# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2f6e802f-ef1c-5d09-b77a-79d0116814d7
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-07
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 07.06.2024 SST.2023.211
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2023-211_2024-06-07.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2023.211 
(ST.2021.57; StA.2019.3213) 

 

 

Urteil vom 7. Juni 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin Eichenberger 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach, 

Wildischachenstrasse 14, 5200 Brugg AG 

 

 
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.1969, von Irak, 

z.Zt.: […]  

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B._____,  

[…] 

 

 

 
 

Gegenstand  Versuchter Mord, Drohung, Beschimpfung 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Am 20. September 2021 erhob die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach 

Anklage gegen den Beschuldigten wegen versuchten Mordes gemäss 

Art. 112 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, schwerer Körperverletzung 

gemäss Art. 122 Abs. 3 StGB, mehrfacher Drohung gemäss Art. 180 

Abs. 1 StGB und Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB. 

 

2. 

Mit Urteil vom 13. Januar 2022 stellte das Bezirksgericht Brugg das 

Strafverfahren hinsichtlich des Vorwurfs der Beschimpfung zum Nachteil 

von C._____ (Anklageziffer 4.2) und der Drohung zum Nachteil von 

C._____ (Anklageziffer 3.2 und 3.3) zufolge Rückzugs der Strafanträge ein 

und entschied im Übrigen wie folgt: 

 

1. 

Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf der Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB 

zum Nachteil von D._____ (Anklageziffer 3.1).  

 

2. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- des versuchten Mordes gemäss Art. 112 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 

1); 

- der Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB zum Nachteil von D._____ (Anklageziffer 3.3); 

- der mehrfachen Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB zum Nachteil von D._____ 

(Anklageziffern 4.1 und 4.3). 

 

3. 

Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziffer 2 erwähnten Bestimmungen und gestützt auf 

Art. 19 Abs. 2, 34, 40, 47 und 49 Abs. 1 StGB zu einer Freiheitsstrafe von 9 Jahren sowie zu 

einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je Fr. 10.00 verurteilt. 

 

4. 

Der mit Urteil der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 28. März 2019 für 20 Tagessätze 

Geldstrafe zu einem Tagessatz von je Fr. 10.00 gewährte bedingte Vollzug wird gestützt auf 

Art. 46 Abs. 1 Satz 2 StGB widerrufen. Die widerrufene Geldstrafe bildet zusammen mit der 

neuen Strafe die Gesamtstrafe gemäss Ziffer 3 vorstehend. 

 

5. 

Die Dauer der vom Beschuldigten verbüssten Untersuchungshaft (vorläufige Festnahme vom 

2. August 2019 bis zum 3. August 2019, Untersuchungshaft vom 17. August 2019 bis 9. Januar 

2020 sowie die Dauer des vorzeitigen Strafvollzugs vom 10. Januar 2020 bis zum 13. Januar 

2023), insgesamt 1'248 Tage, werden gestützt auf Art. 51 StGB an die vorgenannte 

Freiheitsstrafe angerechnet. 

 

 - 3 - 

 

 

6. 

Gestützt auf Art. 63 Abs. 1 StGB wird einstweilen für die Dauer von 5 Jahren eine 

vollzugsbegleitende ambulante Massnahme (psychotherapeutische Behandlung) über den 

Beschuldigten angeordnet. 

 

7. 

Der Beschuldigte wird gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. a StGB für die Dauer von 13 Jahren des 

Landes verwiesen. Die Landesverweisung wird im Schengen Informationssystem (SIS) 

eingetragen. 

 

8. 

8.1 

Der Beschuldigte wird infolge Anerkennung gemäss Art. 124 Abs. 3 und Art. 126 Abs. 1 lit. a 

StPO verpflichtet, der Zivil- und Strafklägerin 1 (C._____) eine Genugtuung in der Höhe von 

Fr. 10'000.00 zzgl. Zins zu 5 % seit 17. August 2019 zu bezahlen. 

 

8.2 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Zivil- und Strafklägerin 1 (C._____) gestützt auf Art. 433 

Abs. 1 lit. a StPO eine Entschädigung (Anwaltskosten) in der Höhe von Fr. 18'124.95 (inkl. 

Fr. 1'295.85 MwSt) zu bezahlen. 

 

9. 

9.1 

In teilweiser Gutheissung der Zivilklage wird der Beschuldigte verpflichtet, der Zivil- und 

Strafklägerin 2 (E._____) gestützt auf Art. 126 Abs. 1 lit. a StPO eine Genugtuung in der Höhe 

von Fr. 25'000.00 zzgl. Zins zu 5 % seit 17. August 2019 zu bezahlen.  

 

9.2 

Der Beschuldigte wird für inskünftig aus und in Zusammenhang mit dem verurteilten Delikt 

(Dispositivziffer 2) anfallenden Kosten der Zivil- und Strafklägerin 2 (E._____) gestützt auf Art. 

126 Abs. 3 StPO dem Grundsatz nach bei einer Haftungsquote von 100 % 

schadenersatzpflichtig erklärt. 

 

Im Übrigen werden die diesbezüglichen Ansprüche auf den Zivilweg verwiesen. 

 

10. 

Die nachfolgend aufgeführten beschlagnahmten Gegenstände werden dem Beschuldigten auf 

erstes Verlangen zurückgegeben: 

- Handy Samsung Galaxy J5 

- Kuvert mit Schreiben betreffend Geldschulden 

- Kuvert mit Dokument i.S. Anzeige HG 

- Kuvert mit Einladung Besuchstag F._____ 

- Kuvert mit Dokument der G._____ 

- Kuvert mit Minigripp mit 2 Schlüssel 

- Kuvert mit SIM-Karte Lebara 

- Handy Wiko mit Netzteil 

- Kuvert mit Kaufvertrag inkl. Quittung und Verpackung  

 

11. 

Die Anklagegebühr wird gemäss § 15 Abs. 1bis VKD auf Fr. 2'550.00 festgesetzt und dem 

Beschuldigten auferlegt. 

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12. 

Die Verfahrenskosten bestehen aus: 
a) der Gebühr von Fr.   20'000.00 
b) den Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr.   65'254.35 
c) den Kosten für Übersetzungen (Beschuldigter) von Fr.     3'176.60 
d) den Kosten für Übersetzungen (Zeugen) von Fr.  343.00 
e) den Kosten für die Erläuterung des Gutachtens von Fr.     2'745.40 
f) den Kosten der Mitwirkung anderer Behörden von Fr.   28'584.20 
g) nicht verrechenbare Auslagen (Raummiete) Fr.        150.00 
h) nicht verrechenbare Auslagen (Kantonspolizei) Fr.  324.40 
i) andere Auslagen Fr. 943.30 
 

Sie werden dem Beschuldigten in der Höhe von Fr. 52'615.90 (lit. a, d, e, f und i) auferlegt. 

Restanzlich gehen sie zu Lasten des Staates. 

 

13. 

13.1 

Die Gerichtskasse wird nach Rechtskraft gestützt auf Art. 138 Abs. 1 StPO angewiesen, dem 

amtlichen Verteidiger eine richterlich genehmigte Entschädigung in der Höhe von Fr. 53'180.75 

(inkl. Fr. 3'802.15 MwSt) zuzüglich Fr. 2'085.70 (Dolmetscherauslagen) auszurichten. 

 

13.2 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die amtliche Verteidigung 

(bestehend aus den beiden Rechtsanwälten Daniel Huser und B._____ [recte: …], 

ausmachend total Fr. 65'254.35 (inkl. Fr. 4'665.35 MwSt), zurück zu bezahlen, sobald es seine 

wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

14. 

Die Gerichtskasse Brugg wird angewiesen, der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Zivil- und 

Strafklägerin 2 (E._____) eine richterlich genehmigte Entschädigung in der Höhe von 

Fr. 19'258.85 (inkl. Fr. 1'376.90 MwSt) auszurichten. 

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 5. September 2023 beantragte die 

Staatsanwaltschaft eine Erhöhung der Freiheitsstrafe auf 20 Jahre und eine 

Erhöhung der Dauer der Landesverweisung auf 15 Jahre. 

 

3.2. 

Mit Berufungserklärung vom 26. September 2023 beantragte der 

Beschuldigte, er sei – anstelle des versuchten Mordes – der versuchten 

schweren Körperverletzung, eventualiter der versuchten vorsätzlichen 

Tötung schuldig zu sprechen. Er sei mit einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren 

zu bestrafen, eventualiter mit einer solchen von 5 Jahren. Zudem hat er die 

Dauer der Landesverweisung angefochten. 

 

3.3. 

Am 24. Oktober 2023 reichte die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach 

vorgängig zur Berufungsverhandlung eine schriftliche Berufungs-

begründung ein. 

 - 5 - 

 

 

4. 

Die Berufungsverhandlung fand am 7. Juni 2024 statt. Die 

Staatsanwaltschaft beantragte die Abweisung der Berufung des 

Beschuldigten und der Beschuldigte die Abweisung der Berufung der 

Staatsanwaltschaft. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Der Beschuldigte ficht mit Berufung die vorinstanzliche Verurteilung wegen 

versuchten Mordes hinsichtlich der Qualifikation und damit einhergehend 

die Strafzumessung und die Dauer der Landesverweisung an. Die 

Staatsanwaltschaft beantragt mit Berufung eine Erhöhung der 

Freiheitsstrafe und der Dauer der Landesverweisung. Nicht angefochten 

wurden die Schuldsprüche wegen Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB 

und wegen mehrfacher Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB 

gegenüber D._____ sowie die hierfür ausgesprochene Geldstrafe von 150 

Tagessätzen (inkl. Widerrufsstrafe), die von der Vorinstanz angeordnete 

vollzugsbegleitende ambulante Massnahme sowie die Zusprechung einer 

Genugtuung an C._____ und an E._____. Diese Punkte sind in Rechtskraft 

erwachsen und somit nicht mehr zu überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

 

2. 

2.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten des versuchten Mordes gemäss 

Art. 112 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen. 

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei stattdessen der versuchten 

schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 Abs. 3 StGB i.V.m. Art. 22 

Abs. 1 StGB, eventualiter der versuchten vorsätzlichen Tötung gemäss 

Art. 111 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. 

 

2.2. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und im Berufungsverfahren unbestritten 

geblieben, dass der Beschuldigte am 17. August 2019 kurz vor 15:00 Uhr 

an der Haltestelle «[…]» in Q._____ in den Bus stieg, in welchem sich seine 

Tochter E._____, C._____ (die Mutter von E._____) und D._____ (die 

Grossmutter von E._____ und Mutter von C._____) befanden. Nach dem 

Aussteigen am Bahnhof Q._____ wollte der Beschuldigte seine Tochter 

mitnehmen bzw. er wollte, dass sie mit ihm mitkomme. Er nahm E._____ 

für wenige Sekunden auf den Arm und setzte sie gleich wieder auf den 

Boden, weil sie dies nicht wollte. In der Unterführung R._____ kam es in 

der Folge zu einem verbalen Streit zwischen dem Beschuldigten und 

C._____ und D._____. Wie sodann auf der Videoaufnahme einer 

Überwachungskamera zu sehen ist (UA act. 452, ab Minute 04.55), drehte 

 - 6 - 

 

 

sich der Beschuldigte, der ein bis zwei Schritte vorausgegangen war, 

unvermittelt um, packte ohne Ankündigung und ohne zu zögern seine 

Tochter E._____ an der Hüfte, hob sie mit gestreckten Armen über seinen 

Kopf hoch, drehte sie kopfüber und schleuderte sie mit voller Wucht 

kopfvoran auf den Steinboden. Sogleich ergriff er seine auf dem Bauch 

liegende Tochter erneut, hob sie abermals über seinen Kopf und 

schleuderte sie ein weiteres Mal mit voller Wucht kopfvoran auf den Boden. 

Unmittelbar nach dem zweiten Aufprall rannte eine Angestellte aus der 

Drogerie zu E._____, deckte sie mit ihrem Körper ab und brachte sie in der 

Drogerie in Sicherheit. Gleichzeitig wurde der Beschuldigte von zwei 

Passanten angegangen und zurückgedrängt. 

 

Umstritten ist, ob es sich um einen versuchten Mord handelt. Der 

Beschuldigte bestreitet, mit Tötungsvorsatz und besonders skrupellos 

gehandelt zu haben. Sein Vorsatz sei vielmehr auf eine schwere 

Körperverletzung gerichtet gewesen. 

 

2.3. 

Wer vorsätzlich einen Menschen tötet, erfüllt den Grundtatbestand der 

vorsätzlichen Tötung gemäss Art. 111 StGB. Ist der Täter zudem 

besonders skrupellos vorgegangen, hat er den qualifizierten Tatbestand 

des Mordes gemäss Art. 112 StGB verwirklicht. Besondere Skrupellosigkeit 

liegt namentlich dann vor, wenn der Beweggrund des Täters, der Zweck 

der Tat oder die Art der Tatausführung besonders verwerflich sind. Nach 

der Rechtsprechung zeichnet sich Mord durch eine aussergewöhnlich 

krasse Missachtung fremden Lebens bei der Durchsetzung der eigenen 

Absichten aus. Es geht um die besonders verwerfliche Auslöschung eines 

Menschenlebens. Für die Qualifikation verweist das Gesetz in nicht 

abschliessender Aufzählung auf äussere (Ausführung) und innere 

Merkmale (Beweggrund, Zweck). Diese müssen nicht alle erfüllt sein, um 

Mord anzunehmen. Entscheidend ist eine Gesamtwürdigung der äusseren 

und inneren Umstände der Tat. Die für eine Mordqualifikation konstitutiven 

Elemente sind jene der Tat selber, während Vorleben und Verhalten nach 

der Tat nur heranzuziehen sind, soweit sie tatbezogen sind und ein Bild der 

Täterpersönlichkeit geben (BGE 141 IV 61 E. 4.1; Urteil des Bundesge-

richts 6B_271/2015 vom 26. August 2015 E. 2.3.1; jeweils mit Hinweisen). 

Affekt und verminderte Schuldfähigkeit schliessen die Qualifizierung einer 

Tötung als Mord nicht aus (Urteil des Bundesgerichts 6B_305/2013 vom 

22. August 2013 E. 4.6 mit Hinweisen). 

 

Ein Versuch gemäss Art. 22 Abs. 1 StGB liegt vor, wenn der Täter, 

nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder Vergehens 

begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende führt oder, wenn der 

zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt oder dieser nicht 

eintreten kann. 

 

 - 7 - 

 

 

2.4. 

Mit der Vorinstanz ist von versuchtem Mord auszugehen: Der Beschuldigte 

hat eine besonders skrupellose Tatausführung offenbart. Er hat seine 

Tochter E._____ – wie dies auf dem Video gut ersichtlich ist – völlig 

unvermittelt gepackt und sie zwei Mal mit voller Wucht und kopfvoran auf 

den Boden geschleudert. Alles ist ohne Vorwarnung und so schnell 

gegangen, dass E._____ weder wegrennen, sich losreissen noch schützen 

konnte. Vielmehr war sie der äusserst brutalen und verwerflichen Attacke 

des Beschuldigten komplett wehrlos ausgeliefert. Der Beschuldigte hat – 

auch dies zeigt sich auf dem Video eindrücklich – keinen Moment gezögert 

und nachdem er seine Tochter ein erstes Mal hochgehoben und kopfvoran 

mit voller Wucht auf den Boden geschleudert hatte, nicht etwa 

innegehalten, sondern sie ausgesprochen zielstrebig sofort wieder 

gepackt, sie erneut hochgehoben und offensichtlich ohne Hemmschwelle 

mit voller Wucht ein weiteres Mal kopfvoran zu Boden geschleudert. 

Sodann hat er nicht etwa von sich aus von E._____ abgelassen. Vielmehr 

konnte die Attacke nur durch das Eingreifen von herbeieilenden Personen 

beendet werden. 

 

Der Beschuldigte hat durch diese Vorgehensweise, bei der er 

augenscheinlich alles daransetzte, dem Leben seiner Tochter gnadenlos 

und auf brutalste Art und Weise und vor den Augen der Mutter und der 

Grossmutter von E._____ ein Ende zu setzen, eine krasse Missachtung 

fremden Lebens offenbart. Aufgrund der äusseren Umstände ist ohne 

Weiteres darauf zu schliessen, dass es dem Beschuldigten in diesem 

Moment nur noch um die Elimination seiner Tochter gegangen sein kann. 

Mithin ist ein besonders skrupelloses Handeln im Sinne der Mord-

qualifikation vorliegend bereits aufgrund der Tatausführung zu bejahen 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_665/2022 vom 14. September 2022 

E. 6.4).  

 

Das Tatmotiv kann nicht abschliessend geklärt werden. Der Beschuldigte 

hat keine Erklärung dafür, dass er seine Tochter zum blossen Objekt, das 

er hat zerstören wollen, gemacht hat. Er selbst bezeichnet sein Verhalten 

denn auch als unverzeihlich. Unbestrittenermassen war das Verhältnis 

zwischen ihm und C._____ sowie D._____ im Tatzeitpunkt sehr 

angespannt. Sodann ist gestützt auf die Aussagen des Beschuldigten, 

C._____ und D._____, erstellt, dass es zwischen ihnen unmittelbar vor der 

Tat zu Äusserungen gekommen ist, welche der Beschuldigte vor dem 

Hintergrund seiner gutachterlich festgestellten Anpassungsstörung mit 

längerer depressiver Reaktion (siehe dazu unten bei der Strafzumessung) 

als so starke Provokation empfunden hat, dass er quasi vom einen auf den 

anderen Moment zur äusserst brutalen Tatbegehung geschritten ist, ohne 

dass jedoch eine entschuldbare- oder einfühlbare Konfliktsituation, welche 

die gegenüber E._____ begangene Tat in einem milderen Licht erscheinen 

liesse, vorgelegen hätte (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_507/2020 vom 

 - 8 - 

 

 

17. August 2020 E. 1.2.2). Aus welchen Beweggründen der Beschuldigte 

letztendlich gehandelt hat, bleibt vorliegend jedoch ohnehin irrelevant, 

ergibt sich die Skrupellosigkeit doch bereits aus der Art und Weise der 

Tatausführung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_208/2023 vom 8. Mai 

2023 E. 2.2.2; BGE 144 IV 345 E. 2.4.1). Nachdem E._____ überlebt hat, 

ist es bei einem Versuch geblieben. 

 

Zusammengefasst ist die Tatausführung des Beschuldigten bei einer 

Gesamtwürdigung der äusseren und inneren Umstände als besonders 

skrupellos im Sinne des Mordtatbestandes zu qualifizieren. Auch wenn die 

Steuerungsfähigkeit des Beschuldigten gestützt auf das schlüssige und 

nachvollziehbare Gutachten im Tatzeitpunkt eingeschränkt war (siehe dazu 

unten bei der Strafzumessung), lässt sein augenscheinlich auf brutale 

Elimination seiner Tochter gerichtetes Verhalten keinen anderen Schluss 

zu, als dass er mit Wissen und Willen und damit vorsätzlich gehandelt hat, 

ist nach der Rechtsprechung eine verminderte Schuldfähigkeit doch auf der 

Ebene der Schuld und nicht auf der Ebene der Tatbestandsmässigkeit oder 

der Rechtfertigung zu berücksichtigen (vgl. BGE 147 IV 193 E. 1.4.4 und 

1.4.6; Urteile des Bundesgerichts 6B_1363/2019 vom 19. November 2020 

E. 1.2.1, 6B_604/2016 vom 29. November 2016 E. 2.2.1, 6B_366/2014 

vom 23. April 2015 E. 1.3.2; BOMMER/DITTMANN, in: Basler Kommentar, 

4. Aufl. 2019, N. 19 f. zu Art. 19 StGB). Er hat den subjektiven Tatbestand 

des Mordes erfüllt. Insbesondere ist aufgrund der äusserst brutalen und 

ungebremsten Tatausführung ausgeschlossen, dass der Beschuldigte – 

wie von ihm gestützt auf seine Berufungsanträge eingestanden – zwar eine 

versuchte schwere Körperverletzung, nicht aber zugleich die Tötung seiner 

Tochter mindestens in Kauf genommen und gewollt hat. Dass E._____ 

nicht tödliche Verletzungen erlitten hat, ist denn auch allein dem Zufall und 

nicht der Art und Weise der Tatausführung des Beschuldigten zu 

verdanken. Im Übrigen ist für die Mordqualifikation und den Vorsatz 

unerheblich, ob die Liebe, Fürsorge und Zuwendung des Beschuldigten 

gegenüber seiner Tochter E._____ bis zum Tag des Tathergangs 

ungebrochen gewesen ist oder nicht, kann der Vorsatz – wie sich 

vorliegend eindrücklich gezeigt hat – doch auch spontan gefasst werden. 

 

Der Beschuldigte hat sich des versuchten Mordes gemäss Art. 112 StGB 

i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gemacht. Damit erweist sich die 

Berufung des Beschuldigten hinsichtlich der Qualifikation als versuchter 

Mord als unbegründet. 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte hat sich – nebst den nicht mehr angefochtenen 

Schuldsprüchen wegen Drohung und mehrfacher Beschimpfung zum 

Nachteil von D._____ – des versuchten Mordes gemäss Art. 112 StGB 

 - 9 - 

 

 

i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gemacht, wofür er angemessen zu 

bestrafen ist. 

 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten für den versuchten Mord zu einer 

Freiheitsstrafe von 9 Jahren verurteilt. Die Staatsanwaltschaft Brugg-

Zurzach beantragt mit Berufung eine Verurteilung des Beschuldigten zu 

einer Freiheitsstrafe von 20 Jahren. Der Beschuldigte beantragt mit 

Berufung – ausgehend von der von ihm beantragten Qualifikation – eine 

Freiheitsstrafe von 4 Jahren, eventualiter von 5 Jahren. 

 

3.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 

144 IV 217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit 

Hinweisen). Darauf kann verwiesen werden. 

 

3.3. 

Der Mord nach Art. 112 StGB sieht als Strafe lebenslängliche 

Freiheitsstrafe oder Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren vor. Die 

Vernichtung fremden Lebens ist immer von einer extremen Schwere. Allein 

der Umstand, dass der Beschuldigte das höchste Rechtsgut eines 

Menschen, das Leben, zu verletzen beabsichtigt hat, rechtfertigt aber nicht 

per se die Ausfällung der Maximalstrafe. Die Rechtsgutverletzung als 

solche ist unergiebig, wenn es um einen Mord geht, da die Vernichtung des 

höchsten Rechtsguts den Tatbestand des Art. 112 StGB begründet. 

Insoweit ist aus der beabsichtigten Rechtsgutverletzung allein nichts für die 

Strafzumessung abzuleiten. Beim weiten Strafrahmen für Mord hängt die 

Bemessung der konkreten Strafe insbesondere vom Ausmass der 

besonderen Skrupellosigkeit ab, welches die Schwere des Verschuldens 

wesentlich mitbestimmt. Eine unzulässige Doppelverwertung ist damit nicht 

verbunden (Urteile des Bundesgerichts 6B_1038/2017 vom 31. Juli 2018 

E. 2.6.1; 6B_55/2015 vom 7. April 2015 E. 3.3). 

 

Methodisch ist zunächst die schuldangemessene Strafe für das vollendete 

Delikt festzulegen und die derart ermittelte hypothetische Strafe in der 

Folge unter Berücksichtigung des fakultativen Strafmilderungsgrundes von 

Art. 22 Abs. 1 StGB zu reduzieren (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.1). 

 

Betreffend die Art und Weise der Tatausführung ist Folgendes festzuhalten: 

Der Beschuldigte hat seine Tochter E._____ unvermittelt zweimal mit voller 

Wucht kopfvoran auf den Boden geschleudert und dadurch versucht, sie 

auf besonders skrupellose Art und Weise zu töten (siehe dazu im Einzelnen 

oben). Der Beschuldigte hat durch seine Vorgehensweise, bei der er 

augenscheinlich alles daransetzte, dem Leben seiner Tochter gnadenlos 

und auf brutalste Art und Weise und vor den Augen der Mutter und der 

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Grossmutter von E._____ ein Ende zu setzen, eine krasse Missachtung 

fremden Lebens offenbart. Auch wenn der genaue Beweggrund für die vom 

Beschuldigten begangene Tat unklar bleibt, ist doch erstellt, dass eine 

verbale Auseinandersetzung zwischen C._____, D._____ und dem 

Beschuldigten vorangegangen ist und den Beschuldigten unvermittelt zur 

Tat gegenüber seiner Tochter hat schreiten lassen. Mithin besteht ein 

krasses Missverhältnis zwischen Anlass und Tat. Der Beschuldigte 

handelte aus völlig nichtigem Anlass. Er machte seine Tochter – aus 

welchen Gründen auch immer – zum blossen Objekt, dass er zerstören 

wollte und offenbarte mit seinem Verhalten eine extreme Geringschätzung 

des Lebens von E._____. Er griff sie derart unvermittelt an, dass sie weder 

wegrennen noch sich schützen konnte und der Attacke des Beschuldigten 

völlig schutzlos ausgeliefert gewesen ist. Insgesamt ging die äusserst 

brutale Art und Weise der Tatausführung deutlich über die blosse Erfüllung 

des Tatbestands hinaus, weshalb von einem erheblichen Ausmass der 

besonderen Skrupellosigkeit auszugehen ist. Entsprechend schwer wiegt 

das Verschulden des Beschuldigten. 

 

Gestützt auf das schlüssige und nachvollziehbare forensisch-

psychiatrische Gutachten von Prof. Dr. med. H._____ vom 27. Januar 2021 

ist die Einsichtsfähigkeit des Beschuldigten im Tatzeitpunkt 

uneingeschränkt gewesen (UA act. 957; vorinstanzliches Protokoll, S. 12). 

Es stellt sich jedoch die Frage, ob der Beschuldigte in seiner 

Steuerungsfähigkeit eingeschränkt war. Gemäss Gutachter seien 

insbesondere der Einfluss der diagnostizierten Anpassungsstörung mit 

längerer depressiver Reaktion bzw. der den Beschuldigten zum Tatzeit-

raum beeinträchtigenden Symptome relevant. Auch eine vorbestehende, in 

partnerschaftlichen Konflikten berichtete Impulsivität und die Über-

forderung seien zu berücksichtigen und würden dazu führen, dass die 

Bewertung emotional gefärbter Situationen in gesteigertem Ausmass von 

situativen Vorgaben abhängig sei. Zusätzliche Provokationen könnten 

dazu beitragen, dass eine Restfunktion der Verhaltenskontrolle 

beeinträchtigt werde (UA act. 948; vgl. vorinstanzliches Protokoll, S. 12). 

Dem Gutachter zufolge könnte eine Provokation dazu geführt haben, dass 

der ohnehin in einer irritierbar-reizbaren Verfassung befindliche 

Beschuldigte infolge seiner stark eingeschränkten Fähigkeit, mit Zurück-

weisung umzugehen, in einen Zustand erhöhter Risikobereitschaft, 

hochgradiger Anspannung und blinder Wut versetzt worden sei 

(UA act. 952). Insgesamt kam der Gutachter zum Schluss, dass aus 

forensisch-psychiatrischer Sicht von einer leichten und unter der 

Voraussetzung einer akuten Provokation mittelgradigen Beeinträchtigung 

der Schuldfähigkeit auszugehen sei (UA act. 953, 957). 

 

Das Gutachten ist auch hinsichtlich der Frage der Steuerungsfähigkeit in 

sich schlüssig und nachvollziehbar, weshalb darauf sowie auch auf die 

ergänzenden Ausführungen des Sachverständigen anlässlich der 

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vorinstanzlichen Hauptverhandlung abgestellt werden kann. Entgegen der 

Staatsanwaltschaft sind die Voraussetzungen für die Einholung eines 

Ergänzungsgutachtens zur Frage der Schuldfähigkeit (vgl. Art. 189 StPO) 

nicht erfüllt. Ob in tatsächlicher Hinsicht eine Situation vorgelegen hat, die 

vom Beschuldigten als akute Provokation empfunden worden ist, ist denn 

auch nicht eine vom Gutachter, sondern vom Gericht zu beantwortende 

Frage. 

 

Für das Obergericht ist gestützt auf die Aussagen des Beschuldigten, 

C._____ und D._____, die im Einklang mit der Videoaufnahme stehen, 

erstellt, dass es zwischen ihnen unmittelbar vor der Tat zu einem Disput 

gekommen sein muss, anlässlich welchem Äusserungen gefallen sind, 

welche der Beschuldigte vor dem Hintergrund seiner gutachterlich 

festgestellten Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion als 

akute Provokation empfunden hat. So sagte der Beschuldigte anlässlich 

der ersten Einvernahme vom 18. August 2019 aus, die Grossmutter 

(D._____) habe etwas gesagt, was ihn genervt und ihm weh getan habe, 

weshalb er aggressiv geworden sei (UA act. 551). Auch anlässlich der 

weiteren Befragung vom gleichen Tag gab er als Grund für seine Tat das 

Nerven von D._____ an (UA act. 540). Auch habe sie – als er seine Tochter 

im Arm gehabt habe – gesagt, er solle seine Tochter in Ruhe lassen und 

nicht stören (UA act. 552). Anlässlich seiner Einvernahme vom 

19. September 2019 gab er auf die Frage, warum er seine Tochter 

aufgehoben und zu Boden geschmettert habe, an, C._____ habe laut mit 

ihm gesprochen (UA act. 562). Anlässlich der Schlusseinvernahme führte 

er wiederum aus, D._____ habe, als sie aus dem Bus ausgestiegen seien, 

extra laut geschrien, ihn beleidigt und provoziert (UA act. 979). Sie habe 

ihn mit den Worten «Hurensohn» sowie «Sauhund» beschimpft und 

gesagt, dass er ein schlechter Vater sei und seiner Tochter kein Geld 

bezahle (UA act. 980). C._____ führte sowohl anlässlich der ersten 

polizeilichen Einvernahme vom 26. August 2019 (UA act. 570 ff.) wie auch 

in ihrem handschriftlichen Schreiben vom 17. August 2019 (UA act. 580 ff.) 

aus, sie habe den Beschuldigten beim Durchgang vom S._____ zum 

T._____ angeschrien (UA act. 581). Vor dem S._____ habe sie gesagt, 

wenn E._____ nicht zu ihm wolle, dann brauche er sie auch nicht zu 

zwingen. Bis zu diesem Zeitpunkt habe der Beschuldigte drei- bis viermal 

versucht, seine Tochter für sich zu gewinnen, aber diese habe nicht gewollt 

(UA act. 581). Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung führte sie 

aus, die Auseinandersetzung zwischen ihrer Mutter und dem Beschuldigten 

habe bei der Schiebetüre begonnen. Ihre Mutter habe ihr dort etwas 

gesagt, aber sie wisse nicht mehr was (vorinstanzliches Protokoll, S. 46). 

D._____ bestätigte, dass Äusserungen seitens C._____ gegenüber dem 

Beschuldigten auf der Höhe der Reinigung (neben dem S._____) gefallen 

seien (UA act. 588). Sie gab an, der Streit habe begonnen, weil E._____ 

nicht zum Beschuldigten habe gehen wollen; es sei immer um das Gleiche 

gegangen, so auch um Geld, weil er nicht gearbeitet habe (UA act. 588). 

 - 12 - 

 

 

An der vorinstanzlichen Hauptverhandlung bestätigte sie auf Nachfrage, 

wonach C._____ zum Beschuldigten gesagt habe, wenn er nicht bezahle, 

brauche er E._____ auch nicht zu sehen (vorinstanzliches Protokoll, S. 32). 

 

Nicht von entscheidender Bedeutung ist, ob sich der Beschuldigte 

anlässlich der unmittelbar vor der Tat erfolgten verbalen Auseinander-

setzung durch D._____ – wie von ihm hauptsächlich behauptet – oder 

durch C._____ provoziert fühlte, ist doch mit dem Gutachter davon 

auszugehen, dass beide zu einer aufgewühlten, unruhigen, und 

bedrohlichen Verfassung des Beschuldigten beigetragen haben und die 

Äusserung, wonach er keine Unterhaltsbeiträge für seine Tochter leiste, 

weshalb er sie auch nicht zu sehen brauche, für ihn eine akute Provokation 

darstellte (vorinstanzliches Protokoll, S. 16 und 18). Nachdem somit erstellt 

ist, dass es unmittelbar vor der Tat zu einer vom Beschuldigten 

empfundenen Provokation gekommen ist, ist gestützt auf das Gutachten 

eine mittelgradige Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit anzunehmen. Es 

sind keine Gründe ersichtlich, von dieser Einschätzung abzuweichen. 

 

Indes ist es nicht so, dass es – trotz eingeschränkter Steuerungsfähigkeit 

– keinen anderen Ausweg für den Beschuldigten gegeben hätte. Es gibt 

denn auch keinen nachvollziehbaren Grund, weshalb sich sein Verhalten 

als Folge der empfundenen Provokation gegen seine Tochter und nicht 

etwa C._____ oder D._____ gerichtet hat. Je leichter es ihm aber gefallen 

wäre, die körperliche Unversehrtheit bzw. das Leben von E._____ zu 

respektieren, desto schwerer wiegt die Entscheidung dagegen und damit 

einhergehend sein Verschulden (vgl. BGE 117 IV 112 E. 1; BGE 127 IV 

101 E. 2a; Urteil des Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 

3.4.3). 

 

Insgesamt wäre unter Berücksichtigung des Strafrahmens von 10 Jahren 

Freiheitsstrafe bis zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe bei 

uneingeschränkter Schuldfähigkeit für den vollendeten Mord von einem 

äusserst schweren Verschulden und einer dafür angemessenen 

Freiheitsstrafe von 20 Jahren auszugehen. Es ist jedoch zu 

berücksichtigen, dass die Schuldfähigkeit des Beschuldigten im 

Tatzeitpunkt mittelgradig vermindert war, womit sich das äusserst schwere 

Verschulden zu einem mittelschweren Verschulden vermindert (siehe BGE 

136 IV 55), wofür eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren angemessen wäre. 

Nachdem es bei einem Versuch geblieben ist, ist eine Strafminderung 

gemäss Art. 22 Abs. 1 StGB vorzunehmen. Dabei hat die Strafminderung 

umso geringer auszufallen, je näher der tatbestandsmässige Erfolg und je 

schwerer die tatsächlichen Folgen der Tat waren (BGE 121 IV 49 E. 1b). 

E._____ musste notfallmässig ins Kinderspital eingewiesen werden. 

Gemäss dem Gutachten des I._____-Instituts vom 5. September 2019 

habe sie sich beim Eintreffen in den Schockraum in reduziertem 

Allgemeinzustand, kreislaufstabil und ansprechbar befunden (UA act. 487 

 - 13 - 

 

 

ff.). Dem Gutachten zufolge hätten sich in der Zusammenschau sowie unter 

Einbezug der spitalärztlichen Angaben anhand der festgestellten 

Verletzungen (UA act. 508) (u.a. eine 2 x 3 cm messende Einblutung auf 

Höhe der Kranznaht des Schädels, eine 2 cm durchmessende Einblutung 

und harte Schwellung am Hinterhaupt, eine weiche Schwellung am Scheitel 

rechts) keine Anhaltspunkte für das Vorliegen einer unmittelbaren 

Lebensgefahr ergeben (UA act. 487 ff.). Die Verletzungen würden 

voraussichtlich innerhalb kurzer Zeit – gegebenenfalls unter Narbenbildung 

– folgenlos abheilen, wobei jedoch anzumerken sei, dass prognostische 

Aussagen zum Heilungsverlauf sowie eine zuverlässige Beurteilung 

möglicher Folgeschäden bzw. einer bleibenden Beeinträchtigung nicht 

abschliessend getroffen werden könnten (UA act. 492). E._____ konnte 

sodann nach fünf Tagen in gutem Allgemeinzustand aus dem Kinderspital 

entlassen werden (UA act. 505). Auch wenn E._____ keine 

lebensgefährlichen Verletzungen erlitten hat, so ist nicht zu verkennen, 

dass das Tatvorgehen des Beschuldigten – wie sich dies augenfällig aus 

der Videoaufnahme ergibt – in sehr hohem Mass geeignet gewesen wäre, 

den Tod von E._____ herbeizuführen, es mithin allein dem Zufall zu 

verdanken ist, dass sie nicht gestorben oder sehr schwerwiegende 

Schädigungen erlitten hat. Der Beschuldigte hat auch nicht etwa von 

E._____ abgelassen, sondern es mussten Passanten eingreifen, 

ansonsten der Beschuldigte E._____ wohl auch noch ein drittes Mal mit 

voller Wucht zu Boden geschleudert hätte (vgl. Videoaufnahme, 

UA act. 452). Auch wenn der mögliche Todeseintritt im Tatzeitpunkt 

ausserhalb des Einflussbereichs des Beschuldigten lag und es dem Zufall 

zu verdanken ist, dass die Verletzungen nicht gravierender ausgefallen 

sind, ist doch der Unterschied zwischen der vom Beschuldigten 

beabsichtigten Eliminierung seiner Tochter und dem tatsächlich 

ausgebliebenen Erfolg ausserordentlich gross. Dies rechtfertigt, den 

Versuch im Umfang von 3 Jahren strafmindernd zu berücksichtigen, 

sodass die Einsatzstrafe unter Berücksichtigung der mittelgradig 

beeinträchtigten Schuldfähigkeit auf 12 Jahre festzusetzen ist. 

 

3.4. 

In Bezug auf die Täterkomponente ergibt sich Folgendes:  

 

Der Beschuldigte ist vorbestraft (vgl. aktueller Strafregisterauszug), was 

sich grundsätzlich straferhöhend auswirkt (BGE 136 IV 1 E. 2.6.2). Mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 28. März 2019 

wurde er wegen Urkundenfälschung und Widerhandlung gegen das 

Personenbeförderungsgesetz zu einer bedingten Geldstrafe von 20 

Tagessätzen und einer Busse von Fr. 600.00 verurteilt. Dabei handelt es 

sich um eine geringfügige und nicht einschlägige Vorstrafe, welche 

hinsichtlich der vorliegenden Deliktsschwere des versuchten Mordes nicht 

ins Gewicht fällt und somit nicht zu einer Straferhöhung führt. 

 

 - 14 - 

 

 

Der Beschuldigte bestritt die Tat als solche nicht. Dies wäre jedoch 

aufgrund der Tatsache, dass der äussere Geschehensablauf – nämlich die 

Tatausführung – mittels Videoaufnahmen ohnehin erstellt ist, auch völlig 

zwecklos gewesen. Ein Geständnis, welches die Strafuntersuchung in 

nennenswerter Weise vereinfacht hätte, liegt damit nicht vor. Zudem ist ein 

Geständnis, in welchem der Täter nur zugibt, was ohnehin auf der Hand 

liegt, nicht strafmindernd zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 

6B_762/2011 vom 9. Februar 2012 E. 4.4). Zweifellos bedauert der 

Beschuldigte im heutigen Zeitpunkt, was er seiner Tochter angetan hat und 

er hat dafür – nach eigenen Angaben – auch keine Erklärung. Dennoch 

scheint er keine volle Verantwortung für sein Handeln übernehmen zu 

wollen. So bestreitet er auch noch im Berufungsverfahren, mit 

Tötungsvorsatz gehandelt zu haben. Dies ist zwar sein Recht (vgl. Art. 113 

Abs. 1 StPO). Mithin erschöpft sich seine Reue in einer blossen 

Tatfolgenreue, was sich neutral auswirkt. Jedenfalls ist eine 

Strafminderung, wie dies bei einem von Anfang an vollständig geständigen, 

einsichtigen und reuigen Täter möglich ist, ausgeschlossen. 

 

Was die persönlichen Verhältnisse anbelangt, so ist der heute 54-jährige 

Beschuldigte, welcher sich aktuell in der J._____ befindet, von C._____ 

getrennt. Er hat – nebst E._____ – eine weitere minderjährige Tochter aus 

einer früheren Beziehung, wobei er zu ihr keinen regelmässigen Kontakt 

pflegt, was aktuell auch auf E._____ zutrifft. Der Umstand allein, dass er 

Vater minderjähriger Kinder ist, führt somit noch nicht zur Annahme einer 

besonderen Strafempfindlichkeit (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_40/2020 vom 17. August 2020 E. 3.2.2 f.). Das Bundesgericht hat denn 

auch wiederholt betont, dass eine erhöhte Strafempfindlichkeit nur bei 

aussergewöhnlichen Umständen zu bejahen ist (statt vieler: Urteil des 

Bundesgerichts 6B_18/2022 vom 23. Juni 2022 E. 2.6.1 mit Hinweisen). 

Solche liegen hier nicht vor. 

 

Insgesamt wirkt sich die Täterkomponente neutral aus. 

 

3.5. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze des Beschleunigungsgebots 

wiederholt dargelegt (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_1003/2020 

vom 21. April 2021 E. 3.3.1 und 6B_855/2020 vom 25. Oktober 2021 

E. 1.5.4; BGE 143 IV 373). Darauf kann verwiesen werden.  

 

Die Frist für die Urteilsbegründung beträgt gemäss Art. 84 Abs. 4 StPO 60 

Tage, ausnahmsweise 90 Tage. Nach der Rechtsprechung handelt es sich 

hierbei um eine Ordnungsfrist, deren Nichteinhaltung ein Indiz für eine 

Verletzung des Beschleunigungsgebots sein kann. Die Zustellung des 

begründeten vorinstanzlichen Urteils erfolgte am 7. September 2023. Mit 

einer Ausfertigungsdauer von fast 8 Monaten für die schriftliche 

Urteilsbegründung hat die Vorinstanz die hierfür massgebenden Fristen 

 - 15 - 

 

 

somit überschritten. Zwar ist das vorinstanzliche Urteil mit 126 Seiten 

umfangreich ausgefallen, es handelte sich aber weder in tatsächlicher noch 

rechtlicher Hinsicht um eine besonders komplexe Angelegenheit noch um 

einen aussergewöhnlich umfangreichen Straffall. Unter diesen Umständen 

liegt eine Verletzung des Beschleunigungsgebots vor. Die Verletzung des 

Beschleunigungsgebots allein aufgrund einer Nichteinhaltung der Fristen 

für eine Urteilsbegründung wiegt jedoch nicht derart schwer, dass sie vor 

dem Hintergrund einer mehrjährigen Freiheitsstrafe für einen versuchten 

Mord zu einer Strafreduktion führen könnte, zumal sich der Beschuldigte 

im vorzeitigen Strafvollzug befindet, das erstinstanzliche Urteil mündlich 

eröffnet worden war und auch er selbst eine mehrjährige Freiheitsstrafe 

beantragt hatte. Unter diesen Umständen kann es mit einer Feststellung 

der Verletzung des Beschleunigungsgebots im Dispositiv sein Bewenden 

haben. 

 

3.6. 

Bei einer Freiheitstrafe von 12 Jahren ist der bedingte oder teilbedingte 

Strafvollzug ausgeschlossen (vgl. Art. 42 f. StGB). 

 

3.7. 

Dem Beschuldigten sind die vorläufige Festnahme, die bisher 

ausgestandene Untersuchungshaft sowie der vorzeitige Strafvollzug von 

insgesamt 1'759 Tagen (vorläufige Festnahme vom 2. August 2019 bis 

3. August 2019; Untersuchungshaft vom 17. August 2019 bis 9. Januar 

2020; vorzeitiger Strafvollzug vom 10. Januar 2020 bis 7. Juni 2024) auf 

die Freiheitsstrafe anzurechnen (Art. 51 StGB i.V.m. Art. 110 Abs. 7 StGB; 

Art. 236 Abs. 4 StPO). 

 

3.8. 

Die angeordnete vollzugsbegleitende ambulante Massnahme ist 

unangefochten geblieben und folglich nicht zu überprüfen. 

 

3.9. 

Zusammenfassend ist der Beschuldigte zu einer unbedingten 

Freiheitsstrafe von 12 Jahren und zu einer unbedingten Geldstrafe von 150 

Tagessätzen à Fr. 10.00, d.h. Fr. 1'500.00 zu verurteilen. 

 

Die Berufung des Beschuldigten erweist sich im Strafpunkt somit als 

unbegründet, während sich die Berufung der Staatsanwaltschaft als 

teilweise begründet erweist.  

 

4. 

4.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten gestützt auf Art. 66a lit. a StGB für 

die Dauer von 13 Jahren des Landes verwiesen und die Ausschreibung der 

Landesverweisung im Schengener Informationssystem angeordnet.  

 - 16 - 

 

 

Die Anordnung der Landesverweisung und die Ausschreibung im 

Schengener Informationssystem ist im Berufungsverfahren unbestritten 

geblieben und deshalb nicht zu überprüfen. Die Staatsanwaltschaft 

beantragt mit Berufung jedoch eine Erhöhung der Dauer der 

Landesverweisung auf 15 Jahre, der Beschuldigte eine Reduktion auf 10 

Jahre. 

 

4.2. 

Die Landesverweisung dauert zwischen 5 und 15 Jahre. Dem Gericht 

kommt bei der Festsetzung der Dauer ein grosser Ermessenspielraum zu. 

Der Beschuldigte wird mit vorliegendem Urteil wegen versuchten Mordes, 

bei welchem es sich um eine Katalogtat gemäss Art. 66a Abs. 1 lit. a StGB 

handelt, schuldig gesprochen. Dafür wird er mit einer unbedingten 

Freiheitsstrafe von 12 Jahren bestraft. Mit dem versuchten Mord an seiner 

eigenen Tochter hat der Beschuldigte ein hohes Mass an krimineller 

Energie gezeigt und es kann ihm – aufgrund der Schwere des begangenen 

Delikts und der unangefochten gebliebenen ambulanten Massnahme – 

keine positive Legalprognose gestellt werden. Mit der begangenen Tat hat 

er das höchste Rechtsgut – das Leben – gefährdet, was zu einem hohen 

öffentlichen Interesse an seiner Fernhaltung führt. Gemäss den 

Ausführungen von Prof. Dr. med. H._____ im forensisch-psychiatrischen 

Gutachten vom 27. Januar 2021 könne der Beschuldigte zwar nicht als 

grundsätzlich gewaltbereit eingestuft werden, allerdings sei er im Kontext 

häuslicher Gewalt als Wiederholungstäter einzustufen. So weise der 

Beschuldigte im Bereich häuslicher Gewalt ein hohes Risiko für erneute 

Gewalthandlungen auf (UA act. 953 f.). Dabei ergebe sich das Risiko 

weiterer Gewaltanwendung weniger aufgrund einer gewaltbejahenden 

inneren Einstellung, sondern durch seine mangelhaften 

Konfliktbewältigungsstrategien und eingeschränkte Fähigkeit zur 

Emotionsregulation. Im Falle einer erneuten Beziehungsaufnahme gehe 

vom Beschuldigten ein hohes Risiko für zukünftige aggressive Verhaltens-

weisen zum Nachteil seiner Partnerin aus (UA act. 954), wobei impulsiv 

gelagerte Verhaltensweisen mit Bedrohungen, Körperverletzungen und 

Nötigungen bei erneuten familiären bzw. partnerschaftlichen Konflikten zu 

erwarten seien (UA act. 958). Hinzu kommt, dass sich die vorliegende Tat 

– ohne dass es dafür irgendwelche Anzeichen gegeben hätte – aus 

nichtigem Anlass nicht etwa gegen die Partnerin, sondern die eigene 

Tochter gerichtet hatte. Das öffentliche Sicherheitsinteresse und damit 

einhergehend das öffentliche Interesse an einer Wegweisung ist 

entsprechend als sehr hoch zu beurteilen, während sich die privaten 

Interessen des erst im Erwachsenenalter in die Schweiz gekommenen 

Beschuldigten an einem Verbleib in der Schweiz als vergleichsweise gering 

erweisen (vgl. vorinstanzliches Urteil E. 11.3), zumal die Beziehung zu 

C._____ nicht mehr besteht und er sein Interesse an einem Verbleib in der 

Schweiz auch hinsichtlich der Dauer der Landesverweisung nicht mit der 

Beziehung zu E._____ begründen kann, hat sich der versuchte Mord doch 

 - 17 - 

 

 

gegen sie gerichtet. Die Beziehung zur anderen minderjährigen Tochter, 

F._____, ist stark belastet. Zudem wird diese nach Verbüssung der 

Freiheitsstrafe bereits volljährig sein. Unter diesen Umständen rechtfertigt 

es sich, trotz der nicht unerheblichen Aufenthaltsdauer des Beschuldigten 

in der Schweiz, die Dauer der Landesverweisung auf 15 Jahre festzulegen. 

 

Die Berufung der Staatsanwaltschaft erweist sich in diesem Punkt somit als 

begründet. 

 

5. 

5.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei 

im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon 

ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge 

gutgeheissen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_997/2020 vom 

18. November 2021 E. 2.2). 

 

Der Beschuldigte unterliegt mit seiner Berufung, mit der er eine 

Verurteilung wegen versuchter schwerer Körperverletzung, eventualiter 

wegen versuchter vorsätzlicher Tötung, und eine Freiheitsstrafe von 

4 Jahren, eventualiter von 5 Jahren, sowie eine Reduktion der Dauer der 

Landesverweisung beantragt hat, vollumfänglich. Die Staatsanwaltschaft, 

welche mit Berufung eine Erhöhung der Freiheitsstrafe auf 20 Jahre 

beantragt hat, dringt insoweit durch, als die Freiheitsstrafe auf 12 Jahre 

erhöht und die Dauer der Landesverweisung – wie von ihr beantragt – auf 

15 Jahre festgesetzt wird. Unter diesen Umständen rechtfertigt es sich bei 

einer Gewichtung der entsprechenden Anträge, dem Beschuldigten die 

obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 (§ 18 VKD) zu ¾ mit 

3'000.00 aufzuerlegen und im Übrigen auf die Staatskasse zu nehmen. 

 

5.2. 

Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten ist für das Berufungsverfahren 

aus der Staatskasse zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 

AnwT und § 13 AnwT). 

 

Der amtliche Verteidiger hat anlässlich der Berufungsverhandlung eine 

Kostennote mit einem Aufwand von 65.40 Stunden zu einem 

Stundenansatz von Fr. 220.00 sowie Auslagen von Fr. 1'195.55 und die 

gesetzliche Mehrwertsteuer – aufgeteilt nach bis zum 31. Dezember 2023 

geltenden Mehrwertsteuersatz von 7.7 % und seit 1. Januar 2024 

geltendem Mehrwertsteuersatz von 8.1 % –, gesamthaft somit 

Fr. 16'866.25, geltend gemacht. Dieser Aufwand steht zum Umfang und zur 

Schwierigkeit der sich im Berufungsverfahren stellenden Fragen in einem 

offensichtlichen Missverhältnis, weshalb nicht unbesehen auf die 

Kostennote abgestellt werden kann.  

 - 18 - 

 

 

Zum einen ist der Aufwand bis zur Berufungserklärung nicht im 

Berufungsverfahren geltend zu machen und abzugelten. Im 

Berufungsverfahren kann nur der angemessene Aufwand ab Rechts-

hängigkeit beim Berufungsgericht, d.h. aus Sicht des amtlichen 

Verteidigers ab Berufungserklärung entschädigt werden. Der zuvor 

anfallende Aufwand ist im erstinstanzlichen Verfahren geltend zu machen. 

Dass dieser Aufwand teilweise nur geschätzt werden kann, ändert nichts 

daran, dass er zum erstinstanzlichen Verfahren gehört. Mithin sind die in 

der Kostennote aufgeführten Positionen vom 6. Februar 2023 bis 

25. September 2023 im Gesamtumfang von 7.75 Stunden nicht im 

Berufungsverfahren zu entschädigen. 

 

Der amtliche Verteidiger machte für das Aktenstudium (u.a. Gutachten von 

Prof. Dr. med. H._____, Befragung von C._____, medizinische Akten und 

Beizugsakten SDRG) einen Aufwand von insgesamt 18 Stunden geltend, 

was sich in Anbetracht der Tatsache, dass er mit dem Fall bereits aufgrund 

seiner erstinstanzlichen Teilnahme bestens vertraut war, als deutlich zu 

hoch erweist. Dem Obergericht erscheint ein Aufwand von 5 Stunden 

angemessen. Darin ist auch eine erneute Auseinandersetzung mit dem 

erstinstanzlichen Urteil enthalten. Die zwischen dem 13. Mai 2024 und 

1. Juni 2024 aufgeführten Positionen betreffend das Aktenstudium sind 

somit um 13 Stunden zu kürzen. 

 

Als deutlich überhöht erweist sich zudem der für die Ausarbeitung des 

Plädoyers (inkl. Überarbeitung) insgesamt geltend gemachte Aufwand von 

18.5 Stunden. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass sich das Berufungs-

verfahren auf die rechtliche Qualifikation der Tat, die Strafzumessung und 

die Dauer der Landesverweisung beschränkte. Die Schuldsprüche 

betreffend die Drohung und mehrfache Beschimpfung zum Nachteil von 

D._____ sowie die Verurteilung hierfür zu einer Geldstrafe, die 

angeordnete ambulante Massnahme und die Anordnung einer 

Landesverweisung waren nicht mehr angefochten. Zudem war der äussere 

Ablauf des massgeblichen Sachverhalts unbestritten. Im Weiteren wurde 

weitgehend an der bisherigen Verteidigungsstrategie festgehalten. Das 

Plädoyer umfasst zwar 24 Seiten, jedoch enthält es vor dem Hintergrund 

der sich in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht stellenden Fragen 

weitschweifig, überflüssig und nicht zielführend erscheinende 

Ausführungen, was nicht zu entschädigen ist. Insgesamt ist der für die 

Erarbeitung des Plädoyers zu vergütende Aufwand auf angemessene 

6 Stunden zu reduzieren. 

 

Ebenfalls überhöht ist die aufgeführte Dauer der Berufungsverhandlung 

von 7 Stunden. Diese Position ist um 3.5 Stunden auf 3.5 Stunden zu 

kürzen, was die effektive Dauer der Berufungsverhandlung von 2.5 

Stunden und eine angemessene Wegentschädigung von gesamthaft einer 

Stunde beinhaltet. 

 - 19 - 

 

 

Dies ergibt gesamthaft einen um 36.75 Stunden reduzierten Aufwand von 

28.91 Stunden bei einem Stundenansatz von Fr. 200.00 für erbrachte 

Leistungen von 8.75 Stunden bis zum 31. Dezember 2023 und bei einem 

Stundenansatz von Fr. 220.00 für erbrachte Leistungen von 20.16 Stunden 

ab dem 1. Januar 2024 (vgl. § 9 Abs. 3bis AnwT; zur zeitlichen Anwendung: 

Leitentscheid des Obergerichts SST.2023.55 vom 26. Januar 2024 E. 4.2). 

Hinzu kommen die Auslagen von Fr. 419.80 für 2023 und Auslagen von 

Fr. 775.75 für 2024 sowie die gesetzliche Mehrwertsteuer (7.7 % für 

erbrachte Leistungen von 8.75 Stunden bis zum 31. Dezember 2023 und 

8.1 % für erbrachte Leistungen von 20.16 Stunden ab dem 1. Januar 2024), 

woraus eine Entschädigung für das Berufungsverfahren von gerundet 

Fr. 6'775.00 resultiert. 

 

Diese Entschädigung (ohne Dolmetscherkosten) ist vom Beschuldigten 

ausgangsgemäss zu ¾ zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen 

Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

6. 

6.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). 

 

Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die erst-

instanzlichen Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. Zwar wurde das 

Verfahren hinsichtlich der mehrfachen Beschimpfung zum Nachteil von 

C._____ (Anklageziffer 4.2) und der mehrfachen Drohung zum Nachteil von 

C._____ (Anklageziffer 3.2 und 3.3) eingestellt und wurde der Beschuldigte 

vom Vorwurf der Drohung zum Nachteil von D._____ (Anklageziffer 3.1) 

freigesprochen. Es handelt sich dabei aber im Vergleich zu den 

Schuldsprüchen um untergeordnete Punkte, auf die zudem keine 

ausscheidbaren Untersuchungskosten entfallen sind. Es rechtfertigt sich 

deshalb, die erstinstanzlichen Verfahrenskosten dem Beschuldigten 

vollumfänglich aufzuerlegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_491/2023 

vom 7. August 2023 E. 3.3 mit Hinweisen). 

 

6.2. 

Die Höhe der Entschädigung des amtlichen Verteidigers von Fr. 55'266.45 

(inkl. Dolmetscherauslagen) für das erstinstanzliche Verfahren ist mit 

Berufungserklärung – zu spät (vgl. Verfügung vom 9. Oktober 2023) – 

angefochten worden. Der diesbezügliche Antrag auf Zusprechung einer 

höheren Entschädigung ist mit Eingabe vom 8. Dezember 2023 jedoch 

wieder zurückgezogen worden, weshalb darauf nicht zurückzukommen ist 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019 E. 2.3).  

 

 - 20 - 

 

 

Diese Entschädigung (ohne Dolmetscherkosten) ist vom Beschuldigten 

zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 

(Art. 135 Abs. 4 StPO).  

 

6.3. 

Die dem früheren amtlichen Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt 

Daniel Huser, für das erstinstanzliche Verfahren zugesprochene 

Entschädigung in der Höhe von Fr. 12'073.60 ist mit Berufung nicht 

angefochten worden, weshalb darauf im Berufungsverfahren nicht 

zurückzukommen ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 

28. Januar 2019 E. 2.3).  

 

Diese Entschädigung (ohne Dolmetscherkosten) ist vom Beschuldigten 

zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 

(Art. 135 Abs. 4 StPO).  

 

6.4. 

Die der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Privatklägerin E._____ im 

erstinstanzlichen Verfahren zugesprochene Entschädigung von 

Fr. 19'258.85 ist mit Berufung nicht angefochten worden, weshalb darauf 

im Berufungsverfahren nicht mehr zurückzukommen ist. 

 

7. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 Abs. 1 

StPO, Art. 81 StPO). 

 

  

 - 21 - 

 

 

   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Es wird festgestellt, dass das Beschleunigungsgebot verletzt worden ist. 

 

2. [in Rechtskraft erwachsen] 

Das Verfahren wird hinsichtlich des Vorwurfs der mehrfachen 

Beschimpfung zum Nachteil von C._____ (Anklageziffer 4.2) und der 

mehrfachen Drohung zum Nachteil von C._____ (Anklageziffer 3.2 und 3.3) 

eingestellt. 

 

3. [in Rechtskraft erwachsen]  

Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf der Drohung zum 

Nachteil von D._____ (Anklageziffer 3.1). 

 

4. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- des versuchten Mordes gemäss Art. 112 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 

StGB (Anklageziffer 1) 

- der Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB zum Nachteil von D._____ 

(Anklageziffer 3.3) [in Rechtskraft erwachsen]; 

- der mehrfachen Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB zum 

Nachteil von D._____ (Anklageziffern 4.1 und 4.3) [in Rechtskraft 

erwachsen]. 

 

5. 

5.1. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss den in Ziff. 4 genannten 

Gesetzesbestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 40 

StGB, Art. 34 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB und Art. 46 Abs. 1 StGB 

 

zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 12 Jahren, 

 

und als Gesamtstrafe mit der Widerrufsstrafe gemäss Ziff. 5.2  

 

zu einer unbedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen à Fr. 10.00, d.h. 

Fr. 1'500.00, 

 

verurteilt.  

 

5.2. 

Der dem Beschuldigten mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-

Landschaft vom 28. März 2019 für die Geldstrafe von 20 Tagessätzen 

gewährte bedingte Strafvollzug wird gestützt auf Art. 46 Abs. 1 StGB 

widerrufen. Die Widerrufstrafe bildet Bestandteil der in Ziff. 5.1 

ausgesprochenen Gesamtgeldstrafe. 

 - 22 - 

 

 

5.3. 

Die vorläufige Festnahme, die ausgestandene Untersuchungshaft sowie 

der vorzeitige Strafvollzug von 1'759 Tagen (vorläufige Festnahme vom 

2. August 2019 bis 3. August 2019, Untersuchungshaft vom 17. August 

2019 bis 9. Januar 2020, vorzeitiger Strafvollzug vom 10. Januar 2020 bis 

7. Juni 2024) werden dem Beschuldigten gemäss Art. 51 StGB auf die 

Freiheitsstrafe angerechnet. 

 

6. [in Rechtskraft erwachsen] 

Es wird eine vollzugsbegleitende ambulante Massnahme gemäss Art. 63 

Abs. 1 StGB angeordnet. 

 

7. [mit Ausnahme der Dauer in Rechtskraft erwachsen] 

Der Beschuldigte wird gestützt auf Art. 66a lit. a StGB für die Dauer von 15 

Jahren des Landes verwiesen. 

 

Die Landesverweisung wird im Schengener Informationssystem (SIS) 

ausgeschrieben. 

 

8. [in Rechtskraft erwachsen] 

8.1. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin C._____ eine 

Genugtuung von Fr. 10'000.00 zzgl. Zins zu 5 % seit 17. August 2019 zu 

bezahlen. 

 

8.2. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin E._____ eine 

Genugtuung von Fr. 25'000.00 zzgl. Zins zu 5 % seit 17. August 2019 zu 

bezahlen.  

 

8.3. 

Der Beschuldigte wird für den der Privatklägerin E._____ entstehenden 

Schaden, der adäquat-kausal auf den versuchten Mord zurückzuführen ist, 

dem Grundsatz nach bei einer Haftungsquote von 100 % schadenersatz-

pflichtig erklärt. 

 

Im Übrigen wird die Zivilklage von E._____ auf den Zivilweg verwiesen. 

 

9. [in Rechtskraft erwachsen] 

Die nachfolgend aufgeführten beschlagnahmten Gegenstände und 

Unterlagen werden dem Beschuldigten auf Verlangen zurückgegeben: 

- Handy Samsung Galaxy J5 

- Kuvert mit Schreiben betreffend Geldschulden 

- Kuvert mit Dokument i.S. Anzeige HG 

- Kuvert mit Einladung Besuchstag F._____ 

- Kuvert mit Dokument der G._____ 

 - 23 - 

 

 

- Kuvert mit Minigrip mit 2 Schlüssel 

- Kuvert mit SIM-Karte Lebara 

- Handy Wiko mit Netzteil 

- Kuvert mit Kaufvertrag inkl. Quittung und Verpackung 

 

Werden diese Gegenstände und Unterlagen nicht innert 30 Tagen seit 

Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils abgeholt, trifft die Staatsanwaltschaft 

die sachgemässen Verfügungen. 

 

10. 

10.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 werden dem 

Beschuldigten zu ¾ mit Fr. 3'000.00 auferlegt und im Übrigen auf die 

Staatskasse genommen. 

 

10.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das 

Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 6'775.00 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung (ohne Dolmetscherkosten) wird vom Beschuldigten 

zu ¾ zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse 

erlauben. 

 

11. 

11.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 55'165.90 (inkl. Anklage-

gebühr von Fr. 2'550.00) werden dem Beschuldigten auferlegt. 

 

11.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Entschädigung von Fr. 55'266.45 (inkl. Dolmetscher-

auslagen) auszurichten. 

 

Diese Entschädigung (ohne Dolmetscherkosten) wird vom Beschuldigten 

zurückgefordert, sobald es seine finanziellen Verhältnisse erlauben. 

 

11.3. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem früheren amtlichen Verteidiger des 

Beschuldigten, Rechtsanwalt Daniel Huser, für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Entschädigung von Fr. 12'073.60 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung (ohne Dolmetscherkosten) wird vom Beschuldigten 

zurückgefordert, sobald es seine finanziellen Verhältnisse erlauben. 

 

 - 24 - 

 

 

11.4. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin C._____ für das 

erstinstanzliche Verfahren eine Parteientschädigung von Fr. 18'124.95 zu 

bezahlen. 

 

11.5. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, der unentgeltlichen Vertreterin der Privatklägerin 

E._____ für das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von 

Fr. 19'258.85 auszurichten.  

 

 

 Zustellung an: 

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 7. Juni 2024 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Six     Eichenberger