# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d943a557-9dd2-553d-80ac-2ab5d84a1b9a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-01-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.01.2012 E-1909/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1909-2008_2012-01-16.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­1909/2008

U r t e i l   v om   1 6 .   J a nua r   2 0 1 2

Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz),
Richter Bruno Huber, Richterin Christa Luterbacher,   
Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener.

Parteien A._______, geboren am (…),
Türkei,  
vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar, Rechtsberatung,
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 20. Februar 2008 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der Beschwerdeführer, ein Kurde aus B._______ mit letztem Wohnsitz in 
Istanbul, verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 7. Juli 
2007 und gelangte am 13. Juli 2007  in die Schweiz, wo er am gleichen 
Tag um Asyl nachsuchte. Am 27. Juli 2007 wurde er  im Empfangs­ und 
Verfahrenszentrum  Kreuzlingen  summarisch  befragt.  Am  17.  August 
2007 folgte eine Direktanhörung durch das Bundesamt. 

Der  Beschwerdeführer  begründete  sein  Asylgesuch  im  Wesentlichen 
damit,  er  stamme  aus  einer  politisch  engagierten  Familie.  Sein  Vater 
C._______  habe  während  26  oder  27  Jahren  für  die  HADEP  (Halkin 
Demokrasi  Partisi,  Partei  der  Demokratie  des  Volkes)  (später:  DEHAP 
[Demokratik Halk Partisi,  demokratische Volkspartei])  gearbeitet  und sei 
deswegen nach D._______ geflüchtet, wo er während (…) Jahren gelebt 
habe. Danach sei er  in die Türkei abgeschoben worden, worüber  in den 
türkischen  Medien  berichtet  worden  sei.  Aus  diesem  Grund  sei  in  der 
Umgebung bekannt gewesen, dass er und seine Geschwister die Kinder 
von  C._______  seien.  Es  sei  ein  Strafverfahren  gegen  seinen  Vater 
eröffnet  worden.  Wegen  seines  Vaters  sei  auch  sein  älterer  Bruder 
behelligt  und  für  mehrere  Monate  inhaftiert  worden.  Schliesslich  seien 
sein Vater und der Bruder ausgereist. Seither hätten die Zivilpolizei und 
die  uniformierte  Polizei  zu  Hause  nach  deren  Verbleib  gefragt.  Der 
Beschwerdeführer sei  ferner dreimal von der Zivilpolizei auf den Posten 
mitgenommen  und  während  zwei  bis  drei  Stunden  festgehalten  sowie 
nach  seinem  Bruder  und  seinem  Vater,  welche  in  der  Schweiz  seien, 
befragt  worden.  Schliesslich  seien  er  und  seine  jüngeren  Brüder  von 
ihnen  unbekannten  Gruppen  angegriffen  worden,  und  es  sei  zu 
Schlägereien gekommen. Dabei seien sie wegen ihres Vaters beschimpft 
worden.  Nachdem  er  schliesslich  zum  Militärdienst  aufgeboten  worden 
sei,  habe  er  sich  aus  Angst,  wegen  seiner  familiären  Vorbelastung  in 
einem besonders schwierigen Gebiet eingesetzt zu werden, zur Ausreise 
entschlossen. 

Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen.

B. 
Das  Bundesamt  stellte  mit  Verfügung  vom  20.  Februar  2008  fest,  der 
Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das 
Asylgesuch  ab.  Gleichzeitig  ordnete  es  die  Wegweisung  des 
Beschwerdeführers aus der Schweiz an. Die Vorinstanz begründete  ihre 

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Verfügung  im  Wesentlichen  damit,  dass  die  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers  weder  den  Anforderungen  an  die 
Flüchtlingseigenschaft  noch  denjenigen  an  die  Glaubhaftigkeit 
standhielten.  Den  Vollzug  der  Wegweisung  in  die  Türkei  befand  die 
Vorinstanz  für  zulässig,  zumutbar,  technisch  möglich  und  praktisch 
durchführbar.

C. 
Mit Eingabe vom 20. März 2008 beantragte der Beschwerdeführer durch 
seinen  Rechtsvertreter  in  materieller  Hinsicht  die  Aufhebung  der 
angefochtenen Verfügung und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei 
die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht 
sei auf die Erhebung eines Verfahrenskostenvorschusses zu verzichten, 
wobei  die  Nachreichung  einer  Fürsorgebestätigung  in  Aussicht  gestellt 
wurde.  Der  Beschwerdeführer  machte  zudem  geltend,  das  Bundesamt 
habe  sein  Gesuch  um  Akteneinsicht  vom  14.  März  2008  noch  nicht 
behandelt, weshalb  ihm eine Frist  für eine Beschwerdeverbesserung zu 
gewähren sei.

D. 
Mit Zwischenverfügung der damals zuständigen Instruktionsrichterin vom 
28. März  2008  wurde  der  Beschwerdeführer  unter  Fristansetzung  dazu 
aufgefordert, eine Beschwerdeverbesserung einzureichen.

E. 
Mit  Eingabe  vom  31.  März  2008  reichte  der  Beschwerdeführer  eine 
Beschwerdeverbesserung  nach.  Auf  die  Begründung  wird,  soweit 
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Gleichzeitig 
wurde  ein  Rundbrief  der  KDV  (Kriegsdienstverweigerung),  Auszug  aus 
der  Ausgabe  vom  November  2000,  als  Beweismittel  zu  den  Akten 
gereicht. 

F. 
Am  1.  April  2008  wurde  eine  Fürsorgebestätigung  nachgereicht.  Mit 
verfahrensleitender Verfügung vom 16. April 2008 wurde das Gesuch um 
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gutgeheissen.

G. 
In  ihrer  Vernehmlassung  vom  17.  April  2008  beantragte  die  Vorinstanz 
die Abweisung der Beschwerde.

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H. 
Am  7.  Januar  2010  erkundigte  sich  der  Beschwerdeführer  nach  dem 
Verfahrensstand.  Dieses  Schreiben  wurde  vom  Gericht  am  14.  Januar 
2010 beantwortet.

I. 
Mit verfahrensleitender Verfügung vom 15. September 2011 wurde dem 
Beschwerdeführer  Gelegenheit  gegeben,  allfällige  Ergänzungen  zu 
machen und gegebenenfalls Beweismittel einzureichen.

J. 
Am 30.  September  2011  reichte  der Beschwerdeführer  eine Ergänzung 
ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).Diese Ausnahme liegt hier nicht vor.

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 

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schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 108  Abs. 1  AsylG  sowie  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und 
Art. 48  Abs. 1,  Art.  50  und  Art. 52  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist 
einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 

3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

3.3. Begründete Furcht vor künftiger Verfolgung liegt vor, wenn konkreter 
Anlass  zur  Annahme  besteht,  letztere  hätte  sich  –  aus  der  Sicht  im 
Zeitpunkt  der  Ausreise  –  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in 
absehbarer  Zeit  verwirklicht  und  werde  sich  –  auch  noch  aus  heutiger 
Sicht  –  mit  ebensolcher  Wahrscheinlichkeit  in  absehbarer  Zukunft 
verwirklichen.  Eine  bloss  entfernte  Möglichkeit  künftiger  Verfolgung 
genügt nicht; es müssen konkrete  Indizien vorliegen, welche den Eintritt 
der  erwarteten  –  und  aus  einem  der  vom  Gesetz  abschliessend 
aufgezählten  Motive  erfolgenden  –  Benachteiligung  als  wahrscheinlich 

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und  dementsprechend  die  Furcht  davor  als  realistisch  und 
nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen 
der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK] 2004 Nr.  1 E. 6a, 
m.w.H.).  Begründete  Furcht  vor  Verfolgung  enthält  eine  subjektive  und 
eine  objektive  Komponente  (vgl.  BVGE  2010/57  E  2.5).  Die  subjektive 
Furcht vor Verfolgung muss auch objektiv begründet sein, d.h. sie muss 
angesichts  der  tatsächlichen  Situation  gerechtfertigt  erscheinen. 
Massgebend  für  die  Bestimmung  der  begründeten  Furcht  ist  allerdings 
nicht  allein,  was  ein  normal  empfindender  Mensch  angesichts  der 
geschehenen  oder  drohenden  Verfolgungsmassnahmen  zu  Recht 
empfunden  hätte.  Diese  rein  objektive  Betrachtungsweise  ist  zusätzlich 
durch  das  vom  Betroffenen  bereits  Erlebte  und  das  Wissen  um 
Konsequenzen  in vergleichbaren Fällen zu ergänzen (vgl. BVGE 2010/9 
E.  5.2).  Dabei  hat  derjenige,  der  bereits  früher   Verfolgung  ausgesetzt 
war,  objektive  Gründe  für  eine  ausgeprägtere  subjektive  Furcht  als 
jemand,  der  erstmals  ernsthafte Nachteile  erlebt  (vgl.  EMARK 1993 Nr. 
11 E. 4c S. 71 f., EMARK 2000 Nr. 9 E. 5a S. 78).

4. 

4.1.  Das  Bundesamt  begründete  seine  ablehnende  Verfügung  vom 
20. Februar 2008 im Wesentlichen damit, der Beschwerdeführer habe zu 
zentralen  Elementen  seiner  Verfolgungssituation  unsubstanziierte  und 
widersprüchliche  Aussagen  gemacht,  welche  zum  Schluss  führen 
würden,  dass  er  sich  mit  diesen  Vorbringen  auf  einen  konstruierten 
Sachverhalt  und  nicht  auf  tatsächlich  Erlebtes  beziehe.  So  habe  er  die 
polizeilichen  Mitnahmen  und  Nachfragen  wegen  seines  Vaters  und 
seines  Bruders,  die  in  der  Schweiz  Asyl  erhalten  hätten,  zeitlich  nicht 
einordnen  können.  Auch  habe  er  über  die  Angaben  hinaus,  wonach  er 
jeweils in einem Büroraum mit einem Tisch und mehreren Stühlen verhört 
worden  sei,  keinerlei  Angaben  zum  Ort  der  Verhöre  machen  können. 
Zudem  habe  er  nicht  angeben  können,  ob  diese  Verhöre  jeweils  im 
gleichen  Raum  stattgefunden  hätten.  Weiter  habe  er  zu  den  drei 
Mitnahmen,  welche  sich  immer  gleich  abgespielt  hätten,  stereotype 
Aussagen  gemacht.  Ferner  habe  er  zur  Häufigkeit  der  polizeilichen 
Vorsprachen  –  einerseits  Zivilpolizisten,  andererseits  uniformierte 
Polizisten  ­  unterschiedliche  Aussagen  gemacht.  Schliesslich  habe  der 
Beschwerdeführer  vorgebracht,  die  Polizisten  seien  nicht  mehr 
gekommen,  nachdem  sie  ihnen  gesagt  hätten,  dass  der  Bruder 
inzwischen  in  der  Schweiz  lebe.  Auf  die  Frage,  wann  sie  dies  den 
Polizisten gesagt hätten, habe der Beschwerdeführer erklärt, dies sei vor 

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etwa zwei oder drei Jahren gewesen. An anderer Stelle habe er  jedoch 
zu Protokoll gegeben, die Vorladungen für seinen Bruder seien noch bis 
vor  acht  oder  neun Monaten  gekommen.  Gestützt  auf  diese  Aussagen 
hielt  die  Vorinstanz  fest,  der  Beschwerdeführer  habe  keine 
Reflexverfolgungsmassnahmen  glaubhaft  machen  können.  Es  bestehe 
somit  kein  Grund  zur  Annahme,  dass  er  wegen  seines  familiären 
Umfeldes mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und  in absehbarer Zukunft 
Reflexverfolgungsmassnahmen  ernsthaften  Ausmasses  erleiden müsse. 
Schliesslich  bezeichnete  die  Vorinstanz  die  befürchteten 
Benachteiligungen während des Militärdienstes wegen seiner kurdischen 
und familiären Vorbelastung als asylrechtlich nicht beachtlich.

4.2.  In  der  Rechtsmitteleingabe  wird  dazu  eingewendet,  der 
Beschwerdeführer und seine Familie seien nach der Flucht des Vaters in 
die  Schweiz,  wo  diesem  Asyl  gewährt  worden  sei,  ins  Visier  der 
türkischen Behörden geraten. Deshalb seien sie nach  Istanbul gezogen. 
Dort seien sie weiterhin beobachtet und schikaniert worden. E._______, 
ein Bruder des Beschwerdeführers, sei festgenommen worden und nach 
seiner Freilassung in die Schweiz geflohen, wo er ebenfalls als Flüchtling 
anerkannt  worden  sei.  Die  Repressionen  gegen  die  Familie  würden 
andauern.  So  sei  auch  der  Beschwerdeführer  nicht  davon  verschont 
worden. Die Verhaftung von E._______ sei ein Beweis, dass die Familie 
als  terroristenfreundlich  gelte  und  daher  den  Repressionen  durch  die 
Sicherheitskräfte ausgesetzt sei. Es sei eine bekannte Tatsache, dass in 
der Türkei die Familienmitglieder einer Person, die sich für die kurdische 
Sache  eingesetzt  habe, mit  Erniedrigungen, Entführungen,  Folterungen, 
langjährigen Freiheitsstrafen  und  sogar  aussergerichtlichen Exekutionen 
rechnen  müssten.  Der  Beschwerdeführer  sei  dreimal  auf  den 
Polizeiposten mitgenommen und nach seinem Vater und seinem Bruder 
gefragt worden. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz habe er glaubhafte 
Aussagen  gemacht.  Es  liege  somit  eine  Reflexverfolgung  vor,  welche 
auch  von  der  Rechtsprechung  anerkannt  werde.  Im  Übrigen  sei  die 
Furcht des Beschwerdeführers,  im Militärdienst benachteiligt  zu werden, 
begründet.

4.3.  In  seiner  Eingabe  vom  30.  September  2011  führte  der 
Beschwerdeführer  aus,  die  politische  Lage  in  seinem  Heimatland  habe 
sich  nicht  verändert.  Die  Behörden  würden  weiterhin  Druck  auf  seine 
Familie  ausüben  und  hätten  sich  letztmals  vor  zirka  vier Monaten  nach 
dem  Beschwerdeführer,  dem  Vater  und  dem  Bruder  E._______ 
erkundigt. Im Falle einer Rückkehr in die Türkei müsse er damit rechnen, 

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festgenommen,  verhört  und  verhaftet  zu  werden.  Zudem  hätten  die 
bewaffneten  Auseinandersetzungen  zwischen  den  türkischen 
Armeeeinheiten  und  den  PKK­Kämpfern  in  den  letzten  zwei  Monaten 
zugenommen.

5. 

5.1. Vorliegend gelangt das Bundesverwaltungsgericht nach Prüfung der 
Akten  zum  Schluss,  dass  die  Vorinstanz  das  Asylgesuch  des 
Beschwerdeführers  zu  Recht  abgewiesen  hat.  Sie  hat  den  Sachverhalt 
genügend  abgeklärt  und  in  ihrem  Entscheid  die  Gründe  aufgeführt, 
welche auf die fehlende Glaubhaftigkeit der Vorbringen und die fehlende 
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers schliessen lassen.

5.1.  In  Übereinstimmung  mit  der  Vorinstanz  ist  festzustellen,  dass  der 
Beschwerdeführer  unglaubhafte  Aussagen  gemacht  hat.  So  hat  er 
betreffend die vorgebrachten Mitnahmen wegen seines Vaters und seines 
älteren Bruders weder  zum Zeitpunkt  noch  zum Ort,  wo  er  hingebracht 
worden sei, genaue Angaben machen können (vgl. Akten BFM A1 S. 5 f., 
A11,  S. 5).  Auf  Nachfragen  nach  dem  Zeitpunkt  gab  er  anlässlich  der 
summarischen  Befragung  vorerst  an,  er  wisse  nicht  mehr,  wann  die 
Mitnahmen gewesen seien, da es lange her sei. Später führte er aus, es 
sei  im  Jahre  2003,  2004  oder  2005  gewesen  (vgl.  A1  S. 5  und  6). 
Anlässlich  der  summarischen  Befragung  gab  er  betreffend  die  letzte 
Mitnahme  auf  eine  entsprechende  Frage  zudem  zu Protokoll,  diese  sei 
drei, vier Monate vor der Ausreise gewesen. An gleicher Stelle verneinte 
er  die  Frage,  ob  in  diesem  Zeitraum  noch  etwas  vorgefallen  sei,  um 
später  anzugeben,  die  letzte  Mitnahme  könnte  auch  ein  oder  zwei 
Monate  vor  der  Ausreise  gewesen  sein  (vgl.  A1  S. 6  und  8).  Bei  der 
direkten Anhörung machte er diesbezüglich geltend, die  letzte Mitnahme 
sei  vermutlich eineinhalb bis  zwei Monate  vor  seiner Ausreise gewesen 
(vgl.  A11  S. 4).  Schliesslich  vermochte  er  auch  zum  Ort,  wo  man  ihn 
jeweils  hingeführt  habe,  keine  Angaben  zu  machen.  Die  Aussagen, 
wonach das Verhör  immer in einem Raum mit einem Stuhl, einem Tisch 
und  einer  Lampe  stattgefunden  habe  (vgl.  A1  S. 6,  A11  S. 5),  sind 
stereotyp  und  lassen  weitere  Zweifel  am  Wahrheitsgehalt  dieser 
Mitnahmen aufkommen. Schliesslich hat der Beschwerdeführer auch zur 
Häufigkeit  und  zum  Zeitpunkt  der  polizeilichen  Besuche  zwecks 
Übergabe  von  Vorladungen  für  den  Bruder  widersprüchliche  Angaben 
gemacht. Einerseits gab er an, die uniformierten Polizisten seien zweimal 
gekommen  (vgl.  A1  S. 6).  Gemäss  der  direkten  Anhörung  sollen  diese 

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sehr oft, sicher mehr als zweimal (vgl. A11 S. 3) gekommen sein. Ferner 
erklärte  er  auf  eine  entsprechende  Frage,  die  Polizei  sei  nicht  mehr 
erschienen, nachdem sie erklärt hätten, dass der Bruder  in der Schweiz 
lebe. Dies  sei  vor  etwa  zwei  oder  drei  Jahren gewesen  (vgl. A11 S. 3), 
um  diese  Antwort  auf  weitere  Nachfragen  zu  wiederholen.  Kurz  darauf 
korrigierte  er  seine  Aussage  und  gab  an,  es  sei  vier  oder  fünf  Monate 
bevor er ausgereist sei, gewesen. Insgesamt lässt das Aussageverhalten 
des Beschwerdeführers den Eindruck aufkommen, er habe wegen seines 
Vaters  und  seines  Bruders  keine  Schwierigkeiten  gehabt.  Indem  der 
Beschwerdeführer  in  seiner  Rechtsmitteleingabe  dazu  ausführt,  seine 
Aussagen  seien  zutreffend  und  glaubhaft  ausgefallen,  vermag  er  den 
hiervor  festgestellten  Unstimmigkeiten  nichts  Substanzielles 
entgegenzuhalten.  Im  Übrigen  spricht  auch  der  Umstand,  dass  der 
Beschwerdeführer am 21. April 2005 bei den türkischen Behörden seinen 
Reisepass verlängern liess (vgl. A1 S. 4), gegen ein von diesen Behörden 
ausgehendes Verfolgungsinteresse am Beschwerdeführer.

5.2.  Als  Zwischenergebnis  ist  somit  festzustellen,  dass  es  dem 
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine im Zeitpunkt der Ausreise aus 
der  Türkei  bestehende  oder  unmittelbar  drohende  asylrelevante 
Verfolgung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. 

5.3.  Was  ferner  die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten 
Befürchtungen, wegen  seiner  kurdischen Herkunft  und  seiner  familiären 
Vorbelastung  in  dem  ihm  bevorstehenden  Militärdienst  vermehrten 
Schikanen ausgesetzt  zu werden, betrifft,  ist  festzuhalten,  dass gemäss 
konstanter  Rechtsprechung  eine  allfällige  Strafe  wegen Refraktion  oder 
Desertion  grundsätzlich  keine  Verfolgung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG 
darstellt. Es gehört zu den legitimen Rechten eines Staates, seine Bürger 
zum  Militärdienst  einzuberufen  und  zur  Durchsetzung  der  Wehrpflicht 
strafrechtliche  oder  disziplinarische  Sanktionen  zu  verhängen  (vgl.  z.B. 
Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts D­5392/2010 vom 30. August 
2010  und  D­1896/2009  vom  22. Juli  2009).  Allerdings  ist  eine  wegen 
Missachtung  der  Dienstpflicht  drohende  Strafe  dann  asylrelevant,  wenn 
der Wehrpflichtige wegen seines Verhaltens mit einer Strafe zu rechnen 
hat,  welche  entweder  aus  Gründen  nach  Art.  3  AsylG  diskriminierend 
höher  ausfällt  oder  an  sich  unverhältnismässig  hoch  ist,  oder wenn  die 
Einberufung  zum Wehrdienst  darauf  abzielt,  einem Wehrpflichtigen  aus 
einem  der  in  Art.  3  AsylG  genannten  Gründe  erhebliche  Nachteile 
zuzufügen  oder  diesen  in  völkerrechtlich  verpönte  Handlungen  zu 
verstricken  (EMARK  2004  Nr.  2). Wehrpflichtige Männer  werden  in  der 

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Türkei  aufgrund  der  Staatsangehörigkeit  und  ihres  Jahrgangs  für  das 
Militär  aufgeboten,  ohne  dass  dieser  Verpflichtung  eine  asylrechtlich 
relevante  Verfolgungsabsicht  des  Staates  zugrunde  liegen  würde.  Eine 
allfällige  Bestrafung  des  Beschwerdeführers  wegen 
Wehrdienstverweigerung  wäre  mithin  als  asylrechtlich  nicht  relevant  zu 
qualifizieren.  Im  Weiteren  ist  zwar  bekannt,  dass  während  des 
Militärdienstes  Schikanen  von  Seiten  türkischer  Kameraden  und 
Vorgesetzten  gegen  Kurden  vorkommen  können,  diese  jedoch  in  der 
Regel nicht derart gravierend sind, dass es sich um ernsthafte Nachteile 
im  Sinne  des  Asylgesetzes  handeln  würde.  Zudem  sind  seit  mehreren 
Jahren  keine  Fälle  extralegaler  Tötungen  während  des  Militärdienstes 
mehr  bekannt  geworden.  Der  in  diesem  Zusammenhang  eingereichte 
Auszug  aus  einem  Rundbrief  der  (deutschen)  Organisation  KDV 
(Kriegsdienstverweigerung)  vom  November  2000  mit  Berichten  von 
mysteriösen  Todesfällen  in  der  türkischen  Armee,  welche  sich  in  der 
Vergangenheit  ereignet  haben  sollen,  führt  zu  keiner  anderen 
Beurteilung. Es gibt somit keine Hinweise für das Vorliegen einer objektiv 
begründeten Furcht vor Verfolgung. 

5.4. Des Weiteren ist die Frage des Bestehens einer begründeten Furcht 
des  Beschwerdeführers  vor  Reflexverfolgung  aufgrund  der  politischen 
Vergangenheit  seines  Vaters  und  seines  Bruders  respektive  der 
Familienangehörigen  zu  prüfen,  da  der  Beschwerdeführer  seine 
Asylbegründung im Wesentlichen daraus ableitet. 

5.4.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  geht  in  konstanter  Praxis  davon 
aus,  dass  in  der  Türkei  staatliche  Repressalien  gegen 
Familienangehörige  von  politischen  Aktivisten  angewendet  werden,  die 
als  so genannte Reflexverfolgung  flüchtlingsrechtlich erheblich  im Sinne 
von  Art.  3  AsylG  sein  können.  Die  Wahrscheinlichkeit,  Opfer  einer 
Reflexverfolgung  zu  werden,  ist  vor  allem  dann  gegeben,  wenn  nach 
einem flüchtigen Familienmitglied gefahndet wird und die Behörde Anlass 
zur  Vermutung  hat,  dass  jemand  mit  der  gesuchten  Person  in  engem 
Kontakt  steht.  Diese  Wahrscheinlichkeit  erhöht  sich,  wenn  ein  nicht 
unbedeutendes  politisches  Engagement  der  reflexverfolgten  Person  für 
illegale  politische  Organisationen  hinzukommt  beziehungsweise  ihr 
seitens  der  Behörden  unterstellt  wird.  Dabei  hängen  die 
Wahrscheinlichkeit einer Reflexverfolgung und deren Intensität stark von 
den  konkreten  Umständen  des  Einzelfalls  ab,  wobei  besonders 
diejenigen  Personen  von  einer  Reflexverfolgung  bedroht  sind,  die  sich 
offen  für  politisch  aktive  Verwandte  einsetzen.  Ungeachtet  der 

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Rechtsreformen  der  Türkei  im  Hinblick  auf  eine  allfällige  spätere 
Aufnahme  in  die Europäische Union  lässt  sich  in  der  Türkei  die Gefahr 
allfälliger  Repressalien  gegen  Verwandte  mutmasslicher  Aktivisten  der 
PKK  (Partiya  Kerkerên  Kurdistan,  Kurdische  Arbeiterpartei) 
(beziehungsweise einer ihrer Nachfolgeorganisationen) oder anderer von 
den  Behörden  als  separatistisch  eingestufter  kurdischer  Gruppierungen 
nicht  ohne weiteres  ausschliessen.  Zwar  ist  festzustellen,  dass  sich  die 
Verfolgungspraxis  der  türkischen  Behörden  im  Zuge  des 
Reformprozesses  zur  Annäherung  an  die  Europäische  Union  insofern 
geändert  hat,  als  Fälle,  in  denen  Familienangehörige  kurdischer 
Aktivisten  gefoltert  oder  misshandelt  wurden,  abgenommen  haben. 
Dagegen  müssen  Familienangehörige  auch  heute  noch  mit 
Hausdurchsuchungen  und  kürzeren  Festnahmen  rechnen,  die  oft  mit 
Beschimpfungen und Schikanen verbunden sind. Ein Regelverhalten der 
türkischen  Behörden  lässt  sich  jedoch  nicht  ausmachen.  Dabei  kann 
hinter  einer  Reflexverfolgung  auch  nur  die  Absicht  liegen,  die  gesamte 
Familie für Taten eines Familienmitglieds zu bestrafen, in der Vermutung, 
dessen  politische  Ansichten  und  Ziele  würden  von  den  engeren 
Angehörigen  geteilt,  beziehungsweise  mit  dem  Zweck,  sie  so 
einzuschüchtern,  dass  sie  sich  von  oppositionellen  kurdischen 
Gruppierungen  fernhalten.  Die  Gefahr  einer  Reflexverfolgung  wird  aber 
umso dringlicher, wenn zusätzlich eigene politische Aktivitäten vorliegen 
(vgl.  zum Ganzen EMARK 2005 Nr. 21 E. 10.2.3. S. 199  f.; Urteile des 
Bundesverwaltungsgerichts  E­5163/2007  vom  2.  März  2011  E.  7, 
E­4754/2006 vom 22. April 2010, mit weiteren Hinweisen). Es muss also 
aufgrund der Umstände des Einzelfalls ermittelt werden, ob die Furcht vor 
Verfolgung  begründet  ist.  Die  erlittene  Verfolgung  beziehungsweise  die 
begründete  Furcht  vor  zukünftiger  (Reflex­)Verfolgung  muss  ferner 
sachlich  und  zeitlich  kausal  für  die  Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides 
noch aktuell sein. Zudem muss feststehen, dass die von einer Verfolgung 
bedrohte Person über keine innerstaatliche Fluchtalternative verfügt (vgl. 
EMARK 2005 Nr. 21, E. 7.1. ff. S. 193 f. und dort zitierte Urteile). 

5.4.2.  Vorliegend  steht  fest,  dass  der  Vater  und  der  Bruder  des 
Beschwerdeführers in der Schweiz Asyl erhalten haben. 

Wie  hievor  dargelegt,  ist  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen, 
Nachstellungen  zum  Zeitpunkt,  als  sein  Vater  und  Bruder  noch  in  der 
Türkei verweilten (bis im Jahr 2002 beziehungsweise 2004), oder seither 
seitens  der  türkischen  Sicherheitskräfte  glaubhaft  zu  machen,  weshalb 

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nicht  von  einer  Reflexverfolgung  wegen  seiner  Verwandtschaft 
ausgegangen werden muss. Zudem hat der Beschwerdeführer weder im 
vorinstanzlichen Verfahren noch auf Beschwerdeebene geltend gemacht, 
er  selber  habe  sich  politisch  betätigt.  Auch  geht  aus  den  Akten  nicht 
hervor, dass sich der Vater oder der Bruder  in der Schweiz exilpolitisch 
betätigt  hätten,  noch  dass  der  Beschwerdeführer  sich  selber  während 
seines  Auslandaufenthaltes  politisch  exponiert  habe.  Bei  dieser 
Ausgangslage  erscheint  ein  gegenwärtiges  Risiko,  aufgrund  seines 
Aufenthaltes in der Schweiz in seinem Heimatland einer Reflexverfolgung 
ausgesetzt zu werden, unwahrscheinlich.

5.5.  Aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  erübrigt  es  sich,  auf  die 
weiteren  Ausführungen  in  der  Beschwerde  und  die  eingereichten 
Beweismittel  einzugehen,  weil  sie  am  Ergebnis  nichts  ändern.  Die 
Vorinstanz  hat  aus  diesem  Grund  zu  Recht  die  Flüchtlingseigenschaft 
des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.

6. 

6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1 AsylG; BVGE 2008/34 E. 9.2).

7. 

7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der 
vormaligen  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 

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Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 
den Heimat­, Herkunfts­ oder  in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 
Abs. 3 AuG). So darf  keine Person  in  irgendeiner Form zur Ausreise  in 
ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit 
aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs.  1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art.  33  Abs.  1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 
Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des 
Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4. 
November  1950  zum Schutze  der Menschenrechte  und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

7.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf  hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen 
schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  dem 
Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 
AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements im 
vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des 
Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt 
von  Art.  5  AsylG  rechtmässig.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den 
Aussagen  des  Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte 
dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit 
beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK 
verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des 
Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener 
des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine 
konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass 
ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung 
drohen würde (vgl. EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil 
vom  28.  Februar  2008,  Beschwerde  Nr.  37201/06,  §§  124­127,  mit 

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weiteren Hinweisen). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in der 
Türkei, wohin die Rückkehr des Beschwerdeführers  in Frage steht,  lässt 
den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig 
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl 
im Sinne der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

7.4. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf 
Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und 
medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete 
Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter Vorbehalt  von Art.  83 Abs.  7 AuG – 
die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz 
über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl  2002 
3818). 

7.4.1. Wie in der Beschwerdeschrift zwar richtig ausgeführt wurde, gehen 
die  türkischen  Sicherheitskräfte  weiterhin  mit  grosser  Härte  gegen 
Mitglieder  kurdischer  Parteien  und  Organisationen  vor,  die  als 
separatistisch  qualifiziert  werden.  Wie  oben  dargelegt,  ist  jedoch  von 
keiner konkreten Gefährdung des Beschwerdeführers auszugehen, zumal 
er nie angab, einer solchen Gruppierung anzugehören. Zudem herrscht in 
der  Türkei  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt.  Auch  ist  die  dortige 
politische Lage nicht dermassen angespannt, als dass eine Rückführung 
dorthin  als  generell  unzumutbar  betrachtet  werden  müsste 
beziehungsweise  Anlass  zur  Annahme  einer  konkreten  Gefährdung 
bestünde.

7.4.2. Der Beschwerdeführer stammt aus B._______ und  lebte seit dem 
Jahre  2000/2001  bis  zu  seiner  Ausreise  in  Istanbul.  Er  verfügt  dort 
eigenen Angaben zufolge mit seiner Mutter und mehreren Geschwistern 
sowie  Halbgeschwistern  (vgl.  Akte  A1  S.  3)  über  ein  intaktes  soziales 
Beziehungsnetz, auf das er beim Aufbau einer neuen Existenzgrundlage 
zurückgreifen  kann.  Die  sozialen  und  wirtschaftlichen  Schwierigkeiten, 
denen er aufgrund der  langen Landesabwesenheit  in der Anfangsphase 
ausgesetzt sein könnte, stellen keine existenzbedrohende Lage im Sinne 
der  zu  beachtenden  Bestimmungen  dar.  Nach  dem  Gesagten  erweist 
sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar.

7.5.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG 

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und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug 
der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2 
AuG).

8. 
Insgesamt  ist  die  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Wegweisung  zu 
bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  deren  Vollzug  zu  Recht  als  zulässig, 
zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung 
der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1­4 AuG).

9. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

10. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem 
Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG)  und  auf 
insgesamt  Fr. 600.–  festzusetzen  (Art.  1  –  3  des  Reglements  vom  21. 
Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Muriel Beck Kadima Alexandra Püntener

Versand: