# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a3a4aae5-3f06-51b8-9d6b-13033219f0e7
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.12.2011 D-5408/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5408-2011_2011-12-01.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­5408/2011

U r t e i l   v om   1 .   D e z embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz),
Richter Bendicht Tellenbach, Richterin Contessina Theis,   
Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler.

Parteien A._______, geboren (…),
B._______, geboren (…),
C._______, geboren (…),
D._______, geboren (…),
E._______, geboren (…),
F._______, geboren (…),
G._______, geboren (…),
H._______, geboren (…),
I._______, geboren (…),
Kosovo,  
alle vertreten durch Annelise Gerber, (…), 
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Vollzug der Wegweisung (Beschwerde gegen 
Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 29. 
August 2011 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Die Beschwerdeführenden  suchten  am 5. Juni  2001  in  der Schweiz  um 
Asyl  nach.  Mit  Verfügung  vom  29. März  2004  lehnte  das  damals 
zuständige  Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF)  die  Asylgesuche  ab  und 
ordnete  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den 
Wegweisungsvollzug an. Die gegen den Wegweisungsvollzug gerichtete 
Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 19. Juni 
2009 ab, soweit es darauf eintrat (D­3369/2006).

Am  20. Oktober  2009  liessen  die  Beschwerdeführenden  beim 
Migrationsamt  des  Kantons  J._______  ein  Gesuch  um  Erteilung  einer 
Aufenthaltsbewilligung einreichen. Das Migrationsamt lehnte es indessen 
ab, das Gesuch dem BFM zur Zustimmung zu unterbreiten.

In der Folge reichten die Beschwerdeführenden am 24. Februar 2010 ein 
erstes Wiedererwägungsgesuch ein. Mit Verfügung vom 3. März 2010 trat 
das  BFM  auf  das  Gesuch  nicht  ein.  Die  gegen  diesen  Entscheid  beim 
Bundesverwaltungsgericht  erhobene  Beschwerde  wurde  mit 
Abschreibungsentscheid  vom  5.  Mai  2010  als  durch  Rückzug 
gegenstandslos geworden abgeschrieben (D­2734/2010).

Auf das zweite Wiedererwägungsgesuch der Beschwerdeführenden vom 
10. Juni 2010 trat das BFM mit Verfügung vom 12. Juli 2010 erneut nicht 
ein. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.

Am  15. September  2010  liessen  die  Beschwerdeführenden  ein  drittes 
Wiedererwägungsgesuch  einreichen,  auf  welches  das  BFM  mit 
Verfügung vom 16. November 2010 wiederum nicht eintrat. Mit Eingabe 
vom  15. Dezember  2010  erhoben  die  Beschwerdeführenden  beim 
Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  gegen  diesen  Entscheid.  Mit 
Urteil  vom  21. April  2011  wies  das  Bundesverwaltungsgericht  die 
Beschwerde ab, soweit es darauf eintrat (D­8606/2010).

B. 
Mit  Eingabe  vom  4. Mai  2011  ersuchten  die  Beschwerdeführenden  das 
Bundesamt  erneut  um  Wiedererwägung  der  Verfügung  vom  29. März 
2004.  Zur  Begründung  führten  sie  –  unter  Beilage  eines  provisorischen 
Berichts  sowie  eines  ärztlichen  Zeugnisses  des  (…)  –  an,  der 
Beschwerdeführer  A._______  (nachfolgend  als  Beschwerdeführer 
bezeichnet)  leide  unter  einem  Schädelbasistumor,  welcher  operiert 

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werden  müsse.  Es  scheine  sich  um  einen  gravierenden  Eingriff  zu 
handeln, weshalb der Beschwerdeführer mit Sicherheit eine geraume Zeit 
Nachbetreuung und Nachkontrollen bedürfe, die  in Kosovo  in  keiner Art 
und Weise gewährleistet werden könnten.

C. 
Mit  Verfügung  vom  29. August  2011  –  eröffnet  am  31. August  2011 – 
wies  das  BFM  das  Wiedererwägungsgesuch  ab  und  erklärte  die 
Verfügung vom 29. März 2004 erneut als rechtskräftig und vollstreckbar. 
Gleichzeitig forderte es die Beschwerdeführenden – unter Androhung von 
Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – auf, die Schweiz bis 30. November 
2011  zu  verlassen  und  erhob  eine  Gebühr  in  der  Höhe  von  Fr. 600.­­. 
Schliesslich wies  das Bundesamt  die  Beschwerdeführenden  darauf  hin, 
dass  einer  allfälligen  Beschwerde  keine  aufschiebende  Wirkung 
zukomme.

Zur  Begründung  hielt  die  Vorinstanz  fest,  den medizinischen  Akten  sei 
nicht zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer zukünftig eine ärztliche 
Behandlung  benötige,  die  in  Kosovo  nicht  gewährleistet  wäre.  Nicht 
massgebend  sei  dabei  die  Frage,  ob  die medizinische  Infrastruktur  und 
die  fachliche  Qualifikation  des  medizinischen  Personals  im  Heimatland 
der  betroffenen  Person  den  in  der  Schweiz  gegebenen  Standard 
erreichten.  Gesundheitliche  Probleme  führten  nur  dann  zur 
Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs,  wenn  sich  aufgrund  eines 
Mangels an angemessener Behandlungsmöglichkeiten im Heimatland der 
betroffenen  Person  deren  Gesundheitszustand  derart  verschlechtern 
würde,  dass  deren  Leben  in  Gefahr  geraten  würde.  Der 
Beschwerdeführer sei am 20. April 2011 am Gehirn operiert worden und 
befinde sich zur Zeit  im K._______, wo er seit dem 11. Mai 2011 wegen 
des  postoperativ  aufgetretenen  Hemisyndroms  stationär  behandelt 
werde.  Dem  Umstand,  dass  der  Beschwerdeführer  zur  Zeit  noch  einer 
intensiven medizinischen Betreuung (Neurorehabilitation) bedürfe, werde 
damit Rechnung getragen, dass die Ausreisefrist auf den 30. November 
2011 angesetzt werde. Die punktuelle  therapeutische Weiterbehandlung 
des Beschwerdeführers  könne – soweit  nötig –  im Heimatland erfolgen, 
insbesondere was den physiotherapeutischen Bereich anbelange. 

D. 
Die  Beschwerdeführenden  liessen  gegen  die  vorinstanzliche  Verfügung 
mit  Eingabe  ihrer  Rechtsvertreterin  vom  27. September  2011 
(Faxeingang:  29. September  2011;  Poststempel  Originaleingabe: 

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3. Oktober  2011)  Beschwerde  erheben  und  sinngemäss  die  Aufhebung 
der  vorinstanzlichen Verfügung beantragen.  Im Weiteren stellten  sie die 
Begehren,  die  Verfügung  des  BFM  vom  29. März  2004  sei  in 
Wiedererwägung  zu  ziehen  und  es  sei  die  Unzulässigkeit  sowie  die 
Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzuges  festzustellen  und  als  Folge 
davon  für  die  Beschwerdeführenden  die  vorläufige  Aufnahme 
anzuordnen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchten  sie  um 
Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung, Anordnung vorsorglicher 
Massnahmen  im  Sinne  von  Art. 56  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) 
sowie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege.

E. 
Mit Zwischenverfügung vom 7. Oktober 2011 wies der  Instruktionsrichter 
das Gesuch um Anordnung vorsorglicher Massnahmen (Anordnung eines 
Vollzugsstopps) ab und hielt  fest,  über das Gesuch um Gewährung der 
unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG werde zu 
einem  späteren  Zeitpunkt  entschieden.  Zudem wurde  auf  die Erhebung 
eines  Kostenvorschusses  verzichtet  und  die  Vorinstanz  wurde  zur 
Einreichung einer Stellungnahme eingeladen.

F. 
Das Bundesamt beantragte mit seiner Vernehmlassung vom 21. Oktober 
2011 (innert erstreckter Frist) die Abweisung der Beschwerde.

G. 
Mit  Verfügung  vom  28. Oktober  2011  setzte  der  Instruktionsrichter  den 
Vollzug der Wegweisung aus und brachte den Beschwerdeführenden die 
vorinstanzliche Vernehmlassung zur Kenntnis.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 

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entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes 
vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Eine 
solche  Ausnahme  liegt  nicht  vor,  das  Bundesverwaltungsgericht 
entscheidet demnach endgültig.

1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
Beschwerdeführenden sind durch die angefochtene Verfügung besonders 
berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung;  sie  sind  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 
sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Die  Wiedererwägung  im  Verwaltungsverfahren  ist  ein  gesetzlich  nicht 
geregelter  Rechtsbehelf,  auf  dessen  Behandlung  durch  die  verfügende 
Behörde  grundsätzlich  kein  Anspruch  besteht.  Gemäss  herrschender 
Lehre  und  ständiger Praxis  des Bundesgerichts wird  jedoch aus Art. 29 
der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 
18. April  1999  (BV,  SR 101)  unter  bestimmten  Voraussetzungen  ein 
verfassungsmässiger  Anspruch  auf  Wiedererwägung  abgeleitet  (vgl. 
BGE 127 I 133 E. 6 S. 137 f. mit weiteren Hinweisen). Danach ist auf ein 
Wiedererwägungsgesuch  einzutreten,  wenn  sich  der  rechtserhebliche 
Sachverhalt  seit  dem  ursprünglichen  Entscheid  beziehungsweise  seit 
dem  Urteil  der  mit  Beschwerde  angerufenen  Rechtsmittelinstanz  in 
wesentlicher  Weise  verändert  hat  und  mithin  die  ursprüngliche 
(fehlerfreie)  Verfügung  an  nachträglich  eingetretene Veränderungen  der 
Sachlage  anzupassen  ist.  Sodann  können  auch Revisionsgründe  einen 
Anspruch  auf  Wiedererwägung  begründen,  sofern  sie  sich  auf  eine  in 
materielle  Rechtskraft  erwachsene  Verfügung  beziehen,  die  entweder 
unangefochten  geblieben  oder  deren  Beschwerdeverfahren  mit  einem 
formellen Prozessurteil abgeschlossen worden ist. Ein solchermassen als 
qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch zu bezeichnendes Rechtsmittel ist 
grundsätzlich  nach  den  Regeln  des  Revisionsverfahrens  zu  behandeln 

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(vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 17 E. 2.a S. 103 f. mit weiteren 
Hinweisen).

4. 
Die  Beschwerdeführenden  lassen  auf  Beschwerdeebene  ausführen, 
gemäss eingereichtem Bericht der K._______ vom 13. Juli 2011 sei die 
Heilungsentwicklung  beim  Beschwerdeführer  nicht  absehbar.  Zum 
jetzigen  Zeitpunkt  sei  er  kaum  ansprechbar  und  könne  sich  kaum 
bewegen.  Zudem  habe  sich  der  Beschwerdeführer  einer  weiteren 
Operation unterziehen müssen, weshalb er sich im (…) befinde. Er werde 
somit bis auf Weiteres nicht reisefähig sein, und in Kosovo sei weder eine 
angemessene  Behandlung  noch  eine  angemessene  Infrastruktur 
(Pflegeheim) gegeben.

Im  zweiten  Teil  der  Beschwerdeschrift  legen  die  Beschwerdeführenden 
sodann (nochmals) die Situation der übrigen Familienmitglieder dar, auch 
wenn  in  der  angefochtenen  Verfügung  nicht mehr  auf  die  Situation  der 
Familie  eingegangen  worden  sei,  da  die  Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs längst bejaht worden sei.

5. 
5.1.  Zunächst  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  weder  in  der  Beschwerde 
dargetan  wird,  noch  aus  den  Akten  ersichtlich  ist,  inwiefern  von  der 
Vorinstanz  in  Bezug  auf  die  übrigen  Familienmitglieder 
wiedererwägungsrechtlich  relevante  Sachverhalte  zu  berücksichtigen 
gewesen wären.  Entsprechend  hat  sich  das Bundesamt  zu Recht  dazu 
nicht  geäussert  und  es  besteht  auch  kein  Anlass,  näher  auf  die 
entsprechenden Ausführungen in der Beschwerdeschrift einzugehen.

5.2.  Aus  dem  eingereichten  Bericht  des  K._______  vom  13.  Juli  2011 
ergibt  sich,  dass  das  beim  Beschwerdeführer  am  19. April  2011 
durchgeführte  Schädel­MRI  ein  petroclivales  Meningeom  mit  Infiltration 
des  Cavum  meckeli  links  und  des  Sinus  cavernosus  links  zeigte.  Die 
Tumorembolisation  erfolgte  noch  am  19. April  2011,  eine  subtotale 
Tumorextirpation tags darauf. Postoperativ habe der Patient ein arm­ und 
beinbetontes  inkomplettes  Hemisyndrom  rechts,  sowie  bei  liegendem 
Tracheostoma  eine  Aspirationspneumonie  entwickelt.  Aus  den 
Ausführungen im Bericht unter dem Titel "Status" ergibt sich, dass diverse 
Statusuntersuchungen noch nicht durchgeführt werden konnten bzw. der 
entsprechende  Status  (z.B.  bei  den  Hirnnerven  der  Visus  und  das 

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Gesichtsfeld) noch nicht beurteilbar waren. Zum Verlauf wird im ärztlichen 
Bericht  festgehalten,  nach  dem  Eintritt  des  Beschwerdeführers  in  das 
K._______  zur multimodalen Neurorehabilitation  am  11. Mai  2011  habe 
der  Beschwerdeführer  nochmals  hospitalisiert  werden  müssen.  Am 
24. Mai  2011  sei  er  zurück  in  das  K._______  verlegt  worden.  Der 
Beschwerdeführer  sei  vollumfänglich  pflegebedürftig  und  in  allen 
Modalitäten  auf  Unterstützung  angewiesen.  In  Zusammenarbeit  mit  der 
Physiotherapie  und  Ergotherapie  werde  intensiv  an  der  Mobilisation 
gearbeitet.  Der  Beschwerdeführer  sei  nach  wie  vor  mit  einer 
Trachealkanüle  aufgrund  einer  neurogenen Schluckstörung  versorgt.  Im 
Rahmen  der  Logopädie  werde  die  Trachealkanüle  intermittierend 
entblockt, um das Artikulieren einzelner Worte zu trainieren. Ziele für die 
nächsten Wochen  seien  eine  intensive  Atem­  und  Schluckkoordination. 
Eine  Entfernung  der  Trachealkanüle  im  Verlauf  der  nächsten  14  Tage 
werde  angestrebt.  Weiter  wird  im  Bericht  zur  Behandlung  und 
Behandlungsprognose  ausgeführt,  aktuell  stehe  man  mit  der 
multimodalen Neurorehabilitation erst am Anfang. Der Beschwerdeführer 
sei  bei  sämtlichen  Verrichtungen  des  täglichen  Lebens  auf  Hilfe 
angewiesen.  Es  werde  mit  einer  Verbesserung  bei  bestehendem 
Rehabilitationspotential gerechnet, eine weitere Prognose sei aktuell nicht 
vorhersehbar. Der Beschwerdeführer sei nicht verlegungsfähig.

5.3.  Die  Vorinstanz  ist  der  Ansicht,  dem  Umstand,  dass  der 
Beschwerdeführer  zur  Zeit  noch  einer  intensiven  medizinischen 
Betreuung bedürfe, werde durch die Ansetzung der Ausreisefrist auf den 
30. November  2011  Rechnung  getragen.  Die  punktuelle  therapeutische 
Weiterbehandlung  könne  –  soweit  nötig  –  im  Heimatland  erfolgen, 
insbesondere was  den  physiotherapeutischen Bereich  anbelange. Nach 
Prüfung  der  Akten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht  zu  einem 
anderen Schluss.  Aus  dem eingereichten Bericht  geht  hervor,  dass  der 
festgestellte  Tumor  sowie  der  anschliessend  vorgenommene  operative 
Eingriff  beim  Beschwerdeführer  zu  erheblichen  gesundheitlichen 
Beeinträchtigungen  führte.  Zwar  besteht  auch  für  das 
Bundesverwaltungsgericht  kein  Grund  für  die  Annahme,  der 
Wegweisungsvollzug  erwiese  sich  auf  längere  Sicht  –  etwa  nach 
Beendigung  des  stationären  Aufenthaltes  –  als  nicht  zumutbar, 
beziehungsweise  in  Kosovo  wären  keine  medizinischen,  insbesondere 
physiotherapeutischen Behandlungen möglich. Als entscheidend erweist 
sich  jedoch,  dass  aufgrund  des  ärztlichen  Berichtes  der  weitere 
Behandlungs­  und Heilungsverlauf  noch weitgehend  unsicher  erscheint. 
Der Status  des Beschwerdeführers war  im Zeitpunkt  der Erstellung  des 

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Berichtes  noch  in  derart  vielerlei  Hinsicht  unklar  oder  nicht  beurteilbar, 
dass  sich  gestützt  auf  dieses Dokument  nicht  abschätzen  lässt, welche 
Behandlung  der  Beschwerdeführer  zukünftig  noch  benötigen  wird, 
weshalb sich auch die vorinstanzliche Annahme, diese Behandlung wäre 
in Kosovo erhältlich, als spekulativ erweist. Der angefochtene Entscheid 
enthält  entsprechend  auch  keine  Angaben  zu  konkreten 
Behandlungsmöglichkeiten  in  Kosovo.  Damit  ergibt  sich,  dass  die 
notwendigen Grundlagen bezüglich der Beurteilung der Zumutbarkeit des 
Wegweisungsvollzuges  für die Fällung des vorinstanzlichen Entscheides 
nicht vorhanden waren, der rechtserhebliche Sachverhalt erweist sich als 
nicht  genügend  festgestellt.  Der  Unsicherheit  über  die  Entwicklung  des 
Gesundheitszustandes  des  Beschwerdeführers  konnte  –  jedenfalls  bei 
vorliegender  Sachlage  –  auch  nicht  durch  die  Ansetzung  einer 
verlängerten  Ausreisefrist  Rechnung  getragen  werden.  Der  Zweck  der 
Ausreisefrist  besteht  darin,  dem  Ausländer  die  freiwillige  Ausreise  zu 
ermöglichen, und setzt damit voraus, dass er  tatsächlich zur Ausreise  in 
der Lage ist.  Inwiefern dies  im Falle des Beschwerdeführers – entgegen 
der  ärztlichen  Angabe,  dass  dieser  nicht  verlegungsfähig  sei  – möglich 
gewesen  wäre,  wird  im  vorinstanzlichen  Entscheid  nicht  dargelegt. 
Ebenso  wenig  wird  in  der  angefochtenen  Verfügung  begründet,  worauf 
die  Annahme  beruht,  der  Beschwerdeführer  sei  bis  zum  Ablauf  der 
angesetzten  Ausreisefrist  reisefähig,  zumal  im  ärztlichen  Bericht 
angegeben  wird,  es  sei  von  einer  stationären  neurorehabilitativen 
Behandlung von mindestens sechs Monaten auszugehen.

5.4.  Nach  dem  Gesagten  ergibt  sich,  dass  sich  die  angefochtene 
Verfügung  auf  einen  nicht  rechtsgenüglich  erstellten  rechtserheblichen 
Sachverhalt  abstützt.  Ein  derartiger  Mangel  ist  auf  Beschwerdeebene 
nicht zu heilen, weshalb die angefochtene Verfügung aufzuheben und zur 
weiteren  Sachverhaltsabklärung  und  Neubeurteilung  im  Sinne  der 
Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen ist. 

6. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  keine  Kosten  zu  erheben 
(Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 
Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG  wird  damit 
gegenstandslos.

Den Beschwerdeführenden ist angesichts ihres Obsiegens in Anwendung 
von  Art. 64  Abs. 1  VwVG  eine  Parteientschädigung  für  die  ihnen 
erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig  hohen  Kosten 

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zuzusprechen (vgl. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 
SR  173.320.2]).  In  der  Kostennote  der  Rechtsvertreterin  der 
Beschwerdeführenden  vom  25. November  2011  wird  ein  Betrag  von 
Fr. 700.­­ (Eingaben Fr. 500.­­ und Konsultationen, Abklärungen und Porti 
Fr. 200.­­) geltend gemacht. Angesichts der teilweise als nicht notwendig 
zu qualifizierenden Ausführungen auf Beschwerdeebene (vgl. vorstehend 
E.  5.1.)  und  unter  Berücksichtigung  der  massgebenden 
Berechnungsfaktoren  (Art. 9­11  sowie  Art. 13  und  14  VGKE)  erscheint 
eine Parteientschädigung von Fr. 500.­­ (inkl. Auslagen) als angemessen. 
Diese ist vom Bundesamt zu entrichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2. 
Die Verfügung des BFM vom 29. August 2011 wird aufgehoben und die 
Sache  zur Neubeurteilung  im Sinne  der  Erwägungen  an  die Vorinstanz 
zurückgewiesen.

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4. 
Das  BFM  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführenden  eine 
Parteientschädigung von Fr. 500.­­ (inkl. Auslagen) auszurichten.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Robert Galliker Daniela Brüschweiler

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