# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 404919f2-005d-5101-9abe-52ff23b5ac47
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-12-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.12.2012 D-5423/2012
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5423-2012_2012-12-12.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-5423/2012 

law/joc/mel 

 

  U r t e i l  v o m  1 2 .  D e z e m b e r  2 0 1 2  

Besetzung 

 
Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richter Thomas Wespi, Richter Robert Galliker; 

Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg. 

   Parteien 
 

A._______,  

geboren (…), 

Äthiopien,  

c/o Schweizerische Vertretung in Khartoum, Sudan, 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM),  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  

Verfügung des BFM vom 20. August 2012 / N (…). 

 

 

D-5423/2012 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer gelangte am 27. März 2011 schriftlich an die 

schweizerische Botschaft in Khartoum, Sudan (nachfolgend: Botschaft), 

und suchte für sich um Asyl nach.  

B.  

Mit Schreiben vom 22. August 2011 teilte das BFM dem Beschwerdefüh-

rer mit, dass eine Befragung vor Ort aus sicherheitstechnischen, struktu-

rellen und organisatorischen Gründen nicht möglich sei, weshalb von ei-

ner solchen abgesehen werde. Gleichzeitig wurde der Beschwerdeführer 

mittels detailliertem Fragenkatalog aufgefordert, zu seiner Person und 

den Gründen für sein Asylgesuch Stellung zu nehmen. 

C.  

Mit Eingabe vom 11. September 2011 reichte der Beschwerdeführer den 

ausgefüllten Fragenkatalog sowie diverse Beweismittel bei der Botschaft 

ein (Eingang: 12. September 2011). Den beantworteten Fragenkatalog 

übermittelte er zudem nochmals am 4. April 2012.  

D.  

Am 19. Mai 2012 (Eingang BFM: 22. Mai 2012) wurde das BFM durch ei-

ne in der Schweiz wohnhafte Bekannte des Beschwerdeführers nach 

dem Stand des Asylverfahrens angefragt.  

E.  

Der Beschwerdeführer wandte sich mit E-Mail vom 2. Juni 2012 via Bot-

schaft ebenfalls an das BFM, um den Stand seines Asylverfahrens zu er-

fahren. Ausserdem ergänzte er in erwähnter E-Mail sein Gesuch vom 

27. März 2011.  

F.  

Mit separaten Schreiben vom 5. Juni 2012 teilte das BFM sowohl dem 

Beschwerdeführer als auch seiner in der Schweiz wohnhaften Bekannten 

den Stand des Asylverfahrens mit.  

G.  

Mit Verfügung vom 20. August 2012 – eröffnet am 11. September 2012 – 

verweigerte das BFM dem Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz 

und lehnte das Asylgesuch ab. 

D-5423/2012 

Seite 3 

H.  

Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mittels bei der Bot-

schaft am 7. Oktober 2012 eingegangener Eingabe vom 2. Oktober 2012 

beim Bundesverwaltungsgericht (Eingang nach Übermittlung durch die 

Botschaft: 18. Oktober 2012) Beschwerde und beantragte sinngemäss, 

die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm die Einreise 

in die Schweiz zwecks Asylgewährung zu bewilligen.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 

(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 

gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 

1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge-

hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 

des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Aus-

nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwal-

tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Be-

schwerde; es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – 

was hier nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens 

des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Partei Schutz sucht 

(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 

Bst. c Ziff. 1 und Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 

2005 [BGG, SR 173.110]). 

1.2 Mit der dringlichen Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 

2012 (AS 2012 5359), welche am 29. September 2012 in Kraft trat, wur-

den unter anderem die Bestimmungen betreffend die Stellung von Asyl-

gesuchen aus dem Ausland aufgehoben. Die Übergangsregelungen hal-

ten jedoch fest, dass für die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Ände-

rung vom 28. September 2012 gestellten Gesuche die massgeblichen Ar-

tikel (Art. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 AsylG) in der bisherigen Fas-

sung anwendbar sind. Demnach sind auf den vorliegenden Fall die bishe-

rigen Bestimmungen betreffend das Auslandverfahren anzuwenden. 

2.  

Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, ist durch die angefochtene Verfügungen besonders berührt und hat 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Än-

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derung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und 

formgerecht (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und 

Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 

3.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 

oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 

die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

4.  

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

5.  

5.1 Nach Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG ist die Einreise in die Schweiz zu 

bewilligen, wenn eine unmittelbare Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit 

aus einem Grund nach Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird, das heisst im 

Hinblick auf die Anerkennung als Flüchtling und Asylgewährung, oder 

aber wenn für die Dauer der näheren Abklärung des Sachverhalts ein 

weiterer Aufenthalt im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat oder die Ausreise 

in einen Drittstaat nicht zumutbar erscheint. 

5.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 AsylG wird ein Ausländer als Flüchtling aner-

kannt, wenn er in seinem Heimatstaat oder im Land, wo er zuletzt wohn-

te, wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer be-

stimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Anschauungen 

ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, sol-

chen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten 

namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Mass-

nahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 

Abs. 2 AsylG). 

5.3 Nach Art. 52 Abs. 2 AsylG kann einer Person, die sich im Ausland be-

findet, das Asyl verweigert werden, wenn es ihr zugemutet werden kann, 

sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. Bei der Anwen-

dung von Art. 52 Abs. 2 AsylG ist in einer Gesamtschau zu prüfen, ob es 

aufgrund der ganzen Umstände geboten erscheint, dass es gerade die 

Schweiz ist, die den angesichts der bestehenden Gefährdung erforderli-

chen Schutz gewähren soll. Dabei sind namentlich die Beziehungsnähe 

zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen 

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Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglich-

keit und objektive Zumutbarkeit der anderweitigen Schutzsuche sowie die 

voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Be-

tracht zu ziehen (vgl. BVGE 2011/10 E. 3.3. S. 126 und E. 5.1 S. 128, vgl. 

auch die Zusammenfassung der Rechtsprechung im Urteil D-2018/2011 

vom 14. September 2011 E. 7.1). 

5.4 Der Beschwerdeführer führte zur Begründung seines Gesuchs aus, er 

sei in B._______ (Eritrea) geboren; sein Vater, ein Äthiopier, sei 1980 als 

Soldat der äthiopischen Armee gefallen. Im Alter von fünf Jahren sei er 

ins C._______ in D._______, Äthiopien, eingetreten und habe bis im April 

1997 dort gelebt. Er habe die äthiopische Staatsbürgerschaft erhalten 

und habe nach seinem Schulabschluss im Jahre (…) bei der äthiopischen 

Zollbehörde gearbeitet. Im selben Jahr sei er nach Eritrea gereist, um 

seine eritreische Mutter zu finden. Über deren Verbleib wisse er bis heute 

nichts. Zu jener Zeit sei der Konflikt zwischen Eritrea und Äthiopien aus-

gebrochen. Er sei deshalb nach Äthiopien zurückgekehrt. Dort habe man 

ihn der Spionage für Eritrea verdächtigt. Daher sei er von Juni 1999 bis 

Mai 2000 inhaftiert worden. Im Gefängnis sei er verhört, erniedrigt und 

misshandelt worden. Gegen Kaution sei er freigelassen worden. Danach 

habe er seine Arbeitsstelle verloren. Seine Menschenrechte, auch sein 

Staatsbürgerrecht,  seien verletzt worden. Er habe nicht arbeiten dürfen 

und sei ständig überwacht worden. Am 24. Dezember 2000 sei es ihm 

gelungen, in den Sudan zu fliehen. Einige Wochen nach seiner Ankunft 

habe er dort erfahren, dass nach ihm gefahndet werde. Beim UNHCR 

(United Nations High Commissioner for Refugees) in Khartoum habe er 

um Asyl nachgesucht. Er sei angehört und als Flüchtling anerkannt wor-

den und habe einen entsprechenden Ausweis erhalten. Er habe sich aber 

nie in einem Flüchtlingscamp aufgehalten. Zusammen mit seiner Ehefrau, 

die ebenfalls die Flüchtlingseigenschaft innehabe, lebe er seither in Khar-

toum. Die sudanesischen Behörden würden regelmässig äthiopische 

Flüchtlinge festnehmen und nach Äthiopien ausschaffen. Er fürchte sich 

daher vor einer Abschiebung nach Äthiopien. Am 6. Februar 2010 hätten 

ihn vier unbekannte Männer auf dem Heimweg angeschrien und aufge-

fordert, in einen Wagen zu steigen. Er habe sie nach dem Grund gefragt. 

Einer der Männer habe ihm daraufhin ins Gesicht geschlagen. Er habe 

sich verteidigt. Menschen hätten sich um sie versammelt. Schliesslich sei 

ihm ein Polizist zu Hilfe geeilt. Die Männer hätten sich aus dem Staub 

gemacht. Der Polizist habe ihn nach Hause begleitet. Diesen Vorfall habe 

er dem UNHCR gemeldet. Es sei ihm lediglich mitgeteilt worden, er solle 

den Ausgang des Schutzverfahrens abwarten. Für Flüchtlinge sei der Su-

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dan kein sicheres Land. In der Schweiz wäre er hingegen sicher. Hier 

könnte er sich wieder mit seinen Verwandten und Freunden vereinen. Im 

Weiteren legte der Beschwerdeführer dar, am 20. Februar 2010 sei ihm 

sowie anderen Arbeitskollegen die Stelle gekündigt worden, da sie äthio-

pische und eritreische Flüchtlinge seien. Man habe ihnen mitgeteilt, dass 

sie im Sudan kein Anrecht auf Asyl hätten. Seither sei sein Einkommen 

beschränkt und er halte sich mit täglichen Gelegenheitsarbeiten über 

Wasser.  

Der Beschwerdeführer reichte zur Stützung seiner Vorbringen Kopien ei-

nes Flüchtlingsausweises, einer Anerkennungsbestätigung des UNHCR 

in Khartoum vom 17. Februar 2005, eines Schreibens einer sudanesi-

schen Behörde sowie Kopien verschiedener Dokumente seinen Aufent-

halt in Äthiopien betreffend (Schreiben der Zollbehörde, eines Gerichts, 

der Polizei, Zertifikat des "C._______") zu den Akten.  

5.5 Das BFM führte zur Begründung in der angefochtenen Verfügung 

aus, es sei darauf zu schliessen, dass der Beschwerdeführer ernstzu-

nehmende Schwierigkeiten mit den äthiopischen Behörden gehabt habe. 

Er sei aber nicht auf den Schutz der Schweiz angewiesen. Die Situation 

äthiopischer Flüchtlinge und Asylbewerber im Sudan sei zwar nicht ein-

fach. Dennoch bestünden keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass ein 

weiterer Verbleib im Sudan nicht zumutbar oder möglich wäre. Flüchtlin-

ge, die vom UNHCR registriert und einem Flüchtlingslager zugeteilt wor-

den seien, hätten sich in diesem aufzuhalten und würden dort die nötige 

Versorgung erhalten. Sollte die Situation tatsächlich kritisch sein, so kön-

ne sich der Beschwerdeführer beim UNHCR um Schutz bemühen. Die 

Befürchtung, nach Äthiopien zurückgeschafft zu werden, sei unbegründet. 

Das Risiko einer Deportation oder Verschleppung für Äthiopier, die im 

Sudan vom UNHCR als Flüchtlinge anerkannt worden seien, sei gering. 

Das UNHCR registriere vor Ort sämtliche Äthiopier, die sich in einem 

Flüchtlingslager melden würden, unabhängig davon, weshalb sie Äthio-

pien verlassen hätten. Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass er nach Äthio-

pien zurückgeschafft werden könnte, lägen nicht vor. Er verfüge über kein 

geeignetes Risikoprofil, welches eine Verschleppung nach Äthiopien ob-

jektiv begründen könne. Da er den Flüchtlingsstatus durch das UNHCR 

erhalten habe oder erwerben könne, könne er sich jederzeit bei einer Ver-

tretung des UNHCR im Sudan melden. Das UNHCR habe den Sudan an 

seine Verpflichtungen aus der von ihm unterzeichneten Flüchtlingskon-

vention erinnert. Angesichts seines langjährigen Aufenthalts in Khartoum, 

wo er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten habe, sei ihm 

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auch eine Existenz in Khartoum möglich. Die Tatsache, dass die Polizei 

ihm bei dem geschilderten Angriff zur Seite gestanden habe, bestätige die 

Einschätzung, wonach seine Situation in Khartoum tragbar sei. Im Sudan 

lebe eine grosse äthiopische Diaspora, welche in Not geratene Landsleu-

te unterstütze. Aus den Akten seien auch keine Anknüpfungspunkte zur 

Schweiz ersichtlich, da keine nahen Verwandten oder Bezugspersonen in 

der Schweiz leben würden. Eine besondere Beziehungsnähe, die die Re-

gelvermutung, im Drittstaat Schutz gefunden zu haben, umstossen kön-

ne, sei nicht gegeben.  

5.6 In der Rechtsmittelschrift führt der Beschwerdeführer ergänzend zu 

seinen bisherigen Vorbringen aus, als er in Äthiopien im Gefängnis gewe-

sen sei, habe der Richter von der Möglichkeit, ihn gegen Kaution freizu-

lassen, keinen Gebrauch gemacht. Nach langer Zeit der Unterdrückung 

und Inhaftierung im Gefängnis in Addis Abeba sei er in der Lage gewesen 

zu entkommen. Als Flüchtling habe er sich im Sudan exilpolitisch enga-

giert. Der Sudan habe mit Äthiopien vereinbart, solche Personen an Äthi-

opien auszuliefern. Einige seiner Freunde seien 2007 und 2008 nach 

Äthiopien deportiert und dort inhaftiert worden. Derzeit würden sie ihre 

politischen Aktivitäten unter dem Deckmantel der Bibelarbeit zu Hause 

ausüben. Die meisten von ihnen würden mit verbotenen Oppositionspar-

teien wie die "Ginbot 7" in Zusammenhang stehen. Gestützt auf die Aus-

sagen von Personen in Flüchtlingslagern im Sudan habe er sich ent-

schieden, nicht in ein solches Lager zu gehen. Man sei vor Diebstahl und 

Organhandel nicht sicher und es gebe keine nachhaltige Nahrungsver-

sorgung. Seine in der Schweiz wohnhafte Bekannte, die mit ihm im Wai-

senhaus in D._______ gelebt habe, sei wie eine Schwester. Sie würden 

einander täglich telefonieren und die Bekannte könnte sich nach seiner 

Einreise in die Schweiz um ihn kümmern.  

5.7  

5.7.1 Der Beschwerdeführer gab in seinem schriftlichen Gesuch vom 

27. März 2011 an, gegen Kaution aus der Haft entlassen worden zu sein 

(vgl. act. A1/1: " […] I was released on bail"). Auf Beschwerdeebene legt 

er nunmehr dar, der Richter habe von der Möglichkeit, ihn gegen Kaution 

zu entlassen, keinen Gebrauch gemacht. Es sei ihm gelungen zu ent-

kommen. Damit kommen gewisse Zweifel an dem von ihm geschilderten 

Gefängnisaufenthalt infolge Spionageverdachts in Äthiopien auf. Ob aber 

der Beschwerdeführer in Äthiopien einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 

Abs. 1 und 2 AsylG ausgesetzt war respektive seine Vorbringen den ent-

sprechenden Anforderungen genügen würden, kann offen bleiben, da mit 

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dem BFM davon auszugehen ist, der Beschwerdeführer habe im Sudan 

bereits anderweitig Schutz gefunden.  

5.7.2 Die Situation für Flüchtlinge im Sudan ist – wie schon das BFM 

festhält – generell nicht einfach. Die vom UNHCR registrierten Flüchtlinge 

sind gehalten, sich in einem UNHCR-Flüchtlingslager aufzuhalten. Sie 

verfügen im Sudan nicht über ein freies Aufenthaltsrecht, sondern bedür-

fen ausserhalb der Lager besonderer Reise– respektive Aufenthaltsbewil-

ligungen. Auch die Ausübung einer Arbeit ist in aller Regel nur mittels ent-

sprechender Bewilligung zugänglich. Viele anerkannte äthiopische Flücht-

linge halten sich nicht in Flüchtlingslagern, sondern illegal in Khartoum 

auf, wo sie versuchen, einer Arbeit nachzugehen. Seinen Angaben zufol-

ge lebt er seit dem 24. Dezember 2000 und damit seit fast zwölf Jahren in 

Khartoum. Dabei war es ihm möglich, bis im Februar 2010 zu arbeiten. 

Aus seinen Vorbringen ist zu schliessen, dass er über eine entsprechen-

de Erlaubnis verfügte oder aber seine Arbeitstätigkeiten zumindest gedul-

det wurden. So erwähnt er, nach Kündigung seiner Stelle im Februar 

2010 sei ihm mitgeteilt worden, dass er aufgrund seiner Flüchtlingseigen-

schaft nicht mehr arbeiten dürfe. Seither erziele er kein regelmässiges 

Einkommen, sondern halte sich mit täglichen Gelegenheitsarbeiten über 

Wasser (vgl. act. A1/1, act. A4/10 S. 2 f. und 3 ff., act. A7/3 S. 2). Dem-

nach befindet er sich nicht in einer existenziellen Notlage. Einer allfälligen 

Versorgungsnotlage könnte er zudem dadurch entgehen, dass er sich an 

das UNHCR, welches ihn als Flüchtling anerkannte (vgl. act. A1/1, act. 

A4/10 S. 2 und 5), wendet und sich einem Flüchtlingslager zuteilen lässt. 

Was seine Angst vor einer Ausschaffung nach Äthiopien anbelangt, ist 

einzuräumen, dass von gelegentlichen Deportationen und von Verschlep-

pungen von Äthiopiern berichtet wird. Es ist daher möglich, dass einige 

seiner Freunde in der Vergangenheit nach Äthiopien zurückgeschafft 

wurden. Die Tatsache, dass sich der Beschwerdeführer seit fast zwölf 

Jahren im Sudan aufhält, lässt allerdings darauf schliessen, dass er auch 

künftig nicht Gefahr laufen wird, deportiert zu werden. Auch der Umstand, 

dass ihm die Polizei anlässlich des von ihm beschriebenen Angriffs im 

Februar 2010 durch vier unbekannte Männer hilfreich zur Seite stand und 

ihn nach Hause begleitete (vgl. act. A7/3 S. 2), spricht im Ergebnis gegen 

ein Interesse der sudanesischen Behörden an einer Rückschaffung sei-

ner Person nach Äthiopien. Durch die Anerkennung als Flüchtling durch 

das UNHCR in Khartoum wäre er zudem nicht nur berechtigt, sondern es 

wäre ihm auch zuzumuten, sich in einem vom UNHCR zuzuteilenden 

Flüchtlingslager aufzuhalten, wo er nebst der Grundversorgung für den 

unwahrscheinlichen Fall einer drohenden Ausschaffung auch um juristi-

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Seite 9 

sche Hilfe ersuchen könnte. Hinzu kommt, dass im Sudan seine Ehefrau 

lebt, er hingegen in der Schweiz über keine massgeblichen persönlichen 

oder sonstigen Anknüpfungspunkte verfügt. Mit der in der Schweiz wohn-

haften Bekannten verbinden ihn einzig gemeinsame Jahre im Waisen-

heim in D._______ (vgl. act. A4/10 S. 3, act. A6/1) und die daraus offen-

bar resultierende Freundschaft. Dies und die von ihm in der Beschwerde 

erwähnten täglichen Telefonate mit der Bekannten begründen jedoch 

noch keine besondere Beziehungsnähe zur Schweiz. Der Beschwerde-

führer benötigt somit den subsidiären Schutz der Schweiz gemäss Art. 52 

Abs. 2 AsylG nicht. Der weitere Verbleib im Sudan ist zumutbar.  

6.  

Zusammenfassend ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bun-

desrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 

vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Das 

BFM hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt und 

ihm die Einreise in die Schweiz verweigert. Die Beschwerde ist deshalb 

abzuweisen. 

7.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus verwal-

tungsökonomischen Gründen ist indessen in Anwendung von Art. 6 des 

Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 

vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) auf die Erhe-

bung von Verfahrenskosten zu verzichten. 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten gesprochen.  

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zuständi-

ge kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Walter Lang Claudia Jorns Morgenegg 

 

 

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