# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3371e53a-ab54-5a8f-9157-d76a71062680
**Source:** Wettbewerbskommission ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-07-11
**Language:** de
**Title:** Behinderung des Online-Handels: Verfügung vom 11.07.2011
**Docket/Reference:** online-handel_verfuegung
**URL:** https://www.weko.admin.ch/dam/weko/de/dokumente/2011/09/online-handel_verfuegung.pdf.download.pdf/online-handel_verfuegung.pdf

## Full Text

Wettbewerbskommission WEKO 
Commission de la concurrence COMCO 
Commissione della concorrenza COMCO 
Competition Commission COMCO 

Verfügung der Wettbewerbs-
kommission 

vom 11. Juli 2011 

in Sachen 

Untersuchung 22-0391 gemäss Art. 27 KG 
betreffend 

Behinderung des Online-Handels 
wegen unzulässiger Wettbewerbsabreden gemäss Art. 5 KG 

gegen 

1. Electrolux AG, Badenerstrasse 587, 8048 Zürich, 
vertreten durch RA Dr. iur. Urs Weber-Stecher und/oder RA Dr. iur. 
Michael Tschudin, Wenger Vieli AG, Dufourstrasse 56, Postfach 
1285, 8034 Zürich 

2. V-Zug AG, Industriestrasse 66, 6301 Zug, 
vertreten durch RA Stefan Brunnschweiler und/oder RA Dr. iur. 
Robert G. Briner, CMS von Erlach Henrici AG, Dreikönigstrasse 7, 
8022 Zürich 

zusammen: Die Parteien 

Besetzung 

Vincent Martenet (Präsident, Vorsitz),  
Stefan Bühler, Martial Pasquier (Vizepräsidenten),  
Evelyne Clerc, Anne Petitpierre, Andreas Kellerhals, Jürg Niklaus, 
Thomas Pletscher, Johann Zürcher, Andreas Heinemann 

22/2009/03310/COO.2101.111.5.147697 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Inhaltsverzeichnis 

A. 

Sachverhalt ................................................................................................................ 4 

A.1.  Gegenstand der Untersuchung .................................................................................... 4 
A.2.  Relevanter Sachverhalt ................................................................................................ 5 
A.2.1.  Verbot resp. Behinderung von Internetverkäufen .................................................... 5 
A.2.2.  Bedeutung des Verkaufskanals Internet .................................................................. 5 
A.2.2.1.  Verbreitung des Internet-Zugangs in der Schweiz ................................................... 5 
A.2.2.2.  Internetnutzung ....................................................................................................... 6 
A.2.2.3.  Internet als Verkaufskanal ....................................................................................... 6 
A.2.2.4.  Internet als Informationsmedium für Kaufentscheidungen ....................................... 6 
A.2.3.  Prokompetitive Effekte des Mediums Internet.......................................................... 7 
A.2.4.  Entscheide ausländischer Behörden ....................................................................... 8 

B. 

C. 

D. 

Verfahren .................................................................................................................... 9 

Vorbemerkungen ..................................................................................................... 11 

Erwägungen ............................................................................................................. 12 

D.1.  Geltungsbereich ......................................................................................................... 12 
D.2.  Vorbehaltene Vorschriften ......................................................................................... 13 
D.3.  Unzulässige Wettbewerbsabreden ............................................................................. 13 
D.3.1.  Wettbewerbsabrede .............................................................................................. 13 
D.3.1.1.  Bewusstes und gewolltes Zusammenwirken ......................................................... 13 
D.3.1.2.  Bezwecken oder Bewirken einer Wettbewerbsbeschränkung ................................ 16 
D.3.1.2.1.  Einfluss auf den Wettbewerbsparameter Preis .................................................. 16 
D.3.1.2.2.  Neue Regelungen in der EU und in der Schweiz betreffend Online-Verkäufe ... 17 
D.3.1.2.3.  Schlussfolgerung .............................................................................................. 17 
D.3.1.3.  Vertikale Abrede .................................................................................................... 18 
D.3.1.4.  Fazit ...................................................................................................................... 18 
D.3.2.  Sanktionierbare Wettbewerbsabrede .................................................................... 18 
D.3.2.1.  Einleitende Bemerkungen ..................................................................................... 18 
D.3.2.2.  Verbot/Beschränkung des Online-Handels – Abrede i.S.v. Art. 5 Abs. 4 KG? ....... 19 
D.3.2.3.  Fazit ...................................................................................................................... 20 
D.3.3.  Erhebliche Beeinträchtigung des Wettbewerbs ..................................................... 20 
D.3.3.1.  Qualitative Kriterien ............................................................................................... 21 
D.3.3.1.1.  Preisunterschiede Online-Offline ....................................................................... 22 
D.3.3.1.2.  Preistransparenz ............................................................................................... 23 
D.3.3.1.3.  Beschränkung des passiven Verkaufs .............................................................. 27 
D.3.3.1.4.  Fazit .................................................................................................................. 28 
D.3.3.2.  Quantitative Kriterien ............................................................................................. 28 
D.3.3.2.1.  Relevanter Markt ............................................................................................... 28 
D.3.3.2.2.  Aktuelle und potenzielle Konkurrenz ................................................................. 30 
D.3.3.2.3.  Fazit .................................................................................................................. 34 
D.3.3.3.  Zwischenergebnis ................................................................................................. 34 

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D.3.4.  Rechtfertigung aus Effizienzgründen ..................................................................... 34 
D.3.4.1.  Rechtfertigungsgründe .......................................................................................... 35 
D.3.4.1.1.  Trittbrettfahrer-Problematik ............................................................................... 36 
D.3.4.1.2.  Selektiver Vertrieb ............................................................................................. 39 
D.3.4.1.3.  Mehraufwand und Sicherheitsüberlegungen bei nicht betreuten Verkäufen ...... 42 
D.3.4.2.  Zwischenergebnis ................................................................................................. 42 
D.3.5.  Ergebnis ................................................................................................................ 42 

E. 

Einvernehmliche Regelungen ................................................................................. 43 

E.1. 
Inhalt der einvernehmlichen Regelungen ................................................................... 43 
E.2.  Genehmigung durch die WEKO ................................................................................. 45 

F. 

G. 

Kosten ...................................................................................................................... 46 

Dispositiv ................................................................................................................. 47 

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A. 

Sachverhalt 

A.1.  Gegenstand der Untersuchung 

1. 
Im  Verlaufe  des  Jahres  2009  gingen  beim  Sekretariat  der  Wettbewerbskommission 
(nachfolgend: Sekretariat) Beschwerden verschiedener Wiederverkäufer von Elektrogeräten 
ein.1 Diese Vorbringen richteten sich in erster Linie gegen die Electrolux AG und hatten vor 
allem das Verbot von Produktverkäufen über das Internet zum Gegenstand. 

Die Electrolux AG vertreibt und produziert Haushaltsgeräte für Privat- und Geschäfts-
2. 
kunden in den Bereichen Küche sowie Wäschepflege und Reinigung. Die Electrolux AG ist in 
der Schweiz mit den Marken Electrolux, AEG und Zanussi am Markt vertreten und beschäf-
tigt  derzeit  rund  1‘000 Mitarbeiter.  Die  Electrolux  AG  ist  eine  100%-ige  Tochtergesellschaft 
der Electrolux-Gruppe mit Sitz in Stockholm. 

3. 
Die  V-Zug  AG  entwickelt,  produziert  und  vertreibt  Geräte  für  Küchen-  und  Wasch-
räume  in  der  Schweiz  und  beschäftigt  rund  1‘200  Mitarbeiter.  Zur  V-Zug AG  gehören  die 
Tochterunternehmen SIBIR Group AG und die Gehrig Group AG. Die SIBIR Group AG war 
ursprünglich nur für die Herstellung von Kühlschränken bekannt, hat sich mittlerweile jedoch 
auch  auf  Küchen-  und Waschräume  spezialisiert.  Die  Gehrig  Group  AG  stellt  Küchen-  und 
Waschraumgeräte für den industriellen Bereich her. 

4. 
Anlass für die Eröffnung der vorliegenden Untersuchung war der Umstand, dass die 
Electrolux  AG  allen  ihren  Händlern  unter  Berufung  auf  ein  selektives  Vertriebssystem  in 
schriftlicher Form den Vertrieb von Elektrogeräten der Marke Electrolux über das Internet un-
tersagte. Die Electrolux AG begründete die Einstellung des Online-Handels in ihrem Schrei-
ben an die Händler im Wesentlichen damit, dass es sich bei Produkten der Marke Electrolux 
um  solche  handle,  welche  im  höheren  Preissegment  anzusiedeln  seien  und  als  qualitativ 
hochstehende  Produkte nicht  wie  Massenware  über  das  Internet  angeboten  und vertrieben 
werden könnten,  da  dies  dem  Image  der  Marke  Electrolux  und  auch dem  Ruf  der  Fachge-
schäfte abträglich sei. 

5. 
Die  V-Zug  AG  hatte  vorgängig  zur  Eröffnung  dieser  Untersuchung  ihr  Vertriebssys-
tem  mehrfach  umgestaltet  und  dabei  ihren  Händlern  zunächst  schriftlich  angekündigt,  den 
Internethandel einzustellen. Dies wurde ebenfalls damit begründet, dass die V-Zug AG Qua-
litätsprodukte und keine Massenware herstellen würde und diese daher über den qualifizier-
ten  Fachhandel  vertrieben  werden  sollten,  zumal  die  damit  verbundenen  Zusatzdienstleis-
tungen  (Beratung,  Produktpräsentation  und  Installation)  nach  Ansicht  der  V-Zug  AG  zum 
Image einer guten Marke gehörten. Rund ein halbes Jahr später wurde das Vertriebskonzept 
dahingehend  geändert,  dass  der  Verkaufskanal  Internet  unter  Einhaltung  von  definierten 
Mindestkriterien weiterhin beliefert werden sollte. Bei näherer Betrachtung der entsprechen-
den  Kriterien  stellte  sich  jedoch  heraus,  dass  der  Online-Handel  auch  mit  diesem  System 
stark behindert würde, weil die Mindestvorgaben kaum erreicht werden konnten. 

1  Dabei handelte es sich um Händler, welche sowohl über ein stationäres Geschäft als auch über ei-

nen Online-Shop verfügen. 

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A.2.  Relevanter Sachverhalt 

A.2.1.  Verbot resp. Behinderung von Internetverkäufen 

In casu haben sowohl die Electrolux AG wie auch die V-Zug AG allen ihren Händlern 
6. 
Restriktionen rund um Internetverkäufe kommuniziert: Die Electrolux AG untersagte allen ih-
ren Händlern mit Schreiben vom Februar 2009 (act. 1) den Verkauf von Produkten der Marke 
Electrolux über das Internet. Zudem hat sich die Electrolux AG das Recht vorbehalten, dieje-
nigen Händler, welche sich nicht an diese Vorgabe halten, in letzter Konsequenz nicht mehr 
zu beliefern. Wörtlich heisst es im oben genannten Schreiben an die Händler: 

(i) 

 „…Falls  Sie  eine  Homepage  betreiben,  bitten  wir  Sie,  diese  anzupassen,  damit  keine 
Produkte* der Marke Electrolux mehr über das Internet bestellt werden können…“ sowie 

(ii)  „…Internetshops  wird  untersagt,  ab  dem  1.  März  2009  Produkte*  der  Marke  Electrolux 

über das Internet zu verkaufen…“ 

7. 
Die V-Zug AG hat demgegenüber per Ende des Jahres 2009 zunächst angekündigt, 
den Verkaufskanal Internet nicht mehr zu beliefern (act. 113), hat dann aber ihren Händlern 
mit  Schreiben  vom  27.  Mai  2010  die  Einführung  einer  neuen  Vertriebspolitik  kommuniziert 
(selektives  Vertriebssystem).  Im  Rahmen  dieses  Systems  wurden  Kriterien  für  die  Beliefe-
rung  mit  Geräten  der  Marke ZUG  im Wiederverkauf  aufgestellt  und  – je  nach Wichtigkeit  – 
mit einem Punktesystem (dabei sind maximal 140 Punkte zu erreichen) bewertet. Es werden 
von der V-Zug AG nur solche Händler beliefert, welche mindestens 70 Punkte erreichen. Die 
Punktevergabe sollte nach folgenden von der V-Zug AG definierten Kriterien erfolgen: Bera-
tung,  Präsentation  und  Montageservice.  Die  nähere  Betrachtung  der  Kriterien  zeigt  jedoch, 
dass  es  Online-Händlern  fast  nicht  möglich  ist,  die  vorgeschriebenen  Kriterien  zu  erfüllen. 
Und dies, obwohl die V-Zug AG das Sekretariat gegenüber explizit darauf hingewiesen hat, 
den Verkaufskanal Internet weiterhin beliefern zu wollen (act. 126). 

A.2.2.  Bedeutung des Verkaufskanals Internet  

A.2.2.1. Verbreitung des Internet-Zugangs in der Schweiz 

8. 
Gemäss aktuellen Zahlen des Bundesamtes für Statistik lässt sich bezüglich Internet-
zugängen  zunächst  einmal  festhalten,  dass  die  privaten  Haushalte  in  der  Schweiz  weitge-
hend  erschlossen sind: Im  Jahre  2009  verfügten  85%  der  Schweizer  Haushalte  über  einen 
Internetzugang.2 Damit liegt die Schweiz über dem Durchschnitt in der EU. Rasant angestie-
gen  ist  in  den  letzten  zehn  Jahren  die  Anzahl  Abonnenten  von  Hochgeschwindigkeitsan-
schlüssen: Während im Jahr 2000 DSL-Anschlüsse rund 7% ausmachten, waren es im De-
zember 2009 bereits 70%. Weitere 28% der Zugänge laufen über ein Kabelmodem. Im inter-
nationalen  Vergleich liegt  die Schweiz  damit  über  dem  Durchschnitt  der OECD-Länder  und 
zählt diesbezüglich zu den führenden Nationen.3 Somit kann festgehalten werden, dass die 
Schweizer  Privathaushalte  flächendeckend  über  (schnelle)  Internetzugänge  verfügen  und 
demzufolge sehr gut an das Medium Internet angeschlossen sind. 

2   BUNDESAMT FÜR STATISTIK, Indikatoren zur Informationsgesellschaft Schweiz, 2010, 

http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/16/04/key/approche_globale.indicator.30109.3
01.html (13.4.2011). 

3   BUNDESAMT FÜR STATISTIK, Informationsgesellschaft – Indikatoren, Haushalte und Bevölkerung – 

Hochgeschwindigkeitsinternet, 2010, 
http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/16/04/key/approche_globale.indicator.30107.3
01.html (13.4.2011). 

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5 

 
 
 
 
 
                                                
A.2.2.2. Internetnutzung  

9. 
Dem  Bundesamt  für  Statistik  zufolge  nimmt  die  Nutzung  des  Mediums  Internet  ten-
denziell zu: Von Oktober 2009 bis März 2010 gaben 82,1% der Bevölkerung an, das Internet 
in den vergangenen sechs Monaten mindestens einmal benutzt zu haben, wobei im besag-
ten Zeitraum 74,5% der Befragten angaben, das Internet täglich oder mehrmals wöchentlich 
zu nutzen. Das Bundesamt für Statistik folgert daraus, dass sich das Internet zu einem all-
täglichen Medium entwickelt habe.4 

A.2.2.3. Internet als Verkaufskanal 

10. 
Am  Beispiel  des  Bereiches  Elektronik  lässt  sich  zeigen,  dass  sich  die  Marktverhält-
nisse in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt haben: Konsumenten neigen heute 
viel  häufiger  dazu,  Produkte  online  einzukaufen.5  Diese  Tendenz  wird  durch  das  Marktfor-
schungsinstitut  GfK  Switzerland  bestätigt,  gemäss  welchem  der  Online-Handel  bspw.  bei 
Heimelektronik-Produkten in der Schweiz in den letzten drei Jahren stark gewachsen ist. Der 
Anteil  am  Heimelektronikmarkt  habe  sich  von  8,1  auf  15,3%  nahezu  verdoppelt.6  Auch  der 
Online-Vergleichsdienst  www.comparis.ch  bestätigt  diesen  Trend  und  stellte  für  das  Jahr 
2009  ein  Wachstum  des  Online-Handels  im  zweistelligen  Bereich  fest.7  Comparis  zufolge 
kaufen heute vier von fünf Schweizer Internetnutzern online ein. 

11. 
Diese  Tendenz  wird auch durch  die  Langzeitstudie „Der  Schweizer  Online-Handel  – 
Internetnutzung  2009“  des  Lehrstuhls  Gottlieb  Duttweiler  für  internationales  Handelsmana-
gement  der  Universität  St.  Gallen  bestätigt.  Dieser  Studie  zufolge  kauften  die  Schweizer 
Konsumenten alleine im Jahr 2008 Produkte im Wert von 5,87 Mrd. Franken via Internet ein, 
was einer Steigerung von über 38% in zwei Jahren entspricht. In den letzten zehn Jahren ist 
gemäss der Studie der Anteil Online-Käufer in der Schweiz insgesamt von 30% auf 84% ge-
stiegen.8 

A.2.2.4. Internet als Informationsmedium für Kaufentscheidungen 

Das  dem  Institut  für  Handelsforschung  an  der  Universität  Köln  angegliederte  E-
12. 
Commerce-Center  hat  in  jüngster  Vergangenheit  eine  Studie  mit  dem  Titel  „Das  Multi-
Channel-Verhalten  der Konsumenten“  publiziert.9  Danach  entwickelt  sich das  Internet  mehr 
und  mehr  zum  zentralen  Informationsmedium  für  Kaufentscheidungen.  Die  wichtigsten  Er-
kenntnisse dieser Studie sind die folgenden: 

4  BUNDESAMT FÜR STATISTIK, Informationsgesellschaft – Indikatoren, Haushalte und Bevölkerung – 

Internetnutzung, 2010, 
http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/16/04/key/approche_globale.indicator.30106.3
01.html?open=1#1 (13.4.2011). 

5   Entsprechendes hat die WEKO bereits bei der Prüfung des Zusammenschlusses Coop/Fust fest-
gehalten und dabei festgestellt, dass die Umsätze, welche mit dem Internethandel erzielt wurden, 
stark angestiegen sind (RPW 2008/3, 475 ff., Coop/Fust).  

6    GFK/VERBAND DES SCHWEIZERISCHEN VERSANDHANDELS, Der Schweizer Online- und Versandhandel 

2009, 2010. 

7   Siehe http://www.presseportal.ch/de/meldung/100598686/ (13.4.2010). 
8   Siehe 

http://www.unisg.ch/~/media/sitecore/content/Internet/UeberUns/HSGMediacorner/Medienmitteilun
gen/Medienmitteilungen/2009/Februar/Internettag-Onlinehandel-13Februar2009.ashx?fl=de 
(13.4.2011). 

9   SEBASTIAN VAN BAAL/KAI HUDETZ, Das Multi-Channel-Verhalten der Konsumenten, Institut für Han-

delsforschung an der Universität zu Köln, 2008. 

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6 

 
 
 
 
 
                                                
  Bei einem Viertel aller Käufe im stationären Handel haben sich Internetnutzer vorab 

in Online-Shops informiert. 

 

Insbesondere bei Käufen von Produkten aus den Bereichen Unterhaltungselektronik 
und Haushalt in stationären Geschäftsstellen werden vorab Informationen in Online-
Shops eingeholt. 

13. 
Laut  der  Studie sei  der  sog.  Mehrkanal-Einkauf  für  die  Konsumenten  zur  Selbstver-
ständlichkeit geworden. Das Internet habe seinen festen Platz im Kaufentscheidungsprozess 
gefunden, auch wenn schliesslich nicht online gekauft werde. Zu den gleichen Schlussfolge-
rungen  kam  auch  eine  gross  angelegte  Studie  aus  den  USA  im  Bereich  von  Möbeln  und 
Haushaltsgeräten:10 

  Die Mehrheit der befragten Konsumenten identifizieren Webseiten als Hauptinforma-

tionsquelle für die Bedürfnisabklärung im Bereich Möbel und Haushaltsgeräte. 

  Über  80%  der  befragten  Konsumenten  gaben  an,  vor  dem  Kauf  von  Möbeln  oder 

Haushaltsgeräten Online-Vergleiche zu tätigen.  

14. 
Auch aus einer Erhebung des Bundesamtes für Statistik lässt sich entnehmen, dass 
(i)  das  Internet  vor  allem  zu  Informationszwecken  verwendet  wird  und  (ii)  auch  ein  grosser 
Teil der privaten Haushalte das Internet für Preisvergleiche verwendet.11 

15. 
Die Betrachtung vorstehender Erkenntnisse führt zum Schluss, dass das Internet ein 
zentrales Informationsmedium bei Kaufentscheidungen geworden ist und von Internetnutzern 
regelmässig genutzt wird.  

A.2.3.  Prokompetitive Effekte des Mediums Internet 

Notorisch ist, dass das Medium Internet die Transparenz für die Konsumenten erhöht 
16. 
hat, d.h. den Konsumenten bei der Suche nach einem Produkt (i) diese grundsätzlich erleich-
tert und (ii) die dafür aufzuwendende Zeit reduziert (vgl. dazu ausführlich Rz 92 ff. hiernach). 
Dies kann anhand eines Beispiels aufgezeigt werden: Ein Konsument beabsichtigt, ein Mik-
rowellengerät zu kaufen und verfügt – ausser über den Namen einiger (renommierter) Her-
steller – über keine produktspezifischen Kenntnisse. Um sich ein Bild über die verschiedenen 
verfügbaren Modelle und deren Preise zu machen, stehen ihm grundsätzlich zwei Wege of-
fen: Er könnte verschiedene Fachgeschäfte aufsuchen und sich dort entsprechend erkundi-
gen oder er informiert sich diesbezüglich selber im Internet. Die Vorteile des Internets liegen 
auf  der  Hand:  Der  Konsument  kann  sich  innert  kurzer  Zeit  einen  umfassenden  Überblick 
über die Marktstruktur, die angebotenen Produkte sowie deren Preise verschaffen. Demge-
genüber  bestehen  bei  der  erstskizzierten  Vorgehensweise  die  Nachteile,  dass  der  Konsu-
ment einen deutlich grösseren Zeitaufwand in Kauf nehmen muss und darüber hinaus in der 
Regel lediglich eine beschränkte Anzahl Produkte miteinander vergleichen kann. 

17. 
Insbesondere  bietet  das  Internet  den  Konsumenten  die  Möglichkeit,  mit  wenigen 
Mausklicks  –  beispielsweise  über  Vergleichsportale  wie  www.comparis.ch  oder 
www.toppreise.ch  –  die  Anbieter  und  Preise  eines  Produktes  miteinander  zu  vergleichen. 
Dies  verschafft  einem  Konsumenten  die  einfache  und  übersichtliche  Möglichkeit,  sich  über 

10  Vgl. https://mr.pricegrabber.com/April_CBR_Home_Furniture_and_ApplianceTrends.pdf 

(13.4.2011). www.pricegrabber.com ist einer der führenden Online-Einkaufsvergleichsdienste der 
USA. 

11   BUNDESAMT FÜR STATISTIK, Informationsgesellschaft – Indikatoren, Haushalte und Bevölkerung – 

Internetnutzung, 2010, 
http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/16/04/key/approche_globale.indicator.30106.3
01.html?open=302#302 (13.4.2011). 

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7 

 
 
 
 
 
                                                
das Preisniveau eines Produktes zu informieren und die Angebote von Anbietern ohne gros-
sen Aufwand einzusehen und zu vergleichen.  

18. 
Dies  hat  –  branchenunabhängig  –  transparentere  Marktverhältnisse  zur  Folge.  Die 
erhöhte Transparenz wiederum führt dazu, dass Konsumenten und Produktanbieter viel bes-
ser  über  die  im  Markt  angebotenen  Preise  etc.  informiert  sind,  was  den  Wettbewerbsdruck 
für die  Anbieter erhöht.12 Dies gilt insbesondere, wenn speziell preiskompetitive Anbieter im 
Markt aktiv sind (vgl. ausführlich hinten, Rz 84 ff.).  

A.2.4.  Entscheide ausländischer Behörden 

19. 
Auch  in  der  europäischen  Union  ist  der  Online-Handel  ein  aktuelles  Thema,  das  in 
verschiedener  Hinsicht  zu  Diskussionen  Anlass  gibt.  Im  Zusammenhang  mit  der  wettbe-
werbsrechtlichen Bedeutung von Behinderungen des Online-Handels sei an dieser Stelle auf 
zwei jüngere Entscheide sowohl der deutschen wie auch der französischen Wettbewerbsbe-
hörden hingewiesen. Die wesentlichen Erwägungen der beiden Entscheide werden nachfol-
gend zur Information kurz wiedergegeben. Es ist zu beachten, dass diese beiden Entscheide 
noch  ergingen,  bevor  die  revidierte  Vertikal-GVO13  (nachfolgend:  Vert-GVO)  in  der  EU  in 
Kraft getreten ist. 

Das  Bundeskartellamt  hatte  folgenden  Fall  zu  beurteilen:14  Ein  im  Grosshandel  mit 
20. 
Kontaktlinsen,  Kontaktlinsen-Pflegemitteln  und  optischen  Erzeugnissen  aller  Art  tätiges  Un-
ternehmen verlangte im Zeitraum von 2005 bis 2006 von seinen Abnehmern bei der Erstbe-
stellung eine schriftliche Einverständniserklärung, in der sich diese verpflichteten, Kontaktlin-
sen  einer  bestimmten  Marke  nicht  im  Internet  zu  vertreiben.  Daneben  schloss  die  Gross-
händlerin  mit  gewissen  Abnehmern  sog.  „Jahreskonditionen“  ab,  welche  ebenfalls  den  Zu-
satz enthielten, dass der jeweilige Abnehmer besagte Kontaktlinsen nicht im Internet vertrei-
ben werde. In seiner Begründung kam das Bundeskartellamt zu folgenden Schlüssen: 

  Das  Einfordern  schriftlicher  Einverständniserklärungen  bzw.  die  Vereinbarung  von 
Jahreskonditionen, mit denen Kunden sich verpflichten, die in Frage stehenden Kon-
taktlinsen  nicht  im  Internet  zu  vertreiben,  verstösst  gegen  §  1  GWB15  (und  Art.  81 
EGV16). Es handelt sich um eine Vereinbarung, die eine spürbare Beschränkung des 
Wettbewerbs auf der Ebene des Einzelhandels mit Kontaktlinsen der Grosshändlerin 
bezweckt und bewirkt. 

  Eine Freistellung nach § 2 GWB i.V. mit den Vorschriften der Vert-GVO kommt nicht 
in  Betracht.  Die  Beschränkung  des  Internethandels  stellt  eine  Kernbeschränkung 
gemäss Art. 4 b) bzw. Art. 4 c) Vert-GVO dar. Eine ausnahmsweise sachliche Recht-
fertigung  liegt  nicht  vor.  Insbesondere  ist  der  Ausschluss  des  Internethandels  nicht 
zur  Sicherstellung  eines  richtigen  Gebrauchs  oder  zum  Schutz  der  Gesundheit  der 
Träger  von  den  in  Frage  stehenden  Kontaktlinsen  erforderlich.  Wollte  man  die  Ge-
sundheit der Konsumenten ernsthaft schützen, gäbe es mildere und zugleich geeig-
netere Mittel als ein Komplettverbot des Internethandels. 

12   Vgl. auch XAVIER VIVES, Information sharing: economics and antitrust, in: Konkurrensverket – Swe-

dish Competition Authority (Hrsg.), The Pros and Cons of Information Sharing, 2006, 94. 

13   Verordnung Nr. 330/2010 der Europäischen Kommission über die Anwendung von Artikel 101 Ab-
satz 3 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union auf Gruppen von vertikalen 
Vereinbarungen und abgestimmten Verhaltensweisen (2010/C130/01). 

14   BKartA, Beschluss vom 25.9.2009, B 3 – 123/08 – Kontaktlinsen.  
15   Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen. 
16   Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft. 

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8 

 
 
 
 
 
                                                
  Nach Auffassung der Beschlussabteilung geht es darum, mit dem Internethandel ei-
nen  besonders  kompetitiven  Vertriebskanal  möglichst  weitgehend  einzuschränken, 
um so einem allgemeinen Preisverfall vorzubeugen. Dies geschieht zum einen im In-
teresse  der  stationären  Augenoptiker,  die  sich  von  den  Internetpreisen  unter  Druck 
gesetzt sehen, dient zum anderen aber auch der Sicherung der eigenen Gewinnmar-
ge der Grosshändlerin.  

  Eine Freistellung sei auch unter dem Gesichtspunkt des Schutzes vor Freeriding (vgl. 
50  hinten)  gerade  nicht  möglich,  zumal  es  bereits  an  der  angemessenen  Verbrau-
cherbeteiligung i.S. des § 2 Abs. 2 GWB bzw. Art. 81 Abs. 3 EG-Vertrag fehlen dürf-
te, wenn alle Konsumenten gezwungen werden, für eine Leistung (Beratung im stati-
onären Handel) zu bezahlen, die sie u.U. gar nicht wollen. 

21. 
Der französische  Conseil  de  la Concurrence entschied  im  Jahre  2008 einen ähnlich 
gelagerten  Fall  in  Sachen  Vertrieb  von  Kosmetik-  und  Hygieneprodukten.17  Partei  dieses 
Verfahrens war die Pierre Fabre Dermo-Cosmétique (nachfolgend: PFDC), eine Herstellerin 
verschiedener  Kosmetika  und  Körperpflegeprodukte.  Die  französischen  Vertriebsvereinba-
rungen,  die  PFDC  für  die  Marken  Avène,  Klorane,  Galénic  und  Ducray  schloss,  beinhalten 
eine Klausel, nach der sämtliche Verkäufe in Räumlichkeiten und in Anwesenheit eines dip-
lomierten Pharmazeuten erfolgen müssen, wodurch de facto sämtliche Verkaufsformen über 
das  Internet  ausgeschlossen  werden.  Im  Oktober  2008  entschied  der  französische  Conseil 
de  la  concurrence  im  Anschluss  an  eine  Untersuchung,  dass  die  Vertriebsvereinbarungen 
von PFDC dadurch, dass sie de facto sämtliche Internetverkäufe verbieten würden, wettbe-
werbswidrige  Vereinbarungen  darstellten,  die  sowohl  gegen  den  französischen  Code  de 
Commerce (Handelsgesetzbuch) als auch gegen das EU-Wettbewerbsrecht verstiessen. Der 
Conseil  war  der  Ansicht,  dass  PFDC  die  geschäftliche  Handlungsfreiheit  seiner  Vertrags-
händler einschränke und die Auswahl der Verbraucher reduziere, und stellte fest, dass dies 
einem  Verbot  des  aktiven  und  passiven  Verkaufs  gleichkomme.  Er  entschied  daher,  dass 
das  Verbot  des  Internetverkaufs  zwangsläufig  bezwecke,  den  Wettbewerb  zu  beschränken 
und  eine  Kernbeschränkung  darstelle,  der  eine  Gruppenfreistellung  nicht  zugutekommen 
könne.  Auch  eine  Einzelfreistellung  nach  Art.  81  Abs.  3  EGV  könne  der  Vertriebsvereinba-
rung  nicht  zugutekommen,  da  PFDC  nicht  nachgewiesen  habe,  dass  die  Wettbewerbsbe-
schränkung  den  wirtschaftlichen  Fortschritt  fördere  und  unerlässlich  sei.  PFDC  focht  diese 
Entscheidung vor der Cour d’appel de Paris (Berufungsgericht Paris) an, die dem Gerichts-
hof der Europäischen Union (Rechtssache C-439/09) die Frage stellt, ob das allgemeine und 
absolute Verbot von Verkäufen über das Internet eine bezweckte Wettbewerbsbeschränkung 
in Form  einer „Kernbeschränkung“  darstelle und ob  einer  solchen Vereinbarung  eine Grup-
penfreistellung oder eine Einzelfreistellung nach Art. 81 Abs. 3 EGV zugutekommen könne. 
Das Vorabentscheidungsersuchen ist derzeit noch hängig, die Schlussanträge des General-
anwalts ergingen am 3. März 201118, so dass wohl in naher Zukunft mit einem Urteil zu rech-
nen ist. 

B. 

Verfahren 

22.  Gestützt  auf  die  vorstehende  Sachverhaltslage  eröffnete  das  Sekretariat  am 
14. September 2009 eine Vorabklärung nach Art. 26 KG, die entsprechende Mitteilung an die 
Electrolux  AG  erfolgte  gleichentags  (act.  2).  Die  Vorabklärung  hatte  zunächst  einzig  das 

17   Décision du Conseil de la Concurrence nº 08-D-25 du 29 octobre 2008 relative à des pratiques mi-
ses en œuvre dans le secteur de la distribution de produits cosmétiques et d’hygiène corporelle 
vendus sur conseils pharmaceutiques. 

18   Siehe 

http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=CJE/11/14&format=HTML&aged=0&lan
guage=DE&guiLanguage=en (13.4.2011). 

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9 

 
 
 
 
 
                                                
Vorgehen der Electrolux AG zum Gegenstand, da erst im Laufe der Vorabklärung Informati-
onen zur Vorgehensweise der V-Zug AG ans Licht kamen. Die Vorabklärung sollte die Frage 
klären,  ob  die  neue  Vertriebspolitik  der  Electrolux  AG  aus  wettbewerbsrechtlicher  Sicht  zu 
beanstanden ist resp. ob entsprechende Anhaltspunkte vorliegen. Dabei wurde insbesonde-
re der Frage nachgegangen, wie das generelle Verbot des Online-Handels für den Vertrieb 
von Produkten der Marke Electrolux aus wettbewerbsrechtlicher Sicht zu beurteilen ist.  

23. 
Am 23. September 2009 wurde ein Fragebogen an die Electrolux AG versandt (act. 
5)  und  mit  Schreiben  vom  5. Oktober 2009  wurden  neun  Konkurrenzunternehmen  befragt 
(act.  6-14).  Die  entsprechenden  Antworten  gingen  zwischen  dem  2. November 2009  und 
dem 10. Dezember 2009 beim Sekretariat ein (act. 31; 35; 37; 39; 48; 52; 56; 94; 108). 

Am  9. Oktober 2009  verschickte  das  Sekretariat  zudem  Fragebögen  an  Händler  in 
24. 
der ganzen Schweiz, welche Produkte der Marke Electrolux im Sortiment führen (act. 15; 16; 
19;  33).  Bei  den befragten  Unternehmen  handelt  es sich  einerseits  um Anbieter  von  Haus-
haltsgeräten,  welche  im  rein  stationären  Fachhandel,  im  stationären  Fach-  und  Online-
Handel oder nur im Online-Handel tätig sind und andererseits um Küchenbauer. Die Händler 
sind im Bereich des Verkaufs, der Installation und der Reparatur von Haushaltsgeräten tätig. 
Viele bieten zudem Beratungsdienstleistungen an. Die Küchenbauer übernehmen grundsätz-
lich  die  gleichen  Arbeiten,  jedoch  in  der  Regel  im  Zusammenhang  mit  der  Gesamtplanung 
einer  Küche.  Die  Antworten  der  befragten  Marktteilnehmer  gingen  zwischen  dem 
12. Oktober 2009 und dem 13. Januar 2010 beim Sekretariat ein (act. 17; 18; 20-25; 28; 29; 
32;  34;  36;  38;  40–44;  47;  49–51;  53-55;  57;  86–93;  95-99;  103;  105–107;  109–112;  115; 
117; 119; 121; 122). 

25. 
Das  Sekretariat  holte  zusätzliche  Informationen  ein  und  analysierte  diese.  Im  Zuge 
der  Vorabklärung  ergaben  sich  Anhaltspunkte  auf  eine  unzulässige Wettbewerbsbeschrän-
kung seitens der V-Zug AG: 

 

Im Rahmen der Befragungen durch das Sekretariat teilte die V-Zug AG dem Sekretariat 
mit,  dass  sie  ein  selektives  Vertriebssystem  eingeführt  habe,  dies  jedoch  nicht  genau 
der «WEKO-Definition» entspreche (act. 31). 

  Die  V-Zug  AG  teilte  dem  Sekretariat  mit  Schreiben  vom  21.  Dezember  2009  mit,  dass 
sie  per  Anfang  des  Jahres  2010  den  Online-Handelskanal  nicht  mehr  beliefern  werde 
(act. 113).  

  Das Sekretariat antwortete daraufhin mit Schreiben vom 7. Januar 2010, dass die ange-
kündigte  Nichtbelieferung  des  Online-Handelskanals  aus  wettbewerbsrechtlicher  Sicht 
problematisch sein könnte und dass es fraglich sei, ob das beschriebene selektive Ver-
triebssystem  den  Anforderungen  der  Bekanntmachung  der  WEKO  vom  28.  Juni  2010 
über  die  wettbewerbsrechtliche  Behandlung  vertikaler  Abreden  (Vertikalbekanntma-
chung,  VertBek)  genüge  und  dass  deshalb  die  angekündigte  Verhaltensweise  in  das 
laufende Vorabklärungsverfahren integriert werde (act. 120). 

  Schliesslich  orientierte  die  V-Zug  AG  das  Sekretariat  mit  Schreiben  vom  27.  Mai  2010 
darüber, dass sie ein neues selektives Vertriebssystem eingeführt habe, welches auf ei-
nem Punktevergabesystem basiere (act. 126; vgl. dazu Rz 7 hiervor). 

Die  Ergebnisse  der  Auswertung  sämtlicher  Daten  und  Informationen  förderte  An-
26. 
haltspunkte  zu  Tage,  welche  auf  eine  unzulässige  Wettbewerbsbeschränkung  hindeuteten 
und  demzufolge  die  Eröffnung  einer  Untersuchung  im  Sinne  von  Art.  27  KG  nahe  legten. 
Diese  Schlussfolgerung  bezieht  sich  sowohl  auf  das  Verhalten  der  Electrolux  AG  als  auch 
dasjenige der V-Zug AG. 

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10 

 
 
 
 
 
Am  22.  Juli  2010  stellte  das  Sekretariat  der  Electrolux  AG  ein  Executive  Summary 
27. 
des Schlussberichtes der Vorabklärung sowie einen Katalog mit Zusatzfragen zu und setzte 
ihr eine Frist an, zum Executive Summary Stellung zu nehmen und die Zusatzfragen zu be-
antworten  (act.  138).  Die  entsprechende  Eingabe  der  Electrolux  AG ging  am  6.  September 
2010  beim  Sekretariat  ein  (act.  146).  Der  V-Zug  AG  wurde  das  Executive  Summary  mit 
Schreiben  vom  18.  August  2010  zugesandt  (act.  143),  deren  Stellungnahme  ging  am  10. 
September 2010 ein (act. 147). 

Am  15.  September  2010  eröffnete  das  Sekretariat  im  Einvernehmen  mit  einem  Mit-
28. 
glied des Präsidiums der WEKO die vorliegende Untersuchung. Dies u.a. auch aufgrund des 
Pilotcharakters  der  sich  stellenden  wettbewerbsrechtlich  relevanten  Fragen.  Beide  Unter-
nehmen  signalisierten  unverzüglich  ihre  grundsätzliche  Bereitschaft  zum  Abschluss  einer 
einvernehmlichen Regelung. Das Eröffnungsschreiben wurde der Electrolux AG sowie der V-
Zug  AG  gleichentags  zugestellt  (act.  148;  act.  149).  Die  Publikation  im  SHAB  und  im  Bun-
desblatt erfolgte am 19. Oktober 2010. 

29.  Mit Schreiben vom 22. Oktober 2010 (act. 154) bzw. 7. Dezember 2010 (act. 160) un-
terbreitete  das  Sekretariat  der  Electrolux  AG  bzw.  der  V-Zug  AG  einen  Vorschlag  für  eine 
einvernehmliche Regelung i.S.v. Art. 29 Abs. 1 KG zur Stellungnahme. Die entsprechenden 
Eingaben der Parteien gingen – innert erstreckter Fristen – am 15. November 2010 (Electro-
lux AG; act. 157) resp. am 19. Januar 2011 (V-Zug AG; act. 167) beim Sekretariat ein. Unter 
Berücksichtigung der Bemerkungen der Electrolux AG  und V-Zug AG zum Entwurf der ein-
vernehmlichen Regelung, stellte das Sekretariat den Parteien am 26. November 2010 resp. 
am 2. Februar 2011 einen überarbeiteten Entwurf für eine einvernehmliche Regelung zu (act. 
159; act. 169).  

30. 
Nach  neuerlicher  Möglichkeit  zur  Stellungnahmen  (act.  161,  act.  170)  und  Gesprä-
chen teilten die Electrolux AG und die V-Zug AG dem Sekretariat mit, dass sie grundsätzlich 
bereit seien, die einvernehmlichen Regelungen zu unterschreiben. 

31.  Mit Schreiben vom 4. Mai 2011 stellte das Sekretariat den Parteien den vorliegenden 
Antrag zur Stellungnahme zu (act. 176 und act. 177) und übermittelte am 11. Mai 2011 ein 
elektronisches Aktenverzeichnis (inkl. Aktenstücke) sowie mit separater Post die dazugehö-
rigen Passwörter (act. 179, act. 182, act. 180 und act. 181). Gleichzeitig forderte das Sekre-
tariat die Parteien auf, ihm die unterzeichneten einvernehmlichen Regelungen einzureichen. 

Die  Stellungnahmen  der  Parteien  zum  Antrag  des  Sekretariates  gingen  –  innert  er-
32. 
streckter Fristen – am 23. Juni 2011 ein (act. 190 und act. 192). Die Parteien wiesen darauf 
hin, dass sie die einvernehmlichen Regelungen noch nicht unterzeichnen könnten. Das Sek-
retariat  nahm  mit  den  Parteien  darauf  hin  noch  einmal  Verhandlungen  auf  und  passte 
schliesslich gewisse Passagen des Antrags an (act. 195 und act. 197). Im Anschluss daran 
reichten  die  Parteien  die  unterzeichneten  Exemplare  der  einvernehmlichen  Regelung  ein 
(act. 199 und act. 200). 

C. 

Vorbemerkungen 

33. 
In  Bezug  auf  das  vorliegende  Verfahren  gilt  es  einleitend  Folgendes  zu  erwähnen: 
Sowohl die Electrolux AG als auch die V-Zug AG haben das Verbot bzw. die Beschränkun-
gen des Online-Handels ihren Wiederverkäufern in schriftlicher Form angekündigt. Kurz da-
rauf  intervenierten  die  Wettbewerbsbehörden  und  infolgedessen  setzten  die  Electrolux  AG 
und die V-Zug AG ihre Vorhaben einstweilen nicht vollständig um. Zudem signalisierten bei-
de Unternehmen dem Sekretariat gegenüber bereits vor der Eröffnung der vorliegenden Un-
tersuchung  ihre  grundsätzliche  Bereitschaft  zum  Abschluss  einer  einvernehmlichen  Rege-
lung.  Aus  diesen  Gründen  verzichteten  die  Wettbewerbsbehörden  darauf,  diese  Untersu-
chung auch gegen die Wiederverkäufer zu eröffnen.  

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11 

 
 
 
 
 
Aufgrund  des  Voranstehenden  wird  in  den  Erwägungen  der  Sachverhalt  unter  der 
34. 
Annahme analysiert, dass ein Verbot bzw. Behinderungen von Internetverkäufen umgesetzt 
wurde.  Dies  rechtfertigt  sich  deshalb,  weil  erstens  ohne  eine  umgehende  Intervention  der 
Wettbewerbsbehörden  das  Verbot  bzw.  die  Behinderungen  des  Online-Handels  im  ange-
kündigten  Umfang  umgesetzt  worden  wären;  und  zweitens,  weil  damit  der  im  Zusammen-
hang mit Beschränkungen des Online-Verkaufs herrschenden Unsicherheit bis zu einem ge-
wissen  Grad  begegnet  werden  kann  und  dafür  ein  entsprechendes  Informationsbedürfnis 
vorhanden ist. In diesem Lichte und der besseren Lesbarkeit halber sind die Erwägungen im 
Indikativ gehalten. 

35. 
Die  folgenden  Erlasse  bzw.  Entscheide  wurden  bei  der  Ausarbeitung  dieser  Verfü-
gung  berücksichtigt:  Die  revidierte  VertBek,  die jüngst revidierte  Vertikal-GVO  (siehe  Fn  13 
resp. Rz 59 hiernach) und die entsprechenden Leitlinien19 sowie verschiedende, in jüngerer 
Vergangenheit  im  europäischen  Raum  ergangene  Urteile  betreffend  den  Ausschluss  resp. 
die Behinderung des Online-Handels (siehe Rz  19 hiervor). Die Berücksichtigung der euro-
päischen  Erlasse  und  Entscheide  rechtfertigt  sich  insbesondere  durch  den  Willen  des 
schweizerischen Gesetzgebers, die Rechtslage im Bereich von Wettbewerbsverstössen dem 
europäischen  Recht  anzugleichen.20  Dies  gilt  insbesondere  für  den  Bereich  der  vertikalen 
Wettbewerbsbeschränkungen.  Diesbezüglich  gilt  es  zu  unterstreichen,  dass  der  neue 
Art. 5 Abs. 4  KG  der  Schweiz  ermöglichen  sollte,  im  Bereich  der  Vertikalabsprachen  eine 
vergleichbare Politik wie die europäische Kommission zu verfolgen.21 Die Absicht war, dass 
sich das schweizerische Recht nach jenem der europäischen Union ausrichten sollte,22 was 
insbesondere dadurch ermöglicht wird, dass die beiden Rechtsordnungen ähnliche Ziele ver-
folgen.23  Mit  dieser  neuen  Bestimmung  wollte die  Schweiz  darauf  hinweisen,  dass  Vertikal-
absprachen  über Wiederverkaufspreise  und  Marktabschottungen  nach  dem  Vorbild  der  eu-
ropäischen Union in Zukunft strenger behandelt werden.24 

D. 

Erwägungen 

D.1.  Geltungsbereich 

36. 
Das Kartellgesetz gilt für Unternehmen des privaten und öffentlichen Rechts, die Kar-
tell- oder andere Wettbewerbsabreden treffen, Marktmacht ausüben oder sich an Unterneh-
menszusammenschlüssen  beteiligen  (Art. 2  Abs. 1  KG).  Als  Unternehmen  gelten  hierbei 
sämtliche Nachfrager oder Anbieter von Gütern und Dienstleistungen im Wirtschaftsprozess, 
unabhängig von ihrer Rechts- oder Organisationsform (Art. 2 Abs. 1bis KG). 

19   Leitlinien der Europäischen Kommission für vertikale Beschränkungen (2010/C130/01). 
20   Vgl.  Botschaft  zu  einem  Bundesgesetz  über  Kartelle  und  andere  Wettbewerbsbeschränkungen 

(Kartellgesetz, KG) vom 23. November 1994, BBl 1995 I, 468, 471. 

21   Deiss:  „La  nouvelle  proposition  qui  est  maintenant  faite  par  la  majorité  de  la  Commission  prévoit 
une présomption d‟illicéité pour les accords verticaux qui, à notre sens, va aussi loin que possible 
tout en étant soutenable du point de vue de la politique de la concurrence et du point de vue éco-
nomique.  Elle  permet  de  mener  une  politique  analogue  à  celle  de  la  Commission  européenne.“, 
Amtliches Bulletin der Bundesversammlung (AB) 2003 S 331. 

22   Antrag Triponez: „Ich schlage daher die oben erwähnte Überarbeitung des Minderheitsantrages als 
Ergänzung  zum  Mehrheitsantrag  vor.  Mit  dieser  Ergänzung  läge  unser  Kartellgesetz  im  Ergebnis 
auf der Linie des EG-Rechtes.“, AB 2002 N 1434. 

23   Schiesser, das Gutachten von Prof. Carl Baudenbacher zitierend, AB 2003 S 331. 
24   Bührer: „Nicht nur die Europäische Union, sondern auch wir müssen  - mit diesem neuen Artikel! - 
dazu  beitragen,  dass  dort,  wo  Preis-  und  Gebietsabsprachen  den Wettbewerb  behindern,  dies  in 
Zukunft als Missbrauchstatbestand erfasst wird.“ AB 2002 N 1293. 

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12 

 
 
 
 
 
                                                
Bei der Electrolux AG, der V-Zug AG sowie den von ihr belieferten Händlern handelt 

37. 
es sich um Unternehmen im Sinne von Art. 2 Abs. 1 und 1bis KG. 

D.2.  Vorbehaltene Vorschriften 

38. 
Dem  KG  sind  Vorschriften  vorbehalten,  die  auf  einem  Markt  für  bestimmte  Waren 
oder  Leistungen  Wettbewerb  nicht  zulassen,  insbesondere  Vorschriften,  die  eine  staatliche 
Markt- oder Preisordnung begründen und solche, die einzelne Unternehmen zur Erfüllung öf-
fentlicher  Aufgaben  mit  besonderen  Rechten  ausstatten  (Art. 3  Abs. 1 KG).  Ebenfalls  nicht 
unter  das  Gesetz  fallen  Wettbewerbswirkungen,  die  sich  ausschliesslich  aus  der  Gesetz-
gebung über das geistige Eigentum ergeben (Art. 3 Abs. 2 KG). 

In den hier zu beurteilenden Märkten gibt es keine Vorschriften, die Wettbewerb nicht 

39. 
zulassen. Von den Parteien wurden auch keine solchen geltend gemacht. 

D.3.  Unzulässige Wettbewerbsabreden 

40. 
Abreden, die den Wettbewerb auf einem Markt für bestimmte Waren oder Leistungen 
erheblich beeinträchtigen und sich nicht durch Gründe der wirtschaftlichen Effizienz rechtfer-
tigen lassen, sowie Abreden, die zur Beseitigung wirksamen Wettbewerbs führen, sind unzu-
lässig (Art. 5 Abs. 1 KG). 

D.3.1.  Wettbewerbsabrede 

41. 
Als  Wettbewerbsabreden  gelten  rechtlich  erzwingbare  oder  nicht  erzwingbare  Ver-
einbarungen  sowie  aufeinander  abgestimmte  Verhaltensweisen  von  Unternehmen  gleicher 
oder  verschiedener  Marktstufen,  die  eine  Wettbewerbsbeschränkung  bezwecken  oder  be-
wirken (Art. 4 Abs. 1 KG; vgl. die Ziffern 1 und 8 VertBek). 

42. 
Eine  Wettbewerbsabrede  definiert  sich  daher  durch  folgende  Tatbestandselemente: 
a)  ein  bewusstes  und  gewolltes  Zusammenwirken  der  an  der  Abrede  beteiligten  Unterneh-
men und b) die Abrede bezweckt oder bewirkt eine Wettbewerbsbeschränkung. 

D.3.1.1. Bewusstes und gewolltes Zusammenwirken 

Für die Anwendung von Art. 4 Abs. 1 KG ist es weder von Belang, in welcher rechtli-
43. 
chen oder tatsächlichen Form sich das bewusste und gewollte Zusammenwirken nach aus-
sen äussert noch ob sich dieses rechtlich durchsetzen lässt. Entscheidend ist nur, dass zwei 
oder  mehrere  wirtschaftlich  voneinander  unabhängige  Unternehmen  kooperieren.25  Festzu-
halten ist jedoch bereits an dieser Stelle, dass es für die Begriffsbestimmung nicht relevant 
ist, welcher Abredetyp (rechtlich erzwingbare oder nicht erzwingbare Vereinbarung oder auf-
einander  abgestimmte  Verhaltensweise)  vorliegt,  sondern  einzig  die  damit  bezweckte  oder 
bewirkte  Beschränkung  der  unternehmerischen  Handlungsfreiheit.26  Dabei  spielt  es  keine 
Rolle,  ob  die  Beschränkung  der  unternehmerischen  Entscheidautonomie  ausdrücklicher 
Zweck der Vereinbarung zwischen den beteiligten Unternehmen ist oder sich bloss als mög-
licherweise unbeabsichtigte Wirkung aus einer rechtlich relevanten Abrede ergibt.27 

25   THOMAS NYDEGGER/WERNER NADIG, in: Basler Kommentar, Kartellgesetz, Amstutz/Reinert, 2010, 

Art. 4 Abs. 1 KG N 81. 

26   Vgl. JÜRG BORER, Kartellgesetz, 2005, Art. 4 KG N 3 f. 
27   Vgl. zum Ganzen BORER (Fn 26), Art. 4 KG N 3 ff.; BSK KG-NYDEGGER/NADIG (Fn 25) Art. 4 Abs. 1 

KG N 71. 

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13 

 
 
 
 
 
                                                
Für die Beurteilung der Frage, ob in concreto Abreden i.S.v. Art. 4 Abs. 1 KG vorlie-
44. 
gen, konzentrieren sich die  nachstehenden Ausführungen  auf  das generelle  Verbot  von  In-
ternetverkäufen,  weil  das  generelle  Verbot  als  eine  qualifizierte  Form  der  Behinderung  von 
Internetverkäufen  zu  betrachten  ist.  Die  nachfolgenden  Ausführungen  gelten  jedoch  grund-
sätzlich auch für mildere Formen vonr Beschränkungen des Online-Handels.  

45. 
Prima facie handelt es sich bei der Ankündigung, Internetverkäufe generell zu verbie-
ten, um eine einseitige Massnahme und es stellt sich daher die Frage, ob diese vom Anwen-
dungsbereich von Art. 4 Abs. 1 KG erfasst wird. Einseitige Massnahmen können dann unter 
den  Begriff  der  Vereinbarungen  im  Sinne  von  Art. 4 Abs. 1 KG  fallen,  wenn  sie  eine  Bin-
dungswirkung entfalten. Aus vertragsrechtlicher Sicht ist zu beachten, dass einseitige Mass-
nahmen  durch  eine  stillschweigende  Annahme  in  ein  zweiseitiges  Rechtsverhältnis  umge-
wandelt werden. Dabei  vermag unter Umständen bereits ein auf einem Rechnungsformular 
aufgedrucktes Verbot des Wiederverkaufes zu genügen.28 

46. 
Es gilt daher zunächst einmal zu prüfen, wie sich das generelle Verbot von Internet-
verkäufen auf die Händler auswirkt. Dafür hat das Sekretariat drei Kategorien von Händlern 
schriftlich befragt.29 

  Reine Online-Händler, welche kein stationäres Fachgeschäft betreiben, sondern Produk-

te ausschliesslich über einen Online-Shop verkaufen. 

  Gemischte  Händler,  welche  ein  stationäres  Fachgeschäft  führen  und  gleichzeitig  Pro-

dukte über einen Online-Shop verkaufen. 

  Rein  stationäre  Fachhändler,  die  Produkte  ausschliesslich  in  ihrem  Fachgeschäft  ver-

kaufen und keinen Online-Shop betreiben. 

47. 
Den befragten Händlern wurden verschiedene Fragen rund um die Verkaufskanäle im 
Allgemeinen  und  das  generelle  Verbot  von  Internetverkäufen  im  Speziellen  gestellt.  Die 
Auswertung der verwertbaren Antworten ergab folgendes Bild: 

  Von  den  reinen  Online-Händlern  und  den  gemischten  Händlern  gab  die  Mehrheit  an, 
dass  der  Verkauf  von  Produkten  über  das  Internet  problematisch  (geworden)  sei  seit 
dem ausgesprochenen resp. angekündigten generellen Verbot von Internetverkäufen. 

  Von  den  gemischten  Händlern  gab  die Mehrheit  an,  Verkäufe  über  das  Internet  einge-

stellt zu haben bzw. einstellen zu müssen. 

  Die  grosse  Mehrheit  der  stationären  Händler  lieferte  keine  Angaben  zu  der  Frage  wie 
sich  das  Verbot  von  Internetverkäufen  auf  sie  auswirkt.  Dies  ist  im  Wesentlichen  wohl 
darauf zurückzuführen, dass sie vom generellen Verbot des Online-Handels nicht direkt 
betroffen sind, dieses aber überwiegend in ihrem eigenen Interesse zu sein scheint (vgl. 
Rz 51 ff. und 96). 

Die Analyse der Antworten der befragten Händler zeigt, dass die Auswirkungen eines 
48. 
(einseitig kommunizierten) generellen Verbots von Internetverkäufen je nach Händlerkatego-
rie variieren und sich wie folgt zusammenfassen lassen:  

  Reine Online-Händler haben gar keine Wahl in Bezug auf die Frage, ob sie das Verbot 
einhalten wollen oder nicht, denn sie würden ohnehin nicht mehr mit Produkten beliefert. 

28   Vgl. BORER (Fn 26), Art. 4 KG N 9; BSK KG-NYDEGGER/NADIG (Fn 25), Art. 4 Abs. 1 KG N 98 f. 
29   Die Befragung erfolgte im Rahmen der Vorabklärung und zu diesem Zeitpunkt stand die Verhal-

tensweise der Electrolux AG im Vordergrund (siehe Rz 22). Die Erkenntnisse aus den Befragungen 
können jedoch grundsätzlich auf das Verhalten der V-Zug AG übertragen werden. 

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14 

 
 
 
 
 
                                                
  Für  gemischte  Händler  besteht  insofern  ein  Druck,  das  Verbot  einzuhalten,  als  sie  bei 
Nichteinhaltung Gefahr laufen würden, überhaupt nicht mehr mit Produkten beliefert zu 
werden.  

  Für  rein  stationäre  Fachhändler  stellt  sich  die  Frage  –  sofern  sie  keinen  Online-Shop 
einzurichten gedenken – nicht, da sie vom Verbot des Internethandels mangels Vorhan-
densein desselben gar nicht betroffen waren.  

49. 
Des  Weiteren  hat  das  Sekretariat  die  befragten  Händler  gebeten  anzugeben,  wie 
gross  der  Umsatzanteil  von  Produkten  der  Marke  Electrolux,  gemessen  am  erzielten  Ge-
samtumsatz ist. Bei der grossen Mehrheit der eingegangenen Antworten macht dieser einen 
bedeutenden Teil des Gesamtumsatzes aus. Angesichts dessen ist nicht davon auszugehen, 
dass gemischte Händler leichthin das Risiko eingehen würden, einen bedeutenden Teil ihres 
Umsatzes zu verlieren.  

50. 
Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass das angekündigte generel-
le Verbot von Internetverkäufen zumindest von den gemischten Händlern eingehalten wurde. 
Dies, weil die Nichteinhaltung des generellen Verbotes von Internetverkäufen die Nichtbelie-
ferung zur Folge gehabt hätte, welche  wiederum zu einer als nicht unerheblich zu bezeich-
nenden Umsatzeinbusse geführt hätte. Daher ist das Kriterium des bewussten und gewollten 
Zusammenwirkens  bezüglich  des  generellen  Verbots  von  Internetverkäufen  mindestens  für 
die gemischten Händler als gegeben zu betrachten. 

51. 
Naheliegend ist es jedoch, dass die rein stationären Fachhändler massgeblichen Ein-
fluss daran hatten, dass ein generelles Verbot von Internetverkäufen eingeführt wurde. Dafür 
sprechen insbesondere die nachfolgend aufgeführten Gründe: 

  Die Hersteller begründeten in ihren Schreiben an die Händler das generelle Verbot von 
Internetverkäufen  u.a.  mit  der Wahrung  der  Interessen  von  rein  stationären  Fachhänd-
lern.30 

  Die Auswertung  der  Antworten  der  befragten  Händler  zeigt,  dass  das generelle  Verbot 
von  Internetverkäufen  von  einem  guten  Teil  der  rein  stationären  Fachhändlern  unter-
stützt wird. Ein grosser Teil dieser Händler31 gab an, ein generelles Verbot von Internet-
verkäufen  zu  begrüssen  und  begründete  dies  mit  dem  Argument,  dass  der  Online-
Handel  zu  einem  Preisverfall  führen  würde,  welcher  ihre  Existenz  bedrohe.  Überdies 
machten zahlreiche dieser Händler geltend, Opfer des sog. Trittbrettfahrerproblems (vgl. 
dazu eingehend Rz 146 ff. hiernach) zu sein.32  

52. 
Diese Gründe lassen darauf schliessen, dass die rein stationären Fachhändler durch 
Internetverkäufe unter (Preis-)Druck kamen, in der Folge bei  den Herstellern vorstellig  wur-
den und diese sich daraufhin dazu entschlossen, Internetverkäufe zu untersagen. Ohne die 
Frage  abschliessend  zu  beantworten,  kann  auf  jeden  Fall  festgehalten  werden,  dass  die 
Hersteller sowie die rein stationären Fachhändler ein gemeinsames Interesse daran hatten, 
Internetverkäufe einzuschränken resp. auszuschliessen. Erstere, um dem Druck der rein sta-
tionären Fachhändler vorzubeugen, Letztere, um möglichen Margenverlusten Einhalt zu ge-
bieten (vgl. dazu auch Rz 99 ff. hiernach). 

53. 
Somit ist das Vorliegen eines bewussten und gewollten Zusammenwirkens  (mindes-
tens) zwischen den Herstellern und den gemischten Händlern zu bejahen, da Letztere – woll-

30   Act. 30; act. 113. 
31   Es handelt sich dabei vor allem um kleinere und/oder in ländlichen Regionen domizilierte Händler. 
32   Das Trittbrettfahrerproblem bedeutet hier, dass sich Konsumenten vorgängig zum Kauf eines Pro-
duktes bei einem stationären Fachhändler informieren und beraten lassen, das Produkt aber 
schliesslich bei einem (günstigeren) Online-Händler kaufen. 

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15 

 
 
 
 
 
                                                
ten sie die weitere Belieferung nicht gefährden (insbesondere angesichts der Umsatzstärke) 
–  eine  Zusammenarbeit  mit  den  Herstellern  hätten  wahrnehmen  müssen.  Überdies  liegen 
starke Indizien vor, welche darauf hindeuten, dass das generelle Verbot von Internetverkäu-
fen auch auf ein bewusstes und gewolltes Zusammenwirken zwischen den rein stationären 
Fachhändlern und den Herstellern zurückzuführen ist. 

D.3.1.2. Bezwecken oder Bewirken einer Wettbewerbsbeschränkung 

Neben  dem  Element  des  bewussten  und  gewollten  Zusammenwirkens  der  an  einer 
54. 
Abrede  beteiligten  Unternehmen  ist  zudem  erforderlich,  dass  eine  Wettbewerbsbeschrän-
kung bezweckt wird, eine tatsächliche Beeinflussung des Marktes ist indes nicht notwendig. 
Bezwecken  in  diesem  Sinne  bedeutet,  dass  die  Abrede  oder  die  abgestimmte  Verhaltens-
weise  objektiv  geeignet  sein  muss,  eine  Wettbewerbsbeschränkung  durch  Ausschaltung 
oder  Beseitigung  eines  Wettbewerbsparameters  herbeizuführen,33  unwesentlich  sind  dabei 
die  Vorstellungen  oder  die  Absichten  der  beteiligten  Unternehmen.  Bewirkt  wird  eine Wett-
bewerbsbeschränkung dann, wenn tatsächlich eine Beeinflussung auf dem relevanten Markt 
stattfindet.  Nicht  erforderlich  ist  indes,  dass  die  Wirkung  bereits  eingetreten  ist.  Es  genügt, 
wenn diese mit hinreichender Wahrscheinlichkeit in naher Zukunft eintreten wird.34 

D.3.1.2.1.  Einfluss auf den Wettbewerbsparameter Preis 

55. 
Im Lichte vorstehender Ausführungen lässt sich zunächst einmal festhalten, dass das 
Medium Internet den Konsumenten beim Kaufentscheid verschiedene Vorteile bringt, wobei 
insbesondere die Möglichkeit, Preise miteinander zu vergleichen, hervorzuheben ist.  Die so 
geförderte Markttransparenz kann dazu führen, dass (insbesondere rein stationäre)  Händler 
einem  gesteigerten  Wettbewerbsdruck  ausgesetzt  sind.  Denn  es  liegt  einerseits  auf  der 
Hand,  dass  ein gut  informierter  Konsument gegenüber  dem  Verkäufer  eher  über  den Preis 
verhandelt als ein Kunde, der über die momentan geltenden Preise nicht im Bilde ist. Ande-
rerseits nimmt der Druck auf die Preise eines Händlers tendenziell zu, wenn in einem Markt 
mehr und verschiedene Händler ein bestimmtes Produkt verkaufen, insbesondere wenn da-
runter besonders kompetitive Anbieter sind. Somit kann bereits an dieser Stelle festgehalten 
werden, dass die positiven Effekte, die vom Medium Internet ausgehen, tendenziell zu kom-
petitiveren  Preisen  führen  resp.  vermag  ein  generelles  Verbot  von  Internetverkäufen  das 
Preisniveau  von  Produkten  (negativ)  zu  beeinflussen  (vgl.  dazu  ausführlich  Rz  84  ff.  hier-
nach). 

56. 
Diese  Schlussfolgerung  wird  auch  verdeutlicht  durch  die  vom  Sekretariat  durchge-
führten Befragungen von Marktteilnehmern: Zur Klärung der Frage, ob das generelle Verbot 
des  Online-Handels  den  Wettbewerbsparameter  Preis  zu  beeinflussen  vermag,  erkundigte 
sich  das  Sekretariat  bei 55  Händlern,  welche Weisswaren35  vertreiben,  u.a.  nach allfälligen 
Preisunterschieden  zwischen  dem  stationären  Fachhandel  und  dem  Online-Handel.  Dabei 
zeigte sich, dass die überwiegende Mehrheit die Frage, ob Preisdifferenzen bestehen, bejah-
te. Interessant ist auch, dass sich ein Teil der befragten Händler (rein stationäre Fachhänd-
ler) grundsätzlich negativ zu den bestehenden Preisdifferenzen äusserte (siehe Rz 51). Die-
se Händler gaben an, ein generelles Verbot des Online-Handels zu begrüssen, da dieser zu 
einem unerwünschten Preiszerfall führe. Zudem gaben auch die befragten Hersteller in der 
Schweiz an, dass der Online-Handel die Verkaufspreise beeinflusst: Rund die Hälfte gab an, 
dass Preisdifferenzen zwischen dem Online- und dem stationären Handel bestünden. 

33   Vgl. zum Ganzen BSK KG-NYDEGGER/NADIG (Fn 25), Art. 4 Abs.1 KG N 67 ff. 
34   ROLAND KÖCHLI/PHILIPPE M. REICH, in: Stämpflis Handkommentar zum Kartellgesetz, Baker & Mc-

Kenzie (Hrsg.), 2007, Art. 4 KG N 24 f. 

35   Unter dem Begriff Weisswaren werden Geräte aller Art zur Erledigung der Hausarbeit wie Kochen, 

Backen, Waschen etc. verstanden. 

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16 

 
 
 
 
 
                                                
Angesichts solcher Preisdifferenzen zwischen dem (rein) stationären Fachhandel und 
57. 
dem  Online-Handel  und  unter  Berücksichtigung  der  prokompetitiven  Effekte,  welche  vom 
Medium Internet ausgehen, ist ein generelles Verbot, Produkte über das Internet zu verkau-
fen,  grundsätzlich  und  objektiv  geeignet,  das  Preisniveau  und  damit  (indirekt)  den Wettbe-
werbsparameter Preis zu beeinträchtigen. Denn eine solche Massnahme kann dazu führen, 
dass ein notorisch (preis-)kompetitiver Verkaufskanal ausgeschaltet wird.  

D.3.1.2.2.  Neue Regelungen in der EU und in der Schweiz betreffend Online-Verkäufe 

Die Europäische Kommission hat eine neue Gruppenfreistellungsverordnung für Ver-
58. 
einbarungen  zwischen  Herstellern  und  Vertriebshändlern  für  den  Verkauf  von  Waren  und 
Dienstleistungen  erlassen  (Vert-GVO,  siehe Rz 35  hiervor).  Die  Vert-GVO  und die dazuge-
hörigen Leitlinien tragen der Tatsache Rechnung, dass sich das Internet in den letzten Jah-
ren für  den Online-Verkauf  und den grenzüberschreitenden Handel  zu einem  der  zentralen 
Vertriebskanäle entwickelt hat.  

Die  neuen Bestimmungen  in der  EU  nehmen  explizit  Bezug  auf  den Online-Verkauf 
59. 
(vgl.  insbesondere  die  Rz  52-56  der  Leitlinien).  Es  wird  vorgeschrieben,  dass  zugelassene 
Vertriebshändler  die  Produkte,  die  sie  in  ihren  regulären  Geschäften  und  Verkaufsstellen 
verkaufen, auch auf ihren Websites online anbieten dürfen. Insbesondere in selektiven Ver-
triebssystemen ist damit nun klar, dass die Hersteller den Vertriebshändlern für den Internet-
verkauf weder Mengenbeschränkungen auferlegen dürfen noch dass es Einschränkungen in 
Bezug auf den Standort der Kunden oder auf die Preise (höhere Preise für online verkaufte 
Produkte)  geben  darf.  Ausserdem  stellt  die  EU-Kommission  in  den  Leitlinien  klar,  dass  sie 
den Internetverkauf weiterhin grundsätzlich als passive Form des Verkaufs behandelt haben 
will. Das Verbot des Internetvertriebs für zugelassene Händler stellt somit grundsätzlich eine 
Kernbeschränkung  dar.  Die  neuen  Bestimmungen  sind  am  1.  Juni  2010  in  Kraft  getreten 
und werden mit einer einjährigen Übergangsphase bis 2022 gelten.  

60. 
Auch die Wettbewerbskommission (nachfolgend: WEKO) hat ihre Vertikalbekanntma-
chung  revidiert  und  darin  neu  Internetverkäufe  explizit  als  passive  Verkäufe  definiert.  Im 
Lichte des Bestrebens, in der Schweiz im Bereich vertikaler Abreden die gleichen Regeln zur 
Anwendung zu bringen wie in der EU, sollen die europäischen Regeln in der Schweiz mög-
lichst  gleich  zur  Anwendung  kommen,  weshalb  das  Verbot  des  Internetvertriebs  als  grund-
sätzlich geeignet anzusehen ist, das Preisniveau in der Schweiz zu beeinträchtigen. 

D.3.1.2.3.  Schlussfolgerung 

61. 
Electrolux  bestreitet  das  Vorliegen  einer Wettbewerbsabrede i.S.v.  Art. 4 Abs.  1  KG 
(act. 190, Rz. 35 ff.). V-Zug macht geltend, dass die Ausführungen der WEKO betreffend das 
Vorliegen einer Abrede nicht auf V-Zug übertragbar seien. 

62. 
Die  vorgenannten  Gründe  führen  jedoch  vor  Augen,  dass  das  generelle  Verbot  von 
Internetverkäufen objektiv geeignet ist, eine Wettbewerbsbeschränkung  zu bezwecken oder 
zu  bewirken,  zumal  damit  das  Preisniveau  für  die  in  Frage  stehenden  Produkte  nachhaltig 
beeinflusst werden kann, denn 

  weit über 80% der Schweizer Bevölkerung verfügt über einen (schnellen) Internetzu-
gang) und dieses Medium hat sich im Zuge der technischen Entwicklung zu einer der 
wichtigsten  Informationsquellen  im  Hinblick  auf  Kaufentscheide  von  Konsumenten 
entwickelt; 

  das Medium Internet bietet Konsumenten verschiedene Vorteile, wie bspw. einen ein-
facheren  und  schnelleren  Zugang  zu  Produktinformationen,  insbesondere  zu  Ver-
kaufspreisen.  Darüber  hinaus  können  die  Preise  verschiedener  Anbieter  auf  Preis-

22/2009/03310/COO.2101.111.5.147697  

17 

 
 
 
 
 
vergleichsseiten  innert  Kürze  verglichen  werden.  Dies  führt  zu  transparenteren 
Marktverhältnissen und 

 

fest steht, dass der besonders preiskompetitive Online-Handelskanal einen gewissen 
(Wettbewerbs-)Druck auf die (rein stationären) Händler ausübt und mit dem generel-
len Verbot von Internetverkäufen besagter Druck eliminiert wird, was im Ergebnis da-
zu führt, dass sich die (rein stationären) Händler in der Festsetzung ihrer Preise we-
niger unter Druck sehen und dadurch tendenziell in der Lage sind, die Verkaufspreise 
höher anzusetzen, resp. nicht senken zu müssen. 

63. 
Zudem wird ein (generelles) Verbot von Internetverkäufen nach der neuen Gruppen-
freistellungsverordnung für  vertikale  Vereinbarungen (Vert-GVO)  als  Kernbeschränkung  an-
gesehen,  und  dies  gilt  selbst  im  Rahmen  eines  selektiven  Vertriebssystems.  Daher  würde 
ein generelles Verbot von Internetverkäufen auch in der EU als unzulässig angesehen. 

D.3.1.3. Vertikale Abrede 

64. 
Von Art. 4 Abs. 1 KG erfasst werden sowohl horizontale als auch vertikale Abreden. 
Als vertikale Abreden gelten erzwingbare oder nicht erzwingbare Vereinbarungen sowie auf-
einander abgestimmte Verhaltensweisen von Unternehmen verschiedener Marktstufen, wel-
che die Geschäftsbedingungen betreffen, zu denen die beteiligten Unternehmen bestimmte 
Waren  oder  Dienstleistungen  beziehen,  verkaufen  oder  weiterverkaufen  können.  Vertikale 
Abreden  werden  zwischen  Unternehmen  unterschiedlicher  Marktstufen  getroffen,  betroffen 
ist somit die „Anbieter-Nachfrager-Beziehung“36. 

65. 
Da in casu die Electrolux AG und die V-Zug AG auf der Herstellerstufe und die von 
ihnen belieferten Händler auf der Vertriebsstufe tätig sind (vgl. Rz. 1 ff.), sind die zu beurtei-
lenden Abreden als vertikale zu qualifizieren. 

D.3.1.4. Fazit 

66. 
Den vorstehenden Ausführungen zufolge sind bezüglich des generellen Verbots von 
Internetverkäufen  vorliegend  sowohl  das  Kriterium  des  bewussten  und  gewollten 
Zusammenwirkens als auch dasjenige des Bezweckens oder Bewirkens einer Wettbewerbs-
beschränkung  gegeben.  Somit  ist  in  casu  vom  Vorliegen  vertikaler  Abreden  i.S.v. 
Art. 4 Abs. 1 KG auszugehen. 

D.3.2.  Sanktionierbare Wettbewerbsabrede 

D.3.2.1. Einleitende Bemerkungen 

67. 
Bevor im Folgenden auf die Frage eingegangen wird, ob und unter welchen Umstän-
den ein Verbot bzw. Behinderungen von Internetverkäufen als unzulässige (sanktionierbare) 
Wettbewerbsabreden  i.S.v.  Art.  5  Abs.  4  KG  qualifiziert  werden  können,  ist  festzuhalten, 
dass sich diese Frage vorliegend nicht konkret stellt, weil keine Hinweise oder Beweismittel 
vorliegen,  welche  auf  sanktionierbare  Verhaltensweisen  der  Electrolux  AG  und/oder  der  V-
Zug AG hindeuten. 

68. 
Vor diesem Hintergrund sind die Ausführungen in den folgenden Abschnitten in erster 
Linie im vorausschauenden Sinne zu verstehen. Es soll darauf eingegangen werden, ob und 
gegebenenfalls  unter  welchen  Umständen  ein  Verbot  oder  Beschränkungen  des  Online-
Handels  vom  Anwendungsbereich von  Art.  5  Abs.  4 KG  erfasst  werden können.  In  diesem 

36   BSK KG-NYDEGGER/NADIG (Fn 25), Art. 4 Abs. 1 KG N 139. 

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18 

 
 
 
 
 
                                                
Sinne  beziehen  sich  die  nachfolgenden  Ausführungen  auf  bekannte  Informationen  und  die 
aktuelle (nationale und europäische) Rechtsprechung und Praxis. 

69.  Ob und inwiefern Behinderungen  des Online-Handels allenfalls von  Art. 5 Abs. 4 KG 
erfasst werden können, ist grundsätzlich anhand der konkreten Umstände des Einzelfalls zu 
prüfen. Entscheidend ist dabei jeweils die Wirkung, die herbeigeführt wird bzw. werden kann 
und nicht das dafür eingesetzte Mittel.  

D.3.2.2. Verbot/Beschränkung des Online-Handels – Abrede i.S.v. Art. 5 Abs. 4 KG? 

70. 
Für die Qualifikation als Preisbindung zweiter Hand  ist erforderlich, dass Wiederver-
kaufspreise festgesetzt werden, was geeignet sein muss, wirksamen Wettbewerb zu tangie-
ren. Massgebend ist dabei die Wirkung der Preisfestsetzung und nicht das dafür eingesetzte 
Mittel.37  Entscheidend  ist  somit,  dass  die  Wiederverkaufspreise  direkt  oder  indirekt  beein-
flusst werden und diese von den Abnehmern eingehalten werden resp. diese in der Möglich-
keit  beschränkt  werden,  ihren  Verkaufspreis  selber  zu  bestimmen.  Wie  an  anderer  Stelle 
ausführlich  dargelegt  wird  (siehe  Rz  103  ff.  hiernach),  wird  der  Preiswettbewerb  durch  ein 
Verbot von Internetverkäufen beeinflusst. 

71. 
Es  lässt  sich  jedoch  festhalten,  dass  es  fraglich  scheint,  ob    die  Einführung  eines 
Verbotes von Internetverkäufen – isoliert betrachtet – als Preisbindung zweiter Hand qualifi-
ziert werden kann. Die Einführung eines Verbotes von Internetverkäufen lässt sich indes als 
Korrektiv  für  das  (unerwünschte)  Preissetzungsverhalten  gewisser  Wiederverkäufer  einstu-
fen.  Somit  lässt  sich  in  Bezug  auf  ein  Verbot  von  Internetverkäufen  bzw.  Beschränkungen 
derselben  festhalten,  dass  diese,  solange  sie  nicht  von  weiteren,  qualifizierenden  Umstän-
den  begleitet  werden,  nicht  ohne Weiteres  als  Preisbindungen  zweiter  Hand  zu  betrachten 
sind. Eine Preisbindung zweiter Hand kann aber beispielsweise dann vorliegen, wenn  

 

 

neben einem Verbot von Internetverkäufen eine Koppelung an Preisempfehlungen oder 
an  Vereinbarungen  vorhanden  ist,  welche  die  Rabattpolitik  der Wiederverkäufer  beein-
flusst oder  

im  Zusammenhang  mit  einem  Verbot  von  Internetverkäufen  Massnahmen  wie  Drohun-
gen, Einschüchterungen, Warnungen, Strafen, Verzögerungen oder die Aussetzung von 
Lieferungen  und  die  Vertragskündigung  bei  Nichteinhaltung  eines  bestimmten  Preisni-
veaus ausgesprochen resp. umgesetzt werden. 

72. 
Darüber  hinaus  ist  hervorzuheben,  dass  ein  Verbot  von  Internetverkäufen  bereits 
dem Gegenstand nach als problematisch zu betrachten ist. Dies ist im Wesentlichen darauf 
zurückzuführen, dass Internetverkäufe als passive Verkäufe gelten (was im Übrigen bereits 
nach der alten VertBek so auszulegen gewesen wäre) und gemäss Ziffer 10 VertBek insbe-
sondere im Falle von Passivverkaufsverboten an Händler oder Endkunden davon auszuge-
hen ist, dass die Beseitigungsvermutung nach Art. 5 Abs. 4 KG erfüllt ist, sofern diese im Zu-
sammenhang mit der Zuweisung von Absatzgebieten stehen. Damit wäre beim Vorliegen ei-
nes Verbotes von Internetverkäufen bereits ein gewichtiger Teil des Tatbestandes einer un-
zulässigen Gebietsschutzabrede erfüllt, was bereits als ein starkes Indiz für die Existenz ei-
ner unzulässigen Abrede i.S.v. Art. 5 Abs. 4 KG zu betrachten ist.  

In  diesem  Zusammenhang  gilt  es  auf  die  Problematik  des  grenzüberschreitenden 
73. 
Warenverkehrs einzugehen. Die wettbewerbsrechtliche Problematik eines Verbots resp. der 
Beschränkung des Online-Handel ist insbesondere dann gegeben, wenn dadurch der grenz-
überschreitende  Warenverkehr  eingeschränkt  werden  soll,  um  den  Schweizer  Markt  abzu-

37   Vgl. Zum Ganzen PATRICK L. KRAUSKOPF/OLIVIER SCHALLER, in: Basler Kommentar, Kartellgesetz, 

Amstutz/Reinert (Hrsg.), 2010, Art. 5 KG N 493 ff. 

22/2009/03310/COO.2101.111.5.147697  

19 

 
 
 
 
 
                                                
schotten. Dies kann speziell bei Produkten der Fall sein, deren Preisniveau in der Schweiz 
dasjenige im europäischen Ausland deutlich übersteigt.  

74. 
Vor  diesem  Hintergrund  und  in  Anlehnung  an  die  Handhabung  der  Europäischen 
Kommission  werden  nachstehend  beispielhaft  einige  Konstellationen  aufgezählt,  bei  deren 
Vorliegen  von  einer  problematischen  Beschränkung  des  passiven  Verkaufs  auszugehen  ist 
und welche die Subsumtion unter Art. 5 Abs. 4 KG (absolute Gebietsschutzabrede) nahe le-
gen.  Anhaltspunkte  für  das  Vorliegen  einer  unzulässigen  Wettbewerbsabrede  i.S.v.  Art.  5 
Abs. 4 KG können bspw. die folgenden Umstände darstellen: 

  Wenn  vereinbart  wird,  dass  der  Wiederverkäufer  verhindert,  dass  Kunden  aus  einem 
anderen  (Vertrags-)Gebiet  seine  Website  einsehen  können  oder,  dass  er  auf  seiner 
Website  eine  automatische  Umleitung  auf  die  Website  des  Herstellers  oder  anderer 
Wiederverkäufer einrichtet. 

  Wenn  vereinbart  wird,  dass  der  Wiederverkäufer  Internet-Transaktionen  von  Endab-
nehmern  unterbricht  sobald  ihre  Kreditkarte  eine  Adresse  erkennen  lässt,  die  nicht  im 
(Vertrags-)Gebiet des Händlers liegt. 

75. 
Die  in  diesem  Abschnitt  genannten  Beispiele  sind  jedoch  lediglich  im  Sinne  einer 
Veranschaulichung  zu  verstehen  und  erheben  weder  Anspruch  auf  Vollständigkeit  noch 
Ausschliesslichkeit. Es ist stets anhand der konkreten Umstände des Einzelfalls zu beurtei-
len, ob eine Abrede den Tatbestand der Preisbindung zweiter Hand resp. des absoluten Ge-
bietsschutzes erfüllt oder nicht. Festgehalten werden kann jedoch an dieser Stelle, dass als 
Faustregel  gilt:  Je  mehr  und  je  einschneidendere  Einschränkungen  ein  Hersteller  seinen 
Wiederverkäufern  auferlegt,  desto  eher  ist  vom  Vorliegen  einer  Abrede  i.S.v.  Art.  5  Abs.  4 
KG auszugehen.  

D.3.2.3. Fazit 

76. 
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass es fraglich ist, ob ein Verbot von Inter-
netverkäufen bzw. Beschränkungen derselben für sich genommen als Preisbindungen zwei-
ter Hand qualifiziert werden können. Diese Erkenntnis gilt indes lediglich, solange keine qua-
lifizierenden  (erschwerenden)  Umstände  hinzukommen.  Ob  solche  vorliegen,  ist  stets  an-
hand der konkret vorliegenden Umstände des Einzelfalles zu prüfen, wobei darauf hinzuwei-
sen  ist,  dass  je  weitgehender  und  restriktiver  die  mit  einem  Verbot  von  Internetverkäufen 
bzw.  Beschränkungen  derselben  einhergehen,  desto  eher  die  Vermutung  nahe  liegt,  dass 
eine Preisbindung zweiter Hand vorliegt. Im Zusammenhang mit absolutem Gebietsschutz ist 
darauf hinzuweisen, dass ein Verbot von Internetverkäufen als Passivverkaufsverbot zu qua-
lifizieren ist, welches bereits für sich genommen als starkes Indiz für eine unzulässige Wett-
bewerbsabrede  i.S.v.  Art.  5 Abs.  4 KG  zu betrachten  ist.  Dies gilt  umso mehr,  wenn durch 
Einschränkungen des Online-Vertriebs der grenzüberschreitende Handel eingeschränkt wer-
den soll, um den schweizerischen Markt abzuschotten.  

Im Konkreten liegen keine Indizien oder Beweismittel vor, welche auf  Abreden nach 
77. 
Art. 5  Abs.  4  KG  hindeuten.  Die  vorliegenden Abreden  werden deshalb unter  Art.  5 Abs.  1 
KG analysiert. 

D.3.3.  Erhebliche Beeinträchtigung des Wettbewerbs  

78. 
Abreden, die den Wettbewerb auf einem Markt für bestimmte Waren oder Leistungen 
erheblich beeinträchtigen und sich nicht durch Gründe der wirtschaftlichen Effizienz rechtfer-
tigen lassen, sind unzulässig (Art. 5 Abs. 1 KG). Bei der Prüfung der Frage, ob eine erhebli-
che Wettbewerbsbeeinträchtigung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 KG vorliegt, sind sowohl quali-
tative als auch quantitative Kriterien zu berücksichtigen. Die Abwägung dieser beiden Kriteri-

22/2009/03310/COO.2101.111.5.147697  

20 

 
 
 
 
 
en erfolgt einzelfallweise in einer Gesamtbeurteilung. Dabei kann eine qualitativ schwerwie-
gende  Beeinträchtigung  trotz  quantitativ  geringfügiger  Auswirkungen  erheblich  sein.  Umge-
kehrt  kann  eine  Beeinträchtigung  mit  quantitativ  beträchtlichen  Auswirkungen  den  Wettbe-
werb  erheblich  beeinträchtigen,  auch  wenn  sie  qualitativ  nicht  schwerwiegend  ist  (Ziffer  12 
Abs. 1 VertBek). Nachfolgend werden zuerst die qualitativen und anschliessend die quantita-
tiven Kriterien der Erheblichkeit der vorliegenden Abreden analysiert. 

79. 
 Gemäss Ziffer 13 VertBek führen vertikale Wettbewerbsabreden, welche nicht unter 
Ziffer  12  Abs.  2  lit.  a  bis  e  fallen,  in  der  Regel  nicht  zu  einer  erheblichen  Beeinträchtigung 
des Wettbewerbs, wenn kein an der Abrede beteiligtes Unternehmen auf einem von der Ab-
rede betroffenen relevanten Markt einen Marktanteil von 15% überschreitet. Diese Schwelle 
wird nach Ziffer 13 Abs. 2 VertBek auf 5% herabgesetzt, wenn der Wettbewerb auf dem re-
levanten  Markt  durch die kumulativen  Auswirkungen mehrerer gleichartiger,  nebeneinander 
bestehender vertikaler Vertriebsnetze beschränkt wird. Es liegt aber in der Regel kein kumu-
lativer Abschottungseffekt vor, wenn weniger als 30% des relevanten Marktes von gleicharti-
gen, nebeneinander bestehenden vertikalen Vertriebsnetzen abgedeckt wird. 

80. 
Bevor  auf  die  Beurteilung  der  in  Frage  stehenden  Abreden  eingegangen  wird,  kann 
bereits an dieser Stelle festgehalten werden, dass sowohl die Electrolux AG als auch die V-
Zug AG über individuelle Marktanteile im relevanten Markt von je (deutlich) über 15% verfü-
gen (siehe Rz 113 hiernach), sodass über die Frage der Erheblichkeit der Abreden im Rah-
men einer Einzelfallprüfung zu entscheiden ist. Im Übrigen ist davon auszugehen, dass die 
Marktanteilsschwelle  in  casu  auf  5%  herabzusetzen  wäre,  zumal  die  kumulativen  Auswir-
kungen  der  beiden  vertikalen  Vertriebsnetze  der  Electrolux  AG  und  der  V-Zug  AG  alleine 
(deutlich) mehr als 30% des relevanten Marktes abdecken (siehe Rz 132 ff. hiernach). 

D.3.3.1. Qualitative Kriterien 

Die qualitativen Kriterien einer Wettbewerbsbeschränkung beschlagen die Bedeutung 
81. 
des von einer Abrede betroffenen Wettbewerbsparameters.38 Zu untersuchen gilt es in quali-
tativer  Hinsicht,  wie  wichtig  die  von  der  Abrede  betroffenen  Wettbewerbsparameter  für  die 
Konkurrenzverhältnisse  sind.39  Im  Fokus  der  nachstehenden  Ausführungen  steht  der Wett-
bewerbsparameter  Preis,  welchem  auf  dem  relevanten  Markt  eine  zentrale  Bedeutung  zu-
kommt. 

82. 
In Bezug auf vertikale Wettbewerbsabreden hat die WEKO im Rahmen ihrer Vertikal-
bekanntmachung  Kriterien  dargelegt,  wann  eine  Wettbewerbsabrede  aufgrund  des  Gegen-
standes als qualitativ schwerwiegend qualifiziert wird (Ziffer 12 Abs. 2 VertBek).  

83. 
In den nachstehenden Abschnitten wird analysiert, ob ein generelles Verbot des Onli-
ne-Handels als eine qualitativ schwerwiegende Beeinträchtigung des Wettbewerbs zu quali-
fizieren ist. Nachstehend wird zunächst geprüft, ob und inwiefern ein generelles Verbot von 
Internetverkäufen  den  Wettbewerbsparameter  Preis  betrifft.  Danach  wird  darauf  eingegan-
gen,  inwiefern  die  vorliegenden  Abreden  aufgrund  des  Gegenstandes  gemäss  VertBek  als 
schwerwiegend betrachtet werden müssen. 

38   Vgl. BSK KG-KRAUSKOPF/SCHALLER (Fn 37), Art. 5 KG N 186. 
39   BORER (Fn 26), Art. 5 KG N 21; vgl. auch BSK KG-KRAUSKOPF/SCHALLER (Fn 38), Art. 5 KG N 174. 

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21 

 
 
 
 
 
                                                
D.3.3.1.1.  Preisunterschiede Online-Offline 

84. 
Die allgemeine Konsumerfahrung legt nahe, dass die Verkaufspreise etlicher Produk-
te im Verkaufskanal Internet tiefer sind als die Preise, welche im stationären Fachhandel be-
zahlt werden. Dies wird u.a. auch durch wissenschaftliche Untersuchungen bestätigt.40 

85. 
Dieser Umstand kann sicherlich zum Teil mit tieferen Kosten (reiner) Online-Händler 
aufgrund  eines  tieferen  Personalaufwands,  tieferer  Miet-  und  Logistikkosten,  grösserer  Vo-
lumen etc. erklärt werden. Daneben ist – wie weiter unten ausführlich beschrieben (siehe Rz 
92  ff.  hiernach)  –  davon  auszugehen,  dass  einfache  und  schnelle  Vergleichsmöglichkeiten 
und die damit einhergehende grosse Preistransparenz einen hohen Wettbewerbsdruck nach 
sich ziehen, was sich zusätzlich auf die Preise auswirken dürfte.  

Die folgenden beiden Studien, welche Preisunterschiede eines ganzen Warenkorbes 
86. 
auf  Unterschiede  zwischen  Online-  und  Offline-Handel  untersuchen,  kommen  zu  vergleich-
baren Ergebnissen: 

  Eine Studie der htp St. Gallen Managementberatung gelangt zum Ergebnis, dass ein un-
tersuchter Warenkorb bei klassischen Detailhändlern 26,5% mehr gekostet hat als im In-
ternet (inkl. Versandkosten und eventuell anfallender Zölle).41 In der Studie wurden Prei-
se von gut 50 ebay Schweiz  verkauften Neuwaren von gewerblichen Händlern mit den 
Preisen im klassischen Detailhandel miteinander verglichen. 

  Zu  einem  ähnlichen  Resultat  mit  derselben  Methode  kommt  eine  Studie  von  Frontier 
Economics  betreffend  Preise  von  über  700  Gütern  in  Deutschland,  Frankreich  und 
Grossbritannien. Die Autoren dieser Studie berechneten eine durchschnittliche Ersparnis 
von 17% im Online-Kanal.42  

87. 
Die Einschätzung, wonach die Verkaufspreise über das Internet tiefer sind als im sta-
tionären Handel, wird durch die Befragungen des Sekretariats im Rahmen des vorliegenden 
Verfahrens bestätigt. Das Sekretariat befragte eine Anzahl Händler, welche Weisswaren ver-
treiben,  u.a.  nach allfälligen  Preisunterschieden  zwischen dem  stationären  Fachhandel  und 
dem Online-Handel. Dabei resultierte folgendes Bild:43 

  Von  den  verwertbaren  Antworten  bejahte  die  überwiegende  Mehrheit  die  Frage,  ob 
Preisdifferenzen  bestehen.  Diese  bewegten  sich  zwischen  8%  und  46%,  die  meisten 
Händler nannten Unterschiede in der Grössenordnung von 15%.  

  Ein nicht zu vernachlässigender Teil der Händler äusserte sich dabei grundsätzlich ne-
gativ  zu  den  Preisdifferenzen.  Die  Kritik  geht  dahin,  dass  der  Online-Handel  beseitigt 
werden solle, da er zu einem unerwünschten Preiszerfall führe.  

40   So z.B. ALAN E. WISEMAN/JERRY ELLIG, Market and Non-Market Barriers to Internet Wine Sales: 
The Case of Virginia, in: Business and Politics, Vol. 6, 2004. Vgl. auch: U.S. FEDERAL TRADE 
COMMISSION, Report on Possible Anticompetitive Barriers to E-Commerce: Wine, 2003, 
http://www.ftc.gov/os/2003/07/winereport2.pdf (13.4.2011); ERIK BRYNJOLFSSON/MICHAEL D. SMITH, 
Frictionless Commerce? A Comparison of Internet and Conventional Retailers, in: Management 
Science, Vol. 46, April 2000, 563-585; JAMES D. COOPER, Price Levels and Dispersion in Online 
and Offline Markets for Contact Lenses, U.S. Federal Trade Commission Working Paper, 2006; 
FIONA SCOTT MORTON/FLORIAN ZETTELMEYER/JORGE SOLVA-RISSO, Internet Car Retailing, in: The 
Journal of Industrial Economics, Vol. 49, December 2001, 501-519. 

41   Vgl. Studie des Instituts htp St. Gallen Managementberatung,  

http://www.presseportal.ch/de/pm/100005381/100570119/ebay_schweiz, (13.4.2011). 
42   FRONTIER ECONOMICS, Economic Study of the Consumer Benefits of eBay, London, 2008,   

http://ec.europa.eu/competition/sectors/media/ebay_frontier_report.pdf (13.4.2011). 

43   Vgl. act. 17; 18; 20-25; 28; 29; 32; 34; 36; 38; 40-44; 47; 49-51; 53-55; 57; 86-93; 95-99; 103; 105-

107; 109-112; 115; 117; 119; 121; 122. 

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22 

 
 
 
 
 
                                                
Zusätzlich  stellte  das  Sekretariat  den  acht  führenden  Herstellern/Importeuren  von 
88. 
Weisswaren in der Schweiz ebenfalls die Frage, ob Preisdifferenzen zwischen dem stationä-
ren  Fachhandel  und  dem  Online-Handel  bestehen,  und  wenn  ja,  in  welcher  Höhe  sich  die 
Differenzen  bewegen.  Dabei  ergab  sich  folgendes  Bild:  Die  Hälfte  der  Befragten  gab  an, 
dass Preisdifferenzen zwischen dem Online-Handel und dem stationären Handel bestehen. 
Diese Differenzen bewegen sich gemäss den Antworten der befragten Marktteilnehmer zwi-
schen ungefähr 5% und 35%.44 

Schliesslich  gehen  anscheinend  auch  die  Electrolux  AG  und  die  V-Zug  AG  (zumin-
89. 
dest implizit) davon aus, dass im Internet tiefere Preise herrschen. Dies zeigt das Vorbringen 
des  Trittbrettfahrerproblems  zur  Rechtfertigung  von  Einschränkungen  des  Online-Handels 
(vgl. dazu ausführlich Rz 149 ff. unten). So trete ein Trittbrettfahrerproblem auf, weil sich ein 
Konsument  im  stationären  Handel  beraten  lassen  könne  und  das  Produkt  anschliessend 
(günstiger) im Internet bestelle. Wären die Preise im Online-Kanal nicht günstiger, hätte der 
Konsument wenige Anreize, das Produkt nach der Beratung im stationären Fachgeschäft on-
line  zu beziehen. In diesem Fall könnte er  die Ware ebenso gut direkt im Fachgeschäft er-
werben, dessen Personal ihn beraten hat.   

90.  Gestützt  auf  die  vorstehenden  Ausführungen  kann  festgehalten  werden,  dass  das 
Preisniveau  im  Online-Handel  in aller  Regel  tiefer  ist  als  im  stationären  Fachhandel.  In der 
Schweiz  bestehen  bei  Weisswaren-Grosshaushaltsgeräten  Preisdifferenzen  zwischen  8% 
und  46%  zwischen  dem  stationären  Fachhandel  und  dem  Online-Handel.  Online-Händler 
können  also  als  besonders  preiskompetitive  Anbieter  betrachtet  werden,  welche  einen  ge-
wissen  Wettbewerbsdruck  auf  die  stationären  Händler  ausüben.  Wie  nachfolgend  gezeigt 
wird, erhöht sich dieser Druck  aufgrund der durch den Online-Handel angestiegenen Preis-
transparenz zusätzlich.  

91. 
Die Parteien bezweifeln die Übertragbarkeit der Ergebnisse der von der WEKO auf-
geführten Studien auf den konkreten Fall. Dem ist zu entgegnen, dass die Einsichten der von 
der WEKO zitierten Studien  – mögen sie auch nicht eins zu eins auf den vorliegenden Fall 
übertragbar sein – Rückschlüsse für die wettbewerbsrechtliche Beurteilung der in Frage ste-
henden  Abreden  zulassen.  Zudem  stellen  die  Ergebnisse  der  erwähnten  Studien  nicht  die 
alleinige Basis der Aussagen zum Thema der Preisdifferenzen dar. Vielmehr stützt sich die 
Würdigung der WEKO auch auf konkrete Befragungen von Marktteilnehmern, welche die Er-
kenntnisse der oben genannten Studien stützen. 

D.3.3.1.2.  Preistransparenz 

92. 
Eine der Grundannahmen der klassischen Wirtschaftstheorie ist perfekte Information, 
d.h., dass alle Marktteilnehmer (Anbieter wie Nachfrager) jederzeit vollständig über alle Prei-
se  etc.  im  Markt  informiert  sind.  Sind  die Grundannahmen der Wirtschaftstheorie  wie diese 
erfüllt,  befinden  wir  uns  in  einer  idealen  Welt,  in  der  die  Märkte  reibungslos  funktionieren, 
was zu effizienten Marktergebnissen führt. Wenn nun von der Annahme der perfekten Infor-
mation  abgewichen  wird,  was  in  vielen  Fällen  durchaus  realistisch  ist,  verlässt  man  diese 
ideale Welt. Eine solche Situation wird in der ökonomischen Theorie in der Regel so model-
liert, dass die Suche nach (Preis)Informationen Kosten verursacht, so genannte Suchkosten. 
Suchkosten werden definiert als Kosten, welche für einen Käufer anfallen, um einen geeig-
neten Verkäufer ausfindig zu machen und ein Gut zu erwerben.45  

44   Drei Antworten waren nicht verwertbar. Einzig die V-Zug AG (inkl. Sibir) gab an, dass keine Preis-

differenzen bestehen würden (vgl. act. 31; 35; 37; 39; 48; 52; 56; 94; 108).  

45   Mit Kosten müssen dabei nicht unbedingt monetäre Kosten gemeint sein. Bei der Informationssu-
che von Konsumenten werden in erster Linie «Zeitkosten» anfallen. Daneben ist aber auch an 
Fahrkosten (von Geschäft zu Geschäft) etc. zu denken. 

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23 

 
 
 
 
 
                                                
93.  Wenn  Suchkosten  anfallen,  kann  dies  dazu  führen,  dass  die  Marktergebnisse  nicht 
mehr effizient sind und die Gleichgewichtspreise oberhalb der Grenzkosten zu stehen kom-
men. Im Extremfall können von den Firmen gar Monopolpreise gesetzt werden. Müssen In-
formationen erst mühsam beschafft werden, kann es in einem solchen Umfeld also zu ineffi-
zienten Marktergebnissen kommen (im Vergleich zu einer Situation mit vollkommenem Wett-
bewerb).46 Vereinfacht kann gesagt werden, dass je höher die Suchkosten sind, desto eher 
werden ineffiziente Marktergebnisse, sprich überhöhte (oder suprakompetitive) Preise resul-
tieren.  Oder  anders  ausgedrückt:  Je  tiefer  die  Suchkosten  sind,  desto  eher  nähern  wir  uns 
der idealen Welt mit tieferen Preisen.47 

94. 
Es  liegt  nun  auf  der  Hand,  dass  die  (Preis-)Suchkosten  der  Konsumenten  mit  der 
Verbreitung des Internets in vielen Bereichen signifikant gesunken sind. Dies ist umso mehr 
der Fall, wenn von den Konsumenten Preisvergleichsseiten48 benutzt werden. Mittels solcher 
Preissuchmaschinen kann sich ein Konsument für ein gewünschtes Produkt binnen Sekun-
den einen Überblick über den Markt verschaffen. Er kann sofort sehen, welche Anbieter das 
Gut  anbieten  und  welche  Preise  verlangt  werden.  Die  Suchkosten  sind  somit  äusserst  tief, 
was zu einer grossen (Preis-)Transparenz für die Konsumenten führt.  Aufgrund des Voran-
stehenden  kann  davon  ausgegangen  werden,  dass  durch  diese  Senkung  der  Suchkosten 
resp. der erhöhten Preistransparenz die in Frage stehenden Märkte reibungsloser funktionie-
ren und die Marktergebnisse sich in Richtung eines effizienten Marktergebnisses mit tieferen 
Preisen entwickeln (werden).49 

95. 
Die Märkte funktionieren infolge der erhöhten Transparenz u.a. darum effizienter, weil  
die  erhöhte  Preistransparenz  zu  einer  grösseren  Preiselastizität  der  Nachfrage  –  sprich 
Preissensibilität der Kunden –  und damit zu einem verstärkten Preiswettbewerb führt.50 Die 
höhere  Preissensibilität  der  Konsumenten  kann  sich  im  konkreten  Fall  etwa  darin  äussern, 
dass  ein  Konsument,  der  beispielsweise  einen  freistehenden  Kühlschrank  kaufen  möchte, 
dank vorgängiger Information auf dem Internet eine gewisse Vorstellung davon hat, was ein 
solches Gerät ungefähr kostet.51 Wenn nun der Konsument mit diesem Vorwissen in ein sta-

46   Vgl. zum Ganzen JOSEPH E. STIGLITZ, Imperfect Information in the Product Market, in:, Handbook of 

Industrial Organization, Schmalensee/Willig (Hrsg.),1989, Vol. 1, 769-847.  

47   Vgl. DALE O. STAHL, Oligopolistic Pricing with Sequential Consumer Search, in: The American Eco-
nomic Review, Vol. 79, No. 4, September 1989, 700-712; Betreffend differenzierte Güter vgl. J. 
YANNIS BAKOS, Reducing Buyer Search Costs: Implications for Electronic Marketplaces, in Man-
agement Science, Vol. 43, No. 12, December 1997. 

48   Wie beispielsweise www.toppreise.ch, www.preissuchmaschine.ch oder auch www.comparis.ch. 
49   Vgl. zum Ganzen VIVES (Fn 12), 94; JEFFREY R. BROWN/AUSTAN GOOLSBEE, Does the Internet Make 
Markets More Competitive? Evidence from the Life Insurance Industry, in: The Journal of Political 
Economy, Vol. 110, June 2002, 481-507; ERIK BRYNJOLFSSON/ASTRID A. DICK/MICHAEL D. SMITH, A 
Nearly Perfect Market? Differentiation vs. Price in Consumer Choice, in: Quantitative Marketing 
and Economics, Vol. 8, No. 1, March 2010, 1-33; BAKOS (Fn 47); JOHN G. LYNCH JR./DAN ARIELY, 
Wine Online: Search Costs and Competition on Price, Quality, and Distribution, in: Marketing 
Science, Vol. 19, Winter 2000, 83-103; JUDITH CHEVALIER/AUSTAN GOOLSBEE, Measuring Prices and 
Price Competition Online: Amazon and Barnes and Noble, in Quantitative Marketing and Econom-
ics, 203-222.  

50   Vgl. GLENN ELLISON/SARA FISHER ELLISON, Search, Obfuscation, and Price Elasticities on the Inter-

net, in: Econometrica, Vol. 77, No. 2, March 2009, 427-452; LYNCH/ARIELY (Fn 49); 
BRYNJOLFSSON/DICK/SMITH (Fn 49); LEE BENHAM, The Effect of Advertising on the Price of Eyeg-
lasses, in: Journal of Law and Economics, Vol. 15, No. 2, October 1972, 337-352; VIVES (Fn 12), 
94. 

51   Konsumenten konnten sich auch früher (und können es heute noch) in verschiedenen stationären 
Fachgeschäften über das Produktangebot und die geltenden Preise eine Vorstellung machen. 
Oder Konsumenten können sich bei verschiedenen stationären Fachhändlern per Telefon über die 
Preise eines bestimmten Produkts informieren. Im Unterschied zur Informationssuche per Internet 
fallen bei diesen Methoden jedoch ungleich höhere Suchkosten an (man denke z.B. an den Zeit-
aufwand, um von Geschäft zu Geschäft zu fahren). 

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24 

 
 
 
 
 
                                                
tionäres  Fachgeschäft  geht  und  dort  sieht,  dass  die  Kühlschränke  mehr  kosten  als  seine 
Preissuche ergeben hat, kann oder wird er den Fachhändler auf die Internet-Preise anspre-
chen und nach einer Preisanpassung fragen. Dies übt einen Druck auf den Fachhändler aus, 
seine Preise in dieselbe Richtung anzupassen.52  

96. 
Dieser  Umstand  wird durch die Befragung  des  Sekretariats  bestätigt.  Einige  der  be-
fragten  Händler  begrüssen  ein  Verbot  von  Internetverkäufen  explizit  mit  der  Begründung, 
dass der Online-Handel zu einem Preisverfall führe.53 Ein Händler führte beispielsweise wört-
lich aus: 

«[…] Und das ist sowieso eine Schweinerei, dass es Internet handel gibt. Die-
se  Händler  bewegen  sich  absolut  nicht,  und  machen  sich  auch  den  Rücken 
nicht  kaput.  Wir  hingegen  haben  den  ganzen  Aufwand,  und  verdienen  damit 
viel zu wenig. Der Internet handel sollte total verschwinden !!! Ich finde Elect-
rolux macht es absolut richtig, dass sie sich von Internethandel eher distanzie-
ren,  oder  sogar  zurück  ziehen  wollen.  Solche  Internet-Firmen  zerstören  die 
KMU's.  Es  sollte  schon  lange  einen  Preisüberwacher  geben  der  dafür  sorgt, 
dass die Preise nicht zu tief sinken. Der %-Kampf sollte vom Markt schon lan-
ge verschwinden !!!»54 

Ein anderer vermerkte:  

«Der Internethandel ist kein Fachhandel und macht den Markt total kapputt»,55  

und ein weiterer:  

«Une entreprise qui a un magasin avec service après-vente, qui crée des pos-
tes de travail et forme des apprentis comme la mienne, je suis souvent décou-
ragé par des prix vendus sur le net et nous savons évidement que les marges 
sont  insignifientes  et  ne  permettent  d'avoir  des  employés  ni  former  des  ap-
prentis. Nous appelons cela la concurrence déloyale.»56 

97. 
In  einer  empirischen  Untersuchung  weisen  Jeffrey  R.  Brown  und  Austan  Goolsbee 
nach,  dass  die  Offline-Preise  von  (ziemlich  homogenen)  Versicherungsverträgen  mit  dem 
Aufkommen  von  Internet-Vergleichsseiten  signifikant  gesunken  sind  (um  8–15%).  Die  ge-
stiegene Transparenz  resp.  der  intensivierte Wettbewerb  aufgrund des Internets,  insbeson-
dere  durch  Preisvergleichsseiten,  hatten  gemäss  dieser  wissenschaftlichen  Untersuchung 
einen signifikanten Einfluss auf das Preisniveau im untersuchten Markt. Der gestiegene Ge-
brauch des Internets resp. von Preisvergleichsseiten scheint zudem für die erwähnten Preis-
senkungen kausal gewesen zu sein.57  

Aus den oben genannten Gründen wehren sich Hersteller z.T denn auch gegen eine 
98. 
Erhöhung  der  Preistransparenz  durch  das  Internet.  Eine  solche  «Vernebelungs-Strategie» 
kann beispielsweise darin bestehen, viele verschiedene Produktvarianten und -modelle des-

52   Der beschriebene Effekt der Preistransparenz wird zusätzlich verstärkt durch die Verbreitung von 

Smartphones. Mittels dieser Geräte können Kunden in einem stationären Fachgeschäft vor Ort die 
Preise eines Geräts mit einer Vielzahl anderer Anbieter über das Internet vergleichen. 

53   Act. 20; 25; 86; 97; 115; 119; vgl. in diesem Sinne folgende Aussage eines Fahrradhändlers:«[…] 

und der Internethandel, der über die Landesgrenzen hinaus Preistransparenz schafft, zwingen uns, 
laufend kleinere Reserven einzurechnen. Sonst bleiben wir auf unserer Ware sitzen.», Teurer 
Franken sorgt noch nicht für günstigere Velos, NZZ vom 10. Februar 2011, 56.   

54   Act. 20. 
55   Act. 86. 
56   Act. 119. 
57   Vgl. BROWN/GOOLSBEE (Fn 49). 

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selben  Produkts  anzubieten,  was  Preisvergleiche  erschwert.58  Auch  der  nachfolgend  be-
schriebene  Sachverhalt  ist  vor  diesem  Hintergrund  zu  betrachten:  Ein  grosser  gemischter 
Weisswaren-Händler  hat  vor  dem  von  der  Electrolux  AG  angekündigten  generellen  Verbot 
von  Internetverkäufen  Produkte  dieser  Marke  unter  Angabe  des  Nettoverkaufspreises  auf 
dem Internet angepriesen. Seit einiger Zeit wird für Produkte der Marke Electrolux auf der In-
ternetseite  des  Händlers  –  im  Gegensatz  zu  Produkten  anderer  Marken  –  kein  Preis  mehr 
angegeben. Es ist lediglich noch folgender Hinweis auf eine kostenpflichtige Telefonnummer 
ersichtlich:  «Tagestiefpreis  0848  822 434».  Die Verkaufspreise werden also  nicht  mehr  auf 
der  Internetseite  angegeben,  wo  sie  auf  den  ersten  Blick  ersichtlich  sind.  Auf  diese  Weise 
wird einer Senkung der Suchkosten resp. einer Erhöhung der Preistransparenz durch das In-
ternet  entgegengewirkt. Die  Produkte des  Herstellers  Miele  werden seit  Beginn  des  Jahres 
2011 auf dieselbe Art und Weise «angepriesen». Als weiteres Indiz in diese Richtung kommt 
hinzu,  dass  gewisse  Produkte  beim  Online-Shop  eines  grossen,  bekannten  Händlers  gar 
nicht mehr online bestellt werden können. 

99.  Mittels  solcher  Praktiken  werden  die  prokompetitiven  Effekte  des  Online-Handels 
weitgehend zunichte gemacht. Die Vernebelung der Preisinformationen führt dazu, dass die 
durch den Verkauf über das Internet erreichte Preistransparenz wieder eliminiert wird.   

100.  Dazu gilt es anzufügen, dass wenn Produkte in einem Online-Shop zum Verkauf an-
geboten  werden,  der  tatsächlich  zu  bezahlende  Preis  anzugeben  ist.  Dies  gebietet  die 
Verordnung  über  die  Bekanntgabe  von  Preisen  (Preisbekanntgabeverordnung,  PBV;  SR 
942.211), welche statuiert, dass «…Für Waren, die dem Konsumenten zum Kauf angeboten 
werden, […] der tatsächlich zu bezahlende Preis in Schweizerfranken (Detailpreis) bekannt-
zugeben…“  ist  (Art.  3  Abs.  1)  sowie  bestimmt,  dass  „…Detail-  und  Grundpreise  […]  leicht 
sichtbar  und  gut  lesbar  sein  [müssen]…“  und  diese  „…in  Zahlen  bekanntzugeben…»  sind 
(Art.  8  Abs.  1).  Diesen  Vorschriften  zufolge  ist  es  als  problematisch  zu  erachten,  dass  der 
Konsument den tatsächlich zu bezahlenden Preis (i) nicht leicht bzw. gar nicht sieht und (ii) 
diesen auch nicht ohne Weiteres erfahren kann. In diesem Sinne ist von Händlern und Her-
stellern  zu  fordern,  dass  sie  keine  Massnahmen  treffen,  mit  welchen  die  Bekanntgabe  von 
Verkaufspreisen auf dem Internet erschwert oder verunmöglicht wird. 

101.  Die  Parteien  bezweifeln  die  Aussagekraft  der  Ausführungen  der  WEKO  zur  Preis-
transparenz.  Die V-Zug AG  macht  insbesondere  geltend,  dass Transparenz  keinen  Online-
Handel voraussetze und nicht durch Online-Shops sondern durch den stationären Fachhan-
del  geschaffen  werde.  Dem  ist  zu  entgegnen,  dass  grundsätzlich  beide  Absatzkanäle  zur 
Transparenz für die Konsumenten beitragen. Zu betonen ist jedoch, dass – wie vorstehend 
ausführlich dargelegt – die (Preis)Transparenz durch den Onlinevertrieb massiv erhöht wird. 

102.  Es  kann  vorerst  festgehalten  werden,  dass  die  relativ  tiefen  Preise  der  Online-
Händler und die durch den Online-Handel insgesamt erhöhte Preistransparenz den Wettbe-
werbsdruck im Markt erhöhen. Versuche der Anbieter, die durch den Online-Handel erhöhte 
Preistransparenz zu untergraben, sind als problematisch einzustufen. 

103.  Vor dem Hintergrund des Voranstehenden wird nachfolgend noch kurz auf die Anrei-
ze  der  Hersteller  zur  Einschränkung  des  Online-Handels  eingegangen.  Wie  oben  gezeigt 
wurde,  hat  der  Online-Handel  das  Potenzial,  die  Verkaufspreise  resp.  das  Preisniveau  der 
Produkte unter Druck zu setzen. Diese Tendenz zu einem tieferen Endverkaufspreis-Niveau 
spüren in einem ersten Schritt die Händler, welche die in Frage stehenden Produkte vertrei-
ben. Eine Aufrechterhaltung eines gewissen Preisniveaus ist aber durchaus (auch) im Inte-
resse der Hersteller: Solange nämlich der Druck auf die Endverkaufspreise gering ist, gera-
ten  auch  Hersteller  in  der  Regel  ebenfalls  weniger  unter  Preisdruck,  denn  verfügen  die 

58   Vgl. ELLISON/FISHER ELLISON (Fn 50).  

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26 

 
 
 
 
 
                                                
Händler  über eine – aus ihrer Sicht – genügend grosse Marge,59 dürften sie auch den Ein-
standspreis  weniger  in  Frage  stellen.  Gerät  nun  das  Preisniveau  aufgrund  des  Online-
Handels unter Druck, schlägt sich dies direkt in tieferen Margen der Händler nieder. Kommen 
die Margen der Händler auf diese Weise unter Druck, können die Händler versuchen, dieser 
Einbusse  durch  das  Hinwirken  auf  tiefere  Einstandspreise  entgegenzutreten.  Dies  führt 
schliesslich zu einem Druck auf die Einstandspreise und damit auf die Margen der Hersteller. 

104.  Die V-Zug AG führt diesbezüglich aus dass: «Internet-Verkäufe […] der Marke ZUG 
[schaden] und […] unsere Position beim klassischen Fachhandel [beeinträchtigen]. Wieder-
verkäufer  reduzieren  deshalb  unsere  Gerätepräsenz  in  den  Ausstellungen  und/oder  wech-
seln auf andere Produkte. Damit sind der Erfolg unseres Unternehmens, die Positionierung 
der Marke und Arbeitsplätze gefährdet.»60  

105.  Ein  Indiz,  dass  der  zunehmende  Preisdruck  bei  den  Endkundenpreisen  zu  einem 
Druck auf die Einstandspreise und damit auf die Margen der Hersteller führt, ist […]. Vor die-
sem Hintergrund haben die Hersteller ein Interesse daran, gegen den aufkommenden Wett-
bewerbsdruck  durch  den  Online-Handel,  welcher  tendenziell  zu  einem  tieferen  Preisniveau 
führt, entgegenzuwirken. 

D.3.3.1.3.  Beschränkung des passiven Verkaufs 

106.  Gemäss Ziffer 12 Abs. 2 lit. c VertBek werden Abreden als qualitativ schwerwiegend 
betrachtet,  wenn  sie  Beschränkungen  des  aktiven  oder  passiven  Verkaufs  an  Endverbrau-
cher  durch  auf  der  Einzelhandelsstufe  tätige  Mitglieder  eines  selektiven  Vertriebssystems 
zum Gegenstand haben; dies gilt unbeschadet der Möglichkeit, Mitgliedern des Systems zu 
untersagen, Geschäfte von nicht zugelassenen Niederlassungen aus zu betreiben. Internet-
verkäufe gelten dabei nach Ziffer 3 VertBek grundsätzlich als passive Verkäufe. 

In der Praxis der EU, welche in den Leitlinien festhält, dass es prinzipiell jedem Händ-
107. 
ler erlaubt sein muss, das Internet für den Verkauf von Produkten zu nutzen, wird eine eige-
ne Website in der Regel als Form des passiven Verkaufs angesehen, denn damit werde den 
Kunden ein angemessenes Mittel zur Verfügung gestellt, den Händler zu erreichen. Wie die 
WEKO in der VertBek festgehalten hat, kommen die europäischen Regeln möglichst auch in 
der Schweiz zur Anwendung (Erw. VII). 

108.  Vor  diesem  Hintergrund  ist  das  generelle  und  für  sämtliche  Wiederverkäufer  unter-
schiedslos geltende Verbot, Produkte über das Internet zu verkaufen, als Beschränkung des 
passiven  Verkaufs  zu  qualifizieren.  Dies,  weil  ein  solches  Verbot  Webseiten  von  Händlern 
uneingeschränkt erfasst und darüber hinaus auch keine Differenzierung nach den verschie-
denen  Kategorien  von  Händlern  vorsieht,  d.h.  sowohl  zu  einem  allfälligen  selektiven  Ver-
triebssystem zugelassene wie auch nicht zugelassene Händler erfasst werden. 

109.  Electrolux AG trägt in diesem Zusammenhang verschiedene Gründe vor, warum die 
vorstehend  dargelegten  Aspekte  hinsichtlich  der  VertBek  auf  den  konkreten  Fall  nicht  an-
wendbar sein sollen (act. 190, Rz 15). Electrolux AG führt insbesondere ins Feld, dass es vor 
der Publikation der VertBek keine Anzeichen dafür gegeben hätte, dass die Behinderung des 
Onlinevertriebs unzulässig sein könnte (act. 190, Rz 14). Dazu gilt es Folgendes zu sagen:  

  Unter den Begriff „Passiver Verkauf“ gemäss Ziffer 3 VertBek fällt die Erfüllung unaufge-
forderter  Bestellungen  einzelner  Kunden  (Endkunden  oder  Händler)  aus  einem  Gebiet 
oder  einzelner  Mitglieder  einer  Kundengruppe,  das  bzw.  die  der  Anbieter  sich  selbst 

59   Die Marge eines Händlers ist die Differenz zwischen Endverkaufspreis und Einstandspreis. 
60   Act. 113. 

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27 

 
 
 
 
 
                                                
vorbehalten oder ausschliesslich einem anderen Händler zugewiesen hat, d.h. das Lie-
fern von Waren an bzw. das Erbringen von Dienstleistungen für solche Kunden. 

  Ziffer 19 VertBek besagt einzig, dass Vereinbarungen, welche vor dem 1. August 2010 
in  Kraft  traten  und  den  Kriterien  der  aufgehobenen  VertBek61  (nachfolgend:  aVertBek) 
entsprachen,  vom  Anwendungsbereich  der  neuen  VertBek  ausgenommen  sind,  wenn 
sie mit dieser nicht vereinbar sind. 

  Fest  steht  auf  jeden  Fall,  dass  Internetverkäufe  auch  nach  der  aufgehobenen  VertBek 
als passive Verkäufe qualifiziert worden wären, sodass ein entsprechendes Verbot kei-
nesfalls mit der aVertBek vereinbar gewesen wäre. 

110.  Aus  diesen  Gründen  ist  ein  generelles  Verbot  von  Internetverkäufen  in  qualitativer 
Hinsicht  gemäss  Ziffer  12  Abs.  2  VertBek  bereits  dem  Gegenstand  nach  als  erhebliche 
Wettbewerbsabrede zu qualifizieren. 

D.3.3.1.4.  Fazit 

111. 
Im Lichte des Voranstehenden kann festgehalten werden, dass die tendenziell tiefe-
ren  Preise,  welche  im  Online-Handel  gegenüber  dem  stationären  Fachhandel  bezahlt  wer-
den und die durch den Online-Handel erhöhte Preistransparenz für die Konsumenten, einen 
disziplinierenden  Effekt  auf  den  stationären  Handel  ausüben.  Dies  wiederum  führt  dazu, 
dass  das  Preisniveau  und  damit  die  Margen  für  die  Händler  resp.  Hersteller  im  Markt  für 
Weisswaren-Grosshaushaltsgeräte  unter  Druck  geraten.  Ein  Verbot  des  Online-
Handelskanals würde im Ergebnis dazu führen, dass dieser Preisdruck wegfällt, was mit ei-
nem höheren (resp. nicht sinkenden) Preisniveau einhergehen dürfte. Der Ausschluss resp. 
die Einschränkung des Verkaufskanals Internet beeinträchtigt demnach den Wettbewerbspa-
rameter Preis.  

112.  Somit ist bereits von daher davon auszugehen, dass ein generelles Verbot resp. eine 
Behinderung des Online-Handels in qualitativer Hinsicht als  schwerwiegend einzustufen ist. 
Darüber  hinaus  wurde  dargelegt,  dass  es  sich  auch  dem  Gegenstand  nach  um  qualitativ 
schwerwiegende Abreden i.S.v. Ziffer 12 Abs. 2 VertBek handelt. 

D.3.3.2. Quantitative Kriterien 

113.  Nachfolgend  wird  die  Frage  geprüft,  wie  umfassend  der  Markt  von  einer  Wettbe-
werbsabrede tangiert ist. Je marktumfassender die Wirkung einer Abrede, desto eher ist da-
von  auszugehen,  dass  eine  quantitativ  schwerwiegende  Wettbewerbsbeeinträchtigung  vor-
liegt.62  Bevor  dies beurteilt  werden kann, muss  zuerst  der  relevante Markt  abgegrenzt  wer-
den.  

D.3.3.2.1.  Relevanter Markt 

Sachlich relevanter Markt 

114.  Der sachlich relevante Markt umfasst alle Waren oder Leistungen, die von der Markt-
gegenseite hinsichtlich ihrer Eigenschaften und ihres vorgesehenen Verwendungszwecks als 
substituierbar  angesehen  werden  (Art.  11  Abs.  3  lit.  a  der  Verordnung  vom  17.  Juni  1996 
über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen [VKU; SR 251.4]). 

61   Siehe Bundesblatt 2007, S. 7597 ff. (abrufbar unter http://www.admin.ch/ch/d/ff/2007/7597.pdf). 
62   Vgl. zum Ganzen BSK KG-KRAUSKOPF/SCHALLER (Fn 38), Art. 5 KG N 230 ff. 

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28 

 
 
 
 
 
                                                
115.  Nach der Praxis der WEKO kann der Markt für Elektrogeräte in vier Teilmärkte unter-
teilt werden:63 

  Weisswaren (Gross- und Kleinhaushaltsgeräte) 

  Braunwaren (Audio, Vision und Foto) 

  Grauwaren (PC-Software/-Hardware, Spiele und Kommunikation) 

  CDs/DVDs. 

116.  Anlässlich der vertieften Prüfung des Zusammenschlusses Coop/Fust hat die WEKO 
die  vorstehende  Marktabgrenzung  präzisiert  und  ist  dabei  im  Bereich  der  Weisswaren  von 
folgenden Produktgruppen als zwei unterschiedliche relevante Märkte ausgegangen: 

  Grosshaushaltsgeräte 

  Kleinhaushaltsgeräte 

117.  Dies  deshalb,  weil  sich  die  Geräte  hinsichtlich  ihrer  Anschaffungswerte  unterschei-
den:  Bei  Kleinhaushaltsgeräten  handelt  es  sich  um  Produkte  der  Preisklasse  bis  maximal 
CHF  200–300.  Demgegenüber 
für  Grosshaushaltsgeräte 
(Waschmaschinen, Trockner, Spülmaschinen etc.) in der Regel bei nicht unter CHF 600. Zu-
dem werden Kleinhaushaltsgeräte von beinahe allen Konsumenten gekauft, während Gross-
haushaltsgeräte z.B. in Mietwohnungen in der Regel vom Eigentümer zur Verfügung gestellt 
und  angeschafft  werden.  Zielpublikum  für  Grosshaushaltsgeräte  sind  neben  den  Endver-
brauchern dementsprechend zu einem guten Teil auch Wohneigentümer.64 

liegen  die  Einstiegspreise 

ist  davon  auszugehen,  dass  der  Markt 

118.  Der  vorliegende  Fall  betrifft  Grosshaushaltsgeräte  wie  Waschmaschinen,  Trockner, 
Kühlschränke  etc.  Es 
für  Weisswaren-
Grosshaushaltsgeräte  nach  dem  Bedarfsmarktkonzept  weiter  unterteilt  werden  müsste  in 
Märkte  für  die  einzelnen  Gerätekategorien  (Waschmaschinen,  Geschirrspüler  etc.).  Da  es 
auf das Resultat der vorliegenden Untersuchung aber keinen Einfluss hat, kann dies in casu 
offengelassen  werden.  Daher  werden  im  Folgenden  Weisswaren-Grosshaushaltsgeräte  als 
Ganzes als relevanter sachlicher Markt betrachtet. 

Räumlich relevanter Markt 

119.  Der  räumliche  Markt  umfasst  das  Gebiet,  in  welchem  die  Marktgegenseite  die  den 
sachlichen Markt umfassenden Waren oder Leistungen nachfragt oder anbietet (Art. 11 Abs. 
3 lit. b VKU, der hier analog anzuwenden ist). 

In vorliegendem Fall sprechen folgende Umstände für eine nationale Abgrenzung des 

120. 
geographisch relevanten Marktes:  

  Unterschiedliche Normen: Die Norm-Breite für Grosshaushaltsgeräte in der Schweiz ist 
55 cm (SMS-Norm), wohingegen in Europa die EURO-Norm von 60 cm (EN 1116) gilt. 
In der Schweiz sind Produkte beider Normen im Umlauf, wobei momentan rund 50% der 
Geräte der SMS-Norm und ungefähr 50% der EURO-Norm entsprechen.65  

  Unterschiedliche  Spannung:  In  der  Schweiz  angebotene  Elektrogeräte  sind  allgemein 
auf  230  Volt  Spannung  ausgerichtet.  Haushaltsgeräte  mit  besonderer  Heizleistung  je-

63   RPW 2008/3, 481, Rz 72, Coop/Fust. 
64   RPW 2008/3, 482, Rz 85, Coop/Fust. 
65   Vgl. act. 153, Präsentation. 

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29 

 
 
 
 
 
                                                
doch,  wie  z.B.  Kochherde  oder  Backöfen  sind  im  Unterschied  zum  Ausland  auf  eine  
Spannung von 400 Volt ausgerichtet.66  

  Gerätetypen/Lebensdauer:  In  der  Schweiz  verkaufte  Geräte(typen)  unterscheiden  sich 
gemäss Aussagen von Electrolux z.T. von denjenigen, welche im Ausland verkauft wer-
den.  Die  Geräte,  welche  für  den  Schweizer  Markt  hergestellt  werden,  scheinen  insbe-
sondere […].67  

  Einbaugeräte: In der Schweiz  werden neben freistehenden Geräten auch viele  Einbau-
geräte nachgefragt. Dies scheint im europäischen Ausland nicht gleichermassen der Fall 
zu sein.  

121.  Die  oben  genannten  Gründe  legen  nahe,  dass  die  Nachfrage  nach  Weisswaren-
Grosshaushaltsgeräten in der Schweiz im Unterschied zum umliegenden Ausland einige Be-
sonderheiten aufweist. Die angebotenen Geräte/Sortimente in der Schweiz und im benach-
barten  Ausland  unterscheiden  sich  denn  auch  teilweise.  Ohne  die  Frage  abschliessend  zu 
beurteilen, wird deshalb vorliegend in räumlicher Hinsicht von nationalen Märkten ausgegan-
gen. 

D.3.3.2.2.  Aktuelle und potenzielle Konkurrenz 

122.  Auf dem relevanten Markt sind im Wesentlichen folgende Anbieter tätig: Die Electro-
lux  AG  (mit  den  Marken  Electrolux,  AEG  und  Zanussi),  die  V-Zug  AG  (mit  den  Marken  V-
Zug,  Sibir  und  Gehrig),  die  Miele  AG,  die  Bauknecht  AG  (mit  den  Marken  Bauknecht  und 
Whirlpool),  die  Schulthess  Maschinen  AG  und  die  Siemens-Bosch  AG.  Daneben  gibt  es 
noch  eine  Reihe  kleinerer  Anbieter,  wie  die  Kenwood  AG,  die  Fors-Liebherr  AG  und  die 
Candy Hoover AG, doch bieten diese Unternehmen entweder nur bestimmte Produktkatego-
rien an oder sind – im Vergleich mit den sechs grössten Unternehmen – bezüglich der erziel-
ten Umsätze bzw. der Marktanteile von eher untergeordneter Bedeutung. Nachfolgende Gra-
fik gibt eine Übersicht über die Marktanteile der verschiedenen Anbieter. 

66   Dem Betrieb eines auf 230 Volt ausgerichteten ausländischen Geräts in der Schweiz steht jedoch 

bei fachmännischer Montage an einen 400 Volt Anschluss nichts im Weg: ein solches Gerät bedarf 
insbesondere keiner technischen Umrüstung.  

67   Act. 146, Präzisierungsfragen, 3 u. 14. 

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30 

 
 
 
 
 
                                                
Abbildung 1: Marktanteile Anbieter von Weisswaren-Grosshaushaltsgeräten 

Quelle: Erhebungen des Sekretariats 

123.  Der Abbildung kann entnommen werden, dass die V-Zug AG und die Electrolux AG 
mit Marktanteilen von je [20–30]% Marktführer sind, gefolgt von  der Miele AG mit [10-20]% 
und  der  Siemens  Bosch  AG  sowie  der  Bauknecht  AG,  mit  je [0-10]%.  Es  ist  anzunehmen, 
dass die V-Zug AG resp. die Electrolux AG in einzelnen Produktsegmenten (wie Waschau-
tomaten, Kochfelder, Kühlschränke etc.) höhere Marktanteile aufweisen als über den gesam-
ten Bereich der Grosshaushaltsgeräte betrachtet (Vgl. auch Rz 118). 

124.  Betreffend der Marktanteile ist Folgendes anzufügen: 

  Gemäss  der  Ziffer  13  Abs.  1  VertBek  führen  «Wettbewerbsabreden  […]  nicht  zu  einer 
erheblichen  Beeinträchtigung  des  Wettbewerbs,  wenn  kein  an  der  Abrede  beteiligtes 
Unternehmen auf einem von der Abrede betroffenen relevanten Markt einen Marktanteil 
von 15% überschreitet.» Diese de-minimis Schwelle wird sowohl von der Electrolux AG 
als auch von  der V-Zug AG klar überschritten.  

 

In  der  ökonomischen  Literatur  ist  weitgehend  unbestritten,  dass  vertikale  Restriktionen 
insbesondere  dann  schädlich  sein  können,  wenn  die  beteiligten  Unternehmen  Markt-
macht haben.68 Mit den oben erwähnten Marktanteilen der V-Zug AG und der Elektrolux 
AG ist davon auszugehen, dass die beiden Unternehmen bereits einzeln über eine star-
ke  Stellung  im  Markt  verfügen  und  es  durch  die  Restriktionen  des  Online-Handels  zu 
Auswirkungen im Markt kommt. 

125.  Gestützt  auf  die  Marktstatistik  des  Fachverbandes  für  Haushalt  und  Gewerbe 
Schweiz  (FEA)  für  die  Jahre  2008  und  2009,69  welche  Auskunft  über  die  verkauften  Stück-
zahlen  gibt,  ist  die  Marktentwicklung  bei  Grosshaushaltsgeräten  rückläufig.  Diese  Entwick-
lung  wird durch einen leichten Rückgang  im Wohnungsbau  dokumentiert,  und zwar  sowohl 
im Neubau- als auch im Renovationsmarkt. Der Absatz von Grosshaushaltsgeräten ist aber 

68   Vgl.z.B. MASSIMO MOTTA, Competition Policy, Theory and Practice, 2004, 302 ff. Motta schlägt 

diesbezüglich aus praktischen Gründen vor, vertikale Restriktionen dann genauer zu untersuchen, 
wenn ein beteiligtes Unternehmen Marktanteile von 20-30% hat (MOTTA, Competition Policy, 377 
f.). 

69   Die Statistiken sind abrufbar unter: http://www.fea.ch. 

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31 

 
 
 
 
 
 
 
                                                
in der jüngsten Vergangenheit wieder etwas gewachsen. Der Markt für Grosshaushaltsgerä-
te ist somit als gesättigt bis leicht wachsend zu betrachten.  

126. 
Im Markt für Weisswaren-Grosshaushaltsgeräte kam es in den letzten fünf Jahren zu 
keinen Markteintritten. Gemäss der Electrolux AG sind in der Schweiz bereits viele namhafte 
Anbieter  vertreten.  Es  könne  aber  aufgrund  von  Markteintritten  in  [europäischen  Ländern] 
auch in der Schweiz in Zukunft mit Marktzutritten gerechnet werden.70 […]. Selbst wenn die 
Aussage  der  Electrolux  AG  zutreffen  sollte,  ist  aufgrund  der  starken  Marktstellung  der  füh-
renden  Anbieter  einschränkend  zu  erwähnen,  dass  sich  die  Marktverhältnisse  durch  einen 
möglichen neuen Mitbewerber – wenn überhaupt – erst längerfristig verändern dürften. 

127.  Aufgrund  der  beschriebenen  Marktanteile  der  Electrolux  AG  und  der  V-Zug  AG  und 
der relativ stabilen Situation auf dem Markt ist davon auszugehen, dass das Verbot resp. die 
Beschränkungen  des  Online-Handels  Auswirkungen  auf  den  in  Frage  stehenden  Markt  ha-
ben.  

128.  Erschwerend  kommt  in  vorliegendem  Fall  hinzu,  dass  die  Electrolux  AG  und  die  V-
Zug AG in zeitlicher Nähe beide eine Einschränkung des Online-Handels mit ähnlichen Aus-
wirkungen  implementieren  wollten.  Die beiden  Marktführer  haben beide  ein generelles Ver-
bot von Internetverkäufen resp. deren Behinderung angekündigt. Diese beiden Anbieter be-
dienen  gut  50%  des  relevanten  Marktes  mit Weisswaren-Grosshaushaltsgeräten  (siehe  Rz 
113 f. hiervor). 

129.  Gemäss Ziffer 13 Abs. 2 VertBek liegt kein kumulativer Abschottungseffekt vor, wenn 
weniger als 30% des relevanten Marktes von gleichartigen, nebeneinander bestehenden ver-
tikalen  Vertriebsnetzen  abgedeckt  werden.  In  casu  wird  der  relevante  Markt  von  gleicharti-
gen,  nebeneinander  bestehenden  vertikalen  Vertriebsnetzen  abgedeckt,  deren  Marktanteil 
insgesamt  gut  50%  beträgt.  Die  Unerheblichkeits-Schwelle,  welche  in  der  VertBek  statuiert 
wird, ist also in casu deutlich überschritten.  

130.  Aufgrund des Voranstehenden, insbesondere der zeitnahen Einführung vertikaler Be-
schränkungen  durch  die  beiden  Marktführer,  welche  beide  den  Vertrieb  über  den  Online-
Handel  ausschliessen  resp.  einschränken  wollten,  kann  von  erheblichen,  kumulativen  Aus-
wirkungen auf den relevanten Markt ausgegangen werden.  

131.  Nicht auszuschliessen ist ferner, dass das Vorgehen der beiden Marktführer Electro-
lux  AG  und V-Zug  AG  –  ohne  Eingriff  der WEKO  –  Signalwirkung  auf weitere  Anbieter  der 
Branche  gehabt  hätte.  Dies  indiziert  der  Umstand,  dass  im  Verlaufe  dieser  Untersuchung 
weitere  in  der  Schweiz  tätige  Anbieter  dem  Sekretariat  neue  resp.  überarbeitete  Vertriebs-
systeme zur Prüfung vorgelegt haben, welche grundsätzlich ähnliche Auswirkungen zeitigen 
können wie die in Frage stehenden Abreden. 

Exkurs: Kumulative Auswirkungen selektiver Vertriebssysteme 

132.  Es  scheint  sich  um  eine  branchenweite  Tendenz  zu  handeln,  Grosshaushaltsgeräte 
vermehrt  über  selektive  Vertriebssysteme  zu  vertreiben.  Es  stellt  sich  somit  die  Frage,  ob 
und  inwiefern  mehrere,  nebeneinander  bestehende  selektive  Vertriebssysteme  Auswirkun-
gen auf den relevanten Markt haben können.  

133.  Die  Europäische  Kommission  hat  sich  mit  dieser  Frage  auseinandergesetzt  und  in 
den Leitlinien  dargelegt,  ob  und wann  kumulative Wirkungen  von  mehreren  selektiven  Ver-
triebssystemen in ein und demselben Markt als problematisch erachtet werden. Die Europäi-
sche  Kommission geht davon  aus,  dass,  wenn  die meisten grossen Anbieter  ihre  Produkte 
selektiv vertreiben, ein erheblicher Verlust an markeninternem Wettbewerb zu befürchten ist, 

70   Act. 146, Präzisierungsfragen, 2 f. 

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32 

 
 
 
 
 
                                                
der  zur  Folge  haben  kann,  dass  bestimmte  Kategorien  von  Händlern  vom  Markt  ausge-
schlossen  werden  und  das  Risiko  der  Kollusion  zwischen  den  grössten  Anbietern  erhöht 
wird. In den Leitlinien wird weiter festgehalten, dass der selektive Vertrieb ein besonders ge-
eignetes  Mittel  ist,  um  dem Wettbewerbsdruck  zu  entgehen,  den  Discountbetriebe  (ob  Off-
line- oder Online) auf die Gewinnspannen des Herstellers und der Vertragshändler ausüben. 
Der Ausschluss solcher Vertriebsmethoden, ob aufgrund kumulativer Anwendung des selek-
tiven Vertriebs oder aufgrund dessen Anwendung durch einen einzelnen Anbieter mit einem 
Marktanteil von über 30%, reduziert die Möglichkeiten der Verbraucher, die mit diesen Ver-
triebsmethoden verbundenen Vorteile wie niedrigere Preise, mehr Transparenz und besserer 
Zugang in Anspruch zu nehmen. 

134.  Die  Leitlinien  besagen, dass  wenn sich  aus  selektiven  Vertriebssystemen,  die  jedes 
für sich genommen nach der GVO freigestellt sind, kumulative Wirkungen ergeben, der Ent-
zug  der  Freistellung  oder  eine  Erklärung  der  Nichtanwendung  der  GVO  erwogen  werden 
kann. Eine kumulative Wirkung ist dabei dann wahrscheinlich, wenn 

 

 

solche Systeme mehr als 50% eines Marktes abdecken und 

die Summe der Marktanteile der fünf grössten Anbieter über 50% liegt. 

135.  Werden  diese  beiden  Schwellen  erreicht,  gilt  es  zu  würdigen,  ob  die  fünf  grössten 
Anbieter ihre Produkte über ein selektives Vertriebssystem absetzen. Je stärker die Wettbe-
werber  sind,  die  sich  nicht  des  selektiven  Vertriebs  bedienen,  desto  unwahrscheinlicher  ist 
der Ausschluss anderer Vertriebshändler vom Markt. Setzen alle fünf Anbieter auf selektiven 
Vertrieb, können insbesondere Vereinbarungen, bei denen quantitative Kriterien zum Tragen 
kommen und die Zahl der Vertragshändler unmittelbar begrenzen oder die qualitative Kriteri-
en anlegen (z.B. die Bedingung, dass der Händler über einen oder mehrere physische Ver-
kaufspunkte  verfügen  muss),  was  den  Ausschluss  bestimmter  Vertriebsmethoden  bewirkt, 
Probleme für den Wettbewerb bereiten.  

136.  Die  Freistellungsvoraussetzungen  gemäss  Artikel  101  Absatz  3  AEUV  sind  gemäss 
den  Leitlinien  in  der  Regel  nicht  erfüllt,  wenn  die  fraglichen  Selektivvertriebssysteme  den 
Marktzugang  neuer  Vertriebshändler  (insbesondere  Discounter  oder  reine  Internethändler, 
die den Verbrauchern niedrigere  Preise anbieten),  die in der  Lage sind, die fraglichen  Pro-
dukte angemessen zu verkaufen, verwehren und dadurch den Vertrieb zugunsten bestimm-
ter bestehender Kanäle und zum Schaden der Endverbraucher einschränken. 

137.  Vor diesem Hintergrund und übertragen auf den vorliegenden Fall sind beide vorste-
hend  erläuterten  Schwellen  erfüllt:  Einerseits  decken  die  selektiven  Vertriebssysteme  der 
Electrolux AG und der V-Zug AG zusammen mehr als 50% des relevanten Marktes ab und 
andererseits übersteigt die Summe der Marktanteile der fünf grössten Anbieter im Markt die 
50%-Marke (siehe Rz 113 f. hiervor).  

138.  Da vorliegend beide Schwellen erreicht sind, gilt es zu prüfen, ob sämtliche der fünf 
grössten Anbieter im Markt ihre Produkte über ein selektives Vertriebssystem vertreiben und 
wie die Stellung  derjenigen Anbieter  zu  würdigen  ist,  die über kein selektives Vertriebssys-
tem  verfügen.  Nach  dem  derzeitigen  Kenntnisstand verfügt  –  neben der  Electrolux  AG  und 
der V-Zug AG – auch die […] über ein selektives Vertriebssystem. Die […], welche ihre Pro-
dukte  nicht  selektiv  vertreiben.  Deren  Marktanteile  sind  jedoch,  sowohl  einzeln  wie  auch 
kombiniert  betrachtet,  im  Vergleich  zu  denjenigen  der  Marktführer  deutlich  geringer:  Den 
Marktanteilen der nicht selektiv vertreibenden […] von […] stehen die deutlich höheren indi-
viduellen  Marktanteile  der  selektiv  vertreibenden  Electrolux  AG  [20–30%],  V-Zug  AG  [20–
30%]  und […] gegenüber. Zudem vereinigen die […] und die […] gemeinsam […] der Markt-
anteile auf sich, während dem der gemeinsame Marktanteil der Electrolux AG, der V-Zug AG 
und der […] [50-80%] beträgt. Dies zeigt, dass die Stellung der […] und der […] im relevan-
ten Markt als eher schwach einzustufen ist.  

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33 

 
 
 
 
 
139.  Diese Gründe lassen klar darauf schliessen, dass – nach europäischer Praxis – die in 
Frage  stehenden  kumulativen  Auswirkungen  von  selektiven  Vertriebssystemen  als  wettbe-
werbsrechtlich problematisch eingestuft würden. Hält man sich nun die entsprechenden Re-
gelungen in der Schweiz vor Augen, so wird ersichtlich, dass die vorstehende Einschätzung 
umso mehr  auf  den  vorliegenden Fall  zutrifft (siehe  Rz  129  hiervor).  Hervorzuheben  gilt  es 
zudem,  dass  es  sich  bei  der  Electrolux  AG  und  der  V-Zug  AG  um  die  beiden  Marktführer 
handelt. 

D.3.3.2.3.  Fazit 

140.  Aufgrund  der  Marktanteile  der  Electrolux  AG  und  der  V-Zug  AG  von  einzeln  je  
[20–30]%  und  der  kumulativen  Auswirkungen  gleichartiger,  nebeneinander  stehenden  Be-
schränkung des Online-Handels, welche gut 50% des relevanten Marktes abdecken, kann es 
als gegeben betrachtet werden, dass in casu quantitativ schwerwiegende Abreden vorliegen.  

D.3.3.3. Zwischenergebnis 

141.  Die  Parteien  machen  geltend,  es  liege  keine  erhebliche  Beeinträchtigung  des Wett-
bewerbs vor. V-Zug begründet dies im Wesentlichen damit, dass die von der WEKO festge-
stellten  negativen  Auswirkungen  auf  den  Online-Handel  sich  nur  auf  ein  generelles  Verbot 
von  Internetverkäufen  beziehen  würden  (act.  192,  Rz.  52  ff.).  Dem  ist  zu  entgegnen,  dass 
sich die von der WEKO festgestellten Auswirkungen – wie Eingangs erwähnt (Rz 44) – auch 
auf  Beschränkungen  des  Online-Handels  beziehen.  Zudem  beabsichtigte  die  V-Zug  erwie-
senermassen ebenfalls die Einführung eines generellen Verbotes von Online-Verkäufen (Rz 
33).  

142.  Zusammenfassend  kann  festgehalten  werden,  dass  die  vorliegend  zu  beurteilenden 
Wettbewerbsabreden  nicht  zur  Beseitigung  des  wirksamen  Wettbewerbs  führen,  diese  je-
doch  den  Wettbewerb  auf  dem  relevanten  Markt  erheblich  beeinträchtigen.  In  qualitativer 
Hinsicht fällt dabei ins Gewicht, dass mit der Beschränkung resp. dem Ausschluss des Onli-
ne-Handels ein besonders preiskompetitiver Verkaufskanal vom Wettbewerb ausgenommen 
wird.  Zudem  nimmt  durch  die  Beschränkung  resp.  den  Ausschluss  des  Vertriebskanals  In-
ternet die Preistransparenz für die Endkonsumenten ab. Diese beiden Umstände haben ei-
nen negativen Einfluss auf den Wettbewerbsdruck und auf das Preisniveau im Markt. Unab-
hängig  davon,  fällt  erschwerend  ins  Gewicht,  dass  die Wettbewerbsabreden  gemäss  Ziffer 
12  Abs.  2  VertBek  dem  Gegenstand  nach  als  qualitativ  schwerwiegend  einzustufen  sind. 
Auch  in  quantitativer  Hinsicht  sind  die  Abreden  aufgrund  der  hohen  Marktanteile  und  der 
damit verbundenen starken Marktstellung der Electrolux AG resp. der V-Zug AG als schwer-
wiegend einzustufen. Darüber hinaus bestehen die beschriebenen Wettbewerbsabreden auf 
demselben  Markt  parallel  nebeneinander  und  betreffen  insgesamt  Marktanteile  von  rund 
50%. 

D.3.4.  Rechtfertigung aus Effizienzgründen 

143.  Liegt eine den Wettbewerb erheblich beeinträchtigende Abrede vor, ist zu prüfen, ob 
diese gemäss Art. 5 Abs. 2 KG gerechtfertigt ist. Laut Art. 5 Abs. 2 KG sind Wettbewerbsab-
reden durch Gründe der wirtschaftlichen Effizienz gerechtfertigt, wenn sie: 

a)  notwendig  sind,  um  die  Herstellungs-  oder  Vertriebskosten  zu  senken,  Produkte  oder 
Produktionsverfahren  zu  verbessern,  die  Forschung  oder  die  Verbreitung  von  techni-
schem  oder  beruflichem Wissen  zu fördern  oder  um  Ressourcen rationeller  zu  nutzen; 
und 

b)  den beteiligten Unternehmen in keinem Fall Möglichkeiten eröffnen, wirksamen Wettbe-

werb zu beseitigen.  

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34 

 
 
 
 
 
In Ziffer 16 Abs. 4 VertBek sind u.a. folgende mögliche Rechtfertigungsgründe aufge-

144. 
führt, welche vorliegend von Belang sein könnten:  

a)  Sicherung der Einheitlichkeit und Qualität der Vertragsprodukte; 

b)  Vermeidung  von  ineffizient  tiefen  Verkaufsförderungsmassnahmen  (z.B.  Beratungs-
dienstleistungen),  die  resultieren  können,  wenn  ein  Hersteller  oder  Händler  von  den 
Verkaufsförderungsbemühungen  eines  anderen  Herstellers  oder  Händlers  profitieren 
kann (Trittbrettfahrerproblem). 

145.  Abreden gelten in der Regel ohne Einzelfallprüfung als gerechtfertigt, wenn der Anteil 
des  Anbieters  an  dem 
relevanten  Markt,  auf  dem  er  die  Vertragswaren  oder 
-dienstleistungen anbietet, und der Anteil des Abnehmers an dem relevanten Markt, auf dem 
er die Vertragswaren oder -dienstleistungen bezieht, jeweils nicht mehr als 30% beträgt. Da-
von  ausgenommen  sind  Abreden,  welche  dem  Gegenstand  nach  als  qualitativ  schwerwie-
gend zu qualifizieren sind  (Ziffer 12 Abs. 2 VertBek) und Abreden, die sich mit anderen ku-
mulativ  auf  den  Markt  auswirken  und  den  Wettbewerb  erheblich  beeinträchtigen  (Ziff.  16 
Abs. 2 VertBek). Eine solche kumulative Marktauswirkung ist in casu gegeben, da die beiden 
Marktführer Electrolux AG und V-Zug AG beide den Online-Handel beschränken. Diese bei-
den Unternehmen verfügen zusammen über Marktanteile von rund 50%. Überdies verfügen 
diese beiden Unternehmen je einzeln bereits über Marktanteile von gegen 30% und die vor-
liegenden Abreden sind dem Gegenstand nach als qualitativ schwerwiegend einzustufen. Im 
vorliegenden Fall gilt es deshalb im Einzelfall zu prüfen, ob ein Rechtfertigungsgrund vorliegt 
(Ziff. 16 Abs. 3 VertBek). 

D.3.4.1. Rechtfertigungsgründe 

146.  Die  Parteien  haben  in  casu  im  Wesentlichen  vorgebracht,  aus  Imagegründen  und 
aufgrund des Trittbrettfahrerproblems ein rein qualitatives selektives Vertriebssystem einge-
führt  zu  haben.71  Von  Trittbrettfahrerproblem  oder  Freeriding  spricht  man,  wenn  gewisse 
Händler von Leistungen (wie bspw. Präsentation und Beratung)  anderer Händler profitieren 
können, ohne diese selber auch anzubieten.72 Vorliegend wurde von den Parteien insbeson-
dere vorgebracht, Kunden liessen sich vor dem Kauf eines Grosshaushaltsgeräts kostenlos 
beim  stationären  Fachhandel  von  geschultem  Personal  beraten  und  würden  anschliessend 
die Ware bei (reinen) Online-Händlern, welche keine solchen Dienstleistungen anbieten wür-
den, günstiger beziehen.73  

147.  Die V-Zug AG macht weiter geltend, dass nicht betreute Verkäufe einen nicht zu un-
terschätzenden  Mehraufwand  generieren  und  eine  gewisse  Gefahr  für  die  Gesundheit  der 
Konsumenten darstellen würden.74  

148.  Auf  die  Vorbringen  der  Parteien  wird  nachfolgend  eingegangen.  Zuerst  wird  analy-
siert,  inwiefern  ein  Trittbrettfahrer-Problem  zwischen  Online-  und  stationären  Händlern  be-
steht  und  anschliessend  wird  summarisch  auf  die  selektiven  Vertriebssysteme  der  beiden 
Anbieter  eingegangen.  Schliesslich  wird  das  Vorbringen  der  V-Zug  AG  im  Zusammenhang 
mit unbetreuten Käufen kurz beleuchtet. 

71   Act. 30; act. 31. 
72   Die Leistungen werden in einem solchen Fall zu einem öffentlichen Gut, d.h. es kann kein Markt-

teilnehmer von dessen «Konsum» ausgeschlossen werden. Vgl. zum Ganzen zum Beispiel MOTTA 
(Fn 68), 313 ff. oder MARINA LAO, Resale Price Maintenance: The Internet Phenomenon and Free 
Rider Issues, in: Antitrust Bulletin, Vol. 55, No. 2/Summer 2010, 473-512. 

73   Act. 153, Präsentation; act. 30; act. 146, Präzisierungsfragen. 
74   Act. 153, Präsentation.  

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35 

 
 
 
 
 
                                                
D.3.4.1.1.  Trittbrettfahrer-Problematik 

149.  Freeriding im Zusammenhang mit Beratungsdienstleistungen und Verkaufsbemühun-
gen  bedarf  als  Rechtfertigungsgrund  bei  Gütern  wie  Grosshaushaltsgeräten  einer  näheren 
Betrachtung.  Dies  deshalb,  weil  das  Trittbrettfahrerproblem  eher  in Märkten  anzutreffen  ist, 
in welchen häufig neue Produktvarianten eingeführt werden. Dies ist im Bereich der Gross-
haushaltsgeräte der Fall.75 Darüber hinaus handelt es sich bei diesen Geräten um z.T. kom-
plexe,76 langlebige Güter mit einer Lebensdauer von ungefähr 10–15 Jahren. Diese Umstän-
de  führen  dazu,  dass  der  Informationsstand  eines  durchschnittlichen  Kunden  bezüglich 
Grosshaushaltsgeräten in der Regel eher gering ausfallen dürfte und eine gewisse Nachfra-
ge  nach  Beratungsdienstleistungen  besteht.  Wie  nachfolgend  aufgezeigt  wird,  muss  das 
Trittbrettfahrer-Problem in vorliegendem Fall differenziert betrachtet werden.  

150.  Zunächst einmal haben nicht alle Kunden dasselbe Bedürfnis nach Produktberatung 
und physischer Produktpräsentation. Hier ist in erster Linie an «professionelle» Kunden wie 
Baufirmen/Generalunternehmen  und  Architekten/Planer  oder  grössere  Immobiliengesell-
schaften und -verwaltungen zu denken, welche regelmässig Mietobjekte für Private oder Ge-
schäftsliegenschaften  mit  Weisswaren-Grosshaushaltsgeräten  ausstatten.  Diejenigen  Per-
sonen, welche  bei solchen Unternehmen in die Beschaffung von Grosshaushaltsgeräten in-
volviert sind, kommen von Berufs wegen immer wieder mit Grosshaushaltsgeräten in Berüh-
rung und verfügen sicherlich über einen höheren Informationsstand als «normale» Endkon-
sumenten. Diese «professionelle» Kundengruppe, welche einen beträchtlichen Teil der in der 
Schweiz  abgesetzten  Grosshaushaltsgeräte  beziehen  dürfte,  wird  in  der  Regel  keine  hohe 
Nachfrage  nach  Beratung  und  physischer  Präsentation  haben  und  wird  in  der  Regel  auch 
von  auf  diese  Kundengruppe  spezialisierten  Händlern  betreut.77  Es  ist  davon  auszugehen, 
dass  neben  den  erwähnten  «professionellen»  Kunden,  weitere  Bezüger  von  Grosshaus-
haltsgeräten existieren, welche eher geringe Beratungsdienstleistungen nachfragen. 

In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass eine grosse Anzahl Endver-
151. 
braucher nie in den Genuss einer Produktberatung kommt. Hierbei handelt es sich primär um 
jene Personen, welche als Mieter eine Wohnung oder ein Haus beziehen,78 oder um solche, 
welche bereits fertig gestellte Immobilien im Eigentum erwerben. Beim Bezug der Wohnung 
resp. des Hauses werden dem Endverbraucher die eingebauten Grosshaushaltsgeräte, auf 
deren Auswahl er keinen Einfluss nehmen konnte, in der Regel von niemandem erklärt. Dies 
stellt  in  Frage,  ob  eine  Produktberatung  zur  Gewährleistung  des  richtigen  Gebrauchs  von 
Weisswaren-Grosshaushaltsgeräten tatsächlich erforderlich ist.    

152.  Darüber hinaus bieten die Parteien – unabhängig von den Fachhändlern – Beratung 
und eine Präsentation ihrer Produkte in Showrooms/Kundencentern an verschiedenen Stan-
dorten in der Schweiz an. Beide Hersteller betreiben über die ganze Schweiz verteilt je unge-
fähr zehn solche Ausstellungen. Kunden, welche sich in einer solchen Hersteller-Ausstellung 
die Produkte anschauen und sich beraten lassen, beziehen Geräte anschliessend unter Um-
ständen  bei  einem  stationären  Fachhändler  ihrer  Wahl  oder  bei  einem  Online-Händler.  In 
solchen Fällen kann aber nicht von einem Trittbrettfahren der Online-Händler auf Dienstleis-
tungen von stationären Fachhändlern gesprochen werden, da die Beratung und Präsentation 
in diesem Fall vom Hersteller selber angeboten wird. Neben den Ausstellungsräumen bieten 

75   Act. 146, Präzisierungsfragen. 
76   Dies gilt nicht für alle Typen von Grosshaushaltsgeräten. Ein Tiefkühler oder ein einfaches Stan-

dard-Kochfeld dürften in der Benutzung weniger komplex sein.  

77   Selbstverständlich können sich auch die «professionellen» Kunden im Vorfeld eines Gerätebezugs 

im Internet über die aktuellen Preise ins Bild setzen. 

78   Die Wohneigentumsquote beträgt in der Schweiz 34.6% (vgl. Bundesamt für Statistik; 

www.bfs.admin.ch).  

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die Hersteller auch online z.T. umfassende Beratung und Informationen zu ihren Produkten 
an.  

153.  Weiter zeigt eine genauere Betrachtung, dass die Ansicht, Online-Händler würden auf 
den  Verkaufsbemühungen  der  stationären  Fachhändler  freeriden,  eine  eindimensionale  ist, 
welche der Realität nicht vollumfänglich gerecht wird. Vielmehr informieren sich Konsumen-
ten  z.T.  zuerst  online,  bevor  sie  in  einem  stationären  Geschäft  ein  Produkt  erwerben.  Eine 
umfassende  empirische  Studie  der  Universität  Köln  hat  solche  Wechselwirkungen  unter-
sucht/quantifiziert und kommt zu folgenden Hauptergebnissen:79 

  Bei  über  27%  der  Bestellungen  (oder  39%  des  Umsatzes)  in  Online-Shops  wurde  vor 
dem Kauf der stationäre Handel aufgesucht, um weitere Informationen zum Produkt ein-
zuholen. 

  Bei  gut  23%  der  Käufe  (oder  über  32%  des  Umsatzes)  im  stationären  Handel  wurden 

vor dem Kauf weitere Informationen zum Produkt in Online-Shops eingeholt. 

154.  Dies zeigt, dass beträchtliche gegenseitige Wechselwirkungen zwischen dem statio-
nären- und dem Online-Handel bestehen. Die Freeriding-Problematik ist demnach nicht ein-
fach  einseitig,  sondern  besteht  in  beide  Richtungen.  Betrachtet  man  den  Bereich  Haushalt 
(Elektrogeräte, Möbel etc.) im Speziellen, so sind die beschriebenen Wechselwirkungen ge-
mäss der erwähnten Studie noch grösser: 

  Bei  über  32%  der  Bestellungen  in  Online-Shops  wurde  vor  dem  Kauf  der  stationäre 

Handel aufgesucht, um weitere Informationen zum Produkt einzuholen. 

  Bei  39%  der  Käufe im  stationären  Handel  wurden vor  dem  Kauf  weitere  Informationen 

zum Produkt in Online-Shops eingeholt. 

155.  Die Studie der Universität Köln zeigt zudem, dass über einen Online-Shop erhebliche 
Kaufimpulse  für  andere  Vertriebskanäle  ausgelöst  werden.  Auch  eine  vom  Verband  des 
Schweizerischen Versandhandels (VSV) in Auftrag gegebene Studie zum Schweizer Online- 
und Distanzhandel führt aus, dass die Zuordnung des Kaufimpulses (online-offline-stationär) 
immer schwieriger wird.80 

156.  Diese Erkenntnisse werden gestützt durch eine Vielzahl weiterer Studien. So stellten 
beispielsweise 36% der Einwohner der EU Preisvergleiche im Internet an und 10% kauften 
ein gewünschtes Produkt anschliessend in einem stationären Geschäft.81 Oder gemäss einer 
Untersuchung  von  Forrester  Research  im  Jahr  2009  haben  sich  70%  der  Onlinekunden  im  
Internet über ein Produkt informiert und es danach im stationären Fachhandel erworben.82 Zu 
ähnlichen  Ergebnissen  gelangte  auch  eine  im  Bereich  von  Möbeln  und  Haushaltsgeräten 
durchgeführte  Studie  aus  den  USA  (vgl.  Rz  13  hiervor).  Danach  informieren  sich  81%  der 
Befragten vor dem Kauf online. Davon wiederum kaufen 50% anschliessend im stationären 
Handel ein.83 

79   VAN BAAL/HUDETZ (Fn 9). 
80   VERBAND DES SCHWEIZERISCHEN VERSANDHANDELS/GFK, Der Schweizer Online- und Distanzhandel 

2009, Meilen/Hergiswil 2010. 

81   EUROPÄISCHE KOMMISSION, Report on cross-border e-commerce in the EU, 2009, 9,  

http://ec.europa.eu/enterprise/newsroom/cf/_getdocument.cfm?doc_id=2277 (13.4.2011). 

82   FORRESTER RESEARCH, Profiling the Multichannel Consumer, 2009, zit. in: Ebay, eBay Response to 
the Public Consultation on the European Commission’s Review of the Vertical Restraints Regula-
tion and Guidelines, 2009, 20,  
http://ec.europa.eu/competition/consultations/2009_vertical_agreements/ebay_en.pdf (13.4.2011). 

83   WWW.PRICEGRABBER.COM (Fn 10). 

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37 

 
 
 
 
 
                                                
157.  Die Liste solcher Studien und Untersuchungen, welche die erwähnten, gegenseitigen 
Wechselwirkungen  beschreiben,  liesse  sich  fast  beliebig  erweitern.84  Dies  unterstreicht  die 
Tatsache,  dass  ein grosser  Anteil  der  Konsumenten  vor  und  beim  Kauf  von  Produkten  so-
wohl den Online-Kanal als auch den stationären Handel beansprucht.  

158.  Zu  den  gegenseitigen  Wechselwirkungen  äusserte  sich  ein  grösserer  französischer 
Händler  von  elektronischen  Produkten  wie  folgt:  «Le  développement  du  site  [internet] 
favorise celui des magasins et inversement. À l’inverse, lorsque nous avons ouvert le maga-
sin de Strasbourg en septembre 2001, les ventes du site, dans le Bas-Rhin, sonst passées 
de 1,8 à 3,4 % des ventes totales», und weiter : «Il y a une véritable relation entre le site et 
les magasins. Ainsi, à l’ouverture du site l’activité magasin a connu une rupture positive de 
croissance de 10 %».85 

159.  Die vorangehenden Erläuterungen haben gezeigt, dass nicht einfach von einem ein-
seitigen  Trittbrettfahren  von  Online-Händlern  gesprochen  werden  kann.  Vielmehr  bestehen 
zwischen dem Online- und dem stationären Verkaufskanal gegenseitige Wechselwirkungen. 
Die beiden Verkaufskanäle werden von einem Teil der Konsumenten also komplementär ge-
nutzt.  

160.  Schliesslich  muss  auch  die  Frage  aufgeworfen  werden,  ob  ein  potenzieller  Kunde, 
falls er dies wünscht, im stationären Fachhandel wirklich in jedem Fall eine kompetente Be-
ratung geniesst. Eigene Recherchen von Sekretariats-Mitarbeitern in Filialen grosser Händler 
zeigen, dass nicht in jedem Fall eine kompetente und umfassende Beratung im Hinblick auf 
den Erwerb eines Grosshaushaltsgeräts der Marken V-Zug und Electrolux erbracht wird. Die 
Beratung war zum Teil sehr dürftig, in einem Fall wurde sogar explizit auf das Internet als al-
ternatives Informationsmedium hingewiesen.  

161.  Die Parteien machen geltend, dass – sollten erhebliche Wettbewerbsabreden vorlie-
gen – diese mit dem Trittbrettfahrerproblem gerechtfertigt werden könnten.  

162. 
Im Lichte des Voranstehenden kann jedoch grundsätzlich festgehalten werden, dass 
eine Beschränkung resp. ein Verbot des Online-Handels mit dem Argument des Trittbrettfah-
rens  nur  bedingt  rechtfertigbar  ist.  Zudem  scheint  ein Verbot  des  Online-Handels  nicht  das 
geeignetste  und  mildeste  Mittel86  zu  sein,  einem  allfälligen  Trittbrettfahrerproblem  Herr  zu 
werden. So wäre es bspw. denkbar, dass Aufwendungen, welche stationäre Fachhändler er-
bringen, mit einem fixen Betrag abgegolten werden.87 Im vorliegenden Fall muss dies jedoch 
nicht  abschliessend  beurteilt  werden,  da  die  vorgesehenen  einvernehmlichen  Regelungen 
(vgl. Rz 189) zwischen dem Sekretariat und der Electrolux AG resp. der V-Zug AG – im Ein-
klang mit den einschlägigen europäischen Vorschriften – insbesondere vorsehen, dass  

 

 

ein  Hersteller  im  Rahmen  eines  selektiven  Vertriebssystems  von  seinen  Händlern  ver-
langen kann, dass diese ein stationäres Fachgeschäft betreiben und 

ein  Hersteller  an  die  Online-Präsentation  der  Produkte  gewisse  Vorschriften  machen 
kann. 

163.  Durch dieses Erfordernisse ist sichergestellt, dass nur zum selektiven Vertrieb zuge-
lassene Händler – von denen angenommen wird, dass sie im Hinblick auf den Verkauf von 

84   Für einen Überblick vgl. LAO (Fn 72); GREGORY T. GUNDLACH/KENNETH MANNING/JOSEPH P. 

CANNON, Free Riding and Resale Price Maintenance: Insights from Marketing Research and Prac-
tice, in: Antitrust Bulletin, Vol. 55, No. 2, Summer 2010, 381-422, 392 ff.  

85   Zit. in: JEANNE LUBEK, Les effets économiques de la distribution par Internet. Point de vue de 

l’économiste, in : Concurrences, No. 1, 2011. 

86   Vgl. BSK KG-KRAUSKOPF/SCHALLER (Fn 38), Art. 5 KG N 342. 
87   Vgl. Rz 52 lit. d der Leitlinien (Fn 19). 

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38 

 
 
 
 
 
                                                
Produkten  einer  Marke  gewisse  Leistungen  erbringen  –  die  Produkte  auch  online  anbieten 
können.  Wenn  alle  zugelassenen  Händler  ein  stationäres  Fachgeschäft  betreiben  müssen 
und  demnach  sämtliche  Händler  auch  die  Kosten  einer  physischen  Ausstellung  und  Bera-
tung zu tragen haben, kann nicht mehr von (unfairem) Freeriding zwischen Online- und stati-
onären Händlern gesprochen werden.88   

D.3.4.1.2.  Selektiver Vertrieb 

164.  Als Begründung für ihre Vorgehensweisen führten sowohl die Electrolux AG als auch 
die  V-Zug  AG  an,  ein  (rein  qualitatives)  Selektivvertriebssystem  für  den  Vertrieb  ihrer  Pro-
dukte  eingeführt  zu  haben.  Gemäss  der  Electrolux  AG  funktioniert  das  selektive  Vertriebs-
system nur, wenn keine Online-Verkäufe möglich sind.89 Die V-Zug AG stellte ihr Vertriebs-
system  so  um,  dass  (reine)  Online-Händler  die für  eine  Belieferung  erforderliche  Punktzahl 
kaum  erreichen  konnten  (vgl.  Rz  7).  Auch  von  der  V-Zug  AG  wurde  ursprünglich  geltend 
gemacht, dass die aufgestellten Kriterien beim Verkauf über das Internet nicht erfüllt werden 
könnten.90  Im Wesentlichen  wurden  von  den  Parteien  folgende  Argumente  für  die  Notwen-
digkeit eines selektiven Vertriebs vorgebracht:91 

  Fachkundige Beratung (durch geschultes Personal); 

  Möglichkeit der physischen Besichtigung der Geräte in einer Ausstellung; 

 

Lieferung und fachmännische Montage vor Ort beim Kunden. Dies sei – je nach Geräte-
art – vor dem Hintergrund des korrekten Anschlusses an Wasser und das  
(Stark-)Stromnetz wichtig;  

  Wartung und Service bei Gerätedefekten (Austausch defekter Geräte innert kurzer Zeit); 

  Die vier oben genannten Punkte seien für die Erhaltung des guten Marken-Images wich-
tig. Negative Erfahrungen bei Beratung und/oder Installation etc. würden auf die Marke 
zurückfallen und dieser schaden. 

165.  Da die vorliegende Untersuchung die Frage der wettbewerbsrechtlichen Behandlung 
des Online-Handels zum Gegenstand hat, wird in casu keine wettbewerbsrechtliche Beurtei-
lung der integralen, von den Parteien neu eingeführten, selektiven Vertriebssystemen abge-
geben. Angesichts des Umstandes, dass die Parteien mit dem Sekretariat eine einvernehm-
liche Regelung betreffend die Online-Kriterien ihres jeweiligen (selektiven) Vertriebssystems 
abgeschlossen haben (siehe Rz 189) und im Anschluss daran, die Systeme der einvernehm-
lichen Regelung angepasst haben, ist an dieser Stelle festzuhalten, dass die Kriterien betref-
fend  den  Online-Handel  der  (selektiven)  Vertriebssysteme  der  Parteien  als  kartellrechtlich 
zulässig zu betrachten sind. 

166.  Trotzdem  werden  nachfolgend  zwei  Voraussetzungen  rund  um  den  rein  qualitativen 
selektiven Vertrieb beleuchtet, welche aus wettbewerbsrechtlicher Sicht als problematisch zu 
betrachten  sind.  Doch  davor  werden  die  entsprechenden  einschlägigen  Bestimmungen  er-
läutert. 

167.  Als  selektive  Vertriebssysteme  werden  gemäss  Ziff.  4  VertBek  Vereinbarungen  zwi-
schen Lieferanten und Händlern bezeichnet, wonach der Lieferant die Vertragswaren oder –
dienstleistungen nur an Händler verkaufen darf, die aufgrund festgelegter Merkmale ausge-

88   Vgl. hierzu auch PHILIP MARSDEN/PETER WHELAN, Selective Distribution in the Age of Online Retail, 

in: European Competition Law Review, Vol. 31, No. 1, 2010, 26-37. 

89   Act. 30. 
90   Act. 113.  
91   Act. 30; act. 31; act. 146, Präzisierungsfragen. Electrolux macht zusätzlich geltend, dass […].  

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wählt  werden  und  diese  Händler  die  betreffenden  Waren  oder  Dienstleistungen  nicht  an 
Händler weiter verkaufen dürfen, die nicht zum Vertrieb zugelassen sind.  

168.  Um ein rein qualitatives Vertriebssystem handelt es sich nach Ziff. 4  Abs. 2 VertBek 
dann,  wenn  die  Auswahl  der  Händler  ausschliesslich  nach  objektiven  qualitativen  Kriterien 
erfolgt, die sich nach den Anforderungen des betreffenden Produkts – z.B. in Bezug auf die 
Verkäuferschulung, den in der Verkaufsstätte gebotenen Service oder ein bestimmtes Spekt-
rum der angebotenen Produkte – richten. 

Innerhalb eines selektiven Vertriebssystem ist es zulässig, den Händlern gewisse Be-
169. 
schränkungen  beim  Produktevertrieb  aufzuerlegen.  So  kann  z.B.  eine  Beschränkung  des 
Verkaufs an nicht zugelassene Händler durch Mitglieder des selektiven Vertriebssystems zu-
lässig sein (vgl. Ziffer 12 Abs. 2 VertBek).  

170.  Rein qualitative selektive Vertriebssysteme führen gemäss Ziff. 8 Abs. 4 VertBek zu 
keiner  erheblichen  Beeinträchtigung  des  Wettbewerbs,  sofern  kumulativ  folgende  drei  Vo-
raussetzungen erfüllt sind: 

(i)  Die  Beschaffenheit  des  fraglichen  Produkts  muss  einen  selektiven  Vertrieb  erfordern, 
d.h., ein solches Vertriebssystem muss ein Erfordernis zur Wahrung der Qualität und zur 
Gewährleistung des richtigen Gebrauchs des betreffenden Produkts sein; 

(ii)  Die  Wiederverkäufer  müssen  aufgrund  objektiver  Kriterien  qualitativer  Art  ausgewählt 

werden. Diese sind einheitlich festzulegen und unterschiedslos anzuwenden; 

(iii)  Die aufgestellten Kriterien dürfen nicht über das hinausgehen, was erforderlich ist. 

171.  Zu  betonen  ist  an  dieser  Stelle,  dass  ein selektives  Vertriebssystem  (sei es ein  rein 
qualitatives oder nicht) keinesfalls Vermutungstatbestände nach Art. 5 Abs. 4 KG, noch Re-
gelungen,  welche  nach  Ziffer  12  Abs.  2  VertBek  als  qualitativ  schwerwiegend  betrachtet 
werden  (was  vorliegend  der  Fall  ist),  enthalten  darf.  Solche  Wettbewerbsbeschränkungen 
würden – unabhängig vom Vorliegen eines selektiven Vertriebssystems – nach Art. 5. Abs. 4 
resp. Art. 5 Abs. 1 KG untersucht. In anderen Worten kann ein selektives Vertriebssystem in 
keinem Fall eine sog. Hardcore-Beschränkung des Wettbewerbs rechtfertigen.  

172.  Die WEKO hatte sich in der jüngsten Vergangenheit im Fall Gaba mit der Problematik 
von selektiven Vertriebssystemen zu befassen. Dabei hielt die WEKO – in Anlehnung an die 
bisherige Praxis der europäischen Behörden – fest, dass selektive Vertriebssysteme insbe-
sondere  bei  Prestige-  und  Luxusgütern,  bei  technisch  hoch  stehenden  Produkten  oder  bei 
Produkten, die besondere Fachkenntnisse bedingen, üblich sind.92  

173.  Nachstehend werden einige Aspekte bezüglich der vorgängig genannten Vorausset-
zungen  (i)  und  (ii)  für  das  Vorliegen  eines  unerheblichen  rein  qualitativen  Selektivvertriebs 
nach  Ziffer  14  VertBek  aufgegriffen.  Damit  soll  insbesondere  aufgezeigt  werden,  dass  ein 
rein  qualitatives  selektives  Vertriebssystem  aus  wettbewerbsrechtlicher  Sicht  bestimmten 
Anforderungen zu genügen hat. 

Ad (i): Die Beschaffenheit des fraglichen Produkts muss einen selektiven Vertrieb erfordern 

174.  Wie bereits vorstehend angetönt (siehe Rz 172) und im Rahmen der Trittbrettfahrer-
problematik erwähnt (vgl. Rz 149 ff.), eignen sich u.a. technisch komplexe Geräte, für welche 
durchaus eine Beratungsnachfrage bestehen kann, für den rein qualitativen Selektivvertrieb. 
Diesbezüglich werden nachfolgend exemplarisch zwei problematische Punkte aufgezeigt. 

175.  Vertrieb  von  Produkten verschiedener  Marken: Vertreibt  ein  Unternehmen  technisch 
vergleichbare  Produkte  verschiedener  Marken  und  in  verschiedenen  Preissegmenten,  ist 

92   Vgl. RPW 2010/1, 82 Rz 147, Gaba. 

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40 

 
 
 
 
 
                                                
nicht einzusehen, weshalb der Hersteller für die Produkte im höheren Preissegment die Not-
wendigkeit des selektiven Vertriebssystems mit der Begründung geltend macht, dass dieses 
für die Wahrung der (Produkt-)Qualität und zur Gewährleistung des richtigen Gebrauchs er-
forderlich sei. Mit anderen Worten ausgedrückt: Wenn ein Hersteller für technisch vergleich-
bare Produkte verschiedener Marken unterschiedliche Vertriebssysteme vorsieht, so vermag 
alleine  das  Argument,  dass  lediglich  die  im  höheren  Preissegment  positionierten  Produkte 
eines  selektiven  Vertriebssystems  bedürfen,  nicht  zu  genügen,  wenn  die  Produkte  beider 
Marken in technischer Hinsicht und hinsichtlich der Gewährleistung des richtigen Gebrauchs 
nicht oder kaum voneinander abweichen. 

176.  Unterschiede Schweiz/Ausland: Problematisch ist ferner der Umstand, dass ein Her-
steller  Produkte  in  der  Schweiz  selektiv  vertreibt,  im  Ausland  jedoch  nicht.  Dies  gilt  insbe-
sondere  dann,  wenn  es  sich  bei  den  fraglichen  Produkten  um  identische  oder  zumindest 
sehr ähnliche handelt. 

Ad (ii): Die Wiederverkäufer müssen aufgrund objektiver Kriterien qualitativer Art ausgewählt 
werden. Diese sind einheitlich festzulegen und unterschiedslos anzuwenden 

177.  Neben dem Umstand, dass Zulassungskriterien zu einem selektiven Vertriebssystem 
objektiv und qualitativer Art sein müssen, ist erforderlich, dass die Kriterien diskriminierungs-
frei angewendet werden. In diesem Zusammenhang gilt es Folgendes hervorzuheben: 

178. 
Image: Macht ein Hersteller z.B. geltend, dass ein Verkauf via Online-Handel den mit 
der Einführung eines rein qualitativen selektiven Vertriebssystems angestrebten Zielen (Ab-
hebung von der Konkurrenz, Exklusivität einer Marke etc.) zuwider laufe, so erscheinen sol-
che Argumente dann wenig stichhaltig, wenn der Hersteller seine Produkte an bekannte sta-
tionäre  Tiefpreishändler  liefert,  d.h.  an  Händler,  bei  welchen  der  Preis  im  Fokus  steht  und 
nicht-preisliche  Parameter  wie  Produktpräsentation,  Beratung  etc.  zweitrangig  sind.93  Auf-
grund der Reputation resp. der Gestaltung der Verkaufslokale solcher Händler ist unklar, in-
wiefern diese den von Herstellern geforderten Vorgaben an eine imagegerechte Produktprä-
sentation etc. gerecht werden.94 Vor diesem Hintergrund erscheint es problematisch, Händ-
ler, welche Produkte mit einem seriösen und professionellen Auftritt über einen Online-Shop 
verkaufen, vom Vertrieb auszuschliessen, während die oben erwähnten stationäre Tiefpreis-
händler zum Vertrieb zugelassen werden.  

179.  Erbringung  von  Dienstleistungen:  Hinzuweisen  gilt  es  darauf,  dass  es  grundsätzlich 
auch  möglich  sein  sollte,  die  von  den  Herstellern  aufgestellten  Anforderungen  für  die  Not-
wendigkeit  eines  selektiven  Vertriebssystems  (Beratung,  Lieferung,  Montage  und  Service 
etc.) auf verschiedene Arten zu erbringen, so ist z.B. grundsätzlich denkbar, dass ein reiner 
Online-Händler  –  anstatt  die  genannten  Dienstleistungen  selber  zu  erbringen  –  mit  qualifi-
zierten Fachleuten zusammenarbeitet, um eine fachmännische Beratung, Lieferung, Monta-
ge und Service zu gewährleisten.  

180.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  die  Anforderungen  an  ein  rein  qualitatives 
selektives  Vertriebssystem  sämtlichen  eingehend  genannten  Voraussetzungen  genügen 
müssen.  Zu  beachten  ist  dabei  insbesondere,  dass  ein  solches  Vertriebssystem  nicht  für 
sämtliche  Produkte  in  Frage  kommt  und  damit  keinesfalls  sog.  Hardcore-Beschränkungen 
des  Wettbewerbs  gerechtfertigt  werden  können.  Darüber  hinaus  sei  darauf  hingewiesen, 
dass wenn die Selektionskriterien für ein rein qualitatives selektives Vertriebssystem einmal 
festgelegt wurden, diese unterschiedslos, d.h. diskriminierungsfrei anzuwenden sind. 

93 Vgl. act. 167; act.172, 10-20 u. Werbebroschüre.  
94 Vgl. act. 172, 21-28. 

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41 

 
 
 
 
 
                                                
181.  Zurückkommend auf die in den einvernehmlichen Regelungen zwischen dem Sekre-
tariat  und  den  Parteien festgelegten  Vorgaben für  den Online-Handel  (vgl.  Rz  E.1),  welche 
aus wettbewerbsrechtlicher Sicht als zulässig zu betrachten sind,  erübrigt sich eine  weitere 
Prüfung dieses Rechtfertigungsgrundes.  

D.3.4.1.3.  Mehraufwand und Sicherheitsüberlegungen bei nicht betreuten Verkäufen 

182.  Die  V-Zug  AG  bringt  als  Argument  für  die  Einschränkung  des  Online-Handels  vor, 
dass sog. unbetreute Verkäufe von Haushaltsgeräten einen Aufwand in der Grössenordnung 
einer 100%-Stelle jährlich generieren. Zudem würden Defekte aufgrund von Fehllieferungen 
und Fehlanschlüssen stark ansteigen.  

183.  Diesbezüglich ist zunächst fraglich, ob es sich bei solche unbetreuten Verkäufen um 
solche  in  stationären  oder  Online-Verkaufsstellen  handelt.  Unbetreute  Verkäufe  können 
nämlich durchaus auch im stationären Handel vorkommen. So ist beispielsweise beim Kauf 
eines Grosshaushaltsgeräts in stationären Filialen von einigen national bekannten Händlern 
die Lieferung und die Montage beim Kunden eine freiwillige Option, welche der Käufer hin-
zukaufen kann. Die Installation des Geräts kann demnach durchaus auch selber organisiert 
resp. vorgenommen werden. In einem solchen Fall verliert der stationäre Händler jedoch die 
Kontrolle darüber, ob das Gerät fachmännisch installiert wird oder nicht. Auch in solchen Fäl-
len  sind  also  unbetreute  Verkäufe  möglich.  Das von  der  V-Zug  AG  vorgebrachte  Argument 
ist demnach nicht geeignet, den Ausschluss von Internetverkäufen zu rechtfertigen. 

184.  V-Zug  führt  diesbezüglich  an,  dass  unbetreute  Verkäufe  in  erster  Linie  im  Online-
Handel vorkommen.  

185.  Ein  allfälliges  Problem  mit  unbetreuten  Online-Verkäufen  könnte  im  Übrigen  wohl  
auch so angegangen werden, dass ein (reiner) Online-Händler mit qualifizierten Fachleuten 
(z.B. einem Sanitärinstallateur) zwecks Montage von Grosshaushaltsgeräten eine Kooperati-
on auf Auftragsbasis eingeht.  

186.  Zusammenfassend  kann  festgehalten  werden,  dass  unbetreute  Verkäufe  sowohl  im 
Online- als auch im stationären Handel vorkommen.  Zudem scheint die Einschränkung des 
Online-Handels nicht das mildeste Mittel zu sein, dem angeblichen Problem unbetreuter Ver-
käufe Herr zu werden. Das Vorbringen der V-Zug AG, wonach unbetreute Verkäufe zu einem 
Mehraufwand seitens des Herstellers führe, ist im Lichte des Voranstehenden deshalb nicht 
geeignet, die vorliegenden Einschränkungen des Online-Handels zu rechtfertigen. 

D.3.4.2. Zwischenergebnis 

187.  Aus oben genannten Gründen und im Lichte der mit den Parteien vorgesehenen ein-
vernehmlichen  Regelungen  können  die  beschriebenen  Wettbewerbsabreden  nicht  durch 
Gründe der wirtschaftlichen Effizienz gerechtfertigt werden.  

D.3.5.  Ergebnis 

188.  Es  liegen  erhebliche  Wettbewerbsabreden  nach  Art.  5  Abs.  1  KG  vor,  welche  nicht 
aus  Gründen  der  wirtschaftlichen  Effizienz  gerechtfertigt  werden  können.  Die  von  den  Par-
teien  Electrolux  AG  und  der  V-Zug  AG  getroffenen  resp.  praktizierten  Behinderungen  des 
Online-Handels sind deshalb nach Massgabe von Art. 5 Abs. 1 KG unzulässig. 

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42 

 
 
 
 
 
E. 

Einvernehmliche Regelungen 

E.1. 

Inhalt der einvernehmlichen Regelungen 

Im Bestreben, die vorstehend dargelegten wettbewerbsrechtlichen Bedenken bezüg-
189. 
lich eines Verbotes bzw. Behinderungen des Online-Handels auszuräumen, hat das Sekreta-
riat  mit  der  Electrolux  AG  sowie  der  V-Zug  AG  einvernehmliche  Regelungen95  mit  den  fol-
genden Wortlauten abgeschlossen: 

Electrolux AG 

„A.  

Vorbemerkungen:  

a)  Die  vorliegende  einvernehmliche  Regelung  im  Sinne  von  Art. 29  Bundesgesetz  über 
Kartelle und andere Wettbewerbsbeschränkungen (Kartellgesetz, KG; SR 251) erfolgt im 
übereinstimmenden  Interesse  der  Beteiligten,  das  Verfahren  22-0391  zu  vereinfachen, 
zu  verkürzen  und  –  unter  Vorbehalt  der  Genehmigung  durch  die Wettbewerbskommis-
sion (WEKO) – zu einem förmlichen Abschluss zu bringen. 

b)  Die  vorliegende  einvernehmliche  Regelung  trägt  dem  Umstand  Rechnung,  dass  es 
sich bei der zugrunde liegenden Untersuchung i.S.v. Art. 27 KG um die erste handelt, 
welche  Beschränkungen  von  Online-Verkäufen  zum  Gegenstand  hat  und  deren  Er-
gebnisse  über  die  Branche  hinaus  Signalwirkungen  zeitigen  soll.  Die  Electrolux  AG 
hat  vor  diesem  Hintergrund  bereits  vor  der  Eröffnung  dieser  Untersuchu ng  ihre  Be-
reitschaft signalisiert,  die  Auswahlkriterien für Online-Verkäufe  im Rahmen  ihres  se-
lektiven  Vertriebssystems  einvernehmlich mit den Wettbewerbsbehörden  zu  erarbe i-
ten.  Das  selektive  Vertriebssystem  der  Electrolux  AG  betrifft  den  Bereich  Haushalts-
grossgeräte der Marke Electrolux (nachfolgend: Vertragsprodukte).  

c)  Vor  diesem  Hintergrund  soll  die  vorliegende  einvernehmliche  Regelung  die  kartel l-
rechtliche Zulässigkeit von Beschränkungen des Online-Verkaufs im Rahmen von se-
lektiven  Vertriebssystemen  regeln.  Die  vorliegende  einvernehmliche  Regelung  äus-
sert sich jedoch nicht zur kartellrechtlichen Zulässigkeit des selektiven Vertriebssy s-
tems der Electrolux AG als solches.  

d)  Die  Electrolux  AG  gedenkt  im  Falle  der  Genehmigung  vorliegender  einvernehmlichen 
Regelung  durch  die  WEKO,  auf  die  Ergreifung  von  Rechtsmitteln  zu  verzichten.  Sollte 
die vorliegende einvernehmliche Regelung von der WEKO nicht genehmigt werden, wird 
die Untersuchung im ordentlichen Verfahren zu Ende geführt. Ungeachtet davon wird die 
Electrolux AG den Wettbewerbsbehörden im weiteren Verlaufe des Verfahrens 22-0391 
allfällig benötigte Informationen und/oder Dokumente zukommen lassen. 

e)  Die Kosten des Verfahrens 22-0391 gehen zu gleichen Teilen zu Lasten der Parteien. 

B.  

Vereinbarungen: 

Die Electrolux AG verpflichtet sich: 

1)  Den  zu  ihrem  selektiven  Vertriebssystem  zugelassenen  Wiederverkäufern  den  Verkauf 
von  Vertragsprodukten  über  das  Internet  grundsätzlich  zu gestatten.  Zulässig ist  es je-
doch, dass die Electrolux AG Qualitätsanforderungen an die Verwendung des Internets 

95   Die nachfolgenden einvernehmlichen Regelungen basieren im Wesentlichen auf den Grundsätzen, 
welche  für  (rein  qualitative)  selektive  Vertriebssysteme  anerkannt  werden.  Die  darin  enthaltenen 
Verpflichtungen sind als Eckpunkte für die Vertriebssysteme der Parteien zu verstehen. 

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43 

 
 
 
 
 
 
 
                                                
zum  Weiterverkauf  von  Vertragsprodukten  stellt  sowie  von  den  zugelassenen  Wieder-
verkäufern verlangt, dass sie über einen physischen Verkaufspunkt verfügen. Diese An-
forderungen  beziehen  sich  ausschliesslich  auf  die  Vertragsprodukte,  weitergehende 
Vorgaben innerhalb des selektiven Vertriebssystems (insbesondere im Zusammenhang 
mit Produkten anderer Marken) sind zu unterlassen. Zulässig ist auch, dass die Electro-
lux AG von den zugelassenen Wiederverkäufern, welche die Vertragsprodukte über das 
Internet verkaufen, verlangt, dass auf der Website die Identität (Firma, Geschäftsadres-
se,  Ort)  des  Wiederverkäufers  und  der/die  Standort(e)  des/der  physischen  Verkaufs-
punkte(s) klar und auf den ersten Blick ersichtlich sind.  

2)  Die einzelnen Kriterien für Verkäufe von Vertragsprodukten über das Internet so zu for-
mulieren, dass diese messbar sind, d.h. dass ein potenzieller Wiederverkäufer nachvoll-
ziehen  kann,  ob  er  die  festgelegten  Kriterien  bereits  erfüllt  oder  die  dafür  aus  seiner 
Sicht nötigen Vorkehrungen treffen kann.  

3)  Den  zum  selektiven  Vertriebssystem  zugelassenen  Wiederverkäufern  die  Verwendung 
eines  Domain-Namens  eines  Online-Geschäfts,  welcher  von  der  Firma  oder  der  Ge-
schäftsbezeichnung  eines  Wiederverkäufers  abweicht,  zu  gestatten,  solange  keine 
sachlichen Gründe dafür bestehen, dass der Domain-Name für die Marke Electrolux ob-
jektiv nachteilig ist und die Website eindeutig die Firma oder Geschäftsbezeichnung ei-
nes Wiederverkäufers klar und auf den ersten Blick erkennen lässt. In Zweifelsfällen ist 
ein Domain-Name der Electrolux AG zur Prüfung vorzulegen. Das Ergebnis der Prüfung 
teilt  die Electrolux  AG  ihren Wiederverkäufern  innert  Monatsfrist schriftlich und begrün-
det mit. 

4)  Sämtliche Vereinbarungen dieser einvernehmlichen Regelung bei Eintritt der Rechtskraft 
der  Verfügung  der  dieser  einvernehmlichen  Regelung  zugrunde  liegenden  Untersu-
chung (22-0391) vollständig umgesetzt zu haben.“ 

V-Zug AG 

„A.  

Vorbemerkungen:  

a)  Die  vorliegende  einvernehmliche  Regelung  im  Sinne  von  Art. 29  Bundesgesetz  über 
Kartelle und andere Wettbewerbsbeschränkungen (Kartellgesetz, KG; SR 251) erfolgt im 
übereinstimmenden  Interesse  der  Beteiligten,  das  Verfahren  22-0391  zu  vereinfachen, 
zu  verkürzen  und  –  unter  Vorbehalt  der  Genehmigung  durch  die Wettbewerbskommis-
sion (WEKO) – zu einem förmlichen Abschluss zu bringen. 

b)  Die  vorliegende  einvernehmliche  Regelung  trägt  dem  Umstand  Rechnung,  dass  es 
sich bei der zugrunde liegenden Untersuchung i.S.v. Art. 27 KG um die erste handelt, 
welche  Beschränkungen  von  Online-Verkäufen  zum  Gegenstand  hat  und  deren  Er-
gebnisse  über  die  Branche  hinaus  Signalwirkungen  zeitigen  soll.  Die  V-Zug  AG  hat 
vor  diesem  Hintergrund  bereits  vor  der  Eröffnung  dieser  Untersuchung  ihre  Bereit-
schaft signalisiert, die Auswahlkriterien für Online-Verkäufe im Rahmen ihres selekti-
ven  Vertriebssystems  einvernehmlich  mit  den  Wettbewerbsbehörden  zu  erarbeiten. 
Das selektive Vertriebssystem der V-Zug AG betrifft den Bereich Haushaltsgrossgeräte 
der Marke V-Zug (nachfolgend: Vertragsprodukte).  

c)  Vor  diesem  Hintergrund  soll  die  vorliegende  einvernehmliche  Regelung  die  kartell-
rechtliche Zulässigkeit von Beschränkungen des Online-Verkaufs im Rahmen von se-
lektiven  Vertriebssystemen  regeln.  Die  vorliegende  einvernehmliche  Regelung  äus-
sert sich jedoch nicht zur kartellrechtlichen Zulässigkeit des selektiven Vertriebssys-
tems der V-Zug AG als solches.  

22/2009/03310/COO.2101.111.5.147697  

44 

 
 
 
 
 
 
 
d)  Die V-Zug AG gedenkt im Falle der Genehmigung vorliegender einvernehmlichen Rege-
lung durch die WEKO, auf die Ergreifung von Rechtsmitteln zu verzichten. Sollte die vor-
liegende  einvernehmliche  Regelung  von  der  WEKO  nicht  genehmigt  werden,  wird  die 
Untersuchung im ordentlichen Verfahren zu Ende geführt. Ungeachtet davon wird die V-
Zug AG den Wettbewerbsbehörden im weiteren Verlaufe des Verfahrens 22-0391 allfäl-
lig benötigte Informationen und/oder Dokumente zukommen lassen. 

e)  Die Kosten des Verfahrens 22-0391 gehen zu gleichen Teilen zu Lasten der Parteien. 

B.  

Vereinbarungen: 

Die V-Zug AG verpflichtet sich: 

1)  Den  zu  ihrem  selektiven  Vertriebssystem  zugelassenen  Wiederverkäufern  den  Verkauf 
von  Vertragsprodukten  über  das  Internet  grundsätzlich  zu  gestatten.  Zulässig  ist  es  je-
doch, dass die V-Zug AG Qualitätsanforderungen an die Verwendung des Internets zum 
Weiterverkauf  von  Vertragsprodukten  stellt  sowie von  den zugelassenen Wiederverkäu-
fern  verlangt,  dass  sie  über  einen  physischen  Verkaufspunkt  verfügen.  Diese  Anforde-
rungen beziehen sich ausschliesslich auf die Vertragsprodukte, weitergehende Vorgaben 
innerhalb des selektiven Vertriebssystems (insbesondere im Zusammenhang mit Produk-
ten anderer Marken) sind zu unterlassen. 

2)  Die einzelnen Kriterien für Verkäufe von Vertragsprodukten über das Internet so zu for-
mulieren, dass diese messbar sind, d.h. dass ein potenzieller Wiederverkäufer nachvoll-
ziehen  kann,  ob  er  die  festgelegten  Kriterien  bereits  erfüllt  oder  die  dafür  aus  seiner 
Sicht nötigen Vorkehrungen treffen kann.  

3)  Den  zum  selektiven  Vertriebssystem  zugelassenen  Wiederverkäufern  die  Verwendung 
eines  Domain-Namens  eines  Online-Geschäfts,  welcher  von  der  Firma  oder  der  Ge-
schäftsbezeichnung  eines  Wiederverkäufers  abweicht,  zu  gestatten,  solange  keine 
sachlichen  Gründe  dafür  bestehen,  dass  der  Domain-Name  für  die  Marke  V-Zug  nicht 
objektiv  nachteilig  ist  und  die  Website  eindeutig  die  Firma  oder  Geschäftsbezeichnung 
eines Wiederverkäufers klar und auf den ersten Blick erkennen lässt. In Zweifelsfällen ist 
ein Domain-Name der V-Zug AG zur Prüfung vorzulegen. Das Ergebnis der Prüfung teilt 
die  V-Zug  AG  ihren  Wiederverkäufern  innert  Monatsfrist  schriftlich  und  begründet  mit. 
Zulässig ist auch, dass die V-Zug AG von den zugelassenen Wiederverkäufern, welche 
die  Vertragsprodukte  über  das  Internet  verkaufen,  verlangt,  dass  auf  der  Website  die 
Identität  (Firma,  Geschäftsadresse,  Ort)  des  Wiederverkäufers  und  der/die  Standort(e) 
des/der physischen Verkaufspunkte(s) klar und auf den ersten Blick ersichtlich sind. 

4)  Sämtliche Vereinbarungen dieser einvernehmlichen Regelung bei Eintritt der Rechtskraft 
der  Verfügung  der  dieser  einvernehmlichen  Regelung  zugrunde  liegenden  Untersu-
chung (22-0391) vollständig umgesetzt zu haben.“ 

E.2.  Genehmigung durch die WEKO 

190.  Die Genehmigung der oben beschriebenen einvernehmlichen Regelungen durch die 
WEKO erfolgte in Erwägung folgender Punkte: 

  Erstens stellt die Genehmigung keine wettbewerbsrechtliche Beurteilung der integra-

len, von den Parteien neu eingeführten, selektiven Vertriebssystemen dar.  

  Zweitens  ist  die  in  den  einvernehmlichen  Regelungen  enthaltene  Bestimmung,  wo-
nach es zulässig ist, von den zugelassenen Wiederverkäufern zu verlangen, dass sie 
über  einen  physischen  Verkaufspunkt  verfügen  vor  dem  Hintergrund  zu  betrachten, 
dass der vorliegende Fall einen Bereich betrifft, in dem ohnehin die meisten Händler 
die in Frage stehenden Produkte (u.a.) über ein stationäres Fachgeschäft vertreiben 

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45 

 
 
 
 
 
 
(nämlich  die rein  stationären und  die gemischten  Händler).  Der  Auslöser  des  vorlie-
genden  Verfahrens  war  denn  in  erster  Linie  auch  eine  Anzeige  eines  gemischten 
Händlers (vgl. Rz 1).  

  Drittens behält sich die WEKO vor, zu einem späteren Zeitpunkt die Vertriebssysteme 
der  Parteien  einer  kartellrechtlichen  Prüfung  zu  unterziehen,  sofern  Anhaltspunkte 
dafür  bestehen,  dass  diese  den  Online-Handel  in  unzulässiger  Weise  beeinträchti-
gen.  Dasselbe  gilt,  falls  sich  die  vorliegend  beurteilten  Verhältnisse  oder  Sachver-
haltselemente inskünftig verändern würden. 

  Viertens  kann  diese  Verfügung  nicht  dahingehend  ausgelegt  werden,  Parallel-  oder 
Direktimporte  zu  be-  resp.  verhindern.  D.h.  Online-Verkäufe  aus  der  EU  in  die 
Schweiz dürfen aufgrund der vorliegenden Verfügung nicht beschränkt werden. 

  Fünftens möchte die WEKO hervorheben, dass sie dem Vertriebskanal Internet eine 
hohe Bedeutung zumisst: Grundsätzlich müssen Verkäufe über das Internet möglich 
sein. Beschränkungen derselben werden nur ausnahmsweise und unter sehr restrik-
tiven Bedingungen als zulässig erachtet.  

F. 

Kosten 

191.  Nach Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 25.2.1998 über die Gebühren zum Kartellge-
setz (Gebührenverordnung KG, GebV-KG; SR 251.2) ist gebührenpflichtig, wer das Verwal-
tungsverfahren verursacht hat.  

192. 
Im  Untersuchungsverfahren  nach  Art.  27  ff.  KG  besteht  eine  Gebührenpflicht,  wenn 
aufgrund der Sachverhaltsfeststellung eine unzulässige Wettbewerbsbeschränkung vorliegt, 
oder wenn sich die Parteien unterziehen. Als Unterziehung gilt auch, wenn ein oder mehrere 
Unternehmen,  welche  aufgrund  ihres  möglicherweise  wettbewerbsbeschränkenden  Verhal-
tens ein Verfahren ausgelöst haben, das beanstandete Verhalten aufgeben und das Verfah-
ren  als  gegenstandslos  eingestellt  wurde  (Entscheid  des  Bundesgerichts,  RPW  2002/3, 
546 f., Rz. 6.1, BKW FMB Energie AG; Art. 3 Abs. 2 lit. b und c GebV-KG e contrario). Vor-
liegend ist daher eine Gebührenpflicht der Verfügungsadressaten zu bejahen. 

193.  Demgegenüber  entfällt  die  Gebührenpflicht  für  Unternehmen,  die  ein  Verfahren  ver-
ursacht haben, sich die zu Beginn vorliegenden Anhaltspunkte jedoch nicht erhärten und das 
Verfahren aus diesem Grund eingestellt wird (RPW 2002/3,  546 f. Rz 6.1 e contrario, BKW 
FMB Energie AG, Art. 3 Abs. 2 lit. b und c GebV-KG). 

194.  Nach  Art.  4  Abs.  2  GebV-KG  gilt  ein  Stundenansatz  von  CHF  100  bis  400.  Dieser 
richtet sich namentlich nach der Dringlichkeit des Geschäfts und der Funktionsstufe des aus-
führenden  Personals.  Auslagen  für  Porti  sowie  Telefon-  und  Kopierkosten  sind  in  den  Ge-
bühren eingeschlossen (Art. 4 Abs. 4 GebV-KG).  

195.  Gestützt auf die Funktionsstufe der mit dem Fall betrauten Mitarbeiter rechtfertigt sich 
ein Stundenansatz von CHF 120 bis 250. Die aufgewendete Zeit beträgt total […] Stunden. 
Demnach beläuft sich die Gebühr auf CHF […].  

196.  Die  Gebühren  werden  den  Verfügungsadressaten  zu gleichen Teilen  und  unter  soli-
darischer Haftbarkeit auferlegt (vgl. Art. 1a GebV-KG i.V.m. Art. 2 Abs. 2 AllgGebV). 

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46 

 
 
 
 
 
 
G. 

Dispositiv 

Aufgrund des Sachverhalts und der vorangehenden Erwägungen verfügt die WEKO: 

1. 

Die  WEKO  genehmigt  unter  ausdrücklicher  Berücksichtigung  der  Vorbemerkungen, 
insbesondere der Vorbemerkung A. c), die nachfolgenden einvernehmlichen Regelun-
gen:  

Electrolux AG 

„A.  

Vorbemerkungen:  

a) 
Die  vorliegende  einvernehmliche  Regelung  im  Sinne  von  Art. 29  Bundesge-
setz  über  Kartelle  und  andere  Wettbewerbsbeschränkungen  (Kartellgesetz,  KG;  SR 
251) erfolgt im übereinstimmenden Interesse der Beteiligten, das Verfahren 22-0391 zu 
vereinfachen,  zu  verkürzen  und  –  unter  Vorbehalt  der  Genehmigung  durch  die  Wett-
bewerbskommission (WEKO) – zu einem förmlichen Abschluss zu bringen. 

b) 
Die  vorliegende einvernehmliche  Regelung trägt  dem  Umstand  Rechnung, 
dass es sich bei der zugrunde liegenden Untersuchung i.S.v. Art. 27 KG um die er s-
te handelt, welche Beschränkungen von Online-Verkäufen zum Gegenstand hat und 
deren Ergebnisse über die Branche hinaus Signalwirkungen zeitigen soll. Die Elec t-
rolux AG hat vor diesem Hintergrund bereits vor der Eröffnung dieser Untersuchung 
ihre  Bereitschaft  signalisiert,  die  Auswahlkriterien  für  Online-Verkäufe  im  Rahmen 
ihres selektiven Vertriebssystems einvernehmlich mit den Wettbewerbsbehörden zu 
erarbeiten. Das selektive Vertriebssystem der Electrolux AG betrifft den Bereich Haus-
haltsgrossgeräte der Marke Electrolux (nachfolgend: Vertragsprodukte).  

Vor diesem Hintergrund soll die vorliegende einvernehmliche Regelung die 
c) 
kartellrechtliche Zulässigkeit von Beschränkungen des Online-Verkaufs im Rahmen 
von  selektiven  Vertriebssystemen  regeln.  Die  vorliegende  einvernehmliche  Reg e-
lung äussert sich jedoch nicht zur kartellrechtlichen Zulässigkeit des selektiven Ver-
triebssystems der Electrolux AG als solches.  

d) 
Die  Electrolux  AG  gedenkt  im  Falle  der  Genehmigung  vorliegender  einver-
nehmlichen Regelung  durch  die WEKO,  auf  die  Ergreifung von  Rechtsmitteln  zu ver-
zichten. Sollte die vorliegende einvernehmliche Regelung von der WEKO nicht geneh-
migt werden, wird die Untersuchung im ordentlichen Verfahren zu Ende geführt. Unge-
achtet  davon  wird  die  Electrolux  AG  den  Wettbewerbsbehörden  im  weiteren  Verlaufe 
des Verfahrens 22-0391 allfällig benötigte Informationen und/oder Dokumente zukom-
men lassen. 

e) 
Parteien. 

Die Kosten  des  Verfahrens  22-0391  gehen  zu  gleichen Teilen  zu  Lasten der 

B.  

Vereinbarungen: 

Die Electrolux AG verpflichtet sich: 

1) 
Den zu ihrem selektiven Vertriebssystem zugelassenen Wiederverkäufern den 
Verkauf von Vertragsprodukten über das Internet grundsätzlich zu gestatten. Zulässig 
ist es jedoch, dass die Electrolux AG Qualitätsanforderungen an die Verwendung des 
Internets zum Weiterverkauf von Vertragsprodukten stellt sowie von den zugelassenen 
Wiederverkäufern  verlangt,  dass  sie  über  einen  physischen  Verkaufspunkt  verfügen. 
Diese  Anforderungen  beziehen  sich  ausschliesslich  auf  die  Vertragsprodukte,  weiter-

22/2009/03310/COO.2101.111.5.147697  

47 

 
 
 
 
 
 
 
gehende  Vorgaben  innerhalb  des  selektiven  Vertriebssystems  (insbesondere  im  Zu-
sammenhang  mit  Produkten  anderer  Marken)  sind  zu  unterlassen.  Zulässig  ist  auch, 
dass die Electrolux AG von den zugelassenen Wiederverkäufern, welche die Vertrags-
produkte über das Internet verkaufen, verlangt, dass auf der Website die Identität (Fir-
ma,  Geschäftsadresse,  Ort)  des  Wiederverkäufers  und  der/die  Standort(e)  des/der 
physischen Verkaufspunkte(s) klar und auf den ersten Blick ersichtlich sind.  

2) 
Die einzelnen Kriterien für Verkäufe von Vertragsprodukten über das Internet 
so zu formulieren, dass diese messbar sind, d.h. dass ein potenzieller Wiederverkäufer 
nachvollziehen kann, ob er die festgelegten Kriterien bereits erfüllt oder die dafür aus 
seiner Sicht nötigen Vorkehrungen treffen kann.  

3) 
Den  zum  selektiven  Vertriebssystem  zugelassenen  Wiederverkäufern  die 
Verwendung  eines  Domain-Namens  eines  Online-Geschäfts,  welcher  von  der  Firma 
oder  der  Geschäftsbezeichnung  eines  Wiederverkäufers  abweicht,  zu  gestatten,  so-
lange keine sachlichen Gründe dafür bestehen, dass der Domain-Name für die Marke 
Electrolux objektiv nachteilig  ist  und  die  Website  eindeutig die  Firma oder  Geschäfts-
bezeichnung eines  Wiederverkäufers  klar  und  auf  den ersten  Blick  erkennen lässt. In 
Zweifelsfällen ist ein Domain-Name der Electrolux AG zur Prüfung vorzulegen. Das Er-
gebnis  der  Prüfung  teilt  die  Electrolux  AG  ihren  Wiederverkäufern  innert  Monatsfrist 
schriftlich und begründet mit. 

Sämtliche  Vereinbarungen  dieser  einvernehmlichen  Regelung  bei  Eintritt  der 
4) 
Rechtskraft der Verfügung der dieser einvernehmlichen Regelung zugrunde liegenden 
Untersuchung (22-0391) vollständig umgesetzt zu haben.“ 

V-Zug AG 

„A.  

Vorbemerkungen:  

a) 
Die  vorliegende  einvernehmliche  Regelung  im  Sinne  von  Art. 29  Bundesge-
setz  über  Kartelle  und  andere  Wettbewerbsbeschränkungen  (Kartellgesetz,  KG;  SR 
251) erfolgt im übereinstimmenden Interesse der Beteiligten, das Verfahren 22-0391 zu 
vereinfachen,  zu  verkürzen  und  –  unter  Vorbehalt  der  Genehmigung  durch  die  Wett-
bewerbskommis-sion (WEKO) – zu einem förmlichen Abschluss zu bringen. 

Die  vorliegende einvernehmliche  Regelung trägt  dem  Umstand  Rechnung, 
b) 
dass es sich bei der zugrunde liegenden Untersuchung i.S.v. Art. 27 KG um die er s-
te  handelt,  welche  Beschränkungen  von  Online-Verkäufen  zum  Gegenstand  hat 
und  deren  Ergebnisse  über  die  Branche  hinaus  Signalwirkungen  zeitigen  soll.  Die 
V-Zug  AG  hat  vor  diesem  Hintergrund  bereits  vor  der  Eröffnung  dieser  Untersu-
chung  ihre  Bereitschaft  signalisiert,  die  Auswahlkriterien  für  Online-Verkäufe  im 
Rahmen  ihres  selektiven  Vertriebssystems  einvernehmlich  mit  den  Wettbewerbs-
behörden zu erarbeiten.  Das selektive Vertriebssystem der V-Zug AG betrifft den Be-
reich Haushaltsgrossgeräte der Marke V-Zug (nachfolgend: Vertragsprodukte).  

c) 
Vor diesem Hintergrund soll die vorliegende einvernehmliche Regelung die 
kartellrechtliche Zulässigkeit von Beschränkungen des Online-Verkaufs im Rahmen 
von  selektiven  Vertriebssystemen  regeln.  Die  vorliegende  einvernehmliche  Reg e-
lung äussert sich jedoch nicht zur kartellrechtlichen Zulässigkeit des selektiven Ver-
triebssystems der V-Zug AG als solches.  

d) 
 Die V-Zug AG gedenkt im Falle der Genehmigung vorliegender einvernehmli-
chen Regelung durch die WEKO, auf die Ergreifung von Rechtsmitteln zu verzichten. 
Sollte die vorliegende einvernehmliche Regelung von der WEKO nicht genehmigt wer-
den,  wird  die  Untersuchung  im  ordentlichen  Verfahren  zu  Ende  geführt.  Ungeachtet 

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davon wird die V-Zug AG den Wettbewerbsbehörden im weiteren Verlaufe des Verfah-
rens 22-0391 allfällig benötigte Informationen und/oder Dokumente zukommen lassen. 

e) 
Parteien. 

 Die Kosten des Verfahrens 22-0391 gehen zu gleichen Teilen  zu Lasten der 

B.  

Vereinbarungen: 

Die V-Zug AG verpflichtet sich: 

1) 
Den zu ihrem selektiven Vertriebssystem zugelassenen Wiederverkäufern den 
Verkauf von Vertragsprodukten über das Internet grundsätzlich zu gestatten. Zulässig 
ist es jedoch, dass die V-Zug AG Qualitätsanforderungen an die Verwendung des In-
ternets  zum  Weiterverkauf  von  Vertragsprodukten  stellt  sowie  von  den  zugelassenen 
Wiederverkäufern  verlangt,  dass  sie  über  einen  physischen  Verkaufspunkt  verfügen. 
Diese  Anforderungen  beziehen  sich  ausschliesslich  auf  die  Vertragsprodukte,  weiter-
gehende  Vorgaben  innerhalb  des  selektiven  Vertriebssystems  (insbesondere  im  Zu-
sammenhang mit Produkten anderer Marken) sind zu unterlassen. 

2) 
Die einzelnen Kriterien für Verkäufe von Vertragsprodukten über das Internet 
so zu formulieren, dass diese messbar sind, d.h. dass ein potenzieller Wiederverkäufer 
nachvollziehen kann, ob er die festgelegten Kriterien bereits erfüllt oder die dafür aus 
seiner Sicht nötigen Vorkehrungen treffen kann.  

3) 
Den  zum  selektiven  Vertriebssystem  zugelassenen  Wiederverkäufern  die 
Verwendung  eines  Domain-Namens  eines  Online-Geschäfts,  welcher  von  der  Firma 
oder  der  Geschäftsbezeichnung  eines  Wiederverkäufers  abweicht,  zu  gestatten,  so-
lange keine sachlichen Gründe dafür bestehen, dass der Domain-Name für die Marke 
V-Zug nicht objektiv nachteilig ist und die Website eindeutig die Firma oder Geschäfts-
bezeichnung eines  Wiederverkäufers  klar  und  auf  den ersten  Blick  erkennen lässt. In 
Zweifelsfällen ist ein Domain-Name der V-Zug AG zur Prüfung vorzulegen. Das Ergeb-
nis der Prüfung teilt die V-Zug AG ihren Wiederverkäufern innert Monatsfrist schriftlich 
und begründet mit. Zulässig ist auch, dass die V-Zug AG von den zugelassenen Wie-
derverkäufern,  welche  die  Vertragsprodukte  über  das  Internet  verkaufen,  verlangt, 
dass  auf  der Website die Identität  (Firma,  Geschäftsadresse,  Ort)  des Wiederverkäu-
fers  und  der/die  Standort(e)  des/der  physischen  Verkaufspunkte(s)  klar  und  auf  den 
ersten Blick ersichtlich sind. 

4) 
Sämtliche  Vereinbarungen  dieser  einvernehmlichen  Regelung  bei  Eintritt  der 
Rechtskraft der Verfügung der dieser einvernehmlichen Regelung zugrunde liegenden 
Untersuchung (22-0391) vollständig umgesetzt zu haben.“ 

2. 

3. 

Zuwiderhandlungen  gegen  diese  Verfügung  können  mit  Sanktionen  gemäss  Art.  50 
bzw. 54 KG belegt werden. 

Die  Verfahrenskosten  von  insgesamt  […]Franken  werden  den  Adressaten  der  Verfü-
gung zu gleichen Teilen, d.h. je […] Franken, und unter solidarischer Haftung auferlegt. 

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Die Verfügung ist zu eröffnen an:  

-  Electrolux AG, Badenerstrasse 587, 8048 Zürich, vertreten durch RA Dr. Urs Weber-

Stecher und RA Dr. Michael Tschudin, Wenger & Vieli AG, Dufourstrasse 56, Postfach 
1285, 8034 Zürich 

-  V-Zug AG, Industriestrasse 66, 6301 Zug, vertreten durch RA Stefan Brunnschweiler, 

CMS von Erlach Henrici AG, Dreikönigstrasse 7, 8022 Zürich 

Wettbewerbskommission  

Prof. Dr. Vincent Martenet 
Präsident 

Dr. Rafael Corazza  
Direktor 

Rechtsmittelbelehrung: 

Gegen  diese  Verfügung  kann  innert  30  Tagen  beim  Bundesverwaltungsgericht,  Postfach, 
3000 Bern 14, Beschwerde erhoben werden. Die Beschwerdeschrift muss die Rechtsbegeh-
ren und deren Begründung mit Angabe der Beweismittel enthalten und vom Beschwerdefüh-
rer oder seinem Vertreter unterzeichnet sein. Die angefochtene Verfügung ist der Beschwer-
deschrift beizulegen. 

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