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**Case Identifier:** f3b732d3-5d09-5bad-a1b2-926a099446c8
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-08-19
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Strafrecht 19.08.2020 460 2019 262 (460 19 262)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_004_460-2019-262_2020-08-19.pdf

## Full Text

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Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 

19. August 2020 (460 19 262)  

____________________________________________________________________ 

 

 

 

Strafrecht  

 

 

Versuchte vorsätzliche Tötung  

 

 
Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Markus Mattle (Ref.),  

Richterin Susanne Afheldt, Richter Beat Hersberger,  

Richterin Helena Hess; Gerichtsschreiber Pascal Neumann    

 
Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Allgemeine  

Hauptabteilung, Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz,  

Anklagebehörde und Anschlussberufungsklägerin 

 

A.____,   

vertreten durch Rechtsanwalt Julian Herzog,  

Neuarlesheimerstrasse 18, Postfach 435, 4143 Dornach,  

Privatkläger 
  

gegen 

 
 

B.____,   

vertreten durch Rechtsanwältin Eveline Roos, Bielstrasse 8,  

Postfach 663, 4502 Solothurn,  

Beschuldigter und Berufungskläger 

 
Gegenstand 

Versuchte vorsätzliche Tötung etc. 

(Berufung des Beschuldigten und Anschlussberufung der  

Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft gegen das Urteil des  

Strafgerichts Basel-Landschaft vom 2. September 2019)  
 
 
 

 
 
 

 
 
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A. Mit Urteil vom 2. September 2019 erklärte das Strafgericht Basel-Landschaft B.____ der 

versuchten vorsätzlichen Tötung, der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittel-

gesetz sowie der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz schuldig und verurteilte 

ihn ‒ unter Anrechnung der vom 8. Februar 2018 (22:30 Uhr) bis zum 9. Februar 2018 (11:05 

Uhr) und vom 10. März 2018 bis zum 10. Juni 2018 ausgestandenen Untersuchungshaft sowie 

des vorzeitigen Strafvollzugs vom 11. Juni 2018 bis zum 2. September 2019 von insgesamt 543 

Tagen ‒ zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und drei Monaten sowie zu einer Busse von 

CHF 300.-- (bzw. zu einer Ersatzfreiheitsstrafe von drei Tagen bei schuldhafter Nichtbezahlung 

der Busse); dies in Anwendung von Art. 111 StGB (in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB), 

Art. 33 Abs. 1 lit. a WG, Art. 19 Abs. 1 lit. d und lit. g BetmG, Art. 19a Ziff. 1 BetmG, Art. 40 

StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 51 StGB und Art. 106 StGB (Ziff. 1). Demgegenüber wurde das 

Verfahren gegen B.____ betreffend den Konsum von Betäubungsmitteln für den Zeitraum bis 

zum 2. September 2016 aufgrund des Eintritts der Verjährung gemäss Art. 329 Abs. 4 und 

Abs. 5 StPO eingestellt (Ziff. 2). Des Weiteren wurde B.____ in Anwendung von Art. 66a StGB 

für die Dauer von zwölf Jahren des Landes verwiesen. Diesbezüglich wurde zudem erkannt, 

dass die angeordnete Landesverweisung gemäss Art. 20 der N-SIS-Verordnung im Schengener 

Informationssystem eingetragen wird (Ziff. 3). Ferner wurde B.____ dazu verurteilt, A.____ eine 

Genugtuung in der Höhe von CHF 10‘000.-- zuzüglich Zins von 5 % seit dem 9. März 2018 zu 

bezahlen (Ziff. 4). Sodann wurden diverse beschlagnahmten Gegenstände entweder gestützt 

auf Art. 267 Abs. 1 und Abs. 3 StPO dem Privatkläger und dem Beschuldigten zurückgegeben 

oder in Anwendung von Art. 69 Abs. 1 und Abs. 2 StGB bzw. mit dem Einverständnis des Be-

schuldigten zur Vernichtung eingezogen; ausserdem wurde das beim Beschuldigten beschlag-

nahmte Bargeld in der Höhe von CHF 577.90 gemäss Art. 442 Abs. 4 StPO in Verbindung mit 

Art. 268 StPO an die Verfahrenskosten angerechnet (Ziff. 5). Weiter wurde verfügt, dass sämtli-

che gegen den Beschuldigten forensisch gesicherten Daten nach Rechtskraft des Urteils unwi-

derruflich gelöscht werden (Ziff. 6). Schliesslich wurde erkannt, dass der Beschuldigte in An-

wendung von Art. 426 Abs. 1 StPO die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vor-

verfahrens von CHF 28‘111.15, den Kosten des Zwangsmassnahmengerichts von CHF 1‘700.-- 

und der Gerichtsgebühr von CHF 10‘000.--, zu tragen hat (Ziff. 7), sowie dass das Honorar des 

amtlichen Verteidigers in der Höhe von CHF 13'945.-- gleichermassen wie dasjenige des un-

entgeltlichen Rechtsbeistandes in der Höhe von CHF 4'689.70 aus der Gerichtskasse entrichtet 

wird (Ziff. 8 und 9). Auf die Begründung dieses Urteils sowie der nachfolgenden Eingaben der 

Parteien wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen.   

 
 
 

 
 
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B. Gegen das Urteil des Strafgerichts vom 2. September 2019 meldete der Beschuldigte mit 

Schreiben vom 9. September 2019 die Berufung an. In seiner Berufungserklärung vom 11. No-

vember 2019 teilte der Berufungskläger mit, dass das Urteil vollumfänglich angefochten werde, 

und er im Sinne seiner Anträge gemäss dem erstinstanzlichen Verfahren einen vollumfängli-

chen Freispruch unter den gesetzlichen Kosten- und Entschädigungsfolgen beantrage. In der 

Berufungsbegründung vom 17. Februar 2020 brachte der Beschuldigte in Abweichung zur Be-

rufungserklärung folgende Rechtsbegehren vor: Das angefochtene Urteil sei hinsichtlich der 

Dispositiv-Ziffern 1, 3, 4, 5c und 7 aufzuheben (Ziff. 1). Der Berufungskläger sei vom Vorwurf 

der versuchten Tötung, der versuchten schweren Körperverletzung sowie der einfachen Kör-

perverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand freizusprechen (Ziff. 2.a). Eventualiter sei er 

der einfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand schuldig zu sprechen, und 

die Strafe sei in Anwendung von Art. 16 Abs. 1 StGB zu mildern (Ziff. 2.b). Weiter sei der Beru-

fungskläger der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz und der mehrfachen Wi-

derhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig zu sprechen (Ziff. 3). In der Folge sei 

er zu einer Geldstrafe von maximal 100 Tagessätzen sowie zu einer Busse von CHF 300.-- zu 

verurteilen (Ziff. 4.a). Eventualiter sei der Berufungskläger zu einer Geldstrafe von 180 Tagess-

ätzen sowie zu einer Busse von CHF 300.-- zu verurteilen (Ziff. 4.b). Ferner seien die ausge-

standene Untersuchungshaft sowie der vorzeitige Strafvollzug an die ausgefällte Strafe anzu-

rechnen (Ziff. 5). Abhängig vom Strafmass sei dem Berufungskläger eine angemessene Ent-

schädigung für die zu Unrecht ausgestandene Untersuchungshaft bzw. den vorzeitigen Straf-

vollzug auszurichten (Ziff. 6). Ausserdem sei die Genugtuungsforderung des Privatklägers ab-

zuweisen, eventualiter sei diese auf den Zivilweg zu verweisen (Ziff. 7). Sodann seien die erst-

instanzlichen Gerichtskosten sowie die Verfahrenskosten nach Ermessen der Berufungsinstanz 

neu zu verlegen (Ziff. 8). Im Übrigen sei das angefochtene Urteil zu bestätigen (Ziff. 9); dies 

alles gelte unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Staates (Ziff. 10).   

 

C. Mit Eingabe vom 26. November 2019 erklärte die Staatsanwaltschaft die Anschlussberu-

fung und begehrte dabei, es sei die Berufung des Beschuldigten vollumfänglich abzuweisen 

(Ziff. 1), und es sei dieser in Abänderung von Ziffer 1 des angefochtenen Urteils zu einer Frei-

heitsstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten zu verurteilen (Ziff. 2); im Übrigen sei das 

vorinstanzliche Urteil zu bestätigen (Ziff. 3). Mit Schreiben vom 3. Januar 2020 teilte die Staats-

 
 
 

 
 
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anwaltschaft ihren Verzicht auf eine ergänzende Begründung der Anschlussberufungserklärung 

mit.   

 

D. Mit Datum vom 4. Dezember 2019 reichte der Privatkläger eine Stellungnahme ein und 

beantragte dabei, es sei die Berufung des Beschuldigten vollumfänglich abzuweisen (Ziff. 1), 

und es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren (Ziff. 2); dies alles unter o/e Kos-

tenfolge (Ziff. 3). Mit weiterer Eingabe vom 20. Januar 2020 liess der Privatkläger der Beru-

fungsinstanz im Hinblick auf sein Begehren um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege 

diverse Unterlagen zukommen. In seiner Berufungsantwort vom 18. März 2020 stellte der Pri-

vatkläger sodann folgende Rechtsbegehren: Es sei die Berufung des Beschuldigten vollumfäng-

lich abzuweisen und das angefochtene Urteil zu bestätigen (Ziff. 1). Eventualiter sei die An-

schlussberufung der Staatsanwaltschaft gutzuheissen und die dem Berufungskläger auferlegte 

Freiheitsstrafe auf sieben Jahre und sechs Monate zu erhöhen (Ziff. 2); dies alles unter o/e Kos-

tenfolge zu Lasten des Beschuldigten (Ziff. 3).  

 

E. In ihrer Berufungsantwort vom 17. April 2020 nahm die Staatsanwaltschaft Stellung zur 

Berufungsbegründung des Beschuldigten, ohne jedoch explizit Rechtsbegehren zu formulieren.   

 

F. Der Beschuldigte verzichtete seinerseits auf die Einreichung einer Anschlussberufungs-

antwort.  

 

G. Mit Verfügung des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 

5. Dezember 2019 wurde dem Beschuldigten die amtliche Verteidigung für das Berufungsver-

fahren bewilligt. Mit weiterer Verfügung vom 21. Januar 2020 wurde dem Privatkläger die un-

entgeltliche Rechtspflege für das zweitinstanzliche Verfahren gewährt. Ferner wurde mit Verfü-

gung des Kantonsgerichts vom 21. April 2020 der Antrag des Beschuldigten auf Durchführung 

einer Tatrekonstruktion gemäss Berufungsbegründung vom 17. Februar 2020 abgewiesen.   

 

H. Anlässlich der Parteiverhandlung vor dem Kantonsgericht vom 18. August 2020 sind der 

Beschuldigte B.____ mit seiner Rechtsvertreterin Rechtsanwältin Eveline Roos, der Rechtsver-

treter des Privatklägers, Rechtsanwalt Julian Herzog, sowie Ludovica Del Giudice als Vertrete-

rin der Staatsanwaltschaft anwesend. Auf die Darlegungen der Anwesenden wird wiederum, 

soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.  

 
 
 

 
 
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Erwägungen 

 

 

1. Formalien und Verfahrensgegenstand  

 

1.1 Die Zuständigkeit der Fünferkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Beru-

fungsgericht zur Beurteilung der vorliegenden Rechtsmittel ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a 

StPO sowie aus § 15 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit lit. b EG StPO. Nach Art. 398 Abs. 1 StPO 

ist die Berufung zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren 

ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Gemäss Abs. 3 von Art. 398 StPO können mit 

der Berufung gerügt werden: Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Miss-

brauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a), die unvollständige 

oder unrichtige Feststellung des Sachverhaltes (lit. b) sowie Unangemessenheit (lit. c), wobei 

das Berufungsgericht das Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen kann 

(Art. 398 Abs. 2 StPO). Nach Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst die Berufung dem 

erstinstanzlichen Gericht innert zehn Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich 

anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des be-

gründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. Die Anschlussberufung ist 

Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO folgend innerhalb von 20 Tagen seit Empfang der Berufungserklä-

rung schriftlich zu erklären. Die Legitimation des Beschuldigten zur Ergreifung des Rechtsmit-

tels wird in Art. 382 Abs. 1 StPO normiert und diejenige der Staatsanwaltschaft in Art. 381 

Abs. 1 StPO. Nachdem in casu das angefochtene Urteil ein taugliches Anfechtungsobjekt dar-

stellt, sowohl der Beschuldigte als auch die Staatsanwaltschaft berufungs- bzw. anschlussberu-

fungslegitimiert sind, zulässige Rügen erheben und die Rechtsmittelfristen gewahrt haben so-

wie der Erklärungspflicht nachgekommen sind, ist im Folgenden ohne Weiteres auf die beiden 

Rechtsmittel einzutreten.   

 

1.2 Gegen das Urteil des Strafgerichts vom 2. September 2019 haben sowohl der Beschuldig-

te als auch die Staatsanwaltschaft ein Rechtsmittel ergriffen. Dabei begehrt der Beschuldigte in 

seiner Berufung was folgt: einen Freispruch vom Vorwurf der versuchten Tötung bzw. der ver-

suchten schweren Körperverletzung sowie der einfachen Körperverletzung mit einem gefährli-

 
 
 

 
 
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chen Gegenstand (eventualiter wird eine Verurteilung wegen einfacher Körperverletzung mit 

einem gefährlichen Gegenstand und eine Milderung der Strafe in Anwendung von Art. 16 Abs. 1 

StGB beantragt), einen Schuldspruch wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Waffenge-

setz und mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, eine Verurteilung zu 

einer Geldstrafe von maximal 100 Tagessätzen sowie zu einer Busse von CHF 300.-- (eventua-

liter zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen sowie zu einer Busse von CHF 300.--), eine An-

rechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft sowie des vorzeitigen Strafvollzugs an die 

ausgefällte Strafe, eine angemessene Entschädigung für die zu Unrecht ausgestandene Unter-

suchungshaft bzw. den vorzeitigen Strafvollzug, die Abweisung der Genugtuungsforderung des 

Privatklägers (eventualiter die Verweisung auf den Zivilweg) sowie eine Neuverlegung der erst-

instanzlichen Gerichtskosten und der Verfahrenskosten nach Ermessen der Berufungsinstanz. 

Demgegenüber begehrt die Staatsanwaltschaft in ihrer Anschlussberufung eine Bestätigung der 

Schuldsprüche und eine Erhöhung des Strafmasses auf sieben Jahre und sechs Monate Frei-

heitsstrafe. Gestützt auf Art. 404 Abs. 1 StPO sind nur die genannten Punkte Gegenstand der 

Berufungsverhandlung. Nicht mehr zu beurteilen sind damit namentlich die Schuldsprüche we-

gen mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz (mit Ausnahme desjenigen 

nach Art. 19 Abs. 1 lit. g BetmG) sowie wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Waffen-

gesetz, die Auferlegung einer Busse in der Höhe von CHF 300.--, die Verfahrenseinstellung 

betreffend den Konsum von Betäubungsmitteln für den Zeitraum bis zum 2. September 2016 

aufgrund des Verjährungseintritts, die Entscheide der Vorinstanz hinsichtlich der beschlag-

nahmten Gegenstände und der unwiderruflichen Löschung sämtlicher forensisch gesicherten 

Daten nach Rechtskraft des Urteils sowie schliesslich die erstinstanzlichen Entscheide bezüg-

lich der auszurichtenden Honorare an den damaligen amtlichen Verteidiger und den unentgeltli-

chen Rechtsbeistand.   

 

 

2. Ausführungen der Parteien  

 

2.1.1  

a) (…).  

 

b) (…). 

 

 
 
 

 
 
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c) (…).  

 

d) (…).   

 

e) (…).   

 

2.1.2 (…).   

 

2.2.1  

a) (…).  

 

b) (…).  

 

2.2.2  

a) (…).  

 

b) (…).  

 

c) (…).   

 

2.3  

a) (…).  

 

b) (…).  

 

c) (…).  

 

 

3. Beweiswürdigung und Sachverhalt  

 

3.1  

a) Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 10 Abs. 2 StPO) hat das urteilen-

de Gericht frei von Beweisregeln und nur nach seiner persönlichen Überzeugung aufgrund ge-

 
 
 

 
 
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wissenhafter Prüfung darüber zu entscheiden, ob es eine Tatsache für bewiesen hält. Das Ge-

richt trifft sein Urteil unabhängig von der Zahl der Beweismittel, welche für eine bestimmte Tat-

sache sprechen, und ohne Rücksicht auf die Form des Beweismittels (ROBERT HAUSER / 

ERHARD SCHWERI / KARL HARTMANN, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Auflage, Basel 

2005, § 54 N 3 f., mit Hinweisen). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist gemäss 

der aus Art. 32 Abs. 1 BV (bzw. Art. 4 aBV) fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten 

Maxime "in dubio pro reo" bis zum gesetzlichen Nachweis seiner Schuld zu vermuten, dass der 

wegen einer strafbaren Handlung Beschuldigte unschuldig ist (Art. 10 Abs. 1 StPO). Als Be-

weiswürdigungsregel besagt die Maxime ausserdem, dass sich der Strafrichter nicht von der 

Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären darf, wenn 

bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (Art. 10 

Abs. 3 StPO). Die Beweiswürdigungsregel ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des 

Beschuldigten hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht 

massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden 

kann. Es muss sich um erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, d.h. um sol-

che, die sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen (BGE 124 IV 87 E. 2a; mit Verweis auf 

BGE 120 Ia 31). Insgesamt steht dem Sachgericht im Bereich der Beweiswürdigung praxisge-

mäss ein erheblicher Ermessensspielraum zu (BGE 134 IV 132 E. 4.2; 129 IV 6 E. 6.1). 

 

b) Der in Art. 29 Abs. 2 BV gewährleistete Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt, dass die 

Behörden die Vorbringen des vom Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsäch-

lich hören, prüfen und in der Entscheidfindung berücksichtigen. Die Behörde darf sich auf die 

wesentlichen Gesichtspunkte und Leitlinien beschränken und braucht sich nicht mit jedem 

sachverhaltsdienlichen oder rechtlichen Einwand auseinanderzusetzen (BGE 137 II 266 E. 3.2, 

mit Hinweisen; BGer 6B_627/2012 vom 18. Juli 2013 E. 2.5).  

 

3.2  

a) Bei der nachfolgenden Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts sind namentlich 

folgende Beweise und Indizien zu würdigen: die Depositionen des Beschuldigten anlässlich 

seiner Einvernahme zur Person durch die Staatsanwaltschaft vom 11. März 2018 (act. 97 ff.) 

und anlässlich der Hafteröffnungseinvernahme durch die Staatsanwaltschaft vom 11. März 

2018 (act. 343 ff.), anlässlich der Einvernahme durch die Polizei Basel-Landschaft, Spezialisier-

ter Ermittlungsdienst, vom 11. März 2018 (act. 1371 ff.), anlässlich der Sitzung des Zwangs-

 
 
 

 
 
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massnahmengerichts Basel-Landschaft vom 14. März 2018 (act. 383 ff.), anlässlich der Einver-

nahme durch die Polizei Basel-Landschaft, Allgemeiner Ermittlungsdienst 1, vom 30. Mai 2018 

(act. 877 ff.), anlässlich der Einvernahme durch die Polizei Basel-Landschaft, Allgemeiner Er-

mittlungsdienst 1, vom 8. Juni 2018 (act. 945 ff.), anlässlich der Einvernahme durch die Staats-

anwaltschaft vom 19. November 2018 (act. 981 ff.), anlässlich der erstinstanzlichen Verhand-

lung vom 2. September 2019 (act. S 145 ff.) sowie vor dem Kantonsgericht (Protokoll KG), die-

jenigen des Privatklägers anlässlich dessen Einvernahme als Auskunftsperson durch die 

Staatsanwaltschaft vom 19. März 2018 (act. 1393 ff.), die Zeugenaussagen von C.____ anläss-

lich der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft vom 19. März 2018 (act. 1407 ff.), die Zeu-

genaussagen von D.____ anlässlich der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft vom 

22. März 2018 (act. 1447 ff.), die Zeugenaussagen von E.____ anlässlich der Einvernahme 

durch die Staatsanwaltschaft vom 25. April 2018 (act. 1459 ff.), die Videosequenzen der Über-

wachungskamera aus dem F.____-Shop in G.____ vom 9. März 2018 betreffend den Zeitraum 

zwischen 19:50 Uhr und 20:10 Uhr, die diesbezügliche Fotodokumentation der Polizei Basel-

Landschaft, Allgemeiner Ermittlungsdienst 1, vom 28. März 2018 (act. 1035 ff.), der Bericht der 

Polizei Basel-Landschaft, Forensik, vom 4. Juli 2018 (act. 1123 ff.), die Austrittsberichte des 

Kantonsspitals Baselland vom 9. März 2018 und vom 25. April 2018 betreffend den Privatkläger 

(act. 1303 f., 1307 ff.), der medizinische Bericht des Universitätsspitals Basel, Neurochirurgie, 

vom 5. April 2018 betreffend den Privatkläger (act. 1261 ff.), das rechtsmedizinische Gutachten 

des Institutes für Rechtsmedizin der Universität Basel (IRM) vom 26. Mai 2018 betreffend den 

Privatkläger (act. 1283 ff.), das rechtsmedizinische Gutachten des IRM vom 3. Mai 2018 betref-

fend den Beschuldigten (act. 1235 ff.), das forensisch-toxikologische Gutachten des IRM vom 

10. April 2018 betreffend den Beschuldigten (act. 1337 ff.) sowie schliesslich das psychiatrische 

Gutachten von Dr. med. H.____, FMH Neurologie sowie FMH Psychiatrie und Psychotherapie 

in I.____, vom 27. Juli 2017 [recte: 27. Juli 2018] betreffend den Beschuldigten (act. 159 ff.).  

 

b)  

aa) Gestützt auf die vorgängig zitierten Beweise und Indizien kommt das Kantonsgericht zum 

Schluss, dass der inkriminierte Sachverhalt, auch in Nachachtung der Maxime "in dubio pro 

reo", gemäss der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft vom 8. April 2019 erstellt ist. Dies wird 

vom Beschuldigten denn auch nicht ernsthaft bestritten. Der Berufungskläger macht in diesem 

Zusammenhang in seiner Berufung lediglich geltend, er habe das Wort "Motherfucker" nicht 

direkt zum Privatkläger, sondern bloss vor sich hingesagt, der Privatkläger sei nach dem ersten 

 
 
 

 
 
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Schlag in das Gesicht des Beschuldigten vor dem F.____-Shop mit der Absicht auf ihn zuge-

kommen, ihn erneut zu schlagen bzw. der Privatkläger habe in kampfbereiter Stellung vor dem 

Eingang des Ladens auf ihn gewartet, und er habe ferner mit dem Messer einmal in Richtung 

des Armes bzw. der Schulter des Privatklägers zugestochen und diesen nur deshalb im Bereich 

der linken Schläfe getroffen, weil sich dieser geduckt habe.  

 

bb) Diesen Einwendungen des Beschuldigten ist Folgendes zu entgegnen: Trotz dessen Be-

streitung im Rahmen des Berufungsverfahrens, das Wort "Motherfucker" direkt zum Privatkläger 

gesagt zu haben, ist gestützt auf die zahlreichen diesbezüglichen Aussagen davon auszuge-

hen, dass der Beschuldigte dies aufgrund des subjektiv offenbar als herablassend empfunde-

nen Verhaltens des Privatklägers sehr wohl getan hat. So hat der Beschuldigte anlässlich der 

Einvernahme durch die Polizei, Spezialisierter Ermittlungsdienst, vom 11. März 2018, ausge-

sagt, der Privatkläger habe mit den Fingern eine Bewegung gemacht, er solle ihm die Hand 

geben. Er habe dann dem Unbekannten gesagt, er kenne ihn nicht, warum sollte er "Hallo" sa-

gen. Daraufhin habe der Unbekannte aufstehen wollen, sei aber von einem Kollegen zurückge-

halten worden. Er habe ihm dann gesagt, er sei ein "Motherfucker" (act. 1373 f.). Ferner hat er 

anlässlich der Sitzung des Zwangsmassnahmengerichts vom 14. März 2018 ausgeführt, der 

Privatkläger habe ihn aufgefordert, ihn zu grüssen. Er habe ihn "Motherfucker" genannt und sei 

in den F.____-Shop gegangen (act. 385). Weiter hat er anlässlich der Einvernahme durch die 

Polizei, Allgemeiner Ermittlungsdienst 1, vom 30. Mai 2018 deponiert, soweit er sich erinnern 

könne, habe der Privatkläger zum J.____ vermutlich etwas Schlechtes über ihn gesagt. Er habe 

ihm dann "Motherfucker" gesagt und sei weggegangen (act. 907). In der gleichen Einvernahme 

hat er zudem zu Protokoll gegeben, der Privatkläger habe ihn zu sich gewinkt, er sei hingegan-

gen und habe ihn gefragt, ob sie sich kennen würden. Dieser habe "nein" gesagt, worauf er ihn 

mit dem Wort "Motherfucker" betitelt habe (act. 911 f.). Zudem hat er anlässlich der Einvernah-

me durch die Polizei, Allgemeiner Ermittlungsdienst 1, vom 8. Juni 2018 zugegeben, zum Pri-

vatkläger "Motherfucker" gesagt zu haben, nachdem dieser auf seine Frage, ob er ihn kenne, 

nicht geantwortet habe (act. 983). Schliesslich hat der Beschuldigte anlässlich der Einvernahme 

durch die Staatsanwaltschaft vom 19. November 2018 deponiert, er hätte auch verneinen kön-

nen, dass er den Privatkläger "Motherfucker" genannt habe (act. 991). Selbst wenn es nicht 

erstellt wäre, dass der Beschuldigte das Wort "Motherfucker" direkt zum Privatkläger gesagt 

hat, wäre immer noch unbestritten, dass das fragliche Wort im Rahmen des zwischen dem Be-

schuldigten und dem Privatkläger geführten Disputs im Anschluss an die vom Berufungskläger 

 
 
 

 
 
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als Beleidigung empfundene Aufforderung des Privatklägers, ihn zu grüssen, gefallen ist und 

Letzterer ihm wegen dieser Beschimpfung nachgelaufen ist sowie ihn im Laden deswegen ge-

schlagen hat.  

 

In Bezug auf die Behauptung, der Privatkläger sei vor dem F.____-Shop mit der Absicht auf ihn 

zugekommen, ihn erneut zu schlagen bzw. dieser habe in kampfbereiter Stellung vor dem Ein-

gang des Ladens auf ihn gewartet, steht für das Kantonsgericht fest, dass der Privatkläger 

zweifellos vor dem Laden auf den Beschuldigten gewartet hat; demgegenüber bestehen keine 

Hinweise, dass er ihn tatsächlich einseitig noch einmal tätlich angegangen haben soll. Diesbe-

züglich hat der Zeuge C.____ anlässlich der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft vom 

19. März 2018 ausgesagt, sowohl der Beschuldigte als auch der Privatkläger seien dort gestan-

den und hätten kämpfen wollen bzw. seien kampfbereit gewesen (act. 1413). Der Zeuge 

D.____ hat anlässlich der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft vom 22. März 2018 depo-

niert, vor dem Eingang des F.____ sei er dazwischen gegangen, da er gesehen habe, dass die 

zwei hätten kämpfen wollen wie Boxer. Aber sie hätten dann nicht gekämpft, sondern der Be-

schuldigte habe das Messer hervorgeholt und zugestochen (act. 1453). Auch der Beschuldigte 

hat wiederholt bestätigt, dass der Privatkläger lediglich gewartet hat. So hat er anlässlich der 

Sitzung des Zwangsmassnahmengerichts vom 14. März 2018 ausgeführt, der Privatkläger sei 

draussen gewesen und habe wie ein Profiboxer gewartet (act. 385). Er habe Angst gehabt, 

dass der Privatkläger noch einmal auf ihn zukommen würde, weshalb er das Messer mit der 

rechten Hand aus der rechten Jackentasche genommen und die Klinge mit der linken Hand 

aufgeklappt habe (Einvernahme vom 30. Mai 2018, act. 909). Es habe so ausgesehen bzw. er 

sei davon ausgegangen, dass er ihn noch einmal habe schlagen wollen (Einvernahme vom 

30. Mai 2018, act. 913). Bevor er mit dem Messer zugestochen habe, sei der Privatkläger 

draussen am Warten gewesen (Einvernahme vom 19. November 2018, act. 985). Der Privat-

kläger sei bereit gewesen zu kämpfen und habe in einer Boxerhaltung dagestanden; er habe 

Angst gehabt, dass dieser weitermachen würde (Protokoll KG S. 6).  

 

Im Hinblick auf das Argument des Beschuldigten, er habe in Richtung des Armes bzw. der 

Schulter des Privatklägers zugestochen und diesen nur deshalb im Bereich der linken Schläfe 

getroffen, weil sich dieser geduckt habe, ist festzustellen, dass der Wahrheitsgehalt und insbe-

sondere die daraus fliessende Folge dieser Behauptung in erster Linie im Rahmen der nachfol-

genden rechtlichen Subsumption zu prüfen ist. Bereits an dieser Stelle ist aber festzuhalten, 

 
 
 

 
 
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dass es sich bei der Auseinandersetzung offensichtlich nicht um ein statisches Geschehen ge-

handelt hat. Abgesehen davon, dass einer tätlichen Begegnung wie der vorliegenden generell 

eine gewisse Dynamik inhärent ist, hat auch der Beschuldigte unter anderem zu Protokoll ge-

geben, der Privatkläger sei vor ihm geblieben und habe getänzelt, die Hände wie ein Boxer 

(Einvernahme vom 11. März 2018, act. 345). Er sei immer noch draussen gewesen und habe 

die Hände wie ein Boxer oben gehabt. Er habe wie ein Boxer getänzelt (Einvernahme vom 

11. März 2018, act. 1375). Er habe gesehen, wie der Privatkläger ständig wie ein Boxer herum-

getänzelt sei (Einvernahme vom 30. Mai 2018, act. 909). Es habe so ausgesehen, dass der 

Privatkläger ihn noch einmal habe schlagen wollen. Er sei sehr aggressiv gewesen und habe 

herumgetänzelt (Einvernahme vom 30. Mai 2018, act. 913). Er habe den Privatkläger in seiner 

Hand gehabt. Dieser habe sich vor ihm bewegt, er selber sei am Warten gewesen (Einvernah-

me vom 19. November 2018, act. 987). Ebenfalls zu konstatieren ist in diesem Kontext zudem, 

dass es sich beim Messerstich des Beschuldigten nicht um eine Abwehrbewegung gehandelt 

hat, sondern um eine aktive Führung des Messers gegen den Körper des Privatklägers mit ei-

ner nicht unerheblichen Wucht bei der Stichbeibringung, welche annähernd senkrecht zur Kör-

peroberfläche erfolgt ist (Gutachten des IRM vom 26. Mai 2018, act. 1293).  

 

cc) Demnach ist bei der rechtlichen Würdigung von folgendem massgeblichen Sachverhalt 

auszugehen (vgl. auch die entsprechenden Feststellungen im angefochtenen Urteil E. I.2.2.A 

S. 4 ff.): Am 9. März 2018, ca. um 19:50 Uhr, hat sich der Beschuldigte in G.____ an der 

K.____strasse 1 beim Bahnhof SBB zum dortigen lmbisswagen begeben, wo sich zum genann-

ten Zeitpunkt an einem Bistrotisch mehrere Personen aufgehalten haben, darunter der Privat-

kläger sowie die beiden späteren Zeugen D.____ und C.____. Nachdem der Beschuldigte 

C.____ mit der Hand begrüsst hatte, hat sich auch der Privatkläger an den Berufungskläger 

gewendet und diesen mit Handzeichen aufgefordert, sich ihm zu nähern und ihn ebenfalls zu 

begrüssen. Alsdann ist es zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger zu einem Wort-

wechsel gekommen, in dessen Verlauf Ersterer Letzteren als "Motherfucker" beschimpft hat. ln 

der Folge hat sich der Beschuldigte von der Gruppe entfernt und sich in den im Bahnhofsge-

bäude untergebrachten F.____-Shop begeben. Aufgebracht von der zitierten Beschimpfung ist 

der Privatkläger ‒ trotz der Versuche von D.____, ihn zurückzuhalten ‒ dem Beschuldigten bis 

zum Eingangsbereich des Shops hinterhergelaufen. Als der Beschuldigte dies bemerkt hat, hat 

er sich umgedreht und aus der linken Westentasche ein nicht automatisches, einhändig be-

dienbares Klappmesser mit einer Klingenlänge von 8,6 Zentimetern und einer Klingenbreite von 

 
 
 

 
 
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1,6 Zentimetern hervorgeholt und dieses in geschlossenem Zustand in seine rechte Westenta-

sche gesteckt. Daraufhin hat der Privatkläger dem Beschuldigten im Eingangsbereich im Innern 

des Ladens unvermittelt mit der linken Hand bzw. mit der linken Faust ins Gesicht geschlagen. 

Ob es sich dabei um einen relativ heftigen Schlag gehandelt hat, wie dies von der Vorinstanz 

erkannt worden ist (vgl. E. I.2.2.A.b S. 6), erscheint aufgrund der komplett fehlenden Verlet-

zungsfolgen beim Berufungskläger (Gutachten des IRM vom 3. Mai 2018, act. 1239) zumindest 

als fraglich, kann aber vorliegend zufolge fehlender Relevanz offengelassen werden. Im An-

schluss an diesen Schlag hat wiederum D.____ zu schlichten versucht, indem er zwischen die 

Streitenden getreten ist und den Beschuldigten von vorne festgehalten hat. Dieser jedoch hat 

sich losgerissen, vor dem Shop-Eingang das Messer aus der rechten Westentasche geholt, die 

Klinge aufgeklappt und ohne weitere vorgängige tätliche Auseinandersetzung sowie ohne Vor-

warnung einmal mit nicht unerheblicher Wucht auf den dort auf ihn wartenden Privatkläger ein-

gestochen und diesen dabei an der linken Schläfe getroffen. Anschliessend hat sich der Be-

schuldigte zu Fuss vom Tatort entfernt und ist im Verlaufe des Abends zusammen mit Kollegen 

zum Feiern in den Ausgang in L.____ gegangen (Protokoll KG S. 7). Am darauffolgenden Tag 

ist der Beschuldigte schliesslich um ca. 19:00 Uhr verhaftet worden.  

 

dd) Während der Beschuldigte durch den Schlag des Privatklägers keine Verletzungen erlitten 

hat, ist Letzterer durch den Messerstich potentiell lebensgefährlich verletzt worden. Im Einzel-

nen steht aus medizinischer Sicht in Bezug auf den Berufungskläger Folgendes fest: Gemäss 

dem Gutachten des IRM vom 3. Mai 2018 hätten bei der rechtsmedizinischen Untersuchung 

des Beschuldigten am 10. März 2018 ‒ d.h. einen Tag nach dem inkriminierten Geschehen ‒ 

keine Verletzungen festgestellt werden können. Hautrötungen, die z.B. nach Schlägen mit der 

flachen Hand ins Gesicht entstünden, würden sich in der Regel innerhalb weniger Stunden zu-

rückbilden. Demgegenüber seien Haut- und Schleimhautunterblutungen, welche regelmässig 

nach Faustschlägen beobachtet werden könnten, bis zu ihrer Abheilung meist mehrere Tage 

sichtbar. Das Fehlen morphologisch fassbarer Verletzungsfolgen einen Tag nach der dokumen-

tierten Gewalteinwirkung schliesse die Entstehung relevanter Verletzungen praktisch aus.  

 

ee) Im Hinblick auf die Verletzungsfolgen auf Seiten des Privatklägers als Resultat der Ausei-

nandersetzung zwischen diesem und dem Beschuldigten sind in erster Linie der medizinische 

Bericht des Universitätsspitals Basel, Neurochirurgie, vom 5. April 2018 sowie das rechtsmedi-

zinische Gutachten des IRM vom 26. Mai 2018 zu beachten:  

 
 
 

 
 
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Nach dem Bericht des Universitätsspitals vom 5. April 2018 sei beim Eintritt des Privatklägers 

auf der Notfallstation eine Stichverletzung durch Haut und Knochen am Kopf temporal links von 

ca. 1,5 bis 2 Zentimetern festgestellt worden. Das Messer sei entlang der Schädelbasis bis fast 

an die Arteria cerebri media eingetreten. Perioperativ habe festgestellt werden können, dass die 

Messerspitze ca. 1 Millimeter von der Arteria cerebri media entfernt eingedrungen sei. Eine Ver-

letzung dieses Gefässes hätte zu einer lebensbedrohlichen, ausgeprägten Blutung mit beglei-

tendem Schlaganfall linkshemisphärisch geführt mit in der Folge schweren neurologischen De-

fiziten. Glücklicherweise seien beim Betroffenen aber keine tiefen Hirnstrukturen oder Gefässe 

verletzt worden, weshalb er sich ohne neurologische Defizite erhole; auch seien keine bleiben-

den Schäden zu erwarten. Trotz der Tatsache, dass die genannte Verletzung generell lebens-

gefährlich sei, sei der Betroffene zu keinem Zeitpunkt in unmittelbarer Lebensgefahr gewesen. 

Ohne ärztliche Versorgung wäre hingegen die Infektionsgefahr sehr gross gewesen mit mög-

licherweise lebensgefährlichen Folgen.  

 

Laut dem Gutachten des IRM vom 26. Mai 2018 sei die Verletzung beim Privatkläger durch das 

Haut-Weichteil-Gewebe (Kopfschwarte) bis durch den Schädelknochen und die harte Hirnhaut 

in das Schädelinnere zu verfolgen gewesen, womit definitionsgemäss ein offenes Schädel-Hirn-

Trauma vorgelegen habe. In der Gesamtschau sei von einer Stichverletzung zu sprechen, bei 

der das Tatwerkzeug annähernd senkrecht zur Körperoberfläche geführt worden sei. Die Tatsa-

che, dass der Schädelknochen durchstossen worden sei, spreche zum einen für eine aktive 

Führung des Messers gegen den Körper und zum anderen für eine nicht unerhebliche Wucht 

bei der Stichbeibringung. Trotz des stichbedingten offenen Schädel-Hirn-Traumas seien rele-

vante Verletzungen des Hirngewebes, der Hirnkammern oder auch Gefässläsionen nicht fest-

zustellen gewesen. Streng genommen könne damit eine akute Lebensgefahr nicht bejaht wer-

den. Es sei aber unbedingt zu betonen, dass sowohl die Eindringtiefe (Stichkanallänge) wie 

auch die exakte Lokalisation und damit die entstehenden Verletzungen für den Angreifer, der im 

Rahmen eines dynamischen Tatgeschehens eine zum Körper hin gerichtete Stichbewegung 

ausführe, praktisch nicht steuerbar seien. Hinzu komme im konkreten Fall, dass auch Spätkom-

plikationen auftreten könnten. Hier sei zum einen an sekundäre Hirnschäden im Sinne einer 

generalisierten Hirnschwellung durch Wassereinlagerungen (Hirnödem) oder Druckerhöhung 

infolge einer volumenrelevanten Blutung zu denken, die ebenfalls zu vital bedrohlichen oder 

tödlichen Hirndrucksteigerungen führen könnten. Zum anderen sei bei einem offenen Schädel-

 
 
 

 
 
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Hirn-Trauma das Risiko deutlich erhöht, dass Keime in die Schädelhöhle eintreten und dort zu 

vital bedrohlichen oder tödlich verlaufenden Entzündungen der Hirnhäute oder des Gehirns füh-

ren könnten. Alle diese Komplikationen hätten sich im gegenständlichen Fall nicht realisiert. 

Eine potentielle Lebensgefahr sei aber aus rechtsmedizinischer Sicht gegeben gewesen.  

 

In Würdigung dieser medizinischen Unterlagen ist im Sinne einer Zusammenfassung zu konsta-

tieren, dass der Privatkläger zwar nicht in tatsächlicher akuter Lebensgefahr gewesen ist und 

auch keine bleibenden Schäden zu erwarten hat, da keine tiefen Hirnstrukturen oder Gefässe 

verletzt worden sind, dass aber aufgrund des offenen Schädel-Hirn-Traumas eine potentielle 

Lebensgefahr bestanden hat und zudem die Messerspitze lediglich rund 1 Millimeter von der 

Arteria cerebri media entfernt eingedrungen ist, wobei eine Verletzung dieses Gefässes zu ei-

ner lebensbedrohlichen, ausgeprägten Blutung mit begleitendem Schlaganfall linkshemisphä-

risch mit in der Folge schweren neurologischen Defiziten geführt hätte.   

 

 

4. Tatbestand der (versuchten) vorsätzlichen Tötung  

 

4.1  

a) Nach Art. 111 StGB wird mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft, wer vorsätz-

lich einen Menschen tötet, ohne dass eine der besonderen Voraussetzungen der nachfolgen-

den Artikel zutrifft. Geschütztes Rechtsgut ist das Leben eines Menschen, Angriffsobjekt ist ein 

anderer lebender Mensch. Als Tathandlung genügt jede Art der Verursachung des Todes eines 

lebenden Menschen, wobei der Täter beliebige Tatmittel einsetzen kann. Der Erfolg kann durch 

physische oder psychische Einwirkung auf das Opfer bewirkt werden. Auf Seiten des subjekti-

ven Tatbestandes erforderlich ist der Vorsatz im Sinne von Art. 12 Abs. 2 StGB, der sich einzig 

auf die Herbeiführung des Todes beziehen muss. Eventualvorsatz genügt gemäss der explizi-

ten Regelung von Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB.  

 

b)  

aa) Eventualvorsatz ist praxisgemäss (vgl. zum Ganzen BGer 6B_724/2017 vom 21. Juli 2017 

E. 1.2) gegeben, wenn der Täter den Eintritt des Erfolgs beziehungsweise die Tatbestandsver-

wirklichung für möglich hält, aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall des Eintritts in 

Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3; 

 
 
 

 
 
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134 IV 26 E. 3.2.2; 131 IV 1 E. 2.2; 130 IV 58 E. 8.2; je mit Hinweisen). Vorsätzlich handelt mit-

hin bereits, wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 

Satz 2 StGB). Für den Nachweis der Inkaufnahme des tatbestandsmässigen Erfolgs kann sich 

das Gericht ‒ soweit der Täter nicht geständig ist ‒ regelmässig nur auf äussere Umstände und 

Erfahrungsregeln stützen, die Rückschlüsse auf die innere Einstellung des Täters erlauben. 

Dazu gehören die Grösse des dem Täter bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung und 

die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung. Je grösser beziehungsweise schwerer diese sind, 

desto eher darf gefolgert werden, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf ge-

nommen (BGE 134 IV 26 E. 3.2.2; 130 IV 58 E. 8.4; je mit Hinweisen). Zu den relevanten Um-

ständen können auch die Beweggründe des Täters und die Art der Tathandlung gehören (BGE 

130 IV 58 E. 8.4, mit Hinweisen). Das Gericht kann vom Wissen des Täters auf dessen Willen 

schliessen, wenn sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufgedrängt hat, 

dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des 

Erfolgs ausgelegt werden kann (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3, mit Hinweisen). Eventualvorsatz kann 

indessen auch vorliegen, wenn der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolgs nicht in diesem 

Sinne sehr wahrscheinlich, sondern bloss möglich gewesen ist. Doch darf nicht allein aus dem 

Wissen des Beschuldigten um die Möglichkeit des Erfolgseintritts auf dessen Inkaufnahme ge-

schlossen werden. Vielmehr müssen weitere Umstände hinzukommen (BGE 133 IV 9 E. 4.1; 

133 IV 1 E. 4.5). Solche Umstände sind beispielsweise darin zu sehen, dass der Täter das Tö-

tungsrisiko in keiner Weise kalkulieren oder dosieren kann, das Ausbleiben des Erfolgs als zu 

einem grossen Teil von Glück und Zufall abhängig ist, oder das Opfer keinerlei Abwehrchancen 

hat (BGer 6B_33/2012 vom 15. Februar 2013 E. 3.5; 6B_808/2013 vom 19. Mai 2014 E. 2.2.3). 

Der Umstand, dass rückblickend für das Opfer zu keiner Zeit akute Lebensgefahr bestanden 

hat und die erlittenen Verletzungen nur leicht gewesen sind, schliesst einen Eventualvorsatz 

bezüglich einer Tötung nicht aus (BGer 6B_73/2015 vom 25. November 2015 E. 1.3.3; 

6B_221/2016 vom 20. Mai 2016 E. 3.1; CHRISTIAN SCHWARZENEGGER / JASMINE STÖSSEL, in: 

Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Basel 2019, N 7 zu Art. 111 StGB, mit Hinweisen).  

 

bb) Eventualdolus ist exemplarisch zu bejahen, wenn der Täter mit einem Messer gezielt auf 

den Brustbereich des Opfers einsticht (BGer 6B_177/2011 vom 5. August 2011 E. 2.10; 

6B_527/2010 vom 30. September 2010 E. 4.2; 6B_239/2009 vom 30. Juli 2009 E. 2.4), bei un-

kontrolliertem Stechen mit einem Messer von sieben Zentimetern Klingenlänge in den Bauch 

des Opfers während einer dynamischen und aggressiven Auseinandersetzung (BGer 

 
 
 

 
 
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6B_991/2015 bzw. 6B_998/2015 vom 24. Mai 2016 E. 3.4), bei Stechen in den Hinterkopf mit 

einem Taschenmesser von achteinhalb Zentimetern Klingenlänge (BGer 6B_661/2014 vom 

13. Januar 2015 E. 3), bei einem unkontrollierten Messerstich in den mittleren Unterbauch des 

Opfers während einer dynamischen Auseinandersetzung (BGer 6B_475/2012 vom 27. Novem-

ber 2012 E. 3) sowie bei einem Stich mit einem Küchenmesser in den Oberkörper des Opfers 

im Rahmen einer Schlägerei (BGer 6B_230/2012 vom 18. September 2012 E. 2; 

SCHWARZENEGGER / STÖSSEL, a.a.O., N 1 ff. vor Art. 111 StGB sowie N 4 ff. zu Art. 111 StGB, 

jeweils mit Hinweisen). Wer in einer dynamischen Auseinandersetzung mit grosser Wucht un-

kontrolliert mit einem Messer in den Bauch bzw. Unterleib eines Menschen sticht und nicht ge-

nau steuern kann, wo und wie tief er das Opfer verletzt ‒ womit es letztlich nur dem Zufall zu 

verdanken ist, dass die eindringende Messerklinge keine inneren Organe und Blutgefässe le-

bensgefährlich getroffen hat ‒ muss in aller Regel mit schweren Verletzungen rechnen. Das 

Risiko einer tödlichen Verletzung selbst bei einer eher kurzen Messerklinge ist generell als hoch 

einzustufen. Unter diesen Umständen hat eine Todesfolge im allgemein bekannten Rahmen 

des Kausalverlaufs gelegen, was auch dem Täter bewusst gewesen sein muss und damit von 

seinem Vorsatz erfasst gewesen ist (BGer 6B_808/2013 vom 19. Mai 2014 E. 2.3).    

 

c) Führt der Täter, nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder Vergehens be-

gonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende oder tritt der zur Vollendung der Tat gehören-

de Erfolg nicht ein oder kann dieser nicht eintreten, so kann das Gericht die Strafe mildern 

(Art. 22 Abs. 1 StGB). Nach dem Wortlaut der Norm muss der Täter mit der Ausführung der Tat 

begonnen haben. Dies erfordert implizit, dass er zuvor einen auf ihre Begehung gerichteten 

Entschluss gefasst hat. Vom vollendeten Delikt unterscheidet sich der Versuch dadurch, dass 

der objektive Tatbestand nur zum Teil verwirklicht wird, während der subjektive Tatbestand hier 

wie dort erfüllt sein muss. Zum Tatentschluss gehört stets der Vorsatz, wobei Eventualvorsatz 

genügt. Erfordert der Tatbestand zusätzlich subjektive Unrechtsmerkmale, so müssen nach 

einhelliger Auffassung auch sie gegeben sein. Nach der Praxis des Bundesgerichts wird zum 

Beginn der Ausführung jede Tätigkeit gerechnet, die nach dem Plan, den sich der Täter ge-

macht hat, auf dem Weg zum Erfolg den letzten entscheidenden Schritt darstellt, von dem es in 

der Regel kein Zurück mehr gibt, es sei denn wegen äusserer Umstände, die eine Weiterverfol-

gung der Absicht erschweren oder verunmöglichen (BGE 131 IV 100 E. 7.2.1; MARCEL 

ALEXANDER NIGGLI / STEFAN MAEDER, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Basel 

2019, N 1 ff. zu Art. 22 StGB, mit Hinweisen). Art. 22 Abs. 1 StGB umfasst sowohl den taugli-

 
 
 

 
 
Seite 18   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

chen wie auch den untauglichen Versuch und stellt alle Versuchsarten in der Rechtsfolge 

gleich, mit Ausnahme des untauglichen Versuchs aus grobem Unverstand, welcher nach Art. 22 

Abs. 2 StGB straflos bleibt (NIGGLI / MAEDER, a.a.O., N 44 zu Art. 22 StGB).  

 

4.2  

a)  

aa) Gestützt auf den inkriminierten Sachverhalt steht zweifellos fest, dass der Beschuldigte im 

Rahmen einer tätlichen Auseinandersetzung ‒ nachdem ihm der Privatkläger als Antwort auf 

eine durch den Berufungskläger diesem gegenüber geäusserten Beleidigung als "Motherfucker" 

einen Schlag ins Gesicht verpasst hatte ‒ mit einem sehr scharfen (Einvernahme vom 19. No-

vember 2018, act. 985) Messer mit einer Klingenlänge von 8,6 Zentimetern und einer Klingen-

breite von 1,6 Zentimetern mit nicht unerheblicher Wucht einmal auf das Opfer eingestochen 

und diesem dabei ein offenes Schädel-Hirn-Trauma zugefügt hat. Gleichermassen nicht fraglich 

ist, dass es sich bei der Stichbeibringung nicht um eine Abwehrbewegung zufolge eines neuer-

lichen tätlichen Angriffs seitens des Opfers gehandelt hat, sondern um einen Überraschungs-

angriff gegenüber dem vor dem Laden wartenden Privatkläger mit einer aktiven, annähernd 

senkrecht zur Körperoberfläche erfolgten Führung des Messers. Ferner ist es erstellt, dass es 

sich bei der Konfrontation zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger insofern um ein 

dynamisches Geschehen gehandelt hat, als Letzterer beim Warten auf den Berufungskläger 

herumgetänzelt ist.  

 

bb) Wie bereits das Bundesgericht festgehalten hat (vgl. BGer 6B_177/2011 vom 5. August 

2011 E. 2.10), bedarf es keiner besonderen Intelligenz, um zu erkennen, dass Messerstiche in 

Brust oder Bauch eines Menschen dessen Tod zur Folge haben können. Dieses Fazit gilt 

selbstredend umso mehr für Messerstiche in den Kopf eines Menschen. Diese generelle Er-

kenntnis ist ohne Weiteres auf den vorliegenden Fall übertragbar, nachdem auch im Gutachten 

des IRM vom 26. Mai 2018 festgehalten wird, dass ‒ abgesehen von den in concreto möglich-

erweise auftretenden Spätkomplikationen ‒ sowohl die Eindringtiefe (Stichkanallänge) wie auch 

die exakte Lokalisation und damit die entstehenden Verletzungen für den Angreifer, der im 

Rahmen eines dynamischen Tatgeschehens eine zum Körper hin gerichtete Stichbewegung 

ausführe, praktisch nicht steuerbar seien. Offensichtlich ist es denn ausschliesslich dem Zufall 

zu verdanken, dass das Opfer keine gravierenden oder gar letalen Verletzungen (wie bei-

spielsweise Verletzungen des Hirngewebes, der Hirnkammern oder Gefässläsionen) erlitten 

 
 
 

 
 
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hat. Wäre nämlich die Messerspitze lediglich rund 1 Millimeter versetzt in den Schädel einge-

drungen, wäre die Arteria cerebri media betroffen gewesen, wobei eine Verletzung dieses Ge-

fässes zu einer lebensbedrohlichen, ausgeprägten Blutung mit begleitendem Schlaganfall links-

hemisphärisch mit in der Folge schweren neurologischen Defiziten geführt hätte. Ob der Privat-

kläger vor der fraglichen, unvermittelten Attacke des Beschuldigten das Messer gesehen hat, ist 

im Übrigen in casu nicht von Bedeutung, da fraglos feststeht, dass er durch den Stich über-

rascht worden ist und keine Abwehrchancen gehabt hat.  

 

cc) Soweit der Beschuldigte vorbringt, er habe den Privatkläger lediglich an der Schulter tref-

fen wollen und der Stich in den Kopf sei bloss deshalb erfolgt, weil sich das Opfer unerwarte-

terweise geduckt habe, ist festzustellen, dass es sich hierbei offenbar um eine durch keine ob-

jektivierbaren Indizien belegte Schutzbehauptung handelt. Selbst wenn aber tatsächlich davon 

auszugehen wäre, dass der Beschuldigte im Rahmen einer tätlichen Auseinandersetzung nicht 

mit Abwehr- oder Ausweichmanövern seines Kontrahenten rechnen müsste, würde das angeb-

lich unerwartete Wegducken nur in aller Deutlichkeit aufzeigen, dass der Beschuldigte aufgrund 

des dynamischen Tatgeschehens den Messerstich weder in Bezug auf dessen Lokalisierung 

noch im Hinblick auf die Eindringtiefe hat kontrollieren und infolgedessen ganz offensichtlich 

das Tötungsrisiko in keiner Weise kalkulieren oder dosieren können. Dies wiederum ist aber 

nach der vorstehend zitierten Praxis des Bundesgerichts (vgl. BGer 6B_808/2013 vom 19. Mai 

2014 E. 2.3) ein klarer Hinweis darauf, dass dem Beschuldigten die mögliche Todesfolge des 

Opfers bewusst und damit von seinem Vorsatz erfasst gewesen sein muss.  

 

dd) Gestützt auf diese Erwägungen steht fest, dass der Beschuldigte unter den vorliegenden 

Umständen zweifellos damit hat rechnen müssen, dass das Opfer durch den von ihm zugefüg-

ten Messerstich in den Kopf hätte sterben können. Für das Kantonsgericht bestehen keine 

Zweifel, dass der Beschuldigte die Todesfolge des Privatklägers in Kauf genommen hat, womit 

der Eventualvorsatz hinsichtlich des Anklagepunktes der vorsätzlichen Tötung ohne Weiteres 

zu bejahen ist. Nachdem sodann die übrigen Tatbestandselemente ebenso wenig zu Diskussi-

onen Anlass geben wie die Tatsache, dass der Taterfolg offensichtlich und ohne Zutun des Be-

schuldigten ausgeblieben ist, sind sowohl der objektive als auch der subjektive Tatbestand im 

Hinblick auf den Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung erfüllt.  

 

 

 
 
 

 
 
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b)  

aa) Bezüglich der vom Beschuldigten geltend gemachten Rechtfertigungs- und Schuldaus-

schliessungsgründe ist Folgendes festzuhalten: Wird jemand ohne Recht angegriffen oder un-

mittelbar mit einem Angriff bedroht, so ist der Angegriffene und jeder andere berechtigt, den 

Angriff in einer den Umständen angemessenen Weise abzuwehren (Art. 15 StGB). Überschrei-

tet der Abwehrende die Grenzen der Notwehr, so mildert das Gericht die Strafe (Art. 16 Abs. 1 

StGB). Überschreitet er die Grenzen der Notwehr in entschuldbarer Aufregung oder Bestürzung 

über den Angriff, so handelt er nicht schuldhaft (Art. 16 Abs. 2 StGB).  

 

Notwehr erfasst nur, was zur Abwehr des Angriffs notwendig ist. Geht der Täter über das not-

wendige Mass hinaus, handelt er nicht mehr in Abwehr des Angriffs, weshalb sein Handeln 

auch nicht mehr rechtmässig ist und Art. 15 StGB nicht greift. Diese sogenannten Notwehrex-

zesse stellen keine Notwehr dar, sind also nicht rechtmässig, werden aber entschuldigend be-

rücksichtigt. Ob eine Notwehrsituation bestanden hat, wird ex post bestimmt. Der Angriff muss 

unmittelbar sein, was bedeutet, dass er bereits begonnen hat und noch andauert. Der Angegrif-

fene braucht nicht auf eine Verletzung zu warten, sondern darf sich bereits wehren, wenn der 

Angriff unmittelbar droht. Von der Notwehr nicht gedeckt sind Abwehrhandlungen, bevor der 

Angriff unmittelbar droht, sowie nachdem er beendet worden ist. Derartige Fälle sind entspre-

chend nicht als Notwehrexzess zu behandeln, da keine Notwehrsituation besteht. Umstritten ist, 

was gelten soll, wenn der Täter mit einer Provokation den unrechtmässigen Angriff ausgelöst 

hat (MARCEL ALEXANDER NIGGLI / CAROLA GÖHLICH, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Aufla-

ge, Basel 2019, N 7 ff. zu Art. 15 StGB). Gemäss der Praxis des Bundesgerichts kann sich der 

Angegriffene nicht auf Notwehr berufen, wenn er die Notwehrsituation provoziert, mithin den 

Angriff absichtlich herbeigeführt hat, um den Angreifer gleichsam unter dem Deckmantel der 

Notwehr etwa zu töten oder zu verletzen (BGer 6B_706/2011 vom 3. April 2012 E. 3.1.2). 

 

Nach der Rechtsprechung (vgl. zum Ganzen BGE 136 IV 49 E. 3.2 f.; BGer 6B_873/2018 vom 

15. Februar 2019 E. 1.1.3) muss die Abwehr in einer Notwehrsituation nach der Gesamtheit der 

Umstände als verhältnismässig erscheinen. Eine Rolle spielen vor allem die Schwere des An-

griffs, die durch den Angriff und die Abwehr bedrohten Rechtsgüter, die Art des Abwehrmittels 

und dessen tatsächliche Verwendung. Die Angemessenheit der Abwehr ist aufgrund jener Situ-

ation zu beurteilen, in der sich der rechtswidrig Angegriffene im Zeitpunkt seiner Tat befunden 

hat. Es dürfen nicht nachträglich allzu subtile Überlegungen darüber angestellt werden, ob der 

 
 
 

 
 
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Angegriffene sich nicht allenfalls auch mit anderen, weniger einschneidenden Massnahmen 

hätte begnügen können und sollen. Besondere Zurückhaltung ist bei der Verwendung von ge-

fährlichen Werkzeugen zur Abwehr (Messer, Schusswaffen etc.) geboten, da deren Einsatz 

stets die Gefahr schwerer oder gar tödlicher Verletzungen mit sich bringt. Angemessen ist die 

Abwehr, wenn der Angriff nicht mit weniger gefährlichen und zumutbaren Mitteln hätte abge-

wendet werden können, der Täter womöglich gewarnt worden ist und der Abwehrende vor der 

Benutzung des gefährlichen Werkzeugs das Nötige zur Vermeidung einer übermässigen Schä-

digung vorgekehrt hat. Auch ist eine Abwägung der auf dem Spiel stehenden Rechtsgüter uner-

lässlich. Doch muss deren Ergebnis für den Angegriffenen, der erfahrungsgemäss rasch han-

deln muss, mühelos erkennbar sein.  

 

Das Gesetz regelt nur den quantitativen, intensiven Notwehrexzess, bei dem der Täter auf ei-

nen unmittelbar drohenden Angriff übermässig reagiert. Es regelt nicht auch den qualitativen, 

extensiven Exzess, bei welchem der Täter in einem Zeitpunkt handelt, in dem ein Angriff noch 

nicht oder nicht mehr unmittelbar droht (BGer 6B_724/2017 vom 21. Juli 2017 E. 2.1). Ein Not-

wehrexzess ist entschuldbar, wenn die Aufregung oder die Bestürzung des Täters allein oder 

zumindest vorwiegend auf den rechtswidrigen Angriff zurückzuführen ist. Überdies müssen Art 

und Umstände des Angriffs derart sein, dass sie die Aufregung oder die Bestürzung entschuld-

bar erscheinen lassen. Nicht jede geringfügige Erregung oder Bestürzung führt zu Straflosigkeit. 

Das Gericht hat einen umso strengeren Massstab anzulegen, je mehr die Reaktion des Täters 

den Angreifer verletzt oder gefährdet. Erforderlich ist, dass es dem Täter aufgrund der Aufre-

gung oder Bestürzung über den Angriff nicht möglich gewesen ist, besonnen und verantwortlich 

zu reagieren. Insoweit besteht trotz der absoluten Formulierung ein gewisses Ermessen (BGer 

6B_873/2018 vom 15. Februar 2019 E. 1.1.3).  

 

Ein Fall von Putativnotwehr liegt vor, wenn der Täter irrtümlich annimmt, es sei ein rechtswidri-

ger Angriff im Sinne von Art. 15 StGB gegenwärtig oder unmittelbar bevorstehend. Handelt der 

Täter in einer irrigen Vorstellung über den Sachverhalt, so beurteilt das Gericht die Tat gemäss 

Art. 13 Abs. 1 StGB zugunsten des Täters nach dem Sachverhalt, den sich dieser vorgestellt 

hat (6B_873/2018 vom 15. Februar 2019 E. 1.1.3). Überschreitet der vermeintlich einen Angriff 

Abwehrende die Grenzen der zulässigen Notwehr, handelt es sich um einen Putativnotwehrex-

zess (NIGGLI / GÖHLICH, a.a.O., N 44 zu Art. 15 StGB).  

 

 
 
 

 
 
Seite 22   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

bb) Im vorliegenden Fall macht der Beschuldigte zusammengefasst geltend, er habe sich in 

einer Notwehrsituation befunden, nachdem der Privatkläger die Ursache für die Auseinander-

setzung gesetzt habe, und der rechtswidrige Angriff habe auch nach dem Schlag angedauert, 

indem der Privatkläger vor dem Ausgang in kampfbereiter Stellung gewartet habe, wodurch er 

habe davon ausgehen müssen, dass der Privatkläger weitere Male zuschlagen werde und ihm 

erhebliche Verletzungen drohten. Soweit das Gericht jedoch der Auffassung sein sollte, dass 

objektiv keine Notwehrsituation vorgelegen hätte, wäre festzustellen, dass der Berufungskläger 

zumindest subjektiv von einer solchen habe ausgehen dürfen, da er Angst vor dem Privatkläger 

gehabt und sich habe verteidigen müssen. Schliesslich bliebe, selbst wenn davon ausgegangen 

werden sollte, dass die Abwehr unverhältnismässig gewesen wäre, Art. 16 StGB anwendbar, 

weil er sich nach dem Faustschlag in einer Aufregung über den Angriff und das Fortbestehen 

desselben befunden habe.  

 

Diesen Ausführungen ist zu entgegnen, dass in casu nach Überzeugung des Kantonsgerichts 

ohne Zweifel weder rechtfertigende (Art. 15 StGB) noch schuldausschliessende (Art. 16 StGB) 

Gründe vorliegen. Im Einzelnen ist zu konstatieren, dass nicht der Privatkläger, sondern der 

Beschuldigte mit der Beschimpfung "Motherfucker" die nachfolgende Auseinandersetzung initi-

iert hat. Seine Behauptung, wonach der Privatkläger ihn mit der Aufforderung zum Grüssen 

zuerst provoziert habe, ist nicht belegt und wäre darüber hinaus auch kein nachvollziehbarer 

Grund für die folgende Eskalation. Falsch ist sodann, dass der Schlag ins Gesicht des Beschul-

digten seitens des Privatklägers ursächlich gewesen sein soll für die Auseinandersetzung. Der 

betreffende Schlag ist vielmehr die Reaktion des Privatklägers auf die durch den Beschuldigten 

erfolgte Beleidigung gewesen. Damit ist bereits fraglich, ob sich der Beschuldigte überhaupt 

noch auf das Notwehrrecht berufen kann, zumal aufgrund der gesamten Umstände der Ver-

dacht naheliegt, dass er die Konfrontation absichtlich provoziert hat, um dem Privatkläger eine 

Lektion zu erteilen, weil er sich von diesem seiner Meinung nach herablassend behandelt ge-

fühlt hat (vgl. Gutachten von Dr. med. H.____ vom 27. Juli 2018, act. 211); ansonsten er im 

Übrigen auch keine Veranlassung gehabt hätte, bereits vor dem Schlag des Privatklägers den 

nachfolgenden Einsatz des Messers durch den Wechsel von der linken in die rechte Jackenta-

sche vorzubereiten.  

 

Aber auch wenn allein durch die verbale Provokation des Beschuldigten diesem noch nicht das 

Recht abgesprochen werden sollte, sich gegen einen körperlichen Angriff zur Wehr zu setzen, 

 
 
 

 
 
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ist festzustellen, dass objektiv betrachtet keine Notwehrsituation bestanden hat. Entscheidend 

ist hierbei, dass nach dem einzelnen Schlag ins Gesicht des Beschuldigten ohne jegliche Ver-

letzungsfolge im Eingangsbereich des F.____-Shops kein gegenwärtiger oder unmittelbar be-

vorstehender Angriff seitens des Privatklägers gedroht hat. Vielmehr hat sich dieser nach 

draussen begeben und vor dem Laden auf den Beschuldigten gewartet. Der Beschuldigte wie-

derum hat sich von D.____, welcher den Streit hat schlichten wollen und zu diesem Zweck den 

Berufungskläger im Inneren des Ladens festgehalten hat, losgerissen, ist trotz bestehender, 

mühelos erkennbarer Handlungsalternativen aktiv auf den wartenden Privatkläger zugegangen 

und hat diesem unvermittelt und ohne Vorwarnung in den Kopf gestochen. Sollte der Beschul-

digte tatsächlich Angst vor dem ihm körperlich unterlegenen Privatkläger gehabt haben, wäre 

nicht einsichtig, weshalb er den Shop nicht durch den unbestrittenermassen vorhandenen zwei-

ten Eingang verlassen oder die allenfalls noch andauernde Konfrontationssituation durch den 

bereits involvierten D.____ beruhigen lassen hat.  

 

Das Kantonsgericht ist überzeugt davon, dass der Beschuldigte denn auch subjektiv keine Ver-

anlassung gehabt hat, sich ernsthaft bedroht zu fühlen. Diesem ist es nicht darum gegangen, 

sich aus Angst vor dem Privatkläger physisch zu wehren, wie in der Berufung behauptet wird. 

Das Motiv für den Messerstich ist nicht der Wille gewesen, die körperliche Integrität zu verteidi-

gen; vielmehr ist es dem Beschuldigten um Vergeltung gegangen und das Bestreben, seinen 

Ruf auf der Strasse zu wahren. Dies hat er eindrücklich anlässlich seiner Einvernahme durch 

die Staatsanwaltschaft vom 19. November 2018 dargelegt, bei welcher er Folgendes deponiert 

hat: "Er ist mir hinterher. Und die ganzen Leute draussen haben das gesehen. Was wäre aus 

meinem Ruf geworden? Die Leute würden denken, ich kann mich nicht verteidigen. (…). Auf 

der Strasse muss man einen guten Ruf haben. Z.B. dass die Leute sagen, lege Dich nicht mit 

ihm an, es ist besser, weil er sich nicht alles gefallen lässt" (auf die Frage, warum er, obwohl er 

die Möglichkeit gehabt hätte, sich einer weiteren Konfrontation zu entziehen, sich z.B. nicht in 

den Shop zurückgezogen habe; act. 989). "Ich hatte Angst, ich war böse. Es war eine Ausei-

nandersetzung. (…)" (auf die Frage, weshalb er gleich zugestochen habe; act. 989). "Es waren 

Leute dort, die gesehen haben, was passiert ist. Wenn ich es einfach zugelassen hätte, dass 

A.____ mich schlägt, dann hätten diese Leute mir immer wieder Probleme bereitet. (…)" (auf 

die Frage, ob es noch Bemerkungen zur Auseinandersetzung mit dem Privatkläger gebe; 

act. 991). Auch die psychiatrische Sachverständige Dr. med. H.____ hat in ihrem Gutachten 

vom 27. Juli 2018 (act. 159 ff.) in diesem Zusammenhang festgehalten, die Beschreibungen 

 
 
 

 
 
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des Beschuldigten zu seinem Erleben liessen daran denken, dass sein gewalttätiges Verhalten 

zum Tatzeitpunkt durch den Wunsch motiviert gewesen sei, seinen "Status/Selbstwert" bzw. 

seine "Ehre" zu sichern. Sein gewalttätiges Verhalten sei sicherlich auch durch Gefühle von 

Ärger motiviert gewesen (act. 211).  

 

Nachdem ohne Frage keine Notwehrsituation bestanden hat, erübrigt es sich, zu prüfen, ob 

allenfalls ein Notwehrexzess vorliegen könnte. Infolgedessen ist nur am Rande zu bemerken, 

dass es als völlig unverhältnismässig zu bezeichnen wäre, nach einem einzelnen Schlag ins 

Gesicht ohne jegliche Verletzungsfolge (zumal nach vorausgegangener eigener verbaler Pro-

vokation) mit einem scharfen Messer im Bereich des Oberkörpers mit Wucht zuzustechen. Be-

züglich einer allfälligen Putativnotwehrsituation, d.h. der irrtümlichen Annahme, die tatsächli-

chen Voraussetzungen der Notwehr seien erfüllt, ist festzustellen, dass der Beschuldigte nicht 

ansatzweise plausibel machen kann, worin der hierfür vorausgesetzte Sachverhaltsirrtum be-

standen haben soll. Ganz im Gegenteil hat er exemplarisch anlässlich seiner Einvernahme 

durch die Staatsanwaltschaft vom 19. November 2018 diesbezüglich zu Protokoll gegeben: 

"Nein, ich hatte ihn in meiner Hand. Er war wie ein kleines Baby. Ich hätte ihn zwei- oder drei-

mal mit dem Messer stechen können. Ich hätte damals alles mit ihm machen können. (…)" (auf 

den Vorhalt, er habe durch den Messerstich in den Kopf dem Privatkläger eine tödliche Verlet-

zung zufügen wollen; act. 985).   

 

Nachdem also sowohl der objektive wie auch der subjektive Tatbestand im Hinblick auf den 

Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung erfüllt sind und weder rechtfertigende noch 

schuldausschliessende Gründe vorliegen, ist der Beschuldigte in Abweisung seiner diesbezüg-

lichen Berufung und demnach in Bestätigung des angefochtenen Urteils der versuchten vor-

sätzlichen Tötung nach Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu erklä-

ren.  

 

 

5. Tatbestand der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz  

 

5.1 Der Beschuldigte macht unter diesem Titel in seiner Berufung geltend, dass er (lediglich) 

nach Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG, nicht aber gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. c und lit. g BetmG schul-

dig zu sprechen sei. Nach Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren 

 
 
 

 
 
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oder Geldstrafe bestraft, wer Betäubungsmittel unbefugt veräussert, verordnet, auf andere Wei-

se einem andern verschafft oder in Verkehr bringt. Gleichermassen wird gemäss Art. 19 Abs. 1 

lit. d BetmG bestraft, wer Betäubungsmittel unbefugt besitzt, aufbewahrt, erwirbt oder auf ande-

re Weise erlangt. Schliesslich wird nach Art. 19 Abs. 1 lit. g BetmG ebenso bestraft, wer zu ei-

ner Widerhandlung nach den Buchstaben a-f Anstalten trifft. Die Vorinstanz hat den Beschuldig-

ten nach Art. 19 Abs. 1 lit. d (Kauf und Besitz) sowie lit. g (Anstaltentreffen zum Verkauf) BetmG 

schuldig erklärt und gleichzeitig festgestellt, dass der Tatbestand von Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG 

nicht erfüllt sei. Gestützt auf diese Feststellungen ist weder der Tatbestand von Art. 19 Abs. 1 

lit. c BetmG (zufolge Freispruchs durch das Strafgericht und mangels Anfechtung durch die 

Staatsanwaltschaft) noch derjenige von Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG (zufolge erstinstanzlicher 

Verurteilung und mangels Anfechtung durch den Beschuldigten) zu prüfen. Gegenstand des 

Berufungsverfahrens kann damit diesbezüglich nur sein, ob neben dem unbestrittenen Art. 19 

Abs. 1 lit. d BetmG auch die Bestimmung von Art. 19 Abs. 1 lit. g BetmG erfüllt ist. In casu steht 

mithin die konkrete Frage im Zentrum, ob der Beschuldigte Anstalten getroffen hat zur unbefug-

ten Veräusserung von Betäubungsmitteln (nach Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG).  

 

5.2.1 (…).  

 

5.2.2 (…).  

 

5.3.1 Der Tatbestand des Anstaltentreffens erfasst sowohl den Versuch wie auch darüber hin-

aus gewisse qualifizierte Vorbereitungshandlungen vor der Stufe des Versuchs. Die Bestim-

mung erlaubt die Bestrafung eines Delikts gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. a-f BetmG, soweit dieses 

tatbestandsmässig nicht erfüllt ist. Anstalten trifft nur, wer nach seinem Plan eine Straftat nach 

Art. 19 Abs. 1 lit. a-f BetmG selber als Täter oder Mittäter verüben will. Allein der Entschluss, 

eine Tat gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. a-f BetmG zu begehen, ist nicht strafbar. Blosse Absichten 

und Pläne erfüllen den Tatbestand des Anstaltentreffens noch nicht. Anstalten im Sinne von 

Art. 19 Abs. 1 lit. g BetmG sind nur gegeben, wenn sich der Entschluss des Täters in bestimm-

ten Handlungen äussert, wobei dieser kein endgültiger zu sein braucht. Erkundigt sich der Täter 

beispielsweise nach Bezugsquellen, nimmt er Kontakt mit dem Drogenmilieu auf und bespricht 

gar Drogenart, Menge, Qualität und Preis, so erfüllt jede dieser mit der Absicht eines späteren 

Drogenverkaufs begangenen Handlungen den Tatbestand des Anstaltentreffens (THOMAS 

FINGERHUTH / STEPHAN SCHLEGEL / OLIVER JUCKER, Kommentar zum Betäubungsmittelgesetz, 

 
 
 

 
 
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3. Auflage, Zürich 2016, N 97 ff. zu Art. 19 BetmG, mit Hinweisen; BGer 6B_273/2013 vom 

4. November 2013 E. 2.3).  

 

5.3.2 Im vorliegenden Fall steht gestützt auf die Akten fest, dass der Beschuldigte anlässlich 

seiner Einvernahme durch die Polizei, Verkehrsaufsicht 1, vom 9. Februar 2018 (act. 1673 ff.) 

auf die Frage, ob die bei ihm anlässlich einer Kontrolle am 8. Februar 2018 um ca. 22:30 Uhr in 

G.____ aufgefundene Menge von 100 Gramm Marihuana nur für ihn gedacht gewesen sei, Fol-

gendes deponiert hat: "Hauptsächlich schon, aber einen Teil wollte ich auch weiterverkaufen. 

Also ich hätte selber mehr als die Hälfte für mich behalten." Auf diese Aussage angesprochen, 

hat der Beschuldigte ferner dargelegt: "Da ich mit den meisten Leuten, welche mir Marihuana 

geben, Streit habe, habe ich mir gedacht, dass ich eine grössere Menge kaufe. Dann habe ich 

genug für mich und ich kann vielleicht auch noch etwas verkaufen, dass ich wieder Geld habe 

für neue Betäubungsmittel." Des Weiteren hat er anlässlich der Hauptverhandlung vor dem 

Kantonsgericht ausgeführt, seinen Drogenkonsum habe er finanziert, indem er für andere Leute 

Drogen organisiert habe; er habe aber keinen Drogenhandel betrieben. Es gebe Leute, die 

Drogen nähmen, aber keine Zeit hätten, sie selber zu besorgen. Die würden ihn anrufen, und er 

würde dann schauen, ob er für sie etwas auftreiben könne (Protokoll KG S. 4). Die fragliche 

Menge von 100 Gramm Marihuana habe er für sich selbst brauchen wollen. Einen Teil hätte er 

vielleicht weiterverkauft, damit er wieder Geld für neue Drogen gehabt hätte (Protokoll KG S. 8). 

Aus den gesamten Umständen ergibt sich für das Kantonsgericht, dass es sich bei diesen Aus-

sagen nicht bloss um eine vage Bekundung der Absicht, einen Teil des Marihuanas verkaufen 

zu wollen, gehandelt hat; vielmehr geht es dabei um das vom Beschuldigten bewusst betriebe-

ne Geschäftsmodell bzw. dessen Finanzierungsstrategie. Da dieser als Asylant lediglich 

CHF 56.-- pro Woche bzw. CHF 8.-- Nothilfe pro Tag erhalten (act. 1681) und über keine weite-

ren legalen Einkünfte verfügt hat, ist es ihm gar nicht anders möglich gewesen, seinen eigenen 

beträchtlichen Betäubungsmittelkonsum von rund 5 Gramm Marihuana pro Tag (plus zwei- bis 

dreimal Kokain pro Woche, act. 1677) zu finanzieren, als entweder durch seine Vermittlungs-

dienste oder dann eben durch den Weiterverkauf eines Teils der von ihm im grossen Umfang 

erworbenen Drogen. In diesem Zusammenhang ist denn auch nicht ersichtlich, welche zusätzli-

chen Handlungen in concreto erforderlich gewesen sein sollten, um den Tatbestand des Anstal-

tentreffens zu bejahen. Indem der Beschuldigte die fraglichen 100 Gramm Marihuana erworben 

hat, mit der Absicht, einen Teil hiervor zu einem späteren Zeitpunkt weiterzuveräussern, hat er 

bereits mit dem Erwerb den Tatbestand des Anstaltentreffens zum Verkauf erfüllt. Der nächste 

 
 
 

 
 
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denkbare Schritt wäre nur noch der tatsächliche Verkauf des Marihuanas und damit die Erfül-

lung von Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG gewesen.   

 

Daraus folgt, dass der Beschuldigte in Abweisung seiner diesbezüglichen Berufung und in Be-

stätigung des angefochtenen Urteils zusätzlich zu der von ihm anerkannten Verurteilung nach 

Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG auch in Anwendung von Art. 19 Abs. 1 lit. g BetmG schuldig zu spre-

chen ist.  

 

 

6. Strafzumessung  

 

6.1.1 Nach Art. 47 StGB misst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es 

berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf 

das Leben des Täters (Abs. 1). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung oder 

Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweg-

gründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren 

und äusseren Umständen in der Lage gewesen ist, die Gefährdung oder Verletzung zu vermei-

den (Abs. 2). Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für meh-

rere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der schwersten Straf-

tat und erhöht sie angemessen (Art. 49 Abs. 1 StGB).  

 

6.1.2 Praxisgemäss hat das Gericht ausgehend von der objektiven Tatschwere das Verschul-

den zu bewerten. Es hat gestützt auf Art. 50 StGB – wonach das Gericht die für die Zumessung 

der Strafe erheblichen Umstände und deren Gewichtung festzuhalten hat – im Urteil darzutun, 

welche verschuldensmindernde und welche verschuldenserhöhende Gründe im konkreten Fall 

gegeben sind, um so zu einer Gesamteinschätzung des Tatverschuldens zu gelangen (BGE 

136 IV 55 E. 5.5). Es liegt im Ermessen des Sachgerichts, in welchem Umfang es die verschie-

denen Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt. Es muss nicht auf Umstände ausdrücklich ein-

gehen, die es – ohne dass dies ermessensverletzend wäre – bei der Strafzumessung als nicht 

massgebend oder nur von geringem Gewicht erachtet (BGer 6P.66/2006 vom 16. Februar 2007 

E. 4). Auch ist das Gericht nicht gehalten, in Zahlen oder Prozenten anzugeben, wie es die ein-

zelnen Strafzumessungskriterien berücksichtigt (BGE 136 IV 55 E. 5.6). Allerdings hat das Ge-

richt das Gesamtverschulden zu qualifizieren und die Gesamteinschätzung des Tatverschul-

 
 
 

 
 
Seite 28   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

dens im Urteil ausdrücklich zu benennen, wobei von einer Skala denkbarer Abstufungen nach 

Schweregrad auszugehen ist (leicht, mittelschwer, schwer, sehr schwer). In einem zweiten 

Schritt ist die (hypothetische) Strafe, die diesem Verschulden entspricht, innerhalb des zur Ver-

fügung stehenden Strafrahmens zu bestimmen. Die so ermittelte Strafe kann dann gegebenen-

falls in einem dritten Schritt aufgrund wesentlicher Täterkomponenten verändert werden (BGE 

136 IV 55 E. 5.7). Die tat- und täterangemessene Strafe ist grundsätzlich innerhalb des or-

dentlichen Strafrahmens der schwersten anzuwendenden Strafbestimmung festzusetzen. Die-

ser Rahmen ist vom Gesetzgeber in aller Regel sehr weit gefasst worden, um sämtlichen kon-

kreten Umständen Rechnung zu tragen. Entgegen einer auch in der Praxis verbreiteten Auffas-

sung wird der ordentliche Strafrahmen durch Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe nicht 

automatisch erweitert, worauf dann innerhalb dieses neuen Rahmens die Strafe nach den übli-

chen Zumessungskriterien festzusetzen wäre. Der ordentliche Rahmen ist nur zu verlassen, 

wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe 

im konkreten Fall zu hart oder zu milde erscheint (BGE 136 IV 55 E. 5.8). Für die Bildung einer 

Gesamtstrafe hat das Gericht in einem ersten Schritt den Strafrahmen für die schwerste Straftat 

zu bestimmen und sodann die Einsatzstrafe für diese Tat, unter Einbezug aller straferhöhenden 

und strafmindernden Umstände, innerhalb dieses Strafrahmens festzusetzen. Bei der Bestim-

mung des Strafrahmens für die schwerste Straftat ist von der abstrakten Strafandrohung aus-

zugehen. In einem zweiten Schritt hat das Gericht diese Einsatzstrafe unter Einbezug der ande-

ren Straftaten zu einer Gesamtstrafe zu erhöhen, wobei es wiederum den jeweiligen Umstän-

den Rechnung zu tragen hat. Die Bildung einer Gesamtstrafe ist nur bei gleichartigen Strafen 

möglich. Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu verhängen, da das Asperationsprinzip nur 

greift, wenn mehrere gleichartige Strafen ausgesprochen werden. Geld- und Freiheitsstrafe sind 

keine gleichartigen Strafen im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB. Das Gericht kann somit auf eine 

Gesamtfreiheitsstrafe nur erkennen, wenn es im konkreten Fall für jeden einzelnen Norm-

verstoss eine Freiheitsstrafe ausfällen würde (BGE 138 IV 120 E. 5.2). Im Übrigen drängt das 

Bundesgericht in seiner Rechtsprechung vermehrt darauf, dass die Formulierung des Verschul-

dens und die Festsetzung des Strafmasses auch begrifflich im Einklang stehen (BGer 

6B_1096/2010 vom 7. Juli 2011 E. 4.2; vgl. auch BGer 6B_859/2013 vom 2. Oktober 2014 

E. 4.2 f.).  

 

6.1.3  Grundsätzlich kann das Gericht nur auf eine Gesamtfreiheitsstrafe erkennen, wenn es für 

jede Tat eine Freiheitsstrafe ausfällen würde (konkrete Methode, BGE 138 IV 120 E. 5.2, mit 

 
 
 

 
 
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Hinweisen). Das Bundesgericht (vgl. zum Ganzen BGer 6B_523/2018 vom 23. August 2018 

E. 1.2.2) hält in seinem Entscheid 6B_483/2016 vom 30. April 2018 unter Hinweis auf den Ge-

setzgeber auch nach der Änderung des Sanktionenrechts ausdrücklich am Prinzip der Zuläs-

sigkeit einer Gesamtstrafe nur bei gleichartigen Strafen unter Anwendung der konkreten Me-

thode fest (E. 3.3.4 und E. 3.5.4). Weiter bekräftigt das Bundesgericht die Ungleichartigkeit von 

Freiheitsstrafe und Geldstrafe (E. 3.3.3). Zum methodischen Vorgehen präzisiert das Bundes-

gericht, dass in einem ersten Schritt die Einzelstrafen für die konkreten Delikte festzulegen sind 

und anschliessend geprüft werden muss, aus welchen Einzelstrafen Gesamtstrafen zu bilden 

sind. Im Rahmen der Gesamtstrafenbildung ist auch dem Verhältnis der einzelnen Taten unter-

einander, ihrem Zusammenhang, ihrer grösseren oder geringeren Selbständigkeit sowie der 

Gleichheit oder Verschiedenheit der verletzten Rechtsgüter und Begehensweisen Rechnung zu 

tragen. Dabei gilt der Grundsatz, dass der Gesamtschuldbeitrag des einzelnen Delikts geringer 

zu veranschlagen ist, wenn Delikte zeitlich, sachlich und situativ in einem engen Zusammen-

hang stehen (BGer 6B_483/2016 vom 30. April 2018 E. 3.5.4, E. 4.1 und E. 4.3). Gleichzeitig 

bestätigt das Bundesgericht im Urteil 6B_483/2016 grundsätzlich die Zulässigkeit von Ausnah-

men von der konkreten Methode im Einzelfall gemäss seiner jüngeren Rechtsprechung (E. 2.4 

mit Hinweisen und E. 4.3), so wenn – unter Beachtung des Verhältnismässigkeitsprinzips im 

Rahmen von Art. 41 StGB – bei der Bildung einer Gesamtstrafe als Einsatzstrafe für die 

schwerste Straftat eine Freiheitsstrafe festgesetzt und deren Dauer für die weiteren Delikte an-

gemessen erhöht wird (BGer 6B_849/2016 vom 9. Dezember 2016 E. 1.3.2; 6B_466/2013 vom 

25. Juli 2013 E. 2.3.3), oder wenn verschiedene Straftaten zeitlich und sachlich derart eng mit-

einander verknüpft sind, dass sie sich nicht sinnvoll auftrennen und für sich allein beurteilen 

lassen (BGer 6B_1011/2014 vom 16. März 2015 E. 4.4).    

 

6.2.1 Hinsichtlich der konkreten Strafzumessung beantragt der Beschuldigte, ausgehend von 

der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG als 

schwerstem Delikt und einer Einsatzstrafe hierfür von 80 Tagessätzen, wobei sich die Wider-

handlung gegen das Waffengesetz und die Mehrheit der Delikte straferhöhend auswirkten, eine 

Geldstrafe von 100 Tagessätzen und eine Busse von CHF 300.-- für den mehrfachen Konsum 

von Betäubungsmitteln. Eventualiter sei von einer einfachen Körperverletzung mit einem ge-

fährlichen Gegenstand als schwerstem Delikt auszugehen, hierfür eine Geldstrafe von 180 Ta-

gessätzen als Einsatzstrafe einzusetzen, diese auf Grund des Notwehrexzesses um einen Drit-

tel zu mildern und hiernach zufolge der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz 

 
 
 

 
 
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und das Waffengesetz wieder auf 180 Tagessätze zu erhöhen (plus Busse von CHF 300.-- für 

den mehrfachen Konsum von Betäubungsmitteln). Nachdem der Beschuldigte allerdings mit 

vorliegendem Urteil wegen versuchter vorsätzlicher Tötung schuldig erklärt wird, ist von vornhe-

rein klar, dass seinem Begehren nicht gefolgt werden kann. Im Gegensatz zum Beschuldigten 

fordert die Staatsanwaltschaft eine Erhöhung des Strafmasses auf siebeneinhalb Jahre Frei-

heitsstrafe, ausgehend von einer Strafe von sechseinhalb Jahren Freiheitsstrafe für das Haupt-

delikt, von einem halben Jahr Freiheitsstrafe für die Nebendelikte plus angemessener Straf-

schärfung für die zahlreichen Vorstrafen. Gemäss Art. 408 StPO fällt die Berufungsinstanz ein 

neues Urteil, welches das erstinstanzliche ersetzt. Dabei hat sie die Strafe nach ihrem eigenen 

Ermessen festzusetzen und muss sich nicht daran orientieren, wie die erste Instanz die einzel-

nen Strafzumessungsfaktoren gewichtet hat (vgl. BGer 6B_298/2013 vom 16. Januar 2014 

E. 6.2). Im vorliegenden Fall ist der Beschuldigte gestützt auf das Urteil des Strafgerichts vom 

2. September 2019 und den vorliegenden Entscheid der versuchten vorsätzlichen Tötung 

(Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB) sowie der mehrfachen Widerhandlung 

gegen das Betäubungsmittelgesetz (Art. 19 Abs. 1 lit. d und lit. g BetmG sowie Art. 19a Ziff. 1 

BetmG) und der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz (Art. 33 Abs. 1 lit. a WG) 

schuldig zu sprechen. Nach Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 40 Abs. 2 StGB liegt dabei der 

ordentliche Strafrahmen bei einer Freiheitsstrafe zwischen fünf und 20 Jahren. Die Delikts-

mehrheit gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB führt zwar nicht zu einer Erhöhung des Strafrahmens, ist 

aber innerhalb des ordentlichen Rahmens strafschärfend zu gewichten. In Anwendung von 

Art. 22 Abs. 1 StGB kann sodann der Versuch milder bestraft werden.  

 

6.2.2  

aa) Den Vorgaben des Bundesgerichts folgend hat das Kantonsgericht für die Bildung einer 

Gesamtstrafe nunmehr in einem ersten Schritt den Strafrahmen – ausgehend von der abstrak-

ten Strafandrohung – für die schwerste Straftat zu bestimmen und sodann die Einsatzstrafe für 

diese Tat, unter Einbezug aller straferhöhenden und strafmindernden Umstände, innerhalb die-

ses Strafrahmens festzusetzen. In casu weist der Tatbestand der versuchten vorsätzlichen Tö-

tung offensichtlich die höchste Strafdrohung aus, weshalb dieses Delikt die schwerste Straftat 

darstellt.  

 

bb) Bei der Festlegung der Einsatzstrafe für die versuchte vorsätzliche Tötung ist auf der Sei-

te der objektiven Tatkomponenten erheblich verschuldenserhöhend zu würdigen, dass der Be-

 
 
 

 
 
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schuldigte aus nichtigem Anlass – nämlich beim Bestreben, seinen Ruf auf der Strasse zu wah-

ren, nachdem er vorgängig die Auseinandersetzung mit der Beschimpfung seines Kontrahenten 

als "Motherfucker" initiiert und hierfür einen Schlag ins Gesicht ohne jegliche Verletzungsfolge 

erhalten hatte – das Leben eines Menschen extrem gefährdet und dessen Tod in Kauf genom-

men hat, indem er dem Privatkläger mit dem Stich eines sehr scharfen Messers in den Kopf ein 

offenes Schädel-Hirn-Trauma zugefügt hat. Obgleich der Privatkläger im Ergebnis zwar nicht in 

tatsächlicher akuter Lebensgefahr gewesen ist und auch keine bleibenden Schäden zu erwar-

ten hat, nachdem keine tiefen Hirnstrukturen oder Gefässe verletzt worden sind, ist festzustel-

len, dass immerhin eine potentielle Lebensgefahr bestanden hat. Selbst wenn man den Mes-

serstich als eine infolge der physischen Attacke des Privatklägers von Angst mitgeprägte Reak-

tion anerkennen würde, müssten der Angriff mit dem Messer als komplett unverhältnismässig 

und das Verhalten des Beschuldigten als egoistisch und über alle Massen rücksichtslos qualifi-

ziert werden. Dies deutet auf eine massive Geringschätzung menschlichen Lebens durch den 

Berufungskläger hin. Der Beschuldigte hätte mehrere reale Möglichkeiten gehabt, dem Konflikt 

aus dem Weg zu gehen. Stattdessen hat er es aber offenbar darauf angelegt, dem Privatkläger 

vor den Augen der Anwesenden eine Lektion zu erteilen, was eine gesteigerte Kaltblütigkeit 

manifestiert. Obwohl es sich bei Art. 22 Abs. 1 StGB bloss um eine sogenannte "Kann-

Bestimmung" handelt, ist auf der anderen Seite praxisgemäss zu Gunsten des Beschuldigten 

zu werten, dass kein Taterfolg eingetreten und es insofern lediglich beim Versuch geblieben ist, 

wenngleich in casu der Beschuldigte hierfür nicht viel beigetragen hat. So ist es denn offensicht-

lich ausschliesslich dem Zufall oder grossem Glück zu verdanken, dass das Opfer keine gravie-

renden oder gar letalen Verletzungen (wie beispielsweise Verletzungen des Hirngewebes, der 

Hirnkammern oder Gefässläsionen) erlitten hat. Wäre nämlich die Messerspitze lediglich rund 

1 Millimeter versetzt in den Schädel eingedrungen, so wäre die Arteria cerebri media betroffen 

gewesen, wobei eine Verletzung dieses Gefässes zu einer lebensbedrohlichen, ausgeprägten 

Blutung mit begleitendem Schlaganfall linkshemisphärisch mit in der Folge schweren neurologi-

schen Defiziten geführt hätte. Für den Beschuldigten spricht sodann, dass sich seine kriminelle 

Energie in diesem Zusammenhang auf die Ausführung eines einzelnen Messerstichs be-

schränkt hat. Bei der Bewertung der subjektiven Tatschwere ist dem Beschuldigten zugute zu 

halten, dass ihm hinsichtlich des inkriminierten Tatbestandes keine direktvorsätzliche Willens-

richtung angelastet werden kann. So hat sein Ziel nicht in der Tötung des Privatklägers, son-

dern darin bestanden, diesen für die seiner Meinung nach herablassende Verhaltensweise im 

Rahmen der Begrüssung zu bestrafen und Vergeltung für den Schlag ins Gesicht in Anwesen-

 
 
 

 
 
Seite 32   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

heit anderer Personen zu üben; allerdings hat er den Tod des Privatklägers zweifellos in Kauf 

genommen.  

 

cc) In Würdigung aller im vorliegenden sowie im erstinstanzlichen Urteil geschilderten tatbe-

zogenen Umstände erachtet das Kantonsgericht im Ergebnis das Tatverschulden in Bezug auf 

den Tatbestand der versuchten vorsätzlichen Tötung als mittelschwer im unteren Bereich. Dies 

hätte in Anbetracht des abstrakten Strafrahmens zur Folge, dass dem vorgängig definierten 

Verschulden entsprechend eine hypothetische Freiheitsstrafe für das vollendete Delikt im Be-

reich von acht Jahren zu verhängen wäre. Unter Berücksichtigung der Tatsache, wonach es in 

concreto lediglich beim Versuch geblieben ist, sowie des Umstandes, dass dem Beschuldigten 

nur eine eventualvorsätzliche Tatbegehung anzulasten ist, ist diese an und für sich angemes-

sene Strafe um insgesamt zwei Jahre zu reduzieren, woraus im Sinne eines Zwischenergebnis-

ses eine Einsatzstrafe von sechs Jahren Freiheitsstrafe resultiert.  

 

6.2.3  

aa) In einem zweiten Schritt hat das Kantonsgericht diese Einsatzstrafe von sechs Jahren 

unter Einbezug der weiteren Straftaten zu einer Gesamtstrafe zu erhöhen, wobei es wiederum 

den jeweiligen Umständen Rechnung zu tragen hat. An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, 

dass sowohl für den Tatbestand der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz nach 

Art. 19 Abs. 1 (lit. d und lit. g) BetmG als auch für denjenigen der Widerhandlung gegen das 

Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 (lit. a) WG die Verhängung einer Geldstrafe aufgrund der 

abstrakten Strafandrohung zwar möglich wäre, angesichts der an den Tag gelegten kriminellen 

Energie des Beschuldigten und des engen zeitlichen und inhaltlichen Zusammenhangs der ein-

zelnen Taten untereinander sowie insbesondere unter Berücksichtigung des Umstandes, wo-

nach bei der Wahl der Sanktion in casu auf die Zweckmässigkeit, die Auswirkungen auf den 

Beschuldigten sowie die präventive Effizienz zu achten ist, für das Kantonsgericht jedoch nur 

die Ausfällung einer Freiheitsstrafe in Frage kommt, womit im Ergebnis das Asperationsprinzip 

zur Bildung einer Gesamtstrafe ohne Weiteres anwendbar ist. Hiervon ausgenommen ist natür-

lich die Verurteilung wegen mehrfachen unbefugten vorsätzlichen Konsums von Betäubungs-

mitteln im Zeitraum zwischen September 2016 und März 2018, welche nach Art. 19a Ziff. 1 

BetmG eine Übertretung darstellt und zwingend mit einer Busse zu sanktionieren ist, wobei in 

diesem Zusammenhang mangels Anfechtung ohne Weiteres die erstinstanzlich ausgesproche-

ne Busse von CHF 300.-- (samt Ersatzfreiheitsstrafe von drei Tagen) bestätigt werden kann.  

 
 
 

 
 
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bb) Im Hinblick auf den Anklagepunkt der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffenge-

setz nach Art. 33 Abs. 1 lit. a WG steht unbestrittenermassen fest, dass der Beschuldigte am 

29. Januar 2018 in M.____ in seiner Jackentasche unerlaubterweise einen Schlagring mit einer 

integrierten, einhändig bedienbaren bzw. automatisch aufklappbaren Klinge von 9,5 Zentime-

tern Länge und 2,5 Zentimetern Breite mit sich geführt hat und sodann am 10. März 2018 in 

G.____ unerlaubterweise im Besitz eines Nunchaku gewesen ist. Dabei steht ausser Frage, 

dass der Berufungskläger direktvorsätzlich gehandelt hat. Bezüglich des Vorwurfs der Zuwider-

handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, welche rechtlich als Vergehen im Sinne von 

Art. 19 Abs. 1 lit. d und lit. g BetmG zu qualifizieren ist, ist unstrittig, dass der Beschuldigte am 

8. Februar 2018 in G.____ angehalten worden ist und dabei unbefugterweise rund 100 Gramm 

Marihuana in seinem Besitz gehabt hat, welches er zuvor in J.____ erworben hatte und von 

dem er einen Teil an Drittpersonen hätte veräussern wollen. Auch hier ist die direktvorsätzliche 

Begehungsweise nicht fraglich. Nicht zu verkennen ist jedoch, dass zumindest der Tatbestand 

der Widerhandlung gegen das Waffengesetz teilweise inhaltlich mit demjenigen der versuchten 

vorsätzlichen Tötung verknüpft ist und diesem gegenüber sodann die beiden fraglichen Tatbe-

stände nur von untergeordneter Bedeutung sind, weshalb sich unter dem Titel der Asperation 

lediglich eine leichte Straferhöhung im Umfang von einem Monat Freiheitsstrafe rechtfertigt.   

 

6.2.4  

aa) Diese Gesamtstrafe ist in einem dritten Schritt aufgrund der besonderen Täterkomponen-

ten, welche in casu in erster Linie im Hinblick auf den Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tö-

tung massgebend sind, anzupassen. In Bezug auf die massgeblichen Faktoren Vorleben, per-

sönliche Verhältnisse, Nachtatverhalten und Verhalten im Strafverfahren ist unter Verweis auf 

die Ausführungen der Vorinstanz (vgl. E. II.3.3 S. 29 ff.) zusammenfassend festzuhalten, dass 

der Beschuldigte gemäss eigenen Angaben in N.____ im Kreise seiner Familie in ordentlichen 

Verhältnissen aufgewachsen ist und dort die Schule bis zur 12. Klasse besucht und anschlies-

send seinem Vater im Familienrestaurant ausgeholfen hat. Angeblich aufgrund politischer 

Schwierigkeiten ist er am 18. Oktober 2012 in die Schweiz eingereist. Das Bundesverwaltungs-

gericht hat sodann mit rechtskräftigem Urteil vom 3. Dezember 2015 erkannt, dass das Asylge-

such des Beschuldigten abgelehnt und dieser aus der Schweiz weggewiesen wird; dies mit Frist 

zum Verlassen der Schweiz bis zum 4. Februar 2015. Ungeachtet dieses Urteils ist der Be-

schuldigte in der Folge in der Schweiz verblieben. Hier in der Schweiz hat der Berufungskläger 

 
 
 

 
 
Seite 34   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

offenbar eine rund dreijährige Tochter, welche er aber bis anhin noch nie gesehen hat und zu 

deren Mutter er keinen Kontakt pflegt. Eine besondere Strafempfindlichkeit, welche praxisge-

mäss nur bei aussergewöhnlichen Umständen zu bejahen ist (vgl. HANS WIPRÄCHTIGER / 

STEFAN KELLER, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage, Basel 2019, N 150 zu Art. 47 

StGB, mit Hinweisen), ist nicht zu erkennen. Einer Erwerbstätigkeit geht der Beschuldigte nicht 

nach, als finanzielle Unterstützung erhält er eine Nothilfe von CHF 56.-- pro Woche bzw. 

CHF 8.-- pro Tag. Gemäss Auszug aus dem Betreibungsregister vom 22. Februar 2019 

(act. 103 ff.) existieren acht Betreibungen mit einem Gesamtbetrag von CHF 9'122.75 sowie 

sechs Verlustscheine im Umfang von CHF 7'740.25. Hinsichtlich des Gesundheitszustandes 

des Beschuldigten liegen keine Dokumente vor, welche Anlass zu Bemerkungen geben wür-

den. Ernsthafte Einsicht oder Reue werden nicht vorgebracht. Dies alles ist soweit neutral zu 

werten.  

 

bb) Eindeutig negativ ins Gewicht fällt hingegen, dass der Beschuldigte innerhalb der kurzen 

Zeit von nicht einmal vier Jahren mehrfach und teilweise einschlägig vorbestraft ist (darunter 

mehrere unbedingte Freiheitsstrafen), was einen qualifizierten Eindruck der Unbelehrbarkeit 

sowie eine ausgeprägte Geringschätzung der hiesigen Rechtsordnung offenbart. Im Einzelnen 

sind folgende Vorstrafen aktenkundig:  

-  Eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu CHF 20.--, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit 

von zwei Jahren, sowie eine Busse von CHF 300.-- wegen mehrfacher Missachtung der Ein- 

oder Ausgrenzung, mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und Unge-

horsams gegen amtliche Verfügungen; verhängt mittels Strafbefehls der Staatsanwaltschaft 

Solothurn vom 20. März 2014. Der bedingte Vollzug ist am 31. August 2015 durch den Amtsge-

richtspräsidenten Olten-Gösgen widerrufen worden.  

-  Eine Freiheitsstrafe von 50 Tagen sowie eine Busse von CHF 300.-- wegen Gewalt und Dro-

hung gegen Behörden und Beamte, Missachtung der Ein- oder Ausgrenzung sowie mehrfacher 

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz; dies gemäss Strafbefehl der regionalen 

Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 2. März 2015.  

-  Eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je CHF 30.-- wegen Widerhandlung gegen das Be-

täubungsmittelgesetz, versuchter Nötigung sowie Sachentziehung; dies gemäss Strafbefehl der 

regionalen Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau vom 29. April 2015.  

-  Eine Freiheitsstrafe von acht Monaten und zehn Tagen (unter Berücksichtigung der Untersu-

chungshaft von 183 Tagen) sowie eine Busse von CHF 250.-- wegen mehrfacher Gewalt und 

 
 
 

 
 
Seite 35   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Drohung gegen Behörden und Beamte, Missachtung der Ein- oder Ausgrenzung sowie mehrfa-

cher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz; dies gemäss Urteil des Amtsgerichts-

präsidenten Olten-Gösgen vom 31. August 2015.  

-  Eine Freiheitsstrafe von acht Monaten (unter Berücksichtigung der Untersuchungshaft von 

neun Tagen) sowie eine Busse von CHF 300.-- wegen Angriffs, Diebstahls, mehrfacher Miss-

achtung der Ein- oder Ausgrenzung sowie mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungs-

mittelgesetz; wiederum gemäss Urteil des Amtsgerichtspräsidenten Olten-Gösgen, dieses Mal 

vom 16. November 2015.  

-  Eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten wegen Sachbeschädigung sowie Sachbeschädigung 

mit einem grossen Schaden; dies gemäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Solothurn vom 

28. Juli 2017.  

Ebenfalls zu seinen Ungunsten zu gewichten ist das Nachtatverhalten, indem er, unmittelbar 

nachdem er beinahe einen Menschen getötet hätte, mit seinen Kollegen in den Ausgang zum 

Feiern gegangen ist. Insgesamt sind somit die Faktoren Vorleben, persönliche Verhältnisse, 

Nachtatverhalten und Verhalten im Strafverfahren gestützt auf diese Darlegungen in ihrer Ge-

samtheit als klar negativ zu werten, weshalb sich aufgrund der besonderen Täterkomponenten 

eine weitere Erhöhung der tatbezogenen Einsatzstrafe um sechs Monate aufdrängt.  

 

cc) Im Ergebnis ist somit eine tat- und täterangemessene Strafe von sechs Jahren und sieben 

Monaten Freiheitsstrafe festzusetzen. Bei diesem Strafmass ist der bedingte Strafvollzug be-

reits aus formellen Gründen ausgeschlossen. Einer Anrechnung der ausgestandenen Untersu-

chungshaft bzw. des vorzeitigen Strafvollzugs steht nach Art. 51 StGB hingegen nichts im We-

ge. Hinzu kommt die bereits erstinstanzlich festgelegte und nicht angefochtene Busse in der 

Höhe von CHF 300.-- (inklusive Ersatzfreiheitsstrafe von drei Tagen bei schuldhafter Nichtbe-

zahlung der Busse) für den mehrfachen unbefugten vorsätzlichen Konsum von Betäubungsmit-

teln.  

 

dd) Demzufolge ist in Abweisung der Berufung des Beschuldigten und in teilweiser Gutheis-

sung der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft sowie in Abänderung des erstinstanzlichen 

Urteils B.____ der versuchten vorsätzlichen Tötung, der mehrfachen Widerhandlung gegen das 

Betäubungsmittelgesetz sowie der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz schul-

dig zu erklären und – unter Anrechnung der vom 8. Februar 2018 (22:30 Uhr) bis zum 

9. Februar 2018 (11:05 Uhr) und vom 10. März 2018 bis zum 10. Juni 2018 ausgestandenen 

 
 
 

 
 
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Untersuchungshaft sowie des vorzeitigen Strafvollzugs vom 11. Juni 2018 bis zum 19. August 

2020 von insgesamt 894 Tagen – zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von sechs Jahren und 

sieben Monaten sowie zu einer Busse von CHF 300.-- (wobei im Falle schuldhafter Nichtbezah-

lung der Busse an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von drei Tagen tritt) zu verurteilen.   

 

 

7. Landesverweisung / Eintrag ins SIS Schengen-System  

 

In Bezug auf die in Anwendung von Art. 66a StGB erstinstanzlich ausgesprochene Landesver-

weisung für die Dauer von zwölf Jahren sowie die nach Art. 20 der N-SIS-Verordnung verfügte 

Eintragung der angeordneten Landesverweisung im Schengener Informationssystem ist zu 

konstatieren, dass zwar in den Rechtsbegehren der Berufungsbegründung vom 17. Februar 

2020 beantragt worden ist, es sei das angefochtene Urteil hinsichtlich der diesbezüglichen Dis-

positiv-Ziffer 3 aufzuheben, danach aber weder in den Erwägungen der Berufungsbegründung 

noch in den Ausführungen im Rahmen des Plädoyers vor dem Kantonsgericht eine irgendwie 

geartete entsprechende Substantiierung dieses Begehrens erfolgt ist. Gestützt auf den vorlie-

genden Verfahrensausgang besteht angesichts der zu bestätigenden Verurteilung wegen ver-

suchter vorsätzlicher Tötung und der Erhöhung des Strafmasses auf sechs Jahre und sieben 

Monate Freiheitsstrafe selbstredend keine Veranlassung, das angefochtene Urteil in diesem 

Punkt abzuändern. Nur am Rande ist diesbezüglich anzumerken, dass bereits das Bundesver-

waltungsgericht den Beschuldigten mit rechtskräftigem Urteil vom 3. Dezember 2015 aus der 

Schweiz weggewiesen hat.  

 

 

8. Zivilforderungen  

 

8.1.1 In Anwendung von Art. 122 Abs. 1 StPO kann die geschädigte Person zivilrechtliche An-

sprüche aus der Straftat als Privatklägerschaft adhäsionsweise im Strafverfahren geltend ma-

chen. Nach Art. 126 Abs. 1 lit. a StPO entscheidet das Gericht über die anhängig gemachte 

Zivilklage, wenn es die beschuldigte Person schuldig spricht. Die Zivilklage wird gemäss 

Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO auf den Zivilweg verwiesen, wenn die Privatklägerschaft ihre Klage 

nicht hinreichend begründet oder beziffert hat. Wäre die vollständige Beurteilung des Zivilan-

spruchs unverhältnismässig aufwendig, so kann das Gericht die Zivilklage nur dem Grundsatz 

 
 
 

 
 
Seite 37   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

nach entscheiden und sie im Übrigen auf den Zivilweg verweisen (Art. 126 Abs. 3 StPO). Nach 

Praxis und herrschender Lehre soll das Strafgericht, wenn immer möglich, selbst und zusam-

men mit dem Strafurteil über die Zivilklage befinden. Genugtuungsansprüche können und sollen 

in der Regel sofort entschieden werden (ANNETTE DOLGE, in: Basler Kommentar, Schweizeri-

sche Strafprozessordnung, 2. Auflage, Basel 2014, N 1 und N 45 zu Art. 126 StPO, mit Hinwei-

sen). Die materielle Beurteilung der Adhäsionsklage ist, unter Vorbehalt der gesetzlichen Aus-

nahmen von Abs. 2 bis 4, zwingend und muss vollständig sein (vgl. Botschaft vom 21. Dezem-

ber 2005 zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 1174 Ziff. 2.3.3.4; BGer 

6B_604/2012 und 6B_613/2012 vom 16. Januar 2014 E. 6.2.2, mit Hinweisen); sie steht nicht 

im Ermessen des Gerichts (BGer 6B_75/2014 vom 30. September 2014 E. 2.4.4).  

 

8.1.2 Nach der Praxis des Bundesgerichts (vgl. zum Ganzen BGer 6B_1070/2015 vom 

2. August 2016 E. 1.3.2) kann gemäss Art. 47 OR der Richter bei Tötung eines Menschen oder 

Körperverletzung unter Würdigung der besonderen Umstände der verletzten Person oder den 

Angehörigen des Getöteten eine angemessene Geldsumme als Genugtuung zusprechen. Die 

Genugtuung bezweckt den Ausgleich für erlittene seelische Unbill. Ihre Bemessung richtet sich 

im Wesentlichen nach der Art und Schwere der Verletzung, der Intensität und Dauer der Aus-

wirkungen auf die Persönlichkeit des Betroffenen, dem Grad des Verschuldens des Haftpflichti-

gen, einem allfälligen Selbstverschulden des Geschädigten sowie der Aussicht auf Linderung 

des Schmerzes durch die Zahlung eines Geldbetrags (BGer 6B_857/2015 vom 21. März 2016 

E. 3.2; 6B_768/2014 vom 24. März 2015 E. 3.3, nicht publ. in: BGE 141 IV 97). Die Festsetzung 

der Höhe der Genugtuung ist eine Entscheidung nach Billigkeit und beruht auf richterlichem 

Ermessen. Sie ist nicht schematisch vorzunehmen, sondern muss dem Einzelfall angepasst 

werden. Dabei kann in zwei Phasen vorgegangen werden, indem zuerst ein Basisbetrag festge-

legt und anschliessend die besondere individuelle Situation berücksichtigt wird (BGE 132 II 117 

E. 2.2.3; vgl. zur Bemessung der Genugtuungssumme auch WILLI FISCHER, in: Kommentar zu 

den schweizerischen Haftpflichtbestimmungen, Zürich / St. Gallen 2016, N 48 ff. zu Art. 47 OR, 

mit Hinweisen; ROLAND BREHM, in: Berner Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, Obli-

gationenrecht, Die Entstehung durch unerlaubte Handlungen, 4. Auflage, Bern 2013, N 62 ff. zu 

Art. 47 OR, mit Hinweisen; CHRISTIAN JAEGGI, Die aktuellen Entwicklungen im Genugtuungs-

recht, plädoyer 3/14, S. 28 ff., mit Hinweisen).   

 

8.2.1 (…).   

 
 
 

 
 
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8.2.2 (…).   

 

8.2.3 (…).    

 

8.2.4 In casu ist das primäre Argument des Beschuldigten, wonach er in Notwehr gehandelt 

habe und deshalb der Eingriff nicht rechtswidrig gewesen sei und er folglich keine Genugtuung 

schulde, unter Berücksichtigung der vorgängigen Darlegungen zur versuchten vorsätzlichen 

Tötung (s. oben E. 4.2) von vornherein nicht stichhaltig. Vielmehr sind bei vorliegendem Verfah-

rensausgang gestützt auf die vorstehenden Ausführungen zum Tatbestand von Art. 111 StGB 

in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowohl eine widerrechtliche (und schuldhafte) Handlung 

seitens des Beschuldigten wie auch ein Kausalzusammenhang zwischen diesem Verhalten und 

dem Erfolgsei