# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bee70b89-3860-5fd7-9eab-3a4049a8b545
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-09-30
**Language:** de
**Title:** Statusfrage, Rückweisung zur ergänzenden Ablärung, da Ausmass der Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit unklar.
**Docket/Reference:** IV.2013.00590
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2013.00590.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2013.00590
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Gerichtsschreiberin Locher
Urteil
vom
30. September 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Marcel Aebischer
Küng Rechtsanwälte
Haldenstrasse 10, 9200 Gossau SG
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der 1985 geborene
X.___
meldete sich am 1
1.
Februar 2009 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (
Urk.
8/3). Zur Klärung der erwerb
lichen und medizinischen Verhältnisse zog die
Verwaltung
einen Auszug aus dem individuellen Konto bei (
Urk.
8/9) und holte einen Arbeitgeberbericht (
Urk.
8/7) sowie einen Bericht von
Dr.
med.
Y.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
3.
März 2009 ein (
Urk.
8/10). Vom 1
5.
Januar bis am 1
6.
März 2010 wurde der Versicherte bei der Stellensuche durch einen Job Coach der IV-Stelle unterstützt (
Urk.
8/19-20) und im ersten Halbjahr 2012 fand ein externes Job Coaching statt (
Urk.
8/30, 8/34 und 8/37). Mit Mitteilung vom 1
7.
August 2012 wurde die Arbeitsvermittlung abgeschlossen (
Urk.
8/35). In der Folge holte die Verwaltung einen Verlaufsbericht bei
Dr.
Y.___
ein (Bericht vom 2
4.
Oktober 2012 [
Urk.
8/40]) und führte am 2
0.
März 2013 eine Ab
klärung vor Ort durch (Haushalt
abklärungsbericht vom
8.
April 2013 [
Urk.
8/46]). Mit Vor
bescheid vom 1
2.
April 2013 stellte die IV-Stelle die Abweisung des
Rentenbe
gehrens
in Aussicht (
Urk.
8/49). Daran hielt sie – auf Einwand der
Beiständin
des Versicherten hin (
Urk.
8/51 und
Urk.
8/53) – mit Verfügung vom 2
3.
Mai 2013 fest (
Urk.
2 =
Urk.
8/55).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 2
4.
Juni 2013 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm eine ganze Invalidenrente auszurichten. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (
Urk.
1 S. 2). Mit
Besc
hwerde
antwort
vom 1
2.
August 201
3 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7). Mit Gerichtsverfügung vom 1
6.
August 2013 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung gewährt und ihm in der Person von Rechtsanwalt Marcel Aebischer ein unentgeltlicher Rechtsvertreter für das Beschwerdeverfahren bestellt. Gleichzeitig wurde ihm das Doppel der Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
9).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
3
Sowohl im Rahmen einer erstmaligen Prüfung des Rentenanspruches
(
Art.
29 und
Art.
43 ATSG)
als auch anlässlich einer Rentenrevision (
Art.
17
Abs.
1 ATSG) stellt sich unter dem Gesichtspunkt des
Art.
28a
Abs.
3 IVG in Verbin
dung mit
Art.
16 und 7
Abs.
2 ATSG die Frage nach der anwendbaren
Invalidi
tätsbemessungsmethode
.
Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, führt je zur Anwendung einer anderen Methode der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich,
Betätigungsver
gleich
, gemischte Methode) und ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei
im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beein
trächtigung bestünde. Entscheidend ist nicht, welches Ausmass der Erwerbs
tätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch,
das heisst
ohne
Gesund
heits
schaden
, aber bei sonst gleichen Verhältnissen, erwerbstätig wäre (
Art.
27
bis
der Verordnung über die Invalidenversicherung [
IVV
]
). Die gemischte Methode bezweckt damit eine möglichst wirklichkeitsgerechte Bemessung des
Invalidi
tätsgrades
(BGE 133 V 504 E. 3.3 mit Hinweisen).
Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben. Dabei sind die kon
krete Situation und die Vorbringen der versicherten Person nach Massgabe der allgemeinen Lebenserfahrung zu würdigen. Für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Er
werbs
tätigkeit ist der im Sozial
versicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich (
BGE 137 V 334
E. 3.2,
130 V 393
E. 3.3,
125 V 146
E. 2c, je mit Hinweisen).
Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen (vgl.
Art.
27 IVV) sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Nei
gungen und Begabungen zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 9C_915/2012 vom 1
5.
Mai 2013 mit Hinweisen auf BGE 133 V 504 E. 3.3).
Bei der Bestimmung der im konkreten Fall anwendbaren
Invaliditäts
bemessungs
methode
und damit der Beantwortung der entscheiden
den
Status
frage
handelt es sich um eine hypothetische Beurteilung, die auch hypothetische
Willensentschei
dungen
der versicherten Person berücksichtigen muss.
Dies gilt auch für die Frage,
in welchem
Ausmass
die versicherte Person ohne gesund
heitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre
.
Diese
inneren Tatsa
chen
sind indessen einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in aller Regel aus
äusseren
Indizien erschlossen werden. Die Beurteilung hypo
thetischer Geschehensabläufe ist eine Tatfrage, soweit sie auf Beweiswürdigung beruht, selbst wenn darin auch Schlussfolgerungen aus der allgemeinen Lebens
erfahrung mitberücksichtigt werden. Rechtsfragen sind hingegen Folge
rungen, die
ausschliesslich
- losgelöst vom konkreten Sachverhalt - auf die all
gemeine Lebenserfahrung gestützt werden oder die Frage, ob aus festgestellten Indizien mit Recht auf bestimmte Rechtsfolgen geschlossen worden ist (
vgl.
Urteil
e
des Bundesgerichts 9
C_287/2013 vom
8.
November 2013
E.
3.5
und
8C_511/2013 vom 3
0.
Dezember 2013
,
je
mit Hinweisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Rentenablehnung damit, der
Beschwer
deführer
habe sich aufgrund der Familienplanung dazu entschieden, als Haus
mann tätig zu sein und den Aufgabenbereich der Haushaltführung und der
Kin
derbetreuung
zu übernehmen.
Er sei deshalb
zu 100
%
als Nichterwerbstätiger zu
qualifizieren.
Bei einer Einschränkung von 11
%
im Aufgabenbereich Haus
halt
resultiere ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad
(
Urk.
1)
.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, die Geburt seines Sohnes hätte im Gesundheitsfall nicht dazu geführt, dass er seine Erwerbstätigkeit zugunsten der Haushaltführung und der Kinderbetreuung auf
gegeben hätte.
Die Übernahme der Kinderbetreuung durch seine Person sei ein
zig aufgrund der aktuell schwierigen Situation geschehen. Es wäre aus wirt
schaftlicher Sicht zudem unsinnig gewesen, wenn seine Lebenspartnerin ihre Stelle aufgegeben hätte,
er hingegen
arbeitslos sei und kaum mehr Aussicht auf eine neue Stelle habe. Der Invaliditätsgrad sei deshalb mittels
Einkommensver
gleichs
zu ermitteln.
Dr.
Y.___
habe eine Arbeitsfähigkeit von 20 – 40
%
attes
tiert. Auf die genaue Bestimmung des
Valideneinkommens
könne verzichtet werden, da bei einer Arbeitsfähigkeit von 30
%
und nach Vornahme eines
Pro
zentvergleichs
ein Invaliditätsgrad resultiere, der Anspruch auf eine ganze Rente
der Invalidenversicherung
gebe. Ausserdem sei ihm ein zusätzlicher leidensbedingter Abzug von mindestens 15
%
zu gewähren (Urk.
1
S. 7 ff.).
3.
3.1
Der am
Aspergersyndrom
(ICD-10 F84.5) und einer einfachen Aktivitäts- und
Auf
merksamkeitsstörung
(ICD-10 F90.0 [
Urk.
8/10/2-7 S. 1 und
Urk.
8/40
]
) leidende Beschwerdeführer schloss 2004 seine vierjährige Lehre als Elektroniker
mit technischer Matura
ab (
Urk.
1 S. 3,
8/2 S. 3 und
8/
10/2-7 S. 2).
Danach leistete er bis September 2005 Zivildienst in einem Altersheim (
Urk.
8/9 und
Urk.
8/34 S. 2). Die nachfolgende Erwerbstätigkeit war durch
diverse kürzere Arbeitseinsätze
, zumeist
im Rahmen einer temporären Anstellung, und Phasen der Arbeitslosigkeit geprägt (
Urk.
8/2 S. 1 f., 8/7 S. 2, 8/9
, 8/20 und
8/36
)
.
Im Jahr
2012 wurde der Beschwerdeführer Vater eines Sohnes (
Urk.
1 S. 4).
Seine Lebenspartnerin arbeitet an einem geschützten Arbeitsplatz bei
Z.___
und erzielt bei einem Pensum von 70
%
monatliche Bruttoeinkommen zwischen
Fr.
2‘000.-- und
Fr.
3‘000.-- (
Urk.
1 S. 7 und
Urk.
3/5).
3.2
Anlässlich der Abklärung vor Ort
erklärte der Beschwerdeführer
die Tatsache
, dass er die Kinderbetreuung und die Haushaltsführung übernommen habe, damit, dass seine Lebenspartnerin
– im Gegensatz zu seiner Person –
über eine Arbeitsstelle verfügt habe.
Dies
sei die ideale Lösung gewesen. Auf die Frage, ob er heute ohne Behinderung eine Erwerbstätigkeit ausüben würde, führte er als Antwort an, dass er sich bezüglich einer aktuellen und eigenen Erwerbstätigkeit keine Gedanken gemacht habe (
Urk.
8
/46 S. 2 f.).
Aufgrund dieser Aussagen kann nun nicht darauf geschlossen werden, dass der Beschwerdeführer bei Gesundheit zu 100
%
im Haushalt tätig wäre
; vielmehr ist zu
folgern
, dass sich die gemachten Angaben
nicht
auf den
Validitäts
-, sondern den
Krankheitsfall bezogen.
Hi
efür
spricht auch, dass der Beschwerdeführer und seine
Lebens
partnerin
nach dem Ende ihres Mutterschaftsurlaubs über kein
Betreu
ungs
konzept
für ihren Sohn verfügten und es deshalb angesichts der konkreten Lebens
umstände – der Beschwerdeführer war arbeitslos, seine Lebenspartnerin war bei
Z.___
fest angestellt –
nachvollziehbar erscheint, dass
sich
der Beschwerdeführer
um
A.___
kümmerte (vgl.
Urk.
8/37 S. 8).
3.3
Bei der Beurteilung der Statusfrage sind die gesamten, für den Sachverhalt mass
geblichen persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse zu würdigen. Dabei fällt zunächst ins Gewicht, dass der Beschwerde
führer
trotz
Verlust mehrerer Arbeits
stellen
gewillt war, sich im ersten Arbeitsmarkt zu integrieren
.
Noch kurz v
or
wie auch nach
der Geburt seines Sohnes bewarb e
r sich bei verschiedenen Firmen (
Urk.
3/4 und
Urk.
8/37 S. 4 ff.). Am
2.
Mai 2012 trat er sodann eine unbefristete Stelle als Callcenter-Mit
arbeiter an
(Urk. 8/37 S. 2 f.).
Die angespannten finanziellen Verhältnisse
sind
ebenfalls
Indiz
dafür, dass der Beschwerdeführer – wohl auch auf Verlangen des
Sozialamtes – im Gesundheitsfall erwerbstätig geblieben wäre. So würde er dank seiner Ausbildung
weitaus mehr verdienen als seine Lebenspartnerin. Dass der
Rollentausch
nicht gewollt respektive situativ bedingt war, ist zudem daran ersichtlich,
dass der Beschwerdeführer spontan zu Protokoll gibt, dass es schön wäre, wenn seine Partnerin zu Hause bei den Kindern bleiben
könnte (
Urk.
8
/46 S. 3).
3.4
Nach den gesamten Umständen steht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer ohne Gesundheitsschaden nach der Geburt seines Sohnes zu 100
%
erwerbstätig geblieben wäre. Folglich ist der Rentenanspruch zu prüfen.
4.
4.1
4.1.1
Dr.
Y.___
diagnostizierte am 2
7.
Februar 2009
(
Urk.
8/10/2-7)
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine tiefgreifende Entwicklungsstörung
(
Aspergersyn
drom
ICD-10 F84.5), bestehend seit Geburt, und eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0). Beide Gesundheitsstörungen seien in relevanter Weise erstmals beim Eintritt ins Berufsleben im Herbst 2005 aufge
treten. Als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beurteilte er den Verdacht auf einen Zustand nach einer kurzdauernden, retrospektiv mindestens mittelgradi
gen depressiven Episode im Jahr 2005 (ICD-10 F32.1) sowie ein Nägelkauen (ICD-10 F 98.8; Verhaltens- und emotionale Störung mit Beginn in der Kindheit und Jugend mit zeitlich unklarem Beginn [S. 1]).
Er
berichtete
, nach seinem Lehrabschluss habe der Beschwerdeführer in den Jahren 2006 bis 2008 insge
samt sieben, jeweils nur kurz andauernde Anstellung
en
in seinem Fachbereich inne gehabt. Diese seien ihm ausnahmslos aufgrund von Flüchtigkeitsfehlern, Ungenauigkeit, massiver Unpünktlichkeit sowie Langsamkeit gekündigt worden (S. 2).
Als Auswirkungen des Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms
auf die Arbeits
fähigkeit
führte er die Unfähigkeit in wenig anspruchsvollen und monotonen Arbeiten Flüchtigkeitsfehler zu erkennen und zu vermeiden, den fehlenden Überblick in der Arbeitsorganisation und der Selbstbeurteilung der eigenen Arbeit
sowie
die Vertiefung nur bei stark interessierenden und intellektuell anspruchsvollen Tätigkeiten an.
Als Folge des Autismus auf die Arbeitsfähigkeit beurteilte er Blockaden durch mangelnde Affektintegration und Schwäche in der
Ambivalenztoleranz
, welche konsekutiv zusammen mit grosser Unsicherheit im Einschätzen sozial-interaktioneller Situationen zu auffallender Langsamkeit im Reagieren oder zum gänzlichen Ausbleiben einer Reaktion führ
t
en, was wiederum zum Eindruck der Sonderbarkeit beitrage. Dies werde vom
Arbeits
umfeld
als Desinteresse interpretiert. Der Beschwerdeführer pflege kein
e aktiven Beziehungen zu seinen Kollegen am Arbeitsplatz
und habe kein Bedürfnis nach einem persönlichen Austausch (S. 5).
Dr.
Y.___
attestierte seit Beginn der Abklärung im Dezember 2008 eine vollstän
dige Arbeitsunfähigkeit im erlernten Beruf als Elektroniker, wobei er davon ausging, dass diese bereits seit Verlassen des Lehrbetriebs bestanden habe. In einem behinderungsangepassten Umfeld hielt er die bisherige Tätigkeit
hinge
gen
im Umfang von 60
%
– 80
%
für zumutbar. Dabei sollten monotone selb
ständige Arbeiten vermieden und komplexe Interaktionen mit anderen Personen müssten auf ein Minimum reduziert werden. Zusätzlich müsste eine Hilfestel
lung bei der Hierarchisierung und der Arbeitsplanung sowie bei der Überprü
fung des Arbeitsfortschritts gewährleistet sein. Ausserdem sei die
Hochbega
bung
zu berücksichtigen (S. 4 f.).
4.1.2
In seinem Verlaufsbericht vom 2
4.
Oktober 2012
führte
Dr.
Y.___
unveränderte Diagnosen auf und bescheinigte für behinderungsangepasste Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 20
%
– 40
%
.
Der Beschwerdeführer könne hochwertige Arbeit leisten, sofern diese anspruchsvoll genug sei (keine Monotonie). Er könne in einem Kleinteam die Integration bewältigen und auch Kundenkontakt sei möglich (keine Gruppen). Von grosser Bedeutung sei eine durchgehende Tole
ranz hinsichtlich des Arbeitstempos und des Versäumens wiederkehrender Ereignisse, wie etwa den Arbeitsbeginn (
Urk.
8/40).
4.2
Unbestrittenermassen ist der Beschwerdeführer mehr
fach darin gescheitert
, seiner erlernten Berufstätigkeit nachzugehen (
Urk.
8/10/2-7 S. 4, 8/20 S. 2 und 8/40 S. 3).
G
estützt auf die Beurteilung des behandelnden Psychiaters
ist es ihm
möglich, seine beruflichen Kenntnisse in einem seinem Leiden angepassten Betätigungsfeld einzusetzen (
Urk.
8/10/2-7 S.
5 und
Urk.
8/40 S.
3)
. Der Umfang der Arbeitsfähigkeit in einer der Behinderung des Beschwerdeführers angepass
ten Tätigkeit lässt sich aber gestützt auf die Berichte von
Dr.
Y.___
nicht zuver
lässig feststellen. So besteht zwischen den
abgegebenen Arbeitsfähigkeitsbeur
teilungen
eine Diskrepanz
, die weder vom betreffenden Arzt mit ergänzenden Angaben beseitigt wird noch findet sich in seinem Verlaufsbericht eine Erklä
rung dafür, zumal
die auf das Leiden zurückzuführenden Beeinträchtigungen des Leistungsvermögens keine Veränderung erfahren haben. Zudem
bleibt zweifelhaft, ob sich
seine Beurteilung
einer leidensangepassten Tätigkeit
einzig auf die
Arbeit
als Elektroniker in einem angepassten Umfeld
oder auf
gesamt
haft zumutbare Tätigkeiten bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage
bezieht
.
4.3
Nach dem Gesagten ist nicht klar, in welchem Ausmass der Beschwerdeführer
sowohl
in
seiner angestammten als auch in
einer behinderungsangepassten
Tätigkeit arbeitsfähig ist.
Die Sache erweist sich somit nicht als spruchreif und bedarf weiterer Abklärungen durch die Beschwerdegegnerin.
Die angefochtene Verfügung vom 2
3.
Mai 2013 ist deshalb aufzuheben, und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die Aus
wirkungen der festgestellten Leiden auf die Arbeitsfähigke
it umfassend abkläre und hernach
über den Anspruch des Beschwerdeführers auf Leistungen der Invalidenversicherung
erneut befinde, wobei die Invaliditätsbemessung auf der Basis eines Einkommensvergleichs zu erfolgt hat.
5.
5.1
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 600.-- festzulegen und, da die
Rückwei
sung
an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsiegen gilt (vgl. etwa Urteil des damaligen Eidgenössischen
Versicherungsge
richts
U 199/02 vom 10. Februar 2004 E. 6 mit Hinweis auf BGE 110 V 57 E. 3a; SVR 1999 IV Nr. 10 S. 28 E. 3), ausgangsgemäss von der
Beschwerde
gegnerin
zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
5.2
Der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer hat sodann ausgangsgemäss gestützt
auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über
das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) Anspruch auf eine
Prozessentschädi
gung
.
Nach
§
34
Abs.
3
GSVGer
bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Pro
zesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss
§
7
Abs.
1 der seit
1.
Juli 2011 in Kraft stehenden Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) wird namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
5
.3
Der von Rechtsanwalt
Marcel Aebischer
mit Eingabe vom
1
8.
September 2014
geltend gemachte Aufwand von
15.58
Stunden und
Fr.
205.--
Barauslagen (Urk.
11
) ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen
. Namentlich erscheint ein Aufwand von 10.5 Stunden für die Beschwerdeschrift und die Stellung des Gesuchs um Gewährung der unentgeltli
chen Rechtspflege (inklusive Zusammenstellen Beilagen, Klärung offene Fragen mit
Klientschaft
und Orientierungskopie
Klientschaft
) als überhöht.
Gleiches gilt für den mit zwei Stunden veranschlagten Aufwand für das Studium des vor
liegenden Entscheids und die Besprechung mit dem Beschwerdeführer über das weitere Vorgehen.
Angesichts der zu studierenden gut
56
Aktenstücke der Beschwerdegegnerin, der etwa
zehns
eitigen Rechtsschrift, den Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Gesuch um unentgeltliche Rechtsver
tretung
sowie der in ähnlichen Fällen zugesprochenen Beträgen ist die Entschädigung von Rechtsanwalt
Marcel Aebischer
bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
200.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2‘
5
00.--
(inklusive Barauslagen und Mehr
wertsteuer) festzusetzen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom 2
3.
Mai 2013 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem
unentgeltlichen Rechtsvertreter des
Beschwerdeführer
s, Rechtsanwalt Marcel Aebischer
,
eine Prozessentschädigung von
Fr.
2‘
5
00
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Marcel Aebischer
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Beilage einer Kopie von
Urk.
11
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu ent
halten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubLocher