# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 04e240a9-d33e-52cf-b021-1ffefb6eeb12
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-12-02
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 02.12.2011 SB110327
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB110327_2011-12-02.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 
 

Geschäfts-Nr. SB110327-O/U/cs 

 

Mitwirkend: die Oberrichter Dr. Schätzle, Vorsitzender, lic. iur. Th. Meyer und  

Ersatzoberrichterin Dr. Bühler sowie die Gerichtsschreiberin lic. iur. 

Oswald 

 

Urteil vom 2. Dezember 2011 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Angeklagter, Erstappellant und Anschlussappellat 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

 

gegen 

 

Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich, vertreten durch Oberjugendan-
walt lic. iur. Stierli, 

Anklägerin und Zweitappellantin 

 

sowie 

 

B._____,  
Geschädigte und Anschlussappellantin 

 

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Y._____ 

 

betreffend Schändung 
 

-   2   - 

Berufung gegen ein Urteil des Jugendgerichtes Horgen vom 9. Dezember 
2010 (DJ100020) 

-   3   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Jugendanwaltschaft Limmattal / Albis vom 5. Oktober 2010 

ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 11).  

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Angeklagte ist schuldig der Schändung im Sinne von Art. 191 StGB. 

2. Der Angeklagte wird bestraft mit 6 Monaten Freiheitsentzug im Sinne von 

Art. 25 JStG, wovon 13 Tage durch Haft erstanden sind. 

3. Der Vollzug des Freiheitsentzugs wird aufgeschoben und die Probezeit auf 

1 Jahr festgesetzt.  

4. Für den Angeklagten wird eine ambulante Behandlung im Sinne von 

Art. 14 Abs. 1 JStG angeordnet.  

5. Es wird keine persönliche Betreuung im Sinne von Art. 13 Abs. 1 JStG an-

geordnet. 

6. Der Angeklagte wird verpflichtet, der Geschädigten eine Genugtuung in der 

Höhe von Fr. 3'000.– zu bezahlen. 

7. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf: 

Fr. 400.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 15'995.50   Auslagen Untersuchung 

Fr.  .....   amtliche Verteidigung 

Fr. ......   unentgeltliche Geschädigtenvertretung 

8. Die Kosten, inklusive derjenigen der amtlichen Verteidigung und der unent-

geltlichen Geschädigtenvertretung, werden dem Angeklagten auferlegt, je-

doch im Fr. 200.– übersteigenden Betrag auf die Gerichtskasse genommen 

und definitiv abgeschrieben. 

-   4   - 

Berufungsanträge: 

a) des Verteidigers des Angeklagten: 

(Urk. 53 S. 14) 

1. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der Schändung im Sinne von Art. 

191 StGB frei zu sprechen. 

2. Dem Beschuldigten sei eine gerichtsübliche Genugtuung aus der Ge-

richtskasse zuzusprechen. 

3. Die Kosten des Verfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen. 

b) des Vertreters der Oberjugendanwaltschaft:  

(Urk. 55 S. 1) 

1. Die Berufung des Beschuldigten sei vollumfänglich abzuweisen. 

2. Der Beschuldigte sei mit 10 Monaten Freiheitsentzug zu bestrafen. 

3. Es sei eine persönliche Betreuung im Sinne von Art. 13 JStG anzuord-

nen. 

4. Im Übrigen sei das Urteil des Jugendgerichts zu bestätigen. 

c) der Vertreterin der Geschädigten: 

(Urk. 56 S. 1)  

1. Das vorinstanzliche Urteil sei - bis auf Ziff. 6 - so zu bestätigen.  

2. Ziff. 6 des Urteils vom 9. Dezember 2011 sei folgendermassen abzu-

ändern:  

Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Geschädigten eine Genugtu-

ung in der Höhe von Fr. 6'000.– plus 5% Verzugszins seit dem 15. Mai 

2009 (mittlerer Verfall) zu bezahlen. 

-   5   - 

 

Das Gericht erwägt: 

I. 

1. Die damals 14 ½ Jahre alte Oberstufenschülerin B._____ (nachfolgend Ge-

schädigte) hatte am Abend des 15. Mai 2009 (Freitag) als Sängerin an einem 

Chorkonzert in C._____ teilgenommen. Nach ihrem Auftritt begab sie sich ca. um 

22.00 Uhr in Begleitung von zwei Kolleginnen (D._____ und E._____, vgl. Urk. 2/3 

S. 20) zum Bahnhof. Mit der einen trank sie unterwegs aus einer zuvor in der 

Garderobe entdeckten Flasche eine nicht genau bestimmte Menge einer alkohol-

haltigen Flüssigkeit. Am Bahnhof verabschiedeten sich die Begleiterinnen von ihr. 

Die Geschädigte begab sich darauf zum nahe gelegenen Stadtpark F._____ (vgl. 

Plan Urk. 1/6). 

Im F._____park kam es nun zu sexuellen Handlungen zwischen ihr und mehreren 

Mitgliedern einer Gruppe von männlichen Oberstufenschülern, namentlich zu 

Oralverkehr (Fellatio), unter anderem auch mit dem damals 17 Jahre und einen 

Monat alten A._____ (nachfolgend: Angeklagter). Dieser vollzog zudem mit der 

auf einer Parkbank sitzenden Geschädigten in Anwesenheit der anderen Schüler 

den Geschlechtsverkehr. 

Nach weiteren sexuellen Handlungen wurde die Geschädigte schliesslich von ei-

nem Mitglied dieser Gruppe nach Hause begleitet, wo sie ca. um Mitternacht ein-

traf und von ihrer fast gleichaltrigen "Stiefschwester" G._____ zu Bett gebracht 

wurde. 

2. Am Morgen des 28. Mai 2009 erstattete H._____ (nachfolgend: H._____), die 

Pflegemutter der Geschädigten, telefonisch Anzeige bei der Kantonspolizei Zürich 

und gab an, die Geschädigte sei am 15. Mai 2009 im Park von 7 Jugendlichen 

sexuell missbraucht worden (Urk. 1/3 S. 10). H._____ hielt sich im Zeitpunkt der 

Anzeige bei der Schulleitung auf (Urk. HD 1/5). 

-   6   - 

Es wurde darauf eine Strafuntersuchung durch die Jugendanwaltschaft Limmattal 

/ Albis (nachfolgend: Juga) eingeleitet (vgl. Urk. 1/14). Am 3. Juni 2009 kam es in 

diesem Zusammenhang zu zahlreichen Festnahmen. Der Angeklagte wurde da-

rauf in Untersuchungshaft versetzt (Urk. 9/7). 

3. Nach der ersten Befragung der Geschädigten am 29. Mai (nicht 7. Oktober!) 

2009 (vgl. Urk. 2/2 [DVD-Aufnahme] in Verbindung mit 2/3 [Abschrift]), wurde (un-

ter anderem) der Angeklagte am Morgen des 3. Juni 2009 festgenommen (Urk. 

9/2). Er wurde am Nachmittag des 15. Juni 2009 entlassen (Urk. 9/10), doch ord-

nete die Juga mit Verfügung vom 17. Juni 2009 seine vorsorgliche Unterbringung 

im Sinne von Art. 5 i.V.m. Art. 15 Abs. 1 JStG an und wies ihn der Institution 

I._____ zu (Urk. 5/1). 

4. Nach durchgeführter Untersuchung erhob die Juga am 5. Oktober 2010 beim 

Jugendgericht Horgen gegen den Angeklagten Anklage wegen Schändung. Sie 

beantragte eine bedingte Freiheitsstrafe von 6 Monaten, verbunden mit einer per-

sönlichen Betreuung und einer Begleitung durch eine Sozialarbeiterin der Juga 

(Urk. 11 und 25).  

Das Jugendgericht Horgen führte am 9. Dezember 2010 die Hauptverhandlung 

durch (Prot. I S. 3-8). Der Angeklagte liess einen Freispruch beantragen (Urk. 28 

S. 23). Die Geschädigte forderte von ihm eine Genugtuung von Fr. 6'000 nebst 

Zins (Urk. 26). 

Mit Urteil vom 9. Dezember 2010 sprach das Jugendgericht Horgen den Ange-

klagten schuldig der Schändung im Sinne von Art. 191 StGB. Es bestrafte ihn mit 

6 Monaten Freiheitsentzug unter Anrechnung von 13 Tagen Haft. Es gewährte 

ihm den bedingten Strafvollzug bei einer Probezeit von einem Jahr. Gleichzeitig 

wurde eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 14 Abs. 1 JStG angeordnet, 

von der von der Juga beantragten Anordnung einer persönlichen Betreuung des 

Angeklagten jedoch abgesehen. In teilweiser Gutheissung der Klage der Geschä-

digten wurde der Angeklagte verpflichtet, dieser eine Genugtuung von Fr. 3'000 

zu bezahlen. 

-   7   - 

5. Das Urteil des Jugendgerichts Horgen wurde den Parteien im Dispositiv schrift-

lich eröffnet, dem Angeklagten und der Geschädigten am 7., der Juga am 10. Ja-

nuar 2011 (Urk. 24/1-3).  

Der Angeklagte liess am 10. Januar 2011 Berufung erklären (Urk. 29), die Juga 

am 11. Januar 2011 (Urk. 30).  

6. Den Parteien wurde hierauf das schriftlich begründete Urteil (Urk. 34) am 22. 

März 1011 zugestellt (Urk. 35/1-3).  

6.1 Die Juga beschränkte hierauf ihre Berufung auf die Strafzumessung und die 

Frage der Anordnung einer persönlichen Betreuung. Gleichzeitig begründete sie 

ihre Berufung und machte geltend, die ausgefällte Strafe sei für den ungeständi-

gen Angeklagten zu milde ausgefallen; sie sei auf 10 Monate Freiheitsentzug 

festzusetzen. Zur Verringerung der Rückfallgefahr sei zudem eine persönliche Be-

treuung in Form einer Familienbegleitung anzuordnen (Urk. 37). 

6.2 Der Angeklagte hielt an seiner vollumfänglichen Berufung fest. Er machte im 

Wesentlichen geltend, soweit überhaupt verwertbare Aussagen vorlägen, sei nicht 

rechtsgenügend erstellt, dass die Geschädigte im Zeitpunkt des sexuellen Ver-

kehrs mit dem Angeklagten "für alle erkennbare absolute Bewusstseinsverluste 

hatte und die Situation nicht mehr erfassen konnte", wie dies die Vorinstanz in ih-

rem Urteil angenommen habe (Urk. 38 S. 1). Gerügt wurde eine Verletzung des 

Anklageprinzips, weil die Anklage nicht unterscheide, in welchem Zustand sich die 

Geschädigte während der einzelnen, über 90 Minuten dauernden sexuellen Hand-

lungen, namentlich während jenen mit dem Angeklagten, befunden habe (S. 2). 

Einwände des Angeklagten gegen die Aussagen der Geschädigten seien unbe-

rücksichtigt geblieben (S. 2). Sodann habe das Jugendgericht seinen Entscheid 

unter anderem auf Aussagen von J._____ (nachfolgend: J._____) und K._____ 

(nachfolgend: K._____) abgestützt, obwohl der Angeklagte mit diesen nie kon-

frontiert worden sei. Weiter sei L._____ (nachfolgend: L._____) zwar mit dem An-

geklagten am 15. Juni 2009 konfrontiert worden, doch habe das Jugendgericht 

dann auch noch dessen spätere Aussagen zur Belastung herangezogen (S. 2 f.). 

Zudem rügt der Angeklagte die Art der Durchführung der Konfrontationseinver-

-   8   - 

nahmen als suggestiv. Verwertbar seien schliesslich nur die Aussagen der Ge-

schädigten und des Angeklagten selbst. Diese liessen indessen den Schuld-

spruch nicht zu (S. 3). Zu Unrecht habe die Vorinstanz das Vorliegen der objekti-

ven Tatbestandsmerkmale der Widerstandsunfähigkeit resp. Urteilsunfähigkeit im 

Sinne von Art. 191 StGB bejaht (S. 4).  

7. Die Beanstandungen wurden der Geschädigten am 26. April 2011 zugestellt 

(Urk. 40 und 41). Sie erhob mit Eingabe vom 27. April 2011 Anschlussberufung 

(Urk. 42). Darin hielt sie an ihrer ursprünglichen Genugtuungsforderung an den 

Angeklagten fest und rügte den vom Jugendgericht zugesprochenen Betrag als 

der erlittenen Unbill nicht angemessen. 

II. 

1. Am 1. Januar 2011 sind die Schweizerische Strafprozessordnung (StPO) und 

die Schweizerische Jugendstrafprozessordnung (JStPO) in Kraft getreten. Ge-

mäss Art. 453 Abs. 1 StPO werden Rechtsmittel nach bisherigem Recht und von 

den bisher zuständigen Behörden beurteilt, wenn der angefochtene Entscheid 

noch vor Inkrafttreten der Eidgenössischen Strafprozessordnung gefällt worden 

ist. Eine identische Regel enthält auch Art. 51 Abs. 1 JStPO. 

Die Berufung gegen das Urteil des Jugendgerichts Horgen vom 9. Dezember 

2010 ist somit grundsätzlich nach den Regeln der Zürcher Strafprozessordnung 

zu beurteilen. Gemäss Art. 52 JStPO ist dabei zwar den "Grundsätzen" der 

Schweizer Jugendstrafprozessordnung Rechnung zu tragen. Das ändert aller-

dings nichts daran, dass Verfahrenshandlungen, die vor Inkrafttreten der JStPO 

angeordnet oder durchgeführt worden sind, ihre Gültigkeit behalten (Art. 47 Abs. 2 

JStPO). 

2. Die Berufungserklärungen, die Beanstandungen wie auch die Anschlussberu-

fung sind gemäss Strafprozessordnung des Kantons Zürich rechtzeitig und in zu-

lässiger Form erfolgt. 

-   9   - 

3. Mit Eingabe vom 30. Mai 2011 liess der Angeklagte die Einvernahme von 

J._____ und L._____ beantragen (Urk. 50). Er begründete dies damit, dass die 

Vorinstanz ihre Aussagen zu seiner Belastung herangezogen habe, obwohl er mit 

den Beiden nicht oder nur in ungenügendem Ausmass konfrontiert worden sei. 

Diesem Beweisantrag wurde nicht stattgegeben; zur Begründung kann auf die 

nachfolgenden Erwägungen verwiesen werden. 

Weitere Beweisanträge wurden nicht gestellt. 

4. Der Angeklagte rügt unter anderem eine Verletzung des Anklageprinzips. Zu-

sammengefasst macht er geltend, diese beschreibe den inkriminierten Sachver-

halt zu wenig genau. 

4.1 Gemäss § 162 Abs. 1 Ziffer 2 ZH-StPO bezeichnet die Anklageschrift - kurz, 

aber genau - "die ihm [d.h. dem Angeklagten] zur Last gelegten Handlungen oder 

Unterlassungen unter Angabe aller Umstände, welche zum gesetzlichen Tatbe-

stand gehören, sowie unter möglichst genauer Angabe von Ort und Zeit und an-

deren Einzelheiten, so dass der Angeklagte daraus ersehen kann, was Gegen-

stand der Anklage bildet. Blosse Strafzumessungsgründe (Art. 47 ff. StGB) sind 

nicht aufzuführen".  

4.2 Dem Angeklagten wird vorliegend schon im Ingress der Anklage der Vorwurf 

gemacht, er habe "teilweise als Mittäter" zusammen mit weiteren Jugendlichen 

"eine urteilsunfähige oder eine zum Widerstand unfähige Person in Kenntnis ihres 

Zustandes zum Beischlaf, zu einer beischlafsähnlichen oder einer anderen sexu-

ellen Handlung missbraucht". Die Person des Tatopfers wird in der Folge mit Vor- 

und Nachnamen angeführt, ebenso Datum und nähere Ortsbezeichnung der in-

kriminierten Handlung. Angeführt sind sodann die Namen und Vornamen von 5 

"Mittätern" (L._____, J._____, M._____, N._____ und K._____) sowie 2 Gehilfen 

(O._____ und P._____). 

Die Anklageschrift hält sodann unmissverständlich fest, die Jugendlichen - mithin 

auch der Angeklagte - hätten im Park die ihnen von der Schule bekannte Ge-

schädigte gefunden. Diese sei da "auf einer Bank" gesessen und habe "aufgrund 

-   10   - 

ihrer Betrunkenheit" teilweise "wie schlafend" ausgesehen, nicht mehr richtig 

sprechen und nicht selbständig gehen können. Sie sei wiederholt von der Bank 

gefallen, mehrmals mit dem Kopf auf dem Boden aufgeschlagen und sei einmal 

sogar "kurze Zeit bewusstlos am Boden liegen geblieben". 

Sodann hält die Anklage fest, die Geschädigte sei von mehreren Jugendlichen 

ausgezogen worden, als sie noch auf der Bank gesessen habe. Dagegen habe 

sie sich nicht zur Wehr gesetzt, "da sie aufgrund ihres alkoholisierten Zustandes" 

nicht zu einer Gegenwehr fähig gewesen sei. Die Angeschuldigten hätten dies 

gewusst oder zumindest in Kauf genommen.  

Die Anklage beschreibt damit in aller Deutlichkeit, dass die Geschädigte beim be-

schriebenen Vorfall von Beginn weg derart stark unter dem Einfluss von Alkohol 

stand, dass sie den sexuellen Zudringlichkeiten der anderen Jugendlichen nichts 

entgegensetzen konnte bzw. zum Widerstand unfähig gewesen sein soll. Die An-

klage behauptet auch unmissverständlich, die Angeschuldigten hätten diesen Zu-

stand der Geschädigten erkannt oder hätten das Vorliegen eines solchen zumin-

dest in Kauf genommen. 

Die Anklage beschreibt sodann nur sexuelle Handlungen, die sich unmittelbar an 

dieses Entkleiden anschlossen. Diese werden konkretisiert. Namentlich wird dem 

Angeklagten vorgeworfen, auch er habe seinen teilweise erigierten Penis in den 

Mund der Geschädigten gesteckt und sich von ihr "oral befriedigen" lassen. 

Der Vorwurf wird damit hinreichend konkretisiert. Es tut den Verteidigungsrechten 

des Angeklagten keinen Abbruch, wenn die Anklage sich nicht festlegt, an wel-

cher Stelle er sich in die Reihe der Täter eingefügt hatte und wo genau - auf der 

Bank oder hinter einem nahe gelegenen Baum - er selber zu einer Fellatio ge-

kommen war. 

Der Anklage lässt sich sodann klar entnehmen, dass der Angeklagte zuschaute, 

während es auch zwischen der Geschädigten und L._____, M._____, N._____ 

und K._____ (4 der Mittäter) zur Fellatio kam und während es zu weiteren sexuel-

len Übergriffen seitens von J._____, L._____, M._____, und K._____ gekommen 

-   11   - 

war. Dem Angeklagten selber wird vorgeworfen, mit ihr den Geschlechtsverkehr 

auf der Bank vollzogen zu haben, während die anderen zuschauten. Zuvor habe 

ihm O._____ ein Kondom übergeben, dies im Wissen, dass die Geschädigte nicht 

in der Lage gewesen sei zu entscheiden, ob sie den Geschlechtsverkehr mit dem 

Angeklagten vollziehen wolle oder nicht. Zwar beschreibt die Anklage damit nur 

explizit, worin beim Delikt eine Gehilfenschaft von O._____ begründet sein soll. 

Es kann aber nicht im Ernst behauptet werden, damit werfe die Anklage nicht 

gleichzeitig auch dem Angeklagten als Haupttäter vor, er habe den anschliessen-

den Geschlechtsverkehr mit einer Urteilsunfähigen vollzogen, dies im Wissen um 

ihren Zustand, zumal ein solches Wissen ja schon weiter vorne in der Anklage-

schrift behauptet wurde. Sodann hält die Anklage abschliessend nochmals aus-

drücklich fest, namentlich der Angeklagte habe gewusst oder zumindest in Kauf 

genommen, dass die Geschädigte "aufgrund ihrer Alkoholisierung und zeitweisen 

Bewusstlosigkeit" nicht in der Lage gewesen sei, darüber zu entscheiden, ob sie 

"die sexuellen Handlungen mit den Angeschuldigten" vornehmen wolle. 

Der Anklagevorwurf ist damit hinreichend umschrieben, und der Angeklagte kann 

jedenfalls aufgrund der Anklageschrift ohne weiteres ersehen, was ihm konkret 

vorgeworfen wird. Er war ja auch offenkundig in der Lage, sich mit dem Sachver-

halt differenziert auseinanderzusetzen und sich dagegen zu wehren. 

Das Anklageprinzip ist nicht verletzt und auf die Anklage deshalb einzutreten. Ob 

sich die in der Anklage enthaltenen Behauptungen und Vorwürfe in objektiver und 

subjektiver Hinsicht rechtsgenügend erstellen lassen, ist eine Frage der nachfol-

genden Beweiswürdigung. 

III. 

1.1 Es ist - wie schon einleitend festgehalten - unbestritten, dass es am fraglichen 

Abend zwischen dem Angeklagten und der Geschädigten im F._____park zu 

Oralverkehr (Fellatio) gekommen war. Mehr als eine einmalige derartige Aktion 

zwischen den beiden lässt sich der Anklageschrift allerdings nicht entnehmen. 

Unbestritten ist sodann der Vollzug des Geschlechtsverkehrs. Unbestritten ist 

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schliesslich, dass während der ganzen Zeit rund ein halbes Dutzend weitere jun-

ge Männer anwesend und zumindest teilweise ebenfalls an sexuellen Handlungen 

mit der Geschädigten beteiligt waren. 

Die Geschädigte war zwar im Zeitpunkt des Vorfalls erst 14 ½ Jahre alt. Der Al-

tersunterschied zum etwas älteren Angeklagten beträgt allerdings weniger als drei 

Jahre. Obwohl hier von einer partnerschaftlichen Beziehung zwischen den beiden 

Jugendlichen wohl nicht im Ernst gesprochen werden kann, lässt Art. 187 Ziff. 2 

StGB eine Bestrafung des Angeklagten wegen einer Gefährdung der sexuellen 

Entwicklung der Geschädigten bzw. wegen sexueller Handlungen mit einem Kin-

de im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB nicht zu.  

Die Anklage behauptet nicht ansatzweise, dass der Angeklagte die Geschädigte 

genötigt hatte, namentlich durch eine Drohung, Anwendung von Gewalt oder in-

dem er sie unter psychischen Druck gesetzt oder zum Widerstand unfähig ge-

macht hätte. Auch das Ausnützen eines Abhängigkeitsverhältnisses oder einer 

Notlage sind nicht Thema der Anklage.  

1.2 Es wird sodann vom Angeklagten weder bestritten, dass die Geschädigte im 

Zeitpunkt der sexuellen Handlungen alkoholisiert war noch behauptet er, dies 

nicht bemerkt zu haben (Prot. I S. 4). Er bestreitet jedoch, dass sie wegen des Al-

koholkonsums in einem urteilsunfähigen Zustand und widerstandsunfähig gewe-

sen sei, geschweige denn sei solches von ihm festgestellt oder auch nur in Kauf 

genommen worden. 

Es ist somit im vorliegenden Berufungsverfahren primär zu erstellen, dass die 

Geschädigte während der Handlungen des Angeklagten sich tatsächlich in einem 

Zustand der Urteilsunfähigkeit befunden hatte oder zum Widerstand unfähig war 

und - gegebenenfalls - dass der Angeklagte dies wahrgenommen oder zumindest 

in Betracht gezogen und sich damit abgefunden hatte. 

2. Ein objektiver Sachbeweis für den tatsächlichen Zustand der Geschädigten im 

Zeitpunkt der Tat oder auch nur kurze Zeit danach, liegt nicht vor. Die Strafunter-

suchung konnte erst rund zwei Wochen nach dem Vorfall anhand genommen 

-   13   - 

werden, nachdem er bei den Strafverfolgungsbehörden zur Anzeige gebracht 

worden war. Einen medizinischen Befund für den Zeitraum unmittelbar oder auch 

nur Stunden nach der Tat gibt es nicht; bezüglich der Geschädigten enthalten die 

Akten keinerlei medizinische oder physiologische Daten. 

2.1 Es steht vorab nicht fest, was für eine Flüssigkeit die Geschädigte tatsächlich 

getrunken hatte und in welchen Mengen. Leider können den Akten zudem nicht 

einmal Angaben zu ihrer Körpergrösse und namentlich ihrem damaligen Körper-

gewicht entnommen werden. Immerhin lassen die am 29. Mai 2009 erstellten 

DVD-Aufnahmen nicht den Schluss zu, es handle sich bei ihr körperlich um eine 

aussergewöhnliche Erscheinung. Sie ist jedenfalls weder besonders klein noch 

mager. Gemäss Spezialistenbericht zur Videobefragung wirkte sie "altersadäquat 

entwickelt".  

2.2 Auszugehen ist bei der Beweisführung somit von den Angaben der Geschä-

digten; diese sind sodann einer kritischen Prüfung zu unterziehen. 

2.2.1.1 In der ersten Einvernahme, am 29. Mai 2009 (DVD-Aufnahmen, Urk. 2/2), 

gab die Geschädigte auf entsprechende Fragen an, der Vorfall habe sich am Frei-

tagabend vor 2 Wochen ereignet (vgl. Schriftprotokoll in der Dialektfassung, Urk. 

2/3 S 5 ff.), dies zwischen 22.30 und 24.00 Uhr. Um 24.00 Uhr sei sie zuhause 

gewesen (S. 6). Das Chorkonzert habe zuvor von 19.30 bis um 22.00 Uhr gedau-

ert. Es habe in der Turnhalle des Q._____-Schulhauses stattgefunden. Nach dem 

Konzert sei sie von dort zusammen mit zwei Kolleginnen in Richtung Bahnhof 

C._____ gegangen. Zuvor hätten sie in der Garderobe roten Vodka ("so en rote 

Vodka") gesehen. Sie hätten gedacht, davon wollten sie probieren, und ihn mit-

genommen. Sie hätten gesehen, dass auch andere getrunken hätten oder dies 

einfach gehört; man habe es auch gemerkt ("e chli gmerkt und so"). Wer den 

Vodka mitgebracht habe, hätten sie nicht gewusst. Auf dem Weg seien sie dann 

hinter die "…" gestanden und hätten gedacht, sie würden jetzt mal probieren. Die 

Geschädigte gab an dieser Stelle mit einer Geste an, die Flasche sei noch knapp 

halbvoll gewesen. (Sie zeigte mit Daumen und Zeigefinger eine Distanz von ca. 

10 cm an. Urk. 2/2, 00.12.04.10.) Sie hätten dann einfach ein wenig ("sochli") ge-

trunken und gefunden, es sei nicht gut ("nöd fein") aber auch nicht schlecht ("au 

-   14   - 

nöd grusig so"). Sie hätten dann zusammen getrunken. Dann seien sie zum 

Bahnhof hinuntergegangen ("abegloffe"). "Sie" (gemeint die beiden Kolleginnen) 

seien dann mit dem Bus weg ("uf dä Bus"), während sie erklärt habe, sie gehe zu 

Fuss nach Hause ("ich lauf jetzt hei"). Auf Nachfragen bestätigte sie, sie habe al-

leine nach Hause gehen wollen; da sei es etwa 22.30 Uhr gewesen (S. 7). Sie sei 

dann hinaufgegangen ("ufegloffe"), nachher zum See hinunter; letzteres sei ihr 

erst gestern in den Sinn gekommen. Sie glaube, da sei sie alleine gewesen. Sie 

sei am See zuerst "hinten durch" gegangen. Nachher sei sie durch eine der bei-

den dortigen Unterführungen wieder auf die andere Seite des Bahnhofs, wo sich 

auf der anderen Strassenseite ein Park befinde. Sie sei dann durch diesen Park 

gegangen, weil sie nach Hause gewollt habe. Dafür müsse sie durch diesen Park 

und nachher "hinauf" gehen. Von da an wisse sie eigentlich nichts mehr. Sie wis-

se nur noch, wie sie in den Park hineingegangen sei. 

Die Geschädigte fügte nun an, sie habe nur noch einzelne Bilder im Kopf, wie sie 

auf dem Bänklein gesessen sei und die Hosen nicht mehr "angehabt" habe. Sie 

habe "unten" nichts mehr getragen ("a gha"), oben ein Jäcklein. Vor ihr sei der 

Angeklagte ("de A._____") gestanden mit heruntergelassener Hose und die ande-

ren sechs oder fünf Knaben ("Buebe"), die sie alle angeschaut hätten. O._____ 

sei etwas auf der Seite gestanden und habe gesagt, sie (gemeint: die anderen) 

sollten aufhören, er könne nicht mehr zusehen ("Ich chan das nüme aluege"; "hör-

red uf" und so...). Nachher wisse sie nicht mehr viel, nur, dass sie geschlagen 

worden sei, glaublich vom Angeklagten, und dass sie zwischendurch noch ir-

gendwie herumgeschrien habe. Das wisse sie, weil sie "es" nicht gewollt habe. 

Am Schluss seien dann noch O._____ und L._____ dort gewesen. Diese hätten 

sie dann angezogen. Anschliessend sei O._____ auf den Bus, um nach Hause (in 

die R._____) zu fahren. L._____ habe sie nach Hause begleitet, wobei sie sich 

nur noch an einen Teil des Weges erinnere. Ihre Schwester sei zuhause gewesen 

und habe sie zu Bett gebracht. 

Auf die Frage nach dem Grund, warum sie "plötzlich" nichts mehr wisse (00:16:27 

ff.), erklärte sie sogleich, das sei die Wirkung des Alkohols gewesen ("Also das 

isch dä Alkohol gsi.") Sie fügte sogleich an, sonst noch nie Alkohol getrunken zu 

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haben; sie sei sich das nicht gewohnt. Auf die Frage, wie viel sie getrunken habe, 

zeigte sie mit Zeigefinger und Hand etwa die Grösse einer Magnumflasche (mehr 

als 30 cm an). Darauf zeigte sie an, diese Flasche sei noch etwa halbvoll gewe-

sen, und sie erklärte, den Inhalt gemeinsam mit der Kollegin (Singular) getrunken 

zu haben. Auf Nachfrage erläuterte sie, in der Flasche sei noch etwas weniger als 

die Hälfte gewesen. Sie und ihre Kollegin hätten abwechslungsweise aus der Fla-

sche getrunken. 

Auf die Frage, welche Wirkung sie gespürt habe, erklärte die Geschädigte, am 

Anfang spüre man noch nichts, dann werde es ein wenig warm, komisch halt, 

man sei nicht ganz normal. Als sie dann hinaufgegangen sei, habe sie gemerkt, 

dass es irgendwie nicht mehr lustig sei. Sie habe gemerkt, dass sie sich nicht 

mehr wirklich unter Kontrolle gehabt habe. Sie sei dann in den Park und habe da 

gemerkt, sie hätte "es" nicht tun sollen, denn es sei nicht mehr lustig. Sie habe 

gemerkt, dass es nicht mehr gut sei und sie sich nicht mehr unter Kontrolle habe. 

Auf Nachfrage erläuterte sie, sie sei "komisch gloffe", sie habe gemerkt, sie sei 

nicht mehr normal und gehe nicht mehr normal. Es sei "einfach ....ja" - die Ge-

schädigte verwarf ihre Arme (00:18:50:20). Von da an wisse sie nicht mehr, was 

gewesen sei, sie habe nur noch ein paar wenige Bilder, darum könne sie ja auch 

genau sagen, wer dabei gewesen sei. Sie sehe einfach noch Bilder, wie sie die 

einzelnen sehe, sonst wisse sie "nicht mehr viel". 

Auf die Frage, ob sie die anderen denn schon gesehen habe, als sie in den Park 

hineingegangen sei, meinte die Geschädigte, da sei sie auch schon die ganze 

Zeit am "herumstudieren"; sie wisse es nicht mehr. Sie glaube aber nicht; sie 

glaube, sie sei von selber auf das Bänklein gesessen. Einfach, um hinzusitzen, 

sie wisse es nicht mehr. Das sei ihr Problem, sie sei die ganze Zeit am Studieren 

und wisse "es" nicht mehr. 

Die Frage, ob die anderen denn auch am Konzert gewesen seien, bejahte sie zu-

erst; sie seien vorne gewesen. Nachher korrigierte sie, ein Teil sei drinnen, ein 

Teil draussen gewesen; sie wisse nicht mehr wer.  

-   16   - 

Auf die Frage, woran sie sich als erstes erinnere, wiederholte die Geschädigte, 

sie sei auf dem Bänklein gewesen, habe unten nichts mehr getragen und oben 

ein Jäcklein. Vor ihr sei der Angeklagte gestanden; er habe die Hosen unten ge-

habt. Die anderen seien so irgendwie dahinter gestanden. Sie erstellte diesbezüg-

lich eine Skizze (Urk. 2/4), wobei sie laufend zum Ausdruck brachte, nicht mehr 

ganz sicher zu sein. Dabei ordnete sie jedoch den einzelnen Personen die Namen 

der insgesamt 7 Beschuldigten zu. 

Auf die Frage, in welcher Position sie sich befunden habe, als sie "aufgewacht" 

sei, meinte die Geschädigte, das wisse sie auch nicht, sie sei "so auf dem Bänkli" 

gesessen und habe sich glaublich irgendwie festgehalten, sie wisse es nicht 

mehr, habe aber am andern Tag unter den Oberarmen und am Knie blaue Fle-

cken gehabt. Auf die Frage, ob ihr etwas weh getan habe, erläuterte sie, "einfach 

die Beine" (wobei sie sich an die beiden Oberarme fasste), im Genitalbereich "und 

so", aber sonst "eigentlich nicht so ...ja". Auf die Nachfrage, was ihr denn im Geni-

talbereich weh getan habe, fasste sie sich an den Bauch und erklärte: "Ja, einfach 

alles so...ja". 

Auf die Frage, ob sie schon einmal Geschlechtsverkehr gehabt habe, erklärte sie 

sofort: "Ja, ein Mal." Nach einigem Überlegen erklärte sie, das sei im Januar ge-

wesen, mit dem bereits erwähnten O._____.  

Auf die Frage, was sie denn nach dem Aufwachen beim Angeklagten sonst noch 

gesehen habe, abgesehen davon, dass er die Hose unten gehabt habe, fuchtelte 

die Geschädigte mit den Armen und erklärte, er sei "einfach nackt" vor ihr gestan-

den. Auf die Frage, wie der Penis gewesen sei, fügte sie sogleich an, dieser sei 

"steif" gewesen. Er habe ein Kondom getragen.  

Auf die Frage, was sie selber für ein Gefühl gehabt habe, als sie "aufgewacht" sei, 

"was passiert sei", meinte die Geschädigte, sie habe "einfach gemerkt", dass sie 

"...irgendwie...", dass sie sich nicht wehren könne, weil sie sich überhaupt nicht 

mehr unter Kontrolle gehabt habe. Sie habe einfach gewusst, dass sie "es" nicht 

gewollt habe. Sie glaube, sie habe sogar ein paar Mal um sich geschlagen und 

gesagt, "höred uf oder so". Sie wisse einfach, dass sie um sich geschlagen habe 

-   17   - 

"einmal", und sie habe einfach herumgeschrien, das wisse sie noch. Sonst - sie 

wisse es nicht mehr. Sie habe "eher so Bilder", die sie noch wisse.  

Sie wurde darauf gefragt, ob sie beschreiben könne, was "man" an ihr gemacht 

habe, was sie da für "Bilder" habe. Nach einigem Zögern erklärte sie dann, sie 

wisse einfach noch, dass der Angeklagte in sie eingedrungen sei, das habe sie 

gespürt. Sie wisse nicht mehr "wie - wo", sie sei einfach auf dem Bänklein gewe-

sen. Einmal habe sie "einer" geschlagen, und sie glaube eben auch, das sei der 

Angeklagte gewesen, weil die anderen, "soweit" sie wisse, nichts gemacht hätten; 

diese hätten nur zugeschaut. Das Eindringen des Angeklagten habe ihr einfach 

weh getan, und sie habe gemerkt, dass sie es nicht wolle, "eigentlich". Sie wisse 

nicht, ob er einen Orgasmus gehabt habe. 

Auf die erneute Frage, was denn passiert sei, als sie "aufgewacht" und der Ange-

klagte vor ihr gestanden sei mit einem erigierten Penis, wiederholte sie, er sei ein-

fach gerade vor ihr gestanden und sie sei einfach auf dem Bänklein gesessen, die 

anderen hinter ihm. Sie wisse nicht, was nachher gewesen sei. Sie wisse wirklich 

nur, dass er so dort gestanden sei und sie auf dem Bänklein. Sie wisse nicht, ob 

er etwas gesagt habe oder so. 

Prompt fasste die Befragerin nach und wollte wissen, was ihr dann die Sicherheit 

gebe, dass er in ihre Scheide eingedrungen sei, worauf die Geschädigte beteuer-

te, das habe sie gespürt, eigentlich schon, sie sei "fast", sie sei "eigentlich" sicher. 

Auf die Frage, in welcher Position er da gewesen sei, erklärte sie wiederum, das 

wisse sie eben gerade nicht ("eben öd, nei eben öd", "würkli nöd"). Die Hose und 

die Unterhose habe sie da nicht mehr getragen. Sie glaube, diese seien auf dem 

Boden gewesen, denn am Schluss seien sie ihr einfach wieder angezogen wor-

den. 

Erneut wollte die Befragerin wissen, was geschehen sei, nachdem der Angeklagte 

vor ihr gestanden sei, und wie es nachher weitergegangen sei, worauf die Ge-

schädigte wieder erklärte, er sei einfach dort gestanden und die anderen dahinter. 

Angezogen worden sie sei am Schluss von L._____ und glaublich auch von 

O._____. Die Schuhe (schwarze Ballerina) seien unauffindbar gewesen. Nach 

-   18   - 

Hause begleitet habe sie dann nur L._____. Sie habe sich nachher erinnern kön-

nen, dass ihm O._____ aufgetragen habe, sie zu begleiten. Sie wisse auch noch, 

wie sie mit ihnen aus dem Park gegangen sei und sich an ihnen festgehalten ha-

be, damit sie nicht umfalle. Sie sei dann mit "ihnen" einen steilen Weg hinaufge-

gangen. Dort habe "er" gesagt, er gehe jetzt, und auf ein Mal sei sie vor der Haus-

türe gestanden und ihre Schwester habe ihr aufgemacht. 

Auf die Frage, wie diese reagiert habe, meinte sie, diese sei erschrocken. Am an-

dern Tag habe die Schwester ihr erzählt, sie habe die Unterhose nicht normal ge-

tragen und sie habe gemerkt, dass "irgendetwas" nicht gut sei. Sie habe ihr am 

Abend den Kopf unter das Wasser gehalten. Sie habe sie dann ausgezogen, sie 

abgeschminkt, gewaschen, ihr die Zähne geputzt. Nachher sei sie, die Geschä-

digte, zu Bett gegangen. Die Schwester habe ihr noch erzählt, sie habe "die gan-

ze Zeit erbrechen" müssen "und so". 

Auf die Frage, ob sie am anderen Tag noch Schmerzen gehabt habe, meinte sie, 

"ein wenig", dies "unten", sonst einfach, wenn sie sich sonst einfach so an den 

Oberarmen oder an den Knie angefasst habe. "Sonst" sei es ihr eigentlich gut ge-

gangen. Als die Befragerin nachfasste, fügte sie an, auch Schmerzen an den 

Schamlippen gehabt zu haben. Sonst habe sie aber keine Verletzungen festge-

stellt (S. 14). 

Die Geschädigte erwähnte schliesslich, ihre Mutter sei über den Vorfall durch ihre 

Schwester informiert worden, worauf die Befragerin wissen wollte, wann sie sel-

ber es denn G._____ erzählt habe. Die Geschädigte erklärte darauf, soviel sie 

wisse, sei das am anderen Tag gewesen. Auf die Frage, warum sie dann keinen 

Arzt aufgesucht habe, erklärte die Geschädigte, sie habe am andern Tag die Be-

teiligten ("all die") wieder gesehen, und diese hätten so getan, als ob nichts ge-

wesen wäre, weil sie gedacht hätten, sie wisse nichts mehr. Sie habe dann 

J._____ ("…") angesprochen und wissen wollen, was "gestern" passiert sei. Die-

ser habe gemeint, es sei nichts gewesen. Sie habe gemerkt, dass er habe weg-

schauen müssen und es ihm leid getan habe. Es sei ihr den ganzen Tag schlecht 

gewesen. Sie habe deshalb am fraglichen Abend auch nicht mehr singen können. 

Der Lehrer habe sie weggeschickt, weil ihr schlecht gewesen sei. Es seien dann 

-   19   - 

alle dort draussen gewesen. J._____ ("…") habe ihr gesagt, sie solle schnell mit-

kommen, und die anderen seien weggegangen. Danach habe sie mit J._____ 

("…") gesprochen. Sie sei zu ihm hingegangen und habe gefragt: "Was ist pas-

siert?", er solle ehrlich sein. Zuerst habe er dann so ein wenig erzählt, was gewe-

sen sei. Zuerst habe er nichts gesagt, worauf sie ihn gefragt habe: "Habt ihr mich 

vergewaltigt?" Er habe darauf gesagt: "Nein, es ist nicht so gewesen." "Sie" wisse 

einfach, dass der Angeklagte in sie eingedrungen sei, aber sonst sei "eigentlich 

nichts passiert", das "wisse er". Sie sei betrunken gewesen. Sonst habe er "ei-

gentlich" nichts gesagt. Sie habe ihn dann gefragt, ob sie schwanger sein könnte, 

was er verneint habe, da "es ...mit Gummi" gewesen sei. Er habe auch erklärt, es 

tue ihm "mega leid", er habe "das" nicht gewollt, aber sich alleine nicht wehren 

können. 

Auf Befragen gab sie sodann an, "die" (gemeint die Angeklagten) hätten sich in 

der Schule nachher "ganz normal" verhalten.  

Sie erzählte nun, sie sei am fraglichen Samstag zuerst heim gegangen und dann 

wieder zurück, um ihre Schwester abzuholen, die im Chor mitgesungen habe. Da 

sei der Angeklagte gekommen und habe sie gefragt, was sie habe, weil er ge-

merkt habe, dass es ihr nicht gut gehe. Sie habe erwidert, was er so frage. Er ha-

be ja genau gewusst, was sie "gehabt" habe. Sie habe ihm dann gesagt, er solle 

weggehen. Als er nach erneuter Aufforderung nicht gegangen sei, habe sie ihn 

geschlagen ("eifach eis gschmiert", S. 17), worauf er sich entfernt habe. Später 

habe er in der Schule nochmals versucht, mit ihr zu sprechen, doch sei sie ein-

fach weggegangen. 

Es wurde ihr nun vorgehalten, sie habe bereits erwähnt, von jemandem geschla-

gen worden zu sein. Sie wurde gefragt, in welchem Zusammenhang das gewesen 

sein könne. Sie erklärte darauf, sie sei einfach dort auf dem Bänklein gesessen, 

sie sei nicht mehr ganz sicher, so wie sie wisse, sei es der Angeklagte gewesen. 

Der sei vorne gestanden. Er habe sie aber "glaub" nicht so richtig geschlagen, 

sondern habe es einfach lustig gefunden und sie "irgendwie" von der Seite (ge-

schlagen). Die Geschädigte liess einmal mehr den Satz offen und machte eine 

-   20   - 

fahrige Geste gegen ihre rechte Brust. Anschliessend verneinte sie jedenfalls, 

dass ihr an den Brüsten etwas weh getan habe. 

Auf die Frage, warum sie so genau sagen könne, wer alles dabei gewesen sei, 

erklärte die Geschädigte, im Moment, als sie den Angeklagten gesehen habe, ha-

be sie herumgeschaut. Sie habe die anderen erkannt, weil sie sie kenne und die-

se immer zusammen seien. Sie habe noch das Bild im Kopf. Nach längerem 

Überlegen meinte sie, der Angeklagte sei glaublich schwarz angezogen gewesen. 

Auf entsprechende Frage erklärte sie, sie glaube nicht, während der Vorfalls ge-

küsst worden zu sein. Auf die Frage, ob sie an einem der Anwesenden etwas ha-

be machen müssen, antwortete sie: "Nicht, dass ich wüsste." Sie könne sich auch 

nicht erinnern, ob der Angeklagte etwas zu ihr gesagt habe. Sie könne sich aber 

erinnern, ein paar Mal geschrien zu haben, aber nicht lauthals, und sie glaube, sie 

habe auch immer den Kopf geschüttelt (S. 18). 

Sie fügt an, es sei ihr "nachher" aufgefallen, dass O._____ am anderen Tag oder 

am dritten Tag mit ihrer Schwester, die zusammen mit ihm in die gleiche Klasse 

gehe, gesprochen habe. Sie schilderte dann (reichlich konfus, hier gekürzt wie-

dergegeben), die Schwester habe O._____ gesagt, sie wisse was passiert sei, 

worauf er ihr dann alles erzählt habe, was passiert sei. Er habe ihr unter anderem 

auch gesagt, sie habe immer den Kopf geschüttelt und herumgeschrien. Darauf 

sei ihr das dann selber wieder in den Sinn gekommen. Er habe der Schwester al-

les erzählen können, wie es gewesen sei. Als sie dann gekommen sei, habe die 

Schwester alles gewusst. Sie habe der Schwester darauf erklärt, sie habe selber 

schon am Samstag mit J._____ ("…") gesprochen. Es sei auch so, dass zwei an-

dere Kolleginnen, die am Chorkonzert gewesen seien, bzw. eine Kollegin am 

Abend mit zwei Kollegen am F._____park vorbeigegangen seien und sie schreien 

gehört hätten. Es handle sich um "S._____", die sie eigentlich nicht so gut kenne 

(S. 19). Diese habe ihr selber aber nichts gesagt; sie habe es von ihrer Kollegin 

T._____ erfahren. Darauf habe sie selber S._____ angesprochen; diese habe be-

stätigt, sie habe sie schreien gehört, sei dann aber schnell weggegangen, weil sie 

Angst bekommen habe. 

-   21   - 

Auf die Frage, wer inzwischen alles wisse, was ihr "passiert" sei, meinte die Ge-

schädigte - nach einer Rückfrage - das seien jetzt "recht viele". Sicher ihre Familie 

und jene "die es gewesen" seien. Das Problem sei eben, dass sie selber nicht 

wisse, wie viele davon wüssten. Es sei in ihrem Schulhaus ein "Gerücht" gewor-

den. Sie habe es dann ihren Klassenkolleginnen, denen sie sehr nahe stehe, er-

zählt und ihnen gesagt, sie wolle nicht, dass man es weitererzähle. Es sei dann 

aber bekannt geworden ("so isch nachher denn au us cho"), weil zwei (Mädchen) 

nachher zum Sozialarbeiter gegangen seien, weil es sie beschäftigt habe. 

Auf die Frage, wie es denn zur Anzeige gekommen sei, wie man sich zur Anzeige 

entschieden habe, erklärte die Geschädigte, das sei gewesen, nachdem "es" 

ausgekommen sei. Ihre Schwester habe "es" dann ihrer Mutter erzählt. Diese ha-

be dann herumtelefoniert. Irgendwann habe diese dann gesagt, es gebe ein Ge-

spräch mit Herrn U._____, Herrn V._____ (Schulleiter) und Frau W._____ (Sozi-

alarbeiterin) einerseits und ihr, ihrer Mutter und ihrer Schwester andererseits. Die-

ses Gespräch habe dann stattgefunden. Sie habe gar nicht sagen müssen, was 

passiert sei, denn "die" hätten es schon gewusst, einfach "nicht genau". Dann hät-

ten "die" einfach gesagt, man müsste "die" anzeigen. Auf die Frage, ob sie selber 

damit (mit der Anzeige) einverstanden gewesen sei, erklärte die Geschädigte, das 

Problem sei, dass sie nicht so genau wisse, was alles gewesen sei. Sicher ange-

zeigt werden müsse der Angeklagte. Die anderen hätten ja eigentlich nichts ge-

macht. Auf der anderen Seite müsse man diesen "sicher einfach klarstellen", dass 

"das" nicht gehe (S. 21). Auf der anderen Seite sei es sicher gut, dass sie dort 

gewesen seien, so habe sie Zeugen. Sicher werde sie O._____ nicht anzeigen, 

denn der habe ihr geholfen. Auf entsprechende Frage verneinte sie, dass einer 

der anderen Beteiligten die Hose unten gehabt habe und sie bekräftigte, diese 

hätten einfach zugeschaut. Sie ergänzte, sie glaube nicht, dass "sie" es gemacht 

hätten, wenn sie nicht betrunken gewesen wäre. Sie glaube auch nicht, dass sie 

"es" geplant hatten. Sie glaube einfach, sie sei "dort" hineingekommen und die 

anderen seien schon dort gewesen, dann hätten "sie" es einfach ausgenützt, weil 

sie gemerkt hätten, dass sie sich nicht unter Kontrolle habe (S. 22). 

-   22   - 

Nach einer Befragungspause wiederholte die Geschädigte (trotz suggestivem 

Vorhalt, es habe sich um eine verschlossene, volle Flasche gehandelt), es sei 

keine volle Flasche gewesen, es sei daraus schon mehr als die Hälfte bereits ge-

trunken worden, bzw. sie sei nicht mehr zur Hälfte voll gewesen. Sie hätten die 

Flasche dann leer getrunken (S. 23). Sie habe später erfahren, dass "nach dem 

Chor" ein paar sehr "besoffen" gewesen seien. Sie selber habe am fraglichen Tag 

vorher keinen Alkohol getrunken und auch keine Medikamente genommen. Sie 

habe allerdings zwei Tage lang nichts gegessen, weil sie "das Solo gehabt" habe 

und entsprechend nervös gewesen sei (S. 24). Sie erläuterte anschliessend ihren 

Heimweg ab Bahnhof. Auf entsprechende Frage bestätigte sie, sie habe via 

F._____park eigentlich ein wenig einen Umweg gemacht. Sie wisse nicht, wes-

halb (S. 25). 

Auf die Frage, wann sie die blauen Flecken entdeckt habe, erklärte sie, sie sei am 

andern Tag auf dem Sofa gelegen, weil es ihr so schlecht gewesen sei. Sie habe 

ein T-Shirt getragen und sei deshalb von der Mutter gefragt worden, was sie da 

habe. Sie habe geantwortet, das wisse sie nicht. Nachher sei sie duschen gegan-

gen und habe dabei unter beiden Oberarmen blaue Flecken gesehen (01.07.30). 

Sie denke, die seien durch die Lehne der Bank entstanden. Auch am Knie habe 

sie einen blauen Fleck gehabt. Vielleicht sei der entstanden, als sie am Boden 

gekniet sei "oder so", das wisse sie nicht mehr. Darauf wurde sie gefragt, ob es 

auch sein könnte, dass sie einmal umgefallen sei "theoretisch" (sic !), was von der 

Geschädigten ohne Zögern bestätigt wurde. Heute sehe man davon nichts mehr. 

Auf die Frage, ob sie das erste Mal zu Hause erbrochen habe, erklärte die Ge-

schädigte, dies sei noch vor der Haustüre gewesen (S. 26). Im Park habe sie 

glaublich nicht erbrochen; es sei ihr erst nachher hochgekommen, vielleicht brau-

che das seine Zeit (S. 27). 

2.2.1.2.1 Die Geschädigte schilderte anschaulich und an sich glaubhaft, dass sie 

nach ihrem Chorauftritt eine erhebliche Menge Alkohol getrunken hatte. Es ist 

auch ohne Weiteres nachvollziehbar, dass sie als 14 ½ Jahre alte Schülerin zu-

mindest nicht an den Genuss von alkoholischen Getränken gewöhnt ist, weshalb 

wohl schon ein vergleichsweise geringes Quantum deutliche Auswirkungen auf ih-

-   23   - 

re Körperfunktionen und auch auf ihr mentales Steuerungsvermögen haben konn-

te. Es ist auch durchaus glaubhaft, dass sie vor ihrem Auftritt aus Nervosität we-

nig oder gar nichts gegessen hatte, wenn auch ihre Angabe, zuvor zwei Tage 

nichts gegessen zu haben, zumindest stark übertrieben erscheint. 

Allerdings machte die Geschädigte keine präzisen Angaben zur Art und zur Men-

ge des eingenommenen Getränkes. Zwar spricht sie von rotem Vodka (vgl. Urk. 

2/3 S. 7), doch weist schon die angeführte Farbe darauf hin, dass es sich wohl 

eher um ein Mischgetränk, als um reinen Vodka mit 40 oder gar mehr Volumen-

prozent Alkohol gehandelt haben dürfte. In gleiche Richtung deutet auch die Be-

merkung, das Getränk sei weder "fein" noch "grusig" gewesen (S. 7). Will man ih-

rer Angabe Glauben schenken, sie habe noch nie zuvor überhaupt Alkohol ge-

trunken, erschiene es höchst unwahrscheinlich, dass sie in der geschilderten Si-

tuation freiwillig innert kürzester Zeit mehr als einen Deziliter hochprozentigen Al-

kohol zu sich genommen haben könnte. Sie erklärte jedenfalls nicht ansatzweise, 

das Getränk sei scharf gewesen und habe in der Kehle gebrannt. Sodann sind ih-

re nonverbalen Angaben zur Grösse der Flasche wenig glaubhaft. Es kann ge-

stützt darauf nicht einmal mit Sicherheit gesagt werden, dass es sich zumindest 

um eine Literflasche gehandelt haben musste. Wesentlich ist hingegen, dass sie 

mehrmals unmissverständlich angegeben hatte, die Flasche sei etwas weniger 

als halbvoll gewesen und sie habe den Inhalt mit ihrer Kollegin geteilt.  

In der späteren Einvernahme vom 11. März 2010 hatte die Geschädigte selbst 

angeführt, es habe sich beim Getränk um "Vodka Red Bull" gehandelt (Urk. 2/7 S. 

3). Dieses Getränk ist - soweit den Untersuchungsakten Angaben zu entnehmen 

sind - in Halbliter- oder 7-Deziliterflaschen im Handel und weist einen Alkoholgeh-

alt von 25 % auf (Urk. 1/9). Selbst wenn man damit auf die Angaben der Geschä-

digten abstellt, kann zu Gunsten des Angeklagten höchstens davon ausgegangen 

werden, sie habe aus einer 7 dl Flasche ca. 1 ½ Deziliter des fraglichen Geträn-

kes konsumiert.  

Geht man nun - aufgrund der Angaben der Geschädigten - davon aus, sie habe 

1,5 Deziliter Flüssigkeit mit einem Alkoholgehalt von 25 % bzw. 30 Gramm Alko-

hol konsumiert (15 x 25 x 0.08) und nimmt man an, sie habe damals lediglich 50 

-   24   - 

Kilogramm gewogen, ergibt sich bei einer summarischen Berechnung unter An-

wendung der gerichtsnotorischen Widmark-Formel 
rm

A
c

⋅
=   

(c=Blutalkohogehalt; A=Alkohol in Gramm; m=Köpergewicht; r=Reduktionsfaktor) 

bei einem Reduktionsfaktor von 0,6 ein maximaler Blutalkoholgehalt von 1 Promil-

le. Bei 2 Deziliter Trinkflüssigkeit (bzw. 40 Gramm Alkohol) erhöht sich der Wert 

auf 1,33 Promille. Letzteres dürfte zwar bei einer 14 ½ Jahre alten Schülerin 

durchaus bereits einen starken Rauschzustand verursacht haben und erklärt eine 

entsprechende Enthemmung wie auch ein eingeschränktes Gehvermögen samt 

Hinfallen, vermag jedoch den von der Anklage behaupteten Zustand der Urteils-

unfähigkeit oder der Widerstandsunfähigkeit nicht ohne Weiteres zu belegen. 

Schon von daher ergeben sich Zweifel bezüglich des eingeklagten Sachverhalts. 

Sodann wurde in der Anklage nicht umschrieben, dass die Geschädigte auch 

durch die zahlenmässige Überlegenheit der Jugendlichen, die sie umringten, nicht 

mehr zum Widerstand fähig gewesen sei, wie anlässlich der Berufungsverhand-

lung von der Oberjugendanwaltschaft geltend gemacht wurde (Urk. 55 S. 3). Dies 

nachträglich in die Anklage einfliessen zu lassen wäre aufgrund des Anklageprin-

zips nicht zulässig. Es wäre zudem fraglich, ob sich eine entsprechende Anklage 

hier rechtsgenügend beweisen liesse.  

2.2.1.2.2 Die Geschädigte erwähnte zwar mehrmals Schmerzen am Knie, machte 

jedoch nicht geltend, sie habe am andern Tag irgendwelche Verletzungen aufge-

wiesen, die auf einen schweren, unkontrollierten Sturz hindeuten würden. Insbe-

sondere behauptete sie nicht, irgend eine Kopf- oder Gesichtsverletzung aufge-

wiesen oder auch nur unter Kopfschmerzen gelitten zu haben. Dies relativiert zu-

mindest die Behauptung der Anklage, sie sei im Verlauf der sexuellen Handlun-

gen mit dem Kopf auf dem Boden aufgeschlagen, und ist jedenfalls kein Indiz da-

für, dass sie nach einem unkontrollierten Sturz sogar das Bewusstsein verloren 

hatte. 

-   25   - 

2.2.1.2.3 Die Aussagen der Geschädigten sind auch im Übrigen keineswegs über 

jeden Zweifel erhaben. 

Zwar vermerkte die Spezialistin Z._____ im Bericht zur Befragung, die Geschä-

digte weise "infolge Alkoholkonsums grosse Erinnerungslücken auf" (Urk. 2/5). 

Dabei handelt es sich jedoch um eine unbelegte Behauptung. Jedenfalls ist diese 

Einschätzung keineswegs zwingend. So wird nicht dargelegt, inwiefern der von 

der Geschädigten geltend gemachte Alkoholkonsum auch zu gravierenden und 

fast vollständigen Erinnerungslücken im Kerngeschehen geführt haben musste. 

Es wird nicht erläutert, weshalb zwar einzelne Details von der Geschädigten 

durchaus angeführt wurden, die mehrfache Fellatio jedoch völlig unerwähnt blieb. 

Die Aussagen sind zwar sehr wortreich, enthalten jedoch in weiten Teilen banale 

Wiederholungen und unzählige Worthülsen. Inhaltlich erschöpfen sie sich zum 

Kerngeschehen weitgehend in der Behauptung, ausser dem mit erigiertem Penis 

samt Präservativ vor ihr stehenden Angeklagten und den einzelnen Zuschauern 

gar nichts mitbekommen zu haben. Fragen zum detaillierten Geschehen hält sie 

konsequent entgegen, sich an nichts oder nur einzelne Bilder erinnern zu können. 

Namentlich Angaben zu ihren Gefühlen und Gedanken bleiben ausgesprochen 

karg und erschöpfen sich weitgehend in der wiederholten Behauptung, sich nicht 

mehr unter Kontrolle gehabt und "das" nicht gewollt zu haben. Von ihren Gefühlen 

wird aber auch im Verlaufe der Einvernahme wenig sichtbar, ein Leidensdruck 

kommt nicht zum Vorschein. Die Aussage bleibt auffallend blass und steril. Auch 

der von der Spezialistin erwähnte Augenkontakt ist zu relativieren: Die Geschä-

digte hielt während ihren Ausführungen auffallend oft den Blick gesenkt. Kommt 

hinzu, dass sie immer wieder die Lippen zusammenpresste. 

So will sie zuerst schleichend die Wirkung des Alkohols bemerkt haben, bevor ihr 

diese dann weitgehend und zeitweise vollständig das Bewusstsein raubte oder 

zumindest ihr Erinnerungen in wesentlichen Teilen löschte. Aus dem Umstand, 

dass die Geschädigte behauptet, sich nur noch an einige wenige Bilder erinnern 

zu können, ergibt sich jedenfalls kein Beweis dafür, dass ihre Erinnerung für das 

weitere Geschehen tatsächlich nicht oder nicht mehr vorhanden war bzw. ist. Es 

ist ohne weiteres plausibel, dass sie das tatsächliche Geschehen im Nachhinein 

-   26   - 

bzw. in nüchternem Zustand nicht mehr wahrhaben wollte und wahrhaben will. 

Andererseits war sie ja beispielsweise durchaus in der Lage, die Namen sämtli-

cher Anwesenden anzuführen, obwohl es sich dabei nach ihren Angaben nur um 

Zuschauer eines Geschehens gehandelt haben soll, das sie selber nur höchst 

bruchstückhaft wiedergegeben hat. 

Seltsam ist jedenfalls, dass sie sich zwar noch klar an den mit erigiertem Penis - 

samt Präservativ - vor ihr stehenden Angeklagten erinnern kann, jedoch nur 

höchst vage an den Vollzug des Geschlechtsverkehrs; immerhin will sie diesen 

gespürt haben. Dabei ist auffallend, wie sie ihre letzte Angabe sogleich relativierte 

("eigentlich scho") und wie sie im letzten Moment das Wort "fast" zu unterdrücken 

versuchte, als sie gefragt wurde, ob sie diesbezüglich (gemeint: das Eindringen 

des Penis in ihre Scheide) sicher sei (vgl. Urk. 2/3 S. 12). Kaum nachvollziehbar 

ist sodann, dass sie die Fellatio mit - gemäss Anklage - mindestens 5 ihrer Schul-

kollegen nicht einmal andeutungsweise erwähnte. Die Anklage behauptet nicht, 

diese hätten ihre "teilweise erigierten" Penisse einfach einer bewusstlosen oder 

schlafenden Frau in den Mund gesteckt. Sie behauptet klar, sie hätten sich von 

der Geschädigten "oral befriedigen lassen". Dies setzt ein aktives Tun der Ge-

schädigten voraus. Die Annahme, dass Fellatio seitens einer - nach eigener Dar-

stellung sexuell noch weitgehend unerfahrenen 14 ½ Jahre alten Schülerin - min-

destens 5 Mal in Folge praktiziert werden kann, ohne dass diese selbst davon et-

was merkt, erscheint lebensfremd und gibt zumindest ernsthaften Anlass zu er-

heblichen, jedenfalls mehr als nur hypothetischen Zweifeln an den Schilderungen 

und Beteuerungen der Geschädigten.  

Bemerkenswert ist sodann die Behauptung, wonach die Geschädigte "es" - im 

Kontext konnte damit nur eine sexuelle Handlung, allenfalls Geschlechtsverkehr 

mit dem Angeklagten gemeint sein - nicht gewollt und deshalb nicht nur herumge-

schrien sondern auch um sich geschlagen habe. Damit machte sie ja gerade gel-

tend, sie sei zumindest zeitweise sehr wohl urteilsfähig gewesen und habe tat-

sächlich Widerstand geleistet. Bringt man dies noch in den Kontext mit den an-

geblich vom Angeklagten verübten Schlägen, deutet dies an sich eher auf eine 

sexuelle Nötigung bzw. Vergewaltigung hin, denn auf eine Schändung im Sinne 

-   27   - 

von Art. 191 StGB. Sexuelle Nötigung bzw. Vergewaltigung wirft die Anklage dem 

Angeklagten aber offensichtlich nicht vor. 

Seltsam ist sodann, weshalb die Geschädigte ihre Version des Geschehens von 

sich aus weder sofort der Schwester, die sie ja umsorgt hatte, noch bereits am 

anderen Tag von sich aus der Mutter (bzw. Pflegemutter) erzählt hatte, als sie von 

dieser auf ihre blauen Flecken angesprochen wurde. Ihre Aussagen deuten viel-

mehr darauf hin, dass sie diesen erst vom Geschehen erzählte, als dazu ein Ge-

rücht an der Schule die Runde gemacht hatte. Gegenstand dieses Gerüchts war 

aber offenbar nicht, dass sie Opfer einer mehrfachen sexuellen Nötigung oder ei-

ner Vergewaltigung geworden war. 

2.2.2 Die Geschädigte wurde am 11. März 2010 ein weiteres Mal einvernommen, 

diesmal auch in Anwesenheit des Angeklagten und seines Verteidigers (Urk. 2/7). 

Eine DVD-Aufnahme dieser Einvernahme liegt nicht bei den Akten. 

2.2.2.1 Die Geschädigte führte an, sie sei am fraglichen Abend "besoffen" gewe-

sen. Sie habe roten "Vodka Red Bull" getrunken. Sie glaube, das sei ein Ge-

misch. Es habe sich um eine Flasche mit "ca. ein Liter" Fassungsvermögen ge-

handelt (S. 3). Es sei "wohl etwa eine halbe Flasche" gewesen, die sie zusammen 

mit einer Kollegin getrunken habe. Es sei "noch etwas mehr drin als die Hälfte" 

gewesen; sie hätten die Flasche dann weggeworfen. Sie bestätigte hierauf den 

Vorhalt der Jugendanwältin, sie habe demnach zusammen mit einer Kollegin ca. 

einen halben Liter getrunken (S. 3). Sie habe das zwischen 21.30 und 22.00 Uhr 

getrunken, zuvor habe sie nichts getrunken und auch keine Medikamente einge-

nommen. 

Sie wurde nun von der Jugendanwältin gefragt: "Wusstest Du an jenem Abend, 

was Du machst, bzw. war es Dir möglich, Dich zu kontrollieren?" worauf sie ant-

wortete: "Einerseits schon, weil ich weiss, dass ich es nicht wollte und mich auch 

gewehrt habe. Ich konnte mich aber zu wenig wehren. Ich konnte mich nicht so 

wehren, wie wenn ich nüchtern gewesen wäre." Es folgte unmittelbar darauf die 

Frage, ob es ihr in ihrem Zustand möglich gewesen sei, vernunftgemäss zu han-

deln, worauf die Geschädigte darauf hinwies, sie habe ja versucht, sich zu weh-

-   28   - 

ren. Sie wisse das meiste nicht mehr, weil sie "ja wohl recht weg" gewesen sei 

und sich "sicher nicht mehr so gut unter Kontrolle" gehabt habe. Sie wiederholte: 

"Aber gewehrt habe ich mich." 

Auf entsprechende Frage erklärte sie, früher noch nie betrunken gewesen zu 

sein. Sie habe wegen der Choraufführung "den ganzen Tag" nichts gegessen ge-

habt. Es sei das erste Mal gewesen, dass sie Vodka Red Bull getrunken habe (S. 

4). Sie habe das gemacht, weil die Flasche "halt einfach da" gewesen sei und sie 

das Gefühl gehabt habe, das jetzt probieren zu müssen (S. 5). 

Auf die Frage, wie sie am fraglichen Abend in den F._____park gekommen sei, 

erklärte sie, sie wisse, dass sie mit den Kolleginnen zum Bahnhof gegangen sei. 

Dort seien die Kolleginnen auf den Bus. Sie wisse noch, dass sie durch die Unter-

führung gegangen sei. Man könne "dann" von zwei Seiten in den Park. Sie könne 

"es" aber "wirklich nicht mehr sagen". Auf entsprechende Frage erzählte sie, man 

habe "die Flasche" hinter der "…" getrunken, dann seien sie zum Bahnhof gegan-

gen. "Irgendwann" habe sie gemerkt, dass es einschlage, dass sie nicht mehr sie 

selber, dass sie "besoffen" gewesen sei. Sie habe die Kolleginnen dann auf den 

Bus gebracht. Sie wisse dann noch, dass sie durch die Unterführung gegangen 

sei, dann "nichts mehr". Sie bestätigte, dass sie "eigentlich" habe nach Hause ge-

hen wollen. Im Park habe sie weder Alkohol noch Drogen konsumiert. Auf Vorhalt 

ihrer früheren Einvernahme bestätigte sie, auf dem Weg vom Bahnhof zum Park 

habe sie gemerkt, "dass es nicht mehr lustig ist". Sie sei alleine gewesen, soweit 

sie sich noch erinnern könne (S. 5). Sie wisse nicht, warum sie zum Park gegan-

gen sei, denn eigentlich habe sie nach Hause gewollt. 

Auf die Frage, was dann im Park passiert sei, erklärte sie, es habe dort ein Bänk-

lein. Sie habe noch "ein paar Bilder", dass sie dort ohne Hosen gesessen sei. Sie 

wisse noch, dass der Angeklagte vor ihr gestanden sei, auch mit den Hosen un-

ten. Hinter ihm seien "die anderen" gestanden. Es sei aber "nicht eine Szene", es 

sei "wie ein Bild". Sie wisse, dass sie versucht habe, sich zu wehren. Sie habe 

sich gemerkt, das sie immer den Kopf geschüttelt und geschrien habe. Sie "wis-

se" auch noch, dass "jemand" oder "mehrere" (S. 6) sie geschlagen hätten, wisse 

aber nicht, wer das gewesen sei. Sie wisse noch, dass L._____ sie "am Ende" ein 

-   29   - 

Stück weit nach Hause begleitet habe, dass sie dann vor der Haustüre gestanden 

sei und geläutet habe, worauf die Schwester aufgemacht habe. Diese habe sich 

Sorgen gemacht und sie angeschrien. Sie habe der Schwester darauf erzählt, 

dass sie schon seit einer Stunde vor der Türe gewartet habe. Die Schwester habe 

sie dann ins Bad genommen und gewaschen. Am anderen Morgen sei sie beim 

Aufstehen gleich wieder nach hinten gekippt. Mehr wisse sie "eigentlich" nicht 

mehr, "wirklich nicht". Sie wisse nicht mehr, was am Abend gesprochen worden 

sei, sie wisse auch nicht, wie es zum Geschlechtsverkehr mit dem Angeklagten 

gekommen sei. Als dieser vor ihr gestanden sei, habe sie keine Hose und auch 

keine Schuhe mehr getragen. Sie könne sich nicht erinnern, ob sie sich selber 

ausgezogen habe oder von den Jugendlichen ausgezogen worden sei (S. 6). Sie 

könne auch nicht sagen, in welchem Zustand sie während des Geschlechtsver-

kehrs gewesen sei, sie wisse es nicht. Sie sei "wie weg" gewesen. Sie wisse auch 

nicht, ob sie einmal gekniffen worden sei. Sie habe an beiden Armen blaue Fle-

cken gehabt, wisse aber nicht, woher diese gekommen seien. Sie könne sich 

nicht erinnern, zum Angeklagten etwas gesagt oder während des Geschlechts-

verkehrs gelacht, geschrien oder nach einem Kondom gefragt zu haben. Sie wis-

se auch nicht mehr, wann und wie sie um sich geschlagen habe. Sie wisse nur, 

dass dies mehrmals gewesen sei und sie es immer wieder versucht habe. Sie 

wisse nicht, wen sie wann, wie und wo getroffen habe. Auf die Frage, wogegen 

sie sich gewehrt habe, erklärte sie: "Einerseits habe ich mich gewehrt, dass ich 

das nicht wollte. Ich weiss, dass ich um mich schlug". Auf die Frage, "was" sie 

nicht gewollt habe, erklärte sie: "Ich war zwar wirklich besoffen, aber es ist ja nicht 

normal, dass ich ohne Hosen auf einem Bänklein sitze und vor mir sind sieben 

Typen, die zuschauen, was er mit mir macht oder was sie mit mir machen. Lo-

gisch, dass ich das nicht will."  

Sie wurde nun gefragt, was sie denn gedacht habe, was "sie" mit ihr machen woll-

ten, worauf sie erneut geltend machte, sie habe noch das "Bild", und den Rest 

wisse sie nicht mehr; es sei "nicht mehr da". 

Sie bestätigte, Schmerzen im Unterleib gehabt zu haben, erklärte nun aber, sie 

wisse nicht, "von wem" diese stammten. Sie könne es nur vermuten. Auf die Fra-

-   30   - 

ge, ob der Angeklagte sie geschlagen habe, meinte sie, soweit sie wisse, habe er 

ihr einmal eine Ohrfeige verpasst, da sei sie aber nicht 100 % sicher. Es könne 

sein, dass "es" andere gewesen seien. Sie könne sich an die Ohrfeige erinnern, 

wisse aber nicht, ob es mehrere Schläge gewesen seien (S. 8). 

Auf die Frage, ob sie dem Angeklagten in irgend einer Form zu verstehen gege-

ben habe, dass sie mit ihm keinen Sex bzw. Geschlechtsverkehr haben wolle, 

meinte sie nach langem Überlegen, das könne sie nicht sagen, sie wisse noch, 

dass sie sich "gewehrt" und gesagt habe, sie wolle das nicht. "Von dem her ei-

gentlich schon". Die Frage, ob sie ihn weggestossen habe, wusste sie wieder 

nicht zu beantworten. Auf entsprechende Fragen machte sie dann geltend, sie 

hätte mit dem Angeklagten keinen Geschlechtsverkehr gehabt, wenn sie nicht be-

trunken gewesen wäre, und wäre sie nicht betrunken gewesen, hätte sie sich 

auch "auf jeden Fall" gewehrt. Auf die Frage, ob dieser aus irgend einem Grund 

gedacht habe, sie wolle mit ihm Geschlechtsverkehr haben, meinte sie: "Vielleicht 

weil ich betrunken war und weil er dachte, ich würde es nicht mehr checken."  

Auf entsprechende Fragen verneinte sie, sich an irgendwelche orale Praktiken 

oder intime Berührungen erinnern zu können (S. 10). Sie machte geltend, noch 

nie Fellatio ausgeführt zu haben (S. 11). 

Sie vermochte sich sodann nicht (mehr) daran zu erinnern, ob der Angeklagte ein 

Präservativ getragen hatte (S. 11). 

Auf Vorhalt, N._____ habe behauptet, sie habe auch schon früher einmal Fellatio 

mit ihm durchgeführt, reagierte sie vorerst mit der Nachfrage, wer das gesagt ha-

be. Sie erklärte dann, er sei bei ihr zu Hause gewesen, als "das mit O._____" ge-

wesen sei. Sie sei da aber mit O._____ allein im Zimmer gewesen (S. 11 f.). Auf 

Vorhalt, einige der Beschuldigten hätten bereits angegeben, am 15. Mai 2009 mit 

ihr Oralverkehr gehabt zu haben, erklärte sie, es tue ihr leid, sie wisse das "wirk-

lich nicht mehr". Auf Vorhalt, sie sei von verschiedenen Personen als "leichtes 

Mädchen" bezeichnet worden, meinte sie, sie habe "nach der Sache mit O._____ 

die Pille danach" nehmen müssen und wisse, dass er "das" herumerzählt habe.  

-   31   - 

Sie erläuterte sodann, dass die Flasche etwa so hoch wie ein Massstab (31 cm) 

gewesen sei und wiederholte, es habe sich um roten Vodka Red Bull gehandelt 

(S. 12). Auf Vorhalt, sie sei gemäss dem Angeklagten schon bei früheren Gele-

genheiten betrunken gesehen worden, stritt sie dies ab und behauptete, noch nie 

betrunken gewesen zu sein (S. 12). 

Sie gab sodann auf entsprechende Frage an, sie sei nach dem 15. Mai 2009 noch 

bis am Mittwoch zur Schule gegangen. Dann sei "das Ganze" ausgekommen, und 

sie sei dann aus der Schule genommen worden (S. 13). 

2.2.2.2 Entgegen Art. 43 Abs. 3 des damals massgeblichen Opferhilfegesetzes 

wurde die zweite Einvernahme nicht durch die ausgebildete Ermittlerin vorge-

nommen, welche die erste Einvernahme durchgeführt hatte. Entgegen Art. 43 

Abs. 5 OHG wurde sie diesmal offenbar auch nicht auf Video aufgenommen. Da-

mit wird das Gericht um ein praktisch unmittelbares Beweismittel gebracht, was 

sich jedoch nicht zulasten des Angeklagten auswirken darf. Beurteilt werden kann 

so nur das in Schriftsprache formulierte Protokoll der Befragung. 

Die Geschädigte korrigierte hier die Menge der in der Flasche vorhandenen Flüs-

sigkeit gegen oben, was in Anbetracht ihrer mehrfachen, früher anderslautenden 

Angaben nicht glaubhaft ist. 

Die Geschädigte behauptet sodann nach einer entsprechenden, reichlich sugges-

tiv anmutenden Frage der Jugendanwältin keineswegs, sie sei beim fraglichen 

Vorfall urteilsunfähig gewesen. Sie will sich ganz im Gegenteil gewehrt haben. Die 

Geschädigte wurde nun nicht etwa gebeten, diese Gegenwehr zu schildern, son-

dern es wurde ihr die weitere geschlossene Suggestivfrage gestellt, ob es ihr in 

ihrem Zustand möglich gewesen sei, "vernunftgemäss" zu handeln, dies obwohl 

sie unmittelbar zuvor ja bereits erklärt hatte, nicht einverstanden gewesen zu sein 

und sich gewehrt zu haben. Sie machte darauf erneut geltend, sich gewehrt zu 

haben. 

Auch später machte sie einerseits geltend, immer wieder um sich geschlagen zu 

haben, weil sie "das" nicht gewollt habe, will sich aber gleichzeitig nur an das "sta-

-   32   - 

tische" Bild mit dem vor ihr stehenden Angeklagten erinnern, dann aber wieder, 

wie sie mehrfach Schläge (S. 6) erhalten haben soll, nun - entgegen der ersten 

Einvernahme - auch eine Ohrfeige, wobei sie aber nicht gleichzeitig konkrete se-

xuelle Handlungen (Szenen) oder auch nur konkrete weitere "Bilder" schildert. Es 

ist zudem seltsam, warum sie sich einerseits an Schläge erinnern will, nicht je-

doch an die mehrfache Ausführung einer Fellatio oder an intimste Berührungen 

bis hin zum Einführen eines Fingers in die Scheide (so die Anklage). 

Eindeutig suggestiv ist jedenfalls die Frage: "Hättest Du Dich gewehrt, wenn Du 

nicht betrunken gewesen wärest?" (S. 9), zumal die Geschädigte ja zuvor bereits 

mehrmals behauptet hatte, sich energisch und für die anderen erkennbar gewehrt 

zu haben. 

Sodann verwickelte sich die Geschädigte in Widersprüche: Wenn sie sich tatsäch-

lich mit Schreien und Um-sich-schlagen zur Wehr gesetzt hatte und jedenfalls 

immer wieder "nein" gesagt hatte, konnte der Angeklagte wohl kaum annehmen, 

er könne mit ihr Geschlechtsverkehr haben, weil sie "es nicht checke". 

2.3 Zwar kann keineswegs ausgeschlossen werden, dass ein 14 ½ Jahre altes 

Mädchen nach dem Genuss eines vergleichsweise geringen Menge Alkohol in ei-

nen Zustand der Urteilsunfähigkeit gerät oder jedenfalls gegenüber sexuellen 

Handlungen zum Widerstand unfähig ist. 

Vorliegend bestehen indes schon aufgrund der Darstellung der Geschädigten 

selbst mehr als nur hypothetische Zweifel daran, dass bei ihr Einschränkungen in 

diesem Ausmasse vorlagen. Es ist zwar nicht auszuschliessen, dass ihre Ein-

sichts- und Steuerungsfähigkeit nach dem erheblichen und ungewohnten Genuss 

von Alkohol stark eingeschränkt war. Gleichzeitig lässt es diese jedoch nicht als 

unrealistisch erscheinen, dass sie in stark enthemmtem Zustand bei den in der 

Anklage beschriebenen Handlungen mitmachte und sich jedenfalls nicht - für den 

Angeklagten erkennbar und ernsthaft - dagegen zur Wehr setzte. Nachvollziehbar 

ist, dass der Vorfall zum Schulhausgespräch wurde und damit der Ruf der Ge-

schädigten stark angeschlagen wurde. Damit ist nicht von der Hand zu weisen, 

dass sie ihre fehlende Erinnerung auch nur vorschiebt, um sich bezüglich der in 

-   33   - 

enthemmtem Zustand begangenen Handlungen rechtfertigen und in die Opferrolle 

versetzen zu können. 

Die Aussagen der Geschädigten lassen jedenfalls unter dem Gesichtspunkt der 

Unschuldsvermutung eine Verurteilung des Angeklagten wegen Schändung nicht 

zu. Damit ist zu prüfen, ob sich ein solcher unter Einbezug weiterer Aussagen hin-

reichend begründen lässt. 

3. Der Angeklagte war am 3. Juni 2009 im Rahmen einer koordinierten Polizeiak-

tion im Schulhaus festgenommen (vgl. Urk. 1/4 S. 12) und in AM._____ von der 

Kantonspolizei erstmals einvernommen worden. 

3.1 Im Rahmen der ersten Einvernahme (Urk. 1/15) gab der Angeklagte auf Be-

fragen an, er wisse, dass ihm vorgeworfen werde, die Geschädigte sexuell "genö-

tigt" zu haben (S. 1). Er gab weiter an, er habe am Abend des 15. Mai 2009 die 

Chorprobe im Schulhaus Q._____ besucht. Diese habe bis um 22.00 Uhr gedau-

ert. Dann sei er mit dem Bus nach Hause gefahren. Zuvor habe er am Bahnhof 

noch auf den Bus warten müssen (S. 2). Er sei mit vier Kollegen und zwei Kolle-

ginnen zum Bahnhof gegangen, im F._____park sei er an diesem Abend nicht 

gewesen. Auf Vorhalt, es gebe eine Aussage, wonach die Geschädigte am fragli-

chen Abend im F._____park seinen Penis in den Mund genommen habe, bestritt 

dies der Angeklagte (S. 3), gab aber zu, sie zu kennen und sie am fraglichen 

Abend "gesehen" zu haben, dies in der Schule und später an der Chorprobe (S. 

4). Er bestritt erneut, dass es zu einer Fellatio gekommen sei (S. 4) und er bestritt 

auch einen Geschlechtsverkehr (S. 5). Er sei um ca. 23.30 zu Hause gewesen. 

Auf nochmaligen Vorhalt, verschiedene Jugendliche hätten Aussagen gemacht, 

wonach er am fraglichen Abend sexuelle Übergriffe auf die Geschädigte verübt 

habe, bestritt er erneut (S. 5). Er machte nun geltend, er habe diese "immer ge-

warnt, sie sollte nie mit diesen Jungs nach draussen gehen". Sie habe behauptet, 

sie sei von diesen gezwungen worden; mehr habe sie dazu nicht gesagt. Auf ent-

sprechende Fragen gab er an, die Geschädigte trinke Alkohol; ob sie Drogen 

nehme, wisse er nicht. Sie habe am Abend des 15. Mai 2009 Alkohol getrunken. 

Er habe zwar nicht gesehen, was sie getrunken habe, doch habe er sie schon vor 

dem Chorauftritt betrunken gesehen (S. 6). Sie habe aber noch gewusst, "was so 

-   34   - 

ist und so". Er finde sie "ganz normal". Auf die Frage, ob sie ihm gefalle, meinte 

er: "Nein. Sie passt nicht zu meinem Typ.". Er habe schon gehört, dass sie nach 

dem Sex mit einem seiner Kollegen schwanger geworden sei und "anderen 

Jungs" von ihm "einen 'geblasen' " habe (S. 7). Sex habe sie mit O._____ gehabt; 

vom Oralverkehr habe er nur gehört. 

Begegnet sei er der Geschädigten am 15. Mai 2009 auf dem Nachhauseweg nicht 

(S. 8). Er sei "mit M._____, N._____, AA._____ und J._____" zusammen gewe-

sen. Im Bus sei auch seine Kollegin AB._____ gewesen. 

3.2 Gleichentags wurde der Angeklagte auch von der Jugendanwältin B. einver-

nommen (Urk. 3/9). 

Diese hielt ihm vor, am Abend des 15. Mai 2009 eine Schändung begangen zu 

haben, indem er mit der betrunkenen Geschädigten gegen deren Willen sexuelle 

Handlungen vollzogen habe. Der Angeklagte erklärte erneut, er habe "nichts ge-

macht". Er sei mit Kollegen unterwegs gewesen und um 23.00 Uhr auf den Bus 

gegangen (S. 1). Er bestritt, dass ihn die Geschädigte zuvor im Park oral befrie-

digt habe. Es stimme auch nicht, dass er mit ihr auf einem Bänklein Geschlechts-

verkehr gehabt habe. Er wisse nicht, ob die Geschädigte so stark betrunken ge-

wesen sei, dass man sie habe stützen müssen, und er wisse auch nicht, ob sie 

anderen Jugendlichen "einen geblasen" habe. Er habe jedoch in der Schule ge-

hört, dass sie von der Geschädigten angezeigt worden seien (S. 2). Damit meine 

er auch M._____, J._____, AC._____ und N._____. Auch diese hätten gesagt, sie 

wüssten von nichts. Auf Vorhalt, diese hätten heute anders ausgesagt, meinte der 

Angeklagte, er wisse auch nicht. 

3.3 In der Hafteinvernahme vom 5. Juni 2009 (Urk. 9/6) gab der Angeklagte - 

nunmehr amtlich verteidigt - gleich zu Beginn zu Protokoll, dass er mit der Ge-

schädigten "Oral- und Geschlechtsverkehr" gehabt habe. Er fügte sogleich an, er 

habe angenommen, diese habe es auch gewollt. Seine früheren, abweichenden 

Angaben begründete er damit, Angst gehabt zu haben (S. 1). Er räumte auf Be-

fragen auch ein, er habe bemerkt, dass die Geschädigte "alkoholisiert war". Er 

-   35   - 

wiederholte, er habe angenommen, sie habe den Geschlechtsverkehr auch ge-

wollt (S. 3). 

3.4 Am 11. Juni 2009 wurde der Angeklagte in Anwesenheit seines amtlichen 

Verteidigers durch die Jugendanwältin einvernommen (Urk. 3/10). 

Nach der Aufforderung zu erzählen, was am 15. Mai 2009 zwischen 22.30 und 

24.00 Uhr im F._____park geschehen sei, gab er an, die Geschädigte am Bahn-

hof getroffen zu haben. Sie seien dann in den Park, und dort sei es zu Oral- und 

Geschlechtsverkehr gekommen. Sie habe im "F._____" gefragt, wer ein Kondom 

dabei habe. Er habe eines dabei gehabt. Dann hätten sie zuerst Oralverkehr ge-

macht, dann habe sie auch die anderen, und dann am Schluss hätten sie Ge-

schlechtsverkehr gehabt, wobei sie immer wieder "nein, nein" gesagt habe, weil 

sie gedacht habe, er habe kein Kondom. Dann habe sie die Hose heruntergezo-

gen. Mit einem Arm habe sie sich an der Bank festgehalten, mit dem anderen an 

ihm. Als er dann "fertig" gewesen sei, habe sie gewollt, dass auch noch O._____ 

zu ihr komme; sie habe ihn auch oral befriedigen wollen. Dann sei sie immer wie-

der auf den Boden gestürzt und sie hätten sie aufgehoben. Sie habe immer wie-

der gefragt, ob sie O._____ "eins blasen" könne. Dann hätten sie zwei Personen 

nach Hause begleitet.  

Auf entsprechende Frage bestätigte er, dass sie schon betrunken gewesen sei, 

als man sie am Bahnhof getroffen habe (S. 2). So habe sie immer wieder gelacht, 

obwohl sie keine Witze gemacht hätten. Sie habe auch nicht einmal gerade gehen 

können. Einmal sei sie auch auf dem Weg zum F._____park hingefallen. Auf Vor-

halt, gemäss anderen Aussagen habe die Geschädigte vom Bahnhof nach Hause 

gehen wollen, meinte der Angeklagte, er habe nicht diesen Eindruck gehabt. Auf 

die Frage, wie es weitergegangen sei, als sie sich vom Bahnhof zum Park bege-

ben hätten, meinte er, einer habe "glaublich" gefragt, ob sie ihm "eins bläst", und 

sie habe "OK" gesagt. Auf die Frage, ob man sie auf dem Weg habe stützen 

müssen, erklärte er: "Am Anfang nicht, aber als sie umgefallen war." Sie habe "ja" 

gesagt, und als sie mit "dem" fertig gewesen sei, habe sie mit dem anderen auch. 

Er wisse nicht mehr, mit wem sie zuerst Fellatio gemacht habe, doch habe sie es 

mit allen getan, die dort gewesen seien. Zuerst habe sie das mit zweien gemacht, 

-   36   - 

dann sei es zum Geschlechtsverkehr gekommen, und dann habe sie nochmals 

zwei oral befriedigt. Auf entsprechende Frage erklärte er, es sei jeweils zu einem 

Samenerguss gekommen und ausgezogen habe sich die Geschädigte selber. Es 

stimme zwar, dass sie sie überall berührt hätten, aber nicht gemeinsam ausgezo-

gen. Auf entsprechende Frage bestätigte er auch, dass einer der Beteiligten die 

Vagina der Geschädigten mit einem Handy beleuchtet, aber nicht gefilmt habe. 

Auf Vorhalt, gemäss O._____, N._____, L._____ (L._____), M._____ und auch 

AC._____ sei die Geschädigte "stark betrunken" gewesen, habe "teilweise schla-

fend ausgesehen", sei auch vom Bänkli gefallen und immer wieder mit dem Kopf 

am Boden aufgeschlagen, erklärte der Angeklagte: "Ja, am Schluss bevor sie 

ging war das so." Nur am Anfang hätten sie ihr aber aufhelfen müssen, nachdem 

sie zu Boden gefallen sei. Nach Vorhalt, sie sei teilweise sogar am Boden liegen 

geblieben, habe (von M._____) gekniffen werden müssen, worauf sie wieder auf-

gestanden sei, räumte er ein, das stimme (S. 4). Auf die Frage, wann dies gewe-

sen sei, erklärte er, das sei nach dem Geschlechtsverkehr gewesen, unmittelbar 

darauf. Auf die Frage, ob er glaube, dass jemand in diesem Zustand noch wisse, 

was er tue, erklärte er: "Mir gab sie das Gefühl, dass sie das will." Er wiederholte, 

dass sich "alle" von der Geschädigten "eines blasen" liessen; betrunken sei von 

ihnen niemand gewesen. Nach ihm seien zwei andere "drangekommen", worauf 

er gefragt habe, ob er nochmals könne. N._____ habe dies verneint, da er "noch 

nicht gekommen" sei. Er selber habe sich zweimal "eines blasen" lassen, aber 

nicht beide Male einen Erguss gehabt (S. 4). Er räumte erneut ein, mit der Ge-

schädigten Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, wobei sie sich selber die Leg-

gins ausgezogen habe. 

Dem Angeklagten wurde vorgehalten, O._____ habe ausgesagt, die Geschädigte 

habe ihm beim Geschlechtsverkehr immer gesagt, er solle aufhören; man habe 

ihre Ablehnung auch aus ihrem Gesicht erkennen können. Dabei habe sie ge-

wusst, dass er ein Kondom trage. Der Angeklagte widersprach und brachte vor, 

die Geschädigte habe nur "nein" gesagt, bis er ein Kondom angezogen habe; von 

da an habe sie nichts mehr gesagt und die Beine gespreizt. Er bestritt die Darstel-

lung von L._____, wonach die Geschädigte "wie geschlafen" habe, "besoffen" 

-   37   - 

gewesen sei und nicht so gelacht habe, wie sonst. Auf Vorhalt, beide (O._____ 

und L._____) hätten ausgesagt, die Geschädigte habe versucht, ihn wegzu-

schubsen, räumte der Angeklagte ein, das sei am Anfang gewesen, als die Ge-

schädigte geglaubt habe, er benütze kein Kondom. Sie habe noch gesagt, sie 

wolle nicht schwanger werden. Er bestritt die Aussagen von O._____ und 

J._____, wonach die Geschädigte "wie im Koma" gewesen sei. Er erläuterte, die 

Geschädigte habe ihn an der Schulter festgehalten, immer wieder losgelassen 

und dann wieder fester zugedrückt. Auf Vorhalt, gemäss O._____, L._____ und 

J._____, soll ihm von den anderen zu Beginn zugerufen worden sein, er solle sei-

nen … Schwanz zeigen und "sie figgen" (S. 5), bestätigte dies der Angeklagte. Er 

bestätigte auch, dass gerufen wurde, er solle aufhören, schränkte aber ein, dass 

das jemand gesagt habe, als er "grad fertig" gewesen sei. Er bestätigte, zum Sa-

menerguss gekommen zu sein. Er bestritt, die Geschädigte geschlagen zu haben. 

Er bestätigte aber, dass die Geschädigte geschrien hatte; das sei am Anfang ge-

wesen, als er in sie eingedrungen sei. Er wisse nicht, ob das "vor Schmerz" ge-

wesen sei. Er bestritt, dass sie geschrien habe, weil sie den Geschlechtsverkehr 

nicht gewollt habe. Er bestätigte, dass die Geschädigte wieder angezogen worden 

sei und fügte bei, sie habe nachher nach dem zweiten Schuh gefragt. Angezogen 

habe sie M._____, L._____ und er selber. Er bejahte die Frage, ob sie nicht fähig 

gewesen sei, sich selber anzuziehen und erläuterte, sie habe "immer wieder am 

Boden sitzen" müssen. Auf Vorhalt, die Geschädigte sei am Schluss zu einem 

Mäuerchen gegangen, habe dort gekotzt und "wie im Koma ausgesehen", bestä-

tigte der Angeklagte, dass die Geschädigte zur Mauer gegangen war. Sie habe 

aber nicht gekotzt, sondern sei dort gelegen. Als sie ihr gesagt hätten, sie solle 

aufstehen, sei sie aufgestanden. Das habe sie alleine gekonnt (S. 6). Auf Vorhalt, 

L._____ soll ihr dort beim Mäuerchen die Hosen und Unterhosen heruntergezo-

gen und seinen Penis in ihren Po gesteckt haben (gemäss M._____ und 

J._____), bestätige dies der Angeklagte mit der Einschränkung, dass er nicht wis-

se, ob L._____ wirklich eingedrungen sei. Dieser habe sie zuvor gefragt, ob er sie 

"figgen" solle, aber jemand habe gesagt, er solle es nicht tun. Ob er dabei die Ho-

se offen gehabt habe, könne er nicht sagen, da er weggegangen sei, um den 

Schuh der Geschädigten zu suchen. Auf die Frage, ob es zu Fellatio mit M._____ 

-   38   - 

gekommen sei, meinte er: "Gesehen habe ich es nicht." Einen "AA._____" habe 

er nicht gesehen, ob es auch mit diesem zu Fellatio oder einem "Tittenfick" ge-

kommen sei, wisse er nicht (S. 7).  

Er verneinte, vom bevorstehenden Polizeieinsatz etwas gewusst zu haben. Auf 

Vorhalt, die Beteiligten hätten sich bereits am folgenden Tag abgesprochen, was 

man sagen würde, wenn die Polizei komme, bestätigte der Angeklagte, dass man 

sich gegenseitig gefragt habe, was der Betreffende sagen werde. Er bestätige 

auch den Vorhalt, man sei im Park möglichst leise gewesen aus Angst, die Polizei 

werde kommen. Auf die Frage, was konkret abgesprochen worden sei, erläuterte 

der Angeklagte: "Ein paar sagten, sie würden einfach sagen, was gewesen sei. 

Ein paar sagten gar nichts." Auf die Frage, ob auch "Sachen erwähnt" worden 

seien, die sie "der Polizei sicher nicht sagen" wollten, erklärte der Angeklagte, er 

habe am Anfang gesagt, dass er nicht sagen würde, dass er "es gemacht" habe, 

dann aber habe er gesagt, dass er die Wahrheit sagen würde. Auf Vorhalt, effek-

tiv habe er zuerst alles abgestritten, erklärte der Angeklagte, er habe das aus 

Angst gemacht (S. 8). 

Seine Beziehung zu den anderen Jugendlichen bezeichnete er teils als "ziemlich 

gut", teil als "normal". Sehr gut sei seine Beziehung zu M._____, AA._____ (…; 

vgl. 1/24), J._____ und N._____, die aber alle nicht in die gleiche Klasse gingen. 

Am wenigsten gut sei die Beziehung zu L._____. Die Geschädigte kenne er vom 

Schulhaus her; seine Beziehung zu ihr sei "normal", er habe noch nie mit ihr zu-

sammen etwas gemacht (S. 8). 

Er wisse nicht, wer die Geschädigte schliesslich nach Hause gebracht habe, da er 

ihren Schuh gesucht habe.  

Auf die Frage, was er über die Geschädigte denke, erklärte er, sie sei "eine Frau, 

die alles macht". Auf Nachfrage erläuterte er: "Wenn man sie fragt, ob sie eines 

blast, dann sagt sie ja. Und sie ist jemand, wo jeder weiss, wie sie ist. " Er räumte 

ein, dass sie mit ihm noch niemals zuvor Fellatio machte. Auf Vorhalt, sie habe 

erst einmal zuvor Geschlechtsverkehr gehabt, widersprach der Angeklagte und 

behauptete, sie sei von O._____ schwanger gewesen und habe gesagt, auch 

-   39   - 

schon mit anderen Geschlechtsverkehr gehabt zu haben (S. 9). Auf Vorhalt, man 

habe am fraglichen Abend jemanden als "schwul" betitelt, wenn er nicht bereit 

gewesen sei, mit der Geschädigten Oral- oder Geschlechtsverkehr zu haben, er-

läuterte der Angeklagte. "Einer sagte, er mache es nicht, wenn wir nicht wegge-

hen würden. Das war … (J._____). Er sagte, er würde es nicht machen, wenn wir 

nicht weggehen würden, denn er sei ja nicht schwul." Auf die Frage, was J._____ 

dann gemacht habe, meinte der Angeklagte, das wisse er nicht, da er dann ja 

weggegangen sei. Er bestritt, dass L._____ als "schwul" bezeichnet worden war 

(S. 9). 

Auf die Frage, wieso er "das" gemacht habe, erklärte der Angeklagte: "Ja, ein-

fach, da ich das Gefühl hatte, dass sie es auch will." Daran hielt er auch nach 

dem Hinweis fest, es seien 10 junge Männer anwesend gewesen und die Ge-

schädigte stark betrunken (S. 9). Er räumte allerdings ein, "normal" sei das "nicht 

gerade" und es habe ihm auch nicht "so richtig" Spass gemacht. Man mache das, 

weil man Lust habe und denke, es sei "einfach witzig". Jetzt, wo sie sage, sie ha-

be das nicht gewollt, finde er es "Scheisse, dass es passiert " sei (S. 10) 

Auf entsprechende Frage seines Verteidigers bestätigte der Angeklagte, dass die 

Geschädigte beim Geschlechtsverkehr gestöhnt habe. Auf die Frage, ob sie 

überprüft habe, ob er ein Kondom trage und wie sie das gemacht habe, erläuterte 

er: "Ja, sie sagte, ich solle es zeigen, dann fasste sie es an und sagte ok.". Auf 

Vorhalt, jemand habe ausgesagt, die Geschädigte habe immer "nein" gerufen, 

weil sie geglaubt habe, er trage kein Kondom, sie habe ja gewusst, dass er eines 

getragen habe, meinte der Angeklagte, es sei ihm nicht so vorgekommen. Ge-

stöhnt habe sie "aus Lust". 

3.5 Es erhöht zwar nicht die Glaubwürdigkeit des Angeklagten, wenn er in seinen 

beiden ersten Einvernahmen jede Tatbeteiligung von sich wies. Allerdings darf 

dieser Umstand nicht überbewertet werden. Er war am fraglichen Tag festge-

nommen worden unter der schweren Anschuldigung eines Sexualdelikts. Er war 

damals 17 und ohne Verteidigung. Seine umfassende Bestreitung zeugt zwar 

nicht von überragender Intelligenz, ist aber auch kein Beleg für eine grundsätzli-

che Lügenhaftigkeit oder gar eine erhöhte kriminelle Energie. Es ist durchaus 

-   40   - 

glaubhaft, dass er nach seiner Festnahme Angst hatte und sein Heil vorerst im 

Bestreiten suchte. Er räumte denn auch schon zwei Tage später, in der Haftein-

vernahme und in Begleitung des Verteidigers ein, dass er mit der Geschädigten 

Oral- und Geschlechtsverkehr hatte. 

In der Einvernahme vom 11. Juni 2009 liess sich der Angeklagte - soweit aus dem 

Protokoll ersichtlich - durchaus auf eine einlässliche Befragung ein und machte 

detaillierte Angaben. Dabei räumte er ohne Weiteres ein, dass er die Trunkenheit 

der Geschädigten von Anfang an erkannt hatte. Er machte auch diverse Angaben, 

die klar auf einen Rauschzustand der Geschädigten hindeuten. Gegen Ende der 

Einvernahme liess er auch Einsicht und Reue durchblicken. Der Angeklagte be-

lastete sich damit durchaus selber ganz erheblich. Er schilderte indessen auch 

durchaus anschaulich und aufgrund seiner Darstellung selbst nicht widerlegbar, 

dass die Geschädigte während des ganzen Vorfalls verbal mit ihm kommuniziert 

hatte und dabei zumindest nicht den Eindruck erweckt hatte, sie wolle sich grund-

sätzlich gegen die sexuellen Handlungen zu Wehr setzen, sie sei vielmehr mit 

den sexuellen Aktivitäten einverstanden. Seinen Angaben ist auch nicht zu ent-

nehmen, dass die Geschädigte völlig "urteilsunfähig" gewesen war oder ihm einen 

entsprechenden Eindruck gemacht hatte. Nichts herleiten lässt sich aus dem Um-

stand, dass die beteiligten Männer sich während des Vorfalls bemühten, leise zu 

sein, um nicht die Polizei auf sich aufmerksam zu machen, dass sie im nachhinein 

ein schlechtes Gewissen hatten und sich entsprechend darüber unterhielten, was 

man Aussenstehenden erzählen sollte und was nicht. Folgt man der Anklage, 

fand im Park eine sexuelle Orgie mit einer Minderjährigen statt. Der Umstand, 

dass die Schüler keine Polizei dabei haben wollten, lässt jedenfalls keine Rück-

schlüsse auf die Freiwilligkeit bei den Beteiligten zu. Auch wer völlig freiwillig in 

einem öffentlich zugänglichen Park Sex hat, riskiert ein Strafverfahren, wenn er 

dabei von der Polizei überrascht wird. Sodann ist ohne Weiteres davon auszuge-

hen, dass bereits am folgenden Tag diverse Darstellungen des Geschehens an 

der Schule die Runde machten und wohl auch Verdachtsgründe laut wurden. 

Auch aus den in den Raum gestellten Absprachen - so denn überhaupt solche er-

folgten - lässt sich für die Beweisführung nichts Entscheidendes herleiten. 

-   41   - 

3.6 Am 23. Juni 2010 wurde mit dem Angeklagten die Schlusseinvernahme 

durchgeführt (Urk. 3/23). Er bestätigte zu Beginn die Frage, in den bisherigen 

Aussagen die Wahrheit gesagt zu haben, was sich offensichtlich nur auf die Ein-

vernahmen vom 5. und vom 11. Juni 2009 beziehen kann. 

Dem Angeklagten wurde nun der Sachverhalt vorgehalten, wie er der Anklage 

zugrunde liegt. Er wandte hierauf lediglich ein, die Geschädigte sei nicht mehr-

mals gestürzt. Sodann beantwortete er die Frage, ob er den Sachverhalt - so wie 

beschrieben - anerkenne, mit ja (S. 3). Nach einer Intervention des Verteidigers 

mit anschliessender Besprechung unter vier Augen, widerrief er dieses summari-

sche Geständnis und verwies auf seine bisherigen Aussagen (S. 3). 

In der folgenden Befragung durch die Jugendanwältin gab er an, schon vor dem 

Vorfall (vom 15. Mai 2009) sexuelle Kontakte mit Mädchen gehabt zu haben, nicht 

jedoch mit der Geschädigten. Dabei sei es auch zu Geschlechtsverkehr gekom-

men. Der Angeklagte räumte ein, dass die Mädchen dabei (anders als beim Vor-

fall mit der Geschädigten) nicht betrunken gewesen seien; diese Mädchen seien 

"sicher einverstanden" gewesen. Als die Jugendanwältin die Fangfrage stellte, ob 

die Geschädigte "also" nicht einverstanden gewesen sei, verwies der Angeklagte 

auf seine bisherigen Aussagen. Auf die Frage, warum er damals in den Park ge-

gangen sei, erklärte er, das wisse er nicht mehr.  

Auf Vorhalt, jemand (O._____) habe gesagt, im Park laufe "voll Porno", behaupte-

te er, das habe er nicht gehört. Auf Vorhalt, "man" habe gedacht, "man könne se-

xuelle Handlungen mit B._____ machen", erklärte er, dazu nichts sagen zu wollen 

(S. 4). Sodann verneinte er, dass man darüber gesprochen habe und dass man in 

den Park gegangen sei, weil man gedacht habe, dort könnte es zu sexuellen 

Handlungen mit der Geschädigten kommen. Er gab sinngemäss erneut zu, von 

Anfang an gewusst zu haben, dass diese betrunken war. Er erläuterte dazu, sie 

habe gelacht, obwohl sie gar keine Witze gemacht hätten. Auf Vorhalt, andere 

hätten ausgesagt, diese habe "zum Teil wie schlafend ausgesehen", habe "kaum 

mehr (...) selber gehen können", man habe sie "stützen müssen", sie sei "mehr-

mals umgefallen", einmal von der Bank, auf der sie gelegen sei, und sie habe 

einmal sogar kurz das Bewusstsein verloren, erklärte der Angeklagte, dazu nichts 

-   42   - 

sagen zu wollen. Auf Vorhalt, er habe in seiner letzen Einvernahme selber ausge-

sagt, die Geschädigte sei "am Schluss" wie geschildert "zwäg" gewesen, erklärte 

der Angeklagte erneut, dazu nichts sagen zu wollen. Er bestätigte seine frühere 

Zugabe, wonach die Geschädigte nach dem Geschlechtsverkehr "wie bewusstlos 

am Boden gelegen sei" und von M._____ habe gekniffen werden müssen. Er 

mochte sich nicht mehr daran erinnern, dass sich die Geschädigte nach dem Ge-

schlechtsverkehr nicht mehr selber habe anziehen können. Er bestätigte, mit ihr 

Oralverkehr gehabt zu haben (S. 5), dies ein Mal (S. 6). Er bestritt, dass es 

nochmals zwischen ihm und der Geschädigten zu Oralverkehr gekommen sei, 

nachdem diese mit L._____ beim Mäuerchen gewesen sei. Er gab zu, die Ge-

schädigte an den Brüsten angefasst zu haben, dies über den Kleidern; er wisse 

nicht, wie oft und wo sie da gewesen sei. Auf die Frage, wer die Geschädigte ent-

kleidet habe, erklärte er, das wisse er nicht mehr. Auf Vorhalt, gemäss den Aus-

sagen anderer, sei er das gewesen, verweigerte er die Aussage. Er wisse auch 

nicht mehr, in welcher Reihenfolge Oral- und Geschlechtsverkehr stattgefunden 

hätten und ob er von den anderen angefeuert worden sei (S. 6). Er wolle dazu 

nichts mehr sagen, auch nicht dazu, was die anderen während des Oral- und Ge-

schlechtsverkehrs gemacht hätten; er bleibe bei seinen bisherigen Aussagen. Die 

Frage, ob er sich überlegt habe, ob die Geschädigte das alles wolle, beantwortete 

er mit ja und er fügte auf Nachfrage an: "Für mich war es - sie war einverstan-

den". Auf die Frage, woran er das gemerkt habe, wies er darauf hin, dass sie ihn 

nach einem Kondom gefragt habe. Auf die Frage, ob die Geschädigte überhaupt 

in der Lage gewesen sei, eine Entscheidung zu treffen, ob sie sexuelle Handlun-

gen machen wollte oder nicht, verwies er auf seine bisherigen Aussagen. Die 

Frage, ob es ihm "auch eigentlich egal" gewesen sei, ob sie habe mitmachen wol-

len oder nicht, beantwortete er mit nein. Auf Nachfrage fügte er an: "Es war mir 

schon klar, dass, wenn sie es nicht gewollt hätte, dass ich es dann auch nicht 

gemacht hätte. Ich war aber sicher, dass sie es wollte." (S. 7). Er erklärte sodann, 

er wisse nicht mehr, ob er zugeschaut habe, während die anderen mit der Ge-

schädigten Oralverkehr hatten und was O._____ dabei für eine Rolle spielte. Die-

ser habe ihm aber das Kondom gegeben. Er wisse nicht mehr, wann das gewe-

sen sei. Auf die Frage, ob er O._____ danach gefragt habe oder ob es ihm vom 

-   43   - 

O._____ "einfach so" gegeben worden sei, erklärte der Angeklagte: "Er hat es mir 

gegeben, nachdem B._____ gefragt hatte, ob jemand ein Kondom dabei habe." 

Auf Vorhalt verschiedener Aussagen O._____s und von M._____, konnte sich der 

Angeklagte nicht an entsprechende Vorgänge erinnern, auch nicht an sexuelle 

Handlungen O._____s oder P._____s mit der Geschädigten (S. 8). Er erinnerte 

sich nicht, von L._____ angefeuert worden zu sein und verwies betreffend Be-

leuchten der Vagina auf seine früheren Aussagen. 

Auf Zusatzfrage der Geschädigtenvertreterin räumte er ein, dass er versuche, al-

les zu vergessen. Der Jugendanwältin erklärte er, er habe im Rahmen der Thera-

pie gelernt, wie man mit einer betrunkenen Frau umgehe und in einer Gruppe 

Spass haben könne, "ohne dass so etwas passiert". Er räumte ein, er würde es 

heute anders machen. Er habe versucht, sich bei der Geschädigten zu entschul-

digen, aber sie habe ihm "eine geschmiert" (S. 9). Das sei am Tag nach dem Vor-

fall gewesen; nachher habe er es nicht mehr versucht (S. 10). Er habe versucht, 

sich zu entschuldigen, weil sie geweint und einem Kollegen gesagt habe, sie habe 

das nicht gewollt. 

Auf den Vorhalt, es sei mehrfach gesagt worden, die Geschädigte sei eine 

"Schlampe", eine "Frau, die alles mache", sie habe den "Ruf einer 'Dorfnutte' ", 

reagierte der Angeklagte lapidar mit "ja". Er weigerte sich, das weiter zu kommen-

tieren und kommentierte auch den Vorhalt nicht, die Geschädigte bestreite diese 

Bewertungen, und sie wären "absolut egal", selbst wenn sie zuträfen (S. 10).  

3.7 Auf das zu Beginn der Schlusseinvernahme in recht suggestiv anmutender 

Weise herbeigeführte äusserst lapidare Geständnis des Angeklagten kann nicht 

im Ernst abgestellt werden. In der nachfolgenden Befragung hielt der Angeklagte 

an seiner Sachdarstellung fest, die er in der einlässlichen Befragung rund ein Jahr 

zuvor, in der Einvernahme vom 11. Juni 2009 gemacht hatte, soweit er sich über-

haupt noch inhaltlich äusserte. 

Auch diese Schlusseinvernahme ergab keine wesentlich neue Erkenntnisse. Es 

bleibt beim Geständnis, dass der Angeklagte mit der Geschädigten Oral- und Ge-

schlechtsverkehr hatte, obwohl diese auch für ihn offenkundig stark angetrunken 

-   44   - 

war. Indessen lassen seine Aussagen weder auf eine tatsächliche Urteils- oder 

Widerstandsunfähigkeit schliessen, noch darauf, dass er solches erkannt hatte 

oder zumindest in Betracht gezogen und sich bewusst darüber hinweggesetzt hat-

te. Vielmehr schilderte der Angeklagte erneut unwiderlegbar und plausibel, wes-

halb er sogar angenommen habe, die Geschädigte sei namentlich mit dem Ge-

schlechtsverkehr einverstanden. Es ist aufgrund der Aussagen des Angeklagten 

weder erstellt, dass sich die Geschädigte gegen die sexuellen Handlungen ge-

wehrt hatte, geschweige denn, dass sie sich auch nur wehren wollte, dazu aber 

unfähig war und dies vom Angeklagten erkannt worden war. 

Es ist unfair, dem Angeklagten etwas anlasten zu wollen, weil er sich am folgen-

den Tag bei der Geschädigten zu entschuldigen versuchte, nachdem er erfahren 

hatte, sie sei mit dem Geschehenen nicht einverstanden gewesen. Wenn er nun - 

durchaus zu Recht - ein Unrechtsbewusstsein verspürte, lässt dies keine Rück-

schlüsse auf Wissen und Willen im Zeitpunkt der Tat zu. Mit dem Hinweis, die 

Aussagen des Angeklagten seien "nicht sehr glaubhaft" (angefochtenes Urteil S. 

10) lässt sich kein Schuldspruch begründen. Unglaubhaft sind sie jedenfalls nicht 

und es steht ihnen - wie oben ausgeführt - auch keineswegs eine in jeder Hinsicht 

überzeugende Sachverhaltsschilderung durch die Geschädigte selbst gegenüber. 

3.8 Der Angeklagte war auch im Rahmen der Begutachtung durch die Gutachterin 

offenbar einlässlich zum Vorfall vom 15. Mai 2009 befragt worden. Das Gutachten 

enthält diesbezüglich zwar eine Zusammenfassung (Urk. 4.2 S. 20 ff.), doch kann 

diese nicht zur Belastung des Angeklagten herangezogen werden. Der notwendi-

ge Verteidiger konnte an dieser Befragung nicht teilnehmen. Sie wird zudem nur 

in zusammenfassender, indirekter Rede wiedergegeben, so dass es auch dem 

Gericht nicht möglich ist, das Zustandekommen der Antworten und deren nähere 

Formulierung zu überprüfen. Jedenfalls belegen auch die dortigen Angaben nicht, 

dass sich die Geschädigte in einem Zustand der Urteils- und Widerstandsunfähig-

keit befunden hatte und dass dies vom Angeklagten - gegebenenfalls - erkannt 

worden war. Wenn er dort beispielsweise angeführt haben sollte, sie habe "stre-

ckenweise während des Verkehrs wie schlafend gewirkt", gab er damit keines-

wegs zu, er sei in eine schlafende Frau eingedrungen, zumal er ja auch dort vor-

-   45   - 

gebracht hatte, sie habe "nein, nein" gesagt, weil sie nicht habe schwanger wer-

den wollen, was durchaus auf ein erhebliche Klarheit des Bewusstseins hindeutet. 

4. In der Untersuchung wurden verschiedene Kollegen des Angeklagten zur Sa-

che befragt, so namentlich die 5 in der Anklage als Mittäter aufgeführten L._____ 

(Urk. 1.21, 3.1, 3.6, 3.11 <Konf.>, 3.21), J._____ (Urk. 1.20, 3.3, 3.6), M._____ 

(Urk. 1.19, 3.5, 3.13 <Konf.>, 3.19), N._____ (Urk. 1.16, 3.2, 3.14 <Konf.>, 3.18) 

und K._____ (Urk. 1.23, 3.17, 3.20). 

Mehrfach befragt wurden auch die 2 als Gehilfen eingeklagten O._____ (Urk. 

1.17, 3.4, 3.11 <Konf.>, 3.24) und P._____ (Urk. 1.25, 3.22). 

Befragt wurden sodann weitere Personen aus dem Umfeld der Parteien, so 

AC._____ (Urk. 1.18, 3.8), AA._____ (Urk. 1.24), G._____ (Urk. 1.26), D._____ 

(1.27) und E._____ (1.28). 

4.1 Gemäss § 14 Abs. 1 der hier massgeblichen Zürcher Strafprozessordnung 

hatte der Angeklagte einen Anspruch darauf, an den Einvernahmen mit Zeugen 

und Auskunftspersonen teilzunehmen und ihnen Ergänzungsfragen zu stellen. 

Entsprechende Konfrontationseinvernahmen liegen nur bei L._____, M._____, 

N._____ und O._____ vor. 

Gemäss § 15 ZH-StPO sind Einvernahmen, soweit sie einen Angeschuldigten be-

lasten, "nichtig", wenn bei ihnen die Vorschriften von § 14 ZH-StPO nicht beachtet 

wurden. Zur Begründung eines Schuldspruchs könnten hier daher nur belasten-

den Aussagen von L._____, M._____, N._____ und O._____ beigezogen werden. 

4.2 Der Verteidiger weist zutreffend darauf hin, dass L._____ am 17. Februar und 

21. Juni 2010 (Urk. 3.15, 3.21) und O._____ am 23. Juni 2010 (Urk. 3.24) erneut 

einvernommen worden waren, nachdem deren Konfrontation mit dem Angeklag-

ten bereits am 15. Juni 2009 (Urk. 3.11 und 3.12) stattgefunden hatte. Zu Recht 

rügt der Verteidiger, dass somit auch die nach der Konfrontation mit diesen Ange-

schuldigten durchgeführten Einvernahmen nicht zur Belastung des Angeklagten 

herangezogen werden dürfen. Daran ändert auch der von der Oberjugendanwalt-

schaft erwähnte BGE 6B_432/2011 vom 26. Oktober 2011 (Urk. 55 S. 4) nichts, 

-   46   - 

ging es darin doch nur um die Präzisierung einer Ortsangabe, die erst nach der 

erfolgten Konfrontationseinvernahme erfolgte (vgl. E. 3.3 des genannten Ent-

scheids). 

4.3 L._____ war am 3. Juni 2009 ebenfalls festgenommen worden unter dem 

Vorwurf, eine Schändung begangen zu haben. 

4.3.1 L._____ gab an, am 15. Mai 2009 zusammen mit Kollegen das Chorkonzert 

besucht zu haben. Nachher hätte er nach Hause gehen sollen und habe am 

Bahnhof auf den Bus gewartet. O._____ habe ihn dann überredet, noch etwas 

herumzuhängen. Sie hätten dann AE._____, AF._____ und S._____ getroffen. 

Man sei zusammen zum F._____park gegangen. Plötzlich sei "P._____", ein …, 

gekommen und habe gesagt, die Geschädigte "stehe dort". Sie seien dann dort-

hin gegangen, und als sie angekommen seien, sei die Geschädigte unten nackt 

gewesen, sie habe nur noch das Oberteil getragen. Es seien "alle" dort gewesen, 

A._____, ein …, … M._____, … J._____, N._____, … AA._____, AC._____ und 

AG._____. AF._____ und S._____ seien "glaublich" nicht mitgekommen. Auf die 

Frage, wie es weitergegangen sei, erzählte er, der Angeklagte habe sie "gefickt" 

und sonst niemand. Sie habe auf einer Bank "gehängt". Der Angeklagte sei dann 

über sie "gegangen". Sie habe den Kopf immer so hin und her bewegt; er wisse 

auch nicht, was sie gehabt habe. Nachher sei sie wieder aufgestanden und habe 

sich die Leggins wieder angezogen. Sie habe dann laufen wollen, habe die Ta-

sche vergessen und die Schuhe verloren und sei auch umgefallen. Er und 

O._____ hätten ihr geholfen; die anderen seien "so Arschlöcher" gewesen und 

hätten sie einfach dort zurückgelassen. Er habe sie dann etwas weiter als bis zum 

AI._____ begleitet und sei dann hinunter zur Bushaltestelle. 

Auf die Frage, warum sie nackt gewesen sei, erklärte er, er glaube, sie habe Al-

kohol getrunken. Auf die Frage, wie betrunken sie gewesen sei, erklärte er, er sei 

"nicht dabei" gewesen, habe aber am anderen Tag gehört, sie habe eine Flasche 

Alkohol getrunken. Sie habe noch gewusst, dass er sie nach Hause begleitet ha-

be und ihm erzählt, sie habe alles verloren. Auf dem Nachhauseweg habe er ihr 

gesagt, sie solle sich auf der Strasse benehmen. Sie habe immer so den Kopf an 

seine Schultern gelegt, wenn sie "gelaufen" seien. Sie habe gesagt, es gehe ihr 

-   47   - 

besser. Sie habe kotzen wollen, und er habe ihr gesagt, sie solle den Finger in 

den Rachen stecken. Sie habe es versucht, aber nicht kotzen können. Als er dann 

gegangen sei, sei sie "huere langsam" selber auch zum Bus gegangen. Sie habe 

gesagt, es gehe ihr wieder besser, habe aber das Telefon nicht abgenommen, als 

es geklingelt habe. 

Auf Vorhalt, die Geschädigte habe ausgesagt, sie sei mit den sexuellen Handlun-

gen nicht einverstanden gewesen, erklärte L._____, sie habe den Angeklagten 

"weggeschupft"; sie habe auch "nei, nei" gesagt. Er habe "es" aber dennoch ge-

macht. Sie sei "nicht normal" gewesen; er glaube, sie habe "etwas gehabt". Am 

anderen Tag habe