# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8e177fc1-628c-592b-9cee-4d1f94153556
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-11-13
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 13.11.2012 SK.2011.33
**Docket/Reference:** SK.2011.33
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_SK-2011-33_2012-11-13

## Full Text

Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug (Art. 146 Abs. 1 und 2 i.V.m. Art. 25 StGB);;Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug (Art. 146 Abs. 1 und 2 i.V.m. Art. 25 StGB);;Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug (Art. 146 Abs. 1 und 2 i.V.m. Art. 25 StGB);;Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug (Art. 146 Abs. 1 und 2 i.V.m. Art. 25 StGB)

Urteil vom 13. November 2012 
Strafkammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Walter Wüthrich, Einzelrichter, 

Gerichtsschreiber Tornike Keshelava  

 

 

Parteien  BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch Olivier 

Thormann, Leitender Staatsanwalt des Bundes,    

 

 gegen 

   

A., amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Markus  

Zwicky,  

 

Gegenstand  Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

Geschäftsnummer:  SK.2011.33 

 

- 2 - 

Anträge der Bundesanwaltschaft: 

 

1. A. sei schuldig zu sprechen wegen Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug im 

Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 in Verbindung mit Art. 25 StGB. 

2. A. sei mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen à Fr. 60.-- zu bestrafen. Der Voll-

zug der Geldstrafe sei aufzuschieben, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jah-

ren. 

3. Es seien Fr. 7'200.-- bei A. einzuziehen. 

4. Von den Verfahrenskosten sei A. ein Anteil von 1/24, entsprechend Fr. 2'187.--, 

aufzuerlegen. 

 

Antrag der Verteidigung: 

 

A. sei freizusprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Staates. 

 

Prozessgeschichte: 

 

A. Die deutschen Strafverfolgungsbehörden führen seit ca. April 2009 ein Verfahren 

gegen B., C. und weitere Personen, denen vorgeworfen wird, als Mitglieder einer 

international agierenden Gruppierung Meisterschaftsspiele der europäischen 

Fussballligen und Freundschaftsspiele durch Geldzahlungen an Spieler, Trainer, 

Vereinsfunktionäre und Schiedsrichter manipuliert zu haben, um Wetten auf die 

manipulierten Fussballspiele abzuschliessen. In diesem Zusammenhang ersuch-

te die Staatsanwaltschaft Bochum am 29. Oktober 2009 die schweizerischen 

Behörden um Durchführung von Untersuchungshandlungen gegen D. und E., die 

mutmasslichen Tatbeteiligten in der Schweiz (cl. 13 pag. 18.1.3 ff.). 

B. Im Nachgang zum erwähnten Rechtshilfeersuchen eröffnete die Bundesanwalt-

schaft am 12. November 2009 ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren ge-

gen D. und E. wegen Verdachts des gewerbsmässigen Betrugs gemäss Art. 146 

Abs. 2 StGB (cl. 1 pag. 1.1). 

C. In der Folge dehnte die Bundesanwaltschaft die Strafverfolgung auf weitere Per-

sonen aus, u.a. am 20. November 2009 auf A. (cl. 1 pag. 1.4). 

- 3 - 

D. Am 18. November 2011 erliess die Bundesanwaltschaft gegen A. einen Strafbe-

fehl, worin sie ihn der Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug im Sinne von 

Art. 146 Abs. 1 und 2 in Verbindung mit Art. 25 StGB schuldig sprach und ihn mit 

einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen à Fr. 90.--, bedingt aufgeschoben mit einer 

Probezeit von 2 Jahren, belegte. Zudem wurde A. eine Ersatzforderung von 

Fr. 4'050.-- auferlegt (cl. 1 pag. 3.29 ff.). 

E. Auf rechtzeitige Einsprache von A. (cl. 11 pag. 16.7.66) hin überwies die Bun-

desanwaltschaft in Anwendung von Art. 355 Abs. 3 lit. a und Art. 356 Abs. 1 

StPO am 22. Dezember 2011 den Strafbefehl als Anklageschrift an die Straf-

kammer des Bundesstrafgerichts (SK.2011.33, cl. 75 pag. 75.1.5 f.). 

F. Mit Verfügung vom 13. Januar 2012 wies der Einzelrichter die Anklage gegen A. 

zur Anklage- und Aktenergänzung an die Bundesanwaltschaft zurück und sistier-

te das Verfahren bis zur Wiedereinreichung der Anklage. Die Hängigkeit blieb 

beim Gericht (Art. 329 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 und 3 StPO). Der Einzelrichter be-

fand, dass die Nennung der geschädigten Personen für die Beurteilung der Fra-

ge, ob der Anklagesachverhalt den Tatbestand des Betrugs erfülle, unerlässlich 

sei und die Anklageschrift keine konkreten Angaben darüber enthalte, wer durch 

die dem Beschuldigten vorgeworfenen Handlungen am Vermögen geschädigt 

worden sein soll. Weiter stellte er fest, dass neben der beschuldigten auch die 

geschädigte Person, d.h. die Person, die durch die Straftat in ihren Rechten un-

mittelbar verletzt worden sei (Art. 115 Abs. 1 StPO), ein Informationsrecht im 

Hinblick auf die Ausübung der ihr zustehenden Mitwirkungsrechte im Strafverfah-

ren habe. Insbesondere könne sie sich als Privatklägerschaft konstituieren, in-

dem sie bis zum Abschluss des Vorverfahrens ausdrücklich erkläre, sich am 

Strafverfahren als Straf- oder Zivilklägerin oder -kläger zu beteiligen (Art. 118 

Abs. 1 und 3 StPO). Die Staatsanwaltschaft müsse die geschädigte Person nach 

Eröffnung des Vorverfahrens auf diese Möglichkeit hinweisen, wenn diese von 

sich aus keine Erklärung abgegeben habe (Art. 118 Abs. 4 StPO). Und falls der 

Hinweis unterbleibe, müsse die geschädigte Person noch nachträglich die Mög-

lichkeit haben, sich als Privatklägerschaft zu konstituieren (LIEBER, in Do-

natsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozess-

ordnung, Zürich etc. 2010, Art. 118 StPO N. 14). Aus den Akten gehe nicht her-

vor, dass die Bundesanwaltschaft den geschädigten Personen im Sinne der vor-

stehenden Ausführungen die Möglichkeit gegeben habe, sich als Privatkläger-

schaft zu konstituieren (SK.2011.33, cl. 75 pag. 75.950.1 ff.). 

G. Die Bundesanwaltschaft wies in der Folge allfällige geschädigte Personen, ins-

besondere betroffene Fussballvereine und Wettanbieter, mit entsprechenden 

Schreiben resp. öffentlicher Bekanntmachung im Sinne von Art. 88 Abs. 1 lit. b 

StPO auf die Möglichkeit hin, sich als Privatkläger am Verfahren zu beteiligen. 

- 4 - 

Die kontaktierten Personen verzichteten auf eine Verfahrensteilnahme bzw. rea-

gierten auf die Schreiben resp. die Bekanntmachung nicht. Insbesondere melde-

te sich keiner der in der Anklageschrift erwähnten Wettanbieter (cl. 8 pag. 15.8.1 

ff.; SK.2011.33, cl. 75 pag. 75.510.1). 

H. Mit Datum vom 18. Mai 2012 reichte die Bundesanwaltschaft eine ergänzte An-

klage gegen A. im ordentlichen Verfahren beim Bundesstrafgericht ein (cl. 75 

pag. 75.100.7). 

I. Innert angesetzter Frist stellte der Verteidiger die Beweisanträge, es sei die Auf-

zeichnung des Fussballspiels FC Wil 1900 - FC Thun (2:0) vom 16. Mai 2009 im 

Rahmen des Beweisverfahrens einzusehen, es seien die Torschützenlisten, 

Challenge League, Saison 2008/2009 und 2009/2010 zu den Akten zu nehmen 

und es sei ein Gutachten zur Wahrnehmungsfähigkeit des Beklagten anzuord-

nen (SK.2011.33, cl. 75 pag. 75.521.2 ff.). Die Torschützenlisten wurden zu den 

Akten genommen, die übrigen Beweisanträge abgewiesen (SK.2011.33, cl. 75 

pag. 75.430.2). Die Bundesanwaltschaft verzichtete auf Beweisanträge 

(SK.2011.33, cl. 75 pag. 75.510.7). Das Gericht holte von Amtes wegen einen 

aktuellen Straf- und Betreibungsregisterauszug sowie Steuerunterlagen von A. 

ein (SK.2011.33, cl. 75 pag. 75.430.1). 

J. Die Hauptverhandlung fand am 12. und 13. November 2012 in Anwesenheit der 

Parteien vor dem Einzelrichter der Strafkammer des Bundesstrafgerichts am Sitz 

des Gerichts in Bellinzona statt (SK.2011.33, cl. 75 pag. 75.920.1 ff.). 

 

Der Einzelrichter erwägt: 

 

1. Prozessuales 

1.1 Zuständigkeit 

1.1.1 Gemäss dem bis 31. Dezember 2010 gültigen Art. 337 Abs. 2 StGB (seither mit 

gleichem Inhalt: Art. 24 Abs. 2 StPO) kann die Bundesanwaltschaft bei Verbre-

chen u.a. des zweiten Titels des StGB eine Untersuchung eröffnen, wenn die 

Straftaten zu einem wesentlichen Teil im Ausland begangen worden sind oder 

wenn sie in mehreren Kantonen begangen worden sind und dabei kein eindeuti-

ger Schwerpunkt in einem Kanton besteht. Ferner ist für die Bundeszuständigkeit 

vorausgesetzt, dass keine kantonale Strafverfolgungsbehörde mit der Sache be-

fasst ist oder die zuständige kantonale Strafverfolgungsbehörde die Bundesan-

waltschaft um Übernahme des Verfahrens ersucht. 

- 5 - 

1.1.2 Die Bundesanwaltschaft hat das Verfahren nach Erhalt eines Rechtshilfegesuchs 

aus Bochum/D gegen insgesamt elf Personen, darunter die hier beschuldigte, 

wegen Verdachts des gewerbsmässigen Betrugs (Art. 146 Abs. 2 StGB) eröffnet 

(cl. 1 Rubriken 1 und 2). Ein Schwerpunkt für die Tatbegehung in einem Kanton 

besteht nicht. Vielmehr ist von internationaler Verflechtung auszugehen. Dem-

nach ist Bundesgerichtsbarkeit für die Beurteilung der vorliegenden Anklage ge-

geben. 

1.1.3 Die Kompetenz des Einzelgerichts ergibt sich aus Art. 19 Abs. 2 lit. b StPO i.V.m. 

Art. 36 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Organisation der Strafbehörden des 

Bundes vom 19. März 2010 (StBOG; SR 173.71). 

1.2 Anwendbares Prozessrecht 

Das Vorverfahren bis zur Anklageerhebung wurde unter der Herrschaft des Bun-

desgesetzes über die Bundesstrafrechtspflege (BStP) durchgeführt. Die entspre-

chenden Verfahrenshandlungen behalten gemäss Art. 448 Abs. 2 der seit 1. Ja-

nuar 2011 in Kraft stehenden StPO ihre Gültigkeit. 

1.3 Anklage nach Einsprache gegen Strafbefehl 

Wird gegen einen Strafbefehl Einsprache erhoben, so entscheidet die Staatsan-

waltschaft nach allfälliger Abnahme weiterer Beweise über das weitere Vorge-

hen. Will sie die Sache vor Gericht bringen, stehen ihr zwei Möglichkeiten offen, 

nämlich am Strafbefehl festzuhalten (Art. 355 Abs. 3 lit. a StPO) oder Anklage 

beim erstinstanzlichen Gericht zu erheben (Art. 355 Abs. 3 lit. d StPO). Erfüllt der 

angefochtene Strafbefehl die inhaltlichen Erfordernisse einer Anklage nicht, so 

bleibt nur die Möglichkeit der Anklage im ordentlichen Verfahren gemäss lit. d 

des zitierten Artikels. Diese Konstellation ist im vorliegenden Verfahren gegeben 

(vgl. Prozessgeschichte, lit. F und H). Das Urteil ergeht im ordentlichen Verfah-

ren nach Art. 328 ff. StPO. 

1.4 Anklagegrundsatz 

1.4.1 Eine Straftat kann nur gerichtlich beurteilt werden, wenn die Staatsanwaltschaft 

gegen eine bestimmte Person wegen eines genau umschriebenen Sachverhalts 

beim zuständigen Gericht Anklage erhoben hat (Art. 9 Abs. 1 StPO). Gemäss 

Art. 325 Abs. 1 StPO sind in der Anklageschrift insbesondere die beschuldigte 

und die geschädigte Person zu nennen (lit. d und e), die der beschuldigten Per-

son vorgeworfenen Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen 

der Tatausführung möglichst kurz, aber genau zu bezeichnen (lit. f) und die nach 

Auffassung der Staatsanwaltschaft erfüllten Straftatbestände unter Angabe der 

- 6 - 

anwendbaren Bestimmungen anzuführen (lit. g). Mit dem Anklagegrundsatz und 

der daraus abzuleitenden Umgrenzungs- und Informationsfunktion der Anklage 

wird bezweckt, dass die beschuldigte Person genau weiss, was ihr konkret vor-

geworfen wird (HEIMGARTNER/NIGGLI, Basler Kommentar, Schweizerische Straf-

prozessordnung, Basel 2011, Art. 325 StPO N. 18; LANDSHUT, in Do-

natsch/Hansjakob/Lieber, a.a.O., Art. 325 StPO N. 8). Das Gericht ist an den in 

der Anklage umschriebenen Sachverhalt, nicht aber an die darin vorgenommene 

rechtliche Würdigung gebunden (Art. 350 Abs. 1 StPO). 

Falls erforderlich, weist die Verfahrensleitung nach einer bei Eingang der Ankla-

geschrift oder später im Verfahren vorzunehmenden Prüfung die Anklage zur Er-

gänzung oder Berichtigung an die Staatsanwaltschaft zurück (Art. 329 Abs. 2 

StPO). Wird im Anschluss keine dem Anklagegrundsatz genügende Anklage-

schrift eingereicht, wird das Verfahren eingestellt (HEIMGARTNER/NIGGLI, a.a.O., 

Art. 9 StPO N. 62; STEPHENSEN/ZANULARDO-WALSER, Basler Kommentar, a.a.O., 

Art. 329 StPO N. 12). 

1.4.2 Mit Verfügung vom 13. Januar 2012 wurde die Anklage vom 22. Dezember 2011 

zur Ergänzung zurückgewiesen. Die Anklageschrift vom 18. Mai 2012 (Wieder-

einreichung mit Ergänzungen) erging als solche im ordentlichen Verfahren (Pro-

zessgeschichte, lit. F und H). 

1.4.3 Der Beschuldigte ist der Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug angeklagt. 

Bevor auf die Anklage materiell eingetreten werden kann, ist zu prüfen, ob die 

Anklageschrift nach der Wiedereinreichung alle für ein Urteil notwendigen Sach-

verhaltskomponenten beinhaltet. 

1.4.4 Wegen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer in 

der Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, jemanden 

durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt oder 

ihn in einem Irrtum arglistig bestärkt und so den Irrenden zu einem Verhalten be-

stimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen andern am Vermögen schädigt. 

1.4.5 Somit erfordert eine ausreichende Anklage wegen Betrugs eine Aussage zu fol-

genden Punkten: 

a) Wer hat wo und wann wem was vorgespiegelt oder unterdrückt? 

b) Wurde die getäuschte Person irregeführt oder in ihrem Irrtum bestärkt? 

c) Handelte der Täter arglistig? 

d) Hat die irregeführte oder in ihrem Irrtum bestärkte Person sich oder eine an-

dere Person am Vermögen geschädigt? 

- 7 - 

1.4.6 a) Die vorliegende Anklageschrift enthält zusammengefasst folgende Aussagen: 

D. und C. sollen am 14. Mai 2009 in einer Pizzeria in Thun mit den Fussballspie-

lern F. vom FC Wil 1900 sowie G. und H. vom FC Thun gegen Entgelt die Mani-

pulation des Fussballspiels FC Wil 1900 - FC Thun vom 16. Mai 2009 vereinbart 

haben. Des Weiteren habe D. in der Woche vor dem Fussballspiel A., Stürmer 

des FC Thun, telefonisch kontaktiert und für die Manipulation angeworben. Ge-

mäss der Vereinbarung sollte der FC Thun mit zwei Toren Unterschied verlieren 

und sollten beide Tore in der zweiten Halbzeit fallen, indem G., A. und H. dies 

ermöglichen sollten. Dies sei im Hinblick auf abzuschliessende Wetten gesche-

hen. Am 15. Mai 2009 habe C. in Kombinationswetten mit einem Einsatz von 

EUR 4'000.-- bei der maltesischen Wettanbieterfirma I. gewettet. Am 16. Mai 

2009 habe C. zusammen mit dem in die Manipulation eingeweihten B. über den 

Wettvermittler J. Ltd. mit Sitz in London bei der asiatischen Wettanbieterfirma K. 

mit einem Betrag von EUR 80'000.-- gewettet. Daneben habe er noch weitere 

sieben Wetten bei der asiatischen Wettanbieterfirma L. und sieben Wetten bei 

der asiatischen Wettanbieterfirma M. mit einem Einsatz von total EUR 15'093.27 

platziert. Die Wetten seien unter anderem auf das Verlieren des FC Thun abge-

schlossen worden. A. habe die Manipulation des betreffenden Spiels und damit 

der entsprechenden Wetten gefördert, indem er gemäss der Vereinbarung dafür 

besorgt gewesen sei, dass er als Stürmer des FC Thun nicht angegriffen und 

keine Torchancen geschaffen oder verwertet habe. Aufgrund des Spielverlaufs 

und des Endresultats von 2:0 zu Gunsten des FC Will 1900 hätten sich die Wet-

ten bei den asiatischen Buchmachern als erfolgreich herausgestellt. Infolgedes-

sen hätten K. Wettgewinne von EUR 68'000.-- und L. und M. EUR 2'730.12 zu 

Gunsten der manipulierenden Tätergruppierung ausgezahlt. C. habe sodann A. 

in Zürich (Glattzentrum) EUR 6'000.-- ausgehändigt, einen Betrag, den A. in der 

Folge bei seinem Rechtsanwalt deponiert habe. 

b) Die Anklageschrift lässt offen, ob und gegebenenfalls wer durch die inkrimi-

nierten Handlungen getäuscht resp. irregeführt wurde. Sie bezeichnet zwar die 

erwähnten Wettanbieter als – infolge Annahme eines nicht manipulierten Fuss-

ballspiels – irregeführt. Dies genügt jedoch den Anforderungen des Anklage-

grundsatzes im Hinblick auf Art. 146 StGB nicht. Denn irren kann nur ein Mensch 

(vgl. hierzu E. 2.1), nicht eine Firma. Die Anklageschrift enthält keinerlei Hinwei-

se darauf, dass in casu ein Mensch getäuscht resp. irregeführt wurde. Es fehlen 

Angaben über die Art der Kommunikation zwischen den Wettenden und den 

Wettvermittlern oder den Wettanbietern bzw. zwischen den Wettvermittlern und 

den Wettanbietern. Aus der Anklageschrift geht lediglich hervor, dass C. seine 

Wetteinsätze telefonisch oder per SMS einem Mittelsmann übermittelte, welcher 

ein Konto bei I. besass, und dass die Wettbestätigung ebenfalls per SMS erfolg-

te. Ob es sich bei diesem Mittelsmann um einen eingeweihten Tatbeteiligten 

- 8 - 

oder einen Getäuschten handelte, bleibt unklar. B. soll hingegen laut Anklage 

vorwiegend über die Einschaltung des Vermittlers J. Ltd. gewettet haben. Bei der 

J. Ltd. soll es Mitarbeiter gegeben haben, die teilweise in die Möglichkeit der 

Spielmanipulationen eingeweiht gewesen seien. In welcher Art und welchem 

Ausmass dies der Fall gewesen sein soll, bleibt indes offen. Weiter geht aus der 

Anklageschrift hervor, dass die J. Ltd. die Wetten an asiatische Wettanbieter, 

vorliegend L., K. und M., weitervermittelte. Wie diese Wetten bei den einzelnen 

Wettanbietern platziert wurden (direkt, per Telefon, SMS, Internet, etc.), ist der 

Anklageschrift jedoch nicht zu entnehmen. Es fehlen auch Angaben darüber, wie 

bei den betroffenen Wettanbietern Wetten konkret abgewickelt wurden: Waren 

dabei Menschen involviert oder lief der ganze Prozess zwischen der Entgegen-

nahme der Wette und der Auszahlrung des Wettgewinns rein maschinell ab? 

1.4.7 Die Anklageschrift lässt nach dem Gesagten wesentliche Angaben zur angeklag-

ten Tat, namentlich in Bezug auf die Tatbestandselemente der Täuschung und 

des Irrtums gemäss Art. 146 StGB, vermissen, weshalb das Verfahren aufgrund 

des unter E. 1.4.1 Ausgeführten eingestellt werden müsste. Bei dieser Sachlage 

kann auch die Frage offen bleiben, ob die Anklageschrift unter weiteren Ge-

sichtspunkten den gesetzlichen Anforderungen genügt. Wie nachfolgend gezeigt 

wird, würde eine materielle Beurteilung selbst dann zu einem kompletten Frei-

spruch führen, wenn alle in der Anklageschrift fehlenden Elemente – mit wel-

chem Inhalt auch immer – vorhanden wären. Bei dieser Sachlage rechtfertigt 

sich im Interesse der höheren Rechtssicherheit eine materielle Beurteilung des 

angeklagten Sachverhalts. 

 

2. Materielles 

2.1 Der Tatbestand des Betruges nach Art. 146 StGB setzt nebst anderem voraus, 

dass der Täter eine Täuschungshandlung ("Vorspiegelung oder Unterdrückung 

von Tatsachen") vorgenommen hat und dadurch beim Opfer einen Irrtum hervor-

gerufen oder es in einem Irrtum bestärkt hat. Täuschung ist jedes Verhalten, das 

darauf gerichtet ist, bei einem anderen eine von der Wirklichkeit abweichende 

Vorstellung hervorzurufen (BGE 135 IV 76 E. 5.1 m.w.H.). Die Täuschung muss 

beim Opfer einen Irrtum bewirken, eine Vorstellung, die von der Wirklichkeit ab-

weicht (TRECHSEL/CRAMERI, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommen-

tar, Zürich/St. Gallen 2008, Art. 146 StGB N. 14; STRATEN-

WERTH/JENNY/BOMMER, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I, 7. Aufl., 

Bern 2010, § 15 N. 30). Der Getäuschte muss zumindest im Sinne eines "Mitbe-

wusstseins" davon ausgehen, dass die vom Täter vorgegebene Tatsache richtig 

sei (BGE 118 IV 35 E. 2c m.w.H.). Das Gesetz verlangt, dass "jemand", also ein 

Mensch, irregeführt wird. Die Einwirkung auf eine Datenverarbeitung, bei der 

- 9 - 

keine natürliche Person involviert ist, erfüllt mangels Täuschung nicht den Be-

trugstatbestand von Art. 146 StGB (BGE 129 IV 315 E. 2; TRECHSEL/CRAMERI, 

a.a.O., Art. 146 StGB N. 14; STRATENWERTH/WOHLERS, Schweizerisches Straf-

gesetzbuch, Handkommentar, 2. Aufl., Bern 2009, Art. 146 StGB N. 7; DO-

NATSCH, Strafrecht III, 9. Aufl., Zürich etc. 2008, 208). Dies gilt insbesondere für 

Manipulationen von Wetten, die über das Internet automatisch, d.h. ohne Mitwir-

kung einer natürlichen Person, abgewickelt werden (vgl. Korruptionsbekämpfung 

und Wettkampfmanipulation im Sport, Bericht des Bundesrates vom 7. Novem-

ber 2012 in Erfüllung des Postulats 11.3754 der Kommission für Wissenschaft, 

Bildung und Kultur des Ständerates vom 28. Juni 2011, 62, abrufbar unter 

http://www.news.admin.ch/NSBSubscriber/message/attachments/28529.pdf; fer-

ner LÄSER, Betrug durch Manipulation von legalen Fussballwetten, AJP 2012, 

1258, Fn. 39). 

2.2 Wie bereits dargelegt (E. 1.4.6b), schweigt sich die Anklage darüber aus, über 

welches Medium die Wetten in casu platziert wurden. Aus den Anklageschriften 

bezüglich E. und N. im Parallelverfahren SK.2012.21 ergibt sich indes, dass es 

sich bei den bei den Wettanbietern I., K., L. und M. platzierten Wetten von C. und 

B. um Internetwetten handelte (SK.2011.33, cl. 75.100.11; SK.2012.21, cl. 76 

pag. 76.100.4 ff.). Dies deckt sich auch mit der Aktenlage (vgl. z.B. Verzeichnis 

der Wettanbieter auf der der Anklageschrift beigelegten CD-ROM "EK Flanken-

gott" [SK.2012.21, cl. 76 Rubrik 1 in fine]). Es ist daher davon auszugehen, dass 

die vorliegend zur Diskussion stehenden Wetten übers Internet abgeschlossen 

wurden. 

2.3 In Bezug auf die im Hinblick auf die angeklagte Tat erforderlichen Sachverhalts-

komponenten Täuschung und Irrtum führte die Bundesanwaltschaft in der 

Hauptverhandlung im Rahmen des Parteivortrags folgende Faktoren auf, welche 

belegen sollen, dass auf Seiten der betroffenen Wettanbieter "menschliche 

Hand" bei der Abwicklung von Wetten im Spiel war (SK.2011.33, cl. 75 pag. 

75.925.5): 

2.3.1 Gemäss den im bei den Akten liegenden Urteil des Landgerichts Bochum vom 

14. April 2011 in der Strafsache gegen O. und Konsorten, denen unter anderem 

vorgeworfen wurde, an den von C. organisierten Wettmanipulationen mitgewirkt 

zu haben, wiedergegebenen Aussagen eines Sachverständigen sollen alle Onli-

ne-Wettanbieter über Abteilungen bzw. Mitarbeiter zur Manipulationserkennung 

und -abwehr verfügen. Bei Internetplatzierungen sollen auffällige Wetten, na-

mentlich solche auf unterklassige Begegnungen mit hohen Einsätzen, vor Bestä-

tigung überprüft werden. Jedenfalls bei einzelnen oder kumulierten Wetteinsät-

zen ab EUR 5'000.-- sei von einer persönlichen Gegenprüfung auszugehen 

(cl. 74 pag. B18.2.55.117). 

http://www.news.admin.ch/NSBSubscriber/message/attachments/28529.pdf

- 10 - 

2.3.2 Aus den bei den Akten liegenden Protokollen der überwachten Telefongesprä-

che zwischen B. und den Mitarbeitern der J. Ltd. (cl. 51 pag. B18.2.32A.47 f.; 

…71 f.; …80 f.), insbesondere aus den darin vermerkten Gesprächsunterbre-

chungen und Hintergrundgeräuschen, ergebe sich, dass die Mitarbeiter der J. 

Ltd. gerade bei der Platzierung von Live-Wetten mit den asiatischen Wettanbie-

tern via Skype einen Kontakt hätten. 

2.3.3 Aus der Telefonüberwachung gehe sodann hervor, dass offenbar bestimmte 

Wetten von B. nicht akzeptiert worden seien, was auf eine Prüfung durch eine 

natürliche Person rückschliessen lasse (cl. 48 pag. B18.2.30.415). 

2.3.4 Gemäss den – mündlich vorgetragenen – Ausführungen der Bundesanwaltschaft 

sei spätestens bei der Wettgewinnauszahlung davon auszugehen, dass eine 

menschliche Gegenprüfung stattgefunden habe. 

2.4  

2.4.1 In Bezug auf die in E. 2.3.1 erwähnten Aussagen des Sachverständigen im deut-

schen Verfahren ist Folgendes festzuhalten: 

a) Aus einem anderen Verfahren beigezogene Akten gelten als "sachliche Be-

weismittel" im Sinne von Art. 194 StPO. Dies gilt auch für ein Gutachten in jenen 

Akten. Dies ist bei der Beweiswürdigung zu beachten. Der Sachverständige wur-

de nicht nach den Regeln von Art. 182 ff. StPO in das vorliegende Verfahren 

eingebunden. 

b) Dem Urteil des Landgerichts Bochum ist zu entnehmen, dass der Sachver-

ständige ein gelernter Programmierer sei, der einen der ersten Online-

Wettdienste P. gegründet und lange geleitet habe. Er habe die Wettsoftware 

entwickelt, sich als Geschäftsführer mit sämtlichen Aspekten des Buchmacher-

gewerbes befasst und die Geschäftsorganisation sowie die Geschäftsabläufe der 

Konkurrenz durch zahlreiche persönliche Kontakte kennen gelernt. Nach der 

Veräusserung des Wettdienstes habe er sein Geschäftsfeld auf die Quotendo-

kumentation sowie -analyse und die Manipulationsprävention verlagert. Hierzu 

habe sein gegenwärtiges Unternehmen Q. eine eigene Marktbeobachtungssoft-

ware entwickelt. Q. beliefere den Grossteil der international tätigen Sportwettan-

bieter in der Art eines Börseninformationsdienstes mit Quotenspiegeln und stehe 

mit zahlreichen nationalen und internationalen Fussballverbänden in laufender 

Geschäftsbeziehung, um ihnen manipulationsverdächtige Quotenentwicklungen 

anzuzeigen (cl. 74 pag. B18.2.55.117). 

c) Weder aus den Aussagen des Sachverständigen noch aus den Ausführungen 

im obgenannten Urteil geht hervor, dass der Sachverständige konkrete Kennt-

- 11 - 

nisse über die Organisation und die Geschäftsabläufe der durch die angeklagten 

Taten betroffenen individuellen Wettanbieter hatte. Ohne solche spezifischen 

Kenntnisse lassen sich aus seinen allgemeinen Ausführungen über die Erschei-

nungsformen und Gepflogenheiten des Wettgewerbes keine tragfähigen 

Schlussfolgerungen in Bezug auf die vorliegend zur Diskussion stehenden Wet-

ten ziehen. Selbst wenn man im Sinne der Aussagen des Sachverständigen da-

von ausgehen würde, dass alle Online-Wettanbieter über Mitarbeiter verfügen, 

die das Wettgeschehen im Hinblick auf mögliche Wettmanipulationen generell 

überwachen, könnte daraus nicht gefolgert werden, dass die Wetten im vorlie-

genden Fall konkret durch Menschen geprüft wurden. Die Aussage des Sach-

verständigen, bei Wetteinsätzen ab EUR 5'000.-- sei von einer persönlichen Ge-

genprüfung auszugehen, kann mangels gesicherter Kenntnisse der Geschäfts-

abläufe bei den in casu betroffenen Wettanbietern, nicht als genügende Beweis-

grundlage für eine solche Annahme dienen. 

2.4.2 a) Den in E. 2.3.2 erwähnten Protokollen der Telefongespräche, die vom 

26. resp. 27. Juni 2009 datieren, kann entnommen werden, wie sich B. bei sei-

nem Gesprächspartner, dem Inhaber eines englischen Telefonanschlusses, im 

Hinblick auf mögliche Wettplatzierungen bei L. und – in einem Gespräch – einer 

weiteren Wettanbieterfirma namens R. über die angebotenen Wettquoten infor-

miert und entsprechende Anweisungen hinsichtlich Wettplatzierungen gibt. Den 

Protokollen ist weiter zu entnehmen, dass bei diesen Gesprächen mehrmals 

Pausen von ca. 2 Minuten eingelegt werden, während denen sich der Ge-

sprächspartner von B. offenbar über die Wettquoten informiert bzw. Wetten plat-

ziert. Während einer Redepause ist im Hintergrund der Skype Messanger sowie 

eine Person zu hören, welche Mandarin spricht (cl. 51 pag. B18.2.32A.48).  

b) Bei der Würdigung dieser Gespräche ist zunächst anzumerken, dass sie nicht 

den vorliegend zur Beurteilung stehenden konkreten Fall betreffen, so dass aus 

ihnen bereits aus diesem Grund keine beweiskräftigen Erkenntnisse in Bezug 

auf die verfahrensgegenständlichen Wetten abgeleitet werden können. Aus den 

in den Protokollen vermerkten Redepausen und Hintergrundgeräuschen kann 

zudem auch nicht gefolgert werden, dass die Wettvermittler von der J. Ltd. bei 

der Platzierung der Wetten, auf die sich diese Gespräche beziehen, in Kontakt 

mit einer natürlichen Person bei den Wettanbietern standen. Darüber, wer mit 

wem über was bei dem im Hintergrund zu hörenden Gespräch via Skype kom-

muniziert hat, kann nur spekuliert werden. Entgegen den Ausführungen der Bun-

desanwaltschaft im Plädoyer kann auch nicht gesagt werden, dass eine Pause 

von etwa 2 Minuten zu kurz sei, um eine Wette elektronisch platzieren zu kön-

nen. Schliesslich lässt auch der Inhalt der besagten Telefongespräche keine 

Rückschlüsse über die Art der Kommunikation zwischen der J. Ltd. und den 

Wettanbietern zu. 

- 12 - 

2.4.3 Dass bestimmte Wetten von Wettanbietern nicht akzeptiert worden sein sollen, 

taugt nicht als Beweis dafür, dass die betreffenden Wetten durch Menschen ge-

prüft wurden. Es ist durchaus denkbar, dass Wetten nach irgendwelchen Krite-

rien, beispielsweise ab einem bestimmten Betrag, automatisch nicht zugelassen 

werden. Es kommt hinzu, dass das in E. 2.3.3 erwähnte Gesprächsprotokoll, auf 

das sich die Bundesanwaltschaft stützt, keine Hinweise enthält, bei welchen 

Wettanbietern Wetten von B. nicht akzeptiert worden sein sollen. 

2.4.4 Die Behauptung der Bundesanwaltschaft, spätestens bei der Wettgewinnauszah-

lung sei davon auszugehen, dass eine menschliche Gegenprüfung stattgefunden 

habe, ist durch nichts belegt, insbesondere nicht für die Wetten im vorliegenden 

Fall. 

2.4.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass aufgrund der Aktenlage nicht davon 

ausgegangen werden kann, dass bei der Entgegennahme oder anschliessenden 

Bearbeitung der in der Anklageschrift thematisierten Wetten natürliche Personen 

bei den Wettanbietern involviert waren. Zu Gunsten des Beschuldigten ist daher 

anzunehmen, dass bei den fraglichen Wetten kein Mensch durch Täuschung in 

einen Irrtum versetzt worden ist. Der Vollständigkeit halber ist anzumerken, dass 

selbst wenn erstellt wäre, dass die besagten Wetten von Menschenhand bear-

beitet wurden, sich eine Täuschung im Sinne von Art. 146 StGB mangels auch 

nur geringster Kenntnisse über die Organisation und Geschäftsabläufe bei den 

angeblich geschädigten Internetwettanbietern und über die für diese handelnden 

Personen nicht rechtgenüglich beweisen liesse, ist doch nicht auszuschliessen, 

dass vorliegend auch bei den Wettanbietern Personen tätig waren, die in Mani-

pulationen eingeweiht waren, wie dies offenbar bei dem in der Anklageschrift er-

wähnten Wettvermittler der Fall war. 

2.5 Die vorhandene Beweislage reicht nach dem Gesagten nicht aus, um die in der 

Anklage umschriebenen Haupttaten unter den Tatbestand des Betrugs (Art. 146 

StGB) zu subsumieren. Dementsprechend kann vorliegend, unbesehen dessen, 

ob der Beschuldigte an der ihm vorgeworfenen Manipulation des Fussballspiels 

FC Wil 1900 - FC Thun vom 16. Mai 2009 beteiligt war oder nicht, kein Schuld-

spruch wegen Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug ergehen. Der in der 

Anklageschrift umschriebene Sachverhalt lässt sich auch nicht unter einen ande-

ren Straftatbestand, insbesondere nicht unter den allenfalls in Frage kommenden 

Tatbestand des betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage 

gemäss Art. 147 StGB, subsumieren. Der Beschuldigte ist folglich freizuspre-

chen. 

 

 

- 13 - 

3. Kosten 

Der Beschuldigte wird freigesprochen. Es bestehen keine genügenden Anhalts-

punkte in den Akten für eine allfällige Kostenauferlegung an die freigesprochene 

Person gemäss Art. 426 Abs. 2 StPO. Die Verfahrenskosten sind demnach von 

der Eidgenossenschaft zu tragen. 

 

4. Entschädigung der beschuldigten Person 

4.1 Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen oder wird das 

Verfahren gegen sie eingestellt, so hat sie nach Art. 429 Abs. 1 lit. a–c StPO An-

spruch auf Schadensersatz und Genugtuung. Die zu erstattenden Aufwendun-

gen im Sinne von lit. a bestehen hauptsächlich aus den Kosten der frei gewähl-

ten Verteidigung, wenn der Beistand angesichts der tatsächlichen oder rechtli-

chen Komplexität notwendig war und wenn der Arbeitsaufwand und somit das 

Honorar des Anwalts gerechtfertigt sind. Nach lit. b muss die beschuldigte Per-

son für die wirtschaftlichen Nachteile, die sich aus dem Verfahren ergeben, ent-

schädigt werden. Es geht vor allem um Lohn- oder Erwerbseinbussen, die we-

gen Verhaftung oder der Beteiligung an den Verfahrenshandlungen erlitten wur-

den sowie um Reisekosten. Hat die beschuldigte Person wegen des Verfahrens 

eine besonders schwere Verletzung ihrer persönlichen Verhältnisse erlitten, hat 

sie Anspruch auf Genugtuung (lit. c). Diese wird regelmässig gewährt, wenn sich 

die beschuldigte Person in Untersuchungs- oder Sicherheitshaft befand (Bot-

schaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, 

BBl 2006 1329). Das Gericht prüft den Anspruch von Amtes wegen und kann die 

beschuldigte Person auffordern, ihre Ansprüche zu beziffern und zu belegen 

(Art. 429 Abs. 2 StPO). 

Die Entschädigung richtet sich nach dem Reglement des Bundesstrafgerichts 

vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bun-

desstrafverfahren (BStKR, SR 173.713.162; vgl. Art. 22 Abs. 3). Gemäss 

Art. 10 BStKR sind auf die Berechnung der Entschädigung der freigesprochenen 

Person die Bestimmungen über die amtliche Verteidigung anwendbar. Die An-

waltskosten umfassen das Honorar und die notwendigen Auslagen, namentlich 

für Reise, Verpflegung und Unterkunft sowie Porti und Telefonspesen (Art. 11 

Abs. 1 BStKR). Das Honorar wird nach dem notwendigen und ausgewiesenen 

Zeitaufwand des Anwalts für die Verteidigung bemessen, wobei der Stundenan-

satz mindestens 200 und höchstens 300 Franken beträgt (Art. 12 Abs. 1 BStKR). 

Die Auslagen werden im Rahmen der Höchstansätze aufgrund der tatsächlichen 

Kosten vergütet (Art. 13 BStKR). Bei Fällen im ordentlichen Schwierigkeitsbe-

reich beträgt der Stundenansatz gemäss ständiger Praxis der Strafkammer 

- 14 - 

Fr. 230.-- für Arbeitszeit und Fr. 200.-- für Reisezeit (vgl. Urteil des Bundesstraf-

gerichts SN.2011.16 vom 5. Oktober 2011, E. 4.1 m.w.H.). 

4.2 Rechtsanwalt Markus Zwicky hat den Beschuldigten während des Strafverfah-

rens in der Zeit vom 23. November 2009 bis 27. Dezember 2011 erbeten und ab 

dem 28. Dezember 2011 amtlich verteidigt (cl. 11 pag. 16.7.3; cl. 75 pag. 

75.440.1 ff.). Für seine Bemühungen macht er insgesamt einen Arbeitsaufwand 

von 150.21 Stunden, Hauptverhandlung nicht inbegriffen, zu einem Stundenan-

satz von Fr. 230.-- bis Fr. 350.-- und 16.5 Stunden Reisezeit zu einem Stunden-

ansatz von Fr. 200.-- geltend und verlangt unter Berücksichtigung der Auslagen 

von Fr. 975.20 eine Entschädigung von Fr. 39'794.80 (exkl. MWST) (cl. 75 pag. 

75.721.1 ff.). 

Der vorliegende Straffall stellte keine überdurchschnittlichen Anforderungen an 

die Verteidigung, weshalb der Stundenansatz für die Arbeitszeit praxisgemäss 

auf Fr. 230.-- festzusetzen ist. Die Reisezeit ist zum üblichen Stundenansatz von 

Fr. 200.-- zu vergüten. Vom geltend gemachten Aufwand entfallen ca. 80 Stun-

den auf Akten- und Rechtsstudium, was angesichts der rechtlichen und tatsäch-

lichen Schwierigkeiten des Verfahrens und der Schwere des Vorwurfs übermäs-

sig erscheint. Der Aufwand ist daher diesbezüglich ermessensweise um 4 Stun-

den zu kürzen. Sodann sind vom ausgewiesenen Arbeitsaufwand aufgrund der 

in Rechnung gestellten typischen Sekretariatsarbeiten (Erstellen neuer Ordner 

und Inhaltsverzeichnisse [Positionen vom 19. Mai 2011]), die bereits im Stun-

denansatz des Verteidigers enthalten sind, Besprechungen mit den Eltern des 

Beschuldigten sowie Bemühungen im Zusammenhang mit einem Verfahren vor 

dem Schweizerischen Fussballverband weitere 4 Stunden in Abzug zu bringen. 

Andererseits sind für die in der eingereichten Honorarnote nicht berücksichtigte 

Teilnahme an der Hauptverhandlung zusätzlich 4.5 Stunden Arbeitszeit und 4 

Stunden Reisezeit zu entschädigen. Im Ergebnis können demnach 146.71 Stun-

den Arbeitszeit und 20.5 Stunden Reisezeit als notwendiger Aufwand anerkannt 

werden. Hiervon entfallen 54.5 Arbeits- und 9.5 Reisestunden auf die erbetene 

Verteidigung. Die geltend gemachten Auslagen, die sich um Fr. 55.-- für zwei 

Mahlzeiten erhöhen, geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Hiervon entfallen 

Fr. 480.-- auf die erbetene Verteidigung. Unter Berücksichtigung der Mehr-

wertsteuer auf die erbrachten Anwaltsleistungen ist der Beschuldigte nach dem 

Gesagten für die Kosten der Wahlverteidigung gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. a 

StPO gerundet mit Fr. 16'100.-- zu entschädigen. 

4.3 Für die übrigen Aufwendungen im Verfahren sind dem Beschuldigten im Sinne 

von Art. 429 Abs. 1 lit. b StPO pauschal Fr. 400.-- zu entrichten. 

- 15 - 

4.4 Zusammenfassend ist dem Beschuldigten eine Entschädigung von Fr. 16'500.--

zuzusprechen, die durch die Eidgenossenschaft auszurichten ist. 

 

5. Entschädigung der amtlichen Verteidigung 

Rechtsanwalt Markus Zwicky ist mit Verfügung des Einzelrichters vom 22. Mai 

2012 rückwirkend ab dem 28. Dezember 2011 als amtlicher Verteidiger des Be-

schuldigten eingesetzt worden (cl. 75 pag. 75.440.1 ff.). Nach dem unter E. 4.1-

4.2 Dargelegten sind ihm in diesem Zusammenhang ein Arbeitsaufwand von 

92.21 Stunden à Fr. 230.-- und 11 Stunden Reisezeit à Fr. 200.-- zu vergüten. 

Dazu kommen Auslagen im Betrag von Fr. 550.20. Demnach ist Rechtsanwalt 

Markus Zwicky für die amtliche Verteidigung des Beschuldigten mit Fr. 25'875.20 

(inkl. MWST) aus der Kasse des Bundes zu entschädigen. 

- 16 - 

Der Einzelrichter erkennt: 

1. A. wird freigesprochen. 

2. Die Verfahrenskosten gehen zu Lasten der Eidgenossenschaft. 

3.  A. wird durch die Eidgenossenschaft mit Fr. 16'500.-- entschädigt. 

4. Rechtsanwalt Markus Zwicky wird für die amtliche Verteidigung von A. durch die 

Eidgenossenschaft mit Fr. 25'875.20 (inkl. MWST) entschädigt. 

5. Dieses Urteil wird in der Hauptverhandlung eröffnet und durch den Einzelrichter 

mündlich begründet. Den anwesenden Parteien wird das Urteilsdispositiv ausge-

händigt. 

 

 

 

Im Namen der Strafkammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Einzelrichter   Der Gerichtsschreiber 

 

Zustellung der vollständigen schriftlichen Ausfertigung an: 

- Bundesanwaltschaft  

- Rechtsanwalt Markus Zwicky (Verteidiger von A.) 

 

 

Nach Eintritt der Rechtskraft mitzuteilen an: 

- Bundesanwaltschaft als Vollzugsbehörde (vollständig) 

- 17 - 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen verfahrensabschliessende Entscheide der Strafkammer des Bundesstrafgerichts kann beim Bundes-
gericht, 1000 Lausanne 14, innert 30 Tagen nach der Zustellung der vollständigen Urteilsausfertigung Be-

schwerde eingelegt werden (Art. 78, Art. 80 Abs. 1, Art. 90 und Art. 100 Abs. 1 BGG). 

Mit der Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht und Völkerrecht gerügt werden (Art. 95 BGG). 
Die Feststellung des Sachverhalts kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf 
einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und wenn die Behebung des Mangels für den 
Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG). 

Gegen den Entschädigungsentscheid des Gerichts kann die amtliche Verteidigung innert 10 Tagen bei der 

Beschwerdeinstanz Beschwerde führen (Art. 135 Abs. 3 lit. a, Art. 396 Abs. 1 StPO). 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   Versand: 7. März 2013