# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ef4cebb1-ed1f-5bb1-a922-306fbce980fb
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-03-06
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 06.03.2024 WBE.2022.511
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_WBE-2022-511_2024-03-06.pdf

## Full Text

Verwaltungsgericht 

2. Kammer 

 

WBE.2022.511 / ew / we 
ZEMIS [***], ZEMIS [***], ZEMIS [***],  

ZEMIS [***] (E.2022.097)  

Art. 15 

 

Urteil vom 6. März 2024 
 
 

Besetzung  Verwaltungsrichter Busslinger, Vorsitz  

Verwaltungsrichter Blocher  

Verwaltungsrichter Clavadetscher 

Gerichtsschreiberin William 

 

 
   

Beschwerde-

führer 1 

 A._____, von Eritrea,  

 

Beschwerde-

führer 2 

 B._____, von Eritrea, 

 

Beschwerde-

führer 3 

 C._____, von Eritrea,  

 

Beschwerde-

führerin 4 

 D._____, von Eritrea, 

 

alle drei vertreten durch A._____ 

 

alle vertreten durch lic. iur. Jürg Walker, Rechtsanwalt, 

Solothurnerstrasse 101, 4600 Olten    

 

gegen 

 

  Amt für Migration und Integration Kanton Aargau, Rechtsdienst, 

Bahnhofplatz 3C, 5001 Aarau    

 

 
 

   

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend Familiennachzug 

 

Entscheid des Amtes für Migration und Integration  

vom 29. November 2022 

  

 - 2 - 

 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht entnimmt den Akten: 

 

A. 

Der aus Eritrea stammende und 1981 geborene Beschwerdeführer 1 reiste 

am 11. April 2012 mit einem Laissez-Passer in die Schweiz ein, wo er um 

Asyl ersuchte (Akten des Amtes für Migration und Integration betreffend 

den Beschwerdeführer 1 [MI1-act.] 3 ff.). Nachdem er am 7. Juli 2012 als 

Flüchtling anerkannt und ihm Asyl gewährt worden war, wurde ihm am 

11. Juli 2014 eine hernach regelmässig verlängerte Aufenthaltsbewilligung 

erteilt (MI1-act. 20 f., 24, 97, 108, 111, 114, 118, 122, 127).  

 

Der Beschwerdeführer 1 musste in der Folge von der Sozialhilfe unterstützt 

werden. Nachdem er per 23. April 2018 eine Arbeitsstelle als Lagerhelfer 

angetreten hatte, vermochte er sich per 31. Januar 2019 von der Sozialhilfe 

zu lösen (MI1-act. 91). Am 17. Oktober 2019 ersuchte er das Staats-

sekretariat für Migration (SEM) um Familienzusammenführung für seine 

drei Kinder B._____ (geb. tt.mm.jjjj), C._____ (geb. tt.mm.jjjj) und D._____ 

(geb. tt.mm.jjjj), welche wie ihr Vater eritreische Staatsangehörige sind 

(MI1-act. 98 f.; Akten des Amtes für Migration und Integration betreffend 

den Beschwerdeführer 2 [MI2-act.] 3 ff.). Dieses Gesuch lehnte das SEM 

am 13. Mai 2020 ab (MI1-act. 100 ff.). Die hiergegen erhobene 

Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht am 31. Juli 2020 

ebenfalls ab (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-3096/2020 vom 

31. Juli 2020; MI2-act. 12 ff.). 

 

Mit einem auf den 5. August 2021 datierenden Gesuch (Posteingang: 

16. August 2021) ersuchte der Beschwerdeführer 1 beim Amt für Migration 

und Integration Kanton Aargau (MIKA) um den Nachzug seiner drei Kinder 

(MI2-act. 24 ff.). Hierauf stellte das MIKA mit Schreiben vom 14. Oktober 

2021 die Abweisung der Familiennachzugsgesuche aufgrund der Voll-

jährigkeit des ältesten Kindes und ansonsten verpasster Nachzugsfristen 

in Aussicht. Zugleich räumte es jedoch mittels mehrfach erstreckter Frist 

Gelegenheit zur Geltendmachung und Belegung wichtiger Gründe für 

einen nachträglichen Nachzug ein (MI2-act. 57 ff.). Der Beschwerdefüh-

rer 1 nahm hierauf mehrfach (und teilweise erst nach Ablauf der ihm ange-

setzten Fristen) zur beabsichtigten Abweisung des Familiennachzugsge-

suchs Stellung und reichte hierzu weitere Unterlagen nach (MI2-act. 67 ff., 

99 ff., 104 ff., 113 ff.). 

 

Am 23. August 2022 verfügte das MIKA die Ablehnung der Familiennach-

zugsgesuche und verweigerte den Kindern des Beschwerdeführers 1 die 

Einreise in die Schweiz (MI2-act. 118 ff.). 

 

 - 3 - 

 

 

B. 

Gegen die Verfügung des MIKA vom 23. August 2022 erhob der Beschwer-

deführer 1 mit Eingabe seines Rechtsanwalts vom 12. September 2022 

beim Rechtsdienst des MIKA (Vorinstanz) Einsprache (MI2-act. 133 ff.). 

 

Am 29. November 2022 erliess die Vorinstanz folgenden Einspracheent-

scheid (act. 1 ff.): 

 

1. 
Die Einsprache wird abgewiesen. 
 
2. 
Es werden keine Gebühren erhoben. 
 
3. 
Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

Auf die Begründung wird, soweit erforderlich, in den folgenden Erwägungen 

eingegangen.  

 

C. 

Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 21. Dezember 2022 erhoben die 

Beschwerdeführenden beim Verwaltungsgericht des Kantons Aargau (Ver-

waltungsgericht) Beschwerde und stellten folgende Anträge (act. 14 ff.): 

 

1. 
Der Einspracheentscheid des MIKA vom 29. November 2022 sei aufzuhe-
ben. 
 
2. 
Das Familiennachzugsgesuch für die Kinder B._____, C._____ und 
D._____ sei zu bewilligen. 
 
3. 
Eventuell sei die Angelegenheit an die Sektion Aufenthalt des MIKA zur 
Durchführung weiterer Abklärungen zurückzugeben 
 
4. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge. 

 

Die Begründung ergibt sich, soweit erforderlich, aus den nachstehenden 

Erwägungen. 

 

Nach Eingang des Kostenvorschusses beantragte die Vorinstanz die Ab-

weisung der Beschwerde, hielt an ihren Erwägungen im Einspracheent-

scheid fest und reichte aufforderungsgemäss die Akten ein (act. 42). 

 

Das Verwaltungsgericht hat den Fall auf dem Zirkularweg entschieden (vgl. 

§ 7 des Gerichtsorganisationsgesetzes vom 6. Dezember 2011 [GOG; 

SAR 155.200]). 

 - 4 - 

 

 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

 

I. 

1. 

Einspracheentscheide des MIKA können innert 30 Tagen seit Zustellung 

mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht weitergezogen werden (§ 9 

Abs. 1 des Einführungsgesetzes zum Ausländerrecht vom 25. November 

2008 [EGAR; SAR 122.600]). Beschwerden sind schriftlich einzureichen 

und müssen einen Antrag sowie eine Begründung enthalten; der angefoch-

tene Entscheid ist anzugeben, allfällige Beweismittel sind zu bezeichnen 

und soweit möglich beizufügen (§ 2 Abs. 1 EGAR i.V.m. § 43 des Gesetzes 

über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Dezember 2007 [Verwaltungs-

rechtspflegegesetz, VRPG; SAR 271.200]). 

 

Nachdem sich die vorliegende Beschwerde gegen den Einspracheent-

scheid der Vorinstanz vom 29. November 2022 richtet, ist die Zuständigkeit 

des Verwaltungsgerichts gegeben und auf die frist- und formgerecht einge-

reichte Beschwerde ist einzutreten. 

 

2.  

Unter Vorbehalt abweichender bundesrechtlicher Vorschriften oder Bestim-

mungen des EGAR können mit der Beschwerde an das Verwaltungsgericht 

einzig Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung oder Miss-

brauch des Ermessens, und unrichtige oder unvollständige Feststellung 

des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden. Die Ermessensüber-

prüfung steht dem Gericht jedoch grundsätzlich nicht zu (§ 9 Abs. 2 EGAR; 

vgl. auch § 55 Abs. 1 VRPG). Schranke der Ermessensausübung bildet 

das Verhältnismässigkeitsprinzip (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, in: MARTINA 

CARONI/THOMAS GÄCHTER/DANIELA THURNHERR [Hrsg.], Stämpflis Hand-

kommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer 

[AuG], Bern 2010, N. 7 zu Art. 96 mit Hinweisen). In diesem Zusammen-

hang hat das Verwaltungsgericht gemäss bundesgerichtlicher Recht-

sprechung insbesondere zu klären, ob die Vorinstanz die gemäss Art. 96 

des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die 

Integration vom 16. Dezember 2005 (Ausländer- und Integrationsgesetz, 

AIG; SR 142.20) relevanten Kriterien (öffentliche Interessen, persönliche 

Verhältnisse, Integration) berücksichtigt hat und ob diese rechtsfehlerfrei 

gewichtet wurden (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, a.a.O., N. 9 zu Art. 96). 

Schliesslich ist im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zu entscheiden, ob 

die getroffene Massnahme durch ein überwiegendes öffentliches Interesse 

gerechtfertigt erscheint (sog. Verhältnismässigkeit im engeren Sinn). 

 

 - 5 - 

 

 

II. 

1. 

1.1. 

Die Vorinstanz hält im angefochtenen Entscheid fest, dass die Nachzugs-

fristen bei allen Beschwerdeführenden verpasst worden seien und ein 

Nachzug des älteren Sohnes bereits aufgrund von dessen Volljährigkeit 

ausgeschlossen sei: Die altersabhängigen Nachzugsfristen würden nach 

Art. 73 Abs. 2 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbs-

tätigkeit vom 24. Oktober 2007 (VZAE; SR 142.201) mit der Erteilung der 

Aufenthaltsbewilligung und der Entstehung des Familienverhältnisses und 

nicht mit der Übertragung der elterlichen Sorge beginnen, weshalb die 

Nachzugsfristen spätestens mit der Erteilung der Aufenthaltsbewilligung an 

den Beschwerdeführer 1 am 11. Juli 2014 zu laufen begonnen hätten. 

Selbst wenn man entgegen dem klaren Wortlaut auf den Zeitpunkt der Sor-

gerechtsübertragung abstelle, seien die Nachzugsfristen vorliegend ver-

passt worden. Der Beschwerdeführer 1 habe überdies bei der Stellung 

seines asylrechtlichen Gesuchs um Familienzusammenführung in rechts-

missbräuchlicher Weise gefälschte Unterlagen zur Sorgerechtsüber-

tragung eingereicht und nach der letztinstanzlichen Verweigerung der 

Familienzusammenführung aus unerklärlichen Gründen mehr als ein Jahr 

zugewartet, bis er um migrationsrechtlichen Familiennachzug ersucht 

habe. Da die Nachzugsfristen bereits vor der Stellung des asylrechtlichen 

Gesuchs um Familienzusammenführung abgelaufen seien, habe die 

rechtskräftige Ablehnung des letztgenannten Gesuchs auch keinerlei Aus-

wirkungen auf den Fristenlauf mehr haben können.  

 

Wichtige familiäre Gründen für einen nachträglichen Familiennachzug 

seien nicht ersichtlich: Die von den Beschwerdeführenden geltend gemach-

ten Gründe für einen nachträglichen Nachzug bzw. die verspätete Ge-

suchseinreichung seien irrelevant respektive nicht ausreichend belegt oder 

unglaubhaft und könnten die verspätete Gesuchseinreichung nicht 

schlüssig erklären. Der Beschwerdeführer 1 habe sich erst sehr spät um 

eine Sorgerechtsübertragung bemüht und sei auch nach der rechts-

kräftigen Abweisung seines Gesuchs um Familienzusammenführung 

wegen gefälschter Sorgerechtsdokumenten noch über ein Jahr untätig ge-

blieben. Auch nach der Erlangung finanzieller Selbständigkeit habe er noch 

über acht Monate mit der Stellung eines Nachzugsgesuchs zugewartet. 

Dieses unnötig lange Zuwarten lasse auf ein eher geringes Interesse an 

einem Zusammenleben an einem bestimmten Ort schliessen. Soweit die 

Kinder überhaupt noch auf intensive Betreuung angewiesen seien, sei 

diese in Äthiopien weiterhin durch eine entgeltlich tätige Nachbarin sicher-

gestellt. Die angeblich unzumutbare Wohnsituation in Äthiopien sei unbe-

legt geblieben und könne ansonsten mittels Finanzierung einer grösseren 

Wohnung behoben werden. Sodann obliege es den nachzugswilligen 

Eltern, rechtzeitig die Voraussetzungen für einen fristgerechten Familien-

nachzug zu schaffen und könne entgegen der Ansicht der Beschwerdefüh-

 - 6 - 

 

 

renden auch nicht davon ausgegangen werden, dass eine Rückkehr zur 

Kindsmutter oder zum Grossvater in Eritrea unmöglich oder unzumutbar 

sei. Jedenfalls vermöchten weder die diesfalls allenfalls drohende Ein-

ziehung in den eritreischen Nationaldienst noch die aktuelle Sicherheits-

lage in Eritrea einen nachträglichen Familiennachzug zu rechtfertigen. 

Auch das Kindswohl gebiete keinen Nachzug, zumal diese hierdurch aus 

ihrem bisherigen sozialen Netz gerissen und sich nicht mehr in einem an-

passungsfähigen Alter befinden würden. Zudem würden die Kinder hier-

durch voneinander getrennt, nachdem ein Nachzug des ältesten Kindes 

bereits altersmässig ausser Betracht falle. Somit würden wichtige familiäre 

Gründe für einen nachträglichen Familiennachzug fehlen und spreche das 

Kindswohl, das rechtsmissbräuchliche Verhalten betreffend den Nachweis 

des Sorgerechts und das unnötige Zuwarten bzw. das Verzögern des Ver-

fahrensabschlusses gegen den nachträglichen Familiennachzug. Auf eine 

Kindsanhörung könne aufgrund des bereits rechtsgenüglich festgestellten 

Sachverhalts verzichtet werden. 

 

Abschliessend hält die Vorinstanz fest, dass die Verweigerung des 

Familiennachzugs beim bereits volljährigen Beschwerdeführers 2 mangels 

ersichtlichen Abhängigkeitsverhältnisses nicht in konventionsrechtlich 

geschützte Beziehungen eingreife und bei den jüngeren Kindern jedenfalls 

ein überwiegendes öffentliches Interesse an der Verweigerung eines nach-

träglichen Familiennachzugs bestehe. 

 

1.2.  

Die Beschwerdeführenden stellen sich in ihrer Beschwerde demgegenüber 

auf den Standpunkt, dass die Fristen für den Familiennachzug nach der 

rechtskräftigen Verweigerung eines Gesuchs um Familienasyl praxis-

gemäss wieder auflebten, weshalb für die Wahrung der Nachzugsfristen 

das asylrechtliche Gesuch um Familienzusammenführung massgeblich 

sei. Zudem bezögen sich die Nachzugsfristen nicht auf Konstellationen, wo 

der nachziehende Elternteil erst später die elterliche Sorge über seine 

Kinder erhalten habe, da zuvor weder eine asylrechtliche Familienzusam-

menführung noch ein migrationsrechtlicher Familiennachzug bewilligungs-

fähig gewesen sei. Die Frist für den Familiennachzug und das migrations-

rechtlich relevante Familienverhältnis könne damit erst mit der dokumen-

tierten Übertragung der elterlichen Sorge begonnen haben, nachdem die 

geschiedene Ehefrau des Beschwerdeführers 1 am 8. Oktober 2019 bzw. 

21. Juni 2020 zu dessen Gunsten auf die elterliche Sorge über die gemein-

samen Kinder verzichtet habe. Es sei widersinnig, wenn bereits vor der 

Übertragung der elterlichen Sorge oder der Erfüllung der finanziellen 

Voraussetzungen ein aussichtsloses Familiennachzugsgesuch gestellt 

werden müsse. Sodann sei eine Familienzusammenführung bzw. ein 

Familiennachzug erst möglich und notwendig geworden, nachdem die Kin-

der mit dem neuen Partner der Kindsmutter nicht zurechtgekommen seien 

und diese sich deshalb zu einer Sorgerechtsübertragung entschlossen 

 - 7 - 

 

 

habe. Bereits das (asylrechtliche) Gesuch um Familienzusammenführung 

vom 17. Oktober 2019 sei damit fristgerecht gestellt worden.  

 

Weiter verkenne das MIKA die Integrationsfähigkeit eritreischer Jugend-

licher, deren längere Abhängigkeit von ihren Eltern und die prekären Be-

treuungsverhältnisse am aktuellen Aufenthaltsort der Kinder in Äthiopien, 

wo sie im Gegensatz zur Schweiz keine innerfamiliären Bezugspersonen 

mehr hätten und sich die Wohnsituation massiv verschlechtert habe. Sie 

würden dort derzeit gegen Bezahlung durch eine Nachbarin betreut, welche 

sich aber auch um ihren pflegebedürftigen Ehemann kümmern müsse. Die 

Fortsetzung dieser Betreuung sei damit keineswegs sichergestellt. Die 

Kinder hätten in Äthiopien keine Perspektive, die Sicherheitslage sei 

instabil und sie würden inskünftig allenfalls nach Eritrea abgeschoben, wo 

die unbefristete Einziehung in den Militär- bzw. Nationaldienst, Zwangs-

arbeit, Misshandlung und Folter drohe. Die missliche Situation der Kinder 

könne letztlich nur durch die Bewilligung des Familiennachzugsgesuchs 

gelöst werden, woraus sich überdies auch ein konventionsrechtlich rele-

vantes Abhängigkeitsverhältnis ergebe. Weiter verkenne das MIKA, dass 

die Beschwerdeführenden 3 und 4 auf dem Weg der asylrechtlichen 

Familienzusammenführung ohnehin in die Schweiz kommen könnten. 

 

Die vorinstanzlichen Anforderungen an den Nachweis fehlender 

Betreuungsmöglichkeiten, an die prekären Wohnverhältnisse in Äthiopien 

und an den Hintergründen der Sorgerechtsübertragung seien sodann viel 

zu hoch angesetzt und würden den Nachzug von Kindern aus einer ge-

scheiterten Ehe generell verunmöglichen. Jedenfalls müssten die derzeit in 

Äthiopien lebenden Kinder vorgängig durch die dortige Auslandvertretung 

angehört werden.  

 

Die gestellten Familiennachzugsgesuche seien demnach gutzuheissen, da 

entweder von der Einhaltung der Nachzugsfristen auszugehen sei oder 

wichtige familiäre Gründe für einen nachträglichen Nachzug vorliegen 

würden. Insbesondere für den bereits volljährigen Sohn könne die 

Aufenthaltsregelung alternativ auch direkt auf das Recht auf Familienleben 

nach Art. 8 EMRK gestützt werden. 

 

2.  

2.1.  

2.1.1. 

Ausländischen Ehegatten und ledigen Kindern unter 18 Jahren von Perso-

nen mit Aufenthaltsbewilligung kann gemäss Art. 44 Abs. 1 AIG eine Auf-

enthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzugs erteilt werden, wenn 

sie mit diesen zusammenwohnen (lit. a), eine bedarfsgerechte Wohnung 

vorhanden ist (lit. b), sie nicht auf Sozialhilfe angewiesen sind (lit. c), sie 

sich in der am Wohnort gesprochenen Landesprache verständigen können 

(lit. d) und die nachziehende Person keine jährlichen Ergänzungsleistun-

 - 8 - 

 

 

gen nach dem Bundesgesetz über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hin-

terlassenen- und Invalidenversicherung vom 6. Oktober 2006 (ELG; 

SR 831.30) bezieht oder wegen des Familiennachzugs beziehen könnte 

(lit. e). Bei ledigen Kindern unter 18 Jahren findet die Voraussetzung nach 

Art. 44 Abs. 1 lit. d AIG keine Anwendung (Art. 44 Abs. 3 AIG). 

 

Für die Frage, ob die Altersgrenze von 18 Jahren eingehalten wurde, ist 

das Alter des Kindes bei der Gesuchseinreichung massgeblich 

(BGE 136 II 497, Erw. 3.4; MARC SPESCHA, in: MARC SPESCHA/ANDREAS 

ZÜND/PETER BOLZLI/CONSTANTIN HRUSCHKA/FANNY DE WECK [Hrsg.], Kom-

mentar Migrationsrecht, 5. Aufl., Zürich 2019, N. 1 zu Art. 47 AIG). Die 

übrigen materiellen Voraussetzungen für einen Familiennachzug gestützt 

auf Art. 44 Abs. 1 AIG müssen zu einem beliebigen Zeitpunkt zwischen der 

Gesuchseinreichung und der Vollendung des 18. Altersjahres des nachzu-

ziehenden Kindes bzw. dem Entscheidzeitpunkt alle zugleich erfüllt sein 

(Entscheide des Verwaltungsgerichts WBE.2015.341 vom 3. März 2017, 

Erw. II/3.3, WBE.2019.83 vom 2. September 2020, Erw. II/4.2, 

WBE.2022.424 vom 7. September 2023, Erw. II/2.1.1). 

 

Der Nachzug nach Art. 44 AIG ist subsidiär zum Familienasyl nach Art. 51 

AsylG, welches asylberechtigten Flüchtlingen (vorbehaltlich besonderer 

Umstände) den Nachzug ihrer minderjähriger Kinder ermöglicht, sofern die 

Familie durch die Flucht getrennt wurde (BGE 145 II 105, Erw. 3.7). Weder 

die asylrechtliche noch die ausländerrechtliche Regelung sehen einen 

Nachzug von volljährigen Kindern vor, welche bei Gesuchstellung bereits 

das 18. Altersjahr überschritten haben. Durch den Gesetzgeber und die 

Gerichtspraxis nicht geklärt ist die Frage, ob ausnahmsweise auch noch 

ein Nachzug von über 18-jährigen Kindern zulässig sein kann, wenn bereits 

vor der Volljährigkeit des Kindes erfolglos um Familienasyl ersucht wurde, 

jedoch aufgrund des Primats des asylrechtlichen Verfahrens nie die 

Möglichkeit bestand, noch vor der Volljährigkeit des Kindes ein ausländer-

rechtliches Nachzugsgesuch zu stellen. Das Verpassen der Altersgrenze 

stellt praxisgemäss keinen wichtigen familiären Grund für einen nachträg-

lichen Familiennachzug im Sinn von Art. 47 Abs. 4 AIG bzw. Art. 73 Abs. 3 

VZAE dar, der sich grundsätzlich nur auf das Verpassen der Nachzugsfrist 

bezieht und keine Ausnahmen von der Altersgrenze vorsieht (so zumindest 

implizit auch der Entscheid des Verwaltungsgerichts WBE.2022.424 vom 

7. September 2023, Erw. II/2.3.1.2). Sollte ein Nachzug volljähriger Kinder 

aufgrund eines zuvor erfolglos durchlaufenen Gesuchs um Familienasyl 

gleichwohl ausnahmsweise in Betracht gezogen werden, könnte dies 

jedenfalls höchstens eine kurze Übergangsfrist nach Abschluss des asyl-

rechtlichen Verfahrens betreffen: So wird gemäss Art. 47 Abs. 1 AIG und 

Art. 73 Abs. 1 VZAE bereits ab dem 12. Altersjahr eine Gesuchstellung 

innert Jahresfrist erwartet. Umso mehr müssen Nachzugsgesuche für 

bereits volljährige Kinder anerkannter Flüchtlinge – soweit diese nach der 

 - 9 - 

 

 

dargelegten Gesetzeslage überhaupt noch bewilligungsfähig sind – zeitnah 

gestellt werden, sobald das Primat des Asylverfahrens nicht mehr gilt. 

 

2.1.2.  

Das aktuell zur Beurteilung stehende Gesuch um Familiennachzug datiert 

vom 5. August 2021 (Posteingang: 16. August 2021; MI2-act. 24). Der Be-

schwerdeführer 2 wurde am tt.mm.jjjj geboren und war damit bei Gesuchs-

einreichung bereits über 18 Jahre alt, weshalb sein Familiennachzug an 

der Altersgrenze von Art. 44 Abs. 1 AIG scheitert. Hieran vermag auch der 

Umstand nichts zu ändern, dass noch vor Erreichung der Altersgrenze ein 

(erfolgloses) asylrechtliches Gesuch um Familienzusammenführung 

gestellt worden war: Das Gesuch um Familienzusammenführung wurde 

bereits am 31. Juli 2020 letztinstanzlich abgelehnt. Gleichwohl wurde in der 

Folge über ein Jahr zugewartet und ein entsprechendes Nachzugsgesuch 

für den Beschwerdeführer 2 erst am 5. August 2021 (Posteingang: 16. Au-

gust 2021) beim MIKA gestellt. Es wäre den Beschwerdeführenden ohne 

Weiteres möglich und zumutbar gewesen, das Gesuch für den Beschwer-

deführer 2 zeitnah nach Erledigung des asylrechtlichen Verfahrens zu 

stellen, während ihr langes Zuwarten schon mit Blick auf die Einjahresfrist 

von Art. 47 Abs. 1 AIG bzw. Art. 73 Abs. 1 VZAE keine Relativierung der 

Altersgrenze von Art. 44 Abs. 1 AIG rechtfertigt. Es kann offenbleiben, 

inwieweit in anderen Konstellation, wo aufgrund des Primats des asylrecht-

lichen Verfahrens nicht rechtzeitig um Familiennachzug ersucht werden 

konnte, ausnahmsweise eine Relativierung der Altersgrenze zulässig sein 

könnte. Ebenso kann offenbleiben, inwiefern vorliegend überhaupt die 

rechtskräftige Ablehnung des Familienasyls abgewartet werden musste 

und nicht bereits parallel dazu gestützt auf die Bestimmungen des AIG um 

den Nachzug des Beschwerdeführers 2 hätte ersucht werden können.  

 

Das Nachzugsgesuch für den Beschwerdeführer 1 gestützt auf Art. 44 AIG 

scheitert damit bereits an dessen Volljährigkeit. 

 

2.1.3.  

Die Beschwerdeführenden 3 und 4 waren bei Einreichung des Gesuchs 

vom 5. August 2021 beide noch minderjährig, weshalb ihr Familiennachzug 

unbestrittenermassen nicht schon an der Altersgrenze von Art. 44 AIG 

scheitert. Inwieweit die übrigen materiellen Voraussetzungen von Art. 44 

Abs. 1 lit. a bis c AIG erfüllt sind, kann jedoch offenbleiben, da ihr Nachzug, 

wie nachfolgend zu zeigen sein wird, an der Nichteinhaltung der Nachzugs-

fristen von Art. 73 Abs. 1 VZAE und dem Fehlen wichtiger familiärer 

Gründe für einen nachträglichen Familiennachzug (Art. 73 Abs. 3 VZAE) 

scheitert. 

 

 - 10 - 

 

 

2.2.  

2.2.1.  

Gemäss Art. 47 Abs. 1 AIG i.V.m. Art. 73 Abs. 1 VZAE müssen Gesuche 

um Familiennachzug von Ehegatten und Kindern von Personen mit einer 

Aufenthaltsbewilligung innerhalb von fünf Jahren eingereicht werden. Das 

Gesuch für den Nachzug von Kindern über zwölf Jahre muss innerhalb von 

zwölf Monaten eingereicht werden. Die Fristen beginnen mit der Erteilung 

der Aufenthaltsbewilligung oder mit der Entstehung des Familienverhält-

nisses zu laufen (Art. 47 Abs. 3 AIG in Verbindung mit Art. 73 Abs. 2 VZAE, 

vgl. zur konkreten Fristberechnung Entscheid des Verwaltungsgerichts 

WBE.2019.410 vom 27. April 2020, Erw. II/2.2.1).  

 

Nachzugsgesuche sind nach bundesgerichtlicher Praxis auch dann fristge-

recht zu stellen, wenn sie aufgrund einer nicht als bedarfsgerecht einge-

stuften Wohnung oder zu geringer finanzieller Mittel (noch) nicht erfolgver-

sprechend sind (BGE 137 II 393, Erw. 3.3; THOMAS GEISER/FELIX 

BLOCHER/MARC BUSSLINGER, Ausländische Personen als Ehepartner und 

registrierte Partnerinnen, in: PETER UEBERSAX/BEAT RUDIN/THOMAS HUGI 

YAR/THOMAS GEISER/LUZIA VETTERLI [Hrsg.], Handbücher für die Anwalts-

praxis [HAP], Ausländerrecht, 3. Aufl., Basel 2022, Rz. 23.141).  

 

Der Familiennachzug von Kindern setzt grundsätzlich voraus, dass der 

nachziehende Elternteil (allein) sorgeberechtigt ist (vgl. BGE 136 II 78, 

Erw. 4.8 = Pra 99 [2010] Nr. 70, Erw. 4.8). Gemäss bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung liegt es jedoch in der Verantwortung der Eltern, frühzeitig 

eine sachgerechte Regelung des Sorgerechts sicherzustellen, wenn der 

eine Elternteil das Heimatland verlässt. Ob die Sorgerechtszuteilung hier-

bei bereits bei der Scheidung der Eltern oder erst nach derselben (erst-

mals) geregelt wurde, erscheint irrelevant. Bei vorbestehendem Kindsver-

hältnis lässt damit auch eine nachträgliche Übertragung des elterlichen 

Sorgerechts die Nachzugsfristen nicht wieder neu aufleben (Urteil des Bun-

desgerichts 2C_174/2012 vom 22. Oktober 2012, Erw. 3.2).  

 

Ist erfolglos, aber noch innert der ausländerrechtlichen Nachzugsfristen um 

Familienasyl ersucht worden, ist für den Fristenlauf auf den (rechtskräf-

tigen) Endentscheid betreffend die asylrechtliche Ablehnung des Familien-

nachzugs abzustellen, soweit aufgrund des Primats des asylrechtlichen 

Verfahrens kein früheres Nachzugsgesuch nach Art. 44 AIG gestellt 

werden konnte (BGE 145 II 105, Erw. 3.10). Ist die Nachzugsfrist bei Stel-

lung des asylrechtlichen Gesuchs um Familienasyl hingegen bereits abge-

laufen, lebt die Nachzugsfrist auch durch den Abschluss des asylrecht-

lichen Verfahrens nicht wieder auf, weshalb sowohl das erste, erfolglose, 

als auch das zweite Gesuch jeweils innerhalb der entsprechenden Fristen 

von Art. 47 AIG bzw. Art. 73 VZAE zu stellen sind (BGE 137 II 393, Erw. 3.3 

S. 397 = Pra 2012 Nr. 26; THOMAS GEISER/FELIX BLOCHER/MARC 

BUSSLINGER, a.a.O., Rz. 23.131). 

 - 11 - 

 

 

 

Werden diese Fristen nicht eingehalten, liegt ein nachträglicher Familien-

nachzug vor. Dieser ist nur bei Vorliegen wichtiger familiärer Gründe zu 

bewilligen (Art. 47 Abs. 4 AIG i.V.m. Art. 73 Abs. 3 VZAE). Hierbei kann 

allenfalls auch den Umständen für die nachträgliche Übertragung der elter-

lichen Sorge oder der nicht fristgerechten Erfüllung der materiellen Nach-

zugsvoraussetzungen Rechnung getragen werden (vgl. dazu auch 

BGE 146 I 185, Erw 7.1.2). 

 

2.2.2.  

Am 7. Juli 2014 wurde der Beschwerdeführer 1 als Flüchtling anerkannt 

und es wurde ihm Asyl gewährt (MI1-act. 20 f.). Am 11. Juli 2014 wurde 

ihm eine Aufenthaltsbewilligung erteilt (MI1-act. 22 ff.). Da zu diesem Zeit-

punkt bereits Kindesverhältnisse zu all seinen Kindern bestanden, lief die 

fünfjährige Nachzugsfrist für das jüngste Kind im Juli 2019 ab. Für den am 

tt.mm.jjjj geborenen Sohn verkürzte sich die Nachzugsfrist hingegen mit 

Überschreiten des 12. Altersjahres auf zwölf Monate, womit dessen Nach-

zugsfrist bereits Klicken oder tippen Sie hier, um Text einzugeben. ablief. 

Das erst am 17. Oktober 2019 gestellte Gesuch um (asylrechtlichen) 

Familiennachzug bzw. Familienasyl wurde damit nicht mehr innert der 

ausländerrechtlichen Nachzugsfristen gestellt, womit auch das 

nachfolgende Gesuch um Familiennachzug vorbehaltlich wichtiger 

familiärer Gründe für einen nachträglichen Familiennachzug nicht mehr 

bewilligungsfähig ist.  

 

Nach dargelegter Praxis nicht fristauslösend ist hingegen die Umteilung der 

elterlichen Sorge. Ebensowenig vermag es den Fristenlauf zu beeinflussen, 

dass es dem Beschwerdeführer 1 eigenen Angaben zufolge erst nach Frist-

ablauf gelungen ist, die finanziellen Nachzugsvoraussetzungen zu erfüllen 

(vgl. dazu auch Urteil des Bundesgerichts 2C_948/2019 vom 24. April 

2020, Erw. 2.3.4). Vielmehr ist den näheren Umständen für die nachträg-

liche Übertragung der elterlichen Sorge und den weiteren Umständen, 

welcher einer rechtzeitigen Erfüllung der Nachzugsvoraussetzungen ent-

gegengestanden haben, gegebenenfalls bei der Prüfung der wichtigen fa-

miliären Gründe für ein nachträgliches Familiengesuch Rechnung zu 

tragen. 

 

Folglich sind die Nachzugsgesuche für die beiden jüngeren Kinder (Be-

schwerdeführer 3 und 4) als nachträgliche Familiennachzugsgesuche im 

Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG i.V.m. Art. 73 Abs. 3 VZAE zu qualifizieren, 

die lediglich bei Vorliegen wichtiger familiärer Gründe bewilligt werden 

können. Beim ältesten Sohn (Beschwerdeführer 2) scheitert der Nachzug 

jedoch bereits an der Altersgrenze von Art. 44 Abs. 1 AIG, ohne dass das 

Vorliegen wichtiger familiärer Gründe noch zu prüfen wäre. 

 

 - 12 - 

 

 

2.3.  

2.3.1.  

2.3.1.1.  

Wichtige familiäre Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG i.V.m. Art. 73 

Abs. 3 VZAE liegen gemäss Art. 75 VZAE vor, wenn das Kindswohl nur 

durch einen Nachzug in die Schweiz sachgerecht gewahrt werden kann. 

Entgegen dem Wortlaut der Verordnungsbestimmung ist der bundes-

gerichtlichen Rechtsprechung zufolge jedoch nicht ausschliesslich auf das 

Kindswohl abzustellen. Vielmehr bedarf es einer Gesamtschau unter Be-

rücksichtigung aller relevanten Elemente im Einzelfall. Im Falle einer Sor-

gerechtsumteilung nach Ablauf der Nachzugsfrist ist insbesondere zu be-

rücksichtigen, ob eine frühere Sorgerechtsumteilung zumutbar und sinnvoll 

gewesen wäre oder die Neuregelung des Sorgerechts allein der Ermög-

lichung eines Familiennachzugs dienen sollte. War ein früherer Nachzug 

nicht möglich, weil noch nicht alle materiellen Nachzugsvoraussetzungen 

erfüllt waren, kann allenfalls auch den konkreten Umständen Rechnung ge-

tragen werden, welche einer rechtzeitigen Erfüllung der Nachzugsvoraus-

setzungen entgegengestanden haben. Grundsätzlich stellt es aber noch 

keinen wichtigen Grund für einen nachträglichen Nachzug dar, dass es der 

betroffenen ausländischen Person nicht gelungen ist, die materiellen Nach-

zugsvoraussetzungen fristgerecht zu erfüllen (vgl. THOMAS GEISER/FELIX 

BLOCHER/MARC BUSSLINGER, a.a.O., § 23.141, mit Hinweisen; vgl. aber 

auch BGE 146 I 185, Erw. 7.1.2). Dabei soll nach dem Willen des Gesetz-

gebers die Bewilligung eines Familiennachzugs, der nach Ablauf der ge-

setzlichen Fristen beantragt wurde, die Ausnahme und nicht die Regel 

bilden (zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 2C_767/2015 vom 

19. Februar 2016, Erw. 5.1.1). 

 

2.3.1.2.  

In Bezug auf den massgeblichen Zeitpunkt, in welchem wichtige familiäre 

Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG i.V.m. Art. 73 Abs. 3 VZAE vorlie-

gen müssen, ist zunächst auf den Sachverhalt im Zeitpunkt der Gesuchs-

einreichung abzustellen (vgl. BGE 136 II 497, Erw. 3.4). Waren sämtliche 

Voraussetzungen für den nachträglichen Familiennachzug bereits zu je-

nem Zeitpunkt erfüllt, ist das Gesuch zu bewilligen bzw. eine Einsprache 

oder Beschwerde gutzuheissen. Andernfalls ist die Entwicklung ab Ge-

suchseinreichung in die Beurteilung miteinzubeziehen. Stellt sich nämlich 

heraus, dass im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung noch keine wichtigen 

familiären Gründe vorlagen, diese jedoch im Laufe des Verfahrens einge-

treten sind, ist eine Einsprache oder eine Beschwerde gutzuheissen, sofern 

in jenem Zeitpunkt auch die übrigen Voraussetzungen für den Familien-

nachzug zeitgleich erfüllt waren. Geht es um den Nachzug eines Kindes, 

darf in jenem Zeitpunkt zudem das nachzuziehende Kind noch nicht 

18 Jahre alt gewesen sein. Dieselben Überlegungen gelten auch, wenn 

eine andere Voraussetzung für den Familiennachzug (Wohnung, finan-

 - 13 - 

 

 

zielle Mittel etc.) im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung noch nicht erfüllt 

war. 

 

Ein nachträgliches Familiennachzugsgesuch ist mit anderen Worten dann 

zu bewilligen, wenn zu einem beliebigen Zeitpunkt zwischen der Gesuchs-

einreichung und dem Entscheidzeitpunkt – beim Kindernachzug zwischen 

der Gesuchseinreichung und der Vollendung des 18. Altersjahres des 

nachzuziehenden Kindes bzw. dem Entscheidzeitpunkt – sämtliche Vor-

aussetzungen für den (nachträglichen) Familiennachzug gleichzeitig erfüllt 

waren. Dies geht auch aus dem Gebot der rechtsgleichen Behandlung her-

vor, da andernfalls der Ausgang eines Familiennachzugsverfahrens vom 

jeweiligen Zeitpunkt abhängig wäre, in welchem die zuständige Behörde 

über das Gesuch befindet (Entscheid des Verwaltungsgerichts 

WBE.2015.341 vom 3. März 2017, Erw. II/3.3). 

 

Für die Beurteilung der wichtigen familiären Gründe beim Kindernachzug 

bedeutet dies, dass im Hinblick auf die altersspezifische Betreuungsbedürf-

tigkeit auf das jeweilige Alter des Kindes in dem Zeitpunkt abzustellen ist, 

in dem die wichtigen familiären Gründe behaupteterweise eintraten und 

sämtliche weiteren Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt waren – und nicht 

auf den Entscheidzeitpunkt. 

 

2.3.1.3.  

In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob wichtige familiäre Gründe vorliegen, 

die den Familiennachzug offensichtlich gebieten. Hinsichtlich des nachträg-

lichen Nachzugs eines Kindes ist dies der Fall, wenn das Kindswohl bzw. 

das übergeordnete Kindsinteresse nur durch einen Nachzug in die Schweiz 

gewahrt werden kann (Art. 75 VZAE), wobei diese Voraussetzung gemäss 

Rechtsprechung des Bundesgerichts erfüllt ist, wenn das Kindswohl 

schwergewichtig nur durch den Nachzug in die Schweiz sachgerecht ge-

wahrt werden kann (Urteil des Bundesgerichts 2C_182/2016 vom 11. No-

vember 2016, Erw. 2.2 m.w.H.; zum übergeordneten Kindsinteresse vgl. 

MARTINA CARONI, Die vorrangige Berücksichtigung des übergeordneten 

Kindesinteresses im Migrationsrecht – Menschenrechtliche Praxis, in: 

ALBERTO ACHERMANN/CESLA AMARELLE/VÉRONIQUE BOILLET/MARTINA 

CARONI/ASTRID EPINEY/PETER UEBERSAX [Hrsg.], Jahrbuch für Migrations-

recht 2022/2023, Bern 2023, S. 3 ff., S. 6 ff.). Angesprochen sind hier ins-

besondere Fälle, in denen die bisherige Betreuungssituation des nachzu-

ziehenden Kindes wegfällt, ohne dass im Heimatland eine adäquate Alter-

native gegeben wäre, oder in denen sich der Gesundheitszustand des 

nachzuziehenden Kindes wesentlich verschlechtert, ohne dass im Heimat-

land adäquate Behandlungsmöglichkeiten bestünden. An den Nachweis 

der fehlenden Betreuungsmöglichkeit im Heimatland stellt die Recht-

sprechung umso höhere Anforderungen, je älter das nachzuziehende Kind 

ist, je grösser die Integrationsschwierigkeiten erscheinen, die ihm hier 

drohen, und je schwächer die zum in der Schweiz lebenden Elternteil be-

 - 14 - 

 

 

stehende Vorbeziehung erscheint (zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 

2C_767/2015 vom 19. Februar 2016, Erw. 5.1.2). Der nachträgliche Fami-

liennachzug ist nach ständiger Rechtsprechung indes nicht erst zuzulas-

sen, wenn überhaupt keine Alternativen zur Betreuung durch den oder die 

in der Schweiz lebenden Familienangehörigen mehr ersichtlich sind (Urteile 

des Bundesgerichts 2C_493/2020 vom 22. Februar 2021, Erw. 2.5.2; 

2C_591/2017 vom 16. April 2018, Erw. 2.2.2; 2C_467/2016 vom 13. Feb-

ruar 2017, Erw. 3.1.3; 2C_767/2015 vom 19. Februar 2016, Erw. 5.1.2). 

 

Liegen keine derartigen Umstände vor, würde aber Art. 8 EMRK durch die 

Verweigerung des Familiennachzugs tangiert, ist zu prüfen, ob die Verwei-

gerung des Familiennachzugs zu einer Verletzung von Art. 8 EMRK führen 

würde und deshalb vom Vorliegen wichtiger familiärer Gründe auszugehen 

ist (vgl. zum Ganzen Entscheid des Verwaltungsgerichts WBE.2022.424 

vom 7. September 2023, Erw. II/2.3.1.3). 

 

2.3.1.4.  

2.3.1.4.1.  

Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist das nationale Gesetzes-

recht möglichst verfassungs- und konventionskonform auszulegen (vgl. 

Urteile des Bundesgerichts 2C_432/2016 vom 26. Januar 2018, Erw. 5.3.1, 

und 2C_1050/2016 vom 10. März 2017, Erw. 5.1). Wird der Familiennach-

zug eines Kindes zu einem Elternteil oder des einen Ehegatten zum ande-

ren verweigert, geht damit regelhaft ein Eingriff in das durch Art. 8 EMRK 

geschützte Familienleben einher. Die Fristenregelung von Art. 47 AIG 

i.V.m. Art. 73 VZAE bildet indes eine ausreichende gesetzliche Grundlage 

für den Eingriff im Sinne von Art. 8 Ziff. 2 EMRK. Entsprechend gilt der Ein-

griff nach Massgabe von Art. 8 Ziff. 2 EMRK als gerechtfertigt, sofern er 

sich im konkreten Einzelfall in einer demokratischen Gesellschaft als not-

wendig, d.h. als verhältnismässig, erweist (Urteil des Bundesgerichts 

2C_323/2018 vom 21. September 2018, Erw. 6.5.1). Ist dies zu bejahen, 

hält die Verweigerung des Familiennachzugs vor Art. 8 EMRK stand. 

 

Nach dem Gesagten ist bei der Beurteilung, ob nach nationalem Recht der 

Familiennachzug eines Kindes oder des Ehegatten trotz Verpassens der 

Nachzugsfrist gemäss Art. 47 Abs. 1 AIG bzw. Art. 73 Abs. 1 VZAE zu be-

willigen ist, die Ausnahmeregelung von Art. 47 Abs. 4 AIG i.V.m. Art. 73 

Abs. 4 VZAE so zu handhaben – mithin der unbestimmte Rechtsbegriff der 

wichtigen familiären Gründe so auszulegen –, dass das durch Art. 8 EMRK 

geschützte Familienleben der Betroffenen nicht verletzt wird. Um dies si-

cherzustellen, ist im Rahmen der Gesamtschau, derer es hinsichtlich des 

allfälligen Vorliegens wichtiger Gründe für einen nachträglichen Familien-

nachzug bedarf (siehe vorne Erw. II/ 2.3.1.1), grundsätzlich eine umfas-

sende Interessenabwägung vorzunehmen (vgl. zum Ganzen Urteil des 

Bundesgerichts 2C_889/2018 vom 24. Mai 2019, Erw. 3.1 mit Hinweisen; 

vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 2C_386/2016 vom 22. Mai 2017, 

 - 15 - 

 

 

Erw. 2.3.2). Erweist sich unter Berücksichtigung aller relevanten Umstände 

im Einzelfall die Verweigerung des nachträglichen Familiennachzugs als 

unverhältnismässig und damit als konventionswidrig (Art. 8 Ziff. 2 EMRK), 

ist gleichsam davon auszugehen, dass bei gesamthafter Betrachtung wich-

tige familiäre Gründe für den nachträglichen Familiennachzug im Sinne von 

Art. 47 Abs. 4 AIG bzw. Art. 73 Abs. 4 VZAE vorliegen. Mit anderen Wor-

ten: Vermag das öffentliche Interesse an der Verweigerung des verspätet 

beantragten Familiennachzugs das private Interesse an dessen Bewilli-

gung nicht zu überwiegen, ist dieser bereits unter nationalem Recht – 

gestützt auf Art. 47 Abs. 4 AIG bzw. Art. 73 Abs. 4 VZAE – zu bewilligen. 

 

Das Bundesgericht hat diesbezüglich festgehalten, dass das Vorliegen 

wichtiger familiärer Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG bzw. Art. 73 

Abs. 4 VZAE mit Blick auf Art. 8 EMRK nicht auf Gründe zu beschränken 

ist, die nicht vorhersehbar waren. Lassen die Gesamtumstände darauf 

schliessen, dass die Familie über längere Zeit freiwillig getrennt gelebt hat, 

geht das Interesse des Staates an einer restriktiven Einwanderungspolitik, 

der ratio legis von Art. 47 Abs. 4 AIG bzw. Art. 73 Abs. 4 VZAE folgend, 

den verspätet vorgebrachten Interessen der Betroffenen an einer Familien-

zusammenführung in der Schweiz jedoch regelmässig vor. Werden dem-

gegenüber objektiv nachvollziehbare Umstände rechtsgenügend dargetan, 

die darauf schliessen lassen, dass das Getrenntleben nicht freiwillig er-

folgte, ist der Familiennachzug bei Wegfallen dieser Umstände in der Regel 

zu bewilligen (BGE 146 I 185, Erw. 7.1.1). Als nachvollziehbare Umstände 

fallen insbesondere das Fehlen einer materiellen Nachzugsvoraussetzung 

wie einer bedarfsgerechten Wohnung oder genügender finanzieller Res-

sourcen für den Familienunterhalt in Betracht (BGE 146 I 185, Erw 7.1.2). 

Liegen derartige Umstände vor, kann sich zumindest bei fehlendem Ver-

schulden an der nicht fristgerechten Erfüllung der materiellen Nachzugs-

voraussetzungen eine umfassende Interessenabwägung erübrigen und ist 

– ähnlich wie bei Vorliegen von Umständen, die den nachträglichen Fami-

liennachzug offensichtlich gebieten (vgl. vorne Erw. II/2.3.1.3) – ohne 

weiteres von wichtigen familiären Gründen im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG 

bzw. Art. 73 Abs. 4 VZAE auszugehen. 

 

Das Vorliegen wichtiger familiärer Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG 

bzw. Art. 73 Abs. 4 VZAE hängt zudem nicht davon ab, ob es den Be-

troffenen unmöglich ist, das Familienleben im Ausland zu führen, da dies 

keine gesetzliche Voraussetzung für den Familiennachzug darstellt (vgl. 

BGE 146 I 185, Erw. 7.2). 

 

Zu den entgegenstehenden öffentlichen und privaten Interessen betreffend 

den nachträglichen Familiennachzug eines Kindes ist mit der bundesge-

richtlichen Rechtsprechung das Folgende festzuhalten (vgl. Entscheid des 

Verwaltungsgerichts WBE.2022.424 vom 7. September 2023, 

Erw. II/2.3.1.4 ff.): 

 - 16 - 

 

 

 

2.3.1.4.2.  

Was das öffentliche Interesse angeht, soll mit der gesetzlichen Befristung 

des Familiennachzugs die rasche Integration der nachzuziehenden Ange-

hörigen und insbesondere der Kinder gefördert werden. Durch einen früh-

zeitigen Nachzug sollen diese unter anderem eine möglichst umfassende 

Schulbildung in der Schweiz geniessen. Gleichzeitig kommt den Nachzugs-

fristen die Funktion zu, den Zuzug ausländischer Personen zu steuern bzw. 

zu beschränken. Die Fristenregelung von Art. 47 AIG bzw. Art. 73 VZAE 

bildet einen Kompromiss zwischen den genannten, legitimen, öffentlichen 

Interessen und dem konträren Anliegen der Ermöglichung des Familien-

lebens (Urteil des Bundesgerichts 2C_889/2018 vom 24. Mai 2019, 

Erw. 3.1 mit Hinweisen). Vor diesem Hintergrund ist rechtsprechungs-

gemäss von einem entsprechend grossen öffentlichen Interesse an der 

Verweigerung des Familiennachzugs auszugehen, wenn die Fristen von 

Art. 47 Abs. 1 AIG bzw. Art. 73 Abs. 1 VZAE nicht eingehalten wurden (vgl. 

Entscheide des Verwaltungsgerichts WBE.2019.410 vom 27. April 2020, 

Erw. II/2.3.1.4.2, WBE.2019.1 vom 22. Januar 2020, Erw. II/3.4.1, und 

WBE.2015.476 vom 29. Juni 2016, Erw. II/4).  

 

Abhängig vom Alter des nachzuziehenden Kindes im Gesuchszeitpunkt 

bzw. im Zeitpunkt, da sämtliche Nachzugsvoraussetzungen erfüllt gewesen 

sein sollen (siehe vorne Erw. II/2.3.1.2), kann sich sodann das öffentliche 

Interesse an der Verweigerung eines nachträglichen Kindernachzugs im 

Einzelfall weiter erhöhen oder kann tiefer zu veranschlagen sein. Entschei-

dend sind dabei wiederum die im Fall einer Bewilligung des nachträglichen 

Familiennachzugs zu erwartenden Integrationsschwierigkeiten in der 

Schweiz, welche grundsätzlich mit dem Alter des nachzuziehenden Kindes 

zunehmen. Als Ausgangs- und Scheidepunkt für die Bemessung der zu er-

wartenden Integrationsschwierigkeiten drängt sich die Vollendung des 

13. Lebensjahres auf, hat doch der Gesetzgeber mit der Fristverkürzung 

auf zwölf Monate für Kinder über zwölf Jahren (Art. 47 Abs. 1 Satz 2 AIG, 

vgl. auch Art. 73 Abs. 1 Satz 2 VZAE) festgelegt, dass der Nachzug eines 

Kindes prinzipiell vor dessen 13. Geburtstag zu beantragen ist (vgl. Bot-

schaft vom 8. März 2002 zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und 

Ausländer [Botschaft AuG], Bundesblatt [BBl] 2002 3709 ff., 3792 f.). Nach 

dem Gesagten erhöht sich das öffentliche Interesse mit Blick auf die zu 

erwartenden Integrationsschwierigkeiten in der Schweiz entsprechend wei-

ter, wenn das nachträglich nachzuziehende Kind im massgeblichen Zeit-

punkt bereits wesentlich älter als 13 Jahre ist. Ist demgegenüber das Kind 

noch wesentlich jünger als 13 Jahre, sind grundsätzlich keine erheblichen 

Integrationsschwierigkeiten zu erwarten und ist das öffentliche Interesse an 

der Verweigerung des nachträglichen Familiennachzugs entsprechend 

tiefer zu veranschlagen. 

 

 - 17 - 

 

 

2.3.1.4.3.  

Dem öffentlichen Interesse ist das private Interesse an der Bewilligung des 

nachträglichen Familiennachzugs gegenüberzustellen. Da die Verweige-

rung eines Kindernachzugs regelhaft das geschützte Familienleben ge-

mäss Art. 8 EMRK tangiert (siehe vorne Erw. II/2.3.1.4.1), ist – in einem 

ersten Schritt – grundsätzlich von einem grossen privaten Interesse des 

nachzuziehenden Kindes und des nachziehenden Elternteils am Zusam-

menleben in der Schweiz auszugehen. Lebt eine Familie jedoch jahrelang 

freiwillig voneinander getrennt, bringt sie damit rechtsprechungsgemäss ihr 

geringes Interesse an einem gemeinsamen Familienleben zum Ausdruck 

und ist das private Interesse in der Regel entsprechend tiefer zu veran-

schlagen. Anders verhält es sich lediglich dann, wenn objektive, nachvoll-

ziehbare Gründe für das bisherige Getrenntleben bestehen, welche dage-

gen sprechen, dieses zu Lasten der Betroffenen zu würdigen (siehe wiede-

rum vorne Erw. II/2.3.1.4.1; vgl. BGE 146 I 185, Erw. 7.1.1 am Schluss; Ur-

teil des Bundesgerichts 2C_889/2018 vom 24. Mai 2019, Erw. 3.1 mit Hin-

weisen; Entscheid des Verwaltungsgerichts WBE.2019.1 vom 22. Januar 

2020, Erw. II/3.4.2).  

 

Gegebenenfalls sind zudem sämtliche weiteren Umstände des Einzelfalls 

zu beachten, welche sich – namentlich unter dem Gesichtspunkt des Kinds-

wohls bzw. des übergeordneten Kindsinteresses (Art. 3 des Übereinkom-

mens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes [Kinderrechts-

konvention, KRK; SR 0.107]; vgl. BGE 144 I 91, Erw. 5.2; Urteil des Euro-

päischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR] Nr. 56971/10 in 

Sachen El Ghatet gegen die Schweiz vom 8. November 2016, Rz. 27 f. und 

46 f.) – auf das private Interesse an der Bewilligung eines nachträglichen 

Familiennachzugs auswirken. Zu denken ist unter anderem an Fälle, in 

denen ein früher gestelltes Nachzugsgesuch objektiv betrachtet keine 

Erfolgschancen gehabt hätte, weil es bislang an einer gesetzlichen Nach-

zugsvoraussetzung fehlte (z.B. bedarfsgerechte Wohnung oder Unab-

hängigkeit von der Sozialhilfe) und die nachziehende Person die Gründe 

hierfür belegtermassen nicht selbst zu verantworten hat (z.B. Unfall oder 

schwere Krankheit, Todes- oder Pflegefall, erfolglose Wohnungssuche 

wegen Wohnungsknappheit; [siehe vorne Erw. II/2.3.1.1 und 2.3.1.4.1]).  

 

2.3.1.5.  

Soll ein nachträglicher Familiennachzug bewilligt werden, obliegt es auf-

grund der weitreichenden Mitwirkungspflichten gemäss Art. 90 AIG den 

Gesuchstellenden, ihre entsprechenden Vorbringen zu substantiieren und 

zu belegen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_214/2019 vom 5. April 

2019, Erw. 3.3, 2C_303/2014 vom 20. Februar 2015, Erw. 6.1, und 

2C_906/2012 vom 15. Juni 2013, Erw. 2.2; vgl. auch Urteil des Bundesge-

richts 2C_50/2010 vom 17. Juni 2010, Erw. 2.2; BGE 130 II 482, Erw. 3.2). 

 

 - 18 - 

 

 

Wird der Familiennachzug mit dem Wegfall bisheriger Betreuungspersonen 

begründet, ist substantiiert darzulegen, weshalb bisherige Bezugsper-

sonen die bis anhin übernommenen Betreuungsaufgaben nicht mehr wahr-

nehmen können oder wollen. Dabei muss die geltend gemachte Be-

treuungsunfähigkeit bzw. -unwilligkeit der bisherigen Betreuungsperson 

hinreichend belegt sein und in einem zeitlichen Konnex zum Nachzug ste-

hen: Bereits seit geraumer Zeit bestehende gesundheitliche Beeinträchti-

gungen oder sonstige vorbestehende Betreuungshindernisse der bisheri-

gen Betreuungspersonen vermögen einen nachträglichen Familiennach-

zug in aller Regel nicht mehr zu begründen, hätte sich diesfalls doch bereits 

früher ein Nachzug aufgedrängt und nimmt das Betreuungsbedürfnis von 

Kindern mit zunehmendem Alter regelmässig ab (vgl. Urteil des Bundesge-

richts 2C_767/2015 vom 19. Februar 2016, Erw. 5.3.2). Ebenso kann 

grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass jahrelang übernommene 

Betreuungsleistungen bei gleichbleibenden Verhältnissen auch ohne ge-

setzliche Betreuungspflicht weiterhin übernommen werden. 

 

2.3.1.6.  

Im Folgenden ist zu prüfen, ob für den nachträglichen Familiennachzug der 

beiden jüngeren Kinder des Beschwerdeführers 1 wichtige familiäre 

Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG bzw. Art. 73 Abs. 4 VZAE vorlie-

gen, aufgrund derer der Nachzug trotz Verpassens der gesetzlichen Nach-

zugsfrist zwecks Verbleibs beim Beschwerdeführer 1 gemäss Art. 44 AIG 

bewilligungsfähig wäre. 

 

2.3.2.  

2.3.2.1.  

Unter der Annahme, dass die übrigen materiellen Nachzugsvoraus-

setzungen von Art. 44 Abs. 1 AIG erfüllt sind, ist für die Prüfung wichtiger 

familiärer Gründe bei den beiden jüngeren Kindern der Zeitraum vom 5. Au-

gust 2021 (Gesuchseinreichung) bis zum Zeitpunkt des vorliegenden ver-

waltungsgerichtlichen Entscheids zu berücksichtigen (siehe vorne 

Erw. II/2.3.1.2). Bezüglich dem bei Gesuchseinreichung bereits volljährigen 

Beschwerdeführer 2 besteht hingegen aufgrund der Überschreitung der 

Altersgrenze von 18 Jahren kein Anlass zur Prüfung wichtiger familiärer 

Gründe. 

 

2.3.2.2.  

Die Beschwerdeführenden bringen vor, an ihrem gegenwärtigen Aufent-

haltsort in Äthiopien keine innerfamiliären Bezugspersonen mehr zu haben 

und lediglich gegen Bezahlung durch eine Nachbarin betreut zu werden, 

welche sich aber auch noch um ihren pflegebedürftigen Ehemann küm-

mern müsse. Die Fortsetzung dieser Betreuung sei damit keineswegs 

sichergestellt und die Kinder hätten in Äthiopien keine Perspektive, die 

Sicherheitslage sei instabil und sie würden inskünftig allenfalls nach Eritrea 

 - 19 - 

 

 

abgeschoben, wo die unbefristete Einziehung in den Militär- bzw. National-

dienst, Zwangsarbeit, Misshandlung und Folter drohe.  

 

Gemäss Darstellung der Beschwerdeführenden mussten die Kinder auf-

grund von Spannungen mit dem neuen Partner der Kindsmutter ab Mitte 

2017 zu ihrem Grossvater ziehen und wurden ungefähr fünf Monate später 

zu Bekannten nach Addis Abeba in Äthiopien gebracht. Dort werden sie 

gegen Entgelt von einer Frau aus der Nachbarschaft betreut, welche hierfür 

zusätzliche Wohnräumlichkeiten angemietet hat. Das aktuelle Gesuch um 

Familiennachzug vom 5. August 2021 soll hierbei erst gestellt worden sein, 

nachdem sich die Wohnverhältnisse vor Ort aufgrund der Kündigung der 

bisherigen Zweizimmerwohnung verschlechtert haben sollen und sich die 

Kinder seither zu dritt ein Zimmer sowie mit weiteren Bewohnern Küche 

und Bad teilen müssten (vgl. dazu die Stellungnahme bzw. Einsprache des 

Rechtsvertreters der Beschwerdeführenden vom 30. November 2021 und 

12. September 2022, MI2-act. 67 ff., 133 ff.). 

 

Die Angaben und Belege der Beschwerdeführenden haben sich in der Ver-

gangenheit bisweilen als wenig verlässlich erwiesen. Insbesondere sind 

gemäss amtsinterner Beurteilung des SEM und Einschätzung des Bundes-

verwaltungsgerichts im asylrechtlichen Verfahren betreffend Familien-

zusammenführung gefälschte Dokumente zur Umteilung der elterlichen 

Sorge eingereicht worden bzw. sind die Beschwerdeführenden entspre-

chenden Vorwürfen zumindest nicht hinreichend entgegengetreten (Urteil 

des Bundesverwaltungsgerichts E-3096/2020 vom 31. Juli 2020, Erw. 4.2; 

MI2-act. 12 ff.; vgl. auch MI2-act. 7 ff.). Zudem soll der Beschwerdeführer 3 

gemäss einem in den Akten liegenden Geburtszertifikat am 

tt.mm.jjjj 19. April 2006   geboren sein und wäre damit sogar rund zwei 

Wochen älter als von den Parteien angenommen (MI2-act. 47). Wie sich 

aus einer Stellungnahme ihres Rechtsvertreters vom 30. November 2021 

erschliesst, hat sich die Wohnsituation nicht unmittelbar vor der 

Einreichung des Gesuchs vom 5. August 2021, sondern bereits im April 

2021 verschlechtert ("Die Kinder haben seit sieben Monaten nur noch ein 

einziges Zimmer", MI2-act. 69). Inwieweit den Angaben und Belegen der 

Beschwerdeführenden damit zu trauen ist, muss aber nicht abschliessend 

geklärt werden, da selbst bei weitgehendem Abstellen auf ihre 

Sachdarstellung keine offensichtlichen wichtigen familiären Gründe 

vorliegen: 

 

Die derzeitige Betreuung durch eine Bekannte in Addis Abeba hatte bei 

Stellung des aktuellen Nachzugsgesuchs unbestrittenermassen bereits 

mehrere Jahre Bestand. Gleichwohl warteten die Beschwerdeführenden 

auch nach der Abweisung des Familienasyls noch über ein Jahr mit der 

Stellung eines Nachzugsgesuchs zu, wofür die dargelegte Verschlech-

terung der Wohnsituation verantwortlich gemacht wird. Der Beschwerde-

führer 1 hat mit seinem Zuwarten jedoch gezeigt, dass er einen Nachzug 

 - 20 - 

 

 

zunächst nicht als besonders dringlich ansah und er die entgeltliche Be-

treuung in Äthiopien zumindest bis zur behaupteten Verschlechterung der 

Wohnsituation als hinreichend erachtete. Die beengten Wohnverhältnisse, 

die letztlich ursächlich für das aktuelle Nachzugsgesuch gewesen sein 

sollen, sind nicht weiter belegt und stehen – wie bereits dargelegt – nicht 

im unmittelbaren zeitlichen Konnex zum Gesuch. Zudem ist durch die hier-

für beweisbelasteten Beschwerdeführenden nicht hinreichend dargelegt 

und belegt, weshalb vor Ort nicht wieder eine grössere Wohnung angemie-

tet werden kann, nachdem die Kinder aufgrund ihres Alters nicht mehr auf 

eine permanente Überwachung angewiesen sind und sie offenbar bereits 

in der Vergangenheit getrennt von ihrer Betreuungsperson in einer hierfür 

extra angemieteten (grösseren) Wohnung untergebracht waren. Die 

pauschalen Hinweise auf die generell schwierige Wohnungssuche in 

Grossstädten sind jedenfalls nicht geeignet, das Fehlen geeigneter Unter-

bringungsmöglichkeiten in Addis Abeba zu belegen, zumal auch keinerlei 

entsprechenden Suchbemühungen dokumentiert sind. Weiter war der Be-

schwerdeführer 2 bereits bei Gesuchstellung volljährig und könnte damit 

auch ohne Weiteres getrennt von den übrigen Geschwistern untergebracht 

werden, sofern er diesen gegenüber keine Betreuungspflichten übernimmt. 

Gemäss den Angaben in einem undatierten, jedoch am 12. Januar 2022 in 

der Schweiz eingetroffenen Schreiben der Kinder und der Betreuungs-

person in Äthiopien (MI2-act. 104 ff.) bezahlt der Beschwerdeführer 1 für 

die Betreuung in Äthiopien monatlich lediglich BR 2'000.00 (umgerechnet 

ca. Fr. 30.00 bzw. Fr. 36.00 nach aktuellem bzw. damaligen Wechselkurs), 

womit die Betreuung in Äthiopien nicht nur bezahlbar ist, sondern auch 

ohne Weiteres zusätzliche Mittel für eine bessere Unterkunft zur Verfügung 

gestellt werden könnten. Da die Kinder sich bereits bei Gesuchs-

einreichung in einem Alter befunden haben, das keine permanente 

Betreuung mehr erforderte, erscheint deren Beaufsichtigung durch ihre bis-

herige Betreuungsperson in Äthiopien auch nicht dadurch gefährdet, dass 

diese inzwischen allenfalls weitere Betreuungsaufgaben wahrzunehmen 

hat. Dies, zumal der Beschwerdeführer 2 bereits bei Gesuchseinreichung 

volljährig war, aufgrund seines Alters nicht mehr betreut werden muss und 

allenfalls sogar selbst Betreuungsaufgaben gegenüber seinen jüngeren 

Geschwistern übernehmen könnte. Jedenfalls ist nicht ersichtlich, weshalb 

sich die Betreuungsverhältnisse in den letzten Jahren massgeblich ver-

schlechtert haben sollten und die jahrelang geleistete entgeltliche 

Betreuung nicht mehr fortgesetzt werden kann. So wurde noch vor 

Vorinstanz eingeräumt, dass die bisherige Betreuung durch die Bekannte 

in Addis Abeba fortgesetzt werden könne, solange diese für die übernom-

menen Betreuungsaufgaben bezahlt werde (vgl. Einsprache vom 12. Sep-

tember 2022, MI1-act. 136: "Die Nachbarin ist zurzeit noch bereit, sich um 

die Kinder zu kümmern. Dies dürfte so lange der Fall sein, wie noch Geld 

fliesst"). Es kann hierbei offenbleiben, ob die Betreuung der Kinder tatsäch-

lich entgeltlich erfolgt oder die Betreuerin in Äthiopien nicht eher einen 

 - 21 - 

 

 

blossen Unkostenbeitrag erhält, worauf zumindest die sehr tiefen doku-

mentierten Betreuungskosten hinweisen. 

 

Sodann ist die Behauptung, wonach eritreische Kinder generell länger auf 

elterlichen Beistand bzw. Betreuung angewiesen seien, in keiner Weise be-

legt und auch nicht schlüssig. Vorliegend kommt hinzu, dass der Beschwer-

deführer 1 die Beziehung zu seinen Kindern bereits seit Jahren nur noch 

über die Distanz führen kann und damit auch nicht gleichermassen Bezugs-

person ist wie ein Elternteil, der mit den Kindern zusammenlebt. Die Kinder 

leben zudem schon seit Jahren getrennt von ihrer Mutter, weshalb eine be-

sondere Abhängigkeit vom Elternhaus auch diesbezüglich unglaubhaft ist. 

 

Die Kinder haben ihr gesamtes bisheriges Leben in Eritrea oder Äthiopien 

verbracht. Ihre bisherigen Bezugspersonen leben allesamt in Äthiopien 

oder Eritrea, während sie den Kontakt zum Beschwerdeführer 1 bislang – 

bis auf einen kurzen Besuchsaufenthalt des Vaters im April 2019 (MI2-

act. 20) – lediglich über die Distanz pflegten. Es ist deshalb kaum in ihrem 

wohlverstandenen Interesse, sie aus ihrem bisherigen sozialen Netz zu 

reissen und sie in die Schweiz nachzuziehen, wo sie weder das Land 

kennen noch bislang enge Beziehungen unterhalten haben. 

 

Die Sicherheitslage in Äthiopien hat sich in den letzten Jahren zumindest 

in der Hauptstadtregion stabilisiert und am 2. November 2022 haben die 

äthiopische Regierung und die Tigray People's Liberation Front (TPLF) ein 

Friedensabkommen geschlossen (vgl. dazu auch das Urteil des Bundes-

verwaltungsgerichts E-5772/2020 vom 5. Oktober 2022, Erw. 9.2). Sodann 

liegen keinerlei Hinweise vor, welche auf eine unmittelbar bevorstehende 

Abschiebung der Kinder nach Eritrea und deren Einziehung in den dortigen 

Nationaldienst schliessen lassen. Hiervon ist praxisgemäss auch nicht aus-

zugehen, nachdem ihr Aufenthalt bislang von den äthiopischen Behörden 

toleriert wurde und der grossen eritreischen Diaspora in Äthiopien auch 

keine generelle Gefahr der Rückschiebung nach Eritrea droht (vgl. Urteil 

des Bundesverwaltungsgerichts D-2018/2011 vom 14. September 2011, 

Erw. 8.2). Ohnehin können nach eritreischem Recht nur Eritreer zwischen 

18 und 40 Jahren zum Nationaldienst verpflichtet werden, womit eine all-

fällige Einziehung erst in einem Alter in Betracht käme, in welchem ein Fa-

miliennachzug in die Schweiz ohnehin nicht mehr möglich wäre (vgl. zum 

Nationaldienst in Eritrea den aktuellen Herkunftsländer-Informationsbericht 

des European Asylum Support Office [EASO] "Eritrea: Nationaldienst, Aus-

reise und Rückkehr" von September 2019, S. 33, abrufbar auf der Zusam-

menstellung der entsprechenden Herkunftsländerinformationen des SEM, 

https://www.sem.admin.ch/sem/de/home/international-rueckkehr/her-

kunftslaender.html, besucht am 1. März 2024).  

 

Jedenfalls legen die Beschwerdeführenden nicht hinreichend dar, weshalb 

den Kindern der weitere Aufenthalt in Äthiopien nun plötzlich nicht mehr 

 - 22 - 

 

 

zumutbar sein oder ihnen dort eine konkrete Gefahr der Abschiebung nach 

Eritrea drohen sollte, nachdem sie dort jahrelang unbehelligt gelebt haben. 

Die Situation in Äthiopien hat sich inzwischen vielmehr weiter stabilisiert 

und die allgemeinen Hinweise auf die Sicherheitslage in Äthiopien und die 

Situation der dortigen Diaspora in der Beschwerdeschrift sind nicht geeig-

net, eine konkrete Gefährdungslage darzulegen. Vielmehr deutet das jahre-

lange Zuwarten mit einem Nachzugs- bzw. Zusammenführungs-gesuch 

darauf hin, dass solche Überlegungen für den Nachzug kaum eine Rolle 

spielten. 

 

Damit lassen die Umstände in Äthiopien weder auf prekäre Verhältnisse 

noch eine prekäre Sicherheitslage schliessen. Soweit die Wohnverhält-

nisse Anlass zu Beanstandungen geben, könnte der Beschwerdeführer 1 

mit einer grösseren finanziellen Unterstützung seiner Kinder leicht Abhilfe 

schaffen. Da die Kinder bei ihrem Nachzug von bisherigen Bezugsper-

sonen getrennt und aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen würden, ist 

deren Nachzug nicht in ihrem wohlverstandenen Interesse und gebietet das 

Kindeswohl sogar eher einen weiteren Verbleib im bisherigen Umfeld in 

Äthiopien. 

 

Weitere wichtige familiäre Gründe vermögen die Beschwerdeführenden 

nicht darzulegen. Nachdem auch aus den Akten keine wichtigen familiären 

Gründe hervorgehen, die einen nachträglichen Familiennachzug offen-

sichtlich gebieten würden, sind solche für die beiden minderjährigen Be-

schwerdeführenden 3 und 4 zu verneinen, während ein Nachzug des be-

reits volljährigen Beschwerdeführers 2 unabhängig hiervon bereits an der 

Altersgrenze scheitert. 

 

Damit bleibt zu prüfen, ob sich allenfalls wichtige familiäre Gründe aus einer 

Verletzung von Art. 8 EMRK ergeben (siehe vorne Erw. II/2.3.1.4). 

 

2.3.2.3.  

Vorab ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer 1 bei Einreichung des 

Familiennachzugsgesuchs vom 5. August 2021 bereits knapp zehn Jahre 

in der Schweiz lebte und seit Juli 2014 anerkannter und in der Schweiz 

aufenthaltsberechtigter Flüchtling ist. Damit verfügt er auch über eine enge, 

mit Art. 25 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenos-

senschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) verfassungsmässig geschützte 

Bindung zur Schweiz. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern eine Familien-

zusammenführung ausserhalb der Schweiz realisiert werden könnte, zumal 

der Beschwerdeführer 1 aufgrund seines Flüchtlingsstatus nicht nach 

Eritrea zurückkehren kann und eine Ausreise nach Äthiopien aufgrund der 

Dauer seines Aufenthalts in der Schweiz kaum zumutbar ist. Eine Verwei-

gerung des Familiennachzugs würde damit zu einer andauernden Tren-

nung der Familie und damit zu einem Eingriff in das durch Art. 8 EMRK 

geschützte Familienleben führen (zum Ganzen BGE 139 I 330, Erw. 2.1). 

 - 23 - 

 

 

 

Die Beschwerdeführenden 3 und 4 sind nach wie vor minderjährig, womit 

ihre familiäre Beziehung zum Beschwerdeführer 1 grundsätzlich durch 

Art. 8 EMRK geschützt ist. In konventionskonformer Auslegung von Art. 47 

Abs. 4 AIG bzw. Art. 73 Abs. 3 VZAE ist folglich eine umfassende Interes-

senabwägung vorzunehmen, um zu eruieren, ob wichtige familiäre Gründe 

vorliegen bzw. vorlagen, aufgrund welcher der Nachzug trotz verpasster 

Frist zu bewilligen wäre (siehe vorne Erw. II/2.3.1.4). 

 

2.3.2.4.  

Im Zeitpunkt des verspätet eingereichten Nachzugsgesuchs vom 5. August 

2021 hatten die Beschwerdeführenden 3 und 4 (geb. tt.mm.jjjj 2. Mai 

2006   bzw. tt.mm.jjjj 3. August 2008  ) bereits ihr 15. bzw. 13. Altersjahr 

vollendet. Damit waren auch die beiden jüngeren Kinder bei 

Gesuchseinreichung bereits älter als 13 Jahre, was altersmässig als 

Ausgangs- und Scheidepunkt für die Bemessung der zu erwartenden 

Integrationsschwierigkeiten herangezogen wird. Mit Blick auf die 

altersbedingt zu erwartenden Integrationsschwierigkeiten in der Schweiz 

erhöht dies das bereits aufgrund des Verpassens der Nachzugsfrist von 

Art. 47 Abs. 4 AIG bzw. Art. 73 Abs. 1 VZAE grosse öffentliche Interesse 

an der Verweigerung des nachträglichen Familiennachzugs der 

Beschwerdeführenden 3 und 4. Weiter haben die Kinder ihre Jugend fast 

durchgehend mit anderen Bezugspersonen verbracht und sind die 

Betreuungskapazitäten ihres Vaters (Beschwerdeführer 1) schon aufgrund 

von dessen Erwerbstätigkeit eingeschränkt. Hieran ändert auch der 

Umstand wenig, dass neben dem Kindsvater auch die in der Nähe lebende 

Schwester allenfalls Unterstützung bei der Kinderbetreuung leisten könnte.  

 

Entgegen den Ausführungen in der Beschwerdeschrift besteht überdies 

keinerlei Anlass, von einer generell besonders leichten Integration eritre-

ischer Migrantenkinder auszugehen: Zwar können für eritreische Flücht-

lingskinder, die bereits als minderjährige in die Schweiz gekommen sind, 

regelmässig berufliche Anschlusslösungen gefunden werden. Wie auch bei 

anderen Herkunftsländern sinken die entsprechenden Chancen jedoch mit 

zunehmendem Nachzugsalter signifikant. Es gibt keinerlei Hinweise 

darauf, dass sich Eritreer in der Schweiz überdurchschnittlich rasch 

integrieren. Vielmehr weist ein im Auftrag des Bundesamts für Migration 

(BFM, heute SEM) erstellter Bericht zur somalischen und eritreischen 

Diaspora in der Schweiz auf grössere Schwierigkeiten bei der Lehrstellen-

suche und beruflichen Integration hin, wenn die Kinder nicht ihre ganze 

schulische Laufbahn in der Schweiz absolviert oder bei ihrer Einreise 

bereits 16 Jahre oder älter waren. Die Integration in das Schweizer Schul-

system und die berufliche Integration gilt insbesondere bei Neuan-

kömmlingen als schwierig (PHILIPP EYER/RÉGINE SCHWEIZER, Die somali-

sche und die eritreische Diaspora in der Schweiz, herausgegeben durch 

 - 24 - 

 

 

das BFM, August 2010, S. 57 und 154 f., abrufbar auf 

https://www.sem.admin.ch/dam/sem/de/data/publiservice/publikationen/di

aspora/diasporastudie-eritrea-d.pdf.download.pdf/diasporastudie-eritrea-

d.pdf, besucht am 1. März 2024). Aufgrund dieser Erfahrungen ist auch 

beim Nachzug der minderjährigen Beschwerdeführenden mit ernsthaften 

Integrationsschwierigkeiten zu rechnen, zumal die Betreuungsverhältnisse 

in der Schweiz im bereits dargelegten Sinne nicht ideal erscheinen. 

 

Nach dem Gesagten stehen auch die bereits zum Gesuchszeitpunkt zu er-

wartenden Integrationsschwierigkeiten einem Nachzug entgegen, womit 

sich das eingangs festgestellte grosse öffentliche Interesse an einer Nach-

zugsverweigerung weiter erhöht. Vor diesem Hintergrund ist bei beiden 

minderjährigen Kindern von einem grossen bis sehr grossen öffentlichen 

Interesse an der Verweigerung des Nachzugs auszugehen.  

 

2.3.2.5.  

2.3.2.5.1.  

Was demgegenüber die privaten Interessen der Beschwerdeführenden 3 

und 4 angeht, ist im Sinne einer Standortbestimmung zunächst festzu-

halten, dass mit dem eingereichten Familiennachzugsgesuch kein Nach-

zug von einem zum anderen Elternteil angestrebt wird, sondern die bereits 

jahrelang fremdbetreuten Kinder neu (allein) durch ihren Vater betreut wer-

den sollen. 

 

2.3.2.5.2.  

Grundsätzlich besteht ein grosses privates Interesse des nachzugswilligen 

Elternteils am Zusammenleben mit dem eigenen Kind. So ist vorliegend 

auch dem Beschwerdeführer 1 ein Grundinteresse am gemeinsamen Fa-

milienleben mit seinen Kindern zuzugestehen. Dieses Interesse ist jedoch 

dann zu relativieren, wenn eine Familie jahrelang freiwillig getrennt gelebt 

hat.  

 

Der Beschwerdeführer 1 ersuchte erst am 17. Oktober 2019 um asylrecht-

liche Familienzusammenführung und wartete nach der letztinstanzlichen 

Verweigerung derselben durch das Bundesverwaltungsgericht (31. Juli 

2020) noch über ein Jahr mit der Stellung seines Familiennachzugs-

gesuchs bis zum 5. August 2021 zu, obschon er schon seit Juli 2014 aner-

kannter und in der Schweiz aufenthaltsberechtigter Flüchtling war. Er hätte 

damit bereits viel früher um eine asylrechtliche Familienzusammenführung 

und danach um Familiennachzug gestützt auf Art. 44 AIG ersuchen können 

(vgl. auch Art. 47 Abs. 3 AIG). Gleichwohl liess er sowohl beim asylrecht-

lichen als auch beim migrationsamtlichen Gesuch die Nachzugsfristen ver-

streichen. Es ist daher zu prüfen, ob bzw. inwieweit das längere Getrennt-

leben der Familie freiwillig erfolgte und auf ein mangelndes Interesse an 

einem gemeinsamen Familienleben schliessen lässt, sodass das private 

https://www.sem.admin.ch/dam/sem/de/data/publiservice/publikationen/diaspora/diasporastudie-eritrea-d.pdf.download.pdf/diasporastudie-eritrea-d.pdf
https://www.sem.admin.ch/dam/sem/de/data/publiservice/publikationen/diaspora/diasporastudie-eritrea-d.pdf.download.pdf/diasporastudie-eritrea-d.pdf
https://www.sem.admin.ch/dam/sem/de/data/publiservice/publikationen/diaspora/diasporastudie-eritrea-d.pdf.download.pdf/diasporastudie-eritrea-d.pdf

 - 25 - 

 

 

Interesse entsprechend tiefer zu veranschlagen wäre (siehe vorne 

Erw. II/2.3.1.4.3). 

 

Gemäss Darstellung der Beschwerdeführenden lebte die Familie zunächst 

freiwillig getrennt, bis die Kinder Mitte 2017 aufgrund von Spannungen mit 

dem neuen Partner ihrer Mutter zum Grossvater und kurze Zeit später zu 

Bekannten in Addis Abeba in Äthiopien gebracht wurden. Danach soll sich 

die Betreuungs- und Wohnsituation sukzessive verschlechtert, ein Nach-

zug aber aufgrund äusserer Umstände und der damaligen Sozialhilfeab-

hängigkeit des Beschwerdeführers 1 verzögert haben. Insbesondere habe 

zunächst die behördliche Übertragung der elterlichen Sorge und der Ent-

scheid über die asylrechtliche Familienzusammenführung abgewartet 

werden müssen. Da die Behörden die auf den 8. Oktober 2019 datierenden 

Dokumente zur Übertragung der elterlichen Sorge als Fälschung eingestuft 

hätten, habe am 21. Juni 2020 (act. 30) eine neue Übertragung der elterli-

chen Sorge stattfinden müssen und sei erst danach ein Nachzugsgesuch 

möglich gewesen.  

 

Ein objektiv nachvollziehbarer Grund für eine verspätete Gesuchstellung 

liegt vor, wenn ein früher gestelltes Nachzugsgesuch objektiv betrachtet 

keine Erfolgschancen gehabt hätte, weil es bislang an einer gesetzlichen 

Nachzugsvoraussetzung fehlte und die nachzugswillige Person die Gründe 

hierfür belegtermassen nicht selbst zu verantworten hat (siehe vorne 

Erw. II/2.3.1.4.1). Zudem muss die nachzuziehende Person belegen oder 

zumindest glaubhaft machen, dass sie das Familiennachzugsgesuch ein-

gereicht hat, sobald die fehlende Nachzugsvoraussetzung erfüllt bzw. 

deren Erfüllung absehbar wurde.  

 

Praxisgemäss steht bei anerkannten Flüchtlingen eine Fürsorgeabhängig-

keit höchstens dann einem Nachzug entgegen, wenn diese nicht alles Zu-

mutbare unternommen haben, um auf dem (primären) Arbeitsmarkt ihren 

eigenen und den Unterhalt der (sich noch im Ausland befindlichen) Familie 

möglichst autonom zu bestreiten bzw. sie nicht in vertretbarer Weise 

dartun, dass sich der sozialhilferechtliche Fehlbetrag unter Einbezug der 

zu erwartenden Einkünfte der Gemeinschaft in absehbarer Zeit ausglei-

chen wird (Urteile des Bundesgerichts 2C_660/2015 vom 26. August 2015, 

Erw. 2.2; 2C_1018/2012 vom 6. Dezember 2013, Erw. 4.2.2; 

BGE 139 I 330, Erw. 4; THOMAS GEISER/FELIX BLOCHER/MARC 

BUSSLINGER, a.a.O., Rz. 23.147). Hieraus erhellt sich, dass die bis Ende 

Januar 2019 bestehende Fürsorgeabhängigkeit des Beschwerdeführers 1 

(MI1-act. 35) keinen objektiven Grund für die verspätete Gesuchstellung 

bilden kann, da sie entweder einem fristgerechten Nachzug gar nicht erst 

entgegengestanden wäre oder der Beschwerdeführer 1 es sodann selbst 

zu verantworten hätte, die diesbezüglichen Nachzugsvoraussetzungen 

nicht rechtzeitig erfüllt bzw. nicht zügig nach Wegfall des Hinderungsgrun-

des um Nachzug ersucht zu haben.  

 - 26 - 

 

 

 

Auch die Verzögerungen bei der Sorgerechtsumteilung hat der Beschwer-

deführer 1 selbst zu verantworten, hätte er sich doch spätestens nach der 

Beendigung der bisherigen Betreuung durch die Mutter und der Überfüh-

rung der Kinder nach Äthiopien dazu veranlasst sehen müssen, sich um 

eine Neuregelung der elterlichen Sorge zu bemühen (Urteil des Bundesge-

richts 2C_174/2012 vom 22. Oktober 2012, Erw. 3.2). Dass sich die Kinds-

mutter dem verweigert hätte, wird nicht substanziiert behauptet und ist auch 

kaum anzunehmen, nachdem die Kindsmutter nach Darstellung der Be-

schwerdeführenden die Kinder aufgrund innerfamiliärer Spannungen ab 

Mitte 2017 gar nicht mehr selbst betreuen wollte und offenkundig auch mit 

deren Verbringung nach Äthiopien einverstanden war. Mit der Einreichung 

mutmasslich gefälschter Dokumente hat der Beschwerdeführer 1 überdies 

zusätzlich dazu beigetragen, dass sich die Sorgerechtsumteilung weiter 

verzögerte.  

 

Unabhängig davon wurde selbst nach der Ablösung von der Sozialhilfe per 

31. Januar 2019 und der Klärung des Sorgerechts im Juni 2020 noch über 

zwei Jahre bzw. über ein Jahr zugewartet, bis der Beschwerdeführer 1 am 

5. August 2021 um den Nachzug seiner Kinder ersuchte. Wie bereits dar-

gelegt wurde, lässt sich dieses Verhalten nicht allein mit der behaupteten 

Verschlechterung der Betreuungs- und Wohnsituation in Äthiopien begrün-

den. Deshalb ist trotz der Gesuche um Familienzusammenführung und 

Nachzug von einer überwiegend freiwilligen Trennung der Familie auszu-

gehen, was das private Interesse an einem nachträglichen Nachzug relati-

viert. Damit ist bestenfalls noch von einem mittleren bis grossen privaten 

Interesse am Nachzug der beiden minderjährigen Kinder auszugehen. 

 

2.3.2.5.3.  

Sodann sind bei der Bemessung des privaten Interesses an einer Bewilli-

gung des nachträglichen Familiennachzugs sämtliche weitere Umstände 

zu beachten, welche im Einzelfall relevant sind. Zu einer Erhöhung des pri-

vaten Interesses führt dabei namentlich, wenn das Kindswohl eine Über-

siedlung des nachzuziehenden Kinds gebietet (siehe vorne 

Erw. II/2.3.1.4.3). 

 

Die Bewilligung des Familiennachzugs würde vorliegend zu einer Trennung 

von bisherigen Bezugspersonen führen, mit welchen die Kinder mindestens 

die vergangenen mehr als sechs Jahre zusammengelebt hatten. Zudem 

würden die Geschwister getrennt, da zumindest das Nachzugsgesuch des 

bereits volljährigen Beschwerdeführers 2 nicht bewilligungsfähig ist. 

Sodann ist im dargelegten Sinne nicht hinreichend substanziiert worden, 

dass eine altersspezifische Betreuung der minderjährigen Beschwerdefüh-

renden 3 und 4 in Äthiopien nicht mehr gewährleistet ist. Die Beschwerde-

führenden 3 und 4 waren zum Zeitpunkt der Gesuchseinreichung bereits 

über 13 bzw. 15 Jahre alt. Sie sind in Eritrea geboren worden und haben 

 - 27 - 

 

 

ihre prägenden Kinder- und Jugendjahre bislang dort und in Äthiopien ver-

bracht, wo auch weitere Verwandte bzw. ihre bisherigen Bezugspersonen 

leben. Entsprechend ist davon auszugehen, dass sie in kultureller wie auch 

in sozialer Hinsicht fest in ihrem Herkunfts- bzw. aktuellen Aufenthaltsland 

verwurzelt sind. Zur Schweiz haben sie hingegen, soweit ersichtlich, bis auf 

ihre familiären Beziehungen zu ihrem Vater und ihrer Tante keinen Bezug. 

Auch waren sie noch nie in der Schweiz und verstehen mutmasslich die 

hiesige Sprache nicht. Ob sie neben der äthiopischen Schrift die lateinische 

Schrift beherrschen, ist unklar. Vom Beschwerdeführer 1 leben die Kinder 

seit Februar 2009 getrennt (vgl. MI2-act. 20). Bei einer Bewilligung des 

Nachzugs ist deshalb insgesamt mit nicht zu unterschätzenden Integra-

tionsschwierigkeiten in der Schweiz zu rechnen. Zudem befinden sich 

beide jüngeren Kinder bereits mitten in der Pubertät bzw. Adoleszenz, was 

es mit Blick auf das Kindswohl umso problematischer erscheinen lässt, sie 

im Rahmen einer Übersiedlung in die Schweiz aus ihrer gewohnten Umge-

bung und ihrem etablierten sozialen Umfeld herauszureissen und zu erwar-

ten, dass sie sich ohne Kenntnisse der Landessprache in einem ihnen 

fremden Land zurechtfinden und eingliedern. Auch mit Blick auf ihr Alter im 

Gesuchszeitpunkt, der in Äthiopien und zuvor in Eritrea absolvierten 

schulischen Ausbildung sowie ihrer sozialen und kulturellen Verwurzelung 

in den beiden Ländern, ist darauf zu schliessen, dass ein Verbleib in 

Äthiopien dem Kindswohl beider minderjährigen Beschwerdeführenden 

besser entsprechen dürfte, als ein nachträglicher Nachzug in die ihnen 

fremde Schweiz. 

 

Weiter ist an dieser Stelle festzuhalten, dass zumindest das lange Zuwar-

ten mit dem asylrechtlichen Gesuch um Familienzusammenführung, die 

erneute Verzögerung beim aktuellen Gesuch um Familiennachzug und das 

Alter der beiden älteren Kinder bei Einreichung des aktuellen Gesuchs 

darauf hindeuten, dass die verspätet eingereichten Gesuche rechtsmiss-

bräuchlich bloss im Hinblick darauf gestellt wurden, letzteren den Zugang 

zur Erwerbstätigkeit in der Schweiz zu ermöglichen (vgl. Botschaft AuG, 

BBl 2002, 3709 ff., 3754 f.; Urteil des Bundesgerichts 2C_767/2015 vom 

19. Februar 2016, Erw. 5.1.1). Wie es sich damit verhält, muss aber nicht 

abschliessend geklärt werden, da das Gesuch des ältesten Sohnes ohne-

hin nicht bewilligt werden kann und bezüglich der jüngeren beiden Kinder 

aus den weiteren Umständen – namentlich unter dem Gesichtspunkt des 

Kindswohls – nicht auf eine entscheidrelevante Erhöhung des privaten 

Interesses an einer Bewilligung des nachträglichen Familiennachzugs zu 

schliessen ist. So ist damit zu rechnen, dass sich ein Nachzug in die 

Schweiz und die damit einhergehende Trennung von wichtigen Bezugs-

personen in Äthiopien und Eritrea belastend auf die jüngeren beiden Kinder 

auswirken würde und sie in der Schweiz mit nicht zu unterschätzenden 

Integrationsschwierigkeiten konfrontiert wären, während eine alters-

adäquate Betreuung in Äthiopien nach wie vor gewährleistet erscheint. 

Damit bleibt es beim bestenfalls mittleren bis grossen privaten Interesse. 

 - 28 - 

 

 

 

2.3.2.5.4.  

Nach dem Gesagten gebietet die derzeitige Betreuungs- und Wohn-

situation in Äthiopien keinen Nachzug der Beschwerdeführenden 3 und 4 

und dürfte ihr Verbleib in ihrem gewohnten Umfeld dem Kindswohl besser 

entsprechen. Das private Interesse der Beschwerdeführenden 3 und 4 be-

schränkt sich damit weitgehend auf das Interesse einer Familienzusam-

menführung mit dem Kindsvater. Dieses erscheint jedoch angesichts des 

Alters der Beschwerdeführenden 3 und 4 sowie der bei ihrem Nachzug zu 

erwartende Trennung von wichtigen Bezugspersonen höchstens als mittel 

bis gross. 

 

2.3.2.6.  

Im Ergebnis überwiegt bei den minderjährigen Beschwerdeführenden 3 

und 4 – unter Berücksichtigung aller relevanten Umstände – das grosse bis 

sehr grosse öffentliche Interesse an der Verweigerung des nachträglichen 

Familiennachzugs das höchstens mittlere bis grosse private Interesse an 

der Bewilligung desselben. Der mit der Verweigerung einhergehende Ein-

griff in das geschützte Familienleben erweist sich somit als verhältnismäs-

sig und mithin unter Art. 8 Ziff. 2 EMRK als zulässig, weshalb sich aus Art. 8 

EMRK auch keine wichtigen familiären Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 

AIG bzw. Art. 73 Abs. 3 VZAE ableiten lassen. 

 

Ein Nachzug des bereits bei Gesuchseinreichung volljährigen Beschwer-

deführers 2 fällt bereits aufgrund der Überschreitung der Altersgrenze 

ausser Betracht, wäre aber überdies auch aus denselben Gründen ge-

scheitert, die dem Nachzug der jüngeren Geschwister entgegensteht.  

 

3.  

Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass die allfälligen Erfolgsaussichten 

eines erneuten Gesuchs um asylrechtliche Familienzusammenführung für 

die Beurteilung der vorliegenden Nachzugsgesuche irrelevant sind: Eine 

asylrechtliche Familienzusammenführung wurde mit Urteil des Bundesver-

waltungsgerichts E-3096/2020 vom 31. Juli 2020 bereits rechtskräftig ver-

weigert und könnte demnach lediglich revisions- oder wiedererwägungs-

weise durch die hierfür ausschliesslich zuständigen Bundesbehörden be-

willigt werden. Sollten die Beschwerdeführenden 3 und 4 im Sinne der Be-

schwerdeschrift gleichwohl noch einen asylrechtlichen Anspruch auf Fami-

lienzusammenführung haben, wäre dieser aufgrund der dargelegten Zu-

ständigkeitsordnung und des bereits erwähnten Primats des asylrecht-

lichen Verfahrens nicht durch die kantonalen Instanzen zu prüfen, sondern 

vorab vor den Bundesbehörden geltend zu machen. 

 

 - 29 - 

 

 

4.  

4.1.  

In Umsetzung entsprechender Vorgaben in Art. 12 KRK sieht Art. 73 Abs. 3 

VZAE vor, dass Kinder über 14 Jahre zum Familiennachzug angehört wer-

den, sofern dies erforderlich ist. Praxisgemäss besteht aber kein Anspruch 

auf eine Kindsanhörung, sofern der Rechtsstandpunkt des Kindes bei 

gleichläufiger Interessenlage bereits hinreichend durch dessen elterliche 

sowie dessen anwaltliche Vertretung in das Verfahren eingebracht werden 

konnte und sofern der rechtserhebliche Sachverhalt auch ohne dessen An-

hörung rechtsgenüglich festgestellt werden kann (BGE 144 II 1, Erw. 6.5; 

Urteile des Bundesgerichts 2C_303/2014 vom 20. Februar 2015, Erw. 5.1, 

und 2C_192/2011 vom 14. September 2011, Erw. 3.3.2). 

 

4.2.  

Die Beschwerdeführenden beantragen in ihrer Beschwerde, zur Klärung 

des Sachverhalts und insbesondere auch der Wohn- und Betreuungs-

situation in Äthiopien sei eine persönliche Anhörung der Beschwerdefüh-

renden 2 bis 4 durch die Schweizerische Auslandvertretung in Addis Abeba 

unerlässlich. 

 

Es steht dem Verwaltungsgericht frei, im Rahmen einer antizipierten Be-

weiswürdigung auf eine Partei- und/oder Zeugenbefragung sowie auf die 

Abnahme sonstiger Beweise zu verzichten, wenn dies zur Abklärung des 

Sachverhalts nicht notwendig erscheint (BGE 136 I 229, Erw. 5.3; 

BGE 134 I 140, Erw. 5.3; Aargauische Gerichts- und Verwaltungsent-

scheide [AGVE] 2008, S. 312, Erw. 3.1, und 2004, S. 154, Erw. 1a, je mit 

Hinweisen). Vorliegend ergibt sich die Interessenslage der Beschwerdefüh-

renden vollumfänglich aus den Akten und es bestehen keine Unklarheiten 

hinsichtlich des rechtserheblichen Sachverhalts, welche eine Anhörung der 

Beschwerdeführenden 2 bis 4 erforderlich machen würde. Eine solche 

wäre allenfalls näher zu prüfen, wenn eine Bewilligung des Familiennach-

zugs ernsthaft in Betracht zu ziehen wäre. Angesichts der klaren Sach- und 

Rechtslage ist jedoch nicht ersichtlich, inwiefern eine Kindsanhörung den 

vorliegenden Entscheid zu beeinflussen vermag. Dass sich die Sachlage 

aufgrund einer der beantragten Beweismassnahmen anders präsentieren 

würde, als sie aus den Akten hervorgeht und demzufolge zu einem anderen 

Entscheid führen würde, ist nicht ersichtlich. Selbst wenn die Kinder die 

Angaben des Beschwerdeführers 1 vollumfänglich bestätigen würden, 

wäre die Beschwerde aus dargelegten Gründen abzuweisen. Insbeson-

dere ist auch der aktuellen Wohnsituation kein entscheidendes Gewicht zu-

zumessen, nachdem der Beschwerdeführer 1 nicht substanziiert darlegt, 

weshalb diese nicht (nötigenfalls) verbessert werden könnte. Deshalb ist in 

antizipierter Beweiswürdigung auf eine Anhörung zu verzichten. Der ge-

nannte Beweisantrag ist daher abzuweisen. 

 

 - 30 - 

 

 

5.  

Im Ergebnis hält die Verweigerung des Familiennachzugs für die Be-

schwerdeführenden 2 bis 4 sowohl vor nationalem Recht als auch vor der 

EMRK stand. Der angefochtene Einspracheentscheid ist demnach nicht zu 

beanstanden und die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen. 

 

III. 

Im Beschwerdeverfahren werden die Verfahrenskosten nach Massgabe 

des Unterliegens und Obsiegens auf die Parteien verlegt (§ 31 Abs. 2 

VRPG). Nachdem die Beschwerdeführenden vollumfänglich unterliegen, 

gehen die Kosten des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens grundsätzlich 

zu ihren Lasten. Ein Kostenbezug rechtfertigt sich bei den minderjährigen 

Beschwerdeführenden 3 und 4 jedoch schon aufgrund von deren jugend-

lichem Alter nicht und eine Kostenauflage gegenüber dem volljährigen Be-

schwerdeführer 2 erweist sich als wenig sinnvoll. Es rechtfertigt sich des-

halb, die Verfahrenskosten allein beim Beschwerdeführer 1 zu beziehen. 

Ein Parteikostenersatz fällt ausser Betracht (§ 32 Abs. 2 VRPG).  

 

 
   

Das Verwaltungsgericht erkennt: 

 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

 

2. 

Die verwaltungsgerichtlichen Verfahrenskosten, bestehend aus einer 

Staatsgebühr von Fr. 1'200.00 sowie der Kanzleigebühr und den Auslagen 

von Fr. 400.00, gesamthaft Fr. 1'600.00, sind vom Beschwerdeführer 1 zu 

bezahlen. 

 

3. 

Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.  

 

 
 

   

Zustellung an: 

die Beschwerdeführenden (Vertreter) 

die Vorinstanz (mit Rückschein) 

das Staatssekretariat für Migration, 3003 Bern 
 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung 

 

Migrationsrechtliche Entscheide können wegen Verletzung von Bundes-

recht, Völkerrecht, kantonalen verfassungsmässigen Rechten sowie inter-

 - 31 - 

 

 

kantonalem Recht innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Beschwerde in 

öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Schweizerischen Bun-

desgericht, 1000 Lausanne 14, angefochten werden, soweit nicht eine 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 lit. c des Bundesgesetzes über das Bun-

desgericht vom 17. Juni 2005 (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) 

vorliegt. Die Frist steht still vom 7. Tag vor bis und mit 7. Tag nach Ostern, 

vom 15. Juli bis und mit 15. August und vom 18. Dezember bis und mit 

2. Januar. Das Bundesgericht tritt auf Beschwerden nicht ein, wenn weder 

das Bundesrecht noch das Völkerrecht einen Anspruch auf die in Frage 

stehende Bewilligung einräumt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

2C_694/2008 vom 25. September 2008). 

 

In allen anderen Fällen können migrationsrechtliche Entscheide wegen 

Verletzung von verfassungsmässigen Rechten innert 30 Tagen seit Zustel-

lung mit der subsidiären Verfassungsbeschwerde beim Schweizeri-

schen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, angefochten werden. 

 

Die unterzeichnete Beschwerde muss das Begehren, wie der Entscheid zu 

ändern sei, sowie in gedrängter Form die Begründung, inwiefern der ange-

fochtene Akt Recht verletzt, mit Angabe der Beweismittel enthalten. Der 

angefochtene Entscheid und als Beweismittel angerufene Urkunden sind 

beizulegen (Art. 82 ff. BGG bzw. Art. 113 ff. BGG). 

 

 
 

   

Aarau, 6. März 2024 

 

Verwaltungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Vorsitz: Gerichtsschreiberin:  

 

 

 

Busslinger William