# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4b84f281-84e7-562e-9164-65b9359d3459
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-12-20
**Language:** de
**Title:** Mobilfunk-Basisstation in einer Kirche. Gemeinschaftsanlage von Sunrise, Swisscom und Orange.
**Docket/Reference:** BRGE IV Nrn. 0197-0200/2012
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_iv_nrn__0197-0200_2012.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 
4. Abteilung 

G.-Nrn. 
BRGE IV Nr. 

R4.2012.00126, R4.2012.00129, R4.2012.00130 und R4.2012.00136  
0197/2012, 0198/2012, 0199/2012 und 0200/2012 

Entscheid vom 20. Dezember 2012 

Mitwirkende 

Abteilungspräsident  Kurt  Gutknecht,  Baurichter  Reto  Philipp,  Baurichterin 
Margrit Manser, Gerichtsschreiber Roland Blaser     

in Sachen 

Rekurrierende 

R4.2012.00126 und R4.2012.00129 
G. und A. S., [….] 

R4.2012.00130 
R. E., [….]  

R4.2012.00136 
T. und L. P. , [….] 

gegen 

Rekursgegnerschaft 

R4.2012.00126 
1.  Baudirektion Kanton Zürich, Walchetor, Walcheplatz 2,  

Postfach, 8090 Zürich  

2.  Sunrise Communications AG, Binzmühlestrasse 130, 8050 Zürich  

Nr. 2 vertreten durch Huawei Technologies Switzerland AG, 
Waldeggstrasse 38, 3097 Liebefeld  

diese vertreten durch Rechtsanwalt Z. [….] 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
R4.2012.00129,  R4.2012.00130 und R4.2012.00136 
1.  Gemeinderat W., 8542 W.  
2.  Baudirektion Kanton Zürich, Walchetor, Walcheplatz 2, Postfach, 

8090 Zürich  

3.  Sunrise Communications AG, Binzmühlestrasse 130, 8050 Zürich  

Nr. 3 vertreten durch Huawei Technologies Switzerland AG, 
Waldeggstrasse 38, 3097 Liebefeld  

diese vertreten durch Rechtsanwalt Z. [….] 

Mitbeteiligter 

R4.2012.00126 
Gemeinderat W., [….] 

betreffend 

R4.2012.00126 
Verfügung der Baudirektion vom 4. Juli 2012 BVV 12-0738; denkmalschutz-
rechtliche Bewilligung für Mobilfunk-Antennenanlage 

R4. 2012.00129,  R4.2012.00130 und R4.2012.00136 
Gemeinderatsbeschluss  vom  9.  Juli  2012;  Baubewilligung  für  Mobilfunk-
Antennenanlage 

_______________________________________________________ 

hat sich ergeben: 

A.  

Mit  Beschluss  vom  9.  Juli  2012  (versandt  am  25.  Juli  2012)  bewilligte  der 

Gemeinderat W. der Sunrise Communications AG (Sunrise), der Swisscom 
Schweiz  AG  (Swisscom)  sowie  der  Orange  Communications SA  (Orange) 

die Erstellung einer gemeinschaftlichen Mobilfunk-Basisstation in der evan-

gelisch-reformierten Kirche in W. Als anlageverantwortliche Firma zeichnet 

die  Sunrise.  Mit  der  kommunalen  Baubewilligung  wurde  auch  die  Verfü-

gung BVV 12-0738 der kantonalen Baudirektion vom 4. Juli 2012 eröffnet. 

R4.2012.00126 

Seite 2 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
B.  

Dagegen rekurrierten mit separaten Eingaben binnen gesetzlicher Frist an 

das Baurekursgericht des Kantons Zürich:  

–  am 15. August 2012: G. und A. S., welche sinngemäss die Aufhebung 
sowohl  der  kommunalen  Baubewilligung  als  auch  der  Baudirektions-
verfügung  beantragten  (Verfahren  G.-Nrn.  R4.2012.00126  und 
R4.2012.00129); 

–  am  18.  August  2012:  R.  E.  mit  dem  Antrag  auf  Aufhebung  der  Bau-

bewilligung (Verfahren G.-Nr. R4.2012.00130); 

–  am  23.  August  2012:  T.  und  L.  P.  ,  welche  ebenfalls  die  Aufhebung 
(Verfahren  G.-Nr. 

des  angefochtenen  Beschlusses  verlangten 
R4.2012.00136).   

C.  

Mit Verfügungen vom 16., 22. und 24. August 2012 wurde der Eingang der 

Rekurse  vorgemerkt,  diesen  die  aufschiebende  Wirkung  zuerkannt  sowie 

das Vernehmlassungsverfahren eröffnet. 

D.  

In  ihren  Rekursantworten  vom  10., 16.  Oktober und 23.  Oktober 2012  be-

antragten die Baudirektion, die Sunrise sowie der Gemeinderat W. die Ab-

weisung der Rekurse. Die Sunrise verlangte zudem die Zusprechung einer 

Umtriebsentschädigung. 

E. 

Am 8. November 2012 führte das Baurekursgericht im Beisein der Parteien 

einen Augenschein vor Ort durch. 

F.  

Die  Repliken  der  Rekurrierenden  gingen  am  19.,  22.  und  28.  November 

2012  beim  Baurekursgericht  ein.  Die  Rekursgegnerschaft  verzichtete  auf 

die Einreichung von Dupliken. 

R4.2012.00126 

Seite 3 

 
 
G. 

Auf  die  Vorbringen  der  Parteien  wird,  soweit  entscheidrelevant,  in  den 

nachstehenden Erwägungen Bezug genommen. 

Es kommt in Betracht: 

1.   

Die  das  gleiche  Bauvorhaben  betreffenden  Rekursverfahren  G.-Nrn. 

R4.2012.00126,  R4.2012.00129,  R4.2012.00130  und  R4.2012.00136  sind 

zu vereinigen. 

2.   

Die  Rekurrierenden  sind  Eigentümer  von  Liegenschaften  im  gemäss  bun-

desgerichtlicher  Definition  rechtsmittelberechtigten  Umkreis  der  strittigen 

Kommunikationsanlage  (Einsprecherradius).  Alle  Rekurrierenden  sind  so-

mit mehr als irgendwelche Dritte oder die Allgemeinheit in ihren eigenen In-

teressen betroffen und daher aufgrund der nachstehend unter Ziffer 4.1 zu-

sammengefassten  Rügen  gemäss  § 338a  Abs. 1  des  Planungs-  und  Bau-

gesetzes  (PBG)  rechtsmittellegitimiert.  Da  zudem  die  übrigen  Prozessvo-

raussetzungen  erfüllt  sind,  ist  auf  die  Rekurse  grundsätzlich  einzutreten. 

Soweit  die  Rekurrierenden  G.  und  A.  S.  jedoch  die  Untätigkeit  und  Arro-

ganz der kantonalen Baudirektion bzw. des dortigen "Beamtenreichs" sowie 

Versäumnisse  des  Baudirektors  rügen,  weil  ihre  Briefe  nicht  beantwortet 

worden seien, ist darauf mangels Zuständigkeit des Baurekursgerichts nicht 

weiter einzugehen. 

3.   

Die  strittige  Basisstation  soll  gemäss  massgebendem  Standortdatenblatt 
vom 14. Mai 2012 mit einer Gesamtleistung von maximal 10'550 WERP be-
trieben werden und besteht aus folgenden Antennenmodulen:  

R4.2012.00126 

Seite 4 

 
 
Antenne 

AU 

BU 

CU 

DU 

U1 

Betreiber 

Sunrise 

Sunrise 

Sunrise 

Sunrise 

Orange 

Frequenz 

2100 MHz 

2100 MHz 

2100 MHz 

2100 MHz 

2100 MHz 

Leistung 

700 WERP 

1200 WERP 

1200 WERP 

650 WERP 

500 WERP 

Azimut 

80° 

170° 

260° 

350° 

80° 

Antenne 

1_SC18 

2_SC18 

3_SC18 

1_SC21 

2_SC21 

3_SC21 

Betreiber 

Swisscom 

Swisscom 

Swisscom 

Swisscom 

Swisscom 

Swisscom 

Frequenz 

2100 MHz 

2100 MHz 

2100 MHz 

2100 MHz 

2100 MHz 

2100 MHz 

Leistung 

1000 WERP 

1000 WERP 

1000 WERP 

1100 WERP 

1100 WERP 

1100 WERP 

Azimut 

85° 

255° 

350° 

85° 

255° 

350° 

Diese Module sind teilweise als Doppelantennen konzipiert, weshalb insge-

samt 7 verschiedene Module verbaut werden sollen. Es ist vorgesehen, die 

betriebsnotwendige  Anlagesteuerung  im  Estrich  oberhalb  des  Chors  der 

Kirche  zu  platzieren  (BTS-Raum).  Richtfunkantennen  sind  keine  geplant. 

Das Baugrundstück liegt in der Kernzone. 

4.1.  

Die Rekurrierenden führen zur Begründung zusammengefasst im Wesentli-

chen  an,  das  strittige  Bauvorhaben  sei  nicht  ausgesteckt  worden.  Die  Be-

völkerung habe darum geglaubt, dass die Antennen nach Aussen unsicht-

bar eingebaut würden. Damit sei gegen die Vorschrift von § 311 PBG ver-

stossen  worden.  Im  Laufe  des  Bewilligungsverfahrens  sei  die  Bauherr-

schaft ohne Wissen der betroffenen Nachbarn ausgewechselt worden. Jetzt 

sei nicht mehr die Firma Alcatel-Lucent sondern die Huawei AG zuständig, 

was  den  Rekurrierenden  nie  angezeigt  worden  sei.  Auch  habe  die  Kirch-

gemeinde  keine  Verträge  mit  dieser  chinesischen  Firma  abgeschlossen, 
sondern nur mit den drei schweizerischen Mobilfunkbetreibern.  

Der Einbau des Technikraums in den Estrich oberhalb des Chors gefährde 

die  einmaligen  bundesrechtlich  geschützten  Fresken  massiv.  Dies  einer-

seits  wegen  der  heiklen  statischen  Verhältnisse.  Durch  den  Einbau  der 

Steuerungselemente  und  des  dafür  notwendigen  neuen  Bodens  ergebe 

sich  ein  sehr  grosses  Gewicht,  das  zusätzlich  auf  den  Mauern  des  Chors 

lasten werde; überdies entstünde durch das Aufhängen des neuen Bodens 
ein zusätzliches Drehmoment auf das bestehende Mauerwerk. Das sei um-

so  gefährlicher,  weil  das  Gesamtgewicht  der  Einbauten  und  die  genaue 

R4.2012.00126 

Seite 5 

 
 
 
Konstruktion  im  Dunkeln  lägen.  Auch  anlässlich  des  Augenscheins  seien 

darüber  keine  präzisen  Angaben  gemacht  worden.  Bereits  die  Bauphase 

sei äusserst heikel. Damit müsse ernsthaft mit Rissen in den Fresken und 

anderen  Schäden  beim  Chorgewölbe  sowie  mit  einer  Verminderung  der 

Erdbebensicherheit  gerechnet  werden.  Bereits  vor  einigen  Wochen  habe 

sich im Chorbogen ein früher ausgebesserter Riss  wieder geöffnet. Es sei 

bezeichnend,  dass  der  Statiker  der  Bauherrschaft  anlässlich  des  Augen-

scheins  vor  einer  zu  zahlreichen  Anwesenheit  in  den  Estrichen  über  dem 

Chor und dem Kirchenschiff gewarnt habe. Es sei nicht glaubhaft, dass die 

statischen  Abklärungen  in  der  kurzen  zur  Verfügung  stehenden  Zeit  zwi-

schen  Baueingabe  und  Bewilligungserteilung  hätten  seriös  durchgeführt 

werden  können.  Andererseits  könnte  ein  Kurzschluss  im  Technikraum  ei-

nen  Brand  auslösen.  In  letzter  Zeit  seien  mehrere  Kirchen  in  der Schweiz 

wegen  elektrotechnischen  Defekten  in  Brand  geraten.  Auch  die  Montage 

der viel Strom verbrauchenden Klimageräte an die Wand des Estrichraums 

oberhalb  des  Kirchenschiffs  sei  höchst  problematisch.  Zudem  sei  fraglich, 

ob nach dem Einbau des Kabelschachts im Aufgang zum Turm noch genü-

gend  Platz  für  die  Feuerwehr  sei.  Das  bei  einer  allfälligen  Brandbekämp-

fung eingesetzte Löschwasser würde die Fresken unwiederbringlich zerstö-

ren. Es sei unverantwortlich, ein Kunstwerk von nationaler Bedeutung einer 

derartigen  Gefahr  auszusetzen.  In  der  Zustimmung  der  Kirchgemeinde 

werde  dieser  Technikeinbau  gar  nicht  erwähnt.  Es  fehle  die  notwendige 

Einwilligung des Bundesamtes für Kultur.  

Die Basisstation sei nur darum projektiert worden, weil der Widerstand der 

Quartierbewohner und verschiedener Eltern gegen die neben dem Kinder-

garten  Wanne  rechtskräftig  bewilligte  Basisstation  noch  immer  heftig  sei. 

Paradoxerweise gehe dabei offenbar vergessen, dass in der Nähe der Kir-

che ebenfalls Horte für Kinder und Kleinstkinder betrieben würden und die 

Einrichtung eines Kindergartens geplant sei. Es dürfe nicht sein, dass we-

gen privater Interessen einzelner hartnäckiger Quartierbewohner das einzig 

wirklich erhaltenswerte Gebäude in W. verunstaltet werde. Die Gesamtbe-

völkerung  von  W.  sei  nicht  befragt  worden;  es  habe  keine  Orientierungs-

versammlung  gegeben.  Eine  viel  sinnvollere  Lösung  wäre  die  Erhöhung 

des  Antennenmastes  bei  der  Basisstation  Wanne,  damit  dort  alle  drei An-

bieter  platziert  werden  könnten.  Eine  weitere  Möglichkeit  wäre  die  Erstel-
lung einer weiteren Anlage im Rebberg oberhalb des Dorfes.  

R4.2012.00126 

Seite 6 

 
 
Für den OMEN 13 in der Liegenschaft Dorfstrasse 49 seien für die Perso-

nalzimmer im 2. Obergeschoss keine Immissionsprognosen vorgenommen 

worden. Dasselbe gelte für diverse Bereiche in der Kirche selbst, etwa für 

den Arbeitsplatz der Organistin. Planlich unklar sei, ob der OMEN 1a in der 

Kirche  oder  im  Kirchturmzimmer  liege.  Die  elektromagnetische  Strahlung 

der bestehenden Funkantennen von Feuerwehr und Polizei sowie  der Ba-

sisstation Wanne hätten als Vorbelastungen in die Grenzwertberechnungen 

einbezogen  werden  müssen.  Das  Standortdatenblatt  und  weitere  Bauge-

suchsunterlagen  seien  u.a.  aufgrund  von  Diskussionen  an  der  Kirchge-

meindeversammlung vom 25. Juni 2012 im Nachhinein abgeändert worden, 

ohne dass die einspracheberechtigten  Personen darüber orientiert worden 

seien.  Ohnehin  schädige  die  Mobilfunkstrahlung  die  Einwohner  auch  bei 

eingehaltenen Grenzwerten. 

Wegen der gefährlichen elektromagnetischen Strahlung müssten noch wei-

tere Teile der Kirche sowie Gebäude in der Umgebung strahlenmässig ab-

geschirmt  werden.  Dem  Schutz  geschützter  Tiere  sei  in  keiner  Weise 

Rechnung  getragen  worden.  In  der  näheren  Umgebung  der  bestehenden 

Mobilfunk-Basisstation  im  Rebberg  oberhalb  von  W.  seien  alle  Vögel  ver-

schwunden. Es müsse damit gerechnet werden, dass die zahlreichen Nist-

plätze  der  Mehlschwalben  bei  der  rekurrentischen  Liegenschaft  S.  für  im-

mer  verlassen  würden.  Dasselbe  gelte  für  die  Fledermäuse,  Mauersegler 

und  Störche  im  Bereich  der  Kirche  und  ihrer  Umgebung.  Für  die  auf  der 

Kirche  nistenden  Tiere  müsse  gemäss  Kirchgemeindebeschluss  beim  Kir-

chendach zwar eine Abschirmung erstellt werden. Damit gebe es einen un-

haltbaren  Unterschied  zwischen  christlich  geschützten  Fledermäusen  und 

Vögeln sowie nicht christlich geschützten Mehlschwalben.  

Es  sei  unglaubwürdig  und  rechtsungleich,  wenn  den  Hauseigentümern  in 

der gleichen Kernzone der Einbau von Dachfenstern zur Belichtung verbo-

ten werde, gleichzeitig aber die Montage von Mobilfunkantennen mir einer 

Ausnahmebewilligung  der  Baudirektion  bei  allen  vier  Turmfenstern  zuge-

lassen  werde.  Die  Voraussetzungen  für  die  Erteilung  einer  solchen  Aus-

nahmebewilligung lägen nicht vor. Selbst die kantonale Denkmalpflege ha-

be  grundsätzlich  festgehalten,  die  Bewilligung  einer  solchen  Anlage  im 

Kirchturm  sei  eigentlich  gar  nicht  möglich,  weil  sie  eine  Beeinträchtigung 

des Schutzobjekts verursache. Tatsache sei denn auch, dass mit der ange-

fochtenen Bewilligung nahezu alle Grundsatzpapiere bzw. die darin formu-
lierten  Leitsätze  der  Eidgenössischen  Denkmalschutzkommission  verletzt 

R4.2012.00126 

Seite 7 

 
 
würden.  Mit  den  vorgesehenen  Kunststoffverkleidungen,  für  welche  eine 

Bemusterung  fehle,  werde  das  äussere  Erscheinungsbild  der  Kirche  stark 

negativ  verändert  und  das  Ortsbild  inakzeptabel  beeinträchtigt.  Auch  die 

Kirchenglocken wären kaum nicht mehr sichtbar. Die Baubehörde habe die 

Umgestaltung  der  Turmfenster  bewilligt,  obwohl  sie  keine  Ahnung  davon 

hätten, wie deren Erscheinungsbild nach erfolgter Montage sei. Weder der 

Kaschierungsversuch  "Würste  aus  Plastik"  noch  die  Variante  "Gewurstel 

aus  Kunststoffnetzen"  hätten  sich  als  einordnungsmässig  vernünftige  Lö-

sungen erwiesen. Auch im Innern würden schwerwiegende Eingriffe in die 

historische  Bausubstanz  vorgenommen.  Die  konzessionsrechtlich  veran-

kerte Versorgungspflicht der Mobilfunkanbieter könne auch mit einer Anla-

ge ausserhalb dieses Schutzobjekts bewerkstelligt werden. 

Gemäss  Kirchenordnung  sei  für  die  dauernde  Nutzung  einer  Kirche  für 

nichtchristliche  Zwecke  die  Zustimmung  des  Kirchenrates  notwendig;  eine 

solche fehle. Die Zustimmung der Kirchgemeinde zur Basisstation im Turm 

sei  von  verschiedenen  Rahmenbedingungen  abhängig  gemacht  worden, 

welche  mit  der  angefochtenen  Baubewilligung  jedoch  nicht  eingehalten 

würden.  So  widersprächen  das  von  der  Kirchenpflege  W.  unterzeichnete 

Baugesuch  sowie  der  von  der  Kirchgemeindeversammlung  vom  25.  Juni 

2012  angenommene  Dienstbarkeitsvertrag  mit  den  drei  Mobilfunkgesell-

schaften einem Kirchgemeindebeschluss aus dem Jahre 2010, welche die 

Planung von Mobilfunkantennen im Kirchturm zum Inhalt habe und die Zu-

stimmung von einer vorherigen Positiv- bzw. Negativplanung abhängig ma-

che.  Es  sei  rechtswidrig,  dass  die  Kirchenpflege  mit  den  drei  Betreiberge-

sellschaften  unterschiedlich  lange  Nutzungsverträge  vereinbart habe.  Dies 

widerspreche  u.a.  der  Bedingung,  dass  die  Anlage  stets  gemeinschaftlich 

betrieben werde müsse. 

In der Baubewilligung fehle eine verbindliche Anordnung, welche verhinde-

re, dass nach Auslaufen der Miet- bzw. Nutzungsverträge andere Antennen 

installiert  würden.  Die  Basisstation  habe  eine Wertverminderung  ihrer  Lie-

genschaften  in  Millionenhöhe  zur  Folge.  Für  diesen  und  andere  Schäden 

hätten  die  Mobilfunkgesellschaften  nach  dem  Verursacherprinzip  aufzu-

kommen. 

R4.2012.00126 

Seite 8 

 
 
 
4.2. 

Demgegenüber  hält  die  Rekursgegnerschaft  kurz  zusammengefasst  fest, 

die  strittige  Gemeinschaftsanlage,  welche  korrekt  publiziert  und  ausge-

steckt worden sei und auch sonst an keinen formellen Mängeln leide, erfül-

le  alle  relevanten  planungs-,  bau-  und  umweltschutzrechtlichen  Vorschrif-

ten. Insbesondere ordneten sich die in den Kirchturmfenstern geschickt ka-

schierten  Antennen  rechtsgenügend  in  die  ortsbauliche  Umgebung  und  in 

die unter Denkmalschutz stehende Kirche ein. Mit den noch zu bemustern-

den Kunststoffgittern in den Fensteröffnungen werde eine gute Einordnung 

erreicht, die auch den denkmalschützerischen Aspekten vollumfänglich ge-

recht werde. Der Einbau der Steuerungsanlage in den Estrich oberhalb des 

Chors  sei  aufgrund  der  vorgesehenen  Einhausung  statisch  bedenkenlos 

und  gefährde  die  bundesrechtlich  geschützten  Fresken  nicht.  Das  Projekt 

bewirke  auch  keine  erhöhte  Brandgefahr,  dies  schon  wegen  der  strengen 

feuerpolizeilichen  Auflagen.  Die  massgebenden  Immissions-  und  Anlage-

grenzwerte würden eingehalten. Zudem seien im angefochtenen Beschluss 

zahlreiche Abnahmemessungen nach der Inbetriebnahme der Antennenan-

lage  angeordnet  worden.  Streitgegenstand  sei  ausschliesslich  die  Bewilli-

gungsfähigkeit  der  Basisstation  in  der  Kirche.  Die  rechtskräftig  bewilligte 

Kommunikationsanlage der Swisscom beim Kindergarten Wanne habe kei-

nen rechtlich relevanten Konnex im vorliegenden Rechtsmittelverfahren. 

5.1. 

Die Rekurrierenden stellen sich auf den Standpunkt, im Laufe des Baube-

willigungsverfahrens habe es einen Wechsel seitens der Bauherrschaft ge-

geben;  diese  sei  nunmehr  die  Firma  Huawei  aus  China.  Bei  der  Bewilli-

gungserteilung  sei  dies  unverständlicherweise  unberücksichtigt  geblieben, 

was gegen § 310 PBG verstosse. 

Die Baubewilligung ist die behördliche Feststellung, dass einem Bauvorha-

ben  keine  öffentlich-rechtlichen  Hindernisse  namentlich  Baupolizeirecht 

entgegenstehen  (VB  141/1982  =  BEZ  1983  Nr.  18).  Entsprechend  be-

stimmt § 320 PBG: Die Baubewilligung ist zu erteilen, wenn das Bauvorha-

ben den Vorschriften dieses Gesetzes und der ausführenden Verfügungen 

entspricht. Privatrechtliche Ansprüche sind hingegen vor den Zivilgerichten 
geltend  zu  machen  und  folglich  im  baurechtlichen  Verfahren  in  der  Regel 
nicht durchsetzbar (§ 1 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes [VRG]).  

R4.2012.00126 

Seite 9 

 
 
Gemäss § 310 Abs. 1 PBG sind der zuständigen Behörde mit dem Bauge-

such  alle  Unterlagen  einzureichen,  die  für  die  Beurteilung  des  Vorhabens 

notwendig  sind.  Dazu  gehört  der  Nachweis  der  Berechtigung  zur  Einrei-

chung des Baugesuchs, wenn der Gesuchsteller nicht oder nicht alleiniger 

Grundeigentümer ist (§ 310 Abs. 3 PBG und § 5 lit. m der Bauverfahrens-

verordnung [BVV]). Diese Bestimmungen sind, was sich aus der Gesetzes-

systematik  und  den  Materialien  ergibt,  reine  Ordnungsvorschriften.  § 310 

Abs. 3 PBG zielt darauf ab, den Behörden nutzlose Amtshandlungen zu er-

sparen. Es soll verhindert werden, dass eine Behörde in aufwendiger Wei-

se  Bauvorhaben  materiell  überprüfen  muss,  obwohl  deren  Verwirklichung 

am  Widerstand  alleinverfügungsberechtigter  oder  mitberechtigter  Dritter 

scheitern  könnte.  Die  zuständige  Baubehörde  ist  daher  nicht  verpflichtet, 

aus  privatrechtlichen  Gründen  von  vornherein  nicht  realisierbare  Projekte 

einer  baurechtlichen  Prüfung  zu  unterziehen  (BRKE III  Nr. 0103/2004,  E. 

4.2). Die genannte Vorschrift schützt also in erster Linie die Baubehörden; 

die  sich  daraus  ergebende  Mitberücksichtigung  von  Interessen  Dritter  ist 

lediglich  eine  Reflexwirkung  (Christian  Mäder, Das  Baubewilligungsverfah-

ren,  1991,  Rz.  114).  Beurteilt  deshalb  eine  kommunale  Behörde  ein  Bau-

projekt  trotz  Fehlens  des  Berechtigungsnachweises,  muss  sie  die  Bewilli-
gung  –  sofern  die  materiellen  Bauvorschriften  eingehalten  werden  –  ge-
stützt  auf  §  320  PBG  erteilen.  Allfälligen  Drittberechtigten  verbleibt  in  sol-

chen  Fällen  nur  die  zivilrechtliche  Auseinandersetzung  mit  dem  Bauherrn 

(BRKE I Nr. 0184/2002, E. 5b).  

5.2. 

Zum  Zeitpunkt  der  Baueingabe  am  30.  März  2012  war  Sunrise  gemäss 

Baugesuchsformular  Bauherrin  bzw.  anlageverantwortliche  Firma  der 

streitbetroffenen  Basisstation  und  die  Alcatel-Lucent  Schweiz  AG  deren 

Vertreterin (Dossier G.-Nr. R4.2012.00126; act. 16.1). Baugesuchsformular 

und  Baugesuchspläne  wurden  von  der  evangelisch-reformierten  Kirchge-

meinde  W.  mitunterzeichnet.  Damit  stand  für  die  kommunale  Baubehörde 

die Berechtigung der Sunrise zu Einreichung des Baugesuchs im Sinne von 

§ 310 Abs. 3 PBG und § 5 lit. m BVV ausser Frage. Seither hat sich seitens 

der  Bauherrschaft  nur  insoweit  geändert,  als  diese  neu  durch  die  Firma 
Huawei Technologies Switzerland AG (Huawei) vertreten wird. Huawei ist – 
wie  ihre  Vorgängerin  Alcatel-Lucent  Schweiz  AG  –  einzig  für  die  Planung 
neuer Basisstationen sowie für die Betreuung des Mobilfunk-Netzwerks der 
Sunrise  zuständig.  Huawei  ist  folglich  im  vorliegenden  Rechtsmittelverfah-

R4.2012.00126 

Seite 10 

 
 
ren  zu  Recht  nicht  als  Partei,  sondern  als  Vertreterin  von  Sunrise  aufge-

führt. Huawei wird wiederum, wie auch anlässlich des Augenscheins vom 8. 

November  2012,  durch  einen  betriebsexternen  Anwalt  vertreten.  Damit 

stellt sich die rekurrentische Frage nach einem chinesischen Gerichtsstand 

in einem späteren Streitfall von vornherein nicht.  

5.3. 

Aus den dargelegten Gründen spielen irgendwelche mietrechtlichen Ausei-

nandersetzungen,  strittige  vertragliche  Widerrufsgründe  oder  andere  zivil-

rechtliche  Meinungsverschiedenheiten  keine  Rolle  bei  der  Beurteilung  der 

Bewilligungsfähigkeit  eines  Bauvorhabens  (vgl. 

im  Detail:  BRGE IV 

Nr. 0037/2011  vom  10.  März  2011  in  BEZ  2011  Nr.  32;  www.baurekurs-

gericht-zh.ch).  

Die  im  Zusammenhang  mit  den  Dienstbarkeits-  bzw.  Nutzungsverträgen 

zwischen  der  evangelisch-reformierten  Kirchgemeinde  W.  einerseits  und 

Sunrise,  Swisscom  und  Orange  andererseits  stipulierten  Vereinbarungen 

u.a.  betreffend  Nutzungsdauer,  Kündigung,  Entschädigung,  die  anlässlich 

der Kirchgemeindeabstimmung vom 25. Juni 2012 genehmigt wurden, kön-

nen deshalb nicht Gegenstand der vorliegenden baurechtlichen Rekursver-

fahren sein. Die Beurteilung der Zulässigkeit dieser Verträge oder die Prü-

fung  der  angefochtenen  Baubewilligung  im  Lichte  von  § 245  der  Kirchen-

ordnung  der  evangelisch-reformierten  Landeskirche  des  Kantons  Zürich 

(LS  181.10)  fällt  vielmehr  in  die  Zuständigkeit  der  kirchenrechtlichen 

Rechtmittelbehörden, welche diesbezüglich bereits angerufen worden sind. 

Die Rekurrierenden T. und L. P.  haben die Kirchgemeindeabstimmung er-

folgslos bei der Bezirkskirchenpflege Winterthur angefochten. Dagegen ha-

ben  sie  am  19.  September  2012  bei  der  Rekurskommission  der  evange-

lisch-reformierten  Landeskirche  des  Kantons  Zürich  rekurriert  (Dossier  G.-

Nr. R4.2012.00136, act. 24). 

6. 

Die Rekurrierenden rügen eine Verletzung der gesetzlichen Aussteckungs-

pflicht  (§  311  PBG),  verkennen  dabei  aber  deren  Zweck  und  Bedeutung. 

Die Aussteckung im Sinne von § 311 PBG dient in erster Linie dazu, Nach-

barn  auf  ein  geplantes  Bauvorhaben  und  dessen  mögliche  Auswirkungen 
auf  deren  Grundstücke  aufmerksam  zu  machen  und  so  auf die  öffentliche 

R4.2012.00126 

Seite 11 

 
 
Bekanntmachung des Vorhabens (§ 314 Abs. 1 PBG) sowie die öffentliche 

Auflage der Baugesuchsunterlagen (§ 314 Abs. 4 PBG) hinzuweisen. Bau-

liche  Änderungen  im  Gebäudeinnern,  welche  nach  Aussen  visuell  nicht  in 

Erscheinung  treten,  können  naturgemäss  nicht  ausgesteckt  werden  (hier 

etwa der vorgesehene Einbau der Steuerungsanlage im Chorestrich); das-

selbe gilt auch etwa für reine Nutzungsänderungen. Bei solchen Vorhaben 

muss  der  Hinweis  der  öffentlichen  Bekanntmachung  demnach  entfallen. 

Die Aussteckung hat nur die wesentlichen Gebäude- und Anlageteile zu er-

fassen. Bezüglich der genauen Dimensionierung und Detailgestaltung sind 

einzig  die  von  der  Bauherrschaft  einzureichenden  Gesuchsunterlagen  (§ 

310 Abs. 1 PBG), deren Umfang und Inhalt in §§ 3 ff. der Bauverfahrens-

verordnung (BVV) genau umschrieben wird, massgebend.  

Das  vorliegende  Bauvorhaben  war  während  der  Publikationsdauer  vom 

20. April  bis  19.  Mai  2012  unbestrittenermassen  nicht  ausgesteckt.  Die 

Bauherrschaft  und  die  kommunale  Baubehörde  stellen  sich  dabei  auf  den 

Standpunkt,  die  Basisstation  sei  grösstenteils  im  Gebäudeinnern  geplant. 

Die  einzelnen  Antennenelemente  in  den  Turmfenstern  würden  von  einer 

Kunststoffverkleidung  kaschiert,  welche  im  Detail  kaum  visuell  nachvoll-

ziehbar profiliert werde könne. Deshalb sei bewusst auf eine Aussteckung 

verzichtet  worden.  Diese  Auffassung  ist  grundsätzlich  nachvollziehbar, 

auch  wenn  mit  einer  Profilierung  auf  den  bestehenden  Gittern  vor  den 

Turmfenstern  auf  das  geplante  Bauvorhaben  hätte  hingewiesen  werden 

können. Jedenfalls aber waren die Rekurrierenden, wie ihre Eingaben zei-

gen, ohne weiteres in der Lage, das strittige Bauvorhaben bezüglich aller in 

Frage  kommenden  Aspekte  umfassend  und  überaus  detailliert  anzufech-

ten. Von einer Verletzung des rekurrentischen rechtlichen Gehörs oder an-

derer verfassungsmässiger Grundsätze kann also nicht die Rede sein. Zu-

dem  haben  eine  grosse  Anzahl  von  Personen  sowie  der  Zürcher  Heimat-

schutz  die  Zustellung  des  angefochtenen  baurechtlichen  Entscheids  auch 

ohne Aussteckung rechtzeitig innerhalb der Publikationsfrist verlangt. 

7.1. 

Der Schutz der Umwelt vor elektromagnetischer Strahlung wird im Bundes-

gesetz  über  den  Umweltschutz  (USG)  sowie  in  der  bundesrätlichen  Ver-
ordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung vom 23. Dezem-
ber  1999  (NISV)  geregelt.  Das  Bundesamt  für  Umwelt  (BAFU;  früher 

BUWAL) konkretisierte die NISV mit Vollzugsempfehlungen (Mobilfunk- und 

R4.2012.00126 

Seite 12 

 
 
WLL-Basisstationen,  Vollzugsempfehlung  zur  NISV,  BUWAL/BAFU,  Bern 

2003  [Vollzugsempfehlung  NISV]).  Die  NISV  regelt  die  Begrenzung  von 

nieder- und hochfrequenten Strahlenemissionen, welche durch den Betrieb 

ortsfester  Anlagen,  wozu  auch  Mobilfunk-Basisstationen  gehören,  erzeugt 

werden  (Art.  2  Abs.  1  lit.  a  NISV).  Es  wurden  gemäss  den  gesetzlichen 

Vorgaben  von  Art.  13  USG  Immissionsgrenzwerte  und  in  Umsetzung  des 

Vorsorgeprinzips Anlagegrenzwerte festgelegt.  

7.2. 

Die Immissionsgrenzwerte (IGW) gelten an allen Orten, wo sich Menschen 

normalerweise  aufhalten  können  (Art.  13  Abs.  1  NISV)  und  stützen  sich 

konzeptionell  auf  die  Empfehlungen  bzw.  Richtlinien  der Weltgesundheits-

organisation  WHO  und  der 

internationalen  Strahlenschutzvereinigung 

ICNIRP ab. Die Anlagegrenzwerte (AGW) der NISV, welche von Mobilfunk-
anlagen  mit  einer  Gesamtstrahlungsleistung  von  über  6  WERP  zwingend 
eingehalten  werden  müssen  (Ziffern  61  und  64  Anhang  1  NISV),  gehen 

deutlich über den Schutzumfang der Immissionsgrenzwerte hinaus und ver-

langen in Konkretisierung der Bestimmung von Art. 4 Abs. 1 NISV an Orten 

mit empfindlicher Nutzung (OMEN), die in Art. 3 Abs. 3 NISV genannt wer-

den,  im  Vergleich  zu  den  Immissionsgrenzwerten  durchschnittlich  um  den 

Faktor 10 tiefere elektrische Feldstärken.  

Das Bundesgericht hat bei der Überprüfung der Verfassungs- und Gesetz-

mässigkeit der Grenzwertregelung der NISV in zahlreichen Urteilen festge-

halten, die Verordnung halte sich an den vom Umweltschutzgesetz  vorge-

zeichneten Rahmen des Immissionsschutzes, sei auch sonst gesetzeskon-

form  und  widerspreche  weder der Bundesverfassung  (BV)  noch der Euro-

päischen  Menschenrechtskonvention  (EMRK;  u.a.  BGr 1C_316/2007  vom 

30. April 2008, E. 5.1, und 1C_154/2009 vom 27. April 2010, E. 1.4). Folg-

lich ist die vorsorgliche Emissionsbegrenzung mit der Festlegung der Anla-

gegrenzwerte in der NISV abschliessend geregelt, womit im Einzelfall, ge-

stützt  auf  das  Vorsorgeprinzip  des  Umweltschutzgesetzes  oder  aus  ande-

ren  Gründen,  keine  weitergehende  Begrenzung  verlangt  werden  kann.  Es 

ist vielmehr ausschliesslich Aufgabe und auch Pflicht des Bundesrates als 

im Sinne von Art. 13 Abs. 1 USG zuständiger Gesetzgeber, aufgrund neuer 

allgemeingültiger  wissenschaftlicher  Erkenntnisse  die  allenfalls  notwendi-

gen Grenzwertanpassungen vorzunehmen. 

R4.2012.00126 

Seite 13 

 
 
Im Rahmen der am 1. September 2009 in Kraft getretenen Teilrevision der 

NISV hat der Bundesrat gestützt auf die bereits erläuterte wissenschaftliche 

Ausgangslage auf eine Grenzwertverschärfung verzichtet. Auch seither be-

stand  für  den  Gesetzgeber  aufgrund  des  Wissenschaftsstands  keine  Ver-

anlassung,  die  Grenzwerte  zu  lockern  oder  zu  verschärfen  (BRGE II 

Nrn. 0202-0203/2011  vom  6.  September  2011,  E.  9.2).  So  bewegen  sich 
die  Anlagegrenzwerte  – abhängig  von  der  jeweils  zu  beurteilenden  Fre-
quenz –  nach  wie  vor  zwischen  4  -  6  V/m.  Für  die  vorliegend  strittige 
UMTS-Basisstation gilt ein Maximalwert von 6 V/m (Ziffer 64 lit. b Anhang 1 

NISV). 

Die dargelegte gesetzliche Ausgangslage und die dazu entwickelte Recht-

sprechung haben ausserdem zur Folge dass  

  die allfällige Empfindlichkeit einzelner Bevölkerungsgruppen (zum Bei-
spiel  von  Betagten  oder  Kindern)  im  zu  beurteilenden  Einzelfall  nicht 
zur  Anwendung  strengerer  Grenzwerte  oder  anderer  zusätzlicher 
Massnahmen  des  Immissionsschutzes  führen  kann  (BRGE  I  Nr. 
0220/2011 vom 28. Oktober 2011, E. 6.3).  

  gestützt  auf  die  umweltschutzrechtlichen  Vorschriften  von  den  Betrei-
bergesellschaften  kein  Unbedenklichkeitsnachweis  ihrer  Mobilfunkan-
lagen verlangt werden kann (u.a. BRGE I Nr. 0052/2012 vom 23. März 
2012, E. 4.3). 

  die  Mobilfunkgesellschaften  innerhalb  der  Bauzonen  keinen  betriebli-
chen oder sendetechnischen Bedarfsnachweis für eine neue Basissta-
tion,  sei  diese  nun  aus  Gründen  der  fehlenden  Abdeckung  oder  zur 
Kapazitätssteigerung  geplant,  beibringen  müssen  (statt  vieler:  BGr 
1C_490/2010 vom 14. März 2011, E. 2.3).   

8.1. 

Die Ermittlung der Immissions- und Anlagegrenzwerte erfolgt mit Hilfe des 

vom  BAFU  entwickelten  Berechnungsmodells  für  hochfrequente  nichtioni-

sierende Strahlen (NIS-Berechnungsmodell), den sogenannten Standortda-

tenblättern.  Art.  11  Abs.  2  lit.  c  Ziff.  1  und  2  NISV  verlangt  Berechnungen 

einerseits  beim  strahlenmässig  exponiertesten  OKA  (Ort  für  den  kurzfristi-

gen  Aufenthalt  von  Menschen;  Immissionsgrenzwert)  und  andererseits  für 

jene  drei  Orte  mit  empfindlicher  Nutzung  (OMEN),  an  denen  die  elektro-

magnetische Strahlung  am  grössten  ist  (Anlagegrenzwert).  Bei komplexen 
Sendeanlagen mit zahlreichen Antennen oder sonst wie speziellen Verhält-

R4.2012.00126 

Seite 14 

 
 
nissen kann der Einbezug zusätzlicher OMEN sinnvoll oder gar erforderlich 

sein.  Darüber  hinaus  sind  die  Mobilfunkgesellschaften  nicht  zu  weiteren 

Grenzwertberechnungen verpflichtet (BRGE II Nr. 0146/2011 vom 21. Juni 

2011, E. 6.5). Diese werden von den Mobilfunkgesellschaften durchgeführt 

und müssen zwingend Teil des Baugesuchs sein. Es ist Aufgabe der kom-

munalen  Baubehörden,  das  jeweilige  Standortdatenblatt  zusammen  mit 

den übrigen Baugesuchsunterlagen auf ihre Vollständigkeit und Richtigkeit 

zu überprüfen oder von einer externen Fachstelle überprüfen zu lassen. 

Im Kanton Zürich verfügen einzig die Städte Winterthur und Zürich über ei-

ne  vom  BAFU  anerkannte  kommunale  NIS-Fachstelle.  Die  übrigen  Ge-

meinden lassen die Standortdatenblattberechnungen – wie im vorliegenden 
Fall – vom ebenfalls eidgenössisch anerkannten kantonalen Amt für Abfall, 
Wasser,  Energie  und  Luft  (AWEL),  Abteilung  Lufthygiene,  auf  ihre  inhaltli-

che  und  berechnungsmässige  Korrektheit  überprüfen  (http://www.bafu.ad-

min.ch/elektrosmog/ 01116/index.html?lang=de / vgl. Link Ziffer 2).  

8.2.  

Mit dem massgebenden Standortdatenblatt vom 14. Mai 2012 hat die Sun-

rise Immissionsprognosen für 2 OKA sowie für insgesamt 30 OMEN vorge-

nommen und dabei bei allen Berechnungsorten die Einhaltung der gesetzli-

chen  Grenzwerte  festgestellt  (Dossier  G.-Nr.  R4.2012.00126;  act. 16.12). 

Zum  selben  Resultat  kam  das  AWEL  in  seinem  Prüfbericht  vom  7. Juni 

2012  (Dossier  G.-Nr.  R4.2012.00126;  act.  16.18).  Bei  den  drei  strahlen-

mässig exponiertesten OMEN ergaben sich bei einem massgebenden An-

lagegrenzwert  von  6  V/m  zulässige  Gesamtfeldstärken  von  5,98 V/m 

(OMEN  14.1;  Dorfstrasse  53),  5,85  V/m  (OMEN  2;  Kirchstrasse  7)  und 

5,42 V/m (OMEN 12; Dorfstrasse 47). 

8.3. 

Das  ursprüngliche  Standortdatenblatt  für  das  strittige  Projekt  datiert  vom 

26. März  2012  (Dossier  G.-Nr.  R4.2012.00126;  act.  16.13).  Dieses  wurde 

mit Datum vom 14. Mai 2012 korrigiert (nachbereinigt), was im angefochte-

nen Beschluss erwähnt wird. Es ist davon auszugehen, dass die korrigierte 

Version  noch  nicht  Bestandteil  der  Baugesuchsauflage  war,  welche  am 

19. Mai 2012 endete. Die Rekurrierenden rügen dieses Vorgehen, weil sie 

vor der Bewilligungserteilung darüber nicht informiert worden seien. 

R4.2012.00126 

Seite 15 

 
 
Die  öffentlich  aufliegenden  Baugesuchsunterlagen  sind  in  der  Regel  dafür 

massgebend,  ob  die  Zustellung  des  baurechtlichen  Entscheids  im  Sinne 

von  §  315  Abs.  1  PBG  verlangt  wird  und  damit  das  Rekursrecht  gewahrt 

bleibt. Der Austausch oder die Änderung von Plänen und anderen Unterla-

gen zur Korrektur von kleineren Mängeln oder zur Vornahme untergeordne-

ter  Änderungen  eines  Baugesuchs  entsprechen  allerdings  gängiger  und 

grundsätzlich  zulässiger  Praxis  der  Baubewilligungsbehörden,  denn  die 

Pflicht zur Publikation jeder Änderung von Baugesuchsunterlagen wäre ein 

in  der  Sache  nutzloser  Verwaltungsaufwand.  Erst  wenn  mit  wesentlichen 

Projektänderungen die  (objektiven) Interessen  Dritter tangiert  werden  kön-

nen,  muss  zwingend  eine  erneute  öffentliche  Ausschreibung  durchgeführt 

werden (BRKE I Nr. 0014/2007 vom 26. Januar 2007, E. 4).  

Bei Änderungen technischer Parameter von Mobilfunk-Basisstationen nach 

der  öffentlichen  Auflage  des  Baugesuchs  hat  sich  die  Praxis  herausgebil-

det,  dass  eine  neue  Ausschreibung  u.a.  dann  unabdingbar  ist,  wenn  die 

Ausgangsleistungen  einzelner  Antennen  erhöht,  ihre  Senderichtung  geän-

dert oder die Neigungswinkelbereiche vergrössert werden. Untergeordnete 

Parameteränderungen,  welche  sich  immissionsmässig  nicht  nachteilig 

auswirken,  oder  Leistungsreduktionen  von  Antennen  bedürfen  hingegen 

keiner  erneuten  Publikation  (BRGE  I  Nrn.  0039-0040/2012  vom  2. März 

2012, E. 5.1). Im vorliegenden Fall wurde im Nachhinein einzig die Leistung 

der Antenne AU der Sunrise wegen der notwendigen Berücksichtigung ei-
nes  zusätzlichen  OMEN  von  ursprünglich  1'200  WERP  auf  700 WERP  redu-
ziert. Alle übrigen Parameter wurden mit dem Standortdatenblatt beibehal-

ten.  Für  diese  untergeordnete  Projektänderung,  welche  generell  zu  einer 

leichte Reduktion der elektromagnetischen Immissionen führen wird, bedarf 

es nach dem Gesagten keiner erneuten Baugesuchspublikation oder Orien-

tierung  potentieller  Rechtsmittelkläger,  womit  auch  keine  Verletzung  des 

rechtlichen Gehörs der Rekurrierenden vorliegen kann.  

Entgegen  rekurrentischer  Auffassung  haben  die  kommunalen  Behörden 

auch  im  Übrigen  im  Rahmen  eines  Baubewilligungsverfahrens  keine  über 

die  gesetzliche  Ausschreibung  eines  Bauvorhabens  hinausgehende  Infor-

mationspflicht,  etwa  mittels  Orientierungsversammlungen  (BRGE  IV  Nr. 

0188/2012 vom 6. Dezember 2012, E. 5).  

R4.2012.00126 

Seite 16 

 
 
8.4.1. 

Die Rekurrierenden rügen den immissionsmässigen Nichteinbezug der be-

stehenden  Antennenanlagen  in  die  Standortdatenblattberechnungen.  Er-

wähnt werden dabei explizit die Funkantennen von Feuerwehr und Polizei 

sowie  die  Mobilfunk-Basisstationen  beim  Kindergarten  Wanne  und  beim 

Bahnhof. 

Der  Anlagegrenzwert  ist  die  gesetzliche  Emissionsbegrenzung  für  die  von 

einer geplanten Anlage allein emittierten Strahlung (Art. 3 Abs. 6 NISV). Als 

für die Berechnung des Anlagegrenzwertes massgebend gelten neben der 

neu geplanten Basisstation gemäss Ziffer 62 Abs.1 und 2 Anhang 1 NISV 

auch  Antennen  bzw.  Antennengruppen  am  selben  Mast,  auf  demselben 

Gebäude  und  solche,  die  aus  einem  engen  räumlichen  Zusammenhang 

senden.  Letzterer  ist  in  Ziffer  62  Abs.  3  und  4  Anhang  1  NISV  als  so  ge-

nannter  Anlageperimeter  definiert  (BRGE  II  Nrn.  0091-0092/2011  vom 

12. April  2011,  E.  5.2).  Bei  der  Berechnung  des  Anlagegrenzwerts  ist  die 

Strahlung  bestehender  Mobilfunk-Basisstationen  im  Sinne  von  Art.  8  USG 

also  nur  dann  zu  berücksichtigen,  wenn  die  Kriterien  von  Ziffer  62  Abs. 1 

bis  4  Anhang  1  NISV  erfüllt  sind.  Andere  elektromagnetische  Emittenten 

sind 

für  die  Anlagegrenzwertberechnungen  ohnehin  bedeutungslos 

(BRGE I  Nr.  0220/2011  vom  28.  Oktober  2011,  E.  7.3).  Im  vorliegenden 

Fall  beträgt  der  Anlageperimeter  118  m  (Dossier  G.-Nr.  R4.2012.00126; 

act. 16.12, S. 7). In diesem Umkreis steht unbestrittenermassen weder eine 

andere  Mobilfunk-Basisstation  in  Betrieb  noch  wurde  eine  solche  bisher 

bewilligt.  Einzig  die  Funkantenne  für  das  Alarmsystem  der  Feuerwehr  auf 

dem Werkgebäude der Gemeinde befindet sich mit einer Distanz von rund 

100 m innerhalb des genannten Anlageperimeters, ist jedoch als nicht per-

manent  in  Betrieb  stehende  "übrige  Funkanwendung"  im  Sinne  von  Ziffer 

71 Abs. 1 Anhang 1 NISV nicht in die Anlagegrenzwertberechnungen ein-

zubeziehen.  Die  POLYCOM-Antennen  der  Polizei  wurden  nicht  im  Dorf-

zentrum, sondern weit ausserhalb des Anlageperimeters bei der bestehen-

den Mobilfunk-Basisstation im Rebberg oberhalb des Dorfes montiert.  

8.4.2. 

Auch  bei  der  Berechnung  des  vorliegend  deutlich  eingehaltenen  Immissi-
onsgrenzwertes (37,01 V/m ≙ 62 % des IGW) musste die bestehende nie-
der- und hochfrequente Strahlung nicht berücksichtigt werden. Bei den Im-
missionsgrenzwertberechnungen ist der Kreis der allenfalls einzubeziehen-

den elektromagnetischen Strahlenquellen zwar grundsätzlich weiter zu zie-

R4.2012.00126 

Seite 17 

 
 
hen. Art. 8 USG will, wie bereits erwähnt, Einwirkungen auf die Umwelt so-

wohl einzelnen als auch gesamthaft und nach ihrem Zusammenwirken be-

urteilt haben. Mit dieser programmatischen Vorschrift wollte der Gesetzge-

ber  den  Grundsatz  der  ganzheitlichen  Betrachtungsweise  von  Einwirkun-

gen  auf  die  Umwelt  gesetzlich  verankern.  Sie  basiert  auf  der  Erkenntnis, 

dass  einzelne  Belastungen  der  Umwelt  isoliert  betrachtet  oftmals  nur  ge-

ringfügig  sind,  durch  ihr  Zusammentreffen  aber  zu  gravierenden  Beein-

trächtigungen  der  Umwelt  führen  können  (BRKE  I  Nr.  0162/2007  vom  29. 

Juni 2007, E. 9.4.2).  

Die Handhabung von Art. 8 USG stösst allerdings schnell an Grenzen, weil 

die  verschiedenen  Arten  von  Immissionen  nicht  einfach  addiert  werden 

können  (Heribert  Rausch/Peter  M.  Keller,  Kommentar  zum  USG,  Rz. 1 ff. 

zu  Art.  8).  Dass  Lärm,  Staub  und  Erschütterungen  sowie  elektromagneti-

sche Strahlung nicht zusammengezählt werden können, liegt auf der Hand. 

Das  Umweltschutzgesetz  und  seine  Ausführungsvorschriften  schliessen 

aus  Praktikabilitätsgründen  eben  auch  eine  Addition  nieder-  und  hochfre-

quenter  Strahlen  aus,  was  auf  den  ersten  Blick  nicht  plausibel  erscheint. 

Niederfrequente  elektromagnetische  Wellen,  wie  sie  zum  Beispiel  von 

Fahrleitungen,  Maschinen  oder  elektrischen  Hausinstallationen  erzeugt 

werden,  haben  jedoch  eine  völlig  unterschiedliche  biologische  Wirkungs-

weise  im  Vergleich  zu  hochfrequenten  elektromagnetischen  Feldern  von 

Mobilfunkanlagen.  Niederfrequente  elektromagnetische  Strahlung  induziert 

im menschlichen Körper elektrische Ströme, was zu keiner Erwärmung des 

Körpergewebes führt. Hochfrequenzstrahlung wird teilweise vom Körper re-
sorbiert, was – wie bereits dargelegt – zu einer mehr oder weniger grossen 
Zellerwärmung führen kann. Eine wissenschaftlich einwandfrei begründba-

re  bzw.  objektiv  nachvollziehbare  sowie  berechnungstechnisch  haltbare 

gemeinsame  Summierungsvorschrift  für  nieder-  und  hochfrequente  elekt-

romagnetische  Strahlung  kann  es  folglich  nicht  geben  (BGr 1A.140/2003 

vom 18. März 2004, E. 4.1; vgl. auch BGr 1C_462/2007 vom 29. April 2008, 

E. 6). Die sich konsequenterweise daraus ergebende Lösung in der NISV, 

getrennte  Summierungsvorschriften  im  Nieder-  und  Hochfrequenzbereich 

festzulegen,  widerspricht  daher  im  Ergebnis  Art. 8  USG  nicht  (BGr 

1A.142/2006  vom  4.  Dezember  2006,  E.  4.1  mit  Verweisen).  Der  Gesetz-

geber  hat  die  Problematik  der  Anwendbarkeit  von  Art. 8  USG  jedoch  da-
durch eliminiert, indem er bei der Festsetzung der Grenzwerte der NISV  – 

R4.2012.00126 

Seite 18 

 
 
wie bereits festgehalten – grosse Sicherheitsmargen eingebaut hat (BRGE 
II Nr. 0179/2012 vom 6. November 2012; E. 7.3). 

8.5. 

Rekurrentischerseits wird gerügt, die von der Bauherrschaft in Aussicht ge-

stellten  Abschirmungsmassnahmen  gegen  die  elektromagnetische  Strah-

lung der Basisstation seien lückenhaft und würden rechtsungleich gehand-

habt. So würden zum Beispiel Vögel und Fledermäuse im Bereich des Kir-

chengebäudes  durch  Abschirmungsmassnahmen  geschützt,  nicht  jedoch 

die  Nistplätze  der  geschützten  Mehlschwalben  bei  der  benachbarten  Lie-

genschaft der Rekurrierenden  G. und A. S.. Auch beim Kirchenraum fehle 

eine durchgehende Abschirmung. 

Elektromagnetische Strahlung wird beim Durchtritt durch die Gebäudehülle 

oder  auch  innerhalb  des  Gebäudes  durch  Mauern  und  Decken  je  nach 

verwendetem  Baumaterial  mehr  oder  weniger  stark  gedämpft  d.h.  abge-

schwächt,  kann  also  im  Gebäudeinnern  deutlich  weniger  intensiv  sein 

(BRKE IV Nr. 0081/2010 vom 22. April 2010, E. 7.3.1). Diese physikalische 

Gegebenheit  wird  grundsätzlich  in  die  Grenzwertberechnungen  einbezo-

gen,  wobei  für  die  gebräuchlichsten  Baumaterialien  folgende  Dämpfungs-

werte einzusetzen sind (Vollzugsempfehlung NISV, S. 25): 

Material 
Eisenbeton 
Metall 
Backstein 
Holz 
Ziegel 
Glas 

Dämpfung in dB 
15 
15 
5 
0 
0 
0 

≙ Rechnungsfaktor 
31.62 
31.62 
3.16 
1 
1 
1 

Bei  Holz,  Ziegel  und  Glas  wird  das  physikalisch  eigentlich  vorhandene, 
aber geringe Dämpfungspotential (zu Gunsten des Immissionsschutzes) al-

so  grenzwerttechnisch  negiert  und  mit  dem  neutralen  Rechnungsfaktor  1 

bewertet. 

In Ergänzung zur vorhandenen baulichen Dämpfung können zur Reduktion 

der  elektromagnetischen  Strahlung  im  Bereich  von  OMEN  strahlendäm-

mende Materialien, zumeist metallische Folien, eingebaut werden, um den 

Anlagegrenzwert  einhalten  zu  können.  Solche  Folien  haben  in  der  Regel 

die  volle  Dämpfung  von  15  dB  mit  dem  Rechnungsfaktor  von  31,62 
(BRGE II  Nr. 0201/2011  vom  6. September 2011,  E.  5.2). Eine  solche  zu-

R4.2012.00126 

Seite 19 

 
 
sätzliche  Abschirmung  kann  im  Sinne  des  Immissionsschutzes  der  NISV 

jedoch  nur  dann  zum  Thema  werden,  wenn  der  Anlagegrenzwert  sonst 

überschritten  würde.  Ist  eine  Grenzwerteinhaltung  bei  den  massgebenden 

OMEN  auch  ohne  zusätzliche  Abschirmung  möglich,  können  die  Mobil-

funkgesellschaften im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens nicht zu ei-

ner solchen verpflichtet werden. Diesbezüglich ist u.a. auf die vorstehenden 

Erwägungen unter Ziffer 7.2 zu verweisen, wonach über die Einhaltung der 

Anlagegrenzwerte  hinaus  keine  weitere  Emissionsbegrenzung  verlangt 

werden kann.  

Zusätzliche,  über  die  Vorschriften  der  NISV  hinausgehende  Abschir-

mungsmassnahmen  können  zwar  zwischen  den  Mobilfunkgesellschaften 

und  betroffenen  Liegenschaftseigentümern  vertraglich  vereinbart,  im  Rah-

men eines öffentlich-rechtlichen Baubewilligungs- bzw. Rechtsmittelverfah-

rens jedoch nicht durchgesetzt werden.  

Die Standortdatenblattberechnungen vom 14. Mai 2012 zeigen, dass beim 

OMEN  1A  im  Kirchenraum  für  die  Erreichung  des  Anlagegrenzwerts  eine 

Abschirmung mit dem Faktor von 31,62 eingebaut werden muss (wohl eine 

Folie im Estrich über dem Kirchenschiff), bei den übrigen OMEN der mass-

gebende  Anlagegrenzwert  von  6  V/m  jedoch  ohne  zusätzliche  Abschir-

mungs-  bzw.  Dämpfungsmassnahmen  eingehalten  werden  kann.  Damit 

kann  die  Sunrise  entgegen  rekurrentischer  Auffassung  nicht  zu  zusätzli-

chen  strahlendämpfenden  Massnahmen  weder  in  der  Kirche  noch  im  Be-

reich der rekurrentischen Liegenschaften verpflichtet werden. Wie die nach-

folgenden  Ausführungen  zudem  zeigen  werden,  können  Tiere  wie  Vögel 

oder Fledermäuse ohnehin keinen erweiterten Immissionsschutz beanspru-

chen. 

8.6.1. 

Die Rekurrierenden befürchten, dass die elektromagnetische Strahlung der 

Basisstation das Verhalten der in der Umgebung zahlreich lebenden Vögel 

und  Fledermäuse  nachhaltig  beeinträchtige  würde.  Es  müsse  sogar  damit 

gerechnet werden, dass diese Tiere die Kirche und deren Umgebung künf-

tig mieden. Damit gingen auch deren Nistplätze verloren. 

Gemäss  Art.  1  NISV  soll  die  Verordnung  Menschen  vor  schädlicher  oder 

lästiger  nichtionisierender  Strahlung  schützen.  Auch  im  Folgenden  nimmt 
die  Verordnung,  soweit  sie  sich  diesbezüglich  äussert,  ausschliesslich  auf 

R4.2012.00126 

Seite 20 

 
 
den Schutz des Menschen Bezug; Tiere werden nicht erwähnt. Besonders 

hervorzuheben  ist  diesbezüglich  Art.  3  NISV,  mit  welcher Bestimmung  die 

Orte mit empfindlicher Nutzung durch den Menschen definiert werden. Der 

fokussierte, explizite Schutz der NISV beschränkt sich somit auf den Men-

schen. Im Lichte von Art. 1 Abs. 1 USG, welche Bestimmung die gesamte 

Biosphäre  vor  übermässigen  Einwirkungen  schützen  will,  stellt  sich  aber 

durchaus  die  Frage,  ob  und  in  welcher  Form  die  NISV  nicht  auch  Tieren 

Schutz gewähren kann bzw. soll.  

8.6.2.  

Wissenschaft  und  Rechtsprechung  grundsätzlich  davon  aus,  dass  Tiere 

nicht empfindlicher auf nichtionisierende Strahlung reagieren als Menschen 

und  sie  mit  der  Verordnung,  obgleich  darin  nicht  genannt,  mitgeschützt 

werden.  Für  Tiere  kann  also  insoweit  die  Einhaltung  der  Grenzwerte  der 

NISV  beansprucht  werden,  als  diese  wegen den  dort lebenden und  arbei-

tenden  Menschen  ohnehin  gelten  (BRKE I  Nr. 0064/2009  vom  7.  April 

2009, E. 10.2, in BEZ 2011 Nr. 18; www.baurekursgericht-zh.ch). Dies dürf-

te vor allem für Haustiere sowie für Nutztiere im Bereich von Ställen, nicht 

jedoch für freilebende Wildtiere und weidende Nutztiere  zutreffen. Für sol-

che  ist  der  Schutzumfang  mangels  einer  expliziten  Regelung  jeweils  im 

Rahmen  einer  Einzelfallbeurteilung  gestützt  auf  die  Bestimmungen  des 

USG zu prüfen (BGr 1C_450/2010 vom 12. April 2011, E. 3.3).  

Dabei stellt sich die Frage, ob und in welcher Weise eine sinngemässe Be-

achtung der Immissions- und Anlagegrenzwerte Platz greifen kann. Sowohl 

im  Sinne  einer  allgemeinen,  ethischen  Betrachtungsweise  wie  auch  im 

Lichte  von  Art.  1  Abs.  1  USG  kann  es  bei  dieser Beurteilung  in  der Regel 

keine  Rolle  spielen,  ob  Wildtiere  unter  Artenschutz  stehen  oder  nicht 

(BRGE III Nrn. 0085 und 0086/2011 vom 1. Juni 2011, E. 13.3; bestätigt mit 

VB.2011.00444 vom 24. November 2011 und BGr 1C_31/2012 vom 6. Juni 

2012).  Eine  andere  Betrachtungsweise  drängte  sich  nur  dann  auf,  wenn 

Mobilfunkstrahlung den generellen Weiterbestand einer geschützten Tierart 

erwiesenermassen  gefährden  würde  (BGr  1C_450/2010  vom  12.  April 

2011,  E.  3.5),  was  hier  jedoch  nicht  zutrifft  und  von  den  Rekurrierenden 

auch nicht geltend gemacht wird. Ihnen geht es im Wesentlichen um die im 

Bereich der Kirche und deren Umgebung lebenden Vögel und Fledermäu-
se.  

R4.2012.00126 

Seite 21 

 
 
8.6.3.  

Bei der Prüfung des Schutzumfangs der Immissionsgrenzwerte sind die für 

den  Schutz  vor  Luftverunreinigung  aufgestellten  materiellen  Grundsätze 

von  Art.  14  lit.  a  und  b  USG  massgebend  (BRGE  I  Nr.  0228/2011  vom 

11. November  2011,  E.  5.4.3).  Danach  sind  die  Immissionsgrenzwerte  so 

festzulegen,  dass  nach  dem  Stand  der  Wissenschaft  oder  der  Erfahrung 

Immissionen  unterhalb  dieser  Werte  Menschen,  Tiere  und  Pflanzen,  ihre 

Lebensgemeinschaften  und  Lebensräume  nicht  gefährden  und  die  Bevöl-

kerung in ihrem Wohlbefinden nicht erheblich stören. Insofern stellt sich die 

Frage,  ob  von  den  Immissionsgrenzwerten  der  NISV  unbesehen  des  vor-

stehend Dargelegten nicht doch ein Schutz für Tiere und Pflanzen ausgeht 

bzw. ausgehen sollte. Diese Frage ist insoweit eher theoretischer Natur, als 

es  nach  der  Darlegung  des  BAFU  kaum  wissenschaftliche  und  damit 

brauchbare Untersuchungen über die Auswirkungen von nichtionisierender 

Strahlung auf Wild-, Nutz- und Haustiere gibt, welche eine gesicherte Risi-

kobeurteilung zulassen würden.  

Das  Bundesgericht  kam  in  seinem  Urteil  BGr  1C_338/2007  vom  24. April 

2008 unter Bezugnahme auf eine Studie denn auch zum Schluss, es gebe 

keine wissenschaftlichen Hinweise auf eine konkrete Gefährdung von Brief-

tauben durch Mobilfunkstrahlung, welche eine Reduktion der Antennenleis-

tung oder andere Massnahmen rechtfertigten (E. 4.2). Diese höchstrichter-

liche Feststellung hat analog auch für die übrigen Vogelarten (wie etwa für 

Mehlschwalben oder Störche) zu gelten.  

Zur selben Erkenntnis kam das Bundesgericht in Bezug auf Fledermäuse. 

Es erwog in Bestätigung eines Urteils der Baurekurskommission I und des 

Verwaltungsgerichts  des  Kantons  Zürich,  es  gebe  keine  gesicherten  wis-

senschaftlichen  Erkenntnisse,  dass  die  elektromagnetische  Strahlung  von 

Mobilfunk-Basisstationen schädlich auf Fledermäuse einwirke (etwa bezüg-

lich  des  Orientierungssinns)  oder  die  Aktivitäten  der  Tiere  signifikant  ein-

schränke (BGr 1C_450/2010 vom 12. April 2011, E. 3.4 und 3.5). 

8.6.4.  

Unabhängig  von  der  bestehenden  Umweltbelastung  sind  Emissionen  im 

Rahmen  der  Vorsorge  so  weit  zu  begrenzen,  als  dies  technisch  und  be-

trieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist (Art.11 Abs. 2 USG). Bei der 

Mobilfunkstrahlung  ist  allerdings  zu  berücksichtigen,  dass  diese  keine  un-
erwünschte  Begleiterscheinung  des  Betriebs  ist  (im  Gegensatz  etwa  zu 

R4.2012.00126 

Seite 22 

 
 
Luftschadstoffen,  Lärm  oder  den  elektromagnetischen  Feldern  von  Hoch-

spannungsleitungen),  sondern  der  Datenübermittlung  dient,  also  eigentli-

cher Zweck  der Anlage  ist.  Jede  Begrenzung  der Mobilfunkstrahlung  wirkt 

sich deshalb auf Kapazität und Qualität der Mobilfunkversorgung aus, bzw. 

hat  zur  Folge,  dass  es  zusätzlicher  Antennenstandorte  bedarf,  um  eine 

qualitativ gute Versorgung sicherzustellen.  

Die von der NISV vorsorglich statuierten Anlagegrenzwerte müssen nur an 

Orten  mit  empfindlicher  Nutzung  eingehalten  werden,  was  in  der  Regel 

durch eine günstige Standortwahl sowie durch eine Optimierung der Anten-

nenhöhe  sowie  der  Abstrahlrichtungen  erreicht  werden  kann,  ohne  dass 

Antennenleistungen  substantiell  reduziert  werden  müssen.  Diese  Möglich-

keit  würde  nicht  mehr  bestehen,  wenn  vorsorgliche  Emissionsbegrenzun-

gen  im  gesamten,  den  Vögeln  oder  Fledermäusen  zugänglichen  Luftraum 

einzuhalten wären (BGr 1C_338/2007 vom 24. April 2008,  E. 4.3; BRGE II 

Nr. 0179/2012 vom 6. November 2012, E. 8.4). Damit sind im vorliegenden 

Fall  keine  über  die  NISV  hinausgehenden  vorsorglichen  Immissionsbe-

grenzungen anzuordnen. 

8.7. 

Im  Weiteren  rügen  die  Rekurrierenden  T.  und  L.  P.    eine  unvollständige 

Grenzwertberechnung im Bereich ihrer Liegenschaft. Für die Personalzim-

mer  im  2. Obergeschoss  sei  fälschlicherweise  kein  OMEN  bestimmt  wor-

den.  

Gemäss Standortdatenblatt vom 14. Mai 2012 ist für diese Liegenschaft der 

OMEN  13  mit  einer  deutlich  grenzwertkonformen  elektrischen  Feldstärke 

von  3,44  V/m  ausgewiesen,  wobei  der  OMEN  auf  einer  Höhe  von  8,2 m 

über  Boden  errechnet  wurde  (Dossier  G.-Nr.  R4.2012.00126;  act.  16.12, 

S. 38/39). Dieser Ort an der südwestlichen Ecke der Liegenschaft, welche 

über  einem  erhöhten  Untergeschoss  (Hochparterre)  zwei  Vollgeschosse 

sowie zwei Dachgeschosse unter einem Satteldach aufweist, ist mit einem 

direkten  Antennenabstand  von  zwischen  36,5  m  bis  41,6  m  der  immissi-

onsmässig exponierteste OMEN dieses Gebäudes. Dies auch darum, weil 

die  südwestliche  Gebäudeecke  die  geringste  horizontale  Richtungsab-

schwächung  zum  Hauptstrahl  der  nächstgelegenen  Antennen  AU  (Azimut 
80°;  Sunrise),  U1  (Azimut  80°;  Orange),  AU  und  1_SC21  (Azimut  85°; 
Swisscom)  aufweist.  Von  lückenhaften  Standortdatenblattberechnungen 

kann folglich keine Rede sein, zumal die Liegenschaft Dorfstrasse 49 nicht 

R4.2012.00126 

Seite 23 

 
 
zu  den  meistbelasteten  Orten  mit  empfindlicher  Nutzung  im  Sinne  von 

Art. 11 Abs. 2 lit. Ziff. 2 NISV gehört. Im Übrigen haben sogar die Rekurrie-

renden eingeräumt, dass selbst nach ihrer (nicht zutreffenden) Immissions-

prognose  der  Anlagegrenzwert  bei  den  Personalzimmern  nicht  überschrit-

ten werde. Schliesslich bleibt in diesem Zusammenhang festzuhalten, dass 

der  OMEN  1A  den  Kirchenraum  und  nicht  das  Turmzimmer  betrifft,  was 

schon  aus  dem  Situationsplan  1:1000  ohne  weiteres  hervorgeht  (Dossier 

G.-Nr.  R4.2012.00126;  act.  16.12.1).  Mit  dem  vorgesehenen  Einbau  einer 

strahlendämpfenden Schicht in den Boden der Glockenebene (Dossier G.-

Nr.  R4.2012.00126;  act.  16.8  und  16.11)  werden  die  darunter  liegenden 

Räumlichkeiten mit einer Dämpfungsfaktor von 15 dB abgeschirmt (vgl. die 

voranstehenden Erwägungen), womit der Anlagegrenzwert von 6 V/m auch 

im  unterhalb  der  Glockenebene  situierten  Turmzimmer  problemlos  einge-

halten werden. Auch im Übrigen konnte sich das Baurekursgericht von der 

Richtigkeit der Standortdatenblattberechnungen überzeugen. 

9.  

Ergibt die mit dem NIS-Berechnungsmodell durchgeführte Immissionsprog-

nose eine deutliche Einhaltung der Immissions- und Anlagegrenzwerte, ist 

eine  zusätzliche  Messung  der  elektromagnetischen  Strahlung  nach  Inbe-

triebnahme der Anlage nicht notwendig. Abnahmemessungen im Sinne ei-

ner Kontrollmassnahme rechtfertigen sich jedoch vor allem dann, wenn die 

Grenzwerte  knapp  eingehalten  werden.  Nach  gefestigter  Rechtspraxis 

müssen  Abnahmemessungen  durchgeführt  werden,  wenn  die  Grenzwerte 

zu  80  %  oder  mehr  ausgeschöpft  werden,  wobei  die  Sachumstände  im 

konkreten  Einzelfall  eine  tiefere  Schwelle  rechtfertigen  können  (Vollzugs-

empfehlung NISV, S. 18, Ziff. 2.1.8; BGr 1A.160/2004 vom 10. März 2005, 

E. 3; BRKE II Nr. 0146/2011 vom 21. Juni 2011, E. 7.1).  

Die  Sunrise  wurde  von  der  kommunalen  Baubehörde  mit  Dispositiv-Zif-

fer I.I.1.1  des  angefochtenen  Beschlusses  zu  Abnahmemessungen  nach 

Anlageinbetriebnahme  an  insgesamt  13  verschiedenen  Orten  verpflichtet, 

u.a. in sachgerechter Weise an allen OMEN, bei welchen eine elektromag-
netische  Feldstärke  von  zumindest  4,8  V/m  (≙  80  %  des  AGW)  erreicht 
wird. Zusätzlich hat die Baubehörde an mehreren Orten Abnahmemessun-
gen angeordnet, obwohl die 80 %-Schwelle nicht erreicht wird oder dort gar 
kein OMEN ausgewiesen wird. Ob dies zwingend notwendig gewesen wä-
ren,  braucht  –  da  von  der  Sunrise  nicht  angefochten  und  folglich  akzep-

R4.2012.00126 

Seite 24 

 
 
tiert –  nicht  weiter  geprüft  zu  werden  (BRKE  I  Nr.  0069/2008  vom  4. April 
2008,  E.  10).  Die  Rekurrierenden  sind  durch  an  sich  nicht  indizierte  Ab-

nahmemessungen in keiner Weise beschwert.  

10.  

Die  schweizerischen  Mobilfunkgesellschaften  wurden  aufgrund  eines  Bun-

desgerichtsurteils  gestützt  auf  Art.  12  NISV  verpflichtet,  bis  zum 

31. Dezember  2006  ein  QS-System  (Qualitätssicherungssystem)  für  ihre 

Basisstationen  einzurichten,  bei  welchem  die  bewilligten  Antenneneinstel-

lungen (Hard- und Softwarekomponenten) zu Kontrollzwecken in einheitlich 

aufgebaute  Datenbanken  implementiert,  dort  laufend  aktualisiert,  regel-
mässig  überprüft  und  –  sofern  Unregelmässigkeiten  festgestellt  werden – 
innert  Kürze  auf  das  bewilligte  Mass  korrigiert  werden.  Die  QS-Systeme 

von  Orange,  Sunrise  und  Swisscom  wurden  von  den  Fach-  und  Rechts-

mittelbehörden  als  hinreichender  Qualitätsmanagementsnachweis  u.a.  im 

Sinne des die Mobilfunkgesellschaften verpflichtenden Rundschreibens des 

BAFU  vom  16.  Januar  2006,  welches  die  bundesgerichtlichen  Kontrollvor-

gaben  beim  Betrieb  von  Mobilfunkanlagen  konkretisiert,  anerkannt  (u.a. 

BRKE I Nrn. 0146-0147/2009 vom 29. Mai 2009, E. 13.4, mit Hinweisen auf 

die bundesgerichtliche Rechtsprechung).  

Mit  den  QS-Systemen  werden  alle  relevanten  Parameter  einer  bewilligten 

Basisstation,  also  auch  diejenigen,  welche  von  der  Netzzentrale  aus  ge-

steuert werden können (etwa die Abstrahlungswinkel), erfasst. Mittels einer 

automatisierten  Überprüfungsroutine  werden  einmal  pro  Arbeitstag  die  ef-

fektiv  eingestellten  Sendeleistungen  und  Senderichtungen  sämtlicher  An-

tennen mit den bewilligten Werten verglichen (VB.2010.00274 vom 8. Sep-

tember 2010, E. 6.2). Abweichungen von den bewilligten Antennenparame-

tern wären folglich sofort erkennbar und könnten umgehend behoben wer-

den. Zudem haben die Mobilfunkgesellschaften gemäss erwähntem Rund-

schreiben  des  BAFU  u.a.  den  kantonalen  Fachstellen  periodisch  allfällige 

QS-Fehlerprotokolle  zuzustellen.  Den  kantonalen  Fachstellen  steht  zudem 

eine  Online-Datenbank  zur  unangemeldeten  Kontrolle  der  bewilligten  An-

tennenparameter zur Verfügung.  

Aus diesen Gründen darf bei den Grenzwertberechnungen nach gefestigter 

Rechtsprechung  auf  die  im  Baugesuch  bzw.  in  den  Standortdatenblättern 
deklarierten Antennenleistungen und Neigungswinkel (Tilts) abgestellt wer-

R4.2012.00126 

Seite 25 

 
 
den, auch wenn die verwendeten Komponenten rein technisch gesehen ei-

ne höhere Leistung zuliessen (BGr 1C_282/2008 vom 7. April 2009, E. 3.1 
–  3.5).  Damit  gehen  die  rekurrentischen  Befürchtungen,  im  Nachhinein 
könnten  jederzeit  andere  Antennen  installiert  werden,  ins  Leere.  Solche 

(baubewilligungspflichtigen) Änderungen würden vielmehr sofort erkannt.  

11.  

Die Rekurrierenden bestreiten zumindest implizit die Zonenkonformität der 

Basisstation.  Die  Versorgung  der Bevölkerung  mit  Mobilfunkdiensten  steht 

im öffentlichen Interesse (BGr 1C_403/2010 vom 31. Januar 2011, E. 4.3), 

auch wenn die entsprechenden Netze von privatwirtschaftlich organisierten 

und  gewinnorientierten  Firmen  wie  u.a.  der  Swisscom  aufgebaut  werden. 

Grundsätzlich  werden  Mobilfunk-Basisstationen  der  vorliegend  strittigen 

Grösse  und  Leistung  innerhalb  des  Bauzonengebiets  regelmässig  als  zo-

nenkonforme  Infrastrukturanlagen  qualifiziert,  sofern  ein  funk-  bzw.  abde-

ckungstechnischer Bezug zur Zone besteht, in welcher sie errichtet werden 

sollen.  Erst  wenn  die  baulichen  und  leistungsmässigen  Ausmasse  einer 

Basisstation den Rahmen des Üblichen sprengen oder sie im Wesentlichen 

nicht den Mobilfunkbedürfnissen des Quartiers dient, sondern weit darüber 

hinaus  Versorgungsfunktionen  wahrnehmen  soll,  kann  eine  solche  Anlage 

vor  allem  in  Wohnzonen,  in  denen  nur  nicht  störende  Betriebe  zulässig 

sind,  nicht  mehr  von  vornherein  als  zonenkonform  qualifiziert  werden 

(BRKE II Nr. 0275/2010 vom 23. November, E. 6). Im Lichte der Zonenkon-

formität nicht erforderlich ist also, dass die mit einer Basisstation aufgebau-

te  Funkzelle  ausschliesslich  der  Mobilfunkversorgung  im  betreffenden 

Quartier  dient.  Zudem  darf  diese  teilweise  auch  Nichtbaugebiet  erfassen 

(BGr 1C_403/2010 vom 31. Januar 2011, E. 4.3).  

Mit einer möglichen Maximalleistung von insgesamt 10'550 WERP weist die 
streitbetroffene Anlage in Anbetracht dessen, dass sie von Orange, Sunrise 

und Swisscom gemeinsam betrieben werden soll, keine überdurchschnittli-

che  Leistung  auf.  Mit  ihrer  Basisstation  wollen  die  drei  Mobilfunkgesell-

schaften vor allem ihren Kunden im Dorfzentrum von  W. sowie in den an-

grenzenden  Quartieren  ein  schnelleres  und  damit  auch  kapazitätsmässig 

optimiertes  Mobilfunknetz  zur  Verfügung  stellen 
(Dossier  G.-Nr. 
R4.2012.00126; act. 16.11). Es geht hier also – wie bei nahezu allen aktu-
ellen  Mobilfunk-Baugesuchen  innerhalb  des  Siedlungsgebiets  –  nicht  da-
rum, irgendwelche Netzabdeckungslücken zu schliessen. Mit solchen neu-

R4.2012.00126 

Seite 26 

 
 
en Anlagen sollen vielmehr die vor allem durch die immer häufiger verwen-

deten Smartphones, welche zahlreich genutzte Zusatzdienste (wie etwa ei-

nen  stark  verbesserten  Internetzugang)  bieten,  entstandenen  Kapazitäts-

engpässe  eliminiert  werden.  Damit  erweist  sich  die  Basisstation  im  Sinne 

der dargelegten Rechtsprechung ohne weiteres als zonenkonform. 

12. 

Die evangelisch-reformierte Kirche W. ist einerseits als sehr gut erhaltenes 

spätgotisches  Sakralgebäude  aus  dem  späten  15.  bzw.  frühen  16.  Jahr-

hundert  ein  Schutzobjekt  von  kantonaler  Bedeutung  (Dossier  G.-Nr. 

R4.2012.00126; act. 12.17.1, S. 1), worauf nachstehend unter Ziffer 13 ein-

zugehen sein wird. 

Andererseits steht die Kirche wegen der Fresken im Chor der Kirche unter 
Bundesschutz. Diese wurden vermutlich in den Jahren um 1496 – 1498 von 
Meister  Hans  Haggenberg  aus  Winterthur  geschaffen  und  gelten  als  mo-

numentales Meisterwerk der spätgotischen Malerei in der Ostschweiz. Die 

gestalterisch und farblich ausserordentlich ausdrucksstarken Fresken, wel-

che  1967  umfassend  restauriert wurden,  zeigen  in  seltener Vollständigkeit 

die Legende des Heiligen Kreuzes, verbunden mit dem Glaubensbekennt-

nis der Apostel und der Darstellung der Propheten, Gottvater, Christus und 

Maria  (Dossier G.-Nr.  R4.2012.00126; act.  12.17.1,  S.  10 ff.).  Zudem  sind 

zahlreiche  Heilige  wie  etwa  der  Heilige  Bartholomäus  dargestellt  (Dossier 

G.-Nr. R4.2012.00126; Prot. S. 14 und 15). 

Am  14.  Juli  1964  wurde  diesbezüglich  eine  Personaldienstbarkeit  zuguns-

ten  des  Bundes  errichtet.  Danach  hat  die  jeweilige  Eigentümerschaft  der 

Kirche  (in  concreto:  die  evangelisch-reformierte  Kirchgemeinde  W.)  ohne 

Genehmigung  der  eidgenössischen  Denkmalpflege,  abgesehen  von  not-

wendigen Unterhaltsarbeiten, alle (baulichen) Veränderungen vorab im Be-

reich  der  Wandmalereien 

im  Chor  zu  unterlassen  (Dossier  G.-Nr. 

R4.2012.00126; act. 16.15). Dementsprechend nahm die kommunale Bau-

behörde  mit  dem  zuständigen  Bundesamt  für  Kultur  (BAK),  Sektion  Hei-

matschutz  und  Denkmalpflege,  betreffend  einer  allenfalls  notwendigen 

bundesrechtlichen Genehmigung des Antennenbauvorhabens Kontakt auf. 

Am 10. Juli 2012 liess das Bundesamt die Gemeindebehörde wissen, auf-

grund  der  konkreten  Umstände  und  nach  Rücksprache  mit  der  Denkmal-
pflege  des  Kantons  Zürich  verzichte  das  BAK  auf  eine  Stellungnahme  in 

R4.2012.00126 

Seite 27 

 
 
dieser Sache (Dossier G.-Nr. R4.2012.00126;  act. 16.21), womit das Bun-

desamt  zum  Ausdruck  brachte,  dass  mit  dem  strittigen  Bauvorhaben  des 

Veränderungsverbot  vom  14.  Juli  1964  nicht  tangiert  werde,  weshalb  im 

vorliegenden  Fall  keine  bundesrechtliche  Genehmigung  notwendig  sei. 

Folglich sei es ausschliesslich Sache der kantonalen Fachstelle, die Basis-

station  unter  den  Aspekten  des  Denkmalschutzes  zu  beurteilen  (Dossier 

G.-Nr. R4.2012.00136; act. 5.2). Auf Anfrage des Baurekursgerichts bestä-

tigte  das  BAK  mit  E-Mail  vom  21.  November  2012  nochmals,  dass  es  in 

dieser  Sache  nicht  tätig  werde  (Dossier  G.-Nr.  R4.2012.00126;  act.  27). 

Damit  geht  der  rekurrentische  Einwand  der  fehlenden  bundesrechtlichen 

Genehmigung ins Leere.  

13.1.  

Die Rekurrierenden befürchten aufgrund der ihrer Ansicht nach statisch in-

stabilen Verhältnissen im Chorestrich, beim Einbau und Betrieb der Steue-

rungsanlage  (Base  Transceiver  Station;  BTS)  könnten  Risse  in  den  Fres-

ken  entstehen.  Alarmierenderweise  sei  ein  solcher  bereits  kürzlich  ohne 

zusätzliche Belastung aufgetreten. Zudem wird auf die grosse Brandgefahr 

hingewiesen. 

Unbestritten  ist,  dass  der  Estrichboden  oberhalb  des  Chors  nur  eine  be-

schränkte Tragkraft aufweist, weshalb die Steuerungsanlage nicht konven-

tionell,  d.h.  direkt  auf  dem  Boden  stehend,  eingebaut  werden  kann.  Die 
Bauherrschaft hat – in Absprache mit der Kirchgemeinde und der kommu-
nalen Baubehörde – L. X., Bauingenieur HTL/SIA, mit den entsprechenden 
statischen  Abklärungen  und  der  Erstellung  eines  Projekts  für  den  Einbau 

des BTS-Raums in den Chorestrich beauftragt. Dieses Projekt ist Bestand-

teil der angefochtenen Baubewilligung.  

Im Detail hält L. X. in seinem Projektbericht vom 6. Mai 2012 zur bestehen-

den Tragstruktur des Chorestrichs folgendes fest: 

"Die  Dachsparren  tragen  ihre  Last  über  die  Fussschwellen  und  die  First-
pfetten  ab.  Das  vorhandene  Kehlgebälk  unterstützt  die  ca.  140/160  mm 
starken Sparren. Die Firstpfette leitet ihre Beanspruchung vorwiegend über 
zwei Stützen  auf  den Bodenriegel,  welcher dazu  dient, die  Einwirkung  auf 
mehrere  Deckenbalken  zu  verteilen.  Die  Sparren  dürften  mit  einem  nicht 
einsehbaren Holzzapfen in die Balkenlage verankert sein, wobei kaum eine 
bedeutende  Vorholzlänge  vorhanden  ist.  Mittels  Streben  an  die  Pfosten 
wird  zusätzlich  die  Horizontalstabilität  des  Dachstuhls  gewährt.  Die  De-

R4.2012.00126 

Seite 28 

 
 
ckenbalken mit einer ungefähren Abmessung von 200/300 mm und einem 
Balkensprung von 1 m sind unter einer grossen Beanspruchung." 

Dieser Befund und die Tatsache, dass in der Vergangenheit bereits mehre-

re  Balkenauflagen  mit  zusätzlicher  Untermauerung  oder  Untermörtelung 

gesichert worden sind, lassen den Statiker zu Recht zum Schluss kommen, 

eine  zusätzliche  Auflast  wie  eine  solche  der  Steuerungsanlage  sei  hier 

nicht zu verantworten. Möglich sei die Realisierung der BTS-Anlage aber im 

Rahmen  einer  Einhausung,  d.h.  indem  eine  Abfangkonstruktion  erstellt 

werde.  Dadurch  wird  das  Gewicht  auf  die  massiven  Seitenwände  der  Kir-

che abgestützt (Dossier G.-Nr. R4.2012.00126; act. 12.27.3, S. 2).  

Die  Darstellung,  welche  zum  Baugesuch  gehört,  zeigt  zwei  unterspannte 

Rahmen  mit  Hängestützen  und  eingeschobenen  Böden  (Gesamtfläche 
rund  12  m2).  Die  beiden  Rahmenfüsse  links  und  rechts  werden,  wie  der 
nachfolgende  Schnitt  zeigt,  auf  das  obere  Ende  des  Mauerwerks  der  Kir-

chenaussenwände aufgesetzt und dort fixiert. Sie tragen das Hauptgewicht 

der  BTS-Elemente  samt  Einhausung,  welches  zusammen  gemäss  nach-

vollziehbaren Angaben der Bauherrschaft eine Belastung von rund 80 Kilo-

newton  (kN)  erzeugt,  was  etwa  der  Gewichtskraft  entspricht,  die  auf  eine 

Masse von 8000 kg wirkt. Die vorgesehene Konstruktion führt zu keiner zu-

sätzlichen  Belastung  des  Chorbodens  und  ermöglicht,  wie  im  statischen 

Bericht vom 6. Mai 2012 zutreffend festgehalten, zur Optimierung der Posi-

tionierung  der  Aufleger  auf  den  Kirchenaussenmauern  auch  einen  gewis-
sen Spielraum bezüglich der Distanz zum Deckenbalken.  

R4.2012.00126 

Seite 29 

 
 
 
Die oberen Rahmenaussteifungen dienen der Aufhängung der Deckenkon-

struktion,  ohne  dass  dabei  ein  Lastabtrag  über  die  bestehende  Dachkon-
struktion erfolgt. Die Konstruktion soll mit zusammenschraubbaren Teilele-

menten  realisiert  werden  (Dossier  G.-Nr.  R4.2012.00126;  act.  12.27.3, 

S. 3).  

13.2.  

Insgesamt  ist mit  dieser Einhausung  gewährleistet,  dass  kein  zusätzliches 

Gewicht  auf  das  Chorgewölbe  und  die  dortigen  Fresken  drückt,  womit  die 

kommunale  Baubehörde  den  Einbau  des  BTS-Raums  in  den  Chorestrich 

zu  Recht  als  statisch  unbedenklich  qualifiziert  hat.  In  statischer  Hinsicht 

problemlos  sind  auch  die  beiden  kleinvolumigen  Klimageräte  für  die  Küh-

lung  des  BTS-Raums  an  der  Trennwand  zwischen  Chorestrich  und  Kir-

chenschiffestrich. 

Hingegen ist während der Bauphase aus den dargelegten Gründen ein be-

sonderes  Augenmerk  darauf  zu  werfen,  dass  der  Einbau  der  Einhausung 

zu  keiner  Überbelastung  des  Chorestrichbodens  führt,  welcher  das  Chor-

gewölbe  und  die  darunter  liegenden  Fresken  beschädigen  könnte.  Ange-

sichts der dargelegten statischen Verhältnisse sowie der grossen kunsthis-

torischen Bedeutung dieser Malereien rechtfertigt sich deshalb die Statuie-

rung folgender Nebenbestimmung in der kommunalen Baubewilligung: 

"Vor  Baubeginn  hat  die  Bauherrschaft  von  der  kommunalen  Baubehörde 
ein  Konzept  bewilligen  zu  lassen,  welches  den  Einbau  der  Einhau-
sung/Abfangkonstruktion  ohne  Überbelastung  des  Chorestrichbodens  so-
wie den Schutz der Fresken gewährleistet." 

Insoweit sind die Rekurse teilweise gutzuheissen. 

R4.2012.00126 

Seite 30 

 
 
 
13.3.  

Den  feuerpolizeilichen  Bedenken  der  Rekurrierenden  ist  u.a.  entgegenzu-

halten,  dass  die  Einhausung  als  separater  Brandabschnitt  F60  hochfeuer-

hemmend  (aber  nicht  feuerfest)  gestaltet  werden  muss.  Dies  soll  u.a.  mit 

einer  neuen  Wandverkleidung  erreicht  werden 

(Dossier  G.-Nr. 

R4.2012.00126;  act.  16.10).  Zu  weiteren  feuerpolizeilichen  Auflagen  ver-

pflichtete die Vorinstanz die Bauherrschaft in den Dispositiv-Ziffern I.2.2.1, 

I.2.2.2  und  I.2.2.3  des  angefochtenen  Beschlusses.  Die  Bauherrschaft  hat 

gemäss  Projektbeschrieb  überdies  zugesichert,  während  der  Bauphase 

keine Schweissarbeiten im Gebäudeinnern, d.h. auch nicht im Bereich des 

Chorestrichs,  durchzuführen.  Der  Zugang  der  Feuerwehr  zur  Glockenebe-

ne ist, wie der Augenschein gezeigt hat, auch nach dem Einbau der Tech-

nik  gewährleistet.  Entgegen  rekurrentischer  Auffassung  würde  ein  Ausfall 

der Kühlung im BTS-Raum nicht zu einem Brand, sondern zur Abschaltung 

des  Systems, also der  Basisstation führen. Es  ist  denn  auch  kein  einziger 

Brandfall bei einer Base Transceiver Station in der Schweiz bekannt. Auch 

wenn  ein  Brand  und die  oftmals damit  verbundenen Löschwasserschäden 

nie  mit  hundertprozentiger  Sicherheit  ausgeschlossen  werden  können,  er-

weisen sich die Einwände der Rekurrierenden objektiv als unbegründet. Die 

vorgesehene Ausführung des strittigen Bauvorhabens entspricht jedenfalls 

vollumfänglich  den  massgebenden  feuerpolizeilichen  Vorschriften  und  ist 

daher in rechtlicher Hinsicht nicht zu beanstanden. 

14.1.  

Gemäss § 238 Abs. 1 PBG sind Bauten, Anlagen und Umschwung für sich 

und  in  ihrem  Zusammenhang  mit  der  baulichen  und  landschaftlichen  Um-

gebung im Ganzen und in ihren einzelnen Teilen so zu gestalten, dass eine 

befriedigende Gesamtwirkung erreicht wird; diese Anforderung gilt auch für 

Materialien  und  Farben.  Die  genannte  Bestimmung  enthält  eine  Grundan-

forderung an Bauten, Anlagen und Umschwung. Verlangt wird sowohl eine 

gewisse Qualität der Gestaltung in sich als auch der Einordnung in die bau-

liche und landschaftliche Umgebung. Die Frage, ob eine befriedigende Ge-

samtwirkung erreicht wird, ist gestützt auf objektive, nachvollziehbare Krite-

rien  zu  beantworten.  Subjektives  Empfinden  rechtfertigt  keinen  Eingriff  in 

das  Eigentum.  Im  Kontext  mit  Mobilfunk-Basisstationen,  welche  als  stan-

dardisierte  technische  Anlagen  im  konkreten  Einzelfall  (mit  Ausnahme  der 
Farbgebung  oder  allfällig  möglicher  Kaschierung)  in  der  Regel  nur  einge-

R4.2012.00126 

Seite 31 

 
 
schränkt individuell gestaltet werden können, stellt sich vor allem die Frage, 

ob eine genügende Einordnung in die bauliche und landschaftliche Umge-

bung  zu  bejahen  ist.  Zu  dieser  baulichen  Umgebung  gehört  namentlich 

auch das Standortgebäude selbst. 

Grundsätzlich beachtlich sind zudem die kommunalen Kernzonenvorschrif-

ten,  soweit  diese  beim  vorliegenden  speziellen  technischen  Bauvorhaben 

überhaupt Anwendung finden können. Danach haben sich Bauten und An-

lagen  generell  gut  in  die  bestehende  Bausubstanz  zu  integrieren  (Art. 3 

Abs. 2 BZO); bei Umbauten ist die originale Bausubstanz zu schonen (Art. 

4 Abs. 5 BZO); technisch bedingte Aufbauten sind unauffällig einzuordnen 

(Art. 5 Abs. 6 BZO). Materialien und Farben sind dem Ortsbild anzupassen 

(Art. 6 Abs. 4 BZO). 

14.2. 

Gemäss § 238 Abs. 2 PBG ist auf Objekte des Natur- und Heimatschutzes 

besondere  Rücksicht  zu  nehmen,  was  hier  insbesondere  auf  die  evange-

lisch-reformierte  Kirche  W.,  welche  seit  1979  als überkommunales  (kanto-

nales)  Objekt  unter  Denkmalschutz  steht,  zutrifft.  Der  überkommunale 

Schutzstatus  bedingte  im  Sinne  von  §  19  der  Bauverfahrensverordnung 

(BVV)  in  Verbindung  1.4.1.5  Anhang  BVV  zudem  eine  Beurteilung  durch 

das  Amt  für  Raumentwicklung  (ARE),  welche  als  Baudirektionsverfügung 

BVV 12-0738 am 4. Juli 2012 erging und die mit der strittigen kommunalen 

Baubewilligung  im  koordinierten  Verfahren  eröffnet  wurde.  In  der  näheren 

Umgebung  stehen  weitere  Kernzonengebäude  unter  Schutz  (altes  Pfarr-

haus,  Waschhaus)  oder  sind  inventarisiert  (u.a.  Restaurant  Löwen).  Das 

unmittelbar  östlich  an  die  Kirche  angrenzende  Gebäude  Dorfstrasse 47 

(Raiffeisenbank) ist hingegen eine (naturgemäss nicht inventarisierte) neu-

zeitliche Ersatzbaute. 

14.3. 

Bei der Anwendung der genannten Einordnungsbestimmungen kommt den 

Gemeinden ein erheblicher Ermessensspielraum zu, so dass sich das Bau-

rekursgericht  bei  der  Entscheidüberprüfung  entgegen  seiner  grundsätzlich 

vollen Kognition (§ 20 Abs. 1 VRG) Zurückhaltung auferlegt. Auch die Bau-

direktion verfügt bei der Beurteilung eines Bauvorhabens im Bereich eines 
überkommunalen  Schutzobjekts  über  einen  gewissen  Ermessensspiel-

R4.2012.00126 

Seite 32 

 
 
raum.  Das  Baurekursgericht  ersetzt  somit  eine  noch  vertretbare  Wertung 

der Vorinstanzen nicht durch eine eigene andere Wertung. Hingegen greift 

es dann ein, wenn die Unhaltbarkeit der vorinstanzlichen Entscheide offen-

sichtlich ist (vgl. Alfred Kölz / Jürg Bosshart / Martin Röhl, Kommentar zum 

Verwaltungsrechtspflegegesetz  des  Kantons  Zürich,  2.  Aufl.,  Zürich  1999, 

§ 20 Rz. 17 ff.). 

14.4. 

Im Sinne von § 238 einordnungsmässig strittig sind ausschliesslich die vor-
gesehenen 7 Antennenmodule, welche  – etwas  zurückversetzt und mit ei-
nem feinmaschigen Gitter kaschiert – in der Mitte der vier Kirchturmfenster 
auf der Glockenebene auf einer Höhe von 22 m über dem Niveau des Kir-

chenvorplatzes montiert werden sollen. Die übrigen Anlageteile treten nach 

Aussen optisch nicht in Erscheinung. 

Der Gemeinderat W. und die kantonalen Fachstellen haben sich, was aus 

den Akten ohne weiteres ersichtlich ist, über einen längeren Zeitraum sehr 

intensiv  mit  der  Frage  der  Einordnung  der  Antennenmodule  auseinander-

gesetzt. Diese sollten gemäss erstem Projekt in der Form von Dachziegeln 

zuoberst auf dem Satteldach der Kirchturmspitze angebracht werden, was 

die  kantonale  Denkmalpflege  aus  grundsätzlichen  Überlegungen  verwarf, 

weil  damit  historische  Bausubstanz  hätte  ersetzt  werden  müssen  (Dossier 

G.-Nr. R4.2012.00126; act. 3, S. 1, und Prot. S. 5).  

Bauherrschaft, kommunale Baubehörde und die kantonalen Fachbehörden 

einigten  schliesslich  auf  eine Platzierung  am  nun  strittigen  Ort.  Die  Baudi-

rektion  hielt  dazu  in  der  angefochtenen  Verfügung  fest,  im  Lichte  des 

Grundsatzpapiers  der  Eidgenössischen  Kommission  für  Denkmalpflege 

vom 23. Juli 2002 bzw. 12. März 2008 sei die Bewilligung einer Mobilfunk-

Basisstation  in  einem  Kirchturm  eigentlich  nicht  möglich.  Danach  sei  es 

grundsätzlich  zu  vermeiden,  Mobilfunkanlagen  an  Baudenkmälern  oder  in 

ihrer Umgebung anzubringen. Unter Berücksichtigung, dass es sich um ei-

ne  Gemeinschaftsanlage  aller  drei  Mobilfunkgesellschaften  handle,  der 

umstrittene Standort beim Kindergarten Wanne wegfalle und die denkmal-

pflegerischen  Auflagen  ohne  weiteres  erfüllt  werden  könnten,  könne  die 

Bewilligung  aber  ausnahmsweise  erteilt  werden.  Die  Antennen  seien  nicht 

gut  sichtbar  und  beeinträchtigten  das  Erscheinungsbild  nur  unwesentlich. 
Zudem sei die Anlage reversibel und könne jederzeit ohne baulichen Scha-

R4.2012.00126 

Seite 33 

 
 
den zurückgebaut werden. Mit einer Verkleidung aus anthrazitfarbigen Git-

tern  aus  Fiberglas  könnten  die  Antennen  ausreichend  kaschiert  werden 

(Dossier G.-Nr. R4.2012.00126; act. 3, S. 1 f.). Die Baudirektion bewilligte 

das Streitobjekt deshalb mit folgenden Auflagen: "Die Ausführung der Bau-

arbeiten  in  Material,  Farbe  und  Form  hat  im  engen  Einvernehmen  mit  der 

Kantonalen  Denkmalpflege  zu  erfolgen  (Dispositiv-Ziffer  I.a).  Die  genaue 

Maschenstruktur  der  Verkleidung  wird  anhand  einer  Bemusterung  vor  Ort 

festgelegt (Dispositiv-Ziffer I.b). Die Eingriffe sind reversibel durchzuführen" 

(Dispositiv-Ziffer I.c).  

Die kommunale Baubehörde hat sich dieser Argumentation angeschlossen 

und  hält  im  angefochtenen  Beschluss  ergänzend  fest,  mit  der  gewählten 

Anordnung  der  Antennen  sowie  der  sorgfältigen  Gestaltung  und 

Materialisierung  der  Abdeckungen  vermöge  das  Projekt  den  gesetzlichen 

Anforderungen  zu  genügen.  Es  seien  verschiedene  Varianten  der  Abde-

ckung  geprüft  worden.  Deren  genaue  Ausgestaltung  könne  aber  erst  an-

hand einer Bemusterung vor Ort, jedoch frühzeitig, festgelegt werden. Da-

mit impliziert die kommunale Baubehörde wohl, dass mit der Bemusterung 

nicht  erst  nach  dem  Einbau  der  Antennenmodule  begonnen  werden  darf, 

sondern  diese  schon  vorher  zu  erfolgen  hat.  Schliesslich  argumentiert  die 

Gemeindebehörde,  das  strittige  Bauvorhaben  ordne  sich  auch  im  Übrigen 

gut ins bestehende Ortsbild ein. 

14.5 

Vorab ist festzuhalten, dass die Baudirektion mit der etwas missverständli-

chen  Formulierung  "kann  eine  Bewilligung  ausnahmsweise  erteilt  werden" 

keineswegs einen Dispens im Sinne von § 220 PBG erteilt hat. Nach letzte-

rer  Bestimmung  kann  im  Einzelfall  von  Bauvorschriften  befreit  werden, 

wenn  besondere  Verhältnisse  vorliegen,  bei  denen  die  Durchsetzung  der 

Vorschriften unverhältnismässig wäre (Abs. 1). Im vorliegenden Fall ist die 

Baudirektion  ihrer  Ansicht  nach  vom  Grundsatzpapier  "Mobilfunkantennen 

an  Baudenkmälern"  der  Eidgenössischen  Kommission  für  Denkmalpflege 

abgewichen.  Dieses  vom  Präsidenten  und  der  Kommissionssekretärin  un-

terzeichnete  Grundsatzpapier  ist  keine  Bauvorschrift  im  Sinne  von  § 220 

PBG, sondern als Empfehlung oder Leitfaden zu verstehen Dossier (G.-Nr. 

R4.2012.00126; act. 12.25). Für eine Abweichung von dessen Inhalt brau-

chen also keineswegs die strengen Ausnahmevoraussetzungen von § 220 
PBG erfüllt zu sein. 

R4.2012.00126 

Seite 34 

 
 
14.6. 

Das  Baurekursgericht  konnte  sich  anlässlich  seines  Abteilungsaugen-

scheins vom 8. November 2012 ebenfalls davon überzeugen, dass die sie-

ben  Antennenmodule  gut  kaschiert  montiert  werden  können  und  damit  zu 

keiner Beeinträchtigung weder der Kirche selbst noch ihrer Umgebung füh-

ren  werden.  Das  Ortsbild  und  die  Kernzone  im  Zentrum  von  W.  werden 

vom strittigen Bauvorhaben in keiner Weise nachteilig tangiert.  

Gemäss den Baugesuchsplänen weisen die unterschiedlich grossen Modu-

le  maximale  Dimensionen  von  1,4  m  x  0,3  x  0,1  m  auf  (G.-Nr. 
R4.2012.00126;  act.  16.6  – 16.8). Sie  sollen  verteilt  in  den  Öffnungen  der 
vier Turmfenster auf der Glockenebene angebracht werden (2/2/2/1), wobei 

für  die  Montage  nicht  in  die  Bausubstanz  der  Glockenebene  (etwa  mittels 

Bohr-  oder  Abspitzarbeiten)  eingegriffen  werden  muss 

(G.-Nr. 

R4.2012.00126; Prot. S. 6).  

Der Augenschein hat gezeigt, dass wohl die Bögen und Leibungen der dor-

tigen Turmfenster im vermutlich mittelalterlichen Originalzustand sind, nicht 

jedoch  die  Fensteröffnungen  selbst.  Etwa  in  halber  Tiefe  der  Fensteröff-

nungen wurden in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts feinma-

schige Metallgitter zum Schutz der Glocken vor Vögeln angebracht (G.-Nr. 

R4.2012.00126;  Prot.  S.  10  und  11).  Hinter  dieses  Gittern  wurden  jeweils 

relativ dicke Plexiglasscheiben angebracht (G.-Nr. R4.2012.00126; Prot. S. 

13), welche vor einigen Jahren als Schallschutz aufgrund von Lärmklagen 

montiert  werden  mussten.  Dadurch  sind  die  Kirchenglocken  schon  heute 

weitgehend  nur  noch  schemenhaft  zu  erkennen,  und  dies  auch  nur  aus 

gewissen Blickwinkeln und abhängig von den jeweiligen Lichtverhältnissen. 

Die Module sollen zwischen den unverändert bleibenden Plexiglasscheiben 

und der Kunststoffkaschierung, welche die bestehenden (nicht historischen) 

Metallgitter  ersetzen,  eingebaut  werden.  Mit  der  vorgesehenen  Kaschie-

rung soll ein optischer Zustand geschaffen werden, der möglichst nahe an 

die  bestehende  Situation  kommt.  Es  sind  also  weder  "Würste aus Plastik" 

noch  ein  "Gewurstel  aus  Kunststoffnetzen"  geplant.  Ziel  ist  vielmehr,  die 

Module hinter einer möglichst filigranen Netzstruktur zu verstecken. Als Ma-

terial  wurde  nicht  Metall,  sondern  Glasfaserkunststoff  (GFK)  gewählt,  weil 

dieser  die  elektromagnetischen  Wellen  nicht  störend  reflektiert  und  damit 
eine regelmässige  Antennenabstrahlung gewährleistet. Glasfaserkunststoff 
kann im Sinne einer optimalen Einordnung zudem in jeder möglichen Farbe 

R4.2012.00126 

Seite 35 

 
 
ausgeführt  und  die  Oberflächenstruktur  kann  passend  zur  bestehenden 

Bausubstanz variiert werden. 

14.7.  

Die  Baudirektion  und  die  kommunale  Baubehörde  haben  Materialisierung 

und  Farbgebung  der  Kaschierung  der  Detailplanung  überlassen  und  dies 

nebenbestimmungsweise in den angefochtenen Beschlüssen festgehalten. 

Es stellt sich die Frage, ob dies zulässig war oder ob die Baubewilligungs-

behörde verpflichtet gewesen wäre, bereits die Details der Verkleidung mit 

der Baubewilligung definitiv festzulegen.  

Die  Einhaltung  grundlegender  Baurechtsnormen,  deren  Verletzung  eine 

Bauverweigerung  rechtfertigt,  muss  nach  dem  Grundsatz  der  Einheit  des 

baurechtlichen  Entscheides  in  einem  einzigen  Baubewilligungsverfahren 

geprüft werden. Der baurechtliche Entscheid muss sich somit zu sämtlichen 

Punkten aussprechen, die für die Bewilligungsfähigkeit eines Projektes von 

ausschlaggebender  Bedeutung  sind.  Daraus  folgt,  dass  eine  Baueingabe, 

in der wesentliche Teile des Bauvorhabens fehlen, sei es ungewollt, sei es, 

weil  sie  erst  in  einem  späteren  Baubewilligungsverfahren  beurteilt  werden 

sollen, unvollständig ist. Die Baubehörde hat solche Baueingaben zur Ver-

besserung  an  die  Bauherrschaft  zurückzuweisen  (§  313  Abs.  1  PBG). 

Bleibt  es  bei  der  Unvollständigkeit  der  Baueingabe,  ist  darin  in  der  Regel 

ein wesentlicher, zur Aufhebung der Baubewilligung führender Verfahrens-

mangel zu erkennen.  

Kein  solcher  Mangel  liegt  vor,  wenn  es  um  Aspekte  des  Bauvorhabens 

geht,  die  dem  üblichen  Bauverlauf  entsprechend  am  besten  einem  späte-

ren  Bewilligungsverfahren  vorbehalten  bleiben.  Demgegenüber  dürfen 

grundlegende  Aspekte  eines  Projektes  nie  vom  baurechtlichen  Hauptver-

fahren  abgespaltet  werden.  Die  Aufteilung  des  Bewilligungsverfahrens 

muss zudem stets auf nachvollziehbaren Gründen beruhen. Überdies muss 

gewährleistet  sein,  dass  der  gesetzmässige  Zustand  bezüglich  der  in  ein 

nachgeordnetes  Verfahren  verwiesenen  Detailaspekte  ohne  weiteres  er-

reicht  werden  kann  (VB.1999.00298,  VB.1999.00299  und  VB.1999.00304 

in RB 2000 Nr. 95). 

Aufgrund der konkreten Sachumstände und im Lichte der vorstehend erläu-

terten Rechtsprechung ist im vorliegenden Fall grundsätzlich nicht zu bean-
standen, dass die Detailplanung der GFK-Kaschierung erst in einem nächs-

R4.2012.00126 

Seite 36 

 
 
ten  Schritt  realisiert  wird.  Solche  Strukturen  können  nicht  "ab  Stange"  ge-

kauft werden, sondern müssen nach detaillierten Vorgaben massgeschnei-

dert hergestellt werden. Damit war es grundsätzlich rechtskonform, die strit-

tige  Baubewilligung  bzw.  die  Baudirektionsverfügung  mit  entsprechenden 

Nebenbestimmungen  zu  ergänzen.  Diese  lassen  jedoch  die  notwendige 

Klarheit  und  Verbindlichkeit  vermissen,  weshalb  der  angefochtene  Ge-

meinderatsbeschluss wie folgt zu ergänzen ist:  

"Vor  Baubeginn  hat  die  Bauherrschaft  Detailpläne  betreffend  die  genaue 
Materialisierung  und  Farbgebung  der  GFK-Kaschierung  in  den  Fensteröff-
nungen von der kommunalen Baubehörde bewilligen zu lassen." 

Insoweit sind die Rekurse teilweise gutzuheissen. 

14.8.  

Die vorstehenden Erwägungen zeigen, dass die positive einordnungsmäs-
sige Würdigung im Lichte von § 238 Abs. 1 und 2 PBG sowie der Kernzo-

nenvorschriften, welche die Vorinstanzen eingehend und überzeugend dar-

gelegt haben, im Übrigen klar vertretbar ist und sich innerhalb des Ermes-

senspielraums bewegt. Aufgrund der konkreten Sach- und Rechtslage wäre 

das  Baurekursgericht  selbst  bei  voller  Kognition  zum  Schluss  gekommen, 

dass sich das Bauvorhaben rechtsgenügend einordne und insbesondere zu 

keiner rechtsrelevanten Beeinträchtigung der Kirche und ihrer ortsbaulichen 

Umgebung  führt.  Im  Übrigen  bleibt  festzuhalten,  dass  bei der Prüfung  der 

Bewilligungsfähigkeit  von  Basisstationen  innerhalb  der  Bauzonen  keine 

Abwägung zwischen den Interessen der Mobilfunkgesellschaften an einem 

weiteren  Netzausbau  und  den  Interessen  des  Ortsbildschutzes  vorzuneh-

men ist (BRGE I Nr. 0220/2011 vom 28. Oktober 2011, E. 9.4). 

15. 

Schliesslich beklagen die Rekurrierenden einen erheblichen Minderwert ih-

rer  Liegenschaften,  wofür  die  Mobilfunkgesellschaften  nach  dem  Verursa-

cherprinzip aufzukommen hätten. Zudem sei die Versicherungsfrage gera-

de  im  Zusammenhang  mit  den  Fresken  ungeklärt.  Diese  Einwände  sind 

von  vornherein  nicht  geeignet,  die  beantragte  Aufhebung  der  Baubewilli-

gung zu erwirken. Im Übrigen beschränkt sich die Zuständigkeit des Baure-

kursgerichts  auf  die  Beurteilung  von  Streitigkeiten  des  öffentlichen  Bau-

rechts, also insbesondere über die Anwendung des Planungs- und Bauge-
setzes und des Umweltschutzgesetzes sowie der entsprechenden Ausfüh-

R4.2012.00126 

Seite 37 

 
 
rungsvorschriften  wie  etwa  der  Verordnung  über den  Schutz  vor  nichtioni-

sierender  Strahlung.  Die  Wahrung  privatrechtlicher  Ansprüche  –  wie  zum 
Beispiel  Schadenersatzbegehren  im  Zusammenhang  mit  geplanten  oder 

bereits  realisierten  Bauvorhaben,  Versicherungsfragen  oder  die  Prüfung 
der Haftpflicht von Anlagebetreibern im Sinne der Art. 59a und 59b USG – 
sind  vor  den  Zivilgerichten  geltend  zu  machen  (§  317  PBG)  und  können 

folglich nicht zum Gegenstand von Baurekursen gemacht werden (BRKE I 

Nrn. 0026 und 0027/2006 vom 3. Februar 2006, E. 18).  

16. 

Ist  die  Erstellung  der  streitbetroffenen  Anlage  am  vorgesehenen  Standort 

im  Lichte  der  Bauvorschriften  sowie  des  Immissionsschutzes  rechtskon-

form,  können  die  Betreibergesellschaften  im  Rahmen  dieses  Baubewilli-

gungs- bzw. Rechtsmittelverfahrens nicht dazu verpflichtet werden, die Ba-

sisstation  an  einem  alternativen  Standort  (etwa  im  Rebberg  oberhalb  des 

Dorfes  oder  am  rechtskräftig  bewilligten  Swisscom-Standort  beim  Kinder-

garten  Wanne)  zu  realisieren.  Auch  die  (quartier)politischen  Gründe,  wel-

che schliesslich zum vorliegend strittigen Projekt geführt haben, sind nicht 

relevant. Es geht hier ausschliesslich um die angefochtene Basisstation in 

der  evangelisch-reformierten  Kirche.  Entspricht  diese  den  massgebenden 

aktuellen  öffentlich-rechtlichen  Bauvorschriften,  hat  die  Bauherrschaft  An-

spruch auf Erteilung der nachgesuchten Baubewilligung (§ 320 PBG).  

17. 

Zusammenfassend  sind  die  Rekurse  teilweise  gutzuheissen  und  im  Übri-

gen  abzuweisen.  Somit  ist  der  Beschluss  des  Gemeinderates  W.  vom  9. 

Juli 2012 um folgende Nebenbestimmungen zu ergänzen: 

"Vor  Baubeginn  hat  die  Bauherrschaft  von  der  kommunalen  Baubehörde 
ein  Konzept  bewilligen  zu  lassen,  welches  den  Einbau  der  Einhau-
sung/Abfangkonstruktion  ohne  Überbelastung  des  Chorestrichbodens  so-
wie den Schutz der Fresken gewährleistet." 

"Vor  Baubeginn  hat  die  Bauherrschaft  Detailpläne  betreffend  die  genaue 
Materialisierung  und  Farbgebung  der  GFK-Kaschierung  in  den  Fensteröff-
nungen von der kommunalen Baubehörde bewilligen zu lassen." 

Der ergänzte Beschluss wir den Rekurrierenden zu eröffnen sein. 

[…..] 

R4.2012.00126 

Seite 38 

 
 
 
 
R4.2012.00126 

Seite 39 

 
 
 
.