# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a624194c-a13b-5f50-9dd0-bc3b7fb36a4c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-02-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.02.2021 D-4353/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4353-2019_2021-02-19.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4353/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 9 .  F e b r u a r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richter William Waeber, 

Richterin Daniela Brüschweiler, 

Gerichtsschreiberin Kathrin Rohrer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea, 

vertreten durch MLaw Roman Schuler, Rechtsanwalt, 

(…), 

Beschwerdeführer, 

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung sowie Datenänderung im Zentralen 

Migrationsinformationssystem ZEMIS; 

Verfügung des SEM vom 26. Juli 2019 / N (…). 

 

 

 

D-4353/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer gelangte am 6. Juli 2016 in die Schweiz und 

suchte noch am selben Tag beim Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) 

B._______ um Asyl nach. 

A.b Auf dem Personalienblatt gab er an, am (…) geboren und damit noch 

minderjährig zu sein, woraufhin das SEM am 7. Juli 2016 eine Handkno-

chenanalyse zur Altersbestimmung anordnete. Die forensische Schätzung 

des Skelettalters vom 8. Juli 2016 ergab ein Knochenalter gemäss Greu-

lich und Pyle von (…) Jahren. In der Folge wurde der Beschwerdeführer 

für die Fortsetzung des Verfahrens als volljährig erfasst und sein Geburts-

datum im Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) fiktiv auf den 

(…) festgelegt. 

A.c Am 18. Juli 2016 fand die summarische Befragung zur Person (BzP) 

statt, wobei ihm unter anderem auch das rechtliche Gehör zum Ergebnis 

der durchgeführten Handknochenanalyse zur Bestimmung seines Alters 

gewährt wurde. Am 4. April 2019 hörte ihn das SEM einlässlich zu seinen 

Asylgründen an. 

Anlässlich der Befragungen machte der Beschwerdeführer hinsichtlich sei-

nen persönlichen Verhältnisse geltend, er sei eritreischer Staatsangehöri-

ger, der Ethnie der Nara zugehörig und stamme aus C._______ (Subzoba 

D._______, Zoba E._______), wo er am (…) geboren und zusammen mit 

seinen drei Geschwistern aufgewachsen sei. Er sei (…) Jahre lang in die 

Primarschule gegangen und habe circa (…) Jahre lang die Koranschule 

besucht. Sein Vater, welcher in den Militärdienst eingezogen worden sei, 

sei seither unbekannten Aufenthalts, weshalb er und sein Bruder die Mutter 

bei der Versorgung der Familie finanziell unterstützt hätten, indem sie im 

(…) gearbeitet hätten. 

Zur Begründung seines Asylgesuchs führte er aus, nachdem sein Bruder 

Eritrea im Jahr 2014 verlassen habe, um sich einer drohenden Rekrutie-

rung in den Militärdienst zu entziehen, hätten die eritreischen Behörden 

zunächst nach diesem gesucht und dabei ihre Mutter für einige Tage fest-

genommen. Er selber habe sich zu dieser Zeit in der Wildnis aufgehalten, 

wo er (…) habe, und sei nur gelegentlich nach Hause zurückgekehrt. 

(…) 2015 sei er schliesslich ebenfalls ins Visier der Militärbehörden gera-

ten und sei aufgefordert worden, sich zu melden. In der Folge habe er erst-

mals im (…) 2016 versucht, sein Heimatland illegal zu verlassen. Dabei sei 

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Seite 3 

er jedoch von Soldaten entdeckt und verhaftet worden. Er sei im Gefängnis 

"Under Tesseney" inhaftiert worden. Bei seiner Verlegung nach Hashferay 

habe er jedoch fliehen können und sei anschliessend zu Fuss aus Eritrea 

in den Sudan geflohen. Von dort aus sei er via Ägypten und Italien schliess-

lich in die Schweiz gelangt. 

A.d Im Rahmen des erstinstanzlichen Verfahrens reichte der Beschwerde-

führer eine Kopie seines Geburtsscheins und Fotokopien der Identitätskar-

ten seiner Eltern zu den Akten. 

B.  

Mit Verfügung vom 26. Juli 2019 änderte die Vorinstanz das Geburtsdatum 

des Beschwerdeführers im ZEMIS auf den (…). Weiter stellte sie fest, er 

erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ord-

nete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. 

C.  

Gegen die vorinstanzliche Verfügung erhob der Beschwerdeführer – han-

delnd durch den rubrizierten Rechtsvertreter – mit Eingabe vom 28. Au-

gust 2019 Beschwerde und beantragte die vollumfängliche Aufhebung der 

angefochtenen Verfügung, die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft 

und die Gewährung von Asyl. Eventualiter ersuchte er um die Anordnung 

der vorläufigen Aufnahme. In formeller Hinsicht beantragte er die Edition 

und den Beizug der Asylakten seines Bruders, F._______. Weiter ersuchte 

er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, unter Verzicht auf 

die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Beiordnung seines 

Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand. 

Der Beschwerde lagen eine Kopie der Mitgliedschaftsbestätigung des Erit-

rean Youth Movement for Change in Switzerland (EYMCS), eine Kopie ei-

nes Fotos des Beschwerdeführers in G._______ vom (…) 2017, mehrere 

Fotografien einer Demonstrationsteilnahme am (…) 2018 in H._______, 

zwei befristete Arbeitsverträge vom 25. September 2018 und 

10. März 2019, Lohnabrechnungen vom Dezember 2018 bis März 2019 

sowie die RAV-Taggelder von April 2019 bis Juni 2019 bei. 

D.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte mit Schreiben vom 29. Au-

gust 2019 den Eingang der Beschwerde. 

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Seite 4 

E.  

Mit Eingabe vom 10. September 2019 liess der Beschwerdeführer das Ori-

ginal seiner Mitgliedschaftsbestätigung des EYMCS nachreichen. 

F.  

Mit Verfügung vom 1. Oktober 2019 wies die Instruktionsrichterin die Ge-

suche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, amtliche 

Rechtsverbeiständung sowie um Entbindung von der Kostenvorschuss-

pflicht mangels Bedürftigkeit ab und forderte den Beschwerdeführer auf, 

innert Frist einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 750.– zu bezahlen. 

G.  

Der Kostenvorschuss wurde am 8. Oktober 2019 fristgerecht beim Bun-

desverwaltungsgericht eingezahlt. 

H.  

Das SEM hielt in seiner innert Frist eingereichten Vernehmlassung vom 

4. September 2020 vollumfänglich an den Erwägungen in der angefochte-

nen Verfügung fest. 

I.  

Mit Eingabe vom 8. Oktober 2020 replizierte der Beschwerdeführer innert 

erstreckter Frist. Gleichzeitig reichte er Fotokopien der EYMCS-Versamm-

lung vom (…) 2019 in G._______ sowie derjenigen vom (…) 2019 in 

H._______ und eine Honorarnote zu den Akten. 

J.  

Die Verfahrensakten des Bruders des Beschwerdeführers, F._______, 

wurden im vorliegenden Beschwerdeverfahren beigezogen (N […] und 

[…]). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101; SR 142.31); für das vorliegende Verfahren gilt das bishe-

rige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des 

AsylG vom 25. September 2015). 

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Seite 5 

1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.3 Das SEM führt zur Erfüllung seiner gesetzlichen Aufgaben ein Informa-

tionssystem (ZEMIS), welches der Bearbeitung von Personendaten im 

Ausländer- und Asylbereich dient (Art. 1 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes 

über das Informationssystem für den Ausländer- und den Asylbereich 

[BGIAA, SR 142.51]). In diesem Rahmen bearbeitet es auch Begehren um 

Berichtigung von Personendaten im Sinne von Art. 5 Abs. 2 des Bundes-

gesetzes über den Datenschutz (DSG; SR 235.1). Das diesbezügliche Ver-

fahren richtet sich nach dem VwVG (Art. 25 Abs. 4 DSG; vgl. auch Art. 19 

Abs. 1 der Verordnung über das Zentrale Migrationsinformationssystem 

[ZEMIS-Verordnung, SR 142.513]). Das Bundesverwaltungsgericht ist da-

mit gestützt auf Art. 47 Abs. 1 Bst. b VwVG i.V.m. Art. 31 VGG zuständige 

Beschwerdeinstanz, zumal wiederum keine die Materie betreffende Aus-

nahme gemäss Art. 32 VGG vorliegt. 

Die Vorinstanz verfügte in der angefochtenen Verfügung explizit die Berich-

tigung des Geburtsdatums des Beschwerdeführers (vgl. Dispositivziffer 1 

der angefochtenen Verfügung). Diese Frage kann damit als zum Streitge-

genstand gehörig angesehen werden. 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

1.5 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

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richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). Ebenfalls 

mit uneingeschränkter Kognition prüft das Bundesverwaltungsgericht vor-

liegend die Berichtigung des Geburtsdatums des Beschwerdeführers im 

ZEMIS (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 49 VwVG). 

3.  

Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Recht von Amts wegen an und 

ist nicht an die Anträge oder die rechtlichen Begründungen der Parteien 

gebunden (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 62 Abs. 4 VwVG). 

4.  

4.1 Auf Beschwerdeebene wurden formelle Rügen erhoben, welche vorab 

zu beurteilen sind, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassation der 

erstinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdeführer rügte, die 

Vorinstanz habe zu Unrecht seine Minderjährigkeit im Zeitpunkt der Ge-

suchseinreichung verneint und dabei den Untersuchungsgrundsatz sowie 

sein rechtliches Gehör verletzt. Sie habe es nicht nur Unterlassen, ihm eine 

Vertrauensperson zu bestellen, sondern den vorliegenden Fall auch priori-

tär zu behandeln, und die besonderen Pflichten zur Abklärung des Kindes-

wohls im Rahmen des Wegweisungsvollzuges nicht wahrgenommen.  

4.2 Die Altersfeststellung des SEM ist in der Tat zweifelhaft. Der Beschwer-

deführer gab auf dem Personalienblatt, welches er selber ausfüllte, den 

(…) als Geburtsdatum an (vgl. SEM-Akte A/1). Aus der von der Vorinstanz 

angeordneten Handknochenanalyse resultierte hingegen gemäss Greulich 

und Pyle ein Alter von (…) Jahren, wobei im Bericht des Arztes auf eine 

"gewisse statistische Streubreite" hingewiesen wurde (vgl. SEM-Akten 5). 

Als er im Rahmen der BzP nach seinem Alter gefragt wurde, gab er wiede-

rum an, am (…) geboren und (…) Jahre alt zu sein (vgl. SEM-Akte A/7, 

Ziff. 1.06), wobei er auf eine Geburtsurkunde verwies, welche er zu be-

schaffen versuchen werde (vgl. SEM-Akte A/7, Ziff. 1.06). Auch die weite-

ren diesbezüglichen Fragen, namentlich im Zusammenhang mit dem 

Schulbesuch, beantwortete er konsistent (vgl. SEM-Akte A/7, 

Ziff. 1.17.04). Konfrontiert mit dem sich aus der Untersuchung ergebenden 

Skelettalter von (…) Jahren hielt er weiterhin daran fest, noch minderjährig 

zu sein. Ergänzend fügte er an, dass er wirklich gross gebaut und sogar 

grösser als der anwesende Dolmetscher sei. Der Festlegung des Geburts-

datums auf den (…) brachte er entgegen, er sehe zwar älter aus, sei aber 

wirklich nicht (…), sondern erst (…) Jahre alt und er werde versuchen seine 

Geburtsurkunde zu beschaffen (vgl. SEM-Akte A/7, Ziff. 8.01). Anlässlich 

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der Anhörung brachte der Beschwerdeführer schliesslich eine Kopie seiner 

Geburtsurkunde bei, auf welcher der (…) als Geburtsdatum vermerkt ist 

(vgl. SEM-Akten A/20, S. 7 f. [Übersetzung der Geburtsurkunde] und A/21 

[Beweismittelcouvert]). Zudem behauptete er weiterhin, Eritrea im Alter von 

(…) Jahren verlassen zu haben (vgl. SEM-Akte A/20, F 28 f. und F 96) und 

gab übereinstimmend mit seinen Aussagen in der BzP an, weder eine Iden-

titätskarte noch einen Pass besessen zu haben (vgl. SEM-Akten A/7, 

Ziff. 4.02 f. und A/20, F 97). 

Es ergibt sich aus den Akten folglich gerade nicht, dass das vom Beschwer-

deführer geltend gemachte Geburtsdatum ([…]) nicht den Tatsachen ent-

sprechen würde. Das SEM konnte sich in Bezug auf die Änderung des Al-

ters dennoch lediglich noch auf zwei Sachverhaltselemente stützen: Einer-

seits die Einschätzung des äusseren Erscheinungsbilds und andererseits 

die Handknochenanalyse. Diesbezüglich hat jedoch bereits die vormalige 

Asylrekurskommission (ARK) festgestellt, dass Rückschlüsse vom äusse-

ren Erscheinungsbild auf das Alter der Person, insbesondere bei der Al-

tersgruppe an der Grenze zur Volljährigkeit, nicht möglich sind (vgl. hierzu 

Entscheidungen und Mitteilungen der ARK [EMARK] 2004 Nr. 30, E. 6.3). 

Ferner stellt – ebenfalls gemäss langjähriger und bereits auf die ARK zu-

rückgehender Rechtsprechung – eine Handknochenanalyse, bei welcher 

das geltend gemachte Alter innerhalb der normalen Abweichung liegt, kein 

Beweismittel für die Annahme einer Alterstäuschung dar (vgl. 

EMARK 2001 Nr. 23, E. 4b). Insbesondere kann ein Knochenalter von 

(…) Jahren bei Personen vorliegen, welche deutlich unter (…) Jahre alt 

sind, womit ein solches Analyseergebnis höchstens ein schwaches Indiz 

für die Volljährigkeit der betreffenden Person bilden kann (vgl. 

EMARK 2004 Nr. 30, E. 6.2). Zudem machte der Beschwerdeführer in di-

versen Verfahrensschritten konsistent das spätere Geburtsdatum geltend. 

Des Weiteren bestätigte sein älterer Bruder, unabhängig vom Beschwer-

deführer, dessen Angaben (vgl. SEM-Akten A/5, Ziff. 3.01 sowie A/15, 

F 13 f. und F 48). Schliesslich spricht auch die zu den Akten gereichte Ge-

burtsurkunde, in welcher übereinstimmend mit seinen Aussagen das Ge-

burtsdatum (…) vermerkt wurde, für die Glaubwürdigkeit des Beschwerde-

führers. Zwar liegt die Urkunde nicht im Original vor, womit ihr nur einen 

geringen Beweiswert zukommt, jedoch stimmen die formellen Erforder-

nisse (Sprache, Stempel, Layout) mit entsprechendem Vergleichsmaterial 

überein. 

Vor diesem Hintergrund ist von der Richtigkeit der Angaben des Beschwer-

deführers – mithin von einem Geburtsdatum am (…) – auszugehen. Das 

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Geburtsdatum des Beschwerdeführers im ZEMIS ist dementsprechend 

durch das SEM zu berichtigen und mit dem (…) einzutragen sowie mit ei-

nem Bestreitungsvermerk zu versehen. 

Die unrichtige Feststellung des Alters des Beschwerdeführers stellt einen 

formellen Fehler der Vorinstanz dar, welcher grundsätzlich geeignet wäre, 

zur Kassation der Verfügung zu führen. Zwar sind dem Beschwerdeführer 

durch die falsche Alterseinschätzung – wie in der Beschwerde wiederum 

zu Recht ausgeführt – gewisse Verfahrensrechte als Minderjähriger ver-

wehrt geblieben, doch war er bei der Anhörung bereits volljährig (vgl. das 

Urteil des BVGer D-7132/2016 vom 24. Mai 2017 E. 5.2 zur gesetzeskon-

formen Auslegung des damals gerade neu eingeführten Art. 7 

Abs. 2bis AsylV1 i.V.m. Art. 17 Abs. 3 AsylG). Im Rahmen der Beurteilung 

seiner Asylvorbringen ist sodann davon auszugehen, dass er in Bezug auf 

seine Personalien glaubhafte Angaben gemacht hat. Entsprechend ist 

seine Minderjährigkeit auch bei der Erstbefragung im Rahmen der Beurtei-

lung der Glaubhaftigkeit seiner Schilderungen zu berücksichtigen. Wie im 

Folgenden aufgezeigt werden wird, ist der Sachverhalt für das Gericht ge-

nügend erstellt und beim Ausgang des Verfahrens entstehen dem Be-

schwerdeführer keine Nachteile. Von einer Kassation kann demnach ab-

gesehen werden.  

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder 

Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht 

haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhaltung 

des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge 

(FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

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Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-

machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt 

dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. 

BVGE 2015/3 m.w.H.). 

6.  

6.1 Zur Begründung ihrer ablehnenden Verfügung führte die Vorinstanz im 

Wesentlichen aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den An-

forderungen an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsylG sowie denje-

nigen an die Asylrelevanz gemäss Art. 3 AsylG nicht genügen. 

Obwohl der Beschwerdeführer eingehend zur Suche des eritreischen Ge-

heimdienstes nach ihm befragt worden sei, habe er den Sachverhalt nicht 

konkretisieren können. So sei es ihm nicht gelungen, das fluchtauslösende 

Moment konzis herzuleiten. Da gemäss seinen Angaben aufgrund des 

Schulabbruchs ein erhöhtes Risiko bestanden habe, wegen einer Rekru-

tierung in den Militärdienst gezielt ins Visier der Behörden zu geraten, mute 

es sodann realitätsfremd an, dass er die mutmasslichen intensiven Behör-

denkontakte nach der Ausreise seines Bruders nicht als riskant eingestuft 

habe. In Anbetracht seiner unvereinbaren Angaben zu seinem tatsächli-

chen Aufenthalt nach der Ausreise seines Bruders und den wenig schlüs-

sigen Ausführungen zum mutmasslichen Vorgehen der Behörden, kämen 

weitere erhebliche Vorbehalte auf. Ferner sei es ihm nicht gelungen, einen 

zeitlich und kausal genügend engen Zusammenhang zwischen der Aus-

reise seines Bruders im Jahr 2014 und seiner eigenen Ausreise im 

(…) 2016 glaubhaft zu machen. Alsdann habe er seinen Aufenthalt im Ge-

fängnis "Under Tesseney" nach seinem gescheiterten ersten Ausreisever-

such nicht ausreichend substantiiert. So seien die Angaben zum Areal und 

der Umgebung des Gefängnisses auffällig allgemein sowie wenig erlebnis-

geprägt gewesen und hätten sich lediglich auf äussere Ereignisse und 

Handlungsabläufe bezogen. Nicht nachvollziehbar sei sodann, dass er in 

Haft seine mutmassliche Minderjährigkeit nicht geltend gemacht habe, ob-

wohl er dadurch eine Haftbefreiung hätte erwirken können. Überdies sei es 

zu unterschiedlichen zeitlichen und geografischen Verortungen seines 

mutmasslichen Geständnisses unter Folter gekommen. Weiter seien auch 

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seine Darlegungen zum Hergang seiner Flucht bei der Verlegung ins Ge-

fängnis "Hashferay" mehrheitlich oberflächlich, pauschal und unsubstanti-

iert ausgefallen. Dabei sei insbesondere auffällig, dass er sich trotz des 

Tumultes und der Fluchtsituation habe orientieren können, womit die Ver-

mutung aufkomme, dass er die Gegend respektive die Gegebenheiten um 

das Gefängnisgelände von "Under Tesseney" unter anderen als den gel-

tend gemachten Umständen kennengelernt habe. Schliesslich kämen an-

gesichts der Vorbringen seines Bruders (vermehrte Razzien in C._______) 

weitere Zweifel an den Umständen seiner Ausreise auf. So mute es reali-

tätsfremd an, dass er nicht bereits zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt 

Massnahmen zu seiner Sicherheit beziehungsweise Vorbereitungen für 

seine Ausreise umgesetzt habe. Zudem laufe es jeglicher Logik zuwider, 

dass die Behördenvertreter, nachdem sie ihn wiederholt Zuhause gesucht 

und schliesslich mündlich einbestellt haben sollen, nicht – wie im Falle sei-

nes Bruders – einfach eine schriftliche Vorladung hinterliessen. 

Ferner sei eine allfällige illegale Ausreise asylrechtlich unbeachtlich, nach-

dem gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts nicht mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen sei, dass sich erit-

reische Staatsangehörige aufgrund einer illegalen Ausreise mit Sanktionen 

ihres Heimatstaates konfrontiert sähen, die bezüglich ihrer Intensität und 

der politischen Motivation des Staates ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 

Abs. 2 AsylG darstellen würden. Andere Anknüpfungspunkte, welche den 

Beschwerdeführer in den Augen der eritreischen Behörden als missliebige 

Person erscheinen lassen könnten, seien nicht ersichtlich. Die illegale Aus-

reise alleine vermöge demnach keine Furcht vor einer künftigen asylrele-

vanten Verfolgung zu begründen. 

In Bezug auf allfällige Wegweisungsvollzugshindernisse führte die 

Vorinstanz aus, es würden sich aus den Akten keine konkreten Hinweise 

dafür ergeben, dass er bei einer Rückkehr nach Eritrea mit hinreichender 

Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behand-

lung drohe. Auch eine drohende Einberufung in den eritreischen National-

dienst stehe der Zulässigkeit des Vollzugs der Wegweisung nach Eritrea 

nicht entgegen. Weiter seien weder allgemeine noch individuelle Gründe 

ersichtlich, welche den Wegweisungsvollzug als unzumutbar erscheinen 

lassen würden und schliesslich sei der Vollzug technisch möglich und prak-

tisch durchführbar. 

6.2 In der Beschwerdeschrift wird dem im Wesentlichen entgegengehalten, 

die Ausführungen des Beschwerdeführers zur behördlichen Suche seien 

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Seite 11 

plausibel und stringent ausgefallen. Er habe aus seiner jugendlichen Per-

spektive als (…) beschrieben, wie zunächst lediglich seine Mutter nach der 

Ausreise seines Bruders im Jahr 2014 die behördlichen Repressalien zu 

spüren bekommen habe. Als sich der Fokus von seinem älteren Bruder auf 

ihn gerichtet habe und die Behörden angefangen hätten, konkret nach ihm 

zu fragen, sei ihm klargeworden, dass er nicht mehr weiter in seinem Hei-

matland bleiben könne. Als fluchtauslösendes Ereignis benannte er hierbei 

den Tag, an welchem ihm seine Schwester mitgeteilt habe, dass der Ge-

heimdienst ihn gar in der Nacht gesucht hätte. Weiter sei nachvollziehbar, 

dass seine Angst vor einer Zwangsrekrutierung mit seinem steigenden Al-

ter zugenommen habe. Ausserdem sei er in einem ländlichen Umfeld auf-

gewachsen, wo eine grosse soziale Kontrolle geherrscht habe. Diesbezüg-

lich werde aus den Aussagen seines Bruders, welcher seine Vorbringen 

untermaure, klar, was er damit meinte, als er aufgeführt habe, dass er sich 

als Kind (im noch nicht rekrutierungsfähigen Alter) unbehelligt im Quartier 

habe aufhalten können. Ohnehin habe zweifelsohne Kontakt mit den Mili-

tärbehörden bestanden, da er beim ersten Ausreiseversuch aufgegriffen 

worden sei. In Bezug auf seine Inhaftierung im Gefängnis "Under Tes-

seney" habe er Einzelheiten und Nebensächlichkeiten (wie zum Beispiel 

die Barfüssigkeit während der gesamten Haftdauer, die Nahrungsauf-

nahme in halbierten PET-Flaschen und die Zeiten, um die Notdurft zu ver-

richten) genannt und zudem würden seine Schilderungen verschiedene 

Realkennzeichen enthalten und seien erlebnisgeprägt. Dass ein Jugendli-

cher mit seinem rudimentären Bildungsstand zu solchen Beschreibungen 

fähig sein sollte, ohne sie wirklich erlebt zu haben, könne ausgeschlossen 

werden. Auch der angebliche Widerspruch zur unterschiedlichen zeitlichen 

und geografischen Einordnung des Geständnisses unter Folter sei bei ge-

nauerer Betrachtung keiner, da er während der Anhörung stets ausgesagt 

habe, sowohl in "Enda Silaya" als auch in "Under Tesseney" geschlagen 

und verhört worden sei, wobei er seinen Ausreiseversuch zugegeben 

habe. In Bezug auf die Möglichkeit der Haftbefreiung wegen seiner Minder-

jährigkeit sei zu betonen, dass dies unter Berücksichtigung des eritreischen 

Kontextes, wo willkürlich Inhaftierung, körperliche Misshandlungen und 

Folter in Gefängnissen an der Tagesordnung stehe, völlig abwegig sei. Als-

dann seien seine Ausführungen zur Flucht während dem Gefangenen-

transport, wonach er zunächst einfach fortgerannt sei und sich, als er nicht 

mehr in der Gefahrenzone gewesen sei, orientiert und anschliessend in die 

Gegend gelaufen sei, wo er gewöhnlich (…), glaubhaft. Die diesbezügli-

chen Vorbehalte der Vorinstanz seien gesucht und rein spekulativ. Des 

Weiteren hob der Beschwerdeführer hervor, dass die Aussagen seines äl-

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Seite 12 

teren Bruders seine Vorbringen stützen und keine wesentlichen Widersprü-

che enthalten würden. Die Argumentation der Vorinstanz, er hätte früher 

Sicherheitsmassnahmen treffen und seine Ausreise planen müssen, sei 

nicht fundiert und höchst spekulativ. Schliesslich sei nicht entscheidend, 

dass er nicht explizit eine schriftliche Vorladung erhalten habe, sondern in 

Kontakt zu den Militärbehörden gestanden habe und aktiv zu Rekrutie-

rungszwecken gesucht worden sei. Im Rahmen einer objektiven Gesamt-

betrachtung sei festzuhalten, dass die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen 

insgesamt zu bejahen sei, denn er habe substantiiert und detailreich zum 

Leben in seinem Heimatdorf in ständiger Angst vor Zwangsrekrutierung, 

zum geschilderten Fluchtversuch und dem Gefängnisaufenthalt berichtet. 

Seine Darlegungen seien sodann asylrechtlich relevant. Er habe nachwei-

sen beziehungsweise glaubhaft machen können, dass er nach seiner 

Flucht auf einem Gefangenentransport illegal das Land verlassen und sich 

so dem Wehrdienst entzogen habe. Er habe begründete Furcht, als Wehr-

dienstverweigerer behandelt und deswegen bei einer Rückkehr unverhält-

nismässig bestraft zu werden. Die Bestrafung sei politischer Natur und 

demnach flüchtlingsrechtlich relevant. Da die Bestrafung durch die staatli-

chen Behörden erfolge, stehe ihm zudem keine zumutbare innerstaatliche 

Fluchtalternative offen. Er erfülle somit die Flüchtlingseigenschaft, weswe-

gen ihm Asyl zu gewähren sei. 

Selbst wenn dem Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts 

D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 gefolgt werden würde, werde er bereits 

aufgrund dessen, dass er aus einer Familie stamme, welche den Behörden 

bereits wegen regimefeindlichen Verhaltens bekannt sei und infolge seiner 

Inhaftierung durch die eritreischen Behörden als missliebige Person einge-

stuft. Dementsprechend gründe sein Vergehen nicht nur in der illegalen 

Ausreise. Weiter habe er sich in der Schweiz der regimekritischen eritrei-

schen Jugend angeschlossen, sei Mitglied der EYMC und habe an ver-

schiedenen Demonstrationen teilgenommen. Weil sein älterer Bruder zu-

sätzlich einer der treibenden Kräfte des jugendlichen Widerstandes und ei-

nem breiten Publikum bekannt sei, sei davon auszugehen, dass er von der 

eritreischen Vertretung in der Schweiz als Oppositioneller namentlich iden-

tifiziert worden sei. Im Falle einer zwangsweisen Rückführung in sein Hei-

matland würde er zu seinem Auslandsaufenthalt intensiv befragt und zu-

sätzlich zu seiner illegalen Ausreise und Wehrdienstverweigerung als akti-

ver regierungskritischer Politiker wahrgenommen werden. Er erfülle die 

Flüchtlingseigenschaft somit (auch) infolge subjektiver Nachfluchtgründe. 

D-4353/2019 

Seite 13 

Alsdann sei der Wegweisungsvollzug unzulässig, da ihm bei einer Rück-

kehr nach Eritrea Gefahr von Folter und unmenschlicher Behandlung 

(Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Men-

schenrechte und Grundfreiheiten [EMRK, SR 0.101]) drohe. Bereits bei der 

Einreise am Flughafen habe er mit einer willkürlichen Festnahme, un-

menschlicher Behandlung und anschliessender Inhaftierung oder einer di-

rekten Zuführung zum Militärdienst zu rechnen. Im Militärdienst sei er 

ebenfalls einer willkürlichen und unmenschlichen Behandlung ausgesetzt. 

Der eritreische Militärdienst sei ausserdem als Sklaverei und Zwangsarbeit 

im Sinne von Art. 4 EMRK zu erachten. Schliesslich sei der Vollzug der 

Wegweisung auch als unzumutbar einzuschätzen. Von seiner Familie sei 

nur noch seine Mutter und die jüngste Schwester zurückgeblieben, wes-

halb er sich daher in keiner begünstigenden Situation befinde und auch 

nicht auf familiäre Unterstützung bei der Wiedereingliederung zählen 

könne. Da er sich im militärpflichtigen Alter befinde und bei guter Gesund-

heit sei, würde er mit Sicherheit direkt in den Militärdienst eingezogen wer-

den. Im Übrigen würde eine Wegweisung die weit fortgeschrittene soziale 

und berufliche Integration des Beschwerdeführers, welcher hier eine neu 

Heimat gefunden habe, abrupt zunichtemachen und eine besondere Härte 

darstellen. 

6.3 In ihrer Vernehmlassung hielt die Vorinstanz an den Erwägungen der 

angefochtenen Verfügung vollumfänglich fest. Hinsichtlich des mit der Be-

schwerde erhobenen Vorwurfes, die Erstbefragung sei in Arabisch durch-

geführt worden, weshalb er nicht habe überprüfen können, ob seine Aus-

sagen korrekt protokolliert worden seien, führte das SEM aus, dass er in 

der Erstbefragung angegebenen habe, den Dolmetscher gut verstanden 

zu haben. Auf konkrete Nachfrage habe er sogar bestätigt, alles verstan-

den zu haben. Sodann habe er die Richtigkeit des Protokolls auf jeder Seite 

mit seiner Unterschrift bestätigt, weshalb er sich darauf behaften lassen 

müsse. Weiter ergebe sich aus dem auf Beschwerdeebene vorgebrachten 

exilpolitischen Engagement des Beschwerdeführers kein hinreichender zu-

sätzlicher Anknüpfungspunkt dafür, dass er dem eritreischen Regime als 

Oppositioneller aufgefallen sein könnte. Die eingereichten Fotografien, auf 

welchen er als einfacher Teilnehmer an einer Kundgebung in H._______ 

zu sehen sei, liessen nicht auf ein relevantes exilpolitisches Engagement 

schliessen und die Mitgliedsbestätigung der EYMCS müsse als Gefällig-

keitsschreiben qualifiziert werden. Es erscheine äusserst unwahrschein-

lich, dass er durch die blosse Teilnahme an Massenveranstaltungen in der 

Schweiz ins Visier der eritreischen Behörden geraten sei, zumal aufgrund 

seiner unglaubhaften Asylvorbringen nicht davon auszugehen sei, dass er 

D-4353/2019 

Seite 14 

vor seiner Ausreise aus Eritrea von den heimatlichen Sicherheitsbehörden 

registriert worden sei. Die eritreischen Behörden dürften seine marginale 

exilpolitische Tätigkeit – sollten sie davon überhaupt Kenntnis erlangen – 

kaum als ernsthafte Bedrohung erachten. 

6.4 In seiner Replik entgegnete der Beschwerdeführer bezüglich der Über-

setzung bei der Erstbefragung, diese sei unbestrittenermassen nicht in sei-

ner Muttersprache durchgeführt worden. Zudem bestehe bekanntermas-

sen bei asylrechtlichen Befragungen ein Machtgefälle, wodurch es insbe-

sondere für ihn als in diesem Zeitpunkt noch minderjährigen Asylsuchen-

den schwierig gewesen sei, sich gegen ein problematisches Befragungs-

setting zu wehren. Ungenaue Protokollierungen und Verständigungsprob-

leme dürften ihm folglich nicht zum Nachteil ausgelegt werden, insbeson-

dere weil er die nicht-konforme Befragungssituation nicht zu verantworten 

gehabt habe. Weiter habe sich die Vorinstanz, welche aufgrund ihrer Akten 

Kenntnis vom exilpolitischen Engagement des Bruders des Beschwerde-

führers habe, nicht mehr dazu geäussert und auch nicht berücksichtigt, 

dass dieser bereits im (…) 2017 einer der Wortführer des jugendlichen Pro-

testes gewesen sei und mit seinen Videos auf Facebook mehr als 10'000 

Personen erreicht habe. Sie beide würden ihren jahrelang andauernden 

politischen Kampf und ihre öffentliche Kritik am eritreischen Regime auch 

heute noch unentwegt fortsetzen, was mit den eingereichten Beweismitteln 

dokumentiert werden könne. Er sei demnach nicht nur wegen seinen eige-

nen politischen Aktivitäten, sondern auch wegen der Bekanntheit seines 

Bruders sicherlich ins Blickfeld der eritreischen Behörden geraten, zumal 

er bereits vor seiner Ausreise als Dienstverweigerer und politischer Gegner 

negativ aufgefallen und registriert worden sei. Aus deren Sicht sei er ein 

Landesverräter und würde entsprechend bestraft werden. 

7.  

7.1 Entgegen der Argumentation der Vorinstanz beurteilt das Gericht die 

Aussagen des Beschwerdeführers als glaubhaft. 

7.2 Das SEM erachtete die Darlegungen des Beschwerdeführers zur Su-

che nach ihm durch Angehörige des Geheimdienstes, der diesbezüglichen 

Vorgehensweise der eritreischen Behörden sowie seinem daraus resultie-

renden Verhalten nicht ausreichend konkret sowie realitätsfremd und infol-

gedessen unglaubhaft. Dieser Schlussfolgerung kann nicht gefolgt werden. 

Hinsichtlich des Aussageverhaltens des Beschwerdeführers ist zunächst 

festzuhalten, dass er während der Anhörung zwar mehrmals aufgefordert 

wurde, ausführlicher zu erzählen (vgl. SEM-Akte A/20, F 76 ff., F 84, F 93, 

D-4353/2019 

Seite 15 

F 104 und F 122), dennoch hat er die ihm gestellten Fragen insgesamt 

sorgfältig beantwortet, seine Aussagen sind differenziert, in sich stimmig 

und es sind – bis auf eine Ausnahme (vgl. nachfolgende Ausführungen) – 

keine widersprüchlichen Angaben erkennbar. Die Darstellungen machen 

keinen aufgebauschten Eindruck und er fragte bei Unsicherheiten auch 

nach (vgl. SEM-Akte A/20, F 70, F 77, F 80, F 82 und F 93). In Bezug auf 

seine Aussagen ist sodann sein jugendliches Alter sowie sein geringes Bil-

dungsniveau zu berücksichtigen. Ferner stimmen seine Angaben in den 

wesentlichen Kernpunkten mit denjenigen, welche sein Bruder anlässlich 

seines Asylverfahrens gemacht hat, überein, was ebenfalls für seine 

Glaubwürdigkeit spricht. Der Beschwerdeführer hat anschaulich dargelegt, 

wie sein Alltag in Eritrea aussah, wie sich die Behörden nach der Ausreise 

seines Bruders zunächst auf seine Mutter fokussierten und wie er sich in-

folgedessen verhalten hat, um den Kontakt zu den eritreischen Behörden 

zu vermeiden. Demnach habe er die Schule in der (…) Klasse abgebro-

chen, um zu Arbeiten und seine Familie finanziell unterstützen zu können. 

Er habe mit seinem Bruder in der (…) und als (…) gearbeitet. Sein Bruder 

sei im Jahr 2014 aus Eritrea ausgereist, um der Rekrutierung für den Mili-

tärdienst zu entgehen. In der Folge sei seine Mutter von den Behörden 

mitgenommen und inhaftiert worden. Er selber habe sich nach der Flucht 

seines Bruders mehrheitlich in der Wildnis aufgehalten, wo er (…), und nur 

noch ab und zu (in der Nacht) nach Hause gegangen sei, um Lebensmittel 

zu holen. So sei er zunächst nicht ins Visier der Behörden geraten. Erst im 

(…) 2015 hätten die Behörden angefangen sich nach ihm zu erkundigen 

und zu Hause nach ihm zu suchen. Er habe die Aufmerksamkeit – knapp 

(…) nach der Ausreise seines Bruders – auf sich gezogen, weil er immer 

weniger im ländlichen Quartier gesehen worden sei und weil er ins rekru-

tierungsfähige Alter gekommen sei (vgl. SEM-Akten A/7, Ziff. 1.17.04 und 

A/20, F 35, F 40–42, F 47–50, F 69, F 70–102). Der Beschwerdeführer gibt 

sodann – entgegen der vom SEM vertretenen Auffassung – deutlich zu ver-

stehen, dass es sich bei der mündlichen Vorladung um den ausschlagge-

benden Moment für die Entscheidung zur illegalen Ausreise gehandelt 

habe. Er sei nachts zu Hause vom Geheimdienst gesucht worden, wobei 

– aufgrund seiner Abwesenheit – seiner Schwester mitgeteilt worden sei, 

dass er sich bei den Behörden melden müsse. Aus Angst in den Militär-

dienst eingezogen zu werden, habe er sich infolgedessen zur Ausreise ent-

schlossen (vgl. SEM-Akte A/20, F 69 und F 82 f.). Anlässlich der Anhörung 

gab er zu verstehen, dass ihm klar gewesen sei, dass es sich bei der Auf-

forderung sich zu melden, um den Militärdienst gegangen sei (vgl. SEM-

Akte A/20, F 83 ff.), was im eritreischen Kontext denn auch ohne Weiteres 

plausibel erscheint. Es ist allgemein bekannt, dass Minderjährige, welche 

D-4353/2019 

Seite 16 

die Schule vor dem 12. Schuljahr verlassen haben, in ein Ausbildungslager 

zur Absolvierung des Militärdienstes rekrutiert werden, wenn sie durch so-

genannte „gifas“ oder Vorladungen gefasst werden (vgl. BVGE 2018 VI/4 

E. 5.1.4 und Referenzurteil des BVGer D-2311/2016 vom 17. August 2017 

E. 12.2; Home Office of the United Kingdom: Country Policy and Informa-

tion Note, Eritrea: National Service and illegal exit, Version 5.0, Juli 2018, 

N. 7.3; Landinfo, Eritrea: National Service, Mai 2016, S. 12 und 14 f.; Aus-

kunft der Schweizerischen Flüchtlingshilfe [SFH], Eritrea: Rekrutierung von 

Minderjährigen, 21. Januar 2015, S. 4). Bezüglich des Zuwartens bis zur 

Ausreise ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer selber nicht unmit-

telbar nach der Flucht seines Bruders gesucht wurde. Er stellte anlässlich 

der Anhörung ausdrücklich klar, dass nach dessen Ausreise lediglich seine 

Mutter befragt worden sei (vgl. SEM-Akte A/20, F 101). Zudem sei er da-

mals noch zu jung gewesen, als dass die Behörden ihn eingezogen hätten 

(vgl. SEM-Akte A/20, F 100). Erst ab (…) 2015 geriet er selber in den Fo-

kus der Behörden. Als sich die Suche nach ihm intensivierte und ihm im 

(…) 2016 auch nachts, wenn er jeweils nach Hause ging, um Vorräte zu 

holen, nachgestellt wurde, wobei er explizit aufgefordert worden war, sich 

direkt bei den Behörden zu melden, versuchte er unmittelbar daraufhin 

auszureisen. 

Stets übereinstimmend schilderte der Beschwerdeführer, dass er im 

(…) 2016 festgenommen worden sei beim Versuch, Eritrea illegal zu ver-

lassen (vgl. SEM-Akten A/7, Ziff. 5.02 und A/20, F 69). Das Gericht sieht 

keinen Grund, daran und an der darauffolgenden Inhaftierung zu zweifeln. 

Er beschrieb die Haftbedingungen überzeugend, wobei seine Angaben 

auch Details und Realkennzeichen enthielten. So gab er beispielsweise zu 

Protokoll, sie hätten die Hosen mit Seilen anschnallen müssen, es habe 

Linsen und Sorghum zu essen gegeben und sie hätten barfuss herumlau-

fen müssen (vgl. SEM-Akte A/20, F 104). Seine übrigen Aussagen zur Haft 

entsprechen ebenfalls zugänglichen Herkunftsländerinformationen. So 

handelt es sich beim (unterirdischen) Gefängnis "Under Tesseney" um ei-

nen Sammelort, wo insbesondere aus dem Sudan zurückgeführte Wehr-

dienstverweigerer respektive Wehrdienstverweigerinnen festgehalten wer-

den, bevor sie in verschiedene Militärcamps oder Gefängnisse weiterver-

legt werden (vgl. hierzu Themenpapier der SFH, Eritrea: Rückkehr, 

19. September 2020, S. 7 sowie S. 11 und Bericht von European Asylum 

Support Office [EASO, Europäisches Unterstützungsbüro für Asylfragen], 

Eritrea Nationaldienst, Ausreise und Rückkehr, Herkunftsländer-Informati-

onsbericht, September 2019, Ziff. 4.2). Bezüglich des Einwandes der 

D-4353/2019 

Seite 17 

Vorinstanz, wonach es im Zusammenhang mit seinem Geständnis zu Un-

gereimtheiten gekommen sei, gilt festzuhalten, dass den Akten diesbezüg-

lich keine Widersprüche zu entnehmen sind. Der Beschwerdeführer gab 

anlässlich der Anhörung zu Protokoll, dass sein Freund I._______ und er 

nach der Festnahme seines ersten Ausreiseversuchs nach "Enda Sileya" 

gebracht worden seien. Dort seien sie zu ihrer Zieldestination sowie ihren 

Reisegründen befragt und geschlagen worden. Als die Schläge ihnen zu 

viel geworden seien, hätten sie zugegeben, dass sie ausreisen wollten. 

Anschliessend seien sie nach "Under Tesseney" verlegt worden, wo sie 

nach der Ankunft erneut gefoltert worden seien (vgl. SEM-Akte A/20, 

F 103–108). Im späteren Verlauf der Befragung wurde ihm dann vom Be-

frager vorgehalten, er habe ausgesagt, in "Under Tesseney" so lange ge-

schlagen worden zu sein, bis er seinen illegalen Ausreiseversuch zugege-

ben habe. Wie in der Beschwerdeschrift zu Recht ausgeführt wurde, lässt 

sich diese widersprüchliche Aussage im Anhörungsprotokoll nicht finden. 

Der Beschwerdeführer stellte daraufhin jedenfalls erneut (gestikulierend) 

klar, dass er in "Enda Sileya" geschlagen worden sei, bis er sein Geständ-

nis abgelegt habe, und als er in "Under Tesseney" angekommen sei, hätten 

die Behörden bereits gewusst, dass er wegen der illegalen Ausreise fest-

genommen worden sei (vgl. SEM-Akte A/20, F 137). Das Argument der Vo-

rinstanz, dass er wohl freigelassen worden wäre, wenn er seine Minderjäh-

rigkeit angegeben hätte, erscheint im Lichte der Notorietät der Rekrutie-

rung und Festnahme von Minderjährigen als reine Mutmassung. 

Auch die Flucht während des Gefängnistransports nach Hashferay schil-

derte er substantiiert. Er führte anschaulich aus, dass er aufgrund der Ex-

plosion des geplatzten Reifens des Lastwagens schockiert gewesen sei 

und plötzlich einige Häftlinge weggerannt seien. Dabei erwähnte er, wie 

einige Handschellen trugen, wohingegen er und sein Freund nicht gefes-

selt gewesen seien. Sie seien dann barfuss losgerannt, wobei ihre Fuss-

sohlen von den Kieselsteinen geblutet hätten. Er sei einfach losgerannt und 

habe nicht nach hinten geschaut, wobei er Schüsse gehört habe. Sie seien 

so lange gerannt, bis sie erschöpft gewesen seien und seien erst danach 

langsamer gelaufen. Sie seien dann in Richtung J._______ und von dort 

aus nach K._______ geflüchtet, wo sie früher gemeinsam (…) (vgl. SEM-

Akte A/20, F 122). Dass der Beschwerdeführer sich in der Gegend orien-

tieren konnte erscheint entgegen der Ansicht der Vorinstanz nicht auffällig, 

sondern ist angesichts dessen, dass er unbestrittenermassen in der Nähe 

aufgewachsen ist, auch zu erwarten. Im Protokoll wurde zwar festgehalten, 

dass er nicht das erste Mal in diesem Gefängnis gewesen sei, jedoch er-

D-4353/2019 

Seite 18 

scheint die entsprechende Passage in der Tat – wie in der Beschwerde-

schrift angemerkt wurde – nur bruchstückhaft wiedergegeben worden zu 

sein (vgl. SEM-Akte A/7, Ziff. 5.02). Als er anlässlich der Anhörung auf 

diese Bemerkung angesprochen wurde, fragte er denn auch nach, ob er in 

der BzP gesagt habe, vorher dort inhaftiert gewesen zu sein, denn er sei 

das erste Mal dort gewesen (vgl. SEM-Akte A/20, F 136). Sodann ist zu 

berücksichtigen, dass die BzP lediglich in stark verkürzter Form stattfand 

(sie dauerte insgesamt nur eine Stunde und fünfzehn Minuten), wobei er 

nicht explizit zu seinen Asylgründen befragt wurde (vgl. SEM-Akte A/7). 

Schliesslich erklärte er zwar, den Dolmetscher gut zu verstehen (vgl. SEM-

Akte A/7, Bst. h und Ziff. 9.02) und bestätigte auch mit seiner Unterschrift, 

dass das Protokoll seinen Aussagen entspreche, diese wahrheitsgemäss 

erfasst und in eine ihm verständliche Sprache (Arabisch) rückübersetzt 

worden seien (vgl. a.a.O., S. 10), womit er sich auf diese protokollierte Aus-

sage behaften lassen muss, dennoch ist im Rahmen der Glaubhaftigkeits-

prüfung zu berücksichtigen, dass die Befragung nicht in seiner Mutterspra-

che Nara durchgeführt wurde und er zu diesem Zeitpunkt noch minderjäh-

rig war. Die Gesamtheit der freien Schilderung und der Beantwortung der 

vom Befrager gestellten Verständigungs- und Konkretisierungsfragen 

ergibt jedenfalls ein in sich schlüssiges und substantiiertes Bild der Vor-

kommnisse. 

Es gibt schliesslich auch keinen Grund, an der illegalen Ausreise des Be-

schwerdeführers aus Eritrea zu zweifeln, denn seine Schilderungen wirken 

auch diesbezüglich authentisch. In der Anhörung erzählte er zwar ausführ-

licher über seine Reise, bestätigte jedoch die in der BzP gemachten Aus-

sagen weitgehend. So machte er übereinstimmende Angaben zum Ausrei-

sezeitpunkt, den Orten, welche er auf seiner Reise passierte, und zu den 

Ausreiseumständen (vgl. SEM-Akten A/7, Ziff. 5.02 und A/20, F 128–132). 

8.  

8.1 Damit ist als nächstes zu prüfen, ob der Beschwerdeführer aufgrund 

des von ihm glaubhaft dargelegten Sachverhaltes die Flüchtlingseigen-

schaft erfüllt, ihm mithin Asyl zu gewähren ist. 

8.2 Nach Lehre und Praxis setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigen-

schaft im Sinne von Art. 3 AsylG voraus, dass die asylsuchende Person 

ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungs-

weise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nach-

teile müssen gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen 

D-4353/2019 

Seite 19 

oder zugefügt worden sein. Die betroffene Person muss zudem einer lan-

desweiten Verfolgung ausgesetzt sein. Ausgangspunkt für die Beurteilung 

der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage, ob im Zeitpunkt der Ausreise eine 

Verfolgung oder eine begründete Furcht vor einer solchen bestand. Die 

Verfolgungsfurcht muss im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein. 

Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen dem 

Ausreisezeitpunkt und dem Zeitpunkt des Asylentscheids sind deshalb zu-

gunsten und zulasten der Asylsuchenden zu berücksichtigen (vgl. dazu 

BVGE 2010/57 E. 2 m.w.H.). 

8.3 Wehrdienstverweigerung oder Desertion vermögen für sich allein die 

Flüchtlingseigenschaft nicht zu begründen, sondern nur dann, wenn damit 

eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG verbunden ist, mit ande-

ren Worten wenn die betroffene Person aus den in dieser Norm genannten 

Gründen (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten 

sozialen Gruppe oder politische Anschauungen) wegen ihrer Wehrdienst-

verweigerung oder Desertion eine Behandlung zu gewärtigen hat, die 

ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt. Im spezi-

fisch eritreischen Kontext können Wehrdienstverweigerung oder Desertion 

– unter bestimmten Umständen – zur Anerkennung der Flüchtlingseigen-

schaft führen (vgl. zum Ganzen beispielsweise das Urteil des BVGer 

E-2058/2016 vom 11. Juli 2018 E. 7.2 f., mit Hinweisen auf BVGE 2015/3 

sowie den dort referenzierten und diesbezüglich immer noch einschlägigen 

Leitentscheid der vormaligen ARK: EMARK 2006 Nr. 3). 

Dienstverweigerung und Desertion werden in Eritrea unverhältnismässig 

streng bestraft. Die Furcht vor einer Bestrafung wegen Dienstverweigerung 

oder Desertion ist dann begründet, wenn die betroffene Person in einem 

konkreten Kontakt zu den Militärbehörden stand. Ein solcher Kontakt ist 

regelmässig anzunehmen, wenn die betroffene Person im aktiven Dienst 

stand und desertierte. Darüber hinaus ist jeglicher Kontakt zu den Behör-

den relevant, aus dem erkennbar wird, dass die betroffene Person rekru-

tiert werden sollte (z.B. Erhalt eines Marschbefehls). In diesen Fällen droht 

grundsätzlich nicht allein eine Haftstrafe, sondern eine Inhaftierung unter 

unmenschlichen Bedingungen und Folter, wobei Deserteure/Deserteurin-

nen regelmässig der Willkür ihrer Vorgesetzten ausgesetzt sind. Die De-

sertion wird von den eritreischen Behörden als Ausdruck der Regimefeind-

lichkeit aufgefasst. Demzufolge sind Personen, die begründete Furcht ha-

ben, einer solchen Bestrafung ausgesetzt zu werden, als Flüchtlinge im 

Sinn von Art. 1A Abs. 2 FK und Art. 3 Abs. 1–3 AsylG anzuerkennen 

(vgl. zum Ganzen EMARK 2006 Nr. 3; Zusammenfassung der Praxis in 

D-4353/2019 

Seite 20 

BVGE 2015/3 E. 5.7.1 sowie beispielsweise bestätigt in den Urteilen des 

BVGer E-1740/2016 vom 9. Februar 2018 E. 5.1 und E-6507/2016 vom 

24. Juni 2019 E. 6.4). 

8.4 Aus den vorstehenden Erwägungen (E. 6.2) ergibt sich, dass die Vor-

fluchtgründe entgegen der von der Vorinstanz vertretenen Auffassung ins-

gesamt als überwiegend glaubhaft zu beurteilen sind. Es ist somit erstellt, 

dass der Beschwerdeführer von den Behörden zwecks Rekrutierung für 

den Militärdienst gesucht worden ist, womit er im Kontakt mit den Militär-

behörden stand (vgl. EMARK 2006 Nr. 3 E. 4.10). Indem er aus Eritrea 

ausreiste und ins Ausland flüchtete, verweigerte er seinen Dienst. Vor dem 

Hintergrund ist eine objektiv begründete Furcht, im Fall einer Rückkehr 

nach Eritrea ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt 

zu sein, zu bejahen. Da die zu befürchtende Bestrafung durch staatliche 

Behörden erfolgen würde, steht ihm keine zumutbare innerstaatliche 

Schutzalternative zur Verfügung (vgl. dazu BVGE 2011/51 E. 8). 

8.5 Zusammenfassend erfüllt der Beschwerdeführer aufgrund von Vor-

fluchtgründen die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG. Den 

Akten sind keinerlei Hinweise auf das Vorliegen von Asylausschlussgrün-

den im Sinne von Art. 53 AsylG zu entnehmen. Die Voraussetzungen für 

die Asylgewährung sind damit erfüllt. Ob der Beschwerdeführer durch sein 

exilpolitisches Engagement, welches aufgrund der Aktenlage nicht in Ab-

rede zu stellen ist, ins Visier der eritreischen Sicherheitsbehörden geraten 

ist und deswegen bei einer (hypothetischen) Rückkehr nach Eritrea einer 

flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung ausgesetzt wäre, muss bei die-

sem Ausgang des Verfahrens nicht weiter erörtert werden. 

9.  

Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene 

Verfügung Bundesrecht verletzt. Die Beschwerde ist demnach gutzuheis-

sen. Die angefochtene Verfügung vom 26. Juli 2019 ist aufzuheben und die 

Vorinstanz anzuweisen, die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers 

festzustellen und ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. 

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der geleistete Kostenvorschuss ist zurückzu-

erstatten. 

D-4353/2019 

Seite 21 

10.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Der Rechts-

vertreter des Beschwerdeführers hat mit seiner Eingabe vom 8. Okto-

ber 2020 eine Honorarnote zu den Akten gereicht, mit welcher er einen 

Vertretungsaufwand von insgesamt Fr. 3'551.10 geltend macht, ausge-

hend von einem zeitlichen Aufwand von 10.90 Stunden zu einem Stunden-

ansatz von Fr. 300.– sowie Spesen in der Höhe von Fr. 27.20 und einem 

Mehrwertsteuerzuschlag von Fr. 253.90. Diese erscheint angemessen. 

Dem Beschwerdeführer ist eine Parteientschädigung im geltend gemach-

ten Rahmen zulasten der Vorinstanz zuzusprechen. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-4353/2019 

Seite 22 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Verfügung des SEM vom 

26. Juli 2019 wird aufgehoben. 

2.  

Der Beschwerdeführer wird als Flüchtling anerkannt und die Vorinstanz 

wird angewiesen, ihm Asyl zu gewähren. 

3.  

Das SEM wird angewiesen, das Geburtsdatum im ZEMIS auf den (…) zu 

korrigieren und mit einem Bestreitungsvermerk zu versehen. 

4.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. Der geleistete Kostenvor-

schuss im Betrag von Fr. 750.– wird dem Beschwerdeführer zurückerstat-

tet. 

5.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 3'551.10 auszurichten. 

6.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM, die zuständige kan-

tonale Migrationsbehörde, das Generalsekretariat EJPD und den EDÖB. 

 

Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

Contessina Theis Kathrin Rohrer 
  

D-4353/2019 

Seite 23 

Rechtsmittelbelehrung: 

Gegen Ziffer 3 dieses Entscheids kann innert 30 Tagen nach Eröffnung 

beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtli-

chen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bun-

desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rechts-

schrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. 

Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind beizulegen, soweit 

sie der Beschwerdeführer in Händen hat (Art. 42 BGG). 

 

Versand: