# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c840b3a4-eb6f-591f-aa0d-bd8aae76d988
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-31
**Language:** de
**Title:** Aargau Spezialverwaltungsgericht Steuern 31.08.2023 3-RV.2022.147
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_SVWG_002_3-RV-2022-147_2023-08-31.pdf

## Full Text

Spezialverwaltungsgericht 

Steuern 

 

3-RV.2022.147       
P 138 
 

 

 

 

Urteil vom 31. August 2023 
 
 

 
 

Besetzung  Präsident Heuscher  

Richter Lämmli  

Richter Biondo  

Gerichtsschreiberin Bernhard          

 

 
 

   

Rekurrent   A._____  

 

vertreten durch Marko Mrljes, Rechtsanwalt, Burgerstrasse 17, 

Postfach, 6000 Luzern 7    

   

 

 
 
 

Gegenstand  Einspracheentscheid des Steueramtes des Kantons Aargau, 

Geschäftsbereich Recht, Nachsteuern und Bussen, 

vom 25. Oktober 2022 

betreffend versuchter Steuerhinterziehung der Kantons- und 

Gemeindesteuern 2020 

 

  

 - 2 - 

 

 

 
   

Das Gericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Das Regionale Steueramt Q._____ stellte im Veranlagungsverfahren fest, 

dass A._____ eine IV-Nachzahlung von CHF 59'092.00 in der Steuererklä-

rung 2020 nicht deklariert hatte. In der Folge wurde das Kantonale Steuer-

amt, Sektion Rechtsdienst, Bereich Nachsteuern und Bussen (im Folgen-

den: KStA), vom Regionalen Steueramt Q._____ über diesen Umstand 

informiert. Mit Schreiben vom 25. Mai 2022 teilte das KStA A._____ mit, es 

müsse angenommen werden, dass er versucht habe, Steuern zu hinterzie-

hen. Daher werde ein Bussenverfahren eröffnet. Gleichzeitig wurde ihm bis 

zum 30. Juni 2022 Gelegenheit zur Stellungnahme und zur Einreichung 

sachdienlicher Unterlagen gegeben.  

 

2. 

Am 27. Mai 2022 nahm der Sohn des Angeklagten, B._____ (nachfolgend: 

Sohn), telefonisch zur Angelegenheit Stellung. 

 

3. 

Mit Strafbefehl vom 3. Juni 2022 auferlegte das KStA A._____ wegen ver-

suchter Hinterziehung der Kantons- und Gemeindesteuern 2020 eine 

Busse von CHF 3'854.80. 

 

4. 

4.1. 

Mit E-Mail vom 7. Juni 2022 liess A._____ durch seinen Sohn Einsprache 

erheben. 

 

4.2. 

Mit E-Mail vom 8. Juni 2022 teilte das KStA mit, eine Einsprache müsse per 

Post, mit Antrag und Begründung eingereicht werden. 

 

4.3. 

Mit Schreiben vom 14. Juni 2022 erhob A._____ erneut Einsprache.  

 

4.4. 

Das KStA bestätigte mit Brief vom 17. Juni 2022 den Erhalt der Einsprache 

gegen die Bussenverfügung wegen Hinterziehung der direkten Bundes-

steuer 2020 und hielt gleichzeitig fest, dass gegen den Strafbefehl wegen 

Hinterziehung der Kantons- und Gemeindesteuern 2020 keine Einsprache 

erhoben worden sei.  

 

5. 

Gegen den Strafbefehl liess A._____ mit Schreiben vom 30. September 

2022 (nochmals) Einsprache erheben und folgende Anträge stellen: 

 - 3 - 

 

 

"1. Das Strafverfahren gegen meinen Mandanten wegen versuchter 
Hinterziehung der Kantons- und Gemeindesteuer 2020 sei einzu-
stellen. 

2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates." 

 

6. 

Mit Entscheid vom 25. Oktober 2022 trat das KStA nicht auf die Einsprache 

ein. 

 

7. 

Den Nichteintretensentscheid vom 25. Oktober 2022 (Zustellung am 

26. Oktober 2022) hat A._____ mit Rekurs vom 25. November 2022 (Post-

aufgabe gleichentags) an das Spezialverwaltungsgericht weiterziehen las-

sen. Er liess folgende Anträge stellen: 

 

"1.  Der Nichteintretensentscheid vom 25.10.2022 im Zusammenhang 
mit dem Vorwurf der versuchten Steuerhinterziehung der Kantons- 
und Gemeindesteuer 2020 sei aufzuheben. 

 
2. Die Rekursgegnerin sei zu verpflichten, auf die Einsprache gegen 

den Strafbefehl Nr. 22.0270 vom 3.6.2022 einzutreten. 
 
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. MwSt.) zu Lasten 

der Rekursgegnerin, eventualiter zu Lasten des Staates." 

 

Auf die Begründung wird, soweit für den Entscheid erforderlich, in den Er-

wägungen eingegangen. 

 

8. 

Das KStA beantragt, der Rekurs sei unter Kostenfolge abzuweisen.  

 

9. 

A._____ liess eine Replik einreichen. 

 

10. 

Das Spezialverwaltungsgericht hat die Akten des Bussenverfahrens betref-

fend versuchte Steuerhinterziehung der direkten Bundessteuer 2020 

(3-BB.2022.13) in Sachen A._____ beigezogen. 

 

  

 - 4 - 

 

 

 
   

Das Gericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die vorgeworfene versuchte Steuerhinterziehung bezieht sich auf das 

Steuerjahr 2020. Massgebend für die Beurteilung ist somit das Steuerge-

setz vom 15. Dezember 1998 (StG). 

 

2. 

Das KStA ist auf die Einsprache des Rekurrenten wegen "nicht erfüllten 

Voraussetzungen (Form und Frist)" nicht eingetreten. Der Rekurrent macht 

demgegenüber geltend, die Einsprache sei rechtzeitig gültig eingereicht 

worden.  

 

Anfechtungsobjekt ist ein Nichteintretensentscheid, so dass einzig zu prü-

fen ist, ob die Vorinstanz zu Recht nicht auf das Rechtsmittel eingetreten 

ist. Nicht einzugehen ist auf die materielle Rechtslage (SGE vom 21. Ja-

nuar 2021 [3-RV.2020.137]; SGE vom 24. Januar 2019 [3-RV.2017.134]). 

 

3. 

Legitimation des Einsprechers, zulässiges Anfechtungsobjekt, Fristwah-

rung und Schriftlichkeit der Einsprache bilden Gültigkeitsvoraussetzungen 

der Einsprache. Fehlt auch nur eines dieser Elemente, darf die Veranla-

gungsbehörde auf das Rechtsmittel nicht eintreten. Ob fehlerhafte Einspra-

chen verbessert werden können, hängt von der Art des Mangels ab. Nicht 

korrigierbar sind die verspätete Einspracheerhebung und die Einsprache 

gegen ein unzulässiges Anfechtungsobjekt (Kommentar zum Bundesge-

setz über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Ge-

meinden [StHG], 4. Auflage, Basel 2022, Art. 48 StHG N 25).  

 

4. 

4.1. 

Die Einsprachefrist beträgt 30 Tage und ist nicht erstreckbar (§ 247 Abs. 1 

StG i.V.m. § 187 Abs. 1 StG). Es handelt sich um eine gesetzliche Frist, die 

als Verwirkungsfrist ausgestaltet ist. Die rechtzeitige Einreichung eines 

Rechtsmittels ist eine Sachurteilsvoraussetzung. Nur wenn sie erfüllt ist, 

darf auf das Rechtsmittel eingetreten werden.  

 

Die Einsprachefrist beginnt mit dem auf die Eröffnung der Verfügung oder 

des Entscheides folgenden Tag zu laufen. Sie gilt als eingehalten, wenn 

die Eingabe spätestens am letzten Tag der Frist eingegangen oder der 

Schweizerischen Post übergeben worden ist. Fällt der letzte Tag auf einen 

Samstag, Sonntag oder staatlich anerkannten Feiertag, so läuft die Frist 

am nächstfolgenden Werktag ab (§ 186 Abs. 1 und 2 StG).  

 

 - 5 - 

 

 

4.2. 

Der Strafbefehl vom 3. Juni 2022 wurde vom KStA gleichentags als A-Post 

Plus Sendung der Post übergeben und am 4. Juni 2022 zugestellt 

(act. 40 f. der Vorakten; Track & Trace für die Nummer aaa). Folglich 

erfolgte die fristauslösende Zustellung am 4. Juni 2022. Die Zustellung 

sowie der Zeitpunkt der Fristauslösung werden nicht bestritten.  

 

Wurde der Strafbefehl am 4. Juni 2022 zugestellt, begann die 30-tägige 

Einsprachefrist am 5. Juni 2022 zu laufen und endete am Montag, 4. Juli 

2022. Der Einsprecher liess drei Einsprachen, datiert vom 7. Juni 2022 (per 

E-Mail), 14. Juni 2022 (per eingeschriebenem Brief) und 30. September 

2022 (durch seinen Vertreter eingeschrieben per Post), einreichen. Es ist 

somit festzustellen, dass die Einsprache vom 30. September 2022 verspä-

tet erfolgte. Die beiden ersten Einsprachen wurden innert Frist eingereicht. 

Es ist somit zu prüfen, ob diese den Formerfordernissen genügen.  

 

5. 

5.1. 

§ 192 Abs. 1 lit. a StG hält fest, dass eine Einsprache schriftlich zu erfolgen 

hat. Zur Schriftlichkeit gehört die eigenhändige Unterzeichnung der Ein-

sprache durch die Einsprache führende Partei. Die Unterzeichnung ist Gül-

tigkeitsvoraussetzung (SGE vom 23. Februar 2023 [3-RV.2021.201]  

VGE vom 18. Oktober 2000 [BE. 2000.00023] = AGVE 2000 S. 347;  

SGE vom 22. Juni 2017 [3-RV.2017.21]). Eine E-Mail erfüllt das gesetzliche 

Erfordernis der Schriftlichkeit nicht (Bundesgerichtsurteil vom 10. Juni 2011 

[2C_128/2011]). 

 

5.2. 

Gemäss Art. 48 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der 

direkten Steuern der Kantone und Gemeinden vom 14. Dezember 1990 

(StHG) muss die Einsprache schriftlich abgefasst und unterzeichnet sein. 

Weiterer Formerfordernisse, insbesondere eines Antrags oder einer Be-

gründung bedarf es nicht. Angesichts des klaren Gesetzeswortlauts ist es 

den Kantonen verwehrt, zusätzliche Formerfordernisse aufzustellen (Kom-

mentar zum Bundesgesetz über die Harmonisierung der direkten Steuern 

der Kantone und Gemeinden [StHG], a.a.O., Art. 48 N 18). Damit wider-

spricht § 193 Abs. 1 StG mit seinen Antrags- und Begründungserfordernis-

sen dem StHG (Urteil des Verwaltungsgerichts vom 30. November 2017 

[WBE.2017.450]). 

 

5.3. 

Ist die Einsprache nicht schriftlich eingereicht worden, so kann dieser Man-

gel lediglich innerhalb der Rechtsmittelfrist beseitigt werden, weil das Ge-

setz die fristgerechte schriftliche Einspracheerhebung verlangt. Andere 

Mängel können bis zur Fällung des Endentscheids behoben werden. Fehlt 

 - 6 - 

 

 

etwa lediglich die Unterschrift des Einsprechers, die Vollmacht des vertrag-

lichen Vertreters oder die Zustimmung des gesetzlichen Vertreters zur Ein-

spracheerhebung, muss die Veranlagungsbehörde eine Nachfrist zur Ver-

besserung ansetzen und darf erst nach erfolgloser Aufforderung auf das 

Rechtsmittel nicht eintreten (Kommentar zum Bundesgesetz über die Har-

monisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden [StHG], 

a.a.O., Art. 48 StHG N 25 f.; RGE vom 27. Mai 2010 [3-RV.2009.185];  

RGE vom 24. September 2009 (3-RV.2009.58); BStPra XVI, S. 272).  

 

5.4. 

5.4.1. 

Vorliegend hat der Rekurrent per E-Mail die Einsprache vom 7. Juni 2022 

gegen den Strafbefehl wegen Hinterziehung der Kantons- und Gemeinde-

steuern 2020 und gegen die Bussenverfügung wegen Hinterziehung der 

direkten Bundessteuer 2020 ohne Unterschrift eingereicht. Sie lautete wie 

folgt: 

 

"Ich möchte gerne Einspruch erheben wegen der versuchten Steuerhinter-
ziehung der Kantons-, Gemeinde und Bundessteuer die Sie mir zuspre-
chen.  
 
Ich stehe weiterhin hinter der Aussage die mein Sohn B._____ für mich 
geäussert hat und mit C._____ telefonisch besprochen hat.  
 
Ich wünsche das Sie mich hier nicht als Dieb darstellen, weil ich das nie 
war und nie werde!" 

 

Die per E-Mail eingereichte Einsprache ohne Unterschrift war mangelhaft. 

 

5.4.2. 

Der Rekurrent wurde in der Folge vom KStA mit E-Mail vom 8. Juni 2022 

aufgefordert, die Einsprache per Post, mit Antrag und Begründung einzu-

reichen: 

 

"Die Einsprache muss mit Brief an uns geschickt werden (E-Mail genügt 
nicht). Zudem muss die Einsprache einen Antrag und eine Begründung 
enthalten, andernfalls wird auf die Einsprache nicht eingetreten. Ich sehe 
bisher keinen Grund, die Angelegenheit anders zu beurteilen. Ich weise 
Sie zudem darauf hin, dass ich bei einer Einsprache ohne ersichtliche 
Grund für eine Anpassung Anklage erheben müsste (beim Spezialverwal-
tungsgericht). Ganz allgemein: Wenn ich bei Einsprachen keinen Grund 
für eine Anpassung sehe, sieht das Gesetz vor, dass ich bei der direkten 
Bundessteuer die Einsprache mit Einspracheentscheid ablehne und bei 
den Kantons- und Gemeindesteuern Anklage erhebe." 

  

 - 7 - 

 

 

5.4.3. 

Der Rekurrent hat daraufhin eine neue Einsprache verfasst: 

 

"Mit Schreiben vom 25.05.2022 haben Sie mir geschrieben, dass ich bis 
am 30.06.2022 zu den Vorwürfen Stellung nehmen kann. Anfang Juni 
habe ich jedoch bereits die Verfügung wegen der Bundessteuer erhalten. 
Gegen diese Verfügung erhebe ich hiermit Einsprache. 
 
Begründung: 
 
Als ich die IV-Rente erhalten habe, habe ich bei der Ausgleichskasse im-
mer wieder angefragt, wie viel Geld ich erhalte, Man hat mir mitgeteilt, dass 
zuerst die Zahlungen an die anderen Stellen gemacht werden müssen. Ich 
bin immer davon ausgegangen, dass die Steuern automatisch abgezogen 
werden. Auch in der Verfügung ist gestanden, dass eine Kopie an das 
Steueramt geht. Ich wollte nie Steuern hinterziehen. Ich meinte immer, 
dass dies automatisch geregelt wurde. So habe ich immer die IV-Stelle 
verstanden. Ich entschuldige mich für den Fehler, jedoch verstehe ich ehr-
lich gesagt nicht, dass ich eine Busse bezahlen muss, da ich nie Steuern 
hinterziehen wollte. Ich meinte immer, dass die Steuern automatisch ab-
gezogen werden, deswegen wurde die IV-Nachzahlung nicht angemeldet. 
Wenn ich einen Fehler gemacht habe, entschuldige ich mich und in Zukunft 
werde ich mich bei der Steuerbehörde besser informieren als bei der Aus-
gleichskasse. Ich bitte Sie, mir keine Busse zu geben, da ich nie wollte, 
Steuern zu hinterziehen." 

 

In dieser Einsprache fehlte nun der Verweis auf den Strafbefehl bzw. die 

Kantons- und Gemeindesteuern 2020.  

 

5.5. 

Das KStA bestätigte mit Brief vom 17. Juni 2022 den Erhalt der Einsprache 

gegen die Bussenverfügung wegen Hinterziehung der direkten Bundes-

steuer 2020. Das KStA hat nicht abgeklärt, ob diese Einschränkung des 

Anfechtungsobjektes trotz der – zwar formungültigen – Einsprache vom 

7. Juni 2022 so gewollt sei, obwohl die Busse der Kantons- und Gemein-

desteuern 2020 gegenüber der Bussenverfügung betreffend die direkten 

Bundessteuern 2020 deutlich höher war. Es hielt lediglich fest, dass gegen 

den Strafbefehl wegen Hinterziehung der Kantons- und Gemeindesteuern 

2020 keine Einsprache erhoben worden sei. 

 

6. 

6.1. 

Das aus Art. 29 Abs. 1 BV fliessende Verbot des überspitzten Formalismus 

wendet sich gegen eine prozessuale Formenstrenge, die als exzessiv er-

scheint, durch kein schutzwürdiges Interesse gerechtfertigt ist, zum blos-

sen Selbstzweck wird und die Verwirklichung des materiellen Rechts in un-

haltbarer Weise erschwert oder gar verhindert (Bundesgerichtsurteil vom 

30. August 2005 [1P.254/2005]).  

 

 - 8 - 

 

 

6.2. 

Es liegen zwei innert Frist eingereichte Einsprachen, datiert vom 7. Juni 

2022 und 14. Juni 2022 vor. Beide Eingaben wurden vom Rekurrenten 

selbst verfasst und sind Laieneingaben. Die Einsprache vom 7. Juni 2022 

erfolgte per E-Mail und ohne Unterschrift und war somit formell nicht gültig. 

Wie bereits ausgeführt, ist die steuerpflichtige Person bei einer mangelhaf-

ten Einsprache vor Ablauf der Rechtsmittelfrist auf den Mangel aufmerk-

sam zu machen. Dies hat das KStA getan, jedoch wurde der Rekurrent 

zusätzlich aufgefordert, die Einsprache mit Antrag und Begründung einzu-

reichen. Antrag und Begründung sind jedoch keine Formerfordernisse der 

Einsprache (anders bei Einsprachen gegen Ermessensveranlagungen). 

Das KStA hat somit zu hohe Anforderungen an die Einsprache gestellt. 

Dies widerspricht dem Grundsatz, wonach bei Einsprachen von juristischen 

Laien an die formellen Voraussetzungen generell keine allzu hohen Anfor-

derungen gestellt werden dürfen.  

 

6.3. 

Als Reaktion auf die Aufforderung des KStA hat der Rekurrent die Einspra-

che vom 14. Juni 2022 in der Folge so formuliert, dass sie Antrag und Be-

gründung, jedoch keinen Verweis mehr auf den Strafbefehl bzw. die Kan-

tons- und Gemeindesteuern 2020 enthielt.  

 

6.4. 

Obwohl der Rekurrent in der Einsprache vom 7. Juni 2022 seinen uneinge-

schränkten Einsprachewillen gegen den Strafbefehl deutlich gemacht hat, 

hat das KStA ohne Rückfrage (betreffend Wegfall der Einsprache gegen 

den Strafbefehl) lediglich den Inhalt der zweiten Einsprache berücksichtigt. 

Demgemäss hielt das KStA in seinem Schreiben vom 17. Juni 2022 – ohne 

vorherige Rückfrage beim Rekurrenten – fest, gegen den Strafbefehl sei 

keine Einsprache erhoben worden. Dies konnte und musste vom Rekur-

renten – als rechtlichem Laien – so interpretiert werden, als stände bereits 

fest, dass eine Einsprache gegen den Strafbefehl nicht mehr möglich war, 

obschon die Rechtmittelfrist zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgelaufen 

war. Dementsprechend wurde keine Richtigstellung bzw. Ergänzung be-

treffend Kantons- und Gemeindesteuer 2020 verlangt. 

 

7. 

7.1. 

Am 15. August 2022 und somit nach Ablauf der Einsprachefrist, forderte 

der Sohn eine Sendungsnachverfolgung des Strafbefehls. Der Rekurrent 

liess mit der Nachfrage anzeigen, dass für ihn das Verfahren betreffend 

Steuerhinterziehung der Kantons- und Gemeindesteuern 2020 nicht abge-

schlossen war. Das KStA verlangte zuerst einen Vertretungsnachweis so-

wie eine Begründung, weshalb dies gefordert werde. Mit Schreiben vom 

31. August 2022 zeigte Rechtsanwalt Marko Mrljes an, dass er vom Rekur-

renten mit der Interessenwahrung mandatiert worden sei (Vollmacht vom 

 - 9 - 

 

 

26. August 2022). Er führte zudem aus, dass gegen den Strafbefehl und 

die Bussenverfügung jeweils Einsprache erhoben worden sei. Am 7. Sep-

tember 2022 antwortete das KStA, dass es nicht zutreffe, dass der Rekur-

rent auch gegen den Strafbefehl Einsprache eingereicht habe und der 

Strafbefehl somit in der Zwischenzeit in Rechtskraft erwachsen sei. In der 

Folge wurde der Nichteintretensentscheid erlassen. 

 

7.2. 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass bei formalistischer Betrachtung 

zwar lediglich eine mangelhafte Einsprache (E-Mail) innert Frist gegen den 

Strafbefehl wegen versuchter Steuerhinterziehung der Kantons- und Ge-

meindesteuern 2020 erhoben wurde. Jedoch handelt es sich beim Rekur-

renten um einen rechtlichen Laien, woraus folgt, dass an seine Eingaben 

keine allzu hohen Anforderungen gestellt werden dürfen.  

 

Die Vorinstanz hat generell zu hohe formelle Anforderungen (Antrag und 

Begründung) an eine Einsprache gestellt. Zudem hat sie trotz fehlendem 

explizitem Bezug zum Strafbefehl in der zweiten Einsprache nicht beim Re-

kurrenten nachgefragt, ob der – scheinbare – Verzicht auf eine Einsprache 

betreffend Kantons- und Gemeindesteuern 2020 seinem wirklichen Willen 

entspricht. Dies trotz der Erkennbarkeit des klaren Willens des Rekurren-

ten, den Strafbefehl und die Bussenverfügung anzufechten. Im Schreiben 

des KStA vom 17. Juni 2022 wurde stattdessen lediglich festgestellt, dass 

gegen den Strafbefehl wegen Hinterziehung der Kantons- und Gemeinde-

steuern 2020 keine Einsprache erhoben worden sei. Dies konnte bzw. 

musste vom Rekurrenten als definitiver Verlust seiner diesbezüglichen Ver-

fahrensrechte interpretiert werden, so dass eine Reaktion bzw. ein Antrag 

auf Korrektur unterblieb. Das KStA hat damit die Einsprache gegen den 

Strafbefehl lediglich wegen mangelnden formellen Voraussetzungen nicht 

beachtet. Da jedoch eine Laieneingabe vorliegt, hätte das KStA aufgrund 

materieller Auslegung zumindest beim Rekurrenten nachfragen müssen, 

ob er die Anfechtung des Strafbefehls nicht aufrechterhalten wolle. Auf-

grund der vorliegend mehrfachen prozessualen Formenstrenge, ist von 

überspitztem Formalismus auszugehen. 

 

8. 

Der Rekurs ist gutzuheissen und der Nichteintretensentscheid aufzuheben. 

Das Verfahren wird zur erneuten Durchführung des Einspracheverfahrens 

an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

 

9. 

9.1. 

Bei diesem Verfahrensausgang sind die Kosten des Rekursverfahrens auf 

die Staatskasse zu nehmen (§ 189 Abs. 1 StG).  

 

 - 10 - 

 

 

9.2. 

9.2.1. 

Ausserdem ist den Rekurrenten für die Vertretung im Verfahren vor dem 

Spezialverwaltungsgericht eine Parteientschädigung auszurichten (§ 189 

Abs. 2 StG). Die Parteientschädigung wird gemäss dem Dekret über die 

Entschädigung der Anwälte vom 10. November 1987 (Anwaltstarif, AnwT) 

festgelegt. Der Rekurrent lässt eine Kostennote von CHF 3'239.29 einrei-

chen. Diese ist zu kürzen. 

 

9.2.2. 

Vorliegend beträgt der Streitwert CHF 3'854.80. Der Fall hat einen mittleren 

Schwierigkeitsgrad und eine mittlere Bedeutung. Zudem ist von einem mitt-

leren erforderlichen Aufwand auszugehen. Es rechtfertigt sich daher, die 

Parteientschädigung in Anwendung von § 8a Abs. 1 lit. a Ziff. 1 und Abs. 2 

AnwT sowie § 8c Abs. 1 AnwT auf CHF 1'300.00 (inkl. MWSt und Ausla-

gen) festzusetzen.  

 

 

  

 - 11 - 

 

 

 
   

Das Gericht erkennt: 

 

1. 

Der Nichteintretensentscheid vom 25. Oktober 2022 wird aufgehoben und 

die Angelegenheit wird zur Durchführung des Einspracheverfahrens an das 

Kantonale Steueramt zurückgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten werden auf die Staatskasse genommen. 

 

3. 

Es wird eine Parteientschädigung von CHF 1'300.00 (inkl. MWST) ausge-

richtet. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

den Vertreter des Rekurrenten (2) 

das Kantonale Steueramt  

das Regionale Steueramt Q._____ 

 

 

 
 

   

Rechtsmittelbelehrung  

 

Dieser Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Be-

schwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Aargau angefochten 

werden. Die Beschwerde ist in doppelter Ausfertigung beim Spezialver-

waltungsgericht, Laurenzenvorstadt 9, 5001 Aarau, einzureichen. Die 

Frist steht still vom 7. Tag vor bis und mit dem 7. Tag nach Ostern, vom 

15. Juli bis und mit 15. August und vom 18. Dezember bis und mit dem 

2. Januar. Die unterzeichnete Beschwerdeschrift muss einen Antrag, wie 

der Entscheid zu ändern sei, sowie eine Begründung enthalten. Der ange-

fochtene Entscheid und als Beweismittel angerufene Urkunden sind beizu-

legen (§§ 28 und 43 f. des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 

4. Dezember 2007 [VRPG] in Verbindung mit Art. 145 Abs. 1 der Schwei-

zerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 [ZPO]; §§ 187, 

196 und 198 des Steuergesetzes vom 15. Dezember 1998 [StG]). 

 

  

 - 12 - 

 

 

 
   

Aarau, 31. August 2023 

 

Spezialverwaltungsgericht 

Steuern 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Heuscher Bernhard