# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c9ca39a9-2c76-5d91-b9b5-a85750fe0605
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-12-31
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht Praxis des Verwaltungsgerichts (PVG) 31.12.2021 PVG 2021 1
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_006_PVG-2021-1_2021-12-31.pdf

## Full Text

1/1  Sozialversicherung  PVG 2021

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Sozialversicherung 1
Assicuranza sociala 
Assicurazioni sociali
Invalidenversicherung. Befristung einer Invalidenrente in- 
folge rein familiär bedingter Reduktion des Arbeitspens- 
ums durch Geburt eines Kindes nach Inkrafttreten von 
Art. 27bis Abs. 2 und 3 IVV (in der vom 1. Januar 2018 bis 
am 31. Dezember 2021 gültigen Fassung).
– Rekapitulation der ergangenen Rechtsprechung, wo- 

nach bei Di Trizio-ähnlichen Ausgangslagen auf eine 
Rentenrevision oder im Rahmen einer erstmaligen Ren- 
tenzusprache auf eine Abstufung oder Befristung zu ver- 
zichten ist, soweit rein familiär bedingte Gründe dazu 
führen würden (E.3.3 und E.3.5).

– Infolge des in Art. 27bis Abs. 2 und 3 IVV (in der vom 1. Ja- 
nuar 2018 bis zum 31. Dezember 2021 gültigen Fassung) 
nun vorgesehenen, die EGMR-Rechtsprechung berück- 
sichtigenden Berechnungsmodells für die gemischte 
Methode betreffend teilerwerbstätige Versicherte (mit 
Aufgabenbereich) kann die Geburt eines Kindes nach 
Inkrafttreten dieser Bestimmungen wieder einen Rück- 
kommenstitel im Sinne von Art. 17 ATSG darstellen 
(E.3.4 ff.).

Assicurazione invalidità. Limitazione temporale di una 
rendita d‘invalidità in seguito a una riduzione del carico di 
lavoro dovuto puramente a motivi familiari (nascita di un 
figlio) dopo l‘entrata in vigore dell‘art. 27bis cpv. 2 e 3 OAI 
(nella versione in vigore dal 1° gennaio 2018 al 31 dicembre 
2021).
– Ricapitolazione della giurisprudenza secondo cui in situ- 

azioni di partenza simili al caso Di Trizio si rinuncia a una 
revisione della rendita o, in occasione di un‘assegnazio- 
ne di una rendita per la prima volta, a una graduazione o 
limitazione temporale, per quanto ciò fosse dovuto a 
motivi puramente familiari (consid. 3.3 e 3.5).

– A seguito del modello di calcolo per il metodo misto in- 
erente agli assicurati esercitanti un‘attività lavorativa 
a tempo parziale (con mansioni consuete) ora previsto 
all‘art. 27bis cpv. 2 e 3 OAI (nella versione in vigore dal

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1° gennaio 2018 fino al 31 dicembre 2021) tenente con- 
to della giurisprudenza della Corte EDU, la nascita di un 
figlio dopo l‘entrata in vigore di queste disposizioni può 
ricostituire un motivo di revoca ai sensi dell‘art. 17 LPGA 
(consid. 3.4 segg).

Erwägungen:
3. Vorliegend geht es um eine erstmalige rückwirkende 

Festsetzung einer Invalidenrente. Der angefochtenen Verfügung 
vom 19. Dezember 2019 ist zu entnehmen, dass der Grund für die 
Befristung der ab dem 1. Januar 2018 zugesprochenen ganzen 
Invalidenrente per 31. Mai 2018 darin liegt, dass die Beschwerde- 
führerin am 30. Mai 2018 eine Tochter gebar. Gestützt darauf geht 
die Beschwerdegegnerin davon aus, dass die Beschwerdeführerin 
ab diesem Zeitpunkt nur noch zu 20 % ausserhaus tätig wäre, was 
gestützt auf eine neue Invaliditätsgradbemessung zur Aufhebung 
der ab dem 1. Januar 2018 zugesprochenen ganzen Invalidenrente 
führt.

3.1. Im Sinne eines Grundsatzentscheides ist daher vorfra- 
geweise zu klären, ob diese Vorgehensweise rechtens ist oder aber 
eine Aufhebung der Invalidenrente allein aus familiären Gründen 
(Geburt der Tochter am 30. Mai 2018) und den damit verbundenen 
erwerblichen Auswirkungen für die Beschwerdeführerin aufgrund 
der Betreuungsaufgaben entfallen muss (vgl. dazu die entspre- 
chende bundesgerichtliche Rechtsprechung: BGE 144 I 103, 144 I
21, 143 I 60 und 143 I 50 bzw. Urteil des EGMR vom 2. Februar 2016 
[Verfahren 7186/09; Di Trizio gegen Schweiz]). Aus diesem Grund 
wurde das vorliegende Urteil in Nachachtung von Art. 43 Abs. 2 
lit. c VRG in Fünferbesetzung gefällt.

3.2. Bei einer erstmaligen rückwirkenden Festsetzung einer 
Invalidenrente ist den bereits eingetretenen Tatsachenänderun- 
gen, die zu einer Erhöhung, Herabsetzung oder Aufhebung führen, 
Rechnung zu tragen. Auch solche rückwirkend (abgestuften und/ 
oder befristeten) Rentenzusprachen unterliegen nach der bundes- 
gerichtlichen Rechtsprechung dem Revisionsrecht gemäss Art. 17 
ATSG (siehe BGE 145 V 209 E.5.3, 125 V 413 E.2d; Urteil des Bundes- 
gerichts 8C_759/2019 vom 22. Januar 2020 E.2.2; Meyer/reichMuth, 
in: Stauffer/cardinaux [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts 
zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invaliden- 
versicherung [IVG], 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 30-31 
Rz. 11). Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder 
eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes we-

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gen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her- 
abgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Ren- 
tenrevision gibt jede (wesentliche) Änderung in den tatsächlichen 
Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den In- 
validitätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die 
Invalidenrente ist daher nicht nur bei einer wesentlichen Änderung 
des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn 
sich die erwerblichen Auswirkungen eines an sich gleich geblie- 
benen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben oder eine 
andere Art der Bemessung der Invalidität zur Anwendung gelangt 
(siehe BGE 144 I 103 E.2.1, 130 V 343 E.3.5; Urteile des Bundes- 
gerichts 8C_211/2020 vom 23. September 2020 E.2.1, 9C_297/2016 
vom 7. April 2017 E.2.1, nicht publ. in: BGE 143 V 77, aber in: SVR 
2017 IV Nr. 51 S. 152; Meyer/reichMuth, in: Stauffer/cardinaux [Hrsg.], 
a.a.O., Art. 30-31 Rz. 21 ff.). Demgegenüber ist die lediglich unter- 
schiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen 
Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (siehe 
BGE 144 I 103 E.2.1, 141 V 9 E.2.3 m.H.; Meyer/reichMuth, in: Stauffer/ 
cardinaux [Hrsg.], a.a.O., Art. 30-31 Rz. 51 ff.).

3.3. Dem Urteil des EGMR vom 2. Februar 2016 (Verfahren 
7186/09; Di Trizio gegen Schweiz) lag der Fall einer Versicherten 
zugrunde, welcher unter dem Status einer Vollerwerbstätigen ein 
Anspruch auf eine Invalidenrente zukam. Sie verlor diesen allein 
aufgrund des Umstandes, dass wegen der Geburt ihrer Kinder und 
der damit einhergehenden Reduktion des Erwerbspensums ein Re- 
visionsgrund vorlag und die Versicherte neu als Teilerwerbstätige 
mit einem Aufgabenbereich qualifiziert wurde. Bei der folgenden, 
durch den Revisionsgrund des familiär bedingten Statuswech- 
sels  ermöglichten  umfassenden  Prüfung  des  Rentenanspruchs 
in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht ohne Bindung an frühere 
Beurteilungen, kam neu für die Berechnung des Invaliditätsgrades 
nicht mehr die Berechnungsmethode des Einkommensvergleichs 
(Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG), sondern dieje- 
nige der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) zur Anwendung. 
Der EGMR betrachtete es als Verletzung von Art. 14 EMRK (Diskrimi- 
nierungsverbot) i.V.m. Art. 8 EMRK (Recht auf Achtung des Privat- 
und Familienlebens), dass die sich aus dem Statuswechsel erge- 
bende Änderung in den Grundlagen der Invaliditätsbemessung zur 
Aufhebung der Invalidenrente führte und sich damit zu Ungunsten 
der Versicherten auswirkte (vgl. BGE 144 I 28 E.4.2.1 und E.4.4, 143 
V 77 E.3.2.1, 143 I 50 E.3.1 ff.; Urteil des Bundesgerichts 8C_429/2017 
vom 20. Dezember 2017 E.4.2.2, nicht. publ. in: BGE 144 I 28).

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Daraufhin passte das Bundesgericht seine Rechtspre- 
chung an. In BGE 143 I 50 E.4.1 und 4.2 sowie BGE 143 I 60 E.3.3.4 
entschied es, dass zwecks Herstellung eines konventionskonfor- 
men Zustandes in derartigen Konstellationen, in welchen allein 
familiäre Gründe (die Geburt von Kindern und die damit einher- 
gehende Reduktion des Erwerbspensums) für einen Statuswech- 
sel von vollerwerbstätig zu teilerwerbstätig mit Aufgabenbereich 
sprächen, fortan auf die (alleine darauf beruhende) revisionswei- 
se Aufhebung oder Herabsetzung der Invalidenrente im Sinne von 
Art. 17 Abs. 1 ATSG zu verzichten sei (vgl. auch IV-Rundschrei- 
ben Nr. 355 des Bundesamtes für Sozialversicherungen [BSV] 
vom 31. Oktober 2016, aktualisiert per 26. Mai 2017 und aufge- 
hoben per 1. Januar 2018 gemäss IV-Rundschreiben Nr. 372 des 
BSV vom 9. Januar 2018). Weiter entschied das Bundesgericht, 
dass auch diejenigen Fälle von den vorgenannten EMRK-Garanti- 
en als erfasst gelten, bei denen rein familiär bedingt (Reduktion 
des Betreuungsaufwandes) ein Wechsel von nicht erwerbstätig 
zu teilerwerbstätig vorgenommen werde (BGE 144 I 21 E.4.5). Hin- 
gegen wurde der Wechsel von teilerwerbstätig zu nicht erwerbs- 
tätig vom Bundesgericht namentlich mangels Erschwernissen 
hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familienleben und Wahrneh- 
mung beruflicher Interessen nicht als vom Schutzbereich von 
Art. 14 EMRK i.V.m. Art. 8 EMRK erfasst beurteilt (BGE 144 I 28 
E.4.6). Schliesslich hielt das Bundesgericht fest, dass auf eine re- 
visionsweise Aufhebung bzw. Herabsetzung der Invalidenrente 
in den Fällen zu verzichten sei, in denen eine Di Trizio-ähnliche 
Ausgangslage vorliegt, d.h. wenn es um eine Rentenrevision oder 
eine erstmalige Rentenzusprache mit gleichzeitiger Abstufung 
oder Befristung der Rente gehe und wenn kumulativ ein familiär 
bedingter Grund (Betreuungspflichten gegenüber minderjährigen 
Kindern) für die Reduktion der Arbeitszeit gegeben ist (vgl. Urteil 
des Bundesgerichts 9C_233/2017 vom 19. Dezember 2017 E.3.3.2
m.H.a. BGE 143 I 50 E.4.4, 143 V 77 E.3.2.2 und 144 I 21 E.4.2 sowie
Urteile des Bundesgerichts 9C_553/2017 vom 18. Dezember 2017
E.5.1 f. und 9C_525/2016 vom 15. März 2017 E.4.2.2; siehe zu- 
dem IV-Rundschreiben Nr. 355 des BSV vom 31. Oktober 2016, 
aktualisiert per 26. Mai 2017 und aufgehoben per 1. Januar 2018 
gemäss IV-Rundschreiben Nr. 372 des BSV vom 9. Januar 2018 
sowie fleiSchanderl, Anwendung der sog. gemischten Invaliditäts- 
bemessungsmethode nach dem Urteil des EGMR Nr. 7186/09 vom
2. Februar 2016 in Sachen Di Trizio gegen die Schweiz, SZS/RSAS 
62/2018, S. 513 f.).

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Eine unter die bundesgerichtliche Di Trizio-Rechtspre- 
chung fallende Konstellation läge vorliegend also vor, zumal die 
Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente im Rahmen einer erstma- 
ligen Rentenzusprache (…) allein aufgrund des Umstandes, dass 
die Beschwerdeführerin (im Gesundheitsfalle) eine familiär beding- 
te Reduktion des Arbeitspensums vorgenommen hätte, befristet 
werden soll, wobei (…) die gemischte Methode für die Bemessung 
des Invaliditätsgrades zur Anwendung käme.

3.4. Vorliegend stellt sich somit die Frage, ob die Pensums- 
reduktion aufgrund des mit der Geburt der Tochter am 30. Mai 2018 
einhergehenden Betreuungsaufwands tatsächlich ein anerkannter 
Rückkommenstitel im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG darstellt, so 
dass die mit Verfügung vom 19. Dezember 2019 ab dem 1. Januar 
2018 zugesprochene ganze Rente per 31. Mai 2018 gestützt darauf 
aufgehoben werden durfte.

3.5. Das streitberufene Gericht hatte bisher einzig zu vor 
Ende 2017, d.h. noch unter der alten Berechnungsmethode gemäss 
Art. 28a Abs. 3 IVG, eingetretene Statuswechsel aus familiären 
Gründen Stellung zu beziehen. Mit Urteil vom 29. Januar 2020 im 
Verfahren S 18 107 entschied es, dass im Rahmen einer erstmali- 
gen rückwirkenden Rentenzusprache die vor dem 1. Januar 2018 
erfolgte Geburt eines Kindes mit entsprechenden Betreuungsauf- 
gaben kein zu berücksichtigender Revisionsgrund darstellt und die 
Beschwerdegegnerin somit zu keiner Herabsetzung der für den 
vorherigen Zeitraum (als Vollerwerbstätige in Anwendung der all- 
gemeinen Methode des Einkommensvergleichs) zugesprochenen 
ganzen Invalidenrente in Anwendung der (neuen, ab 1. Januar 2018 
in Kraft stehenden) gemischten Methode auf eine Viertelsrente 
berechtigt ist (siehe Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons 
Graubünden [VGU] S 18 107 vom 29. Januar 2020 E.3.4 und 4; vgl.
auch VGU S 19 63 vom 14. Juli 2020 E.4.3).

3.6. Im Nachgang zur vorstehend erwähnten bundesge- 
richtlichen Rechtsprechung zum Di Trizio-Urteil (siehe vorstehen- 
de Erwägung 3.3) beschloss der Bundesrat am 1. Dezember 2017 
eine Änderung der IVV. Dabei wurden insbesondere die Absätze 2 
bis 4 in Art. 27bis IVV eingefügt, um ein die EGMR-Rechtsprechung 
berücksichtigendes Berechnungsmodell für die gemischte Metho- 
de betreffend teilerwerbstätige Versicherte (mit Aufgabenbereich) 
festzulegen (vgl. erläuternder Bericht des BSV zur Vernehmlassung 
der Änderung der Verordnung vom 7. Januar 1961 über die Inva- 
lidenversicherung, Invaliditätsbemessung für teilerwerbstätige 
Versicherte [gemischte Methode], S. 4 ff. und 10 ff.). Nach dem re-

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vidierten Art. 27bis Abs. 2 bis 4 IVV wird für die Bestimmung des In- 
validitätsgrads von Teilerwerbstätigen, die sich zusätzlich im Auf- 

gabenbereich nach Art. 7 Abs. 2 IVG und Art. 27 IVV betätigen, zwar 
wie bisher der entsprechend dem Status (Anteil Erwerbsbereich/ 
Anteil Aufgabenbereich) gewichtete Invaliditätsgrad in Bezug auf 

die Erwerbstätigkeit und in Bezug auf die Betätigung im Aufgaben- 
bereich addiert. Geändert wurde jedoch die Berechnung des Inva- 
liditätsgrads in Bezug auf die Erwerbstätigkeit vor der Gewichtung. 

Während bisher das Valideneinkommen lediglich in dem Umfang 
herangezogen wurde, in welchem die versicherte Person tatsäch- 

lich noch tätig wäre (also dem Anteil Erwerbsbereich; vgl. BGE 137 
V 334 E.4.1, 131 V 51 E.5.1.1 und 125 V 146 E.2b), wird gemäss neu- 
em Art. 27bis Abs. 3 lit. a IVV das Erwerbseinkommen, das die ver- 

sicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, 
wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätig- 

keit hochgerechnet. Sodann wird die prozentuale Erwerbseinbusse 
anhand des Beschäftigungsgrades, den die Person hätte, wenn sie 
nicht invalid geworden wäre, gewichtet (Art. 27bis Abs. 3 lit. b IVV). 

Das BSV hielt gestützt darauf nunmehr im IV-Rundschrei-
ben Nr. 372 vom 9. Januar 2018 fest, zukünftig gelte der Wechsel 
des Status einer versicherten Person wieder als möglicher Revisi- 
onsgrund, weil mit dem neuen Berechnungsmodell Teilerwerbstä- 
tige mit Aufgabenbereich nun grundsätzlich nicht mehr schlechter 
gestellt würden.

Während die neue Berechnungsmethode in der Lehre zum 
Teil begrüsst wird (vgl. z.B. konkret zur Wechselwirkung: leuzinger, 
Invaliditätsbemessung für teilerwerbstätige Versicherte mit Auf- 
gabenbereich, in: KieSer/lendferS [Hrsg.], Jahrbuch zum Sozialver- 
sicherungsrecht 2017, Zürich/St. Gallen 2017, S. 155 ff. S. 181 ff.), 
treten andere der Anwendbarkeit der (neuen) gemischten Methode 
auf nach dem 1. Januar 2018 erfolgte (anspruchsrelevante) Sach- 
verhaltsänderungen im Sinne der Geburt eines Kindes und die 
einzig daraus folgende hypothetische Teilerwerbstätigkeit kritisch 
gegenüber (vgl. dazu renKer, Die neue «gemischte Methode» der 
Invaliditätsbemessung, in: Jusletter vom 22. Januar 2018, S. 18 f.). 
Dabei wird bemängelt, dass auch die neue gemischte Methode ten- 
denziell zu einer Schlechterstellung der versicherten Person führt, 
wenn es zu einem familiär bedingten Statuswechsel kommt. Auch 
der vorliegende Fall zeigt auf, dass die für den Gesundheitsfall an- 
genommene tiefere Teilerwerbstätigkeit aus rein familiären Grün- 
den zu einer Rentenaufhebung und somit zu einer Schlechterstel- 
lung führen kann. Ob dies jedoch generell so ist, so dass von einer

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EMRK-widrigen indirekten Diskriminierung ausgegangen werden 
müsste, kann mangels empirischer Studien bzw. einer genügend 
hohen Anzahl von Beispielfällen nicht abschliessend beurteilt wer- 
den.

3.7. Der EGMR scheint in seinem Di Trizio-Urteil aber nicht 
darauf geschlossen zu haben, dass jede Berechnungsmethode auf- 
grund eines familiär bedingten Statuswechsels von «voll- zu tei- 
lerwerbstätig», die zu einer Reduktion bzw. einer Aufhebung des 
Rentenanspruchs führen kann, eine EMRK-widrige Diskriminierung 
darstellt. Vielmehr wies er darauf hin, dass alternative Berech- 
nungsmethoden («d‘une méthode plus favorable») denkbar seien, 
die die Wahl der Teilzeitarbeit von Frauen nach der Geburt eines 
Kindes besser berücksichtigten, und dass es somit möglich wäre, 
das Ziel der Geschlechtergleichstellung zu verfolgen, ohne das Ziel 
der Invaliditätsversicherung zu gefährden (siehe Urteil des EGMR 
vom 2. Februar 2016 [Verfahren 7186/09; Di Trizio gegen Schweiz]
§ 100 f.; vgl. auch BGE 144 I 28 E.4.4 f.).

Mit dem neuen Berechnungsmodell gemäss Art. 27bis Abs. 2 
und 3 IVV (in Kraft seit 1. Januar 2018) wird der Invaliditätsgrad im 
Erwerbsbereich für Teil- wie auch Vollerwerbstätige gleich berech- 
net. Im Aufgabenbereich erfolgte bereits bisher keine Unterschei- 
dung bei der Berechnung zwischen Teilerwerbstätigen und Nicht- 
erwerbstätigen. Damit fällt insbesondere die an der bisherigen 
gemischten Methode kritisierte doppelte Gewichtung der teilzeitli- 
chen Erwerbstätigkeit weg (siehe Urteil des EGMR vom 2. Februar 
2016 [Verfahren 7186/09; Di Trizio gegen Schweiz] § 98). Die neue 
Berechnungsmethode beinhaltet weder in ihren Einzelberechnun- 
gen (Einkommensvergleich für den Anteil Erwerb und Betätigungs- 
vergleich für den Anteil Aufgabenbereich) noch in der Addition der 
Teilinvaliditätsgrade eine Ungleichbehandlung zu «Vollerwerbstä- 
tigen» bzw. «Nichterwerbstätigen» (vgl. nunmehr das zur Publikati- 
on vorgesehene Urteil des Bundesgerichts 9C_82/2020 vom 27. Ok- 
tober 2020 E.6.1). Sie scheint daher dem vom EGMR festgehaltenen 
Ziel der Geschlechtergleichstellung zuträglich und trägt zudem 
den eingeschränkten Ressourcen der Invalidenversicherung Rech- 
nung, wobei eine abschliessende Beurteilung mangels empirischer 
Werte nicht vorgenommen werden kann. Immerhin wird auf die 
vom EGMR gerügte doppelte Berücksichtigung der erwerblichen 
Teilzeitlichkeit verzichtet. Hinzuzufügen bleibt, dass es den Kinds- 
eltern nach der Geburt ihres Kindes selbstredend freisteht, wie sie 
die Kinderbetreuung untereinander regeln und/oder ob sie eine 
Dritthilfe (Kindertagesstätte, Tagesmutter, Grosseltern etc.) in An-

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spruch nehmen wollen. Zu bedenken ist zudem, dass bei einer Wei- 
tergeltung der Di Trizio-Rechtsprechung bei zunächst gesunden 
Personen, die ihren Status aus familiären Gründen von voll- zu tei- 
lerwerbstätig wechselten, bei einem späteren Eintritt der Invalidität 
der Invaliditätsgrad nach der gemischten Methode berechnet wür- 
de, wohingegen bei (hypothetisch) Vollerwerbstätigen mit einem 
Statuswechsel (bzw. in ähnlich gelagerten Fällen) bei bereits be- 
stehender Invalidität die bisherige Berechnungsmethode (Einkom- 
mensvergleich) beibehalten würde. Zudem könnte sich bei einer 
Fortführung der bisherigen Rechtsprechung in Di Trizio-ähnlichen 
Fällen eine neue Ungleichbehandlung daraus ergeben, dass der 
Statuswechsel von Voll- zu Teilerwerbstätigkeit als Revisionsgrund 
anders zu behandeln wäre als derjenige von Voll- zu Nichterwerbs- 
tätigkeit, da bei Letzterer im Rahmen der spezifischen Methode die 
Invalidität einzig danach ermittelt wird, in welchem Ausmass die 
Person unfähig ist, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a 
Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 3 ATSG) und es dabei zum Vornherein 
an den vom EGMR kritisierten Erschwernissen bezüglich Verein- 
barkeit von Familien- und Berufsleben fehlt (vgl. nunmehr das zur 
Publikation vorgesehene Urteil des Bundesgerichts 9C_82/2020 
vom 27. Oktober 2020 E.6.3). Schliesslich ist darauf hinzuweisen, 
dass der EGMR in seinem Urteil vom 2. Februar 2016 selbst aner- 
kannt hatte, dass die (verhältnismässig) unterschiedliche Ausge- 
staltung der Invalidenleistungen je nach Status der versicherten 
Person dem Zweck bzw. Ziel der Invalidenversicherung – Ersatz für 
den gesundheitsbedingten Erwerbsausfall und/oder die gesund- 
heitsbedingte Leistungseinbusse im bisherigen Aufgabenbereich 
zu bieten – dient (vgl. für den Erwerbsausfallversicherungszweck 
der Invalidenversicherung: BGE 135 V 58 E.3.4.1 und 126 V 461 E.2). 
Dementsprechend stellte sich der EGMR auch nicht per se gegen 
eine differenzierte Ausgestaltung der für sich konventionskonfor- 
men Kombination der Einzelberechnungen in Anwendung des Ein- 
kommens- und Betätigungsvergleichs, soweit die unterschiedliche 
Ausgestaltung sich noch als verhältnismässig erweist. Dass die 
Einschränkungen im Aufgabenbereich häufiger tiefer liegen als im 
Erwerbsbereich liegt darüber hinaus in der Natur der Sache, weil 
für den Aufgabenbereich bei der Bemessung der Invalidität stets 
mittels Abklärung an Ort und Stelle auf den konkreten Einzelfall 
abgestellt wird, während im Erwerbsbereich abstrakt auf den hy- 
pothetischen, ausgeglichenen Arbeitsmarkt abgestellt wird. Somit 
vermag auch der Umstand, dass bei einem Statuswechsel hin zur 
gemischten Methode im Revisionsfall ein ungünstigeres Resultat

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für die versicherte Person resultieren kann, nichts am vorstehend 
Dargelegten zu ändern (vgl. Urteil des EGMR vom 2. Februar 2016 
[Verfahren 7186/09; Di Trizio gegen Schweiz] § 92 ff.; siehe nun- 
mehr auch das zur Publikation vorgesehene Urteil des Bundesge- 
richts 9C_82/2020 vom 27. Oktober 2020 E.6.1 f.).

3.8. Das streitberufene Gericht kommt aufgrund der aktu- 
ell bekannten Umstände somit zum Schluss, dass nach der kon- 
ventionskonformen Anpassung der Berechnungsmethode infolge 
des per 1. Januar 2018 in Kraft getretenen, revidierten Art. 27bis IVV 
kein Anlass mehr dafür besteht, dem EGMR-Urteil Di Trizio gleich 
oder ähnlich gelagerte Fälle generell von einer Revision auszuneh- 
men (vgl. dazu auch Urteile des Verwaltungsgericht des Kantons 
Bern 200 20 65 IV vom 14. April 2020 E.3 und 200 19 687 IV vom
5. Februar 2020 E.3.2 f.; Urteil der sozialversicherungsrechtlichen 
Abteilung des Kantonsgerichts Basel-Landschaft 720 19 129/224 
vom 5. September 2019 E.7 f. und Urteil des Versicherungsgerichts 
des Kantons Aargau VBE.2018.385 vom 12. Dezember 2018 E.2.7 ff, 
auszugweise publiziert in: AGVE 2018 3; siehe nunmehr auch das 
zur Publikation vorgesehene Urteil des Bundesgerichts 9C_82/2020 
vom 27. Oktober 2020 E.3.1 ff.). (…).
S 20 19 Urteil vom 6. Oktober 2020