# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 985c5041-69f8-5e85-9426-669478d1a513
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-06-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.06.2014 C-3743/2012
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-3743-2012_2014-06-04.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung III 

C-3743/2012 

 

 

  U r t e i l  v o m  4 .  J u n i  2 0 1 4  

Besetzung 

 
Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), 

Richterin Marianne Teuscher, Richter Blaise Vuille,    

Gerichtsschreiberin Susanne Stockmeyer. 

 

 
 

Parteien 

 
1. X._______,    

2. Y._______,    

beide vertreten durch  

Katerina Baumann, Fürsprecherin,  

Beschwerdeführende,  

 
 

 
gegen 

 

 
Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Abweichung von den Zulassungsvoraussetzungen und 

Wegweisung.  

 

 

C-3743/2012 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die aus dem Kosovo stammende Beschwerdeführerin (geb. 1981) heira-

tete am 25. Juli 2001 in ihrer Heimat einen Landsmann, der in der 

Schweiz über eine Aufenthaltsbewilligung verfügte. Ein Gesuch um Fami-

liennachzug wurde von der kantonalen Migrationsbehörde am 6. Dezem-

ber 2002 abgewiesen. Auch ein Visum für einen kurzfristigen Aufenthalt 

wurde ihr am 2. Dezember 2003 verweigert (letztinstanzlich bestätigt 

durch das Urteil des Beschwerdediensts des Eidgenössischen Justiz- und 

Polizeidepartements [EJPD] vom 5. Mai 2004). Am 5. August 2007 reiste 

die Beschwerdeführerin illegal in die Schweiz ein.  

B.   

Am 18. August 2008 stellte der Ehemann der Beschwerdeführerin erneut 

ein Gesuch um Familiennachzug. Der am 14. September 2008 geborene 

Sohn Y._______ (nachfolgend: Beschwerdeführer) wurde in das Nach-

zugsverfahren mit einbezogen. Der Migrationsdienst des Kantons Bern 

lehnte das Gesuch mit Verfügung vom 19. November 2009 ab. Gleichzei-

tig wurde die Wegweisung verfügt und eine Frist zur Ausreise bis zum  

5. Januar 2010 angesetzt. Seit dem 12. August 2009 lebt das Ehepaar 

getrennt. Am 22. Juni 2011 erfolgte die Scheidung.  

C.   

Gegen die Verfügung der kantonalen Migrationsbehörde erhoben die Be-

schwerdeführenden Einsprache bei der Polizei- und Militärdirektion des 

Kantons Bern. Diese wies das Gesuch mit Entscheid vom 1. Dezember 

2010 ab und setzte den Beschwerdeführenden eine neue Frist zur Aus-

reise bis zum 16. Januar 2011 an. Nachdem die Beschwerdeführenden 

gegen diesen Entscheid Beschwerde eingereicht hatten, wies das Ver-

waltungsgericht des Kantons Bern diese mit Urteil vom 18. Oktober 2011 

ab.  

D.    

Am 1. Dezember 2011 ersuchten die Beschwerdeführenden bei der kan-

tonalen Migrationsbehörde um Regelung ihres Aufenthaltes (Wiederer-

wägungsgesuch). Sie machten geltend, seit Erlass der ursprünglichen 

Verfügung sei eine wiedererwägungsrechtlich massgebliche Änderung 

der Sachlage eingetreten bzw. neue erhebliche Beweismittel würden vor-

gebracht. Eventualiter sei wiedererwägungsweise festzustellen, dass der 

Vollzug der Wegweisung unzumutbar sei, weshalb das BFM ersucht wer-

de, die vorläufige Aufnahme anzuordnen. 

C-3743/2012 

Seite 3 

E.   

Mit Schreiben vom 12. Dezember 2011 stellte der Migrationsdienst des 

Kantons Bern dem BFM den Antrag, es sei der Erteilung einer Aufent-

haltsbewilligung unter Abweichung von den Zulassungsvoraussetzungen 

wegen Vorliegens eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls ge-

mäss Art. 30 Abs. 1 Bst. b AuG (SR 142.20) i.V.m. Art. 31 VZAE (SR 

142.201) zuzustimmen; eventuell sei die vorläufige Aufnahme der Be-

schwerdeführenden gemäss Art. 83 AuG zu verfügen.  

F.  

Am 4. Januar 2012 gewährte die Vorinstanz den Beschwerdeführenden 

das rechtliche Gehör zur beabsichtigten Verweigerung der Zustimmung. 

Von dieser Möglichkeit machten sie mit Eingabe vom 7. Februar 2012 

Gebrauch.   

G.  

Das Obergericht des Kantons Bern sprach die Beschwerdeführerin mit 

Urteil vom 5. März 2012 der rechtswidrigen Einreise sowie des rechtswid-

rigen Aufenthalts vom 5. August 2007 bis 19. Mai 2008 für schuldig und 

verurteilte sie zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen sowie zu einer 

Verbindungsbusse von Fr. 150.-.  

H.  

Mit Verfügung vom 6. Juni 2012 verweigerte die Vorinstanz die zur Ertei-

lung einer Aufenthaltsbewilligung aus humanitären Gründen erforderliche 

Ausnahme von den Begrenzungsmassnahmen und wies die Beschwer-

deführenden aus der Schweiz weg. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass 

sich auch der Antrag um Anordnung der vorläufigen Aufnahme als unbe-

gründet erweise.  

I.  

Mit Rechtsmitteleingabe vom 13. Juli 2012 beantragen die Beschwerde-

führenden beim Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung der vor-

instanzlichen Verfügung und die Zustimmung zur Erteilung einer Aufent-

haltsbewilligung aus humanitären Gründen. Eventualiter wird beantragt, 

es sei die Unzulässigkeit der Wegweisung der Beschwerdeführenden 

festzustellen und ihnen die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In verfah-

rensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung samt Rechtsverbeiständung.  

C-3743/2012 

Seite 4 

J.  

Mit Zwischenverfügung vom 19. September 2012 wies das Bundesver-

waltungsgericht das Gesuch der Beschwerdeführenden um unentgeltliche 

Rechtspflege samt Verbeiständung ab.   

K.  

Die Beschwerdeführenden teilten mit schriftlicher Eingabe vom 19. Okto-

ber 2012 mit, dass der Vater von Y._______ im August 2012 die Nieder-

lassungsbewilligung in der Schweiz erhalten habe. Diese neue Tatsache 

sei unter dem Blickwinkel von Art. 8 EMRK zu berücksichtigen. Weiter 

wurde ausgeführt, der Vater komme seiner Unterhaltspflicht regelmässig 

nach. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn habe sich sehr erfreulich 

entwickelt. Sein Kontaktrecht werde nächstens auf Übernachtungen aus-

gedehnt. Mit Schreiben vom 23. Oktober 2012 reichten die Beschwerde-

führenden dem Bundesverwaltungsgericht eine Kopie der Niederlas-

sungsbewilligung des Vaters von Y._______ sowie eine Beschreibung der 

aktuellen Besuchsregelung zwischen Vater und Sohn ein.  

L.  

Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 30. Oktober 2012 

auf Abweisung der Beschwerde.  

M.  

Mit Replik vom 7. Dezember 2012 und deren Ergänzung vom 14. Januar 

2013 halten die Beschwerdeführenden an ihren Begehren und deren Be-

gründung fest.   

N.  

Mit verfahrensleitender Anordnung vom 2. September 2013 erhielten die 

Beschwerdeführenden Gelegenheit, den Sachverhalt zu aktualisieren und 

abschliessende Bemerkungen anzubringen, wovon sie mit Eingabe vom 

2. Oktober 2013 Gebrauch machten.  

O.  

Auf die ergänzende Vernehmlassung der Vorinstanz vom 14. Februar 

2014 nahmen die Beschwerdeführenden mit schriftlicher Eingabe vom 

19. März 2014 abschliessend Stellung.    

P.  

Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwä-

gungen eingegangen. 

C-3743/2012 

Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:  

1.     

 

1.1 Gemäss  Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, sofern keine Ausnah-

me nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 VGG 

genannten Behörden. Darunter fallen Verfügungen des BFM betreffend 

Zustimmung zur Erteilung bzw. Verlängerung einer Aufenthaltsbewilligung 

und betreffend Wegweisung. Sofern kein Anspruch auf Erteilung bzw. 

Verlängerung einer Aufenthaltsbewilligung besteht und insoweit als die 

Verfügung die Wegweisung anordnet, entscheidet das Bundesverwal-

tungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 2 und Ziff. 4 BGG).   

 

1.2  Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet 

sich nach dem VwVG, soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts an-

deres bestimmt (Art. 37 VGG).   

 

1.3 Die Beschwerdeführenden sind als Verfügungsbetroffene legitimiert 

(Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde ist somit einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).  

 

2.   

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 

von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-

messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts-

erheblichen Sachverhaltes sowie – wenn nicht eine kantonale Behörde 

als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt wer-

den (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundes-

recht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die 

Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde 

auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder 

abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sach- und Rechtslage zum 

Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2013/33 E. 2 m.H.). 

3.  

Die Beschwerdeführenden machen in formeller Hinsicht eine Verletzung 

des Anspruchs auf rechtliches Gehör geltend, da das BFM auf die neu 

eingereichten Beweismittel nur marginal eingehe. Es verneine somit im-

plizit das Vorhandensein der seit diesem Zeitpunkt eingetretenen Wieder-

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Seite 6 

erwägungsgründe, ohne die konkreten Vorbringen im Gesuch sorgfältig 

und ernsthaft geprüft zu haben.  

3.1  Der Anspruch auf rechtliches Gehör, wie ihn Lehre und Rechtspre-

chung aus Artikel 29 Abs. 2 BV ableiten und wie er sich für das Bundes-

verwaltungsverfahren aus den Art. 29 ff. VwVG ergibt, umfasst eine An-

zahl verschiedener verfassungsrechtlicher Verfahrensgarantien (vgl. aus 

der Literatur etwa MICHELE ALBERTINI, Der verfassungsmässige Anspruch 

auf rechtliches Gehör im Verwaltungsverfahren des modernen Staates, 

2000, S. 202 ff.; BENOIT BOVAY, Procédure administrative, 2000, S. 207 ff.; 

HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. vollständig 

überarbeitete Aufl. 2010, Rz. 1672 ff.; MÜLLER/SCHEFER, Grundrechte in 

der Schweiz, 2008, S. 846 ff.).  

3.2  Ein wichtigen Teilgehalt des Anhörungsrechts bildet die Pflicht der 

Behörden, die Äusserungen der Betroffenen tatsächlich zur Kenntnis zu 

nehmen und sich damit in der Entscheidfindung und -begründung sach-

gerecht auseinanderzusetzen. Diese Prüfungs- oder Berücksichtigungs-

pflicht liegt bereits Art. 30 VwVG zu Grunde, kommt aber besonders deut-

lich in Art. 32 Abs. 1 VwVG zum Ausdruck, der bestimmt, dass die Behör-

de alle erheblichen und rechtzeitigen Vorbringen der Parteien würdigt, 

bevor sie verfügt (WALDMANN/BICKEL, in: Praxiskommentar VwVG, 2009, 

Art. 29 N 80 ff. u. Art. 32 N 7 ff.). Daraus folgt schliesslich die grundsätzli-

che Pflicht der Behörden, ihren Entscheid entsprechend zu begründen 

(siehe BVGE 2007/21 E. 10.2 mit Hinweisen). Ob die Behörde sämtliche 

erheblichen Parteivorbringen gewürdigt hat, kann regelmässig nur an-

hand der Begründung der Verfügung beurteilt werden (vgl. WALD-

MANN/BICKEL, a.a.O., Art. 32 N 21). 

3.3  Die Begründung muss so abgefasst sein, dass der Betroffene die 

Verfügung sachgerecht anfechten kann. Dies ist nur möglich, wenn so-

wohl er als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Ent-

scheids ein Bild machen können. In diesem Sinn müssen wenigstens 

kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde lei-

ten liess und auf die sie ihren Entscheid stützt. Das bedeutet allerdings 

nicht, dass sich die Behörde ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Be-

hauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinanderzusetzen hätte. 

Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichts-

punkte beschränken. Die Behörde hat demnach in der Begründung ihres 

Entscheides diejenigen Argumente aufzuführen, die diesem tatsächlich 

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zugrunde liegen (BGE 138 I 232 E. 5.1 mit Hinweisen; BVGE 2009/35 

E. 6.4.1 mit Hinweisen).  

3.4  In der Tat wird in der Verfügung der Vorinstanz vom 6. Juni 2012 auf 

das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern verwiesen. Dies 

kann der Vorinstanz im vorliegenden Kontext jedoch nicht vorgeworfen 

werden. Zwar versteht es sich von selbst, dass die Integration der Be-

schwerdeführerin seit dem Erlass des genannten Urteils weiter fortschritt, 

allerdings waren aus damaliger Sicht der Vorinstanz keine solch mass-

geblichen Änderungen ersichtlich, die auf eine im Rahmen des  

Art. 30 AuG massgebliche Integration hingedeutet hätten. Immerhin gilt 

es zu erwähnen, dass das Gesuch um Regelung des Aufenthalts vom  

1. Dezember 2011 lediglich sechs Wochen nach dem Erlass des Urteils 

des kantonalen Verwaltungsgerichts vom 18. Oktober 2011 gestellt wurde 

und die vorinstanzliche Verfügung lediglich 8 Monate später, am 6. Juni 

2012, erlassen wurde. Es kann somit nicht davon ausgegangen werden, 

die Vorinstanz habe ihre Begründungspflicht verletzt, verweist sie doch 

lediglich dort auf das Urteil des kantonalen Gerichts, wo es um die Beur-

teilung der im Wesentlich nicht veränderten Sachumstände geht. Ansons-

ten wurden die in das vorliegende Verfahren eingebrachten Noven ent-

sprechend berücksichtigt und dazu Stellung genommen. Auch zeigt die 

Beschwerdeschrift deutlich, dass es den Beschwerdeführenden möglich 

war, den Entscheid sachgerecht anzufechten. Die Rüge der Verletzung 

des rechtlichen Gehörs ist daher unbegründet.   

4.  

4.1  Abweichungen von den Zulassungsvoraussetzungen nach Art. 30 

AuG fallen, wie schon die Ausnahme von der zahlenmässigen Begren-

zung gemäss dem altrechtlichen Art. 13 Bst. f BVO (AS 1986 1791), in die 

Zuständigkeit des BFM (Art. 40 Abs. 1 AuG). Dieses entscheidet gemäss 

Art. 99 AuG über seine Zustimmung, sofern sich die zuständige kantonale 

Behörde in diesem Rahmen zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung be-

reit erklärt hat. Die Vorinstanz und mithin auch das Bundesverwaltungs-

gericht sind daher nicht an die Einschätzung der kantonalen Behörde ge-

bunden (vgl. Urteile des BVGer C-1555/2008 vom 1. September 2009 

E. 4.1 und C-196/2006 vom 26. Oktober 2007 [BVGE 2007/45], nicht pub-

lizierte E. 3).  

4.2  Gemäss Art. 30 Abs. 1 Bst. b AuG kann von den Zulassungs-

voraussetzungen abgewichen werden, um schwerwiegenden persönli-

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Seite 8 

chen Härtefällen oder wichtigen öffentlichen Interessen Rechnung zu tra-

gen. Nach Art. 31 Abs. 1 VZAE sind bei der Beurteilung eines schwerwie-

genden persönlichen Härtefalles insbesondere die Integration des Ge-

suchstellers (Bst. a), die Respektierung der Rechtsordnung (Bst. b), seine 

Familienverhältnisse (Bst. c), die finanziellen Verhältnisse sowie der Wille 

zur Teilhabe am Wirtschaftsleben und zum Erwerb von Bildung (Bst. d), 

die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz (Bst. e), der Gesundheitszu-

stand (Bst. f) und die Möglichkeit für eine Wiedereingliederung im Her-

kunftsland (Bst. g) zu berücksichtigen.  

4.3  Schon aufgrund der Stellung des Art. 30 Abs. 1 Bst. b AuG im Gesetz 

(unter dem Abschnitt "Abweichungen von den Zulassungsvoraussetzun-

gen"), seiner Formulierung und den vom Bundesgericht in der Rechtspre-

chung zum entsprechenden Art. 13 Bst. f BVO genannten und jetzt in 

Art. 31 Abs. 1 VZAE aufgeführten Kriterien, die allerdings weder einen 

abschliessenden Katalog darstellen noch kumulativ erfüllt sein müssen, 

ergibt sich, dass dieser Bestimmung Ausnahmecharakter zukommt und 

dass die Voraussetzungen zur Anerkennung eines Härtefalls restriktiv zu 

handhaben sind. Die betroffene Person muss sich in einer persönlichen 

Notlage befinden. Das bedeutet, dass ihre Lebens- und Existenzberechti-

gung, gemessen am durchschnittlichen Schicksal von ausländischen 

Personen, in gesteigertem Mass in Frage gestellt sein müssen bzw. die 

Verweigerung einer Abweichung von den Zulassungsvoraussetzungen für 

sie mit schweren Nachteilen verbunden wäre. Bei der Beurteilung eines 

Härtefalles müssen sämtliche Umstände des jeweiligen Einzelfalls be-

rücksichtigt werden. Die Anerkennung als Härtefall setzt nicht zwingend 

voraus, dass die Anwesenheit in der Schweiz das einzige Mittel zur Ver-

hinderung einer persönlichen Notlage darstellt. Auf der anderen Seite rei-

chen eine lang dauernde Anwesenheit und eine fortgeschrittene soziale 

und berufliche Integration sowie klagloses Verhalten für sich alleine nicht 

aus, um einen schwerwiegenden persönlichen Härtefall zu begründen. 

Vielmehr wird vorausgesetzt, dass die ausländische Person so enge Be-

ziehungen zur Schweiz unterhält, dass von ihr nicht verlangt werden 

kann, in einem anderen Land, insbesondere in ihrem Heimatstaat zu le-

ben. Berufliche, freundschaftliche und nachbarschaftliche Beziehungen, 

welche die betroffene Person während ihres Aufenthaltes in der Schweiz 

knüpfen konnte, genügen normalerweise nicht für eine Abweichung von 

den Zulassungsvoraussetzungen (vgl. insbesondere BGE 130 II 39 E. 3 

S. 41 f. und BVGE 2007/45 E. 4.2, je mit Hinweisen).  

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4.4  Bei Härtefallgesuchen von Familien schliesslich darf die Situation der 

einzelnen Mitglieder nicht isoliert betrachtet werden. Das Schicksal der 

Familie stellt eine Einheit dar, und es wäre schwierig, das Vorliegen eines 

Härtefalles beispielsweise einzig für die Eltern oder nur für die Kinder an-

zunehmen (BVGE 2007/16 E. 5.3 S. 196). Ein besonderes Augenmerk ist 

dabei den Kindern zu widmen. Gemäss Art. 3 Abs. 1 UNO-KRK (SR 

0.107) ist das Kindeswohl bei allen Massnahmen, die Minderjährige 

betreffen, ein Aspekt von vorrangiger Bedeutung. Ungeachtet der umstrit-

tenen Frage der unmittelbaren Anwendbarkeit dieser Bestimmung ist das 

Kindeswohl zumindest im Rahmen einer völkerrechtskonformen Ausle-

gung des Landesrechts zu berücksichtigen (vgl. BGE 135 I 153 E. 2.2.2 

S. 156 f. mit Hinweisen). Dem wird in der Praxis insofern Rechnung ge-

tragen, als der fortgeschrittenen sozialen und schulischen Integration von 

Kindern in der Schweiz regelmässig besonderes Gewicht beigemessen 

wird (vgl. Urteile des BGer 2A.578/2005 vom 3. Februar 2006 E. 3.1 und 

2A.679/2006 vom 9. Februar 2007 E. 3).  

4.5  Rechtswidrige Aufenthalte werden bei der Härtefallprüfung grund-

sätzlich nicht berücksichtigt (anders Aufenthalte im Rahmen eines Verfah-

rens auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung, vgl. dazu Urteil des 

BVGer C-4551/2008 vom 23. Dezember 2009 E. 5.2 mit Hinweis). In sol-

chen Fällen hat die Behörde jedoch zu prüfen, ob sich die betroffene Per-

son aus anderen Gründen in einer schwerwiegenden persönlichen Notla-

ge befindet. Dazu ist auf ihre familiären Beziehungen in der Schweiz und 

in ihrem Heimatland sowie auf ihre gesundheitliche und berufliche Situa-

tion, ihre soziale Integration sowie die weiteren Umstände des Einzelfal-

les abzustellen. In diesem Zusammenhang ist auch das Verhalten der 

Behörden – beispielsweise ein nachlässiger Wegweisungsvollzug – zu 

berücksichtigen (vgl. BGE 130 II 39 E. 3 S. 42 mit Hinweis).  

5.   

5.1  Die Beschwerdeführerin reiste am 5. August 2007 illegal in die 

Schweiz ein. Am 19. Mai 2008 meldete sie ihr damaliger Ehemann beim 

kantonalen Migrationsdienst an (vgl. Urteil des Obergerichts des Kantons 

Bern vom 5. März 2012 S. 8), woraufhin ein Verfahren betreffend Ertei-

lung einer Aufenthaltsbewilligung eingeleitet wurde. Die damit mittlerweile 

bald sechsjährige Aufenthaltsdauer der Beschwerdeführerin ist jedoch 

nicht als derart lang einzuschätzen, dass ohne das Vorliegen besonderer 

Umstände auf einen schwerwiegenden persönlichen Härtefall geschlos-

sen werden könnte (vgl. BGE 124 II 110 E. 3). Es stellt sich somit die 

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Seite 10 

Frage, ob sich aus den sonstigen Umständen des Aufenthalts und Verhal-

tens der Beschwerdeführenden eine schwerwiegende persönliche Notla-

ge ableiten lässt. Auch darf der illegale Aufenthalt der Beschwerdeführe-

rin in der Schweiz, im Rahmen der Härtefallprüfung bzw. des Kriterienka-

talogs von Art. 31 Abs. 1 VZAE (insbesondere von Art. 31 Abs. 1 Bst. b 

VZAE) nicht ausser Acht gelassen werden.  

5.2  In Bezug auf die soziale Integration wird beschwerdeweise geltend 

gemacht, die Beschwerdeführerin baue ihre Eingliederung in die hiesige 

Gesellschaft in der Schweiz aus, seitdem ihr Ex-Ehemann sie nicht mehr 

systematisch in ihrer Entfaltung unterbinden könne. Sie sei im Rahmen 

ihrer Möglichkeiten sehr gut integriert. In sprachlicher Hinsicht wird er-

wähnt, die Beschwerdeführerin besuche den Deutschkurs Stufe 5 - Ni-

veau 2.2 (vgl. Beschwerde vom 13. Juli 2012). Über den weiteren Verlauf 

des Deutschkurses, welcher bis zum 30. Oktober 2012 dauerte (vgl. Bes-

tätigung Informationsstelle für Ausländerinnen- und Ausländerfragen vom 

4. Juli 2012) ist hingegen nichts bekannt. An anderer Stelle wird erwähnt, 

sie werde demnächst die Deutsch-Prüfung für den SRK-Pflegekurs ab-

solvieren (vgl. Schreiben der Beschwerdeführenden vom 19. März 2014). 

Die Bereitschaft der Beschwerdeführerin, die deutsche Sprache zu erler-

nen, ist sicherlich positiv zu honorieren. Auch ist davon auszugehen, dass 

sie in sozialer Hinsicht einige Integrationsbemühungen unternommen hat. 

Es kann jedoch nicht davon ausgegangen werden, dass ihre diesbezügli-

chen Anstrengungen zu einer weit fortgeschrittenen sozialen und sprach-

lichen Integration in der Schweiz geführt hätten. Daran können auch 

Empfehlungsschreiben von Privatpersonen für die Beschwerdeführerin 

nichts ändern. Diese beschreiben denn auch im Wesentlichen das Wesen 

der Beschwerdeführerin und ihres Sohnes und nehmen Stellung zu ihrer 

schwierigen Lebenssituation. Das im Empfehlungsschreiben vom  

14. März 2014 erwähnte, angebliche Engagement der Beschwerdeführe-

rin in der Kirchgemeinde A._______ und im "Zentrum B._______" wird 

von einer Drittperson lediglich behauptet, entsprechende Bestätigungen 

der involvierten Stellen, die auch über den konkreten Umfang der allfälli-

gen Betätigungen Auskunft geben würden, liegen hingegen nicht vor. 

Nicht eingereicht wurden auch schriftliche Belege bezüglich des Compu-

terkurses, den die Beschwerdeführerin angeblich erfolgreich bestanden 

habe. Hinzuweisen gilt es zudem auf den Umstand, dass die Beschwer-

deführerin bereits seit dem 12. August 2009 nicht mehr mit ihrem Ex-

Ehemann zusammenlebt bzw. die Scheidung am 22. Juni 2011 erfolgt ist, 

womit die Integrationsdefizite mittlerweile kaum mehr ihrem Ex-Ehemann 

angelastet werden können (vgl. Beschwerde vom 13. Juli 2012). Kommt 

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Seite 11 

hinzu, dass bereits im Verfahren vor dem kantonalen Verwaltungsgericht 

den schwierigen Umständen der Ehe bzw. der ehelichen Gewalt kein ent-

scheidendes Gewicht beigemessen wurde (vgl. Urteil des Verwaltungsge-

richts des Kantons Bern vom 18. Oktober 2011 E. 6.3.1).  

5.3  Bezüglich der wirtschaftlichen Integration der Beschwerdeführerin ist 

den Akten zu entnehmen, dass sie nie berufstätig war und bislang von 

der Sozialhilfe unterstützt wurde. Nichts abgeleitet werden kann aus dem 

beschwerdeweisen Vorbringen, sie verfüge über ein konkretes Arbeitsan-

gebot, das ihr mittelfristig erlaube, sich bei adäquater medizinischer Be-

handlung und teilweiser Fremdbetreuung ihres Sohnes von der Sozialhil-

fe abzulösen. Offen bleibt diesbezüglich nebst der Frage, wie konkret 

dieses Angebot überhaupt noch ist – eine entsprechende schriftliche Be-

stätigung einer Reinigungsfirma wurde mit Gesuch um Aufenthaltsrege-

lung vom 1. Dezember 2011 eingereicht – ob die Unterstützung durch die 

öffentliche Hand tatsächlich ganz eingestellt werden könnte, ist doch ge-

mäss erwähntem Schreiben vorerst ein Teilzeitpensum in der Reinigung 

vorgesehen, welches nach und nach erweitert werden könne. Zugute zu 

halten ist ihr immerhin, dass sie einen SRK-Pflegekurs absolvieren möch-

te, sollte ihr Aufenthalt legalisiert werden (vgl. Schreiben vom 19. März 

2014). Nichtsdestotrotz kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht davon ausge-

gangen werden, die Beschwerdeführerin habe aussergewöhnliche Integ-

rationsleistungen erbracht. Vielmehr stellen die ausgewiesenen Bemü-

hungen durchschnittliche Integrationsleistungen dar und sind damit nicht 

geeignet, einen Härtefall zu begründen. Zudem wurde die Beschwerde-

führerin mit Urteil des Obergerichts des Kantons Bern vom 5. März 2012 

letztinstanzlich wegen rechtswidriger Einreise und rechtswidrigen Aufent-

halts vom 5. August 2007 bis 19. Mai 2008 für schuldig gesprochen und 

zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen sowie einer Busse von Fr. 150.- 

verurteilt. Ansonsten hat sich die Beschwerdeführerin – soweit aktenkun-

dig – klaglos verhalten.  

6.  

6.1 In Bezug auf die Familienverhältnisse gemäss Art. 31 Abs. 1 Bst. c 

VZAE ist darauf hinzuweisen, dass der Vater des Beschwerdeführers in 

der Schweiz lebt und mittlerweile über eine Niederlassungsbewilligung 

verfügt. Beschwerdeweise wird diesbezüglich geltend gemacht, die Eltern 

des Beschwerdeführers seien trotz grossen Konflikten emotional bereit, 

ihm den Beziehungsaufbau zum Vater zu ermöglichen. Y._______ besu-

che seinen Vater jedes zweite Wochenende. Die Übernachtung im väter-

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Seite 12 

lichen Haushalt soll den nächsten Schritt des Beziehungsaufbaus bilden. 

Im vorliegenden Fall treffe der Wegweisungsentscheid mitten in den sorg-

fältig konzipierten und durchgeführten Kontaktaufbau zum Vater. Kindern 

sollte nach einer Trennung oder Scheidung ein regelmässiger persönli-

cher Kontakt zu beiden Elternteilen möglich sein. Das BFM verweise in 

seiner Verfügung auf das Urteil des Verwaltungsgerichts, wo darauf hin-

gewiesen werde, die Vorinstanz (POM) habe dem Kindswohl zu Recht 

kein wesentliches Gewicht beigemessen. Dieser Einschätzung könne 

hingegen nicht beigepflichtet werden, würde die Vater-Kind-Beziehung 

durch die Entfernungsmassnahme doch verunmöglicht. Auch sei zu be-

fürchten, dass geplant sei, Y._______ in die Familie des Vaters zu in-

tegrieren. Die Beschwerdeführerin habe von ihrer Schwester, die mit dem 

Bruder des geschiedenen Ehemannes verheiratet sei, vernommen, dass 

solches vorgesehen sei. Da die Zuteilung der elterlichen Sorge an den 

Ehemann bzw. an seine Familie der kosovarischen Rechtsüberzeugung 

entspreche und die Familie des Ex-Ehemannes im Kosovo derjenigen der 

Beschwerdeführerin wirtschaftlich und einflussmässig haushoch überle-

gen sei, bestehe die Gefahr, dass der Kindsvater seinen Willen im Koso-

vo problemlos gerichtlich durchsetzen könnte. Auch ein widerrechtlicher 

Entzug der elterlichen Sorge durch ihren Ex-Ehemann sei nicht auszu-

schliessen. Einige Mitglieder seines Clans würden als gewaltbereit gelten. 

6.2 Die Beschwerdeführerin verweist diesbezüglich auf ein zu den Akten 

gelegtes Gutachten der Länderanalyse der Schweizerischen Flüchtlings-

hilfe (SFH) zur Sorgerechtsregelung und zur Rückkehrperspektive für ei-

ne allein erziehende Frau aus dem Kosovo vom 15. August 2004. Darin 

wird die Situation einer gebürtigen Muslimin aufgezeigt, welche einen Ka-

tholiken geheiratet hat. Deshalb wurde sie schon vor 20 Jahren von ihren 

Eltern und Familienangehörigen verstossen. Zwischenzeitlich ist sie von 

ihrem Ehemann geschieden. Gemäss dem Gutachten könne diese Per-

son als eine von der eigenen Familie verstossene und geschiedene Frau 

keinerlei familiäre Unterstützung erwarten, schon gar nicht in der Durch-

setzung des Sorgerechts für ihre Kinder.  

6.3  Die obgenannten Ausführungen sind insofern zu relativieren, als die 

Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Scheidung nicht von ihrer Ursprungs-

familie verstossen wurde (vgl. Beschwerde vom 13. Juli 2012  

S. 10). Es ist deshalb damit zu rechnen, dass sie in ihrem Herkunftsland 

noch über eine gewisse familiäre Unterstützung verfügt. Doch selbst im 

angerufenen Gutachten wurde klar hervorgehoben, es sei nicht anzu-

nehmen, die kosovarischen Stellen würden der betroffenen Frau unter 

C-3743/2012 

Seite 13 

Berufung auf die Tradition die beiden Kinder wegnehmen (vgl. dazu auch 

Urteil des BVGer D-2918/2009 vom 29. November 2011 E. 4.2). Vielmehr 

stellte sich dort die Frage, wie sie Unterstützung finden würde, falls ihr die 

Kinder (z.B. durch die Familie des Ehemannes) weggenommen würden. 

So erscheine eine Entführung oder eine andere Form der Wegnahme 

nicht abwegig und würde auch durch die Tradition gestützt, es spielten 

aber situative Elemente eine wesentliche Rolle (Kenntnis des Aufent-

haltsorts der betroffenen Frau und ihrer Kinder, Lebensumstände und tra-

ditioneller Hintergrund der Familie des geschiedenen Ehemannes; vgl. 

Gutachten der SFH vom 15. August 2004 S. 5). Davon ist jedoch vorlie-

gend – entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführenden – nicht 

auszugehen. Gemäss Scheidungsvereinbarung des Regionalgerichts 

Bern-Mittelland vom 14. März 2011 beantragten beide Ehegatten, das 

gemeinsame Kind unter die elterliche Sorge der Beschwerdeführerin zu 

stellen, womit der Ex-Ehemann mit dieser Sorgerechtsregelung klar ein-

verstanden war. Nicht glaubhaft ist vor diesem Hintergrund das be-

schwerdeweise Vorbringen der Beschwerdeführerin, der Ex-Ehemann 

hätte schon im Ehescheidungsverfahren die schweizerischen Kriterien 

zur Zuteilung der elterlichen Sorge zu umgehen versucht, indem er die 

Scheidung mit entsprechendem Antrag im Kosovo einreichte; immerhin 

hätte er einen entsprechenden Antrag auch in der Schweiz stellen kön-

nen. Der Kindsvater hätte zudem jederzeit die Möglichkeit gehabt – hätte 

er denn seinen Sohn tatsächlich in seine Familie integrieren wollen – ge-

richtlich eine neue Regelung der Zuteilung der elterlichen Sorge zu ver-

langen. Lange Zeit bestand denn auch kein Kontakt zwischen dem Be-

schwerdeführer und seinem Vater, sodass ein erstes begleitetes Treffen 

zwischen den beiden erst Ende August 2011 stattfinden konnte (vgl. Be-

richt des Amts für Erwachsenen- und Kindesschutz vom 25. November 

2011). Überhaupt muss in Frage gestellt werden, ob sich der Ex-

Ehemann noch an den traditionellen Verhaltensweisen orientiert und er 

tatsächlich noch so stark mit seiner Herkunftsfamilie verbunden ist; im-

merhin hat er mit jener Frau eine Familie gegründet, die seine Eltern nicht 

als Ehefrau akzeptieren (vgl. Beschwerde vom 13. Juli 2012 S. 9 und 

Schreiben der Beschwerdeführenden vom 19. März 2014). Im Übrigen ist 

davon auszugehen, dass die kosovarischen Behörden auch willens und 

fähig sind, die Beschwerdeführenden vor allfälligen Übergriffen durch die 

Familie des Ex-Ehemannes zu schützen (vgl. auch Urteile des BVGer  

D-3288/2012 vom 6. August 2012 E. 6.5 sowie D-2918/2009 vom 29. No-

vember 2011 E. 4.2). Schliesslich widerspricht es denn auch einer gewis-

sen Folgerichtigkeit, sich auf mögliche Umstände je nach genehmer Inte-

ressenlage berufen zu wollen. Ist es dem Vater Ernst mit dem Wohle sei-

C-3743/2012 

Seite 14 

nes Kindes, wird er Schritte wie die vorgebrachten im Kosovo wohl unter-

lassen.  

7.  

7.1 Des Weiteren ist auf die gesundheitliche Situation beider Beschwer-

deführenden einzugehen. Im Gesuch betreffend Regelung des Aufent-

halts vom 1. Dezember 2011 wurde festgehalten, die Gesundheitssituati-

on des Sohnes habe sich laut der behandelnden Ärztin stark gebessert, 

seit er allein mit seiner Mutter lebe. Seit die Wegweisung in den Kosovo 

drohe, seien erneut PTSD-Symptome (wieder-)aufgetreten: Y._______ 

leide an Schlafstörungen, sei sehr ängstlich, lasse sich nur schwer von 

seiner Mutter trennen und nässe wieder ins Bett. Beschwerdeweise wird 

geltend gemacht, sowohl Mutter wie auch Kind würden sich in ärztlicher 

Behandlungen befinden. Die Behandlungen von Y._______ seien drin-

gend nötig, damit Folgestörungen verhindert werden können. Auch die 

Mutter benötige kontinuierliche psychiatrische Behandlung und Medika-

mente.  

7.2 In Bezug auf den Gesundheitszustand der Beschwerdeführenden 

wurde von der Vorinstanz ausgeführt, es sei nicht ersichtlich, inwiefern 

die gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht im Kosovo weiterbehandelt 

werden könnten. Gemäss gesicherten Kenntnissen des BFM sei die ge-

sundheitliche Basisversorgung der Beschwerdeführenden im Kosovo 

zwar nicht mit einem westeuropäischen Höchststandard zu vergleichen, 

jedoch hinreichend als sichergestellt zu erachten. Es gebe dort Institutio-

nen, welche entsprechende posttraumatischen Belastungsstörungen be-

handeln. Zudem befinde sich in der Stadt Gjakove eine Neuropsychiatri-

sche Klinik (vgl. Verfügung vom 6. Juni 2012 S. 5).  

7.3  Dagegen halten die Beschwerdeführenden dafür, eine adäquate Be-

handlung einer Traumafolgestörung und/oder eine Depression sei nicht 

möglich. In Gjakove, ca. 20 km von Z._______ entfernt, könnten die Ärzte 

Medikamente verschreiben. Eine Fahrkarte von Z._______ nach Gjakove 

(retour) koste ca. 15 Euro, die Kosten des Remeron-Ersatzes (Remeron 

sei im Kosovo nicht erhältlich), würden im Kosovo ca. 43 Euro pro Monat 

betragen. Die kinderpsychiatrische Behandlung sei nur in Pristina (ca. 

100 km von Z._______ entfernt) möglich. Die Reisekosten würden 25 Eu-

ro betragen, was bei wöchentlichen Konsultationen bereits 100 Euro Rei-

segeld ausmachen würde. Dazu würden die Kosten der Konsultationen 

kommen. Für eine Konsultation in Pristina müssten die Beschwerdefüh-

C-3743/2012 

Seite 15 

renden jeweils einen Tag unterwegs sein, was sich wiederum auf die Er-

werbskapazität der Mutter auswirken würde. Aus einem Gutachten der 

SFH vom 13. Februar 2012 gehe klar hervor, dass die Durchführung der 

nötigen Therapien nicht realistisch sei. Auch wenn die Therapien möglich 

seien, würden die Kosten die finanziellen Möglichkeiten der Beschwerde-

führerin übersteigen (vgl. Beschwerde vom 13. Juli 2012).  

7.4  Was die gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin anbe-

langt, so stellte bereits das kantonale Verwaltungsgericht mit Urteil vom 

18. Oktober 2011 fest, dass ihre medizinische Versorgung im Kosovo ge-

währleitet sei (vgl. E. 6.3.2 des genannten Urteils). Dieser Auffassung 

kann beigepflichtet werden. Gemäss Feststellungen und Praxis des Bun-

desverwaltungsgerichts können im Kosovo psychische Erkrankungen wie 

Depressionen grundsätzlich behandelt werden (vgl. etwa die Urteile des 

BVGer E-4762/2012 vom 18. Oktober 2012 S. 7 ff.; D-1439/2012 vom  

20. März 2012 S. 8; E-3340/2011 vom 16. Februar 2012 E. 6.6.3;  

E-7663/2007 vom 13. September 2011 E. 10.4 und D-1278/2011 vom  

9. August 2011 E. 5.5.1, je m.w.H.; BVGE 2011/50 E. 8.8.2). Dies gilt 

auch für die medizinische Behandlung des Beschwerdeführers, wie dem 

zu den Akten gelegte Gutachten der SFH vom 13. Februar 2012 zu ent-

nehmen ist. Im Spital Pristina existiert ein Departement für Kinder- und 

Jugendpsychiatrie, welches entsprechende Behandlungen durchführt. 

Auch in Gjakova werden grundsätzlich kinderpsychiatrische Behandlun-

gen durchgeführt. Zum Zeitpunkt der Erstellung des Gutachtens wurden 

diese allerdings wegen Sanierung der Behandlungsräume auf unbe-

stimmte Zeit nicht angeboten. Dem Gutachten ist zudem zu entnehmen, 

dass die entsprechenden Behandlungen kostenlos durchgeführt werden. 

Unbeachtlich ist, dass die medizinischen Behandlungen im Heimatstaat 

nicht dem schweizerischen Standard entsprechen. Diesbezüglich sind 

auch die etwas längeren Anreisezeiten – welche sich noch im Rahmen 

des Zumutbaren bewegen – zwecks Durchführung der medizinischen 

Behandlung von den Beschwerdeführenden in Kauf zu nehmen, würden 

sie sich denn überhaupt in Z._______ niederlassen.  

7.5  Im Übrigen ist davon auszugehen, dass die aufgezeigten medizini-

schen Probleme der Beschwerdeführenden vor allem mit dem Verlust von 

Lebensperspektiven in der Schweiz und der drohenden Wegweisung im 

Zusammenhang stehen. Aus einem medizinischen Bericht der Universitä-

ren Psychiatrischen Dienste Bern (UPD) vom 15. Juni 2011 – auf den sich 

im Übrigen schon das kantonale Verwaltungsgericht in seinem Urteil vom 

18. Oktober 2011 stützte – geht in Bezug auf die Beschwerdeführerin 

C-3743/2012 

Seite 16 

hervor, dass diese sich seit dem 7. April 2010 in regelmässiger ambulan-

ter psychologisch-psychiatrischer Behandlung befinde. Bisher hätten 18 

Konsultationen zu je 60 Minuten in albanischer Sprache mit Übersetzung 

stattgefunden. Die Sitzungen würden ca. alle zwei Wochen durchgeführt. 

Gemäss einem ärztlichen Zeugnis der UPD vom 1. Dezember 2011 hät-

ten seit dem 15. Juni 2011 fünf weitere Konsultationen mit Übersetzung 

stattgefunden. Eine weiterführende psychotherapeutische und medika-

mentöse Behandlung sei indiziert; die depressive Symptomatik habe sich 

vor dem Hintergrund der schwierigen psychosozialen Belastungssituation 

verschlechtert. Der Beschwerdeführer ist seit November 2011 bei Dr. 

med. C._______ wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung in 

kinderpsychiatrischer Behandlung (vgl. Bericht von Dr. med. C._______ 

vom 7. September 2013). Zudem wurde er auch im Zentrum für Kinder- 

und Jugendpsychiatrie Freiburg (vgl. Berichte vom 25. November 2011 

und 30. Januar 2012) behandelt. Im zuletzt eingereichten kinderpsychiat-

rischen Bericht von Dr. med. C._______ vom 7. September 2013 werden 

im Wesentlichen der Kontaktaufbau sowie das Verhältnis zwischen Vater 

und Sohn und die eventuellen Folgen einer allfälligen Ausweisung für 

Y._______ beschrieben. Die dargelegten Probleme der Beschwerdefüh-

renden erscheinen damit nicht als Ausdruck einer vorbestehenden 

schweren Krankheit, welche die Rückkehr ins Heimatland unzumutbar er-

scheinen liessen. Es ist vielmehr zu erwarten, dass sich die Situation 

nach der Rückkehr in den Kosovo und nach Wegfall der Ungewissheit 

nach der ersten Eingewöhnung allmählich wieder normalisieren wird. Die 

Wegweisung wäre gegebenenfalls durch die entsprechende Ausgestal-

tung der Vollzugsmodalitäten – wie beispielsweise einer adäquaten medi-

zinischen Betreuung im Rahmen der Rückführung – durchzuführen (vgl. 

dazu Urteil des BVGer C-5002/2011 vom 1. Juli 2013 E. 6.4).   

7.6  Auf das Vorbringen der Beschwerdeführenden, die Kosten der The-

rapien würden ihre finanziellen Möglichkeiten übersteigen, ist an nachfol-

gender Stelle im Rahmen der wirtschaftlichen Eingliederung im Her-

kunftsland zu befinden.  

8.  

8.1 Zu den Möglichkeiten der Reintegration im Herkunftsstaat (Art. 31 

Abs. 1 Bst. g VZAE) wird geltend gemacht, die Vorinstanz argumentiere 

in finanzieller Hinsicht mit den Unterhaltsbeiträgen und Familienzulagen, 

welche die Beschwerdeführerin angeblich auch im Kosovo erhalten wür-

de und die ihr dort ein gutes Leben garantieren würden. Weiter halte das 

C-3743/2012 

Seite 17 

BFM fest, die zahlreichen Verwandten vor Ort würden der Beschwerde-

führerin beim Aufbau einer neuen Existenz und bei der Finanzierung einer 

allfälligen notwendigen medizinischen Behandlung behilflich sein. Bei der 

Kinderbetreuung könne sie auf Unterstützung von Grosseltern und ande-

ren vertrauten Bezugspersonen zählen, weil die entsprechenden  

verwandschaftlichen Pflichten im Kosovo sehr ausgeprägt seien. Dage-

gen wendet sie beschwerdeweise ein, die Befürchtung, die Zahlung der 

Unterhaltsbeiträge durch ihren Ex-Ehemann sei unsicher, sei nicht über-

trieben. Vom Kosovo aus könne sie ihren Anspruch auf Unterstützungs-

beiträge nicht durchsetzen. Auch Familienzulagen für im Kosovo lebende 

Kinder würden aufgrund der Nichtverlängerung des Sozialversicherungs-

abkommens zwischen dem Kosovo und der Schweiz nicht ausgerichtet. 

Ihre Herkunftsfamilie könne sie nicht finanziell unterstützen. Auch ihre 

Chancen auf dem Arbeitsmarkt seien gering.  

8.2  In der Tat könnten die Familienzulagen, mangels eines Sozialversi-

cherungsabkommens zwischen dem Kosovo und der Schweiz, nicht wei-

ter ausgerichtet werden, würden die Beschwerdeführenden im Kosovo 

leben. Allerdings würde der Beschwerdeführerin immer noch der von ih-

rem Ex-Ehemann geschuldete monatliche Unterhaltsbeitrag von  

Fr. 550.- für ihren Sohn Y._______ zur Verfügung stehen. Ihr diesbezügli-

ches Vorbringen, die Zahlung des Betrages durch ihren Ex-Ehemann sei 

unsicher, wenn sie in den Kosovo zurückkehren müsse, erweist sich als 

rein spekulativ, zumal der Kindsvater bis anhin die vereinbarten Alimente 

immer anstandslos bezahlt hat. In einem Schreiben vom 20. September 

2013 bestätigt er denn auch, die monatlichen Unterhaltsbeiträge immer 

regelmässig und ohne Verzug beglichen zu haben. Wieso sich dies än-

dern sollte, würden die Beschwerdeführenden in den Kosovo weggewie-

sen, ist nicht ersichtlich. Des Weiteren gilt es zu erwähnen, dass es sich 

um Unterhaltsbeiträge handelt, die er für seinen Sohn – und nicht für sei-

ne Ex-Ehefrau – zu bezahlen hat. Mit diesen Ausführungen ist nicht da-

von auszugehen, die Beschwerdeführenden müssten in kargen finanziel-

len Verhältnissen leben bzw. könnten die medizinischen Therapien – so-

fern diese nicht ohnehin kostenlos angeboten werden (vgl. E 7.4) – und 

Medikamente nicht bezahlen, beläuft sich doch das kosovarische Durch-

schnittsgehalt auf 350 bis 400 EUR pro Monat (Quelle: Deutsches Aus-

wärtiges Amt, www.auswaertiges-amt.de > Aussen- und Europapolitik > 

Länderinformationen > Kosovo > Wirtschaftspolitik, Stand: Februar 2014, 

besucht im April 2014).  

C-3743/2012 

Seite 18 

8.3 Das kleine Beziehungsnetz im Kosovo (eine verheiratete Schwester 

sowie die Eltern der Beschwerdeführerin) kann ihr bei der Wiedereinglie-

derung im Heimatland – wenn auch nicht finanziell aber zumindest emoti-

onal – beistehen und ihr einen gewissen Halt bieten. Es ist zudem damit 

zu rechnen, dass die Beschwerdeführerin noch über einen gewissen Be-

kanntenkreis in ihrem Heimatland verfügt, welcher sie allenfalls auch bei 

ihrer Arbeitssuche unterstützen könnte. Bereits im Urteil des kantonalen 

Verwaltungsgerichts vom 18. Oktober 2011 wurde zudem darauf hinge-

wiesen, dass es im Kosovo zahlreiche Frauenorganisationen gibt, welche 

sich für die Belange von Mädchen und Frauen einsetzen (vgl.  

E. 6.4.1 des genannten Urteils). Die Beschwerdeführerin hat zudem bis 

zu ihrem 26. Lebensjahr – somit den weitaus grössten und prägenden 

Teil ihres Lebens – im Kosovo gelebt. Davon lebte sie immerhin sechs 

Jahre als verheiratete Frau allein im Kosovo. Mit den vorliegenden Aus-

führungen erscheint eine Reintegration nach den üblichen anfänglichen 

Schwierigkeiten möglich. Ohne Belang ist dabei, dass die wirtschaftlichen 

Lebensverhältnisse bzw. Verdienstmöglichkeiten im Kosovo nicht denen 

der Schweiz entsprechen. 

9.  

In Gesamtwürdigung der wesentlichen Umstände ist festzustellen, dass 

die Voraussetzungen für die Annahme eines schwerwiegenden persönli-

chen Härtefalles im Sinne von Art. 30 Abs. 1 Bst. b AuG nicht erfüllt sind. 

Es ist nicht ersichtlich, dass die Beschwerdeführenden hier derart enge 

Beziehungen unterhalten, welche ihre Rückkehr in die Heimat unzumut-

bar machen würden. Ebenso wenig können die geltend gemachten psy-

chischen Probleme der Beschwerdeführenden ausschlaggebende Beach-

tung finden. Zudem besteht noch ein Bezug zum Heimatland, da die Be-

schwerdeführerin dort über ein (minimales) soziales Beziehungsnetz ver-

fügt und mit den dortigen Gegebenheiten nach den üblichen anfänglichen 

Schwierigkeiten wieder vertraut sein wird.  

10.   

Damit bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer unmittelbar aus  

Art. 8 Abs. 1 EMRK einen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilli-

gung geltend machen kann, da sein Vater in der Schweiz über eine Nie-

derlassungsbewilligung verfügt (vgl. Schreiben der Beschwerdeführenden 

vom 19. Oktober 2012).   

10.1 Die Vorinstanz macht diesbezüglich in ihrer Vernehmlassung vom  

30. Oktober 2012 mit Verweis auf Art. 8 EMRK geltend, der Vater von 

C-3743/2012 

Seite 19 

Y._______ sei zwar im Besitze einer Niederlassungsbewilligung, sie gehe 

aber davon aus, dass zwischen Vater und Sohn keine besonders intensi-

ve Beziehung in wirtschaftlicher und affektiver Hinsicht bestehe. Die bei-

den würden nicht in einem Haushalt zusammenleben. Der Vater sehe 

Y._______ gemäss den aktuellen Besuchsregeln jedes zweite Wochen-

ende. Die Hauptlast der Betreuung liege aber nach wie vor bei der Mutter. 

Im Lichte der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gehe das Besuchs-

recht nicht über das übliche Mass hinaus. Für die Ausübung des Be-

suchsrechts sei es nicht zwingend erforderlich, dass das Kind in der 

Schweiz lebe. Y._______ sei erst 4jährig [damals] und befinde sich damit 

noch in einem anpassungsfähigen Alter. 

10.2  Art. 8 Abs. 1 EMRK und der insoweit gleichbedeutende Art. 13 

Abs. 1 BV gewährleisten das Recht auf Achtung des Privat- und Familien-

lebens. Hat ein Ausländer nahe Verwandte mit einem gefestigten Anwe-

senheitsrecht in der Schweiz und wird die zu ihnen bestehende intakte 

Beziehung tatsächlich gelebt, so kann Art. 8 Abs. 1 EMRK verletzt sein, 

wenn ihm die Anwesenheit in der Schweiz untersagt und damit sein Fami-

lienleben vereitelt wird. Der entsprechende Schutz gilt jedoch nicht abso-

lut; vielmehr gestattet Art. 8 Abs. 2 EMRK einen Eingriff in das von Abs. 1 

geschützte Rechtsgut, wenn er gesetzlich vorgesehen und unter den dort 

aufgeführten Voraussetzungen – insbesondere sicherheits- und ord-

nungspolitischer Art – notwendig ist. Insofern erfordert der Eingriff eine 

Abwägung der sich gegenüberstehenden privaten Interessen an der Be-

willigungserteilung und den öffentlichen Interessen an deren Verweige-

rung; diese müssen jene in dem Sinne überwiegen, dass sich der Eingriff 

in das Privat- und Familienleben als notwendig erweist (vgl. BGE 137 I 

247 E. 4.1.1 mit Hinweisen).  

10.3  Der nicht sorge- bzw. obhutsberechtigte Elternteil kann die familiäre 

Beziehung mit seinen Kindern schon aus zivilrechtlichen Gründen von 

vorneherein nur in beschränken Rahmen leben, nämlich durch die Aus-

übung des ihm eingeräumten Besuchsrechts. Hierzu ist nach ständiger 

Praxis des Bundesgerichts grundsätzlich nicht erforderlich, dass er dau-

ernd im gleichen Land wie das Kind lebt und dort über eine Aufenthalts-

bewilligung verfügt. Den Anforderungen von Art. 8 EMRK ist Genüge ge-

tan, wenn das Besuchsrecht im Rahmen von Kurzaufenthalten vom Aus-

land her ausgeübt werden kann, wobei allenfalls dessen Modalitäten ent-

sprechend anzupassen sind. Ein Anspruch auf Erteilung einer Aufent-

haltsbewilligung ist ausnahmsweise dann zu bejahen, wenn zwischen 

dem Ausländer und dessen Kindern in wirtschaftlicher und affektiver Hin-

C-3743/2012 

Seite 20 

sicht eine besonders enge Beziehung besteht, die – würde eine Bewilli-

gung verweigert – wegen der Distanz zwischen der Schweiz und dem 

Land, in welches der Ausländer vermutlich auszureisen hätte, praktisch 

nicht aufrechterhalten werden könnte. Zudem muss sich der Ausländer 

tadellos verhalten haben. Nur unter diesen Voraussetzungen kann das 

private Interesse am Verbleib im Land gestützt auf ein Besuchsrecht aus-

nahmsweise das öffentliche Interesse an einer einschränkenden nationa-

len Einwanderungspolitik im Rahmen von Art. 8 Ziff. 2 EMRK überwiegen 

(vgl. Urteil des BGer 2C_652/2013 vom 17. Dezember 2013 E. 3.2 mit 

Hinweisen [zur Publikation vorgesehen]; zu den öffentlichen Interessen 

vgl. auch Urteil des BGer 2C_56/2012 vom 24. September 2012 E. 5.4.2).  

10.4  Im vorliegenden Fall hat lediglich der besuchsberechtigte Elternteil 

ein gefestigtes Aufenthaltsrecht, nicht hingegen der Beschwerdeführer. 

Damit steht das Kind unter der Obhut desjenigen Elternteils, der in der 

Schweiz kein selbständiges Anwesenheitsrecht hat. Es ist regelmässig in 

die Familiengemeinschaft dieses Elternteils eingebunden und hat grund-

sätzlich dessen Lebensschicksal zu teilen, d.h. es hat ihm gegebenenfalls 

ins Ausland zu folgen (vgl. BGE 139 II 393 E. 5.1), wobei analog zur 

Rechtsprechung des "umgekehrten Familiennachzugs" die Möglichkeit 

der Ausübung des Besuchsrechts des in der Schweiz anwesenheitsbe-

rechtigten anderen Elternteils sachgerecht mitberücksichtigt werden kann 

(vgl. BGE 137 I 247 E. 4.2.3). Im Rahmen von Art. 8 EMRK ist dabei das 

Erfordernis der besonderen Intensität der affektiven Beziehung erfüllt, 

wenn ein grosszügig ausgestaltetes Besuchsrecht vorliegt, wobei gross-

zügig im Sinne von "deutlich mehr als üblich" zu verstehen ist (zu der im 

Rahmen des "umgekehrten Familiennachzugs" entwickelten neuen bun-

desgerichtlichen Rechtsprechung bezüglich des Erfordernisses der be-

sonderen Intensität der affektiven Beziehung bei nicht sorgeberechtigten, 

ausländischen Elternteilen eines hier aufenthaltsberechtigten Kindes vgl. 

BGE 139 I 315 E. 2.4 und 2.5).   

10.5  Es gilt somit vorerst zu prüfen, ob in casu eine von Art. 8 Abs. 1 

EMRK geschützte, in wirtschaftlicher und affektiver Hinsicht besonders 

enge Beziehung zwischen dem Beschwerdeführer und seinem Vater vor-

liegt.  

Gemäss den Akten trennten sich die Eheleute am 12. August 2009. Der 

Beschwerdeführer lebte alsdann vom Oktober 2009 bis Februar 2011 mit 

seiner Mutter im Frauenhaus (vgl. Schreiben Frauenhaus T._______ vom 

2. Dezember 2011). Während dieser Zeit bestand zwischen Vater und 

C-3743/2012 

Seite 21 

Sohn kein Kontakt. Dieser musste erst mit Hilfe eines Erziehungsbeistan-

des wieder hergestellt werden. Ein erstes begleitetes Treffen fand Ende 

August 2011 statt. Es folgten weitere begleitete Treffen im vierzehntägli-

chen Abstand (vgl. Bericht des Amtes für Erwachsenen- und Kindes-

schutz vom 25. November 2011). Beschwerdeweise wird ausgeführt, 

Y._______ besuche seinen Vater jedes zweite Wochenende am Samstag 

und am Sonntag ohne Übernachtung. Die Besuchsregelung wurde lau-

fend angepasst, sodass gemäss einem Schreiben der Beschwerdeführe-

rin vom 7. Dezember 2012 ihr Sohn nicht nur den Samstag und den 

Sonntag (von 11 Uhr bis 19 Uhr) bei seinem Vater verbracht habe, son-

dern auch erstmals an zwei Wochenenden bei ihm übernachtet habe. Im 

Januar 2013 sei eine neue Besuchsregelung eingeführt worden (jeweils 

drei Samstage nacheinander Besuch beim Vater, der vierte Samstag 

dann auch inkl. Übernachtung auf Sonntag; vgl. Schreiben Dr. med. 

C._______ vom 7. September 2013). Aus den Akten geht zudem hervor, 

dass sich Vater und Sohn mittlerweile jedes Wochenende sehen (ab-

wechslungsweise ein Wochenende am Samstag von 11 Uhr morgens bis 

19 Uhr abends und ein Wochenende von Samstag 11 Uhr bis Sonntag 19 

Uhr). Auch unter der Woche würden die beiden Zeit zusammen verbrin-

gen. Der Vater hole seinen Sohn zu Hause ab und gehe mit ihm spazie-

ren; nach Möglichkeit einmal pro Woche. Die Unterhaltszahlungen für 

Y._______ bezahle er zudem stets regelmässig und ohne Verzug (vgl. 

Schreiben von D._______ vom 20. September 2013).  

Vorliegend kann davon ausgegangen werden, dass in wirtschaftlicher 

Hinsicht eine intensive Beziehung zwischen Vater und Sohn besteht. 

Zweifellos verfügt der Beschwerdeführer mittlerweile – nach allmählich 

gesteigertem Kontaktaufbau – auch über eine gute Beziehung zu seinem 

Vater. Ob diese als aussergewöhnlich intensiv bezeichnet werden kann, 

ist hingegen fraglich. Die abschliessende Klärung dieser Frage kann je-

doch offen gelassen werden, wie nachfolgende Ausführungen zeigen.  

10.6 Y._______ ist mittlerweile 5 Jahre alt. Er hat zwar sein ganzes bishe-

riges Leben in der Schweiz verbracht und besucht nun den Kindergarten, 

allerdings befindet er sich noch in einem anpassungsfähigen Alter und 

seine Beziehungen zum Umfeld werden primär durch das Zusammenle-

ben mit der allein sorgeberechtigten Mutter bestimmt. Es ist auch nicht 

ersichtlich, dass der in der Schweiz lebende Kindsvater sein Besuchs-

recht nicht wahrnehmen könnte, würde sein Sohn im Kosovo leben, allen-

falls sind die Modalitäten des Besuchsrechts entsprechend anzupassen 

(vgl. Urteil des BGer 2C_235/2012 vom 13. März 2013 E. 2.1). Zu denken 

C-3743/2012 

Seite 22 

wäre hier an Besuche während den Ferien oder im Rahmen von verlän-

gerten Wochenenden. Im Übrigen können die familiären Beziehungen 

nicht nur besuchsweise, sondern auch vom Ausland aus über (in abseh-

barer Zukunft) Briefverkehr, Telefonate, E-Mail oder Internet (Skype etc.) 

gepflegt werden. Nichts ändern vermag an diesem Umstand das lediglich 

pauschal geäusserte beschwerdeweise Vorbringen, die Vater-Kind-

Beziehung würde durch die Entfernungsmassnahme verunmöglicht. Auch 

ergeben sich keine besonderen Schwierigkeiten, mit denen das Leben im 

Herkunftsland seiner Mutter verbunden sein könnte. Die medizinische 

Behandlung seiner gesundheitlichen Probleme ist, wie bereits ausgeführt, 

gewährleistet. Dem Beschwerdeführer kann es somit zugemutet werden, 

gemeinsam mit seiner Mutter in sein Heimatland zurückzukehren.  

Hinzu kommt, dass es bei der vorliegenden Überprüfung auch das Ver-

halten der Beschwerdeführerin zu berücksichtigen gilt, würde doch die 

Anerkennung des Anwesenheitsrechts des Beschwerdeführers nur sinn-

voll sein, wenn auch der Beschwerdeführerin in der Schweiz ein Bleibe-

recht zugestanden würde. Es rechtfertigt sich somit auch Umstände, wel-

che ihrer Person anzurechnen sind, in die Verhältnismässigkeitsprüfung 

mit einzubeziehen. Diesbezüglich gilt es darauf hinzuweisen, dass sie 

sich – wie bereits erwähnt – während ihres Aufenthalts in der Schweiz 

nicht überdurchschnittlich gut zu integrieren vermochte, illegal in die 

Schweiz einreiste und sich bis zum 19. Mai 2008 hier illegal aufhielt. Auch 

ist ihr eine Rückkehr in den Kosovo zumutbar. 

10.7  Es ist daher festzustellen, dass der in Art. 8 EMRK garantierte An-

spruch auf Achtung des Familienlebens nicht unzulässigerweise einge-

schränkt wird, wenn die Beziehung zwischen dem Beschwerdeführer und 

seinem Vater über die Landesgrenzen hinweg gepflegt wird. Auch aus der 

Kinderrechtskonvention ergeben sich keine über Art. 8 EMRK hinaus ge-

hende Ansprüche auf Bewilligung (vgl. erwähntes Urteil des BGer  

2C_235/2012 E. 2.2).  

11.  

11.1  Die Beschwerdeführenden machen im Sinne eines Eventualbegeh-

rens zudem geltend, bei einer Gesamtwürdigung der oben dargelegten 

Kindsinteressen gelange man zum Schluss, dass der Vollzug der Weg-

weisung der Beschwerdeführenden als nicht zumutbar zu erachten sei. 

Es bestünden auch keine Hinweise auf ein Verhalten der Beschwerdefüh-

C-3743/2012 

Seite 23 

rerin nach Art. 83 Abs. 7 AuG. Damit seien die Voraussetzungen für die 

vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführenden gegeben.  

11.2 Der Wegweisungsvollzug kann für die betroffene Person unzumutbar 

sein, wenn sie in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat Situationen wie 

Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt oder einer medizinischen Notlage 

ausgesetzt wäre. Wirtschaftliche Schwierigkeiten, von welchen die ansäs-

sige Bevölkerung regelmässig betroffen ist, wie Wohnungsnot oder ein 

schwieriger Arbeitsmarkt, vermögen jedoch keine konkrete Gefährdung 

zu begründen. Dagegen ist der Vollzug der Wegweisung nicht zumutbar, 

wenn dieser für die ausländische Person höchstwahrscheinlich zu einer 

existenziellen Bedrohung führen würde, beispielsweise dann, wenn sie 

sich nach ihrer Rückkehr mit völliger Armut, Hunger, Invalidität oder Tod 

konfrontiert sähe (vgl. BVGE 2011/24 E. 11).  

11.3  Bezüglich der Zumutbarkeit der Wegweisung der Beschwerdefüh-

renden in den Kosovo ist zunächst festzustellen, dass unter Berücksichti-

gung der dort herrschenden allgemeinen Situation keine Gründe ersicht-

lich sind, die den Vollzug der Wegweisung dorthin als unzumutbar er-

scheinen lassen. Es herrscht keine Situation allgemeiner Gewalt. Auch ist 

die politische Lage nicht angespannt, sodass eine Rückführung dorthin 

als generell unzumutbar betrachtet werden müsste, beziehungsweise An-

lass zur Annahme einer konkreten Gefährdung bestünde.  

Auch individuelle Gründe, welche eine Rückkehr der Beschwerdeführen-

den als unzumutbar erscheinen lassen würden, sind nicht ersichtlich. 

Wirtschaftliche Schwierigkeiten, von welchen die ansässige Bevölkerung 

regelmässig betroffen ist, wie Wohnungsnot oder ein schwieriger Ar-

beitsmarkt, vermögen keine konkrete Gefährdung zu begründen (vgl. Ur-

teil des BVGer C-4625/2009 vom 31. März 2011 E. 10.2 mit Hinweis). 

Gemäss Feststellungen und Praxis des Bundesverwaltungsgerichts kön-

nen – wie bereits ausgeführt und nochmals betont – im Kosovo psychi-

sche Erkrankungen wie Depressionen grundsätzlich behandelt werden 

(vgl. etwa Urteil des BVGer E-4762/2012 vom 18. Oktober 2012 S. 7 ff.). 

Im Umstand, dass die psychiatrische Behandlung im Heimatstaat nicht 

dem schweizerischen Standard entspricht, ist praxisgemäss kein Weg-

weisungsvollzugshindernis zu erblicken (vgl. Urteil des Bundesverwal-

tungsgerichts E-1806/2013 vom 29. April 2013 E. 5.4). Individuelle Grün-

de, welche eine Rückkehr der Beschwerdeführenden als unzumutbar er-

scheinen lassen würden, sind somit nicht ersichtlich. Der Wegweisungs-

vollzug ist zweifellos auch zulässig und möglich.  

C-3743/2012 

Seite 24 

12.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die Vorinstanz mit der an-

gefochtenen Verfügung kein Bundesrecht verletzt hat. Der rechtserhebli-

che Sachverhalt wurde richtig und vollständig festgestellt und die Vorin-

stanz hat das ihr zustehende Ermessen pflichtgemäss und zutreffend 

ausgeübt (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 

13.  

Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens werden die unterliegenden 

Beschwerdeführenden kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Verfah-

renskosten sind auf Fr. 1'000.- festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b 

VGKE, SR 173.320.2). 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 25 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 1'000.- werden den Beschwerdeführenden 

auferlegt. Der einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird zur Be-

zahlung der Verfahrenskosten verwendet.  

3.  

Dieses Urteil geht an: 

– die Beschwerdeführenden (Gerichtsurkunde) 

– die Vorinstanz (Ref-Nr. ZEMIS […])  

– die Einwohnerdienste, Migration und Fremdenpolizei (EMF) der Stadt 

Bern  

 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Antonio Imoberdorf Susanne Stockmeyer 

 

Rechtsmittelbelehrung: 

Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bundes-

gericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angele-

genheiten geführt werden, sofern die Voraussetzungen gemäss Art. 82 ff., 

90 ff. und 100 BGG gegeben sind. Die Rechtsschrift ist in einer Amts-

sprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Anga-

be der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Das angefochtene 

Urteil und die Beweismittel sind, soweit sie die Beschwerdeführer in Hän-

den haben, beizulegen (vgl. Art. 42 BGG). 

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