# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fcb02933-b9fe-586a-a080-0cace3c8804a
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-05-27
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 27.05.2024 SST.2023.174
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2023-174_2024-05-27.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2023.174 
(ST.2023.45; StA.2021.5962) 

 

 

Urteil vom 27. Mai 2024 
 
 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin i.V. Bekaj 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm, 

Untere Grabenstrasse 32, Postfach, 4800 Zofingen  

 

Privatklägerin   A._____, 

[…] 

vertreten durch Rechtsanwältin Larissa Willi,  

[…] 

 

 
    

Beschuldigter   B._____,  

geboren am tt.mm.1972, von Kosovo, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin Myriam Dannacher,  

[…] 

 

  

 
 

Gegenstand  Sexuelle Handlungen mit einem Kind 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

 

1. 

Die Oberstaatsanwaltschaft erhob am 9. Dezember 2022 Anklage gegen 

den Beschuldigten wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit einem 

Kind. Mit Verfügung vom 23. März 2023 des Bezirksgerichts Bremgarten 

wurde die Anklage aufgrund fehlerhafter Vertretung der Oberstaats-

anwaltschaft zurückgewiesen. Mit Verfügung vom 14. April 2023 der 

Oberstaatsanwaltschaft wurde das Strafverfahren der Staatsanwaltschaft 

Zofingen-Kulm zugewiesen. Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm erhob 

am 24. April 2023 Anklage gegen den Beschuldigten wegen mehrfacher 

sexueller Handlungen mit einem Kind.  

 

Der Sachverhalt gemäss Anklage lautet wie folgt: 

 

Mehrfache sexuelle Handlungen mit einem Kind (Art. 187 Ziff. 1. Abs. 1 StGB)  
 
Der Beschuldigte hat mehrfach mit einem Kind unter 16 Jahren sexuelle Handlungen 
vorgenommen.  
 
Tatorte: -  Q._____, R-Strasse (Wohnort von C._____ und A._____)  
 -  S._____, T-Strasse, Rest. […], Zimmer im 1. OG  
 - Im PW Jeep des Beschuldigten B._____  
Tatzeit:  April 2018 bis Ende Dezember 2019  
Geschädigte:  A._____, geb. tt.mm.2008 (Privatklägerin)  
 
Einleitung  
Der Beschuldigte war über mehrere Jahre bis März 2020 befreundet mit C._____. Er hatte 
eine 1-Zimmer-Wohnung im 1. Obergeschoss seines damaligen Teilzeit-Arbeitsortes 
Restaurant […] in S._____. Im Jahre 2018 trennte sich C._____ von ihrem Ehemann und 
zog im Frühjahr 2018 mit ihren beiden Töchtern A._____ und D._____ in eine neue 
Wohnung nach Q._____, R-Strasse. Meistens befand sich nun auch der Beschuldigte am 
Wohnort seiner Freundin in Q._____. 
 
Generelle Vorwürfe  
In der Zeit von April 2018 bis Ende Dezember 2019 kam es an den drei eingangs 
genannten Tatorten mehrfach und sehr häufig zu sexuellen Übergriffen des Beschuldigten 
zum Nachteil der Minderjährigen A._____. Der Beschuldigte berührte das Mädchen jeweils 
am ganzen Körper und leckte sie an den Oberschenkeln bis zur Vagina und an den 
Brüsten. Einmal rieb er mit seinem Finger an ihrer Vagina. Die sexuellen Handlungen 
verübte er meistens, wenn die Mutter C._____ an der Arbeit oder im Keller war. Er berührte 
das Mädchen auch unsittlich im PW über den Kleidern an Oberschenkeln und Vagina, 
wenn er sie zur Schule chauffierte. 
 
Einzelne Vorkommnisse  
a) Schon kurz nach dem Einzug in die Wohnung in Q._____, im April 2018, begann der 
Beschuldigte, als C._____ an der Arbeit war, mit sexuellen Übergriffen auf die ältere 
Tochter. Als A._____ auf dem Sofa lag und mit dem Handy spielte, kam der Beschuldigte 
und fasste sie von oben bis unten an den Beinen an. Er zog ihr die Hose und auch die 
Unterhose hinunter bis zu den Knien und begann, sie mit der Zunge an den Oberschenkeln 
zu lecken, bis hinauf zur Vagina, wo er sie ebenfalls leckte. Dann zog er ihr Top und T-

 - 3 - 

 

 

Shirt aus und leckte sie bis zu den Brüsten. Er fragte sie, ob er ihr das Küssen beibringen 
solle, was sie verneinte. Nachher stand sie auf, zog sich an und begab sich in ihr Zimmer.  
 
b) Der Beschuldigte verübte die sexuellen Handlungen an A._____ durch Anfassen, 
Ausziehen, Schlecken an Oberschenkeln, Vaginalbereich, Bauch und Brüsten fast jeden 
zweiten Tag, wenn die Mutter am Arbeiten war. Tatort war die Wohnung in Q._____, wenn 
sich A._____ auf dem Sofa oder in ihrem im Schlafzimmer befand, häufig wenn sie im Bett 
lag.  
 
c) Einmal, genauer Tag unbekannt, als A._____ an ihrem Schreibtisch sass und die Mutter 
mit der jüngeren Tochter im Keller war, näherte sich der Beschuldigte von hinten und 
begann, A._____ vom Schulterbereich über die Brüste über den Kleidern anzufassen, 
öffnete ihr sodann den Hosenknopf und zog ihre Hose und Unterhose hinunter zu den 
Knien. Er strich mit der Hand über ihre Oberschenkel bis zum Brustbereich und zurück. Als 
Mutter und Schwester wieder in die Wohnung kamen, zog er A._____ schnell an und tat, 
als ob er ihr bei den Hausaufgaben helfen würde.  
 
d) Ca. im Frühling 2019 befand sich Mutter C._____ zusammen mit der jüngeren Tochter 
D._____ für eine Woche im Kosovo. A._____ blieb allein mit dem Beschuldigten in 
Q._____. Jeden Abend kam er zu ihr ins Zimmer, wenn sie im Bett lag, zog sie unten und 
oben aus, fasste sie am ganzen Körper an und leckte sie an den Beinen bis zur Vagina 
und an den Brüsten.  
 
e) An einem Abend, genauer Zeitpunkt unbekannt, holte der Beschuldigte A._____ ab und 
fuhr mit ihr an seinen Arbeitsort, zum Restaurant […] in S._____, um noch eine Pizza zu 
holen. Bis die Pizza bereit war, nahm er A._____ in sein Zimmer im 1. Stock und begann 
wieder, sie mit beiden Händen anzufassen. Er zog ihr Hose und Unterhose bis zu den 
Knien und leckte sie an den Oberschenkeln und an der Vagina. Er fasste mit der Hand an 
ihre Vagina und strich mit dem Finger über ihre Vagina, ohne einzudringen. Oben blieb sie 
angezogen. Der Vorfall dauerte ca. 5 Minuten, dann war die Pizza unten im Restaurant 
bereit. 
 
f) Der Beschuldigte chauffierte A._____ jeden Donnerstag, ausser wenn Schulferien waren, 
am Morgen zur Schule. Er fasste sie auf diesen Fahrten regelmässig über den Kleidern an 
den Oberschenkeln an bzw. strich ihr mit der Hand über die Oberschenkel.  
 
g) Ca. im Sommer 2019, genauer Tag nicht bestimmbar, wollte A._____ mit ihren 
Kolleginnen ins Kino, hatte aber Fieber. Sie sass zu Hause an ihrem Schreibtisch, als der 
Beschuldigte kam und zu ihr sagte: "Komm, nachher hast du kein Fieber mehr." Er zog ihre 
Hose und Unterhose bis zu den Knien und schleckte sie an Oberschenkeln und Vagina. 
Das dauerte ca. 5 Minuten, dann sagte der Beschuldigte: "Lueg, jetzt häsch kei Fieber 
meh". Nachher holte er mit ihr die Kolleginnen ab und brachte sie ins Kino. Er gab ihr Geld 
fürs Kino und sagte zu ihr: "Ja s'nechschte Mol machemers wieder."  
 
h) Am […], dem 11. Geburtstag von A._____, gab ihr der Beschuldigte hundert Franken. 
Abends, als die Mutter arbeiten ging, kam er in A._____ Zimmer, zog ihr die Hosen bis ans 
Knie und leckte sie an den Oberschenkeln und im Vaginalbereich.  
 
i) Am Zukunftstag 2019 durfte A._____ mit ihrer Schwester dem Beschuldigten abends bei 
der Arbeit helfen und Pizza ausliefern. Er strich ihr auch bei diesen Fahrten mit der Hand 
über die Oberschenkel, über den Kleidern. Als die Schwester im Restaurant blieb und der 
Beschuldigte mit A._____ allein eine Pizza auslieferte, langte er ihr mit der Hand von oben 
ins T-Shirt, bis sie sagte "hör uf." 
 
k) Der letzte Vorfall geschah gegen Ende 2019. A._____ lag an einem Freitagnachmittag, 
ca. 13.30 Uhr, als sie schulfrei hatte, auf dem Bett und spielte mit dem Handy, als der 
Beschuldigte erschien und sie wieder anzufassen begann. A._____ sagte zu ihm "stopp, 

 - 4 - 

 

 

hör uf" und versuchte, ihn wegzuschupfen. Daraufhin verliess der Beschuldigte "mega 
sauer" das Zimmer und schmiss die Türe zu. 

 

2. 

Das Bezirksgericht Bremgarten sprach den Beschuldigten mit Urteil vom 

1. Juni 2023 wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind 

gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB schuldig und verurteilte ihn dafür zu einer 

teilbedingten Freiheitsstrafe von 3 Jahren bei einem bedingten Anteil von 2 

Jahren, Probezeit 3 Jahre, und einem zu vollziehenden Anteil von 1 Jahr. 

Es verwies den Beschuldigten für 8 Jahre des Landes und sprach ein 

lebenslängliches Tätigkeitsverbot im Sinne von Art. 67 StGB aus. Zudem 

wurde er verpflichtet, der Privatklägerin A._____ eine Genugtuung von Fr. 

12'000.00 zu bezahlen. 

 

3. 

Mit Berufungserklärung vom 21. Juli 2023 beantragte der Beschuldigte die 

vollumfängliche Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils. Er sei freizu-

sprechen und ihm sei eine Genugtuung auszurichten. Von einem 

lebenslänglichen Tätigkeitsverbot sowie von einer Landesverweisung sei 

abzusehen, die Zivilklage der Privatklägerin A._____ sei abzuweisen. 

 

4. 

Der Beschuldigte reichte am 22. September 2023 vorgängig zur 

Berufungsverhandlung eine schriftliche Berufungsbegründung ein.  

 

5. 

Die Staatsanwaltschaft beantragte mit vorgängiger Berufungsantwort vom 

9. Oktober 2023 die Abweisung der Berufung.  

 

6. 

Die Privatklägerin A._____ beantragte mit Berufungsantwort vom 

29. September 2023 die Abweisung der Berufung.  

 

7. 

Die Berufungsverhandlung fand am 27. Mai 2024 statt. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Vorinstanz hat den Anklagesachverhalt gestützt auf die Aussagen von 

A._____ als erstellt erachtet und den Beschuldigten wegen mehrfacher 

sexueller Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB schuldig 

gesprochen. 

 

 - 5 - 

 

 

Der Beschuldigte macht mit Berufung geltend, die von A._____ und ihrer 

Mutter erhobenen Vorwürfe seien erfunden.  

 

2. 

2.1. 

Der sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB 

macht sich strafbar, wer mit einem Kind unter 16 Jahren eine sexuelle 

Handlung vornimmt, es zu einer solchen Handlung verleitet oder es in eine 

sexuelle Handlung einbezieht. In subjektiver Hinsicht ist mindestens 

Eventualvorsatz erforderlich, d.h. der Täter muss mit dem Wissen handeln, 

mindestens möglicherweise ein Kind unter 16 Jahren vor sich zu haben. 

Unter einer sexuellen Handlung im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB ist jede 

körperliche Betätigung zu verstehen, die im konkreten Fall nach ihrem 

äusseren Erscheinungsbild vom Standpunkt eines objektiven Beobachters 

aus betrachtet eindeutig sexualbezogen ist, wobei für die Erheblichkeit 

zudem qualitativ die Art und quantitativ die Intensität und Dauer der 

Handlung zu berücksichtigen sind (BGE 125 IV 62; vgl. Urteile des 

Bundesgerichts 6B_1260/2019 vom 12. November 2020 E. 2.2.3 und 

6B_1102/2019 vom 28. November 2019 E. 2.2). 

 

2.2. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzun-

gen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den Beschuldigten 

günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO; «in dubio pro reo»). Bloss 

abstrakte und theoretische Zweifel sind nicht massgebend, weil solche 

immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. 

Nicht verlangt wird indes, dass bei sich widersprechenden Beweismitteln 

unbesehen auf den für den Angeklagten günstigeren Beweis abzustellen 

ist. Nur das Übergehen offensichtlich erheblicher Zweifel kann eine Ver-

letzung des Grundsatzes «in dubio pro reo» begründen (BGE 144 IV 345). 

 

Stützt sich die Beweisführung im Wesentlichen auf Aussagen von 

Beteiligten und steht dabei Aussage gegen Aussage, so ist anhand 

sämtlicher Umstände zu untersuchen, welche Sachdarstellung 

überzeugender ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt der 

Aussagen ankommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben 

erfolgen. Ebenso ist abzuklären, ob die Aussagen mit den weiteren 

Beweisen in Einklang stehen (Urteile des Bundesgerichts 6B_738/2018 

vom 27 März 2019 E. 1.3.1; 6B_653/2016 vom 19. Januar 2017 E. 3.2). 

 

2.3. 

Wie im Folgenden zu zeigen sein wird, sind die Aussagen von A._____ 

einer inhaltlichen Analyse anhand von Realkennzeichen und somit einer 

Überprüfung des Wahrheitsgehalts nicht mehr bzw. nur sehr beschränkt 

 - 6 - 

 

 

zugänglich, da weder Sekundäreinflüsse noch auto- oder fremdsuggestive 

Prozesse zuverlässig ausgeschlossen werden können (vgl. 

SCHILLING/HAUCH, Wahrheit oder Lüge – Unterscheidbar?, in: Wahrheit 

Täuschung und Lüge, Schweizerische Arbeitsgruppe für Kriminologie, 

2016, Band 33, S. 33). Vielmehr drängen sich solche geradezu auf: 

 

A._____ wurde erstmals am 12. August 2020 mittels Videobefragung durch 

eine Polizistin einvernommen (Untersuchungsakten [UA] act. 133). In 

diesem Zeitpunkt war A._____ knapp 12 Jahre alt. Die Einvernahme 

erfolgte rund acht Monate nach dem angeklagten letzten sexuellen 

Übergriff (Dezember 2019), respektive über zwei Jahre nach dem ersten 

angeklagten Übergriff (April 2018). Obschon A._____ im Zeitpunkt ihrer 

Aussage kein kleines Kind mehr war, befand sie sich damals in einer 

psychisch nicht optimalen Verfassung (vgl. psychologischer Bericht, UA 

act. 29, 313 f.). Mithin bestand bis zur Einvernahme vom 12. August 2020 

viel Raum für Einflüsse. Ihrer Mutter soll A._____ denn auch bereits im 

Dezember 2019 von den Vorwürfen erzählt haben (Protokoll der 

Berufungsverhandlung, S. 4, 16). Erst mehrere Monate später, am 17. Juni 

2020, und in der Folge drei weitere Male bis zur polizeilichen Einvernahme 

vom 12. August 2020 war A._____ bei einer Kinder- und Jugend-

psychologin (UA act. 28 ff.). Diese Therapiesitzungen sind unter der 

Prämisse erfolgt, dass sich tatsächlich sexuelle Übergriffe zugetragen 

haben. Dem Therapiebericht lässt sich entnehmen, dass A._____ von ihrer 

Mutter angemeldet worden sei, um wiederholte sexuelle Übergriffe des 

ehemaligen Partners der Mutter, d.h. des Beschuldigten, therapeutisch zu 

begleiten bzw. die Vorfälle zu verarbeiten. Die Rede ist von wiederholtem 

Anfassen über und unter den Kleidern, Streicheln von Brust und 

Vaginalbereich, Versuch des Ausziehens und Eindringen mit Finger. Der 

Beschuldigte sei damals mehrmals zum Orgasmus gekommen. Unter 

diesen Umständen kann offensichtlich nicht ausgeschlossen werden, dass 

A._____ durch die Gespräche mit ihrer Mutter und ihrer Psychologin einer 

suggestiven Beeinflussung ausgesetzt war. Weiter besteht die Möglichkeit 

von autosuggestiven Prozessen, die teilweise auch von aussen 

angestossen werden und ihren Ausgangspunkt häufig in einem schlechten 

psychischen Befinden haben (vgl. VOLBERT, in: Handbuch der 

Rechtspsychologie, 2008, S. 333). 

 

Nach dieser ersten Einvernahme vom 12. August 2020 wurde A._____ im 

Rahmen der Berufungsverhandlung vom 27. Mai 2024 vor Obergericht 

erneut befragt. Die Vorinstanz hatte auf eine gerichtliche Einvernahme von 

A._____ verzichtet. A._____ hat zwar in beiden Einvernahmen von den 

erhobenen Vorwürfen berichtet, jedoch fehlt es bei ihren Aussagen – auch 

unter Berücksichtigung ihres jeweiligen Alters – an einem zu erwartenden 

Detaillierungsgrad hinsichtlich der konkret vorgeworfenen sexuellen 

Handlungen. Zudem weisen die Aussagen von A._____ Widersprüche und 

 - 7 - 

 

 

Unstimmigkeiten auf, welche sich vor Obergericht nicht plausibel erklären 

oder nachvollziehbar auflösen liessen. 

 

In der Einvernahme vom 12. August 2020 sagte A._____ aus, der erste 

Vorfall habe sich in der Familienwohnung in Q._____ ereignet. Sie sei auf 

dem Sofa gelegen und am Handy gewesen, woraufhin der Beschuldigte zu 

ihr gekommen sei (CD Teil 1, Video 2, 09:54 ff.). Der Beschuldigte habe 

plötzlich ihre Beine von unten bis oben angefasst und plötzlich ihre Hose 

heruntergezogen und dann auch ihre Unterhose. Er habe angefangen sie 

zu lecken, wobei A._____ wortwörtlich aussagt «nachher het er agfange 

mich schläcke, wie mer das seit, das weiss ich ned so genau, also 

schlecke» (CD Teil 1, Video 2, 10:27). Er sei bis nach «oben» gekommen, 

wobei A._____ dabei auf ihre Schulter zeigt. Oben sei sie jedoch nicht 

ausgezogen gewesen (CD Teil 1, Video 2, 10:37). Der Beschuldigte habe 

sie gefragt, ob er ihr das Küssen beibringen solle, sie habe das verneint, 

habe sich angezogen und sei in ihr Zimmer gegangen. Nachher habe er 

das immer wieder so gemacht. Immer wenn ihre Mutter am Arbeiten 

gewesen sei, habe er das gleiche gemacht, mit «oben» Anfassen und 

«unten», wobei auffällt, dass sie bei «oben» mit der Hand auf ihren rechten 

Oberarm zeigt und bei «unten» mit den Händen über die Oberschenkel 

fährt. Weder zeigt sie auf den Brustbereich noch den Intimbereich. Auf 

Nachfrage der Polizistin hin, was der Beschuldigte bei diesem ersten Vorfall 

konkret gemacht habe, sagte A._____, er habe sie mit der Zunge geleckt 

(CD Teil 1, Video 2, 27:08 ff.). Sie wisse jedoch nicht, wie sie das konkret 

beschreiben solle, es habe sich einfach komisch und unangenehm 

angefühlt (CD Teil 1, Video 2, 27:23 ff.). Mit der Zeit sei er «nach oben» 

gekommen und habe sie oben auch geleckt (CD Teil 1, Video 2, 25:50 ff.). 

Auf Nachfrage der Polizistin hin, wo genau der Beschuldigte sie geleckt 

habe, antwortet A._____ «unten». Die Polizistin fragt dann nach, was 

Frauen da «unten» haben, woraufhin A._____ zum ersten Mal das Wort 

«Vagina» ausspricht (CD Teil 1, Video 2, 27:56 ff.). Obschon die Polizistin 

mehrfach nach den konkreten Handlungen des Beschuldigten fragt, bleibt 

A._____ in ihren Schilderungen bezüglich der sexuellen Handlungen an 

sich eher vage, oberflächlich und knapp. Aus ihrer Aussage lässt sich nicht 

schlüssig schliessen, ob der Beschuldigte ihre Brüste oder eher den 

Schulterbereich angefasst hat, wie sie das körperlich zeigt. Auch scheint 

A._____ nicht konkret beschreiben zu können, wo genau der Beschuldigte 

sie geleckt hat. Sie spricht von «unten», resp. «Vagina», zeigt aber 

während der Befragung vermehrt auf ihre Ober- und Unterschenkel und 

nicht auf ihren Intimbereich. Auch vor Obergericht wird dieser erste Vorfall 

unter Berücksichtigung des Zeitablaufs nur sehr vage umschrieben. Sie 

und der Beschuldigte seien auf dem Sofa in ihrer Wohnung gelegen und 

der Beschuldigte habe mit der Zeit angefangen ihre Hose auszuziehen und 

sie anzufassen. Am Schluss sei sie nur in Unterhose gewesen. Sie habe 

dann ihre Hose wieder angezogen und dann sei ihre Schwester ins 

Wohnzimmer gekommen (Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 15). 

 - 8 - 

 

 

A._____ erwähnt die in der Anklage umschriebenen Tathandlungen dieses 

ersten Vorfalls (Lecken an den Oberschenkeln, Vagina und Brüsten) vor 

Obergericht in ihrer gesamten Aussage nicht. Auffällig ist hingegen die 

angebliche sehr präzise Erinnerung, dass sie an diesem Tag einen blauen 

Pullover mit einem Hund und ihre blaue Lieblingshose angehabt habe 

(Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 15). Unter Berücksichtigung, dass 

sich dieser Vorfall im Frühling 2018 zugetragen haben soll und seither 6 

Jahre vergangen sind, ist es nicht nachvollziehbar, dass sich A._____ sehr 

konkret an Nebensächlichkeiten wie die getragene Kleidung zu erinnern 

vermag, in Bezug auf die konkret vorgeworfenen sexuellen Handlungen 

durch den Beschuldigten jedoch in ihren Aussagen ungenau und vage 

bleibt. 

 

Widersprüchlichkeiten und Unstimmigkeiten ergeben sich hinsichtlich der 

Aussagen von A._____ auch mit Bezug auf die Anklageziffer I d): In der 

ersten Einvernahme schilderte A._____, dass ihre Mutter alleine für eine 

Woche in den Kosovo gereist und der Beschuldigte jeden Tag zu ihr ins 

Zimmer gekommen sei, ihre Pyjamahose und ihre Unterhose 

heruntergezogen und sie geleckt habe (CD Teil 2, Video 3, 29:45 ff.). In der 

Berufungsverhandlung schilderte sie das Geschehen anders: Der 

Beschuldigte hätte sie in ihrem Zimmer berührt und geküsst. Auf Nachfrage 

hin, ob es in dieser Zeit, als die Mutter im Kosovo war, zu sexuellen 

Übergriffen gekommen sei, antwortete A._____ jedoch, dass sie sich nicht 

genau erinnere (Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 17 f.). Es ist zwar 

einleuchtend, dass mit dem Zeitablauf die Erinnerungen betreffend 

einzelne Handlungen verblassen können, aber es scheint nicht 

nachvollziehbar, dass A._____ sich gar nicht mehr erinnern kann, ob es in 

dieser Woche, als ihre Mutter nicht da war, überhaupt zu Übergriffen 

gekommen ist, obschon in der ersten Einvernahme – und so auch in der 

Anklage – die Rede von täglichen sexuellen Übergriffen (Berührungen am 

ganzen Körper, Lecken an den Beinen bis zur Vagina und an den Brüsten) 

durch den Beschuldigten ist.  

 

Detaillierte Aussagen zu den vorgeworfenen Handlungen fehlen sodann 

auch in Bezug zum einen Vorfall, bei dem der Beschuldigte A._____ in 

seine Wohnung gebracht und sexuelle Handlungen an ihr verübt haben 

soll. In der ersten Einvernahme führt A._____ aus, der Beschuldigte habe 

sie zum Restaurant, in dem er arbeitete, gebracht. Dort habe er auch seine 

Wohnung. Er habe Essen bestellt, sie habe unten im Restaurant warten 

wollen, aber er habe ihr gesagt, dass sie nach oben in seine Wohnung 

gehen würden. Dort habe er «es» wieder gemacht und er habe sich bei ihr 

bedankt, dass sie mit ihm nach oben gekommen sei. Sie habe sich sehr 

unwohl gefühlt (CD Teil 1, Video 2, 16:25). Als sie mit dem Auto nach 

Hause gefahren seien, habe er sie an den Beinen (A._____ berührt sich an 

den Oberschenkeln) und «unten» angefasst, wobei sie Kleider angehabt 

habe (CD Teil 1, Video 2, 16:36). Auf Nachfrage der Polizistin, was genau 

 - 9 - 

 

 

passiert sei, sagte A._____ (CD Teil 2, Video 3, 02:22 ff.), er habe ihre 

Unterhose und ihre Hose bis zu ihren Oberschenkeln heruntergezogen und 

sie bei der Vagina geleckt (CD Teil 2, Video 3, 07:01 ff.). Oben habe sie 

alles angehabt und er habe sonst nichts gemacht (CD Teil 2, Video 3, 07:18 

ff.). Er habe sie bei diesem Vorfall auch an der Vagina berührt, er sei aber 

nicht mit dem Finger eingedrungen (CD Teil 2, Video 4, 02:21 ff.). In der 

Berufungsverhandlung wurde wiederum ausgeführt, dass der Beschuldigte 

sie in seine Wohnung gebracht habe und sie im Intimbereich, in der Vagina, 

und im Brustbereich berührt habe. Er habe die Hand unter ihr Oberteil 

geschoben und die Brüste «so gequetscht und so im Kreis gedreht». 

A._____ sagt nach mehrmaligem Fragen, dass er sie an ihrer Vagina oben 

berührt habe und dabei mit dem Finger Kreisbewegungen gemacht habe 

(Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 18 f.). Auch hier divergieren die 

Aussagen hinsichtlich der spezifischen sexuellen Handlungen. Es bleibt 

unklar, ob, resp. an welchen Stellen der Beschuldigte A._____ geleckt oder 

mit seinen Händen berührt haben soll, da sie zweimal von sehr 

verschiedenen Handlungen berichtet. Fraglich und nicht ganz 

nachvollziehbar ist die Aussage von A._____ in diesem Kontext, er habe 

sie auf eine Art befriedigt (Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 18). Auf 

Nachfrage hin, wie sie das meine, führte sie lediglich aus, dass es jedes 

Mal ein komisches Gefühl gewesen sei, sie das aber nicht erklären könne 

(Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 18). A._____ sagt in der 

Berufungsverhandlung zwar, dass sie nun in ihren eigenen Worten die 

Vorfälle schildern könne, aber die Aussage, er habe sie auf eine Art 

befriedigt, scheint vielmehr ein Anzeichen dafür zu sein, dass A._____ 

auch jetzt noch (wenn auch unbewusst) von Gesprächen und 

Meinungsäusserungen mit Aussenstehenden beeinflusst wurde.  

 

In ihrer Einvernahme vom 12. August 2020 berichtet A._____ von einem 

Vorfall, bei dem sie und ihre Kolleginnen ins Kino haben gehen wollen, sie 

aber an diesem Tag Fieber gehabt habe (CD Teil 1, Video 2, 19:06 ff). Der 

Beschuldigte habe «es wieder gemacht» und ihr dann gesagt, dass sie jetzt 

kein Fieber mehr habe. Sie sei auf dem Stuhl an ihrem Schreibtisch 

gesessen, der Beschuldigten habe den Stuhl zu sich gezogen, ihr die 

Hosen und Unterhosen abgezogen und sie bei der Vagina geleckt, wobei 

er selber auf den Knien gewesen sei (CD Teil 2, Video 3, 25:30 ff.). Vor 

Obergericht berichtete A._____ zwar wiederum von diesem Kino-Vorfall, 

führt jedoch im Widerspruch zu ihrer ersten Aussage aus, der Beschuldigte 

habe sie am Hals und an den Brüsten berührt, am Hals geküsst und sich 

hinter ihr selbst befriedigt, was im Vergleich zu den in der Ersteinvernahme 

genannten sexuellen Handlungen eine deutliche Aggravation darstellt. Von 

den angeklagten Handlungen (Lecken an den Oberschenkeln und an der 

Vagina) berichtet A._____ vor Obergericht hingegen nicht.  

 

A._____ schildert im Rahmen der Berufungsverhandlung deutliche 

Aggravationen hinsichtlich der sexuellen Handlungen durch den 

 - 10 - 

 

 

Beschuldigten im Vergleich zu ihrer Erstaussage. In der ersten 

Einvernahme führte A._____ aus, der Beschuldigte habe sie gefragt, ob er 

ihr das Küssen beibringen solle, sie das jedoch verneint habe und danach 

in ihr Zimmer gegangen sei (vgl. vorstehend). Vor Obergericht schilderte 

sie den Vorfall so, dass sie zwar diese Frage des Beschuldigten verneint 

habe, er sie jedoch trotzdem geküsst habe (Protokoll der 

Berufungsverhandlung, S. 17). Sie schildert auch, dass der Beschuldigte 

«sozusagen gekommen ist» während er sie berührt habe. Er habe sich 

währenddessen mit der linken Hand selbst befriedigt (Protokoll der 

Berufungsverhandlung, S. 16). Von diesen Handlungen war in der 

Einvernahme bei der Polizei nicht die Rede. A._____ wurde von der 

Polizistin gefragt, ob sie sein Geschlechtsteil gesehen habe, was sie 

verneinte. Sie wurde auch gefragt, ob ihr aufgefallen sei, dass der 

Beschuldigte irgendwelche Geräusche oder Ähnliches gemacht habe, was 

A._____ ebenfalls verneinte (CD Teil 2, Video 4, 01:15 ff.). A._____ erklärt 

diese neu ergänzten Handlungen des Beschuldigten damit, dass sie sich 

bei der ersten Einvernahme geschämt habe, darüber zu sprechen und es 

ihr peinlich gewesen sei. Sie hätte es damals nicht richtig formulieren 

können (Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 23). Diese Erklärung ist 

nicht nachvollziehbar und deckt sich auch nicht mit dem vom Obergericht 

gewonnenen Eindruck der auf Video aufgezeichneten Einvernahme von 

A._____. A._____ erweckte bei ihrer Einvernahme durch die Polizistin 

keinen Anschein von übermässiger Scham oder Peinlichkeit. Sie wurde von 

einer zu diesem Zweck ausgebildeten Polizistin befragt und sprach 

grundsätzlich sehr offen mit der Polizistin. Die Polizistin fragte A._____ 

gegen Ende der Befragung konkret, ob ihr beim Beschuldigten etwas 

aufgefallen sei, als er diese Handlungen an ihr vollzogen habe und ob er 

irgendwelche Geräusche gemacht habe. Mithin wäre spätestens in diesem 

Moment zu erwarten gewesen, dass A._____ in diesem Moment die 

angebliche Selbstbefriedigung des Beschuldigten mit eigenen Worten 

umschrieben hätte.  

 

2.4. 

Der Beschuldigte hat die Vorwürfe in sämtlichen Befragungen bestritten, so 

auch anlässlich der Berufungsverhandlung. Gemäss seinen Darstellungen 

habe er auf A._____ und ihre Schwester aufgepasst, als deren Mutter bei 

der Arbeit war. Er habe viel mit den beiden Kindern unternommen und sich 

um sie gekümmert, aber er habe A._____ nie so berührt, wie sie behaupte 

(UA act. 88 f.; Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 32). Einige örtliche 

und zeitliche Gegebenheiten, wie von A._____ geschildert, bejaht der 

Beschuldigte. Beispielsweise habe A._____ ihn am Zukunftstag bei seiner 

Arbeit begleitet, sei aber nicht zu ihm in seine Wohnung (UA act. 97, 

Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 33). Auch dass er sie ins Kino 

gefahren habe stimme, wobei er sie jedoch nicht angefasst habe (UA act. 

98, Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 35). Weiter führt der 

Beschuldigte entgegen den Schilderungen von A._____ aus, dass in der 

 - 11 - 

 

 

Woche, als C._____ im Kosovo war, beide Kinder von Montag bis Freitag 

bei ihm gewesen seien und am Wochenende bei ihrem Vater. Auch hier sei 

es nicht zu sexuellen Handlungen zum Nachteil von A._____ gekommen 

(Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 33). 

 

2.5. 

Die Zeugenaussagen von C._____ und E._____ vermögen nicht 

massgeblich zur Feststellung des tatbestandserheblichen Sachverhalts 

beizutragen.  

 

Im Wesentlichen schildert C._____, die Mutter von A._____, wann und 

unter welchen Umständen sie von den angeblichen sexuellen Übergriffen 

erfahren habe. Das sei im Dezember 2019 in ihrer Wohnung nach einem 

Streit mit dem Beschuldigten gewesen. Daraufhin habe sie mit dem 

Beschuldigten Kontakt gehabt und er habe sie gefragt, ob er A._____ wie 

gewohnt in die Schule fahren solle. Als sie das ihrer Tochter gesagt habe, 

habe diese angefangen zu weinen und habe ihr alles erzählt (UA act. 140, 

152, Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 3). Zu Beginn hätte sie 

A._____ nicht geglaubt, aber als der Beschuldigte wieder bei ihr 

eingezogen sei, hätte sich ihre Tochter von ihr abgewandt und hätte nicht 

mehr in der Wohnung sein wollen. Dadurch habe sie, C._____, verstanden, 

dass etwas nicht stimme und habe ihr dann geglaubt (Protokoll der 

Berufungsverhandlung, S. 4). Mithin hat C._____ nach eigenen Angaben 

von den angeklagten Vorfällen überhaupt nichts mitbekommen und es ist 

ihr auch nichts aufgefallen, was doch erstaunt, wenn sich diese – wie 

angeklagt – über mehr als 1 ½ Jahre und zudem teilweise beinahe täglich 

zugetragen haben sollen. 

 

Auch E._____, eine ehemalige gute Freundin von C._____, die vom 

Beschuldigten von den gegen ihn erhobenen Vorwürfen erfahren und sich 

in der Folge von C._____ abgewandt haben soll, da sie diesen 

Anschuldigungen nicht geglaubt habe, vermochte mit ihren Aussagen 

anlässlich der Berufungsverhandlung (Protokoll der Berufungs-

verhandlung, S. 28 f.) nicht zur Klärung des massgeblichen Tatvorwurfs 

beizutragen. Sie tätigt keine beweisrelevanten Aussagen zum Kern-

geschehen und den dem Beschuldigten vorgeworfenen sexuellen 

Handlungen.  

 

2.6. 

Insgesamt ist für das Obergericht vor dem Hintergrund der sich vorliegend 

aufdrängenden Möglichkeit der Fremd- und/oder Autosuggestion sowie 

den im Kerngehalt sehr vagen und zum Teil widersprüchlichen Aussagen 

von A._____ zweifelhaft, ob sich die dem Beschuldigten gemäss Anklage 

vorgeworfenen mehrfachen sexuellen Handlungen wirklich zugetragen 

haben. Insoweit die Aussagen von A._____ einer inhaltlichen Analyse 

überhaupt zugänglich sind, kann die Nullhypothese nicht verworfen 

 - 12 - 

 

 

werden. Nachdem keine objektiven Beweise vorliegen und es sich bei den 

vorliegenden Zweifeln nicht bloss um abstrakte oder theoretische 

Bedenken, sondern um nicht zu unterdrückende Zweifel handelt, ist der 

Beschuldigte in Nachachtung des Grundsatzes «in dubio pro reo» von den 

Vorwürfen der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind nach Art. 

187 StGB freizusprechen. 

 

3.  

3.1. 

Der Beschuldigte hat mit Berufung für den Fall des von ihm beantragten 

Freispruchs eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 5'000.00 zuzüglich 5% 

Zins seit dem 12. August 2020 geltend gemacht.  

 

3.2. 

Wird ein Beschuldigter ganz oder teilweise freigesprochen, so hat er 

Anspruch auf Genugtuung für besonders schwere Verletzungen seiner 

persönlichen Verhältnisse, insbesondere bei Freiheitsentzug (Art. 429 

Abs. 1 lit. c StPO). Ein Anspruch auf Genugtuung im Sinne von Art. 429 

Abs. 1 lit. c StPO besteht regelmässig, wenn gegenüber der beschuldigten 

Person Untersuchungs- oder Sicherheitshaft angeordnet wurde. Nebst der 

Haft können auch weitere Verfahrenshandlungen oder Umstände wie etwa 

familiäre oder berufliche Konsequenzen des Strafverfahrens sowie eine mit 

starkem Medienecho durchgeführte Untersuchung oder eine erhebliche 

Präsentation in den Medien eine schwere Verletzung der persönlichen 

Verhältnisse im Sinne von Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO darstellen (BGE 146 

IV 231 E. 2.3.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_34/2018 vom 13. Mai 2024, 

E. 2.3.1). Hingegen genügt die mit jedem Strafverfahren grundsätzlich 

einhergehende psychische Belastung nicht für die Zusprechung einer 

Genugtuung (BGE 143 IV 339 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichtes 

6B_1087/2017 vom 18. Januar 2018 E. 1.2). 

 

3.3. 

Dem Beschuldigten ist keine Genugtuung auszurichten. Er war nicht in Haft 

und es wird vom Beschuldigten auch nicht rechtsgenügend dargelegt, 

inwiefern das Strafverfahren bei ihm zu familiären, beruflichen oder 

anderweitigen Konsequenzen geführt hat. Zwar behauptet er, C._____ 

habe seinem gesamten Umfeld von den frei erfundenen Vorwürfen erzählt 

und insbesondere seinen damaligen Vorgesetzten angerufen. Wie der 

Beschuldigte vor Obergericht jedoch selbst ausführt, ist er aktuell wieder 

bei seinem alten Arbeitgeber erwerbstätig. Er, der Beschuldigte, habe 

damals das Arbeitsverhältnis beendet (Protokoll der Berufungs-

verhandlung, S. 29 f.). Zudem lässt er von seiner Verteidigerin vortragen, 

dass er zu seiner Familie in Deutschland wie auch zu seiner Tochter 

F._____ in der Schweiz regelmässigen Kontakt habe. Die Tochter F._____ 

verbringe viel Zeit bei ihm und sie hätten eine enge und innige Bindung. 

Auch zur Mutter von F._____ sei das Verhältnis trotz Scheidung gut 

 - 13 - 

 

 

(Plädoyer, S. 10). Eine besonders schwere Verletzung der persönlichen 

Verhältnisse des Beschuldigten ist daher nicht ersichtlich. Die mit jedem 

Strafverfahren grundsätzlich einhergehende psychische Belastung reicht – 

wie vorstehend dargelegt – nicht für die Zusprechung einer Genugtuung. 

Insoweit der Beschuldigte der Ansicht ist, C._____ habe sich ihm 

gegenüber rufschädigend verhalten, so ist darüber nicht im vorliegenden 

Berufungsverfahren zu entscheiden, sondern hätte der Beschuldigte 

daraus abgeleitete Ansprüche in einem allfälligen Zivil- oder Strafverfahren 

gegen C._____ geltend zu machen. 

 

4. 

Das Gericht entscheidet über eine anhängig gemachte Zivilklage u.a. auch 

dann, wenn es die beschuldigte Person freispricht und der Sachverhalt 

spruchreif ist (Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO). 

 

Vorliegend kann die Täterschaft des Beschuldigten nicht erstellt werden, 

was zu einem vollumfänglichen Freispruch führt. Damit entfällt die 

Grundlage für die von der Vorinstanz A._____ zugesprochene 

Genugtuung. Damit ist ihre Zivilklage abzuweisen.  

 

5. 

5.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens bzw. Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). 

 

Ausgangsgemäss sind die erst- und zweitinstanzlichen Verfahrenskosten 

auf die Staatskasse zu nehmen. 

 

5.2. 

Die amtliche Verteidigerin des Beschuldigten ist für das obergerichtliche 

Verfahren gestützt auf die anlässlich der Berufungsverhandlung 

eingereichten Kostennoten, jedoch angepasst an die effektive Dauer der 

Berufungsverhandlung, mit gerundet Fr. 5'862.00 (inkl. Auslagen und 

Mehrwertsteuer) aus der Staatskasse zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 

StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und 3bis AnwT). 

 

5.3. 

Der Privatklägerin A._____ ist die unentgeltliche Rechtspflege im 

Berufungsverfahren nur für die Verfahrenskosten gewährt worden. 

Ausgangsgemäss hat sie ihre Aufwendungen im Berufungsverfahren 

selbst zu tragen (Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 433 Abs. 1 StPO e 

contrario). 

 

5.4. 

Die der amtlichen Verteidigerin für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochene Entschädigung von Fr. 15'563.55 und die der unent-

 - 14 - 

 

 

geltlichen Rechtsbeiständin der Privatklägerin für das erstinstanzliche 

Verfahren zugesprochene Entschädigung von Fr. 12'271.25 sind im 

Berufungsverfahren nicht angefochten worden, weshalb darauf nicht mehr 

zurückzukommen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 

28. Januar 2019 E. 2.3 f.). 

 

  

 - 15 - 

 

 

   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Der Beschuldigte wird von Schuld und Strafe freigesprochen.  

 

2.  

Die Zivilklage der Privatklägerin A._____ wird abgewiesen.  

 

3. 

3.1. 

Die erst- und zweitinstanzlichen Verfahrenskosten werden auf die 

Staatskasse genommen. 

 

3.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, der amtlichen Verteidigerin des 

Beschuldigten für das obergerichtliche Verfahren eine Entschädigung von 

Fr. 5'862.00 auszurichten. 

 

3.3. 

Die Privatklägerin A._____ hat ihre Parteikosten für das 

Berufungsverfahren selbst zu tragen.  

 

3.4. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, der amtlichen Verteidigerin des Beschuldigten für 

das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 15'563.55 

auszurichten. 

 

3.5. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, der unentgeltlichen Rechtsbeiständin der 

Privatklägerin für das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von 

Fr. 12'271.25 auszurichten.  

 

  

 - 16 - 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 27. Mai 2024 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin i.V.: 

 

 

 

Six Bekaj