werden. Massgebend sind die Schädigungen, mit 
welchen der Notwehrtäter aufgrund der konkreten Situation im Zusammenhang mit 
dem Angriff beziehungsweise als Folge seiner Abwehr zu rechnen hat. Dies muss 
nach der Situation beurteilt werden, in der sich der rechtswidrig Angegriffene im 
Zeitpunkt der Tat befindet; insbesondere muss berücksichtigt werden, dass einem 
Angegriffenen in einer bedrängten Lage oft nur wenig Zeit zur Überlegung und zur 
Wahl seiner Mittel verbleibt (Dubs, a.a.O., S. 344; Noll, a.a.O., S. 160 ff.). 
Angemessenheit und Rechtfertigung des Verhaltens beurteilen sich nicht nach dem 
Sachverhalt, wie er sich nachträglich dem Richter darstellt; massgebend ist 
vielmehr, was der Beamte im Zeitpunkt, als er sich zum Gebrauch der Waffe 
entschlossen hat, von der Sachlage hat halten müssen (BGE 94 IV 9; Hug, a.a.O., 
S. 36). Nur wenn es für den Notwehrtäter offensichtlich ist, dass die Abwehr über 
das Notwendige hinausgeht oder in keinem angemessenen Verhältnis zum Angriff 
steht, darf sie als ungerechtfertigt betrachtet werden (BGE 107 IV 15; Rehberg, 
Strafrecht I, S. 156).

d) Wie bereits erwähnt, beurteilt sich die Zulässigkeit eines gezielten 
Todesschusses als präventive Notwehrhandlung immer nur nach Art. 33 Abs. 1 
StGB. Die Berechtigung zu einer entsprechenden Notwehr steht dabei jedem 
Angegriffenen, aber auch jedem anderen, der Notwehrhilfe leistet, zu. Die Abwehr 
von Angriffen auf Dritte wird gerade bei Schusswaffengebrauch meist von der 
Polizei geleistet. Diese ist bereits ihrer Aufgabe entsprechend verpflichtet, die 
polizeiliche Notwehrhilfe im Zusammenhang mit der Abwehr von Angriffen auf 
Drittpersonen zu leisten. Es handelt sich strafrechtlich gesehen um einen Fall von 
Notwehrhilfe. Damit sind die Voraussetzungen der Notwehr auch auf die Abwehr 
von Angriffen durch die Polizei anzuwenden. Die in den Kantonen erlassenen 
Musterdienstreglemente spielen in diesem Zusammenhang wie erwähnt nur 

30

insoweit eine Rolle, als sie letztlich eine Wiedergabe der Verhältnismässigkeit 
darstellen. Die Zulässigkeit der Notwehr richtet sich unabhängig davon immer nach 
den Voraussetzungen von Art. 33 Abs. 1 StGB.

4. Vorliegend wurde gegenüber E. K. ein gezielter Todesschuss abgegeben. 
Es fragt sich vorab, ob die Tötung eines Menschen als schwerster Eingriff in seine 
Rechtsgüter überhaupt im Rahmen einer zulässigen Notwehr liegen kann.

a) Das Leben ist das höchste Rechtsgut des Menschen und durch Art. 10 BV 
geschützt. Das heisst aber nicht, dass in dieses Rechtsgut in keinem Fall 
eingegriffen werden darf. Der Inhalt und zugleich Kerngehalt des Rechts auf Leben 
besteht darin, dass der Tod eines Menschen nie das primäre Ziel eines staatlichen 
Handelns sein darf (Rhinow, Die Bundesverfassung 2000, Eine Einführung, 
Basel/Genf/München 2000, S. 107). In Notwehr- oder Notstandsfragen kann die 
Tötung eines Menschen jedoch das einzig verfügbare Mittel sein, um eine 
unmittelbare, schwere Gefahr für das Leben eines anderen Menschen 
abzuwenden. In solchen Fällen widersprechen sich die Ansprüche zweier 
Menschen, zu leben, unversöhnlich. Ein grundrechtlicher Kerngehalt kann diese 
Problematik nicht lösen. Daher berührt die absichtliche Tötung in Notwehr den 
Kerngehalt des Rechts auf Leben nicht (Schefer, Die Kerngehalte von 
Grundrechten, Bern 2001, S. 406 f.). Die bewusste Tötung eines Menschen durch 
die Polizei bei Ausübung von Notwehr und Notwehrhilfe bildet daher nicht zum 
vornherein einen Verstoss gegen das verfassungsmässig geschützte Recht auf 
Leben. Auch Art. 2 Abs. 2 lit. a EMRK erachtet den gezielten Todesschuss beim 
Schusswaffengebrauch durch die Polizei dann als zulässig, wenn er absolut 
notwendig und verhältnismässig ist, er sich mit anderen Worten aus einer unbedingt 
erforderlichen Gewaltanwendung ergibt, um die Verteidigung eines Menschen 
gegenüber rechtswidriger Gewaltanwendung sicherzustellen 
(Haefliger/Schürmann, Die Europäische Menschenrechtskonvention und die 
Schweiz, 2. Aufl., Bern 1999, S. 60; Villiger, Handbuch der Europäischen 
Menschenrechtskonvention [EMRK], 2. Aufl., Zürich 1999, N 269 f.; Lagodny, in: 
Internationaler Kommentar zur Europäischen Menschenrechtskonvention, 
Köln/Berlin/Bonn/München, 5. Lieferung 2002, N 64 ff. zu Art. 2 EMRK; Trechsel, 
a.a.O., N 10; Hug, a.a.O., S. 234; Stratenwerth, Allgemeiner Teil I, S. 236).

b) Die Abwehr eines Angriffes durch den Gebrauch einer Schusswaffe muss 
den Umständen angemessen sein. Es darf im Sinne der Subsidiarität kein weniger 
gefährliches Mittel zur Verfügung stehen. Die Verteidigung mit einer Schusswaffe 

31

muss sich grundsätzlich darauf beschränken, den Angreifer angriffsunfähig zu 
machen (Hug, a.a.O., S. 257). Was unter Angriffsunfähigkeit zu verstehen ist, hängt 
dabei von der Art und den konkreten Umständen des Angriffes ab. Macht der 
Angreifer von seiner Schusswaffe Gebrauch oder droht ein entsprechender Angriff, 
kann seine Angriffsunfähigkeit je nach Situation nur mit seiner sofortigen Tötung 
herbeigeführt werden. Eine Angriffs- bzw. Kampfunfähigkeit ist dann realisiert, wenn 
dieser nicht mehr in der Lage ist, mit seiner Waffe eine gezielte Schussabgabe 
vorzunehmen. Insbesondere die Waffe des Angreifers sowie die örtlichen 
Gegebenheiten sind von ausschlaggebender Bedeutung. Wird zur Durchführung 
eines Angriffs vom Täter eine Schusswaffe verwendet, so stellt sich regelmässig die 
Frage, ob diesem mit einem gezielten Schuss in die Beine zu begegnen ist und 
dadurch die Angriffsunfähigkeit des Angreifers herbeigeführt werden kann. 
Verwendet ein Angreifer eine Schusswaffe, so wird ihn ein Treffer in die Beine 
möglicherweise nicht davon abhalten, gezielte Schüsse gegenüber der Polizei oder 
Drittpersonen abzugeben. Die einigermassen sichere Angriffsunfähigkeit kann unter 
Umständen nur durch einen lebensgefährlichen oder tödlichen Treffer in den Rumpf 
erreicht werden, wobei selbst bei einer lebensgefährlichen Verletzung nicht 
ausgeschlossen werden kann, dass der Angreifer seinen Angriff mit einer 
Schusswaffe verwirklichen beziehungsweise fortsetzen kann. Der gezielte 
Todesschuss als grösster Eingriff in das Rechtsgut eines Menschen darf fraglos nur 
in extremen Ausnahmesituationen als ultima ratio vorgenommen werden, wenn ein 
weniger weit gehender Waffengebrauch des Notwehrtäters den angestrebten Erfolg 
zum Schutz gewisser Rechtsgüter nicht sicherzustellen vermag (Hug, a.a.O., S. 70). 
Eine gewollte Tötung muss letztes und einzig erfolgversprechendes Mittel sein und 
darf nur durchgeführt werden, wenn alle anderen zur Verfügung stehenden milderen 
Mittel versagen oder nach den Umständen nicht in Betracht fallen (Hug, a.a.O., S. 
273).

Das Gut des Angreifers, in welches zur Verteidigung eingegriffen wird, muss 
nach dem Grundsatz der Proportionalität in einem angemessenen Verhältnis zum 
bedrohten Rechtsgut stehen. Was die bedrohten Rechtsgüter anbelangt, so ist eine 
gewollte Tötung nur zulässig, wenn damit die Gefahr einer schwerwiegenden 
Verletzung der körperlichen Unversehrtheit oder ein Angriff auf das Leben 
abgewendet werden kann (Hug, a.a.O., S. 273; Stratenwerth, Allgemeiner Teil I, S. 
236). 

c) Die Lehre hat soweit ersichtlich, für die Fälle des gezielten Todesschusses 
zur präventiven Notwehr immer nur den Fall der Geiselnahme als klassische Lage 

32

der Notwehrhilfe verwendet, in welchem der Geiselnehmer die Tötung oder schwere 
Körperverletzung seiner Geisel ankündigt, für den Fall, dass seine Forderungen 
unerfüllt bleiben und eine dafür gesetzte Frist abgelaufen ist. Da der Geiselnehmer 
oftmals in der Lage sein wird, seine Drohung innert kürzester Zeit zu verwirklichen, 
kann seine sofortige Handlungs- und Angriffsunfähigkeit und damit eine wirksame 
Abwehr vielfach nur durch eine sofortige Tötung herbeigeführt werden, wobei die 
Geisel unter Umständen selbst in Gefahr gebracht wird. Um das gefährdete Leben 
der Geisel zu retten, wird es in solchen Fällen als zulässig erachtet, dass der 
Geiselnehmer mit Sicherheit durch gezielte Schüsse mit tödlichen Folgen 
augenblicklich zum Angriff unfähig gemacht werden kann (Rehberg, Kriminalistik 
1977, S. 39; vgl. Walder, a.a.O., S. 132 f.). Es wird freilich vorausgesetzt, dass der 
Geiselnehmer eine diesbezügliche Drohung ausgesprochen oder durch seine 
Haltung unmissverständlich zum Ausdruck gebracht hat und ernsthafte Anzeichen 
dafür vorliegen, dass er auch in der Lage ist, sie zu verwirklichen (Hug, a.a.O., S. 
153). Nicht anders kann es sich verhalten, wenn sich ein Angreifer als sogenannter 
Amokschütze betätigt oder amokähnliche Handlungen verübt oder verüben will, 
indem er wahl- und skrupellos mit einer Schusswaffe auf andere Menschen zielt. 
Ein solcher Täter stellt ein noch höheres Gefährdungspotential für Leib und Leben 
anderer Menschen dar als ein Geiselnehmer, ist er doch meist unberechenbar und 
schon von Anfang an gewillt, wahl- und skrupellos das Leben anderer zu gefährden. 
Seine Hemmschwelle zum Angriff auf das Leben anderer ist von Anfang an sehr 
tief. In solchen Fällen kann es sich selbst unter Berücksichtigung des Grundsatzes 
der Verhältnismässigkeit aufdrängen, den Angreifer augenblicklich und mit 
Sicherheit zum Angriff unfähig zu machen.

5. Das Bewirken einer sofortigen und vollständigen Angriffsunfähigkeit eines 
eine Schusswaffe bedienenden Täters hängt nicht zuletzt mit der dafür verwendeten 
Munition zusammen (Hug, a.a.O., S. 226). Zur Herbeiführung einer sofortigen 
Angriffsunfähigkeit eher ungeeignet sind die sogenannten Vollmantelgeschosse. 
Dies sind Geschosse, deren Kern von einem Mantel härteren Materials 
umschlossen ist. Diese weisen zwar eine hohe Durchschlagskraft auf. Dadurch wird 
das Risiko von Querschlägern und Splittern und die Gefährdung Unbeteiligter durch 
einen Durchschuss höher (Scholzen, Neue Munition für die deutsche Polizei, in: 
Kriminalistik 8/2000, S. 556 ff., S. 558). Da jedoch keine Geschossverformung im 
Zielkörper auftritt, werden Gewebe und Knochen in grösserem Umkreis des 
Schusskanals nicht zerstört. Ebenso geben Vollmantelgeschosse nur beschränkt 
Energie im getroffenen Körper ab. Dementsprechend sind die Verletzungen unter 
Umständen und je nach getroffenen Körperteilen oder Organen relativ gering, 

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ebenso auch die sogenannte Mannstoppwirkung. Ein getroffener Angreifer kann 
daher seine Attacken möglicherweise ohne weiteres fortsetzen (vgl. die Beispiele 
bei Scholzen, a.a.O., S. 556). Demgegenüber weisen Deformationsgeschosse 
(Teilmantelgeschosse) andere Eigenschaften auf. Sie haben eine geringere 
Durchschlagswirkung, führen hingegen durch eine Aufpilzung nach dem Eindringen 
in den Körper und eine hohe Energieabgabe im Körper eine grössere 
Verformbarkeit der Weichteile herbei. Die Wirksamkeit von 
Deformationsgeschossen hat für die getroffene Person eher ungünstige 
Verletzungsbilder zur Folge (Pfister/Kneubühl, Die Munitionswahl beim bewaffneten 
Dienst der Polizei, Kriminalistik 5/2001, S. 357 ff., S. 361). Aufgrund der geringen 
Durchschlagskraft ist die potentielle Gefährdung Dritter deutlich vermindert. Den 
Körper trotzdem durchdringende Deformationsgeschosse besitzen nämlich eine 
deutlich verringerte Restenergie (Pfister/Kneubühl, a.a.O., S. 361; vgl. zum Ganzen 
auch Hug, a.a.O., S. 227 ff.).

6.a) Vorliegend wurde E. K. am 26. März 2000 um 17.40 Uhr mit einem 
gezielten Schuss eines Präzisionsschützen getötet, nachdem er mit seinem 
Sturmgewehr 90 auf den Balkon seiner Wohnung getreten war. Bei der von den 
Präzisionsschützen verwendeten Munition handelte es sich um ein Fabrikat der 
Firma RWS mit einem 10,7 Gramm schweren Kegelspitzgeschoss. Es ist ein 
übliches Teilmantelgeschoss, wie es für Jagdzwecke zum Einsatz gelangt (act. 
8.4.1.). Es stellt sich die Frage, ob für diesen gezielten Todesschuss ein 
Rechtfertigungsgrund bestand. Ein solcher kann einzig unter dem Aspekt der 
Notwehr in Frage kommen. Der gezielte Todesschuss wurde vom 
Präzisionsschützen abgegeben, weil der Angeklagte bereits ungefähr um 12.00 Uhr 
einen Schiessbefehl erlassen und diesen aufrecht erhalten hatte und K. mit seinem 
Sturmgewehr auf dem Balkon erschienen war. Es ist daher im Folgenden zu prüfen, 
ob im Zeitpunkt der Erteilung des Schiessbefehls, insbesondere aber im Zeitpunkt 
der Schussabgabe die Voraussetzungen der Notwehr bzw. Notwehrhilfe gegeben 
waren. 

b) Bei der Würdigung der Beweismittel entscheidet das Gericht gemäss Art. 
125 Abs. 2 StPO nach freier, in der Hauptverhandlung gewonnener Überzeugung 
(vgl. Schmid, a.a.O., N 286). Die Beweislast für die dem Angeklagten zur Last 
gelegte Tat liegt dabei grundsätzlich beim Staat (Padrutt, a.a.O., S. 306). An den 
Beweis sind hohe Anforderungen zu stellen. Verlangt wird viel mehr als eine blosse 
Wahrscheinlichkeit, nicht aber ein absoluter Beweis der Täterschaft. Nach der aus 
Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK fliessenden Beweiswürdigungsregel “in 

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dubio pro reo” darf sich der Strafrichter jedoch nicht von der Existenz eines für den 
Angeklagten ungünstigen Sachverhaltes überzeugt erklären, wenn bei objektiver 
Betrachtung Zweifel an den tatsächlichen Voraussetzungen für ein verurteilendes 
Erkenntnis bestehen (BGE 124 IV 87 f.). Bloss theoretische und abstrakte Zweifel 
sind indessen nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute 
Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich um erhebliche und nicht zu 
unterdrückende Zweifel handeln, das heisst solche, die sich nach der objektiven 
Rechtslage aufdrängen (BGE 120 Ia 37).

Aufgabe des Richters ist es, ohne Bindung an Beweisregeln anhand der 
vorgelegten Beweise und Indizien die an sich möglichen Zweifel zu überwinden und 
sich für einen bestimmten Sachverhalt zu entscheiden, wobei die Bildung der 
Überzeugung objektivier- und nachvollziehbar sein muss (vgl. PKG 1987 Nr. 12; 
Padrutt, a.a.O., S. 307; Schmid, a.a.O., N 289). Beim Vorliegen verschiedener 
Beweismittel verbietet der Grundsatz der freien Beweiswürdigung eine 
Rangordnung (ZR 90 1991 Nr. 30). Insbesondere sind Aussagen von Zeugen, 
Auskunftspersonen und Angeschuldigten vollgültige Beweismittel mit derselben 
Beweiseignung. Massgebend ist allein die Beweiskraft der vorhandenen 
Beweismittel (ZR 91/92 1992/1993 Nr. 35; Hauser/Schweri, Schweizerisches 
Strafprozessrecht, 4. Aufl., Basel/Genf/München 1999, § 53 N 5). 

c) Der Angeklagte erliess um 12.00 Uhr einen Schiessbefehl. Nach den 
Aussagen des Angeklagten vor Schranken lautete dieser an die eingesetzten 
Polizeikräfte dahingehend, dass E. K. zu neutralisieren sei, wenn er mit der Waffe 
erscheine. Nachdem der Stellvertreter Chef Präzisionsschützen ihn darauf 
aufmerksam gemacht habe, dass die Gewehre der Präzisionsschützen noch nicht 
eingeschossen seien, habe er für die Präzisionsschützen den Befehl dahingehend 
abgeändert, dass der Täter erschossen werden solle, wenn er mit der Waffe 
erscheine und Anstalten treffe, diese einzusetzen. Der Angeklagte verstand den 
Begriff “neutralisieren” dabei derart, dass der Täter kampfunfähig zu machen sei, so 
dass er in keinem Falle mehr von seiner Waffe Gebrauch machen könne (act. 3.1.1. 
S. 5). Nachdem die Präzisionsschützen ihre Gewehre eingeschossen hätten, hätten 
sie den gleichen Befehl erhalten wie die Grenadiere. Der Angeklagte wusste dabei, 
dass die Präzisionsschützen Teilmantelmunition verwendeten, die wahrscheinlich 
keinen Durchschuss bewirken und durch die von ihr verursachten Verletzungen im 
Körper von E. K. den sofortigen Tod herbeiführen würde. Dies hiess im Klartext, 
dass der Täter bei Erscheinen mit der Waffe auf dem Balkon erschossen werden 
sollte (act. 3.1.1. S. 6). Dies verstand auch der Chef Präzisionsschützen so (act. 

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3.3.3. S. 3). An eine weitere Voraussetzung, etwa hinsichtlich des Haltens der 
Waffe, wurde der Schiessbefehl nicht geknüpft (act. 3.2.1. S. 5).

d)  Es bleibt zu prüfen, ob zur Zeit des Erlasses des Schiessbefehls davon 
ausgegangen werden musste, dass im Falle des Erscheinens von E. K. mit der 
Waffe eine Notwehrlage bestehe und ein gezielter Todesschuss dem Grundsatz der 
Notwendigkeit und der Verhältnismässigkeit entspreche. Notwehrlage und 
Angemessenheit der Notwehrhandlung beurteilen sich dabei nicht nach dem 
Sachverhalt, wie er sich nachträglich und nach Ablauf des Beweisverfahrens dem 
Richter darstellt. Entscheidend ist, was zum Zeitpunkt, als der Schiessbefehl 
ergangen ist, der Angeklagte von der Sachlage nach seinen vorhandenen 
Kenntnissen hat halten müssen. Hiezu rechtfertigt es sich, die Ereignisse bis zum 
Erlass des ersten Schiessbefehls näher zu betrachten.

7.a) E. K. wohnte im 5. Stock des Mehrfamilienhaus am S. in C.. Am Sonntag, 
26. März 2000, nach 08.15 Uhr gab er aus seinem Sturmgewehr 90 insgesamt 17 
Schüsse auf das geöffnete Hotel-Restaurant R. an der M. in C. ab. Dieses liegt 
etwas mehr als 50 Meter von der Wohnung K.s entfernt (act. 8.3.12.). Zwei der 
Schüsse durchschlugen das Saalfenster der P.. Davon drang einer am rechten 
Fensterrand durch den Vorhang und die Holzverschalung in das Restaurant ein, 
durchquerte die P. und schlug über die Bartheke in Ausstellvitrinen ein. Der andere 
drang durch die Fenstermitte ein, durchschlug den Steigbügel eines an einem 
Querbalken aufgehängten Pferdesattels und prallte über der Bartheke unterhalb der 
ersten Vitrine am Holzaufbau ab (act. 8.2.2.-3.). 13 Schüsse drangen in den Bereich 
des Wintergartens ein, 9 davon in die östliche Verglasung, drei in die südlichen 
Frontverglasung und einer oberhalb der seitlichen Verglasung durch die Wand. Zwei 
Schüsse schliesslich prallten an der Hausmauer ab. Aufgrund der Lage und des 
Trefferbildes konnte nach Angaben des Angeklagten nicht ausgeschlossen werden, 
dass die Schüsse in Seriefeuer abgegeben wurden. Dies erscheint angesichts der 
vorhandenen Beweise glaubwürdig (vgl. act. 8.2.4.). 

Im Zeitpunkt der Schussabgabe hielt sich einzig der Küchenbursche S. A. in 
der P. auf. Nach seiner Aussage sei eine Kugel über ihn hinweg in die Ausstellvitrine 
geflogen. Er habe sich sofort zu Boden geworfen und still verharrt, bis keine 
Schüsse mehr gefallen seien (act. 4.2. S. 1). Weitere Gäste befanden sich nicht im 
Restaurant. Nach Angaben von S. A. sei dies dem Umstand zu verdanken, dass es 
Sonntag gewesen sei und die Hotelgäste infolge der Zeitverschiebung erst später 
aufgestanden seien (act. 4.2. S. 1).

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b) In der Folge konnte eruiert werden, dass die Schüsse von der Wohnung 
E. K.s aus abgegeben worden waren. U. N., Chef Grenadiere, ordnete daher 
unverzüglich die Schliessung der Strasse vom Restaurant Z. bis zur M. an. 
Schliesslich beschloss er in Absprache mit dem zuständigen Pikettoffizier W. R., 
einen ersten Stoss mit Grenadieren in die Wohnung von E. K. zu versuchen. Die 
Absicht war, die Wohnung in dem Moment zu stürmen, in welchem eine 
Schockblendgranate auf dem Balkon explodieren würde. Als erstes sollte ein 
Polizeihund hineingeschickt werden, worauf nachfolgend die Grenadiere 
eindrängen sollten (act. 3.2.1., S. 2). Um 11.10 Uhr drangen Grenadiere der 
Kantonspolizei nach dem Rammen der Wohnungstüre vom Treppenhaus her in die 
Wohnung von E. K. ein. Zuvor war zwecks Ablenkung eine Blendschockgranate auf 
den Balkon geworfen worden. Darauf wurde ein Polizeihund in die Wohnung 
geschickt. Anschliessend stiessen die Grenadiere nach. E. K. befand sich zu dieser 
Zeit auf dem Sofa in der vom Eingang her gesehen rechten Ecke des Wohnraumes. 
Mit dem Sturmgewehr 90 im Anschlag eröffnete er unvermittelt und ohne 
Vorwarnung das Feuer (3.2.1. S. 3, 3.2.2. S. 2, 3.2.3. S 2, 3.2.4. S. 2). Zuerst tötete 
er den Polizeihund mit zwei Schüssen. Danach richtete er die Waffe gegen die 
vorrückenden Grenadiere und schoss auf den an erster Stelle befindlichen 
Grenadier C. C.. Diesen traf er in die Brust. C. brach zusammen und kam mit dem 
Gesicht nach vorne in Richtung der Wohnungstüre zu liegen. Die Grenadiere gingen 
in der Folge in Deckung. K. gab hierauf weitere Schüsse auf die Grenadiere ab (act. 
3.2.2. S. 4). Schliesslich gab er einen gezielten Schuss auf den Kopf des am Boden 
liegenden C. C. ab. Der Schuss durchschlug dessen Helm am oberen Rand des 
Panzerglasvisiers und prallte an der Rundung des Titanhelms ab (act. 8.2.31.-34.). 
Den Grenadieren gelang es in der Folge, C. am Kragen aus der Wohnung 
hinauszuziehen. Bei der Bergungsaktion verlor C. seine Dienstpistole. E. K. gelang 
es kurz darauf, diese zu behändigen, obwohl Grenadier U. G. einen Schuss aus 
seiner Dienstpistole auf die Beine K.s abgegeben hatte. Noch während der 
Bergungsaktion und danach gab K. weitere Schüsse in das Treppenhaus ab. Durch 
einen Splitter wurde dabei der Grenadier T. P. am Auge verletzt (act. 3.2.4. S. 3). 
Gegen U. G. wurde ebenfalls ein Schuss abgegeben. Dieser konnte sich aber in 
das obere Stockwerk zurückziehen. Grenadier U. N. versuchte alsdann, mündlich 
Kontakt mit K. aufzunehmen. Dies misslang aber, da K. darauf nicht reagierte (act. 
3.2.1. S. 4).

c) C. C. erlitt bei diesem Stoss eine Schussverletzung im Brustkorb links mit 
grossflächiger Rippenverletzung, eine Zertrümmerung des Schulterblattes und 
einen Pneumothorax (Luftansammlung im Brustfell). Infolge des 

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Spannungspneumothorax, eines Infektes sowie wegen Atemstillstandes und 
grossen Blutverlustes bestand Lebensgefahr (act. 7.1.).

d) Um 12.00 Uhr feuerte E. K. in seiner Wohnung erneut einen Schuss ab 
(act. 3.2.2. S. 7, 3.2.6. S. 2).

e) Der Angeklagte war um 10.30 Uhr bei den leitenden Kräften eingetroffen. 
Auf den um 11.10 Uhr ausgeübten Stoss hatte er keinen Einfluss mehr. Nach dem 
misslungenen Stoss übernahm der Angeklagte eigenen Angaben zufolge die 
Führung des Einsatzes (act. 3.1.1. S. 2). Er ordnete an, dass 
Hintergrundinformationen von K. eingeholt würden, und begab sich mit dem ganzen 
Stab zu einer Lagebeurteilung. Er liess sich vonK., Chef Spezialdienst 1, schildern, 
was alles vorgefallen war. Der Pikettoffizier, der Chef Sicherheitspolizei und der 
Stellvertreter des Chefs Präzisionsschützen wie auch der später hinzugekommene 
Untersuchungsrichter berieten mit dem Angeklagten die Situation. Der Angeklagte 
wusste aufgrund der ihm zugetragenen Informationen, dass am Morgen in kurzer 
Zeit 17 Schüsse auf das Restaurant abgegeben worden waren. Ebenso war 
festgestellt worden, dass es sich um Sturmgewehrmunition handeln musste. Es war 
bekannt, dass E. K. in der Wohnung war und einen Hund erschossen sowie einen 
Grenadier möglicherweise lebensgefährlich verletzt hatte. Ebenso wusste er, dass 
E. K. einen gezielten S