# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 60829e5f-75e1-56fa-aad5-49d7212d3c27
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-12-15
**Language:** de
**Title:** Lärmschutz. Kirchengeläute. Legitimation Nachbar. Materielle Beurteilung des Zeitschlagens.
**Docket/Reference:** BRGE II Nr. 0193/2015
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRGE_II_0193_2015_624.pdf

## Full Text

BRGE II Nr. 0193/2015 vom 15. Dezember 2015 in BEZ 2016 Nr. 34 

(Bestätigt mit VB.2016.00052 vom 12. Mai 2016. Eine gegen diesen Entscheid 
erhobene Beschwerde ist beim Bundesgericht pendent; 1C_383/2016.) 

Nach  Abweisung  ihrer  Immissionsklage  erhoben  die  Kläger  hiergegen  Rekurs 
unter anderem mit dem Antrag, es sei die Reformierte Kirche der Gemeinde X 
zu verpflichten, zwischen 22 und 7 Uhr auf das Zeitschlagen zu verzichten. 

Aus den Erwägungen: 

1.  Streitgegenstand  bildet  das  nächtliche  Stundenschlagen  der 
reformierten  Kirche.  Zur  vollen  Stunde  wird  die  jeweilige  Uhrzeit  mit  ein  bis 
zwölf Schlägen per Hammerschlag mit der Glocke 1 geschlagen. Des Weiteren 
werden  jede  Viertelstunde  mit  einem  Hammer  pro  Viertelstunde  je  einmal  die 
Glocken  4  und  5  geschlagen.  Um  Viertel  nach  ertönt  daher  einmal  das  davon 
hervorgerufene  «ding-dong»,  bei  der  halben  Stunde  ertönt  es  zweimal,  um 
Viertel  vor  dreimal  und  bei  der  vollen  Stunde  geht  dem  Stundenschlag  ein 
viermaliges «ding-dong» voraus. 

2.1  Die  Vorinstanz  und  die  Mitbeteiligte  stellen  die  Rekurslegitimation  der 

Rekurrierenden in Frage. 

Die  Rekurrierenden  machen  diesbezüglich  in  ihrer  Rekursschrift  geltend, 
sie  wohnten  195  m  vom  Kirchturm  entfernt.  Die  Glockenschläge  seien  in  ihrer 
Wohnung  deutlich  hörbar.  Sie  seien  daher  durch  die  Glockenschläge  in  ihrer 
Gesundheit  und  ihrem  Wohlbefinden  gestört.  Insbesondere  leide  die  schwer 
kranke Rekurrentin in erheblicher Weise unter den Lärmimmissionen. (…) 

2.2  Zum  Rekurs  ist  berechtigt,  wer  durch  die  angefochtene  Anordnung 
berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an ihrer Aufhebung oder Änderung 
hat (§ 338a Satz 1 des Planungs- und Baugesetzes [PBG]). 

Mit  dieser  Umschreibung  verlangt  das  Gesetz  zunächst  eine  besondere, 
beachtenswerte,  nahe  Beziehung  zum  Streitgegenstand,  kraft  derer  der 
Rekurrent  stärker  als  beliebige  Dritte  oder  die  Allgemeinheit  von  der  ange-
fochtenen  Verfügung  betroffen  ist.  Sogenannte  Popularbeschwerden  sind 
mithin nicht zulässig.  

Sind Störungen durch Immissionen zu beurteilen, kann bei der Beurteilung 
der Betroffenheit nicht primär auf die Distanz zur Lärmquelle abgestellt werden. 
Massgeblich  sind  vielmehr  die  tatsächlichen  Lärmimmissionen  beim  Rechts-
mittelkläger. 

Die  rekurrentische,  im  Stockwerkeigentum  erworbene  Wohnung  ist  rund 
200 m  vom  Kirchturm  entfernt  und  liegt  in  der  Kernzone  mit  Empfindlichkeits-
stufe  (ES)  III.  Das  rekurrentische  Grundstück  stösst  im  Südwesten  an  die  O.-
Strasse an.  

 
 
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Die  Vorinstanz  beauftragte  ein  Umwelttechnikbüro  mit  der  Ausarbeitung 
eines  Lärmgutachtens.  Dieses  nahm  in  der  Nacht  vom  18.  Februar  2015  auf 
den 19. Februar 2015 Lärmmessungen bei und in der rekurrentischen Wohnung 
vor. Gemessen wurde mit einem aussen an der Fassade befestigten Mikrofon. 
Ein  weiteres  Mikrofon  wurde  am  potentiellen  Ende  eines  Bettes,  in  1,2 m 
Entfernung vom Fenster und auf einer Höhe von 0,7 m angebracht. Der höchste 
an  der  Fassade  gemessene Wert  betrug  63,5  dB(A),  der  tiefste  Pegel  lag  bei 
54,8 dB(A). Aus allen an der Fassade ermittelten Maximalpegeln ergibt sich ein 
Durchschnittswert  (LAF,max)  von  59,6  dB(A).  Der  Gutachter  berechnete 
anhand  von  diesem  für  den  Innenraum  beim  potentiellen  Ende  eines  Bettes 
einen LAF,max innen von 55 dB(A) bei offenem Fenster und einen solchen von 
43 dB(A) bei gekipptem Fenster.  

Das  Verwaltungsgericht  führte  in  seinem  Entscheid  vom  6.  Oktober  2010 
Immissionen 
(VB.2010.00304)  aus,  wenn  die  Rechtsmittelbefugnis  aus 
abgeleitet werde, müssten diese für die Beschwerdeführer deutlich wahrnehm-
bar  sein.  Dabei  sei  jedoch  nicht  auf  das  zulässige  Mass  der  Immissionen 
abzustellen, sondern auf ein deutlich tieferes Mass. Gestützt auf eine Stellung-
nahme des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) wurde dabei davon ausgegangen, 
dass eine kritische Schwelle, ab welcher mit Aufwachreaktionen zu rechnen sei, 
bei  60  dB(A)  beim  Ohr  der  schlafenden  Person  gemessen  liege.  Das  Ver-
waltungsgericht  gelangte  daher  zum  Schluss,  dass  die  Rekurslegitimation 
gegeben  sei,  wenn  im  offenen  Fenster  gemessen  ein  maximaler  Schallpegel 
von 60 dB(A) erreicht werde.  

Entgegen  der  Auffassung  der  Mitbeteiligten  ist  für  die  Rekurslegitimation 
folglich  nicht  der  im  Raum  bei  offenem  Fenster,  sondern  vielmehr  der  im 
offenen Fenster gemessene Pegel massgeblich. Wie gross die Immissionen im 
offenen  Fenster  sind,  geht  aus  dem  bei  den  Akten  liegenden  Gutachten  nicht 
hervor;  die  Messung  an  der  Fassade  erfolgte  vor  dem  Fenster  an  der 
Rollladenschiene.  Es  ist  anzunehmen,  dass  sich  die  Immissionen  im  offenen 
Fenster  nicht  stark  von  den  Messungen  unterscheiden.  Von  massgeblicher 
Bedeutung  ist,  dass  der  als  Legitimationsvoraussetzung  von  der  Recht-
sprechung festgesetzte Wert von 60 dB(A) auf einer analogen Anwendung bei 
Fluglärm  basierte.  Die  von  Mark  Brink,  Sarah  Omlin,  Christian  Müller,  Reto 
Pieren  und  Mathias  Basner  verfasste  Studie  «An  event-related  analysis  of 
awakening  reactions  due  to nocturnal church  bell noise»  (Science of  the Total 
Environment, 409 [24], 5210-5220, nachfolgend: ETH-Studie) lag damals noch 
nicht vor. Diese neue Studie zeigt nun auf, dass zusätzliche Aufwachreaktionen 
bei  Glockengeläut  nicht  erst  bei  60  dB(A)  einsetzen.  Bei  viertelstündlich 
auftretenden  Kirchenglockenimmissionen,  wie  sie  hier  zu  beurteilen  sind,  tritt 
bei  Annahme  eines  neunstündigen  Schlafs  die  erste 
zusätzliche 
Aufwachreaktion vielmehr bereits bei Immissionen von 40 dB(A) beim Ohr der 
schlafenden  Person  gemessen  ein.  Bei  Zugrundelegung  eines  acht-  oder 
siebenstündigen Schlafs verschiebt sich der Pegel leicht nach oben, liegt aber 
unterhalb von 45 dB(A) (vgl. Beurteilung Alltagslärm, Vollzugshilfe im Umgang 
mit  Alltagslärm,  Bundesamt  für  Umwelt  [BAFU],  2014,  S.  56,  nachfolgend: 
Vollzugshilfe).  Der  zum  Rekurs  legitimierende,  im  offenen  Fenster  gemessene 
Pegel  ist  mithin  gestützt  auf  diese  neuen  wissenschaftlichen  Erkenntnisse 
ebenfalls nach unten zu korrigieren. Wird die bisherige verwaltungsgerichtliche 

 
 
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ist  die  Rekurs-
Rechtsprechung  zur  Legitimationsfrage  herangezogen, 
legitimation  bei  Erreichung  des  LAF, max  von  40 dB(A)  im  offenen  Fenster  zu 
bejahen.  Aufgrund  der  gemachten  Lärmmessungen  steht  fest,  dass  dieser 
Pegel  bei  der  rekurrentischen  Wohnung  erzielt  wird.  Da  auch  die  weiteren 
Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist daher auf den Rekurs einzutreten. 

3.1  Die  Vorinstanz  führt  im  angefochtenen  Beschluss  hinsichtlich  des 
strittigen  Kirchenglockengeläuts  aus,  der  Kirchturm  sei  mit  fünf  Glocken 
ausgestattet, wobei die Glocke 1 die grösste und die Glocke 5 die kleinste sei. 
Für  die  Zeitansage  werde  jede  Viertelstunde  die  Anzahl  Viertelstunden  mit 
einem Hammer geschlagen. Ertönen würden dabei die Glocken 4 und 5 («ding-
dong»).  Zur  vollen  Stunde  werde  zusätzlich  die  Anzahl  Stunden  angegeben. 
Hierfür werde mit einem Hammer die Glocke 1 geschlagen. Die katholische und 
die  reformierte  Kirche  seien  übereingekommen,  dass  die  katholische  Kirche 
ihren nächtlichen Stundenschlag einstelle.  

Das  dem  Gutachten  beliegende  Messprotokoll  zeige  auf,  dass  während 
der  Messperiode  auch  Lärmereignisse  eingetreten  seien,  die  aufgrund  des 
Zeitpunktes  nicht  von  den  Glocken  ausgegangen  seien,  aber  mindestens 
dieselbe  Pegelstärke  aufwiesen.  Die  rekurrentische  Liegenschaft  liege  in  der 
Kernzone  und  in  der  ES  III.  Aus  dem  Gutachten  ergebe  sich,  dass  die 
Glockenschläge  bei  offenem  Fenster  erheblich  störten  und  bei  gekipptem 
Fenster  störten.  Die  Kirchenglocken  gehörten  zum  Schweizerischen  Kulturgut. 
Auch  in  der  hier  massgeblichen  Gemeinde  stellten  sie  eine  jahrhundertealte 
Tradition  dar.  Wegen  eines  vom  Rekurrenten  veröffentlichten  Zeitungsartikels 
sei  das  Thema  in  der  Gemeinde  diskutiert  worden.  Die  Reaktionen  zeigten, 
dass  diese  Tradition  in  weiten  Kreisen  der  Bevölkerung  beliebt  und  gut 
verankert  sei.  Der  Glockenklang  werde  von  den  meisten  Menschen  als 
positives Geräusch empfunden. Der Beibehaltung dieser Tradition werde daher 
grosses Gewicht beigemessen.  

Technische  Lösungen,  wie  etwa  den  Kirchturm  zu  isolieren,  leisere 
Hämmer  und  Klöppel  oder  die  Schlagwerke  bei  kleineren  Glocken  zu 
installieren, lohnten sich nicht. Dies deshalb, weil diese Massnahmen nicht nur 
nachts,  sondern  auch  tagsüber  wirkten.  Des  Weiteren  stellten  sich  auch 
technische  und  ästhetische  Fragen.  In  Bezug  auf  die  Aufwachreaktionen  sei 
denn  auch  die  Anzahl  Ereignisse  und  nicht  die  Pegelstärke  ausschlaggebend. 
Betriebliche  Massnahmen  seien  insofern  schon  umgesetzt  worden,  als  beide 
Landeskirchen  ihr  Frühgeläut  von  6:01  Uhr  auf  7:01  Uhr  verschoben  hätten. 
Das  Abendläuten  setzte  je  nach  Dämmerungszeitpunkt  um  18:01 Uhr  oder 
20:31 Uhr ein. In der ES III seien hinsichtlich des Lärms und insbesondere auch 
betreffend  der  Aufwachwahrscheinlichkeit  stärkere  Beeinträchtigungen  hinzu-
nehmen  als  in  der  reinen  Wohnzone.  Wegen  des  in  der  ES  III  herrschenden 
nächtlichen  Umgebungslärms  sei  es  nicht  angezeigt,  mit  offenem  Fenster  zu 
schlafen. Es stelle daher für die Rekurrierenden eine zumutbare Einschränkung 
dar, zur Senkung der Aufwachwahrscheinlichkeit ihr Fenster nur zu kippen.  

3.2 Die Rekurrierenden bringen hiergegen vor, sie wohnten seit 35 Jahren 
in  der  Gemeinde. Weil  die  Rekurrentin  schwer  erkrankt  sei,  hätten  sie  in  eine 
rollstuhlgängige  Wohnung  umziehen  müssen,  welche  zentral  gelegen  sei.  Ein 

 
 
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weiterer Wegzug sei ihnen nicht zumutbar. Sie hätten nicht gewusst, dass der 
nächtliche  Stundenschlag  zu  schweren  Beeinträchtigungen  führe.  Bei  der 
Rekurrentin habe dieser zu schweren gesundheitlichen Störungen geführt. Ihre 
wegen der Krankheit ohnehin schon kurzen Schlafabschnitte würden durch den 
nächtlichen  Glockenschlag  weiter  verkürzt.  Auch  der  Rekurrent  werde  immer 
wieder aus dem Schlaf gerissen, was bei ihm zu einem Schlafmangel führe. Für 
die  Beurteilung  seien  nicht  die  Immissionen  bei  den  Rekurrierenden  selber 
massgeblich.  Abzustellen  sei  vielmehr  gemäss  einem  Entscheid  des 
Verwaltungsgerichts  vom  1.  Juni  2005  auf  die  bei  sich  näher  beim  Kirchturm 
befindlichen  Wohnungen  eintretenden  Immissionen.  Diese  seien  von  der 
Vorinstanz  jedoch  nicht  ermittelt  worden.  Gemäss  einer  WHO-Studie  sei  es 
sodann für die Gesundheit der Bevölkerung wichtig, dass der Schallpegel nicht 
über  40 dB  liege.  Ebenso  hätten  mehrere  Studien  aufgezeigt,  dass  die 
Tiefschlafphase von eminenter Bedeutung sei. Werde der Schlaf immer wieder 
unterbrochen,  falle  er  leichter  aus  und  sei  dadurch  auch  weniger  erholsam. 
Praxisgemäss  seien  sodann  nicht  die  Lärmmittelwerte,  sondern  die 
Maximalwerte  heranzuziehen.  Bei  den  vom  Gutachter  ausgewiesenen  Werten 
handle  es  sich  um  Mittelwerte,  weshalb  diese  nicht  relevant  seien.  Gemäss 
dem  Messdiagramm  habe  der  höchste  gemessene  Wert  bei  63,5  dB(A) 
gelegen,  einzig  dieser  sei  der  Beurteilung  zugrunde  zu  legen.  Des  Weiteren 
seien gemäss ständiger Rechtsprechung für die Berechnung des bei gekipptem 
Fenster  zu  erwartenden  Innenpegels  vom  aussen  gemessenen  Wert  stets  15 
dB(A)  in  Abzug  zu  bringen.  Der  Gutachter  habe  hingegen  16,2  dB(A) 
abgezogen.  Würden  vom  gemessenen  Maximalwert  in  der  Höhe  von  63,5 
dB(A)  15  dB(A)  abgezogen,  ergebe  dies  für  den  Innenraum  bei  gekipptem 
Fenster einen Wert von 48,5 dB(A) und nicht wie im Gutachten genannt einen 
solchen von 43 dB(A). Bei der der Kirche am nächsten gelegenen Wohnung sei 
mithin mit 67 dB(A) zu rechnen, liege diese doch in einer Distanz von 25 m zum 
Kirchturm.  Des  Weiteren  habe  der  Gutachter  zwar  die  vom  BAFU  erarbeitete 
Excel-Tabelle  herangezogen,  doch  habe  er  dort  den  für  kranke  Personen 
vorgesehenen  Korrekturwert  ausser  Acht  gelassen.  Ferner  sei  der 
im 
Gutachten genannte Mittelwert auch deshalb falsch, weil der tiefste gemessene 
Wert nicht etwa bei 53,8 dB(A), sondern bei 54,8 dB(A) liege.  

Zudem  treffe  es  nicht  zu,  dass  das  Kirchengeläut  von  den  meisten 
Menschen als Klang wahrgenommen werde. Auch sei nicht erwiesen, dass die 
nächtlichen  Zeitschläge  schon  seit  vielen  Jahrhunderten  üblich  seien.  Es  sei 
vielmehr davon auszugehen, dass das nächtliche Stundenschlagen erst mit der 
Elektrifizierung  und  mithin  ab  1880  Eingang  gefunden  habe.  Die  Vorinstanz 
unterlasse  es  sodann  vollständig,  das  Interesse  am  Kulturgut  gegen  das 
Interesse an der Nachtruhe abzuwägen.  

Dem Messprotokoll könne sodann entnommen werden, dass es in der Zeit 
von  24:00  Uhr  bis  5:30  Uhr  sehr  ruhig  sei  und  nur  sehr  selten  laute 
Drittimmissionen  zu  verzeichnen  seien.  Auch  bestehe  nicht  die  Pflicht,  die 
Fenster  nachts  geschlossen  zu  halten.  Da  beim  für  die  Beurteilung  der 
Immissionen  massgeblichen  Ort  die  Alarmwerte  überschritten  seien,  seien 
Massnahmen  zu  treffen.  Die  Rekurrentin  leide  sodann  an  einer  schweren 
Krankheit.  Ein  gestörter  Schlaf  könne  ihre  Erkrankung  verschlimmern,  was 
denn  auch  schon  eingetreten  sei.  Das  Interesse  am  nächtlichen  Stunden-

 
 
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schlagen  müsse hinter  das  Interesse  der Rekurrentin  zurücktreten.  Der Kirche 
sei  es  möglich,  von  7:15  Uhr  bis  21:45  Uhr  auf  sich  aufmerksam  zu  machen. 
Dies müsse genügen. (…) 

5.1  Das  Glockenspiel  der  reformierten  Kirche  ist  eine  mit  einer  Baute 
dauerhaft  verbundene  ortsfeste  Einrichtung  und  damit  eine  Anlage  im  Sinne 
von  Art. 7  Abs.  7  des  Umweltschutzgesetzes  (USG)  und  Art.  2  Abs.  1  der 
Lärmschutzverordnung  (LSV).  Die  Kirche  samt  ihrem  Läutewerk  bestand 
unbestrittenermassen  bereits  vor  dem  1.  Januar  1985,  weshalb  sie  aus 
umweltschutzrechtlicher  Sicht  als  altrechtliche  Anlage  gilt  und  damit  grund-
sätzlich die Immissionsgrenzwerte einzuhalten hat (Art. 13 LSV). Sie ist folglich 
zu sanieren, wenn sie den Vorschriften des Umweltschutzgesetzes nicht genügt 
(Art. 16  Abs. 1  USG).  Eine  Sanierung  ist  mithin  dann  zu  ergreifen,  wenn  die 
Anlage wesentlich zur Überschreitung der Immissionsgrenzwerte beiträgt, aber 
auch,  wenn  die  Vorschriften  der  Art.  11  Abs.  2  und  3  USG  nicht  eingehalten 
sind. Diesen zufolge sind Emissionen im Rahmen der Vorsorge unabhängig von 
der  bestehenden  Umweltbelastung  so  weit  zu  begrenzen,  als  dies  technisch 
und  betrieblich  möglich  und  wirtschaftlich  tragbar  ist  (Abs.  2).  Wenn  feststeht 
oder  zu  erwarten  ist,  dass  die  Einwirkungen  unter  Berücksichtigung  der 
bestehenden  Umweltbelastung  schädlich  oder 
lästig  werden,  sind  die 
Emissionsbegrenzungen  zu  verschärfen 
(Abs. 3).  Solche  Begrenzungen 
werden  gemäss  Art.  12  Abs.  2  USG  durch  Verordnungen  oder,  soweit  diese 
nichts  vorsehen,  durch  unmittelbar  auf  das  Umweltschutzgesetz  abgestützte 
Verfügungen  vorgeschrieben.  Schutzmassnahmen  nach  Art.  12  Abs.  2  USG 
sind  nicht  erst  zu  ergreifen,  wenn  die  Umweltbelastung  schädlich  oder  lästig 
wird,  sondern  es  müssen  gestützt  auf  das  Vorsorgeprinzip  schon  sämtliche 
unnötigen  Emissionen  vermieden  werden.  Dies  ist  allerdings  nicht  so  zu 
verstehen,  dass  jeder  im  strengen  Sinne  nicht  nötige  Lärm  völlig  untersagt 
werden  müsste.  Es  gibt  keinen  absoluten  Anspruch  auf  Ruhe;  vielmehr  sind 
geringfügige, nicht erhebliche Störungen hinzunehmen (Art. 15 USG). 

(Art.  40  Abs.  3  LSV). 

Die  Lärmimmissionen  ortsfester  Anlagen  sind  grundsätzlich  anhand  der 
vom  Bundesrat  festgelegten  Belastungsgrenzwerte  (Anhänge  3-8  LSV)  zu 
beurteilen (Art. 40 Abs. 1 LSV). Für die Lärmbelastung durch Glockenspiele hat 
der  Bundesrat  keine  Grenzwerte  festgelegt.  Fehlen  solche  Werte,  so  müssen 
die  Lärmimmissionen  im  Einzelfall  nach  den  Kriterien  der  Art. 15,  19  und  23 
Im  Rahmen  dieser 
USG  bewertet  werden 
Einzelfallbeurteilung  sind  der  Charakter  des  Lärms,  Zeitpunkt  und  Häufigkeit 
seines  Auftretens  sowie  die  Lärmempfindlichkeit  bzw.  Lärmvorbelastung  zu 
berücksichtigen.  Dabei  ist  nicht  auf  das  subjektive  Lärmempfinden  einzelner 
Personen  abzustellen,  sondern  eine  objektivierte  Betrachtung  unter  Berück-
sichtigung  von  Personen  mit  erhöhter  Empfindlichkeit  (Art. 13  Abs. 2  USG) 
vorzunehmen. Dabei gilt es zu beachten, dass die Lärmschutzvorschriften des 
Umweltschutzgesetzes in erster Linie auf Geräusche zugeschnitten sind, die als 
unerwünschte  Nebenwirkungen  einer  bestimmten  Tätigkeit  auftreten. 
Grundsätzlich lassen sich solche Lärmemissionen mit geeigneten Massnahmen 
an  der  Quelle  reduzieren,  ohne  dass  dadurch  die  entsprechenden  Tätigkeiten 
als solche in Frage gestellt würden. Geräusche, welche den eigentlichen Zweck 
einer  bestimmten  Aktivität  ausmachen,  wie  beispielsweise  das  Läuten  von 
Kirchen-  oder  Kuhglocken  sowie  das  Musizieren  können  indessen  nicht  völlig 

 
 
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vermieden  oder  in  der  Lautstärke  wesentlich  reduziert  werden,  ohne  dass 
zugleich der Zweck der sie verursachenden Tätigkeit vereitelt würde. Derartige 
Lärmemissionen  als  unnötig  und  unzulässig  zu  qualifizieren,  würde  nichts 
anderes  heissen,  als  gleichzeitig  die  betreffenden  Aktivitäten  generell  als 
unnötig zu betrachten. In der Rechtsprechung werden solche Emissionen zwar 
aufgrund  des  Umweltschutzgesetzes  beurteilt,  aber  zugleich  unter  Berück-
sichtigung des Interesses an der den fraglichen Lärm verursachenden Tätigkeit 
nicht  vollständig  untersagt,  sondern  bloss  einschränkenden  Massnahmen 
unterworfen  worden  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  vom  2. März  1998  in 
Pra 1998  Nr. 170  S.  904;  BGE  126  II  366,  E.2d,  S.369).  Solche  Massnahmen 
bestehen  in  der  Regel  in  einer  Einschränkung  der  Betriebszeiten,  da  eine 
Reduktion  der  Schallintensität  zumeist  den  mit  der  betreffenden  Tätigkeit 
verfolgten Zweck vereiteln würde. Dabei ist eine Interessenabwägung zwischen 
dem  Ruhebedürfnis  der  Bevölkerung  und  dem 
Interesse  an  der 
lärmverursachenden Tätigkeit vorzunehmen. Vorliegend gilt es dabei zu berück-
sichtigen, dass das hier strittige Zeitverkünden nicht unter die Kultusfreiheit fällt 
(vgl.  hierzu  VGr,  27.  April  2005,  VB.2004.00240,  www.vgr.zh.ch,  mit  weiteren 
Hinweisen).  Den  örtlichen  Behörden  ist  sodann  ein  gewisser  Beurteilungs-
spielraum  zuzugestehen,  soweit  es  sich  um  Anlässe  mit  lokaler  Ausprägung 
oder  Tradition  handelt 
(vgl.  zu  alledem  mit  weiteren  Hinweisen 
BGr 1C_297/2009).  

5.2  Für  die  Einzelfallbeurteilung  können  unter  Umständen 

fachlich 
genügend  abgestützte  private  Richtlinien  herangezogen  werden  können  (vgl. 
BGE 137 II 30, E. 3, mit weiteren Hinweisen). Im Anhang zur Vollzugshilfe des 
BAFU wird eine Beurteilungsmethode erläutert, mit welcher die Quantifizierung 
der  Störwirkung  von  Kirchenglocken  ermittelt  werden  kann.  Die  Störung  wird 
dabei für den Tag und die Nacht anhand von vier Kategorien separat ermittelt. 
Für  die  Nachtphase  werden  die  Aufwachreaktionen 
(AWR),  die 
spezielle 
Empfindlichkeitsstufe 
Personengruppe  (SP)  sowie  die  Lärmvorbelastung  (OG)  addiert  (Störung  = 
AWR + ES + SP + OG). Die einzelnen Kategorien sind dabei in Gewichtungs-
faktoren  (-2  bis  +3)  unterteilt,  so  dass  etwa  die  ES  I  mit  einem  Gewichtungs-
faktor  von  +1  zu  Buche  schlägt,  während  die  ES  III  einem  Gewichtungsfaktor 
von  -1  entspricht.  Addiert  werden  mithin  die  für  die  einzelnen  Kategorien  im 
Einzelfall  zu  eruierenden  Gewichtungsfaktoren.  Die  Summe  derselben  ent-
spricht alsdann einer Störungskategorie. Anhand der vom BAFU zur Verfügung 
gestellten Excel-Tabelle lässt sich die jeweilige Störungskategorie ablesen (vgl. 
www.bafu.admin.ch/publikationen). 

betroffenen  Gebiets 

(ES), 

des 

die 

Für  die  Eruierung  der  Aufwachreaktionen  verweist  das  BAFU  auf  die 
vorgenannte  ETH-Studie.  Anhand  einer  Grafik  lässt  sich  dabei  feststellen,  wie 
viele zusätzliche Aufwachreaktionen bei einem berechneten oder gemessenen 
LAF,max innen anfallen. Die Aufwachreaktionen sind sowohl nach Schlafdauer 
als  auch  nach  Anzahl  Läuteereignisse  dargestellt.  Das  Diagramm  präsentiert 
sich wie folgt:  

 
 
 
 
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(Quelle:  Anhang  A2  der  Vollzugshilfe  Beurteilung  Alltagslärm  des  BAFU,  2014; 
ursprüngliche  Quelle:  M.  Brink,  S.  Omlin,  Ch.  Müller,  R.  Pieren  und  M.  Basner;  An 
event-related  analysis  of  awakening  reactions  due  to  nocturnal  church  bell  noise, 
Science of the Total Environment, 409(24), 5210-5220) 

Die  vom  Bundesamt  erarbeitete  Beurteilungsmethode  kann  als 
massgebliche  Richtlinie  herangezogen  werden,  was  denn  auch  von  den 
Parteien  unbestritten  geblieben  ist.  Die  strittigen  Immissionen  können  folglich 
anhand des Anhangs zur Vollzugshilfe beurteilt werden. Dabei gilt es zunächst, 
das  Lärmgutachten  in  den  von  den  Rekurrierenden  gerügten  Punkten  zu 
überprüfen.  

5.3.1  Die  Messungen  für  das  Gutachten  fanden  in  der  Nacht  vom 
18. Februar  2015  auf  den  19. Februar  2015  statt  und  dauerten  von  22:00 Uhr 
bis  7:00 Uhr.  Das  Mikrofon  wurde  vor  dem  Fenster,  an  der  Rollladenschiene 
eines der rekurrentischen  Zimmer angebracht.  Die  gemessenen Maximalwerte 
wurden 
in  der  Folge  gemittelt,  so  dass  aussen  ein  durchschnittlicher 
Maximalwert  von  59,6  dB(A)  ermittelt  wurde.  Ausgehend  von  diesem  Wert 
wurde für den Innenraum am möglichen Standort des Kopfes einer schlafenden 
Person  ein  durchschnittlicher  LAF,max  innen  von  43,4  dB(A)  bei  gekipptem 
Fenster  und  ein  solcher  von  54,7  dB(A)  bei  offenem  Fenster  berechnet.  Der 
Gutachter  bestimmte  anhand  der  Vollzugshilfe,  dass  die  Summe  der 
Gewichtungsfaktoren  bei  gekipptem  Fenster  +1  ergebe,  so  dass  bei  der 
rekurrentischen Wohnung von einer störenden Situation auszugehen sei.  

5.3.2  Die  Rekurrierenden  stellen  sich  unter  Verweis  auf  den 
Verwaltungsgerichtsentscheid 
2005 
VB.2004.00320 
(www.vgr.zh.ch)  auf  den  Standpunkt,  nicht  die  Lärmimmissionen  bei  ihren 
eigenen  Wohnräumen,  sondern  bei  den  der  Kirche  näher  gelegenen 
Drittwohnungen seien für die Beurteilung massgebend.  

1. Juni 

vom 

Den Rekurrierenden ist insoweit zuzustimmen, als das Verwaltungsgericht 
im  genannten  Entscheid  ausführte,  für  die  Zulässigkeit  der  vom  Kirchen-
glockengeläut erzeugten Immissionen sei auf die Immissionsbelastung bei den 
lärmempfindlichen  Räumen  in  der  Nähe  der  Anlage  abzustellen.  Die  Lärmbe-

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 8-  

lastung  bei  den  rekurrentischen  Räumen  sei  einzig  für  die  Frage  der 
Legitimation massgeblich (E. 3.1). Diese Aussage gilt es jedoch zu relativieren. 
Zu  entscheiden  war  in  jenem  Fall  nämlich  einzig,  ob  auf  die  Einholung  eines 
Lärmgutachtens  verzichtet  werden  könne  oder  nicht.  Hinzu  kommt,  dass  in 
Erwägung  3.2  dieses  Entscheids  auf  den  Entscheid  VB.2004.00240  vom  27. 
April  2005  (www.vgr.zh.ch)  verwiesen  wird,  in  welchem  eine  Lärmklage  zu 
In  diesem  wiederum  wurde  einzig  auf  die  bei  der 
beurteilen  war. 
Immissionen  abgestellt.  Dies 
rekurrentischen  Liegenschaft  gemessenen 
erscheint  denn  auch  sachgerecht.  Bei  einer  Lärmklage  geht  es  darum  festzu-
stellen,  ob  die  Lärmkläger  übermässigen  Immissionen  ausgesetzt  sind.  Dass 
die  Vorinstanz  einzig  die 
in  den  rekurrentischen  Räumen  auftretenden 
Immissionen beurteilt hat, ist damit nicht zu beanstanden.  

5.3.3  Weiter  sind  die  Rekurrierenden  der  Auffassung,  dass  nicht  auf  die 
durchschnittlichen Maximalwerte abgestellt werden dürfe, sondern der höchste 
gemessene  Wert  ausschlaggebend  sei.  Dieser  betrage  dem  Messdiagramm 
zufolge 63,5 dB(A). Praxisgemäss seien von diesem bei gekipptem Fenster 15 
dB(A)  zu  subtrahieren,  so  dass  sich  für  die  rekurrentische  Wohnung  ein 
Innenwert  von  48,5  dB(A)  ergebe,  was  2,3  zusätzlichen  Aufwachreaktionen 
entspreche.  

Das  Messprotokoll  weist  für  die  gesamte  Messzeit  die  jeweils  während 
einer  Stunde  gemessenen  Kirchglockenimmissionen  sowie  die  Umgebungs-
geräusche  aus.  Die  aufgezeichneten  Maximalpegel  aussen  liegen  zwischen 
54,8 dB(A)  und  63,5  dB(A).  Der  über  die  gemessenen  Maximalpegel 
berechnete  Mittelwert  (LAF,max)  ergibt  einen  Wert  59,6  dB(A).  Um  den  bei 
einer schlafenden Person zu erwartenden durchschnittlichen LAF,max innen bei 
Annahme  eines  geöffneten  bzw.  eines  gekippten  Fensters  zu  berechnen, 
wurden vom LAF,max 4,9 dB(A) bzw. 16,2 dB(A) in Abzug gebracht.  

Wenn im Gutachten auf den Durchschnitt der Maximalpegel abgestellt wird 
um den Innenwert zu berechnen, ist dies nicht zu beanstanden. Das zur ETH-
Studie  gehörende  oben  wiedergegebene  Diagramm 
legt  den  Aufwach-
reaktionen  ebenfalls  einen  LAF,max innen  zu  Grunde.  Dabei  wird  von  einem 
konstanten  Maximalpegel  während  der  Dauer  einer  Schlafphase  von  sieben, 
acht oder neun Stunden ausgegangen. Da die hierfür Ausgangswert bildenden 
draussen  gemessenen  Maximalpegel  von  äusseren  Einwirkungen  (Wind, 
Feuchtigkeit)  beeinflusst  werden  können,  kann  nur  die  Mittelung  der 
gemessenen  Maximalpegel  einen  konstanten  Maximalpegel  simulieren.  Dass 
es sich hierbei um einen Durchschnittswert handeln muss, ergibt sich auch aus 
der in  der Publikation von  Mark Brink  und  Sarah  Omlin  «Awakening  effects of 
church  bell  noise:  Geographical  extrapolation  of 
results  of  a 
polysomnographic 
filed  study»  (www.noiseandhealth.org,  besucht  am  3. 
November 2015) dargelegten Rechnungsformel 6, wo explizit ein durchschnitt-
licher  in  der  Sommer-  bzw.  in  der  Wintersaison  angenommener  maximaler 
Lärmpegel (LAF,max indoors) genannt wird. Was darauf schliessen lässt, dass 
es  sich  auch  beim  Ausgangswert,  also  beim  LAF,max  ebenfalls  um  einen 
Mittelwert  handeln  muss.  Es  ist  mithin  wie  im  Gutachten  genannt  von  einem 
äusseren  Maximalpegel (LAF,max) von  59,6  dB(A) auszugehen,  um  den  beim 
Schlafenden zu erwartenden LAF,max innen zu berechnen.  

the 

 
 
- 9-  

Gemäss  ständiger  Rechtsprechung  ist  hierfür  auf  die  bei  gekipptem 
Fenster  zu  erwartenden  Immissionen  abzustellen  (vgl.  Alain  Griffel,  Heribert 
Rausch,  in:  Kommentar  zum  Umweltschutzgesetz,  Ergänzungsband  zur  2. A., 
2011, Art. 15 Rz. 27). Es trifft zu, dass in der Regel bei gekipptem Fenster von 
einem  im  Vergleich  zum  äusseren  Maximalpegel  um  15 dB(A)  reduzierten 
inneren Maximalpegel ausgegangen wird (vgl. hierzu etwa M. Brink, S. Omlin). 
Im Gutachten hingegen wurde aufgrund der vor Ort getätigten Messungen  von 
einer Reduktion um 16,2 dB(A) ausgegangen. Es kann offen bleiben, ob der im 
Gutachten vorgenommene Abzug korrekt ist oder nicht. Unabhängig davon ob 
von einem LAF,max innen von 44,6 dB(A) (bei einem Abzug von 15dB[A]) oder 
wie im Gutachten von einem solchen von 43 dB(A) ausgegangen wird, ergeben 
sich  bei  der  rekurrentischen  Liegenschaft  der  vorstehenden  Grafik  zufolge  ein 
bis  zwei  zusätzliche  Aufwachreaktionen,  was  gemäss  der  Vollzugshilfe  einem 
Gewichtungsfaktor 2 entspricht.  

5.3.4  Die  Rekurrierenden  monieren  das  Gutachten  auch  hinsichtlich  der 
darin vorgenommenen Gewichtung der Kategorie «spezielle Personengruppe». 
Um  die  Störungskategorie  zu  bestimmen,  ist,  wie  bereits  ausgeführt,  auch  die 
Kategorie  «spezielle  Personengruppe»  zu  berücksichtigen,  d.h.,  ob 
lärmempfindliche Personen betroffen sind oder nicht. Die Vollzugshilfe kennt für 
folgende  Personengruppen  die  nachfolgend  wiedergegebenen  Gewichtungs-
faktoren: 

keine (Ergänzung: lärmempfindliche Personen)   
Kranke 
Kleinkinder, Jugendliche, Schwangere 
Alte 

0  
1 
1 
1 

liegt 

dass 

zugrunde, 

die  Annahme 

Dem  Gutachten 

keine 
lärmempfindlichen  Personen  betroffen  sind,  weshalb  der  Gewichtungsfaktor  0 
eingesetzt  wurde.  Die  Rekurrierenden  sind  hingegen  der  Auffassung,  der 
schweren Erkrankung der Rekurrentin müsse Rechnung getragen werden. Wie 
bereits  vorstehend  ausgeführt  wurde,  basiert  die  einzelfallweise  lärmrechtliche 
Beurteilung im Sinne von Art. 40 Abs. 3 LSV nicht auf subjektiven Empfindlich-
keiten, sondern es ist eine objektivierte Betrachtung unter Berücksichtigung von 
Personen  mit  erhöhter  Empfindlichkeit  vorzunehmen.  Die 
lärmrechtliche 
Beurteilung  hat  von  einer  gewissen  Dauerhaftigkeit  zu  sein  und  hat  daher 
losgelöst  von  subjektiven  Situationen  zu  erfolgen.  Die  Nachbarschaft  der 
lärmverursachenden  Anlage  zu  einzelnen  Kranken  kann  mithin  nicht  zu  einer 
Änderung  der  lärmrechtlichen  Beurteilung  führen.  Die  Berücksichtigung  von 
kranken  Personen  dürfte  daher  allenfalls  auf  Fälle  zugeschnitten  sein,  wo 
beispielsweise  Krankenhäuser  in  einer für  sie  zu  lärmtoleranten  Zone  gelegen 
sind. Dass die Rekurrentin schwer erkrankt ist, kann daher nicht berücksichtigt 
werden,  weshalb  im  Gutachten  zu  Recht  der  Gewichtungsfaktor  0  zur 
Anwendung gelangte.  

5.3.5  Weiter  monieren  die  Rekurrierenden,  die  Lärmvorbelastung  sei  im 

Gutachten falsch gewertet worden.  

 
 
 
 
 
 
 
 
- 10-  

Auch  die  Kategorie  «Lärmvorbelastung»  kennt  unterschiedliche  Faktoren, 

welche sich wie folgt präsentieren: 

Der ES entsprechender Hintergrundpegel   
speziell ruhiges Gebiet 
sehr ungewöhnlicher Lärm 

0 
1 
1 

Der  Gutachter  setzte  auch  für  diese  Kategorie  den  Gewichtungsfaktor  0 
ein, wogegen die Rekurrierenden der Ansicht sind, ihre Wohnung liege in einem 
nachts sehr ruhigen Quartier. Die rekurrentische Wohnung befindet sich in einer 
typischen  Kernzone.  So  sind  im  selben  Gebäude  wie  die  rekurrentische 
Wohnung  sechs  Arztpraxen  sowie  ein  Coiffeurgeschäft  untergebracht.  Auf  der 
gegenüberliegenden  Strassenseite  befinden  sich  zwei  Detailhändler  (Denner, 
Migros-Supermarkt)  sowie  ein  Geschäft  der  Firma  F.,  eine  Apotheke  und  ein 
Schuhgeschäft. Anlässlich des Lokaltermins konnte festgestellt werden, dass es 
sich bei der O.-Strasse um eine verkehrsberuhigte Strasse handelt, die auf der 
Höhe  der  rekurrentischen  Liegenschaft  als  Einbahn  geführt  wird.  Lediglich  in 
deren nördlichsten Abschnitt, nahe der Einmündung in die Z.-Strasse, weist sie 
Gegenverkehr  auf.  Während  des  Lokaltermins  verkehrten  auf  der  O.-Strasse 
nur wenige Fahrzeuge. Hingegen gingen – solange der Flugbetrieb andauerte – 
von  den  über  dem  Gemeindegebiet  eine  Schlaufe  fliegenden  Flugzeugen 
erhebliche  Lärmimmissionen  aus.  Weitere 
lärmintensive  Drittimmissionen 
waren nicht zu vernehmen. Diese Feststellungen decken sich auch mit den vom 
Gutachter  getätigten  Messungen.  Diese  zeigen  auf,  dass  anlässlich  der 
Messung  die  Umgebungsgeräusche  ab  23:00  Uhr  deutlich  abnahmen,  wobei 
bis 1:00 Uhr einzelne Lärmspitzen mit 50 dB(A) bis 60 dB(A) anfielen. Alsdann 
traten  bis  gegen  3:45  Uhr  keine  Lärmspitzen  mehr  auf.  Danach  wurde  eine 
deutliche  Zunahme  der  Aussenlärmimmissionen  aufgezeichnet,  welche  wohl 
auf  den  Durchgangsverkehr  und  auf  die  Anlieferung  der  in  der  unmittelbaren 
Nachbarschaft  gelegenen  Geschäfte  zurückgeführt  werden  kann.  Es  kann 
daher  festgehalten  werden,  dass  während  eines  Teils  der  Nachtphase 
tatsächlich  kaum  nennenswerter  Aussenlärm  zu  verzeichnen  ist.  Indes  ist  es 
nichts Aussergewöhnliches, dass in Gemeinden wie der vorliegenden mit rund 
20'000 Einwohnern (vgl. www.waedenswil.ch) in Kernzonen der ES III, in denen 
vorwiegend  Verkaufsgeschäfte  untergebracht  sind,  der  Lärmpegel  nachts 
phasenweise  tief  liegt.  Ein  speziell  ruhiges  Gebiet  liegt  damit  nicht  vor.  Die 
Bewertung  des  Gutachters  mit  dem  Gewichtungsfaktor  0  ist  damit  nicht  zu 
beanstanden.  

5.3.6  Wird  von  den  so  ermittelten  Gewichtungsfaktoren  der  für  die 
Empfindlichkeitsstufe  III  zu  berücksichtigende  Gewichtungsfaktor  -1  in  Abzug 
gebracht,  ergibt  sich  die  Gesamtsumme  1.  Wie  der  nachfolgenden  Tabelle 
entnommen  werden  kann,  entspricht  dieser  Wert  gemäss  der  Vollzugshilfe 
Lärmimmissionen,  die  zwischen  den  Planungs-  und  den  Immissionsgrenz-
werten liegen.  

 
 
 
 
 
- 11-  

Anlagecharakteristiken 

Lärmsituation 

Kirchenglocken 

Rechtliche Einordnung 

USG öffentliche oder konzessionierte Anlage 

Rechtliche Einordnung 

Alte Anlage 

Quellencharakteristiken 

Störungszeit 

In der Nacht 

Aufwachreaktionen 

WAR/Nacht >=1 

Empfängercharakteristiken 

Empfindlichkeitsstufe  

III 

Sensible Personen 

Keine 

Örtliche 
Lärmvorbelastung 

Gegebenheiten, 

der  ES  entsprechender  Hinter-
grundpegel 

Ergebnis 

Störend (zwischen PW und 
IGW) Vorsorgliche 
Massnahmen prüfen 

Wertung 

2 

Wertung 

-1 

0 

0 

Wertung 

1 

Die 

Immissionsgrenzwerte  werden  mithin  von  der  Anlage  nicht 
prüfen 
überschritten.  Zu  prüfen  ist  jedoch,  ob  Massnahmen  aufgrund  des  Vorsorge-
prinzips (Art. 11 USG) anzuordnen sind und insoweit ein Sanierungsfall vorliegt.  

5.4 Gemäss dem Vorsorgeprinzip sind Emissionen so weit  zu begrenzen, 
als dies technisch und betrieblich möglich und auch wirtschaftlich tragbar ist. Da 
hier  die  von  einer  kirchlichen  Anlage  ausgehenden  Immissionen  zu  beurteilen 
sind,  ist  der  Aspekt  der  wirtschaftlichen  Tragbarkeit  durch  eine  Verhältnis-
mässigkeitsprüfung  zu  ersetzen.  Im  Rahmen  einer  solchen  Prüfung  mass  das 
Bundesgericht in mehreren Präjudizien, welche vor Publikation der ETH-Studie 
ergingen, dem Interesse an der Beibehaltung der Tradition des Glockengeläuts 
grösseres Gewicht zu als dem Ruhebedürfnis einzelner (vgl. etwa anstatt vieler 
BGr,  20.  Februar  2006,  1A.159/2005,  www.bger.ch).  Als  Indiz  für  die  Lokale 
Verankerung  stützte  sich  das  höchste  Gericht  in  seinem  Entscheid  vom  18. 
Januar  2010  (BGr  1C_297/2009,  www.bger.ch)  auch  auf  die  Bevölkerungs-
meinung, welche sich in vorgenommenen Meinungsumfragen niedergeschlagen 
hatte.  In  seinem  letztgenannten  Entscheid  trug  das  Bundesgericht  dabei  auch 
dem  Umstand  Rechnung,  dass  ein  verhältnismässig  kleiner  Kreis  von 
betroffenen Anwohnern vorlag. Soweit ersichtlich sind noch keine, gestützt auf 
die neue ETH-Studie gefällten Bundesgerichtsentscheide ergangen.  

Anlässlich des Lokaltermins konnte sich das Baurekursgericht auch einen 
Eindruck  über  die  Tonalität  des  strittigen  Glockengeläuts  verschaffen.  Dabei 
konnte  festgestellt  werden,  dass  sowohl  beim  Stunden-  als  auch  beim 
Viertelstundenschlag keine metallischen Schläge ertönen, sondern die Glocken 

 
 
 
 
 
 
 
- 12-  

einen  harmonischen  Klang  aufweisen,  wobei  bei  den  Stundenschlägen  ein 
leichtes  Nachhallen  zu  vernehmen  war.  Wie  bereits  vorstehend  dargelegt 
wurde, gibt es während der Nacht auch Abschnitte mit wenig Umgebungslärm, 
weshalb  die  Glockenschläge  trotz  ihres  harmonischen  Klanges  durchaus  eine 
gewisse  Störung  verursachen  können.  Wie  viele  Personen  sich  vom 
nächtlichen  Zeitschlagen  gestört  fühlen,  kann  den  Akten  nicht  schlüssig 
entnommen  werden. Die  Vorinstanz  lässt  hierzu  ausführen,  dass  infolge  eines 
Zeitungsartikels des Rekurrenten das Zeitschlagen in der Bevölkerung diskutiert 
worden  sei.  Dabei  seien  verschiedene  Reaktionen  zugunsten  des  Zeit-
schlagens  zuhanden  des  Stadtrates  und  der  Mitglieder  des  Gemeinderates 
eingegangen sowie Leserbriefe verfasst worden. Die Rekurrierenden hingegen 
führen aus, Bewohner eines Alterszentrums hätten ihnen gedankt. Auch würden 
einzelne  Personen  mangels  Courage  oder  Geld  den  Rechtsmittelweg  nicht 
beschreiten.  Zu  berücksichtigen  ist,  dass  im  Gegensatz  zu  den  genannten 
bundesgerichtlichen  Entscheiden,  wo  das  Kirchenglockengeläut  in  ländlichen 
Gemeinden  zu  beurteilen  war,  hier  das  Glockengeläut  in  einer  städtischen 
Umgebung strittig ist. Zwar ist der Vorinstanz dahingehend zuzustimmen, dass 
durchaus  auch  Städte  Traditionen  aufweisen,  doch  ist  die  Verbundenheit  der 
Bewohner  zu  lokalen  Traditionen  in  der  Regel  hier  geringer  als  in  ländlichen 
Gemeinden.  Hinzu  kommt,  dass  der  Stundenschlag,  wie  bereits  vorstehend 
ausgeführt  wurde,  keine  religiöse  Handlung  darstellt,  sondern  einzig  der 
Zeitansage dient und daher als Dienst an die Öffentlichkeit zu verstehen ist. In 
der  heutigen  Zeit,  in  welcher  jeder  Haushalt  über  mehrere  Uhren  verfügt,  hat 
diese  von  der  Kirche  wahrgenommene  Aufgabe  an  Bedeutung  eingebüsst. 
Jedoch ist damit nicht gesagt, dass der nächtliche Stundenschlag – wie von den 
Rekurrierenden  beantragt –  vollständig  einzustellen  wäre.  Derartiges  wäre 
aufgrund  der  für  ihre  Wohnung  festgestellten  Störung  unverhältnismässig, 
zumal  dem  nächtlichen  Stundenschlag  nicht 
in  der 
Bevölkerung der Gemeinde abgesprochen werden kann. Zu prüfen ist vielmehr, 
ob Massnahmen getroffen werden können, welche zwar für die Rekurrierenden 
eine  erhebliche  Verbesserung  bedeuten,  gleichwohl  aber  der  Tradition 
Rechnung  tragen.  Von  massgeblicher  Bedeutung  ist  dabei  die  ETH-Studie, 
welche  den  genannten  bundesgerichtlichen  Präjudizien  noch  nicht  zu  Grunde 
lag.  Diese  zeigt  auf,  dass  eine  Reduktion  der  Schallereignisse  bei 
gleichbleibendem 
zusätzlichen 
Aufwachreaktionen  führt.  Es  ist  daher  zu  untersuchen,  ob  eine  Beschränkung 
des nächtlichen Glockenschlags auf die vollen Stunden zu einer Verbesserung 
der lärmrechtlichen Situation führt.  

zu  einer  Abnahme  der 

jegliche  Akzeptanz 

Innenpegel 

Dem Gutachten kann entnommen werden, dass um 6:00 Uhr der höchste 
aussen  gemessene  Maximalwert  aufgezeichnet  wurde.  Dieser 
liegt  bei 
63,5 dB(A). Die weiteren zur vollen Stunde gemessenen Werte liegen allesamt 
darunter. Wird der Einfachheit halber auf die Berechnung des Mittelwertes über 
die  aussen  gemessenen  Maximalpegel  verzichtet  und  vom  genannten 
Maximalwert  (63,5  dB[A])  der  maximale  Innenwert  bei  gekipptem  Fenster 
berechnet (63,5 dB[A] - 15 dB[A]), ergibt dies einen Pegel von 48,5 dB(A). Ein 
Blick  auf  das  Diagramm  zeigt,  dass  bei  diesem  Pegel  unter  Annahme  eines 
sieben-, acht- oder neunstündigen Schlafs die zusätzlichen Aufwachreaktionen 
für  den  1h-Takt  bei  0,5  liegen.  Wie  Omlin/Brink  in  ihrer  oben  genannten 
Publikation ausführen, ist erst bei mehr als einer zusätzlichen Aufwachreaktion 

 
 
- 13-  

mit  Herz-Kreislauf-Beschwerden  zu  rechnen.  Durch  die  Reduktion  der 
Glockenschläge  auf  die  vollen  Stunden,  d.h.  durch  einen  Verzicht  der 
Viertelstundenschläge  könnte  vorliegend  unter  gleichzeitiger  Wahrung  der 
Tradition  die  zusätzlichen  Aufwachreaktionen  vermindert  werden.  Eine 
für  die  Rekurrierenden  somit  zu  einer  deutlichen 
Reduktion  würde 
Verbesserung ihrer Lärmsituation führen und zugleich das dem rekurrentischen 
Ruhebedürfnis  entgegenstehende  Interesse  an  der  Beibehaltung  des  Zeit-
schlagens  angemessen  berücksichtigen.  Diese  Massnahme  liesse  sich  auch 
technisch  problemlos  umsetzen.  Unter  Würdigung  all  dieser  Umstände 
erscheint  daher  in  Beachtung  des  Vorsorgeprinzips  der  Verzicht  auf  den 
Viertelstundenschlag zwischen 22:00 Uhr bis 7:00 Uhr als angezeigt. 

6.  Zusammenfassend 

ist 
ist.  Demgemäss 

festzuhalten,  dass  der  Rekurs 
ist  der  angefochtene  Beschluss 

teilweise 
gutzuheissen 
insoweit 
aufzuheben, als damit die Immissionsklage betreffend die nächtlichen Glocken-
schläge  (Zeitansage)  abgelehnt  wurde.  Dispositivziffer 1  des  angefochtenen 
Beschlusses  ist  dahingehend  neu  zu  fassen,  als  zwischen  22:00 Uhr  und 
7:00 Uhr  die  Reformierte  Kirche  der  Gemeinde  X  den  Viertelstundenschlag 
einzustellen hat. Im Übrigen ist der Rekurs abzuweisen.