# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9a668611-c516-5c41-b3d1-f906f4ff82e7
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-02-18
**Language:** de
**Title:** Direkte Bundessteuer 2007 und Staats- und Gemeindesteuern 2007
**Docket/Reference:** DB.2010.205
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_DB_2010_205_uc.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

1 DB.2010.205 
1 ST.2010.286 

Entscheid 

18. Februar 2011 

Mitwirkend: 

Abteilungspräsident Anton Tobler, Steuerrichter Michael Ochsner, Steuerrichterin Rhea 
Schircks Denzler und Gerichtsschreiberin Nadja Obreschkow 

A,    

vertreten durch B,  

In Sachen 

gegen 

Beschwerdeführerin/ 
Rekurrentin,  

1.  S c h w e i z e r i s c h e   E i d g e n o s s e n s c h a f t ,    

2.  S t a a t   Z ü r i c h ,    

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Bau, 
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Beschwerdegegnerin,  

Rekursgegner,  

Direkte Bundessteuer 2007 und Staats- und Gemeindesteuern 2007 

betreffend 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 2 - 

hat sich ergeben: 

A. A (nachfolgend die Pflichtige) ist sowohl in der Schweiz als auch internatio-

nal  als  Künstlerin  tätig.  In  der  Steuererklärung  2007  deklarierte  sie  ein  steuerbares 

Einkommen im Kanton Zürich bzw. in der Schweiz von Fr. 183'400.- (Staats- und Ge-

meindesteuern) bzw. Fr. 184'592.- (direkte Bundessteuer). Zusätzlich gab sie Beträge 

von Fr. 124'393.- respektive Fr. 125'163.- an steuerbaren Einkünften im Ausland an. 

Der  Steuerkommissär  unterbreitete  der  Pflichtigen  am  19. Februar  2010  für 

die Staats- und Gemeindesteuern 2007 einen Einschätzungsvorschlag mit einem steu-

erbaren Einkommen von Fr. 247'700.- (satzbestimmend Fr. 339'000.-) und einem steu-

erbaren  Vermögen  von  Fr. 83'000.-.  Mit  Veranlagungsvorschlag  für  die  direkte  Bun-

dessteuer  2007  gleichen  Datums  setzte  der  Steuerkommissär  das  steuerbare 

Einkommen  auf  Fr. 249'100.-  fest  (satzbestimmend  Fr. 340'900.-).  Die  Pflichtige  liess 

mit Schreiben vom 16. März 2010 vorbringen, die Beiträge für die AHV und die Säule 

3a  seien  vollumfänglich  vom  Erwerbseinkommen,  das  in  der  Schweiz  erzielt  worden 

sei,  abzuziehen;  eine  teilweise  Verlegung  auf  das  Auslandseinkommen  sei  nicht  ge-

rechtfertigt. Sie beantragte daher, das steuerbare Einkommen  auf Fr. 218'300.- (satz-

bestimmend Fr. 339'000.-) festzulegen. 

Mit  Entscheid  bzw.  Hinweis  vom  22. März  2010  wurde  die  Pflichtige  für  die 

Steuerperiode 2007 gemäss den Vorschlägen eingeschätzt bzw. veranlagt. Die formel-

le  Eröffnung  der  Veranlagungsverfügung  für  die  direkte  Bundessteuer  erfolgte  mit 

Steuerrechnung vom 12. April 2010. 

B.  Mit  Einsprachen  vom  16.  April  2010  brachte  die  Pflichtige  insbesondere 

vor,  die  Abzüge  für  die  AHV-Beiträge  und  die  Beiträge  an  die  Säule  3a  seien  aus-

schliesslich  vom  in  der  Schweiz  erzielten  Einkommen  abzuziehen.  Das  kantonale 

Steueramt wies die Einsprachen mit Entscheiden vom 11. August 2010 ab. 

C. Mit Eingaben vom 13./16. September 2010 liess die Pflichtige Beschwerde 

bzw.  Rekurs  erheben  und  beantragen,  das  steuerbare  Einkommen  auf  Fr. 156'500.- 

und  das  satzbestimmende  Einkommen  auf  Fr. 339'000.-  (Staats-  und  Gemeindesteu-

1 DB.2010.205 
1 ST.2010.286 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 3 - 

ern) respektive auf Fr. 158'400.- und Fr. 340'900.- (direkte Bundessteuer) festzusetzen; 

unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Sie stellte sich nun im Wesentlichen auf den 

Standpunkt, es seien auch die Gewinnungskosten vollumfänglich von der Schweiz  zu 

tragen und es sei das im Ausland erzielte Bruttoeinkommen von der Besteuerung aus-

zunehmen. Mit Beschwerde-/Rekursantwort vom 5. Oktober 2010 beantragte das kan-

tonale  Steueramt  Abweisung  der  Rechtsmittel  unter  Kostenfolge.  Die  Eidgenössische 

Steuerverwaltung  verwies  mit  Eingabe  vom  12./15. November  2010  auf  die  Rekurs-/ 

Beschwerdeantwort des kantonalen Steueramts. 

Die Kammer zieht in Erwägung: 

1.  Die  bisherigen  Steuerrekurskommissionen  sind  per  1.  Januar  2011  zum 

Steuerrekursgericht mutiert (vgl. §§ 112 - 118a und §§ 147 - 153 des Steuergesetzes 

in den Fassungen vom 8. Juni 1997 bzw. 13. September 2010). Die vorliegenden, noch 

bei der Steuerrekurskommission I eingegangenen Geschäfte sind als Folge dieser Än-

derung  der  1. Abteilung  des  Steuerrekursgerichts  zugeteilt  worden.  Sie  werden  unter 

den bisherigen Geschäftsnummern weitergeführt. 

2. a) Anders als noch im Einspracheverfahren, wo es der Pflichtigen bloss um 

die Abzugsfähigkeit der AHV-Beiträge als Selbstständigerwerbende bzw. der geleiste-

ten Beiträge an die Säule 3a ging, verlangt sie nun im vorliegenden Verfahren die Fest-

legung des steuerbaren Einkommens auf Fr. 156'500.- (Staats- und Gemeindesteuern) 

bzw.  Fr. 158'400.-  (direkte  Bundessteuer).  Diese  Beträge  ergeben  sich,  wenn  vom 

satzbestimmenden  (Netto-)Einkommen  gemäss  Einspracheentscheiden  die  Einkünfte 

aus  selbstständiger  Erwerbstätigkeit  im  Ausland  von  brutto  Fr. 182'552.-  abgezogen 

werden.  Die  Vorinstanz  hat  demgegenüber  bei  den  im  Ausland  erzielten  Einkünften 

insbesondere den diesen direkt und indirekt zuordenbaren Aufwand berücksichtigt und 

abgezogen.  Somit  ist  umstritten,  wie  das  steuerbare  Einkommen  zu  bemessen  ist, 

nicht  jedoch  die  Höhe  des  (weltweit  erzielten)  satzbestimmenden  Einkommens  von 

Fr. 339‘000.- bzw. Fr. 340‘900.-. 

1 DB.2010.205 
1 ST.2010.286 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 4 - 

b)  Die  Pflichtige  hat  unbestrittenermassen  steuerrechtlichen  Wohnsitz  in  C, 

weshalb  sie  aufgrund  persönlicher  Zugehörigkeit  in  der  Schweiz  grundsätzlich  unbe-

schränkt  steuerpflichtig  ist  (Art. 3  des  Bundesgesetzes  über  die direkte Bundessteuer 

vom 14. Dezember 1990 [DBG]; § 3 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 [StG]). Al-

lerdings  hat  sie  im  relevanten  Zeitraum  als  Künstlerin  auch  in  Deutschland,  Finnland 

und  Oesterreich  Auftritte  wahrgenommen.  Die  Einkünfte  daraus  stammen  aus  selbst-

ständiger Erwerbstätigkeit.  

Hat  ein  Künstler  oder  Sportler  seinen  steuerrechtlichen  Wohnsitz  in  der 

Schweiz,  so  sind  Einkünfte  aus  seiner  Tätigkeit  in  der  Schweiz  steuerpflichtig,  auch 

wenn sie im Ausland erzielt werden. Ohne Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) be-

steht  deshalb  die  Gefahr  einer  Doppelbesteuerung,  weil  diese  Einkünfte  oft  auch  im 

Staat  besteuert  werden,  wo  der  Auftritt  erfolgt  (i.d.R. Quellensteuer  analog  zu Art.  92 

DBG in der Schweiz; Mäusli-Allenspach/Oertli, Das schweizerische Steuerrecht, 6. A., 

2010, S. 587). Allfällige DBAs beschränken die Steuerhoheit der Schweiz (sog. negati-

ve Wirkung der DBAs, vgl. dazu statt vieler Peter Locher, Einführung in das internatio-

nale Steuerrecht der Schweiz [im Folgenden: internationales Steuerrecht], 3. A., 2005, 

S. 95). 

c) aa) Bei Künstlern ist Art. 17 Abs. 1 des OECD-Musterabkommens auf dem 

Gebiet  der  Steuern  vom  Einkommen  und  vom  Vermögen  von  1992  (im  Folgenden 

OECD-MA) zu beachten, wonach Einkünfte, die eine in einem Vertragsstaat ansässige 

Person als Künstler (z.B. Musiker) aus ihrer im anderen Vertragsstaat persönlich aus-

geübten Tätigkeit bezieht, im anderen Staat besteuert werden "können". Art. 17 Abs. 1 

des DBA mit Deutschland vom 11. August 1971 (SR 0.672.913.62, DBA-D) entspricht 

Art. 17 Abs. 1 OECD-MA (vgl. Locher/Meier/von Siebenthal/Kolb, Doppelbesteuerungs-

abkommen  Schweiz-Deutschland,  Band  7,  B 17.1  Nr. 1).  Dies  gilt  ebenso  für  Art. 17 

Abs. 1  des  DBA  mit  Oesterreich  vom  30. Januar  1974  (SR  0.672.916.31,  in  der  seit 

1. Februar 2007 geltenden Fassung, DBA-A) und Art. 17 Abs. 1 des DBA mit Finnland 

vom  16. Dezember  1991  (SR 0.672.934.51,  DBA-FIN;  vgl.  auch  Martin  Grossmann, 

Die  Besteuerung  des  Künstlers  und  Sportlers  im  internationalen  Verhältnis,  1992, 

S. 137 ff.; ferner Xavier Oberson, Problèmes récents posés par l'imposition des artistes 

et  sportifs  non-résidents,  in:  Locher/Rolli/Spori,  Festschrift  Walter  Ryser,  2005, 

S. 167 ff.).  

1 DB.2010.205 
1 ST.2010.286 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 5 - 

bb) Für die Auslegung der von der Schweiz nach dem Vorbild des OECD-MA 

geschlossenen DBA ist der OECD-Kommentar zu den Artikeln des Musterabkommens 

von  erheblicher  Bedeutung  (BGr,  6. Mai  2007,  2C_276/2007,  E. 5.3,  www.bger.ch, 

unter Hinweis auf den Kommentar zum Musterabkommen auf dem Gebiete der Steu-

ern vom Einkommen und Vermögen, deutsche Übersetzung der von der OECD in eng-

lischer  und  deutscher  Sprache  veröffentlichten  Originalausgabe,  Berlin  1994;  aktuell 

jedoch Model Tax Convention on Income and on Capital, Condensed Version, 17 July 

2008, OECD Committee on Fiscal Affairs [im Folgenden: OECD-Kommentar]). 

d)  Währenddem  Art. 17  OECD-MA  die  (mögliche)  Besteuerung  im  Quellen-

staat  bzw.  "Auftrittsstaat"  regelt,  die  Besteuerung  im  Ansässigkeitsstaat  aber  offen 

lässt, widmen sich Art. 23 A und B OECD-MA der Frage, wie die Vertragsstaaten eine 

Doppelbesteuerung  vermeiden  können.  Vorliegend  geht  es  um  die  Frage,  wie  die  im 

Ausland  erzielten  Einkünfte  zu  bemessen  bzw.  in  welchem  Ausmass  sie  in  der 

Schweiz  von  der  Besteuerung  auszunehmen  sind,  weshalb  es  die  beiden  erwähnten 

Regelungsgebiete genauer zu betrachten und voneinander abzugrenzen gilt. 

3.  a)  aa)  Gemäss  OECD-Kommentar  äussert  sich  Art.  17  Abs. 1  OECD-MA 

nicht  darüber,  wie  die  Einkünfte  zu  bemessen  sind  (OECD-Kommentar  Art. 17  N 10, 

auch zum Folgenden). Es sei Sache der innerstaatlichen Gesetzgebung der Vertrags-

staaten,  den  Umfang  jeglicher  Abzüge  für  Ausgaben  festzulegen.  Innerstaatliche  Ge-

setze  regelten  diesen  Bereich  unterschiedlich.  Einige  Staaten  würden  eine  Quellen-

besteuerung vorsehen, die sich an den Brutto-Einkünften orientiere, die den Künstlern 

und Sportlern  ausgerichtet  werde.  Andere  Staaten  möchten  der  Ansicht  sein,  die  Be-

steuerung des Bruttoeinkommens sei unter gewissen Umständen nicht angebracht und 

wollten den Steuerpflichtigen die Möglichkeit geben, auf der Netto-Grundlage besteuert 

zu werden. Für diese Fälle schlägt das Komitee für Steuerangelegenheiten im revidier-

ten  OECD-Kommentar  eine  Bestimmung  vor,  wonach  –  zusammengefasst  –  der 

Künstler oder Sportler beim "anderen Staat" (d.h. beim Quellenstaat) um Besteuerung 

auf  der  Netto-Grundlage  ersuchen  könne,  wobei  Abzüge gestattet  würden,  die einem 

im "anderen Staat" Ansässigen in vergleichbaren Umständen gewährt würden (vgl. zur 

diesbezüglichen  Änderung  des  OECD-Kommentars  Christiana  Panayi,  Recent  Deve-

lopments  regarding  the  OECD  Model  Convention  and  EC  Law,  European  Taxation 

2007, S. 452 ff., 454; zu den EuGH-Entscheiden Gerritse und Scorpio Konzertproduk-

tionen,  wonach  tendenziell  gewisse  Ausgaben  steuermindernd  geltend  gemacht  wer-

1 DB.2010.205 
1 ST.2010.286 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 6 - 

den können auch Frank Stockmann, in: Vogel/Lehner, Doppelbesteuerungsabkommen 

Kommentar, 5. A., 2008 [DBA-Kommentar], Art. 17 N 67a+b). 

bb)  Die  Schweiz  hat  bisher  in  keinem  der  vorliegend  anwendbaren  DBAs 

(DBA-D, DBA-A, DBA-FIN) eine entsprechende Anpassung von Art. 17 vorgenommen, 

weshalb  nach  wie  vor  gilt,  dass  die  DBAs  die Bemessung  der  im  Nichtansässigkeits-

staat  erzielten  Einkünfte  nicht  vorschreiben  und  das  innerstaatliche  Recht  (der  Quel-

lenstaaten) diesbezüglich massgeblich ist. Auf der anderen Seite ist festzuhalten, dass 

Art. 17 OECD-MA bzw. die gleichlautenden Bestimmungen der relevanten DBAs auch 

den Ansässigkeitsstaat bei der Bestimmung der für die Steuerbefreiung massgeblichen 

Einkünfte nicht einschränken. 

b) aa) Art. 23 A und B OECD-MA überlässt den Vertragsstaaten unterschiedli-

che  Methoden  zur  Vermeidung  der  Doppelbesteuerung:  die  Befreiungsmethode  mit 

Progressionsvorbehalt  oder  die  Anrechungsmethode  (vgl.  dazu  im  Einzelnen  OECD-

Kommentar  Art. 23  A  und  B,  N 13 ff.  bzw.  Klaus  Vogel,  in:  DBA-Kommentar,  Art. 23 

N 1 Ziff. 13 ff.; Stockmann, Art. 17 N 5; Locher, internationales Steuerrecht, S. 88). Die 

beiden Artikel enthalten keine ins Einzelne gehende Regeln über die Berechnung des 

Befreiungs-  oder  Anrechnungsbetrags;  dies  bleibt  dem  entsprechenden  innerstaatli-

chen  Recht  und  der  innerstaatlichen  Praxis  überlassen  (OECD-Kommentar  Art. 23 

N 32).  

bb) Die Schweiz hat sich entsprechend Art. 23 A OECD-MA für die (unbeding-

te) Befreiung mit Progressionsvorbehalt entschieden (vgl. dazu Locher, internationales 

Steuerrecht,  S. 487;  die  einschlägigen  Bestimmungen  finden  sich  in  Art. 23  Abs. 1 

DBA-A,  Art. 24  Abs. 2 Ziff. 1 DBA-D  und  Art. 23 Abs. 2 lit. a in Verbindung mit  Abs. 3 

DBA-FIN).  Art. 23  A  OECD-MA  lautet  folgendermassen:  Bezieht  eine  in  einem  Ver-

tragsstaat ansässige Person Einkünfte oder hat sie Vermögen und können diese Ein-

künfte oder  dieses  Vermögen  nach  diesem  Abkommen  im  anderen  Vertragsstaat  be-

steuert  werden,  so  nimmt  der  erstgenannte  Staat  (…)  diese  Einkünfte  oder  dieses 

Vermögen von der Besteuerung aus (Abs. 1). Einkünfte oder Vermögen einer in einem 

Vertragsstaat  ansässigen  Person,  die  nach  dem  Abkommen  von  der  Besteuerung  in 

diesem Staat auszunehmen sind, können gleichwohl in diesem Staat bei der Festset-

zung  der  Steuer  für  das  übrige  Einkommen  oder  Vermögen  der  Person  einbezogen 

werden (Abs. 3). 

1 DB.2010.205 
1 ST.2010.286 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 7 - 

cc)  Zu  den  Einzelheiten  der  Durchführung  der  Befreiung  bzw.  Freistellung 

äussert  sich  das  Musterabkommen  nicht.  Enthält  das  Abkommen  keine  besondere 

Bestimmung,  so  sind  die  jeweiligen  innerstaatlichen  Rechtsvorschriften  der  Vertrags-

staaten  anzuwenden  (OECD-Kommentar  Art. 23  N 38).  Zum  freizustellenden  Betrag 

hält  der  OECD-Kommentar  fest,  was  folgt  (Art. 23  N 39 ff.  bzw.  Vogel,  Art. 23  N 1 

Ziff. 39 ff.,  auch  zum  Folgenden):  Der Wohnsitzstaat  habe  die  Einkünfte  mit  dem  Be-

trag  freizustellen,  mit  dem  sie  ohne  das  Abkommen  nach  den  innerstaatlichen  Vor-

schriften  seiner  Einkommenssteuer  unterliegen  würden.  Der  Betrag  könne  daher  von 

dem Einkommensbetrag abweichen, der im Quellenstaat nach dessen innerstaatlichem 

Recht  besteuert  werde.  In  der  Regel  bilde  das  gesamte  Reineinkommen,  d.h.  das 

Roheinkommen nach Berücksichtigung der zulässigen Abzüge, die Bemessungsgrund-

lage der Einkommenssteuer. Freizustellen sei also das aus dem Quellenstaat bezoge-

ne  Roheinkommen  abzüglich  aller  darauf  entfallenden  (im  Einzelnen  oder  anteilig  zu 

ermittelnden) Abzüge. Weiter weist der OECD-Kommentar auf Probleme hin, die sich 

daraus  ergeben,  dass  die  meisten  Staaten  in  ihrem  Steuerrecht  zusätzliche  Abzüge 

vom  Gesamteinkommen  oder  bestimmten  Einkünften  zur  Ermittlung  des  zu  versteu-

ernden  Einkommens  vorsehen.  Ein  Vergleich  der  Rechtsvorschriften  und  der  Praxis 

der Mitgliedstaaten der OECD zeige, dass zwischen den Staaten beträchtliche Unter-

schiede  hinsichtlich  des  freizustellenden  Betrags  bestünden.  Zu  welcher  Lösung  ein 

Staat  komme,  hänge  von  grundsätzlichen  Erwägungen  und  vom  Steuersystem  des 

betreffenden  Staates  ab.  Wegen  der  Vielgestaltigkeit  der  steuerlichen  Zielsetzungen 

und Verfahren in den verschiedenen Staaten bei der Ermittlung der Steuer, insbeson-

dere  der  Abzüge,  Freibeträge  und  anderer  Vergünstigungen,  sei  es  vorgezogen  wor-

den,  im  Musterabkommen  keine  ausdrückliche  und  einheitliche  Lösung  vorzusehen, 

sondern  jedem  Staat  die  Anwendung  seiner  Rechtsvorschriften  und  Verfahrensrege-

lungen zu überlassen. 

dd) Zusammenfassend sind Art. 23 A OECD-MA bzw. den einschlägigen Be-

stimmungen  der  relevanten  DBAs  damit  keine  Regeln zu entnehmen,  wie der  im  An-

sässigkeitsstaat  von  der  Steuer  zu  befreiende  Betrag  zu  berechnen  ist.  Das  OECD-

Komitee  für  Steuerangelegenheiten  vertritt  zwar  die  Auffassung,  bei  Fehlen  solcher 

Regelungen  sei  innerstaatliches  Recht  anzuwenden.  Gleichzeitig  spricht  es  sich  aber 

dafür aus, dass in der Regel vom Reineinkommen auszugehen sei, wobei insbesonde-

re  betreffend  "zusätzlicher  Abzüge"  keine  Empfehlungen  abgegeben  werden,  da  die 

Praxis der OECD-Staaten diesbezüglich zu grosse Unterschiede aufweise.  

1 DB.2010.205 
1 ST.2010.286 

 
 
 
 
 
 
 
- 8 - 

4. Nach Art. 23 A Abs. 1 OECD-MA sind also die im "anderen Staat" (d.h. im 

Quellenstaat bzw. hier: in den "Auftrittsstaaten") erzielten Einkünfte "von der Besteue-

rung  auszunehmen",  d.h.  sie  sind  aus  der  Steuerbemessungsgrundlage  auszuschei-

den (Vogel, Art. 23 N 38). In einem weiteren Schritt ist daher zu prüfen, nach welchen 

innerstaatlichen  Bestimmungen  diese  Ausscheidung  in  der  Schweiz  vorzunehmen  ist. 

Konkret geht  es um  die Frage,  ob  die strittigen Abzüge für  Gewinnungskosten,  AHV-

Beiträge  Selbstständigerwerbender  und  Beiträge  für  die  gebundene  Vorsorge  (Säule 

3a)  allein  durch  die  Schweiz  zu  tragen  oder  ob  sie  auf  das  im  Ausland  erzielte  Ein-

kommen  zu  verlegen  sind.  Wie  noch  aufzuzeigen  sein  wird,  sind  die  Verhältnisse  im 

Bereich  der  Staats-  und  Gemeindesteuern  und  bei  der  direkten  Bundessteuer  unter-

schiedlich, weshalb sie nachfolgend separat geprüft werden. 

5. Staats- und Gemeindesteuern 

a) aa) Gemäss § 6 Abs. 1 StG entrichten Steuerpflichtige, die im Kanton nur 

für  einen  Teil  ihres  Einkommens  und  Vermögens  steuerpflichtig  sind,  die  Steuern  für 

die im Kanton steuerbaren Werte nach dem Steuersatz, der ihrem gesamten Einkom-

men  und  Vermögen  entspricht;  steuerfreie  Beträge  werden  ihnen  anteilsmässig  ge-

währt.  Diese  kantonalrechtliche  Bestimmung  wird  nach  gefestigter  Rechtsprechung 

weit gefasst und in allen Fällen der Steuerausscheidung angewendet, sowohl im inter-

kantonalen als auch im internationalen Verhältnis (RB 1993 Nr. 14). Gestützt auf diese 

Norm (bzw. auf den gleichlautenden § 7 Abs. 1 des Steuergesetzes vom 8. Juli 1951, 

aStG)  wurden  Sozialabzüge,  allgemeine  Abzüge  und  Alimente  kollisionsrechtlich  den 

beteiligten  Kantonen  (bzw.  im  internationalen  Verhältnis  der  Schweiz)  im  Verhältnis  

der dort steuerbaren Einkommensquoten anteilsmässig zum Abzug zugewiesen (Rich-

ner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Kommentar  zum  harmonisierten  Zürcher  Steuergesetz, 

2. A., 2006, § 6 N 15 ff.; vgl. die in Locher/Locher, Das interkantonale Doppelbesteue-

rungsrecht,  § 9,  III,  wiedergegebenen  Fälle;  sodann:  StRK  I,  18. September  2003, 

1 ST.2003.293 

["Miterwerbsabzug"], 

bestätigt 

durch  VGr, 

3. März 

2004, 

SB.2003.00057;  StRK  I,  1  ST.2008.109 [Pensionskasseneinkauf];  StRK II,  28. August 

2009,  2  ST.2009.146 

[AHV-Beiträge  Nichterwerbstätiger],  bestätigt  durch  VGr, 

17. März 2010, SB.2009.00099).  

bb)  Unter  den  in  § 6  Abs. 1  Satz 1  StG  verwendeten  Begriff  "steuerfreie  Be-

träge"  fallen  alle  Abzüge,  die  nicht  als  Gewinnungskosten  organisch  mit  bestimmten 

Einkünften  verknüpft  und  kollisionsrechtlich  folgerichtig  diesen  objektmässig  zuzuwei-

1 DB.2010.205 
1 ST.2010.286 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 9 - 

sen  sind,  sondern  als  "allgemeine  Abzüge"  anorganischen  Charakter  aufweisen  und 

daher  auf  die  beteiligten  Gemeinwesen  proportional  verlegt  werden  müssen  (VGr, 

17. März 2010, SB.2009.00099, E. 2 Abs. 3, mit Hinweisen). 

cc) Folglich bildet § 6 Abs. 1 StG die gesetzliche Grundlage für die interkanto-

nale und die internationale Ausscheidung im Bereich der Staats- und Gemeindesteuern 

und gestattet  die Verlegung  der  Abzüge auf  die beteiligten Gemeinden  bzw.  Staaten, 

wobei  organische  Abzüge  objektmässig  und  anorganische  Abzüge  proportional  (bzw. 

quotenmässig) aufzuteilen sind. 

b)  aa)  Bei  selbstständiger  Erwerbstätigkeit  werden  die  geschäfts-  oder  be-

rufsmässig begründeten Kosten abgezogen (§ 27 Abs. 1 StG). Abzugsfähig ist der ge-

samte  Aufwand,  der  für  die  selbstständige  Erwerbstätigkeit  notwendig  ist  (vgl.  Rich-

ner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 27 N 2 ff. StG). Voraussetzung für die Abzugsfähigkeit ist, 

dass  der  Aufwand  mit  einer  selbstständigen  Erwerbstätigkeit  direkt  zusammenhängt 

(vgl. BGE 124 II 29 = ASA 67, 286 = StE 1998 B 22.3 Nr. 63; BGE 113 Ib 114 E. 2c = 

ASA 57, 645 = StE 1988 B 27.6 Nr. 5 = StR 1988, 232).  

bb) Gemäss § 31 Abs. 1 lit. d StG werden von den Einkünften abgezogen die 

gemäss  Gesetz,  Statut  oder  Reglement  geleisteten  Einlagen,  Prämien  und  Beiträge 

zum  Erwerb  von  Ansprüchen  aus  der  Alters-,  Hinterlassenen-  und  Invalidenversiche-

rung und aus Einrichtungen der beruflichen Vorsorge. Nach § 31 Abs. 1 lit. e StG sind 

zudem die Einlagen, Prämien und Beiträge zum Erwerb von vertraglichen Ansprüchen 

aus anerkannten Formen der gebundenen Selbstvorsorge abzugsfähig im Sinn und im 

Umfang  von  Art.  82  des  Bundesgesetzes  über  die  berufliche  Alters-,  Hinterlassenen- 

und Invalidenvorsorge vom 25. Juni 1982 (BVG), d.h. der so genannten 3. Säule a. Der 

Bundesrat hat gestützt auf Art. 82 Abs. 2 BVG in seiner Verordnung über die steuerli-

che Abzugsberechtigung für Beiträge an anerkannte Vorsorgeformen vom 13. Novem-

ber  1985  (BVV  3)  die  Höhe  dieser  Abzüge  festgesetzt.  So  können  gemäss  Art. 7 

Abs. 1  BVV  3  Arbeitnehmer  und  Selbstständigerwerbende  jährlich  bis  8 Prozent  des 

oberen  Grenzbetrags  nach  Art. 8  Abs. 1  BVG  abziehen,  wenn  sie  einer  Vorsorge-

einrichtung nach Art. 80 BVG, d.h. der 2. Säule, angehören (lit. a). Der Abzug beträgt 

jährlich  bis  20%  des  Erwerbseinkommens,  jedoch  höchstens  bis  40 Prozent  des  ge-

nannten  oberen  Grenzbetrags,  wenn  sie  keiner  solchen  Vorsorgeeinrichtung  angehö-

ren (lit. b). Für die Steuerperiode 2007 ergeben sich auf dieser Grundlage Abzüge von 

maximal Fr. 6'365.- und Fr. 31'824.- (ZStB I Nr. 19/205). 

1 DB.2010.205 
1 ST.2010.286 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 10 - 

c)  aa)  Die  Erzielung  des  Einkommens  durch  Auftritte  im  Ausland  war  für  die 

Pflichtige  unbestrittenermassen  mit  Gewinnungskosten  verbunden.  Sodann  ist  die 

Pflichtige sowohl selbstständig als auch unselbstständig erwerbstätig und bezahlte für 

das Jahr 2007 den Maximalbetrag von Fr. 31'824.- an eine Vorsorgestiftung in die Säu-

le 3a ein. Die von ihr geleisteten AHV-Beiträge Selbstständigerwerbender in Höhe von 

Fr. 49'629.-  sind  schliesslich  ebenfalls  unbestritten.  Die  erwähnten  Abzüge stehen  ihr 

damit zu. Wie gesehen, sind sie aber nach gefestigter Rechtsprechung auf der Grund-

lage von § 6 Abs. 1 StG auf das in- und ausländische Einkommen zu verlegen. 

bb) Der Steuerkommissär hat diese Grundsätze in der vorgenommenen inter-

nationalen  Steuerausscheidung  berücksichtigt.  Von  den  im  Ausland  erzielten  Brutto-

einkünften von Fr. 182'552.- wurde der "direkt zuordenbare Aufwand" (…, ausl. Sozial-

versicherungsaufwand,  Reisespesen,  geschätzter  Mietaufwand)  in  Abzug  gebracht. 

Die  Höhe  der  entsprechenden  Positionen  ist  von  der  Pflichtigen  nicht  im  Einzelnen 

bestritten worden. Nach Vornahme dieser Abzüge ergab sich die folgende prozentuale 

Verteilung  der  Einkünfte:  Schweiz  60.88%,  Ausland  39.12%.  Daraufhin  verteilte  der 

Steuerkommissär  den  "indirekt  zuordenbaren  Aufwand"  im  selben  prozentualen  Ver-

hältnis  auf  das  In-  und  Ausland  (Abschreibungen,  Büro  und  Verwaltung,  Por-

ti/Telefon/Beiträge,  Repräsentation/Werbung,  Mobiliar/Einrichtungen,  Löhne/Gehälter, 

Beiträge/Zinsaufwand, AHV, Beiträge Säule 3a).  

Die  Gewinnungskosten  sowie  die  den  Gewinnungskosten  gleichgestellten 

Abzüge  für  AHV-Beiträge  Selbstständigerwerbender  sind  nach  der  Rechtsprechung 

objektmässig  aufzuteilen  (StRK II,  28. August  2009,  2  ST.2009.146,  E. 1 d).  Die  Bei-

träge  an  die gebundene  Selbstvorsorge  (3.  Säule  a)  sind  sodann  von  ihrer  Natur  her 

zwar  eher  als  anorganische  Abzüge  zu  qualifizieren  und  wären daher  proportional  zu 

verlegen.  Die  Praxis  sowie ein  Teil  der  Lehre  behandelt  sie  jedoch  ebenfalls  wie  Ge-

winnungskosten (Höhn/Mäusli, Interkantonales Steuerrecht, 4. A., 2000, § 19 N 6a, vgl. 

zudem BGr, 15. Oktober 1996, E. 4.d a.E. = StE 1998 A 24.42.4 Nr. 1). Dies entspricht 

dem Grundsatz, dass die drei Säulen der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsor-

ge  gemäss  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  steuerlich  gleich  zu  behandeln  sind 

(BGE 117 Ib 358 = Pra 82 Nr. 87). Mithin rechtfertigt es sich, auch die Beiträge an die  

3. Säule a objektmässig zu verlegen.  

1 DB.2010.205 
1 ST.2010.286 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 11 - 

d)  Bei  der  von  der  Pflichtigen  angeführten  EWG-Verordnung  1408/71 

(SR 0.831.109.268.1)  ist  fraglich,  ob  sie  überhaupt  auf  den  vorliegenden  Fall  Anwen-

dung findet, da die Pflichtige nicht "zu- oder abwandert", sondern unbestrittenermassen 

Wohnsitz in der Schweiz hatte und dieser unverändert blieb. Selbst wenn aber von der 

Anwendbarkeit der Verordnung ausgegangen würde, änderte sich aus Schweizer Sicht 

nichts, da die Pflichtige Wohnsitz in der Schweiz hat und sie gemäss Art. 14a Ziff. 2 der 

Verordnung  sozialversicherungsrechtlich  schweizerischem  Recht  unterstünde  (vgl. 

auch Schweizerische Steuerkonferenz [Hrsg.], Vorsorge und Steuern, Anwendungsfäl-

le, A.9.1.1 S. 3). 

d) Zusammenfassend hat die Vorinstanz im Bereich der Staats- und Gemein-

desteuern  eine  internationale  Steuerausscheidung  vorgenommen,  die  der  konstanten 

Rechtsprechung entspricht und sich auf § 6 Abs. 1 StG stützt. Der vorinstanzliche Ent-

scheid ist daher nicht zu beanstanden und der Rekurs abzuweisen. 

6. Direkte Bundessteuer 

a) aa) Nach Art. 6 Abs. 1 DBG ist bei persönlicher Zugehörigkeit die Steuer-

pflicht unbeschränkt; sie erstreckt sich aber nicht auf Geschäftsbetriebe, Betriebsstät-

ten und Grundstücke im Ausland. Gemäss Abs. 3 der Bestimmung erfolgt die Abgren-

zung  der  Steuerpflicht  für  Geschäftsbetriebe,  Betriebsstätten  und  Grundstücke  im 

Verhältnis zum Ausland nach den Grundsätzen des Bundesrechts über das Verbot der 

interkantonalen Doppelbesteuerung.  

Abs.  1  zählt  abschliessend  die  im  Ausland  gelegenen,  qualifizierenden  Ein-

kommensquellen  auf  (Geschäftsbetriebe,  Betriebsstätten  und  Grundstücke).  Abs. 3 

regelt  nicht  die  Steuerausscheidung  für  sämtliche  mögliche  Ausscheidungsfälle,  son-

dern  lediglich  für  die  Fälle  der  Steuerausscheidung  zwischen  dem  Ort  der  unbe-

schränkten  Steuerpflicht  und  dem  Ort  der  beschränkten  Steuerpflicht  qua  Geschäfts-

betrieb,  Betriebsstätte  bzw.  Grundeigentum.  Für  unbeschränkt  Steuerpflichtige  in  der 

Schweiz  regelt  Abs. 3  die  Steuerausscheidung  des  Steuersubstrats  abschliessend 

(Athanas/Giglio,  in:  Kommentar  zum  Schweizerischen  Steuerrecht,  Band  I/2a,  2. A., 

2008, Art. 6 N 6, 15, 17 DBG; nichts anderes ergibt sich zudem aus der Botschaft zu 

den  Bundesgesetzen  über  die Harmonisierung  der  direkten  Steuern der Kantone  und 

Gemeinden  sowie  über  die  direkte  Bundessteuer  vom  25. Mai  1983,  BBl  1983  III  1, 

1 DB.2010.205 
1 ST.2010.286 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 12 - 

157 f.). Art. 6 Abs. 1 DBG ist eine einseitige Regelung zur Vermeidung der Doppelbe-

steuerung, indem von der Steuerpflicht die Geschäftsbetriebe, Betriebsstätten und das 

Grundeigentum  im  Ausland  ausgenommen  werden  (Jean-Blaise  Paschoud,  in:  Yer-

sin/Noël [Hrsg.], Commentaire de la loi sur l'impôt fédéral direct, 2008, Art. 6 N 5 DBG). 

Paschoud weist darauf hin, dass bei den  von der Besteuerung ausgenommenen Ele-

menten im Ausland die Provisionen für den Handel mit im Ausland gelegenen Immobi-

lien (bei Schweizer Wohnsitz der Mäkler) nicht erwähnt würden und legt die bundesge-

richtliche  Rechtsprechung  im  interkantonalen  Verhältnis  dar,  wonach  der  Ort  der 

gelegenen  Sache  massgeblich  sei.  Im  internationalen  Verhältnis  dürfe  diese  Recht-

sprechung aber nicht angerufen werden, um das (diesbezüglich schweigende) Gesetz 

zu ergänzen. Die Provision an den in der Schweiz wohnhaften Mäkler sei deshalb (im 

erwähnten Fall) hier steuerbar (Paschoud, Art. 6 N 9 DBG). 

bb)  Natürliche  Personen,  die  nur  für  einen  Teil  ihres  Einkommens  in  der 

Schweiz  steuerpflichtig  sind,  entrichten  die  Steuer für  die  in  der  Schweiz  steuerbaren 

Werte nach dem Steuersatz, der ihrem gesamten Einkommen entspricht (Art. 7 Abs. 1 

DBG). Durch die unbedingte Befreiung unter Progressionsvorbehalt wird erreicht, dass 

Personen keinen Progressionsvorteil erlangen, nur weil sich ein Teil des Steuerobjekts 

(des Einkommens) in der Schweiz, ein anderer Teil aber ausserhalb der  Schweiz be-

findet  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Handkommentar  zum  DBG,  2. A.,  2009,  Art. 7 

N 5). Zur Satzbestimmung ist die Nettogrösse (und nicht etwa nur das um keine Abzü-

ge  gekürzte  Bruttosteuerobjekt)  heranzuziehen.  Dies  gilt  auch  dann,  wenn  auf  dem 

ausländischen  Objekt  Steuern  lasten  (vgl.  Peter  Locher,  Kommentar  zum  DBG,  Bun-

desgesetz  über  die  direkte  Bundessteuer,  I.  Teil,  2000,  Art.  6  und  7,  je  N 8;  Locher, 

internationales Steuerrecht, S. 484; siehe auch Athanas/Giglio, Art. 7 N 6 DBG). 

cc) Die ausländischen Einkünfte erzielte die Pflichtige ausschliesslich mit ihren 

Auftritten  als  Künstlerin  an  verschiedenen  Orten.  Damit  fehlt  es  an  einer  der  drei  in 

Art. 6 Abs. 1 und 3 DBG abschliessend aufgezählten, im Ausland gelegenen, qualifizie-

renden Einkommensquellen, weshalb die Pflichtige im Beschwerdeverfahren zu Recht 

einwendet,  es  fehle  ein  Spezialsteuerdomizil,  welches  eine  Steuerausscheidung  erst 

notwendig  machen  würde.  Die  in Art. 6 DBG  enthaltenen  Steuerausscheidungsregeln 

sind vorliegend nicht anwendbar. Und Art. 7 Abs. 1 DBG bezieht sich lediglich auf das 

satzbestimmende  Einkommen  und  ist  somit  ebenso  wenig  einschlägig  für  die  Beant-

wortung  der  Frage,  ob  Abzüge  auf  die  in-  und  ausländischen  Einkünfte  zu  verlegen 

sind oder nicht. Das Bundesgesetz über die Harmonisierung der direkten Steuern der 

1 DB.2010.205 
1 ST.2010.286 

 
 
 
 
 
 
 
- 13 - 

Kantone und Gemeinden vom 14. Dezember 1990 äussert sich nicht zur internationa-

len  Steuerausscheidung  (vgl.  Paschoud,  Art. 6  N 4  DBG).  Schliesslich  hat  sich  die 

Rechtsprechung  –  soweit  überblicksmässig  feststellbar  –  noch  nicht  mit  einem  ver-

gleichbaren  Fall  auseinandergesetzt (unbeschränkte  Steuerpflicht  in der Schweiz  auf-

grund  persönlicher  Zugehörigkeit;  Vorliegen  ausländischer  Einkünfte),  bei  dem  weder 

§ 6 StG noch Art. 6 DBG anwendbar gewesen wäre. 

b)  Die  im  Bereich  der  Staats-  und  Gemeindesteuern  erwähnten  Abzüge  

stehen der Pflichtigen grundsätzlich auch bei der direkten Bundessteuer einkommens-

mindernd  zu,  da  sie  unbestrittenermassen  die  Voraussetzungen  dafür  erfüllt:  Art. 27 

Abs. 1  DBG  (Gewinnungskosten  Selbstständigerwerbender  inkl.  Arbeitgeberanteil 

AHV-Beiträge;  Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Art. 27  N 3  ff.  DBG)  sowie  Art. 33 

Abs. 1 lit. d und e DBG (AHV-Beiträge Selbstständigerwerbender [Arbeitnehmeranteil], 

Beiträge  an  die  gebundene  Vorsorge;  Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Art. 33  N 73, 

110 ff.  DBG).  Indem  die  Vorinstanz  diese  Abzüge  auf  die  in-  und  ausländischen  Ein-

künfte  verlegt,  bleiben  der  Pflichtigen  die  einkommensmindernden  Abzüge  zum  Teil 

versagt. 

c)  Nach konstanter  Rechtsprechung  bedarf  es  einer  gesetzlichen Grundlage, 

wenn  den  Steuerpflichtigen  ein  Teil  der  Abzüge  mit  der  Begründung  verweigert  wird, 

ein  Teil  des  Erwerbseinkommens  unterliege  einer  ausländischen  Steuerhoheit 

(RB 1993 Nr. 14 = StE 1994 B 11.3 Nr. 9; StRK I, 5. November 1992 = ZStP 1993, 38; 

StRK  I,  24. Juni  2008,  1  St.2008.109,  E. 2b,  auch  zum  Folgenden).  Verlangt  weder 

eine innerstaatliche noch eine staatsvertragliche Gesetzesgrundlage die Ausscheidung 

von  ausländischen  Einkünften,  sind  diese  Einkünfte  vollumfänglich  hier  zu  besteuern 

(vgl. Locher, internationales Steuerrecht, S. 56 f.). Gleich muss es sich dann aber auch 

bei  den Abzügen  verhalten,  indem  diese  –  soweit  im  innerstaatlichen  Recht  vorgese-

hen  –  vollumfänglich  hier  abgezogen  werden  können,  wenn  für  eine  Verlegung  auf 

ausländische Einkünfte die rechtlichen Grundlagen fehlen. 

d) In der vorliegenden Konstellation liegt im Bereich der direkten Bundessteu-

er keine gesetzliche Grundlage vor, welche eine internationale Ausscheidung und da-

mit  eine  nur  teilweise  Berücksichtigung  der  streitigen  Abzüge  gestatten  würde.  Art. 6 

Abs. 1  und  3  DBG  ist  hier  nicht  anwendbar.  Anders  als  etwa  in  Art. 35  DBG,  wo  bei 

teilweiser  Steuerpflicht  explizit  eine  anteilsmässige Gewährung der  Sozialabzüge vor-

gesehen  ist  (Abs. 3),  findet  sich  zudem  in  Art. 27  und  33  DBG  keine  solche  Spezial-

1 DB.2010.205 
1 ST.2010.286 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 14 - 

norm. Wie gesehen, ist eine entsprechende Grundlage auch nicht in den einschlägigen 

DBAs zu erblicken, die aufgrund ihrer negativen Wirkung ohnehin bloss die Steuerho-

heit (bei den Einkünften) zu beschränken vermögen. 

e)  Zusammenfassend  führt  dies  zu  folgendem  Ergebnis:  Die  Pflichtige  hat  in 

der Schweiz grundsätzlich ihr weltweit erzieltes Einkommen zu versteuern, aber auch 

Anspruch auf die Geltendmachung der streitigen Abzüge. Da die im Ausland erzielten 

Einkünfte  aufgrund  der  DBAs  von  der  Besteuerung  auszunehmen  sind,  es  aber  im 

Bundessteuerbereich für den vorliegenden Fall an einer gesetzlichen Grundlage für die 

internationale Ausscheidung und damit die Verlegung der Abzüge auf die in- und aus-

ländischen  Einkünfte  fehlt,  müssen  der  Pflichtigen  bei  der  Bundessteuer  die  Abzüge 

vollumfänglich zugestanden werden, auch wenn es naheliegender, d.h. sachgerechter 

erscheinen würde, mindestens die direkt zuordenbaren Aufwendungen auf das auslän-

dische Einkommen zu verlegen. Die Auffassung des OECD-Komitees für Steuerange-

legenheiten, wonach in der Regel das Reineinkommen von der Steuer zu befreien ist, 

hilft  dort  nicht  weiter,  wo  der  innerstaatliche  Gesetzgeber  bzw.  die  Vertragsstaaten  

der  DBAs  keine  entsprechende  Regelung  getroffen  haben.  In  der  Rechtsanwendung 

kann  eine  solche  Äusserung  offensichtlich  eine  fehlende  gesetzliche  Grundlage  nicht 

ersetzen. Ebenso wenig ändert etwas an diesem Ergebnis, dass bei der internationalen 

Steuerausscheidung im Sinn von Art. 6 Abs. 1 und 3 DBG sowie bei der Bestimmung 

des  satzbestimmenden  Einkommens  (Art. 7  Abs. 3  DBG)  von  Nettoerträgen  ausge-

gangen  wird  (vgl.  Locher,  Art. 6  N 8  DBG),  da  der  vorliegende  Sachverhalt,  wie  dar-

gelegt,  nicht  unter  diese  Bestimmungen  fällt.  Solche  allenfalls  unbefriedigenden  Er-

gebnisse  zu  vermeiden,  wäre  Sache  des  Gesetzgebers,  nicht  aber  der  rechtsanwen-

denden (Justiz-)Behörden. 

Damit  ist  die  Beschwerde  gutzuheissen  und  das  steuerbare  Einkommen  für 

die  Bundessteuerperiode  2007  antragsgemäss  auf  Fr. 158'400.-  festzusetzen  (satz-

bestimmendes  Einkommen  abzüglich  im  Ausland  erzieltes  Bruttoeinkommen);  das 

satzbestimmende Einkommen liegt unverändert bei Fr. 340'900.-. 

7. a) Seit dem 1. Januar 2011 ist die Gebührenverordnung des Verwaltungs-

gerichts vom 23. August 2010 (GebV VGr) auch für Verfahren am Steuerrekursgericht 

anwendbar (§ 118 lit. b StG, in der Fassung vom 13. September 2010 i.V.m. § 1 GebV 

VGr).  

1 DB.2010.205 
1 ST.2010.286 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 15 - 

b)  Ausgangsgemäss  sind  die  Kosten  des  Rekursverfahrens  der  unterliegen-

den Pflichtigen aufzuerlegen und ist ihr in diesem Verfahren keine Parteientschädigung 

zuzusprechen (§ 151 Abs. 1 StG, § 152 StG in Verbindung mit § 17 Abs. 2 des Verwal-

tungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959/8. Juni 1997). 

c)  Da  die  Pflichtige  im  Beschwerdeverfahren  vollständig  obsiegt,  sind  diese 

Kosten  hingegen  dem  Steueramt  aufzuerlegen  und  es  ist  der  Pflichtigen  eine  Partei-

entschädigung  für  die  notwendigen  Kosten  nach  Ermessen  zuzusprechen  (Art. 144 

Abs. 1  DBG;  Art. 144  Abs. 4  DBG  in  Verbindung  mit  Art. 64  Abs. 1  des  Verwaltungs-

verfahrensgesetzes  vom  20. Dezember  1968  und  Art. 8  der  Verordnung  über  Kosten 

und  Entschädigungen  im  Verwaltungsverfahren  vom  10. September  1969).  Unter  Be-

rücksichtigung  der  verwaltungsgerichtlichen  Rechtsprechung  und  Heranziehung  von 

§ 4  Abs. 1  der  (obergerichtlichen)  Verordnung  über  die  Anwaltsgebühren  vom 

8. September  2010  erweist  sich  angesichts  des  Streitwerts  im  Beschwerdeverfahren 

eine  Parteientschädigung  von  Fr. 700.-  (inkl.  MWSt)  als  angemessen  (VGr,  8. Juni 

2005, SB.2005.00023). 

Demgemäss erkennt die Kammer: 

1.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen.  Die  Beschwerdeführerin  wird  wie  folgt  veran-

lagt (Tarif gemäss Art. 214 Abs. 2 DBG; Verheiratetentarif): 

Steuerperiode 

2007 

steuerbar 

satzbestimmend 

Einkommen 

Fr. 

158'400.- 

340'900.-. 

2.  Der Rekurs wird abgewiesen. 

[…] 

1 DB.2010.205 
1 ST.2010.286