# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 264f44bc-8ca3-5a48-a8bb-3c8c1b8fc93c
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-10-04
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Beschwerdekammer in Strafsachen 04.10.2016 BK 2016 279
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_008_BK-2016-279_2016-10-04.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

Beschwerdekammer in 
Strafsachen

Cour suprême
du canton de Berne

Chambre de recours pénale

Beschluss
BK 16 279

Hochschulstrasse 17
Postfach
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 09
Fax +41 31 635 48 15
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 4. Oktober 2016

Besetzung Oberrichterin Schnell (Präsidentin), Oberrichter Studiger, Ober-
richterin Pfister Hadorn
Gerichtsschreiber Müller

Verfahrensbeteiligte A.________
v.d. Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter

C.________
v.d. Rechtsanwalt D.________

Straf- und Zivilklägerin/Beschwerdeführerin

Gegenstand Einstellung

Strafverfahren wegen wiederholter Tätlichkeiten

Beschwerde gegen die Verfügung der Regionalen Staatsanwalt-
schaft Bern-Mittelland vom 22. Juni 2016 (BM 16 8404)

2

Erwägungen:

1.

1.1 C.________ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) brachte A.________ (nachfolgend: 
Beschuldigter), den von ihr getrennt lebenden Ehemann, wegen verbotener Porno-
grafie zur Anzeige. Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 10. September 
2015 stellte der Beschuldigte seinerseits Strafantrag gegen seine Ehefrau wegen 
häuslicher Gewalt. Mit Strafbefehl vom 22. Januar 2016 erklärte die Regionale 
Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland die Beschwerdeführerin wegen Drohung sowie 
wiederholter Tätlichkeiten zum Nachteil von A.________ für schuldig und verurteilte 
sie zu einer bedingten Geldstrafe, zu einer Verbindungsbusse, zu einer Busse so-
wie zur Bezahlung der Verfahrenskosten.

1.2 Gegen diesen Strafbefehl erhob Rechtsanwalt D.________ namens der Beschwer-
deführerin am 28. Januar 2016 Einsprache. Ferner liess sie am 16. Februar 2016 
Strafanzeige gegen den Beschuldigten einreichen mit dem Vorwurf, er habe sie 
mehrfach geschlagen und gewürgt. Diesbezüglich eröffnete die Regionale Staats-
anwaltschaft am 7. April 2016 ein Verfahren wegen wiederholter Tätlichkeiten.

1.3 Nach der Durchführung von Einvernahmen kündigte der Staatsanwalt an, er beab-
sichtige das Verfahren einzustellen und gab den Parteien Gelegenheit, weitere 
Beweisanträge zu stellen. Die Beschwerdeführerin beantragte die Einvernahme der 
in der Anzeige aufgeführten Zeugen. Mit Verfügung vom 2. Juni 2016 lehnte der 
Staatsanwalt diesen Beweisantrag ab und stellte am 22. Juni 2016 das Strafverfah-
ren gegen den Beschuldigten ein.

1.4 Am 6. Juli 2016 reichte Rechtsanwalt D.________ namens der Beschwerdeführerin 
gegen die Einstellungsverfügung Beschwerde beim Obergericht ein. Er beantragte, 
die Verfügung vom 22. Juni 2016 sei aufzuheben und die Staatsanwaltschaft sei 
anzuweisen, das Strafverfahren fortzuführen. Eventualiter sei die Sache zurückzu-
verweisen – alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge.

1.5 In der Stellungnahme vom 29. Juli 2016 beantragte die Generalstaatsanwaltschaft 
die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Dasselbe beantragte der Beschuldig-
te mit Stellungnahme vom 23. August 2016. In ihrer Replik vom 23. September 
2016 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Rechtsbegehren fest. 

2. Gegen Verfügungen der Staatsanwaltschaft kann bei der Beschwerdekammer in 
Strafsachen innert 10 Tagen schriftlich und begründet Beschwerde geführt werden 
(Art. 393 Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 396 Abs. 1 Schweizerische Strafprozessordnung 
[StPO; SR 312], Art. 35 des Gesetzes über die Organisation der Gerichtsbehörden 
und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1] i.V.m. Art. 29 Abs. 2 des Organi-
sationsreglements des Obergerichts [OrR OG; BSG 162.11]). Die Beschwerdefüh-
rerin ist durch die angefochtene Verfügung unmittelbar in ihren rechtlich geschütz-
ten Interessen betroffen und somit zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 382 Abs. 
1 StPO). Auf die form- und fristgerechte Beschwerde ist einzutreten. 

3. Die Beschwerdeführerin brachte mit Strafanzeige vom 16. Februar 2016 vor, sie sei 
vom Beschuldigten wiederholt körperlich angegriffen worden. Anlässlich der Ein-

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vernahme vom 5. April 2016 sagte sie aus, sie sei zu Hause gewürgt und zwei Mal 
in der Öffentlichkeit vom Beschuldigten geschlagen worden. Er solle ihr im März 
2014 im «blauen Bähnli» eine Ohrfeige verabreicht haben, im September 2014 im 
Wankdorf an den Armen gedrückt haben, im Dezember 2013 versucht haben, sie 
zu würgen und im Dezember 2014 sie effektiv gewürgt haben. Der Beschuldigte 
bestreitet diese Vorwürfe. Nebst den Aussagen der Beteiligten liegen keine Be-
weismittel vor. Die Staatsanwaltschaft kam zum Schluss, dass die Aussagen der 
Beschwerdeführerin nicht überzeugend seien.

4. Die Beschwerdeführerin macht in der Beschwerdeschrift im Wesentlichen geltend, 
der Staatsanwalt stelle allein auf die Aussagen des Beschuldigten ab und erachte 
diese als glaubhaft, während ihre Angaben als wenig überzeugend, strukturiert und 
detailliert abgetan würden. Sie habe die Vorfälle jedoch bereits in der Strafanzeige 
vom 16. Februar 2016 geschildert und diese bei der Einvernahme vom 5. April 
2016 bestätigt. Sie habe detailreich beschrieben, was vorgefallen sei. Dazu seien 
die Zeugen zu befragen.

In der Replik ergänzt sie, dass die wiederholten Tätlichkeiten zu ihrem Nachteil 
ausreichend zu den Akten gegeben worden seien. In der Einvernahme vom 5. April 
2016 mache sie Angaben, welche den Anfangsverdacht rechtfertigen würden. Sie 
werde in Zeile 265 f. gefragt, ob sie (nach dem Würgen) Schmerzen verspürt habe. 
Darauf habe sie geantwortet: «Es hat weh getan, aber nicht so intensiv wie das 
zweite Mal.» Sie habe somit angedeutet, dass es neben dem thematisierten Vorfall 
mindestens noch ein zweites, schmerzhafteres Würgen gegeben habe. In Zeile 
163 ff. erwähne sie ein weiteres Würgen, bevor die Nachbarn gekommen seien, 
sowie ein Würgen am Waschbecken. Ungeachtet der Frage, ob so bereits ein be-
gründeter Anfangsverdacht für (mehrere) Verbrechen nach Art. 129 StGB geschil-
dert worden sei, habe sie mehrere Übergriffe geschildert. Damit sei das Tatbe-
standsmerkmal «wiederholt» rechtsgenügend aktenkundig. Ob sich die Vorfälle 
tatsächlich ereignet hätten beziehungsweise ob diese zu einem Schuldspruch 
führen könnten, sei gerichtlich zu beurteilen. Zudem habe der Beschuldigte über 
die seitens der Beschwerdeführerin geschilderten Tätlichkeiten hinaus weitere Vor-
komnisse zu Protokoll gegeben, bei welchen er ihr eine «Kopfnuss» gegeben habe 
respektive ihm zwei Mal die Hand ausgerutscht sei. Auch habe er sie ein Mal weg-
gestossen (Einvernahme Beschuldigter vom 10. Mai 2016, Zeilen 51-63). Ob die 
Beschwerdeführerin mit einem Messer bewaffnet gewesen sei und es sich seitens 
des Beschuldigten um Notwehr gehandelt habe, sei gerichtlich zu klären. Ein be-
sonderes Augenmerk sei darauf zu legen, dass der Beschuldigte auf die Frage, 
welche Nachbarn auf das Schreien der Beschwerdeführerin zur Wohnung gekom-
men seien, den Namen E.________ nenne. Diese habe die Beschwerdeführerin 
bereits vor der zitierten Einlassung in ihrer Strafanzeige vom 16. Februar 2016 in 
Randziffer 3 als Zeugen (versehentlich als G.________ bezeichnet) benannt. Ihre 
Aussagen seien nicht unglaubhaft. Die Annahme der Staatsanwaltschaft, der Be-
schuldigte habe die Vorkommnisse bestritten, sei unrichtig. Der Beschuldigte räu-
me Vorkommnisse selbst ein und behaupte sogar Taten, welche die Beschwerde-
führerin nicht zur Anzeige gebracht habe. Ob es sich um Notwehr gehandelt habe, 

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sei gerichtlich zu klären. Dies gelte ebenso für die Frage, ob es sich um «wieder-
holte Tätlichkeiten» gehandelt habe, was zu bejahen sei. 

5.

5.1 Nach Ansicht der Generalstaatsanwaltschaft ist die von der Staatsanwaltschaft 
vorgenommene Aussagenwürdigung nicht zu beanstanden: Mit Anzeige vom 
16. Februar 2016 habe die Beschwerdeführerin diffus geäussert, sie sei während 
der Ehe wiederholt körperlich angegriffen worden. Es sei je zu einem Übergriff zu 
Hause – was die Nachbarn gehört hätten - und am Bahnhof Wankdorf gekommen. 
Zudem habe der Beschuldigte sie daheim des Öfteren gepackt und gegen die 
Wand, das Sofa oder das Waschbecken gedrückt. Er habe sie gewürgt, bis sie 
nicht mehr habe atmen können. Diese generell-abstrakten Äusserungen habe die 
Beschwerdeführerin an der Einvernahme vom 5. April 2016 lediglich untergeordnet 
ausgeführt. Eingangs habe sie ausgesagt, dass sie zu Hause und zwei Mal in der 
Öffentlichkeit geschlagen worden sei, schliesslich seien es dann vier Ereignisse 
gewesen. Im Verlaufe der Befragung habe sie geltend gemacht, dass bei dem Vor-
fall, den die Nachbarn hätten mithören können, der Beschuldigte versucht habe, sie 
zu würgen, ein anderes Mal habe sie ausgesagt, er habe sie gewürgt, um dann 
wieder auszuführen, dass es ein Versuch gewesen sei. In der Strafanzeige sei da-
zu nur von Handgreiflichkeiten die Rede gewesen, von Würgen keine Spur. Zum 
Vorfall im Wankdorf habe sie – anders als in der Strafanzeige – geltend gemacht, 
dass sich dieser beim H.________ im Wankdorf ereignet habe; im freien Bericht 
habe sie einen lauten, verbalen Streit erwähnt und dass er sie gepackt habe, 
später in der Einvernahme habe sie davon gesprochen, er habe sie gegen eine 
Glastür geworfen. Auch in zeitlicher Hinsicht habe die Beschwerdeführerin unklare 
Angaben gemacht. Letztendlich habe sie zu Protokoll gegeben, dass sie Ende 
2014 wegen Internetsachen gestritten hätten, er nicht habe diskutieren wollen, sie 
auf den Waschtisch gelegt und gewürgt habe. Erst auf explizite Nachfrage habe sie 
ausgesagt, er habe sie mit beiden Händen gewürgt, sie sei bewusstlos gewesen, 
man habe danach einen Tag lang die Finger am Hals gesehen und es habe weh 
getan. Dennoch sei es nicht so schlimm gewesen, dass sie zum Arzt gegangen sei. 
Ihre Darstellung erscheine als wenig überzeugend, so dass erhebliche Zweifel an 
der Glaubwürdigkeit bestehen würden. Von sich aus habe sie keine Aussagen zu 
Details gemacht (z.B. zur Ausprägung einer Hauteinblutung, Petechien, Vorge-
hensweise), deren Kenntnis nur sie hätte haben können. Bei der von ihr auf Nach-
frage geltend gemachten Bewusstlosigkeit hätte der Beschuldigte ein bis zwei Mi-
nuten zudrücken müssen. Das Naheliegendste in einer solchen Situation, dass 
man sich heftig wehre und Angst empfinde, habe die Beschwerdeführerin nicht er-
wähnt. Schliesslich sei es unwahrscheinlich, dass Würgemale nach einem solchen 
Vorfall nach einem Tag verschwunden seien. Insgesamt würden die Aussagen der 
Beschwerdeführerin wenig glaubhaft erscheinen. Ausserdem habe sie die Vorwürfe 
erst spät im Verfahren gegen sie selber wegen häuslicher Gewalt vorgebracht. 

Demgegenüber seien die Aussagen des Beschuldigten glaubhaft. Der Staatsanwalt 
habe festgehalten, der Beschuldigte habe anlässlich der Einvernahme vom 10. Mai 
2016 besonnen auf die Vorwürfe reagiert. Seine Aussagen seien detailliert gewe-
sen. Die ins Recht gelegten Auszüge von Textmitteilungen würden den Eindruck 

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bestätigen. Daraus gehe hervor, dass der Beschuldigte immer wieder versucht ha-
be, die Beschwerdeführerin zu besänftigen. Die Beschwerdeführerin hingegen 
schlage einen unflätigen Ton an und sie bestätige schliesslich, ihn geschlagen zu 
haben. Somit würden begründete und gewichtige Anhaltspunkte für eine wahr-
scheinliche Verurteilung des Beschuldigten wegen wiederholter Tätlichkeiten feh-
len. Die Anschuldigung der Beschwerdeführerin als einziges Anklagefundament sei 
zu wenig tragfähig, so dass ein Freispruch klar absehbar sei.

Im Weiteren habe die Beschwerdeführerin beanstandet, dass die von ihr benann-
ten Zeugen trotz zweimaliger Beantragung nicht einvernommen worden seien; die-
se hätten ihre Aussagen bestätigen können. Indessen müsse ihr entgegen gehal-
ten werden, dass die in der Anzeige vom 16. Februar 2016 aufgeführten Personen 
keine massgeblichen Beobachtungen zu den körperlichen Angriffen gemacht hät-
ten. Die Zeugeneinvernahmen seien nicht geeignet, am Ausgang des Verfahrens 
etwas zu ändern. Weiter sei die Beschwerdeführerin der Auffassung, es sei rechts-
fehlerhaft, wenn die Staatsanwaltschaft zum Nachweis von Verletzungen durch 
Tätlichkeiten notwendigerweise Atteste des IRM verlange. Allerdings verkenne sie, 
dass sich diese Aussage auf den Nachweis von einfachen Körperverletzungen 
oder der Gefährdung des Lebens beziehe und nicht bezüglich Tätlichkeiten ge-
macht worden sei. Schliesslich mache die Beschwerdeführerin geltend, soweit die 
Staatsanwaltschaft in Frage stelle, ob es sich bei zwei bis drei Tätlichkeiten innert 
eines Jahres um «wiederholte Tätlichkeiten» handle, in Erinnerung zu rufen sei, 
dass nicht die Staatanwaltschaft dazu berufen sei, zweifelhafte Rechtsfragen zu 
beantworten, sondern die Gerichte; gemäss Lehre sei bei zahlreichen Ohrfeigen 
und Fusstritten innerhalb von drei Jahren von wiederholten Tätlichkeiten auszuge-
hen. Indes habe sich die Frage wegen wiederholter Tätlichkeiten im Hinblick auf 
das Vorliegen eines gültigen Strafantrages gestellt. Die Prüfung einer Prozessvor-
aussetzung sei sehr wohl Aufgabe der Staatsanwaltschaft (Art. 310 Abs. 1 Bst. a 
StPO und Art. 319 Abs. 1 Bst. d StPO). Der Staatsanwalt habe das Verfahren ge-
gen den Beschuldigten eingestellt, weil sich der Tatverdacht nicht erhärtet habe. Es 
könne daher offenbleiben, ob die Verfahrenseinstellung auch wegen fehlender Pro-
zessvoraussetzung gemäss Art. 319 Abs. 1 Bst. d StPO hätte erfolgen können. Der 
Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass bei den von der Beschwerdeführerin gel-
tend gemachten Vorfällen keine wiederholte Begehung gegeben sei, welche von 
Amtes wegen zu verfolgen wäre. Bei drei vollendeten Ereignissen und einem ver-
suchten Vorfall, verteilt über ein Jahr, könne nicht die Rede davon sein, dass der 
Beschuldigte die Ausübung physischer Gewalt zur Durchsetzung seiner Stellung 
und seines Willens zur Methode gemacht habe.

6. Der Beschuldigte führt in seiner Stellungnahme zusammengefasst aus was folgt: 
Auf die Frage der Staatsanwaltschaft, weshalb all diese Vorwürfe derart spät im 
Verfahren aufgekommen seien, habe die Beschwerdeführerin angegeben, sie habe 
Angst gehabt. Dies sei nicht glaubhaft. Rund ein halbes Jahr vor dieser Aussage 
sei es für die Beschwerdeführerin anscheinend (noch) kein Problem gewesen, den 
Beschuldigten wegen Verdachts auf verbotene Pornografie anzuzeigen. Die Aus-
sagen der Beschwerdeführerin, insbesondere aufgrund ihrer Entstehungsgeschich-
te und der erkennbar fehlenden Realkennzeichen (karge Schilderungen; fehlende 

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Struktur; keine Nebensächlichkeiten; keine Erinnerungslücken usw.), seien zu dürf-
tig, als dass sich damit eine Anklageerhebung rechtfertigen lasse. Es sei vielmehr 
auf die glaubhaften Aussagen des Beschuldigten abzustellen, womit ein Schuld-
spruch höchst unwahrscheinlich sei.

7.

7.1 Gemäss Art. 319 Abs. 1 Bst. a StPO verfügt die Staatanwaltschaft die vollständige 
oder teilweise Einstellung des Verfahrens, wenn kein Tatverdacht erhärtet ist, der 
eine Anklage rechtfertigt. Bei der Frage, ob ein Strafverfahren über eine (definitive) 
Verfahrenseinstellung durch die Strafverfolgungsbehörde erledigt werden kann, gilt 
der Grundsatz «in dubio pro duriore». Demnach ist das Strafverfahren grundsätz-
lich fortzusetzen, wenn sich die Umstände, die für beziehungsweise gegen eine 
Verurteilung sprechen, ungefähr die Waage halten. Als Leitlinie kann gelten, dass 
Anklage erhoben werden muss, wenn eine Verurteilung wahrscheinlicher erscheint 
als ein Freispruch. Der Strafverfolgungsbehörde, welche über die Einstellung ent-
scheidet, kommt ein erheblicher Ermessensspielraum zu. Falls sich die Wahr-
scheinlichkeit eines Freispruchs oder einer Verurteilung die Waage halten, drängt 
sich in der Regel, insbesondere bei schweren Delikten, eine Anklageerhebung auf 
(BGE 138 IV 86 E. 4.1 f.). Bei der Prüfung der Frage, ob nach der Aktenlage ein 
Freispruch zu erwarten ist, darf und muss die Staatsanwaltschaft die Beweise wür-
digen (Beschluss des Obergerichts des Kantons Bern BK 12 71 vom 27. Juli 2012).

Besonders schwierig sind Fälle, in denen ausser den Aussagen der Geschädigten 
und der beschuldigten Person keine wesentlichen Beweismittel vorhanden sind. 
Dabei kann ein Einzelzeugnis durchaus als rechtsgenügender Beweis angesehen 
werden, sofern die Aussage in jeder Hinsicht als zuverlässig und unbefangen er-
scheint oder durch Indizien unterstützt wird. Steht Aussage gegen Aussage, ist ein 
gewissenhaftes Wahrscheinlichkeits-Kalkül über die Aussichten der Anklage anzu-
stellen. Massgeblich ist, ob die Zweifel von derartigem Gewicht sind, dass eine 
Verurteilung nach den praktischen Erfahrungen nicht mehr für wahrscheinlich ge-
halten werden kann. Belastet nach Ausschöpfung aller sachdienlichen Beweismög-
lichkeiten einzig die Anschuldigung der Geschädigten den Beschuldigten, und er-
weist sich diese Anschuldigung als einziges Anklagefundament als wenig tragfähig, 
hat eine Einstellung zu erfolgen (LANDSHUT/BOSSHARD, in: Kommentar zur Schwei-
zerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 17 zu Art. 319 StPO).

7.2 Die verfügte Verfahrenseinstellung ist rechtmässig. Zur Begründung kann vorab auf 
die einlässlichen und sorgfältigen Ausführungen der Generalstaatsanwaltschaft 
sowie des Beschuldigten verwiesen werden (vorne E. 5 und 6). Ergänzend ist aus-
zuführen was folgt. 

Die Beziehung zwischen den Parteien war augenscheinlich bereits sehr rasch nach 
der Heirat durch Aggressionen verschiedener Ausprägungen sehr belastet, welche 
mindestens zumeist alleine von der Beschwerdeführerin ausgingen. Die Akten zei-
gen dies in markanter Form auf, und letztlich bekräftigt auch die «Gegenoffensive» 
in Form der Strafanzeige vom 16. Februar 2016 dieses Bild. Wenn die Beschwer-
deführerin in der Replik ausführen lässt, es sei nicht verwunderlich, dass sie wegen 
der empfundenen Angst zu einem früheren Zeitpunkt keine Anzeige erstattet habe, 

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so vermag sie daraus nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Diese Behauptung belegt 
vielmehr den Umstand, dass die Beschwerdeführerin wenn schon gleichzeitig mit 
der Anzeige wegen angeblicher Pornographie eine Anzeige wegen häuslicher Ge-
walt hätte einreichen können respektive logischerweise müssen. Zu diesem Zeit-
punkt war – nach der Argumentation der Beschwerdeführerin – die vorgebrachte 
Angst ja anscheinend nicht mehr vorhanden. Jedenfalls zeigt diese Begebenheit 
supplementär auf, dass die Aussagen der Beschwerdeführerin wenig überzeugend 
und unglaubhaft sind. Dasselbe gilt sogar für ihr Argument, der Beschuldigte gebe 
Vorkommnisse an, welche selbst sie nicht genannt habe: Auch so bezeugt sie 
nämlich bloss sowohl die Hin- als auch die Zufälligkeit ihrer Anschuldigungen. 

Darüber hinaus ist nicht ersichtlich, inwiefern sich der Beschuldigte, indem er sich 
vereinzelt (in milder Form) gegen mutmassliche tätliche Angriffe der Beschwerde-
führerin gewehrt hat, hätte strafbar machen sollen. Offenbar hat er zwar – wie er 
selber vorbringt, um sie einen Moment lang aus dem Konzept zu bringen, sodass 
er, was mehrfach vorkam, aus der gemeinsamen Wohnung flüchten konnte – der 
Beschwerdeführerin mitunter eine schwache Ohrfeige verpasst oder ihr mit den 
Fingern an die Stirn geschlagen. Ob diesen Handlungen objektiv überhaupt Straf-
rechtsrelevanz zukommen kann, erscheint bereits fraglich. Sicher aber vermögen 
sie erstens weder den Tatbestand der einfachen Körperverletzung noch gar der 
Gefährdung des Lebens zu erfüllen, und erfolgten sie zweitens jeweils klar im Zuge 
einer Notwehr- und Angstsituation. Da es somit an einem Tatverdacht fehlt, braucht 
darüber kein Strafgericht zu urteilen. Eine Verurteilung des Beschuldigten ist vor-
liegend nach den praktischen Erfahrungen in hohem Masse unwahrscheinlich. Der 
Grundsatz «in dubio pro duriore» wurde nicht verletzt.

Mithin erübrigt es sich, sich näher mit der Frage nach der wiederholten Ausführung 
von Tätlichkeiten sowie der Problematik der Strafantragsfrist zu beschäftigen.

7.3 Die Beschwerde ist unbegründet und daher abzuweisen.

8. Bei diesem Verfahrensausgang sind die Verfahrenskosten in Anwendung von 
Art. 428 Abs. 1 StPO der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Sie werden festgesetzt 
auf CHF 1‘200.00. 

Der Beschuldigte hat einen Anspruch auf Entschädigung seiner Kosten für die an-
gemessene Ausübung seiner Verfahrensrechte. Unter Verweis auf den Beschluss 
des Obergerichts des Kantons Bern BK 15 351 vom 28. April 2016, E. 7, ist die 
Entschädigung an den Beschuldigten aus der Staatskasse zu entrichten. Diese 
wird nach Eingang der Kostennote festgesetzt.  

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Die Beschwerdekammer in Strafsachen beschliesst:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestimmt auf CHF 1‘200.00, werden der Be-
schwerdeführerin auferlegt.

3. Dem Beschuldigten wird für das Beschwerdeverfahren eine Entschädigung ausgerich-
tet, welche nach Eingang der Kostennote festgesetzt wird. 

4. Zu eröffnen:
- der Straf- und Zivilklägerin/Beschwerdeführerin, v.d. Rechtsanwalt D.________
- dem Beschuldigten, v.d. Rechtsanwalt B.________
- der Generalstaatsanwaltschaft 

Mitzuteilen:
- der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland, Staatsanwalt F.________

(mit den Akten)

Bern, 4. Oktober 2016 Im Namen der Beschwerdekammer
in Strafsachen

Die Präsidentin:

Oberrichterin Schnell

Der Gerichtsschreiber:

Müller

Die Entschädigung für das Beschwerdeverfahren wird durch die Beschwerdekammer in Strafsachen entrichtet. 
Es wird um Zustellung eines Einzahlungsscheins ersucht. 

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens werden durch die Beschwerdekammer in Strafsachen in Rechnung 
gestellt.

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 
17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Be-
schwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen.