# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 238906e7-7fd1-509a-84cb-80f4766baec9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.09.2011 D-2053/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2053-2010_2011-09-09.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­2053/2010

U r t e i l   v om   9 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz),
Richter Walter Lang, Richter Martin Zoller,   
Gerichtsschreiber Patrick Weber.

Parteien X._______, geboren am _______,
Türkei,  
vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar, _______,
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 24. Februar 2010 / _______.

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Sachverhalt:

A. 
A.a. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer die Türkei 
am  5.  September  2009  auf  dem  Landweg  und  gelangte  über  _______ 
und ihm unbekannte Länder am 8. September 2009 in die Schweiz, wo er 
gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 14. und 24. September 2009 führte 
das  BFM  eine  Summarbefragung  durch.  Die  Anhörung  fand  am  8. 
Oktober 2009 statt. 

A.b. Dabei machte der Beschwerdeführer  geltend,  kurdischer Ethnie  zu 
sein und aus _______ zu stammen. Im Jahre 2000 oder 2001 sei er bei 
einer Personenkontrolle von der Polizei geschlagen und eingeschüchtert 
worden.  In  _______  sei  er  Gründungsmitglied  des  sozialistischen 
Jugendvereins  (SGD)  geworden.  Er  habe  die  Funktion  des 
Vizepräsidenten  übernommen.  Ihr  Verein  sei  legal  gewesen  und  habe 
etwa 16 oder 18 eingeschriebene Mitglieder gezählt. Sie hätten Newroz­ 
oder  1.  Mai­Kundgebungen  organisiert,  Schüler  unterrichtet, 
Pressemitteilungen  veröffentlicht  und  Aktivitäten  im  Kunst­  und 
Kulturbereich durchgeführt. Im Jahre 2006 seien in _______ und anderen 
Städten  Razzien  gegen  die  Marksist  Leninist  Komünist  Party  (MLKP) 
durchgeführt  worden.  Dabei  sollen  gemäss  Behördenangaben  der 
Generalsekretär  dieser  Partei  und  der  Verantwortliche  für  den 
militärischen  Flügel  festgenommen  worden  sein.  Bei  den  Verhafteten 
habe  man  unter  anderem  Publikationen  der  SGD  sowie  der 
Sozialistischen  Plattform  der  Unterdrückten  (ESP)  beschlagnahmt.  Im 
Jahre  2006  sei  ausserdem  ein  MLKP­Mitglied,  welches  gleichzeitig  der 
SGD angehört habe, festgenommen worden. Am 21. September 2006 sei 
in  _______  eine  Razzia  gegen  Mitglieder  des  SGD  und  der  ESP 
durchgeführt worden. Er und dreizehn weitere Personen seien verhaftet 
worden.  Im  Rahmen  der  Razzia  bei  ihm  zuhause  seien  linkslastige 
Publikationen  beschlagnahmt  worden.  Ein  Polizist  habe  ausserdem 
versucht, eine Waffe in der Wohnung zu deponieren, sei dabei aber vom 
Vater  ertappt  worden.  Er  sei  unter  Einleitung  eines  Verfahrens  in 
Untersuchungshaft  genommen  worden.  Beim  Verhör  habe  man  ihm 
gesagt, wenn er einräume, dass die MLKP und der SGD "gleich" seien, 
werde  er  freigelassen.  Zu  einer  solchen  Aussage  habe  er  sich  trotz 
psychischen Drucks nicht nötigen  lassen. Er  sei  zwar Sympathisant der 
MLKP, die Aktivitäten der SGD hätten aber nichts mit der MLKP zu  tun. 
Eine  Person  aus  ihrem  Verein  SGD  habe  jedoch  ausgesagt,  sämtliche 
SGD­Mitglieder  seien  auch  MLKP­Mitglieder.  Allerdings  habe  er  diese 

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Aussage  bei  der  Verhandlung  in  _______  widerrufen,  mit  der 
Begründung, er sei von den Sicherheitsbehörden dazu genötigt worden. 
Nach drei Tagen und einer Vorführung beim Staatsanwalt sei er aus der 
Untersuchungshaft entlassen worden. Er habe sich fortan nicht mehr  für 
den  SGD  eingesetzt.  Anlässlich  der  besagten  Gerichtsverhandlung  in 
_______  vom  Januar  2008  sei  er  wegen  angeblicher  MLKP­
Mitgliedschaft zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. 
Er  habe  dieses  Urteil  beim  Kassationshof  angefochten.  Das  Urteil  sei 
indes vom zuständigen Kassationsgericht am _______ bestätigt worden. 
In Anbetracht  der  drohenden  langjährigen  Inhaftierung  habe  er  sich  zur 
Flucht entschlossen. 

A.c.  Für  die  beim  BFM  eingereichten  Beweismittel  kann  auf  die 
detaillierte Auflistung  des  vorinstanzlichen Beweismittelumschlags A  3/1 
verwiesen werden. 

B. 
Mit Verfügung vom 24. Februar 2010 – eröffnet  am 26. Februar 2010 – 
lehnte  das  BFM  das  Asylgesuch  ab  und  ordnete  die Wegweisung  des 
Beschwerdeführers aus der Schweiz an. Zur Begründung legte das BFM 
dar,  dass  Personen,  die  aufgrund  qualifizierter  Unterstützung  einer 
Organisation, welche die verfassungsmässige Ordnung  in der Türkei mit 
Gewalt bekämpft, strafrechtliche Massnahmen erlitten oder zu befürchten 
hätten,  grundsätzlich  nicht  schutzbedürftig  im  Sinne  des  Asylgesetzes 
seien.  Eine  andere  Einschätzung  sei  dann  angebracht,  wenn  die 
strafrechtlichen  Massnahmen  mit  einem  Politmalus  behaftet  seien,  das 
Strafverfahren  rechtsstaatlichen  Ansprüchen  klarerweise  nicht  zu 
genügen  vermöge  oder  der  asylsuchenden  Person  eine  Verletzung 
fundamentaler  Menschenrechte  drohe.  Der  Beschwerdeführer  sei 
gemäss seinen Angaben wegen Mitgliedschaft in der MLKP rechtskräftig 
zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und drei Monaten verurteilt worden. 
Es sei allgemein bekannt, dass  im Namen der MLKP mit  ihrem Ziel, die 
verfassungsrechtliche  Ordnung  der  Türkei  gewaltsam  zu  beseitigen, 
bereits  schwere  Straftaten  begangen  worden  seien.  So  seien 
beispielsweise bei einer Razzia  im September 2006  in den Wohnungen 
der Festgenommenen Waffen, Munition und einschlägige Dokumente der 
Organisation  gefunden  worden.  Gestützt  auf  die  bei  dieser  Aktion 
beschlagnahmten  Dokumente  seien  die  türkischen  Behörden  zum 
Schluss  gekommen,  dass  der  SGD  und  die  ESP  als  legale 
Unterorganisationen der MLKP zu betrachten seien. Sie führten in deren 
Namen Aktionen zugunsten der MLKP durch. Vor diesem Hintergrund sei 

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eine  strafrechtliche  Verfolgung  von  Mitgliedern  und  Unterstützern  der 
MLKP und der SGD als  "im Kern"  rechtsstaatlich  legitim zu bezeichnen. 
Vorliegend  gingen  die  türkischen  Behörden  davon  aus,  dass  der 
Beschwerdeführer  Vizepräsident  des  SGD  in  _______  sei.  Sie  hätten 
auch ermittelt, dass er an einer Kundgebung der ESP teilgenommen und 
einschlägige  Parolen  gerufen  habe  Anlässlich  der  Razzia  bei  ihm 
zuhause  seien  verbotene Zeitschriften  und Unterlagen  aus  dem Umfeld 
der MLKP und ESP sowie eine Waffe und Munition gefunden worden. Er 
habe im Verlaufe des Asylverfahrens ausgesagt, Vizepräsident der SGD 
in  _______  gewesen  zu  sein  und  sich  an  Propagandaaktionen  zur 
Verbreitung der Idee des Sozialismus beteiligt zu haben. Zudem habe er 
eingeräumt,  grundsätzlich  mit  der  MLKP  und  deren  Gedankengut  zu 
sympathisieren.  In  Berücksichtigung  der  Aktenlage  sei  mithin  davon 
auszugehen, dass er sich als Vizepräsident der SGD in _______ mit den 
Ideen  der  MLKP  identifiziert  und  im  Rahmen  seiner  Führungsfunktion 
einen  konkreten  Beitrag  zur  Erreichung  der  Parteiziele,  nämlich  der 
Zerstörung  der  verfassungsmässigen  Ordnung  unter  Einsatz  von 
Waffengewalt,  geleistet  habe.  Entsprechend  sei  die  Anklage  und 
Verurteilung  des  Beschwerdeführers  wegen  MLKP­Mitgliedschaft  durch 
die  türkischen  Behörden  "im  Kern"  rechtsstaatlich  legitim  erfolgt.  Die 
ergangene  Verurteilung  zu  einer  Haftstrafe  von  sechs  Jahren  und  drei 
Monaten  erscheine  in  Anbetracht  des  ihm  angelasteten  Sachverhalts 
zwar als relativ hoch. Allein aufgrund des Strafmasses könne aber noch 
nicht  auf  einen  Politmalus  geschlossen  werden.  Gegen  einen  solchen 
spreche  die  Tatsache,  dass  er  nicht  in  Untersuchungshaft  genommen 
worden  sei  und  sowohl  die  erstinstanzliche  Verurteilung  wie  auch  das 
Berufungsverfahren  auf  freiem  Fuss  habe  abwarten  können.  Zudem 
mache  er  keine  Misshandlungen  geltend.  Die  Rechtsstaatlichkeit  der 
Ermittlungen respektive der Verurteilung sei mithin gegeben. Im Weiteren 
sei  im Lichte der aktuellen Situation vor Ort nicht davon auszugehen,  im 
drohe  im  Strafvollzug  Folter  oder  eine  andere  menschenrechtswidrige 
Behandlung durch die Behörden. Seine Vorbringen seien demnach nicht 
asylrelevant.  Die  von  ihm  überdiese  geltend  gemachten  Schläge  durch 
Polizisten des Jahres 2000 oder 2001 seien nicht als kausal für die Flucht 
anzusehen.  Den  Vollzug  der  Wegweisung  in  die  Türkei  erachtete  das 
BFM für zulässig, zumutbar und möglich.

C. 
Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 29. März 2010 beantragte der 
Beschwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsgericht  die  Aufhebung  des 
vorinstanzlichen  Entscheids,  die  Feststellung  seiner 

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Flüchtlingseigenschaft,  die  Asylgewährung,  eventualiter  die  Feststellung 
der  Unzulässigkeit  beziehungsweise  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  verbunden  mit  der  Anordnung  der  vorläufigen 
Aufnahme in der Schweiz sowie in prozessualer Hinsicht die Entbindung 
von der Vorschusspflicht. Die Nachreichung eines Beweismittels (Bericht 
des  türkischen  Menschenrechtsvereins  aus  dem  Jahre  2009)  wurde  in 
Aussicht  gestellt.  Zur  Begründung  der  Eingabe  machte  der 
Beschwerdeführer  im Wesentlichen  geltend,  es  treffe  zwar  zu,  dass  die 
MLKP  zur  Zielerreichung  auch  Gewalt  einsetze.  Neben  militanten 
Mitgliedern  gebe  es  aber  auch  blosse  Sympathisanten.  Diese 
massgebliche Unterscheidung sei  in der angefochtenen Verfügung nicht 
gemacht worden. Das BFM habe sich einseitig auf die Behauptungen der 
türkischen  Polizei  und  der  Justizbehörden  gestützt.  So  sei  es  zum 
falschen Schluss gelangt, er  sei MLKP­Mitglied,  obwohl der Zeuge,  von 
welchem  die  falsche  Anschuldigung  stamme,  diese  später  widerrufen 
habe mit der Begründung, er sei zur Anschuldigung genötigt worden. Das 
BFM gehe mithin zu Unrecht von einem fairen Prozess aus. Er habe bei 
der Anhörung klarerweise ausgesagt, nie Mitglied der MLKP gewesen zu 
sein. Im Weiteren könne den Gerichtsakten entnommen werden, dass er 
sich  nie  an  einer  Gewalttat  beteiligt  habe,  und  die  bei  ihm 
beschlagnahmte Waffe  sei  ihm untergeschoben worden. Er  sei  lediglich 
Funktionsträger  des  legalen  Vereins  SGD  gewesen.  Mit  Gewalt 
respektive  der  MLKP  habe  der  Verein  nichts  zu  tun  gehabt.  Die 
Beschuldigungen  der  Behörden,  er  sei  ein  Terrorist  beziehungsweise 
verherrliche den Terrorismus, seien  realitätsfremd. Er sei aufgrund nicht 
zutreffender  Anschuldigungen  zu  einer  langjährigen  Haftstrafe  verurteilt 
worden.  Entgegen  der  vorinstanzlichen  Sichtweise  hätte  er  bei  der 
Haftverbüssung  eine  Verletzung  fundamentaler  Menschenrechte  zu 
gewärtigen.  Er  habe  im  Fall  der  Rückkehr  begründete  Furcht  vor 
ernsthaften Nachteilen. Nach dem Gesagten würde ein allfälliger Vollzug 
der  Wegweisung  gegen  die  relevanten  gesetzlichen  Bestimmungen 
verstossen. 

D. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  6.  April  2010  verzichtete  das 
Bundesverwaltungsgericht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses. 
Betreffend das in Aussicht gestellte Beweismittel wurde auf Art. 32 Abs. 2 
des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20. Dezember  1968  (VwVG, 
SR 172.021) verwiesen. 

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E. 
Am 7. April 2010 reichte der Beschwerdeführer den in Aussicht gestellten 
Bericht  des  türkischen  Menschenrechtsvereins  sowie  den  die  Türkei 
betreffenden  Bericht  von  amnesty  international  (Report  2009)  zu  den 
Akten. 

F. 
In  seiner  Vernehmlassung  vom  7.  April  2010  beantragte  das  BFM  die 
Abweisung  der  Beschwerde.  Die  vorinstanzliche  Stellungnahme  wurde 
dem Beschwerdeführer am 13. April 2010 zur Kenntnis gebracht. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist  entsprechend  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden 
Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser 
bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem 
die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes 
vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

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2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
3.1.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

3.2. Das BFM verzichtete  im angefochtenen Entscheid auf eine explizite 
Prüfung der Glaubhaftigkeit des dargelegten Sachverhalts und verneinte 
die  Asylrelevanz  der  behördlichen  Ermittlungen  beziehungsweise  der 
Verurteilung.  Auch  das  Bundesverwaltungsgericht  bezweifelt  die 
strafrechtliche Verurteilung des Beschwerdeführers  durch die  türkischen 
Behörden  nicht. Die  entsprechenden Verfahrensumstände  sind  von  ihm 
substanziiert  geschildert  worden  und  belegt  (vgl.  A  3/1,  A  8/24  und  die 
nachfolgenden Erwägungen). Entsprechend ist die vom BFM bejahte und 
vom  Beschwerdeführer  bestrittene  Rechtsstaatlichkeit  des  türkischen 
Verfahrens respektive die Asylrelevanz der Verurteilung zu prüfen. 

4. 
Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

5. 

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5.1. Der  Beschwerdeführer  ist  gemäss  Aktenlage  wegen  Unterstützung 
der MLKP beziehungsweise Mitgliedschaft zu einer Haftstrafe von sechs 
Jahren und drei Monaten rechtskräftig verurteilt worden. Es trifft zu, dass 
die MLKP in der Türkei für Anschläge verantwortlich gemacht wurde und 
sich zu solchen Gewaltakten bekannt hat (vgl. dazu bereits Entscheid des 
Schweizerischen  Bundesverwaltungsgerichts  [BVGE]  D­5568/2006  vom 
30. Oktober 2007 E. 5.3.2 S. 10). Im Weiteren hat der Beschwerdeführer 
eingeräumt, Sympathisant dieser Organisation zu sein. Zudem soll beim 
SGD  in  _______  auch  ein  Mitglied  der  MLKP  verkehrt  haben  (A  8/24 
Antworten  89  und  95)  und  die  SGD­Mitglieder  in  _______  seien  durch 
eine  Person  bei  den  Behörden  als  MLKP­Mitglieder  denunziert  worden 
(a.a.O. Antwort 116). Insgesamt kann es daher als rechtsstaatlich legitim 
qualifiziert  werden,  wenn  die  türkischen  Behörden  ein  Verfahren  gegen 
den Beschwerdeführer als Vizepräsidenten der SGD eingeleitet haben. 

5.2.  Der  Beschwerdeführer  vermochte  jedoch  in  Anbetracht  seiner 
differenzierten  Angaben  glaubhaft  zu  machen,  nicht  Mitglied,  sondern 
blosser Sympathisant der MLKP gewesen zu sein. Als SGD­Mitglied war 
er Funktionsträger eines  legalen Vereins. Nachvollziehbar und glaubhaft 
vermochte  der  Beschwerdeführer  denn  auch  zu  schildern,  dass  sich 
seine politischen Aktivitäten und die der SGD allein auf legale Tätigkeiten 
beschränkten.  Die  Verurteilung  wegen  angeblicher MLKP­Mitgliedschaft 
respektive  "Mitgliedschaft  bei  der  Terrororganisation"  durch  den 
türkischen Staat allein aufgrund der  ideologischen Nähe des Vereins zu 
der  illegalen  Partei  erscheint  mithin  schon  aus  diesem  Grund  nicht 
nachvollziehbar.  Die  ausgesprochene  langjährige  Gefängnisstrafe 
erscheint  unter  den  gegebenen  Umständen  nicht  als  angemessen, 
sondern  es  entsteht  der  Eindruck,  dass  das  Verfahren  gegen  den 
Beschwerdeführer  primär  politisch  motiviert  war,  um  den 
Beschwerdeführer für seine staatskritische und oppositionelle Haltung zu 
bestrafen.  Dies  umso  mehr,  als  auch  aus  den  Gerichtsdokumenten  in 
keiner  Weise  hervorgeht,  der  Beschwerdeführer  könnte  mit  Aktivitäten 
der  MLKP  oder  gar  mit  konkreten  Gewalttaten  in  Verbindung  gebracht 
werden.  In  der  Beschwerde  wird  im  Übrigen  zu  Recht  darauf 
hingewiesen,  dass  der  Belastungszeuge  seinen  Mitgliedschaftsvorwurf 
gemäss  Aussagen  des  Beschwerdeführers  wieder  habe  fallen  lassen 
(vgl.  A  8/24 Antwort  157).  Insbesondere  habe  er  dies  damit  begründet, 
dass  er  zu  einer  solchen  Falschaussage  genötigt  worden  sei,  was  die 
Zweifel  an  der  Rechtsstaatlichkeit  des  Verfahrens  bestätigt.  Der 
Beschwerdeführer  hat  sich gemäss Aktenlage nebst  dem Besitz  allfällig 
illegaler  Publikationen  nichts  zuschulden  kommen  lassen.  Seine 

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Schilderungen betreffend den ihm zu Unrecht angelasteten Waffenbesitz 
sind glaubhaft  und aus den Akten wird denn auch nicht  restlos  klar,  ob 
dem Beschwerdeführer ein solcher überhaupt angelastet werden konnte. 

5.3.  Insgesamt  ergibt  sich  aus  diesen Erwägungen,  dass  die  dreitägige 
Untersuchungshaft  des  Beschwerdeführers  aus  rechtsstaatlicher  Sicht 
kaum  zu  beanstanden  sein  dürfte,  zumal  der  Beschwerdeführer  keine 
illegitimen  Übergriffe  während  der  Haft  geltend macht.  Die  Verurteilung 
zur  über  sechsjährigen  Haftstrafe  erscheint  in  Anbetracht  der 
Fallumstände,  welche  sich  aus  den  Gerichtsakten  und  namentlich  den 
substanziierten  und  glaubhaften  Asylaussagen  ergeben,  aber  als 
offensichtlich  unverhältnismässig.  So  räumt  auch  das  BFM  ein,  sie  sei 
"relativ  hoch".  Der  Hinweis  der  Vorinstanz  in  ihrer  Verfügung,  gemäss 
deutschem  Strafgesetzbuch  sei  für  die  Mitgliedschaft  in  einer 
terroristischen Organisation  eine Haftstrafe  von einem Jahr  bis  zu  zehn 
Jahren und für die Rädelsführerschaft in einer solchen Organisation eine 
solche  von  mindestens  drei  Jahren  Haft  ohne  Begrenzung  der 
Höchststrafe  angedroht,  wird  der  Situation  des  Beschwerdeführers  als 
Mitglied eines legalen Vereins offensichtlich nicht gerecht. Die ergangene 
rechtskräftige Verurteilung des Beschwerdeführers zu einer  langjährigen 
Haftstrafe  ist  somit  entgegen  der  vorinstanzlichen Sichtweise mit  einem 
Politmalus  behaftet,  da  der  Beschwerdeführer  weder  für  eine 
Mitgliedschaft  bei  einer  illegalen  oder  terroristischen  Organisation, 
geschweige  denn  für  eine  direkte  Beteiligung  an  Gewaltakten 
verantwortlich gemacht wurde. 

6. 
6.1.  Entsprechend  der  Lehre  und  Praxis  ist  für  die  Anerkennung  der 
Flüchtlingseigenschaft  erforderlich,  dass  die  asylsuchende  Person 
ernsthafte  Nachteile  von  bestimmter  Intensität  erlitten  hat 
beziehungsweise  solche  im  Fall  einer  Rückkehr  in  den Heimatstaat mit 
beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  befürchten 
muss.  Die  Nachteile  müssen  der  asylsuchenden  Person  gezielt  und 
aufgrund der genannten Verfolgungsmotive drohen oder zugefügt worden 
sein. Die Verfolgung kann vom Staat oder einem Dritten ausgehen. Die 
Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  setzt  zudem  voraus,  dass  die 
betroffene Person einer landesweiten Verfolgung ausgesetzt  ist und sich 
nicht  in einem anderen Teil  ihres Heimatstaates  in Schutz bringen kann. 
Ausgangspunkt  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  ist  die 
Frage  nach  der  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  bestehende Verfolgung  oder 
begründete  Furcht  vor  einer  solchen.  Die  Situation  im  Zeitpunkt  des 

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Asylentscheides  ist  jedoch  im  Rahmen  der  Prüfung  nach  der  Aktualität 
der  Verfolgungsfurcht  ebenfalls  wesentlich.  Veränderungen  der 
objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid 
sind  deshalb  zugunsten  und  zulasten  der  ein  Asylgesuch  stellenden 
Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008 Nr. 12).

6.2. Die Verurteilung zu einer über sechsjährigen Haftstrafe ist zweifellos 
als  ernsthafter  Nachteil  im Sinne  von Art.  3  AslyG  zu  qualifizieren.  Der 
Beschwerdeführer  hat  dabei  glaubhaft  gemacht,  einer  legalen 
Gruppierung  angehört  und  sich  politisch  engagiert  zu  haben  und  in  der 
Folge  allein  deshalb  wegen  angeblicher  MLKP­Mitgliedschaft 
beziehungsweise  seiner  ihm  vorgehaltenen  Nähe  zu  dieser  Partei 
verurteilt  worden  zu  sein.  Die  Nachteile  zielen  also  darauf  ab,  den 
Beschwerdeführer wegen seiner politischen Anschauungen zu treffen. Da 
die Verfolgung  vom Staat  ausgeht  und nach wie  vor  aktuell  ist,  besteht 
offensichtlich  keine  innerstaatliche  Fluchtalternative.  Aufgrund  der 
glaubhaften  Haftstrafe  gilt  der  Beschwerdeführer  vielmehr  als  "politisch 
unbequeme  Person",  und  es  muss  angenommen  werden,  dass  ein 
politisches Datenblatt über  ihn erstellt wurde, auf welches die Behörden 
landesweit Zugriff haben (vgl. BVGE 2010/9 E. 5.3.3).

6.3. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Voraussetzungen von Art. 3 
und 7 AsylG beim Beschwerdeführer erfüllt sind. Aus den Akten ergeben 
sich gemäss obenstehenden Erwägungen keine konkreten Hinweise auf 
das Vorliegen von Asylausschlussgründen. Auch der Dienst  für Analyse 
und Prävention (DAP) der Schweizerischen Eidgenossenschaft erkannte 
keine staatsschutzrelevanten Hinweise im Dossier (A 12/1). Demnach ist 
das  BFM  anzuweisen,  dem  Beschwerdeführer  Asyl  zu  gewähren.  Bei 
dieser  Sachlage  kann  davon  abgesehen  werden,  auf  weitere 
Beschwerdevorbringen und die Beweismittel näher einzugehen.

7. 
Demnach  ist  die  Beschwerde  gutzuheissen  und  die  angefochtene 
Verfügung der Vorinstanz vollumfänglich aufzuheben.

8. 
8.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen.

8.2. Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteientschädigung 
für  die  ihnen  erwachsenen  notwendigen  Kosten  (Art.  7  Abs.  1  des 
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 

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vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]).  Nachdem 
sich  der  notwendige  Vertretungsaufwand  aufgrund  der  Aktenlage 
hinreichend  zuverlässig  abschätzen  lässt,  erübrigt  sich  die  Einholung 
einer  Kostennote.  Die  von  der  Vorinstanz  auszurichtende 
Parteientschädigung  ist  unter  Berücksichtigung  der  massgebenden 
Bemessungsfaktoren von Amtes wegen auf Fr. 2'400.– festzusetzen (Art. 
14 Abs. 2 VGKE).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2. 
Die  angefochtene  Verfügung  wird  aufgehoben.  Das  BFM  wird 
angewiesen, den Beschwerdeführer als Flüchtling anzuerkennen und ihm 
Asyl zu gewähren.

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben

4. 
Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine 
Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'400.– auszurichten. 

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber

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