# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 74cf09af-6354-561a-8116-9fe9e57b4923
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-05-31
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 31.05.2021 IV 2020/181
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2020-181_2021-05-31.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/10

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2020/181

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 28.03.2022

Entscheiddatum: 31.05.2021

Entscheid Versicherungsgericht, 31.05.2021
Art. 23 Abs. 2 und 2bis IVG. Art. 22 Abs. 1 IVV. Taggeld-Anspruch. Der 
Abbruch der ersten Ausbildung erfolgte aus gesundheitlichen Gründen. Die 
Versicherte hat ab der Erreichung des 20. Altersjahrs Anspruch auf den 
höheren Ansatz des kleinen Taggeldes (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 31. Mai 2021, IV 
2020/181).

Entscheid vom 31. Mai 2021

Besetzung

Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-

Studerus; Gerichtsschreiberin Annina Janett

Geschäftsnr.

IV 2020/181

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Soziale Dienste B.___,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

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Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Taggeld

Sachverhalt

A.  

A.___ meldete sich im Februar 2018 zum Bezug von beruflichen 

Eingliederungsmassnahmen bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1). Sie 

hatte am 1. August 2017 eine Lehre als Bäckerin-Konditorin-Confiseurin EFZ begonnen 

(IV-act. 27), die im Oktober 2017 in eine Ausbildung zur Erlangung des 

eidgenössischen Berufsattests (EBA) umgewandelt worden war (IV-act. 3, vgl. auch IV-

act. 2). Nach Einholung der medizinischen Unterlagen notierte der RAD am 22. Mai 

2018, dass die Versicherte in somatischer Hinsicht an einem Morbus Crohn mit einem 

ausgedehnten Dünndarmschlingen-Abszess bei langstreckiger Ileitis terminalis leide. 

Zudem bestünden eine generelle Lernbehinderung und Teilleistungsstörungen im 

Bereich des Arbeitsgedächtnisses und der Verarbeitungsgeschwindigkeit (IV-act. 28). 

Gestützt darauf sprach die IV-Stelle der Versicherten am 4. Juni 2018 

berufsberaterische Massnahmen zu (IV-act. 45). Im Juli 2018 brach die Versicherte die 

Ausbildung ab (letzter Ausbildungstag am 23. Juli 2018; vgl. IV-act. 48, 72-2). Am 1. 

Oktober 2018 teilte die Versicherte der IV-Stelle telefonisch mit, dass sie keine weitere 

Unterstützung mehr in Anspruch nehmen wolle. Sie habe eine Stelle in der 

Gastronomie gefunden und werde im selben Bereich im Sommer 2019 eine Ausbildung 

zur Hauswirtschaftspraktikerin EBA starten. Sie wünsche keine Hilfe mehr durch die IV 

(IV-act. 49). Infolgedessen teilte die IV-Stelle der Versicherten am 9. Oktober 2018 mit, 

dass das Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen und Rentenleistungen 

abgewiesen werde (IV-act. 53).

A.a. 

Vom 5. Februar bis 26. März 2019 war die Versicherte in der Psychiatrischen Klinik 

C.___ hospitalisiert. Die behandelnden Ärzte führten aus, bei der Versicherten 

bestünden insbesondere Anpassungsstörungen (F43.2) und eine leichte 

A.b. 

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Intelligenzminderung (F70.9). Im Zusammenhang mit der Diagnose der leichten 

Intelligenzminderung hielten die Ärzte fest, dass der Versicherten eine Tätigkeit im 

zweiten Arbeitsmarkt empfohlen werde, damit sie in diesem Rahmen ihr vorhandenes 

Potential ausschöpfen könne (Austrittsbericht vom 26. März 2019, IV-act. 60).

Im März 2020 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an; sie 

reichte diverse medizinische Berichte ein (IV-act. 54). Die Sozialen Dienste B.___, die 

die Versicherte seit Juli 2019 unterstützten, hatten in einem Schreiben vom 26. Februar 

2020 festgehalten, dass die Versicherte einen Lehrabschluss auf dem EBA-Niveau 

erreichen wolle und dazu Unterstützung durch die IV im Rahmen von beruflichen 

Massnahmen benötige (IV-act. 56).

A.c. 

Der RAD notierte am 21. April 2020 unter Verweis auf die eingereichten Berichte, 

dass die kognitiven Defizite, die vormals als generelle Lernbehinderung eingestuft 

worden seien, als leichte Intelligenzminderung (ICD-10 F70; Gesamt-IQ 68) zu 

beurteilen seien. Dabei bestünden weit unterdurchschnittliche Ergebnisse im Bereich 

des Sprachverständnisses, des wahrnehmungsgebundenen logischen Denkens, des 

Arbeitsgedächtnisses sowie der Verarbeitungsgeschwindigkeit. Die Versicherte 

benötige bezüglich der beruflichen Integration einen eng begleiteten und geschützten 

Rahmen. Auch der Morbus Crohn sei relevant für die Arbeitsfähigkeit. Eine 

Arbeitsfähigkeit auf dem zweiten Arbeitsmarkt sei zumindest teilweise gegeben. 

Allerdings sei unklar, ob die Versicherte dauerhaft ein ganztägiges Pensum zu leisten 

vermöge. Insgesamt habe sich der Gesundheitszustand seit der Verfügung vom 

Oktober 2018 wesentlich und anhaltend geändert. Anzumerken sei, dass die 

Versicherte niemals in der Lage gewesen sei, auf dem 1. Arbeitsmarkt eine 100%ige 

Leistung zu erbringen. Die berufspraktische Belastbarkeit bei der Versicherten sei 

schrittweise zu erproben und aktuell könnten keine definitiven Aussagen zu einem 

möglichen erfolgreichen Abschluss gemacht werden (IV-act. 76).

A.d. 

Am 28. April 2020 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie die Kosten für 

die Berufsberatung übernehme (IV-act. 78).

A.e. 

Vom 15. bis 26. Juni 2020 absolvierte die Versicherte eine Schnupperlehre als 

Assistentin Gesundheit und Soziales EBA in einem Alterszentrum. Im Bericht vom 2. 

A.f. 

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B.  

Juli 2020 erachtete die verantwortliche Betreuungsperson eine Ausbildung in dieser 

Tätigkeit als möglich (IV-act. 86, 88).

Am 22. Juli 2020 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie die Mehrkosten 

der Vorbereitung auf die erstmalige berufliche Ausbildung im Bereich Assistenz 

Gesundheit und Soziales vom 10. August 2020 bis 31. Juli 2021 übernehme (IV-act. 

91).

A.g. 

Mit Verfügung vom 5. August 2020 sprach die IV-Stelle der Versicherten für die 

Dauer der Eingliederungsmassnahme ein kleines Taggeld von Fr. 40.70 zu. Den 

Besitzstand aus dem Lehrlingslohn bezifferte sie mit Fr. 26.30 pro Tag (IV-act. 98).

A.h. 

Dagegen liess die Versicherte am 27. August 2020, vertreten durch die Sozialen 

Dienste der Stadt B.___, Beschwerde erheben und die Erhöhung des Tagesansatzes 

auf den höchsten Ansatz des kleinen Taggeldes (Fr. 122.10 pro Tag) beantragen. Sie 

liess geltend machen, dass sie sich im Jahr 2018 freiwillig bei der IV abgemeldet habe, 

da sie davon ausgegangen sei, dass sie im Sommer 2019 eine Lehre als 

Hauswirtschaftspraktikerin anfangen würde. Aufgrund ihrer leichten 

Intelligenzminderung sei ihr nicht bewusst gewesen sei, welche Folgen die von ihr im 

Jahr 2018 vorgenommene IV-Abmeldung nach sich ziehen würde. Sie habe die Lehre 

als Bäckerin-Konditorin-Confiseurin aus gesundheitlichen Gründen und wegen der 

fehlenden kognitiven Ressourcen abgebrochen. Sie habe sich nach dem Abbruch 

selbst um eine Anschlusslösung bemüht; dass sie es "alleine habe schaffen wollen", 

dürfe ihr nicht zum Nachteil ausgelegt werden (act. G 1).

B.a. 

Am 24. November 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der 

Beschwerde. Zur Begründung führte sie an, dass die Beschwerdeführerin keine 

abgeschlossene Ausbildung habe. Die Versicherte falle hinsichtlich des Taggeldes in 

die Personengruppe der Versicherten in erstmaliger beruflicher Ausbildung. Deshalb sei 

das Taggeld zu Recht auf 10% des Höchstbetrags des grossen Taggeldes festgesetzt 

worden. Der Besitzstand bezüglich des damaligen Lehrlingslohns habe lediglich Fr. 

29.00 betragen, weshalb eine Berechnung mit Einbezug des Besitzstandes tiefer als 

10% des Höchstbetrags des grossen Taggeldes zu liegen käme. Zusammenfassend 

B.b. 

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Erwägungen

1.

Mit der angefochtenen Verfügung vom 5. August 2020 hat die Beschwerdegegnerin der 

Beschwerdeführerin für die Dauer der Eingliederungsmassnahme ein Taggeld von Fr. 

40.70 pro Tag zugesprochen (IV-act. 98). Der grundsätzliche Anspruch der 

Beschwerdeführerin auf Taggelder während der Eingliederungsmassnahme ist zu 

Recht unbestritten geblieben. Strittig und zu prüfen ist hingegen die Höhe des 

Taggeldes. Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe Anspruch auf ein Taggeld 

von Fr. 122.10 pro Tag, wogegen die Beschwerdegegnerin vorbringt, dass die 

Beschwerdeführerin nur einen Anspruch auf ein Taggeld von Fr. 40.70 pro Tag habe.

2.  

sei das Taggeld zu Recht gestützt auf Art. 23 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 22 Abs. 1 IVV 

berechnet worden (act. G 7).

bis 

Am 27. November 2020 bewilligte das Versicherungsgericht das Gesuch um 

Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von Gerichtskosten) für das 

Verfahren vor dem Versicherungsgericht (act. G 8).

B.c. 

Die Beschwerdeführerin verzichtete auf die Einreichung einer Replik (vgl. act. G 

10).

B.d. 

Gemäss Art. 22 Abs. 1 IVG haben Versicherte während der Durchführung von 

Eingliederungsmassnahmen nach Art. 8 Abs. 3 IVG Anspruch auf ein Taggeld, wenn sie 

an wenigstens drei aufeinander folgenden Tagen wegen der Massnahmen verhindert 

sind, einer Arbeit nachzugehen, oder wenn sie in ihrer gewohnten Tätigkeit zu 

mindestens 50% arbeitsunfähig sind. Das Taggeld besteht aus einer 

Grundentschädigung, auf die alle Versicherten Anspruch haben, und aus einem 

Kindergeld für Versicherte mit Kindern (Art. 22 Abs. 2 IVG). Die Grundentschädigung 

beträgt 80% des letzten ohne gesundheitliche Einschränkung erzielten 

Erwerbseinkommens, jedoch nicht mehr als 80% des Höchstbetrages des Taggeldes 

nach Art. 24 Abs. 1 IVG (Art. 23 Abs. 1 IVG; sog. grosses Taggeld).

2.1. 

Versicherte in der erstmaligen beruflichen Ausbildung und Versicherte, die das 20. 

Altersjahr noch nicht vollendet haben und noch nicht erwerbstätig gewesen sind, 

haben Anspruch auf ein sog. kleines Taggeld, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit ganz oder 

2.2. 

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3.  

teilweise einbüssen (Art. 22 Abs. 1  IVG). Für Versicherte, die das 20. Altersjahr 

vollendet haben und ohne Invalidität nach abgeschlossener Ausbildung eine 

Erwerbstätigkeit aufgenommen hätten, beträgt die Grundentschädigung 30% des 

Höchstbetrages des Taggeldes nach Art. 24 Abs. 1 IVG (Art. 23 Abs. 2 IVG; sog. 

höherer Ansatz des kleinen Taggeldes). Dieser Höchstbetrag beläuft sich auf Fr. 407.-- 

(gemäss Art. 22 Abs. 1 UVV; der Betrag von Fr. 406.03 wird in der IV im Gegensatz zur 

UV aufgerundet); 30% des Höchstbetrages ergibt also Fr. 122.10. Für Versicherte in 

der erstmaligen beruflichen Ausbildung und für Versicherte, die das 20. Altersjahr noch 

nicht vollendet haben und noch nicht erwerbstätig gewesen sind, beträgt die 

Grundentschädigung gemäss Art. 23 Abs. 2  Satz 1 IVG höchstens 30% des 

Höchstbetrages des Taggeldes nach Art. 24 Abs. 1 IVG (Fr. 122.10). Das Taggeld von 

Versicherten in der erstmaligen beruflichen Ausbildung entspricht genau 10% des 

Höchstbetrages des Taggeldes nach Art. 24 Abs. 1 IVG (10% von Fr. 407.--, also Fr. 

40.70; Art. 23 Abs. 2  Satz 2 IVG i.V.m. Art. 22 Abs. 1 IVV; sog. niedrigerer Ansatz des 

kleinen Taggeldes).

bis

bis

bis

Nach Art. 22 Abs. 2 IVV erhöht sich das Taggeld bei Versicherten, die wegen ihrer 

Invalidität eine erstmalige berufliche Ausbildung abbrechen und eine neue beginnen 

mussten, gegebenenfalls auf 1/30 des während der abgebrochenen Ausbildung zuletzt 

erzielten Monatseinkommens. Vorbehalten bleibt Art. 6 Abs. 2 IVV: Musste eine 

erstmalige berufliche Ausbildung wegen Invalidität abgebrochen werden, so ist eine 

neue berufliche Ausbildung der Umschulung gleichgestellt, wenn das während der 

Ausbildung zuletzt erzielte Erwerbseinkommen höher war als das Taggeld nach Art. 23 

Abs. 2 IVG.

2.3. 

Die Beschwerdeführerin hat im Jahr 2017 (und damit vor ihrer Ausbildung im 

Bereich Assistenz Gesundheit und Soziales) bereits eine Lehre als Bäckerin-Konditorin-

Confiseurin begonnen, diese allerdings per 1. August 2018 wieder abgebrochen (IV-

act. 3, 27, 48, 72). Das während der abgebrochenen Ausbildung erzielte 

Erwerbseinkommen hat lediglich Fr. 867.-- im Monat, also gerundet Fr. 29.-- pro Tag, 

betragen (vgl. IV-act. 27) und ist damit sogar unter dem niedrigen Ansatz des kleinen 

Taggeldes gemäss Art. 22 Abs. 1 IVV (Fr. 40.70) geblieben. Die Beschwerdegegnerin 

hat die im August 2020 begonnene Ausbildung im Bereich Assistenz Gesundheit und 

Soziales damit zu Recht als erstmalige berufliche Ausbildung qualifiziert. Der 

Beschwerdeführerin steht somit lediglich ein kleines Taggeld zu.

3.1. 

Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf den niedrigeren oder 

auf den höheren Ansatz des kleinen Taggeldes hat.

3.2. 

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Die Beschwerdegegnerin hat gestützt auf Art. 22 Abs. 1 IVV eine 

Grundentschädigung von 10% des Höchstbetrages des Taggeldes nach Art. 24 Abs. 1 

IVG zugesprochen, nämlich Fr. 40.70. Dies hat sie damit begründet, dass die 

Beschwerdeführerin als Versicherte in der erstmaligen beruflichen Ausbildung gelte und 

ihr deshalb nur der niedrige Ansatz des kleinen Taggeldes zustehe (act. G 7). Diese 

Begründung vermag für sich alleine nicht zu überzeugen. Die Beschwerdegegnerin 

übersieht, dass die Höhe des Taggeldes nicht ausschliesslich davon abhängt, auf 

welcher Ausbildungsstufe die versicherte Person steht, d.h. ob sie sich in der 

erstmaligen beruflichen Ausbildung befindet oder eine solche bereits abgeschlossen 

hat. Vielmehr gilt grundsätzlich, dass bis zu dem Zeitpunkt, in dem eine versicherte 

Person ohne Invalidität eine Ausbildung abgeschlossen (und eine Erwerbstätigkeit 

aufgenommen) hätte, der niedrigere Ansatz dieses kleinen Taggeldes ausgerichtet 

wird. Ab dem Zeitpunkt des mutmasslichen Abschlusses der beruflichen Ausbildung 

ohne Gesundheitsbeeinträchtigung wird der höhere Ansatz ausgerichtet, sofern die 

versicherte Person in diesem Zeitpunkt das 20. Altersjahr bereits vollendet hat. 

Entscheidend ist also, wann die versicherte Person das 20. Altersjahr vollendet hat und 

wann sie ihre berufliche Ausbildung abgeschlossen hätte, wenn sie gesundheitlich 

nicht beeinträchtigt wäre (vgl. Rz 3103 des Kreisschreibens über die Taggelder der 

Invalidenversicherung, KSTI; vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. 

Gallen vom 12. März 2018; IV 2016/352 E. 4).

3.3. 

Die Beschwerdeführerin ist im Zeitpunkt des Beginns der Ausbildung im Bereich 

Assistenz am 10. August 2020 erst 19 Jahre alt gewesen. Für die Monate August und 

September 2020 kann sie folglich nur einen Anspruch auf den niedrigen Ansatz des 

kleinen Taggeldes, d.h. Fr. 40.70 pro Tag, haben. Erst ab Oktober 2020 und damit mit 

dem Erreichen des 20. Altersjahrs würde sie einen Anspruch auf den höheren Ansatz 

des kleinen Taggeldes begründen können. Zu prüfen ist, wann sie ohne die 

Gesundheitsbeeinträchtigung ihre berufliche Ausbildung abgeschlossen hätte.

3.4. 

Die Beschwerdeführerin hat die Lehre zur Bäckerin-Konditorin-Confiseurin im 

August 2017 begonnen. Sie hätte diese bei einem ordnungsgemässen Verlauf am 31. 

Juli 2019 auf EBA-Niveau abgeschlossen (IV-act. 72-10). Die Beschwerdeführerin hätte 

also ohne Gesundheitsschaden im August 2019 über eine abgeschlossene 

Berufsausbildung verfügt und wäre einer Erwerbstätigkeit nachgegangen. Demnach 

sollte ab Oktober 2020 (also ab dem 20. Altersjahr) eigentlich Art. 23 Abs. 2 IVG zur 

Anwendung kommen, d.h. die Grundentschädigung sollte 30% des Höchstbetrages 

des Taggeldes gemäss Art. 24 Abs. 1 IVG, also Fr. 122.10, ausmachen. Allerdings hätte 

die Beschwerdeführerin während der Ausbildung zur Bäckerin-Konditorin-Confiseurin 

3.5. 

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(August 2017 bis Juli 2019) lediglich Anspruch auf den niedrigeren Ansatz des kleinen 

Taggeldes gehabt, da sie damals weder das 20. Altersjahr vollendet hatte noch ohne 

Invalidität über eine abgeschlossene Ausbildung verfügt hätte. Während die 

Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin also für die zweijährige erstmalige 

berufliche Ausbildung zur Bäckerin etc. lediglich den niedrigeren Ansatz des kleinen 

Taggeldes hätte bezahlen müssen, hätte die Beschwerdeführerin nun aufgrund der 

zeitlichen Verzögerung gemäss Art. 23 Abs. 2 IVG für die ganze Dauer der Ausbildung 

im Bereich Assistenz etc. einen Anspruch auf den höheren Ansatz des kleinen 

Taggeldes.

Vorliegend ist diese zeitliche Verzögerung der Beschwerdeführerin jedoch nicht 

"anzurechnen", denn der Abbruch der Bäckerlehre (und damit die erneute 

Lehrstellensuche und verzögerte Ausbildung) ist nach Lage der vorliegenden Akten aus 

gesundheitlichen Gründen erfolgt. Die Beschwerdeführerin leidet an Morbus Crohn, 

einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung, die schubweise auftritt. Zudem 

bestehen kognitive Defizite in Form einer leichten Intelligenzminderung (ICD-10 F70; 

vgl. IV-act. 60). Beide gesundheitlichen Beeinträchtigungen haben bereits je für sich 

alleine und insbesondere auch in Kombination unbestrittenermassen erheblichen 

Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Dass sowohl der somatische 

als auch der kognitive Gesundheitsschaden die Ausbildungs- und Arbeitsfähigkeit 

beeinträchtigten, hat auch der RAD wiederholt festgehalten (vgl. IV-act. 28, 76). Zwar 

hat der ehemalige Lehrbetrieb der Beschwerdeführerin als Grund für die Auflösung des 

Lehrvertrages "persönliche Gründe" aufgeführt (IV-act. 72-2), aber mit Blick auf die 

vorliegenden Akten steht fest, dass es sich bei einer Bäckerlehre nicht um eine 

adaptierte Tätigkeit gehandelt hat und dass eine solche Ausbildung der 

Beschwerdeführerin mit Blick auf ihre Gesundheitsbeeinträchtigungen gar nicht 

zumutbar gewesen ist. So hat auch die Eingliederungsverantwortliche in ihrem Bericht 

vom 6. Mai 2020 notiert, dass aufgrund des Morbus Crohn nur leichte bis mittlere 

körperliche Arbeiten mit flexiblen Arbeitszeiten und Pausen und ohne die 

Notwendigkeit einer ständigen Anwesenheit als adaptiert zu erachten seien. Aufgrund 

der leichten Intelligenzminderung bestehe lediglich auf dem zweiten Arbeitsmarkt eine 

(Teil-)Arbeitsfähigkeit und es sei ein enger, betreuender, wohlwollender, schützender 

Rahmen möglich (IV-act. 83). Diese Adaptionskriterien können auf die Tätigkeit in einer 

Bäckerei kaum angewendet werden. Vielmehr handelt es sich dabei um eine Tätigkeit, 

die aufgrund der wenig flexiblen Arbeitszeiten in den frühen Morgenstunden eine 

besondere Anpassungsfähigkeit und ein grosses Durchhaltevermögen erfordert, was 

der Beschwerdeführerin durch ihre Erkrankungen aber eben gerade fehlt (vgl. auch den 

Bericht des Arbeitgebers, der das fehlende Durchhaltevermögen der 

3.6. 

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4.  

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.

Betreffend den Taggeld-Anspruch für die Zeit vom 10. August bis zum 30. September 

2020 wird die Beschwerde abgewiesen; für die Zeit vom 1. Oktober 2020 bis zum 31. 

Beschwerdeführerin bemängelt hat, IV-act. 72-4) Vor diesem Hintergrund ist es 

nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin in der Bäckerlehre überfordert gewesen 

ist und diese Überforderung in Kombination mit der somatischen Diagnose schliesslich 

zu einem Abbruch geführt hat.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Abbruch der ersten Lehre als 

Bäckerin und in der Folge die verzögerte Erstausbildung aus invaliditätsbedingen 

Gründen erfolgt ist. Damit erweist sich die angefochtene Verfügung insofern als 

teilwiese rechtswidrig, als die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin ab dem 

Zeitpunkt des Erreichens des 20. Altersjahrs für den Zeitraum vom 1. Oktober 2020 bis 

31. Juli 2021 bloss den niedrigeren Ansatz des kleinen Taggeldes zugesprochen hat. 

Die Beschwerdeführerin hat ab dem 1. Oktober 2020 und bis zum 31. Juli 2021 einen 

Anspruch auf den höheren Ansatz des kleinen Taggeldes.

3.7. 

Betreffend den Taggeld-Anspruch für die Zeit vom 10. August bis zum 30. 

September 2020 ist die Beschwerde abzuweisen; für die Zeit vom 1. Oktober 2020 bis 

zum 31. Juli 2021 ist der Beschwerdeführerin ein Taggeld von Fr. 122.10 pro Tag 

zuzusprechen.

4.1. 

Angesichts des teilweisen Obsiegens der Beschwerdeführerin rechtfertigt es sich, 

der Beschwerdegegnerin die Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und 

unabhängig vom Streitwert festgelegt werden (Art. 69 Abs. 1  IVG), gesamthaft 

aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP/SG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- 

erscheint angemessen. Die bewilligte unentgeltliche Rechtspflege braucht demnach 

nicht in Anspruch genommen zu werden.

4.2. 

bis

Eine Parteientschädigung ist der Beschwerdeführerin, die sich durch die Sozialen 

Dienste vertreten liess, nicht zuzusprechen (vgl. auch den Entscheid des 

Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. November 2019, IV 2017/2).

4.3. 

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Juli 2021 wird der Beschwerdeführerin ein Taggeld von Fr. 122.10 pro Tag 

zugesprochen.

2.

Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen.

3.

Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.

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		2025-07-19T02:46:59+0200
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