# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5c757f0f-241a-56a2-9556-1c53e612695c
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-06-07
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 07.06.2016 SB150188
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB150188_2016-06-07.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 
 

Geschäfts-Nr. SB150188-O/U/ad-hb 

 

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. Spiess, Vorsitzender, und lic. iur. Burger, 

Oberrichterin Dr. Janssen sowie der Gerichtsschreiber lic. iur. 

Berchtold 

 

 

Urteil vom 7. Juni 2016 

 

in Sachen 

 

A._____,  

Beschuldigter und Berufungskläger 

 

amtlich verteidigt durch Fürsprecher X1._____ 

verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X2._____ 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich,  

Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 

sowie 

 

1. B._____,  

Geschädigter, 

2. C._____,  

Privatklägerin, 
3. D._____,  

Privatklägerin, 

 

-   2   - 

3 vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ 

 

sowie 

 

E._____ AG,  

Verfahrensbeteiligte 

 

vertreten durch F._____ GmbH 

 

betreffend versuchte vorsätzliche Tötung etc. 
 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 27. Januar 

2015 (DG140054) 

-   3   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 22. Juli 2014  

ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 51).  

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

− der versuchten vorsätzlichen Tötung in Sinne von Art. 111 StGB in 
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, 

− der mehrfachen qualifizierten Widerhandlung gegen Art. 19 Abs. 1 
lit. b, c und d BetmG in Verbindung mit Abs. 2 lit. a und b BetmG, 

− der Hehlerei im Sinne von Art. 160 Ziff. 1 StGB, 
− der Anstiftung zur Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 24 Abs. 1 StGB,  

− der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von 
Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. a, Art. 8 und 
Art. 27 WG, sowie 

− der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 117 Abs. 1 und Abs. 2 AuG.  

Bezüglich der mehrfachen Ausnützung der Notlage im Sinne von Art. 193 

Abs. 1 StGB [Anklageziffer III.] sowie der mehrfachen Drohung im Sinne von 

Art. 180 Abs. 1 StGB [Anklageziffer VI.] ist der Beschuldigte nicht schuldig 

und wird von diesen Vorwürfen freigesprochen. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 8 ½ Jahren Freiheitsstrafe, wovon 698 

Tage durch Haft erstanden sind (gerechnet bis und mit 13. Oktober 2014) 

sowie mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.–. 

Es wird davon Vormerk genommen, dass sich der Beschuldigte seit dem 

14. Oktober 2014 im vorzeitigen Strafvollzug befindet. 

3. Die Freiheitsstrafe und die Geldstrafe werden vollzogen. 

-   4   - 

4. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

21. Mai 2012 beschlagnahmte Barschaft von Fr. 1'614.20 und die mit Verfü-

gung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 27. Februar 2013 

beschlagnahmte Barschaft von Fr. 2'199.90 (Nettoerlös aus der Verwertung 

des Personenwagens Mercedes-Benz CL 55 AMG) werden zur vollständi-

gen Tilgung der Geldstrafe sowie im Mehrbetrag zur teilweisen Deckung der 

Verfahrenskosten verwendet. 

5. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 

27. Februar 2013 beschlagnahmte Barschaft von Fr. 41'516.25 (Nettoerlös 

aus der Verwertung des Personenwagens BMW X6 xDrive 35i) wird der 

E._____ AG auf erstes Verlangen nach Rechtskraft des Urteils zur Wieder-

herstellung des rechtmässigen Zustandes ausgehändigt. 

6. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 

21. Februar 2013 beschlagnahmten zwei Messer werden eingezogen und 

der Kantonspolizei Zürich zur gutscheinenden Verwendung überlassen. 

7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 19. Ap-

ril 2013 beschlagnahmten Gegenstände (Identitätskarte/Pass) werden dem 

Beschuldigten nach Rechtskraft des Urteils zuhanden von dessen persönli-

chen Effekten ausgehändigt. 

8. a) Die Privatklägerin 2 [C._____] wird mit ihrem Schadenersatz- und Ge-

nugtuungsbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

b) Die Privatklägerin 3 [D._____] wird mit ihrem Genugtuungsbegehren 

auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

-   5   - 

9. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 10'000.00 ; die weiteren Kosten betragen: 

 12'000.00   Gebühr Strafuntersuchung 

Fr. 51'119.60   Auslagen Vorverfahren 

Fr. 466'396.00   Kosten Kantonspolizei Zürich 

Fr. 18'000.00   amtl. Verteidigung (Akontozahlung vom 25.02.2013) 

Fr. 20'000.00   amtl. Verteidigung (Akontozahlung vom 03.06.2014) 

Fr. 70'000.00 amtl. Verteidigung (Schlusszahlung; inkl. MwSt. und   Barauslagen, inkl. Aufwendungen RA Dr. X2._____) 
Fr. 5'800.00   unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin 3 

Fr. 653'315.60   Total 

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten. 

10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, inklusive 

diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden zu drei Vierteln dem Be-

schuldigten auferlegt. Dieser Kostenanteil der amtlichen Verteidigung wird 

jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Vorbehalten bleibt ei-

ne Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.  

Zu einem Viertel werden die Kosten, inklusive einem Viertel der Kosten der 

amtlichen Verteidigung, auf die Gerichtskasse genommen. 

Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin 3 werden defi-

nitiv auf die Gerichtskasse genommen. 

 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 178 S. 1; Prot. II S. 32) 

1. Das vorinstanzliche Urteilsdispositiv sei in Ziff. 1 betr. Schuldspruch 

wegen versuchter vorsätzlicher Tötung aufzuheben, und die Sache sei 

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zur Vereinigung des vorliegenden Verfahrens mit demjenigen gegen 

B._____ und zu neuer Beurteilung an die Vorinstanz zurück zu weisen. 

2. Ev. (falls die Sache nicht an die Vorinstanz zurück gewiesen wird): Der 

Berufungskläger sei vom Vorwurf der versuchter vorsätzlicher Tötung 

freizusprechen und zu 21 Monaten Freiheitsstrafe sowie zu einer Geld-

strafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.00 zu verurteilen. 

3. Unter Kosten und Entschädigungsfolge 

b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich:  

(Urk. 179 S. 1) 

Bestätigung des Urteils des Bezirksgerichts Winterthur vom 27. Januar 2015 

 

____________________________________ 

 

Das Gericht erwägt: 

I. Verfahrensgang 

1. Gegen das eingangs wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichts Winterthur 

vom 27. Januar 2015 meldete der erbetene Verteidiger des Beschuldigten am 

28. Januar 2015 vor Schranken mündlich Berufung an (Prot. I S. 103), die am 

29. Januar 2015 schriftlich wiederholt wurde (Urk. HD 105). Das vollständig be-

gründete Urteil (Urk. HD 115) wurde vom amtlichen Verteidiger am 14. April 2015 

entgegen genommen (Urk. HD 107). Mit Eingabe vom 4. Mai 2015 reichte der 

amtliche Verteidiger die Berufungserklärung ein (Urk. HD 116). 

-   7   - 

2. Mit Präsidialverfügung vom 13. Mai 2015 wurde unter Hinweis auf die Beru-

fungserklärung des Beschuldigten Frist zur Erhebung einer Anschlussberufung 

bzw. zum Antrag auf Nichteintreten auf die Berufung angesetzt (Urk. HD 118). Mit 

Eingabe vom 28. Mai 2015 erklärte der Vertreter der Privatklägerin 3, dass diese 

keine Anschlussberufung erhebe (Urk. HD 120). Mit Eingabe vom 4. Juni 2015 

gab der Vertreter der Anklagebehörde bekannt, dass seitens der Staatsanwalt-

schaft II des Kantons Zürich auf Anschlussberufung und das Stellen eines An-

trags verzichtet werde (Urk. HD 122). Der Geschädigte, die Privatklägerin 2 und 

die Verfahrensbeteiligte E._____ AG liessen sich nicht vernehmen. Am 23. Juni 

2015 ging ein vom 19. Juni 2015 datierendes Schreiben des Geschädigten in … 

Sprache [Sprache Staat G._____] ein (Urk. HD 123), welches das Gericht in der 

Folge übersetzen liess (Urk. HD 125). Mit Eingabe vom 10. September 2015 stell-

te die Verteidigung den Antrag, die Anklage sei zur Ergänzung und Berichtigung 

an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen und diese sei anzuweisen, die Verfah-

ren gegen den Beschuldigten und B._____ (den Geschädigten) zu vereinigen und 

gegen beide gleichzeitig beim Bezirksgericht Winterthur Anklage zu erheben 

(Urk. HD 133). Mit Präsidialverfügung vom 14. Oktober 2015 wurde diese Einga-

be dem Geschädigten, den Privatklägerinnen, der Verfahrensbeteiligten E._____ 

AG sowie der Anklagebehörde zur Stellungnahme zugestellt (Urk. HD 135). Die 

Vernehmlassung der Anklagebehörde datiert vom 22. Oktober 2015 (Urk. HD 

137). Mit Eingabe vom 26. Oktober 2015 teilte der Vertreter der Privatklägerin 3 

mit, dass auf Stellungnahme verzichtet werde (Urk. HD 138). Weitere Eingaben 

gingen hierzu nicht ein. Mit Eingabe vom 27. Oktober 2015 legitimierte sich 

Rechtsanwalt Dr. X2._____ zusätzlich zur amtlichen Verteidigung als erbetener 

Verteidiger (Urk. HD 139 und 140). Er stellte in dieser Eingabe unter anderem ei-

nen Befangenheitsantrag gegen die früher fallführende Staatsanwältin (Urk. HD 

139 S. 9). Daraufhin wurde das Verfahren mit Beschluss vom 4. November 2015 

bis zur endgültigen Erledigung dieses Antrags sistiert (Urk. HD 142). Mit Be-

schluss vom 26. November 2015 trat die III. Strafkammer des Obergerichts des 

Kantons Zürich auf diesen Antrag nicht ein (Urk. HD 146). Der erbetene Verteidi-

ger des Beschuldigten erklärte mit Eingabe vom 7. Dezember 2015, dass dieser 

Entscheid nicht angefochten werde (Urk. HD 147). Daraufhin erging der Be-

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schluss vom 10. Dezember 2015, womit das Verfahren zur Ergänzung der Unter-

suchung durch Einvernahme von H._____ und dem Geschädigten, nicht aber zur 

Vereinigung des Verfahrens mit demjenigen gegen den Geschädigten, an die An-

klagebehörde zurückgewiesen wurde und die Akten im Verfahren gegen den Ge-

schädigten (Untersuchungs-Nr. B-2/2012/181100419) beigezogen wurden, wäh-

rend der Entscheid über die beantragte Tatrekonstruktion auf einen späteren 

Zeitpunkt in Aussicht gestellt wurde (Urk. HD 148 S. 1 ff.). Mit Eingabe vom 

23. Dezember 2015 teilte der amtliche Verteidiger mit, dass auf die Einvernahme 

des Geschädigten und von H._____ im vorliegenden Verfahren verzichtet werde 

(Urk. HD 152). Daher wurde mit Beschluss vom 6. Januar 2016 auf die Ergän-

zung der Untersuchung gemäss Beschluss vom 10. Dezember 2015 verzichtet 

und die Anklagebehörde ersucht, die Akten des Verfahrens gegen den Geschä-

digten an die Berufungsinstanz zu übermitteln. Da die Originalakten in jenem Ver-

fahren von der Anklagebehörde benötigt wurden, stellte sie in der Folge Doppel-

akten zur Verfügung (Urk. HD 158). Mit Präsidialverfügung vom 17. Februar 2016 

wurde der Antrag auf Tatrekonstruktion einstweilen abgewiesen (Urk. HD 160), 

und am 8. März 2016 wurde zur heutigen Berufungsverhandlung vorgeladen 

(Urk. HD 162). Mit Eingabe vom 19. Mai 2016 zog der amtliche Verteidiger des 

Beschuldigten die Berufung teilweise zurück und ersuchte um Einholung eines ak-

tuellen Führungsberichts (Urk. HD 172 S. 2). Dieser wurde in der Folge angefor-

dert und datiert vom 27. Mai 2016 (Urk. HD 175). An der heutigen Berufungsver-

handlung nahmen der Beschuldigte, sein amtlicher Verteidiger und der Vertreter 

der Anklagebehörde teil (Prot. II S. 10 ff.). Das Verfahren ist spruchreif. 

 

II. Prozessuales 

1.1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-

schiebende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird somit im 

Umfang der Berufungsanträge gehemmt, während die von der Berufung nicht er-

fassten Punkte in Rechtskraft erwachsen (vgl. BSK StPO-Eugster, Art. 402 N 1 f.). 

-   9   - 

1.2. Der Beschuldigte liess in seiner Berufungserklärung Dispositivziffer 1 teil-

weise (Schuldspruch betreffend versuchte vorsätzliche Tötung, Schuldspruch be-

treffend mehrfache qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelge-

setz, Schuldspruch betreffend Hehlerei sowie Schuldspruch betreffend Anstiftung 

zur Urkundenfälschung), Dispositivziffer 2 (Sanktion), Dispositivziffer 3 (Vollzug) 

und Dispositivziffer 10 teilweise (Kostenauflage gemäss den Absätzen 1 und 2) 

anfechten. Der Inhalt von Dispositivziffer 4 wurde vom Beschuldigten grundsätz-

lich akzeptiert, er verlangte in der Berufungserklärung aber hinsichtlich des Ver-

wertungserlöses betreffend den Personenwagen BMW X6 xDrive 35i gemäss 

Dispositivziffer 5 ebenfalls die Einziehung zur vollständigen Tilgung der Geldstrafe 

und im Mehrbetrag zur teilweisen Deckung der Verfahrenskosten sowie die Ver-

einigung der Dispositivziffern 4 und 5 (Urk. HD 116 S. 4). 

1.3. Mit Eingabe vom 19. Mai 2016 teilte der amtliche Verteidiger des Beschul-

digten mit, dass die Berufung betreffend die Schuldsprüche wegen mehrfacher 

qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, Hehlerei und 

Anstiftung zur Urkundenfälschung zurückgezogen werde und somit bei den 

Schuldsprüchen nur der Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung angefoch-

ten bleibe. Folglich werde auch die Berufung betreffend die Dispositivziffern 4 und 

5 des erstinstanzlichen Urteils zurückgezogen (Urk. HD 172 S. 1). Somit ist das 

Verfahren mit Bezug auf die Dispositivziffern 1 teilweise (Schuldspruch betreffend 

mehrfache qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, Heh-

lerei und Anstiftung zur Urkundenfälschung), 4 (Verwendung Verwertungserlös 

und 5 (Aushändigung Verwertungserlös) des Urteils des Bezirksgerichts Win-

terthur vom 27. Januar 2015 als durch Rückzug der Berufung erledigt abzuschrei-

ben. 

1.4. Die Dispositivziffern 1 teilweise (Schuldspruch betreffend mehrfache qualifi-

zierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, Hehlerei, Anstiftung zur 

Urkundenfälschung, mehrfache Widerhandlung gegen das Waffengesetz sowie 

mehrfache Widerhandlung gegen das Ausländergesetz; Freispruch vom Vorwurf 

der mehrfachen Ausnützung der Notlage und vom Vorwurf der mehrfachen Dro-

hung), 4 (Verwendung Verwertungserlös), 5 (Aushändigung Verwertungserlös), 

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6 (Einziehung von Messern), 7 (Herausgabe beschlagnahmter Gegenstände), 

8 (Zivilansprüche), 9 (Kostenaufstellung) und 10 teilweise (Kosten unentgeltliche 

Vertretung Privatklägerin 3 gemäss Absatz 3) des vorinstanzlichen Urteils sind 

somit in Rechtskraft erwachsen, was mittels Beschluss festzustellen ist.  

2.1. Der Hauptantrag der amtlichen Verteidigung im Berufungsverfahren lautet 

dahingehend, das vorliegende Verfahren sei zur Vereinigung mit demjenigen ge-

gen den Geschädigten und zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuwei-

sen (Urk. HD 178 S. 1). Denselben Antrag hatte die amtliche Verteidigung anläss-

lich der Berufungsverhandlung bereits als Vorfrage im Sinne von Art. 339 Abs. 2 

StPO gestellt (Prot. II S. 12 ff.; Urk. HD 177).  

2.2. Wie bereits mit Beschluss vom 10. Dezember 2015 und anlässlich der Beru-

fungsverhandlung im Rahmen der Behandlung der Vorfragen entschieden wurde, 

ist eine Rückweisung nicht angezeigt. Es kann insoweit auf die nach wie vor zu-

treffenden Erwägungen im erwähnten Beschluss verwiesen werden (Urk. 

HD 148). Hervorzuheben ist, dass kein Fall von Art. 29 StPO gegeben ist, eine 

Vereinigung der beiden Verfahren jedoch grundsätzlich auf der Grundlage von 

Art. 30 StPO möglich gewesen wäre. Der Entscheid der Staatsanwaltschaft, die 

beiden Verfahren nicht zu vereinigen, sowie derjenige der Vorinstanz, das Verfah-

ren gegen den Beschuldigten nicht zur Vereinigung mit demjenigen gegen den 

Geschädigten an die Anklagebehörde zurückzuweisen, waren vor dem Hinter-

grund des Beschleunigungsgebots im Sinne von Art. 5 Abs. 1 und 2 StPO jedoch 

sachgerecht. Dasselbe gilt immer noch: Dass eine Vereinigung der Verfahren zu 

einer nicht hinzunehmenden Verzögerung des vorliegenden Verfahrens geführt 

hätte, zeigt sich deutlich daran, dass im Verfahren gegen den Geschädigten im-

mer noch keine Anklageerhebung erfolgte.  

2.3. Soweit die amtliche Verteidigung eine Rückweisung damit begründen will, 

dass im vorliegenden Verfahren keine Konfrontationseinvernahme des Beschul-

digten mit dem Geschädigten durchgeführt wurde, ist darauf hinzuweisen, dass 

eine Rückweisung des Verfahrens an die Staatsanwaltschaft zur Durchführung 

von Einvernahmen einerseits des Geschädigten und andererseits von H._____ 

mit Beschluss vom 10. Dezember 2015 angeordnet wurde (Urk. HD 148). Die 

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amtliche Verteidigung teilte in der Folge jedoch mit, dass auf die von ihr beantrag-

ten Einvernahmen des Geschädigten und von H._____ im vorliegenden Verfahren 

verzichtet werde. Der Geschädigte sei, nachdem dieser Antrag gestellt worden 

sei, bereits mehrfach als Beschuldigter und H._____ ein Mal als Auskunftsperson 

einvernommen worden, wobei die Teilnahmerechte der Verteidigung des Be-

schuldigten gewahrt worden seien. Die Verteidigungsrechte hätten ausgeübt wer-

den können. In der Einvernahme mit H._____ seien auch die aufgezeichneten Te-

lefongespräche, die dieser im Nachgang zur Schiesserei mit seiner Verwandt-

schaft geführt habe, zur Sprache gekommen. Von einer Wiederholung dieser Be-

weisabnahmen sei kein neuer Erkenntnisgewinn zu erwarten. Auch die Einver-

nahme von H._____ als Zeuge statt als Auskunftsperson werde keine neuen Re-

sultate zu Tage fördern, da H._____ sich in seiner Einvernahme bei der Staats-

anwaltschaft vom 24. August 2015 an keiner Stelle auf sein Aussageverweige-

rungsrecht als Auskunftsperson berufen habe und nicht zu erwarten sei, dass er 

nun plötzlich seine Aussagen als Zeuge ändern würde. Obwohl der Verteidigung, 

wie dies in einer Protokollnotiz auf Seite 21 des Einvernahmeprotokolls vom 24. 

August 2015 festgehalten worden sei, vor der Einvernahme nicht sämtliche Proto-

kolle über früher durchgeführte Einvernahmen mit der Auskunftsperson vorgelegt 

worden seien, müsse diese Einvernahme nicht nochmals durchgeführt werden; 

die Verteidigung verzichte darauf (Urk. HD 152 S. 1 f.). Wenn die amtliche Vertei-

digung ihren Antrag auf Rückweisung damit begründet, es seien der Geschädigte 

oder H._____ im vorliegenden Verfahren einzuvernehmen, setzt sie sich somit in 

Widerspruch zu ihrem früheren Verhalten und verstösst damit gegen Treu und 

Glauben. Vielmehr ist die Verteidigung darauf zu behaften, dass die Verteidi-

gungsrechte auch ohne die ursprünglich beantragten Einvernahmen gewahrt 

wurden. Die Akten des Verfahrens gegen den Geschädigten – und damit auch die 

Protokolle von dessen nach seiner Auslieferung stattgefundenen Einvernahmen – 

wurden im vorliegenden Verfahren beigezogen und werden bei der Sachverhalts-

erstellung ebenso zu berücksichtigen sein wie das Protokoll der in jenem Verfah-

ren durchgeführten Einvernahme von H._____ als Auskunftsperson (Urk. HD 129; 

Urk. HD 158). Hinzu kommt, dass dem Tatvorwurf der versuchten vorsätzlichen 

Tötung gegen den Beschuldigten entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 

-   12   - 

HD 177 S. 2) keine klassische Aussage-gegen-Aussage-Konstellation zugrunde 

liegt. Vielmehr liegen neben den Aussagen der Schützen die Aussagen von Zeu-

gen und Auskunftspersonen vor und zudem Sachbeweise bei den Akten (vgl. 

nachstehende Erw. III./B.1.). Eine Einvernahme des Geschädigten oder auch von 

H._____ durch das Berufungsgericht respektive eine Rückweisung zum Zwecke 

der Durchführung einer solchen durch die erste Instanz ist unter den gegebenen 

Umständen entbehrlich.  

2.4. Soweit die Verteidigung auf Widersprüche zwischen dem vorliegenden An-

klagesachverhalt und den Sachverhalten einerseits gemäss Schlussvorhalt im 

Verfahren gegen den Geschädigten sowie andererseits im Auslieferungsersuchen 

betreffend den Geschädigten hinweist (Urk. HD 178 S. 6 ff.), ist festzuhalten, dass 

– wie die amtliche Verteidigung im Anschluss an diese Ausführungen zutreffend 

bemerkte (Urk. HD 178 S. 8) – für das vorliegende Verfahren alleine der in der 

Anklageschrift geschilderte Sachverhalt massgebend und zu prüfen ist, ob resp. 

inwieweit der Beschuldigte diesen Sachverhalt verwirklicht hat.  

3.1. Mit Präsidialverfügung vom 17. Februar 2016 wurde der Antrag der Verteidi-

gung auf Tatrekonstruktion abgelehnt (Urk. HD 160). Anlässlich der Berufungs-

verhandlung stellte die Verteidigung diesen Antrag zwar nicht explizit, bezeichne-

te einen Augenschein mit Tatrekonstruktion zumindest im Rahmen ihrer Ausfüh-

rungen zur beantragten Rückweisung des Verfahrens jedoch als logischen weite-

ren Schritt (Urk. HD 177 S. 4).  

3.2. Wie sich aus den Erwägungen zur Sachverhaltserstellung ergeben wird (da-

zu nachfolgend unter Erw. III./B.), liefen die Geschehnisse vom 3. April 2012 äus-

serst schnell und dynamisch ab. Hinzu kommt, dass sie bei Dunkelheit und regne-

rischem Wetter stattfanden, u.a. drei Personenwagen involviert waren, die alle sil-

berfarbig waren und, da keines der Fahrzeuge ein Stufenheck hatte, eine ähnliche 

Form aufwiesen, die Augenzeugen auf derartige Ereignisse nicht vorbereitet wa-

ren und das von ihnen Wahrgenommene sie teilweise auch ängstigte resp. scho-

ckierte. Ferner muss davon ausgegangen werden, dass keiner der Augenzeugen 

die Ereignisse vom Anfang bis zum Ende beobachten konnte. Dass die Aussagen 

der verschiedenen Augenzeugen, die im Untersuchungsverfahren einvernommen 

-   13   - 

wurden, teilweise voneinander abweichen, überrascht daher nicht. Es kann aus-

geschlossen werden, dass ihre Auskünfte anlässlich einer Tatrekonstruktion rund 

vier Jahre nach dem fraglichen Abend präziser ausfallen würden, ist doch ge-

richtsnotorisch, dass Erinnerungen auch an einschneidende Erlebnisse im Allge-

meinen mit der Zeit verblassen. Dies zeigte sich denn auch bei Zeugeneinver-

nahmen, die anfangs 2013, rund zehn Monate nach den fraglichen Ereignissen, 

stattfanden und bei denen die Angaben teilweise deutlich ungenauer waren als 

die kurz nach den Geschehnissen deponierten Aussagen (auch dazu nachfolgend 

unter Erw. III./B.). Der Beschuldigte und der Geschädigte haben anlässlich ihrer 

Einvernahmen ihre Darstellungen zu den Ereignissen eingehend zu Protokoll ge-

geben und auch Tatortskizzen angefertigt. Es ist daher nicht ersichtlich, wie sich 

diesbezüglich aus einer Tatrekonstruktion neue Erkenntnisse ergeben könnten. 

Mit Bezug auf die örtlichen Verhältnisse schliesslich liegen eine äusserst umfang-

reiche Fotodokumentation (Urk. HD 37/10) sowie ein Situationsplan im Massstab 

1 : 200 (Urk. HD 37/15, Anhang) bei den Akten. Diese ermöglichen es den Betei-

ligten und dem Gericht, die Darstellungen und Geschehnisse unter Zugrundele-

gung der konkreten räumlichen Verhältnisse nachzuvollziehen. 

3.3. Demzufolge besteht kein Anlass, auf den Entscheid gemäss Präsidialverfü-

gung vom 17. Februar 2016 zurückzukommen. Davon, dass eine Tatrekonstrukti-

on nicht zielführend wäre, ging im Übrigen auch die Verteidigung selber anlässlich 

der vorinstanzlichen Hauptverhandlung aus, wenn auch mit anderer Begründung 

(Urk. HD 97/1 S. 68). 

4. Auf die Argumente der amtlichen Verteidigung und der Staatsanwaltschaft 

ist im Rahmen der nachstehenden Erwägungen einzugehen. Dabei muss sich das 

Gericht nicht ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtli-

chen Einwand auseinandersetzen; vielmehr kann es sich auf die für die Ent-

scheidfindung wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 138 I 232 E. 5.1 

und BGE 133 I 270 E. 3.1, je mit Hinweisen; Urteile des BGer 89/2014 vom 1. Mai 

2014 E. 2.2, 6B_526/2009 vom 2. September 2009 E. 3.2 und 6B_678/2009 vom 

3. November 2009 E. 5.2). 

 

-   14   - 

III. Schuldpunkt 

A. Ausgangslage 

1. Nach dem Teilrückzug der Berufung (dazu vorne unter Erw. II./1.3.) ist im 

Berufungsverfahren im Rahmen des Schuldpunkts einzig der Tatvorwurf der ver-

suchten vorsätzlichen Tötung zu behandeln. 

2.1. Der Beschuldigte war, wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird, bezüglich des 

im Berufungsverfahren zu prüfenden Anklagesachverhalts während der Untersu-

chung, vor Vorinstanz und an der heutigen Berufungsverhandlung in wesentlichen 

Punkten nicht geständig. Vielmehr legte er im Laufe des Verfahrens mehrere ei-

gene Versionen zum Ablauf der Geschehnisse vom 3. April 2012 dar. 

2.2. Demnach ist nachfolgend zu prüfen, ob sich der im Berufungsverfahren zu 

beurteilende Anklagesachverhalt anhand der vorhandenen Beweismittel erstellen 

lässt. 

3.1. Bestreitet ein Beschuldigter die ihm vorgeworfenen Taten, ist der Sachverhalt 

aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Argumente 

nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu erstellen. Gemäss der aus Art. 9 

und 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK sowie Art. 10 Abs. 3 

StPO verankerten Maxime "in dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis 

seiner Schuld zu vermuten, dass der einer strafbaren Handlung Beschuldigte un-

schuldig ist (Art. 10 Abs. 1 StPO; BGE 138 V 74 E. 7; BGE 129 I 49 E. 4; BGE 

128 I 86 E. 2; BGE 127 I 38 E. 2a; BGE 120 Ia 31 E. 2b). Als Beweiswürdigungs-

regel besagt die Maxime, dass sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines 

für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhaltes überzeugt erklären darf, wenn 

bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirk-

licht hat (BGE 127 I 38 E. 2a; BGE 124 IV 86 E. 2a; BGE 120 Ia 31 E. 2c). Die 

Überzeugung des Richters muss auf einem verstandesgemäss einleuchtenden 

Schluss beruhen und für den unbefangenen Beobachter nachvollziehbar sein 

(Hauser/Schweri/Hartmann, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. A., Basel 

2005, § 54 Rz 11 ff.). Wenn erhebliche resp. nicht zu unterdrückende Zweifel be-

-   15   - 

stehen, ob sich der Sachverhalt so abgespielt hat, wie er eingeklagt ist, ist der 

Beschuldigte nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" freizusprechen. Soweit ein 

direkter Beweis nicht möglich ist, ist der Nachweis der Tat mit Indizien zu führen, 

wobei die Gesamtheit der einzelnen Indizien, deren "Mosaik" zu würdigen ist (Ur-

teile des BGer 6B_46/2014 vom 9. Oktober 2014 E. 2.2, 1P.333/2002 vom 

12. Februar 2003 E. 1.4 und 1P.87/2002 vom 17. Juni 2002 E. 3.4). 

3.2. Aufgabe des Richters ist es demzufolge, seinem Gewissen verpflichtet, in ob-

jektiver Würdigung des gesamten Beweisergebnisses zu prüfen, ob er von einem 

bestimmten Sachverhalt überzeugt ist und an sich mögliche Zweifel an dessen 

Richtigkeit zu überwinden vermag (Art. 10 Abs. 2 StPO; BGE 127 I 38 E. 2a; BGE 

124 IV 86 E. 2a; BGE 120 1a 31 E. 2c). Es liegt in der Natur der Sache, dass mit 

menschlichen Erkenntnismitteln keine absolute Sicherheit in der Beweisführung 

erreicht werden kann. Daher muss es genügen, dass das Beweisergebnis über 

jeden vernünftigen Zweifel erhaben ist. Bloss abstrakte oder theoretische Zweifel 

dürfen dabei nicht massgebend sein, weil solche immer möglich sind (BSK StPO-

Hofer Art. 10 StPO N 61; Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 54 N 12; BGE 138 

V 74 E. 7; BGE 124 IV 86 E. 2a; BGE 120 Ia 31 E. 2c; Urteil des BGer 

6B_46/2014 vom 9. Oktober 2014 E. 2.2). Es genügt also, wenn vernünftige Zwei-

fel an der Schuld ausgeschlossen werden können. Hingegen darf ein Schuld-

spruch nie auf blosser Wahrscheinlichkeit beruhen. 

3.3. Wie bereits angesprochen können auch indirekte, mittelbare Beweise, soge-

nannte Anzeichen oder Indizien, einen für die Beweisführung bedeutsamen 

Schluss erlauben. Da ein Indiz immer nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit 

auf die Täterschaft oder die Tat hinweist, lässt es, einzeln betrachtet, die Möglich-

keit des Andersseins offen, enthält daher auch den Zweifel. Es ist jedoch zulässig, 

aus der Gesamtheit der verschiedenen Indizien, welche je für sich allein betrach-

tet nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache oder 

Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offen lassen, auf den vollen rechtsge-

nügenden Beweis von Tat oder Täter zu schliessen (Hauser/Schweri/Hartmann, 

a.a.O., § 59 N 15; Urteile des BGer 6B_1053/2009 vom 29. März 2010 E. 2.4, 

6B_365/2009 vom 12. November 2009, E. 1.4, 6B_332/2009 vom 4. August 2009, 

-   16   - 

E. 2.3 und 6B_297/2007 vom 4. September 2007 E. 3.4 mit weiteren Hinweisen). 

Der Indizienbeweis ist dem direkten Beweis gleichwertig (Hauser/Schweri/Hart-

mann, a.a.O., § 59 N 14). 

3.4. Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, so sind diese 

frei zu würdigen. Es ist anhand sämtlicher Umstände, die sich aus den Akten und 

den Verhandlungen ergeben, zu untersuchen, welche Sachdarstellung überzeu-

gend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt der Aussagen ankommt, 

verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben erfolgten. Bei der Würdigung 

von Aussagen darf nicht einfach auf die Persönlichkeit oder allgemeine Glaub-

würdigkeit von Aussagenden abgestellt werden. Massgebend ist vielmehr die 

Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussagen. Diese sind einer 

kritischen Würdigung zu unterziehen, wobei auf das Vorhandensein von soge-

nannten Realitätskriterien grosses Gewicht zu legen ist (vgl. Rolf Bender, Die 

häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, in SJZ 81 [1985] 

S. 53 ff.; Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststellungen vor Gericht, Glaubwürdig-

keits- und Beweislehre, Vernehmungslehre, 4. Auflage, München 2014, N 313 ff. 

und N 370 ff.). Die wichtigsten Realitätskriterien sind dabei die "innere Geschlos-

senheit und Folgerichtigkeit in der Darstellung des Geschehensablaufs", die "kon-

krete und anschauliche Wiedergabe des Erlebnisses", die "Schilderung des Vor-

falles in so charakteristischer Weise, wie sie nur von demjenigen zu erwarten ist, 

der den Vorfall selber erlebt hat", die "Kenntlichmachung der psychischen Situati-

on von Täter und Zeuge" bzw. unter Mittätern, die "Selbstbelastung oder unvor-

teilhafte Darstellung der eigenen Rolle", "Entlastungsbemerkungen zugunsten des 

Beschuldigten" und die "Konstanz in der Aussage bei verschiedenen Befragun-

gen, wobei sich aber sowohl Formulierungen als auch die Angaben über Neben-

umstände verändern können". Bei wahrheitswidrigen Aussagen fehlen diese 

Kennzeichen regelmässig (Robert Hauser, Der Zeugenbeweis im Strafprozess-

recht mit Berücksichtigung des Zivilprozesses, Zürich 1974, S. 316). Als Indizien 

für falsche Aussagen gelten "Unstimmigkeiten oder grobe Widersprüche in den 

eigenen Aussagen", die "Zurücknahme oder erhebliche Abschwächungen in den 

ursprünglichen Anschuldigungen", "Übersteigerungen in den Beschuldigungen im 

Verlaufe mehrerer Einvernahmen", "unklare, verschwommene oder ausweichen-

-   17   - 

de Antworten" sowie "gleichförmige, als eingeübt und stereotyp wirkende Aussa-

gen" (Robert Hauser, a.a.O.). Als generelle Phantasiesignale nennen Ben-

der/Nack/Treuer die "Schwarz-Weiss-Malerei", die "Verarmung der Aussage", das 

"Flucht- und Begründungssignal" und die "behauptete Akzeptanz gegenüber be-

zweifelbaren Rechtsverkürzungen". Wenn das eine oder andere Phantasiesignal 

auftritt, braucht die Aussage nicht ohne Weiteres verworfen zu werden. Es ist 

dann aber eine ausreichende Zahl von erstklassigen Realitätskriterien zu fordern 

(Bender/Nack/Treuer, a.a.O., N 336 ff.). 

3.5. Damit kommt der allgemeinen Glaubwürdigkeit des Aussagenden nach neue-

ren Erkenntnissen kaum mehr Bedeutung zu. Weitaus bedeutender für die Wahr-

heitsfindung als die allgemeine Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der konkre-

ten Aussagen.  

3.6. Angesichts der Unschuldsvermutung besteht Beweisbedürftigkeit, d.h. der 

verfolgende Staat hat dem Beschuldigten alle objektiven und subjektiven Tatbe-

standselemente nachzuweisen und nicht der Beschuldigte seine Unschuld (BSK-

StPO-Tophinke Art. 10 StPO N 19; Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, 4. Auflage, 

Zürich 2004, N 599; BGE 127 I 38 E. 2a; BGE 120 Ia 31 E. 2c; Urteile des BGer 

1P.437/2004 vom 1. Dezember 2004 E. 4.3 sowie 6S.154/2004 vom 30. Novem-

ber 2005 E. 4). 

3.7. Der Grundsatz "in dubio pro reo" findet als Beweislastregel aber keine An-

wendung, wenn der Beschuldigte eine ihn entlastende Behauptung aufstellt, ohne 

dass er diese in einem Mindestmass glaubhaft machen kann. Es tritt jedenfalls in-

soweit eine Beweislastumkehr ein, als nicht jede aus der Luft gegriffene Schutz-

behauptung von der Anklagebehörde durch hieb- und stichfesten Beweis wider-

legt werden muss (vgl. Entscheid des Kassationsgerichts Zürich vom 2. Novem-

ber 2004, Nr. AC040082, E. III.5; Stefan Trechsel, Struktur und Vermutung der 

Schuldlosigkeit, SJZ 77/1981 S. 320). 

 
 
 
 

-   18   - 

B. Anklagevorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung 

1. Die Vorinstanz hat den Grossteil der zu diesem Anklagevorwurf relevanten 

Beweismittel aufgezählt (Urk. HD 115 S. 12 f.). Der von der Verteidigung am Gut-

achten des Forensischen Instituts Zürich vom 6. März 2013 vor Vorinstanz ge-

äusserten Kritik (vgl. Urk. HD 97/1), auf welche sie anlässlich der Berufungsver-

handlung verwies (Urk. HD 178 S. 2), ist die Vorinstanz mit zutreffender Argumen-

tation begegnet (Urk. HD 115 S. 6 ff.). Darauf kann verwiesen und festgehalten 

werden, dass auf die Feststellungen im Gutachten abgestellt werden kann. Her-

anzuziehen sind ferner insbesondere die Fotodokumentation des Forensischen 

Instituts Zürich (Urk. HD 37/10), das Radarbild vom 3. April 2012, 20:44:01 (Urk. 

HD 1/1, Anhang), die Erkenntnisse aus den aufgezeichneten Anrufen beim Notruf 

vom 3. April 2012 (Urk. HD 1/14 inkl. CD, die Einvernahmen von I._____ (Urk. HD 

34/24-25), weitere Aufzeichnungen aus der Telefonkontrolle (Urk. HD 1/21, An-

hänge 47-51, 53 und 54) sowie der Kurzbericht des Forensischen Instituts Zürich 

vom 18. April 2012 (Urk. HD 37/6). Zu berücksichtigen sind darüber hinaus auch 

die Einvernahmen des Geschädigten (Urk. HD 158/3/1/1-14), des Beschuldigten 

(Urk. HD 130 = Urk. HD 158/3/2/24) und von H._____ (Urk. HD 129 = Urk. HD 

158/3/5/6), die im Verfahren gegen den Geschädigten durchgeführt wurden und 

deren Protokolle nunmehr bei den Akten liegen, sowie die Aussagen des Be-

schuldigten anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung (Prot. II S. 15 ff.). 

Schliesslich können die Aussagen von J._____ unabhängig von der Beantwor-

tung der Frage, ob sie zulasten des Beschuldigten verwendet werden dürfen oder 

nicht, weil J._____ anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 15. Mai 2012 

die Aussage verweigerte (Urk. HD 5/3 S. 2 ff.), zugunsten des Beschuldigten her-

angezogen werden. Dies gilt auch für die Aussagen anlässlich seiner Konfrontati-

on mit dem Geschädigten im Verfahren gegen diesen, an welcher der Beschuldig-

te und seine Verteidigung nicht teilnahmen (Urk. HD 158/3/1/7). 

2. Wie aus den nachfolgenden Erwägungen ersichtlich ist, ist die Vorinstanz zu 

Recht davon ausgegangen, dass der eingeklagte Sachverhalt in den wesentlichen 

Punkten auch ohne die belastenden Aussagen von J._____ erstellt werden kann 

(Urk. HD 115 S. 13). Die Frage, ob diese verwertet werden dürften, die von der 

-   19   - 

Verteidigung anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung verneint wurde 

(Urk. HD 97/1 S. 43 ff.), kann daher offen bleiben. Der Verwertbarkeit der übrigen 

genannten Beweismittel steht nichts entgegen. In diesem Zusammenhang ist da-

rauf hinzuweisen, dass die von der Verteidigung anlässlich der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung vorgebrachte Behauptung, K._____ sei nicht durch die Staats-

anwaltschaft einvernommen worden (Urk. HD 79/1 S. 38 f.), aktenwidrig ist. Sie 

wurde von der damals fallführenden Staatsanwältin am 24. Januar 2013 in Anwe-

senheit des Beschuldigten und seines amtlichen Verteidigers einvernommen; das 

Einvernahmeprotokoll liegt als Urk. HD 34/23 bei den Akten. 

3.1. Was die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten angeht, ist vorweg festzuhalten, 

dass er aufgrund seiner Parteistellung ein unmittelbares Interesse am Ausgang 

des Verfahrens und somit daran hat, die Geschehnisse in einem für ihn möglichst 

günstigen Licht darzustellen, zumal ihm eine langjährige Freiheitsstrafe droht. Als 

Beschuldigter unterstand er bei seinen Aussagen im vorliegenden Verfahren nicht 

der Wahrheitspflicht. Der Beschuldigte wurde ferner im Verfahren gegen den Ge-

schädigten als Auskunftsperson im Sinne von Art. 178 ff. StPO einvernommen. 

Als solche unterstand er nicht der Wahrheitspflicht gemäss Art. 307 StGB, son-

dern wurde er lediglich auf die Art. 303 bis 305 StGB hingewiesen. Dies hatte zur 

Folge, dass er, solange er nicht gegen Art. 303 bis 305 StGB verstiess, ohne 

Konsequenzen die Unwahrheit sagen konnte. Vor diesem Hintergrund sind alle 

seine Aussagen mit besonderer Vorsicht zu würdigen. 

3.2. Mit Bezug auf die Glaubwürdigkeit des Geschädigten ist darauf hinzuweisen, 

dass er einzig im ihn betreffenden Strafverfahren einvernommen wurde, und zwar 

ebenfalls als Beschuldigter. Für seine Aussagen als Beschuldigter gilt das Gleiche 

wie beim Beschuldigten, weshalb auf jene Erwägungen verwiesen werden kann. 

Sodann kann im Hinblick auf die diesbezüglichen Vorbringen der amtlichen Ver-

teidigung aus der Tatsache, dass sich der Geschädigte beim Beschuldigten im 

Nachgang der Ereignisse schriftlich entschuldigte (Urk. HD 178 S. 23 mit Verweis 

auf Urk. HD 158/3/2/24 S. 8 und Urk. HD 158/3/2/25), keine zusätzliche Vermin-

derung der Glaubwürdigkeit des Geschädigten abgeleitet werden, zumal die 

Gründe für die Entschuldigung nicht bekannt sind. Schliesslich kann nicht davon 

-   20   - 

gesprochen werden, dass der Geschädigte am Tatort Spuren beseitigt habe (so 

die Verteidigung in Urk. HD 178 S. 22), sondern – wie dies die Staatsanwaltschaft 

in der Berufungsverhandlung richtig bemerkte (Prot. II S. 34) – lediglich davon, 

dass dieser die Hülsen der verschossenen Patronen in einen Plastiksack beför-

derte (Urk. HD 158/3/1/14, S. 33 ff.). 

3.3. Hinsichtlich der Glaubwürdigkeit von H._____ ist zunächst darauf hinzuwei-

sen, das er als Sohn des Beschuldigten, dem eine langjährige Freiheitsstrafe 

droht, ein Interesse daran hat, die Rolle seines Vaters in einem möglichst günsti-

gen Licht darzustellen. Er wurde lediglich im Untersuchungsverfahren gegen den 

Geschädigten und aufgrund seiner dortigen Stellung als Privatkläger als Aus-

kunftsperson einvernommen, weshalb er nicht zu wahrheitsgemässen Aussagen 

gemäss Art. 307 StGB angehalten, sondern einzig auf die Art. 303 bis 305 StGB 

hingewiesen wurde. Dies hatte zur Folge, dass er, solange er nicht gegen Art. 303 

bis 305 StGB verstiess, ohne Konsequenzen die Unwahrheit sagen konnte. Hinzu 

kommt, dass er auf den Geschädigten bezogen aussagte, diesen wolle er nicht 

sehen; dieser habe ihm Schaden zugefügt (Urk. HD 129 S. 5). Auf die Frage, ob 

er den Geschädigten hasse, antwortete er, "Das kann man schon so sagen, ja" 

(Urk. HD 129 S. 6). Schliesslich besteht, wie noch aufzuzeigen sein wird, der 

dringende Verdacht, dass H._____ am Tatort Beweismittel entfernte (dazu nach-

folgend unter 4.7.6.), weshalb sich die Frage stellt, ob er selber ein strafbares 

Verhalten an den Tag legte. Seine Aussagen könnten daher auch darauf gerichtet 

gewesen sein, sich selber in einem möglichst günstigen Licht darzustellen. Sie 

sind aus diesem Grunde mit der gleichen Vorsicht zu würdigen wie die des Be-

schuldigten. 

3.4. J._____ wurde im Zusammenhang mit den vorliegend zur Beurteilung ste-

henden Geschehnissen als Beschuldigter einvernommen (Urk. HD 6/1-13). Zwar 

wurde ihm gemäss der Schlusseinvernahme am Ende des Untersuchungsverfah-

rens mit Bezug auf die Schiesserei als solche kein Vorwurf mehr gemacht (Urk. 

HD 6/11 S. 2 ff.). Er stand aber geraume Zeit unter Verdacht, damit zu tun zu ha-

ben, weshalb hinsichtlich seiner Glaubwürdigkeit das Gleiche gilt wie beim Be-

-   21   - 

schuldigten, zumal auch er als Beschuldigter nicht unter der Strafandrohung von 

Art. 307 StGB aussagte. 

3.5. L._____ wurde anlässlich seiner Einvernahmen vom 11. und 12. Mai sowie 

vom 28. Juni, 3. August, 18. September und 5. November 2012 als Beschuldigter 

einvernommen (Urk. HD 7/1 S. 1; Urk. HD 7/2 S. 1; Urk. HD 7/4 S. 1; Urk. HD 7/5 

S. 1; Urk. HD 7/6 S. 1; Urk. HD 7/7 S. 1 f.; Urk. HD 7/8 S. 1), weshalb er nicht der 

Wahrheitspflicht unterstand. Die Einvernahme vom 29. Mai 2012 erfolgte als Aus-

kunftsperson, weshalb sie ebenfalls nicht unter Androhung der Straffolgen ge-

mäss Art. 307 StGB erfolgte, sondern lediglich auf die Art. 303-305 StGB hinge-

wiesen wurde (Urk. HD 7/3 S. 1 f.), wobei für diese Androhung das Gleiche gilt 

wie bei den Einvernahmen des Beschuldigten sowie von H._____ als Auskunfts-

personen im Verfahren gegen den Geschädigten. L._____ wurde zwar keine un-

mittelbare Beteiligung an der Schiesserei zur Last gelegt, aber gemäss dem 

Schlussvorhalt eine Beteiligung am in der Anklageschrift gegen den Beschuldig-

ten beschriebenen Betäubungsmittelgeschäft, das gemäss der Darstellung der 

Anklagebehörde Anlass für die anschliessende Schiesserei zwischen dem Be-

schuldigten und dem Geschädigten war (Urk. HD 7/8 S. 2 f.; Urk. HD 51 S. 2), 

wobei L._____ die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen anerkannte (Urk. HD 

7/8 S. 3) und dafür gemäss den Angaben der Vertreterin der Anklagebehörde an-

lässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung mit einer Geldstrafe von 180 Ta-

gessätzen bestraft wurde (Urk. HD 95/1 S. 7). Zudem war er vor den fraglichen 

Ereignissen schon seit Längerem mit dem Beschuldigten bekannt (Urk. HD 517 

S. 3 f.; Urk. HD 7/1 S. 3; Urk. HD 7/2 S. 3; Urk. HD 7/3 S. 6) und, wie sich aus den 

TK-Protokollen aus Gesprächen zwischen ihm und dem Beschuldigten (Urk. HD 

1/21, Anhänge 37, 38, 40 und 42) sowie aus dem Ablauf des fraglichen Betäu-

bungsmittelgeschäfts ergibt, eine Art Vertrauensperson für diesen. Die Aussagen 

von L._____ sind daher ebenfalls mit Vorsicht zu würdigen. 

3.6. K._____ war im fraglichen Zeitpunkt die Freundin von L._____. Nach ihrer 

polizeilichen Einvernahme als Auskunftsperson wurde sie auch als Zeugin unter 

der strengen Strafandrohung von Art. 307 StGB einvernommen (Urk. HD 34/23 

S. 1). Angesichts ihrer persönlichen Nähe zu L._____ und damit zu einer Person 

-   22   - 

aus dem engeren Umfeld des Beschuldigten, die zudem selber im Betäubungs-

mittelgeschäft, welches gemäss der Anklagebehörde Anlass für die Schiesserei 

zwischen dem Beschuldigten und dem Geschädigten war, verwickelt war, sind ih-

re Aussagen aber dennoch mit einer gewissen Vorsicht zu würdigen. 

3.7. M._____, N._____, O._____ und I._____ waren weder an den Ereignissen 

beteiligt, noch haben sie ein Interesse am Ausgang des Verfahrens. Sie wurden 

alle nach ihren polizeilichen Befragungen als Auskunftspersonen auch als Zeugen 

unter der strengen Strafandrohung von Art. 307 StGB einvernommen (Urk. HD 

34/6 S. 1; Urk. HD 34/16 S. 1; Urk. HD 34/20 S. 1; Urk. HD 34/25 S. 1). Es sind 

bei ihnen keinerlei Umstände ersichtlich, die ihre Glaubwürdigkeit als einge-

schränkt erscheinen liessen. 

4.1. Die Vorinstanz hat in ihrem Urteil die Örtlichkeit, an dem sich der Anklage-

sachverhalt ereignet haben soll, zutreffend umschrieben und auch den Stand-

punkt des Beschuldigten, an dem er anlässlich der heutigen Berufungsverhand-

lung festhielt (Prot. II S. 22 ff.), korrekt dargelegt, weshalb darauf verwiesen wer-

den kann (Urk. HD 115 S. 11 f.). Auch die geringfügige Korrektur an der Anklage-

schrift, welche die Vorinstanz zugunsten des Beschuldigten vornahm (Urk. HD 

115 S. 12), ist nicht zu beanstanden. Ferner hat sie die Aussagen des Beschul-

digten, von L._____, der Auskunftspersonen resp. Zeugen M._____, N._____, 

O._____ und K._____, die TK-Protokolle von Gesprächen vom 2. und 3. April 

2012 und den Inhalt des Gutachtens des Forensischen Instituts Zürich vom 6. 

März 2013 grundsätzlich zutreffend zusammengefasst (Urk. HD 115 S. 13 ff.), 

weshalb eine Wiederholung unterbleiben kann. Soweit Korrekturen oder Ergän-

zungen anzubringen sind, ist dies im Rahmen der Beweiswürdigung zu tun. Davor 

sind jedoch die wichtigsten im Berufungsverfahren neu herangezogenen Beweis-

mittel, soweit zweckdienlich, zusammengefasst wiederzugeben. 

 

4.2. Aussagen des Geschädigten 

4.2.1. Der Geschädigte wurde am Tag nach den fraglichen Geschehnissen, am 

4. April 2012, erstmals dazu befragt, gab aber damals an, nicht am Tatort gewe-

-   23   - 

sen zu sein (Urk. HD 158/3/1/1 S. 4 ff.). Dies wurde ihm im damaligen Zeitpunkt 

offenbar geglaubt.  

4.2.2. Anlässlich seiner Hafteinvernahme vom 24. Oktober 2014 gab der Geschä-

digte im Wesentlichen an, er sei am fraglichen Abend mit J._____, bei dem er 

auch gewohnt habe, in P._____ gewesen. Den Beschuldigten kenne er nicht. 

J._____ habe eine Waffe mit Waffenschein gehabt, so zumindest habe es dieser 

ihm gesagt. Er habe diese Waffe immer im Auto dabei gehabt. Es stimme, dass er 

(der Geschädigte) an jenem Abend mit dieser Waffe geschossen habe, wobei er 

gedacht habe, sie seien in Aarau, nicht in P._____. Er wisse jedoch nicht, auf wen 

und wo er geschossen habe. Er sei an der Bar gewesen. J._____ habe mit je-

mandem vom Lokal Streit gehabt. Sie hätten sich auch gegenseitig beleidigt und 

Fluchwörter gesagt. Plötzlich habe die Person hinter der Bar eine Waffe geholt. 

Die anderen Personen seien auch aufgestanden. Er habe J._____ aufgefordert, 

mit nach draussen zu gehen. Als sie hinaus gegangen seien, habe es ein wenig 

geregnet. Das Auto sei etwas weiter weg gewesen, ca. 10 Meter vom Lokal ent-

fernt. Er sei dann zum Auto gegangen, habe zurückgeschaut und J._____ nicht 

mehr gesehen. Dieser sei von den Personen im Lokal aufgehalten worden. Er ha-

be die Waffe aus dem Handschuhfach geholt, dann habe er auf die andere Seite 

der Strasse gehen können. Dort sei eine Art Brücke und unten eine Art Autobahn 

gewesen. Er sei hinter dem Auto geblieben. Die Person mit der Waffe habe dann 

geschossen. Auf entsprechende Frage hin gab der Geschädigte an, dass er die 

Waffe nicht bereits in der Bar dabeigehabt habe. Er habe eine Person mit Waffe 

gesehen, die aus dem Lokal herausgekommen sei und auf ihn geschossen habe. 

Er habe auch den Rauch der Waffe gespürt. Er habe zuerst Angst gehabt, dass er 

ganz nahe bei ihm sei, und dann plötzlich habe er zurückgeschossen. Er wisse 

nicht, ob er jemanden getroffen oder auf wen er geschossen habe. Hinter dem 

Auto sei er fünf bis sechs Minuten stehen geblieben. Dann seien keine Schüsse 

mehr gekommen. Er habe gedacht, dass jetzt die Polizei kommen müsse und 

dass diese sie mitnehmen werde. Es sei jedoch niemand gekommen. Dann sei 

J._____ gekommen und habe ihm gesagt, dass sie flüchten müssten. Auf Vorhalt, 

dass diverse Beteiligten ausgesagt hätten, dass er mit der Waffe in das Lokal hin-

eingegangen sei, erklärte er, J._____ habe ihm in G._____ [Staat in Osteuropa], 

-   24   - 

als er (J._____) bei ihm zuhause gewesen sei, gesagt, dass sie die ganze Schuld 

auf ihn (den Geschädigten) hätten schieben müssen um frei zu kommen. Dass er 

irgendetwas mit Heroin zu tun gehabt habe, wurde vom Geschädigten in Abrede 

gestellt (Urk. HD 158/3/1/2 S. 3 ff.). 

4.2.3. Anlässlich der Einvernahme vom 25. November 2014 verlas der Geschä-

digte einen zuvor der Befragenden überreichten Brief in … Sprache [Sprache 

Staat G._____] (Urk. HD 158/3/1/3 S. 8). Darin machte er im Wesentlichen gel-

tend, dass J._____ im Mai nach G._____ zu seiner (des Geschädigten) Familie 

gekommen sei und nur eine Nacht bei ihm verbracht habe. J._____ habe ihm er-

zählt, zum Zeitpunkt als er (der Geschädigte) bei ihm in der Schweiz gewohnt ha-

be, habe dieser jemandem in Zürich Fr. 9'000.– geschuldet. Deswegen habe 

J._____ in seinem Auto eine Waffe gehabt. J._____ habe ihm damals, als er die 

Waffe gesehen habe, angegeben, dass er diese Waffe trage, weil er Angst habe 

vor dem anderen Mann. Weil J._____ Angst vor diesem anderen Mann gehabt 

habe, habe er gewollt, dass er (der Geschädigte) auch dabei sei. Nachdem er in 

Zürich das Lokal verlassen habe, sei ihm der andere, mit dem J._____ im Lokal 

Streit gehabt habe, gefolgt und habe auf ihn geschossen. Auf Vorhalt eines Fotos 

des Beschuldigten erklärte er, dass dieser es gewesen sei, der mit J._____ Streit 

gehabt habe. Diese Person sei bis zur Bar gegangen und er (der Geschädigte) 

habe gesehen, dass diese Person eine Waffe behändigt habe. Soviel er wisse, 

habe er diese Person verletzt. Er erkläre sich schuldig, geschossen zu haben, 

und sei froh, dass diese nicht schwerer verletzt worden sei. Dass die Schuld von 

Fr. 9'000.– wegen Drogen bestanden habe, habe J._____ ihm erst in G._____ 

gesagt. Er habe bis heute nicht verstanden, weshalb er J._____ habe begleiten 

müssen. J._____ habe ihn verarscht. Er sei mit diesem mitgegangen, um einen 

Kaffee zu trinken. J._____ habe ihm nicht gesagt, wohin sie gehen würden und 

dass er die Schulden bereinigen oder zurückbezahlen müsse. Auf die Frage, 

weshalb er mit einer Waffe in die Bar spaziert sei, antwortete der Geschädigte, 

dass die Waffe im Auto gewesen sei und er sie erst herausgenommen habe, 

nachdem er aus der Bar gekommen sei. Er habe zuerst in die Richtung geschos-

sen, woher er die Schiesserei gehört habe. Der Beschuldigte habe gemeint, dass 

er geflüchtet sei, um die Waffe aus dem Auto J._____s zu holen. Er (der Geschä-

-   25   - 

digte) habe sich beim Auto versteckt und die Pistole aus dem Handschuhfach des 

Autos genommen. Er habe von unten über das Auto J._____s in die Richtung, 

woher er die Schüsse gehört habe, geschossen. Er habe nicht gewusst oder ge-

sehen, dass er den Beschuldigten getroffen habe. Als er hinter dem Auto gewe-

sen sei, habe er Angst gehabt, den Kopf über das Auto oder das Dach zu heben. 

Auf entsprechende Frage und nach Vorhalt einer Reihe von TK-Protokollen stritt 

der Geschädigte ab, irgendetwas mit dem fraglichen Drogengeschäft zu tun zu 

haben (Urk. HD 158/3/1/3 S. 12 ff.). 

Die schriftliche Erklärung, welche der Geschädigte anlässlich der Einvernahme 

vom 25. November 2014 vor sich hatte, liegt mit schriftlicher Übersetzung als Urk. 

HD 158/3/1/4 bei den Akten.  

4.2.4. Im Rahmen der Einvernahme vom 26. November 2014 gab der Geschädig-

te auf Vorhalt entsprechender TK-Protokolle weiterhin vor, nichts mit dem Drogen-

geschäft zu tun gehabt zu haben. Er sei das Opfer von J._____, der ihn manipu-

liert habe, und er habe damals über das Drogengeschäft gar nichts gewusst, son-

dern erst beim Besuch von J._____ in G._____ ein Jahr später davon erfahren. 

Auf die Frage seiner Verteidigerin, weshalb er J._____ am 3. April 2013 (recte: 

2012) nach P._____ begleitet habe, antwortete er wiederum, dass er gemeint ha-

be, sie würden einen Kaffee trinken gehen. Er habe damals nicht gewusst, dass 

J._____ und er nach P._____ fuhren und gedacht, dass er irgendwo in Aarau sei. 

Auf die weitere Frage seiner Verteidigerin, ob J._____ Angst vor dem Beschuldig-

ten gehabt habe, erklärte er, das habe ihm dieser, wie er bereits ausgesagt habe, 

nach einem Jahr in G._____ gesagt. Auf die weitere Frage, wozu J._____ die 

Waffe gehabt habe, erklärte er, das sei gewesen, weil dieser Angst vor dem Be-

schuldigten gehabt habe (Urk. HD 158/3/1/5 S. 2 ff.). 

4.2.5. Anlässlich der Einvernahme vom 4. Dezember 2014 erklärte der Geschä-

digte einleitend auf entsprechende Fragen, dass er in G._____ während 2 ½ Jah-

ren Militärdienst geleistet habe, und zwar als Soldat in der Artillerie bei einer Spe-

zialeinheit, und dass er Rechtshänder sei. Zu den Vorkommnissen vom 3. April 

2012 befragt gab er an, dass J._____ ein sehr altes Fahrzeug gehabt habe, bei 

dem man die Türen nicht gut habe schliessen können. J._____ habe nicht gesagt, 

-   26   - 

wohin die Fahrt gehe, er habe gedacht, dass sie nach Aarau oder in die Umge-

bung von Aarau, maximal nach Luzern oder … fahren würden. Sie seien am 

Abend beim Eindunkeln in P._____ angekommen. J._____ habe sein Auto beim 

Zaun parkiert, wo genau könne er nicht sagen. Er könne sich aber an den Zaun 

erinnern, weil er wegen diesem, der an der Strasse gewesen sei, nicht habe weg-

rennen können, weil dort viele Autos gefahren seien. Auf die Frage, ob er sich er-

innern könne, ob es vor oder hinter dem Audi noch weitere Autos gehabt habe, 

antwortete er, dass ihn das nicht interessiert habe. Auf Vorhalt einer Aufnahme, 

auf dem der parkierte Mercedes zu sehen ist (Urk. HD 158/3/1/6, Beilage 2), er-

klärte er, sich jetzt erinnern zu können, dass er nach der Schiesserei ein weiteres 

Fahrzeug hinter dem Audi festgestellt habe. Das Lokal sei gleich vis-à-vis gewe-

sen. J._____ habe gesagt, dass sie zu diesem Lokal gehen würden, und darauf 

gezeigt und gesagt, der Geschädigte solle das Lokal betreten, weil er (J._____) 

noch mit jemandem telefonieren müsse, er werde danach kommen. Es habe ein 

wenig geregnet und er sei durch die Eingangstür an die Bar gegangen und habe 

auf J._____ gewartet. Hinter der Bar seien ein Junge und eine Frau gewesen. Im 

Lokal seien weitere Gäste gewesen; an einem Tisch seien drei bis vier Personen 

gewesen. Ein Gast habe gesagt, "er" sei gekommen. Er (der Geschädigte) habe 

sich umgeschaut, wen dieser Gast damit meine. Die Personen am Tisch seien 

aufgestanden. Dann sei J._____ an die Bar gekommen. Er habe die anderen be-

grüsst. Sofort hätten ihn zwei Leute angegriffen bzw. gepackt. J._____ resp. seine 

Religion sei beschimpft worden. Einer sei drinnen gestanden, vor der Eingangs-

tür; dieser sei vor J._____ hineingekommen und habe zu den Personen am Tisch 

gesagt, dass "er" komme. Ein anderer sei zum Spielautomaten gegangen und er 

(der Geschädigte) habe gesehen, wie er dort etwas herausgenommen habe. Auf 

die Frage, wie dieser andere das gemacht habe, antwortete der Geschädigte, 

dieser sei beim Automaten gestanden und habe dort irgendetwas gemacht. Da-

rauf habe er (der Geschädigte) das Lokal wie ein ängstlicher Dieb verlassen. Als 

er draussen gewesen sei, habe er sich beeilt, sei er schneller gelaufen. Dann ha-

be er diesen Zaun gefunden. Er sei zum Zaun gegangen. Als er gesehen habe, 

dass er hätte klettern müssen und hinter dem Zaun die Strasse gewesen sei, sei 

er zum Auto, zum Audi, gegangen. Er habe sich zum Lokal umgedreht und vor 

-   27   - 

der Eingangstür der Bar einen Mann mit einer Waffe gesehen. Dieser habe sich 

umgeschaut. Als er gesehen habe, dass der Mann eine Waffe mitführte, habe er 

sich bei der hinteren Tür des Autos, zwischen dem Zaun und dem Auto, versteckt. 

Er habe sich geduckt, die hintere Autotür beim Zaun geöffnet, sich ins Auto ge-

lehnt, mit der rechten Hand nach vorne rechts gegriffen, das Handschuhfach ge-

öffnet und diesem einen Plastiksack entnommen, worin die Pistole (recte: der Re-

volver) gewesen sei. Als die Person mit der Waffe ihn gesehen habe, habe er das 

Auto verlassen und sich am Boden geduckt. Er habe den Mann nicht sehen kön-

nen, aber gehört, dass ein Mal geschossen worden sei. Dann habe er den Revol-

ver mit fünf oder sechs Patronen geladen. Während er den Revolver geladen ha-

be, sei weitere zwei oder drei Mal geschossen worden. Er habe die Schussabga-

be nicht sehen, sondern nur hören können. Er sei dann nicht aufgestanden, d.h. 

sein Kopf habe nicht über das Auto geschaut, habe den Revolver in die linke 

Hand genommen, sich dabei mit der rechten Hand am Boden abgestützt, die linke 

Hand über das Autodach gehalten und einen Schuss gegen den Himmel abgege-

ben. Er sei ausser Kontrolle gewesen und habe dann ca. drei Mal geschossen in 

die Richtung, woher er die Schüsse gehört habe. Es sei auf der anderen Seite 

des Lokals geschossen worden. Nach der Schiesserei habe er sich nicht bewegt. 

Nach ca. sieben Minuten sei J._____ gekommen. Nach der Schiesserei, aber be-

vor J._____ gekommen sei, habe er die im Sack verbliebene Patrone geladen. 

J._____ sei ins Auto gestiegen und er auf die Hinterbank, und dann sei J._____ in 

Richtung Autobahn davon gefahren. Die Waffe habe er ca. zehn oder 15 Tage 

vorher zufällig im Handschuhfach im Auto J._____s entdeckt. Er habe ca. vier 

Schüsse abgegeben, der andere zuerst einen Schuss und dann mehrere ohne 

Unterbruch, er könne nicht sagen, wie viele. Die Schussabgabe der anderen Per-

son habe er nicht gesehen, nur die Schüsse und die Richtung der Schussabgabe 

ungefähr gehört. In der Q._____ Bar habe er keine Waffe gesehen. Er habe ge-

sehen, wie jemand etwas aus dem Spielautomaten genommen habe, aber nicht, 

dass es eine Waffe war. J._____ sei, nachdem er gegrüsst habe, sofort von drei 

oder vier Personen gepackt worden. Er habe die Waffe des Mannes, der ge-

schossen habe, gesehen, könne aber nicht sagen, in welcher Hand dieser die 

Waffe gehalten habe. Auf die Frage, wie er den Audi geöffnet habe, erklärte der 

-   28   - 

Geschädigte, dieser sei offen resp. nicht abgeschlossen gewesen. Er habe die 

Waffe neben dem Hinterrad geladen und dann mit dem Revolver in der linken 

Hand über das Autodach geschossen, ca. an der Stelle des Hinterrades. Zuerst 

habe er einen Schuss in die Luft abgegeben, danach ohne Unterbruch mehrere 

Schüsse in die Richtung, aus der er die Schussabgaben der anderen Person ge-

hört habe. Nach der Schussabgabe habe er sich wieder neben dem Hinterrad 

versteckt und dabei eine weitere Patrone geladen. Auf die Frage, ob er Einschüs-

se in der Nähe bemerkt habe, erklärte er, zwei Mal ein Geräusch "tang" gehört zu 

haben, wie wenn Metall auf Metall treffe. Er habe während der Schiesserei ge-

kniet und den Kopf unten gehalten, sei aber nie auf dem Boden gelegen. Beim 

Vorderrad sei er während der Schiesserei nicht gewesen. Als der Mann mit der 

Waffe aus dem Lokal gekommen sei, sei er beim Zaun, vor dem Auto gewesen. 

Der Mann habe ihn am Anfang nicht gesehen. Dieser sei vor der Bar gestanden 

und habe herumgeschaut. Als er (der Geschädigte) die Bar verlassen habe, sei er 

kurz geradeaus gegangen, habe die Autobahn (gemeint: die R._____-Strasse) 

bemerkt und sei in Richtung des parkierten Audi gegangen. Als er an der Ecke 

des Audi gewesen sei, habe er den Mann bemerkt, wie er mit der Waffe aus der 

Bar gekommen sei und sich umgeschaut habe. Der Mann habe in Richtung In-

dustrie (gemeint: P._____) geschaut. Dann habe er (der Geschädigte) sich nicht 

mehr geachtet und sei zur linken Hintertür gegangen. Er habe diese geöffnet und 

die Waffe aus dem Handschuhfach geholt. Er habe darauf geachtet, dass der 

Mann ihn nicht gesehen habe. Im Moment, als er das Auto durch die Hintertür 

verlassen habe, habe ihn der Mann gesehen. Er habe sich neben dem Hinterrad 

niedergekniet und dann einen einzelnen Schuss gehört. Dieser Schuss sei von 

ca. vis-à-vis des parkierten Audi gekommen. Er habe den Revolver neben dem 

Hinterrad geladen, und als er damit fertig gewesen sei, habe er eine Serie von 

Schüssen gehört. Diese Schüsse seien etwas mehr rechts von ihm aus gekom-

men. Danach habe er wie bereits geschildert zuerst einen Schuss in die Luft und 

danach über das Autodach ca. vier Schüsse in Richtung der gehörten Schussab-

gabe abgegeben. Auf die Frage, weshalb der Beschuldigte plötzlich das Feuer 

eingestellt habe, antwortete der Geschädigte, er denke, weil er gewusst habe, 

dass er (der Geschädigte) auch bewaffnet gewesen sei. Waffenmanipulationen 

-   29   - 

des Beschuldigten habe er nicht gehört. Dass der Sohn des Beschuldigten, 

H._____, während der Schiesserei zwischen die Schusslinien geraten sei, habe 

er nicht bemerkt (Urk. HD 158/3/1/6 S. 1 ff.). 

4.2.6. Anlässlich der Konfrontationseinvernahme mit J._____ vom 4. Februar 

2015 hielt der Geschädigte an seiner Darstellung fest (Urk. HD 158/3/1/7). 

4.2.7. Am 1. April 2015 merkte der Geschädigte anlässlich der nächsten staats-

anwaltschaftlichen Einvernahme an, dass er, als er die Fotos angeschaut habe, 

die Spur seines Schuhs, als er ins Auto gestiegen sei, gesehen habe, und bejahte 

die Frage, ob er auf den Schuhabdruck im Auto von J._____ auf dem Hintersitz 

links hinweisen wolle (Urk. HD 158/3/1/8 S. 2). 

4.2.8. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 2. April 2015 er-

klärte der Geschädigte, J._____ sei bei ihm zuhause gewesen und habe ihm ge-

sagt, dass der Beschuldigte und L._____ alles abgesprochen hätten. Als er hinter 

dem Auto gestanden sei, hätten J._____ und L._____ besprochen, wie er (der 

Geschädigte) aussagen solle. In diesem Moment hätten sie auch gedacht, dass 

der Beschuldigte ihn (den Geschädigten) umgebracht habe. Deshalb seien sie 

sich bezüglich ihrer Aussagen einig gewesen. Während und nach der Schiesserei 

hätten sie sich abgesprochen. J._____ habe den ganzen Plan gemacht, damit er 

seine Waffe habe verstecken können. Wenn er (der Geschädigte) umgebracht 

worden wäre, hätte J._____ mit dem Beschuldigten ein Blutracheproblem gehabt. 

Der einzige Grund, weshalb er sich hinter das Auto begeben habe, sei das Wis-

sen um die Waffe darin gewesen. Zum Glück habe man dort auch noch Fussspu-

ren auf dem Sitz gesehen. Danach sei er niedergekniet und habe die Waffe gela-

den. Eine Kugel habe er nicht laden können. Er erinnere sich, dass er zuerst zwei 

Mal unter das Auto durchgeschossen habe, und zwar in die Richtung, aus der ge-

gen ihn geschossen worden sei. Das sei ihm in Erinnerung gekommen, als er den 

Einschuss im Blumentopf gesehen habe. Beim Schiessen seien die Reifen des 

Audi, hinter denen er sich versteckt gehabt habe, im Weg gewesen. Während er 

am Laden der Waffe gewesen sei, seien zwei Schüsse auf das Auto gekommen. 

Danach habe er zuerst von unten und dann von oben geschossen. Während er 

am Laden gewesen sei, habe er die zwei Geschosse gehört. Deshalb habe er ei-

-   30   - 

ne Kugel nicht laden können; er habe sich beeilen müssen. Zur Frage, woher die 

Schüsse des Beschuldigten gekommen seien, gab er auf Vorhalt der Beilage zum 

Einvernahmeprotokoll drei verschiedene Positionen an: Das erste Geschoss sei 

von einer Stelle zwischen Pfeil 1 und Pfeil 2 gekommen, die anderen Geschosse 

seien irgendwo in der Nähe des Pfeils 2 abgegeben worden, und am Schluss sei-

en die Geschosse von Position 7 gekommen. Er habe zwei Jahre Militär gemacht 

und sei genau für solche Sachen ausgebildet worden. Er könne genau schätzen, 

aus welcher Richtung Schüsse kämen. Seine Position sei hinter dem Hinterrad 

gewesen. Er habe gekniet, dann den linken Arm gehoben und über das Dach des 

Autos geschossen, und zwar zuerst in Richtung Position 7 und dann nach links in 

Richtung Pfeil 1. Bei der Polizei habe er ausgesagt, dass er nur von oben ge-

schossen habe, aber das stimme nicht ganz. Das erste Geschoss sei von unten 

gekommen und habe den Blumentopf erwischt. Während der Zeit, als er ge-

schossen habe, habe der Beschuldigte nicht mehr geschossen. Er schätze, dass 

der Beschuldigte sechs Schüsse abgegeben habe. Soweit er sich erinnere, habe 

er zwei Schüsse abgegeben, dann sei ein einzelner Schuss gekommen, und am 

Schluss die anderen. Während dieser Zeit sei er daran gewesen, seine Waffe zu 

laden. Er habe damit aufhören müssen, um zurückschiessen zu können. Als er 

die Hand heruntergenommen habe, habe er die Hülsen aus dem Revolver geholt 

und eine Kugel nachgeladen. Beim ersten Mal habe er fünf geladen. Wegen der 

Geschosse, die auf ihn gerichtet gewesen seien, habe er mit Laden aufhören 

müssen. Die Hülsen habe er in die rechte Hand geleert; er sei Linkshänder, und in 

einen Plastiksack gegeben. Auf den Widerspruch zur Einvernahme vom 4. De-

zember 2014, in der er angegeben hatte, er sei Rechtshänder, angesprochen, er-

klärte er, er habe dort erklärt, dass er mit der rechten Hand esse und schreibe. 

Arbeiten mache er mit der linken Hand. Er habe "irgendwo fünf Schüsse" abge-

geben und erst schiessen können, als der Beschuldigte fertig gewesen sei mit 

Schiessen, da er den Revolver habe laden müssen. Die nachgeladene Kugel ha-

be er nicht mehr abgefeuert. Der Beschuldigte habe nicht mehr weiter geschos-

sen, und deshalb habe er dies auch nicht mehr getan (Urk. HD 158/3/1/9 S. 2 ff.). 

4.2.9. Die nächste Einvernahme des Geschädigten fand am 11. Mai 2015 statt. 

Der Geschädigte machte darin seiner Verteidigerin den Vorwurf, seit sechs Mona-

-   31   - 

ten mit der Staatsanwältin zusammengearbeitet zu haben, und verlangte einen 

neuen Verteidiger. Sodann macht er Ausführungen zu seinem Gesundheitszu-

stand, aber keine Aussagen zur Sache (Urk. HD 158/3/1/10 S. 2 ff.). 

4.2.10. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 9. Juni 2015 

verlangte der Geschädigte wiederum einen neuen Verteidiger. Zur Sache äusser-

te er sich dahingehend, dass er sich schuldig fühle, sich mit jemandem ange-

freundet zu haben, den er vorher nicht gekannt habe und bei dem er eine Woche 

gewohnt habe. Er fühle sich insoweit schuldig, als er sich mit solchen Leuten ein-

gelassen habe. Er sitze zu Recht im Gefängnis, weil er sich mit diesen Leuten 

angefreundet und als Folge davon den ihm vorher ungekannten Beschuldigten 

verletzt habe. Sein Onkel habe einen Verwandten des Beschuldigten gefragt, 

weshalb Letzterer ihm (dem Geschädigten) gefolgt sei. Der Beschuldigte habe 

gesagt, dies habe er getan, weil sie J._____ gekannt hätten. Dieser sei bekannt 

dafür, dass er immer eine Waffe dabei habe. Der Beschuldigte habe gedacht, 

dass er (der Geschädigte) eine Waffe hole. Die beiden Parteien hätten den Fall 

besprochen, und nach dem … [Gewohnheitsrecht Staat G._____] seien sie zum 

Schluss gekommen, dass er (der Geschädigte) in diesem Fall freizusprechen sei, 

dass sowohl der Beschuldigte als auch er nicht weiter verfolgt würden. Er sei zu-

fällig in diesen Konflikt geraten und es sei Gottes Fügung gewesen, dass er hinter 

dem Auto überlebt habe. L._____ und J._____ hätten zugunsten des Beschuldig-

ten gegen ihn ausgesagt. Er habe keine Absicht gehabt, den Beschuldigten zu tö-

ten, und auch erst im Nachhinein erfahren, dass dieser verletzt worden sei (Urk. 

HD 158/3/1/11 S. 2 ff.).  

4.2.11. Am 25. September 2015 erklärte der Geschädigte anlässlich der nächsten 

staatsanwaltschaftlichen Einvernahme, dass der Zeuge S._____ richtig ausgesagt 

habe, als er gesagt habe, dass der erste Knall weniger laut gewesen sei als der 

zweite. Dies sei seiner Meinung nach aber im Protokoll anders aufgeschrieben 

worden. Auf Vorhalt der Aussage dieses Zeugen, er (der Beschuldigte) sei im 

Zeitpunkt der Schussabgaben u.a. in Richtung des Beschuldigten hinter dem Audi 

gestanden, erklärte der Geschädigte, dass er nicht mehr sagen könne, wo oder 

wie er genau gestanden sei. Er sei mit anderen Dingen beschäftigt gewesen; sein 

-   32   - 

Hauptanliegen in jedem Moment sei gewesen, sein Leben zu retten. Er habe nicht 

genau gesehen, wo der Beschuldigte gestanden sei; er habe einfach in die Rich-

tung gefeuert, woher die Schüsse gekommen seien. Er habe in Erinnerung, dass 

er den Kopf unten und den Arm über das Auto gestreckt gehabt habe. Der Be-

schuldigte habe geschossen; in dieser Zeit habe er (der Geschädigte) seine Waf-

fe geladen und danach zurückgeschossen, aber nicht gemerkt, dass der Beschul-

digte keine Patronen mehr gehabt habe. Sonst hätte er vermutlich sofort aufge-

hört zu schiessen und wäre weggefahren. Nach seiner Erinnerung habe der Be-

schuldigte ein volles Magazin gehabt und zuerst vier oder fünf Schüsse abgefeu-

ert. Die Aussagen der Zeugin T._____ seien richtig. Sie habe wahrgenommen, 

dass er (der Geschädigte) als letzter noch geschossen habe und auch ausgesagt, 

dass er über das Auto geschossen habe. Sie habe gesagt, dass sie nur ihn und 

den Beschuldigten, nicht noch eine weitere Person wahrgenommen habe und 

dass sie nur ihn und nicht auch den Beschuldigten habe schiessen sehen, und 

das sei auch so gewesen. Er könne sich nicht mehr daran erinnern, wie genau er 

geschossen habe und in welche Richtung. Nach seinem Empfinden habe er in 

diejenige Richtung geschossen, aus welcher die Schüsse gekommen seien, ohne 

genau hinzusehen, wohin er geschossen habe. Sodann machte der Geschädigte 

sinngemäss geltend, dass H._____ wohl gar nicht vor Ort und demzufolge auch 

nicht in Gefahr gewesen sei. Er (der Geschädigte) habe niemanden unmittelbar 

neben dem Beschuldigten bemerkt; er sei die ganze Zeit nach unten gebückt ge-

wesen (Urk. HD 158/3/1/12 S. 8 ff.).  

4.2.12. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 15. Dezember 

2015 erklärte der Geschädigte, dass er am 3. April 2012 zusammen mit J._____ 

am Tatort gewesen sei. Er habe schon Schüsse abgegeben, aber die Waffe habe 

J._____ gehört. Er sei von Anfang an geständig gewesen, den Beschuldigten ver-

letzt zu haben; deswegen sei er ja auch in Untersuchungshaft (Urk. HD 

158/3/1/13 S. 4 ff.). 

4.2.13. Am 2. März 2016 fand die kombinierte Einvernahme zur Sache und 

Schlusseinvernahme statt. Nach Ausführungen zu seinem Gesundheitszustand 

stellte sich der Geschädigte wiederum auf den Standpunkt, dass J._____ und 

-   33   - 

L._____ ihre Aussagen abgesprochen hätten. Alle hätten gemeint, dass er nicht 

mehr am Leben sei, weshalb sie alle Aussagen zugunsten des Beschuldigten 

gemacht hätten, um diesen zu entlasten. Er habe im bisherigen Verlauf der Un-

tersuchung die Wahrheit gesagt. Ferner bestätigte er, dass er Linkshänder und 

die linke Hand seine Schusshand sei, er aber mit der rechten Hand schreibe und 

esse. Auf seinen Militärdienst angesprochen erklärte der Geschädigte, dass er bei 

einer Artillerieeinheit gewesen sei und dass er mit dem Gehör die Schiessrichtung 

bestimmen könne. Allerdings blieb er auf entsprechende Frage die Antwort dazu 

schuldig, weshalb er am 4. Dezember 2014 ausgesagt habe, die Schüsse seien 

nur aus einer Richtung gekommen, er habe die Schüsse und die Richtung der 

Schussabgabe ungefähr gehört, und am 2. April 2015, die Schüsse seien jeden-

falls aus drei Richtungen gekommen, er sei aufgrund seiner militärischen Ausbil-

dung in der Lage, nur mit dem Gehör genau einzuschätzen, woher die Schüsse 

kämen. Der Geschädigte bestritt weiterhin, die Bar mit dem Revolver betreten zu 

haben. Danach befragt, weshalb der Beschuldigte dann gerade auf ihn geschos-

sen habe, erklärte der Geschädigte, der Beschuldigte habe gewusst, dass 

J._____ eine Waffe auf sich getragen oder im Auto aufbewahrt habe. Als er (der 

Geschädigte) in Richtung des Autos gegangen sei, habe der Beschuldigte damit 

gerechnet, dass er die Waffe holen würde. Sodann bestätigte er, dass es ihm, 

obwohl der Beschuldigte auf ihn geschossen habe, möglich gewesen sei, den 

Revolver dem Handschuhfach des Audi zu entnehmen, diesen fehlerfrei zu laden 

und anschliessend damit mehrere Schüsse in Richtung des Beschuldigten abzu-

geben. Der Revolver habe sich in einem Plastiksack befunden. Er habe versucht, 

sich zu verstecken und diesen schnell geladen, wobei eine Patrone zurück in den 

Plastiksack gefallen sei. In dem Moment, als er den Revolver geladen habe, habe 

er die Schüsse, die in seine Richtung abgefeuert worden seien, gehört. Wiederum 

gab er an, dass während der Schiesserei kein junger Bursche zwischen ihm und 

dem Beschuldigten gestanden sei. Ferner sei das Leben des Beschuldigten zu 

keinem Zeitpunkt in Gefahr gewesen. Der Geschädigte bestritt ferner weiterhin 

jede Beteiligung an einem Drogengeschäft. Auf den Ablauf der Geschehnisse an-

gesprochen erklärte der Geschädigte, dass er, als er im Lokal gewesen sei, nur 

gesehen habe, dass der Beschuldigte etwas in einer Ecke gesucht habe. Er habe 

-   34   - 

gedacht, dass der Beschuldigte eine Waffe oder Eisenstange suche, um diese 

gegen J._____ einzusetzen. In diesem Moment habe er das Lokal schnellen 

Schrittes verlassen. Als er erstmals die Waffe in der Hand des Beschuldigten ge-

sehen habe, sei er irgendwo auf dem Weg zwischen dem Eingang der Lokalität 

und dem Auto gewesen. Im Moment, als er die Bar verlassen habe, habe er nicht 

zum Audi gehen wollen, um die Waffe zu holen. Dies sei erst der Fall gewesen, 

als er gesehen habe, dass der Beschuldigte eine Waffe in der Hand gehalten ha-

be. Im Moment, als er den ersten Schuss gehört habe, habe er sich hinter dem 

Auto versteckt. Der Beschuldigte habe aus ca. vier verschiedenen Positionen in 

seine Richtung geschossen. Darauf angesprochen, dass er mehrfach verschiede-

ne bzw. abweichende Angaben gemacht habe, erklärte der Geschädigte, er wisse 

nicht mehr, wie es genau gewesen sei. Auch ob er zuerst zwei Mal unter dem Au-

to durchgeschossen habe, könne er nicht mehr genau sagen (Urk. HD 158/3/1/14 

S. 2 ff.).  

 

4.3. Aussagen des Beschuldigten im Verfahren gegen den Geschädigten und 

anlässlich der Berufungsverhandlung  

Im Verfahren gegen den Geschädigten wurde der Beschuldigte am 24. März 2015 

als Auskunftsperson im Sinne von Art. 178 ff. StPO einvernommen. Dabei verwies 

er auf seine früheren Aussagen. Seine Schilderung, dass er in seiner Bar gewe-

sen sei und der Geschädigte hineingekommen sei und eine Waffe auf ihn gerich-

tet habe, stimme. Auf Vorhalt, dass man gemäss der Anklage in der Bar interve-

niert habe und gesagt habe "doch nicht so", worauf der Geschädigte mit der Waf-

fe die Bar verlassen habe und er (der Beschuldigte) seine Waffe geholt habe und 

es dann draussen zur Schiesserei gekommen sei, erklärte der Beschuldigte, dass 

er dies alles so ausgesagt habe. Ferner bestätigte er, dass es um ein Drogenge-

schäft und daraus resultierende Schulden in Höhe von Fr. 9'000.– gegangen sei. 

Er habe alles gesagt, und was er gesagt habe, stimme. Sein Leben sei in Gefahr 

gewesen und dasjenige seines Sohnes auch, und er habe "von diesen Leuten" 

8 ½ Jahre bekommen (Urk. HD 130 S. 2 ff.).  

-   35   - 

Anlässlich der Berufungsverhandlung zur Sache befragt, wiederholte der Be-

schuldigte grösstenteils das von ihm bereits im bisherigen Verfahren Ausgesagte 

(Prot. II S. 15 ff.). Auf diese Aussagen wird im Rahmen der Beweiswürdigung 

(nachfolgende Erw. 4.7.) zurückzukommen sein.  

 

4.4. Aussagen von H._____ im Verfahren gegen den Geschädigten 

Der Sohn des Beschuldigten, H._____, wurde im Verfahren gegen den Geschä-

digten aufgrund seiner in jenem Verfahren eingenommenen Stellung als Privat-

kläger am 24. August 2015 als Auskunftsperson einvernommen. Er erklärte, er 

habe sich in der Küche der Q._____ Bar befunden und mit seinem Mobiltelefon 

gespielt. Nach einer gewissen Zeit habe es in der Bar einen Lärm gegeben. Er 

habe aufgeregte Stimmen gehört. Was genau passiert sei, habe er nicht gewusst, 

weil er am Handy gewesen und auch die Musik gelaufen sei. Die Küche sei mit 

einem Vorhang abgetrennt. Er habe in die Bar gehen wollen um nachzuschauen. 

Auf die Frage, was er gesehen habe, antwortete er, er habe seinen Vater gese-

hen, der schon beinahe bei der Ausgangstür gestanden sei. Eine weitere Person, 

die er nicht gekannt habe, habe ebenfalls die Bar verlassen wollen. Er sei ganz 

nahe zu seinem Vater gegangen; er habe ja nicht gewusst, was genau abgelau-

fen sei. Sie seien vor die Bar getreten und in Richtung U._____ gegangen. Dann 

habe der Geschädigte angefangen zu schiessen. Soweit er sich erinnern könne, 

habe sein Vater dann ein Mal in die Luft geschossen, quasi um einen Warnschuss 

abzugeben. Beim U._____ gebe es eine Säule. Er wisse nicht mehr genau, ob 

sein Vater vom Schuss getroffen worden sei, noch bevor er bei der Säule ange-

kommen sei. Als er seinen Vater bei der Säule gesehen habe, sei dieser jeden-

falls schon verletzt gewesen. Er habe Blut gesehen, und der Arm des Vaters sei 

unkontrolliert heruntergehangen. Sein Vater sei dann hinter der Säule gestanden. 

Er selber sei vor der gleichen Säule stehen geblieben. Sein Vater habe ihm zuge-

rufen, dass er weggehen solle, weil der Geschädigte am Schiessen gewesen sei. 

Dieser habe unkontrolliert weitergeschossen, auch in seine (H._____s) Richtung. 

Sein Vater habe sich dann etwas von der fraglichen Säule entfernt, weil er gese-

hen habe, dass auf ihn (H._____) ebenfalls geschossen worden sei. Sein Vater 

-   36   - 

habe dann ebenfalls zurückgeschossen, d.h. er habe auf das Auto geschossen, 

hinter welchem der Geschädigte gestanden sei. Ein anderer Mann und der Ge-

schädigte seien dann in dieses Auto eingestiegen und sie seien weggefahren. Er 

habe sich um seinen verletzten Vater gekümmert. Vor der Bar sei ein Taxi ge-

standen. Er habe seinen Vater in das Taxi gebracht und dem Taxifahrer gesagt, 

dieser solle seinen Vater ins Spital fahren. Er sei nicht mitgefahren, sondern habe 

alle Kunden gebeten zu gehen und die Bar abgeschlossen und einen Kollegen, 

der noch da gewesen sei, ersucht, ihn ins Spital zu fahren. Er habe seinen Vater 

aber nur fragen können, wie es ihm gehe, und sein Vater habe ihn gefragt, ob er 

ebenfalls getroffen worden sei. Mehr hätten sie nicht miteinander sprechen kön-

nen. Auf entsprechende Nachfrage erklärte er, er sei sich sicher, dass der Ge-

schädigte zuerst geschossen habe. Dieser habe sich, als er angefangen habe zu 

schiessen, hinter einem Auto befunden, von dem er denke, dass es silberfarbig 

gewesen sei. Der Geschädigte sei mehr am Heck gestanden. Er habe eine Waffe 

in der Hand des Geschädigten gesehen. Als er zusammen mit seinem Vater bei 

der Säule beim U._____ gestanden sei, habe der Geschädigte seine Waffe in ihre 

Richtung gehalten. Dies schliesse er daraus, dass sein Vater getroffen worden 

sei, und zudem habe er die Schüsse ja auch gehört und den Eindruck gehabt, als 

würden diese ganz nah an ihm vorbeifliegen. Auf die Frage, ob der Geschädigte 

zu irgendeinem Zeitpunkt seine Schussposition verändert oder er sich sonstwie 

bewegt habe, antwortete H._____, dass er das nicht mehr genau sagen könne; es 

sei jedenfalls so gewesen, dass dieser sich immer hinter dem fraglichen Fahrzeug 

befunden habe. Auf Vorhalt, dass er in einer früheren Einvernahme ausgesagt 

habe, der Geschädigte sei hinter dem linken hinteren Kotflügel gestanden und 

habe von dort aus geschossen; als sie aus dem Lokal herausgetreten seien, hätte 

sich dieser bereits dort befunden und gezielt, antwortete er, wenn er damals so 

ausgesagt habe, sei das richtig. Ferner bestätigte er seine früheren Aussagen, 

dass sein Vater weitergelaufen sei und sich hinter der ersten Säule des U._____ 

versteckt habe und es so gewesen sei dürfte, dass sein Vater angeschossen 

worden sei, bevor er bei der ersten Säule des U._____ angekommen sei. Er habe 

aber erst bemerkt, dass sein Vater verletzt war, als dieser schon hinter der Säule 

gestanden sei, und zwar aufgrund des Bluts. Sein Vater habe allenfalls, bevor er 

-   37   - 

angeschossen worden sei, einen Schuss in die Luft abgegeben. Er sei vom ersten 

Schuss des Geschädigten an sehr nahe bei seinem Vater gestanden, dem seiner 

Beurteilung nach die Schüsse gegolten hätten. Weil er daneben gestanden sei, 

hätten die Schüsse aber auch ihm gegolten. Der Geschädigte habe auch weiter 

geschossen, als sein Vater bereits hinter der Säule gestanden sei. Auf die Frage, 

in welchem Zeitpunkt sein Vater zurückgeschossen habe, antwortete er, dies sei 

gewesen, nachdem er (der Beschuldigte) hinter der Säule hervorgekommen sei. 

Er sei etwas nach vorne gegangen und habe dann in Richtung des Geschädigten 

geschossen. Er denke, sein Vater habe zwei- bis dreimal geschossen, genau wis-

se er es aber nicht mehr. Auf Vorhalt des Inhalts Telefongesprächs vom 4. April 

2012, 10:15 Uhr, mit seinem Onkel V._____, dem zwei Jahre jüngeren Bruder des 

Beschuldigten (Urk. HD 48/5 S. 1), erklärte er, dass er sich nicht mehr genau da-

ran erinnern könne. Darauf angesprochen, dass er seinem Onkel V._____ ge-

genüber erklärt habe, dass "sie", das heisse sein Vater und er, sich hinter der 

Säule versteckt hätten, und danach gefragt, ober er (H._____) demzufolge auch 

hinter der Säule gewesen sei, erklärte dieser, dass das nicht der Fall gewesen 

sei, aber dass er sich vielleicht gegenüber V._____ nicht so detailliert geäussert 

habe. Im Übrigen bestritt er den im vorgehaltenen Inhalt des Telefongesprächs 

nicht (Urk. HD 129 S. 6 ff.). 

 

4.5. TK-Protokoll betreffend Telefongespräch zwischen H._____ und V._____ 

vom 4. April 2012, 10:15 Uhr (Urk. HD 1/21, Anhang 53) 

V._____ rief H._____ am Tag nach den Geschehnissen von einer ausländischen 

Telefonnummer aus an und erkundigte sich, was passiert sei. H._____ antworte-

te, "Gar nichts, Mann. So halt." Auf die Frage seines Onkels, ob er drinnen gewe-

sen sei, erklärte H._____, er sei nicht drinnen, sondern zusammen mit seinem 

Vater draussen gewesen. "Der" (gemeint: der Geschädigte) habe sich hinter dem 

Auto versteckt und von dort aus geschossen. Sie hätten niemanden gesehen. Sie 

seien hinter der Säule gewesen. Der Beschuldigte habe sich hinter einer Säule 

versteckt, nachdem er den ersten Schuss abbekommen habe. "Der" habe zuerst 

mal das Lokal betreten, dann in der Bar eine Waffe gezückt und damit auf den 

-   38   - 

Beschuldigten gezielt, und so sei das gegangen, bis sie draussen gewesen seien. 

Vom Lokal aus habe man sich gegenseitig nach draussen geschubst. Zuerst sei 

das "Herumgeschubse" gewesen und dann habe "der" auf sie geschossen. Die 

Frage von V._____, ob der Beschuldigte doch nicht mit irgendwem einen "Wickel" 

gehabt habe, verneinte H._____ ebenso wie dessen Frage, "Der Papa, der hatte 

gar nichts in der Hand, was?" 

 

4.6. TK-Protokoll betreffend Telefongespräch zwischen H._____ und W._____ 

vom 5. April 2012, 13:35 Uhr (Urk. HD 1/21, Anhang 54) 

W._____, einer der beiden jüngsten Brüder des Beschuldigten (Urk. HD 48/5 

S. 1), rief H._____ am 5. April 2012 von der AA._____ [Aufenthaltsort] aus an. 

Auch ihm gegenüber schilderte H._____, dass sie (gemeint: der Beschuldigte und 

er) draussen gewesen seien und "der" hinter dem Auto, das beim Zaun gewesen 

sei, gestanden sei und geschossen habe. Sie seien bei der Säule gewesen, dort 

wo das Blut gewesen sei. Als W._____ daraufhin Näheres wissen wollte, erwider-

te H._____, morgen werde er ihm alles erzählen. H._____ erklärte ihm aber den-

noch noch, die anderen seien zu Dritt gewesen und es habe einer geschossen. 

Dann seien sie (gemeint: die Kontrahenten) mit dem Auto, einem silbrigen Audi 

A4, geflüchtet. Der Beschuldigte sei dann mit dem Taxi weggefahren (gemeint: 

weggefahren worden). Auf die Frage von W._____, ob er mit dem Beschuldigten 

gesprochen habe, antwortete H._____, er habe die ganze Zeit mit ihm gespro-

chen. Sie seien alleine gewesen. Später irgendwann sei die Polizei gekommen. 

Als W._____ erneut Näheres über den Ablauf wissen wollte, er klärte ihm 

H._____, sie (gemeint: die Kontrahenten) seien zuerst ins Lokal hineingekommen 

und dann seien sie rausgegangen, es sei besser, wenn er ihm alles morgen er-

zähle, nicht dass sie da zu viel am Telefon sagten. W._____ erklärte daraufhin, 

das sei in Ordnung, er (H._____) habe recht.  

 

4.7. Beweiswürdigung 

4.7.1. Der Beschuldigte bestreitet nicht, gegenüber L._____ anlässlich des Tele-

fongesprächs vom 3. April 2012 um 16:15 Uhr die in der Anklageschrift unter dem 

-   39   - 

Titel "Vorgeschichte" wiedergegebenen Aussagen gemacht zu haben. Wie die 

Vorinstanz zutreffend festhielt, macht er aber geltend, dass die im Rahmen der 

Telefonkontrolle aufgezeichneten Drohungen mit Bleikugeln nur ein Bluff gewesen 

seien und er gedacht habe, dass es nicht so weit kommen würde (Urk. HD 115 

S. 11 f.; Urk. HD 5/21 S. 6; Prot. I S. 53). Daran hielt er auch anlässlich der Beru-

fungsverhandlung fest (Prot. II S. 23; Urk. HD 178 S. 25). Dafür, dass der Be-

schuldigte diesbezüglich die Wahrheit sagte, spricht, dass er am 3. April 2012 an-

lässlich des um 20:16 Uhr geführten Telefongesprächs mit AB._____, dem Sohn 

von L._____ (Urk. HD 7/1 S. 1), diesem gegenüber erklärte, dass er "die" heute 

am Abend ordentlich empfangen werde. Er organisiere gerade ein paar Männer 

und werde "die" zusammenschlagen, dass sie das nie vergässen (Urk. HD 1/21, 

Anhang 47 S. 2). Dass er tatsächlich AC._____ und AD._____ aufforderte, als 

Verstärkung in die Bar zu kommen, hat bereits die Vorinstanz zutreffend darge-

legt, weshalb darauf verwiesen werden kann (Urk. HD 115 S. 12). All dies deutet, 

wie auch die Vorinstanz in Betracht zog (Urk. HD 115 S. 66), eher auf eine ge-

plante tätliche als auf eine beabsichtigte bewaffnete Auseinandersetzung hin. Zu-

dem wusste der Beschuldigte, dass der Geschädigte demnächst gemeinsam mit 

J._____ und L._____ in seine Bar kommen würde, trug aber seine Pistole gemäss 

übereinstimmenden Aussagen aller diesbezüglich Befragten nicht auf sich (dazu 

nachfolgend unter Erw. 4.7.3.). Auch dies spricht, wie der Beschuldigte anlässlich 

der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 19. Juli 2012 anmerkte (Urk. HD 

5/5 S. 10) und die Verteidigung anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung 

und der Berufungsverhandlung vorbrachte (Urk. HD 97/1 S. 49; Urk. HD 178 

S. 13 und S. 25), für die Version des Beschuldigten, weshalb davon auszugehen 

ist. 

4.7.2. Was die in der Anklageschrift unter der Anklageziffer 2 genannte Uhrzeit 

"ca. 20:45 Uhr" angeht, an der sich die Schiesserei ereignet haben soll, ist festzu-

halten, dass diese Angabe präzisiert werden kann. Der Beschuldigte sagte aus, 

dass er gerade am Telefonieren gewesen sei, als der Geschädigte und seine zwei 

Begleiter die Bar betreten hätten (Urk. HD 5/5 S. 4 und S. 8; Urk. HD 5/21 S. 9; 

Prot. II S. 30). Dass diese Angabe zutreffend war, wird durch das TK-Protokoll 

vom 3. April 2012 um 20:42:13 Uhr gestützt (Urk. HD 1/21, Anhang 49). Gemäss 

-   40   - 

diesem tätigte der Beschuldigte in diesem Zeitpunkt einen kurzen Anruf an 

AC._____, weil er wissen wollte, wo dieser blieb. Es ist aber auch kein Grund er-

sichtlich, weshalb der Beschuldigte diesbezüglich nicht die Wahrheit hätte sagen 

sollen. Die Aufnahme der Radaranlage wurde gemäss den darauf festgehaltenen 

Angaben um 20:44:01 gemacht (Urk. HD 1/1, Anhang). Dass die Zeiteingaben 

gemäss dem genannten TK-Protokoll sowie der Radaranlage korrekt sind, wird 

einerseits dadurch untermauert, dass J._____ und der Geschädigte sich gemäss 

der rückwirkenden Teilnehmer-Identifikation der Handy-Nummer von J._____ am 

3. April 2012 um 20:35:27 Uhr, als L._____ J._____ während 33 Sekunden anrief, 

noch auf der Fahrt nach P._____, und zwar im Raum … bei …, befanden (Urk. 

HD 1/19 Anhang S. 13). Gemäss Angaben von L._____ erklärte J._____ ihm an-

lässlich dieses Telefongesprächs, er sei in fünf Minuten da (gemeint: bei der 

Q._____ Bar; Urk. HD 7/1 S. 5; Urk. HD 7/2 S. 4), was für die noch zurückzule-

gende Wegstrecke eher knapp bemessen gewesen sein dürfte. Zum andern wird 

dies dadurch gestützt, dass der erste die Schiesserei betreffende Anruf beim Not-

ruf der Stadtpolizei P._____ um 20:44:22 Uhr entgegen genommen wurde (Urk. 

HD 1/14). Der Anruf stammte, wie sich aus der entsprechenden Tonbandaufnah-

me ergibt, von AE._____, die im rund 45 Sekunden dauernden Telefongespräch 

auch berichtete, es sei soeben ein silberfarbiger Audi in Richtung Zü-

rich/Autobahn weggefahren. Somit muss sich das gesamte Geschehen vom Be-

treten der Bar durch den Geschädigten und seine beiden Begleiter bis zur Auslö-

sung der Radarmessung innerhalb von höchstens zwei Minuten zwischen 20:42 

und 20:44 Uhr abgespielt haben. Dies stimmt mit den Aussagen von L._____ 

überein, der mehrfach betonte, dass alles sehr schnell abgelaufen sei (Urk. HD 

5/17 S. 10; Urk. HD 7/1 S. 7; Urk. HD 7/3 S. 4 und S. 6; Urk. HD 7/6 S. 8 f.), wäh-

rend andere, insbesondere der Geschädigte, die Dauer der Geschehnisse deut-

lich länger in Erinnerung hatten. 

4.7.3. Auch unter Berücksichtigung der neu hinzu gekommenen Beweismittel 

kann kein Zweifel daran bestehen, dass der Geschädigte, wie in der Anklage-

schrift gestützt auf die Aussagen von L._____ (Urk. HD 5/17 S. 9 und S. 13; Urk. 

HD 7/1 S. 6 ff.; Urk. HD 7/2 S. 4; Urk. HD 7/3 S. 5; Urk. HD 7/6 S. 7), von J._____ 

(Urk. HD 6/2 S. 9), die zugunsten des Beschuldigten verwertet werden können, 

-   41   - 

und des Beschuldigten (Urk. HD 5/19 S. 9) behauptet wird, kurz nach seinem Ein-

treffen in der Bar eine Faustfeuerwaffe zog und diese auf den zu diesem Zeit-

punkt unbewaffneten Beschuldigten richtete. Dass es sich bei dieser Faustfeuer-

waffe um einen Revolver handelte, wie in der Anklageschrift vermutet wurde, 

kann aufgrund der nunmehr vorliegenden Aussagen des Geschädigten als erstellt 

gelten. Die Theorie des Geschädigten, die übrigen Anwesenden hätten zu Un-

recht ausgesagt, dass er in der Bar den Revolver gezogen habe, um die ganze 

Schuld auf ihn zu schieben, scheitert bereits daran, dass J._____ anlässlich sei-

ner Hafteinvernahme den richtigen Namen des Geschädigten nicht nannte. Er be-

zeichnete ihn bloss als "B'._____" (Urk. HD 6/1 S. 3 ff.) und verneinte ausdrück-

lich die Frage, ob eine der drei Personen, die bei ihm in der Wohnung angetroffen 

worden waren, "B'._____" sei (Urk. HD 6/1 S. 9), wobei diese Aussagen den Be-

schuldigten im Ergebnis entlasten und daher verwertbar sind. Da nicht sofort er-

kannt wurde, dass es sich bei "B'._____" und den Geschädigten entgegen den 

Aussagen von J._____ um die gleiche Person handelte, wurde der Geschädigte 

aus der Haft entlassen, weshalb es letztlich die Aussagen J._____s waren, wel-

che dem Geschädigten die anschliessende Flucht ermöglichten. Abgesehen da-

von muss wie dargelegt davon ausgegangen werden, dass sich das ganze Ge-

schehen vom Zeitpunkt, in dem der Geschädigte die Bar betrat, bis zum Zeitpunkt 

der Auslösung der Radarmessung innert höchstens zwei Minuten ereignete. Dass 

da entgegen der Behauptung des Geschädigten für J._____ kaum Zeit verblieb, 

um sich mit anderen Anwesenden über allfällige bei den Behörden zu tätigenden 

Aussagen abzusprechen, liegt auf der Hand, denn er verliess ja den Tatort zu-

sammen mit dem Geschädigten. Dass J._____ mit dem Beschuldigten oder 

L._____ Kontakt hatte, nachdem er den Tatort verlassen hatte, kann ausge-

schlossen werden, weil J._____ gemäss der rückwirkenden Teilnehmer-

Identifikation seiner Handy-Nummer nach 20:35:27 Uhr nicht mehr mit seinem 

Handy telefonierte und der Geschädigte jedenfalls für die Zeit, die er nach der 

Flucht gemeinsam mit J._____ verbrachte, auch nicht geltend machte, dass ein 

entsprechender Kontakt stattgefunden hätte. Abgesehen davon kann ein Kontakt 

zwischen J._____ und dem Beschuldigten ab dem Zeitpunkt, in dem Letzterer im 

…spital P._____ verhaftet wurde, mangels entsprechender Möglichkeiten ohnehin 

-   42   - 

ausgeschlossen werden. Schon aus diesen Gründen spricht alles dafür, dass die 

diesbezüglichen Angaben von L._____, J._____ und des Beschuldigten zutreffen. 

Darüber hinaus kann aber auch aufgrund der kurzen Zeitspanne, in der sich die 

Geschehnisse ereignet haben müssen, nicht angenommen werden, dass der Ge-

schädigte den Revolver erst nach dem Verlassen der Bar behändigte. Das von 

ihm geschilderte Vorgehen zur Behändigung und zum anschliessenden Laden 

des Revolvers hätte nämlich eine gewisse Zeit in Anspruch genommen. Ein weite-

res starkes Indiz dafür, dass der Geschädigte den Revolver bereits auf sich trug, 

als er die Bar betrat, ergibt sich aus den anlässlich der Einvernahme vom 11. April 

2012 von J._____ deponierten Aussagen zum Schloss des Audi. Er gab an, er 

habe das Auto unmittelbar vor der Flucht mit dem elektronischen Schlüssel geöff-

net, so dass der Geschädigte habe einsteigen und sie Richtung Zürich hätten ab-

fahren können (Urk. HD 6/2 S. 11). Dass er damit meinte, dass er die Zentralver-

riegelung des zuvor abgeschlossenen Fahrzeugs entriegelt habe, indem er den 

Schlüssel im Schloss gedreht habe, ergibt sich aus seinen Angaben anlässlich 

der Konfrontation mit dem Geschädigten vom 4. Februar 2015 (Urk. HD 158/3/1/7 

S. 11). Diese Aussagen wirken sich zugunsten des Beschuldigten aus, weshalb 

sie verwertbar sind. Dafür, dass J._____ die Tür seines Fahrzeugs mit dem 

Schlüssel öffnen musste, spricht aber auch, dass die Fahrertür ein Schlüsselloch 

aufwies (Urk. HD 37/10 S. 79 f.), weshalb davon auszugehen ist. Wenn aber das 

Fahrzeug entgegen den Angaben des Geschädigten, der behauptete, die Autotü-

ren seien unverschlossen gewesen (Urk. HD 158/3/1/6 S. 14), abgeschlossen war 

und J._____ es erst unmittelbar vor der Flucht mit dem Schlüssel öffnete, kann 

der Geschädigte nicht nach dem Verlassen der Bar die Pistole aus dem Hand-

schuhfach genommen haben, denn dann muss das Fahrzeug entgegen den An-

gaben des Geschädigten unmittelbar vor der Schiesserei verschlossen gewesen 

sein. Die genannten Indizien verdichten sich in ihrer Gesamtheit zu einem eindeu-

tigen Bild, das die Darstellung des Geschädigten widerlegt, was zum eingangs 

dargelegten Ergebnis führt. 

4.7.4. In der Anklageschrift wird geschildert, der Geschädigte habe den Revolver 

aus einer Distanz von mindestens zwei Meter auf den Beschuldigten gerichtet 

(Urk. HD 51 S. 3). Gemäss den Aussagen des Beschuldigten hielt der Geschädig-

-   43   - 

te den Revolver in der Bar nicht aus einer Distanz von mindestens zwei Meter, 

sondern aus einer Distanz von bloss ca. einem halben Meter respektive einem 

Meter auf seine Brust gerichtet (Urk. HD 5/19 S. 9; Prot. I S. 54; Prot. II S. 24). 

L._____ sagte anlässlich der Konfrontationseinvernahme glaubhaft aus, als er 

hineingekommen sei, habe er den Geschädigten bereits mit der Waffe in der 

Hand gesehen. Diese sei auf die Brust des Beschuldigten gerichtet gewesen 

(Urk. HD 5/17 S. 8 f. und S. 13 f.). Anlässlich der Einvernahme vom 11. Mai 2012 

hatte er ausgesagt, als er hineingekommen sei, habe die Distanz zwischen dem 

Beschuldigten und dem Geschädigten einen Meter betragen (Urk. HD 7/1 S. 6), 

und anlässlich der Einvernahme vom 29. Mai 2012 hatte er angegeben, dass es 

nicht einmal ein bis zwei Meter gewesen seien (Urk. HD 7/3 S. 4). Die Aussagen 

L._____s schliessen einerseits nicht aus, dass die Distanz kleiner war, bevor die-

ser das Lokal betrat. Andererseits kann keineswegs ausgeschlossen werden, 

dass L._____ den Abstand zwischen den beiden Körpern meinte, die Waffe aber 

deutlich näher war, weil diese auf die Brust gerichtet war, was mit einer gewissen 

Streckung des Arms und einer entsprechenden Handposition des Geschädigten 

verbunden gewesen sein muss. Schliesslich deuten aber auch die Aussagen von 

J._____, die zugunsten des Beschuldigten verwendet werden dürfen, darauf hin, 

dass die Distanz deutlich kleiner als zwei Meter war. Er schilderte im Zusammen-

hang mit dem Zücken der Waffe durch den Geschädigten, dass dieser ein wenig 

zurückgetreten sei, weil er sich dem Zugriff des Beschuldigten habe entziehen 

wollen (Urk. HD 6/2 S. 11) resp. dass dieser die Waffe gezückt habe, als ihn der 

Beschuldigte am Arm gezerrt habe (Urk. HD 6/5 S. 8 f.). Diese Schilderung passt 

nicht zu einem Abstand von mindestens zwei Meter zwischen dem Beschuldigten 

und dem Geschädigten. Somit ist zugunsten des Beschuldigten davon auszuge-

hen, dass die Distanz bloss ca. einen halben bis einen Meter betrug. 

4.7.5. Was den Zeitpunkt angeht, in dem der Beschuldigte seine Pistole aus der 

Dart-Maschine holte, behauptete dieser anlässlich der vorinstanzlichen Hauptver-

handlung, dies sei geschehen, während der Geschädigte zielend vor ihm gestan-

den sei (Prot. I S. 55 ff.). Anlässlich der Berufungsverhandlung schilderte er, er 

habe sich umgedreht und dem Geschädigten den Rücken zugedreht, als er die 

Pistole aus dem Dart-Automaten geholt habe (Prot. II S. 24 f.). Im Rahmen der 

-   44   - 

polizeilichen Einvernahme vom 19. Dezember 2012 hatte er ausgesagt, dass der 

Geschädigte in der Bar gewesen sei, bis er seine Waffe geholt habe; als er sich 

mit der Pistole bei der Dart-Maschine umgedreht habe, habe er den Geschädigten 

das Lokal durch die Terrassentür verlassen sehen. Dabei sei dieser rückwärts ge-

standen und habe mit seinem Revolver in seine (des Beschuldigten) Richtung ge-

zielt (Urk. HD 5/19 S. 10). Während des Untersuchungsverfahrens hatte er aber 

teilweise auch angegeben, die Pistole erst aus der Dart-Maschine geholt zu ha-

ben, als der Geschädigte die Bar bereits verlassen hatte. Entgegen der Annahme 

der Vorinstanz (Urk. HD 115 S. 24 f.) muss davon ausgegangen werden, dass die 

Aussagen des Beschuldigten anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung 

und im Berufungsverfahren zutreffen. Der Geschädigte konnte nämlich, wie sich 

bei seinen zwischenzeitlich erfolgten Einvernahmen herausgestellt hat, angeben, 

wie der Beschuldigte die Waffe behändigte, auch wenn er – in Widerspruch zu 

früheren Aussagen – in späteren Einvernahmen behauptete, er habe in jenem 

Zeitpunkt nicht gesehen, dass dieser eine Pistole hervorholte. Dies spricht dafür, 

dass der Geschädigte dem Beschuldigten bei der Behändigung der Pistole zu-

schaute und sich demnach in einer dem Beschuldigten zugewendeten Position 

befand. Untermauert wird dies durch die glaubhaften Aussagen der Augenzeugin 

K._____, welche zwei Männer im Abstand von weniger als einer Sekunde aus der 

Q._____ Bar rennen sah, wobei der zweite eine Waffe in der gestreckten Hand 

hatte (Näheres dazu nachfolgend unter Erw. 4.7.10.). Wenn der Abstand zwi-

schen dem Geschädigten und dem Beschuldigten unmittelbar nach dem Verlas-

sen der Bar derart gering war, wie dies die Augenzeugin K._____ schilderte, lässt 

auch dies darauf schliessen, dass der Geschädigte dem Beschuldigten noch da-

bei zusah, wie dieser die Dart-Maschine öffnete. Es ist daher nicht anzunehmen, 

dass der Geschädigte die Umstände, wie der Beschuldigte die Waffe behändigte, 

nicht selber beobachtete, sondern lediglich während oder nach der Flucht von 

J._____ geschildert erhielt, was grundsätzlich auch möglich wäre. 

4.7.6. Dass der Beschuldigte der Dart-Maschine eine Pistole Heckler & Koch, 

Modell USP Compact, Kaliber 9, mit einer Magazinkapazität von 13 Patronen ent-

nahm, wird von diesem nicht bestritten und ist auch dadurch erstellt, dass die von 

ihm benützte Waffe später sichergestellt werden konnte. Allerdings war sie entge-

-   45   - 

gen der Behauptung in der Anklageschrift nicht bereits geladen, sondern lag das 

– gefüllte – Magazin neben der Pistole in der Dart-Maschine und wurde dieses 

vom Beschuldigten sofort eingelegt (Prot. II S. 23 ff.). Dass der Beschuldigte min-

destens acht Schüsse abgab, wird durch das Gutachten des Forensischen Insti-

tuts vom 6. März 2013 (Urk. HD 37/11 S. 22 und S. 28) sowie die diesbezügliche 

Berichtigungseingabe vom 2. April 2013 (Urk. HD 37/18 S. 2) belegt und wurde 

vom Beschuldigten anlässlich der Schlusseinvernahme auch nicht mehr in Abrede 

gestellt (Urk. HD 5/22 S. 5). Da keiner der Befragten aussagte, der Beschuldigte 

habe die Waffe nachgeladen und dafür auch sonst keine Anhaltspunkte vorliegen, 

muss die Waffe somit, wie in der Anklageschrift behauptet, vom Beschuldigten 

aber teilweise in Frage gestellt wurde (Urk. HD 5/21 S. 8), vor den Schussabga-

ben mit mindestens acht Patronen geladen gewesen sein. Der Beschuldigte sel-

ber gab denn auch anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 

19. Juli 2012 an, das Magazin sei nicht voll gewesen, aber es könne sein, dass 

acht oder zehn Patronen in der Waffe gewesen seien (Urk. HD 5/5 S. 7), und an-

lässlich der Einvernahme vom 19. Dezember 2012, er glaube, dass das Magazin 

mit acht Patronen geladen gewesen sei (Urk. HD 5/19 S. 8). Anlässlich der Beru-

fungsverhandlung gab der Beschuldigte zuletzt ausdrücklich an, es seien acht 

Patronen in der Waffe gewesen, und fügte an, er habe dies einmal kontrolliert, als 

er die Waffe gekauft habe (Prot. II S. 28). Dem steht nicht entgegen, dass gemäss 

dem Gutachten des Forensischen Instituts (Urk