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**Case Identifier:** 81fa2fda-ffff-5c30-b777-28820390f569
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-05-06
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Sozialversicherungsrecht 06.05.2021 720 19 170/118
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_002_720-19-170-118_2021-05-06.pdf

## Full Text

Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche-

rungsrecht 

 

 
vom 6. Mai 2021 (720 19 170 / 118) 

____________________________________________________________________ 

 

 

Invalidenversicherung 

 

 

IV-Rente: Würdigung des medizinischen Sachverhalts 

 

 
Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichterin Elisabeth Berger 

Götz, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiber Markus 
Schäfer 
 
 

Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Daniel Tschopp, Advo-
kat, Baur Laubscher Tschopp Manera Brodbeck Advokaturbüro, 
Greifengasse 1, Postfach 1644, 4001 Basel 

  
 
gegen 
 
 

 IV-Stelle Basel-Landschaft, Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, 
Beschwerdegegnerin 
 

  
  
Betreff IV-Rente  
 
 
 
A. Die 1959 geborene, zuletzt von September 2005 bis 5. Mai 2015 als Weberin bei der 
B.____ AG tätig gewesene A.____ meldete sich am 10. September 2015 unter Hinweis auf eine 
Depression bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. 
Die IV-Stelle Basel-Landschaft klärte in der Folge die gesundheitlichen und die erwerblichen 
Verhältnisse der Versicherten ab. Dabei zog sie insbesondere das Dossier der C.____ Kran-
kenversicherung AG, des Krankentaggeld-Versicherers von A.____, bei. Zudem liess sie die 

 

 
 
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Versicherte durch pract. med. D.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, psychiat-
risch begutachten. Gestützt auf die Ergebnisse ihrer Abklärungen ermittelte die IV-Stelle einen 
Invaliditätsgrad von 0 % und verneinte - nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren - mit Ver-
fügung vom 17. April 2019 einen Rentenanspruch von A.____.  
 
B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Advokat Daniel Tschopp, am 
24. Mai 2019 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantons-
gericht). Darin beantragte sie, es sei die angefochtene Verfügung vollumfänglich aufzuheben 
und es sei ihr ab Mai 2016 bis auf weiteres eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Eventuali-
ter sei ein gerichtliches Obergutachten zur Bestimmung ihrer Arbeits- und Leistungsfähigkeit in 
Auftrag zu geben. Danach sei auf der Basis einer beweiskräftigen medizinisch-theoretischen 
Beurteilungsgrundlage sowie im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen über ihre im Raum 
stehenden IV-Ansprüche zu entscheiden. Ferner ersuchte die Beschwerdeführerin um Bewilli-
gung der unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Verbeiständung mit ihrem 
Rechtsvertreter; alles unter o/e-Kostenfolge.  
 
Am 19. Juni 2019 reichte Advokat Daniel Tschopp einen Bericht des behandelnden Psychiaters 
Dr. med. E.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 11. Juni 2019, zwei Stellungnah-
men der Spitex F.____ vom 20. Mai 2019 und 20. März 2018 sowie einen Bericht der Klinik 
G.____ vom 5. Dezember 2016 ein. 
 
C. Mit Verfügung vom 26. Juni 2019 bewilligte das Kantonsgericht A.____ gestützt auf die 
eingereichten Unterlagen für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Prozess-
führung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokat Daniel Tschopp als Rechtsvertreter. 
 
D. Die IV-Stelle beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 26. Juli 2019 die Abweisung der 
Beschwerde. Gleichzeitig legte sie ihren Ausführungen zwei Stellungnahmen von pract. med. 
H.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider 
Basel, vom 18. Juni 2019 und 10. Juli 2019 sowie eine Stellungnahme des Administrativgutach-
ters pract. med. D.____ vom 7. Juli 2019 bei. 
 
E. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielt die Beschwerdeführerin mit Replik 
vom 22. August 2019 an den in der Beschwerde gestellten Rechtsbegehren und den wesentli-
chen bisherigen Vorbringen fest. Zudem reichte sie mit ihrer Eingabe eine neue Stellungnahme 
von Dr. E.____ vom 20. August 2019 ein. Die Beschwerdegegnerin wiederum beantragte in 
ihrer Duplik vom 17. September 2020, der sie eine weitere Beurteilung des RAD-Arztes pract. 
med. H.____ vom 2. September 2019 beilegte, nach wie vor die Abweisung der Beschwerde.  
 
F. Anlässlich der Urteilsberatung vom 31. Oktober 2019 gelangte das Kantonsgericht zum 
Ergebnis, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit gestützt auf die vorhandene 
medizinische Aktenlage nicht möglich sei. Das Kantonsgericht beschloss deshalb, den Fall aus-
zustellen und zur Klärung der medizinischen Sachlage bei Dr. med. I.____, Psychiatrie und 
Psychotherapie FMH, ein psychiatrisches Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben. Im Anhang zu 
diesem Beschluss unterbreitete das Kantonsgericht den Parteien den Entwurf des entspre-

 

 
 
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chenden Auftrags und den vorgesehenen Fragenkatalog. Die Parteien erhoben keine Einwände 
gegen die Person des Gutachters und verzichteten darauf, Zusatzfragen zu stellen. Die Be-
schwerdegegnerin vertrat jedoch in ihrer Stellungnahme vom 13. Januar 2020 die Auffassung, 
dass es aus Sicht des RAD "wegen der deutlich im Raum stehenden Frage nach Inkonsisten-
zen, Aggravation und Simulation" angezeigt sei, nebst einem psychiatrischen Gutachten auch 
ein neuropsychologisches Zusatzgutachten einzuholen. Mit einer solchen Expertise liessen sich 
die Themen "Inkonsistenzen", "Aggravation" und "Simulation" mit geeigneten Symptomvalidie-
rungsverfahren objektiv auf einer verlässlichen Grundlage beurteilen. Am 16. Januar 2020 
erging der Begutachtungsauftrag des Gerichts an Dr. I.____. Darin wurde der Entscheid über 
die Frage, ob die von der IV-Stelle vorgeschlagene zusätzliche neuropsychologische Begutach-
tung erforderlich sei, dem Experten überlassen.  
 
G. Am 12. September 2020 erstattete Dr. I.____ sein psychiatrisches Gerichtsgutachten. 
Die Parteien erhielten Gelegenheit, sich zum Inhalt des Gutachtens und zur Frage zu äussern, 
wie sich dessen Ergebnisse auf den Leistungsanspruch der Versicherten auswirken würden. 
Die Beschwerdeführerin reichte am 27. Oktober 2020 ihre entsprechende Stellungnahme ein, 
die IV-Stelle äusserte sich am 28. Oktober 2020, wobei sie ihrer Eingabe eine weitere Beurtei-
lung des RAD-Arztes pract. med. H.____ vom 13. Oktober 2020 beilegte. 
 
H. Mit Verfügung vom 4. November 2020 überwies der instruierende Präsident die Ange-
legenheit dem Dreiergericht zur (erneuten) Beurteilung.  
 
 
Das Kantonsgericht zieht  i n  E r w ä g u n g :  
 

1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) 
vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versiche-
rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anfechtungsobjekt des vorliegenden 
Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig-
keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes 
über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beur-
teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons 
Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Be-
handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die Beschwerde der Versicherten vom 
24. Mai 2019 ist demnach einzutreten. 
 
2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs-
fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein-
gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während 
eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig 
gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c).  
 
2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-
rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung 

 

 
 
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der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfä-
higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei 
langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich 
berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder 
längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge 
von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit 
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur-
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise 
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt 
zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit 
sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung 
zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti-
ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2).  
 
2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt ab-
gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 
70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie 
zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist.  
 
2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 ATSG 
anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das 
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh-
rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr 
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom-
men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht 
invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom-
mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervarianten des Schätzungs- oder Prozent-
vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 
 
3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä-
higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Un-
terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung 
zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur-
teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die 
versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige 
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person 
noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 
 
3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs-
prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an-
deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und 
pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit-
tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob 
die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs ge-

 

 
 
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statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den 
Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu-
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich 
des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen 
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer-
den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle-
gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation 
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind 
(BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).  
 
3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprechung mit dem Grundsatz der 
freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte 
und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführliche Zusam-
menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu 
auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5).  
 
3.3.1 So weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende 
Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab, dessen Aufgabe es ist, seine 
Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt 
medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise 
widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender 
Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Eine abweichende Beurteilung kann ferner ge-
rechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Ge-
richt als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, 
sei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass 
es ohne Oberexpertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerun-
gen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/aa mit Hinweisen).  
 
3.3.2 Im Weiteren ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten 
externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Unter-
suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun-
de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuer-
kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 
125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen).  
 
4. Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychischen Gesundheitsbeeinträchti-
gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich an-
erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu 
betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltenden psychischen Leiden belastenden 
psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen kein Krankheitswert zukommt. Ein 
invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 
IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähig-
keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, 
kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter 

 

 
 
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therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er-
wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit 
Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesundheitsbeeinträchtigung verur-
sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend 
erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfä-
higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar 
für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 
 
5.1 In den medizinischen Akten des vorliegenden Falls finden sich zwei psychiatrische 
Gutachten, welche die C.____ Krankenversicherung AG, der Krankentaggeld-Versicherer der 
Beschwerdeführerin, im Hinblick auf die Beurteilung ihrer Leistungspflicht eingeholt hatte. Im 
ersten, von Dr. med. J.____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, verfassten Gutach-
ten vom 4. Mai 2016 vertrat dieser den Standpunkt, dass die vom behandelnden Psychiater 
Dr. E.____ und den Ärzten der Klinik G.____ bei der Beschwerdeführerin diagnostizierte Er-
krankung aus versicherungspsychiatrischer Sicht nicht nachvollziehbar sei. Die Explorandin sei 
in der angestammten und in jeder anderen Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig. In einem weiteren 
Gutachten vom 22. August 2016 gelangte Dr. med. K.____, Facharzt für Psychiatrie und Psy-
chotherapie, zur Auffassung, dass sich bei der Versicherten keine Diagnose mit Auswirkungen 
auf die Arbeitsfähigkeit erheben lasse. Als Leiden ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit 
diagnostizierte er "Probleme, verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung im 
Sinne von akzentuierten, am ehesten dissozialen Persönlichkeitszügen (ICD-10 Z73.1)" sowie 
"Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen im Sinne von psychi-
schen und Verhaltensstörungen durch Tabak, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtiger Sub-
stanzgebrauch (ICD-10 F17.24)". In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Mitarbeiterin in einer 
Weberei und in allen Tätigkeiten mit ähnlichem Ressourcenprofil sei die Versicherte zu 100 % 
arbeitsfähig. Die durch den behandelnden Facharzt Dr. E.____ attestierte 100 %-ige Arbeitsun-
fähigkeit könne nicht bestätigt werden.   
 
5.2 Die IV-Stelle holte in der Folge (Verlaufs-) Berichte des Psychiaters Dr. E.____ und der 
Klinik G.____ ein. Da die behandelnden Ärzte bei der Versicherten - im Gegensatz zu den vor-
erwähnten Gutachtern Dres. J.____ und K.____ - jeweils psychiatrische Diagnosen mit Auswir-
kungen auf die Arbeitsfähigkeit erhoben und ihr deswegen eine vollständige Arbeitsunfähigkeit 
attestierten, beschloss die IV-Stelle, zur weiteren Abklärung des Gesundheitszustands und der 
Arbeitsfähigkeit der Versicherten bei pract. med. D.____ ein psychiatrisches Gutachten in Auf-
trag zu geben. In seiner Expertise, die er am 22. Mai 2018 erstattete, erhob der genannte 
Facharzt bei der Versicherten als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine 
leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0) sowie akzentuierte histrionische Persönlichkeitszüge 
(ICD-10 Z73.1), was jedoch definitionsgemäss lediglich ein normabweichendes Verhalten ohne 
Krankheitswert sei. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit der Explorandin stellte er fest, dass aus 
psychiatrischer Sicht keine Diagnosen vorliegen würden, welche die Arbeitsfähigkeit beeinträch-
tigen könnten. In seiner Beurteilung thematisierte pract. med. D.____ diverse invaliditätsfremde 
Faktoren, die aus versicherungspsychiatrischer Sicht keine Einschränkungen der Arbeitsfähig-
keit nach sich ziehen würden. Möglicherweise würden der Versicherten aufgrund persönlich-
keitsstruktureller Defizite die Ressourcen fehlen, um mit den invaliditätsfremden Stressoren 

 

 
 
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angemessen umzugehen. Dies erkläre aber nicht das Ausmass der zunehmenden selbstindu-
zierten passiven Tendenzen mit vermeintlicher Abnahme der Fähigkeit zur Selbstversorgung. 
Die Explorandin zeige in der Begutachtung ausgeprägte Tendenzen zur Aggravation, da sie 
selbst einfache Fragen nicht beantworten könne. Zwar könne man bei Betroffenen, die an einer 
schweren Depression leiden, Beeinträchtigungen der kognitiven und mnestischen Funktionen 
im Sinne einer Pseudodemenz finden. Ein solches Syndrom liege aber bei der Explorandin mit 
Sicherheit nicht vor, da pseudodemenzielle Syndrome in ihrer Ausprägung in direktem Zusam-
menhang mit der Schwere einer Depression stehen würden. Eine solche liege bei der Versi-
cherten aber gar nicht vor. Aus gutachterlicher Sicht wäre die Explorandin zu weit eigenständi-
gerer Gestaltung verschiedener Lebensbereiche in der Lage. In der Gesamtschau des bisheri-
gen Krankheitsverlaufs, der diagnostischen Einschätzung unter Einbezug der Persönlichkeits-
struktur und unter Berücksichtigung der invaliditätsfremden Faktoren sei von einer Arbeitsfähig-
keit von 100 % auszugehen. 
 
5.3 In einer zu Handen des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin verfassten Stellung-
nahme vom 11. Juni 2019 setzte sich der behandelnde Psychiater Dr. E.____ ausführlich mit 
dem Gutachten von pract. med. D.____ auseinander. Dabei vertrat er die Auffassung, dass 
entgegen der Einschätzung von pract. med. D.____ keine Aggravation, sondern eine histrioni-
sche Persönlichkeitsstörung und eine rezidivierende Depression vorliegen würden. Diese Lei-
den hätten zu einem vollständigen Verlust der Arbeitsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt geführt. In 
seinen Ausführungen begründete Dr. E.____ eingehend, weshalb das beschriebene Verhal-
tensmuster seiner Patientin seines Erachtens als Symptom im Rahmen ihrer Persönlichkeits-
struktur bzw. -störung interpretiert werden müsse und nicht als Aggravation zu werten sei. Der 
Gutachter habe den Beschwerden seiner Patientin nicht Rechnung getragen. Diese leide seit 
Jahren an depressiven Verstimmungen und die Diagnose einer rezidivierenden depressiven 
Störung sei auch von den behandelnden Ärzten der Klinik G.____ gestellt und bestätigt worden. 
Im Verlaufe der mittlerweile vierjährigen Behandlung bei ihm und während der stationären und 
teilstationären Behandlungen in der Klinik G.____ hätten sich keine Hinweise für eine willentli-
che Herbeiführung oder massive Verdeutlichung psychischer oder körperlicher Störungen im 
Sinne einer Aggravation oder sonstige Inkonsistenzen gezeigt. Zudem könne die beschriebene 
appellative, demonstrative, übertriebene, dramatische und theatralische Wirkung des Vorbrin-
gens der Klagen gegenüber den Gutachtern Dres. J.____ und K.____ im Rahmen der histrioni-
schen Persönlichkeitszüge erklärt werden, es handle sich keineswegs um eine Aggravation. Im 
Lauf der Behandlung habe er, so Dr. E.____ weiter, von ihrem Sohn, ihrer Schwiegertochter 
und von der Spitex erfahren, dass die Versicherte nicht in der Lage sei, alltägliche Tätigkeiten 
selber zu verrichten. Sie sei deshalb effektiv auf Hilfe Dritter angewiesen.  
 

5.4 Am 7. Juli 2019 nahm pract. med. D.____ auf Ersuchen der IV-Stelle zu diesen Aus-
führungen von Dr. E.____ vom 11. Juni 2019 Stellung. Er hielt fest, dass sich der behandelnde 
Arzt widersprüchlich geäussert habe, denn Dr. E.____ habe bis anhin keine Persönlichkeitsstö-
rung, sondern immer nur eine depressive Störung diagnostiziert. Erst im Nachhinein versuche 
er, das inkonsistente Verhalten der Versicherten auf eine Persönlichkeitsstörung zurückzufüh-
ren. Seines Erachtens, so das Fazit von pract. med. D.____, liege bei der Versicherten aber 

 

 
 
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keine Persönlichkeitsstörung vor, seien doch schon die Eingangskriterien für die Bejahung einer 
Persönlichkeitsstörung per se nicht erfüllt.  
 
5.5 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verfügung vom 17.April 2019 bei der 
Beurteilung des medizinischen Sachverhalts hauptsächlich auf das psychiatrische Gutachten 
von pract. med. D.____ vom 22. Mai 2018. Sie übernahm demnach dessen Einschätzung, wo-
nach in der Gesamtschau des bisherigen Krankheitsverlaufs, der diagnostischen Einschätzung 
unter Einbezug der Persönlichkeitsstruktur und unter Berücksichtigung der invaliditätsfremden 
Faktoren von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit der Versicherten auszugehen sei.  
 

5.6.1 Das Kantonsgericht gelangte anlässlich der ersten Urteilsberatung vom 31. Oktober 
2019 zum Schluss, dass bei der Würdigung des medizinischen Sachverhalts weder auf das 
psychiatrische Gutachten von pract. med. D.____ vom 22. Mai 2018 noch auf die Berichte und 
die detaillierte Stellungnahme des behandelnden Arztes Dr. E.____ vom 11. Juni 2019 abge-
stellt werden könne. Zwischen den genannten beiden Fachärzten habe sich im Laufe des Be-
schwerdeverfahrens eine Diskussion entwickelt, die in der Laiensphäre nicht wirklich abschlies-
send gewertet werden könne. Beide Positionen hätten etwas für sich. Einerseits erscheine die 
Flucht in ein aggravierendes Verhalten mit dem Ziel, Unterstützung in Form von Zuwendung, 
Hilfe und Geld im Sinne einer Rente zu bekommen, möglich. Andererseits sei es aber auch vor-
stellbar, dass die erschwerten Lebensumstände bei der Versicherten eine depressive Störung 
ausgelöst hätten. Vor diesem Hintergrund könne keine abschliessende Bewertung der medizi-
nischen Akten vollzogen werden. Dem psychiatrischen Gutachten von pract. med. D.____ vom 
22. Mai 2018 könne deshalb bei der Beurteilung der vorliegenden Angelegenheit - entgegen der 
Auffassung der IV-Stelle - kein ausschlaggebender Beweiswert beigemessen werden. 
 

5.6.2 Da die übrigen damals vorliegenden medizinischen Berichte ebenfalls keine ausrei-
chende Grundlage für eine abschliessende Beurteilung der Beschwerde bildeten, beschloss 
das Kantonsgericht, den Fall auszustellen und eine zusätzliche Abklärung des medizinischen 
Sachverhalts im Rahmen eines psychiatrischen Gerichtsgutachtens vornehmen zu lassen. Mit 
dessen Erstellung wurde in der Folge Dr. I.____ beauftragt. 
 

6.1.1 Am 12. September 2020 erstattete Dr. I.____ sein ausführliches Gerichtsgutachten. 
Darin erhob er gestützt auf eine eingehende ambulant-psychiatrische Untersuchung der Explo-
randin, auf die erhobene Fremdanamnese und auf die medizinische Aktenlage als Diagnosen 
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig 
mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), und eine Akzentuierung von Persönlichkeitszügen mit 
histrionischen und abhängigen Anteilen (ICD-10 Z73.1). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf 
die Arbeitsfähigkeit hielt er psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak, Abhängigkeits-
syndrom (ICD-10; F17.2), sowie einen Status nach psychischen und Verhaltensstörungen durch 
Sedativa, schädlicher Gebrauch von Benzodiazepinen (ICD-10 F13.1), fest.  
 
6.1.2 Im Abschnitt "Diagnostische Diskussion und Stellungnahme zu divergierenden Diagno-
sen anderer Behandler/Institutionen" seines Gutachtens wies Dr. I.____ einleitend darauf hin, 
dass sich zwischen den Behandlern und den verschiedenen Gutachtern sowie der IV-Stelle 

 

 
 
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eine Kontroverse darüber entwickelt habe, ob die von der Explorandin präsentierten und vorge-
brachten Beschwerden in erster Linie als Ausdruck einer krankheitswertigen psychiatrischen 
Störung oder aber im Sinne einer Aggravation zu verstehen seien. In diesem Verfahren sei 
demnach hauptsächlich strittig, (1) ob die Beschwerdeschilderung und Symptompräsentation 
der Explorandin als gültig und authentisch angesehen werden dürfe oder ob eine Antwortver-
zerrung vorliege, (2) ob eine allfällige Verzerrung bewusst, bewusstseinsnah oder unbewusst 
erfolge, und (3) ob die einer allfälligen Verzerrung zugrundeliegende Motivation bewusst, wil-
lentlich und reflektiert oder unbewusst sei. Gestützt auf seine Untersuchungen gelangte der 
Gutachter diesbezüglich zum Schluss, dass sich in der Untersuchung Hinweise auf eine punk-
tuelle, nicht-authentische Beschwerdeschilderung und Symptompräsentation finden würden, die 
jedoch überwiegend als bewusstseinsfern einzuordnen seien. Anlässlich der Exploration hätten 
sich keine Anhalte dafür ergeben, dass eine bewusste, zielgerichtete negative Antwortverzer-
rung im Sinne einer Aggravation oder Simulation vorliege. Vielmehr sei die teilweise nicht-
authentische Symptompräsentation mit hoher Wahrscheinlichkeit als Verdeutlichungstendenz, 
zu Teilen auch als Ausdruck einer unbewussten Identifikation mit einer bestimmten Rolle zu 
verstehen. Die Diskrepanzen zu den anderslautenden Beurteilungen als Aggravation durch die 
Vorgutachter würden sich insbesondere durch die vorschnelle Gleichsetzung von negativer 
Antwortverzerrung mit Aggravation erklären.  
 
6.1.3 Im Weiteren ging Dr. I.____ einlässlich auf die zur Diskussion stehenden psychiatri-
schen Diagnosen ein. Dabei erläuterte er ausführlich, dass und weshalb bei der Versicherten - 
abweichend von den Einschätzungen der Vorgutachter - in erster Linie die Diagnose einer re-
zidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), zu stel-
len sei. Gleichzeitig hielt er fest, dass nicht sicher ausgeschlossen, aber auch nicht bestätigt 
werden könne, ob zu einem früheren Zeitpunkt, namentlich zu Beginn der manifesten Erkran-
kung im Jahr 2015, eine schwere Depression bestanden habe. Im Weiteren diskutierte 
Dr. I.____ die Frage, ob bei der Explorandin eine Persönlichkeitspathologie im Sinne einer re-
gelrechten Persönlichkeitsstörung oder allenfalls einer Persönlichkeitsakzentuierung vorliege. 
Dabei gelangte er zur Auffassung, dass bei der Versicherten von einer Akzentuierung von Per-
sönlichkeitszügen mit histrionischen und abhängigen Anteilen (ICD-10 Z73.1) auszugehen sei. 
 
6.2 Als nächstes befasste sich Dr. I.____ mit der Frage, inwieweit relevante psychosoziale 
Belastungsfaktoren zu beachten seien. Er hielt diesbezüglich fest, die Explorandin verfüge über 
eine nur geringe Schulbildung und keine Berufsausbildung, was invaliditätsfremde Faktoren 
seien. Trotz fehlender Bildung sei es ihr aber schon kurz nach der Einreise in die Schweiz ge-
lungen, eine Arbeitsstelle anzunehmen und über mehr als zwei Jahrzehnte berufstätig zu 
bleiben, dies nebst der Belastung als Hausfrau und Mutter, was sicherlich als Ressource zu 
werten sei. Mittlerweile sei die Explorandin allerdings seit über fünf Jahren nicht mehr im ersten 
Arbeitsmarkt tätig gewesen, was ganz grundsätzlich eine gewisse Dekonditionierung mit sich 
gebracht habe und die möglicherweise ihr subjektives Empfinden unterstützt habe, nicht mehr 
arbeitsfähig zu sein. Inzwischen sei die Versicherte überdies in einem Alter nahe dem Pensi-
onsalter, verbunden mit eher schlechten Aussichten auf eine Rückkehr in den ersten Arbeits-
markt und möglicherweise auch assoziiert mit kulturell geprägten Vorstellungen, alt zu sein, was 
wiederum invaliditätsfremde Faktoren seien. Für die Krankheitsentwicklung von gewisser Rele-

 

 
 
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vanz dürften hingegen einige familiäre Schicksalsschläge sein, wie die Scheidungen der Söhne 
und mehrere Todesfälle in der Familie, die jeder für sich genommen allerdings kaum geeignet 
wären, eine entsprechende innerpsychische Entwicklung anzustossen. Diese würden jedoch 
einen Untergrund liefern, der die Auswirkungen zweier weiterer Schicksalsschläge stärker wir-
ken lasse. Bei diesen Schicksalsschlägen handle es sich zum einen um die Erfahrung, vom 
Ehemann betrogen und verlassen worden zu sein, was auf dem Hintergrund der Wertvorstel-
lungen und des Lebensentwurfs der Explorandin einer tiefen persönlichen Entwertung und wohl 
auch einer Beraubung ihrer Erwartungen an die Zukunft gleichkomme. Zum andern handle es 
sich um die unerwartete Kündigung der langjährigen Arbeitsstelle, die abermals nicht nur eine 
Erschütterung des Wertesystems bzw. der Grundannahmen der Explorandin bedeute, sondern 
auch ein wesentliches verbleibendes identitätsstiftendes Element wegfallen lasse. Beide Ereig-
nisse seien auf der Grundlage der Persönlichkeitsstruktur und des Wertesystems der Exploran-
din geeignet, eine verhängnisvolle psychische Fehlentwicklung auszulösen; sie seien in diesem 
Sinne also als invaliditätsrelevante Faktoren anzusehen. 
 

6.3 In seiner medizinischen Beurteilung der Funktionsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht 
hielt Dr. I.____ "unter Würdigung aller zur Verfügung stehenden Quellen und gestützt auf die 
diversen zusammengeführten Beurteilungsdimensionen" zusammenfassend Folgendes fest: 
Die mittlerweile 61-jährige Explorandin stamme aus einfachen, traditionellen Verhältnissen, sie 
habe wenig Schuldbildung genossen und in einer von Konflikten und teilweise psychischer und 
auch physischer Gewalt überschatteten Ehe gelebt. Im Alter von etwas mehr als 30 Jahren sei 
sie in die Schweiz migriert. Sie habe hier unmittelbar eine Arbeitstätigkeit aufgenommen und in 
der Folge über Jahre bis Jahrzehnte eine mehrfache Belastung als zweifache Mutter, Hausfrau, 
Vollzeitarbeitnehmende und Ehefrau mehr oder minder ordentlich bewältigt. Sie verfüge über 
eine einfach strukturierte Persönlichkeit, die im Sinne einer nicht krankheitswertigen Strukturpa-
thologie als Akzentuierung von Persönlichkeitszügen mit abhängigen und histrionischen Antei-
len klassifiziert werden könne. Unter dem Eindruck mehrerer familiärer Schicksalsschläge (To-
desfälle, Scheidungen beider Söhne, Verlassenwerden durch den Ehemann), die insbesondere 
auch geeignet gewesen seien, das Wertesystem, die persönlichen Grundannahmen und damit 
einhergehend das Selbstverständnis der Explorandin grundlegend in Frage zu stellen und eine 
erhebliche Kränkung auszulösen, habe sich eine verhängnisvolle Fehlentwicklung eingestellt in 
dem Sinne, dass sich die vorhandenen psychischen Abwehrmechanismen über Jahre hinweg 
zusehends erschöpft und zu einer sichtbaren Veränderung des Erlebens und Verhaltens geführt 
hätten, bis schliesslich ein erneuter Schicksalsschlag und eine abermalige Kränkung, nämlich 
der überraschende Verlust der Arbeitsstelle als verbleibende Identifikationsmöglichkeit, zu einer 
klinisch manifesten Beschwerdeformation im Sinne einer depressiven Störung geführt habe. 
Das sich anschliessende Krankheitsgeschehen scheine von einem sekundären Krankheitsge-
winn, nämlich der Zuwendung des Familiensystems, mitbeeinflusst; wesentlicher geprägt sei es 
aber von einem erheblichen primären Krankheitsgewinn im Sinne einer dysfunktionalen, also an 
sich missglückten, psychisch jedoch entlastenden Konfliktbewältigung. In deren Kontext sei 
auch die unbewusste Identifikation mit einer Krankenrolle einzuordnen, die insgesamt eine aus-
gesprochen stabile Abwehrformation darstelle. Als deren Abkömmling sei auch die teilweise 
feststellbare Tendenz zur nicht-authentischen Beschwerdeschilderung und Symptompräsentati-
on als ein primär unbewusstes und bestenfalls zu Teilen bewusstseinsnahes Geschehen im 

 

 
 
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Sinne einer Verdeutlichungstendenz zu verstehen. Durch die vorliegende Konstellation einer 
affektiven Störung und der für sich genommen mässig ausgeprägten Strukturpathologie, die in 
Kombination mit der affektiven Störung und im Kontext der beschriebenen Umstände aber klini-
sche Relevanz erreiche, sowie in gewissem Grade negativ verstärkt durch das übermässig ver-
sorgende Umfeld bestehe eine insgesamt als schwer anzunehmende Funktionsstörung bei vor-
handener, aber nicht allzu ausgeprägter Reservekapazität. 
 
6.4 Zur Frage der Arbeitsfähigkeit der Versicherten führte der Gutachter aus, in der bishe-
rigen Tätigkeit bestehe aktuell aus psychiatrischer Sicht keine Arbeitsfähigkeit. Dabei sei zu 
berücksichtigen, dass zusätzlich zu der festgestellten krankheitsbedingten, mittelgradigen bis 
eher schweren Funktionsstörung eine nicht unerhebliche Dekonditionierung eingetreten sei, 
habe die Explorandin doch seit nunmehr über fünf Jahren nicht mehr in ihrer angestammten 
Tätigkeit oder anderswo im ersten Arbeitsmarkt gearbeitet, sondern lediglich noch zeitweise - 
und nur in einem geringen Pensum - an einer beschützten Arbeitsstelle. Medizinisch-theoretisch 
lasse sich die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit auf 70 % bis 80 % beziffern, zusammenge-
nommen mit dem Effekt der Dekonditionierung bestehe keine Arbeitsfähigkeit im ersten Ar-
beitsmarkt. Es spreche jedoch nichts gegen die Wiederaufnahme einer Tätigkeit im beschützten 
Rahmen im Umfang von zunächst zwei bis höchstens drei Halbtagen die Woche, wobei im Ver-
lauf von ca. sechs Monaten und unter enger therapeutischer Begleitung unbedingt eine Steige-
rung auf vier bis fünf Halbtage sowie eine Ausdehnung der Präsenzzeit versucht werden sollte, 
entsprechend einem Pensum von 40 % bis 50 %. Im Erfolgsfall sollte unbedingt ausreichend 
Zeit gewährt werden, um das Erreichte zu konsolidieren. Begleitend wäre über den Verlauf von 
sechs bis zwölf Monaten mit geeigneten therapeutischen Massnahmen die vorhandene Reser-
vekapazität zu fördern und im Rahmen der beschützten Tätigkeit im Sinne einer angepassten 
Belastungssteigerung zu überprüfen. Unter ordentlich günstigen Umständen dürfte so eine 
Restarbeitsfähigkeit von 30 % bis 40 % zu erzielen sein. Diese Einschätzungen dürften auch für 
eine angepasste Tätigkeit gelten. In diesem Zusammenhang sei der Vollständigkeit halber al-
lerdings auch zu erwähnen, dass das mittlerweile fortgeschrittene Alter der Explorandin von 61 
Jahren - obwohl grundsätzlich invaliditätsfremd - selbst bei sehr günstigem Verlauf mit Wieder-
erlangen einer Restarbeitsfähigkeit im Verlauf von sechs bis zwölf Monaten einen erfolgreichen 
erneuten Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt unwahrscheinlich erscheinen lasse. Dies gelte 
noch mehr, wenn man weitere - obgleich an sich invaliditätsfremde - Faktoren wie die geringe 
Schulbildung und die beschränkten Deutschkenntnisse mitberücksichtige.  
 
6.5 Am Schluss seines Gutachtens ging Dr. I.____ auf die Frage ein, ob zur Vervollständi-
gung des medizinischen Sachverhalts eine neuropsychologische Begutachtung der Versicher-
ten notwendig sei. Wie oben ausgeführt (vgl. Abschnitt F. des Sachverhalts), hatte die Be-
schwerdegegnerin in ihrer Stellungnahme zum Begutachtungsauftrag um eine solche zusätzli-
che Expertise ersucht, da sich damit die Themen "Inkonsistenzen", "Aggravation" und "Simula-
tion" mit geeigneten Symptomvalidierungsverfahren objektiv auf einer verlässlichen Grundlage 
beurteilen liessen. Dr. I.____ gelangte diesbezüglich aber zur Auffassung, dass die Notwendig-
keit (und Eignung) einer neuropsychologischen Begutachtung im vorliegenden Fall nicht gege-
ben sei. Er sei im Rahmen seiner Beurteilung ausführlich auf die strittige Frage der nicht-
authentischen Beschwerdeschilderung und Symptompräsentation eingegangen. Aus einer neu-

 

 
 
Seite 12   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

ropsychologischen Beurteilung dürften sich deshalb kaum dergestalt neue Erkenntnisse gewin-
nen lassen, die geeignet wären, den festgestellten Sachverhalt in Frage zu stellen. Zu berück-
sichtigen sei aber auch, dass die geringe Schuldbildung und die geringen Deutschkenntnisse 
der Explorandin eine neuropsychologische Testung erheblich erschweren würden. Gegebenen-
falls müsste auf non-verbale Verfahren abgestellt werden, was voraussichtlich die Aussagekraft 
deutlich schmälern würde. Schliesslich seien die kognitive Leistungsfähigkeit bzw. die kogniti-
ven Leistungseinbussen, die mit neuropsychologischen Verfahren bevorzugt gemessen wür-
den, vorliegend von untergeordneter Bedeutung sowohl für die Diagnosestellung als auch für 
die Beschreibung der Funktionsfähigkeit und die Frage der Arbeitsfähigkeit.  
 
7. In ihrer Stellungnahme vom 27. Oktober 2020 zum Gerichtsgutachten vertrat die Be-
schwerdeführerin den Standpunkt, dass dieses äusserst sorgfältig, detailliert und vollständig 
erstellt worden sei. Gestützt auf dessen Ergebnisse sei ihr in vollumfänglicher Gutheissung der 
Beschwerde eine ganze Rente ab Mai 2016 zuzusprechen. Die Beschwerdegegnerin ihrerseits 
bezeichnete in der Stellungnahme vom 28. Oktober 2020 das Gutachten zwar ebenfalls als 
schlüssig, unter Hinweis auf die Beurteilung des RAD-Arztes pract. med. H.____ vom 13. Okto-
ber 2020 sah sie einen Mangel der Expertise jedoch darin, dass die Frage nach einer bewusst-
seinsnahen Aggravation ausschliesslich klinisch-psychodynamisch bewertet und nicht zusätz-
lich mit einer differenzierten neuropsychologischen Testung abgeklärt worden sei.  
 
8.1 Nach den oben geschilderten Beweismaximen (vgl. E. 3.3.1 hiervor) weicht das Gericht 
bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der 
medizinischen Experten ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur 
Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund 
zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein 
vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerun-
gen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche 
Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Gericht als triftig genug erscheinen, die 
Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung im 
Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise vom Er-
gebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 
E. 3b/aa mit Hinweisen). Vorliegend ist keiner dieser Gründe für ein Abweichen vom psychiatri-
schen Gerichtsgutachten von Dr. I.____ vom 12. September 2020 ersichtlich. Es ist viel mehr 
festzuhalten, dass dieses die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an eine medizini-
sche Beurteilungsgrundlage in jeder Hinsicht erfüllt: Es weist weder formale noch inhaltliche 
Mängel auf, es ist - wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 3.2 hiervor) - für die strei-
tigen Belange umfassend, es stützt sich auf eine sorgfältige persönliche Untersuchung der Ex-
plorandin und auf verschiedene fremdanamnestische Erhebungen durch den Gutachter, es be-
rücksichtigt die geklagten Beschwerden und es ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden. 
Inhaltlich ist das Gutachten widerspruchsfrei und es leuchtet in der Darlegung der medizini-
schen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein.  
 
8.2 Dr. I.____ befasst sich insbesondere eingehend mit der zwischen den Behandlern und 
den verschiedenen Gutachtern sowie der IV-Stelle hauptsächlich strittigen und kontrovers beur-

 

 
 
Seite 13   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

teilten Frage, ob die von der Explorandin präsentierten und vorgebrachten Beschwerden in ers-
ter Linie als Ausdruck einer krankheitswertigen psychiatrischen Störung oder aber im Sinne 
einer Aggravation zu verstehen seien. Dr. I.____ zeigt diesbezüglich überzeugend auf, dass 
Ersteres der Fall ist und bei der Versicherten zwar Verdeutlichungstendenzen bestehen, dass 
aber eine (teilweise oder ganz) anspruchsausschliessende Aggravation verneint werden muss. 
Im Zusammenhang mit dieser Fragestellung setzt sich der Gutachter zudem ausgesprochen 
sorgfältig und ausführlich mit den - vollständig - abweichenden ärztlichen Beurteilungen der 
Gutachter Dres. J.____ und K.____ auseinander und er zeigt schlüssig auf, weshalb auf deren 
Einschätzung nicht abgestellt werden kann. Überzeugend ist sodann auch, wie Dr. I.____ die 
von ihm erhobenen Diagnosen begründet und deren Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit 
beurteilt. In all diesen Punkten kann deshalb an dieser Stelle von weiteren Erörterungen abge-
sehen und stattdessen vollumfänglich auf die betreffenden Ausführungen des Gutachters in 
seiner Expertise vom 12. September 2020 verwiesen werden.  
 
8.3 Nicht gefolgt werden kann der in der Stellungnahme vom 28. Oktober 2020 zum Ge-
richtsgutachten geäusserten Kritik der Beschwerdegegnerin, wonach ein Mangel der Expertise 
darin liege, dass die Frage nach einer bewusstseinsnahen Aggravation ausschliesslich klinisch-
psychodynamisch bewertet und nicht zusätzlich mit einer differenzierten neuropsychologischen 
Testung abgeklärt worden sei. Da sich Dr. I.____ einlässlich und überzeugend mit der Frage 
nach dem Vorliegen einer Aggravation auseinandergesetzt und diese aus fachärztlicher Sicht 
schlüssig beantwortet hat, ist diesbezüglich von einer zusätzlichen neuropsychologischen Ab-
klärung kein weiterer Erkenntnisgewinn zu erwarten. Sodann kann auch auf die weiteren, von 
Dr. I.____ angeführten und oben (vgl. E. 6.5 hiervor) wiedergegeben Gründe verwiesen wer-
den, weshalb vorliegend eine neuropsychologische Begutachtung zur Ergänzung des medizini-
schen Sachverhalts nicht erforderlich ist - und zudem wohl auch nur beschränkt geeignet wäre. 
Den betreffenden Argumenten des Experten ist vollumfänglich zuzustimmen, sodass hier von 
weiteren Erörterungen zu der von der IV-Stelle geäusserten Kritik abgesehen und stattdessen 
auf die entsprechenden Ausführungen des Gutachters verwiesen werden kann.  
 
8.4 Im Gesamtkontext der Expertise etwas kurz ausgefallen ist die gutachterliche Beurtei-
lung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten.  
 
8.4.1 Dr. I.____ gelangte in seinem Gutachten zum Ergebnis, dass sich medizinisch-
theoretisch die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit auf 70 % bis 80 % beziffern lasse, zu-
sammengenommen mit dem Effekt der Dekonditionierung sei von einer vollständigen Arbeitsun-
fähigkeit im ersten Arbeitsmarkt auszugehen. Es spreche jedoch nichts gegen die Wiederauf-
nahme einer Tätigkeit im beschützten Rahmen im Umfang von zunächst zwei bis höchstens 
drei Halbtagen die Woche, wobei im Verlauf von ca. sechs Monaten und unter enger therapeu-
tischer Begleitung unbedingt eine Steigerung auf vier bis fünf Halbtage sowie eine Ausdehnung 
der Präsenzzeit versucht werden sollte, entsprechend einem Pensum von 40 % bis 50 %. Im 
Erfolgsfall sollte unbedingt ausreichend Zeit gewährt werden, um das Erreichte zu konsolidie-
ren. Begleitend wäre über den Verlauf von sechs bis zwölf Monaten mit geeigneten therapeuti-
schen Massnahmen die vorhandene Reservekapazität zu fördern und im Rahmen der be-
schützten Tätigkeit im Sinne einer angepassten Belastungssteigerung zu überprüfen. Unter 

 

 
 
Seite 14   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

ordentlich günstigen Umständen dürfte so eine Restarbeitsfähigkeit von 30 % bis 40 % zu erzie-
len sein. Diese Einschätzungen würden nicht nur für die bisherige, sondern auch für eine ange-
passte Tätigkeit gelten. Gleichzeitig verwies Dr. I.____ aber auch auf das mittlerweile fortge-
schrittene Alter der Explorandin von 61 Jahren, was selbst bei sehr günstigem Verlauf einen 
erfolgreichen erneuten Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt unwahrscheinlich erscheinen lasse. 
 
8.4.2 Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in der 
Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren persönlichen und 
beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer versicherten Person verbliebene 
Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr 
nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungslast 
nicht mehr zumutbar ist. Fehlt es an einer wirtschaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt 
eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor, die einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente 
begründet. Der Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsvermö-
gen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen 
Regel bemessen, sondern ist durch die Umstände des Einzelfalls bedingt. Massgebend können 
die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Um-
stellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch Persönlichkeitsstruk-
tur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder An-
wendbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich sein (Urteil des Bundesge-
richts vom 6. Juli 2017, 9C_253/2017, E. 2.2.2; BGE 138 V 457 E. 3.1, je mit Hinweisen). 
 
8.4.3 Gemäss den Ergebnissen des Gutachtens von Dr. I.____ war die Versicherte im Zeit-
punkt der Exploration medizinisch-theoretisch sowohl in der angestammten als auch in einer 
angepassten Tätigkeit in hohem Masse, nämlich im Umfang von 70 % bis 80 % arbeitsunfähig. 
Der Experte wies aber auch darauf hin, dass nichts gegen eine Wiederaufnahme einer Tätigkeit 
spreche. Allerdings machte er in diesem Zusammenhang klar, dass ein solcher beruflicher Wie-
dereinstieg im beschützten Rahmen und mit einem bescheidenen zeitlichen Pensum von zu-
nächst zwei bis höchstens drei Halbtagen die Woche zu erfolgen habe. Im weiteren Verlauf 
könne dann - nach wie vor in beschütztem Rahmen - eine Steigerung des Pensums auf 40 % 
bis 50 % angestrebt werden. Gelinge dies, sollte der Versicherten vor weiteren Schritten ausrei-
chend Zeit gewährt werden, um das Erreichte zu konsolidieren. Unter "ordentlich guten Um-
ständen" dürfte am Schluss wieder eine Restarbeitsfähigkeit von 30 % bis 40 % auf dem aus-
geglichenen (ersten) Arbeitsmarkt zu erzielen sein. 
 
8.4.4 Aus diesen gutachterlichen Ausführungen ergibt sich, dass ein beruflicher Wiederein-
stieg der Versicherten mit dem Ziel einer entsprechenden Steigerung der verbliebenen geringen 
Restarbeitsfähigkeit die Durchführung verschiedener befähigender beruflicher Massnahmen 
von jeweils mehrmonatiger Dauer voraussetzt. In diesem Zusammenhang ist nun aber der Hin-
weis des Gutachters auf das fortgeschrittene Alter der Versicherten von Bedeutung. Dieses 
belief sich im Zeitpunkt der Exploration auf 61 Jahre und viereinhalb Monate. Hält man sich dies 
und die als erforderlich erachteten beruflichen Massnahmen vor Augen, so muss die Wiederer-
langung der letztlich angestrebten Restarbeitsfähigkeit von 30 % bis 40 % auf dem ausgegli-
chenen (ersten) Arbeitsmarkt in Anbetracht des relativ kurzen verbleibenden Zeitraums bis zur 

 

 
 
Seite 15   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Erreichung des AHV-Rentenalters - mit dem Gutachter - als ausgesprochen schwierig, wenn 
nicht gar illusorisch bezeichnet werden.  
 
8.4.5 Stellt man auf die der Versicherten aktuell verbliebene, ausgesprochen geringe Rest-
arbeitsfähigkeit ab und berücksichtigt man den Umstand, dass sich diese wegen des fortge-
schrittenen Alters mit den erforderlichen befähigenden beruflichen Massnahmen bis zur Errei-
chung des AHV-Rentenalters nicht mehr in rentenrelevantem Ausmass steigern lässt, muss bei 
der Versicherten im Ergebnis von einer wirtschaftlichen Unverwertbarkeit ihrer (Rest-) Arbeits-
fähigkeit ausgegangen werden. Ist eine Restarbeitsfähigkeit aber wirtschaftlich nicht mehr ver-
wertbar, liegt eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor und die Versicherte hat Anspruch auf 
eine ganze Rente.  
 
9.1 Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG setzt der Rentenanspruch unter anderem voraus, dass die 
versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min-
destens 40 % arbeitsunfähig gewesen ist (lit. b). Zudem bestimmt Art. 29 Abs. 1 IVG, dass der 
Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leis-
tungsanspruchs entsteht. Vorliegend führte der behandelnde Psychiater Dr. E.____ in seinem 
Bericht vom 28. Oktober 2015 aus, bei seiner Patientin sei es am 17. Juni 2015 zu einer Ver-
schlechterung des psychischen Zustands gekommen. Er habe sie deswegen zur stationären 
Behandlung in die Klinik G.____ eingewiesen. In Anbetracht dieser Ausführungen des behan-
delnden Facharztes ist eine psychisch bedingte vollständige Arbeitsunfähigkeit der Versicherten 
aktenmässig ab 17. Juni 2015 ausgewiesen. Das Wartejahr von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG begann 
somit am genannten Tag zu laufen und endete am 16. Juni 2016. Die IV-Anmeldung erfolgte 
am 11. September 2015, d.h. mehr als sechs Monate vor Ablauf des Wartejahres. Somit hat die 
Beschwerdeführerin ab 1. Juni 2016 Anspruch auf eine ganze Rente.  
 
9.2 Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass die Beschwerde der Versicher-
ten gutzuheissen ist. Die angefochtene Verfügung vom 17. April 2019 ist aufzuheben und es ist 
festzustellen, dass die Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Juni 2016 Anspruch auf eine gan-
ze Rente hat. 
 
10. Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu befinden.  
 
10.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund-
sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin obsiegen-
de und die IV-Stelle unterliegende Partei. 
 
10.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die 
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit-
wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in 
denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfah-
renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- 
fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par-

 

 
 
Seite 16   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die IV-Stelle unterliegende Partei, wes-
halb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. 
 
10.3 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträger die Kosten der Abklärung zu 
übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord-
net, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Massnahmen für die Beurteilung des 
Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden. 
Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden hat, sind in den Fällen, in denen zur 
Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine 
Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Verfahrens-
fairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen Begutachtung dem 
Versicherer aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesgericht weiter, mit der zitierten Bestimmung 
von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2). Vorliegend war das 
Gericht anlässlich seiner ersten Urteilsberatung vom 31. Oktober 2019 zum Ergebnis gelangt, 
dass ein Entscheid in der Angelegenheit gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht 
möglich war. Es beschloss deshalb, den Fall auszustellen und zur weiteren Klärung des medi-
zinischen Sachverhalts ein psychiatrisches Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben, Wie sich 
anlässlich der heutigen Urteilsberatung gezeigt hat, war das in der Folge eingeholte Gerichts-
gutachten von Dr. I.____ vom 12. September 2020 für eine abschliessende Beurteilung des 
medizinischen Sachverhalts unerlässlich. Im Lichte der geschilderten bundesgerichtlichen 
Rechtsprechung sind demnach die Kosten der Begutachtung der IV-Stelle aufzuerlegen. Diese 
Kosten belaufen sich insgesamt auf Fr. 6'297.--; sie setzen sich zusammen aus der Honorar-
rechnung von Dr. I.____ vom 7. Oktober 2020 im Betrag von Fr. 6'000.-- für die Erstellung des 
Gutachtens sowie aus Dolmetscherkosten in der Höhe von Fr. 297.--.  
 
10.4 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf 
Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin obsiegende Partei ist, ist ihr eine Partei-
entschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdefüh-
rerin hat in seinen beiden Honorarnoten vom 20. September 2019 und 27. Oktober 2020 für das 
vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von insgesamt 19 Stunden und 20 Minuten geltend 
gemacht, was sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen und in 
Berücksichtigung, dass im Laufe des Prozesses mehrere Eingaben und Stellungnahmen an das 
Gericht zu verfassen waren, als angemessen erweist. Die Bemühungen sind zu dem in Sozial-
versicherungsprozessen praxisgemäss zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von 
Fr. 250.-- zu entschädigen. Nicht zu beanstanden sind die in den beiden Rechnungen geltend 
gemachten Auslagen von insgesamt Fr. 248.60. Der Beschwerdeführerin ist deshalb eine Par-
teientschädigung in der Höhe von Fr. Fr. 5'473.25 (19 Stunden und 20 Minuten à Fr. 250.-- + 
Auslagen von Fr. 248.60 zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle zuzuspre-
chen. 
 
  

 

 
 
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Demgemäss wird  e r k a n n t : 

 

://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der 
IV-Stelle Basel-Landschaft vom 17. April 2019 aufgehoben und es wird 
festgestellt, dass die Beschwerdeführerin ab 1. Juni 2016 Anspruch auf 
eine ganze Rente hat. 

 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- werden der IV-Stelle 
Basel-Landschaft auferlegt. 

 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in der Höhe von 
Fr. 6'297.-- werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 

 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerdeführerin eine Par-
teientschädigung in der Höhe von Fr. 5'473.25 (inkl. Auslagen und 
7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen.  

 

 
 
 
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