# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c9d730fc-1384-519b-b8ac-f830929b5620
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-09-29
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 29.09.2023 VBE.2023.109
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-109_2023-09-29.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

4. Kammer 

 

VBE.2023.109 / lf / nl 
Art. 117 

 

 

Urteil vom 29. September 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Roth, Präsident 

Oberrichterin Fischer 

Oberrichterin Merkofer 

Gerichtsschreiberin Fricker 

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____ AG,  

 

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau 

 

 
   

Beigeladener   B._____  

gesetzlich vertreten durch C._____ 

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG allgemein; 

Medizinische Massnahmen 

(Verfügung vom 24. Januar 2023; B._____) 
 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Der am 9. Februar 2022 geborene Beigeladene wurde am 2. Mai 2022 von 

seinen Eltern bei der Beschwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen 

(medizinische Massnahmen) der Eidgenössischen Invalidenversicherung 

(IV) angemeldet. Die Beschwerdegegnerin holte in der Folge Informationen 

zur medizinischen Situation des Beigeladenen ein und nahm Rücksprache 

mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD). Mit Verfügung vom 24. Ja-

nuar 2023 erteilte sie Kostengutsprache für medizinische Massnahmen im 

Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziff. 291 GgV-EDI (angebo-

rene Atresie und Hypoplasie der Gallenwege) für den Zeitraum vom 15. Ap-

ril 2022 bis am 28. Februar 2042. 

 

2. 

2.1. 

Gegen die Verfügung vom 24. Januar 2023 erhob die Beschwerdeführerin, 

bei welcher der Beigeladene krankenversichert ist, mit Eingabe vom 

23. Februar 2023 fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Rechtsbe-

gehren: 

 

"1. Die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt Aargau vom 23.01.2023 
sei aufzuheben. 

2. Die Sozialversicherungsanstalt Aargau, IV-Stelle, sei zur Übernahme 
der Kosten für die Diagnostik und die Behandlung des Geburtsgebre-
chens GG Ziffer 291 bereits ab dem 12.04.2022 bis am 28.02.2042 zu 
verpflichten. 

3. Die Sozialversicherungsanstalt Aargau, IV-Stelle, habe die Kosten der 
Diagnostik des Geburtsgebrechens im Umfang von CHF 5'225.90 zu 
übernehmen. 

 Eventualiter: Die Sache sei der Sozialversicherungsanstalt, IV-Stelle, 
zur weiteren Abklärung und Neubeurteilung zurückzuweisen. 

4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 20. März 2023 beantragte die Beschwerdegeg-

nerin die Abweisung der Beschwerden. 

 

2.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 23. März 2023 wurde die versi-

cherte Person im Verfahren beigeladen und ihr Gelegenheit zur Stellung-

nahme gegeben. Mit Stellungnahme vom 24. April 2023 stellte der Beige-

ladene folgende Anträge: 

 

"1. Die Beschwerde der A._____ AG vom 23.02.2023 sei gutzuheissen. 
 
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge." 

  

 - 3 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Beschwerdegegnerin erteilte dem Beigeladenen mit Verfügung vom 

24. Januar 2023 Kostengutsprache für medizinische Massnahmen im Zu-

sammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziff. 291 GgV-EDI für den Zeit-

raum vom 15. April 2022 bis am 28. Februar 2042 (Vernehmlassungsbei-

lage [VB] 50). Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber zusammen-

gefasst geltend, die Beschwerdegegnerin sei im Zusammenhang mit dem 

Geburtsgebrechen Ziff. 291 GgV-EDI zur Übernahme der Kosten für die 

Diagnostik und die medizinischen Massnahmen bereits ab dem 12. April 

2022 bis am 28. Februar 2042 zu verpflichten (vgl. Beschwerde S. 4 f.). 

 

Damit ist streitig und zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin mit Verfügung 

vom 24. Januar 2023 die Kostengutsprache für medizinische Massnahmen 

im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziff. 291 GgV-EDI zu Recht 

erst ab dem 15. April 2022 erteilt hat. 

 

2. 

Gemäss Art. 13 Abs. 1 IVG haben Versicherte bis zum vollendeten 20. Al-

tersjahr Anspruch auf medizinische Massnahmen zur Behandlung von Ge-

burtsgebrechen (Art. 3 Abs. 2 ATSG). Medizinische Massnahmen nach Ab-

satz 1 werden gemäss Art. 13 Abs. 2 IVG gewährt für die Behandlung an-

geborener Missbildungen, genetischer Krankheiten sowie prä- und perina-

tal aufgetretener Leiden, die fachärztlich diagnostiziert sind (lit. a), die Ge-

sundheit beeinträchtigen (lit. b), einen bestimmten Schweregrad aufweisen 

(lit. c), eine langdauernde oder komplexe Behandlung erfordern (lit. d) und 

mit medizinischen Massnahmen nach Art. 14 IVG behandelbar sind (lit. e). 

 

Der Anspruch auf medizinische Massnahmen gemäss Art. 13 IVG entsteht, 

sobald die Diagnose gesichert oder überwiegend wahrscheinlich ist und 

das Geburtsgebrechen behandlungsbedürftig ist (zur Behandlung gehört 

auch die ärztliche Überwachung eines sicher festgestellten Geburtsgebre-

chens) und eine erfolgversprechende Behandlungsmöglichkeit besteht 

(Kreisschreiben über die medizinischen Eingliederungsmassnahmen der 

IV [KSME, in der vorliegend relevanten, ab 1. Januar 2023 gültigen Fas-

sung], Rz. 14 1/22). 

 

3. 

3.1. 

3.1.1. 

In der angefochtenen Verfügung vom 24. Januar 2023 (VB 50) stützte sich 

die Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf die 

Aktenbeurteilung der RAD-Ärztin Dr. med. D._____, Fachärztin für Kinder- 

und Jugendmedizin, vom 16. November 2022. Diese hielt fest, laut KSME 

entstehe der Anspruch auf medizinische Massnahmen gemäss Art. 13 IVG, 

 - 4 - 

 

 

sobald die Diagnose gesichert oder überwiegend wahrscheinlich sei und 

das Geburtsgebrechen behandlungsbedürftig sei. Der stationäre Aufenthalt 

vom 12. bis 14. April 2022 habe zur weiteren Diagnostik und differentialdi-

agnostischen Abklärung gedient. Insofern gehe dieser stationäre Aufent-

halt noch nicht zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Grundsätzlich könne 

die Diagnose einer Gallengangsatresie nach diesem stationären Aufenthalt 

als überwiegend wahrscheinlich und im Weiteren als behandlungsbedürftig 

gelten, weshalb der Beginn der Kostengutsprache der 15. April 2022 sei 

(VB 29 S. 2). 

 

3.1.2. 

Im Austrittsbericht vom 14. April 2022 des Kantonsspitals E._____, in wel-

chem der Beigeladene vom 12. bis am 14. April 2022 hospitalisiert war, 

wurden nachfolgende Diagnosen gestellt (VB 25 S. 2): 

 

"Hauptdiagnosen 
1. Verdacht auf Gallengangsatresie 
2. Klinefelter-Syndrom 

- ED im Rahmen der 2. Trimester-Genanalyse; XXY 
 
Nebendiagnosen 
3. Status nach prolongiertem Ikterus neonatorum" 

 

Dr. med. F._____, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, und Assis-

tenzarzt G._____ führten aus, sie hätten den Beigeladenen stationär zur 

Überwachung und weiteren Abklärung bei Verdacht auf Gallengangsatre-

sie aufgenommen. Im Labor hätten sich eine deutliche Cholestase und eine 

Lebersynthesestörung gezeigt. Ein initialer Vitamin-K Mangel habe ausge-

glichen werden können, worunter sich die Gerinnungswerte normalisiert 

hätten. Die Abdomen-Sonographie habe den Verdacht auf eine Gallen-

gangsatresie bestätigt. Die weiteren Abklärungen hätten ein Allagile-Syn-

drom und eine Cystische Fibrose unwahrscheinlich gemacht (VB 25 S. 3). 

Zur weiteren Abklärung und Behandlung hätten sie Kontakt mit dem 

Schweizer Kinderleberzentrum aufgenommen, welches die Familie aufbie-

ten werde (VB 25 S. 4). 

 

3.2. 

Die Beschwerdeführerin bringt im Wesentlichen vor, es sei unbestritten, 

dass im Kantonsspital E._____ während des Aufenthalts vom 12. bis am 

14. April 2022 insbesondere diagnostische Abklärungen stattgefunden hät-

ten. Umstritten sei vorliegend die Frage, ob diese Abklärungsmassnahmen 

von der Beschwerdegegnerin zu übernehmen seien oder nicht. Vorliegend 

gehe es primär um die für die Diagnose des Geburtsgebrechens notwendi-

gen Abklärungsmassnahmen (vgl. Beschwerde S. 4). Die Voraussetzun-

gen für die Übernahme der Abklärungskosten durch die Beschwerdegeg-

nerin seien im vorliegenden Fall offensichtlich erfüllt. Die diagnostischen 

 - 5 - 

 

 

Massnahmen seien für die Beurteilung des Anspruchs und für den Aus-

schluss anderer Diagnosen unerlässlich gewesen. Die Beschwerdegegne-

rin sei daher im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziff. 291 GgV-

EDI zur Übernahme der Kosten für die Diagnostik und die medizinischen 

Massnahmen ab dem 12. April 2022 bis am 28. Februar 2042 zu verpflich-

ten (vgl. Beschwerde S. 5). 

 

3.3. 

Gemäss Art. 13 Abs. 2 IVG entsteht der Anspruch auf medizinische Mass-

nahmen, wenn unter anderem das Leiden fachärztlich diagnostiziert ist, 

wenn also die Diagnose gesichert oder überwiegend wahrscheinlich ist 

(vgl. E. 2. hiervor). Zwischen den Parteien ist unumstritten und aus den Ak-

ten lässt sich nichts Gegenteiliges entnehmen, als dass die Diagnose des 

Geburtsgebrechens Ziff. 291 GgV-EDI einer Gallengansatresie des Beige-

ladenen erst frühestens nach dem Aufenthalt im Kantonsspital E._____ 

vom 12. bis am 14. April 2022 als fachärztlich diagnostiziert und damit als 

gesichert oder als überwiegend wahrscheinlich zu gelten hat. Es ist damit 

nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin die Kostengutspra-

che für medizinische Massnahmen im Zusammenhang mit dem Geburts-

gebrechen Ziff. 291 GgV-EDI erst ab dem 15. April 2023 erteilt hat. 

 

3.4. 

Gemäss Art. 3novies Abs. 2 lit. b IVV vergütet die Invalidenversicherung auch 

diagnostische Massnahmen, die der Diagnose oder Behandlung eines Ge-

burtsgebrechens und seiner Folgen dienen. Diagnostische Massnahmen 

gehören aber nicht zu den medizinischen Massnahmen i.S.v. Art. 13 IVG, 

sondern zu den Abklärungsmassnahmen i.S.v. Art. 78 Abs. 3 aIVV bzw. 

Art. 45 Abs. 1 ATSG (MEYER/REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesge-

richts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenver-

sicherung [IVG], 4. Aufl. 2022, N. 22 zu Art. 13 IVG mit Hinweisen auf 

BBl 2017 2650; SVR 2014 IV Nr. 11 = 9C_921/2013). Nach Art. 45 Abs. 1 

ATSG übernimmt der Versicherungsträger die Kosten der Abklärung, so-

weit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen ange-

ordnet, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Massnahmen für 

die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nach-

träglich zugesprochener Leistungen bilden. 

 

Diesbezüglich ist festzuhalten, dass im verwaltungsgerichtlichen Be-

schwerdeverfahren grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen 

und zu beurteilen sind, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vor-

gängig verbindlich – in Form einer Verfügung – Stellung genommen hat. 

Insoweit bestimmt die Verfügung den beschwerdeweise weiterziehbaren 

Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegen-

stand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit 

keine Verfügung ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1 S. 164 f.; vgl. auch 

 - 6 - 

 

 

BGE 135 V 148 E. 5.2 S. 150 und 135 V 141 E. 1.4 S. 144 ff. sowie 132 V 

393 E. 2.1 S. 396).  

 

Die Beschwerdegegnerin hat mit der hier angefochtenen Verfügung vom 

24. Januar 2023 (VB 50) Kostengutsprache für medizinische Massnahmen 

im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziff. 291 GgV-EDI für den 

Zeitraum vom 15. April 2022 bis am 28. Februar 2042 erteilt (VB 50). So-

weit sich die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde zum Anspruch auf 

die Kostenübernahme für diagnostische Massnahmen, welche nicht zu den 

medizinischen Massnahmen i.S.v. Art. 13 IVG gehören, äussert, fehlt es 

demnach an einem Anfechtungsgegenstand im Sinne von Art. 56 Abs. 1 

ATSG. Auf die Beschwerde ist daher in diesem Umfang nicht einzutreten. 

 

4. 

4.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf ein-

zutreten ist. 

 

4.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 400.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. 

 

4.3. 

Der Beschwerdeführerin und dem Beigeladenen steht nach dem Ausgang 

des Verfahrens (Art. 61 lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin auf-

grund ihrer Stellung als Sozialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 

S. 149 ff.) kein Anspruch auf Parteientschädigung zu. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 400.00 werden der Beschwerdeführerin auf-

erlegt. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

  

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Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 

Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 29. September 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

4. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Roth Fricker