# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d8945b13-6697-5daf-bd18-b4f1c9877750
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-25
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Strafrecht 25.06.2024 460 2023 262 (460 23 262)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_004_460-2023-262_2024-06-25.pdf

## Full Text

Seite 1   

Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, 

vom 25. Juni 2024 (460 23 262) 

____________________________________________________________________ 

 

 

Strafrecht 

 

 

Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz etc. 
 
 
 
Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Stephan Gass (Ref.),  

Richter Daniel Noll; Gerichtsschreiberin Manuela Illgen 

 

 

Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft,  

Hauptabteilung Allgemeine Delikte,  

Grenzacherstrasse 8, 4132 Muttenz,  

Anklagebehörde 

  

 

gegen 

 

 

 A.____,  

vertreten durch Rechtsanwalt Sandro Spiess,  

Surentalstrasse 10, 6210 Sursee,  

Beschuldigte und Berufungsklägerin 

 

 

Gegenstand Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz etc. 

Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Landschaft vom  

20. Oktober 2023 

 

 
 
 

 
 
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A. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Allgemeine 

Delikte (nachfolgend: Staatsanwaltschaft), vom 28. April 2022 ist A.____ (nachfolgend: die Be-

schuldigte) der mehrfachen Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz vom 16. Dezember 

2005 (TSchG; SR 455) sowie der Widerhandlung gegen das Tierseuchengesetz vom 1. Juli 

1966 (TSG; 916.40) schuldig erklärt und zu einer unbedingt vollziehbaren Geldstrafe von 70 

Tagessätzen à Fr. 30.00 sowie zu einer Busse von Fr. 300.00 verurteilt worden, wobei für den 

Fall des Nichtbezahlens der unbedingten Geldstrafe eine Ersatzfreiheitsstrafe von 70 Tagen 

sowie für den Fall des schuldhaften Nichtbezahlens der Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 

Tagen angedroht worden ist. Des Weiteren sind die Verfahrenskosten von Fr. 2'490.00, beste-

hend aus Gebühren von Fr. 300.00 und Auslagen von Fr. 2'190.00, der Beschuldigten auferlegt 

worden. 

 

B. Nachdem die Beschuldigte gegen obgenannten Strafbefehl am 2. Mai 2022 Einsprache 

erhoben und die Staatsanwaltschaft dem Strafgerichtspräsidium Basel-Landschaft (nachfol-

gend: Strafgerichtspräsidium) am 23. Januar 2023 ein Überweisungsschreiben übermittelt hat-

te, ist die Beschuldigte mit Urteil der Vorinstanz vom 20. Oktober 2023 in teilweiser Änderung 

des Strafbefehls vom 28. April 2022 der Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz schuldig 

gesprochen und zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 30.00, 

bei einer Probezeit von 2 Jahren, verurteilt worden (Dispositiv-Ziffer 1). Demgegenüber ist die 

Beurteilte von der Anklage der Haltung der gebärenden Kuh "B.____" auf aufgeweichtem und 

morastigem Boden (Abs. 2 Ziff. 1 des Strafbefehls); der pflichtwidrigen Unterlassung der Kenn-

zeichnung sämtlicher Tiere mit Ohrmarken (Abs. 2 Ziff. 2 des Strafbefehls); der Nichtgewöh-

nung der Tiere an Fixierung für Pflegemassnahmen und Eingriffe (Abs. 2 Ziff. 3 des Strafbe-

fehls) sowie der Unterlassung der rechtzeitigen und korrekten Anforderung von Nothilfe für die 

Kuh "B.____", begangen in der Zeit vom 19. bis zum 23. Juli 2021 (Abs. 3 des Strafbefehls), 

freigesprochen worden (Dispositiv-Ziffer 2). Die Verfahrenskosten von insgesamt Fr. 5'360.00, 

bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von Fr. 3'360.00 sowie einer pauschalen Ge-

richtsgebühr von Fr. 2'000.00, sind im Umfang von 1/8 der Beurteilten und im Umfang von 7/8 

dem Staat auferlegt worden (Dispositiv-Ziffer 3). Schliesslich sind die Kosten des Wahlverteidi-

gers, Rechtsanwalt Sandro Spiess, in der Höhe von Fr. 12'916.15 (inkl. Hauptverhandlung, 

Weg, Auslagen und 7.7% Mehrwertsteuer sowie unter Kürzung des Stundenansatzes auf 

Fr. 230.00) im Umfang von 7/8 zu Lasten des Staates gegangen (Dispositiv-Ziffer 4). 

 

 
 
 

 
 
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Auf die Begründung dieses Urteils sowie der nachfolgend aufgeführten Parteianträge wird, so-

weit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen. 

 

C. Gegen das obgenannte Urteil hat die Beschuldigte mit Eingabe vom 31. Oktober 2023 

die Berufung angemeldet. Mit Schreiben vom 4. Januar 2024 hat die Beschuldigte dem Kan-

tonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht (nachfolgend: Kantonsgericht), die Beru-

fungserklärung übermittelt, welche bereits mit einer Begründung versehen gewesen ist. Darin 

hat die Beschuldigte die Rechtsbegehren gestellt, (1.) es sei das Urteil der Strafgerichtspräsi-

dentin vom 20. Oktober 2023 in den Dispositiv-Ziffern 1, 3 und 4 aufzuheben, und die Beschul-

digte sei in allen Punkten freizusprechen; (2.) eventualiter sei die Sache zur neuen Beurteilung 

an die Vorinstanz zurückzuweisen; (3.) entsprechend dem Obsiegen im Berufungsverfahren 

seien die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens zu Gunsten der Beschuldigten neu zu verle-

gen; (4.) unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich Mehrwertsteuer) zu Lasten des 

Staates. Zusätzlich hat die Beschuldigte die Beweisanträge gestellt, (1.) es sei C.____, vor Kan-

tonsgericht als Zeuge zu befragen; (2.) es seien als neue Urkunden die Reliefkarte des 

D.____hofs, der Beitrag der Landwirtschaftskammer Oberösterreich vom 12. Mai 2021 sowie 

die Karte mit Abstandsmessungen zu den Akten zu nehmen. 

 

D. Mit Schreiben vom 9. Januar 2024 hat die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass sie we-

der Berufung erhebe noch Anschlussberufung erkläre, was mit verfahrensleitender Verfügung 

des Kantonsgerichts vom 17. Januar 2024 festgestellt worden ist.  

 

E. Zusätzlich hat die Staatsanwaltschaft in ihrer Berufungsantwort vom 30. Januar 2024 

beantragt, das vorinstanzliche Urteil sei in Abweisung der Berufung der Beschuldigten vollum-

fänglich zu bestätigen, und die Kosten des Berufungsverfahrens seien der Beschuldigten auf-

zuerlegen. 

 

F. Mit weiterer Verfügung des Kantonsgerichts vom 5. Februar 2024 ist der Beweisantrag 

der Beschuldigten gemäss Berufungserklärung vom 4. Januar 2024 betreffend Zeugenbefra-

gung von C.____ vor Kantonsgericht abgewiesen worden, währenddem das Beweisbegehren 

betreffend die neuen Urkunden gutgeheissen worden ist. Mit nämlicher Verfügung ist der Schrif-

tenwechsel geschlossen worden, und die Beschuldigte wie auch ihr Verteidiger sind zur kan-

tonsgerichtlichen Hauptverhandlung geladen worden. Die Staatsanwaltschaft ist gestützt auf ihr 

 
 
 

 
 
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Begehren von der persönlichen Teilnahme an der mündlichen Berufungsverhandlung dispen-

siert worden. 

 

G. Anlässlich der am 25. Juni 2024 stattfindenden Hauptverhandlung vor Kantonsgericht 

ist die Beschuldigte, vertreten durch Rechtsanwalt Sandro Spiess, erschienen. Die Beschuldigte 

ist zur Person wie auch zur Sache eingehend befragt worden. Im Übrigen hat die Beschuldigte 

ihre bereits schriftlich gestellten Anträge und Begründungen im Wesentlichen wiederholt (vgl. 

Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 5 ff.). 

 

 

Erwägungen 

I. Formelles  

1. Gemäss Art. 398 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung vom 5. Oktober 

2007 (Strafprozessordnung, StPO; SR 312.0) ist die Berufung zulässig gegen Urteile erstin-

stanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. 

Gestützt auf Art. 398 Abs. 3 StPO können mit der Berufung gerügt werden: Rechtsverletzun-

gen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und 

Rechtsverzögerung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts (lit. 

b) sowie Unangemessenheit (lit. c), wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefochte-

nen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 StPO). Nach Art. 399 Abs. 1 und 3 

StPO ist die Berufung zunächst dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung 

des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 20 

Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzu-

reichen. Schliesslich ist die allgemeine Legitimation zur Erhebung von Rechtsmitteln in Art. 381-

382 StPO geregelt. 

 

2. Mit Blick auf die seitens der Parteien vor dem Strafgerichtspräsidium wie auch vor Kan-

tonsgericht gestellten Anträge ergibt sich die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsge-

richts, Abteilung Strafrecht, als Berufungsgericht zur Beurteilung des vorliegenden Rechtsmit-

tels aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie § 15 Abs. 1 lit. a des kantonalen Einführungsgesetzes 

zur Schweizerischen Strafprozessordnung vom 12. März 2009 (EG StPO; SGS 250). Die Beru-

fung der Beschuldigten richtet sich gegen ein Urteil des Strafgerichtspräsidiums, welches ein 

taugliches Anfechtungsobjekt darstellt. Vorliegend macht die Beschuldigte in Anwendung von 

 
 
 

 
 
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Art. 398 Abs. 2 lit. a und b StPO sowohl eine unrichtige Feststellung des Sachverhalts als auch 

Rechtsverletzungen geltend. Ihre Legitimation zur Erhebung der Berufung ergibt sich aus 

Art. 382 Abs. 1 StPO. Aus den Akten geht hervor, dass das Urteilsdispositiv des Strafgerichts-

präsidiums vom 20. Oktober 2023 der Beschuldigten am 24. Oktober 2023 zugestellt worden ist 

(act. 693). Mit ihrer Berufungsanmeldung vom 31. Oktober 2023 (act. 769) hat die Beschuldigte 

die zehntägige Frist gemäss Art. 399 Abs. 1 StPO eingehalten. Auch die Frist zur Berufungser-

klärung gemäss Art. 399 Abs. 3 StPO ist vorliegend gewahrt worden: Das begründete Urteil des 

Strafgerichtspräsidiums vom 20. Oktober 2023 ist der Beschuldigten am 18. Dezember 2023 

zugestellt worden (act. 753), und mit Datum vom 4. Januar 2024 hat die Beschuldigte die Beru-

fungserklärung eingereicht. Was schliesslich die Form betrifft, so erfüllen die Eingaben der Be-

schuldigten die Anforderungen von Art. 385 Abs. 1 StPO. Es ist demnach auf die Berufung der 

Beschuldigten einzutreten. 

 

 

II. Gegenstand der Berufung 

1. Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufungsgericht das erstinstanzliche Ur-

teil nur in den angefochtenen Punkten (vgl. auch Art. 398 Abs. 2 StPO). Im vorliegenden Fall 

liegt einzig eine Berufung der Beschuldigten vor; demgegenüber hat die Staatsanwaltschaft 

weder Berufung noch Anschlussberufung erhoben. 

 

Aufgrund des Gegenstandes der Berufungserklärung der Beschuldigten vom 4. Januar 2024 

steht vorliegend das gesamte Urteil des Strafgerichtspräsidiums vom 20. Oktober 2023 zur De-

batte. Eine Ausnahme bildet lediglich Dispositiv-Ziffer 2 des Erkenntnisses der Vorderrichterin, 

in welchem die Beurteilte von verschiedenen Vorwürfen gemäss Abs. 2 Ziff. 1-3 sowie Abs. 3 

des Strafbefehls vom 28. April 2022 freigesprochen worden ist. Demnach sind nachfolgend der 

Schuldspruch wegen Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz samt ausgefälltem Strafmass 

einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 30.00, bei einer Probezeit 

von 2 Jahren (Dispositiv-Ziffer 1 des vorinstanzlichen Urteils), die Auferlegung der erstinstanzli-

chen Verfahrenskosten in der Höhe von insgesamt Fr. 5'360.00 im Umfang von 1/8 zu Lasten 

der Beschuldigten (Dispositiv-Ziffer 3 des vorinstanzlichen Urteils) sowie die Auferlegung der 

Kosten des Wahlverteidigers, Rechtsanwalt Sandro Spiess, in der Höhe von insgesamt 

Fr. 12'916.15 (inklusive Hauptverhandlung, Weg, Auslagen und 7.7% Mehrwertsteuer sowie 

 
 
 

 
 
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unter Kürzung des Stundenansatzes auf Fr. 230.00) im Umfang von 1/8 zu Lasten der Beschul-

digten (Dispositiv-Ziffer 4 des vorinstanzlichen Urteils) zu überprüfen. 

 

2. Gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO darf die Rechtsmittelinstanz Entscheide nicht zum Nach-

teil der beschuldigten Person abändern, wenn das Rechtsmittel nur zu deren Gunsten ergriffen 

worden ist (Verbot der "reformatio in peius"). Diese Konstellation liegt hier vor. Entsprechend 

kann das Kantonsgericht das strafgerichtliche Urteil entweder bestätigen oder zu Gunsten der 

Beschuldigten mildern bis hin zu einem vollständigen Freispruch. Hingegen ist es dem Beru-

fungsgericht verwehrt, den erstinstanzlichen Entscheid zu Lasten der Beschuldigten zu ver-

schärfen. 

 

3. Das Berufungsgericht ist mit umfassender Kognition ausgestattet (Art. 398 Abs. 2 und 

3 StPO). Die Grundlagen und Motive für die Entscheidung des Tatsachen- und Rechtsstreits 

müssen sich aus dem Berufungsurteil selbst ergeben, zumal dieses das erstinstanzliche Urteil 

ersetzt (Art. 408 StPO). Das rechtliche Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der 

Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999, BV; SR 101) der Person, die das 

Rechtsmittel ergriffen hat, erfordert eine vollständige Begründung (vgl. BGE 141 IV 244 

E. 1.2.3). Aus dem Berufungsentscheid muss mithin hervorgehen, welche Tatsachen das Ge-

richt für erwiesen hält, welche es verwirft oder als zweifelhaft einstuft; bestrittene Tatsachen und 

sich widersprechende Beweismittel sind zu würdigen und einer schlüssigen Sachverhaltsfest-

stellung zuzuführen (vgl. GRÉGORY BOVEY, Commentaire de la LTF, 3. Aufl. 2022, Art. 112 des 

Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 [Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 

173.110] N 24 ff.). Dabei ist allerdings zu beachten, dass das Gericht nicht auf sämtliche, son-

dern nur auf die relevanten Argumentationspunkte einzugehen hat. Denn in Beachtung des An-

spruchs der Parteien auf rechtliches Gehör folgt zwar die Verpflichtung der Behörde, ihren Ent-

scheid zu begründen. Indes ist nicht erforderlich, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten 

einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr 

kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (vgl. BGer 

1B_273/2022 vom 22. November 2022 E. 3, unter Hinweis auf BGE 142 II 49 E. 9.2; 136 I 229 

E. 5.2; je mit Hinweisen). Mit Blick auf die Prozessökonomie erlaubt Art. 82 Abs. 4 StPO den 

Rechtsmittelinstanzen zudem, für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des in Frage ste-

henden Sachverhalts auf die Begründung der Vorinstanz zu verweisen, wenn sie dieser bei-

pflichten. Hingegen ist auf neue tatsächliche Vorbringen und rechtliche Argumente einzugehen, 

 
 
 

 
 
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die erst im Rechtsmittelverfahren vorgetragen werden (vgl. DANIELA BRÜSCHWEILER/RETO 

NADIG/REBECCA SCHNEEBELI, Zürcher Kommentar StPO, 3. Aufl. 2020, Art. 82 N 10). Bei stritti-

gen Sachverhalten und Beweiswürdigungen sowie bei rechtlichen Subsumtionen des konkreten 

Falls kommen Verweisungen nur dann in Frage, wenn die Rechtsmittelinstanz den vorinstanzli-

chen Erwägungen (vollumfänglich) beipflichtet. Art. 82 Abs. 4 StPO entbindet die Rechtsmitte-

linstanzen somit nicht von deren Begründungspflicht und findet seine Grenzen, wenn sich nicht 

mehr ohne Weiteres feststellen lässt, was die massgebenden tatsächlichen und rechtlichen 

Erwägungen der Zweitinstanz sind (BGE 141 IV 244 E. 1.2.3; BGer 6B_310/2022 vom 8. De-

zember 2022 E. 2.2.1; 6B_130/2022 vom 8. Dezember 2022 E. 1.3; 6B_275/2016 vom 9. De-

zember 2016 E. 1.1). Stimmt die Rechtsmittelinstanz grundsätzlich zu und hat sie bloss neben-

sächliche Vorbehalte, kann sie indes punktuelle Korrekturen formulieren und im Übrigen auf die 

vorinstanzliche Begründung verweisen vgl. (DANIELA BRÜSCHWEILER/RETO NADIG/REBECCA 

SCHNEEBELI, a.a.O., N 11). 

 

Vorliegend wird in sämtlichen angefochtenen Punkten des erstinstanzlichen Urteils, welchen die 

Berufungsinstanz folgt, grundsätzlich – allenfalls durch vereinzelte Hervorhebungen und Ergän-

zungen – auf die Begründung der Vorinstanz verwiesen und überdies nur auf im Berufungsver-

fahren vorgebrachte Argumente, welche zudem für die Urteilsbildung ausschlaggebend sind, im 

Einzelnen eingegangen. 

 

 

III. Die angefochtenen Punkte im Einzelnen 

1. Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz 

1.1 Mit Strafbefehl vom 28. April 2022, welcher gemäss Art. 356 Abs. 1 Satz 2 StPO als 

Anklageschrift gilt, wurde der Beschuldigten unter anderem folgender Sachverhalt zu Last ge-

legt: 

 

"Am 22. Juli 2021 bot der Veterinärdienst des Kantons E.____ Dr. F.____ auf den Hof der Be-

schuldigten in G.____ auf. Als Dr. F.____ in Begleitung der beiden Kontrollpersonen des Vete-

rinärdienstes des Kantons E.____, H.____ und I.____, um ca. 14.00 Uhr auf dem Hof der Be-

schuldigten eintraf, wurden folgende Widerhandlungen gegen das Tierschutzgesetz (…) festge-

stellt: 

 

 
 
 

 
 
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1. Die gebärende Kuh "B.____" (Ohrenmarkennummer J.____) lag ungeschützt in der prallen 

Sonne, wobei die Aussentemperatur an diesem Tag 28 Grad Celsius betrug (…) 

2. (…) 

3. (…) 

 

(…) 

Bei all dem handelte die Beschuldigte wissentlich und willentlich oder nahm die vorgenannten 

Handlungen zumindest in Kauf". 

 

1.2 Das Strafgerichtspräsidium erachtete in tatsächlicher Hinsicht den angeklagten Sach-

verhalt als erstellt (vgl. Erw. II.5.3.1 auf S. 14-16 des angefochtenen Urteils). In rechtlicher Hin-

sicht qualifizierte die Vorderrichterin das Verhalten der Beschuldigten als eventualvorsätzliche 

Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz gemäss Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG (i.V.m. Art. 3 

Abs. 1 lit. a und lit. b TSchG, Art. 4 Abs. 1 und Abs. 2 TSchG, Art. 6 Abs. 1 TSchG, Art. 3 Abs. 1 

der Tierschutzverordnung vom 23. April 2008 [TSchV; SR 455.1], Art. 6 TSchV und Art. 36 Abs. 

1 TSchV), weshalb sie die Beschuldigte dementsprechend schuldig sprach (vgl. Erw. II.5.3.2 

auf S. 16-18 sowie Dispositiv-Ziffer 1 des angefochtenen Urteils).  

 

1.3 Die Beschuldigte hingegen macht in ihrer bereits begründeten Berufungserklärung vom 

4. Januar 2024 eine unrichtige bzw. willkürliche Feststellung des Sachverhalts durch die Vor-

instanz geltend (vgl. S. 5-7 der Berufungserklärung). Überdies sei das Urteil des Strafgerichts-

präsidium rechtsfehlerhaft, da weder in Bezug auf die Tierquälerei gemäss Art. 26 Abs. 1 lit. a 

TSchG noch auf die Übertretung gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. a TSchV der objektive oder subjekti-

ve Tatbestand erfüllt und überdies eine allenfalls in Frage kommende fahrlässige Begehens-

weise nicht angeklagt sei, weshalb ein Freispruch von der Anklage zu erfolgen habe (vgl. S. 4 

und 7-11 der Berufungserklärung). In seinem Parteivortrag vor Kantonsgericht hält der Verteidi-

ger der Beschuldigten an dieser Argumentation fest (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsge-

richt, S. 13, unter Hinweis auf das schriftlich eingereichte Plädoyer). 

 

1.4 Für die Staatsanwaltschaft wiederum ist gemäss ihrer Berufungsantwort vom 

30. Januar 2024 das vorinstanzliche Urteil weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht zu 

beanstanden, sondern vielmehr zu bestätigen.  

 

 
 
 

 
 
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1.5 Würdigung durch das Kantonsgericht  

1.5.1 Tatsächliches 

1.5.1.1 Hinsichtlich des Sachverhalts im Allgemeinen ist zunächst auf die Beweiswürdigungs-

regeln gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO (Grundsatz der freien Beweiswürdigung) und Art. 10 Abs. 3 

StPO (Maxime "in dubio pro reo") zu verweisen. Das Gericht ist nicht verpflichtet, etwas als er-

wiesen zu erachten, was es nach seiner Überzeugung nicht ist, oder umgekehrt etwas als nicht 

erwiesen anzusehen, worüber für das Gericht kein Zweifel besteht (vgl. BGE 133 I 33 E. 2.1). 

Liegen keine direkten Beweise vor, so ist nach der Rechtsprechung auch ein indirekter Beweis 

zulässig. Indizien sind Tatsachen, von denen auf das Vorliegen einer unmittelbar entscheider-

heblichen Tatsache geschlossen werden kann. Eine Mehrzahl von Indizien, welche für sich al-

lein betrachtet nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache oder 

Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offenlassen, können in ihrer Gesamtheit ein Bild 

erzeugen, das den Schluss auf den vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat oder Täterin er-

laubt (vgl. BGer 6B_1053/2018 vom 26. Februar 2019 E. 1.2).  

 

Bestreitet eine beschuldigte Person die ihr vorgeworfene Tat, so ist der Sachverhalt aufgrund 

der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Argumente nach den allgemein 

gültigen Beweisregeln zu erstellen. Hierbei ist dem Zweifelsgrundsatz gemäss Art. 10 Abs. 3 

StPO Beachtung zu schenken. Als Beweislastregel bedeutet die Maxime "in dubio pro reo", 

dass es Sache der Strafbehörde ist, die Schuld der angeschuldigten Person zu beweisen, und 

nicht diese ihre Unschuld nachweisen muss (ESTHER TOPHINKE, Basler Kommentar StPO, 

3. Aufl. 2023, Art. 10 N 80; BGE 127 I 38 E. 2a). Als Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime 

"in dubio pro reo" indes nicht, dass bei sich widersprechenden Beweismitteln unbesehen auf 

den für die beschuldigte Person günstigeren Beweis abzustellen ist. Die Entscheidregel kommt 

nur zur Anwendung, wenn nach erfolgter Beweiswürdigung als Ganzes relevante Zweifel ver-

bleiben (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.1 ff.). Das Gericht darf sich nicht nach Gutdünken und rein 

subjektivem Empfinden von der Schuld der angeklagten Person überzeugt erklären. Vielmehr 

muss die Beweiswürdigung und Sachverhaltsfeststellung gestützt auf alle vorhandenen und 

verwertbaren Beweise begründbar und für einen verständigen Menschen objektiv nachvollzieh-

bar sein. Eine Verurteilung darf nur ergehen, wenn das Sachgericht über jeden vernünftigen 

Zweifel hinaus überzeugt ist, dass sämtliche Strafbarkeitsvoraussetzungen in tatsächlicher Hin-

sicht vorliegen. Eine überwiegende Wahrscheinlichkeit reicht hierfür nicht. Auf der anderen Sei-

te ist absolute Gewissheit angesichts der Unvollkommenheit der Erkenntnismittel und des 

 
 
 

 
 
Seite 10   

menschlichen Urteilsvermögens nicht erreichbar. Gefordert ist indessen ein sehr hoher Grad an 

Wahrscheinlichkeit oder eine mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit. Wichtige Bedeu-

tung für die Nachvollziehbarkeit der Sachverhaltsfeststellung haben neben der Urteilsbegrün-

dung Denk- und Naturgesetze, Erfahrungssätze, technische und wissenschaftliche Erkenntnis-

se, gesicherte empirische Befunde, Lebenserfahrung und nicht zuletzt der gesunde Menschen-

verstand (ESTHER TOPHINKE, a.a.O., N 83, m.w.H.). 

 

1.5.1.2 Als Beweismittel liegen in casu die E-Mails der Beschuldigten vom 22. Juli 2021 um 

09:23 Uhr und 09:53 Uhr an ihren früheren Anwalt, Dr. K.____, und an Dr. L.____ (act. 355 ff.), 

der Bericht des Tierarztes Dr. F.____ vom 24. Juli 2021 (act. 67 ff.), der Bericht des Veterinär-

dienstes des Kantons E.____ vom 16. August 2021 (act. 83 ff.), das Schreiben des Veterinär-

dienstes des Kantons E.____ an die Beschuldigte vom 4. Oktober 2021 (act. 89 ff.), die Zeu-

genaussagen der beiden Kontrollpersonen des Veterinärdienstes des Kantons E.____ bei der 

Staatsanwaltschaft, d.h. von H.____ am 11. Oktober 2022 (act. 273 ff.) und von I.____ vom 

11. Oktober 2022 (act. 289 ff.), die Rapporte der Kantonspolizei E.____ vom 29. November 

2021 samt Fotos (act. 125 ff.), vom 21. Dezember 2021 (act. 47 ff.) und vom 11. März 2022 

(act. 23 f.), die weiteren Zeugenaussagen des Tierarztes Dr. F.____ vom 30. November 2022 

bei der Staatsanwaltschaft (act. 319 ff.) sowie die Depositionen der Beschuldigten selbst vom 

15. Februar 2022 bei der Kantonspolizei E.____ (act. 27 ff.), vom 17. Januar 2023 bei der 

Staatsanwaltschaft (act. 377 ff.) sowie vom 20. Oktober 2023 vor Strafgericht (Prot. Hauptver-

handlung Strafgericht, S. 11 ff., act. 637 ff.) vor. In Bezug auf den Inhalt dieser Beweismittel 

wird zunächst nach Prüfung der Akten auf die korrekte Wiedergabe in Erw. II.5.3.1 auf S. 14-16 

des angefochtenen Urteils verwiesen. Hinzu kommen die aktuellen Ausführungen der Beschul-

digten anlässlich der heutigen Hauptverhandlung vor Kantonsgericht, in welchen die Beschul-

digte ihre bisherigen Depositionen im Wesentlichen bestätigt hat (Prot. Hauptverhandlung Kan-

tonsgericht, S. 9 ff.). 

 

1.5.1.3  

a) Was die Beweiswürdigung betrifft, so schliesst sich das Kantonsgericht grundsätzlich 

den Feststellungen der Vorinstanz in Erw. II.5.3.1 auf S. 14-16 des angefochtenen Urteils an, 

wonach einerseits wie angeklagt aufgrund der vorliegenden Sach- und Personalbeweise als 

erstellt anzusehen ist, dass die gebärende Kuh "B.____" (Ohrenmarkennummer J.____) am 

22. Juli 2021 um ca. 14.00 Uhr auf einem Teilbereich der Weide, welcher zum Hof der Beschul-

 
 
 

 
 
Seite 11   

digten gehörte, ungeschützt bei einer Aussentemperatur von 28 Grad Celsius in der prallen 

Sonne gelegen ist. Dabei ist im Einklang mit der Vorderrichterin davon auszugehen, dass dieser 

Zustand über einen längeren Zeitraum, d.h. über mehrere Stunden gedauert haben muss. Es ist 

des Weiteren unbestritten, dass sich die betreffende Kuh in einem schlechten Allgemeinzustand 

befand. So war sie zunächst in einer schweren Geburt mit Zwillingskälbern, eines davon in 

Steisslage. Das Strafgerichtspräsidium erwähnt zusätzlich ein "nicht konkret nennbares Leiden" 

(vgl. Erw. II.5.3.1 lit. d auf S. 15 des angefochtenen Urteils). Hierbei ist mit Blick auf die Anga-

ben des Tierarztes Dr. F.____ anlässlich dessen Zeugenbefragung vom 30. November 2022 

(act. 327) präzisierend festzustellen, dass es sich um eine Verletzung am Hinterbein gehandelt 

haben muss. Überdies war die Kuh sehr geschwächt und wies eine erhöhte Körpertemperatur 

von 39.3 Grad Celsius auf. Aufgrund dessen war sie nicht in der Lage, sich selbstständig aufzu-

richten, um sich allenfalls an einen anderen, schattigen Platz wie beispielsweise den Stall zu 

begeben. Der von der Beschuldigten in der Berufungserklärung vom 4. Januar 2024 (S. 5) ins 

Feld geführte Einwand, wonach sich die Kuh einige Stunden am Tag nicht in direkter Sonnen-

einstrahlung, sondern im Schatten befunden habe, erscheint sowohl mit Blick auf die Beweisla-

ge wie auch darauf, dass die Anklage keine Sonnenexposition während des gesamten Tages, 

sondern während eines längeren Zeitraums und damit während einiger Stunden vorwirft (so 

zutreffend die Staatsanwaltschaft in ihrer Berufungsantwort vom 30. Januar 2024, S. 3), als 

unbegründet. Auch kann die Behauptung der Beschuldigten an genannter Stelle, wonach der 

betreffende Bereich aufgrund der topografischen Lage nicht so lange besonnt worden sei, unter 

Hinweis auf die örtlichen Verhältnisse (vgl. insbesondere Fotos im Rapport der Kantonspolizei 

des Kantons E.____ vom 29.  November 2021, act. 127 ff.), d.h. angesichts der gut erkennbar 

hierfür zu weit entfernt stehenden Bäume, nicht gehört werden. Ebenso wenig kann die Be-

schuldigte aus der mit Berufungserklärung vom 4. Januar 2024 eingereichten Reliefkarte des 

D.____hofs (Beilage 7) und der Karte mit Abstandsmessungen (Beilage 9) etwas zu ihren 

Gunsten ableiten. Unbestritten und nachgewiesen ist insbesondere mit Blick auf die Fotos im 

Rapport der Kantonspolizei E.____ vom 29. November 2021 (act. 127-131) andererseits aber 

auch, dass die Beschuldigte ihre Kuh während dieser Phase zwecks Kühlung laufend über ei-

nen Schlauch eimerweise mit Wasser abgespritzt und bereits am früheren Vormittag via E-Mail 

einen Tierarzt hat herbeirufen lassen, währenddem sie auf das Ergreifen anderer bzw. weiterer 

Massnahmen zur Kühlung der Kuh "B.____", wie zum Beispiel das Aufstellen eines Sonnen-

schirms, verzichtet hat. Hinsichtlich dieses äusseren Geschehensablaufs kann somit der Vor-

 
 
 

 
 
Seite 12   

wurf der Beschuldigten, die Vorinstanz habe den Sachverhalt falsch oder gar willkürlich festge-

stellt (vgl. S. 5 und 7 der Berufungserklärung vom 4. Januar 2024), nicht gehört werden.  

 

b) Demgegenüber kann der Auffassung des Strafgerichtspräsidiums in Erw. II.5.3.1 auf 

S. 16 des angefochtenen Urteils, wonach anzuzweifeln sei, dass die Beschuldigte über keinen 

Sonnenschirm verfügt habe und sie zumindest auf ihrem Hof ein Tuch oder eine Blache gehabt 

haben müsse, mangels entsprechender Belege in den Akten nicht gefolgt werden. Ebenso we-

nig kann ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass die Beschuldigte alternativ das ent-

sprechende Material hätte besorgen oder zumindest andere Landwirte bzw. Bauarbeiter um 

Hilfe bitten können, weshalb ihr insgesamt "mannigfaltige Möglichkeiten" offen gestanden seien, 

einen Sonnenschutz zu besorgen. So hat die Beschuldigte anlässlich der Einvernahme vom 

17. Januar 2023 zu Protokoll gegeben, sie habe jede halbe Stunde oder Stunde einen Kübel 

Wasser über die Kuh geleert, was wirkungsvoller als ein Schattenplatz sei. Wenn eine Kuh mit 

Wasser bespritzt werde, so sei dies ein Grund um aufzustehen, aber die Kuh habe nicht mehr 

aufstehen können, weil man so lange mit der Geburt gewartet habe (act. 381). Vor Strafgericht 

hat die Beschuldigte dargelegt, sie habe immer wieder kaltes Wasser mit einem Kessel über die 

Kuh geleert, da Schatten "nicht immer das Kühlste" sei. Mit einem Sonnenschirm oder einem 

Tuch wären es "vielleicht 2 Grad weniger gewesen". Ihre Überlegung sei gewesen, dass die 

Kuh wegen des kalten Wassers aufschrecken und aufstehen werde, was sie jedoch nicht getan 

habe (Prot. Hauptverhandlung Strafgericht, S 14 ff.; act. 643 ff.). Mit E-Mail vom 22. Juli 2021, 

09.53 Uhr, an ihren früheren Anwalt, Dr. K.____, hat die Beschuldigte unter anderem folgendes 

ausgeführt: "Ich kann nur kaltes Wasser über sie leeren, um sie etwas zu kühlen, und vielleicht 

einen Sonnenschirm aufstellen fürs Erste" (act. 357). Vor Strafgericht hat die Beschuldigte die 

Frage, ob sie über einen Sonnenschirm verfügt habe, verneint (Prot. Hauptverhandlung Strafge-

richt, S. 16, act. 647). Auf die Frage, warum die Beschuldigte nicht anschliessend einen Son-

nenschirm besorgt habe, hat sie vor Strafgericht entgegnet: "Ich hätte wegmüssen und einen 

(Sonnenschirm) kaufen und wäre mehrere Stunden weg gewesen von dem Tier" (Prot. Haupt-

verhandlung Strafgericht, S. 17, act. 647), was sie vor Kantonsgericht wiederholt hat (vgl. Prot. 

Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 11). Ebenso hat die Beschuldigte vor Strafgericht erklärt, 

dass sie vergeblich versucht habe, einen Bauern anzurufen. Die anderen Landwirte seien am 

Heuen gewesen und hätten keine Zeit gehabt (vgl. Prot. Hauptverhandlung Strafgericht, S. 14; 

act. 643). Im Rahmen ihrer Berufungserklärung vom 4. Januar 2024 (S. 5) hat die Beschuldigte 

zudem ergänzt, dass sich ihr Hof über 300 Meter entfernt vom nächsten Nachbarn befinde. 

 
 
 

 
 
Seite 13   

Schliesslich hat die Beschuldigte vor Kantonsgericht kundgetan, dass das Aufstellen eines 

Schirms die Kuh beim Aufstehen gestört hätte. Zudem habe sie einen Tierarzt herbeigerufen, 

welcher der Kuh eine Spritze hätte verabreichen können, damit sie wieder aufstehe (vgl. Prot. 

Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 10). Das Kantonsgericht folgt der Argumentation der Be-

schuldigten auf S. 6 f. der Berufungserklärung vom 4. Januar 2024 und stützt sich daher bei der 

Feststellung des Sachverhalts auf deren nachvollziehbaren und nicht widerlegten Depositionen. 

Es ist mithin davon auszugehen, dass die Beschuldigte auf ihrem Hof nicht über Material wie 

einen Sonnenschirm oder dergleichen verfügte. Wegen der räumlichen Distanzen wie auch der 

schwierigen Erreichbarkeit anderer Bauern hätte sie zum Erwerb solcher Utensilien die Kuh 

über eine Stunde allein lassen müssen, was sie jedoch aufgrund deren kritischen Zustands 

nicht habe verantworten können. Ebenso erscheint als plausibel, dass sich selbst bei Vorliegen 

eines Tuches oder einer Blache die Aufstellung derselben schwierig gestaltet hätte. Damit sind 

diese Erklärungen der Beschuldigten – entgegen der Auffassung der Staatsanwaltschaft auf S. 

5 der Berufungsantwort vom 30. Januar 2024 – nicht als reine Schutzbehauptungen zu bewer-

ten. 

 

c) Somit schliesst sich das Kantonsgericht im Rahmen der Beweiswürdigung den vor-

instanzlichen Feststellungen gemäss Erw. III.1.5.1.3 lit. a vorstehend soweit an, als nicht in Erw. 

III.1.5.1.3 lit. b vorstehend Abweichungen konstatiert werden. 

 

1.5.2 Rechtliches 

Unter Zugrundelegung des oben festgestellten Sachverhalts ist zu prüfen, ob damit die Be-

schuldigte gegen Normen des Tierschutzes verstossen hat.  

 

1.5.2.1 Ausgangspunkt bilden vorliegend grundsätzlich das TSchG sowie diverse Verordnun-

gen wie insbesondere die TSchV, welche in Frage kommende, einschlägige Normen enthalten. 

Diese sind – wie bereits teilweise durch die Vorinstanz (vgl. Erw. II.5.3.2 lit. a und b auf S. 16 f. 

des angefochtenen Urteils) – vorab zu skizzieren.  

 

a) Innerhalb der wichtigsten Normen in der Tierschutzgesetzgebung regelt zunächst auf 

Gesetzesstufe ganz allgemein Art. 1 TSchG den Zweck dieses Gesetzes. Demnach soll es die 

Würde und das Wohlergehen des Tieres schützen. 

 

 
 
 

 
 
Seite 14   

Art. 3 TSchG definiert mehrere relevante Begriffe. So umschreibt "Würde" gemäss lit. a der ge-

nannten Bestimmung den Eigenwert des Tieres, der im Umgang mit ihm geachtet werden 

muss. Die Würde des Tieres wird missachtet, wenn eine Belastung des Tieres nicht durch 

überwiegende Interessen gerechtfertigt werden kann. Eine "Belastung" liegt vor, wenn dem Tier 

insbesondere Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden, es in Angst versetzt oder 

erniedrigt wird, wenn tiefgreifend in sein Erscheinungsbild oder seine Fähigkeiten eingegriffen 

oder es übermässig instrumentalisiert wird. Mit der Formulierung "insbesondere" wird ein bei-

spielhaftes Aufzählen deutlich gemacht. Sodann wird in Art. 3 lit. b TSchG der Begriff "Wohler-

gehen" der Tiere definiert. Dieses ist namentlich gegeben, wenn (Ziff. 1) die Haltung und Ernäh-

rung so sind, dass ihre Körperfunktionen und ihr Verhalten nicht gestört und sie in ihrer Anpas-

sungsfähigkeit nicht überfordert sind; (Ziff. 2) das artgemässe Verhalten innerhalb der biologi-

schen Anpassungsfähigkeit gewährleistet ist; (Ziff. 3) sie klinisch gesund sind; (Ziff. 4) Schmer-

zen, Leiden, Schäden und Angst vermieden werden. 

 

Art. 4 TSchG hält einzelne essentielle Grundsätze fest. So hat gemäss Abs. 1, wer mit Tieren 

umgeht, (lit. a) ihren Bedürfnissen in bestmöglicher Weise Rechnung zu tragen; und (lit. b) so-

weit es der Verwendungszweck zulässt, für ihr Wohlergehen zu sorgen. Abs. 2 der genannten 

Bestimmung normiert, dass niemand ungerechtfertigt einem Tier Schmerzen, Leiden oder 

Schäden zufügen, es in Angst versetzen oder in anderer Weise seine Würde missachten darf. 

Das Misshandeln, Vernachlässigen oder unnötige Überanstrengen von Tieren ist verboten. 

 

Unter dem 1. Abschnitt "Tierhaltung" des 2. Kapitels "Umgang mit Tieren" verpflichtet Art. 6 

TSchG (Allgemeine Anforderungen) in Abs. 1 jenen, der ein Tier hält oder betreut, es angemes-

sen zu nähren, zu pflegen und ihm die für sein Wohlergehen notwendige Beschäftigung und 

Bewegungsfreiheit sowie soweit nötig Unterkunft zu gewähren, wobei diese Pflichten betreffend 

Tierhaltung und Umgang mit Tieren, namentlich zur erforderlichen Unterkunft, Fütterung und 

Pflege, in Art. 3 ff. der TSchV näher umschrieben werden (vgl. BGer 6B_400/2018 vom 15. Mai 

2019 E. 2.3; 6B_811/2018 vom 25. Februar 2019 E. 6.3.2; 6B_635/2012 vom 14. März 2013).   

 

Das 5. Kapitel des TSchG enthält die vorliegend besonders interessierenden Strafbestimmun-

gen. Dabei bestimmt Art. 26 unter "Tierquälerei" in Abs. 1, dass unter anderem mit Freiheits-

strafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft wird, wer vorsätzlich (lit. a) ein Tier misshan-

delt, vernachlässigt, es unnötig überanstrengt oder dessen Würde in anderer Weise missachtet. 

 
 
 

 
 
Seite 15   

Der Begriff des Vernachlässigens – unbestrittenenermassen die vorliegend zu prüfende Tatbe-

standsvariante – ergibt sich indirekt aus Art. 6 Abs. 1 TSchG (vgl. oben). Wer die darin gesetz-

lich vorgeschriebenen Handlungen nicht vornimmt, vernachlässigt das Tier i.S.v. Art. 26 Abs. 1 

lit. a TSchG (vgl. BGer 6B_400/2018 vom 15. Mai 2019 E. 2.3, unter Hinweis auf BGer 

6B_660/2010 vom 8. Februar 2011 E. 1.2.1). Auf den Tatbestand der Tierquälerei gemäss Art. 

26 Abs. 1 lit. a TSchG wird nachstehend in Erw. III.1.5.2.2 näher einzugehen sein. 

 

Sodann regelt Art. 28 TSchG die "übrigen Widerhandlungen". Demnach wird gestützt auf Abs. 1 

mit Busse bis zu 20'000 Franken bestraft, sofern nicht Artikel 26 anwendbar ist, wer vorsätzlich 

unter anderem (lit. a) die Vorschriften über die Tierhaltung missachtet. Auch diese Norm wird 

nachstehend in Erw. III.1.5.2.2 zu beleuchten sein. 

 

b) Auf Verordnungsstufe werden des Weiteren in der TSchV im 2. Kapitel (Tierhaltung 

und Umgang mit Tieren) im 1. Abschnitt allgemeine Bestimmungen festgehalten. Dabei regelt 

Art. 3 Abs. 1 TSchV Folgendes: Tiere sind so zu halten und mit ihnen ist so umzugehen, dass 

ihre Körperfunktionen und ihr Verhalten nicht gestört werden und ihre Anpassungsfähigkeit 

nicht überfordert wird. 

 

Überdies hat gemäss Art. 6 TSchV "Schutz vor Witterung" die Tierhalterin oder der Tierhalter für 

den notwendigen Schutz der Tiere, die sich der Witterung nicht anpassen können, zu sorgen. 

Auf diese Bestimmung wird ebenso nachfolgend in Erw. III.1.5.2.3 lit. cb zurückzukommen sein. 

 

Sodann werden im dritten Abschnitt des ersten Kapitels der TSchV verbotene Handlungen ge-

regelt. Art. 16 TSchV normiert verbotene Handlungen bei allen Tierarten. Laut Abs. 1 dieser 

Bestimmung ist das Misshandeln, Vernachlässigen oder unnötige Überanstrengen von Tieren 

verboten. 

 

Im 3. Kapitel "Haustiere" werden im 1. Abschnitt wiederum allgemeine Bestimmungen aufge-

führt. Laut Art. 36 TSchV "Dauernde Haltung im Freien", Abs. 1 Satz 1, dürfen Haustiere nicht 

über längere Zeit extremer Witterung schutzlos ausgesetzt sein. Werden die Tiere unter sol-

chen Bedingungen nicht eingestallt, so muss ein geeigneter natürlicher oder künstlicher Schutz 

zur Verfügung stehen, der allen Tieren gleichzeitig Platz und Schutz vor Nässe und Wind sowie 

 
 
 

 
 
Seite 16   

starker Sonneneinstrahlung bietet. Diese Norm wird nachfolgend in Erw. III.1.5.2.3 lit. cb eben-

so zu thematisieren sein. 

 

Schliesslich ist im Zusammenhang mit Art. 36 TSchV auf Art. 2 lit. a TSchV zu verweisen, wo-

nach zu den Haustieren domestizierte Tiere der Rindergattung zu zählen sind.  

 

1.5.2.2   

a) Zum Tatbestand der Tierquälerei in der Tatbestandsvariante der Vernachlässigung 

gemäss Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG wird zunächst auf die oben stehende Darstellung in Erw. 

III.1.5.2.1 lit. a sowie die korrekten dogmatischen Ausführungen der Vorinstanz in Erw. II.5.3.2 

auf S. 16 f. des angefochtenen Urteils verwiesen. Demnach steht eine "Vernachlässigung" im 

Zusammenhang mit Art. 6 Abs. 1 TSchG, wobei weitere Begriffe wie "Würde", "Belastung" und 

"Wohlergehen" eines Tieres zusätzlich den Art. 1, 3 und 4 TSchG zu entnehmen sind. Die 

Grundsätze aus dem TSchG wiederum werden in der TSchV konkretisiert (vgl. BGer 

6B_635/2012 vom 14. März 2013 E. 3.2.1; 6B_653/2011 vom 30. Januar 2012 E. 3.2; 

6B_660/2010 vom 8. Februar 2011 E. 1.2.1; 6B_400/2018 vom 15. Mai 2019 E. 2.3; vgl. eben-

so GIERI BOLLIGER/MICHELLE RICHNER/ANDREAS RÜTTIMANN/NILS STOHNER, Schweizer Tier-

schutzstrafrecht in Theorie und Praxis, 2. Aufl. 2019, S. 129). Das Vernachlässigen von Tieren 

ist ein echtes Unterlassungsdelikt. Das tatbestandsmässige Verhalten liegt in der Nichtvornah-

me einer nach Art. 6 Abs. 1 TSchG gebotenen Handlung (GIERI BOLLIGER/MICHELLE 

RICHNER/ANDREAS RÜTTIMANN/NILS STOHNER, a.a.O., S. 130). Zutreffend weist die Vorderrichte-

rin an genannter Stelle ebenso darauf hin, dass ohne Missachtung der Würde eines Tiers allen-

falls der Übertretungstatbestand von Art. 28 Abs. 1 TSchG greift. 

 

b) Ergänzend zur insofern korrekten vorinstanzlichen Darstellung der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung ist darauf hinzuweisen, dass hinsichtlich der Qualifikation des Tatbestands der 

Tierquälerei als konkretes Erfolgs- oder aber abstraktes Tätigkeitsdelikt bzw. als Verletzungs- 

oder Gefährdungsdelikt innerhalb von Doktrin und Rechtsprechung Uneinigkeit besteht:  

 

ba) So hat das Bundesgericht wiederholt festgehalten, dass eine Tierquälerei in der Tatbe-

standsvariante der Vernachlässigung gemäss heutiger Fassung zwar keine arge Vernachlässi-

gung erfordere. Die diesbezüglichen Anforderungen seien bewusst zugunsten der Tiere herab-

gesetzt worden. Das heisse aber nicht, dass jede beliebige Missachtung die Anforderungen von 

 
 
 

 
 
Seite 17   

Art. 28 TSchG oder Art. 26 TSchG erfülle. Gemäss Bundesgericht ist nur eine Missachtung des 

Tieres, d.h. wenn dessen Wohlergehen tatsächlich beeinträchtigt wird durch Schmerzen, Lei-

den, Schäden oder Angst, strafrechtlich relevant. Ebenso hat das Bundesgericht in den Ent-

scheiden 6B_660/2010 vom 8. Februar 2011, 6B_653/2011 vom 30. Januar 2012 E. 3.3, 

6B_811/2018 vom 25. Februar 2019 E. 5.1 und 6B_400/2018 vom 15. Mai 2019 E. 2.3 betont, 

dass die Leiden oder Schmerzen des kranken Tieres nicht besonders stark zu sein bräuchten. 

Unter anderem heisst es im Entscheid 6B_635/2012 vom 14. März 2013 E. 3.2.1, eine arge 

bzw. starke Vernachlässigung des Tieres, wie dies noch im alten Recht verlangt worden sei, 

bilde seit Inkrafttreten von Art. 26 Abs. 1 lit. a des revidierten Tierschutzgesetzes vom 16. De-

zember 2005 keine Tatbestandsvoraussetzung mehr. Die frühere Rechtsprechung, wonach 

eine Tierquälerei durch Vernachlässigung nur vorgelegen sei, wenn von einem beträchtlichen 

oder erheblichen Leiden des Tieres bzw. einer erheblichen Beeinträchtigung seines Wohlbefin-

dens auszugehen gewesen sei, habe unter dem revidierten Tierschutzgesetz keine Gültigkeit 

mehr. Dennoch müsse auch eine strafrechtlich relevante Vernachlässigung i.S.v. Art. 26 Abs. 1 

lit. a TSchG, wie die übrigen Tatbestandsvarianten der Bestimmung (Misshandlung, Überan-

strengung), mit einer Missachtung der Würde des Tieres einhergehen, ansonsten nicht von ei-

ner Tierquälerei durch Vernachlässigung gesprochen werden könne. Von einer Missachtung 

der Würde sei auszugehen, wenn das Wohlergehen des Tieres beeinträchtigt sei, weil Schmer-

zen, Leiden, Schäden oder Angst nicht vermieden würden. Ob der Tatbestand der Tierquälerei 

durch Vernachlässigung erfüllt sei, beurteile sich zum Beispiel bei der unterlassenen Pflege 

eines kranken Tieres in erster Linie nach dem Krankheitsbild (vgl. BGer a.a.O.). Unter Verweis 

auf den Willen des historischen Gesetzgebers sollte durch die Streichung des Wortes "stark" 

der Grad der Vernachlässigung zugunsten der Tiere etwas relativiert werden. Da die gemäss 

Art. 4 Abs. 2 TSchG verbotenen Handlungen als Tierquälerei mit Gefängnis oder Busse bestraft 

würden, sei davon auszugehen, dass es sich nicht um Bagatellfälle handle (vgl. BGer a.a.O. 

E. 3.2.2, unter Verweis auf AB 2004 S. 602 f.: "Wir haben das Wort "stark" gestrichen, um zum 

Ausdruck zu bringen, dass man gewillt ist, den Tierschutz dort durchzusetzen, wo man effektive 

Mängel feststellt"). 

 

bb) Demgegenüber ist für die Autoren GIERI BOLLIGER/MICHELLE RICHNER/ANDREAS 

RÜTTIMANN/ NILS STOHNER (a.a.O.) nicht erforderlich, dass beim betroffenen Tier tatsächlich 

Schmerzen, Leiden, Schäden, Ängste oder andere Beeinträchtigungen auftreten. Hinsichtlich 

des Rechtsgutes des Wohlergehens handle es sich nach dieser Meinung somit – entgegen der 

 
 
 

 
 
Seite 18   

jüngeren Rechtsprechung des Bundesgerichts – um ein abstraktes Gefährdungsdelikt. Ver-

nachlässigt i.S.v. Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG werde ein Tier daher bereits dann, wenn sein Hal-

ter oder Betreuer es aufgrund ungenügender Pflege (einschliesslich nicht angemessener medi-

zinischer Versorgung), Ernährung, Unterbringung, Beschäftigungs- oder Bewegungsmöglichkei-

ten der Gefahr aussetze, dass es in seinem Wohlergehen beeinträchtigt werden könnte (vgl. 

GIERI BOLLIGER/MICHELLE RICHNER/ANDREAS RÜTTIMANN/NILS STOHNER, a.a.O., S. 129). Zur 

Begründung verweisen diese Autoren auf die Tatsache, dass der Tatbestand der Vernachlässi-

gung mit der Revision von 2008 eine bedeutende Ausweitung erfahren habe. Da die neue Be-

stimmung von Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG keine starke bzw. arge Vernachlässigung mehr ver-

lange, seien mit der Revision die Anforderungen zur Tatbestandserfüllung erheblich gesenkt 

worden. Diese Streichung habe demnach zur Folge, dass seither auch eine leichte Vernachläs-

sigung bereits eine Tierquälerei im Sinne des TSchG darstelle. Der Übertretungstatbestand von 

Art. 28 Abs. 1 lit. a TSchG gelange bei der Verletzung von Tierhalterpflichten nach Art. 6 TSchG 

somit nur noch zur Anwendung, wenn der betreffende Verstoss absoluten Bagatellcharakter 

aufweise (vgl. GIERI BOLLIGER/MICHELLE RICHNER/ ANDREAS RÜTTIMANN/NILS STOHNER, a.a.O., 

S. 130 f., ebenfalls unter Hinweis u.a. auf den historischen Gesetzgeber in AB 2004 S. 602 f.). 

Die genannten Autoren würdigen die neuere bundesgerichtliche Praxis zur Vernachlässigung 

hinsichtlich der Frage, ob es sich dabei um ein Erfolgs- oder ein Tätigkeitsdelikt bzw. um ein 

Verletzungs- oder ein Gefährdungsdelikt in Bezug auf das Rechtsgut des Wohlergehens han-

delt, kritisch. So wird unter Hinweis unter anderem auf diverse kantonale Entscheide sowie die 

frühere Rechtsprechung des Bundesgerichts kritisiert, dass sich das Bundesgericht nunmehr in 

den Urteilen 6B_653/2011 vom 30. Januar 2012 E. 3.3, 6B_635/2012 vom 14. März 2013 E. 3.2 

und 6B_482/2015 vom 20. August 2015 E. 2.2 auf den Standpunkt stelle, der Vernachlässi-

gungstatbestand könne nur erfüllt sein, wenn sich beim betroffenen Tier tatsächlich eine Beein-

trächtigung des Wohlergehens in Form von Schmerzen, Leiden, Schäden oder Ängsten mani-

festiere (vgl. GIERI BOLLIGER/MICHELLE RICHNER/ANDREAS RÜTTIMANN/NILS STOHNER, a.a.O., 

S. 136 f.). Auch PETER V. KUNZ (Tierrecht in der Schweiz, 2023, S. 471) weist darauf hin, dass 

die früheren hohen Hürden zulasten des Schutzes der Tiere mit der Zeit reduziert worden seien, 

so dass ein vorbeugender Tierschutz möglich geworden sei (vgl. PETER V. KUNZ, a.a.O., S. 471 

Rn. 71, unter Hinweis auf BGer 6B_653/2011 vom 30. Januar 2012 E. 3.3 sowie Art. 264 aStGB 

und Art. 27 Abs. 1 lit. a aTSchG, wo eine Vernachlässigung des Tieres noch "arg" bzw. "stark" 

zu sein hatte).  

 

 
 
 

 
 
Seite 19   

bc) Das Kantonsgericht folgt nach eingehender Prüfung der nachvollziehbaren bundesge-

richtlichen Praxis, wonach beim Tatbestand der Tierquälerei in der Form der Vernachlässigung 

von einem Erfolgsdelikt auszugehen ist (vgl. bereits grundlegend KGer BL 460 22 178 vom 

6. März 2024, Erw. III.3.1.4.2 lit. bb). Demnach kann ein tatbestandsmässiges Verhalten nur, 

aber immerhin, dann angenommen werden, wenn das betroffene Tier tatsächlich in seinem 

Wohlergehen beeinträchtigt wird. Dabei gelten insbesondere als Leiden all jene Beeinträchti-

gungen des Wohlergehens, die nicht bereits unter die Begriffe des Schmerzes oder der Angst 

fallen und über ein schlichtes Unbehagen oder eine Augenblicksempfindung hinausgehen, wo-

bei die Belastung für das Tier nicht nachhaltig sein muss (vgl. BGer 6B_400/2018 vom 15. Mai 

2019 E. 2.4, unter Hinweis auf die Vorauflage von GIERI BOLLIGER/MICHELLE RICHNER/ANDREAS 

RÜTTIMANN/NILS STOHNER, Schweizer Tierschutzstrafrecht in Theorie und Praxis, 2. Aufl. 2019, 

S. 88). Die Annahme einer Tatbestandserfüllung bereits bei einer blossen Gefährdung würde 

nicht nur zu Beweisschwierigkeiten im konkreten Fall führen, sondern auch zur einer geradezu 

uferlosen Anwendung des Tierquälereitatbestands, was – entgegen der durch die obgenannten 

Autoren vorgenommenen Interpretation – gerade nicht die Intention des historischen Gesetzge-

bers bei der Streichung des Erfordernisses einer "argen" Vernachlässigung gewesen sein kann. 

Abgesehen davon wäre die Bestimmung von Art. 28 Abs. 1 lit. a TSchG, welcher als Übertre-

tung die Missachtung der Vorschriften über die Tierhaltung mit Busse bestraft, geradezu obso-

let, würde jede beliebige Nichtvornahme einer der in Art. 6 Abs. 1 TSchG vorgeschriebenen und 

in Art. 3 ff. TSchV näher umschriebenen Handlungen gleichzeitig ein Vernachlässigen i.S.v. 

Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG darstellen. Wie die Beschuldigte (vgl. S. 7 der Berufungserklärung 

vom 4. Januar 2024) in diesem Zusammenhang richtig ins Feld führt, kann eine Tierquälerei in 

der Variante der Vernachlässigung somit nur angenommen werden, wenn damit tatsächlich 

Schmerzen, Leiden, Schäden oder Angst einhergingen. Wurde hingegen eine Vorschrift über 

die Tierhaltung verletzt, ohne dass das betreffende Tier in seinem Wohlergehen realiter beein-

trächtigt worden ist, liegt unter Umständen eine blosse Übertretung nach Art. 28 Abs. 1 lit. a 

TSchG vor. Sollte hingegen auch diesbezüglich keine Verletzung einer Tierschutzvorschrift vor-

liegen, verbleibt als einzig richtige Rechtsfolge ein Freispruch der beschuldigten Person vom 

entsprechenden Vorwurf. 

 

c) Die Beurteilung, ob im vorliegenden Fall der Tatbestand der Tierquälerei in der Varian-

te der Vernachlässigung gemäss Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG, insbesondere durch Manifestation 

von Leiden oder Schmerzen, oder aber eine blosse Übertretung nach Art. 28 Abs. 1 lit. a 

 
 
 

 
 
Seite 20   

TSchG vorliegt, ist somit durch das Kantonsgericht gemäss den durch die bundesgerichtliche 

Rechtsprechung aufgestellten Kriterien vorzunehmen. Für die entsprechende Qualifikation hilf-

reich zeigt sich dabei auch ein Blick auf die bundesgerichtliche Praxis betreffend Tierquälerei in 

der Form der Vernachlässigung in Bezug auf konkrete Fälle. So ergibt sich insbesondere aus 

den Urteilen des Bundesgerichts 6B_811/2018 vom 25. Februar 2019, 6B_482/2015 vom 

20. August 2015, 6B_635/2012 vom 14. März 2013 und 6B_653/2011 vom 30. Januar 2012 

zusammengefasst die Praxis, dass zur Erfüllung des Tatbestands nicht nur die Verletzung einer 

Norm in der Tierschutzgesetzgebung sowie eine blosse Gefährdung des betroffenen Tieres in 

seinem Wohlergehen von Nöten ist, sondern im Sinne eines Erfolgsdelikts dieses Tier tatsäch-

lich in seinem Wohlergehen beeinträchtigt sein muss, womit Schmerzen, Leiden, Schäden oder 

Angst einherzugehen haben. Dabei bildet Kriterium zur Annahme einer solchen Beeinträchti-

gung insbesondere das Krankheitsbild (vgl. BGer 6B_811/2018 vom 25. Februar 2019 E. 5.1, 

6B_482/2015 vom 20. August 2015 E. 2.2, 6B_635/2012 vom 14. März 2013 E. 3.2 und 

6B_653/2011 vom 30. Januar 2012 E. 3.3), worauf in casu auch die Vorderrichterin in Erw. 

II.5.3.2 lit. a auf S. 17 des angefochtenen Urteils zutreffend hinweist. Der Eintritt dieses Erfolgs 

muss mithin belegt sein, damit ein Schuldspruch in Frage kommt. So reicht etwa, um Beispiele 

aus der Praxis zu nennen, das Vorhandensein von Kotrollen nicht aus; vielmehr braucht es zu-

sätzlich Hautreizungen oder Ekzeme (vgl. BGer 6B_635/2012 vom 14. März 2013 E. 3.5). 

Ebenso wenig kann Tierquälerei angenommen werden, wenn in einem Ziegengehege ein un-

genügender Windschutz besteht. Ein solcher Zustand ist zwar "sicher nicht optimal"; gleichwohl 

liegt keine Tierquälerei vor, solange nicht nachgewiesen ist, dass die Tiere unter der Kälte in 

Form eines Kältestresses tatsächlich gelitten haben (vgl. BGer 6B_811/2018 vom 25. Februar 

2019 E. 7.3.2). Schliesslich müssen zusätzlich zu einer Beeinträchtigung mit Krankheitswert 

Bestimmungen über die Tierhaltung in derart qualifizierter Weise verletzt worden sein, dass 

damit zugleich eine Missachtung der Würde des Tieres vorliegt (vgl. BGer 6B_811/2018 vom 

25. Februar 2019 E. 7.3.2), was die Beschuldigte (vgl. S. 7 der Berufungserklärung vom 4. Ja-

nuar 2024) ebenso zu Recht geltend macht. Demgegenüber gehen alle anderen Verletzungen 

von Bestimmungen über die Tierhaltung nicht über den Tatbestand von Art. 28 Abs. 1 lit. a 

TSchG hinaus und sind damit i.S.v. Art. 26 TSchG nicht relevant. In dieser Hinsicht sollte gera-

de auch mit Blick auf die Realitäten in der Landwirtschaft bei der Beachtung der unzähligen 

Vorschriften durch die Tierhalterinnen und Tierhalter eine Überdehnung des Straftatbestandes 

von Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG vermieden werden. Eine permanente Prüfung des Wohlerge-

 
 
 

 
 
Seite 21   

hens sämtlicher Tiere zu jedem beliebigen Zeitpunkt und zudem unter Ergreifung aller nur 

denkbaren Massnahmen kann von jenen vernünftigerweise nicht gefordert werden. 

 

d) Was zu guter Letzt neben dem objektiven Tatbestand den subjektiven Tatbestand be-

trifft, so begeht vorsätzlich ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen und Willen 

ausführt oder wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 

Sätze 1 und 2 des Schweizerischen Strafgesetzbuches vom 21. Dezember 1937 [StGB; SR 

311.0]). Eventualvorsatz ist gegeben, wenn die Täterin die Tatbestandsverwirklichung für mög-

lich hält, aber dennoch handelt, weil sie den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, 

sich mit ihm abfindet, mag er ihr auch unerwünscht sein. Die Abgrenzung zwischen Eventual-

vorsatz und bewusster Fahrlässigkeit kann im Einzelfall schwierig sein. Sowohl die eventualvor-

sätzlich als auch die bewusst fahrlässig handelnde Täterin wissen um die Möglichkeit des Er-

folgseintritts beziehungsweise um das Risiko der Tatbestandsverwirklichung. Hinsichtlich der 

Wissensseite stimmen somit beide Erscheinungsformen des subjektiven Tatbestands überein. 

Unterschiede bestehen jedoch beim Willensmoment. Die bewusst fahrlässig handelnde Täterin 

vertraut (aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit) darauf, dass der von ihr als möglich vorausgese-

hene Erfolg nicht eintreten, das Risiko der Tatbestandserfüllung sich mithin nicht verwirklichen 

werde. Demgegenüber nimmt die eventualvorsätzlich handelnde Täterin den Eintritt des als 

möglich erkannten Erfolgs ernst, rechnet mit ihm und findet sich mit ihm ab. Wer den Erfolg 

dergestalt in Kauf nimmt, "will" ihn im Sinne von Art. 12 Abs. 2 StGB. Nicht erforderlich ist, dass 

die Täterin den Erfolg "billigt". Ob die Täterin die Tatbestandsverwirklichung in diesem Sinne in 

Kauf genommen hat, muss das Gericht – bei Fehlen eines Geständnisses der Beschuldigten – 

aufgrund der Umstände entscheiden. Dazu gehören die Grösse des der Täterin bekannten Ri-

sikos der Tatbestandsverwirklichung, die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweg-

gründe der Täterin und die Art der Tathandlung. Je grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbe-

standsverwirklichung ist und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto näher liegt 

die Schlussfolgerung, die Täterin habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen. Das 

Gericht darf vom Wissen der Täterin auf den Willen schliessen, wenn sich der Täterin der Ein-

tritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzu-

nehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann. Eventual-

vorsatz kann indessen auch vorliegen, wenn der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolgs nicht 

in diesem Sinne sehr wahrscheinlich, sondern bloss möglich war. Doch darf nicht allein aus 

dem Wissen der Täterin um die Möglichkeit des Erfolgseintritts auf dessen Inkaufnahme ge-

 
 
 

 
 
Seite 22   

schlossen werden. Vielmehr müssen weitere Umstände hinzukommen (vgl. BGE 137 IV 1 

E. 4.2.3 mit Hinweis; BGE 133 IV 9 E. 4.1 mit Hinweisen u.a. auf BGE 96 IV 99; 125 IV 242 E. 

3c, f; 130 IV 58 E. 8.3 f.; 131 IV 1 E. 2.2). 

 

1.5.2.3 Auf den vorliegenden Fall bezogen stellt sich die Rechtslage wie folgt dar: 

 

a) In Berücksichtigung des vorstehend in Erw. 1.5.1.3 lit. a festgestellten Sachverhalts 

steht zunächst ausser Frage, dass sich die Kuh "B.____" bei Eintreffen des Tierarztes 

Dr.F.____ und der beiden Kontrollpersonen des Veterinärdienstes des Kantons E.____, H.____ 

und I.____, in einer unbehaglichen Situation befand.  

 

b) Über diese blosse Tatsache hinaus ist aber – entgegen der Auffassung der Staatsan-

waltschaft (vgl. S. 4 der Berufungsantwort vom 30. Januar 2024) – kein Erfolgseintritt dergestalt 

nachgewiesen, dass die Kuh "B.____" unter Schmerzen, einem Leiden, Schäden oder Ängsten 

mit Krankheitswert litt, welche überdies durch ein qualifiziert pflichtwidriges Handeln bzw. Unter-

lassen seitens der Beschuldigten hervorgerufen worden waren: 

 

ba) So geht selbst aus dem angefochtenen Urteil der Vorderrichterin in Erw. II.5.3.2 lit. c 

auf S. 17 nirgends hervor, inwiefern ein solcher Erfolgseintritt vorgelegen haben soll. Der Eintritt 

eines Erfolgs, wie er zu den objektiven Tatbestandsmerkmalen der Tierquälerei gemäss Art. 26 

Abs. 1 lit. a TSchG gehört, ist denn auch angesichts der Beweislage in keiner Weise nachge-

wiesen. Zutreffend führt in diesem Zusammenhang die Beschuldigte ins Feld, die Vorinstanz 

schliesse ohne weitere Begründung von einem langen Liegen an der Sonne auf eine tatsächli-

che Beeinträchtigung des Wohlergehens der Kuh (vgl. S. 8 der Berufungserklärung vom 4. Ja-

nuar 2024) und halte in ihrem Urteil nirgends fest, der Erfolg der Vernachlässigung sei durch 

das Aussetzen der Hitze eingetreten (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 13, unter 

Hinweis auf das schriftlich eingereichte Plädoyer, S. 3). Ebenso trifft der Einwand der Beschul-

digten (vgl. S. 8 der Berufungserklärung vom 4. Januar 2024) zu, wonach in casu das Kriterium 

eines Krankheitsbildes wie beispielsweise ein Hitzeschlag oder sonstige Folgen von Überhit-

zung nicht erstellt sei. 

 

bb) Das vorinstanzliche Urteil legt der Beschuldigten insofern auch keine Verursachung für 

einen allfälligen Erfolgseintritt zur Last, sondern geht einerseits von einer ungeklärten Ursache 

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Seite 23   

für den schlechten Gesundheitszustand der Kuh "B.____" aus (vgl. Erw. II.5.3.1 auf S. 12 f. des 

angefochtenen Urteils) und beschränkt sich andererseits darauf, der Beschuldigten einen 

Verstoss gegen Bestimmungen über die Tierhaltung zur Last zu legen, welcher darin bestanden 

haben soll, dass die Beschuldigte ihrem Tier nicht den notwendigen Schutz vor der Sonne ge-

boten habe (vgl. Erw. II.5.3.2 lit. b/c auf S. 17 f. des angefochtenen Urteils). Dass es diese 

Pflichtverletzungen gewesen sein sollen, welche zu einem Erfolgseintritt bei der Kuh "B.____" 

geführt haben, legt die Vorinstanz hingegen, wie bereits ausgeführt, nicht dar, was die Beschul-

digte auf S. 8 ihrer Berufungserklärung vom 4. Januar 2024 wiederum zu Recht kritisiert. Doch 

selbst wenn von einem Leiden der Kuh "B.____" aufgrund von Schmerzen auszugehen wäre, 

so könnte der Beschuldigten ebenso wenig der Vorwurf gemacht werden, dass dieser Erfolg mit 

ihrem Verhalten in einem kausalen Zusammenhang steht. Denn der sicherlich missliche Zu-

stand, in welchem sich das Tier aufgrund des Festliegens an der prallen Sonne befand, ist 

vielmehr in erster Linie mit dem im relevanten Zeitpunkt stattgefundenen natürlichen Vorgang 

der in casu schweren Geburt in Verbindung zu bringen, ohne dass die Beschuldigte darauf ei-

nen irgendwie gearteten Einfluss gehabt haben konnte. Bereits für die Entstehung der vorge-

nannten Situation der Kuh trägt die Beschuldigte daher keinerlei Verantwortung. Denn es ist 

gestützt auf deren glaubhaften Angaben (vgl. nur Einvernahme vom 17. Januar 2023, 

act. 379 ff.; Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 9 f.), welche nicht widerlegt werden 

können, davon auszugehen, dass die Beschuldigte das Tier schon drei Tage vor dem Kalbern 

von der übrigen Herde separiert hatte. Dabei befand sich die Kuh zunächst oberhalb der Weide 

und hat sich anschliessend offenbar selbstständig, geleitet durch ihre natürlichen Instinkte, am 

fraglichen Ort niedergelassen, um zu kalbern, obwohl ihr die Beschuldigte auch für die Geburt 

einen permanenten Zugang zum Stall ermöglicht hatte. Damit wurde die Beschuldigte unvermit-

telt vor vollendete Tatsachen gestellt, welche sie nicht vorhersehen konnte (so die Beschuldigte 

zutreffend auf S. 6 der Berufungserklärung vom 4. Januar 2024). Es kommt hinzu, dass die Be-

schuldigte nach Realisierung dieses Umstandes nicht völlig passiv geblieben ist, sondern 

nachweislich substanzielle Massnahmen zum Wohl ihrer Kuh "B.____" ergriffen hat, welche ihr 

auch die Vorinstanz zugutegehalten hat (vgl. dazu nachfolgend Erw. III.1.5.2.3 lit. c). Jedenfalls 

ist an dieser Stelle festzuhalten, dass selbst bei einer Bejahung eines Erfolgseintritts der Tatbe-

stand der Tierquälerei gemäss Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG mangels entsprechenden damit kau-

sal zusammenhängenden Verhaltens im Sinne einer Tathandlung der Beschuldigten ausser 

Betracht fällt. 

 

 
 
 

 
 
Seite 24   

c) Da von Vornherein kein Raum für die Annahme des Tatbestands von Art. 26 Abs. 1 lit. 

a TSchG besteht, verbleibt die Prüfung, ob der Beschuldigten allenfalls mit dem Vorwurf eines 

ungenügenden Schutzes vor der Sonne eine Widerhandlung nach Art. 28 Abs. 1 lit. a TSchG 

zur Last gelegt werden kann. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz (vgl. Erw. II.5.3.2 lit. b 

auf S. 17 des angefochtenen Urteils) liegt aber nicht einmal ein Verstoss gegen Art. 3 Abs. 1 

TSchV, Art. 6 TSchV oder Art. 36 Abs. 1 TSchV vor: 

 

ca) Die tatsächlichen Feststellungen haben ergeben, dass die Beschuldigte die Kuh 

"B.____", welche an der prallen Sonne festlag, in regelmässigen Abständen mit Wasser abge-

spritzt hat, um sie zu kühlen, wobei sie bereits am früheren Vormittag per E-Mail einen Tierarzt 

hatte herbeirufen lassen. Demgegenüber verzichtete die Beschuldigte auf das Ergreifen ande-

rer bzw. weiterer Massnahmen zur Kühlung der Kuh "B.____", wie zum Beispiel das Aufstellen 

eines Sonnenschirms oder das Bespannen eines Tuches, da sie weder über das entsprechen-

de Material verfügte noch die Kuh – zum Besorgen von Material bzw. Hilfe von Drittpersonen – 

über eine Stunde allein lassen wollte und sich überdies praktische Schwierigkeiten beim Befes-

tigen derartigen Materials ergeben hätten (vgl. vorstehend Erw. 1.5.1.3 lit. a und b). Die Vo-

rinstanz hat der Beschuldigten denn auch zugestanden, sie habe wenigstens "versucht", die 

Kuh zu kühlen (vgl. Erw. II.5.3.2 lit. c auf S. 17 des angefochtenen Urteils).  

 

cb) Anders als nach Überzeugung der Vorderrichterin (vgl. angefochtenes Urteil a.a.O.) 

kann der Beschuldigten angesichts des oben beschriebenen Verhaltens aber nicht vorgeworfen 

werden, sie habe gegen Bestimmungen über die Tierhaltung verstossen, da ihr Vorgehen "bei 

Weitem keinen ausreichenden Schutz" dargestellt habe. Denn auch wenn es sich bei Kühen um 

hitzeempfindliche Tiere handelt – was die Beschuldigte auf S. 10 der Berufungserklärung vom 

4. Januar 2024 ohne Umschweife einräumt –, ist zunächst Art. 36 Abs. 1 TSchV, auf welchen 

sich die Vorinstanz stützt, in casu gar nicht anwendbar, da einerseits vorliegend die betroffene 

Kuh aufgrund des permanenten Zugangs zum Stall nicht zu Tieren gehört, welche "dauernd" im 

Freien gehalten werden. Andererseits erscheint ohnehin höchst fraglich, ob Temperaturen von 

28 Grad Celsius an einem Julitag hierzulande als "extreme Witterung" qualifiziert werden kön-

nen. Notorischerweise ziehen sich Tiere der Rindergattung, zu welcher die Kuh "B.____" zu 

zählen ist, erst ab einer Temperatur von über 30 Grad Celsius in den Schatten zurück, woraus 

zu schliessen ist, dass eine darunter liegende Temperatur keinesfalls zu einer erheblichen Be-

lastung des Tieres führt. Des Weiteren kann der Beschuldigten ebenso wenig vorgeworfen wer-

 
 
 

 
 
Seite 25   

den, nicht für den notwendigen Schutz gemäss Art. 6 Abs. 1 TSchV gesorgt zu haben bzw. die 

Kuh "B.____" nicht gemäss Art. 3 Abs. 1 TSchV so gehalten zu haben sowie mit ihr umgegan-

gen zu sein, dass ihre Körperfunktionen und ihr Verhalten nicht gestört werden und ihre Anpas-

sungsfähigkeit nicht überfordert wird. Denn aus den genannten Bestimmungen ergibt sich – 

entgegen der Auffassung der Staatsanwaltschaft (vgl. S. 4 der Berufungsantwort vom 30. Janu-

ar 2024) – weder explizit noch implizit, dass das Abkühlen eines Tieres mit Wasser nicht ge-

nügt, sondern zusätzliche Massnahmen wie das Aufstellen eines Sonnenschirms oder Segels 

erforderlich sein sollen, was die Beschuldigte wiederum völlig zu Recht einwendet (vgl. S. 8 f. 

der Berufungserklärung vom 4. Januar 2024). Insbesondere wird in Art. 6 Abs. 1 TSchV nicht 

festgehalten, wie der erforderliche Schutz – anstelle eines Abkühlens mit Wasser – konkret 

ausgestaltet zu sein hat (so wiederum zutreffend die Beschuldigte in Prot. Hauptverhandlung 

Kantonsgericht, S. 13, unter Hinweis auf das schriftlich eingereichte Plädoyer, S. 3). Damit fal-

len irgendwelche Zuwiderhandlungen nach den vorgenannten Bestimmungen, welche als Über-

tretung gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. a TSchG einzustufen wären, ebenso ausser Betracht. 

 

cc) Anstatt der Beschuldigten somit vorzuwerfen, sie habe nicht für einen genügenden 

Schutz der Kuh "B.____" gesorgt, ist ihr vielmehr zuzugestehen, überhaupt reagiert zu haben, 

um das Tier vor einer Überhitzung zu schützen (so richtig die Beschuldigte auf S. 8 der Beru-

fungserklärung vom 4. Januar 2024). Es ist mit Blick auf die tatsächlichen Feststellungen vor-

stehend in Erw. III.1.5.1.3 lit. b zu konstatieren, dass die Beschuldigte dabei alle notwendigen, 

praktikablen sowie ihr sachlich und zeitlich zumutbaren Massnahmen ergriffen hat, welche auf-

grund der konkreten Umstände zur Verfügung standen. Nachvollziehbar hat die Beschuldigte 

die Gründe dargelegt, welche sie daran gehindert haben, ausserhalb ihrer Reichweite einen 

Sonnenschutz zu kaufen oder bei Drittpersonen wie anderen Landwirten oder Bauarbeitern um 

Hilfe zu bitten. Der Vorwurf der Vorinstanz, wonach Wasser "bei Weitem keinen genügenden 

Schutz" geboten hätte (vgl. Erw. II.5.3.2 lit. c auf S. 17 des angefochtenen Urteils), bleibt voll-

ends unbegründet und ist ohnehin mit Blick auf den ebenso zutreffenden Hinweis der Beschul-

digten auf die allgemein bekannte Tatsache, dass im Gegenteil Wasser gerade besser kühlt als 

blosser Schatten (vgl. S. 6 der Berufungserklärung vom 4. Januar 2024 sowie Prot. Hauptver-

handlung Kantonsgericht, S. 13, unter Hinweis auf das schriftlich eingereichte Plädoyer, S. 3), 

nicht zu hören. Im Übrigen lässt sich eine Eignung dieser Massnahme zur Abkühlung von Tie-

ren auch dem von der Beschuldigten eingereichten Beitrag der Landwirtschaftskammer Oberös-

terreich vom 12. Mai 2021 mit dem Titel "Kühlung mit Wasser – Wo einsetzen" entnehmen, wird 

 
 
 

 
 
Seite 26   

doch darin festgehalten, dass die grosstropfige Beregnung (grosse Tropfen, Gartenschlauch) 

einfach und kostengünstig sei. Ziel sei es, die Kühe komplett zu durchnässen. Dabei wird eine 

solche Beregnung nur bei stabilem Sommerwetter mit Temperaturen über 25 Grad Celsius 

empfohlen, ansonsten unter anderem Erkältungen drohten (vgl. Beilage 8 zur Berufungserklä-

rung vom 4. Januar 2024). Zu einer über das Abkühlen mit Wasser hinausgehenden Ergreifung 

eines Maximums an Massnahmen war die Beschuldigte hingegen in casu nicht verpflichtet. Wie 

vorstehend ausgeführt, ist die nachträglich an die Beschuldigte gestellte Forderung, zusätzlich 

Blachen, Tücher oder einen Sonnenschirm aufzustellen, nicht nur an keiner Stelle gesetzlich 

normiert. Sie erscheint auch mit Blick auf die fehlende Praktikabilität als unzumutbar, ja gerade-

zu absurd. Es sind nicht zuletzt auch die Realitäten, in denen sich die Bauern vernünftigerweise 

bei der Verrichtung ihrer Arbeiten bewegen, zu berücksichtigen, und daher ist diesen auch ein 

substanzielles Ermessen bei der funktionalen Ausübung ihrer Tätigkeit einzuräumen (vgl. be-

reits vorstehend Erw. III.1.5.2.2 lit. c).  

 

cd) Somit ist der Beschuldigten (vgl. S. 8 der Berufungserklärung vom 4. Januar 2024) 

darin beizupflichten, dass ihr keinerlei Missachtung der Vorschriften über die Tierhaltung wie 

insbesondere Art. 6 Abs. 1 TSchV oder Art. 36 TSchV vorgeworfen werden kann, weshalb auch 

ein allfälliger Schuldspruch gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. a TSchG ausser Betracht fällt. Um wieder 

kurz auf den Tatbestand der Tierquälerei gemäss Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG zurückzukommen, 

kann der Beschuldigten damit umso weniger eine Pflichtverletzung von einer gewisser Schwere 

angelastet werden (vgl. vorstehend Erw. III.1.5.2.2 lit. c und III.1.5.2.3 lit. bb). 

 

d) Nachdem bereits der objektive Tatbestand der Tierquälerei gemäss Art. 26 Abs. 1 lit. a 

TSchG wie auch der Widerhandlung gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. a TSchG zu verneinen ist, muss 

dies umso mehr für den subjektiven Tatbestand (vgl. dazu vorstehend Erw. 1.5.2.2 lit. d) gelten, 

dessen Vorhandensein die Beschuldigte im Sinne einer Eventualbegründung zu Recht bestrei-

tet (vgl. S. 9 der Berufungserklärung vom 4. Januar 2024). Denn selbst wenn objektiv von ei-

nem der beiden Tatbestände auszugehen wäre, so könnte dem Vorwurf der Vorinstanz, wo-

nach die Beschuldigte eine Vernachlässigung der Kuh "B.____" zumindest in Kauf genommen 

habe, weshalb ihr ein eventualvorsätzliches Handeln anzulasten sei (vgl. Erw. II.5.3.2 lit. c auf 

S. 17 f. des angefochtenen Urteils), keinesfalls gefolgt werden. Dies ergibt sich alleine schon 

aus dem Umstand, dass die Beschuldigte nach Erkennen der Situation, in welcher sich die Kuh 

befand, entsprechende Massnahmen ergriffen und diese nicht einfach ihrem Schicksal überlas-

 
 
 

 
 
Seite 27   

sen hat, worauf die Beschuldigte auf S. 10 der Berufungserklärung vom 4. Januar 2024 zutref-

fend hinweist. Der Beschuldigten war der kritische Zustand ihrer Kuh durchaus bewusst; sie hat 

aber aus ihrer persönlichen Sicht alles in ihrer Macht Stehende getan, damit es jener wieder gut 

geht, wie sich eindrücklich aus ihren Depositionen anlässlich ihrer Einvernahme vom 13. Januar 

2023 (act. 383, 387) wie zuletzt auch vor Kantonsgericht (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantons-

gericht, S. 9 f.) ergibt, und worauf die Beschuldigte auf S. 9 f. der Berufungserklärung vom 

4. Januar 2024 berechtigterweise hinweist. Ebenso nachvollziehbar hat die Beschuldigte erklärt, 

sie habe sich beim Überschütten der Kuh mit kaltem Wasser erhofft, dass diese aufschrecke 

und aufstehe (vgl. Einvernahme vom 13. Januar 2023, act. 381; Prot. Hauptverhandlung Straf-

gericht, S. 15, act. 645; Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 13), was klar gegen eine 

Inkaufnahme von Schäden beim Tier oder überhaupt nur eines ungenügenden Schutzes vor 

der Sonne spricht. Dabei zeigen insbesondere die Fotos im Rapport der Kantonspolizei E.____ 

vom 29. November 2021 (act. 127-131) mit dem darauf gut erkennbaren feuchten Boden im 

Bereich um die Kuh herum eindrücklich auf, dass diese mit reichlich Wasser abgespritzt worden 

sein muss. Dass der Beschuldigten das Wohlergehen ihrer Tiere ganz allgemein und im Be-

sonderen auch ihrer Leitkuh "B.____" am Herzen lag, hat ihr sodann nicht nur die Vorinstanz 

(vgl. Erw. II.5.3.2 lit. c auf S. 17 des angefochtenen Urteils) zugutegehalten. Dieser Umstand 

erschliesst sich ebenso klar aus den Akten (vgl. Prot. Hauptverhandlung Strafgericht, S. 13 und 

S. 18 f., act. 641 und 651 f.) wie auch aus dem persönlichen Eindruck der Beschuldigten, wel-

chen diese vor Strafgericht und Kantonsgericht (vgl. nur Prot. Hauptverhandlung Kantonsge-

richt, S. 14) hinterlassen hat. Auf diesen Umstand weist die Beschuldigte wiederum zutreffend 

in Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 13, unter Hinweis auf das schriftlich eingereichte 

Plädoyer, S. 4 f., hin. Allfällige sonstige Umstände, welche zum Wissen der Beschuldigten um 

die Situation hinzukommen, um auf einen Willen im Sinne der Inkaufnahme eines Erfolgsein-

tritts oder einer Normverletzung zu schliessen, sind weder ersichtlich noch werden solche sei-

tens der Vorinstanz aufgeführt, was die Beschuldigte (vgl. S. 10 der Berufungserklärung vom 

4. Januar 2024) ebenso zu Recht rügt. Wäre der objektive Tatbestand tatsächlich zu bejahen 

gewesen wäre, so könnte der Beschuldigten in subjektiver Hinsicht allerhöchstens eine bewuss-

te Fahrlässigkeit, d.h. eine Widerhandlung gemäss Art. 26 Abs. 2 TSchG resp. Art. 28 Abs. 2 

TSchG, vorgeworfen werden, mit der Begründung, sie hätte zwar erkannt, dass sich die Kuh in 

einem kritischen Zustand befand, dabei aber gleichwohl darauf vertraut, dass durch ihre Mass-

nahme, dem Kühlen mit Wasser, ergänzt durch das Herbeirufen eines Tierarztes, kein Erfolg 

eintreten würde (so auch die Beschuldigte auf S. 10 der Berufungserklärung vom 4. Januar 

 
 
 

 
 
Seite 28   

2024 und in Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 13, unter Hinweis auf das schriftlich 

eingereichte Plädoyer, S. 4 f.) oder zumindest keine Vorschrift zur Tierhaltung verletzt würde. 

Eine fahrlässige Begehungsweise ist jedoch im Sachverhalt gemäss Anklage nicht umschrie-

ben, weshalb sich in Beachtung des Anklageprinzips gemäss Art. 9 StPO und Art. 325 StPO 

eine Prüfung dieser Tatbestandsvariante ohnehin verbietet, worauf die Beschuldigte wiederum 

korrekt hinweist (vgl. S. 11 der Berufungserklärung vom 4. Januar 2024). 

 

e) Aus den vorstehenden Ausführungen erhellt, dass der Beschuldigten in strafrechtlicher 

Hinsicht keinerlei Vorwurf gemacht werden kann, da der Tatbestand der Tierquälerei gemäss 

Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG weder in objektiver noch in subjektiver Hinsicht erfüllt ist und selbst 

der Auffangtatbestand gemäss Art. 28 Abs. 1 TSchG mangels Missachtung jedwelcher Vor-

schrift über die Tierhaltung nicht greift. Somit erweist sich die Berufung der Beschuldigten als 

begründet, weshalb sie gutzuheissen ist. Als Konsequenz davon hat daher abweichend zum 

vorinstanzlichen Urteil ein Freispruch von der Anklage der Tierquälerei und damit ein vollum-

fänglicher Freispruch von Schuld und Strafe zu erfolgen. Dispositiv-Ziffer 1 des angefochtenen 

Urteils ist dementsprechend abzuändern und Dispositiv-Ziffer 2 des angefochtenen Urteils auf-

zuheben. 

 

2. Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens 

2.1 Ordentliche Kosten 

2.1.1 Die Strafgerichtspräsidentin legte die Verfahrenskosten auf Fr. 5'360.00, bestehend 

aus den Kosten des Vorverfahrens von Fr. 3'360.00 und einer pauschalen Gerichtsgebühr von 

Fr. 2'000.00, fest. Der Beschuldigten wurde in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO 1/8 der 

Verfahrenskosten auferlegt, währenddem 7/8 der Verfahrenskosten zu Lasten des Staates gin-

gen (vgl. Erw. IV.1 auf S. 22 sowie Dispositiv-Ziffer 3 des angefochtenen Urteils). 

 

2.1.2 Die Beschuldigte macht demgegenüber geltend, entsprechend dem Ausgang des Ver-

fahrens seien die erstinstanzlichen Kosten durch die Rechtsmittelinstanz neu, d.h. zu Lasten 

der Staatskasse, zu verlegen (vgl. S. 11 der Berufungserklärung vom 4. Januar 2024 sowie 

Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 13, unter Hinweis auf das schriftlich eingereichte 

Plädoyer, S. 5), wohingegen die Anklagebehörde wiederum eine Bestätigung des strafgerichtli-

chen Entscheids beantragt (vgl. S. 1 der Berufungsantwort vom 30. Januar 2024). 

 

 
 
 

 
 
Seite 29   

2.1.3 Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie darin auch 

über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO). 

 

Nachdem das Kantonsgericht das vorinstanzliche Urteil dahingehend abändert, dass die Be-

schuldigte nicht nur teilweise, sondern vollumfänglich von der Anklage freigesprochen wird, ist 

auch der vorinstanzliche Kostenentscheid zu korrigieren. In Anwendung von Art. 426 Abs. 1 

Satz 1 StGB e contrario trägt die Beschuldigte keinerlei Verfahrenskosten, sondern diese gehen 

vollständig zu Lasten des Staates. Aus diesem Grund wird auch die vorinstanzliche Dispositiv-

Ziffer 3 in Gutheissung der Berufung der Beschuldigten entsprechend abgeändert. 

 

2.2 Ausserordentliche Kosten 

2.2.1 Des Weiteren wurde mit Urteil der Vorderrichterin betreffend die Kosten des Wahlver-

teidigers von A.____, Rechtsanwalt Sandro Spiess, in Höhe von Fr. 12'916.15 (inklusive Haupt-

verhandlung, Weg, Auslagen und 7.7% Mehrwertsteuer sowie unter Kürzung des Stundenan-

satzes auf Fr. 230.00) entschieden, dass diese in Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO zu 

7/8 der Staatskasse auferlegt werden, währenddem die Beschuldigte 1/7 dieser Kosten selbst 

zu tragen hat (vgl. Erw. IV.2 auf S. 23 sowie Dispositiv-Ziffer 4 des angefochtenen Urteils). 

 

2.2.2 Hinsichtlich der Anträge der Parteien wird auf Erw. III.2.1.2 vorstehend verwiesen. 

 

2.2.3 In Bezug auf die ausserordentlichen Kosten der ersten Instanz gilt Art. 428 Abs. 3 

StPO gleichermassen. Angesichts des vollumfänglichen Freispruchs der Beschuldigten gehen 

auch die obgenannten Kosten des Wahlverteidigers gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO ge-

samthaft zu Lasten des Staates. Damit wird in Gutheissung der Berufung der Beschuldigten 

ebenso Dispositiv-Ziffer 4 des angefochtenen Urteils entsprechend abgeändert. 

 

 

IV. Kosten des Kantonsgerichts 

1. Ordentliche Kosten  

Gemäss Art. 428 Abs. 1 Satz 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfah-

rens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Entsprechend dem Ausgang des vor-

liegenden Verfahrens, mithin der vollumfänglichen Gutheissung der Berufung der Beschuldig-

ten, gehen die ordentlichen Verfahrenskosten des Kantonsgerichts, welche für den vorliegen-

 
 
 

 
 
Seite 30   

den Fall gestützt auf § 3 Abs. 1 und 6 sowie § 12 Abs. 1 der kantonalen Verordnung über die 

Gebühren der Gerichte vom 15. November 2010 (Gebührentarif, GebT; SGS 170.31) auf eine 

Gerichtsgebühr von Fr. 4'500.00 zuzüglich Auslagen von CHF 250.00, somit insgesamt 

Fr. 4'750.00, festgelegt werden, zu Lasten des Staates. 

 

2. Ausserordentliche Kosten 

2.1 Die Beschuldigte begehrt, es sei ihr auch für das zweitinstanzliche Verfahren eine Par-

teientschädigung zu Lasten des Staates zuzusprechen (vgl. S. 11 der Berufungserklärung vom 

4. Januar 2024 sowie Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 13, unter Hinweis auf das 

schriftlich eingereichte Plädoyer, S. 5). 

 

2.2.1 Laut Art. 436 Abs. 1 StPO richten sich Ansprüche auf Entschädigung und Genugtuung 

im Rechtsmittelverfahren nach den Artikeln 429 bis 434 StPO. Diesen Bestimmungen ist zwar 

keine Regelung i.S.v. Art. 428 Abs. 1 StPO zu entnehmen, dessen ungeachtet hat sich indes 

auch der Anspruch auf Entschädigung im Rechtsmittelverfahren nach Massgabe des Obsie-

gens oder Unterliegens zu richten (vgl. STEFAN WEHRENBERG/FRIEDRICH FRANK, Basler Kom-

mentar StPO, 3. Aufl. 2023, Art. 436 N 6; DANIEL JOSITSCH/NIKLAUS SCHMID, Praxiskommentar 

StPO, 4. Aufl. 2023, Art. 436 N 1).  

 

2.2.2 In Anbetracht der vollumfänglichen Gutheissung der Berufung der Beschuldigten steht 

dieser fraglos ein Anspruch auf Entschädigung im Rechtsmittelverfahren zu. 

 

2.2.3 Was die konkrete Höhe dieser Parteientschädigung betrifft, so weist der Wahlverteidiger 

der Beschuldigten, Advokat Sandro Spiess, auf seiner Kostennote vom 24. Juni 2024 für Be-

mühungen im Jahr 2023 einen Aufwand von 8.83 Stunden zu je Fr. 230.00 und Auslagen von 

Fr. 9.60 zuzüglich 7.7% Mehrwertsteuer (= Fr. 157.10), somit insgesamt Fr. 2'197.60, sowie für 

Bemühungen im Jahr 2024 einen Aufwand von 6.97 Stunden zu je Fr. 230.00 und Auslagen 

von Fr. 169.50 zuzüglich 8.1% Mehrwertsteuer (= Fr. 143.60), somit insgesamt Fr. 1'916.20, 

und damit insgesamt Fr. 4'113.80 aus, wobei in dieser Honorarnote der Zeitaufwand wie auch 

die Parkplatzgebühren für die Teilnahme an der Berufungsverhandlung noch nicht berücksich-

tigt sind.  

 

 
 
 

 
 
Seite 31   

Die Höhe der Parteientschädigung richtet sich nach den kantonalen Anwaltstarifen. Die Kosten 

der Vertretung müssen in einem vernünftigen Verhältnis zur Komplexität des Falles und zur 

Wichtigkeit der Sache stehen. Unnötige und übersetzte Kosten sind nicht zu ersetzen (STEFAN 

WEHRENBERG/FRIEDRICH FRANK, a.a.O., Art. 429, N 15 f.). Analog zur amtlichen Verteidigung 

sind alle angemessenen Aufwendungen zur wirkungsvollen Ausübung des Mandats zu ent-

schädigen, wobei dies nur jene Bemühungen umfasst, die in kausalem Zusammenhang mit der 

Wahrung der Rechte im Strafverfahren stehen und die verhältnismässig und notwendig sind 

(NIKLAUS RUCKSTUHL, Basler Kommentar StPO, 3. Aufl. 2023, Art. 135 N 3; VIKTOR LIEBER, Zür-

cher Kommentar StPO, 3. Aufl. 2020, Art. 135 N 6). Gemäss § 2 und 3 der kantonalen Tariford-

nung für die Anwältinnen und Anwälte vom 17. November 2003 (TO; SGS 178.112) bestimmt 

sich die Parteientschädigung im Strafverfahren nach dem Zeitaufwand, wobei je nach Schwie-

rigkeit und Bedeutung der Sache, der damit verbundenen Verantwortung sowie der persönli-

chen und finanziellen Verhältnisse der vertretenen Person ein Honorar von Fr. 200.00 bis 

Fr. 350.00 pro Stunde zu entrichten ist. 

 

Mit Blick auf die Honorarnote von Advokat Sandro Spiess sind zunächst sowohl der darin auf-

geführte Stundenaufwand als auch der Stundenansatz von Fr. 230.00 wie ebenso die Höhe der 

Auslagen nicht zu beanstanden. Hinzu kommen der Aufwand des Wahlverteidigers für die Teil-

nahme an der Hauptverhandlung vor Kantonsgericht von 3 Stunden, die hierfür erforderliche 

Wegzeit von zweimal 0.75 Stunden und damit 1.5 Stunden sowie der Aufwand für die Nachbe-

sprechung (anstelle der in der Kostennote provisorisch vermerkten Vorbesprechung) von 0.34 

Stunden, womit sich der Aufwand für das Jahr 2024 auf 11.81 Stunden erhöht. Was schliesslich 

die noch offene Spesenposition für Parkplatzgebühren betrifft, so ist hierfür ein Aufwand von 

Fr. 3.00 einzusetzen, wodurch sich die Spesen für das Jahr 2024 auf Fr. 172.50 belaufen. 

Schliesslich erhöht sich angesichts dessen die ausgewiesene Mehrwertsteuer von 8.1% für das 

Jahr 2024 auf einen Betrag von Fr. 234.00. 

 

2.2.4 Der Beschuldigten wird somit für das Berufungsverfahren eine Parteientschädigung in 

der Höhe von Fr. 2'040.50 (inkl. Auslagen) zuzüglich 7.7% Mehrwertsteuer (= Fr. 157.10) sowie 

Fr. 2'888.80 (inkl. Auslagen) zuzüglich 8.1% Mehrwertsteuer (= Fr. 234.00), somit insgesamt 

Fr. 5'320.40, zu Lasten der Staatskasse ausgerichtet. 

  

 
 
 

 
 
Seite 32   

Demnach wird erkannt: 

 

://: I. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Landschaft vom 

20. Oktober 2023, auszugsweise lautend: 

 

"1. A.____ wird der Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz 

schuldig gesprochen und verurteilt zu einer 

 

 bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 

Fr. 30.00,  

  bei einer Probezeit von 2 Jahren, 

 

 in Anwendung von Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG (i.V.m. Art. 3 

Abs. 1 lit. a und lit. b TSchG, Art. 4 Abs. 1 und 2 TSchG, Art. 6 

Abs. 1 TSchG, Art. 3 Abs. 1 TSchV, Art. 6 TSchV und Art. 36 

Abs. 1 TSchV), Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB, Art. 34 StGB, 

Art. 36 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB und Art. 44 Abs. 1 StGB. 

 

 2. A.____ wird von der Anklage 

- der Haltung der gebärenden Kuh "B.____" auf aufgeweich-

tem und morastigem Boden (Ziffer 1 des Strafbefehls), 

- der pflichtwidrigen Unterlassung der Kennzeichnung sämtli-

cher Tiere mit Ohrmarken (Ziffer 2 des Strafbefehls), 

- der Nichtgewöhnung der Tiere an Fixierung für Pflegemass- 

nahmen und Eingriffe (Ziffer 3 des Strafbefehls) sowie 

 - der Unterlassung der rechtzeitigen und korrekten Anforde-

rung von Nothilfe für die Kuh "B.____", begangen in der Zeit 

vom 19. bis 23. Juli 2021 (Absatz 3 des Strafbefehls), 

 freigesprochen. 

 

 3. Die Verfahrenskosten bestehen aus den Kosten des Vorver-

fahrens von Fr. 3'360.00 und einer pauschalen Gerichtsgebühr 

von Fr. 2'000.00. 

 
 
 

 
 
Seite 33   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

A.____ trägt in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO 1/8 der 

Verfahrenskosten. 7/8 der Verfahrenskosten gehen zu Lasten 

des Staates.  

Wird kein Rechtsmittel ergriffen und kein begründetes Urteil 

verlangt (Art. 82 Abs. 2 StPO), wird die Gerichtsgebühr auf 

Fr. 1'000.00 ermässigt (§ 4 Abs. 1 GebT). 

 

 4. Die Kosten des Wahlverteidigers von A.____, Rechtsanwalt 

Sandro Spiess, in Höhe von Fr. 12'916.15 (inklusive Hauptver-

handlung, Weg, Auslagen und 7.7% Mehrwertsteuer sowie un-

ter Kürzung des Stunden-  

ansatzes auf Fr. 230.00) gehen in Anwendung von Art. 429 

Abs. 1 lit. a StPO zu 7/8 zu Lasten des Staates." 

 

wird in Gutheissung der Berufung der Beschuldigten in den 

Dispositiv-Ziffern 1, 2, 3 und 4 wie folgt neu gefasst: 

 

"1. A.____ wird von Schuld und Strafe freigesprochen.  

 

 2. (aufgehoben) 

 

 3. Die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorver-

fahrens von Fr. 3'360.00 und einer pauschalen Gerichtsgebühr 

von Fr. 2'000.00, gehen vollumfänglich zu Lasten des Staa-

tes. 

 

 4. Die Kosten des Wahlverteidigers von A.____, Rechtsanwalt 

Sandro Spiess, in Höhe von Fr. 12'916.15 (inklusive Hauptver-

handlung, Weg, Auslagen und 7.7% Mehrwertsteuer sowie un-

ter Kürzung des Stundenansatzes auf Fr. 230.00) gehen in 

Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO vollumfänglich zu 

Lasten des Staates." 

 

 
 
 

 
 
Seite 34   

II. 

 

 

 

 

III. 

 

 

 

 

 

 

IV. 

 

 

 

 

 

Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von 

Fr. 4'750.00, umfassend eine Urteilsgebühr von Fr. 4'500.00 sowie 

Auslagen von Fr. 250.00, gehen zu Lasten des Staates. 

 

 

Der Beschuldigten wird für das Berufungsverfahren eine Parteient-

schädigung in der Höhe von Fr. 2'040.50 (inkl. Auslagen) zuzüglich 

7.7% Mehrwertsteuer (= Fr. 157.10) sowie Fr. 2'888.80 (inkl. Aus-

lagen) zuzüglich 8.1% Mehrwertsteuer (= Fr. 234.00), somit insge-

samt Fr. 5'320.40, zu Lasten der Staatskasse ausgerichtet. 

 

 

(Mitteilungen) 

 

 

Präsident 

 
 
 
Dieter Eglin 

Gerichtsschreiberin 

 
 
 
Manuela Illgen 
 

 

 

Dieses Urteil ist rechtskräftig.