# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fe68f5eb-dce4-5021-953a-bfb7590ece81
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-01-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.01.2021 D-7228/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-7228-2018_2021-01-13.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-7228/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 3 .  J a n u a r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Mia Fuchs (Vorsitz), 

Richterin Christa Luterbacher, Richter Simon Thurnheer,    

Gerichtsschreiberin Regula Aeschimann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Irak,   

vertreten durch MLaw Céline Benz-Desrochers,  

Bündner Beratungsstelle für Asylsuchende,  

(…) 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 23. November 2018 / N (…). 

 

 

 

D-7228/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, ein irakischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie, 

verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 3. Oktober 2015. 

Über die Türkei und Griechenland sowie verschiedene weitere europäische 

Staaten gelangte er am 16. November 2015 in die Schweiz, wo er am Fol-

getag im Empfangs- und Verfahrenszentrum B._______ um Asyl nach-

suchte. Am 23. November 2015 wurde er im Rahmen einer Befragung zur 

Person (BzP) zu seinen persönlichen Umständen, dem Reiseweg sowie 

summarisch zu den Gesuchsgründen befragt. Das SEM hörte ihn am 

20. Juli 2017 einlässlich zu seinen Asylgründen an.  

B.  

B.a Dabei machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei 

in C._______ geboren und aufgewachsen. Sein Vater sei ein reicher Mann 

und im (…) tätig gewesen. Er habe diesen Beruf ebenfalls ergreifen wollen 

und im Betrieb des Vaters mitgearbeitet, nachdem er die Schule in der 9. 

Klasse abgebrochen habe. Er sei nicht gläubig und habe sich öffentlich, 

insbesondere auf Facebook, als konfessionslos bezeichnet, wobei er mit 

dieser Haltung in seinem Umfeld eine Ausnahme gewesen sei. Etwa im 

Sommer 2014 habe er Drohanrufe von unbekannten Personen erhalten, 

die sich als Angehörige einer islamistischen Gruppierung zu erkennen ge-

geben hätten. Diese hätten ihn zu Geldzahlungen aufgefordert und damit 

gedroht, ihn andernfalls zu entführen oder umzubringen. Anfänglich habe 

er gedacht, seine Kollegen erlaubten sich einen Scherz. Die Anrufe hätten 

aber stetig zugenommen und seien von unterschiedlichen Telefonnum-

mern ausgegangen. Sein Vater habe ihm zuerst geraten, aus Sicherheits-

gründen nicht mehr alleine nach draussen zu gehen. Später habe er ihm 

vorgeschlagen, zu seinen Grosseltern nach D._______ zu ziehen, was er 

auch getan habe. Dort habe er etwa ein Jahr bei einem Kollegen seines 

Vaters in der (…) gearbeitet. Als der Islamische Staat (IS) immer mehr Ter-

ritorium erobert habe, habe er den Wunsch verspürt, einmal in seinem Le-

ben für die Peschmerga zu kämpfen. Er habe sich daher als Volontär bei 

den Peschmerga gemeldet und einige Tage an einem Training sowie später 

an einem Gefecht teilgenommen. Nach einer Woche bei den Peschmerga 

sei er nach D._______ zurückgekehrt. In der Folge habe er wiederum die-

selben Drohanrufe erhalten wie im Jahr zuvor in C._______. Als er seiner 

Familie davon berichtet habe, habe ihm diese gesagt, er solle ins Ausland 

gehen.  

D-7228/2018 

Seite 3 

B.b Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz eine 

beglaubigte Kopie seines Nationalitätenausweises und seiner irakischen 

Identitätskarte sowie die Kopie einer "Informationskarte der Familie" ein. 

Zudem wurden ein irakischer Führerschein und ein ärztlicher Bericht der 

psychiatrischen Dienste E._______ zu den Akten gegeben. 

C.  

Mit Verfügung vom 23. November 2018 – eröffnet am 27. November 2018 

– stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der 

Schweiz und ordnete deren Vollzug an.  

D.  

Mit Eingabe vom 19. Dezember 2018 erhob der Beschwerdeführer – han-

delnd durch seine Rechtsvertreterin – beim Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerde gegen diesen Entscheid. Darin beantragte er die Aufhebung der 

angefochtenen Verfügung, die Anerkennung seiner Flüchtlingseigenschaft 

und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei festzustellen, dass der Voll-

zug der Wegweisung unzulässig, unzumutbar und unmöglich und daher 

eine vorläufige Aufnahme anzuordnen sei. In verfahrensrechtlicher Hin-

sicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, Verzicht 

auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und Beiordnung einer amtli-

chen Rechtsbeiständin ersucht. Der Beschwerde lagen verschiedene Be-

weismittel gemäss separatem Verzeichnis (vgl. S. 8 Beschwerdeschrift) 

bei, darunter insbesondere das Original des Nationalitätenausweises, Aus-

züge von Facebook sowie Unterlagen betreffend seine Verlobte 

F._______.  

E.  

Die damals zuständige Instruktionsrichterin stellte mit Zwischenverfügung 

vom 21. Januar 2020 fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des 

Verfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig hiess sie das Gesuch um 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut, verzichtete auf die Er-

hebung eines Kostenvorschusses und ordnete dem Beschwerdeführer 

MLaw Céline Benz-Desrochers als amtliche Rechtsbeiständin bei. Zudem 

wurde der Vorinstanz die Gelegenheit eingeräumt, sich zur Beschwerde 

vom 19. Dezember 2018 vernehmen zu lassen.  

F.  

Mit Eingabe vom 22. Januar 2019 reichte die Rechtsvertreterin eine Kos-

tennote zu den Akten.  

D-7228/2018 

Seite 4 

G.  

Das SEM zog mit Verfügung vom 13. Februar 2019 seinen Entscheid vom 

23. November 2018 teilweise in Wiedererwägung. Es hob die Ziffern 4 und 

5 der angefochtenen Verfügung auf und hielt fest, der Beschwerdeführer 

werde infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz 

vorläufig aufgenommen. Weiter nahm es zu den Ausführungen in der Be-

schwerdeschrift Stellung.  

H.  

Das Bundesverwaltungsgericht ersuchte den Beschwerdeführer mit Verfü-

gung vom 22. Februar 2019 um Mitteilung, ob er an seiner Beschwerde 

festhalte oder diese zurückziehe. Für den Fall des Festhaltens an der Be-

schwerde wurde ihm die Gelegenheit eingeräumt, eine Replik einzu-

reichen.  

I.  

Mit Eingabe vom 11. März 2019 teilte der Beschwerdeführer dem Gericht 

mit, dass er an seiner Beschwerde festhalte, soweit diese die Aufhebung 

der Ziffern 1-3 der angefochtenen Verfügung, die Anerkennung seiner 

Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl betreffe. Gleichzeitig 

nahm er Stellung zur Verfügung des SEM vom 13. Februar 2019 und 

reichte drei fremdsprachige Facebook-Auszüge zu den Akten.  

J.  

Die Instruktionsrichterin setzte dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 

19. März 2019 eine Frist zur Übersetzung der mit Eingabe vom 11. März 

2019 eingereichten Beweismittel.  

K.  

Mit Eingabe vom 10. April 2019 reichte der Beschwerdeführer beim Gericht 

Übersetzungen der Facebook-Auszüge (in Kopie) ein. Die Originale der 

Übersetzungen sowie eine Kopie der Rechnung für deren Erstellung wur-

den mit Schreiben vom 12. April 2019 zu den Akten gereicht.  

L.  

Aus organisatorischen Gründen innerhalb der Abteilung IV wurde der Vor-

sitz des vorliegenden Verfahrens auf Richterin Mia Fuchs übertragen.  

 

D-7228/2018 

Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes 

(SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bis-

herige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung 

AsylG vom 25. September 2015). 

1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten. 

1.5 Nachdem die angefochtene Verfügung des SEM in deutscher Sprache 

ergangen ist, wird das Beschwerdeverfahren gestützt auf Art. 33a Abs. 2 

VwVG in deutscher Sprache geführt. 

2.  

Das SEM hat – in teilweiser Wiedererwägung seiner Verfügung vom 

23. November 2018 – am 13. Februar 2019 die Anordnung des Wegwei-

sungsvollzugs aufgehoben und infolge Unzumutbarkeit eine vorläufige Auf-

nahme des Beschwerdeführers in der Schweiz angeordnet. Gegenstand 

des vorliegenden Verfahrens bildet somit lediglich die Frage, ob das SEM 

zu Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint, das Asylgesuch abgelehnt 

und die Wegweisung verfügt hat.  

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Seite 6 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).  

5.  

5.1 Das SEM führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung aus, 

dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen sei, die Vorbringen im Zu-

sammenhang mit den gegen ihn gerichteten Drohungen glaubhaft zu ma-

chen. Er habe diese weder in einen zeitlichen Kontext stellen noch deren 

Inhalt substanziiert und detailliert wiedergeben können. Vielmehr seien 

seine Schilderungen stereotyp ausgefallen und hätten sich in Allgemein-

plätzen erschöpft. Es fänden sich darin keine Anzeichen von persönlicher 

Betroffenheit und es fehle an jeglichen Realkennzeichen. Die Zweifel an 

seinen Ausführungen würden dadurch verstärkt, dass er sich eigenen An-

gaben zufolge erst ab Sommer 2014 in D._______ aufgehalten habe. Den-

noch seien sowohl sein Pass im Jahr 2013 als auch der vom (…) Februar 

2014 datierende Führerschein in D._______ ausgestellt worden. Dies 

lasse den Schluss zu, dass er sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt als 

angegeben in D._______ aufgehalten habe. Auch die Aussage, er spreche 

nur wenig Arabisch, lasse daran zweifeln, dass er tatsächlich neun Jahre 

lang die Schule in C._______ besucht habe. Insgesamt hielten seine Vor-

bringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht stand. Bei den von 

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ihm geltend gemachten Nachteilen – den telefonischen Drohungen – 

handle es sich ausserdem um regional beschränkte Verfolgungsmassnah-

men, welchen er sich durch einen Wegzug in einen anderen Teil seines 

Heimatstaates hätte entziehen können.  

5.2 In der Beschwerdeschrift wurde geltend gemacht, dass der Beschwer-

deführer bis 2014 in C._______ gelebt habe. Dort habe er öffentlich – unter 

anderem auf Facebook – erklärt, dass er nicht gläubig sei und den Islam 

ablehne. Er habe sich als konfessionslos bezeichnet, womit er eine abso-

lute Ausnahme gewesen sein. Dies habe auch zu Problemen mit seiner 

erweiterten Verwandtschaft und seinem Umfeld geführt. Gemäss einem 

Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH; Schnellrecherche vom 

20. Mai 2016 zu Irak: Gesetzliche Lage für die Abkehr vom Islam in der 

Autonomen Region Kurdistan, Schutzwille der Behörden) könne die Kon-

version respektive die Abkehr vom Islam (Apostasie) im Irak zu erheblichen 

Nachteilen führen und eine Ausgrenzung sowie Gewalt durch Gemeinde, 

Stamm oder Familie zur Folge haben. Das irakische Strafrecht verbiete den 

Religionswechsel zwar nicht, vom Personenstandsrecht werde dieser aber 

nicht anerkannt. Es gebe auch Fälle von Personen, die wegen ihres Reli-

gionswechsels getötet worden seien. Das SEM hätte sich mit dieser Situa-

tion und den Konsequenzen, welche der Beschwerdeführer aufgrund sei-

ner öffentlichen Abkehr vom Islam zu befürchten habe, auseinandersetzen 

müssen. In der angefochtenen Verfügung sei dieser Aspekt jedoch nicht 

abgehandelt worden, obwohl dies sowohl einen Asylgrund darstelle als 

auch den Vollzug der Wegweisung unzulässig erscheinen lasse. Der Be-

schwerdeführer veröffentliche auch zum heutigen Zeitpunkt noch negative 

Kommentare über den Islam auf Facebook. Durch ihr Vorgehen habe die 

Vorinstanz den Untersuchungsgrundsatz und den Anspruch auf rechtliches 

Gehör verletzt.  

Sodann habe der Beschwerdeführer durchaus detaillierte und mit Real-

kennzeichen versehene Ausführungen zu den gegen ihn gerichteten Dro-

hungen gemacht. Er habe sehr viele Anrufe erhalten, weshalb nicht erwar-

tet werden könne, dass er sich exakt an deren Inhalt erinnere. Demgegen-

über habe er einen Dialog mit seinem Vater zu diesem Thema präzise wie-

dergegeben. Ebenso habe er detailliert ausgeführt, wo er für die Pe-

schmerga tätig gewesen sei und was er genau gemacht habe. Kurz nach 

seiner Abreise von den Peschmerga habe er erneut eine Drohung erhalten, 

weshalb er annehme, dass die Anrufer erfahren hätten, dass er bei den 

Peschmerga gewesen sei. Dies sei denn auch ein plausibler Grund dafür, 

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dass die Drohungen wiederaufgenommen worden seien. Vor dem Hinter-

grund des Berichts der SFH sei es offensichtlich glaubhaft, dass der Be-

schwerdeführer aufgrund des Umstands, dass er sich gegen den Islam 

ausgesprochen habe, telefonische Drohungen erhalten habe. Seinen Pass 

und seinen Führerschein habe er in D._______ ausstellen lassen, weil es 

sich dabei um eine kleinere Stadt handle und die Ausstellung von offiziellen 

Dokumenten schneller erfolge als in C._______. Dieses Vorgehen sei plau-

sibel, da seine Grosseltern in D._______ lebten und er diese oft besucht 

habe. Das SEM könne daraus nicht ohne Weiteres schliessen, dass er sei-

nen Wohnsitz früher als angegeben dorthin verlegt habe. Zudem könne mit 

der Beschwerde das Original des Nationalitätenausweises eingereicht wer-

den, welcher im Jahr 2012 in C._______ ausgestellt worden sei.  

In Bezug auf eine innerstaatliche Fluchtalternative sei festzuhalten, dass 

die gesamte Familie des Beschwerdeführers – mit Ausnahme der Grossel-

tern – in C._______ lebe. Kürzlich sei sein Grossvater verstorben und die 

Grossmutter sei nach C._______ zu ihren Verwandten gezogen. Folglich 

habe der Beschwerdeführer keine Angehörigen mehr in D._______. Aus-

serdem habe er dort ebenfalls telefonische Drohungen erhalten und es sei 

zu erwarten, dass er überall im Irak Bedrohungen ausgesetzt gewesen 

wäre. Da er sich öffentlich gegen den Islam ausgesprochen habe und aus-

serhalb der Region C._______ keine familiäre Unterstützung habe, gebe 

es für ihn keinen alternativen Aufenthaltsort im Irak.  

Schliesslich wurde geltend gemacht, der Beschwerdeführer befinde sich 

seit Dezember 2017 in einer Beziehung mit F._______. Sie seien verlobt 

und hätten kürzlich ein Ehevorbereitungsverfahren eingeleitet. Er halte sich 

regelmässig – so oft es möglich sei – bei seiner Partnerin auf, womit sie 

ein Konkubinatspaar bildeten. Es müsse daher auch der Grundsatz der 

Einheit der Familie berücksichtigt werden und dem Beschwerdeführer sei 

gestützt auf Art. 44 AsylG eine vorläufige Aufnahme zu gewähren.  

5.3 Im Rahmen des Schriftenwechsels zog die Vorinstanz mit Verfügung 

vom 13. Februar 2019 ihren Entscheid vom 23. November 2018 teilweise 

in Wiedererwägung. Dabei führte sie aus, nachdem der Beschwerdeführer 

das Original seines Nationalitätenausweises und eine Todesbescheinigung 

seines Grossvaters vorgelegt habe, sei in Würdigung aller Umstände von 

einem Vollzug der Wegweisung abzusehen. Sie hob daher die Ziffern 4 und 

5 der angefochtenen Verfügung auf und ordnete zufolge Unzumutbarkeit 

des Wegweisungsvollzugs eine vorläufige Aufnahme in der Schweiz an. 

Hinsichtlich der geltend gemachten Verfolgung aufgrund von Apostasie 

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und öffentlichen islamkritischen Aussagen hielt das SEM fest, aus der Be-

schwerdeschrift gingen keine neuen Erkenntnisse hervor, welche die Ein-

schätzung zur Unglaubhaftigkeit der Vorbringen umzustossen vermöchten. 

Zwar könnten Personen, die sich durch die Verletzung von religiösen Sit-

ten- und Moralvorstellungen exponierten, im Irak Gefahr laufen, asylbe-

achtlichen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Aus den Akten gingen aber – 

abgesehen von den nicht glaubhaften Drohanrufen – keine Hinweise da-

rauf hervor, dass der Beschwerdeführer in einer Weise öffentlich Kritik am 

Islam geäussert hätte, dass eine diesbezügliche Verfolgung erfolgt wäre 

oder eine solche als überwiegend wahrscheinlich erachtet werden müsste. 

Daran vermöchten auch die mit der Beschwerde vorgelegten Facebook-

Auszüge nichts zu ändern, da die betreffenden Posts nach seiner Ausreise 

veröffentlicht worden seien.  

5.4 Mit Eingabe vom 11. März 2019 teilte der Beschwerdeführer dem Ge-

richt auf entsprechende Anfrage hin mit, dass er an seiner Beschwerde 

festhalte. Er modifizierte seine Rechtsbegehren dahingehend, dass nun 

die Aufhebung der Ziffern 1-3 der angefochtenen Verfügung beantragt 

werde sowie seine Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihm Asyl zu 

gewähren sei. Eventualiter sei er als Flüchtling zu anerkennen und er sei 

deshalb vorläufig aufzunehmen. Das SEM bestätige in seiner Vernehmlas-

sung, dass er nach seiner Ausreise öffentlich auf Facebook islamkritische 

Äusserungen gemacht habe. Es sei zu betonen, dass dieses Sachverhalts-

element in der angefochtenen Verfügung nicht erwähnt worden sei, obwohl 

er dies bereits in der Anhörung angesprochen habe. Die Feststellung der 

Vorinstanz, er habe sich erst nach der Ausreise auf Facebook gegen den 

Islam geäussert, sei zudem nicht haltbar. Er sei nicht aufgefordert worden, 

Auszüge seiner Äusserungen auf Facebook – vor oder nach der Ausreise 

– vorzulegen oder solche bei der Befragung zu zeigen. Auch in der Ver-

nehmlassung habe sich das SEM nicht damit auseinandergesetzt, welche 

Konsequenzen diese Äusserungen hätten. Es könne folglich nicht darauf 

geschlossen werden, dass diese keine neuen Vorbringen darstellten, wel-

che an den Einschätzungen der angefochtenen Verfügung etwas zu än-

dern vermöchten. In der Beilage würden drei islamkritische Facebook-

Posts vorgelegt, welche der Beschwerdeführer vor der Ausreise gemacht 

habe. Daraus gehe hervor, dass er die Sitten und Gebräuche dieser Reli-

gion nicht respektiere und sich davon abgewendet habe. Dies führe zu ei-

ner objektiv begründeten Furcht vor einer Verfolgung im Irak, wobei erneut 

auf den bereits in der Beschwerdeschrift erwähnten Bericht der SFH zu 

verweisen sei. Die Vorinstanz habe diesen nicht berücksichtigt, führe je-

doch selbst aus, dass die öffentliche Kritik am Islam im Irak eine Verfolgung 

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nach sich ziehen könne. Das SEM habe nicht in Zweifel gezogen, dass der 

Beschwerdeführer aufgrund seiner Abkehr vom Islam mit seinem Umfeld 

und der erweiterten Verwandtschaft Probleme gehabt habe. Angesichts 

des SFH-Berichts sei es im irakischen Kontext glaubhaft, dass er telefoni-

sche Drohungen erhalten habe. Man könne sich fragen, weshalb er – als 

Mitglied einer reichen Familie – den Irak und damit seine Familie, Freunde 

und ein prinzipiell einfaches Leben hätte verlassen sollen, wenn er nicht 

bedroht worden wäre.  

6.  

6.1 Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-

gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen ei-

nes Beschwerdeführers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft ge-

macht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie 

aber überwiegend für wahr hält. Eine wesentliche Voraussetzung für die 

Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen Erleb-

nisse betreffende, substanziierte, weitgehend widerspruchsfreie und kon-

krete Schilderung der Vorkommnisse, welche bei objektiver Betrachtung 

plausibel erscheint. Von unglaubhaften Ausführungen ist dagegen bei 

wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen 

Vorbringen auszugehen. Entscheidend ist, ob bei einer Gesamtbeurteilung 

die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Be-

schwerdeführenden sprechen, überwiegen oder nicht. Demgegenüber 

reicht es für die Glaubhaftmachung nicht aus, wenn der Inhalt eines Vor-

bringens zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Umstände we-

sentliche Elemente gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung spre-

chen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, BVGE 2013/11 E. 5.1). 

6.2 Das SEM wies vorliegend zu Recht darauf hin, dass es den Vorbringen 

des Beschwerdeführers zu den Drohungen, die er erhalten habe, an jegli-

cher Substanz fehlt. So konnte er die Häufigkeit der betreffenden Anrufe 

nicht einmal ansatzweise benennen. Vielmehr führte er aus, er sei "stän-

dig" bedroht worden, manchmal mehrmals in einer Stunde, manchmal 

mehrmals am Tag (vgl. A21, F53 und F58). Er konnte den Beginn der Dro-

hungen mit der Angabe "im Sommer" auch nur äusserst vage zeitlich ein-

ordnen (vgl. A21, F54). Zum Inhalt der Gespräche meinte der Beschwer-

deführer, er könne dazu nicht viel erzählen, da er sich nicht an alles erin-

nern könne, was während der Anrufe gesprochen worden sei. Ihm sei ge-

sagt worden, dass seine Familie reich sei, dass sie ihn entführen, Lösegeld 

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Seite 11 

verlangen oder gar umbringen würden (vgl. A21, F56 f.). Diese Ausführun-

gen sind sehr stereotyp und lassen jegliche persönliche Betroffenheit ver-

missen. Auch unter Berücksichtigung des Zeitablaufs zwischen den Dro-

hungen und der Anhörung wäre zu erwarten gewesen, dass der Beschwer-

deführer die Umstände, die ihn zum Verlassen seines Heimatstaates be-

wogen haben, substanziierter beschreiben kann. Seine pauschalen Anga-

ben lassen jedoch nicht darauf schliessen, dass er von eigenen Erlebnis-

sen berichtet. Auch der von ihm geschilderte Dialog mit seinem Vater zu 

diesem Thema wirkt oberflächlich und konstruiert (vgl. A21, F62). Die Dro-

hungen, die er nach der Rückkehr von den Peschmerga in D._______ er-

halten habe, beschrieb der Beschwerdeführer mit fast denselben Worten 

wie bereits jene in C._______ (vgl. A21, F56 ff. und F72). Die betreffenden 

Ausführungen sind äusserst vage und er ist erneut nicht in der Lage, kon-

krete Angaben zu deren Inhalt oder dazu, in welchem Zeitraum er diese 

genau erhalten habe, zu machen (vgl. A21, F67, F71 f. und F81). Ange-

sichts der Tatsache, dass es sich dabei um den unmittelbaren Auslöser für 

die Ausreise gehandelt haben soll, erscheint dies nicht nachvollziehbar. In 

Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist daher festzuhalten, dass vorlie-

gend die Umstände, die gegen die Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Be-

schwerdeführers sprechen, überwiegen. Es gelingt ihm nicht, glaubhaft zu 

machen, dass er vor der Ausreise von einer unbekannten islamistischen 

Gruppierung bedroht worden sei.  

6.3  

6.3.1 Sodann stellt der Beschwerdeführer die angeblichen Drohungen auf 

Beschwerdeebene in einen Zusammenhang damit, dass er nicht gläubig 

sei und sich auf Facebook öffentlich islamkritisch geäussert habe. Demge-

genüber gab er anlässlich der BzP zu Protokoll, er sei von einer Gruppe 

wegen seines Vaters, der (…) sei, bedroht worden. Er habe diese Gruppe 

nicht gekannt, sie hätten aber immer Geld von ihnen verlangt (vgl. A4, Ziff. 

7.01). Diese Angaben deuten klar darauf hin, dass die behaupteten Dro-

hungen aufgrund seines Vaters und mit dem Ziel, Geld zu erpressen, er-

folgt sind. Der Beschwerdeführer erwähnte nicht einmal, dass es sich bei 

der von ihm erwähnten "Gruppe" um Islamisten gehandelt habe. Bei der 

Anhörung führte er aus, dass er nicht wisse, weshalb er bedroht worden 

sei, ob es der Reichtum seines Vaters oder der Umstand, dass er "an 

nichts" glaube, gewesen sei (vgl. A21, F52). Seine weiteren Angaben – die 

Anrufer hätten ihm mit Entführung und Lösegeldforderungen gedroht (vgl. 

A21, F57 und F62) – lassen dagegen erneut darauf schliessen, dass der 

Grund für die Drohungen die versuchte Erpressung von Geld war. Nach-

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Seite 12 

dem der Beschwerdeführer den Inhalt der Telefongespräche nicht konkre-

ter beschreiben konnte, deutet nichts darauf hin, dass die Anrufer ihn tat-

sächlich wegen seiner Abkehr vom Islam oder seinen Äusserungen auf Fa-

cebook bedroht haben könnten. Sodann bejahte er zwar die Frage, ob er 

wegen seiner Konfessionslosigkeit Probleme gehabt habe. Gleichzeitig 

präzisierte er, dass dies von "Freunden und Verwandten" ausgegangen sei 

und weniger von seiner Familie; letztere habe ihm keine Probleme gemacht 

(vgl. A21, F47). Die betreffenden Fragen hinsichtlich seines Glaubens wur-

den dem Beschwerdeführer bei der Anhörung einleitend gestellt, noch be-

vor er zu den eigentlichen Asylgründen angehört wurde. Im Rahmen der 

Anhörung zur Sache kam er nicht mehr auf die – nicht weiter spezifizierten 

– "Probleme" aufgrund des Umstands, dass er konfessionslos sei, zurück. 

An keiner Stelle erwähnte er irgendwelche konkreten Schwierigkeiten mit 

bestimmten Personen oder Behörden infolge seiner Abkehr vom Islam. 

Zwar führte er aus, dass er als nicht gläubige Person eine Ausnahme in 

seinem Umfeld gewesen und aufgefallen sei (vgl. A21, F45 f.). Hinweise 

darauf, dass er deswegen tatsächlich mit erheblichen Problemen – welche 

über das blosse Unverständnis von Seiten seines Umfelds hinausgingen – 

konfrontiert gewesen wäre, finden sich in seinen Aussagen dagegen nicht.  

6.3.2 Es ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer sowohl bei der Anhö-

rung als auch bei der BzP durchaus erwähnte, dass er nicht gläubig und 

konfessionslos sei. Den Befragungsprotokollen lassen sich aber keine An-

haltspunkte dafür entnehmen, dass er deswegen erhebliche Nachteile er-

litten hätte. Insbesondere stellte er seine Ausreise in keiner Weise in einen 

Zusammenhang mit der Apostasie und dem Umstand, dass er sich diesbe-

züglich öffentlich auf Facebook geäussert habe. Vor diesem Hintergrund 

bestand für das SEM keine Veranlassung, sich mit diesem Thema näher 

auseinanderzusetzen respektive den Beschwerdeführer aufzufordern, wei-

tere Beweismittel in dieser Hinsicht einzureichen. Asylsuchende Personen 

tragen eine Mitwirkungspflicht und sind gehalten, ihre Asylgründe vollstän-

dig darzulegen und mit allfälligen Beweismitteln zu belegen. Der Beschwer-

deführer machte jedoch gerade nicht geltend, er habe infolge seiner 

Apostasie ernsthafte Nachteile erlitten oder deswegen Probleme erhalten, 

welche ihn zur Ausreise bewogen hätten. Entsprechend war das SEM auch 

nicht gehalten, weitergehende Abklärungen in dieser Hinsicht zu tätigen. 

Es liegt daher weder eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes noch 

des Anspruchs auf rechtliches Gehör vor aufgrund des Umstands, dass 

sich das SEM nicht näher mit der im Rahmen der einleitenden Fragen er-

wähnten Apostasie des Beschwerdeführers auseinandergesetzt hat.  

D-7228/2018 

Seite 13 

6.4 Weiter wird auf Beschwerdeebene geltend gemacht, der Beschwerde-

führer publiziere auch zum heutigen Zeitpunkt noch negative Kommentare 

über den Islam auf Facebook, was einen subjektiven Nachfluchtgrund dar-

stelle.  

6.4.1 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise 

aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – beispielsweise durch politische 

Exilaktivitäten – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, 

macht subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend. 

Begründeter Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung besteht dann, 

wenn der Heimat- oder Herkunftsstaat mit erheblicher Wahrscheinlichkeit 

von den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person deshalb bei 

einer Rückkehr in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt würde (vgl. 

BVGE 2009/29 E. 5.1, Referenzurteil D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 

E. 6.2.1 m.w.H.). Es müssen konkrete Indizien vorliegen, welche den Ein-

tritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten Motive 

erfolgenden – Benachteiligung als wahrscheinlich und dementsprechend 

die Furcht davor als realistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. 

BVGE 2011/51 E. 6.2). Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die 

Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss 

Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls. Stattdessen werden Personen, 

welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen 

können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 

E. 7.1). 

6.4.2 Der Beschwerdeführer reichte auf Beschwerdeebene mehrere Aus-

züge seines Facebook-Profils ein, in welchen er sich negativ oder sogar 

abfällig über den Islam äussert. Er machte geltend, dass es sich bei islam-

kritischen Facebook-Posts um objektive Gründe handle, welche eine be-

gründete Furcht vor einer Verfolgung, die sich mit erheblicher Wahrschein-

lichkeit und in absehbarer Zukunft verwirkliche, nach sich ziehen würden. 

In diesem Zusammenhang nahm er Bezug auf den erwähnten Bericht der 

SFH und legte insbesondere dar, dass religiöse Minderheiten in der Auto-

nomen Region Kurdistan diskriminiert würden, dass sie von verschiedenen 

Seiten Gewalt ausgesetzt seien und ihnen sogar die Tötung drohe. Trotz 

diesen allgemeinen Ausführungen zur Situation von Personen, die sich 

vom Islam abgewendet haben – der SFH-Bericht setzt sich dabei in erster 

Linie mit der Lage von Konvertiten, namentlich zum Christentum, ausei-

nander – ist jedoch nicht ersichtlich, welche konkreten Schwierigkeiten 

oder Nachteile dem Beschwerdeführer selbst gedroht hätten. Es wird nicht 

präzisiert, welchen "Problemen" er in der Heimat durch seine Verwandten 

D-7228/2018 

Seite 14 

und sein Umfeld ausgesetzt gewesen sein soll und mit welcher Art von Ver-

folgung er in Zukunft zu rechnen hätte. Vielmehr ist festzuhalten, dass der 

Beschwerdeführer im Irak aus seiner Konfessionslosigkeit kein Geheimnis 

gemacht hat, deswegen aber gerade nicht ernsthaften Nachteilen im Sinne 

von Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt war. Er führt nicht aus, aus welchen 

Gründen er davon ausgeht, seine in der Schweiz getätigten Äusserungen 

auf Facebook hätten nun ein Ausmass und eine Reichweite, welche dazu 

führen könnten, dass er deswegen bei einer Rückkehr in den Irak gefährdet 

wäre. Seinen Angehörigen und seinem Umfeld war bereits vor der Ausreise 

bekannt, dass er nicht gläubig ist. Auch wenn sie diese Haltung offenbar 

missbilligten, geht aus den Akten nicht hervor, dass er deswegen massge-

bliche Probleme erhalten hätte, welche die erforderliche Intensität erreich-

ten, um als flüchtlingsrechtlich relevant eingestuft zu werden. Ergänzend 

ist darauf hinzuweisen, dass die vom Beschwerdeführer geltend gemach-

ten Drohungen – die von ihm bei den Befragungen hauptsächlich in Zu-

sammenhang mit seinem Vater und der Erpressung von Geld gestellt wor-

den waren – als nicht glaubhaft anzusehen sind.  

6.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer 

nicht gelingt, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest 

glaubhaft zu machen. Das SEM hat sein Asylgesuch folglich zu Recht ab-

gelehnt.  

7.  

7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG).  

7.2 Im Asyl- und Wegweisungsverfahren ist die Wegweisung nicht zu ver-

fügen, wenn die asylsuchende Person im Besitz einer gültigen Niederlas-

sungs- oder Aufenthaltsbewilligung ist (Art. 32 Abs. 1 Bst. a AsylV 1) oder 

ein grundsätzlicher Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung be-

steht. Als mögliche Anspruchsgrundlage kommt dabei insbesondere der 

durch Art. 8 EMRK gewährleistete Schutz des Familienlebens in Frage, 

wobei die kantonale Ausländerbehörde zuständig ist, über den Anspruch 

konkret zu befinden (vgl. dazu BVGE 2013/37 E. 4.4). Im Rahmen des vor-

liegenden Verfahrens ist daher vorfrageweise zu prüfen, ob sich der Be-

schwerdeführer im Sinne von Art. 14 Abs. 1 AsylG auf einen grundsätzli-

chen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung berufen kann.  

D-7228/2018 

Seite 15 

7.3 Der Begriff Familienleben umfasst unter anderem die Beziehungen zwi-

schen Partnern, ob ehelich oder nicht, also auch die Beziehungen zwi-

schen Personen, die eine De-facto-Familie bilden, die zusammenleben 

und bei denen eine enge persönliche und tatsächlich gelebte Beziehung 

besteht (vgl. BVGE 2013/49 E. 8.4.1 m.w.H). Gemäss der bundesgerichtli-

chen Rechtsprechung kann sich daher aus einem Konkubinat ein Bewilli-

gungsanspruch ergeben, wenn die partnerschaftliche Beziehung seit Lan-

gem eheähnlich gelebt wird oder konkrete Hinweise auf eine unmittelbar 

bevorstehende Hochzeit hindeuten. Die Beziehung der Konkubinatspart-

ner muss bezüglich Art und Stabilität in ihrer Substanz einer Ehe gleich-

kommen. Dabei ist wesentlich, ob die Partner in einem gemeinsamen 

Haushalt leben; zudem ist der Natur und Länge ihrer Beziehung sowie ih-

rem Interesse und ihrer Bindung aneinander, etwa durch Kinder oder an-

dere Umstände wie die Übernahme von wechselseitiger Verantwortung, 

Rechnung zu tragen (Urteil des Bundesgerichts 2C_880/2017 vom 3. Mai 

2018 E. 3.1). Hinsichtlich der erforderlichen Länge des Konkubinats hat 

das Bundesgericht im zitierten Urteil in Auseinandersetzung mit der ein-

schlägigen Praxis des EGMR und der eigenen Rechtsprechung entschie-

den, dass ein Zusammenleben in einem gemeinsamen Haushalt bei einer 

Dauer von dreieinhalb Jahren ohne zusätzliche Elemente nicht genügt, um 

sich auf einen Bewilligungsanspruch nach Art. 8 EMRK berufen zu können 

(vgl. a.a.O. E. 3.2 und 4.1).  

7.4 Vor diesem Hintergrund ist festzustellen, dass es sich bei der seit De-

zember 2017 bestehenden Beziehung zwischen dem Beschwerdeführer 

und F._______ nicht um eine von Art. 8 EMRK geschützte Familiengemein-

schaft handelt. Auch wenn das Paar bereits verlobt ist und im Dezember 

2018 ein Ehevorbereitungsverfahren eingeleitet hat, lässt sich den Akten 

nicht entnehmen, dass zwischenzeitlich eine Heirat erfolgt wäre. Entgegen 

der in der Beschwerdeschrift vertretenen Auffassung genügt es für die An-

nahme eines Konkubinats auch nicht, dass sich der Beschwerdeführer so 

oft als möglich bei seiner Verlobten aufhalte. Die Adresse des Beschwer-

deführers befand sich – gemäss dem Zentralen Migrationssystem (ZEMIS) 

– stets im Kanton E._______, während F._______ zum Zeitpunkt der Be-

schwerdeerhebung in G._______ wohnhaft war. Ein gemeinsamer Haus-

halt bestand daher nicht und es wurde nicht geltend gemacht, dass das 

Paar zwischenzeitlich in einer gemeinsamen Wohnung leben würde. Selbst 

wenn dies der Fall wäre, könnte angesichts der relativ kurzen Zeitdauer 

nicht von einem stabilen Konkubinat im Sinne der Rechtsprechung gespro-

chen werden.  

D-7228/2018 

Seite 16 

7.5 Somit ergibt die vorfrageweise Prüfung, dass der Beschwerdeführer 

zum heutigen Zeitpunkt gestützt auf Art. 8 EMRK keinen klar erkennbaren 

Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz geltend zu machen vermag. Da es 

sich bei seiner Beziehung zu F._______ nicht um ein Konkubinat respek-

tive eine geschützte Familiengemeinschaft handelt, kann er sich auch nicht 

auf den Grundsatz der Einheit der Familie gemäss Art. 44 AsylG berufen. 

Der Beschwerdeführer verfügt nicht über eine ausländerrechtliche Aufent-

haltsbewilligung und hat keinen Anspruch auf Erteilung einer solchen, wes-

halb die Vorinstanz zu Recht die Wegweisung angeordnet hat (vgl. BVGE 

2009/50 E. 9 m.H.). 

7.6 Nachdem der Beschwerdeführer mit Verfügung des SEM vom 13. Feb-

ruar 2019 in der Schweiz vorläufig aufgenommen wurde, erübrigen sich 

weitere Ausführungen zum Wegweisungsvollzug (vgl. BVGE 2009/51 

E. 5.4).  

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist 

demnach abzuweisen, soweit sie nicht gegenstandslos geworden ist.  

9.  

9.1 Bei diesem Verfahrensausgang wären die reduzierten Kosten des Ver-

fahrens grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 

VwVG). Nachdem ihm mit Zwischenverfügung vom 21. Januar 2019 die 

unentgeltliche Prozessführung gewährt wurde und sich den Akten keine 

Hinweise auf eine Veränderung der finanziellen Verhältnisse entnehmen 

lassen, sind keine Kosten aufzuerlegen.  

9.2 Da beim vorliegenden Verfahrensausgang von einem hälftigen Obsie-

gen des Beschwerdeführers auszugehen ist, ist ihm gestützt auf Art. 64 

Abs. 1 VwVG eine hälftige Parteientschädigung für die ihm erwachsenen 

notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten zusprechen (vgl. für die 

Grundsätze der Bemessung der Parteientschädigung Art. 7 ff. des Regle-

ments über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-

gericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Im Übrigen ist der 

rubrizierten Rechtsvertreterin, welche mit Zwischenverfügung vom 21. Ja-

nuar 2019 als amtliche Rechtsbeiständin eingesetzt wurde, ein amtliches 

Honorar auszurichten.  

D-7228/2018 

Seite 17 

Bei den Akten befindet sich eine Kostennote vom 22. Januar 2019, in wel-

cher ein zeitlicher Aufwand von 8.5 Stunden à Fr. 200.– und Auslagen in 

Höhe von Fr. 20.– (für Porti, Telefon, Fax und Kopien) geltend gemacht 

werden. Ferner seien gemäss Schreiben vom 12. April 2019 für die Über-

setzung von Beweismitteln Kosten in der Höhe von Fr. 145.40 angefallen. 

Sodann wurde eine Replik erstellt sowie Korrespondenz im Rahmen der 

Übersetzung der Beweismittel geführt, welche von der eingereichten Kos-

tennote nicht erfasst sind. Auf die Nachforderung einer aktuellen Honorar-

note kann indessen verzichtet werden, da sich der Aufwand für die weite-

ren Eingaben mit ausreichender Zuverlässigkeit abschätzen lässt. Dem-

nach ist insgesamt von einem zeitlichen Aufwand von 12 Stunden auszu-

gehen, wobei dieser je hälftig à Fr. 200.– (Parteientschädigung) respektive 

à Fr. 150.– (amtliche Entschädigung) zu entschädigen ist (vgl. Art. 7 ff. 

VGKE, insb. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE, sowie die Zwischenverfü-

gung vom 21. Januar 2019 S. 4). Zuzüglich der ebenfalls hälftig zu vertei-

lenden Auslagen von gesamthaft Fr. 165.40 ergibt dies eine Parteientschä-

digung in der Höhe von Fr. 1'282.70 (6 Stunden à Fr. 200.–, Auslagen von 

Fr. 82.70), die dem Beschwerdeführer durch die Vorinstanz zu bezahlen 

ist, sowie eine amtliche Entschädigung in der Höhe von Fr. 982.70 (6 Stun-

den à Fr. 150.–, Auslagen von Fr. 82.70), die der Rechtsvertreterin vom 

Bundesverwaltungsgericht zu entrichten ist. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-7228/2018 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit sie nicht als gegenstandslos ge-

worden abgeschrieben wird.  

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  

3.  

Das SEM hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von 

Fr. 1'282.70 auszurichten.  

4.  

Der amtlichen Rechtsbeiständin, MLaw Céline Benz-Desrochers, wird vom 

Bundesverwaltungsgericht ein amtliches Honorar von Fr. 982.70 zugespro-

chen.  

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Mia Fuchs Regula Aeschimann 

 

 

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