# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bcdde013-7ba4-567c-8f88-69c31a5df83c
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-09-09
**Language:** de
**Title:** Zürich Handelsgericht 09.09.2014 HG100226
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_HG_001_HG100226_2014-09-09.pdf

## Full Text

Handelsgericht des Kantons Zürich 
    
 

 
 

Geschäfts-Nr. HG100226-O         U/ei 

 

 

Mitwirkend: Der Oberrichter Peter Helm, Präsident, und die Ersatzoberrichterin 

Flurina Schorta, die Handelsrichter Dr. Stephan Weber, Dr. Alexan-

der Müller und Patrik Howald sowie die Gerichtsschreiberin Katja 

Diethelm 

 

Urteil vom 9. September 2014 

 

in Sachen 

 

A._____, 

Kläger 

 

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____ 

 

gegen 

 

B._____ AG,  

Beklagte 

 

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ 

 

betreffend Forderung 

- 2 - 

Rechtsbegehren: 

"Es sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger Fr. 609'174.45 sowie 
5% Schadenszinsen seit 4. Oktober 1998 zu bezahlen; unter Kosten- 
und Entschädigungsfolgen zuzüglich Fr. 960.-- Weisungskosten und 
zuzüglich Mehrwertsteuern zulasten der Beklagten." 

Das Gericht zieht in Erwägung: 

I. 
Einleitung und Sachverhalt 

1.1. Der Kläger, geboren am tt. September 1952, hat seinen Wohnsitz in 

C._____ / ZG; die Beklagte ist eine Versicherungsgesellschaft mit Sitz in Zürich. 

Der Kläger wurde am 4. Oktober 1998 bei einem Verkehrsunfall in Baar verletzt. 

Die Halterin des unfallverursachenden Personenwagens, D._____, war zu diesem 

Zeitpunkt bei der Beklagten haftpflichtversichert. Mit der vorliegenden Klage 

macht der Kläger einen direkten Schadenersatzanspruch gegen die Beklagte ge-

mäss Art. 65 Abs. 1 SVG geltend (act. 1 S. 3 Rz. 3, S. 4 f. Rz. 5; act. 4/2). 

1.2. Der Kläger trug am Unfallereignis vom 4. Oktober 1998 unstreitig keine 

Schuld. Demgemäss anerkennt die Beklagte, dass sie als Motorfahrzeughaft-

pflichtversicherer grundsätzlich für den dem Kläger entstandenen Schaden aufzu-

kommen hat. Die Beklagte bestreitet jedoch die Kausalität zwischen dem Unfall 

vom 4. Oktober 1998 und dem geltend gemachten Schaden. Insbesondere macht 

sie geltend, die Rollstuhlabhängigkeit des Klägers, worauf der geforderte Scha-

denersatz massgeblich basiere, wäre auch ohne den Unfall vom 4. Oktober 1998 

eingetroffen. Der Kläger habe infolge mehrerer dem Schadenereignis vorange-

hender Unfälle im Laufe seines Lebens bereits an erheblichen gesundheitlichen 

Beschwerden gelitten. Diese Vorzustände hätten auch ohne das Unfallereignis 

vom 4. Oktober 1998 zu den vom Kläger behaupteten Folgen geführt (act. 8 S. 10 

Rz. 18). Im Weiteren bestreitet die Beklagte auch die geltend gemachten Scha-

densansprüche sowie den Genugtuungsanspruch des Klägers (act. 8 S. 10 ff. Rz. 

19 ff.). 

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2.1. Zusammenfassend ist unbestritten, dass der Kläger im Jahr 1976 einen Mo-

torradunfall erlitten hat, welcher sehr schwere Verletzungen am linken Hüftgelenk, 

am linken Kniegelenk, am linken Sprunggelenk, am linken Fussrücken und am 

Damm verursachte. Als Folge davon war der Kläger beim Gehen eingeschränkt 

und benötigte dazu - mindestens für längere Strecken - einen Stock (act. 1 S. 3 

Rz. 4; act. 8 S. 3 f. Rz. 4.4.). Am 17. November 1992 erlitt der Kläger einen Sturz 

auf der Treppe, welcher eine erneute Verletzung des linken Knies und eine Ver-

letzung des rechten Fusses verursachte (act. 1 S. 4 Rz. 4; act. 8 S. 5 Rz. 4.5.). Im 

Oktober 1993 erfolgte erneut ein Sturz auf das linke Knie (act. 1 S. 4 Rz. 4; act. 8 

S. 5 Rz. 4.6.). Am 21. Januar 1998 stürzte der Kläger vor seinem Haus bei Glatt-

eis auf sein Gesäss und zog sich eine BWK 12 Fraktur zu (act. 1 S. 4 Rz. 4; act. 8 

S. 5 Rz. 4.7.). 

2.2. Mit Verfügung vom 17. Januar 2001 sprach die Invalidenversicherung auf 

der Basis eines IV-Grades von 100% ab 1. Oktober 1999 eine ganze ordentliche 

IV-Rente. Nach Einstellung der Taggeldzahlungen per 31. Dezember 2006 erhielt 

der Kläger von der UVG-Versicherung ab 1. Januar 2007 eine Komplementärren-

te und auf der Basis einer unfallkausalen Integritätseinschränkung von 37% eine 

Integritätsentschädigung von CHF 35'964.00 (act. 1 S. 12 Rz. 17; act. 8 S. 9 Rz. 

17). Der aus dem Ereignis vom 4. Oktober 1998 entstandene Sach- und Körper-

schaden wurde von der Beklagten bezahlt (act. 8 S. 13 Rz. 26). 

3. Der Kläger macht mit vorliegender Klage ausschliesslich die ungedeckt ge-

bliebenen reinen Direktschadenspositionen geltend, welche durch die Sozialversi-

cherungen nicht abgegolten seien. Zusammengefasst macht er folgende Ansprü-

che geltend (act. 1 S. 12 ff.): 

Mehrkosten beim Hausbau wegen notwendiger Roll-

stuhltauglichkeit 

CHF 185'261.00 

Mehrkosten für Liftservice-Abonnement CHF  54'872.55 

Mehrkosten wegen fremder Hilfe beim Zehennägel-

schneiden 

CHF  24'048.00 

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Mehrkosten für Parkkarte für Behinderte CHF      651.25 

Mehrkosten für Urlaub mit Flugzeug CHF 194'228.50 

Mehrkosten Urlaub mit Auto CHF   35'970.00 

Genugtuung CHF   75'499.00 

Anwaltskosten in der Zeit vom 30. Juni 1999 bis  

3. März 2010 

CHF   38'644.15 

Total: CHF 609'174.45 

 

II.  
Prozessuales 

1. Prozessgeschichte 

 Am 23. August 2010 reichte der Kläger seine Klage und die Weisung ein 

(act. 1 und act. 3). Nach Eingang der Klageantwortschrift vom 4. November 2010 

(act. 8) fand am 31. März 2011 eine Referentenaudienz und Vergleichsverhand-

lung statt, anlässlich welcher keine Einigung gefunden wurde (Prot. S. 5 f.). Das 

Verfahren wurde am 26. April 2011 schriftlich fortgesetzt (Prot. S. 7). Die Replik 

datiert vom 6. Juni 2011 (act. 18), die Duplik vom 5. Oktober 2011 (act. 23). Zu 

den mit der Duplik eingereichten neuen Urkunden (act. 24/1-2) nahm der Kläger 

mit Eingabe vom 31. Oktober 2011 Stellung (act. 26); diese Eingabe wurde der 

Beklagten am 2. November 2011 zugestellt (Prot. S. 10). 

 Am 12. Oktober 2012 erging der Beweisauflage- (act. 28) und am 28. De-

zember 2012 der Beweisabnahmebeschluss (act. 36). Mit Verfügung vom 29. Ja-

nuar 2013 wurde die Edition verschiedener Urkunden angeordnet (act. 42). Am  

7. Mai 2013 fand die Beweisverhandlung statt, anlässlich welcher der Kläger per-

sönlich befragt und drei Zeugen einvernommen wurden (Prot. S. 28 ff.). Nach 

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Einholung von Gutachtervorschlägen und weiteren Abklärungen sowie nach Ein-

gang der zusätzlichen Barvorschüsse für die Expertisen wurden mit Verfügung 

vom 11. Juni 2013 die Sachverständigen ernannt (act. 72) und diese schriftlich in-

struiert (act. 73-75). Für die Erstellung der Liegenschaftenschätzung (Mehrwert) 

war die Einholung zusätzlicher Urkunden erforderlich (act. 100, 103, 104/1-46). 

Das Gutachten "Hindernisfrei Bauen" datiert vom 25. November 2013 (act. 110) 

und die Verkehrswertschätzung Mehrwert vom 27. November 2013 (act. 113). Die 

Parteien nahmen mit Eingaben vom 6. resp. 13. Januar 2014 zu diesen Gutach-

ten Stellung (act. 117, 119), wobei der Kläger beantragte, es sei der Gutachter 

E._____ aufzufordern, zur Diskrepanz zwischen den konkreten und den nach 

dem Gutachten berechtigten Mehrkosten Stellung zu nehmen (act. 117 S. 2). Am 

17. Februar 2014 lieferte PD Dr. F._____ sein medizinisches Teilgutachten vom  

30. September 2013 ab (act. 123; 121-122). Das Teilgutachten von PD Dr. 

G._____ datiert vom 25. März 2014 (act. 127). Mit Verfügung vom 28. März 2014 

wurde den Parteien Frist angesetzt, um einerseits zu den medizinischen Gutach-

ten und andererseits zum gesamten bisherigen Beweisergebnis Stellung zu neh-

men (act. 129). Die entsprechenden Eingaben der Parteien (act. 133 und 134) 

wurden je der Gegenpartei zugestellt; gleiches gilt für eine weitere Eingabe der 

Beklagten (act. 137) und eine Stellungnahme des Klägers (act. 141). Der Prozess 

erweist sich als spruchreif. 

2. Übergangsrecht und Zuständigkeit 

2.1. Am 1. Januar 2011 ist die eidgenössische Zivilprozessordnung (ZPO) in 

Kraft getreten. Nach deren Art. 404 Abs. 1 gilt für Verfahren, die bei Inkrafttreten 

dieses Gesetzes rechtshängig sind, das bisherige Verfahrensrecht bis zum Ab-

schluss vor der betroffenen Instanz. Die örtliche Zuständigkeit bestimmt sich nach 

dem neuen Recht, wobei eine bestehende Zuständigkeit nach dem alten Recht 

erhalten bleibt (Art. 404 Abs. 2 ZPO). Für das vorliegende Verfahren ist demnach 

das frühere kantonale Prozessrecht (ZPO/ZH und GVG) massgebend. Das 

Rechtsmittel richtet sich hingegen nach dem Recht, das bei der Eröffnung des 

Entscheides in Kraft ist, mithin nach dem neuen Prozessrecht (Art. 405 Abs. 1 

ZPO).  

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2.2. Die örtliche Zuständigkeit richtet sich nach Art. 26 Abs. 1 GestG und blieb 

auch unbestritten. Die sachliche Zuständigkeit des Handelsgerichts stützt sich auf 

§ 63 Ziff. 1 GVG in Verbindung mit § 62 GVG. 

III. 
Materielles 

1. Parteistandpunkte  

1.1. Der Kläger macht zusammengefasst geltend, er habe vor dem Unfall vom 

4. Oktober 1998 zu 100% seinem Beruf - Sachbearbeiter für Namenaktien bei der 

H._____ - in Zürich nachgehen können. Er sei von seinem Wohnort in I._____, wo 

er mit seiner Ehefrau ein dreistöckiges Chalet bewohnt habe, jeden Tag problem-

los zu Fuss und mit den öffentlichen Verkehrsmittel via Zug nach Zürich zur Arbeit 

gegangen. Er habe in 15-20 Minuten eine Gehstrecke von 2 km mit kurzen Pau-

sen gut bewältigen können. Er habe sich im Beruf und in der Freizeit voll entfalten 

und glücklich leben können. Auch die intimen Beziehungen zu seiner Ehefrau sei-

en nicht behindert gewesen (act. 1 S. 3 f. Rz. 4). 

 Nach dem Unfall vom 4. Oktober 1998 habe sich der Heilungsverlauf medi-

zinisch sehr schwierig gestaltet. Der Kläger habe mehrere stationäre Therapien 

durchführen lassen müssen und müsse seither konstant diverse Medikamente 

einnehmen (act. 1 S. 5 ff. Rz. 7 ff.). Als relevante und direkte kausale Folgen des 

Unfalles vom 4. Oktober 1998, die sich haftpflichtrechtlich auswirken würden, be-

klage der Kläger, dass er nun mit allen daraus folgenden Konsequenzen rollstuhl-

abhängig sei. Weiter beklagt er, dass er seine Arbeit verloren habe und nicht 

mehr in der Lage sei, mit dem öffentlichen Verkehr einer Tätigkeit nachzugehen; 

dass er nicht mehr in der Lage sei, zu Fuss ein unabhängiges, freies und erfülltes 

Leben zu führen; dass er sowohl vom Sozialprestige wie auch betreffend soziale 

Kontakte eingeschränkt und limitiert sei; und dass er im Rahmen der intimen Be-

ziehungen mit seiner Ehefrau äusserst eingeschränkt sei (act. 1 S. 12 f. Rz. 18). 

 Durch die anlässlich des Unfalles vom 4. Oktober 1998 erlittenen Verletzun-

gen und insbesondere durch die massive richtungsweisende Verschlimmerung 

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der Vorzustände, habe nicht nur eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit im bisherigen 

Beruf und jeder angepassten Tätigkeit, sondern auch ein Auftreten von zermür-

benden und dauernden Schmerzen ohne Ende und Unterbruch, verbunden mit 

einer Verunmöglichung des Treppensteigens sowie einer Einschränkung der 

Gehstrecke auf maximal 400 m pro Tag, resultiert, was einer Rollstuhlabhängig-

keit gleichkomme. Er sei nicht in der Lage, den Rollstuhl aus eigener Kraft in Stei-

gungen oder über eine längere Strecke als 500 m zu bewegen. Diese unfallkau-

salen Veränderungen in seinem Leben hätten zu den geltend gemachten, durch 

die Sozialversicherung nicht gedeckten Direktschadenspositionen geführt (act. 1 

S. 13 Rz. 18). 

1.2.  Die Beklagte bestreitet sowohl die natürliche als auch die adäquate Kausali-

tät zwischen dem Unfall vom 4. Oktober 1998 und der eingetretenen Rollstuhlab-

hängigkeit des Klägers. Durch den Unfall vom 4. Oktober 1998 habe der Kläger 

Verletzungen erlitten, welche innert Monatsfrist abgeheilt seien. Die zeitlich nach 

dem Unfall durch den Kläger verstärkt wahrgenommenen Beschwerden im unte-

ren Rückenbereich seien ausschliesslich auf eine normale Verschlimmerung des 

massiven Vorzustandes zurückzuführen. Der Vorzustand habe zur Rollstuhlab-

hängigkeit geführt. Die daraus errechneten Mehrkosten seien kein Schaden im 

haftpflichtrechtlichen Sinn (act. 8 S. 16 f. Rz. 30.5). 

 Auf die weiteren Parteivorbringen wird - soweit notwendig - nachfolgend ein-

gegangen. 

2. Haftungsvoraussetzungen 

2.1. Allgemeines 

 Wird durch den Betrieb eines Motorfahrzeuges ein Mensch getötet oder ver-

letzt oder Sachschaden verursacht, so haftet der Halter für den Schaden (Art. 58 

Abs. 1 SVG). Die Haftpflicht des Halters wird durch dessen obligatorische Haft-

pflichtversicherung gedeckt (Art. 63 Abs. 1 und 2 SVG), gegen welche der Ge-

schädigte ein unmittelbares Forderungsrecht hat (Art. 65 SVG). Art und Umfang 

des Schadenersatzes sowie die Zusprechung einer Genugtuung richten sich nach 

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den Grundsätzen des Obligationenrechts für unerlaubte Handlungen (Art. 62 

Abs. 1 SVG). Eine Körperverletzung im Besonderen gibt dem Verletzten An-

spruch auf Ersatz der Kosten sowie auf Entschädigung für die Nachteile gänzli-

cher oder teilweiser Arbeitsunfähigkeit, unter Berücksichtigung der Erschwerung 

des wirtschaftlichen Fortkommens (Art. 46 Abs. 1 OR). Eine Haftung ist demge-

mäss gegeben, wenn kumulativ ein Schaden, der Betrieb eines Motorfahrzeuges 

sowie ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem Betrieb 

des Motorfahrzeuges und dem Schaden zu bejahen sind. Das Verschulden bildet 

keine Haftungsvoraussetzung, da Art. 58 SVG eine Gefährdungshaftung statuiert. 

 Die Beklagte anerkennt - wie erwähnt - ihre grundsätzliche Haftung als obli-

gatorische Haftpflichtversicherung der fehlbaren Lenkerin, sie bestreitet jedoch 

sowohl den geltend gemachten Schaden als auch den natürlichen und den adä-

quaten Kausalzusammenhang. 

2.2. Beweislast 

 Die Beweislast für die positiven Haftungsvoraussetzungen trägt der klagen-

de Geschädigte (Oftinger/Stark, Schweizerisches Haftpflichtrecht, Besonderer 

Teil, Band II/2, 4. Aufl., Zürich 1989, § 25 N 294). Folglich hat der Kläger die Be-

einträchtigung seiner Gesundheit, die daraus resultierende Schadenshöhe und 

den Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem geltend gemachten 

Schaden zu beweisen (vgl. Brehm, Kommentar zu Art. 41-61 OR, 4. Aufl. Bern 

2013, Art. 42 OR N 17b). Die Schadensberechnung erfolgt i.d.R. auf den Urteils-

zeitpunkt (Art. 46 Abs. 2 OR). Bis zu diesem Tag ist der Schaden konkret zu be-

rechnen. Dauert die Beeinträchtigung im fraglichen Zeitpunkt noch an, so hat der 

Richter den künftigen Schaden zu schätzen (Rey, Ausservertragliches Haftpflicht-

recht, 4. Aufl., Zürich 2008, S. 47 ff.). Die Bestimmung von Art. 42 Abs. 2 OR, wo-

nach der nicht ziffernmässig nachweisbare Schaden nach Ermessen des Richters 

mit Rücksicht auf den gewöhnlichen Lauf der Dinge und die vom Geschädigten 

getroffenen Massnahmen abzuschätzen ist, gilt auch für die Nachteile, die dem 

Betroffenen noch erwachsen werden (Oftinger/Stark, Schweizerisches Haftpflicht-

recht, Allgemeiner Teil, Band I, 4. Aufl. Zürich 1975, § 6 N 6). 

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2.3. Gesundheitszustand des Klägers 

2.3.1. Parteidarstellungen 

2.3.1.1. Die Beklagte führt zum Gesundheitszustand des Klägers aus, dass 

dieser bereits im Jahre 1967 verunfallt sei und dabei Verletzungen an Ober-

schenkel, Knie- und Sprunggelenk links erlitten habe. Die Oberschenkelfraktur 

links habe operiert werden müssen. Einige Monate später habe man festgestellt, 

dass die Schrauben gebrochen und die Platte verkrümmt gewesen sei (act. 8 S. 3 

Rz. 4.2.). Im Jahre 1971 sei der Kläger wegen Rückenbeschwerden vom Militär-

dienst befreit worden (act. 8 S. 3 Rz. 4.3.). Der Kläger führt diesbezüglich aus, 

dass er 1967 am linken Bein einen offenen Oberschenkelbruch erlitten habe. Die-

se Fraktur sei operiert und mit einer Platte und zehn Schrauben befestigt worden. 

Später habe man festgestellt, dass drei Schrauben gebrochen gewesen seien. 

Aufgrund der anderen sieben Schrauben sei jedoch genügend Stabilität vorhan-

den gewesen, sodass man die gebrochenen Schrauben nicht erneuert habe. Eine 

Verletzung am Knie- und Sprunggelenk links habe der Kläger 1967 keine erlitten. 

Die Ursachen, die zur Militärdienstbefreiung geführt hätten, hätten keinen Zu-

sammenhang mit der im Jahre 1999 eingetreten Invalidisierung (act. 18 S. 2 f. zu 

Ziff. 4.2 f.). 

2.3.1.2. Betreffend den Motorradunfall vom 24. Juni 1976 führt der Kläger aus, 

er habe schwere Verletzungen am linken Hüftgelenk, am linken Kniegelenk, am 

linken Sprunggelenk, am linken Fussrücken und am Damm erlitten. Von diesem 

Unfall sei im Wesentlichen eine Behinderung im linken Bein (Knie und Fuss) ge-

blieben, welche ihn beim Gehen eingeschränkt habe und ihn bei längeren Stre-

cken gezwungen habe, einen Stock zu benützen. Der Kläger habe sich nach einer 

vorübergehenden, kurzen Vollinvalidisierung erfolgreich umgeschult. Er habe in 

einem 100%-Pensum als Sachbearbeiter für Namensaktien bei der …, später 

H._____, in Zürich, arbeiten können. Er sei seit März 1987 bis zum Unfall vom 4. 

Oktober 1998 von seinem damaligen Wohnort in I._____ jeden Tag zu Fuss und 

mit den öffentlichen Verkehrsmitteln via Zug nach Zürich zur Arbeit gefahren. 

Auch wenn er am Stock habe gehen müssen, seien die Schmerzen weder ar-

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beitsrechtlich noch sozial behindernd und relevant einschränkend gewesen (act. 1 

S. 3 Rz. 4; act. 18 S. 4 zu Rz. 4.4). 

 Die Beklagte macht bezüglich des Motorradunfalls von 1976 geltend, dieser 

habe zu gravierenden Verletzungen in den Beinen und im Becken geführt. Der 

Kläger habe erst über drei Jahre nach dem Unfall und nach unzähligen Operatio-

nen und Reoperationen vor allem im Bein links und im Becken die Arbeit wieder 

aufnehmen können (act. 8 S. 4 Rz. 4.4.). Ab 1983 habe der Kläger als Mechani-

ker und Chauffeur bei seinem Bruder gearbeitet. Im Laufe der Zeit hätten die 

Schmerzen im Kniegelenk und in der rechten Schulter zugenommen. Die Schul-

terschmerzen seien entstanden, weil sich der Kläger über Jahre auf einem Stock 

habe abstützen müssen. Am 1. Juli 1987 habe sich der Kläger erneut für eine 

Leistung bei der Invalidenversicherung angemeldet (act. 8 S. 5 Rz. 4.4.). Der Klä-

ger sei vom zuständigen Arzt, Dr. J._____, vom orthopädischen Standpunkt aus 

betrachtet wegen seinen schweren Knieveränderungen links bei gleichzeitiger 

Fussversteifung links im Januar 1987 nur noch für sitzende Arbeit geeignet erach-

tet worden. Es werde bestritten, dass der Kläger problemlos den Arbeitsweg zu 

Fuss und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln habe bewältigen können. Der Klä-

ger sei behindert am Stock mit Schmerzen gegangen (act. 8 S. 5 Rz. 4.4.). 

2.3.1.3. Gemäss Kläger habe der Sturz auf der Treppe im November 1992 eine 

erneute Verletzung des linken Knies und eine Verletzung des rechten Fusses mit 

einer kurzen - vorübergehenden - Arbeitsunfähigkeit verursacht. Der erneute 

Sturz aufs Knie im Jahr 1993, habe erneut zu einer vorübergehenden Arbeitsun-

fähigkeit geführt. Beim Sturz im Januar 1998 habe sich der Kläger eine BWK 12 

Fraktur zugezogen, was ihn wiederum für kurze Zeit arbeitsunfähig gemacht ha-

be. Danach habe der Kläger wieder zu 100% arbeiten können. Er habe in 15-20 

Minuten eine Gehstrecke von 2 km mit kurzen Pausen gut bewältigen können 

(act. 1 S. 3 f. Rz. 4). 

 Die Beklagte bestreitet, dass der Kläger bis zum 4. Oktober 1998 in 15 bis 

20 Minuten eine Gehstrecke von 2 km gut habe bewältigen können (act. 8 S. 5 f. 

Rz. 4). 

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2.3.1.4. Beim Unfall vom 4. Oktober 1998 habe er, so der Kläger, einen Rip-

penbruch, eine Verletzung am Brustbein sowie heftige Prellungen an den Schul-

tern sowie an den Knien erlitten. Sodann sei ein zusätzliches Schmerzproblem im 

Rücken im Zusammenhang mit der Refraktur BWK 12 entstanden. Der Heilungs-

verlauf habe sich medizinisch sehr schwierig gestaltet und sei für den Kläger äus-

serst schmerzhaft und einschränkend gewesen. Der Unfall habe ein erneutes 

Schmerzproblem im Rückenbereich in Gang gesetzt, welches u.a. wegen der 

Vorschädigungen nicht zufriedenstellend therapeutisch habe behandelt werden 

können. Der behandelnde Arzt, Dr. L._____, und der beigezogene Wirbelsäulen-

spezialist, Prof. Dr. M._____, hätten daher eine stationäre Therapie befürwortet 

(act. 1 S. 4 ff. Rz. 5 ff.). Der Kläger befand sich vom tt. Juli 1999 bis tt. August 

1999 in der Rehaklinik Bellikon (act. 4/10). Wegen der andauernden Rücken-

schmerzen und zur Rehabilitation nach Knie-TEP habe der Kläger vom tt. De-

zember 1999 bis zum tt. März 2000 erneut eine stationäre Therapie in der 

Rehaklinik Bellikon durchführen lassen (act. 1 S. 8 Rz. 11). Die Schmerzausstrah-

lungen ins rechte Bein mit in der Folge vermehrter Schonung habe eine Zusatz- 

und in der Folge Überbelastung des linken Kniegelenkes bewirkt (act. 18 S. 7 zu 

Ziff. 9). Seit dem Unfall vom 4. Oktober 1998 sei der Kläger konstant auf diverse 

Medikamente angewiesen, die auch belastende Nebenwirkungen zeitigen würden 

(act. 1 S. 11 Rz. 15). Insgesamt habe durch die anlässlich des Unfalls vom 4. Ok-

tober 1998 erlittenen Verletzungen und insbesondere die massive richtungswei-

sende Verschlimmerung der Vorzustände nicht nur eine 100%ige Arbeitsunfähig-

keit resultiert, sondern auch ein Auftreten von zermürbenden und dauernden 

Schmerzen ohne Ende und Unterbruch, verbunden mit einer Verunmöglichung 

des Treppensteigens sowie einer Einschränkung der Gehstrecke auf max. 400 m 

pro Tag, was einer Rollstuhlabhängigkeit gleichkomme. Er sei nicht in der Lage, 

den Rollstuhl aus eigener Kraft in Steigungen oder über 500 m zu bewegen (act. 

1 S. 13 Rz. 18). Wäre der Kläger - wie die Beklagte behaupte - Ende Oktober 

1998 von den Folgen des Unfalles vom 4. Oktober 1998 geheilt gewesen, so hät-

te auch die UVG-Versicherung ab diesem Zeitpunkt ihre Leistungen eingestellt 

(act. 18 S. 5). 

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 Die Beklagte macht geltend, als Folge seiner Rückenschmerzen, den Arm-

schmerzen und den massiven Schmerzen in seinem linken Bein, sei es nur eine 

Frage der Zeit gewesen, bis der Kläger zur Fortbewegung auf einen Rollstuhl an-

gewiesen gewesen wäre (act. 8 S. 5 f. Rz. 4.4.). Als Folge des Unfalles vom 

4. Oktober 1998 habe der Hausarzt des Klägers, Dr. med. L._____, eine Thorax-

kontusion und ein leichtes HWS-Distorsionstrauma diagnostiziert. Der Kläger ha-

be keinen Rippenbruch, keine Refraktur der BWK 12 und auch keine heftigen 

Prellungen an den Knien erlitten. Ab dem 19. Oktober 1998 sei der Kläger als 

Folge des Unfalles wieder als voll arbeitsfähig beurteilt worden. Die Unfallfolgen 

seien Ende Oktober 1998 verheilt gewesen (act. 8 S. 6 Rz. 6). Die nachher wieder 

in den Vordergrund getretene lumbale Schmerzproblematik bestehe beim Kläger 

seit seiner Jugend und habe sich durch den Unfall von 1976 und deren Folgen 

über die Jahre immer mehr verschlimmert. Der Kläger sei zur Linderung dieses 

Schmerzzustandes gezwungen, sich zu bewegen. Dass dadurch die Knieproble-

matik verstärkt werde, sei nachvollziehbar. Dieser Zwang zur Bewegung stehe 

aber in keinem Zusammenhang mit dem Unfall vom 4. Oktober 1998. Durch den 

Unfall sei weder das Knie verletzt noch die Wirbelsäule beeinträchtigt worden 

(act. 8 S. 7 Rz. 9). Die Vorzustände hätten auch ohne das Unfallereignis vom 

4. Oktober 1998 zu den vom Kläger behaupteten Folgen geführt (act. 8 S. 10 Rz. 

18). Die medizinisch dokumentierten Verletzungen und degenerativen Verände-

rungen des linken Beines, der Wirbelsäule und der rechten Schulter seien derart 

massiv, dass die Rollstuhlabhängigkeit ohne psychische Fehlverarbeitung mit Si-

cherheit eingetreten wäre (act. 8 S. 16 Rz. 30.4.1.). Die lumbale Schmerzsymp-

tomatik sei bereits vor dem Unfall diagnostiziert worden. Zudem sei der Kläger 

übergewichtig, was sich auf die Rücken- und Gehbeschwerden negativ auswirke 

(act. 23 S. 4 Ziff. 7.+9.). 

2.3.1.5. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Beklagte nicht bestreitet, dass 

der Kläger aktuell unter einer lumbalen Schmerzsymptomatik leidet und dass er 

aufgrund seiner gesundheitlichen Beschwerden, insbesondere den Knie- und 

Schulter- sowie Rückenschmerzen, auf die Benützung eines Rollstuhles angewie-

sen ist. Sie behauptet auch nicht, dass der Kläger bereits vor dem Unfall vom 

4. Oktober 1998 auf einen Rollstuhl angewiesen gewesen sei. Sie bestreitet aber, 

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dass der heutige Gesundheitszustand des Klägers auf den Unfall vom 4. Oktober 

1998 zurückzuführen sei. Über den vom Kläger behaupteten heutigen Gesund-

heitszustand muss deshalb nicht Beweis geführt werden. Die Beklagte stellt so-

dann nicht in Abrede, dass sich die vom Kläger geltend gemachte lumbale 

Schmerzsymptomatik in der Zeit nach dem Unfall vom 4. Oktober 1998 ver-

schlimmert hat, sie macht jedoch geltend, dies wäre auch ohne den Unfall vom 

Oktober 1998 eingetreten. Gemäss der Beklagten sei der Kläger vor dem Unfall 

zudem gesundheitlich eingeschränkter gewesen, als es dieser geltend mache. 

Diesbezügliche Beweissätze sind bei der Kausalität (vgl. unten 2.4.) aufzustellen. 

2.4. Kausalität 

2.4.1. Natürlicher Kausalzusammenhang 

2.4.1.1. Die Leistungspflicht eines Unfallverursachers bzw. seiner Haftpflicht-

versicherung setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetre-

tenen Schaden ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne 

des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan-

densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen 

Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspre-

chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusam-

menhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursa-

che gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis 

zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität des 

Geschädigten beeinträchtigt hat, der Unfall mit anderen Worten nicht weggedacht 

werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele 

oder anders ausgefallen wäre (BGE 125 IV 195 S. 197, Urteil des Bundesgerichts 

4C.222/2004, E. 2.1.). Die Kausalität muss bezüglich aller Zwischenglieder der 

Kausalkette gegeben sein.  

2.4.1.2. Nach Art. 8 ZGB hat, wo es das Gesetz nicht anders bestimmt, jene 

Partei das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, die aus ihr 

Rechte ableitet. Die Beweislast für den natürlichen Kausalzusammenhang obliegt 

somit dem Geschädigten. Nach dem üblichen Regelbeweismass gilt ein Beweis 

- 14 - 

als erbracht, wenn das Gericht von der Richtigkeit einer Sachbehauptung so 

überzeugt ist, dass allfällige Zweifel als unerheblich erscheinen. Ausnahmen von 

diesem Regelbeweismass der vollen Überzeugung nach objektiven Gesichts-

punkten bestehen dort, wo ein strikter Beweis nicht nur im Einzelfall, sondern der 

Natur der Sache nach nicht möglich oder nicht zumutbar ist. Dies gilt insbesonde-

re für den Nachweis des natürlichen Kausalzusammenhangs. Diesfalls genügt ei-

ne überwiegende Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Kausalverlaufs. Der Be-

weis gilt dann als erbracht, wenn für die Richtigkeit der Sachbehauptung nach ob-

jektiven Gesichtspunkten derart gewichtige Gründe sprechen, dass andere denk-

bare Möglichkeiten vernünftigerweise nicht massgeblich in Betracht fallen (Urteil 

des Bundesgerichts 4C.222/2004, E. 2.). Anders verhält es sich indes, wenn nach 

den besonderen Umständen des Falles weitere Möglichkeiten bestehen, die ne-

ben der behaupteten Ursachenfolge ebenso ernst in Frage kommen oder gar nä-

her liegen (BGE 107 II 269, S. 272 f.). Die Formel "post hoc, ergo propter hoc", 

nach deren Bedeutung eine gesundheitliche Schädigung schon dann als durch 

den Unfall verursacht gilt, weil sie nach diesem aufgetreten ist, kann nicht als Be-

weis betrachtet werden und erlaubt nicht, einen natürlichen Kausalzusammen-

hang mit der geforderten überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen (BGE 

119 V 340 Erw. 2b/bb). 

Wesentlich ist, dass die Gesundheitsschädigung als überwiegend wahr-

scheinliche Folge des Unfallereignisses anzusehen ist, und nicht als Folge eines 

krankhaften Vorzustandes, wobei der Unfall als eine Teilursache für die Bejahung 

des natürlichen Kausalzusammenhanges genügt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 

4A_540/2010 vom 8. Februar 2011 und 4A_444/2010 vom 22. März 2011 sowie 

BGE 119 V 335, 340). 

 Die Beweislast für den natürlichen Kausalzusammenhang liegt beim Kläger. 

Die Beklagte ihrerseits hat die von ihr geltend gemachten Reserveursachen zu 

beweisen. Sie hat darzutun, dass der Schaden mit Sicherheit oder zumindest mit 

hoher Wahrscheinlichkeit auch ohne den Unfall, für den sie grundsätzlich einzu-

stehen hat, früher oder später eingetreten wäre (Markus Schmid, Natürliche und 

adäquate Kausalität im Haftpflicht- und Sozialversicherungsrecht, Haftpflicht und 

- 15 - 

Versicherungstagung 1997, S. 188 f.) bzw. sie hat darzutun, dass der eingetrete-

ne Schaden nicht aufgrund des Unfalles vom 4. Oktober 1998 eingetreten ist. Die 

natürliche Kausalität zu beseitigen vermag allerdings eine Ursache dann nicht, 

wenn sie allein betrachtet zwar einen Schaden, nicht aber in dem Masse herbei-

geführt hat (Rey, Ausservertragliches Haftpflichtrecht, 4. Aufl., Zürich 2008, N 

628). 

2.4.1.3. Vorliegend ist zur Beurteilung des natürlichen Kausalzusammenhangs 

daher anhand der medizinischen Fakten sowie aufgrund von weiteren relevanten 

Fakten (wie z.B. des Verlaufes des gesundheitlichen Vorzustandes des Klägers) 

zu untersuchen, an welchen gesundheitlichen Schädigungen der Kläger genau 

leidet und ob bzw. inwiefern diese gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Klä-

gers mit überwiegender Wahrscheinlichkeit durch das Unfallereignis vom 4. Okto-

ber 1998 verursacht bzw. massgeblich verschlimmert worden sind und welche 

Rolle dabei die Unfälle von 1976 sowie vom Januar 1998 spielten. Den Unfällen 

vom November 1992 sowie von 1993 kommt - auch nach Ansicht der Parteien - 

keine vorrangige Bedeutung zu. Sie werden in den Arztberichten denn auch, 

wenn überhaupt, nur am Rande erwähnt. 

2.4.2. Ärztliche Erhebungen  

 Die von den Parteien eingereichten ärztlichen Erhebungen stammen fast 

ausschliesslich aus der Zeit nach dem letzten Unfall vom 4. Oktober 1998. Für 

ärztliche Feststellungen für die Zeit vor dem Unfall vom 4. Oktober 1998 stützt 

sich die Beklagte insbesondere auf ein Gutachten der N._____ vom 

27. September 2000 (act. 4/14) sowie auf einen Bericht von Dr. J._____ vom 

18. April 1987 (act. 9/2). Die anlässlich des Unfalles von 1976 erlittenen Verlet-

zungen sind in den neueren Berichten wiedergegeben. Die ärztlichen Berichte 

und erstellten Gutachten werden nachfolgend in chronologischer Reihenfolge 

dargestellt und zusammenfassend wiedergegeben. 

a) Dr. med. J._____, Befund vom 6. Januar 1987 (act. 9/2) 

- 16 - 

Schwedenstatus re und Knieaufnahmen li würden die fortgeschrittene Gonarthor-

se li mit nur noch dünnem nur noch unregelmässigem Gelenkspalt med. und lat. li 

zeigen. Die Schulteraufnahme re zeige praktisch normale Schultergelenkverhält-

nisse, beginnende Arthrose im AC-Gelenk re. 

b) Dr. med. J._____, Bericht an IV, vom 18. April 1987 (act. 9/2) 

Vom orthopädischen Standpunkt aus erachte er den Patienten wegen seinen 

schweren Knieveränderungen links bei gleichseitiger Fussversteifung links als nur 

noch für sitzende Arbeit geeignet. 

c) Dr. med L._____, Arztzeugnis UVG, vom 9. Februar 1998 (act. 9/3) 

Diagnose: Stabile BWS 12 Kompressionsfraktur mit Deckplatteneinbruch. 

d) Dr. med. O._____, Ärztlicher Zwischenbericht UVG, vom 17. Februar 1998 

(act. 9/3) 

Diagnose: Kompressionsfraktur BWK 12 mit Deckplatteneinbruch. Ausgeprägte 

degenerative Veränderungen der untern LWS. 

e) Arztzeugnis Dr. med. L._____ vom 30. Oktober 1998 (act. 4/5) 

Befund: DD über gesamten Thorax, v.a. Sternum, DD über der gesamten rechten 

Schulter. DD HWS und paravertebraler Hartspann. Nur wenig eingeschränkte 

Beweglichkeit der HWS. Keine neurologischen Ausfälle. Röntgenbefund: keine si-

cheren ossären Läsionen nachweisbar. 

Diagnose: Thoraxkontusion, leichtes HWS Distorsionstrauma. 

f) Bericht Prof. Dr. med. M._____, Schulthess Klinik, vom 12. April 1999 

(act. 4/7) 

Der Patient klage, hauptsächlich nach dem letzten Unfall im Oktober 1998, über 

Schmerzen im Kreuz und am thorakolumbalen Übergang. Nur sporadisch trete 

"ein Krampf" auf der Vorderseite des rechten Oberschenkels auf. Er sei sich nicht 

sicher, ob anlässlich des zweiten Unfalls [Oktober 1998] eine Refraktur stattge-

- 17 - 

funden habe. Die chronischen Kreuzschmerzen seien wahrscheinlich eher Aus-

druck von degenerativen Veränderungen. Er habe den Patienten deshalb zu einer 

Kernspintomographie des caudalen Teiles der Brustwirbelsäule und der Lenden-

wirbelsäule angemeldet. Wegen der starken Schmerzen empfehle er den Aufent-

halt in einer Thermal- /Rheumaklinik. 

g) Bericht Dr. med. P._____, Universitätsklinik Balgrist, Abteilung Radiologie, vom 

28. April 1999 (act. 4/6) 

Am 22. April 1999 sei die BWS bis auf Höhe von L1 mittels MRI untersucht wor-

den. Hierbei Darstellung der alten BWK12-Fraktur, aber keine Spinalkanaleinen-

gung. Beurteilung nach einer Nachuntersuchung am 27. April 1999 im Bereich der 

LWS: Alte BWK12-Fraktur mit leichter Keildeformität. Osteochondrosen vor allem 

L2/3 und L5/S1 mit fettiger Degeneration der bandscheibennahen Wirbelkörper-

abschnitte. Keine foraminalen Stenosen. Facettengelenksarthrose L4/5, links 

ausgeprägter als rechts. 

h) Dr. med. L._____, Überweisungsbericht an Rehabilitationsklinik Bellikon, 

vom 6. Mai 1999 (act. 4/8) 

Diagnosen: Status nach Frontalkollision mit Auto am 4. Oktober 1998 mit: Thora-

xkontusion/ leichter HWS-Distorsion/ fragliche Refraktur BWK 12. Status nach 

BWK-Fraktur 12 am 27. Februar 1998 nach Sturz auf Gesäss. Status nach Poly-

trauma 1976 nach schwerem Motoradunfall mit: Commotio cerebri, Plexusläsion 

linker Arm mit persistierender Dysästhesie, L3/L5-Fraktur, Beckenfraktur mit kon-

sekutiver Urethrastenose mit Urethorotomie '82, komplexe Verletzung des linken 

OSG, infolge OSG-Versteifung in Spitzfussstellung, komplexe schwere offene 

Knieverletzung links mit posttraumatischer Arthrose.  

Bei diesem Patienten habe sich mit Status nach schwerem Motorradunfall und 

seither persistierenden lumbalen Beschwerden auf Grund eines neuen Unfalls im 

Oktober 1998 eine erneute starke Schmerzsymptomatik thorakulombal eingestellt. 

Aus diesem Grund sei eine weitere stationäre Therapie indiziert. 

- 18 - 

i) Dr. med. Q._____ und Prof. Dr. med. R._____, Austrittsbericht Rehaklinik Belli-

kon, vom 2. September 1999 (act. 4/10) 

Beurteilung: Eine wie beim Patienten nachgewiesene erosive Osteochondrose in-

nerhalb des Bewegungssegmentes LWK2/3 gehe häufig mit ganz hartnäckigen, 

beträchtlichen Schmerzen einher, die zu einer spondylogenen Schmerzausstrah-

lung führen. Die Höhe der erosiven Osteochondrose stimme mit der Schmerzaus-

breitung im Oberschenkel topographisch segmental überein. Dieser schwere 

Schmerzzustand habe bereits zu einer beträchtlichen Atrophie der Oberschen-

kelmuskulatur geführt. Der hauptsächlich in der Nacht und in monotonen Halte-

stellungen auftretende lumbale Schmerz zwinge den Patienten zur Unruhe, d.h. 

zum häufigen Positionswechsel und zum Gehen. Bedeutend stärker als vor dem 

Unfall vom 4. Oktober 1998 sei der Patient gezwungen, umherzugehen, um sei-

nen Schmerzzustand durch fortgesetzte Bewegungsaktivität in Grenzen zu halten. 

Aufgrund des Zwanges zum vermehrten Gehen sei auch die Knieproblematik 

links deutlich aktiviert worden. Bereits vor den Unfällen im Jahre 1998 habe das 

linke Knie aufgrund seiner sekundären posttraumatischen Arthrose den limitieren-

den Faktor bezüglich Gehleistung und Belastbarkeit dargestellt.  

Die Gehleistung sei aufgrund der Kombination der lumbalen Schmerzproblematik 

zusammen mit der biomechanisch bedingten Arthrose-Problematik des linken 

Kniegelenkes auf wenige Schritte eingeschränkt. Der Patient sei zur Überwindung 

grösserer Strecken auf einen Rollstuhl angewiesen. 

Bemerkungen zur Unfallkausalität: Die erosive Osteochondrose sei eine Spätfolge 

der mehrfachen Traumatisierung der Wirbelsäule bzw. der Wirbelkörper auf der 

schmerzhaften Höhe. Mit der Zeit würden in derartige Wirbelkörperregionen mit 

verstärktem Umbau aufgrund der Frakturierungen Gefässe und Nervenfasern 

einwachsen, wodurch sich das Entzündungspotential in diesen Wirbelkörper-

Geweben vergrössere. Das Kniegelenk links stelle eine typische, indessen 

schwere, sekundäre Arthrose als Folge des Unfalles aus dem Jahre 1976 dar. 

Dieses Kniegelenk sei in der Zwischenzeit durch die nachfolgenden drei Unfälle 

jedes Mal in Form von mechanischen Distorsionen in Mitleidenschaft gezogen 

worden, wodurch der Arthroseprozess, der an sich selbst unterhaltend sei, be-

- 19 - 

schleunigt worden sei. Insbesondere der letzte Unfall vom 4. Oktober 1998 habe 

indirekt über die lumbalen Schmerzen zu einer Mehrbelastung des linken Knies 

geführt, wodurch sich die bereits vorhandene Arthrose zusätzlich aktiviert und 

damit den degenerativen Prozess beschleunigt habe. Der jetzige schmerzhafte 

Entzündungszustand des linken Kniegelenkes könne nicht unabhängig vom letz-

ten und den davor liegenden Unfällen gesehen werden, auch wenn das Polytrau-

ma 1976 die wesentliche Ursache darstelle. 

j) Dr. med. S._____, Bericht zuhanden der T._____ Versicherung, vom 

21. Dezember 1999 (4/11) 

Dr. S._____ stellt fest, dass die zeitlichen Entwicklungen der WS- und Knieverän-

derungen ohne die jeweiligen exakten orthopädischen klinischen Befunde und 

ohne Einsicht der bildgebenden Untersuchungsreihen nur vermutet, nicht aber 

exakt beurteilt werden könnten. 

Die aus dem Ereignis 1976 stammende Pangonarthrose sei nach dem Verkehrs-

unfall im Oktober 1998 deutlicher aufgefallen, weil der Versicherte (Kläger), durch 

die lumbalen Schmerzen zu häufigerem Positionswechsel gezwungen, eine grös-

sere Bewegungsaktivität gezeigt habe. Es liege entsprechend gemäss Beschrei-

bung eine morphologisch und funktionell erheblichste Schädigung des linken 

Kniegelenkes und eine Arthrodese des linken OSG als vorbestehender Zustand 

vor. Gemäss diesen Beschreibungen sei anzunehmen, dass diese erhebliche an 

sich fortschreitende Pangonarthrose links bei Arthrodese des linken Sprunggelen-

kes auch ohne die zusätzliche vermehrte Mobilisation als Nebenerscheinung des 

Unfalles 1998 eine endoprothetische Versorgung notwendig gemacht hätte. Eine 

richtunggebende Verschlimmerung der schweren Gonarthrose sei durch diesen 

neuen Unfall nicht erfolgt. 

- 20 - 

k) Dr. med. Q._____ und Prof. Dr. med. R._____, Austrittsbericht Rehaklinik Belli-

kon, vom 17. März 2000 (act. 4/12) 

Im September 1999 wurde dem Kläger eine Kniegelenk-Totalendoprothese ein-

gesetzt (vgl. S. 2). 

Bemerkungen zur Unfallkausalität: Bis zum Januar 1998 sei der Kläger trotz der 

Folgeschäden des schweren Unfalls von 1976 100% arbeitsfähig gewesen, wobei 

er 90% seiner Arbeitszeit im Sitzen verbracht habe. Limitierend sei bis zum Janu-

ar 1998 ein Schmerz im linken Kniegelenk gewesen, der nach 20minütigem Ge-

hen und 20minütigem Stehen aufgetreten sei. Auch im Sitzen, in Rücken- und 

Seitenlage hätten bis zum Januar 1998 keine Rückenschmerzen bestanden. 

Nach dem Unfall vom Januar 1998, der die BWK-12-Fraktur zur Folge gehabt ha-

be, habe nach drei Wochen eine Teil- und ab April 1998 eine 100%ige Arbeitstä-

tigkeit wieder aufgenommen werden können. 

Der Unfall vom Oktober 1998 habe nach starken Schmerzen zwischen den Schul-

terblättern im Oktober und November 1998 im weiteren Verlauf zu tiefer gelege-

nen Rückenschmerzen geführt, derentwegen eine Diagnostik der BWS und LWS 

mit dem Verdacht einer Refraktur von BWK 12 durchgeführt worden sei. Nach 

zehn Tagen einer 100%igen Arbeitsfähigkeit sei der Kläger ab Dezember 1998 

nur noch zu 50% arbeitsfähig gewesen. Da nur Bewegung in Form von Gehen 

seine Rückenschmerzen gelindert hätten, sei es in der Folge zu einer belastungs-

abhängigen Verstärkung der Arthroseschmerzen im linken Kniegelenk gekom-

men. Das linke Kniegelenk sei im Sommer 1999 ein begrenzender Faktor für die 

Rehabilitation der Rückenschmerzen durch ein Gehtraininig gewesen, aufgrund 

dessen mit dem Ziel einer erhöhten Belastbarkeit durch ein symmetrisches Gehen 

eine Endoprothesenoperation des linken Kniegelenkes empfohlen worden sei. 

Schlussfolgernd könne man feststellen, dass die heutige chronische Rücken-

schmerzsymptomatik Folge einer richtungsweisenden Verschlechterung der vor-

geschädigten, aber funktionell kompensierten Wirbelsäule durch die Unfälle vom 

Januar und Oktober 1998 sei. Die Vorschädigung beziehe sich auf die LWK 3-, 

- 21 - 

LWK 5- sowie die Beckenfraktur vom Unfall 1976. Die richtungsweisende Ver-

schlechterung beinhalte auch die Entwicklung der Radikulopathie der 4. Lumbal-

wurzel. 

l) Dr. med. Q._____ und Prof. Dr. med. R._____, Ergänzung zum Austrittsbericht 

Rehaklinik Bellikon vom 17. März 2000, vom 4. September 2000 (act. 4/13) 

Eine Rollstuhlversorgung sei unbestritten. Die Gehstrecke mit Hilfe der beiden 

Unterarmgehstützen sei bei einem Anstieg der Schmerzen auf maximal 400 m 

begrenzt. Es seien nicht die Arm- bzw. Handgelenksschmerzen, welche die Geh-

strecke begrenzen würden, sondern die chronisch-schmerzhafte Irritationssymp-

tomatik des thorakolumbalen Übergangsbereiches und der LWS sowie der im 

Charakter neurogene Schmerz des rechten Oberschenkels. 

m) Dr. med. U._____ und Dr. med. V._____, Bericht N._____, vom 27. Septem-

ber 2000 (act. 4/14) 

Durch den Unfall vom 4. Oktober 1998 sei es, wie sich später herausstellen sollte, 

zu einer schweren Traumatisiserung der schon vor diesem Ereignis geschädigten 

Wirbelsäule gekommen. Es habe sich, nun zur Hauptsache durch deutliche erosi-

ve Osteochondrosen bedingt, ein ausgeprägtes und schliesslich invalidisierendes 

lumbales und thorakolumbales Schmerzsyndrom entwickelt. Durch die Gesamt-

heit seiner Behinderungen sei schliesslich die Gehfähigkeit des Versicherten der-

art stark eingeschränkt gewesen, dass ihm für längere Strecken ein Rollstuhl und 

zum Zurücklegen kürzerer Distanzen Amerikanerstöcke hätten verordnet werden 

müssen. 

n) Dr. med. S._____, Bericht zuhanden der T._____ Versicherung, vom 

17. Dezember 2001 (4/15) 

Da die Vorunfälle bereits zu deutlichen Beschwerden und Veränderungen geführt 

hätten, werde selbst nach Befragung und Untersuchung des Klägers von den Ex-

perten Prof. M._____ einerseits und von Prof. R._____ andererseits die Ursa-

chenaufteilung als sehr schwierig erkannt. 

- 22 - 

Bei Berücksichtigung der schweren Verletzungen des Kniegelenkes 1976 und der 

Arthrodese des linken OSG und dem Status nach Hüftluxation sei der Verlauf zu 

einer Endoprothese auch ohne Beschleunigung durch spätere WS-Traumata und 

entsprechende Mehrbelastungen erfahrungsgemäss vorgezeichnet gewesen. Es 

handle sich auf Grund der vorliegenden Informationen um eine schicksalhafte 

Weiterentwicklung der seit 1967, spätestens 1976 bestehenden schweren Schä-

digung des linken Kniegelenkes. Die Notwendigkeit der Knieendoprothese links 

wäre auch ohne die neuen Ereignisse zu erwarten gewesen. 

Bezüglich der Invalidisierung durch das WS-Leiden sei eine Abschätzung der 

Kausalitäten nach Meinung von Dr. S._____ schwieriger. Die beiden Ereignisse 

1998 hätten die WS betroffen und mit grosser Wahrscheinlichkeit die Wirbelfraktur 

(evtl. aber auch Refraktur oder Acerbation?) BWK 12 verursacht. Die vorbeste-

henden, von früheren Ereignissen stammenden LWK-Frakturen und die Fehlbe-

lastung durch vorbestehende Hüft- Knie- und OSG-Veränderungen und Becken-

fraktur und die Beinlängendifferenz hätten zweifellos den Heilverlauf verzögert 

und seien wesentlich mitverantwortlich für das heutige unbefriedigende WS Re-

sultat. Auf Grund der vorliegenden Informationen seien nach Meinung von Dr. 

S._____ die Ereignisse 1998, insbesondere das Ereignis vom 4. Oktober 1998 

teilkausal für den heutigen Anteil der Wirbelsäulenbeschwerden an der Gesamt-

behinderung. Arithmetisch sei der prozentuale Anteil seines Erachtens nicht zu er-

rechnen.  

m) Dr. med. W._____, Gutachten für die Beklagte, vom 11. April 2011  

(act. 24/1) 

Beurteilung: Vom Unfallereignis vom 4. Oktober 1998 allein wäre eine fortdauern-

de Exazerbation der Beschwerden nicht zu erwarten, auch wenn der Kläger sub-

jektiv seine Beschwerden fälschlicherweise v.a. diesem Unfall zuschreibe. Der 

Unfall vom 4. Oktober 1998 sei durchaus geeignet gewesen, vorübergehend Be-

schwerden zu verstärken, eine richtunggebende Verschlechterung könne er je-

doch nicht sehen. Eine Refraktur von BWK 12 sei nie belegt worden. Das ausge-

prägte und invalidisierende lumbale und thorakolumbale Schmerzsyndrom infolge 

der Osteochondrosen sei nicht dem Unfall vom 4. Oktober 1998 anzulasten. Die 

- 23 - 

heutige Invalidität sei nicht Folge des Unfalls vom 4. Oktober 1998, sondern der 

früheren Unfälle. Er sehe im Unfall vom 4. Oktober 1998 auch nicht eine Teilursa-

che für die heutige Invalidität. 

2.4.3. Folgerungen  

2.4.3.1. Vorprozessual erstattete Arztberichte und Gutachten sind grundsätzlich 

in die Beweiswürdigung einzubeziehen, soweit keine Anhaltspunkte bestehen, 

dass es sich um Falsch- oder Gefälligkeitsdiagnosen handelt. Solches wird von 

den Parteien nicht behauptet. Der Kläger macht betreffend die Feststellungen in 

den Berichten von Dr. med. S._____ lediglich geltend, dass es sich hierbei um 

den Vertrauensarzt der T._____ Versicherung handle, weswegen seine Beurtei-

lung im Zweifel sicher eher zugunsten der "T._____" tendiere (act. 1 S. 11 Rz. 

14). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung im Sozialversicherungsrecht 

kommt Berichten und Gutachten der versicherungsinternen Kreisärzte ohne Wei-

teres Beweiswert zu (vgl. BGE 122 V 157). Diese Rechtsprechung kann für den 

Haftpflichtprozess nicht einfach übernommen werden, da vorprozessualen Gut-

achten nicht dieselbe Bedeutung zukommt wie einem gerichtlich eingeholten Gut-

achten gemäss § 171 ff. ZPO/ZH. Von einer Partei eingeholte Privatgutachten, 

wie das von der Beklagten eingereichte Gutachten von Dr. med. W._____ (act. 

24/1), haben grundsätzlich nur die Bedeutung von Parteibehauptungen 

(Frank/Sträuli/ Messmer, Kommentar zur zürcherischen Zivilprozessordnung, Zü-

rich 1997, N 4 vor §§ 171 ff., mit Hinweisen; vgl. auch ZR 105 [2006] Nr. 77).  

2.4.3.2. Nach Betrachtung der oben aufgeführten medizinischen Berichte fällt 

auf, dass diese hinsichtlich der bei den verschiedenen Unfällen erlittenen Verlet-

zungen durchwegs gleichlautend ausfallen und sich an sich nicht widersprechen. 

Auch die vom Kläger behauptete, beim Unfall vom 4. Oktober 1998 angeblich er-

littene Refraktur der BWK12 wurde von keinem der untersuchenden Ärzte mit Si-

cherheit bestätigt. In den einzelnen Berichten werden diesbezüglich lediglich 

Vermutungen angestellt. Widersprüche finden sich erst bei der Kausalitätsbeurtei-

lung. Die festgestellten medizinischen Verletzungen werden von den Parteien 

denn auch nicht bestritten. In ihren Behauptungen weichen sie grundsätzlich erst 

hinsichtlich der Folgen und Auswirkungen der Verletzungen voneinander ab. 

- 24 - 

Demnach kann zunächst einmal festgehalten werden, dass der Kläger beim Unfall 

von 1976 u.a. folgende Verletzungen erlitt: Gehirnerschütterung, Plexusläsion lin-

ker Arm mit persistierender Dysästhesie und gewisser Kraftverminderung, L3-, 

L5- und Beckenfraktur, Verletzung linkes Oberschenkelgelenk mit Folge der 

Oberschenkelgelenk-Versteifung in Spitzfussstellung, schwere offene Knieverlet-

zung links mit posttraumatischer Arthrose (vgl. act. 4/10, 4/12, 4/14).  

 Unbestritten ist, dass der Kläger von der schweren Knieverletzung 1976 eine 

diesbezügliche bleibende Behinderung davontrug. Das linke Knie stellte aufgrund 

einer sekundären posttraumatischen Arthrose den limitierenden Faktor bezüglich 

Gehleistung und Belastbarkeit dar. Zusammen mit der gleichseitigen Fussverstei-

fung führte dies schliesslich dazu, dass der Kläger 1987 von Dr. med. J._____ für 

nur noch sitzende Tätigkeit geeignet erachtet wurde. Unbestritten ist aber auch, 

dass der Kläger trotz dieser Knieverletzung bis zum 4. Oktober 1998 zu 100% ar-

beitsfähig war, und er seit seiner Umschulung zu sitzender Tätigkeit 1987, mit 

Ausnahme der verletzungsbedingten Unterbrüche aufgrund der Stürze in den 

Jahren 1992, 1993 und im Januar 1998, auch immer zu 100% arbeitstätig war. 

Dass er zum Gehen auf einen Stock angewiesen war, bestreitet der Kläger nicht 

(act. 18 S. 4 zu Ziff. 4.4.). 

 Allerdings wurde das linke Knie durch jeden der dem Unfall von 1976 nach-

folgenden Stürze in Form von mechanischen Distorsionen in Mitleidenschaft ge-

zogen. Einig sind sich die untersuchenden Ärzte, dass der Kläger durch die nach 

dem Unfall vom Oktober 1998 aufgetretenen lumbalen Schmerzen (hierzu aus-

führlicher nachfolgend) zu häufigeren Positionswechseln und zu vermehrter Be-

wegung gezwungen gewesen sei. Dr. Q._____ und Prof. Dr. R._____ beurteilen 

das Kniegelenk links als eine typische, indessen schwere, sekundäre Arthrose als 

Folge des Unfalles aus dem Jahre 1976. Durch die nachfolgenden drei Unfälle sei 

es jedes Mal in Form von mechanischen Distorsionen in Mitleidenschaft gezogen 

worden, wodurch sich der Arthroseprozess, der an sich selbst unterhaltend sei, 

beschleunigt habe. Durch die vermehrte Bewegung nach dem Unfall vom 4. Ok-

tober 1998 sei die bereits vorhandene Arthrose zusätzlich aktiviert worden und 

habe damit den degenerativen Prozess beschleunigt. Sie kommen zum Schluss, 

- 25 - 

dass der jetzige schmerzhafte Entzündungszustand des linken Kniegelenkes nicht 

unabhängig vom letzten und den davor liegenden Unfällen gesehen werden kön-

ne, auch wenn das Polytrauma 1976 die wesentliche Ursache darstelle (vgl. act. 

4/10). Dr. S._____ kommt betreffend das Kniegelenk hingegen zum Schluss, dass 

durch die schwere Gonarthrose des linken Kniegelenkes auch ohne die vermehrte 

Mobilisation als Nebenerscheinung des Unfalles vom Oktober 1998 die Notwen-

digkeit einer Knieendoprothese links zu erwarten gewesen wäre. Er sieht keine 

richtunggebende Verschlimmerung der schweren Gonarthrose durch den Unfall 

vom 4. Oktober 1998 (vgl. act. 4/11).  

 Beim Sturz auf das Gesäss erlitt der Kläger am 21. Januar 1998 sodann ei-

ne BWK 12 Fraktur. Dies wird von der Beklagten nicht bestritten. Ab April 1998 

war der Kläger wieder zu 100% arbeitsfähig und -tätig. Die Diagnose beim Unfall 

vom 4. Oktober 1998 lautete einstimmig auf Thoraxkontusion, leichte HWS-

Distorsion sowie fragliche Refraktur BWK 12. Dies wird vom Kläger auch nicht 

bestritten. Der Kläger war denn auch ab Dezember 1998 wieder zu 50% arbeitstä-

tig. In der Folge stellten sich jedoch offenbar im November und Dezember starke 

Rückenschmerzen ein im Bereiche des Kreuzes und am Übergang zwischen 

Brustwirbelsäule und Lendenwirbelsäule (thorakolumbaler Übergang). Bei einer 

Kernspintomographie des caudalen Teiles der Brustwirbelsäule und der Lenden-

wirbelsäule am 22. April 1999 wurde die alte BWK 12 Fraktur sichtbar, sodann 

wurden Osteochondrosen (Veränderung des Bandscheibenknorpels mit einer be-

gleitenden Reaktion des Wirbelkörpers) im Bereiche L2/3 und L5/S1 mit fettiger 

Degeneration der bandscheibennahen Wirbelkörperabschnitte diagnostiziert, so-

dann eine Facettengelenksarthrose L4/5, links ausgeprägter als rechts (act. 4/6). 

Eine Refraktur der BWK 12 anlässlich des Unfalles vom 4. Oktober 1998 konnte 

nicht sicher festgestellt werden. 

 Dr. Q._____ und Dr. R._____ bemerken, dass eine wie beim Kläger nach-

gewiesene erosive Osteochondrose innerhalb des Bewegungssegmentes LWK 

2/3 häufig mit ganz hartnäckigen, beträchtlichen Schmerzen einher gehe, die zu 

einer von der Wirbelsäule ausgehenden (spondylogenen) Schmerzausstrahlung 

führen würde. Diese erosive Osteochondrose sei eine Spätfolge der mehrfachen 

- 26 - 

Traumatisierung der Wirbelsäule bzw. der Wirbelkörper auf der schmerzhaften 

Höhe. Mit der Zeit würden in derartige Wirbelkörperregionen mit verstärktem Um-

bau aufgrund der Frakturierungen Gefässe und Nervenfasern einwachsen, 

wodurch sich das Entzündungspotential in diesen Wirbelkörpergeweben vergrös-

sere (act. 4/8). Schlussfolgernd stellen sie fest, dass die heutige chronische Rü-

ckenschmerzsymptomatik Folge einer richtungsweisenden Verschlechterung der 

vorgeschädigten, aber funktionell kompensierten Wirbelsäule durch die Unfälle 

vom Januar und Oktober 1998 sei (act. 4/12). Die chronisch-schmerzhafte Irritati-

onssymptomatik des thorakolumbalen Übergangsbereiches und der Lendenwir-

belsäule sowie der im Charakter neurogene Schmerz des rechten Oberschenkels 

würden die Gehstrecke des Klägers begrenzen (act. 4/13). Dr. U._____ und  

Dr. V._____ halten im Bericht der N._____ ebenfalls fest, dass sich beim Kläger, 

zur Hauptsache durch deutliche erosive Osteochondrosen bedingt, ein ausge-

prägtes und schliesslich invalidisierendes lumbales Schmerzsyndrom entwickelt 

habe. Durch die Gesamtheit seiner Behinderungen sei schliesslich die Gehfähig-

keit des Versicherten derart stark eingeschränkt gewesen, dass ihm für längere 

Strecken ein Rollstuhl und zum Zurücklegen kürzerer Distanzen Amerikanerstö-

cke hätten verordnet werden müssen (act. 4/14). Schliesslich hält auch Dr. 

S._____ das Ereignis vom 4. Oktober 1998 für teilkausal für den heutigen Anteil 

der Wirbelsäulenbeschwerden an der Gesamtbehinderung (act. 4/15). 

2.4.3.3. Da die Beklagte die vom Kläger behauptete Kausalität bestreitet und 

zudem geltend macht, dass die Gehfähigkeit des Klägers vor dem Unfall bereits 

erheblicher eingeschränkt gewesen sei, als dass dies der Kläger behaupte, wurde 

dem Kläger der Hauptbeweis dafür auferlegt, dass der Unfall vom 4. Oktober 

1998 bei ihm ein erneutes Schmerzproblem im Rückenbereich in Gang gesetzt 

hat und Ursache einer richtungsweisenden Verschlechterung der vorgeschädig-

ten, aber funktionell kompensierten Wirbelsäule war, dass die Verschlimmerung 

der Vorzustände seine Rollstuhlabhängigkeit und dauernde und zermürbende 

Schmerzen zur Folge hatte, sowie, dass er vor dem 4. Oktober 1998 in 15-20 Mi-

nuten eine Gehstrecke von 2 km mit kurzen Pausen gut bewältigen konnte und 

problemlos den Arbeitsweg zu Fuss und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln be-

wältigen konnte (Beweissätze I.1.1-1.6).  

- 27 - 

Der Beklagten stand demgegenüber der Gegenbeweis dafür offen, dass die Vor-

zustände des Klägers auch ohne das Unfallereignis vom 4. Oktober 1998 zur 

Rollstuhlabhängigkeit und zu dauernden und zermürbenden Schmerzen geführt 

hätten (Beweissatz II.1). 

Zu seiner Gehfähigkeit bestätigte der Kläger in der persönlichen Befragung, dass 

er vor dem Unfall vom 4. Oktober 1998 mit dem Zug und dem Bus zur Arbeit nach 

Zürich gefahren sei. Dabei habe er Strecken von 500 und 200 Meter, pro Tag zu-

sammengerechnet wohl etwa zwei Kilometer, zu Fuss zurückgelegt, was er mit 

dem Stock problemlos habe bewältigen können. Er habe in 15-20 Minuten eine 

Gehstrecke von zwei Kilometern mit kurzen Pausen gut bewältigen können, wobei 

es sich dabei um eine Schätzung seinerseits handle (Prot. S. 32 f.).  

AA._____, der Bruder des Klägers, sagte als Zeuge aus, der Kläger sei vor dem 

Unfall vom 4. Oktober 1998 teilweise mit dem Zug, teilweise auch mit dem Auto 

zur Arbeit gefahren; vom Bus zum Bahnhof habe er auch ein wenig laufen müs-

sen (Prot. S. 41). Man sei gelegentlich auch in den Ferien zusammen spaziert, er 

würde sagen zwei Kilometer in 20-30 Minuten. Es gehe eher unter Schlendern als 

unter Laufen (Prot. S. 42). 

Der Zeuge Dr. L._____, seit Januar 1998 der Hausarzt des Klägers, erklärte, der 

Kläger sei seines Wissens vor dem Unfall vom 4. Oktober 1998 mit dem Auto zur 

Arbeit gelangt. Er habe viel weitere Strecken laufen können und sein Gang sei 

aufrechter gewesen; er habe auch insbesondere viel weniger gehinkt als jetzt. Er 

denke eher nicht, dass der Kläger vor dem Unfall eine Gehstrecke von zwei Kilo-

metern in 15-20 Minuten mit kurzen Pausen gut habe bewältigen können (Prot.  

S. 57). 

Angesichts der Aussagen der Zeugen ist nicht erstellt, dass der Kläger seiner Be-

hauptung entsprechend problemlos in 15-20 Minuten zwei Kilometer zurücklegen 

konnte; dies umso mehr, als normalerweise von einer durchschnittlichen mensch-

lichen Gehgeschwindigkeit von 5 km/h - also 12 Minuten pro Kilometer - ausge-

gangen wird (vgl. z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/Gehen, aufgerufen am 16. April 

2014). Immerhin ist aber gestützt auf die Zeugenaussagen davon auszugehen, 

- 28 - 

dass der Kläger vor dem hier relevanten Unfall mit Hilfe eines Stocks durchaus 

mobil war und, mit Unterbrüchen, auch Gehdistanzen von zwei Kilometern zu 

Fuss bewältigen konnte. Auf die zahlreichen auch zu diesem Beweisthema ange-

rufenen Urkunden braucht bei diesem Ergebnis nicht näher eingegangen zu wer-

den. 

Die Unfallfolgen beschrieb der Kläger in seiner persönlichen Befragung so, dass 

er andauernd Schmerzen habe und deshalb auf Medikamente angewiesen sei. 

Die Schmerzen im Rücken seien so stark, dass er Lähmungsausstrahlungen ins 

rechte Bein habe. Er könne nur kurze Strecken gehen und sei auf den Rollstuhl 

angewiesen (Prot. S. 29). Vor dem Unfall habe er sich mit Hilfe eines Stocks auf 

der rechten Seite normal bewegen können und habe eigentlich auch keine 

Schmerzen gehabt, höchstens dann, wenn er einmal viel gegangen sei und 

dadurch eine Überlastung stattgefunden habe. Auf Ergänzungsfrage erläuterte er 

(S. 35 f.), dass es sich um Knieschmerzen gehandelt habe. Er habe die ganze 

Zeit 100% arbeiten können. Rückenschmerzen habe er höchstens im Zusam-

menhang mit einem Hexenschuss gehabt, was aber höchstens einen Tag gedau-

ert habe (S. 29). Nun habe er täglich seine Medikamente, damit er einigermassen 

leben könne, und müsse stark auf seine Bewegungen aufpassen, damit er sich 

nicht überlaste. Alles was mit Laufen (gemeint: Gehen) zu tun habe, verstärke 

seine Schmerzen im Rücken. Die Schmerzen seien ohne Medikamente sehr stark 

und in einem gewissen Rahmen dauernd; durch die Belastung stiegen sie an  

(S. 30). Auf den Rollstuhl sei er angewiesen, weil die nach einer kurzen Gehdis-

tanz zunehmenden Schmerzen im Rücken ins rechte Bein ausstrahlten, so dass 

er dieses nicht mehr belasten könne und gleichzeitig das linke Bein zu wenig 

stark sei, als dass er sich auf dieses abstützen könnte. Mit der Schulter könne er 

dies nicht ausgleichen, da er auch mit der Schulter Probleme habe (S. 31). 

Der Zeuge Dr. L._____ erklärte, der Unfall habe insbesondere eine massive Zu-

nahme von Schmerzen bewirkt. Der Kläger habe Schmerzen im Brustbereich, 

aber auch vor allem in der Lendenwirbelsäule und in der Halswirbelsäule. Es 

handle sich vor allem um eine Schmerzzunahme. Daneben bestehe auch eine 

Verschlechterung seiner bisherigen Mobilität (Prot. S. 53). Von einer im Januar 

- 29 - 

1998 bei einem Unfall erlittenen Fraktur hätten zwar gewisse Restbeschwerden 

bestanden; die Schmerzen seien aber abgeklungen gewesen. Der Kläger habe 

ihn auch ab und zu wegen Rückenschmerzen aufgesucht, die jedoch nicht häufi-

ger aufgetreten seien als bei der übrigen Durchschnittsbevölkerung (S. 53). Der 

Zeuge bestätigte als zutreffend, dass der Unfall vom 4. Oktober 1998 Ursache ei-

ner richtungsweisenden Verschlechterung der vorgeschädigten, aber funktionell 

kompensierten Wirbelsäule des Klägers war (S. 54). Der Kläger habe auch vorher 

teilweise Schmerzen in der Wirbelsäule gehabt, aber sicher nicht in dieser Intensi-

tät. Man könne auf keinen Fall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sagen, dass 

die heutigen Schmerzen einen Zusammenhang mit den Vorzuständen hätten. Der 

Kläger wäre ohne den Unfall vom 4. Oktober 1998 eher nicht vom Rollstuhl ab-

hängig geworden. Das sei eine Verletzung gewesen, die die ganze Sache ver-

schlechtert habe. Das sehe man auch daran, dass der Kläger immer noch regel-

mässig Tramal brauche, ein starkes Schmerzmittel (S. 55). 

Beide Parteien beriefen sich sodann auf eine medizinische Expertise, die in Form 

eines kombinierten Gutachtens bei den Ärzte PD Dr. F._____ (Facharzt FMH für 

Rheumatologie sowie Physikalische Medizin und Rehabilitation) und PD Dr. 

G._____ (Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Be-

wegungsapparates) in Auftrag gegeben wurde (act. 72, 73). Im Lauf der Begut-

achtung stellte sich heraus, dass die beiden Experten sich in ihren Schlussfolge-

rungen nicht einig waren (act. 120; 122/1-2), so dass sie ihre Gutachten separat 

einreichten (act. 123; 127). 

Die Parteien nannten zum Beweis schliesslich eine Reihe von Urkunden (vgl. act. 

36 S. 2 ff.), die zu einem grossen Teil bereits vorstehend in Ziff. 2.4.2 resümiert 

wurden. Diese Urkunden, einschliesslich der durch Edition beigezogenen weite-

ren Unterlagen (act. 51/1-47, 54, 65/1-226 und 67/1-2), wurden den Gutachtern 

zwecks Erstellung der Expertise zur Verfügung gestellt (vgl. act. 73). 

PD Dr. F._____ hält in seinem Gutachten (act. 123) fest, dass der Kläger bei dem 

Unfall vom 4. Oktober 1998 eine Thoraxkontusion erlitten und Rückenschmerzen 

entwickelt habe. Zunächst habe er versucht, sich mit zwei Stöcken in der Rehabi-

litation wieder fortzubewegen, habe das aber wegen Zunahme der Schmerzen im 

- 30 - 

Schultergürtelbereich wie auch in der LWS aufgeben müssen und sich mit dem 

Rollstuhl bewegt. Seit dem Unfall seien auch Schmerz und Kältegefühl im rechten 

Unterschenkel und Fuss aufgetreten. Er habe Dauerschmerzen im Bereich der 

LWS und vermehrte Kraftminderung im Bein beidseits (S. 7 Ziff. 1). Durch die 

Thoraxkontusion habe der Kläger Rückenschmerzen entwickelt, welche sich nach 

proximal und kaudal ausgedehnt hätten; diese Beschwerden hätten vor dem Un-

fall nicht bestanden (S. 7 Ziff. 2). Es sei davon auszugehen, dass der Kläger 

durch diesen Unfall richtungsweisend geschädigt worden sei. Weshalb dieser Rü-

ckenschmerz aufgetreten und geblieben sei, könne aufgrund der bildgebenden 

Verfahren nicht belegt werden. Es müsse von einer Störung des schmerzverarbei-

tenden Systems durch den Unfall ausgegangen werden (S. 7 Ziff. 3). Der Um-

stand, dass der Kläger mit zwei Stöcken keine grösseren Distanzen habe zurück-

legen können, habe zum Einsatz des Rollstuhls geführt. Der Unfall vom 4. Okto-

ber 1998 habe mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zur Verschlimmerung der 

Vorzustände, mitunter offensichtlich zu einer neuen Störung des Schmerzsystems 

geführt. Beim Kläger werde keine jahrelange Rückenanamnese beschrieben; der 

Gutachter sehe keinen rationalen medizinischen Grund, wieso der Patient ohne 

den letzten Unfall auf den Rollstuhl angewiesen wäre (S. 7 f. Ziff. 4). Der Kläger 

habe durch den Unfall vom 4. Oktober 1998 dauernde und zermürbende Schmer-

zen, wobei nicht entschieden werden könne, ob die Schmerzen die Verschlimme-

rung des Vorzustandes seien oder ob der Unfall alleine dazu geführt habe. Es 

könne nicht beantwortet werden, ob und wann auch ohne das Unfallereignis dau-

ernde und zermürbende Schmerzen aufgetreten wären (S. 8 Ziff. 5). 

Demgegenüber gelangt PD Dr. G._____ (act. 127) zur Beurteilung, dass das Er-

eignis vom 4. Oktober 1998 beim Kläger "zwar zu keinen objektivierbaren körper-

lichen Läsionen führte, jedoch sein muskuloskelettär gerade noch stehendes, labi-

les 'Kartenhaus' quasi zum Einsturz" gebracht habe. Das Ereignis sei somit zwar 

als systemischer Manifestationsfaktor der in der Folge dekompensierten Gonarth-

rose links, der damit verbundenen Schulterbelastung etc. temporär zu akzeptie-

ren. Es könne ihm jedoch lediglich der Stellenwert eines Präzessionsfaktors im 

natürlich zu erwartenden Spontanverlauf zugestanden werden (S. 17). Es sei ein 

Zeitraum von drei bis - in höchster Kulanz - sechs Monaten bis zum Erreichen des 

- 31 - 

Status quo sine vorzuschlagen (S. 17). Auf die gestellten Fragen antwortet der 

Gutachter folglich, dass sich thorakolumbale Beschwerden erst später in Folge 

der einseitigen Belastung durch die aus dem Ruder laufende posttraumatische 

Gonarthrose links etabliert hätten; die durch das Unfallereignis eingetretene Be-

schwerdevermehrung sei geeignet, eine temporäre Verschlechterung zu induzie-

ren (S. 18). Die Rollstuhlversorgung sei nötig geworden, da der Kläger "zufolge 

der evolutiv instabilen Kniesituation links (…) und der damit verbundenen Trigge-

rung der Lumbalbeschwerden zunehmend Gewicht auf die Stockentlastung umla-

gern musste, was bei Status nach Plexusläsion links zunehmend mit der Stock-

entlastung rechts und der mit dem linken Arm nur noch teilweise möglichen Stütz-

funktion dann für längere Strecken nicht mehr möglich war" (S. 19). Die Evolution 

der Vorzustände, namentlich an Knie und unterer Wirbelsäule, hätten aus gut-

achterlicher Sicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auch ohne das Ereignis 

vom 4. Oktober 1998 aus dem natürlichen Verlauf heraus zu analogen Schmer-

zen geführt. Das Ereignis habe aber die Bedeutung eines Manifestationsfaktors 

im Sinne einer Präzession des mutmasslichen natürlichen Verlaufs des aus dem 

Ruder laufenden instabilen Gonarthrose und der unter Fehlbelastung manifesten 

Alterationen der unteren Wirbelsäule Th12-S1 (S. 19 f.). 

Die Beklagte verzichtet in ihrer Stellungnahme zum Beweisergebnis darauf, weite-

re Erläuterungen oder Ergänzungen oder die Bestellung eines dritten Sachver-

ständigen zu beantragen, da sie der Meinung ist, die gestellten Fragen liessen 

sich rechtsgenügend beantworten (act. 133 S. 1); sie findet, es sei auf das Gut-

achten von PD Dr. G._____ abzustellen, das einlässlich, sehr detailliert, differen-

ziert, widerspruchsfrei, nachvollziehbar, klarer und überzeugender sei (act. 133 S. 

2). Der Kläger misst demgegenüber dem Gutachten von PD Dr. F._____ vollen 

Beweiswert zu, während er dasjenige von PD Dr. G._____ in verschiedener Hin-

sicht kritisiert (act. 134 S. 2 ff.); für den Fall, dass das Gericht wegen der divergie-

renden Schlussfolgerungen der beiden Gutachter begründete Zweifel haben soll-

te, beantragt der Kläger die Anordnung eines gerichtlichen medizinischen Ober-

gutachtens (act. 134 S. 8; vgl. auch act. 137). 

- 32 - 

Das Gericht lässt ein unvollständiges, unklares oder nicht gehörig begründetes 

Gutachten nach § 181 Abs. 1 ZPO/ZH von Amtes wegen ergänzen oder erläutern. 

Gemäss Abs. 2 derselben Bestimmung bestellt es einen neuen Sachverständi-

gen, wenn es das Gutachten für ungenügend hält. Mängel sind nach Abs. 1 mög-

lichst durch Verbesserung des Gutachtens zu beheben, also durch Erläuterung 

oder Ergänzung. Ein neues Gutachten nach Abs. 2 von § 181 ZPO/ZH ist anzu-

ordnen, wenn das erste Gutachten trotz erfolgter Verbesserung nicht genügt oder 

eine Verbesserung im vornherein keinen Erfolg verspricht. Entscheidend ist, ob 

der Richter das vorliegende Gutachten als ungenügend betrachtet, sei es, dass 

dem Experten die erforderlichen Kenntnisse oder die nötige Unbefangenheit ab-

geht, sei es, dass sein Gutachten aus andern Gründen nicht zu überzeugen ver-

mag. Auch einem Gutachten gegenüber besteht freie Beweiswürdigung. Der 

Richter hat allgemein die Befähigung des Sachverständigen zu prüfen, sowie ob 

seine Schlüsse gehörig und überzeugend begründet sind und die tatsächlichen 

Feststellungen mit den Akten übereinstimmen (Frank/Sträuli/Messmer, a.a.O., N 4 

f. zu § 180 ZPO/ZH). 

Trotz vordergründig abweichendem Ergebnis besteht vorliegend allerdings kein 

Anlass zur Verbesserung der Gutachten oder zur Einholung eines Obergutach-

tens. Auch PD Dr. G._____ gelangt nämlich wie gesehen zum Schluss, dass der 

Unfall vom 4. Oktober 1998 den Mechanismus ausgelöst hat, der schliesslich zur 

Rollstuhlversorgung wie auch zu den anhaltenden thorakolumbalen Beschwerden 

geführt hat. PD Dr. F._____ weist darauf hin, dass das Auftreten und Andauern 

des Rückenschmerzes aufgrund der bildgebenden Verfahren nicht zu belegen 

sei, und geht von einer Störung des schmerzverarbeitenden Systems durch den 

Unfall aus; gleichzeitig kann er nicht entscheiden, ob die Schmerzen die Ver-

schlimmerung des Vorzustandes seien oder ob der Unfall alleine dazu geführt ha-

be und ob und wann auch ohne das Unfallereignis dauernde und zermürbende 

Schmerzen aufgetreten wären. Dr. G._____ hingegen ist der Meinung, dass die 

Vorzustände des Knies und der unteren Wirbelsäule mit überwiegender Wahr-

scheinlichkeit auch ohne das Ereignis vom 4. Oktober 1998 aus dem natürlichen 

Verlauf heraus zu analogen Schmerzen geführt hätten. Der wesentliche Unter-

schied in den beiden Gutachten liegt darin, dass Dr. G._____ von einem Errei-

- 33 - 

chen des "status quo sine" bezüglich des Ereignisses vom 4. Oktober 1998 spä-

testens im April 1999 bzw. am 28. April 1999 ausgeht (act. 127 S. 20). 

Während der soziale Unfallversicherer seine Leistungen einstellen kann, wenn 

der Gesundheitszustand des Versicherten derselbe ist wie vor dem Unfall ("status 

quo ante") oder aber so, wie er es auch ohne Unfall wäre ("status quo sine"), ge-

nügt es für die Leistungspflicht des Haftpflichtigen, dass der natürliche Kausalzu-

sammenhang im Zeitpunkt des Unfalls gegeben ist. Es reicht aus, dass der An-

knüpfungssachverhalt im Zeitpunkt des Schadensereignisses den Auslöser des 

Gesundheitsschadens in seinem ganzen Verlauf bildet. Ist der haftungsbegrün-

dende Ursachen- und Verantwortungszusammenhang initial hergestellt, kann er 

nachträglich als solcher nicht mehr entfallen. Mitwirkenden unfallfremden Fakto-

ren kann aber bei gegebenen Voraussetzungen im Rahmen der Schadenersatz-

berechnung bzw. -bemessung nach Art. 42-44 OR Rechnung getragen werden 

(Urteil des Bundesgerichts 4A_65/2009 vom 17. Februar 2010; vgl. dazu HAVE 

2010 156 f.; HAVE 2011 32 ff.; Hürzeler/Tamm/Biaggi, Personenschadensrecht, 

Basel 2010, Rz 284). 

Für die Frage der Bejahung oder Verneinung der natürlichen Kausalität steht vor-

liegend demnach nicht im Vordergrund, ob und wann beim Kläger der "status quo 

sine" erreicht war. Beide Gutachten stellen fest, dass der Unfall vom 4. Oktober 

1998 zumindest ein auslösender Faktor für die in der Folge aufgetretenen 

Schmerzen und die Rollstuhlgebundenheit darstellte. Übereinstimmend haben die 

Gutachter mittels der bildgebenden Verfahren keine Hinweise auf durch den Un-

fall bedingte Verletzungen als Ursache für die Rückenschmerzen erkennen kön-

nen. Auch PD Dr. G._____ hält jedoch dafür, dass dieses Ereignis das "Karten-

haus" zum Einsturz brachte, mithin also die negative Entwicklung in Gang setzte. 

Auch wenn er dem Unfall vom 4. Oktober 1998 lediglich den Stellenwert eines 

Präzessionsfaktors zumisst, also eines Faktors, der den seiner Meinung nach oh-

nehin zu erwartenden Verlauf vorverschob, so verneint er damit nicht, dass das 

Auftreten der Schmerzen sowie die sich daraus ergebende Rollstuhlgebundenheit 

zumindest zunächst unfallkausal waren. Weiterungen im Sinne von Gutachten-

sergänzungen oder -erweiterungen können unter diesen Umständen unterbleiben. 

- 34 - 

2.4.4. Schlussfolgerung zum natürlichen Kausalzusammenhang 

 Zusammenfassend ergibt sich, dass nach dem Beweisgrad der überwiegen-

den Wahrscheinlichkeit keine Zweifel bestehen, dass sich die lumbale Schmerz-

symptomatik, selbst wenn ihr Ursprung in erosiven Osteochondrosen läge, auf-

grund des Unfalles vom 4. Oktober 1998 entwickelt hat und diese angesichts der 

Vorzustände nur unbefriedigend oder gar nicht rehabilitiert werden konnte. Umge-

kehrt haben sich die Vorzustände, insbesondere die Knieproblematik, durch die 

Rehabilitation der Wirbelsäulenproblematik (Zwang zum vermehrten Gehen) ver-

schlechtert. Dass der Kläger nach dem Unfall vom 4. Oktober 1998 eine Zeitlang 

wieder zu 50% gearbeitet hat, kann ihm nicht angelastet werden. Vielmehr zeigt 

dies seine Bemühungen, wieder arbeiten zu wollen. Aufgrund des Beweisergeb-

nisses ist auch klar, dass der Prozess, der schliesslich zur Rollstuhlversorgung 

des Klägers führte, ein langwieriger war und nicht als allein durch den Unfall aus-

gelöstes einmaliges Moment angesehen werden kann, von diesem jedoch auch 

nicht gänzlich unabhängig ist.  

 Es ist unbestritten, dass der Unfall vom 4. Oktober 1998 für sich alleine nicht 

zu den jetzigen Gesundheitsbeeinträchtigungen des Klägers geführt hätte. In An-

betracht dessen, dass es zur Bejahung der natürlichen Kausalität aber ausreicht, 

dass der Unfall eine Teilursache der jetzigen gesundheitlichen Beschwerden dar-

stellt, vermag dies am Ergebnis nichts zu ändern. Auf die Frage, wie den beste-

henden Vorzuständen Rechnung zu tragen ist, wird noch zurück zu kommen sein. 

2.4.5. Adäquater Kausalzusammenhang 

2.4.5.1. Zusätzlich zum Nachweis des natürlichen Kausalzusammenhangs ist 

die weitere Frage der Adäquanz zu klären. Dabei handelt es sich um eine allein 

vom Richter zu beurteilende Rechtsfrage (ZR 102 Nr. 36). Ein Ereignis hat dann 

als adäquate Ursache eines Erfolges (z.B. Schadens) zu gelten, wenn es nach 

dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an 

sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der 

Eintritt des Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint 

(BGE 132 III 715, 123 III 112 E. 3a; 122 V 415 E. 2a; 121 V 49 E 3.a; 121 III 363 

- 35 - 

E. 5). Dabei genügt haftpflichtrechtlich, dass der Schädiger eine Ursache gesetzt 

hat, die nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge geeignet war den Schaden her-

beizuführen und ohne die es nicht zum Schaden gekommen wäre, während Mit-

ursachen wie etwa die konstitutionelle Prädisposition der geschädigten Person 

den adäquaten Kausalzusammenhang in der Regel weder zu unterbrechen noch 

auszuschliessen vermögen (Urteil des Bundesgerichts 4A_540/2010 vom 8. Feb-

ruar 2011, E. 1.2). Für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ist 

kein allzu strenger, sondern ein realitätsgerechter Massstab anzulegen. 

2.4.5.2. Wie dargelegt steht der natürliche Kausalzusammenhang mit überwie-

gender Wahrscheinlichkeit fest. Bei dieser Sachlage ist auch die Adäquanz zu be-

jahen. Ein Unfall wie derjenige vom 4. Oktober 1998 ist nach dem gewöhnlichen 

Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung durchaus geeignet, eine 

gesundheitliche Beeinträchtigung zu verursachen, welche in der Folge und auf-

grund der Vorzustände des Klägers zu den eingetretenen Beschwerden des Klä-

gers führt. 

2.4.6. Konstitutionelle Prädisposition  

2.4.6.1. Unter einer konstitutionellen Prädisposition versteht man die aus dem 

Zustand des menschlichen Organismus resultierende, besondere Anfälligkeit des 

Geschädigten auf Körperschäden oder seine Neigung zu anormal schweren Re-

aktionen auf Schädigungen (Rey, a.a.O., Rz 422 f.). 

 Die Frage der Mitwirkung einer konstitutionellen Prädisposition bei Perso-

nenschäden muss sowohl im Rahmen der Schadenersatzberechnung als auch im 

Stadium der Schadenersatzbemessung geprüft werden, da die konstitutionelle 

Prädisposition der geschädigten Person nach der bundesgerichtlichen Rechtspre-

chung als mitwirkender Zufall zu einer Kürzung des Ersatzanspruchs führen und 

insofern die Schadensberechnung oder die Bemessung des Schadenersatzes 

beeinflussen kann. Eine vorbestehende Gesundheitsschädigung, die sich auch 

ohne das schädigende Ereignis ausgewirkt hätte, ist bei der Schadensberech-

nung gemäss Art. 42 OR zu berücksichtigen; dem Haftpflichtigen ist nur der tat-

sächlich auf das Ereignis zurückzuführende Schaden zurechenbar, für das er haf-

- 36 - 

tet. Daher sind die vermögensrechtlichen Folgen vorbestehender Schwächen, die 

sich mit Sicherheit oder doch mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ohne das schä-

digende Ereignis ausgewirkt hätten, von der Schadensberechnung anteilsmässig 

auszuscheiden. Wäre der Schaden dagegen ohne den Unfall voraussichtlich 

überhaupt nicht eingetreten, so bleibt der Haftpflichtige dafür auch dann voll ver-

antwortlich, wenn der krankhafte Vorzustand den Eintritt des Schadens begünstigt 

oder dessen Ausmass vergrössert hat. Dem Anteil der Prädisposition kann in die-

sem Fall im Rahmen von Art. 44 OR Rechnung getragen werden (BGE 131 III 12 

E. 4 S. 13 f.). 

 Nachfolgend interessiert im Hinblick auf die Schadensberechnung nach 

Art. 42 OR nur, ob beim Kläger Prädispositionen im Sinne krankhafter Vorzustän-

de vorlagen, die sich auch ohne Unfall ausgewirkt hätten und gegebenenfalls in 

welchem Umfang (vgl. Beweissatz II.1; oben Ziff. 2.4.3.3). 

2.4.6.2. Wie bereits erwähnt gelangen die im Rahmen des Beweisverfahrens 

eingeholten Gutachten in diesem Zusammenhang zu unterschiedlichen Ergebnis-

sen. PD Dr. F._____ sieht keinen rationalen medizinischen Grund, wieso der Pa-

tient ohne den letzten Unfall auf den Rollstuhl angewiesen wäre und kann die 

Frage nicht beantworten, ob beim Patienten auch ohne Unfallereignis dauernde 

und zermürbende Schmerzen aufgetreten wären und zu welchem Zeitpunkt (act. 

123 S. 8). PD Dr. G._____ bejaht "mit medizinisch praktischer Sicherheit" die 

Frage, ob die Vorzustände auch ohne Unfallereignis vom 4. Oktober 1998 dau-

ernde und zermürbende Schmerzen zur Folge gehabt hätten (act. 127 S. 19), wo-

bei er von einem Zeitraum von drei bis sechs Monaten, spätestens April 1999, bis 

zum Erreichen des Status quo sine ausgeht (act. 127 S. 17, 20). Nicht beantwor-

tet wird im Gutachten von PD Dr. G._____ jedoch die Frage, ob die Vorzustände 

auch ohne diesen Unfall zur Rollstuhlabhängigkeit geführt hätten und mit welcher 

Wahrscheinlichkeit bzw. in welchem Zeitraum (act. 127 S. 19 Ziff. 4). Den Grund 

dafür, dass der Kläger auf den Rollstuhl angewiesen ist, sehen die Gutachter 

übereinstimmend darin, dass der Kläger nach dem Unfall vom 4. Oktober 1998 

zunächst versuchte, sich mit zwei Stöcken fortzubewegen, wegen Schmerzen im 

Schultergürtelbereich und Rücken sowie der instabilen Kniesituation links im 

- 37 - 

Rahmen der Rehabilitation aber schliesslich die Rollstuhlversorgung erforderlich 

wurde (act. 127 S. 15, 19; act. 123 S. 7). 

 Es ist unbestritten, dass der Kläger durch die verschiedenen im Lauf seines 

Lebens erlittenen Unfälle gesundheitlich beeinträchtigt war (vgl. oben Ziff. 2.3; vgl. 

auch act. 127 S. 16). Diese Vorbelastung wirkte sich zweifellos in erheblichem 

Masse aus. Die beim Unfall vom 4. Oktober erlittenen Verletzungen - Kontusion 

des Thorax, Sternums und der rechten Schulter sowie leichte HWS-Distorsion - 

hätten für sich allein keine derart gravierenden Folgen gezeitigt. Das Zusammen-

spiel mit den erheblichen Vorzuständen führte erst dazu, dass der Kläger auch mit 

zwei Stöcken selbst kurze Gehdistanzen nicht mehr bewältigen konnte. Gleiches 

gilt für die letztlich nicht klar begründbaren Rückenschmerzen, die sich in der Fol-

ge etabliert haben. Auch wenn es erst das Unfallereignis vom 4. Oktober 1998 

war, das, wie es der Gutachter PD Dr. G._____ formuliert, das 'Kartenhaus' zum 

Einsturz brachte, so kann dieser Teilursache jedoch weder hinsichtlich der Roll-

stuhlversorgung noch hinsichtlich der Schmerzproblematik das Hauptgewicht zu-

gemessen werden. Zu eindrücklich ist dafür der Katalog von Gesundheitsschädi-

gungen und deren Spätfolgen, die der Kläger seit 1967 erlitten hat. Dass die be-

reits eingeschränkte Mobilität des Klägers deswegen zusätzlich und früher als all-

gemein zu erwarten beeinträchtigt worden wäre, ist als sehr wahrscheinlich anzu-

nehmen. Nichts weist allerdings darauf hin, dass das erwähnte 'Kartenhaus' auch 

ohne das neuerliche Unfallereignis innert sechs Monaten bereits zusammenge-

brochen wäre und zu einer massiven Schmerzzunahme und zur Rollstuhlversor-

gung geführt hätte. Konkrete Hinweise dafür lassen sich auch dem Gutachten von 

PD Dr. G._____ nicht entnehmen. Eine Prognose, ab wann die vorbestehende 

Gonarthrose und die dadurch getriggerte Spondylose/Osteochondrose im LWS-

Bereich zu Schmerzen geführt und im Verbund mit dem allgemeinen Gesund-

heitszustand des Klägers ein Gehen an Stöcken verunmöglicht hätte, kann letzt-

lich zuverlässig nicht gemacht werden und liesse sich auch anhand eines weite-

ren Gutachtens nicht erhärten. 

2.4.6.3 Unter diesen Umständen hat die Ausscheidung der auf die vorbeste-

hende Gesundheitsschädigung zurückzuführenden von den auf das Unfallereignis 

- 38 - 

vom 4. Oktober 1998 beruhenden Unfallfolgen im Rahmen der Schadensberech-

nung gemäss Art. 42 OR zu erfolgen. Da sich eine konkrete anteilsmässige Zu-

ordnung des Schadens ziffernmässig nicht nachweisen lässt, hat dies im Rahmen 

von Art. 42 Abs. 2 OR durch eine Schätzung der Anteile nach Ermessen des 

Richters mit Rücksicht auf den gewöhnlichen Lauf der Dinge und die vom Ge-

schädigten getroffenen Massnahmen zu erfolgen. Ausgehend von den obigen 

Überlegungen rechtfertigt sich vorliegend eine hälftige Ausscheidung des auf die 

Gesundheitsschädigung zurückzuführenden und nachfolgend zu ermittelnden 

Schadens.  

2.5. Schaden 

2.5.1. Schadensbegriff  

2.5.1.1. Das schweizerische Recht enthält keine Legaldefinition des Schadens-

begriffs. Seit jeher wird indessen nach einhelliger Auffassung von Lehre und 

Rechtsprechung sowohl im Vertrags- wie auch im Deliktsrecht von einem ökono-

mischen Schadensbegriff ausgegangen. Dem „natürlichen oder faktischen“ Nach-

teil kommt zum vornherein unter dem Aspekt der Schadensregelung nur insoweit 

rechtliche Relevanz zu, als er sich – als sog. Vermögensschaden – in Form einer 

Vermögensverminderung oder einer vertraglich vorgesehenen, aber wegen des 

schuldnerischen Fehlverhaltens nicht eingetretenen Vermögensvermehrung mani-

festiert (Weber, Kommentar zu Art. 97-109 OR, 3. Aufl. Bern 2000, Art. 97 OR N 

148). Der Schaden wird dabei nach dem Konzept der sog. Differenztheorie ermit-

telt. Schaden im Rechtssinne ist die Differenz zwischen dem gegenwärtigen, nach 

dem schädigenden Ereignis festgestellten Vermögensstand und dem Stand, den 

das Vermögen ohne das schädigende Ereignis hätte bzw. zwischen den Einkünf-

ten, die nach dem schädigenden Ereignis tatsächlich erzielt worden sind und den-

jenigen, die ohne dieses Ereignis zugeflossen wären. Haftpflichtrechtlich relevant 

ist eine Vermögensverminderung oder ein entgangener Gewinn, wenn sie gegen 

den Willen des Vermögensherrn erfolgt. Als Schaden zu ersetzen sind die wirt-

schaftlichen Folgen einer schädigenden Handlung beim Geschädigten, während 

die Beeinträchtigung persönlich-ideeller Rechtsgüter keinen (Vermögens-)Scha-

den darstellt, sondern allenfalls im Rahmen der Genugtuung zu entgelten ist (für 

- 39 - 

viele: BGE 127 III 403ff.; BGE 127 III 546ff.; BGE 127 III 73ff.; 123 V 145 E. 

4b/bb; BK-Brehm, Art. 41 OR N 70 ff., m.w.H.; BK-Weber, N 153 zu Art. 97 OR).  

2.5.1.2. Mit dem sog. „normativen“ Schaden wird aber auch unabhängig vom 

Bestehen einer Vermögensdifferenz das Vorliegen eines Schadens allein auf-

grund normativer Wertungsgesichtspunkte anerkannt. Gesetzlich vorgesehen ist 

der Ersatzanspruch beim sog. „immateriellen Schaden“, der seelischen Unbill, 

welche einen Anspruch auf Leistung einer Genugtuung begründet. Lehre und 

Rechtsprechung anerkennen sodann auch den Haushalt- und Betreuungsscha-

den. Ausnahmsweise – mit eherechtlicher Begründung – lässt das Bundesgericht 

sodann bei der Mitarbeit eines Ehegatten im Gewerbe des andern die Berücksich-

tigung eines Reflexschadens zu (BK-Weber, N 157ff. zu Art. 97 OR; BGE 127 III 

403ff., E. 4c S. 409; BGE 120 II 280 E. 6a). Über weitergehende Ausdehnungen 

des Schadensbegriffs (z.B. Frustrationsschaden) sind die Meinungen in der Lehre 

kontrovers, indes überwiegend kritisch (vgl. Übersicht in: BK-Weber, N 185 zu Art. 

97 OR; BSK OR I- Wiegand, Art. 97 N 38, je m.w.H.).  

2.5.2. Mehrkosten beim Hausbau wegen notwendiger Rollstuhltauglichkeit 

2.5.2.1. Parteibehauptungen 

a) Der Kläger macht geltend, er habe vor dem Unfall vom 4. Oktober 1998 seit 

Jahren ein sehr schönes dreistöckiges Chalet in ausgeprägter Hanglage in 

I._____ besessen. Aufgrund der eingetretenen Rollstuhlabhängigkeit nach dem 

Unfall vom 4. Oktober 1998 und nach Prüfung eines Umbaus des Chalets habe er 

sich entschlossen, das Chalet in I._____ zu verkaufen und im flacheren C._____ 

ein rollstuhlgängiges, behindertengerechtes Haus zu erwerben bzw. zu bauen. 

Folgende Anpassungen seien nötig gewesen: Keine Erhöhung an den Türschwel-

len, Türbreite 80 cm, WC grösser als normal, Einbau eines Lifts, Garage grösser 

als normal. Um das Haus vollständig rollstuhlgängig zu machen, habe der Grund-

riss des Hauses um 2 m verlängert werden müssen. Infolge der angestrebten be-

hindertengerechten Bauweise hätten erhebliche Mehrkosten, insgesamt 

CHF 185'261.00, resultiert (act. 1 S. 13 f. Rz. 19). Das Haus in C._____ hätten sie 

am 10. Juli 2003 bezogen (act. 18 S. 10 zu Ziff. 19). 

- 40 - 

b) Die Beklagte bestreitet, dass zufolge behindertengerechter Bauweise Mehr-

kosten von CHF 185'261.00 entstanden seien. Sodann habe die Liegenschaft 

durch das behindertengerechte Bauen einen entsprechenden Mehrwert. Baukos-

ten und Mehrwert würden sich decken, womit kein Schaden entstanden sei (act. 8 

S. 10 Rz. 19). 

2.5.2.2. Würdigung 

a) Wohnungsmehrkosten entstehen, wenn der Verletzte als Folge der beein-

trächtigten Gesundheit eine grössere bzw. teurere Mietwohnung beziehen oder 

seine eigene Wohnung bzw. die Mietwohnung umbauen muss. Die sozialversi-

cherungsrechtliche Leistungspflicht für Wohnungsmehrkosten umfasst die Über-

nahme sowohl von Umbaukosten als auch von Unterhaltsmehrkosten. Darunter 

fallen auch behinderungsbedingte Mehrkosten bei einem Neubau, wobei die Kos-

tenübernahme voraussetzt, dass die fraglichen Vorkehren nicht von vornherein 

einplanbar und ohne Zusatzkosten zu verwirklichen waren (Landolt, Kommentar 

zu Art. 45-49 OR, 3. Aufl. Zürich 2007, Art. 46 N 175 ff.). Die haftpflichtrechtliche 

Praxis bejaht eine Ersatzpflicht für Umbaukosten, sofern die fragliche Umbau-

massnahme bzw. die Wohnungsmehrkosten vor dem Hintergrund der Behinde-

rung des Geschädigten notwendig und in finanzieller Hinsicht angemessen sind 

(ZK-Landolt, Art. 46 N 181). Kosten, die für die elementarsten Bedürfnisse, insbe-

sondere auch für die Fortbewegung in und um die Wohnstätte anfallen, hat der 

Haftpflichtige gemäss Art. 46 OR zu ersetzen. Dies gilt auch für bauliche Verän-

derungen am Wohnhaus (BK-Brehm, Art. 46 N 24). Sind dem Kläger durch die 

baulichen Aufwendungen, die aufgrund seiner Behinderung notwendig waren, al-

so Mehrkosten entstanden, sind sie ihm zu ersetzen. 

b) Die Beklagte bestreitet die geltend gemachten Mehrkosten. Dem Kläger 

wurde daher der Beweis dafür auferlegt, dass aufgrund seiner Behinderung fol-

gende Anpassungen beim Hausbau im AB._____, … C._____, nötig gewesen 

sind: a) Keine Erhöhung an den Türschwellen, b) Türbreite 80 cm, c) WC grösser 

als normal, d) Einbau eines Lifts, e) Garage grösser als normal, und dass dadurch 

Mehrkosten in der Höhe von insgesamt CHF 185'261.00 entstanden sind. 

- 41 - 

aa) Der Kläger berief sich zum Beweis auf ein behindertenbautechnisches Gut-

achten, einen Zeugen, verschiedene Urkunden (act. 4/23-25) sowie seine persön-

liche Befragung. 

In der persönlichen Befragung erläuterte der Kläger, das Haus habe einen Fix-

preis für das Grundmodell aufgewiesen, und jede Veränderung habe zusätzlich 

gekostet. Die Mehrkosten im Zusammenhang mit der Rollstuhltauglichkeit des 

Hauses hätten etwa CHF 180'000.– betragen; auswendig könne er das nicht sa-

gen (Prot. S. 33 f.). 

Der Zeuge AC._____, der das Haus des Klägers geplant und teilweise den Bau 

geleitet hatte (Prot. S. 45), bestätigte als Zeuge die von ihm verfassten Urkunden 

act. 4/23-25 als zutreffend (Prot. S. 47). Die Mehrkosten für die behindertenge-

rechten Anpassungen des Hauses hinsichtlich dessen Rollstuhltauglichkeit seien 

in act. 4/24 und act. 4/25 nach dem Baukostenplan aufgelistet; es seien CHF 

185'261.– gewesen. 

Laut der Mehrkostenberechnung vom 17. April 2004 (act. 4/23) sind Gebäudezu-

satzkosten von CHF 167'654.–, Umgebungskosten von CHF 7'972.– und Baune-

benkosten von CHF 9'635.– entstanden. Die Zusatzkosten werden in act. 4/24 

näher aufgeschlüsselt. Bei act. 4/25 handelt es sich um die Kostenkontrolle per 

10. Mai 2004. 

Das bei E._____ (Schweizer Paraplegiker Vereinigung, Zentrum für hindernisfrei-

es Bauen) eingeholte und am 25. November 2013 erstattete Gutachten (act. 110) 

kommt zum Schluss, dass die schwellenlosen Türen, die Türbreite 80 cm, eine 

Projektanpassung beim WC im Erdgeschoss, der Einbau eines Liftes (mit einer 

entsprechenden Vergrösserung des Gebäudevolumens um 56.93 m3) sowie eine 

grössere Garage (mit einer Vergrösserung des Gebäudevolumens um 32.83 m3) 

notwendig waren (act. 110 S. 5 ff.), wodurch zweifellos Mehrkosten entstanden 

seien (act. 110 S. 7). Die Mehrkosten werden (einschliesslich Nebenkosten, ohne 

Mehrwertsteuer) auf CHF 128'300.– beziffert (act. 110 S. 7 f.). 

- 42 - 

In der Stellungnahme zu diesem Gutachten beanstandet der Kläger, dass sich der 

Experte nicht argumentativ mit den vorgelegten Urkunden act. 4/23-25 auseinan-

dergesetzt und nicht begründet habe, weshalb er die Mehrkosten nur im Umfang 

von CHF 128'300 als berechtigt betrachte; er beantragt, den Gutachter zur Stel-

lungnahme zu dieser Diskrepanz aufzufordern (act. 117 S. 2).  

Das Gutachten beschreibt unter dem Titel 'Grundlagen', auf welcher Basis die 

Beantwortung der gestellten Fragen erfolgt. Zur Frage 3 ("Haben die Mehrkosten 

CHF 185'261.– betragen?") wird ausgeführt, Grundlage bilde grundsätzlich der 

Verkaufsprospekt "…" der Firma AD._____ sowie die vom Kläger resp. dem Ar-

chitekten AC._____ erhaltenen Dokumente Dachgeschoss mit Schnitt sowie Aus-

führungspläne. Es sei geprüft worden, welche der durchgeführten Projektände-

rungen auf Grund der Körperbehinderung des Klägers notwendig waren. Zusätz-

lich seien die Kosten der einzelnen behinderungsbedingten Projektänderungen 

mittels Vergleichswerten zu schätzen; diese Modellschätzung, welche sich auf Er-

fahrungszahlen und kubischer sowie Flächenberechnungen stütze, habe eine 

Genauigkeit von +/- 15%. Die Schätzungen dienten der Plausibilisierung respekti-

ve Überprüfung der konkret genannten Mehrkosten von CHF 185'261.– (act. 110 

S. 4). Bei der Beantwortung der Frage 3 listet das Gutachten sodann die erforder-

lichen Anpassungen und deren geschätzte Mehrkosten im Einzelnen auf (act. 110 

S. 7). Damit wird bereits aus dem Gutachten heraus klar, wie sich die Abweichun-

gen der vom Gutachter lediglich geschätzten Mehrkosten zu den in der Mehrkos-

tenabrechnung des Klägers enthaltenen Positionen begründen; einer zusätzlichen 

Erläuterung durch den Experten bedarf es nicht. 

bb) Als Ergebnis der Beweisabnahme, namentlich des Gutachtens, ist festzuhal-

ten, dass sich die vom Kläger behaupteten erforderlichen Anpassungen grund-

sätzlich als behinderungsbedingt notwendig erwiesen haben. Soweit die Beklagte 

einwendet, schwellenloses Bauen sei ohnehin zukunftsgerichtet, im Hinblick aufs 

Alter angezeigt und an teurerer Wohnlage Standard (act. 119 S. 2), Türbreiten 

von 80 cm seien weitgehend Standard (S. 2), es sei nicht ersichtlich, weshalb 

Schiebetüren im WC EG sowie im Bad OG notwendig gewesen seien (S. 3), es 

sei ein herkömmlicher Lift eingebaut worden, was bei einem dreistöckigen Haus 

- 43 - 

im Hinblick aufs Alter geradezu zwingend sei (S. 3), und der Kläger habe ohnehin, 

unabhängig von den rollstuhlbedingten Anforderungen, eine grössere Garage ge-

baut (S. 3 f.), ist festzuhalten, dass der Kläger das erst 2003 bezogene Haus un-

bestrittenermassen neu bauen liess und dabei, ausgehend von einem Standard-

haus, nebst Anpassungen zwecks Rollstuhltauglichkeit auch umfangreiche ande-

re Änderungen gegenüber der Grundausstattung vornehmen liess (vgl. Prot.  

S. 33). Soweit es um die Frage geht, welche Mehrkosten durch die behinde-

rungsbedingten Anpassungen notwendig waren, ist jedoch nicht entscheidend, ob 

die Projektänderungen auch aus anderen Gründen angezeigt oder sinnvoll gewe-

sen wären. Dies wird sich gegebenenfalls bei der Prüfung der eingetretenen 

Wertvermehrung niederschlagen, auf die noch einzugehen sein wird. Massgeblich 

ist zunächst lediglich, was für Änderungen zwingend erforderlich waren, um die 

Liegenschaft im Rollstuhl zu bewohnen. Im Gutachten wird sodann ausführlich 

begründet, weshalb einerseits Anpassungen der Nasszellen erforderlich und an-

dererseits der Einbau eines Treppenliftes nicht zweckmässig waren (vgl. act. 110 

S. 5, 6); die diesbezüglichen Einwendungen der Beklagten erweisen sich so als 

nicht stichhaltig. 

Zu den Mehrkosten im Einzelnen ergibt sich, dass die Aufstellung des klägeri-

schen Architekten (act. 4/23) die Zusatzkosten lediglich im jeweiligen Betrag 

nennt und nicht erkennen lässt, wie sie sich genau zusammensetzen. Demge-

genüber werden im Gutachten die Grundlagen der Berechnung der notwendigen 

Anpassungen detailliert dargestellt. Der für die Garage und den Lift erforderliche 

Mehrflächenbedarf wird genau mit 32.83 m3 resp. 56.93 m3 ermittelt und die dar-

aus folgenden Mehrkosten berechnet (vgl. act. 110 S. 6 f.), während den Angaben 

in act. 4/23 nicht zu entnehmen ist, wie die dort für "Vergrösserung Garage", "Lift-

schacht" und "Hausverlängerung infolge Liftschacht" eingesetzten Beträge aus-

geschieden wurden. Die vom Gutachter für die weiteren baulichen Anpassungen 

eingesetzten Beträge sind reduziert auf die tatsächlich notwendigen Änderungen 

und die dafür erforderlichen Mehrpreise, während in act. 4/23 und 4/24 zusätzli-

che Aufwendungen für Sanitärapparate und Flächenanpassungen in den Nasszel-

len enthalten sind. Es rechtfertigt sich unter diesen Umständen, auf die im Rah-

- 44 - 

men der Expertise ermittelten Werte abzustellen und gestützt darauf von behinde-

rungsbedingten Mehrkosten von CHF 128'300 (exkl. MwSt.) auszugehen. 

c) Der Beklagten wurde der Gegenbeweis für ihre Behauptung auferlegt, dass 

die Liegenschaft durch das behindertengerechte Bauen einen entsprechenden 

Mehrwert aufweist. Sie berief sich auf die bereits erwähnten Urkunden (act. 4/23-

4/25) sowie auf eine Liegenschaftenschätzung (Mehrwert).  

aa) Die von den Immobilienschätzern AE._____ und AF._____ erstellte Ver-

kehrswertschätzung vom 27. November 2013 (act. 113) ermittelt einen Verkehrs-

wert der Liegenschaft im AB._____, … C._____, von CHF 1'535'000 (Stichtag 10. 

Juli 2003) und hält fest, die Liegenschaft weise zufolge ihres behindertengerech-

ten Ausbaus einen Mehrwert auf, der den ausgewiesenen Mehrkosten von CHF 

185'261 entspreche (act. 113 S. 27). 

Der Kläger wendet ein, der ermittelte Verkehrswert erstaune angesichts der Tat-

sache, dass der Kläger gemäss Bauabrechnung per 31. Dezember 2003 insge-

samt CHF 1'814'723.25 für das Haus aufgewendet habe, was für die Gutachter 

aus den von ihnen einverlangten Unterlagen ersichtlich gewesen sei (act. 117  

S. 3). Sofern man allerdings dem Gutachten folgen wolle, sei klar, dass die Mehr-

kosten von CHF 186'261 keinen Mehrwert generiert hätten, wenn der Wert des 

Einfamilienhauses von Anfang an um CHF 280'000 unter den Investitionen gele-

gen habe. Von einem echten Mehrwert könne zudem nicht die Rede sein, wenn 

dieser nur vom behinderten Bewohner wirklich bezogen werden könne. 

bb) Die Verkehrswertschätzung basiert auf einer Berechnung des Substanzwertes 

anhand des umbauten Raums von 479 m3 im Untergeschoss zu CHF 400 und von 

721 m3 im Erd- und Dachgeschoss zu CHF 664 pro Kubikmeter (act. 113 S. 22 f.), 

zuzüglich Umgebung und Baunebenkosten von total 17.2%, was einen Gebäude-

neuwert von CHF 790'267 ergibt (act. 113 S. 24). Zusammen mit dem Landwert 

von CHF 744'128 wird so ein Substanzwert von CHF 1'534'395 ermittelt. Der Er-

tragswert basiert auf einem Mietwert von CHF 46'800 p.a. und wird von den Gut-

achtern auf CHF 917'647 festgelegt (act. 113 S. 26). Beim Kubikmeterpreis haben 

- 45 - 

sie sich auf die Kennwerte von vergleichbaren und realisierten Objekten abge-

stützt und realistische Baukosten per Stichtag übernommen (act. 113 S. 29). 

Die Gutachter weisen darauf hin, dass an solch privilegierter Lage auch schon 

2003 vermehrt ein Personenlift oder Vorkehrungen für einen solchen, grosszügige 

Nasszellen und grosse stützenfreie Garagen erstellt worden seien. Es sei daher 

2003 wie 2013 ein Mehrwert in der Höhe der Mehrinvestitionen vorhanden gewe-

sen. Der "mit dem alters- und behindertengerechten Ausbau vorhandene Stan-

dard erreichte Mehrwert" entspreche den ausgewiesenen Mehrkosten von 

CHF 185'261 (act. 113 S. 27).  

cc) Mit dem Kläger ist allerdings festzuhalten, dass diese Schlussfolgerung ange-

sichts der angestellten Substanz- und damit Verkehrswertberechnung nicht plau-

sibel ist, beruht diese doch gerade nicht auf den effektiven Baukosten, sondern im 

Wesentlichen auf der mit einem Pauschalbetrag multiplizierten Kubatur zuzüglich 

Landwert. Da nicht geltend gemacht wurde, dass die behindertengerechten An-

passungen Einfluss auf die Grundstückgrösse gehabt hätten, kann der Landwert 

keinen Mehrwert enthalten. Welchen Einfluss die behindertengerechte Bauweise 

auf den angewendeten Kubikmeterpreis hatte, kann dem Gutachten nicht ent-

nommen werden; es wird diesbezüglich auf die Kennwerte vergleichbarer und 

realisierter Objekte verwiesen, ohne nach dem konkreten Ausbaustandard zu dif-

ferenzieren (act. 113 S. 29). Gleichzeitig lässt sich anhand des Gutachtens nicht 

nachvollziehen, welchen Wert eine Liegenschaft an derselben Lage ohne alters- 

und behindertengerechten Ausbau aufweisen würde. Damit vermag das Gutach-

ten betr. Verkehrswertschätzung nicht zu überzeugen, soweit es einen aufgrund 

des behindertengerechten Ausbaus entstandenen Mehrwert von CHF 185'261 

feststellt. 

Indessen kann anhand der im Gutachten "Hindernisfrei Bauen" ermittelten Mehr-

volumenwerte berechnet werden, welcher Anteil des Gebäudeneuwertes auf die 

behinderungsbedingten Anpassungen entfallen. Werden - analog den Berech-

nungen der Liegenschaftenschätzer - die für die Vergrösserung der Garage erfor-

derlichen 32.83 m3 zu CHF 400 (= CHF 13'132.–) und die für den Einbau des Lifts 

benötigten 56.93 m3 mit CHF 664 (= CHF 37'801.50) eingesetzt und das Ergebnis 

- 46 - 

um rund 17% Umgebungs- und Baunebenkosten vermehrt (= CHF 8'659), ergibt 

sich ein Betrag von insgesamt CHF 59'592.50. Dieser Anteil am Gebäudeneuwert 

entspricht dem für die behindertengerechten Anpassungen erforderlichen Mehrvo-

lumen und bildet gleichzeitig den Mehrwert. Die Gebäudevergrösserung stellt für 

den Kläger in diesem Umfang auch eine bleibende Wertvermehrung gegenüber 

dem nicht angepassten Projekt dar und ist ihm entsprechend anzurechnen. 

d) Damit ergibt sich, dass die notwendigen behindertengerechten Anpassun-

gen am erstellten Haus anrechenbare Kosten im Betrag von CHF 128'300 verur-

sacht haben, welchen ein anrechenbarer Mehrwert von CHF 59'592.50 gegen-

über steht, so dass dem Kläger im Ergebnis Mehrkosten für den behindertenge-

rechten Ausbau von CHF 68'707.50 entstanden sind. In dieser Höhe ist ein Scha-

den ausgewiesen. 

2.5.3. Mehrkosten für Liftservice-Abonnement 

2.5.3.1. Parteibehauptungen 

a) Der Kläger macht geltend, dass er für den Lift, welcher es ihm ermögliche, 

im Haus die Etagen zu überwinden, ein Serviceabonnement benötige. Dieses 

koste derzeit im Jahr CHF 2'880.45. Dies führe zu folgender Schadensberech-

nung (act. 1 S.