# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 71486eae-c4bd-5ec8-bb46-20096d79c0f8
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-05-17
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 17.05.2021 SK 2020 142
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2020-142_2021-05-17.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 20 142

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 17. Mai 2021 

Besetzung Oberrichterin Friederich Hörr (Präsidentin i.V.), 
Obergerichtssuppleantin Schwendener, Oberrichter Aebi
Gerichtsschreiber Stähli

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Fürsprecher C.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Berufungsführerin

und

B.________, 
v.d. Fürsprecherin D.________

Straf- und Zivilklägerin

Gegenstand versuchte vorsätzliche Tötung, evtl. versuchter Mord, evtl. ver-
suchte schwere Körperverletzung, versuchte qualifizierte Brand-
stiftung

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Kollegialgericht) vom 10. Januar 2020 (PEN 19 528)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Bern-Mittelland (Kollegialgericht in Fünferbesetzung; nachfol-
gend Vorinstanz) fällte am 10. Januar 2020 über A.________ (nachfolgend Be-
schuldigter) das folgende Urteil (pag. 727 ff.; Hervorhebungen im Original):  

I.

A.________ wird freigesprochen:

von der Anschuldigung der versuchten Verursachung einer Explosion, angeblich begangen am 
09.11.2010 in E.________

unter Auferlegung der anteilsmässigen Verfahrenskosten (vgl. Ziff. III.), sich zusammensetzend aus 
Gebühren von CHF 1‘359.85 und Auslagen von CHF 1‘450.25, insgesamt bestimmt auf 
CHF 2‘810.10, an den Kanton Bern.

II.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der versuchten eventualvorsätzlichen Tötung, begangen am 09.11.2010 in E.________, zum 
Nachteil von B.________;

2. der versuchten qualifizierten Brandstiftung, begangen am 09.11.2010 in E.________

und in Anwendung der 
Art. 19 Abs. 2, 40, 47, 48a, 49 Abs.1, 51, 111 i.V.m. 22 Abs. 1, 221 Abs. 2 i.V.m. 22 Abs. 1 StGB, 
Art. 426 Abs. 1 StPO

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 7 Jahren.

Die Untersuchungs-, bzw. Auslieferungshaft von insgesamt 573 Tagen wird auf die Freiheitsstra-
fe angerechnet und es wird festgestellt, dass die Strafe am 22.10.2018 vorzeitig angetreten wor-
den ist.

2. Zu den auf den Schuldspruch entfallenden Verfahrenskosten (vgl. Ziff. III.), sich zusammenset-
zend aus Gebühren von CHF 25‘837.15 und Auslagen von CHF 27‘555.10, insgesamt bestimmt 
auf CHF 53‘392.25 Verfahrenskosten.

Im Weiteren setzte die Vorinstanz die Entschädigungen für die amtliche Verteidi-
gung des Beschuldigten durch Fürsprecher C.________ einerseits und für die un-
entgeltliche Rechtsvertretung von B.________ (nachfolgend Straf- und Zivilkläge-
rin) durch Fürsprecherin D.________ andererseits fest und bestimmte den beider-
seits vom Beschuldigten nachforderbaren Betrag (Ziff. IV.1. und IV.2. des erstin-
stanzlichen Urteils; pag. 729). 

3

Im Zivilpunkt befand die Vorinstanz, dass der Beschuldigte Schadenersatz in Höhe 
von CHF 712.10, eine Genugtuung in Höhe von CHF 30'000.00, zuzüglich 5% Zins 
seit dem 9. November 2010, und eine Parteientschädigung in Höhe von 
CHF 2'355.95 an die Straf- und Zivilklägerin zu bezahlen hat, ohne für die Beurtei-
lung der Zivilklage Verfahrenskosten auszuscheiden (Ziff. V.1., V.2., V.3. und V.4. 
des erstinstanzlichen Urteils; pag. 732). 

Schliesslich verfügte die Vorinstanz die Rückkehr des Beschuldigten in den Straf-
vollzug, die Einziehung diverser Gegenstände zwecks Vernichtung und gab die 
vorzeitige Zustimmung zur Löschung der erstellten DNA-Profile (PCN.________) 
und der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten (Ziff. VI.1., VI.2., 
VI.3. und VI.4. des erstinstanzlichen Urteils; pag. 733). 

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region 
Bern-Mittelland, am 13. Januar 2020 fristgerecht Berufung an (pag. 741). Dem folg-
te am 31. März 2020 die erneut frist- und formgerechte Berufungserklärung seitens 
der Generalstaatsanwaltschaft (pag. 812 f.). 

Ebenso fristgerecht meldete der Beschuldigte, amtlich verteidigt durch Fürsprecher 
C.________, am 16. Januar 2020 Berufung an (pag. 744). Seine Berufungser-
klärung folgte am 3. April 2020 (pag. 814). 

Mit Verfügung der Verfahrensleitung vom 6. April 2020 wurde allen Parteien Gele-
genheit zur Stellungnahme zu den beiden Berufungserklärungen gegeben 
(pag. 818). Die Generalstaatsanwaltschaft beantragte weder ein Nichteintreten 
noch erklärte sie die Anschlussberufung (pag. 823 f.). Dasselbe gilt für den Be-
schuldigten (pag. 825) und die Straf- und Zivilklägerin (pag 827). 

3. Ansetzen und Verschieben der oberinstanzlichen Verhandlung

Die Verfahrensleitung verfügte am 26. August 2020, dass die oberinstanzliche Ver-
handlung am 9. März 2021 und am 11. März 2021 stattfindet (pag. 855). Mit Einga-
be vom 1. März 2021 liess die Straf- und Zivilklägerin vernehmen, dass ihre Teil-
nahme an der oberinstanzlichen Verhandlung vom 9. März 2021 aufgrund einer 
behördlich angeordneten Quarantäne im Zusammenhang mit der Covid-19-
Pandemie unsicher ist (pag. 883 ff.). Nach kurzer telefonischer Beratung mit den 
Parteien über einen neuen Verhandlungstermin wurde die oberinstanzliche Ver-
handlung vom 9. März 2021 und 11. März 2021 ab- und stattdessen für den 
14. Mai 2021 angesetzt (pag. 890 ff.). 

4. Opferschutzmassnahmen

Fürsprecherin D.________ stellte mit Eingabe vom 7. Januar 2021 mit Blick auf die 
oberinstanzliche Verhandlung den Antrag, es seien geeignete Massnahmen 
vorzukehren, um eine direkte Konfrontation zwischen der Straf- und Zivilklägerin 
und dem Beschuldigten zu vermeiden, die Straf- und Zivilklägerin sei mit 
Ausnahme der eigenen Befragung von der oberinstanzlichen Verhandlung zu 
dispensieren und die Öffentlichkeit (Publikum und Presse) sei von der Verhandlung 
auszuschliessen (pag. 870 f.). 

4

Die Verfahrensleitung verfügte am 2. Februar 2021, dass das Gesuch der Straf- 
und Zivilklägerin um Konfrontationsvermeidung mit dem Beschuldigten 
gutgeheissen wird, und leitete die entsprechenden Massnahmen in die Wege 
(pag. 873 f.). Weiter wurde verfügt, dass über den Antrag auf Ausschluss der 
Öffentlichkeit erst an der oberinstanzlichen Verhandlung befunden wird (pag. 874).  

An der oberinstanzlichen Verhandlung bestätigte Fürsprecherin D.________ den 
Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit (pag. 904). Zur Begründung führte sie an, 
der Verhandlungsgegenstand tangiere das Privatleben der Straf- und Zivilklägerin. 
Die in dieser Sache bereits erfolgte Berichterstattung habe sich negativ auf sie 
ausgewirkt. Weitere Begegnungen mit der Presse und die Publikation von Bildern 
hätten eine destabilisierende Wirkung. Ihre schutzwürdigen Interessen als Opfer 
würden daher einen Ausschluss der Öffentlichkeit in allen Verfahrensstadien, mit 
Ausnahme der Urteilseröffnung, rechtfertigen. 

Die Verteidigung des Beschuldigten und die Generalstaatsanwaltschaft verzichte-
ten an der oberinstanzlichen Verhandlung auf eine Stellungnahme zu diesem An-
trag. 

Die Kammer wies den Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit ab. Verhandlungen 
vor dem Berufungsgericht sind grundsätzlich öffentlich (Art. 69 Abs. 1 der Schwei-
zerischen Strafprozessordnung vom 5. Oktober 2007 [StPO; SR 312.0]). Nach 
Art. 70 Abs. 1 lit. a StPO kann das Gericht die Öffentlichkeit von einer Verhandlung 
zwar ganz oder teilweise ausschliessen, wenn schutzwürdige Interessen einer be-
teiligten Person, insbesondere des Opfers, es erfordern. Jedoch stellt die Öffent-
lichkeit von Gerichtsverhandlungen ein fundamentales, mithin von Art. 6 Ziff. 1 
EMRK garantiertes Prinzip dar (Urteil des Bundesgerichts 6B_1078/2009 vom 
13. Dezember 2010 E. 2.3 f.). Für einen Ausschluss der Öffentlichkeit müssen die 
schutzwürdigen Interessen des Opfers eine gewisse Schwere haben. 

Vorliegend sind die schutzwürdigen Interessen der Straf- und Zivilklägerin durch 
die Vermeidung der Konfrontation mit dem Beschuldigten hinreichend gewahrt. 
Weitergehend wiegen die schutzwürdigen Interessen der Straf- und Zivilklägerin 
nicht schwer genug, als dass sie einen vollständigen Ausschluss der Öffentlichkeit 
von der Verhandlung rechtfertigen würden. Ein solcher Beschluss wäre angesichts 
des Verfahrensgegenstands und mit Blick auf Art. 69 StPO unverhältnismässig. 
Dieser Beschluss der Kammer wurde den Parteien an der oberinstanzlichen Ver-
handlung mündlich eröffnet und durch die Vorsitzende kurz begründet (pag. 905). 

5. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Von Amtes wegen wurde über den Beschuldigten ein Vollzugsbericht (datiert vom 
12. Februar 2021; pag. 878 f.) sowie ein aktueller Strafregisterauszug (datiert vom 
15. Februar 2021; pag. 881) eingeholt. Den Parteien wurden Kopien zugestellt. 

Anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung vom 14. Mai 2021 reichte Fürspre-
cherin D.________ ein Schreiben der L.________ (Behörde) vom 5. Januar 2021 
(pag. 937) sowie einen Scheidungsentscheid des G.________ (Gericht) vom … … 
20… (X.________ (Verfahrensnummer)) betreffend die Auflösung der Ehe zwi-
schen der Straf- und Zivilklägerin und dem Beschuldigten (pag. 938 ff.) ein. Die Un-

5

terlagen wurden ohne Einwände der übrigen Parteien zu den Akten erkannt 
(pag. 905). Anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung vom 14. Mai 2021 
wurde der Beschuldigte zur Person und zur Sache befragt. Ebenso wurde die Straf- 
und Zivilklägerin einvernommen. 

6. Anträge der Parteien

Anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung stellte die Generalstaatsan-
waltschaft, vertreten durch den Staatsanwalt H.________, die folgenden Anträge 
(pag. 943; Hervorhebungen im Original): 

I. 
Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 10.01.2020 insofern in 
Rechtskraft erwachsen ist, als A.________ vom Vorwurf der versuchten Verursachung einer Explo-
sion, angeblich begangen am 09.11.2010 in E.________, freigesprochen wurde.

II.

A.________ sei schuldig zu erklären
1. der versuchten (direkt-)vorsätzlichen Tötung, begangen am 09.11.2010 in E.________, zum 

Nachteil von B.________;
2. der versuchten qualifizierten Brandstiftung, begangen am 09.11.2010 in E.________.

und in Anwendung der einschlägigen Bestimmungen

zu verurteilen:
1. zu einer Freiheitsstrafe von 11 ½ Jahren, unter Anrechnung der Untersuchungs- bzw. Ausliefe-

rungshaft von insgesamt 573 Tagen und mit der Feststellung, dass die Strafe am 22.10.2018 
vorzeitig angetreten worden ist.

2. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (zzgl. Gebühr gemäss Art. 21 
VKD von Fr. 600.00).

III.

Es seien die üblichen Verfügungen zu treffen (Honorar amtliche Verteidigung etc.) 

Anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung stellte die Verteidigung die fol-
genden Anträge (pag. 944):

1. Es sei festzustellen, dass Ziff. I des Urteils des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 10. Januar 
2020 (Freispruch von der Anschuldigung der versuchten Verursachung einer Explosion, angeb-
lich begangen am 09.11.2010 in E.________) in Rechtskraft erwachsen ist.

2. Das Strafverfahren gegen Herrn A.________ wegen Brandstiftung, evtl. versuchter qualifizierter 
Brandstiftung, angeblich begangen am 09.11.2010 in E.________, sei einzustellen.

3. Herr A.________ sei freizusprechen vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung, evtl. des 
versuchten Mordes, evtl. der versuchten schweren Körperverletzung, angeblich begangen am 
09.11.2010 in E.________ z.N. von B.________.

4. Herr A.________ sei umgehend aus dem Strafvollzug zu entlassen und es sei ihm eine Genug-
tuung für den ausgestandenen Freiheitsentzug im Umfang von mindestens 1’509 Tagen zu 
mind. CHF 150.00 pro Tag, ausmachend CHF 226'350.00 zzgl. Zins von 5 % seit dem 10. Mai 
2017 (Antritt Ausschaffungshaft [recte: Auslieferungshaft]), zuzusprechen.

5. Die Zivilklage der Privatklägerin sei abzuweisen, eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen.
6. Die beschlagnahmten Gegenstände seien einzuziehen. 

6

7. Die Verfahrenskosten beider Instanzen seien dem Staat aufzuerlegen und das Honorar des amt-
lichen Verteidigers für beide Verfahren sei gemäss bereits eingereichter bzw. noch einzurei-
chender Kostennote festzusetzen wobei für beide Instanzen keine Rückzahlungspflicht durch 
Herrn A.________ vorzusehen sei.

8. Weiter Verfügungen seien von Amtes wegen zu erlassen. 

Fürsprecherin D.________ stellte an der oberinstanzlichen Hauptverhandlung für 
die Straf- und Zivilklägerin die folgenden Anträge (pag. 945): 

1. A.________ sei zu verurteilen
1.1 zur Bezahlung von CHF 30'000.00 Genugtuung zuzüglich 5% Zins seit dem 09.11.2010 

an die Privatklägerin;
1.2 zur Bezahlung von CHF 712.00 Schadenersatz an die Privatklägerin;
1.3 zur Bezahlung der auf die Schuldsprüche entfallenden erst- und oberinstanzlichen Ver-

fahrenskosten;
1.4 zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Anwaltskosten der Privatklägerin gemäss 

den eingereichten Honorarnoten.
2. Das amtliche Honorar der amtlichen Anwältin der Privatklägerin sei gestützt auf die eingereich-

ten Honorarnoten gerichtlich zu bestimmen.
3. Die weiteren Verfügungen seien von Amtes wegen zu erlassen. 

7. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Die Berufung der Generalstaatsanwaltschaft beschränkt sich auf die Vorsatzart 
beim Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung sowie auf die Strafzumessung 
(pag. 813). In diesen Punkten erklärte auch der Beschuldigte Berufung (pag. 814). 
Angefochten und von der Kammer zu überprüfen ist somit der vorinstanzliche 
Schuldspruch wegen versuchter (eventual-) vorsätzlicher Tötung (Ziff. II.1 des erst-
instanzlichen Urteils). Zudem ist eine neue Strafzumessung vorzunehmen (Sankti-
onspunkt 1 in Ziff. II des erstinstanzlichen Urteils). Aufgrund der eigenständigen 
Berufung der Generalstaatsanwaltschaft gilt das Verschlechterungsverbot gemäss 
Art. 391 Abs. 2 StPO nicht und die Kammer darf das erstinstanzliche Urteil in die-
sen beiden Punkten zuungunsten des Beschuldigten abändern. Namentlich darf ein 
Schuldspruch wegen versuchter (direkt-)vorsätzlicher Tötung ausgefällt und die 
Strafzumessung verschärft werden. 

Im Weiteren erstreckt sich der Gegenstand des oberinstanzlichen Verfahrens infol-
ge (alleiniger) Berufung des Beschuldigten auf den Schuldspruch wegen versuchter 
qualifizierter Brandstiftung (Ziff. II.2 des erstinstanzlichen Urteils) und auf das erst-
instanzliche Urteil im Zivilpunkt (Ziff. V. des erstinstanzlichen Urteils). In diesen 
Punkten gilt das Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO; die Kam-
mer darf das erstinstanzliche Urteil nicht zuungunsten des Beschuldigten abän-
dern. 

Weiter hat die Kammer über die Bemessung und Verlegung der Verfahrenskosten, 
über die Bestimmung der Entschädigungen für die amtliche Verteidigung des Be-
schuldigten und die unentgeltliche Rechtsvertretung der Straf- und Zivilklägerin so-
wie die Festsetzung des vom Beschuldigten beiderseits nachforderbaren Betrags 
(Ziff. IV.1. und IV.2. des erstinstanzlichen Urteils) zu befinden (Art. 428 Abs. 3 und 

7

Art. 135 Abs. 2 StPO). Nicht der Rechtskraft zugänglich und durch die Kammer zu 
überprüfen sind ferner die Verfügung der Vorinstanz betreffend die vom Beschul-
digten erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten und das vom Be-
schuldigten erstellte DNA-Profil (Ziff. VI.3. und VI.4. des erstinstanzlichen Urteils).

Es ist somit festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil insoweit in Rechtskraft 
erwachsen ist, als der Beschuldigte von der Anschuldigung der versuchten Verur-
sachung einer Explosion freigesprochen wurde (Ziff. I. des erstinstanzlichen Urteils) 
und diverse Gegenstände zur Vernichtung eingezogen wurden (Ziff. VI.2. des erst-
instanzlichen Urteils).

Die Kammer verfügt bei der Überprüfung des Urteils in den obgenannten Punkten 
gemäss Art. 398 Abs. 2 StPO über volle Kognition.

8. Prozesshindernisse und Vorfragen

8.1 Vorfrage des Beschuldigten betreffend Verfahrenshindernis

Mit Schreiben vom 1. Mai 2020 stellte Fürsprecher C.________ namens des Be-
schuldigten vorfrageweise die folgenden Anträge (pag. 829 ff.; Hervorhebungen im 
Original):

1. Sachanträge

1.1 Es sei festzustellen, dass Ziff. I des Urteils des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 10. Januar 
2020 (Freispruch von der Anschuldigung der versuchten Verursachung einer Explosion, angeb-
lich begangen am 9. November 2010 in E.________) in Rechtskraft erwachsen ist.

1.2 Das Strafverfahren gegen Herrn A.________ wegen Brandstiftung (Art. 221 Abs. 1 und 2 StGB), 
evtl. versuchter qualifizierter Brandstiftung, angeblich begangen am 9. November 2010 in 
E.________, sei einzustellen. 

1.3 Über die mit der Teileinstellung des Verfahrens verbundenen Kosten- und Entschädigungsfolgen 
sei im Rahmen des Endentscheids zu befinden. 

2. Verfahrensantrag

Über die oben gestellten Vorfragen/Sachanträge sei im schriftlichen Verfahren zu entscheiden. 

Zur Begründung führte er zusammengefasst aus, die Vorinstanz habe den Be-
schuldigten vom Vorwurf der versuchten Verursachung einer Explosion frei-, ihn je-
doch der versuchten qualifizierten Brandstiftung schuldig gesprochen. Der Frei-
spruch vom Vorwurf der versuchten Verursachung einer Explosion sei mangels Be-
rufung in Rechtskraft erwachsen. Da zwischen den beiden Tatvorwürfen einfache 
Tatidentität bestehe, liege für den Vorwurf der versuchten qualifizierten Brandstif-
tung ein rechtskräftiger Freispruch vor. Dieser rechtskräftige Freispruch stehe mit 
Blick auf Art. 11 Abs. 1 StPO einer neuerlichen Beurteilung der Tat entgegen. In 
der Konsequenz müsse das Obergericht das Verfahren betreffend Vorwurf der ver-
suchten qualifizierten Brandstiftung aufgrund eines Verfahrenshindernisses einstel-
len. 

Die Generalstaatsanwaltschaft bezog mit Schreiben vom 15. Mai 2020 Stellung zu 
den Vorfragen des Beschuldigten (pag. 839 ff.). Sie führte zusammengefasst aus, 
die vom Beschuldigten herangezogene Rechtsprechung beschlage stets (auch) 

8

das Vorverfahren. Ein Analogieschluss aus dieser Rechtsprechung für die vorlie-
gende Situation, also, dass in einem erstinstanzlichen Urteil sowohl ein Freispruch 
als auch ein Schuldspruch ergeht, greife zu kurz. Dadurch dass Frei- und Schuld-
spruch im selben Urteil – also im selben Moment – ergangen seien, könne keine 
Doppelbestrafung vorliegen, weil diese die Rechtskraft eines früher ergangenen 
Entscheids voraussetze. Darüber hinaus würden die fraglichen Vorwürfe ohnehin 
nicht identische Lebenssachverhalte betreffen, weshalb die Staatsanwaltschaft im 
erstinstanzlichen Verfahren selbst sowohl Frei- als auch Schuldspruch beantragt 
habe. Über diese Frage brauche nicht vorfrageweise im schriftlichen Verfahren 
entschieden zu werden. 

Die Straf- und Zivilklägerin verzichtete auf eine Stellungnahme (pag. 842). 

Die Verfahrensleitung teilte den Parteien mit Verfügung vom 3. Juli 2020 mit, im 
Endentscheid über die Sachanträge des Beschuldigten zu befinden (pag. 843 f.). 
Die Parteien hatten zudem an der oberinstanzlichen Verhandlung Gelegenheit, sich 
nochmals zu der Frage zu äussern (sogleich E. 8.2 unten).

8.2 Vorbringen der Parteien an der oberinstanzlichen Hauptverhandlung

8.2.1 Beschuldigter

An der oberinstanzlichen Hauptverhandlung verwies die Verteidigung des Beschul-
digten vorab auf die Eingabe vom 1. Mai 2020 (pag. 829 ff.) und führte aus, der 
rechtskräftige Freispruch vom Vorwurf der versuchten Verursachung einer Explosi-
on betreffe denselben Lebenssachverhalt wie der Vorwurf der versuchten qualifi-
zierten Brandstiftung (pag. 926). Die Vorbringen der Generalstaatsanwaltschaft 
würden in diesem Punkt nicht verfangen, denn es spiele keine Rolle, dass beide 
Vorwürfe dasselbe Strafverfahren betreffen würden. Massgebend sei einzig, dass 
der erstinstanzliche Freispruch zwischenzeitlich in Rechtskraft erwachsen sei. Die 
entscheidende Frage sei daher, ob identische Sachverhalte vorlägen, was bejaht 
werden müsse. Die Anklageschrift differenziere nicht zwischen unterschiedlichen 
Phasen des Vorgangs und auch nicht zwischen den verwendeten Materialien, son-
dern gehe klarerweise von einem Sachverhalt aus. 

8.2.2 Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft verwies an der oberinstanzlichen Hauptverhandlung 
auf ihre Eingabe vom 15. Mai 2020 (pag. 839 ff.). 

8.2.3 Straf- und Zivilklägerin

Die Straf- und Zivilklägerin äusserte sich an der oberinstanzlichen Hauptverhand-
lung nicht zu den Vorfragen des Beschuldigten. 

8.3 Vorbemerkung

Wer in der Schweiz rechtskräftig verurteilt oder freigesprochen worden ist, darf we-
gen der gleichen Straftat nicht erneut verfolgt werden (Art. 11 Abs. 1 StPO). Das 
Verbot der doppelten Strafverfolgung verbietet die Wiederholung eines durch 
rechtskräftige Entscheidung abgeschlossenen Strafverfahrens. Es bildet mithin ein 
Verfahrenshindernis, das in jedem Stadium des Verfahrens von Amtes wegen zu 
berücksichtigen ist (BGE 144 IV 362 E. 1.3.2). 

9

Art. 11 Abs. 1 StPO steht einem neuen Verfahren entgegen, dass gegen denselben 
Beschuldigten gerichtet ist und dieselbe Straftat zum Gegenstand hat. Die Identität 
der Straftat kann unterschiedlich bestimmt werden, wobei in der Schweiz das Mo-
dell der einfachen Tatidentität vorherrscht (BGE 137 I 363 E. 2; Urteil des Bundes-
gerichts 6B_653/2013 vom 20. März 2014 E. 3.3.). Zwischen zwei Vorwürfen liegt 
demnach Tatidentität vor, wenn beiden identische oder im Wesentlichen gleiche 
Sachverhalte zugrunde liegen (BGE 144 IV 362 E. 1.3.2 mit Hinweisen).

8.4 Subsumtion

Die Kammer weist die Anträge der Verteidigung ab. Bei den beiden Vorwürfen 
handelt es sich nicht um eine Tateinheit, sondern um zwei verschiedene Lebens-
vorgänge. Das geht aus der Anklageschrift selbst hervor, auch wenn darin beide 
Vorwürfe in einer Ziffer zusammengefasst wurden (Ziff. I.2. der Anklageschrift; 
pag. 566). Die Anklage lautet in diesem Punkt wie folgt: 

2. Brandstiftung (Art. 221 Abs. 1 und 2 StGB) und versuchte Verursachung einer Explosion 
(Art. 223 Ziff. 1 i.V.m. Art. 22 StGB)

[…]

Nachdem B.________ die Flucht gelungen war (vgl. Ziff. 1 oben), versuchte A.________ die 
Wohnung im 6. Obergeschoss an der F.________ in E.________ mit einer Gasflasche in Brand 
zu stecken - was ihm auch gelang - beziehungsweise auch eine Explosion zu bewirken, dies in 
der Absicht oder zumindest unter Inkaufnahme der Schädigung Dritter und der Herbeiführung 
einer Gemeingefahr, respektive im Wissen um die Gefährdung von Leib und Leben sowie Eigen-
tum auch von weiteren Personen im betreffenden Wohnhaus.

Der erste Vorwurf lautete darauf, dass der Beschuldigte versucht habe, seine 
Wohnung mit einer Gasflasche in Brand zu stecken – was ihm auch gelang. Der 
zweite Vorwurf lautete darauf, dass der Beschuldigte versucht habe, eine Explosion 
zu bewirken. Beide Taten habe der Beschuldigte in der Absicht oder zumindest un-
ter Inkaufnahme der Schädigung Dritter und der Herbeiführung einer Gemeinge-
fahr, respektive im Wissen um die Gefährdung von Leib und Leben sowie Eigentum 
auch von weiteren Personen im betreffenden Wohnhaus, begangen bzw. versucht. 

Die blosse Tatsache, dass die verwendete Gasflasche bei der Tathandlung beider 
Vorwürfe eine Rolle spielt, macht die dahinterstehenden Lebenssachverhalte nicht 
identisch. Eine derartige Betrachtungsweise verkennt die für den objektiven Tatbe-
stand der Verursachung einer Explosion geforderten Tathandlung und wäre daher 
zu kurzsichtig. Die Unterschiede der Tatvorwürfe manifestiert sich denn auch in 
den unterschiedlichen subjektiven Tatbeständen. Beim Vorwurf der versuchten 
Verursachung einer Explosion müsste der Beschuldigte die Gasflasche in der Art 
bedient haben, dass es zu einer Explosion hätte kommen können, und er müsste 
zugleich den entsprechenden Vorsatz gehabt haben. Dieser Lebenssachverhalt 
weist keine Überschneidung mit dem Vorwurf der Brandstiftung auf, ausser dass 
der Beschuldigte zum Legen des Brandes die Gasflasche benutzt haben soll.

Im Ergebnis hindert somit der zwischenzeitlich rechtskräftige erstinstanzliche Frei-
spruch vom Vorwurf der versuchten Verursachung einer Explosion die Kammer 
nicht daran, den Beschuldigten für den davon klar abgrenzbaren Vorwurf der 

10

Brandstiftung bzw. versuchten qualifizierten Brandstiftung zu verurteilen, sofern die 
Voraussetzungen dafür erfüllt sind (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 
6B_459/2020 vom 1. September 2020 E. 2.4 ff.). 

8.5 Fazit

Einer allfälligen Verurteilung wegen versuchter qualifizierter Brandstiftung steht 
kein Verfahrenshindernis, insbesondere nicht das Verbot doppelter Strafverfolgung 
nach Art. 11 StPO, entgegen. 

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

9. Theoretische Grundlagen

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seinen aus dem gesamten Verfahren 
gewonnen Überzeugungen (Art. 10 Abs. 2 StPO). Es berücksichtigt die im Vorver-
fahren und im Hauptverfahren erhobenen Beweise (Art. 350 Abs. 2 StPO). Freie 
Beweiswürdigung bedeutet, dass die Organe der Strafrechtspflege frei von Beweis-
regeln und nur nach ihrer persönlichen Überzeugung aufgrund gewissenhafter Prü-
fung der vorliegenden Beweise darüber entscheiden, ob sie eine Tatsache für be-
wiesen halten oder nicht (Urteil des Bundesgerichts 6B_804/2017 vom 
23. Mai 2018 E. 2.2.3.1 mit Hinweisen). Die freie Beweiswürdigung gründet auf 
gewissenhaft festgestellten Tatsachen und logischen Schlussfolgerungen. Sie darf 
sich nicht auf blossen Verdacht oder blosse Vermutung stützen (BSK StPO-HOFER, 
2. Auflage, Art. 10 N 58 ff.).

Bestehen unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Vorausset-
zungen der angeklagten Tat, geht das Gericht von der für die beschuldigte Person 
günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Als Beweiswürdigungsregel be-
sagt der Grundsatz in dubio pro reo, dass sich das Gericht nicht von einem für die 
angeklagte Person ungünstigen Sachverhalt überzeugt erklären darf, wenn bei ob-
jektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. 
Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche 
immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss 
sich um erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, also um solche, 
die sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen (BGE 120 Ia 31 E. 2c S. 37; Ur-
teil des Bundesgerichts 6B_212/2019 vom 15. Mai 2019 E. 1.3.2). 

Liegen keine direkten Beweise vor, ist auch ein indirekter Beweis zulässig. Beim 
sogenannten Indizienbeweis wird aus bestimmten Tatsachen, die nicht unmittelbar 
rechtserheblich, aber bewiesen sind (Indizien), auf die zu beweisende, unmittelbar 
rechtserhebliche Tatsache geschlossen. Eine Mehrzahl von Indizien, welche für 
sich alleine nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder die 
Tat hinweisen und einzeln betrachtet die Möglichkeit des Andersseins offen lassen, 
können in ihrer Gesamtheit ein Bild erzeugen, das bei objektiver Betrachtung keine 
Zweifel bestehen lässt, dass sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Der Indizien-
beweis ist dem direkten Beweis gleichwertig (Urteil des Bundesgerichts 
6B_811/2019 vom 15. November 2019 E. 1.3 mit Hinweisen).

11

Steht Aussage gegen Aussage, bedeutet dies nicht zwingend, dass die beschuldig-
te Person in Anwendung des Grundsatzes in dubio pro reo freizusprechen ist. 
Vielmehr hat das Gericht die Darstellung der Verfahrensbeteiligten auf ihren inne-
ren Gehalt und ihre Überzeugungskraft hin zu werten (BGE 137 IV 122 E. 3.3 
S. 127; WOHLERS, in: Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers, Kommentar zur Schwei-
zerischen Strafprozessordnung StPO, 3. Auflage, Art. 10 N 12 und N 25 f.). Wenn 
die Glaubhaftigkeit von Aussagen zu überprüfen ist, ist nach Massgabe der moder-
nen Aussagepsychologie weniger die allgemeine Glaubwürdigkeit oder Wahrhaftig-
keit der jeweiligen Aussageperson an sich, als vielmehr die spezielle Glaubhaftig-
keit ihrer im Einzelfall zu überprüfenden, konkreten Aussage von Bedeutung (BEN-
DER/NACK/TREUER, Tatsachenfeststellung vor Gericht. Glaubwürdigkeits- und Be-
weislehre, Vernehmungslehre, 4. Auflage, München 2014, N. 219 ff.). Die Aussa-
geanalyse stellt die konkrete Aussage in den Mittelpunkt ihrer Untersuchung. Dabei 
wird der Inhalt der Aussage anhand bestimmter Kriterien (Realitätskriterien) analy-
siert. Dahinter steht die Überlegung, dass jemand, der ein reales Erlebnis schildert, 
dies quantitativ und qualitativ anders tut, als jemand, der eine Phantasiegeschichte 
erzählt (BENDER/NACK/TREUER, a.a.O., N. 288 ff.; LUDEWIG/BAUMER/
TAVOR, Einführung in die Aussagepsychologie. Zwischen Wahrheit und Lüge, in: 
Ludewig/Baumer/Tavor [Hrsg.], Aussagepsychologie für die Rechtspraxis. Zwi-
schen Wahrheit und Lüge, Zürich/St. Gallen 2017, S. 43 ff.). Zu den allgemeinen 
Realkennzeichen gehören etwa die Konstanz der Aussage im zentralen Hand-
lungsablauf, die Strukturgleichheit, die logische Konsistenz, Homogenität und Fol-
gerichtigkeit der Aussagen, deren Anschaulichkeit und Wirklichkeitsnähe, die Frei-
heit von Widersprüchen, die Detailgenauigkeit der Angaben, deren qualitativer De-
tailreichtum sowie das Fehlen von Phantasiesignalen wie Verlegenheit oder Über-
treibungen. Zu den inhaltsspezifischen Realkennzeichen gehören weiter die räum-
lich-zeitliche Verknüpfung der Aussagen, die Interaktionsschilderung und die Wie-
dergabe von Gesprächen, die Schilderung von Komplikationen im Handlungsablauf 
und von ausgefallenen nebensächlichen Einzelheiten, die Schilderung eigener psy-
chischer Vorgänge und von psychologischen Vorgängen beim Beschuldigten. Auch 
die spontane Verbesserung der eigenen Aussage, das Eingeständnis von Erinne-
rungslücken, Selbstbelastungen und Entlastungen des Beschuldigten sind Real-
kennzeichen. Demgegenüber stellen Widersprüchlichkeiten, Strukturbrüche, Karg-
heit und Verarmung der Aussagen, die Aussagenverweigerung, die Abstraktheit 
und Zielgerichtetheit der Aussagen sowie deren Stereotypie Lügensignale dar. Zu 
beachten sind schliesslich immer auch die Tatnähe der Aussagen und eine allfälli-
ge reduzierte Wahrnehmungsfähigkeit wegen Alkohol- oder Drogeneinflusses 
(BENDER/NACK/TREUER, a.a.O., N. 313 ff.; LUDEWIG/BAUMER/TAVOR, a.a.O., 
S. 46 ff.).

12

10. Vorwürfe gemäss Anklageschrift

Dem Beschuldigten werden in der Anklageschrift vom 12. Juni 2019 die folgenden 
Vorwürfe gemacht (pag. 566 ff.; Hervorhebungen im Original):

1. versuchte vorsätzliche Tötung (Art. 111 i.V.m. Art. 22 StGB)

Eventualanklage 1: versuchter Mord (Art. 112 i.V.m. Art. 22 StGB) 

Eventualanklage 2: versuchte schwere Körperverletzung (Art. 122 i.V.m. Art. 22 StGB)

begangen am 09.11.2010 in E.________, F.________, im 6. Obergeschoss, zum Nachteil von 
B.________, geb. ……, durch folgendes Tatvorgehen:

Die von A.________ getrennt lebende Ehefrau, B.________, ging am 09.11.2010 in dessen 
Wohnung an der F.________, im 6. Obergeschoss, in E.________, um die Post zu holen. 
A.________ war persönlich anwesend. Nach einem Gespräch oder einer Diskussion schlug der 
Beschuldigte seiner Ehefrau in der Küche unvermittelt von hinten mit einem Hammer zweimal 
auf den Hinterkopf, verletzte sie hierbei, und versuchte sie anschliessend, nachdem er sie zu 
Boden geworfen oder gezerrt hatte, mit einem Messer zu stechen, beziehungsweise auf sie ein-
zustechen, wobei er sie erneut verletzte, dies am Rücken, im Nacken, am Becken/an der Hüfte, 
am linken Arm und an der linken Hand. Als sie flüchtete lief er ihr bis zur Wohnungstüre nach, 
welche verschlossen war, und würgte sie heftig während einer unbestimmten Zeitdauer. Plötz-
lich liess er von ihr los, eventuell rutschte er aus, worauf seiner Ehefrau die Flucht über ein 
Fenster gelang. A.________ handelte hierbei in Tötungsabsicht - eventuell nahm er eine Tötung 
von B.________ in Kauf -, eventuell handelte er in schwerer Körperverletzungs- beziehungswei-
se schwerer Körperschädigungsabsicht.

Privatklägerin: B.________

2. Brandstiftung (Art. 221 Abs. 1 und 2 StGB) und versuchte Verursachung einer Explosion 
(Art. 223 Ziff. 1 i.V.m. Art. 22 StGB)

begangen am 09.11.2010 in E.________, F.________, im 6. Obergeschoss, durch folgendes 
Tatvorgehen:

Nachdem B.________ die Flucht gelungen war (vgl. Ziff. 1 oben), versuchte A.________ die 
Wohnung im 6. Obergeschoss an der F.________ in E.________ mit einer Gasflasche in Brand 
zu stecken - was ihm auch gelang - beziehungsweise auch eine Explosion zu bewirken, dies in 
der Absicht oder zumindest unter Inkaufnahme der Schädigung Dritter und der Herbeiführung 
einer Gemeingefahr, respektive im Wissen um die Gefährdung von Leib und Leben sowie Eigen-
tum auch von weiteren Personen im betreffenden Wohnhaus.

Deliktssumme / Schaden: unbestimmt

11. Rahmengeschehen und unbestrittener Sachverhalt

Der Beschuldigte und die Straf- und Zivilklägerin waren miteinander verheiratet und 
wohnten gemeinsam an der F.________ in E.________. Am 1. Oktober 2010 zog 
die Straf- und Zivilklägerin aus der gemeinsamen Wohnung aus. Der Beschuldigte 
bewohnte die Wohnung fortan alleine. Am 9. November 2010 begab sich die Straf- 
und Zivilklägerin im Verlauf des Tages zur vormals gemeinsamen Wohnung mit der 
Absicht, ihre Post abzuholen. Sie öffnete den Briefkasten im Eingangsbereich des 
achtstöckigen Wohnblocks und begab sich später in den sechsten Stock zur Woh-

13

nung des Beschuldigten. Nachdem sie sich durch klingeln angekündigt hatte, betrat 
sie im Einverständnis des Beschuldigten die Wohnung. Die Beiden unterhielten 
sich in der Küche. 

Der Beschuldigte griff die Straf- und Zivilklägerin mit einem Hammer und einem 
Messer an, bevor er sie würgte. Dadurch fügte er der Straf- und Zivilklägerin diver-
se Verletzungen am Kopf, am Rücken im Bereich der Lendenwirbelsäule sowie am 
linken Arm und an der linken Hand zu. Der Straf- und Zivilklägerin gelang ansch-
liessend durch das Küchenfenster die Flucht aus der Wohnung. Diese Umstände 
sind im Groben unbestritten. 

Nach der Flucht der Straf- und Zivilklägerin legte der Beschuldigte in der Wohnung 
einen Brand. Letztlich sprang der Beschuldigte vom Balkon der Wohnung. Die zwi-
schenzeitlich durch die eingetroffenen Einsatzkräfte aufgebaute Sprungmatte ver-
fehlte der Beschuldigte und landete auf dem Boden. Dort nahm ihn die Sanitätspo-
lizei in Gewahrsam. 

Der Beschuldigte wurde nach seiner vorläufigen Festnahme am Tatort per 11. No-
vember 2010 in Haft versetzt (pag. 13). Am 21. Dezember 2010 wurde er entlassen 
(pag. 18). Ungefähr im März 2012 tauchte er unter (pag. 19.1). Auf Hinweis der 
Straf- und Zivilklägerin konnte der Beschuldigte am 10. Mai 2017 in Frankreich an-
gehalten werden (pag. 19.34). Seither befand sich der Beschuldigte in Ausliefe-
rungs- bzw. Untersuchungshaft und trat am 22. Oktober 2018 den vorzeitigen 
Strafvollzug an.  

12. Beweiswürdigung zum Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung, evtl. 
versuchter Mord, evtl. versuchte schwere Körperverletzung (Ziff. I.1. der An-
klageschrift)

12.1 Bestrittener Sachverhalt und Beweisthemen

Bestritten ist, welchen Vorsatz der Beschuldigte gefasst hatte, als er am 9. Novem-
ber 2010 mit einem Hammer, einem Messer und unter Würgen gewaltsam auf die 
Straf- und Zivilklägerin einwirkte. Weiter strittig und von der Kammer zu untersu-
chen sind die genauen Geschehensabläufe, die Intensität und die Präzision der 
ausgeführten Handlungen des Beschuldigten mit dem Hammer, dem Messer und 
seiner Hand.

12.2 Verfügbare Beweismittel

Es kann auf die folgenden Beweismittel zurückgegriffen werden: 

- Akten des kriminaltechnischen Dienstes (pag. 98 ff.);

- Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin zur körperlichen Untersuchung der 
Straf- und Zivilklägerin vom 27. November 2010 (pag. 66 ff.);

- Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin zur körperlichen Untersuchung des 
Beschuldigten vom 17. November 2010 (pag. 76 ff.);

- Abschlussberichte zu den forensisch-toxikologischen Untersuchungsergebnis-
sen der Straf- und Zivilklägerin einerseits (pag. 71) und des Beschuldigten an-
dererseits (pag. 82) vom 25. November 2010;

14

- Arztbericht von Dr. med. I.________ vom 12. März 2012, einschliesslich Er-
gänzung vom 4. April 2012 (pag. 94.4 f. und pag. 94.16 f.);

- Arztbericht von Dr. med. J.________ vom 1. Mai 2012 (pag. 94.18 f.);

- anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung eingereichte Fotos der 
Straf- und Zivilklägerin (pag. 709 ff.);

- Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin vom 4. Mai 2011 bezüglich der 
Auswertung von DNA-Spuren (pag. 85 ff.);

- Aussagen der Straf- und Zivilklägerin im Vorverfahren (pag. 187 ff.), an der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung (pag. 688 ff.) und an der oberinstanzlichen 
Verhandlung (pag. 906 ff.);

- Aussagen des Beschuldigten im Vorverfahren (pag. 217 ff.), an der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung (pag. 696 ff.) und an der oberinstanzlichen Ver-
handlung (pag. 914 ff.);

- Psychiatrisches Gutachten des forensisch-psychiatrischen Dienstes der Uni-
versität Bern (FPD) vom 10. November 2011 (pag. 357 ff.), einschliesslich Er-
gänzungen vom 30. November 2018 (pag. 412.26 ff.) und vom 27. Februar 
2019 (pag. 412.63 ff.). 

Nachfolgend wird zur Klärung des zu diesem Vorwurf bestrittenen Sachverhalts auf 
die einzelnen Beweismittel eingegangen. Für die Zusammenfassung der verfügba-
ren Beweismittel wird grundsätzlich auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen 
(Ziff. 3.2.1 bis Ziff. 3.2.12 des erstinstanzlichen Urteilsmotivs; pag. 757 bis 
pag. 777). Die in den nachfolgenden Ziffern ergänzenden bzw. präzisierenden 
und/oder wiederholenden Ausführungen zu Beweismitteln beschränken sich auf 
diejenigen Punkte, die für das Verständnis unerlässlich sind oder zu denen die 
Kammer eine abweichende Meinung hat.

12.3 Bericht des Kriminaltechnischen Dienstes

Der Kriminaltechnische Dienst der Kantonspolizei Bern traf am 9. November 2010 
um ca. 20:30 Uhr zwecks kriminaltechnischer Tatbestandsaufnahme am Tatort ein 
(pag. 98 ff.). Parallel dazu verlief in Koordination mit dem IRM die Untersuchung 
am Körper der Straf- und Zivilklägerin einerseits und des Beschuldigten anderer-
seits. 

12.3.1 Zusammenfassung des Berichts des Kriminaltechnischen Dienstes

Am Tatort stellten die eintreffenden Beamten des Kriminaltechnischen Dienstes an 
mehreren Stellen vom Eingang des Wohnblocks bis zur Wohnung im sechsten 
Stock Blutspuren fest (zum Ganzen pag. 99). Der Eingangsbereich der Wohnung 
des Beschuldigten war komplett ausgebrannt und der Rest der Wohnung russge-
schwärzt. Beim Kücheneingang fand der Kriminaltechnische Dienst am Boden ei-
nen blutverschmierten Hammer und ein blutverschmiertes Brotmesser. In der 
Küche befanden sich Blutspuren am Boden und an den Küchenmöbeln. Sämtliche 
Scheiben des Küchenfensters waren zerbrochen. Beim Eingang zum Wohnzimmer 
waren die zum Teil zertrümmerten Einrichtungsgegenstände aufgehäuft worden. 
Die Verglasung des Wohnzimmerfensters war zum grössten Teil eingeschlagen. 

15

Auch beim Wohnzimmerfenster befanden sich Blutspuren. Besonders ausgeprägt 
wurden solche an der Innenseite der Brüstung des Balkons festgestellt. Auf dem 
Balkonboden lag ein blutverschmiertes Teppichmesser. Unter den auf der Rasen-
fläche unterhalb des Balkons vorgefundenen Gegenständen war auch ein blutver-
schmiertes Kochmesser. 

Der Kriminaltechnische Dienst stellte diverse Gegenstände gemäss dem Material-
/Spurenverzeichnis sicher (pag. 101 ff.). Anhand dieser Umstände zog er die 
Schlussfolgerung, dass sich nicht abschliessend beurteilen lasse, mit welchem der 
drei sichergestellten, blutverschmierten Messer die Straf- und Zivilklägerin verletzt 
worden war (pag. 99 f.). Hingegen würden «auch» sie davon ausgehen, dass die 
Hautverletzungen im Nacken und am Hinterkopf der Straf- und Zivilklägerin von 
Hammerschlägen stammen dürften. 

Dem Bericht ist eine Reihe von Fotos der angetroffenen Situation am Tatort an-
gehängt (pag. 110-159). Weiter angehängt sind im Spital aufgenommene Fotos der 
Verletzungen der Straf- und Zivilklägerin (pag. 160-167) und des Beschuldigten 
(pag. 168-177) sowie Fotos der möglichen Tatwerkzeuge (pag. 178-186). 

12.3.2 Würdigung des Berichts des Kriminaltechnischen Dienstes

Dem Bericht des Kriminaltechnischen Dienstes und den angehängten Fotos lassen 
sich viele fallrelevante Details zum Tatort, zu den verwendeten Tatwerkzeugen und 
zum Tathergang entnehmen. 

Augenscheinlich fand der Angriff auf die Straf- und Zivilklägerin zumindest teilweise 
im Küchenbereich der Wohnung statt. Dort fanden sich auf dem Fussboden die 
Überreste einer Blutlache, die trotz der späteren Brandlegung in der Wohnung pro-
blemlos erkennbar ist (pag. 136 f.). Daneben finden sich an der Küchenkombinati-
on bis zur Höhe von ca. 50 cm zahlreiche Blutspritzer. Dies legt den Schluss nahe, 
dass sich die Straf- und Zivilklägerin zumindest zeitweise auf dem Boden befand, 
als der Beschuldigte gewaltsam auf sie einwirkte. 

Am Boden im Bereich des Eingangs zur Küche fand der Kriminaltechnische Dienst 
einen Hammer und ein Messer (pag. 132). Beim Messer handelt es sich um die 
Ass.-Nr. 003 (pag. 101), also um das Brotmesser, Fabrikat IKEA. Die Klinge war 
blutverschmiert und augenscheinlich stark verbogen. Die Fundorte der Gegenstän-
de legen nahe, dass sie in der Küche der Wohnung als Tatwerkzeuge eingesetzt 
worden waren. 

Im Aussenbereich des von aussen betrachtet linken Fensterflügels des Küchen-
fensters, woraus der Straf- und Zivilklägerin letztlich die Flucht gelang, fanden sich 
am Fensterrahmen zahlreiche Blutspuren (pag. 128). Ebenso an der Mauer rechts-
seitig unmittelbar ausserhalb des Fensters. Weitere Blutspuren befanden sich an 
den Türklingeln zweier benachbarter Wohnungen (pag. 125; pag. 126), an der Lift-
tür im Erdgeschoss (pag. 121) und im Aussenbereich des Eingangs zum Wohn-
block (pag. 120). Offensichtlich hatte die Straf- und Zivilklägerin blutverschmierte 
oder blutende Hände, als sie aus dem Küchenfenster kletterte und die Türklingeln 
der Nachbarswohnungen betätigte. 

16

Von den drei sichergestellten blutverschmierten Messern (Ass.-Nr. 003, 010 und 
201) erscheint aufgrund des Fundortes im Eingangsbereich der Küche das Brot-
messer, Fabrikat IKEA (Ass.-Nr. 003 [pag. 101]) das verwendete Tatwerkzeug zu 
sein. Diesen Schluss legt der Bericht des KTD lediglich nahe. Als Tatwaffe in Be-
tracht käme grundsätzlich auch das Kochmesser (Ass.-Nr. 201 [pag. 105]), das auf 
der Rasenfläche unterhalb des Balkons sichergestellt werden konnte (pag. 115). 
Zum Beweis ist eine DNA-Analyse erforderlich (dazu sogleich E. 12.5). Über den 
als Tatwerkzeug verwendeten Hammer (Ass.-Nr. 006 [pag. 102]; pag. 132 f.) be-
stehen keine Zweifel. 

12.4 Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bern zur körperli-
chen Untersuchung der Straf- und Zivilklägerin

Am 9. November 2010 wurde die Straf- und Zivilklägerin durch das Institut für 
Rechtsmedizin der Universität Bern (nachfolgend IRM) untersucht (pag. 66 ff.). 

12.4.1 Zusammenfassung des Gutachtens

Die rechtsmedizinische Untersuchung erfolgte parallel zur notfallmedizinischen 
Versorgung (pag. 67). Es wurden die folgenden Verletzungen festgestellt:

Am Kopf der Straf- und Zivilklägerin, beim Übergang vom Scheitel zum Hinterkopf 
rechts der Mittellinie, war eine ca. 1 cm lange, spindelförmig erscheinende Haut-
durchtrennung ersichtlich (pag. 67). Die Wundränder und Wundumgebung konnten 
wegen des dichten, blutverschmierten Kopfhaares nicht mit letzter Sicherheit beur-
teilt werden.

Ebenfalls am Kopf der Straf- und Zivilklägerin, namentlich am Hinterkopf beim 
Übergang zum Nacken im Bereich des Haaransatzes, war eine triangelförmige, 
zweischenklige, glattrandige, je bis ca. 1 cm klaffende Hautdurchtrennung mit nicht 
geschürften Wundrändern und ohne sichtbare Gewebebrücken in der Wundtiefe 
erkennbar (pag. 68). Die Wundschenkel zeigten zum Nacken hin und waren jeweils 
ca. 2-3 cm lang. Der Wundwinkel des linken Wundschenkels verlief spitz, der des 
rechten Wundschenkels konnte nicht sicher beurteilt werden. 

Kopf- und Gesichtshaut wiesen Blutantragungen auf (pag. 68). Weder an der Haut 
noch an den Schleimhäuten des Kopfes konnten Stauungsblutungen abgegrenzt 
werden. Die Halshaut wies keine abgrenzbaren Defekte auf. 

Am Rücken, rechtsseitig auf Höhe der Lendenwirbelsäule, war eine diskret schräg 
verlaufende, glattrandige, spindelförmige, ca. 8 cm lange Hautdurchtrennung mit 
nicht geschürften Wundrändern ohne Gewebsbrücken in der Wundtiefe im Fettge-
webe ersichtlich (pag. 68). Die Wunde verlief horizontal (pag. 167). Der innenseiti-
ge Wundwinkel knickte diskret nach oben ab und war in seiner Form nicht sicher 
beurteilbar. Der aussenseitige Wundwinkel verlief spitz. 

Auf Höhe des rechtsseitigen Beckenkamms aussen, war eine ca. 3.5 cm lange, 
spindelförmige Hautdurchtrennung mit beiderseits eher spitz erscheinenden 
Wundwinkeln ersichtlich (pag. 68). Die eher spitz erscheinenden Wundwinkel konn-
ten jedoch aufgrund der klaffenden Wundverhältnisse nicht mit Sicherheit beurteilt 
werden. 

17

Am linken Oberarm, am Übergang vom mittleren zum unteren Drittel aussen, war 
eine Armlängsachse verlaufende, spindelförmige, ca. 4 cm lange und 2.5 cm klaf-
fende, glattrandige Hautdurchtrennung mit nicht geschürften Wundrändern ersicht-
lich (pag. 68). Der untere Wundwinkel war spitz und vorderseitig war an den unte-
ren Wundwinkel angrenzend eine kleine, dreieckförmige Aussparung des Wund-
rands ersichtlich. Der obere Wundwinkel konnte nicht sicher beurteilt werden.

Beide Hände waren flächig blutverschmiert (pag. 68). Verletzungen waren nur an 
der linken Hand abgrenzbar. Am Daumenglied links, fingerbeerenseitig, betont 
kleinfingerseits war eine scheibenförmige, glattrandige, ca. 2-2.5 cm lange Abtren-
nung eines Hautlappens ohne Gewebebrücken in der Wundtiefe ersichtlich. Die 
Wundränder waren nicht geschürft. 

Am Handrücken, zwischen dem ersten und zweiten Strahl war eine glattrandige, 
teils zackig verlaufende, bis zur Handinnenfläche reichende, tiefe Hautdurchtren-
nung ohne abgrenzbare Gewebebrücken in der Wundtiefe ersichtlich. Der Wund-
rand war in der Zwischenfingerspalte mit einem weiteren, halbspindelförmigen An-
teil und anhängendem Hautlappen in diesem Bereich versehen. 

Das IRM beurteilte sämtliche beschriebenen Verletzungen als frisch und mit dem 
geschilderten Ereignis zeitlich vereinbar (pag. 69). Die Entstehungsart der Kopfver-
letzung im Bereich des Übergangs vom Scheitel zum Hinterkopf der Straf- und Zi-
vilklägerin konnte das IRM nicht sicher beurteilen. Bei den übrigen Verletzungen 
legte es sich demgegenüber fest, dass es sich um Folgen scharfer Gewalteinwir-
kung im Sinne von Stich- bzw. Schnittverletzungen handelte. Die Verletzungen an 
der Hand und möglicherweise auch diejenige am linken Oberarm stellen aktive 
bzw. passive Abwehrverletzungen dar. Durch die Verletzungen war weder die 
Brust- noch die Bauchhöhle geöffnet worden. Eine akute Lebensgefahr resultierte 
daraus nicht. 

12.4.2 Würdigung des Gutachtens

Dem IRM standen Bildmaterial und Berichte einer äusserst zeitnahen rechtsmedi-
zinischen Untersuchung zur Verfügung. Die erkennbaren Verletzungen wurden in 
grösstenteils unbehandeltem Zustand dokumentiert und fotografisch festgehalten. 

Es bestehen für die Kammer keinerlei Zweifel, dass die beschriebenen Verletzun-
gen der Straf- und Zivilklägerin vom Ereignis am 9. November 2010 stammen. Dar-
aus lässt sich schliessen, dass auf die Straf- und Zivilklägerin mindestens einmal 
mit einem stumpfen Gegenstand und mehrmals mit einem scharfen Gegenstand 
eingewirkt wurde. Feststellungen über Verletzungen infolge Würgens sind dem 
Gutachten des IRM nicht zu entnehmen. 

Die als Abwehrverletzungen eingestuften Wunden belegen, dass die Verletzungen 
der Straf- und Zivilklägerin allesamt vom Beschuldigten stammen. Aus Sicht der 
Kammer wäre lebensfremd anzunehmen, die Straf- und Zivilklägerin hätte sich die 
Verletzungen selbst zugefügt. 

Das Gutachten des IRM legt ausserdem nahe, dass die Verletzung am Kopf der 
Straf- und Zivilklägerin, beim Übergang des Scheitels zum Hinterkopf, durch einen 
Hammerschlag des Beschuldigten verursacht worden ist. Im Gutachten wird ledig-

18

lich festgehalten, dass das Verletzungsbild sich mit dem geschilderten Sachverhalt, 
also mindestens ein Hammerschlag gegen die Straf- und Zivilklägerin, in Einklang 
bringen lässt.  

12.5 Untersuchungsbericht und gutachterliche Schlussfolgerungen des IRM be-
züglich Auswertung von DNA-Spuren

12.5.1 Zusammenfassung des Untersuchungsberichts 

Am 20. April 2011 wurde das IRM beauftragt, vom Beschuldigten und von der 
Straf- und Zivilklägerin DNA-Proben zu entnehmen und diese mit DNA-Spuren an 
möglichen Tatwerkzeugen abzugleichen (pag. 85 ff.). Konkret ging es um Blutspu-
ren an zwei Messerklingen (Brotmesser, Fabrikat IKEA, Ass.-Nr. 003 [pag. 101]; 
Kochmesser, Fabrikat IKEA, Ass.-Nr. 201 [pag. 105]), sowie an einem Hammerkopf 
(Hammer mit Holzgriff, Ass.-Nr. 006 [pag. 102]). 

Der DNA-Abgleich führte zu folgendem Ergebnis (zum Ganzen pag. 86): Die auf 
dem Brotmesser und dem Hammerkopf vorhandenen Blutspuren stammten von der 
Straf- und Zivilklägerin. Auf dem Brotmesser waren weitere Merkmale ersichtlich, 
die jedoch nicht für einen DNA-Abgleich verwertbar waren. Die auf dem Kochmes-
ser vorhandenen Blutspuren stammten von zwei Personen, wobei die Hauptkom-
ponente mit dem DNA-Profil des Beschuldigten übereinstimmte. Die weiteren vor-
handenen Merkmale stammten von der Straf- und Zivilklägerin. 

12.5.2 Würdigung des Untersuchungsberichts

Dem Untersuchungsbericht des IRM lässt sich entnehmen, dass es sich beim si-
chergestellten Hammer (Ass.-Nr. 006) um das zum Angriff auf die Straf- und Zivil-
klägerin verwendete Tatwerkzeug handeln muss. Damit wurde zumindest eine Ge-
walteinwirkung gegen den Kopf der Straf- und Zivilklägerin herbeigeführt (dazu 
E. 12.4 oben). 

Bezüglich der scharfen Gewalteinwirkungen fallen grundsätzlich das Brotmesser 
(Ass.-Nr. 003) und das Kochmesser (Ass.-Nr. 201) in Betracht. Auf dem Kochmes-
ser wurde jedoch nur eine geringe Menge von DNA-Spuren vorgefunden, die der 
Straf- und Zivilklägerin zugewiesen werden konnten (lediglich 6 Loci; pag. 86). 
Beim Brotmesser stammte hingegen die Hauptkomponente der Merkmale mit dem 
Profil der Straf- und Zivilklägerin überein (pag. 86). Zudem wurde das Brotmesser 
vom KTD im Eingangsbereich der Küche, in unmittelbarer Nähe des ebenfalls ver-
wendeten Hammers, vorgefunden (pag. 132 ff.). Angesichts der Fundorte der Mes-
ser und der darauf vorhandenen DNA-Spuren, muss geschlossen werden, dass 
das Brotmesser (Ass.-Nr. 003) zum Angriff auf die Straf- und Zivilklägerin verwen-
det wurde. 

12.6 Arztberichte von Dr. med. I.________ und Dr. med. J.________

Die Straf- und Zivilklägerin war vom 10. bis 13. November 2010 in der U.________ 
(Abteilung) des Spitals V.________ hospitalisiert. Am 12. Dezember 2012 musste 
sich die Straf- und Zivilklägerin einer Narbenkorrekturoperation unterziehen. 

19

12.6.1 Zusammenfassung der Arztbericht

Für eine Zusammenfassung der Arztberichte von Dr. med. I.________ und von 
Dr. med. J.________ kann auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden 
(Ziff. III.3.2.3 und III.3.2.4 des erstinstanzlichen Urteilsmotivs; pag. 760 f.).

12.6.2 Würdigung der Arztberichte

Den Arztberichten lässt sich entnehmen, dass die Straf- und Zivilklägerin vom Vor-
fall vom 9. November 2010 langfristig mehrere Narben, an zwei Stellen Beeinträch-
tigungen der Sensibilität (Daumenkuppe; Nacken), ein haarloses Areal im Bereich 
der Wunde am Hinterkopf und eine minimale Einschränkung der Bewegungsfähig-
keit des Daumens der linken Hand davontrug. Die Alopezie (haarloses Areal) wird 
zeitlebens bleiben und ist für die Straf- und Zivilklägerin stark störend. Darüber hin-
aus wird sie aller Voraussicht nach langfristig unter rezidivierenden Kopfschmerzen 
leiden. Nach dem Ereignis war sie bis zum Januar 2011 gar nicht, und ab Februar 
2011 für eine kurze Zeit beschränkt arbeitsfähig. 

Erwartungsgemäss bedurften mehrere Verletzungen der Straf- und Zivilklägerin am 
10. November 2010 und in der Folge der Behandlung. Über deren Ursprung äus-
serten sich die Arztberichte nur undifferenziert. Gemäss dem Bericht der plasti-
schen Chirurgie von Dr. med. J.________ sind alle behandelten Verletzungen 
«Schnittverletzungen» (pag. 94.18). Im Bericht der Handchirurgie bezeichnet 
Dr. med. I.________ die Verletzungen an der Hand der Straf- und Zivilklägerin als 
«Schnittverletzungen», und die Verletzung am Oberarm als «(Durch-)Stich-
verletzung» (pag. 94.4). 

12.7 Forensisch-toxikologische Untersuchung der Straf- und Zivilklägerin

Dem Abschlussbericht der forensisch-toxikologischen Untersuchung der Straf- und 
Zivilklägerin lässt sich nichts Relevantes entnehmen (pag. 71). Die Straf- und Zivil-
klägerin stand zum Tatzeitpunkt nicht unter dem Einfluss von Alkohol oder Betäu-
bungsmitteln. 

12.8 Fotodokumentation der Straf- und Zivilklägerin

Namens der Straf- und Zivilklägerin reichte Fürsprecherin D.________ an der erst-
instanzlichen Hauptverhandlung mehrere Fotos zu den Akten (pag. 686; pag. 709-
718). 

Am Daumen der linken Hand der Straf- und Zivilklägerin ist palmar – aufgrund ge-
ringer Aufnahmequalität nur ansatzweise – eine rund 1 cm lange Narbe auf der 
Daumenkuppe erkennbar (pag. 709). Dorsal, zwischen Daumen und Zeigefinger 
der linken Hand ist eine schätzungsweise ca. 4 cm lange Narbe deutlich erkennbar. 
Die Narbe hebt sich vom übrigen Gewebe deutlich ab und ist gut zu sehen, scheint 
aber vollständig verheilt zu sein (pag. 710). 

Die Fotos in pag. 711 bis pag. 714 sind aufgrund mangelnder Bildqualität und feh-
lendem Kontext nicht lokalisierbar und ihre Grösse lässt sich nicht feststellen. Er-
kennbar ist zumindest, dass die Narben der Straf- und Zivilklägerin deutlich sicht-
bar sind und sich vom darum liegenden Gewebe optisch abheben. Sie sind für et-
waige aussenstehende Beobachter ohne weiteres als Vernarbungen erkennbar. 

20

In pag. 715 und pag. 716 ist die Narbe am linken Oberarm der Straf- und Zivilkläge-
rin abgebildet. Sie verläuft vom Ellbogen schlingernd schätzungsweise 10 cm in 
Richtung Schulter. Auch diese Narbe hebt sich vom übrigen Gewebe optisch ab 
und ist gut als Narbe erkennbar. Daneben sind links und rechts der langgezogenen 
Narbe punktuell auf die Wundverschliessung zurückzuführende Narben erkennbar. 
Diese ziehen sich über die ganze Narbe hinweg. 

In pag. 717 und 718 ist eine kleine, schätzungsweise rund 1 cm lange Narbe im 
Bereich des linken Kiefers, ungefähr auf halber Länge zwischen Kinn und Ohr ge-
legen, dokumentiert. Diese Narbe wurde im Gutachten zur körperlichen Untersu-
chung des IRM nicht erwähnt. Jedoch sagte die Straf- und Zivilklägerin bereits am 
15. April 2011 aus, beim Würgen habe der Beschuldigte ihr mit seinen Fingernä-
geln eine Wunde zugefügt, die später zu einer Narbe wurde (pag. 212, Z. 413 f.).  

12.9 Gutachten des IRM zur körperlichen Untersuchung des Beschuldigten

Der Beschuldigte trug vom Vorfall ebenfalls Verletzungen davon. Er wurde am 
9. November 2010 ins Spital verbracht, wo er zeitweise auf der Intensivstation lag 
(pag. 76 f.). Die Verletzungen des Beschuldigten interessieren vorliegend nur inso-
weit, als sie vom Vorfall mit der Straf- und Zivilklägerin stammen könnten. Weiter-
gehend sind die Verletzungen des Beschuldigten für den angeklagten Sachverhalt 
nicht von Belang. 

12.9.1 Zusammenfassung des Gutachtens

Am Daumen der linken Hand und an der Halsvorderseite hatte der Beschuldigte 
Schnittverletzungen (pag. 77). Weiter hatte er diverse dislozierte Brüche im Umfeld 
der Augen sowie Brüche der siebten Rippe rechts und eines Seitfortsatzes des ers-
ten Lendenwirbelkörpers erlitten. 

Die rechtsmedizinische Untersuchung führte unter anderem zu den folgenden Er-
gebnissen (zum Ganzen pag. 78). Am linken Handrücken daumenseitig am Überg-
ang auf den Daumenballen hatte der Beschuldigte eine quer zur Armlängsachse 
verlaufende, ca. 2.5 cm lange, spindelförmige, glattrandige Hautdurchtrennung mit 
beiderseits spitzen Wundwinkeln. Die Wundränder waren nicht geschürft und in der 
Wundtiefe waren keine Gewebebrücken ersichtlich.

12.9.2 Würdigung des Gutachtens

Soweit interessierend lässt sich dem Gutachten entnehmen, dass der Beschuldigte 
eine Verletzung an der linken Hand davontrug. Diese fand sich auf der Handrück-
seite am Übergang auf den Daumenballen. Das IRM folgerte, dass es sich dabei 
um eine Abwehrverletzung oder um eine Verletzung vom Hantieren mit einem 
Messer handeln könnte. Die genaue Ursache dieser Verletzung erschliesst sich 
nicht aus dem Gutachten.

12.10 Forensisch-toxikologische Untersuchung des Beschuldigten

Der Abschlussbericht zu den forensisch-toxikologischen Untersuchungsergebnis-
sen des Beschuldigten ist zur Klärung des Sachverhalts nicht weiter dienlich. Der 
Beschuldigte stand im Zeitpunkt des Vorfalls nicht unter dem Einfluss von Betäu-
bungsmitteln und er war nicht alkoholisiert (pag. 82 f.). 

21

12.11 Aussagen der Straf- und Zivilklägerin

Die Straf- und Zivilklägerin machte am 10. November 2010 im Spital erstmalig Aus-
sagen zur Sache (pag. 187 ff.). Später wurde sie am 20. Dezember 2010 durch die 
Polizei (pag. 193 ff.) und am 15. April 2011 durch die Staatsanwaltschaft einver-
nommen (pag. 201 ff.). Zudem sagte sie sowohl an der erstinstanzlichen Hauptver-
handlung vom 8. Januar 2020 (pag. 688 ff.) als auch an der oberinstanzlichen 
Hauptverhandlung vom 14. Mai 2021 (pag. 906 ff.) aus. 

12.11.1 Zusammenfassung der Aussagen der Straf- und Zivilklägerin

Einvernahme am 10. November 2010 im Spital

Am 10. November 2010, also einen Tag nach dem Vorfall, sagte die Straf- und Zi-
vilklägerin aus, sie könne noch nicht recht realisieren, was passiert sei (pag. 187, 
Z. 12). Den Vorfall schilderte sie daraufhin in freier Erzählung. Nachdem sie beim 
Hausarzt gewesen sei, habe sie sich zur F.________, ihrer früheren Wohnung mit 
dem Beschuldigten, begeben, um dort die Post zu holen (pag. 188, Z. 2 ff.). Sie 
habe aus dem Briefkasten eine Rechnung der K.________ (AG) genommen und 
sei anschliessend in die Wohnung gegangen (pag. 188, Z. 3 ff.). Nachdem der Be-
schuldigte ihr die Wohnungstür geöffnet habe, habe sie sich an den Küchentisch 
gesetzt (pag. 188, Z. 6 f.). Sie habe zuvor geläutet, obwohl sie eigentlich einen 
Wohnungsschlüssel besitze und habe sich am Tag zuvor beim Beschuldigten an-
gemeldet. Sie hätten zusammen ca. eine Viertelstunde miteinander geredet 
(pag. 188, Z. 15). 

Dann habe der Beschuldigte die Straf- und Zivilklägern um Zigaretten gebeten 
(pag. 188, Z. 23 f.). Sie habe sitzend ihre Handtasche durchsucht, die sich auf ih-
ren Knien befunden habe, als sie plötzlich von hinten einen Schlag auf den Hinter-
kopf erhalten habe (pag. 188, Z. 27 f.). Zuerst habe sie gedacht, dass ihr etwas auf 
den Kopf gefallen sei (pag. 188, Z. 28 f.). Sie habe die Hände über den Kopf ge-
legt, um sich zu schützen, und einen weiteren Schlag auf den Hinterkopf erhalten 
(pag. 188, Z. 30 f.). Zu diesem Zeitpunkt sei sie noch auf dem Stuhl gesessen. Der 
Beschuldigte habe sie von hinten seitwärts am Unterbauch gepackt und sie zu Bo-
den gezerrt (pag. 188, Z. 31 f.). Sie denke, am Boden liegend habe sie weitere 
Schläge mit dem Hammer erhalten (pag. 188, Z. 32 f.). Sie habe den Hammer ne-
ben sich am Boden liegen gesehen (pag. 188, Z. 33 f.). Auf Nachfrage erklärte sie, 
sicher zwei Hammerschläge erlitten zu haben (pag. 188, Z. 34 f.). 

Als die Straf- und Zivilklägerin auf dem Rücken am Boden lag, habe der Beschul-
digte angefangen, mit einem grossen Messer – glaublich ein Küchenmesser mit 
schwarzem Schaft und spitzer Klinge (pag. 188, Z. 38 f.) – auf sie einzustechen 
(pag. 188, Z. 36 f.). Sie habe versucht, sich abzudrehen, um ihre Vorderseite zu 
schützen (pag. 188, Z. 37). Sie habe sich mit Händen und Füssen gewehrt und ha-
be letztlich aufstehen und zur Wohnungstür laufen können (pag. 188, Z. 40 f.). Da 
habe sie bemerkt, dass der Wohnungsschlüssel weg und die Türe verschlossen 
gewesen sei (pag. 188, Z. 41 f.). Der einzige Fluchtweg, habe sie gedacht, sei das 
Küchenfenster (pag. 188, Z. 42 f.). In dem Moment, in dem die Straf- und Zivilklä-
gerin sich umgedreht habe, sei der Beschuldigte ihr entgegengekommen und er 
habe angefangen, sie mit einer Hand – vermutlich mit der linken – zu würgen 

22

(pag. 188, Z. 44 f.). Sie habe sich gewehrt, so gut es ging, und er habe sie zeitwei-
se auch an den Haaren gezogen (pag. 188, Z. 47 f.). Der Beschuldigte sei ausge-
rutscht, möglicherweise auf dem vielen Blut am Boden (pag. 188, Z. 48). Daraufhin 
sei er ins Wohnzimmer gegangen (pag. 188, Z. 48 f.). Er habe der Straf- und Zivil-
klägerin gegenüber gesagt, er werde sich heute umbringen (pag. 188, Z. 49 f.). 

Während der Beschuldigte im Wohnzimmer gewesen sei, habe die Straf- und Zivil-
klägerin ihre Chance gepackt und sei aus dem Küchenfenster geklettert (pag. 188, 
Z. 50 f.). Sie habe bei mehreren Nachbarn geläutet, woraufhin zwei Personen die 
Tür auf- und bei ihrem Anblick gleich wieder zugemacht hätten (pag. 189, Z. 1 f.). 
Sie habe kaum mehr aufrecht gehen können, habe es aber in den Lift geschafft 
und sei so zur Eingangstür des Wohnblocks gelangt (pag. 189, Z. 2 ff.). Schon als 
sie aus dem Fenster geklettert sei, habe die Straf- und Zivilklägerin den Notruf ge-
wählt gehabt und als sie bei der zweiten Wohnungstür geklingelt habe, sei sie be-
reits Kontakt mit der Polizei gestanden (pag. 189, Z. 4 ff.). 

Auf Nachfrage hin erklärte die Straf- und Zivilklägerin, sie sei mindestens zweimal 
mit dem Hammer geschlagen worden (pag. 189, Z. 16). Als sie auf dem Boden ge-
legen sei, habe sie weitere Schläge an den Kopf erlitten, möglicherweise mit einem 
Hammer oder mit den Fäusten (pag. 189, Z. 16 ff.). Den Hammer habe der Be-
schuldigte aus dem Werkzeugkasten gehabt, dieser befinde sich in einem Schaft 
im Kinderschlafzimmer (pag. 189, Z. 23 ff.). Der Hammerkopf sei auf einer Seite 
schmal und auf der anderen viereckig (pag. 189, Z. 33). Wie oft der Beschuldigte 
mit dem Messer auf sie eingestochen habe, könne sie nicht genau sagen (pag. 
189, Z. 38). Den Wunden nach zu urteilen vier- bis fünfmal (pag. 189, Z. 38 f.). Sie 
habe hauptsächliche Schnittverletzungen am linken Arm, am Rücken (pag. 189, Z. 
39 f.). Den Ursprung der Verletzung am Hinterkopf könne sie nicht genau beurtei-
len (pag. 189, Z. 40 f.). 

Der Beschuldigte habe das Messer in der rechten Hand geführt, es in der Faust 
gehabt und von oben nach unten auf sie eingestochen (pag. 189, Z. 45 f.). Das 
Messer stamme vermutlich aus der Küche, dort habe es viele grosse Messer 
(pag. 190, Z. 3 f.). Er habe ihr – so die Straf- und Zivilklägerin – die Verletzungen 
ziellos zugefügt und habe ziellos auf sie eingestochen (pag. 190, Z. 10). Wenn er 
gezielt hätte, dann hätte er sie wohl schlimmer erwischen können (pag. 190, 
Z. 10 f.). Die Schläge auf ihren Kopf seien hingegen gezielt erfolgt (pag. 190, 
Z. 11 f.).

Das Würgen habe drei bis vier Minuten gedauert, wobei der Beschuldigte manch-
mal mehr, manchmal weniger zugedrückt habe (pag. 190, Z. 22 f.). Es sei ihr 
schwergefallen zu atmen. Nur weil sie sich gewehrt habe und sich ein wenig habe 
losreissen können, hätte sie zwischendurch Atemzüge tätigen können (pag. 190, 
Z. 23 ff.). Es sei ihr auch schwarz vor Augen und schwindelig geworden (pag. 190, 
Z. 25). Nur einmal habe sie ihm währenddessen sagen können, er solle aufhören 
(pag. 190, Z. 29 f.). Sie habe Angst gehabt und sich gedacht, dass es das jetzt ge-
wesen sei (pag. 190, Z. 38). Dem Angriff des Beschuldigten sei kein Streit voraus-
gegangen, er habe ihr aus dem nichts heraus den ersten Schlag versetzt 
(pag. 190, Z. 42 f.). 

23

Einvernahme am 20. Dezember 2010 bei der Polizei 

Die zweite Einvernahme bei der Polizei fand am 20. Dezember 2010, also rund ei-
neinhalb Monate nach dem Vorfall, statt (pag. 193 ff.). Die Straf- und Zivilklägerin 
sagte aus, die Darstellung des Beschuldigten, wonach sie nach dem ersten Schlag 
auf ihn losgegangen sei, stimme nicht (pag. 194, Z. 21 ff.). Auch die Aussage des 
Beschuldigten, wonach sie rumgeschrien hätte und er ihr gesagt habe, er werde 
sich umbringen, ihr aber nichts antun, dementierte sie (pag. 194, Z. 38 ff.). Zwar 
habe sie in dem Moment um Hilfe geschrien und tatsächlich habe er gesagt, er 
werde sich umbringen (pag. 194, Z. 45 ff.). Aber dass er gesagt hätte, er werde ihr 
nichts tun, habe sie nicht gehört (pag. 194, Z. 45 ff.). Als sie aus dem Fenster gek-
lettert sei, habe sie gesehen, dass der Beschuldigte sich ein Teppichmesser seit-
lich in den Hals gerammt habe (pag. 195, Z. 15 f.). Auf sie habe er eingestochen, 
bevor er sich selbst zu verletzen begonnen habe (pag. 195, Z. 34). Die Darstellung 
des Beschuldigten, wonach es ein Gerangel zwischen ihnen gegeben habe, als die 
Straf- und Zivilklägerin die Küche habe verlassen wollen, im Zuge dessen er sie 
möglicherweise mit dem Messer verletzt haben könnte, verneinte sie ebenfalls 
(pag. 195, Z. 45 ff.). Als sie aus der Küche geflohen sei, sei sie bereits blutüber-
strömt gewesen (pag. 195, Z. 50). Sie erklärte weiter, ein Gerangel sei schwer vor-
stellbar, wenn sie auf dem Boden gelegen habe (pag. 196, Z. 12 f.). Der Beschul-
digte habe vielmehr auf sie eingestochen (pag. 196, z. 16 ff.). Er habe nicht im Ge-
rangel auf sie eingestochen, sondern mit voller Absicht, als sie am Boden gelegen 
habe (pag. 196 Z. 1 ff.).

Auf Frage des Verteidigers des Beschuldigten erklärte die Straf- und Zivilklägerin, 
mit dem Messer habe der Beschuldigte ihr Verletzungen am Arm, an der linken 
Hand, am Rücken und an der Hüfte zugefügt, möglicherweise auch eine Verletzung 
am Hinterkopf (pag. 198, Z. 30 ff.). Sie sei in der Küche, mit dem Blick in Richtung 
des Backofens, nicht in Richtung des Ausgangs gelegen (pag. 198, Z. 40 f.). Sie 
habe mit den Beinen gezappelt, sich abzuwenden versucht, sich aber sicherlich nie 
auf den Bauch gedreht (pag. 198, Z. 41 f.). Dabei sei der Beschuldigte vor ihr ge-
standen (pag. 198, Z. 47). 

Auf Frage ihrer Rechtsvertretung erklärte die Straf- und Zivilklägerin, der Beschul-
digte habe einfach auf sie eingestochen, ob er dabei einen bestimmten Punkt an-
gezielt habe, wisse sie nicht (pag. 199, Z. 5 f.). Er sei auf den vorderen Teil ihres 
Oberkörpers losgegangen (pag. 199, Z. 10). Anfangs sei der Beschuldigte recht ru-
hig, jedoch nervös gewesen, denn er habe viel geraucht (pag. 199, Z. 19 f.). 
Während dem Angriff habe er verwirrt gewirkt und einen ihr unbekannten Ausdruck 
in den Augen gehabt, als wäre er der Teufel persönlich (pag. 199, Z. 20 f.). Irgend-
einmal habe sich sein Blick wieder normalisiert (pag. 199, Z. 22). Zum Angriff auf 
sie habe der Beschuldigte ein grosses Brotmesser verwendet (pag. 199, Z. 27). 

Einvernahme am 15. April 2011 bei der Staatsanwaltschaft

Bei der Staatsanwaltschaft erklärte die Straf- und Zivilklägerin, sie gehe noch im-
mer regelmässig ins Spital zur Kontrolle und mache dort eine Ergotherapie 
(pag. 203, Z. 77 f.). Zudem werde sie psychologisch betreut (pag. 203, Z. 81). Zwi-
schenzeitlich sei sie vom Beschuldigten gerichtlich getrennt (pag. 204, Z. 95). 

24

Den Ablauf bis zum Gespräch in der Küche schilderte die Straf- und Zivilklägerin 
gleich wie in den vorangegangenen Einvernahmen (pag. 204, Z. 103 ff.). 

Auf entsprechende Frage gab die Straf- und Zivilklägerin an, sie habe dem Be-
schuldigten gesagt, dass sie vorhabe zu gehen (pag. 204, Z. 130 f.). Daraufhin ha-
be der Beschuldigte sie gefragt, ob sie ihm Zigaretten dalassen könne (pag. 205, 
Z. 133). Nachdem sie diese hervorgeholt habe und während sie noch am Küchen-
tisch gesessen sei, habe sie einen Schlag auf den Hinterkopf erhalten (pag. 205, 
Z. 147). Der Beschuldigte habe hierbei nichts gesagt und an seinem Verhalten sei 
ihr ansonsten weiterhin nichts aufgefallen (pag. 205, Z. 155 und Z. 159). Sie habe 
zunächst gedacht, es sei ihr etwas auf den Kopf gefallen, und habe ein Piepsen in 
den Ohren gehabt (pag. 205, Z. 162 f.). Als sie einen zweiten Schlag auf den Kopf 
verspürt habe, sei ihr klar geworden, dass es der Beschuldigte gewesen sei 
(pag. 206, Z. 169 f.). Nach dem ersten Schlag habe sie die Hände auf den Kopf ge-
legt und den zweiten erhalten, unmittelbar nachdem sie die Hände wieder herun-
tergenommen habe (pag. 206, Z. 179 f.). Der zweite Schlag sei von der Intensität 
her etwa gleich stark gewesen, wie der erste (pag. 206, Z. 184). 

Was danach passiert sei, wisse sie bereits nicht mehr (pag. 206, Z. 187). Sie könne 
sich nur noch erinnern, dass der Beschuldigte ein Messer in der Hand gehabt ha-
be, sie auf dem Boden gelegen sei und der Beschuldigte mit dem Messer auf sie 
eingestochen habe (pag. 206, Z. 187 f. und Z. 199 f.). Von der Faust her sei die 
Klinge nach unten gerichtet gewesen (pag. 207, Z. 211). Die Messer-Bewegungen 
habe er wie Schläge ausgeführt, so «zäg, zäg», von oben nach unten auf ihren 
Oberkörper (pag. 207, Z. 214 f.). Sie habe den Eindruck, er habe nicht auf einen 
bestimmten Punkt, sondern einfach auf den Oberkörper gezielt (pag. 207, 
Z. 223 f.). Als Tatwerkzeug identifizierte sie das Brotmesser, Fabrikat IKEA (Ass.-
Nr. 003 [pag. 101]; pag. 207, Z. 234). Das könne sie aber nicht mit hundertprozen-
tiger Sicherheit sagen (pag. 207, Z. 236 f.). 

Danach habe sie zur Tür hinaus flüchten wollen, habe aber gemerkt, dass die Tür 
abgeschlossen gewesen sei und der Schlüssel nicht im Türschloss gesteckt habe 
(pag. 207, Z. 241 f.). Sonst habe der Schlüssel immer im Türschloss gesteckt, sie 
beide hätten dies immer so gehandhabt (pag. 209, Z. 310). Als sie sich umgedreht 
habe, sei der Beschuldigte vor ihr gestanden und habe angefangen, sie sehr stark 
zu würgen, sodass sie kaum mehr habe atmen und nur noch knapp habe sagen 
können, er solle damit aufhören (pag. 207, Z. 244; pag. 208, Z. 252 f.). Ihr sei 
schwarz vor Augen und schwindelig geworden und sie habe versucht, sich zu weh-
ren (pag. 208, Z. 260 f.). Auf Frage ihrer Rechtsvertreterin gab die Straf- und Zivil-
klägerin an, man habe an den Folgetagen Würgemerkmale an ihrem Hals gesehen 
(pag. 212, Z. 413). Es sei alles gelb, blau und grün angelaufen gewesen, wofür es 
mehrere Zeugen gäbe (pag. 212, Z. 413 f.).  Als der Beschuldigte ausgerutscht sei, 
sei sie in die Küche gesprungen und durch das Küchenfenster geflohen (pag. 208, 
Z. 261 f.). 

Für die Straf- und Zivilklägerin sei klar, dass der Beschuldigte sie habe umbringen 
wollen und sie zu diesem Zweck zunächst mit dem Hammer habe bewusstlos 
schlagen wollen (pag. 211, Z. 378 ff.).

25

Einvernahme am 8. Januar 2020 vor der Vorinstanz

Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung rund neuneinhalb Jahre nach 
dem Vorfall bestätigte die Straf- und Zivilklägerin ihre bisherigen Aussagen 
(pag. 688, Z. 35). Sie schilderte den Handlungsablauf bis zu den zwei Hammer-
schlägen gleich wie bisher (pag. 688 f., Z. 44 ff.) und gab an, über die weiteren 
Vorgänge ein Blackout zu haben (pag. 689, Z. 5). Sie vergesse aber nie mehr, 
dass sie nach den Hammerschlägen ein Surren in den Ohren gehabt habe 
(pag. 689, Z. 6 f.). Nach dem zweiten Hammerschlag seien bei ihr die Alarmglo-
cken gekommen. Etwas stimme hier nicht (pag. 689, Z.  1 ff.). Vor Schmerz habe 
sie geschrien (pag. 689, Z. 7). Sie wisse noch, dass der Beschuldigte, als er sie 
gewürgt habe, ausgerutscht sei, und sie in die Küche habe rennen und aus dem 
Küchenfenster fliehen können (pag. 690, Z. 11 ff.). Sie habe Angst gehabt, er wür-
de ihr folgen, und habe deshalb noch einmal zurückgeschaut und dabei gesehen, 
wie der Beschuldigte sich ein Teppichmesser in den Hals gerammt habe (pag. 690, 
Z. 12 ff.). 

Einvernahme am 14. Mai 2021 vor der Kammer

Auch an der oberinstanzlichen Einvernahme, mehr als zehn Jahre nach dem Vor-
fall, bestätigte die Straf- und Zivilklägerin ihre bisherigen Aussagen und schilderte 
die Handlungsabläufe gleich wie vor der Vorinstanz (pag. 908, Z. 14 ff.). Nament-
lich sagte sie, sie habe sitzend einen Schlag auf den Hinterkopf verspürt, zuerst 
gedacht, ihr sei etwas auf den Kopf gefallen, und die Hände über den Kopf ge-
nommen, bevor sie den zweiten Schlag verspürt habe (pag. 908, Z. 15 ff.). Über die 
genauen Abläufe der Messerstiche könne sie nichts mehr sagen, sehe aber noch, 
wie der Beschuldigte vor der Wohnungstür vor ihr gestanden und sie gewürgt habe 
(pag. 908, Z. 20 f. und Z. 25 ff.). Sie erinnere sich, dass ihr letzter Gedanke ihrer 
Mutter und deren Zukunft ohne sie gegolten habe (pag. 910, Z. 3 ff.). 

12.11.2 Würdigung der Aussagen der Straf- und Zivilklägerin

Für die Kammer besteht kein Grund, an den Aussagen der Straf- und Zivilklägerin 
zu zweifeln. Das räumte selbst die Verteidigung an der oberinstanzlichen Haupt-
verhandlung ein (pag. 924). Der Handlungsablauf, den sie nur einen Tag nach dem 
Vorfall in freier Erzählung schilderte, blieb in den weiteren, teils zehn Jahre später 
stattfindenden Einvernahmen gleich. Dass sie den Messerangriff zwischenzeitlich 
nicht mehr wiedergeben konnte, ist der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen keinesfalls 
abträglich. Einerseits befand sich die Straf- und Zivilklägerin in dieser Phase in Le-
bensgefahr. Es ist unter diesen Umständen nicht zu erwarten, dass sie die Hand-
lungen des Beschuldigten detailliert beschreiben kann. Darüber hinaus erklärte sie 
durchwegs, nach den zwei Hammerschlägen ein Piepsen in den Ohren und ein 
Surren im Kopf verspürt zu haben. Offensichtlich war sie nach den Hammerschlä-
gen benommen. Nach Schlägen gegen den Kopf sind gewisse kognitive Defizite 
genauso zu erwarten, wie Erinnerungslücken nach einem Zeitablauf von zehn Jah-
ren. 

Mit ihren Aussagen belastete die Straf- und Zivilklägerin den Beschuldigten nicht 
übermässig. Die Frage, ob er ihr gesagt habe, er wolle sie umbringen, verneinte sie 
(pag. 209, Z. 307 f.). Auf Vorhalt der Aussage des Beschuldigten, wonach er der 

26

Straf- und Zivilklägerin gesagt habe, er wolle ihr nichts tun wolle, sagte sie nicht 
aus, der Beschuldigte habe dies nie gesagt, sondern erklärte lediglich, sie habe so 
etwas nicht gehört (pag. 194, Z. 36 ff.; pag. 209, Z. 319). Bei der Straf- und Zivil-
klägerin sind keinerlei Aggravationstendenzen erkennbar. 

Die inneren Vorgänge, welche die Straf- und Zivilklägerin an verschiedenen Stellen 
äusserte, sprechen ebenfalls für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen. So sagte sie 
beispielsweise aus, sie habe nach dem ersten Hammerschlag gedacht, ihr sei et-
was auf den Kopf gefallen (pag. 188, Z. 28 f.; pag. 688 f., Z. 46 f.). Dasselbe sagte 
sie selbst an der oberinstanzlichen Einvernahme (pag. 908, Z. 16 f.). Auch schilder-
te sie mehrmals eindrücklich, dass sie während des Vorfalls gedacht habe, nun sei 
es eigentlich vorbei (pag. 190, Z. 42 f.; pag. 910, Z. 2 ff.). Ihre vermeintlich letzten 
Gedanken hätten ihrer Mutter gegolten (pag. 910, Z. 2 ff.). Eine derartige detaillier-
te Schilderung nebensächlicher innerer Vorgänge spricht für die Glaubhaftigkeit ih-
rer Aussagen.  

Ausserdem beinhalten die Schilderungen der Straf- und Zivilklägerin gewisse De-
tails, die anhand weiterer Beweismittel bestätigt werden können. So sagte sie bei-
spielsweise aus, sie habe aus dem Briefkasten eine Rechnung der K.________ 
(AG) genommen und sei anschliessend in die Wohnung des Beschuldigten gegan-
gen (pag. 188, Z. 3 ff.). Der Briefumschlag der K.________ (AG)-Rechnung konnte 
auf den Tatortfotos erkannt und in der Küche lokalisiert werden (pag. 136). 

Insgesamt sind die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin als glaubhaft einzustufen. 
Darauf stellt die Kammer vorbehaltslos ab. Aus ihren Aussagen lässt sich der 
Handlungsablauf schlüssig rekonstruieren. Für einzelne Details, insbesondere die 
Intensität der einzelnen Gewalteinwirkungen, ist jedoch eine einlässlichere Würdi-
gung sämtlicher vorhandener Beweismittel erforderlich. 

12.12 Aussagen des Beschuldigten

Der Beschuldigte wurde während des Verfahrens mehrmals einvernommen; erst-
mals am 22. November 2010 bei der Polizei (pag. 217 ff.). Später wurde er am 6. 
Dezember 2010 erneut polizeilich einvernommen (pag. 227 ff.). Bei der Staatsan-
waltschaft wurde er am 18. April 2011 (pag. 235 ff.), am 10. August 2018 (pag. 
255.1 ff.) und am 16. April 2019 (pag. 255.3 ff.) befragt. Weitere Aussagen machte 
er am 8. Januar 2020 vor der Vorinstanz (pag. 696 ff.) und am 14. Mai 2021 vor der 
Kammer (pag. 917 ff.). 

12.12.1 Zusammenfassung der Aussagen des Beschuldigten

Einvernahme am 22. November 2010 bei der Polizei

Nachdem der Beschuldigte an der ersten Einvernahme vom 16. November 2010 
die Aussage verweigerte (pag. 217 ff.), äusserte er sich an der Einvernahme vom 
22. November 2010 erstmals zur Sache (pag. 220 ff.). 

In freiem Bericht gab der Beschuldigte zusammengefasst an, er sei am Abend von 
der Straf- und Zivilklägerin angerufen wurden und sie sei später vorbeigekommen 
(pag. 221, Z. 15 ff.). Sie hätten über seinen Sohn und ihre Mutter gesprochen und 
die Straf- und Zivilklägerin habe ihm gesagt, sie sei krank und deswegen beim Arzt 
gewesen (pag. 221, Z. 17 ff.). Nachdem er auf der Toilette gewesen sei, habe er 

27

einen Hammer gepackt, der sich auf dem Schuhschrank befunden habe, und die-
sen seitwärts gegen die Straf- und Zivilklägerin geschwungen und sie am Kopf ge-
troffen (pag. 221, Z. 27 ff.). Daraufhin sei die Straf- und Zivilklägerin «gegen ihn 
gekommen» und habe ihn packen wollen, weshalb er sie erneut mit dem Hammer 
geschlagen habe (pag. 221, Z. 28 ff.). Sie habe geschrien, was er da mache, und 
sie hätten sich kurz unterhalten (pag. 221, Z. 30). Er habe der Straf- und Zivilkläge-
rin gesagt, dass er es mit alle dem satt habe (pag. 221, Z. 30 f.). Die Straf- und Zi-
vilklägerin habe zu schreien begonnen und er habe ihr gesagt, sie solle nicht so 
laut sein; er werde ihr nicht wirklich weh tun und sie nicht verletzen, aber er würde 
sich selber umbringen (pag. 221, Z. 31 ff.). 

Nachdem die Straf- und Zivilklägerin weiter laut geschrien habe, habe der Beschul-
digte plötzlich ein Messer in der Hand gehabt (pag. 221, Z. 33 f.). Er habe ihr ge-
sagt, sie solle jetzt zuschauen, wie er sich den Hals durchschneiden würde 
(pag. 221, Z. 35). Der Beschuldigte sei neben der Küchentür gestanden und die 
Straf- und Zivilklägerin habe versucht, aus der Küche zu gelangen und es habe ein 
Gerangel gegeben (pag. 221, Z. 36 ff.). Im Zuge dessen sei es möglich, dass er sie 
verletzt habe (pag. 221, Z. 39). Dann habe er sich mit einem Japanmesser in den 
Hals geschnitten und versucht, sich den Hals zu durchstechen, was aber nicht ge-
lungen sei (pag. 221, Z. 40 ff.). Der Beschuldigte schilderte weiter, wie er mehrmals 
versucht habe, sich den Hals durchzuschneiden, durchzustechen, den Kehlkopf 
rauszuziehen, einen Finger ins Loch beim Kehlkopf zu stecken und sich selbst ge-
gen das Herz zu stechen (pag. 221 f., Z. 43 ff.). Währenddessen habe er zwi-
schendurch geraucht und Wasser getrunken, bis letztlich die Polizei eingetroffen 
sei (pag. 222, Z. 4 ff.). Daraufhin habe er die Gasflasche vom Balkon geholt, sie in 
den Korridor gestellt und damit versucht, mehrere Ordner mit Dokumenten und 
Rechnungen in Brand zu stecken (pag. 222, Z. 9 ff.). 

Auf Nachfrage gab der Beschuldigte an, die Straf- und Zivilklägerin sei zwischen-
zeitlich aus dem Küchenfenster geflohen, nachdem er sich bereits selbst verletzt 
habe (pag. 222, Z. 16 ff.). Sie habe ständig geschrien und er habe ihr gesagt, dass 
er ihr nichts tun werde (pag. 222, Z. 18 f.). 

In der Folge habe er den Beschluss gefasst, vom Balkon zu springen und habe 
dies getan (pag. 222, Z. 25 ff.). Daraufhin habe er das Bewusstsein verloren und 
sei erst im Spital wieder zu sich gekommen (pag. 222, Z. 32 ff.).

Wer die Wohnungstür abgeschlossen habe, nachdem die Straf- und Zivilklägerin 
eingetreten war, konnte er nicht beantworten (pag. 222, Z. 39 ff.). Es sei möglich, 
dass er ihr die Tür geöffnet habe; es sei aber auch möglich, dass er den Schlüssel 
nach dem Telefonat aus der Wohnungstür genommen habe, damit die Straf- und 
Zivilklägerin mit ihrem Wohnungsschlüssel selbst aufschliessen könnte (pag. 222, 
Z. 40 ff.). Die Wohnungstür sei immer abgeschlossen (pag. 222, Z. 47 f.). 

Auf Nachfrage gab er an, den Hammer ein- oder zweimal gegen die Straf- und Zi-
vilklägerin geschwungen zu haben, könne sich aber nicht mehr genau erinnern 
(pag. 224, Z. 49 ff.). Er gab auf Vorhalt der Aussagen der Straf- und Zivilklägerin 
zu, sie bei der Wohnungstür festgehalten zu haben, und gab an, er habe sie beru-

28

higen wollen (pag. 225, Z. 26 ff.). Er habe sie entweder direkt am Hals oder an der 
Kleidung in der Nähe des Halses, am Kragen, gepackt (pag. 225, Z. 29 ff.). 

Einvernahme am 6. Dezember 2010 bei der Polizei

Der Beschuldigte wurde eingehend zu seiner Person befragt (pag. 228 ff.). Zur Sa-
che sagte er aus, er habe ein Küchenmesser verwendet, könne dieses aber nicht 
näher beschreiben (pag. 230, Z. 39 ff.). Wo in der Wohnung er sich mit dem Japan-
messer verletzt habe, könne er nicht sagen, er sei ständig zwischen Küche und 
Balkon hin- und hergerannt (pag. 231, Z. 16 ff.). Auf weitere Fragen gab er jeweils 
an, sich nicht erinnern zu können. 

Einvernahme am 18. April 2011 bei der Staatsanwaltschaft

Bei der Staatsanwaltschaft sagte der Beschuldigte aus, die Straf- und Zivilklägerin 
sei bei ihm vorbeigekommen und er habe sie in die Wohnung eingelassen, worauf-
hin sie sich in der Küche unterhalten hätten (pag. 243, Z. 249 ff.). An die darauffol-
genden Ereignisse könne er sich nicht mehr erinnern, er wisse aber, dass er die 
Straf- und Zivilklägerin mit dem Hammer geschlagen habe (pag. 245, Z. 319 f.). Er 
habe glaublich mit Schwung zugeschlagen und sie irgendwo am Kopf getroffen 
(pag. 246, Z. 355 und Z. 358). Er könne auch nicht sagen, wie stark und ob er ein 
zweites Mal zugeschlagen habe (pag. 246, Z. 371, Z. 375 und Z. 378). 

In der Folge habe die Straf- und Zivilklägerin aus der Wohnungstür fliehen wollen, 
weil er jedoch dort gestanden habe, sei sie aus dem Küchenfenster geklettert 
(pag. 247, Z. 408 ff.). Er habe sie gehalten und ihr gesagt, dass er ihr nicht weh tue 
(pag. 247, Z. 410 f.). Es sei möglich, dass er die Straf- und Zivilklägerin auch mit 
dem Messer verletzt habe (pag. 249, Z. 468). Er erinnere sich, die Straf- und Zivil-
klägerin mit dem Hammer verletzt zu haben, jedoch nicht, dass er sie mit einem 
Messer gestochen haben soll (pag. 251, Z. 570). 

Einvernahme am 16. April 2019 bei der Staatsanwaltschaft

Nachdem der Beschuldigte an der Hafteinvernahme vom 10. August 2018 seine 
bisherigen Aussagen bestätigte, ansonsten jedoch die Aussagen verweigerte 
(pag. 255.1 ff.), wurde er am 16. April 2019 erneut zur Sache befragt 
(pag. 255.3 ff.; Schlusseinvernahme). Er sagte zusammengefasst aus, die Straf- 
und Zivilklägerin habe ihn glaublich angerufen, bevor sie zu ihm zur Wohnung hin-
auf gekommen sei (pag. 255.7, Z. 124 f.). Nachdem sie etwas besprochen hätten, 
habe er ihr mit einem Hammer seitlich gegen die rechte Seite des Kopfes geschla-
gen (pag. 255.7, Z. 129 ff.). Er wisse nicht, wie es dazu gekommen sei, aber er ha-
be dann ein Messer in der Hand gehabt (pag. 255.7, Z. 133 ff.). Er habe aber wirk-
lich nicht die Absicht gehabt, ihr damit etwas anzutun (pag. 255.7, Z. 134 f.). Da-
nach habe er sich selbst verletzt und die Straf- und Zivilklägerin sei aus der Woh-
nung gegangen (pag. 255.7, Z. 135 ff.). Ob er sie einmal oder zweimal mit dem 
Hammer geschlagen habe, wisse er nicht (pag. 255.7, Z. 149). Die Schnittwunden 
der Straf- und Zivilklägerin könnte er verursacht haben, er wisse aber nicht, wie 
genau (pag. 255.7, Z. 157). Weshalb er die Straf- und Zivilklägerin mit dem Ham-
mer geschlagen habe, wisse er bis heute nicht (pag. 255.8, Z. 170). Daran, dass er 
sie mit einem Messer gestochen und sie gewürgt habe, könne er sich überhaupt 

29

nicht erinnern (pag. 255.8, Z. 178 f.). Er könne sich nicht vorstellen, so etwas getan 
zu haben (pag. 255.10, Z. 236). 

Einvernahme vom 8. Januar 2020 vor der Vorinstanz

Vor der Vorinstanz, rund neuneinhalb Jahre nach dem Vorfall, bestätigte der Be-
schuldigte seine bisherigen Aussagen (pag. 699, Z. 7), insbesondere dass er sich 
nicht daran erinnern könne, die Straf- und Zivilklägerin mit einem Messer angegrif-
fen und gewürgt zu haben (pag. 699, Z. 18 f.). Sachdienliche Angaben zum bestrit-
tenen Teil des Sachverhalts konnte er nicht machen.

Einvernahme vom 14. Mai 2021 vor der Kammer

An der Einvernahme vor der Kammer, rund zehn Jahre nach dem Vorfall, konnte 
der Beschuldigte kaum sachdienliche Angaben machen (pag. 917 ff.). Er sagte 
aus, die Verletzungen der Straf- und Zivilklägerin würden sich auch mit seiner zu-
vor geschilderten Version in Einklang bringen lassen (pag. 919, Z. 14). Damit hielt 
er sinngemäss an seinen bisherigen Aussagen fest. 

12.12.2 Würdigung der Aussagen des Beschuldigten

Der Beschuldigte legte ein selektives Aussageverhalten an den Tag. Seine Aussa-
gen zum Rahmengeschehen sind grundsätzlich nachvollziehbar und klar. Im Weite-
ren sind seine Aussagen hingegen ausweichend und abschwächend. Wichtige Tei-
le des Handlungsablaufs blendete er komplett aus. Stattdessen beschränkten sich 
seine Aussagen zumeist darauf, dass er sich nicht mehr erinnern und sich nicht 
vorstellen konnte, so etwas getan zu haben. Diejenigen Aussagen, die er zur Sa-
che machte, lassen sich zudem mit den objektiven Beweismitteln und dem Verlet-
zungsbild der Straf- und Zivilklägerin nicht in Einklang bringen. Die nachfolgende 
nicht abschliessende Aufzählung zeigt das vorerwähnte selektive Aussageverhal-
ten auf, welches von geringer Glaubhaftigkeit seiner Schilderungen zeugt.

So sagte der Beschuldigte beispielsweise aus, er könne sich an gewisse Sachen 
erinnern, etwa, dass er die Straf- und Zivilklägerin mit einem Hammer geschlagen 
habe (pag. 245, Z. 319 f.). Er habe den Hammer ein- oder zweimal für einen 
Schlag gegen die Straf- und Zivilklägerin benutzt, erinnere sich aber nicht mehr ge-
nau (pag. 224, Z. 50 f.). Zu einem zweiten Hammerschlag sei es glaublich nicht ge-
kommen (pag. 246, Z. 371). Hingegen vermochte der Beschuldigte relativ genau 
wiederzugeben, wo er den Hammer her hatte (pag. 221, Z. 27), dass dieser sich in 
einer Stofftasche befunden hatte (pag. 225, Z. 44 f.) und dass er den Hammer 
seitwärts geschwungen habe (pag. 221, Z. 27 f.). 

Weiter will der Beschuldigte sich an Details des Handlungsablaufs genau erinnern, 
wich jedoch der simplen Frage, ob er zweimal zugeschlagen habe, immer aus, 
nachdem er zunächst selbst ausgesagt hatte, er habe zweimal mit dem Hammer 
zugeschlagen (pag. 221, Z. 28 f.). Dasselbe gilt im Hinblick auf den Messereinsatz. 
Nachdem der Beschuldigte zunächst aussagte, es habe ein Gerangel zwischen 
ihm und der Straf- und Zivilklägerin gegeben, währenddessen er sie möglicherwei-
se verletzt habe (pag. 221, Z. 39 f.), will er sich später nicht mehr daran erinnern 
können (pag. 251, Z. 570 f.). Genauso selektiv sind die Aussagen des Beschuldig-
ten zum Würgen. Es sei wahr, dass er die Straf- und Zivilklägerin gehalten habe 

30

(pag. 225, Z. 26 f.). Er wisse nicht mehr genau, wie er sie gehalten habe, ob am 
Hals oder an der Kleidung in der Nähe des Halses, am Kragen (pag. 225, Z. 29 ff.). 

Der Beschuldigte konnte sich bereits wenige Tage nach dem Vorfall an die aller-
meisten zentralen Elemente des Tathergangs nicht mehr erinnern, vermochte je-
doch einzelne, ihn entlastende Details mit Sicherheit wiederzugeben. An der Ein-
vernahme bei der Polizei am 22. November 2010 konnte er sich beispielsweise 
nicht mehr daran erinnern, ob er die Straf- und Zivilklägerin vom Stuhl zu Boden 
gezerrt (pag. 225, Z. 13) oder ob er das Messer gegen sie eingesetzt habe (pag. 
225, Z. 5). Hingegen will er genau gewusst haben, dass er die Straf- und Zivilkläge-
rin bei der Wohnungstür nur festgehalten habe, um sie zu beruhigen (pag. 225, 
Z. 26 f.). Weiter konnte der Beschuldigte vor der Vorinstanz nicht angeben, wes-
halb er der Straf- und Zivilklägerin mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen 
habe (pag. 699, Z. 32). Die Ergänzungsfrage des Staatsanwalts, ob er sie habe 
umbringen wollen, konnte der Beschuldigte hingegen mit Sicherheit verneinen 
(pag. 701, Z. 26 f.). 

Ein Beispiel, wonach die Schilderungen des Beschuldigten mit den übrigen Be-
weismitteln nicht übereinstimmen, ist, wie der Beschuldigte während eines Geran-
gels der Straf- und Zivilklägerin unabsichtlich Verletzungen am Rücken im Bereich 
der Lendenwirbelsäule zugefügt haben könnte. 

Die Schilderungen des Vorfalls durch den Beschuldigten sind zudem ohne Berück-
sichtigung weiterer Beweismittel offensichtlich nicht stimmig. So etwa, wenn der 
Beschuldigte die Straf- und Zivilklägerin im Bereich der Wohnungstür nur festgehal-
ten hätte, bis sich diese beruhigt hätte, dann ist nicht einzusehen, weshalb die 
Straf- und Zivilklägerin daraufhin die Wohnung durch das Küchenfenster verlassen 
musste (pag. 225, Z. 26 ff.).

Insgesamt sind die Aussagen des Beschuldigten zur Sache für die Kammer nicht 
glaubhaft. 

12.13 Psychiatrisches Gutachten des forensisch-psychiatrischen Dienstes der Uni-
versität Bern (FPD)

Der Beschuldigte wurde durch den forensisch-psychiatrischen Dienst der Univer-
sität Bern (FPD) begutachtet (pag. 357 ff.; pag. 412.26 ff.; pag. 412.63 ff.). Für die 
Zusammenfassung des Berichts einschliesslich der zwei Ergänzungen wird auf das 
vorinstanzliche Urteil verwiesen (Ziff. III.3.2.12. des erstinstanzlichen Urteilsmotivs; 
pag. 775 ff.). 

Das psychiatrische Gutachten liefert in Bezug auf den bestrittenen Sachverhalt kei-
ne dienlichen Erkenntnisse und keine Begründung zu den angeblichen Erinne-
rungslücken des Beschuldigten (pag. 397). 

12.14 Gesamtwürdigung

Im Folgenden wird das dem Beschuldigten Vorgeworfene – einzig zwecks besserer 
Lesbarkeit – in drei Handlungsakte unterteilt. Diese Unterteilung darf nicht darüber 
hinwegtäuschen, dass die Handlungen des Beschuldigten in sehr kurzen zeitlichen 
Abständen aufeinander folgten. Somit bilden sie für die Kammer insgesamt ein ein-
ziges dynamisches Geschehen und sind nicht isoliert zu betrachten, wie dies die 

31

Verteidigung an der oberinstanzlichen Hauptverhandlung geltend machte (pag. 924 
f.). Sie werden einer gesamthaften Würdigung unterzogen. 

12.14.1 Die Hammerschläge

Die Straf- und Zivilklägerin erlitt eine stumpfe Gewalteinwirkung – einen Hammer-
schlag – am Hinterkopf. Daraus resultierte die vom IRM begutachtete Wunde am 
Kopf der Straf- und Zivilklägerin im Bereich des Übergangs vom Scheitel zum Hin-
terkopf (pag. 67; pag. 166). Ihren glaubhaften Aussagen zufolge erlitt sie einen 
zweiten Hammerschlag von hinten gegen den Kopf (pag. 188, Z. 30 f.; pag. 189, 
Z. 16; pag. 206, Z. 179; pag. 689, Z. 1 f.; pag. 908, Z. 40). Der Beschuldigte stellte 
dies nie explizit in Abrede. Er gab zwar an, das könne er sich nicht vorstellen und 
er erinnere sich nicht genau (pag. 224, Z. 49 ff.). An der ersten Einvernahme vom 
22. November 2010 gab er jedoch zu, mit dem Hammer zweimal gegen die Straf- 
und Zivilklägerin geschlagen und diese auch getroffen zu haben (pag. 221, 
Z. 27 ff.). Daran bestehen keine Zweifel. 

Welche der Verletzungen der Straf- und Zivilklägerin auf den zweiten Hammer-
schlag zurückzuführen ist, ist zweitrangig. Von der Lokalität her fällt in erster Linie 
die Verletzung am Kopf im Bereich des Übergangs vom Hinterkopf zum Nacken in 
Betracht (pag. 165). Der Beschuldigte stand hinter der sitzenden Straf- und Zivil-
klägerin, holte vor dem Schlag seitlich Schwung (pag. 221, Z. 27 ff.) und schlug mit 
dem Hammer in der rechten Hand zu. Mit diesen Angaben liesse sich die eher 
rechts gelegene Verletzung beim Übergang vom Hinterkopf zum Nacken in Ein-
klang bringen. Auch das Verletzungsbild scheint diesbezüglich auf einen Hammer-
schlag hinzudeuten. Mit Blick auf die gutachterliche Schlussfolgerung des IRM, das 
diesbezüglich von einer scharfen Gewalteinwirkung ausging (pag. 66 ff.; dazu E. 
12.4 oben), ist dieser Schluss jedoch entgegen der vorinstanzlichen Erwägungen 
(pag. 757 f.) nicht zu ziehen. Es bleibt unklar, zu welcher Verletzung der zweite 
Hammerschlag führte. Wie erwähnt, ist dies für das Beweisergebnis auch nicht re-
levant. 

Zu prüfen bleibt die Intensität der Hammerschläge. Der Beschuldigte verwendete 
den sichergestellten Hammer mit Holzgriff (Ass.-Nr. 006 [pag. 102]). Vor den 
Schlägen holte der Beschuldigte seitlich Schwung (pag. 221, Z. 27 ff; pag. 255.7, 
Z. 135 ff.; pag. 246, Z. 355). Der Beschuldigte wendete also Kraft für die Schläge 
auf und diese wiesen zwangsläufig eine gewisse Intensität auf. Dass der Beschul-
digte einen «Backhand-Schwung» ausgeführt habe, wie es die Verteidigung vor-
bringt (pag. 925), ist für die Kammer nicht nachvollziehbar. Es kann davon ausge-
gangen werden, dass der Beschuldigte als Rechtshänder (pag. 917, Z. 36) den 
Hammer in der rechten Hand führte. Wenn er «backhand» zugeschlagen hätte, 
also mit der rechten Hand von links innen nach rechts aussen, dann wären bei der 
mit dem Rücken zu ihm sitzenden Straf- und Zivilklägerin Verletzungen an der lin-
ken Seite des Kopfes zu erwarten gewesen. Solche Verletzungen wies sie nicht 
auf.  Entgegen der Vorinstanz lässt sich aus dem Gewicht des Hammers nichts 
Wesentliches über die Intensität der Schläge ableiten. Der Beschuldigte verwende-
te den einzigen, ihm zur Verfügung stehenden Hammer und machte sich keine Ge-
danken zu dessen Gewicht. 

32

Die Straf- und Zivilklägerin sagte aus, der Beschuldigte habe zweimal mit ungefähr 
derselben Intensität zugeschlagen (pag. 206, Z. 184). Die Hammerschläge verur-
sachten bei ihr ein Surren im Kopf und ein Piepsen in den Ohren, was auf eine ge-
wisse Schlagkraft hinweist. Das Verletzungsbild im Bereich des Übergangs vom 
Scheitel zum Hinterkopf der Straf- und Zivilklägerin konnte aufgrund des dichten, 
blutverschmierten Kopfhaares nicht eingehend beobachtet werden. Jedenfalls führ-
ten beide Hammerschläge nicht zu einem Schädelbruch. Auch ist während ihres 
Spitalaufenthalts nie die Rede davon gewesen, dass sie eine Hirnerschütterung er-
litten hat (pag. 911, Z. 22). Zugleich kann auf die Aussagen des Beschuldigten in-
soweit abgestellt werden, als dass er vor den Hammerschlägen seitlich aufzog und 
Schwung holte, bevor er zuschlug. Daraus ergibt sich, dass zwangsläufig eine ge-
wisse Wucht hinter den Schlägen gewesen sein muss. 

Die Intensität der Hammerschläge lässt sich nicht abschliessend bestimmen. Es 
kann immerhin gesagt werden, dass einerseits der Beschuldigte Schwung geholt 
hat und die Schläge somit zwangsläufig eine gewisse Wucht gehabt haben. Ande-
rerseits trug die Straf- und Zivilklägerin allein aus diesen Schlägen vergleichsweise 
mässige Verletzungen davon. Hingegen spielt das Gewicht des Hammers hinsicht-
lich der Intensität der Schläge keine Rolle. 

Nach dem Hammereinsatz warf der Beschuldigte den Hammer zu Boden, bevor er 
das Messer zur Hand nahm.

12.14.2 Die Messerstiche

Betreffend die Messerstiche kann vorbehaltslos auf die Aussagen der Straf- und 
Zivilklägerin abgestellt werden, soweit sie hierzu Aussagen machte. Es ist der 
Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen nicht abträglich, dass sie den Ablauf des Messer-
angriffs nicht im Detail schildern konnte. Derartiges ist nicht zu erwarten. Aus ihrer 
Sicht kam der Angriff aus dem Nichts. Sie befand sich in Todesgefahr, weshalb ihre 
Aufmerksamkeit in erster Linie der Verteidigung ihres Lebens gewidmet war. Ihr 
Eingeständnis, sich in diesem Punkt nicht genau daran erinnern zu können bzw. 
ein «Blackout» zu haben, sind als Wahrheitssignal einzustufen. 

Während sich die Aussagen des Beschuldigten zu diesem Tathergang nicht mit 
den objektiven Beweismitteln decken (dazu E. 12.12.2 oben), sind die Aussagen 
der Straf- und Zivilklägerin schlüssig nachvollziehbar. Dass sie während den auf 
die Hammerschläge folgenden Messerangriffen am Boden gelegen hat, belegen 
die Blutspuren am Tatort. Diese befanden sich an der Küchenkombination auf einer 
Höhe von maximal 50 cm über dem Boden (pag. 136 f.). Nach den Hammerschlä-
gen zerrte der Beschuldigte die Straf- und Zivilklägerin vom Küchenstuhl zu Boden, 
wo sie auf dem Rücken liegen blieb. 

Der Beschuldigte verwendete das sich in der Küche befindende Brotmesser (Ass.-
Nr. 003 [pag. 101], pag. 86; dazu E. 12.5 oben). Die Klinge ist 19 cm lang und ver-
fügte einen Laserschliff sowie einen Durchmesser von bis zu 4 cm. 

Zur Art des Messereinsatzes machte die Verteidigung des Beschuldigten mit Ver-
weis auf die Berichte der behandelnden Ärzte (pag. 94.4 f.; pag. 94.18 f.; dazu 
E. 12.6 oben) geltend (pag. 925), der Beschuldigte habe mit dem Messer Schnitte, 
nicht Stiche ausgeführt. Dafür spreche auch die Tatsache, so die Verteidigung wei-

33

ter, dass der Beschuldigte keine charakteristischen Verletzungen an Armen und 
Händen aufgewiesen habe, die bei Stichen gegen ein sich wehrendes Opfer infolge 
Abrutschens üblich seien. 

Die Straf- und Zivilklägerin sagte aus, der Beschuldigte habe das Messer in der 
Faust gehalten, mit der Klinge nach unten gerichtet, und dieses «wie Schläge», «so 
zäg, zäg» von oben nach unten geführt (pag. 207, Z. 211 und Z. 214 f.). Aus ihren 
glaubhaften Aussagen ergibt sich klar, dass der Beschuldigte mit dem Messer 
Stich-, nicht Schnittbewegungen gemacht hat. Des Weiteren ist mit Blick auf die 
Arztberichte in pag. 94.4 f. und pag. 94.18 f. zu bemerken, dass diese die Behand-
lung der Verletzungen der Straf- und Zivilklägerin und nicht deren Herkunft zum 
Gegenstand hatten. Die Bezeichnung der Verletzungen der Straf- und Zivilklägerin 
als Schnittverletzungen durch die behandelnden Ärzte sagt nichts über die Vorge-
hensweise des Beschuldigten aus. Darüber hinaus wies der Beschuldigte am 
Daumenballen der linken Hand eine ca. 2.5 mm lange Wunde aus scharfer Ge-
walteinwirkung auf (pag. 78; pag. 173). Diese kann gemäss dem IRM entweder als 
Abwehrverletzung gedeutet werden (was angesichts des nun erstellten Tather-
gangs ausgeschlossen werden kann) oder beim Hantieren mit einem Messer ent-
standen sein (pag. 79). Es ist naheliegend, dass der Beschuldigte als Rechtshän-
der (pag. 917, Z. 36) das Messer in der rechten Hand führte und mit der linken ver-
suchte, die sich wehrende Straf- und Zivilklägerin festzuhalten oder ihre zur Ab-
wehr erhobenen Hände abzuwehren Das Verletzungsbild an der linken Hand des 
Beschuldigten am Handrücken beim Daumenballen entspricht einer charakteristi-
schen Verletzung im Zuge von Stichbewegungen. Ohnehin wäre eine rund 2.5 cm 
klaffende Wunde, wie die Straf- und Zivilklägerin sie am Oberarm aufwies, mit 
Schnittbewegungen kaum in Einklang zu bringen (pag. 68; pag. 161). Der Beschul-
digte führte somit mit dem Messer Stich- und nicht Schnittbewegungen aus. 

Darüber, wie oft der Beschuldigte zustach, machte die Straf- und Zivilklägerin keine 
Aussagen. Anhand ihrer Verletzungen, die das IRM auf scharfe Gewalteinwirkung 
zurückführte (pag. 67 ff.), lässt sich auf mindestens vier bis fünf Stichbewegungen 
schliessen. 

Die Verteidigung machte an der oberinstanzlichen Verhandlung weiter geltend, die 
Stiche seien ziellos erfolgt. Das habe die Straf- und Zivilklägerin am 10. November 
2010 so ausgesagt (pag. 190, Z. 10). Zwar habe sie später gegenüber der Staats-
anwaltschaft ausgeführt, der Beschuldigte habe mit den Messerstichen auf ihren 
Oberkörper gezielt (pag. 207, Z. 23 f.). Jedoch käme mit Verweis auf das Urteil des 
Obergerichts des Kantons Bern SK 18 163 vom 16. Januar 2019 E. 14.3 den tat-
näheren Aussagen in der Praxis eine erhöhte Bedeutung zu. Aus diesem Grund sei 
auf die Aussage der Straf- und Zivilklägerin abzustellen, wonach der Beschuldigte 
ziellos auf sie eingestochen habe (pag. 925).

Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass «gezielte» Messerstiche nicht Gegenstand 
des angeklagten Sachverhalts sind (dazu E. 10 oben). Eine eing