# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d4c93afa-ce7c-52fd-9d51-6b01bf1315e6
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-03
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 03.11.2022 VBE.2022.188
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2022-188_2022-11-03.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

1. Kammer 

 

 

VBE.2022.188 / pm / fi       
Art. 119 

 

 

Urteil vom 3. November 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichter Kathriner, Präsident  

Oberrichterin Fischer  

Oberrichterin Schircks Denzler  

Gerichtsschreiber Meier 

 

 
   

Beschwerde- 

führer  

 A._____  

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 Suva, Rechtsabteilung, Fluhmattstrasse 1, Postfach, 6002 Luzern 

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend UVG 

(Einspracheentscheid vom 31. März 2022) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Der 1982 geborene Beschwerdeführer ist als selbstständig Erwerbender 

freiwillig bei der Beschwerdegegnerin nach UVG gegen Unfallfolgen versi-

chert. Am 30. April 2017 stürzte er beim Gleitschirmfliegen ab und verletzte 

sich dabei. Die Beschwerdegegnerin anerkannte ihre Leistungspflicht für 

diesen Unfall und richtete hierfür vorübergehende Leistungen aus. Mit Mit-

teilung vom 10. Februar 2021 stellte sie diese per 28. Februar 2021 ein. Mit 

Verfügung vom 22. September 2021 sprach sie ihm sodann mit Wirkung ab 

1. März 2021 eine auf einer Erwerbsunfähigkeit von 24 % basierende Inva-

lidenrente und eine Integritätsentschädigung für eine Integritätseinbusse 

von 5 % zu. Die dagegen erhobene Einsprache wies sie mit Einsprache-

entscheid vom 31. März 2022 ab. 

 

2. 

2.1. 

Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 5. Mai 2022 bei 

der Beschwerdegegnerin fristgerecht Beschwerde, welche diese mit 

Schreiben vom 17. Mai 2022 zuständigkeitshalber an das Versicherungs-

gericht weiterleitete. In seiner Beschwerde beantragte der Beschwerdefüh-

rer sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheides 

sowie die Zusprache einer Invalidenrente auf der Basis einer Erwerbsein-

busse von 38.25 % und einer Integritätsentschädigung auch für die psychi-

schen Folgen des Unfalls. 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 31. Mai 2022 beantragte die Beschwerdegegne-

rin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit Eingabe vom 19. August 2022 beantragte die Beschwerdegegnerin so-

dann, die Beschwerde sei in dem Sinne gutzuheissen, dass die Sache zur 

weiteren Abklärung an sie zurückzuweisen sei. Dieses Schreiben wurde 

dem Beschwerdeführer mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 23. Au-

gust 2022 zur Kenntnisnahme zugestellt. 

 

2.4. 

Mit Beschluss vom 29. September 2022 stellte das Versicherungsgericht 

den Parteien die Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung und an-

schliessenden Neuverfügung in Aussicht und setzte eine Frist von 10 Ta-

gen zur allfälligen Stellungnahme oder zum allfälligen Rückzug der Be-

schwerde an. Die Parteien liessen sich in der Folge nicht vernehmen. 

 

  

 - 3 - 

 

 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Beschwerdegegnerin führte in ihrem Schreiben vom 19. August 2022 

aus, nach erneuter Prüfung der Beschwerde vom 5. Mai 2022 sowie auf-

grund der Stellungnahme des Versicherungsmediziners Dr. med. C., 

Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Praktischer Arzt, vom 

19. Mai 2022, sei sie zur Auffassung gelangt, dass weitere medizinische 

Abklärungen im Sinne einer externen Begutachtung erforderlich seien. Am 

Einspracheentscheid vom 31. März 2022 (Vernehmlassungsbeilage 

[VB] 364) könne daher nicht festgehalten werden. Die Beschwerde sei so-

mit in dem Sinne gutzuheissen, dass die Sache zu weiteren Abklärungen 

an sie zurückzuweisen sei. 

 

2. 

2.1. 

Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Zusprache der auf einem In-

validitätsgrad von 24 % beruhenden Invalidenrente per 1. März 2021 und 

der Entschädigung für eine Integritätseinbusse von 5 % in medizinischer 

Hinsicht im Wesentlichen auf die Beurteilungen ihres Kreisarztes 

med. pract. D., Facharzt für Chirurgie, vom 22. November 2019 sowie des 

Arztes ihres agenturärztlichen Dienstes Dr. med. E., Facharzt für 

Psychiatrie und Psychotherapie, vom 22. März 2020. Med. pract. D. hielt 

fest, aus chirurgischer Sicht liege ein medizinisch stabiler Zustand vor; die 

kreisärztliche Untersuchung (vom 20. November 2019) könne als Ab-

schlussuntersuchung angesehen werden. Von weiteren Behandlungen sei 

aktuell mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine namhafte Besserung 

des unfallbedingten Gesundheitszustandes mehr zu erwarten. Der Be-

schwerdeführer sei in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig 

(VB 220). Die aus dem Unfall resultierende leichte bis mässige Ellbogen-

arthrose rechts mit nur leichter Einschränkung der Funktion des Ellbogen-

gelenks stelle einen Integritätsschaden von 5 % dar (VB 221 S. 1). 

Dr. med. E. führte sodann im Wesentlichen aus, der Beschwerdeführer 

leide an einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und 

psychischen Faktoren und einer depressiven Episode; diese psychischen 

Störungen stünden zum Gleitschirmunfall vom 30. April 2017 in einem 

"natürliche[n], teilkausale[n] Zusammenhang". Von weiteren Behandlungs-

massnahmen könne "nicht erwartet werden, dass diese in den nächsten 

zwei bis drei Jahren mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu einer 

erheblichen, anhaltenden Verbesserung der psychischen Unfallfolgen und 

den darauf beruhenden Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit führen" 

würden (VB 235 S. 32). Aufgrund der aussergewöhnlichen, komplexen 

Gesamtsituation sei es nicht möglich, die Arbeitsfähigkeit in zeitlicher und 

leistungsmässiger Hinsicht medizinisch-theoretisch präzise mit einer Zahl 

 - 4 - 

 

 

 

zu beurteilen. Die zeitliche Belastbarkeit sei "zurzeit am ehesten um rund 

40 % vermindert" (VB 235 S. 34). 

 

2.2. 

Aufgrund eines nach Erlass des Einspracheentscheids vom 31. März 2022 

eingegangenen Berichts der behandelnden Psychologin vom 9. Mai 2022 

(VB 368) legte die Beschwerdegegnerin das Dossier Dr. med. C., Ab-

teilung Versicherungsmedizin, vor zur Beurteilung der Frage, ob – und be-

jahendenfalls in welchem Umfang – in psychischer Hinsicht eine durch den 

Unfall bedingte Integritätseinbusse vorliege. Dr. med. C. führte in seiner 

Stellungnahme vom 19. Mai 2022 zusammengefasst aus, diese Frage 

lasse sich auf der Grundlage des "nichtmedizinische[n] Bericht[s]" der Psy-

chologin nicht beurteilen. Eine "inhouse" Untersuchung des Beschwerde-

führers halte er nach Durchsicht des Dossiers nicht für zielführend, da die 

bisherigen Einschätzungen von Dr. med. E. sehr wahrscheinlich nicht 

gestützt werden könnten. Es würden dann zwei unterschiedliche "Inhouse" 

Beurteilungen des gleichen medizinischen Sachverhaltes vorliegen, was 

"in der Fallsteuerung ungünstig" sei. Er schlage daher vor, im Hinblick auf 

den Fallabschluss eine "therapeutenunabhängige" externe Begutachtung 

des Beschwerdeführers zu veranlassen, in welcher die Fragen der Kausa-

lität, Arbeitsfähigkeit und Integritätsentschädigung zu klären seien (VB 369 

S. 2). 

 

2.3. 

Aufgrund des Gesagten liess sich im Zeitpunkt des Erlasses des angefoch-

tenen Einspracheentscheids gestützt auf die vorhandenen medizinischen 

Akten nicht zuverlässig beurteilen, inwiefern der Beschwerdeführer auf-

grund der physischen und psychischen Folgen des Unfalls vom 30. April 

2017 noch über den 28. Februar 2021 hinaus in seiner Arbeitsfähigkeit 

(auch) in einer angepassten Tätigkeit beeinträchtigt ist und in welchem 

Ausmass er eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geis-

tigen oder psychischen Integrität aufweist (vgl. Art. 24 Abs. 2 UVG). Vor 

diesem Hintergrund gelangte die Beschwerdegegnerin am 19. August 

2022 zu Recht zum Schluss, dass zur Beurteilung des Leistungsanspruchs 

des Beschwerdeführers ab dem 1. März 2021 weitere medizinische Abklä-

rungen erforderlich seien.  

 

2.4. 

Demnach ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und die Sache an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese weitere medizinische 

Abklärungen treffe und danach über einen allfälligen über den 1. März 2021 

hinaus bestehenden Anspruch des Beschwerdeführers auf Leistungen auf-

grund vorhandener physischer und psychischer Beeinträchtigungen neu 

verfüge, soweit diese in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusam-

menhang zum Unfall vom 30. April 2017 stehen (vgl. dazu BGE 148 V 301 

E. 4.5.2 S. 310; 115 V 135). 

 - 5 - 

 

 

 

 

3. 

3.1. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG). 

 

3.2. 

Der obsiegende Beschwerdeführer, welcher nicht anwaltlich vertreten ist, 

hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung. Für persönlichen Ar-

beitsaufwand und Umtriebe wird grundsätzlich keine Entschädigung aus-

gerichtet (BGE 129 V 113 E. 4.1 S. 116; 110 V 134 E. 4d S. 134). 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der Einspracheentscheid 

vom 31. März 2022 aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung im 

Sinne der Erwägungen und Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zu-

rückgewiesen. 

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

den Beschwerdeführer 

die Beschwerdegegnerin 

das Bundesamt für Gesundheit  

 

  

 - 6 - 

 

 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 3. November 2022 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

1. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Kathriner Meier