# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 533d0cc6-76e5-57e2-954a-26f4ee333fdd
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-01-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.01.2012 E-21/2012
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-21-2012_2012-01-12.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­21/2012

U r t e i l   v om   1 2 .   J a nua r   2 0 1 2

Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer,
mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo;
Gerichtsschreiber Simon Thurnheer.

Parteien A._______,
Guinea,  
vertreten durch (…), 
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM)
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 
(Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid); Verfügung 
des BFM vom 1. Dezember 2011 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer  verliess  seinen  Heimatstaat  eigenen  Angaben 
zufolge  im  August  2011  und  gelangte  am  6.  September  2011  in  die 
Schweiz,  wo  er  gleichentags  um  Asyl  nachsuchte.  Das  BFM  erhob 
anlässlich  der  Kurzbefragung  vom  20. September  2011  im  Empfangs­ 
und  Verfahrenszentrum  B._______  seine  Personalien  und  befragte  ihn 
summarisch zum Reiseweg sowie zu den Gründen für das Verlassen des 
Heimatlandes.  Am  14.  Oktober  2011  hörte  es  ihn  zu  den  Asylgründen 
vertieft an, wobei er im Wesentlichen geltend machte, dass (…), der sich 
für  eine  oppositionelle  Partei  engagiere  und  der  Beteiligung  an  einem 
Attentat auf den Staatspräsidenten verdächtigt werde, zusammen mit (…) 
verhaftet  worden  sei.  Aus  Furcht,  als  naher  Angehöriger  ebenfalls 
verhaftet  zu  werden,  sei  er  geflohen.  Zur  Stützung  seiner  Angaben 
konnte  er  keinerlei  Dokumente  vorlegen.  Dazu  gab  er  an,  nie 
Ausweispapiere  oder  eine  Geburtsurkunde  besessen  zu  haben  und 
gegenwärtig  zu  niemandem  in  seinem  Heimatstaat  Kontakt  zu  haben, 
welcher ihm die verlangten Papiere beschaffen könnte.

B. 
Mit Verfügung vom 19. Oktober 2011 ­ eröffnet am 20. Oktober 2011 ­ trat 
das BFM auf das Asylgesuch in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a des 
Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  wegen  der 
Nichtabgabe von Reise­ oder Identitätspapieren nicht ein und ordnete die 
Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  der Wegweisung  an. 
Diese Verfügung  ist  am 27. Oktober 2011 unangefochten  in Rechtskraft 
erwachsen.

C. 
Mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom  15. November  2011  liess  der 
Beschwerdeführer  beim  BFM  um  Wiedererwägung  seines  Entscheides 
nachsuchen. 

D. 
Das  BFM  wies  dieses  Wiedererwägungsgesuch  mit  Verfügung  vom 
1. Dezember 2011 – eröffnet am 2. Dezember 2011 – ab und stellte fest, 
dass die Verfügung vom 19. Oktober 2011 rechtskräftig und vollstreckbar 
sei  und  einer  allfälligen  Beschwerde  keine  aufschiebende  Wirkung 
zukomme.  Zur  Begründung  führte  es  im  Wesentlichen  an,  der 
Beschwerdeführer  mache  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder 
neuen  Beweismittel  geltend,  sondern  wiederhole  im  Wesentlichen  die 

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Vorbringen aus dem ordentlichen Verfahren und verlange eine rechtliche 
Neubeurteilung seiner Vorbringen. 

E. 
Mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom  3. Januar  2012  (vorab  per 
Telefax)  liess  der  Beschwerdeführer  gegen  diesen  Entscheid  beim 
Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  beantragte  in 
materieller  Hinischt,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben,  die 
Verfügung vom 19. Oktober 2011 sei  in Wiedererwägung zu ziehen, der 
Vollzug  der Wegweisung  sei wegen Unzulässigkeit  und Unzumutbarkeit 
aufzuschieben und der Beschwerdeführer  sei  vorläufig aufzunehmen.  In 
verfahrensrechtlicher  Hinsicht  beantragte  er  die  Gewährung  der 
unentgeltlichen Rechtspflege, die Wiederherstellung der aufschiebenden 
Wirkung und vorsorgliche Massnahmen. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Unter  die 
Anfechtungsobjekte  fallen  auch  Verfügungen,  mit  denen  das  BFM  (vgl. 
Art.  33  Bst.  d  VGG)  ein  Gesuch  um  Wiedererwägung  eines 
rechtskräftigen  Entscheides  abgewiesen  hat.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 

1.2. Die Anträge der Beschwerdeschrift sind nicht klar gestellt. Auf Grund 
der  Beschwerdebegründung  ist  jedoch  davon  auszugehen,  dass  die 
vorinstanzliche Verfügung vollumfänglich angefochten wird.

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1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders 
berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde 
legitimiert  (Art. 105  und  Art. 108  Abs. 1  AsylG,  Art. 48  Abs. 1  sowie 
Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 
einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art.  111  Bst.  e  AsylG).  Wie 
nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche, 
weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist 
(Art. 111a Abs. 2 AsylG).

4. 
Gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die 
Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet.

5.
Die  Wiedererwägung  im  Verwaltungsverfahren  ist  ein  gesetzlich  nicht 
geregelter  Rechtsbehelf,  auf  dessen  Behandlung  durch  die  verfügende 
Behörde  grundsätzlich  kein  Anspruch  besteht.  Gemäss  herrschender 
Lehre  und  ständiger Praxis  des Bundesgerichts wird  jedoch aus Art. 29 
der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 
18. April  1999  (BV,  SR 101)  unter  bestimmten  Voraussetzungen  ein 
verfassungsmässiger  Anspruch  auf  Wiedererwägung  abgeleitet  (vgl. 
BGE 127 I 133 E. 6 S. 137 f. mit weiteren Hinweisen). Danach ist auf ein 
Wiedererwägungsgesuch  einzutreten,  wenn  sich  der  rechtserhebliche 
Sachverhalt  seit  dem  ursprünglichen  Entscheid  beziehungsweise  seit 
dem  Urteil  der  mit  Beschwerde  angerufenen  Rechtsmittelinstanz  in 
wesentlicher  Weise  verändert  hat  und  mithin  die  ursprüngliche 
(fehlerfreie)  Verfügung  an  nachträglich  eingetretene Veränderungen  der 
Sachlage  anzupassen  ist.  Sodann  können  auch Revisionsgründe  einen 
Anspruch  auf  Wiedererwägung  begründen,  sofern  sie  sich  auf  eine  in 
materielle  Rechtskraft  erwachsene  Verfügung  beziehen,  die  entweder 

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unangefochten  geblieben  oder  deren  Beschwerdeverfahren  mit  einem 
formellen Prozessurteil abgeschlossen worden ist. Ein solchermassen als 
qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch zu bezeichnendes Rechtsmittel ist 
grundsätzlich  nach  den  Regeln  des  Revisionsverfahrens  zu  behandeln 
(vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 17 E. 2.a S. 103 f. mit weiteren 
Hinweisen).

6.
Das  BFM  nahm  das  Gesuch  um  Wiedererwägung  als  qualifiziertes 
Wiedererwägungsgesuch entgegen und stellte zu Recht fest, dass keine 
Revisionsgründe  im Sinne  von Art.  66 VwVG geltend  gemacht wurden, 
insbesondere  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  neuen 
Beweismittel (vgl. Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG), sondern vielmehr um eine 
Neubeurteilung der Vorbringen des ordentlichen Verfahrens nachgesucht 
wurde, worauf kein Anspruch bestehe. 

Zur zutreffenden Begründung der Vorinstanz zu ergänzen, gilt es, dass, 
abgesehen  von  einem  beiläufigen  Hinweis  auf  die  Eskalation  der 
Situation  in  Guinea,  die  es  zu  berücksichtigen  gelte,  der 
Beschwerdeführer  auch  keine  wesentlich  veränderte  Sachlage  geltend 
machte,  bei  welcher  ein  verfassungsmässiger  Anspruch  auf 
Wiedererwägung bestehen würde. 

Auf Beschwerdeebene wiederholt der Beschwerdeführer im Wesentlichen 
die  Begründung  seines  Wiedererwägungsgesuchs  bzw.  übt  an  der 
rechtlichen  Würdigung  seiner  Vorbingen  durch  das  BFM  Kritik.  Damit 
erübrigt es sich, darauf näher einzugehen, zumal eine Beschwerde gegen 
einen Wiedererwägungsentscheid nicht in Betracht kommt, wenn lediglich 
eine  neue  Würdigung  der  beim  früheren  Entscheid  bereits  bekannten 
Tatsachen herbeigeführt werden soll oder Gründe angeführt werden, die 
bereits  in  einem  ordentlichen  Beschwerdeverfahren  gegen  die  frühere 
Verfügung  hätten  geltend  gemacht  werden  können.  Denn  das 
ausserordentliche  Verfahren  der Wiedererwägung  kann  nicht  als  Ersatz 
für  das  ordentliche  Beschwerdeverfahren  dienen,  wenn  der 
Beschwerdeführer  es  versäumt  hat,  fristgerecht  eine  Beschwerde 
einzureichen (vgl. EMARK 2003 Nr. 17 E. 2b S. 104). 

7.
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  dem  Beschwerdeführer  nicht 
gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung 

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Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder 
unvollständig  feststellt  und  unangemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.

8.
Die  gestellten  Rechtsbegehren  erweisen  sich  gemäss  den  obigen 
Erwägungen  als  aussichtslos.  Deshalb  ist  das  Gesuch  um  Gewährung 
der  unentgeltlichen  Rechtspflege,  unbesehen  einer  allenfalls 
bestehenden Bedürftigkeit des Beschwerdeführers, gemäss Art. 65 Abs. 
1 VwVG abzuweisen. 

9.
Mit  vorliegendem  Direktentscheid  ohne  vorgängige  Instruktion  werden 
alle  weiteren  prozessualen  Anträge  (vorsorgliche  Aussetzung  des 
Wegweisungsvollzugs,  Erteilung  aufschiebender  Wirkung) 
gegenstandslos.

10.
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem 
Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG)  und  auf 
insgesamt  Fr. 1'200.­  festzusetzen  (Art. 1  –  3  des  Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
abgewiesen.

3. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 1'200.­  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber:

Gabriela Freihofer Simon Thurnheer