# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 07af7263-dad6-5659-97a7-81f59c45b28e
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-08-07
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 07.08.2020 OG.2020.00036 (OGS.2021.117)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2020-00036_2020-08-07.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Beschluss
  vom 7. August 2020

  
	
   

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2020.00036

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  A.______

  
	
   

  
	
  Beschuldigter
  und

  
	
  Beschwerdeführer

  
	
   

  
	
  amtlich
  verteidigt durch Rechtsanwalt B.______

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Staats- und Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus

  
	
   

  
	
  Anklägerin und

  
	
  Beschwerdegegnerin

  
	
   

  
	
  vertreten
  durch die Staatsanwältin

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Haftentlassungsgesuch

  
	
   

  
	
  Anträge
  des
  Beschwerdeführers (gemäss
  Eingabe vom 17. Juli 2020, act. 22)

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    In Gutheissung der Beschwerde
    sei die Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts des Kantons Glarus vom
    3. Juli 2020 (Verfahren SG.2020.00077) aufzuheben, dem
    Haftentlassungsgesuch vom 26. Juni 2020 sei stattzugeben und A.______ sei
    umgehend aus der Untersuchungshaft zu entlassen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Es sei festzustellen, dass
    die Staats- und Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus im Verfahren gegen
    A.______ das Beschleunigungsgebot in Haftsachen verletzt hat.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Alles unter Kosten- und
    Entschädigungsfolgen zulasten des Kantons.

    
	
     

    	
     

    

  

  
	
  Anträge
  der Beschwerdegegnerin (gemäss Eingabe vom
  27. Juli 2020, act. 28)

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Die Beschwerde sei
    vollumfänglich abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Alles unter Kostenfolgen zu
    Lasten des Beschwerdeführers.

    

  

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
  Das Gericht   zieht in Betracht:

  
	
   

  
	
  I.

  
	
  1. Die Staats- und
  Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus (nachfolgend Staatsanwaltschaft)
  verdächtigt A.______ (nachfolgend Beschuldigter), sich des versuchten Mordes
  (i.S.v. Art. 112 StGB i.V.m.
  Art. 22 Abs. 1 StGB) zum Nachteil von C.______ vom
  3. Oktober 2018 (nachfolgend auch Delikt [...]) schuldig gemacht zu
  haben, sei es als Mittäter, Anstifter oder Gehilfe (act. 1 S. 2).
  Der Beschuldigte wurde am 29. Mai 2019 festgenommen (SG.2019.00064
  act. 1 S. 1, act. 2/4). Zwischenzeitlich wurde das Verfahren
  gegen den Beschuldigten wegen unrechtmässigem Bezug von Taggeldern (i.S.v.
  Art. 148a StGB) ausgedehnt (OG.2020.00012 act. 23). 

  
	
   

  
	
  2. Auf Antrag der
  Staatsanwaltschaft ordnete das Zwangsmassnahmengericht am 1. Juni 2019
  gegen den Beschuldigten Untersuchungshaft bis am 1. September 2019 an
  (SG.2019.00064 act. 9 Disp.-Ziff. 1). Die dagegen erhobene
  Beschwerde des Beschuldigten wies das Obergericht mit Beschluss vom
  26. Juni 2019 ab (OG.2019.00049 act. 28). In der Folge wurde die
  Untersuchungshaft gegen den Beschuldigten mehrmals verlängert (SG.2019.00092
  act. 8, SG.2019.00132 act. 13, OG.2020.00014 act. 23); letztmals
  mit Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts vom 28. Mai 2020 bis am 28. August
  2020 (SG.2020.00057 act. 14).

  
	
  Der Beschuldigte liess durch
  seinen Verteidiger am 26. Juni 2020 ein Haftentlassungsgesuch
  stellen (act. 14). Die Staatsanwaltschaft leitete dieses mit dem Antrag
  auf Abweisung an das Zwangsmassnahmengericht weiter (act. 1). Das Zwangsmassnahmengericht
  wies mit Verfügung vom 3. Juli 2020 das Haftentlassungsgesuch des
  Beschuldigten ab (act. 18). Gegen diese Verfügung erhob der Beschuldigte beim
  Obergericht Beschwerde mit den eingangs wiedergegebenen Anträgen
  (act. 22). Die Staatsanwaltschaft schliesst in ihrer Beschwerdeantwort
  auf Abweisung der Beschwerde (act. 28). 

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1. Die verhaftete Person
  kann Entscheide über die Anordnung oder Verlängerung der Untersuchungshaft
  mit Beschwerde anfechten (Art. 222 StPO). Die übrigen
  Eintretensvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Auf die
  Beschwerde des Beschuldigten ist einzutreten. 

  
	
   

  
	
  2. Mit Beschwerde an das
  Obergericht können in Bezug auf den angefochtenen Entscheid
  Rechtsverletzungen und eine unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts
  sowie Unangemessenheit gerügt werden (Art. 393 Abs. 2 StPO).

  
	
   

  
	
  3. Die Akten des
  vorinstanzlichen Verfahrens SG.2020.00077 (act. 1-21) sowie der bisherigen
  Haftverfahren (SG.2019.00064, OG.2019.00049, SG.2019.00092, SG.2019.00132,
  SG.2020.00015/16, SG.2020.00030, OG.2020.00014 und SG.2020.00057) wurden
  beigezogen. Die Aktenzitate des vorinstanzlichen Verfahrens erfolgen unter
  der Verfahrensnummer des Beschwerdeverfahrens.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  1.

  
	
  1.1. Gemäss Art. 221
  Abs. 1 StPO ist Untersuchungshaft zulässig, wenn die beschuldigte Person
  eines Verbrechens oder Vergehens dringend verdächtig ist und zudem ernsthaft
  zu befürchten ist, dass sie sich entweder durch Flucht dem Strafverfahren
  oder der zu erwartenden Sanktion entzieht (Fluchtgefahr; lit. a), dass sie
  Personen beeinflusst oder auf Beweismittel einwirkt, um so die
  Wahrheitsfindung zu beeinträchtigen (Kollusionsgefahr; lit. b), oder
  dass sie durch schwere Verbrechen oder Vergehen die Sicherheit anderer
  erheblich gefährdet, nachdem sie bereits früher gleichartige Straftaten
  begangen hat (Wiederholungsgefahr; lit. c). 

  
	
  Weiter hat die Untersuchungshaft
  verhältnismässig zu sein (Art. 197 Abs. 1 lit. c und
  lit. d StPO).

  
	
   

  
	
  1.2. Das Obergericht
  befasste sich bereits zweimal ausführlich mit dem Beschuldigten
  (OG.2019.00049 act. 28, OG.2020.00014 act. 23). Im letzten Beschluss vom
  18. März 2020 erwog das Obergericht, dass aufgrund der bisher
  erlangten Ermittlungserkenntnisse der dringende Tatverdacht gegen den
  Beschuldigten geradezu erdrückend sei. Weiter bejahte das Obergericht auch
  die Kollusions- und die Fluchtgefahr und erachtete die Fortdauer der
  Untersuchungshaft als verhältnismässig (OG.2020.00014 act. 23). Eine gegen
  diesen Beschluss erhobene Beschwerde des Beschuldigten wies das Bundesgericht
  ab (BGer 1B_194/2020 Urteil vom 12. Mai 2020).

  
	
   

  
	
  1.3. Aus den Akten ergeben
  sich keine Hinweise, dass sich seit dem Beschluss des Obergerichts vom 18.
  März 2020 die konkreten Verhältnisse verändert hätten. Der Beschuldigte
  bestreitet das Vorliegen der nach Art. 221 Abs. 1 StPO geforderten
  Voraussetzungen für die Untersuchungshaft nicht mehr substantiiert
  (act. 14, act. 22).

  
	
   

  
	
  2. 

  
	
  2.1. Der Beschuldigte
  macht in seinem Haftentlassungsgesuch vom 26. Juni 2020 (act. 14) im
  Wesentlichen eine besonders schwer wiegende Verletzung des
  Beschleunigungsgebotes geltend. Am 24. Februar 2020 habe die letzte
  Konfrontationseinvernahme stattgefunden. Es sei nicht ersichtlich, dass die
  Staatsanwaltschaft seither Untersuchungshandlungen vorgenommen habe und sein
  Verteidiger sei auch nicht zwecks Terminabsprachen für Einvernahmen
  kontaktiert worden. Damit zeige die Staatsanwaltschaft, dass sie nicht
  gewillt oder in der Lage sei, das Verfahren nunmehr mit der für Haftfälle
  verfassungs- und konventionsrechtlich gebotenen Beschleunigung voranzutreiben.
  Die aussergewöhnliche Lage infolge des Corona-Virus ändere daran nichts. Da
  die diversen Beteiligten bereits mehrfach einvernommen worden seien und ihn
  belastet hätten, sei nicht klar, wie die Staatsanwaltschaft die ihrer Ansicht
  nach offenen Fragen auf andere Weise als durch sein Geständnis klären wolle.
  Dies und die lange Untätigkeit der Staatsanwaltschaft erwecke den Anschein,
  dass es sich in seinem Fall um eine unrechtmässige Beugehaft unter dem
  Deckmantel der Untersuchungshaft handle. Unter diesen Umständen sei er
  umgehend auf freien Fuss zu setzen. 

  
	
   

  
	
  2.2. Die
  Staatsanwaltschaft führt in ihrem Antrag auf Abweisung des
  Haftentlassungsgesuchs vom 29. Juni 2020 (act. 1) aus, dass die
  einstweilige Fortdauer der Untersuchungshaft bis am 28. August 2020
  gegen den Beschuldigten unter Berücksichtigung der ihm vorgeworfenen Taten
  ohne Weiteres verhältnismässig sei. Der Beschuldigten habe bei einer
  Verurteilung eine mehrjährige Freiheitsstrafe zu verbüssen. Es drohe keine
  Überhaft. Es handle sich um eine grosse und komplexe Strafuntersuchung mit
  neun beschuldigten Personen (jeweils mit zahlreichen Nebendelikten) einzig in
  Bezug auf den versuchten Mord in [...] vom 3. Oktober 2018. Den
  Strafverfolgungsbehörden könne weder Untätigkeit noch eine Verletzung des
  Beschleunigungsgebotes vorgeworfen werden. Bezüglich der zu untersuchenden
  Nebendelikte komme dem Beschuldigten bzw. seiner Verteidigung kein
  Teilnahmerecht zu, weshalb er bzw. seine Verteidigung über die
  zwischenzeitlich durch-geführten Einvernahmen auch nicht in Kenntnis gesetzt
  worden sei. 

  
	
  Unter den gegebenen Umständen
  werde sich weder am allgemeinen Haftgrund des dringenden Tatverdachts noch am
  besonderen Haftgrund der Fluchtgefahr des Beschuldigten in den nächsten
  Monaten etwas ändern, weshalb bereits jetzt absehbar sei, dass die Haft bis
  zur Anklageerhebung aufrechterhalten werden müsse und auch die
  Sicherheitshaft zu beantragen sein werde. Die Staatsanwaltschaft stellt die
  Anklageerhebung im Jahr 2020 in Aussicht.

  
	
   

  
	
  2.3. Die
  Verteidigung nahm im vorinstanzlichen Verfahren zum Antrag der
  Staatsanwaltschaft auf Abweisung des Haftentlassungsgesuches wie folgt
  Stellung (act. 16): Das Verfahren werde durch die Staatsanwaltschaft
  ungenügend vorangetrieben und das Beschleunigungsgebot in Haftsachen sei
  verletzt (Art. 31 Abs. 3-4 BV, Art. 5 Ziff. 3-4 EMRK, Art. 5 Abs. 2 StPO).
  Eine Ausdehnung der Strafuntersuchung auf weitere Nebendelikte sei der
  Verteidigung nie eröffnet worden. Es könne sich folglich nur um Nebendelikte
  von Mitbeschuldigten handeln, was nicht als Rechtfertigung der Untätigkeit
  gegenüber dem Beschuldigten dienen könne, zumal eine Durchführung dieser
  Einvernahmen nicht belegt sei. 

  
	
  Es sei mangels gegenteiliger
  Anhaltspunkte weiterhin davon auszugehen, dass die Strafuntersuchung gegen
  ihn seit mehr als vier Monaten nicht vorangetrieben worden sei. Das
  Bundesgericht habe es in einem Urteil vom 23. Januar 2014 (BGer 1B_446/2013)
  als für nicht nachvollziehbar erachtet, weshalb die Ermittlungen nach
  fünfmonatiger Untersuchungshaft nicht vorangeschritten bzw. noch nicht
  abgeschlossen worden seien. Einem allfälligen Einwand der Staatsanwaltschaft,
  wonach der vorliegende Fall komplexer sei und mehr Beteiligte involviert
  seien, sei entgegenzuhalten, dass dies erstens für die im vorliegenden Verfahren
  noch abzuklärenden Sachverhaltskomplexe (Auftragserteilung, Geldübergaben)
  nicht bzw. nur in geringem Ausmass relevant sei. Zweites sei dieser Einwand –
  wenn überhaupt – nur dann gerechtfertigt, wenn die Staatsanwaltschaft sich
  mit entsprechenden Ermittlungshandlungen um die Fortführung der Untersuchung
  bemühe, wegen der angeblichen Komplexität aber scheitere. Da sie aber seit
  Monaten keine Untersuchungshandlungen in Bezug auf den Beschuldigten
  vorgenommen habe, sei der vorliegende Fall mit der zitierten
  bundesgerichtlichen Rechtsprechung vergleichbar.

  
	
  Aufgrund des Umstands, dass die
  Untätigkeit der Staatsanwaltschaft seit über vier Monaten andaure und der
  Beschuldigte seit mehr als 13 Monaten in Haft sei, sei die vorliegende
  Verletzung des Beschleunigungsgebots als schwer zu gewichten. Der
  Beschuldigte sei daher aus der Untersuchungshaft zu entlassen und es sei eine
  Verletzung des Beschleunigungsgebotes im Dispositiv des Entscheids des
  Haftrichters festzustellen.

  
	
   

  
	
  2.4. Das Zwangsmassnahmengericht stimmte in seiner Verfügung vom 3. Juli
  2020 (act. 18) der Verteidigung dahingehend zu, dass nicht ersichtlich sei,
  welche konkreten Untersuchungshandlungen die Staatsanwaltschaft seit Ende
  Februar 2020 tatsächlich durchgeführt habe. Die Staatsanwaltschaft bringe
  jedoch vor, dass die Verteidigung über zwischenzeitlich durchgeführte
  Einvernahmen nicht in Kenntnis gesetzt worden sei, woraus zu schliessen sei,
  dass zwischenzeitlich noch Untersuchungshandlungen stattgefunden hätten. Auch
  wenn es sich vorliegend um einen komplexen Fall handle und ein entsprechender
  zeitlicher Aufwand nachvollziehbar sei, so dürften Untersuchungshandlungen zu
  Nebendelikten dem Beschleunigungsgebot in Haftsachen nicht entgegenwirken,
  zumal diese vorliegend nicht offengelegt worden seien und davon schon seit
  Januar 2020 die Rede sei (vgl. Haftantrag vom 27. Januar 2020 in den
  Verfahren SG.2020.00015 und SG.2020.00016). Auch wenn momentan in
  Fortschreibung der obergerichtlichen bzw. bundesgerichtlichen Rechtsprechung
  eine weitere Untersuchungshaft noch angezeigt sei, so werde die
  Untersuchungshaft nicht aufgrund von pauschal geltend gemachten Ermittlungen
  und Einvernahmen noch weiter verlängert werden können. Die Staatsanwaltschaft
  habe eine Anklageerhebung für die zweite Jahreshälfte angekündigt. Die
  Untersuchung müsse sich folgerichtig in der Endphase befinden, weshalb deren
  Abschluss bis am 20. August 2020 erwartet werden dürfe. Derzeit
  sei nicht ersichtlich, dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren nicht mit
  der für Haftfälle verfassungs- und konventionsrechtlich gebotenen
  Beschleunigung vorangetrieben hätte. Die vom Beschuldigten geltend gemachte
  Verfahrensverzögerung sei (noch) nicht geeignet, die Rechtmässigkeit der
  Untersuchungshaft in Frage zu stellen.

  
	
   

  
	
  2.5. Der Beschuldigte hält
  in seiner Beschwerde (act. 22) an seinen Ausführungen im vorinstanzlichen
  Verfahren fest und beanstandet darüber hinaus, die Vorinstanz habe gestützt
  auf die unbelegten Behauptungen der Staatsanwaltschaft zu Unrecht
  geschlossen, dass weitere Untersuchungshandlungen stattgefunden hätten. Die
  Staatsanwaltschaft spreche beharrlich von insgesamt neun Mitbeschuldigten,
  obwohl beim Delikt [...] nur von vier Mitbeschuldigten auszugehen sei. Indem
  die Staatsanwaltschaft durchgehend von neun Mitbeschuldigten spreche, erwecke
  sie fälschlicherweise den Eindruck, als handle es sich um einen besonders
  komplexen und unübersichtlichen Fall, was die lange Untersuchungsdauer
  rechtfertige. Tatsächlich aber werde aus den Haftverlängerungsgesuchen der
  Staatsanwaltschaft deutlich, dass lediglich zwei konkrete und klar umgrenzte
  Sachverhaltsabschnitte strittig seien (Auftragserteilung und Geldübergaben).
  Die Vorinstanz übersehe in ihrem Verweis auf die ober- und bundesgerichtliche
  Rechtsprechung im Verfahren, dass seit diesen Entscheiden beinahe zwei bzw.
  vier Monate vergangen und seither keine Untersuchungshandlungen getätigt
  worden seien. Vorliegend werde die Verletzung des Beschleunigungsgebots
  geltend gemacht, weil eine besonders schwer wiegende Verfahrensverzögerung geeignet
  sei, die Rechtmässigkeit der Untersuchungshaft in Frage zu stellen. 

  
	
   

  
	
  2.6. Die
  Staatsanwaltschaft hält in ihrer Beschwerdeantwort vom
  27. Juli 2020 (act. 28) im Wesentlichen an ihren Ausführungen
  im vorinstanzlichen Verfahren fest. Darüber hinaus führt die
  Staatsanwaltschaft aus, dass es sich um eine grosse und komplexe
  Strafuntersuchung mit aktuell 19 Bundesordnern Strafakten und neun
  beschuldigten Personen in Bezug auf den versuchten Mord in [...] vom 3.
  Oktober 2018 handle. Auch wenn keine weiteren Untersuchungshandlungen in
  Bezug auf den Beschuldigten mehr vorgenommen werden sollten, sei darin keine
  besonders schwere Verletzung des Beschleunigungsgebotes zu erblicken. Es
  handle sich vielmehr um den ordentlichen Ablauf und Abschluss einer komplexen
  und aufwändigen Strafuntersuchung. Die umfangreichen Verfahrensakten würden
  im Verlauf der nächsten Wochen den beschuldigten Personen zur Einsichtnahme
  zugestellt und es sei beabsichtigt, Terminabsprachen betreffend
  Schlusseinvernahmen bzw. gegebenenfalls weitere Konfrontationseinvernahmen
  mit neun beschuldigten Personen und deren Verteidigungen abzusprechen. Für
  den Abschluss der Untersuchungen und die Anklageerhebung benötige sie Zeit.
  Es bestehe die Gefahr, dass sich der Beschuldigte dem Verfahren und der
  Strafe durch Flucht entziehe.

  
	
   

  
	
  3. 

  
	
  3.1. Jede Person hat in Verfahren vor Gerichts- und
  Verwaltungsinstanzen Anspruch auf Beurteilung innert angemessener Frist (Art.
  29 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK). Befindet sich eine beschuldigte Person
  in Haft, so wird ihr Verfahren vordringlich durchgeführt (Art. 5 Abs. 2
  StPO).  

  
	
  Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist in
  einem Haftprüfungsverfahren die Rüge, das Strafverfahren werde nicht mit der
  gebotenen Beschleunigung geführt, grundsätzlich nur so weit zu beurteilen,
  als die Verfahrensverzögerung geeignet ist, die Rechtmässigkeit der
  Untersuchungshaft in Frage zu stellen und zu einer Haftentlassung zu führen.
  Dies ist der Fall, wenn sie besonders schwer wiegt und zudem die
  Strafverfolgungsbehörden, z.B. durch eine schleppende Ansetzung der Termine
  für die anstehenden Untersuchungshandlungen, erkennen lassen, dass sie nicht
  gewillt oder nicht in der Lage sind, das Verfahren mit der für Haftfälle
  gebotenen Beschleunigung voranzutreiben und zum Abschluss zu bringen (BGE 140
  IV 74 E. 3.2, mit Hinweisen). Bei weniger gravierenden Verletzungen des
  Beschleunigungsgebots kann unter Umständen angezeigt sein, die zuständige
  Behörde zur besonders beförderlichen Weiterführung des Verfahrens anzuhalten
  und die Haft gegebenenfalls nur unter der Bedingung der Einhaltung bestimmter
  Fristen zu bestätigen. Im Übrigen ist es dem Sachrichter vorzubezahlen, der
  unter der gebotenen Gesamtwürdigung beurteilen und auch darüber befinden
  kann, in welcher Weise (z.B. durch eine Strafreduktion) eine allfällige
  Verletzung des Beschleunigungsgebots wieder gut zu machen ist (BGer
  1B_384/2018 Urteil vom 4. September 2018 E. 3.1, mit Hinweisen). 

  
	
   

  
	
  3.2. Von einer schweren Verletzung des Beschleunigungsgebotes, welche die
  beantragte sofortige Entlassung des Beschuldigten aus der Untersuchungshaft
  rechtfertigt, kann vorliegend keine Rede sein. Aus den Akten und den
  Vorbringen der Staatsanwaltschaft geht hervor, dass die Staatsanwaltschaft
  seit der Inhaftierung des Beschuldigten am 29. Mai 2019 zahlreiche
  Untersuchungshandlungen vorgenommen hat. Das Obergericht befasste sich in
  seinem Beschluss vom 18. März 2020 u.a. auch ausführlich mit dem
  dringenden Tatverdacht und führte die wesentlichen den Beschuldigten
  betreffenden Untersuchungshandlungen auf. In der vorliegenden
  Strafuntersuchung ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen versuchten Mordes
  gegen neun beschuldigte Personen. Sodann ist gemäss den Ausführungen der
  Staatsanwaltschaft auch in zahlreichen Nebendelikten zu ermitteln. Konkret
  wird dem Beschuldigten auch vorgeworfen, unrechtmässig
  Sozialversicherungsleistungen bezogen zu haben (i.S.v. Art. 148a StGB).
  Diesbezüglich wird auf die nach Ansicht des Verteidigers angeblich letzte
  Untersuchungshandlung (Einvernahme mit dem Beschuldigten vom 24. Februar
  2020) verwiesen (OG.2020.00014 act. 2/1).

  
	
   

  
	
  3.3. Die
  Staatsanwaltschaft führt aus, die Strafuntersuchungsakten umfassten bis zum
  jetzigen Zeitpunkt 19 Bundesordner. Die den Beschuldigten betreffenden
  vorliegenden Haftakten sind sehr viel weniger umfangreich und aus diesen geht
  nicht hervor, welche Untersuchungshandlungen die Staatsanwaltschaft seit März
  2020 getätigt hat. Diesbezüglich führt die Staatsanwaltschaft jedoch
  plausibel aus, dass sie seither auch in den Nebendelikten der mitbeschuldigten
  Personen ermittelt habe. Längere Zeitabschnitte der Untätigkeit, welche die
  Annahme einer schweren Verletzung des Beschleunigungsgebotes im vorliegenden
  Haftverfahren nahelegen könnten, sind nicht erkennbar. Dass es aufgrund der
  Corona Krise während der Dauer des Lockdowns (März 2020 bis Mai 2020) zu
  gewissen Verzögerungen gekommen sein mag, ist nicht auszuschliessen und von
  sämtlichen beteiligten Personen hinzunehmen. Von den Strafbehörden kann nicht verlangt werden, dass sie sich ständig
  einem einzigen Fall widmen, und das Beschleunigungsgebot ist nicht bereits
  verletzt, wenn die eine oder andere Handlung etwas rascher hätte vorgenommen
  werden können (BGE 130 IV 54
  E. 3.3.3, BGer 1B_328/2019 Urteil vom 17. Juli 2019
  E. 2.2, je mit Hinweisen). 

  
	
   

  
	
  3.4. Die Staatsanwaltschaft ist auch nicht gehalten, stets sämtliche
  Ermittlungshandlungen sofort jeder mitbeschuldigten Person (vorliegend wird
  gegen neun beschuldigte Personen ermittelt) und deren Verteidigung
  mitzuteilen. Entgegen dem Dafürhalten des Beschuldigten (act. 22 Rz 11) ist
  die Staatsanwaltschaft in der vorliegenden grossen und durchaus komplexen
  Strafuntersuchung auch nicht aufzufordern, im parteiöffentlichen
  Haftverfahren darzulegen, welche Untersuchungshandlungen sie nun seit März
  2020 vorgenommen hat. Es ist dem Sachrichter vorbehalten, aufgrund der
  mindestens 19 Bundesordner umfassenden Strafuntersuchungsakten zu prüfen, ob die
  Strafuntersuchungsbehörde seit März 2020 tatsächlich keine
  Untersuchungshandlungen durchgeführt hat (wie vom Beschuldigten behauptet)
  und einer allfälligen Verletzung des Beschleunigungsgebotes angemessen
  Rechnung zu tragen. 

  
	
   

  
	
  3.5. Der Beschuldigte verkennt,
  dass es sich vorliegend um eine sehr grosse und durchaus komplexe
  Strafuntersuchung handelt, in der im Zusammenhang mit dem Delikt in [...] vom
  3. Oktober 2018 gegen neun Personen ermittelt wird. Dem Beschuldigten wird
  vorgeworfen, in diesem Delikt zusammen mit einer weiteren Person, den beiden
  Haupttätern den Auftrag erteilt zu haben, C.______ umzubringen. Beim Delikt
  in [...] geht es nicht nur (noch) um die Klärung der Sachverhaltskomplexe
  Auftragserteilung und Geldübergaben, sondern, wie die Staatsanwaltschaft
  ausführt, auch um zahlreiche Nebendelikte von mitbeschuldigten Personen.
  Weiter ist offensichtlich, dass beim Delikt [...] auch die verschiedenen
  Täterformen sorgfältig zu untersuchen sind. Darüber hinaus wird dem
  Beschuldigten vorgeworfen, unrechtmässig Taggelder von der […] bezogen zu
  haben. Die dem Beschuldigten vorgeworfenen Delikte wiegen ausserordentlich
  schwer. Der Beschuldigte muss bei einer (höchst wahrscheinlichen)
  Verurteilung mit einer mehrjährigen Freiheitsstrafe und einer obligatorischen
  Landesverweisung rechnen (Art. 66a Abs. 1
  lit. a, b und e StGB). Es ist in aller Deutlichkeit
  festzuhalten, dass der dringende Tatverdacht gegen den Beschuldigten aus
  heutiger Sicht immer noch geradezu erdrückend ist. Zudem ist beim
  Beschuldigten immer noch von Kollusionsgefahr und von einer hochgradigen
  Fluchtgefahr auszugehen. Eine Überhaft droht nicht. 

  
	
   

  
	
  3.6. Die vom
  Beschuldigten angeführte bundesgerichtliche Rechtsprechung hinsichtlich der
  geltend gemachten Verletzung des Beschleunigungsgebots (BGer 1B_446/2013
  Urteil vom 23. Januar 2014) ist mit dem vorliegenden Fall nicht vergleichbar.
  In jenem Verfahren befand sich der Beschuldigte seit fünf Monaten in
  Untersuchungshaft. Das Obergericht Zürich bejahte das Vorliegen des
  dringenden Tatverdachts sowie die Kollusionsgefahr. Bezüglich der noch
  vorzunehmenden Ermittlungshandlungen hielt das Bundesgericht dafür, dass
  diese schon längst hätten vollzogen werden können. Die allenfalls bloss noch
  geringe und vorwiegend theoretische Kollusionsgefahr rechtfertige die
  bewilligte Untersuchungshaft des Beschwerdeführers nicht mehr. Aus diesen
  Gründen hiess das Bundesgericht die Beschwerde des Beschuldigten gut und
  entliess ihn unverzüglich aus der Untersuchungshaft (BGer 1B_446/2013 Urteil
  vom 23. Januar 2014).

  
	
  In jenem Fall lag nach Ansicht
  des Bundesgerichts nur noch der allgemeine Haftgrund des dringenden
  Tatverdachts vor, jedoch kein besonderer Haftgrund, wonach auch die
  Voraussetzungen von Art. 221 Abs. 1 StPO für Untersuchungshaft schon gar
  nicht mehr erfüllt waren. Es erschliesst sich dem Obergericht nicht, was der
  Beschuldigte aus diesem Bundesgerichtsurteil für sich ableiten möchte, sind
  vorliegend beim Beschuldigten die Voraussetzungen für Untersuchungshaft von
  Art. 221 Abs. 1 StPO zweifelsfrei erfüllt und ist diese auch
  verhältnismässig.

  
	
   

  
	
  3.7. Es ist nicht angezeigt, der Staatsanwaltschaft Anweisung betreffend
  weiterem Vorgehen zu erteilen oder ihr gar einen fixen Termin für die
  Beendigung der Strafuntersuchung resp. Anklageerhebung zu setzen. Bezüglich
  weiterem Vorgehen führt die Staatsanwaltschaft aus, dass sie die 19
  Bundesordner umfassenden Strafuntersuchungsakten in den nächsten Wochen den
  beschuldigten Personen resp. deren Verteidigungen zur Einsicht zustellen
  werde und sie schliesslich mit neun beschuldigten Personen und deren
  Verteidigungen Schlusseinvernahmen, eventuell noch
  Konfrontationseinvernahmen, durchzuführen plane (act. 28). Dass diese
  wichtigen und abschliessenden Untersuchungshandlungen sorgfältig geplant
  werden müssen, was ein nicht unerheblicher Zeitaufwand bedeutet, ist nicht
  von der Hand zu weisen. 

  
	
   

  
	
  3.8. Im Lichte der
  vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde des Beschuldigten vollumfänglich
  abzuweisen. Demnach dauert die Untersuchungshaft gegen den Beschuldigten
  einstweilen gemäss dem Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts vom 28. Mai
  2020 noch bis am 28. August 2020 fort (SG.2020.00057 act. 14).

  
	
   

  
	
  4. Der Beschuldigte ist
  darauf hinzuweisen, dass er jederzeit bei der Staatsanwaltschaft ein
  Entlassungsgesuch stellen kann (Art. 228 Abs. 1 StPO). 

  
	
   

  
	
  IV.

  
	
  Die Regelung der Kostenfolgen hat
  im Endentscheid zu erfolgen (Art. 421 Abs. 1 StPO). Die
  Gerichtsgebühr für das Beschwerdeverfahren ist zuhanden der das
  Strafverfahren abschliessenden Behörde auf CHF 600.— festzulegen (Art. 8
  Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 6 der Zivil- und
  Strafprozesskostenverordnung [GS III A/5]) und zu den Untersuchungskosten im
  Sinne von Art. 326 Abs. 1 lit. d StPO zu schlagen.
  Parteientschädigungen sind keine zuzusprechen (Art. 423
  Abs. 1 StPO).

  
	
  Die Entschädigung des amtlichen
  Verteidigers des Beschuldigten für seine im Beschwerdeverfahren getätigten
  Aufwendungen wird durch die Staatsanwaltschaft 

  oder das urteilende Gericht bei Abschluss des Strafverfahrens festzusetzen
  sein (Art. 135 Abs. 2 StPO).

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
  Das Gericht   beschliesst:

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Die Beschwerde wird abgewiesen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Die Gerichtsgebühr für das
    Beschwerdeverfahren wird auf CHF 600.— festgelegt.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Die Regelung der Kostenauflage
    und allfälliger Entschädigung wird dem Endentscheid vorbehalten.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Schriftliche Mitteilung an:

    
	
     

    	
    [...