# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 28b4994c-85da-5701-b3d0-d6050ac0e64a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2007-03-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.03.2007 D-5354/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5354-2006_2007-03-20.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5354/2006
spn/wer

{T 0/2}

Urteil vom 20. März 2007

Mitwirkung:  Richterin Spälti Giannakitsas, Richter Galliker, Richterin Hirsig-Vouilloz
                    Gerichtsschreiber Weber

B._______, geboren _______, Irak, 
vertreten durch _______, 

Beschwerdeführerin

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,

Vorinstanz

betreffend

Verfügung vom 6. Februar 2006 i.S. Asyl und Wegweisung / _______

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest:

A. Die Beschwerdeführerin verliess ihren Heimatstaat nach eigenen Angaben im Mai 
2004  zusammen  mit  ihrer  Schwester  N.  (D-5355-2006)  sowie  ihrem  Bruder  S. 
(N _______) und gelangte am 3. Juni 2004 von der Türkei  und ihr unbekannten 
Ländern her kommend in die Schweiz, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchte. 
Am  7.  Juni  2004  wurde  sie  im  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum  _______ 
summarisch  befragt.  Am  9.  Juni  2004  wurde  für  sie  aufgrund  ihrer  damaligen 
Minderjährigkeit  ein  Rechtsvertreter  ernannt.  Wegen  geltend  gemachter 
psychischer  Probleme  beziehungsweise  stationärer  psychiatrischer  Behandlung 
konnte die für den 30. Juni 2004 anberaumte Anhörung vorerst nicht stattfinden. 
Schliesslich hörte das Bundesamt die Beschwerdeführerin  am 22.  Oktober 2004 
direkt im Beisein des beigeordneten Rechtsvertreters an. 

B. Anlässlich  der  Befragungen  machte  die  Beschwerdeführerin  -  gemäss  eigenen 
Angaben  eine  Kurdin  aus  _______  -  im  Wesentlichen  geltend,  als  Kind  im 
Familienkreis  sexuell  belästigt  worden zu sein.  Ihr  Vater  sei  Mitglied der Baath-
Partei gewesen. Nach dem Sturz von Saddam Hussein habe er fliehen müssen. In 
der  Folge  hätten  seine  Feinde  bei  ihnen  zuhause  Razzien  durchgeführt,  die 
Anwesenden bedroht  und nach dem Vater gefragt.  Im Zeitraum März/April  2003 
bis August 2003 hätten ungefähr acht bis zehn solche Razzien stattgefunden. An 
diesen seien zum Teil auch die Amerikaner beteiligt gewesen. In Anbetracht dieser 
Sachlage  habe  sich  die  Beschwerdeführerin  zusammen mit  ihrer  Mutter,  mit  N. 
und  ihrem Bruder  S.  im  August  2003  zu  einem  Cousin  ihres  Vaters  respektive 
einem Onkel  ins Dorf  _______ begeben. Besagter  Onkel  habe sie und N. unter 
Drohungen  dazu  zwingen  wollen,  zwei  seiner  Söhne  zu  heiraten.  Sie  sei 
geschlagen  worden.  Einer  der  Söhne habe  versucht,  sie  zu  vergewaltigen.  Ihre 
Mutter sei gezwungen worden, das Haus zu verlassen. Wegen der geschilderten 
Situation habe die Beschwerdeführerin das Haus später  ebenfalls verlassen und 
sei zusammen mit N. und ihrem Bruder S. in die Türkei gereist. Dort hätten sie den 
Kontakt zu S. verloren. 

C. Mit Eingabe vom 29. Oktober 2004 ersuchte der damalige Vertreter der Beschwer-
deführerin das Bundesamt um Akteneinsicht vor Entscheidfällung. 

D. Mit Eingabe vom 14. Januar 2005 gab die Beschwerdeführerin einen Austrittsbe-
richt der Psychiatrischen Klinik _______ vom 10. September 2004, einen weiteren 
Arztbericht  vom  23.  Dezember  2004  und  eine  Entbindungserklärung  (ärztliche 
Schweigepflicht) zu den Akten. 

E. Am  11.  November  2004  liess  die  Vorinstanz  mit  der  Beschwerdeführerin  eine 
Herkunftsanalyse  (Lingua-Expertise)  durchführen.  Ein  entsprechender  Bericht 
wurde am 13. Mai 2005 erstellt und am 6. September 2005 zu den Akten gereicht.

F. Mit Zwischenverfügung vom 27. Januar 2006 gewährte das Bundesamt der Vertre-
tung der Beschwerdeführerin die am 29. Oktober 2004 beantragte Akteneinsicht. 

G. Mit  Verfügung vom 6. Februar  2006 -  eröffnet  am 7.  Februar  2006 - stellte  das 
Bundesamt  fest,  die Beschwerdeführerin  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht, 

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und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung der  Be-
schwerdeführerin aus der Schweiz. Wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs  wurde die Beschwerdeführerin  vorläufig  aufgenommen.  Die  Vorinstanz  be-
gründete  den  ablehnenden  Teil  ihres  Entscheids  damit,  dass  die  von  der  Be-
schwerdeführerin geltend gemachten sexuellen Übergriffe weder in zeitlicher noch 
in sachlicher Hinsicht als kausal für die Ausreise angesehen werden könnten, wes-
halb ihnen keine Asylrelevanz zukomme. Die weiteren Vorbringen seien unglaub-
haft.  Die  Beschwerdeführerin  mache  dieselben  Fluchtgründe  geltend  wie  ihre 
Schwester N. Die Unglaubhaftigkeit dieser Vorbringen sei im N. betreffenden Ent-
scheid ausführlich begründet worden. Entsprechend könnten auch ihre Vorbringen 
nicht geglaubt werden. Im Weiteren entbehrten die Darlegungen der Beschwerde-
führerin jeglicher Substanz. 

H. Mit Beschwerde vom 8. März 2006 (Datum des Poststempels) beantragte die Be-
schwerdeführerin bei der Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) durch ihre 
Vertretung die Zusammenlegung ihres Beschwerdeverfahrens mit demjenigen ih-
rer Schwester N. (D 5355/2006). Die Ziffern 1 - 3 des angefochtenen Entscheids 
seien aufzuheben. Die Sache sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen. Eventualiter sei Asyl zu erteilen. Es sei vollständige Akteneinsicht zu ge-
währen. Der Beschwerdeführerin sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. 
Zur Begründung wurde vorgebracht,  dass der Beschwerdeführerin keine Einsicht 
in  die Verfahrensakten ihres Bruders  S.  gewährt  worden sei.  Diese Akten seien 
vorliegend zur Entscheidfindung verwendet  worden.  Im Gegensatz zu N. sei  sie 
überhaupt nicht auf Widersprüche in ihren Aussagen im Vergleich zu denjenigen 
von S. hingewiesen worden. Eine Heilung dieser Gehörsverletzung auf Beschwer-
deebene sei nicht möglich. Ferner sei anlässlich sämtlicher Anhörungen ein männ-
licher  Dolmetscher  beigezogen  worden.  Die  Beschwerdeführerin  habe  sich  da-
durch  über  frauenspezifische  Fluchtgründe  nicht  frei  äussern  können.  Entspre-
chend sei der Sachverhalt  mangelhaft  abgeklärt  worden.  Eine erneute Anhörung 
sei unabdingbar. Im Weiteren sei die Einsicht in angeblich interne Akten der Vorin-
stanz zu Unrecht verweigert worden. Gemäss ihren Schilderungen werde die Be-
schwerdeführerin wegen der damaligen Tätigkeit ihres Vaters für die Baath-Partei 
behelligt.  In  Anbetracht  der  Situation  vor  Ort  liege  eine  asylrelevante  staatliche 
(Reflex)Verfolgung vor. Die Behelligungen durch den Onkel und dessen Familie in 
Scharia  stellten  eine  geschlechtspezifische  Verfolgung  durch  Dritte  dar,  welche 
wiederum dem Staat  angelastet  werden müsse.  Dies  treffe  entgegen den vorin-
stanzlichen Erwägungen auch für die in der Kindheit erlittenen sexuellen Übergriffe 
zu. Sie habe dabei ihre Jungfräulichkeit verloren und müsse aufgrund der Situation 
vor Ort im Falle einer Eheschliessung nach wie vor damit rechnen, durch den Ehe-
mann deswegen behelligt zu werden. Die angeblichen Widersprüche in den Aussa-
gen der Beschwerdeführerin im Vergleich zu denen ihres Bruders seien mutmass-
lich darauf zurückzuführen, dass S. in Deutschland bewusst falsche Angaben ge-
macht habe, da er nicht dort, sondern in der Schweiz einen Asylantrag hätte stel-
len wollen.  Die einzige Falschaussage der Beschwerdeführerin  beziehe sich auf 
den Zeitpunkt der Einreise in die Schweiz, welche nicht im Juni, sondern bereits 
ungefähr im März 2004 erfolgt sei.  Die übrigen Angaben entsprächen der Wahr-
heit.  Die  vom Bundesamt  aufgelisteten  weiteren  Ungereimtheiten  seien  bei  kor-
rekter  Interpretation  der  Befragungsprotokolle  nicht  vorhanden  beziehungsweise 

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nicht wesentlicher Natur oder auf Übersetzungsprobleme zurückzuführen. Zu prä-
zisieren sei, dass die Beschwerdeführerin nicht bei ihrer Mutter, sondern bei ihrer 
Stiefmutter aufgewachsen sei. 

I. Mit Zwischenverfügung vom 22. März 2006 wies die ARK das Gesuch um Einsicht 
in weitere Verfahrensakten ab.  Diese seien vom Bundesamt zu Recht  als intern 
qualifiziert und nicht ediert worden. Bezüglich der Verfahren der Beschwerdeführe-
rin und ihrer Schwester wurde eine Koordination in Aussicht gestellt. Das Gesuch 
um Verfahrensvereinigung wurde abgewiesen. Die Einsicht in Verfahrensakten des 
Bruders wurde in Form von Protokollauszügen gewährt.  Auf die Erhebung eines 
Kostenvorschusses  wurde verzichtet.  Das Gesuch  im Sinne  von Art.  65  Abs.  1 
VwVG wurde gutgeheissen.

J. Mit Vernehmlassung vom 1. Mai 2006 hielt das Bundesamt an seiner Verfügung 
vollumfänglich fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Die ARK habe 
der  Beschwerdeführerin  am 22.  März  2006 Einsicht  in  die  beigezogenen  Akten 
von S.  gewährt.  Die  Beschwerdeführerin  habe sich darauf  hin nicht  vernehmen 
lassen. Aufgrund der seinerzeitigen Aktenlage habe sodann kein Anlass bestan-
den, die Beschwerdeführerin in einem reinen Frauenteam zu befragen. 

K. Mit Replik vom 17. Mai 2006 wies die Beschwerdeführerin darauf hin, dass ihr mit 
Zwischenverfügung der ARK vom 22.  März 2006 keine Frist  zur  Stellungnahme 
eingeräumt worden sei. Nach auszugsweisem Erhalt der Akten von S. müsse er-
neut darauf hingewiesen werden, dass dieser in Deutschland bewusst falsche An-
gaben gemacht  habe.  Die  Beschwerdeführerin  sei  durch die  Ereignisse  im Irak 
schwer traumatisiert. Ihr vormaliger Rechtsvertreter hätte bei der Anhörung darauf 
bestehen müssen, dass die Beschwerdeführerin durch ein  Frauenteam angehört 
worden wäre. Sie sei bereits zweimal im Rahmen des fürsorgerischen Freiheits-
entzugs in der psychiatrischen Klinik _______ stationär aufgenommen worden. Es 
bleibe bis jetzt unklar, ob die Beschwerdeführerin alle relevanten Ereignisse habe 
darlegen können. Der Eingabe lag eine Kopie des bereits eingereichten Austritts-
berichts der psychiatrischen Klinik _______ vom 10. September 2004 und ein Be-
richt derselben Klinik vom 21. April 2006 bei. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss Art.  31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 
173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen 
nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungs-
verfahren  (VwVG,  SR  172.021),  sofern  keine  Ausnahme  nach  Art.  32  VGG 
vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VGG genannten Behörden. 
Dazu gehören Verfügungen des BFM gestützt  auf  das Asylgesetz  vom 26.  Juni 
1998  (AsylG,  SR 142.31);  das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  in  diesem 
Bereich  endgültig  (Art.  105  AsylG;  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

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1.2 Das Bundesverwaltungsgericht übernimmt, sofern es zuständig ist, am 1. Januar 
2007  die  Beurteilung  der  bei  der  ehemaligen  ARK  hängigen  Rechtsmittel.  Das 
neue Verfahrensrecht ist anwendbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG). 

1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvoll-
ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessen-
heit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

2. Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht; die Beschwerdeführerin ist 
legitimiert  (Art.  6  AsylG  i.V.m.  Art.  48  Abs.  1  und  50  ff.  VwVG).  Auf  die 
Beschwerde ist mithin einzutreten.

3.

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz grundsätzlich Flüchtlingen Asyl. 
Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimat-
staat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  poli-
tischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gel-
ten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, 
die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumin-
dest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht,  wenn die Behörde ihr Vor-
handensein mit  überwiegender Wahrscheinlichkeit  für gegeben hält.  Unglaubhaft 
sind insbesondere  Vorbringen,  die in  wesentlichen Punkten zu wenig  begründet 
oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeb-
lich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).

4.

4.1 Die Beschwerdeführerin beantragt  die Kassation der vorinstanzlichen Verfügung, 
da die Vorinstanz eine nicht heilbare Gehörsverletzungen begangen habe, indem 
die  Einsicht  in  entscheidrelevante  Akten  verweigert  worden  sei,  die 
Begründungspflicht  verletzt  und  schliesslich  der  Sachverhalt  nicht  genügend 
erstellt worden sei.  

4.2 Aufgrund der Protokolle ergeben sich tatsächlich verschiedene Hinweise, die eine 
Befragung  in  einem gleichgeschlechtlichen  Team aufgedrängt  hätten.  Allerdings 
hat  weder  der  anwesende  Vertreter  der  Beschwerdeführerin  noch  die 
Hilfswerkvertretung Einwände gegen die Anhörung angebracht. Insbesondere aber 
verzichtete  die  Beschwerdeführerin  selber  ausdrücklich,  ihre  Fluchtgründe  in 
einem männerfreien Befragungsteam vortragen zu können (A 25/21, S. 8 und 21). 
Sie empfand offenbar  eine erneute Vorladung als  zu belastend,  was angesichts 
des  schlechten  psychischen  Zustands  der  Beschwerdeführerin  nachvollziehbar 
erscheint.  Ein entsprechendes Vorgehen beziehungsweise der  Verzicht  auf  eine 
ergänzende Befragung  durch die Vorinstanz  lässt  sich dann rechtfertigen,  wenn 
der  Sachverhalt  als  genügend  erstellt  erscheint.  Zweifellos  war  die 
Beschwerdeführerin nicht in der Lage, über ihre schrecklichen Erlebnisse in ihrer 
Kindheit  im  Detail  zu  berichten.  Nachdem  die  Glaubhaftigkeit  dieser  Ereignisse 

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jedoch nicht in Frage gestellt  wurde, durfte die Vorinstanz - nicht zuletzt auch im 
Interesse  der  Beschwerdeführerin  -  auf  eine  ergänzende  Befragung  verzichten. 
Auch in Bezug auf die versuchten Übergriffe  des Cousins kurz vor der Ausreise 
erscheint der Sachverhalt im Sinne der nachfolgenden Erwägungen als genügend 
erstellt.  Selbst  wenn  die  Beschwerdeführerin  entsprechende  Übergriffe  erlebt 
haben sollte, vermöchte dies angesichts der im Übrigen unglaubhaften Vorbringen 
keine  asylrechtlich  relevante  Verfolgung  zu  begründen.  Die  Vorinstanz  durfte 
demnach zu Recht vom genügend erstellten Sachverhalt  ausgehen, weshalb der 
Antrag  auf  Rückweisung  und erneute  Befragung  abzuweisen  ist.  Anzufügen  ist, 
dass  dem  Protokoll  der  Bundesanhörung  entgegen  den  Beschwerdevorbringen 
keine  Hinweise,  wonach  auf  die  Übersetzung  zurückzuführende 
Verständigungsprobleme  aufgetreten  seien,  zu  entnehmen  sind;  die 
Beschwerdeführerin muss sich somit bei ihren Aussagen behaften lassen (vgl. A 
25/21, S. 16 oben). 

4.3 Auch der Vorwurf  der mangelnden Begründung trifft  ins Leere.  Es ergeben sich 
keine Hinweise darauf, die Vorinstanz habe Umstände, die für die Glaubhaftigkeit 
sprechen würden, nicht genügend berücksichtigt.

4.4 Aufgrund  der  allgemeinen  verwaltungsrechtlichen  Doktrin  sind  Asylsuchende 
praxisgemäss mit den Aussagen anderer Personen zu konfrontieren, sofern diese 
den  eigenen  Angaben  in  wesentlichen  Punkten  widersprechen.  Die 
Beschwerdeführerin  wurde anlässlich  ihrer  Anhörung mit  den Widersprüchen zu 
den  Aussagen  der  Schwester  konfrontiert,  dagegen  nicht  mit  denjenigen  des 
Bruders  S.  Im  vorliegenden  Verfahren  vermag  dies  jedoch  nicht  wie  bei  der 
Schwester  N.  zu  einem  (heilbaren)  Verfahrensmangel  zu  führen,  zumal  in  der 
angefochtenen  Verfügung  die  entsprechenden  Widersprüche  nicht  direkt  als 
Unglaubhaftigkeitsmerkmal vorgebracht wurden. Zwar werden diese Widersprüche 
durch die Feststellung der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid, die Aussagen 
von  N.  seien  wegen  Abweichungen  zu  Aussagen  von  S.  unglaubhaft,  indirekt 
relevant. Dies betrifft aber Widersprüche zwischen den Aussagen von N. und S., 
mit  denen  die  Beschwerdeführerin  als  Dritte  ohnehin  nicht  hätte  vorgängig 
konfrontiert  werden  können.  Diesem  Umstand  wurde  sodann  im  Verfahren  der 
Schwester,  das  mit  heutigem  Datum  ebenfalls  abgeschlossen  wird,  genügend 
Rechnung getragen. Auf Beschwerdeebene wurden die entsprechenden Aussagen 
von  S.  sodann  offengelegt.  Von  einer  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  ist 
demnach nicht auszugehen. Schliesslich wurde bereits mit Zwischenverfügung der 
ARK vom 22. März 2006 die Einsicht in die vorinstanzlichen Akten A6/1, A 19/1, A 
20/1,  A 32/1 und A 37/2 zu Recht  verweigert;  auf  die dortige Begründung kann 
verwiesen werden. 

4.5 Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  der  Antrag  auf  Kassation  und 
Rückweisung an die Vorinstanz abzuweisen ist.

5.

5.1 Die  Vorinstanz  ging  sodann  zu  Recht  von  der  fehlenden  Glaubhaftigkeit  der 
Vorbringen aus. Die Glaubhaftigkeit  der Vorbringen der Beschwerdeführerin wird 
bereits dadurch entscheidend beeinträchtigt,  dass die Aussagen ihrer Schwester 
und Fluchtgefährtin N. mit Urteil heutigen Datums vom Bundesverwaltungsgericht 
ebenfalls  für  unglaubhaft  erachtet  werden.  Auch  blieben  die  Vorbringen  der 

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Beschwerdeführerin  insgesamt  vage,  unsubstanziiert  und  zum  Teil  ungereimt. 
Diesbezüglich  kann  auf  die  Ausführungen  der  Vorinstanz  verwiesen  werden, 
denen  in  der  Beschwerdeschrift  nichts  stichhaltiges  entgegengebracht  werden 
konnte.  Zu  berücksichtigen  ist  zwar  der  schlechte  Gesundheitszustand  der 
Beschwerdeführerin und ihr im Zeitpunkt der Befragungen noch jugendliches Alter. 
Wäre sie aber tatsächlich aus den von ihr und ihrer Schwester genannten Gründen 
aus dem Heimatland ausgereist, hätte gleichwohl eine Schilderung der Ereignisse, 
welche  eher  den  Eindruck  von  tatsächlich  Erlebtem  in  der  geltend  gemachten 
Form  vermittelt  haben  würde,  erwartet  werden  können.  Ein  solcher  Eindruck 
entsteht  jedoch  nach  Durchsicht  ihrer  Befragungsprotokolle  auch  in  Anbetracht 
ihrer  vorerwähnten  Situation  nicht.  So muten  ihre  Schilderungen  zu Beginn  der 
Anhörung ausgesprochen vage an, und die Vermutung, dass sie sich im geltend 
gemachten  Zeitraum  gar  nicht  vor  Ort  aufhielt,  erfährt  bereits  in  diesem  Lichte 
besehen  eine  gewisse  Berechtigung  (A  25/21,  S.  2  f.).  Ihre  Schilderung  der 
Razzia,  anlässlich welcher S. hätte mitgenommen werden sollen,  ist  sodann als 
realitätsfremd zu bezeichnen. Da alle zu weinen begonnen hätten, habe ihr Bruder 
schliesslich  nicht  mitgehen  müssen  (A  25/21,  S.  6).  Sollten  aufgrund  der 
angeblichen Führungsfunktion des Vaters der Beschwerdeführerin bei der Baath-
Partei  tatsächlich  dessen  Gegner  vorgesprochen  haben,  hätten  sie  sich  allein 
wegen  des  Weinens  der  Anwesenden  kaum  von  ihrem  Vorhaben  abbringen 
lassen, zumal der Vater der Beschwerdeführerin gemäss Schilderungen von N. an-
geblich  viele  Personen  ermordet  haben  soll.  Schliesslich  vermochte  die 
Beschwerdeführerin auch den Zwang der Familie zur Heirat in der vorgebrachten 
Form  nicht  glaubhaft  zu  machen.  Dabei  fällt  auf,  dass  die  Beschwerdeführerin 
nicht  in  der  Lage  war,  den  Ort  ihres  Aufenthaltes  zu  beschreiben,  den 
Familienverband  im  Vergleich  zu  ihrer  Schwester  übereinstimmend  darzustellen 
oder den Namen des für sie bestimmten Ehemannes zu nennen. Auch dass die 
Mutter, ohne sich zu verabschieden, gegangen sei und die Kinder ohne Nachricht 
gelassen haben soll, ist nicht nachvollziehbar. Einmal führt die Beschwerdeführerin 
dann  auch  recht  vage  aus,  der  Onkel  habe  gesagt  "nach  islamischen  Gesetz 
dürften sie nicht bei ihm bleiben, wenn sie nicht einen der Söhne heirateten" (A 
25/21 S. 9), was nicht auf einen Zwang im Sinne des Asylrechts hinweist.  Auch 
dass  der  Beschwerdeführerin  und  ihren  Geschwistern  unter  den  gegebenen 
Umständen  die  Flucht  derart  leicht  gelungen  wäre,  ist  nicht  glaubhaft.  Die 
eingereichten  Berichte  der  Klinik  _______  vom  10.  September  2004  sowie  21. 
April  2006  und  die  weiteren  ärztlichen  Unterlagen  rechtfertigen  keine  andere 
Einschätzung  der  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin,  zumal  sich  die  darin 
enthaltenen  Aussagen  nur  in  beschränktem  Umfang  auf  die  fluchtauslösenden 
Ereignisse  beziehen  und  Arztzeugnisse  grundsätzlich  nur  das  Bestehen  einer 
psychischen  Krankheit  feststellen  können,  nicht  jedoch  deren  Ursache. 
Möglicherweise haben sich  gewisse Zwiste  und Vorfälle  in  der Grossfamilie  der 
Beschwerdeführerin tatsächlich ereignet, und die von ihr ferner erwähnte desolate 
Sicherheitslage im Irak ist unbestritten. Solchen Umständen ist jedoch im Rahmen 
des  Wegweisungsvollzugs  Rechnung  zu  tragen.  Die  von  ihr  geschilderte 
zielgerichtete Verfolgung wegen der angeblichen politischen Vergangenheit  ihres 
Vaters  vermochte  die  Beschwerdeführerin  nach  dem  Gesagten  indes  ebenso 
wenig  glaubhaft  zu  machen  wie  die  Behelligungen  in  der  Grossfamilie  vor  der 
Ausreise in der geltend gemachten Form. 

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5.2 Bezüglich  der  geltend  gemachten  Erlebnisse  in  der  Kindheit  ist  folgendes 
festzuhalten: Die damaligen sexuellen Übergriffe von Freunden des Vaters auf die 
Beschwerdeführerin sind, wie bereits erwähnt, nicht in Zweifel zu ziehen und es ist 
mehr als nachvollziehbar, dass die psychische Verarbeitung solcher Erlebnisse die 
Beschwerdeführerin schwer belasten. Die erwähnten Übergriffe durch Dritte lagen 
im  Zeitpunkt  der  Ausreise  jedoch  bereits  viele  Jahr  zurück  und  waren 
abgeschlossen.  Die  Ausreise  hat  nicht  stattgefunden,  weil  sich  die 
Beschwerdeführerin aufgrund dieser Ereignisse weiterhin bedroht fühlte. Damit ist 
der  Kausalzusammenhang  klar  unterbrochen  und es  kann diesbezüglich  bereits 
deshalb nicht von einer asylrechtlich relevanten Verfolgung ausgegangen werden. 
Dass  die  Beschwerdeführerin  deswegen  seitens  eines  möglichen  zukünftigen 
Ehemannes Probleme bekommen könnte, ist zu hypothetisch, als dass in diesem 
Sinne eine objektiv begründete Furcht angenommen werden könnte. Schliesslich 
ist  darauf  hinzuweisen,  dass  dem  schlechten  Gesundheitszustand  der 
Beschwerdeführerin  im  Rahmen  des  Wegweisungsvollzug  Rechnung  getragen 
wird.

5.3 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erübrigt es sich, auf die weiteren Ausfüh-
rungen in der Beschwerde im Einzelnen einzugehen, weil sie am Ergebnis nichts 
ändern  können.  Unter  Berücksichtigung der  gesamten Umstände folgt,  dass  die 
Beschwerdeführerin  keine Gründe nach Art.  3 AsylG nachweisen oder glaubhaft 
machen konnte. Das Bundesamt hat ihr Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 

6. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; da-
bei  ist  der Grundsatz der Einheit  der Familie  zu berücksichtigen (Art.  44 Abs.  1 
AsylG). Ist der Vollzug der Wegweisung nicht möglich, nicht zulässig oder nicht zu-
mutbar,  so regelt  das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis  nach den gesetz-
lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 
2 AsylG; Art. 14a Abs. 1 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung 
der Ausländer [ANAG, SR 142.20]). 

7. Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine fremdenpolizeiliche Aufenthalts-
bewilligung  noch  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung 
wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; Entscheidungen und 
Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 

8. Die Vorinstanz hat die Beschwerdeführerin in der angefochtenen Verfügung wegen 
Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  vorläufig  aufgenommen.  Angesichts 
dieses Umstandes erübrigen sich zur Zeit Erwägungen zur Zulässigkeit, Zumutbar-
keit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs.

9. Aus diesen Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundes-
recht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig fest-
stellt  und angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde  ist  nach  dem Ge-
sagten abzuweisen.

10. Bei  diesem Ausgang  des Verfahrens  wären  die  Kosten  der  Beschwerdeführerin 
aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG)  und auf  insgesamt  Fr.  600.--  festzusetzen 
(Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 2 und 3 des Reglements über die Kosten 
und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  vom  20.  April  2006 

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[VGKE]). Nachdem ihr Gesuch im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischen-
verfügung vom 22. März 2006 gutgeheissen wurde, ist von der Kostenauflage ab-
zusehen. 

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3. Dieses Urteil geht an:

- die  Beschwerdeführerin  durch  Vermittlung  ihrer  Vertretung,  2  Expl.  (einge-
schrieben)

- die  Vorinstanz,  Abteilung  Aufenthalt  und  Rückkehrförderung,  mit  den  Akten 
(Kopie; Ref.-Nr. _______)

- _______

Die Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber

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