# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6167fb99-1e7e-5520-845b-412cccbae9e5
**Source:** Fribourg (FR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** FR 607_2010_20_21_16_02_2011.pdf
**Docket/Reference:** 607_2010_20_21_16_02_2011.pdf
**URL:** https://www.fr.ch/sites/default/files/contens/tc/_www/files/pdf32/607_2010_20_21_16_02_2011.pdf

## Full Text

607 2010-20 
607 2010-21 

Entscheid vom 16. Februar 2011 

PRÄSIDENT DES STEUERGERICHTSHOFS 

BESETZUNG 

Präsident: 
Gerichtsschreiberin: 

Hugo Casanova 
Elisabeth Rime Rappo 

PARTEIEN 

A.X., Beschwerdeführer,     

gegen 

KANTONALE  STEUERVERWALTUNG,  Rue  Joseph-Piller  13,  Postfach, 
1701 Freiburg, Vorinstanz,     

GEGENSTAND 

Einkommens-  und  Vermögenssteuer  der  natürlichen  Personen;  Ge-
winnungskosten (Fahrkosten; Zugsbillet erster Klasse) 

Beschwerde  vom  7. März  2010  gegen  den Einspracheentscheid  vom 
9. Februar 2010; direkte Bundessteuer und Kantonssteuer 2008 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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S a c h v e r h a l t  

A.X.  wohnt  in  Freiburg.  Er  ist  im  Hauptamt  als…  in  St.  Gallen  tätig…  In  der 
A. 
Steuererklärung, welche er (zusammen mit seiner Ehegattin B.X.) am 2. Mai 2009 für die 
Steuerperiode  2008  einreichte,  deklarierte  er  für  seine  Tätigkeit  in  St.  Gallen  ein 
Einkommen aus unselbstständiger Haupterwerbstätigkeit im Betrag von ..…. Franken. Als 
entsprechende Gewinnungskosten machte er insbesondere einen Abzug für Fahrkosten in 
der Höhe von 6'912 Franken geltend. Im Formular "Erwerbseinkommen - Berufsauslagen 
(Beilage 03)" wurde nicht näher dargelegt, wie sich dieser Betrag zusammensetzt. 

Gemäss Veranlagungsanzeige vom 17. Dezember 2009 wurde der vom Steuerpflichtigen 
beantragte  Abzug  für  Fahrkosten  (ebenfalls  ohne  ausdrückliche  Begründung)  auf 
3'420 Franken  herabgesetzt.  Unter  Berücksichtigung  der  übrigen  Steuerfaktoren  ergab 
sich für A.X. und seine Ehefrau B.X. ein steuerbares Einkommen von …… Franken… 

B. 
Am 26. Dezember 2009 erhob A.X. gegen diese Veranlagung Einsprache. In seiner 
Eingabe machte er geltend, er habe für seine wöchentliche Fahrt vom Wohnort Freiburg 
an  den  Arbeitsort  St.  Gallen  "gemäss  Wegleitung  die  tatsächlichen  Fahrkosten  mit 
öffentlichem  Verkehrsmittel  2.  Klasse  abgezogen,  nämlich  48  x  CHF  144.-  = 
CHF 6'912.- ".  Da  in  der  Veranlagung  nur  3'420  Franken  eingesetzt  worden  seien, 
ersuche er darum, "diese Angaben zu prüfen und zu meinen Gunsten zu revidieren". 

Im Rahmen des Einspracheverfahrens wurde vom Steuerpflichtigen das "Zugticket für die 
im  Jahr  2008  tatsächlichen  Fahrkosten"  einverlangt  (Schreiben  vom  20.  Januar  2010). 
Darauf  antwortete  A.X.  am  30.  Januar  2010,  seine  tatsächlichen  Fahrkosten  vom 
Wohnort an den Arbeitsort beliefen sich auf 4'850 Franken.  Dies entspreche den Kosten 
für das Generalabonnement erster Klasse. Er verbringe jede Woche auf dem Arbeitsweg 
fast  sechs  Stunden  im  Zug,  was  auf  das  ganze  Jahr  gerechnet  ungefähr  280  Stunden 
bzw. 36 Arbeitstage ausmache. Es sei für ihn mit seinen grossen beruflichen Belastungen 
(…)  sehr  wichtig,  dass  er  diese  Arbeitszeit  nutzbringend  verwenden  könne.  Er  sei  somit 
darauf angewiesen, in der ersten Klasse zu fahren, wo es ein Ruheabteil für ungestörtes 
Arbeiten  gebe.  Insofern  sei  das  Generalabonnement  erster  Klasse  für  ihn  kein  Luxus, 
sondern  ein  unverzichtbares  Arbeitsinstrument.  Daher  ersuche  er,  diese  ausgewiesenen 
Kosten  für  "Berufskosten/Arbeitsweg"  zu  berücksichtigen.  Als  Beweismittel  legte  er  eine 
Fotokopie seines gegenwärtig benützten Generalabonnements erster Klasse bei. 

Mit  Entscheid  vom  9.  Februar  2010  wies  die  Kantonale  Steuerverwaltung  diese  Ein-
sprache sowohl bezüglich der Kantonssteuer als auch der direkten Bundessteuer ab. Zur 
Begründung  legte  sie  insbesondere  dar,  gemäss  einem  Urteil  des  Verwaltungsgerichts 
des  Kantons  Freiburg  aus  dem  Jahre  1994  (interne  Urteilssammlung  S.  511)  könne  der 
Steuerpflichtige  die  tatsächlichen  Kosten  der  2.  Klasse  verlangen,  wenn  er  die  öffent-
lichen  Verkehrsmittel  benütze.  Daher  sei  ein  Betrag  von  3'420  Franken  (12  General-
abonnemente  à  285  Franken)  in  Abzug  gebracht  worden.  Im  Übrigen  sei  das  nötige 
Beweismittel  für  die  tatsächlichen  Fahrkosten  des  Jahres  2008  trotz  entsprechender 
Aufforderung nicht eingereicht worden. 

C.  Mit  Eingabe  vom  7.  März  2010  reichte  A.X.  beim  Kantonsgericht  gegen  den 
Einspracheentscheid  Beschwerde  ein  mit  dem  Antrag,  den  Fahrkostenabzug  von 
4'850 Franken  zu  gewähren.  Er  macht  insbesondere  geltend,  er  benütze  ein  General-
abonnement erster Klasse seit er in St. Gallen arbeite. Das verlangte Beweismittel habe 
er  zunächst  nicht  erbringen  können,  weil  er  die  abgelaufenen  Abonnemente  nicht 

 
 
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aufbewahre,  sondern  jeweils  durch  das  neue  ersetze.  Die  Steuerbehörde  habe  jedoch 
dieses  Beweismittel  in  den  vorangegangenen  Jahren  nie  verlangt.  Daher  habe  er  im 
Einspracheverfahren  -  arglos  -  nur  eine  Kopie  des  laufenden  Generalabonnements 
eingereicht  in  der  Annahme,  dass  dies  genüge.  Da  dem  offenbar  nicht  so  sei,  lege  er 
hiermit noch die Kaufquittung vom 19. September 2008 vor. Allenfalls sei er auch in der 
Lage, mit Hilfe der SBB den lückenlosen Nachweis ab dem Jahr 2000 zu führen. Bezüglich 
der Notwendigkeit des Generalabonnements erster Klasse hält er an seiner bereits früher 
vorgebrachten  Argumentation  fest.  Abschliessend  betont  er  zudem,  er  habe  seiner 
Wahlheimat Freiburg die Treue gehalten, obwohl... Er hoffe daher, dass er die effektiven 
Kosten seines Wochenaufenthalts wie bis anhin vollumfänglich zum Abzug bringen könne. 

Der  mit  Verfügung  vom  9.  März  2010  festgesetzte  Kostenvorschuss  von  270  Franken 
wurde fristgemäss bezahlt. 

In ihrer Beschwerdeantwort vom 22. April 2010 schliesst die Kantonale Steuerverwaltung 
auf Abweisung. Sie legt nochmals dar, dass nur der Abzug notwendiger Kosten gewährt 
werde,  worunter  bei  den  öffentlichen  Verkehrsmitteln  der  Preis  der  zweiten  Klasse  zu 
verstehen  sei.  Dies  gehe  auch  aus  der  einschlägigen  Verordnung  über  den  Abzug  der 
Berufskosten von Personen, die eine unselbstständige Erwerbstätigkeit ausüben, hervor. 
In diesem Sinne sei auch die Allgemeine Wegleitung unmissverständlich formuliert. 

In  seinen Gegenbemerkungen vom 16. bzw. 17. März 20010 hält der Beschwerdeführer 
an  seinem  Standpunkt  fest.  Er  betont  insbesondere  noch,  früher  sei  ihm  sogar  ein 
höherer  Abzug  (für  48  Retourfahrten)  gewährt  worden.  Zudem  sei  in  seinem  konkreten 
Fall  bezüglich  des  Billets  erster  Klasse  die  gesetzliche  Voraussetzung  der  Notwendigkeit 
erfüllt. 

Die Eidgenössische Steuerverwaltung verzichtete auf eine Vernehmlassung. 

E r w ä g u n g e n  

I. Direkte Bundessteuer (607 2010-20) 

1. 
a)  Unselbstständigerwerbende  können  nach  Art.  26  des  Bundesgesetzes  vom 
14. Dezember  1990  über  die  direkte  Bundessteuer  (DBG;  SR  642.11)  als  Berufskosten 
insbesondere die notwendigen Kosten für Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte vom 
Erwerbseinkommen in Abzug bringen (Abs. 1 lit. a). Für diese Gewinnungskosten werden 
Pauschalansätze  festgelegt,  doch  steht  dem  Steuerpflichtigen  der  Nachweis  höherer 
Kosten  offen  (Abs.  2).  Nicht  abziehbar  sind  hingegen  Aufwendungen  für  den  Unterhalt 
des  Steuerpflichtigen,  insbesondere  der  durch  seine  berufliche  Stellung  bedingte  Privat-
aufwand (Art. 34 lit. a DBG). Die Regelung von Art. 26 DBG wird durch die Verordnung 
des  Eidgenössischen  Finanzdepartements  vom  10.  Februar  1993  über  den  Abzug  von 
Berufskosten  der  unselbständigen  Erwerbstätigkeit  bei  der  direkten  Bundessteuer  samt 
Anhang  konkretisiert  (SR  642.118.1,  BKV;  vgl.  auch  das  Kreisschreiben  der  Eidg. 
Steuerverwaltung  vom  22.  September  1995:  Abzug  der  Berufskosten  unselbstständiger 
Erwerbstätigkeit, ASA 64, 692). Gemäss Art. 5 Abs. 1 BKV können als notwendige Kosten 
für  Fahrten  zwischen  Wohn-  und  Arbeitsstätte  bei  Benützung  der  öffentlichen  Verkehrs-
mittel "die tatsächlich entstehenden Auslagen" abgezogen werden. 

 
 
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b)  Berufskosten  nach  Art.  26  DBG  sind  allgemein  Aufwendungen,  die  für  die  Er-
zielung  des  Einkommens  erforderlich  sind  und  in  einem  direkten  ursächlichen  Zusam-
menhang  dazu  stehen  (Art.  1  Abs.  1  BKV).  Dabei  ist  der  Begriff  der  Erforderlichkeit  in 
einem weiten Sinn auszulegen. Das Bundesgericht verlangt nicht, dass der Pflichtige das 
Erwerbseinkommen  ohne  die  streitige  Auslage  überhaupt  nicht  hätte  erzielen  können. 
Vielmehr  gelten  als  erforderliche  Gewinnungskosten  allgemein  diejenigen  Auslagen, 
deren Vermeidung dem Steuerpflichtigen nicht zumutbar ist bzw. diejenigen Vermögens-
abgänge  (Auslagen  oder  Kosten),  die  wesentlich  durch  die  Erzielung  von  Einkommen 
verursacht  bzw.  veranlasst  sind  (sog.  kausaler  Gewinnungskostenbegriff).  Daraus  kann 
indes  nicht  geschlossen  werden,  sämtliche  irgendwie  mit  der  Einkommenserzielung  in 
Zusammenhang  stehenden  Kosten  seien  steuerlich  unbegrenzt  abzugsfähig.  Sie  müssen 
vielmehr  wesentlich  durch  ein  beruflich  begründetes  oder  Erwerbszwecken  dienendes 
Handeln verursacht oder bewirkt werden. Beim Einkommen aus Erwerbstätigkeit sind die 
Gewinnungskosten  vor  allem  von  den  Lebenshaltungskosten  abzugrenzen,  also  von  den 
Aufwendungen,  die  nicht  der  Einkommenserzielung,  sondern  der  Befriedigung  der  per-
sönlichen  Bedürfnisse  dienen  und  damit  Einkommensverwendung  darstellen  (vgl.  BGE 
124 II 29 sowie die Urteile 2P.254/2002 vom 12. Mai 2003, StE 2003 B 22.3 Nr. 76, und 
2C_440/2009  vom  8.  Januar  2010,  mit  weiteren  Hinweisen  auf  Lehre  und  Recht-
sprechung). 

Der  Beweis  für  steueraufhebende  oder  steuermindernde  Tatsachen  -  zu  denen  auch  die 
Berufskosten  gehören  -  obliegt  grundsätzlich  dem  Steuerpflichtigen,  der  diese  nicht  nur 
zu  behaupten,  sondern  auch  zu  belegen  hat  (BGE  121  II  257  Erw.  4c/aa  und  273 
Erw. 3c/aa). 

c) Die Frage, ob bei Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel als "tatsächlich ent-
stehende  Auslagen"  gegebenenfalls  auch  die  Billetkosten  der  ersten  oder  nur  jene  der 
zweiten Klasse abzugsfähig seien, wird in Lehre und Praxis (sowohl zum DBG als auch zu 
den  analogen  Bestimmungen  der  kantonalen  Steuergesetze)  nicht  einheitlich  beantwor-
tet. Während sich gewisse Kommentatoren dazu gar nicht äussern, erachtet PETER LOCHER 
(Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  die  direkte  Bundessteuer,  I.  Teil,  Therwil/Basel 
2001, N. 8 zu Art. 26) die entsprechenden Kosten vorbehaltlos als absetzbar, sofern der 
Nachweis erbracht wird, dass tatsächlich ein Billet erster Klasse gelöst worden ist. Davon 
auszugehen  scheint  zum  Beispiel  auch  MATTHIAS  SCHWEIGHAUSER  (in  P.  Nefzger  / 
M. Simonek  /  T.  Wenk,  Kommentar  zum  Steuergesetz  des  Kantons  Basel-Landschaft, 
Basel  2004,  N.  9  zu  §  29),  wonach  für  die  Gewährung  des  Abzugs  für  die  Kosten  des 
öffentlichen Verkehrsmittels keine besonderen Voraussetzungen erforderlich sind und die 
tatsächlichen Kosten abgezogen werden können. Zurückhaltender, aber nicht kategorisch 
ablehnend äussern sich F. RICHNER / W. FREI / S. KAUFMANN / H.-U. MEUTER (Handkommen-
tar zum DBG, 2. Aufl., Zürich 2009, N. 121 zu Art. 26  sowie Kommentar zum harmoni-
sierten  Zürcher  Steuergesetz,  2.  Aufl.,  Zürich  2006,  N.  119  zu  §  26),  welche  grund-
sätzlich  von  der  Abzugsfähigkeit  der  Abonnementskosten  zweiter  Klasse  ausgehen.  Sie 
betonen,  die  Benutzung  der  ersten  Klasse  habe  eher  selten  ihren  Grund  in  der  Berufs-
ausübung.  Wenn  eine  steuerpflichtige  Person  die  erste  Klasse  lediglich  wegen  ihrer 
persönlichen Bedürfnisse benutze, seien die dafür aufgewendeten Mehrkosten den priva-
ten  Lebenshaltungskosten  zuzurechnen.  In  jedem  Fall  setze  die  Abzugsfähigkeit  der 
Kosten für die erste Klasse voraus, dass der Nachweis dafür erbracht werde. PHILIPP FUNK 
(in  M.  Klöti-Weber  /  D.  Siegrist  /  D.  Weber,  Kommentar  zum  Aargauer  Steuergesetz, 
3. Aufl., Muri-Bern 2009, N. 7 zu § 35) weist darauf hin, dass die kantonale Praxis sehr 
unterschiedlich  ist.  Während  die  einen  Kantone  die  Billetkosten  der  ersten  Klasse  nur 
dann zuliessen, wenn besondere Umstände (z.B. körperliche Gebrechen) dies rechtfertig-
ten,  berücksichtige  der  Kanton  Aargau  gemäss  der  Rechtsprechung  die  entsprechenden 

 
 
 
 
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Kosten schon bei glaubhaftem Nachweis, dass der Arbeitsweg mit dem öffentlichen Ver-
kehrsmittel  in  der  ersten  Klasse  zurückgelegt  werde.  Im  Übrigen  zeigt  ein  ergänzender 
Blick  in  die  internen  Praxisfestlegungen  (Weisungen),  dass  verschiedene  Kantone  die 
Billetkosten  erster  Klasse  zum  Abzug  zulassen,  wenn  die  entsprechenden  tatsächlichen 
Auslagen nachgewiesen werden (z.B. Graubünden, Solothurn und Luzern). 

Das  Bundesgericht  hat  sich  anscheinend  noch  nie  eingehend  mit  dieser  Frage  befassen 
müssen,  jedoch  in  einem  Urteil  vom  23.  Juli  2004  (2A.411/2004)  am  Rande  vermerkt, 
dass  ein  entsprechend  höherer  Abzug  allenfalls  dann  gerechtfertigt  wäre,  wenn  der 
Steuerpflichtige tatsächlich mit dem Zug reisen würde und berufliche Gründe für die Be-
nutzung der ersten Klasse geltend machen könnte. Das Verwaltungsgericht des Kantons 
Freiburg  hat  im  unveröffentlichten  Urteil  4F  94  216  vom  27.  Dezember  1994,  welches 
von der Vorinstanz angerufen wird, den Abzug der Billetkosten erster Klasse nicht absolut 
ausgeschlossen. Vielmehr hat es nur, aber immerhin, dargelegt, die Praxis der Kantona-
len  Steuerverwaltung,  als  notwendige  Fahrkosten  die  Bahnkosten  zweiter  Klasse  zu  be-
rücksichtigen,  entspreche  grundsätzlich  dem  Willen  des  Gesetzgebers.  Im  Hinblick  auf 
eine allfällige Ausnahme führte es dann weiter aus, im vorliegenden Fall sei nicht einzu-
sehen, inwiefern dem Beschwerdeführer die Fahrt von Kerzers nach Bern in der zweiten 
Klasse nicht zumutbar sein soll. 

Mit dem Bundesgericht und der herrschenden Lehre ist von einem weiten Begriff der Ge-
winnungskosten (erforderliche Auslagen) auszugehen.  Es  entspricht daher  einer sachge-
rechten Interpretation der anwendbaren Gesetzesbestimmung, die Billetkosten der ersten 
Klasse  zumindest  dann  zuzulassen,  wenn  sie  nachgewiesen  sind  und  die  Benutzung  der 
ersten  Klasse  nicht  bloss  einem  persönlichen  Bedürfnis  entspricht,  sondern  beruflich 
begründet werden kann. Letzteres trifft insbesondere dann zu, wenn die erste Klasse des 
öffentlichen  Verkehrsmittels  ein  besonders  geeignetes  Umfeld  (allenfalls  sogar  Ruheab-
teil)  bietet,  um  effizient  und  in  wesentlichem  Ausmass  beruflichen  Aufgaben  nachgehen 
zu  können.  Als  Abgrenzungskriterium  kann  dabei  der  erhebliche  Zeitgewinn  dienen, 
welcher dank der möglichst ungestörten Arbeit im Zug erzielt werden kann. Der wesent-
liche Zeitgewinn bzw. -verlust wird ja umgekehrt - im Hinblick auf den allfälligen Abzug 
der  Kosten  eines  privaten  Fahrzeugs  -  auch  für  die  Frage  berücksichtigt,  ob  die  Be-
nutzung  der  öffentlichen  Verkehrsmittel  nicht  zumutbar  sei.  Beizufügen  bleibt,  dass  mit 
dieser ausnahmsweisen Berücksichtigung der Mehrkosten der ersten Klasse eine gewisse 
Rechtsgleichheit  gegenüber  jenen  Steuerpflichtigen  geschaffen  wird,  denen  der  Arbeit-
geber  aus  geschäftlichen  Gründen  ein  Generalabonnement  erster  Klasse  zur  Verfügung 
stellt,  ohne  dass  dies  steuerlich  in  Frage  gestellt  würde  (vgl.  SCHWEIZERISCHE  STEUER-
KONFERENZ, Muster-Spesenreglement für Unternehmen und für Non-Profit-Organisationen, 
Kreisschreiben Nr. 25 vom 18. Januar 2008, insbesondere Ziff. 2.1, sowie die Wegleitung 
zum  Ausfüllen  des  Lohnausweises  bzw.  der  Rentenbescheinigung,  Rz.  9).  Unter  diesem 
Aspekt  der  Gleichbehandlung  ist  zudem  nicht  zu  übersehen,  dass  ja  bei  der  allfälligen 
Berücksichtigung  der  Kosten  eines  Privatfahrzeugs  (wegen  Unzumutbarkeit  der  öffent-
lichen Verkehrsmittel) den Steuerpflichtigen sogar die Möglichkeit geboten wird, über die 
km-Pauschale hinausgehende Mehrkosten geltend zu machen. Insofern ist schwer einzu-
sehen,  weshalb  bei  Benützung  der  öffentlichen  Verkehrsmittel  besonders  strenge  Mass-
stäbe gelten sollten. 

d)  Im  vorliegenden  Fall  ist  davon  auszugehen,  dass  die  verschiedenen  Elemente 
einer  Steuerveranlagung  grundsätzlich  in  jeder  Steuerperiode  neu  überprüft  werden 
können (vgl. etwa BGE vom 19. März 2003 in NStP 2003, S. 37). Dementsprechend kann 
der Beschwerdeführer nichts daraus ableiten, dass ihm die Steuerverwaltung in früheren 
Steuerperioden höhere Abzüge für seine Fahrkosten gewährt hat. 

 
 
 
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Nichtsdestoweniger  erweist  sich  die  Beschwerde  als  begründet.  In  der  Tat  übt  der  Be-
schwerdeführer  einerseits  einen  Beruf  aus,  der  offensichtlich  Arbeiten  umfasst,  welche 
bei  entsprechenden  Bedingungen  ohne  Weiteres  im  Zug  erledigt  werden  können.  Ande-
rerseits  verbringt  der  Beschwerdeführer  für  seine  zwei  wöchentlichen  Berufsfahrten  ge-
mäss  unbestrittener  Darstellung  fast  sechs  Stunden im  Zug.  Insofern  steht  der  wesent-
liche Zeitgewinn durch das Arbeiten während der Fahrten in einem ruhigen Umfeld ausser 
Zweifel.  Zudem  wurde  im  Beschwerdeverfahren  rechtsgenügend  nachgewiesen,  dass  in 
der  vorliegend  zur  Diskussion  stehenden  Steuerperiode  tatsächlich  ein  Generalabonne-
ment  erster  Klasse  gekauft  worden  ist.  Demzufolge  ist  die  Beschwerde  gutzuheissen. 
Dabei  können  ohne  Weiteres  die  gesamten  Kosten  des  Generalabonnements  erster 
Klasse  in  Abzug  gebracht  werden,  da  praxisgemäss  kein  Privatanteil  aufgerechnet  wird 
(vgl.  dazu  etwa  das  erwähnte  Musterreglement  sowie  das  Urteil  des  Kantonsgerichts 
Basel-Landschaft vom 2. April 2008, BStPra 2008 334 Erw. 4.5.2 und 4.5.5). 

2.  Dem  Ausgang  des  Verfahrens  entsprechend  (vgl.  Art.  144  Abs.  1  DBG)  sowie  in 
Anwendung von Art. 133 VRG sind keine Kosten zu erheben. 

II. Kantonssteuer (607 2010-21) 

3. 
a) Auch gemäss Art. 27 des Gesetzes vom 6. Juni 2000 über die direkten Kantons-
steuern  (DStG;  SGF  631.1;  vgl.  zudem  Art.  9  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  14. De-
zember  1990  über  die  Harmonisierung  der  direkten  Steuern  der  Kantone  und  Gemein-
den;  StHG;  SR 642.14)  werden  bei  unselbstständiger  Erwerbstätigkeit  insbesondere  die 
notwendigen Kosten für Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte von den steuerbaren 
Einkünften  abgezogen  (Abs.  1  lit.  a).  Diese  Berufskosten  werden  pauschal  festgesetzt; 
der steuerpflichtigen Person steht jedoch der Nachweis höherer Kosten offen (Abs. 2). 

Die  entsprechenden  Ausführungsvorschriften  sind in der  Verordnung  der  Finanzdirektion 
vom  21.  März  2001  über  den  Abzug  von  Berufskosten  bei  unselbstständiger  Erwerbs-
tätigkeit (SGF 631.411) enthalten. 

Auch  auf  kantonaler  Ebene  trägt  der  Steuerpflichtige  die  Beweislast  für  die  Tatsachen, 
welche die von ihm beanspruchten Berufskostenabzüge rechtfertigen. 

b)  Die  vorne  in  Erwägung  1  erwähnten  Grundsätze  betreffend  die  abzugsfähigen 
Fahrkosten  gelten  also  an  sich  ebenfalls  unter  dem  kantonalen  Recht  (vgl.  zum  ent-
sprechenden  Harmonisierungsrecht  MARKUS  REICH  in  M.  Zweifel  /  Athanas,  Kommentar 
zum Schweizerischen Steuerrecht, Bd. I/1, 2. Aufl. 2002, N. 4 ff. zu Art. 9 StHG).  

Die  Vorinstanz  verweist  demgegenüber  auf  Art.  3  Abs.  2  lit.  a  der  kantonalen  Berufs-
kostenverordnung, wo ausdrücklich festgehalten wird, dass der Abzug für Fahrkosten "die 
tatsächlichen Kosten der 2. Klasse" umfasst, wenn die steuerpflichtige Person die öffent-
lichen  Verkehrsmittel  benützt  (vgl.  auch  Art.  2  der  Verordnung,  welcher  für  diesen  Fall 
keinen  Nachweis  höherer  Kosten  zulässt).  Diese  Ausführungsbestimmung  geht  jedoch 
einerseits  von  einer  zu  engen  Auslegung  des  gesetzlichen  Begriffs  der  Erforderlichkeit 
(notwendige  Kosten  im  Sinne  von  Art.  27  Abs.  1  lit.  a  DStG)  aus.  Andererseits  wider-
spricht sie - in Verbindung mit Art. 2 der Verordnung - dem klaren Wortlaut von Art. 26 
Abs.  2  DStG,  welcher  (im  Rahmen  der  Pauschalierungsdelegation  an  die  zuständige 
Direktion) für die Fahrkosten nach Abs. 1 lit. a der Bestimmung ausdrücklich den Nach-
weis  höherer  Kosten  vorbehält.  Dabei  wird  keine  einschränkende  Unterscheidung 
zwischen der Benutzung der öffentlichen Verkehrsmitteln oder eines  Privatfahrzeugs ge-
macht,  sodass  in  jedem  Fall  der  Pauschalierung  oder  schematischen  Festlegung  der 

 
 
 
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Fahrkosten (worunter auch der in Art. 3 Abs. 2 lit. a der Verordnung statuierte Abzug der 
Billetkosten  zweiter  Klasse  fällt),  ein  Nachweis  berufsbedingter  höherer  Auslagen  offen 
bleiben  muss.  Eine  Ausführungsverordnung  hat  nämlich  die  inhaltlichen  Vorgaben  des 
übergeordneten Rechts zu beachten (vgl. das Urteil des Präsidenten des Steuergerichts-
hofes  vom  23.  Januar  2006,  FZR  2006,  69  Erw.  4d),  sodass  die  Finanzdirektion  insbe-
sondere nicht eine restriktivere Umschreibung der abzugsfähigen Gewinnungskosten ein-
führen kann. 

Demzufolge  ist  auch  bei  Beurteilung  des  Rekurses  betreffend  die  Kantonssteuer  davon 
auszugehen, dass der  Beschwerdeführer unter den gegebenen Umständen Anspruch auf 
Abzug  der  Zugskosten  erster  Klasse  hat,  da  er  den  ihm  obliegenden  Nachweis  erbracht 
hat. Somit erweist sich der Rekurs als begründet. 

4.  Dem  Ausgang  des  Verfahrens  entsprechend  (Art.  131  VRG)  sowie  in  Anwendung 
von Art. 133 VRG sind keine Kosten zu erheben. 

D e r   P r ä s i d e n t   e n t s c h e i d e t :  

in Anwendung von Art. 100 Abs. 1 lit. c VRG in Verbindung mit Art. 186 DStG 

I. Direkte Bundessteuer (607 2010-20) 

1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. Demzufolge wird der Abzug für Fahrkosten auf 

4'850 Franken (anstatt 3'420 Franken) festgesetzt. 

2. 

Es werden keine Kosten erhoben. 

II. Kantonssteuer (607 2010-21) 

3.  Der  Rekurs  wird  gutgeheissen.  Demzufolge  wird  der  Anzug  für  Fahrkosten  auf 

4'850 Franken (anstatt 3'420 Franken) festgesetzt. 

4. 

Es  werden  keine  Kosten  erhoben.  Der  geleistete  Kostenvorschuss  im  Betrag  von 
270 Franken wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 

Der  vorliegende  Entscheid  kann  gemäss  Art.  146  DBG  bzw.  73  StHG  und  82  ff.  des 
Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesgericht  (BGG;  SR  173.110)  innert 
30 Tagen  seit  Eröffnung  mit  einer  Beschwerde  in  öffentlich-rechtlichen  Angelegenheiten 
beim Bundesgericht, Lausanne, angefochten werden. 

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