# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e86d467d-cf66-5573-83fc-2b212553ca8e
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-30
**Language:** de
**Title:** Knieverletzung; Fallabschluss rechtens, nachdem seit Monaten stationärer Zustand und nur Behandlungen zur Symptomlinderung; IGE von 5 % bestätigt, da nicht vorhersehbar, ob die sich sehr langsam entwickelnde sekundäre Arthrose dereinst ein stärkeres Ausmass erreichen wird
**Docket/Reference:** UV.2022.00043
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2022.00043.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2022.00043
V. Kammer
Sozialversicherungsrichter Vogel, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Ersatzrichterin Curiger
Gerichtsschreiberin Bonetti
Urteil
vom
30. Januar 2023
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch
Protekta
Rechtsschutz-Versicherung AG
Direktion Bern,
Y.___
Monbijoustrasse
5, Postfach, 3011 Bern
gegen
Elips
Versicherungen AG
Gewerbeweg 15, 9490 Vaduz
Beschwerdegegnerin
vertreten durch Rechtsanwalt Reto Bachmann
Lischer
Zemp & Partner, Rechtsanwälte und Notare
Schwanenplatz 4, 6004 Luzern
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren
1974, war
vom
1.
April 2005
bis 3
0.
April 2018 als Expert Test Automation Lead
bei der
Z.___
Ltd. Zürich
angestellt
(
Urk.
11/12
)
, wobei er seit Mai 2017 krankgeschrieben war (
Urk.
11/58/11 oben)
. Über jenes Arbeitsverhältnis war er bei der
Elips
Versicherungen AG gegen die Folgen von Unfall obligatorisch versichert, als er sich am 2
8.
April 2018 beim Fussballspielen das rechte Knie verdrehte (
Urk.
11/3/1
und 11/6/1
)
. B
ei einem Status nach konservativ behandelter K
reuzbandruptur
a
m 15. März 2013
(
dazu
U
rk.
11/99-111)
zeigte
n
sich im MRT vom
2
9.
Mai 2018
eine proximale Ruptur des vorderen K
reuzbandes
,
eine korbhenkelartige, stark dislozierte
Meniskus
hinterhornläsion
und
ein bis auf die Knochen reichender Knorpeldefekt des medialen, dorsalen
F
e
r
mu
rkondylus
(
Urk.
11/5
,
11/9
und 11/58/36 oben
).
Bei persistierenden Beschwerden (
Urk.
11/13) liess der Versicherte am 1
2.
Oktober 2018 eine Operation am rechten Knie durchführen (
Urk.
11/16). Der postoperative Verlauf gestaltete sich
komplikationslos (
Urk.
11/17-18 und 1
1/22).
Die
Elips
Versicherungen AG
übernahm zunächst die Kosten der Heilbehandlung
(etwa
Urk.
11/15).
Gestützt auf die B
eurteilung der sie beratenden Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation,
Dr.
med.
A.___
,
vom 26. A
p
ril 2020 (
Urk.
27/2)
,
stellte sie
die
vorübergehenden
Leistung
en
per 29.
Juni 2020 ein.
Mit derselben Verfügung
sprach
sie dem Versicherten
eine Integritätsentschädigung bei einer Integritätseinbusse von 5
%
(entsprechend
Fr.
7'410.--) zu,
verneinte
indessen einen Rentenanspruch
(
Urk.
1
1/28).
Gegen diese Verfügung erhob der
Versicherte
, vertreten durch die
Protekta
Recht
s
schutz
-V
ersicherung AG,
Ein
sprache und legte neue medizinische Unterla
gen auf (
Urk.
11/36 und 11/41). Infolgedessen (vgl.
Urk.
11/42/9)
holte
die
E
lips
Versicherungen AG ein
orthopä
disches-psychiatrisches Gutachten bei der
C.___
, Gutachterstelle Zofingen,
ein,
das vom 1
4.
Juni 2021 datiert (
Urk.
11/58).
Anschliessend wies sie die Einsprache mit Entscheid vom 2
7.
Januar 2022 ab (
Urk.
2)
.
2.
Gegen diesen
Einspracheentscheid
erhob der Versicherte mit Eingabe vom 28. Februar 2022, weiterhin vertreten durch seine Rechtsschutzversicherung, Beschwerde
(
Urk.
1 und 7; Beilagen
Urk.
3/3-8)
. Darin beantragte er, der ange
fochtene Entscheid sei aufzuheben, die Behandlungskosten seien
alsdann
bis 2
1.
Oktober 2020 zu übernehmen und
die Integritätsentschädigung auf 15
%
zu erhöhen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der
Elips
Ver
sicherungen AG (
Urk.
1 S. 2).
Vertreten durch Rechtsanwalt Bachmann (Urk.12) schloss diese
in der Beschwerdeantwort vom 20. April 2022 auf Abweisung der
Beschwerde (
Urk.
10 S. 2).
Die Beschwerdeantwort wurde dem Versicherten mit Verfügung vom 2
7.
April 2022 zugestellt (
Urk.
13), worauf er sich mit Eingabe vom 1
2.
Mai 2022 nochmals zur Sache äusserte (
Urk.
14). Diese Eingabe wurde der
Elips
Versicherungen AG mit Verfügung vom 1
6.
Mai 2022 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
15).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Die verunfallte Person hat Anspruch auf Heilbehandlung, solange von der Fort
setzung der ärztlichen Behandlung eine namhafte Besserung des Gesundheits
zustands erwartet werden kann; mit dem Fallabschluss fallen die vorübergehen
den Leistungen in Form von Heilbehandlung und Taggeld dahin und es ist der Anspruch auf eine Invalidenrente und In
t
e
g
ritätsentschädigung zu prüfen (vgl.
Art.
19
Abs.
1 und
Art.
24
Abs.
2 des
Bundesgesetz
es
über die Unfallversiche
rung
, U
VG
; BGE 134 V 109 E. 4.1).
Nach Festsetzung der Rente werden dem Bezüger gemäss
Art.
21
Abs.
1 UVG die Pflegeleistungen und Kostenvergütungen (
Art.
10-13 UVG)
noch
unter besonderen Voraussetzungen gewährt
.
Im dazwischen liegenden Bereich, wenn einerseits von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung im Sinn
e
von
Art.
19
Abs.
1 UVG mehr erwartet werden kann und andererseits die Voraussetzungen von Art. 21
Abs.
1 UVG nicht erfüllt sind, hat der Unfallversicherer keine Heilbehandlung mehr zu übernehmen; an seine Stelle tritt der obligatorische Krankenpflegeversicherer (BGE 140 V 130 E.
2
; 134 V 109 E. 4.2;
z
um Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 8C_50/2018 vom 2
0.
Juli 2018 E. 2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog, die Leistungseinstellung per 2
9.
Juni 2020 sei zu Recht erfolgt, zumal damals in keinem der medizinischen Berichte mehr eine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit dokumentiert gewesen
sei
. Der Hinweis, der Beschwerdeführer sei in seinen sportlichen Ak
tivitäten
nach wie vor einge
schränkt, vermöge daran nichts zu ändern (
Urk. 2.
E. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer hielt indessen dafür,
Dr.
med.
B.___
,
Facharzt für
Ortho
pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
habe am
2.
Oktober 2020 berichtet, dass weitere Behandlungen geplant seien, von welchen eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes zu erwarten sei. Dabei habe er auf seinen Bericht vom 2
8.
September 2020 verwiesen, wonach eine Behand
lung mittels Infiltration stattfinde (
Urk.
1
Ziff.
6).
Der Endzustand sei gemäss
Dr.
B.___
am 2
1.
Oktober 2020 erreicht worden, wobei auch gemäss Gutachten vom Erreichen des Endzustandes zwei Jahre nach der Operation ausgegangen werden könne (
Urk.
1
Ziff.
13 f.).
3.
3.1
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeits
fähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Begriffes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglich
keit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durch
führung.
So genügt es für ein Hinauszögern des Fallabschlusses praxisgemäss auch nicht, dass die versicherte Person
von weiterer Physiotherapie hätte profi
tieren können.
Der
Gesundheitszustand der versicherten Person
muss in diesem Zusammenhang
prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_
64/2021
vom
14. April 2021 E. 3.2
mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 134 V 109 E. 4.3
; Urteil des Bundes
gerichts 8C_604/2021 vom 2
5.
Januar 2022 E
. 5.
2 und 9.2
).
Grundlage für die Beurteilung dieser Rechtsfrage bilden in erster Linie die ärztlichen Auskünfte zu den therapeutischen Möglichkeiten und der Krankheitsentwicklung, die in der Regel unter dem Begriff Prognose erfasst werden (Urteile des Bundesgerichts 8C_299/2022 vom 5. September 2022 E. 2.3 und 8C_682/2021 vom 13. April 2022 E. 5.1, je mit Hinweisen).
Dabei ist nach der Rechtsprechung die Überprüfung der prospektiven Festsetzung der Arbeitsfähigkeit ex
post
zulässig, wenn bis zu dem für die richterliche Über
prüfung
massgebenden
Zeitpunkt des angefochtenen
Einspracheentscheides
(BGE 129 V 167 E. 1) eine
sachverhaltliche
Grundlage für eine zuverlässige Beurteilung besteht (obgenanntes Bundesgerichtsurteil 8C_44/2021 E. 5.3 mit weiteren Hinweisen). Es kann insbesondere geltend gemacht werden, die Prognose habe sich aufgrund der tatsächlichen Entwicklung als falsch erwiesen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_949/2009 vom 28. April 2010 E. 9.2).
3.2
Vorl
ie
gend
stehen einzig Behandlungskosten zur Diskussion
(vgl.
Urk.
1 Rechts
begehren und
Urk.
11/28 S. 3)
.
Die Heilbehandlung
gemäss
Art. 10 UVG setzt eine unfallbedingte Behandlungsbedürftigkeit, nicht aber eine Arbeitsunfähigkeit
voraus. Die Leistungseinstellung lässt sich also
entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin
nicht allein damit begründen, die Arbeitsfähigkeit
sei
durch die verbliebenen unfallbedingten Einschränkungen nicht (mehr) beeinträchtigt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_354/2014 vom 10. Juli 2014 E. 3.2), oder anders formuliert, es handelt sich bei der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit nicht um ein exklusives Beurteilungs
kriterium. Selbst eine ärztlich bescheinigte vollständige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit vermag einen Anspruch auf Fortsetzung der ärztlichen Behandlung nicht
auszuschliessen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_620/2020 vom 3. Februar 2021 E. 2.4 mit Hinweisen).
4.
4.1
Dem
C.___
-Gutachten vom 1
4.
Juni 2021 lässt sich im Hinblick auf den Fall
abschluss entnehmen,
der Beschwerdeführer sei sehr enttäuscht, dass er nur zögerlich und unvollständig wieder Sport treiben könne. Für alltägliche Tätigkei
ten sei das Knie aber offenbar doch rasch wieder normal belastbar gewesen. Die Angaben stünden im Einklang mit den Angaben von
Dr.
B.___
. So habe dieser etwa im Bericht vom 1
5.
Oktober 2019 festgehalte
n
, dass nach dem Tanzen am Knie rechts noch E
rgusszeichen aufgetreten seien und der Beschwerdeführer bei
m
Fussballspielen
eine
Bandagierung
tragen solle, falls er überhaupt wieder
Fussball
spielen wolle. Ansonsten sei
Dr.
B.___
mit dem Resultat zufrieden gewesen
und habe die Restbeschwerden vor allem auf die Behandlung der Knorpeldefekte zurückgeführt
. Dass das Knie nach der Operation nicht mehr so
für Sport belastbar gewesen sei
wie vor den Unfällen, sei wegen der Schwere der drei Knie
binnen
v
e
rletzungen zu erwarten gewesen
(
Urk.
11/58/31 f.)
.
Gemäss
Aussagen des Beschwerdeführers aber auch anhand der zur Verfügung stehenden Akten könne davon ausgegangen werden, dass sich die Situation des rechten Knies seit Oktober 2019, also seit Durchführung der
Einjahreskontrolle
, nicht wesentlich verändert habe. Der Beschwerdeführer habe zwar ein schmerz
freies
Krepitieren
gehabt, das Knie sei aber stabil geblieben und im Alltag normal belastbar gewesen. Postoperative Krepitationen ohne gleichzeitige mechanische Probleme
(
wie Blockaden
)
könnten im Rahmen von Vernarbungen erklärt werden
und
hätten keine krankmachende oder prognostisch ungünstige Bedeutung
.
Auch im Rahmen der Begutachtung
sei die allgemeine Funktionalität des rechten Knies in Anbetracht der Schwere der Verletzung
als
gut
zu beurteilen
.
Es
hätten
Einschränkungen von Extension und Flexion
in geringem Umfang von 5 bis 10°
zur Gegenseite
bestanden
.
Zudem
sei im Seitenvergleich eine deutliche Ober
schenkelatrophie rechts
festzustellen
gewesen. Auch habe eine
sehr geringfügige sagittale Instabilität rechts gegenüber links
bestanden
. Angesichts des
grossen
Eingriffs vom 1
2.
Oktober 2018 mit Sanierung dreier unterschiedlicher Knie
binnenpathologien
seien solche leichten Defizite zu erwarten gewesen.
Seit nunmehr über einem Jahr stagniere die Funktionalität im rechten Knie auf einem objektiv günstigen Niveau. Der Beschwerdeführer zeige sich sehr diszipliniert und versuche, die Situation durch Eigenbeübung zu stabilisieren, allenfalls etwas zu verbessern. Realistischerweise könne aber nicht mehr davon ausgegangen werden, dass sich die Belastbarkeit für sportliche Aktivitäten noch signifikant verbessern lasse. Der Endzustand sei
(trotz langsam progredienter Entwicklung der Arthrose,
Urk.
11/58/36 Mitte)
spätestens zwei Jahre nach der Operation erreicht
gewesen
(
vgl.
Urk.
11/58/
32 f.
).
4.2
Zu
möglichen
medizinischen
Massnahmen
wurde im Gutachten erläutert, d
ie leichte Bewegungseinschränkung in Flexion sei hauptsächlich auf Kapsel-Vernarbungen zurückzuführen und werde sich überwiegend wahrscheinlich nie mehr besser
n
. Sie sei zu wenig ausgeprägt, um eine Physiotherapie zu rechtferti
gen. Die langzeitige Abgabe
von
Condroprotectiva
(zurzeit C
ondrosulf) sowie die gelegentliche Einnahme von
Entzündungshemmern
sei
en
medizinisch sinnvoll, bedürf
t
e
n
aber keiner speziellen ärztlichen Überwachung
und dienten der Stabi
lisierung, nicht der Besserung der Symptome
. Sollten sich im weiteren Verlauf Ergussbildungen ergeben, so wäre
eine
Infiltration
ausschliesslich
mit Steroiden angebracht. Die
Arthroseentwicklung
werde frühestens in 10 bis 20 Jahren so fortgeschritten sein, dass eine Knie-Prothesenimplantation zu diskutieren sein werde. Eine arthroskopische Kniegelenksto
il
ette sei nicht indiziert, da die Schmer
zen überwiegend wahrscheinlich durch die
(bildgebend nicht darstellbaren, mechanisch wenig relevanten)
Kapsel
vernarbungen
bedingt
(vgl.
Urk.
11/58/36 Mitte
,
Urk.
11/58/43)
und weniger auf die bildgebend bereits beginnenden arthro
tischen Veränderungen zurückzuführen seien (Urk. 11/58/34 Mitte)
. Ein günstiger Effekt von Hyaluronsäure auf eine mögliche posttraumatische
Arthroseentwick
lung
sei medizinisch nicht erwiesen, weshalb eine solche Behandlung nicht empfohlen werden könne (
Urk.
11/58/33
)
.
4.3
Demnach
ist gestützt
auf das Gutachten festzuhalten, dass aus medizinischer Sicht der Endzustand nach einer solchen Knieoperation in der Regel spätestens nach zwei Jahren erreicht wird. Im konkreten Fall des allgemein sportlichen und in Bezug auf die Übungen sehr disziplinierten Beschwerdeführers lag
bereits
ein Jahr postoperativ eine Kniesituation vor, wie sie im günstigsten Fall nach der Operation zu erwarten war. Nicht nur ergeben sich aus den Akten keinerlei
Anhaltspunkte dafür, dass sich die Situation in der Folge
(sei es vor oder nach dem Fallabschluss)
noch in irgendeiner Form gebessert hätte (vgl. dazu Anamnese und Befunde
der Berichte von
Dr.
B.___
,
Urk.
11/22, 11/25
,
11/38
und 3/8, Bericht vom 2
1.
Mai 2021 S. 2
), vielmehr wird im Gutachten
auch
erläutert, dass ange
sichts der Schwere der Knieverletzung trotz Operation von vornherein keine volle Sportfähig
keit zu erwarten
war
und
längst
keine Behandlungsoptionen mehr zur Verfügung
stehen
, welche den Zustand nicht
bloss
stabilisieren, sondern bessern
könn
t
en
. Dies gilt insbesondere
auch
für die
Schmerzen, welche
gemäss
Gutach
ten auf Kapselverklebungen
und weniger auf arthrotische Veränderungen
zurück
zuführen sind.
4.4
Dr.
B.___
bestätigte
am 2. Oktober 2020 anhand eines Fragenkatalogs
auch
lediglich
, dass
(anders als im März 2020, U
rk.
11/25/1) weitere
Behandlungen geplant seien.
Unklar ist, worauf sich das
«
Ja
»
in Frage 2 bezieht,
zumal gleichzeitig danach gefragt
wurde
,
ob von weiteren Behandlungen eine namhafte Besserung zu erwarten
sei bzw.
ob der Endzustand erreicht sei.
Dem
vom
Dr.
B.___
dazu
ge
legten
Ber
icht vom 28.
September 2020 ist
h
auptsächlich
zu entnehmen, dass im gleichentags durchgeführten MRI
sowohl
eine Läsion des vorderen Kreuz
bandtransplantates
als auch eine
erneute Meniskusläsion ausgeschlossen werden konnte
n
.
Die belastungsabhängigen Schmerzen wurden
deshalb
auf die
(teils fraglichen, vgl.
Urk.
11/41/12 und
11/58/26
)
Knorpelschäden zurückgeführt und
es erfolgte
eine Infiltration mit Hyaluronsäure,
Kenacort
,
Mephameson
und
Bupivacain
. Wie sich der Anamnese entnehmen lässt, hatte eine Infiltration mit Hyaluronsäure
(aber
ohne Kortison
)
Anfang 2020 zu einer Beschwerdereduktion während zwei bis drei Monaten geführt
, ohne dass der Beschwerdeführer dadurch in die Lage versetzt worden wäre,
Fussball
zu spielen
(
Urk.
3/6).
Aus den Berichten
von
Dr.
B.___
ergeben
s
ich somit
keine Anhaltspunkte dafür, dass von der
Infiltration
im September 2020
eine
massgebliche
und länger anhaltende gesundheitliche Besserung zu erwarten
gewesen wäre.
Mit einer Spontanheilung der
Kapselverklebungen
(vgl. E. 4.2)
und
Knorpelschäden
war
e
benfalls nicht zu rechnen.
Dr.
B.___
hatte im Bericht vom 2
4.
September 2020 denn auch betont, dass keine normale Sportfähigkeit vorhanden sei. Bereits leichte Tätigkeiten wie
Jogging
oder Rennen auf den Bus seien aufgrund der Verletzung weiterhin und
– explizit –
voraussichtlich langfristig nicht möglich
(vgl.
Urk.
11/38)
.
Ergänzend kann
auf die gutachterlichen Ausführungen zu
möglichen
Infiltrationen verwiesen werden,
wonach
insbesondere die Wirksam
keit von Hyaluronsäure
nicht erwiesen ist
(vgl. E.
4.2
)
, weshalb die Beschwerde
gegnerin auch die Kostenübernahme für eine solche
schon früher ab
ge
lehnt hatte
(
Urk.
11/23/1).
Im Übrigen
sprach
sich auch der Arzt,
welcher
im August 2020 den ferienabwe
senden
Dr.
B.___
vertrat,
nur
für eine höhere Integritätsentschädigung aus. Das Erreichen des Endzustandes bzw.
weitere
erfolgversprechende Behandlungs
optionen waren kein Thema (vgl.
Urk.
11/35). Der Beurteilung des Allgemein
mediziners
Dr.
med.
D.___
vom 20. September 2020 kommt keine eigenständige Bedeutung zu. Er
notierte
lediglich, dass in Anlehnung an die Verlaufsberichte von
Dr.
B.___
der stabile Zustand
wahrscheinlich
noch nicht erreicht sei.
Es sei
mit diesem
Rücksprache
zu nehmen. Seien keine Behandlungen mehr vorgesehen, könne der Fallabschluss vorgenommen werden (
Urk.
3/5).
4
.5
Zusammenfassend
bestand im Zeitpunkt des Fallabschlusses
somit
nicht nur
eine volle Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
(vgl.
Urk.
11/58/44 oben, Urk. 3/4 S.
1
, Urk.
11/38/2 oben)
,
sondern
war
von den
damaligen Behand
lungsoptionen prognostisch
auch nicht mehr als
eine vorübergehende Symptom
linderung
respektive
Erhaltung
des Gesundheitszustandes zu erwarten.
Dies genügt für einen Aufschub des Fallabschlusses ebenso wenig wie eine noch andauernde ärztliche Behandlung. Der Fallabschluss bedingt einzig, dass von weiteren medizinischen
Massnahmen
keine namhafte Besserung des Gesund
heitszustandes mehr erwartet werden kann (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_467/2008 vom
4.
November 2008 E. 5.2.2.2), wie es vorliegend am 2
9.
Juni 2020 zweifelsohne der Fall war.
Wie D
r.
B.___
am
7.
Februar 2022 mitteilte, führte die damalige Infiltration (
wie die vorangehend
e
)
auch
retrospektiv betrachtet nur
zu einer teilweisen
und vorübergehenden
Beschwerdereduktion. Am 2
1.
Mai 2021 erfolgte eine weitere Infiltration (vgl.
Urk.
3/8
S. 2 und Bericht
e vom 1
1.
Januar und 2
1.
Mai 2021
).
Gemäss
Angaben des Beschwerdeführers wirkten die Infiltrationen sogar nur wenige Wochen (vgl.
Urk.
11/58/28 oben).
Dass
Dr.
B.___
am
7.
Februar 2022 nur mit dem Hinweis „2 Jahre nach Operation“ vermerkte, der Endzustand sei am 2
1.
Oktober 2020 erreicht worden, vermag an den vorstehenden fallspezifischen Überlegungen somit nichts zu ändern.
Vom Beschwerdeführer zu Recht nicht thematisiert wird eine
Übernahme der Heilkosten gestützt auf A
rt
. 21
Abs.
1 UVG
, da d
ie Voraussetzungen
hierfür
offensichtlich nicht erfüllt
sind
.
5
.
5
.1
Der Beschwerdeführer verlangte sodann gestützt auf die Beurteilung von
Dr.
D.___
eine Integritätsentschädigung von 15
%
. Angesichts de
r
subjektiven Beschwerden, eingeschränkten Belastungstoleranz und Restinstabilität des rechten Knies sowie der Bildgebung bedürfe es keines grossen M
utes, eine mindestens mässige Gonarthrose innerhalb der nächsten zehn bis 15 Jahre zu prognostizieren (
Urk.
1
Ziff.
9-12).
5
.2
Dem hielt die Beschwerdegegnerin gestützt auf das Gutachten entgegen, es sei maximal eine Integritätsentschädigung von 5
%
geschuldet, zumal bezüglich der Progredienz der
Arthroseentwicklung
keine rechtsgenügliche Prognose gemacht werden könne (
Urk. 2.
E. 4)
6
.
6
.1
Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG). Die Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abgestuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
Der Bundesrat hat alsdann in
Art.
36 der
Verord
nung über die Unfallversicherung (UVV)
von seiner Befugnis in
Art.
25
Abs.
2 UVG Gebrauch gemacht,
die Bemessung der Entschädigung
zu regeln.
6
.2
Art.
36
Abs. 1
UVV
bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht; er ist erheblich, wenn die körperliche, geistige oder psychische Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig
oder stark beeinträchtigt wird.
Gemäss Abs. 2
der genannten Bestimmung
gelten für die Bemessung der Integri
tätsentschädigung die Richtlinien des Anhangs 3
zur UVV
. Darin hat
der Bundesrat in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden Skala (BGE 124 V 29 E. 1b mit Hinweisen) häufig vorkommende und typisch
e Schäden prozentual gewichtet
.
Für die darin genannten Integritätsschäden entspricht die Entschädigung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes (Ziff. 1 Abs. 1).
Integritätsschäden, die gemäss der Skala 5 % nicht erreichen,
geben
keinen Anspruch auf Entschädigung
(
Ziff.
1
Abs.
3)
. In
Weiterentwic
klung der
bundesrätlichen
Skala hat d
ie Medizinische Abteilung der Suva
sodann
ein sog. F
einraster
in tabellarischer Form erarbeitet
.
Soweit
darin
Richtwerte enthalten
sind
, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewährleistet werden soll, sind
diese
mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (
vgl.
BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a).
6.3
Mit Blick auf die Argumentation der Parteien hervorzuheben ist, dass bei der Festsetzung der Integritätsentschädigung nach
Art.
36
Abs.
4 UVV vor
her
sehbare Verschlimmerungen des Integritätsschadens angemessen berücksichtigt werden müssen (Satz 1). Revisionen sind nur in Ausnahmefällen möglich, wenn die Verschlimmerung von grosser Tragweite ist und nicht vor
her
sehbar war (Satz 2). Eine vor
her
sehbare Verschlimmerung liegt nach der Rechtsprechung vor, wenn im Zeitpunkt der Festsetzung der Integritätsentschädigung eine Verschlimmerung als wahrscheinlich prognostiziert und damit auch geschätzt werden kann. Nicht vor
her
sehbare Verschlechterungen können naturgemäss nicht im Voraus berück
sichtigt werden. Entwickelt sich daher der Gesundheitsschaden im Rahmen der ursprünglichen Prognose, ist die Revision einer einmal zugesprochenen Integri
tätsentschädigung ausgeschlossen. Hingegen ist die Entschädigung neu festzu
legen, wenn sich der Integritätsschaden später bedeutend stärker als prognosti
ziert verschlimmert. Die Feststellung des Integritätsschadens ist dabei eine Tatfrage, die ein Mediziner zu beurteilen hat. Gleiches gilt für die Prognose, d.h. die fallbezogene medizinische Beurteilung über die voraussichtliche künftige Entwicklung eines Gesundheitsschadens (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_734/2019 vom 2
3.
Dezember 2019 E. 4.1.2 und 4.2 mit weiteren Hinweisen).
7.
7.1
Gemäss der Suva-Tabelle 5 (Revision 2011, «Integritätsschaden bei Arthrosen») besteht bei leichten Arthrosen kein Entschädigungsanspruch. Eine mässige
Femorotibial
-Arthrose führt zu einem Entschädigungsanspruch von 5 bis 15
%
, eine schwere
Femorotibial
-Arthrose zu einem solchen von 15 bis 30
%
.
Wo neben der Arthrose noch eine Instabilität des betreffenden Gelenkes nachgewiesen wird, soll derjenige Zustand für die Integritätsentschädigung
massgebend sein, der die höhere Schätzung aufweist;
es erfolgt
in der Regel keine Kumulation.
7.2
Die den Unfallversicherer beratende
Dr.
med.
A.___
, Fachärztin für Physika
lische Medizin und Rehabilitation, erörterte am 2
4.
Juni 2020, der Operateur beschreibe nur geringe Restbeschwerden und eine gute Funktionalität des Knies ohne Instabilität; der Beschwerdeführer sei sportfähig. Die bei den beiden Unfällen erlittenen intraartikulären Verletzungen (Läsion des vorderen Kreuz
bands, Meniskusläsion und medialer Knorpelschaden am
Fermurkondylus
) würden zu einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Gonarthrose führen, auch wenn eine solche bisher radiologisch nicht dokumentiert worden sei. Die Integritätsentschädigung beurteile sie auf dieser Basis unter Berücksichtigung einer zukünftigen
Arthroseentwicklung
/-progression gemäss Suva-Tabelle 5 mit
5
%
(Arthrose
femorotibial
mässig;
Urk.
11/27/2). Am 19. Januar 2021
empfahl
sie
sodann unter Hinweis
auf eine Zunahme der Knorpelschäden sowie einen leichten Kniegelenkserguss
im neuen MRI vom 2
8.
September 2020
eine Begut
achtung (
Urk.
11/42/9).
7.3
Im
C.___
-Gutachten
wurde ausgeführt
, durch die beginnende Entwicklung der Arthrose sei der Beschwerdeführer dauernd in seiner körperlichen Integrität beeinträchtigt. Dies
betreffe
zurzeit vor allem die körperlichen und sportlichen Aktivitäten (Urk. 11/58/46). Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit werde die Arthrose vor dem Erreichen des regulären Pensionierungsalters nicht klinisch relevant werden (Urk. 11/58/44 unten).
Gemäss Suva-Tabelle 5 bestehe Anspruch auf eine Entschädigung von 5 bis 15 % bei einer mässigen
femorotibialen
Arthrose. Eine solche Arthrose liege gestützt auf eine eigene Würdigung der MRI-Bilder erst in einem leichten Anfangsstadium vor. Aus diesem Grund betrage die Integritätsentschädigung maximal 5
%
. Es sei möglich, aber nicht voraus berechenbar, dass sich die Situation verschlechtern werde. Deshalb könne diese Entwicklung aktuell bei der Berechnung der Integri
tätsentschädigung nicht realistisch mitberücksichtigt werden. Sollte sich die Situation bildgebend massiv verschlechtern und insbesondere eine prothetische Versorgung notwendig machen, was überwiegend wahrscheinlich frühestens in 10 bis 20 Jahren der Fall sein werde, müsste der Integritätsschaden nochmals neu definiert werden - je nach Beschwerden und insbesondere Verlauf der bildgeben
den Dokumente (Urk. 11/58/34 f. und 11/58/46).
Im Übrigen liege weder k
linisch noch gemäss MRI vom 28. September 2020
eine vordere Kreuzbandinsuffizienz
vor. Die diskrete, noch bestehende sagittale Insta
bilität (keine rotatorische oder subjektive Instabilität,
Urk.
11/58/46) könne auch durch Faktoren wie ein fehlendes
Meniskushinterhorn
erklärt werden. Es liege somit keine Integritätseinbusse gemäss Suva-Tabelle 6 (
Jahr
2001
,
«Integritäts
schaden bei Gelenkinstabilität»
)
vor (
Urk.
11/58/35).
7.4
Der Hausarzt,
Dr.
D.___
, monierte in seiner Stellungnahme vom 1
9.
Juli 2021, dass im
C.___
-Gutachten die vor
her
sehbare Prognose der
Arthroseentwicklung
nicht berücksichtigt worden sei.
Anamnestisch toleriere das rechte Kniegelenk viele Sportarten nicht mehr. Das rechte Knie
weise aktuell deutliche Zeichen einer medialen G
onarthrose auf. In der Begutachtung sei eine Reizung (Schwellung) festgestellt worden. Zudem lägen eine Funktionseinschränkung in der Flexion, eine weiche positive vordere Schublade und ein schmerzhafter Pivot-Shift vor. Das Knie sei somit seit dem Unfallereignis im Jahr 2018
nie
mehr zur Ruhe gekommen.
Der aktuelle Befund entspreche mindestens einem Integritätsschaden
von 5
%
. Der Gutachter erwarte richtigerweise eine Verschlechterung bzw. Zunahme der
posttraummat
is
chen
Gonarthrose. Absehbare Verschlechterung
en
seien
in die Integritätsentschädigung
miteinzubeziehen
.
Unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden, der eingeschränkten Belastungstoleranz,
des gutachterlichen Befunds,
der
bildgebend jetzt schon vorhandenen medialen Gonarthrose bei diskreter Instabilität und Flexionseinschränkung
brauche es keinen grossen Mut, um
innerhalb der üblicherweise abschätzbaren Zeitspanne von
10 bis 15 Jahren
eine mindestens mässige
Gonarthrose
zuverlässig
zu prog
nostizieren, die gemäss der Suva-Tabelle 5 mit 15
%
zu entschädigen sei. Die Verschmälerung des Gelenkspalts in Belastung (
Einbeinstand
) werde noch zuneh
men. Die gutachterliche Einschätzung korreliere demgegenüber schlecht mit dem in der Begutachtung erhobenen Befund (vgl.
Urk.
3/7).
7.5
Unbestritten ist demnach, dass die zu entschädigende In
tegritätseinbusse basierend auf den bereits eingetretenen und
als wahrscheinlich
vor
her
sehbaren
sekundären
arthrotischen Veränderungen
im rechten Knie
anhand der Suva-Tabelle 5 festzusetzen ist. Dabei sind sich die Mediziner
auch darin einig, dass
aufgrund der aktuellen Situation künftig mit einer
entschädigungspflichtigen
mässigen
femorotibial
Arthrose zu rechnen ist. Gemäss Gutachten dürfte diese mit einer geschätzten
Entschädigung
von 5
%
jedoch
an der Grenze zu einer leichten A
rthrose bleiben, während sich die von
Dr.
D.___
veranschlagte Ent
schädigung von 15
%
nur
rechtfertig
t
, wenn das Ausmass der zu erwartenden Veränderungen zumindest an eine
schwere Arthrose
angrenzt oder gar als solche einzustufen ist (vgl. E. 7.1).
Die
Integritätsentschädigung
beruht
grundsätzlich auf dem Gedanken der Genug
tuung und
soll
einen gewissen Ausgleich für Schmerz, Leid sowie Beeinträchti
gung des Lebensgenusses bringen. Bei der konkreten Festsetzung muss allerdings beachtet werden, dass das Prinzip der abstrakten und egalitären Bemessung gilt. Im Unterschied zur Bemessung der Genugtuungssumme im Zivilrecht sind die erlittene Unbill und die weiteren besonderen Umstände des Einzelfalles nicht zu berücksichtigen. Massgeblich ist die medizinisch-theoretische Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Integrität (Urteil des Bundesgerichts 8C_756/2019 vom 1
1.
Februar 2020 E. 4.2 mit Hinweisen).
Von vornherein n
icht berücksichtigt werden kann somit, dass
der Beschwerde
führer die eingeschränkte
Sportfähigkeit
im Vergleich zu anderen Versicherten allenfalls be
sonders einschneidend erlebt
.
Nicht massgebend ist auch
das (subjektive) Schmerzempfinden
.
Die angewendete Suva-Tabelle 5 weist
denn auch
keine
diesbezügliche
Abstufung aus, wie das etwa bei der Suva-Tabelle 7
(Jahr 2001,
«Integritätsschaden bei
bei Wirbelsäulenaffektionen
»
) der Fall ist.
Die mit dem Schweregrad der Arthrose
zunehmenden
Schmerzen sind
mit dem
dafür vorgesehenen
Prozentsatz
bereits
abgegolten
(vgl.
dazu die Überlegungen des Bundesgerichts zu den Schmerzen, welche mit Funktionsstörungen der Schulter verbundenen sind im Urteil 8C_756/2019 vom 1
1.
Februar 2020 E. 4.3).
Es sei angemerkt, dass der Beschwerdeführer augenfällig bei anfänglich schmerzfreiem Alltag (
Urk.
11/22/1) auch erst nach Mitteilung des Fallabschlusses klagte, Dauerschmerzen zu haben, die durch jegliche körperliche Belastung verstärkt und stark stören würden, dass auch bei längerem Sitzen und Stehen Beschwerden aufträten und rechts weder der
Einbeinstand
noch Hüpfen möglich seien. Dabei gab er jedoch weiterhin an, keine Schmerzmittel einzunehmen und unverändert Fahrradfahren und Schwimmen zu können. Es fanden sich zudem weder im klinischen Untersuch noch der Bildgebung
massgebliche
neue Befunde und folg
lich auch keine neuen medizinischen Erkenntnisse mit Blick auf die Schmerz
ursache (vgl. Urk. 11/38, 11/41/12 und 11/41/17).
7.6
Dem
C.___
-Gutachten
ist im Detail zu ent
n
ehmen
, dass im MRI vom 28. Septem
ber 2020 trotz Metallartefakten sekundäre degenerative Veränderungen sehr geringfügiger Natur auf Höhe des
subtotal
resezierten medialen
Meniskushinter
horns
erfasst wurden. Die entsprechenden
Bone
bruise
-Veränderungen an
Tibiaplateau
und
Femurkondylus
seien ebenfalls gering gewesen. Es sei zu erwar
ten, dass sich durch das Fehlen des Meniskus in tragender Zone trotz des noch sehr günstigen MRI-Befunds später degenerative Veränderungen einstellen würden. Da im erwähnte
n
MRI kein Erguss vorgelegen habe und insbesondere die
Bone
bruise
-Veränderungen sehr diskreter Natur bzw. nicht demarkierend gewesen seien (keine Zeichen einer Ost
e
onekrose), habe kein foudroyanter Verlauf vorgelegen. Mittels Röntgenaufnahmen
(dazu Urk.
3/8, Bericht vom 2
1.
Mai 2021
)
liegend und unter Belastung am 1
1.
Mai 2021 habe ebenfalls eine erst diskrete Entwicklung der Arthrose dokumentiert werden können. Es habe erst eine diskrete,
osteophytäre
Randzackenbildung vorwiegend femoral medial bestanden. Die Verschmälerung des medialen Kniegelenkspaltes im
Einbeinstand
habe verglichen mit derjenigen im Liegen kaum zugenommen. Es habe also kein Partial- oder Totalkollaps des medialen Kniegelenks vorgelegen. Die Differenz der radiologischen Kniegelenksachsen belastet zu unbelastet habe 1.2° betragen, was noch als physiologisch betrachtet werden könne. Somit seien die radiologischen Zeichen einer beginnenden Gonarthrose am 11. Mai 2021 sehr diskret gewesen.  Die MRI-Befunde vom 2
8.
September 2020 und Röntgenbefunde vom 1
1.
Mai 2021 würden sich somit decken. Es sei deshalb nicht anzunehmen, dass die post
traumatischen degenerativen Veränderungen dort in den nächsten fünf bis zehn Jahren massiv zunehmen würden (
Urk.
11/58/33).
Auch im Bereich des operativ sanierten Knorpeldefekts am medialen
Femur
kondylus
habe im MRI vom 2
8.
September 2020 ein objektiv erfreuliches Resultat vorgelegen. Der posttraumatische Knorpelschaden sei mittlerweile mit Faserknor
pel aufgefüllt. Ähnlich wie im Bereich des resezierten Meniskus seien auch auf Höhe des Faserknorpels wenig
Bone
bruise
-Signale zu erkennen gewesen. Dieser günstige Verlauf sei wahrscheinlich auch auf den Umstand zurückzuführen, dass das sanierte Knorpelareal durch seine Lage (dorsal und zur
Notch
) physiologisch wenig belastet werde. Wie für die Zone der Meniskusresektion, so gelte auch hier, dass sich potenziell aus diesem posttraumatischen Knorpeldefekt ein sekundäre
r
arthrotischer Prozess entwickeln könne, der wiederum sehr langsam sein dürfte. Entgegen der Ansicht von
Dr.
B.___
sei die Zone der Meniskusresektion prognos
tisch ungünstiger als die Zone des Knorpelschadens. Dies sei bedingt durch die ausgeprägtere mechanische Belastung in Strecknähe (
Urk.
11/58/33 f.).
7.7
Entgegen der Auffassung von
Dr.
D.___
ist
folglich
nicht schon
für die aktuellen Befunde eine
Integritätsentschädigung von mindestens 5
%
geschuldet
.
Gemäss Gutachter
zeigte sich
röntgenologisch
nur
eine leichte
Oste
o
phytenbildun
g
; e
ine relevante
Gelenkspaltverschmälerung
bestand nicht.
Soweit es den Zustand des Knorpels anbelangt, wurde im Bericht zum MRI vom 28.
September 2020
fest
gehalten
, e
s
bestünden Signalalterationen/Furchenbildungen auf Höhe des medialen
Meniskushinterhorns
im femor
alen Knorpel und angrenzend ein
leichtes
Knochenödem im
Femurkondylus
. Eine praktisch identische Situation liege lateral vor, allerdings ohne Knochenödem und mit vermutlich weniger ausgeprägtem Knorpelschaden, aber mit deutlich ausgeprägteren Artefakten der Gelenkkapsel. Zudem hätten sich ein leichte oberflächliche Chondropathie
retro
patellär
und tiefe zentrale Furchenbildungen in der
Trochlea
ohne
subchondrale
Ödeme gezeig
t
(vgl. Urk. 11/41/12)
.
Eine
mässige
Arthrose
ist daher
trotz verschiedener Klassifikationen
nicht offensichtlich
(
vgl.
Hackenbroch
, Arthrosen – Basiswissen zu Klinik, Diagnostik und Therapie, Stuttgart 2002, S. 14;
Hempfling
/Krenn
, Schadenbeurteilung am Bewegungssystem, Band
1
:
Grund
lagen, Gelenkflächen, Osteonekrosen, Epiphysen,
Impingement
,
Synovialis
, 201
6
, S.
15;
Spahn/
Stojanowic
/Biehl/Klemm/Hofmann: Klassifikation von Knorpel
schaden und Arthrose, Deutscher Ärzteverlag, OUP 2016; 9: 509–514
;
DOI 10.3238/oup.2016.0509–0514;
S. 512 Übersichtstabelle
)
und wird von Dr.
D.___
auch nicht näher begründet.
A
ngesichts der geringen Ausprägung der Befu
nde drei Jahre nach dem Unfall, der
nur geringf
ügige
n
sagittale
n
Instabilität des Knies
, der geringgradigen Einschränkung von Flexion und Extension
sowie der
noch physiologische
n
Bein
achse
scheint es zudem schlüssig, dass
die arthrotischen Veränderungen
künftig nicht derart zügig voranschreiten werden, dass sie
sich
absehbar
einer
schwere
n
Arthrose
annäh
ern
(ergänzend auch:
Mollowitz
, Der Unfallmann, 1
2.
Aufl., Berlin 199
8, S. 152, wonach Untersuchungen an 353 Patienten 8 bis 14 Jahre nach Meniskusoperationen in rund 7
%
der Fälle eine vermehrte und in rund 2
%
der Fälle eine stärkere, als sekundär zu betrachtende Arthrose zeigten).
Daran ändert nichts,
dass
in den Untersuchungen
eine leichte Sch
wellung, ein leichter Reizer
guss
(bei intaktem proximalem
tibio
-fibular Gelenk ohne Ergussbildung)
und
ein
einzelnes
leichtes Knochenödem
(bei immer noch kaliberstarkem Knorpel)
fest
gestellt wurden
(etwa
Urk.
11/41/12 und 11/58/24)
.
Solche Symptome sind in der Initialphase nicht unüblich
(auch
Hettenkofer
, Rheumatologie, Diagnostik - Klinik
- Therapie,
5.
Auflage 2003, S.
162 ff.).
Zudem übte
der
sportliche
Beschwerde
führer
immer wieder auch
kniebelastende
Aktivitäten
(
wie Tanzen, Fussball und
Skifahren
, vgl.
Urk.
11/35/1, 11/25/1 und 11/22/1
)
aus, was
dazu beigetragen haben dürfte, dass
sein
Knie bis
her
nicht zur Ruhe kam und
er
es
auch
wiederholt mit Infiltration
en versuchte, über deren positive Wirkung
sich unterschiedliche Angaben finden.
7.8
L
etztlich zeigt
e
der Hausarzt keine neuen Aspekte auf, die im Gutachten über
sehen wurde
n
, vielmehr
zog
er
aus den unbestrittenen medizinische
n
Tatsachen
andere Schlussfolgerungen.
Dabei gilt es
zunächst
die
Erfahrungstatsache
zu berücksichtigen
, dass behandelnde Ärzte
in Zweifelsfällen
eher zugunsten ihrer Patienten aussagen
(vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Darüber hinaus
lassen sich aus
der längeren
und umfassende
re
n Behandlung durch den Hausarzt
kaum zusätzliche, wertvolle Erkenntnisse für die Beurteilung
der
rein
medizinisch-theoretischen Frage
gewinnen
, ob und wie schnell
eine
Arthrose
in Zukunft fortschreiten wird. Dafür fallen die
Fachkenntnisse
des Gutachters hier
bei besonders ins Gewicht. Es besteht deshalb kein Grund, an
dessen
nachvoll
ziehbar begründeten und schlüssigen Beurteilung der Integritätsentschädigung zu zweife
l
n.
Abweichende fachärztliche Einschätzungen liegen keine vor. Eine solche ist insbesondere auch nicht im Bericht vom 18. August 2020 von
Dr.
med.
E.___
zu sehen, der
(auch
in Unkenntnis der späteren Bilddokumente
)
darauf hinwies, dass ein Knorpelschaden operativ saniert wurde
. Jener Knorpeldefekt wurde allerdings schon am 2
9.
Mai 2018 bildgebend dargestellt (vgl.
Urk.
11/5/2) und ist nicht im Rahmen der Entwicklung einer sekundären Arthrose nach dem Unfall im April 2018 zu sehen (zu dessen Relevanz auch
Urk.
11/58/31 Mitte).
8.
Nach dem Ausgeführten sind weder der Fallabschluss per 2
9.
Juni 2020 noch die auf 5
%
festgesetzte Integritätsentschädigung zu beanstan
den. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Protekta
Rechtsschutz-Versicherung AG
-
Rechtsanwalt Reto Bachmann
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
VogelBonetti