# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a906391d-2b8a-55d8-abb8-101dfc879773
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-09-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.09.2014 D-873/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-873-2014_2014-09-04.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-873/2014 

 

 

  U r t e i l  v o m  4 .  S e p t e m b e r  2 0 1 4  

Besetzung 

 
Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), 

Richterin Esther Karpathakis, Richter Gérard Scherrer,    

Gerichtsschreiber Linus Sonderegger. 

   Parteien 
 

A._______, geboren (…), 

gemäss eigenen Angaben China (Volksrepublik),  

(…),   

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des BFM vom 22. Januar 2014 / N (…). 

 

 

D-873/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer gelangte gemäss eigenen Angaben am 23. Okto-

ber 2013 in die Schweiz, wo er am gleichen Tag um Asyl nachsuchte. 

B.  

Er wurde am 31. Oktober 2013 zu seiner Person und summarisch zum 

Reiseweg sowie den Gesuchsgründen befragt (Befragung zur Person 

[BzP]). 

C.  

Am 4. November 2013 wurde er von einem Experten über sein Alltags-

wissen hinsichtlich seiner angeblichen Herkunftsregion befragt. 

D.  

Eine vertiefte Anhörung zu den Gründen des Asylgesuchs und zur Evalu-

ation des Alltagswissens fand am 19. November 2013 statt. 

Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch damit, dass er ethni-

scher Tibeter sei und aus Tibet stamme. Er habe eine DVD mit Aufnah-

men des Dalai Lama besessen und werde daher von den chinesischen 

Behörden gesucht. 

E.  

Mit Verfügung vom 22. Januar 2014 (Eröffnung am 28. Januar 2014) 

lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete 

die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an, wobei der 

Wegweisungsvollzug nach China explizit ausgeschlossen wurde. 

F.  

Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 19. Feb-

ruar 2014 (Poststempel) beim Bundesverwaltungsgericht an und bean-

tragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Gewährung 

von Asyl. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz 

zurückzuweisen. Subeventualiter sei er wegen Unzulässigkeit des Weg-

weisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen.  

In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und um Verzicht auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. 

D-873/2014 

Seite 3 

G.  

Mit Instruktionsverfügung vom 26. Februar 2014 wurde das Gesuch um 

Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege unter Vorbehalt der Nach-

reichung einer Fürsorgebestätigung gutgeheissen. Die Fürsorgebestäti-

gung wurde am 13. März 2014 nachgereicht. 

H.  

In ihrer Vernehmlassung vom 20. Juni 2014 äusserte sich die Vorinstanz 

zu den Ausführungen in der Beschwerdeschrift. 

I.  

Der Beschwerdeführer nahm mit Replik vom 4. Juli 2014 Stellung zur 

Vernehmlassung der Vorinstanz. Als Beweismittel lagen zwei Bestäti-

gungsschreiben bei. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu 

den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bun-

desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im 

Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist 

daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen ei-

nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerde-

führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d 

Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 

BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig 

entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 

BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 

AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

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und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder 

begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden 

(Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge-

fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, 

die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 

AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli-

chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den 

Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch damit, dass er ti-

betischer Ethnie sei und aus dem Dorf B._______, Gemeinde C._______, 

Kreis D._______, Bezirk E._______, Provinz F._______, Volksrepublik 

China stamme. Er sei nie zur Schule gegangen und habe als Nomade 

und Viehhüter gelebt. Von einem Händler habe er einen elektronischen 

Datenträger mit einem Video des Dalai Lama erworben. Diesen Datenträ-

ger habe er anderen Personen ausgeliehen. Eine dieser Personen sei 

von der Polizei aufgegriffen worden, als sie sich das Video angesehen 

habe. In der Folge habe sie den Polizisten seinen Namen (des Be-

schwerdeführers) verraten, woraufhin er zuhause gesucht worden sei, 

während er sich jedoch auf der Weide befunden habe. Unmittelbar nach 

dem Besuch sei sein Bruder zur Weide geritten, habe ihm von den Vorfäl-

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Seite 5 

len berichtet und zur sofortigen Flucht geraten. Noch am selben Tag, (…), 

sei er losgezogen und habe (…) die Grenze nach Nepal überquert. Dort 

habe er sich bis Oktober 2013 aufgehalten und sei dann mit einem ge-

fälschten Pass per Flugzeug und Eisenbahn via zwei unbekannte Länder 

in die Schweiz gelangt. 

4.2 Das BFM begründete seine Verfügung damit, dass der Beschwerde-

führer keine Identitätsdokumente eingereicht habe, wodurch sich das 

BFM dazu veranlasst gesehen habe, in drei Schritten seine behauptete 

Herkunft abzuklären. Anlässlich der BzP seien aufgrund der mangelhaften 

geografischen und länderkundlichen Kenntnisse, der Sprechweise sowie 

der fehlenden Chinesischkenntnisse erste Zweifel an der angeblichen 

Herkunft entstanden.  

Ein vom BFM beauftragter Alltagsspezialist habe mittels eines telefoni-

schen Gesprächs das Alltagswissen des Beschwerdeführers evaluiert. 

Dabei habe der Experte zwar festgestellt, dass der Beschwerdeführer 

teilweise zutreffende Ausführungen zur landschaftlichen Gegebenheit 

gemacht habe und auch einige Dörfer beim Gemeindeort C._______. ha-

be nennen können. Hinsichtlich anderer Ortschaften seien seine Aussa-

gen allerdings unzutreffend gewesen. Bezüglich der Gewinnung landwirt-

schaftlicher Produkte und der von ihm gehaltenen Nutztiere habe er tat-

sachenwidrige, ungewöhnliche oder in einem Fall sogar gar keine Aussa-

gen gemacht. Mit einer Ausnahme habe er betreffend verschiedene Le-

bensmittel unzutreffende Preisangaben gemacht und habe im Zusam-

menhang mit Lebensmitteln einen Begriff verwendet, welchen der Alltags-

spezialist dem exiltibetischen Milieu in Indien zuordne. Die Informationen 

zum Geld seien falsch und die Identitätskarte habe nicht beschrieben 

werden können. Schliesslich sei die Kleidung unter Verwendung eines 

dem Alltagsspezialisten unbekannten Begriffs beschrieben worden. Im 

Ergebnis sei der Alltagsspezialist zum Schluss gekommen, dass der Be-

schwerdeführer nur mit geringer Wahrscheinlichkeit im von ihm angege-

benen Gebiet sozialisiert worden sei. Der Beschwerdeführer habe diesen 

Erkenntnissen bei der Gewährung des rechtlichen Gehörs nichts Sub-

stanzielles entgegensetzen können. Auch die teilweise neu angefügten 

Kenntnisse seien wenig überzeugend. Es komme oft vor, dass Be-

schwerdeführende sich im Verlauf des Verfahrens Wissen aneignen wür-

den, welches sie bei späteren Anhörungen in Bereichen einbrächten, wo 

sie in früheren Befragungen noch durch Unkenntnis aufgefallen seien. 

Der Beschwerdeführer spreche auch kein Chinesisch, was bei tatsächlich 

bis vor Kurzem ausschliesslich in Tibet lebenden Personen kaum noch 

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vorkomme. Bei einer tatsächlichen Sozialisation in Tibet wären in das Vo-

kabular chinesische Begriffe eingeflossen, zumal diese die Wortäquiva-

lente im Tibetischen immer mehr ersetzen würden. 

Für diese Einschätzung sprächen auch die widersprüchlichen und unsub-

stanziierten Aussagen zum Reiseweg. An der BzP habe er ausgeführt, mit 

einer alten Frau gemeinsam über die Grenze gegangen zu sein. In der 

Anhörung habe er dem widersprechend geltend gemacht, erst nach der 

Ankunft in einem Restaurant eine alte Frau getroffen zu haben, welche für 

ihn einen Schlepper organisiert habe. Die Erklärung, in der BzP sei er 

wohl missverstanden worden, vermöge nicht zu überzeugen, zumal das 

BzP-Protokoll rückübersetzt worden sei und er dessen Richtigkeit unter-

schriftlich bestätigt habe. Die Schilderung des mehrtägigen Fussmar-

sches sei pauschal und oberflächlich ausgefallen. Das Nichtvorliegen von 

Identitätspapieren habe er in der BzP damit erklärt, er habe die Identitäts-

karte bei der Ausreise aus Nepal zerrissen und sein Familienbüchlein be-

finde sich zuhause. In der Anhörung habe er lediglich pauschal ausge-

sagt, keine amtlichen Dokumente zu besitzen. Aufgrund strenger EDV-

gestützter Kontrollen an wichtigen Grenzübergängen seien Interkontinen-

talreisen per Flugzeug ohne eigene und echte Papiere jedoch kaum noch 

möglich. Zudem sei es realitätsfremd, dass er nicht wisse, über welche 

Länder er geflogen sei. Erfahrungsgemäss würden sich immer konkrete 

Anhaltspunkte finden lassen, welche anschaulich beschrieben werden 

könnten. Somit sei anzunehmen, dass die Verschleierung der Identität 

sowie des Reisewegs dazu diene, eine allfällige Rückschaffung in den 

Heimat- oder Herkunftsstaat zu erschweren.  

Aufgrund dieser Ausführungen sei auszuschliessen, dass der Beschwer-

deführer aus China stamme und dort verfolgt worden sei. Diese Annahme 

werde durch die offensichtlich unsubstanziierten Aussagen zu den eigent-

lichen Vorfluchtgründen bestätigt. Dabei sei festzuhalten, dass der Be-

schwerdeführer von der Suche nach seiner Person nur vom Hörensagen 

wisse. Die Vorfluchtgründe seien im Zusammenhang mit dem länderspe-

zifischen Kontext als höchst stereotyp zu bezeichnen. Die Geltendma-

chung von Problemen, deren Ursache darin liege, dass ein Beschwerde-

führer aus einem abgelegenen Dorf und ohne vorherige ausgeprägte poli-

tische Interessen eher zufällig in eine Aktion gegen Chinesen gerate und 

aus blosser Furcht vor einer allfälligen Festnahme ausreise, werde von 

asylsuchenden Personen tibetischer Ethnie, die nie in Tibet gelebt hätten, 

notorisch geltend gemacht. Solch pauschale Vorbringen könnten von be-

liebigen Personen geltend gemacht werden, wohingegen sich die Wirk-

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lichkeit um ein Vielfaches komplexer und differenzierter gestalte. Es sei 

daher zweifellos anzunehmen, dass der Beschwerdeführer das Geschil-

derte nicht selbst erlebt habe.  

Aufgrund dieser Indizien sei anzunehmen, der Beschwerdeführer ent-

stamme einer exiltibetischen Gemeinschaft in Indien oder Nepal.  

4.3 In der Beschwerde wurde diesen Ausführungen entgegnet, dass sei-

ne Aussagen zu den umliegenden Dörfern zutreffend seien und das BFM 

wohl ungenaues Kartenmaterial besitze. Die Aussagen zu seinen Nutztie-

ren seien, entgegen der Ansicht des Alltagsspezialisten, zutreffend und er 

habe auch seine landwirtschaftliche Tätigkeit korrekt beschrieben. Die 

Preise für Lebensmittel seien sehr von deren Qualität abhängig und wür-

den daher variieren. Der von ihm verwendete und dem BFM nicht geläu-

fige Begriff sei in seiner Heimatregion verbreitet. Gleich verhalte es sich 

mit den Begrifflichkeiten hinsichtlich der Kleidung. Er kenne überdies sehr 

wohl die chinesischen Bezeichnungen für die Dinge, die er jeweils auf 

dem Markt kaufe. Darüber hinaus könne er aber nur sehr wenig Chine-

sisch. Insbesondere könne er es nicht schreiben. 

Die chinesischen Behörden würden ihm aufgrund seiner illegalen Ausrei-

se eine regimekritische Haltung vorwerfen, wodurch ihm eine asylrelevan-

te Verfolgung drohe. 

4.4 In der Vernehmlassung führte das BFM aus, dass die Aussagen des 

Beschwerdeführers hinsichtlich der Dörfer in seiner Heimatregion unzu-

länglich seien, da sie ihm schlicht nicht bekannt seien, was bei einer So-

zialisation in dieser Region jedoch zu erwarten wäre. Zu seinen erst nach 

erfolgtem Alltagswissenstest gemachten Richtigstellungen sei zu erwäh-

nen, dass sich Asylsuchende, die über ihre Herkunft täuschende Angaben 

machen würden, oft im Laufe des Verfahrens Wissen in Bereichen aneig-

nen würden, in denen sie bis dahin noch durch Unkenntnis aufgefallen 

seien. Diese Einschätzung dränge sich im Falle des Beschwerdeführers 

auf. 

4.5 In der Replik wurde den Ausführungen in der Vernehmlassung entge-

gengehalten, dass innerhalb der verschiedenen Gebiete in Tibet unter-

schiedliche Dialekte gesprochen würden. So unterscheide sich der Dia-

lekt des Beschwerdeführers von der traditionellen und am weitesten ver-

breiteten Amtssprache aus G._______ und dem Gebiet E._______. Zu-

sammen mit seiner Gewohnheit, schnell zu sprechen, sowie der Anspan-

nung anlässlich der Befragung, sei es zu Missverständnissen gekommen. 

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Seine tibetische Abstammung werde durch zwei Schreiben der Tibeter-

gemeinschaft bestätigt. Um seine Familie nicht zu gefährden, habe er bei 

seiner Flucht gezielt seinen Identitätsausweis vernichtet. Die chinesi-

schen Behörden würden von seinem Besitz des Datenträgers wissen und 

ihn daher als Staatsfeind betrachten. Der Replik lagen ein Schreiben des 

Tibet Büros H._______ sowie eines der Tibetergemeinschaft Schweiz und 

Liechtenstein bei. 

5.   

5.1 Das BFM hat im Ergebnis das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu 

Recht abgelehnt. 

5.2 Im Länderurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-2981/2012 vom 

20. Mai 2014 präzisierte das Gericht seine Praxis gemäss EMARK 2005 

Nr. 1 dahingehend, dass bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre 

Herkunft verschleiern oder verheimlichen, vermutungsweise davon aus-

zugehen sei, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen 

Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestän-

den. Denn die Abklärungspflicht der Asylbehörden finde ihre Grenze an 

der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person. Verunmögliche ein ti-

betischer Asylsuchender durch die Verletzung seiner Mitwirkungspflicht 

die Abklärung, welchen effektiven Status er in Nepal respektive in Indien 

innehabe, könne namentlich keine Drittstaatenabklärung im Sinne von 

Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Überdies werde durch die Ver-

heimlichung und Verschleierung der wahren Herkunft auch die Prüfung 

der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effek-

tives Heimatland verunmöglicht (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsge-

richts E-2981/2012 vom 20. Mai 2014 E. 5.9 f. [zur Publikation vorgese-

hen]). 

5.3 Aufgrund der Aktenlage besteht Grund zur Annahme, dass der Be-

schwerdeführer seine wahre Herkunft zu verschleiern versucht. Dabei 

kann zur Hauptsache auf die Evaluation des Alltagswissens verwiesen 

werden. Diese stammt von einer qualifizierten Person und vermag im Er-

gebnis zu überzeugen, wohingegen es dem Beschwerdeführer im Rah-

men des rechtlichen Gehörs nicht gelungen ist, die Schlussfolgerungen 

zu entkräften. Einerseits sind dem Beschwerdeführer Dörfer in der unmit-

telbaren Umgebung seines angeblichen Wohnorts gänzlich unbekannt; 

dies selbst nach expliziter Nennung der Ortsnamen, was nur schwer ver-

ständlich ist. Andererseits erweisen sich seine Ausführungen zur Land-

wirtschaft und zur Beschaffenheit des Geldes in wesentlichen Teilen als 

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unzutreffend. Zudem konnte er die Identitätskarte, die er angeblich be-

sessen habe, erst bei der Gewährung des rechtlichen Gehörs beschrei-

ben, nachdem er gegenüber dem Alltagsspezialisten noch keine Angaben 

hatte machen können. Des Weiteren weisen seine Angaben zu den Prei-

sen grosse Abweichungen zur tatsächlichen Preisstruktur auf, die sich 

nicht allein mit einer angeblichen Preisschwankung aufgrund der Qualität 

erklären lassen. Schliesslich ist zu bemerken, dass er kein Chinesisch 

spricht, was ebenfalls als gewichtiges Indiz zu werten ist. So ist davon 

auszugehen, dass er – hätte er tatsächlich in der geltend gemachten 

Herkunftsregion gelebt – im Rahmen seines Alltags mit anderen Leuten in 

Kontakt gekommen und dabei mit dem in der Umgangssprache ge-

bräuchlichen Chinesisch konfrontiert worden wäre und sich mit dieser 

Sprache schliesslich auch vertraut gemacht haben dürfte. Jedenfalls ist 

festzuhalten, dass für das Fehlen von einfachstem Chinesisch keine 

nachvollziehbaren Gründe angebracht wurden. Die Erklärungen, keine 

Schule besucht zu haben, da er bereits als Kind bei der Arbeit habe mit-

helfen müssen und er habe sich sein ganzes Leben einzig und allein um 

die Tiere gekümmert, ohne anderen Tätigkeiten nachzugehen oder Frei-

zeit zu verbringen (vgl. act. A15 F29 bis F39), greifen jedenfalls zu kurz. 

Diese Einschätzung wird durch die Ausführungen des Beschwerdeführers 

zu seiner Flucht aus Tibet bestätigt. So erwähnte er in der BzP eine alte 

Frau, welche ihn am Anfang seiner Reise begleitet und für ihn einen 

Schlepper organisiert habe (act. A4 S. 7). In der Anhörung gab er dem 

widersprechend zu Protokoll, erst nachdem er die Grenze überquert habe 

in einem Dorf eine alte Frau getroffen zu haben, welche ihm geholfen ha-

be (vgl. act. A15 F42 f.). Der Beschwerdeführer erklärte diese Ungereimt-

heit mit einem Missverständnis anlässlich der BzP und seiner Sprachge-

wohnheit, wonach er von "wir" statt "ich" gesprochen habe, da es unhöf-

lich sei, stets das Wort "ich" zu verwenden (vgl. act. A15 F44 f.). Diese 

Erklärung vermag nicht zu überzeugen. Ebenfalls auffällig ist die pau-

schale und unpersönliche Schilderung der Ausreise (vgl. act. A15 F64 ff.) 

sowie seines zweimonatigen Aufenthalts in Nepal (vgl. act. A4 S. 7). Auf 

die Frage, wie weit die Grenze von seinem Heimatort entfernt sei, antwor-

tete er, dass die Leute sagen würden, ein Fussmarsch dorthin dauere ei-

nen bis zwei Tage. Auf Nachfrage hin, wieso er die Distanz vom Hörensa-

gen angebe, obwohl er die Reise selbst unternommen habe, erklärte er 

sich in wenig überzeugender Weise dahingehend, dass er nur einmal zur 

Grenze gegangen und Nomade sei (vgl. act. A4 S. 7). Zudem variieren 

seine Angaben zum Verlust der Identitätskarte, indem er im vorinstanzli-

chen Verfahren zuerst angab, diese zerrissen zu haben, um nicht von 

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Seite 10 

Nepal nach Tibet zurückgeschafft zu werden (vgl. act. A4 S. 6), während 

er in der Beschwerde ausführte, die Identitätskarte vernichtet zu haben, 

um seine Familie in Tibet nicht zu gefährden. In Übereinstimmung mit den 

vorinstanzlichen Ausführungen und unter Verweis auf eben diese, ist 

schliesslich festzuhalten, dass auch die Vorfluchtgründe wenig substanzi-

iert geschildert wurden. 

5.4 Gestützt auf eine Gesamtwürdigung dieser Elemente ist in Überein-

stimmung mit dem BFM festzustellen, dass der Beschwerdeführer über 

seine Herkunft täuschende Angaben gemacht hat. An dieser Einschät-

zung vermögen auch die eingereichten Bestätigungsschreiben nichts zu 

ändern, zumal diese ohnehin nur seine tibetische Ethnie zu bezeugen 

vermögen und diesem Umstand mit dem Ausschluss des Wegweisungs-

vollzugs nach China hinreichend Rechnung getragen wurde (vgl. dazu die 

nachfolgenden Ausführungen unter E. 5.5). In Anwendung der im Urteil 

des Bundesverwaltungsgerichts vom 20. Mai 2014 E. 5.10 entwickelten 

Rechtsprechung ist das Asylgesuch des Beschwerdeführers mithin abzu-

lehnen, die Wegweisung zu bestätigen, und der Vollzug für zulässig, zu-

mutbar und möglich zu erachten. 

5.5 Nachdem diejenigen Tibeterinnen und Tibeter, die die chinesische 

Staatsbürgerschaft besitzen, in Bezug auf China zumindest subjektive 

Nachfluchtgründe haben, weil sie als Unterstützer des Dalai Lama und 

damit als separatistisch gesinnte Oppositionelle betrachtet werden und – 

wiederum in Bezug auf China – die Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. 

BVGE 2009/29), ist an dieser Stelle, im Sinne einer Klarstellung und in 

Übereinstimmung mit der Dispositivziffer 4 der angefochtenen Verfügung, 

(nochmals) darauf hinzuweisen, dass für alle Exil-Tibeter und somit auch 

für den Beschwerdeführer ein Vollzug der Wegweisung nach China aus-

zuschliessen ist, da ihnen dort gegebenenfalls eine unmenschliche Be-

handlung im Sinne von Art. 3 EMRK droht. 

6.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist 

abzuweisen. 

7.  

Da das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sin-

ne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 26. Februar 

2014 gutgeheissen wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben.  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständi-

ge kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Bendicht Tellenbach Linus Sonderegger 

 

 

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