# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** da1ad236-0816-5f77-98d5-7c65780f3d52
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-11-11
**Language:** de
**Title:** Rente; Revision; Verbesserung der neuropsychologischen Situation bei Schädelhirn-Trauma 13 Jahre nach dem Unfall.
**Docket/Reference:** IV.2012.00639
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2012.00639.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2012.00639
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Sozialversicherungsrichterin Fehr
Gerichtsschreiber Schetty
Urteil
vom
11. November 2013
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwältin Christina Ammann
Sautter & Ammann Rechtsanwälte
Bahnhofstrasse 12, Postfach 25, 8610 Uster
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der im Jahre
1964 geborene
X.___
stürzte am 2
2.
April 1999 bei der Arbeit gut sieben Meter in die Tiefe
und zog sich dabei multiple Verletzungen zu (Schädel-Hirntrauma, distale multifragmentäre intraartikuläre
Radiusfrak
turen
beidseits,
extra
a
rtikuläre
Abrissfraktur am medialen
Femurkondylus
links, Fraktur des Os maxillare mit Zahnschäden,
Thoraxkontusion
;
Urk.
8/4,
Urk.
8/48). Am 1
2.
August 1999 meldete sich der Versicherte bei der Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/1). Mangels Erfüllens der Wartezeit wies diese das Rentenbegehren mit Verfügung vom 1
5.
Dezember 1999 ab (
Urk.
8/18). Mit Verfügung vom 1
4.
Juni 2002 und Wirkung ab
1.
April 2000 sprach
die IV
Stelle dem Versicherten in der Folge eine ganze IV-Rente zu (
Urk.
8/90). Im November 2003 sowie Januar 2007 in die Wege geleitete Revisionsverfahren führten zu keiner Veränderung des Rentenanspruchs (
Urk.
8/95
-
98, Urk.
8/102
107). Im Rahmen einer weiteren revisionsweisen Rentenüberprüfung im April 2009 wurde der Versicherte polydisziplinär abgeklärt (
Y.___
-Gutachten vom 1
8.
Januar 2011,
Urk.
8/136). Gestützt auf die dabei gewonnenen Erkenntnisse stellte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom 13.
Juli 2011 die Einstellung der Rente in Aussicht (
Urk.
8/146). Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
wurden in der Folge beim
Y.___
ergänzende Stellungnahmen eingeholt (Berichte vom
5.
Und 2
6.
März 2012,
Urk.
8/171).
Mit Verfügung vom 1
1.
Mai 2012 hielt die IV-Stelle an der in Aussicht gestellten Renteneinstellung fest (
Urk.
8/176 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Vertreterin des Versicherten am 1
3.
Juni 2012 Beschwerde und beantragte, es sei dem Beschwerdeführer weiterhin ab
1.
August 2012 eine ganze Rente zuzusprechen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
9.
August 2012 beantragte die
Beschwerde
gegnerin
die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7). Mit Replik vom 2
1.
November 2012 hielt die Vertreterin des Beschwerdeführers ihrerseits an den gestellten Anträgen fest und reichte ergänzende medizinische Unterlagen ein (
Urk.
13 f.). Mit Schreiben vom 1
2.
Dezember 2012 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf das Ei
nreichen einer Duplik (
Urk.
17), wovon dem Beschwerdeführer am 1
8.
Dezember 2012 Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
18).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung;
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer
Gesundheits
schaden
führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.2
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalidenein
kommen
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommens
vergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Renten
bezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesent
lichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich ge
bliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange um
fassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfol
gerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352
Erw
. 3a, 122 V 160 f.
Erw
. 1c, je mit Hinweisen).
2
.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die ange
fochtene Verfügung damit, dass gestützt auf das
Y.___
-Gutachten vom 1
8.
Januar 2011 in einer
behinde
rungs
angepassten
Tätigkeit von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei, was bei Gewährung eines leidensbedingten Abzuges von 15
%
zu einem
ren
ten
ausschliessenden
Invaliditätsgrad von 29
%
führe (
Urk.
2). Selbst bei Annahme eines monatlichen
Valideneinkommens
von
Fr.
5‘200.-- x 13 ergebe sich lediglich ein Invaliditätsgrad von 34
%
(
Urk.
7).
2.2
Demgegenüber machte die Vertreterin des Beschwerdeführers im Wesentlichen geltend, dass
die neuropsychologische Fachperson des
Y.___
das schlechte Abschneiden bei der verbalen Erfassungs
s
panne auf ein Testartefakt zurück
führe, was nicht nachvollziehbar sei. So sei bereits am 1
3.
Mai 1999 bei der Unter
suchung an der Rehaklinik
Z.___
eine Reduktio
n des sprachlichen
Frisch
gedäch
tnisses
festgestellt worden, eine solche ergebe sich auch aus den Verlaufsuntersuchungen am
C.___
vom 1
3.
Juni und 3.
Sep
tember 200
1.
Weiter könne das langsame Bearbeitungstempo nicht mit einer besonders sorgfältigen Arbeitsweise erklärt werden und es sei nicht nachvoll
ziehbar, dass sich die Verdachtsdiagnose organisches Psychosyndrom nach Schädel-Hirntrauma nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirken solle.
Im Übrigen sei es unerlässlich, die Leistungsfähigkeit im Rahmen einer ganztägigen Leistungsprüfung zu ermitteln, wie
dannzumal
im
A.___
. Widersprüchlich sei auch das psychiatrische
Fach
gutachten
, welches einen Medikamentenentzug (mehrmonatige Abstinenz)
fordere, um überhaupt den Psychostatus des Beschwerdeführers ermitteln zu können. Insgesamt könne auf das
Y.___
-Gutachten nicht abgestellt werden.
Gestützt auf die Abklärungen im
B.___
sei vielmehr auch in einer leidensangepassten Tätigkeit von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Selbst wenn man von einer 100%igen
Arbeits
fähigkeit in einer
leidensangepassten Tätigkeit ausginge, ergäbe sich bei einem
Valideneinkommen
von
Fr.
5‘200.-- x 13 sowie einem leiden
s
bedingten Abzug von 25
%
ein Invaliditätsgrad von 41
%
.
2.3
Vergleichsbasis im vorliegenden Revisionsverfahren bildet die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 1
4.
Juni 2002, mit welcher dem Beschwerdeführer ab
1.
April 2000 eine ganze IV-Rente zugesprochen wurde
(
Urk.
8/90)
. In medi
zinischer Hinsicht stützt
e
sich die genannte Verfügung im Wesentlichen auf die neuropsychologische Verlaufsuntersuchung vom 1
3.
Juni und 3.
September 2001 am
C.___
. Die für den Bericht vom 8.
November 2001 verantwortlichen Fachärzte stellten dabei die folgende Diagnose: Leichte bis mittelschwere Hirnfunktionsstörung im mentalen Bereich, die sich vor allem in einer deutlichen Aufmerksamkeitsstörung
(eingeschränkte
Daueraufmerksam
keit
, instabiles, inkonstantes Aufmerksamkeitsvermögen) und einer leicht einge
schränkte
n
Aufnahmekapazität im sprachlichen Bereich zeig
e
, gut zwei Jahre nach traumatischer Hirnverletzung am 2
2.
April 199
9.
Neben den körperlichen Einschränkungen komme eine massivste Schmerzproblematik dazu, welche sich seinerseits zusätzlich negativ auf das Aufmerksamkeitsverhalten sowie die mentale Leistungsfähigkeit
auswirke, so dass eine zeitlich relevante berufliche Partizipation unmöglich erscheine
(Urk.
8/59).
3.
3.1
Die für das
Y.___
-Gutachten vom 1
8.
Januar 2011 verantwortlichen Fachärzte diagnostizierten mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches
Zerviko
vertebral
-/
Zervikozephalsyndrom
(ICD
-
10 M54.2 und M53.0) bei leichter Bewegungseinschränkung der oberen HWS und konventionell radiologisch unauffälliger HWS sowie eine
leichtgradige
Funktionseinschränkung beider Handgelenke und leichte Belastungsschmerzen rechts (ICD 10 S52.5 und T92.2) bei Status nach distaler intraartikulärer
plurifragmentärer
Radiusfraktur beidseits mit Verdacht auf
skapholunärer
Dastase
-Deslokation links und Abrissfraktur Os
triquetrum
links 04/1999, osteosynthe
tis
ch versorgt, in leichter Fehlstellung abgeheilt und leichter Radiocarpalarthrosen sowie beginnender STT-Arthrose rechts. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit leide
der Beschwerdeführer an einer i
atrogenen Opiatabhängigkeit, einer
low
-dose
Ben
zodiazepinabhängigkeit
, einem Cannabismissbrauch, chronischen Spannungs
kopf
schmerzen, einer episodischen Migräne mit visueller Aura, einem Verdacht auf organisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma, einem rezidi
vieren
de
n
Lumbovertebralsyndrom
sowie einem Status nach Polytra
u
ma im Rahmen eines Sturzereignisses aus sieben Meter Höhe infolge eines Arbeitsunfalles am 2
2.
April 1999 (
Urk.
8/136 S. 22).
Aufgrund der rheumatologischen Befunde seien dem Beschwerdeführer mittel
schwere und schwere Tätigkeiten nicht mehr zuzumuten
. Insgesamt bestehe aus somatischer Sicht eine Diskrepanz zwischen dem Ausmass der subjektiv angegebenen Beschwerden und den objektivierbaren Befunden. Aufgrund der Akten bleibe unklar, wie der Beschwerdeführer zu einer derart ausgebauten Analgetika-Medikation einschliesslich Opiatpflaster komme. Es bestehe ein aus
ge
prägter Kontrast zwischen völlig unbehindertem Motilitätsbild mit dem Eindruck eines kaum schmerzgeplagten Exploranden mit einer ausgesprochen hohen transdermalen Opiatmedikation. Im Rahmen der neuropsychologischen Abklärung habe sich im Vergleich zu den Voruntersuchungen vom 1
3.
Juni und
3.
September 2001 insbesondere bei der Belastbarkeit eine deutliche Ver
besserung gezeigt, zudem hätten sich die vorbeschriebenen
Auf
merk
samkeits
- und Gedächtnisdefizite nicht mehr nachweisen lassen, so dass nun von einem kognitiven Normalbefund ausgegangen werden könne. In einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit ohne allzu hohe Anfor
derungen an kognitive Funktionen sei sowohl aus somatischer wie auch aus psychiatrischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit zuzumuten, so
fern repetitive Kraftanwendung
mit den
Händen, Zwangshaltung
der HWS, längerdauernde Rückenflexion sowie Hantieren mit Gewichten über 10 kg vermieden werden könne (
Urk.
8/136 S.
25).
3.2
Dr.
med.
D.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
B.___
, diagnostizierte in seinem Bericht vom 2
7.
Oktober 2011 – unter Hinweis auf die im
Y.___
-Gutachten gestellten Diagnosen – eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2) sowie eine anhaltende
soma
to
forme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4). Angezeigt sei eine Aktivierung und Beschäftigung des Beschwerdeführers im Rahmen einer stationären oder ambulanten Therapie (
Urk.
8/158)
.
3.3
In seiner Stellungnahme vom
5.
März 2012 führte
Dr.
med.
E.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
beim
Y.___
aus, dass die Diagnosen Anpassungsstörung und anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung nicht nach
voll
zogen werden könnten. Es handle sich um eine unkritische Wiedergabe von subjektiven Beschwerden des Beschwerdeführers.
Hinsichtlich des
vordiagnosti
zierten
posttraumatische
n Psychosyndroms sei ein günsti
ger Verlauf festzu
stellen gewesen. Der Beschwerdeführer habe in der psychiatri
schen Unter
suchung deutlich demonstriert, dass seine Fähigkeit, sein Verhalten gemäss den Anforderungen der Umwelt anzupassen, nicht in einem IV
rele
vanten Umfang negativ beeinträchtigt sei. Dies würden die klinischen Befunde
wie
auch die anamnestischen Angaben, wie beispielsweise problem
loses Auto
fahren, demon
strieren. Weiter hätten auch in der psychiatrischen Untersuchung keine Anhalts
punkte für Ermüdungserscheinungen festgestellt werden können (
Urk.
8/171 S. 3).
Lic
. Phil.
F.___
, Fachpsychologe für
Neuropsychologie FSP
beim
Y.___
, führte in seiner Stellungnahme vom 2
6.
März 2012 aus, dass die verbale
Erfassungs
spanne
auch Bestandteil des VLMT sei
, bei welchem im ersten Lerndurchgang ebenfalls die Erfassungsspanne gemessen werde. In dieser
Teil
aufgabe
habe der Beschwerdeführer einen guten Wert erzielt, so dass in Anbe
tracht des gesamten kognitiven Leistungsprofils die Annahme, dass es sich beim Ergebnis der verbalen (Zahlen-)Erfassungsspanne wahrscheinlich um ein Arte
fakt handl
e
, begründet sei. Zudem würden keine hirnorganischen Gründe vorliegen, die einen solchen selektiven und fokalen Ausfall hinreichend begrün
den könnten. Ausgehend von einer durchschnittlich guten
Fehler
kontrolle
habe der Beschwerdeführer kein neuropsychologisches Defizit auf Grund einer Ver
langsamung (
Urk.
8/171 S. 1 f.).
3.4
In der Folge wurde am
B.___
eine interdisziplinäre Schmerzbehandlung durch
geführt.
Ausgehend von den bereits bekannten Diagnosen hielten die für den Bericht vom 1
7.
Oktober 2012 verantwortlichen Fachärzte fest, dass aus
schmerz
therapeutischer
Sicht von
einer 30%igen Arbeitsfähigkeit
bei ausge
prägten kognitiven Schwankungen unter geistiger Belastung auszugehen sei. Aufgrund der somatischen und neuropsychologischen Beschwerden sei dem Beschwerdeführer derzeit auch
angepasst
keine Tätigkeit mehr zuzumuten. Für den Haushalt sei eine 80%ige Arbeitsfähigkeit gegeben (
Urk.
14/1).
3.5
Die für das
Y.___
-Gutachten verantwortlichen Fachärzte legen den medizi
nischen Sachverhalt grundsätzlich in einer schlüssigen und nachvoll
ziehbaren Weise dar. Auf die von der Vertreterin des Beschwerdeführers geltend ge
machten Einwände (verbale Erfassungsspanne, Verlangsamung,
Psychosyn
drom
) wird dabei in den Stellungnahmen vom 5.
und 2
6.
März 2012 über
zeugend eingegangen.
Verglichen mit dem Bericht des
C.___
vom
8.
November 2001, welcher noch von einer massiv eingeschränkten Belastbarkeit des Beschwerdeführers ausging (Aufteilung der Untersuchung,
Urk.
8/59 S. 2), ist aufgrund der Ergebnisse des
Y.___
-Gutachtens insbesondere in diesem Bereich, welcher massgeblich für die ursprünglich angenommene Arbeitsunfähigkeit
verantwortlich war, eine wesentliche Verbesserung des Zustandes anzunehmen.
Die neuropsychologische Testung konnte dabei von 13.30 Uhr bis 17.00 Uhr ohne grössere Pause erfolgen (
Urk.
8/136 S. 52), wobei anzumerken ist, dass die Testsituation dem Beschwerdeführer in kognitiver Hinsicht einiges mehr abverlang
t
e
als eine behinderungsangepasste Tätigkeit. So muten die
Y.___
-Gutachter
dem Beschwerdeführer
keineswegs alle Tätigkeiten
zu
,
sondern nehmen
im Rahmen des Beschriebs einer
leidens
angepassten
Tätigkeit
auf die
somatische und kognitive Situation Rücksicht.
Ebenfalls nicht zu beanstanden ist das psychiatrische Teilgutachten. Die Vertreterin des Beschwerdeführers erwähnt zwar richtig, dass der Teilgutachter eine mehrmonatige Drogen- und Medikamentenabstinenz erwähnt (
Urk.
8/136 S.
64). Diese steht aber nicht im Zusammenhang mit der Einschätzung der ver
bleibenden Restleistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
,
sondern im Zu
sammen
hang mit der diagnostischen Frage,
inwiefern
sich der Drogen- und Medikamentenmissbrauch auf das vordiagnostizierte posttraumatische
Psycho
syndrom
auswirkt.
Da sich diese
r
aber ohnehin nicht in erheblichem Masse auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt, kann diese auch ohne Einhaltung einer mehr
monatige Drogen- und Medikamentenabstinenz verlässlich beurteilt werden.
An der Einschätzung der
Y.___
-Gutachter
vermögen auch die neueren Berichte des
B.___
sowie jene von
Dr.
med.
G.___
, Facharzt FMH für Chirurgie, Wirbelsäulenleiden, Schleudertrauma und orthopädische Chirurgie (30%ige Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht), und
m
ed.
pract
.
H.___
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie (Arbeitsfähigkeit von 50
%
)
,
nichts zu ändern
(
Urk.
8/158,
Urk.
14/1-3)
.
Dabei ist vorab anzumerken, dass das Gericht in Bezug auf Berichte von
Hausärztinnen und Hausärzten der Erfahrungs
tatsache Rechnung tragen
darf und soll, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
Zudem erscheint es im vorliegenden Fall aufgrund des erlittenen Polytraumas unerlässlich, die Sachlage aus polydisziplinärer Sicht einzuschätzen, so dass dem
Y.___
-Gutachten als umfassendere Abklärung ein grösseres Gewicht zukommt.
Was den Bericht von
Dr.
D.___
betrifft ist
überdies von Belang
, dass gemäss ICD-10 die Symptome einer Anpassungsstörung meist nicht länger als 6
Monate anhalten, ausser bei einer lä
ngeren depressiven Reaktion. Eine solche wird von
Dr.
D.___
aber nicht diagnostiziert,
so dass der
genannte Bericht
schon allein deshalb als nicht stimmig erscheint
und nicht darauf abgestellt werden kann
. Darüber hinaus führt
Dr.
E.___
nachvollziehbar aus, dass die gestellten Diagnosen
gestützt auf die Ausführungen des Berichts
nicht nach
vollzogen werden könn
t
en; diese würden vielmehr eine
unkritische Wiedergabe
von subjektiven Beschwerden des Beschwerdeführers darstellen (
Urk.
8/171 S.
4).
Was den Bericht der Interdisziplinären Schmerzbehandlung vom 1
7.
Oktober 2012 angeht, ist nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerde
führer im Bereich Haushalt zu 80
%
arbeitsfähig sein soll, während ansonsten auch in einer leichten Tätigkeit von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen
ist
. Geht man
davon aus, dass eine Haushalttätigkeit eher im mittelschweren denn im leichten Bereich anzusiedeln ist, wird der Widerspruch in der Leistungsbeurteilung umso deutlicher, so dass auch auf diesen Bericht nicht abgestellt werden kann.
Zuletzt erscheint die Einschätzung der
Y.___
-Gutachter auch unter Berück
sichtigung des Tagesablaufs des Beschwerdeführers als schlüssig. So gab der Beschwerdeführer anlässlich der neuropsychologischen Abklärung an, dass er zu Hause so weit als möglich im Haushalt mithelfe und das Abendessen koche. Er sei für die Reinigung des Autos zuständig und übernehme leichte Garten
arbeiten und Aufgaben im Aussenbereich. Irgendwie könne er alle Arbeiten erledigen, doch sei für ihn einfach
alles
erschwert. Das Administrative und Finanzielle habe er früher selber erledigt, heute mache
di
es seine Frau. Die Freizeit verbringe er am PC, wobei er dafür mehr Zeit investieren möchte
,
um technisch auf dem Laufenden zu sein. Er mache Spaziergänge mit den Hunden oder sei im Club (Bogenschiessen) aktiv. Generell versuche er möglichst aktiv zu sein, wobei er vom Umstand profitiere
, die Z
eit frei einteilen zu können (Urk.
8/136 S. 51).
Insgesamt ist
damit
gestützt auf die Einschätzung der
Y.___
-Gutachter in einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit ohne allzu hohe Anfor
derungen an kognitive Funktionen und unter Vermeidung von repetitiver
Kraft
anwendung
mit den Händen, Zwangshaltung der HWS, längerdauernde
n
Rückenflexion sowie Hantieren mit Gewichten über 10 kg von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen.
4.
4.1
Hinsichtlich des
Valideneinkommens
hielt die Beschwerdegegnerin zutreffend fest, dass der ehemalige Arbeitgeber unterschiedliche Angaben gemacht hat (
Urk.
8/6,
Urk.
8/63 S. 4). Aufgrund des Lohnbuchauszuges (
Urk.
8/63 S. 4) erscheint es dabei gerechtfertigt, vom für den Beschwerdeführer günstigeren monatlichen Einkommen von
Fr.
5‘200.-- auszugehen (vgl. auch
Urk.
1 S. 8). Die vom Arbeitgeber für die Jahre 2000 und 2001 angegebenen fiktiven Einkommen (
Fr.
5‘400.--,
Fr.
5‘500.--,
Urk.
8/63 S. 3) stellen demgegenüber reine Mutmassungen dar, so dass ein Einkommen in der genannten Höhe nicht als überwiegend wahrscheinlich erscheint. Per 1999 führt dies zu einem Jahreseinkommen von
Fr.
67‘600.--, was nach Berücksichtigung der seither eingetretenen Nominallohnentwicklung
(Schweizerischer Lohnindex insgesamt [1939 = 100], Männer,
Stand 1999: 1835, Stand 2012: 2188; www.bfs.admin.ch, Arbeit und Erwerb, Löhne/Erwerbseinkommen, detaillierte Daten,
Lohnent
wick
lung
) einem Einkommen von rund
Fr.
80‘604.-- entspricht.
4.2
Praxisgemäss ist das Invalideneinkommen anhand der statistischen Durch
schnitts
werte der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (herausgegeben vom Bun
desamt für Statistik, Neuchâtel 2012; LSE) zu ermitteln. Der monatliche Brutto
lohn (Zentralwert) männlicher Arbeitskräfte im privaten Sektor betrug im Jahre 2010 für einfache und repetitive Tätigkeiten im Gesamtdurchschnitt Fr. 4'901.-- (LSE 2010, S. 26, Tabelle TA1). Nach Berücksichtigung der durch
schnittlichen Arbeitszeit von 41,7 Stunden pro Woche ergibt sich ein Einkom
men von Fr. 5'
109.30 (Die Volkswirtschaft,
10
-2013, S. 9
0
), nach Berück
sichtigung der Nominallohnentwicklung (Schweizerischer Lohnindex insgesamt [1939 = 100], Männer,
Stand 2010: 2151, Stand 2012: 2188
; www.bfs.admin.ch, Arbeit und Erwerb, Löhne/Erwerbseinkomm
en, detaillierte Daten,
Lohnent
wicklung
) per 2012 ein solches von Fr. 5'197.2
0, was einem
jährlichen Ein
kommen von Fr. 62'366.4
0 entsprich
t. Davon ist aufgrund der Tatsa
che, dass der Beschwerdeführer auch in einer
leichten
Tätigk
eit gewisse Belastung
en vermeiden sollte,
entsprechend den Ausführungen der Beschwerdegegnerin
e
in leidensbedingter Abzug von 15
% vor
zunehmen, was
zu einem zumutbar
en Invalideneinkommen von Fr. 53‘011
.45 und
einem Invaliditätsgrad von 34
% führt ([Fr. 80‘604.-- - Fr. 53‘011
.45] x 100 / Fr.
80‘604.-- = 34.23
).
Selbst wenn man von einem sehr grosszügigen leidensbedingten Abzug von 20
%
ausginge, würde dies noch immer zu einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 38
%
führen ([Fr. 80‘604.-- - Fr.
49
‘
893
.
10
] x 100 / Fr. 80‘604.-- = 38.10).
Für einen weitergehenden Abzug besteht angesichts der noch mannigfaltigen Einsetzbarkeit des Beschwerdeführers kein Raum.
Zusammenfassend führt dies zur Bestätigung der angefochtenen Verfügung sowie zur Abweisung der Beschwerde.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Christina Ammann
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu ent
halten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubSchetty