# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 11072182-fefc-54e6-bca8-87665356f482
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2019-01-08
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 08.01.2019 RR.2018.312
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_RR-2018-312_2019-01-08.pdf

## Full Text

Entscheid vom 8. Januar 2019 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 

Giorgio Bomio-Giovanascini, Vorsitz, 

Cornelia Cova und Stephan Blättler, 

Gerichtsschreiber Stephan Ebneter 

   
 

Parteien 

  

A., zurzeit in Auslieferungshaft,  

vertreten durch Rechtsanwältin Andreia Ribeiro, 

Beschwerdeführer 

 

 gegen 

   

BUNDESAMT FÜR JUSTIZ, Fachbereich Ausliefe-

rung, 

Beschwerdegegner 

 

 

 

Gegenstand  Auslieferung an Grossbritannien 

 

Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG); Akzessori-

sches Haftentlassungsgesuch (Art. 50 Abs. 3 IRSG); 

Unentgeltliche Rechtspflege (Art. 65 VwVG) 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: RR.2018.312 

Nebenverfahren: RP.2018.56  

 

 

 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Mit Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS) vom 16. Juni 

2016 (act. 4.1), ersetzt durch diejenige vom 27. April 2018 (act. 4.1A, 4.5), 

ersuchte Grossbritannien um Festnahme zwecks Auslieferung des britischen 

Staatsangehörigen A. (Alias: A.1, A.2, A.3, A.4, A.5, A.6, A.7, A.8; nachfol-

gend "A."). 

 

 

B. Am 30. Juni 2018 wurde A. im Kanton Zürich festgenommen (act. 4.2) und 

gestützt auf die Haftanordnung des Bundesamtes für Justiz (nachfolgend 

"BJ") vom 30. Juni 2018 (act. 4.3) in provisorische Auslieferungshaft versetzt. 

 

 

C. Anlässlich seiner Einvernahme vom 2. Juli 2018 gab A. zu Protokoll, nicht 

auf die Durchführung des Auslieferungsverfahrens zu verzichten (act. 4.4). 

Am 4. Juli 2018 erliess das BJ einen Auslieferungshaftbefehl, welcher dem 

Rechtsbeistand von A. am 5. Juli 2018 eröffnet wurde (act. 4.6). 

 

 

D. Mit Schreiben vom 31. Juli 2018 ersuchten die britischen Behörden die 

Schweiz formell um Auslieferung von A. Dieses Begehren stützt sich auf den 

Haftbefehl des Bristol Magistrates' Court vom 26. April 2018 (wegen Betrugs 

etc.; act. 4.8, 4.8a). 

 

 

E. Anlässlich seiner Einvernahme vom 24. August 2018 gab A. erneut zu Pro-

tokoll, nicht auf die Durchführung des Auslieferungsverfahrens zu verzichten 

(act. 4.9). Mit Schreiben vom 27. September 2018 reichte A. seine schriftli-

che Stellungnahme ein (act. 4.10). 

 

 

F. Mit Auslieferungsentscheid vom 12. November 2018 verfügte das BJ die 

Auslieferung von A. an Grossbritannien für die dem Auslieferungsersuchen 

der britischen Behörden vom 31. Juli 2018 zugrunde liegenden Straftaten 

(act. 1.2, 4.13). 

 

 

G. Dagegen gelangte A., vertreten durch Rechtsanwältin Andreia Ribeiro, mit 

Beschwerde vom 22. November 2018 an die Beschwerdekammer des Bun-

desstrafgerichts (act. 1). Er beantragt hauptsächlich, auf das Auslieferungs-

 

 

ersuchen sei nicht einzutreten und er sei umgehend aus der Auslieferungs-

haft zu entlassen, eventualiter sei das Auslieferungsersuchen abzuweisen 

und er sei umgehend aus der Auslieferungshaft zu entlassen. 

 

 

H. Mit Beschwerdeantwort vom 28. November 2018 beantragt das BJ, die Be-

schwerde sei unter Kostenfolge abzuweisen (act. 4). Dies wurde A. am  

29. November 2018 zur Kenntnis gebracht (act. 5). 

 

Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den folgenden Erwägungen Bezug genommen. 

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Für den Auslieferungsverkehr mit Grossbritannien sind primär massgebend 

das Europäische Auslieferungsübereinkommen vom 13. Dezember 1957 

(EAUe; SR 0.353.1) sowie die hierzu ergangenen Zusatzprotokolle vom 

17. März 1978 (ZPII EAUe; SR 0.353.12), vom 10. November 2010 (ZPIII 

EAUe; SR 0.353.13) und vom 20. September 2012 (ZPIV EAUe; SR 

0.353.14). Ausserdem ist das Übereinkommen vom 19. Juni 1990 zur Durch-

führung des Übereinkommens von Schengen vom 14. Juni 1985 teilweise 

anwendbar (Schengener Durchführungsübereinkommen, SDÜ; Abl. L 239 

vom 22. September 2000, S. 19–62; vgl. Beschluss 2000/365/EG des Rates 

vom 29. Mai 2000 zum Antrag des Vereinigten Königreichs Grossbritannien 

und Nordirland, einzelne Bestimmungen des Schengen-Besitzstands auf sie 

anzuwenden, Abl. L 131 vom 1. Juni 2000, S. 43–47; Entscheid des Bun-

desstrafgerichts RR.2015.181 vom 11. August 2015 E. 1.1 m.w.H.) i.V.m. mit 

dem Beschluss 2007/533/JI des Rates vom 12. Juni 2007 über die Einrich-

tung, den Betrieb und die Nutzung des Schengener Informationssystems der 

zweiten Generation (SIS II; ABl. L 205 vom 7. August 2007, S. 63–84; vgl. 

Durchführungsbeschluss [EU] 2015/2015 des Rates vom 10. Februar 2015 

zur Inkraftsetzung der Bestimmungen des Schengen-Besitzstands über Da-

tenschutz und zur vorläufigen Inkraftsetzung von Teilen der Bestimmungen 

des Schengen-Besitzstands über das Schengener Informationssystems für 

das Vereinigte Königreich Grossbritannien und Nordirland, Abl. L 36 vom 

12. Februar 2015, S. 8–10). 

 

1.2 Soweit diese Staatsverträge bestimmte Fragen nicht abschliessend regeln, 

findet auf das Verfahren der Auslieferung und der vorläufigen Auslieferungs-

 

 

haft ausschliesslich das Recht des ersuchten Staates Anwendung (Art. 22 

EAUe), namentlich das Bundesgesetz vom 20. März 1981 über internatio-

nale Rechtshilfe in Strafsachen (Rechtshilfegesetz, IRSG; SR 351.1) und die 

Verordnung vom 24. Februar 1982 über internationale Rechtshilfe in Straf-

sachen (Rechtshilfeverordnung, IRSV; SR 351.11). Das innerstaatliche 

Recht gelangt nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann zur Anwendung, 

wenn dieses geringere Anforderungen an die Rechtshilfe stellt (BGE 142 IV 

250 E. 3; 140 IV 123 E. 2; 137 IV 33 E. 2.2.2; 136 IV 82 E. 3.1). Vorbehalten 

bleibt die Wahrung der Menschenrechte (BGE 135 IV 212 E. 2.3; 123 II 595 

E. 7c; TPF 2016 65 E. 1.2; TPF 2008 24 E. 1.1). 

 

1.3 Auf Beschwerdeverfahren in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten 

sind zudem die Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 

1968 über das Verwaltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz, 

VwVG; SR 172.021) anwendbar (Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37 Abs. 2 

lit. a Ziff. 1 StBOG), wenn das IRSG nichts anderes bestimmt (siehe Art. 12 

Abs. 1 IRSG). 

 

 

2.  

2.1 Gegen Auslieferungsentscheide des BJ kann innert 30 Tagen seit der Eröff-

nung des Entscheides bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts 

Beschwerde geführt werden (Art. 55 Abs. 3 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 IRSG; 

Art. 50 Abs. 1 VwVG). 

 

2.2 Die am 22. November 2018 gegen den Auslieferungsentscheid vom 12. No-

vember 2018 erhobene Beschwerde erweist sich als fristgerecht. Die weite-

ren Eintretensvoraussetzungen geben keinen Anlass zu Bemerkungen. Auf 

die Beschwerde ist einzutreten. 

 

 

3. Die Beschwerde gegen einen Entscheid, der die Auslieferung bewilligt, hat 

von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung (Art. 21 Abs. 4 lit. a IRSG). 

Das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung erweist sich als über-

flüssig. 

 

 

4. Die Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien gebunden 

(Art. 25 Abs. 6 IRSG). Sie prüft die Auslieferungsvoraussetzungen grund-

sätzlich mit freier Kognition. Die Beschwerdekammer befasst sich jedoch nur 

mit Tat- und Rechtsfragen, die Streitgegenstand der Beschwerde bilden 

(BGE 132 II 81 E. 1.4; 130 II 337 E. 1.4; TPF 2011 97 E. 5). 

 

 

Ausserdem muss sich die Beschwerdeinstanz nach der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander-

setzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen. Sie kann 

sich auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken, und es 

genügt, wenn die Behörde wenigstens kurz die Überlegungen nennt, von 

denen sie sich leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt (BGE 141 

IV 249 E. 1.3.1; 139 IV 179 E. 2.2). 

 

 

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer bestreitet das Vorliegen des Auslieferungserforder-

nisses der beidseitigen Strafbarkeit, weil es für die Strafbarkeit nach schwei-

zerischem Recht gemäss Art. 146 StGB am Merkmal der Arglist fehle (act. 1 

S. 6 ff.). 

 

5.2 Die Vertragsparteien des EAUe verpflichten sich grundsätzlich, einander die 

Personen auszuliefern, die von den Justizbehörden des ersuchenden Staa-

tes wegen einer strafbaren Handlung verfolgt oder zur Vollstreckung einer 

Strafe oder einer sichernden Massnahme gesucht werden (Art. 1 EAUe). 

Ausgeliefert wird wegen Handlungen, die sowohl nach dem Recht des ersu-

chenden als auch nach dem des ersuchten Staates mit einer Freiheitsstrafe 

oder die Freiheit beschränkenden sichernden Massnahme im Höchstmass 

von mindestens einem Jahr oder mit einer schwereren Strafe bedroht sind 

(Art. 2 Ziff. 1 EAUe; siehe auch Art. 35 Abs. 1 lit. a IRSG). 

 

5.3 Für die Beurteilung der Strafbarkeit nach schweizerischem Recht ist der im 

Auslieferungsersuchen dargelegte Sachverhalt so zu würdigen, wie wenn 

die Schweiz wegen eines entsprechenden Sachverhalts ein Strafverfahren 

eingeleitet hätte (BGE 142 IV 250 E. 5.2; 142 IV 175 E. 5.5; 132 II 81 

E. 2.7.2). Bei der Beurteilung der Strafbarkeit nach schweizerischem Recht 

beschränkt sich der Rechtshilferichter auf eine Prüfung "prima facie" (BGE 

142 IV 250 E. 5.2; 142 IV 175 E. 5.5; 128 II 355 E. 2.4; 124 II 184 E. 4b/cc). 

Beidseitige Strafbarkeit setzt keine identischen Strafnormen im ersuchenden 

und ersuchten Staat voraus (BGE 142 IV 175 E. 5.5; 110 Ib 173 E. 5; vgl. 

zum Ganzen TPF 2012 114 E. 7.4). 

 

5.4 Gemäss dem im Auslieferungsersuchen dargestellten Sachverhalt soll der 

Beschwerdeführer kurz zusammengefasst im Januar 2012 in Grossbritan-

nien B. kennengelernt und ihr eine Beziehung mit Heiratsabsicht vorge-

täuscht haben. Er soll sich dabei als lediger, wohlhabender Geschäftsmann 

und später auch als Geheimagent ausgegeben haben. In der Folge soll er 

ihr – gemäss vorgefasster Bereicherungsabsicht – vorgespiegelt haben, er 

 

 

brauche wegen Cashflow-Problemen dringend Geld für verschiedene Reno-

vationsarbeiten an Immobilien, welche er besitze. Daraufhin habe er von ihr 

zwischen Januar und April 2012 mehrmals Geldbeträge von insgesamt über 

GBP 770'000.– erhalten. Diese Gelder habe er dann vereinbarungswidrig 

zur Finanzierung seines aufwändigen Lebensstils, für Autos, Privatschulge-

bühren seiner Kinder und die Anmietung hochwertiger Immobilien verwen-

det. Eine Rückerstattung an das Opfer sei nie erfolgt. B. habe die wahre 

Identität des Beschwerdeführers nicht vor Mai 2013 entdeckt (act. 4.8, 4.8a). 

 

Die Darstellung des Sachverhalts im Auslieferungsersuchen enthält keine 

offensichtlichen Fehler, Lücken oder Widersprüche, die diese sofort entkräf-

teten. Die ersuchte schweizerische Behörde ist deshalb daran gebunden 

(vgl. TPF 2012 114 E. 7.3; vgl. BGE 133 IV 76 E. 2.2; 132 II 81 E. 2.1; Urteile 

des Bundesgerichts 1C_205/2007 vom 18. Dezember 2007 E. 3.2; 

1A.297/2005 vom 13. Januar 2006 E. 2.3 und E. 3.5; je m.w.H.). Soweit der 

Beschwerdeführer behauptet, B. habe in Kenntnis sowohl seiner Identität als 

auch des Umstands, dass er der SOCA (Serious Organised Crime Agency) 

bekannt gewesen sei, spontan vorgeschlagen, ihm Geld zu leihen (act. 1 

S. 9), bringt er eine unbeachtliche Gegendarstellung vor. 

 

5.5  

5.5.1 Gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder 

Geldstrafe bestraft, wer in der Absicht, sich oder einen andern unrechtmäs-

sig zu bereichern, jemanden durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von 

Tatsachen arglistig irreführt oder ihn in einem Irrtum arglistig bestärkt und so 

den Irrenden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder 

einen andern am Vermögen schädigt. 

 

5.5.2 Der Tatbestand des Betrugs erfordert eine arglistige Täuschung. Betrügeri-

sches Verhalten ist strafrechtlich nur relevant, wenn der Täter mit einer ge-

wissen Raffinesse oder Durchtriebenheit täuscht. Dieses Erfordernis ist er-

füllt, wenn der Täter ein ganzes Lügengebäude errichtet oder sich besonde-

rer Machenschaften oder Kniffe bedient. Einfache falsche Angaben erfüllen 

das Merkmal der Arglist, wenn deren Überprüfung nicht oder nur mit beson-

derer Mühe möglich oder nicht zumutbar ist und wenn der Täter das Opfer 

von der möglichen Überprüfung abhält oder er nach den Umständen voraus-

sieht, dass dieses die Überprüfung der Angaben aufgrund eines besonderen 

Vertrauensverhältnisses unterlassen werde. Soweit das Täuschungsopfer 

den Irrtum mit einem Mindestmass an Aufmerksamkeit hätte vermeiden kön-

nen, ist die Täuschung nicht arglistig. Ob die Täuschung arglistig ist, beurteilt 

sich unter Berücksichtigung der jeweiligen Schutzbedürftigkeit des Täu-

schungsopfers bzw. seiner allenfalls vorhandenen besonderen Fachkenntnis 

und Geschäftserfahrung im Einzelfall. Der Tatbestand erfordert indes nicht, 

 

 

dass das Täuschungsopfer die grösstmögliche Sorgfalt walten lässt und alle 

erdenklichen Vorkehren zu seinem Schutz trifft. Arglist scheidet nur aus-

nahmsweise aus, nämlich wenn das Opfer leichtfertig die grundlegendsten 

Vorsichtsmassnahmen nicht beachtet, so dass das täuschende Verhalten 

des Täters in den Hintergrund tritt (BGE 142 IV 153 E. 2.2.2; 135 IV 76 E. 5.2; 

128 IV 18 E. 3a; 126 IV 165 E. 2a; je mit Hinweisen). 

 

5.5.3 Der Beschwerdegegner bejaht prima facie das Tatbestandsmerkmal der 

Arglist zu Recht. Gestützt auf den im Auslieferungsersuchen geschilderten 

Sachverhalt kann von einem eigentlichen Lügengebäude ausgegangen wer-

den. Darüber hinaus kann gestützt auf den im Auslieferungsersuchen ge-

schilderten Sachverhalt davon ausgegangen werden, dass zwischen dem 

Beschwerdeführer und B. ein besonderes Vertrauensverhältnis bestand und 

der Beschwerdeführer voraussah, dass B. die Überprüfung seiner Angaben 

aufgrund dieses besonderen Vertrauensverhältnisses unterlassen werde. 

Der Beschwerdegegner nimmt ebenso zutreffend prima facie keine die Arg-

list ausschliessende Opfermitverantwortung an, die nur in Ausnahmefällen 

bejaht werden kann. Objektiv mag das Verhalten von B. naiv und nicht nach-

vollziehbar erscheinen. Es gilt indes zu berücksichtigen, dass gestützt auf 

den im Auslieferungsersuchen geschilderten Sachverhalt B. in einer engen 

persönlichen Beziehung zum Beschwerdeführer stand und emotional einge-

bunden war, sodass es ihr schwerer fiel, dem Beschwerdeführer zu miss-

trauen, und der Beschwerdeführer diesen Umstand gezielt ausnutzte. 

 

5.6 Ob der im Auslieferungsersuchen geschilderte Sachverhalt darüber hinaus 

den Tatbestand der Geldwäscherei gemäss Art. 305bis StGB erfüllt, was vom 

Beschwerdeführer bestritten wird (act. 1 S. 10 f.), kann offen bleiben. Offen 

bleiben kann auch, inwiefern im Hinblick auf ein allfälliges Konfiskationsver-

fahren nach britischem Recht keine schweizerische Strafbarkeit vorliegen 

soll (act. 1 S. 12 f.). 

 

5.7 Die Beschwerde erweist sich in diesem Punkt als unbegründet. 

 

 

6.  

6.1 In einem weiteren Punkt macht der Beschwerdeführer eine Verletzung von 

Art. 2 IRSG geltend (act. 1 S. 11 ff.). 

 

6.2 Gemäss Art. 2 lit. a IRSG wird einem Ersuchen um Zusammenarbeit in Straf-

sachen nicht entsprochen, wenn Gründe für die Annahme bestehen, dass 

das Verfahren im Ausland den in der EMRK oder im UNO-Pakt II festgeleg-

ten Verfahrensgrundsätzen nicht entspricht. Einem Rechtshilfeersuchen 

wird ebenfalls nicht entsprochen, wenn Gründe für die Annahme bestehen, 

 

 

dass das Verfahren im Ausland andere schwere Mängel aufweist (Art. 2 lit. d 

IRSG). 

 

6.3 Der Beschwerdeführer vermag nicht glaubhaft zu machen, dass objektiv und 

ernsthaft eine schwerwiegende Verletzung der Menschenrechte im ersu-

chenden Staat bzw. andere schwere Mängel des ausländischen Verfahrens 

zu befürchten wären, die ihn unmittelbar berühren (vgl. BGE 126 II 324 E. 4a; 

123 II 511 E. 5b; 115 Ib 68 E. 6; 112 Ib 215 E. 7; 109 Ib 64 E. 5b/aa). Die 

geltend gemachte Widersprüchlichkeit der Angaben in den SIS-Ausschrei-

bungen vom 16. Juni 2016 bzw. 27. April 2018 insbesondere hinsichtlich der 

Höhe der Darlehen sowie der Strafdrohung (act. 1 S. 11 f.) reicht dazu nicht 

aus, ebenso wenig der geltend gemachte Umstand, das Rechtshilfeersu-

chen verschweige, dass ihn bei einer Verurteilung wegen Betrugs und Geld-

wäscherei nicht nur eine Freiheitsstrafe von 24 Jahren erwarten könnte, son-

dern zusätzlich auch noch eine Freiheitsstrafe von 7 Jahren gestützt auf den 

"Proceeds of Crime Act 2002" (act. 1 S. 12 f.). Auch die geltend gemachte 

negative Medienberichterstattung im ersuchenden Staat, wozu er auf Beila-

gen zur Stellungnahme vom 27. September 2018 verweist (act. 1 S. 14 f.; 

act. 4.10a), genügt dazu nicht. Der Beschwerdeführer begründet auch nicht, 

weshalb er eine allfällige mediale Vorverurteilung nicht im britischen Straf-

verfahren rügen kann. Im Übrigen ist bei einem bewährten Rechtsstaat wie 

Grossbritannien – der die EMRK und den UNO Pakt II ratifiziert hat – nicht 

anzunehmen, dass er im Strafverfahren gegen den Beschwerdeführer die 

Grundrechte nicht beachten wird (vgl. Urteile des Bundesgerichts 

1C_360/2013 vom 19. März 2013 E. 1.4; 1C_257/2010 vom 1. Juni 2010 

E. 2.4; vgl. zuletzt u.a. Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2018.109 vom 

25. April 2018 E. 5.3 m.w.H.). 

 

6.4 Die Beschwerde erweist sich auch in diesem Punkt als unbegründet. 

 

 

7.  

7.1 Schliesslich macht der Beschwerdeführer geltend, das Rechtshilfeersuchen 

verletzte den Grundsatz von Treu und Glauben, weil es verschweige, dass 

ihm zusätzlich zur Strafe wegen Betrugs und Geldwäscherei auch noch eine 

Freiheitsstrafe gestützt auf den "Proceeds of Crime Act 2002" drohe (act. 1 

S. 15). 

 

7.2 Stützt die ersuchende Behörde ihr Rechtshilfeersuchen auf eine staatsver-

tragliche Abmachung, so ist sie nach dem Wiener Übereinkommen vom 

23. Mai 1969 über das Recht der Verträge (VRK; SR 0.111) an den Grund-

satz von Treu und Glauben (Art. 26) gebunden. Widerspricht ein Rechtshil-

 

 

feersuchen dem Prinzip von Treu und Glauben, braucht die ersuchte Be-

hörde nicht darauf einzutreten (Entscheid des Bundesstrafgerichts 

RR.2017.338 vom 17. Juli 2018 E. 3.4.1, 3.4.7). 

 

7.3 Die richtige Qualifikation des dargelegten Sachverhalts nach ausländischem 

Recht stellt kein formelles Gültigkeitserfordernis dar (TPF 2012 114 E. 7.4 

mit Hinweisen). Inwiefern eine allenfalls unvollständige Qualifikation des dar-

gelegten Sachverhalts nach ausländischem Recht im Ersuchen den Grund-

satz von Treu und Glauben verletzen könnte, legt der Beschwerdeführer 

nicht dar und ist nicht ersichtlich. 

 

 

8. Andere Gründe, welche einer Auslieferung entgegenstehen könnten, sind 

weder ersichtlich noch werden solche geltend gemacht. Die Beschwerde ist 

abzuweisen. 

 

 

9.  

9.1 Der Beschwerdeführer beantragt seine Entlassung aus der Auslieferungs-

haft. 

 

9.2 Der Verfolgte, welcher sich in Auslieferungshaft befindet, kann jederzeit ein 

Haftentlassungsgesuch einreichen (Art. 50 Abs. 3 IRSG). Das Gesuch ist an 

das Bundesamt für Justiz zu richten, gegen dessen ablehnenden Entscheid 

innert zehn Tagen Beschwerde bei der Beschwerdekammer des Bun-

desstrafgerichts geführt werden kann (Art. 48 Abs. 2 und Art. 50 Abs. 3 

IRSG). Die Beschwerdekammer kann ausnahmsweise im Zusammenhang 

mit einer Beschwerde gegen einen Auslieferungsentscheid in erster Instanz 

über ein Haftentlassungsgesuch befinden, wenn sich aus einer allfälligen 

Verweigerung der Auslieferung als unmittelbare Folge auch die Entlassung 

aus der Auslieferungshaft ergibt und das Haftentlassungsgesuch insofern 

rein akzessorischer Natur ist (Urteil des Bundesgerichts 1A.13/2007 vom 

9. März 2007 E. 1.2; Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2008.59 vom 

19. Juni 2008 E. 2.2). Der vorliegende Antrag ist demnach als akzessori-

sches Haftentlassungsgesuch zu betrachten. 

 

9.3 Die Auslieferung des Beschwerdeführers kann gewährt werden, weshalb 

das akzessorische Haftentlassungsgesuch des Beschwerdeführers abzu-

weisen ist. 

 

  

 

 

10.  

10.1 Die Beschwerdekammer befreit eine Partei, die nicht über die erforderlichen 

Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, sofern 

ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG) und bestellt 

dieser einen Anwalt, wenn dies zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist 

(Art. 65 Abs. 2 VwVG). Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung 

sind Prozessbegehren als aussichtslos anzusehen, wenn die Gewinnaus-

sichten beträchtlich geringer erscheinen als die Verlustgefahren. Dagegen 

gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und 

Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer 

sind als diese (BGE 142 III 138 E. 5.1; 139 III 475 E. 2.2). 

 

10.2 Nach dem oben Ausgeführten erweist sich die Beschwerde als aussichtslos. 

Demzufolge ist das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege abzuweisen. 

 

 

11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Gerichtsgebühr ist 

auf Fr. 3'000.– festzusetzen (Art. 63 Abs. 5 VwVG i.V.m. Art. 73 StBOG so-

wie Art. 5 und Art. 8 Abs. 3 lit. a des Reglements des Bundesstrafgerichts 

vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in 

Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]). 

 

 

 

 

Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. Das akzessorische Haftentlassungsgesuch wird abgewiesen. 

 

3. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen. 

 

4. Die Gerichtsgebühr von Fr. 3'000.– wird dem Beschwerdeführer auferlegt. 

 

 

Bellinzona, 9. Januar 2019 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Rechtsanwältin Andreia Ribeiro 

- Bundesamt für Justiz, Fachbereich Auslieferung 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn 
Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde 
eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). 
 

Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die 
Beschwerde nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von 
Gegenständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem 
Geheimbereich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 
BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme 
bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im 
Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).