# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 32a2f891-4efe-52c7-8558-3c8cfa039a2e
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-06-30
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 30.06.2014 WBE.2012.1033
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_WBE-2012-1033_2014-06-30.pdf

## Full Text

2014 Migrationsrecht 125 

 

 

20 Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung; Kantonswechsel; sprachliche 

Integration 

- Für den Nachweis einer erfolgreichen sprachlichen Integration im 

Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG und Art. 77 Abs. 4 lit. b VZAE be-

darf es nicht zwingend eines Mindestniveaus gemäss Referenzrah-

men des europäischen Sprachenportfolios (Erw. 4.3.3.2.). 

- Im konkreten Fall ist von einer erfolgreichen sprachlichen Integra-

tion auszugehen, obwohl nicht nachgewiesen wurde, dass die sprach-

lichen Kenntnisse mindestens dem Referenzniveau A2 des euro-

päischen Sprachenportfolios entsprechen (Erw. 4.3.3.3.). 

Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 30. Juni 

2014 in Sachen A. gegen das Amt für Migration und Integration 

(WBE.2012.1033). 

Aus den Erwägungen 

4.3.3.1. 
Die Vorinstanz begründet die mangelhafte Integration des Be-

schwerdeführers schliesslich mit den nicht belegten Deutsch-
kenntnissen. Der Beschwerdeführer habe lediglich nachweisen kön-
nen, dass er Deutschkurse gebucht bzw. teilweise besucht habe. 
Indessen fehle ein Zertifikat, welches dem Beschwerdeführer 
Deutschkenntnisse auf dem Referenzniveau A2 bescheinigt. 

(…) 
4.3.3.2. 
Der Grad der sprachlichen Integration lässt sich in erster Linie 

an den zum Erwerb einer Landessprache getätigten Bemühungen so-
wie dem Niveau der Sprachkenntnisse messen. Bei der entsprechen-
den Beurteilung ist den individuellen Verhältnissen (Analphabetis-
mus, Bildungsstand, Arbeitsauslastung, Betreuungspflichten) jeweils 
Rechnung zu tragen. Weiter sind Nachweise regelmässiger und akti-

126 Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht 2014 

 

ver Teilnahme an Sprachkursen, bestandene Sprachtests einer aner-
kannten Bildungsinstitution oder ein Ausbildungsnachweis bei 
Schulbesuch in der Schweiz von Bedeutung (vgl. Weisung IV. des 
Bundesamts für Migration betreffend Integration, Version 1.1.08, 
Stand 27. März 2013; Ziff. 2.2). Gemäss Rechtsprechung kann 
gegebenenfalls auch auf die konkrete Lebenssituation abgestellt wer-
den. Ist insgesamt davon auszugehen, dass sich die betroffene Person 
verständlich machen kann und die Sprachkenntnisse in etwa dem so-
zio-ökonomischen Umfeld entsprechen, in dem sie sich bewegt, ist 
dies zu berücksichtigen (vgl. dazu Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts vom 22. Dezember 2011 [C-2242/2010], Erw. 11.2, mit weite-
ren Hinweisen). 

Hinsichtlich der Anforderungen an das Niveau der Sprachkennt-
nisse findet sich in Art. 77 Abs. 4 lit. b VZAE keine Regelung. Dies 
im Gegensatz zu Art. 62 Abs. 1 lit. b VZAE, gemäss welchem von 
einer erfolgreichen sprachlichen Integration auszugehen ist, wenn für 
die am Wohnort gesprochene Landessprache mindestens das 
Referenzniveau A2 des europäischen Sprachenportfolios nachgewie-
sen ist, wobei das verlangte Niveau als Mindestvoraussetzung zu ver-
stehen ist (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 19. Februar 
2014 [C-2652/2012], Erw. 7.2.3). Art. 62 VZAE legt jedoch die 
Voraussetzungen fest, welche für die vorzeitige Erteilung einer Nie-
derlassungsbewilligung bei erfolgreicher Integration erfüllt sein müs-
sen (vgl. Art. 34 Abs. 4 AuG). Im Rahmen von Art. 50 Abs. 1 lit. a 
AuG wird demgegenüber nicht die Erteilung einer unbefristeten 
Anwesenheitsberechtigung erwogen, sondern lediglich die Verlänge-
rung einer Aufenthaltsbewilligung. Insofern rechtfertigt es sich nicht, 
die Anforderungen an den Integrationsgrad gleich hoch anzusetzen. 
Dies umso weniger, als gemäss Art. 77 Abs. 4 lit. b VZAE betreffend 
sprachliche Integration lediglich vorausgesetzt wird, dass die be-
troffene Person den Willen zum Erwerb der am Wohnort gesproche-
nen Landessprache bekundet. Entsprechend bedarf es im vorliegen-
den Zusammenhang für eine ausreichende sprachliche Integration 
nicht zwingend einen Nachweis, dass die sprachlichen Kenntnisse 
mindestens dem Referenzniveau A2 entsprechen.  

  

2014 Migrationsrecht 127 

 

4.3.3.3. 
Im vorliegenden Fall hat der Beschwerdeführer trotz mehrfa-

cher Aufforderung kein anerkanntes Zertifikat eingereicht, welches 
über das Niveau seiner Sprachkenntnisse Aufschluss geben würde. 
Die behaupteten sprachlichen Fähigkeiten sind damit nicht zweifels-
frei belegt, auch wenn er an mehreren Sprachkursen teilgenommen 
hat. 

Indessen sind auch nachweislich getätigte Bemühungen um eine 
sprachliche Integration zu beachten. In dieser Hinsicht ist relevant, 
dass der Beschwerdeführer zwischen August 2011 und Juli 2012 
insgesamt fünf Sprachkurse gebucht hat (Referenzniveaus A2, B1 
und B2). Den eingereichten Belegen ist zu entnehmen, dass er an 89 
der 150 Lektionen teilgenommen hat. Die vom Beschwerdeführer 
besuchten Lektionen vermittelten fast ausschliesslich Deutsch des 
Referenzniveaus B1 und B2, welches über den lediglich elementaren 
Sprachgebrauch hinausgeht. Allerdings hat der Beschwerdeführer 
nur an knapp 60 % der gebuchten Lektionen teilgenommen, was die 
Anzahl der belegten Kurse relativiert. Insgesamt ist mit Blick auf die 
Sprachkurse dennoch ein gewisser Wille zum Erwerb der Landes-
sprache erkennbar. 

Weiter ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass es dem Be-
schwerdeführer offenbar ohne nennenswerte Verständigungsprob-
leme möglich ist, seiner Tätigkeit als Barmitarbeiter nachzugehen 
und sein Arbeitgeber äussert sich positiv über seine Sprachkennt-
nisse. Auch zuvor waren die sprachlichen Fähigkeiten des 
Beschwerdeführers für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit jeweils 
ausreichend. Es ist daher davon auszugehen, dass sich der Be-
schwerdeführer seinem gesellschaftlichen und beruflichen Niveau 
entsprechend auf Deutsch verständigen kann. 

Insgesamt hat der Beschwerdeführer zwar keine objektive Be-
wertung seiner Deutschkennnisse vornehmen lassen. Indessen hat er 
mit der Belegung und mehrheitlich aktiven Teilnahme an Sprachkur-
sen gewisse Bemühungen zur sprachlichen Integration nachgewie-
sen. Weiter sind seine sprachlichen Fähigkeiten seit mehreren Jahren 
für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit jeweils ausreichend. Bei 
einer ganzheitlichen Betrachtung ist daher auch in sprachlicher Hin-

128 Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht 2014 

 

sicht von einer erfolgreichen Integration im Sinne von Art. 50 
Abs. lit. a AuG auszugehen. 

 

21 Nichtverlängerung einer Aufenthaltsbewilligung; Rechtsschutzinteresse 

Trotz erneuter Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung nach Wieder-

verheiratung bleibt ein Rechtsschutzinteresse an der Beurteilung einer 

Beschwerde betreffend die Nichtverlängerung einer gestützt auf die erste 

Ehe erteilte Aufenthaltsbewilligung bestehen (Erw. I/2.). 

Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 2. Kammer, vom 8. Juli 2014 

in Sachen A. gegen das Amt für Migration und Integration (WBE.2012.1050). 

Aus den Erwägungen  

I. 
1. (…) 
2. 
Zur Beschwerde befugt ist, wer ein schutzwürdiges Interesse an 

der Aufhebung oder der Änderung des Entscheids hat (§ 41 lit. a 
VRPG). Schutzwürdig ist ein Interesse, wenn der Ausgang des 
Verfahrens die tatsächliche oder rechtliche Situation des Be-
schwerdeführers beeinflussen kann. Zusätzlich ist ein aktuelles und 
praktisches Interesse an der Beschwerdeführung vorausgesetzt, wo-
mit sichergestellt werden soll, dass die rechtsanwendende Behörde 
konkrete und nicht bloss theoretische Fragen entscheidet. Die Be-
schwerdelegitimation ist eine Sachurteilsvoraussetzung, welche von 
Amtes wegen zu prüfen ist (vgl. AGVE 2009, S. 291 f., mit Hinwei-
sen). 

Dem Beschwerdeführer wurde am 15. Januar 2014, also wäh-
rend des laufenden Beschwerdeverfahrens, aufgrund seiner erneuten 
Heirat mit einer Schweizerin eine Aufenthaltsbewilligung erteilt. Ge-
mäss Art. 42 Abs. 1 AuG haben ausländische Ehegatten von