# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 364e953b-153a-5303-a4b4-4e725532191d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-10-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.10.2011 D-3200/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3200-2008_2011-10-12.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­3200/2008/wif

U r t e i l   v om   1 2 .   O k t ob e r   2 0 1 1

Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz),
Richter Walter Stöckli, Richterin Nina Spälti Giannakitsas;
Gerichtsschreiber Stefan Weber.

Parteien A._______, geboren X._______,
Äthiopien, 
Beschwerdeführerin, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 16. April 2008 / N_______.

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Sachverhalt:

A. 
Die  Beschwerdeführerin,  eine  aus  B._______  stammende  ethnische 
Oromo  christlichen  Glaubens  (Pfingstgemeinde),  verliess  ihre  Heimat 
eigenen Angaben zufolge am 7. August 2006 auf dem Luftweg. Über  ihr 
unbekannte  Länder  sei  sie  am  17. August  2006  illegal  in  die  Schweiz 
gelangt, wo sie gleichentags im C._______ um Asyl nachsuchte.

Bei der am 30. August 2006 im C._______ durchgeführten Erstbefragung 
sowie  der  kantonalen  Anhörung  vom  13.  Oktober  2006  gab  die 
Beschwerdeführerin zur Begründung ihres Asylgesuchs im Wesentlichen 
an,  ihre  beiden  Söhne  seien  wegen  ihrer  Parteizugehörigkeit  zur 
F._______  im  (...)  für  (...)  Monate  inhaftiert  worden.  Nach  deren 
Haftentlassung  seien  ihre  Söhne  für  sie  unerwartet  nach  Hause 
gekommen,  zumal  sie  den  Haftort  nicht  gekannt  habe  und  von  ihren 
Söhnen auch nicht über den Grund der Freilassung informiert worden sei. 
Noch am gleichen Tag seien diese wegen ihres politischen Engagements 
untergetaucht.  In  der  Folge  seien  die  Beamten  der  Kebele  im  (...)  bei 
ihnen  zu Hause  erschienen  und  hätten  sie  sowie  ihren Mann  verhaftet, 
um den Aufenthaltsort ihrer Söhne in Erfahrung zu bringen. Man habe sie 
aufgefordert,  ihre  Kinder  auszuliefern,  wobei  man  ihr  sogar  ein 
Sturmgewehr  an  den  Kopf  gehalten  habe.  Die  Beamten  hätten  ihr  mit 
Konsequenzen  gedroht,  falls  sie  ihre  Söhne  nicht  ausliefere.  Da  sie 
während  der  Haft  krank  geworden  sei,  habe  man  sie  nach  (...)  Tagen 
wieder entlassen, nicht  jedoch  ihren Ehemann. Auf Nachfrage hätten  ihr 
die Polizisten erklärt, dass dieser verlegt worden sei, ohne ihr  jedoch zu 
sagen,  an  welchen  Ort.  Nach  ihrer  Haftentlassung  sei  sie  wieder  ihrer 
normalen Tätigkeit als (...) nachgegangen, obwohl sie bei ihrer Rückkehr 
nach  Hause  habe  feststellen müssen,  dass  Unbekannte  ihre  gesamten 
landwirtschaftlichen  Geräte  gestohlen  hätten.  Da  sie  sich  vor  weiteren 
Nachstellungen  der  Sicherheitskräfte  gefürchtet  habe,  sei  sie  zu  einer 
Nichte  nach  D._______  gegangen,  wo  sie  sich  zwei  Wochen  lang 
aufgehalten  habe.  Schliesslich  habe  sie mit Hilfe  eines Schleppers  ihre 
Heimat verlassen. Auf die weiteren Ausführungen wird, soweit wesentlich, 
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Mit  Entscheid  des  BFM  vom  8.  September  2006  wurde  die 
Beschwerdeführerin für den Aufenthalt während des Asylverfahrens dem 
Kanton Aargau zugewiesen.

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B. 
Mit Verfügung vom 16. April 2008 – eröffnet am 23. April 2008 –  lehnte 
das BFM das Asylbegehren ab und ordnete gleichzeitig die Wegweisung 
der  Beschwerdeführerin  aus  der  Schweiz  und  den  Vollzug  an.  Die 
Vorinstanz  begründete  ihre Verfügung  im Wesentlichen  damit,  dass  die 
Schilderungen der Beschwerdeführerin weder die Anforderungen von Art. 
3  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  an  die 
Flüchtlingseigenschaft  noch  diejenigen  von  Art.  7  AsylG  an  die 
Glaubhaftigkeit  erfüllten.  Der  Vollzug  der Wegweisung  sei  als  zulässig, 
zumutbar und möglich zu erachten.

C. 
Mit  Eingabe  an  das  Bundesverwaltungsgericht  vom  15.  Mai  2008 
beantragte  die  Beschwerdeführerin,  es  sei  die  angefochtene  Verfügung 
des  BFM  aufzuheben,  es  sei  ihr  Asyl  zu  gewähren  oder  jedenfalls  ihre 
Flüchtlingseigenschaft  festzustellen,  eventualiter  sei  die  Unzulässigkeit, 
die  Unzumutbarkeit  und  die  Unmöglichkeit  des  Wegweisungsvollzuges 
festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  In  formeller 
Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 
im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  und  um 
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Auf die Begründung 
wird,  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich,  in  den  nachfolgenden 
Erwägungen eingegangen.

D. 
Mit  Zwischenverfügung  des  Instruktionsrichters  vom  7.  Juli  2008 wurde 
der Beschwerdeführerin mitgeteilt, dass sie den Ausgang des Verfahrens 
in  der  Schweiz  abwarten  könne.  Die  Gesuche  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie 
um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  wurden 
abgewiesen und die Beschwerdeführerin wurde aufgefordert, bis zum 22. 
Juli 2008 einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.– einzuzahlen, 
unter  Androhung  des  Nichteintretens  im  Unterlassungsfall.  Zur 
Begründung  der  Zwischenverfügung  wurde  im Wesentlichen  angeführt, 
soweit  die  Beschwerdeführerin  rüge,  dass  sie  die  Beschwerde  habe 
einreichen müssen, ohne von ihrem gesetzlichen Recht auf Akteneinsicht 
Gebrauch  machen  zu  können,  obwohl  sie  ein  entsprechendes  Gesuch 
gestellt habe, sei festzuhalten, dass das BFM der Beschwerdeführerin am 
7. Mai 2008 Akteneinsicht gewährt habe, weshalb davon auszugehen sei, 
die Akten seien ihr bei der Einreichung der Beschwerde, die am 15. Mai 

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2008  der  Post  übergeben  worden  sei,  zur  Verfügung  gestanden,  und 
deshalb eine Verletzung des rechtlichen Gehörs zu verneinen sein dürfte. 
Weiter  dürften  die  unsubstanziierten Vorbringen gegen die Dolmetscher 
nicht  nachvollziehbar  sein,  da  diese  erst  nach  einer  Prüfung  ihrer 
persönlichen  und  fachlichen  Voraussetzungen  von  der  Vorinstanz 
eingesetzt  und  das  Vertrauen  der  Behörden  geniessen würden.  Zudem 
habe  die  Beschwerdeführerin  das  Protokoll  der 
Empfangsstellenbefragung  als  ihren  Aussagen  und  der  Wahrheit 
entsprechend und die Verständigung mit  dem Dolmetscher  als  sehr gut 
bezeichnet  (vgl.  A1/9,  S.  7)  und  auch  bei  der  kantonalen  Anhörung 
bestätigt,  sie  habe  den Dolmetscher  gut  verstanden  (vgl.  A8/22,  S. 18), 
weshalb  sie  sich  –  auch  unter  Berücksichtigung  einer  Drucksituation 
anlässlich  der  Befragungen  –  bei  ihren  Aussagen  behaften  lassen 
müsste. Die widersprüchlichen Aussagen der Beschwerdeführerin dürften 
deshalb  nicht  pauschal  mit  Missverständnissen  erklärbar  sein.  Ferner 
dürften  die  angegebenen  Schwierigkeiten  bei  der  Beschaffung  von 
Identitätspapieren nicht zu einer anderen Betrachtungsweise  führen. Die 
Beschwerdeführerin sei auf dem Luftweg mit einem Pass ausgereist, der 
ihr  Foto  und  ihre  Personalien  enthalten  habe  (vgl.  A8/22,  S.  4  f.),  was 
gegen  die  behauptete  Verfolgungssituation  sprechen  dürfte.  Die  auf 
Beschwerdeebene  geltend  gemachte  Teilnahme  an  Protestaktionen  in 
der Schweiz gegen das äthiopische Regime werde nicht belegt, weshalb 
nicht  von  einer  substanziierten  Begründetheit  und  Dokumentierung 
allfälliger  subjektiver  Nachfluchtgründe  gesprochen  werden  könnte.  Bei 
dieser  Sachlage  dürfte  eine  begründete  Furcht  vor  asylrelevanten 
Nachteilen  der  Beschwerdeführerin,  die  eine  eigene  politische  Tätigkeit 
vor ihrer Ausreise klar verneint habe (vgl. A8/22, S. 15), auszuschliessen 
sein.  Überdies  dürfte  der  Wegweisungsvollzug  unter  Berücksichtigung 
der  massgeblichen  völker­  und  landesrechtlichen  Bestimmungen 
durchführbar  sein,  zumal  weder  aus  der  allgemeinen  Situation  in 
Äthiopien noch aus  individuellen Gründen Vollzugshindernisse vorliegen 
dürften. Daher seien die Gewinnaussichten  im vorliegenden Fall als von 
allem  Anfang  an  beträchtlich  geringer  einzustufen  als  die 
Verlustgefahren,  weshalb  die  Beschwerdebegehren  unter  diesen 
Umständen als aussichtslos erscheinen würden.

Der  Kostenvorschuss  wurde  von  der  Beschwerdeführerin  am  16. Juli 
2008 einbezahlt.

E. 
Mit  Eingabe  vom  15.  Juli  2008  reichte  die  Beschwerdeführerin 

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Beweismittel  betreffend  ihr  exilpolitisches  Engagement  in  der  Schweiz 
(Auflistung Beweismittel)  zu den Akten. Die Beschwerdeführerin  teilte  in 
ihrer  Eingabe  mit,  sie  beteilige  sich  seit  zirka  einem  Jahr  an  den 
Parteiversammlungen  und  den  Protestaktionen  der  E._______.  Es  sei 
bekannt, dass Spitzel des äthiopischen Regimes solche Protestaktionen 
regelmässig  unterwandern  und  die  Teilnehmenden  registrieren  würden. 
Bei  einer  Rückkehr  nach  Äthiopien  drohe  ihr  eine  unverhältnismässig 
lange  Haftstrafe,  Folter  und  die  Todesstrafe,  weshalb  ihre  Furcht  vor 
Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG begründet sei.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 
BGG  liegt  in  casu  nicht  vor. Das Bundesverwaltungsgericht  entscheidet 
demnach endgültig.

1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 
ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Sie  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

1.3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

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1.4. Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden  in der 
Regel  in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen  (vgl. Art. 21 
Abs. 1 VGG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf 
die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet.

2. 
2.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich 
die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie 
Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den 
frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

2.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

3. 
3.1.  Die  Vorinstanz  brachte  zur  Begründung  ihres  ablehnenden 
Asylentscheides  im  Wesentlichen  vor,  die  von  der  Beschwerdeführerin 
geltend  gemachten  Gründe  seien  unglaubhaft  beziehungsweise  nicht 
asylrelevant. Zunächst sei  festzuhalten, dass die  Identität, die effektiven 
Reisedaten  sowie  die  tatsächliche  Reiseroute  der  Beschwerdeführerin 
nicht feststehen würden. Zudem habe sie widersprüchliche Ausführungen 
zu  ihren  Papieren  gemacht,  so  bezüglich  des  Ausstellungsortes  der 
Identitätskarte  und  der  Umstände  des  Verlustes  des  Reisepasses. 
Überdies  seien  die  Aussagen  hinsichtlich  der  Reiseroute  derart 
oberflächlich,  dass  von  einer  bewussten  Unterschlagung  von  Fakten 
ausgegangen  werden  müsse,  die  Hinweise  auf  ihre  Identität  geben 
könnten.  Weiter  seien  auch  ihre  Vorbringen  zum  Schicksal  ihres 
Ehemannes und  ihrer Söhne widersprüchlich. Auch  seien  ihre Angaben 
hinsichtlich  der  Geschichte  und  der  aktuellen  Ereignisse  rund  um  die 

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F._______  unbestimmt  und  oberflächlich  ausgefallen  und  es  sei  nicht 
nachvollziehbar, weshalb sie nicht mehr über die Flucht beziehungsweise 
Freilassung  ihrer  Kinder  wisse,  obwohl  sie  angeblich  über  eine 
Mittelsperson  Kontakt  zu  diesen  habe.  Auch  vermöge  sie  keine  über 
Allgemeinplätze  hinausreichenden  Erläuterungen  bezüglich  deren 
Funktion  in der Organisation anzugeben, weshalb die geltend gemachte 
Verfolgungssituation  in  Würdigung  der  gesamten  Umstände  nicht 
glaubhaft sei.

Darüber hinaus würden die Vorbringen, selbst in der Annahme, sie hätten 
tatsächlich  stattgefunden,  keine  Asylrelevanz  entfalten.  So  erfüllten  die 
angeführte Inhaftierung während einiger Tage, während welcher sie zum 
Aufenthaltsort  ihrer  Kinder  befragt  worden  sei,  und  auch  die  erst 
anlässlich  der  Zweitbefragung  geltend  gemachte  Vorladung  zu  einer 
weiteren  Befragung  auf  dem  Polizeiposten  die  für  die  Erlangung  der 
Asylrelevanz geforderte Intensität der Verfolgungsmassnahmen nicht.

3.2.  Vorliegend  kommt  das  Bundesverwaltungsgericht  nach  einer 
Beurteilung  sämtlicher  Sachverhaltselemente  zum  Schluss,  dass  die 
Vorbringen,  welche  die  Beschwerdeführerin  zur  Flucht  aus  Äthiopien 
bewogen  haben  sollen,  insgesamt  weder  als  glaubhaft  noch  als 
asylrelevant  erachtet  werden  können.  In  der  Beschwerdeschrift  werden 
keine  Argumente  vorgebracht,  welche  bezüglich  der  vorinstanzlichen 
Erwägungen  Zweifel  aufkommen  lassen.  Diesbezüglich  kann  zur 
Vermeidung von Wiederholungen grundsätzlich auf die Ausführungen  in 
der Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 7. Juli 2008 
verwiesen  werden,  und  die  dort  gezogenen  Schlussfolgerungen  sind  in 
casu zu bestätigen.

3.2.1. Immerhin ist zur Rüge, es sei ihr trotz Gesuchs keine Akteneinsicht 
seitens  des  BFM  gewährt  worden,  weshalb  es  ihr  die  Vorinstanz 
verunmöglicht  habe,  sich  mit  ihrer  Beschwerde  wirksam  gegen  den 
negativen  Asylentscheid  zu  verteidigen,  ergänzend  festzustellen,  dass 
das Akteneinsichtsgesuch der Beschwerdeführerin vom 30. April 2008 – 
bei  der  Vorinstanz  eingegangen  am  5.  Mai  2008  –  mit  Schreiben  des 
BFM vom 7. Mai 2008 beantwortet wurde. Aus den Akten  ist ersichtlich, 
dass  das  fragliche  Zustellkuvert,  das  dem  BFM  retourniert  wurde 
(Eingang  BFM:  20. Mai  2008),  den  Vermerk  "Nicht  abgeholt"  trägt. 
Jedoch ist eine Zustellung an die letzte den Behörden bekannte Adresse 
von Asylsuchenden nach Ablauf der ordentlichen siebentägigen Abholfrist 
rechtsgültig,  auch  wenn  die  Betroffenen  aufgrund  einer  besonderen 

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Vereinbarung  mit  der  Schweizerischen  Post  erst  zu  einem  späteren 
Zeitpunkt  davon  Kenntnis  erhalten  oder  wenn  die  Sendung  als 
unzustellbar  zurückkommt  (Art.  12  AsylG).  Der  Vorinstanz  kann  somit 
hinsichtlich der fehlenden Aktenzustellung kein Vorwurf gemacht werden, 
sondern  diese  muss  sich  die  Beschwerdeführerin  ihrem  eigenen 
Verhalten  zurechnen  lassen.  Der  Umstand,  dass  sie  erst  eine  Woche 
nach Erhalt  der  angefochtenen Verfügung ein Akteneinsichtsgesuch bei 
der Vorinstanz einreichte, das weitere fünf Tage benötigte, um beim BFM 
einzutreffen,  kann  dem  Bundesamt  ebenso  wenig  angelastet  werden. 
Auch wenn sich dadurch die Beschwerdefrist für die Beschwerdeführerin 
faktisch  verkürzte,  ist  ihr  durch  diesen  Umstand  in  casu  kein 
Rechtsnachteil  erwachsen,  zumal  es  ihr  offensichtlich  möglich  war, 
rechtzeitig  eine  formgültige  Rechtsmittelschrift  mit  einlässlicher 
Begründung einzureichen. Ausserdem wird  von der Beschwerdeführerin 
nicht  näher  konkretisiert,  inwiefern  ihr  durch  die  Vorgehensweise  des 
BFM  ein  Nachteil  entstanden  sein  soll.  Zudem  wurden  der 
Beschwerdeführerin seitens des BFM die Akten am 23. Mai 2008 erneut 
zugestellt.  Spätestens  danach  wäre  es  ihr  offen  gestanden,  beim 
Bundesverwaltungsgericht  ein  Gesuch  um  Ergänzung  der 
Beschwerdeschrift  –  mit  entsprechender  Begründung  –  einzureichen. 
Überdies  verfügte  die  Beschwerdeführerin  während  laufendem 
Beschwerdeverfahren jederzeit über die Möglichkeit, dem Gericht weitere 
Sachverhaltsvorbringen und Beweismittel zur Kenntnis zu bringen, die im 
Rahmen  von  Art.  32  Abs.  2  VwVG  zu  berücksichtigen  wären.  Eine 
Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt demnach nicht vor.

3.2.2. Weiter ist zur Verdeutlichung der bereits in der Zwischenverfügung 
vom  7. Juli  2008  dargelegten  generellen  Unglaubhaftigkeit  der 
Asylvorbringen anzuführen, dass die in der Rechtsmitteleingabe auf Seite 
4 angeführten Probleme zum Mitführen von Identitätsdokumenten auf der 
Flucht  in  diametralem  Widerspruch  zu  den  bisherigen  Ausführungen 
stehen  und  als  unbelegte  Schutzbehauptungen  qualifiziert  werden 
müssen. So gibt die Beschwerdeführerin in der Beschwerde an, dass ihre 
äusserst  beschwerliche  Flucht  nicht  ohne  Heimlichkeit  und  nur  auf 
illegalem  Weg  möglich  gewesen  sei,  weshalb  jegliche  mitgeführten 
Urkunden  die  Flucht  gefährdet  hätten.  Demgegenüber  brachte  die 
Beschwerdeführerin anlässlich der kantonalen Anhörung vor, ihre Heimat 
im  Besitz  eines  ihre  Personalien  enthaltenden  Reisepasses  und  einer 
Identitätskarte  mit  dem  Flugzeug  verlassen  zu  haben  und  dabei  von 
D._______ bis in die Schweiz geflogen zu sein. Die Identitätsdokumente 
habe sie dann auf Anraten des Schleppers auf dem Weg ins C._______ 

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weggeworfen (vgl. act. A8/22, S. 4, 8). Überdies ist festzustellen, dass die 
Schilderungen  der  Beschwerdeführerin  zum  Reiseweg,  zu  den 
vorgebrachten Asylgründen, so insbesondere hinsichtlich der angeblichen 
Haft  und  des  Schicksals  ihrer  Kinder,  äusserst  vage  und  unbestimmt 
ausgefallen  sind  und  auch  keine  Realkennzeichen  (so  insbesondere 
Detailreichtum  der  Schilderung,  freies  assoziatives  Erzählen, 
Interaktionsschilderung sowie  inhaltliche Besonderheiten) enthalten, was 
jedoch gerade mit Blick auf die geltend gemachte Haft  erwartet werden 
dürfte, zumal es sich dabei um ein einschneidendes Ereignis handelt, das 
erfahrungsgemäss besonders gut im Gedächtnis haften bleibt. Sodann ist 
in  der  Ausreise  der  Beschwerdeführerin  aus  ihrer  Heimat,  wie  in  der 
Zweitbefragung  zu  Recht  vorgehalten  wurde,  in  Berücksichtigung  der 
unglaubhaften  Asylvorbringen  kein  Sinn  zu  erkennen,  was  an  der 
persönlichen Glaubwürdigkeit der Beschwerdeführerin weitere erhebliche 
Zweifel  aufkommen  lässt.  So  fühle  sie  sich  in  der  Schweiz  eigenen 
Angaben  zufolge  unglücklich  und  habe  keine  Kenntnisse  von  den 
Geschehnissen  in  der  Heimat;  demgegenüber  sollen  sich  sämtliche 
Familienangehörigen in Äthiopien befinden, wo sie über Grundbesitz, ein 
Haus,  ihre  nächsten  Familienangehörigen  sowie  zwei  Adoptivkinder, 
welche das Vieh und die Ländereien betreuen würden, verfüge (vgl. act. 
A8/22,  S.  13  ff.).  Die  Beschwerdeführerin  vermochte  denn  auch  auf 
wiederholte Nachfragen zum Grund ihrer Ausreise keine überzeugenden 
Erklärungen abzugeben (vgl. act. A8/22, S. 15).

3.2.3.  Der  Rechtsmitteleingabe  sind  somit  keine  stichhaltigen 
Entgegnungen zu entnehmen, welche die Argumentation der Vorinstanz 
in Zweifel zu ziehen vermöchten. Unter diesen Umständen erübrigen sich 
weitere Ausführungen zu den Beschwerdevorbringen im Asylpunkt.

4. 
4.1. Es bleibt  zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin durch  ihr Verhalten 
nach  der  Ausreise  aus  dem  Heimatland,  namentlich  mit  dem  auf 
Beschwerdeebene geltend gemachten exilpolitischen Engagement in der 
Schweiz,  Anlass  für  eine  zukünftige  Verfolgung  durch  die  äthiopischen 
Behörden  gesetzt  hat  und  aus  diesem  Grund  (subjektive 
Nachfluchtgründe) die Flüchtlingseigenschaft erfüllt.

4.2. Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise 
aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsland  eine  Gefährdungssituation  erst 
geschaffen  worden  ist, macht  subjektive  Nachfluchtgründe  geltend  (Art. 
54  AsylG).  Subjektive  Nachfluchtgründe  begründen  zwar  die 

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Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 
54  AsylG  zum  Ausschluss  des  Asyls,  unabhängig  davon,  ob  sie 
missbräuchlich  oder  nicht  missbräuchlich  gesetzt  wurden.  Das  vom 
Gesetzgeber  vorgesehene  Konzept,  wonach  das  Vorliegen  von 
subjektiven  Nachfluchtgründen  die  Gewährung  von  Asyl  ausschliesst, 
verbietet  auch  ein  Addieren  solcher  Gründe  mit  Nachfluchtgründen, 
welche  vor  der  Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat 
entstanden  sind  und  die  für  sich  allein  nicht  zur  Bejahung  der 
Flüchtlingseigenschaft  und  zur  Asylgewährung  ausreichen  (vgl.  BVGE 
2009/28 E. 7.1).

4.3. Exilpolitische Aktivitäten können nur dann  im Sinne von subjektiven 
Nachfluchtgründen  zur  Flüchtlingseigenschaft  führen,  wenn  zumindest 
glaubhaft  gemacht  wird,  dass  im  Falle  einer  Rückkehr  infolge  der 
Exilaktivität  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  mit  politischer 
Verfolgung zu rechnen wäre.

4.3.1. Gemäss  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  (vgl. 
statt  vieler:  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­7532/2008  vom 
24. Januar  2011)  ist  davon  auszugehen,  dass  die  äthiopischen 
Sicherheitsbehörden  die  Aktivitäten  von  Exilgemeinschaften  in  einem 
gewissen Ausmass überwachen und mittels elektronischer Datenbanken 
registrieren.  Unter  diesen  Umständen  besteht  eine  hohe 
Wahrscheinlichkeit dafür, dass Aktivitäten von Personen, welche sich  im 
Ausland  für  die  E._______  engagierten  oder  auch  nur  mit  ihr 
sympathisierten,  im  Falle  einer  Zwangsrückschaffung  dem  äthiopischen 
Sicherheitsdienst  spätestens  am  Flughafen  bekannt  würden.  Es  dürfte 
davon  auszugehen  sein,  dass  die  äthiopischen  Sicherheitsorgane  eine 
zwangsweise  aus  dem  Ausland  zurückgeführte  Person,  die  Anhänger 
oder Mitglied der Auslandorganisation der E._______ war, nach wie vor 
als zu verfolgenden Gegner der Regierung ansehen würden, solange von 
dieser  Person  vor  ihrer  Ausreise  aus  dem  jeweiligen  Gastland  kein 
eindeutiges  Bekenntnis  zur  verfassungsmässigen  Ordnung  Äthiopiens 
und eine klare Abkehr von der bisherigen Politik der E._______ vorliegt. 
Angesichts  der  (...)  in  Äthiopien  erfolgten  Amnestie  von  einigen 
Mitgliedern  der  E._______  und  der  nicht  unerschöpflichen  Ressourcen 
des  äthiopischen  Nachrichtendienstes  mag  sich  die  Frage  nach  der 
aktuellen  Überwachungsdichte  in  der  Schweiz  stellen,  welche  indessen 
im vorliegenden Fall offenbleiben kann. Von Bedeutung ist vorliegend die 
tatsächliche  Erkennbarkeit  der  behaupteten  exilpolitischen  Tätigkeit,  die 

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Individualisierbarkeit  der  Beschwerdeführerin  sowie  ihre  konkreten 
exilpolitischen Tätigkeiten.

4.3.2. Auf Beschwerdeebene führte die Beschwerdeführerin an, sie habe 
in  der  Schweiz  an  einer  Kundgebung  der  E._______  in  G._______ 
teilgenommen und beteilige sich seit einem Jahr an Versammlungen und 
Protestaktionen der H._______.

4.3.3.  Aus  den  Beilagen  zur  Eingabe  vom  15.  Juli  2008  (Auflistung 
Beilagen)  geht  hervor,  dass  die  Beschwerdeführerin  am  (...)  an  einer 
Kundgebung  der  E._______  teilnahm.  Über  die  Örtlichkeiten  dieser 
Kundgebung  lassen sich aus dem eingereichten Foto  keine eindeutigen 
Rückschlüsse  ziehen.  Gemäss  der  oben  erwähnten  Bestätigung  der 
H._______ vom 23. Mai 2008 habe sich die Beschwerdeführerin kürzlich 
der Partei  angeschlossen und werde derzeit  in die Ziele und  Ideale der 
E._______ eingeführt.

4.3.4. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass sich die Asylvorbringen der 
Beschwerdeführerin  –  so  auch  hinsichtlich  der  politischen  Tätigkeit  der 
Söhne  und  der  daraus  resultierenden  Probleme  –  als  unglaubhaft 
erwiesen  haben.  Es  besteht  somit  kein  Anlass  zur  Annahme,  dass  die 
Beschwerdeführerin  vor  dem  Verlassen  ihres  Heimatstaates  als 
regimefeindliche Person ins Blickfeld der äthiopischen Behörden geraten 
und  in der Folge als Regimegegnerin oder politische Aktivistin  registriert 
worden war und daher seit  ihrer Ankunft  in der Schweiz unter spezieller 
Beobachtung seitens der heimatlichen Behörden gestanden ist.

4.3.5.  Weiter  ist  ein  exponierter  exilpolitischer  Einsatz  der 
Beschwerdeführerin, der sie ins Zentrum des Interesses des äthiopischen 
Nachrichtendienstes rücken könnte, aufgrund der vorliegenden Akten zu 
verneinen.  In  diesem  Zusammenhang  ist  festzuhalten,  dass  bei 
behaupteten  subjektiven  Nachfluchtgründen  in  der  Regel  ein  strikter 
Beweis möglich und deshalb auch erforderlich  ist  (vgl. WALTER STÖCKLI, 
Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. 
Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). Die äthiopischen Behörden bekunden nur 
dann  ein  Interesse  an  der  Identifizierung  einer  Person,  wenn  deren 
Aktivitäten  als  konkrete  Bedrohung  für  das  politische  System 
wahrgenommen werden. Für die Annahme, die Beschwerdeführerin habe 
sich  in  dieser  besonderen  Art  und Weise  betätigt,  bestehen  vorliegend 
keine  Anhaltspunkte.  So  gehört  sie  nicht  zur  Zielgruppe  des  "harten 
Kerns" von aktiven oppositionellen Äthiopiern im Ausland, für die sich die 

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äthiopischen  Behörden  interessieren  könnten.  Vorliegend  ist  aus  ihren 
Angaben  und  den  zur  Stützung  derselben  eingereichten  Unterlagen  zu 
schliessen,  dass  sich  ihre  exilpolitischen  Aktivitäten  lediglich  in  der 
Teilnahme  an  einer  Protestveranstaltung  und  in  Parteiversammlungen 
ohne weitergehende hochrangige Tätigkeiten erschöpft haben, wobei das 
angeführte  exilpolitische  Engagement  lediglich  für  das  Jahr  2008 
aktenkundig  gemacht  wurde.  Dass  die  Beschwerdeführerin  seither 
weiterhin  aktiv  in  der  exilpolitischen Gemeinde  in  Erscheinung  getreten 
ist,  ist  nicht  erstellt.  In  Berücksichtigung  dieses  geringfügigen 
Engagements  ist  jedoch  in  casu  nicht  davon  auszugehen,  dass  sie  bei 
einer Rückkehr in ihr Heimatland eine asylrechtlich relevante Gefährdung 
zu befürchten hat.

4.3.6.  Es  dürfte  sodann  den  äthiopischen  Behörden  aufgefallen  sein, 
dass die exilpolitische Betätigung vieler äthiopischer Asylsuchender nach 
der  Ablehnung  ihrer  Asylgesuche  regelmässig  zunimmt  respektive 
intensiver wird oder überhaupt erst ab diesem Zeitpunkt einsetzt, was das 
geltend gemachte politische Engagement als zweifelhaft erscheinen lässt. 
So  ist  im  vorliegenden  Verfahren  festzustellen,  dass  die 
Beschwerdeführerin  eine  politisch motivierte Verfolgung  in  ihrer Heimat, 
mithin  eine  Vorverfolgung  nicht  glaubhaft  machen  konnte.  Sie  hat  in 
aktenkundiger  Weise  erst  in  der  Schweiz  begonnen,  sich  politisch  zu 
betätigen.  Sodann  fehlen  vorliegend  jegliche  Hinweise  darauf,  dass 
gegen die Beschwerdeführerin aufgrund der vorgebrachten Aktivitäten in 
Äthiopien  ein  Strafverfahren  oder  andere  behördliche  Massnahmen 
eingeleitet worden sind, wobei  in diesem Zusammenhang unter Hinweis 
auf die in Art. 8 AsylG verankerte Mitwirkungspflicht festzuhalten ist, dass 
es nicht Sache der schweizerischen Asylbehörden sein kann,  jede auch 
nur  ansatzweise  und  abstrakt  mögliche  Gefährdungssituation  im 
Heimatland der ein Asylgesuch stellenden Person abklären zu müssen.

4.3.7.  Insgesamt  erscheint  es  angesichts  der Art  des Engagements  der 
Beschwerdeführerin  –  selbst  unter  der  Annahme  der  möglichen  und 
tatsächlichen  Identifikation  und  allfälligen  Registrierung  –  als 
unwahrscheinlich, dass sie deswegen bei einer Rückkehr nach Äthiopien 
eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung zu gewärtigen hätte. Sie hat 
bei keiner Organisation,  für die sie sympathisiert oder deren Mitglied sie 
geworden  ist,  eine  Führungsposition  inne  und  übernahm  weder 
Verantwortung  noch  besonders  wichtige  Aufgaben.  Ihr  exilpolitisches 
Engagement  in  der  Schweiz  lässt  sie  somit  nicht  als  besonders 
engagierte  und  exponierte  oder  gar  staatsgefährdende  exilpolitische 

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Aktivistin  erscheinen.  Sie  erfüllt  damit  nicht  das  Profil  einer  Person, 
welche  dem  äthiopischen  Regime  durch  ihre  (exil­)politische  Tätigkeit 
ernsthaften  Schaden  zufügen  könnte.  Demnach  ist  die 
Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführerin  mangels  subjektiver 
Nachfluchtgründe gemäss Art. 54 AsylG zu verneinen.

4.4.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Beschwerdeführerin  keine 
Gründe  nach  Art.  3  AsylG  nachweisen  oder  glaubhaft  machen  konnte. 
Die  Vorinstanz  hat  demnach  zu  Recht  die  Flüchtlingseigenschaft  der 
Beschwerdeführerin  verneint  und  in  der  Folge  deren  Asylgesuch 
abgelehnt.

5. 
5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

5.2. Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs.  1  AsylG;  vgl.  BVGE  2009/50  E.  9  S.  733,  BVGE  2008/34  E.  9.2 
S. 510,  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21).

6. 
6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

6.2. 
6.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche 
Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 
Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  in  einen  Drittstaat 
entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 

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Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 
5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des 
Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4. 
November  1950  zum Schutze  der Menschenrechte  und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

6.2.2. Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf  hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen 
schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  der 
Beschwerdeführerin  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 
AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements im 
vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der 
Beschwerdeführerin  nach Äthiopien  ist  demnach  unter  dem Aspekt  von 
Art. 5 AsylG rechtmässig.

6.2.3.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der 
Beschwerdeführerin  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  sie 
für  den  Fall  einer  Ausschaffung  nach  Äthiopien  dort  mit  beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit  einer nach Art.  3 EMRK oder Art.  1 FoK verbotenen 
Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des 
Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener 
des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  die  Beschwerdeführerin  eine 
konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr 
im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung 
drohen würde  (vgl. EGMR  [Grosse Kammer], Saadi gegen  Italien, Urteil 
vom  28.  Februar  2008,  Beschwerde Nr.  37201/06,  §§  124  bis  127, mit 
weiteren  Hinweisen).  Dies  ist  ihr  unter  Hinweis  auf  die  vorstehenden 
Ausführungen  zur  Flüchtlingseigenschaft  nicht  gelungen.  Auch  die 
allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Äthiopien  lässt  den 
Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig 
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl 
im Sinne der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

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6.3. 
6.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 
83 Abs.  7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 
2002, BBl 2002 3818).

6.3.2.  In  Äthiopien  herrscht  zurzeit  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt, 
weshalb  in  konstanter  Praxis  von  der  generellen  Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  nach  Äthiopien  ausgegangen  wird  (vgl. 
beispielsweise  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­1930/2009  vom 
5.  Mai  2009  mit  weiteren  Hinweisen).  Nach  der  Unterzeichnung  des 
Friedensabkommens  zwischen  Äthiopien  und  Eritrea  am  12.  Dezember 
2000  kontrollierten  UNO­Soldaten  die  Grenze  zwischen  den  beiden 
Ländern.  Zwar  konnten  diese  ein  sporadisches  Wiederaufflackern  des 
Grenzkonfliktes  nicht  verhindern;  immerhin  scheinen  aber  sowohl 
Äthiopien  als  auch  Eritrea  den  Schiedsspruch  der  hierfür  eingesetzten 
internationalen  Kommission,  welcher  am  13.  April  2002  ergangen  ist, 
grundsätzlich  zu  akzeptieren,  und  ein  erneuter  offener  Ausbruch  des 
Konflikts  konnte  bis  heute  erfolgreich  verhindert  werden.  Trotz  Abzugs 
der UN­Friedenstruppen aus Eritrea im März 2008 und aus Äthiopien im 
August 2008 ist im heutigen Zeitpunkt nicht von einem offenen Konflikt im 
Grenzgebiet  zwischen  Äthiopien  und  Eritrea  auszugehen.  Insgesamt 
kann jedenfalls nicht von einer rechtlich relevanten Verschlechterung der 
allgemeinen  Lage  in  Äthiopien  gesprochen  werden.  Aufgrund  der 
allgemeinen  Lage  in  Äthiopien  kann  somit  nicht  von  einer  konkreten 
Gefährdung der Beschwerdeführerin ausgegangen werden.

6.3.3. In den Akten finden sich auch keine konkreten Anhaltspunkte dafür, 
dass  die Beschwerdeführerin  in  ihrer Heimat  aus  individuellen Gründen 
wirtschaftlich,  sozialer  oder  gesundheitlicher  Natur  in  eine 
existenzbedrohende Situation  geraten würde. Es  ist  ihr  angesichts  ihrer 
Berufserfahrungen als (...), des bestehenden Grundbesitzes sowie eines 
sozialen Beziehungsnetzes (vgl. A8/22, S. 6 f.) zuzumuten, sich erneut in 
ihrem  Kulturkreis  niederzulassen  und  dort  eine  Existenz  aufzubauen. 
Diesbezüglich  ist  festzuhalten,  dass wegen  der  unglaubhaften Angaben 
auch die Ausführungen zum Verbleib der nächsten Familienangehörigen 
(Ehemann  inhaftiert;  Söhne  geflohen;  fehlender  Kontakt  zu 

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Familienangehörigen  des  Ehemannes  nach  einem Streit)  zu  bezweifeln 
sind. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch 
als zumutbar.

6.4.  Schliesslich  obliegt  es  der  Beschwerdeführerin,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG), 
weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

6.5.  Insgesamt  ist  der  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Vollzug  der 
Wegweisung  zu  bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  diesen  zu  Recht  als 
zulässig,  zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine 
Anordnung der  vorläufigen Aufnahme ausser Betracht  (Art.  83 Abs.  1­4 
AuG).

7. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

8. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  der 
Beschwerdeführerin  in  der  Höhe  von  Fr. 600.–  der  Beschwerdeführerin  
aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG;  Art. 1  –  3  des  Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  und  mit  dem  am 
16. Juli 2008  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss  zu 
verrechnen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt  und  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss 
verrechnet.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Thomas Wespi Stefan Weber

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