# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6e84662a-2e02-50fc-9a84-57744a6adeac
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.12.2011 E-590/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-590-2009_2011-12-06.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­590/2009

U r t e i l   v om   6 .   D e z embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Markus König (Vorsitz),
Richter Hans Schürch, Richter François Badoud,
Gerichtsschreiber Rudolf Bindschedler.

Parteien A._______, geboren am (…),
B._______, geboren am (…),
C._______, geboren am (…),
D._______, geboren am (…),
E._______, geboren am (…),
F._______, geboren am (…),
G._______, geboren am (…),
Bosnien und Herzegowina,

vertreten durch Samuel Häberli,
Freiplatzaktion (...), (...),
Beschwerdeführende,

Gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz

Gegenstand Vollzug der Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 29. Dezember 2008 / N (…).

E­590/2009

Seite 2

Sachverhalt:

A. 
Gemäss  eigenen  Angaben  verliessen  die  Beschwerdeführenden  ihren 
Heimatstaat  am  20.  November  2008.  Sie  fuhren  durch  ihnen  angeblich 
unbekannte Länder und gelangten am 21. November 2008  illegal  in die 
Schweiz,  wo  sie  gleichentags  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum 
Basel (EVZ) um Asyl nachsuchten.

Anlässlich  der  Befragung  vom  27.  November  2008  im  EVZ  und  der 
Anhörung vom 10. Dezember 2008 erklärten die Beschwerdeführenden, 
sie seien Roma aus der Stadt H._______, hätten ab (…) mit einer (…) in 
I._______ gelebt und seien (…) wieder in ihr Heimatland zurückgekehrt.

Das  Asylgesuch  begründete  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen 
damit,  dass er bei  seiner Arbeit  als Händler auf dem Markt oder  in den 
umliegenden  Dörfern  seines  Wohnorts  Schwierigkeiten  mit  der 
einheimischen Bevölkerung gehabt habe. Unter anderem sei er grundlos 
beschimpft, bedroht und es seien auch Waren beschädigt worden. In den 
Jahren  2005 oder  2006  sei  er  von mehreren Personen angegriffen  und 
geschlagen  worden.  Ein  Dorfbewohner  habe  auf  ihn  zu  schiessen 
versucht.  Bei  der  Polizei  habe  er  zweimal  eine  Anzeige  deponiert, 
indessen  sei  diese  danach  untätig  geblieben  und  dies,  obwohl  der 
alarmierte  Polizeibeamte  versprochen  habe,  zum  Beschwerdeführer  zu 
kommen. Die Polizei habe  ihn auch beleidigt;  2005 oder 2006 habe  ihn 
einmal ein Polizist auf dem Markt aggressiv behandelt. Ansonsten habe 
er mit den Behörden keine Probleme gehabt.

Die  Beschwerdeführerin  berief  sich  im Wesentlichen  auf  die  Aussagen 
ihres Ehemannes. Sie ergänzte dabei, dass sie sich mehrmals vergeblich 
auf  der  Gemeindeverwaltung  ihres  Wohnorts  um  die  Ausstellung  einer 
Bewilligung bemüht habe, um auf dem Markt arbeiten zu dürfen. Zudem 
habe die Familie keine Fürsorgeleistungen erhalten. 

B. 
Mit Verfügung vom 29. Dezember 2008 – eröffnet am 30. Dezember 2008 
– stellte  das  BFM  im  Wesentlichen  fest,  die  Vorbringen  der 
Beschwerdeführenden  würden  den  Anforderungen  an  die 
flüchtlingsrechtliche Relevanz im Sinne von Art. 3 des Asylgesetzes vom 
26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  standhalten,  weshalb  das 
Asylgesuch abzuweisen sei. Das BFM verfügte die Wegweisung aus der 

E­590/2009

Seite 3

Schweiz  und  bezeichnete  deren  Vollzug  als  zulässig,  zumutbar  und 
möglich.

C. 
Mit  Beschwerdeeingabe  vom  28.  Januar  2009  (Postaufgabe 
gleichentags)  beantragten die Beschwerdeführenden die Aufhebung der 
angefochtenen Verfügung in den Dispositivziffern 3 bis 5, die Gewährung 
der  vorläufigen  Aufnahme  wegen  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  und  die  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  gemäss  Art. 65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) 
sowie den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.

Als  Beweismittel  gaben  die  Beschwerdeführenden  einen  die 
Beschwerdeführerin  betreffenden  Kurzaustrittsbericht  des  Spitals 
J._______  vom  26.  Dezember  2008  sowie  je  eine  Bestätigung  ihrer 
Fürsorgeabhängigkeit vom 5. Januar 2009 zu den Akten.

D. 
Mit  Zwischenverfügung  des  Instruktionsrichters  vom  6.  Februar  2009 
wurde  unter  anderem  festgestellt,  dass  ausschliesslich  der  Vollzug  der 
Wegweisung Gegenstand des Verfahrens bildet, und der Entscheid über 
die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  nach  Art.  65  Abs.  1 
VwVG wurde auf später verschoben.

E. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  10.  März  2009  wurde  die  Vorinstanz  zur 
Einreichung einer Vernehmlassung bis zum 25. März 2009 aufgefordert.

F. 
Mit Eingabe vom 12. März 2009 gab das BFM seine Vernehmlassung zu 
den Akten und beantragte die Abweisung des Rechtsmittels.

G. 
Am  18.  März  2009  wurde  die  Stellungnahme  des  BFM  den 
Beschwerdeführenden zur Kenntnis gebracht.

H. 
Mit  (offenbar  rechtkräftigen)  Strafbefehlen  vom  22.  Oktober  2009  und 
18. März  2011  wurde  die  Beschwerdeführerin  wegen  Diebstahls  und 
wegen Fälschung von Ausweisen zu Bussen und bedingten Geldstrafen 
verurteilt.

E­590/2009

Seite 4

Mit (offenbar rechtkräftigem) Strafbefehl vom 11. August 2011 wurde der 
Beschwerdeführer  wegen  Widerhandlungen  gegen  das  Bundesgesetz 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  (AuG, 
SR  142.20)  und  wegen  Strassenverkehrsdelikten  zu  einer  Busse  und 
einer bedingten Geldstrafe verurteilt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 
sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Die  vorliegende Beschwerde  richtet  sich  formal  gegen  die Wegweisung 

E­590/2009

Seite 5

sowie gegen den von der Vorinstanz angeordneten Wegweisungsvollzug. 
Da die Wegweisung die übliche Folge der Ablehnung eines Asylgesuchs 
darstellt,  ist über diesen Punkt – wie bereits mit Zwischenverfügung vom 
6. Februar 2009 festgestellt – praxisgemäss nicht mehr zu befinden (vgl. 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr.  21).  Damit  ist  die  Verfügung 
des  Bundesamtes  vom  29.  Dezember  2008,  soweit  sie  die  Fragen  der 
Flüchtlingseigenschaft, des Asyls sowie die Anordnung der Wegweisung 
als  solche  betrifft  (Ziffern  1  bis  3  des  Dispositivs  der  angefochtenen 
Verfügung), rechtskräftig geworden. 

Zu  prüfen  bleibt  somit  im  Rahmen  des  vorliegenden  vereinigten 
Verfahrens  einzig  die  Frage  des  Vorliegens  allfälliger 
Wegweisungsvollzugshindernisse.

4. 
4.1.  Ist  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  möglich,  nicht  zulässig  oder 
nicht zumutbar,  regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG, Art. 83 Abs. 1 AuG).

Der Vollzug  ist nicht möglich, wenn der Ausländer oder die Ausländerin 
weder in den Herkunfts­ oder in den Heimatstaat noch in einen Drittstaat 
verbracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AuG). Er  ist nicht zulässig, wenn 
völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  in  den 
Heimat­, Herkunfts­ oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 
AuG). Der Vollzug  kann  insbesondere  nicht  zumutbar  sein, wenn er  für 
die  ausländische  Person  eine  konkrete  Gefährdung  darstellt  (Art.  83 
Abs. 4 AuG).

4.2.  Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 
Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

5. 
5.1. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 

E­590/2009

Seite 6

den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83 
Abs. 3 AuG).

5.1.1. So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

5.1.2. Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement 
nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den 
Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5 
AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden 
Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der 
Beschwerdeführenden in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt 
von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der 
Beschwerdeführenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie 
für den Fall einer Ausschaffung  in den Heimatstaat dort mit beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen 
Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des 
Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener 
des UN­Anti­Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine 
konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass 
ihnen  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche 
Behandlung  drohen würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen 
Italien, Urteil  vom 28. Februar  2008, Beschwerde Nr. 37201/06,  §§ 124­
127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine 

E­590/2009

Seite 7

Menschenrechtssituation  im Heimatstaat  lässt  den Wegweisungsvollzug 
zum  heutigen  Zeitpunkt  klarerweise  nicht  als  unzulässig  erscheinen. 
Nach  dem Gesagten  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  sowohl  im  Sinne 
der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

5.2.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  aufgrund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von 
Art. 83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl. 
Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer 
vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).

5.2.1. Das BFM hielt in der angefochtenen Verfügung fest, der Bundesrat 
habe  Bosnien  und  Herzegowina  mit  Beschluss  vom  25.  Juni  2003  als 
verfolgungssicheren  Staat  bezeichnet,  und  weder  die  allgemeine 
politische Situation noch andere Gründe würden gegen die Zumutbarkeit 
der Rückführung der Beschwerdeführenden in den Heimatstaat sprechen. 
Die  Vorinstanz  wies  darauf  hin,  dass  die  Beschwerdeführenden  nach 
ihrer  Rückkehr  aus  I._______  (…)  Jahre  lang  in  Bosnien  und 
Herzegowina  gelebt  hätten,  wo  sie  nach  wie  vor  über  ein  soziales 
Beziehungsnetz verfügen würden, zumal ein Teil  ihrer Familie dort  lebe. 
Zudem  würden  die  Beschwerdeführenden  über  Berufserfahrung  als 
Händler  verfügen;  dieser  Tätigkeit  seien  sie  denn  auch  bis  zu  ihrer 
Ausreise  nachgegangen.  Insgesamt  seien  auch weiterhin Möglichkeiten 
zur Existenzsicherung vorhanden.

5.2.2. Die Beschwerdeführenden  berufen  sich  in  ihrer Beschwerde  vom 
28. Januar 2009 im Wesentlichen auf Art. 83 Abs. 4 AuG und machen mit 
Verweis  auf  entsprechende  Lageanalysen  und  Länderberichte  geltend, 
die  ökonomische,  soziale  und  kulturelle  Situation  der  Roma  in  Bosnien 
und  Herzegowina  sei  als  prekär  zu  beurteilen.  Zudem  könne  zum 
heutigen Zeitpunkt der gesundheitliche Zustand der Beschwerdeführerin 
nicht  definitiv  abgeschätzt  werden  (vgl.  Beschwerde  S.  3  ff.).  Die 
siebenköpfige  Familie  wäre  bei  einer  Rückkehr  in  ihren  Heimatstaat 
mangels  einer  existenzsichernden  Perspektive  einer  konkreten 
Gefährdung  ausgesetzt,  weshalb  der  Wegweisungsvollzug  unzumutbar 
sei. In Bosnien und Herzegowina könnten die ökonomischen und sozialen 
Bedürfnisse  der minderjährigen Kinder  nicht  gedeckt werden, weil  auch 

E­590/2009

Seite 8

die Beschwerdeführenden nach einer Rückkehr mit Sicherheit ein Leben 
in absoluter Armut fristen müssten. 

5.2.3.  In  Bosnien  und  Herzegowina  herrscht  seit  längerer  Zeit  keine 
Situation  allgemeiner  Gewalt  mehr;  der  Staat  wurde  vor  mehr  als  acht 
Jahren in die Liste der so genannten Safe Countries gemäss Art. 6 Abs. 2 
Bst.  a  AsylG  aufgenommen.  Die  allgemeinen  Lebensbedingungen  der 
Roma  sind  in  Bosnien  und  Herzegowina  (wie  in  vielen  Staaten 
insbesondere Ost­  und Südosteuropas) unbestrittenermassen schwierig. 
Die  Diskriminierungen,  denen  Roma  im  bosnisch­herzegowinischen 
Lebensalltag  ausgesetzt  sind  –  und  auch  die  häufig  belastete 
ökonomische  Situation  –  erreichen  nach  konstanter  Praxis  des 
Bundesverwaltungsgerichts  jedoch  nicht  eine  Intensität,  die  eine 
Rückkehr  abgewiesener  Asylsuchender  dieser  Ethnie  als  generell 
unzumutbar  erscheinen  lassen  würde  (vgl.  statt  vieler  die  Urteile  D­
5514/2011  vom  25.  November  2011  S.  9,  D­5686/2011  vom  14. 
November 2011 S. 8 f., E­4721/2007 vom 7. Juni 2011 E. 5, D­3280/2010 
vom  23.  Mai  2011  S.  9  f.,  D­2520/2010  vom  21.  April  2010  S.  11,  D­
5675/2010 vom 25. August 2010 S. 7 f., D­7013/2009 vom 16. November 
2009 S. 8 ff.; die meisten der zitierten Entscheide betreffen Familien mit 
mehreren Kindern). 

5.2.4.  Die  Beschwerdeführenden  bringen  auch  keine  massgebenden 
individuellen Hindernisse gegen den Wegweisungsvollzug vor. Sie haben 
nach  ihrer  (…)  erfolgten Rückkehr  aus  I._______  bis  zu  ihrer  erneuten 
Ausreise 2008 (…) Jahre lang in ihrem Heimatstaat verbracht, was darauf 
schliessen lässt, dass sie dort trotz schwieriger Lebensbedingungen über 
eine  Existenzmöglichkeit  verfügen.  Im  Heimatstaat  sind  sie  auch  nicht 
völlig  auf  sich  allein  gestellt,  besteht  doch  dort  zumindest  ein  gewisses 
familiäres  Beziehungsnetz  (Eltern  und  eine  Schwester  des 
Beschwerdeführers, vgl. Beschwerde S. 4). 

Zur  medizinischen  Untersuchung  der  Beschwerdeführerin  wegen 
geringgradiger  Hämoptysis  (Bluthusten),  die  im  Kurzaustrittsbericht  des 
Spitals J._______ vom 26. Dezember 2008 geschildert wird, wird  in der 
Beschwerde ausgeführt, es werde sich erweisen, ob eine weiterführende 
Behandlung  nötig  sein  werde,  und  es  würden  genauere  medizinische 
Erkenntnisse  nachgereicht.  Bis  heute  haben  die  (durch  einen 
spezialisierten  Rechtsvertreter)  verbeiständeten  Beschwerdeführenden 
keine  weiteren  Unterlagen  nachgereicht,  weshalb  davon  ausgegangen 

E­590/2009

Seite 9

werden  darf,  dass  auch  in  medizinischer  Hinsicht  keine  relevanten 
Vollzugshindernisse vorliegen.

Insgesamt  ist  nach  dem  Gesagten  davon  auszugehen,  dass  sich  die 
Beschwerdeführenden in Bosnien und Herzegowina wieder eine Existenz 
werden aufbauen können.

5.2.5.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  erweist  sich  damit  im  heutigen 
Zeitpunkt als zumutbar.

5.3.  Schliesslich  obliegt  es  den  Beschwerdeführenden,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG 
und  dazu  BVGE 2008/34  E. 12  S. 513 ff.),  weshalb  der  Vollzug  der 
Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).

5.4. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu 
Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  bezeichnet.  Die  Anordnung 
einer  vorläufigen Aufnahme  fällt  damit  ausser Betracht  (Art. 83 Abs. 1­4 
AuG).

6. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

7. 
Dem  in  der  Beschwerde  gestellten  Gesuch  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  kann 
entsprochen  werden,  nachdem  die  prozessuale  Bedürftigkeit  der 
Beschwerdeführenden  belegt  war,  nach  wie  vor  als  gegeben  erscheint 
und  ihre  Beschwerdebegehren  im  Zeitpunkt  der  Einreichung  des 
Rechtsmittels  nicht  als  aussichtslos  zu  bezeichnen  waren.  Somit  sind 
keine Verfahrenskosten zu erheben.

(Dispositiv nächste Seite)

E­590/2009

Seite 10

E­590/2009

Seite 11

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss 
Art.  65  Abs.  1  VwVG  wird  gutgeheissen.  Es  werden  keine 
Verfahrenskosten erhoben.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
kantonale Migrationsbehörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Markus König Rudolf Bindschedler

Versand: