# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b2868272-47bc-5319-bf9d-05f933a4f562
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-09-14
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Strafkammer 14.09.2010 SK2 2010 42
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_005_SK2-2010-42_2010-09-14.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 14. September 2010 Schriftlich mitgeteilt am:
SK2 10 42

Entscheid
II. Strafkammer

Vorsitz Bochsler
RichterInnen Hubert und Schlenker
Redaktion Aktuarin ad hoc Peng

In der strafrechtlichen Beschwerde

des X., Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Reinhard Pitschmann, 
Werdenbergerweg 11, FL-9490 Vaduz,

gegen

den Beschwerdeentscheid der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 19. Juli 2010, 
mitgeteilt am 19. Juli 2010, in Sachen des Beschwerdeführers gegen die Verfügung 
des Untersuchungsrichteramts Chur vom 26. April 2010,

betreffend Ablehnung Beweisergänzungen,

hat sich ergeben:

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I. Sachverhalt

A. Am 6. September 2009, um 17.35 Uhr, fuhr X. mit dem Personenwagen A. 
(A) auf der B.-Strasse von C. herkommend in Richtung D. Bei der Örtlichkeit E., 
innerhalb der signalisierten Baustelle, überholte er die vor ihm fahrende Motorrad-
lenkerin, F., mit dem Kennzeichen G. (D). Dabei kam es zu einer Streifkollision zwi-
schen den beiden Fahrzeugen, worauf F. mit ihrem Motorrad stürzte. In der Folge 
rutschte sie über den rechten Strassenrand hinaus, wo sie und das Motorrad zum 
Stillstand kamen.

Die Motorradlenkerin behauptete, sie sei durch den überholenden Personenwagen 
abgedrängt worden, sodass es zur Streifkollision gekommen sei (act. 3.5). Demge-
genüber sagte X. aus, er habe das Überholmanöver bereits abgeschlossen gehabt, 
als er wegen vorausfahrender Fahrzeuge habe abbremsen müssen. Als er bereits 
stark verlangsamt gefahren sei, habe es plötzlich geknallt. Er habe feststellen 
müsse, dass die Motorradlenkerin, welche er bereits überholt gehabt habe, seitlich 
mit seinem Fahrzeug kollidiert sei (act. 3.4 und 3.18).

Beim Verkehrsunfall entstand Sachschaden am Personenwagen und am Motorrad. 
F. zog sich Verletzungen zu. Sie stellte einen Strafantrag wegen Körperverletzung.

B. Am 4. November 2009 überwies die Staatsanwaltschaft Graubünden die An-
gelegenheit an das Kreisamt Surses und stellte einen Mandatsantrag bei Verbre-
chen und Vergehen.

Mit Strafmandat vom 10. Dezember 2009 befand der Kreispräsident Surses X. der 
fahrlässigen Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 1 des Schweizerischen Straf-
gesetzbuches (StGB; SR 311.0) sowie der Verletzung von verschiedenen Verkehrs-
regeln für schuldig und verurteilte ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tages-
sätzen zu je Fr. 110.- sowie zu einer Busse von Fr. 600.-, ersatzweise zu einer 
Freiheitsstrafe von fünf Tagen. Gegen dieses Strafmandat erhob X. am 23. Dezem-
ber 2009 Einsprache. In der Folge führte die Staatsanwaltschaft Graubünden das 
ordentliche Verfahren durch. Nach Ergänzung der Untersuchung erliess sie am 13. 
April 2010 die Schlussverfügung (act. 1.24).

C. Am 20. April 2010 beantragte Rechtsanwalt Dr. Reinhard Pitschmann als 
Vertreter von X., es sei ein verkehrstechnisches Sachverständigengutachten einzu-
holen. Damit wollte er beweisen, dass es sich bei der Kollision um einen Auffahrun-
fall der Motorradfahrerin auf das von X. gelenkte Fahrzeug gehandelt habe (act. 
1.29). Mit Verfügung vom 26. April 2010 lehnte der Untersuchungsrichter das Be-

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gehren ab. Er begründete dies damit, dass sich den Akten keine Hinweise dafür 
entnehmen liessen, dass es sich beim zu beurteilenden Verkehrsunfall um einen 
Auffahrunfall handle. Vielmehr sei dem Spurenbild am Fahrzeug von X. zu entneh-
men, dass dieses hinten rechts vom Motorrad berührt worden sei. Weiter würden 
die Aussagen der Geschädigten und insbesondere des unabhängigen Zeugen H. 
gegen eine solche Sachverhaltsdarstellung sprechen. Der Untersuchungsrichter 
schloss damit, dass er sich daher von der Einholung eines derartigen Gutachtens 
keine brauchbaren Ergebnisse verspreche und er dem Antrag somit nicht stattgebe 
(act. 1.30).

Gegen diese ablehnende Verfügung erhob X. am 18. Mai 2010 bei der Staatsan-
waltschaft Graubünden Beschwerde, wobei der Antrag auf die Einholung eines ver-
kehrstechnischen Gutachtens wiederholt wurde (act. 1.31). Daraufhin klärte der Un-
tersuchungsrichter bei Dipl. Ing. FH I. vom Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt 
des Kantons St. Gallen ab, ob dieser gestützt auf die vorhandenen Untersuchungs-
akten die von Rechtsanwalt Dr. Reinhard Pitschmann aufgeworfenen Fragen in ei-
nem Gutachten überhaupt beantworten könne (act. 1.32).

In seiner Stellungnahme vom 9. Juli 2010 hielt der Verkehrsexperte zusammenfas-
send fest, dass eine eindeutige Aussage über den genauen Kollisionsablauf aus 
technisch-physikalischer Sicht nicht möglich sei (act. 1.33). Gestützt darauf wies die 
Staatsanwaltschaft Graubünden am 19. Juli 2010, mitgeteilt am gleichen Tag, die 
Beschwerde ab (act. 1.34).

D. Gegen den ablehnenden Beschwerdeentscheid legte X. am 26. Juli 2010 
(Poststempel) Beschwerde wegen Rechtswidrigkeit und Unangemessenheit beim 
Kantonsgericht von Graubünden ein. Er beantragte, die Verfügung des Untersu-
chungsrichters und der Beschwerdeentscheid der Staatsanwaltschaft Graubünden 
seien aufzuheben und seiner Beschwerde sei Folge zu geben. Damit verlangte er 
erneut, dass ein Sachverständigengutachten eingeholt werde (vgl. act. 01).

E. Die Staatsanwaltschaft Graubünden reichte eine eingehende Vernehmlas-
sung ein. Sie beantragte unter Hinweis auf die Akten und die Ausführungen im an-
gefochtenen Beschwerdeentscheid die kostenfällige Abweisung der Beschwerde 
(act. 03).

Auf die Begründung in den Rechtsschriften und die weiteren Ausführungen im an-
gefochtenen Entscheid wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägun-
gen eingegangen.

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II. Erwägungen

1.a) Gemäss Art. 138 der Strafprozessordnung des Kantons Graubünden (StPO; 
BR 350.000) kann gegen Verfügungen und Beschwerdeentscheide des Staatsan-
waltes beim Kantonsgericht wegen Rechtswidrigkeit oder Unangemessenheit Be-
schwerde geführt werden. Zur Beschwerdeführung ist legitimiert, wer durch den an-
gefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an seiner Auf-
hebung oder Änderung geltend machen kann (Art. 139 Abs. 1 StPO). Die Be-
schwerde ist innert einer Frist von 20 Tagen, seit der Betroffene vom angefochtenen 
Entscheid Kenntnis erhalten hat, schriftlich einzureichen (Art. 139 Abs. 2 StPO).

b) Der Beschwerdeführer hat den Beschwerdeentscheid des Staatsanwaltes 
vom 19. Juli 2010 angefochten. Als Angeschuldigter im Untersuchungsverfahren 
sowie als direkt Betroffener infolge der Abweisung seines Beweisergänzungsan-
trags im vorinstanzlichen Beschwerdeverfahren ist er durch den angefochtenen Ent-
scheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder 
Änderung. Auf seine im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist 
demnach einzutreten.

2. Gemäss Art. 75 Abs. 1 StPO hat die Strafuntersuchung den Zweck, den Tat-
bestand in objektiver und subjektiver Hinsicht abzuklären, den Täter zu ermitteln 
sowie dessen Persönlichkeit und Verhältnisse zu erforschen. Es sind dabei alle we-
sentlichen Beweise zu erheben und sowohl die für die Schuld als auch für die Un-
schuld des Angeschuldigten in Betracht fallenden Feststellungen zu machen. Dort, 
wo es die Untersuchungsbehörde unterliess, wesentliche Beweise zu erheben, hat 
der Angeschuldigte gemäss Art. 97 Abs. 2 StPO das Recht, nach ergangener 
Schlussverfügung innert einer Frist von zehn Tagen Anträge auf Ergänzung der Un-
tersuchung zu stellen. Beweise, die frist- und formgerecht angeboten werden, sind 
abzunehmen, soweit sie sich auf für die Entscheidung erhebliche, feststellungsbe-
dürftige Tatsachen beziehen und sie nicht von vorneherein als ungeeignet erschei-
nen, die Kenntnis der betreffenden Tatsachen zu vermitteln. Dies gilt vor allem für 
den Anspruch des Angeschuldigten, den Entlastungsbeweis zu führen und dabei 
die aus seiner Sicht relevanten Beweismittel nennen zu könne, was aber nicht be-
deutet, dass sämtliche angebotenen Beweismittel erhoben werden müssten. Viel-
mehr beschränkt sich der Anspruch auf solche Beweise, die für den Nachweis der 
Unschuld wesentlich und brauchbar erscheinen. Dazu müssen mindestens glaub-
hafte, konkrete Anhaltspunkte für Tatsachen vorliegen, die geeignet sind, zur Ent-
lastung des Angeschuldigten beizutragen (Willy Padrutt, Kommentar zur Strafpro-
zessordnung des Kantons Graubünden [StPO], 2. Aufl., Chur 1996, S. 110 f. mit 

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zahlreichen Hinweisen). Was den Beweisergänzungsantrag auf eine Expertise be-
trifft, so ist dieser abzulehnen, wenn er nicht sachdienlich, untauglich, für die Beur-
teilung ungeeignet oder die zu beweisende Tatsache bereits bewiesen ist. Sodann 
sind auch Anträge auf kostspielige Gutachten abzuweisen, wenn die Kosten vorn 
vorneherein in einem Missverhältnis zum erwarteten Ergebnis stehen (Padrutt, 
a.a.O., S. 230 und 255).

3. Vorliegend hat der Verkehrsexperte nach Studium der Akten dem Untersu-
chungsrichter mitgeteilt, dass aus technisch-physikalischer Sicht eine Aussage über 
den genauen Kollisionsablauf nicht möglich sei. Er hat dies nachvollziehbar begrün-
det. In der Tat ist nicht einzusehen, wie ein Verkehrsexperte ohne die beschädigten 
Fahrzeuge und mit völlig unzureichendem Fotomaterial den Unfallhergang rekon-
struieren sollte. Lassen sich durch eine Expertise keine hinreichend zuverlässigen 
Erkenntnisse über den Unfallhergang gewinnen, so wäre es widersinnig, dessen 
ungeachtet einen Gutachter damit zu beauftragen.

Die in der Beschwerde dagegen vorgebrachten Gründe sind unbehelflich und gehen 
an der Sache vorbei. Selbstverständlich stellt die Stellungnahme des Experten zur 
Anfrage des Untersuchungsrichters kein Gutachten zum Unfallhergang dar, auch 
wenn der Beschwerdeführer sie zwischen den Zeilen so bezeichnet. Es handelt sich 
dabei vielmehr um eine vorfrageweise Abklärung, ob mit der Erstellung eines Gut-
achtens die vom Beschwerdeführer aufgeworfenen Fragen überhaupt beantwortet 
werden können. Wie diese Stellungnahme im weiteren Verfahren verwendet wer-
den darf bzw. welche (rechtlichen) Schlüsse sich daraus ergeben, kann indessen 
nicht Gegenstand eines Beschwerdeverfahrens an das Kantonsgericht sein. Darauf 
ist daher nicht weiter einzugehen. Die Beschwerde ist offensichtlich unbegründet.

4. Im Resultat ist somit festzuhalten, dass die Abweisung der Beschwerde 
durch die Staatsanwaltschaft zu Recht erfolgt ist. Die vorliegende Beschwerde ist 
daher abzuweisen. Bei diesem Ausgang sind die Kosten des Beschwerdeverfah-
rens in der Höhe von Fr. 1'200.- dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 160 Abs. 
1 StPO).

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III. Demnach wird erkannt

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 1'200.- gehen zu Lasten des 
Beschwerdeführers.

3. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 des Bundesgerichtsgeset-
zes (BGG; SR 173.110) Beschwerde in Strafsachen an das Schweizerische 
Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, geführt werden. Die Beschwerde ist dem 
Bundesgericht schriftlich, innert 30 Tagen seit Eröffnung der vollständigen 
Ausfertigung der Entscheidung in der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebe-
nen Weise einzureichen. Für die Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, 
die weiteren Voraussetzungen und das Verfahren der Beschwerde gelten die 
Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. BGG.

4. Mitteilung an: