# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ef375ee0-3a30-53a0-b3ac-865df97eac4f
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-10-30
**Language:** de
**Title:** Schadenersatz nach Art. 52 AHVG; Gesellschafterin und einzige Geschäftsführerin einer GmbH; Keine Rechtfertigungs- oder Entlastungsgründe.
**Docket/Reference:** AK.2014.00005
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/AK.2014.00005.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
AK.2014.00005
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichter Vogel
Gerichtsschreiber Hübscher
Urteil
vom
30. Oktober 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
war seit
der Eintragung der
Y.___
im Handels
register des Kantons Zürich am 16
.
Juli
2003
deren Gesellschafterin und Ge
schäftsführerin mit
Einzelunterschrift (
Urk.
7/1,
Urk.
7/248).
Die
Y.___
war
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse,
als beitragspflichtige Arbeitgeberin ange
schlossen.
A
m 25
.
Mai
201
0
eröffnete
d
er Konkursrichter des Bezirks
gerichts
Z.___
de
n Konkurs über die Ge
sellschaft
(
Urk.
7/1
82
)
.
Mit Urteil desselben Richters vom
2.
August 2012 wurde das
Kon
k
urs
verfahren
als geschlossen erklärt (
Urk.
7/240
)
.
In der Folge
verpflichtete die Ausgleichskasse
X.___
m
it Verfügung vom
22
.
Oktober
2013
als
Einzelhafterin
zur Leistung von Schadenersatz für ihr entgangene Lohnbeiträge sowie Verwaltungskosten
, Verzugszinsen
und
G
ebühren im Umfang von total
Fr. 28‘421.20 (Urk. 7/241), wogegen diese am 2
3.
November 2013 Einsprache er
hob
(
Urk.
7/243).
Mit Entscheid vom
6.
Januar 201
4
hiess die Ausgleichskasse die Ein
sprache
teil
weise gut und stellte fest, dass
X.___
Schaden
er
satz in der Höhe von Fr.
24
‘
067
.
15
zu leisten habe (Urk. 2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
6.
Januar 2014
(
Urk.
2)
erhob
X.___
am
4.
Februar 2014 Beschwerde und beantragte dessen Aufhebung (
Urk.
1).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
4.
März 2014 beantragte die
Beschwer
degegnerin
Abweisung der Beschwerde (
Urk. 6, unter Beilage
ihrer Akten [Urk.
7/1-252]
)
, was der Beschwerdeführerin mit Mitteilung vom 1
9.
März 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
52
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenen
versicherung
(AHVG)
hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder
grob
fahr
lässige
Missachtung von Vorschriften einen Schaden verschuldet, diesen der
Aus
gleichskasse
zu ersetzen. Ist der Arbeitgeber eine juristische Person, so kön
nen subsidiär gegebenenfalls die verantwortlichen Organe in Anspruch genom
men werden (BGE 123 V 12 E.
5b; vgl. BGE 132 III 523 E.
4.5). Haben mehrere Ar
beitgeber oder mehrere Organe einer juristischen Person einen Schaden ver
ur
sacht, haften sie solidarisch (BGE 114 V 213 E. 3 mit Hinweisen;
Art.
52
Abs.
2 AHVG [in der ab
1.
Januar 2012 gültigen Fas
sung]).
1.2
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach
Art.
52 AHVG sowie die da
zu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Be
stim
mungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenver
sicherungs- (
Art.
66 des Bundesgesetzes über die Invalidenvers
icherung),
Er
werbsersatz
- (
Art.
21
Abs.
2 des Bundesgesetzes über
den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutter
schaft) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge (
Art.
6 des Bun
desgesetzes über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolven
zentschädigung)
sowie auf jene
an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bundesgesetz über die Familienzulagen (
Art.
25
lit
. c). Gleiches gilt für die bis 3
1.
Dezember 2008 nach kantonalem Recht erhobenen FAK-Beiträge (
§
33
Abs.
2 des Gesetzes über Kinderzulagen für Arbeitnehmer in der bis Ende 2007 gültig gewesenen Fassung bzw.
§
33 des ab
1.
Januar 2008 bis 3
0.
Juni 2009 gültig gewesenen
Kinder
zu
lagengesetzes
; nicht publiziertes Urteil des Bundes
gerichts 2P.251/19
96 vom 3
0.
Juni 1997).
2.
2.1
Voraussetzung für eine Haftung nach
Art.
52 AHVG ist zunächst das Vorliegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschul
de
ter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.).
Verwaltungs- und
Be
treibungskosten
, Veranlagungs- und Mahnge
bühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 109 V 95 oben, 108 V 189
E.
5). Im Hinblick auf die in
Art.
14
Abs.
1 AHVG normierte Beitrags- und
Ab
rechnungs
pflicht
des Arbeitgebers gehören auch die
Arbeitge
berbeiträge
zum mas
s
ge
blichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
2.2
2.2.1
Die Beschwerdegegnerin machte m
it Schadenersatzverfügung vom 22. Oktober 201
3
ursprünglich
einen Schaden vom
Fr.
28‘421.20 geltend
(Urk.
7
/
241).
Mit an
gefochtenem
Einspracheentscheid
reduzierte sie ihre Schadener
satzforderung auf Fr. 24‘067.15.
Die Reduktion betraf die
nach der Konkurseröffnung über die
Y.___
per
2
5.
Mai 2010 (
Urk.
7/1
82)
fällig gewordenen und zur Zahlung anstehenden Beiträge und Kosten
(
Urk.
2 S. 2-3).
Die
Scha
dener
satz
forderung
umfasst die
unbezahlt gebliebenen
Akonto
beiträge
für
die Monate
Okto
ber bis Dezember 2009
inklusive Nebenkosten (Pos. 2009 0011 bis Pos. 2009
0013 des Konto-Auszugs vom 1
4.
März 2014 [
Urk.
7/250]
)
und
für die Monate
Januar bis
April
2010
inklusive Nebenkosten (Pos.
2010 0001, Pos. 2010 0002 [
Akontobeiträge
Februar
2010
abzüglich der Mahngebühr vom 25.
Mai 2013 im Betrag von Fr.
20.--], Pos. 2010 0003 [
Akontobeiträge
März
2010
abzüglich der Mahngebühr vom 2
5.
Mai 2013 im Betrag von Fr.
20.--] und Pos.
2010 0004
dieses Konto-Aus
zugs)
sowie
die
für
das Jahr
2005
und die Jahre 2007
bis
20
09
aufgrund der Arbeitgeberkontrolle
vom
2
4.
Juni
2010
(Urk.
7/199, Urk.
7/203)
nach
geforderten
Lohn
beiträge
in
klusive
Nebenkosten (Pos.
2010 0011 dieses Konto-
Auszugs)
. D
e
r Schaden
ist
aufgrund der Akten ausge
wiesen (
insbes.
Urk.
7/102, Urk.
7/108, Urk.
7/139 [
Akontorechnun
gen
Oktober bis Dezember 2009]
,
Urk. 7/142,
Urk.
7/148,
Urk.
7/156, Urk.
7/160
[
Akonto
rechnungen
Januar
bis
April
2010]
,
Urk.
7/199,
Urk.
7/203 [Arbeitgeberkontrolle],
Urk.
7/209/1
,
Urk.
7/209/3
-5 [Nachzahlungsverfügungen für
das Jahr 2005 und die Jahre 2007
bis 2009],
Urk.
7/210 [Rechnung nachgeforderte Bei
träge
];
vgl.
Beitrags
über
sicht
und
Konto-Auszug vom
1
4.
März
201
4
[Urk.
7
/
249-250
]).
2.
2.2
Die Beschwerdeführerin
bringt vor
, dass eine ihrer Mitarbeiterin
nen
für lange Zeit krankheitsbedingt ausgefallen sei. Bei der Arbeitgeberkontrolle im Juni 2010
(vgl. Bericht des Revisors über die Arbeitgeberkontrolle vom
1.
Juli 2010 [Urk. 7/203])
habe sie noch nicht gewusst, ob die geleisteten Zahlungen an die Mitarbeiterin Lohnfortzahlungen oder Krankentaggeld seien. Erst im Jahr 2011
sei klar ge
worden, dass die Krankentaggeldversicherung für einen Teil der krankh
eitsbedingten Ausfälle aufkomme. Somit habe sie (bei der
Arbeitgeber
kon
trolle
)
einen zu hohen Lohn deklariert (
Urk.
1 S. 1). Die
sbezüglich
weist
die
Be
schwer
degegnerin
darauf hin, dass die Beschwerde
führerin ihr bereits
mit Ein
gabe vom
2
2.
März 2011
(Urk. 7/229/3)
eine kor
rigierte Lohndeklaration 2010
(
Urk.
7/229/1-2
)
eingereicht habe. Diese sei berücksichtigt und die Lohn
summe 2010 entsprechend angepasst worden
. Dabei habe eine Gutschrift von
Fr.
1‘979.90
zu Gunsten der
Konkursitin
resultiert (
Urk.
6 S. 2 unter Hin
weis auf Pos. 2011 0001 des Konto-Auszugs vom 1
4.
März 2014 [Urk. 7/250]
, vgl. auch
Urk. 7/230-231)
. Die Beschwerdeführerin bringt nicht vor, dass die
bereits er
folgte
Gutschrift
un
richtig
sei oder dass eine weitere Anpassung der Lohn
summe 2010
zu er
folgen habe
.
Ih
rem Begehren
um
Anpassung
der Lohnsumme 2010 ist mithin bereits entsprochen worden.
Des Weiteren macht die Be
schwer
deführerin gel
tend, die Scha
dener
satzforderung sei um die vom Betreibungsamt nach der Konkurseröffnung an die Beschwerdegegnerin geleisteten Zahlungen „von meh
reren tausend Fran
ken“ zu reduzieren (
Urk.
1 S.
1).
Aus den Abrech
nungen des Betreibungsamtes
Z.___
vom 1
4.
September 2010 mit Valuta-
Datum 2
5.
Mai 2010 (Konkurs
eröffnung) kann die Be
schwerde
führerin nichts zu
ihren Gunsten ableiten.
D
iese Abrech
nungen
betreffend die in Betreibung ge
setz
ten
Akonto
beiträge
Februar
bis
August
2009
(inkl. Nebenkosten)
und
die Zah
lun
gen des Betreibungsamtes
sind
von der Beschwerdegegnerin an die
Beitrags
s
chuld
der
Konkursitin
angerech
net worden (
Urk.
7/215
-
221
; vgl. Pos.
2009
000
2
bis 0006 sowie Pos. 2009 0008 und
0009 des Konto-Auszugs vom 1
4.
März 2014
[
Urk.
7/250]).
Des Weiteren
steht
fest
, dass die Beschwerdegegnerin im Konkurs
der
Y.___
keine Dividende erhielt, sondern mit ihrer in der 2.
Klasse
kollozierten Forde
rung im Betrag von
Fr.
30‘401.
10
vollständig zu Verlust kam (vgl. S. 2 des Zir
kularschreibens des Konkursamtes
Z.___
vom 4. Juni 2012 [
Urk.
7/237] sowie dessen Verlustausweis vom 3
1.
Juli 2012 [Urk. 7/239]).
In
masslicher
Hinsicht besteht die
Schaden
ersatzforderung
der
Beschwerde
geg
nerin
von
Fr. 24‘067.15 demnach zu Recht.
3.
3.1
Art.
14
Abs.
1 AHVG und die
Art.
34 ff. der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVV) schreiben vor, dass der Arbeitgeber bei je
der
Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusam
men mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeit
geber
haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsunterlagen über die von ihne
n an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die ent
spre
chenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die
Bei
trags
zahlungs
- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetz
lich vor
geschriebene
öffentlichrechtliche
Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser
öffent
lich
rechtlichen
Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vor
schrif
ten im Sinne von
Art.
52
Abs.
1 AHVG und zieht die volle Schadendeckung nach sich (BGE 118 V 193 E. 2a
; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
3.2
Den Kassenakten ist zu entnehmen, dass die
Konkursitin
ihren
Abrechnungs-
und Zahlungspflichten nicht
genügend
nachgekommen ist.
So wurde nament
lich
d
ie Jah
resabrechnung 2009
zu spät eingereicht, wofür
die
Beschwer
de
geg
nerin
de
r
Konkursitin
eine Mahngebühr
in
Rechnung stellen musste
(Urk.
7/1
70
).
Fer
ner wurde a
nlässlich der Arbeitgeberkontrolle vom 2
4.
Juni 2010
festgestellt, dass
im
Jahr 2005 sowie
in den Jahren
2007 bis 2010 Löhne nicht beziehungs
weise zu tief deklariert wurden (
Urk.
7/199,
Urk.
7/201, Urk.
7/203). Die
Kon
kur
sitin
musste
zur Beitragszahlung
wiederholt gemahnt und betrieben werden (vgl.
die
Beitragsübersicht und den
Konto-Auszug vom 1
4.
März 2014 [
Urk.
7/249-250]).
Schliesslich blieben
Lo
hnbeiträge
(inkl. Ne
benkosten)
seit Oktober 2009
unbe
zahlt
und waren die Nachforderungen 2005 bis 2009 ungedeckt
(E. 2.2 vorstehend).
Zu prüfen bleibt, ob und inwieweit der dadurch entstandene Schaden auf quali
fiziert schuldhaftes Verhalten de
r
Beschwerdeführer
in
zurückzuführen ist.
4.
4.1
4.1.1
Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatz
pflicht besteht nach dem Wortlaut des
Art.
52 AHVG darin, dass der Arbeit
geber absichtlich oder
grob
fahrlässig
Vorschriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Schaden verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E.
1a). Absicht beziehungsweise Vor
satz und Fahrlässigkeit sind ver
schiedene For
men des Verschuldens.
Art.
52 AHVG
statuiert demnach eine
Verschuldens
haftung
, und zwar handelt es sich um
eine Verschuldenshaftung aus öffent
lichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann be
gründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, wel
che das fehlerhafte Ver
halten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder sein Ver
schul
den im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit ausschliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in vor
sätzlicher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden
zufügt, aber trotzdem nicht schadenersatz
pflichtig wird, wenn beson
dere Um
stände die Nichtbe
folgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und S. 619 E. 3a).
4.1.2
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht
lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter glei
chen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu ver
langenden Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorg
faltspflicht, die in den kaufmännischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende
Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss (BGE 112 V 15
6 E. 4 mit Hinweisen; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
4.1.3
Formell eingesetzte Geschäftsführer einer GmbH wie auch Personen, die faktisch
die Funktion eines Geschäftsführers ausüben, haften für den der
Ausgleichs
kasse
zufolge nicht bezahlter Bundessozialversicherungsbeiträge entstandenen Schaden
nach den gleichen Grundsätzen wie Organe einer Aktiengesellschaft.
Nicht jedes einer Firma als
solcher anzulastende Ver
schulden
muss auch ein solches ihrer sämtlichen Organe sein. Vielmehr hat man abzuwägen, ob und in
wieweit eine Handlung der Firma einem bestimmten Organ im Hinblick auf dessen rechtliche und faktische Stellung innerhalb der Firma zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt demnach entscheidend von der
Verantwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Person
übertragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 620 E. 3b). Bei einfa
chen
Verhältnissen muss vom einzigen Verwaltungsrat einer Aktienge
sell
schaft, der als solcher die Verwaltung der Gesellschaft als einzige Person in
Organstel
lung
zu besorgen hat, in der Regel der Überblick über alle wesent
lichen Belange der Firma verlangt werden (BGE 108 V 199 E. 3b).
4.2
Die Beschwerdeführer
in
war seit
Gründung und
Eintragung der
Y.___
im Han
delsregister des Kantons Zürich am 16. Juli 2003 deren Gesell
schafterin und einzige Ge
schäftsführerin (
Urk.
7/1,
Urk.
7/248), somit deren for
melles Organ.
Als Gesellschafterin und einzige Geschäftsführerin war sie
für einen korrekten Abrechnungs- und Zahlungsverkehr mit der
Beschwerde
geg
nerin
verantwort
lich.
Die Nichterfüllung der Abrechnungs- und Zahlungs
pflich
ten durch die
Y.___
ist
ihr
voll
anzurechnen.
Die erst nach der Kon
kurseröf
f
nung vom 2
5.
Mai 2010 (
Urk.
7/182) bei der Arbeitgeberkontrolle vom 24. Juni 2010 (Urk. 7/203) festgestellten, nicht abgerechneten
Lohnzah
lung
en
betreffen
das Jahr 2005 sowie die Jahre 2007 bis 2010
(Urk. 7/199,
Urk.
7/201)
,
erfolgten
somit
für einen Zeitraum, als die Be
schwerdeführerin Geschäfts
führerin der Konkur
sitin war, wes
halb eine Haftung besteht
(
vgl. Urteil des Bundesge
richts
H
263
/
02
vom
6
.
Februar
200
3 E. 3.2 mit weiteren Hinwei
sen).
Die
Be
schwer
deführerin bringt vor, sie habe aufgrund des
krankheitsbedingten
Ausfalls einer Mitarbeiterin
mehr arbeiten müssen und sei mit der Situation überfordert ge
wesen
. Daraufhin sei es zum Konkurs gekommen
(
Urk.
1 S.
1,
Urk. 7/243/1).
Wie lange diese Ausnahme
situa
tion andauerte
,
lässt sich den Aus
führungen der Beschwerde
füh
rerin und d
en von ihr
bei der
Beschwerdegeg
nerin
eingereichten
Unterlagen
(
Urk.
7/229, Urk.
7/252) nicht
entnehmen, je
doch kann
so oder anders angesichts des zum Schaden ausgeführten (E.
2.2
.1) nicht von
nur kurz
fristigen Beitragsaus
stä
nd
en
gesprochen werden.
Gerade in wirtschaft
lich schwie
rigen Verhältnis
sen
haben die
verantwortlichen Organe
darauf zu ach
ten, dass die auf
den Löhnen
von Gesetzes wegen geschuldeten Beiträge ent
richtet werden können (Urteile des Bundesgerichts 9C_311/2015 vom
9.
Juli 2015
E.
4.2.2
und H 63/05 vom 25. Mai 2007 E. 6.4, je mit Hin
wei
sen).
Hinzu kommt, dass bei der
Y.___
i
m
Jahr 200
9
und
im Jahr
2010
bis zur Kon
kurseröffnung am 25.
Mai 2010
(
Urk.
7/182)
– neben der Be
schwerdeführerin –
vier be
ziehungsweise drei
weitere Personen be
schäftigt
wa
ren (vgl.
Urk.
7/186/3,
Urk.
7/186/5,
Urk. 7/
199, Urk. 7/201
), mithin einfache und überschaubare Ver
hältnisse vorlagen.
Ferner vermag sich die Be
schwerde
führerin
mit ihrem Vor
bringen, wonach sie
nach dem Konkurs der
Y.___
ein neues Unter
nehmen
ge
gründet und ihre Arbeitnehmer wieder be
schäftigt habe
(
Urk.
1
,
Urk.
7/243/1
),
nicht vom
Vorwurf,
dass sie zuvor
als
Ge
sellschafterin und
Ge
schäftsführerin
der
Y.___
zumin
dest
grob
fahrlässig
Vorschriften des
Beitrags
wesen
s
verletzt
hat, zu ent
lasten
.
Die
Vor
bringen
der Be
schwerde
führerin
lassen ihr Verhalten
somit
nicht
berechtigt oder entschuldbar erschei
nen.
Es bestehen keine
Rechtfertigungs- und
Ent
lastung
sgründe
.
5.
5.1
Schliesslich setzt die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers nach Art. 52
Abs.
1 AHVG voraus, dass zwischen der absichtlichen oder grobfahrlässigen Missach
tung von Vorschriften und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zu
sammenhang gegeben ist (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen auf die Lehre, 103 V 120 E. 4).
Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Er
folges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des ein
getretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Erei
g
nis allge
mein als begünstigt erscheint (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hin
weisen; vgl. auch BGE 122 V 189 sowie 119
Ib
334 E. 3c).
5.2
Das vorwerfbare Verhalten führte zum Schaden der Beschwerdegegnerin. Wäre die
Konkursitin
unter der
V
erantwortung de
r
Beschwerdeführer
in
ihren Melde- und
Zahlungs
pflichten rechtzeitig
und vollständig
nachgekommen und wären nur so
weit Löhne ausbezahlt worden, als die darauf geschuldeten Abgaben bei Fällig
keit hätten beglichen werden können, wäre der Schaden nicht eingetreten.
6.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
4.
Da der Streitwert unter
Fr.
30'000.-- liegt, kann gegen diesen Entscheid innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde nach
Art.
82 ff. in Verbin
dung mit
Art.
90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) eingereicht werden, wenn sich eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung stellt (
Art.
85
Abs.
2 BGG), wobei in der Beschwerde auszuführen ist, warum diese Voraussetzung erfüllt ist (
Art.
42
Abs.
2 Satz 2 BGG).
Soweit keine Beschwerde nach
Art.
82 ff. BGG zulässig ist, kann gegen diesen Ent
scheid innert der gleichen Frist von
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht die subsidiäre Verfassungsbeschwerde nach
Art.
113 ff. BGG erhoben werden. Gerügt werden kann nach
Art.
116 BGG die Verletzung von verfassungs
mässigen Rechten.
Werden sowohl die Beschwerde als auch die subsidiäre Verfassungsbeschwerde erho
ben, sind beide Rechtsmittel in der gleichen Rechtsschrift einzureichen (
Art.
119
Abs.
1 BGG).
Die Fristen stehen während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstHübscher