# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3eb4021b-acf2-5252-be23-117d1149d20d
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-07-15
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Beschwerdekammer in Strafsachen 15.07.2020 BK 2020 186
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_008_BK-2020-186_2020-07-15.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

Beschwerdekammer in 
Strafsachen

Cour suprême
du canton de Berne

Chambre de recours pénale

Beschluss
BK 20 186

Hochschulstrasse 17
Postfach
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 09
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 15. Juli 2020

Besetzung Oberrichter J. Bähler (Präsident), Oberrichterin Bratschi, Oberrich-
ter Gerber
Gerichtsschreiberin Lustenberger

Verfahrensbeteiligte A.________
v.d. Fürsprecherin B.________

Beschuldigter

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

C.________
vertreten durch Rechtsanwalt D.________

Strafklägerin/Beschwerdeführerin

Gegenstand Einstellung

Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung, evtl. Aussetzung, evtl. 
Unterlassung der Nothilfe

Beschwerde gegen die Verfügung der Kantonalen Staatsanwalt-
schaft für Besondere Aufgaben vom 3. April 2020 (BA 18 504)

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Erwägungen:

1. Nachdem er die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember 2018 an einer Weihnachts-
party verbracht hatte, wurde E.________ sel. am 25. Dezember 2018 um 12.22 
Uhr vorläufig festgenommen. Der von der Polizei durchgeführte Drogenschnelltest 
zeigte ein positives Resultat auf sämtliche getesteten Substanzen (Cocain, Canna-
bis, Benzodiazepine, Methamphetamin, Morphin und Ecstasy). Aus diesem Grund 
wurde Dr. med. A.________ zwecks Prüfung der Hafterstehungsfähigkeit aufgebo-
ten. Er bestätigte diese um ca. 16:00 Uhr und gab den Polizeibeamten gleichzeitig 
die Anweisung, E.________ sel. alle zwei Stunden auf Lebenszeichen zu untersu-
chen und ihm, dem Arzt, zu melden, sobald dieser klar im Bewusstsein sei oder 
wenn sich sein Gesundheitszustand verschlechtern sollte. Am 26. Dezember 2018 
um 5:40 Uhr wurde E.________ sel. tot in der Gefängniszelle Nr. 14 der Polizeiwa-
che am Waisenhausplatz in Bern aufgefunden. Die Regionale Staatsanwaltschaft 
Bern-Mittelland eröffnete umgehend eine Untersuchung zur Abklärung des ausser-
gewöhnlichen Todesfalls. Die Mutter des Verstorbenen, C.________, konstituierte 
sich am 3. Januar 2019 als Privatklägerin im Verfahren. Am 1. Februar 2019 eröff-
nete die Kantonale Staatsanwaltschaft für Besondere Aufgaben (nachfolgend: 
Staatsanwaltschaft), an die das Verfahren inzwischen übertragen worden war, eine 
Untersuchung gegen Dr. med. A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) wegen 
fahrlässiger Tötung durch Unterlassen. Mit Verfügung vom 3. April 2020 wies sie 
den Antrag der Privatklägerin vom 1. November 2019, es sei zur Klärung der Frage 
der Vermeidbarkeit des Todes von E.________ sel. ein interdisziplinäres Gutach-
ten beim Universitätsspital Zürich einzuholen, ab (Ziff. 4). Das Verfahren gegen den 
Beschuldigten stellte sie ein (Ziff. 5), wobei sie nebst dem Tatbestand der fahrläs-
sigen Tötung auch die Tatbestände der Aussetzung und der Unterlassung der Not-
hilfe prüfte. C.________ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) erhob gegen diese 
Verfügung am 27. April 2020 Beschwerde. Ihre Rechtsbegehren lauteten wie folgt:

1. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 3. April 2020 sei aufzuheben und die Beschwerde-
gegnerin sei in Bezug auf den Vorwurf der fahrlässigen Tötung anzuweisen, beim Universitätsspital 
Zürich ein interdisziplinäres Gutachten zur Klärung des Sachverhalts einzuholen.

2. Eventualiter: Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 3. April 2020 sei aufzuheben und die 
Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, gegen den Beschuldigten Anklage wegen Aussetzung und un-
terlassener Nothilfe z.N. des E.________ sel. zu erheben.

- unter Kosten- und Entschädigungsfolge -

Im daraufhin eröffneten Beschwerdeverfahren beantragte die Generalstaatsanwalt-
schaft am 19. Mai 2020 die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Der Be-
schuldigte bezog am 20. Mai 2020 zur Beschwerde Stellung. Er beantragte eben-
falls deren vollumfängliche Abweisung sowie die vollumfängliche Gutheissung der 
Einstellungsverfügung, dies unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Mit Eingabe 
vom 2. Juni 2020 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Rechtsbegehren fest, ver-
zichtete darüber hinaus aber ausdrücklich auf das Einreichen einer Replik. Mit Ein-
gabe vom 3. Juli 2020 reichte sie das Urteil des europäischen Gerichtshofs für 
Menschenrechte vom 30. Juni 2020 i.S. Frick c. Suisse (Urteil Nr. 23405/16) zu den 

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Akten und bat das Gericht, die Konsequenzen aus diesem Urteil auf den vorliegen-
den Fall zu übertragen.

2. Die Parteien können eine Einstellungsverfügung innert zehn Tagen bei der Be-
schwerdeinstanz anfechten (Art. 322 Abs. 2 der Strafprozessordnung [StPO; SR 
312.0]). Zuständig ist die Beschwerdekammer in Strafsachen (Art. 35 des Gesetzes 
über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; 
BSG 161.1] i.V.m. Art. 29 Abs. 2 des Organisationsreglements des Obergerichts 
[OrR OG; BSG 162.11]). Die Beschwerdeführerin hat als Mutter des Verstorbenen 
und als im Verfahren zugelassene Strafklägerin ein unmittelbares rechtlich ge-
schütztes Interesse an der Aufklärung des Todesfalls. Sie ist daher nach Art. 382 
Abs. 1 StPO zur Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung legitimiert. Auf die 
form- und fristgerecht erhobene Beschwerde wird eingetreten.

3. Wie sich aus den Rechtsbegehren und der Begründung der Beschwerde ergibt, 
ficht die Beschwerdeführerin nur Ziff. 4 und 5 der Verfügung vom 3. April 2020 an. 
Ziff. 1-3 der angefochtenen Verfügung sind daher in Rechtskraft erwachsen.

4. Gemäss Art. 319 Abs. 1 StPO verfügt die Staatsanwaltschaft namentlich dann die 
Einstellung des Verfahrens, wenn kein Tatverdacht erhärtet ist, der eine Anklage 
rechtfertigt (Bst. a) oder wenn kein Straftatbestand erfüllt ist (Bst. b). Der Entscheid 
über die Einstellung eines Verfahrens hat sich nach dem Grundsatz «in dubio pro 
duriore» zu richten. Danach darf eine Einstellung durch die Staatsanwaltschaft 
grundsätzlich nur bei klarer Straflosigkeit oder offensichtlich fehlenden Prozessvor-
aussetzungen angeordnet werden. Hingegen ist, sofern die Erledigung mit einem 
Strafbefehl nicht in Frage kommt, Anklage zu erheben, wenn eine Verurteilung 
wahrscheinlicher erscheint als ein Freispruch. Ist ein Freispruch genauso wahr-
scheinlich wie eine Verurteilung, drängt sich in der Regel, insbesondere bei schwe-
ren Delikten, eine Anklageerhebung auf (BGE 143 IV 241 E. 2.2.1; 138 IV 186 
E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_816/2016 vom 20. Februar 2017 E. 2.2).

5. Fahrlässige Tötung

5.1 Zunächst wehrt sich die Beschwerdeführerin gegen die Verfahrenseinstellung mit 
dem Argument, die Staatsanwaltschaft habe den Sachverhalt im Zusammenhang 
mit der fahrlässigen Tötung ungenügend abgeklärt. Ihrer Ansicht nach dürfe auf 
das rechtsmedizinische Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität 
Bern (nachfolgend: IRM) vom 5. April 2019 resp. auf die Meinung des Sachver-
ständigen Prof. Dr. med. F.________ nicht abgestellt werden. Es müssten weitere 
medizinische Abklärungen in Form eines interdisziplinären Gutachtens, erstellt vom 
Universitätsspital Zürich, vorgenommen werden.

In ihrer Begründung kritisiert sie einleitend, dass die Staatsanwaltschaft keine aus-
serkantonale Institution mit dem Gutachterauftrag betraut habe. Sie führt aus, es 
sei Usanz, bei internen Vorgängen Dritte mit der Klärung des Sachverhalts zu be-
auftragen, um dem Anschein der Befangenheit entgegenzuwirken. Es sei daher nur 
rechtens, wenn zur Abklärung des vorliegenden Falls ein Gutachtergremium aus 
einem anderen Kanton zugezogen werde.

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Weiter widerspricht die Beschwerdeführerin der Auffassung der Staatsanwaltschaft, 
wonach eine interdisziplinäre Begutachtung nicht nötig sei, weil Prof. Dr. med. 
F.________ über die erforderlichen theoretischen Kenntnisse verfüge. Der vorlie-
gende Fall sei vielschichtig und benötige Erfahrungen in den Bereichen der Inten-
sivmedizin, der Toxikologie, der Kardiologie und der Neurologie. Werde der Fall nur 
integral beurteilt, sei das Gutachten offensichtlich nicht schlüssig, da ein Gutachter 
nicht sämtliche Fachbereiche selbst abdecken könne. Die Argumentation, es lies-
sen sich keine weiteren medizinischen Schlussfolgerungen ziehen, da gar nicht 
genügend Daten über den Zustand des Verstorbenen vorliegen würden, greife zu 
kurz. Die entsprechende Klärung würde sich nur ergeben, wenn man den jeweili-
gen Spezialisten auch frage.

Die Beschwerdeführerin nimmt sodann Bezug auf S. 7 des Gutachtens, wo vom 
IRM selbst empfohlen werde, einen Fachgutachter beizuziehen, um die Frage zu 
klären, ob E.________ sel. zum Zeitpunkt der Prüfung der Hafterstehungsfähigkeit 
anders hätte betreut werden müssen. Damit gestehe das IRM implizit zu, in dieser 
Frage nicht die notwendige Kompetenz innezuhaben. Ergänzend stellt die Be-
schwerdeführerin die Frage in den Raum, wie das IRM die Rettbarkeit von 
E.________ sel. beurteilen wolle, wenn es schon gar nicht prüfen könne, ob der 
Beschuldigte bei dessen Behandlung lege artis gehandelt habe. Ein derartiger 
Zwiespalt in der Beurteilung könne man angesichts der vorliegenden Tragik mit 
tödlichen Folgen nicht offenlassen.

Schliesslich sind die Schlussfolgerungen der Staatsanwaltschaft aus Sicht der Be-
schwerdeführerin auch deshalb falsch, weil sie medizinische Fragen unzureichend 
gewichtet habe. So habe der Beschuldigte behauptet, E.________ sel. habe ihm 
gesagt, sich das Opiat gespritzt zu haben. Die Legalinspektion habe aber keine 
Einstichstelle einer Nadel aufgezeigt, in der Haarprobe hätten keine Opiate und 
kein Methadon nachgewiesen werden können und es sei auch kein Besteck be-
schlagnahmt worden. Diese Zusammenhänge seien vom Gutachter zu wenig be-
leuchtet worden. Ebenso seien die zeitlichen Verhältnisse bis zum Todeseintritt zu 
wenig berücksichtigt worden. Immerhin seien zwischen dem Zeitpunkt der Prüfung 
der Hafterstehungsfähigkeit und dem Tod rund zwölf Stunden vergangen. Dies sei 
eine lange Zeit, in welcher die Toxikation und das Herzpumpversagen in einem 
Spital mit Sicherheit hätten erkannt und behandelt werden können. Dass 
E.________ sel. trotz der hohen Dosis nicht sofort, sondern zwölf Stunden später 
verstorben sei, bedeute, dass sich die Situation schleichend verschlechtert habe, 
und spreche für die Rettbarkeit. Indem der Sachverständige die Rettbarkeit rein 
aufgrund des morphologischen Ergebnisses beurteile, schenke er dem zeitlichen 
Aspekt zu wenig Beachtung. Aus all den genannten Gründen seien weiterführende 
Abklärungen notwendig.

5.2 Nach Art. 117 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs (StGB; SR 311.0) macht sich 
strafbar, wer fahrlässig den Tod eines Menschen verursacht. Fahrlässig begeht ein 
Verbrechen oder Vergehen, wer die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger 
Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder nicht darauf Rücksicht nimmt. Pflichtwidrig ist 
die Unvorsichtigkeit, wenn der Täter die Vorsicht nicht beachtet, zu der er nach den 
Umständen und nach seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist (Art. 12 

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Abs. 3 StGB). Ein Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung setzt somit voraus, 
dass der Täter den Erfolg durch Verletzung einer Sorgfaltspflicht verursacht hat 
(BGE 140 II 7 E. 3.4). 

Es reicht jedoch nicht aus, die schuldhafte Verletzung einer Sorgfaltspflicht einer-
seits und den Tod einer Person andererseits festzustellen. Zwischen diesen beiden 
Elementen muss ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang bestehen. 
Ein bestimmtes Verhalten bildet dann die natürliche Ursache für den Erfolg, wenn 
es für diesen eine «conditio sine qua non» darstellt. Die adäquate Kausalität wird 
bejaht, wenn das Verhalten nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allge-
meinen Lebenserfahrung geeignet war, einen Erfolg nach der Art des eingetrete-
nen herbeizuführen (BGE 122 IV 17 E. 2c; 121 IV 207 E. 2a). Bei Fahrlässigkeits-
delikten ermittelt das Bundesgericht die Kausalität anhand der sog. Wahrschein-
lichkeitstheorie. Untersucht wird dabei die Frage nach der Vermeidbarkeit des Er-
folgs. Dieser Frage wird ein hypothetischer Kausalverlauf zugrunde gelegt und ge-
prüft, ob der Erfolg bei pflichtgemässem Verhalten des Täters ausgeblieben wäre 
(BGE 135 IV 56 E. 2.1; 130 IV 7 E. 3.2). 

Ob eine Handlung im Sinne der Adäquanztheorie nach dem gewöhnlichen Lauf der 
Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, einen Erfolg von der Art 
des eingetretenen herbeizuführen oder zu begünstigen, muss ex ante, d.h. vom 
Zeitpunkt des Handelns aus, entschieden werden. Die nachträgliche (bessere) 
Kenntnis der Zusammenhänge kann nicht darüber entscheiden, ob eine Handlung 
im Zeitpunkt ihrer Vornahme erlaubt oder verboten war. Demgegenüber ist die für 
die Erfolgszurechnung ebenfalls wesentliche Frage, aus welcher Gefahr der Erfolg 
hervorgegangen ist, ob sich mithin im Erfolg gerade die vom Täter geschaffene Ge-
fahr verwirklicht hat, unter Auswertung aller ex post bekannten Umstände zu be-
antworten. Der Erfolg ist dem Täter zuzurechnen, wenn dessen Verhalten mindes-
tens mit einem hohen Grad der Wahrscheinlichkeit oder mit an Sicherheit grenzen-
der Wahrscheinlichkeit die Ursache des Erfolgs bildete (BGE 140 II 7 E. 3.4; 135 IV 
56 E. 2.2).

Fahrlässige Tötung kann auch durch Unterlassen begangen werden. Pflichtwidrig 
untätig bleibt, wer die Gefährdung oder Verletzung eines strafrechtlich geschützten 
Rechtsguts nicht verhindert, obwohl er aufgrund seiner Rechtsstellung dazu ver-
pflichtet ist (Art. 11 Abs. 2 StGB; Urteil des Bundesgerichts 6B_174/2013 vom 
20. Juni 2013 E. 3.1)

5.3 Als Sachverständige können natürliche Personen ernannt werden, die auf dem 
betreffenden Fachgebiet die erforderlichen besonderen Kenntnisse und Fähigkei-
ten besitzen (Art. 183 Abs. 1 StPO). Der Sachverständige muss genau über die 
Fachkompetenz verfügen, welche für die Beantwortung der sich stellenden Fragen 
notwendig ist (DONATSCH, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessord-
nung [StPO], 2. Aufl. 2014, N. 2 zu Art. 183 StPO). 

Für Sachverständige gelten die Ausstandsgründe nach Art. 56 StPO (Art. 183 Abs. 
3 StPO). Voreingenommenheit und Befangenheit werden nach der Rechtspre-
chung jedoch nur angenommen, wenn Umstände vorliegen, die bei objektiver Be-
trachtung geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit des Sachverständigen 

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zu erwecken. Solche Umstände können entweder in einem bestimmten Verhalten 
des Sachverständigen oder in gewissen äusseren Gegebenheiten funktioneller und 
organisatorischer Natur begründet sein. Bei der Beurteilung solcher Umstände ist 
nicht auf das subjektive Empfinden einer Partei abzustellen. Das Misstrauen in die 
Unvoreingenommenheit muss vielmehr in objektiver Weise begründet erscheinen. 
Es genügt, wenn Umstände vorliegen, die bei objektiver Betrachtung den Anschein 
der Befangenheit und Voreingenommenheit erwecken. Eine tatsächliche Befan-
genheit des Sachverständigen wird für die Ablehnung nicht verlangt (BGE 136 I 
207 E. 3.1 mit Hinweisen).

Zieht das Gericht mangels eigener Fachkenntnis eine sachverständige Person bei, 
ist es bei der Würdigung des Gutachtens grundsätzlich frei (Grundsatz der freien 
Beweiswürdigung). Es ist somit nicht an den Befund oder die Stellungnahme des 
Sachverständigen gebunden. In Fachfragen darf das Gericht jedoch nicht ohne trif-
tige Gründe vom Gutachten abrücken und muss Abweichungen begründen. Er-
scheint dem Gericht die Schlüssigkeit eines Gutachtens in wesentlichen Punkten 
zweifelhaft, hat es nötigenfalls ergänzende Beweise zur Klärung dieser Zweifel zu 
erheben. Ein Gutachten stellt namentlich dann keine rechtsgenügliche Grundlage 
dar, wenn gewichtige, zuverlässig begründete Tatsachen oder Indizien seine Über-
zeugungskraft ernstlich erschüttern. Das trifft etwa zu, wenn der Sachverständige 
die an ihn gestellten Fragen nicht beantwortet, seine Erkenntnisse und Schlussfol-
gerungen nicht begründet oder diese in sich widersprüchlich sind oder die Experti-
se sonstwie an Mängeln krankt, die derart offensichtlich sind, dass sie auch ohne 
spezielles Fachwissen erkennbar sind (BGE 141 IV 369 E. 6.1 mit Hinweisen).

5.4 Die Auslegeordnung des vorliegenden Falls präsentiert sich wie folgt: In einem ers-
ten Schritt ist die Frage der Kausalität zwischen dem Vorgehen des Beschuldigten 
und dem Tod von E.________ sel. zu prüfen. Nach der vom Bundesgericht ange-
wandten Wahrscheinlichkeitstheorie ist danach zu fragen, ob eine Verneinung der 
Hafterstehungsfähigkeit durch den Beschuldigten und die Einlieferung in ein Spital 
oder die Anordnung anderweitiger medizinischer Massnahmen den Todeseintritt 
mit hoher oder gar an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verhindert hätte. 
Ist die Kausalität zu verneinen, fehlt es nämlich an einem für die Begehung einer 
fahrlässigen Tötung zwingend notwendigen Tatbestandselement und die Frage, ob 
dem Beschuldigten eine Sorgfaltspflichtverletzung vorzuwerfen ist, erübrigt sich. 
Der Sachverständige Prof. Dr. med. F.________ ist speziell ausgebildeter und er-
fahrener Rechtsmediziner und als solcher in der Lage, weiterführende Angaben 
zum Kausalverlauf zu machen. Dies wird nachfolgend noch näher darzulegen sein.

5.5 Zur Todesursache von E.________ sel. kann aus gutachterlicher Sicht Folgendes 
gesagt werden (vgl. pag. 90 Z. 144 ff. sowie pag. 120): Wahrscheinlich verursacht 
durch Kokainkonsum ist es bei E.________ sel. in den Stunden vor seinem Tod zu 
einer Schädigung der Herzmuskulatur gekommen. Eine solche Schädigung ist 
grundsätzlich jederzeit geeignet, ein Herzpumpversagen und damit einen Herzstill-
stand auszulösen (kardiales Versagen). Alternativ kommt als Todesursache ein 
zentral-nervöses Regulationsversagen in Folge eines zu hohen Opiatkonsums in 
Frage. Was letztendlich ursächlich gewesen ist – die Herzmuskelschädigung oder 
die Morphin-Überdosierung – können die Sachverständigen morphologisch nicht 

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entscheiden (pag. 90 Z. 161 f. und pag. 120). Aus diesem Grund lassen sich 
gemäss Gutachten aus rechtsmedizinischer Sicht keine Aussagen zu einer allfälli-
gen Rettbarkeit von E.________ sel. treffen (pag. 120). Prof. Dr. med. F.________ 
präzisierte bei seiner Befragung in Bezug auf das kardiale Versagen, bei einer 
Hospitalisierung rund zwölf Stunden vor dem Tod wäre vermutlich eine engmaschi-
ge Überprüfung der Vitalparameter erfolgt. Ob auf diese Weise ein allfälliges Herz-
pumpversagen hätte abgewendet werden können, lasse sich im Nachhinein mit der 
erforderlichen Sicherheit nicht beurteilen. Nach menschlichem Ermessen hätte eine 
Hospitalisierung möglicherweise den Todesfall verhindern können (pag. 92 Z. 236 
ff.). In Bezug auf das zentral-nervöse Versagen erklärte er, bei einer Hospitalisie-
rung hätte man die Intoxikation abklären und bei Entdecken einer Opiatüberdosie-
rung antagonisieren können, womit die Gefahr eines zentral-nervösen Regulations-
versagens mutmasslich hätte reduziert werden können. Auch hier bleibe die Frage 
der Rettbarkeit aber hypothetisch, weil man diese nicht allein auf das mögliche zen-
tral-nervöse Versagen beschränken könne. Zudem wisse man nicht, wie sich 
E.________ sel. bei einer klinischen Aufnahme präsentiert hätte. Somit könne man 
nicht mit der erforderlichen Sicherheit herleiten, ob das Spital geeignete Mass-
nahmen ergriffen hätte und wenn ja, ob diese den Tod hätten abwenden können 
(pag. 93 Z. 259 ff.).

Nach diesen Ausführungen kann folglich nicht mit genügender Sicherheit gesagt 
werden, dass eine alternative Vorgehensweise des Beschuldigten das Leben von 
E.________ sel. hätte retten können. Juristisch betrachtet bedeutet dies, dass die 
Kausalität zwischen seinem Verhalten und dem Todeseintritt nicht erstellt werden 
kann.  

5.6 Zum Gutachten selbst ist zunächst festzuhalten, dass der Einwand der Beschwer-
deführerin, wonach das IRM Bern resp. Prof. Dr. med. F.________ als befangen 
anzusehen sei, weil er mit der Abklärung kantonsinterner Vorgänge betraut worden 
sei, unbehilflich ist. Als Ausstandsgrund käme hier höchstens die Auffangklausel 
von Art. 56 Bst. f StPO (Befangenheit aus anderen Gründen) in Betracht. Das Ge-
setz nennt als Beispiel die Freundschaft oder Feindschaft eines Behördenmitglieds 
mit einer Partei oder deren Rechtsbeistand. Auch die Beschwerdeführerin spielt mit 
ihrer Rüge auf eine besondere Beziehung zwischen dem Sachverständigen und 
dem zu untersuchenden Sachverhalt resp. der daran beteiligten Personen an. Zwar 
können grundsätzlich auch organisatorisch oder funktionell bedingte Umstände den 
unzulässigen Anschein einer Befangenheit erwecken. Hierfür müsste jedoch eine 
gewisse Intensität in der Beziehung der betroffenen Personen festgestellt werden 
können. Die Eingliederung in verschiedene Organisationseinheiten des gleichen 
Kantons reicht hierfür nicht aus. Prof. Dr. med. F.________ gab an, den Beschul-
digten vor seiner Befragung noch nie gesehen zu haben (pag. 87 Z. 30). Hinweise, 
wonach an diesen Aussagen zu zweifeln und eine besondere Beziehung zwischen 
ihm und dem Beschuldigten anzunehmen wäre, sind nicht ersichtlich und werden 
auch von der Beschwerdeführerin keine geltend gemacht. Somit liegen keine 
Gründe vor, das IRM oder den konkreten Sachverständigen im Sinne des Geset-
zes als befangen zu erachten.

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5.7 Bei der Rechtsmedizin handelt es sich um diejenige medizinische Disziplin, die in 
Lehre, Forschung und Praxis die Anwendung medizinischer Kenntnisse und Me-
thoden zur Klärung rechtserheblicher Tatbestände zum Inhalt hat. Die Rechtsmedi-
zin zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sie sich Erkenntnisse und Me-
thoden anderer medizinischer Fachgebiete zunutze macht und dementsprechend 
auch entsprechende Kenntnisse voraussetzt. Eine der zentralen Aufgaben der 
Rechtsmedizin besteht in der Begutachtung nicht natürlicher Todesfälle und der 
Rekonstruktion des zum Tod führenden Geschehens. Dazu gehört insbesondere 
die Bestimmung von Todeszeitpunkt, Todesart und Todesursache – dies immer vor 
einem kriminalistischen Hintergrund (vgl. WIRTH/STRAUCH, Rechtsmedizin, Grund-
wissen für die Ermittlungspraxis, 2000, S. 1 ff.). Folglich gehört die Ermittlung der 
Frage, inwiefern ein bestimmtes Tun oder Unterlassen zum Eintritt des Todes einer 
Person geführt hat, zu den Hauptaufgaben der Rechtsmedizin. Prof. Dr. med. 
F.________ ist Facharzt für Rechtsmedizin und verfügt über 30 Jahre Erfahrung in 
diesem Gebiet (pag. 87 Z. 36). Die Frage, ob das Verhalten des Beschuldigten für 
das Versterben von E.________ sel. kausal war, ist eine Kernfrage aus diesem 
Fachgebiet. Prof. Dr. med. F.________ war daher zweifellos in der Lage, diese se-
riös zu beantworten. Der Beizug von Spezialisten aus anderen Fachgebieten war 
zur Klärung dieser rechtsmedizinischen Fragestellung nicht erforderlich.

5.8 Eine interdisziplinäre Beurteilung wäre ausserdem auch nicht zielführend. Wie Prof. 
Dr. med. F.________ nämlich in nachvollziehbarer Weise dargelegt hat, gibt es 
kaum zu Lebzeiten gewonnene Daten über die Vitalparameter von E.________ sel. 
(pag. 93 Z. 243 ff.). Es mangelt somit schlicht an der Faktengrundlage, um eine 
genauere Einschätzung vornehmen zu können. Um dies zu erkennen, braucht man 
entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin keinen Spezialisten zu fragen. 
Es leuchtet ein, dass ohne Dokumentation kein medizinischer Sachverständiger, 
unabhängig von seiner Fachrichtung, eine zuverlässige forensische Einschätzung 
vornehmen könnte. 

5.9 Unbestrittenermassen sind auch der Disziplin der Rechtsmedizin Grenzen gesetzt. 
Entsprechend wird auf S. 7 des rechtsmedizinischen Gutachtens des IRM vom 
5. April 2019 ausgeführt: «Zur Klärung der Frage, ob Herr E.________ zum Zeit-
punkt der ärztlichen Abklärung der Hafterstehungsfähigkeit anders hätte betreut 
werden sollen, kann keine Aussage getroffen werden. Wir empfehlen hierzu das 
Hinzuziehen eines Fachgutachters». Für gewisse Fragestellungen sind das IRM 
und seine Spezialisten mit anderen Worten nicht die richtigen Sachverständigen. 
Mit dieser Anmerkung im Gutachten wird jedoch nicht auf die Kausalität, sondern 
auf die Frage, ob dem Beschuldigten eine Sorgfaltspflichtverletzung vorzuwerfen 
ist, angespielt. Diese ist, wie bereits ausgeführt, erst relevant, wenn die Kausalität 
bejaht werden kann. Vor dem Hintergrund der zweifelsohne beschränkten Kompe-
tenz des IRM ist in einer ersten Phase eine rein rechtsmedizinische Beurteilung 
folglich ausreichend.

5.10 Die Beschwerdeführerin kritisiert, die Umstände, wie E.________ sel. das Heroin 
zu sich genommen habe, seien vom Gutachter und der Staatsanwaltschaft zu we-
nig berücksichtigt worden. Gleiches gelte für die lange Zeitspanne zwischen der 

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Untersuchung durch den Beschuldigten und dem Todeseintritt, welche für die Rett-
barkeit spreche.

Zum Opiatkonsum erläuterte Prof. Dr. med. F.________, aufgrund der chemisch-
toxikologischen Untersuchungen habe ein Morphin-Blutspiegel von 235 Mikro-
gramm pro Liter festgestellt werden können. Dieser Blutspiegel liege über dem the-
rapeutischen Bereich, weshalb eine Intoxikation mit Morphin diskutiert werden kön-
ne, die typischerweise via Atemdepression zum Versterben führen könne (pag. 90 
Z. 136 ff.). Weiter führte der Gutachter aus (pag. 90 f. Z. 167 ff.): 

«Wenn man jedoch berücksichtigt, dass die festgestellte Morphin-Konzentration sehr viele Stunden 
objektiv überlebt wurde, muss man davon ausgehen, dass die festgestellten 235 Mikrogramm pro Li-
ter nur noch den Rest eines ursprünglich wesentlich höheren Spiegels darstellen, das wirft die Frage 
auf, warum E.________ nicht in der Phase einer wesentlich höheren möglicherweise letaltoxischen 
Konzentration eben verstorben ist, sondern erst zu einem viel späteren Zeitpunkt. Dies ist umso er-
staunlicher, als sich durch die Haaranalyse chemisch-toxikologisch kein Hinweis auf eine Opiatge-
wöhnung fand, was den Betroffenen mutmasslich empfindlicher für die Wirkung für eine Opiat-
Überdosierung gemacht hätte.»

Der Sachverständige erwähnte sodann, dass aus den wenigen vorhandenen In-
formationen nicht hervorgehe, wie E.________ sel. das Morphin konsumiert habe. 
Auf Nachfrage meinte er, dass diese Informationen unter Umständen erklären 
könnten, weshalb E.________ sel. die hohe Morphindosis so lange überlebt habe 
(pag. 91 Z. 176 ff.). Später präzisierte er (pag. 94 Z. 301 ff.):

«Angenommen, E.________ hätte das Opiat gespritzt ohne übliche Fixererfahrung gehabt zu haben, 
wäre es durchaus vorstellbar, dass es im Rahmen der Punktion zu einem Paravasat (Austritt von 
Substanz ins umgebende Gewebe) mit dem Effekt einer subkutanen Spritzung gekommen sein könn-
te. Mit einem solchen Depot wäre die Wirkstofffreisetzung wesentlich gestreckter über die Zeit und 
zudem in unberechenbarer Weise erfolgt.»

Auf Frage, ob dies an der Beurteilung der Rettbarkeit von E.________ sel. etwas 
ändern würde, antwortete er (pag. 94 Z. 309 f.):

«Diese Überlegung unterstreicht meine Feststellung, dass bezüglich der Rettbarkeit keine verlässli-
chen Angaben gemacht werden können.»

Aus diesen Ausführungen folgt, dass sich Prof. Dr. med. F.________ sehr wohl mit 
der Frage nach der Art des Heroinkonsums befasst hat. Zu erwähnen ist weiter, 
dass es laut einer Studie selbst bei einer Injektion auch Fälle von Drogentoten gibt, 
bei denen keine Einstichstelle nachgewiesen werden kann. Begründet wird dies 
damit, dass Konsumenten teilweise feine Nadeln benützen, die sehr kleine und 
damit nur sehr schwer zu entdeckende Einstichstellen hinterlassen (STURM, Dro-
gentodesfälle in Südbayern in den Jahren 2009 bis 2014 unter besonderer Berück-
sichtigung von Fentanyltoten, Diss. Nürnberg 2019, S. 68). Das Ergebnis der Lega-
linspektion steht mit den Angaben des Beschuldigten, wonach E.________ sel. ihm 
gesagt habe, sich das Opiat gespritzt zu haben, somit nicht zwingend in Wider-
spruch. Gleichzeitig ist das vom Gutachter geschilderte Szenario, wonach es zu ei-
ner subkutanen Spritzung und in der Folge zu einer längerdauernden und unbere-
chenbaren Freisetzung des Wirkstoffs gekommen sein könnte, nicht rein theoreti-
scher Natur. Letzten Endes kann die Frage, wie der Verstorbene das Opiat zu sich 

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genommen hat, jedoch offen bleiben. Wie aus den Schilderungen des Gutachters 
hervorgeht, liesse sich damit nämlich höchstens – wenn überhaupt – erklären, 
weshalb E.________ sel. trotz der hohen Wirkstoffkonzentration im Blut mehr als 
zwölf Stunden überlebt hat. Die Frage der Rettbarkeit und damit die Frage der 
Kausalität könnte hingegen nach wie vor nicht abschliessend beurteilt werden.  

Aus den Ausführungen des Sachverständigen geht ebenfalls hervor, dass er die re-
lativ lange Zeitdauer zwischen der Prüfung der Hafterstehungsfähigkeit und dem 
Eintritt des Todes in seiner Beurteilung zumindest implizit mitberücksichtigt hat. 
Dass er diese Thematik nicht eingehender diskutiert hat, führt nicht dazu, dass 
ernsthafte, gewichtige Zweifel an der Schlüssigkeit des Gutachtens erhoben wer-
den müssten. Das Gericht und auch die Staatsanwaltschaft sind somit an die 
Schlussfolgerungen des Gutachtens gebunden. Insgesamt geht der Vorwurf der 
Beschwerdeführerin, die Staatsanwaltschaft habe medizinische Fragen falsch ge-
wichtet, somit fehl.

5.11 Zusammenfassend vermögen die von der Beschwerdeführerin vorgetragenen Ar-
gumente die Überzeugungskraft des rechtsmedizinischen Gutachtens des IRM 
vom 5. April 2019 und der mündlichen Ausführungen von Prof. Dr. med. 
F.________ nicht ernsthaft zu erschüttern. Auf diese Befunde kann abgestellt wer-
den. Folglich hat die Staatsanwaltschaft den Antrag der Beschwerdeführerin, es sei 
zur Frage der Vermeidbarkeit des Todes von E.________ sel. ein interdisziplinäres 
Gutachten beim Universitätsspital Zürich einzuholen, zu Recht abgewiesen.

5.12 Wie bereits dargelegt, können gemäss Auffassung des IRM resp. von Prof. Dr. 
med. F.________ auch für den Fall einer sofortigen Hospitalisierung keine verläss-
lichen Aussagen über die Rettbarkeit von E.________ sel. gemacht werden. Damit 
hat das Unterlassen des Beschuldigten nicht mit einem hohen Grad oder gar mit an 
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu dessen Tod geführt. Es fehlt an einem 
erstellten Kausalzusammenhang zwischen der Bejahung der Hafterstehungsfähig-
keit und dem Todeseintritt. Damit ist der Straftatbestand der fahrlässigen Tötung 
nach Art. 117 StGB klarerweise nicht erfüllt, womit das Verfahren bezüglich dieses 
Vorwurfs einzustellen ist.

6. Aussetzung

6.1 In Bezug auf den Tatbestand der Aussetzung begründet die Staatsanwaltschaft die 
Verfahrenseinstellung hauptsächlich damit, dass der Beschuldigte nicht (eventual-) 
vorsätzlich gehandelt habe. Dem widerspricht die Beschwerdeführerin. Zur Be-
gründung hält sie zunächst fest, der Beschuldigte sei extra zur Prüfung der Hafter-
stehungsfähigkeit herbeigerufen worden. Trotz der Feststellung, wonach beim Dro-
genschnelltest «alles positiv» gewesen sei, habe er keine weiteren Fragen gestellt 
und namentlich bewusst nicht nach der Dosierung gefragt. Dies, obschon ihm be-
kannt gewesen sei, dass eine Überdosis Herzstillstand, Atemlähmung, Krampfan-
fälle und Tod verursachen könne. Die Anweisung, auf Lebenszeichen zu kontrollie-
ren, mache offensichtlich, dass eine Gefahr bestanden habe. Selbst als der Be-
schuldigte von den besorgten Polizeibeamten informiert worden sei, dass 
E.________ sel. aus dem Bett gefallen und nicht ansprechbar sei, habe sich nichts 
an seinem Entscheid resp. an seinem Vorgehen geändert. Die Frage, weshalb er 

11

E.________ sel. nicht ins Spital überwiesen habe, habe er mit einer Güterabwä-
gung, die er vornehmen müsse, Ressourcen, die gebunden würden sowie mit fi-
nanziellen Gründen beantwortet. Der Beschuldigte habe sich somit sehr bewusst 
dafür entschieden, nichts zu machen. Er habe vorsätzlich und überlegt gehandelt 
und sogar Abwägungen gemacht. Indem er gar nichts getan und E.________ sel. 
einfach im Stich gelassen habe, habe er die Gefährdung zumindest in Kauf ge-
nommen. Nicht relevant sei dabei, dass die Gefahr durch den Konsum selbst her-
beigeführt worden sei. Die Garantenpflicht verlange vom Pflichtigen eben gerade, 
zur Behebung der Gefahr aktiv zu werden, wenn diese schon bestehe. Vorliegend 
hätte die Möglichkeit, die Gefahr abzuwenden, noch bestanden, da E.________ 
sel. noch gelebt habe.

6.2 Der Aussetzung macht sich strafbar, wer einen Hilflosen, der unter seiner Obhut 
steht oder für den er zu sorgen hat, einer Gefahr für das Leben oder einer schwe-
ren unmittelbaren Gefahr für die Gesundheit aussetzt oder in einer solchen Gefahr 
im Stich lässt (Art. 127 StGB). In der Variante des «Im-Stich-Lassens» besteht die 
Straftat darin, dass der Täter einer schon bestehenden Gefahr, die zu beseitigen er 
verpflichtet ist, nicht entgegenarbeitet. Dabei lässt nicht nur im Stich, wer den Hilf-
losen in der Gefahr verlässt (sich von ihm entfernt) oder sich vollständig passiv 
verhält, sondern auch, wer sich zwar um ihn bemüht, aber nicht die zur Beseitigung 
der Gefahr notwendigen Massnahmen trifft (Urteil des Bundesgerichts 6B_40/2008 
vom 20. Juni 2008 E. 3). Der Gefährdungserfolg liegt darin, dass die konkrete Ge-
fahr nach dem Zeitpunkt, in dem die Hilfe hätte geleistet werden müssen, weiterbe-
steht oder wächst (MAEDER, in: Basler Kommentar, Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N. 26 
zu Art. 127 StGB). Die Unterlassung muss für das Fortdauern der Gefahr kausal 
sein. Zur Erfüllung des Tatbestands muss die Abwendung der Gefahr in dem Zeit-
punkt, wo die Hilfeleistung geboten gewesen wäre, noch möglich sein (MAEDER, 
a.a.O., N. 27 zu Art. 127 StGB).

Der subjektive Tatbestand erfordert Vorsatz, und zwar Gefährdungsvorsatz, wobei 
Eventualdolus im Sinne von Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB genügt (Urteil des Bundes-
gerichts 6B_40/2008 vom 20. Juni 2008 E. 3). Im Falle der Unterlassung muss der 
Täter mindestens mit der Möglichkeit der tatbestandsmässigen Gefahr sowie mit 
deren Abwendbarkeit durch sein Handeln rechnen und sich dann entschliessen, 
nicht einzuschreiten (MAEDER, a.a.O., N. 30 zu Art. 127 StGB). 

6.3 Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen und 
Willen ausführt. Vorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der Tat für mög-
lich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB). «Wissen», die sog. intellektuelle 
Vorsatzkomponente, ist die Voraussetzung des Wollens. Gefordert wird, dass der 
Täter einen Straftatbestand in aktueller Kenntnis aller zum objektiven Tatbestand 
gehörenden Umstände verwirklicht (DONATSCH/TAG, Strafrecht I, 9. Aufl. 2013, 
S. 113). Neben dem Wissen um die reale Möglichkeit der Tatbestandserfüllung ver-
langt der Vorsatz auch den Willen, den Tatbestand zu verwirklichen. Der Täter 
muss sich gegen das rechtlich geschützte Gut entscheiden (BGE 130 IV 58 E. 8.1 
f. mit Hinweisen). 

Handelt der Täter eventualvorsätzlich, strebt er den Erfolg nicht an, sondern weiss 
lediglich, dass dieser möglicherweise mit der willentlich vollzogenen Handlung ver-

12

bunden ist. Eventualvorsatz wird bejaht, wenn der Täter die Tatbestandsverwirkli-
chung für möglich hält, aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines 
Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein 
(BGE 130 IV 58 E. 8.2 mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung darf das Gericht 
vom Wissen des Täters auf den Willen schliessen, wenn sich dem Täter die Ver-
wirklichung der Gefahr als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft, sie 
als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausge-
legt werden kann. Zu den äusseren Umständen, aus denen der Schluss gezogen 
werden kann, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen, 
zählt die Rechtsprechung unter anderem die Grösse des dem Täter bekannten Ri-
sikos der Tatbestandsverwirklichung und die Schwere der Sorgfaltspflichtverlet-
zung (BGE 130 IV 58 E. 8.4).

6.4 Zu seinen Überlegungen und seinem Vorgehen bei der Prüfung der Hafterste-
hungsfähigkeit gab der Beschuldigte zu Protokoll, er sei zunächst von der Polizei 
«gebrieft» worden. Diese habe ihm gesagt, E.________ sel. sei aggressiv gewe-
sen, habe Diebesgut und Drogen auf sich getragen und sein Urintest sei auf alles 
positiv gewesen. Er, der Beschuldigte, habe sich dann überlegt, was ihn erwarte. 
Er habe sich einen jungen Mann mit Beschaffungskriminalität, einen Drogenhändler 
und Toxikomanen vorgestellt (pag. 26 Z. 118 ff.). Da beim Drogenschnelltest alles 
positiv gewesen sei, habe er auf dem Formular «Abklärung Hafterstehungsfähig-
keit» das Feld «Verdacht auf Intoxikation» angekreuzt (pag. 26 Z. 145 ff.). Als er in 
die Zelle gekommen sei, habe E.________ sel. geschlafen. Die Polizei habe ihn 
geweckt. Er, der Beschuldigte, habe sich vorgestellt. Dabei habe er die für das Be-
wusstsein eines Menschen wichtige Feststellung gemacht, dass E.________ sel. 
ihn gesiezt habe, während er die Polizei geduzt habe. Er habe einen jungen, nor-
mal ernährten Mann mit normalem Körperbau und gepflegtem Aussehen beobach-
ten können. Er habe ihn nach Vorerkrankungen gefragt, was er verneint habe. Da-
nach gefragt, ob er Medikamente brauche, habe E.________ sel. geantwortet, er 
hätte gerne Xanax 2 mg. Daran habe er, der Beschuldigte erkannt, dass dieser 
wieder Drogen haben möchte. Er habe ihm gesagt, er könne ihm Xanax geben, 
aber er müsse sich noch etwas ausschlafen, was E.________ sel. mit «gut» quit-
tiert habe. Danach habe er ihn auf den rundum positiven Urintest hingewiesen und 
gefragt, wann er die Opiate zuletzt genommen habe. Er habe angegeben, heute 
Morgen intravenös Heroin gespritzt zu haben. Dazu führte der Beschuldigte aus 
(pag. 27 Z. 174 ff.):

«Dann wusste ich, dass es mind. 7-8 Stunden her war, dass er Heroin gespritzt hatte. Damit war er 
eigentlich aus der Akutgefahr von der Heroinapplikation längst drüber. Weil wir als Ärzte davon aus-
gehen dass nach 5-6 Stunden die Drogenkonsumenten, also alles was sie eingenommen haben, 
wirksam im System haben. Das heisst, dass es eigentlich ab diesem Zeitpunkt nur noch Berg auf und 
nicht runter geht.»

Weiter habe er mit 62 Schlägen pro Minute einen kräftigen Puls festgestellt und die 
Sauerstoffsättigung sei bei 91% gelegen. Das sei alles im Normalbereich (pag. 27 
Z. 155 ff.). Anhand der kleinen Pupillen und weil E.________ sel. sich überall ge-
kratzt habe, habe er erkannt, dass er noch unter Opiaten gestanden habe. Da er 
vom Herzkreislauf und der Atmung her im Normalbereich gewesen sei, habe er, 

13

der Beschuldigte, keinen Anlass gesehen, ihn irgendwie intensivmedizinisch be-
treuen zu müssen, insbesondere, weil die letzte Einnahme von Drogen mind. sechs 
Stunden zurückgelegen habe (pag. 28 Z. 188 ff.). Weiter erklärte er (pag. 28 Z. 205 
ff.):

«Ich ging davon aus, dass er aufwacht und gut ist, oder dass er aufwacht und Entzugserscheinungen 
hat. (...) Ich habe mit den Polizisten abgemacht, dass er alle 2 Stunden kontrolliert werden muss, ob 
er zu sich kommt, dass sie mir Bescheid geben können. (...) Der Sinn war, dass alle 2 Stunden ein 
Kontakt da ist, dass wenn er zu sich kommt, dass eine Kommunikation zustande kommen kann, und 
dass er sagen kann, er habe Entzugserscheinungen und nicht erst 10 Stunden später, wenn er schon 
total verrutscht ist. Und nicht weil ich gedacht habe, er ist nach 10 oder 15 Stunden tot, sicher nicht.» 

Als er, der Beschuldigte, sich verabschiedet habe, habe E.________ sel., obwohl 
man habe denken können, er schlafe, die rechte Hand gehoben, das Victory-
Zeichen gemacht und «Peace» gesagt. Somit sei er die ganze Zeit bei Bewusst-
sein und absolut anwesend gewesen (pag. 28 Z. 218 ff.). Auf Frage gab der Be-
schuldigte an, eine Anweisung für den Fall, dass E.________ nicht weckbar sein 
sollte, habe nie zur Diskussion gestanden (pag. 29 Z. 242). Als er am Abend erfah-
ren habe, dass er immer noch schlafe, habe er sich zwar schon gedacht, dass er 
mittlerweile nach Hause gegangen sein sollte. Dennoch sei es nichts Ungewöhnli-
ches, wenn ein Drogenkonsument nach einem solchen Drogenkonsum 20-30 
Stunden durchschlafe. Da bereits 22:30 Uhr gewesen sei, der normale Schlaf-
rhythmus um diese Zeit beginne und E.________ schon die Nacht durchgemacht 
habe, sei es nichts Ungewöhnliches oder Beunruhigendes gewesen, dass er immer 
noch geschlafen habe (pag. 29 Z. 253 ff.). 

Danach gefragt, weshalb er E.________ sel. nicht in ein Spital überwiesen habe, 
gab der Beschuldigte an (pag. 30 f. Z. 291 ff.):

«Wenn Herr E.________ einen Haftbefehl gehabt hätte, (...) hätte ich ihn ins Spital geschickt. (...) 
Denn im Gefängnis gibt es keinen Arzt und es war Weihnachten. So hätte es eine medizinische Ver-
sorgung gegeben. Weiterhin muss ich eine Überweisung begründen können. Ein junger Mann, der 
seit 6 Stunden keine Drogen mehr genommen hat, der Polizei gegenüber aggressiv ist, normale Vital-
parameter hat und mit mir normal kommuniziert, ist eigentlich nicht jemand für die Intensiv- oder Be-
obachtungsstation. (...) Wenn ich einfach leichtsinnig ins Spital schicke blockiere ich für 10-20 Stun-
den eine Koje im Notfall, beschäftige meine Kollegen dort und es müssen sich 2 Polizeibeamte für die 
ganze Zeit nebendran stellen (...). Und mir ist auch vorgekommen, nicht selten, dass ich fünf Hafter-
stehungsprüfungen am Stück hatte, wenn ich alle fünf unter Umständen ins Spital schicke, blockiere 
ich eine ganze Notfallstation (...), die Kollegen können sich nicht um wirklich kranke Menschen küm-
mern. Diese Überlegung muss ich machen, gezwungenermassen. Ich weiss nicht, ob dies pietätslos 
ist, aber es kostet auch eine Menge Geld. (...) Ich kann nicht einfach leichtsinnig entscheiden.»

Später bestätigte der Beschuldige nochmals ausdrücklich, aus seiner Sicht habe 
keine Gefahr bestanden (pag. 34 Z. 416).

6.5 Die Erläuterungen des Beschuldigten sind ausführlich, detailliert und konstant. Er 
unterlässt es, das Geschehen oder seine Rolle zu beschönigen. Aus Sicht der Be-
schwerdekammer kann seinen Ausführungen Glauben geschenkt werden. Daraus 
lässt sich Folgendes schliessen: Zwar trifft es, wie von der Beschwerdeführerin gel-
tend gemacht, zu, dass der Beschuldigte sich bewusst dafür entschieden hatte, 

14

E.________ sel. ohne Ergreifen medizinischer Massnahmen in der Gefängniszelle 
weiterschlafen zu lassen. Hingegen ist es nicht zutreffend, dass er dabei um die 
Möglichkeit einer konkreten Gefahr für das Leben von E.________ sel. oder einer 
schweren unmittelbaren Gefahr für dessen Gesundheit wusste. Der Beschuldigte 
ist ein Arzt mit langjähriger Erfahrung im Notfalldienst und in der Vornahme von 
Hafterstehungsfähigkeitsprüfungen (vgl. pag. 32 Z. 352 ff.). Die Prüfung der Hafter-
stehungsfähigkeit von E.________ sel. hat er sorgfältig und nach bestem Wissen 
und Gewissen vorgenommen. Dass er dabei auch Überlegungen zu den verfügba-
ren Ressourcen angestellt hat, mag die Beschwerdeführerin irritieren, gehört aber 
bis zu einem gewissen Grad zu seinem Auftrag. Im Ergebnis war seine Entschei-
dung medizinisch begründet. Namentlich wusste er aus seiner Erfahrung, dass ein 
Erfragen der Dosierung der Drogen in der Regel keinen Sinn ergibt, da die Betrof-
fenen, wenn wie hier die Polizei mithört, oftmals keine wahren Angaben machen 
(vgl. pag. 33 Z. 383 ff.). Diese Erklärung scheint plausibel. Auch wenn ihm die mög-
lichen Folgen einer Überdosis bewusst waren, hatte er somit vertretbare Gründe, 
nicht nach der konsumierten Menge zu fragen. Dies folgt auch daraus, dass der 
Beschuldigte aufgrund der mindestens sechsstündigen Zeitspanne, die seit dem 
letzten Konsum verstrichen war, davon ausging, der Zustand von E.________ sel. 
könne sich nur noch verbessern. Aufgrund der normalen Vitalparameter, der Tat-
sache, dass E.________ sel. bei Bewusstsein war und der Drogenkonsum mindes-
tens sechs Stunden zurücklag, war der Beschuldigte der festen Überzeugung, dass 
für dessen Leben keine Gefahr besteht. Warum er der Polizei dennoch die Anwei-
sung gab, alle zwei Stunden nach ihm zu sehen, hat der Beschuldigte ebenfalls in 
nachvollziehbarer Weise dargelegt. Der Grund lag nämlich darin, dass E.________ 
sel. sich bei Eintritt der zu erwartenden Entzugserscheinungen hätte bemerkbar 
machen können. So hätte man rechtzeitig einschreiten und die Entzugserschei-
nungen lindern können. Die umstrittene Anweisung ist demnach nicht so zu verste-
hen, dass der Beschuldigte vom Bestehen einer tatbestandsmässigen Gefahr aus-
ging. Zusammenfassend fehlt es demnach bereits am für die Annahme von Vorsatz 
erforderlichen Wissenselement. 

Selbst wenn man zum Ergebnis käme, der Beschuldigte hätte den Zustand von 
E.________ sel. anders einschätzen und weitergehende Massnahmen anordnen 
müssen – dass er also nicht lege artis gehandelt hätte – würde sich an der Straflo-
sigkeit seines Verhaltens nichts ändern. Diesfalls wäre ihm höchstens eine Sorg-
faltspflichtverletzung vorzuwerfen, welche ein Fahrlässigkeitsdelikt begründen 
könnte. Den Tatbestand der fahrlässigen Aussetzung kennt das Strafgesetzbuch 
jedoch nicht. 

Damit besteht auch für die vom Bundesgericht vordergründig im Zusammenhang 
mit sog. Raserdelikten entwickelte Rechtsprechung, wonach unter Umständen vom 
Wissen auf den Willen des Täters geschlossen werden kann, kein Raum. Hierfür 
müsste die dem Beschuldigten vorzuwerfende Sorgfaltspflichtverletzung nämlich 
derart gravierend und die daraus resultierende Gefährdung von E.________ sel. 
derart offensichtlich sein, dass das Unterlassen des Beschuldigten vernünftigerwei-
se nur als Inkaufnahme der Lebensgefahr bzw. schwerer unmittelbarer Gefahr für 
die Gesundheit ausgelegt werden könnte (vgl. BGE 130 IV 58 E. 8.4). Derartige 

15

Umstände sind nicht ersichtlich und lassen sich auch mit der Argumentation der 
Beschwerdeführerin nicht begründen.

Nach dem Gesagten kam die Staatsanwaltschaft zu Recht zum Schluss, dass dem 
Beschuldigten – unabhängig davon, ob überhaupt sämtliche objektiven Tatbe-
standsmerkmale erfüllt sind – keine (eventual-) vorsätzliche Tatbegehung vorge-
worfen werden kann. Eine Verurteilung wegen Aussetzung fällt folglich ausser Be-
tracht, weshalb auch in diesem Punkt eine Verfahrenseinstellung zu erfolgen hat.

7. Unterlassung der Nothilfe

7.1 Für den Fall, dass ein spezifisches Merkmal der Aussetzung fehlen sollte, macht 
die Beschwerdeführerin geltend, der Beschuldigte sei wegen Unterlassung der 
Nothilfe anzuklagen. Als Beispiel für die bei diesem Tatbestand zu prüfende unmit-
telbare Lebensgefahr erwähne die Literatur eine Überdosis Heroin.

7.2 Den Tatbestand der Unterlassung der Nothilfe erfüllt unter anderem, wer einem 
Menschen, der in unmittelbarer Lebensgefahr schwebt, nicht hilft, obwohl es ihm 
den Umständen nach zugemutet werden könnte (Art. 128 StGB). Gemeint ist eine 
Situation, in der es keiner weiteren Bedingungen mehr bedarf, um die Lebensge-
fahr entstehen zu lassen; das Leben des Opfers muss bereits «an einem seidenen 
Faden hängen» (BGE 121 IV 18 E. 2a; MAEDER, a.a.O., N. 37 zu Art. 128 StGB). 
Der Täter handelt tatbestandsmässig, wenn er in dieser Situation nicht hilft. Ein 
Helfer, der das ihm Erkennbare und Mögliche vorkehrt, genügt seiner Pflicht, auch 
wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass andere Massnahmen eher geeignet 
gewesen wären, das bedrohte Leben zu retten (MAEDER, a.a.O., N. 42 zu Art. 128 
StGB). 

Auf der subjektiven Seite ist Vorsatz erforderlich, wobei Eventualvorsatz genügt. 
Der Vorsatz schliesst insbesondere die Kenntnis, dass das Opfer in unmittelbarer 
Lebensgefahr schwebt, mit ein. Eventualvorsätzlich handelt der Täter, wenn er we-
nigstens mit der Möglichkeit rechnet, dass er eine Hilfspflicht hat und das Opfer 
seiner Hilfe bedarf, und er sich dennoch entschliesst, die Nothilfe nicht zu leisten. 
Wer zwar helfen will, dabei aber völlig ungeeignete Hilfsmassnahmen trifft, handelt 
nicht vorsätzlich (MAEDER, a.a.O., N. 52 f. zu Art. 128 StGB).

7.3 Dem Beschuldigten kann eindeutig keine (eventual-) vorsätzliche Unterlassung der 
Nothilfe vorgeworfen werden. Wie bereits im Zusammenhang mit der Aussetzung 
ausgeführt, war er der begründeten Auffassung, dass E.________ sel. die stärks-
ten Wirkungen der konsumierten Drogen bereits überstanden hatte und sich nicht 
in entsprechender Gefahr befand. Damit mangelt es dem Beschuldigten am erfor-
derlichen Wissen über die tatbestandsmässige Lebensgefahr. Demzufolge ist die 
Einstellung des Verfahrens mangels Erfüllung des subjektiven Tatbestands auch 
hier rechtens. 

8. Fazit

Die Staatsanwaltschaft stützte die Verfahrenseinstellung bezüglich der fahrlässigen 
Tötung auf ein nachvollziehbares und schlüssiges Gutachten. Dem Gutachten fol-
gend verneinte sie richtigerweise das Vorliegen eines nachweisbaren Kausalzu-

16

sammenhangs zwischen dem Vorgehen des Beschuldigten und dem Versterben 
von E.________ sel. Betreffend die Vorwürfe der Aussetzung und der Unterlassung 
der Nothilfe fehlt es am subjektiven Element des jeweiligen Tatbestands. Damit er-
folgten die Abweisung der Beweisanträge der Beschwerdeführerin und die Einstel-
lung des Verfahrens insgesamt zu Recht. Daran vermag auch das von der Be-
schwerdeführerin eingereichte Urteil des EGMR vom 30. Juni 2020 i.S. Frick c. 
Suisse (Urteil Nr. 23405/16) nichts zu ändern. Die Beschwerde wird abgewiesen.

9. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres 
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Demnach wird die Beschwer-
deführerin für die Verfahrenskosten, festgesetzt auf CHF 2'000.00, kostenpflichtig.

10. Der Beschuldigte hat gemäss Art. 436 Abs. 1 i.V.m. Art. 429 Abs. 1 Bst. a StPO 
Anspruch auf eine Entschädigung seiner Aufwendungen für die angemessene 
Ausübung seiner Verfahrensrechte. Da seine Verteidigerin weder eine Honorarnote 
eingereicht, noch die Einreichung einer solchen in Aussicht gestellt hat, wird die 
Entschädigung gestützt auf die gesetzlichen Bestimmungen (Art. 17 der Parteikos-
tenverordnung [PKV; BSG 168.811]) und nach Ermessen des Gerichts festgesetzt. 
In seiner Stellungnahme konnte der Beschuldigte zu einem grossen Teil auf die 
ausführlichen Überlegungen in der Einstellungsverfügung verweisen und sich auf 
die Hervorhebung der wichtigsten Punkte beschränken. Entsprechend kurz fiel sei-
ne Stellungnahme im Beschwerdeverfahren aus. Der hierfür notwendige Aufwand 
war überschaubar. Angesichts der für ihn aber dennoch hohen Bedeutung des Ver-
fahrens wird die Entschädigung auf CHF 900.00 (inkl. Auslagen und MWST) fest-
gelegt. Sie wird vom Kanton Bern ausgerichtet.

17

Die Beschwerdekammer in Strafsachen beschliesst:

1. Es wird festgestellt, dass Ziff. 1-3 der Verfügung der Kantonalen Staatsanwaltschaft 
für Besondere Aufgaben vom 3. April 2020 in Rechtskraft erwachsen sind.

2. Die Beschwerde wird abgewiesen.

3. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestimmt auf CHF 2'000.00, werden der Be-
schwerdeführerin auferlegt.

4. Dem Beschuldigten wird vom Kanton Bern für seine Aufwendungen im Beschwerde-
verfahren eine Entschädigung von CHF 900.00 (inkl. Auslagen und MWST) ausgerich-
tet.

5. Zu eröffnen:
- der Strafklägerin/Beschwerdeführerin, v.d. Rechtsanwalt D.________

(per Einschreiben)
- dem Beschuldigten, v.d. Fürsprecherin B.________ (per Einschreiben)
- der Generalstaatsanwaltschaft (per Kurier)

Mitzuteilen:
- der Kantonalen Staatsanwaltschaft für Besondere Aufgaben, Staatsanwältin 

G.________
(mit den Akten – per Kurier)

Bern, 15. Juli 2020 Im Namen der Beschwerdekammer
in Strafsachen

Der Präsident:

Oberrichter J. Bähler

Die Gerichtsschreiberin:

Lustenberger

Die Entschädigung für das Beschwerdeverfahren wird durch die Beschwerdekammer in Strafsachen entrichtet. 
Es wird um Zustellung eines Einzahlungsscheins ersucht. 

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens werden durch die Beschwerdekammer in Strafsachen in Rechnung 
gestellt.

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgerichtsgeset-
zes (BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entspre-
chen.