# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7c097b33-2da8-5668-9586-ec132af964ab
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-02-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.02.2024 F-677/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-677-2024_2024-02-05.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-677/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  5 .  F e b r u a r  2 0 2 4  

Besetzung 
 Einzelrichterin Regula Schenker Senn, 

mit Zustimmung von Richterin Regina Derrer,  

Gerichtsschreiberin Susanne Stockmeyer. 
 

 
 

Parteien 
 X._______, geb. am […],  

 […],  

vertreten durch  

Lea Hungerbühler, Rechtsanwältin, diese substituiert durch 

Clara Böttinger, AsyLex,  

Beschwerdeführer,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Ver-

fahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); Verfügung des SEM 

vom 22. Januar 2024 /  […], . 

 

 

 

F-677/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer ersuchte am 28. Dezember 2023 in der Schweiz um 

Asyl. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerab-

druck-Datenbank (Eurodac) ergab, dass er am 14. November 2023 in Kro-

atien um Asyl ersucht hatte (Akten der Vorinstanz [SEM act.] 1, 6).  

B.  

Das SEM führte am 9. Januar 2024 mit dem Beschwerdeführer – im Bei-

sein seiner Rechtsvertretung – das persönliche Gespräch durch gemäss 

Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments 

und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfah-

ren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von ei-

nem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat ge-

stellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: 

Dublin-III-VO). Bei dieser Gelegenheit wurde ihm das rechtliche Gehör zu 

einem allfälligen Nichteintreten auf das Asylgesuch und einer Überstellung 

nach Kroatien gewährt. Weiter wurde ihm die Möglichkeit eingeräumt, sich 

zum medizinischen Sachverhalt zu äussern (SEM act. 15).  

C.  

Die kroatischen Behörden hiessen das Gesuch des SEM vom 4. Januar 

2024 um Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b 

Dublin-III-VO am 18. Januar 2024 gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO 

gut (SEM act. 9, 17).  

D.  

Mit Verfügung vom 22. Januar 2024 (eröffnet am 25. Januar 2024) trat das 

SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete dessen 

Wegweisung nach Kroatien an und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag 

nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, ansonsten er unter Zwang 

in den zuständigen Dublin-Mitgliedstaat zurückgeführt werden könne. 

Gleichzeitig beauftragte es den Kanton St. Gallen mit dem Vollzug der 

Wegweisung, händigte dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Ak-

ten gemäss Aktenverzeichnis aus und stellte fest, einer allfälligen Be-

schwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu 

(SEM act. 22, 23).  

E.  

Mit Beschwerde vom 1. Februar 2024 gelangte der Beschwerdeführer an 

das Bundesverwaltungsgericht und beantragte, die angefochtene Ver-

F-677/2024 

Seite 3 

fügung sei vollumfänglich aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, 

auf das Asylgesuch einzutreten. Eventualiter sei die Verfügung vollumfäng-

lich aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu-

rückzuweisen. Subeventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, von den Be-

hörden in Kroatien eine konkrete, schriftliche Zusicherung einzuholen, 

dass ab dem Zeitpunkt der Ankunft in Kroatien umgehend Obdach, Nah-

rung, eine adäquate medizinische sowie psychologische Behandlung zur 

Verfügung stehe. Es sei dem Beschwerdeführer überdies die unentgeltli-

che Rechtspflege unter Verzicht auf die Erhebung von Verfahrenskosten, 

insbesondere eines Kostenvorschusses zu gewähren. Der Beschwerde sei 

die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die kantonalen Behörden seien 

entsprechend anzuweisen. Die Aussetzung des Wegweisungsvollzugs sei 

superprovisorisch zu verfügen (Akten des Bundesverwaltungsgerichts 

[BVGer act.] 1; zum Subeventualbegehren vgl. S. 9 f. der Beschwerde).  

F.  

Am 1. Februar 2024 ordnete die Instruktionsrichterin einen superprovisori-

schen Vollzugsstopp an. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.   

1.1 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG (SR 142.31) nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und 

Art. 6 AsylG). 

1.2 Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die übri-

gen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs. 1 VwVG], Frist 

[Art. 108 Abs. 3 AsylG] und Form [Art. 52 Abs. 1 VwVG]) sind erfüllt. Auf 

die Beschwerde ist einzutreten.  

2.   

 

2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

F-677/2024 

Seite 4 

2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb 

sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines 

zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e 

AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-

scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

3.   

 

3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung dieses Staates 

wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag ge-

stellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).  

3.3 Der Mitgliedstaat, bei dem der erste Antrag auf internationalen Schutz 

gestellt wurde, ist gehalten, einen Antragsteller, der sich ohne Aufenthalts-

titel im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats aufhält oder dort einen 

Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat, nachdem er seinen ersten 

Antrag noch während des Verfahrens zur Bestimmung des zuständigen 

Mitgliedstaats zurückgezogen hat, nach den Bestimmungen der Art. 23, 

24, 25 und 29 wieder aufzunehmen, um das Verfahren zur Bestimmung 

des zuständigen Mitgliedstaats zum Abschluss zu bringen (Art. 20 Abs. 5 

Dublin-III-VO).  

3.4 Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der «Eu-

rodac-Datenbank» ergab, dass er am 14. November 2023 in Kroatien dak-

tyloskopisch erfasst worden war und dort gleichentags ein Asylgesuch ge-

stellt hatte. Die kroatischen Behörden stimmten dem Wiederaufnahmeer-

suchen der Vorinstanz gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO am 18.  Ja-

nuar 2024 zu. Somit ist die Zuständigkeit Kroatiens für die Durchführung 

des Asyl- und Wegweisungsverfahrens grundsätzlich gegeben. Daran än-

dert auch der vom Beschwerdeführer vorgetragene Umstand nichts, dass 

ihm die Fingerabdrücke unter Zwang abgenommen worden seien (vgl. Be-

schwerde II Ziff. 5). Es gilt darauf hinzuweisen, dass die Abnahme der 

F-677/2024 

Seite 5 

Fingerabdrücke von illegal einreisenden Ausländerinnen und Ausländern 

sich auf die Verordnung (EU) Nr. 603/2013 des Europäischen Parlaments 

und des Rates vom 26. Juni 2013 (Eurodac-Verordnung) stützt und sich 

folglich als legitim erweist (vgl. bspw. Urteil des BVGer F-1/2024 vom 8. 

Januar 2024 E. 4.5).  

4.   

4.1 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller an den zunächst als 

zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche 

Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-

bedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische 

Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder 

entwürdigenden Behandlung im Sinne des Art. 4 der EU-Grundrechte-

charta mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-

staat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um festzu-

stellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden kann. 

Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund der 

Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten Mit-

gliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen werden, so wird 

der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat der zuständige Mitgliedstaat 

(Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 

4.2 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht ist zwingend auszuüben, wenn die Überstellung 

der betroffenen Person in den an sich zuständigen Mitgliedstaat zu einer 

Verletzung völkerrechtlicher Verpflichtungen der Schweiz führen würde 

(BVGE 2015/9 E. 8.2.1). Gemäss Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 

vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) kann zudem das SEM das 

Asylgesuch «aus humanitären Gründen» auch dann behandeln, wenn da-

für gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Bei dieser Ent-

scheidung kommt dem SEM Ermessen zu; das Bundesverwaltungsgericht 

darf sein eigenes Ermessen nicht an dessen Stelle setzen (BVGE 2015/9 

E. 7.6 und E. 8.1 in fine). 

 

F-677/2024 

Seite 6 

5.   

 

5.1 Gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts 

weisen das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Kroatien keine 

systemischen Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter 

Satz Dublin-III-VO auf (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1488/2020 vom 

22. März 2023 E. 9.5). Demnach sind Dublin-Überstellungen nach Kroatien 

grundsätzlich sowohl in "take-charge" (Aufnahme) als auch in "take-back" 

(Wiederaufnahme) Verfahren zulässig. 

5.2 Der Beschwerdeführer führte in seiner Beschwerde unter anderem 

aus, er sei im November 2023 aus der Türkei über Bosnien nach Kroatien 

geflüchtet. Dort sei er um zwei Uhr nachts von der Polizei aufgegriffen und 

auf die Wache gebracht worden. Man habe ihn mit einer anderen Person 

zusammengefesselt. Da er seinen Pass versteckt habe, sei er von der Po-

lizei geschlagen worden. Auch andere geflüchtete Personen seien ge-

schlagen worden; einem Mann seien sogar die Zähne mit einer Zange her-

ausgezogen worden, da er sich gegen die Polizei aufgelehnt habe. Nach 

einer Nacht auf der Wache sei er an die bosnische Grenze gebracht wor-

den, woraufhin er weiter nach Sarajevo geflüchtet sei und von dort in die 

Türkei zurückgekehrt sei. Die kroatischen Behörden hätten ihm gedroht, 

ihn bei einer Rückkehr nach Kroatien zu töten. In der Türkei habe er sich 

im Haus eines Freundes versteckt. Anschliessend sei er in einem Lastwa-

gen direkt in die Schweiz gereist (vgl. Beschwerde II Ziff. 5; siehe auch 

SEM act. 15/2). Die geschilderten Vorkommnisse lassen – ohne dass diese 

beschönigt werden sollen – nicht den Schluss zu, er hätte bei einer Über-

stellung nach Kroatien mit hoher Wahrscheinlichkeit eine unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK oder Art. 3 des 

Übereinkommens gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK; SR 105) zu gewärtigen. 

Im vorliegend zu beurteilenden take-back-Verfahren würde er bei einer 

Überstellung nach Kroatien auf legalem Weg in die Hauptstadt Zagreb 

überstellt und nicht mit einer Situation konfrontiert, wie er sie an der kroa-

tischen Aussengrenze angeblich erlebt hat. Gegen das Fehlverhalten von 

einzelnen Polizeiangehörigen könnte er im Übrigen in Kroatien rechtlich 

vorgehen, allenfalls mit Hilfe der vor Ort tätigen karitativen Organisationen. 

Der Umstand, dass dies möglicherweise mit grösseren Hürden und 

Schwierigkeiten verbunden sein könnte als in der Schweiz, weist nicht per 

se auf systemische Schwachstellen im kroatischen Asylsystem hin (vgl. 

bspw. Urteil des BVGer F-1/2024 vom 8. Januar 2024 E. 5.4). 

F-677/2024 

Seite 7 

5.3 An der aktuellen, auf einer Gesamtbetrachtung diverser staatlicher und 

nichtstaatlicher Quellen sowie der Rechtsprechung anderer Dublin-Mit-

gliedstaaten beruhenden Beurteilung des Bundesverwaltungsgerichts, wo-

nach das kroatische Asyl- und Aufnahmesystem keine systemischen 

Schwachstellen aufweist, vermögen die Vorbringen des Beschwerdefüh-

rers, einschliesslich der von ihm angeführten Berichte (vgl. Beschwerde II 

Ziff. 8 ff.), nichts zu ändern.  

6.  

Weiter ist festzustellen, dass es sich bei dem in der Schweiz lebenden 

Cousin des Beschwerdeführers (vgl. Beschwerde II Ziff. 5) nicht um einen 

Familienangehörigen im Sinne von Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO handelt und 

auch kein Abhängigkeitsverhältnis im Sinne von Art. 16 Dublin-III-VO er-

sichtlich ist.  

7.  

Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Vorinstanz das Selbsteintrittsrecht nach 

Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO sowie Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 zu 

Recht nicht ausgeübt hat. In diesem Zusammenhang bringt der Beschwer-

deführer zusammenfassend vor, im Falle einer Rückschaffung nach Kroa-

tien sei er einer Gefährdung im Sinne von Art. 3 EMRK ausgesetzt (vgl. 

Beschwerde II Ziff. 21 ff.).  

7.1 Mangels systemischer Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO 

kann vermutungsweise davon ausgegangen werden, dass Kroatien seinen 

völker- und gemeinschaftsrechtlichen Verpflichtungen gegenüber Perso-

nen in der Situation des Beschwerdeführers nachkommt und insbesondere 

auch die Rechte respektiert und schützt, die sich aus der Verfahrens- und 

Aufnahmerichtlinie ergeben (vgl. Urteile F-1883/2023 vom 12. April 2023 

E. 8.2 und F-647/2023 vom 9. Februar 2023 E. 7.1 je m.H.). Diese Vermu-

tung kann zwar im Einzelfall widerlegt werden. Hierfür bedarf es aber kon-

kreter und ernsthafter Hinweise (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.; Urteil des 

BVGer D-5698/2017 vom 6. März 2018 E. 5.3.1). 

7.2 Der Beschwerdeführer vermag nicht darzutun, dass die ihn bei einer 

Rückführung nach Kroatien zu erwartenden Bedingungen derart schlecht 

sind, dass sie zu einer Verletzung von Art. 3 EMRK führen könnten. Es 

bestehen auch keine Gründe für die Annahme, das Land werde den Grund-

satz des Non-Refoulement missachten, zumal die dortigen Behörden sei-

ner Aufnahme gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO explizit zugestimmt 

und sich damit bereit erklärt haben, die Verantwortung für die Fortführung 

F-677/2024 

Seite 8 

seines Asylverfahrens zu übernehmen. Bei einer allfälligen vorübergehen-

den Einschränkung der ihm zustehenden Aufnahmebedingungen könnte 

er sich im Übrigen nötigenfalls an die kroatischen Behörden wenden und 

seine Rechte auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 der Richtlinie des 

Europäischen Parlaments und des Rates 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 

zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internati-

onalen Schutz beantragen [Aufnahmerichtlinie]). Zudem steht ihm die Mög-

lichkeit offen, die vor Ort tätigen karitativen Organisationen zu kontaktieren.  

7.3 Anlässlich des Dublin-Gesprächs machte der Beschwerdeführer über-

dies geltend, langsam würde er sich wieder «einkriegen» wegen der Sa-

chen, die er in Kroatien und der Türkei erlebt habe; körperlich habe er keine 

Probleme. In den vorinstanzlichen Akten befinden sich keine medizini-

schen Berichte. Es ist somit davon auszugehen, dass er sich anlässlich 

seines Aufenthaltes hierzulande nicht in ärztliche Behandlung begeben hat 

(vgl. dazu auch SEM act. 19 und das leere Verlaufsblatt der Medic-Help 

[SEM act. 20]). Es bestehen somit keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass 

seine Gesundheit bei einer Überstellung nach Kroatien ernsthaft gefährdet 

würde. Beschwerdeweise wurde dazu nichts Konkretes vorgebracht. Des-

sen ungeachtet sind die Mitgliedstaaten ohnehin verpflichtet, den Antrag-

stellern die erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Not-

versorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten 

und schweren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen 

(Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie). Nebst den staatlichen Einrichtungen 

bestehen in Kroatien Angebote von Nichtregierungsorganisationen. Für 

eine allfällige psychosoziale Betreuung wäre zudem das kroatische Rote 

Kreuz zuständig (vgl. Urteile des BVGer D-4302/2023 vom 11. Januar 2024 

E. 5.4.4, E-875/2023 vom 28. September 2023 E. 6.10.2 und F-1802/2023 

vom 23.  Juni 2023 E. 6.3). Folglich droht auch in dieser Hinsicht keine 

Verletzung von Art. 3 EMRK.  

7.4 Die Vorinstanz hat somit das Selbsteintrittsrecht von Art. 17 Dublin-III-

VO sowie Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 zu Recht nicht ausgeübt. Weder ist die 

Schweiz völkerrechtlich verpflichtet, auf das Asylgesuch einzutreten, noch 

liegen humanitäre Gründe vor, welche einen Selbsteintritt nahelegen wür-

den. Weiter ist auch der Sachverhalt – soweit rechtserheblich – rechts-

genüglich erstellt. Vor diesem Hintergrund erübrigt sich eine Rückweisung 

der Sache an die Vorinstanz zur vertieften Abklärung des Sachverhalts, 

weshalb der entsprechende Eventualantrag (vgl. Beschwerde II Ziff. 26) 

abzuweisen ist. Zudem besteht kein Anlass, die Vorinstanz anzuweisen, 

explizit Zusicherungen hinsichtlich Obdach, Nahrung und adäquate me-

F-677/2024 

Seite 9 

dizinische Versorgung bei den kroatischen Behörden einzuholen (vgl. Re-

ferenzurteil E-1488/2020, a.a.O., E. 12). Das entsprechende Subeventual-

begehren (vgl. Beschwerde II Ziff. 27) ist ebenfalls abzuweisen. 

8.  

Die Vorinstanz ist demnach zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwer-

deführers nicht eingetreten und hat die Wegweisung nach Kroatien ange-

ordnet. 

9.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Mit dem vorliegen-

den Urteil fällt der am 1. Februar 2024 angeordnete superprovisorische 

Vollzugsstopp dahin.  

10.   

 

10.1 Das Begehren erweist sich als aussichtslos, weshalb das Gesuch um 

unentgeltliche Prozessführung gestützt auf Art. 65 Abs. 1 VwVG e contrario 

abzuweisen ist.  

10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-

deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– 

festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-

ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). 

11.  

Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

 

(Dispositiv nachfolgende Seite)  

 

 

 

 

 

F-677/2024 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

 

Die Einzelrichterin:  Die Gerichtsschreiberin: 

  

Regula Schenker Senn Susanne Stockmeyer 

 

Versand: