# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fe99940c-3538-5156-b297-5eab46a83456
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-10-26
**Language:** de
**Title:** Fallabschluss rechtens bei erreichtem Endzustand und Ablehnung erneute Leistungspflicht nach rechtskräftiger Verneinung fortbestehender Unfallfolgen eines früheren Unfalls
**Docket/Reference:** UV.2023.00020
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2023.00020.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2023.00020
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichterin Fankhauser
Gerichtsschreiberin Hediger
Urteil
vom
26. Oktober 2023
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Yves
Blöchlinger
Fankhauser Rechtsanwälte
Rennweg 10, 8022 Zürich
gegen
Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG
Mythenquai 2, 8002 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der 1972 geborene
X.___
,
seit November 2015
Inhaber
und Geschäfts
führer
der
Y.___
G
mb
H
(vgl.
www.zefix.ch
)
, war bei der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG
(nachfolgend: Zürich)
gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfälle
n
versichert, als er am 30.
Juli 2017
infolge einer Vollbremsung
vom Fahrrad stü
r
zte (Urk. 9/1).
Die
gleichen
tags erstbe
handelnden Ärzte des
Spitals
Z.___
diagnostizierten
eine Commotio cerebri nach Velosturz
,
eine
nicht dislozierte Radiusköpfchenfraktur rechts
und
nicht dislozierte distale extraartikuläre Radiusfraktur rechts
sowie anamnestisch Status nach Schulterluxation rechts (Reposition am Unfallort) bei Status nach zweimaliger Fixation M
usculus
supraspinatus
; bildgebend ergab sich
kein Frakturnachweis
an der
Hals- (
HWS
)
,
Brustwirbelsäule (
BWS
)
und rechten Schulter
und zeigten sich
degenerative Veränderungen
an der rechten Schulter
(Urk. 9/15
; Urk. 9/25
)
.
Die
Verletzungen
wurden konservativ behandelt und dem
Versicherten
, der vor dem Unfall aus Krankheitsgründen bis zum 20. September 2017 arbeitsunfähig geschrieben war und Krankentaggeldleistungen bezogen hatte,
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
wegen des Unfalls
attestiert (Urk. 9/
23
24, Urk. 9/28, Urk. 9/32).
Die Zürich
anerkannte den Schadenfall und erbrachte die gesetzlichen Leistungen
(Taggelder/Heilungskosten)
.
Am
27.
September 2017
zeigte sich MR-tomographisch
eine Dehiszenz des AC-Gelenks mit deutlichem Gelenkserguss (Urk. 9/142). Am 3.
Januar 2019 wurde der Versicherte i
n der Universitätsklinik
A.___
(nachfolgend:
A.___
)
operiert (Schulterarthroskopie, vordere
Acromioplastik
, AC-Resektion und
Rotatorenmanschetten
-Rekonstruk
tion rechts
;
vgl. Operationsbericht, Urk.
9/96
).
Die Schulterbeschwerden persistierten. Zur
Abklärung
der weiteren
Leistungspflicht veranlasste
die Zürich
das Gutachten
von Dr. med.
B.___
, Facharzt FMH für
Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates
,
vom 10.
November 2020
(
Urk.
9/223
; mit Ergänzung vom 7. September 2021, Urk.
9/279
). Gestützt darauf
stellte
sie
die
Heilungskosten
im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 30. Juli 201
7
mit Verfügung vom 17. März 2022
per 30.
September
2019 ein
(Urk.
9/3
20
). Dagegen erhob der Versicherte Einsprache (Urk. 9/349). Mit neuer Verfügung vom 30. Juni 2022
, welche
die Verfügung vom 17. März 2022 ersetzte, stellte die Zürich die
im Zusammenhang mit dem Unfall vom 30. Juli 201
7
ausgerichteten
Heilungskosten und Taggelder per 30. September 2019 ein
; zudem verneinte sie eine Leistungspflicht infolge eines ebenfalls bei ihr versicherten
Ereignis
ses
vom 12. März 2014
(vgl. Titel,
Urk. 9/353). Die dagegen erhobene Einsprache
(
Urk.
9/355
)
wies
die Zürich
mit
Einspracheentscheid
vom 6.
Januar 2023
ab
(Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X.___
am 6. Februar 2023 (Eingang) Beschwerde und beantragte, es seien in Aufhebung des angefochtenen Entscheids über den 30.
September 2019 hinaus UVG-Leistungen zu erbringen. Eventualiter sei der Beschwerdeführer fachärztlich zu begutachten und über den Leistungsanspruch
ab 30. September 2019
neu zu entscheiden (Urk. 1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 1
8
. April 2023 auf Abweisung der Beschwer
de (Urk. 8), was dem Beschwerdeführer am 21. April 2023 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
10).
Mit Eingabe vom
2
. Mai 2023 teilte der Beschwer
deführer
in einer gewillkürten Stellungnahme
mit, er halte vollumfänglich an
seinen
beschwe
r
deweisen Ausführungen fest (Urk. 11).
Mit Verfügung
vom 21. September 2023 forderte das Gericht die Beschwerdegegnerin auf,
das
ortho
pädische Gutachten von Dr. med.
C.___
, Facharzt FMH für orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates
, vom 18. September 2016
,
nach
zureichen (Urk. 14), welcher Aufforderung diese innert angesetzter Frist nach
kam
(Urk. 15
, samt Gutachtensbeilagen, Urk. 16/1-5
)
.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgeset
zes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversi
cherung (UVV) in Kraft getreten.
Der hier zu beurteilende Sachverhalt hat sich am
31. Juli
2017 ereignet, weshalb die ab dem 1. Januar 2017 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss Art. 6
des
UVG werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (Abs. 1).
1.3
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmäs
sige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat (Art. 18 Abs. 1 UVG).
1.4
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (
BGE 142 V 435 E. 1, 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, je mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_305/2022 vom 13. April 2023 E. 3.1
).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
wal
tung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm oblie
genden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE
142 V 435 E. 1
,
129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.5
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_640/2022 vom 9. August 2023 E. 3.4).
1.
6
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorübergehen
den Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärzt
lichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungs
massnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1,
Art. 24 Abs. 2 UVG; BGE 144 V 354 E. 4.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_527/2020 vom 2. November 2020 E. 4.1 mit Hinweisen). In diesem Zeitpunkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
674/2019 vom 3. Dezember 2019 E. 4.1).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeits
fähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Begriffes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglich
keit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu erwartender gering
fügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durchführung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicherten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_64/2021 vom 14. April 2021 E. 3.2 mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 134 V 109 E. 4.3). Grundlage für die Beurteilung dieser Rechtsfrage bilden in erster Linie die ärztlichen Auskünfte zu den therapeutischen Möglichkeiten und der Krankheitsentwicklung, die in der Regel unter dem Begriff Prognose erfasst werden (Urteile des Bundesgerichts 8C_640/2022 vom 9. August 2023 E. 4.1.2 und 8C_299/2022 vom 5. September 2022 E. 2.3, je mit Hinweisen).
Für die Einstellung der vorübergehenden Leistungen braucht der Entscheid der Invalidenversicherung über Eingliederungsmassnahmen nicht abgewartet zu werden, wenn von weiterer ärztlicher Behandlung keine namhafte gesundheit
liche Besserung mehr erwartet werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_588/2013 vom 16. Januar 2014 E. 3.3) und keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass durch allfällige Eingliederungsmassnahmen das der Invaliditäts
bemessung der Unfallversicherung gestützt auf die medizinischen Abklärungen zugrunde gelegte Invalideneinkommen verbessert und so der die Invalidenrente der Unfallversicherung bestimmende Invaliditätsgrad beeinflusst werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_588/2013 vom 16. Januar 2014 E. 3.5).
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und
in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 9C_529/2021 vom 26. Juli 2022 E. 3.2.1).
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (
BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3
m.w.H
.
).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin,
gestützt auf das beweisbildende Gutachten von Dr.
B.___
seien die heute bestehenden Beschwerden nicht mehr unfallkausal. Der Endzustand der Unfallfolgen
vom 30. Juli 2017
sei ab Ende September 2019 erreicht
gewesen und
die UV-Leistungen
infolgedessen
zu Recht
auf diesen Zeitpunkt
hin ein
gestellt
worden.
Soweit der Beschwerde
führer
einen Rückfall zum Unfall vom 12. März 2014 geltend mache, sei auf die rechtskräftige Verfügung vom 3. November 2016 zu verweisen. Darin seien die vorübergehenden Leistungen bei Erreichen des Stauts quo sine eingestellt
und die Operation vom 18.
(richtig: 17.)
November 2015 als nicht unfallbedingt beurteilt
worden; weitere Ansprüche
gestützt auf den Unfall vom 12. März 2014
, auch im Sinne eines Rückfalls oder Spätfolgen, seien damit ausgeschlossen
(Urk. 2, Urk.
9/353).
2.2
Dagegen wandte der Beschwerdeführer ein,
er habe sich
anlässlich des Unfalls vom 30. Juli 201
7
nebst der Com
m
otio cerebr
i
und Handgelenksverletzung rechts erneut ein Schultertrauma rechts zugezogen.
Da die Schulterschmerzen unter den konservativen Behandlungen persistiert hätten, sei
er
am 3. Januar 2019 operiert worden. Die Unfälle vom 14. März 2014 und 30. Juli 2017 seien nicht isoliert zu betrachten; der zweitgenannte Unfall sei zumindest Teilursache der bestehenden Schulterbeschwerden. Dr.
B.___
habe das Hauptgutachten in Unkenntnis der
Akten
vom
ersten Unfall verfasst. Dass er –
nach Kenntnisnahme dieser Akten
– in seinen ergänzenden Ausführungen vom 7. September 2020 von seinen initialen Schlussfolgerungen nicht mehr abgewichen sei, verwundere nicht. Es sei gerichtsnotorisch, dass ein Gutachter von seiner einmal gefassten Meinung kaum mehr abweiche.
Andererseits habe Dr.
B.___
ausgeführt, die vorbestehenden Restbeschwerden nach Unfall mit SLAP-Läsion und partieller
Supraspinatus
sehnenruptur
von 2014 würden mitwirken. Damit habe er bestätigt, dass der Unfall 2014 nicht die alleinige Ursache der heutigen Beschwerden sei und der Fahrradunfall vom 30. Juli 2017 zumindest eine Teilursache der heutigen Beschwerden darstelle.
Im Übrigen seien die Ausführungen von Dr.
B.___
widersprüchlich und es sei an seiner Unparteilichkeit zu zweifeln. Entgegen Dr.
B.___
sei der Fahrradsturz
vom 30. Juli 2017
geeignet gewesen, eine Verletzung der Supraspinatussehne hervorzurufen und damit die alleinige oder zumindest Teilursache
der
Schulterbeschwerden. Mithin sei die Beschwerdegegnerin auch über den 30. September
2019
hinaus leistungspflichtig (Urk. 1).
3.
3.1
Der
Beschwerdeführer
hatte
bereits
am
12. März 2014
einen
von der Beschwer
degegnerin
(unter der Verfahrensnummer:
«…»
)
versicherten Unfall
erlitten
(vgl. Urk. 3/2)
.
In
diesem Zusammenhang
veranlasste die Beschwerde
gegnerin
das
orthopädische
Gutachten
von Dr.
C.___
vom 18.
September 2016
(Urk. 15)
.
3.2
Darin
diagnostizierte dieser (1) einen Status nach arthroskopischer Rekonstruk
tion einer hochgradigen Partialruptur des Supraspinatus im November 2015, (2) Status nach Bizepstenodese
sowie
(3) Status nach arthroskopischem
Débridement
(
Juni 2016
)
bei
Infektverdacht
(Urk. 15 S. 9)
.
Der
Beschwerdeführer habe am 12. März 2014 einen Radwechsel bei seinem
Landrover
Defender vorgenommen. Dabei sei
er
auf dem Boden ausgerutscht und
- das
Rad in den Händen haltend
-
mit der rechten Flanke und Schulter a
uf den
Boden aufgeschlagen
.
Danach
hätten sich
extreme Schmerzen in der Schulter und im Beckenkamm
eingestellt
; ebenso ein Schweregefühl in den Beinen.
Nach ca. drei Wochen sei
d
er
Beschwerdeführer
zum Hausarzt gegangen
, da die Schmerzen zwar zurückgegangen seien, er aber noch immer nichts habe tragen können
. Im Juni 2014 sei MR-tomographisch eine Partialruptur der Supraspinatussehne festgestellt
und im November 2015 eine arthroskopische Rekonstruktion
durchgeführt worden
.
Danach sei es besser gegangen, aber schmerzfrei sei der
Beschwerdeführer nie gewesen. Eine Infiltration habe nur eine kurze Besserung gebracht, weshalb der Beschwerdeführer
[
im Juli 2016
]
erneut operiert worden sei.
Seit der zweiten Operation sei alles
noch viel schlimmer
als vor der ersten Operation
. Er könne gar nichts mehr mit der rechten Schulter
(Urk. 15 S.
8
).
A
nlässlich des Unfalls vom 12. März 2014
– so Dr.
C.___
weiter –
sei
der Beschwerdeführer
direkt auf di
e
Flanke und die Schulter gestürzt, ohne Abwehr
,
Ausweich-
oder Rotationsbewegung
.
Dies im Sinne einer Direktkontusion.
Dieser Mechanismus sei nicht geeignet, einen Schaden an der
Rotatorenmanschette
hervorzurufen.
Die Knie- und Fersenbeschwerden seien aktenanamnestisch
ebenfalls
als unfallfremd beurteilt worden;
insbesondere seien
letztere erst viel später aufgetreten. Betreffend die Schulter habe sich bildgebend eine partielle Rotatorenmanschettenruptur ergeben, welche
[erstmals am 17.
November 2015]
operiert worden sei. Zeitgleich h
ätten
sich ein intraossäres Ganglion und Geröllzysten direkt gegenüber der Partialruptur der Supraspinatussehne – dies als Zeichen einer degenerativen Vorschädigung – gezeigt
; zudem ein reduzierter subacromialer Fettstreifen
. Immerhin habe der Beschwerdeführer drei Mal wöchent
lich Fitness gemacht
,
ein Mal
wöchentlich gejoggt
und sich ausweislich der Akten bereits vor 8-10 Jahren wegen rechtsseitigen Schulterschmerzen behandeln lassen müssen.
Aktuell
bestünden
näher beschriebene Schulterschmer
zen und Bewegungseinschränkungen
, welche
keinem orthopädischen Korrelat zugeordnet werden
könnten. Insbesondere ergebe sich
aus d
em OP-Bericht eine korrekt verheilte
Rotatorenmanschette
. Die vermutete Infektion und/oder Kapsulitis
(
vgl. Sprechstundenbericht
e
de
r Universitätsklinik
A.___
vom 17.
Januar und 12. September 2018, Urk. 9/39, Urk. 9/56
)
habe nicht nachgewiesen werden können (Urk. 15 S.
9 ff.
).
Zusammenfassend seien die
fortbestehenden
Schulterbeschwerden nicht auf das Ereignis vom 12.
März 2014 zurückzuführen. Dies aufgrund des Unfallmecha
nismus und degenerativen Vorschaden
s
.
Vielmehr
sei der Status quo sine drei Monate nach dem Ereignis erreicht gewesen. Die Operationsindikation sei
allenfalls
aus Krankheitsgründen gestellt worden
(Urk. 15 S. 12 f.).
3.3
Gestützt auf
di
e gutachterlichen Feststellungen
von Dr.
C.___
stellte die Beschwerdegegnerin die
im Zusammenhang mit dem Unfall vom 12. März 2014
vorübergehend
ausgerichteten
Versicherungsleistungen mit Verfügung vom 3.
November 2016 infolge Kausalitätsverneinung per 30. Juni 2014 ein; auf eine Rückforderung der bis 30.
September 2016 erbrachten Leistungen
verzichtete
die Beschwerdegegnerin (Urk. 3/4). Diese Verfügung verblieb unangefochten (vgl.
Urk. 1 S. 3, Urk. 2 S. 5).
3.4
Die rechtskräftige Verneinung der Unfallkausalität eines Leidens führt -
vorbe-hältlich
der prozessualen Revision (wegen Entdeckung erheblicher neuer Tat-sachen oder Auffinden von Beweismitteln, deren Beibringung zuvor nicht
mög-lich
war; Art. 53 Abs. 1
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts [
ATSG
]
; ARV 2008 Nr. 16 S. 245 E. 2.2 [8C_93/2007]) oder der Wiedererwägung (wegen zweifelloser Unrichtigkeit; Art. 53 Abs. 2 ATSG; SVR 2010 IV Nr. 5 S. 10 E. 2 [8C_1012/2008]) - zur Ablehnung sämtlicher künftiger Leistungsbegehren aufgrund dieses Leidens; dies gilt auch hinsichtlich geltend gemachter Rückfälle oder Spätfolgen (RKUV 1998 Nr. U 310 S. 463 E. 2; Urteile des Bundesgerichts
8C_382/2018 vom 6. November 2018 E. 5 f.
,
8C_359/2013 vom 27. August 2013 E. 5.1 f.).
Im vorliegenden Verfahren hat der Beschwerdeführer einen Rückfall zum Unfall vom 12. März 2014 nicht (mehr) geltend gemacht (Urk. 1, vgl. demgegenüber Urk.
9/349
Rn
10).
Gestützt auf
das Gutachten von Dr.
C.___
vom 18. September 2016 kann von einer zweifellosen Unrichtigkeit der Leistungseinstellung
im Zusammenhang mit dem Unfall vom 12. März 2014
nicht
die
Rede sein
.
Entsprechendes
hat
der Beschwerdeführer zu Recht auch nicht behauptet. Mithin
hat
die Beschwerdegegnerin eine erneute Leistungspflicht aufgrund des Unfalls vom 12. März 2014
im angefochtenen Entscheid
korrekterweise verneint (Urk. 2 Ziff. 8).
4.
4.1
Im Zusammenhang mit dem Fahrradsturz vom 30. Juli 2017 gab der Beschwer
deführer an, er sei infolge
eine
r
Vollbremsung
über sein Fahrrad geflogen und gestürzt. Danach
habe
er «wie im Koma» 3-4 Minuten auf dem Boden gelegen. Die rechte Schulter habe sehr geschmerzt
; der
Ellbogen und
das
Handgelenk rechts
sowie der
Rücken
hätten
ebenfalls
geschmerzt
. Zudem
sei es zu einer Schwellung im Nacken gekommen (
vgl. SI-Besuchsbericht vom 9. Oktober 2017
,
Urk. 9/26).
4.2
Die erstbehandelnden Ärzte des
Z.___
Spitals, wo der Beschwerdeführer
notfallmässig
vom 30. bis 31. Juli 2017 zur Analgesie und neurologischen Über
wachung stationär weilte, diagnostizierten (1) eine
Commotio cerebri nach Velo
sturz,
(2)
eine nicht dislozierte Radiusköpfchenfraktur rechts und
(3)
eine
nicht dislozierte distale extraartikuläre Radiusfraktur rechts sowie
(4)
anamnestisch Status nach Schulterluxation rechts (Reposition am Unfallort) bei Status nach zweimaliger Fixation M
usculus
supraspinatus
; bildgebend ergab sich an der HWS, BWS und rechten Schulter kein Frakturnachweis
und zeigten sich
degene
rative Veränderungen
a
n der Schulter (Urk. 9/15; Urk. 9/25). Die
Verletzungen
wurden konservativ behandelt und dem
Beschwerdeführer
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (
Urk. 9/15
,
Urk. 9/24, Urk. 9/28
f.
, Urk.
9/32).
4.
3
Das
infolge anhaltender Schmerzen im Bereich des AC-Gelenks (vgl. Urk. 9/34) durchgeführte
Arthro
-MRI des rechten Schultergelenks vom 27. September 2017 brachte eine Dehiszenz des AC-Gelenks mit deutlichem Gelenkerguss, einer Sprengung entsprechend, sowie eine in Kontinuität erhaltene Rekonstruktion der Supraspinatussehne mit leicht progredienter Signalstörung im Sehnenansatz zur Darstellung (Urk. 9/142).
Gestützt darauf hielt Dr. med.
D.___
, Facharzt FMH für Orthopädie und Traumatologie, eine ACG-Sprengung
Rockwood
I-II fest (vgl.
UVG-Arztbericht vom 23. Oktober 2017 Urk. 9/32).
4.
4
Am 3. Januar 2019 wurde der Beschwerdeführer im
A.___
an der rechten Schulter operiert
(Schulterarthroskopie, vordere
Acromioplastik
, AC-Resektion und
Rotatorenmanschetten
-Rekonstruktion rechts
;
vgl. Operationsbericht, Urk.
9/96)
. Der intra- und postoperative Verlauf gestaltete sich komplikationslos und regelrecht (vgl. Austrittsbericht vom 5. Januar 2019, Urk. 9/95; Sprech
stundenbericht vom 15. Februar 2019, Urk. 9/104)
.
4.5
Im weiteren Verlauf
berichtete der Beschwerdeführer anhaltende Schmerzen.
Die behandelnden Ärzte des
A.___
hielten
– näher umschriebene –
Schmerzen und
Bewe
gungseinschränkungen
fest und
diskutierten
eine Kapsulitis
bzw
. ein
en
L
ow
-G
rade-
Infekt; beides liess sich
im weiteren Verlauf
nicht bestätigen (
vgl.
Sprechstundenbericht
e
vom 17. Mai und 22. August 2019, Urk. 9/113, Urk.
9/124
).
Alsdann
erwog PD Dr. med.
E.___
, Facharzt FMH für Ortho
pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
,
ein
muskulär
bedingtes
Thoracic
-Outlet-Syndrom (
vgl. Sprechstundenbericht vom 12.
Juni 2020,
Urk.
9/189)
und diagnostizierte schliesslich eine
Dropping
shoul
der
bei einem muskulären Schultertiefstand und konsekutiv funktioneller Irrita
tion des Plexus brachialis
. Als Therapie verordnete Dr.
E.___
eine Physiotherapie
(
vgl.
Sprechstundenbericht vom 22. Dezember 202
0
,
Urk. 9/232).
4.6
Im Gutachten vom 10. November 2020 hielt Dr.
B.___
folgende Hauptdiagnosen fest (Urk. 9/223 S. 7):
-
St
atus
n
ach
AC-Luxation
Rockwood
III Schulter rechts nach Fahrradsturz am
31.
Juli
2017
[recte: 30. Juli 2017]
-
St
atus
n
ach
arthroskopischer vorderer
Acromioplastik
, AC-Resektion und
Rotatorenmanschettenrekonstruktion
rechts am 03.
Januar
2019
-
St
atus
n
ach
arthroskopischem
Gelenksd
é
bridement
und Spülung bei Verdacht auf Infekt
(
21.
Juni
2016
)
-
St
atus
n
ach
arthroskopischer
Supraspinatussehnenreinsertion
und
Tenodese
lange
Bizepssehne am 17.
November
2015
Alsdann notierte Dr.
B.___
folgende Nebendiagnosen (Urk. 9/22
3
S.7):
-
Status nach Commotio cerebri nach Velosturz am 30. Juli 2017
-
Status nach Kontusion Handgelenk rechts nach Velosturz am 30. Juli 2017
-
Status nach nichtdislozierter Radiusköpfchenfraktur rechts nach Velosturz am 30. Juli 2017
-
Mittelschwere bis schwere depressive Episoden bei chronifizierenden Schmerzen
-
Status nach Prostatitis 2018
D
er Beschwerdeführer sei
[am 30. Juli 2017]
als Velofahrer mit einem Auto
kollidiert
und kopfüber auf die
Strasse
gestürzt
.
Er sei
für ca. vier Minuten bewusstlos
gewesen und nach einer
notfallmässige
n
Aufnahme vom 30.
bis 31.
Juli
2017 im Spital
Z.___
hospitalisiert
worden
.
Die radiologischen Abklärungen der BWS,
HWS
und
des Schultergelenkes
sowie
die
CT-Unter
suchungen der HWS/
B
WS und der rechten Schulter hätten keine Frakturen ergeben. I
n der miterfassten CT-Untersuchung des
Schultergelenk
s
hätten sich zwei
Mitek
-Anker am Humeruskopf bei St
atus
n
ach
Rotatorenmanschettenre
konstruktion
2015 gezeigt; ebenso degenerative, zystische Veränderungen am Humeruskopf (Urk.
9/223 S. 1).
Der Beschwerdeführer habe persistierende,
ventralseitig
am rechten Schulter
gelenk lokalisierte Beschwerden berichtet, welche in den letzten Wochen stark zugenommen hätten, nachdem er wegen der COVID-19-Pandemiesituation nicht mehr regelmässig Physiotherapie
habe
machen könne
n
. Seit diesem Zeitpunkt seien auch Kribbelparästhesien bis in die Finger aufgetreten. Diese würden zwei bis dreimal pro Tag in Erscheinung treten. Ausserdem bestünden Ruhe- und Nachtschmerzen. Ein Anheben des Armes über d
ie
Horizontale sei nicht möglich.
Er sei nicht mehr arbeitsfähig. Als Medikamente nehme der Beschwerdeführer 2x täglich Voltaren 75 mg
ein
; bei starken Schmerzen zusätzlich
Novalgin
oder
Ponstan
. Seit dem ersten Unfall 2014 mache er keinen Sport mehr (Urk. 9/223 S.
5 f.).
In objektiver Hinsicht
hätten
sich im Wesentlichen
ein deutlicher Schulter
schiefstand sowie
-
näher
beschriebene
–
Schmerzen und
Bewegungseinschrän
kungen
ergeben
.
Im Bereich des AC-Gelenks habe sich eine leichte
Druckdolenz
ergeben; radiologisch
zeige
sich eine
jetzt suffiziente Weite
(Urk. 9/223 S. 6).
Die zurzeit noch vorhandenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen seien über
wiegend wahrscheinlich nicht mehr auf den Unfall vom 30. Juli 2017 als alleinige Ursache zurückzuführen. Der Beschwerdeführer habe sich 2014 bei einem St
urz eine ausgedehnte SLAP-Läsion sowie Partialruptur der Supraspinatussehne zugezogen. Im November 2015 sei eine arthroskopische
Supraspinatusseh
nenreinsertion
sowie
Tenodese
der langen Bizepssehne
durchgeführt worden
.
Infolge
des
schleppenden Verlauf
s
mit rezidivierenden Ergüssen und Schmerzen
sei
im Ju
l
i 2016 eine arthroskopische Spülung sowie ein arthroskopisches
D
é
bridement
bei Verdacht auf einen Low-Grade-Infekt durchgeführt worden
[vgl.
Sprechstundenberichte
vom 17. Januar und 12. September 2018, Urk. 9/39, Urk. 9/56
]
.
Letzteres
habe
später ausgeschlossen werden
können
.
Am 30. Juli 2017 habe der Beschwerdeführer einen Velosturz erlitten und sich erneut am rechten Schultergelenk verletzt. Hierbei sei es zu einer neuen Verletzung des zuvor intakt gewesenen
AC-G
elenks gekommen.
Seither
bestünden einerseits Beschwerden von Seiten der rekonstruierten
Rotatorenmanschette
und
Tenodese
der langen Bizepssehne und andererseits Schmerzen von Seiten des neu verletzten AC-Gelenks. Nach dem zweiten Unfall sei es wiederum zu einem langen, schleppen
den Verlauf mit persistierenden Schmerzen gekommen. Am 3. Januar 2019 sei der Beschwerdeführer nochmals an der Schulter operiert worden. Dabei sei einerseits eine AC-Gelenksresektion und andererseits nochmals eine
Rota
toren
man
schettenrekonstruktion
durchgeführt worden.
Mithin
würden die vorbe
stehen
den Restbeschwerden nach Unfall mit SLAP-Läsion und p
a
rtieller
Supraspi
natussehnenruptur
aus dem Jahre 2014 mitwirken.
Von Seiten des im Januar 2019 operierten AC-Gelenkes
sei
es sukzessive zu
einer Besserung der AC-gelenksspezifischen Symptomatik
gekommen
. Anlässlich
der aktuellen
Unter
suchung
habe sich nur noch eine
diskrete Klinik für eine
AC
-
Gelenkspathologie
gezeigt
.
Die heute geschilderten Beschwerden dürften mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit eine Folge der zweimal rekonstruierten
Rotatorenmanschette
sein
. Es
könne
davon ausgegangen werden, dass spätestens neun Monate nach dem
erneute
n
Schultereingriff vom Januar 2019 die unfallfremden Ursachen für die heute
geschilderten Beschwerden verantwortlich
seien. Mit Bezug auf das rechte AC-Gelenk sei der Endzustand bereits Ende September 2019 erreicht
und der Beschwerdeführer seither zu 100 % arbeitsfähig
als Autohändler resp. Fahrzeug-Vorbereiter
(Urk. 9/223 S. 7
f
f
.).
4.
7
In seinen ergänzenden Ausführungen vom 7. September 2021 führte Dr.
B.___
aus, anlässlich des Hauptgutachtens
habe ihm das
Gutachten von Dr.
C.___
vom 18.
September
2018 nicht vorgelegen
.
Andererseits
sei zu bemerken, dass er (Dr.
B.___
) den B
e
schwerd
e
führer zum Ereignis vom 20. März
[recte: 12. März]
2014
ausführlich befragt habe.
Die partielle
Reruptur
der Supraspinatussehne und
Infraspinatusunterfläche
sei erst anlässlich
der
(Re-)
Operation
vom 3. Januar 2019 diagnostiziert
worden. Partielle
Rerupturen
seien im Anschluss an eine Rekonstruktion der
Rotatorenmanschette
sehr häufig und auch beim Beschwerde
führer mit grosser Wahrscheinlichkeit Folge des Eingriffs vo
n
2015, also unfall
fremd.
Der Unfallmechanismus vom 3
0
. Juli 2017 (direktes Trauma) sei nicht geeignet
,
diese erneute partielle Läsion der Supraspinatussehne zu verursachen. Andern
falls wäre diese im MRI vom 27. September 2017 zu sehen gewesen. Es habe sich aber eine in Kontinuität erhaltene Rekonstruktion der Supraspinatussehne erge
ben
. Mithin sei lediglich die Behandlung der AC-Luxation eindeutig unfallbedingt gewesen. Anlässlich der Begutachtung im Juli 2020 habe sich lediglich eine leichte
Druckdolenz
über dem AC-Gelenk gezeigt; die Röntgenuntersuchungen hätten ebenfalls einen regelrechten Zustand nach Resektion des AC-Gelenks ergeben. Somit sei er (Dr.
B.___
) weiterhin der Meinung, dass die heute persis
tierenden Beschwerden überwiegend wahrscheinlich mit dem
Ereignis
vom 20.
März
[recte: 12. März]
2014 zusammenhingen und damit unfallfremd seien (Urk. 9/279).
5.
5.1
Das
Gutachten von Dr.
B.___
vom 10.
November 2020 (
Urk. 9/223; mit Ergänzung vom 7. September 2021, Urk. 9/279)
ist
den in der Rechtsprechung des Bundes
gerichts entwickelten Anforderungen (vgl. E. 1.
7
) in allen Teilen genügend
als
beweiskräftig anzusehen
.
D
abei
stellte
Dr.
B.___
klar, dass
d
er Beschwerdeführer anlässlich des
Velosturz
es vo
m 30.
Juli 2017
eine
Verletzung des A
C-G
elenks
erlitten
hat;
d
avon zu unterscheiden seien die
–
unbestrittenermassen
vorbe
stehenden
-
Beschwerden von Seiten der rekonstruierten
Rotatorenmanschette
und
Tenodese
der langen Bizepssehne
.
Dass der Unfall vom 3
0
. Juli
2017 zu einer
Reruptur
der Supraspinatussehne geführt
hat
,
erg
ibt
sich
weder aus
der CT-Untersuchung vom 30. Juli
2017
(Urk. 9/25)
noch
der
Arthro
-MR
-tomographie
vom 27.
September 2017
(Urk. 9/142)
und
hat
selbst der Beschwerdeführer zu Recht nicht behauptet
.
Im Gegenteil
ergab
sich
bildgebend
eine in Kontinuität erhaltene Rekonstruktion der Supraspinatussehne (Urk. 9/142
; vgl. auch Urk. 9/96, wonach sich bis zur Operation vom 3. Januar 2019 kein klarer Anhalt für einen Defekt der
Rotatorenmanschette
ergab
).
In seinen ergänzenden Ausfüh
rungen vom 7.
September 2021 hielt Dr.
B.___
darüber hinaus fest
, d
er Unfall
mechanismus vom 3
0
. Juli 2017 (direktes Trauma
) sei
ungeeignet
gewesen
,
eine
Läsion der Supraspinatussehne zu verursachen.
Mithin
kann Dr.
B.___
ohne Weiteres
gefolgt werden, wenn
er
zum Schluss kam,
es sei
lediglich die Behand
lung der AC-Luxation eindeutig
auf den Velosturz vom 3
0
. Juli 2017 zurückzu
führen
.
Alsdann – so Dr.
B.___
weiter -
habe die
AC-gelenksspezifische Sympto
matik
eine
sukzessive Besserung
gezei
ti
gt
;
a
nlässlich
d
er
Begutachtung im Juli 2020
habe sich
nur noch
eine leichte
Druckdolenz
über dem AC-Gelenk
und
bildgebend ein
regelrechte
r
Zustand nach Resektion des AC-Gelenks
ergeben
.
Eine namhafte Verbesserung sei von weiteren ärztlichen Behandlungen nicht
mehr
zu erwarten
(so auch Dr.
E.___
in seiner Stellungnahme vom 21. Januar 2021, Urk. 9/250 S. 2)
.
Vielmehr sei
der Endzustand der Unfallfolgen vom 30. Juli 2017 jedenfalls neun Monate nach der Operation vom 3. Januar 2019, mithin per 30
.
September 2019
,
eingetreten.
Seither bestehe von Seiten der AC-Verletzung keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr.
Damit konkordant hielten auch die behandelnden Ärzte des
A.___
keine fachärztlichen Behandlungen fest, welche eine namhafte Besserung
der Schulterbeschwerden
zu zeitigen vermöch
ten.
Daran ändert auch die von PD Dr.
E.___
verordnete
Physiotherapie nichts (
Urk. 9/232;
vgl. Bundesgerichtsu
rteil 8C_604/2021 vom 25.
Januar
2022
E. 9. 2 mit weiterem Hinweis).
Zu
ergänzen bleibt,
dass die
seitens der Behandler
notierten
S
chulters
chmerzen und – näher umschriebene – Bewegungseinschrän
kungen
für sich allein
kein klar fassbares organisches Korrelat eines Beschwerde
bildes zu begründen
vermö
cht
en
(vgl. etwa Urteil U 9/05 des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 3.
August 2005 E. 4; Urteile des Bundesgerichts U 354/06 vom 4. Juli 2007 E. 7.2, U 328/06 vom 25. Juli 2007 E.
5.2 sowie 8C_369/2007 vom 6. Mai 2008 E. 3)
.
Dazu passend taxierten
die Ärzte des
A.___
das
beklagte
postoperative
Schulterleiden
zunächst als «unklar» (vgl. Urk. 9/124) und später als muskulär (Urk. 9/189) resp. funktional bedingt (Urk. 9/232).
Die
von
PD
Dr.
E.___
erstmals mit Stellungnahme vom 21.
Januar 2021
behauptete postoperative Schultersteife infolge der Operation vom 3. Januar 2019 und damit
postulierte
Unfallkausalität der fortbestehenden Schulterbe
schwerden (vgl. Urk. 9/250), findet in de
n
vorangehenden A
rztberichten
keinerlei Stütze und erscheint
bewusst oder unbewusst von Überlegungen versicherungs
rechtlicher oder anderer Art beeinflusst (BGE 121 V 45 E. 2a S. 47; Urteil
des Bundesgerichts
8C_940/2015 vom 19. April 2016 E. 6.3).
Stellt es denn auch eine
Erfahrungstatsache
dar
, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc)
.
Dabei bleibt darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer vor dem Unfall vom 30. Juli 2017 infolge der geklagten Schulterschmerzen rechts mit u.a. Kribbeln und Einschlaf
gefühlen zu 100% arbeitsunfähig geschrieben war (Urk. 15 S. 8
, Urk.
9/223 S. 6, Urk. 9/26 S. 2
und S. 6
, Urk. 9/23
).
Für die beschwerdeweise postulierte (Teil-)
K
ausalität der fortbestehenden Schulterbeschwerden zum Unfall vom 30.
Juli 2017 bleibt
nach dem bisher Gesagten
kein Raum.
Unter Hinweis auf das unter E.
3
.4
Gesagte geht auch ins Leere, wenn der Beschwerdeführer
einen (weiteren) Leistungsanspruch
gestützt
auf den Unfall vom 12. März
2014
zu begründen versucht
(
vgl.
Urk. 1
Rn
23)
.
Untersuchungsg
rund
und
Z
weck
des orthopädischen Gutachtens von Dr.
B.___
war die Kausalitätsprüfung
der fortbestehenden Beschwer
den
mit Blick
auf den
Unfall vom 30. Juli 201
7
.
Das Gutachten von Dr.
C.___
war zur Beantwortung der vorliegend relevanten Frage nicht unabdingbar.
Mithin vermag der Umstand, dass
letzteres
Dr.
B.___
anlässlich des Hauptgutachtens nicht vorgelegen hatte
, weshalb er die Rekonstruktion der Supraspinatussehne im November 2015 fälschlicherweise als kausal zum Unfall vom 12. März 2014
ausführte
,
der Beweistauglichkeit seiner Expertise
hinsichtlich der Unfallfolge vom
30. Juli 2017
per se
keinerlei Abbruch
zu
tun. Insbesondere hatte Dr.
B.___
grundsätzlich
Kenntnis vom Unfall vom 12. März 2014
, auch wenn er nicht über den genauen Unfallhergang und die Verletzungsfolgen dokumen
tiert war
, so hatte er Kenntnis vom Eingriff vom 17. November 2015
; er
hat
die Aussagen des Beschwerdeführers hierzu dokumentiert und im Rahmen seiner Beurteilung gewürdigt.
Alsdann
hielt Dr.
B.___
auch nach Kenntnisnahme des Gutachtens von Dr.
C.___
an seiner initialen Beurteilung fest. Was der Beschwer
de
führer dagegen vorbringt
(vgl. Urk. 1
Rn
17)
,
ist nicht stichhaltig.
Konkrete
Umstände, die geeignet wären, Misstrauen in die Unparteilichkeit
von Dr.
B.___
zu erwecken
, sind
ebenfalls
weder ersichtlich
noch
vom Beschwerdeführer genannt worden.
An dieser Stelle zu erwähnen ist auch, dass
letzterer
im Vorfeld der Begutachtung keine
Einwände resp. Ablehnungsgründe
gegen Dr.
B.___
geltend
ge
macht
hat
(vgl. Urk. 9/137, vgl. auch Urk.
9/130).
5.2
Zusammenfassend ist gestützt auf das
hinreichend
beweistaugliche
Gutachten von Dr.
B.___
erstellt, dass
der Endzustand der Unfallfolgen vom 30. Juli 201
7
jedenfalls per 30. September 2019 erreicht war
.
Bei diesem Beweisergebnis
besteht – entgegen de
m
Beschwerdeführer –
kein weiterer Abklärungsbedarf (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 144 V 361 E. 6.5, 136 I 229 E. 5.3 je mit Hinweisen)
.
Entsprechend ist nicht zu beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin die
im Zusammenhang mit dem Unfall vom 30. Juli 2017 erbrachten
Leistungen
per 30.
September 2019
eingestellt hat
. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Yves
Blöchlinger
, unter Beilage
je
einer Kopie
von Urk. 1
4, Urk. 1
5
und Urk. 16/1-5
-
Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG, unter Beilage einer Kopie von Urk. 11
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art.
46
BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstHediger