# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2c97b50b-02b2-57d1-8a0d-04af871ac052
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-11-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.11.2021 E-4815/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4815-2021_2021-11-22.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-4815/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 2 .  N o v e m b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richter Markus König (Vorsitz), 

Richter Grégory Sauder,  

Richterin Roswitha Petry,    

Gerichtsschreiberin Martina Stark. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Somalia,   

amtlich verbeiständet durch Joël Müller, Rechtsanwalt, 

Rechtsschutz für Asylsuchende – Bundesasylzentrum 

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Flüchtlingseigenschaft und Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 6. Oktober 2021 / N (…). 

 

 

 

E-4815/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der aus Somalia stammende Beschwerdeführer verliess seinen Heimat-

staat am (…) 2021 auf legalem Weg und verbrachte daraufhin ungefähr 

eine Woche in einer Kaserne in B._______, Türkei, bevor er mit Hilfe eines 

Schleppers via Italien am 8. Juli 2021 in die Schweiz einreiste, wo er am 

14. Juli 2021 ein Asylgesuch stellte. An der Erstbefragung für Unbegleitete 

Minderjährige Asylsuchende (UMA) gab der Beschwerdeführer zu Proto-

koll, er habe aus finanziellen Gründen vor seiner Ausreise für einen Mann 

als Wächter arbeiten müssen. Er habe das weder gewollt, noch sei er aus-

gebildet oder registriert worden. Als Beweismittel legte der Beschwerde-

führer zwei Fotos ins Recht, die ihn bei seiner Arbeit als Wächter zeigen 

würden. 

Der Beschwerdeführer erklärte sich damit einverstanden, dass zur Abklä-

rung seiner durch ihn geltend gemachten Minderjährigkeit eine medizini-

sche Altersabklärung am Institut für Rechtsmedizin (IRM) durchgeführt 

werde. 

B.  

Nach der Begutachtung des Beschwerdeführers vom 18. August 2021 kam 

das IRM im Gutachten zur Altersschätzung vom 23. August 2021 zum 

Schluss, dass aufgrund der radiologischen Untersuchungen der linken 

Hand, des medialen Anteils des rechten Schlüsselbeins sowie der dritten 

Molaren von einem Mindestalter von (…) Jahren auszugehen sei, wobei 

das wahrscheinliche Alter darüber liegen dürfte. Das durch den Beschwer-

deführer angegebene Alter von (…) Jahren und (…) Monaten erscheine 

daher nicht plausibel. 

C.  

Der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers wurde am 23. respektive 

26. August 2021 das Altersgutachten vom 23. August 2021 in anonymisier-

ter Form zugestellt, und dieser wurde darüber informiert, dass darin – aus 

Sicht des SEM – seine Minderjährigkeit bestätigt werde. 

D.  

Anlässlich der Befragung nach Art. 26 Abs. 3 AsylG vom 14. September 

2021 trug der Beschwerdeführer als Grund für seine Ausreise aus seinem 

Heimatstaat zunächst vor, es gebe in Somalia keine Sicherheit, weil die Al-

Shabaab den grössten Teil des Landes beherrsche und viele Mitglieder der 

Regierung mit diesen zusammenarbeiten würden. Seine Tante habe ihm 

E-4815/2021 

Seite 3 

eine Stelle als Wächter bei C._______ vermittelt: er habe diese ohne vor-

gängige Ausbildung angetreten und sei sogleich mit einer Waffe ausgestat-

ten worden. Sein Arbeitgeber sei Polizeikommandant in D._______, wes-

halb er (der Beschwerdeführer) bereits nach ungefähr zwei Monaten von 

den Al-Shabaab aufgefordert worden sei, sie bei einem Attentat auf seinen 

Arbeitgeber zu unterstützen. Nachdem er dieser Aufforderung nicht nach-

gekommen sei und stattdessen seinen Arbeitgeber über das geplante At-

tentat informiert habe, sei es zu mehrfachen Drohungen von Seiten der Al-

Shabaab gekommen, weshalb er das Lager seines Arbeitgebers bis zu sei-

ner Ausreise kaum mehr verlassen habe. Für C._______ sei er wie ein 

Sohn gewesen, weshalb ihm dieser vorgeschlagen habe, er könne eine 

polizeiliche Spezialausbildung in der Türkei absolvieren und danach wei-

terhin für ihn arbeiten. Seine Tante sei zudem der Ansicht gewesen, auf-

grund der Drohungen der Al-Shabaab bleibe ihm nur die Ausreise aus  

Somalia. Er habe eingewilligt, bis zum Antritt seiner Ausbildung aber über 

ein Jahr beziehungsweise rund zwei Jahre warten müssen. Er sei schliess-

lich zusammen mit den Soldaten nach B._______ gereist. Seine Tante 

habe ihm geraten, von dort zu fliehen.  

E.  

An der Anhörung nach Art. 29 AsylG vom 27. September 2021 brachte der 

Beschwerdeführer ergänzend vor, er sei an der Ausbildung in der Türkei 

gar nicht interessiert gewesen, weil er diesfalls nach D._______ hätte zu-

rückkehren müssen; über die Gelegenheit seinen Heimatstaat verlassen 

zu können, habe er sich aber gefreut. Für die Ausbildung zur Spezialeinheit 

der Polizei, die Haramcad, würden – im Gegensatz zur Ausbildung für die 

analogen Einheiten der Armee (Gogor) – keine Qualifikationen vorausge-

setzt. Dieser Kurs hätte drei bis vier Monate gedauert, wobei er aber bereits 

nach einer Woche anlässlich eines ihnen gewährten Wochenend- 

Ausgangs geflohen sei. Bis dahin sei ihnen der Prozessablauf, wie sie zur 

Spezialeinheit ausbildet würden, gezeigt worden. Vorab hätten sie jedoch 

die türkische Sprache erlernen müssen, um überhaupt die Ausbildner ver-

stehen zu können. Er befürchte, wegen seiner Flucht bei einer Rückkehr in 

den Heimatstaat von C._______ als Verräter betrachtet und getötet zu wer-

den; es sei vieles möglich, aber dieser Mann kenne keine Gnade.  

Er habe früher mit den Al-Shabaab und den Piraten zusammengearbeitet. 

Mehr wisse er über diesen Mann nicht und er habe auch nur wenige Male 

mit ihm gesprochen. 

E-4815/2021 

Seite 4 

F.  

Das SEM liess der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers am 4. Okto-

ber 2021 den Entwurf des ablehnenden Asylentscheids zur Stellungnahme 

zukommen.  

G.  

In der Stellungnahme vom 5. Oktober 2021 zum Entscheidentwurf liess der 

Beschwerdeführer ausführen, er sei enttäuscht und verstehe nicht, wes-

halb das SEM seine Aussagen als unglaubhaft erachte. Es stelle kein  

Widerspruch dar, dass seine Flucht für seinen ehemaligen Arbeitgeber ein 

Vertrauensbruch darstelle, nachdem er ihn mehrere Jahre lang unterstützt, 

bei sich wohnen lassen und ihm eine Ausbildung ermöglicht habe. Insofern 

müsse er klar mit Vergeltungsmassnahmen rechnen. Die Vorinstanz habe 

jedenfalls nicht begründet, weshalb die ihm drohende Verfolgung durch 

seinen ehemaligen Arbeitgeber asylrechtlich nicht relevant sei. Dasselbe 

gelte in Bezug auf die drohende flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung 

seitens der Al-Shabaab. Schliesslich würden seine Aussagen betreffend 

seine Tätigkeit als Wächter seiner sonstigen durchschnittlichen Aussage-

qualität entsprechen, wobei vom SEM weder seine Minderjährigkeit noch 

seine abgebrochene Schulbildung mitberücksichtigt worden seien. Insge-

samt weise er wegen seines mehrjährigen Aufenthalts im Militärlager, der 

direkten Drohungen der Al-Shabaab sowie der Flucht aus der geplanten 

Ausbildung zur Spezialeinheit ein erhebliches Risiko-profil auf, welches 

eine drohende asylrechtliche Verfolgung und damit seine Flüchtlingseigen-

schaft begründe. 

H.  

Mit Verfügung vom 6. Oktober 2021 (gleichentags eröffnet) wies das SEM 

das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegweisung 

aus der Schweiz an, wobei es den Vollzug der Wegweisung wegen Unzu-

mutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz auf-

schob. 

I.  

Einem Antrag des Beschwerdeführers vom 7. Oktober 2021, es sei ihm der 

Transfer in den ihm zugewiesenen Kanton vor Ablauf der Beschwerdefrist 

zu gewähren, gab das SEM mit Zuweisungsentscheid vom 12. Oktober 

2021 statt. 

  

E-4815/2021 

Seite 5 

J.  

Gegen die Verfügung des SEM vom 6. Oktober 2021 liess der Beschwer-

deführer mit Eingabe vom 2. November 2021 beim Bundesverwaltungs-

gericht Beschwerde erheben. Er beantragte die Aufhebung der Dispositiv-

ziffern 1–3 der angefochtenen Verfügung sowie die Anerkennung seiner 

Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung; eventualiter sei die Sache 

zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrecht-

licher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-

rung und Verbeiständung sowie um Verzicht auf Erhebung eines Kosten-

vorschusses. 

Zur Untermauerung seiner Vorbringen verwies er auf (in der Beschwerde 

mit den entsprechenden Links zitierte) Internetberichte zu seinem ehema-

ligen Arbeitgeber C._______. 

K.  

Am 4. November 2021 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht dem Be-

schwerdeführer den Eingang seiner Beschwerde. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von 

Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-

ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet 

auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-

rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinn von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, 

weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

  

E-4815/2021 

Seite 6 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG sowie Art. 10 der Verordnung über Massnahmen im Asyl- 

bereich im Zusammenhang mit dem Coronavirus [Covid-19-Verordnung 

Asyl]; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

Auf die Durchführung eines Schriftenwechsels wurde in Anwendung von 

Art. 111a Abs. 1 AsylG verzichtet. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

  

E-4815/2021 

Seite 7 

5.  

5.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids führte das SEM aus, 

es sei dem Beschwerdeführer – selbst auf Nachfrage hin – nicht gelungen, 

seine Arbeit als Wächter substanziiert zu schildern. Auch weitere Aufforde-

rungen zu einer präziseren Darstellung hätten nicht zu ausführlicheren 

Schilderungen geführt, vielmehr habe er einfach fast wortwörtlich die glei-

chen Angaben wiederholt. Aufgrund der substanzarmen Ausführungen 

könne somit nicht geglaubt werden, er habe als Wächter gearbeitet.  

Weitere Zweifel an der Tätigkeit für C._______ würden sich aus der unter-

schiedlichen Beschreibung dieser Person ergeben. Er habe einerseits an-

gegeben, er sei für ihn wie ein Sohn gewesen, und andererseits habe er 

ihn als Mann ohne Gnade beschrieben, der ihn möglicherweise sogar er-

schiessen würde. Die vorgebrachte Vorgehensweise der Al-Shabaab ver-

möge auch nicht zu überzeugen und sein diesbezügliches Vorbringen 

wirke konstruiert. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Al-Shabaab ein  

geplantes Attentat gleichsam ankündigen würde. Die Hinweise in der  

Stellungnahme zum Entscheidentwurf könnten die Einschätzung des SEM 

nicht revidieren, zumal auch minderjährige Personen in der Lage seien, 

Erlebnisse detailliert und mit Realkennzeichen versehen zu schildern.  

Die geltend gemachte drohende Verfolgung müsse sodann als nicht asyl-

relevant eingestuft werden, weil er den Schulungsort in der Türkei nach 

kurzer Zeit verlassen habe. So würden ihm allfällige Bestrafungsmassnah-

men des somalischen Staates nicht aus einem in Art. 3 Abs. 1 AsylG ge-

nannten Grund drohen, womit nicht von einer flüchtlingsrechtlich beachtli-

chen Verfolgung auszugehen sei. Er habe mit seinem Ausbildungsabbruch 

vielmehr zum Ausdruck gebracht, dass er keiner derartigen beruflichen Be-

tätigung nachgehen wolle. Insgesamt handle es sich beim Beschwerde-

führer nicht um eine exponierte Persönlichkeit, welcher seitens eines in  

Somalia aktiven Akteurs ein politisches Profil unterstellt werden könne. 

Folglich vermöge die Stellungnahme zum Entscheidentwurf keine Ände-

rung des Standpunktes des SEM zu rechtfertigen. 

5.2 Der Beschwerdeführer begründete seine Beschwerdeanträge damit, 

dass seine Antworten auf die ihm gestellten Fragen zu seiner Tätigkeit als 

Wächter seiner allgemeinen Aussagequalität entspreche und den Anhö-

rungsprotokollen durchaus erlebnisgeprägte und detailorientierte Ausfüh-

rungen zu entnehmen seien, etwa betreffend seinen Tagesablauf und seine 

Waffenausbildung. Auch in der Schilderung des Verhaltens seines ehema-

ligen Arbeitgebers sei kein Widerspruch ersichtlich. Es sei durchwegs mög-

lich, dass er für C._______ gerade wegen seines Einsatzes zu einer Art 

Sohn geworden sei, weshalb er mit dem Abbruch seiner Ausbildung  

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Seite 8 

dessen Erwartungen enttäuscht habe. Gerade deshalb erscheine nahe- 

liegend, dass er bei einer Rückkehr als wahrgenommener Verräter eine 

unverhältnismässige Bestrafung zu erwarten habe. Die Argumentation der 

Vorinstanz hinsichtlich des als unlogisch erachteten Vorgehens der  

Al-Shabaab vermöge der Rechtsprechung des Bundesverwaltungs- 

gerichts nicht standzuhalten. So habe dieses festgestellt, dass eine ver-

meintlich fehlende Logik im Vorgehen der Verfolger kein Argument gegen 

die Glaubhaftigkeit der vorgebrachten Verfolgung darstellen könne. Weiter 

sei keineswegs unüblich, dass diese Gruppierung in der Bevölkerung  

Kollaborateure zu rekrutieren versuche. Die von ihm beschriebene Vor- 

gehensweise der Al-Shabaab stimme sodann mit den verfügbaren Lände-

rinformationen überein. Es sei abschliessend auf ein im (…) 2021 verübtes 

Selbstmordattentat auf einen Regierungskonvoi hinzuweisen, das 

C._______ nur mit Glück überlebt habe. Das SEM hätte diesen Sachver-

halt zumindest eingehender abklären müssen. Zu widersprechen sei 

schliesslich, dass in seinen Schilderungen Realkennzeichen gänzlich feh-

len würden. Er habe immer wieder detail- und erlebnisorientiert beschrie-

ben und Direktzitate verwendet, was als Indiz für tatsächlichen Erlebnisbe-

zug zu werten sei. 

Entgegen der Ansicht der Vorinstanz sei davon auszugehen, dass die 

Flucht/Desertion des Beschwerdeführers als Ausdruck seiner opponieren-

den politischen Haltung verstanden werde, weshalb dieses Vorbringen 

flüchtlingsrechtlich relevant sei. Dasselbe gelte bezüglich der verweigerten 

freiwilligen Unterstützung der Attentatspläne. Es sei davon auszugehen, 

dass auch dies aus Sicht der Al-Shabaab als vermeintliche politische Über-

zeugung betrachtet werde. 

6.  

6.1 Vorab ist mit dem Beschwerdeführer festzuhalten, dass einige seiner 

Ausführungen an den Anhörungen durchaus erlebnisgeprägte Aussagen 

enthalten. So vermochte er detaillierte Beschreibungen zu seinem Wohn-

quartier sowie zur Militärkaserne zu machen, in welcher er sich vor seiner 

Ausreise in die Türkei für längere Zeit aufgehalten habe (vgl. A26 ad F8 ff., 

F68 ff.). 

  

E-4815/2021 

Seite 9 

6.2  

6.2.1 Demgegenüber erachtet das Gericht als gänzlich unplausibel, dass 

der Beschwerdeführer – ohne jegliche vorgängige Ausbildung oder Instruk-

tion und bar jeder Kenntnis im Umgang mit Waffen – zunächst direkt als 

Wächter für das Wohnhaus eines wichtigen Polizeikommandanten einge-

setzt worden sei und in der Folge sogar eine Ausbildung im Ausland für die 

Polizeispezialeinheit Haramcad hätte absolvieren können (vgl. A24 ad F43: 

"Es war an einem Nachmittag. Er gab mir ein Gewehr. Ich konnte nicht 

damit umgehen. Er zeigte mir, wie man es lädt oder abfeuert. Danach ging 

er zur Arbeit und die anderen Jugendlichen, die dort lebten, zeigten mir, 

wie die Arbeit dort war und was ich zu tun hatte."). Gerade angesichts der 

Vergangenheit von Colonel C._______, welcher auch den Angaben des 

Beschwerdeführers zufolge früher als Mitglied einer Eliteunit der Al-

Shabaab Attentate verübte sowie als Mittelsmann zwischen diesen und  

Piratenanführern handelte, ist davon auszugehen, dass er für den Schutz 

seiner Familie eine funktionierende Schutzinfrastruktur benötigte und 

hierzu lediglich ausgebildete sowie erfahrene Soldaten/Polizisten anstellte 

(vgl. A14 S. 4: "[…] Er arbeitete für die Regierung und kam sehr selten 

nachhause. Er gab mir ein Gewehr und liess mich seine Familie bewachen. 

[...]"; A26 ad F76). Ebensolches legen auch entsprechende Berichte nahe, 

wonach die Elitestreitkräfte der Haramcad von der Türkei ausgebildet wer-

den und deren Rangältesten für ein Spezialtraining in die Türkei gesandt 

würden (vgl. HERITAGE INSTITUTE FOR POLICY STUDIES [HIPS], Structural 

Impediments to Reviving Somalia's Security Forces, vom April 2021, S. 26, 

abrufbar unter: < https://heritageinstitute.org/wp-content/uploads/2021/04/ 

Structural-Impediments-to-Security-English-version-April-17-Final-.pdf >; 

SOMALI DISPATCH, Somalia sends all-female police unit for Turkish special 

training, vom 13. Juli 2021, abrufbar unter: < https://www.somalidispatch. 

com/latest-news/somalia-sends-all-female-police-unit-for-turkish-special-tr 

aining/ >; alle im Urteil zitierten Internetquellen abgerufen am 9. November 

2021). 

6.2.2 In diesem Zusammenhang gibt auch die Aussage des Beschwerde-

führers, sein Arbeitgeber C._______ sei Polizeikommandant für die Region 

E._______ und seine Frau Vize-Kommandantin gewesen (vgl. A26 ad F39, 

F52 und F57), Anlass am Wahrheitsgehalt seiner Vorbringen zu zweifeln. 

So wurde C._______ gemäss dem in der Beschwerde angegebenen Be-

richt erst (…) – und somit nur (…) Wochen vor der Ausreise des Beschwer-

deführers aus Somalia – als Polizeikommandant in D._______ eingesetzt 

(vgl. < https://www.[...]/ >). Seine Arbeit als Wächter für den Polizeikom-

mandanten will der Beschwerdeführer aber bereits Mitte des Jahres 2019 

E-4815/2021 

Seite 10 

begonnen haben (vgl. A24 ad F20 f.). Zu dieser Zeit leitete C._______ of-

fenbar (…). 

6.2.3 Die eingereichten Fotos, welche den Beschwerdeführer in der Mili-

tärkaserne zeigen würden, vermögen an dieser Einschätzung nichts zu än-

dern. Die Bilder lassen weder auf den Ort der Aufnahme schliessen, noch 

vermögen sie seine vorgebrachte Wächtertätigkeit für C._______ zu bele-

gen.  

6.2.4 Als unglaubhaft zu bezeichnen sind des Weiteren die Angaben des 

Beschwerdeführers zur angetretenen Ausbildung zur Spezialeinheit der 

Polizei in der Türkei. Vorab ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass ange-

sichts der Aussagen des Beschwerdeführers, er habe kaum mit C._______ 

gesprochen und dieser sei auch oft abwesend gewesen, nicht nachvoll-

ziehbar ist, wie dieser ein Vertrauensverhältnis zu ihm hätte aufbauen sol-

len, sodass er ihn wie als eigenen Sohn behandelt hätte (vgl. A14 S. 4; A26 

ad F35, F93). Es wäre weiter zu erwarten gewesen, dass er mehr über den 

Ablauf der anstehenden Ausbildung im Ausland hätte berichten können, 

zumal er seinen Angaben zufolge mindestens ein Jahr lang in der  

Militärkaserne auf den Antritt dieser Ausbildung gewartet habe (vgl. A26 ad 

40 und F56 ff.). Angesichts der Ausführungen in vorstehender E. 6.2.1 ist 

nicht davon auszugehen, dass Personen, die für die Polizeispezialeinheit 

im Ausland ausgebildet werden, keinerlei Qualifikationen erfüllen müssen 

(vgl. a.a.O. ad F37). Die spärlichen Aussagen des Beschwerdeführers zu 

den in der türkischen Kaserne verbrachten fünf Tagen fielen ausserdem  

realitätsfern aus (vgl. a.a.O., ad F46: "Wir hatten keine Papiere. Sie haben 

uns die Papiere weggenommen. […] Ich sagte, ich gehe zu meiner 

Schwester […]."; F52: "F: Aber für den Ausgang – an diesem Wochen-

ende -, welche Dokumente hatten Sie da?" A: "Wir haben keine Dokumente 

gehabt."; ad F59). Insgesamt erscheint somit höchst unwahrscheinlich, 

dass der Beschwerdeführer die Ausbildung zur Spezialeinheit in der Türkei 

angetreten hat. 

  

E-4815/2021 

Seite 11 

6.2.5 Nach dem Gesagten ist folglich mit dem SEM festzustellen, dass es 

dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, glaubhaft zu machen, er habe 

als Wächter für einen Polizeikommandanten in D._______ gearbeitet und 

in der Folge eine Spezialausbildung in der Türkei angetreten. Im Übrigen 

geht auch das Gericht davon aus, dass dem Beschwerdeführer – sollte er 

tatsächlich die polizeiliche Ausbildung in der Türkei abgebrochen haben – 

keine unverhältnismässige flüchtlingsrechtlich beachtliche Strafe droht, zu-

mal – gerade angesichts der hohen Anzahl Geflohener (vgl. a.a.O. ad F43: 

" […] wir sind so zu siebt geflohen, und die anderen wollten auch aus der 

Kaserne fliehen.") – dies kaum als Ausdruck einer opponierenden  

politischen Haltung aufgefasst würde (vgl. vorinstanzliche Verfügung S. 5). 

6.3  

6.3.1 Nachdem die geltend gemachte Tätigkeit des Beschwerdeführers als 

Wächter für den Polizeikommandanten als unglaubhaft beurteilt wurde, 

kann die Bedrohungssituation durch die Al-Shabaab nicht im vorgebrach-

ten Zusammenhang erfolgt sein. Den Aussagen des Beschwerdeführers ist 

nämlich kein anderer Grund zu entnehmen, weshalb er ins Visier der Al-

Shabaab gekommen sei, als seine Arbeit als Wächter für den Polizeikom-

mandanten. Es ist folglich nicht davon auszugehen, der Beschwerdeführer 

habe seine Kollaboration mit den Al-Shabaab verweigert, weswegen ihm 

seither Vergeltungsmassnahmen drohen würden. Im Übrigen erweckt das 

Vorbringen, die Terrorgruppe würde ein geplantes Attentat in der beschrie-

benen Art und Weise ankündigen, einen gänzlich konstruierten Eindruck. 

6.3.2 Vorliegend wäre überdies selbst bei der Annahme, der Beschwerde-

führer wäre von den Al-Shabaab zur Unterstützung eines Attentats aufge-

fordert worden, das Vorliegen eines ernsthaften Verfolgungsinteresses am 

Beschwerdeführer zu verneinen. So brachte er lediglich vor, sie hätten ihn 

mehrfach angerufen, woraufhin er sein Telefon ausgeschaltet und das La-

ger nicht mehr verlassen habe; weitere Nachteile habe er bis zu seiner 

knapp zwei Jahre später erfolgten Ausreise nicht erlebt (vgl. A24 ad F62 ff., 

F70 ff.; A26 ad F70). 

6.4 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen eine 

asylrechtlich relevante Verfolgungssituation glaubhaft zu machen. Nach-

dem es dem Beschwerdeführer auch in der Beschwerdeeingabe nicht ge-

lungen ist, die zutreffende Beurteilung des SEM in Zweifel zu ziehen, sind 

die Erwägungen des SEM wie auch das Dispositiv der angefochtenen Ver-

fügung zu bestätigen. Nach umfassender Prüfung hat es somit zu Recht 

die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asyl-

gesuch abgelehnt. 

E-4815/2021 

Seite 12 

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

Da das SEM in seiner Verfügung vom 6. Oktober 2021 die vorläufige Auf-

nahme des Beschwerdeführers in der Schweiz infolge Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs angeordnet hat, erübrigen sich praxisgemäss Aus-

führungen zur Zumutbarkeit und Möglichkeit des Vollzugs. 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

10.1 Mit vorliegendem Urteil wird das Gesuch um Verzicht auf Erhebung 

eines Kostenvorschusses gegenstandslos. 

10.2 Der Beschwerdeführer beantragt in seiner Beschwerde die Gewäh-

rung der unentgeltlichen Prozessführung. Nachdem seine Rechtsbegehren 

nicht aussichtslos in Sinn von Art. 65 Abs. 1 VwVG waren und gemäss  

Akten von seiner Bedürftigkeit ausgegangen werden kann, ist in Gutheis-

sung dieses Antrags von einer Kostenauflage abzusehen. 

10.3 Das implizite Gesuch des Beschwerdeführers um Beiordnung  

seines Rechtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand (vgl. Beschwerde 

S. 11) ist unter Hinweis auf BVGE 2017 VI/3 E. 9.2.4 f. abzuweisen: Der 

Rechtsvertreter ist bereits der (vom SEM) zugewiesene unentgeltliche 

Rechtsbeistand; sein Vertretungsaufwand für das vorliegende beschleu-

nigte Beschwerdeverfahren wird vom Bund entschädigt (Art. 102k Abs. 1 

Bst. d und Abs. 2 AsylG).  

  

E-4815/2021 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Das Gesuch um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistands wird abge-

wiesen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Markus König Martina Stark 

 

 

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