# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** eb6b6436-d18c-5372-8d86-318b74d5cb4a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-07-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.07.2018 E-4451/2016
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4451-2016_2018-07-06.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-4451/2016 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  6 .  J u l i  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richter Markus König (Vorsitz), 

Richterin Andrea Berger-Fehr,  

Richterin Constance Leisinger;    

Gerichtsschreiberin Lhazom Pünkang. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Somalia,   

vertreten durch Peter Weibel, Fürsprecher,  

(…), 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration  

(SEM; vormals: Bundesamt für Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Familienzusammenführung (Asyl)  

mit B._______, Äthiopien;  

Verfügung des SEM vom 23. Juni 2016 / N (…). 

 

 

 

E-4451/2016 

Seite 2 

Sachverhalt: 

I. 

A.  

B._______, geboren am (…), äthiopische Staatsangehörige, stellte am 1. 

Oktober 2012 in der Schweiz ein Asylgesuch. Mit Entscheid des BFM (jetzt 

SEM) vom 10. Juni 2014 wurde diesem entsprochen; sie wurde als Flücht-

ling anerkannt und es wurde ihr Asyl gewährt (Verfahrensnummer N […]). 

II. 

B.  

Der Beschwerdeführer stellte am 27. November 2014 im Empfangs- und 

Verfahrenszentrum (EVZ) (…) ein Asylgesuch. Mit Verfügung vom 23. Juni 

2016 hielt das SEM fest, er erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte 

sein Asylgesuch ab, verfügte seine Wegweisung aus der Schweiz und ord-

nete den Vollzug an. 

C.  

Diesen Entscheid focht der (damals noch nicht vertretene) Beschwerde-

führer beim Bundesverwaltungsgericht mit Rechtsmitteleingabe vom 

18. Juli 2016 an und beantragte, es sei seine Flüchtlingseigenschaft fest-

zustellen und ihm Asyl zu gewähren; eventualiter sei die vorläufige Auf-

nahme aus humanitären Gründen anzuordnen. In prozessualer Hinsicht 

ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um Ver-

zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 27. Juli 2016 hiess der Instruktionsrichter das 

Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne 

von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer 

Vernehmlassung eingeladen. 

E.  

In seiner Vernehmlassung vom 11. August 2016 hielt das SEM vollumfäng-

lich an seinen bisherigen Erwägungen fest. Diese Vernehmlassung wurde 

dem Beschwerdeführer zur Kenntnisnahme zugestellt. 

E-4451/2016 

Seite 3 

III. 

F.  

B._______ brachte am (…) C. _______ zur Welt. Am 3. April 2017 aner-

kannte der Beschwerdeführer die Vaterschaft von C._______. 

G.  

Der Beschwerdeführer heiratete am 19. April 2017 vor dem Zivilstandsamt 

(…) seine Partnerin B._______. 

H.  

Mit Schreiben vom 8. Juni 2017 ersuchte B._______ für (…) C._______ 

um Einbezug in ihre Flüchtlingseigenschaft und um Asyl in der Schweiz.  

I.  

Mit Verfügung des SEM vom 14. Juni 2017 wurde C._______  gestützt auf 

Art. 51 Abs. 3 AsylG als Flüchtling anerkannt und C._______ Asyl in der 

Schweiz gewährt. 

IV. 

J.  

Mit Instruktionsverfügung vom 5. Oktober 2017 wies das Gericht das SEM 

auf die neuen Veränderungen im Zivilstand des Beschwerdeführers sowie 

auf ein Grundsatzurteil des Gerichts hin und lud es aufgrund dieser Um-

stände zu einer ergänzenden Vernehmlassung ein. 

K.  

Das SEM reichte innert erstreckter Frist seine ergänzende Vernehmlas-

sung vom 10. November 2017 zum Verfahren ein und hielt fest, es lägen 

keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel vor, welche eine Än-

derung seines Standpunktes rechtfertigen würden. 

L.  

Mit Eingabe vom 29. November 2017 zeigte der Rechtsvertreter seine 

Mandatierung in dieser Rechtssache an und ersuchte um Zustellung der 

Verfahrensakten zur Einsichtnahme sowie um Ansetzung einer anschlies-

senden Frist zur Einreichung einer Stellungnahme.  

E-4451/2016 

Seite 4 

M.  

Mit Instruktionsverfügung vom 1. Dezember 2017 wurden dem neuen 

Rechtsvertreter Kopien der verlangten Akten ausgehändigt und ihm Gele-

genheit geboten, eine Beschwerdeergänzung / Replik einzureichen. 

N.  

Mit Eingabe vom 18. Dezember 2017 machte der Beschwerdeführer vom 

gewährten Recht zur Replik Gebrauch und führte aus, an der Beschwerde 

werde festgehalten. Er liess folgende Rechtsbegehren stellen: 1. Die an-

gefochtene Verfügung sei aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft des Be-

schwerdeführers sei gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG anzuerkennen und 

es sei ihm deshalb Asyl zu gewähren. 2. Der unterzeichnende Anwalt sei 

dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab der Aufforderung zur Einreichung 

einer Replik als amtlicher Rechtsbeistand beizuordnen. 

O.  

Mit Zwischenverfügung vom 21. Dezember 2017 wurde das Gesuch der 

unentgeltlichen Rechtsverbeiständung gutgeheissen. Fürsprecher Peter 

Weibel wurde als amtlicher Rechtsbeistand des Beschwerdeführers einge-

setzt. Weiter wurde festgehalten, dass ohne Gegenbericht des Beschwer-

deführers das Beschwerdeverfahren ohne Einschränkung des Verfahrens-

gegenstandes weitergeführt werde. 

P.  

Mit Eingabe vom 28. Dezember 2017 teilte der amtliche Rechtsbeistand 

mit, die Beschwerde werde aus prozessökonomischen Gründen hinsicht-

lich der originären Flüchtlingseigenschaft fallengelassen und somit auf die 

Frage des Familienasyls beschränkt. 

 

  

E-4451/2016 

Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von 

Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-

ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet 

auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-

rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinn von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, 

weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Gemäss Erklärung des Rechtvertreters in seiner Eingabe vom 28. Dezem-

ber 2017 richtet sich die Beschwerde ausschliesslich noch gegen den im 

Rahmen der ergänzenden Vernehmlassung festgehaltenen Nichteinbezug 

in die Flüchtlingseigenschaft der Ehefrau des Beschwerdeführers im Sinne 

von Art. 51 Abs. 1 AsylG. Demnach ist die – in der Beschwerdeeingabe 

vom 18. Juli 2016 diesbezüglich ursprünglich noch angefochtene –  

Verfügung des SEM hinsichtlich die Nichtanerkennung der originären 

Flüchtlingseigenschaft und die daraus folgende Asylverweigerung zufolge 

Rückzugs in Rechtskraft erwachsen. Nachfolgend ist demnach nur noch 

die Anerkennung der (derivativen) Flüchtlingseigenschaft und Asylgewäh-

rung im Rahmen des Familienasyls gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG zu prüfen.  

  

E-4451/2016 

Seite 6 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

4.  

Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen und ihre 

minderjährigen Kinder als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl, wenn 

keine besonderen Umstände dagegen sprechen. In der Schweiz geborene 

Kinder von Flüchtlingen werden gemäss Art. 51 Abs. 3 AsylG auch als 

Flüchtlinge anerkannt, sofern wiederum keine besonderen Umstände da-

gegen sprechen. Dem Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft und der Asyl-

gewährung entgegenstehende "besondere Umstände" sind beispielsweise 

anzunehmen, wenn das Familienmitglied Bürger eines anderen Staates als 

der Flüchtling ist und die Familie in diesem Staat nicht gefährdet ist, wenn 

bereits der Flüchtling seinen Status derivativ erworben hat oder wenn das 

Familienleben während längerer Zeit nicht gelebt wurde und erkennbar ist, 

dass die Familienmitglieder nicht den Willen haben, als Familie zusammen-

zuleben. Die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft bedingt zudem, dass 

die anspruchsberechtigte Person ihren Heimat- oder Herkunftsstaat ver-

lassen hat (vgl. zum Ganzen BVGE 2012/32 E. 5.1). Massgeblicher Zeit-

punkt für die Prüfung der übrigen Voraussetzungen für den Einbezug in die 

Flüchtlingseigenschaft ist nicht der Zeitpunkt der Gesuchstellung, sondern 

derjenige des Asyl- beziehungsweise Beschwerdeentscheides (vgl. Ent-

scheidungen und Mitteilungen der vormaligen Schweizerischen Asyl- 

rekurskommission [EMARK] 2002 Nr. 20 E. 5a S. 167). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz führte hinsichtlich des Nichteinbezugs in die Flüchtlings-

eigenschaft beziehungsweise der Verweigerung des Familienasyls im Rah-

men seiner ergänzenden Vernehmlassung vom 10. November 2017 aus, 

das Grundsatzurteil BVGE 2017 VI/4 vom 17. August 2017, wonach auch 

eine in der Schweiz geschlossene Ehe bei der Anwendung von Art. 51 

AsylG relevant sein könne, sei ihr bekannt. Im vorliegenden Verfahren be-

stehe jedoch eine spezielle Konstellation. Es seien besondere Umstände 

gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG gegeben, die gegen einen Einbezug in die 

Flüchtlingseigenschaft sprächen, weil der Beschwerdeführer seine Her-

kunft verheimlicht habe. Ein solches Verhalten solle nicht belohnt werden, 

sonst würde der Täuschende besser gestellt als praxisgemäss ein „ehrli-

cher Drittstaatsangehöriger“. Gleiches sei mit Bezug auf die Bestimmung 

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Seite 7 

von Art. 44 AsylG festzustellen. Aufgrund der Aktenlage bleibe es dem Be-

schwerdeführer unbenommen, die kantonalen Behörden um eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung zu ersuchen. 

5.2 Der Beschwerdeführer brachte zur Begründung seiner Beschwerde 

vor, die Behauptung der Vorinstanz, er habe seine Herkunft verheimlicht, 

sei falsch. Gemäss den dem Rechtsvertreter vorliegenden Unterlagen 

habe der Beschwerdeführer seine Herkunft immer gleich angegeben. Es 

verhalte sich nur so, dass das SEM ihm diese Angabe nicht glaube. Der 

Rechtsvertreter habe den Beschwerdeführer bereits im gerichtlichen Ver-

fahren zur Feststellung seines Personenstands anwaltlich vertreten. In die-

sem Verfahren habe nicht nur aufgrund der von der somalischen Botschaft 

ausgestellten Dokumente, sondern insbesondere auch gemäss dem vom 

Gericht beigezogenen Somalisch-Übersetzer nicht der geringste Zweifel 

an der somalischen Herkunft des Beschwerdeführers bestanden. Ferner 

seien die Ehefrau des Beschwerdeführers ebenso wie C._______ äthiopi-

sche Flüchtlinge. Die Familie sei hinsichtlich Fragen eines allfälligen Weg-

weisungsvollzugs wegen des Säuglings als besonders verletzlich zu beur-

teilen. Gemäss Art. 3 Ziff. 1 der UNO-Kinderrechtskonvention sei das 

Kindswohl bei allen staatlichen Entscheiden vorrangig zu berücksichtigen. 

Eine Wegweisung der Familie nach Äthiopien wäre völkerrechtlich nicht 

zulässig. Eine Wegweisung der Familie in irgendein anderes Land, in wel-

chem die Bewohner somalisch als Muttersprache sprechen würden, also 

Somalia, Dschibuti oder die Grenzregion im Nordosten Kenias wäre offen-

sichtlich unzumutbar; kein vernünftiger Mensch käme auf die Idee, eine 

Familie mit einem Säugling in eine dieser Gegenden wegzuweisen. Auch 

wenn daran festgehalten werden sollte, dass der Beschwerdeführer allen-

falls entgegen seiner immer übereinstimmenden Angaben nicht aus Soma-

lia stammen könnte, erweise sich die Wegweisung auch in alle anderen 

denkbaren Länder als von vornherein unzumutbar. Der Beschwerdeführer 

sei somit in die Flüchtlingseigenschaft seiner Ehefrau und seines Sohnes  

einzubeziehen und es sei ihm Asyl zu gewähren.  

6.  

6.1 Zunächst ist der Frage nachzugehen, ob das SEM in seiner Verfügung 

vom 23. Juni 2016 die Herkunft des Beschwerdeführers wegen Verletzung 

der Mitwirkungspflicht zu Recht als unbekannt bezeichnet hat. 

6.2 Das SEM listet in seiner Verfügung zwar eine eindrückliche Liste von 

Ungereimtheiten und Unglaubhaftigkeitselementen mit Bezug auf die 

Herkunft auf (vgl. Verfügung, Erwägung II. Ziff. 1). Viele dieser vermeint-

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Seite 8 

lichen Unglaubhaftigkeitsindizien wirken aber bei genauer Betrachtung der 

Protokollstellen gesucht oder lassen sich plausibel erklären. Das Protokoll 

der Erstbefragung und die darin enthaltenen Angaben sind 

ausserordentlich knapp. Das Protokoll der Anhörung erscheint im 

Vergleich dazu auffälligerweise deutlich substanziierter (vgl. etwa Angaben 

zum Schulunterricht, zu den Lebensumständen im Heimatdorf, zur 

Erwerbstätigkeit des Wasserverkaufs) und weist durchaus auch andere 

Realitätskennzeichen auf.  

6.3 Nach den vorstehenden Ausführungen hat der Beschwerdeführer die 

Grenze einer qualifizierten Unglaubhaftigkeit der Herkunftsvorbringen 

(massive Verletzung der Mitwirkungspflicht durch eine eigentliche Ver-

schleierung der Identität) offensichtlich nicht erreicht. 

6.4 Der Beschwerdeführer hat zum Nachweis seiner somalischen Nationa-

lität auf Beschwerdeebene einen Geburtsschein der somalischen Bot-

schaft (…) vom (…) 2016 eingereicht. Dass das SEM diesem Dokument in 

seiner (ersten) Vernehmlassung pauschal und ohne Begründung jeden Be-

weiswert abspricht, vermag nicht zu überzeugen. 

6.5 Die Ehe des Beschwerdeführers wurde durch ein schweizerisches  

Zivilstandsamt geschlossen. Formale Voraussetzung hierfür war, dass die 

Identität der Verlobten feststand (Art. 99 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB; vgl. auch Art. 64 

der Zivilstandsverordnung vom 28. April 2004 [ZStV, SR 211.112.2]). Nach-

dem das SEM von der unbekannten Identität des Beschwerdeführers aus-

geht, liegt letztlich ein unvereinbares Handeln zweier schweizerischer Be-

hörden vor. In diesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass 

beim Regionalgericht (…) – offenbar vor der Anerkennung des Kindsver-

hältnisses – ein Verfahren zur Feststellung des Personenstands durchge-

führt wurde (vgl. A35/1). Das Urteil zu diesem Verfahren ist zwar nicht ak-

tenkundig. Soweit der Rechtsvertreter in der Replik mitteilt, dass er den 

Beschwerdeführer auch in diesem Verfahren vertreten habe und dort "nicht 

die geringsten Zweifel" an der somalischen Herkunft bestanden hätten (vgl. 

Replik S. 2), erscheint dies aber deshalb als plausibel, weil auch die for-

male Kindesanerkennung in der Folge erfolgreich vorgenommen werden 

konnte. 

  

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Seite 9 

6.6 Entgegen der Beurteilung des SEM, kommt das Gericht zum Schluss, 

dass der Beschwerdeführer seine somalische Nationalität zumindest 

glaubhaft darzutun vermochte. Im Folgenden ist nun der Antrag des Be-

schwerdeführers auf Familienasyl gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG zu prüfen. 

7.  

7.1 Dass es sich bei der in der Schweiz als Flüchtling anerkannten 

B._______ um die Ehefrau des Beschwerdeführers handelt und die beiden 

ein gemeinsames Kind haben, ist unbestritten. Im Verlauf des erstinstanz-

lichen Verfahrens wurde zum Beleg der Eheschliessung eine Heiratsur-

kunde in Kopie eingereicht. Das Gericht erachtet auch das geltend ge-

machte tatsächlich gelebte Familienleben nach Sichtung der Akten als ge-

geben. Der Wille, eine Familiengemeinschaft zu führen, geht ebenfalls aus 

den Akten hervor. Somit ist die Grundvoraussetzung für die Gewährung 

des Familienasyls nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-

richts erfüllt (vgl. BVGE 2017/16 vom 17. August 2017, E. 4.4.1). 

7.2 Weiter sind allfällige besondere Umstände gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG 

zu prüfen, welche einem Einbezug entgegenstehen könnten.  

7.2.1 Nachdem sich in den vorstehenden Erwägungen die vom SEM fest-

gestellte grobe Verletzung der Mitwirkungspflicht (Identitätsverschleierung) 

als unzutreffend erwiesen hat, kann diesbezüglich kein besonderer Um-

stand vorliegen.  

7.2.2 Hingegen kann dies gemäss konstanter Praxis dann der Fall sein, 

wenn die in die Flüchtlingseigenschaft einzubeziehende Person eine an-

dere Staatsangehörigkeit besitzt als die als Flüchtling anerkannte Person 

und das Familienleben zumutbarerweise in einem dieser beiden Staaten 

gelebt werden kann.  

7.2.3 Ein Umzug der Familie in das Heimatland der Ehefrau fällt von vorn-

herein ausser Betracht, weil ihr dort Verfolgung droht und sie aus diesem 

Grund in der Schweiz als asylberechtigt anerkannt worden ist. 

7.2.4 Ein Zusammenleben in (Zentral-) Somalia kann der jungen Familie 

angesichts der dort aktuell herrschenden Verhältnisse praxisgemäss eben-

falls nicht zugemutet werden (vgl. BVGE 2013/27 E. 8.3 m.w.H.). 

7.2.5 Hinweise auf das Vorliegen anderer besonderer Umstände sind den 

Akten nicht zu entnehmen. 

E-4451/2016 

Seite 10 

7.3 Nach dem Gesagten hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Familien-

asyl im Sinn von Art. 51 Abs. 1 AsylG. Die Beschwerde ist demnach gut-

zuheissen, die angefochtene Verfügung vom 23. Juni 2016 aufzuheben 

und das SEM anzuweisen, den Beschwerdeführer in die Flüchtlingseigen-

schaft und das Asyl seiner Ehefrau einzubeziehen. 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 

Abs. 1 und 2 VwVG), zumal dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Pro-

zessführung gewährt worden ist. 

9.  

Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens in An-

wendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Die in der 

Kostennote vom 3. November 2017 ausgewiesenen Aufwendungen des 

amtlichen Rechtsbeistands erscheinen angemessen. Der danach angefal-

lenen Vertretungsaufwand (Eingabe vom 28. Dezember 2017) lässt sich 

gestützt auf die Akten abschätzen. Gestützt auf die in Betracht zu ziehen-

den Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist dem Beschwerdeführer zu-

lasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 1‘000.– 

(inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) zuzusprechen. 

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-4451/2016 

Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit sie nicht durch Rückzug  

gegenstandslos geworden ist. 

2.  

Das SEM wird angewiesen, im Sinn der Erwägungen die Flüchtlingseigen-

schaft des Beschwerdeführers festzustellen und ihm in der Schweiz Asyl 

zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 1‘000.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Markus König Lhazom Pünkang 

 

 

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