# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ac02e21e-2217-508f-bb01-cd4f5f422176
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-11-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.11.2017 D-6297/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6297-2017_2017-11-27.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-6297/2017 

plo 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 7 .  N o v e m b e r  2 0 1 7  

Besetzung 
 Einzelrichterin Nina Spälti Giannakitsas, 

mit Zustimmung von Richterin Emilia Antonioni Luftensteiner;   

Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Vanessa Koenig,  

(…), 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 9. Oktober 2017 / N (…). 

 

 

 

D-6297/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – ein Staatsangehöriger von Afghanistan – ersuchte 

am 13. Januar 2016 um die Gewährung von Asyl in der Schweiz, worauf er 

am 26. Januar 2016 zu seiner Person und seinen familiären Verhältnissen, 

zu seinem Reiseweg, zum Verbleib seiner Reise- und Identitätspapiere und 

summarisch zu seinen Gesuchsgründen befragt wurde (vgl. dazu …). Die 

einlässliche Anhörung zu seinen Gesuchsgründen fand am 19. Mai 2016 

statt (vgl. dazu …).  

Beim Beschwerdeführer handelt es sich eigenen Angaben zufolge um ei-

nen Angehörigen der ethnischen Minderheit der Hazara. Er habe seine 

Heimat (…) 2015 verlassen, wo er in Kabul gelebt habe. Ursprünglich 

stamme er aus der zentralafghanischen Provinz B._______ (aus einer Ort-

schaft im C._______-Distrikt). Nach Kabul seien sie vor ca. acht Jahren 

umgezogen, weil sein Vater immer wieder Streit mit dem Grossvater ge-

habt habe. Seit dem Umzug sei er selbst nie mehr im Heimatdorf gewesen, 

jedoch sei sein Vater im Verlauf der letzten Jahre zweimal dorthin gereist, 

da dort weiterhin der Grossvater und mehrere Onkel und Tanten lebten. 

Seine Familie – seine Eltern, er und seine (…) Geschwister – hätten nach 

dem Umzug stets in D._______ gelebt (ein Vorort von Kabul-Stadt). Er 

habe dort noch während der Schulzeit damit begonnen, nebenher auf dem 

Bau als (… [Handlanger]) zu arbeiten. Zwei Jahre vor seiner Ausreise habe 

er die Schule abgebrochen, worauf er bis zu seiner Ausreise [auf dem Bau] 

als E._______ gearbeitet habe. Neben seiner Familie lebten auch zwei On-

kel väterlicherseits mit ihren Familien in Kabul. Diese Onkel namens 

F._______ und G._______ arbeiteten beide beim afghanischen Militär. Er 

habe auch noch zwei Onkel mütterlicherseits, welche ebenfalls beim Militär 

arbeiten. Auch sein Vater habe vormals als Soldat für das Militär gearbeitet. 

Er habe diese Tätigkeit jedoch vor rund zweieinhalb Jahren aufgegeben, 

nachdem er vonseiten der Taliban telefonische Todesdrohungen erhalten 

habe. Seither arbeite sein Vater in der Baubranche, wobei mit dem Verlas-

sen des Militärs auch die Drohungen aufgehört hätten (vgl. …), respektive 

sein Vater habe später doch wieder Drohungen erhalten, nunmehr wegen 

einem seiner Brüder (vgl. …).  

Zu den Ausreisegründen machte er folgende Angaben: Es gebe in Afgha-

nistan im Allgemeinen und für Hazara im Speziellen keine Sicherheit. Ins-

besondere sei er vor seiner Ausreise das Opfer einer Entführung gewor-

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den. Da er seit dem Umzug seiner Familie nie mehr sein Heimatdorf be-

sucht hatte, welches H._______ respektive I._______ heisse (vgl. dazu … 

gegenüber …), habe er dorthin reisen wollen, um seine Verwandten zu be-

suchen. Die Reise habe er alleine angetreten, indem er eines der Sammel-

taxis genommen habe, welche ein- oder zweimal pro Monat von Kabul über 

Maidan Wardak fahren würden (Name der Provinz westlich von Kabul). Auf 

der Reise sei ihr Fahrzeug im Gebiet von Maidan Wardak von Taliban an-

gehalten worden. Dies in einem bewaldeten Tal in der Nähe der Ortschaft 

namens J._______. Dort sei er von den Taliban anhand eines in Kabul 

heimlich gemachten Fotos unter den insgesamt elf oder zwölf Passagieren 

des Sammeltaxis identifiziert worden, worauf er verschleppt worden sei. 

Die anderen Passagiere hätten demgegenüber wieder einsteigen und wei-

terfahren dürfen. Er sei von den Taliban in deren Versteck geführt worden, 

eine Hütte im Wald, von wo aus diese seinen Vater angerufen hätten. Die 

Taliban hätten von seinem Vater verlangt, mit seinen beiden Brüdern, wel-

che beim Militär arbeiteten, respektive nur mit einem der Brüder nach 

Maidan Wardak zu kommen, um seinen Sohn auszulösen. Dabei habe es 

sich offensichtlich um eine Falle gehandelt. Um seinen Vater zu retten habe 

er deshalb noch in der gleichen Nacht unter dem Vorwand eines Toiletten-

besuchs einen Fluchtversuch unternommen, welcher ihm gelungen sei. 

Dabei sei er von seinem Wächter mit einem Messer am Arm verletzt wor-

den, weshalb er stark geblutet habe. Er habe jedoch auf der Strasse ein 

Auto anhalten können, dessen Fahrer ihn noch in der gleichen Nacht nach 

Kabul zurückgebracht habe. Zwar sei er insgesamt nur zwei bis zweiein-

halb Stunden bei den Taliban gewesen, seit diesem Ereignis fürchte er sich 

jedoch vor erneuten Nachstellungen.  

Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer am 27. Juni 2016 seine 

Tazkira im Original sowie Kopien der Militärausweise seines Vaters und 

seines Onkels F._______ zu den Akten.  

B.  

Mit Verfügung vom 9. Oktober 2017 (eröffnet am folgenden Tag) stellte das 

SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

und lehnte sein Asylgesuch ab, verbunden mit der Anordnung der Wegwei-

sung aus der Schweiz und des Wegweisungsvollzuges nach Afghanistan.  

Auf die Entscheidbegründung wird – soweit wesentlich – in den Erwägun-

gen eingegangen; im Übrigen ist auf die Akten zu verweisen.  

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C.  

Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 7. November 

2017 – handelnd durch seine Rechtsvertreterin – Beschwerde. In seiner 

Eingabe beantragt er zur Hauptsache die Aufhebung der angefochtenen 

Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung 

von Asyl, eventualiter die Gewährung einer vorläufigen Aufnahme in der 

Schweiz wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges, subeventua-

liter die Rückweisung der Sache ans SEM zwecks vollständiger Erhebung 

des Sachverhalts. In prozessualer Hinsicht ersucht er um die Gewährung 

der unentgeltlichen Rechtspflege (im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG) und 

um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht (gemäss Art. 63 Abs. 4 

VwVG) sowie um Beiordnung seiner Rechtsvertreterin als amtliche Rechts-

beiständin (nach Art. 110a Abs. 1 und 3 AsylG).   

 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be-

handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM; dabei entschei-

det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was vorlie-

gend nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des 

Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht 

(vgl. Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG oder 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG; Art. 6 und 105 ff. AsylG).  

1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (BVGE 2014/26 E. 5). 

1.4 Der Beschwerdeführer ist legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG) und seine 

Eingabe erweist sich als frist- und formgerecht (Art. 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 52 Abs. 1 VwVG), womit auf die Beschwerde einzutreten ist. 

1.5 Die vorliegende Beschwerde ist indes – wie nachfolgend aufgezeigt – 

als offensichtlich unbegründet zu erkennen, weshalb über diese in einzel-

richterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder ei-

ner zweiten Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG). Gleichzeitig 

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ist auf einen Schriftenwechsel zu verzichten und der Entscheid nur sum-

marisch zu begründen (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).  

2.  

Der Beschwerdeführer beantragt eventualiter eine Rückweisung der Sache 

ans SEM, da es bei einer allfälligen Abweisung seines Asylgesuches noch 

weitere Sachverhaltsabklärungen zur Frage der Zumutbarkeit des Weg-

weisungsvollzuges bedürfe, habe er doch in der Zwischenzeit den Kontakt 

zu seiner Familie verloren . Da jedoch – wie nachfolgend aufgezeigt – das 

Vorbringen über den angeblichen Kontaktverlust nicht überzeugt und auch 

in keiner anderen Hinsicht ein Bedarf an weiteren Sachverhaltsabklärun-

gen ersichtlich ist und der entscheidrelevante Sachverhalt als hinreichend 

erstellt erscheint, fällt eine Rückweisung der Sache ans SEM ausser Be-

tracht. Demzufolge hat das Gericht einen Entscheid in der Sache zu treffen 

(Art. 61 Abs. 1 VwVG). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Im Rahmen der angefochtenen Verfügung erkennt das SEM die Ge-

suchsvorbringen als nicht asylrelevant, soweit sich der Beschwerdeführer 

in allgemeiner Weise auf die schlechte Sicherheitslage in Afghanistan und 

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auf seinen ethnischen Hintergrund als Hazara berufen hat. Das Staatssek-

retariat gelangt sodann zum Schluss, die Vorbringen des Beschwerdefüh-

rers über seine angebliche Gefährdung vonseiten der Taliban seien als un-

glaubhaft zu erkennen, da seine Angaben und Ausführungen zur angeblich 

erlittenen Gefangennahme übertrieben, weithergeholt und insgesamt un-

realistisch seien. Dem hält der Beschwerdeführer im Wesentlichen entge-

gen, aufgrund seiner detaillierten und insgesamt plausiblen Schilderungen 

über die anlässlich seiner Reise erlittene Verschleppung sei die geltend 

gemachte Bedrohungslage vonseiten der Taliban als glaubhaft gemacht zu 

erkennen. Dabei führt er an, im Rahmen einer Gesamtbetrachtung würden 

die positiven Glaubhaftigkeitselemente, welche vom SEM unerwähnt ge-

blieben seien, die vermeintlichen Widersprüche in seinen Angaben klar 

überwiegen. Aufgrund seiner Verwandtschaft mit Militärangehörigen sei er 

das Opfer von Reflexverfolgung geworden, und aus diesem Grund habe er 

auch weiterhin mit Verfolgung zu rechnen, weshalb ihm Asyl zu gewähren 

sei.  

4.2 Aufgrund der Aktenlage ist festzustellen, dass die Beschwerdevorbrin-

gen nicht geeignet sind, die vorinstanzlichen Erwägungen zum Vorliegen 

eines insgesamt ungenügenden Sachverhaltsvortrages zu erschüttern. Die 

Vorbringen des Beschwerdeführers über die angeblich ausserhalb von Ka-

bul erlittene Verschleppung durch die Taliban, zu welcher es anlässlich sei-

ner Reise an seinen ursprünglichen Herkunftsort gekommen sei, halten ei-

ner Gesamtbetrachtung nicht stand. Die diesbezüglichen Angaben und 

Ausführungen sind als in den wesentlichen Punkten unlogisch und insge-

samt nicht nachvollziehbar zu erkennen, wobei zunächst – anstelle einer 

Wiederholung (Art. 111a Abs. 2 AsylG) – auf die vorinstanzlichen Erwägun-

gen verwiesen werden kann, da diese im Wesentlichen überzeugen. Zwar 

ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in der Beschwerde zu Recht 

geltend macht, seine Schilderungen würden gewisse Detailangaben bein-

halten. Dessen ungeachtet überwiegen jedoch die Argumente deutlich, die 

gegen die Glaubhaftigkeit einer erlebten Entführung sprechen. Zunächst 

war er nicht in der Lage, das Ereignis zeitlich einzuordnen und hat sich 

diesbezüglich höchstens indirekt geäussert (vgl. …). Zweifel entstehen zu-

dem insofern, als er sein Heimatdorf unterschiedlich benannte (vgl. oben: 

H._______ vs. I._______). Vor allem lassen die Schilderungen über die 

angeblich erlebte Verschleppung durch die Taliban aber nicht im Ansatz 

eine persönliche Betroffenheit erkennen und wirken konstruiert. So ist be-

reits nicht nachvollziehbar, weshalb der jugendliche Beschwerdeführer un-

begleitet und ohne Schutzvorkehrungen den Weg durch Taliban kontrollier-

tes Gebiet antreten sollte, obwohl seine Familie bereits seit längerem durch 

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die Verbindung zum Militär im Fokus der Taliban stehe. Auch ist unter den 

gegebenen Umständen in keiner Weise glaubhaft, dass die Taliban ihn ge-

zielt mittels Foto unter den Mitfahrenden des Sammeltaxis gesucht haben 

und dem Vater dann telefonisch den genauen Ort des Verstecks genannt 

haben sollen. Schliesslich wirkt auch die Schilderung seiner Flucht aus 

dem Versteck äusserst unrealistisch.  

4.3 Insgesamt ist diesen Erwägungen gemäss nicht glaubhaft, dass der 

Beschwerdeführer das Geschilderte erlebt hat beziehungsweise in der vor-

gebrachten Weise in den Fokus der Taliban geraten ist. Zwar weist er einen 

verwandtschaftlichen Bezug zu mehreren Onkeln auf, welche für die af-

ghanische Armee arbeiten. Alleine daraus lässt sich jedoch nicht auf ein 

ernsthaftes Gefährdungsprofil im Sinne der behaupteten Reflexverfol-

gungssituation schliessen.  

4.4 Nach dem Gesagten hat das SEM zu Recht das Vorliegen der Flücht-

lingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt.  

5.  

Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 

es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug 

an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 

[erster Satz] AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine aus-

länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-

teilung einer solchen. Die Anordnung der Wegweisung ist demnach zu be-

stätigen (vgl. dazu BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

6.  

6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 [zweiter 

Satz] AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

In diesem Zusammenhang bleibt festzuhalten, dass bezüglich der Geltend-

machung von Wegweisungsvollzugshindernissen gemäss ständiger Praxis 

der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft gilt, das 

heisst, allfällige Vollzugshindernisse sind zu beweisen, wenn der strikte Be-

weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 

dazu BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

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Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 

Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen 

Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-

lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-

mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-

handlung unterworfen werden. 

Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erheb-

liche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in 

Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegen-

den Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerde-

führers nach Afghanistan ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG 

rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus seinen Aussagen noch aus 

den Akten Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer für den Fall 

einer Rückführung nach Afghanistan mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 

einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-

lung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes 

für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-

sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter 

oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR 

Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer, 37201/06, 

§§ 124–127 m.w.H.). In diese Richtung ist nichts Stichhaltiges ersichtlich. 

Zwar sind – wie nachfolgend aufgezeigt – die Verhältnisse in Afghanistan 

landesweit als sehr schwierig zu bezeichnen. Auch dieser Umstand lässt 

jedoch den Wegweisungsvollzug insbesondere bezüglich der Hauptstadt 

Kabul nicht als generell unzulässig erscheinen.  

6.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren.  

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Seite 9 

Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in der Vergangenheit schon mehr-

fach zur Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges nach Afgha-

nistan geäussert und diese aufgrund der dort herrschenden Lage jeweils 

verneint, sofern die vom Vollzug betroffene Person nicht aus Kabul, Herat 

oder Mazar-i-Sharif stammt und gleichzeitig ein begünstigendes Profil auf-

weist (vgl. BVGE 2011/7, 2011/38 und 2011/49). Im Rahmen des jüngsten 

Urteils zu Afghanistan – das Urteil D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017 (pu-

bliziert als Referenzurteil) – hat das Gericht nach einer umfassenden Prü-

fung der aktuellen Quellenlage bestätigt, dass vor dem Hintergrund der 

herrschenden Kriegsverhältnisse grundsätzlich landesweit von einer exis-

tenzbedrohenden Situation auszugehen ist, womit sich der Wegweisungs-

vollzug nach Afghanistan regelmässig als unzumutbar erweist (vgl. zum 

Ganzen E. 7.1-7.6). Das Gericht hat allerdings auch in diesem Urteil auf-

gezeigt, dass sich die Lage in Kabul vom Rest des Landes in verschiedener 

Hinsicht unterscheidet. Dabei hat das Gericht anerkannt, dass sich auch in 

Kabul sowohl die Sicherheitslage als auch die humanitäre Situation im Ver-

gleich zur letzten Lageanalyse nochmals verschlechtert hat, weshalb die 

dortige Lage im Regelfall als existenzbedrohend und unzumutbar zu qua-

lifizieren ist (vgl. zum Ganzen E. 8.1-8.4). Das Gericht hat jedoch ebenso 

deutlich festgehalten, dass sich der Wegweisungsvollzug nach Kabul aus-

nahmsweise als zumutbar erweisen kann, nämlich dann, wenn im Einzel-

fall besonders günstige Voraussetzungen vorliegen. Solch besonders be-

günstigende Voraussetzungen sind namentlich dann als gegeben zu er-

kennen, wenn es sich beim Rückkehrer um einen jungen, gesunden Mann 

handelt, welcher in Kabul auf ein soziales Netz zurückgreifen kann, wel-

ches sich im Hinblick auf die Aufnahme und Wiedereingliederung als trag-

fähig erweist. Das soziale Netz muss dem Rückkehrenden insbesondere 

eine angemessene Unterkunft, Grundversorgung sowie Hilfe zur sozialen 

und wirtschaftlichen Reintegration bieten können (vgl. E. 8.4.1 [zweiter Ab-

satz, erster Teil]). Da das Netz tragfähig zu sein hat, vermögen weder bloss 

schwache noch bloss entfernte Anknüpfungspunkte zu genügen. Zentral 

erweist sich letztlich die Frage danach, über welche Berufserfahrung die 

rückkehrende Person verfügt, beziehungsweise danach, inwiefern ihr im 

Zusammenspiel mit ihrem Beziehungsnetz eine wirtschaftliche Wiederein-

gliederung – mithin das Erlangen einer bezahlten Arbeit – möglich ist (vgl. 

dazu E. 8.4.1 [zweiter Absatz, zweiter Teil]).  

Auch wenn dies vom Beschwerdeführer im Rahmen seiner Beschwerde 

ausdrücklich bestritten wird, so erfüllt er die vorgenannten Voraussetzun-

gen, welche für eine ausnahmsweise Bestätigung des Wegweisungsvoll-

zuges sprechen. Bei ihm handelt es sich um einen jungen und gemäss 

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Seite 10 

Aktenlage gesunden Mann, welcher nicht nur kurz in Kabul gelebt hat, son-

dern welcher dort im Kreise seiner Familie aufgewachsen ist. Sein Vater 

verfügte früher über eine staatliche Anstellung als Soldat und heute sei er 

in der Baubranche tätigt, was für ausreichend gesicherte wirtschaftliche 

Verhältnisse spricht. Die vom Beschwerdeführer gewählten Formulierun-

gen lassen jedenfalls erkennen, dass weder seine Familie noch die Fami-

lien seiner ebenfalls in Kabul lebenden Onkel von Armut betroffen sind. Die 

Onkel verfügen seinen Angaben zufolge alle über eine Anstellung als Be-

rufssoldaten. Der Beschwerdeführer hat sodann schon während seiner 

letzten Schuljahre konkrete Arbeitserfahrungen auf dem Bau gesammelt. 

Danach war er bis zu seiner Ausreise während immerhin zwei Jahren [auf 

dem Bau] als E._______ tätig, was einer qualifizierten Arbeit entspricht. 

Das Vorbringen, er habe nie einen Beruf erlernt und er sei bloss als Taglöh-

ner tätig gewesen, ist von daher massgeblich zu relativieren. Mit Blick auf 

diese Ausgangslage darf davon ausgegangen werden, der Beschwerde-

führer könne in Kabul in den Kreis seiner Familie zurückkehren und sich 

dort mit deren Hilfe wieder wirtschaftlich integrieren. Vom Beschwerdefüh-

rer wird indes geltend gemacht, die notwendigen Voraussetzungen im vor-

beschriebenen Sinne erfülle er gerade nicht, respektive es seien diesbe-

züglich zumindest noch weitere Abklärungen notwendig, nachdem er vor 

drei Monaten den Kontakt zu seiner Familie verloren habe. Dabei führt er 

namentlich an, seine Familie habe Kabul mutmasslich verlassen. Dieses 

nicht belegte Vorbringen ist aufgrund der Aktenlage als reine Schutzbe-

hauptungen zu erkennen. Nachdem der Beschwerdeführer offenkundig 

während des bisherigen Verfahrens stets in Kontakt zu seiner Familie stand 

und er in Kabul ausserdem auch noch über andere familiäre Anknüpfungs-

punkte verfügt, kann das Vorbringen über das angeblich unvermittelte und 

nachrichtenlose Verschwinden seiner Familie nicht überzeugen.  

6.4 Letztlich ist auch von der Möglichkeit des Wegweisungsvollzuges aus-

zugehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), zumal der Beschwerdeführer verpflichtet ist, 

sich bei der zuständigen Vertretung seines Heimatstaates die für eine 

Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 

AsylG; BVGE 2008/34 E. 12). 

6.5 Nach dem Gesagten hat das SEM den Wegweisungsvollzug zu Recht 

als zulässig, zumutbar und möglich erklärt. Eine Anordnung der vorläufigen 

Aufnahme fällt daher ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

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Seite 11 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 

8.  

Mit vorliegenden Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Befrei-

ung von der Kostenvorschusspflicht (gemäss Art. 63 Abs. 4 VwVG) gegen-

standslos geworden. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege (im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG) und um Beiordnung der 

rubrizierten Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin (nach 

Art. 110a Abs. 1 und 3 AsylG) ist sodann an dieser Stelle abzuweisen, da 

sich die Beschwerde nach dem Gesagten als von Anfang an als aussichts-

los erwiesen hat. Demzufolge sind dem Beschwerdeführer die Kosten des 

Verfahrens von Fr. 750.– aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des 

Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 

vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um amt-

liche Rechtsverbeiständung wird abgewiesen.  

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer 

 

 

Versand: