# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 869bf9ac-8091-54fe-9b20-6e650788de54
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-05-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.05.2022 D-2924/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2924-2021_2022-05-13.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2924/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 3 .  M a i  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 

Richter Yanick Felley, Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger,    

Gerichtsschreiberin Angela Hefti. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

alias A._______, geboren am (…), 

Somalia,   

vertreten durch Katharina Bachmann,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 28. Mai 2021 / N (…). 

 

 

 

D-2924/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – gemäss eigenen Angaben ein Angehöriger des 

B._______ Clan, C._______ Subclan, D._______ Sub-sub-clan, mit letz-

tem Wohnsitz in E._______, (Provinz F._______) – habe Somalia im Mai 

2019 verlassen und sei über Äthiopien, den Sudan, Libyen und Italien am 

14. November 2020 in die Schweiz gelangt, wo er gleichentags ein Asylge-

such stellte. 

B.  

Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Eurodac) 

ergab, dass der Beschwerdeführer am 3. November 2020 in Italien um Asyl 

ersucht hatte. 

C.  

Am 16. November 2020 gelangte das SEM mit Informationsersuchen be-

züglich des Asylverfahrens des Beschwerdeführers an Italien. Am 22. De-

zember 2020 antworteten die italienischen Behörden, beim Beschwerde-

führer handle es sich um einen unbegleiteten Minderjährigen, er sei unmit-

telbar nach seiner Registrierung und noch vor seiner Anhörung verschwun-

den und mit den Personalien G._______, geboren am (…) registriert wor-

den. 

D.  

Am 8. Dezember 2020 wurde eine Erstbefragung für unbegleitete Minder-

jährige (EB UMA) durchgeführt. 

E.  

Am 11. Dezember 2020 gab das SEM beim Institut für Rechtsmedizin der 

Universität Bern ein Gutachten zur Altersschätzung in Auftrag. Bezüglich 

des Resultats des Altersgutachten vom 17. Dezember 2020 kann auf das 

Verfahren D-1413/2022 und die Akten verwiesen werden. 

F.  

Nachdem die Vorinstanz dem Beschwerdeführer das Altersgutachten am 

18. Dezember 2020 zugestellt hatte, nahm dieser am 23. Dezember 2020 

dazu Stellung. Diesbezüglich kann auf die Akten verwiesen werden. 

G.  

Am 5. Januar 2021 gelangte das SEM mit einem Wiederaufnahmeersu-

chen an Italien und verwies dabei auf das Ergebnis der Altersabklärungen.  

D-2924/2021 

Seite 3 

H.  

Am 7. Januar 2021 lehnten die italienischen Behörden das Gesuch um 

Wiederaufnahme mit Verweis auf die Minderjährigkeit des Beschwerdefüh-

rers ab. Ein Wiedererwägungsgesuch vom 11. Januar 2021 des SEM be-

züglich Wiederaufnahmeersuchen blieb unbeantwortet. 

I.  

Am 26. Januar 2021 teilte das SEM dem Beschwerdeführer mit, sein Asyl-

gesuch werde in der Schweiz geprüft und erklärte das Rückübernahme-

Verfahren mit Italien für beendet. 

J.  

Am 11. Februar 2021 wurde der Beschwerdeführer zu seinen Asylgründen 

angehört und am 25. Februar 2021 fand die ergänzende Anhörung (EA) 

statt. Beide Anhörungen wurden im Beisein der Rechtsvertretung durchge-

führt. 

Zur Begründung seines Gesuches machte der Beschwerdeführer im We-

sentlichen geltend, die islamische Terrormiliz Al Shabaab (AS), die sein 

Heimatdorf kontrolliert habe, habe von seinem Vater verlangt, dass der Be-

schwerdeführer deren Miliz beitrete. Sein Vater – ein Bauer, der Mais an-

gepflanzt habe – habe sich widersetzt und erklärt, der Beschwerdeführer 

sei sein einziger Sohn und müsse ihm bei der Feldarbeit behilflich sein. Die 

AS habe ihm eine zehntätige Bedenkzeit gegeben, damit er sich freiwillig 

anschliesse. Sein Vater habe sich mit den Clanältesten beraten und der AS 

Ziegen und Schafe gebracht, um seinen Sohn (erfolglos) freizukaufen. 

Nach Ablauf der zehntägigen Frist sei die AS auf dem Feld vorbeigekom-

men und habe den Beschwerdeführer zwangsmässig mitgenommen. In ei-

nem AS-Camp sei er zusammen mit zwei weiteren jungen Männern wäh-

rend einer Woche in einer Zelle eingesperrt worden; die AS hätte versucht, 

ihn zu einem freiwilligen Beitritt zu überzeugen, wobei seine Zellengenos-

sen bereits mit der AS sympathisiert hätten. Diese seien mehrmals aus der 

Zelle geholt und ideologisiert worden. Er sei nicht gefoltert oder körperlich 

angegriffen worden. Sein Vater sei nach seiner Inhaftierung zum AS-Camp 

gekommen, um seine Freilassung zu erwirken. Während eines Gefechts 

hätten seine zwei Zellengenossen die Türe beziehungsweise die Wand 

aufgebrochen und sie seien aus dem Camp geflohen. Zuhause sei die Be-

erdigung seines Vaters im Gange gewesen, der von der AS getötet worden 

sei, gemäss Angaben seiner Mutter aufgrund seines Engagements für die 

Freilassung des Beschwerdeführers. Aus Furcht vor seiner Tötung sei der 

D-2924/2021 

Seite 4 

Beschwerdeführer ausgereist. Seine Mutter sei später von der AS nach ihm 

gefragt worden. 

K.  

Im Auftrag des SEM wurde am 8. März 2021 zum Zweck der Herkunfts- 

und Sprachabklärung ein telefonisches Interview mit dem Beschwerdefüh-

rer durch eine sachverständige Person der Fachstelle LINGUA durchge-

führt. Das aufgezeichnete Gespräch wurde durch eine sachverständige 

Person ausgewertet. Diese kam in ihrem Gutachten vom 22. März 2022, 

nach Evaluation der landeskundlich-kulturellen Kenntnisse des Beschwer-

deführers beziehungsweise einer linguistischen Analyse zum Schluss, 

seine primäre Sozialisation, habe höchstwahrscheinlich am behaupteten 

Herkunftsort im Süden von Somalia stattgefunden und seine Angaben zur 

Clanabstammung würden weitgehend zutreffen. Gleichzeitig müsse davon 

ausgegangen werden, dass er ebenfalls während einer erheblichen Zeit in 

einem daroodsprachigen Umfeld ausserhalb der angegeben Herkunftsre-

gion gelebt habe.  

L.  

Am 22. April 2022 gewährte das SEM dem Beschwerdeführer das rechtli-

che Gehör zum Abklärungsergebnis des LINGUA- und Herkunftsgutach-

tens. Dabei erklärte die Vorinstanz, er habe zu seiner Biografie falsche An-

gaben gemacht, weshalb er dem SEM eine sinnvolle Prüfung des Wegwei-

sungsvollzugs verunmögliche und seine Mitwirkungspflicht grob verletzt 

habe. Zudem habe er im LINGUA-Gespräch erklärt, drei Jahre eine Koran-

schule besucht zu haben, wobei er in den vorangegangenen Befragungen 

lediglich den zweijährigen Besuch einer Privatschule erwähnt habe.   

M.  

In seiner Stellungnahme zum Abklärungsergebnis LINGUA vom 29. April 

2021 erklärte der Beschwerdeführer die sprachlichen Einflüsse des 

Darood-Dialektes seien auf seinen gut einjährigen Aufenthalt in Libyen zu-

rückzuführen. Er habe auf engem Raum mit Somaliern, die dem Clan 

Darood angehören würden, gelebt und so Worte aus deren Dialekt aufge-

schnappt. Bezüglich des Vorwurfs den Besuch der Koranschule nicht er-

wähnt zu haben, führte er aus, er sei nach der Schule gefragt worden, wes-

halb er die Schule, an der er Allgemeinwissen gelernt habe, erwähnt habe. 

Weil die Koranschule keine klassische Schule sei, habe er diese nicht er-

wähnt. Im Telefoninterview sei er explizit nach der Koranschule gefragt 

worden, weshalb er diese genannt habe. Weiter sei bei einer «höchst wahr-

scheinlichen Sozialisierung» davon auszugehen, dass er im angegebenen 

D-2924/2021 

Seite 5 

Gebiet sozialisiert worden sei. Zudem stelle das LINGUA-Gutachten ledig-

lich ein Indiz bezüglich Herkunft dar. Sein junges Alter, seine geringe Schul-

bildung sowie die eingereichten Beweismittel seien ebenfalls zu berück-

sichtigen. Seine Sprachkenntnisse würden mit seiner Biographie überein-

stimmen, weshalb er keine falschen Angaben gemacht und seine Mitwir-

kungspflicht schon gar nicht grob verletzt habe. Schliesslich sei er ange-

sichts der Beibringung von Identitätsdokumenten über die Anordnung einer 

Herkunftsanalyse überrascht. Bezüglich des weiteren Inhalts der Stellung-

nahme kann auf die Akten verwiesen werden. 

N.  

Mit Verfügung vom 28. Mai 2021 – gleichentags eröffnet – lehnte das SEM 

das Asylgesuch des Beschwerdeführers im Rahmen des erweiterten Ver-

fahrens ab und ordnete die Wegweisung an, nahm ihn jedoch wegen Un-

zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig auf. 

Gleichzeitig hielt das SEM fest, das Geburtsdatum des Beschwerdeführers 

werde im ZEMIS auf den (…) (mit Bestreitungsvermerk) geändert (Dispo-

sitivziffer 1). 

O.  

Mit Eingabe vom 24. Juni 2021 erhob der Beschwerdeführer gegen diesen 

Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte 

die Aufhebung der Dispositivziffern 1–4 der angefochtenen Verfügung, die 

Anerkennung als Flüchtling und die Gewährung von Asyl sowie eventuali-

ter die Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung bezüglich der Disposi-

tivziffern 1–4. Gleichzeitig wurde um Anpassung seines Geburtsdatums im 

ZEMIS auf den (…), eventualiter auf den (…) beziehungsweise den (…) 

ersucht (vgl. Verfahren D-1413/2022). In verfahrensrechtlicher Hinsicht 

wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und insbeson-

dere um Beiordnung der rubrizierten Rechtsvertreterin als amtliche Rechts-

beiständin sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

ersucht. 

P.  

Mit Zwischenverfügung vom 30. Juni 2021 verschob die zuständige In-

struktionsrichterin den Entscheid über die Gesuche um Gewährung der un-

entgeltlichen Prozessführung und um amtliche Rechtsverbeiständung auf 

einen späteren Zeitpunkt und forderte den Beschwerdeführer auf, eine Für-

sorgebestätigung zu den Akten zu reichen. 

D-2924/2021 

Seite 6 

Q.  

Mit Eingabe vom 5. Juli 2021 reichte der Beschwerdeführer eine Fürsorge-

bestätigung zu den Akten. 

R.  

In seiner Vernehmlassung vom 14. Juli 2021 hielt das SEM vollumfänglich 

an seinen Erwägungen fest. 

S.  

Mit Replik vom 27. Juli 2021 nahm der Beschwerdeführer zur Vernehmlas-

sung Stellung. 

T.  

Das Verfahren betreffend Dispositivziffer 1 (Datenschutz, ZEMIS-Eintrag) 

wurde vom vorliegenden Beschwerdeverfahren D-2924/2021 abgetrennt 

und unter der Verfahrensnummer D-1413/2022 eröffnet. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf 

die Beschwerde ist einzutreten. 

D-2924/2021 

Seite 7 

2.  

Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden die Fragen der Flücht-

lingseigenschaft, des Asyls und der verfügten Wegweisung. Der Wegwei-

sungsvollzug ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz den Be-

schwerdeführer wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläu-

fig aufgenommen hat. Bezüglich der Altersanpassung im ZEMIS wird auf 

das Verfahren D-1413/2022 verwiesen. 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

4.  

Vom Beschwerdeführer wird im Sinne eines Eventualantrages die Aufhe-

bung der angefochtenen Verfügung und die Rückweisung der Sache an die 

Vorinstanz beantragt. Unter anderem sei der Sachverhalt bezüglich der Re-

gierungsnähe seines Vaters nicht vollständig abgeklärt worden. Diesbe-

züglich ist jedoch festzustellen, dass der Beschwerdeführer insgesamt drei 

Mal befragt wurde, wobei ihm zahlreiche offene Fragen gestellt wurden 

(vgl. Anhörung F55 und F56; EA F75 und F90), weshalb der Beschwerde-

führer ausreichend Gelegenheit hatte, seine Vorbringen zu substantiieren. 

Dass das SEM nicht gehalten war, ihn zur Regierungstätigkeit seines Va-

ters zu befragen, bestätigt sich denn auch durch seine Ergänzungen zum 

Sachverhalt auf Beschwerdeebene, wonach der Beschwerdeführer keine 

Information über eine mögliche Zugehörigkeit oder Spionage seines Vaters 

für die Regierung habe. Weiter stand auch seiner Rechtsvertretung – ent-

gegen dem Einwand des Beschwerdeführers – genügend Zeit zur Verfü-

gung, um weitere Fragen zu stellen. Seine Rechtsvertretung stellte wäh-

rend rund 15 Minuten mehrere Fragen, die der Beschwerdeführer teilweise 

ausführlich beantwortet hat (vgl. EA F103-109). Somit ist der Sachverhalt 

hinreichend und rechtsgenüglich festgestellt, weshalb das Gericht in der 

Sache selbst entscheidet (vgl. Art. 61 Abs. 1 VwVG). 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

D-2924/2021 

Seite 8 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG; vgl. zur Glaubhaftmachung 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). 

6.  

6.1 Das SEM hielt zur Begründung seiner Verfügung im Wesentlichen fest, 

die Schilderungen des Beschwerdeführers bezüglich seiner Anwesenheit 

als die AS seinem Vater eine Bedenkzeit eingeräumt hätte, seien nicht mit-

einander vereinbar. Bei der Befragung habe er geschildert, sein Vater und 

er hätten auf dem Feld gearbeitet als Angehörige des AS seinen Beitritt 

verlangt und eine Bedenkzeit von zehn Tagen gewährt hätten. Bei der An-

hörung habe er sinngemäss gesagt, Angehörige der AS hätten seinen Va-

ter vorgängig informiert, worauf er zehn Tage später gewaltsam abgeführt 

worden sei. Diese Unstimmigkeiten würden darauf hindeuten, dass seine 

Vorbringen hinsichtlich der Rekrutierung konstruiert seien. Ebenfalls seien 

seine Aussagen zu den Umständen seiner angeblichen Haft (AS-Mitglieder 

hätten seine Zellengenossen zum freiwilligen Beitritt zu überreden versucht 

und er sei in Ruhe gelassen worden, weil sich sein Vater für ihn eingesetzt 

habe [Anhörung]; es seien jeweils zwei oder drei AS-Angehörige in seine 

Zelle gekommen, wobei sie mit ihm und den beiden Zellengenossen ge-

sprochen hätten [EA]) und dem Gefecht (das Camp sei angegriffen worden 

[Anhörung]; Gefecht in einem entfernten Gebiet [EA]) widersprüchlich aus-

gefallen. Bezüglich der Flucht aus dem Camp habe er einerseits angege-

ben, seine beiden Mithäftlinge hätten die Tür aufgebrochen, während er bei 

der Anhörung gesagt habe, sie hätten nicht durch die Tür fliehen können, 

da diese zu stark gewesen sei, weshalb sie die Wand durchbrochen hätten. 

In einer Gesamtwürdigung würden seine Vorbringen konstruiert wirken und 

den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand-

halten. 

6.2 In seiner Rechtsmitteleingabe hielt der Beschwerdeführer im Wesentli-

chen fest, aus den Anhörungsprotokollen gehe hervor, dass sowohl er als 

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Seite 9 

auch sein Vater bei beiden Besuchen der AS auf dem Feld anwesend ge-

wesen seien. Zu den Haftumständen führte er aus, seine Aussage, er sei 

von der AS in Ruhe gelassen worden, sei nicht als Widerspruch zur Aus-

sage, es sei in der Zelle Aufklärung betrieben worden, zu werten. Im Ge-

gensatz zu seinen Mithäftlingen sei er nicht mit Gewalt aus der Zelle geholt 

worden, was er mit «in Ruhe gelassen» gemeint habe. Diese mutmassliche 

Unstimmigkeit liesse sich erklären und hätte durch entsprechende Nach-

fragen aufgeklärt werden können. Hinsichtlich seiner Flucht aus dem AS-

Camp erklärte er, der mutmassliche Widerspruch zum Austragungsort der 

Gefechte (Angriff auf das Camp beziehungsweise etwas weiter entfernt) 

könne aufgeklärt werden. Er habe in der Zelle nicht einordnen können, wie 

weit die Kämpfe entfernt gewesen seien oder in welche Richtung sich die 

jeweiligen Kampfparteien bewegt hätten. Er habe ausschliesslich Schüsse 

und die Autos gehört und bemerkt, dass schweres Geschütz aufgefahren 

worden sei. Dabei habe er zu Protokoll gegeben, das Camp sei angegriffen 

worden und sie hätten draussen gekämpft. Bezüglich des Ausbruchsob-

jekts (Türe oder Wand) könne der Vorinstanz zwar zugestimmt werden, 

dass seine Aussagen unterschiedlich ausgefallen seien. Es sei jedoch zu 

berücksichtigen, dass es sich bei der spontanen Konkretisierung um ein 

Realkennzeichen handle, das für seine Glaubhaftigkeit spreche. Auch sei 

er im Rahmen der Erstbefragung gebeten worden, seine Ausführungen 

kurz zu halten, weshalb er nicht das Gefühl gehabt habe, Zeit für grosse 

Erklärungen zu haben. In der Anhörung habe er detaillierter erzählen kön-

nen, dass die Türe zu stark gewesen sei, um sie aufzubrechen. Aufgrund 

der Fragen des Fachspezialisten und seiner Ausführungen sei ihm auch 

der Raum besser in Erinnerung, weshalb er seine Aussagen habe konkre-

tisieren können.   

Weiter sei das LINGUA-Gutachten vom 8. März 2021 zum Ergebnis ge-

langt, dass sich seine Aussagen zu seiner Herkunft als richtig erweisen 

würden (insbesondere betreffend Clanabstammung seiner Eltern, der ad-

ministrativen Zugehörigkeit seines Wohnortes sowie den Angaben zur 

Landwirtschaft). Die von der Vorinstanz vorgehaltene grobe Verletzung der 

Mitwirkungspflicht bezüglich des im LINGUA-Gutachten festgestellten Auf-

enthalts ausserhalb seiner Heimatregion sei bereits in der Stellungnahme 

vom 29. April 2021 zum rechtlichen Gehör vehement bestritten worden. Es 

sei auch nicht ersichtlich, weshalb die Vorinstanz überhaupt ein LINGUA-

Gutachten in Auftrag gegeben habe, zumal er durchgehend stimmige Ant-

worten gegeben habe, was im Gutachten bestätigt worden sei. Es überra-

sche umso mehr, dass die Vorinstanz in ihrer Verfügung nicht auf die Re-

D-2924/2021 

Seite 10 

sultate des LINGUA-Gutachtens eingehe und es auch in der Glaubhaftig-

keitsprüfung nicht berücksichtigt habe; die bestätigte Richtigkeit seiner 

Aussagen in Bezug auf seine Herkunft sei ein wichtiges Indiz für seine per-

sönliche Glaubwürdigkeit. 

Die von der Vorinstanz aufgeführten Argumente bezüglich widersprüchli-

cher und konstruierter Aussagen würden nicht überzeugen und hätten auf-

geklärt oder relativiert werden können. Die zahlreichen Realkennzeichen, 

die durchwegs ausführlichen, detaillierten und substantiierten Aussagen 

und die innere Konsistenz seiner Erzählweise seien nicht einbezogen wer-

den. So würden die ersten Ausführungen zu den Gesuchsgründen zwei-

einhalb Seiten Fliesstext umfassen, wobei der Beschwerdeführer frei, in 

der direkten Rede, mit den jeweiligen Emotionen und mit unzähligen Real-

kennzeichen von seinen Erlebnissen erzählt habe. Zudem habe er immer 

wieder unaufgefordert Zeit- und Distanzangaben benannt und auch die 

Zelle bei der AS und den Grenzübertritt ausführlich, lebensnah und detail-

liert geschildert. Anlässlich der EA habe die unglückliche Formulierung des 

Fachspezialisten hinsichtlich der Probleme seiner Schwester dazu geführt, 

dass er nicht ausführlich berichtet habe und dementsprechend viel habe 

nachgefragt werden müssen, wobei er immer noch ohne Widersprüche ge-

antwortet habe. Es würde sich ein stimmiges, in sich logisches Gesamtbild 

präsentieren, das die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen bestätige.  

Bezüglich der allfälligen Tätigkeit seines Vaters für die Behörden ergänzte 

er den Sachverhalt dahingehend, dass sich die AS gefragt habe, weshalb 

sich sein Vater so heftig gegen die Rekrutierung gewehrt habe und sogar 

mit den Dorfältesten ins Camp gekommen sei. Aus Furcht vor der AS werde 

normalerweise ein Umweg um dieses Camp gemacht, wobei sich niemand 

gegen den Willen der AS stelle – sie hätten entweder gedacht, dass sein 

Vater zu mächtig werde oder für die Regierung arbeite. Der Beschwerde-

führer habe nicht gewusst, ob sein Vater ein Spion sei. Sein Vater habe der 

AS gehorcht, weil er dazu gezwungen gewesen sei. Aufgrund der Weige-

rung des Beschwerdeführers, sich der AS anzuschliessen und seiner an-

schliessenden Flucht, werde er von ihnen als Deserteur und Regierungs-

sympathisant betrachtet. Die politische Verfolgungsmotivation der AS und 

die Furcht vor ihnen verstärke sich dadurch, dass sein Vater mithilfe der 

Dorfältesten Widerstand gegen die Zwangsrekrutierung seines Sohnes ge-

leistet und diese unter allen Umständen habe verhindern wollen. Sein Vater 

sei deswegen bereits umgebracht worden und nach ihm werde aktiv ge-

sucht. Er habe somit begründete Furcht vor Verfolgung, die durch eine Re-

flexverfolgung verstärkt werde. Die Furcht vor Verfolgung werde nicht an 

D-2924/2021 

Seite 11 

der Minderjährigkeit des Beschwerdeführers festgemacht, sondern an der 

Weigerung, sich der AS anzuschliessen, was diese als Verrat an ihrer Ide-

ologie werten würde.  

6.3 Im Rahmen des Schriftenwechsels wurden ausschliesslich Ausführun-

gen zur Frage der Minderjährigkeit gemacht, weshalb diesbezüglich auf 

das Verfahren D-1413/2021 zu verweisen ist. 

7.  

7.1 Nach Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum 

Schluss, dass die Vorinstanz die Vorbringen des Beschwerdeführers zu 

Recht als unglaubhaft respektive nicht asylrelevant qualifiziert hat. Der Be-

schwerdeführer vermag mit seinen Ausführungen in der Beschwerdeschrift 

den Erwägungen des SEM nichts entgegenzusetzen, was geeignet wäre 

zu einer anderen Einschätzung zu führen. Somit kann auf die zutreffenden 

Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. 

7.2 Einleitend ist festzustellen, dass Jugendliche und junge Männer im 

Länderkontext Somalias durchaus einer Zwangsrekrutierung ausgesetzt 

sein können und Gefahr laufen, in die Fänge der Terrororganisation AS zu 

geraten (vgl. Country of Origin Information, South and Central Somalia, 

Security Situation, Forced Recruitment, and Conditions for Returnees, 

07.2020, <https://www.ecoi.net/en/file/local/2035712/South+and+Cent-

ral+Somalia++Security+Situation+Forced+Recruitment+and+Conditi-

ons+for+Returnees.pdf>, 13-15, abgerufen am 27.04.2022). Im Allgemei-

nen bestätigt denn das LINGUA-Gutachten vom 8. März 2021 auch die 

Herkunft des Beschwerdeführers aus Südsomalia, wo die AS nach wie vor 

weite Teile kontrollieren (vgl. BVGE 2013/27 E.8.5.5). Vorliegend stellt sich 

allerdings die Frage, ob seine Vorbringen bezüglich Zwangsrekrutierung 

durch die AS glaubhaft sind, weshalb der Beschwerdeführer begründete 

Furcht vor asylrechtlich relevanter Verfolgung hegen müsste. 

7.3 Zunächst ist auffallend, dass seine Aussagen zur Flucht aus dem AS-

Camp, einem zentralen Aspekt seiner Fluchtgeschichte, klar widersprüch-

lich ausgefallen sind. Einerseits seien sie durch die Türe und andererseits 

durch die Wand ausgebrochen. Bei einem dermassen einschneidenden Er-

lebnis – der Flucht aus einem von der AS bewachten Camp während eines 

Gefechts – wäre zu erwarten gewesen, dass der Beschwerdeführer äus-

serst präzise deckungsgleiche Angaben hätte machen können. Seine Er-

klärung, er habe sich an der summarischen Erstbefragung nicht detailliert 

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Seite 12 

äussern können, vermag nicht zu überzeugen, zumal es sich beim Aus-

bruchsobjekt um einen Eckpunkt seiner Verfolgungsgeschichte und nicht 

um ein Detail handelt. Seine weiteren Erklärungsversuche, inklusive be-

züglich seiner Erinnerung an den Raum anlässlich der Anhörung, müssen 

als unbehelflich qualifiziert werden. Daran vermag auch nichts zu ändern, 

dass seine Erklärungen zum Austragungsort des Gefechts grundsätzlich 

nachvollziehbar erscheinen. Hinzu kommt ein weiterer Widerspruch bezüg-

lich der beiden Zellengenossen. Diese seien einerseits bereits ideologisiert 

gewesen und hätten mit der AS sympathisiert (vgl. Anhörung F56). Ande-

rerseits seien auch sie inhaftiert gewesen und hätten sogar aktiv die Türe 

beziehungsweise Wand aufgebrochen, wonach sie geflüchtet seien. Diese 

Erzählungen zum Ausbruch und der Flucht seiner bereits ideologisierten 

Zellengenossen sind nur schwer miteinander vereinbar, weshalb sie erheb-

liche Zweifel an den Vorbringen des Beschwerdeführers entstehen lassen.  

7.4 Zudem sind seine Vorbringen nicht ausreichend substantiiert, wobei 

der Beschwerdeführer zu wenige Details und Realkennzeichen im Zusam-

menhang mit selbsterlebten Ereignissen nannte. Der Beschwerdeführer 

hat sieben Tage in Haft verbracht und dennoch vermochte er nichts Ge-

naueres zu dieser Zeit zu erklären. Zwar nannte er einige Details (kleinere 

Zelle, Barackenbau, Sandboden, vgl. EA F90), er konnte aber nebst der zu 

erwartenden Beschreibung des Zimmers, den schematischen Angaben zu 

den Mahlzeiten alle 24 Stunden und der Distanz zum Dorf (vgl. Anhörung 

F56) sowie den Rekrutierungsversuchen nichts Spontanes zur Haftzeit mit 

seinen Mithäftlingen sagen, wobei seine Erzählungen weitere diesbezügli-

che Realkennzeichen vermissen lassen. Nebst den erwähnten Widersprü-

chen zum Ausbruch (vgl. E. 7.3) konnte der Beschwerdeführer denn auch 

die Umstände des Ausbruchs und seiner Furcht vor AS-Mitgliedern nicht 

genauer beschreiben. Auch dass er ein Gefecht, Lastkraftwagen auf der 

Hauptstrasse und Gespräche über Steuergelder nannte (vgl. EA F91, F92 

und F95) – grundsätzlich eher stereotype Aspekte einer Geschichte bezüg-

lich Zwangsrekrutierung durch die AS –, vermag nichts an der insgesamt 

vagen Erzählweise des Beschwerdeführers zu ändern. Hinsichtlich des To-

des seines Vaters ist ebenso anzumerken, dass er zwar einige zu erwar-

tende Emotionen, wie Verzweiflung, nennen konnte (vgl. EA F108), sonst 

aber gänzlich oberflächlich blieb. Dass er die direkte Rede seiner Mutter in 

zwei verschiedenen Anhörungen fast deckungsgleich wiedergab («Dein 

Vater ist wegen dir [von der AS] umgebracht worden» (vgl. Anhörung F56; 

EA F108) deutet weiter auf eine konstruierte Verfolgungsgeschichte hin. So 

schilderte er den Tod seines Vaters, der für die Familie nicht nur emotional, 

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Seite 13 

sondern wirtschaftlich gravierend gewesen sein musste, denn auch sub-

stanzlos und ohne jegliche Realkennzeichen. Angesichts der wichtigen 

Rolle des Vaters im Leben des Beschwerdeführers ist fraglich, weshalb 

seine Ausführungen zu dessen Tod so knapp und gefühlslos ausgefallen 

sind (vgl. EA F108-F109). Gleichzeitig waren seine Erzählungen zu den 

Diskussionen zwischen seinem Vater, den Clanältesten und AS-Mitglie-

dern, die er sogar mehrmals in direkter Rede wiedergab, auffallend detail-

liert (vgl. Anhörung F55-F56). Dies erstaunt, zumal der Beschwerdeführer 

selbst angibt, er sei bei diesen Ergebnissen gar nicht zugegen gewesen 

(vgl. Anhörung F56). Weiter erscheint die Prosa seiner Verfolgungsge-

schichte (Feldarbeit, Zwangsrekrutierung durch die AS sowie Inhaftierung 

und Flucht), die zwar im Länderkontext durchaus plausibel erscheint, auf-

fallend chronologisch und stereotyp. Angesichts seiner pauschalen und va-

gen Angaben wirken seine Vorbringen konstruiert und erwecken den Ein-

druck, der Beschwerdeführer hätte den Sachverhalt auswendig gelernt.  

7.5 Ferner sind die Handlungsabläufe betreffend die Entführung auf dem 

Feld nach der zehntägigen Bedenkfrist kaum nachvollziehbar, weshalb 

auch diese konstruiert erscheinen. Zwar ist mit dem Beschwerdeführer ei-

nig zu gehen, dass er seine Anwesenheit auf dem Feld vor und bei seiner 

Entführung durch die AS an beiden Anhörungen übereinstimmend angege-

ben hatte (vgl. Anhörung F55-F56 und EA F79). Fraglich ist allerdings, 

weshalb der Beschwerdeführer am letzten Tag der Bedenkfrist überhaupt 

auf dem Feld war, sodass die AS ihn dort abführen konnte (vgl. Anhörung 

F56). Weil er gewusst haben soll, dass seine Rekrutierung bevorstand, 

wäre zu erwarten gewesen, dass er sich im Rahmen der zehntägigen Be-

denkzeit durch Wohnsitzverlegung zu seiner Tante in H._______ entzogen 

hätte (die er immer wieder besucht habe, vgl. EA F18), zumindest, bis sich 

die Situation beruhigt beziehungsweise bis sein Vater sich mithilfe der 

Clanältesten mit der AS auf eine Geldzahlung geeinigt hätte.  

7.6 Schliesslich werden die vorhandenen Unglaubhaftigkeitselemente wei-

ter durch Elemente seines Hintergrundes verstärkt, die zwar nicht direkt 

seine Verfolgungsvorbringen betreffen, jedoch in der Gesamtwürdigung zu 

berücksichtigen sind. So gab er an, nur zwei Jahre die Schule besucht zu 

haben, während er im Rahmen des LINGUA-Interviews von zusätzlichen 

drei Jahren Besuch einer Koranschule berichtete. Die entsprechenden Er-

klärungsversuche im Rahmen der Stellungnahme vermögen dabei nicht 

recht zu überzeugen. Weiter weckt Zweifel, dass der Beschwerdeführer als 

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Seite 14 

einzigen Radiokanal BBC zu nennen vermag (vgl. EA F41f.). Auch die fest-

gestellten Unstimmigkeiten bezüglich der benutzten Dialekte lassen sich 

kaum allein mit dem einjährigen Aufenthalt in Libyen erklären.  

7.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer 

nicht gelungen ist, asylrechtlich relevante Verfolgung oder eine begründete 

Furcht vor künftigen Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG 

nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Das SEM hat dem-

nach zu Recht festgestellt, dass er die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, 

und das Asylgesuch abgelehnt. 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.3 Nachdem das SEM den Beschwerdeführer mit der angefochtenen Ver-

fügung wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz 

vorläufig aufgenommen hat, erübrigen sich Erwägungen zur Zumutbarkeit 

und Möglichkeit des Vollzugs der Wegweisung. 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit der Beschwerde 

wurde jedoch um vollumfängliche unentgeltliche Rechtspflege ersucht. Ge-

mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird von der Erhebung von Verfahrenskosten 

abgesehen, wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und 

ihre Beschwerde nicht aussichtslos erscheint. Die Mittellosigkeit des Be-

schwerdeführers wurde durch die Fürsorgebestätigung vom 5. Juli 2021 

belegt und es gibt keine Hinweise auf eine massgebliche zwischenzeitliche 

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Seite 15 

Veränderung seiner finanziellen Verhältnisse. Nach dem Gesagten er-

schienen seine Begehren auch nicht von vornherein aussichtslos. Das Ge-

such um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist damit gutzu-

heissen und es sind keine Kosten aufzuerlegen. Mit dem vorliegenden Ur-

teil ist auch der Antrag auf Verzicht auf einen Kostenvorschuss gegen-

standslos geworden.  

10.2 Das Bundesverwaltungsgericht bestellt auf Antrag der asylsuchenden 

Person, die von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit wurde, grund-

sätzlich eine amtliche Rechtsbeiständin oder einen amtlichen Rechtsbei-

stand (Art. 65 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 102m Abs. 1 Bst. a AsylG). Somit ist 

das Gesuch um Beiordnung der rubrizierten Rechtsvertreterin, die die ent-

sprechenden persönlichen Voraussetzungen erfüllt, antragsgemäss gutzu-

heissen.  

10.3 In ihrer Kostennote vom 24. Juni 2021 hat die Rechtsvertreterin einen 

pauschalen Aufwand von 13.75 Stunden ausgewiesen, was als der Sache 

grundsätzlich angemessen erscheint. Der dort ausgewiesene Aufwand um-

fasst jedoch auch die Tätigkeit im Zusammenhang mit der Beschwerde ge-

gen den ZEMIS-Eintrag, der im separat geführten Verfahren D-1413/2022 

vergütet wird. Diesbezüglich ist von einem Aufwand von 4 Stunden auszu-

gehen, der vorliegend abzuziehen ist. Das amtliche Honorar ist aufgrund 

der Aktenlage, der massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 12 i.V.m. 

Art. 9-11 VGKE) und des praxisgemässen Stundenansatzes (vgl. Art. 12 

i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE) auf insgesamt Fr. 1413.– (inkl. Auslagen; die 

Parteientschädigung umfasst keinen Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne 

von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) festzusetzen. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 16 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

In Gutheissung des Gesuchs um unentgeltliche Prozessführung werden 

keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Die rubrizierte Rechtsvertreterin wird als amtliche Rechtsbeiständin beige-

ordnet und es wird ihr für ihren Aufwand ein Honorar von Fr. 1413.– zulas-

ten der Gerichtskasse ausgerichtet. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Angela Hefti 

 

 

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