# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 88c5e391-2573-5d2e-b7a1-21aa7e4cc1ee
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-08-19
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 19.08.2021 VG.2021.00043 (VG.2021.1069)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2021-00043_2021-08-19.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 19. August 2021

  
	
   

  
	
   

  
	
  II. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2021.00043

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführerin

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch Rechtsanwalt B.______

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
    (Suva)

    	
    Beschwerdegegnerin

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch Rechtsanwalt C.______

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  UVG-Leistungen

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung: 

  
	
  I.

  
	
  1.

  
	
  1.1 D.______ sel., geboren am […], arbeitete in den
  Jahren 1990 und 1991 bei der E.______AG und war dabei bei der Suva gegen die
  Folgen von Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten
  versichert. In der Folge kehrte er ins Land F.______ zurück, wo er zeitweise
  als Land- und Lagerarbeiter tätig war. Am 20. Mai 2016 verstarb er im
  Land F.______.

  
	
   

  
	
  1.2 A.______, die
  Witwe von D.______ sel., wandte sich mit Schreiben vom 22. Februar
  2019 an die Suva und beantragte Leistungen der Unfallversicherung. Die Suva
  wies das Leistungsbegehren am 2. Juli 2020 ab, wogegen A.______ am 10. Juli 2020 vorsorglich Einsprache
  erhob. In der Folge wies die Suva die Einsprache am 15. September 2020
  ab, hob diesen Entscheid am 16. September 2020 allerdings wieder auf. Nachdem
  A.______ am 9. Oktober 2020 an ihrer Einsprache festgehalten und eine
  Begründung nachgereicht hatte, wies die Suva die Einsprache am 20. April 2021
  abermals ab.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  A.______ gelangte am 26.
  Mai 2021 ans Verwaltungsgericht und
  beantragte die Aufhebung des Einspracheentscheids vom 20. April 2021 sowie
  die Rückweisung der Angelegenheit an die Suva im Sinne der Erwägungen; unter
  Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Suva.

  
	
   

  
	
  Die Suva schloss am 21.
  Juni 2021 auf Abweisung der Beschwerde.

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  Das Verwaltungsgericht ist
  gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
  i.V.m. Art. 58 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
  Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG) i.V.m. Art. 1 des
  Einführungsgesetzes zum Bundesgesetz über die Unfallversicherung vom 3. Mai
  2009 (EG UVG) zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Da auch
  die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde
  einzutreten.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die
  Beschwerdegegnerin habe den Sachverhalt ungenügend abgeklärt. So sei
  unbewiesen, dass D.______sel. sämtliche Tätigkeiten bei der E.______AG, bei
  welchen er mit Asbest in Kontakt gewesen sei, ab Mai 1990 effektiv
  eingestellt habe. Die Beschwerdegegnerin habe diese Annahme denn auch einzig
  auf die Angaben der Personaldirektorin der E.______AG gestützt, wobei sie
  sowohl das Arbeitsvolumen zu dieser Zeit als auch den tatsächlichen
  Arbeitsort von D.______sel. ausser Acht gelassen habe. Die Organisation am
  Arbeitsplatz und die dortigen Schutzmassnahmen habe sodann auch G.______,
  Abteilung Arbeitssicherheit/Gesundheitsschutz, bei seiner Beurteilung der
  berufsbedingten Asbestfaserexposition nicht berücksichtigt. Darüber hinaus
  habe Letzterer die genauen Expositionszeiten nicht nennen können, sondern sei
  pauschal von einem Worst-Case-Szenario ausgegangen, was nicht stimmig sei.
  Schliesslich sei die medizinische Beurteilung von
  Dr. med. H.______, Fachärztin für Innere Medizin, Pneumologie und
  Arbeitsmedizin, ebenfalls falsch, weshalb die Beschwerdegegnerin ein
  Gutachten bei einer externen Fachperson hätte einholen müssen.

  
	
   

  
	
  2.2 Die Beschwerdegegnerin führt aus, sie habe den
  Sachverhalt hinreichend abgeklärt, indem sie die Akten einerseits durch die
  Abteilung Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz und andererseits durch eine
  Arbeitsmedizinerin habe prüfen lassen. Aus der diesbezüglichen Beurteilung
  habe sich mangels anderslautenden medizinischen Einschätzungen klar ergeben,
  dass keine asbestbedingte Berufskrankheit anzunehmen sei. Sodann habe sie, die
  Beschwerdegegnerin, die Arbeitsverhältnisse von D.______sel. zwischen 1978
  und 1991 genau beleuchtet und sei zu Gunsten der Beschwerdeführerin jeweils
  von einem Worst-Case-Szenario ausgegangen, wenn keine eindeutigen Resultate
  hätten beschafft werden können. Die Einholung von Auskünften sei im
  vorliegenden Fall äusserst schwierig gewesen und habe über die ehemaligen
  Arbeitgeber erfolgen müssen. Die Beschwerdeführerin vermöge diese Abklärungen
  nicht zu widerlegen. Darüber hinaus beschränke sie sich in ihrer Beschwerde
  weitgehend auf Bemerkungen zur Firma E.______AG. Hierbei genüge es nicht,
  dass sie lediglich ergänzende Fragen stelle und die eingeholten Auskünfte
  pauschal bestreite. Ferner sei nicht massgebend, wo und wann Asbest verboten
  worden sei. Vielmehr sei eine einzelfallbezogene Einschätzung vorzunehmen.
  Schliesslich habe die Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht
  nicht aufgezeigt, ob D.______sel. im Land F.______ nach 1991 Tätigkeiten mit
  einer allfälligen Asbestexposition nachgegangen sei. Dies müsse folglich
  offen bleiben. Insgesamt lege die Beschwerdeführerin nicht substantiiert dar,
  inwiefern die Einschätzung, wonach keine asbestbedingte Berufskrankheit
  vorliege, rechtswidrig sei.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, werden
  gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen,
  Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt. Die Berufskrankheiten sind
  von ihrem Ausbruch an einem Berufsunfall gleichgestellt, ausser wenn das
  Gesetz etwas Abweichendes vorsieht (Art. 9 Abs. 3 UVG). Als Berufskrankheiten
  gelten Krankheiten (Art. 3 ATSG), die bei der beruflichen Tätigkeit
  ausschliesslich oder vorwiegend durch schädigende Stoffe oder bestimmte
  Arbeiten verursacht worden sind. Der Bundesrat erstellt die Liste dieser
  Stoffe und Arbeiten sowie der arbeitsbedingten Erkrankungen (Art. 9 Abs. 1
  UVG). Die schädigenden Stoffe und arbeitsbedingten Erkrankungen sind im
  Anhang 1 der Verordnung über die Unfallversicherung vom 20. Dezember
  1982 (UVV) aufgeführt. Dabei wird "Asbeststaub" als schädigender
  Stoff genannt.

  
	
   

  
	
  3.2 Stirbt der Versicherte an den Folgen des Unfalls
  (bzw. der Berufskrankheit), so haben gemäss Art. 28 UVG der überlebende
  Ehegatte und die Kinder Anspruch auf Hinterlassenenrenten. Der überlebende
  Ehegatte hat nach Art. 29 Abs. 3 UVG Anspruch auf eine Rente, wenn er
  bei der Verwitwung eigene rentenberechtigte Kinder hat oder mit anderen durch
  den Tod des Ehegatten rentenberechtigt gewordenen Kindern in gemeinsamem
  Haushalt lebt oder wenn er mindestens zu zwei Dritteln invalid ist oder es
  binnen zwei Jahren seit dem Tode des Ehegatten wird. Die Witwe hat zudem
  Anspruch auf eine Rente, wenn sie bei der Verwitwung Kinder hat, die nicht
  mehr rentenberechtigt sind, oder wenn sie das 45. Altersjahr zurückgelegt
  hat; sie hat Anspruch auf eine einmalige Abfindung, wenn sie die
  Voraussetzungen für den Anspruch auf eine Rente nicht erfüllt.

  
	
   

  
	
  3.3 Der Anspruch auf eine Hinterlassenenrente
  gemäss Art. 28 UVG setzt voraus, dass zwischen Unfall oder Berufskrankheit
  des Verstorbenen und dessen Tod ein natürlicher und adäquater
  Kausalzusammenhang besteht. Für die Bejahung der natürlichen Kausalität
  zwischen Unfall oder Berufskrankheit und schädigendem Ereignis (Krankheit,
  Invalidität, Tod) reicht praxisgemäss ein bloss teilweise gegebener
  Ursache-Wirkungszusammenhang aus. Dabei genügt der Beweisgrad der
  überwiegenden Wahrscheinlichkeit; ein strikter Beweis im
  medizinisch-wissenschaftlichen Sinn ist nicht zwingend erforderlich. Als
  adäquate Ursache eines Erfolgs hat ein Ereignis im Allgemeinen dann zu
  gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen
  Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des
  eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolgs also durch das Ereignis
  allgemein als begünstigt erscheint (BGer-Urteil U 272/02 vom 28. Mai
  2003 E. 1.2). 

  
	
   

  
	
  3.4 Der Versicherungsträger prüft die Begehren, nimmt
  die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen
  Auskünfte ein (Art. 43 Abs. 1 ATSG). Dabei darf er auch den Sachverstand
  verwaltungsinterner (medizinischer) Fachpersonen einbeziehen. Bezüglich der
  Berichte versicherungsinterner Fachpersonen gilt der Grundsatz, wonach ein
  Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf
  mangelnde Objektivität oder Befangenheit schliessen lässt. Bestehen jedoch
  auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit, sind ergänzende Abklärungen
  vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 135 V 465 E. 4.2 und 4.4). 

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Die Beschwerdeführerin führte in ihrer Anmeldung zum
  Leistungsbezug vom 22. Februar 2019 aus, ihr verstorbener Ehemann habe
  von 1958 bis 1991 in der Schweiz gearbeitet. Von 1978 bis 1989 sei er bei der
  Firma I.______ in […] tätig gewesen, wo er für den Bau von […]-Dächern
  eingesetzt worden sei. Sodann habe er in den Jahren 1990 und 1991 für die
  E.______AG in […] und von 1978 bis 1995 für insgesamt etwa 30 Tage im
  Land F.______ als Lagerist gearbeitet. Jahre nach seiner Rückkehr ins Land
  F.______ sei er schwer an Lungenkrebs erkrankt und 2016 schliesslich
  verstorben. Die Krankheit, welche zum Tode geführt habe, sei unzweifelhaft
  auf die berufliche Tätigkeit bei der E.______AG zurückzuführen, da er bei
  dieser Asbest ausgesetzt gewesen sei.

  
	
   

  
	
  4.2 Dr. H.______ führte am 10. Juli 2019 gestützt
  auf die im Recht liegenden medizinischen Berichte aus, dass D.______sel. an
  einem Bronchuskarzinom gelitten habe. Um die Frage des Vorliegens einer
  Berufskrankheit beantworten zu können, seien weitere Angaben und eine
  Histologie notwendig. Überdies sei bei der E.______AG zur Quantifizierung der
  Asbestexposition ein Pflichtenheft von D.______sel. einzuholen.

  
	
   

  
	
  4.3 Am 9. August 2019 gab die Leiterin Personal der
  E.______AG gegenüber der Beschwerdegegnerin an, dass D.______sel. vom 5. März
  1990 bis zum 31. Dezember 1991 für die E.______AG tätig gewesen sei. Er
  habe in den Bereichen Wellplatten-Fräse und Auto-Spedition gearbeitet, wo er
  für das Fräsen von Ausschussplatten, für die Rückgewinnung des guten
  Materials für den Verkauf sowie für die Kontrolle der Platten auf Zustand,
  Dicke sowie Farbe eingesetzt worden sei.

  
	
   

  
	
  4.4 Die erste technische Expositionsbeurteilung
  erfolgte durch G.______. In seinem diesbezüglichen Bericht vom 14. April
  2020 weist er darauf hin, dass im Jahr 1958 und in den Jahren 1960 bis 1977
  keine Arbeitgeberin dokumentiert sei. Einzig für das Jahr 1959 gebe es einen
  Vermerk, dass D.______sel. für die J.______AG tätig gewesen sei. Es sei
  möglich, dass er in dieser Zeit mit Asbest in Kontakt gekommen sei. Genauere
  Expositionszeiten in Abhängigkeit der Tätigkeiten seien allerdings nicht
  bekannt, weshalb keine Angabe der berufsbedingten Asbestfaserexposition für
  die Jahre 1958 bis 1977 gemacht werden könne. Sodann sei D.______sel. von
  1978 bis im Februar 1990 bei der Firma I.______ in […] angestellt gewesen, wo
  er typischerweise während zehn Monaten pro Jahr bzw. insgesamt 119 Monate
  gearbeitet habe. Da keine genaueren Expositionszeiten bekannt seien, sei von
  einem Worst-Case-Szenario auszugehen und folglich die Expositionszeiten eines
  Dachdeckers zugrunde zu legen. Daraus ergebe sich eine Expositionszeit von
  5,3 Faserjahren. Vom März 1990 bis Ende 1991 sei er schliesslich für die
  E.______AG tätig gewesen, wobei auf die Angaben der Leiterin Personal
  abgestellt werden könne. Mit Blick auf die Messresultate bei der
  Hartabfall-Aufbereitung ergebe sich für die Anstellungsdauer von D.______sel.
  eine zusätzliche Expositionszeit von 0,2 Faserjahren, da erneut keine
  genaueren Expositionszeiten in Abhängigkeit zur effektiven Tätigkeit vorhanden
  seien und somit erneut von einem Worst-Case-Szenario auszugehen sei. Im
  Ergebnis liege somit eine gesamthafte Expositionszeit von
  5,5 Faserjahren vor, wobei die Beschwerdeführerin selbst angebe, dass
  ihr verstorbener Ehemann nur bei der I.,______ und bei der E.______AG
  Asbestkontakt gehabt habe.

  
	
   

  
	
  4.5 Am 30. April 2020 kam Dr. H.______ zum Schluss,
  die Voraussetzungen zur Übernahme des Bronchuskarzinoms als Berufskrankheit
  gemäss den Helsinki-Kriterien seien nicht erfüllt. Die Asbestexposition von
  insgesamt 5,5 Faserjahren sei dafür nicht ausreichend. Es fänden sich
  auch keine Hinweise für das Vorliegen einer Pleurafibrose oder einer
  Asbestose.

  
	
   

  
	
  4.6 Am 4. Oktober 2020 führte K.______ unter anderem
  aus, dass sein Bruder, D.______sel., ab 1965 bei der Firma L.______
  Bedachungen und anschliessend bei der Firma I.______ Bedachungen gearbeitet
  habe.

  
	
   

  
	
  4.7 Nachdem die Beschwerdegegnerin bei den
  Ausgleichskassen Bern sowie Glarus weitere Informationen über frühere
  Arbeitsverhältnisse von D.______sel. eingeholt hatte, beurteilte G.______
  erneut die technische Exposition. Im Bericht vom 31. März 2021 führte er
  aus, dass D.______sel. im Jahr 1958 bei einem Landwirt im Kanton Bern
  gearbeitet habe, wobei davon auszugehen sei, dass er in dieser Tätigkeit
  keinen Kontakt mit Asbest gehabt habe. Im Jahr 1959 habe er für sieben Monate
  bei der Firma J.______AG gearbeitet, wobei keine genauen Expositionszeiten in
  Abhängigkeit der Tätigkeiten bekannt seien. Da jedoch auch Tätigkeiten mit
  Asbestzement denkbar seien, sei von vergleichbaren Bedingungen wie bei der
  Dachdeckertätigkeit auszugehen, womit sich eine Asbestfaserexposition von
  0,3 Faserjahren ergebe. Hinzuzuzählen seien überdies die früher nicht
  berücksichtigten Arbeiten für die Firma L.______ Bedachungen in der Zeit von
  1961 bis 1977. Gestützt auf den BK-Report Faserjahre des
  Hauptverbandes der deutschen Berufsgenossenschaften liege eine diesbezüglich
  zusätzliche Asbestfaserexposition von 6,5 Faserjahren vor. Unter
  Verwendung von Worst-Case-Szenarien ergebe sich eine kumulative,
  berufsbedingte Asbestfaserexposition von insgesamt 12,4 Faserjahren.

  
	
   

  
	
  4.8 Am 14. April 2021 nahm Dr. H.______ erneut
  Stellung und wies darauf hin, die fehlenden Arbeitgeberdaten hätten
  komplettiert und neue Asbestexpositionen hätten neu berücksichtigt werden
  können. Unter Verwendung von Worst-Case-Szenarien habe sich eine kumulative,
  berufsbedingte Asbestfaserexposition von 12,4 Faserjahren ergeben, was
  nicht ausreichend sei um ein radiologisch wahrscheinliches und histologisch
  nicht bestätigtes Lungenkarzinom als asbestbedingte Berufskrankheit
  übernehmen zu können.

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1 Die Beschwerdegegnerin orientiert sich bezüglich der
  Frage, ob ein Bronchuskarzinom durch eine berufliche Asbestexposition
  verursacht wurde, an den sogenannten "Helsinki-Kriterien". Sie
  anerkennt eine Berufskrankheit demnach, wenn eine der folgenden
  Voraussetzungen erfüllt ist (SUVA, Factsheet Asbestbedingte
  Berufskrankheiten, S. 7 f.): eine kumulative Asbestdosis von
  mindestens 25 Faserjahren gemäss Arbeitsanamnese; bestimmte Befunde der
  Lungenstaubanalyse; eine Asbestose; bilaterale, diffuse, mit überwiegender
  Wahrscheinlichkeit asbestinduzierte Pleuraverdickungen. Ein Faserjahr
  entspricht dabei einer einjährigen arbeitstäglich achtstündigen Einwirkung
  von 1 Mio. Asbestfasern pro Kubikmeter (entsprechend einer Asbestfaser
  pro Kubikzentimeter) der kritischen Abmessungen (Länge > 5 µm,
  Durchmesser < 3 µm, Länge-zu-Durchmesser-Verhältnis mindestens 3:1)
  bei 240 Arbeitstagen (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung [DGUV],
  BK-Report 1/2013, Faserjahre, S. 52, www.dguv.de, zuletzt besucht am
  19. August 2021).

  
	
   

  
	
  Da das Risiko für die
  Verursachung eines Lungenkrebses durch Asbest und Rauchen überadditiv ist,
  können die beiden Faktoren im Einzelfall nicht gegeneinander abgewogen
  werden. Das Rauchen wird deshalb bei der Kausalitätsbeurteilung nicht
  berücksichtigt, d.h. sind die Helsinki-Kriterien erfüllt, gelten die
  Voraussetzungen zur Anerkennung als Berufskrankheit als erfüllt – unabhängig
  davon, ob der Versicherte geraucht hat oder nicht (Suva, Factsheet,
  S. 8).

  
	
   

  
	
  Das Bundesgericht hat in
  BGE 133 V 421 E. 7.1 offengelassen, ob die Grenze von 25 Faserjahren
  aufgrund der jüngeren wissenschaftlichen Entwicklungen weiterhin als
  massgebend anzusehen sei. Im Urteil 8C_67/2010 vom 8. Juni 2010
  E. 4.4 (publiziert in SVR 2011 UV Nr. 3) hat es erwogen, dass
  es sich als sachgerecht erweise, wenn sich die Beschwerdegegnerin weiterhin
  an den Helsinki-Kriterien orientiere (vgl. dazu auch BGer-Urteil
  8C_668/2012 vom 26. Februar 2013 E. 7.2).

  
	
   

  
	
  5.2 Vorliegend ist unbestritten, dass sich bei
  D.______sel. weder Hinweise auf eine
  Asbestose noch auf eine Pleurafibrose fanden. Eine solche Diagnose lässt sich
  denn auch nicht aus den im Recht liegenden medizinischen Berichten entnehmen. Des Weiteren kann
  entgegen dem Hinweis der Beschwerdeführerin in ihrer Meldung vom
  22. Februar 2019 auch nicht auf den Bericht von Dr. M.______
  abgestellt werden, setzt sich dieser doch weder mit den Voraussetzungen für
  die Anerkennung eines Bronchuskarzinoms als Berufskrankheit auseinander noch
  zog er seine Schlussfolgerungen unter Berücksichtigung der
  Helsinki-Kriterien. Sodann liegt keine Lungenstaubanalyse vor und nach
  Angaben der Beschwerdeführerin sei kein histologischer Befund erhoben worden.
  Schliesslich ist mangels Angaben der Beschwerdeführerin, deren Beibringung
  ihr im Rahmen der Mitwirkungspflicht gemäss Art. 61 lit. c ATSG
  ohne Weiteres zumutbar gewesen wären (vgl. dazu BGer-Urteil 8C_668/2012 vom
  26. Februar 2013 E. 6.2), davon auszugehen, dass D.______sel. nach
  seiner Rückkehr ins Land F.______ nicht mehr einer Tätigkeit mit
  Asbestexposition nachging.

  
	
   

  
	
  Mit Blick auf die
  Helsinki-Kriterien ergibt sich als Zwischenfazit, dass die arbeitshygienische
  Einschätzung massgebend ist bzw. ein Leistungsanspruch im vorliegenden
  Fall nur dann besteht, wenn bei D.______sel.
  eine kumulative Asbestdosis von
  mindestens 25 Faserjahren vorlag.

  
	
   

  
	
  5.3

  
	
  5.3.1 Im Rahmen ihrer Untersuchungspflicht (vgl. Art. 43
  ATSG) hat die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt so zu erstellen, dass der
  Leistungsanspruch beurteilt werden kann. Wesentlich ist dabei die Ermittlung
  der Art, Dauer und Intensität der versicherten Tätigkeit mit
  Asbesteinwirkung. Dazu hat sie den Versicherten zu befragen, wenn er noch
  lebt. Auch erweist es sich als naheliegend, dass sie Auskünfte beim
  Arbeitgeber und bei Arbeitskollegen einholt.

  
	
   

  
	
  5.3.2 Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, die
  Beschwerdegegnerin habe den Sachverhalt nur ungenügend abgeklärt, ist ihr
  nicht zu folgen. Vielmehr ergibt sich aus den Akten, dass Letztere nach der
  technischen Expositionsbeurteilung ihres Fachexperten vom 14. April 2020 und
  der medizinischen Einschätzung von Dr. H.______ vom 30. April 2020
  weitere Abklärungen vornahm und bemüht war, sämtliche verfügbaren Auskünfte
  betreffend frühere Arbeitsverhältnisse von D.______sel. einzuholen. In diesem
  Rahmen komplettierte sie mit Hilfe der Archivdaten der Ausgleichskassen Bern
  und Glarus insbesondere die fehlenden Daten des IK-Auszuges, womit bei der
  zweiten technischen Expositionsbeurteilung unter Berücksichtigung sämtlicher
  Arbeitszeiten die kumulativen, berufsbedingten Asbestexpositionen errechnet
  werden konnten. Dabei stellte der Gutachter für den Fall, dass keine genauen
  Expositionszeiten in Abhängigkeit zur jeweiligen Tätigkeit eruiert werden konnten,
  auf ein Worst-Case-Szenario ab. Dies ist entgegen der Beschwerdeführerin
  nicht zu beanstanden, zumal sich die Anwendung eines Worst-Case-Szenarios
  stets zu deren Gunsten auswirkt. Sodann sind keine Hinweise ersichtlich,
  welche gegen die streitbetroffene Berechnung der Faserjahre sowie die
  gestützt darauf ergangene medizinische Beurteilung durch Dr. H.______
  sprechen würden. Diesbezüglich weist die Beschwerdegegnerin denn auch
  richtigerweise darauf hin, dass eine einzelfallbezogene Beurteilung zu erfolgen
  hat, wobei die Beschwerdegegnerin mangels anderweitiger Indizien ohne
  Weiteres auf die Angaben der E.______AG abstellen durfte. Folglich erweist
  sich sowohl der Sachverhalt als genügend abgeklärt als auch die Berechnung
  der Faserjahre als korrekt, woran die pauschalen und unsubstantiierten
  Vorbringen der Beschwerdeführerin nicht zu ändern vermögen. Insgesamt führt
  sie damit nichts ins Feld, was die technische Expositionsbeurteilung vom 31.
  März 2021 und die medizinische Beurteilung von Dr. H.______ vom 14.
  April 2021 in Zweifel ziehen würde. Gestützt auf diese Berichte ging die
  Beschwerdegegnerin im Ergebnis zu Recht von einer kumulativen,
  berufsbedingten Asbestfaserexposition von 12,4 Faserjahren aus und
  verneinte in Anwendung der Helsinki-Kriterien eine Berufskrankheit.

  
	
   

  
	
  Dies führt zur Abweisung
  der Beschwerde.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  Die Gerichtskosten sind
  von Gesetzes wegen auf die Staatskasse zu nehmen (Art. 1 Abs. 1 UVG
  i.V.m. Art. 61 lit. a ATSG). Ausgangsgemäss steht der
  Beschwerdeführerin keine Parteientschädigung zu (Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m.
  Art. 61 lit. g ATSG).

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die Beschwerde wird abgewiesen.

    
	
    2.

    	
    Die Gerichtskosten werden auf die Staatskasse
    genommen. 

    
	
    3.

    	
    Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]