# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5b01e49c-d555-530a-914c-290a1908c1f4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-05-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.05.2024 F-2702/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-2702-2024_2024-05-27.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-2702/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 7  M a i  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richter Yannick Antoniazza-Hafner (Vorsitz), 

Richter Manuel Borla, Richter Daniele Cattaneo,    

Gerichtsschreiberin Sandra Hutter. 

   

Parteien 

 
A._______, 

Russland,   

vertreten durch Marek Wieruszewski, Solidaritätsnetz Bern, 

Quartiergasse 12, 3013 Bern,  

Beschwerdeführerin,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 18. April 2024. 

 

 

 

F-2702/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin ersuchte am 22. Januar 2024 in der Schweiz um 

Asyl. Ein Abgleich der Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerab-

druck-Datenbank (Eurodac) ergab, dass sie am 20. Dezember 2023 in  

Kroatien um Asyl ersucht hatte. 

B.  

Mit Verfügung vom 18. April 2024 (eröffnet am 23. April 2024) trat das SEM 

in Anwendung des Dublin Abkommens auf das Asylgesuch nicht ein, ord-

nete ihre Überstellung nach Kroatien an und forderte sie auf, die Schweiz 

am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig ver-

fügte es die Aushändigung der editionspflichtigen Akten und stellte fest, ei-

ner allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschie-

bende Wirkung zu. 

C.  

Mit Schreiben vom 30. April 2024 (Datum Postaufgabe) erhob die  

Beschwerdeführerin gegen die obgenannte Verfügung Beschwerde und 

beantragte unter Kosten- und Entschädigungsfolge deren Aufhebung. Die 

Vorinstanz sei anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten. Eventualiter 

sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In 

prozessualer Hinsicht beantragte sie die Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

D.  

Am 2. Mai 2024 ordnete der Instruktionsrichter einen superprovisorischen 

Vollzugsstopp an. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1. Das Verfahren richtet sich grundsätzlich nach dem VwVG, dem VGG 

und dem BGG, (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG [SR 142.31]).  

Die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht ist vorliegend zulässig  

(Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG) und die übrigen Sachurteilsvoraussetzun-

gen sind erfüllt (Art. 48 Abs. 1 und 52 VwVG; Art. 108 Abs. 3 AsylG).  

Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

1.2. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG verzichtet das Gericht auf die 

Durchführung eines Schriftenwechsels. 

F-2702/2024 

Seite 3 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

3.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). Ge-

mäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen 

Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8-15 Dub-

lin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch Art. 7 Abs. 1 Dub-

lin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats 

wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag ge-

stellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des Wiederaufnahme-

verfahrens (Art. 23-25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich keine (erneute) 

Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr statt (vgl. zum 

Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1). Der Mitgliedstaat, bei dem der 

erste Antrag auf internationalen Schutz gestellt wurde, ist gehalten, einen 

Antragsteller, der sich ohne Aufenthaltstitel im Hoheitsgebiet eines anderen 

Mitgliedstaats aufhält oder dort einen Antrag auf internationalen Schutz ge-

stellt hat, nachdem er seinen ersten Antrag noch während des Verfahrens 

zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats zurückgezogen hat, nach 

den Bestimmungen der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen, um 

das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats zum Ab-

schluss zu bringen (Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO). 

3.2. Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht ist zwingend auszuüben, wenn die Überstellung 

der betroffenen Person in den an sich zuständigen Mitgliedstaat zu einer 

Verletzung völkerrechtlicher Verpflichtungen der Schweiz führen würde 

(BVGE 2015/9 E. 8.2.1). Gemäss Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 

11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) kann zudem das SEM das Asylge-

such «aus humanitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür ge-

mäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Bei dieser 

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Entscheidung kommt dem SEM Ermessen zu; das Bundesverwaltungsge-

richt darf sein eigenes Ermessen nicht an dessen Stelle setzen (BVGE 

2015/9 E. 7.6 und E. 8.1 in fine). 

3.3. Hat der Antragsteller einen Familienangehörigen – ungeachtet der 

Frage, ob die Familie bereits im Herkunftsland bestanden hat – der in  

seiner Eigenschaft als Begünstigter internationalen Schutzes in einem Mit-

gliedstaat aufenthaltsberechtigt ist, so ist dieser Mitgliedstaat für die Prü-

fung des Antrags auf internationalen Schutz zuständig, sofern die betref-

fenden Personen diesen Wunsch schriftlich kundtun (Art. 9 Dublin-III-VO). 

Praxisgemäss ist für die Beurteilung, ob jemand als Familienangehöriger 

im Sinne von Art. 9 Dublin-III-VO in Verbindung mit Art. 2 Bst. g Dublin-III-

VO gilt, auf die Rechtsprechung zum Schutzbereich des grundrechtlichen 

Anspruchs auf Achtung des Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK zurück-

zugreifen (vgl. anstatt vieler Urteil des BVGer D-2343/2023 vom 4. Mai 

2023 E. 5.2 m.H.). 

4.  

4.1. Ein Abgleich der Fingerabdrücke ergab, dass die Beschwerdeführerin 

am 20. Dezember 2023 in Kroatien daktyloskopisch erfasst wurde. Glei-

chentags stellte sie gemäss Auszug aus der «Eurodac»-Datenbank ein 

Asylgesuch. Die kroatischen Behörden stimmten dem Wiederaufnahmeer-

such der Vorinstanz gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO fristgerecht zu 

(Vorakten [SEM-act.] 14). Somit sind sowohl die Antragsstellung in Kroa-

tien als auch der Umstand, dass das kroatische Verfahren zur Bestimmung 

des für das Asylgesuchs der Beschwerdeführerin zuständigen Mitglied-

staats gemäss Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO noch nicht abgeschlossen 

wurde, als erstellt zu betrachten mit der Folge, dass das Verfahren nach 

einer Rücküberstellung der Beschwerdeführerin fortgesetzt wird (Urteil des 

BVGer E-6460/2023 vom 1. Dezember 2023 E. 4.3). 

4.2. Sämtliche Dublin-Mitgliedstaaten sind von Gesetzes wegen dazu ver-

pflichtet, Personen, die internationalen Schutz beantragen, beziehungs-

weise Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen, die beim illegalen Über-

schreiten einer Aussengrenze aufgegriffen werden, den Abdruck aller Fin-

ger abzunehmen (Art. 9 Abs. 1 und Art. 14 Abs. 1 der Verordnung [EU] Nr. 

603/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 

[Eurodac-Verordnung]). Die schweizerischen Behörden dürfen grundsätz-

lich darauf vertrauen, dass die Einträge in der Eurodac-Datenbank korrekt 

sind. Andererseits sieht das Gericht nicht ein, wieso die kroatischen Behör-

den diesbezüglich falsche Angaben machen würden (vgl. Urteile des 

BVGer F-2134/2020 vom 29. April 2020; E-2222/2017 vom 20. April 2017 

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S. 6; F-3426/2022 vom 20. Dezember 2022 E. 4.5.2). Es ist somit davon 

auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in Kroatien um Asyl ersucht hat.  

4.3. Indem die Beschwerdeführerin geltend macht, ihre Cousine lebe in der 

Schweiz, vermag sie nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Gemäss Art. 2 lit. 

g Dublin-III-VO umfasst der Begriff der Familienangehörigen nur die Kern-

familie, das heisst Ehegatten, Lebenspartnerinnen und Lebenspartner so-

wie minderjährige Kinder. Ihre in der Schweiz lebende Familienangehörige 

fällt somit nicht in die Kategorie der Familienangehörigen im Sinne der 

Dublin-III-VO. Dabei wurde das Bestehen eines besonderen Abhängig-

keitsverhältnisses im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO nicht geltend 

gemacht. Ein Zuständigkeitsübergang auf die Schweiz zur Durchführung 

des Asylverfahrens lässt sich gestützt auf Art. 9 Dublin-III-VO (Schutz der 

Familieneinheit) ebenfalls nicht begründen. Die Familienangehörige in der 

Schweiz fällt nämlich nicht unter den Schutzbereich des grundrechtlichen 

Anspruchs auf Achtung des Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK. 

4.4. Die Dublin-III-VO räumt den Schutzsuchenden kein Recht ein, den  

ihren Antrag prüfenden Staat selbst auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45  

E. 8.3). Die persönliche Präferenz der Beschwerdeführerin ist somit uner-

heblich. 

4.5. Die Zuständigkeit Kroatiens für die Durchführung des Asylverfahrens 

ist somit grundsätzlich gegeben.  

5.  

Die Beschwerdeführerin brachte als Argument gegen die beabsichtigte 

Überstellung nach Kroatien in ihrem Dublin-Gespräch und in ihrer Be-

schwerde vor, dass es in Kroatien für sie nicht ungefährlich sei. Sie sei 

Tschetschenin und habe auch in Tschetschenien gelebt, wobei sie das 

letzte Jahr in Russland verbracht habe. Von dort sei sie sehr einfach und 

ohne Visum nach Kroatien gelangt. Deshalb sei es für sie in Kroatien ge-

fährlich, da jederzeit jemand dorthin kommen und sie nach Russland zu-

rückführen könne. Weiter sei das kroatische Camp sehr schmutzig gewe-

sen und dort hätten auch Tschetschenen gelebt. Sie wolle nicht mit diesen 

zusammenleben. Ihr Ziel sei immer die Schweiz gewesen, da ihre Cousine 

hier lebe. Sie wolle hier bleiben um ein Leben in Sicherheit zu haben.  

Sie sei eine junge alleinstehende Frau, die unter psychischen Problemen 

leide. Sie habe suizidale Gedanken und sei daher als besonders verletzlich 

zu betrachten. 

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Seite 6 

6.  

Gemäss Referenzurteil des BVGer E-1488/2020 vom 22. März 2023 wei-

sen das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Kroatien keine 

systemischen Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter 

Satz Dublin-III-VO auf. Es wird demnach vermutet, dass das Land die Si-

cherheit der Asylbewerber garantiert und ihre Rechte gemäss dem interna-

tionalen Recht einhält (namentlich die EMRK, das Übereinkommen vom 

10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105], das Abkom-

men vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 

0.142.30]; die Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 

2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuer-

kennung und Aberkennung des internationalen Schutzes [sog. Verfahrens-

richtlinie] sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen 

für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen 

[sog. Aufnahmerichtlinie]).  

Das Bundesverwaltungsgericht geht derzeit – auch unter Berücksichtigung 

kritischer Berichte nationaler und internationaler Organisationen sowie der 

diesbezüglich in der Beschwerde zitierten Quellenhinweise – nicht davon 

aus, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Kroatien wiesen 

systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dub-

lin-III-VO auf. Mangels systemischer Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 

Dublin-III-VO kann vermutungsweise davon ausgegangen werden, dass 

Kroatien seinen völker- und gemeinschaftsrechtlichen Verpflichtungen ge-

genüber Personen in der Situation des Beschwerdeführers nachkommt 

und insbesondere auch die Rechte respektiert und schützt, die sich aus 

der Verfahrens- und Aufnahmerichtlinie ergeben. Diese Vermutung kann 

im Einzelfall widerlegt werden. Hierfür bedarf es aber konkreter und ernst-

hafter Hinweise, die von der betroffenen Person glaubhaft darzutun sind. 

Wie dies bei der Prüfung von Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO dargelegt 

wird, gelingt dies der Beschwerdeführerin vorliegend jedoch nicht. 

7.  

Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Vorinstanz vom Selbsteintrittsrecht  

gemäss Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO sowie Art. 29a Abs. 3 AsylV hätte  

Gebrauch machen müssen. 

7.1. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin, es sei in Kroatien nicht unge-

fährlich für sie, wurden von ihr nicht belegt. Sie tätigte hierzu in ihrem Dub-

lin-Gespräch (vgl. SEM-act. 13/2) lediglich pauschale Ausführungen und 

sie legte nicht dar, warum ihr Leben in Kroatien – vor allem durch die 

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Seite 7 

Anwesenheit von Tschetschenen – in Gefahr sein sollte. Auch zeigte sie 

nicht auf, weshalb «jemand» nach Kroatien kommen sollte, um sie nach 

Russland zurückzubringen. Insgesamt sind die Ausführungen der Be-

schwerdeführerin als wenig konkret und als nicht glaubhaft anzusehen. 

Überdies ist darauf hinzuweisen, dass Kroatien ein Rechtsstaat mit funkti-

onierendem Justizsystem und Polizeibehörden ist. Sollte sie sich durch 

Personen – beispielsweise den von ihr genannten Tschetschenen – rechts-

widrig behandelt oder bedroht fühlen, könnte sie eine Anzeige erstatten. 

7.2. Sollte sich die Beschwerdeführerin mit ihren Ausführungen über ihre 

Cousine implizit auf Art. 8 EMRK berufen, ist Folgendes festzuhalten: 

Gemäss dieser Vorschrift hat jede Person das Recht auf Achtung ihres Pri-

vat- und Familienlebens. Der Schutzbereich dieser Bestimmung umfasst 

dabei neben der Kernfamilie auch weitere verwandtschaftliche Bande. So 

kann eine solche Beziehung ebenfalls darunterfallen, sofern eine nahe, 

echte und tatsächlich gelebte Beziehung vorliegt. Nach der Rechtspre-

chung setzt dies indessen zusätzlich voraus, dass zwischen diesen Perso-

nen ein eigentliches Abhängigkeitsverhältnis besteht (vgl. zum Ganzen 

BVGE 2008/47 E. 4.1.1). Da die Beziehung zwischen der sich in der 

Schweiz aufhaltenden Cousine und der Beschwerdeführerin nicht unter 

den Begriff der Kernfamilie fällt und auch kein Abhängigkeitsverhältnis be-

steht (vgl. E. 4.3 oben), ist der Anspruch auf Achtung des Familienlebens 

gemäss Art. 8 EMRK vorliegend nicht verletzt. 

7.3. Die Beschwerdeführerin beruft sich darauf, ihr Gesundheitszustand 

stehe einer Überstellung entgegen. Damit macht sie geltend, die Überstel-

lung nach Kroatien setze sie einer Gefahr für ihre Gesundheit aus und ver-

letze damit Art. 3 EMRK. 

7.3.1. In Bezug auf ihren Gesundheitszustand ist aktenkundig, dass sie 

sich vom 12. Februar 2024 bis zum 21. Februar 2024 wegen akuter Suizi-

dalität und depressiver Verstimmung vor dem Hintergrund einer Posttrau-

matischen Belastungsstörung in stationärer Behandlung bei B._______ 

befand; Zuvor war sie bereits am 5. Februar 2024 beim Psychiatriezentrum 

vorstellig geworden. Gemäss dem Austrittsbericht des Psychiatriezentrums 

vom 23. Februar 2024 leidet sie an einer posttraumatischen Belastungs-

störung (F43.1) und ihr wurde die tägliche Einnahme von Mirtazapin-Tab-

letten, einem Antidepressivum, verschrieben. Aus dem Austrittsbericht geht 

weiter hervor, dass die bei der Hospitalisierung aktuellen gesundheitlichen 

psychischen Schwierigkeiten (v.a. Suizidgedanken) seit circa drei Monaten 

bestehen würden und Anfang Februar vermehrt aufgetreten seien. 

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Seite 8 

Auslöser dafür seien Erinnerungen und Flashbacks an die erlebte Folter im 

Gefängnis sowie die erfahrene sexuelle Gewalt beziehungsweise die Be-

lästigungen vor drei bis vier Monaten gewesen. Am 21. Februar 2024 

wurde sie bei fehlenden Hinweisen auf Selbst- oder Fremdgefährdung aus 

der Spitalpflege entlassen (vgl. SEM-act. 18). 

7.3.2. Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen 

Problemen stellt nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen  

Art. 3 EMRK dar. Eine vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwer-

kranke, die durch die Abschiebung – mangels angemessener medizini-

scher Behandlung im Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert wür-

den, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ih-

res Gesundheitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden 

oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde 

(vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, 

Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.; bestätigt durch Savran ge-

gen Dänemark 7. Dezember 2021, Grosse Kammer 57467/15, §§ 121 ff.). 

7.3.3. Von einem derart gravierenden Krankheitsbild, welches die Annah-

me der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne der zitierten re-

striktiven Rechtsprechung rechtfertigen würde, kann bei der Beschwerde-

führerin nicht ausgegangen werden (vgl. Urteile des BVGer D-5096/2023 

vom 10. November 2023 E. 8.2.4.1 ff.; E-1775/2023 vom 6. April 2023 

E. 7.2.4; E-4348/2021 vom 15. Dezember 2022 E. 7.3.2 ff.). Die dokumen-

tierten psychischen Leiden sind auch in Kroatien behandelbar, wo eine 

ausreichende medizinische Infrastruktur für sämtliche Dublin-Rückkehren-

den zur Verfügung steht. Die Mitgliedstaaten – und so auch Kroatien – sind 

verpflichtet, den Antragstellern die erforderliche medizinische Versorgung, 

die zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Behand-

lung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zu-

gänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie); den Antragstellern 

mit besonderen Bedürfnissen ist die erforderliche medizinische oder sons-

tige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer geeigneten psychologischen 

Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie; vgl. Referenz-

urteil E-1488/2020 E. 10.2 und E. 10.3; sowie statt vieler: Urteil des BVGer  

D-2991/2023 vom 3. November 2023 E. 11.4.1 m.w.H.). Es liegen keine 

Hinweise vor, wonach Kroatien der Beschwerdeführerin eine adäquate me-

dizinische Behandlung verweigern würde.  

7.3.4. Bezüglich der geltend gemachten Labilität der Beschwerdeführerin 

mit jedenfalls Mitte Februar 2024 diagnostizierter akuter Suizidalität ist da-

rauf hinzuweisen, dass gemäss Rechtsprechung Suizidalität grundsätzlich 

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Seite 9 

kein Vollzugshindernis darstellt (vgl. Urteil BGer 2C_221/2020 vom 

19. Juni 2020 E. 2 sowie statt vieler: Urteile des BVGer F-5061/2022 vom 

15. März 2023 E. 8.2 in fine; D-2804/2022 vom 9. Februar 2023 E. 7.3.5). 

Die Geltendmachung eines Suizidrisikos verpflichtet die Behörden nicht, 

von einer Ausschaffung abzusehen (Entscheid des EGMR Al-Zawatia  

gegen Schweden vom 22. Juni 2010, 50068/08, § 57 f.). 

Zu berücksichtigen ist ferner, dass sich der Gesundheitszustand der Be-

schwerdeführerin im Rahmen der stationären Behandlung verbessert hat, 

konnte sie doch aus der stationären Pflege entlassen werden, da keine 

Selbst- oder Fremdgefährdung mehr vorlag. Über die eingeleitete medika-

mentöse Behandlung hinaus wurde in der Schweiz keine begleitende The-

rapie begonnen.  

7.3.5. Es ist daher insgesamt nicht davon auszugehen, dass der Be-

schwerdeführerin bei einer Überstellung nach Kroatien eine ernste, rasche 

und unwiederbringliche Verschlechterung ihres Gesundheitszustands 

droht, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Le-

benserwartung und damit einer Verletzung von Art. 3 EMRK führen würde. 

7.3.6. Die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefoch-

tenen Verfügung beauftragt sind, werden den medizinischen Umständen 

bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten der Überstellung der Be-

schwerdeführerin Rechnung zu tragen und die kroatischen Behörden vor-

gängig in geeigneter Weise über die spezifischen medizinischen Umstände 

informieren (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO). Der Suizidalität beziehungsweise 

einer Akzentuierung suizidaler Tendenzen bei einem zwangsweisen Weg-

weisungsvollzug ist sodann bei der Festlegung des Überstellungszeitpunk-

tes durch geeignete Massnahmen in Form einer medizinisch begleiteten 

Ausreise (Heranziehen von medizinischem Fachpersonal bei der Rückfüh-

rung) nach Kroatien Rechnung zu tragen. Um einen Unterbruch bei der 

Medikamenteneinnahme zu vermeiden, ist der Beschwerdeführerin ein 

entsprechender Medikamentenvorrat mitzugeben. 

7.4. Das Bundesverwaltungsgericht verkennt nicht, dass die Unterbringung 

in kroatischen Aufnahmelagern – insbesondere in Hinblick auf hygienische 

Standards – belastend sein kann. Bei einer allfälligen vorübergehenden 

Einschränkung der der Beschwerdeführerin zustehenden Aufnahmebedin-

gungen kann sie sich jedoch an die kroatischen Behörden wenden und ihre 

Rechte auf dem Rechtsweg einfordern. Im Übrigen steht ihr die Möglichkeit 

offen, die vor Ort tätigen karitativen Organisationen zu kontaktieren (Urteil 

des BVGer F-4551/2023 vom 11. März 2024 E.7.5.7). 

F-2702/2024 

Seite 10 

7.5. Sie vermag kein konkretes und ernsthaftes Risiko darzutun, die  

Behörden würden sich weigern, sie aufzunehmen und einen allfälligen An-

trag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfah-

rensrichtlinie zu prüfen. Die Behörden haben ihrer Aufnahme explizit zuge-

stimmt. Den Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu ent-

nehmen, Kroatien werde in ihrem Fall den Grundsatz des Non-Refoule-

ment missachten und sie zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihr Leib, 

ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG ge-

fährdet ist oder in dem sie Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches 

Land gezwungen zu werden.  

7.6. Soweit die Beschwerdeführerin das Vorliegen von «humanitären Grün-

den» geltend macht, ist Folgendes festzuhalten:  

7.6.1. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM 

bei der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 

über einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Das Gericht 

beschränkt seine Beurteilung im Wesentlichen darauf, ob das SEM den 

Sachverhalt diesbezüglich korrekt und vollständig erhoben, allen wesentli-

chen Umständen Rechnung getragen und seinen Ermessensspielraum ge-

nutzt hat (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a und b AsylG). 

7.6.2. Die angefochtene Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu 

beanstanden; weder sind Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch oder 

ein Über- respektive Unterschreiten des Ermessens dargetan noch sind 

solche den Akten zu entnehmen.  

7.7. Demnach besteht kein Grund für eine Anwendung der Ermessensklau-

seln von Art. 17 Dublin-III-VO. Weder ist die Schweiz völkerrechtlich ver-

pflichtet, auf das Asylgesuch einzutreten, noch liegen humanitäre Gründe 

vor, welche einen Selbsteintritt nahelegen würden.  

Kroatien bleibt somit zuständiger Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO und 

ist verpflichtet, die Beschwerdeführerin wiederaufzunehmen. 

8.  

Das SEM ist zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf 

das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Die Überstel-

lung nach Kroatien wurde in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu 

Recht angeordnet.  

Die Beschwerde ist abzuweisen und die Verfügung des SEM zu bestätigen. 

F-2702/2024 

Seite 11 

9.  

Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Verzicht auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. Der am  

2. Mai 2024 verfügte einstweilige Vollzugsstopp fällt mit dem vorliegenden 

Urteil dahin. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens würde die Beschwerdeführerin grund-

sätzlich kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die in der Rechtsmittelein-

gabe formulierten Begehren waren allerdings nicht als aussichtslos zu be-

trachten und die prozessuale Bedürftigkeit ist hinreichend erstellt. Das Be-

gehren um unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 

VwVG ist daher gutzuheissen. Die Beschwerdeführerin wird somit von der 

Bezahlung der Verfahrenskosten befreit. 

11.  

Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

 

  

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Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das SEM wird angewiesen, medizinische Begleitmassnahmen, die im Zeit-

punkt der Überstellung der Beschwerdeführerin nach Kroatien notwendig 

erscheinen, sicherzustellen (vgl. E. 7.3.6). 

3.  

3.1. Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung im Sinne von  

Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 

3.2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Yannick Antoniazza-Hafner Sandra Hutter 

 

 

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