# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 64ce7b25-c437-50ae-b416-bf7db3ac34b7
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-08-22
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 22.08.2025 VBE.2025.97
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2025-97_2025-08-22.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

1. Kammer 

 

VBE.2025.97 / pm / GM  
Art. 100 

 

Urteil vom 22. August 2025 
 

 

Besetzung  Oberrichter Kathriner, Präsident  

Oberrichterin Gössi  

Oberrichter Roth  

Gerichtsschreiber Meier  

 

 
   

Beschwerde- 

führer  

 A._____,  

vertreten durch MLaw Lea Tanner, Sozialamt der Stadt Bern, 

Schwarztorstrasse 71, 3011 Bern  

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau  

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 29. Januar 2025) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Der 1992 geborene Beschwerdeführer war zuletzt als Koch tätig und mel-

dete sich am 27. Januar 2016 unter Hinweis auf eine Neurodermitis bei der 

Beschwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen (Berufliche Integrati-

on/Rente) der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) an. Die Be-

schwerdegegnerin gewährte dem Beschwerdeführer darauf hin berufliche 

Massnahmen (Berufsberatung, Ausbildung zum Informatiker EFZ), welche 

sie per 6. September 2022 abschloss. In der Folge liess sie den Beschwer-

deführer monodisziplinär durch Dr. med. B._____, Facharzt für Psychiatrie 

und Psychotherapie, begutachten (Gutachten vom 4. Februar 2023). Mit 

Vorbescheid vom 30. März 2023 stellte sie ihm sodann die Abweisung des 

Rentenbegehrens in Aussicht. Aufgrund der dagegen erhobenen Einwände 

nahm die Beschwerdegegnerin Rücksprache mit ihrem Regionalen Ärztli-

chen Dienst und stellte dem Gutachter Dr. med. B._____ Ergänzungsfra-

gen, welche dieser mit Schreiben vom 3. Juni 2024 beantwortete. Nach er-

neuter Konsultation des RAD entschied die Beschwerdegegnerin mit Ver-

fügung vom 29. Januar 2025 schliesslich dem Vorbescheid entsprechend. 

 

2.  

2.1. 

Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 27. Februar 2025 

fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Rechtsbegehren: 

 

"1. Die Verfügung der SVA Aargau, IV-Stelle, vom 29. Januar 2025 sei 
aufzuheben. 

 2. Nach Vornahme der notwendigen Abklärungen seien dem Beschwer-
deführer die gesetzlichen Leistungen auszurichten. 

 3. Eventualiter sei eine erneute psychiatrische Begutachtung vorzuneh-
men und der Leistungsanspruch des Beschwerdeführers anschlies-
send zu beurteilen. 

 4. Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewäh-
ren." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 20. März 2025 beantragte die Beschwerdegeg-

nerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 21. Mai 2025 wurde dem Be-

schwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege für die Gerichtskosten be-

willigt.  

 - 3 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin einen Rentenan-

spruch des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 29. Januar 2025 (Ver-

nehmlassungsbeilage [VB] 224 S. 8 ff.) zu Recht verneint hat. 

 

2. 

2.1. 

Dem von der Beschwerdegegnerin eingeholten psychiatrischen Gutachten 

von Dr. med. B._____ vom 4. Februar 2023 können folgende Diagnosen 

entnommen werden (VB 197 S. 16): 

 
"Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 
- Kombinierte emotional instabile (Borderline Typus) und narzisstische 

Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0) 
 
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 
- Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode 

(ICD-10 F33.00) 
- Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0) 
- Psychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzkon-

sum, vor allem Cannabis (ICD-10 F19.25)"  

 

Sowohl in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätigkeit könne der 

Beschwerdeführer täglich sechs Stunden anwesend sein. Aufgrund der 

vorliegenden Persönlichkeitsstörung bestehe eine leichte Leistungsein-

schränkung und es komme bei einer Arbeit zu einer verminderten Konflikt-

fähigkeit mit raschem Rückzug sowie zu einer erhöhten Ermüdbarkeit. Zu-

dem bestehe ein vermehrter Erholungs- sowie ein vermehrter Pausenbe-

darf. Gesamthaft bestehe in der angestammten Tätigkeit eine Arbeitsfähig-

keit von 65 % und in einer angepassten Tätigkeit von 60 %. Es seien dem 

Beschwerdeführer alle seinen Fähigkeiten und Vorbildung entsprechenden 

Tätigkeiten zumutbar. Ideal seien strukturierte, aber auch abwechslungs-

reiche Tätigkeiten, die keine zu grossen Anforderungen an die soziale In-

teraktion stellten und auch bezüglich Kopfarbeit bzw. Konzentration nicht 

zu anspruchsvoll seien. Von dieser Arbeitsfähigkeitseinschätzung könne 

gemittelt im Verlauf seit 2017 ausgegangen werden, nach dem Scheitern 

der erstmaligen beruflichen IV-Ausbildung zum Informatiker EFZ. Zuvor 

lasse sich eine erwiesene psychiatrische Arbeitsunfähigkeit nicht angeben 

(VB 197 S. 19 f.). 

 

2.2. 

Nachdem der Beschwerdeführer gegen den Vorbescheid vom 30. März 

2023 (VB 199) Einwände erhoben hatte, stellte die Beschwerdegegnerin 

Dr. med. B._____ Rückfragen, welche dieser am 3. Juni 2024 beantwor-

tete. Unter anderem führte er aus, bei der Beurteilung einer Arbeitsfähigkeit 

von 65 % in der bisherigen und von 60 % in einer angepassten Tätigkeit 

 - 4 - 

 

 

handle es sich um einen Flüchtigkeitsfehler. Richtig sei eine Arbeitsfähig-

keit von 60 % in der bisherigen und von 65 % in einer angepassten Tätig-

keit. Des Weiteren gelangte er zu der Einschätzung, es sei "nicht selten 

so", dass eine berufliche Wiedereingliederung nicht gelinge, obschon eine 

medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit bestehe, "was dann eben auch 

mit einer anderen Sichtweise der betreffenden Person [zusammenhänge], 

somit auch mit motivationalen Faktoren". Es könne nicht davon ausgegan-

gen werden, dass der Beschwerdeführer einen direkten Einstieg in eine 

Arbeit auf dem freien Arbeitsmarkt bewältigen könne. Zum Realisieren der 

eingeschätzten medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit gehörten aus-

reichende medizinische und adäquate berufliche Massnahmen, wie im Gut-

achten dargelegt worden sei. Im Gutachten sei davon ausgegangen wor-

den, dass der Beschwerdeführer durchaus Ressourcen habe, die eine 

Überwindung unzureichender Behandlungserfolge und dysfunktionaler 

Überzeugungsmuster ermöglichen würden, um mit fachlicher Hilfe wieder 

Schritte hin auf eine Erwerbstätigkeit zu machen, wozu sich aber erst eine 

Bereitschaft zeigen müsse. Es obliege der IV-Stelle zu entscheiden, ob 

eine Auflage zu einer Schadensminderung mit einer adäquaten Behand-

lung und Kontrolle der Abstinenz erteilt werden solle, so dass dann nach 

einem stabilen Verlauf von etwa einem halben Jahr die Motivation für be-

rufliche Massnahmen noch einmal beurteilt werden könne (VB 212). 

 

3. 

3.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet 

und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 

V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).  

 

3.2. 

Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-

ten Gutachten externer Spezialärzte darf Beweiswert zuerkannt werden, 

solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise 

sprechen (Urteil des Bundesgerichts 8C_737/2019 vom 19. Juli 2020 

E. 5.1.4 mit Verweis auf BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470). Den Gutachten 

kommt somit bei Abklärungen im Leistungsbereich der Sozialversicherung 

überragende Bedeutung zu (RENÉ WIEDERKEHR, in: Kieser/Kradolfer/ 

Lendfers [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über den Allgemeinen 

Teil des Sozialversicherungsrechts, 5. Aufl. 2024, N. 17 zu Art. 44 ATSG; 

vgl. auch BGE 132 V 93 E. 5.2.8 S. 105). 

 

 - 5 - 

 

 

3.3. 

Der Beschwerdeführer wurde zur Erstellung des Gutachtens von Dr. med. 

B._____ vom 4. Februar 2023 fachärztlich umfassend untersucht. Es 

wurde zudem eine eigene Zusatzuntersuchung durchgeführt (Laborunter-

suchung [Medikamentenspiegel, CDT, Urintoxikologie, Ethylglucuronid]; 

vgl. VB 197 S. 23). Dabei beurteilte der Gutachter die medizinischen Zu-

sammenhänge sowie die medizinische Situation in Kenntnis der Vorakten 

(VB 197 S. 4 ff.) und unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden 

einleuchtend und gelangte zu einer nachvollziehbar begründeten Schluss-

folgerung. Dem Gutachten kommt damit grundsätzlich Beweiswert im 

Sinne vorstehender Kriterien zu. 

 

4. 

RAD Ärztin med. pract. C._____, Praktische Ärztin, nahm am 19. Novem-

ber 2024 Stellung und gelangte im Wesentlichen zu der Einschätzung, es 

lasse sich medizinisch-theoretisch eine grundsätzliche Einschränkung der 

Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 40 % "unter Berücksichtigung der ar-

beits- und eingliederungspsychiatrischen, der gutachterlich -psychiatri-

schen und des Eingliederungsverlaufs begründen". Das Scheitern der be-

ruflichen Eingliederung sei zum grössten Teil auf motivationale Faktoren 

zurückzuführen und sei nicht vollumfänglich durch die psychische Stö-

rungsproblematik bedingt (VB 217 S. 3). 

 

5. 

5.1. 

Das Gutachten von Dr. med. B._____ sowie dessen ergänzende Stellung-

nahme vom 3. Juni 2024 sind schlüssig. Zunächst ist darauf hinzuweisen, 

dass es sich bei der Angabe im Gutachten einer 65%igen Arbeitsfähigkeit 

in der angestammten sowie einer 60%igen Arbeitsfähigkeit in einer ange-

passten Tätigkeit offensichtlich um einen Verschrieb handelt, wie Dr. med. 

B._____ in seiner Stellungnahme vom 3. Juni 2024 denn auch bestätigte 

(VB 212). Zudem ging Dr. med. B._____ in seinem Gutachten an anderer 

Stelle von einer 65%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit 

("bei zumutbarem Arbeitstag zu 6 Stunden"; VB 197 S. 21) aus. Nicht ge-

folgt werden kann sodann dem Argument des Beschwerdeführers, die gut-

achterlichen Einschätzungen zum Substanzkonsum seien "Beweis des un-

sorgfältigen Vorgehens durch den Gutachter" (Beschwerde S. 5). Dr. med. 

B._____ wies diesbezüglich auf die während der Begutachtung durchge-

führte Urintoxikologie hin, die positiv ausgefallen ist und einen deutlichen 

(semi-)quantitativen Wert von Cannabis ergeben hat (VB 197 S. 15, 23). 

Wie der Beschwerdeführer selbst ausführt, habe er bereits verschiedene 

Drogen ausprobiert (Beschwerde S. 5). Entsprechend ist die Feststellung 

eines multiplen Substanzkonsums, vor allem Cannabis, im Rahmen der Di-

agnosestellung durch den Gutachter (VB 197 S. 16), ohne weiteres ein-

leuchtend und durch die Blutuntersuchung belegt (VB 197 S. 23). Der Gut-

achter äusserte sich auch zu in Frage kommenden medizinischen und be-

 - 6 - 

 

 

ruflichen Massnahmen (vgl. Beschwerde S. 5). So hielt er insbesondere 

eine kontrollierte Abstinenz von abhängigkeitserzeugenden Substanzen 

sowie "Hilfe bei der Stellensuche in einer geeigneten Tätigkeit" als erstre-

benswert (VB 197 S. 21). Dr. med. B._____ berücksichtigte ferner, dass 

der Beschwerdeführer sich zurückziehe und viel Zeit im Bett verbringe. Es 

sei ihm aber möglich, den meisten täglichen Aktivitäten nachzugehen. Er 

sei durchaus interessiert, schreibe auch gerne (unter anderem schreibe er 

schon seit längerem an einem Buch) und verfüge durchaus über Ressour-

cen, die eine Überwindung dysfunktionaler Überzeugungs- und Bewälti-

gungsmuster ermöglichen würde, um mit fachlicher Hilfe wieder Schritte hin 

zu einer beruflichen Tätigkeit zu machen (VB 197 S. 19). Diese Einschät-

zungen sind ebenfalls nachvollziehbar. 

 

5.2. 

Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (vgl. Beschwerde S. 4) be-

rücksichtigte Dr. med. B._____ sodann den Verlauf der beruflichen Einglie-

derung hinreichend. Die Ausbildung im Informatikbereich sei für den Be-

schwerdeführer aufgrund der bestehenden psychischen Störungen und vor 

allem der einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung, "nicht so ge-

eignet" gewesen. Des Weiteren liege auch ein früh begonnener Substanz-

konsum vor. Cannabis habe im Urin bei der gutachterlichen Untersuchung 

deutlich nachgewiesen werden können. Entsprechend habe der Beschwer-

deführer die IV-Massnahmen abgeschlossen, ohne ein Pensum zu errei-

chen, womit er erfolgreich eine berufliche Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt 

hätte anstreben können (VB 197 S. 19). Des Weiteren wies Dr. med. 

B._____ auf den Bericht der D._____ AG vom 10. Januar 2022 (VB 160) 

hin, in welchem die Eignung für die Tätigkeit im IT-Bereich "etwas in Frage 

gestellt" worden sei. Dabei sei jedoch der Einfluss des Substanzkonsums 

(Cannabis) zu wenig beachtet worden. Im Bericht der D._____ sei darge-

legt worden, dass der Beschwerdeführer 2017 nach der gescheiterten Prü-

fung in der IV-gestützten Ausbildung zum Informatiker EFZ eine kontinuier-

liche Verschlechterung gezeigt habe. Dabei hätten gesundheitsbedingte, 

aber auch motivationale Faktoren eine Rolle gespielt haben können, so 

dass sich der Cannabiskonsum "verschlechtert" habe, auch aufgrund der 

Enttäuschung über das Scheitern im Verlauf. 2020 habe der Beschwerde-

führer dann auch die Abschlussprüfung EFZ Applikationsentwicklung nicht 

bestanden (VB 197 S. 16).  

 

5.3. 

In der ergänzenden Stellungnahme vom 3. Juni 2024 berücksichtigte 

Dr. med. B._____ schliesslich auch die E-Mail von Dr. med. F._____, Fach-

arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 26. Mai 2023, welcher auf das 

stagnierte Pensum während der Eingliederung bei der G._____ hinwies 

und es als diskrepant wertete, dass im Gutachten trotzdem von einer  

65%igen Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt ausgegangen wor-

den sei. Ferner erachtete er einen Wiedereinstieg in den ersten Arbeits-

 - 7 - 

 

 

markt derzeit als unrealistisch (VB 204 S. 1). Dr. med. B._____ schloss sich 

dieser Einschätzung am 3. Juni 2024 in der Folge mit nachvollziehbarer 

Begründung an (VB 212). Gesamthaft bestehen keine konkreten Indizien, 

welche gegen das Gutachten von Dr. med. B._____ sowie dessen Stel-

lungnahme vom 3. Juni 2024 sprechen würden. Somit ist den gutachterli-

chen Einschätzungen voller Beweiswert zuzuerkennen. 

 

5.4. 

Auf die Beurteilung von med. pract. C._____ vom 19. November 2024 kann 

hingegen nicht abgestellt werden. Zum einen ging sie von einer 40%igen 

Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit aus, wobei sei nicht dar-

legte, ob dies für die angestammte oder eine angepasste Tätigkeit gelten 

soll. Zum anderen widersprach sie damit ohne nähere Begründung den 

Einschätzungen von Dr. med. B._____, welcher in seiner Stellungnahme 

vom 3. Juni 2024 einen Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt nicht als zumut-

bar erachtete. Zudem ist das Scheitern der beruflichen Eingliederung wie 

med. pract. C._____ selbst annahm, zumindest teilweise (wenn auch "nicht 

vollumfänglich"; vgl. VB 217 S. 3) durch die psychische Störungsproblema-

tik bedingt. 

 

6. 

Art. 28 Abs. 1bis IVG hält fest, dass eine Rente nicht zugesprochen wird, 

solange die Möglichkeiten zur Eingliederung im Sinne von Art. 8 Abs. 1bis 

und 1ter IVG nicht ausgeschöpft sind. Der Grundsatz "Eingliederung vor 

Rente" bzw. "Eingliederung statt Rente" greift, solange die Erwerbsfähig-

keit einer versicherten Person voraussichtlich durch zumutbare Eingliede-

rungsmassnahmen wieder hergestellt, erhalten oder verbessert werden 

kann. Nur wenn keine entsprechenden Massnahmen (mehr) in Frage kom-

men, kann ein Rentenanspruch bejaht werden; andernfalls sind vorab ge-

eignete Eingliederungsmassnahmen anzuordnen (vgl. Urteil des Bundes-

gerichts 8C_24/2024 vom 23. Dezember 2024 E. 5.2.1 mit Hinweisen; 

E. 2.1). Der Rentenanspruch entsteht somit nur, wenn unter Berücksichti-

gung des Alters, des Gesundheitszustandes, der Fähigkeiten und der be-

ruflichen Perspektiven der versicherten Person alle zumutbaren Eingliede-

rungsmassnahmen in Betracht gezogen und ausgeschöpft wurden (Bot-

schaft vom 15. Februar 2017 zur Änderung des Bundesgesetzes über die 

Invalidenversicherung [Weiterentwicklung der IV], BBl 2017 2619).  

 

Dr. med. B._____ ging von einer Arbeitsfähigkeit von 60 % in der ange-

stammten und von 65 % in einer angepassten Tätigkeit aus (VB 197 

S. 19 f.; 212 S. 2). Im Gutachten wies er unter dem Titel medizinische  

Massnahmen und Therapien mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit da-

raufhin, unter einer optimalen Behandlung könne die medizinisch-theoreti-

sche Arbeitsfähigkeit erhalten werden. Berufliche Massnahmen "mit einer 

Hilfe bei der Stellensuche in einer geeigneten Tätigkeit" hielt Dr. med. 

B._____ für "empfehlenswert", sofern der Beschwerdeführer die dazu 

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notwendige Motivation zeige (VB 197 S. 21). In seiner Stellungnahme vom 

3. Juni 2024 schloss er sodann, es könne nicht davon ausgegangen wer-

den, dass der Beschwerdeführer "einen direkten Einstieg in eine Arbeit auf 

dem freien Arbeitsmarkt machen [könne]" (VB 212 S. 3). Da gestützt auf 

das Gutachten von Dr. med. B._____ sowie dessen Stellungnahme vom 

3. Juni 2024 noch Eingliederungspotenzial besteht bzw. die von Dr. med. 

B._____ attestierte Arbeitsfähigkeit nicht umgesetzt werden kann, bevor 

geeignete Eingliederungsmassnahmen durchgeführt worden sind, hätte die 

Beschwerdegegnerin nicht über einen allfälligen Rentenanspruch des Be-

schwerdeführers befinden dürfen. Die angefochtene Verfügung ist daher 

aufzuheben und die Sache zur Durchführung von Eingliederungsmassnah-

men und anschliessender Rentenprüfung an die Beschwerdegegnerin zu-

rückzuweisen. 

 

7. 

7.1.  

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, 

dass die angefochtene Verfügung vom 29. Januar 2025 aufzuheben und 

die Sache zur Durchführung von Eingliederungsmassnahmen und an-

schliessender Rentenprüfung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen 

ist. 

 

7.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.  

 

7.3. 

Der durch eine Institution der öffentlichen Sozialhilfe vertretene obsiegende 

Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung 

(BGE 126 V 11). 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom  

29. Januar 2025 aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung im 

Sinne der Erwägungen und zur Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin 

zurückgewiesen.  

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdegegnerin auf-

erlegt.  

 - 9 - 

 

 

3. 

Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

 
 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 22. August 2025 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

1. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Kathriner Meier