# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 325761d7-7ada-54df-b34a-5243e77a946d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-11-02
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 02.11.2022 D-4897/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4897-2022_2022-11-02.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4897/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 .  N o v e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Einzelrichterin Chiara Piras, 

mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo; 

Gerichtsschreiberin Kathrin Rohrer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

und ihre beiden Töchter, 

B._______, geboren am (…), 

C._______, geboren am (…), 

Afghanistan, 

alle vertreten durch Fernando Arévalo Menchaca, 

(…), 

Beschwerdeführerinnen, 

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 

(Dublin-Verfahren); 

Verfügung des SEM vom 17. Oktober 2022 / N (…). 

 

 

D-4897/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die afghanische Staatsangehörige A._______ (nachfolgend: die Be-

schwerdeführerin 1) reiste am 24. Mai 2022 mit ihren beiden minderjähri-

gen Töchtern, B._______ (nachfolgend: die Beschwerdeführerin 2) und 

C._______ (nachfolgend: die Beschwerdeführerin 3), sowie ihren erwach-

senen Kindern in die Schweiz ein und suchte gleichentags um Asyl nach. 

A.b Ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerdeführerinnen 1 und 2 

mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) 

ergab, dass sie am (…) 2022 in D._______ (Italien) aufgegriffen und tags 

darauf daktyloskopisch erfasst wurden. 

A.c Die Personalienaufnahmen (PA) der Beschwerdeführerinnen 1 und 2 

fanden am 31. Mai 2022 statt. Gleichentags mandatierten die Beschwer-

deführerinnen die ihnen zugewiesene Rechtsvertretung des Bundesasyl-

zentrums (BAZ) der Region E._______. 

A.d Am 2. Juni 2022 erfolgten im Beisein der Rechtsvertretung die persön-

lichen Gespräche gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des 

Europäischen Parlaments und des Rats vom 26. Juni 2013 zur Festlegung 

der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die 

Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in ei-

nem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig 

ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). 

Dabei machte die Beschwerdeführerin 1 geltend, sie sei per Schiff von der 

Türkei nach Italien gelangt, wo sie am (…) 2022 von der Polizei aufgegrif-

fen worden sei. Die meiste Zeit ihres fast (…) Aufenthalts in Italien habe 

sie in einem Camp verbracht und sonst habe sie bei Angehörigen einer 

befreundeten Familie in F._______ gelebt. Nachdem die italienischen Be-

hörden ihr ein Ausreisedokument gegeben und ihr gesagt hätten, dass sie 

frei reisen könne, sei sie am 24. Mai 2022 mit dem Zug in die Schweiz 

gereist. Im Rahmen des ihr vom SEM gewährten rechtlichen Gehörs zur 

allfälligen Zuständigkeit Italiens für die Durchführung des Asyl- und Weg-

weisungsverfahrens beziehungsweise zur Wegweisung dorthin und zum 

Nichteintretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b des Asylgesetzes 

vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) brachte sie vor, die Schweiz sei von 

Anfang an ihr Ziel gewesen, da ihre Eltern, ihr Bruder und ihre drei Schwes-

tern hier leben würden. Zum medizinischen Sachverhalt befragt, gab sie 

an, sie leide an vielen Krankheiten, wobei sie nicht alle aufzählen könne. 

D-4897/2022 

Seite 3 

Sie habe unter anderem (…) Probleme, eine (…), (…), Probleme ihr ihrer 

(…) und würde (…). 

Die Beschwerdeführerin 2 machte in Bezug auf ihre Reise und die Gründe, 

weshalb sie in der Schweiz bleiben wolle im Wesentlichen dasselbe gel-

tend wie ihre Mutter. Zum medizinischen Sachverhalt befragt, gab sie an, 

sie sei (…) und (…). Aufgrund der langen Reise habe sie vermutlich einen 

(…)mangel und (…). Ausserdem vermisse sie ihren Vater sehr. 

Die Beschwerdeführerin 3 wurde angesichts ihres jungen Alters nicht be-

fragt. 

A.e Am 3. Juni 2022 ersuchte das Staatssekretariat für Migration (SEM) 

die italienischen Behörden um Übernahme der Beschwerdeführerinnen ge-

mäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO. 

A.f Im Laufe des erstinstanzlichen Verfahrens wurden betreffend die Be-

schwerdeführerin 1 ein Laborbefund der (…) vom 4. Juni 2022, ein Bericht 

sowie eine Überweisung der (…) vom 14. Juni 2022, ein ärztlicher Bericht 

von Dr. med. H._______, Facharzt für Innere Medizin FMH, betreffend die 

ambulante Behandlung vom 3. Juni 2022, ein Formular "Medic-Help Zu-

weisungsschreiben Arzt (ehemals F2)" vom 10. Juni 2022 mit ärztlichem 

Kurzbericht von Dr. med. I._______, Fachärztin für Gynäkologie und Ge-

burtshilfe FMH bei der (…), vom 15. Juni 2022, ein Formular "Medic-Help 

Zuweisungsschreiben Arzt (ehemals F2)" vom 17. Juni 2022 mit hand-

schriftlichen Notizen der (…) vom 23. Juni 2022, ein urologischer Bericht 

von Dr. med K._______, Fachärztin der Urologie bei der Klinik (…), vom 

24. Juni 2022, ein Formular "Medic-Help Zuweisungsschreiben Arzt (ehe-

mals F2)" vom 24. Juni 2022 mit ärztlichem Kurzbericht von Dr. med. 

L._______, Fachärztin FMH/FEBO für Ophthalmologie bei der (…), vom 

28. Juni 2022 sowie ein Konsultationsbericht von Dr. med. I._______, 

Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, (…), vom 6. Juli 2022 einge-

reicht. Betreffend die Beschwerdeführerin 2 wurden vier Berichte der (…) 

vom 16., 23. sowie vom 30. Juni 2022 und betreffend die Beschwerdefüh-

rerin 3 zwei Konsultationsberichte der (…) vom 30. Juni 2022 sowie vom 

2. Juli 2022 zu den Akten gereicht. 

A.g Mit Schreiben vom 2. August 2022 informierten die italienischen Be-

hörden das SEM darüber, dass hinsichtlich der Beschwerdeführerinnen 

weitere Abklärungen mit dem zuständigen Polizeipräsidium getätigt wer-

den würden. 

D-4897/2022 

Seite 4 

A.h Nachdem die italienischen Behörden innerhalb der festgelegten Frist 

keine Stellung zum Übernahmeersuchen vom 3. Juni 2022 nahmen, teilte 

ihnen das SEM am 5. August 2022 mit, dass die Zuständigkeit für die Be-

handlung des vorliegenden Asyl- und Wegweisungsverfahrens aufgrund 

der Verfristung an Italien übergangen sei. 

A.i Am 12. August 2022 hiessen die italienischen Behörden das Übernah-

meersuchen des SEM gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO gut und ver-

sicherten, gestützt auf das Rundschreiben vom 8. Februar 2021, dass die 

Beschwerdeführerinnen als Familie und unter Berücksichtigung des Alters 

der Kinder in einer geeigneten Einreichung untergebracht werden würden. 

A.j Am 11. Oktober 2022 erkundigte sich die Vorinstanz per E-Mail beim 

Gesundheitsdienst des BAZ M._______ über eine allfällige Weiterbehand-

lung der Beschwerdeführerin 1. 

B.  

Mit am darauffolgenden Tag eröffneten Verfügung vom 17. Oktober 2022 

trat die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf die 

Asylgesuche der Beschwerdeführerinnen nicht ein, verfügte die Wegwei-

sung nach Italien und forderte sie auf, die Schweiz spätestens am Tag 

nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig wurde der Kan-

ton N._______ mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragt. Zudem ver-

fügte sie die Aushändigung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenver-

zeichnis und hielt schliesslich fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den 

Entscheid komme von Gesetzes wegen keine aufschiebende Wirkung zu. 

C.  

C.a Mit Eingabe vom 25. Oktober 2022 erhoben die Beschwerdeführerin-

nen beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragten, die 

Verfügung vom 17. Oktober 2022 sei aufzuheben, das SEM sei anzuwei-

sen, auf ihre Asylgesuche einzutreten und in der Schweiz ein materielles 

Asylverfahren durchzuführen, eventualiter sei die Sache zur Neubeurtei-

lung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht 

beantragten sie, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu ertei-

len und die Vollzugsbehörden seien im Sinne einer vorsorglichen Mass-

nahme unverzüglich anzuweisen, von einer Überstellung nach Italien ab-

zusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die Erteilung der auf-

schiebenden Wirkung entschieden habe. Weiter sei das vorliegende Ver-

fahren mit den Verfahren N (…), N (…) und N (…) zu koordinieren. 

D-4897/2022 

Seite 5 

Schliesslich ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-

rung, inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

C.b Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

27. Oktober 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsge-

richt vom 17. Juni 2005 (VGG; SR 173.32) beurteilt das Bundesverwal-

tungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das 

SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vor-

instanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende 

Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwal-

tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Be-

schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so 

auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bun-

desgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 [BGG; 

SR 173.110]). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-

schwerdeführerinnen haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist somit einzutreten. 

2.  

2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

D-4897/2022 

Seite 6 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1 

und 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 

3.  

Das vorliegende Verfahren wird mit den Verfahren D-4850/2022, 

D-4867/2022 und D-4898/2022 koordiniert und es werden die entspre-

chenden Akten beigezogen. 

4.  

Die vorliegende Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend aufgezeigt – 

als offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Durchführung eines 

Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung zu behandeln ist 

(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

5.  

Die Beschwerdeführerinnen beantragten eventualiter, die Sache sei zur 

Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen (vgl. Rechtsbegehren 3 

der Beschwerde). Das Begehren wurde in der Rechtsmitteleingabe nicht 

weiter begründet und es ist aufgrund der Aktenlage auch nicht ersichtlich, 

inwiefern der rechtserhebliche Sachverhalt unrichtig oder unvollständig er-

stellt worden sein soll. Eine Verletzung von Verfahrensrechten durch das 

SEM ist ebenfalls nicht ersichtlich und den Akten lassen sich auch keine 

weiteren Gründe für eine Kassation entnehmen. Der entsprechende Antrag 

ist demnach abzuweisen. 

6.  

6.1 Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht nicht auf die 

Asylgesuche der Beschwerdeführerinnen eingetreten ist. 

6.2 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Diesbezüglich kommt die Dublin-III-VO zur Anwen-

dung. 

6.3 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

D-4897/2022 

Seite 7 

zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Ver-

fahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats wird eingeleitet, so-

bald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 

Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens 

(engl.: take charge) sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genann-

ten Kriterien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der 

Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und 

es ist von der Situation im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals ei-

nen Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 

Dublin-III-VO). Im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take 

back) findet demgegenüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeits-

prüfung nach Kapitel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 

8.2.1 m.w.H.). 

6.4 Wenn eine antragstellende Person, aus einem Drittstaat kommend, die 

Land-, See- oder Luftgrenze eines Mitgliedstaats illegal überschritten hat, 

ist dieser Mitgliedstaat gemäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO für die Prüfung 

des Antrags auf internationalen Schutz zuständig. 

6.5 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-

ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die 

Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für 

Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-

sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-

lung im Sinne von Art. 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen 

Union (nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist zu prüfen, 

ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zuständig be-

stimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zuständig be-

stimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zu-

ständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 

6.6 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte 

Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylver-

ordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert und 

die Vorinstanz kann das Asylgesuch gemäss dieser Bestimmung "aus hu-

manitären Gründen" auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-

VO in anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche 

D-4897/2022 

Seite 8 

Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE 

2015/9 E. 8.2.1). 

7.  

7.1 Zur Begründung ihres Nichteintretensentscheids gemäss Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG führte die Vorinstanz aus, der Abgleich der Fingerab-

drücke mit der Zentraleinheit Eurodac weise nach, dass die Beschwerde-

führerinnen am (…) 2022 illegal in Italien in das Hoheitsgebiet der Dublin-

Staaten eingereist seien. Da die italienischen Behörden vorerst innert Frist 

nicht auf das Übernahmeersuchen geantwortet und dieses dann am 

12. August 2022 doch noch nachträglich gutgeheissen hätten, sei die Zu-

ständigkeit für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens 

gemäss Art. 22 Abs. 7 Dublin-III-VO auf Italien übergegangen. Der von der 

Beschwerdeführerin 1 geäusserte Wunsch nach einem weiteren Verbleib 

in der Schweiz habe keinen Einfluss auf die Zuständigkeit für das Asyl- und 

Wegweisungsverfahren. Aus dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin-

nen in der Schweiz über Verwandte verfügen, könne sie ebenfalls nichts 

zu ihren Gunsten ableiten, da die Voraussetzungen von Art. 16 Abs. 1 Dub-

lin-III-VO nicht erfüllt seien. Weiter vermöchten weder die Tatsache, dass 

sie in Italien keine Asylgesuche eingereicht hätten noch eine Wegwei-

sungsverfügung sowie die damit verbundene Androhung einer Haftstrafe 

die Zuständigkeit Italiens zur Durchführung des Asyl- und Wegweisungs-

verfahrens zu widerlegen. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts 

würden keine Gründe für die Annahme vorliegen, das Asylverfahren und 

die Aufnahmebedingungen in Italien würden allgemein systemische 

Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder 

entwürdigenden Behandlung von Schutzsuchenden mit sich brächten. 

Weiter würden keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sich dieser Staat 

nicht an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen halte und das Asyl- und 

Wegweisungsverfahren nicht korrekt durchführe. Es sei auch nicht davon 

auszugehen, dass die Beschwerdeführerinnen bei einer Überstellung nach 

Italien im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO und Art. 3 der Konvention 

zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 4. November 

1950 (EMRK; SR 0.101) gravierenden Menschenrechtsverletzungen aus-

gesetzt wären, in eine existenzielle Notlage geraten oder ohne Prüfung ih-

rer Asylgesuche und unter Verletzung des Non-Refoulement-Gebots in ihr 

Heimat- respektive Herkunftsstaat überstellt werden würden. Schliesslich 

liege kein Grund vor, die Souveränitätsklausel im Sinne von Art. 17 Abs. 1 

Dublin-III-VO i.V.m. Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 anzuwenden. Für die Be-

schwerdeführerinnen seien momentan keine weiteren Arzttermine vorge-

sehen. Nach ihrer Rückkehr nach Italien hätten sie sodann die Möglichkeit, 

D-4897/2022 

Seite 9 

Asylgesuche einzureichen und damit auch medizinische Leistungen, auf 

welche sie im Sinne der Aufnahmerichtlinie Anspruch hätten, beziehen zu 

können. Für das weitere Dublin-Verfahren sei einzig die Reisefähigkeit aus-

schlaggebend, welche erst kurz vor der Überstellung definitiv beurteilt 

werde. Weiter würden keine konkreten Hinweise vorliegen, dass Italien 

nicht in der Lage sein werde, der Beschwerdeführerin 1 eine dem Alter ih-

rer Kinder angemessene Unterkunft zuzuteilen und die Einheit der Familie 

zu wahren, zumal sie von den italienischen Behörden eindeutig als Mitglie-

der einer Familie mit zwei minderjährigen Kindern identifiziert worden sei. 

7.2 In ihrer Rechtsmitteleingabe brachten die Beschwerdeführerinnen im 

Wesentlichen vor, es liege ein Ermessensfehler gemäss Art. 17 Abs. 1 

Dublin-III-VO i.V.m. Art. 29a Abs. 3 AsylV1 vor. Mit Verweis auf verschie-

dene Berichte der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) machte sie gel-

tend, dass sich die Situation in Italien, wonach die Aufnahmebedingungen 

im Erstaufnahmesystem unzureichend seien, aufgrund der immer noch un-

genügenden Finanzierung de facto nicht geändert habe. Eine weitere 

Problematik liege bei den Betreibenden der Erstaufnahmezentren, denn 

durch die finanziellen Einschränkungen seien karitative Organisationen 

aus dem Aufnahmesystem gedrängt und meist fachfremde und gewinnori-

entierte Institutionen mit der Leitung betraut worden. Entsprechend prekär 

seien die Zustände in den Erstaufnahmezentren geblieben. Angesichts 

dessen, dass das Erstaufnahmesystem bereits vor den Salvini-Verschär-

fungen in der Kritik gestanden habe, scheine es kurzsichtig, Erstaufnah-

mezentren lediglich deshalb "wieder" als adäquat für Familien zu bezeich-

nen, weil die Situation zwischenzeitlich noch desolater gewesen sei. Folg-

lich sei eine generelle Annahme, wonach die Unterbringung in diesen Zen-

tren keine Verletzung von Art. 3 EMRK bewirken könne, verfehlt. Experten-

berichte würden sodann bestätigen, dass Asylsuchende, welche aufgrund 

der Dublin-III-VO nach Italien zurückkehren müssten, weiterhin nicht in das 

Zweitaufnahmesystem (Sistema di accoglienza e integrazione [SAI]) son-

dern in Erstaufnahmezentren (Centri governativi di prima accoglienza; ehe-

mals: Centri di accoglienza per richiedenti asilo [CARA]) oder in temporä-

ren Einrichtungen (Strutture temporanee; ehemals: Centri di accoglienza 

straordinaria [CAS]) untergebracht werden würden, da die Kapazitätsgren-

zen erreicht seien. Die Situation habe sich durch die Einreise von ukraini-

schen Geflüchteten zusätzlich verschärft. Damit könnten sie bei ihrer An-

kunft in Italien kaum auf eine priorisierte und rasche Zuteilung in die SAI-

Strukturen hoffen. Es sei wahrscheinlich, dass sie – zumindest vorüberge-

hend – in einem CAS-Zentrum untergebracht werden, wo sie unter sehr 

D-4897/2022 

Seite 10 

schlechten Umständen voraussichtlich mehrere Monate lang auf eine Um-

platzierung hoffen müssten. Des Weiteren sei unklar, ob das überlastete 

Asylsystem Italiens in der Lage sei, die von ihnen gemeldeten gesundheit-

lichen Probleme zu behandeln. Es bedürfe deshalb einer individuellen Ga-

rantieerklärung, wonach sie bei ihrer Ankunft in Italien in Einrichtungen und 

Bedingungen unterbricht werden würden, welche dem Alter der Kinder ent-

spreche und die Familieneinheit wahre. Schliesslich habe es das SEM 

gänzlich unterlassen, das Kindeswohl zu ermitteln und dieses in einer In-

teressensabwägung in seinen Entscheid miteinzubeziehen. 

8.  

8.1 Ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerdeführerinnen 1 und 2 

mit der Eurodac-Datenbank vom 30. Juni 2022 ergab, dass diese am (…) 

2022 in Italien illegal in den Dublin-Raum eingereist und dort tags darauf 

daktyloskopiert worden waren (vgl. SEM-Akten […]-12/1, […]-13/1, […]-

14/1 und […]-15/1). Das SEM ersuchte die italienischen Behörden deshalb 

am 3. Juni 2022 um Aufnahme der Beschwerdeführerinnen gestützt auf 

Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO (vgl. SEM-Akte […]-27/8 [nachfolgend: SEM-

Akte 27/8]). Diese liessen das Ersuchen innert der in Art. 22 Abs. 1 Dublin-

III-VO vorgesehenen Frist zunächst unbeantwortet, womit sie die Zustän-

digkeit implizit anerkannten (Art. 22 Abs. 7 Dublin-III-VO). Am 12. August 

2022 stimmten die italienischen Behörden dem Übernahmeersuchen des 

SEM schliesslich nachträglich zu (vgl. SEM-Akten […]-48/1 [nachfolgend: 

SEM-Akte 48/1]). Die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens für die Durch-

führung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens ist somit gegeben. Dass 

die Beschwerdeführerinnen bisher in Italien keine Asylgesuche eingereich-

ten haben, ist damit nicht von Belang. Weiter ändert daran auch der Um-

stand, dass die Schweiz ihr Ziel gewesen sei, nichts (vgl. BVGE 2010/45 

E. 8.3). 

8.2 Nachfolgend ist deshalb zu prüfen, ob Gründe für die Übernahme der 

Zuständigkeit durch die Schweiz vorliegen. 

9.  

Als mögliche Rechtsgrundlage für einen Zuständigkeitsübergang auf die 

Schweiz liesse sich Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO anführen, auf den sich die 

Beschwerdeführerinnen implizit beriefen, indem sie geltend machten, sie 

hätten Familienangehörige in der Schweiz (vgl. SEM-Akten […]-17/7, […]-

23/3, […]-18/6 und […]-24/3). Aus diesem Vorbringen vermögen sie jedoch 

nichts zu ihren Gunsten abzuleiten, da Eltern respektive Grosseltern, Ge-

D-4897/2022 

Seite 11 

schwister respektive Tanten und Onkel sowie Nichten und Neffen respek-

tive Cousinen und Cousins (N […], N […], N […] und N […]) nicht als "nahe 

Familienangehörige" im Sinne von Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO gelten. Zur 

Vermeidung von Wiederholungen ist auf die zutreffenden Erwägungen des 

SEM zu verweisen (vgl. dort E. II, S. 3 f.). Die Anwendung von Art. 16 

Abs. 1 Dublin-III-VO ist folglich zu verneinen. 

10.  

10.1 Des Weiteren ist der Frage nachzugehen, ob es im Sinne von Art. 3 

Abs. 2 Dublin-III-VO wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asyl-

verfahren und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Italien wür-

den systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer un-

menschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 EU-

Grundrechtecharta mit sich bringen würden. 

10.2 Italien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-

zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-

niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK; SR 0.105) und des Abkommens 

vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK; 

SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 

(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-

pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-

kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-

linien des Europäischen Parlaments und des Rats 2013/32/EU vom 

26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-

kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 

2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-

nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-

merichtlinie) ergeben. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts lie-

gen aktuell, auch unter Würdigung der kritischen Berichterstattung bezüg-

lich des italienischen Fürsorgesystems für Asylsuchende und Personen mit 

Schutzstatus, keine Gründe für die Annahme vor, dass Asylverfahren und 

die Aufnahmebedingungen für Antragstellende würden systemische 

Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO auf-

weisen (vgl. Referenzurteile des BVGer D-4235/2021 vom 19. April 2022 

E. 10.2; F-6330/2020 vom 18. Oktober 2021 E. 9; E-962/2019 vom 17. De-

zember 2019 E. 6.3; vgl. ferner Urteile des BVGer E-4585/2022 vom 

18. Oktober 2022 E. 5.3; E-4599/2022 vom 18. Oktober 2022 E. 7.2; 

D-4555/2022 vom 13. Oktober 2022 E. 8.3.2). Für eine Änderung dieser 

Rechtsprechung besteht keine Veranlassung. 

D-4897/2022 

Seite 12 

10.3 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-

III-VO nicht gerechtfertigt. 

11.  

11.1 Sodann stellt sich die Frage, ob völkerrechtliche Vollzugshindernisse 

nach Art. 3 EMRK oder einer anderen die Schweiz bindenden völkerrecht-

lichen Bestimmung bestehen, woraus sich zwingende Gründe für einen 

Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO ergeben würden. 

11.2  

11.2.1 Der Europäische Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) setzte 

sich in seinem Urteil vom 23. März 2021 in Sachen M.T. gegen die Nieder-

lande, Nr. 46595/19, mit der Rechtmässigkeit der Überstellung einer allein-

stehenden Frau mit zwei minderjährigen Kindern im Rahmen des Dublin-

Verfahrens nach Italien auseinander, unter Berücksichtigung der neuen 

Gesetzeslage, insbesondere des Gesetzesdekrets Nr. 130/2020. Er stellt 

fest, die neueste Reform des italienischen Asylwesens habe zur Folge, 

dass Asylsuchende im Rahmen der verfügbaren Plätze wieder Zugang 

zum Zweitaufnahmesystem SAI hätten. Im Referenzurteil F-6330/2020 

vom 18. Oktober 2021 kam das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, 

dass die von den italienischen Behörden abgegebenen Garantien in Bezug 

auf die Wahrung der Familieneinheit sowie eine familiengerechte Unter-

kunft hinreichend konkret und individualisiert seien, insbesondere durch 

die Übermittlung des Formulars "nucleo familiare" sowie aufgrund der itali-

enischen Rundschreiben vom 8. Februar 2021 und 23. März 2021, welche 

den Zugang zu einer Zweitaufnahmestruktur des Systems SAI für Familien 

bestätigen würden. Mit dem definitiven Inkrafttreten des obgenannten Ge-

setzesdekrets wurde das SAI wieder für alle Asylsuchenden zugänglich 

gemacht, wobei Familien und vulnerable Personen bei der Überstellung in 

eine SAI-Unterkunft Vorrang geniessen. Das Angebot der Dienstleistungen 

für die Asylsuchenden wurde wieder ausgebaut und auch auf die Bedürf-

nisse schutzbedürftiger Personen ausgerichtet. Des Weiteren ermöglicht 

das Gesetzesdekret Nr. 130/2020 den Asylsuchenden wieder, sich im 

kommunalen Einwohnerregister registrieren zu lassen (Art. 3). Mit der Re-

gistrierung erhalten sie einen Ausländerausweis, der ihnen Zugang zu den 

regionalen Dienstleistungen, wie beispielswiese der medizinischen Versor-

gung, erleichtert. 

11.2.2 Die Beschwerdeführerin 1 gehört als alleinerziehende Mutter mit 

zwei minderjährigen Kindern zu den schutzbedürftigen Personen. Deren 

D-4897/2022 

Seite 13 

Überstellung nach Italien ist folglich nur zulässig, wenn von den italieni-

schen Behörden eine ausreichende Garantie für eine kindgerechte und die 

Einheit der Familie wahrende Unterbringung vorliegt (vgl. Urteil des EGMR 

Tarakhel gegen die Schweiz vom 4. November 2014, Nr. 29217/12, §§ 115 

und 120–122.). Im Übernahmeersuchen des SEM vom 3. Juni 2022 wur-

den die italienischen Behörden darüber informiert, dass die Beschwerde-

führerin 1 zusammen mit ihren minderjährigen Töchtern eine Familie bilde 

(vgl. SEM-Akte 27/8). Die italienischen Behörden führten im Formular "nu-

cleo familiare" vom 12. August 2022 die Vor- und Nachnamen, die Geburts-

daten sowie die Nationalität der Beschwerdeführerinnen auf. Sie gaben die 

Zusicherung ab, dass sie als Familie und unter Berücksichtigung des Alters 

der Kinder in einer Einrichtung des Aufnahme- und Integrationssystems 

SAI untergebracht würden. Zudem verwiesen sie auf das Rundschreiben 

vom 8. Februar 2021, in welchem die italienischen Behörden die Dublin-

Staaten über das Inkrafttreten des Gesetzesdekrets Nr. 130/2020 und die 

Schaffung des Aufnahme- und Integrationssystems SAI informierten und 

garantierten, dass Familien mit minderjährigen Kindern, die im Rahmen 

des Dublin-Verfahrens nach Italien überstellt werden, im SAI-System unter 

Wahrung der Einheit der Familie und in Übereinstimmung mit dem Tarak-

hel-Urteil untergebracht würden (vgl. SEM-Akte 48/1). Die von Italien ab-

gegebene Anerkennung der Familieneinheit und Zusicherung einer fami-

liengerechten Unterbringung sind demnach als genügend konkrete und in-

dividualisierte Zusicherungen im Sinne der Rechtsprechung des Bundes-

verwaltungsgerichts und des EGMR zu werten (vgl. Referenzurteil des 

BVGer F-6330/2020 vom 18. Oktober 2021 E. 10 und 11; Urteil des EMGR 

vom 23. März 2021 in Sachen M.T. gegen die Niederlande, Nr. 46595/19, 

§§ 58–62). Es ist nicht davon auszugehen, dass eine Überstellung der Be-

schwerdeführerinnen nach Italien eine Verletzung von Art. 3 EMRK nach 

sich ziehen würde.  

11.3 Soweit die Beschwerdeführerinnen den Zugang zu einer adäquaten 

dem Kindeswohl entsprechende Unterbringung in Frage stellen, vermögen 

sie nach dem Gesagten kein konkretes und ernsthaftes Risiko darzutun, 

die italienischen Behörden würden sich weigern, sie aufzunehmen und ihre 

Anträge auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Ver-

fahrensrichtlinie zu prüfen. Es bestehen keine Hinweise darauf, dass Italien 

seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nicht nachkommt. Den Akten sind 

insbesondere keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Italien werde 

in ihrem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und sie zur 

Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit 

aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet sind oder in dem sie 

D-4897/2022 

Seite 14 

Gefahr laufen würden, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu 

werden. Die sich als Beweismittel bei den vorinstanzlichen Akten befindli-

chen Wegweisungsverfügung der italienischen Behörden vom (…) 2022 

ändert daran nichts, zumal diese aufgrund der illegalen Einreise und des 

illegalen Aufenthalts der Beschwerdeführerin 1 erlassen wurde. Den Be-

schwerdeführerinnen steht es nach erfolgter Überstellung nach Italien of-

fen, dort um Asyl nachzusuchen (was sie zuvor offenbar nicht getan haben) 

und damit Zugang zu den asylrechtlichen Aufnahmestrukturen und Unter-

stützungsleistungen zu erhalten. Die italienischen Behörden haben ihrer 

Aufnahme nachträglich zugestimmt und ihnen eine Unterbringung in einem 

SAI zugesichert (vgl. SEM-Akte 48/1). Ausserdem haben sie nicht darge-

tan, die sie bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen in Italien 

seien derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-

Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten. Die Ver-

mutung, Italien halte seine völkerrechtlichen Verpflichtungen ein, kann im 

Einzelfall zwar widerlegt werden, hierfür bedarf es aber konkreter und 

ernsthafter Hinweise. Dies gelingt den Beschwerdeführerinnen, die in Ita-

lien gar nicht erst um Asyl nachgesucht hatten, mit ihren pauschalen 

Äusserungen zu den dortigen Lebensbedingungen und zu fehlender staat-

licher Unterstützung indes nicht. Sie haben weiter keine konkreten Hin-

weise für die Annahme dargelegt, Italien würde ihnen dauerhaft die ihnen 

gemäss Aufnahmerichtlinien zustehenden minimalen Lebensbedingungen 

vorenthalten. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung der 

ihnen zustehenden Aufnahmebedingungen oder einer erneuten Wegwei-

sungsverfügung sind sie gehalten, sich nötigenfalls an die italienischen Be-

hörden zu wenden und ihre Rechte auf dem Rechtsweg einfordern, zumal 

es sich bei Italien um einen funktionierenden Rechtsstaat handelt (vgl. 

Art. 26 Aufnahmerichtlinie). 

11.4 Hinsichtlich des Kindswohls der noch minderjährigen Beschwerdefüh-

rerinnen 2 und 3 ist darauf hinzuweisen, dass Italien Signatarstaat des 

Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes 

(Kinderrechtskonvention, KRK; SR 0.107) ist und keine Hinweise darauf 

bestehen, dass Italien sich nicht an seine völkerrechtlichen Pflichten halten 

würde, zumal die italienischen Behörden eine kindsgerechte Unterkunft zu-

gesichert haben (vgl. SEM-Akte 48/1). Das Kindswohl steht somit einer 

Überstellung nach Italien nicht entgegen (vgl. Art. 3 KRK). 

11.5 Hinsichtlich des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerinnen ist 

Folgendes festzuhalten: 

D-4897/2022 

Seite 15 

11.5.1 Eine Verletzung von Art. 3 EMRK aus gesundheitlichen Gründen 

kann erreicht sein, wenn eine schwer kranke Person durch die Abschie-

bung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Zielstaat – 

mit einem realen Risiko konfrontiert würde, einer ernsten, raschen und un-

wiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands ausge-

setzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkür-

zung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili 

gegen Belgien 13. Dezember 2016, 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). 

11.5.2 Eine solche Situation ist vorliegend aufgrund der geltend gemach-

ten gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerinnen of-

fensichtlich nicht gegeben. Bei der Beschwerdeführerin 1 wurden am 

14. Juni 2022 eine (…) und am 15. Juni 2022 (…) sowie (…) diagnostiziert, 

wogegen sie in der Folge medikamentös behandelt wurde (vgl. SEM-Akten 

[…]-32/1und […]-35/4). Anlässlich der urologischen Untersuchung vom 

23. Juni 2022 konnten sowohl das Vorliegen einer (…), eines (…) wie auch 

eines (…) ausgeschlossen werden. Hinsichtlich der angegebenen (…) mit 

teilweiser (…) wurde vorgeschlagen, diese bei störender Symptomatik wei-

ter zu verifizieren, wobei geraten wurde, (…). Weiter wurde festgehalten, 

dass bei ausgeprägt störender (…) eine (…) Therapie in Erwägung gezo-

gen werden könne (vgl. SEM-Akte […]-38/2). Obwohl sich die (…) aufgrund 

der verschriebenen Medikamente verbesserte, bestand die (…) weiterhin. 

In der Folge wurde die verschriebene Medikation am 6. Juli 2022 verdop-

pelt (vgl. SEM-Akte […]-44/2). Des Weiteren wurde bei der Beschwerde-

führerin 1 am 28. Juni 2022 im linken (…) ein nicht therapiebedürftiges (…) 

festgestellt. Die behandelnde Ärztin empfahl in (…) Monaten eine Kontrolle 

(vgl. SEM-Akte […]-39/4). Gemäss Auskunft des Gesundheitsdienstes des 

BAZ M._______ sind aktuell keine weiteren Arzttermine geplant (vgl. SEM-

Akte […]-50/2 [nachfolgend: SEM-Akte 50/2]). Als sie anlässlich des Dub-

lin-Gesprächs vorbrachte, (…) Beschwerden zu haben, wurde sie von ihrer 

Rechtsvertreterin ausdrücklich darauf hingewiesen, sich an den Gesund-

heitsdienst des BAZ zu wenden (vgl. SEM-Akten […]-23/3 und […]-26/3). 

Angesichts dessen, dass sie sich in der Folge offenbar nicht beim Gesund-

heitsdienst des BAZ meldete, waren entsprechend keine weiteren medizi-

nischen Abklärungen seitens des SEM notwendig. Bei der Beschwerdefüh-

rerin 2 wurde am 23. Juni 2022 ein (…)mangel ohne (…) sowie ein grenz-

wertig niedriger (…)-Wert festgestellt, wogegen sie zur Behandlung eine 

(…)-Injektion sowie ein (…) erhielt (vgl. SEM-Akte […]-36/1). Am 30. Juni 

2022 wurde ihr erneut eine (…)-Injektion verabreicht. Weiter wurde beim 

rechten (…) mittig eine leichte (…) diagnostiziert (vgl. SEM-Akte […]-41/1). 

D-4897/2022 

Seite 16 

Gemäss Auskunft des Gesundheitsdienstes des BAZ M._______ sind be-

treffend die Beschwerdeführerin 2 keine weiteren Arzttermine vorgesehen 

(vgl. SEM-Akte 50/2). Anlässlich der ärztlichen Konsultation vom 30. Juni 

2022 wurde der Beschwerdeführerin 3 zur Behandlung gegen den vor zwei 

Jahren aufgetretenen und seither vorhandenen Ausschlag eine Pflege mit 

(…) verschrieben (vgl. SEM-Akte […]-42/1). Am 2. Juli 2022 wurde ihr zur 

Behandlung des (…)- und (…)-Mangels für drei Monate eine medikamen-

töse Behandlung verordnet (vgl. SEM-Akte […]-43/1). Gemäss Rückmel-

dung des Gesundheitsdienstes des BAZ M._______ nimmt sie zwar wei-

terhin ein (…), weitere Arzttermine seien bei ihr aber ebenfalls keine mehr 

ausstehen (vgl. SEM-Akte 50/2). Die medizinischen Probleme der Be-

schwerdeführerinnen stellen keine schweren medizinischen Leiden dar, 

welche nach der Ankunft in Italien eine sofortige und lückenlose medizini-

sche Versorgung im Sinne der Rechtsprechung erfordern würden. Im Üb-

rigen verfügt Italien über eine ausreichende medizinische Infrastruktur, 

weshalb die physischen und psychischen Beschwerden der Beschwerde-

führerinnen, sollten diese weiterhin bestehen, einer adäquaten medizini-

schen Behandlung dort zugänglich sein dürften (vgl. hierzu Urteile des 

BVGer D-4651/2022 vom 20. Oktober 2022 S. 8; E-4599/2022 vom 

18. Oktober 2022 E. 7.3.3). Der Zugang für asylsuchende Personen zum 

italienischen Gesundheitssystem über die Notversorgung hinaus ist derzeit 

grundsätzlich gewährleistet, auch wenn es in der Praxis zu zeitlichen Ver-

zögerungen kommen kann (vgl. Referenzurteil des BVGer E-962/82019 

vom 17. Dezember 2019 E. 6.2.7). In Bezug auf besondere Bedürfnisse 

der Beschwerdeführerinnen stellte das SEM bereits in der angefochtenen 

Verfügung fest, dem aktuellen Gesundheitszustand werde bei der Organi-

sation der Überstellung nach Italien Rechnung getragen, indem es die ita-

lienischen Behörden im Sinne von Art. 31 und Art. 32 Dublin-III-VO über 

den Gesundheitszustand und eine allenfalls notwendige medizinische Be-

handlung informiere (vgl. dort E. II, S. 7). 

11.5.3 Der aktuelle Gesundheitszustand der Beschwerdeführerinnen führt 

somit für den Fall einer Überstellung nach Italien im Rahmen des Dublin-

Verfahrens nicht zur Annahme einer drohenden Verletzung von Art. 3 

EMRK. 

11.6 Die allgemeinen Aufnahmebedingungen für (gestützt auf die Dublin-

III-VO zurückkehrende) Asylsuchende in Italien führen nach bisheriger Pra-

xis des Bundesverwaltungsgerichts denn auch nicht zur Ausübung des 

Selbsteintrittsrechts der Schweiz (vgl. etwa Urteil des BVGer F-1479/2021 

vom 13. April 2021 E. 7.2). Auf eine inhaltliche Auseinandersetzung mit 

D-4897/2022 

Seite 17 

den allgemeinen Ausführungen in den in der Beschwerde zitierten Berich-

ten der SFH kann daher verzichtet werden. 

11.7 Nach dem Gesagten ist die Überstellung nach Italien unter Beachtung 

der massgeblichen völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig zu erken-

nen, womit keine zwingenden Gründe für einen Selbsteintritt auf das Asyl-

gesuch der Beschwerdeführerinnen in Anwendung der Ermessensklausel 

gemäss Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO ersichtlich sind. 

11.8 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei 

der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über 

einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Seit der Kognitions-

beschränkung durch die Asylgesetzrevision vom 1. Februar 2014 (Strei-

chung der Angemessenheitskontrolle des Bundesverwaltungsgerichts ge-

mäss aArt. 106 Abs. 1 Bst. c AsylG) überprüft das Gericht den vor-

instanzlichen Verzicht der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 nicht 

mehr auf Angemessenheit hin; das Gericht beschränkt seine Beurteilung 

nunmehr im Wesentlichen darauf, ob das SEM den Sachverhalt diesbe-

züglich korrekt und vollständig erhoben, allen wesentlichen Umständen 

Rechnung getragen und seinen Ermessensspielraum genutzt hat (vgl. 

Art. 106 Abs. 1 Bst. a und b AsylG). Die angefochtene Verfügung ist unter 

diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden. Das Gericht enthält sich deshalb 

in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen. 

11.9 Somit bleibt Italien der für die Behandlung der Asylgesuche der Be-

schwerdeführerinnen zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO. 

12.  

Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf die Asylgesuche der Beschwerdeführerinnen nicht eingetreten. 

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde als offensichtlich unbegründet ab-

zuweisen und die Verfügung der Vorinstanz zu bestätigen. 

13.  

Mit dem vorliegenden Urteil ist das Beschwerdeverfahren abgeschlossen, 

weshalb sich der Antrag auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung als ge-

genstandslos erweist.

D-4897/2022 

Seite 18 

14.  

14.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ge-

mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG ist – unbesehen der geltend gemachten Bedürf-

tigkeit – abzuweisen, da sich die Begehren – entsprechend den vorstehen-

den Erwägungen – als aussichtlos erwiesen haben. 

14.2 Die Behandlung des Gesuchs um Verzicht auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses erübrigt sich mit dem vorliegend abschliessenden Ur-

teil in der Sache. 

14.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwer-

deführerinnen aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE; SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-4897/2022 

Seite 19 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführerinnen 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns-

ten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Chiara Piras Kathrin Rohrer 

 

 

Versand: