# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e3aaecc2-5c5b-5e1c-a6e8-467451d1f0c2
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2016-10-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.10.2016 D-6333/2016
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6333-2016_2016-10-27.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-6333/2016 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 7 .  O k t o b e r  2 0 1 6  

Besetzung 
 Einzelrichter Simon Thurnheer, 

mit Zustimmung von Richterin Claudia Cotting-Schalch;   

Gerichtsschreiberin Anna Wildt. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren (…), 

Somalia,   

vertreten durch lic. iur. Celeste C. Ugochukwu,  

Rechtsberatungszentrum Bern, 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung  

(Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid);  

Verfügung des SEM vom 26. September 2016 / N (…). 

 

 

 

D-6333/2016 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer stellte am 26. Januar 2016 in der Schweiz ein Asyl-

gesuch. Zu dessen Begründung brachte er im Wesentlichen vor, 

B._______ sei wegen (…) hingerichtet worden. Als C._______ versucht 

habe, sich für sie einzusetzen, sei er ebenfalls getötet worden. Er selbst 

sei von der Al-Shabab verhaftet worden und, nachdem er freigekommen 

sei, nach Äthiopien ausgereist, von wo er in die Schweiz gelangt sei. 

B.  

Mit Verfügung vom 1. Juli 2016 – eröffnet am 4. Juli 2016 – stellte die Vo-

rinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

nicht, lehnte dessen Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der 

Schweiz und ordnete deren Vollzug an. Zur Begründung ihres Entscheids 

führte die Vorinstanz im Wesentlichen an, die Vorbringen des Beschwer-

deführers über seine angebliche Herkunft aus D._______, Somalia, und zu 

den angeblich ausreiserelevanten Ereignissen seien unglaubhaft.  

C.  

Mit Eingabe vom 27. August 2016 (Poststempel) erhob der Beschwerde-

führer – handelnd durch seinen Rechtsvertreter – beim Bundesverwal-

tungsgericht Beschwerde.  

D.  

Mit Urteil D-5183/2016 vom 30. August 2016 trat das Gericht auf die Be-

schwerde nicht ein, da die Beschwerdefrist versäumt worden war. 

E.  

Mit Eingabe an das SEM, datiert mit 9. September 2016 (Eingangsstempel 

12. September 2016), ersuchte der Beschwerdeführer um Wiedererwä-

gung. Begründend führte er aus, er könne seine Herkunft durch zwischen-

zeitlich erlangte Beweismittel belegen, und reichte eine Geburtsurkunde, 

sowie ein Schreiben von E._______ und ein weiteres Schreiben eines 

Stammesoberhauptes zu den Akten. 

F.  

Mit Verfügung vom 26. September 2016 – eröffnet am 27. Septem-

ber 2016 – lehnte die Vorinstanz das Wiedererwägungsgesuch ab. Zur Be-

gründung führte sie im Wesentlichen an, die eingereichte Geburtsurkunde 

vermöge an ihrer Einschätzung nichts zu ändern, da es sich dabei um ein 

leicht käufliches und fälschungsanfälliges Dokument handle. In Bezug auf 

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Seite 3 

die Schreiben von E._______ und vom Stammesoberhaupt führte das 

SEM aus, diese liessen keine gesicherten Schlüsse auf die Urheberschaft, 

den Ausstellungsort und -datum zu und seien allenfalls als Gefälligkeits-

schreiben zu werten. Aufgrund des fehlenden Beweiswerts der Unterlagen 

könne die Rechtskraft der Verfügung nicht beseitigt werden. 

G.  

Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 14. Oktober 2016 (Poststempel) 

liess der Beschwerdeführer gegen diesen Entscheid Beschwerde erheben. 

In materieller Hinsicht beantragte er, die angefochtene Verfügung sei auf-

zuheben und es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen beziehungs-

weise sei ihm Asyl zu gewähren, es seien weitergehende Abklärungen über 

seine Herkunft notwendig, eventualiter sei ihm die vorläufige Aufnahme zu 

gewähren, andernfalls sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz 

zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um die Gewährung 

der unentgeltlichen Rechtspflege sowie die Sistierung von Wegweisungs-

vollzugs- und Zwangsmassnahmen. Zur Begründung führte er im Wesent-

lichen an, die Vorinstanz habe sich nicht genügend mit den vorgelegten 

Beweismitteln befasst. So habe sie nicht ausgeführt, warum sie von einer 

Fälschung der Dokumente ausgegangen sei. Auf der Geburtsurkunde 

seien zudem die Ausstellungsbehörde, der Ort und das Datum angeführt. 

Auch seien – kurz zusammengefasst – im Verfahren, das zum Erlass der 

in Rechtskraft erwachsenen Verfügung vom 1. Juli 2016 geführt habe, Feh-

ler unterlaufen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis Wie-

dererwägungsentscheide grundsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung 

auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist 

das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Be-

schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-

gel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 

Bst. d Ziff. 1 BGG). 

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Seite 4 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise 

einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der 

Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a 

Abs. 2 AsylG). 

4.  

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schriften-

wechsel verzichtet. 

5.  

Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich geregelt 

(vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM innert 

30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schriftlich und 

begründet einzureichen; im Übrigen richtet sich das Verfahren nach den 

revisionsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66–68 VwVG (Art. 111b 

Abs. 1 AsylG). 

In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwägungs-

gesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine 

nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl. 

BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuändernde Verfügung unange-

fochten blieb – oder ein eingeleitetes Beschwerdeverfahren mit einem 

blossen Prozessentscheid abgeschlossen wurde – können auch Revisi-

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Seite 5 

onsgründe einen Anspruch auf Wiedererwägung begründen (zum soge-

nannten «qualifizierten Wiedererwägungsgesuch» vgl. BVGE 2013/22 

E. 5.4 m.w.H.). 

6.  

Im Wiedererwägungsgesuch machte der Beschwerdeführer geltend, mit 

der Geburtsurkunde und den zwei Schreiben neue erhebliche Beweismittel 

vorzulegen, woran er auch auf Beschwerdeebene festhielt. Demgegenüber 

gelangt das Bundesverwaltungsgericht zur Auffassung, dass das Wieder-

erwägungsgesuch zu Recht aufgrund von ungenügend substanziierten Re-

visionsgründen im Sinn von Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG abgelehnt wurde, 

da die eingereichten Beweismittel nicht erheblich genug sind, eine Ände-

rung der getroffenen Gesamtwürdigung der Glaubhaftigkeitsmerkmale her-

beizuführen. Der Ansicht der Vorinstanz, dass die vorgelegten Dokumente 

von zu geringem Beweiswert seien, ist Folge zu leisten. So basiert die ein-

gereichte Geburtsurkunde auf einem Farbdruck und weist keine augen-

scheinlichen Sicherheitsmerkmale auf, weshalb davon auszugehen ist, 

dass eine Herstellung oder Reproduktion mit wenig Aufwand verbunden 

ist. Der eingereichten Bestätigung des Stammesoberhauptes ist ebenfalls 

ein geringer Beweiswert zuzumessen. Aus dem Aussageverhalten des Be-

schwerdeführers ergeben sich zudem Hinweise, dass es sich dabei um ein 

Gefälligkeitsschreiben handelt. So konnte der Beschwerdeführer im Zuge 

seiner Anhörung trotz mehrmaliger Nachfrage keine Dorfältesten oder Res-

pektspersonen nennen oder beschreiben (A 23, Seite 7). Es ist schwer 

nachvollziehbar, warum nun umgekehrt er einer solchen Respektsperson 

bekannt sein sollte. Auch die Wertung der Vorinstanz, bei dem Brief von 

E._______ handle es sich um ein Gefälligkeitsschreiben, ist nicht zu bean-

standen.  

In der angefochtenen Verfügung vom 26. September 2016 wies das SEM 

darauf hin, dass die vorgelegten Dokumente nicht geeignet sind, die Un-

gereimtheiten in den Schilderungen des Beschwerdeführers über seine 

Herkunft und über seine Ausreisegründe zu entkräften. Aus der Aktenlage 

ergibt sich sodann, dass der Beschwerdeführer zu Beginn unrichtige Al-

tersangaben machte, zwischen der summarischen Befragung und der ein-

lässlichen Anhörung sein Vorbringen steigerte, widersprüchliche Angaben 

zu seiner Clanzugehörigkeit machte und diese auf Vorhalt hin mit dem Ar-

gument zu erklären versuchte, die Clanzugehörigkeit sei für sein Leben in 

Somalia nicht so wichtig gewesen. In Zusammenschau mit den detailarmen 

Ausführungen zum angeblichen Herkunftsort und den dort herrschenden 

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Seite 6 

Gepflogenheiten sowie den Widersprüchen, in die sich der Beschwerde-

führer im Zuge seiner Ausführungen verwickelte, ist die Ansicht der Vo-

rinstanz, dass neue Dokumente von geringem Beweiswert die grundlegen-

den Zweifel an der Herkunft des Beschwerdeführers nicht beseitigen könn-

ten, berechtigt. An dieser Stelle ist auf die detaillierte Würdigung der Her-

kunftsangaben und der weiteren Vorbringen in der Verfügung des SEM 

vom 1. Juli 2016 zu verweisen.  

Der Schluss, dass die vorgelegten Dokumente, die den Ansprüchen eines 

Identitätsausweises bzw. Identitätspapiers nicht genügen (Art. 1a 

Bst. c AsylV 1), zu keiner wiedererwägungsweisen Änderung der Einschät-

zung in Bezug auf die fehlende Glaubhaftigkeit der Herkunftsangaben und 

der Gesuchsgründe führen können, ist nicht zu beanstanden. Die Vo-

rinstanz hat das Wiedererwägungsgesuch zu Recht abgelehnt. 

7.  

Dem Beschwerdeführer ist es nicht gelungen, relevante Revisionsgründe 

im Sinn von Art. 66 Abs. 2 VwVG geltend zu machen. Auch die weiteren in 

der Beschwerdebegründung enthaltenen Vorbringen sind revisionsrecht-

lich unerheblich. Die angefochtene Verfügung ist daher zu bestätigen. Den 

in materieller Hinsicht gestellten Anträgen, die Flüchtlingseigenschaft fest-

zustellen, Asyl zu gewähren oder andernfalls eine vorläufige Aufnahme an-

zuordnen, kann nicht entsprochen werden. Sie sind abzuweisen. Es be-

steht auch kein Anlass, weitere Abklärungen in Bezug auf die Herkunft des 

Beschwerdeführers durchzuführen, der Eventualantrag auf Zurückweisung 

der Sache an die Vorinstanz ist ebenfalls abzuweisen. 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

Mit dem vorliegenden Entscheid in der Hauptsache sind die Gesuche um 

provisorische beziehungsweise superprovisorische Massnahmen gegen-

standslos geworden. 

10.  

Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist abzuweisen, da die Be-

schwerde als aussichtlos zu werten ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG). 

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Seite 7 

11.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 1200.– festzusetzen (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 8 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.  

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 1200.– werden dem Beschwerdeführer auf-

erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Simon Thurnheer Anna Wildt 

 

 

Versand: