# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bffea771-ee9a-5f35-b177-9c85c8575f95
**Source:** Valais/Wallis (VS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2008-10-27
**Language:** de
**Title:** Wallis Sonstiges Gericht Sonstige Kammer 27.10.2008 S2 07 92
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/VS_Gerichte/VS_BZG_999_S2-07-92_2008-10-27.pdf

## Full Text

RVJ/ZWR 2010 81

Krankenversicherung
Assurance maladie

KVG (Sozialversicherungsrechtliche Abteilung) vom 27. Oktober 2008

Taggeldanspruch - Anzeigepflicht

– Das KVG und dessen Verordnung enthalten keine Bestimmungen über die Pflicht
zur Meldung eines Krankheitsfalles oder der eingetretenen Arbeitsunfähigkeit.
Entsprechend haben sie auch keine Sanktionen bei Verletzung der Anzeige-
pflicht vorgesehen.

– Nach der zum KUVG ergangenen Rechtsprechung ist es bei fehlender gesetzli-
cher Bestimmung Sache der Krankenkassen, in ihren Statuten oder Reglementen
zum Zwecke rechtzeitiger Wahrnehmung ihrer Kontrollfunktionen die Anzeige-
pflicht vorzuschreiben und die Folgen von deren Verletzung festzulegen.

Droit à l’indemnité journalière; obligation d’annoncer

– La LAMal et ses ordonnances d’application ne comportent aucune disposition rela-
tive au devoir d’annoncer un cas de maladie ou d’incapacité de travail. Elles ne pré-
voient, par conséquent, aucune sanction pour violation de l’obligation d’annoncer.

– Selon la jurisprudence fondée sur l’ancienne LAMA, il incombe, en cas de lacune
législative, aux caisses maladie de prévoir l’obligation d’annoncer dans leurs sta-
tuts ou règlements, en vue d’en assurer le contrôle, et de déterminer les consé-
quences d’une violation d’une pareille obligation.

Sachverhalt

A. X. (geboren am 27. August 1985) war aufgrund ihrer Tätigkeit als
Serviertochter im Restaurant A. ab dem 1. Januar 2004 bei der Kranken-
kasse Goms gegen Verdienstausfälle infolge Krankheit und Mutter-

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KGVS S2 07 92

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schaft versichert (Vertrag vom 16./26. Januar 2004). Am 24. Januar 2004
stellte ihr Hausarzt Dr. B. eine Schwangerschaft fest. Am 9. Februar
2004 bescheinigte der Stationsarzt des Kreisspitals C. eine bis zum 14.
Februar 2004 dauernde Arbeitsunfähigkeit. Am 23. Februar 2004 mel-
dete sich die Versicherte beim Arbeitgeber wegen Bauchschmerzen,
Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und Kopfschmerzen erneut krank.
Mit Schreiben vom 27. Februar 2004 teilte Letzterer der Versicherten
mit, die vereinbarten Arbeitszeiten seien im Januar und Februar nicht
eingehalten worden. Zudem habe es an Freundlichkeit und Einsatzbe-
reitschaft gemangelt. Der Arbeitgeber verwarnte sie deshalb und for-
derte sie auf, trotz ihres telefonisch geäusserten Wunsches nach einer
sofortigen Arbeitsbeendigung, unverzüglich die Arbeit wieder aufzu-
nehmen. Die Versicherte trat in der Folge die Arbeitsstelle nicht mehr
an. Am 26. Mai 2004 kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis
fristlos und bestritt das Vorliegen einer Mobbing-Situation.

B. Am 3. März 2004 stellte Dr. B. ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis für
den Zeitraum vom 23. Februar 2004 bis auf weiteres aus. Am 25. März
2004 liess die Krankenkasse Goms bei Dr. D. eine vertrauensärztliche
Untersuchung durchführen. Der Bericht von Dr. D. vom 8. April 2004
stützte sich lediglich auf die Angaben der Patientin. Danach litt die Ver-
sicherte unter Mobbing, weshalb der Hausarzt sie krank geschrieben
hatte. Schwangerschaftskomplikationen, abgesehen von passager Nau-
sea, hätten nicht vorgelegen. Gemäss dem Gutachter erfolgte die Arbeits-
unfähigkeit nicht wegen körperlichen Leidens, sondern aus psychischen
Gründen im Zusammenhang mit der Schwangerschaft (Mobbing). Er
teilte die Ansicht des Hausarztes hinsichtlich einer Krankschreibung.

C. Am 24. Mai 2004 erhob Dr. B. folgenden Befund: «Mobbing am
Arbeitsplatz gemäss Angaben der Patientin» und legte dar, der Patien-
tin könne unter Berücksichtigung der Schwangerschaft und der Durch-
führung eines Gespräches mit dem Arbeitgeber ihr bisheriger Arbeits-
platz zugemutet werden. Eine zur Krankheit führende Arbeitsunfähig-
keit verneinte er. Dr. E. schlussfolgerte daher mit Bericht vom 3. Juni
2004, die Patientin sei aufgrund einer Mobbing-Situation arbeitsunfä-
hig. Eine Krankheit liege aber nicht vor. 

D. Mit Einschreiben vom 7. Juni 2004 verweigerte die Kranken-
kasse Goms die Ausrichtung von Taggeldern. Am 30. Juli 2004 teilte die
Unia der Krankenkasse Goms mit, gemäss den Dres. F. und B. sei das
Leben des ungeborenen Kindes bei einer Weiterbeschäftigung gefähr-
det. Dr. E. legte demgegenüber am 24. August 2004 dar, es gebe keinen

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wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass ein angespanntes Arbeits-
klima eine Gefährdung für ein ungeborenes Kind darstelle. Es seien
detailliertere Angaben der behandelnden Ärzte notwendig. Am 30.
August 2004 forderte die Krankenkasse Goms diese Belege von der Ver-
sicherten. Mit Schreiben vom 14. Januar 2005 hinterlegte die Unia das
Arztzeugnis von Dr. B. vom 17. Dezember 2004. Darin wird eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit vom 23. Februar bis zum 21. Dezember 2004 bestä-
tigt. Hinsichtlich Ursache schloss sich Dr. B. dem Bericht von Dr. E. vom
30. (recte 3.) Juni 2004 an. Am 5. Februar 2005 legte Dr. E. dar, die
Arbeitsniederlegung sei nicht krankheitsbedingt erfolgt und die
Schwangerschaft sei weder pathologisch noch krankhaft verlaufen. 

E. Am 9. September 2006 ergänzte Dr. B., am 23. Februar 2004 sei
die Patientin zur Sprechstunde erschienen und habe über dauerhafte
Bauchkrämpfe, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und Kopfschmerzen
geklagt. Aufgrund dieser Beschwerden und der Schwangerschaft sei
eine Arbeitsunfähigkeit von 100% vom 23. Februar bis zum 1. März 2004
und dann nach Rücksprache mit Dr. F. eine solche von 50% ab dem 2.
März 2004 attestiert worden. Anscheinend sei es am Arbeitsort zu einer
stark belastenden Mobbing-Situation gekommen, welche einen Teil der
Beschwerden erklären würden, so dass zum Schutze der Schwanger-
schaft eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis Ende Schwangerschaft ent-
standen sei. Die Versicherte sei am 3. März 2004 letztmals wegen der
psychosozialen Belastung und am 26. Oktober 2004 wegen Rücken-
schmerzen bei ihm in Behandlung gewesen. Am 26. Oktober 2004 sei
sie in die Sprechstunde gekommen, da sie seit der Geburt am 27. Sep-
tember 2004 unter thoracocervicalen Rückenschmerzen litt. Dies habe
eine weiter dauernde Arbeitsunfähigkeit bis am 21. Dezember 2004
erfordert (Bericht vom 9. September 2006). Er diagnostizierte eine psy-
chosoziale Belastungssituation mit funktionellen Beschwerden wäh-
rend der Schwangerschaft. Mit Berichten vom 3. und 16. November
2006 verneinte Dr. E. erneut den Krankheitsfall. 

F. Mit Schreiben vom 23. Januar 2007 lehnte die Krankenkasse die
Leistungspflicht ab und teilte der Versicherten mit, es seien nicht regel-
mässig Arbeitsunfähigkeitszeugnisse eingereicht worden. Hiergegen
reichte die Versich erte am 31. Januar 2007 Beschwerde beim Kantona-
len Versicherungsgericht ein, die mit Urteil des Versicherungsgerichtes
vom 27. März 2007 in dem Sinne gutgeheissen wurde, als die Kranken-
kasse Goms zum Erlass einer begründeten, mit Rechtsmittel versehe-
nen Verfügung über den Taggeldanspruch aufgefordert wurde. Gestützt

auf diesen Entscheid erliess die Krankenkasse Goms am 12. April 2007
eine ablehnende Taggeldverfügung mit der Begründung,  es liege keine
krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit vor. Die dagegen erhobene Ein-
sprache wies sie mit Entscheid vom 13. Juni 2007 ab. Mit Beschwerde
vom 13. Juli 2007 beantragt die Versicherte die Auszahlung des Taggel-
des für den Zeitraum vom 23. Februar 2004 bis zum 21. Dezember 2004.
Das Gericht zog die Akten des ersten Verfahrens bei.

Erwägungen

(...)

2. Streitig ist, ob die Beschwerdeführerin in der Zeit vom 23.
Februar bis zum 21. Dezember 2004 krankheitsbedingt arbeitsunfähig
war und ihr damit auch für diese Zeit ein Anspruch auf Taggelder
zusteht (Art. 72 Abs. 2 KVG). Unbestritten ist, dass die Versicherte kei-
nerlei Ansprüche auf Taggelder für Mutterschaft geltend machen kann,
da die gesetzlich vorgeschriebene Karenzfrist nicht erfüllt ist. Insofern
die Leiden in Zusammenhang mit der Schwangerschaft stehen, entfällt
daher ein Taggeldanspruch aus diesem Grund, was auf die geklagte
Übelkeit und die Rückenbeschwerden zutrifft.

3. a) Nach Art. 3 Abs. 1 ATSG ist Krankheit jede Beeinträchtigung der
körperlichen oder geistigen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalles ist
und die eine medizinische Untersuchung oder Behandlung erfordert
oder eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat. Daraus wird deutlich, dass
das schweizerische Sozialversicherungsrecht von einem ausschliesslich
leistungsbezogenen Begriff der Krankheit ausgeht. Im Rechtsbegriff der
Krankheit ist der medizinische Krankheitsbegriff mitenthalten; die bei-
den Begriffe sind aber nicht deckungsgleich (BGE 124 V 121 Erw. 3b), das
heisst der Rechtsbegriff ist enger. Das subjektive «Sichkrankfühlen»
erfüllt für sich allein den Krankheitsbegriff im Rechtssinne noch nicht.
Die Beeinträchtigung allein reicht nicht aus, um eine Krankheit im juri-
stischen Sinne anzunehmen; erst wenn durch den Hinzutritt der in Art.
3 Abs. 1 ATSG genannten Kriterien der Krankheitswert erreicht ist, liegt
eine Krankheit im Rechtssinne vor (Kieser, ATSG-Kommentar, Art. 3, Rz.
7; Eugster, Krankenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwal-
tungsrecht, S. 41, Rz. 80 ff. [fortan Krankenversicherung]). In der Litera-
tur ist man sich daher einig, dass die seelischen Belastungen infolge ehe-
licher, familiärer, schulischer oder beruflicher Probleme keine Krankhei-
ten sind (Eugster, Krankenversicherung, S. 41, Rz. 84; Wagner, Définiti-
ons, in: LAMal-KVG, Recueil de travaux en l’honneur de la Société suisse

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de droit des assurances, S. 112 Fn. 44). Die blosse Beeinträchtigung des
sozialen Wohlbefindens ist daher keine Krankheit.

b) Für den Fall einer Krankheit kann eine Taggeldversicherung
abgeschlossen werden. Das versicherte Taggeld wird vom Versicherer
mit dem Versicherungsnehmer vereinbart (Art. 72 Abs. 1 KVG). Der
Gesetzgeber hat in Art. 72 KVG einige zwingende Bestimmungen
namentlich zum Anspruchsbeginn (Abs. 2), zur Dauer des Anspruchs
(Abs. 3), zur Kürzung der Leistung bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit
(Abs. 4) und bei Überentschädigung (Abs. 5) erlassen. Die Detailgestal-
tung hat er dagegen weit gehend der Vertragsautonomie der Beteilig-
ten überlassen (BGE 125 V 116 Erw. 2e, 124 V 205 Erw. 3d). Diese (Ver-
trags-) Autonomie muss sich an den allgemeinen Rechtsgrundsätzen
orientieren (Eugster, Zum Leistungsrecht der Taggeldversicherung
nach KVG, in: LAMal-KVG, Recueil de travaux en l’honneur de la Société
suisse de droit des assurances, S. 551). Die freiwillige Taggeldversiche-
rung nach Art. 67 ff. KVG bezweckt die Deckung des Erwerbsausfalls
infolge von Krankheit, Unfall oder Mutterschaft; sie ist also eine reine
Erwerbsausfallversicherung (BBl 1992 I S. 138).

Der Taggeldanspruch entsteht, wenn die versicherte Person min-
destens zur Hälfte arbeitsunfähig ist (Art. 72 Abs. 2 Satz 1 KVG und Art.
6 ATSG). Die Arbeitsunfähigkeit ist in der Regel gegeben, wenn eine Per-
son ihre bisherige Tätigkeit infolge des Gesundheitszustandes nicht
mehr oder nur noch beschränkt oder nur unter der Gefahr, ihren
Gesundheitszustand zu verschlimmern, auszuüben vermag (BGE 114 V
283 Erw. 1c, 111 V 239 Erw. 1b; RKUV 1998 Nr. KV 45 S. 430). Bei langer
Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder
Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG). 

c) Das KVG und dessen Verordnung enthalten keine Bestimmungen
über die Pflicht zur Meldung eines Krankheitsfalles oder der eingetrete-
nen Arbeitsunfähigkeit. Entsprechend haben sie auch keine Sanktionen
bei Verletzung der Anzeigepflicht vorgesehen. Nach der zum KUVG
ergangenen Rechtsprechung ist es bei fehlender gesetzlicher Bestim-
mung Sache der Krankenkassen, in ihren Statuten oder Reglementen
zum Zwecke rechtzeitiger Wahrnehmung ihrer Kontrollfunktionen die
Anzeigepflicht vorzuschreiben und die Folgen von deren Verletzung
festzulegen. Ordnungsvorschriften, wonach Leistungen bis zum Zeit-
punkt der ordnungsgemässen Meldung verweigert werden, wenn vom
Versicherten die rechtzeitige Meldung vernünftigerweise verlangt wer-
den kann, hat das Eidgenössische Versicherungsgericht als grundsätz-

lich nicht bundesrechtswidrig betrachtet. Erscheint dagegen eine
Pflichtverletzung nach den Umständen als entschuldbar, so darf damit
in der Regel keine Sanktion verbunden werden; zudem darf die Sanktion
nicht gegen den Grundsatz der Verhältnismässigkeit verstossen (BGE
104 V 10 Erw. 2 und RKUV 1990 Nr. K 829 S. 4 Erw. 2a, je mit Hinweisen).
Diese Rechtsprechung ist auch unter der Herrschaft des auf den 1.
Januar 1996 in Kraft getretenen KVG anwendbar (BGE 127 V 154).

d) Die Beweiskraft eines medizinischen  Gutachtens hängt nach
der Rechtsprechung (BGE 125 V 352 Erw. 3a, 122 V 160 Erw. 1c mit Hin-
weisen) unter anderem davon ab, ob es in der Darlegung der medizi-
nischen Zustände, Entwicklungen und Zusammenhänge einleuchtet
und ob die Schlussfolgerungen des Experten so begründet sind, dass
der Rechtsanwender sie kritisch prüfend nachvollziehen kann (Meyer-
Blaser, Das medizinische Gutachten aus sozialversicherungsrechtli-
cher Sicht, in: A.M. Siegel/D. Fischer (Hrsg.), Die neurologische Begut-
achtung, S. 97; ders., Sozialversicherungsrecht und Medizin, in: Fre-
denhagen, Das ärztliche Gutachten, S. 25). Die Begründung der von
einem Gutachter aus den verwerteten Vorakten und den von ihm
selbst erhobenen Befunden gezogenen Schlussfolgerungen ist der
essentielle Teil jedes Gutachtens. Hier hat der Gutachter die Gedan-
kengänge im Einzelnen darzulegen, aufgrund derer er zu seinen
Schlussfolgerungen gelangt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizini-
schen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (RKUV 1991 Nr. U 133 S. 312 f.). Ausschlaggebend für
den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines
Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 351
Erw. 3a, 122 V 160 f. Erw. 1c mit weiteren Hinweisen). In Bezug auf
Berichte von Hausärzten darf und soll der Richter der Erfahrungstat-
sache Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gun-
sten ihrer Patienten aussagen. Auch den Berichten und Gutachten ver-
sicherungsinterner Ärzte kommt schliesslich Beweiswert zu, sofern
sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich
widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit

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bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem Anstel-
lungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf
mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen (BGE 125 V
351 Erw. 3ee mit weiteren Hinweisen).

4. a) Die Krankenkasse Goms stützte sich in ihrem ablehnenden
Einspracheentscheid bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auf die
Ausführungen des Vertrauensarztes Dr. E., würdigte diese als glaub-
haft und tat die Angaben des Hausarztes Dr. B. als nicht begründet ab.
Demgegenüber vertritt die Beschwerdeführerin die Auffassung, die
Arbeitsunfähigkeit sei medizinisch ausgewiesen.

b) Aufgrund der Akten steht fest, dass die Krankschreibung auf-
grund einer schwierigen Arbeitssituation erfolgte. Die Vertrauensärzte
der Krankenkasse Dres. D. und E. kamen unter Berücksichtigung sämt-
licher medizinischer Unterlagen zum Schluss, dass die Versicherte
nicht unter einem körperlichen oder psychischen Gebrechen litt. Viel-
mehr lag gemäss subjektiven Angaben der Versicherten eine belastende
Arbeitssituation vor. Diese vermag jedoch wie unter Erw. 3a dargelegt,
den Begriff der Krankheit im Rechtssinne nicht zu erfüllen. Seelische
Belastungen infolge beruflicher Probleme sind keine Krankheiten. Die
Vorbringen der Beschwerdeführerin, ihr Hausarzt Dr. B. habe sie krank
geschrieben, vermögen daran nichts zu ändern. Dieser verneinte näm-
lich in seinem ersten begründeten Zeugnis vom 24. Mai 2004 ebenfalls
das Vorliegen einer Krankheit im engeren Sinne und hielt als Befund eine
Mobbingsituation fest, wobei er der Versicherten die Ausübung der bis-
herigen Tätigkeit weiterhin zumutete. Dass er in einem späteren Zeug-
nis diese Aussagen zum Teil widerrief, ist unbehelflich. Bei sich wider-
sprechenden Angaben kommt nämlich der Erstaussage erhöhtes
Gewicht zu, da sie in der Regel unbefangener und zuverlässiger ist als
spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen
Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst
sein können (BGE 121 V 47 Erw. 2a; SVR 1996 UV Nr. 47 145f. Erw. 2). Im
Übrigen erinnert das Gericht an die Tatsache, dass Hausärzten aufgrund
ihrer besonderen Stellung zum Patienten mitunter in Zweifelsfällen eher
zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. Erw. 3d). Demgegenüber steht
ein unbeteiligter Experte in einer anderen Position gegenüber dem Ver-
sicherten, was eine neutrale und objektive Schlussfolgerung ermög-
licht. In Anbetracht der ärztlichen Angaben bestand keine Krankheit im
Rechtssinne, weshalb die Verweigerung der Ausrichtung der Taggelder
schon aus diesem Grund zu Recht erfolgt ist. Überdies ist auch keine

ärztliche Behandlung dokumentiert. Weitere Akten, die einen anderen
Schluss zulassen würden, wurden, trotz Aufforderung seitens der Kran-
kenkasse, solche einzureichen (Schreiben vom 30. August 2004 und vom
5. Mai 2006), nicht hinterlegt. Insbesondere konnte die von der
Beschwerdeführerin behauptete Gefährdung hinsichtlich des ungebo-
renen Kindes nicht belegt werden. Mithin ist auch nicht ausgewiesen,
dass die Belastung beruflicher Art eine Erkrankung zur Folge hatte.

c) Im Weiteren datiert die ärztliche Bescheinigung der Arbeitsunfä-
higkeit für die Zeit vom 23. Februar 2004 bis zum 21. Dezember 2004 vom
17. Dezember 2004 und ging am 19. Januar 2005 bei der Krankenkasse ein.
Dieses rückwirkend ausgestellte Zeugnis beruht auf zwei Konsultationen
(im März und im Oktober) bei Dr. B.. Der behandelnde Gynäkologe Dr. F.
hat demgegenüber für die entsprechende Periode nie ausdrücklich eine
Arbeitsunfähigkeit bestätigt. Die ihnen obliegenden Kontrollaufgaben
können die Krankenversicherer aber nur wahrnehmen, wenn sie rechtzei-
tig vom anspruchsbegründenden Sachverhalt Kenntnis erhalten (Urteil K
70/01 vom 09. Oktober 2001). Die in Reglementen oder Statuten vorgese-
hene Meldepflicht soll diese Kontrolle erleichtern (Urteil K 129/00 vom 20.
Juni 2001 Erw. 4b; ZESO 2001 Seite 140). Nach Art. 12 lit. c der Bestimmun-
gen über die Einzeltaggeldversicherung Moneta VVG sind Taggeldansprü-
che mindestens einmal pro Monat der Kasse zu melden. Bei verspäteter
Einreichung besteht frühestens ab Eingang des ärztlichen Zeugnisses
Anspruch auf das Taggeld. Rückdatierungen sind unzulässig. Mithin hat
die Krankenkasse für den Fall der Einreichung verspäteter Arztzeugnisse
die Sanktion der Leistungseinstellung bis zur Einreichung der Bestätigung
ausdrücklich kodifiziert. In tatsächlicher Hinsicht steht in casu fest, dass
die Arbeitsunfähigkeit nicht im Sinne des Reglements der Krankentag-
geldversicherung (Erneuerung mindestens alle 30 Tage) mit ärztlichem
Attest gemeldet und belegt wurde. Bei dieser Ausgangslage ist es nicht zu
beanstanden, wenn die Kasse das Fehlverhalten der Versicherten zum
Anlass nahm, von der reglementarisch vorgesehenen Rechtsfolge, der
Leistungsverweigerung für den nicht von einer rechtzeitig erneuerten
Meldung erfassten Zeitraum, Gebrauch zu machen, weshalb auch unter
diesem Gesichtswinkel die Beschwerde abzuweisen ist.

d) Der Vollständigkeit halber bleibt darauf hinzuweisen, dass die
freiwillige Taggeldversicherung nach Art. 6 der Bestimmungen über die
Einzeltaggeldversicherung Moneta VVG die Deckung des Erwerbsaus-
falls infolge von Krankheit bezweckt. Da die Beschwerdeführerin ab
dem 26. Mai 2004 in gekündigter Stellung war, wäre der Taggeldan-
spruch ab diesem Zeitpunkt in jedem Fall erloschen.

88 RVJ/ZWR 2010

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