# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 21c1488d-9146-543c-875e-57e78411c514
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-08-22
**Language:** de
**Title:** Bern Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde 22.08.2018 AA 2017 63
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Anwaltsaufsicht/BE_AK_001_AA-2017-63_2018-08-22.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

Anwaltsaufsichtsbehörde

Cour suprême
du canton de Berne

Autorité de surveillance
des avocats

Entscheid
AA 17 63

Hochschulstrasse 17
Postfach
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 05
anwaltsaufsicht.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 22. August 2018

Besetzung Oberrichter Studiger (Präsident), Fürsprecher Dr. Fahrländer (Re-
ferent), Oberrichter J. Bähler, Gerichtspräsident Richner, Rechts-
anwalt Dr. Rothenbühler
Gerichtsschreiberin Spielmann

Verfahrensbeteiligte Kantonales Wirtschaftsstrafgericht, Speichergasse 8, 
3011 Bern

Anzeigerin

gegen

A.________
vertreten durch Rechtsanwalt B.________

Disziplinarbeklagter

Gegenstand Disziplinarverfahren

Anzeige vom 3. April 2017

Regeste:
Verletzung der Sorgfaltspflicht (Art. 12 lit. a BGFA)
Ausschlag für dieses Verfahren gab eine Meldung des Wirtschaftsstrafgerichts, welches 
dem Disziplinarbeklagten vorwarf, sein Klientengeldkonto zur Verfügung gestellt zu haben, 
um eine interne Vereinbarung zwischen verschiedenen Personen und Firmen abzuwi-
ckeln. So seien rund CHF 2'500'000.00 transferiert worden. Doch könne gestützt auf den 
Wortlaut der internen Vereinbarung nicht unbesehen von einem völlig rechtskonformen 
Darlehen ausgegangen werden, da zu viele Punkte auf ein nicht «legales» Geschäft hin-
deuteten.

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Erwägungen:

I. Sachverhalt

1. Mit Eingabe vom 3. April 2017 (pag. 1 ff.) reichte Gerichtspräsidentin C.________ 
namens des Kantonalen Wirtschaftsstrafgerichts (nachfolgend Anzeigerin) bei der 
Anwaltsaufsichtsbehörde Anzeige gegen Fürsprecher Dr. A.________ (nachfol-
gend Disziplinarbeklagter) sowie seinen früheren Büropartner Rechtsanwalt 
D.________ ein. Sie wirft dem Disziplinarbeklagten vor, er habe gegen das Dop-
pelvertretungsverbot gemäss Art. 12 lit. c sowie die allgemeine Pflicht, den An-
waltsberuf sorgfältig und gewissenhaft auszuüben, gemäss Art. 12 lit. a des Bun-
desgesetzes vom 23. Juni 2000 über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwäl-
te (BGFA; SR 935.61) verstossen. Die Vorwürfe beziehen sich auf verschiedene 
(teilweise bestrittene) Mandate, die der Disziplinarbeklagte und sein damaliger 
Büropartner für E.________ und F.________ (im Wesentlichen) im Zeitraum 2010 - 
2011 ausübten.

2. Mit Schreiben vom 16. Mai 2017 (pag. 303) setzte der Präsident der Anwaltsauf-
sichtsbehörde dem Disziplinarbeklagten Frist zur Einreichung einer kurzen Stel-
lungnahme zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. 

3. Nach zweimalig genehmigter Fristerstreckung (Verfügungen vom 23. Mai 2017, 
pag. 311, sowie vom 27. Juli 2017, pag. 317) reichte der Disziplinarbeklagte am 
15. August 2017 eine Kurzstellungnahme (pag. 319 ff.) ein, in welcher er sämtliche 
Vorwürfe bestritt. Dieser legte er verschiedene Dokumente bei.

4. Mit Verfügung vom 16. November 2017 (pag. 455 f.) wurde gegen den Disziplinar-
beklagten vorliegendes Disziplinarverfahren wegen möglicher Verletzung von Art. 
12 lit. a sowie Art. 12 lit. c BGFA eröffnet. Der Disziplinarbeklagte wurde zur aus-
führlichen Stellungnahme zu den Vorwürfen innert 21 Tagen ab Erhalt der Verfü-
gung eingeladen.

5. Mit Schreiben vom 5. Dezember 2017 (pag. 459 f.) zeigte der Rechtsvertreter des 
Disziplinarbeklagten der Anwaltsaufsichtsbehörde das Mandatsverhältnis an und 
bat darum, die Frist zur Stellungnahme bis zum 19. Januar 2018 zu erstrecken, 
was ihm gewährt wurde (Verfügung vom 11. Dezember 2017, pag. 467).

6. Seine Stellungnahme reichte der Disziplinarbeklagte am 19. Januar 2018 ein (pag. 
469 ff.). Er beantragte, das Aufsichtsverfahren sei unter Kosten- und Entschädi-
gungsfolge aufzuheben. 

7. Mit Verfügung vom 29. Januar 2018 (pag. 497 f.) wurden dem Disziplinarbeklagten 
die mitwirkenden Mitglieder der Anwaltsaufsichtsbehörde bekanntgegeben, ver-
bunden mit der Aufforderung, allfällige Ablehnungsgründe innert 10 Tagen ab Er-
halt der Verfügung geltend zu machen. Weiter wurde der Referent ersucht, allfällige 
Beweismassnahmen bis zum 20. Februar 2018 zu beantragen. Innert dieser Fris-

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ten gingen indes weder Ablehnungsgründe ein, noch wurden Beweismassnahmen 
beantragt.

II. Formelles

8. Die sachliche und örtliche Zuständigkeit der Anwaltsaufsichtsbehörde des Kantons 
Bern ist gestützt auf Art. 14 BGFA in Verbindung mit Art. 12 des kantonalen An-
waltsgesetzes vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11) gegeben, denn der Diszipli-
narbeklagte ist im Anwaltsregister des Kantons Bern eingetragen.

Die Berufsregeln der Anwälte sind seit dem 1. Juni 2002 im BGFA geregelt. Die 
dortige Umschreibung in Art. 12 BGFA ist abschliessender Natur, d.h. für abwei-
chende kantonale Vorschriften besteht kein Raum mehr, wie das Bundesgericht am 
18. Juni 2004 in BGE 130 II 270 ff. E. 3 festgestellt hat. Zur Auslegung von Art. 12 
BGFA können deshalb verbandsrechtliche Standesregeln nur noch insoweit heran-
gezogen werden, als diese eine landesweit geltende Auffassung zum Ausdruck 
bringen (BGE 130 II 270 E. 3.1.1 und seitherige konstante Rechtsprechung). Auf 
die vom Schweizerischen Anwaltsverband (SAV) am 1. Juli 2005 in Kraft gesetzten 
Schweizerischen Standesregeln (SSR) trifft dies ohne Zweifel zu.

Im vorliegenden Fall ist zu prüfen, ob der Disziplinarbeklagte das Doppelvertre-
tungsverbot sowie die generelle Pflicht zur sorgfältigen und gewissenhaften Berufs-
ausübung verletzt hat. 

III. Materielles

a) Vorgeworfene Verstösse gegen Art. 12 lit. c BGFA

9. Nach Art. 12 lit. c BGFA haben Anwältinnen und Anwälte jeden Konflikt zwischen 
den Interessen ihrer Klientschaft und den Personen, mit denen sie geschäftlich 
oder privat in Beziehung stehen, zu meiden. Dieses Verbot gilt erst recht bei Kon-
flikten zwischen Interessen der Klientschaft und persönlichen des Rechtsanwalts 
selbst (vgl. BGer, Urteil 2C_814/2014 vom 22. Januar 2015, E. 4.1.6). Allerdings 
reicht die blosse abstrakte Möglichkeit des Auftretens gegensätzlicher Interessen-
lagen nicht aus, vielmehr muss sich aus den gesamten Umständen das konkrete 
Risiko eines Interessenkonflikts ergeben. Umgekehrt ist aber nicht erforderlich, 
dass sich das konkrete Risiko realisiert und der Anwalt sein Mandat tatsächlich 
schlecht bzw. für die Klientschaft nachteilig ausgeführt hat (BGer, Urteil 
2C_814/2014 vom 22. Januar 2015, E. 4.1.1). Art. 12 lit. c BGFA umfasst insbe-
sondere das Verbot der Doppelvertretung: Der Anwalt darf nicht in ein und dersel-
ben Streitsache Parteien mit gegenläufigen Interessen vertreten, weil er sich dies-
falls weder für den einen noch für den anderen Klienten voll einsetzen könnte (BGE 
141 IV 257 E. 2.1; 135 II 145 E. 9.1.; 134 II 108 E. 3). Hingegen besteht keine un-
zulässige Doppelvertretung, wenn der Anwalt mehrere Personen vertritt, die ein 
gleichläufiges Interesse haben (BGer, Urteil 2C_814/2014 vom 22. Januar 2015, E. 
4.1.3). Eine unzulässige Doppelvertretung muss nicht zwingend das gleiche formel-

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le Verfahren betreffen. Besteht zwischen zwei Verfahren ein Sachzusammenhang, 
so verstösst der Rechtsanwalt dann gegen Art. 12 lit. c BGFA, wenn er in diesen 
Klienten vertritt, deren Interessen nicht gleichgerichtet sind (BGE 134 II 108 E. 3). 
Nach der Beendigung des Auftragsverhältnisses verbietet es die das Mandatsver-
hältnis überdauernde Treue- und Schweigepflicht Anwälten, einen Auftrag anzu-
nehmen, der sich direkt oder indirekt gegen einen früheren Klienten richten und bei 
dem sie Kenntnisse verwenden könnten, die sie in einem früheren Auftrag als Be-
rufsgeheimnisse erfahren haben (FELLMANN, Kommentar zum Anwaltsgesetz, 2. 
Aufl., Art. 12 N 108 ff.). Bei der Doppelvertretung ist zwischen der Prozessführung 
und der beratenden Tätigkeit des Anwalts zu unterscheiden: Während im Prozess 
das Verbot der Doppelvertretung uneingeschränkt gilt, ist im Rahmen der Rechts-
beratung eine Tätigkeit für Klienten mit gegensätzlichen Interessen nicht verboten, 
wenn beide Parteien damit einverstanden sind. Sobald zwischen ihnen jedoch 
ernsthafte Meinungsverschiedenheiten auftauchen, die allenfalls zu einem Prozess 
führen könnten, hat der Anwalt sämtliche betroffenen Mandate niederzulegen. 
Ebenfalls zulässig ist die Übernahme des Auftrags, zwischen Parteien mit ge-
gensätzlichen Interessen zu vermitteln (FELLMANN, a.a.O, Art. 12 N 98-100). Das 
Verbot von Interessenkollisionen gilt auch zwischen verschiedenen Anwälten, wenn 
diese in einer Kanzlei- oder Anwaltsgemeinschaft zusammenarbeiten. In Bezug auf 
Art. 12 lit. c BGFA sind alle in einem Büro zusammengefassten Anwälte wie ein 
Anwalt zu behandeln (FELLMANN, a.a.O, Art. 12 N 88). Wird während der Führung 
eines Mandats ein verbotener Interessenkonflikt festgestellt, muss der Anwalt das 
Mandat unverzüglich niederlegen (vgl. FELLMANN, a.a.O, Art. 12 N 85 ff.).

10. Die Anzeigerin führte aus, der Disziplinarbeklagte habe das Doppelvertretungsver-
bot von Art. 12 lit. c BGFA verletzt. Die damalige Anwaltskanzlei G.________ habe 
zwischen dem 3. Mai 2010 und dem 11. Juni 2010 eine Klientenbeziehung zu 
F.________ und parallel dazu eine solche zu E.________ sowie der H.________ 
AG gehabt. Auch wenn es sich um reine Beratungsmandate gehandelt habe und 
daraus geschlossen werden könne, dass die Beratung beider Klienten in deren 
Einverständnis erfolgt sei, sei dies nicht zulässig gewesen. Da die Interessen von 
F.________ und E.________ nicht als gleich zu qualifizieren gewesen zu seien, 
habe der Disziplinarbeklagte infolge seiner vorgängigen Klientenbeziehung zu 
E.________ nicht als Rechtsanwalt beider auftreten dürfen. 

11. In der Kurzstellungnahme vom 15. August 2017 erklärte der Disziplinarbeklagte, er 
sei nie gleichzeitig als Rechtsanwalt von E.________ und F.________ aufgetreten. 
Seine Auskünfte an F.________ hätten eine vertrauensbildende Massnahme zur 
Problemlösung zugunsten seines Klienten E.________ dargestellt; die Kontakte 
und die Beratung von F.________ hätten sich allein auf das bei der Beratung von 
E.________ relevante Steuerproblem bezogen. Gegensätzliche Interessen seien 
darüber hinaus nicht sichtbar gewesen (und bis heute nicht sichtbar). Zudem habe 
auch kein Mandatsverhältnis von D.________ zu F.________ bestanden.

12. Die inhaltliche Argumentation des Disziplinarbeklagten in der eigentlichen Stellung-
nahme vom 19. Januar 2018 entspricht in den zentralen Punkten derjenigen in der 
Kurzstellungnahme. Neu sind insbesondere folgende Vorbringen: Bis zu einer Ein-

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vernahme vom 19. Juni 2012 hätten er und sein damaliger Bürokollege 
D.________ nicht um den Zusammenhang zwischen dem vom Disziplinarbeklagten 
betreuten Steuer- und dem von Rechtsanwalt D.________ betreuten Strafverfahren 
gewusst und dieser Zusammenhang sei auch nicht erkennbar gewesen. Nach Be-
kanntwerden des Zusammenhangs habe Rechtsanwalt D.________ sein Verteidi-
gungsmandat innert kurzer Frist unaufgefordert niedergelegt. Hinzu komme, dass 
sogar bei erkanntem Zusammenhang eine Vertretung F.________ dem gesetzli-
chen Grundsatze nach nicht von vornherein ausgeschlossen gewesen wäre. 

13. Entgegen den Ausführungen des Disziplinarbeklagten ist davon auszugehen, dass 
dieser sehr wohl ein Mandat von F.________ erhalten hatte. So sagte er anlässlich 
seiner Einvernahme vom 23. August 2012, zu F.________ habe es «nur ganz 
kurz» ein Mandatsverhältnis für eine Beratung gegeben (pag. 171 Z. 21). Die Pro-
blematik habe darin bestanden, dass ihm kommuniziert worden sei, dass 
F.________ nicht als Darlehensempfänger habe offengelegt werden wollen, weil er 
das Darlehen selber nicht deklariert habe. Seine Beratung habe sich auf die mögli-
chen Konsequenzen einer Offenlegung bezogen (pag. 181 f. Z. 234-241). Er habe 
diesbezüglich «wohl» ein separates Mandat von F.________ gehabt. Dieser habe 
ihn aufgesucht, vielleicht hätten dies schon die E.________ veranlasst (pag. 183 Z. 
253-264). F.________ entband den Disziplinarbeklagten denn auch am 30. Juli 
2017 ausdrücklich und ohne Vorbehalte vom Anwaltsgeheimnis (pag. 219). Die 
F.________ gestellte Honorarnote vom 14. Juli 2010 (pag. 291 ff.) verstärkt diesen 
Eindruck. Zwar gibt es in der Tat Konstellationen, in denen Nicht-Klienten sich an 
Anwaltskosten beteiligen (so der Disziplinarbeklagte in seiner Kurzstellungnahme 
vom 15. August 2017, Ziff. II.D.2.5, pag. 333), doch fehlt in der Kostennote jeder 
Hinweis auf das Vorliegen einer solchen Konstellation, welche auch nicht nahelie-
gend ist. Die Ausführung, weshalb F.________ für einen gar nicht erteilten Auftrag 
bezahlt haben sollte, bleibt denn auch äussert vage. Wenn der Disziplinarbeklagte 
bereit war, F.________ steuerrechtlich zu beraten, und dieser das Angebot an-
nahm, liegt ein Auftrag nach Art. 394 ff. des Bundesgesetzes vom 30. März 1911 
betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: 
Obligationenrecht, OR; SR 220) vor, auch wenn der Disziplinarbeklagte dabei «als 
Anwalt von E.________ auftrat».

14. Es scheint umgekehrt allerdings unbestritten zu sein, dass der Disziplinarbeklagte 
F.________ weder vor Gericht noch anderweitig je gegen aussen vertreten, son-
dern ihn lediglich beraten hat. Es kann auch der Darstellung des Disziplinarbeklag-
ten gefolgt werden, dass diese Beratung sich auf die steuerlichen Konsequenzen 
einer Offenlegung des angeblichen Darlehens von E.________ an F.________ be-
zog. Zwar erscheint es möglich, dass die Interessen von F.________ und 
E.________ nicht deckungsgleich waren (insbesondere wenn sie wirklich Darle-
hensgeber und Darlehensnehmer gewesen sein sollten). Solange diese zustim-
men, schliesst dies allein eine Beratung beider Parteien jedoch nicht aus (vgl. vor-
ne Ziff. 9). Das Bestehen dieser Zustimmung ist unter den vorliegenden Umstän-
den zu bejahen, zumal F.________ anscheinend den Disziplinarbeklagten in voller 
Kenntnis des E.________-Mandats mit steuerlichen Abklärungen beauftragte, 
E.________ aber gleichzeitig über diese Beratungen informiert war oder sie sogar 

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anregte (verschiedene Besprechungen fanden auch gemeinsam statt, vgl. bspw. 
Kurzstellungnahme vom 15. August 2017, Ziff. II.D.1, pag. 331). Für Meinungsver-
schiedenheiten, die einen Prozess zwischen E.________ und F.________ hätten 
wahrscheinlich erscheinen lassen, gibt es keine Hinweise. Die Doppelberatung war 
folglich zulässig. Der Disziplinarbeklagte hat somit durch seine steuerrechtliche Be-
ratungstätigkeit zugunsten von E.________ und F.________ im Jahr 2010 Art. 12 
lit. c BGFA nicht verletzt.

b) Vorgeworfene Verstösse gegen Art. 12 lit. a BGFA

15. Gemäss der Generalklausel von Art. 12 lit. a BGFA haben Anwältinnen und Anwäl-
te ihren Beruf sorgfältig und gewissenhaft auszuüben. Von der Anwaltschaft wird 
sowohl im Verhältnis zu ihren Klienten als auch gegenüber den Gerichtsbehörden 
ein «korrektes Verhalten» verlangt (FELLMANN, a.a.O, Art. 12 N 12; BGE 130 II 270 
E. 3.2; Botschaft, BBl 1999 6054). Eine unsorgfältige Berufsausübung rechtfertigt 
ein staatliches Eingreifen jedoch nur dann, wenn diese objektiv eine solche Schwe-
re erreicht, dass eine Sanktion im überwiegenden öffentlichen Interesse liegt und 
verhältnismässig erscheint. Disziplinarisch zu ahnden ist deshalb nur grobes, 
schuldhaftes (d.h. vorsätzliches oder fahrlässiges) Fehlverhalten (BGer, Urteil 
2C_379/2009 E. 3.1) Geschützt werden nur Berufspflichten, welche die Vorausset-
zungen dafür bilden, dass der Anwalt seine gesetzliche Funktion als mit besonde-
ren Rechten ausgestatteter Interessenvertreter der Rechtsuchenden wirksam 
wahrnehmen kann. Entscheidend ist die Frage, ob die zur Diskussion stehende 
Verfehlung über ihre Auswirkung im Einzelfall hinaus geeignet ist, das Vertrauen in 
Kompetenz und Integrität der Anwaltschaft zu beeinträchtigen und damit die Funk-
tion der Anwaltschaft im System der Rechtspflege zu stören (FELLMANN, a.a.O, Art. 
12 N 12). Dies beinhalt jedenfalls, dass der Anwalt sich an das Recht und hält und 
sich ausschliesslich rechtlich zulässiger Mittel bedient (FELLMANN, a.a.O, Art. 12 N 
36-37a).

16. Die Anzeigerin wirft dem Disziplinarbeklagten vor, gegen die Generalklausel von 
Art. 12 lit. a BGFA verstossen zu haben, indem er sein Klientengeldkonto 
F.________ und E.________ bzw. der H.________ AG zur Verfügung gestellt ha-
be, um eine interne Vereinbarung abzuwickeln. So seien rund CHF 2‘500‘000.00 
transferiert worden. Gestützt auf den Wortlaut der internen Vereinbarung dürfe je-
doch nicht unbesehen von einem völlig rechtskonformen Darlehen ausgegangen 
werden, da zu viele Punkte auf ein nicht «legales» Geschäft hindeuteten. Die Ent-
gegennahme und Aufbewahrung eines solchen Betrags im Wissen darum, dass 
gegen die Darlehensparteien eine Strafuntersuchung laufe (E.________ und 
F.________ sind am 29. März 2017 erstinstanzlich wegen gewerbsmässigen Be-
trugs zu je 48 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden, haben hiergegen jedoch 
Berufung eingelegt), könne gerade in Berücksichtigung der Kenntnis des Diszipli-
narbeklagten aus seiner Steuerberatung nicht mit einer «sorgfältigen» und «gewis-
senhaften» Berufsausübung im Sinne von Art. 12 lit. a BGFA in Einklang gebracht 
werden. Der Anzeige sind diverse Beilagen angefügt, zumeist Akten aus dem 
Strafverfahren gegen F.________ und E.________.

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17. Der Disziplinarbeklagte bringt vor, für die Verwendung des Klientengeldkontos zur 
längeren Aufbewahrung des erhaltenen Geldes hätten im Rahmen seines damali-
gen Wissens und des steuerlichen Mandats gute (vom Disziplinarbeklagten erläu-
terte) Gründe bestanden. Die Anzeigerin führe nicht aus, inwiefern das Darlehen 
vom damaligen Standpunkt aus nicht rechtskonform hätte sein können, ebenso 
wenig würden die «zu vielen» Punkte spezifiziert, welche auf ein nicht «legales» 
Geschäft hingedeutet hätten (abgesehen von – offen kommunizierten – möglichen 
steuerrechtlichen Verstössen). Die Anzeigerin wolle in unzulässiger Rückschau 
zum Ausdruck bringen, man hätte damals den Gegenstand des Ermittlungsverfah-
rens kennen müssen und zwar in einem Kontext, den die Strafverfolgungsbehörden 
in sieben Jahren erarbeitet hätten. Er selbst habe sich zudem unbestritten nicht 
strafrechtlich verantwortlich gemacht. (Kurzstellungnahme vom 15. August 2017, 
Ziff. D.5.2, pag. 337; Stellungnahme vom 19. Januar 2018, Ziff. II.7.8, pag. 491 f.).

18. Tatsächlich kann nicht massgebend sein, was heute über das angebliche «Darle-
hen» bekannt ist, sondern, was der Disziplinarbeklagte damals wusste oder hätte 
wissen müssen. Massgebend ist eine ex ante-Betrachtung. Ausgangspunkt dafür 
ist, dass E.________ dem Disziplinarbeklagten mitgeteilt hatte, 2007 und 2008 sei 
ein Darlehen der H.________ AG an F.________ versehentlich als Aufwand ge-
bucht worden (vgl. Kurzstellungnahme vom 15. August 2017, Ziff. C.1, pag. 323; 
Stellungnahme vom 19. Januar 2018, Ziff. II.3.3, pag. 475). 

19. Das Klientengeldkonto sei laut dem Disziplinarbeklagten in erster Linie eingesetzt 
worden, weil die Revisionsstelle der H.________ AG durch die darauf überwiese-
nen Mittel einen Bonitätsnachweis für das Darlehen habe erhalten wollen. In zwei-
ter Linie habe es der H.________ AG und ihren Aktionären als Sicherheit dienen 
sollen und in dritter Linie hätte durch eine weitergehende Rückzahlung der Mittel 
bei der Steuerbehörde eine weitere Plausibilität für das Vorliegen eines Darlehens 
erzielt werden können (Kurzstellungnahme vom 15. August 2017, Ziff. D.5.2, pag. 
337). I.________ von der Revisionsstelle sagte seinerseits in seiner Einvernahme 
vom 23. August 2012, dass sie einen Bonitätsnachweis verlangt und das Klienten-
geldkonto als hierfür tauglich erachtet, aber nicht explizit, dass sie dessen Errich-
tung vorgeschlagen hätten (vgl. pag. 383 Z. 162-164, pag. 385 Z. 210-212). Zudem 
habe er (I.________) vermutet, dass die fraglichen «Darlehens»-Beträge Barbezü-
ge gewesen seien, «die in die eigene Tasche flossen» (pag. 383 Z. 164). Aus den 
Akten geht nicht hervor, ob die Revisionsstelle den Disziplinarbeklagten über die-
sen Verdacht informiert hat, auch wenn es wahrscheinlich erscheint (ein Hinweis 
hierfür findet sich in der Einvernahme vom 30. Juni 2015, pag. 261 Z. 246-247). 
Jedenfalls scheint I.________ Schluss für in finanziellen Angelegenheiten erfahre-
ne Personen naheliegend gewesen zu sein (vgl. auch die in die entsprechende 
Richtung gehenden Aussagen des Disziplinarbeklagten in der Einvernahme vom 
23. August 2012, pag. 195 Z. 467-475; pag. 209 f. Z. 754-762).

20. Anlässlich seiner Zeugeneinvernahme vom 30. Juni 2015 sagte der Disziplinarbe-
klagte aus, in einer Besprechung mit J.________ von der Steuerverwaltung habe 
man über die möglichen Hintergründe des «Darlehens» diskutiert und dabei auch 
«Kommission, Schmiergeld, Provision» vermutet (vgl. pag. 269 Z. 402-411, pag. 

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271 Z. 429-439; pag. 273 Z. 468-481). Dies entspricht anscheinend einer Bespre-
chungsnotiz J.________ vom 15. Juli 2010, wo von «Provisionen, Schmiergelder, 
Bestechungsgelder etc.» die Rede war (Zeugeneinvernahme J.________ vom 
7. November 2012; Beilage 15 zur Kurzstellungnahme vom 15. August 2017, pag. 
439 Z. 207-210). Als danach die Mittel zurückgeflossen seien – so der Disziplinar-
beklagte – habe die Darlehens-Darstellung wieder an Plausibilität gewonnen. Sie 
hätten im damaligen Zeitpunkt vermutet, «dass es versuchte Steuerhinterziehung 
durch fiktiven Aufwand war oder gewesen sein könnte» (pag. 273 Z. 460-466).

21. Die Urheberschaft der «internen Vereinbarung» der H.________ AG mit 
F.________ vom 28. Mai 2010 (pag. 287 f.) kann – entgegen der Darstellung der 
Anzeigerin – D.________ nicht nachgewiesen werden. Zwar erscheint es bis zu ei-
nem gewissen Grad verdächtig, dass das zur Honorarnote gehörende Stundenblatt 
(pag. 293) just für den 28. Mai 2010 aufführt, D.________ habe eine Vereinbarung 
überarbeitet. Jedoch ist der Hinweis (vgl. Stellungnahme vom 19. Januar 2018, Ziff. 
II.7.7, pag. 491) berechtigt, angesichts der Arbeitsteilung in der Kanzlei (und der 
Tatsache, dass die ebenfalls steuerrechtskundige Anwältin K.________ beigezo-
gen worden sei) wäre es seltsam, wenn ausgerechnet der Zivil- und Strafrechtler 
D.________ die primär steuerrechtlich ausgerichtete Vereinbarung ausformuliert 
hätte. Zudem enthält das Stundenblatt offensichtlich nicht zum vorliegenden Auf-
trag gehörende Posten (nämlich solche betreffend einen Klienten L.________ Auch 
der Disziplinarbeklagte selbst gab an, die Vereinbarung nicht verfasst zu haben 
(Einvernahme vom 30. Juni 2015, pag. 275 Z. 524-526; Stellungnahme vom 19. 
Januar 2018, Ziff. II.7.7, pag. 491). Sie sei ihm aber «sicherlich» bekanntgegeben 
worden und ihr Inhalt decke sich mit den geführten Diskussionen und den vollzo-
genen Handlungen (Kurzstellungnahme vom 15. August 2017, Ziff. D.2.4, pag. 
333). Somit kann immerhin von diesbezüglichem Wissen des Disziplinarbeklagten 
ausgegangen werden. Namentlich ist ihm damit bekannt gewesen, dass das «Dar-
lehen» ursprünglich zinslos gewährt worden sei (Ziff. 2 Abs. 1 Satz 2 der «internen 
Vereinbarung»), was zumindest betriebswirtschaftlich als aussergewöhnlich einzu-
stufen ist.

22. Als unüblich kann auch gelten, dass der Drei-Millionen-Darlehensvertrag nur münd-
lich abgeschlossen (Einvernahme vom 23. August 2012, pag. 199 f. Z. 564-575) 
und das Darlehen bar ausbezahlt worden sein soll. Aussergewöhnlich ist auch, 
dass F.________ eine Million davon bar dem Disziplinarbeklagten zu Handen sei-
nes Klientengeldkontos «zurück erstattete». Die Vermutung des Disziplinarbeklag-
ten, das Darlehen oder die mit diesem zusammenhängenden «Aktivitäten» hätten 
(als «Schwarzgeld») vor dem Fiskus verborgen werden sollen, könnte diese Auffäl-
ligkeiten jedoch zumindest teilweise erklären.

23. Zusammenfassend ist für die Zeitspanne vor der Einleitung des Strafverfahrens 
davon auszugehen, dass der Disziplinarbeklagte eine Steuerhinterziehungs- bzw. 
Steuerbetrugsabsicht hinter dem Darlehen als möglich bis wahrscheinlich erachte-
te. Einen anderweitigen deliktischen Hintergrund scheint er dagegen für wenig 
wahrscheinlich gehalten zu haben, insbesondere nachdem tatsächlich Rückzah-
lungen geleistet wurden. Dem Disziplinarbeklagten war aber durchaus bewusst, 

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dass auch andere Möglichkeiten denkbar blieben. Als naheliegend musste nament-
lich die Vermutung erscheinen, eine Rückzahlung seitens F.________ sei ur-
sprünglich nicht geplant gewesen. 

24. Gegenüber den Steuerbehörden kommunizierte der Disziplinarbeklagte korrekt und 
erwähnte sogar, dass die Rückzahlung über sein Klientengeldkonto erfolgen werde 
(Schreiben vom 22. Dezember 2010, pag. 369). Indem er versuchte, die steuerliche 
Situation möglichst vorteilhaft für seine Klienten, aber legal zu lösen, handelte er 
pflichtgemäss, wie es von einem Anwalt erwartet wird. Auch soweit eine ursprüng-
lich nicht zurückzuzahlende Geldleistung an F.________ weitergehend (d.h. aus-
sersteuerlich) problematisch war, trug das Zurverfügungstellen des Klientengeld-
kontos gerade dazu bei, den rechtmässigen Zustand wiederherzustellen. Zwar lies-
se sich allenfalls fragen, ob der Disziplinarbeklagte pflichtwidrig mögliche weitere 
rechtswidrige Zusammenhänge (etwa die «Schmiergelder») ignorierte. Zu seinen 
Gunsten wird allerdings angenommen, dass er bis zu diesem Zeitpunkt sein Man-
dat in einer mit einer «sorgfältigen» und «gewissenhaften» Berufsausübung im 
Sinne von Art. 12 lit. a BGFA zu vereinbarenden Weise erfüllt hat.

25. Es ist unbestritten, dass der Disziplinarbeklagte Ende November 2010 vom Straf-
verfahren gegen E.________ und durch einen Zeitungsartikel auch in groben Zü-
gen von den damals im Raum stehenden Vorwürfen erfuhr. In der Einvernahme 
vom 23. August 2012 sagte der Disziplinarbeklagte zudem aus, er habe sehr bald, 
man könne sagen schon ab November 2010, gewusst, dass F.________ mitange-
klagt sei (pag. 181 Z. 205-210). Die Behauptung seines Rechtsanwalts (Stellung-
nahme vom 19. Januar 2018, Ziff. II.5, pag. 481), der Disziplinarbeklagte vermöge 
sich nicht mehr zu erinnern, ob er von einem Strafverfahren nur gegen eine oder 
gegen beide Personen (E.________ und F.________) ausgegangen sei, wird 
demgegenüber weder durch die dort angegebenen noch durch sonstige Aktenstü-
cke gestützt.

26. Dem Disziplinarbeklagten schienen die Vorwürfe, von ihm als «Betrug zulasten der 
M.________ im Rahmen von überhöhten Preisen bei Sanierungsarbeiten» zu-
sammengefasst, wenig relevant für sein sich damals auf gutem Weg befindliches 
Steuermandat, da es sich – sinngemäss – unbestrittenermassen um steuerbaren 
Ertrag gehandelt habe. Die Strafuntersuchung habe jedoch dazu beigetragen, dass 
F.________ schliesslich damit einverstanden gewesen sei, gegenüber der Steuer-
verwaltung als Darlehensnehmer genannt zu werden (vgl. Einvernahme vom 
23. August 2012, pag. 177 Z. 152 ff., pag. 199 Z. 553-556; Einvernahme vom 
30. Juni 2015, pag. 259 Z. 225-231; Kurzstellungnahme vom 15. August 2017, Ziff. 
C.8, pag. 327; Stellungnahme vom 19. Januar 2018, Ziff. II.6, pag. 483). Zudem 
seien die Kosten für Sanierungsarbeiten allesamt von der Steuerverwaltung (hin-
sichtlich wertvermehrender Arbeiten) überprüft worden (Kurzstellungnahme vom 
15. August 2017, Ziff. C.8, pag. 327). Er habe auch deshalb ohne Bedenken im 
Februar 2011 zweieinhalb Millionen Franken von seinem Klientengeldkonto an die 
H.________ AG überwiesen, welche diese dann «in erheblichem Ausmass» für die 
Bezahlung der Steuern verwendet habe (Einvernahme vom 23. August 2012, pag. 
211 Z. 764-770; Kurzstellungnahme vom 15. August 2017, Ziff. C.8, pag. 327).

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27. Unbestrittenermassen muss auch illegal erworbenes Einkommen versteuert wer-
den, so dass es steuerlich keine Rolle spielt, ob ein Gewinn allenfalls durch betrü-
gerisch überhöhte Preise erzielt wurde. Dass sich der Disziplinarbeklagte weiter 
bemühte, für die Gewinne der H.________ AG 2007 und 2008 eine Lösung zu fin-
den, kann ihm daher nicht vorgeworfen werden. Jedoch heisst dies nicht ohne wei-
teres, dass er sein Klientengeldkonto auch nach der Eröffnung des Strafverfahrens 
gegenüber den an der internen Vereinbarung vom 28. Mai 2010 Beteiligten weiter 
für die «Darlehensrückzahlung» verwenden durfte. Dies führte einerseits dazu, 
dass die Steuerverwaltung das «Darlehen» als solches anerkannte. Es bewirkte 
aber auch, dass Vermögenswerte (inklusive der übergebenen Bargeldmillion) zur 
H.________ AG verschoben werden konnten. Dabei sprach der entsprechende 
Zeitungsartikel des «Bunds» vom 27. November 2010 (N.________ (Link)) ganz 
allgemein davon, «bei verschiedene Immobiliengeschäften» habe der frühere Ge-
schäftsführer der Pensionskasse der M.________-Gruppe zusammen mit Bauun-
ternehmern «sich bereichert» beziehungsweise «in die eigene Tasche gewirtschaf-
tet». Diese Umschreibungen passen nicht nur zu überhöht gestellten Rechnungen, 
sondern auch zu weiteren, in den offiziellen Buchhaltungen der betreffenden Un-
ternehmen nicht nachweisbaren Verhaltensweisen. Man denke nur an die vom Dis-
ziplinarbeklagten selbst erwähnten Bestechungsgelder oder «klassische» Verun-
treuungen.

28. Angesichts der Umstände hätte der Disziplinarbeklagte, nachdem er von der Eröff-
nung des Strafverfahrens gegen die an der internen Vereinbarung vom 28. Mai 
2010 Beteiligten Kenntnis erhalten hatte, die Möglichkeit in Betracht ziehen müs-
sen, dass zwischen dem über sein Klientengeldkonto zurück zu erstattenden «Dar-
lehen» und der Strafuntersuchung ein Zusammenhang bestehe und die Unge-
reimtheiten des «Darlehens» allenfalls andere als «bloss» steuerbetrügerische 
Gründe haben könnten. Dies, da der Disziplinarbeklagte mit folgendem Sachverhalt 
konfrontiert war: Ein Unternehmer hat nach einer Steuerprüfung behauptet, seine 
Firma habe vor mehreren Jahren dem Geschäftsführer einer Kundin per mündli-
chen Vertrag ein zinsloses Millionendarlehen «bar auf die Hand» gegeben und die-
ses «Darlehen» fälschlicherweise als Aufwand verbucht; dann (und zwar erst nach 
kritischer Rückfrage der Steuerverwaltung und der Revisionsstelle) zahlte der Ge-
schäftsführer das «Darlehen» seinerseits wiederum (zumindest in wesentlichen 
Teilen) in bar zurück, sträubte sich aber bis zuletzt dagegen, als Darlehensemp-
fänger genannt zu werden. Wenn bei solchen Umständen die Staatsanwaltschaft 
gegen den Unternehmer und den Geschäftsführer wegen möglichen Wirtschaftsde-
likten zu ermitteln beginnt, sollte ein pflichtbewusster Anwalt eine Verknüpfung zu-
mindest als möglich in Betracht ziehen. Dass die im Artikel genannten Schadens-
summen «leicht erkennbar» nicht zugetroffen hätten (Kurzstellungnahme vom 
15. August 2017, Ziff. C.8, pag. 327), ändert daran nichts, zumal es immer wieder 
vorkommt, dass das Ausmass einer (tatsächlich vorgefallenen) Straftat zunächst 
von den Geschädigten, den Untersuchungsbehörden oder den Medien noch nicht 
richtig abgeschätzt werden kann. 

29. Indem der Disziplinarbeklagte das «Darlehens»-Geld im Februar 2011 von seinem 
Klientengeldkonto an die H.________ AG überwies, ohne die genannte Verknüp-

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fung zu ziehen, und somit in fahrlässiger Weise nicht erkannte, dass er hierdurch 
riskierte, deliktisches Geld zu verschieben, hat er seinen Beruf nicht «sorgfältig und 
gewissenhaft» im Sinne von Art. 12 lit. a BGFA ausgeübt. Nichts an dieser Fest-
stellung ändert, dass die Staatsanwaltschaft den Disziplinarbeklagten als Zeugen 
(und nicht als Auskunftsperson) einvernommen und (bisher) kein Verfahren gegen 
ihn eröffnet hat. Ein unvorsichtiger Umgang mit deliktischen Geldern ist auch dann 
geeignet, das Vertrauen in die Integrität der Anwaltschaft zu beeinträchtigen, wenn 
er nicht strafbar ist. Immerhin ist zu Gunsten des Disziplinarbeklagten zu berück-
sichtigen, dass er davon ausgehen konnte, die entsprechenden Vorgänge (Korrek-
tur der Jahresrechnung 2007 und 2008 durch Umwandeln von Aufwand in Darle-
hen; Rückzahlung des Darlehens 2010) würden in der Buchhaltung der 
H.________ AG dokumentiert bleiben, so dass die Strafbehörden den Gesche-
hensablauf weiterhin rekonstruieren könne. Seine Überweisung wirkte sich nur in-
sofern negativ aus, als dass sie einer möglicherweisen unwahren Sachverhaltsdar-
stellung («Darlehen») höhere Plausibilität verschaffte und zudem eine Beschlag-
nahmung des Betrags erschwerte, da die H.________ AG den Betrag danach – 
wie der Disziplinarbeklagte wusste – für Steuerzahlungen verwendete, also aus-
gab.

IV. Zu verhängende Disziplinarmassnahme

30. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Disziplinarbeklagte die allgemeine 
Sorgfaltspflicht i.S.v. Art. 12 lit. a BGFA durch unsorgfältigen Umgang mit Klienten-
geldern, die möglicherweise in deliktischem Zusammenhang standen, verletzt hat. 
Eine Verletzung des Doppelvertretungsverbots von Art. 12 lit. c BGFA konnte im 
Rahmen des von Anzeigerin gemeldeten Sachverhalts dagegen nicht festgestellt 
werden. 

31. Art. 17 Abs. 1 BGFA sieht für Verletzungen der Berufspflichten verschiedene Diszi-
plinarmassnahmen vor; geordnet nach der Schwere und beginnend mit der mildes-
ten sind dies Verwarnung, Verweis, Busse bis zu CHF 20'000.-, befristetes und 
dauerndes Berufsausübungsverbot. Die Disziplinierung des fehlbaren Anwalts bzw. 
der fehlbaren Anwältin hat sich grundsätzlich an den Umständen des Einzelfalls 
auszurichten (POLEDNA, in FELLMANN, a.a.O., Art. 17 N 26). Bei der Bemessung der 
Massnahme sind insbesondere zu berücksichtigen: Die Schwere des Verstosses 
gegen eine Berufsregel, wobei auch die Anzahl der Verstösse oder eine fortgesetz-
te Begehung beachtlich sind, das Mass des Verschuldens sowie das berufliche 
bzw. disziplinarische Vorleben der betroffenen Person (POLEDNA, in FELLMANN, 
a.a.O., Art. 17 N 27). Eine Verwarnung findet bei leichtesten und einmaligen 
Pflichtverletzungen Anwendung; ein Verweis wird bei leichteren Verletzungen oder 
in Fällen ausgesprochen, die sich an der Grenze zu mittelschweren Fällen befinden 
sowie bei einer wiederholten leichten Verletzung oder mehrfachen leichten Ver-
stössen (POLEDNA, in FELLMANN, a.a.O., Art 17 N 32). Eine Busse liegt im «Mittel-
feld» der disziplinarischen Sanktionen (POLEDNA, in FELLMANN, a.a.O., Art. 17 N 
33).

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32. Vorliegender Verstoss gegen Art. 12 lit. a BGFA ist als mittelschwer einzuordnen. 
Es ist keine Bagatelle, unsorgfältig mit möglicherweise in deliktischem Zusammen-
hang stehenden Klientengeldern in Millionenhöhe umzugehen. Jedoch dürften die 
negativen Auswirkungen der durch den Disziplinarbeklagten getätigten Darlehens-
überweisung (s. vorne Ziff. 23) begrenzt gewesen sein, was diesem auch bewusst 
war bzw. gewesen wäre, hätte er die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenhangs 
pflichtgemäss erkannt. Weiter ist zu Gunsten des Disziplinarbeklagten zu berück-
sichtigen, dass er in seiner langjährigen Anwaltstätigkeit bisher nie disziplinarisch 
sanktioniert wurde. Der Anwaltsaufsichtsbehörde erscheint unter diesen Umstän-
den eine Busse von CHF 5‘000.00 angemessen.

V. Kosten

33. Die Verfahrenskosten werden der Anwältin oder dem Anwalt auferlegt, soweit eine 
Verletzung der Berufsregeln festgestellt wird (Art. 35 Abs. 1 KAG). Die Gebühren 
betragen zwischen CHF 500.00 und CHF 5‘000.00 (Art. 3 Abs. 1 Bst. c der Verord-
nung über die Gebühren der Anwaltsaufsichtsbehörde vom 25.10.2006 [GebV AB; 
BSG 168.461] i.V.m. Art. 4 Abs. 2 Verordnung über die Gebühren der Kantonsver-
waltung vom 22. Februar 1995 [Gebührenverordnung; GebV; BSG 154.21]). Vor-
liegender Fall verursachte angesichts der umfangreichen Akten überdurchschnittli-
chen Aufwand (vgl. auch die entsprechenden Ausführungen des Rechtsvertreters 
des Disziplinarbeklagten hinsichtlich Kostenersatz, pag. 503), weshalb die Verfah-
renskosten auf CHF 4‘000.00 festgesetzt werden.

34. Wird eine Verletzung der Berufsregeln festgestellt, hat die Anwältin oder der Anwalt 
weder Anspruch auf Parteikostenersatz noch auf Parteientschädigung (Art. 36 Abs. 
1 KAG). 

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Die Anwaltsaufsichtsbehörde entscheidet:

1. Dem Disziplinarbeklagten wird wegen einer Verletzung der Sorgfaltspflicht gemäss 
Art. 12 lit. a BGFA in Anwendung von Art. 17 lit. a BGFA eine Busse in der Höhe 
von CHF 5'000.00 auferlegt. 

2. Dem Disziplinarbeklagten werden die Verfahrenskosten, bestimmt auf CHF 4‘000.00, 
auferlegt.

3. Der Disziplinarbeklagte hat keinen Anspruch auf Parteikostenersatz oder Parteien-
tschädigung.

4. Zu eröffnen:
- dem Disziplinarbeklagten

5. Der Anzeigerin wird die Art der Erledigung des Verfahrens mit separatem Schreiben 
mitgeteilt (Art. 32 Abs. 2 KAG).

Bern, 22. August 2018
(Ausfertigung vom 23. August 2018)

Im Namen der Anwaltsaufsichtsbehörde

Der Präsident:

Oberrichter Studiger

Der Gerichtsschreiber i. V.:

Günther

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern Beschwerde ge-
führt werden gemäss Art. 22 des Kantonalen Anwaltsgesetzes vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11) in 
Verbindung mit Art. 74 ff. des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 
155.21).

Die kantonalen Gesetzestexte sind online abrufbar unter www.belex.sites.be.ch, die eidgenössischen unter 
https://www.admin.ch/gov/de/start/bundesrecht/systematische-sammlung.html.

Hinweis: 
Dieser Entscheid ist rechtskräftig.