# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 185f2d29-563f-58b4-b9f1-712f1b20ce3e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-02-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.02.2015 E-3660/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3660-2014_2015-02-18.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-3660/2014 

 

 

  U r t e i l  v o m  1 8 .  F e b r u a r  2 0 1 5  

Besetzung 

 
Richter Markus König (Vorsitz), 

Richterin Sylvie Cossy, Richterin Gabriela Freihofer,    

Gerichtsschreiber Nicholas Swain. 

   Parteien 
 

A._______, 

Guinea,   

amtlich verbeiständet durch lic. iur. Katja Ammann,  

Rechtsanwältin,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für 

Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 28. Mai 2014 / N (…). 

 

 

E-3660/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – ein der Ethnie der Peul angehörender guineischer 

Staatsangehöriger mit letztem Wohnsitz in Conakry – reiste gemäss seiner 

Darstellung am (…) 2011 in die Schweiz ein und stellte gleichentags im 

Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Vallorbe ein Asylgesuch. Am (…) 

2011 fand die Kurzbefragung im EVZ und am 13. August 2012 und 9. Ok-

tober 2012 fanden Anhörungen zu den Asylgründen gemäss Art. 29 Abs. 1 

AsylG (SR 142.31) statt. 

B.  

Der Beschwerdeführer brachte zur Begründung seines Asylgesuchs im 

Wesentlichen vor, seine Eltern seien verstorben, als er noch ein Kleinkind 

gewesen sei, und er sei in der Folge bei einer Pflegefamilie und auf der 

Strasse aufgewachsen. Er sei Mitglied der Partei "Union des forces dé-

mocratiques de Guinée" (UFDG) gewesen und habe für diese ver-

schiedentlich Parteianlässe organisiert und Leute mobilisiert. Am (…) 2009 

habe er an einer grossen Kundgebung aller Oppositionsparteien in einem 

Stadion in Conakry teilgenommen. Die Kundgebung sei jedoch durch An-

gehörige des Militärs aufgelöst worden, wobei sie Tränengas und Schuss-

waffen eingesetzt hätten. Er sei im Stadion (…) worden und habe dann bei 

einem Sturz von einer Mauer, welche er zu überklettern versucht habe, 

(…). Daraufhin sei er von Militärangehörigen festgenommen und in das Mi-

litärlager "(…)" gebracht worden, wo er inhaftiert und misshandelt worden 

sei. Nach (…) Monaten, am (…) 2009, sei ihm die Flucht aus dem Camp 

gelungen, da (…), ein grosses Durcheinander ausgebrochen sei. Er sei 

nach der Flucht aus Angst vor den Regierungskräften zunächst ins "Dorf" 

gegangen, sei in der Folge aber ins Quartier (…) ([…] von Conakry) zu-

rückgekehrt, wo er als Bettler gelebt habe. Er habe nicht arbeiten können, 

weil er unter den Folgen der erlittenen Verletzungen und Misshandlungen 

gelitten habe. Nach einiger Zeit habe er einen ebenfalls der Ethnie der Peul 

angehörenden Geschäftsmann, B._______ (im Folgenden: B._______), 

getroffen, den er von seiner früheren Tätigkeit als Autowäscher her gekannt 

habe. B._______ habe ihn bei sich aufgenommen und unterstützt und ihn 

als Assistent bei seinen (…)geschäften beschäftigt. Am Abend des (…) 

2011 habe eine Gruppe von Soldaten einen Übergriff auf B._______ und 

dessen Familie verübt. Sie seien beim Wohnhaus von B._______ (…) vor-

gefahren und hätten B._______ festgenommen und abgeführt. Ferner hät-

ten die Soldaten die Frauen im Haus vergewaltigt und (…) von B._______ 

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Seite 3 

zerstört. Dessen weiteres Schicksal sei ihm (Beschwerdeführer) nicht be-

kannt. Die Regierungskräfte seien in dieser Zeit allgemein gegen die Peul, 

insbesondere gegen Geschäftsleute, vorgegangen, weil sie diese verdäch-

tigt hätten, den Oppositionsführer Celou Diallo zu unterstützen. Er selber 

sei zum Zeitpunkt des Übergriffs des Militärs nicht zu Hause, sondern auf 

einem Spaziergang (A28 S. 5, F45) beziehungsweise an einer Hochzeit 

(A51, S. 14 F119) gewesen, und habe vom geschilderten Vorfall von Nach-

barn erfahren. Wäre er zu Hause gewesen, wäre er von den Soldaten um-

gebracht oder auch festgenommen worden. Er sei daraufhin nicht mehr 

nach Hause zurückgekehrt, sondern habe einen in (…) ([…]) wohnhaften 

Geschäftspartner von B._______, C._______ (im Folgenden: C._______), 

aufgesucht und bis zur Ausreise bei diesem gelebt. Er habe befürchtet, 

ebenfalls festgenommen und umgebracht zu werden, weil er für B._______ 

gearbeitet habe und ein Peul sei. C._______ habe schliesslich seine Aus-

reise organisiert. Er sei am (…) 2011 in Begleitung eines Schleppers mit 

einem auf eine andere Person ausgestellten Reisepass per Flugzeug via 

D._______ in die Schweiz gereist.  

C.  

Mit Eingabe vom 5. November 2012 wurden ärztliche Berichte von med. 

pract. E._______, F._______ vom 4. November 2012 sowie des Universi-

tätsspitals F._______, Klinik für (…), vom 30. Oktober 2012, 17. Juli 2012, 

16. Juli 2012 und 15. Mai 2012 eingereicht, 

D.  

Mit Verfügung vom 21. Dezember 2012 stellte das SEM fest, der Be-

schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, wies sein Asylge-

such ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug 

an. 

E.  

Mit Eingabe vom 28. Dezember 2012 reichte der Beschwerdeführer beim 

Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde gegen die Verfügung des 

SEM ein. 

In der Beschwerdeeingabe wurde unter anderem vorgebracht, der Be-

schwerdeführer sei homosexuell. Dank der psychotherapeutischen Be-

handlung in der Schweiz sei es ihm gelungen, immer mehr zu seiner Se-

xualität zu stehen, und er pflege nun eine Partnerschaft mit einem anderen 

Mann. In Guinea sei die Homosexualität gesellschaftlich verpönt und ho-

mosexuelle Handlungen würden strafrechtlich verfolgt. 

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Seite 4 

F.  

Aufgrund der neuen Vorbringen im Beschwerdeverfahren hob das SEM mit 

Verfügung vom 5. März 2013 seine Verfügung vom 21. Dezember 2012 auf 

und nahm das erstinstanzliche Asylverfahren wieder auf. In der Folge 

schrieb das Bundesverwaltungsgericht mit Abschreibungsentscheid E-

6742/2012 vom 13. März 2013 die Beschwerde vom 28. Dezember 2012 

als gegenstandslos geworden ab.   

G.  

Am 6. März 2014 fand eine ergänzende Anhörung des Beschwerdeführers 

durch das SEM statt. 

H.  

Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 30. April 2014 reichte der Be-

schwerdeführer innert ihm vom SEM hierfür angesetzter Frist eine Reihe 

von Dokumenten zu den Akten (ärztliche Berichte und Operationsberichte 

der Uniklinik G._______ vom 28. März 2013, 11. Juni 2013, 6. August 2013, 

23. September 2013, 14. November 2013, 20. Dezember 2013 und  

18. März 2014, einen ärztlichen Bericht von Dr. med. H._______, (…), 

F._______, vom 28. März 2014, einen Bericht von med. pract. E._______, 

(…), F._______, vom 9. April 2014, ein Unterstützungsschreiben des Le-

benspartners des Beschwerdeführers vom 22. März 2014 sowie eine Fo-

tografie des Beschwerdeführers vor der guineischen Botschaft in Genf). 

I.  

Mit Verfügung vom 28. Mai 2014 – eröffnet am 2. Juni 2014 – stellte das 

SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

wies sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz 

an. Hingegen verfügte es, dass der Vollzug der Wegweisung wegen Unzu-

mutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme aufgeschoben werde. 

Auf die Begründung wird – soweit entscheidwesentlich – in den Erwägun-

gen eingegangen.   

J.  

Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 1. Juli 2014 reichte der Be-

schwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die 

Verfügung des SEM vom 28. Mai 2014 ein und beantragte, die Ziffer 1 der-

selben sei aufzuheben und es sei ihm die Flüchtlingseigenschaft zuzuer-

kennen und Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur vollständigen 

Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrens-

rechtlicher Hinsicht beantragte er, es sei die unentgeltliche Prozessführung 

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Seite 5 

zu gewähren, seine Rechtsvertreterin sei ihm als unentgeltliche Rechtsbei-

ständin beizuordnen und es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschus-

ses zu verzichten. Zum Beleg seiner Vorbringen reichte er ein an die gui-

neische Vertretung in Genf gerichtetes, undatiertes Schreiben ein.   

K.  

Mit Zwischenverfügung vom 8. Juli 2014 hiess der Instruktionsrichter die 

Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss 

Art. 65 Abs. 1 VwVG und der unentgeltlichen Verbeiständung gemäss 

Art. 110a AsylG gut, ordnete dem Beschwerdeführer seine bisherige 

Rechtsvertreterin, Rechtsanwältin Katja Ammann, als amtliche Rechtsbei-

ständin bei und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Im 

Weiteren wurde das SEM zur Einreichung einer Vernehmlassung eingela-

den. 

L.  

In ihrer Vernehmlassung vom 10. Juli 2014 hielt die Vorinstanz an ihrer 

Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. 

M.  

Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 28. August 2014 machte der Be-

schwerdeführer von dem ihm mit Instruktionsverfügung vom 15. Juli 2014 

eingeräumten Recht zur Replik Gebrauch und hielt seinerseits an seinen 

Beschwerdevorbringen fest. Zudem reichte er ein Schreiben der guinei-

schen Botschaft in der Schweiz vom (…) 2014, die Kopie eines Schreibens 

eines Bekannten betreffend Beschaffung von Identitätsdokumenten vom 

27. August 2014 sowie einen im Internet publizierten Artikel zur Definition 

von Albträumen zu den Akten. 

 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

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Seite 6 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-

treten. 

2.  

Mit Beschwerde im Asylbereich kann die Verletzung von Bundesrecht (ein-

schliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die un-

richtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-

halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

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Seite 7 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Das Bundesamt führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung 

aus, die Ereignisse vom (…) 2009 sowie die anschliessende Inhaftierung 

des Beschwerdeführers hätten keine asylrechtliche Relevanz, da kein Kau-

salzusammenhang zu seiner Ausreise im (…) 2011 bestehe. Der Be-

schwerdeführer habe gemäss seiner Darstellung nach seiner Flucht aus 

der Haft bis zum (…) 2011 keine Probleme mit den Behörden, namentlich 

wegen seines früheren politischen Engagements, gehabt. Im Übrigen habe 

er widersprüchliche Angaben dazu gemacht, wo er sich im Zeitpunkt des 

geltend gemachten Übergriffs der Sicherheitskräfte auf B._______ und 

dessen Familie aufgehalten habe, sowie dazu, wer ihm den angeblich für 

seine Ausreise benutzten Reisepass übergeben habe. Seiner Aussage, in 

Guinea gebe es keine Behandlungsmöglichkeiten, stünden die von ihm 

eingereichten medizinischen Unterlagen entgegen, gemäss welchen in 

Guinea eine (…) vorgenommen worden sei. Es könne demnach nicht ge-

glaubt werden, dass er im Zeitpunkt seiner Ausreise verfolgt worden sei 

und keine medizinische Behandlung habe erhalten können. Im Weiteren 

seien auch die Angaben des Beschwerdeführers zu seinen Lebensumstän-

den in Guinea unglaubhaft. Er habe mehrfach widersprüchliche Angaben 

zu seinen Aufenthalten bei B._______ und bei C._______ gemacht, und 

es könne nicht geglaubt werden, dass letzterer ihm die Ausreise bezahlt 

habe. Die Zweifel an dem von ihm geltend gemachten finanziellen Hinter-

grund würden durch die in Guinea durchgeführte ärztliche Behandlung ver-

stärkt. Es müsse somit als unglaubhaft erachtet werden, dass der Be-

schwerdeführer in Guinea in Armut gelebt und das Land illegal verlassen 

habe. Die Angaben zu seinem finanziellen und sozialen Hintergrund seien 

logisch nicht nachvollziehbar. Es müsse davon ausgegangen werden, dass 

er seine wahren Lebensumstände vor der Ausreise verschwiegen habe. 

Dieser Verletzung der Wahrheits- und Mitwirkungspflicht sei im Rahmen 

der Prüfung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs Rechnung zu tra-

gen.  

Die vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismittel seien nicht geeig-

net, die von ihm vorgebrachten Asylgründe als glaubhaft erscheinen zu las-

sen. Das Foto, welches ihn vor der der guineischen Vertretung in der 

Schweiz zeige, vermöge die geltend gemachte Unmöglichkeit, Identitäts-

papiere zu beschaffen, nicht zu belegen. Auch die Hintergrundberichte zu 

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Guinea sowie die medizinischen Unterlagen vermöchten nicht zu belegen, 

dass er im Zeitpunkt seiner Ausreise verfolgt worden sei. Die eklatanten 

Widersprüche in seinen Aussagen könnten auch nicht durch die diagnosti-

zierte Posttraumatische Belastungsstörung, welche zu lückenhaften Erin-

nerungen und Schwierigkeiten bei der chronologischen Wiedergabe führen 

könne, plausibel erklärt werden.   

Dass Homosexualität in Guinea tabuisiert werde und homosexuelle Hand-

lungen unter Strafe stünden, könne per se keine begründete Furcht vor 

Verfolgung begründen. Es müsse praxisgemäss eruiert werden, mit wel-

cher Wahrscheinlichkeit homosexuelle Asylsuchende Handlungen ausge-

setzt seien, welche aufgrund ihrer Art und Wiederholung so gravierend 

seien, dass sie eine schwerwiegende Verletzung der Menschenrechte dar-

stellen würden. Massgeblich seien dabei das Risiko und die Häufigkeit der 

Strafverfolgung, die Schwere der normalerweise verhängten Strafen sowie 

andere soziale Verhaltensweisen, denen die betroffenen Personen im Her-

kunftsland normalerweise ausgesetzt seien. In Guinea würden die Straftat-

bestände gegen homosexuelle Handlungen in der Praxis nicht angewen-

det. Zudem habe der Beschwerdeführer kein bedeutsames Profil als Ver-

fechter der Homosexuellenbewegung. Es sei demnach nicht davon auszu-

gehen, dass er im Falle der Rückkehr nach Guinea wegen seiner sexuellen 

Orientierung verfolgt würde. Durch seine unglaubhaften Aussagen betref-

fend seine Lebensumstände in Guinea ab (…) 2009 verunmögliche der 

Beschwerdeführer eine einzelfallspezifische Prüfung allfälliger familiärer 

und sozialer Konsequenzen seiner Homosexualität auf sein Leben. Es sei 

daher davon auszugehen, dass allfällige diskriminierende Massnahmen 

kein asylrelevantes Ausmass annehmen würden. 

Soweit der Beschwerdeführer geltend mache, als Peul politisch motivier-

tem Rassenhass ausgesetzt zu sein, sei festzustellen, dass es in Guinea 

immer wieder zu ethnischen Spannungen und Gewaltausbrüchen gegen 

einzelne Ethnien komme. Die Peul würden in Guinea aber nicht generell 

verfolgt und auch nicht in einem solchen Masse benachteiligt, dass allein 

aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit von einer Verfolgung ausgegangen 

werden müsste. Der Beschwerdeführer laufe somit nicht Gefahr, wegen 

seiner ethnischen Zugehörigkeit Verfolgungsmassnahmen im Sinne von 

Art. 3 AsylG zu erleiden. 

  

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Seite 9 

4.2  

4.2.1 Der Beschwerdeführer führte zur Begründung seiner Beschwerde zu-

nächst aus, die Vorinstanz habe bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit 

seiner Asylvorbringen mehrere aktenkundige Tatsachen übersehen: Er ver-

füge über keine Schulbildung, sei rechtsunkundig und sei zweimal ohne 

anwaltliche Vertretung angehört worden. Seine Aussagen in den ersten 

beiden Befragungen würden inhaltlich aber nicht von denjenigen in der drit-

ten Anhörung abweichen. In ihrer ersten Verfügung vom 21. Dezember 

2012 habe die Vorinstanz seine Schilderungen betreffend die Verhaftung 

und Inhaftierung entgegen der Einschätzung des bei der Anhörung vom 9. 

Oktober 2012 anwesenden Hilfswerksvertreters als unglaubhaft bezeich-

net. In der zweiten Verfügung vom 28. Mai 2014 habe das SEM diese Vor-

bringen nunmehr als glaubhaft qualifiziert, jedoch seine Aussagen betref-

fend den Zeitraum von seiner Flucht aus dem Gefängnis bis zur Ausreise 

als unglaubhaft erachtet.  

4.2.2 Die vom SEM in der zweiten Verfügung vom 28. Mai 2014 vorge-

brachten Argumente für die Ablehnung seines Asylgesuchs seien zumeist 

aktenwidrig und die Vorinstanz habe den Untersuchungsgrundsatz verletzt, 

weil sie ihm nicht alle für die angefochtene Verfügung relevanten Fragen 

gestellt habe. Mit weiteren Fragen hätten die festgestellten Unklarheiten 

ausgeräumt werden können. Seine Aussagen anlässlich der Anhörungen 

seien durchaus übereinstimmend, kongruent und nachvollziehbar. Das 

SEM habe jedoch keine Abwägung aller positiven und negativen Elemente 

vorgenommen, sondern seine Ausführungen in aktenwidriger Weise zitiert 

und diese unter Verletzung des rechtlichen Gehörs sowie des Untersu-

chungsgrundsatzes stets einseitig zu seinen Lasten ausgelegt. 

4.2.3 In der ergänzenden Anhörung vom 6. März 2014 sei ihm nur eine 

Frage zu den Ereignissen in der Zeitspanne zwischen dem 3. Dezember 

2009 und 5. März 2014 gestellt worden, und er sei unterbrochen worden, 

als er hierzu weitere Ausführungen habe machen wollen. Wenn die  

Vorinstanz nunmehr ein so grosses Gewicht auf diesen Zeitraum lege, 

hätte sie ihm diesbezüglich weitere und spezifischere Fragen stellen müs-

sen. Der Vorhalt, seine Aussage, er habe in Guinea keine medizinische 

Behandlung erhalten, stehe im Widerspruch zu der Feststellung im Arzt-

zeugnis vom 28. März 2013, es sei in Guinea eine (...) vorgenommen wor-

den, sei aktenwidrig. Er habe anlässlich der Empfangsstellenbefragung 

vom (…) 2011 zu Protokoll gegeben, er sei während seiner Inhaftierung im 

Gefängnisspital behandelt worden, und dies sei auch in der Beschwerde-

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Seite 10 

eingabe vom 31. Januar 2013 erwähnt worden. Hierzu seien ihm im Übri-

gen keine weiteren Fragen gestellt worden, womit der Untersuchungs-

grundsatz verletzt worden sei. Seine Aussage in der Befragung vom 6. 

März 2014, er habe keine Behandlung erhalten, habe sich auf eine psychi-

atrische beziehungsweise psychologische Behandlung bezogen, was aus 

dem Kontext dieser Aussage ersichtlich sei. Dadurch, dass er auf diesen 

vermeintlichen Widerspruch in der Befragung nicht hingewiesen und ihm 

nicht Gelegenheit gegeben worden sei, hierzu Stellung zu nehmen, sei sein 

Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden. Das Verfahren sei betref-

fend die Frage der (...) an die Vorinstanz zur ergänzenden Abklärung des 

Sachverhalts zurückzuweisen.  

Auch seine Ausführungen betreffend seine Rückkehr nach Hause am 

5. März 2011 und seinen Verbleib während des Übergriffs auf B._______ 

und dessen Familie seien in sich stimmig und keineswegs widersprüchlich. 

Seine Aussage anlässlich der letzten Befragung, er sei zu diesem Zeit-

punkt an einer Hochzeit gewesen, stehe nicht im Widerspruch zu seinen 

früheren diesbezüglichen Aussagen, sondern stelle eine Präzisierung dar. 

Dass Aussagen im Laufe mehrerer Anhörungen angereichert würden, sei 

natürlich und stelle gar ein Glaubwürdigkeitskriterium dar. Zudem sei der 

Hochzeitsbesuch für ihn eine unwichtige Begebenheit gewesen, und es sei 

zu berücksichtigen, dass er seine Geschichte in der ersten Anhörung, wel-

che nur kurz gedauert habe, in sehr gedrängter Form dargelegt habe und 

ihm keine zusätzlichen Fragen betreffend die Rückkehr von der Arbeit ge-

stellt worden seien. Seine Aussagen zum Vorgehen der Soldaten beim 

Übergriff auf B._______ und dessen Familie sowie zum Verhalten der Be-

völkerung würden erheblich zur Glaubhaftigkeit beitragen. Im Falle einer 

erfundenen Geschichte wäre zu erwarten gewesen, dass er bei allen An-

hörungen deckungsgleiche Aussagen gemacht und Nebensächlichkeiten 

nicht erwähnt hätte.  

Ebenso aktenwidrig sei die Feststellung der Vorinstanz, seine Aussagen 

betreffend den Erhalt des für die Ausreise verwendeten Reisepapiers seien 

widersprüchlich. C._______ habe den Reisepass beschafft und ihm diesen 

vor der Ausreise gezeigt; das Dokument sei ihm aber erst am Tag der Aus-

reise vom Schlepper ausgehändigt worden. Die Glaubwürdigkeit seiner 

diesbezüglichen Ausführungen werde durch seine spontanen Ergänzun-

gen erhöht. Seine Aussagen zu den Wohnorten von B._______ und 

C._______ seien sehr genau, und es sei nicht vorhersehbar gewesen, 

dass er hierzu befragt werden würde, weshalb es sehr unwahrscheinlich 

sei, dass diese Angaben erfunden seien. Ebenso habe er klare Angaben 

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zu den Familienangehörigen von B._______ gemacht. Es sei durchaus 

nachvollziehbar, dass ihm die Namen der Ehefrauen von B._______ bei 

der dritten Anhörung entfallen seien, da er mit diesen nur sehr wenig Kon-

takt und kein Interesse an ihnen gehabt habe. Ebenso verständlich sei in 

Anbetracht seiner Erlebnisse, dass er einem anderen Peul vertraut habe. 

Es stelle im Übrigen eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes dar, 

dass das SEM ihm keine weiteren Fragen zu seinen Tätigkeiten und sei-

nem Leben im Zeitraum zwischen der Flucht aus dem Gefängnis und sei-

ner Ausreise gestellt habe. Im Weiteren seien auch seine Ausführungen zu 

seinem finanziellen Hintergrund entgegen der Auffassung der Vorinstanz 

in sich stringent und stimmig. Dass er zeitweise auf der Strasse gelebt 

habe, bedeute nicht, dass er über gar kein Geld verfügt habe; schliesslich 

habe er ja gearbeitet.  

4.2.4 Hätte er unter einem Vorwand in der Schweiz um Asyl ersuchen wol-

len, wäre er bereits nach seiner Genesung nach dem Gefängnisaufenthalt 

ausgereist und nicht erst (…) Monate später, hätte er doch in jenem Zeit-

punkt viel grössere Chancen gehabt, Asyl zu erhalten. Im Falle erfundener 

Asylvorbringen wäre er in erster Linie darauf bedacht gewesen, seine Ge-

schichte in jeder Anhörung fehlerfrei und identisch vorzutragen.   

4.2.5 Er habe zweimal erfolglos versucht, die guineische Botschaft in Genf 

um Mithilfe bei der Beschaffung von Identitätsdokumenten zu ersuchen. 

Ein weiterer, schriftlicher Versuch sei in den letzten Tagen unternommen 

worden. Ferner versuche er, über das Internet und mittels Telefonanrufen 

einen Geburtsregisterauszug in Guinea zu beschaffen und Zeugen zu fin-

den. Er wolle diesbezüglich einen Auftrag an eine Drittperson in Conakry 

erteilen. Er führe in der Schweiz eine Lebens- und  

Liebesgemeinschaft mit einem Schweizer Bürger und sie hätten sich ver-

lobt. Falls er keine asylrelevanten Gründe für die Ausreise gehabt und 

seine wahre Identität versteckt hätte, wäre davon auszugehen, dass er 

schon lange seine Identitätspapiere beschafft hätte, um mittels einer Ein-

tragung der Beziehung zu seinem Lebenspartner seinen Aufenthalt in der 

Schweiz zu sichern.  

4.2.6 Der Zeitpunkt seiner Ausreise lasse sich nur mit der Furcht vor wei-

teren lebensbedrohlichen Verfolgungsmassnahmen nach dem Übergriff 

auf B._______, welcher ihm Schutz gewährt habe, und dessen Familie er-

klären. In mehreren ärztlichen Gutachten werde bestätigt, dass er unter 

einer Posttraumatischen Belastungsstörung leide, die eindeutig auf die ge-

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Seite 12 

schilderten Ereignisse in Guinea zurückzuführen sei. Eine derartige Reak-

tion seiner Psyche würde sich nicht ereignen, wenn er sich nicht tatsächlich 

verfolgt fühlen würde. Es sei notorisch, dass solche Störungen nicht über 

eine lange Zeit vorgetäuscht werden könnten. Es bestehe ferner durchaus 

ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen seiner Flucht aus dem Ar-

meecamp respektive dem Übergriff auf B._______ und seiner Ausreise. Er 

sei zweimal beinahe umgebracht worden, nur weil er der Ethnie der Peul 

angehöre. 

4.2.7 Er halte im Übrigen daran fest, dass er in Guinea keine Familie habe, 

weil seine Angehörigen verstorben seien oder er den Kontakt zu diesen 

verloren habe. 

4.2.8 Homosexuelle würden in Guinea nicht nur aus der Familie sondern 

aus der Gesellschaft ausgestossen. Würde er dort seine Homosexualität 

offen leben, müsse er damit rechnen, verhaftet zu werden oder aus dem 

sozialen Netz verstossen zu werden. Dies sei als asylrelevante Verfolgung 

zu werden, wäre er doch einem unerträglichen psychischen Druck im Sinne 

von Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt. Er müsse auch befürchten, dass Be-

hörden oder Drittpersonen Kenntnis von seinen Lebensumständen in der 

Schweiz erlangen würden und dies Konsequenzen für ihn hätte.  

4.2.9 Auch wenn die Peul in Guinea grundsätzlich keine staatlichen Verfol-

gung ausgesetzt seien, könne einem Bericht des "Immigration and Refu-

gee Board of Canada" entnommen werden, dass sie als nichtregierende 

Bevölkerungsgruppe von den Regierungsbehörden und Sicherheitskräften 

diskriminiert und schlecht behandelt würden. Anlässlich des Massakers 

vom (…) 2009 und seiner Inhaftierung habe er dies selber erlebt. Als ho-

mosexueller, behinderter Peul wäre er dreifach der Gefahr ausgesetzt, kei-

nen staatlichen Schutz zu erhalten, sondern vielmehr von den Regierungs-

kräften verfolgt zu werden. 

4.2.10 Falls ihm die Flüchtlingseigenschaft nicht zuerkannt werde, sei die 

Sache zur Vervollständigung der Akten an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

Diese habe es zu Unrecht unterlassen, ihm Gelegenheit zur Stellung-

nahme zu den für seinen Entscheid wesentlichen Tatsachen und zu den 

Gründen für die Ablehnung eines Asylgesuchs und seinen Erwägungen zu 

gewähren. 

E-3660/2014 

Seite 13 

4.3 Das SEM führte in seiner Vernehmlassung aus, der Beschwerdeführer 

habe anlässlich der Befragung vom 6. März 2014 ausdrücklich festgehal-

ten, er habe im Zeitraum von (…) 2009 bis (…) 2011 keine Probleme ge-

habt, und habe alles Notwendige gesagt. Der Vorwurf, es sei ihm nicht hin-

reichend Gelegenheit gegeben worden, sich zu den Geschehnissen in die-

ser Zeitspanne zu äussern, müsse demnach zurückgewiesen werden. 

Auch die bei dieser Anhörung anwesende Rechtsvertreterin des Beschwer-

deführers habe bei dieser Gelegenheit keine diesbezüglichen Anmerkun-

gen gemacht. Es könne somit davon ausgegangen werden, dass der rele-

vante Sachverhalt korrekt erstellt worden sei. Bezüglich des Vorwurfs, es 

seien aktenwidrige Schlüsse aus seinen Aussagen zur medizinischen Be-

handlung in Guinea gezogen worden, sei festzustellen, dass die Erklärung 

des Beschwerdeführers, er sei im Militärcamp behandelt worden, im Wi-

derspruch zu seiner Aussage stehe, er sei in Guinea nie medizinisch be-

handelt worden.     

4.4 In seiner Replikeingabe hielt der Beschwerdeführer am Vorwurf der 

Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes fest, dies unter Hinweis darauf, 

dass die Behörde verpflichtet sei, für eine die richtige und vollständige Ab-

klärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Die Mitwirkungs-

pflicht der Verfahrensbeteiligten entbinde die Behörde nicht von jeglichen 

Bemühungen zur Abklärung des Sachverhalts. Es obliege nicht den Par-

teien, die aus Sicht der Behörde relevanten Sachverhaltselemente zu er-

ahnen und aus eigenem Antrieb entsprechend Ergänzungen zu den be-

hördlichen Sachverhaltsermittlungen vorzubringen. Mit dem Hinweis, er 

habe anlässlich der Anhörung vom 6. März 2014 bestätigt, keine Probleme 

zwischen (…) 2009 und (…) 2011 gehabt zu haben, übersehe das Bundes-

amt, dass er in der entsprechenden protokollierten Antwort direkt von der 

Flucht im (…) 2009 zum Vorfall vom (…) 2011 gesprungen sei. Die Fest-

nahme und Inhaftierung im Jahre 2009 und das schlimme Erlebnis vom 

(…) 2011 seien so prägend gewesen, dass die Zeitspanne dazwischen in 

den Hintergrund gerückt sei. Es werde daran festgehalten, dass das SEM 

ihm zu den Ereignissen im fraglichen Zeitraum weitere Fragen hätte stellen 

sollen. Da seine Angaben zum Massaker vom (…) 2009 sich als glaubhaft 

herausgestellt hätten, liege es nahe, dass auch seine Angaben betreffend 

das Ereignis vom (…) 2011 wahr seien. Die von ihm mit der Beschaffung 

von Identitätsdokumenten in Guinea beauftragte Person habe bisher keine 

diesbezüglichen Informationen oder Registerauszüge beschaffen können, 

weil er (Beschwerdeführer) weder über eine "carte d'électeur" noch über 

eine Familiennummer verfüge. Die Dokumentenbeschaffung werde nun 

E-3660/2014 

Seite 14 

durch die Ausbreitung der Ebola-Seuche zusätzlich erschwert. An den Aus-

führungen in der Beschwerde betreffend die medizinische Behandlung in 

Guinea werde festgehalten. Im Übrigen leide er fast jede Nacht unter Alb-

träumen. Da Verfolgung ein häufiges Thema von Albträumen sei, müsse 

dies als zusätzliches Indiz für die Glaubhaftigkeit der vorgebrachten Verfol-

gung bewertet werden. 

5.  

5.1 Im Verwaltungsverfahren und insbesondere im Asylverfahren gilt der 

Untersuchungsgrundsatz, das heisst die Behörde stellt den rechtserhebli-

chen Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG; 

vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Für das erstinstanzliche Asylverfahren 

bedeutet dies, dass das SEM zur richtigen und vollständigen Ermittlung 

und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts verpflichtet ist und 

auch nach allen Elementen zu forschen hat, die zugunsten der asylsuchen-

den Person sprechen. Der Untersuchungsgrundsatz gilt nicht uneinge-

schränkt, zumal er sein Korrelat in der Mitwirkungspflicht des Asylsuchen-

den findet (Art. 13 VwVG und Art. 8 AsylG; vgl. CHRISTOPH AUER, in: 

Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das 

Verwaltungsverfahren, 2008, Art. 12 Rz. 8; BVGE 2012/21 E. 5.1). Die ent-

scheidende Behörde darf sich trotz des Untersuchungsgrundsatzes in der 

Regel darauf beschränken, die Vorbringen einer asylsuchenden Person zu 

würdigen und die von ihr angebotenen Beweise abzunehmen, ohne wei-

tere Abklärungen vornehmen zu müssen. Nach Lehre und Praxis besteht 

eine Notwendigkeit für über die Befragung hinausgehende Abklärungen 

insbesondere dann, wenn aufgrund der Vorbringen der asylsuchenden 

Person und der von ihr eingereichten oder angebotenen Beweismittel 

Zweifel und Unsicherheiten am Sachverhalt weiterbestehen, die voraus-

sichtlich mit Ermittlungen von Amtes wegen beseitigt werden können (vgl. 

BVGE 2009/50 E. 10.2.1 S. 734 m.H.a. Entscheidungen und Mitteilungen 

der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 23 E. 5a).  

Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG, 

Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbrin-

gen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in 

der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in der Ent-

scheidbegründung niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). 

5.2 Die Rüge das SEM habe den Sachverhalt nicht korrekt und unvollstän-

dig abgeklärt, weil der Beschwerdeführer nicht zu allen verfahrenswesent-

lichen Sachverhaltselementen hinreichend befragt – und insbesondere 

E-3660/2014 

Seite 15 

nicht ausdrücklich nach allfälligen weiteren relevanten Vorkommnissen im 

Zeitraum zwischen (…) 2009 und (…) 2011 gefragt – worden sei, ist nicht 

begründet. Nebst der Befragung zur Person fanden drei Anhörungen statt 

(am 13. August 2012, 9. Oktober 2012 und 6. März 2014), in welchen dem 

Beschwerdeführer Gelegenheit gegeben wurde, seine Asylgründe umfas-

send und frei vorzubringen. Die ihm von den Befragern diesbezüglich ge-

stellten Fragen sind als sachdienlich zu bezeichnen. Ferner wurde dem 

Beschwerdeführer am Ende der Anhörungen vom 9. Oktober 2012 und 6. 

März 2014 jeweils die Gelegenheit gegeben, weitere bisher nicht erwähnte 

Gründe zu nennen, die gegen seine Rückkehr in den Heimatstaat sprechen 

würden. Bei der Anhörung vom 9. Oktober 2012 verwies er hierbei nur all-

gemein auf die Verfolgung der Peul durch die Regierungskräfte (vgl. A28 

S. 7 F62), und in der Anhörung vom 6. März 2014 bestätigte er ausdrück-

lich, es gebe keine weiteren Gründe (vgl. A51 S. 19 F158). Mit der Rüge, 

es sei ihm anlässlich der Anhörung vom 6. März 2014 nur eine Frage zu 

den Ereignissen in der Zeitspanne von (…) 2009 bis (…) 2011 gestellt wor-

den, übersieht der Beschwerdeführer zudem, dass er zu diesen Sachver-

haltselementen bereits anlässlich der Anhörungen vom 13. August 2012 

und 9. Oktober 2012 einlässlich befragt worden war. Im Übrigen hat der 

Beschwerdeführer auch in seinen Eingaben im Beschwerdeverfahren kei-

nerlei konkreten Angaben zu weiteren asylrechtlich relevanten Ereignissen 

gemacht. Auch bezüglich der medizinischen Behandlung des Beschwerde-

führers im Heimatstaat und seiner Lebensumstände in Guinea ist der Vor-

wurf der unzureichenden Abklärung des Sachverhalts nicht gerechtfertigt, 

zumal es sich hierbei nicht um Sachverhaltselemente handelt, die für die 

vorliegend interessierende Frage der Zuerkennung der Flüchtlingseigen-

schaft und der Asylgewährung relevant sind.  

Demnach erweist sich, dass das SEM den entscheidrelevanten Sachver-

halt fehlerfrei und vollständig festgestellt hat und entgegen der Auffassung 

des Beschwerdeführers den Untersuchungsgrundsatz nicht verletzt hat. 

5.3 Der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 

Abs. 2 BV und Art. 29 VwVG) beschlägt nur die Feststellung des rechtser-

heblichen Sachverhaltes, nicht aber die rechtliche Würdigung desselben 

beziehungsweise die Rechtsanwendung; dem Betroffenen ist deshalb kein 

Recht auf vorgängige Stellungnahme bezüglich der Begründung des Ent-

scheids einzuräumen, es sei denn, die Behörde gedenke sich in ihrem Ent-

scheid auf einen völlig unüblichen, nicht voraussehbaren Rechtsgrund ab-

zustützen (vgl. EMARK 1994 Nr. 13; BGE 132 II 485 E. 3.4; BGE 116 II 721 

E-3660/2014 

Seite 16 

S. 724; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-

rechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, S. 187 Rz. 530). Diese Vorausset-

zung für die Gehörsgewährung ist indessen vorliegend nicht erfüllt. 

5.4 Ob die vom Asylgesuchsteller gemachten Aussagen in wesentlichen 

Punkten in einer Weise voneinander abweichen, dass sie im Sinne von Art. 

7 Absatz 3 AsylG als Indiz für die Unglaubhaftigkeit der Vorbringen anzu-

sehen sind, ist eine Frage der Beweiswürdigung. Es kann aus dem An-

spruch auf rechtlichen Gehör kein Anspruch des Asylgesuchstellers abge-

leitet werden, auf die erkennbaren Widersprüche in seinen Aussagen aus-

drücklich hingewiesen zu werden und dazu Stellung nehmen zu können 

(vgl. EMARK 1994 Nr. 13; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., S. 187 RZ. 529).      

5.5 Der Vorwurf, das SEM habe die Beurteilung der Glaubhaftigkeit einsei-

tig zulasten des Beschwerdeführers vorgenommen, ist schon deshalb nicht 

gerechtfertigt, weil es in der angefochtenen Verfügung vom 28. Mai 2014 

seine Festnahme anlässlich der Kundgebung vom (…) 2009 und die an-

schliessende Inhaftierung im Gegensatz zu seiner ersten Verfügung vom 

21. Dezember 2012 nunmehr als glaubhaft erachtet. 

5.6 Nach dem Gesagten liegt keine Verletzung von Verfahrensgrundsätzen 

vor, welche eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung rechtfertigen 

würde.  

6.  

6.1 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die 

Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von 

bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr 

die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf-

gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind respektive zugefügt zu 

werden drohen. Eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 

3 Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, 

Letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beacht-

licher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde 

sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in ab-

sehbarer Zukunft verwirklichen. Es müssen demnach hinreichende An-

haltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem 

Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Ent-

schluss zur Flucht hervorrufen würden. Dabei genügt es nicht, dass diese 

Furcht lediglich mit Vorkommnissen oder Umständen, die sich früher oder 

E-3660/2014 

Seite 17 

später möglicherweise ereignen könnten, begründet wird (BVGE 2010/57 

E. 2.5 S. 827 f. mit weiteren Hinweisen). Die erlittene Verfolgung oder die 

begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung muss sachlich und zeitlich 

kausal für die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und grund-

sätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein. Zudem 

muss feststehen, dass die von einer Verfolgung bedrohte Person über 

keine innerstaatliche Flucht-  

respektive Schutzalternative verfügt (vgl. BVGE 2011/51 E. 6 S. 1016 f., 

BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37, je mit weiteren Hinweisen). 

6.2 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie ge-

nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich 

nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht 

widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den Tatsachen o-

der der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss der 

Gesuchsteller persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann 

nicht der Fall ist, wenn er wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst 

falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert 

oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mitwirkung am Verfahren 

verweigert. Glaubhaftmachen bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten 

Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für ge-

wisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Ent-

scheidend ist, ob die Gründe, welche für die Richtigkeit der Sachverhalts-

darstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objekti-

vierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3; EMARK 

2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 

7.  

7.1 Vom SEM nicht mehr bestritten wird die Glaubhaftigkeit des vom Be-

schwerdeführer geltend gemachten körperlichen Übergriffs und der Fest-

nahme durch Militärangehörige anlässlich der Protestkundgebung vom 

(…) 2009 in Conakry sowie seine anschliessende Inhaftierung in einem 

Militärcamp während (…) Monate. Zu Recht hat jedoch die Vorinstanz ei-

nen Kausalzusammenhang zwischen diesen Ereignissen und der Ausreise 

des Beschwerdeführers, welche erst rund (…) Jahre später erfolgte, ver-

neint. Der Beschwerdeführer hat nicht vorgebracht, nach der Flucht aus 

dem Gefängnis relevante Nachteile wegen den genannten Ereignissen er-

litten zu haben, und er hat diese nicht als ausschlaggebend für seine Aus-

reise aus dem Heimatstaat bezeichnet. Gegen eine begründete Verfol-

gungsfurcht des Beschwerdeführers in diesem Zusammenhang spricht 

auch der Umstand, dass er nach der Flucht aus dem Gefängnis schliesslich 

E-3660/2014 

Seite 18 

an seinen früheren Wohnort im Grossraum Conakry zurückkehrte. Im Üb-

rigen war sein Engagement für die oppositionelle Partei UFDG gemäss sei-

ner Darstellung nicht so prononciert, dass daraus auf ein auch im heutigen 

Zeitpunkt noch bestehendes Verfolgungsinteresse der Behörden Guineas 

geschlossen werden müsste.  

7.2  

7.2.1 Das BFM hat die Glaubhaftigkeit der vom Beschwerdeführer als Aus-

löser für seine Ausreise vorgebrachten Ereignisse vom (…) 2011 wegen 

divergierender Aussagen zu seinem Aufenthaltsort im Zeitpunkt des Über-

griffs auf seinen Mentor B._______ und dessen Familie in Zweifel gezogen. 

Der Einwand des Beschwerdeführers, es habe sich bei der Darstellung an-

lässlich der Anhörung vom 6. März 2014, er sei an einer Hochzeit gewesen, 

nur um eine Präzisierung seiner Angabe bei den vorangegangenen Befra-

gungen gehandelt, er sei spazieren gegangen, erscheint wenig überzeu-

gend. Weiter ist aber zu berücksichtigen, dass er den Übergriff auf 

B._______ und dessen Anlass widerspruchslos schilderte und dieser vor 

dem Hintergrund des politischen Kontexts Guineas nicht unplausibel ist.  

7.2.2 Letztlich kann aber die Frage der Glaubhaftigkeit dieser Vorbringen 

offen gelassen werden, da es, wie im Folgenden zu zeigen ist, diesen je-

denfalls an der asylrechtlichen Relevanz fehlt: 

Es liegen keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass der Beschwerde-

führer in diesem Zusammenhang mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit mit 

gezielten Verfolgungsmassnahmen durch die Regierungskräfte zu rechnen 

hätte. Die Behauptung, alle Personen, die mit B._______ zusammengear-

beitet hätten, würden gesucht und festgenommen, wurde vom Beschwer-

deführer nicht weiter substanziiert oder belegt, und vermag nicht zu über-

zeugen. Ebenso ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer 

Nachteile zu befürchten hat, weil er im Haushalt von B._______ lebte und 

von diesem unterstützt wurde. Es ist fraglich, ob die guineischen Behörden 

überhaupt Kenntnis von diesem Umstand erhalten haben. Jedenfalls be-

steht aber kein Grund zur Annahme, dass der Beschwerdeführer wegen 

der von ihm vorgebrachten Verbindung zu B._______ in der Verdacht der 

Unterstützung der Opposition geraten sein könnte, da er gemäss seinen 

Schilderungen für B._______ nur untergeordnete Tätigkeiten ausübte, und 

er nicht geltend machte, er habe sich nach der Flucht aus dem Gefängnis 

noch politisch engagiert. Dementsprechend hat der Beschwerdeführer 

auch nicht vorgebracht, während seines Aufenthalts bei C._______ von 

den Behörden gesucht worden zu sein. Nach dem Gesagten vermag der 

E-3660/2014 

Seite 19 

Beschwerdeführer keine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von 

Art. 3 AsylG im Zeitpunkt seiner Ausreise glaubhaft zu machen.  

7.3 Gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen können nach dem Strafge-

setzbuch von Guinea mit einer Haftstrafe von sechs Monaten bis zu drei 

Jahren bestraft werden (Art. 235 ff. des guineischen Strafgesetzbuches 

von 1998), wobei diese Gesetzesbestimmung allerdings in der Praxis nicht 

angewendet wird. Homosexualität ist in Guinea aber ein gesellschaftliches, 

religiöses und kulturelles Tabu und homosexuelle Personen werden häufig 

stigmatisiert und aus ihrer Familie, die eine wichtige gesellschaftliche Rolle 

in Guinea spielt, ausgestossen. Es gibt in Guinea keine Nichtregierungsor-

ganisationen, die sich offen für Homosexuelle einsetzen (vgl. dazu nament-

lich ODM et al., Rapport de mission en République de Guinée, März 2012, 

S. 20 f. [https://www.bfm.admin.ch/ dam/data/bfm/internationales/her-

kunftslaender/afrika/gin/GIN-ber-mission -f.pdf, abgerufen am 10.2.2015]; 

US Department of State, Country Report on Human Rights Practices 2013 

– Guinea, 27. Februar 2014, Section 6). Auch unter Berücksichtigung die-

ser Umstände rechtfertigt es sich aber nicht, von einer systematischen, 

asylrechtlich relevanten Verfolgung aller Homosexuellen in Guinea im 

Sinne einer Kollektivverfolgung auszugehen.  

Ausserdem liegen keine konkreten Anhaltspunkte vor für eine besondere, 

individuelle Gefährdung des Beschwerdeführers aus diesem Grund vor. 

Aufgrund der Akten kann davon ausgegangen werden, dass er sich bisher 

nicht besonders als Homosexueller exponiert hat und dass seine geltend 

gemachte Homosexualität und namentlich sein Zusammenleben mit einem 

Mann in der Schweiz in seinem Herkunftsland bisher nicht bekannt sind. 

Auch aus der geäusserten Furcht vor möglichen Repressalien durch sein 

soziales Umfeld, falls seine sexuelle Orientierung bekannt würde, kann 

nicht auf eine hinreichend konkrete asylrelevante Bedrohung geschlossen 

werden. Demnach erweist sich das Argument, der Beschwerdeführer wäre 

in Guinea einem unerträglichen psychischen Druck im Sinne von Art. 3 

AsylG ausgesetzt, als nicht stichhaltig. Ein unerträglicher psychischer 

Druck liegt vor, wenn einzelne Personen oder Teile einer Bevölkerung sys-

tematisch schweren oder wiederholten Eingriffen in ihre Menschenrechte 

durch den Staat ausgesetzt sind und diese Eingriffe eine derartige Intensi-

tät erreichen, dass ein menschenwürdiges Leben objektiv nicht mehr mög-

lich erscheint (BVGE 2013/11 E. 5.1.1; BVGE 2010/28 E. 3.3.1.1 m.w.H.). 

Diese Voraussetzungen sind vorliegend nicht gegeben.  

E-3660/2014 

Seite 20 

7.4 Es ist im Weiteren nicht erkennbar, dass der Beschwerdeführer wegen 

seiner Zugehörigkeit zur Ethnie der Peul im Falle einer Rückkehr nach Gui-

nea mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit asylrechtlich relevante Nachteile 

zu gewärtigen hätte. Seinen Asylvorbringen lässt sich nicht entnehmen, 

dass er vor der Ausreise wegen seiner ethnischen Zugehörigkeit im Sinne 

von Art. 3 AsylG verfolgt worden wäre. Zwar treffen die Darstellungen in 

der Beschwerde zur Situation der Peul insofern zu, als ethnische, nament-

lich gegen die Peul gerichtete Spannungen und Gewaltausbrüche immer 

wieder aufflackern. Jedoch hat die Vorinstanz zu Recht festgestellt, dass 

diese Bevölkerungsgruppe in Guinea nicht in einem Mass benachteiligt 

wird, dass von einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung aller Ange-

hörigen dieser Ethnie auszugehen wäre, zumal die Fulbe / Peul rund 40% 

der Bevölkerung ausmachen und wirtschaftlich eine tragende Rolle spielen 

(vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts  

E-8222/2010 vom 15. Juni 2012 E. 5.6). 

7.5 Aus der beim Beschwerdeführer diagnostizierten Posttraumatischen 

Belastungsstörung (vgl. ärztliche Berichte von med. pract. E._______ vom 

4. November 2012 und 9. April 2014) kann nicht per se auf eine begründete 

Verfolgungsfurcht geschlossen werden. Aufgrund seiner Vorbringen kann 

davon ausgegangen werden, dass diese Traumatisierung auf die Ereig-

nisse im Zeitraum (…) bis (…) 2009 zurückzuführen ist, deren fehlende 

asylrechtliche Relevanz bereits aufgezeigt wurde. Aus den gesundheitli-

chen Problemen des Beschwerdeführers auf das Vorliegen weiterer asyl-

rechtlich relevanter Verfolgungsereignisse zu schliessen, rechtfertigt sich 

aber nicht. 

7.6 Schliesslich wird die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Verfol-

gungsfurcht dadurch relativiert, dass er zwecks Beschaffung eines Identi-

tätspapiers wiederholt Kontakt zu den guineischen Konsularbehörden und 

damit zu Vertretern des angeblichen Verfolgerstaats, aufgenommen hat. 

7.7 Bei diesem Ergebnis kann die Frage der Glaubhaftigkeit der Angaben 

des Beschwerdeführers zu seinen Lebensumständen in Guinea sowie zur 

Verfügbarkeit einer medizinischen Behandlung offen gelassen werden. 

7.8 Am 4. Oktober 2014 hatte das Zivilstandsamt der Stadt I._______ beim 

BFM um Einsicht in die Asylakten des Beschwerdeführers ersucht und die-

ses Begehren mit der Formulierung begründet: "Eintragung von Tatsachen 

in ein Zivilstandsregister / Anerkennung des von J._______ erwarteten Kin-

E-3660/2014 

Seite 21 

des". Die Hintergründe einer allfälligen Anerkennung der biologischen Va-

terschaft zum rund (…) später zur Welt gekommenen Sohn einer (…) 

Staatsangehörigen können vorliegend ebenfalls offen bleiben. 

7.9 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer 

nicht gelungen ist, eine im Sinne von Art. 3 AsylG asylrelevante Verfol-

gungsgefahr nachzuweisen oder glaubhaft darzutun. Die Vorinstanz hat 

sein Asylgesuch demzufolge zu Recht abgelehnt. 

8.  

8.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, 

so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-

haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die 

Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet  

(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 m.w.H.). 

8.2 Da der Beschwerdeführer mit Verfügung des SEM vom 28. Mai 2014 

in der Schweiz vorläufig aufgenommen wurde, erübrigen sich praxisge-

mäss Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des 

Wegweisungsvollzugs. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit Zwischenver-

fügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 8. Juli 2014 das Gesuch um 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 

VwVG gutgeheissen wurde und keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass 

sich seine finanzielle Lage seither entscheidrelevant verändert hätte, ist auf 

die Auferlegung von Verfahrenskosten zu verzichten. 

10.  

Mit Zwischenverfügung vom 8. Juli 2014 wurde ausserdem das Gesuch 

um amtliche Verbeiständung gutgeheissen (Art. 110a Abs. 1 VwVG) und 

dem Beschwerdeführer seine Rechtsvertreterin als Rechtsbeiständin zu-

geordnet. Demnach ist dieser ein amtliches Honorar für ihre notwendigen 

Aufwendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Die Rechtsvertre-

terin hat mit Datum vom 1. Juli 2014 für den Aufwand im Zeitraum 2. Juni 

2014 bis 1. Juli 2014 – mithin noch ohne Berücksichtigung der Erarbeitung 

E-3660/2014 

Seite 22 

der Replik – eine Kostennote eingereicht, in welcher ein pauschales Hono-

rar von Fr. 5'945.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) ausgewiesen wird. 

Damit wird ein Vertretungsaufwand geltend gemacht, der denjenigen einer 

üblichen Parteientschädigung für Rechtsanwälte bei durchschnittlich kom-

plexen Asyl-Beschwerdeverfahren um etwa das Dreifache übersteigt. Ein 

solches Honorar der amtlichen Rechtsbeiständin kann das Bundesverwal-

tungsgericht trotz der speziellen Verfahrensumstände nicht vollumfänglich 

entschädigen. Unter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungs-

faktoren (Art. 9–13 VGKE) und der Entschädigungspraxis in Vergleichsfäl-

len wird das der Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers auszurichtende 

Honorar auf insgesamt Fr. 4'500.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) 

festgesetzt.   

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-3660/2014 

Seite 23 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Der unentgeltlichen Rechtsbeiständin wird zulasten der Gerichtskasse ein 

Honorar von Fr. 4'500.– zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Markus König Nicholas Swain 

 

 

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