# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d1071939-a272-58f7-b055-bd5cafe2bc6f
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Praxis des Kantonsgerichts 00.00.0000 PKG 1999 36
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_001_PKG-1999-36_0000-00-00.pdf

## Full Text

36 PKG 1999

antwortung der Frage der Vermittlungsfähigkeit ab. Dahingegen ist die ge- 
naue Höhe eines allfälligen Deliktsbetrages allein bei der Strafzumessung 
und nicht bei den objektiven Tatbestandvoraussetzungen relevant. Hierbei 
ist auf den Grundsatz «in dubio pro reo» hinzuweisen. Abschliessend sei 
noch erwähnt, dass vorliegend das Legalitätsprinzip die Fortsetzung des 
Strafuntersuchungsverfahrens geradezu gebietet. Das Verwaltungsgericht 
des Kantons Graubünden hat in seinem Entscheid nicht nur festgehalten, 
dass die Arbeitslosenkasse VHTL die Frage der Vermittlungsfähigkeit auf 
Grund eigener Erhebungen beantworten müsse, sondern auch, dass sie den 
Ausgang des Strafverfahrens abzuwarten habe. Ob diese Anweisung be- 
gründet ist, kann hier offen gelassen werden. Sollte nun aber die Arbeitslo- 
senkasse VHTL den Vorgaben des Verwaltungsgerichtes des Kantons Grau- 
bünden folgen, hätte dies im Falle der Sistierung des Ermittlungsverfahrens 
die Konsequenz, dass über die Frage der Vermittlungsfähigkeit im Verwal- 
tungsverfahren gar nicht entschieden würde.
BK 99 48 Entscheid vom 22. September  1999

- Beschwerde (Art. 137 ff. StPO). Die Beschwerde ist in der 
Regel rein kassatorischer Natur. Der Beschwerdekammer
ist es daher grundsätzlich verwehrt, in einer Beschwerde 
gegen eine Anklageverfügung das Verfahren zufolge Ver- 
jährung der Strafverfolgung einzustellen.

Erwägungen:
1. Bei einer Anklageverfügung kann die Beschwerdekammer auf 

Beschwerde hin bloss überprüfen, ob genügend Gründe für eine Anklage ge- 
geben sind, und ob eine Anklageschrift formell den gesetzlichen Anfor- 
derungen entspricht. Nicht Gegenstand der Überprüfung ist hingegen die 
Frage, ob dieselben Gründe, welche eine Anklage rechtfertigen, auch ausrei- 
chen, um den Angeklagten schuldig zu sprechen. Diese weitergehende ma-
terielle Prüfung und Wertung des Sachverhalts ist dem zuständigen Sach- 
richter vorbehalten.

Als J. am 1. Februar 1997 in die Schweiz einreisen wollte, fanden die
Zollbehörden in dem von ihm gelenkten Fahrzeug ein Radarwarngerät. Die- 
ser Sachverhalt ist ausgewiesen und wurde von J. auch nicht bestritten. Damit 
besteht aber auch kein Zweifel, dass genügend Gründe für eine Anklage vor- 
liegen. Art. 57b SVG in Verbindung mit Art. 99 Ziff. 8 Abs. 1 SVG verbietet 
das Einführen von Radarwarngeräten in die Schweiz (Abs. 2). Bereits das 
Mitführen eines nicht am Fahrzeug angeschlossenen Radarwarngeräts stellt 
einen Straftatbestand dar (Abs. 1). Die Kontrollorgane haben solche Geräte 
sicherzustellen; der Richter verfügt die Einziehung und Vernichtung (Abs. 3).

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Was der Beschwerdeführer vorbringt, vermag daran nichts zu än- 
dern. Sein Einwand, er sei nicht Eigentümer von Gerät und Fahrzeug ge- 
wesen und er habe zum fraglichen Zeitpunkt die Schweizer Grenze noch 
gar nicht passiert, betreffen die Beweiswürdigung bzw. die Frage der Tatbe- 
standsmässigkeit des eingeklagten Sachverhalts. Diese weitergehende Prü- 
fung und Wertung ist jedoch, wie vorstehend dargelegt wurde, nicht Aufgabe 
der Beschwerdekammer, sondern des zuständigen Sachrichters. Unbestrit- 
ten ist schliesslich, dass das Gerät auf Zollgelände sichergestellt wurde, wes- 
halb sich die in diesem Zusammenhang beantrage Einvernahme von Zeugen 
erübrigt.

2. Zwar erweist sich die Beschwerde von J. demnach als unbegrün-
det. Zu einem Sachentscheid dürfte es in der Angelegenheit aber wohl den- 
noch nicht mehr kommen. Wie bereits von der Staatsanwaltschaft in ihrem 
Kompetenzentscheid festgehalten wurde, handelt es sich bei dem zur Frage 
stehenden Delikt um einen Übertretungstatbestand. Gemäss Art. 109 StGB 
verjährt eine Übertretung in einem Jahr. Die Verjährung beginnt mit dem 
Tag, an dem der Täter die strafbare Tätigkeit ausführt (Art. 71 StGB). Der 
fristauslösende Tag wird bei der Fristberechnung nicht mitgezählt (S. Trech- 
sel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Kurzkommentar, 2. Auflage, Zürich 
1997, N. 3 zu Art 70 StGB mit Hinweisen). Gemäss Art. 102 StGB in Verbin- 
dung mit Art. 72 Ziff. 2 StGB führen Untersuchungshandlungen einer Straf- 
verfolgungsbehörde oder Verfügungen des Gerichts ferner die Ergreifung 
von Rechtsmitteln zur Unterbrechung der Verjährung. Die absolute Ver- 
jährung tritt  für  die  Verfolgung  von  Übertretungen nach  zwei  Jahren  ein 
( Art. 72 Ziff. 2 Abs. 2 StGB). Die Verjährungsfrist ist gewahrt, wenn bis zu
ihrem Ablauf ein formell rechtskräftiges Urteil ergeht.

Vorliegend ist davon auszugehen, dass die Verjährungsfrist am 2. Fe- 
bruar 1997 zu laufen begann. Sie wurde zwar immer wieder durch Untersu- 
chungshandlungen unterbrochen. Auch erging in der Sache ein Strafmandat. 
Letzteres wurde jedoch durch die Einsprache hinfällig. Somit lief die abso- 
lute zweijährige Frist am 2. Februar 1999 ab, ohne dass ein formell rechts-
kräftiges Urteil ergangen ist. Nach Auffassung der Beschwerdekammer 
dürfte der J. zum Vorwurf gemachte Übertretungstatbestand daher verjährt 
sein. Mit der Verjährung liegt ein dauerndes Prozesshindernis vor. Das Ver-
fahren ist einzustellen (vgl. zum Ganzen R. Hause/E. Schweri, Schweizeri-
sches Strafprozessrecht, dritte Auflage, Zürich 1997, S. 154 f. mit Hinweisen). 
In Bezug auf den Erlass eines Einstellungsentscheides gilt es zu berücksich- 
tigen, dass die strafrechtliche Beschwerde der Überprüfung von Unter- 
suchungshandlungen dient und ihr in aller Regel rein kassatorische Natur 
zukommt (vgl. PKG 1975 Nr. 61). Die Beschwerdekammer ist demnach be- 
fugt, eine Einstellungsverfügung der Untersuchungsbehörden auf ihre 
Rechtmässigkeit zu überprüfen. Es ist ihr aber grundsätzlich verwehrt, von

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sich aus einen Einstellungsentscheid wegen Verjährung zu erlassen. Ebenso- 
wenig ist die vorliegend vertretene Auffassung der Beschwerdekammer für 
den nach Anklageerhebung zuständigen Kreisgerichtsausschuss bindend 
(vgl. zur Zuständigkeit PKG 1992 Nr. 45 S. 174; in Bezug auf die Einstellung 
aus formellen Gründen differenzierter W. Padrutt, Kommentar zur Strafpro- 
zessordnung Graubünden, 2. Auflage 1996, S. 450). Die Beachtung der kas- 
satorischen Natur des Rechtsmittels rechtfertigt sich im vorliegenden Fall 
umso mehr, als dass im Zusammenhang mit der Einstellung des Verfahrens 
auch über das Schicksal des sichergestellten Radarwarngeräts entschieden 
werden muss, was letztlich doch eine teilweise materielle Prüfung der Ange- 
legenheit bedingt. Die Sache ist demnach zur Erledigung im Sinne der Er- 
wägungen an den Kreisgerichtsausschuss zurückzuweisen.

3. Das Verfahren dürfte zwar wegen Verjährung eingestellt werden. 
Dies ändert letztlich jedoch nichts an der Tatsache, dass sich die Beschwerde 
gegen die Anklageverfügung materiell als völlig unbegründet erwies. Ent- 
sprechend sind die Verfahrenskosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. 
BK 99 12 Entscheid vom 10. März 1999

- Beschwerde; Vertretung ( Art. 139 Abs. 3 StPO in Verbin- 
dung mit Art. 13 Abs. 1 VVG). I m Beschwerdeverfahren 
sind - wie im Gerichtsverfahren allgemein, aber anders als
im Untersuchungsverfahren  und  bei  der Adhäsionsklage
( Art. 102 Abs. 2, Art. 76a Abs. 3 und Art. 129 Abs. 1 StPO)
- auch (natürliche, nicht jedoch juristische) Personen ohne 
Fähigkeitsausweis für Rechtsanwälte als Rechtsvertreter
zugelassen.

Aus den Erwägungen:
Gemäss Art. 76a Abs. 3 StPO werden im Untersuchungsverfahren als 

Verteidiger nur Inhaber des bündnerischen Fähigkeitsausweises für Rechts- 
anwälte oder vom Justiz- und Polizeidepartement zum Auftreten vor Gericht 
ermächtigte Rechtsvertreter und Rechtspraktikanten zugelassen. Mit an- 
deren Worten ist im Untersuchungsverfahren die Rechtsvertretung durch 
einen «Nichtanwalt» unzulässig. Die Bestimmungen über die Verteidigung 
im Untersuchungsverfahren sind aber auf den vorliegenden Fall nicht an- 
wendbar. Hier geht es um eine strafrechtliche Beschwerde, welche ohne 
Zweifel nicht zum Untersuchungsverfahren, sondern zum Gerichtsverfah- 
ren gehört. Vorliegend ist demnach auf Art. 102 Abs. 2 StPO abzustellen, wel- 
cher die Verteidigung im Gerichtsverfahren regelt (vgl. PKG 1994 Nr. 29).

Im Vergleich zu der entsprechenden Bestimmung für das Untersu- 
chungsverfahren ist die Regelung der Verteidigung beziehungsweise der

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