# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a3f9eaff-d22d-51ee-bfaa-8130c4b82c06
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-01
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 01.12.2011 SK.2010.28
**Docket/Reference:** SK.2010.28
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_SK-2010-28_2011-12-01

## Full Text

Qualifizierte Freiheitsberaubung, Förderung der Prostitution, Menschenhandel, Anstiftung zur Geldfälschung, Widerhandlung gegen das BetmG, Geldwäscherei, Pornografie, Widerhandlungen gegen das ANAG evtl. AuG;;Qualifizierte Freiheitsberaubung, Förderung der Prostitution, Menschenhandel, Anstiftung zur Geldfälschung, Widerhandlung gegen das BetmG, Geldwäscherei, Pornografie, Widerhandlungen gegen das ANAG evtl. AuG;;Qualifizierte Freiheitsberaubung, Förderung der Prostitution, Menschenhandel, Anstiftung zur Geldfälschung, Widerhandlung gegen das BetmG, Geldwäscherei, Pornografie, Widerhandlungen gegen das ANAG evtl. AuG;;Qualifizierte Freiheitsberaubung, Förderung der Prostitution, Menschenhandel, Anstiftung zur Geldfälschung, Widerhandlung gegen das BetmG, Geldwäscherei, Pornografie, Widerhandlungen gegen das ANAG evtl. AuG

Urteil vom 1. Dezember 2011  
Strafkammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitzender, 

Sylvia Frei und Daniel Kipfer Fasciati 

Gerichtsschreiber David Heeb  

Parteien  BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch  

Vincens Nold, Staatsanwalt des Bundes 

 

und 

als Privatklägerinnen 

 

1. B1 

2. B2 

3. B3 

4. B4 

5. B5 

6. B6 

7. B7 

8. B8 

9. B9 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer:  SK.2010.28 

 

- 2 - 

10. B10 

11. B11 

12. B12 

alle vertreten durch Rechtsanwältin Regina Marti 

 

 gegen 

 

 

 

 

1. A1, amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Rolf 

Liniger 

2. A2, amtlich verteidigt durch Fürsprecher Martin 

Schmutz 

3. A3, amtlich verteidigt durch Fürsprecher Mark 

Schibler, 

4. A4, amtlich verteidigt durch Fürsprecher Matthi-

as Fischer, 

5. A5, amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Jürg 

Friedli,  

Gegenstand 

 

Qualifizierte Freiheitsberaubung, Förderung der Pros-

titution, Menschenhandel, Anstiftung zur Geldfäl-

schung, Widerhandlung gegen das BetmG, Geldwä-

scherei, Pornografie, Widerhandlungen gegen das 

ANAG evtl. AuG 

 

- 3 - 

Anträge der Bundesanwaltschaft: 

1. Der Beschuldigte A1 sei schuldig zu sprechen:  

a) der mehrfachen qualifizierten Freiheitsberaubung nach Art. 183 Ziffer 1 i.V.m. 
Art. 184 StGB, begangen gemäss Anklagepunkt A.I.1. 

b) der mehrfachen Förderung der Prostitution nach Art. 195 Abs. 2, 3 und 4 StGB, be-
gangen gemäss Anklagepunkt A.I.2. bis und mit A.I.4. 

c) des mehrfachen Menschenhandels nach Art. 196 Abs. 1 aStGB, begangen gemäss 
Anklagepunkt A.I.5. 

d) der Anstiftung zur Geldfälschung nach Art. 240 Abs. 1 i.V.m. Art. 24 StGB, begangen 
gemäss Anklagepunkt A.I.6. 

e) der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz nach Art. 19 Zif-
fer 1 i.V.m. Ziffer 2 Bst. a BetmG, begangen gemäss Anklagepunkt A.I.7. 

f) der mehrfachen Geldwäscherei nach Art. 305
bis 

Ziffer 1 und 2 Bst. c StGB, begangen 
gemäss Anklagepunkt A.I.8. 

g) der Pornografie nach Art. 197 Ziffer 1, 3 und 3
bis 

StGB, begangen gemäss Anklage-
punkt A.I.9. 

h) der mehrfachen Widerhandlung gegen das ANAG nach Art. 23 Abs. 1, 2 und 4 
ANAG, begangen gemäss Anklagepunkt A.I.10. 

und zu verurteilen zu einer Freiheitsstrafe von 8 ½ Jahren sowie zu einer unbedingten 
Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 30.–. Die erstandene Untersuchungshaft von ins-
gesamt 487 Tagen sei an die Strafe anzurechnen. 

2. Die Beschuldigte A2 sei schuldig zu sprechen: 

a) der mehrfachen Förderung der Prostitution nach Art. 195 Abs. 2, 3 und 4 StGB, be-
gangen gemäss Anklagepunkt A.III.1. und 2. 

b) des mehrfachen Menschenhandels nach Art. 196 Abs. 1 aStGB, begangen gemäss 
Anklagepunkt A.III.3. 

und zu verurteilen zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren sowie zu einer unbedingten 
Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 20.–. Die erstandene Untersuchungshaft von ins-
gesamt 13 Tagen sei an die Strafe anzurechnen.  

3. Der Beschuldigte A3 sei schuldig zu sprechen: 

a) der mehrfachen Förderung der Prostitution nach Art. 195 Abs. 2, 3 und 4 StGB, be-
gangen gemäss Anklagepunkt A.IV.1. 

b) des mehrfachen Menschenhandels nach Art. 196 Abs. 1 aStGB, begangen gemäss 
Anklagepunkt A.IV.2. 

c) der Geldwäscherei nach Art. 305
bis 

Ziffer 1 StGB, begangen gemäss Anklagepunkt 
A.IV.3. 

- 4 - 

und zu verurteilen zu einer Freiheitsstrafe von 2 ½ Jahren sowie zu einer unbedingten 
Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 40.–. Die erstandene Untersuchungshaft von ins-
gesamt 58 Tagen sei an die Strafe anzurechnen. 

4. Die Beschuldigte A4 sei schuldig zu sprechen: 

a) der mehrfachen Förderung der Prostitution nach Art. 195 Abs. 2, 3 und 4 StGB, be-
gangen gemäss Anklagepunkt A.V.1. 

b) des mehrfachen Menschenhandels nach Art. 196 Abs. 1 aStGB, begangen gemäss 
Anklagepunkt A.V.2. 

c) der mehrfachen Widerhandlung gegen das ANAG nach Art. 23 Abs. 1 und 2  
ANAG, begangen gemäss Anklagepunkt A.V.3. 

und zu verurteilen zu einer Freiheitsstrafe von 2 ½ Jahren sowie zu einer unbedingten 
Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 10.–. Die erstandene Untersuchungshaft von ins-
gesamt 443 Tagen sei an die Strafe anzurechnen. 

5. Die Beschuldigte A5 sei schuldig zu sprechen:  

a) der mehrfachen Förderung der Prostitution nach Art. 195 Abs. 2, 3 und 4 StGB, be-
gangen gemäss Anklagepunkt A.VI.1. 

b) des mehrfachen Menschenhandels nach Art. 196 Abs. 1 aStGB, begangen gemäss 
Anklagepunkt A.VI.2. 

c) der mehrfachen Widerhandlung gegen das ANAG nach Art. 23 Abs. 1 und 2  
ANAG, begangen gemäss Anklagepunkt A.VI.3. 

und zu verurteilen zu einer Freiheitsstrafe von 2 ½ Jahren sowie zu einer unbedingten 
Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 10.–. Die erstandene Untersuchungshaft von ins-
gesamt 421 Tagen sei an die Strafe anzurechnen. 

6. Die Verfahrenskosten von Fr. 534'855.85 zuzüglich die Kosten der Hauptverhandlung 
in der vom Gericht zu bestimmenden Höhe seien im reduzierten Betrag von 
Fr. 128'000.– A1, im reduzierten Betrag von Fr. 28'000.– A2, im reduzierten Betrag 
von Fr. 24'000.– A3, im reduzierten Betrag von Fr. 90'000.– A4 und im reduzierten 
Betrag von Fr. 80'000.– A5 aufzuerlegen. Im Übrigen seien die Kosten auf die Staats-
kasse zu nehmen. 

7. Die in der Verfügung der Bundesanwaltschaft vom 31. August 2007 aufgeführten 
Bargeldbeträge von insgesamt Fr. 24'885.10 (Studio C1 Pos. 7; Studio C2 Pos. 1, 18; 
Studio C3 Pos. E/1/11; Domizil A1 Pos. 13, 14, 15, 16, 37, 47, 48, 49, 50, 59, persön-
liche Effekten) seien gemäss Art. 70 StGB einzuziehen. 

8. Der in der Verfügung der Bundesanwaltschaft vom 29. Februar 2008 aufgeführte 
Bargeldbetrag von Fr. 850.– (Studio C2) sei gemäss Art. 70 StGB einzuziehen. 

9. Die gemäss Verfügung der Bundesanwaltschaft vom 28. März 2006 beschlagnahm-
ten Vermögenswerte von insgesamt Fr. 81'986.70 (Bank C4 Konto K1, K2, K3, K4; 
Bank C5 Konto K5 und K6) seien gemäss Art. 70 StGB einzuziehen. 

10. Es sei gestützt auf Art. 71 StGB gegen A1 auf eine Ersatzforderung im Umfang von 
mindestens Fr. 1'387'279.– zu erkennen.  

- 5 - 

11. Es sei gestützt auf Art. 71 StGB gegen A2 auf eine Ersatzforderung im Umfang von 
Fr. 2'420.– zu erkennen und der entsprechende Betrag sei zu beschlagnahmen.  

12. Die gemäss Verfügung der Bundesanwaltschaft vom 31. August 2007 beschlagnahm-
ten Gegenstände (Domizil A1, Pos. 3 [1 Fläschchen, Kokaintester] und Pos. 12 [CD 
Pornografie] seien gemäss Art. 69 StGB einzuziehen und zu vernichten. 

13. Die übrigen gemäss Anklageschrift Buchstabe C beschlagnahmten Gegenstände 
seien den Berechtigten zurückzugeben. 

14. A1 sei im Falle der Verurteilung zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe gestützt auf 
Art. 231 Abs. 1 Bst. a StPO umgehend in Sicherheitshaft zu versetzen. 

 

Anträge der Vertreterin der Privatklägerinnen: 

1. Die Beschuldigten seien im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen und angemes-
sen zu bestrafen. 

2. a) Die Beschuldigten A1, A3 und A2 seien solidarisch zu verpflichten, den Geschädig-
ten wie folgt Schadenersatz zu zahlen. 

B1 Fr. 33'794.– zuzüglich 5% Zins seit 1. Februar 2004 

B4 Fr. 11’377.– zuzüglich 5% Zins seit 28. März 2006 

B5 Fr. 8'506.– zuzüglich 5% Zins seit 28. März 2006 

B7 Fr. 10'300.– zuzüglich 5% Zins seit 28. März 2006 

B8 Fr. 8'635.– zuzüglich 5% Zins seit 28. März 2006 

B9 Fr. 349.– zuzüglich 5% Zins seit 28. März 2006 

B10 Fr. 12'829.– zuzüglich 5% Zins seit 1. Februar 2004 

B11 Fr. 21'883.– zuzüglich 5% Zins seit 1. August 2004 

B12 Fr. 19'775.– zuzüglich 5% Zins seit 28. März 2006 

b) Sodann seien sie dem Grundsatz nach zu verpflichten, sämtlichen Privatklägerinnen 
den weiteren durch die Straftaten verursachten Schaden zu zahlen, insbesondere die 
Kosten einer psychotherapeutischen Behandlung, soweit diese Kosten nicht von ei-
ner Versicherung übernommen werden. 

3. Die Beschuldigten A1, A3 und A2 seien solidarisch zu verpflichten, den Geschädigten 
folgende Genugtuung zu zahlen: 

B1 Fr. 20'000.– zuzüglich 5% Zins seit 1. Februar 2004 

B2 Fr. 8'000.– zuzüglich 5% Zins seit 28. März 2006 

B3 Fr. 10'000.– zuzüglich 5% Zins seit 28. März 2006 

B4 Fr. 20’000.– zuzüglich 5% Zins seit 28. März 2006 

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B5 Fr. 10'000.– zuzüglich 5% Zins seit 28. März 2006 

B6 Fr. 6'000.– zuzüglich 5% Zins seit 28. März 2006 

B7 Fr. 15'000.– zuzüglich 5% Zins seit 28. März 2006 

B8 Fr. 15'000.– zuzüglich 5% Zins seit 28. März 2006 

B9 Fr. 10'000.– zuzüglich 5% Zins seit 28. März 2006 

B10 Fr. 15'000.– zuzüglich 5% Zins seit 1. Februar 2004 

B11 Fr. 20'000.– zuzüglich 5% Zins seit 1. August 2004 

B12 Fr. 25'000.– zuzüglich 5% Zins seit 28. März 2006 

4. Es seien die Haftungsquoten der Beschuldigten (interner Regress) nach Ermessen 
des Gerichts festzuhalten.  

5. Die folgenden beschlagnahmten Vermögenswerte seien nach Art. 70 Abs. 1 StGB 
(inkl. die seit der Beschlagnahme aufgelaufenen Zinsen) einzuziehen: 

Fr. 24'885.10 (Beschlagnahmeverfügung vom 31. August 2007; Bargeld A1) 

Fr. 2'420.00 (Beschlagnahmeverfügung vom 31. August 2007; Bargeld A2/Studio C3) 

Fr. 850.00 (Beschlagnahmeverfügung vom 29. Februar 2008; Bargeld) 

Fr. 78'066.54 (Beschlagnahmeverfügung vom 28. März 2006; Bank C4-Konten A1) 

Fr. 1'290.16 (Beschlagnahmeverfügung vom 28. März 2006; Bank C5 A1) 

Fr. 19.30 (Beschlagnahmeverfügung vom 5. Juli 2007; C6 A1) 

Fr. 4'874.50 (Beschlagnahmeverfügung vom 28. März 2006; Versicherung C7 A1) 

Fr. 18'877.00 (Beschlagnahmeverfügung vom 31. März 2006; Versicherung C8 A1) 

Fr. 87.25 (Beschlagnahmeverfügung vom 11. April 2006; Bank C9 A1) 

Fr. 379.25 (Beschlagnahmeverfügung vom 12. Mai 2006; Bank C10 A1) 

Fr. 131'749.10 Total 

6 a) Die eingezogenen Vermögenswerte seien den Geschädigten im Umfang ihrer of-
fenen Zivilforderungen nach Art. 73 StGB zuzusprechen, in erster Linie proportional 
zur festzusetzenden Genugtuung, in zweiter Linie proportional an die Schadenersatz-
forderung und zuletzt an die Zinsen, womit sich zur Deckung der beantragten Genug-
tuung folgende Quoten ergeben: 

B1 Fr. 15'143.57 

B2 Fr. 6'057.43 

B3 Fr. 7'571.79 

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B4 Fr. 15’143.57 

B5 Fr. 7'571.79 

B6 Fr. 4'543.07 

B7 Fr. 11'357.68 

B8 Fr. 11'357.68 

B9 Fr. 7'571.79 

B10 Fr. 11'357.68 

B11 Fr. 15'143.57 

B12 Fr. 18'929.47 

Total Fr. 131'749.10 

 b) Für diesen Fall treten die Geschädigten den entsprechenden Teil ihrer Zivilforde-
rungen gegen die Beschuldigten an den Staat ab (Art. 73 Abs. 3 StGB). 

7. Sollten einzelne der Beschuldigten zu einer Ersatzforderung verpflichtet werden, sei 
diese, nebst allfälligen Bussen und Geldstrafen, ebenfalls in der Reihenfolge gemäss 
Antrag Ziff. 6.a proportional zu Gunsten der Privatklägerinnen für den Ausfall (durch 
die Einziehung ungedeckt gebliebene Zivilansprüche) zu verwenden (Art. 73 Abs. 1 
lit. a und c StGB). 

 Auch für diesen Fall treten die Privatklägerinnen den entsprechenden Teil ihrer Zivil-
forderungen gegen die Beschuldigten an den Staat ab (Art. 73 Abs. 3 StGB).  

8. Die Untersuchungs- und Gerichtskosten, mitsamt jenen der unentgeltlichen Geschä-
digtenvertretung, seien den Beschuldigten aufzuerlegen. 

 

Anträge der Verteidigung von A1: 

1. Das Verfahren gegen A1 wegen Zugehörigkeit zu einer kriminellen Organisation sei 
einzustellen, unter Ausscheidung der entsprechenden Kosten. 

2. A1 sei freizusprechen vom Vorwurf der qualifizierten Freiheitsberaubung, der Förde-
rung der Prostitution, des Menschenhandels, der Anstiftung zur Geldfälschung, der 
Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, der Pornografie, der Geldwä-
scherei gemäss Anklagepunkt A.I.8.2. sowie der Widerhandlung gegen das ANAG 
ev. gegen das AUG. 

3. A1 sei schuldig zu sprechen der Geldwäscherei gemäss Anklagepunkt A.I.8.1. 

4. A1 sei zu verurteilen zu einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten, unter Gewährung des 
bedingten Strafvollzuges mit einer Probezeit von zwei Jahren respektive unter An-
rechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft vom 28. März 2006 – 27. Juli 2007 
im Erstehungsfalle. 

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5. Die Zivilforderungen seien abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist, eventuell seien 
die Zivilforderungen auf den Zivilweg zu verweisen. 

6. Die gemäss Verfügung vom 31. August 2007 bei A1 beschlagnahmten Gegenstände 
Pos. 3 und 12 seien einzuziehen und zu vernichten. 

7. Sämtliche weiteren bei A1 beschlagnahmten Vermögenswerte seien freizugeben und 
Herrn A1 inklusive der angefallenen Zinsen zurück zu erstatten. 

8. A1 sei im Rahmen der erfolgten Freisprüche und für die zu Unrecht ausgestandene 
Untersuchungshaft und Meldepflicht eine Entschädigung nach richterlichem Ermes-
sen inklusive Zins seit wann rechtens zu bezahlen. 

9. A1 sei für seine Auslagen im Rahmen des mehrtägigen Verfahrens in Bellinzona eine 
Entschädigung in der Höhe von Fr. 979.– zu bezahlen. 

10. A1 sei im Rahmen der erfolgten Freisprüche eine Parteientschädigung zu bezahlen in 
der Höhe der eingereichten Kostennote, unter Abzug der Kosten für die amtliche Ver-
teidigung und auf der Basis eines um Fr. 100.– erhöhten Stundenansatzes. 

11. Die Kostennote des amtlichen Verteidigers von A1 sei zu genehmigen und zur Aus-
zahlung anzuweisen. Auf eine Rückforderung beim Beschuldigten sei zu verzichten. 

12. Die Kosten des Verfahrens seien im Umfang des Schuldspruchs und unter Berück-
sichtigung des unverhältnismässigen Aufwandes der Strafverfolgungsbehörden A1 
zur Bezahlung aufzuerlegen, wobei die Kosten gemäss Art. 425 StPO nach richterli-
chem Ermessen herabzusetzen seien. Die übrigen Kosten seien durch den Bund zu 
bezahlen. 

 

Anträge der Verteidigung von A2: 

I.  

Das Verfahren, das unter dem Rahmen „ausgehend von einer kriminellen Organisation“ 
durchgeführt wurde, sei einzustellen, und die auf diese Untersuchungshandlungen ent-
fallenden Kosten seien auszuscheiden und dem Staat zur Bezahlung aufzuerlegen, un-
ter anteilsmässiger Ausrichtung einer Genugtuung sowie einer Entschädigung für die 
Verteidigungskosten und einer angemessenen Entschädigung für die erlittene Untersu-
chungshaft und die Auslagen für den Prozess in Bellinzona an Frau A2.  

II.  

A2 sei freizusprechen 

von der Anschuldigung der Förderung der Prostitution, angeblich mehrfach begangen 
dadurch, dass sie mit A1 mittäterschaftlich gemäss Ziffer A.I.3.1. der Anklageschrift ge-
handelt habe,  

von der Anschuldigung der Förderung der Prostitution, angeblich mehrfach, vorsätzlich 
eventuell eventualvorsätzlich begangen dadurch, dass sie mit A1, A4, A5 und A3 mittä-
terschaftlich gemäss Ziffer A.I.4.1. der Anklageschrift gehandelt habe, 

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von der Anschuldigung des Menschenhandels, angeblich mehrfach, vorsätzlich eventuell 
eventualvorsätzlich begangen dadurch, dass sie mit A1, A4, A5 und A3 mittäterschaftlich 
gemäss Ziffer A.I.5.1. der Anklageschrift gehandelt habe,  

unter Ausrichtung einer Genugtuung sowie einer Entschädigung für die Verteidigungs-
kosten und einer angemessenen Entschädigung für die erlittene Untersuchungshaft und 
die Auslagen für den Prozess in Bellinzona und unter Übernahme der Verfahrenskosten 
durch den Staat, dies alles für den Anteil, der noch nicht unter I. ausgeschieden wurde. 

III. 

Die Zivilforderungen seien abzuweisen, eventuell zurück zu weisen. 

IV. 

Das beschlagnahmte Geld und die beschlagnahmten Gegenstände seien soweit ihr ge-
hörend Frau A2 zurück zu geben.  

V. 

Das Honorar der amtlichen Verteidigung sei gemäss Kostennote gerichtlich festzuset-
zen. 

 

Anträge der Verteidigung von A3 

1. Das Strafverfahren gegen A3 wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation 
gemäss Art. 260

ter 
StGB sei einzustellen unter Ausscheidung der entsprechenden 

Verfahrenskosten, Zusprechung einer Parteientschädigung für die Anwaltsaufwen-
dungen, einer Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen und einer Genugtuung 
für die schweren Verletzungen der persönlichen Verhältnisse. 

2. A3 sei vom Vorwurf der Förderung der Prostitution gemäss IV.1., vom Vorwurf des 
Menschenhandels gemäss IV.2. und vom Vorwurf der Geldwäscherei gemäss IV.3. 
der Anklageschrift vollumfänglich freizusprechen.  

3. Die entsprechenden Verfahrenskosten seien durch den Bund zu tragen.  

4. A3 sei für die angemessene Ausübung seiner Verfahrensrechte eine Entschädigung 
gestützt auf die noch einzureichende Kostennote seines Verteidigers auszurichten, 
soweit er nicht bereits gemäss Ziff. 1 entschädigt wird. 

5. A3 seien für die wirtschaftlichen Einbussen, die ihm aus dem Strafverfahren entstan-
den sind, Entschädigungen in der Höhe von Fr. 12'568.– zuzüglich Zins zu 5% seit 
30. April 2006, Fr. 3'000.– zuzüglich Zins zu 5% seit 14. Oktober 2006 und Fr. 3'000.– 
zuzüglich Zins zu 5% seit 30. Oktober 2007 sowie die Kosten im Zusammenhang mit 
dem Verfahren in Bellinzona in Höhe von Fr. 979.– auszurichten, soweit er nicht be-
reits gemäss Ziff. 1 entschädigt wird. 

6. A3 sei für 58 Tage ausgestandene Untersuchungshaft und weitere schwere Verlet-
zungen seiner persönlichen Verhältnisse eine Entschädigung in der Höhe von 
Fr. 20'300.– zuzüglich Zins zu 5% seit 30. April 2006 auszurichten, soweit er nicht 
gemäss Ziff. 1 entschädigt wird.  

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7. Auf sämtliche Forderungen der Privatklägerinnen betreffend Schadenersatz und Ge-
nugtuung sei nicht einzutreten, eventuell seien sie abzuweisen, eventuell auf den Zi-
vilweg zu verweisen, unter Kostenauflage an die antragstellenden Personen.  

 

Anträge der Verteidigung von A4 

I. 

A4 sei vollumfänglich von Schuld und Strafe freizusprechen unter Kostenauflage an den 
Bund und unter Ausrichtung einer angemessenen Entschädigung nach gerichtlicher 
Bemessung. 

II. 

Eventuell sei sie freizusprechen: 

von den Anschuldigungen  

1. der Förderung der Prostitution, angeblich begangen im Sinne von Art. 195 Abs. 4 
StGB (Festhalten in der Prostitution);  

2. der Widerhandlung gegen das ANAG, angeblich begangen dadurch, dass sie von 
September 2004 bis 6. Dezember 2004 rechtswidrig in der Schweiz verweilte, even-
tuell sei das Verfahren soweit den Zeitraum vor dem gleichlautenden Datum der Ur-
teilseröffnung im Jahr 2004 infolge Verjährung einzustellen; 

unter Ausscheidung diesbezüglicher Verfahrenskosten und unter Ausrichtung einer an-
gemessenen Entschädigung. 

III. 

Hingegen sei sie schuldig zu sprechen: 

1. der Förderung der Prostitution, mehrfach begangen in der Zeit von Februar 2005 bis 
28. März 2006 im Sinne von Zuführung zur Prostitution und Beeinträchtigung der 
Handlungsfreiheit, wobei lediglich die Gehilfenschaft vorliegt; 

2. des Menschenhandels, mehrfach begangen in der Zeit von Februar 2005 bis 
28. März 2006, wobei lediglich die Gehilfenschaft vorliegt; 

3. der Widerhandlungen gegen das ANAG, mehrfach begangen  

 a. durch rechtswidriges Einreisen und Verweilen von Ende Februar 2005 bis 28. März 
2006; 

 b. Erleichterung bzw. Vorbereitung der rechtswidrigen Einreise und des Verweilens 
ab Mitte 2005 bis 28. März 2006, wobei lediglich Gehilfenschaft vorliegt. 

IV. 

Und sie sei in Anwendung der entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen zu verurtei-
len: 

- 11 - 

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 443 Tagen, unter Gewährung des bedingten Strafvoll-
zugs bei einer Probezeit von zwei Jahren und unter Anrechnung der ausgestandenen 
Untersuchungshaft von 443 Tagen. 

2. Zu den anteilsmässigen Verfahrenskosten, wobei diese Verfahrenskosten ihr in An-
wendung von Art. 425 StPO aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse zu erlassen 
sind. 

V. 

Weiter sei zu verfügen: 

Das Honorar des amtlichen Anwaltes sei gerichtlich zu bestimmen. 

 

Anträge der Verteidigung von A5 

A. Einstellung 

Das Strafverfahren gegen die Beschuldigte sei einzustellen – ohne Ausscheidung von 
Verfahrenskosten und ohne Ausrichtung einer Entschädigung – betreffend die Vorwürfe 
der Widerhandlung gegen das ANAG, gemäss Anklageschrift VI. Ziffer 3, durch  

1. rechtswidriges Einreisen und Verweilen, begangen in der Zeit von Oktober 2003 bis 
am 30. November 2004 und durch  

2. Erleichtern beziehungsweise Vorbereiten der rechtswidrigen Einreise und des Ver-
weilens, begangen in der Zeit von August 2004 bis am 30. November 2004. 

B. Freisprüche 

Die Beschuldigte sei freizusprechen von den Vorwürfen der  

1. Förderung der Prostitution, angeblich mehrfach vorsätzlich begangen gemäss Ankla-
geschrift VI., Ziffer 1 und des  

2. Menschenhandels, angeblich mehrfach vorsätzlich begangen gemäss Anklageschrift 
VI., Ziffer 2. 

Die auf die Freisprüche entfallenden Verfahrenskosten seien dem Bund zur Bezahlung 
aufzuerlegen. 

Der Beschuldigten sei eine angemessene Entschädigung für die zu Unrecht ausgestan-
dene Untersuchungshaft und für die ihr angefallenen Verteidigungskosten auszuzahlen. 

 

C. Schuldsprüche  

Die Beschuldigte sei hingegen schuldig zu sprechen der  

Widerhandlungen gegen das ANAG durch  

1. rechtswidriges Verweilen, begangen ab dem 1. Dezember 2004 gemäss Anklage-
schrift VI., Ziffer 3.1.1 und durch 

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2. rechtswidriges Einreisen, mehrfach begangen am 12. Mai 2005 und am 28. Januar 
2006, dadurch dass sie mit einem falschen Pass einreiste sowie durch  

3. Erleichterung beziehungsweise Vorbereitung der rechtswidrigen Einreise und des 
Verweilens, in der Zeit vom 1. Dezember 2004 bis Januar 2006 gemäss VI., Ziffer 3.2 
der Anklageschrift. 

und sie sei in Anwendung der relevanten Gesetzesartikel, insbesondere Art. 23 Abs. 1 
und 2 ANAG und Art. 426 und Art. 425 StPO  

zu verurteilen zu  

1. einer Freiheitsstrafe von 1 Monat, unter Gewährung des bedingten Strafvollzuges bei 
einer Probezeit von zwei Jahren und unter Anrechnung der ausgestandenen Unter-
suchungshaft von 30 Tagen 

2. den auf die Schuldsprüche entfallenden anteilsmässigen Verfahrenskosten, wobei 
diese der Beschuldigten zu erlassen sind. 

Weiter sei zu verfügen 

Das Honorar des amtlichen Verteidigers sei gemäss der eingereichten Kostennote, so-
weit nicht auf die Entschädigung entfallend, zu bezahlen. 

D. Eventualbegehren 

Eventualanträge zu den Anträgen gemäss B., Ziffer 2 und zu den unter C. beantragten 
Sanktionen. 

Die Beschuldigte sei eventualiter zusätzlich schuldig zu sprechen des Menschenhan-
dels, mehrfach vorsätzlich und gemeinsam begangen gemäss VI. Ziffer 2 in Verbindung 
mit I., Ziffer 5.2 der Anklageschrift 

und sie sei in Anwendung der relevanten Gesetzesartikel, insbesondere Art. 27, 40, 42, 
44, 47, 48, 48a, 49, 182 Abs. 1 StGB, Art. 426 Abs. 1 und 3 lit. a und b StPO  

zu verurteilen zu  

1. einer Freiheitsstrafe von maximal 421 Tagen, unter Gewährung des bedingten Straf-
vollzuges und unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft von 421 
Tagen. 

2. den auf die Schuldsprüche entfallenden anteilsmässigen Verfahrenskosten. 

 

Weiter sei zu verfügen 

Das Honorar des amtlichen Verteidigers sei gemäss der eingereichten Kostennote, so-
weit nicht durch die Entschädigung abgegolten, festzusetzen. 

- 13 - 

Sachverhalt: 

A. Die Bundesanwaltschaft eröffnete am 16. Dezember 2004 ein gerichtspolizeili-

ches Ermittlungsverfahren gegen A1, A2 und weitere, teils unbekannte Täter-

schaft wegen Verdachts der Förderung der Prostitution und des Menschenhan-

dels, ausgehend von einer kriminellen Organisation (cl. 1 pag. 1.0.1). Es bestand 

der Verdacht, dass A1 im Raum D2 verschiedene Sexsalons betreibe, in wel-

chen Frauen aus Brasilien zur Prostitution gezwungen würden. Das Verfahren 

wurde verschiedentlich ausgedehnt, so am 19. Januar 2005 auf A3 und am 

8. September 2005 auf A4 (cl. 1 pag. 1.0.2 f.). Am 17. Januar 2006 dehnte die 

Bundesanwaltschaft das Verfahren gegen A1 auf die Tatbestände der Geldwä-

scherei und der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz (cl. 1 

pag. 1.0.4 f.) sowie gegen A3 auf den Tatbestand der Geldwäscherei (cl. 1 

pag. 1.0.6 f.) aus. Die weiteren polizeilichen Ermittlungen führten dazu, dass das 

Verfahren am 8. Februar 2006 auf A5 wegen Verdachts der Förderung der Pros-

titution und des Menschenhandels ausgedehnt wurde (cl. 1 pag. 1.0.8 f.). Am 

20. März 2007 wurde das Verfahren gegen A4 und am 5. April 2007 dasjenige 

gegen A5 auf den Tatbestand des rechtswidrigen Betretens des Landes oder 

des darin Verweilens sowie des Erleichterns oder vorbereiten Helfens der 

rechtswidrigen Einreise oder des rechtswidrigen Verweilens im Lande ausge-

dehnt (cl. 1 pag. 1.0.10 f.). Am 5. Juni 2007 wurde das Verfahren gegen A1 auf 

den Tatbestand der Pornografie und am 11. September 2007 auf den Tatbe-

stand des Erleichterns oder vorbereiten Helfens der rechtswidrigen Einreise oder 

des rechtswidrigen Verweilens im Lande ausgedehnt (cl. 1 pag. 1.0.12 f.). Der 

Anfangsverdacht auf das Bestehen einer kriminellen Organisation hat sich nicht 

erhärtet; formell wurde das Verfahren diesbezüglich nie eröffnet.  

B. Am 19. Januar 2007 vereinigte die Bundesanwaltschaft das bis anhin durch die 

Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn gegen A1 und A2 geführte Verfahren 

wegen Menschenhandels, Förderung der Prostitution, Freiheitsberaubung, Er-

werb und Lagern falschen Geldes und Widerhandlungen gegen das ANAG in der 

Zuständigkeit der Bundesbehörden (cl. 1 pag. 2.2.15 ff.). Am 6. Juni 2007 wurde 

das im Kanton Solothurn im gleichen Zusammenhang geführte Verfahren gegen 

B13 wegen Förderung der Prostitution, Freiheitsberaubung und Widerhandlun-

gen gegen das ANAG mit dem von der Bundesanwaltschaft geführten gerichts-

polizeilichen Ermittlungsverfahren vereinigt (cl. 1 pag. 2.2.20 f.). Am 26. Novem-

ber 2007 ordnete die Bundesanwaltschaft die Vereinigung der Verfahren gegen 

A1 wegen Verdachts der Geldwäscherei, Verdachts der Widerhandlung gegen 

das Betäubungsmittelgesetz, Verdachts der Widerhandlung gegen das ANAG 

und Verdachts der Pornografie, das Verfahren gegen A3 wegen Verdachts der 

Geldwäscherei sowie die Verfahren gegen A4 und A5 wegen Verdachts der Wi-

- 14 - 

derhandlung gegen das ANAG in der Hand der Bundesbehörden an (cl. 1 

pag. 2.2.30 ff.).  

C. A1 war vom 28. März 2006 bis 27. Juli 2007 in Untersuchungshaft, A2 vom  

11. bis 23. Oktober 2006, A3 vom 28. März bis 24. Mai 2006, A4 vom 28. März 

2006 bis 13. Juni 2007 und A5 vom 28. März 2006 bis 22. Mai 2007 (cl. 5 

pag. 6.1.1 ff.; cl. 6 pag. 6.1.305 ff.; cl. 7 pag. 6.2.1 ff.; pag. 6.3.1 ff.; cl. 8 

pag. 6.4.1 ff.; cl. 9 pag. 6.5.1 ff.).  

D. Vom 26. Juli 2004 bis 18. April 2006 wurden zahlreiche rückwirkende und aktive 

Telefonkontrollen sowie eine aktive Faxüberwachung durchgeführt (cl. 18 

pag. 9.5.16 ff.; cl. 19 pag. 9.7.1 ff.). A1 wurde vom 19. Januar 2005 bis 28. März 

2006 mittels eines Satellitennavigationsgerätes (GPS) an seinem Personenwa-

gen überwacht (cl. 16 pag. 9.1.5–24). Vom 9. Mai 2005 bis 18. Oktober 2005 

wurde der Eingangsbereich des Sexsalons Studio C3 in D1 videoüberwacht 

(cl. 16 pag. 9.2.1–154). In der Zeit vom 29. März 2005 bis 10. April 2006 kam ein 

verdeckter Ermittler zum Einsatz (cl. 17 pag. 9.4.12–109). Bei A1, A3, beim Stu-

dio C3, beim Studio C2 sowie beim Studio C1 wurden am 28. März 2006 Haus-

durchsuchungen durchgeführt (cl. 14 pag. 8.1.3 ff.; pag. 8.2.3 ff.; pag. 8.3.3 ff.; 

pag. 8.4.3 ff.; 8.5.4 ff.). Am 11. Oktober 2006 fand bei A2 eine Durchsuchung an 

ihrem Domizil und eine weitere in den von ihr bewohnten Räumen im Studio C3 

statt (cl. 15 pag. 8.6.5–10). Dabei wurden diverse Geschäftsunterlagen, Verträ-

ge, Ausweise, Videokassetten, Bargeld, ein Kokaintester, eine CD mit pornogra-

fischem Inhalt und Sex-Menükarten sichergestellt, wobei die beweisrelevanten 

Gegenstände von der Bundesanwaltschaft am 31. August 2007 beschlagnahmt 

wurden (cl. 15 pag. 8.7.14 ff.). Am 29. Februar 2008 beschlagnahmte die Bun-

desanwaltschaft zwei Vermögenswerte (cl. 15 pag. 8.7.37 f.; pag. 8.7.40 f.). Mit 

zahlreichen Editionsersuchen und Beschlagnahmeverfügungen der Bundesan-

waltschaft vom 20. Januar 2005 bis 3. November 2006 wurden im Zusammen-

hang mit der Herkunft und dem Verbleib von mutmasslich deliktisch erlangten 

Vermögenswerten mehrere Unterlagen herausverlangt sowie Vermögenswerte 

auf diversen Konten von Banken und bei Versicherungen beschlagnahmt (cl. 10 

pag. 7.2.1 ff.; cl. 11 pag. 7.4.1 ff.; cl. 12 pag. 7.8.1 ff., cl. 13 pag. 7.17.4 ff.).  

E. Am 29. Oktober 2008 stellte die Bundesanwaltschaft beim Eidgenössischen Un-

tersuchungsrichter den Antrag auf Einleitung der Voruntersuchung (cl. 1 

pag. 1.0.14 ff.). Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass aus ihrer Sicht sämtliche 

Untersuchungshandlungen durchgeführt wurden, weshalb ihr Antrag auf Einlei-

tung einer Voruntersuchung „in Form eines Schlussberichtes“ gehalten ist (cl. 1 

pag. 1.0.15). 

- 15 - 

F. Das Eidgenössische Untersuchungsrichteramt eröffnete am 10. November 2008 

die Voruntersuchung gegen A1, A2, A3, A4, A5 sowie B13 (cl. 1 pag. 1.0.195 ff.). 

G. Am 21. Juni 2010 schloss das Eidgenössische Untersuchungsrichteramt die 

Voruntersuchung und erstellte gleichentags einen Schlussbericht (cl. 51 

pag. 24.0.1–8).  

H. Die Bundesanwaltschaft erhob am 16. Dezember 2010 beim Bundesstrafgericht 

Anklage gegen A1, A2, A3, A4, A5 sowie B13 wegen qualifizierter Freiheitsbe-

raubung, Förderung der Prostitution, Menschenhandel, Anstiftung zur Geldfäl-

schung, Widerhandlung gegen das BetmG, Geldwäscherei, Pornografie sowie 

Widerhandlung gegen das ANAG, evtl. AuG (cl. 138 pag. 138.100.1–96).  

I. Mit Beschluss vom 11. Februar 2011 wurde das Strafverfahren gegen B13 vom 

Hauptverfahren SK.2010.28 abgetrennt und neu unter der Verfahrensnummer 

SK.2011.3 geführt. Gleichzeitig wurde das Verfahren gegen die vorerwähnte 

Person sistiert und die Rechtshängigkeit des Verfahrens vom Bundesstrafgericht 

auf die Bundesanwaltschaft übertragen (cl. 138 pag. 138.950.1.–4). 

J. Mit Beschluss vom 3. März 2011 wurde die Anklageschrift an die Bundesanwalt-

schaft zur Berichtigung zurückgewiesen (cl. 138 pag. 138.110.1–4). Am 31. März 

2011 reichte die Bundesanwaltschaft die berichtigte Anklageschrift ein (cl. 138 

pag. 138.110.8–113). 

K. Die Hauptverhandlung fand am 8. Juni 2011, vom 21. bis 25. November 2011 

sowie am 1. Dezember 2011 vor der Strafkammer des Bundesstrafgerichts am 

Sitz des Gerichts statt (cl. 138 pag. 138.920.1–45). A4 wurde von der Teilnahme 

an der Hauptverhandlung dispensiert (cl. 138 pag. 138.442.3–8). A5 wurde für 

die Zeit vom 21. bis 25 November 2011 sowie 1. Dezember 2011 dispensiert, 

nachdem sie am 8. Juni 2011 unentschuldigt nicht erschienen war (cl. 138 

pag. 138.442.11).  

L. A5 sowie A4 haben mit Schreiben vom 10. Februar 2012 beziehungsweise 

28. März 2012 auf ein Rechtsmittel gegen das Urteil des Bundesstrafgerichts 

vom 1. Dezember 2011 verzichtet (cl. 138 pag. 138.960.1 f.).  

 

- 16 - 

Die Strafkammer erwägt: 

1. Vorfragen 

1.1 Anwendbares Prozessrecht 

1.1.1 Das Vorverfahren bis zur Anklageerhebung wurde unter altem Prozessrecht 

(BStP) durchgeführt. Die entsprechenden Verfahrenshandlungen behalten ge-

mäss Art. 448 Abs. 2 der seit 1. Januar 2011 in Kraft stehenden Schweizeri-

schen Strafprozessordnung vom 5. Oktober 2007 (StPO; SR 312.0) ihre Gültig-

keit. Dies betrifft nach dem Willen des Gesetzgebers auch solche Verfahrens-

handlungen, welche unter altem Recht angeordnet worden sind und unter neuem 

Recht ihren Fortgang nehmen (Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Verein-

heitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2005 S. 1085 ff., 1351).  

1.1.2 Die Hauptverhandlung untersteht neuem Verfahrensrecht (Art. 450 StPO). Dies 

entspricht dem Grundsatz der sofortigen Anwendbarkeit neuen Rechts auf hän-

gige Verfahren (FINGERHUTH, in: DONATSCH/A6JAKOB/LIEBER [Hrsg.] Kommentar 

zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Zürich/Basel/Genf 2010, Art. 448 

StPO N. 2). 

1.2 Anwendbares materielles Recht 

1.2.1 Die den Beschuldigten vorgeworfenen Straftaten wurden vor dem 1. Januar 

2007, mithin vor Inkrafttreten des revidierten Allgemeinen Teils des Strafgesetz-

buches begangen. Somit würde unter Berücksichtigung des strafrechtlichen 

Rückwirkungsverbots grundsätzlich das alte Recht gelten. Art. 2 Abs. 2 StGB 

sieht jedoch vor, dass das neue Recht anwendbar ist, wenn es für den Täter das 

mildere ist als das zum Zeitpunkt der Tat geltende (sog. lex mitior). Welches 

Recht das mildere ist, ergibt sich aus dem Zusammenspiel der Vorschriften des 

Besonderen Teils (beziehungsweise des Nebenstrafrechts) und des Allgemeinen 

Teils des Strafgesetzbuches (BGE 134 IV 82 E. 6.2.1). Anzuwenden ist in Bezug 

auf ein und dieselbe Tat nur entweder das alte oder das neue Recht (Grundsatz 

der Alternativität); eine kombinierte Anwendung ist ausgeschlossen. Konkret ist 

zu prüfen, ob der Beschuldigte nach dem neuen Recht milder bestraft wird als 

nach dem alten Recht (BGE 134 IV 82 E. 6.2.3 mit Hinweisen; unveröffentlichte 

E. 8.1 von TPF 2009 25, mit Hinweisen). 

1.2.2 a) Mit der Neufassung des StGB wurden die der Anklage zugrunde liegenden 

Tatbestände der Freiheitsberaubung (Art. 183 StGB), Förderung der Prostitution 

(Art. 195 StGB), Pornografie (Art. 197 StGB), Geldfälschung (Art. 240 StGB) so-

wie Geldwäscherei (Art. 305
bis

 StGB) nicht geändert. Der zur Zeit der Tatbege-

hung massgebliche Art. 19 aBetmG stellte dieselben vorsätzlichen Handlungen 

- 17 - 

unter Strafe wie der am 1. Juli 2011 in Kraft getretene revidierte Art. 19 BetmG. 

Die Tatbestandselemente blieben unverändert. Geändert wurden lediglich die 

Sanktionen. Im Rahmen der Revision des Allgemeinen Teils des Strafgesetzbu-

ches wurden per 1. Januar 2007 die Strafandrohungen der Normen an das neue 

Sanktionensystem angepasst. Die Frage des anwendbaren Rechts stellt sich 

demnach bei diesen Tatbeständen grundsätzlich erst im Rahmen der Strafzu-

messung (E. 15.1.2). Indessen hat sich gezeigt, dass die revidierten Bestimmun-

gen des Allgemeinen Teils für den Täter oftmals mildere Rechtsfolgen haben. 

Davon ist grundsätzlich auch vorliegend auszugehen, da alle Straftatbestände in 

der angeklagten Variante heute auch eine pekuniäre Sanktion vorsehen, wäh-

rend früher der bedingte Vollzug der pekuniären Sanktion nicht möglich war. Zu-

dem wurde das Rechtsinstitut des bedingten Strafvollzugs ausgebaut und jenes 

der teilbedingten Strafe geschaffen (Art. 42 und 43 StGB). Deshalb wird zu-

nächst bei den erwähnten Tatbeständen von der Anwendung des neuen Rechts 

ausgegangen und erst anschliessend im Rahmen der Strafzumessung, soweit 

bei den einzelnen Anklagepunkten erforderlich, ein Vergleich mit den Rechtsfol-

gen nach altem Recht vorgenommen. 

b) Hingegen unterscheidet sich der zur Zeit der Tatbegehung massgebliche 

Grundtatbestand des Menschenhandels (Art. 196 Abs. 1 aStGB) im Vergleich 

zum revidierten Tatbestand von Art. 182 Abs. 1 StGB in Bezug auf das Rechts-

gut wie folgt: Gemäss DELNON/RÜDY wird in Art. 196 aStGB ein engerer Begriff 

des Menschenhandels verwendet, indem nur bestraft wurde, wer mit Menschen 

Handel trieb, um der Unzucht eines anderen Vorschub zu leisten. Menschen-

handel zum Zwecke der Ausbeutung der Arbeitskraft oder der Entnahme von 

Körperorganen wurde von Art. 196 aStGB nicht erfasst. Aus diesem Grunde 

wurde eine neue Strafbestimmung über den Menschenhandel eingeführt. Da die 

revidierte Strafbestimmung nicht mehr alleine die sexuelle Selbstbestimmung der 

Betroffenen schützt, wird sie neu unter dem vierten Titel des Strafgesetzbuches 

aufgeführt (zum Ganzen DELNON/RÜDY, Basler Kommentar, 2. Aufl., Basel 2007, 

Art. 182 StGB N. 5). Im Bereich der Ausnützung sexueller Handlungen hat die 

Revision materiell keine Änderungen gebracht (Urteil des Bundesgerichts 

6B_277/2007 vom 8. Januar 2008, E. 4.2). Soweit sich die Vorbereitungshand-

lungen im Anwerben von Frauen für die Prostitution in Bordellen erschöpft, führt 

die Änderung der Rechtslage nicht zu einem günstigeren Ergebnis (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_277/2007 vom 8. Januar 2008, E. 4.2). Neu im Vergleich 

zum alten Recht ist ebenfalls, dass die Gewerbsmässigkeit gemäss Art. 182 

Abs. 2 StGB als Qualifikation behandelt wird (DELNON/RÜDY, a.a.O., Art. 182 

StGB N. 33). Angeklagt ist der mehrfache Menschenhandel, weshalb zunächst 

bei der Schuldfrage das alte Recht referiert und erst anschliessend, soweit bei 

der Strafzumessung erforderlich, ein Vergleich mit den Rechtsfolgen nach neu-

em Recht vorgenommen wird.  

- 18 - 

c) Die Umschreibung der der Anklage zugrunde gelegten Tatbestände des 

rechtswidrigen Einreisens, der Erleichterung bzw. Vorbereitung der rechtswidri-

gen Einreise und des Verweilens in Bereicherungsabsicht sowie der Beschäfti-

gung von Ausländerinnen ohne Bewilligung (Art. 23 Abs. 1, 2 und 4 ANAG) ha-

ben mit der am 1. Januar 2007 in Kraft getretenen Totalrevision (Art. 115 Abs. 1 

lit. a–c und Art. 116 Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 3 Bst. a AuG sowie Art. 117 AuG) 

keine inhaltliche Änderung der Tatbestandselemente erfahren (Botschaft AuG, 

BBl 2002 3709, insbesondere 3832 f.). Erhöht wurden lediglich die Strafrahmen 

(Botschaft AuG, BBl 2002, 3832 und 3833). Deshalb wird diesbezüglich von der 

Anwendung des alten Rechts ausgegangen.  

1.3 Zuständigkeit  

Nach Art. 22 StPO obliegt die Verfolgung und Beurteilung strafbarer Handlungen 

grundsätzlich den Kantonen, soweit sie nicht der Bundesgerichtsbarkeit unter-

stehen. Ist in einer Strafsache sowohl Bundes- als auch kantonale Zuständigkeit 

gegeben, kann der Staatsanwalt des Bundes die Vereinigung der Verfahren in 

der Hand der Bundesbehörde oder der kantonalen Behörden anordnen (Art. 26 

Abs. 2 StPO bzw. Art. 18
bis 

Abs. 2 in Verbindung mit Art. 18 Abs. 2 aBStP). Die 

Bundesanwaltschaft hat die Verfahren, welche Anklagepunkte kantonaler Zu-

ständigkeit betreffen, in Anwendung oben erwähnten Gesetzesbestimmungen 

gültig mit dem in ihre genuine Zuständigkeit fallenden Verfahren vereinigt (siehe 

vorstehend Erw. B; cl. 1 pag. 2.2.15-32). Die sachliche Zuständigkeit des Bun-

desstrafgerichts für die Beurteilung aller Anklagepunkte ist demnach gegeben.  

1.4 Rechtmässigkeit der Eröffnung des Ermittlungsverfahrens 

1.4.1 Die Verteidiger machen geltend, die Voraussetzung für die Eröffnung des Ermitt-

lungsverfahrens gegen die Beschuldigten habe mangels genügenden Anfangs-

verdachts gefehlt (cl. 138 pag. 138.920.9–11; pag. 138.920.225–226); es liege 

daher ein Hindernis für das Strafverfahren insgesamt vor. 

1.4.2 In Bezug auf das anwendbare Recht ist auf Erwägung 1.1.1 zu verweisen. Die 

Eröffnung des Ermittlungsverfahrens ist demzufolge nach Massgabe der BStP zu 

beurteilen, weil es noch unter deren Herrschaft abgeschlossen wurde. Art. 101 

Abs. 1 BStP bestimmte, dass der Bundesanwalt „bei hinreichendem Verdacht 

strafbarer Handlungen“ schriftlich die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens an-

ordnet. Allerdings galt unter der Herrschaft des BStP ein strafrechtliches Ermitt-

lungsverfahren bereits dann als im materiellen Sinne eröffnet, wenn die Bundes-

anwaltschaft oder die BKP prozessuale Handlungen vornahmen; die formelle Er-

öffnungsverfügung hatte nur deklaratorische Bedeutung (SCHMID, Strafprozess-

recht, 4. Aufl., Zürich 2004, N. 785; OBERHOLZER, Grundzüge des Strafprozess-

rechts, 2. Aufl., Bern 2005, N. 1336–1337). Der hinreichende Verdacht setzt – in 

Abgrenzung zum dringenden Tatverdacht – nicht voraus, dass Beweise und In-

- 19 - 

dizien bereits für eine erhebliche oder hohe Wahrscheinlichkeit einer Verurtei-

lung sprechen.  

1.4.3 Dem Ermittlungsverfahren gingen folgende Aktivitäten der BKP voraus: Am 

16. November 2004 befragte die BKP eine aus Brasilien stammende Frau, wel-

che zuvor vier Monate im Sexsalon Studio C2 in D2 als Prostituierte tätig gewe-

sen war, als Auskunftsperson (cl. 22 pag. 12.1.1–15). Aus Angst vor Repressa-

lien bestand sie darauf, dass ihre Personalien im Protokoll nicht erwähnt würden 

(cl. 22 pag. 12.1.1). Sie sagte aus, A6 (gemeint: A1) habe deutsch gesprochen 

und A7 (gemeint: A2) habe die Übersetzung auf Portugiesisch gemacht. Ihr sei 

gesagt worden, dass sie an ihre Familie in Brasilien denken solle, falls sie das 

Haus verlasse. Sie habe dies als Drohung verstanden. A6 habe ihr gesagt, dass 

sie ihm Fr. 12'000.– schulde und dass sie dieses Geld zurückzubezahlen habe, 

bevor sie ihren Pass wieder bekomme (cl. 22 pag. 12.1.6). Es sei Druck ausge-

übt und es seien Drohungen ausgesprochen worden. A6 habe sie über die Ge-

pflogenheiten aufgeklärt und darüber, dass es keinen Sinn mache zu flüchten 

(cl. 22 pag. 12.1.11). A6 habe neben dem Studio C2, der Bar C11 und dem Stu-

dio C1 noch das Studio C3 (cl. 22 pag. 12.1.12). Auf Vorhalt der Fotodokumenta-

tion erkannte sie A1 als den von ihr gemeinten A6 (cl. 22 pag. 12.1.11).  

1.4.4 Die Bundesanwaltschaft eröffnete am 16. Dezember 2004 formell das Ermitt-

lungsverfahren (cl. 1 pag. 1.0.1) und zwar auf der Grundlage des Antrags der 

BKP vom 9. Dezember 2004 (cl. 2 pag. 5.1.1–15). Dieser formuliert den Tatver-

dacht unter anderem damit, dass A1 einer Organisation vorstehen dürfte, oder 

an einer solchen beteiligt sei, welche Frauen in die Schweiz verbringe und der 

Prostitution zuführe (cl. 2 pag. 5.1.14). Es wird dargelegt, worauf sich der Tat-

verdacht stützt; die Vorermittlungsergebnisse, wonach A1 seit vielen Jahren im 

Rotlichtmilieu tätig sei (cl. 2 pag. 5.1.5), sowie die polizeilichen Aussagen einer 

Auskunftsperson (cl. 2 pag. 5.1.12; siehe E. 1.4.3).  

1.4.5 Die Aussagen der Auskunftsperson vom 16. November 2004 (E. 1.4.3) sind hin-

sichtlich des Schuldenabbausystems, der verbalen Drohungen und der Etablis-

sements von A1 ausführlich und detailreich. Gestützt auf diese klar formulierten 

Informationen bestand für die BKP die hinreichend begründete Wahrscheinlich-

keit, dass strafbare Handlungen begangen wurden und allenfalls noch andauern 

könnten. Dies umso mehr, als A1 eine bekannte Figur im Solothurner Rotlichtmi-

lieu war, die Schilderungen also auch nicht a priori als realitätsfern erschienen 

(Bericht der Kapo Bern vom 15. November 2004 wegen Verdachts des Men-

schenhandels und Förderung der Prostitution; Bericht/Ermittlungsverfahren der 

Kapo Solothurn vom 27. Oktober 2004 wegen Verdachts der Freiheitsberaubung 

und Förderung der Prostitution; Bericht der Kapo Luzern vom 6. Februar 2004 

wegen Betreibens einer Kontaktbar in Luzern; Strafanzeige der Kapo Luzern 

vom 6. Februar 2004 wegen Widerhandlung gegen das ANAG; Bericht der Kapo 

Solothurn vom 7. Januar 2004 wegen Einladens einer Frau aus Brasilien in die 

- 20 - 

Schweiz; Strafanzeige der Kapo Solothurn vom 5. Januar 2004 wegen vorsätzli-

chen Erleichterns der Arbeitsaufnahme ohne Bewilligung; Strafanzeige der Kapo 

Solothurn vom 11. Juli 2002 wegen Menschenhandels, Förderung der Prostituti-

on, Freiheitsberaubung, Widerhandlung gegen das ANAG, Erwerb und Lagerung 

falschen Geldes [cl. 2 pag. 5.1.13]) und eine Affinität zu tatbestandsmässigem 

Verhalten zeigen. Die Faktenlage bei formeller Eröffnung des Ermittlungsverfah-

rens hatte somit die Qualität eines hinreichenden Tatverdachtes. Die BKP war 

folglich verpflichtet, der Anzeige vom 16. November 2004 nachzugehen. Der 

Einwand der Verteidiger ist somit unbegründet.  

1.5 Zugehörigkeit zu einer kriminellen Organisation  

1.5.1 Die Verteidiger machen geltend, das Verfahren sei wegen Verdachts der Förde-

rung der Prostitution und des Menschenhandels, ausgehend von einer kriminel-

len Organisation eröffnet worden (cl. 1 pag. 1.0.1). Der Vorwurf der Zugehörig-

keit zu einer kriminellen Organisation gemäss Art. 260
ter

 StGB habe sich nicht 

erhärtet und sei demnach der Anklageschrift nicht zu entnehmen. Das Bundes-

strafgericht habe deshalb das Verfahren wegen der angeblichen Zugehörigkeit 

zu einer kriminellen Organisation einzustellen (cl. 138 pag. 138.920.227–228; 

pag. 138.920.318–319). 

1.5.2 Die Bundesanwaltschaft hatte zu Beginn des Verfahrens Anhaltspunkte, dass die 

Förderung der Prostitution und der Menschenhandel von einer kriminellen Orga-

nisation gemäss Art. 260
ter

 StGB ausgingen. Gestützt auf Art. 340
bis 

aStGB –

wonach die strafbaren Handlungen nach Art. 260
ter

 StGB der Bundesgerichts-

barkeit unterstehen – (neu: Art. 24 StPO) sowie Art. 18
bis 

Abs. 2 in Verbindung 

mit Art. 18 Abs. 2 BStP vereinigte die Bundesanwaltschaft das ganze Strafver-

fahren in der Zuständigkeit der Bundesbehörden. In diesem Sinne handelt es 

sich bei Art. 260
ter

 StGB um eine die Zuständigkeit begründende Norm. Das Ver-

fahren wurde nie wegen Art. 340
bis 

aStGB beziehungsweise Art. 260
ter

 StGB ge-

führt, sondern wegen anderer Tatbestände (siehe Lit. A., B. und H.). Entspre-

chend konnte und kann mit Bezug auf den Tatbestand der Zugehörigkeit zu einer 

kriminellen Organisation auch keine Einstellung erfolgen. Der Einwand ist somit 

unbegründet.  

1.6 Anklageprinzip 

1.6.1 Die Verteidigung von A1 macht hinsichtlich der Anklagepunkte A.I.2.–5. betref-

fend die Förderung der Prostitution und des Menschenhandels eine Verletzung 

des Anklageprinzips geltend, weil die Tatvorwürfe nicht mit konkreten Beweisen 

belegt seien (cl. 138 pag. 138.920.228–229). 

1.6.2 Nach dem aus Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV sowie aus Art. 6 Ziff. 1 und 

Ziff. 3 lit. a und b EMRK abgeleiteten Anklagegrundsatz bestimmt die Anklage-

- 21 - 

schrift den Gegenstand des Gerichtsverfahrens. Gegenstand des gerichtlichen 

Verfahrens können nur Sachverhalte sein, die dem Beschuldigten in der Ankla-

geschrift vorgeworfen werden (Umgrenzungsfunktion; Immutabilitätsprinzip; 

vgl. Art. 169 Abs. 1 aBStP bzw. Art. 9 Abs. 1 StPO). Die Anklage hat die der be-

schuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu 

umschreiben, dass die Vorwürfe genügend konkretisiert sind. Das Anklageprin-

zip bezweckt zugleich den Schutz der Verteidigungsrechte der angeschuldigten 

Person und dient dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion), 

wobei die beiden Funktionen von gleichwertiger Bedeutung sind (BGE 133 IV 

235 E. 6.2 f., m.w.H.; 120 IV 348 E. 2; Urteil des Bundesgerichts 6P.122/2004 

vom 8. März 2005, E. 4.1, je m.w.H.). Durch klare Umgrenzung des Prozessge-

genstands und Vermittlung der für die Verteidigung notwendigen Informationen 

soll dem Betroffenen ein faires Verfahren garantiert werden. Entscheidend ist, 

dass der Beschuldigte genau weiss, was ihm konkret vorgeworfen wird (Urteile 

des Bundesgerichts 6B_209/2010 vom 2. Dezember 2010, E. 2.4; 6B_794/2007 

vom 14. April 2008, E. 2.1, je m.w.H.).  

1.6.3 Der Anklagegrundsatz verlangt also, dass der Vorwurf, der dem Angeklagten 

gemacht wird, genügend konkret ist. In dieser Hinsicht rügt die Verteidigung 

nichts. Dagegen verlangt der Anklagegrundsatz nicht, dass die Anklageschrift die 

Beweismittel nennt, durch welche ein bestimmter Vorwurf gestützt wird. Die ent-

sprechende Rüge der Verteidigung geht fehl.  

1.7 Verwertbarkeit der Beweismittel aus Zwangsmassnahmen 

1.7.1 Die Verteidiger bestreiten die Rechtmässigkeit der Erhebung sowie die Verwert-

barkeit der Unterlagen und Erkenntnisse gemäss den Ziffern 9.1 bis 9.13 der An-

klageschrift (GPS-Erfassung, Audio- und Videoüberwachung, Janus-PV Abfra-

gen, verdeckter Ermittler, Telefon- und Faxüberwachung, Zufallsfunde [cl. 138 

pag. 138.920.9–11]). Es habe am dringenden Tatverdacht und an der Verhält-

nismässigkeit für die Anordnung der Zwangsmassnahmen gefehlt. Die Zwangs-

massnahmen hätten nicht nebeneinander angeordnet werden dürfen. Schliess-

lich seien bereits andere Untersuchungshandlungen im Kanton Solothurn gegen 

A1 wegen Förderung der Prostitution erfolgreich gewesen (cl. 138 

pag. 138.920.54).  

1.7.2 a) Die Zulässigkeit der Telefonkontrollen und der Audio- und Videoüberwachung 

sowie der daraus gewonnenen Beweise beurteilen sich nach Massgabe des da-

mals geltenden Bundesgesetzes betreffend die Überwachung des Post- und 

Fernmeldeverkehrs vom 6. Oktober 2000 (BÜPF; SR 780.1). Gemäss Art. 66 

Abs. 2 BStP sind für die Audio- und Videoüberwachung die Bestimmungen des 

BÜPF sinngemäss anwendbar. Nach dessen Art. 3 Abs. 1 lit. a durfte eine 

Überwachung nur angeordnet werden, wenn sich aus bestimmten Tatsachen der 

dringende Verdacht ergab, die Zielperson habe allein oder mit anderen eine so-

- 22 - 

genannte Katalogtat begangen; zu diesen gehört die Förderung der Prostitution 

und der Menschenhandel (Art. 3 Abs. 2 lit. a BÜPF). Der vom Gesetz verlangte 

dringende Tatverdacht erheischt mehr als der hinreichende Tatverdacht, der für 

die Eröffnung eines Strafverfahrens vorausgesetzt wird (E. 1.4.2). Es müssen In-

dizien nachgewiesen, nicht bloss behauptet werden, welche zwar die Strafbarkeit 

unter einem bestimmten Deliktstatbestand noch nicht als erstellt, aber doch auf 

signifikante Weise nahe liegend erscheinen lassen.  

b) Die Bundesanwaltschaft ordnete am 25. Januar 2005 die erste Telefonkontrol-

le gegen A1 an und beantragte gleichentags die Genehmigung bei der damals 

zuständigen Gerichtsinstanz, dem Präsidenten der I. Beschwerdekammer des 

Bundesstrafgerichts (cl. 18 pag. 9.5.5 ff.). Dem Gesuch lagen der Rapport der 

BKP vom 9. Dezember 2004 sowie die Berichterstattung der BKP vom 

18. Januar 2005 bei. Aus diesen Unterlagen geht hervor, dass A1 unter falschen 

Versprechen in Bezug auf die berufliche Tätigkeit Frauen von der Region Belo 

Horizonte in die Schweiz gelockt und sogleich in zwei seiner Bordelle gebracht 

habe. Dort seien sie unter massivsten Zwangsmassnahmen festgehalten und zur 

Prostitution gezwungen worden. Der dringende Tatverdacht stützt sich auf diese 

gerichtspolizeilichen Ermittlungsergebnisse, welche zu Recht die erste Zwangs-

massnahme zur Folge hatten (cl. 18 pag. 9.5.16 ff.). Die Verdachtslage hat sich 

im Laufe der Ermittlungen ständig verdichtet (siehe Entscheide des Präsidenten 

der I. Beschwerdekammer in cl. 18 pag. 9.5.37 ff.; pag. 9.6.79; cl. 19 pag. 9.7.34; 

pag. 9.9.27 f.; pag. 9.9.77 f.), nicht zuletzt aufgrund der Aussagen von zahlrei-

chen Opfern, wie beispielsweise derjenigen von B14, wonach A6 (gemeint: A1) 

ein richtiger Frauenhändler sei (cl. 19 pag. 9.7.17).  

c) Am 3. Mai 2005 ersuchte die Bundesanwaltschaft den Präsidenten der I. Be-

schwerdekammer um Genehmigung der Aussenvideoüberwachung des Sexsa-

lons Studio C3. In Bezug auf den erstellten dringenden Tatverdacht kann auf Er-

wägung 1.7.2 b verwiesen werden.  

1.7.3 a) Die Rechtmässigkeit des Einsatzes des verdeckten Ermittlers richtet sich nach 

dem damals geltenden Bundesgesetz vom 20. Juni 2003 über die verdeckte Er-

mittlung (BVE; durch die StPO aufgehoben; vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_141/2011 vom 23. August 2011, E. 2.1). Der Gesetzgeber hat die verdeckte 

Ermittlung auf Bundesebene per 1. Januar 2005 geregelt. Bei der mutmasslichen 

Tat musste es sich um eine sogenannte Katalogtat im Sinne des BVE handeln, 

was für Menschenhandel und Förderung der Prostitution der Fall war und ge-

mäss neuem Recht der Fall ist (vgl. gemäss Art. 286 Abs. 2 StPO in Verb. mit 

Art. 182 und Art. 195 StGB). Ein solcher Einsatz unterliege, wenn die gesetzli-

chen Voraussetzungen erfüllt sind, überdies dem Erfordernis der Verhältnismäs-

sigkeit staatlichen Verhaltens, was in diesem Zusammenhang das Bestehen  

eines konkreten Verdachts, die Zielperson werde eine gewichtige Straftat bege-

hen, voraussetze (BGE 112 Ia 18 4a).  

- 23 - 

b) Die Bundesanwaltschaft ordnete mit Datum vom 29. März 2005 den ersten 

Einsatz des verdeckten Ermittlers an (cl. 17 pag. 9.4.12–13). In Bezug auf den 

dringenden Tatverdacht kann auf E. 1.7.2 b verwiesen werden. Dem ergänzen-

den Verlängerungsantrag vom 26. September 2005 lagen weiter die Aussagen 

der Auskunftsperson B14 vom 10. Dezember 2004 und Amtsberichte des ver-

deckten Ermittlers vom 5. und 14. September 2005 bei (cl. 17 pag. 9.4.50 ff.). 

Die Auskunftsperson sagte aus, ihr sei der Pass und das Flugticket durch B48 

abgenommen worden, damit sie nicht habe abhauen können (cl. 17 pag. 9.4.73). 

Man habe ihr gesagt, wenn sie sich weigere, die Arbeit zu verrichten, dann wer-

de sie nach Brasilien zurückgeschickt. Jedoch erst, wenn sie ihre Schulden ab-

gearbeitet habe (cl. 17 pag. 9.4.74). Sie habe nie alleine nach draussen gehen 

dürfen (cl. 17 pag. 9.4.75). Vom ersten Freier pro Tag, der Fr. 100.– bezahlt ha-

be, seien Fr. 20.– für das Zimmer drauf gegangen, Fr. 50.– für A6 (gemeint: A1) 

und Fr. 30.– seien dafür verwendet worden, die Schulden abzubezahlen (cl. 17 

pag. 9.4.77). Den Amtsberichten ist zu entnehmen, dass den Frauen die Pässe 

weggenommen wurden (cl. 17 pag. 9.4.93; pag. 9.4.95). Der Tatverdacht hatte 

sich somit weiter erhärtet.  

1.7.4 Am 2. Februar 2005 ordnete die Bundesanwaltschaft gestützt auf Art. 101 Abs. 2 

BStP die Bekanntgabe der JANUS PV-Abfragen aller Bundesbehörden und in al-

len Kantonen für einen bestimmten Zeitraum an (cl. 16 pag. 9.3.6). Am 19. Janu-

ar 2005 bewilligte die Bundesanwaltschaft die Überwachung von A1 mittels eines 

GPS-Empfängers an seinem Fahrzeug und verlängerte diese Massnahme am 

18. Juli 2005 und 13. Januar 2006 (cl. 9.1.5 ff.). Voraussetzung für diese Mass-

nahmen ist unter anderem ein hinreichender Tatverdacht nach Art. 101 Abs. 1 

BStP. In Bezug auf den vorhandenen dringenden Tatverdacht kann auf Erwä-

gung 1.7.2 b verwiesen werden.  

1.7.5 a) In Bezug auf den Grundsatz der Verhältnismässigkeit der Zwangsmassnah-

men bzw. verdeckten Ermittlungsmassnahmen (E. 1.7.2 b und c; E. 1.7.3 b; 

E. 1.7.4) ist erforderlich, dass die Ermittlungen sonst aussichtslos oder unver-

hältnismässig erschwert würden. Gemäss Art. 4 Abs. 1 lit. b BVE kann der Ein-

satz des verdeckten Ermittlers zudem angeordnet werden, wenn andere Unter-

suchungsmassnahmen erfolglos geblieben sind. Damit sind allerdings bloss sol-

che ohne vorgängiges Bewilligungserfordernis gemeint. Vielfach ist es notwen-

dig, mehrere Zwangsmassnahmen parallel oder überlappend anzuordnen (HUG, 

Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Zürich/Basel/Genf 2010, 

Art. 197 StPO N. 19). Die einzelnen Zwangsmassnahmen haben verschiedene 

Stossrichtungen, weshalb ein ganzes Bündel von Massnahmen notwendig sein 

kann (HUG, a.a.O., Art. 197 StPO N. 19). 

b) Gerade im Bereich von Straftaten im Rotlichtmilieu sind die genannten 

Zwangs- bzw. verdeckten Ermittlungsmassnahmen regelmässig – wie auch vor-

liegend – ein unabdingbares und wirksames Mittel, um die Strukturen der delikti-

- 24 - 

schen Tätigkeiten zu erkennen und aufzudecken. Ohne solche Massnahmen wä-

re es vorliegend kaum möglich gewesen zu erkennen, ob es sich um ein erlaub-

tes oder deliktisches Betriebssystem handelt. Aufgrund der verschiedenen 

Stossrichtungen der Zwangsmassnahmen mussten diese nicht kaskadenartig 

eingesetzt werden. Erkenntnisse über die Netzwerke in Brasilien und über das 

soziale Umfeld der Beschuldigten waren fast ausschliesslich durch den verdeck-

ten Ermittler zu gewinnen. Die GPS-Erfassung diente zur Erstellung eines Be-

wegungsrasters von A1. Mit der Audio- und Videoüberwachung konnte festge-

stellt werden, wie häufig die Prostituierten das Studio C3 verlassen konnten und 

wie häufig dieses von Freiern frequentiert wurde. Die Janus-PV Abfragen dienten 

der Bekanntgabe kriminalpolizeilicher Daten und die verdeckte Ermittlung sowie 

die Telefon- und Faxüberwachung der Sicherung von Erkenntnissen über das 

Geschäftsmodell. Die Ermittlungen wären somit ohne den Einsatz der verschie-

denen Zwangsmassnahmen aussichtslos gewesen beziehungsweise unverhält-

nismässig erschwert worden. Schliesslich betraf das damalige Strafverfahren im 

Kanton Solothurn gegen A1 andere Prostituierte, nämlich fast ausschliesslich 

solche aus Osteuropa, andere Tatzeiten und Etablissements (siehe Urteil des 

Obergerichtes des Kantons Solothurn vom 28. Januar 2005 [cl. 47 pag. 18.7.75–

147 ff.]). Die Bundesanwaltschaft war also verpflichtet, die vorliegenden Sach-

verhalte zu untersuchen.  

1.7.6 Der Einwand der Verteidiger ist somit unbegründet. Der Antrag ist abzuweisen.  

1.8 Verwertbarkeit der Einvernahmeprotokolle von Belastungszeugen 

1.8.1 Der Verteidiger von A1 rügt im Zusammenhang mit sämtlichen Zeugen und Aus-

kunftspersonen gemäss den Ziffern A.I.1.–10. der Anklageschrift eine Verletzung 

des direkten Konfrontationsrechts seines Mandanten (cl. 138 pag. 138.920.21). 

Der Verteidiger von A2 beanstandet eine Verletzung des direkten Konfrontations-

rechts seiner Mandantin in Bezug auf die meisten unter  

A.III.1.2 lit. e und A.III.2.2 lit. k der Anklageschrift aufgeführten Frauen (cl. 138 

pag. 138.920.22).  

1.8.2 Ein Angeschuldigter hat in einem Strafverfahren gemäss Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK 

Anspruch darauf, bei der Befragung von Belastungszeugen anwesend zu sein 

und diesem Fragen zu stellen (BGE 131 I 476 E. 2.2; 125 I 127 E. 6c/ee; 118 Ia 

462 E. 5a; 116 Ia 289 E. 3). Mit Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK soll ausgeschlossen 

werden, dass ein Strafurteil auf Aussagen von Zeugen abgestützt wird, ohne 

dass dem Beschuldigten wenigstens einmal eine angemessene und hinreichen-

de Gelegenheit gegeben wurde, das Zeugnis in Zweifel zu ziehen und Fragen an 

den Zeugen zu stellen (BGE 131 I 476 E. 2.2; 118 Ia 462 E. 5.a; 116 Ia 289 

E. 3.a; 113 Ia 422 E. 3.c). Dem Anspruch, den Belastungszeugen Fragen zu stel-

len, kommt insofern grundsätzlich ein absoluter Charakter zu; er erfährt aber in 

der Praxis in zweifacher Hinsicht eine gewisse Relativierung: So gilt er nur, wenn 

- 25 - 

dem streitigen Zeugnis alleinige oder ausschlaggebende Bedeutung zukommt, 

dieses also den einzigen oder den wesentlichen Beweis darstellt (BGE 131 I 476 

E. 2.2; 129 I 151 E. 3.1; BGE 125 I 127 6c dd). Von einer direkten Konfrontation 

kann ausnahmsweise abgesehen werden, wenn dies der Schutz des Opfers 

oder eines anonymen Zeugen erfordert, oder falls sich der Zeuge vor dem Be-

schuldigten fürchtet (Urteil des Bundesgerichts 6B_45/2008 vom 2. Juni 2008, 

E. 2.4). Gemäss Art. 5 Abs. 1, 4 und 5 OHG (neu: Art. 152 Abs. 3 StPO) sind die 

Persönlichkeitsrechte des Opfers zu wahren, die Begegnung des Opfers mit dem 

Beschuldigten zu vermeiden, wenn das Opfer dies verlangt. 

1.8.3 Die Bundesanwaltschaft schränkte das Konfrontationsrecht der Beschuldigten 

aufgrund der Opfereigenschaft der Frauen ein. Zahlreiche Frauen sagten aus, 

dass sie Angst vor A1 hätten (cl. 22 pag. 12.1.1 betr. B11; pag. 12.2.3 betr. B14; 

pag. 12.3.20 betr. B1; pag. 12.4.25 betr. B2; pag. 12.5.47 betr. B3; cl. 23 

pag. 12.6.24 betr. B4; pag. 12.8.22 betr. B6; pag. 12.9.45 betr. B7; pag. 12.10.19 

betr. B8; pag. 12.12.15 betr. B12; cl. 18 pag. 12.51.3 betr. B15, usw.). Den auf-

gezeichneten Telefonkontrollen ist zu entnehmen, wie A1 konkrete Anweisungen 

gab, die Frauen zu bedrohen oder schlecht zu behandeln: „Wichtig ist, das A5 ihr 

heute Abend Angst macht, dass, wenn sie etwas macht, ihre Mutter und Vater 

nicht mehr leben werden!“ (cl. 102 pag. 51.257). „Und dann behan-

delst…behandelst du sie schlecht! Mit dem Fuss in den Arsch!“ (cl. 105 

pag. 54.221). Insoweit ist begründet und damit erstellt, dass viele Prostituierte 

vor A1 Angst haben konnten und hatten. Angesichts der zahlreichen Einvernah-

meprotokolle der Zeuginnen und Auskunftspersonen wird aber vorliegend über 

die Verwertbarkeit, sofern von Relevanz, erst im Rahmen der Beweiswürdigung 

abschliessend zu entscheiden sein.  

 

1.9 Verwertbarkeit der Amtsberichte des verdeckten Ermittlers 

1.9.1 Die Verteidiger von A1 und A3 rügen im Zusammenhang mit dem verdeckten 

Ermittler eine Verletzung des Konfrontationsrechts ihrer Mandanten (cl. 138 

pag. 138.920.21 f.). Die Konfrontation habe zudem unverdeckt zu erfolgen (cl. 

138 pag. 138.920.64).  

1.9.2 In Bezug auf den Anspruch des Beschuldigten auf die Befragung von Belas-

tungszeugen kann auf Erwägung 1.8.2 verwiesen werden. Die Rechtsprechung 

anerkennt die Interessen für die Geheimhaltung der Identität von Zeugen. Eben-

so ist ein Schutzbedürfnis von V-Personen anerkannt, damit sie auch nach ab-

geschlossenem Verfahren noch weiterhin im Dienste der Polizei eingesetzt wer-

den können (BGE 125 I 127 E. 6d cc). Hinsichtlich des anwendbaren Rechts in 

Bezug auf die Vertraulichkeitszusage gegenüber einem verdeckten Ermittler gel-

ten die Ausführungen in Erwägung 1.7.3 a analog. Art. 23 Abs. 3 BVE statuiert, 

- 26 - 

dass bei Einvernahmen eines verdeckten Ermittlers die verfahrensleitende Be-

hörde die notwendigen Schutzmassnahmen wie die Veränderung von Aussehen 

und Stimme und die getrennte räumliche Einvernahme trifft.  

1.9.3 Der verdeckte Ermittler wurde am 1. September 2009 parteiöffentlich einver-

nommen (cl. 28 pag. 12.53.3 ff.). Rechtsanwalt Rolf Liniger erschien nicht, ob-

wohl ihm die Einvernahme angezeigt worden war. Die Einvernahme erfolgte per 

Videoübertragung. Der verdeckte Ermittler war abgeschirmt und seine Stimme 

technisch verändert (cl. 28 pag. 12.53.26). Die Verteidiger konnten Fragen stel-

len. Mit Verfügung vom 2. November 2011 wurde den Parteien Gelegenheit ge-

geben, die Akten zu ergänzen (cl. 37 pag. 16.01.311). Die Parteien beantragten 

keine weiteren Beweismassnahmen. Mit Verfügung des Bundesstrafgerichts vom 

19. Juli 2011 wurde auf die Einvernahme des verdeckten Ermittlers verzichtet, 

worauf die Parteien nicht reagiert und eine erneute Befragung beantragt haben. 

Die Parteien hatten während des ganzen Verfahrens Akteneinsicht zum Einsatz 

des verdeckten Ermittlers und den Amtsberichten und konnten Anträge stellen. 

Diese Massnahmen waren ausreichend, um die optische und akustische Verde-

ckung des verdeckten Ermittlers zu kompensieren. Schliesslich hat sich an der 

Hauptverhandlung nichts ergeben, was die Zuverlässigkeit der Amtsberichte des 

verdeckten Ermittlers in Zweifel gezogen hat. Soweit sich die Anträge nicht auf 

Sachverhalte aus der Hauptverhandlung beziehen, sondern auf Parteirechte der 

Beschuldigten im generellen, wussten die Verteidiger schon seit mehr als vier 

Monaten vor dem zweiten Teil der Hauptverhandlung, dass keine weitere Ein-

vernahme des verdeckten Ermittlers stattfinden würde. Die Anträge sind somit 

verspätet und unbegründet. Da die Bedingungen für die Verschleierung des ver-

deckten Ermittlers gegeben sind (E. 1.9.2), ist es zudem ausgeschlossen, ihn 

ohne die Zusicherung einer solchen einzuvernehmen. Auch bilden die Aussagen 

und Amtsberichte des verdeckten Ermittlers nicht das ausschlaggebende Be-

weismittel. Die Erkenntnisse des verdeckten Ermittlers sind somit verwertbar. Die 

Anträge sind abzuweisen.  

1.10 Verwertbarkeit der Einvernahmeprotokolle der Mitbeschuldigten  

1.10.1 Der Verteidiger von A1 rügt im Zusammenhang mit den Einvernahmen der Mit-

beschuldigten A4 und A5 eine Verletzung des Konfrontationsrechts. Er bean-

tragt, die beiden Mitbeschuldigten seien in direkter Konfrontation mit A1 einzu-

vernehmen (cl. 138 pag. 138.920.21).  

1.10.2 A1 hat auf eine Konfrontation anlässlich der parteiöffentlichen Einvernahmen der 

Mitbeschuldigten verzichtet (cl. 36 pag. 16.01.119). Die Rüge der Verletzung des 

Konfrontationsrechts ist somit unbegründet.  

1.11 Verwertbarkeit der Einvernahmeprotokolle im Zusammenhang mit dem Frauenin-

formationszentrum (nachfolgend: FIZ) 

- 27 - 

1.11.1 Die Verteidiger von A1, A2 und A3 machen ein Verwertungsverbot betreffend die 

belastenden Aussagen der Frauen geltend, welche beim FIZ waren (cl. 138 

pag. 138.920.232; pag. 138.920.297; pag. 138.920.322). Die Mitarbeiterinnen 

des FIZ hätten die Frauen vor den Einvernahmen beeinflusst.  

1.11.2 Die ersten Aussagen einiger Frauen weichen von den späteren ab. So sagte B5 

in der Einvernahme vom 28. März 2006 aus, sie habe alles freiwillig gemacht 

und sei weder bedroht noch unter Druck gesetzt worden (cl. 23 pag. 12.7.6). Bei 

der zweiten Einvernahme vom 4. April 2006 sagte sie aus, dass sie nicht aus 

dem Haus hätten gehen oder telefonieren dürfen (cl. 23 pag. 12.7.24). An der 

parteiöffentlichen Einvernahme vom 20. April 2006 kam zur Sprache, dass sie 

zwischen der ersten und zweiten Einvernahme mit Vertreterinnen des FIZ ge-

sprochen habe (cl. 23 pag. 12.7.45). Ein ähnlich widersprüchliches Aussagever-

halten zeigt dasjenige von B7, welche bei der zweiten Aussage vom 4. April 

2006 in Bezug auf ihre erste Einvernahme sagte, dass sie alles ändern möchte 

(cl. 23 pag. 12.9.30). Als Frau B16 und Frau B17 als Vertreterinnen vom FIZ mit 

dem Vorwurf einer allfälligen Beeinflussung konfrontiert wurden, sagten sie aus, 

dass sie den Frauen keine Empfehlungen abgegeben hätten, was auszusagen 

sei (cl. 25 pag. 12.33.8; pag. 12.34.7). Frau B17 gab an, sie habe den Frauen 

geraten, die Wahrheit zu sagen (cl. 25 pag. 12.34.7). Die Aussagen der Mitarbei-

terinnen des FIZ sind glaubwürdig und decken sich mit der Aussage der Aus-

kunftsperson B5, wonach ihr niemand gesagt habe, was sie bei der zweiten Ein-

vernahme vom 4. April 2006 aussagen solle (cl. 23 pag. 12.7.45). Die Gründe für 

die widersprüchlichen Aussagen sind folgende: B12 sagte am 5. April 2006 aus, 

dass sie ihre Aussage vom letzten Mal ändern möchte. Sie habe Angst gehabt, 

dass ihrer Familie etwas passiere (cl. 24 pag. 12.12.24). B15 sagte aus, als sie 

noch als Prostituierte bei A1 gearbeitet habe, sei sie von ihm klar instruiert wor-

den, was sie im Falle einer Polizeikontrolle auszusagen hätte (cl. 28 

pag. 12.51.11). B1 sagte ebenfalls aus, sie sei im Hinblick auf Polizeikontrollen 

von A1 instruiert worden (cl. 22 pag. 13.3.11). B7 sagte aus, A1 habe gesagt, 

dass es sich nicht lohnen würde, die Wahrheit zu sagen, dass die Polizei 

schlecht und böse sei und die Polizei sie sicher misshandeln würde (cl. 23 

pag. 12.9.44). Die Gründe für das widersprüchliche Aussageverhalten der Prosti-

tuierten sind somit die – angsteinflössenden – Instruktionen A1s, an welche sich 

die Frauen zunächst gehalten und sich offenbar erst später dazu entschieden 

haben, vermutlich nachdem sie Vertrauen zu den Behörden und zum Verfahren 

gefasst hatten, A1 mit ihren Aussagen zu belasten. Die bei zahlreichen Frauen 

nachzuweisenden Veränderungen der Aussagen von der ersten zur zweiten Ein-

vernahme sind somit plausibel erklärbar und kein Hinweis darauf, dass die zwei-

ten, belastenden Aussagen auf Instruktion der Mitarbeiterinnen des FIZ erfolg-

ten. Angesichts der zahlreichen Einvernahmen der Frauen, welche sich vom FIZ 

beraten liessen, wird aber vorliegend über die Verwertbarkeit der Protokolle, so-

- 28 - 

fern von Relevanz, erst im Rahmen der Beweiswürdigung abschliessend zu ent-

scheiden sein. (Die Beweisanträge sind – wie sich zeigen wird – abzuweisen.) 

2. Vorbemerkungen zu den Anklagepunkten I.1 – 5 (A1), III.1 – 3 A2, IV.1 – 2 

A3, V.1 – 3 A4, VI.1 – 3 A5); tatbestandsbegründende Elemente des Ge-

schäfts; generelle Beweiswürdigung 

2.1 Allgemeines: Die Geschädigten (Opfer) der genannten Anklagepunkte sind alles 

Frauen, welche sich in bestimmten Studios prostituierten. Dabei sollen sie von 

den Beschuldigten in unterschiedlicher Art und Intensität strafbar behandelt wor-

den sein. Die Anklage geht davon aus, dass die Handlungen, die Gegenstand 

der Anklage sind, systematisch im Rahmen eines bestimmten Geschäftsmodells 

begangen wurden. Entsprechend beschreibt die Anklage in den Anklagepunkten 

Förderung der Prostitution und Menschenhandel zum Nachteil von über 140 

Frauen, die vorgeworfenen Handlungen bei 37 dieser Frauen generell und 

zugleich mit einem Katalog von Einzelkriterien, welche die Strafbarkeit begrün-

den können, bei den übrigen Frauen lässt die Anklage den konkreten Detail-

sachverhalt offen und umschreibt diesen nur generell; diesbezüglich wurden 

auch keine Einvernahmen mit den je betroffenen Frauen, von welchen in den 

meisten Fällen nur ein Name bekannt ist, durchgeführt. Betreffend weiterer fünf 

Frauen in den Anklagepunkten I.1 – 3 (A1) und III.1 (A2) erfolgt die Umschrei-

bung des tatbestandsmässigen Verhaltens in traditioneller Weise, 

d.h. individualisiert und konkret. Es ist deshalb angezeigt, die Eckpfeiler der An-

klage in diesen Punkten vorab zu prüfen.  

2.2 Aufbau der Anklage 

2.2.1 Die Anklagepunkte I.1 und I.2 betreffend A1 sind auch die chronologisch ersten 

Sachverhalte der Anklage, welche die Problematik des Prostitutionsgewerbes 

betreffen. Sie sind traditionell aufgebaut, was heisst, dass ein vollständiger Le-

benssachverhalt geschildert wird, der sich auf zwei Frauen aus Kolumbien be-

zieht und sich in der ersten Hälfte des Jahres 2001 abgespielt haben soll; er wird 

unter dem Aspekt der Freiheitsberaubung (Anklagepunkt I.1) und unter dem As-

pekt der Förderung der Prostitution (Anklagepunkt I.2) dargestellt. 

2.2.2 Daran schliessen sich chronologisch nicht der Anklagepunkt A1 I.3 (A2 III.1) an, 

sondern die Anklagepunkte A1 I.4 und I.5 (und A2 III.2 und III.3, A3 IV.1 und 

IV.2, A4 V.1 und V.2 und A5 VI.1 und VI.2), die als Hauptanklagepunkte anzuse-

hen sind. Diese Anklagepunkte, soweit sie A1, A2 und A3 betreffen, beziehen 

sich auf die gesamte Periode ab Anfang Juli 2001 bis zur Verhaftung von A1, A3, 

A4 und A5 am 28. März 2006. Soweit diese Anklagepunkte A4 betreffen, bezie-

- 29 - 

hen sie sich auf die Periode Februar 2005 bis 28. März 2006, bei A5 auf die Pe-

riode August 2004 bis 28. März 2006.  

2.2.3 Die Anklagepunkte I.4 und I.5 (für die anderen Beschuldigten ergänzt in den ge-

nannten Anklagepunkten, die im folgenden der Übersichtlichkeit halber nicht 

mehr genannt werden) folgen einem System, das sich nicht in einfacher Weise 

erschliesst: Zuerst werden im Punkt I.4 der Anklage 37 Frauen genannt, von 

welchen bekannt ist, wann sie in welchem Studio gearbeitet haben. Die sie 

betreffenden strafbarkeitsbegründenden Kriterien schildert die Anklage generell; 

und individualisiert sie in den Anhängen 1 und 2 der Anklage jeweils als Matrix. 

Danach folgen 105 Frauen von welchen nur bekannt ist, dass sie nach dem glei-

chen Schema in die Schweiz kamen: Dass also ihre Tickets beim Reisebüro C12 

gebucht und A1 in Rechnung gestellt worden waren, und dass für sie Geldbeträ-

ge namens A1 nach Brasilien überwiesen wurden (cl. 119 pag. 68.396 ff.), wobei 

die mit diesen Geschäften beim Reisebüro und beim Moneytransmitter befassten 

Personen mit jenen Fällen, die die anderen 37 Fälle betreffen, identisch waren.  

2.2.4 Zwischen der Aufzählung dieser beiden „Gruppierungen“ von Frauen, hält die 

Anklage fest, dass sich die nachstehend unter Ziffer I.4.2 beschriebenen Tat-

handlungen bezüglich der 37 Frauen teilweise gemäss einer Liste im Anhang 1 

zuordnen lassen. Anklagepunkt I.5.2 (Menschenhandel) verweist mit Bezug auf 

die betroffenen Frauen auf Ziffer I.4 (Förderung der Prostitution) und ebenfalls 

darauf, dass sich die in dieser Ziffer (I.5.2) beschriebenen Tathandlungen teil-

weise gemäss einer Liste in Anhang 2 zuordnen lassen. Als Anhänge 1 und 2 

finden sich Listen, welche die einzelnen Elemente mit der, mit wenigen Ausnah-

men, selben Nummerierung wie im betreffenden Vorwurf erwähnen (z.B. I.4.2.1 

a, b, oder I.4.2.2 y, z, aa, bb etc.). Die Elemente werden gemäss einer Matrix auf 

die 37 Frauen verteilt. Die Anklagepunkte I.4.2.1 (Zuführung), I.4.2.2 (Beein-

trächtigung) und I.4.2.3 (Festhalten) verzichten darauf, die jeweils betroffenen 

Frauen noch einmal zu nennen. 

2.2.5 Man könnte nun annehmen, damit habe die Anklage in übersichtlicher Art für 

jede der 37 Frauen die Vorwürfe so dargestellt, dass klar ist, ob sie sich auf alle 

Varianten der Förderung der Prostitution (Zuführung, Beeinträchtigung, Festhal-

ten) oder nur auf einen Teil davon bezieht. Würde die Liste gemäss Anhang 1 

indessen so verstanden, dass nur diejenigen Elemente vorgeworfen werden, die 

dort auch individualisiert vermerkt sind, würde das auch bedeuten, dass die An-

klage mit Bezug auf die 105 auf der Liste nicht erscheinenden Frauen gar keinen 

Vorwurf enthält. Es kann insoweit geschlossen werden, dass unter den Anklage-

punkten I.4 und I.5, und nur unter diesen, die Staatsanwaltschaft des Bundes 

davon ausgeht, es gehe hier allgemein um die Bestrafung eines unzulässigen 

Geschäftsgebarens in einem bestimmten Zeitraum. Dazu passt, dass die Bun-

desanwaltschaft mit Bezug auf die erwähnte Liste festhält, damit liessen sich die 

beschriebenen Tathandlungen teilweise bezüglich der 37 genannten Frauen zu-

- 30 - 

ordnen. Sie geht offenbar davon aus, dass dies nicht zwingend der Fall gewesen 

sein muss. Geht man indessen davon aus, dass unter den Anklagepunkten I.4 

und I.5 über 140-fache Handlungen gegen die sexuelle Integrität bzw. die Frei-

heit einzelner Personen angeklagt sein müssen, erscheint diese Sichtweise der 

Anklage als zumindest problematisch. Die Anklage erscheint insoweit als Mi-

schung von akribischer Zuordnung einzelner Elemente auf einzelne Tatbe-

standsvarianten einerseits und einem pauschalisierten Vorwurf andererseits. 

Dass die Anklage dennoch beurteilt werden kann, ergibt sich aus den nachfol-

genden Erwägungen. An dieser Stelle kann jedenfalls bereits festgehalten wer-

den, dass auf die Anklage betreffend die 105 Frauen, über die, ausser ihren Na-

men, keine konkreten Informationen vorgebracht werden – insbesondere nicht 

über den Zeitraum der behaupteten Prostitution und über das Studio, in dem die-

se ausgeübt worden sein soll – nicht eingetreten werden kann.   

2.3 Stellungnahme der Beschuldigten zum angeklagten Prostitutionsgeschäft im 

Grundsatz; Bemerkungen zum Beweiswert ihrer Aussagen  

2.3.1 Der Beschuldigte A1 bestreitet die Anklage in vielen relevanten Teilen. So brach-

te er im Verfahren mehrfach vor, die Frauen hätten sich selbst organisiert, sie 

seien freiwillig gekommen im Wissen darum, welche Arbeit sie in der Schweiz 

erwarte. Er hätte deren Reise nicht organisiert. Die Frauen hätten selbst be-

stimmt, wann sie arbeiten wollten. Sie hätten auch jederzeit wieder gehen kön-

nen. Pässe und Tickets seien nur aufbewahrt und nicht weggeschlossen worden. 

Grundsätzlich sei er nur Angestellter der C13 AG gewesen, die sich auf die Ver-

mietung von Liegenschaften, in denen Prostitution betrieben worden sei, spezia-

lisiert habe. Der Beschuldigte A1 gibt zu, einzelne Studios in der Schlussphase 

selbst geführt zu haben, dass die Frauen bei der Ankunft Schulden in der Höhe 

von ca. Fr. 9'000.– (cl. 30 pag. 13.1.510; cl. 138 pag. 138.930.51) gehabt hätten 

und dass das Abrechnungsschema 50% : (50% - Fr. 20.– [cl. 138 

pag. 138.930.52]) betragen habe, wobei seine 50% immer an ihn gefallen seien 

und die Frauen die Schulden zunächst mit den ihnen zustehenden 50% abzüg-

lich der Fr. 20.– pro Tag hätten abzahlen müssen, bevor sie etwas verdient hät-

ten. Er bestreitet auch nicht, dass sich die Frauen illegal in der Schweiz auf-

gehalten bzw. sich illegal als "Touristinnen" prostituiert hätten. Soweit der Be-

schuldigte A1, entgegen zahlreichen verwertbaren Beweismitteln, pauschal be-

streitet, die in den Studios beschäftigten Frauen seien durch von ihm verantwor-

tete Geschäftspraktiken in ihrer sexuellen Selbstbestimmung eingeschränkt wor-

den, sind seine Aussagen unglaubwürdig; deren Beweiswert insofern gering. 

Einzelne Bestreitungen, etwa hinsichtlich dem Zweck der Videokameras, sind 

nicht a priori unplausibel und werden deshalb im Einzelnen zu prüfen sein (siehe 

E. 2.15). 

- 31 - 

2.3.2 Die Beschuldigte A2 gibt grundsätzlich alle Vorwürfe zu. Sie ist neben A1 die am 

stärksten in die angeklagten Handlungen involvierte beschuldigte Person. Sie 

fungierte zumindest faktisch als dessen Stellvertreterin, insbesondere auch, weil 

sie portugiesischer Muttersprache ist und sich deshalb problemlos mit den Brasi-

lianerinnen verständigen und unterhalten konnte. Ein gewisses Interesse, ihre 

Rolle zu relativieren, darf angenommen werden. Andere Faktoren, welche ihre 

Aussagen verfälschen könnten, sind nicht ersichtlich. Ihre Aussagen sind daher 

grundsätzlich von hohem Beweiswert. 

2.3.3 Der Beschuldigte A3 ist ein Kollege oder Freund des Beschuldigten A1. Sie ken-

nen sich seit 25 Jahren, als Letzterer noch eine Metzgerei führte (vgl. cl. 31 

pag. 13.02.043). Die beiden waren in der relevanten Zeit im selben Verein enga-

giert und gingen auch immer wieder zusammen essen. A3 verkehrte teils als 

Kunde in den hier interessierenden Etablissements, teils nahm er untergeordnete 

Verrichtungen für A1 vor oder erbrachte kleinere Dienstleistungen für die Frauen 

wie Einkäufe, Chauffeurdienste oder Transporte. Vom genauen Funktionieren 

der Betriebe A1s will er nichts gewusst haben, sondern nur in Ansätzen, was 

nicht unwahrscheinlich sein dürfte. A3 vermeidet es grundsätzlich, A1 zu be-

lasten. Wo er es trotzdem tut, ist der Beweiswert seiner Angaben hoch.  

2.3.4 Die Beschuldigte A4 gibt alle Vorwürfe zu. Sie arbeitete zunächst als Prostituier-

te wie auch die anderen hier als Geschädigte aufgeführten Frauen. Sie wurde 

aber später zur Insiderin, als sie die Rolle der sogenannten Hausverantwortli-

chen übernahm. Damit wurde sie in die inkriminierten Handlungen involviert. 

Nach eigener, von anderen bestätigter Aussage war sie auch die Geliebte von 

A1. Ihre Aussagen sind grundsätzlich von hohem Beweiswert. Sie dürfte ein ge-

wisses Interesse haben, sich primär als A1s Werkzeug darzustellen, was unter 

den gegebenen Umständen als nachvollziehbar erscheint. Auf der anderen Seite 

hat sie auch ein gewisses Interesse daran, umfassend beurteilt zu werden, weil 

sie – offenbar – auch eine Verurteilung in Brasilien zu befürchten hat.  

2.3.5 Für die Beschuldigte A5 gilt ähnliches wie oben für A4. Auch sie war als Inside-

rin, jedoch ohne persönliche Bindungen zu A1, in die inkriminierten Handlungen 

involviert, insbesondere indem sie die brasilianischen Frauen teilweise für A1 

rekrutierte, wenn sie sich in der Heimat aufhielt. Ihre Kompetenzen im Bereich 

der Führung des Prostitutionsgeschäfts und der Studiokontrolle waren aber ins-

gesamt geringer als diejenigen von A4 (E. 2.18.5). 

2.4 Übrige Beweismittel  

2.4.1 Wie sich aus den Akten ergibt, hatten die Beschuldigten bei zahlreichen im Vor-

verfahren befragten Zeugen und Auskunftspersonen nie die Gelegenheit, Ergän-

zungsfragen zu stellen. Die Verwertung solcher Aussagen durch das Gericht als 

Hauptbeweise ist ausgeschlossen oder als Nebenbeweise nur sehr beschränkt 

- 32 - 

zulässig. Das Gericht verzichtet im Folgenden darauf, Einvernahmen von Perso-

nen zu Lasten des Beschuldigten A1 beizuziehen, bei welchen er das Konfronta-

tionsrecht nicht ausüben konnte. Bei gewissen Personen konnte zwar A1 das 

Konfrontationsrecht ausüben, nicht aber A2. Diesen Umstand hat das Gericht 

nicht berücksichtigt, da in ihrem Fall auf allenfalls eingeschränkt verwertbare 

Aussagen nicht Bezug genommen werden muss: Es kann insoweit auf ihr um-

fassendes, wenn auch in der Hauptverhandlung leicht relativiertes Geständnis 

sowie auf Einvernahmen der anlässlich der Hauptverhandlung befragten Aus-

kunftspersonen abgestellt werden, welche das Geständnis im Grundsatz bestä-

tigten.   

2.4.2 Die nicht zu Lasten des Beschuldigten A1 herangezogenen Personenbeweise 

werden indessen auch nicht zu seinen Gunsten berücksichtigt, weil sie in den 

entscheidenden Punkten nicht glaubhaft sind, so jedenfalls in Bezug auf die An-

klagepunkte I.4 und I.5 (anders in Bezug auf die Geschädigten im Fall I.1 

bzw. I.2, soweit diese entlastend angeben, sie hätten das Studio C3 verlassen 

können (cl. 80 pag. 29.0201, Aussage B18; cl. 80 pag. 29.0244, Aussage B19); 

diesbezüglich trifft das nachfolgende Argument nicht zu). Es handelt sich um die-

jenigen ersten Aussagen von Geschädigten, mit welchen A1 nicht konfrontiert 

worden ist. Es ist erwiesen, dass die Frauen mindestens in der Regel instruiert 

worden sind, was sie bei einer Einvernahme durch die Polizei zu sagen hätten 

(vgl. E. 1.11.2). Die Beschuldigte A4 gibt dazu an: „Ganz konkret musste man 

aussagen, dass man keine Schulden abbezahlen musste, dass man nie den 

Namen A1 erwähnen sollte, dass man freiwillig in die Schweiz gekommen ist und 

dass man sein Ticket selbst finanziert hat. Weiter musste man sagen, dass man 

sich frei bewegen konnte und dass Inhaber des Betriebes eine so genannte B20 

war.“ (EV vom 30. April 2007, cl. 32 pag. 13.03.233). Diese Angabe ist mehrfach 

bestätigt worden, insbesondere auch von Frauen, die gerade damit begründet 

haben, weshalb sie in der ersten Befragung so aussagten und ihr Aussagever-

halten in oder ab der zweiten Einvernahme änderten (vgl. zu den Gründen der 

geänderten Aussagen die EV von B12 vom 5. April 2006 [cl. 24 pag. 12.12.24] 

sowie die EV von B15 vom 13. August 2007 [cl. 28 pag. 12.51.11]). Auf Frage zu 

den Verhaltensregeln bei Polizeikontrollen sagte B4 aus, A6 (gemeint: A1) und 

A4 hätten mehrmals wiederholt, dass sie hätten sagen sollen, dass sie von A6 

noch nie etwas gehört und ihn auch nicht gesehen hätten. Auf die Frage, wem 

das Etablissement gehöre, hätten sie antworten sollen, es gehöre einer B21 

(cl. 23 pag. 12.06.30). 

2.4.3 Im Übrigen stellt das Gericht betreffend den Beschuldigten A1 auf alle Einver-

nahmen ab, für welche er die Gelegenheit hatte oder gehabt hätte, Ergänzungs-

fragen zu stellen, insbesondere auch auf sämtliche Aussagen, die in der Haupt-

verhandlung erhoben worden sind. Für die anderen Beschuldigten werden Fra-

- 33 - 

gen der Beweisverwertung erforderlichenfalls, wo aufgeworfen bzw. von Amtes 

wegen zu prüfen, im konkreten Einzelfall erörtert.  

2.5 Zum Vorgehen  

2.5.1 Der Hauptanklagesachverhalt ist in den primär nach rechtlichem Gesichtspunkt 

unterschiedenen Anklagepunkten I.4 und I.5 betreffend A1 sowie in den vollstän-

dig entsprechenden einschlägigen Anklagepunkten für die übrigen Beschuldigten 

geschildert. Im Anklagepunkt I.1 und I.2 geht es um einen auch in rechtlicher 

Hinsicht anders gelagerten, isolierten Einzelfall, der im Übrigen nur A1 betrifft. Im 

Anklagepunkt I.3 betreffend A1, der eine Entsprechung nur im Punkt II.1 gegen 

die Beschuldigte A2 hat, handelt es sich um Einzelsachverhalte, die materiell 

den Anklagepunkten I.4 und I.5 entsprechen und deren separate Behandlung in 

der Anklage sich aus der Verfahrensgenese ergibt (in diesen Punkten wurde ur-

sprünglich ein kantonales Verfahren geführt). Es drängt sich deshalb auf, die alle 

Beschuldigten betreffenden Hauptanklagepunkte I.4 und I.5 sowie deren Ent-

sprechungen zu behandeln und erst anschliessend auf Punkt I.3 bzw. II.1 und 

schliesslich auf die Punkte I.1 und I.2 einzugehen.      

2.5.2 Die Anklage behandelt die Themenkomplexe Förderung der Prostitution und 

Menschenhandel nach rechtlichen Kriterien, unterschieden in den Anklagepunk-

ten I.4 und I.5, wobei in Punkt I.4 der Sachverhalt zusätzlich nach den drei Tat-

bestandsvarianten von Art. 195 Abs. 2 bis 4 StGB getrennt beschrieben wird; es 

handelt sich jedoch um einen einheitlichen Lebenssachverhalt, der in der Folge 

zunächst als Einheit behandelt und nachfolgend unter die zwei Tatbestände von 

Art. 195 und Art. 182 bzw. aArt 196 StGB und die Tatbestandsvarianten von 

Art. 195 Abs. 2 bis 4 StGB subsumiert wird (unten Erw. 3).  

Zunächst werden die vorgeworfenen Verhaltensweisen und die Kriterien, welche 

die Strafbarkeit begründen sollen, identifiziert. Diese sollen die Grundpfeiler des 

Geschäftsmodells gebildet haben; sodann wird nach deren Beweis gefragt. Al-

lenfalls sind einzelne Sachverhaltselemente in Einzelfällen zu prüfen. Sodann 

sind die Rollen zu bestimmen, welche die Beschuldigten innerhalb des inkrimi-

nierten Geschäfts wahrgenommen haben. Schliesslich sind diese Kriterien im 

Falle von deren Beweis zu subsumieren.  

2.6 Identifikation der relevanten, zum System gehörenden Verhaltensweisen 

bzw. Merkmale des Geschäftsmodells; als solche sind anzusehen:  

a) Allen betroffenen Frauen aus Brasilien wurde die Reise in die Schweiz aus-

schliesslich ermöglicht, um hier in den Studios des Beschuldigten A1 als Prosti-

tuierte zu arbeiten; 

- 34 - 

b) Alle Frauen stammten, wenn sie nicht eigentlich arm waren, mindestens aus 

einem wirtschaftlich sehr schwierigen Umfeld in Brasilien, waren mittellos und 

brachten keine Deutschkenntnisse mit; 

c) A1 sorgte direkt oder indirekt dafür, dass den Frauen das Flugticket in der 

Schweiz organisiert und bezahlt wurde und in Brasilien von diesen mittels mitge-

teiltem Code bezogen werden konnte; 

d) A1 sorgte via schweizerischer Finanztransmitter direkt oder indirekt dafür, 

dass den Frauen mindestens die notwendigen Auslagen für die Reise vorab in 

Brasilien erstattet und ein Vorzeigegeld vorab in Brasilien ausgehändigt wurde, 

damit sie bei der Einreise vortäuschen konnten, als Touristinnen einzureisen. 

Das Vorzeigegeld mussten sie bei der Ankunft in einem seiner Studios wieder 

abgeben; 

e) Alle Frauen verrichteten ihre Arbeit als Prostituierte in der Schweiz ohne Be-

willigung und damit illegal; 

f) A1 legte einen Schuldenbetrag von Fr. 10'000.– bis Fr. 16'000.– fest, den die 

Frauen durch Prostitution in den Studios von A1 abverdienen mussten, bevor sie 

selbst einen Teil der Einnahmen für sich behalten konnten. Diese „Schuld“ be-

trug ein Mehrfaches seiner effektiven Ausgaben von ca. Fr. 3'000.– bis 

Fr. 4'000.– für das Flugticket und einige andere Aufwendungen, die A1 im Vor-

aus für die Frauen je bereits bezahlt hatte oder noch bezahlen musste (Reise-

auslagen; allenfalls Vermittlungsgebühr).  

g) Das Abrechnungsschema für die Einnahmen der Frauen aus Prostitution war 

wie folgt: 

- 50% aller Einnahmen aus der Prostitution standen A1 zu und flossen direkt 

an ihn oder, wie er es nannte, „gingen an das Haus“ (cl. 29 pag. 13.01.004); 

- von den restlichen 50% gingen pro Tag Fr. 20.– unter dem Titel "Werbekos-

ten" zusätzlich an A1; 

- der Rest stand der jeweiligen Prostituierten zu; unter dem Titel Tilgung ging 

auch dieses Geld jedoch an A1 bis die von ihm festgelegte „Schuld“ voll-

ständig getilgt war. Erst danach konnten die Frauen diesen Teil als eigene 

Einnahmen effektiv als Verdienst behalten. Während der Schuldentilgungs-

phase erhielten die Frauen von A1 zwar Fr. 100.– pro Woche für laufende 

Bedürfnisse, Geld das ihnen als Vorschuss auf ihren künftigen Verdienst auf 

ihre Schuld draufgeschlagen wurde. Nach einiger Zeit konnten diejenigen 

Frauen, die dies wünschten, Beträge von in der Regel Fr. 300.– nach Hause 

schicken. Auch dieses Geld wurde ihnen auf ihre Schuld hinzugerechnet.  

- 35 - 

h) Sämtliche Einnahmen mussten die Frauen an A1 persönlich bzw. an die 

Hausverantwortlichen zuhanden A1s abgeben. A1 selbst führte wöchentlich 

Buch darüber, wie gross die gemäss Abrechnungsmodus (lit. g) abzuarbeitende 

Schuld jeweils noch war.  

i) Die Dienstleistungen, welche die Frauen zu erbringen hatten, richteten sich 

nach einer sogenannten Menuliste, welche auch die verschiedenen Preise für 

die einzelnen angebotenen Praktiken enthielt. Diese Listen waren in den drei 

Studios A1s identisch. Die Frauen hatten dabei das Recht, bestimmte Sexual-

praktiken zu verweigern.  

j) Der Bereich, in dem die Frauen das Geld von den Kunden entgegennahmen, 

war mit Videokameras überwacht; wo dies nicht der Fall war, wurde durch die 

Kontrolle der jeweiligen Hausverantwortlichen und durch gegenseitige Kontrolle 

der Frauen untereinander sicher gestellt, dass die Frauen ihre effektiven Ein-

nahmen abgaben.  

k) A1 legte die Öffnungszeiten der Studios und damit die mit den Öffnungszeiten 

identischen Arbeitszeiten in den Studios fest und zwar wie folgt: Sonntag bis 

Donnerstag 10.00 Uhr bis 02.00 Uhr sowie freitags und samstags von 10.00 Uhr 

bis 04.00 Uhr. Es gab keine Ruhetage.   

2.7 Element a) 

2.7.1 Allen betroffenen Frauen aus Brasilien wurde die Reise in die Schweiz aus-

schliesslich ermöglicht, um hier in den Studios des Beschuldigten A1 als Prosti-

tuierte zu arbeiten.  

2.7.2 Dieses Element wird von den Beschuldigten als selbstverständlich vorausge-

setzt. A1 wehrt sich nur gegen den Vorwurf, den Frauen seien in Brasilien ande-

re Tätigkeiten als die Prostitution in Aussicht gestellt worden: „Jede der Frauen, 

die gekommen ist, wusste, was sie machen würde“ (cl. 31 pag. 13.02.140, 

pag. 13.02.506), A2 (cl. 34 pag. 13.05.130) A3 (cl. 31 pag. 13.02.140), A4 (cl. 32 

pag. 13.03.182, pag. 13.03.235 f.), A5 (cl. 33 pag. 13.04.100, pag. 13.04.153 f.). 

Das Element ist erwiesen, ohne dass Aussagen betroffener Frauen zu prüfen 

wären.  

2.8 Element b) 

2.8.1 Alle Frauen stammten, wenn sie nicht eigentlich arm waren, mindestens aus 

einem wirtschaftlich sehr schwierigen Umfeld in Brasilien, waren mittellos und 

brachten keine Deutschkenntnisse mit.  

2.8.2 Der Beschuldigte A1 bestreitet dieses Element im Grundsatz nicht. Er macht nur 

geltend, er habe mit der Organisation der Frauen gar nichts zu tun gehabt; viel-

mehr hätten sich die Frauen selber organisiert (z.B. cl. 29 pag. 13.01.015).  

- 36 - 

Die Beschuldigte A5, die teilweise auch mit der Rekrutierung zu tun hatte, sagte 

dazu: "Es waren alles Mädchen aus ärmsten Verhältnissen. (Sie beginnt zu wei-

nen). Die meisten Mädchen kamen aus Belo Horizonte oder der Umgebung von 

Belo Horizonte. Der grösste Teil der Mädchen kam aus der Region von Betim. 

Dort lebten sie in Favelas. In dieser Region herrscht grosse Armut. Die meisten 

Familien bestehen aus mehr als 4 Personen. Oft muss eine Mutter alleine für ih-

re Kinder sorgen oder der älteste Sohn kann allenfalls Geld für den Familienun-

terhalt verdienen." (EV vom 5. Juli 2006 cl. 33 pag. 13.04.102).  

Auch die Beschuldigte A4 geht davon aus, dass die Frauen sich aus einer wirt-

schaftlichen Notlage heraus zur Prostitution bereit erklärten (EV vom 12. April 

2006, cl. 32 pag. 13.03.043; EV vom 30. April 2007, cl. 32 pag. 13.03.235).  

Auch die Beschuldigte A2, die zweimal nach Belo Horizonte gereist war, sagte 

über die dort rekrutierten Frauen aus: "Man kann sagen, dass diese Mädchen 

aus ganz armen Verhältnissen stammten, sie hatten schlicht und einfach 

"Nichts"." (EV vom 18. Oktober 2006, cl. 34 pag. 13.05.025).  

Der Beschuldigte A3 sagte über die Verhältnisse dort, allerdings im Zusammen-

hang mit der Abgabe von Geschenken im Jahre 1996, nicht der Rekrutierung 

von Prostituierten: "[… ] hat mich zu den Adressen gefahren, wo ich die Ge-

schenke abgab. An 2 Adressen waren schlimmste Wohnverhältnisse. Bei uns 

würde man nicht einmal einen Hund so halten, eine der Frauen, wo ich Ge-

schenke abgab, wohnte in normalen brasilianischen Verhältnissen. Die anderen 

Frauen, wo ich die Geschenke abgab, wohnten in ärmsten Verhältnissen." (EV 

vom 7. April 2006, cl. 31 pag. 13.02.014). "Anlässlich dieser Reise habe ich ge-

sehen, welche Armut bei denen dort herrscht. Die sind nicht nur arm, die sind 

mausarm." (EV vom 16. Mai 2006, cl. 31 pag. 13.02.069). Anlässlich der Haupt-

verhandlung hat A3 seine Aussage in gewisser Weise relativiert, aber nicht 

grundsätzlich in Abrede gestellt (EV-Protokoll HV, S. 15, cl. 138 

pag. 138. 930.046).  

Dieses Element wird durch folgende, ausser gegen A2 verwertbare Aussagen 

von Betroffenen erhärtet: B12 schilderte die äusserst prekären finanziellen Ver-

hältnisse der Familie (cl. 24 pag. 12.12.025); ebenso B4 (cl. 23 pag. 12.06.025); 

B22 (cl. 24 pag. 12.14.012, bestätigt anlässlich der HV, EV-Protokoll S. 11, 

cl. 138 pag. 138 930 133); B9 (cl. 24 pag. 12.11.011); B7 (cl. 23 pag. 12.09.31 f.) 

und B5 (cl. 23 pag. 12.07.25).  

2.8.3 Gegenteilige Informationen sind nicht bekannt; gegenteilige Aussagen sind den 

Akten nicht zu entnehmen. Soweit die Verteidigung anlässlich der Hauptverhand-

lung Fotos von Domizilen von einzelnen Geschädigten, aktuell heruntergeladen 

aus Google Streetview, einreichte, um darzutun, dass die behauptete Armut der 

Frauen nicht erstellt sei, lässt sich auch nichts Gegenteiliges für den Zeitpunkt 

der Rekrutierung herleiten. 

- 37 - 

2.8.4 Schliesslich ist festzuhalten, was sich aus A1s eigenen Aussagen ergibt. Davon 

ausgehend, dass, wie vorgebracht, die Frauen in Brasilien korrekt über die Ar-

beit, die sie erwartete, und die Bedingungen, unter welchen sie arbeiten würden, 

informiert worden sind, ist zu schliessen, was, wie oben wiedergegeben, auch 

ausgesagt wurde: Auf dieses Geschäft würde sich nicht einlassen, wer nicht in 

finanzieller Not ist. Dies gilt insbesondere auch für den Zeitpunkt der Arbeitsauf-

nahme in einem der Etablissements: Die Geschäftsmodalitäten können nur im 

Interesse von Frauen liegen, die über gar nichts verfügen und für welche bereits 

die Aussicht, in einigen Monaten vielleicht etwas verdienen zu können, sich bis 

dahin ohne Lohn zu prostituieren und auf Kredit gelegentlich kleine dreistellige 

Beträge nach Hause schicken zu können, Motiv für das Bleiben genug ist.  

2.8.5 Dieses Element ist somit ebenfalls als erwiesen zu betrachten. 

2.9 Die Elemente c) und d) werden wegen ihres engen organisatorischen Konnexes 

zusammen behandelt. 

2.9.1 A1 sorgte direkt oder indirekt dafür, dass den Frauen das Flugticket in der 

Schweiz organisiert und bezahlt wurde und in Brasilien von diesen mittels mitge-

teiltem Code bezogen werden konnte (oben lit. c). 

A1 sorgte via schweizerischer Finanztransmitter direkt oder indirekt dafür, dass 

den Frauen mindestens die notwendigen Auslagen für die Reise vorab in Brasi-

lien erstattet und ein Vorzeigegeld vorab in Brasilien ausgehändigt wurden, damit 

sie bei der Einreise vortäuschen konnten, als Touristinnen einzureisen. Das Vor-

zeigegeld mussten sie bei der Ankunft in einem seiner Studios wieder abgeben 

(oben lit. d).  

2.9.2 Gemäss eigener Aussage benutzte A1 in den letzten fünf Jahren vor 2006 für 

Reisebuchungen privat ausschliesslich das Reisebüro C12 (EV vom 17. Oktober 

2006, cl. 30, pag. 13.01.314). Über dieses Reisebüro wurden in diesen letzten 

fünf Jahren auch zahlreiche Flüge von Brasilien in die Schweiz gebucht (BKP 

Bericht vom 7. Mai 2007, S. 42 ff., cl. 4, pag. 05.01.548 ff., mit Listen in cl. 119 

pag. 68.396 ff.). Die Liste ab pag. 05.01.549 ff. gibt diese Namen wieder. Dabei 

handelt es sich mit einer Ausnahme (B23) ausschliesslich um Namen von Frau-

en anscheinend brasilianischer Herkunft. Unter den Namen befinden sich auch 

die meisten derjenigen 37 Frauen, bei denen klar ist, dass sie als Prostituierte in 

die genannten Studios A1s reisten. Unter den Namen befinden sich aber auch 

die Beschuldigten A2, A4 und A5. Dagegen fehlen auf der Liste die Privatkläge-

rinnen B8 und B7 sowie die Geschädigten B24, B25 und B14. Dies gilt auch für 

den Fall, dass unterschiedliche Schreibweisen berücksichtigt werden (z.B. B26).  

2.9.3 A1 machte im Vorverfahren geltend, er habe bis im Jahre 2003 nur eine Reise 

für eine Frau vorfinanziert (offenbar war dies Gegenstand eines anderen Verfah-

rens). Dann habe er das nie mehr gemacht. Die Frauen hätten andere Frauen 

- 38 - 

organisiert. Die Frauen, die bereits hier gewesen seien, hätten ihm das Geld für 

die Tickets gegeben. Die Tickets seien dann lediglich auf seinen Namen gelau-

fen. Die Frauen, die in den Salons gearbeitet hätten, hätten ihm das Geld aber 

erst später, meist nach Ankunft der Frauen, ausgehändigt, manchmal auch gar 

nicht. Er wisse, dass er Schulden beim Reisebüro C12 habe und nehme zur 

Kenntnis, dass es Fr. 60'000.– sein sollen. Er wisse aber nicht, ob dies stimme 

(EV vom 16. Mai 2006, cl. 29 pag. 13.01.059). Damit bestreitet A1 nicht, dass die 

via Reisebüro C12 in die Schweiz gereisten brasilianischen Frauen bei ihm spä-

ter in den betreffenden Studios als Prostituierte gearbeitet haben. Er bestreitet 

damit auch nicht, dass er die meisten Aufträge für die betreffenden Tickets erteilt 

hat. (An anderer Stelle hatte er zugestanden, drei bis vier Reisen vorfinanziert zu 

haben [cl. 29, pag. 13.01.015]; im solothurnischen Verfahren hatte er die Bevor-

schussung aller Reisekosten zugestanden [cl. 79 pag. 28.200]). Er bestritt im 

Vorverfahren lediglich, die Einreise vorfinanziert zu haben. Damit begab er sich 

aber in einen unlösbaren Widerspruch zu seinen eigenen Aussagen, geht er 

doch mit dem Schuldenabbausystem gerade selbst davon aus, dass die neu an-

gekommenen Frauen bei ihm reale Schulden hatten. Solche können nur durch 

Vorfinanzierung des Tickets und weiterer Kosten im Zusammenhang mit der Ein-

reise entstanden sein. In der Hauptverhandlung anerkannte er denn auch, das 

Flugticket und das Reisegeld vorfinanziert zu haben (cl. 138 pag. 138.930.48; 

pag. 138.930.53–54).  

Der Beschuldigte A3 sagte dazu, A1 habe ihn einmal gefragt, ob er ihm einen 

Gefallen tun und vom Reisebüro Tickets entgegennehmen könne. Er könne sich 

diese nicht nach Hause schicken lassen und auch nicht ins Postfach nehmen. A1 

habe ihm auch gesagt, er müsse nichts bezahlen, er (gemeint: A1) würde dies 

alles machen. A1 habe ihn jeweils gefragt, ob die Tickets schon gekommen sei-

en. Nach einiger Zeit sei ihm dann aufgefallen, dass nichts mehr gekommen sei. 

Damit sei die Sache für ihn (gemeint: A3) erledigt gewesen (EV vom 16. Mai 

2006, cl. 31 pag. 13.02.067). Aus den Tickets, welche A3 vorgehalten wurden, 

ergibt sich, dass dies Ende November, anfangs Dezember 2004 gewesen sein 

muss.  

Die Beschuldigte A4 sagte auf Vorhalt eines abgehörten Telefongesprächs vom 

23. Januar 2006 folgendes aus: Sie habe im Auftrag von A6 (gemeint: A1) ein 

Gespräch mit Frau B27 vom Reisebüro gehabt. Es sei darum gegangen, zwei 

Tickets abzusagen und ein Flugticket zu bestätigen. Sie habe sehr viele Flugti-

ckets annullieren müssen, etwa sechs oder acht Tickets. Im Maximum habe sie 

zwei oder drei Tickets bestellen müssen. Normalerweise habe A6 die Tickets be-

stellt (EV vom 2. Juni 2006, cl. 32 pag.13.03.089 f.). Und weiter im Zusammen-

hang mit den Flugtickets: Sie könne keine Angaben über die Anzahl machen. Sie 

habe aber vor allem Codes für die Flugtickets und für Überweisungen von Geld, 

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das am Flughafen habe vorgezeigt werden müssen, durchgegeben (EV vom 

23. März 2007, cl. 32 pag. 13.03.202).  

Betreffend die Zeit, in der sie für A1 in Brasilien tätig gewesen sei, schilderte die 

Beschuldigte A5 ihre und die Rolle anderer so: Wenn sie Mädchen gehabt habe, 

welche in die Schweiz hätten kommen wollen, habe sie A6 (gemeint: A1) ein 

SMS geschrieben. A6 habe ihr das Geld geschickt und sie habe es beim Unter-

nehmen C14 in Belo Horizonte abholen können. Danach sei sie mit den Mäd-

chen zum Passbüro gegangen, um Pässe zu machen. Danach habe sie die Na-

men an A4 mitgeteilt. Danach habe sie die Codes für die Tickets von A4 erhal-

ten. In den letzten eineinhalb Jahren ausschliesslich von ihr. Vorher seien es 

verschiedene Personen gewesen, unter anderem A6 und B28. Auf Frage erklärte 

sie, sie habe von Geld für Koffern und Dollars gesprochen. Die Dollars seien als 

Vorzeigegeld für die Einreise gewesen und die Mädchen hätten einen Koffer ge-

braucht. Sowohl das Geld für die Koffern wie auch die Vorzeigedollars habe ihr 

A6 gesandt. In der Regel habe sie für Koffer und Vorzeigegeld von A6 Fr. 800.– 

erhalten. Davon hätte sie USD 500 kaufen sollen, aber manchmal habe es we-

gen dem Wechselkurs nicht gereicht. Sie habe selber etwa 10 Personen organi-

siert. Oft seien aber auch nur Geldüberweisungen über sie abgewickelt worden. 

In solchen Fällen habe sie das Geld an andere Personen weitergeben müssen. 

Es habe in Brasilien mehrere Personen gegeben, die für A1 Mädchen organisiert 

hätten. Sie hätte zu drei Organisatorinnen Kontakt gehabt. Es habe aber noch 

mehr gegeben, die