# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dc7a57ea-3103-5d1a-b832-0c35ff21c636
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-03-08
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 08.03.2013 IV 2011/31
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2011-31_2013-03-08.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2011/31

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 08.03.2013

Entscheiddatum: 08.03.2013

Entscheid Versicherungsgericht, 08.03.2013
Art. 28 IVG. Aufgrund sämtlicher objektiver und subjektiver Umstände, ist die 
allfällig verbleibende Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin mit 
Jahrgang 1947 von 40 - 50% nicht mehr verwertbar (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St.Gallen vom 8. März 2013, IV 2011/31).

Präsidentin Karin Huber-Studerus, a.o. Versicherungsrichterin Gertrud Condamin-

Voney, Versicherungsrichterin Monika Gehrer-Hug; Gerichtsschreiber Matthias Burri

 

Entscheid vom 8. März 2013

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Fiechter, Poststrasse 6, Postfach 239, 

9443 Widnau,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Rente

 

Sachverhalt:

A.a   Die Versicherte A.___ meldete sich am 21. August 2008 bei der 

Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen zum Bezug von Leistungen der 

Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1-1 ff.). Die gelernte Hotelkauffrau bildete sich in 

den Jahren 1998 bis 2000 zur diplomierten Fusspflegerin, Masseurin und Kosmetikerin 

aus (IV-act. 1-6, 2-1 ff.). Danach war sie als Fusspflegerin/Masseurin/ Kosmetikerin 

selbstständigerwerbend. Seit März 2006 sei sie krank (IV-act. 1-5).

A.b   Im Bericht vom 29. Oktober 2008 nannte der Hausarzt der Versicherten, med. 

pract. B.___, Allgemeinmedizin FMH, folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit: Systemische Sklerose (CREST-Syndrom) mit Organbeteiligung 

Oesophagus und partieller Insuffizienz des lateralen M. deltoideus bei Muskelruptur 

rechts; Status nach Implantation einer inversen Schulterarthroplastik rechts Typ Lyma 

09.02.2007 bei irreparabler Rotatorenmanschettenmassenruptur Schulter rechts mit 

exzentrischer Omarthrose; Läsion des Nervus medianus am Oberarm rechts infolge 

Status nach Implantation einer inversen Schulterarthroplastik. Die Versicherte sei seit 

21. März 2006 sowohl in ihrer bisherigen als auch in anderen Tätigkeiten zu 100% 

arbeitsunfähig (IV-act. 14-1 ff.). Dem Bericht legte er diverse spezialärztliche Berichte 

des Kantonsspitals St. Gallen, der Schulthess Klinik Zürich sowie einen Bericht von Dr. 

med. C.___, Fachärztin FMH für Neurologie, bei (IV-act. 14-7 ff.). Im Rahmen des EU-

Verfahrens reichte der Hausarzt der IV-Stelle am 14. Januar 2009 das Formular E 213 

CH, Ausführlicher ärztlicher Bericht, ein (IV-act. 27-1 ff.).

A.c   Mit Stellungnahme vom 20. Februar 2009 hielt Dr. med. D.___, Arzt des 

Regionalärztlichen Dienstes der IV-Stelle (RAD), im Wesentlichen fest, die vom Haus­

arzt attestierte 100%-ige Arbeitsunfähigkeit in der Tätigkeit als Kosmetikerin/Fuss­

pflegerin/Masseurin sei nachvollziehbar. Eine adaptierte Tätigkeit halte er im Rahmen 

von etwa 70% ganztags, mit der Möglichkeit zu vermehrten und betriebsunüblichen 

Pausen, für zumutbar. Aus medizinsicher Sicht sei zu berücksichtigen, dass dabei 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

keine Arbeiten über der Horizontalebene, keine repetitiven Bewegungen im rechten 

Schultergelenk, keine Arbeiten in der Kälte, kein Heben und Tragen von Lasten über 5 

kg rechts sowie keine feinmotorischen Tätigkeiten rechts vorkommen sollten. In 

Anbetracht der Qualifikation der Versicherten als Selbstständigerwerbende, sei eine 

Abklärung vor Ort durchzuführen (IV-act. 29-2 f.).

A.d   Im Abklärungsbericht für Selbstständigerwerbende vom Juli 2009 hielt die Ab­

klärungsperson im Wesentlichen fest, die Tätigkeiten als Kosmetikerin/Fusspflegerin/ 

Masseurin könne die Versicherte nicht mehr ausüben. Wahrscheinlich sei nun wegen 

Überlastung auch die linke Schulter erheblich beeinträchtigt. Diesbezüglich stünden 

weitere Abklärungen an. Der allgemeine Zustand habe sich gemäss Angaben der 

Versicherten dermassen verschlechtert, dass sie keine relevante Arbeitsfähigkeit für 

irgendeine Tätigkeit sehe (IV-act. 34-1 ff.).

A.e   Im Verlaufsbericht vom 2. September 2009 ergänzte der Hausarzt die bereits be­

kannten Diagnosen mit einem Subacromialen Impingementsyndrom Schulter links bei 

MR-tomographisch transmoraler intervallnaher Supraspinatus-Partialruptur mit wahr­

scheinlich auch instabiler Biceps longus-Sehne Schulter links. Aufgrund der 

vermehrten Mehrbelastung der linken Hand sei nun im Rahmen des CREST-Syndroms 

neu eine Periarthopathia Humeroskapularis links aufgetreten. Die Versicherte könne 

auch mit der linken Hand nur noch eingeschränkt Arbeiten ausführen, insbesondere 

über 90 Grad sei es ihr beidseits nicht mehr möglich, irgendetwas zu greifen. Von 

Seiten der Schulthess Klinik könne aktuell therapeutisch keine Alternative angeboten 

werden. Er gehe davon aus, dass aufgrund der eingeschränkten Schulterbeweglichkeit 

mit dauernden Schmerzen beidseits auch eine leichte Arbeit mit Wechselbelastung 

absolut aussichtslos sei. Aufgrund der rheumatologischen Grunderkrankung und der 

aktuellen Beschwerden sei sicherlich eine Begutachtung notwendig (IV-act. 35-1 ff.). 

Mit Stellungnahme des RAD vom 14. September 2009 relativierte RAD-Arzt Dr. D.___ 

aufgrund der neu dazugekommenen Schulterbeschwerden links seine ursprüngliche 

Arbeitsfähigkeitsschätzung und empfahl angesichts der Komplexität der 

Krankheitsbilder eine rheumatologische Begutachtung (IV-act. 36-2).

A.f    Am 9. Dezember 2009 wurde die Versicherte von Dr. med. E.___, Rheumatologie 

FMH, internistisch-rheumatologisch begutachtet (IV-act. 41-1 ff.). Im Gutachten vom 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

15. Januar 2010 nannte Dr. E.___ folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit:

CREST-Syndrom (ED 2006, Erstsymptome in den 90-er Jahren)

·        ANA 1:10'240, anti Zentrometer-AK 8.6 MOC (< 1,0), anti-SCL70 negativ

·        Raynaud-Syndrom

·        Calcinosis

o Status nach Exzision von Calcinoseherden Fingerkuppen Dig I links und Dig IV rechts

·        Sklerodactylie

·        Schwere oesophageale Refluxerkrankung

o Schwere Refluxoesophagitis, Erosion/Ulcus im Bereich der Z-Linie (ED 12/08)

o Axiale Hiatushernie

o Amotiler Oesophagus

o Status nach Soor-Oesophagitis (12/08)

·        Teleangiektasien im Bereich der oberen Thoraxapertur und im Gesicht

·        Erschwerte Mundöffnung (maximaler Interdentalabstand 3,1 cm)

Chronisches Schmerzsyndrom und Beweglichkeitseinschränkung Schulter rechts

·        Implantation einer inversen Schulterarthroplastik rechts Typ Lima 09.02.07 wegen 

irreparabler Rotatorenmanschettenmassenruptur (Supra- und Infraspinatus) und 

exzentrischer Omarthrose

Partielle Insuffizienz und Artrophie des M. deltoideus rechts bei Ruptur der Pars 

lateralis des M. deltoideus rechts

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Proximale Medianusläsion rechts DD iatrogen bei Implantation der inversen 

Schulterarthroplastik rechts 02/07

Anamnestisch Periarthropathia humerosculparis tendinotica vom Supraspinatustyp 

links mit subakromialem Impingement

·        Intervallnahe, praktisch transmurale Ruptur der Supraspinatussehne mit geringer 

Sehnenretraktion (MRI 02.07.09)

·        Subakrominale Steroidinfiltration links 08/09

Die von der Beschwerdeführerin glaubhaft geschilderten Beschwerden hätten mit den 

klinischen, radiologischen und immunologischen Befunden korreliert. Es hätten sich 

weder Hinweise für eine Schmerzausweitung noch eine Schmerzverdeutlichungs­

tendenz gezeigt (IV-act. 41-13). Dr. E.___ kam zusammenfassend zum Schluss, dass in 

der zuletzt ausgeführten Tätigkeit als Kosmetikerin/Fusspflegerin/Masseurin aus 

somatischer Sicht eine dauerhafte volle Arbeitsunfähigkeit seit März 2006 bestehe. In 

einer körperlich leichten Tätigkeit, sei die Versicherte spätestens seit Februar 2007 im 

Rahmen von 40 bis höchstens 50% arbeitsfähig (IV-act. 41-13 f.).

A.g   Mit Stellungnahme vom 21. Januar 2010 hielt RAD-Arzt Dr. D.___ im Wesentlichen 

fest, es könne gestützt auf das Gutachten von Dr. E.___ von einer 40 bis 50%-igen 

Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit ausgegangen werden. Betreffend 

den Verlauf der Arbeitsfähigkeit führte er aus, es sei Anfang Februar 2007 eine 

Schulterendoprothese implantiert worden, wobei sich im postoperativen Verlauf eine 

Medianusläsion mit protrahiertem Verlauf manifestiert habe. Gemäss Angaben des 

Hausarztes könne ab Oktober 2008 von einem stationären Gesundheitszustand aus­

gegangen werden. Die Arbeitsfähigkeit von 40 - 50 % in einer adaptierten Tätigkeit 

könne etwa ab diesem Zeitpunkt als gegeben angesehen werden (IV-act. 42-1 f.).

B.     

B.a   Mit Vorbescheid vom 8. März 2010 stellte die IV-Stelle die Zusprache einer 

ganzen Rente ab 1. März 2007 bzw. einer halben Rente ab 1. Oktober 2008 in Aussicht 

(IV-act. 46).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

B.b   Nach erstreckter Frist liess die Versicherte am 7. Mai 2010, vertreten durch 

Rechtsanwalt lic. iur. A. Fiechter, gegen den Vorbescheid Einwand erheben (IV-act. 

54-1 ff.). Dem Einwand war u.a. zu entnehmen, dass die Versicherte nun auch unter 

psychischen Beschwerden litt, welche vom Hausarzt medikamentös behandelt wurden 

(IV-act. 54-7 f.). In der Folge holte die IV-Stelle beim Hausarzt einen Verlaufsbericht ein 

(IV-act. 66). Daraus war ersichtlich, dass die Versicherte bei Dr. med. G. F.___ psychi­

atrisch behandelt wurde (IV-act. 66-2). Mit Bericht vom 29. September 2010 nannte 

Dr. med. F.___, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, folgende psychi­

atrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Schwere depressive 

Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F32.3). Die Versicherte sei seit 

Aufnahme der Behandlung am 3. September 2010 sowohl in der bisherigen als auch in 

einer adaptierten Tätigkeit zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 67-1 ff.).

B.c   Am 14. Oktober 2010 teilte die IV-Stelle dem Rechtsvertreter der Versicherten mit, 

dass aufgrund der schweren Depression ab September 2010 eine 100%-ige Arbeits­

unfähigkeit bestehe. Ab 1. Dezember 2010 werde daher die halbe Rente auf eine ganze 

Rente erhöht (IV-act. 72). Am 10. November 2010 informierte die IV-Stelle den Rechts­

vertreter bezugnehmend auf den Vorbescheid vom 8. März 2010 bzw. das Schreiben 

vom 14. Oktober 2010, dass der Rentenbeginn falsch festgesetzt worden sei. Aufgrund 

der verspäteten IV-Anmeldung (28. August 2008) könnten die Leistungen nur für die der 

Anmeldung vorangehenden 12 Monate gewährt werden. Der Rentenanspruch bestehe 

somit erst ab 1. August 2007 (IV-act. 78).

B.d    Mit drei Verfügungen vom 3. Dezember 2010 sprach die IV-Stelle der 

Versicherten eine ganze Rente ab 1. August 2007 (act. G 1.1.1.3, im Verfügungsteil 2 

wurde wohl fälschlicherweise der Rentenbeginn 1. März 2007 genannt) bzw. eine halbe 

Rente ab 1. Oktober 2008 (act. G 1.1.1.1) und wieder eine ganze Rente ab 1. Dezember 

2010 zu (act. G 1.1.1.2).

C.     

C.a   Gegen diese Verfügung (vgl. nachfolgende E. 3.1 betreffend der Behandlung der 

drei Verfügungen vom 3. Dezember 2010 als eine Rentenverfügung) richtet sich die 

Beschwerde der Versicherten vom 25. Januar 2011. Die Verfügung vom 3. Dezember 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

2010 sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin 

dahingehend abzuändern, dass der Beschwerdeführerin ab 1. Oktober 2008 eine 

ganze IV-Rente zuzusprechen sei. Im Übrigen solle es bei der Verfügung bleiben. 

Eventualiter sei die Streitsache zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin 

zurückzuweisen mit der Weisung, vorgängig ein neutrales medizinisches 

rheumatologisches sowie dermatologisches Obergutachten einzuholen. Sodann sei der 

Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung zulasten des Staates zu 

gewähren. Die Beschwerdeführerin begründet ihre Beschwerde im Wesentlichen damit, 

dass sie entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin auch im Zeitraum ab 

Oktober 2008 zu 100% arbeitsunfähig gewesen sei. Sodann sei die von Dr. E.___ im 

Gutachten beschriebene adaptierte Tätigkeit im spezifischen Fall undenkbar. Mithin 

existiere eine solche Arbeit nicht (act. G 1).

C.b   Mit Beschwerdeantwort vom 24. März 2011 beantragt die Beschwerdegegnerin 

die Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdegegnerin macht im Wesentlichen 

geltend, es könne auf die im Gutachten von Dr. E.___ festgestellte Arbeitsfähigkeit in 

einer adaptierten Tätigkeit in einem zeitlichen Rahmen von 40 bis höchstens 50% 

abgestellt werden. Gemäss Angaben des Hausarztes der Beschwerdeführerin sei ab 

Oktober 2008 von einem stationären Gesundheitszustand auszugehen, sodass die 

Arbeitsfähigkeit von 40 bis 50% ab diesem Zeitpunkt bestehe. Davor sei der 

Gesundheitszustand aufgrund der Implantation der Schulterendoprothese im Februar 

2007 und postoperativer Medianusläsion mit protrahiertem Verlauf instabil gewesen, 

weshalb der Beschwerdeführerin bis September 2008 eine ganze Rente zugesprochen 

worden sei (act. G 6).

C.c   Mit Replik vom 14. April 2011 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest. 

Ergänzend führt sie im Wesentlichen aus, die Annahme der Beschwerdegegnerin, dass 

der Gesundheitszustand im August 2008 stationär gewesen sei, treffe nicht zu. Sodann 

wird das Gutachten von Dr. E.___ bemängelt. Es basiere nicht auf einer umfassenden 

Untersuchung und sei somit nicht aussagekräftig (act. G 8).

C.d   Die Beschwerdegegnerin verzichtet sinngemäss auf eine Duplik (act. G 9).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

C.e   Am 15. April 2011 bewilligte die Abteilungspräsidentin des Versicherungsgerichts 

die unentgeltliche Rechtspflege in Form der Befreiung von den Gerichtskosten und der 

unentgeltlichen Rechtsverbeiständung durch Rechtsanwalt lic. iur. A. Fiechter (act. 

G 10).

 

Erwägungen:

1.      

Am 1. Januar 2008 traten die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des 

Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über 

die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den All­

gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft. In materiell-

rechtlicher Hinsicht gilt der übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene 

Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids 

bzw. im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen 

führende Sachverhalt verwirklichte (vgl. BGE 127 V 467 Erw. 1, 126 V 136 Erw. 4b, je 

mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am 3. Dezember 2010 ergangen, wobei 

ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmun­

gen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, 

dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über die noch nicht rechtskräftig 

verfügt wurde, ist für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals geltenden 

Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-Revision 

abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des Bundesgerichts [bis 

31. Dezember 2006 Eidgenössisches Versicherungsgericht, EVG] vom 7. Juni 2006 [I 

428/04] Erw. 1). Diese übergangsrechtliche Lage zeitigt insoweit keine materiell-

rechtlichen Folgen, als die 5. IV-Revision hinsichtlich des Begriffs und der Bemessung 

der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber der bis Ende 2007 gültig 

gewesenen Rechtslage brachte (bezüglich Rentenbeginn vgl. nachfolgend Erw. 5). 

Nachfolgend werden die seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und 

IVG wiedergegeben.

2.      

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

2.1    Unter Invalidität wird bei als Gesunden voll erwerbstätigen Personen die voraus­

sichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit 

verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial­

versicherungsrechts [ATSG, SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine 

Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und nach 

zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust 

der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeits­

markt (Art. 7 ATSG).

2.2    Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn 

die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie 

wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so 

besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad von mindestens 40% 

auf eine Viertelsrente.

2.3    Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Be­

schwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls 

auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der 

Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in 

welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits­

unfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen 

festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuver­

lässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Be­

weiswertes eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen 

Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten 

Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der 

Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der 

medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten 

begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).

3.      

3.1    Zwischen den Parteien ist umstritten, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht von 

einer Arbeitsfähigkeit von 40 - 50% in einer adaptierten Tätigkeit ab Oktober 2008 aus­

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

gegangen ist. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin 

ausdrücklich lediglich die Verfügung vom 3. Dezember 2010 betreffend den Zeitraum 

ab 1. Oktober 2008 (bis 30. November 2010), nicht aber diejenigen betreffend die 

Zeiträume vom 1. August 2007 bis 30. September 2008 bzw. ab 1. Dezember 2010 

angefochten hat. Dies ändert aber nichts daran, dass vorliegend sämtliche 

"Verfügungen" vom 3. Dezember 2010 gerichtlich zu überprüfen sind. Denn bei der 

rückwirkenden abgestuften Rentenzusprache, welche vergangenheitsbezogen 

Anpassungen an veränderte Verhältnisse vornimmt, ist es nicht zulässig, den 

Rentenanspruch für bestimmte Perioden je getrennt zu verfügen. Die einzelnen 

"Verfügungen" vom 3. Dezember 2010 bilden deshalb nur Teile ein und derselben 

Rentenverfügung. Keiner der einzelnen Verfügungsteile ist für sich allein 

rechtskraftfähig, nur zusammen bilden sie die Rentenverfügung. 

Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden somit sämt­

liche Teile der Verfügung vom 3. Dezember 2010 (vgl. Urteil des Versicherungsgerichts 

des Kantons St. Gallen vom 22. April 2008, IV 2007/10, E. 1 m. H. auf BGE 131 V 

164 ff. E. 2.3).

3.2    Vorab ist festzuhalten, dass die 100%-ige Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt aus­

geübten Tätigkeit als Fusspflegerin/Masseurin/Kosmetikerin aufgrund der 

medizinischen Aktenlage nicht anzuzweifeln ist. Bereits im Vorfeld der Implantation der 

inversen Schulterprothese hielt Dr. med. G.___, Assistenzärztin, Schulthess Klinik, im 

Bericht vom 2. November 2006 fest, die Beschwerdeführerin könne der Tätigkeit als 

selbstständige Masseurin postoperativ nicht mehr nachgehen. Zudem könne 

möglicherweise auch ein Zurückkehren in den Beruf als Fusspflegerin und 

Kosmetikerin verunmöglicht werden (IV-act. 14-19). Sodann kamen Gutachter Dr. E.___ 

(IV-act. 41-13) und Hausarzt der Beschwerdeführerin (vgl. u.a. IV-act. 35-1 ff.) 

übereinstimmend zum Schluss, dass in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als 

Fusspflegerin/Masseurin/Kosmetikerin keine Arbeitsfähigkeit mehr bestehe, was 

angesichts der degenerativen Beschwerden am Bewegungsapparat plausibel und 

nachvollziehbar erscheint.

3.3    Des Weiteren ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin im 

Zeitraum vor und nach der Implantation der inversen Schulterprothese am 9. Februar 

2007 von einer 100%-igen Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten ausgegangen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

ist. Die offensichtlich bereits länger bestehenden Schulterbeschwerden rechts konnten 

gemäss Bericht der Schulthess Klinik (Gelenkzentrum) vom 9. September 2006 auf eine 

Cuff-Arthropathie rechts bei ausgedehnter Rotatorenmanschettenruptur mit 

beginnender Dezentrierung zurückgeführt werden (IV-act. 14-11). Sodann wurde 

gemäss Bericht der Schulthessklinik (Neurologie) vom 10. Oktober 2006 eine Ruptur 

des M. deltoideus nachgewiesen (IV-act. 14-13 f.). Im Operationsbericht der Schulthess 

Klinik (Obere Extremitäten) vom 9. Februar 2007 wurden als Operationsindikation 

massiv invalidisierende Schulterschmerzen rechts bei ausserdem irreparabler 

Rotatorenmanschettenmassenruptur und exzentrischer Omarthrose genannt (IV-act. 

14-23). Offenbar traten nach der Operation Dysästhesien sowie ein permanentes 

Taubheitsgefühl in den ersten drei radialen Fingern rechts auf (IV-act. 14-25), welche 

gemäss neurologischem Bericht von Dr. C.___ vom 19. September 2007 im 

Zusammenhang mit einer Läsion des N. medianus im rechten Oberarm standen (IV-act. 

14-29). Dass unter diesen Umständen zumindest vorübergehend eine 100% 

Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten bestanden hat, erscheint plausibel, wovon 

gemäss Stellungnahme vom 21. Januar 2010 offenbar auch RAD-Arzt Dr. D.___ 

ausging. Fraglich ist indessen, ob mit Dr. D.___ von einem stabilen bzw. stationären 

Zustand ab Oktober 2008 ausgegangen werden kann, und ob ab diesem Zeitpunkt 

eine Arbeitsfähigkeit von 40 - 50% in einer adaptierten Tätigkeit gemäss Gutachten von 

Dr. E.___ bestanden hat. Bei genauerer Betrachtung des Sachverhalts kann diese 

Frage jedoch offen gelassen werden, was nachfolgend gezeigt wird.

4.      

4.1    Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung zumutbarerweise erzielbare Ein­

kommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln, wobei an die 

Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten keine 

übermässigen Anforderungen zu stellen sind (im Einzelnen dazu SVR 2008 IV Nr. 62 S. 

203, 9C_830/2007 E. 5.1). Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invalidi­

tätsfremder Faktor, in der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen 

mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die 

einer versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Ver­

wertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungslast nicht mehr zumutbar ist. Fehlt 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

es an einer wirtschaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige Er­

werbsunfähigkeit vor, die einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente begründet 

(Urteil I 831/05 vom 21. August 2006 E. 4.1.1 mit Hinweisen). Der Einfluss des Lebens­

alters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsvermögen auf dem 

ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen 

Regel bemessen, sondern hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. Massgebend 

können die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der 

absehbare Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang 

auch Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, 

beruflicher Werdegang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem 

angestammten Bereich sein (Urteile 9C_153/2011 vom 22. März 2012 E. 

3.1; 9C_918/2008 vom 28. Mai 2009 E. 4.2.2 mit Hinweisen).

4.2    Für den Zeitpunkt, in welchem die Frage nach der Verwertbarkeit der (Rest-) 

Arbeitsfähigkeit bei vorgerücktem Alter beantwortet wird, ist auf das Feststehen der 

medizinischen Zumutbarkeit einer (Teil-) Erwerbstätigkeit abzustellen. Die medizinische 

Zumutbarkeit einer (Teil-) Erwerbstätigkeit steht fest, sobald die medizinischen Unter­

lagen diesbezüglich eine zuverlässige Sachverhaltsfeststellung erlauben (BGE 138 

V 457 E. 3.3 f.).

4.3    Die medizinische Zumutbarkeit einer (allfälligen) Teilerwerbstätigkeit stand vor­

liegend mit dem Gutachten von Dr. E.___ vom 9. Dezember 2009 fest. Im konkreten 

Fall ist demnach für die Rentenberechtigung die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit 

am 9. Dezember 2009 entscheidend. Die am 19. März 1947 geborene Beschwerde­

führerin war zu jenem Zeitpunkt rund 62 ¾ alt. Im Gutachten vom 9. Dezember 2009 

beschrieb Dr. E.___ allfällige adaptierte Tätigkeiten, in welchen aus seiner Sicht eine 

40 - 50 % Arbeitsfähigkeit bestehen soll, wie folgt: Körperlich leichte Tätigkeiten ohne 

Arbeiten mit der rechten oberen Extremitäten über der Horizontalebene, ohne Heben/ 

Tragen von Lasten über 5 kg, ohne kraftanfordernde oder feinmotorische Arbeiten 

mit der oberen Extremität, ohne Arbeiten in Kälte/Nässe, des Weiteren ohne Arbeiten 

mit flektiertem Oberkörper (IV-act. 41-14). RAD-Arzt Dr. D.___ erwähnte im seiner 

Stellungnahme vom 20. Februar 2009 zudem, dass die Beschwerdeführerin keine re­

petitiven Tätigkeiten rechts ausführen sollte (IV-act. 29-2). Nebst dem fortgeschrittenen 

Alter bzw. der geringen verbleibenden Aktivitätsdauer bis zum Erreichen des orden­

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

tlichen AHV-Rentenalters von lediglich etwas mehr als einem Jahr ist somit zu berück­

sichtigen, dass die Beschwerdeführerin eine allfällig verbleibende Restarbeitsfähigkeit 

nur noch mit zahlreichen, gesundheitlich bedingten Einschränkungen verwerten könnte. 

Ferner wäre, wenn überhaupt, höchstens noch eine stark reduzierte Erwerbsfähigkeit 

möglich. Zur Frage, inwiefern unter diesen Umständen eine adaptierte Tätigkeit auf 

dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt beruflich umgesetzt werden könnte, äusserte sich 

weder der Gutachter noch die IV-Stelle. Die Verwertbarkeit einer allfälligen 

Restarbeitsfähigkeit beispielsweise in einer leichten Produktionstätigkeit oder 

Büroarbeit oder im ursprünglich erlernten Beruf als Hotelfachangestellte, erscheint 

bereits aufgrund der vorgenannten Einschränkungen ausgeschlossen. Sodann ist eine 

Beschäftigung in einer reinen Überwachungstätigkeit mangels entsprechender 

Erfahrung sowie der überaus kurzen verbleibenden Aktivitätsdauer bis zum Erreichen 

des AHV-Alters unwahrscheinlich. Stellt man diese persönlichen und beruflichen 

Gegebenheiten den objektiven Anforderungen eines ausgeglichenen Arbeitsmarktes 

gegenüber, kommt man selbst bei Annahme einer verbleibenden 40 - 50%-igen 

Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit zum Schluss, dass die 

Beschwerdeführerin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keinen Arbeitgeber mehr 

findet, der sie für eine geeignete Tätigkeit einstellen würde, zumal behindertengerechte 

Arbeitsplätze von Behinderten in jungem und mittlerem Alter ebenfalls stark 

nachgefragt werden (vgl. auch Urteil I 617/02 vom 10 März 2002, 

E. 3.3). Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass die der Beschwerdeführerin 

möglicherweise verbleibende Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird und ihr deren allfällige 

Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zugemutet 

werden könnte. Ist aber ihre allfällige Restarbeitsfähigkeit wirtschaftlich nicht mehr 

verwertbar, liegt eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor und sie hat Anspruch auf eine 

ganze Invalidenrente.

4.4    Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin entgegen der Auf­

fassung der Beschwerdegegnerin während der gesamten Dauer seit Anspruchsbeginn 

Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat.

5.      

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

5.1    Zu prüfen bleibt der Anspruchsbeginn der Rentenleistung. In der angefochtenen 

Verfügung wird als Anspruchsbeginn sowohl August 2007 (act. G 1.1.1.3) als auch 

1. März 2007 genannt (vgl. Verfügungsteil 2). Im Beschwerdeverfahren ist die Be­

schwerdegegnerin (act. G 6, Ziff. 4.3) und wohl auch die Beschwerdeführerin vom 

Rentenbeginn ab 1. März 2007 ausgegangen.

5.2    Die Regelung der Entstehung des Rentenanspruchs und des Rentenbeginns 

haben im Rahmen der 5. IV-Revision eine Änderung erfahren:

5.2.1           Bis 31. Dezember 2007 galt Folgendes: Der Rentenanspruch nach aArt. 28 

IVG entsteht frühestens in dem Zeitpunkt, in dem der Versicherte u.a. während eines 

Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 Prozent 

arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen war. Die Rente wird vom Beginn des Monats an 

ausgerichtet, in dem der Anspruch entsteht, jedoch frühestens von jenem Monat an, 

der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt (aArt. 29 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 Satz 1 

IVG). Meldet sich ein Versicherter mehr als zwölf Monate nach Entstehen des 

Anspruchs an, so werden die Leistungen in Abweichung von Art. 24 Absatz 1 ATSG 

lediglich für die zwölf der Anmeldung vorangehenden Monate ausgerichtet (aArt. 48 

Abs. 2 Satz 1 IVG).

5.2.2           Seit 1. Januar 2008 gilt demgegenüber: Anspruch auf eine Rente haben 

Versicherte, die u.a. während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch 

durchschnittlich mindestens zu 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind 

(Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG). Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von 

sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Absatz 1 

ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt. 

Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch 

entsteht (Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG).

5.2.3           Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) hat als 

weisungsberechtigte Aufsichtsbehörde gestützt auf Art. 64 und Art. 64a Abs. 1 lit. b 

IVG im Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007 Weisungen zur 5. IV-Revision 

und zum Intertemporalrecht erlassen. Danach ist grundsätzlich dasjenige Recht 

anwendbar, welches bei Eintritt des Versicherungsfalles in Geltung stand. Zufällige 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

externe Faktoren, wie der Zeitpunkt der Anmeldung, des Verfügungserlasses oder der 

Behandlung sind grundsätzlich nicht massgebend. Ist der Versicherungsfall vor dem 1. 

Januar 2008 eingetreten, so gilt demnach altes Recht und die versicherte Person kann 

sich noch innerhalb eines Jahres seit Eintritt des Versicherungsfalles ohne Einbusse an 

Rentenleistungen bei der IV anmelden (vgl. aArt. 48 Abs. 2). Tritt der Versicherungsfall 

hingegen ab 1. Januar 2008 oder später ein, so ist das neue Recht anwendbar. In 

diesem Fall entsteht der Rentenanspruch grundsätzlich erst sechs Monate nach 

Anmeldung bei der IV (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG [in der seit 1. Januar 2008 anwendbaren 

Fassung]). Ausgenommen davon sind jedoch jene Fälle, in denen das Wartejahr noch 

vor dem 1. Januar 2008 zu laufen begann und im Jahr 2008 erfüllt wurde. Diesfalls ist 

die Rente abweichend von Art. 29 Abs. 1 IVG in der seit 1. Januar 2008 geltenden 

Fassung ab Ablauf des Wartejahres auszurichten, wenn die Anmeldung spätestens am 

31. Dezember 2008 eingereicht wird.

5.2.4           Mit BGE 138 V 475 kam das Bundesgericht zum Schluss, das 

Rundschreiben Nr. 253 vom 7. Dezember 2007 sei, soweit es eine anspruchswahrende 

Anmeldefrist bis Ende 2008 vorsehe, gesetzeswidrig. Die Anmeldefrist könne 

anspruchswahrend maximal bis Ende Juni 2008 erstreckt werden (BGE 138 V 475 E. 

3.4). Das Bundesgericht begründet seinen Entscheid im Wesentlichen damit, dass bei 

einem Eintritt der gesundheitlich bedingten Arbeitsfähigkeit in den ersten fünf Monaten 

2008 nach dem in solchen Fällen anwendbaren Art. 29 Abs. 1 IVG den betreffenden 

Versicherten nicht die Zeit verbleibe, sich bis Ende Jahr bei der Invalidenversicherung 

anzumelden, um sofort nach Ablauf der einjährigen Wartezeit in den Genuss von 

Rentenleistungen zu kommen. Trete die Arbeitsunfähigkeit etwa im Februar 2008 ein 

und melde sich die versicherte Person erst im Dezember 2008 an, könne der 

Rentenanspruch frühestens im Juni 2009, d.h. vier Monate nach Ablauf der Warteizeit 

entstehen. Dies bedeute eine Schlechterstellung gegenüber den vom Rundschreiben 

Nr. 253 vom 7. Dezember 2007 erfassten Versicherten, bei denen eine Anmeldung bis 

spätestens am 31. Dezember 2008 ausreiche (E. 3.3.2).

5.3    Die Beschwerdeführerin hat sich am 21. August 2008 zum Leistungsbezug ange­

meldet. Ein Rentenanspruch nach dem seit dem 1. Januar 2008 gültigen Art. 29 Abs. 1 

IVG könnte deshalb frühestens ab Februar 2009 bestehen. Intertemporalrechtlich 

entscheidet jedoch nicht der Zeitpunkt der Anmeldung, sondern der Zeitpunkt des Ein­

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

tritts des Versicherungsfalls darüber, ob auf die aktuelle Regelung abzustellen ist oder 

ob die alte, grundsätzlich ausser Kraft gesetzte Regelung weiter anwendbar bleibt (vgl. 

das vom BSV herausgegebene IV-Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007). Es 

ist aktenkundig, dass die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit seit dem 

17. März 2006 zu mindestens 40 % arbeitsunfähig war. Der Rentenanspruch der Be­

schwerdeführerin entstand somit nach Ablauf des Wartejahres per März 2007, womit 

auch gleichzeitig der Versicherungsfall eintrat (vgl. SVR 2007 IV Nr. 7 E. 1.1). Betreffend 

Rentenbeginn und Nachzahlung von Leistungen ist daher das alte Recht anwendbar. 

Gemäss vor der 5. IV-Revision geltendem aArt. 29 Abs. 1 lit. b IVG entstand der 

Rentenanspruch in zeitlicher Hinsicht unabhängig vom Anmeldungsdatum nach Ablauf 

der einjährigen Wartefrist. Meldete sich eine versicherte Person mehr als zwölf Monate 

nach Entstehen des Anspruchs an, so wurden die Leistungen lediglich für die zwölf der 

Anmeldung vorangehenden Monate ausgerichtet (aArt. 48 Abs. 2 IVG). Somit hat die 

Beschwerdeführerin ab 1. August 2007 Anspruch auf Auszahlung der 

Rentenleistungen.

5.4    Wie sich gezeigt hat, handelt es sich vorliegend nicht um einen Anwendungsfall 

der Ausnahme gemäss Rundschreiben 253 vom 7. Dezember 2007 (Beginn des 

Wartejahrs noch vor dem 1. Januar 2008  und Erfüllung des Wartejahrs im Jahr 2008). 

Mithin ist der Versicherungsfall nicht nach dem 1. Januar 2008 sondern noch davor, 

und somit unter Geltung des alten Rechts eingetreten. Die in Erwägung 5.2.4 erwähnte 

Praxisänderung gemäss BGE 138 V 475 hat auf den vorliegenden Fall somit keine 

Auswirkung. Abgesehen davon stellt sich die Frage, ob eine Praxisänderung betreffend 

die Ausnahme gemäss Rundschreiben 253 vom 7. Dezember 2007 geboten ist. 

Zweifelsohne ist das Rundschreiben 253 vom 7. Dezember 2007 für das 

Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Andererseits ist zu beachten, dass die 

Ausnahme gemäss Rundschreiben 253 vom 7. Dezember 2007 bereits rund fünf Jahre 

angewandt wurde und die Gründe für eine Praxisänderung umso gewichtiger sein 

müssen, je länger die als falsch oder nicht mehr zeitgemäss erkannte 

Rechtsanwendung praktiziert wurde. Ob der Umstand, dass bei Eintritt der 

gesundheitlich bedingten Arbeitsfähigkeit in den ersten fünf Monaten 2008 unter 

Geltung von Art. 29 Abs. 1 IVG nicht die Zeit verbleibt sich bis Ende 2008 bei der 

Invalidenversicherung anzumelden, um sofort nach Ablauf der einjährigen Wartezeit in 

den Genuss von Rentenleistungen zu kommen, ein gewichtiger Grund für eine 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 17/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Praxisänderung darstellt, erscheint indessen fraglich. Hinzu kommt, dass für die 

Ausnahme gemäss Rundschreiben 253 vom 7. Dezember 2007 ein sachlicher Grund 

besteht: Es soll den Versicherten, deren Arbeitsunfähigkeit noch unter Geltung des 

alten Rechts eingetreten ist und das Wartejahr unmittelbar nach Inkrafttreten des neuen 

Rechts erfüllt wird, eine Übergangszeit gewährt werden. Hinsichtlich der Rechts­

sicherheit erscheint diese Übergangszeit durchaus sinnvoll. Sodann liegt bei Ver­

sicherten deren Arbeitsunfähigkeit im Jahr 2008 eingetreten ist und die Wartezeit somit 

frühestens im Jahr 2009 erfüllt werden konnte nach der hier vertretenen Auffassung 

kein mit der Ausnahme nach dem Rundschreiben 253 vom 7. Dezember 2007 

vergleichbarer Sachverhalt vor. Tritt die Arbeitsunfähigkeit im Jahr 2008 ein, besteht 

nämlich von vornherein kein Anknüpfungspunkt an das alte Recht. Es erscheint daher 

auch nicht nachvollziehbar, weshalb die Ausnahme gemäss Rundschreiben 253 vom 7. 

Dezember 2007 an einen ungleichen Sachverhalt angepasst werden sollte, zumal die 

Anwendung des Gleichbehandlungsgebots nach Art 8 Abs. 1 BV gleichliegende 

Sachverhalte voraussetzt.

6.      

6.1    Die Beschwerde ist somit unter Aufhebung der Verfügung vom 3. Dezember 2010 

dahingehend gutzuheissen, als der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. August 2007 

eine ganze Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen ist.

6.2    Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 

Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- 

erscheint angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend hat die Be­

schwerdegegnerin die gesamte Gerichtsgebühr zu bezahlen.

6.3    Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine 

Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei ins­

besondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen ist 

(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Rechtsvertreter der 

Beschwerdeführerin hat auf die Einreichung einer Honorarnote verzichtet. Der Be­

bis

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 18/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

deutung und dem Aufwand der Streitsache angemessen erscheint eine Parteient­

schädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer).

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

entschieden:

1.       Die Beschwerde wird unter Aufhebung der Verfügungen vom 3. Dezember 2010 

gutgeheissen und der Beschwerdeführerin ab 1. August 2007 eine ganze Rente der 

Invalidenversicherung zugesprochen.

2.       Die Beschwerdegegnerin bezahlt eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--.

3.       Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung 

von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 08.03.2013
	Art. 28 IVG. Aufgrund sämtlicher objektiver und subjektiver Umstände, ist die allfällig verbleibende Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin mit Jahrgang 1947 von 40 - 50% nicht mehr verwertbar (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St.Gallen vom 8. März 2013, IV 2011/31).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T10:55:22+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen