# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 26a9ef2a-9912-5171-9a57-f6bae17aa9b2
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-10-09
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 09.10.2023 SBK.2023.141
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SBK-2023-141_2023-10-09.pdf

## Full Text

Obergericht 

Beschwerdekammer in Strafsachen 

 

 

SBK.2023.141  
(ST.2023.48; STA.2021.5089)  

Art. 316 

 

 

Entscheid vom 9. Oktober 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Richli, Präsident  

Oberrichterin Massari  

Oberrichter Giese  

Gerichtsschreiberin Flütsch 

 

 
   

Beschwerde-

führer  

 A._____, geboren am tt.mm.jjjj,  

von […], 

[…] 

Zustelladresse: […] 

verteidigt durch Rechtsanwalt Kenad Melunovic,  

[…] 

 

  
    

Beschwerde-

gegnerin  

 Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau,  

Seetalplatz, Bahnhofstrasse 4, 5600 Lenzburg  

 

 
   

Anfechtungs-

gegenstand 

 Verfügung des Präsidenten des Bezirksgerichts Aarau vom 

11. April 2023 betreffend Abweisung des Gesuchs um amtliche Verteidi-

gung 

 

in der Strafsache gegen A._____ 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Am 14. Dezember 2022 stellte die Staatsanwaltschaft Lenzburg Aarau ei-

nen Strafbefehl gegen A._____ (fortan: Beschwerdeführer) aus, gemäss 

welchem er wegen rechtswidriger Einreise in die Schweiz (Art. 115 Abs. 1 

lit. a AIG i.V.m. Art. 5 Abs. 1 AIG), rechtswidrigen Aufenthalts in der 

Schweiz (Art. 115 Abs. 1 lit. b AIG i.V.m. Art. 10 Abs. 1 AIG) sowie mehrfa-

cher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz (Art. 19 Abs. 1 

lit. c und d sowie Art. 19a Ziff. 1 BetmG) zu einer Geldstrafe von 150 Ta-

gessätzen à Fr. 30.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von drei 

Jahren, sowie zu einer Busse von Fr. 1'400.00, unter Androhung einer Er-

satzfreiheitsstrafe von 47 Tagen, verurteilt wurde.  

 

1.2. 

Der Beschwerdeführer erhob am 23. Dezember 2022 Einsprache gegen 

den Strafbefehl vom 14. Dezember 2022, woraufhin die Staatsanwaltschaft 

Lenzburg-Aarau am 13. März 2023 den Strafbefehl samt Akten dem Be-

zirksgericht Aarau zur Durchführung des Hauptverfahrens überwies. 

 

2. 

2.1. 

Mit Schreiben vom 3. April 2023 stellte der Beschwerdeführer ein Gesuch 

um amtliche Verteidigung. 

 

2.2. 

Mit Verfügung vom 11. April 2023 wies der Präsident des Bezirksgerichts 

Aarau das Gesuch des Beschwerdeführers um Bewilligung der amtlichen 

Verteidigung ab.  

 

3. 

3.1. 

Gegen diese ihm am 20. April 2023 zugestellte Verfügung erhob der Be-

schwerdeführer mit Eingabe vom 1. Mai 2023 bei der Beschwerdekammer 

in Strafsachen des Obergerichts des Kantons Aargau Beschwerde mit fol-

genden Anträgen: 

 
" 1. 

Die Verfügung des Bezirksgerichts Aarau, Präsidium des Strafgerichts, 
vom 11. April 2023 sei aufzuheben; 
 
2. 
Der Unterzeichnende, Rechtsanwalt Kenad Melunovic Marini, sei für das 
Strafverfahren […], rückwirkend per 10. August 2022, als amtlicher Vertei-
diger des Beschuldigten einzusetzen; 
 
3. 

 - 3 - 

 

 

 

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. 7.7 % MWST zu Lasten 
des Staats." 

 

3.2. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau beantragte mit Beschwerdeant-

wort vom 15. Mai 2023 die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolgen.  

 

 
   

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Die Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung des Präsidenten des Be-

zirksgerichts Aarau vom 11. April 2023, mit welcher das Gesuch des Be-

schwerdeführers um Bewilligung der amtlichen Verteidigung abgewiesen 

wurde. 

 

1.2. 

Ein – wie hier – vor der Hauptverhandlung von der Verfahrensleitung eines 

erstinstanzlichen Strafgerichts getroffener Entscheid, die Bestellung eines 

amtlichen Verteidigers zu verweigern, kann einen nicht wiedergutzuma-

chenden Nachteil bewirken; dementsprechend steht einer dadurch belas-

teten Partei nach Art. 393 Abs. 1 lit. b StPO und Art. 382 Abs. 1 StPO die 

Beschwerde offen (vgl. hierzu BGE 140 IV 202 Regeste). Damit ist die Be-

schwerde zulässig.  

 

Die übrigen Eintretensvoraussetzungen sind erfüllt und geben zu keinen 

Bemerkungen Anlass. Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde 

(vgl. Art. 396 Abs. 1 i.V.m. Art. 385 Abs. 1 StPO) ist einzutreten. 

 

2. 

2.1. 

Gemäss Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO ordnet die Verfahrensleitung eine amt-

liche Verteidigung an, wenn die beschuldigte Person nicht über die erfor-

derlichen Mittel verfügt und die Verteidigung zur Wahrung ihrer Interessen 

geboten ist. Zur Wahrung der Interessen der beschuldigten Person ist die 

Verteidigung namentlich geboten, wenn es sich nicht um einen Bagatellfall 

handelt und der Straffall in tatsächlicher oder rechtlicher Hinsicht Schwie-

rigkeiten bietet, denen die beschuldigte Person allein nicht gewachsen 

wäre (Art. 132 Abs. 2 StPO). Ein Bagatellfall liegt jedenfalls dann nicht 

mehr vor, wenn eine Freiheitsstrafe von mehr als vier Monaten oder eine 

Geldstrafe von mehr als 120 Tagessätzen zu erwarten ist (Art. 132 Abs. 3 

StPO). 

 

Bei der Beurteilung der Gebotenheit einer amtlichen Verteidigung sind die 

konkreten Umstände des Einzelfalles massgebend. Je schwerwiegender 

 - 4 - 

 

 

 

der Eingriff in die Interessen der betroffenen Person, desto geringer sind 

die Anforderungen an die tatsächlichen und rechtlichen Schwierigkeiten, 

und umgekehrt (vgl. BGE 143 I 164 E. 3.6 mit Hinweisen). Als Schwierig-

keiten, die eine amtliche Verteidigung rechtfertigen können, fallen auch in 

der betroffenen Person liegende Gründe in Betracht, wie familiäre Interes-

senkonflikte, Sprachschwierigkeiten, mangelnde Schulbildung oder deren 

Unfähigkeit, sich im Verfahren zurechtzufinden (vgl. BGE 138 IV 35 

E. 6.3 f.; Urteil des Bundesgerichts 1B_24/2023 vom 24. Februar 2023 

E. 2.2). Rechtliche Schwierigkeiten sind bspw. dann gegeben, wenn es um 

komplexe Tatbestände geht (Betrug und Urkundenfälschung mit der Mög-

lichkeit der Erweiterung der Vorwürfe) oder wenn die Subsumtion des vor-

geworfenen Verhaltens generell oder im konkreten Fall, das Vorliegen von 

Rechtsfertigungs- und Schuldgründen oder die richtige Sanktion oder Art 

und Höhe der Sanktion umstritten ist (vgl. RUCKSTUHL, in: Basler Kommen-

tar, Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, Art. 132 N. 39 mit 

weiteren Hinweisen). Tatsächliche Schwierigkeiten liegen etwa dann vor, 

wenn der objektive oder subjektive Tatbestand umstritten ist und dazu di-

verse Zeugen einvernommen und/oder andere Beweise wie Gutachten etc. 

erhoben werden müssen (vgl. SCHMID/JOSITSCH, Schweizerische Strafpro-

zessordnung, Praxiskommentar, 4. Aufl. 2023, Art. 132 N. 11). 

 

2.2. 

Vorliegend wird ein Fall einer notwendigen Verteidigung i.S.v. Art. 130 

StPO weder geltend gemacht noch ist ein solcher ersichtlich. Da somit kein 

Fall einer amtlichen Verteidigung gemäss Art. 132 Abs. 1 lit. a StPO vor-

liegt, bleibt zu prüfen, ob eine amtliche Verteidigung gestützt auf Art. 132 

Abs. 1 lit. b StPO anzuordnen ist. Mit den zutreffenden Ausführungen des 

Präsidenten des Bezirksgerichts Aarau (vgl. E. 2.3 der angefochtenen Ver-

fügung) und dem Beschwerdeführer (vgl. Beschwerde, Rz. 9) ist vorliegend 

nicht von einem Bagatellfall im Sinne von Art. 132 Abs. 3 StPO auszuge-

hen. Nachstehend ist daher einzig zu prüfen, ob der Straffall in tatsächlicher 

oder rechtlicher Hinsicht Schwierigkeiten bietet, denen der Beschwerdefüh-

rer allein nicht gewachsen wäre. 

 

2.3. 

2.3.1. 

Der Präsident des Bezirksgerichts Aarau hielt in der Begründung der ange-

fochtenen Verfügung fest, im konkreten Fall böten weder der Sachverhalt 

noch die eingeklagten Tatbestände in tatsächlicher bzw. rechtlicher Hin-

sicht Schwierigkeiten. Es stellten sich weder komplizierte noch rechtlich un-

geklärte Rechtsfragen. Der Beschwerdeführer vermöge denn auch nicht 

darzulegen, inwiefern er den sich stellenden Rechts- und Sachverhaltsfra-

gen nicht gewachsen sein solle. Nach dem Gesagten sei die Verteidigung 

zur Wahrung der Interessen des Beschwerdeführers nicht geboten, wes-

halb auf die Prüfung der weiteren Voraussetzung der Mittellosigkeit ver-

zichtet werden könne (vgl. E. 2.3 der angefochtenen Verfügung). 

 - 5 - 

 

 

 

 

2.3.2. 

Der Beschwerdeführer brachte dagegen im Wesentlichen vor, gerade die 

ausländerrechtliche Gesetzgebung weise bisweilen sehr technisch ge-

fasste Bestimmungen auf und sei zudem mit diversen internationalen Ab-

kommen verflochten, die es im Einzelfall ebenfalls zu beachten gelte. Ins-

besondere hinsichtlich der ausländerrechtlichen Fragen lasse sich die 

Überforderung mit diesen Regeln im konkreten Fall bereits am Umstand 

erkennen, dass er sich nicht einmal darüber im Klaren gewesen sei, dass 

er ein Einreiseverbot verfügt bekommen habe und demnach illegal in die 

Schweiz eingereist sei (vgl. Beschwerde, Rz. 11). Selbst wenn aber davon 

auszugehen wäre, dass der Präsident des Bezirksgerichts Aarau zurecht 

zum Schluss gekommen sei, dass keine tatsächlichen oder rechtlichen 

Schwierigkeiten vorliegen würden, würde dies die Ablehnung der amtlichen 

Verteidigung nicht zu begründen vermögen. Für die Beurteilung der 

"Schwierigkeit" berücksichtige das Bundesgericht insbesondere die folgen-

den Faktoren als ausschlaggebend: (a) Fremdsprachigkeit, (b) schlechte 

Schuldbildung, (c) keine juristischen Fähigkeiten, (d) subjektives Interesse 

an einem Freispruch. Er sei offensichtlich fremdsprachig, in Nigeria gebo-

ren worden und aufgewachsen und lebe seit langer Zeit in Spanien. Seine 

Mutter- und Verhandlungssprache sei Igbo und er sei seit Beginn des Ver-

fahrens für sämtliche in seinem Beisein vorgenommenen Verfahrenshand-

lungen stets auf Übersetzung angewiesen gewesen. Weiter habe er in Ni-

geria keine Schulbildung absolviert, sondern lediglich eine Berufslehre als 

Automechaniker gemacht und in Spanien als Küchenangestellter gearbei-

tet. Er könne knapp in seiner Muttersprache lesen und schreiben und ver-

füge über keine nennenswerte Allgemeinbildung. Nur schon der Umstand, 

dass er über keine Schuldbildung verfüge, lasse erkennen, dass er ganz 

allgemein keine juristischen Kenntnisse habe. Ein subjektives Interesse an 

einem Freispruch und entsprechender Verteidigung ergebe sich naturge-

mäss aus dem Umstand, dass ein Strafverfahren gegen den Beschwerde-

führer geführt werde (vgl. Beschwerde, Rz. 12 ff.). Er sei offensichtlich mit-

tellos. In der Schweiz könne er offensichtlich nicht arbeiten, zumal er nicht 

über die erforderlichen Ausweispapiere verfüge. So sei er mit seinem in 

Spanien als Küchenangestellter verdienten Lohn und fehlendem liquiden 

Vermögen nicht dazu in der Lage, für die mit einem in der Schweiz durch-

geführten Strafverfahren entstehenden Kosten aufzukommen. Im vorlie-

genden Fall seien die relevanten Schwierigkeiten so offensichtlich, dass 

sich das Vorliegen der Voraussetzungen aus den Akten ergebe und in die-

sem Sinne als notorisch zu erachten sei (vgl. Beschwerde, Rz. 19 f.). 

 

2.4. 

2.4.1. 

Die Beschwerde erweist sich als unbegründet. Es ist nicht ersichtlich, in-

wiefern die Vorwürfe in rechtlicher Hinsicht besondere Schwierigkeiten auf-

weisen sollten. Die dem Beschwerdeführer zur Last gelegten Delikte sind 

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sodann – wie den nachfolgenden Ausführungen entnommen werden kann 

– in tatsächlicher Hinsicht einfach gelagert. 

 

2.4.2. 

Dem Beschwerdeführer wird zunächst vorgeworfen, Ende Juni 2021 ohne 

gültige Reisedokumente in die Schweiz eingereist zu sein und sich an-

schliessend bis am 11. Juli 2021 rechtswidrig in der Schweiz aufgehalten 

zu haben. Der Sachverhalt ist klar und lediglich hinsichtlich des subjektiven 

Tatbestands bestritten (vgl. Einvernahme vom 11. Juli 2021, Fragen 96 ff., 

act. 149 f.; sofern nicht anders vermerkt, beziehen sich die nachfolgenden 

Aktenstellen auf die Akten […] der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau). 

Diesbezüglich werden voraussichtlich einzig die Aussagen des Beschwer-

deführers – die teilweise bereits erfolgt sind – zu würdigen sein. Bei der 

Anwendung von Art. 115 Abs. 1 lit. a und b AIG auf den vorliegenden Sach-

verhalt stellen sich keine komplizierten rechtlichen Fragen (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 1B_185/2015 vom 9. Juni 2015 E. 3.4). Dass im konkreten 

Fall eine technisch gefasste Bestimmung anzuwenden oder diverse inter-

nationale Abkommen zu berücksichtigten wären, ist – entgegen der Ansicht 

des Beschwerdeführers (vgl. Beschwerde, Rz. 11) – nicht ersichtlich. 

 

2.4.3. 

Ihm wird sodann einerseits vorgeworfen, am 11. Juli 2021 eine unbekannte 

Menge Kokain konsumiert sowie im Zeitraum zwischen dem 11. Juli 2021 

und dem 20. Juli 2022 regelmässig Marihuana konsumiert zu haben. An-

dererseits wird der Beschwerdeführer verdächtigt, am 11. Juli 2021 14 Por-

tionen Kokain (insgesamt 8.1 Grammgemisch) mit der Absicht zur Ver-

äusserung mitgeführt sowie ca. vom 13. Juli 2022 bis am 20. Juli 2022 

G._____ und H._____ wiederholt – letztmals am 20. Juli 2022 lediglich ver-

suchsweise – (jeweils à 0.5 Gramm) Kokain verkauft zu haben. Der Be-

schwerdeführer ist in Bezug auf den Eigenkonsum weitgehend geständig 

(vgl. Einvernahme vom 11. Juli 2021, Fragen 23, 28 ff., act. 142 ff.). Pau-

schal bestritten ist jedoch die Aufbewahrung mit der Absicht zur Weiter-

veräusserung sowie der (teilweise versuchte) wiederholte Weiterverkauf 

der Drogen (vgl. Bericht vom 11. Juli 2021, act. 24; Einvernahme vom 

11. Juli 2021, Fragen 36, 45 ff., act. 144 ff.; Einvernahme vom 21. Juli 

2022, Fragen 55 ff., act. 194). Rechtliche Schwierigkeiten werden vorlie-

gend weder substantiiert behauptet noch sind solche ersichtlich (vgl. Be-

schwerde, Rz. 11 und 20), zumal die dem Beschwerdeführer vorgeworfe-

nen Betäubungsmitteldelikte nicht komplex sind. Die für die Beurteilung der 

Strafbarkeit massgebenden tatsächlichen Verhältnisse sind vielmehr ein-

fach und leicht überblickbar. Weder ein vertieftes Aktenstudium noch kom-

pliziertere beweismässige Abklärungen waren notwendig. Hinsichtlich des 

Vorfalls vom 11. Juli 2021 wurden verschiedene Untersuchungshandlun-

gen vorgenommen (vgl. Bericht vom 8. Dezember 2021, act. 125 ff.). In 

Bezug auf die Kontrolle vom 11. Juli 2021 liegen u.a. Aufnahmen des Si-

cherheitspersonals vor (vgl. Bericht vom 8. Dezember 2021, act. 132 und 

 - 7 - 

 

 

 

136). Zur Hauptverhandlung war sodann I._____, der den Vorfall vom 

11. Juli 2021 unmittelbar beobachtete (vgl. Rapport Vorläufige Festnahme 

vom 5. August 2021, act. 22), vorgeladen (vgl. Vorladung vom 20. März 

2023). Der Sachverhalt erscheint diesbezüglich folglich weitestgehend er-

stellt, auch wenn dieser vom Beschwerdeführer bestritten wird. In Bezug 

auf den Weiterverkauf von Kokain an G._____ und H._____ wurde nebst 

dem Beschwerdeführer H._____ protokollarisch durch die Polizei befragt 

(vgl. Einvernahme H._____ vom 21. Juli 2022, act. 198 ff.). Die Abnahme 

von weiteren Beweisen erscheint diesbezüglich weder notwendig noch vor-

gesehen (vgl. Vorladung vom 20. März 2023). Es geht vorliegend im We-

sentlichen lediglich darum, unter Einbezug der objektiven Beweismittel die 

Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers, von I._____ sowie 

von H._____, welche diese anlässlich der Einvernahme vom 21. Juli 2022 

machte (vgl. act. 198 ff.), zu würdigen. Dies obliegt dem zuständigen Sach-

gericht. Die sich stellenden Fragen erweisen sich folglich weder tatsächlich 

noch rechtlich als derart schwierig, dass es mit Blick auf die relativ geringe 

zu erwartende Strafe geboten wäre, einen amtlichen Verteidiger zu man-

datieren. 

 

2.4.4. 

Gründe in der Person des Beschwerdeführers, die eine amtliche Verteidi-

gung gebieten würden, sind – entgegen der Ansicht des Beschwerdefüh-

rers (vgl. Beschwerde, Rz. 12 ff.) – nicht ersichtlich, zumal sprachliche Bar-

rieren mit Hilfe eines Übersetzers überwunden werden können (vgl. 

RUCKSTUHL, a.a.O., Art. 132 N. 40; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 

1B_72/2021 vom 9. April 2021 E. 4.2). Hinzu kommt, dass der Beschwer-

deführer gar etwas Deutsch spricht (vgl. Videoaufnahme ab 01:10, 1.1 

AVA_P-KS_Cam5_E9EA4C_2021_0711_003310.MOV, act. 136 und Ein-

vernahme H._____ vom 20. Juli 2022, Frage 44: "Hochdeutsch, also er re-

det gebrochen Deutsch.", act. 213). Ebenfalls ist mit Blick auf die Einver-

nahme des Beschwerdeführers nicht ersichtlich, dass seine sonstigen in-

tellektuellen Fähigkeiten derart eingeschränkt wären, dass er sich nicht 

selbst verteidigen könnte. Insbesondere gab er anlässlich der Einvernah-

men an, er sei in der Lage, den Befragungen zu folgen (vgl. Einvernahmen 

vom 11. Juli 2021, Frage 6, act. 8 und Frage 6, act. 140). Es dürfte zwar 

zutreffen, dass sich der Beschwerdeführer im Rechtssystem nicht aus-

kennt, dies ist aber bei beschuldigten Personen, welche nicht über eine 

juristische Ausbildung verfügen, stets der Fall. Folglich stellt auch dies kei-

nen Grund für eine amtliche Verteidigung dar, andernfalls der Gesetzgeber 

in sämtlichen Fällen eine amtliche Verteidigung vorgesehen hätte (vgl. Ur-

teil des Bundesgerichts 1B_402/2015 vom 11. Januar 2016 E. 3.6), was 

aber gerade nicht der Fall ist. Schliesslich sind auch keine Anhaltspunkte 

ersichtlich, dass eine amtliche Verteidigung aus Gründen der Waffengleich-

heit im Verhältnis zur Staatsanwaltschaft geboten wäre. 

 

 - 8 - 

 

 

 

Im Ergebnis sind folglich keine rechtlichen oder tatsächlichen Schwierigkei-

ten gegeben, welche eine amtliche Verteidigung für geboten erscheinen 

lassen. Auch bei einer Gesamtbetrachtung der hiervor genannten Ele-

mente lassen sich keine besonderen Schwierigkeiten ausmachen, denen 

der Beschwerdeführer auf sich allein gestellt nicht gewachsen wäre. 

 

3. 

Zusammengefasst erscheint eine amtliche Verteidigung zur Wahrung der 

Interessen des Beschwerdeführers nicht geboten. Nachdem die Geboten-

heit mit vorstehender Begründung verneint wurde, kann die Frage seiner 

Bedürftigkeit offenbleiben. Die Beschwerde erweist sich deshalb als unbe-

gründet und ist abzuweisen. 

 

4. 

Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens sind die Kosten des ober-

gerichtlichen Verfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 428 

Abs. 1 StPO) und er hat für das Beschwerdeverfahren keinen Anspruch auf 

eine Entschädigung. 

 

 
   

Die Beschwerdekammer entscheidet: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestehend aus einer Gerichtsge-

bühr von Fr. 600.00 und den Auslagen von Fr. 60.00, zusammen 

Fr. 660.00, werden dem Beschwerdeführer auferlegt.  

 

 
   

Zustellung an: 

[…] 

 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-

lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-

schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. Dieselbe Beschwerde 

kann erhoben werden gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide, wenn 

diese einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können oder wenn die Gutheis-

sung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeuten-

den Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde 

(Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 93, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

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Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde- 

legitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 9. Oktober 2023 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Beschwerdekammer in Strafsachen 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Richli Flütsch