# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 68adafad-3645-5021-bc99-fd85e8e4c799
**Source:** Fribourg (FR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** FR 607_2009_34_25_07_11.pdf
**Docket/Reference:** 607_2009_34_25_07_11.pdf
**URL:** https://www.fr.ch/sites/default/files/contens/tc/_www/files/pdf36/607_2009_34_25_07_11.pdf

## Full Text

607 2009-34 

Entscheid vom 25. Juli 2011 

PRÄSIDENT DES STEUERGERICHTSHOFS 

BESETZUNG 

Präsident: 
Gerichtsschreiberin: 

Hugo Casanova 
Elisabeth Rime Rappo 

PARTEIEN 

Eheleute  X.,  Beschwerdeführer,  vertreten  durch  die  Treuhand 
Cotting AG, Chännelmattstrasse 9, Postfach, 3186 Düdingen,    

gegen 

KANTONALE  STEUERVERWALTUNG,  Rue  Joseph-Piller  13,  Postfach, 
1701 Freiburg, Vorinstanz,     

GEGENSTAND 

Vermögenssteuer  der  natürlichen  Personen;  Steuerwert  von  Anteilen  an 
einer Wohnbaugenossenschaft 

Beschwerde  vom  29. Juli  2009  gegen  den Einspracheentscheid  vom 
3. April 2009; Kantonssteuer 2007 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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S a c h v e r h a l t  

X.  ist  seit  1995  Mitglied  der  "Wohnbaugenossenschaft  …"  mit  Sitz  in  A. 
A. 
(nachfolgend:  die  Wohnbaugenossenschaft)  und  zeichnet  als  deren  Präsident  mit 
Einzelunterschrift.  Diese  wurde  am  18.  Dezember  1973  im  Handelsregister  eingetragen 
und  bezweckt  gemäss  ihren  Statuten  (neuste  Fassung  vom  6.  März  2002,  Art.  3)  die 
"Schaffung  und  Vermietung  von  gesunden,  zinsgünstigen  Wohnungen  durch  Bau  oder 
Erwerb  von  Wohnhäusern;  Kauf  und  Verkauf  von  Grundstücken;  Erstellung,  Vermietung 
und  Verkauf  von  preisgünstigen  Wohn-  und  Gewerberäumen;  Erwerb,  Belastung, 
Veräusserung  und  Verbesserung  von  Grundstücken,  Liegenschaften;  Beteiligungen".  In 
Wirklichkeit  verfügt  sie  über  eine  einzige  Liegenschaft,  nämlich  das  Mehrfamilienhaus 
Art. ___  des  Grundbuchs  der  Gemeinde  A.,  welches  sie  seinerzeit  zum  Preis  von 
100'000 Franken von den Genossenschaftsgründern, Eheleute Y., übernommen hat. 

In  ihrer  Steuererklärung,  welche  sie  am  29.  Mai  2008  für  die  Steuerperiode  2007 
einreichten,  deklarierten  die  Eheleute  X.  insbesondere  "1 Anteilschein"  der  Wohnbauge-
nossenschaft mit einem (dem Nennwert der Beteiligung entsprechenden) Steuerwert von 
72'500  Franken  sowie  einem  Ertrag  von  4'350  Franken.  Unter  Berücksichtigung  der 
übrigen Elemente ergab sich ein steuerbares Vermögen von 145'709 Franken. 

Gemäss Veranlagungsanzeige vom 17. Dezember 2008 wurde das steuerbare Vermögen 
auf  926'255  Franken  festgesetzt.  Die  Abweichung  gegenüber  der  Steuererklärung  ergab 
sich  insbesondere  aus  der  Tatsache,  dass  der  Steuerwert  der  Anteilscheine  der  Wohn-
baugenossenschaft auf 806'925 Franken erhöht wurde. 

B.  Am  8.  Januar  2009  erhob  X.  gegen  diese  Veranlagung  Einsprache.  Er  widersetzte 
sich  der  Neubewertung  seiner  Anteilscheine  mit  dem  Hinweis,  dass  er  kein  Anrecht  auf 
das  Genossenschaftsvermögen  habe.  Es  handle  sich  nicht  um  eine  Erwerbs-
genossenschaft  und  der  einzige  Profit  liege  in  der  Dividende  von  6  %.  Die  Wohnbau-
genossenschaft sei eine "öffentliche juristische Person", die aus verschiedenen Genossen-
schafter/Innen aus der Privatwirtschaft bestehe. Ihr Sinn und Zweck sei es, durch Erwerb 
geeigneter  Immobilien  der  Öffentlichkeit  günstige  Räumlichkeiten  zur  Verfügung  zu 
stellen.  Die  Genossenschafter/Innen  hätten  kein  Recht  auf  das  Genossenschaftsver-
mögen  und  die  Anteilscheine  würden  gemäss  Art.  15  der  Statuten  lediglich  zum 
Nominalwert  zurückbezahlt.  Da  die  Wegleitung  zur  Bewertung  von  Wertpapieren  ohne 
Kurswert  für  die  Vermögenssteuer  (Kreisschreiben)  eine  Bewertung  solcher  gemein-
nütziger  Genossenschaften  ausschliesse,  seien  die  Anteilscheine  zum  Nominalwert  zu 
bewerten. 

Im  Rahmen  des  Einspracheverfahrens  teilte  die  Kantonale  Steuerverwaltung  den 
Eheleuten X. mit (Schreiben vom 3. Februar 2009), es stelle sich die zentrale Frage, ob 
die  Wohnbaugenossenschaft  als  Erwerbsgenossenschaft  einzustufen  sei  oder  nicht.  Je 
nachdem sei die Wertschriften-Bewertung durch den Kanton B. anders zu interpretieren. 
Da sich die Steuerpflichtigen mit den Steuerbehörden dieses Kantons darüber noch nicht 
hätten  einigen  können,  sei  die  Freiburger  Veranlagungsbehörde  ausnahmsweise  bereit, 
für das fragliche Steuerjahr eine Neubeurteilung vorzunehmen. Dazu benötige sie jedoch 
die  Bilanzen  und  Erfolgsrechungen  der  Genossenschaft  für  die  Jahre  2006  und  2007. 
Dieser Aufforderung leistete X. am 10. Februar 2009 Folge. 

 
 
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Mit Entscheid vom 3. April 2009 wurde die Einsprache abgewiesen. Zur Begründung legte 
die  Kantonale  Steuerverwaltung  insbesondere  dar,  die  vom  Kanton  B.  bewertete 
Genossenschaft  stehe  aufgrund  der  ausgegebenen  Anteilscheine  zu  87.88  %  im  Besitz 
von  X.  Aufgrund  der  eingereichten  Jahresabschlüsse  2006  und  2007  sowie  nach 
Rücksprache mit den zuständigen Steuerbehörden des Kantons B. könne im vorliegenden 
Fall  definitiv  nicht  von  einer  Selbsthilfegenossenschaft  ausgegangen  werden.  Die  der 
Veranlagungsbehörde  bekannten  Anteilscheininhaber  seien  nicht  als  Mieter  der 
Liegenschaft registriert. Demnach handle es sich um eine reine Vermietung an Dritte zum 
ortsüblichen  Tarif,  was  eine  Selbsthilfe  gänzlich  ausschliesse.  Die  auf  dem  investierten 
Eigenkapital erzielte Rendite stehe weit über dem ortsüblichen Zinssatz für Hypotheken, 
was  bereits  einer  guten  Rendite  entspreche  und  den Anteilscheininhabern  in  Form  einer 
Verzinsung  von  6  %  ausgeschüttet  werde.  Aufgrund  der  Unterlagen  und  Informationen 
komme  man  trotz  anders  lautenden  Statuten  nicht  umhin,  diese  Genossenschaft  als 
Immobiliengesellschaft  im  engeren  Sinn  zu  betrachten.  Die  dafür  anwendbaren 
Bewertungsrichtlinien  seien  unter  Ziff.  50  ff.  des  Kreisschreibens  erwähnt.  Das  heisse, 
dass  das  Eigenkapital  der  Genossenschaft  um  die  nicht  besteuerten  und  unrealisierten 
stillen  Reserven  auf  der  Liegenschaft  erhöht  würde.  Keinesfalls  komme  jedoch  eine 
Besteuerung einzig aufgrund des Nominalwertes der gezeichneten Anteilscheine in Frage. 
Deshalb  sei  die  Bewertung  des  Kantons  B.  nicht  in  Frage  zu  stellen.  Da  die  Statuten 
bezüglich der Gesellschaftsaktivität schon nicht mehr der Wirklichkeit entsprächen, dürfe 
daraus geschlossen werden, dass sie im Hinblick auf eine eventuelle spätere Liquidation 
der Genossenschaft sowieso anzupassen wären. Unter den gegebenen Umständen könne 
jedenfalls  nicht  davon  ausgegangen  werden,  dass  das  übrige  vorhandene  Eigenkapital 
sowie  die  stillen  Reserven  so  einfach,  wie  in  den  Statuten  vorgesehen,  den  jetzigen 
Mietern überlassen würden. 

Am 1. Juli 2009 erkundigte sich X. telefonisch bei der Kantonalen Steuerverwaltung über 
den  Stand  des  Einspracheverfahrens.  Unter  Bezugnahme  auf  diese  Anfrage  wurde  ihm 
mit  E-Mail  vom  darauffolgenden  Tag  eine  Kopie  des  Einspracheentscheides  zugestellt. 
Gleichzeitig  wurde  der  Steuerpflichtige  auf  die  Begründung  des  gefällten  Entscheids 
verwiesen  und  gebeten,  bei  allfälligen  "Unklarheiten  …  eine  Lösung  mit  der  KStV  B. 
anzustreben". 

In  der  Folge  wandte  sich  die  Treuhand  Cotting  AG  (mit  Schreiben  vom  9.  Juli  2009)  im 
Namen der Eheleute X. an die Kantonale Steuerverwaltung. Dabei legte sie insbesondere 
dar,  der  Entscheid  vom  3.  April  2009  sei  nie  eingetroffen.  Die  Steuerpflichtigen  hätten 
daher  erst mit der  elektronischen Zustellung vom 2. Juli 2009 davon  Kenntnis erhalten. 
Unter diesen Umständen beginne die Beschwerdefrist ab diesem Datum zu laufen. 

C.  Mit  Eingabe  vom  29.  Juli  2009  reichten  die  Eheleute  X.,  vertreten  durch  die 
Treuhand  Cotting  AG,  gegen  diesen  Einspracheentscheid  beim  Kantonsgericht 
Beschwerde  ein.  Sie  stellen  den  Antrag,  "der  Vermögenssteuerwert  der  Genossen-
schaftsanteile sei auf CHF 90'516.00 (Berechnung gemäss Rz 75 Ziffer 2 des alten KS der 
SSK vom 21. August 2006) herabzusetzen, höchstens aber mit CHF 439'400.00 (gemäss 
Rz 76 des alten KS 28) zu berücksichtigen". 

Bezüglich  der  Fristenwahrung  verweisen  die  Beschwerdeführer  auf  ihr  Schreiben  vom 
9. Juli  2009.  In  der  Sache  selbst  machen  sie  insbesondere  geltend,  die  Wohnbaugenos-
senschaft  bezwecke  gemäss  Art.  3  Ziff.  1  ihrer  Statuten  die  Schaffung  und  Vermietung 
von  gesunden,  zinsgünstigen  Wohnungen.  Grundsätzlich  werde  der  Mietzins  als  reine 
Kostenmiete festgelegt. Die dabei zu berücksichtigenden Aufwendungen seien in Art. 29 

 
 
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Ziff. 2 umschrieben. Des Weiteren seien Abschreibungen bzw. indirekte Reservenbildung 
für  die  zukünftigen  grösseren  Reparaturen  an  der  Liegenschaft  unabdingbar.  Selbstver-
ständlich  könne  bei  der  Budgetierung  der  Mietzinse  nicht  zu  eng  kalkuliert  werden,  da 
erstens  die  Mietzinse  im  Falle  einer  Unterdeckung  nicht  einfach  so  erhöht  werden 
könnten  und  zweitens  so  ein  gewisses  finanzielles  Polster  für  Unvorhergesehenes  ge-
äufnet werden könne. Aus dem verbleibenden Gewinn von durchschnittlich 8'000 Franken 
(nach  Äufnung  der  gesetzlichen  und  statutarischen  Reserven/Fonds),  der  dem 
Bilanzgewinn  zugerechnet  werde,  könne  nicht  auf  eine  Erwerbsgesellschaft  geschlossen 
werden.  Im Übrigen lägen die Mietzinse durchschnittlich 500 bis 700 Franken unter den 
ortsüblichen  Ansätzen.  Des  Weiteren  könne  nicht  von  einer  überdurchschnittlichen 
Rendite  des  investierten  Eigenkapitals  gesprochen  werden,  da  sich  die  Verzinsung  von 
6 % auf das "Aktienkapital" und nicht auf das "investierte Eigenkapital (AK + Reserven)" 
beziehe.  Dadurch  ergebe  sich  eine  Rendite  von  bloss  1,6 %,  was  dem  ortsüblichen 
Zinssatz für Hypotheken entspreche. Eigentlich seien sie sogar der Meinung, dass gemäss 
Rz  75  Ziff.  2  des  KS  28  vom  21.  August  2006  (alt)  die  Verzinsung  von  6  %  nicht  über 
dem landesüblichen Zinsfuss für langfristige Darlehen ohne besondere Sicherheiten liege. 
Daher wäre die Erfassung des Nennwertes für die Vermögenssteuer nach wie vor richtig. 
Fairerweise hätten sie jedoch in ihrer Berechnung einen Zinssatz von 4 % berücksichtigt. 
Dass X. und seine Schwester die einzigen Genossenschafter seien, schliesse die Annahme 
der  Gemeinnützigkeit nicht  aus,  da  sie  sich  bis  heute  an  den  Statuten  orientiert  hätten. 
Aus  den 
letzten  Austrittsvereinbarungen  ergebe  sich,  dass  die  ausgetretenen 
Genossenschafter nur gerade ihren Nennwert erhalten hätten. Es sei nun auch ein neuer 
Genossenschafter  gefunden  worden,  der  den  "gemeinnützigen  Gedanken"  teile. 
Abschliessend  wird  ausgeführt,  der  allenfalls  subsidiär  festzusetzende  Vermögens-
steuerwert  von  439'400  Franken  ergebe  sich  (gemäss  Rz  76)  aus  dem  Mittel  zwischen 
quotalem  Unternehmenswert  und  dem  Nennwert,  da  ausscheidende  Genossenschafter 
bloss Anspruch auf Rückzahlung zum Nennwert hätten. 

Der  mit  Verfügung  vom  31.  Juli  2009  festgesetzte  Kostenvorschuss  von  1'000  Franken 
wurde fristgemäss bezahlt. 

In  ihrer  Beschwerdeantwort  vom  30.  September  bzw.  1.  Oktober  2009  schliesst  die 
Kantonale  Steuerverwaltung  auf  Abweisung.  Sie  verweist  auf  die  anwendbare  Weglei-
tung, welche die Bewertung von Anteilscheinen von der Art der Genossenschaft abhängig 
mache,  und  legt  nochmals  dar,  dass  es  sich  im  vorliegenden  Fall  um  eine  Immobilien-
genossenschaft  mit  Erwerbscharakter  handle.  Sie  untermauert  diese  Auffassung 
insbesondere  damit,  dass  es  sich  gemäss  den  Statuten  um  eine  Genossenschaft  nach 
Art. 828  OR  handle,  die  vorab  einen  wirtschaftlichen  und  sicher  nicht  einen  gemein-
nützigen  Zweck  verfolge.  In  der  derzeitigen  Gesellschaftsstruktur  gebe  es  einen  Mieter-
kreis und einen Kreis von Genossenschaftern (Inhaber von Anteilscheinen), die allesamt 
aus  der  Familie  X.  stammten  und  einen  Zins  für  ihre  Kapitaleinlage  beanspruchten.  Die 
praktizierten Mieten seien mehr als kostendeckend ausgerichtet und der dadurch erzielte 
Überschuss  werde  nicht  den  Mietern,  sondern  den  Genossenschaftern  in  Form  einer 
Verzinsung von 6 % des Anteilscheinkapitals vergütet. Das investierte Eigenkapital, also 
das nominelle Genossenschaftskapital, werde jedem Genossenschafter mit 6 % verzinst, 
was  zugleich  der  Rendite  des  investierten  Eigenkapitals  (aus  der  Sicht  der  Ge-
nossenschafter)  entspreche.  Da  die  Genossenschafter  ursprünglich  Anteilscheine  ohne 
Agio gezeichnet und keine weiteren Einlagen gemacht hätten, sei die von den Beschwer-
deführern behauptete Eigenkapitalrendite von 1,6 % als Fehlinterpretation zu betrachten. 
Auch  gebe  es  im  vorliegenden  Fall  keinen  Grund,  langfristiges  Eigenkapital  zu  mehr  als 
4 % zu verzinsen. Alles andere sei gewinnorientiertes Handeln, das weder als genossen-

 
 
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schaftlicher Selbsthilfeakt und schon gar nicht als gemeinnützig betrachtet werden dürfe. 
Im Übrigen seien die Statuten darauf ausgelegt, dass die zukünftigen Inhaber von Anteil-
scheinen  nicht  einmal  automatisch  zu  Genossenschaftern  werden  könnten.  Aus  diesem 
Grund  sei  auch  eine  Mehrheit  von  Mietern  als  Genossenschafter  praktisch  ausgeschlos-
sen.  Der  vorliegende  Fall  zeige,  dass  die  Gesellschaftsform  einer  Genossenschaft  nicht 
unbedingt mit einem sozialen Wohnungsbau gleichzusetzen sei. Der praktische Nachweis, 
dass  es  sich  nicht  einfach  um  eine  "Erbengenossenschaft"  handle,  sei  keineswegs 
erbracht.  In  Wirklichkeit  komme  die  Genossenschaft  einer  Immobilen-Aktiengesellschaft 
am  nächsten  und  sie  sei  deshalb  wie  eine  solche  zu behandeln.  Dementsprechend  gelte 
gemäss Rz 50 der Wegleitung der Substanzwert als Unternehmenswert. 

Am 9. November 2009 reichten die Beschwerdeführer ihre Gegenbemerkungen ein. Darin 
halten  sie  vollumfänglich  an  ihrem  Standpunkt  fest.  Sie  legen  insbesondere  noch  dar, 
dass  es  sich  um  eine  gemeinnützige  Genossenschaft  handle,  weil  diese  mit  den  kosten-
deckenden  Mietzinsen  keineswegs  eine  im  Immobiliengewerbe  übliche  Rendite  anstrebe 
und die Anteilsinhaber nur mit maximal einem Zins auf ihrem Anteilscheinskapital abge-
golten  würden.  Zudem  lasse  ein  getrennter  Mieter-  und  Anteilsinhaberkreis  nicht  auto-
matisch  auf  eine  Erwerbsgesellschaft  schliessen.  Die  Gemeinnützigkeit  könne  ja  auch 
erfüllt werden, ohne dass ein Selbsthilfeakt zugrunde liegen müsse. Rz 75 der Wegleitung 
mache die Besteuerung bloss von der Voraussetzung abhängig, dass den ausscheidenden 
Genossenschaftern  kein  Anspruch  auf  das  Genossenschaftsvermögen  zustehe.  Bis  anhin 
sei den Statuten entsprechend kein Genossenschaftsvermögen ausbezahlt worden. Trotz 
der selber vorgenommenen Berechnung mit 4 % lasse der ausbezahlte Zins von 6 % auf 
dem Anteilskapital nicht auf gewinnorientiertes  Streben schliessen. Es  handle sich dabei 
um  den  landesüblichen  Zinsfuss  für  langfristige  Darlehen  ohne  besondere  Sicherheiten. 
Im  Übrigen  sei  X.  nach  wie  vor  auf  der  Suche  nach  weiteren  Genossenschaftern,  bei 
denen es sich sowohl um Dritte als auch um Mieter handeln könne. 

E r w ä g u n g e n  

a) Gemäss Art. 180 Abs. 1 des Gesetzes vom 6. Juni 2000 über die Kantonssteuern 
1. 
(DStG)  sind  Beschwerden  gegen  Einspracheentscheide  der  Veranlagungsbehörde  innert 
dreissig  Tagen  einzureichen  (vgl.  auch  Art.  50  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 
14. Dezember  1990  über  die  Harmonisierung  der  direkten  Steuern  der  Kantone  und 
Gemeinden,  StHG).  Die  Beschwerdefrist  beginnt  an  dem  Tag  zu  laufen,  der  auf  die 
Mitteilung  des  angefochtenen  Entscheides  folgt  (Art.  27  Abs.  1  des  Gesetzes  vom 
23. Mai 1991 über die Verwaltungsrechtspflege, VRG, in Verbindung mit Art. 182 DStG). 
Eine  Frist  gilt  als  eingehalten,  wenn  eine  schriftliche  Eingabe  spätestens  am  letzten  Tag 
der  Frist  bei  der  Behörde  eingereicht  oder  zu  deren  Handen  der  schweizerischen  Post 
oder  einer  schweizerischen  diplomatischen  oder  konsularischen  Vertretung  übergeben 
wird (Art. 28 Abs. 1 VRG). 

b)  Die  Eröffnung  eines  Verwaltungsaktes  ist  eine  empfangsbedürftige  einseitige 
Rechtshandlung.  Der  Beweis  für  den  Empfang  der  Verfügung  oder  des  Entscheides  ob-
liegt der Verwaltung. Diese Beweislastverteilung folgt aus der allgemeinen Regel, wonach 
grundsätzlich derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen hat, 
der  aus  ihr  Rechte  ableitet  (Art. 8  ZGB).  Es  besteht  hingegen  keine  Vorschrift,  Ver-
fügungen wie z.B. Steuereinschätzungen oder  Einspracheentscheide dem Adressaten als 
eingeschriebene  Sendung  zuzustellen  (vgl.  Art.  147  Abs.  1  und  179  Abs.  3  DStG).  Der 

 
 
 
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Nachweis  der  Zustellung  kann  auch  aufgrund  von  Indizien  oder  gestützt  auf  die  ge-
samten  Umstände  erbracht  werden.  So  kann  sich  etwa  aus  dem  Verhalten  des  Steuer-
pflichtigen  ableiten  lassen,  dass  und  wann  die  Verfügung  oder  ein  Einspracheentscheid 
eröffnet worden ist (vgl. BGE 105 III 43). 

Umgekehrt  ergibt  sich  aus  der  erwähnten  allgemeinen  Beweislastregel,  dass  derjenige, 
welcher  eine  ihm  eröffnete  Verfügung  oder  einen  Einspracheentscheid  anficht,  die  Be-
weislast  dafür  trägt,  dass  er  seine  Rechtsschrift  vor  Ablauf  der  Rechtsmittelfrist  einge-
reicht hat. 

c) Im vorliegenden Fall haben die Beschwerdeführer schon gegenüber der Kantona-
len  Steuerverwaltung  geltend  gemacht,  dass  der  Einsprachentscheid  vom  3.  April  2009 
nie bei ihnen eingetroffen sei. 

Die  Vorinstanz  bestreitet  diese  Sachverhaltsdarstellung  nicht  und  sie  hat  insbesondere 
auch keine Indizien vorgebracht, welche einen anderen Schluss zulassen könnten. 

Unter  diesen  Umständen  ist  davon  auszugehen,  dass  die  Beschwerdefrist  erst  mit  der 
Zustellung einer Entscheidkopie am 2. Juli 2009 zu laufen begonnen hat. Demzufolge ist 
die  Beschwerde  vom  29.  Juli  2009  rechtzeitig  eingereicht  worden,  sodass  darauf  ein-
getreten werden kann. 

a) Gemäss Art. 52 DStG sowie Art. 13 Abs. 1 StHG unterliegt der Vermögenssteuer 
2. 
das  gesamte  Reinvermögen.  Dabei  werden  die  Aktiven  grundsätzlich,  d.h.  unter  Vor-
behalt  von  Sondervorschriften,  zum  Verkehrswert  bewertet  (Art.  53  Abs.  2  DStG).  Für 
den  Verkehrswert  von  nicht  kotierten  Forderungen  und  Beteiligungen  erfolgt  eine  Be-
wertung,  wobei  für  Beteiligungsrechte  der  Ertrags-  und  der  Substanzwert  des  Unter-
nehmens  angemessen  zu  berücksichtigen  sind  (Art.  57  Abs.  2  DStG;  vgl.  auch  Art. 14 
Abs.  1  StHG).  Das  steuerbare  Vermögen  bemisst  sich  nach  dem  Stand  am  Ende  der 
Steuerperiode oder der Steuerpflicht (Art. 67 Abs. 1 DStG und Art. 66 Abs. 1 StHG). 

b)  Unter  dem  Verkehrswert  ist  im  Steuerrecht  der  Wert  zu  verstehen,  der  einem 
Vermögensgegenstand  bei  der  Veräusserung  im  gewöhnlichen  Geschäftsverkehr  beige-
messen  wird.  Bei  nicht  kotierten  Wertpapieren,  für  welche  offizielle  Kursnotierungen 
fehlen  oder  die  nicht  oder  nur  selten  gehandelt  werden,  ist  der  Verkehrswert  aufgrund 
derjenigen Schätzungsgrundlagen zu ermitteln, welche die zuverlässigste Wertermittlung 
gestatten.  Entsprechende  Richtlinien  enthielt  zunächst  die  von  der  Konferenz  staatlicher 
Steuerbeamter  und  der  Eidgenössischen  Steuerverwaltung  herausgegebene  "Wegleitung 
zur  Bewertung  von  Wertpapieren  ohne  Kurswert  für  die  Vermögenssteuer"  (Ausgabe 
1995; ASA Bd. 65, S. 872 ff., mit Änderung per 1.1.1999). In jüngerer Zeit wurde diese 
Wegleitung  in  das  entsprechende  Kreisschreiben  28  der  Schweizerischen  Steuerkon-
ferenz,  welche  die  Rolle  der  Konferenz  staatlicher  Steuerbeamter  übernommen  hat,  in-
tegriert  (nachfolgend:  die  Wegleitung;  Version  KS  28  vom  21.  August  2006  für  die 
Steuerperioden  2006  und  2007  und  Version  vom  28.  August  2008  gültig  ab  dem 
1. Januar 2008; vgl. http://www.steuerkonferenz.ch unter der Rubrik Kreisschreiben). Im 
Übrigen  hat  die  Schweizerische  Steuerkonferenz  am  16.  Dezember  2010  auch  einen 
Kommentar zur Wegleitung veröffentlicht. 

Ungeachtet  ihres  Titels  enthält  diese  Wegleitung  nicht  nur  Bewertungsgrundlagen  für 
Wertpapiere, sondern auch für Genossenschaftsanteile. 

 
 
 
 
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Die  Wegleitung  bezweckt  im  Rahmen  der  Vermögenssteuer  eine  in  der  Schweiz  einheit-
liche Bewertung (Ziff. 1). Um eine harmonisierte Besteuerung in der ganzen Schweiz zu 
erreichen, wird den kantonalen Steuerverwaltungen empfohlen, einheitliche Steuerwerte 
anzuwenden;  die  Berechnung  des  Verkehrswertes  erfolgt  in  der  Regel  durch  den  Sitz-
kanton der zu bewertenden Gesellschaft (Ziff. 3). 

Den  in  der  Wegleitung formulierten  Grundsätzen  liegt  allgemein  der  Gedanke  zugrunde, 
dass  der  Verkehrswert  erfahrungsgemäss  vom  bisherigen  und  zu  erwartenden  Ertrag  in 
Form von Dividenden und anderen Gewinnanteilen sowie von der Ertragskraft der Gesell-
schaft abhängt und durch weitere Faktoren beeinflusst wird, wie beispielsweise durch das 
Vermögen der Gesellschaft (Kapital, Reserven), die Liquidität der Unternehmung, Stabili-
tät  des  Geschäftsbetriebes  usw.  Für  die  Bewertung  ist  jedoch  nach  Art  der  Unter-
nehmungen  zu  unterscheiden.  Die  Wegleitung  stützt  sich  insbesondere  auf  ein  (im  Jahr 
1975  veröffentlichtes)  Gutachten,  das  eine  von  der  Schutzorganisation  der  privaten 
Aktiengesellschaften  beauftragte  Expertenkommission  (ERNST  BOSSARD  und  weitere  Mit-
autoren)  erarbeitet  hat  und  welches  auch  in  der  Lehre  und  Praxis  überwiegend  zu-
stimmend  aufgenommen  worden  ist  (BGer  in  StE  1997  B  22.2.  Nr.  13  Erw.  3).  Dass 
grundsätzlich  auf  die  Wegleitung  abzustellen  ist,  schliesst  indessen  nicht  aus,  dass  im 
Einzelfall die Umstände ein Abweichen von einer schematischen Bewertung nötig machen 
können (BGer in StE 1988 B 72.13.22 Nr. 10 Erw. 2c). 

c) Der Steuergerichtshof hat sich bereits in einem Urteil vom 8. Juni 2001 mit der 
Anwendbarkeit der Wegleitung befasst. In Übereinstimmung mit der einschlägigen Lehre 
und  Rechtsprechung  gelangte  er  dabei  -  für  die  Bewertung  einer  Betriebsgesellschaft  - 
zum Schluss, dass die "Praktikermethode" der Wegleitung mit der doppelten Gewichtung 
des  Ertragswertes  einen  Kompromiss  darstelle,  welcher  verhältnismässig  einfach  zu 
handhaben sei und in den meisten Fällen zu einem vernünftigen Ergebnis führe. Insofern 
stelle  die  Wegleitung  eine  taugliche  Bewertungsgrundlage  dar,  von  deren  Grundsätzen 
nur, aber immerhin, dann abzuweichen sei, wenn eine bessere Erkenntnis des Verkehrs-
wertes  oder  besondere  Umstände  dies  gebieten  (FZR  2001,  S.  167  ff.  mit  zahlreichen 
Hinweisen). 

Auch in der jüngeren Rechtsprechung und Lehre wird allgemein daran festgehalten, dass 
bei  der  Verkehrswertschätzung  nicht  kotierter  Wertpapiere  die  Wegleitung  grundsätzlich 
zur Anwendung gelangen soll und dass eine abweichende Einschätzungspraxis nur, aber 
immerhin, dann gerechtfertigt ist, wenn eine bessere Erkenntnis des Verkehrwertes dies 
gebietet  (vgl.  etwa  das  Bundesgerichtsurteil  2A.590/2002  vom  22.  Mai  2003,  Erw.  2.2 
und 3.1; Obergericht SH, 30.12.2008, Amtsbericht 2008, S. 111; Verwaltungsgericht LU, 
24.1.2008,  LGVE  2008  II,  S.  240  ff.;  Verwaltungsgericht  ZH,  26.9.2007,  StE  2008 
B 52.42 Nr.4; Verwaltungsgericht ZG, 27.10.2005, ZGGVP 2005, S. 100 ff.; R. ZIGERLIG / 
G. JUD in Zweifel / Athanas, Kommentar zum schweizerischem Steuerrecht, I/1, Bundes-
gesetz  über  die  Harmonisierung  der  direkten  Steuern  der  Kantone  und  Gemeinden 
[StHG],  2.  Aufl.,  Basel  2002,  N  18  zu  Art.  14;  M.  KLÖTI-WEBER  /  D. SIEGRIST  /  D. WEBER, 
Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, Bern 2004, § 50 N. 11 ff.; F. RICHNER / W. FREI / 
S.  KAUFMANN  /  H. U.  MEUTER,  Kommentar  zum  harmonisierten  Zürcher  Steuergesetz, 
2. Aufl., Zürich 2006, § 39 N. 21 ff.). Dementsprechend hat der Steuergerichtshof zuletzt 
in  den  Urteilen  4F  07  6  vom  28.  November  2008,  604  08  15  vom  12.  Dezember  2008 
sowie 604 2008-147 vom 5. Juni 2009, FZR 2009, 288 seine Praxis bestätigt und in den 
zu  beurteilenden  Fällen  keinen  Anlass  gefunden,  um  von  den  Grundsätzen  der  Weg-
leitung abzuweichen. 

 
 
 
- 8 - 

a)  Die  Bewertung  von  Genossenschaften  und  Anteilen  an  solchen  ist  in  Ziff.  58  f. 
3. 
bzw. 75 f. der Wegleitung geregelt (Version KS 28 vom 21. August 2006 für die Steuer-
perioden 2006 und 2007; für Bewertungen ab  dem 1. Januar 2008  siehe Ziff. 50 f. und 
65  f.  der  neuen  Fassung  des  KS  28).  Darin  wird  zwischen  Erwerbs-  und  Selbsthilfe-
genossenschaften unterschieden. 

So  wird  in  Ziff.  58  f.  bestimmt,  dass  Genossenschaften  grundsätzlich  nicht  bewertet 
werden,  unter  Vorbehalt  der  Erwerbsgenossenschaften,  auf  welche  die  Regeln  für  die 
Aktiengesellschaften  anwendbar  sind.  Dabei  werden  die  Erwerbsgenossenschaften  als 
Genossenschaften umschrieben, welche Anspruch auf einen Anteil am Liquidationsergeb-
nis gemäss Art. 913 Abs. 2 OR verleihen. 

Bezüglich der Genossenschaftsanteile enthält die Wegleitung folgende Regeln: 

"75  Der Steuerwert von Anteilen an Genossenschaften wird wie folgt ermittelt: 

1  Bei  Genossenschaften,  deren  Statuten  bestimmen,  dass  ausscheidende 

Genossenschafter  Anspruch  auf  das  Genossenschaftsvermögen  gemäss 

Art. 864 OR (Rückzahlung zum Nennwert) haben: höchstens zum Nennwert. 

2  Bei  gleichen  Voraussetzungen  aber  einer  Verzinsung  der  Anteilscheine,  die 

den  landesüblichen  Zinsfuss  für  langfristige  Darlehen  ohne  besondere 

Sicherheiten  (Art.  859,  Abs.  3  OR)  übersteigt:  nach  dem  einfachen  Mittel 

zwischen  dem  Nennwert  und  den  kapitalisierten  Ausschüttungen  (Durch-

schnitt  der  zwei  vor  dem  massgebenden  Bewertungsstichtag  vorgenom-

menen  Ausschüttungen,  wobei  diejenige  des  zweiten  Jahres  doppelt  zu 

gewichten ist). 

Als  Grundlage  für  die  Kapitalisierung  der  Ausschüttungen  gilt  der  landes-

übliche Zinsfuss für langfristige Darlehen ohne besondere Sicherheiten. 

76 

Liegt  der  quotale  Unternehmenswert  einer  Erwerbsgenossenschaft  über  dem 

Nennwert und bestimmen die Statuten der Genossenschaft, dass ausscheidende 

Genossenschafter Anspruch auf das Genossenschaftsvermögen gemäss Art. 864 

OR  (Rückzahlung  zum  Nennwert)  haben,  so  wird  der  Steuerwert  der  Anteile 

nach  dem  einfachen  Mittel  zwischen  dem  Nennwert  und  dem  quotalen  Unter-

nehmungswert ermittelt." 

b)  Diese  Grundsätze  gehen  auf  das  vorne  erwähnte  Gutachten  der  Experten-
kommission  zurück  (vgl.  dazu  auch  das  Urteil  des  Verwaltungsgerichts  BE  vom 
18. April 1997, BVR 1997, 481 Erw. 2b). Dort wird (auf S. 84 f.) insbesondere dargelegt, 
der  typische  Zweck  einer  Genossenschaft  sei  die  Förderung  oder  Sicherung  bestimmter 
wirtschaftlicher  Interessen  ihrer  Mitglieder  in  gemeinsamer  Selbsthilfe  (Art. 828  Abs. 
1 OR).  Mit  der  von  ihr  ausgeübten  wirtschaftlichen  Tätigkeit  sollten  gewisse  Bedürfnisse 
der  Mitglieder  unmittelbar  befriedigt  werden.  Dadurch  unterscheide  sich  die 
Genossenschaft  von  einer  Aktiengesellschaft,  welche  die  Mitgliederinteressen  mittelbar, 
fördern  bezwecke. 
durch  die  Erzielung  und  Ausschüttung  von  Gewinnen,  zu 
Demgegenüber  strebe  die  echte  Genossenschaft  keinen  Gewinn  an,  jedenfalls  keinen 
solchen, der in Form von Geld zur Ausschüttung an die Gesellschafter bestimmt sei. Die 
obligationenrechtlichen  Vorschriften  seien  auf  den  Typ  der  echten  Genossenschaft 
zugeschnitten, wobei es auch darum gehe, der kapitalistischen Ausgestaltung einer in der 
Form  der  Genossenschaft  betriebenen  Unternehmung  Grenzen  zu  setzen.  Gesetz  und 
Rechtsprechung  liessen  jedoch  genügend  Raum,  um  Organisation  und  Mitgliedschaft  so 

 
 
 
 
 
 
 
- 9 - 

zu  gestalten,  dass  eine  Genossenschaft  den  Handelsgesellschaften  näher  stehe  als  dem 
Leitbild, nach dem sich der  Gesetzgeber ausgerichtet habe. Dieser Umstand rechtfertige 
es,  steuerlich  eine  Zweiteilung 
in  Erwerbs-  und  Selbsthilfegenossenschaften 
vorzunehmen.  Als  einfaches  Unterscheidungskriterium  könne  die  Frage  dienen,  ob  die 
Statuten eine Verteilung des Liquidationsüberschusses unter die Gesellschafter (Art. 913 
Abs.  2  OR)  vorsehe  oder  nicht.  Bei  Selbsthilfegenossenschaften  sei  es  in  der  Regel 
sachgerecht, die Anteile zum Nennwert zu bewerten. Davon solle abgewichen werden: 

"-  wenn  die  auf  einen  Anteil  entfallende  Quote  des  Reinertrages  vom  landesüblichen 

Zinsfuss für Darlehen ohne besondere Sicherheiten abweicht; 

-  wenn die letzte Bilanz der Gesellschaft einen Verlustsaldo aufweist; 

-  wenn die Anteile weder einen Anspruch  auf eine Quote des Reinertrages noch - bei 

Austritt  des  Genossenschafters  oder  bei  Liquidation  der  Genossenschaft  -  einen  A-

nspruch auf einen Anteil am Gesellschaftsvermögen gewähren. Solche Anteile sollen 

nicht bewertet werden." 

Demgegenüber  wird  bezüglich  der  Anteile  an  Erwerbsgenossenschaften  ausgeführt,  sie 
könnten sinngemäss nach den für die Bewertung von Aktien (bzw. von Immobilienaktien-
gesellschaften)  geltenden  Regeln  bewertet  werden.  Abschliessend  wird  betont,  dass  an-
gesichts  der  vielfältigen  wirtschaftlichen  Funktionen,  welche  Genossenschaften  ausüben, 
eine Bewertung von Anteilsscheinen stets den Besonderheiten des einzelnen Falles Rech-
nung zu tragen habe.  

4. 
a)  Im  vorliegenden  Fall  ist  zunächst  darauf  hinzuweisen,  dass  kein  Mieter  der 
Liegenschaft  Genossenschafter ist. Es liegt also offensichtlich keine Selbsthilfegenossen-
schaft von Mietern vor. Zudem fällt auf, dass X. und seine Schwester zurzeit die einzigen 
Genossenschafter sind. Die angeblich seit längerer Zeit andauernde Suche nach weiteren 
Genossenschaftern,  welche  sich  dem  statutarischen  gemeinnützigen  Zweck  verpflichten 
sollten,  ist  bis  heute  erfolglos  geblieben.  Aus  den  Unterlagen  bei  den  Akten  ergibt  sich 
zudem,  dass  es  sich  bei  der  Genossenschaft  (angesichts  des  Kreises  der 
Genossenschafter) seit jeher praktisch um eine reine Familienangelegenheit handelt. 

Zentrales  Abgrenzungskriterium  zwischen  Erwerbs-  und  Selbsthilfegenossenschaften  ist, 
wie vorne bereits dargelegt, die Frage der Vermögensverteilung im Falle einer Liquidation. 
Diesbezüglich  sieht  Art.  32  der  Statuten  der  Wohnbaugenossenschaft  vor,  dass  das  Ge-
nossenschaftsvermögen, das nach Tilgung der Schulden verbleibt, wie folgt verteilt wird: 

"-  Die  Genossenschafter  erhalten  primär  eine  Auszahlung  in  der  Höhe  des  5fachen 

Nennwertes pro Anteilschein. 

-  Die  Genossenschafter  erhalten  anschliessende  Schlusszahlung  entsprechend  der 

Anzahl Anteilscheine, und zwar unabhängig vom Nennwert." 

Diese Vorschrift lässt keine Zweifel darüber offen, dass der Liquidationsüberschuss nicht 
zu genossenschaftlichen Zwecken oder zur Förderung gemeinnütziger Bestrebungen ver-
wendet  wird  (vgl.  Art.  913  Abs.  4  OR).  Vielmehr  wird  den  Genossenschaftern  ein  um-
fassender Anspruch auf einen Anteil am Liquidationsergebnis gemäss Art. 913 Abs. 2 OR 
verliehen.  Demzufolge  liegt  eindeutig  eine  Erwerbsgenossenschaft  im  Sinne  der  Weglei-
tung vor. Daran ändert auch die von den Beschwerdeführern angerufene Tatsache nichts, 
dass  ausscheidende  Mitglieder  gemäss  Art.  15  Abs.  1  und  2  der  Statuten  nur  Anspruch 
auf  die  Rückzahlung  der  von  ihnen  einbezahlten  Genossenschaftsanteile  (zum  Bilanz- 
oder  höchstens  Nominalwert),  jedoch  keinen  Anspruch  auf  das  Genossenschaftsver-

 
 
- 10 - 

mögen  haben.  Bei  dieser  Vorschrift  geht  es  ja  um  den  Schutz  der  Genossenschaft  vor 
den  wirtschaftlichen  Folgen  des  Austritts  eines  oder  mehrerer  Mitglieder,  wie  er  den 
Bestimmungen  von  Art.  864  f.  OR  zugrunde  liegt  (vgl.  dazu  BGE  127  III  415  Erw.  5a). 
Zudem  wird  vorliegend  die  Tragweite  der  Vorschrift  für  die  einzelnen  Genossenschafter 
dadurch relativiert, dass die Anteilsinhaber zum familiären Kreis gehören und im Todes-
fall eines Genossenschafters grundsätzlich die Erben in die Rechte und Pflichten eintreten 
(vgl. Art. 7 Abs. 2 der Statuten). Am Rande kann beigefügt werden, dass die Beschwer-
deführer  die  in  Aussicht  gestellten  Austrittsvereinbarungen  (angekündigte  Beschwerde-
beilage  6)  nie  eingereicht  haben;  es  ist  allerdings  auch  nicht  einzusehen,  was  sie  im 
vorliegenden Zusammenhang aus diesen Unterlagen zu ihren Gunsten ableiten könnten. 

b)  Die  Beschwerdeführer  machen  weiter  geltend,  es  handle  sich  um  eine  gemein-
nützige Genossenschaft, weil sie die Schaffung und Vermietung von gesunden, zinsgüns-
tigen  Wohnungen  bezwecke  und  mit  den  kostendeckenden  Mietzinsen  keine  im  Immo-
biliengewerbe  übliche  Rendite  anstrebe.  Diesbezüglich  ist  ihnen  Folgendes  entgegen-
zuhalten: 

Gemeinnützigkeit  setzt  voraus,  dass  die  Tätigkeit  im  Interesse  der  Allgemeinheit  liegt 
und  uneigennützig  erfolgt.  Mit  der  gemeinnützigen  Zielsetzung  dürfen  nicht  Erwerbs-
zwecke oder sonst eigene - unmittelbare wirtschaftliche oder persönliche - Interessen der 
juristischen  Person  oder  ihrer  Mitglieder  verbunden  sein.  Je  enger  der  Kreis  der 
Destinatäre ist, desto eher rechtfertigt es sich, an der Uneigennützigkeit zu zweifeln. Die 
gemeinnützige  Zwecksetzung  muss  tatsächlich  verfolgt  und  verwirklicht  werden;  die 
hierzu  bestimmten  Mittel  haben  unwiderruflich  dem  gemeinnützigen  Zweck  zu  dienen 
(vgl. das Bundesgerichtsurteil 2C_592/2008 vom 2. Februar 2009, Erw. 2.1 mit weiteren 
Hinweisen). 

Das Ziel, zinsgünstige Wohnungen zur Verfügung zu stellen, ist ohne Zweifel lobenswert 
und  im  allgemeinen  Interesse.  Dies  ist  im  vorliegenden  Fall  jedoch  nicht  der  einzige 
Zweck  der  Wohnbaugenossenschaft.  Diesbezüglich  ist  erstaunlicherweise  festzustellen, 
dass Art. 3 der (als Beschwerdebeilage 4) eingereichten Statuten nicht mit dem - weiter 
gefassten - Text übereinstimmt, der auf dem Handelsregisterauszug ersichtlich ist (siehe 
vorne  unter  A,  erster  Abschnitt).  Wie  dem  auch  sei,  fällt  ohnehin  entscheidend  ins 
Gewicht, dass die von  der  Genossenschaft  erarbeiteten Mittel keineswegs unwiderruflich 
einem  gemeinnützigen  Zweck  dienen.  Wie  bereits  dargelegt,  ist  ja  eine  Verteilung  des 
Liquidationsüberschusses  an  die  Genossenschafter  vorgesehen.  Dies  ist  umso  bedeut-
samer, als aufgrund der vorhandenen Unterlagen anzunehmen ist, dass eher grosszügig 
kalkuliert und Reserven gebildet werden. Zudem wird der jährliche Reingewinn (gemäss 
eigenen Angaben im Durchschnitt 8'000 Franken) bloss thesauriert, was - ebenso wie die 
zu  realisierende  Wertsteigerung  der  Liegenschaft  -  im  Falle  einer  Liquidation  den  Ge-
nossenschaftern  zugute  käme.  Im  Übrigen  lässt  sich  die  Behauptung,  die  Wohnungen 
würden für 500 - 700 Franken unter dem Marktwert vermietet, mangels entsprechender 
Unterlagen ohnehin nicht überprüfen. 

Auch unter diesen Aspekten lässt sich nicht beanstanden, dass die Vorinstanz die Wohn-
baugenossenschaft  als  Erwerbsgenossenschaft  qualifiziert  hat.  Ebenso  hat  sie  diese  - 
angesichts des Hauptaktivums - zu Recht einer Immobiliengesellschaft gleichgesetzt. 

Demzufolge  erweist  sich  das  Hauptbegehren  der  Beschwerdeführer,  den  Steuerwert  der 
Genossenschaftsanteile gemäss Ziff. 75 der Wegleitung auf dem Nennwert festzusetzen, 
als unbegründet. 

 
 
 
- 11 - 

c) Für den Sonderfall von Immobilien(aktien)gesellschaften sieht Ziff. 50 der Weg-
leitung  allgemein  vor,  dass  als  Unternehmenswert  der  Substanzwert  gilt.  Darauf  beruht 
auch  der  von  der  Vorinstanz  ermittelte  Steuerwert  des  Anteils  von  X.  im  Betrag  von 
806'925  Franken.  Dieser  Wert  wurde  zwar  in  der  Veranlagungsanzeige  nicht  näher 
erläutert.  Aus  den  Akten  ergibt  sich  jedoch,  dass  es  sich  um  den  anteilsmässigen 
Unternehmungswert  handelt,  wie  er  von  den  Steuerbehörden  des  Kantons  B.  per 
31. Dezember 2006 festgelegt worden ist.  

Demgegenüber  beantragen  die  Beschwerdeführer  in  ihrem  subsidiären  Beschwerdebe-
gehren,  den  Steuerwert  der  Anteile  höchstens  nach  dem  einfachen  Mittel  zwischen  dem 
Nennwert und dem quotalen Unternehmungswert zu ermitteln. Sie berufen sich dabei auf 
Ziff.  76  der  Wegleitung,  welche  die  Berücksichtigung  des  Mittelwertes  für  den  Fall 
vorsieht,  dass  ausscheidende  Genossenschafter  Anspruch  auf  das  Genossenschaftsver-
mögen  gemäss  Art.  864  OR  (Rückzahlung  zum  Nennwert)  haben.  Gleichzeitig  aner-
kennen  sie,  dass  vom  (etwas  höheren)  Unternehmungswert  per  Ende  2007  statt  dem-
jenigen von 2006 auszugehen ist. Die Vorinstanz ihrerseits hat sich zu diesem Eventual-
antrag überhaupt nicht konkret geäussert. 

Gemäss  Art.  15  Ziff.  1  und  2  der  Statuten  der  Wohnbaugenossenschaft  haben  aus-
scheidende Mitglieder oder deren Rechtsnachfolger nur Anspruch auf die Rückzahlung der 
von ihnen einbezahlten Genossenschaftsanteile, jedoch kein Anspruch auf das Genossen-
schaftsvermögen. Die Rückzahlung erfolgt zum Bilanzwert des Austrittsjahres, höchstens 
jedoch  zum  Nominalwert.  Mit  dieser  statutarischen  Klausel  wird  die  Voraussetzung  von 
Ziff. 76 der Wegleitung an sich erfüllt. Die Vorinstanz legt auch nicht dar, inwiefern diese 
Regel ausnahmsweise nicht zur Anwendung gelangen sollte. Im Übrigen hat sie z.B. auch 
nie  geltend  gemacht,  dass  und  weshalb  allenfalls  die  Voraussetzungen  für  einen  soge-
nannten  "Durchgriff"  von  der  rechtlich  selbständigen  Genossenschaft  auf  die  sie  wirt-
schaftlich  beherrschenden  natürlichen  Personen  (vgl.  dazu  BGE  136  I  49)  oder  die  An-
nahme  eines  Rechtsmissbrauchs  erfüllt  sein  könnten.  Demzufolge  erweist  sich  die  Be-
schwerde in diesem Punkt als begründet. 

Für  die  entsprechende  Berechnung  des  anteilsmässigen  Steuerwertes  ist  mit  den  Be-
schwerdeführern  vom  quotalen  Unternehmungswert  auszugehen,  den  die  Steuerbe-
hörden den Kantons B. per 31. Dezember 2007 ermittelt haben (964'362 Franken). Unter 
Berücksichtigung  des  Nennwertes  des  einbezahlten  Stammkapitals  in  der  Höhe  von 
82'500 Franken ergibt sich ein Mittelwert von 523'431 Franken. Da X. über 87.88 % des 
Stammkapitals verfügt, beläuft sich der Steuerwert seiner Anteile auf 459'991 Franken. 

In diesem Sinne ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und der Steuerwert der Anteil-
scheine  der  Wohnbaugenossenschaft  auf  459'991  Franken  (anstatt  806'925  Franken) 
festzusetzen. 

5. 
a)  Dem  Ausgang  des  Verfahrens  entsprechend  sind  die  Kosten  zur  Hälfte  den 
Beschwerdeführern  aufzuerlegen  (Art.  131  Abs.  1  VRG).  Dabei  gelangt  der  Tarif  VJ  zur 
Anwendung  (vgl.  Art  146  f.  VRG).  Im  vorliegenden  Fall  erscheint  es  angemessen,  die 
anteilsmässige Gerichtsgebühr auf 500 Franken festzusetzen. 

Von der Vorinstanz sind in Anwendung von Art. 133 VRG keine Kosten zu erheben.  

b) Eine Parteientschädigung wurde nicht beantragt (vgl. Art. 137 VRG). 

 
 
 
 
- 12 - 

D e r   P r ä s i d e n t   e n t s c h e i d e t :  

in Anwendung von Art. 100 Abs. 1 lit. c VRG in Verbindung mit Art. 186 DStG 

I. 

Die Beschwerde wird insofern teilweise gutgeheissen als der Steuerwert der Anteil-
scheine  der  Wohnbaugenossenschaft  auf  459'991  Franken  (anstatt  806'925  Fran-
ken) festgesetzt wird. 

II.  Die  Kosten  werden  zur  Hälfte  (anteilsmässige  Gebühr:  500  Franken)  den  Be-
schwerdeführern auferlegt. Diese Gerichtsgebühr wird mit dem geleisteten Kosten-
vorschuss verrechnet. Der Saldo von 500 Franken wird zurückerstattet. 

Der vorliegende Entscheid kann gemäss 73 StHG und Art. 82 ff. des Bundesgesetzes vom 
17.  Juni  2005  über  das  Bundesgericht  (BGG;  SR  173.110)  innert  30  Tagen  seit 
Eröffnung  mit  einer  Beschwerde  in  öffentlich-rechtlichen  Angelegenheiten  beim  Bundes-
gericht angefochten werden.  

Gegen die Festsetzung der Höhe der Verfahrenskosten ist innert 30 Tagen die Einsprache 
an  die  Behörde,  die  entschieden  hat,  zulässig,  sofern  nur  dieser  Teil  des  Entscheides 
angefochten wird (Art. 14 VRG). 

401.122; 401.152; 402.212; 403.15; 403.81