# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 53dd15ef-c99a-5968-b72f-c41969de334f
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2003-09-22
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Sonstige Kammern 22.09.2003 SF 2003 12
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_999_SF-2003-12_2003-09-22.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 22. September 2003 Schriftlich mitgeteilt am: 
SF 03 12 (nicht mündlich eröffnet)

Kontumaz-Urteil
Strafkammer

Präsident Brunner, Kantonsrichter Jegen, Riesen-Bienz, Tomaschett-Murer und 
Burtscher, Aktuarin ad hoc van der Wees.

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In der Strafsache

der A., Angeklagte, amtlich verteidigt durch lic. iur. Giovanna Meier, c/o Anwaltsbüro 
Bardill, Postfach 74, Reichsgasse 71, 7002 Chur,

mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 18. März 2003

wegen gewerbmässigen Diebstahls,

in Anklagezustand versetzt,

hat sich ergeben:

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A. A. wurde am 1. März 1967 in Portugal geboren, wo sie zusammen mit 
einem älteren und einem jüngeren Bruder in geordneten Verhältnissen aufwuchs. 
Als sie zehn Jahre alt war und vier Jahre die Grundschule besucht hatte, erkrankte 
ihre Mutter an Krebs. A. blieb daraufhin zu Hause, pflegte die Mutter und besorgte 
den Haushalt. Nach dem Tod der Mutter besuchte die Angeklagte keine Schulen 
mehr und begann 1981 im Alter 14 Jahren in einer Porzellanfabrik in Portugal zu 
arbeiten, wo sie bis 1985 angestellt blieb. Am 19. Dezember 1985 reiste sie das 
erste Mal in die Schweiz und trat eine Stelle als Küchenhilfe im Hotel B. in C. an. 
Anschliessend arbeitete sie als Zimmermädchen und Serviceangestellte in mehre-
ren Hotels und Restaurants im Kanton Graubünden. Am 11. Dezember 2000 wurde 
sie schliesslich von der M. AG als Servicemitarbeiterin im Café E. in Y. angestellt, 
wo sie wegen Verdachts auf Diebstahl am 10. Juni 2002 entlassen wurde. Am 19. 
Juni 2002 fand sie bereits wieder eine Stelle als Servicemitarbeiterin im Hotel D. in 
Y. Aufgrund der am 20. September 2002 durch das Bundesamt für Ausländerfragen 
gegen A. verfügten Einreisesperre, gültig vom 21. September 2002 bis zum 20. Sep-
tember 2004, musste die Angeklagte am 16. Oktober 2002 die Schweiz verlassen. 
Gemäss Angaben des Hotels D. betrug das monatliche Nettoeinkommen von A. Fr. 
2'600.--. Gemäss eigenen Angaben hat sie weder Schulden noch Vermögen.

A. ist weder im schweizerischen noch im portugiesischen Zentralstrafregister ver-
zeichnet. 

Aus dem einfachen Leumundsbericht, erstellt am 11. Juli 2002 von der Kantonspo-
lizei Y., geht hervor, dass A. in Y. einen guten Ruf und Leumund genoss; über ihre 
Lebensführung und ihr Verhalten ist nichts Nachteiliges bekannt. Bei ihrer letzten 
Arbeitsstelle, dem Café E. in Y., wo sie vom 15. Oktober 2000 bis am 10. Juni 2002 
arbeitete, war man mit ihrer Arbeitsleistung zufrieden. Sie erschien immer pünktlich 
und seit dem Jahr 2001 auch gut gekleidet. In den letzten Monaten ihrer dortigen 
Tätigkeit habe sie jedoch den Respekt gegenüber ihren Mitarbeiterinnen und Vor-
gesetzten verloren und sich frech verhalten. 

Im Betreibungsregisterauszug des Betreibungsamtes ist A. für das Jahr 2001 mit 
einer Betreibung von Fr. 2065.70 verzeichnet.

B. A. wird gemäss Anklageverfügung vom 18. März 2003 des gewerbs-
mässigen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziffer 2 StGB angeklagt. Die Staatsanwalt-
schaft legt gemäss Anklageschrift vom gleichen Tag ihrer Anklage folgenden Sach-
verhalt zugrunde:

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„L’accusata, nel lasso di tempo dal 14 dicembre 2000 al 10 giugno 2002, 
data in cui fu colta in flagranti dalla gerente del Bar E. e del M. AG a Y., si 
impossessò illecitamente di somme di denaro varianti dai 60 ai 200 franchi 
per un importo totale di ca. fr. 53'000.--. 
Il modus operandi consisteva nell’asportare le somme indicate dalle cassette 
dei soldi del M. AG più volte la settimana, la sera dopo il lavoro, quando si 
trovava da sola nel Bar E. dove svolgeva l’attività di cameriera. Dette cas-
sette le apriva con le chiavi, di cui si era impossessata precedentemente, 
portandosi con l’ascensore nell’ufficio della gerente e aprendo la cassaforte 
di cui conosceva la combinazione.

A. ha ammesso l’addebito, osservando tuttavia di avere rubato una somma 
complessiva non superiore a fr. 40'000.--, invece dei fr. 53'000.-- fatti valere 
della gerente del M. AG.

Per il presente procedimento penale A. ha versato a titolo di garanzia un 
importo pari a fr. 2'000.--.“

C. Die Angeklagte hat die Schweiz aufgrund der verfügten Einreisesperre 
bereits am 16. Oktober 2002 verlassen und ist nach Portugal zurückgekehrt. Auf 
dem Rechtshilfeweg wurden A. die Verfügungen vom 4. April 2003 hinsichtlich der 
Vorbereitung der Hauptverhandlung und der Vorladung zur Hauptverhandlung vom 
22. September 2003 zugestellt. An der Hauptverhandlung vom 22. September 2003 
vor der Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden nahm die Angeklagte 
dann jedoch unentschuldigt nicht teil. Gestützt auf Art. 123 Abs. 1 StPO wurde daher 
das Abwesenheitsverfahren durchgeführt. Anwesend waren die amtliche Verteidi-
gerin von A., lic. iur. Giovanna Meier und der Staatsanwalt Dr. iur. Jakob Grob. Ge-
gen die Zuständigkeit und die Zusammensetzung des Gerichts wurden keine Ein-
wände erhoben.

D. Nachdem die wesentlichen Aktenstücke dem Gericht zur Kenntnis ge-
bracht worden waren, beantragte der Staatsanwalt:

„1. A. sei des gewerbsmässigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziffer 2 
StGB schuldig zu sprechen.

2. Dafür sei sie mit 8 Monaten Gefängnis zu bestrafen.

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschieben, unter Ansetzung ei-
ner Probezeit von 2 Jahren.

4. Gesetzliche Kostenfolge.“

Zur Begründung führte der Staatsanwalt an, dass der Sachverhalt mit Ausnahme 
des Deliktsbetrages ausgewiesen sei. Während die Angeklagte einen Deliktsbetrag 
von maximal Fr. 40'000.-- anerkenne, werde von der Geschäftsführung der M. AG 
ein solcher von Fr. 53'000.-- geltend gemacht. Zugunsten der Angeklagten werde 
man wohl auf deren Aussagen abzustellen haben und einen Deliktsbetrag von Fr. 

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40'000.-- annehmen müssen. Zur rechtlichen Subsumtion hatte der Staatsanwalt 
keine Bemerkungen.

Hinsichtlich der Strafzumessung bemerkte der Staatsanwalt, dass der Angeklagten 
ein recht schweres Verschulden zur Last zu legen sei. Die gestohlenen Fr. 40‘000.-- 
habe sie sich innerhalb von rund 1.5 Jahren angeeignet, und zwar in Beträgen von 
etwa Fr. 60.-- bis Fr. 200.--. Damit habe sie im Durchschnitt mehrmals wöchentlich 
gestohlen, wodurch ein ausgeprägter deliktischer Wille manifestiert worden sei, 
auch trotz der relativ geringen Beträge. Strafmindernd können der Angeklagten je-
doch das Geständnis und die Vorstrafenlosigkeit zugute gehalten werden. Straf-
schärfungs- und Straferhöhungsgründe würden jedoch keine vorliegen. In Würdi-
gung aller Strafzumessungsgründe erscheine daher eine Gefängnisstrafe von 8 Mo-
naten als angemessen.

Was die Frage nach der Gewährung des bedingten Strafvollzuges betreffe, falle 
einerseits zu Lasten der Angeklagten ins Gewicht, dass sie über einen langen Zeit-
raum delinquiert habe, was für sich allein betrachtet eher gegen eine günstige Pro-
gnose spreche. Auf der anderen Seite scheine es aber doch so gewesen zu sein, 
dass die Angeklagte nach dem Motto „Gelegenheit macht Diebe“ vorgegangen sei. 
Sie sei in strafrechtlicher Hinsicht nur gerade in Bezug auf die Kasse anfällig gewe-
sen, während sie sich sonst keine anderen Diebstähle habe zuschulden kommen 
lassen. Unter diesen Umständen dürfe erwartet werden, dass sich die Angeklagte 
in Zukunft wohl verhalten werde. Der bedingte Strafvollzug sei ihr daher zu ge-
währen.

E. Die amtliche Verteidigerin anerkannte den von der Staatsanwaltschaft 
relativierten Sachverhalt, welcher nun von einer Deliktsumme von Fr. 40'000.-- aus-
ging. Gegen die Qualifizierung der Tat als gewerbsmässigen Diebstahl im Sinne 
von Art. 139 Ziffer 2 StGB hatte sie ebenfalls nichts einzuwenden. Hinsichtlich der 
Strafzumessung verwies die amtliche Verteidigerin neben den vom Staatsanwalt 
bereits erwähnten Strafminderungsgründen der Vorstrafenlosigkeit und des Ge-
ständnisses jedoch auf weitere Gründe hin, welche ebenfalls einzubeziehen seien. 
Die erschwerte Jugend, die mangelnde Ausbildung, die aufrichtige Reue und Ein-
sicht sowie der gute Leumund der Angeklagten müssten bei der Strafzumessung 
ebenfalls mindernd berücksichtigt werden. In Einklang mit den Ausführungen der 
Staatsanwaltschaft erachtete die amtliche Verteidigerin Strafschärfungs-, Strafmil-
derungs- und Straferhöhungsgründe als nicht und die Voraussetzungen des beding-

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ten Strafvollzugs als gegeben. In Würdigung dieser Umstände sei A. somit zu einer 
milden, bedingt vollziehbaren Gefängnisstrafe zu verurteilen.

Sie stellte daher den Antrag, A. im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen und 
hierfür milde zu bestrafen.

Die Strafkammer zieht in Erwägung :

1. Die Zuständigkeit des Kantonsgerichts von Graubünden zur Beurtei-
lung der vorliegenden Strafsache ergibt sich aus Art. 45 Abs. 1 lit. a StPO, nach 
welchem das Kantonsgericht alle Verbrechen beurteilt, die mit Zuchthaus über fünf 
Jahre bedroht sind. A. wurde des gewerbsmässigen Diebstahls gemäss Art. 139 
Ziffer 2 StGB angeklagt, ein Delikt, welches einer Strafandrohung von Zuchthaus 
bis zu zehn Jahren unterliegt.

2. A. wird angeklagt, in der Zeit vom 14. Dezember 2000 bis zum 10. Juni 
2002 mehrfach Diebstähle begangen zu haben. Die Angeklagte zeigt sich diesbe-
züglich geständig, ist jedoch mit dem ihr angelasteten Deliktsbetrag von Fr. 53'000.-
- nicht einverstanden und anerkennt höchstens einen solchen von Fr. 40'000.--. 
Diese Abweichung ist zwar weder für die rechtliche Qualifikation noch für die Straf-
zumessung von ausschlaggebender Bedeutung; aufgrund der doch relativ grossen 
Abweichung erscheint es gleichwohl angezeigt, den Sachverhalt auch diesbezüg-
lich gestützt auf die vorliegenden Akten der Staatsanwaltschaft und die Ausführun-
gen der amtlichen Rechtsvertreterin zu klären, damit feststeht, für welchen Delikts-
betrag A. zur Verantwortung gezogen werden kann.

Bei der Würdigung der Beweismittel entscheidet das Gericht gemäss Art. 125 Abs. 
2 StPO nach freier Überzeugung. Die Beweislast für die dem Angeklagten zur Last 
gelegten Tat liegt dabei grundsätzlich beim Staat (Willy Padrutt, Kommentar zur 
Strafprozessordnung des Kantons Graubünden, 2. Auflage, Chur 1996, Ziffer 2 zu 
Art. 125 StPO, S. 306). Die Staatsanwaltschaft legte ihrer Anklageschrift vom 18. 
März 2003 eine Deliktsumme von Fr. 53'000.-- zu Grunde. In der Verhandlung vom 
22. September 2003 führte der Staatsanwalt jedoch aus, dass man wohl zugunsten 
der Angeklagten auf deren Aussagen abzustellen habe und einen Deliktsbetrag von 
Fr. 40'000.-- annehmen müsse. Rechtsgenügliche Beweise für eine höhere Delikt-
summe bestehen denn auch nicht. Die amtliche Verteidigerin von A. brachte als 
Einwand gegen die Annahme einer Deliktsumme von Fr. 53'000.-- vor, dass das 
festgestellte Manko von Fr. 53'000.-- nicht ausschliesslich durch Diebstähle der An-

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geklagten verursacht worden sei. Ein Teil dieser Fehlbeträge müsse sicherlich auch 
auf Fehler in der Buchhaltung, in der Führung der Kasse oder allenfalls auf andere 
Diebstähle zurückgeführt werden. Dies habe die Vorgesetzte der Angeklagten so-
gar selbst anlässlich der untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 21. Novem-
ber 2002 zugegeben und erwähnt, dass ein solcher Fehleranteil etwa 2 bis 3 % des 
gesamten Umsatzes betragen könne. Die Angeklagte dürfte somit nicht sämtliche 
aus dem Betrieb resultierenden Fehlbeträge zu verantworten haben, weshalb eine 
Reduktion der Deliktsumme auf Fr. 40'000.-- angebracht sei.

Aktenmässig belegte Beweise für eine Fr. 40'000.-- übersteigende Deliktsumme lie-
gen keine vor. Im Gegenteil anerkennt die Geschäftsführerin der Geschädigten 
selbst, dass ein Teil des Schadens auch andere Ursachen haben könne. Es ist des-
halb von dem von der Angeklagten eingestandenen Deliktsbetrag von Fr. 40'000.-- 
auszugehen.

3. a) Gemäss Art. 139 Ziffer 1 StGB erfüllt den Tatbestand des Diebstahls, 
wer jemandem eine fremde, bewegliche Sache zur Aneignung wegnimmt, um sich 
oder einen andern damit unrechtmässig zu bereichern. In subjektiver Hinsicht wird 
das Wissen des Täters um die Fremdheit der Sache und seinen Willen zum Bruch 
des fremden und zur Begründung des eigenen Gewahrsams an der Sache verlangt. 
Ausserdem wird die Aneignungsabsicht und die Absicht der unrechtmässigen Be-
reicherung vorausgesetzt. Als Strafe droht Gefängnis oder Zuchthaus bis zu fünf 
Jahren. 

Stiehlt der Dieb gewerbsmässig, wird er gemäss Art. 139 Ziffer 2 StGB mit Zucht-
haus bis zu 10 Jahren oder mit Gefängnis nicht unter 3 Monaten bestraft. Gewerbs-
mässig im Sinne von Art. 139 Ziff. 2 StGB begeht ein Täter Diebstähle dann, wenn 
er seine deliktische Tätigkeit berufsmässig ausübt. Zur Beurteilung der Frage, ob 
berufsmässiges Handeln vorliegt, haben sich in der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung verschiedene Kriterien herausgebildet, denen allerdings nur Richtlinienfunk-
tion zukommt. So können Zeit und Mittel, die für die deliktische Tätigkeit aufge-
wendet werden, die Häufigkeit der Einzelakte innerhalb eines bestimmten Zeitraums 
sowie die angestrebten und erzielten Einkünfte ein berufs-
mässiges Handeln indizieren (BGE 123 IV 116; BGE 119 IV 132; BGE 116 IV 330). 
Dabei genügt es, wenn der Täter sein deliktisches Verhalten lediglich im Sinne einer 
nebenberuflichen Tätigkeit ausübt (BGE 123 IV 116; BGE 119 IV 132; BGE 116 IV 
331). Jedenfalls ist aber für die Annahme gewerbsmässigen Handelns notwendig, 
dass der Täter die Tat mehrfach begangen hat, dass er in der Absicht handelte, ein 

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relativ regelmässiges Erwerbs- beziehungsweise Nebenerwerbseinkommen zu er-
langen, und dass aufgrund seiner Vorgehensweise geschlossen werden muss, 
dass er zu einer Vielzahl von ähnlichen Taten bereit gewesen wäre (BGE 123 IV 
116 f.; BGE 119 IV 133; BGE 116 IV 332). Unerheblich ist, ob die Einnahmen aus 
der deliktischen Tätigkeit dem eigentlichen Lebensunterhalt dienten oder für andere 
Bedürfnisse verwendet wurden (BGE 123 IV 117). Schliesslich ist zu beachten, dass 
bei der Konkretisierung des Begriffs der Gewerbsmässigkeit der Mindeststrafe (drei 
Monate Gefängnis) nur eine untergeordnete Bedeutung zukommt (BGE 123 IV 
117).

b) Die Angeklagte, A., ist überführt und geständig, im Zeitraum vom 14. 
Dezember 2000 bis 10. Juni 2002 mehrmals Diebstähle mit einem Gesamtdelikts-
betrag von ungefähr Fr. 40'000.-- zum Nachteil der M. AG begangen zu haben. Wie 
sich aus den vorliegenden Akten ergibt, entwendete sie in der genannten Zeit-
spanne 2 bis 3 mal wöchentlich Bargeld und Taxcards aus den Registrierkassen 
der M. AG. Da sie abends oftmals allein als Serviertochter im Café E. arbeitete, war 
es ihr möglich, unbeaufsichtigt im Büro der Chefin den Safe zu öffnen, von welchem 
sie den Code kannte. Dort entwendete sie die Schlüssel, mit welchen sich die Re-
gistrierkassen des M. AG öffnen liessen. Weil sie aufgrund ihrer Anstellung im Café 
E. auch im Besitz der Schlüssel der M. AG war, konnte sie dort ungehindert die 
Diebstähle begehen. Der Strafbarkeit ihrer Taten war sich A. sehr wohl bewusst und 
gab auch an, das entwendete Geld jeweils für Kleider, Ferien, Haushaltgeräte oder 
Geschenke ausgegeben zu haben. Es steht somit zweifellos fest, dass die Ange-
klagte die Tat vorsätzlich und in der Absicht, sich die Sachen anzueignen und sich 
unrechtmässig zu bereichern, verübte. 

Aus dem vorliegend zugegebenen Sachverhalt ergibt sich ebenfalls mit aller Deut-
lichkeit, dass auch die Gewerbsmässigkeit gemäss Art. 139 Ziffer 2 StGB zu beja-
hen ist. A. verübte die Diebstähle regelmässig und ging dabei immer gleich vor, was 
für die berufsmässige Ausübung ihrer deliktischen Tätigkeit spricht. Während unge-
fähr eineinhalb Jahren beging die Angeklagte Diebstähle in Höhe von insgesamt Fr. 
40'000.--, was einen monatlichen Deliktsbetrag von rund Fr. 2200.-- ausmacht. Dies 
stellt im Vergleich zu ihrem monatlichen Nettoeinkommen von Fr. 2600.-- einen 
durchaus beträchtlichen Teil ihrer Einkünfte dar und zeigt klar ihre Absicht, sich re-
gelmässig Vermögensvorteile zu verschaffen. Das Bundesgericht liess diesbezüg-
lich bereits einen monatlichen Deliktsbetrag von Fr. 500.-- bei einem monatlichen 
Einkommen von Fr. 3500.-- für die Annahme der Gewerbsmässigkeit genügen (vgl. 
BGE 123 IV 116). Die hier zu beurteilende Diebstahlserie ist folglich als gewerbs-

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mässig zu qualifizieren, zumal A. bis zu ihrer Entlarvung immer wieder kleinere 
Geldbeträge und Taxcards aus den Registrierkassen entnahm und somit auch ihre 
Bereitschaft zur Verübung ähnlicher Taten zum Ausdruck brachte. 

A. hat sich somit des gewerbsmässigen Diebstahls schuldig gemacht und ist 
gemäss Art. 139 Ziffer 2 StGB zu bestrafen.

4. Bei der Strafzumessung hat der Richter gemäss Art. 63 StGB vom 
Verschulden des Täters auszugehen und insbesondere die Beweggründe, das Vor-
leben und die persönlichen Verhältnisse zu berücksichtigen. Das Verschulden um-
fasst den gesamten Unrechts- und Schuldgehalt der konkreten Straftat. Beim Ver-
schulden sind Tat- und Täterkomponente zu unterscheiden. Bei der Tatkomponente 
betrachtet man das Ausmass des verschuldeten Erfolgs, die Art und Weise der Her-
beiführung dieses Erfolges, die Willensrichtung, mit welcher der Täter gehandelt hat 
und seine Beweggründe. Die Täterkomponente hingegen umfasst Vorleben und 
persönliche Verhältnisse des Täters sowie das Verhalten nach der Tat oder im Straf-
verfahren, wie zum Beispiel Reue, Einsicht oder Strafempfindlichkeit (BGE 117 IV 
112 ff. mit Hinweisen). Diese in die Waagschale gelegten Elemente wirken strafmin-
dernd oder straferhöhend, wobei in der Begründung der Strafzumessung die Über-
legungen des Richters nachvollziehbar sein müssen. Liegen Strafmilderungs- oder 
Strafschärfungsgründe vor, hat der Richter den vom Gesetzgeber vorgesehenen 
Strafrahmen nach unten oder oben zu erweitern.

Grundlage für die Strafzumessung bildet im vorliegenden Fall der in Art. 139 Ziffer 
2 StGB vorgesehene Strafrahmen von Zuchthaus bis zu zehn Jahren oder Gefäng-
nis nicht unter 3 Monaten. Das Verschulden von A. wiegt unter den Gesichtspunkten 
aller Tatkomponenten schwer; dies insbesondere in Anbetracht der hohen Gesamt-
deliktsumme von Fr. 40'000.-- und der wiederholten Tatbegehung. Während des 
Zeitraums von 1.5 Jahren hat sie zwar immer nur kleine Beträge von Fr. 60.-- bis 
Fr. 200.-- aus den Registrierkassen entwendet. Daran lässt sich allerdings erken-
nen, dass sie mehrmals wöchentlich Diebstähle begangen haben muss und ihr des-
halb ein ausgeprägter deliktischer Wille zuzurechnen ist. Hinsichtlich der Täterkom-
ponente sind A. jedoch ihr Vorleben, ihre persönlichen Verhältnisse als auch das 
Geständnis, ihre Reue, Einsicht und Vorstrafenlosigkeit strafmindernd anzurech-
nen. In ihrem Heimatland Portugal wuchs sie in bescheidenen Verhältnissen auf 
und hatte aufgrund der Krankheit und dem frühen Tod ihrer Mutter keine einfache 
Jugend. Die Grundschule konnte sie nur während vier Jahren besuchen und es war 
ihr nie möglich, einen Beruf zu erlernen. Im Alter von 14 Jahren begann sie in einer 

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Porzellanfabrik zu arbeiten und als sie mit 19 Jahren in die Schweiz kam, wurde sie 
als Küchenhilfe oder Serviertochter angestellt. Über ein gutes Einkommen konnte 
A. aufgrund ihrer mangelnden Ausbildung somit nie verfügen. Die sich ihr eröffnete 
Möglichkeit, auf einfache Weise an Geld zu kommen, war sodann sehr verlockend. 
Weiter hat sie im Untersuchungsverfahren die von ihr begangenen Taten gestanden 
und diese auch bereut. Zudem äusserte sie den Willen, das begangene Unrecht 
wiedergutzumachen. Strafmindernd ist auch ihre Vorstrafenlosigkeit sowohl in der 
Schweiz als auch in Portugal zu berücksichtigen. Strafschärfungs-, Strafmilderungs- 
und Straferhöhungsgründe liegen keine vor.

Die Staatsanwaltschaft beantragte in Würdigung aller Strafzumessungsgründe eine 
Gefängnisstrafe von 8 Monaten, wobei A. als Strafminderungsgründe nur das Ge-
ständnis und die Vorstrafenlosigkeit zugute gehalten wurden. Die amtliche Verteidi-
gerin führte jedoch aus, dass bei der Strafzumessung zudem die schwere Jugend-
zeit und die weiteren persönlichen Verhältnisse der Angeklagten strafmindernd zu 
berücksichtigen seien. Das Kantonsgericht teilt die Ansicht, dass bei der Strafzu-
messung die schwere Kindheit, die mangelnde berufliche Ausbildung als auch die 
Einkommenssituation strafmindernd zu würdigen sind. In Abwägung aller Strafzu-
messungsgründe erscheint dem Kantonsgericht daher eine Gefängnisstrafe von 6 
Monaten als angemessen. 

5. a) Im Folgenden bleibt zu prüfen, ob A. der bedingte Strafvollzuges ge-
währt werden kann. Die diesbezüglichen Anforderungen bestimmen sich nach Art. 
41 StGB. Danach kann der Richter den Vollzug einer Freiheitsstrafe von nicht mehr 
als 18 Monaten aufschieben, wenn die objektiven und subjektiven Voraussetzungen 
hierfür gegeben sind. Die objektive Voraussetzung, dass die Angeklagte nicht in-
nerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tat wegen eines vorsätzlich begangenen Ver-
brechens oder Vergehens eine Zuchthaus- oder Gefängnisstrafe von mehr als drei 
Monaten verbüsst hat, ist im vorliegenden Fall erfüllt. Subjektiv ist erforderlich, dass 
Vorleben und Charakter der Angeklagten erwarten lassen, sie werde durch den Auf-
schub der Freiheitsstrafe von weiteren Verbrechen oder Vergehen abgehalten. Mit 
anderen Worten, es muss ihr eine günstige Prognose gestellt werden können (Ste-
fan Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch Kurzkommentar, 2. Auflage, Zürich 
1997, Note 12 f. zu Art. 41 StGB). Voraussetzung ist dabei in erster Linie die Einsicht 
in das begangene Unrecht; diese ist bei A. - wie bereits erwähnt - gegeben. Sie 
sieht heute ihr Fehlverhalten ein, zeigt Reue und möchte das von ihr begangene 
Unrecht wieder gut machen. Zu Lasten der Angeklagten fällt jedoch ins Gewicht, 
dass sie über einen längeren Zeitraum delinquierte. Diesbezüglich gilt es jedoch zu 

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beachten, dass sie immer nur in Bezug auf die Kasse straffällig wurde und sich 
sonst keine anderen Diebstähle zuschulden kommen liess. Deshalb und unter dem 
Eindruck des vorliegenden Strafverfahrens ist zu erwarten, dass A. sich in Zukunft 
wohlverhalten und nicht mehr straffällig werden wird. 

Die Rechtswohltat des bedingten Strafvollzuges kann A. damit gewährt werden. 

b) Die Dauer der Probezeit ist dabei nach den Umständen des Einzelfal-
les, insbesondere nach der Persönlichkeit und Charakter der Verurteilten sowie der 
Gefahr ihrer Rückfälligkeit zu bemessen (BGE 95 IV 122). Sie kann zwischen zwei 
und fünf Jahren festgesetzt werden (Art. 41 Ziffer 1 Abs. 3 StGB). 

Vorliegend erscheint die Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren als angemes-
sen und gerechtfertigt.

6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Kosten der Strafunter-
suchung von Fr. 1515.-- und des Gerichtsverfahrens von Fr. Fr. 1500.-- sowie der 
Barauslagen des Gerichts von Fr. 451.-- zu Lasten von A. (Art 158 Abs. 1 StPO). 
Sie hat zudem die Kosten ihrer amtlichen Verteidigung von Fr. 1000.-- zu tra-
gen.

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Demnach erkennt die Strafkammer :

1. A. ist schuldig des gewerbsmässigen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziffer 2 
StGB.

2. Dafür wird sie mit 6 Monaten Gefängnis bestraft.

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben unter Ansetzung einer 
Probezeit von 2 Jahren.

4. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:

- den Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft

Graubünden von Fr. 1515.00

- der Gerichtsgebühr von Fr. 1500.00

- den Barauslagen des Gerichts von Fr. 451.00

- dem Honorar der amtlichen Verteidigung von Fr. 1000.00

total somit Fr. 4466.00

gehen zu  Lasten der Angeklagten. Die von der Kantonspolizei gemäss Art. 
73 StPO am 12. Juli 2002 und am 12. August 2002 erhobenen Depositen von 
je Fr. 1000.-- sind zur teilweisen Tilgung der Verfahrenskosten zu verwenden.

5. a) Gegen dieses Urteil kann, sofern Verletzung eidgenössischen Rechts gel-
tend gemacht werden will, Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof des 
schweizerischen Bundesgerichts geführt werden. Diese ist dem Bundesge-
richt innert 30 Tagen seit Zustellung der vollständigen Ausfertigung des Ent-
scheides in der in Art. 273 des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechts-
pflege (BStP) vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Beschwerdele-
gitimation und die weiteren Voraussetzungen der Nichtigkeitsbeschwerde 
gelten die Art. 268 ff. BStP.

b) Die Verurteilte kann innert 60 Tagen, seit sie von diesem Urteil Kenntnis er-
halten hat und in der Lage ist, sich zu stellen, beim urteilenden Gericht die 
Aufhebung des Abwesenheitsurteils und die Durchführung des ordentlichen 
Gerichtsverfahrens verlangen.

6. Mitteilung an:

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Für die Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden 
Der Präsident Die Aktuarin ad hoc