# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d72883fd-6aa9-5063-90c5-c757b9a8cfaa
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-07-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.07.2010 E-1935/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1935-2009_2010-07-07.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-1935/2009
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  7 .  J u l i  2 0 1 0

Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), 
Richter Thomas Wespi, Richterin Gabriela Freihofer,
Gerichtsschreiberin Natasa Stankovic.

A_______, (...),
China,
(...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
24. Februar 2009 / N_______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-1935/2009

Sachverhalt:

A.
Der  Beschwerdeführer,  ein  chinesischer  Staatsangehöriger 
buddhistischen  Glaubens  und  tibetischer  Ethnie  aus  B_______,  (...) 
(Tibet), verliess nach eigenen Angaben seine Heimat Tibet am 1. oder 
2.  Januar  2008  und  gelangte  von  Nepal  her  kommend  über  un-
bekannte Länder am 18. April 2008 in die Schweiz, wo er gleichentags 
um Asyl nachsuchte. Für die Dauer des Asylverfahrens wurde er dem 
Kanton  C_______  zugewiesen.  Am  5.  Mai  2008  wurde  er  im 
Empfangs- und Verfahrenszentrum Kreuzlingen sowie am 13. Mai 2008 
vom  BFM  zu  seinen  Ausreise-  und  Asylgründen  befragt.  Anlässlich 
seiner  Anhörungen  trug  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen 
Folgendes vor:

Er sei im Jahre (...) geboren und bereits mit fünf oder sechs Jahren ins  
Kloster D_______ in B_______, (...), gekommen. Er habe dort bis zum 
22.  Lebensjahr  als  Mönch  unter  dem  Namen  E_______  mit 
20 weiteren Mönchen gelebt, Lesen und Schreiben gelernt und sei in 
Religionslehre  unterrichtet  worden. Weiter  erklärte  der  Beschwerde-
führer,  dass  Ende  2007  –  kurz   nach  dem Mittagessen  –  mehrere 
chinesische  Polizisten,  von  denen  einer  eine  Mönchskutte  getragen 
und als Übersetzer fungiert habe, im Kloster erschienen seien und von 
den  dort  lebenden  Mönchen  verlangt  hätten,  sich  vom Dalai  Lama 
abzuwenden  und  an  den  von  den  Chinesen  bestimmten  Panchen 
Lama  zu  glauben.  Zudem  habe  man  die  tibetischen  Mönche  unter 
Androhung  ernstlicher  Nachteile  zwingen  wollen,  zu  unterschreiben, 
dass  sie  Chinesen  seien.  Der  Beschwerdeführer  habe  aus  Wut 
interveniert  und  gesagt,  man  dürfe  nichts  unterschreiben.  Einer  der 
Chinesen habe ihn daraufhin festgehalten und mit  dem hinteren Teil 
des Gewehres auf seinen Hinterkopf geschlagen, so dass er geblutet 
habe. Ferner  habe  man  ihm einen  Elektrostab  hingehalten,  welcher 
seinen Körper  zum vibrieren gebracht  sowie Narben verursacht  und 
schliesslich zur Ohnmacht des Beschwerdeführers geführt habe. Als er 
wieder  aus  der  Bewusstlosigkeit  aufgewacht  sei,  habe  ihm  sein 
weinender Lehrer gesagt, dass das, was er getan habe, schlecht sei.  
Der  Lehrer  habe dem Beschwerdeführer  erzählt,  dass die  Chinesen 
Fotos  von  ihm  gemacht  hätten,  als  er  bewusstlos  auf  dem  Boden 
gelegen  habe,  und  bestimmt  wieder  zurückkehren  würden,  um 
herauszufinden, wer er sei. Deshalb habe sein Lehrer ihm gesagt, er  
müsse flüchten, und habe ihm erklärt, wohin und wie er gehen müsse. 

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Der Beschwerdeführer habe 14 Tage später, ca. Mitte Dezember 2007, 
in der Nacht das Kloster verlassen. Er habe dann am 1. oder 2. Januar 
2008 die Grenze in F_______ erreicht. Der Weg dorthin sei gefährlich 
und  beschwerlich  gewesen,  zumal  er  die  ganze  Strecke  zu  Fuss 
gelaufen sei. Im nepalesischen Kloster G_______, in welchem er drei 
Monate  verbracht  habe,  habe  man  ihm  geholfen,  Papiere  zu 
beschaffen. Das Dokument – ein dunkelblaues Büchlein – habe ihm 
allerdings der  Schlepper  – bei  der  Kontrolle  am Flughafen – wieder 
abgenommen. Die  Reise  habe  er  mittels  eines  silbernen  Amulettes 
bezahlt. 

B.
Mit Verfügung vom 24. Februar 2009 wies das BFM das Asylgesuch 
des  Beschwerdeführers  ab  und  ordnete  seine  Wegweisung  aus  der 
Schweiz an. Zur Begründung führte es aus, dass die Vorbringen des 
Beschwerdeführers  weder  den Anforderungen  an die  Glaubhaftigkeit 
gemäss  Art.  7  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 
142.31)  standzuhalten vermöchten noch asylrelevant seien. Die Weg-
weisung werde jedoch zur Zeit wegen Unzumutbarkeit nicht vollzogen, 
und der  Vollzug werde zu Gunsten einer  vorläufigen Aufnahme auf-
geschoben.  Auf  die  detaillierte  Begründung  wird  –  soweit  urteils-
relevant – in den Erwägungen eingegangen. 

C.
Der Beschwerdeführer reichte mit  Eingabe vom 23. März 2009 beim 
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die vorinstanzliche Ver-
fügung vom 24. Februar 2009 ein und beantragte, es seien die Ziffern 
1, 2, 3 und 6 der Verfügung aufzuheben, dem Asylgesuch sei stattzu -
geben  und  die  Sache zur  Neubeurteilung an  die  Vorinstanz zurück-
zuweisen. In  formeller  Hinsicht  wurde um Gewährung der unentgelt-
lichen Rechtspflege und um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses ersucht.

D.
Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichtes vom 21. April 
2009 wurde der Beschwerdeführer u.a. aufgefordert, Beweismittel be-
treffend seinen geschilderten Klosteraufenthalt in Tibet, die Ausbildung 
zum  Mönch  bzw.  die  entsprechende  Tätigkeit  im  In-  und  Ausland 
nachzureichen. Ferner wurde das Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen  Rechtspflege  gutgeheissen  und  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses verzichtet. 

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Zur  Stützung  seiner  Vorbringen  reichte  der  Beschwerdeführer  mit 
Eingabe  vom  5.  Mai  2009  beim  Bundesverwaltungsgericht  ein 
buddhistisches Gebetsbuch zu den Akten.

E.
Im Rahmen der Vernehmlassung zog das BFM am 19. Juni 2009 ge-
stützt auf Art. 58  des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über 
das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) seinen Entscheid vom 
24. Februar 2009 teilweise, betreffend Ziffern 1, 4 sowie 5, in Wieder -
erwägung. Das Bundesamt stellte fest, dass der Beschwerdeführer die 
Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  AsylG  erfülle  und  somit  als 
Flüchtling  anerkannt  werde.  Seinem  Asylgesuch  könne  allerdings 
mangels Vorfluchtgründen – es handle sich im vorliegenden Fall aus-
schliesslich  um  subjektive  Nachfluchtgründe  im  Sinne  von  Art.  54 
AsylG – nicht stattgegeben werden. Gestützt auf  Art. 83 Abs. 8  des 
Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20)  wurde  wegen  Unzulässigkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  die  vorläufige  Aufnahme  als  Flüchtling  an-
geordnet. Auf die detaillierte Begründung wird - soweit urteilsrelevant - 
in den Erwägungen eingegangen.

F.
Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichtes vom 23. Juni 
2009 wurde festgehalten, dass  dem Beschwerdeführer  die Gelegen-
heit  geboten  wird,  bis  zum 8. Juli  2009  Stellung  zu  nehmen,  ob  er  
seine Beschwerde vom 24. März 2009 betreffend Asylgewährung und 
Wegweisung  zurückziehen  wolle,  andernfalls  das  Gericht  davon 
ausgehe, er halte vollumfänglich an seiner Beschwerde fest. 

G.
Der Beschwerdeführer verzichtete auf eine Stellungnahme.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungs-
gericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM 
gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG und  ist  daher  eine  Vor-

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instanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  be-
treffende  Ausnahme im  Sinne  von  Art.  32  VGG liegt  nicht  vor. Das 
Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der 
vorliegenden Beschwerde und entscheidet im Bereich des Asyls end-
gültig  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichts-
gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 6 AsylG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht  (Art.  108 
Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG und  Art. 37 VGG i.V.m. Art. 52 VwVG). 
Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt  und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Auf-
hebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der 
Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG und Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 
Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  

3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person an-
erkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zu-
letzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit 
zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen 
Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist  Rechnung 
zu tragen (Art. 3 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nach-
weisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  ge-
macht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 

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Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in 
sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder 
massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt 
werden (Art. 7 AsylG).

3.3 Die Vorinstanz stellte fest, dass der Beschwerdeführer die Flücht-
lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfülle und somit als Flüchtling 
anerkannt  werde.  Insoweit  ist  die  Beschwerde  gegenstandslos  ge-
worden. 

4.
Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht das Vorliegen 
von Vorfluchtgründen verneint sowie demzufolge das Asylgesuch ab-
gelehnt  und  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  nur 
aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe bejaht hat.

4.1 Das BFM vertrat in seiner teilweise in Wiedererwägung gezogenen 
Verfügung vom 24. Februar 2009 die Auffassung, die Asylvorbringen 
des  Beschwerdeführers  seien  als  unglaubhaft  zu  erachten.  Zur  Be-
gründung seiner Verfügung führte das Bundesamt aus, dass der Be-
schwerdeführer im Verlaufe des Verfahrens zu wesentlichen Punkten 
unterschiedliche  Angaben  gemacht  habe:  Einerseits  habe  er  in  der 
Empfangsstelle angegeben, es seien fünf Polizisten und ein Mönch im 
Kloster  erschienen;  andererseits  habe  er  bei  der  direkten  Bundes-
anhörung  von  vier  Polizisten  und  einem Mönch  gesprochen. Ferner 
habe er zuerst angegeben, dass er das Bewusstsein um ca. 15:00 Uhr 
infolge  eines  Schlages  mittels  eines  Gewehrkolbens  durch  einen 
Polizisten verloren habe und am Abend wieder aus dem Koma erwacht  
sei; bei der direkten Bundesanhörung habe er jedoch angegeben, in 
einem halbstündigen bis einstündigen Koma gelegen zu sein. Auf die 
Ungereimheiten  hingewiesen,  habe  der  Beschwerdeführer  die  Un-
stimmigkeiten in seinen Aussagen nicht zu erklären vermocht.

Des Weiteren führte die Vorinstanz aus,  die geltend gemachten Vor-
bringen  seien  nicht  hinreichend  substanziiert,  da  insbesondere  die 
Angaben des Beschwerdeführers über den tätlichen Angriff seitens der 
chinesischen  Polizisten  und  sein  darauffolgender  Wegzug  aus  dem 
Kloster nur allgemein ausgefallen seien (z.B. keine genauen Datums- 
und Zeitangaben).

Im  Übrigen  würden  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  der 

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allgemeinen Erfahrung oder Logik  des Handels widersprechen, etwa 
weil  anzunehmen  sei,  dass  die  chinesischen  Behörden  den 
Beschwerdeführer nicht nur fotografiert hätten, um später ein zweites 
Mal im Kloster zu erscheinen und ihn mitzunehmen, sondern bei einer 
tatsächlich  bestehenden staatlichen  Verfolgungsabsicht  ihn  noch  am 
selben  Tag  fest-  und  mitgenommen  hätten.  Sodann  seien  verfolgte 
Personen bestrebt, umgehend die Flucht zu ergreifen. Deshalb sei es 
nicht  nachvollziehbar, weshalb sich der Beschwerdeführer nach dem 
angeblichen Angriff anfangs Dezember 2007 noch zirka zwei Wochen 
im  Kloster  aufgehalten  habe.  Dieses  Fluchtverhalten  vermöge 
–  angesichts  der  geltend  gemachten  Bedrohung  durch  die 
chinesischen Behörden – das Bundesamt nicht zu überzeugen. 

In seiner Vernehmlassung vom 19. Juni 2009 hält das Bundesamt fest, 
das  vom  Beschwerdeführer  eingereichte  buddhistische  Gebetsbuch 
würde einerseits den geltend gemachten Aufenthalt des Beschwerde-
führers im Kloster D_______ sowie seine geschilderte Verfolgung nicht 
nachweisen, weil die diesbezüglichen Vorbringen mit den im Asylent-
scheid  vom  24.  Februar  2009  genannten  Ungereimheiten  behaftet 
seien;  andererseits  seien  solche  buddhistischen  Gebetsbücher 
beziehungsweise  Schriftrollen  überall  als  Souvenirs  erhältlich  (auch 
ausserhalb Tibets). Somit  weise das Gebetsbuch die Vorbringen des 
Beschwerdeführers  nicht  glaubhaft  nach.  Daher  folge,  dass  der 
Beschwerdeführer  zum  Zeitpunkt  seiner  Ausreise  aus  Tibet  die 
Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllt  habe  und  sein  Asylgesuch  mit 
Verfügung vom 24. Februar 2009 zu Recht abgelehnt worden sei. 

Da sich der Beschwerdeführer mittlerweile seit  längerer Zeit  ausser-
halb Tibets beziehungsweise der Volksrepublik China aufhalte, habe er 
jedoch  begründete  Furcht,  bei  der  Rückkehr  in  seine  Heimat 
ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu sein, 
weil  die  chinesische  Regierung  illegale  Ausreisen, 
Asylgesuchstellungen sowie langjährige Aufenthalte im Ausland streng 
ahnde.  Somit  erfülle  der  Beschwerdeführer  zwar  die 
Flüchtlingseigenschaft,  Flüchtlingen werde jedoch kein Asyl  gewährt, 
wenn  sie  erst  durch  ihre  Ausreise  aus  dem  Heimat-  oder 
Herkunftsland  oder  wegen  ihres  Verhaltens  nach  der  Ausreise  zu 
Flüchtlingen  im  Sinne  des  Art.  3  AsylG  geworden  seien  (Art.  54 
AsylG). 

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4.2 Der  Beschwerdeführer  führte  zur  Begründung  in  der 
Rechmitteleingabe vom 23. März 2009 insbesondere aus, dass sowohl 
bei der Empfangsstellenbefragung als auch bei der direkten Bundes-
anhörung  fünf  Polizisten,  von  denen  einer  als  Mönch  gekleidet  ge-
wesen sei, erwähnt worden seien. Sodann sei es für Tibeter schwierig, 
genaue  Zeit-  und  Datumsangaben  zu  machen,  da  das  Leben  im 
Kloster  immer den gleichen Ablauf  habe und die ungefähre Zeit  an-
hand  der  Sonne  bemessen  werde. Man habe  ihn  bei  der  Anhörung 
gezwungen – auch wenn er gegenüber den Behörden geäussert habe, 
dass er es nicht  mehr wisse –,  sich auf  eine bestimmte Uhrzeit  be-
treffend  die  Angabe,  wann  er  sein  Bewusstsein  verloren  habe  und 
später wieder aus dem Koma erwacht sei, festzulegen. Des Weiteren 
wendet er sinngemäss ein, die Vorwürfe der Vorinstanz bezüglich der 
Verfolgungsabsicht  der  chinesischen  Behörden  seien  nicht  haltbar, 
denn die Chinesen hätten ihn bestimmt an jenem Tag mitgenommen, 
wenn  er  nicht  stark  am  Kopf  verletzt  gewesen  wäre  und  nicht  das 
Bewusstsein verloren hätte. Sodann habe er seine Flucht vorbereiten 
müssen  und  habe  sich  deshalb  zwei  Wochen  im  Kloster,  wo  die 
Mönche zusammenhalten und niemanden verraten würden, versteckt.

Zudem trug der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 5. Mai 2009 vor, 
dass er  keinen Kontakt  mit  dem Kloster  aufnehmen könne, weil  seit 
2008  die  Telefone  unterbrochen  seien  bzw. man  alle  ausländischen 
Telefonate  abhöre.  Die  Lage  in  Tibet  habe  sich  seit  2008  ver-
schlechtert, und aufgrund der militärischen Besetzung Tibets durch die 
chinesische Armee würde kein Klostervorsteher sein Leben riskieren, 
um ihm eine Bestätigung zukommen zu lassen.

5.

5.1 Die Darstellungen, mit welchen eine asylsuchende Person ihr Ge-
such  begründet,  müssen  zumindest  glaubhaft  sein.  Vorbringen  sind 
dann  glaubhaft,  wenn  sie  genügend  substanziiert,  in  sich  schlüssig 
und plausibel  sind; sie  dürfen sich  nicht  in  vagen Schilderungen er-
schöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der 
inneren  Logik  entbehren  und  auch  nicht  den  Tatsachen  oder  der 
allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl -
suchende  Person  persönlich  glaubwürdig  erscheinen,  was  ins-
besondere dann nicht  der  Fall  ist,  wenn sie ihre  Vorbringen auf  ge-
fälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt, aber auch dann, wenn 
sie  wichtige  Tatsachen  unterdrückt  oder  bewusst  falsch  darstellt,  im 

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Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt oder unbegründet nach-
schiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-
wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet - im Gegensatz zum 
strikten  Beweis  -  ein  reduziertes  Beweismass  und  lässt  durchaus 
Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der asyl -
suchenden  Person.  Eine  Behauptung  gilt  bereits  als  glaubhaft  ge-
macht,  wenn  die  urteilende  Behörde  von  ihrer  Wahrheit  nicht  völlig 
überzeugt  ist,  sie  aber  überwiegend für  wahr  hält,  obwohl  nicht  alle  
Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es demgegen-
über nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber 
in  Würdigung der  gesamten Aspekte  wesentliche und überwiegende 
Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. 
Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die 
für die Richtigkeit  der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen 
oder  nicht;  dabei  ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise  abzustellen 
(vgl.  Art.  7  Abs.  1  -  3  AsylG;  zum  Ganzen  Entscheidungen  und 
Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 
1994  Nr. 5  E. 3c  S. 43  f.;  1996  Nr. 28  E.  3a  S. 270;  WALTER KÄLIN, 
Grundriss des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a.M. 1990, S. 304 ff.).

5.2 Die  Unglaubhaftigkeitsargumentation  der  Vorinstanz  wird  der 
Aktenlage in weiten Teilen gerecht:

Was die Angabe des Beschwerdeführers betrifft, er habe seit seinem 
6.  Lebensjahr  in  Tibet  als  Mönch  gelebt,  bestehen  gewisse  Unge-
reimheiten.  So  fällt  bei  Durchsicht  der  Protokolle  auf,  dass  der  Be-
schwerdeführer zwar in der Lage war, das Klosterleben nachvollzieh-
bar darzustellen und die Belange einer Ausbildung zum Mönch einer-
seits in gewissen Aspekten zu schildern (vgl. A14/14, S. 3 f., A 1/11, 
S. 3);  andererseits  fehlen  jedoch  z.B. Hinweise  –  auch  wenn zuge-
standenermassen  der  Beschwerdeführer  in  den  Anhörungen  nicht 
hierzu befragt wurde – auf die sogenannten Debatten, die in der Aus-
bildung tibetischer Mönche eine wesentliche Rolle spielen und welche 
er  als  fortgeschrittener  Schüler  gewiss  zu  bestreiten  gehabt  hätte. 
Sodann  konnte  er  nicht  angeben,  wo  sich  das  nächste  Kloster  be-
findet.  Aus  dem  als  Beweismittel  eingereichten  Gebetsbuch  kann 
weder zu Gunsten noch zu Ungunsten des Beschwerdeführers etwas 
abgeleitet  werden,  da  es  keinen  Aufschluss  darüber  gibt,  ob  die 
geltend gemachten Vorbringen des Beschwerdeführers glaubhaft sind 
oder  nicht.  Des  Weiteren  erscheint  zwar  die  Aussage  des  Be-
schwerdeführers, er könne keine Bestätigung aus Tibet anfordern, weil  

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er  die  Mönche  gefährden  würde,  da  sich  die  Situation  in  Tibet  seit 
2008  massiv  verschärft  habe,  einleuchtend,  zumal  dies  auch  der 
Lagebeurteilung des Bundesverwaltungsgerichtes entspricht. Kontakte 
mit dem Ausland werden von den chinesischen Behörden regelmässig 
überwacht (vgl. BVGE 2009/29 E. 6.3 S. 381 f.). Der Beschwerdeführer 
hätte sich allerdings – auch wenn ein direkter Nachweis schwierig zu 
erbringen  sein  dürfte  –  zumindest  mit  dem Tibet-Institut  in  Rikon in  
Verbindung setzen können. Das Gericht  geht  davon aus,  dass  einer 
der dort lehrenden Mönche die Ausbildung, Kenntnisse und Tätigkeiten 
des Beschwerdeführers als Mönch hätte bestätigen können. 

Der Beschwerdeführer konnte sodann den angeblichen Vorfall, welcher 
sich  kurz  vor  der  Ausreise  mit  den  chinesischen  Polizisten  ereignet 
haben soll, nicht genügend substanziieren. Die Unstimmigkeiten in den 
Anhörungen in Bezug auf die Anzahl der Polizisten, welche im Kloster 
erschienen  sein  sollen,  und  den  Chinesen  im  tibetischen 
Mönchsgewand (vgl. A1/11 S. 6 und A14/14 S. 5), lassen erhebliche 
Zweifel  offen.  Auf  den  Widerspruch  angesprochen,  gab  der 
Beschwerdeführer  an,  dass  die  bei  der  Anhörung  ausgeführte 
Darstellung, es seien fünf Chinesen gewesen, eine der fünf Personen 
habe  eine  Mönchskutte  getragen  und  habe  als  Übersetzter  gedient, 
zutreffend  sei;  die  erste  Befragung  sei  sehr  schnell  gegangen 
(vgl. A14/14 S. 10). Bei der Kurzbefragung wurde jedoch nicht nur an 
einer  Stelle  von  fünf  Polizisten  und  einem  Mönch  gesprochen 
(vgl. A1/11 S. 6 und die Frage: "Um welche Uhrzeit erschienen diese 
5 chinesischen Polizisten und dieser Chinese im tibetischen Mönchs-
Gewand  im  Kloster...").  Fraglich  ist,  weshalb  der  Beschwerdeführer 
zumindest hier nicht interveniert und den Fragesteller korrigiert hat. In 
Würdigung  der  gesamten  Aspekte  sprechen  folglich  überwiegende 
Umstände gegen die vom Beschwerdeführer vorgebrachte Darstellung. 

Wie  das  Bundesamt  ferner  zutreffend  ausführte,  ist  es  nicht 
nachvollziehbar,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  nach  dem 
angeblichen Angriff der Chinesen noch etwa zwei Wochen im Kloster 
aufgehalten  habe  und  erst  in  der  Folge  geflüchtet  sei.  Die 
Ausführungen des Beschwerdeführers, sein Lehrer und er hätten die 
Flucht richtig planen müssen, da der Beschwerdeführer nie ausserhalb 
der  Region  unterwegs  gewesen  sei,  zudem  hätten  ihn  die  Mönche 
während  dieser  zwei  Wochen  niemals  an  die  Chinesen  verraten, 
vermag in Berücksichtigung einer allfälligen Hausdurchsuchung durch 
die  chinesischen  Behörden  nicht  zu  überzeugen.  Angesichts  des 

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unerbittlichen Vorgehens der chinesischen Behörden ist das Verhalten 
nicht  nachvollziehbar.  Ferner  hätten  die  Mönche  den  Beschwerde-
führer nicht schützen können; er hätte sie vielmehr in Gefahr gebracht.

Im Übrigen konnte der Beschwerdeführer seinen Fluchtweg aus Tibet 
zwar beschreiben respektive den Weg vom Kloster bis zum Grenzort 
F_______  aufzeichnen;  die  Schilderungen  blieben  indessen 
unsubstanziiert,  und es fehlen Anhaltspunkte  und Realkennzeichnen 
dafür,  dass  der  Beschwerdeführer  das  Geschilderte  tatsächlich 
durchlebt  hat  und  unmittelbar  vom  Kloster  aus  geflüchtet  ist 
(vgl.  A14/14  S.  8).  Ausserdem  fiel  die  Schilderung  betreffend  den 
weiteren Reiseweg aus Nepal  bescheiden aus (Unkenntnis  über  die 
Fluggesellschaft,  unbekannter  Reiseweg,  Unwissen  betreffend 
vorgewiesene  Identitätsdokumente;  vgl.  A1/11  S. 7  f.),  was auch  an 
diesen Aussagen gewisse Zweifel erlaubt.

5.3 Das  Bundesverwaltungsgericht  gelangt  nach  Prüfung  der 
Aktenlage und vor dem Hintergrund obiger Erwägungen zum Schluss, 
dass  –  im  Sinne  einer  Gesamtwürdigung  –  trotz  Berücksichtigung 
jener  Umstände,  die  durchaus  für  die  Sachverhaltsdarstellung  des 
Beschwerdeführers sprechen, die Widersprüche und Ungereimtheiten 
überwiegen  und  gestützt  auf  Art.  7  AsylG  die  vorinstanzliche  Ein-
schätzung,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  seien  nicht 
glaubhaft dargelegt worden, zutrifft.

Das  BFM hat  demnach  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  zu 
Recht abgewiesen, und die vorinstanzliche Verfügung ist diesbezüglich 
zu bestätigen.

6.

6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet  den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der 
Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

6.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrecht-
liche Aufenthaltsbewilligung  noch über  einen Anspruch auf  Erteilung 
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). Auch diesbezüglich ist die 
angefochtene Verfügung zu bestätigen.

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6.3 Eine  Erörterung  von  Wegweisungsvollzugshindernissen  kann 
unterbleiben, nachdem das BFM den Beschwerdeführer aufgrund von 
Nachfluchtgründen als Flüchtling anerkannt und wegen Unzulässigkeit 
des Wegweisungsvollzuges eine vorläufige Aufnahme angeordnet hat. 

7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten, soweit sie sich nicht als gegen-
standslos erweist, abzuweisen.

8.
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  (teilweises  Unterliegen)  wären 
dem Beschwerdeführer die ermässigten Kosten aufzuerlegen (Art. 63 
Abs. 1  VwVG). Nachdem indessen  das  Gesuch  um Gewährung  der 
unentgeltlichen  Prozessführung  mit  Verfügung  vom  21.  April  2009 
gutgeheissen worden ist und aus den Akten hervorgeht, dass der Be-
schwerdeführer auch heute weiterhin als bedürftig gelten muss, sind 
keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.

Eine Parteientschädigung, insofern der Beschwerdeführer im Ergebnis 
mit  seinen Rechtsbegehren betreffend Anerkennung der  Flüchtlings-
eigenschaft durchgedrungen ist, ist nicht auszurichten, da nicht davon 
auszugehen  ist,  es  seien  dem  im  Beschwerdeverfahren  nicht  ver-
tretenen  Beschwerdeführer  notwendige  und  verhältnismässig  hohe 
Kosten im Sinne von Art. 64 Abs. 1 VwVG entstanden.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die  Beschwerde  wird  abgewiesen,  soweit  sie  sich  nicht  als  gegen-
standslos erweist. 

2.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.
Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.

4.
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
kantonale Behörde. 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Christa Luterbacher Natasa Stankovic

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