# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6cc3f7f8-5182-5d65-ac69-752c0813963a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-08-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.08.2011 D-1648/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1648-2010_2011-08-31.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­1648/2010

U r t e i l   v om   3 1 .   Augus t   2 0 1 1

Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz),
Richter Walter Stöckli, Richter Martin Zoller,   
Gerichtsschreiber Patrick Weber.

Parteien A._______, geboren am _______,
Afghanistan,  
vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, _______
Beschwerdeführerin, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und
Widerruf des Asyls; 
Verfügung des BFM vom 12. Februar 2010 / _______.

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass  der  Vater  der  Beschwerdeführerin  am  30.  November  2007  in  der 
Schweiz als Flüchtling anerkannt und ihm Asyl gewährt wurde,

dass  die  Beschwerdeführerin  in  der  Folge  ein  Asylgesuch  aus  dem 
Ausland  stellen  liess  und  um  Bewilligung  der  Einreise  in  die  Schweiz 
ersuchte, 

dass das BFM der Beschwerdeführerin am 6. Juni 2008 die Einreise zur 
Durchführung des Verfahrens bewilligte, 

dass sie am 27. August 2008 in die Schweiz gelangte und am 8. Oktober 
2008 vom BFM summarisch befragt wurde, 

dass das BFM am 9. Oktober 2008 eine Anhörung durchführte, 

dass die Beschwerdeführerin darlegte, aus _______ zu stammen und als 
Kind mit ihren Angehörigen nach Pakistan ausgewandert zu sein, 

dass sie persönlich weder  in Afghanistan noch in Pakistan irgendwelche 
Probleme gehabt habe, 

dass  das  BFM  mit  Entscheid  vom  17.  Oktober  2008  feststellte,  die 
Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 Abs. 
1 und 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht, 

dass das BFM der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG 
Asyl gewährte und sie als Flüchtling anerkannte,

dass  das  BFM  der  Beschwerdeführerin  mit  Schreiben  vom  13.  Januar 
2010 mitteilte, es beabsichtige, ihr gestützt auf Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG 
i.V.m. Art. 1 C Ziff. 1 des internationalen Abkommens vom 28. Juli 1951 
über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30)  die 
Flüchtlingseigenschaft abzuerkennen und das Asyl zu widerrufen,

dass  es  zur  Begründung  anführte,  gemäss  Aktenlage  habe  sie  Ende 
Dezember  2008  im  afghanischen  Generalkonsulat  in  _______  die  Ehe 
geschlossen, was aus der entsprechenden Heiratskurkunde hervorgehe, 

dass sie sich damit freiwillig wieder unter den Schutz des Landes, dessen 
Staatsangehörigkeit sie besitze, gestellt habe,

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dass  die  Beschwerdeführerin  in  der  Stellungnahme  ihrer 
Rechtsvertretung  vom  22.  Januar  2010  den  geschilderten  Sachverhalt 
nicht bestritt, 

dass  aber  gemäss  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  (EMARK)  1996  Nr.  7  und  der 
Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts die Anwendung von Art. 
1  C  Ziff.  1  FK  nur  unter  drei  kumulativen  Voraussetzungen  in  Betracht 
komme, 

dass die Kontaktaufnahme mit dem Heimatstaat freiwillig erfolgen müsse, 
und zwar in der Absicht, von diesem Staat Schutz zu beanspruchen, 

dass der gewünschte Schutz auch tatsächlich gewährt werden müsse, 

dass gemäss Praxis nicht jede Kontaktaufnahme mit dem Heimatstaat als 
Absicht zur Unterschutzstellung gewertet werden könne, 

dass  vorliegend  die  Kontaktaufnahme  mit  den  heimatlichen  Behörden 
zwar freiwillig erfolgt sei, wobei aber eine Eheschliessung in der Schweiz 
mit  erhöhtem  bürokratischem  Aufwand  sowie  zeitlicher  Verzögerung 
verbunden gewesen wäre, 

dass  sie  nicht  ins  Heimatland  zurückgekehrt  sei  und  sich  lediglich  bei 
einer  konsularischen  Vertretung  im  Hoheitsgebiet  des  afghanischen 
Staates aufgehalten habe, 

dass  sie  nach  Afghanistan  hätte  einreisen  können,  falls  die 
Kontaktaufnahme  tatsächlich  in  der Absicht, Schutz  zu erlangen,  erfolgt 
wäre, 

dass die Eheschliessung nur wenige Stunden gedauert habe, 

dass  die  Kontaktaufnahme  aus  einem  überwiegenden  und 
schützenswerten Privatinteresse – der beabsichtigten Heirat – erfolgt sei,  

dass sie ein höchstpersönliches Interesse wahrgenommen habe und eine 
Kontaktaufnahme  mit  konsularischen  Vertretungen  im  Ausland  von  der 
Praxis  in  vergleichbaren  Konstellationen  als  vereinbar  mit  dem 
Flüchtlingsstatus angesehen worden sei, 

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dass  nach  dem  Gesagten  die  Absicht  zur  Unterschutzstellung  gefehlt 
habe, 

dass die afghanischen Behörden im Konsulat zwar bereit gewesen seien, 
die gewünschte administrative Leistung zu erbringen, 

dass  dieser  Verwaltungsakt  indes  nicht  als  Schutzgewährung  zu 
qualifizieren  sei  und  es  nach  dem  Gesagten  ohnehin  an  der  Absicht, 
solchen Schutz zu erlangen, gefehlt hätte, 

dass  ihr  im  Übrigen  lediglich  gestützt  auf  Art.  51  Abs.  1  AsylG  Asyl 
gewährt worden sei, 

dass  sie  im  Rahmen  des  Familienasyls  nur  über  eine  abgeleitete 
Flüchtlingseigenschaft verfüge, 

dass  ihr  diese  nicht  entzogen  werden  könne,  solange  ihr  Vater  als 
Flüchtling gelte, 

dass  die  Vorinstanz  das  der  Beschwerdeführerin  gewährte  Asyl  mit 
Verfügung vom 12. Februar 2010 in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 Bst. b 
AsylG i.V.m. Art. 1 C Ziff. 1 FK widerrief und ihr die Flüchtlingseigenschaft 
aberkannte,

dass das BFM dazu festhielt, die Beschwerdeführerin habe sich freiwillig 
wieder in den Machtbereich ihres Heimatstaates begeben, 

dass  sie  eine  Heiratsurkunde  erhalten  habe,  womit  auch  die  weiteren 
Voraussetzungen  für den Widerruf  (die Absicht, Schutz zu erlangen und 
die tatsächliche Gewährung des Schutzes) erfüllt seien, 

dass  im  Übrigen  der  Eindruck  entstehe,  das  Heiratsverfahren  sei 
insbesondere  deshalb  in  der  heimatlichen  Vertretung  durchgeführt 
worden,  weil  so  die  im  schweizerischen  Zivilstandswesen  statuierten 
strengen Formvorschriften betreffend Urkunden hätten umgangen werden 
können, 

dass  es  nicht  angehe,  wenn  eine  Person,  welche  die  Vorteile  des 
Flüchtlingsstatus  im Aufenthaltsland  in Anspruch nehme,  nach Belieben 
die  allenfalls  in  einem  Punkt  für  sie  günstigere  Rechtsordnung  des 
Heimatlandes wählen könne, 

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dass  auch  die  Ausführungen  des  Rechtsvertreters  betreffend 
Familienasyl nicht überzeugten, 

dass die Beschwerdeführerin diese Verfügung mit Eingabe vom 16. März 
2010  (Datum  der  Postaufgabe)  durch  ihre  Rechtsvertretung  beim 
Bundesverwaltungsgericht anfechten liess,

dass  sie  die  Aufhebung  des  vorinstanzlichen  Entscheids,  das  Absehen 
von  der  Aberkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  vom  Asylwiderruf 
sowie  in  prozessualer  Hinsicht  die  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 
20.  Dezember  1968  [VwVG,  SR  172.021])  samt  Entbindung  von  der 
Vorschusspflicht beantragte, 

dass  sie  erneut  geltend  machte,  bei  ihr  sei  lediglich  eine  abgeleitete 
Flüchtlingseigenschaft im Sinne des Familienasyls festgestellt worden, 

dass der Zweck des Familienasyls darin bestehe, den Rechtsstatus der 
Kernfamilie einheitlich zu regeln, 

dass  vor  diesem  Hintergrund  eine  der  einzubeziehenden  Person 
drohende Verfolgung nicht erforderlich sei, 

dass  gemäss  EMARK  1998  Nr.  19  ein  Einbezug  in  die 
Flüchtlingseigenschaft  sogar  dann  zu  erfolgen  habe, wenn die  fehlende 
Verfolgung bekannt sei, 

dass bei der Beschwerdeführerin mit abgeleiteter Flüchtlingseigenschaft, 
für  welche  eine  allfällige  Verfolgung  betreffend  Anerkennung  als 
Flüchtling nicht ausschlaggebend gewesen sei, Art. 1 C Ziff. 1 FK mithin 
gar  nicht  zur  Anwendung  gelange,  da  das  Schutzbedürfnis  nicht  habe 
bestehen  müssen  und  eine  allfällige  spätere  Unterschutzstellung 
demzufolge als irrelevant erscheine, 

dass  Art.  1  C  Ziff.  1  FK  nur  bei  Personen  zur  Anwendung  gelange, 
welche gemäss Art. 1 A FK die Flüchtlingseigenschaft originär erfüllten, 

dass  für  eine analoge Anwendung bei  derivativer Flüchtlingseigenschaft 
eine gesetzliche Grundlage fehle, 

dass eine solche Anwendung weder statthaft noch gerechtfertigt sei, 

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dass im Übrigen selbst unter der Annahme, Art. 1 C Ziff. 1 FK komme zur 
Anwendung, die entsprechenden Voraussetzungen nicht erfüllt wären, 

dass die Beschwerdeführerin nach Pakistan gereist sei, um ihren Bruder 
im Spital zu besuchen, 

dass  sich  ihr  Verlobter  zu  diesem  Zeitpunkt  ebenfalls  in  Pakistan 
aufgehalten  und  sie  sich  entschlossen  habe,  bei  dieser Gelegenheit  zu 
heiraten, 

dass die Heirat  in der Schweiz zwar  theoretisch auch möglich, aber mit 
Verzögerungen  verbunden  gewesen wäre,  was  dem  gemäss Art.  8  der 
Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und 
Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  geschützten  Familienleben 
widersprochen hätte, 

dass im Übrigen gemäss EMARK 1993 Nr. 22 eine Namensänderung im 
Heimatland als verständlich und nachvollziehbar qualifiziert worden sei, 

dass  die  Beschwerdeführerin  im  Falle  einer  Heirat  in  der  Schweiz 
ohnehin  wegen  der  Beschaffung  erforderlicher  Papiere  mit  den 
heimatlichen Behörden hätte in Kontakt treten müssen, 

dass  sie  im  Übrigen  im  Rahmen  des  Familienasyls  sogar  von  der 
Vorinstanz  aufgefordert  worden  sei,  verschiedene  Unterlagen  beim 
afghanischen Generalkonsulat in Pakistan zu beschaffen, 

dass  ihr  persönliches  Erscheinen  auf  dem Generalkonsulat  vor  diesem 
Hintergrund  als  mit  dem  Flüchtlingsstatus  vereinbar  erscheint,  da  sie 
darauf vertrauen konnte, wegen der Kontaktaufnahme  ihren Status nicht 
zu verlieren, 

dass die Freiwilligkeit der Kontaktaufnahme demnach zu verneinen sei,

dass  sie  nicht  in  der  Absicht,  Schutz  der  afghanischen  Behörden  zu 
erlangen, gehandelt habe, und die afghanischen Behörden in Anbetracht 
der  Asylvorbringen  ihres  Vaters  weder  als  schutzwillig  noch  als 
schutzfähig erschienen, 

dass  die  Vorinstanz  darüber  hinaus  keine  Prüfung  der 
Verhältnismässigkeit vorgenommen habe,

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dass die vormalige Beschwerdeinstanz die Verhältnismässigkeit sogar in 
einem  Fall  verneint  habe,  wo  die  betreffende  Person  aufgrund  ihrer 
Niederlassungsbewilligung in der Schweiz hätte verbleiben können, 

dass  die  Beschwerdeführerin  lediglich  über  eine  Aufenthaltsbewilligung 
verfüge,  deren  Verlust  sie  bei  einem  Asylwiderruf  mutmasslich  zu 
gewärtigen hätte, 

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom          
19.  März  2010  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  verzichtete 
und  die  Beschwerdeführerin  aufforderte,  eine  Bestätigung  für  ihre 
Bedürftigkeit nachzureichen, 

dass  die  Beschwerdeführerin  am  25.  März  2010  eine  entsprechende 
Bestätigung nachreichte, 

dass das BFM mit Vernehmlassung vom 1. April 2010 die Abweisung der 
Beschwerde beantragte,

dass es ausführte, der Hinweis der Beschwerdeführerin auf EMARK 1998 
Nr.  19  sei  insofern  nicht  relevant,  als  die  Textpassagen  nicht  einen 
Asylwiderruf, sondern die Ablehnung eines Gesuchs um Einbezug in die 
Flüchtlingseigenschaft zum Gegenstand hätten, 

dass  die  Beschwerdeführerin  mit  Replik  vom  21.  April  2010  an  ihren 
bisherigen Vorbringen festhielt, 

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig 
über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM 
entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] i. V. m. 
Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG, 
SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG 
richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und 
Art. 6 AsylG).

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dass  die  Beschwerdeführerin  legitimiert  und  auf  die  form­  und  
fristgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art. 105  und 
Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Verletzung 
von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des 
rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt 
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass das BFM bei Personen, welche die Flüchtlingseigenschaft gemäss 
Art. 1 A FK erfüllen, unter anderem aus Gründen nach Art. 1 C Ziffn. 1 ­ 6 
FK das Asyl widerruft und die Flüchtlingseigenschaft aberkennt (vgl. Art. 
63 Abs. 1 Bst. b AsylG),

dass im vorliegenden Fall das BFM zur Begründung der Aberkennung der 
Flüchtlingseigenschaft  die  Bestimmung  von  Art.  1  C  Ziff.  1  FK 
herangezogen hat,

dass  die  Behauptung  der  Beschwerdeführerin,  wegen  ihrer  bloss 
derivativen Flüchtlingseigenschaft werde ihr Status nicht von Art. 1 A FK 
erfasst, nicht überzeugt, 

dass  sich  das  schweizerische  Asylgesetz  grundsätzlich  auf  den 
Flüchtlingsbegriff der FK stützt, 

dass  die  gesetzliche Sonderregelung  von Art.  51 Abs.  1 AsylG, welche 
bei  der  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Praxis  gewisse 
Erleichterungen  im  Vergleich  zu  Art.  3  AsylG  vorsieht,  daran  nichts 
ändert, 

dass  sich  vielmehr  der  Unterschied  in  der  Entstehung  der 
Flüchtlingseigenschaft einzig bezüglich Weiterübertragung auswirkt, nicht 
hingegen in der Rechtsstellung (vgl. EMARK 2003 Nr. 11),

dass  auch  im  Sinne  der  Rechtsgleichheit  der  Rechtsstatus  ein 
einheitlicher sein muss, andernfalls die in die Flüchtlingseigenschaft eines 
Familienmitgliedes einbezogenen Flüchtlinge gegenüber den Flüchtlingen 
gemäss Art. 3 AsylG deutlich besser gestellt wären,

dass  sich  ein  Flüchtling  demnach  nicht  auf  die  Vorteile  des 
Flüchtlingsstatus  im  Aufenthaltsstaat  berufen  und  gleichzeitig  nach 

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Belieben die allenfalls  in einem Punkt  für  ihn günstigere Rechtsordnung 
des Heimatstaates wählen kann (vgl. EMARK 1993 Nr. 22),

dass  demnach  entgegen  den  anderslautenden  Beschwerdevorbringen 
praxisgemäss  auch  bei  Personen  mit  derivativer  Flüchtlingseigenschaft 
die Anwendung von Art. 1 C Ziff. 1 FK zur Anwendung gelangen kann,

dass  der  Hinweis  auf  EMARK  1998  Nr.  19  (Einbezug  in  die 
Flüchtlingseigenschaft  sogar  dann,  wenn  die  fehlende  Verfolgung 
bekannt  ist),  daran  nichts  ändert,  da  die  im  genannten  Urteil 
aufgeworfenen  Fragen  im  Zusammenhang  mit  der  Ablehnung  eines 
Gesuchs  um Einbezug  in  die  Flüchtlingseigenschaft  standen  und  damit 
Kontakte mit den Heimatbehörden vor Anerkennung des Flüchtlingsstatus 
betrafen, 

dass die Anwendung von Art.  1 C Ziff.  1 FK an kumulativ  zu erfüllende 
Voraussetzungen gebunden ist (vgl. dazu BVGE 2010/17 mit Verweis auf 
EMARK 1996 Nr. 12 E. 7),

dass der Flüchtling  freiwillig  in Kontakt mit  seinem Heimatstaat getreten 
und er mit  der Absicht  gehandelt  haben muss,  von seinem Heimatstaat 
Schutz  in Anspruch  zu  nehmen,  und  er  diesen Schutz  auch  tatsächlich 
erhalten hat,

dass  bei  der  Beschwerdeführerin  ein  solcher  Kontakt  durch  ihr 
Vorsprechen auf dem afghanischen Generalskonsulat in _______ erfolgte 
und sie dies nicht bestreitet, 

dass  sie  in  ihrer  Stellungnahme  vom  22.  Januar  2010  einräumte,  die 
Kontaktaufnahme  mit  den  heimatlichen  Behörden  sei  grundsätzlich 
freiwillig erfolgt, 

dass  sie  demgegenüber  in  der  Beschwerde  diese  Freiwilligkeit  verneint 
und unter anderem geltend macht,  im Falle einer Heirat  in der Schweiz 
hätte sie ohnehin wegen der Beschaffung erforderlicher Papiere mit den 
heimatlichen Behörden in Kontakt treten müssen, 

dass Letzteres zwar als zutreffend erscheint, ihr persönliches Erscheinen 
beim afghanischen Generalkonulat und damit ein physisches Begeben in 
den  Machtbereich  des  Verfolgerstaates  aber  ein  anderes  Gewicht 
aufweist  und  insoweit  nicht  mit  weiteren  von  ihr  zitierten,  gemäss 

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Rechtsprechung mit dem Flüchtlingsstatus vereinbaren Verhaltensweisen 
gleichgesetzt werden kann, 

dass sie auch nicht geltend macht, durch die schweizerischen Behörden 
zum  Aufenthalt  im  afghanischen  Generalkonsulat  ermuntert  worden  zu 
sein,  und  daran  auch  die  damalige  Aufforderung  zur  Beschaffung  von 
Reisepapieren vor Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft nichts ändert,

dass die Heirat auch in der Schweiz hätte erfolgen können,

dass  so  jedenfalls  nicht  der  Eindruck  entsteht,  die  Beschwerdeführerin 
habe  insbesondere  aus  einer  moralischen  Verpflichtung  gegenüber 
Familienangehörigen  in  Wahrung  eines  berechtigten  Anspruchs  auf 
Familienleben  und  im  Ergebnis  nicht  freiwillig  im  hier  relevanten  Sinn 
beim Generalkonsulat persönlich vorgesprochen (vgl. dazu EMARK 1996 
Nr. 12 E. 9 S. 105 f.; 1996 Nr. 11 E. 6 S. 89 f.; 1996 Nr. 7 E. 11 S. 63 ff.),

dass die Freiwilligkeit des Kontaktes mithin zu bejahen ist, 

dass  für  die  Erfüllung  des  Kriteriums  der  beabsichtigten 
Unterschutzstellung in der Regel die Inkaufnahme von Schutzgewährung 
durch  den  Heimatstaat  genügt  und  bei  der  Beurteilung,  ob  dieses 
Kriterium gegeben ist, die Motivation für den Kontakt mit den heimatlichen 
Behörden zu berücksichtigen ist, 

dass  die  Beschwerdeführerin  einräumte,  sich  zwecks  Heirat  (und  zwar 
offensichtlich  gemäss  den  Rechtsnormen  ihres  Heimatstaates)  in  den 
Machtbereich der afghanischen Behörden begeben zu haben, 

dass  aufgrund  der  Aktenlage  bei  der  Beschwerdeführerin  kein  rechtlich 
relevanter  Zwang  zur  erwähnten  Reise  ersichtlich  ist  und  sie  mit  dem 
damit  verbundenen  Verhalten  entgegen  den  wenig  stichhaltigen 
Beschwerdevorbringen  klar  zum  Ausdruck  brachte,  sich  ohne  Zwang 
unter  den  Schutz  des  Landes,  dessen  Staatsangehörigkeit  sie  besitzt, 
gestellt zu haben,

dass damit von der beabsichtigten Unterschutzstellung auszugehen ist, 

dass schliesslich als drittes Kriterium der Beschwerdeführerin durch den 
Heimatstaat  effektiv  Schutz  gewährt  worden  sein  muss,  wobei  dieses 
Kriterium  dann  erfüllt  ist,  wenn  aufgrund  von  objektiven Anhaltspunkten 
eine Gefährdung der betreffenden Person ausgeschlossen werden kann,

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dass  solche  Anhaltspunkte  vorliegend  in  den  entsprechenden 
Handlungen  des  Heimatstaates  (amtlicher  Akt  der  Trauung  und 
Ausstellung  entsprechender  Urkunden)  gesehen  werden  können  (vgl. 
EMARK  1996  Nr.  12  E.  8c  S.  104)  beziehungsweise  eine  bestehende 
Gefährdungssituation  aufgrund  der  Akten  ohnehin  ausgeschlossen 
werden kann, 

dass vor diesem Hintergrund die in Art. 1 C Ziff. 1 FK respektive Art. 63 
Abs. 1 Bst. b AsylG statuierten Voraussetzungen für die Aberkennung der 
Flüchtlingseigenschaft  als  erfüllt  gelten  und  die  entsprechende 
Rechtsfolge  auch  als  verhältnismässig  zu  erachten  ist,  zumal  die 
inzwischen volljährige und verheiratete Beschwerdeführerin nicht mehr an 
den Rechtsstatus ihres Vaters gebunden ist, 

dass  das  BFM  demnach  zu  Recht  der  Beschwerdeführerin  die 
Flüchtlingseigenschaft aberkannte und das Asyl widerrief,

dass  entsprechend  davon  abgesehen  werden  kann,  auf  weitere 
Beschwerdevorbringen detaillierter einzugehen,

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  der 
Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  wären  (Art. 63  Abs. 1  VwVG;  Art. 1­3 
des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]),

dass sich die Beschwerde nicht als aussichtslos darstellte, 

dass das Gesuch  im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG  in Anbetracht der 
nachgereichten  Bestätigung  für  die  Bedürftigkeit  entsprechend 
gutzuheissen ist, weshalb keine Kostenauflage erfolgt.

(Dispositiv nächste Seite)

D­1648/2010

Seite 12

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.  
Das Gesuch  im Sinne  von Art.  65 Abs.  1 VwVG wird  gutgeheissen. Es 
werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber

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