# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8f17efbe-cb0e-50b3-8418-1dd8747d838b
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-02-18
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 18.02.2022 SK 2020 455
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2020-455_2022-02-18.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 20 455

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 18. Februar 2022 

Besetzung Obergerichtssuppleantin Schaer (Präsidentin i.V.),
Oberrichterin Bratschi, Oberrichter Schmid
Gerichtsschreiberin Hafner

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Anschlussberufungsführerin

und

C.________
a.v.d. Fürsprecherin D.________

Straf- und Zivilklägerin

und

E.________

Zivilklägerin

Gegenstand Vergewaltigung, Freiheitsberaubung, einfache Körperverletzung 
mit gefährlichem Gegenstand, Drohung

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-
Seeland (Kollegialgericht) vom 31. Januar 2020 (PEN 18 327)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 31. Januar 2020 erkannte das Regionalgericht Berner Jura-Seeland 
in Kollegialbesetzung (nachfolgend: Vorinstanz) was folgt (pag. 654 ff., Hervorhe-
bungen im Original):

I.

Das Strafverfahren gegen A.________

1. wegen Beschimpfung, angeblich begangen in der Zeit vom 07.08.2015, ca. 22:00 Uhr bis 
08.08.2015, ca. 23:30 Uhr, in G.________, zum Nachteil von C.________;

2. wegen Tätlichkeiten, angeblich begangen in der Zeit vom 07.08.2015, ca. 22:00 Uhr bis 
08.08.2015, ca. 23:30 Uhr, in G.________;

wird aufgrund des Eintritts der Verfolgungsverjährung eingestellt,

ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten.

II.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der Vergewaltigung, begangen am Morgen des 08.08.2015, in G.________, zum Nachteil von 
C.________;

2. der Freiheitsberaubung, begangen in der Zeit vom 07.08.2015, ca. 22:00 Uhr bis 08.08.2015, 
ca. 23:30 Uhr, in G.________, zum Nachteil von C.________;

3. der Einfachen Körperverletzung mit gefährlichem Gegenstand, begangen am 08.08.2015, in 
G.________, zum Nachteil von C.________;

4. der Drohung, begangen in der Zeit vom 07.08.2015, ca. 22:00 Uhr bis 08.08.2015, ca. 23:30 
Uhr, in G.________, zum Nachteil von C.________;

und in Anwendung der 

Art. 40, 41, 47, 49, 63, 123 Ziff. 2, Art. 177 Abs. 1, Art. 180 Abs. 1, Art. 183 Ziff. 1, Art. 190 Abs. 1 
StGB
Art. 426 ff. StPO

3

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 27 Monaten.

Die Polizei- und Untersuchungshaft von 46 Tagen werden im Umfang von 46 Tagen auf die 
Freiheitsstrafe angerechnet.

Es wird eine ambulante therapeutische Behandlung gemäss Art. 63 StGB angeordnet. Der 
Vollzug der Freiheitsstrafe wird zugunsten der Massnahme aufgeschoben.

2. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 14‘400.00 und Aus-
lagen (inkl. Kosten für die amtliche Verteidigung) von CHF 54‘104.70, insgesamt bestimmt auf 
CHF 68‘504.70 (ohne Kosten für die amtliche Verteidigung und ohne Kosten für die unentgeltli-
che Verbeiständung der Privatklägerin auf CHF 33‘635.50).

[Aufschlüsselung der Verfahrenskosten]

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 2‘000.00. Die 
reduzierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 66‘504.70 (ohne Kosten für die amtliche 
Verteidigung und ohne Kosten für die unentgeltliche Verbeiständung der Privatklägerin 
CHF 31‘635.50).

III.

1. [Festsetzung der amtlichen Entschädigung der Verteidigung mit Rückzahlungspflicht zulasten 
des Beschuldigten]

2. [Festsetzung der amtlichen Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Straf- und 
Zivilklägerin mit Rück- und Nachzahlungspflicht zulasten des Beschuldigten]

IV.

A.________ wird in Anwendung von Art. 41 und 49 OR sowie Art. 126 und 432 ff. StPO weiter verur-
teilt:

1. Zur Bezahlung von CHF 10‘000.00 Genugtuung zuzüglich 5 % Zins seit dem 08.08.2015 an die 
Straf- und Zivilklägerin C.________.

Soweit weitergehend wird die Genugtuungsforderung der Straf- und Zivilklägerin 
C.________ abgewiesen.

2. Zur Bezahlung von CHF 6‘580.60 Schadenersatz zuzüglich 5 % Zins seit dem 29.04.2016 an 
die Zivilklägerin E.________, unter Vorbehalt der Nachklage gemäss Art. 46 Abs. 2 OR.

3. Zur Bezahlung von CHF 2‘956.80 Schadenersatz zuzüglich 5 % Zins seit dem 21.10.2019 an 
die Zivilklägerin E.________, unter Vorbehalt der Nachklage gemäss Art. 46 Abs. 2 OR.

4. Für den Zivilpunkt werden keine Kosten ausgeschieden.

4

V.

Weiter wird verfügt:

1. Es wird eine Bewährungshilfe gemäss Art. 63 Abs. 2 StGB angeordnet. 

2. Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN-Nr. ________) nach Ablauf der 
Frist wird dem zuständigen Bundesamt erteilt (Art. 16 Abs. 4 DNA-ProfilG). 

3. Die Zustimmung zur Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten 
(PCN-Nr. ________) durch die auftraggebende Behörde wird nach Ablauf der Frist erteilt (Art. 17 
Abs. 4 i.V.m. Art. 19 Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstli-
cher Daten).

4. [Eröffnungsformel]

2. Berufung und Anschlussberufung

Gegen dieses Urteil meldete A.________ (nachfolgend: Beschuldigter), amtlich 
verteidigt durch Rechtsanwalt B.________, am 5. Februar 2020 fristgerecht Beru-
fung an (pag. 667). Mit Verfügung vom 15. Oktober 2020 wurde den Parteien die 
schriftliche Urteilsbegründung vom 14. Oktober 2020 zugestellt (pag. 777). Diese 
wurde vom Beschuldigten am 16. Oktober 2020 in Empfang genommen (pag. 780). 
Mit Schreiben vom 4. November 2020 erklärte der Beschuldigte fristgerecht die Be-
rufung und gab an, die Berufung werde auf Ziff. II., III., IV. und V. des erstinstanzli-
chen Urteils beschränkt (pag. 785).

Mit Verfügung vom 5. November 2020 wurde den weiteren Parteien Gelegenheit 
gegeben, Anschlussberufung zu erklären und Gründe für ein Nichteintreten auf die 
Berufung geltend zu machen (pag. 792).

Die Generalstaatsanwaltschaft erklärte am 23. November 2020 innert Frist An-
schlussberufung in Bezug auf das Strafmass, die Massnahme sowie den Aufschub 
der Freiheitsstrafe zugunsten der ambulanten Massnahme (pag. 807).

C.________ (nachfolgend: Straf- und Zivilklägerin), amtlich vertreten durch 
Rechtsanwältin D.________, verzichtete mit Schreiben vom 26. November 2020 
auf die Erklärung einer Anschlussberufung (pag. 811).

Gründe für ein Nichteintreten wurden weder in Bezug auf die Berufung noch betref-
fend die Anschlussberufung geltend gemacht (pag. 807, pag. 811, pag. 820 und 
pag. 822).

Die E.________ (nachfolgend: Zivilklägerin) liess sich nicht vernehmen (pag. 816).

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Mit Beschluss vom 8. Februar 2021 wurden die vom Beschuldigten eingereichten 
Arztberichte vom 14. Januar 2020 und 10. November 2020 zu den Akten erkannt 
(pag. 788 und pag. 798). Weiter wurde angeordnet, über den Beschuldigten ein Er-
gänzungsgutachten einzuholen. Der Antrag des Beschuldigten, es sei über die 
Straf- und Zivilklägerin und den Beschuldigten ein Glaubhaftigkeitsgutachten ein-
zuholen, wurde in Bezug auf die Straf- und Zivilklägerin abgewiesen (pag. 824 f.). 

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Das forensisch-psychiatrische Ergänzungsgutachten wurde von 
Dr. med. F.________ verfasst und datiert vom 5. Juli 2021 (pag. 856 ff.).

Im Hinblick auf die oberinstanzliche Verhandlung wurde ein aktueller Strafregister-
auszug zu den Akten genommen (pag. 951). Der in Auftrag gegebene Leumunds-
bericht inkl. Bericht zu den wirtschaftlichen Verhältnissen des Beschuldigten konnte 
mangels Kooperation des Beschuldigten nicht erstellt werden (pag. 948).

Am 18. Januar 2022 beantragte die Verteidigung, die Verhandlungsfähigkeit des 
Beschuldigten durch das Institut für Rechtsmedizin (IRM) abklären zu lassen 
(pag. 957). In diesem Zusammenhang wurde der Kammer ein Schreiben von 
Dr. med. H.________ vom 13. Januar 2022 zugestellt, welches zu den Akten er-
kannt wurde (pag. 953). Der Antrag auf Abklärung der Verhandlungsfähigkeit wur-
de abgewiesen (pag. 961).

Im Rahmen der Berufungsverhandlung wurden der Beschuldigte, die Straf- und Zi-
vilklägerin sowie Dr. med. F.________ befragt, wobei Dr. med. F.________ vor 
seiner eigenen Befragung als Zuhörer der Einvernahme des Beschuldigten bei-
wohnte (pag. 980 ff.).

Anlässlich der Berufungsverhandlung wurde der Antrag auf Einholung eines 
Glaubhaftigkeitsgutachtens erneut gestellt und sowohl betreffend den Beschuldig-
ten als auch betreffend die Straf- und Zivilklägerin abgewiesen (pag. 1013).

4. Berufungsverhandlung

Die Zivilklägerin teilte am 14. September 2021 mit, an der Berufungsverhandlung 
nicht teilzunehmen (pag. 938).

Der Antrag der Straf- und Zivilklägerin auf Konfrontationsvermeidung und Dispen-
sation von der Verhandlung mit Ausnahme ihrer eigenen Einvernahme wurde im 
Vorfeld der Berufungsverhandlung gutgeheissen (pag. 963 und pag. 967). Ebenso 
wurde das Gesuch der Verteidigung auf Dispensation des Beschuldigten von der 
Berufungsverhandlung mit Ausnahme seiner eigenen Einvernahme gutgeheissen 
(pag. 969 und pag. 973).

Da an der Berufungsverhandlung keine Zuschauer anwesend waren, erübrigte sich 
der Antrag der Straf- und Zivilklägerin auf Ausschluss der Öffentlichkeit (pag. 979).

5. Anträge der Parteien

5.1 Anträge des Beschuldigten

Die Verteidigung stellte an der Berufungsverhandlung folgende Anträge 
(pag. 1040 f.):

I.

Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 31. Januar 2020 
hinsichtlich Ziff. I in Rechtskraft erwachsen ist.

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II.

A.________ sei freizusprechen:

1. von der Anschuldigung der Vergewaltigung, eventualiter Schändung, angeblich begangen am 
8. August 2015 in G.________ z.N. von C.________; 

2. von der Anschuldigung der Freiheitsberaubung, angeblich begangen in der Zeit vom 7. August 
2015, ca. 22.00 Uhr bis 8. August 2015, ca. 23.30 Uhr in G.________ z.N. von C.________; 

3. von der Anschuldigung der einfachen Körperverletzung mit gefährlichem Gegenstand, angeblich 
begangen am 8. August 2015 in G.________ z.N. von C.________ 

4. von der Anschuldigung der Drohung, angeblich begangen in der Zeit vom 7. August 2015, 
ca. 22.00 Uhr bis 8. August 2015, ca. 23.30 Uhr in G.________ z.N. von C.________ 

unter Auferlegung der Verfahrenskosten der unteren und oberen Instanz an den Kanton Bern und un-
ter Ausrichtung einer Entschädigung für die Verteidigungskosten gemäss Kostennoten sowie einer 
persönlichen Entschädigung von CHF 9'200.00 für die ausgestandene Haft (46 Tage) nebst weiteren 
CHF 5000.00 für A.________.

III.

Zivilklagen

1. Die Zivilklage von C.________ sei abzuweisen. 

2. Die Zivilklage des E.________ sei abzuweisen.

IV.

Im Weiteren sei zu verfügen:

1. Das erstellte DNA-Profil sowie die erhobenen biometrischen Daten seien zu löschen. 

2. Das Honorar des amtlichen Verteidigers sei gemäss eingereichter Kostennote festzusetzen. 

3. Die erforderlichen weiteren Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen.

5.2 Anträge der Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft beantragte was folgt (pag. 1040 f):

I.

Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland (Kol-
legialgericht in Dreierbesetzung) vom 31. Januar 2021 in Rechtskraft erwachsen ist, insofern als das 
Verfahren wegen Beschimpfung und Tätlichkeiten, beides angeblich begangen in der Zeit vom 7. Au-
gust 2015, ca. 22:00 Uhr bis 8. August 2015, ca. 23:30 Uhr in G.________, z. N. von C.________, 
eingestellt wurde.

II.

A.________ sei schuldig zu erklären: 

1.1. der Vergewaltigung, begangen am Morgen des 08.08.2015, in G.________, z. N. von 
C.________; 

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1.2. der Freiheitsberaubung, begangen in der Zeit vom 07.08.2015, ca. 22:00 Uhr bis 08.08.2015, 
ca. 23:30 Uhr, in G.________, z. N. von C.________; 

1.3. der einfachen Körperverletzung mit gefährlichem Gegenstand, begangen am 08.08.2015, in 
G.________, z. N. von C.________; 

1.4. der Drohung, begangen in der Zeit vom 07.08.2015, ca. 22:00 Uhr bis 08.08.2015, 
ca. 23:30 Uhr, in G.________, z. N. von C.________. 

und er sei dafür in Anwendung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen zu verurteilen: 

1. zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten; der Vollzug der Freiheit[s]strafe sei aufzuschieben und 
die Dauer der Probezeit auf drei Jahre festzusetzen; für die Dauer der Probezeit sei die Weisung 
zu erteilen, sich auf eigene Kosten einer ambulanten Psychotherapie zu unterziehen; die ausge-
standene Untersuchungshaft von 46 Tagen sei anzurechnen; 

2. zu einer Geldstrafe von 270 Tagessätzen zu CHF 50.00; der Vollzug der Geldstrafe sei aufzu-
schieben und die Dauer der Probezeit auf drei Jahre festzusetzen; für die Dauer der Probezeit 
sei die Weisung zu erteilen, sich auf eigene Kosten einer ambulanten Psychotherapie zu unter-
ziehen; 

3. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl, eine angemessene Ge-
bühr gemäss Art. 21 VKD).

4. Von einer ambulanten Massnahme sei abzusehen.

III.

Im Weiteren sei zu verfügen: 

1. Es sei die vorzeitige Zustimmung zu erteilen zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN-
Nr. ________) und der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten nach Ablauf der 
gesetzlichen Frist (Art. 16 Abs. 1 Bst. e DNA-ProfilG und Art. 17 Abs. 1 Bst. e i. V. m. Art. 19 
Abs. 1 der Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdientlicher Daten). 

2. Die Honorare der amtlichen Verteidiger sei gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO).

5.3 Anträge der Straf- und Zivilklägerin

Rechtsanwältin D.________ stellte für die Straf- und Zivilklägerin folgende Anträge 
(pag. 1038):

1. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 31. Januar 
2020 insoweit in Rechtskraft erwachsen ist, als das Strafverfahren gegen A.________ wegen 

1.1 Beschimpfung, angeblich begangen von 7. bis 8. August 2015 in G.________ z.N. 
C.________; 

1.2 Tätlichkeiten, angeblich begangen von 7. bis 8. August 2015 in G.________ z.N. 
C.________; 

ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten einge-
stellt wurde.

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2. A.________ sei schuldig zu erklären 

2.1 der Vergewaltigung, begangen am 8. August 2015 in G.________ z.N. C.________ (Ziff. 1. 
AKS); 

2.2 der Freiheitsberaubung, begangen in der Zeit von 7. bis 8. August 2015 in G.________ 
z.N. C.________ (Ziff. 2. AKS); 

2.3 der einfachen Körperverletzung mit gefährlichem Gegenstand, begangen am 8. August 
2015 in G.________ z.N. C.________ (Ziff. 3. AKS); 

2.4 der Drohung, begangen in der Zeit von 7. August 2015 bis 8. August 2015 in G.________ 
z.N. C.________ (Ziff. 4. AKS); 

3. A.________ sei angemessen zu bestrafen. 

4. A.________ sei zu verurteilen: 

4.1 zu den erst- und den oberinstanzlichen Verfahrenskosten; 

4.2 zur Bezahlung einer Genugtuung in gerichtlich zu bestimmender Höhe mindestens aber 
von CHF 10'000.00, nebst Zins zu 5% seit 8. August 2015, an die Privatklägerin 
C.________; 

4.3 zur Bezahlung der erst -und der oberinstanzlichen Anwaltskosten der Privatklägerin 
C.________ gemäss eingereichten Honorarnoten.

5. Das erst- und das oberinstanzliche amtliche Honorar der amtlichen Anwältin der Privatklägerin 
C.________ sei gestützt auf die eingereichten Honorarnoten gerichtlich zu bestimmen. 

6. Die weiteren Verfügungen seien von Amtes wegen zu erlassen.

5.4 Anträge der Zivilklägerin

Der Zivilklägerin verzichtete mit Schreiben vom 14. September 2021 auf eine Teil-
nahme an der Berufungsverhandlung. Im erstinstanzlichen Verfahren beantragte 
sie, der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem E.________ CHF 6‘580.60 zuzüglich 
5% Zins seit dem 29. April 2016 und CHF 2‘956.80 zuzüglich 5% Zins seit dem 
21. Oktober 2019 zu bezahlen, unter Vorbehalt weiterer Forderungen für künftige 
Leistungen (pag. 432 und pag. 555).

6. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Der Beschuldigte beschränkte seine Berufung auf die Schuldsprüche, die ausge-
sprochene Strafe und Massnahme, die Kostenauferlegung, die Festsetzung der 
amtlichen Entschädigungen, die Beurteilung der Zivilklagen sowie die Verfügungen 
(pag. 785). Die Anschlussberufung der Generalstaatsanwaltschaft bezieht sich auf 
das Strafmass, die Massnahme sowie den Aufschub der Freiheitsstrafe zugunsten 
der ambulanten Massnahme.

Als Folge dieser Beschränkungen erwächst die Einstellung des Verfahrens wegen 
Beschimpfung und Tätlichkeiten ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne 
Ausscheidung von Verfahrenskosten gemäss Ziff. I des erstinstanzlichen Urteils-
dispositivs in Rechtskraft.

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Die übrigen Punkte des erstinstanzlichen Urteils hat die Kammer neu zu beurteilen. 
Sie verfügt dabei über volle Kognition (Art. 398 Abs. 2 der Schweizerischen Straf-
prozessordnung [StPO; SR 312.0]). In Bezug auf die Schuldsprüche und die Zivil-
klage wurde die Berufung ausschliesslich durch den Beschuldigten erhoben, wes-
halb die Kammer an das Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO 
gebunden ist. Demgegenüber kann sie das Urteil betreffend die Fragen des Straf-
masses, der Massnahme sowie des Aufschubs der Freiheitsstrafe aufgrund der 
Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft auch zu Ungunsten des Beschuldigten 
abändern.

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

7. Allgemeine Grundlagen der Beweiswürdigung

Für die allgemeinen Grundlagen der Beweiswürdigung wird auf die zutreffenden 
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen (pag. 726 f., S. 27 f. der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung).

8. Angeklagter Sachverhalt

Die vorliegend zu beurteilenden Vorgänge haben sich gemäss Anklageschrift vom 
12. April 2018 zwischen Freitagabend, 7. August 2015, und Samstagabend, 8. Au-
gust 2015, in der Wohnung des Beschuldigten zugetragen. Dem Beschuldigten 
wird vorgeworfen, er habe die Straf- und Zivilklägerin während etwas mehr als 24 
Stunden daran gehindert, die Wohnung zu verlassen (Freiheitsberaubung) und sie 
dabei bedroht (Drohung), gegen ihren Willen vaginalen Geschlechtsverkehr an ihr 
vollzogen (Vergewaltigung) und kochendes Wasser über sie geschüttet (einfache 
Körperverletzung mit gefährlichem Gegenstand). Für die detaillierte Umschreibung 
der Vorwürfe wird auf die Anklageschrift verwiesen (pag. 485 ff.).

9. Bestrittener und unbestrittener Sachverhalt

Es ist unbestritten, dass der Beschuldigte und die Straf- und Zivilklägerin im Tat-
zeitpunkt ein Liebesverhältnis miteinander hatten. Die Straf- und Zivilklägerin be-
gab sich am Abend des 7. August 2015 nach einem Vorstellungsgespräch in die 
Wohnung des Beschuldigten und verbrachte dort die Nacht sowie den darauffol-
genden Tag bis in die Nacht hinein. Der Beschuldigte bestreitet nicht, dass es an 
diesem Abend zu einer Auseinandersetzung und zu Geschlechtsverkehr zwischen 
ihm und der Straf- und Zivilklägerin gekommen ist und dass er die Straf- und Zivil-
klägerin im Verlauf des Abends geschlagen hat. Er stellt sich jedoch auf den 
Standpunkt, die Straf- und Zivilklägerin hätte die Wohnung verlassen können, der 
Geschlechtsverkehr sei einvernehmlich gewesen und die Schläge seien erfolgt, 
weil die Straf- und Zivilklägerin mit ihm sadomasochistische Sexualpraktiken habe 
ausprobieren wollen. Den Vorfall mit dem heissen Wasser bestreitet der Beschul-
digte nicht per se, gibt jedoch an, er habe dies nicht absichtlich gemacht und es 
habe sich nur um wenig Wasser gehandelt. Drohungen habe er ihr gegenüber kei-
ne ausgesprochen.

10

10. Beweiswürdigung

10.1 Beweismittel

Es wird darauf verzichtet, den Inhalt der Beweismittel vorab wiederzugeben. Für 
die objektiven Beweismittel und die Aussagen der Beteiligten bis und mit erstin-
stanzliches Verfahren wird auf die Zusammenfassung der Vorinstanz verwiesen 
(pag. 709 ff., S. 10 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Auf die restlichen 
Beweismittel wird im Rahmen der konkreten Beweiswürdigung eingegangen. Dabei 
werden zunächst die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin, des Beschuldigten und 
der Auskunftsperson analysiert, bevor die Beweismittel einer gesamthaften Würdi-
gung unterzogen werden.

10.2 Aussagen der Straf- und Zivilklägerin

Es kann vorangestellt werden, dass die Kammer die Aussagenanalyse der Vor-
instanz grundsätzlich als zutreffend erachtet und – vorbehältlich der nachfolgenden 
Ergänzungen und Präzisierungen – darauf verwiesen wird (pag. 731 ff., S. 32 ff. 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Nach Überzeugung der Kammer sind die 
Aussagen der Straf- und Zivilklägerin demnach glaubhaft. Dabei fallen insbesonde-
re folgende Umstände ins Gewicht:

Die Straf- und Zivilklägerin wurde am Morgen, nachdem sie die Wohnung des Be-
schuldigten in der Nacht verlassen hatte, bereits von der Polizei einvernommen 
und erzählte somit äusserst tatnah, was in den 24 Stunden vor ihrem Verlassen der 
Wohnung geschehen sein soll (pag. 142 ff.). Sie gab in der freien Erzählung zu-
sammengefasst an, es sei mit dem Beschuldigten zu einem Streit gekommen, als 
dieser ihr Handy durchgesehen und Auskunft über jede männliche Person verlangt 
habe. Im Zuge dieses Streits habe der Beschuldigte einen anderen Mann 
[I.________] angerufen, mit dem sie früher eine Beziehung hatte. Die Situation sei 
eskaliert, der Beschuldigte habe sie beschimpft und geschlagen. Aufgrund von 
Kreislaufproblemen habe sie das Bewusstsein verloren. Als sie auf dem Bett gele-
gen habe, habe er mit ihr schlafen wollen, sie und sich selber ausgezogen und den 
Geschlechtsverkehr vollzogen, obwohl sie ihm gesagt habe «nei la mi la si». 
Während sie Wasser für Teigwaren gekocht habe, habe der Beschuldigte sie er-
neut gepackt, zu Boden gerissen und mit der Hälfte des Wassers aus der Pfanne 
übergossen. Danach habe sie ihm gedroht, auf dem Balkon so lange zu schreien, 
bis die Nachbarn die Polizei verständigen würden. Dadurch sei er zur Besinnung 
gekommen, worauf er die Türe geöffnet und sie die Wohnung verlassen habe 
(pag. 142 ff. Z. 58 ff.).

Diese allererste Schilderung wirkt relativ geordnet, auch wenn zeitliche Anhalts-
punkte weitgehend fehlen, so dass teilweise nicht klar ist, wie viel Zeit zwischen 
den einzelnen Erlebnissen vergangen ist und wann diese im Verlauf der gut 
24 Stunden einzuordnen sind. Im Vergleich mit den weiteren Einvernahmen fällt 
zudem auf, dass in dieser ersten Erzählung nicht ganz alle Elemente genannt wur-
den, die die Straf- und Zivilklägerin in späteren Befragungen schilderte. Aus fol-
genden Gründen sprechen aber weder die fehlende zeitliche Verknüpfung noch die 
vorerst nicht genannten Elemente in dieser ersten Erzählung gegen die Glaubhaf-
tigkeit dieser Aussagen: Die Befragung begann am 9. August 2015 um 11:45 Uhr 

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(pag. 141), nachdem die Straf- und Zivilklägerin am Abend zuvor erst gegen Mitter-
nacht die Wohnung des Beschuldigten verlassen hatte, sich im Spital hatte behan-
deln lassen, um 1:00 Uhr in der Nacht verzweifelt ihre Schwester angerufen und 
die Nacht dann bei dieser verbracht hatte. Die Straf- und Zivilklägerin hatte dem-
nach vor der ersten Einvernahme noch keine Gelegenheit, Distanz zum Gesche-
henen zu gewinnen. Zu dieser Ausgangslage passt, dass sie in der ersten freien 
Erzählung jene Elemente nannte, die sie offenbar am stärksten betroffen machten: 
Der eskalierte Streit, der Zusammenbruch beim Bett, der Geschlechtsverkehr ge-
gen ihren Willen, der Vorfall mit dem heissen Wasser und die Umstände, wie sie 
die Wohnung schliesslich verlassen konnte. Ein solches, vom unmittelbaren Ein-
druck des Erlebten geprägtes und unvorbereitetes Aussageverhalten lässt sich mit 
den geschilderten Erlebnissen ohne weiteres vereinbaren und spricht für dessen 
Glaubhaftigkeit. Eine lückenlose und ausnahmslos chronologisch strukturierte Er-
zählung ist bei dieser Fülle an unmittelbar Erlebtem nicht zu erwarten (vgl. Urteil 
des Bundesgerichts 6B_1009/2021 vom 17. Januar 2022 E. 2.3.2). Die Straf- und 
Zivilklägerin gab später denn auch selber mehrfach an, sie habe bezüglich des Ge-
samtereignisses kein Zeitgefühl mehr (pag. 152 Z. 159) und sie habe während all 
dieser Zeit nie auf eine Uhr geschaut (pag. 162 Z. 221).

Im Übrigen hat die Straf- und Zivilklägerin noch in der ersten Einvernahme ausge-
führt, dass sie die Wohnung nicht habe verlassen können, weil der Beschuldigte 
den Schlüssel an sich genommen habe, als der Streit eskaliert sei und sie ange-
droht habe, die Wohnung zu verlassen. Einmal habe er während etwa fünf Minuten 
den Schlüssel wieder ins Schloss gesteckt, ihr allerdings gedroht, er erzähle ihrer 
Familie, sie sei eine Hure. Zudem habe er ihr ihr Handy nicht geben wollen und die 
Schlüssel dann wieder behändigt und nicht mehr herausgegeben bis sie mit dem 
Geschrei auf dem Balkon gedroht habe (pag. 144 Z. 121). Ebenfalls in der ersten 
Einvernahme beschrieb sie, dass der Beschuldigte sie verteilt über die 24 Stunden 
etliche Male mit der offenen Hand und mit gestrecktem Arm ins Gesicht geschlagen 
und dabei «richtig durchgezogen» habe (pag. 144 Z. 147) und dass sie zuletzt am 
gleichen Abend vor dem Streit einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gehabt hät-
ten (pag. 145 Z. 205). Sie gab weiter an, der Beschuldigte habe in den 24 Stunden 
«sicher gegen 15 Joints» geraucht. Davon habe er ihr ein paar Züge gegeben zur 
Beruhigung (pag. 146 Z. 252). Er habe ihr gedroht, ihren Ruf in der ganzen Stadt 
zu schädigen, sie vor ihren Freunden und Eltern bloss zu stellen und sie noch 
«hundert Mal zu vögeln», bevor sie rauskomme (pag. 146 f. Z. 259 ff.). Insgesamt 
hat sie die Kernelemente ihrer Vorwürfe demnach bereits in der ersten Einvernah-
me zu Protokoll gegeben. Anders als von der Verteidigung dargestellt, hat die 
Straf- und Zivilklägerin auch nicht erst auf Frage erwähnt, dass sie die Wohnung 
nicht habe verlassen können (pag. 144 Z. 118). Einerseits schilderte die Straf- und 
Zivilklägerin in der freien Erzählung, dass der Beschuldigte ihr die Tür geöffnet ha-
be, nachdem sie gedroht habe zu schreien (pag. 143 f. Z. 106 ff.), was impliziert, 
dass er dies vorher nicht machte. Andererseits geht aus dem Anzeigerapport vom 
6. Oktober 2015 hervor, dass die Straf- und Zivilklägerin bereits beim Eintreffen auf 
der Polizeiwache um 10:20 Uhr erzählt hatte, sie sei von ihrem Freund über Stun-
den in der Wohnung festgehalten worden (pag. 114). Es kann somit nicht argumen-

12

tiert werden, sie habe erst auf Vorhalt der Polizei angegeben, sie habe die Woh-
nung nicht verlassen können.

Die Angaben in den späteren Einvernahmen stimmen im Kern mit diesen ersten 
Schilderungen überein. Selbst an der Berufungsverhandlung sechseinhalb Jahre 
nach der Tat schilderte sie dieselben Elemente (pag. 982 ff. Z. 11 ff.). Die Straf- 
und Zivilklägerin erzählte das Erlebte anschaulich, nachvollziehbar, mit teilweise 
originellen Details und nebensächlichen Beobachtungen. Eindrücklich und mit dem 
geschilderten Geschehen ohne weiteres vereinbar beschrieb sie etwa immer wie-
der, dass sie eine sehr starke Angst verspürt habe (pag. 145 Z. 196, pag. 160 
Z. 138 und Z. 160, pag. 161 Z. 198, pag. 162 f. Z. 240 ff., pag. 696 Z. 27 und Z. 46, 
pag. 697 Z. 5 und Z. 16). Auch an der Berufungsverhandlung nannte sie auf die 
Fragen, was ihr als Erstes in den Sinn komme und was für sie das Schlimmste ge-
wesen sei, sofort die Angst und beschrieb plastisch, wie sie nicht habe einschätzen 
können, zu was der Beschuldigte fähig sei und wie sie auch in der Zeit danach 
Angst gehabt habe, zu ihren Freunden oder in ihre eigene Wohnung zu gehen 
(pag. 982 Z. 15 und Z. 27). Bemerkenswert ist weiter ihre Schilderung, wie ihr ein-
mal der Gedanke gekommen sei, die Wohnung durch ein Fenster zu verlassen, 
was natürlich utopisch gewesen sei, weil sich die Wohnung im 4. Stock befunden 
habe (pag. 144 Z. 126, pag. 151 Z. 119 und pag. 984 Z. 22). Mit Blick auf die von 
ihr beschriebene Verzweiflung ist auch ihre Aussage nachvollziehbar, wonach sie 
ihm immer wieder gesagt habe, es tue ihr leid – versuchte sie doch offenbar alles in 
der Hoffnung, der Beschuldigte würde sich beruhigen und sie gehen lassen 
(pag. 143 Z. 83 ff. und pag. 162 Z. 207).

Für die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Straf- und Zivilklägerin sprechen auch ih-
re Schilderungen des Geschlechtsverkehrs und zwar gerade wegen der schlichten 
Erzählweise. Diese passt zum von ihr beschriebenen Ablauf, wonach sie auf dem 
Bett gelegen habe, der Beschuldigte gesagt habe, er wolle mit ihr schlafen, dann 
zuerst sie und dann sich ausgezogen, sich ein Kondom übergestreift und den Ge-
schlechtsverkehr vaginal vollzogen habe. Sie selber habe sich nicht gross gewehrt, 
und nur «einmal irgendwie gesagt ‹nei la mi la si›», in der Hoffnung, wenn sie es 
einfach über sich ergehen lasse, sei es dann vorbei und er lasse sie gehen 
(pag. 143 Z. 83 ff. und pag. 145 Z. 180 ff.). Das Eindringen habe ihr keine Schmer-
zen bereitet (pag. 145 Z. 176). Sie habe dabei Angst und Demütigung verspürt 
(pag. 145 Z. 196). Entgegen der verbreiteten Erwartung, eine Vergewaltigung sei 
etwa mit zusätzlicher Gewaltausübung oder starken Schmerzen verbunden, drama-
tisierte die Straf- und Zivilklägerin dieses Erlebnis nicht zusätzlich, sondern be-
schränkte sich darauf, den gegen ihren artikulierten Willen vollzogenen und ohne 
weitere Abwehrhandlungen ertragenen Geschlechtsverkehr als solchen zu schil-
dern und gab sogar noch zu Protokoll, sie habe dabei keine Schmerzen erlitten und 
sich nicht körperlich zur Wehr gesetzt. Dieses etwas überraschende Aussagever-
halten spricht gerade für eine erlebnisbasierte Erzählung und es ist durchaus nach-
vollziehbar, dass im Erleben der Straf- und Zivilklägerin nicht Gewalt oder Schmer-
zen, sondern Angst und Demütigung im Vordergrund standen.

Auch darüber hinaus sind in den Aussagen der Straf- und Zivilklägerin keine Über-
treibungen zu Ungunsten des Beschuldigten zu erkennen. Im Gegenteil: Die Straf- 

13

und Zivilklägerin schilderte auch ihren eigenen Anteil an der entstandenen Dyna-
mik, wie etwa, dass sie ihn mit der Pfanne mit kochendem Wasser «bedrohlich» 
angeschaut habe (pag. 166 Z. 362; siehe auch pag. 143 Z. 96) oder sich gewehrt 
habe (pag. 160 Z. 131). Sie erzählte weiter, wie sich der Beschuldigte nach dem 
Zusammenbruch und den Verbrennungen um sie gekümmert habe und zögerte 
demnach nicht, entlastende Handlungen des Beschuldigten zu benennen. Die 
Straf- und Zivilklägerin deklarierte, wenn sie sich nicht ganz sicher war oder sich 
nicht mehr erinnern konnte, etwa bei der Frage, ob der Beschuldigte sie auch ge-
treten habe (pag. 144 Z. 155). Sie korrigierte in späteren Einvernahmen selbst ge-
ringe Abweichungen in den Vorhalten, etwa als ihr ihre frühere Aussage vorgehal-
ten wurde, wonach sie bewusstlos geworden sei und sie antwortete: «Habe ich ge-
sagt bewusstlos? Ich kann mich erinnern, dass es mir kurz wie schwarz vor Augen 
wurde, aber ganz weg war ich nicht, ich hatte einen kurzen Kreislaufkollaps» 
(pag. 161 Z. 177). Insgesamt entsteht dadurch der Eindruck, die Straf- und Zivilklä-
gerin habe sich in den Einvernahmen bemüht, das von ihr Erlebte ohne Ausschmü-
ckungen gemäss den eigenen Erinnerungen zu Protokoll zu geben.

Eine besondere Analyse verlangen folgende Elemente, welche die Straf- und Zivil-
klägerin im Vergleich zur ersten Einvernahme später anders respektive neu schil-
derte:

In der zweiten Einvernahme am 23. September 2015 sagte die Straf- und Zivilklä-
gerin auf Frage, ob sie zu ihrer ersten Einvernahme Ergänzungen oder Korrekturen 
anbringen wolle, ihr sei noch in den Sinn gekommen, dass der Beschuldigte von ihr 
ein Video gedreht habe (pag. 150 Z. 43). Er habe dieses Video mit ihrem Handy 
gemacht und zwar ungefähr am Samstagmorgen, um ca. 9:00 Uhr, während des 
Geschlechtsverkehrs (pag. 150 Z. 48). Darauf angesprochen sagte sie bei der 
Staatsanwaltschaft am 17. Januar 2018, sie wisse nicht mehr genau, bei welchem 
Geschlechtsverkehr er sie gefilmt habe, sie wisse einfach noch, dass sie ihm ge-
sagt habe, sie wolle nicht, nachdem er sie so geschlagen habe und sie zusam-
mengesackt sei, und er dann kein Video gemacht habe. Somit sei es wohl beim 
ersten [einvernehmlichen] Geschlechtsverkehr gewesen (pag. 164 Z. 307 ff.). Das 
Video sei mit ihrem eigenen Handy gemacht worden, sie habe dieses im Nachhin-
ein aber nicht gesehen. Sie wisse, dass er ein Video gemacht habe, weil er 
während dem Sex das Natel in seinen Fingern gehabt habe (pag. 164 f. Z. 317 ff.). 
Auf Frage, ob der Beschuldigte das Video im Nachhinein gelöscht habe, sagte sie, 
sie wisse einfach noch, dass sie kein Video gesehen habe, aber sie wisse nicht, 
wer es gelöscht habe (pag. 165 Z. 326). An der Hauptverhandlung schilderte die 
Straf- und Zivilklägerin auf Frage zum Thema Video, sie könne sich an ein Video 
erinnern, in dem sie «vergrännet» gewesen sei. Sie wisse nicht mehr, ob es ein Fo-
to oder ein Video gewesen sei. Auf diesem habe man «es» ihr aber angesehen 
(pag. 695 Z. 34). Auf Frage nach der Zeit gab sie an, es sei draussen hell gewe-
sen, wahrscheinlich Samstagmorgen oder am Samstag durch den Tag (pag. 695 
Z. 38). Zur Frage, ob sie dieses Foto noch habe, sagte sie: «Nein. Es war nicht auf 
meinem Handy. Beziehungsweise wenn er es mit meinem Handy gemacht hat… 
Es tut mir leid, ich weiss es wirklich nicht mehr» (pag. 696 Z. 4). Auf der Polizei ha-
be sie ihr Handy abgegeben. Ihr sei dort gesagt worden, dass das Video noch auf 
dem Handy gewesen sei. Sie könne nicht ausschliessen, dass sie das Video 

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gelöscht habe, da sie sich nicht mehr detailliert erinnern könne und alles gelöscht 
habe, was den Beschuldigten betreffe (pag. 698 Z. 17 ff.). An der Berufungsver-
handlung führte sie aus, es habe ein Video und ein Foto von ihr gegeben. Ein Foto, 
auf dem sie angezogen gewesen sei, aber blaue Flecken gehabt und geweint ha-
be. Sie wisse nicht, warum er dieses Foto von ihr gemacht und wer es gelöscht ha-
be. Als sie am nächsten Tag auf der Polizei gewesen sei, habe sie ihnen ihr Handy 
gegeben und sie hätten alles sicherstellen können, was drauf gewesen sei an Fo-
tos und Videos. Sie habe alles vom Beschuldigten gelöscht, nachdem sie das Han-
dy von der Polizei wieder erhalten habe. Es sei schwierig, nach so langer Zeit zu 
sagen, was genau fotografiert und gelöscht worden sei, sie wolle keine Unwahrhei-
ten erzählen. Sie wüsste nicht, dass sie das Video gelöscht hätte, bevor sie das 
Handy bei der Polizei vorbei gebracht habe (pag. 985 f. Z. 41 ff.). Auf Vorhalt ihrer 
eigenen Aussage aus der zweiten Einvernahme zum Video sagte sie, dies sei ein 
Punkt, den sie nicht genau präsent habe. Sie könne sich an das Foto erinnern, we-
niger an das Video. Sie habe jede Aussage in den fünf Befragungen mit bestem 
Wissen und Gewissen ehrlich beantwortet. Sie wisse, dass er ein Video und ein 
Foto gemacht habe. Sie könne sich aber nicht genau erinnern, wann er dieses ge-
dreht habe (pag. 986 f., Z. 37 ff.). Konfrontiert mit dem Argument, wonach sie das 
Video extra gelöscht haben könnte, weil man darauf gesehen hätte, dass nichts 
gegen ihren Willen geschehen sei, erwiderte sie, dass sie nichts extra gelöscht ha-
be und sich nicht bewusst erinnern könne, dass sie vor der Polizei etwas gelöscht 
habe. Zudem hätte sie das Video nicht erwähnt, wenn darauf etwas ersichtlich ge-
wesen wäre (pag. 987 Z. 9 ff.).

Die Tatsache, dass der Beschuldigte in der Nacht der Tat ein Video von sich und 
der Straf- und Zivilklägerin beim Geschlechtsverkehr gemacht hat, ist nicht bestrit-
ten (pag. 206 Z. 421). Die Straf- und Zivilklägerin konnte allerdings nicht benennen, 
welche Inhalte auf dem Video und welche auf dem Foto gezeigt werden und wann 
diese aufgenommen worden sein sollen. Ihre Angaben hierzu sind lückenhaft und 
teilweise widersprüchlich. Es war ihr auch nicht möglich zu erklären, was mit diesen 
Aufnahmen geschah und warum diese im Zeitpunkt der Auswertung durch die Poli-
zei nicht auf ihrem Handy waren (pag. 116). Dieser Umstand wird von der Verteidi-
gung dahingehend ausgelegt, dass die Straf- und Zivilklägerin das Bildmaterial 
gelöscht habe, weil es ihre Version des Geschehens nicht unterstütze. Die Kammer 
schliesst sich dieser Interpretation nicht an: Aufgrund der Aktenlage und den un-
vollständigen Angaben der Straf- und Zivilklägerin kann zwar für die Feststellung 
des Sachverhalts nicht auf den Inhalt dieses Bildmaterials abgestellt werden. Die 
Glaubwürdigkeit der Straf- und Zivilklägerin wird dadurch aber nicht untergraben. 
So war es die Straf- und Zivilklägerin selber, welche von sich aus zu Beginn ihrer 
zweiten Einvernahme angab, es habe noch ein Video gegeben (pag. 150 Z. 43 ff.). 
Es ist nicht zu erwarten, dass sie dieses Video erwähnt hätte, wenn sie es zuvor 
bewusst gelöscht hätte, um der Polizei entlastende Beweismittel vorzuenthalten. 
Zudem fällt auf, dass die Straf- und Zivilklägerin die ihr vorgehaltenen Lücken oder 
Ungereimtheiten nicht um jeden Preis zu erklären versuchte, sondern mehrmals 
darauf hinwies, nicht (mehr) genau zu wissen, wie das gegangen sei, sie sich aber 
einfach noch daran erinnere, dass es ein Foto und ein Video gegeben habe. Die-
ses Aussageverhalten spricht ebenfalls dafür, dass die Straf- und Zivilklägerin 

15

gemäss ihrem eigenen Erinnerungsvermögen aussagte und nicht versuchte, Unkla-
rheiten, die gegen sie ausgelegt werden könnten, mit erfundenen oder spekulierten 
Erklärungen auszuräumen.

Die Straf- und Zivilklägerin äusserte sich sodann unterschiedlich zur Schilderung 
des Beschuldigten, wonach er am Samstagmittag gemeinsam mit der Straf- und 
Zivilklägerin die Wohnung verlassen habe, um Zigaretten zu kaufen, wobei sie die 
Gelegenheit gehabt hätte, nicht mit ihm zurückzukehren (pag. 184 Z. 172). Diesen 
Zigarettenkauf erwähnte die Straf- und Zivilklägerin in ihrer ersten Befragung nicht. 
Auf Vorhalt sagte sie in der zweiten Einvernahme, sie hätten die Wohnung nicht 
verlassen. Wenn dies so gewesen wäre, hätte sie es verdrängt oder erinnere sich 
nicht mehr daran. Aber ihr gesunder Menschenverstand sage ihr, dass sie dann 
«abgefahren» wäre. Ihr Mutter wohne ja gerade .________ (pag. 151 Z. 130 ff.). In 
der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft rund zweieinhalb Jahre später schil-
derte sie dann, dass sie nach dem erzwungenen Geschlechtsverkehr habe rau-
chen wollen. Der Beschuldigte habe gesagt, er werde beim «R.________» Zigaret-
ten kaufen gehen, aber damit sie in der Zwischenzeit nicht «abfahre», habe sie ihn 
begleiten müssen. Zu diesem Zeitpunkt habe sie ihre Kleider wieder anziehen kön-
nen. Er habe sie zum Rausgehen die ganze Zeit am Rücken «so» gehalten. Als er 
die Türe geöffnet habe, habe sie versucht zu fliehen, aber er habe sie daran gehin-
dert (pag. 163 f. Z. 277 ff., ähnlich: pag. 694 Z. 1 ff. und pag. 984 Z. 20). Konfron-
tiert damit, dass sie dies in den letzten beiden Einvernahmen nie erwähnt habe, 
sagte sie, sie sei erschrocken als ihr dies mit dem «R.________» wieder in den 
Sinn gekommen sei. Sie habe alles versucht zu verdrängen. Sie habe dies nicht 
bewusst nicht erwähnt, auch nicht aus bösem Willen (pag. 164 Z. 293 ff.).

Weshalb die Straf- und Zivilklägerin diesen Zigarettenkauf zunächst unerwähnt 
liess, kann nicht abschliessend beantwortet werden. Es ist aber mit den restlichen 
Schilderungen der Straf- und Zivilklägerin vereinbar, dass sie angesichts der Fülle 
von Erinnerungen zunächst nicht mehr daran dachte, zumal sie im Gegensatz zur 
Situation in der Wohnung während dem Gang zum Laden offenbar keine unmittel-
bare Gewalt erlebte und dieser damit nicht zu den einschneidenden Momenten des 
Gesamterlebnisses gehörte. Ihre Aussagen zu dieser Episode verlieren deshalb 
nicht an Glaubhaftigkeit.

Weiter erwähnte die Straf- und Zivilklägerin zunächst nicht, sie sei vom Beschuldig-
ten gewürgt worden. Dieser beschrieb an der Hafteröffnung am 10. August 2015 
jedoch von sich aus, er habe ihr mit der einen Hand den Hals zugehalten (pag. 190 
Z. 122). Auf Vorhalt dieser Aussage bestätigte die Straf- und Zivilklägerin dies am 
17. Januar 2018 mit den Worten «Ja, an der Haustüre». Sie wisse nicht mehr so 
genau, wann das geschehen sei, eher am Anfang. Er habe sehr fest zugedrückt, 
sie habe sehr, sehr Angst gehabt. Sie habe probiert, sich zu wehren, so gut es ge-
gangen sei, aber er sei sehr stark (pag. 160 Z. 152 ff.). Sie glaube, sie habe noch 
Luft bekommen, als er mit seiner Hand zugedrückt habe, sie könne sich aber nicht 
mehr so gut erinnern (pag. 161 Z. 168 ff.). An der Hauptverhandlung sagte sie auf 
Frage zum Vorfall des Würgens, sie habe Angst gehabt, sie habe keine Luft mehr 
bekommen. Sie habe in seinen Augen nicht erkennen können, ob er sie wieder los-

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lassen werde oder nicht. Sie wisse noch, dass sie versucht habe, sich zu wehren 
(pag. 696 Z. 26).

Die Kammer hat bereits ausgeführt, dass sie es als nachvollziehbar erachtet, dass 
die Straf- und Zivilklägerin aufgrund der verschiedenen Erlebnisse zu Beginn nicht 
sämtliche Elemente benennen und aufzählen konnte. In Bezug auf das Würgen fällt 
zudem wesentlich ins Gewicht, dass der Beschuldigte von sich aus angab, die 
Straf- und Zivilklägerin gewürgt zu haben. Dieses Element ist somit unbestritten 
und es stellt keine Aggravation im eigentlichen Sinne dar, wenn die Straf- und Zivil-
klägerin diese Aussage des Beschuldigten auf Vorhalt bestätigte und die Situation 
weiter ausführte. Ihre Schilderungen wirken denn auch anschaulich, etwa, wenn sie 
das Würgen auf Vorhalt der Aussage des Beschuldigten spontan «an die Haustü-
re» verortete und plastisch beschrieb, wie sie Angst gehabt habe, weil sie in den 
Augen des Beschuldigen nicht habe erkennen können, ob er wieder loslassen wür-
de. Eine Steigerung ist einzig darin zu erkennen, dass sie zunächst sagte, sie 
glaube, sie habe noch Luft bekommen, an der Hauptverhandlung dann aber schil-
derte, sie habe keine Luft mehr bekommen. Dies führt nicht dazu, dass die Aussa-
gen der Straf- und Zivilklägerin insgesamt unglaubhaft erscheinen. Im Einklang mit 
ihrer ersten Aussage und in dubio pro reo ist jedoch davon auszugehen, dass die 
Straf- und Zivilklägerin trotz dem Würgen noch atmen konnte.

Die Verteidigung argumentierte weiter, es spreche gegen die Glaubhaftigkeit der 
Aussagen der Straf- und Zivilklägerin, dass sie den einvernehmlichen Geschlechts-
verkehr vor dem Streit am selben Abend nicht von sich aus erwähnt habe. Sie be-
zieht sich dabei auf die Aussage der Straf- und Zivilklägerin in ihrer ersten Einver-
nahme, in der sie auf Frage der Polizei nach dem letzten einvernehmlichen Ge-
schlechtsverkehr erzählte, sie hätten am gleichen Abend Sex miteinander gehabt. 
Danach sei sie Duschen gegangen und der «Krach» habe nachher angefangen 
(pag. 145 Z. 203 ff.). Es habe für sie gestimmt, dass sie nach ihrem Vorstellungs-
gespräch Sex gehabt hätten (pag. 146 Z. 216). Der Umstand, dass die Straf- und 
Zivilklägerin diesen Geschlechtsverkehr erst auf Frage der Polizei erwähnte, stellt 
die Glaubhaftigkeit ihrer Aussage nicht in Frage: Aus der Perspektive der Straf- und 
Zivilklägerin war dieser Geschlechtsverkehr für die geschilderten Vorgänge völlig ir-
relevant. Er fand vor dem Streit statt, an einem zu diesem Zeitpunkt noch friedli-
chen, normalen Abend und gehörte somit nicht zu den Erlebnissen, die die Straf- 
und Zivilklägerin zum Gang zur Polizei veranlassten. Entgegen der Darstellung der 
Verteidigung widersprach sich die Straf- und Zivilklägerin auch nicht in Bezug auf 
die Einvernehmlichkeit dieses Geschlechtsverkehrs. Die Verteidigung thematisierte 
dabei eine Antwort in der zweiten Einvernahme, als die Straf- und Zivilklägerin ge-
fragt wurde, ab welchem Zeitpunkt die sexuellen Handlungen durch den Beschul-
digten gegen ihren Willen geschehen seien und sie sagte, sie habe es von Anfang 
an nicht gewollt, habe aber keinen Mut mehr gehabt, nein zu sagen, von Anfang an 
nicht (pag. 154 Z. 261). Aus dem Kontext dieser Aussage geht klar hervor, dass sie 
sich damit auf den bereits geschilderten, nicht einvernehmlichen Geschlechtsver-
kehr bezog. Es gibt in den Aussagen keine Anhaltspunkte, dass sie damit den 
ebenfalls bereits erwähnten, einvernehmlichen Sex vom Abend zuvor gemeint ha-
ben könnte. Eine unglaubhafte und widersprüchliche Aggravation zu Lasten des 
Beschuldigten ist in diesen Aussagen nicht erkennbar.

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Anders als die Verteidigung sieht die Kammer auch in der Begründung der Straf- 
und Zivilklägerin für ihren Kreislaufkollaps kein Grund, an ihren Aussagen zu zwei-
feln. Selbst wenn der Zusammenbruch am Samstagmorgen stattfand und die letzte 
Mahlzeit am Freitagabend somit noch nicht «tagelang» her war (pag. 984 Z. 31), ist 
nachvollziehbar, dass die .________ cm grosse und damals lediglich .________ kg 
schwere Straf- und Zivilklägerin nach einer Nacht ohne Schlaf, andauerndem Streit 
und Gewalt, starker Angst und Weinen einen Zusammenbruch erlitt, wie es die 
Straf- und Zivilklägerin an anderer Stelle selber auch begründete (pag. 161 Z. 198).

Die Straf- und Zivilklägerin hat somit – anders als von der Verteidigung vorgebracht 
– nachvollziehbare und stimmige Aussagen gemacht, die zu den von ihr geschil-
derten Erlebnissen passen. Dies gilt auch für ihr Verhalten im Anschluss an die 
Tatnacht: Sie begab sich unmittelbar nach dem Vorgefallenen direkt in ärztliche 
Behandlung. Dabei begründete sie einleuchtend, dass sie […; Auslassung aus 
Gründen der Anonymisierung] (pag. 152 Z. 151). Diese Beschreibung von neben-
sächlichen, gedanklichen Vorgängen spricht erneut für eine erlebnisbasierte Schil-
derung. Im Anschluss daran ging sie zu ihrer Schwester. Diese erlebte die Straf- 
und Zivilklägerin als stark weinend, so dass sie gar nicht richtig sprechen konnte, 
komplett niedergeschlagen, verzweifelt und verängstigt (pag. 174 Z. 22; siehe 
Ziff. 10.4 unten). Nach der Anzeigeerstattung zog die Straf- und Zivilklägerin in ein 
Frauenhaus, weil sie aus Angst vor dem Beschuldigten nicht mehr mit ihm im sel-
ben Haus leben wollte. Der vorübergehende Umzug in das in M.________ gelege-
ne Frauenhaus hatte für die Straf- und Zivilklägerin im Alltag einschneidende Kon-
sequenzen (vgl. pag. 169 Z. 475 ff.) und führte gleichzeitig dazu, dass ihr Auftreten 
als Schutzsuchende während der ganzen Aufenthaltsdauer im Fokus stand. Die 
Tatsache, dass die Straf- und Zivilklägerin dennoch für mehrere Monate im Frau-
enhaus blieb (pag. 435 ff.), ist für die Kammer ein starkes Indiz dafür, dass sich die 
Straf- und Zivilklägerin aufgrund eines äusserst einschneidenden Erlebnisses mit 
dem Beschuldigten in ihrer Sicherheit beeinträchtigt fühlte und es erscheint nicht 
naheliegend, dass sie eine erfundene Geschichte über eine so lange Zeit gegenü-
ber den Mitarbeitenden des Frauenhauses hätte aufrechterhalten können. Das ge-
samte Verhalten der Straf- und Zivilklägerin nach der Tatnacht wäre nicht zu erwar-
ten, wenn sie die geschilderten Ereignisse nicht erlebt hätte.

Für die Kammer ist auch kein Motiv ersichtlich, weshalb die Straf- und Zivilklägerin 
den Beschuldigten zu Unrecht belasten sollte. Für einen Zusammenhang mit der 
vom Beschuldigten erwähnten Depression (pag. 997 Z. 24) gibt es in den Akten 
keinerlei Anhaltspunkte, ebenso wenig dafür, dass die Straf- und Zivilklägerin ge-
gen den Beschuldigten einen Groll hegte, aus Langeweile handelte (pag. 207 
Z. 453 ff.) oder systematisch versuchte, Männer ins Gefängnis zu bringen 
(pag. 999 Z. 9).

Zuletzt war wie schon bei früheren Befragungen auch an der Berufungsverhand-
lung deutlich spürbar, dass die Straf- und Zivilklägerin während der Einvernahme 
teilweise mit starken Emotionen kämpfte (pag. 982 Z. 13 und pag. 983 Z. 35). 
Während dies alleine keine Garantie für die Glaubwürdigkeit einer Person ist, so 
hält es die Kammer doch für unwahrscheinlich, dass die Straf- und Zivilklägerin ihre 

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starken, teilweise gar körperlichen Reaktionen während den Einvernahmen authen-
tisch hätte spielen können.

Aufgrund der Ausführungen der Straf- und Zivilklägerin anlässlich der Befragungen 
sowie aufgrund ihres Verhaltens nach der Tat ist für die Kammer ausgeschlossen, 
dass sie den Beschuldigten zu Unrecht belastet. Auf ihre Aussagen wird bis auf die 
genannten Ausnahmen abgestellt.

10.3 Aussagen des Beschuldigten

Der Beschuldigte fiel in den Einvernahmen immer wieder mit lautem, bisweilen aus-
fallendem Verhalten auf. Dieses Verhalten ist Mithilfe der zahlreichen ärztlichen Be-
richte inkl. forensisch-psychiatrischem Gutachten und Ergänzungsgutachten diffe-
renziert zu beurteilen: Der Beschuldigte leidet infolge L.________ an einer organi-
schen Persönlichkeitsstörung. Er zeigt dadurch eine affektive Instabilität, Reizbar-
keit und Aggressivität, verfügt über eine verminderte Impulskontrolle mit einge-
schränkter Selbstkritik, mangelndes Taktgefühl und Schwierigkeiten, die Perspekti-
ve anderer zu übernehmen. Es bestehen bei ihm ein vermehrtes Misstrauen, ein 
reduzierter Antrieb/Motivation und teilweise formale Denkstörungen mit Strukturlo-
sigkeit in den Gedankengängen (pag. 326 ff. und pag. 894). Der behandelnde 
Psychiater Dr. med. H.________ berichtete am 13. Januar 2022 zudem, frühere 
Verfahrenshandlungen bei der Polizei und vor Gericht hätten beim Beschuldigten 
zu massiven Angstausbrüchen und einem psychischen Zusammenbruch mit z.T. 
posttraumatischen, unkontrollierten verbalen Entgleisungen geführt (pag. 953). Das 
teilweise laute, ausschweifende und vulgäre Aussageverhalten des Beschuldigten 
ist vor dem Hintergrund dieser Diagnose zu verstehen und wirkt sich bei der Analy-
se seiner Aussagen nicht negativ auf deren Glaubhaftigkeit aus. Berücksichtigt wird 
in der Aussagenanalyse zudem, dass dem Beschuldigte eine gewisse Strukturlo-
sigkeit in den Gedankengängen attestiert wurde (pag. 328) sowie ein formal ver-
langsamtes Denken und Schwierigkeiten, Gedanken zu Ende zu bringen 
(pag. 789), Mühe mit dem Arbeitsgedächtnis und eine eingeschränkte Konzentrati-
onsfähigkeit (pag. 581). Gleichzeitig geht aus den Akten aber hervor, dass der 
mündliche Ausdruck und das Instruktionsverständnis des Beschuldigten nicht be-
einträchtigt sind (pag. 581) und er sich anlässlich der Exploration für das Ergän-
zungsgutachten im formalen Denken kohärent zeigte (pag. 888). Der Beschuldigte 
kann einer Befragungssituation also durchaus folgen und inhaltsadäquate Antwor-
ten geben. Sein nachfolgend beschriebenes Aussageverhalten zeigt zudem, dass 
er durchaus im Stande ist und war, zu erkennen, welche Umstände ihn im Verfah-
ren belasten und, als Folge davon, strategisch auszusagen. Es ist demnach mög-
lich, die Aussagen des Beschuldigten unter Berücksichtigung seiner soeben be-
schriebenen Fähigkeiten und Einschränkungen auf Widerspruchsfreiheit, innere 
Logik, selbsterlebtes Erzählen und weitere Realkennzeichen hin zu analysieren.

Der Beschuldigte hat etliche Elemente des groben Handlungsablaufs nicht bestrit-
ten und insbesondere in den beiden tatnahen Einvernahmen am 9. und 10. August 
2015 sowie in der Einvernahme vom 17. Januar 2018 bei der Staatsanwaltschaft 
einige durchaus glaubhafte Aussagen gemacht. Andere Elemente hingegen hat er 
im Verlauf der Zeit unterschiedlich, teilweise gar gegensätzlich erzählt. Dabei fällt 
besonders die im Verlauf des Verfahrens immer stärker werdende Tendenz des 

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Beschuldigten auf, die Straf- und Zivilklägerin zu diskreditieren und die gesamten 
Vorfälle als eine Art missgünstige Intrige darzustellen.

So wurden etwa seine Beschreibungen der sexuellen Aktivitäten mit der Straf- und 
Zivilklägerin im Verlaufe des Verfahrens immer extremer und befremdlicher. Zu 
Beginn beschrieb er diese als stets einvernehmlich, wobei sie ihn in der Tatnacht 
zum ersten Mal aufgefordert habe, sie beim Sex zu schlagen (pag. 182 Z. 64 ff.). 
Später erzählte er, dies habe sie bereits im März gesagt, sie hätten schon die gan-
ze Zeit «so» Sex gehabt (pag. 202 Z. 268 ff.). An der Berufungsverhandlung schil-
derte er dann, die Straf- und Zivilklägerin habe ihn an diesem Abend sexuell 
genötigt (pag. 999 Z. 2 ff.). Die ausschweifenden Erzählungen und die vulgäre 
Sprache, die der Beschuldigte in diesem Zusammenhang benutzte, sind mit seiner 
medizinischen Diagnose erklärbar. Die inhaltliche Entwicklung der Aussagen von 
einem einvernehmlichen, bis zum Tatzeitpunkt gewaltfreien Sexualleben bis hin 
zum Vorwurf der sexuellen Nötigung durch die Straf- und Zivilklägerin weckt hinge-
gen erhebliche Zweifel an deren Glaubhaftigkeit. An anderer Stelle gab der Be-
schuldigte an, die Straf- und Zivilklägerin habe ihn animiert, «Gras» zu kaufen, ob-
wohl er eigentlich damit habe aufhören wollen (pag. 185 Z. 212). Sie habe nicht 
gewollt, dass er aufhöre zu «kiffen» (pag. 192 Z. 180). Dies wird durch den akten-
kundigen Brief und die E-Mails vom Beschuldigten an die Straf- und Zivilklägerin al-
lerdings deutlich widerlegt – es war der Straf- und Zivilklägerin offenbar ein grosses 
Anliegen, dass der Beschuldigte auf Cannabis verzichtete (pag. 152 Z. 171, 
pag. 121 und pag. 209 ff.). Ein weiteres Beispiel für diese Entwicklung sind die Er-
zählungen des Beschuldigten zu einem Urlaub in N.________, den die beiden auf-
grund von medizinischen Problemen von S.________ noch am Flughafen abge-
brochen hatten. Am 10. August 2015 schilderte der Beschuldigte diesen Ferienab-
bruch noch nüchtern und übereinstimmend mit der Straf- und Zivilklägerin 
(pag. 190 Z. 105). An der Berufungsverhandlung stellte der Beschuldigte densel-
ben Vorfall als Versuch der Straf- und Zivilklägerin dar, ihn in N.________ auszu-
setzen (pag. 1001 f. Z. 39 ff.). Die Tendenz, die Straf- und Zivilklägerin abzuwerten 
und sie für die ihm vorgeworfenen Ereignisse verantwortlich zu machen, mündete 
in der Berufungsverhandlung schliesslich in der Erklärung, er habe den Brief an die 
Straf- und Zivilklägerin (pag. 121) bei deren Kollegin hinterlassen, damit die Straf- 
und Zivilklägerin zur Polizei gehen und ihn anzeigen müsse, da er etwas habe ma-
chen müssen, damit «diese Frau», die ihr […; Auslassung aus Gründen der An-
onymisierung] missbraucht und ihn gemobbt und gedemütigt habe, keine Gewalt 
mehr über ihn ausüben könne (pag. 1000 f. Z. 36 ff.). Er habe mit 10 Jahren ge-
lernt: Wenn ein Mann selbst eine Gewalttat zugebe, müsse man ihm diese immer 
noch beweisen können. Da er wisse, dass er nicht fähig sei zu dem, was er dort 
drinnen gesagt habe, habe er sich nie einen Stress gemacht (pag. 1002 Z. 21). 
Diese Erzählungen des Beschuldigten an der Berufungsverhandlung lassen sich 
weder mit seinen früheren Aussagen, noch mit den Aussagen der Straf- und Zivil-
klägerin oder den restlichen Akten vereinbaren. So hatte er am 17. Januar 2018 zu 
diesem Brief noch selber gesagt, er habe damit «wohl noch irgendetwas retten» 
wollen (pag. 200 Z. 179). Seine zunehmend gravierenderen und kaum nachvoll-
ziehbaren Vorwürfe und Diskreditierungen zu Lasten der Straf- und Zivilklägerin 

20

führen dazu, dass seine Aussagen umso kritischer betrachtet werden müssen, je 
später im Verfahren sie gemacht wurden.

Zum Beginn der Auseinandersetzung mit der Straf- und Zivilklägerin hat sich der 
Beschuldigte zunächst weitgehend übereinstimmend mit der Straf- und Zivilklägerin 
geäussert, wonach er deren Mobiltelefon hervorgenommen und ihre Kontakte, ins-
besondere mit dem «I.________», angesehen und sie auf diesen Mann angespro-
chen habe (pag. 181 Z. 43). Gut zweieinhalb Jahre später, am 17. Januar 2018, 
gab er auf Vorhalt «des Streits wegen dem Natel» zunächst an, sie hätten gestrit-
ten, weil die Straf- und Zivilklägerin sein Handy kaputt gemacht habe (pag. 201 
Z. 226). Auf Vorhalt, er habe bei der Polizei angegeben, es sei zum Streit gekom-
men, weil er ihr Handy angeschaut habe, gab er sodann an, die Straf- und Zivilklä-
gerin habe ihm ihr Handy in die Hand gedrückt, es ihm aufgezwungen, weil eine 
Person angerufen habe, der ihm gesagt habe, er halte die Straf- und Zivilklägerin 
gegen ihren Willen fest (pag. 201 Z. 230 ff.). Während der Beschuldigte in der tat-
nächsten Einvernahme also noch übereinstimmend mit der Straf- und Zivilklägerin 
angegeben hatte, er habe deren Telefon von sich aus behändigt, gab er später an, 
diese habe ihm das Natel «aufgezwungen». Weshalb sie das getan habe, wird al-
lerdings nicht klar, während die ursprüngliche Version nicht nur mit den Schilderun-
gen der Straf- und Zivilklägerin und den festgestellten Mobiltelefondaten überein-
stimmt, sondern auch stimmig wirkt: Die Straf- und Zivilklägerin war im Badezim-
mer, der Beschuldigte war neugierig, nahm ihr Telefon und sah sich ihre Kontakte 
an.

In Bezug auf die Gewaltanwendung gegenüber der Straf- und Zivilklägerin erzählte 
der Beschuldigte in der ersten Einvernahme einerseits, sie habe ihn aufgefordert, 
sie «härter anzupacken». Daraufhin habe er ihr «eins gehauen», worauf sie ihn 
aufgefordert habe, «genauer und fester» zu schlagen. Danach hätten sie Sex ge-
habt (pag. 182 Z. 64 ff.). Er bestätigte zudem, die Straf- und Zivilklägerin als 
«Schlampe» betitelt und sie angespuckt zu haben, dies sei auch auf ihren Wunsch 
hin geschehen (pag. 183 Z. 122). Bereits in der ersten Einvernahme stellte er die 
ihm vorgeworfenen Gewalthandlungen somit in Zusammenhang mit einvernehmli-
chen sexuellen Aktivitäten. In den beiden ersten Einvernahmen schilderte der Be-
schuldigte gewisse Gewalthandlungen jedoch auch in einem anderen Kontext. Am 
9. August 2015 gab er etwa an, die Straf- und Zivilklägerin habe ihn gestossen, als 
er in ihr Natel geschaut habe und sie damit nicht einverstanden gewesen sei. Er 
habe sie zurückgestossen, sie sei hingefallen und mit dem Kopf gegen die Sur-
round-Boxen am Boden gestossen (pag. 183 Z. 149 ff.). Weiter gab er an, es stim-
me, dass er sie gebissen habe, weil sie ihm Sachen respektive ihr Natel aus den 
Händen habe reissen wollen (pag. 184 Z. 164). Tags darauf an der Hafteröffnung 
wurde der Beschuldigte gefragt, wie oft er in der Nacht von Freitag auf Samstag auf 
die Straf- und Zivilklägerin eingeschlagen habe. Er gab zur Antwort, es nicht genau 
zu wissen. Vielleicht ein oder zwei Mal. Am Freitag habe er versucht herauszufin-
den, warum sie ihm etwas vormache. Er habe ihr mit der einen Hand den Hals zu-
gehalten (pag. 190 Z. 120). Er habe ihr mit der offenen Hand einen «Chlapf» gege-
ben (pag. 191 Z. 126). Auf Vorhalt sagte er, er wisse nicht, wo die Straf- und Zivil-
klägerin meine, dass er sie geschlagen habe. Er könne sich schon vorstellen, dass 
dies im Zeitpunkt gewesen sei, als sie ihm von I.________ erzählt habe. Auf Frage, 

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ob sie nach den Schlägen geweint und/oder geschrien habe, gab er zuerst an, er 
wisse es nicht, er glaube nicht. Nach Verlesen des Protokolls ergänzte er jedoch, 
er glaube, sie habe geweint. Das sei auch schon vorher passiert, wenn sie zusam-
men ein bisschen härter Sex gehabt hätten (pag. 191 Z. 137 ff.). Ebenfalls am 10. 
August 2015 schilderte er weiter, dass er im Zeitpunkt, als die Straf- und Zivilkläge-
rin die Pfanne mit dem kochenden Wasser in der Hand gehalten und ihn mit gros-
sen Augen angeschaut habe, verstanden habe, dass sie Angst vor ihm gehabt ha-
be (pag. 191 Z. 151). Sämtliche dieser Schilderungen umschreiben klar Gewaltan-
wendung in Zusammenhang mit einem Streit um das Handy beziehungsweise we-
gen der Bekanntschaft mit I.________ und nicht in Zusammenhang mit einver-
nehmlichem Sex.

Gut zweieinhalb Jahre später, am 17. Januar 2018, beschrieb der Beschuldigte die 
Gewaltanwendung dann fast ausschliesslich im Rahmen von einvernehmlichem 
Geschlechtsverkehr: Alles, was er noch wisse sei, dass sie an diesem Abend ein 
paar Mal Sex gehabt hätten. Die Straf- und Zivilklägerin habe dann begonnen, eine 
«Szene zu machen». Weshalb wisse er nicht. Sie habe auch gewollt, dass er sie 
etwas fester schlage. Gegen Morgen habe sie ihm gesagt, sie wolle jetzt endlich 
einmal «so richtig von ihm abgeschlagen werden». Er habe ihr gesagt, er mache 
dies nicht, die paar «Chläpf» die er ihr schon gegeben habe, seien genug gewe-
sen, da das überhaupt nicht seine Art sei. Weiter könne er sich nicht mehr so ge-
nau an die Abläufe erinnern. Sie hätten die Wohnung zusammen verlassen, um 
etwas zu kaufen. Danach habe sie weiter «kopulieren» wollen und habe ihm ge-
sagt, er solle sie schlagen, worauf er sie «rausgeworfen» habe (pag. 200 f. 
Z. 202 ff.). Er habe sie auf ihren Wunsch hin während dem Sex geohrfeigt respekti-
ve sie mit der offenen Hand geschlagen. Er sei davon ausgegangen, dass sie das 
gewollt habe. Härterer Sex sei in ihrer Beziehung immer ein wenig das Thema ge-
wesen, weil sie das gewollt habe, er dafür aber nicht der Typ gewesen sei 
(pag. 202 f. Z. 266 ff.). Sie habe nie während dem Sex geweint, auch nicht an die-
sem Abend (pag. 203 Z. 310). Er habe sie nur beim Sex geschlagen und sie einmal 
an den Haaren gezogen, weil sie ihn mit dem kochenden Wasser bedroht habe 
(pag. 203 Z. 298). Angesprochen auf seine früheren Aussagen, wonach die Straf- 
und Zivilklägerin ihn gestossen habe, weil er ihr Handy angesehen habe, gab er an, 
er habe keine Ahnung, weshalb er das gesagt habe, er sei damals total «beläm-
mert» gewesen (pag. 202 Z. 254). Zum Vorfall mit den Musikboxen sagte er dann 
allerdings auch, sie hätten sich gegenseitig gestossen, es sei «ein Gerangel» ge-
wesen. Seine Musikboxen seien nur ca. 10x10 cm gewesen und hätten sich hinter 
dem Sofa befunden. Wenn man sich zu schnell hingesetzt habe, habe man sich 
leicht daran gestossen (pag. 203 Z. 285 ff.). Aus diesen Aussagen geht bei genau-
er Betrachtung erneut hervor, dass zwischen den beiden ein Streit und eine tätliche 
Auseinandersetzung stattgefunden hat, die mit Sex nichts zu tun hatte – ansonsten 
hätte der Beschuldigte nicht von «Szene machen», «gegenseitigem Stossen» und 
«Gerangel» gesprochen. An der Hauptverhandlung führte der Beschuldigte wie-
derum aus, er habe nie etwas gegen den Willen der Straf- und Zivilklägerin ge-
macht. Die Ohrfeigen seien auf ihre Aufforderung erfolgt (pag. 688 Z. 27). 

Aus der Gegenüberstellung dieser Aussagen wird ersichtlich, dass der Beschuldig-
te zunächst nicht bestritt, die Straf- und Zivilklägerin geschlagen, gestossen, gebis-

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sen, gewürgt, beschimpft und an den Haaren gezogen zu haben. Je länger je kon-
sequenter sprach er zwar nur noch von «Ohrfeigen», die er ihr auf ihr Verlangen 
hin während dem Sex verabreicht habe, bei genauer Betrachtung wird aber deut-
lich, dass diese Erklärung nicht stimmen kann: Seine ersten Aussagen können 
nicht anders verstanden werden, als dass es – wie von der Straf- und Zivilklägerin 
geschildert – im Zuge eines Streits zu Gewaltanwendung kam. Auch in der Haf-
teröffnung und in der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft schilderte der Be-
schuldigte Elemente, die klar auf eine tätliche Auseinandersetzung im Streit hin-
deuten. Das Aussageverhalten des Beschuldigten erweckt somit erhebliche Zweifel 
an seiner Darstellung, wonach sämtliche Gewaltanwendung aufgrund der sexuellen 
Wünsche der Straf- und Zivilklägerin erfolgt seien.

Auch in Bezug auf den Vorwurf des erzwungenen Geschlechtsverkehrs zeigt sich 
das bereits beschriebene Aussageverhalten, in dem der Beschuldigte seine Aus-
sagen im Verlauf des Verfahrens immer mehr zu Lasten der Straf- und Zivilklägerin 
änderte. So bestätigte er in der ersten Einvernahme weitgehend übereinstimmend 
mit der Straf- und Zivilklägerin, diese habe während dem Geschlechtsverkehr ge-
sagt «nei la mi la si», wenn auch mit dem Unterschied, dass er angab, dies respek-
tiert zu haben (pag. 184 Z. 204). In den weiteren Einvernahmen betonte er, sie hät-
ten auf ihren Wunsch hin miteinander geschlafen und er habe nie etwas gegen ih-
ren Willen gemacht (pag. 204 Z. 317 und pag. 688 Z. 27). An der Berufungsver-
handlung ging er dazu über, der Straf- und Zivilklägerin sexuelle Nötigung vorzu-
werfen (pag. 999 Z. 2 ff.).

Zum Thema der abgeschlossenen Türe hat der Beschuldigte zu Beginn des Ver-
fahrens diametral andere Aussagen gemacht als später: Zunächst schilderte er, er 
habe die Wohnungstüre abgeschlossen und den Schlüssel abgenommen. Diesen 
habe er teilweise auf sich getragen oder auf ein Möbel beim Eingangsbereich ab-
gelegt (pag. 182 Z. 79 ff.). Die Straf- und Zivilklägerin habe von ihm verlangt, dass 
er die Wohnungstüre aufschliesse. Um die Situation noch anzuheizen, habe er ge-
sagt, er lasse sie nicht raus (pag. 182 f. Z. 104 ff.). Zwischendurch seien sie zu-
sammen Zigaretten holen gegangen (pag. 183 Z. 116). In der Einvernahme vom 
17. Januar 2018 sagte der Beschuldigte, es sei Blödsinn, dass er die Straf- und Zi-
vilklägerin gezwungen habe, mitzukommen zum Zigaretten kaufen, damit sie nicht 
abhauen könne. Sie habe gewollt, dass er sie begleite (pag. 205 Z. 381). Er wüsste 
nicht, dass er ihr explizit gesagt hätte, sie dürfe nicht aus seiner Wohnung raus 
(pag. 206 Z. 394). Auf Vorhalt seiner früheren Aussage, wonach er ihr gesagt habe, 
er lasse sie nicht raus, gab er an: «Das müsste dann wohl am Freitagabend gewe-
sen sein, aber ich wüsste nicht wieso». Sie habe die Wohnung alleine verlassen 
können (pag. 206 Z. 396). An der Hauptverhandlung gab er an, sie habe seine 
Wohnung jederzeit verlassen können, selbst im Zeitpunkt, in dem er ihr gesagt ha-
be, sie dürfe nicht (pag. 688 Z. 30).

Auffällig ist sodann die Darstellung des Beschuldigten zum Vorfall mit dem heissen 
Wasser in der Küche. Der Beschuldigte schilderte zwar relativ konstant, die Straf- 
und Zivilklägerin habe ihn in der Küche mit heissem Wasser bedroht. Er habe sie 
an den Haaren zu Boden gezogen, um nicht verbrannt zu werden. Er habe das 
Wasser ausgeleert und daraufhin die Pfanne hin- und hergeschwenkt, wobei ein 

23

kleiner Teil des Wassers auf ihren Oberkörper/Bauch gefallen sei, was eine «abso-
lute Blödheit» von ihm gewesen sei (pag. 183 Z. 126 ff., pag. 192 Z. 197, pag. 204 
Z. 343 ff. und pag. 688 Z. 32). Bezeichnend ist jedoch die Art, wie der Beschuldigte 
diese Situation beschrieb. Am 9. August 2015 gab er an, er habe sich von der 
Straf- und Zivilklägerin in der Küche mit dem kochenden Wasser «vom allerfeins-
ten» angegriffen gefühlt, weil sie ihm mit einem Lachen im Gesicht gesagt habe, er 
solle nicht näher kommen, sonst schütte sie ihm das ganze kochende Wasser über 
das Gesicht. Er habe gedacht, sie wolle ihm etwas Böses antun und habe sie an 
den Haaren zu Boden gezogen, um nicht verbrannt zu werden. Er habe das heisse 
Wasser in den Schüttstein geleert, ihr gesagt «ist es das was du willst» und die 
Pfanne mit einem kleinen Rest Wasser hin und her geschüttet (pag. 183 Z. 126 ff.). 
Völlig im Gegensatz dazu schilderte er tags darauf an der Hafteröffnung, er habe 
erst in diesem Zeitpunkt, als die Straf- und Zivilklägerin die Pfanne mit kochendem 
Wasser in der Hand gehalten und ihn mit grossen Augen angeschaut habe, ver-
standen, dass sie Angst vor ihm gehabt habe, weil sie ihm so habe drohen müssen 
(pag. 191 Z. 151). Am 17. Januar 2018 beschrieb der Beschuldigte dieselbe Situa-
tion in Bezug auf das Auftreten der Straf- und Zivilklägerin erneut anders: Auf Vor-
halt seiner ersten Aussage gab er an, die Straf- und Zivilklägerin habe ein hämi-
sches, schadenfreudiges Lachen im Gesicht gehabt (pag. 204 Z. 330). Darauf an-
gesprochen, dass er an der Hafteröffnung gesagt habe, er habe in dieser Situation 
bemerkt, dass die Straf- und Zivilklägerin Angst gehabt habe, gab er an, die Straf- 
und Zivilklägerin habe ihm während der fünf Monate, in denen sie sich gekannt hät-
ten, etwas vorgemacht. Er wisse nicht, weshalb er das dem Staatsanwalt gesagt 
habe und was ihn dort «geritten» habe (pag. 204 Z. 334). 

Die Widersprüchlichkeit dieser Aussagen weckt wiederum Zweifel an ihrer Glaub-
haftigkeit. Es ist zudem auch innerhalb seiner eigenen Darstellung des Gesche-
hens nicht stimmig, dass die Straf- und Zivilklägerin ihn nach einer gemäss ihren 
Vorlieben gestalteten Liebesnacht mit einem hämischen, schadenfreudigen Lachen 
mit heissem Wasser bedrohen sollte. Darüber hinaus wirkt gerade die Beschrei-
bung, wie er die Angst der Straf- und Zivilklägerin in ihren «grossen Augen» er-
kannt habe («weil sie mir so drohen musste») plastisch und erlebnisbasiert. Es ge-
lang dem Beschuldigten auch nicht zu erklären, weshalb er diese Beobachtung am 
10. August 2015 fälschlicherweise hätte zu Protokoll geben sollen. Auf diese Beob-
achtung ist vielmehr abzustellen: Spätestens beim Vorfall mit dem Wasser wurde 
dem Beschuldigten bewusst, welche Angst die Straf- und Zivilklägerin verspürte. 
Aus dieser Aussage wird deutlich, dass zwischen den beiden nicht eine sexuell 
aufgeladene Atmosphäre herrschte, sondern auf seiner Seite eine aggressive, auf 
ihrer Seite eine defensive Stimmung.

Insgesamt ergibt sich aus den Aussagen des Beschuldigten somit kein stimmiges 
oder nachvollziehbares Bild des Geschehens, auch wenn auf einzelne – soeben 
ausdrücklich genannte – Schilderungen abgestellt werden kann.

10.4 Aussagen der Auskunftsperson P.________

Die Schilderungen von P.________ sind in erster Linie relevant, weil sie ein Bild 
über den Zustand der Straf- und Zivilklägerin unmittelbar nach dem Verlassen der 
Wohnung des Beschuldigten zeichnen. In Bezug auf die angeklagten Vorwürfe 

24

kommen ihren Ausführungen hingegen kein direkter Beweiswert zu. Die Kammer 
schliesst sich der Vorinstanz an, welche die Beobachtungen von P.________ zum 
Zustand der Straf- und Zivilklägerin nach der Tat als sehr anschaulich und wirklich-
keitsnah erachtete (pag. 734, S. 35 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Zur 
Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen trägt zusätzlich bei, dass sie ausdrücklich unter-
schied, was sie direkt von ihrer Schwester und was erst in der Einvernahme erfah-
ren hatte, und dass sie sich trotz der Nähe zu ihrer Schwester durchaus auch kri-
tisch über deren Verhalten äusserte. Dies erweckt den Eindruck, sie habe nicht un-
reflektiert die Darstellung der Straf- und Zivilklägerin wiedergegeben (pag. 176 
Z. 167 ff.).

Ihre Beschreibungen zum Auftreten der Straf- und Zivilklägerin direkt nach der Tat 
und in der Zeit danach ergeben mit den Schilderungen der Straf- und Zivilklägerin 
selber, dem Anzeigerapport und den Arztberichten ein stimmiges Bild, welches er-
laubt, das Aussageverhalten der Straf- und Zivilklägerin einzuordnen.

10.5 Gesamtwürdigung

Wie soeben begründet, stellt die Kammer für die Feststellung des Sachverhalts 
weitgehend auf die glaubhaften Aussagen der Straf- und Zivilklägerin ab. Vereinzelt 
hat auch der Beschuldigte glaubhafte Angaben gemacht, auf die abgestellt wird. 
Beigezogen werden zudem die Aussagen der Auskunftsperson P.________ 
(pag. 172 ff.), die E-Mails und der Brief des Beschuldigten (pag. 121 und 
pag. 209 ff.) sowie die Fotodokumentation vom 22. Oktober 2015 (pag. 122 ff.) und 
der Arztbericht vom 9. August 2015 (pag. 139).

10.5.1 Rahmengeschehen

Die einzelnen Vorwürfe in der Anklageschrift sind im Kontext der gesamten Ge-
schehnisse in der Tatnacht zu betrachten. Es wird aus diesem Grund eine Würdi-
gung des Rahmengeschehens vorangestellt, in der auch Handlungen thematisiert 
werden, betreffend derer das Verfahren infolge der Verjährung rechtskräftig einge-
stellt wurde.

Gemäss den übereinstimmenden Aussagen des Beschuldigten und der Straf- und 
Zivilklägerin besuchte diese den Beschuldigten am Abend des 7. August 2015 in 
seiner Wohnung, wo die beiden gemeinsam zu Abend assen und einvernehmlichen 
Sex hatten (Straf- und Zivilklägerin: pag. 142 Z. 58, pag. 145 Z. 205; Beschuldigter: 
pag. 181 Z. 42 ff.). Im Anschluss daran behändigte der Beschuldigte das Mobiltele-
fon der Straf- und Zivilklägerin, durchsuchte dieses und verlangte von der Straf- 
und Zivilklägerin Auskunft über ihre männlichen Kontakte, insbesondere 
I.________ (Straf- und Zivilklägerin: pag. 143 Z. 61 ff., pag. 150 Z. 52 ff., pag. 170 
Z. 512, pag. 982 Z. 34; Beschuldigter: pag. 181 Z. 43 ff.). Der Beschuldigte ver-
suchte in der Folge mehrfach, I.________ zu kontaktieren und führte auch ein kur-
zes telefonisches Gespräch mit diesem (Straf- und Zivilklägerin: pag. 150 f. 
Z. 84 ff., pag. 695 Z. 28; Beschuldigter: pag. 192 Z. 189). Dies ist durch das Anruf-
protokoll des Mobiltelefons der Straf- und Zivilklägerin objektiviert (pag. 217). 
Nachdem die Straf- und Zivilklägerin den Beschuldigten aufgefordert hatte, ihr ihr 
Handy zurückzugeben, entwickelte sich zwischen den beiden ein Streit, im Zuge 
dessen der Beschuldigte die Straf- und Zivilklägerin beschimpfte, anspuckte, an 

25

den Haaren riss, ins Gesicht schlug und zu Boden stiess (Straf- und Zivilklägerin: 
pag. 143 Z. 65 ff., pag. 144 Z. 147, pag. 150 Z. 74, pag. 159 f. Z. 120 ff., pag. 170 
Z. 513, pag. 695 Z. 2; Beschuldigter: pag. 183 Z. 119 ff. und Z. 152 ff., pag. 190 
Z. 120, pag. 191 Z. 126 und Z. 139, pag. 203 Z. 287). Die Auseinandersetzung er-
streckte sich über die darauffolgenden gut 24 Stunden und spielte sich abgesehen 
vom Zigarettenkauf ausschliesslich in der Wohnung des Beschuldigten ab 
(pag. 694 Z. 1 ff.). Zusätzlich zur bereits beschriebenen Gewaltanwendung hat der 
Beschuldigte die Straf- und Zivilklägerin im Verlaufe dieser Zeitspanne gebissen 
und gewürgt (Straf- und Zivilklägerin: pag. 143 Z. 79, pag. 160 Z. 152 ff., pag. 170 
Z. 535; Beschuldigter: pag. 184 Z. 160 ff., pag. 190 Z. 122). Die Straf- und Zivilklä-
gerin befand sich während dieser Zeit bis zum Verlassen der Wohnung gegen Mit-
ternacht am 8. August 2015 in einem Zustand grosser Angst, weinte mehrfach und 
verlor zunehmend an Kräften (Straf- und Zivilklägerin: pag. 143 Z. 82, pag. 145 
Z. 196, pag. 154 Z. 266, pag. 160 Z. 138, pag. 162 Z. 229 ff., pag. 167 Z. 409, 
pag. 168 Z. 467, pag. 695 Z. 18, pag. 696 Z. 44, pag. 982 Z. 15 ff., pag. 984 Z. 2 ff.; 
Beschuldigter: pag. 191 Z. 147 ff.). Sie erlitt im Verlauf des Samstags, 8. August 
2015, einen Kreislaufzusammenbruch, in dessen Folge der Beschuldigte sie auf 
das Bett legte und ihr ein kaltes Tuch auf die Stirn lege (Straf- und Zivilklägerin: 
pag. 143 Z. 75, pag. 161 Z. 177 ff.; Beschuldigter: pag. 192 Z. 164). Auch nach 
diesem Zusammenbruch auf dem Bett hat der Beschuldigte die Straf- und Zivilklä-
gerin erneut geschlagen (pag. 143 Z. 79 und pag. 162 Z. 212).

Entsprechend dem Ergebnis der Aussagenanalysen hat die Kammer keine Zweifel 
daran, dass diese Gewalthandlungen im Streit erfolgten und nicht – wie von der 
Verteidigung und teilweise vom Beschuldigten dargestellt – als Teil von einver-
nehmlichem, sadomasochistischem Geschlechtsverkehr. Wie soeben aufgezeigt, 
hat der Beschuldigte selbst mehrere Momente von Gewaltanwendung ohne sexuel-
len Hintergrund beschrieben. Weiter ist erstellt, dass das Verhalten des Beschul-
digten von der Straf- und Zivilklägerin als äusserst bedrohlich wahrgenommen wur-
de, was sich etwa daran zeigt, dass sie sich veranlasst sah, dem Beschuldigten mit 
einer Pfanne heissen Wassers zu drohen. Dies hat der Beschuldigte auch selber 
erkannt (pag. 191 Z. 147 ff.). Diese Reaktion der Straf- und Zivilklägerin lässt sich 
nicht vereinbaren mit der Darstellung von einvernehmlichem, sadomasochisti-
schem Sex. Auch das vom Beschuldigten geschilderte Gespräch, wonach ihn die 
Straf- und Zivilklägerin getreten und «geblufft» habe, sie könne sich schon wehren, 
wenn sie etwas nicht wolle (pag. 191 Z. 127), passt nicht zu dieser Darstellung – es 
ist nicht klar, weshalb sie sich hätte wehren sollen, wenn alles auf ihren Wunsch 
hin erfolgt wäre. Der Brief und die E-Mails, welche der Beschuldigte der Straf- und 
Zivilklägerin schickte, lassen sich ebenfalls nicht mit dieser Version in Einklang 
bringen. Darin entschuldigte sich der Beschuldigte für das, was vorgefallen sei, be-
zeichnete sich selber als «Arschloch», hoffte, dass die Straf- und Zivilklägerin keine 
Schmerzen mehr von ihm tragen möge und wünschte ihr gute Besserung (pag. 121 
und pag. 209 ff.). Auf Vorhalt gab er an, er habe mit dem Brief wohl noch «irgend-
etwas retten» wollen (pag. 200 Z. 181). Weder der Inhalt des Briefs und der Mails 
noch die Erklärung des Beschuldigten wären nachvollziehbar, wenn es zwischen 
den beiden lediglich im Rahmen von einvernehmlichem Sex zu Gewaltanwendung 
gekommen wäre. Aus den Aussagen des Beschuldigten selber geht denn auch 

26

nicht genau hervor, ob er nun bereits seit März oder erst seit der Tatnacht von den 
angeblichen Vorlieben der Straf- und Zivilklägerin gewusst haben will (pag. 181 
Z. 49 ff., pag. 185 Z. 241 und pag. 202 Z. 277). Weiter widersprach er sich zu der 
Frage, ob er diesen angeblichen Wünschen nun nachgekommen sein will. Einer-
seits betonte er, dies sei nicht sein Ding, er habe gesagt, dass er dies nicht ma-
chen werde und die Straf- und Zivilklägerin aus der Wohnung geworfen (pag. 185 
Z. 256, pag. 201 Z. 222 und pag. 202 Z. 262). Andererseits gab er an, sie hätten 
schon immer so Sex gehabt und er habe die Straf- und Zivilklägerin auf ihre Auffor-
derung hin geschlagen (pag. 202 Z. 268 ff, pag. 203 Z. 298 und pag. 688 Z. 28). 
Vor diesem Hintergrund ist erstellt, dass die vorliegend zu beurteilende Gewalt ge-
genüber der Straf- und Zivilklägerin im Streit erfolgte und es dabei nicht um einver-
nehmliches, sexuelles Ausprobieren ging. Es ist deshalb ohne jeglichen Belang, ob 
die Straf- und Zivilklägerin mit dem Beschuldigten oder anderen Sexualpartnern 
sadomasochistische Praktiken ausprobierte. In dem Sinne sind auch ihre Aussagen 
auf die entsprechenden Vorhalte nachvollziehbar, wonach das, was mit dem Be-
schuldigten passiert sei, nichts mit sadomasochistischem Sex zu tun habe. Das ei-
ne basiere auf Vertrauen und das andere sei Terror, Körperverletzung und Macht-
missbrauch (pag. 151 Z. 99, pag. 153 Z. 213, pag. 695 Z. 14 und pag. 983 
Z. 16 ff.).

Die Argumentation des Beschuldigten und der Verteidigung, wonach der Beschul-
digte zu einem solchen gewalttätigen Verhalten nicht fähig sei, lässt sich mit der 
vorhandenen ärztlichen Dokumentation nicht vereinbaren. Zwar hielt der behan-
delnde Psychiater Dr. med. H.________ im Bericht vom 10. November 2020 fest, 
abgesehen von den vorliegenden Vorwürfen seien keine Vorwürfe von Handgreif-
lichkeiten durch den Beschuldigten bekannt. Er zeige keine antisozialen oder ag-
gressiv-gewalttätigen Züge. Der Beschuldigte habe kein Potential für physische 
Gewaltanwendung und seine manchmal laute, direkte Art sich verbal zu äussern, 
sei aufgrund der Hirnschädigung schlecht reguliert. Dies könne als Vorläufer von 
Gewaltanwendung missinterpretiert werden, wo es sich aber nur um eine expressi-
ve Meinungsäusserung handle. Der Beschuldigte könne unter normalen Umstän-
den immer zur Raison gebracht werden (pag. 798 f.). Diese Aussagen zur fehlen-
den Regulation seiner Meinungsäusserungen korrespondieren mit den Ausführun-
gen im forensisch-psychiatrischen Gutachten vom 21. November 2016: Darin wur-
de dem Beschuldigten ein verändertes Verhalten mit affektiver Instabilität, Reizbar-
keit, Aggressivität, Überreaktion bei kleinsten Frustrationen oder Konflikten, 
Schwierigkeiten bei der Kontrolle seiner Affektregulation, verminderte Impulskon-
trolle mit eingeschränkter Selbstkritik, mangelndes Taktgefühl und Schwierigkeiten, 
die Perspektive anderer zu übernehmen, attestiert (pag. 327). Diese Feststellungen 
wurden im Ergänzungsgutachten vom 5. Juli 2021 bestätigt (pag. 894). Angespro-
chen auf die Aussage, wonach der Beschuldigte zu den ihm vorgeworfenen Hand-
lungen gar nicht fähig sei, führte Dr. med. F.________ an der Berufungsverhand-
lung jedoch aus, dies sei eine gewagte Aussage, da fast jeder Mensch je nach Si-
tuation zu einer Gewalttat fähig sei (pag. 1005 Z. 29). Auf Vorhalt des Berichts vom 
10. November 2020 von Dr. med. H.________ bestätigte Dr. med. F.________, 
dass der Beschuldigten grundsätzlich keine überdauernde Gewaltbereitschaft für 
«hands on-Geschichten» zeige. Dr. med. H.________ schreibe «unter normalen 

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Umständen». Da könne man die Frage stellen, ob die Beziehung mit der Straf- und 
Zivilklägerin und insbesondere der mutmassliche Tatzeitraum «normale Umstän-
de» gewesen seien. Das seien sehr spezifisch konstellierte Umstände gewesen. 
Der Beschuldigte sei aufgrund L.________ und der organischen Persönlichkeitss-
törung schlechter reguliert als andere Menschen. Und unter nicht ganz normalen 
Umständen, könne es auch mal «schlechter aussehen» (pag. 1011 Z.15 ff.). Aus 
diesen zahlreichen fachlichen Einschätzungen und der abschliessenden, differen-
zierten Einordnung durch Dr. med. F.________ geht nichts hervor, was das Bewei-
sergebnis der Kammer in Frage stellen würde. Insbesondere kann nicht davon 
ausgegangen werden, der Beschuldigte sei rein aufgrund seiner Persönlichkeitss-
truktur nicht in der Lage gewesen, die ihm vorgeworfenen Handlungen vorzuneh-
men.

In Bezug auf die körperlichen Folgen der beschriebenen Gewaltanwendung stellt 
die Kammer entsprechend dem Ergebnis der Aussagenanalyse auf die Schilderun-
gen der Straf- und Zivilklägerin ab. Diese stimmen – sofern objektivierbar – mit der 
ärztlichen Untersuchung (pag. 139) sowie der Fotodokumentation der Polizei übe-
rein, in der überdies darauf hingewiesen wurde, dass sich die festgestellten Verlet-
zungen an ehesten durch Misshandlungen erklären liessen (pag. 124 ff.). Gemäss 
dem Arztbericht verspürte die Straf- und Zivilklägerin nach dem Vorfall Schmerzen 
an Kopf und Kiefer und erlitt am Bauch und am Oberschenkel je eine Verbrennung 
1. Grades sowie an der rechten Hand eine Verbrennung 2. Grades. Die Straf- und 
Zivilklägerin trug weiter diverse Hämatome davon, wobei aus dem Arztbericht nicht 
hervorgeht, welche Hämatome frisch und welche mehrere Tage alt waren. Letztere 
stammten mutmasslich von einem Fahrradsturz mehrere Tage vor der Tat und sind 
somit nicht dem Beschuldigten anzulasten (pag. 139, pag. 696 Z. 20 ff.; 
vgl. pag. 740, S. 41 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Anders als von der 
Verteidigung vorgebracht, erscheinen gravierendere Verletzungen als Folge der er-
stellten Gewalt nicht zwingend. Das Fehlen von weiteren dokumentierten Verlet-
zungen spricht nicht gegen die von der Straf- und Zivilklägerin geschilderten Schlä-
ge. Nicht jeder Schlag hinterlässt zwingend sichtbare Verletzungen.

10.5.2 Sachverhalt gemäss Ziff. I.1 der Anklageschrift (Vergewaltigung)

Wie im Rahmen der Aussagewürdigung festgehalten, erachtet die Kammer die 
Schilderung der Straf- und Zivilklägerin zum erzwungenen Geschlechtsverkehr als 
glaubhaft und somit folgenden Sachverhalt als erstellt: Am Samstagmorgen hat der 
Beschuldigte der auf dem Bett liegenden und entkräfteten Straf- und Zivilklägerin 
angekündigt, mit ihr schlafen zu wollen, nachdem sie sich bereits die ganze Nacht 
lang gestritten hatten und er ihr gedroht und sie beschimpft, anspuckt, an den Haa-
ren gerissen, ins Gesicht geschlagen, zu Boden gestossen, gebissen und gewürgt 
hatte. Daraufhin hat er sie und sich selber ausgezogen, sich ein Kondom überge-
streift und den vaginalen Geschlechtsverkehr bis zum Orgasmus vollzogen, obwohl 
sie ihm zuvor gesagt hatte «nei la mi la si». Dabei hielt er sie an den Händen und 
sagte ihr unter anderem, sie solle sich nicht wehren respektive sie solle «häre ha». 
Das Eindringen bereitete der Straf- und Zivilklägerin keine Schmerzen, hingegen 
empfand sie Demütigung und Angst vor Schmerzen und weiteren Schlägen. Sie 
hatte zudem Angst, sich zu wehren, weil der Beschuldigte ihr körperlich überlegen 

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war, setzte sich deshalb nicht weiter zur Wehr und hoffte, er würde sie danach ge-
hen lassen. Sie weinte vor und während des Geschlechtsverkehrs und lag re-
gungslos («wie ein totes Tier») im Bett (pag. 143 Z. 83 ff., pag. 145 Z. 174 ff., 
pag. 151 Z. 132, pag. 154 Z. 259 ff., pag. 154 Z. 291, pag. 162 f. Z. 218 ff., 
pag. 696 f. Z. 44 ff. und pag. 984 Z. 1 ff.). Durch die Schilderung ihres Zusammen-
bruchs hat die Straf- und Zivilklägerin einleuchtend in Zusammenhang gestellt, 
weshalb sie im Zeitpunkt des erzwungenen Geschlechtsverkehrs auf dem Bett lag 
(pag. 143 Z. 76 ff.). Es wird deshalb davon ausgegangen, dass sich ihr Kreislauf-
kollaps vorher ereignet hat und ihr geschwächter Zustand somit offensichtlich war.

Die äusseren Umstände des Vorfalles lassen keinen Zweifel daran, dass der Be-
schuldigte erkannt hat, dass die Straf- und Zivilklägerin keinen Geschlechtsverkehr 
mit ihm wollte und er sich bewusst über ihren Willen hinwegsetzte. Zum einen arti-
kulierte die Straf- und Zivilklägerin ihre Ablehnung klar und deutlich. Daran ändert 
nichts, dass die Straf- und Zivilklägerin in der Einvernahme vom 17. Januar 2018 
ihre Aussage von «i bruche das jetzt nid» zu «ig möcht das jetz nid» korrigierte 
(pag. 170 Z. 526 ff.). In ihrer ersten Einvernahme und an der Hauptverhandlung 
gab sie an, sie habe gesagt «nei la mi la si» (pag. 143 Z. 89 und pag. 696 Z. 46), in 
der zweiten Einvernahme erzählte sie, sie habe ihm gesagt, dass sie «es nicht wol-
le», sie habe «nein» gesagt (pag. 151 Z. 132 und pag. 154 Z. 291). Dass die Straf- 
und Zivilklägerin über zwei Jahre später den genauen Wortlaut ihrer Äusserung 
nicht wiedergeben konnte, spricht nicht gegen ihre Glaubhaftigkeit. Von Relevanz 
ist vielmehr, dass sie konstant und nachvollziehbar angab, sie habe vor dem Ge-
schlechtsverkehr gesagt, sie wolle diesen nicht. Darauf wird abgestellt. Zum ande-
ren ging der Situation im Bett ein stundenlanger, handgreiflicher Streit voraus, bei 
dem die Straf- und Zivilklägerin beschimpft, anspuckt, an den Haaren gerissen, ins 
Gesicht geschlagen, zu Boden gestossen, gebissen und gewürgt wurde, was deut-
lich zeigte, dass sie dem Beschuldigten körperlich unterlegen war. Die Straf- und 
Zivilklägerin weinte stark, hatte bereits einen Schwächeanfall erlitten und lag vor 
und während dem Geschlechtsverkehr regungslos und entkräftet im Bett. Es ist 
nicht glaubhaft, dass der Beschuldigte in dieser Situation nicht erkannt haben soll, 
dass die Straf- und Zivilklägerin keinen Geschlechtsverkehr mit ihm wollte, zumal 
er ihre abweisende Äusserung gehört hatte (pag. 184 Z. 205 ff.). Nach der bereits 
angewendeten Gewalt und der damit einhergehenden eindeutigen Demonstration 
der ungleichen Kräfteverhältnisse konnte der Beschuldigte auch nicht erwarten, 
dass sich die Straf- und Zivilklägerin nach ihrer verbalen Abwehr auch noch körper-
lich gegen ihn wehren würde. Zusätzlich deuten auch das Festhalten an den Hän-
den und die Äusserungen des Beschuldigten während des Geschlechtsverkehrs 
darauf hin, dass er die Situation als solche erkannt hatte, ansonsten er ihr nicht ge-
sagt hätte, sie solle sich nicht wehren respektive «häre ha».

Die Verteidigung argumentierte, das Verhalten der Straf- und Zivilklägerin nach der 
angeblichen Vergewaltigung sei lebensfremd: Ein Vergewaltigungsopfer laufe hin-
terher nicht nackt durch die Wohnung des Peinigers, um Pasta zu kochen. Dieser 
Argumentationslinie wird nicht gefolgt, da sie die Komplexität des Beziehungs- und 
Machtgefüges im sozialen Nahbereich unberücksichtigt lässt. Es ist bekannt, dass 
die Dynamiken in solchen Konstellationen anders, teilweise erwartungswidrig ver-
laufen und sich Opfer von häuslicher Gewalt im emotional äusserst schwierigen Di-

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lemma befinden, sich von einer (ehemaligen) Vertrauens- und Bezugsperson di-
stanzieren zu müssen. Es untergräbt die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Straf- 
und Zivilklägerin somit nicht, wenn sie nach der geschilderten Vergewaltigung 
nackt war und sich Pasta kochte, zumal die Straf- und Zivilklägerin glaubhaft schil-
derte, dass sie nicht mehr rekonstruieren könne, wie es dazu kam, dass sie in der 
Küche nackt war, obwohl sie sich nach dem Geschlechtsverkehr zwischenzeitlich 
angezogen habe, um Zigaretten kaufen zu gehen (pag. 163 Z. 269 ff. und pag. 165 
Z. 314 ff.). Dennoch bestand sie darauf, dass sich dies in ihrer Erinnerung so zuge-
tragen habe (pag. 165 Z. 354 ff.). Dieses Aussageverhalten wäre nicht zu erwarten, 
wenn die Straf- und Zivilklägerin eine Vergewaltigung hätte erfinden wollen, wäre 
es ihr doch ein Leichtes gewesen, einfach zu verschweigen, dass sie während dem 
Kochen keine Kleider trug. Das Pastakochen kann der Straf- und Zivilklägerin erst 
recht nicht zum Vorwurf gemacht werden, wo sie doch seit dem Vorabend nichts 
gegessen hatte und die Wohnung nicht verlassen konnte (siehe Ziff. 10.5.3 unten).

Eine Entlastung des Beschuldigten ergibt sich auch nicht aus der unbestrittenen 
Tatsache, dass er am Tatabend während dem Sex mit der Straf- und Zivilklägerin 
ein nicht aktenkundiges Video erstellte. Sowohl der Beschuldigte als auch die Straf- 
und Zivilklägerin geben an, dass dieses Video die beiden beim einvernehmlichen 
Geschlechtsverkehr zeigen würde (pag. 164 Z. 307 ff. und pag. 206 Z. 421). Da die 
beiden am Vorabend auch einvernehmlichen Sex hatten, ergeben sich ohne Sich-
tung des konkreten Videomaterials keine weiteren Erkenntnisse. Dass das unge-
klärte Verschwinden dieses Videos die Glaubhaftigkeit der Straf- und Zivilklägerin 
nicht beeinträchtigt, wurde bereits an anderer Stelle begründet.

10.5.3 Sachverhalt gemäss Ziff. I.2 der Anklageschrift (Freiheitsberaubung)

Die Straf- und Zivilklägerin schilderte konstant und glaubhaft, der Beschuldigte ha-
be den Schlüssel abgenommen und auf sich getragen, als der Krach angefangen 
und sie gedroht habe, die Wohnung zu verlassen. Sie habe keine Möglichkeit ge-
habt, die Wohnung zu verlassen oder auch nur an den Schlüssel zu kommen. Ein-
mal habe er den Schlüssel wieder in das Türschloss gesteckt während etwa 5 Mi-
nuten und ihr gesagt, sie solle «abfahren», habe aber ihr Handy bei sich behalten 
und ihr gedroht, ihrer Familie zu erzählen, sie sei eine Hure. Sie habe nicht ohne 
ihr Handy gehen wollen und habe Angst gehabt, dass er ihre Eltern zu bedrohen 
beginne und sie schlecht machen werde (pag. 153 Z. 194). Als sie ihr Handy ver-
langt habe, habe er den Schlüssel wieder an sich genommen (pag. 144 Z. 121 ff., 
pag. 151 Z. 116 ff. und pag. 984 Z. 14). Sie habe den Schlüssel nicht gesucht, aber 
immer wieder versucht, ihm den Schlüssel wegzunehmen, wobei es auch zu Ge-
walt gekommen sei (pag. 151 Z. 131, pag. 170 Z. 535 und pag. 694 Z. 43). Später 
präzisierte sie, sie wisse nicht, ob der Beschuldigte den Schlüssel ständig auf sich 
getragen habe. Er habe die Wohnungstüre abgeschlossen und den Schlüssel an 
sich genommen, aber wo er ihn dann versteckt habe, wisse sie nicht (pag. 167 
Z. 402 ff., pag. 694 Z. 30 und pag. 984 Z. 18). Auf Vorhalt gab sie an, sich nicht er-
innern zu können, dass der Schlüssel neben der Türe auf einem Möbel gelegen sei 
(pag. 694 Z. 43). Auf diese Schilderungen wird abgestellt. Sie werden zusätzlich 
dadurch bestätigt, dass der Beschuldigte zumindest gewisse Elemente ebenfalls 
erwähnte: So gab er in seiner tatnächsten Einvernahme am 9. August 2015 selber 

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an, die Wohnungstüre abgeschlossen und den Schlüssel teilweise auf sich getra-
gen zu haben. Teilweise habe er ihn auf ein Möbel beim Eingangsbereich abgelegt 
(pag. 182 Z. 90). Die Straf- und Zivilklägerin habe einmal verlangt, dass er die Türe 
öffne (pag. 182 Z. 104). «Wohl um die Situation noch anzuheizen», da sie beide 
«Dickköpfe» seien, habe er gesagt, nein, er lasse sie nicht raus (pag. 183 Z. 111). 
Dennoch betonte er bereits in derselben Einvernahme, die Straf- und Zivilklägerin 
habe sehr oft die Option gehabt, die Wohnung zu verlassen (pag. 184 Z. 172). In 
den späteren Einvernahmen gab er an, die Straf- und Zivilklägerin hätte die Woh-
nung jederzeit verlassen können (pag. 206 Z. 392 ff. und pag. 688 Z. 30). Auch 
wenn der Beschuldigte bestreitet, die Straf- und Zivilklägerin dauerhaft am Verlas-
sen der Wohnung gehindert zu haben, bestreitet er nicht grundsätzlich, dass die 
Türe verschlossen war und er den Schlüssel zumindest teilweise auf sich trug. 
Darüber hinaus beschrieb er einen Moment, in dem er die Straf- und Zivilklägerin 
ausdrücklich nicht aus der Wohnung liess.

Als erstellt erachtet die Kammer hingegen auch, dass die Straf- und Zivilklägerin 
und der Beschuldigte im Verlaufe des Samstags einmal gemeinsam die Wohnung 
verliessen, um Zigaretten zu kaufen (Straf- und Zivilklägerin: pag. 163 f. Z. 281 ff. 
und pag. 694 Z. 1 ff.; Beschuldigter: pag. 183 Z. 116, pag. 184 Z. 172, pag. 201 
Z. 218, pag. 205 Z. 372 ff.). Gestützt auf die glaubhaften Aussagen der Straf- und 
Zivilklägerin wird davon ausgegangen, dass der Beschuldigte die Straf- und Zivil-
klägerin beim Öffnen der Türe am Fliehen hinderte und sie danach am Rücken 
festhielt (pag. 164 Z. 282 ff. und pag. 694 Z. 12).

10.5.4 Sachverhalt gemäss Ziff. I.3 der Anklageschrift (einfache Körperverletzung mit ge-
fährlichem Gegenstand)

Betreffend den Vorfall mit dem heissen Wasser in der Küche stimmen die Aussa-
gen der Straf- und Zivilklägerin und des Beschuldigten in weiten Teilen überein. Die 
Straf- und Zivilklägerin wollte sich in der Küche Pasta kochen, als der Beschuldigte 
die Küche betrat. Sie behändigte die Pfanne mit dem kochenden Wasser und 
schaute ihn damit «bedrohlich» an, um ihm zu signalisieren, er solle ihr nicht nahe 
kommen. Daraufhin griff ihr der Beschuldigte in die Haare und zog sie zu Boden, 
schüttete einen Teil des Wassers ab und machte danach eine Bewegung mit der 
Pfanne, die dazu führte, dass ein Teil des heissen Wassers auf die Straf- und Zivil-
klägerin fiel und dort die dokumentierten Verletzungen verursachte (Straf- und Zi-
vilklägerin: pag. 143 Z. 94 ff., pag. 145 Z. 161, pag. 154 Z. 252 ff., pag. 166 
Z. 360 ff. und pag. 984 Z. 38 ff.; Beschuldigter: pag. 183 Z. 126 ff., pag. 192 Z. 197, 
pag. 203 Z. 298 und pag. 204 Z. 343 ff.).

In Bezug auf die Wassermenge wird mit Blick auf die signifikanten, aber nicht 
grossflächigen Verbrennungen der Straf- und Zivilklägerin und gestützt auf die ers-
te Einvernahme des Beschuldigten davon ausgegangen, dass es sich dabei – wie 
in der Anklageschrift beschrieben – um einen kleinen Rest des Wassers handelte, 
allerdings um mehr als nur «2-3 Tröpfli» (pag. 183 Z. 141 und pag. 204 Z. 350). 

Der Beschuldigte gab an, es habe sich bei diesem Vorfall um eine «absolute Blöd-
heit», eine «Dummheit», einen «Joke», ein «Missgeschick» gehandelt (pag. 183 
Z. 143, pag. 193 Z. 201, pag. 204 Z. 345 und pag. 688 Z. 32) und bestreitet, das 

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Wasser mit Absicht über die Straf- und Zivilklägerin verschüttet zu haben. Dies 
lässt sich aber weder mit dem äusseren Ablauf noch mit dem Gesamtkontext oder 
den Beobachtungen der Straf- und Zivilklägerin vereinbaren. Sie bezeichnete sein 
Verhalten als «mehr als absichtlich» (pag. 154 Z. 244 und pag. 985 Z. 2) und er-
zählte nachvollziehbar, dass sie durch die Schmerzen und die kalte Dusche neue 
Kraft geschöpft habe, um sich aus dieser Situation rauszubringen (pag. 167 
Z. 414 ff.). Der Beschuldigte selber schilderte in seinen beiden ersten Einvernah-
men plastisch, wie er sich in diesem Moment durch die Straf- und Zivilklägerin vom 
«allerfeinsten» angegriffen gefühlt habe und zugleich verstanden habe, dass sie 
vor ihm Angst gehabt habe. Vor dem Hintergrund des zu diesem Zeitpunkt bereits 
fast 24 Stunden andauernden Konflikts und der Aufgebrachtheit des Beschuldigten 
im konkreten Moment kann seine Handlung nicht anders gedeutet werden, als dass 
er das Wasser verschüttete, um die Straf- und Zivilklägerin damit zu treffen. Der 
Umstand, dass ihm dies hinterher Leid tat, ändert nichts an seiner inneren Einstel-
lung im Tatzeitpunkt.

10.5.5 Sachverhalt gemäss Ziff. I.4 der Anklageschrift (Drohung)

Die Straf- und Zivilklägerin hat in den Befragungen verschiedene Drohungen be-
schrieben, die der Beschuldigte im Verlaufe der Tatnacht ihr gegenüber ausge-
sprochen haben soll. Ihre Aussagen wurden in der Aussagenanalyse als glaubhaft 
erachtet. Dies erweist sich auch in Bezug auf die Drohungen als richtig. Zwar gab 
sie die Drohungen teilweise in etwas unterschiedlichem Wortlaut wieder, inhaltlich 
blieben ihre Schilderungen jedoch gleich. Sie erzählte etwa, der Beschuldigte habe 
ihr zwar einmal die Türe geöffnet, ihr jedoch gedroht, ihrer ganzen Familie zu er-
zählen, was für eine «Hure» sie sei (pag. 144 Z. 130, pag. 151 Z. 117 und pag. 694 
Z. 37). Weiter habe er gedroht, dass er ihren Ruf in der ganzen Stadt schädigen, 
sie bei ihren Freunden bloss stellen und ihre Eltern fragen würde, was für eine 
Tochter sie auf die Welt gestellt hätten. Er werde sie kaputt machen und noch hun-
dert Mal «vögeln», bevor sie hier rauskomme (pag. 146 f. Z. 259 ff., pag. 159 Z. 
115, pag. 695 Z. 28 ff. und pag. 985 Z. 30 ff.). In der Einvernahme bei der Staats-
anwaltschaft stellte sie die letztgenannte Drohung in Zusammenhang mit dem er-
zwungenen Geschlechtsverkehr, bei dem er sie ebenfalls bedroht habe (pag. 163 
Z. 252 und pag. 170 Z. 520). Sie führte aus, dass unter anderem die Angst vor sei-
ner Drohung dazu geführt habe, dass sie die Gelegenheit zur Flucht nicht ergriffen 
habe, als der Beschuldigte einmal für kurze Zeit die Türe öffnete (pag. 153 Z. 193). 
An der Berufungsverhandlung berichtete sie, die Drohungen seien etwas vom Ers-
ten, das ihr in den Sinn komme, wenn sie an den Vorfall zurückdenke – die Dro-
hungen, und nicht zu wissen, was er von diesen Drohungen wahrmachen würde 
(pag. 982 Z. 15). Der Beschuldigte hat sich zu diesen Vorwürfen nicht konkret 
geäussert. Es wird auf die glaubhaften Aussagen der Straf- und Zivilklägerin abge-
stellt.

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III. Rechtliche Würdigung

11. Vorwurf der Vergewaltigung, evtl. Schändung

Eine Vergewaltigung begeht, wer eine Person weiblichen Geschlechts zur Duldung 
des Beischlafs nötigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter 
psychischen Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht (Art. 190 Abs. 1 
StGB). Für die Ausführungen zum Tatbestand der Vergewaltigung sowie die Über-
legungen zur Schändung wird auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen 
(pag. 742 f., S. 43 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

Der Beschuldigte hat an der Straf- und Zivilklägerin gegen ihren Willen bis zum Or-
gasmus vaginalen Geschlechtsverkehr vollzogen. Der Sachverhalt befindet sich 
damit im Anwendungsbereich des Tatbestands der Vergewaltigung.

Die Straf- und Zivilklägerin lag zu diesem Zeitpunkt nach einem Kreislaufkollaps auf 
dem Bett, nachdem sie sich die ganze Nacht lang mit dem Beschuldigen gestritten 
und er sie beschimpft, anspuckt, an den Haaren gerissen, ins Gesicht geschlagen, 
zu Boden gestossen, gebissen, gewürgt und bedroht hatte. Sie teilte ihm verbal 
mit, er solle sie in Ruhe lassen. Aus Angst vor weiteren Schlägen, im Bewusstsein 
der körperlichen Übermacht des Beschuldigten und ihrem eigenen entkräfteten Zu-
stand sowie in der Hoffnung, er lasse sie danach gehen, verzichtete sie darauf, 
sich körperlich zur Wehr zu setzen. Stattdessen weinte sie und lag regungslos im 
Bett, während er ihre Hände festhielt und ihr sagte, sie solle sich nicht wehren.

Der Beschuldigte hat in den Stunden vor dem nicht einvernehmlichen Geschlechts-
verkehr mit massiver Gewalt und Drohungen auf die Straf- und Zivilklägerin einge-
wirkt, so dass diese im Zeitpunkt seiner Ankündigung, er wolle mir ihr schlafen, völ-
lig entkräftet und verängstigt war. Ihr fehlte dadurch einerseits die Kraft, sich gegen 
den Beschuldigten zur Wehr zu setzen und andererseits den Mut dazu, hatte sie 
doch zuvor über Stunden hinweg erlebt, dass er ihr körperlich deutlich überlegen 
war. Damit liegt eine Gewaltanwendung im Sinne des Tatbestands vor, die dazu 
führte, dass sich die Straf- und Zivilklägerin nicht stärker zur Wehr setzte. Vor dem 
Hintergrund der zuvor erlebten Gewalt und in Kombination mit den ausgesproche-
nen Drohungen war es der Straf- und Zivilklägerin auch nicht zumutbar, sich kör-
perlich gegen den Beschuldigten zu wehren. Der objektive Tatbestand ist damit er-
füllt.

Aus der Vorgeschichte, den Äusserungen des Beschuldigten, dem Festhalten ihrer 
Hände sowie dem Verhalten der Straf- und Zivilklägerin unmittelbar vor und 
während dem Geschlechtsakt geht zudem hervor, dass der Beschuldigte erkannt 
hat, dass sie nicht mit ihm schlafen wollte, sich bewusst über den Willen der Straf- 
und Zivilklägerin hinwegsetzte und er auch wusste, dass er nicht mit körperlicher 
Gegenw