# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 05d983e9-7a70-580f-a60d-af28ee0df102
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-05-19
**Language:** de
**Title:** Pflicht zur Leistung von Schadenersatz auch für Beiträge, die erst nach dem Ausscheiden des Beschwerdeführers aus dem Verwaltungsrat zur Zahlung fällig waren, da er es unterliess, eine wesentliche Änderung der Lohnsumme zu melden. (BGE 9C_445/2015)
**Docket/Reference:** AK.2014.00013
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/AK.2014.00013.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
AK.2014.00013
II. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Käch als Einzelrichterin
Gerichtsschreiberin Tiefenbacher
Urteil
vom
19. Mai 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
war vom 10. Januar 2011 bis 31. Oktober 2012 (Tagebuch-Ein
trag) einziges Verwaltung
s
ratsmitglied der im Handelsregister des Kantons Zürich eingetragen gewesenen
Y.___
AG
mit Sitz in
Z.___
(Urk.
6/120
).
Mit Urteil vom 28. November 2012 eröffnete der Konkursrichter des Bezirks
gerichts
A.___
über die Gesellschaft den Konkurs. Mit Urteil desselben Richters vom 9. Juli 2013 wurde das Konkursverfahren als geschlossen erklärt (Urk. 6/120). Laut Verlustausweisen des Konkursamts
B.___
vom 8. Juli 2013 kam die Ausgleichskasse zu einem Verlust von insgesamt Fr. 19‘843.50 (Urk. 6/102/1-5)
1.2
Mit Verfügung vom
15. Januar 2014
forderte die Ausgleichskasse von
X.___
Schadenersatz für entgangene bundes- und kantonalrechtliche Sozial
ver
siche
rungsbeiträge in der Höhe von
18‘558.05
(Urk.
6/105
). Die vom Verpflich
teten erhobene Einsprache vom
31. Januar 2014
(Urk.
6/108
) hiess sie mit Entscheid vom
19. März 2014
teilweise gut und reduzierte die Schadenersatz
forderung auf Fr.
10‘882.75
(
Urk.
2
= Urk. 6/114
).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 19. März 2014 (Urk. 2)
erhob
X.___
am 11. April 2014 Beschwerde und ersuchte um Reduktion der Schaden
ersatzforderung auf Fr. 101.75 (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 26. Mai 2014 beantragte die Ausgleichskasse, die Schadenersatzforderung sei in teil
weiser Gutheissung der Beschwerde auf Fr. 9‘176.95 zu reduzieren (Urk. 5). Mit Duplik vom 27. Juni 2014 (Urk. 9) beziehungsweise Replik 7. August 2014 (Urk. 1) hielten die Parteien an ihren Anträge
n
fest (Urk. 12).
Die Einzelrichterin
zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
2.1
Nach
Art.
52
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenver
sicherung (AHVG) hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder grobfahrläs
sige Missachtung von Vorschriften einen Schaden verschuldet, diesen der Aus
gleichskasse zu ersetzen. Ist der Arbeitgeber eine juristische Person, so können subsidiär gegebenenfalls die verantwortlichen Organe in Anspruch genommen werden (BGE 123 V 12 E. 5b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.5). Haben mehrere Arbeitgeber oder mehrere Organe einer juristischen Person einen Schaden ver
ursacht, haften sie solidarisch (BGE 114 V 213 E. 3 mit Hinweisen).
2.2
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach
Art.
52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Bestimmungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (
Art.
66 des Bundesgesetzes über die Invalidenvers
icherung), Erwerbsersatz
- (
Art.
21
Abs.
2 des Bundesgesetzes über
den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge
(
Art.
6 des Bun
desgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolven
zentschädigung)
sowie auf jene
an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bundesgesetz über die Familienzulagen (
Art.
25 lit. c). Gleiches gilt für die bis 3
1.
Dezember 2008 nach kantonalem Recht erhobenen FAK-Beiträge (
§
33
Abs.
2 des Gesetzes über Kinderzulagen für Arbeitnehmer in der bis Ende 2007 gültig gewesenen Fassung bzw.
§
33 des ab
1.
Januar 2008 bis 3
0.
Juni 2009 gültig gewesenen Kinderzulagengesetzes; nicht publiziertes Urteil des Bundes
gerichts 2P.251/19
96 vom 3
0.
Juni 1997).
3.
3.1
Voraussetzung für eine Haftung nach
Art.
52 AHVG ist zunächst das Vorliegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschul
deter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahnge
bühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 109 V 95 oben, 108 V 189 E. 5). Im Hinblick auf die in
Art.
14
Abs.
1 AHVG normierte Beitrags- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers gehören auch die Arbeitge
berbeiträge zum massgeblichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
3.2
Laut Lohndeklaration 2012 vom 16. Oktober 2012 (Urk. 6/66) zahlte die Gesell
schaft
Bruttolöhne von (abgerundet) Fr. 273‘958.-- aus.
Hierauf sind Beiträge an die AHV/IV/EO von Fr. 28‘21
7.70
(10,3 % x Fr. 273‘958.--), an die ALV von Fr.
5
‘697.10
(2,2 % x Fr.
258‘958
.--
) und Fr. 150.--
(
1 % x Fr. 15‘000.--
) an die
FAK von Fr. 3‘287.50 (1,2 % x Fr. 273‘958.--) sowie Verwaltungskosten von Fr. 564.35 (2 % x Fr. 28‘218.--)
geschuldet
.
Hinzu kommen
die Beiträge auf dem
von der Gesellschaft nicht deklarier
t
e
n
Gehalt von
C.___
der Mona
te April bis August von Fr. 30‘000.-- (5 x Fr. 6‘000.--) brutto
: an die AHV/IV/EO von Fr. 3‘090.--(10,3 % x Fr. 30‘000.--), an die ALV von Fr. 660.-- (2,2 % x Fr. 30‘000.--), an die FAK von Fr. 360.-- (1,2 % x Fr. 30‘000.--) sowie Verwaltungskosten von Fr. 154.50
(5 % x Fr. 3‘090.--)
.
Somit hätte die Gesell
schaft
von Januar bis Oktober 2012
Beiträge in Höhe von Fr. 42‘
181.15
zu bezahlen gehabt
(vgl. auch Urk. 6/121 S. 1)
.
Hinzu kommen
die für
die verspätet
oder nicht bezahlten Beiträge 2012
in Rechnung gestellte
n
Mahngeb
ühren von
Fr. 1
2
0.--, Verzugszinsen von Fr.
3
21.40
sowie Betreibungskosten von
Fr. 146
.-
-
. Davon abzuziehen sind die von der Gesellschaft
an die Beiträge 2012
geleis
teten Zahlungen
von
Fr.
33‘576.80
sowie die Gutschrift vom 8. Juni 2012 von Fr. 14.80 (vgl. Urk. 6/121)
. Insgesamt bleiben damit der Beschwerdegegnerin unbezahlte Beiträge inklusive Mahngebühren, Verzugszinsen sowie Betrei
bungskosten von Fr.
9‘176.95
.
Nicht zu berücksichtigen sind die unbezahlt gebliebenen Pauschalbeiträge für Januar und Februar 2013 von je Fr. 3‘791.15
(Urk. 6/122 Pos. 2013 0001 und Pos. 2013 0003)
,
da nach Oktober 2012 keine Löhne mehr ausbezahlt wurden,
die nach der Konkurseröffnung in Rechnung gestellten Mahn- und Betreibungs
kosten von Fr.
20
.
-- und Fr. 73.-- (Urk. 6/122 Pos. 2012 0014)
sowie die Zah
lungen der Gesellschaft vom 19. April 2012 von Fr. 6‘787.50
und Fr. 95.20 (Urk. 6/122 Pos. 2011 0006 und Pos. 2011 0007) und vom 15. Juni 2012 von Fr. 6‘702.15 (Urk. 6/122 Pos. 2012 0002)
, da diese Beiträge des Jahres 2011 betreffen.
Zusammenfassend ist der Beschwerdegegnerin somit ein Schaden von Fr.
9‘
176.95
entstanden.
4.
4.1
Art.
14
Abs.
1 AHVG und die
Art.
34 ff. der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung AHVV schreiben vor, dass der Arbeitgeber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeitgeber haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsunterlagen über die von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die entspre
chenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die Bei
tragszahlungs- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vorgeschriebene öffentlichrechtliche Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser öffent
lichrechtlichen Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von
Art.
52
Abs.
1 AHVG und zieht die volle Schadendeckung nach sich (BGE 118 V 193 E. 2a; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
4.2
Dem Kontoauszug der Beschwerdegegnerin (Urk.
6/122
) ist zu entnehmen, dass die Arbeitgeberin
bis Ende 2011
quartalsweise
und ab 2012 monatlich
Akonto
beiträge zu leisten hatte. Seit
Januar 2011
wurden die Akontobeiträge regel
mässig verspätet bezahlt
und mussten
teilweise
gemahnt werden
.
Die Schluss
rechnung
en 2012
blieb
en
unbezahlt.
Hinzu kommt, dass
es
die Gesellschaft
unterlassen hat,
den Lohn von
C
.___
zu deklarieren
(vgl. Urk. 6/66 und Urk. 6/69/1-6).
Mit ihrem Verhalten ist die Gesellschaft ihren Pflichten als Arbeitgeberin nicht nachgekommen und hat öffentlichrechtliche Vorschriften missachtet. Zu prüfen bleibt, ob und inwieweit der dadurch entstandene Schaden auf qualifiziert schuldhaftes Verhalten des Beschwerdeführers zurückzuführen ist.
5.
5.1
Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpflicht besteht nach dem Wortlaut des
Art.
52 AHVG darin, dass der Arbeitgeber absichtlich oder grob
fahrlässig Vorschriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Scha
den verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E. 1a). Absicht beziehungsweise Vorsatz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens.
Art.
52 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, welche das fehlerhafte Verhalten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder sein Verschulden im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit ausschliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in vorsätzlicher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden zufügt, aber trotzdem nicht schadenersatzpflichtig wird, wenn beson
dere Umstände die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und S. 619 E. 3a).
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter glei
chen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu ver
langenden Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorgfaltspflicht, die in den kaufmännischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betref
fende
Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss. Dabei sind an die Sorgfaltspflicht einer Aktiengesellschaft hinsichtlich der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften grundsätzlich strenge Anforderungen zu stellen. Ähn
lich ist zu differenzieren, wenn es darum geht, die subsidiäre Haftung der Organe eines Arbeitgebers zu ermitteln (BGE 108 V 199 E. 3a S. 202; ZAK 1985 S. 51 E. 2a, 620 E. 3b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6 S. 529).
5.2
Die Beschwerdegegnerin warf dem Beschwerdeführer im Wesentlichen vor,
dass er zwar seit seinem Austritt aus dem Verwaltungsrat anlässlich der ausseror
dentlichen Generalversammlung vom 25. September 2012 nicht mehr über das Vermögen der Gesellschaft habe verfügen können
, er aber
wesentliche Ände
rungen der Lohnsummen während des laufenden Jahres zu melden
gehabt hätte
. Dies habe der Beschwerdeführer unterlassen, weshalb viel zu geringe Akontobeiträge in Rechnung gestellt worden seien. Aus diesem Grund hafte er auch für die nach seinem Austritt aus dem Verwaltungsrat in Rechnung gestellten Ausgleichsbeiträge (Urk. 2
Ziff.
3 S. 3).
5.3
Dagegen brachte der Beschwerdeführer
zusammengefasst vor, i
m Zeitpunkt, in welchem er die Löhne für das Jahr 201
2
gemeldet habe, sei
C.___
noch nicht angestellt gewesen, weshalb er dessen Lohn auch nicht habe melden kön
nen. Herr
C.___
sei lediglich ein Bruttosalär von Fr. 30‘000.
--
ausbezahlt wor
den, was lediglich rund 9 % der gemeldeten Jahreslohnsumme entspreche. Diese liege unter der Wesentlichkeitsgrenze (Urk. 1
Ziff.
2).
Die N
achforderungen vom
1. November 2012 (Pos. 2012 0014) und 15. Januar 2013 (Pos. 2013 0002) seien nicht zu berücksichtigen, da
er eine arbeitsrechtli
che Auseinandersetzung mit
C.___
und allfällige weitere freiwillige Lohnzahlungen nach seinem Austritt aus dem Verwaltungsrat nicht mehr habe beeinflussen können
(Urk. 1 Ziff. 3).
6.
6.1
Die Organhaftung aus
Art.
52 AHVG besteht nicht für Beitragsforderungen, die nach der Publikation der Löschung der Organstellung der betreffenden Person im Handelsregister fällig werden, weil die betreffende Person im Zeitpunkt der Fälligkeit nicht mehr Organ ist. Ein Verschulden des Organs kann nur so lange in Frage kommen, als es die Möglichkeit hat, durch Handlungen oder Unterlas
sungen die Geschäftsführung massgeblich zu beeinflussen. Dies ist faktisch längstens bis zum effektiven Ausscheiden aus dem Verwaltungsrat bzw. bis zum faktischen Rücktritt als Geschäftsführer der Fall (
BGE
126
V 61 E. 4a, 123 V 172 E. 3a
)
.
6.2
Die Schlussrechnung für das Jahr 2012 erging am 1. November 2012 (vgl. Urk. 6/122 Pos. 2012 0014) und
am 31. Oktober 2012 (Tagebucheintrag) wurde der Beschwerdeführer als Mitglied des Verwaltungsrats im Handelsregister ge
löscht (Urk. 6/120).
Somit war die
Schlussrechnung
erst zu einem Zeitpunkt zur Zahlung fällig, als
der Beschwerdeführer keinen Einfluss mehr auf die Handlun
gen der Gesellschaft ausüben konnte.
Es
ist daher zu prüfen, ob der Beschwer
de
führer durch eine vorsätzliche oder grobfahrlässige Handlung beziehungs
weise Unterlassung bewirkt hat, dass die nach
seinem Austritt aus dem Verwaltungsrat
in Rechnung gestellten Ausgleichsbeiträge
an
gefallen sind.
6.
3
Gemäss
Art.
35
Abs.
2 AHVV haben die Arbeitgeber der Ausgleichskasse wesent
liche Änderungen der Lohnsumme während des laufenden Jahres zu melden.
Die Gesellschaft meldete am 8. März 2012 eine voraussichtliche Lohn
summe von
Fr.
330‘000.-- für das Jahr 2012 (Urk. 6/28). Gestützt darauf erhöhte die Beschwerdegegnerin die Akontobeiträge ab April 2012 (vgl. Urk. 6/
122, Pos. 2012 0003 ff.)
.
Am
16. Oktober 2012
deklarierte der Beschwer
deführer von Januar bis Oktober
2012
ausgerichtete Löhne von Fr. 273‘958.-- (Urk. 6/66). Darin nicht enthalten ist das
an
C.___
ausgerichtete,
in den
Lohnabrechnungen bescheinigte (Urk. 6/69/2-6
)
Salär von monatlich Fr. 6‘000.
-
-
brutto für die Monate April bis August 2012, mithin von
insgesamt
Fr. 30‘000.
.
Die Gesellschaft
richtete somit von Januar bis Oktober 2012 Löhne von Fr. 303‘958.-- aus. Die für das ganze Jahr deklarierte voraussichtli
che Lohnsumme von Fr. 330‘000.-- ergibt für denselben Zeitraum eine voraus
sichtliche Lohnsumme von Fr.
275‘000.--.
Die tatsächlich ausgerichtete Lohn
summe liegt
somit
Fr. 28‘958.-- oder 10,5 %
und damit wesentlich
über der gemeldeten Lohnsumme
.
Das Argument des Beschwerdeführers, im Zeitpunkt der Lohnmeldung vom 8. März 2012 sei
C.___
noch nicht angestellt gewesen, weshalb er sein Salär noch nicht habe melden können (Urk. 1
Ziff.
2) verfängt nicht, sind Änderungen über die voraussichtliche Lohnhöhe nicht nur am Anfang des Jah
res meldepflichtig, sondern jederzeit, sobald sie wesentlich sind.
6
.4
Insoweit der Beschwerdeführer geltend machen will, er habe keinen Einfluss gehabt auf die Lohnzahlungen an
C.___
, weil ein arbeitsrechtliches Verfahren erst nach seinem Austritt aus dem Verwaltungsrat stattgefunden haben soll, ist ihm entgegenzuhalten, dass die Lohnabrechnungen der Monate April bis August 2012 (Urk. 6/69/2-6) darauf schliessen
lassen
, dass die Lohn
zahlungen zu Zeitpunkten stattgefunden haben, als er noch Mitglied des Ver
waltungsrats war.
Was die strittigen Löhne von September und Oktober 2012 betrifft, wurden die der Gesellschaft dafür geschuldeten Lohnbeiträge, die zu
sammen mit den
Beiträgen auf den Monatslöhnen von März bis August 2012 am 15. Januar 2015 in Rechnung
gestellt
worden waren
(Urk. 6/74), am 23.
Mai 2014 wieder gutgeschrieben
(Urk. 6/118)
.
6.5
E
ine Nichtabrechnung oder Nichtbezahlung der Beiträge
genügt
noch nicht, um ein qualifiziertes Verschulden anzunehmen. Vielmehr sind die gesamten Um
stände zu würdigen. Nicht jede Verletzung der öffentlic
h
rechtlichen Pflicht einer Arbeitgeberfirma ist ohne weiteres als qualifiziertes Verschulden ihrer Organe im Sinne von
Art.
52 AHVG zu werten; das absichtliche oder grobfahr
lässige Missachten von Vorschriften verlangt vielmehr einen Norm
en
verstoss von einer gewissen Schwere. Dagegen kann beispielsweise eine relativ kurze Dauer des Beitragsausstandes sprechen (BGE 121 V 244 E. 4b mit Hinweisen). Die Rechtsprechung hat erkannt, dass ein Beitragsausstand von zwei bis drei Monaten Dauer als in diesem Sinne kurz zu werten ist, wobei aber immer eine Würdigung sämtlicher konkreter Umstände des Einzelfalles Platz zu greifen hat (BGE 124 V 253, 121 V 244 E. 4b mit Hinweis).
I
nsgesamt
blieben
Fr
.
9‘176.95
im Wesentlichen aus den Schlussrechnungen 2012
unbezahlt. Gemessen an den definitiven Beiträgen für das Jahr 20
12
von
Fr.
42‘181.15
(ohne Verzugszinsen und Mahnkosten) entspricht dies einem Bei
tragsausstand von
gut zwei Monaten.
Zwar kann ein Beitragsausstand von
weniger als
drei Monaten
als kurz bezeichnet werden, hingegen
hat
der Beschwerdeführer
das Beitragswesen
nicht
einwandfrei und straff gehandhabt, wurden
doch
die Akontobeiträge regelmässig verspätet abgeliefert und mussten die Beiträge teilweise gemahnt und Verzugszinsen erhoben werden.
Überdies unterliess der Beschwerdeführer nicht nur die Meldung der wesentlichen Lohn
summenänderung, sondern er sah von der Deklaration des ausgerichteten Loh
nes an
C.___
gänzlich ab. Die Beiträge konnten der Konkursitin nur in Rechnung gestellt werden, weil
C.___
selber der Beschwerdegegnerin Unregelmässigkeiten im Zusammenhang mit der Deklaration seines Lohnes meldete
(vgl. Urk. 6/69/1)
.
Der Exkulpationsgrund der kurzen Dauer des Bei
tragsausstandes
ist
darum auf den vorliegenden Fall nicht anwendbar
.
6.6
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführend nicht von dem ihm zu machenden Vorwurf, seine Obliegenheiten im Zusammenhang mit dem Beitragswesen grobfahrlässig missachtet zu haben, zu entlasten ver
mag. Zu bejahen ist auch der Kausalzusammenhang zwischen dem dem Beschwerdeführer vorzuwerfenden widerrechtlichen Verhalten und dem einge
tretenen Schaden. Denn es ist anzunehmen, dass ein pflichtgemässes Verhalten, insbesondere die korrekte Angabe der voraussichtlichen Lohnsumme den Scha
den hätte verhindern können.
7.
Nach dem Dargelegten
ist der Beschwerdeführer in teilweiser Gutheissung der Beschwerde zu verpflichten, der Beschwerdegegnerin Schadenersatz von Fr.
9‘176.95
zu bezahlen. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
Die Einzelrichterin erkennt:
1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der Einspracheentscheid vom 19. März 2014 dahingehend abgeändert, dass der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin Schadenersatz in Höhe von Fr. 9
‘176.95
zu bezahlen hat. Im Mehrbetrag wird die Beschwerde abgewiesen
.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die EinzelrichterinDie Gerichtsschreiberin
KächTiefenbacher