# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4f38e7f0-461b-5de4-b6ab-03554324dc3c
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-08-14
**Language:** de
**Title:** Gemischte Methode des Einkommensvergleichs; Qualifikation bei MS-Behandlung mit Komplikationen (unzulässiger Schluss fehlender Stellenbemühungen auf die Entwicklung im Gesundheitsfall); leidensbedingter Abzug gemäss Art. 26bis Abs. 3 IVV in der ab 1. Januar 2022 respektive 2024 gültigen Version.
**Docket/Reference:** IV.2023.00664
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2023.00664.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2023.00664
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Senn
Sozialversicherungsrichterin Slavik
Gerichtsschreiber Schetty
Urteil
vom
14. August 2024
in Sa
chen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin Stephanie Schwarz
Sigg Schwarz Advokatur
Theaterstrasse 3, Postfach 2336, 8401 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Die im Jahre
1992 geborene
X.___
trat am 18. August 2008 eine Lehre als
Carrossierin
/Autolackiererin an. Aufgrund mehrerer Sportverletzungen kam es zu einem deutlichen Ausbildungsrückstand und in der Folge zur vorzeit
i
gen
Beendigung des Lehrverhältnisses per 1. September 2010 (Urk. 6/51). Die Ver
sicherte ist seit dem 7. Oktober 2011 verheiratet und Mutter eines Kindes (2012, Urk. 6/5 S. 2 f.). Seit Juli 2014 leidet sie an Multipler Sklerose bei gestellter Erstdiagnose am 13. Oktober 2014 (Urk. 6/18 S. 7).
1.2
Aufgrund extremer Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten sowie körperliche
r
Beschwerden
meldete sich die Versicherte am
23. März 2022 bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk.
6/5). Mit Mitteilung vom 26. April 2022 hielt diese fest, dass zurzeit keine Eingliederungsmassnahmen nötig seien
,
und leitete die Rentenprüfung in die Wege (Urk. 6/11). In der Folge führte die IV-Stelle eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt durch (Haushaltsab
klärungsbericht vom 25. August 2022, Urk. 6/22). Mit Vorbescheid vom 14.
November 2022 stellte sie die Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht (Urk. 6/24).
Nachdem am 9. Januar 2023 eine neuropsychologische Abklärung durchgeführt worden war (Urk. 6/34), hob die IV-Stelle den ergangenen Vor
bescheid mit neuem Vorbescheid vom 10. August 2023 auf und stellte mit geänderter Begründung erneut die Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht (Urk. 6/46). An diesem Entscheid hielt sie mit Verfügung vom 2. November 2023 fest (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Vertreterin der Versicherten am
4. Dezember 2023 Beschwerde und
beantragte
,
es sei der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 6 Monaten nach der IV-Anmeldung vom 24. März 2022 eine Rente zuzusprechen, eventualiter sei die Sache zur Prüfung der mit dieser Beschwerde getätigten Neuanmeldung im Zusammenhang mit der ab 1. Januar 2024 in Kraft getretenen IVV-Verord
nungsänderung an die IV-Stelle zu überweisen; unter Kosten- und Entschä
digungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 29. Januar 2024 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (Urk. 5). Mit Replik vom 16. April 2024 hielt die Vertreterin der Beschwerdeführerin
an den beschwerdeweise gestellten Anträgen
fest (Urk. 10); die Beschwerdegegnerin verzichtete in der Folge auf das Einreichen
einer Duplik (Urk. 13), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 22. Mai 2024 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 14).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
;
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
ben
de ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Eine Rente nach Abs. 1 wird nicht zugesprochen, solange die Möglichkeiten zur Eingliederung im Sinne von Art. 8 Abs. 1
bis
und 1
ter
nicht ausgeschöpft sind (Art. 28 Abs. 1
bis
IVG). Gemäss Art. 28b Abs. 1 IVG wird die Höhe des Renten
anspruchs in prozentualen Anteilen an einer ganzen Rente festgelegt. Bei einem Invaliditätsgrad von 50-69 % entspricht der prozentuale Anteil dem Invalidi
tätsgrad (Abs. 2). Bei einem Invaliditätsgrad ab 70 % besteht Anspruch auf eine ganze Rente (Abs. 3). Bei einem Invaliditätsgrad unter 50 % gelten die folgenden prozentualen Anteile (Abs. 4):
Invaliditätsgrad
prozentualer Anteil
49 Prozent
47.5
Prozent
48 Prozent
45
Prozent
47 Prozent
42.5
Prozent
46 Prozent
40
Prozent
45 Prozent
37.5
Prozent
44 Prozent
35
Prozent
43 Prozent
32.5
Prozent
42 Prozent
30
Prozent
41 Prozent
27.5
Prozent
40 Prozent
25
Prozent
1.3
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Rentenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditäts
bemessung (Art. 28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungs
vergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen (vgl. Art. 27
der
Verordnung über die Invalidenversicherung
;
IVV)
sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigun
gen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbs
tätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_674/2022 vom 15.
Mai
2023 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.4
Gemäss Art. 27
bis
Abs. 1 IVV werden für die Bestimmung des Invaliditätsgrades von Teilerwerbstätigen folgende Invaliditätsgrade zusammengezählt:
a.
der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit;
b.
der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich.
Für die Berechnung des Invaliditätsgrades in Bezug auf die Erwerbstätigkeit wird gemäss Art. 27
bis
Abs. 2 IVV:
a.
das Einkommen ohne Invalidität auf eine Erwerbstätigkeit, die einem Beschäftigungsgrad von 100 Prozent entspricht, hochgerechnet;
b.
das Einkommen mit Invalidität auf der Basis einer Erwerbstätigkeit, die einem Beschäftigungsgrad von 100 Prozent entspricht, berechnet und entsprechend an die massgebliche funktionelle Leistungsfähigkeit ange
passt;
c.
die prozentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäftigungsgrades,
den
die Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet.
Für die Berechnung des Invaliditätsgrades in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich wird gemäss Art. 27
bis
Abs. 3 IVV:
a.
der prozentuale Anteil der Einschränkungen bei der Betätigung im Auf
gabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die versicherte Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt;
b.
der Anteil nach Buchstabe a anhand der Differenz zwischen dem Beschäfti
gungsgrad nach Absatz 2 Buchstabe c und einer Vollerwerbs
tätigkeit gewichtet.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass
seit dem 1. Juli 2020 von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % auszugehen
sei
, wobei die Beschwerdeführerin bei guter Gesundheit in einem Pensum von 50 % arbeiten würde. Bei einer Gewichtung des erwerblichen Bereichs mit 50 % sowie einem leidensbedingten Abzug in der Höhe von 10 % führe dies zu einem Teilin
validitätsgrad von rund 28 %. Im Bereich Haushalt sei von einer Einschränkung von 8.5 % auszugehen, was zu einem Teilinvaliditätsgrad von rund 4 % und zu einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 32 % führe (Urk. 2). Selbst wenn man den ab Januar 2024 zulässigen maximalen Pauschalabzug in der Höhe von 20 % vor
nähme
, würde sich dies nicht rentenrelevant auswirken (Urk. 5 S.
3).
2.2
Demgegenüber machte die Vertreterin der Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass ihre Mandantin im Rahmen der Haushaltsabklärung ausgeführt habe, dass sie im Gesundheitsfall zu 80 % erwerblich tätig wäre, worauf abzustellen sei. Die Tochter der Beschwerdeführer
i
n sei 11 Jahre alt, zudem sei die Betreuung sichergestellt
. Aufgrund der gesundheitlichen Beschwerden könne nicht von der beruflichen Laufbahn auf die Qualifikation im Gesundheitsfall geschlossen werden (Urk. 1 S. 4). Zudem hätte die Beschwerdeführerin bei voller Gesundheit eine Berufsausbildung beendet und könnte entsprechend ein höheres
Valideneinkommen
erzielen (S. 6). Aufgrund des Vorliegens einer Schubkrankheit sowie diverser weiterer Beschwerden sei vorliegend ein hoher leidensbedingter Abzug zu gewähren. Weiter sei die Sache im Hinblick auf die Verordnungs
änderung per 1. Januar 2024 an die Beschwerdegegnerin zu überweisen (S. 7, vgl. auch Urk. 10).
3.
3.1
Dr. med.
Y.___
, Facharzt FMH für Neurologie,
stellte in seinem Bericht vom 7. Juni 2022 die folgenden Diagnosen:
-
Schubförmig-remittierende Multiple Sklerose
-
Status nach Basistherapie mit
Tecfidera
,
Gilenya
,
Zinbryta
und
Ocrevus
-
Basistherapie mit
Kesimpta
(
Ofatumumab
) ab 23. März 2022
-
Sekundärer Immundefekt mit rezidivierenden Infektionen, ineffektiver antimikrobieller Behandlung und ungenügendem Anstieg von Impfanti
körpern
-
Status nach Behandlung mit
Privigen
November 2021 bis Februar 2022
Nach Diagnosestellung am 13. Oktober 2014 sei der bisherige Verlauf kompli
kationsreich gewesen: Die Basisbehandlung mit
Tecfidera
habe wegen rezidi
vieren
der
Lymphopenien
gestoppt w
er
den müssen, auf die Therapie mit
Gilenya
habe die Patientin mit bronchialen Beschwerden reagiert. Weiter sei es unter Therapie mit
Zinbryta
zu einem störenden Hautausschlag gekommen, zudem sei dieses Präparat An
f
ang 2018 wegen tödlich verlaufende
r
Enzephalytiden
vom Markt genommen worden. Seit dem 5. Juni 2018 werde die Beschwerdeführerin mit
Ocrevus
behandelt und
habe
im Juli 2020 noch einen akuten Schub gehabt. Wegen eines sekundären Immundefekts mit rezidivierenden Infektionen habe auch dieses Präparat gestoppt werden müssen, seit dem 23. März 2022 erfolge die Behandlung mit
Kesimpta
.
Die somatischen Symptome seitens der MS seien gering, die Patientin sei durch eine chronische Fatigue im Alltag beeinträchtigt
, welche zu einer vorzeitigen körperlichen und geistigen Ermüdbarkeit führe. In einer leiden
s
angepassten
Tätigkeit sei von einer Arbeitsfähigkeit von 5-6 Stunden täglich auszugehen (Urk. 6/20, Urk. 6/18).
3.2
Im Rahmen der Haushaltsabklärung vom 25. August 2022 führte die Beschwerdeführerin aus, dass
sie im Erwerbsleben nie habe Fuss fassen können, da sie die MS-Diagnose bereits im Alter von 22 Jahren erhalten habe. Ihr Mann könne die Familie kaum durchbringen, sie seien immer in einer finanziellen Notlage. Im Gesundheitsfall hätte sie allenfalls auch eine abgeschlossene Berufslehre oder Fort- und Weiterbildungen besucht. Mit ihrem jetzigen Einkommen sei sie kaum in der Lage
,
das Familienbudget zu entlasten. Bei guter Gesundheit müsste sie nebst der Kinderbetreuung und den anfallenden Haus
haltsarbeiten – um die knappen finanziellen Verhältnisse der Famil
i
e zu entlasten – als ungelernte
Arbeitskraft
mindestens einer 80%igen ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachgehen. Die Tochter wäre mit schulischen und ausser
schulischen Betreuungsmöglichkeiten gut betreut, zudem lebe ihre Mutter in der Nähe (Urk. 6/22 S. 3 f.).
Hinsichtlich der Qualifikation hielt die für den Haushaltsabklärungsbericht verantwortliche Fachperson fest, dass sich die Beschwerdeführerin in all den Jahren nicht um eine für sie angepasste Tätigkeit bemüht habe, obschon von einer
täglichen Arbeitsfähigkeit von 5-6 Stunden auszugehen sei. Aufgrund der fehlenden Stellenbemühungen erscheine ein Pensum von 80 % im Gesund
heitsfall nicht plausibel. Mit dem Argument der Entlastung des Familienbudgets sei von einem Pensum bei guter Gesundheit von 50 % auszugehen (S. 4). Unter Berücksichtigung der Mitwirkungspflicht des Ehemanns sowie der Tochter sei i
m
Haushalt insgesamt von einer Einschränkung von 8.5 % auszugehen
(
S. 5 ff.).
3.3
Die für den Bericht vom 9. Januar 2023 verantwortlichen Fachpersonen stellten die folgende neuropsychologische Diagnose (Urk. 6/37):
-
Formal leichte bis mittelgradige neuropsychologische Störung 01/2023 mit/bei:
-
Neuropsychologisches Profil: Schwere Fatigue und testpsychologisch objektivierte
Fatigability
, partielle
attentionale
und exekutive Minder
leistungen (Aufmerksamkeitsaktivierung, Arbeitsgedächtnis, Störan
fällig
keit, Abstraktionsvermögen)
-
Ätiologie: primär im Rahmen der schubförmig remittierenden Multiplen Sklerose, DD partiell konstitutionell mit womöglich zusätzlich leichten affektiven Interferenzen
Unabhängig von der ursächlichen Zuordnung sei aus neuropsychologischer Sicht von einer relevanten Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit unter den meisten beruflichen Anforderungen auszugehen.
In einer angepassten Tätigkeit bestehe dabei eine Arbeitsfähigkeit von maximal 50 % (Urk. 6/38, Urk. 6/37).
4.
4.1
Unstrittig ist vorliegend die Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit. Aufgrund der neuropsychologischen Abklärung vom 9. Januar 2023 kann dementsprechend in einer solchen Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % ausgegangen werden.
4.2
Bezüglich der Qualifikation wies die federführende Fachperson insbesondere auf die mangelnden Stellenbemühungen in der Zeit vor der Anmeldung bei der IV-Stelle hin.
Dazu ist anzumerken, dass die Beschwerdeführerin nach der Geburt ihrer Tochter am 11. Januar 2012 bereits ab Sommer 2014 an den Folgen der MS-Erkrankung zu leiden begann. Zu berücksichtigen ist dabei, dass sich die Behandlung entsprechend den Ausführungen von Dr.
Y.___
als äusserst komplikationsreich gestaltete und zudem durch den sekundären Immundefekt erschwert war. Bei dieser Ausgangslage kann aufgrund der effektiven beruflichen Laufbahn nur mit grosser Zurückhaltung auf den Gesundheitsfall geschlossen werden. Weiter wurde anlässlich der Haushaltsabklärung noch von einer Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit von 70 % ausgegangen (Urk. 6/22 S. 4), was aufgrund der neusten neuropsychologischen Abklärungen eher als optimistisch erscheint.
Aufgrund der mangelnden Stellensuche auf ein 50
%-Pensum im Gesundheitsfall zu schliessen
,
erscheint insgesamt dem vorliegenden Sachverhalt nicht gerecht zu werden.
Unbestritten ist dabei, dass die Beschwerdeführerin aufgrund des Einkommens des Ehemanns in der Höhe von Fr. 5'200.-- im Gesundheitsfall zur Entlastung des Familienbudgets eine Erwerbstätigkeit aufgenommen hätte. Die Beschwerde
führerin führte dazu aus, dass sie als ungelernte Mitarbeiterin mindestens einer 80%igen ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit hätte nachgehen müssen (Urk. 6/22
S. 2 und
S. 4). Aus der Aussage der Beschwerdeführerin kann geschlossen werden, dass es ihr bei der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit in erster Linie um die Entlastung des Familienbudgets geht, was bei den Verdienstmöglichkeiten als ungelernte Mitarbeiter
i
n zur Notwendigkeit eines Pensums von 80 % führte.
Dies entspricht unter Berücksichtigung des durchschnittlichen Einkommens gemäss LSE 2020 bei einem Pensum von 80 % in etwa einem Verdienst in der Höhe Fr.
3'500.--. Ein solches Szenario erscheint sowohl unter Berücksichtigung der finanziellen Verhältnisse der Familie als auch des Alters der Tochter sowie der
en
Betreuungsmöglichkeiten als plausibel
; zudem handelt es sich um eine Aussage der ersten Stunde, welche zumeist nicht von versicherungsrelevanten Über
legungen beeinflusst werden.
Offenbleiben kann bei dieser Interpretation der
Aussagen der Beschwerdeführerin, ob sie im Gesundheitsfall eine Ausbildung abgeschlossen oder auch noch Weiterbildungen gemacht hätte. Zunächst ist
dazu
anzumerken, dass die Akten diesbezüglich für die Zeit zwischen dem Abbruch der Lehre und der Diagnosestellung keinerlei Hinweise enthalten. Selbst wenn eine abgeschlossene Ausbildung zu besseren Verdienstmöglichkeiten geführt hätte, erscheint es aufgrund der Aussagen der Beschwerdeführerin im Rahmen der Haushaltsabklärung überwiegend wahrscheinlich, dass
in einem solchen Fall
die Entlastung des Familienbudgets bereits mit einem geringeren Pensum gelungen wäre
; ein Pensum von 80 % wäre dann nicht nötig gewesen.
Insgesamt erscheint es überwiegend wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall einer ungelernten Hilfsarbeitertätigkeit im Umfang von 80 %
oder bei absolvierter Ausbildung in einem entsp
r
echend tieferen Pensum bei gleichem Lohn
nachgehen würde
.
5.
5.1
Aufgrund des beruflichen Werdegangs de
r
Beschwerdeführer
in
biete
n die effektiv ausgeübten Tätigkeiten
keine verlässliche Grundlage für die Ermittlung des
Valideneinkommens
. Vielmehr erscheint es
angezeigt, sowohl das Validen- als auch da
s Invalideneinkommen anhand statistischer Durchschnittswerte zu ermitteln. Dabei kann rechnerisch ein Prozentvergleich erfolgen; diesfalls
ent
spricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berück
sich
tigung eines (allfälligen) Abzugs vom Tabellenlohn (vgl. etwa Bundes
gerichts
urteil 9C_532/2016 vom 25. November 2016 E. 3.1 mit Hinweis;
Meyer/Reich
muth,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Aufl. 2014 N
35 f. zu Art. 28a).
5.2
Bei einer verbleibenden Restarbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit in der Höhe von 50 % ist vom Invalideneinkommen gestützt auf Art. 26
bis
Abs. 3 IVV in der ab 1. Januar 2022 gültigen Fassung ein Abzug von 10 % vorzunehmen, sodass im erwerblichen Bereich von einer Einschränkung von 55 % auszugehen ist, was bei einer Gewichtung dieses Bereichs mit 80 % zu einem Teilinva
li
di
tätsgrad von 44 % führt.
Im
zur Publikation bestimmte
n
Urteil 8C_823/2023 vom 8. Juli 2024
E. 10.6 hat das Bundesgericht
die genannte Verordnungsbestimmung hinsichtlich der damit beabsichtigten abschliessenden Ordnung des Abzugs vom Tabellenlohn als bundesrechtswidrig qualifiziert und festgehalten, dass darüber hinaus die herkömmlichen Grundsätze des Tabellenlohnabzugs heranzuziehen sind, soweit aufgrund der Umstände des konkreten Falls ein Bedarf besteht.
Solche Umstände
sind vorliegend nicht gegeben: D
er MS-bedingten Erschöpfung/Müdigkeit
wurde
bereits im Rahmen der
E
inschätzung
der Arbeitsfähigkeit
Rechnung getragen und der erhöhten Infektanfälligkeit infolge Immunsuppression mit einem Medika
menten
wechsel
respektive
einer
Immunglobulingabe
begegnet (vgl. Urk. 6/12). Allein der
Umstand
, dass die
Beschwerdeführerin
an einer Schubkrankheit leidet
(Urk. 1 S. 7)
,
rechtfertigt
kein
en
weitergehende
n
Abzug, zumal die somatischen Symptome gering sind (vgl. E. 3.1).
Die Einschränkung im Bereich Haushalt von 8.5 % entspricht dabei bei einer Gewichtung mit 20 % einem Teilinvaliditätsgrad von 1.7 %, was insgesamt zu einem Invaliditätsgrad von rund 46 % führt.
Aufgrund der Anmeldung zum Leistungsbezug am 23. März 2022 hat die Beschwerdeführerin demnach ab 1. September 2022 Anspruch auf Invalidenrente
in der Höhe von
40 %.
5.3
Bezüglich des leidensbedingten Abzugs ist zu berücksichtigen, dass Art. 26
bis
Abs. 3 IVV in der ab 1. Januar 2024 gültigen Fassung bei Pensen von 50 % oder weniger einen leidensbedingten Abzug von 20 % vorsieht. Antragsgemäss ist die Sache dementsprechend zur Anspruchsprüfung ab 1. Januar 2024 an die Beschwerdegegnerin zu überweisen.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerde
führerin eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwen
dung von Art. 61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
und
nach Einsicht in die Honorarnote vom 28. Mai 2024
sowie unter Hinweis auf den seit 1. Juli 2024 zur Anwendung gelangenden Satz für Prozessentschädigung bei Obsiegen von Fr.
280.-- plus MWST
auf Fr.
3'183.65
(inklusive Barauslagen und Mehrwert
steuer) festzusetzen ist.
Das Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom 2. November 2023 aufgehoben und es wird festgestellt, dass die Beschwerdeführerin ab 1. September 2022 Anspruch auf eine Invalidenrente
in der Höhe von 40 % hat. Für die Anspruchsprüfung ab 1. Januar 2024 wird die Sache an die Beschwerdegegnerin überwiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine Parteientschädigung von Fr.
3'183.65
(
inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Stephanie Schwarz
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubSchetty