# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3b900602-05aa-539f-a171-6884fb4a67c3
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-02-20
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 20.02.2025 SST.2024.30
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2024-30_2025-02-20.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2024.30 
(ST.2023.159; StA.2022.1533) 

 

 

Urteil vom 20. Februar 2025 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier  

Oberrichterin Vasvary  

Gerichtsschreiberin Albert 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Baden, 

Mellingerstrasse 207, 5405 Baden  

 

 
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.1991, von der Türkei, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Daniel Huser,  

[…] 

  

 
 

Gegenstand  Versuchte schwere Körperverletzung 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft Baden erhob am 11. August 2023 Anklage gegen 

den Beschuldigten wegen mehrfacher versuchter schwerer Körper-

verletzung, versuchten Diebstahls, versuchten Hausfriedensbruchs und 

Sachbeschädigung. 

 

2. 

Mit Urteil vom 7. November 2023 sprach das Bezirksgericht Baden den 

Beschuldigten von den Vorwürfen des versuchten Diebstahls, des 

versuchten Hausfriedensbruchs und der Sachbeschädigung frei. Es 

verurteilte den Beschuldigten wegen mehrfacher versuchter schwerer 

Körperverletzung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 3 Jahren mit 

einem vollziehbaren Anteil von sechs Monaten und einem bedingt zu 

vollziehenden Anteil von zwei Jahren bei einer Probezeit von zwei Jahren. 

Zudem wurde er unter Ausschreibung im Schengener Informationssystem 

für die Dauer von fünf Jahren des Landes verwiesen. Die Zivilklagen 

wurden abgewiesen bzw. auf den Zivilweg verwiesen. 

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 4. März 2024 beantragte der Beschuldigte, er 

sei auch vom Vorwurf der mehrfachen versuchten schweren Körper-

verletzung freizusprechen. Eventualiter sei er zu einer bedingten Geldstrafe 

von 180 Tagessätzen à Fr. 20.00, Probezeit zwei Jahre, und einer 

Verbindungsbusse von Fr. 500.00 zu verurteilen. Von einer Landes-

verweisung sei abzusehen. 

 

3.2. 

Die Berufungsverhandlung fand am 20. Februar 2025 statt. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Berufung des Beschuldigten richtet sich im Hauptpunkt gegen den 

Vorwurf der mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung, im 

Eventualstandpunkt gegen die Strafzumessung und die Landesver-

weisung. Nicht angefochten und damit nicht zu überprüfen sind der 

vorinstanzliche Freispruch von den Vorwürfen des versuchten Diebstahls, 

des versuchten Hausfriedensbruchs und der Sachbeschädigung sowie die 

Abweisung bzw. Verweisung der Zivilklagen auf den Zivilweg (Art. 404 

Abs. 1 StPO). 

 

 - 3 - 

 

 

2. 

2.1. 

Dem Beschuldigten wurde im Wesentlichen vorgeworfen, er habe am 

20. Februar 2022 in Baden anlässlich einer eskalierten verbalen 

Auseinandersetzung zwischen ihm und B._____ zuerst der schlichtend 

eingreifenden C._____ (ehemals C.D._____) eine Bierflasche gegen die 

rechte Gesichtshälfte geschlagen, so dass die Bierflasche zerbrochen sei 

und C._____ dadurch mehrere Schnitte im Gesicht erlitten habe. Sodann 

habe er beim darauffolgenden Gerangel zwischen ihm und B._____ den 

Rest der zerbrochenen Bierflasche gegen die linke Schläfe von B._____ 

geschlagen, wodurch dieser eine Schnittwunde erlitten habe. 

 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten der mehrfachen versuchten 

schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 

StGB schuldig gesprochen. 

 

Der Beschuldigte bestreitet mit Berufung, (eventual-)vorsätzlich gehandelt 

zu haben (mündliche Berufungsbegründung S. 7 ff.); eventualiter beruft er 

sich auf rechtfertigende Notwehr (mündliche Berufungsbegründung S. 9 f.). 

 

2.2. 

Gemäss Art. 122 StGB [in der bis zum 30. Juni 2023 geltenden Fassung] 

macht sich der schweren Körperverletzung schuldig, wer u.a. vorsätzlich 

einen Menschen lebensgefährlich verletzt (Abs. 1) sowie wer vorsätzlich 

das Gesicht eines Menschen arg und bleibend entstellt (Abs. 2). Eine 

lebensgefährliche Körperverletzung im Sinne dieser Bestimmung darf nur 

angenommen werden, wenn die Verletzung zu einem Zustand geführt hat, 

in dem sich die Möglichkeit des Todes dermassen verdichtet hat, dass sie 

zur ernstlichen und dringlichen Wahrscheinlichkeit wurde, was aber nicht 

bedeutet, dass die Lebensgefahr notwendigerweise eine zeitlich 

unmittelbare, akute sein muss. Massgebend ist vielmehr die erhebliche 

Wahrscheinlichkeit des tödlichen Verlaufs (BGE 131 IV 1 E. 1.1). 

Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen 

und Willen ausführt. Vorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der 

Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB). 

 

Strafbar ist auch der Versuch (Art. 22 StGB). Ein Versuch liegt vor, wenn 

der Täter, nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder 

Vergehens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende führt oder 

der Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt oder nicht eintreten 

kann. Beim Versuch erfüllt der Täter sämtliche subjektive Tatbestands-

merkmale und manifestiert seine Tatentschlossenheit, ohne dass alle 

objektiven Tatbestandsmerkmale verwirklicht sind (BGE 140 IV 150; Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1159/2018 vom 18. September 2019 E. 2.2.2, nicht 

publ. in: BGE 145 IV 424; je mit Hinweisen). 

 

 - 4 - 

 

 

Wer dagegen vorsätzlich einen Menschen in anderer Weise als im Sinne 

der schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB an Körper oder 

Gesundheit schädigt und dabei einen gefährlichen Gegenstand gebraucht, 

macht sich der qualifizierten einfachen Körperverletzung mit einem 

gefährlichen Gegenstand gemäss Art. 123 Ziff. 2 StGB [in der bis zum 30. 

Juni 2023 geltenden Fassung] schuldig. 

 

2.3. 

2.3.1. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und unbestritten geblieben, dass es 

zwischen dem Beschuldigten und B._____ in der Nacht des 20. Februars 

2022 kurz nach 05:00 Uhr vor der Adesso Pizzeria in Baden nach dem 

gemeinsamen Ausgang zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen 

ist (UA act. 208, 224, 291; GA act. 71 f.). Gleichzeitig sind C._____ 

(ehemals C.D._____), die damalige Freundin von B._____, und E._____, 

die damalige Freundin des Beschuldigten, zusammen unterwegs gewesen 

und um ca. 05:10 Uhr zu den streitenden Männern hinzugestossen (UA act. 

208; GA act. 46). Um den eskalierenden Streit zu schlichten, hat sich 

C._____ zwischen die beiden Männer gestellt (UA act. 200, 208, 216, 224; 

GA act. 46, 72 f.). Über das weitere Geschehen sagen sämtliche Beteiligten 

aus, dass der Beschuldigte zu Boden gefallen sei (UA act. 200, 216, 225, 

261). Des Weiteren bestreitet der Beschuldigte nicht, mit der Bierflasche, 

die er in der Hand gehalten hat, den Kopf von C._____ getroffen zu haben 

(vgl. mündliche Berufungsbegründung S. 5, GA act. 72 f.), woraufhin die 

Glasflasche zerborsten ist. Gemäss ärztlichem Befund des Kantonsspitals 

Baden vom 10. März 2022 hat C._____ dadurch mehrere bis ca. 5 cm 

grosse geschlossene Schnitte im Gesicht (UA act. 141 ff.) sowie eine kleine 

Hautlazeration mit Anschwellung und kleinem Hämatom erlitten (UA 

act. 151). Die Wunden konnten unproblematisch abheilen (UA act. 273). 

Erstellt und unbestritten geblieben ist sodann, dass B._____ den 

Beschuldigten nach der Verletzung von C._____ am Boden festgehalten 

hat (UA act. 202, 208, 211 f., 217, 223, 226, 230 f., 264, 28 f.), während 

E._____ die blutende C._____ zur Seite gezogen und getröstet hat (UA act. 

201, 217, 264; GA act. 50). Erstellt ist ausserdem, dass es am Boden zu 

einem Gerangel zwischen den beiden Männern gekommen ist (UA act. 

223, 242 f., 289 f.; GA act. 76). Der Beschuldigte hat B._____ dabei mit 

dem in seiner Hand befindlichen Rest der zerbrochenen Glasflasche eine 

Schnittwunde an der linken Schläfe zugefügt, die gemäss ärztlichem 

Befund des Kantonsspitals Baden vom 10. März 2022 mit drei Stichen 

genäht werden musste (UA act. 167). 

 

2.3.2. 

Der Beschuldigte bestreitet nicht, C._____ und B._____ mit der 

(zerbrochenen) Bierflasche die in der Anklage genannten Verletzungen 

zugefügt zu haben. Gestützt auf die eingereichten Arztberichte hat jedoch 

keiner der beiden lebensgefährliche Verletzungen oder eine arge sowie 

 - 5 - 

 

 

bleibende Entstellung des Gesichts im Sinne von Art. 122 StGB 

davongetragen (UA act. 141 ff. und 167), weshalb es in beiden Fällen am 

Taterfolg der schweren Körperverletzung fehlt. Zu prüfen bleibt deshalb, ob 

der Beschuldigte den Geschädigten die genannten Verletzungen 

(eventual-)vorsätzlich zugefügt und durch sein Handeln einen weitaus 

schwerwiegenderen Taterfolg in Kauf genommen hat, was dieser bestreitet 

(mündliche Berufungsbegründung S. 7 ff.). Zudem ist umstritten und zu 

prüfen, ob der Beschuldigte, wie von diesem vorgebracht (mündliche 

Berufungsbegründung S. 5 ff., 9 f.), zu irgendeinem Zeitpunkt von B._____ 

gewürgt worden ist und sich dadurch in einer Notwehrsituation i.S.v. Art. 15 

StGB wähnte. 

 

2.4. 

2.4.1. 

Mit der Vorinstanz (vgl. vorinstanzliches Urteil E. 4.3.2) ist das Verhalten 

des Beschuldigten gegenüber C._____ als versuchte schwere 

Körperverletzung zu qualifizieren. Das Obergericht hat aus den folgenden 

Gründen keine Zweifel daran, dass der Beschuldigte durch sein Vorgehen 

weitaus schlimmere Verletzungsfolgen in Form einer lebensgefährlichen 

Verletzung oder einer bleibenden und argen Entstellung des Gesichts von 

C._____ zumindest in Kauf genommen hat. 

 

2.4.2. 

Insoweit der Beschuldigte vorbringt, C._____ nicht absichtlich im Gesicht 

getroffen zu haben, kann ihm nicht gefolgt werden. 

 

Auszugehen ist vielmehr von den in den wesentlichen Tatabläufen 

konstant, schlüssig sowie glaubhaft geschilderten Aussagen der als Zeugin 

befragten E._____. Diese sagte nur kurze Zeit nach dem Vorfall aus, sie 

und C._____ seien in der fraglichen Nacht auf dem Nachhauseweg 

gewesen, als sie dem Beschuldigten (ihrem damaligen Freund) 

geschrieben und dieser ihr seinen Standort geschickt habe. Als sie den 

Beschuldigten und B._____ am Tatort angetroffen hätten, hätten sich diese 

lautstark gestritten und sich gegenseitig gepackt, weshalb C._____, die 

damalige Freundin von B._____, dazwischen gegangen sei, um die beiden 

zu trennen. In diesem Moment sei der Beschuldigte zu Boden gefallen, 

wobei er eine Bierflasche in der Hand gehalten habe. Dann sei alles sehr 

schnell gegangen. Der Beschuldigte habe C._____ die Bierflasche plötzlich 

auf den Kopf geschlagen, wobei die Glasflasche zersprungen sei. Sie 

(E._____) selbst sei in ungefähr zwei Metern Entfernung zum Geschehen 

gestanden (UA act. 200). Die Frage, ob B._____ den Beschuldigten tätlich 

angegangen sei, verneinte sie eindeutig. Weder von ihm noch von C._____ 

sei in diesem Moment Gewalt ausgegangen, die beiden Männer hätten 

einfach sehr laut miteinander gestritten, wobei C._____ sich schlichtend 

dazwischen gestellt habe. Dass der Beschuldigte sich lediglich habe 

verteidigen wollen, stimme nicht (UA act. 201 ff.). 

 - 6 - 

 

 

 

Den in den wesentlichen Zügen gleichen Geschehensablauf gab E._____ 

auch anlässlich der delegierten Einvernahme vom 21. Februar 2022, der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung sowie der Berufungsverhandlung zu 

Protokoll. Ihre Aussagen erweisen sich über das gesamte Strafverfahren in 

den Hauptgeschehensabläufen als konstant, widerspruchsfrei sowie 

schlüssig. Dass dabei der genaue Zeitpunkt des Schlages gegen den Kopf 

von C._____ variiert, lässt sich ohne Weiteres durch das – wie der 

Beschuldigte selbst vortragen liess (mündliche Berufungsbegründung S. 4) 

– schnelle Tatgeschehen erklären. Zudem führte E._____ selbst mehrfach 

aus, dass sie den genauen Zeitpunkt des Schlages nicht mehr angeben 

könne (UA act. 200 f., 261, 267). Für die Sachverhaltserstellung relevant 

ist letztlich ohnehin nur, dass E._____ sowohl anlässlich ihrer ersten 

Einvernahme direkt nach dem Vorfall (UA act. 200) als auch anlässlich der 

Berufungsverhandlung drei Jahre später (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 4 f., 11 f., 14) übereinstimmend von einem 

«Schlag» gegen den Kopf von C._____ sprach, der mit einer solch 

gewaltigen Wucht ausgeführt worden sei, dass die Bierflasche aus Glas 

zerbrochen sei. In welchem Zeitpunkt dieser wuchtige Schlag ausgeführt 

worden ist – vor, während oder nach dem Fall des Beschuldigten – bleibt 

für den Tatvorwurf schliesslich irrelevant. 

 

Entgegen dem Beschuldigten (Protokoll der Berufungsverhandlung, 

S. 41 f.) gibt es keine Hinweise darauf, dass sich E._____ mit C._____ und 

B._____ abgesprochen hätte und ihn E._____ deshalb bewusst falsch 

beschuldigen würde. C._____ und B._____ waren damals zwar ein Paar, 

E._____ war jedoch im Tatzeitpunkt mit dem Beschuldigten zusammen und 

teilte mit ihm sogar eine Wohnung (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 

4; UA act. 198). In ihren Aussagen ist keine übermässige Belastung des 

Beschuldigten ersichtlich. Im Gegenteil hat sie etwa ausgeführt, nicht 

gesehen zu haben, wie die Verletzungen von B._____ zustande 

gekommen seien, weil sie sich um C._____ gekümmert habe (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 14 f.; UA act. 201; 264). Des Weiteren hat sie, 

auf die Integration des Beschuldigten in der Schweiz angesprochen, diese 

als geglückt bezeichnet (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 8 f.). 

Gegen eine Absprache spricht auch, dass E._____ ihre ersten sowie 

belastendsten Aussagen am 20. Februar 2022 um 08:07 Uhr und damit nur 

wenige Stunden nach dem Vorfall machte, während B._____ und C._____ 

noch im Spital waren (UA act. 197, 245). E._____ sei zwar mit den beiden 

im Krankenwagen mitgefahren, habe jedoch die meiste Zeit draussen 

warten und mit der Polizei reden müssen, bis diese sie zur Einvernahme 

auf die Polizeistation gebracht habe (UA act. 265). Daraus erhellt, dass 

E._____ im Tatzeitpunkt aufgrund der Beziehung zum Beschuldigten 

diesem persönlich näher stand, was gerade gegen ein Motiv für eine 

Falschaussage zum Nachteil des Beschuldigten spricht. Auch bei den 

übrigen Beteiligten liegt kein Motiv für eine Falschaussage vor, zumal der 

 - 7 - 

 

 

Beschuldigte bis zum Vorfall vom 20. Februar 2022 eng mit B._____ 

befreundet war (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 22; UA act. 239, 

287) und mit C._____ in einem sehr guten Verhältnis stand (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 13, 16 f.; UA act. 214, 239). So vermag auch der 

Beschuldigte selbst keinen Grund anzugeben, weshalb sich seine damalige 

Freundin zusammen mit seinen Kollegen gegen ihn verschworen haben 

soll (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 43 ff.). 

 

Nach dem Gesagten erscheinen die Aussagen von E._____ zum Schlag 

des Beschuldigten gegen den Kopf von C._____ in den wesentlichen Teilen 

als schlüssig und nachvollziehbar. Sie stimmen hinsichtlich der Frage, ob 

der Beschuldigte die Bierflasche mit Absicht wuchtig gegen den Kopf von 

C._____ geschlagen hat, mit den Aussagen letzterer überein, die einen 

bloss versehentlichen Schlag ausschliesst (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 18). 

 

Demgegenüber widerspricht die Darstellung des Beschuldigten, es habe 

sich um einen ungewollten bzw. versehentlichen Schlag gehandelt 

(mündliche Berufungsbegründung S. 5; GA act. 73; UA act. 288), nicht nur 

den Aussagen von E._____ und C._____, sondern lässt sich auch nicht mit 

dem Spurenbild vereinbaren, d.h. mit dem Umstand, dass die Bierflasche 

beim Schlag gegen den Kopf von C._____ zerborsten ist und C._____ die 

bei ihr festgestellten Verletzungen erlitten hat. Wie dem Arztbericht des 

Kantonsspitals Baden vom 10. März 2022 entnommen werden kann, erlitt 

C._____ ein Hämatom an der oberen rechten Kopfseite, eine 

Hautlazeration mit Weichteilödem sowie mehrere Schnittwunden im 

Gesicht (UA act. 141 ff.), was den Schluss nahelegt, dass die Bierflasche 

am Kopf von C._____ zerschellt ist. Das wird vom Beschuldigten denn auch 

zurecht gar nicht infrage gestellt. Damit eine halbvolle Glasflasche bei 

einem Schlag gegen den Kopf bzw. das Gesicht einer Person zerbersten 

kann, ist jedoch ein Schlag von einer gewissen Heftigkeit vonnöten. Mithin 

muss der Schlag wuchtig ausgeführt worden sein, was sich nicht mit einer 

vom Beschuldigten behaupteten bloss unbeabsichtigten oder 

unkontrollierten Bewegung des Arms in Einklang bringen lässt. Zudem 

behielt er die Bierflasche auch noch in der Hand, nachdem sie zerborsten 

ist, hat er mit dieser im weiteren Verlauf des Geschehens doch B._____ 

eine Verletzung zugefügt. 

 

Sodann kann dem Beschuldigten nicht gefolgt werden, wenn er – teilweise 

im Widerspruch zu seinen eigenen Aussagen – vorbringt, er habe sich im 

Zeitpunkt des Schlags gegen den Kopf von C._____ im Würgegriff von 

B._____ befunden und dabei mit der Flasche um sich geschlagen, weshalb 

er C._____ unabsichtlich am Kopf getroffen habe (UA act. 236). Einerseits 

lässt sich ein Würgegriff durch B._____ zu diesem Zeitpunkt gestützt auf 

die glaubhaften Aussagen von E._____ sowie den Aussagen der übrigen 

Beteiligten nicht ansatzweise erstellen (Protokoll der 

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Berufungsverhandlung S. 14 f., 17, 19; UA act. 201 f., 208, 211 f., 223 f., 

262, 264; GA act. 47). Andererseits liegt es komplett ausserhalb einer 

vernünftigen Betrachtungsweise, dass der Beschuldigte, sollte er sich 

tatsächlich im Würgegriff des grösseren und schwereren B._____ befunden 

haben, in diesem Zustand – unabsichtlich – einen so heftigen Schlag mit 

der Bierflasche gegen den Kopf von C._____ hätte ausführen können, dass 

die halbvolle Bierflasche dabei hätte zerbersten und C._____ die 

genannten Schnittwunden zufügen können. 

 

Zusammengefasst ist für das Obergericht erstellt, dass der Beschuldigte 

C._____ bewusst – und nicht etwa versehentlich während eines Falls nach 

hinten oder bereits am Boden beim Ringen nach Luft im Würgegriff – die in 

seiner Hand befindliche Bierflasche gegen den Kopf geschlagen hat, 

sodass diese zerbrochen ist und C._____ die vorstehend genannten 

Verletzungen zugefügt hat. 

 

2.4.3. 

Da bei C._____ weder eine akute Lebensgefahr bestand noch ihr Gesicht 

arg und bleibend entstellt wurde, ist der objektive Tatbestand der schweren 

Körperverletzung nicht erfüllt. Dem Beschuldigten wird jedoch nicht eine 

vollendete, sondern lediglich eine versuchte (eventualvorsätzliche) 

schwere Körperverletzung vorgeworfen. Der versuchten Tatbegehung ist 

immanent, dass der zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht 

eingetreten ist (siehe dazu oben). Vielmehr ist festzustellen, welche 

Verletzungen C._____ hätte davontragen können, die der Beschuldigte in 

Kauf genommen hat. 

 

Schläge mit gefährlichen Gegenständen (wie beispielsweise einer 

Glasflasche) gegen den Kopf eines Menschen sind grundsätzlich geeignet, 

schwere Körperverletzungen oder sogar den Tod des Opfers 

herbeizuführen (BGE 135 IV 152 E. 2.3.2.2; Urteil des Bundesgerichts 

6B_526/2020 vom 24. Juni 2021 E. 1.2.2). C._____ hätte sich leicht und 

ohne dass dazu ein grosser Kraftaufwand nötig gewesen wäre, eine 

lebensgefährliche Schnittverletzung im Kopfbereich, insbesondere auch an 

der Halsschlagader, oder eine bleibende arge Gesichtsentstellung 

zuziehen können (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_873/2018 vom 15. 

Februar 2019 E. 1.3.1). Mithin ist lediglich dem Zufall geschuldet, dass 

C._____ ohne bleibende Verletzungen davongekommen ist. Dass dies 

dem Beschuldigten bewusst war, bestätigte er denn auch selbst anlässlich 

seiner Einvernahme vom 30. Mai 2023 (UA act. 289). Auch der Verlust 

eines Auges wäre ohne Weiteres denkbar gewesen, befinden sich doch 

mehrere Schnittverletzungen von C._____ in Augennähe (UA act. 159 f., 

214, 225) und hatte sie auch noch Wochen nach dem Vorfall Glassplitter 

unter dem Auge (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 5, 17, 19). 

 

 - 9 - 

 

 

Mit der Vorinstanz ist somit festzuhalten, dass der Beschuldigte eine 

Schädigung von C._____ in Form einer schweren Körperverletzung 

letztlich zumindest in Kauf genommen und damit den subjektiven 

Tatbestand erfüllt hat. Dass das primäre Ziel des Handelns des 

Beschuldigten nicht eine lebensgefährliche Schädigung von C._____ oder 

eine arge Entstellung ihres Gesichts gewesen sein mag (mündliche 

Berufungsbegründung S. 8; UA act. 289 f., 294), ändert hieran nichts, 

umfasst der Eventualvorsatz doch typischerweise nicht die Hauptfolgen 

eines Handelns, sondern dessen Nebenfolgen (Urteil des Bundesgerichts 

6B_385/2024 vom 30. September 2024 E. 4.5.2). 

 

2.4.4. 

Nach dem Gesagten hat sich der Beschuldigte der versuchten schweren 

Körperverletzung zum Nachteil von C._____ schuldig gemacht. Die 

Berufung ist in diesem Punkt abzuweisen.  

 

2.5. 

2.5.1. 

Was den Tatvorwurf zum Nachteil von B._____ betrifft, ist gestützt auf den 

Arztbericht des Kantonsspitals Baden vom 10. März 2022 erstellt, dass 

B._____ anlässlich der Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten eine 

Schnittwunde an der linken Schläfe davongetragen hat, welche mit drei 

Stichen genäht werden musste (UA act. 167). Der Beschuldigte bestreitet 

zurecht auch gar nicht, B._____ diese Verletzungen mit derselben 

Bierflasche zugefügt zu haben, welche er zuvor mit einem Schlag gegen 

den Kopf von C._____ zerbrochen hat (vgl. UA act. 241). 

 

Mit der Vorinstanz ist für das Obergericht erstellt, dass der Beschuldigte 

auch hinsichtlich der B._____ im Gesicht zugefügten Verletzung zumindest 

mit Eventualvorsatz gehandelt hat. E._____ sagte zwar aus, nicht gesehen 

zu haben, wie die Verletzungen von B._____ zustande gekommen seien, 

weil sie sich um die verletzte C._____ gekümmert habe (UA act. 201). 

Gestützt auf die übereinstimmenden Aussagen von B._____ und dem 

Beschuldigten ist jedoch erstellt, dass B._____ den Beschuldigten nach 

dem Schlag gegen C._____ am Boden festgehalten hat und es zu einem 

Gerangel gekommen ist, wobei der Beschuldigte sich zu befreien versucht, 

mit der nach wie vor in seiner Hand befindlichen (zerborstenen) Bierflasche 

um sich geschlagen und dabei B._____ an der Schläfe getroffen hat (UA 

act. 75; 223; 236; 289; GA act. 73). Dem Beschuldigten musste in dieser 

Situation bewusst gewesen sein, dass er B._____ mit der zerborstenen 

Bierflasche treffen könnte, und er wollte dies auch. Dabei hat er aufgrund 

des dynamischen Geschehens (mündliche Berufungsbegründung S. 9) 

zumindest auch in Kauf genommen, B._____ an einer besonders 

empfindlichen Stelle wie dem Kopfbereich eine Schnittwunde zuzufügen, 

was denn auch tatsächlich so geschehen ist. Eine abgebrochene 

Glasflasche weist bekanntlich ein erhebliches, mit einem Messer 

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vergleichbares Gefährdungspotential auf, weshalb ihr Einsatz im Hals- und 

Kopfbereich mit dem Risiko tödlicher Schnittwunden einhergeht (Urteile 

des Bundesgerichts 6B_912/2018 vom 19. September 2019 E. 2.4.2). 

Indem der Beschuldigte dennoch unkontrolliert mit der abgebrochenen 

Flasche gegen den Kopf  von B._____ schlug, nahm er zumindest in Kauf, 

dass B._____ eine lebensgefährliche Schnitt- oder Stichverletzung im Hals- 

und Kopfbereich, bleibende arge Gesichtsentstellungen oder den Verlust 

eines Auges erleiden könnte (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_873/2018 

vom 15. Februar 2019 E. 1.3.1.). Es ist lediglich dem Zufall geschuldet, 

dass dieser nur mit einer Schnittwunde an der Schläfe ohne bleibende 

Verletzungen davongekommen ist, weshalb der Beschuldigte eine 

Schädigung in Form einer schweren Körperverletzung zumindest in Kauf 

genommen und damit den subjektiven Tatbestand erfüllt hat. Daran vermag 

auch die Einwendung des Beschuldigten, dass eine schwere 

Körperverletzung nicht das primäre Ziel seines Handelns gewesen sei (vgl. 

mündliche Berufungsbegründung S. 9), nichts zu ändern (siehe dazu 

oben). 

 

2.5.2. 

Der Beschuldigte bringt hinsichtlich der B._____ zugefügten 

Schnittverletzung vor, er sei zuvor von diesem in den Würgegriff 

genommen worden und habe deshalb in rechtfertigender Notwehr 

gehandelt (vgl. mündliche Berufungsbegründung S. 9 f.). 

 

Gemäss Art. 15 StGB ist jemand, der ohne Recht angegriffen oder 

unmittelbar mit einem Angriff bedroht wird, berechtigt, den Angriff in einer 

den Umständen angemessenen Weise abzuwehren. Überschreitet der 

Abwehrende die Grenzen der Notwehr, mildert das Gericht die Strafe 

(Art. 16 Abs. 1 StGB). Überschreitet der Abwehrende die Grenzen der 

Notwehr in entschuldbarer Aufregung oder Bestürzung über den Angriff, so 

handelt er nicht schuldhaft (Art. 16 Abs. 2 StGB). 

 

Der Einwand des Beschuldigten, wonach er von B._____ gewürgt worden 

bzw. in den Würgegriff genommen worden sei, ist als unbeachtliche 

Schutzbehauptung zu qualifizieren. Der Beschuldigte behauptete zwar 

mehrfach, von B._____ bis zur Ohnmacht gewürgt worden zu sein 

(Protokoll der Berufungsverhandlung S. 42 f., 45; UA act. 236, 289; GA 

act. 74). E._____ sagte demgegenüber jedoch konstant aus, keine 

Gewalteinwirkung seitens B._____ beobachtet zu haben (GA act. 50; UA 

act. 201 f., 211 f., 217). Es ist zwar nicht auszuschliessen, dass B._____ 

den Beschuldigten festzuhalten und zu fixieren versucht hat, nachdem der 

Beschuldigte die Bierflasche so wuchtig gegen den Kopf von C._____, der 

damaligen Freundin von B._____, geschlagen hatte, dass die Glasflasche 

dabei zerborsten war und C._____ stark blutende Schnittverletzungen im 

Gesicht erlitten hatte. Es ist jedoch weder von einem fest ausgeführten 

Würgegriff noch von einem eigentlichen Würgen auszugehen. Einerseits ist 

 - 11 - 

 

 

dies weder von E._____ (GA act. 50; UA act. 201, 266) noch von C._____ 

wahrgenommen worden (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 21). 

Zudem sind auf den im Anschluss an den Vorfall erstellten Fotos (UA act. 

48 ff.) keine Würgemale, Petechien oder andere Verletzungen im 

Halsbereich erkennbar, wie sie bei einem vom Beschuldigten behaupteten 

Würgen bis hin zur beinahe Ohnmacht jedoch zu erwarten gewesen wären. 

Der Beschuldigte selbst hatte sich anfänglich denn auch lediglich über 

Knieschmerzen beklagt (UA act. 72, 80, 82) und erst später, anlässlich der 

Einvernahme vom 21. Februar 2022, erstmals von Schluckweh 

gesprochen habe (UA act. 245). Daran vermögen auch die ärztlichen 

Notizen betreffend die Konsultation vom 22. Februar 2022 nichts zu 

ändern, die der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung vorlegte 

(mündliche Berufungsbegründung S. 6; Beilage 1 zur mündlichen 

Berufungsbegründung). Dass er zwei Tage nach dem Vorfall bei seinem 

Hausarzt u.a. angegeben habe, gewürgt worden und vorübergehend 

ohnmächtig gewesen zu sein, stellt keine ärztliche Feststellung, sondern 

lediglich die Erfassung seiner im Nachhinein vorgebrachten Beschwerden 

dar. 

 

Nach dem Gesagten befand sich der Beschuldigte nicht in einer 

Notwehrsituation im Sinne von Art. 15 StGB. Daran vermag auch der 

Umstand nichts zu ändern, dass B._____ versucht hat, den Beschuldigten 

am Boden festzuhalten, nachdem Letzterer C._____ mit der Bierflasche 

verletzt hatte. Darin liegt kein rechtswidriger Angriff, der einer Abwehr mit 

einer zerborstenen Bierflasche bedurft hätte. Der Schlag mit einer 

abgebrochenen Glasflasche in Richtung des Kopfes von B._____ wäre 

ohnehin nicht mehr als eine den Umständen angemessene Reaktion 

anzusehen, weshalb schon unter dem Gesichtspunkt der Verhältnis-

mässigkeit keine rechtfertigende Notwehrhandlung i.S.v. Art. 15 StGB 

vorliegt. Entgegen dem Vorbringen des Beschuldigten (mündliche 

Berufungsbegründung S. 10) liegt aufgrund des fehlenden Angriffs auch 

keine entschuldbare Notwehr i.S.v. Art. 16 Abs. 1 StGB vor. 

 

Zusammengefasst ist für das Obergericht zweifelsfrei erstellt, dass der 

Beschuldigte B._____ nicht mit der zerborstenen Bierflasche gegen den 

Kopfbereich geschlagen hat, um einen sich im Gange befindlichen Angriff 

abzuwehren oder er sich (subjektiv) in einer ausweglosen Situation wähnte. 

Entgegen seinem Vorbringen (mündliche Berufungsbegründung S. 9 f.) 

kann sich der Beschuldigte somit nicht auf eine rechtfertigende Notwehr 

berufen. 

 

2.5.3. 

Nach dem Gesagten hat sich der Beschuldigte auch der versuchten 

schweren Körperverletzung zum Nachteil von B._____ schuldig gemacht, 

weshalb sich seine Berufung in diesem Punkt ebenfalls als unbegründet 

erweist und abzuweisen ist. 

 - 12 - 

 

 

 

3. 

3.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten zu einer Freiheitsstrafe von 2 ½ 

Jahren verurteilt, wobei ihm im Umfang von 2 Jahren der bedingte Vollzug, 

unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren, gewährt wurde. 

 

Mit Berufungserklärung beantragte der Beschuldigte im Falle einer 

Verurteilung eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen à Fr. 20.00, 

unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren, sowie eine Verbindungs-

busse von Fr. 500.00. 

 

3.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen). 

Darauf kann verwiesen werden. 

 

3.3. 

Der Beschuldigte hat den Tatbestand der versuchten schweren 

Körperverletzung mehrfach erfüllt. Infolge identischer Strafrahmen ist die 

Einsatzstrafe für die versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil von 

B._____ als konkret schwerste Straftat festzusetzen. Diese ist 

anschliessend für die versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil 

von C._____ angemessen zu erhöhen (Art. 49 Abs. 1 StGB). 

 

3.3.1. 

3.3.1.1. 

Betreffend die Einsatzstrafe für die versuchte schwere Körperverletzung 

zum Nachteil von B._____ ergibt sich Folgendes: 

 

Der Tatbestand der schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB sah 

im Tatzeitpunkt eine Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis zu 10 Jahren vor. 

Per 1. Juli 2023 hat der Gesetzgeber die Mindeststrafe auf 1 Jahr erhöht. 

Nach dem Grundsatz der lex mitior (vgl. Art. 2 Abs. 2 StGB) ist das im 

Tatzeitpunkt geltende, mildere Recht anzuwenden, weshalb von einem 

Strafrahmen von 6 Monaten bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe auszugehen 

ist. 

 

3.3.1.2. 

Der Beschuldigte bringt vor, seine Schuldfähigkeit zum Tatzeitpunkt sei im 

Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB vermindert gewesen (mündliche Berufungs-

begründung S. 11). 

 

Gründe für eine verminderte Schuldfähigkeit können u.a. in einer Bewusst-

seinsstörung durch schwere Intoxikation liegen. Auf den Tatzeitpunkt 

 - 13 - 

 

 

zurückgerechnet wies der Beschuldigte eine Blutalkoholkonzentration 

zwischen 1.60 und 2.45 Gewichtspromille auf (UA act. 91, 96). Im Sinne 

einer groben Faustregel geht die Rechtsprechung davon aus, dass bei 

einer Blutalkoholkonzentration von unter zwei Gewichtspromille in der 

Regel keine Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit gegeben ist, und dass 

bei einer solchen von drei Promille und darüber meist Schuldunfähigkeit 

vorliegt. Diese Vermutung kann jedoch im Einzelfall durch Gegenindizien 

umgestossen werden (BGE 122 IV 49 E. 1b; Urteil des Bundesgerichts 

6B_1050/2020 vom 20. Mai 2021 E. 3.3). Entscheidend für die Beurteilung 

der Schuldfähigkeit ist nicht die Blutalkoholkonzentration als solche, 

sondern das Ausmass, in dem sie die Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit 

beeinträchtigt hat. Stets sind Alkoholgewöhnung, die Tatsituation sowie die 

weiteren Umstände in die Beurteilung der Schuldfähigkeit einzubeziehen 

(BGE 122 IV 49 E. 1b; Urteil des Bundesgerichts 6B_953/2023 vom 15. 

Dezember 2023 E. 1.4.4). 

 

Das am 2. Mai 2022 durch das Institut für Rechtsmedizin des 

Kantonsspitals Aarau erstellte Gutachten bestätigt, dass der Beschuldigte 

zum Tatzeitpunkt unter der Wirkung von Alkohol gestanden hat, wobei eine 

zusätzliche Wirkung von THC und Kokain, gegebenenfalls auch von 

MDMA, nicht ausgeschlossen werden kann (UA act. 92). Aufgrund des 

wahrscheinlichen Mischkonsums sowie der übereinstimmenden Aussagen 

von C._____ und E._____, wonach der Beschuldigte im Tatzeitpunkt 

erkennbar betrunken gewesen sei (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 

5 f., 23; UA act. 201 f., 214), ist davon auszugehen, dass er leichtgradig 

vermindert schuldfähig i.S.v. Art. 19 Abs. 2 StGB war. Entgegen dem 

Vorbringen des Beschuldigten (mündliche Berufungsbegründung S. 11) ist 

jedoch nicht von mehr als einer leichten Verminderung der Schuldfähigkeit 

auszugehen, zumal der Beschuldigte zur Kommunikation und auch zur 

mehrfachen Tatausführung in der Lage war, was offensichtlich nicht 

möglich gewesen wäre, wenn er in seiner Einsichts- und 

Steuerungsfähigkeit mehr als leichtgradig vermindert gewesen wäre. 

 

3.3.1.3. 

Ausgangspunkt für die Strafzumessung innerhalb des ordentlichen 

Strafrahmens bildet die Verletzung oder Gefährdung des betroffenen 

Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB), wobei vorerst vom vollendeten Delikt 

auszugehen ist. Der Tatbestand der schweren Körperverletzung schützt die 

körperliche, gesundheitliche und psychische Integrität des Menschen als 

sein höchstes Rechtsgut neben dem Leben (BGE 134 IV 189 E. 1.1). 

 

Auch wenn B._____ keine lebensbedrohliche Verletzung oder arge 

Entstellung des Gesichts davongetragen hat, wären als Folge des 

Schlages mit einer abgebrochenen Glasflasche gegen seinen Kopf ohne 

Weiteres sehr gravierende Kopfverletzungen oder eine Entstellung des 

Gesichts im Sinne von Art. 122 StGB möglich gewesen. Dies gilt 

 - 14 - 

 

 

besonders, da die Glasflasche bereits zerbrochen und daher mit scharfen 

Kanten versehen war und der Beschuldigte ohne Kontrolle während des 

dynamischen Gerangels in Richtung des Kopfes von B._____ schlug. 

Dadurch hätte er genauso gut das Auge von B._____ treffen oder ihm 

lebensgefährliche Schnittwunden zufügen können, z.B. wenn er dessen 

Halsschlagader getroffen hätte. Entsprechend schwer wiegt beim 

vollendeten Delikt der schweren Körperverletzung der hypothetische 

Taterfolg. Es handelt sich dabei innerhalb der Formen, die vom Tatbestand 

der schweren Körperverletzung erfasst sind, um eine mittelschwere bis 

schwere Variante. 

 

Der Beschuldigte hat sein Handeln nicht von langer Hand geplant, sondern 

aus der Situation heraus gehandelt, als er mit B._____ aneinandergeraten 

und es nach dem Dazwischengehen von C._____ am Boden zu einem 

Gerangel gekommen ist. Zudem hat er die Bierflasche nicht erst zur Hand 

genommen, um sie als Waffe einzusetzen, sondern hatte sie bereits vorher 

zum Trinken in der Hand gehalten. Nichtsdestotrotz hat er die Glasflasche, 

die bereits durch den Schlag gegen den Kopf von C._____ zerbrochen war, 

danach nicht etwa fallen lassen, sondern einem scharfen Messer gleich 

unkontrolliert in Richtung des Kopfes von B._____ geschlagen. Dadurch 

hingen sowohl die exakte Einschlagstelle als auch die Schwere der 

effektiven Verletzungsfolgen lediglich vom Zufall ab. Die Art und Weise 

seines Vorgehens bzw. die Verwerflichkeit des Handelns ist insgesamt 

aber nicht wesentlich über die blosse Erfüllung des Tatbestands der 

schweren Körperverletzung hinausgegangen, was sich neutral auswirkt. 

 

Zu Gunsten des Beschuldigten ist zu berücksichtigen, dass er nicht mit 

direktem Vorsatz gehandelt, sondern nur in Kauf genommen hat, B._____ 

mit seinem Handeln schwer zu verletzten, was verschuldensmässig 

weniger schwer wiegt (vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.6; Urteil des Bundesgerichts 

6B_190/2012 vom 25. Mai 2012 E. 5.4). Entgegen dem Vorbringen des 

Beschuldigten (mündliche Berufungsbegründung S. 10) liegt aufgrund des 

fehlenden Angriffs jedoch keine entschuldbare Notwehr i.S.v. Art. 16 Abs. 1 

StGB vor, die eine weitere obligatorische Strafminderung rechtfertigen 

würde. 

 

Was das Mass an Entscheidungsfreiheit betrifft, so ist zu berücksichtigen, 

dass zu Gunsten des Beschuldigten von einer leicht reduzierten 

Schuldfähigkeit auszugehen ist. Im Übrigen ist es jedoch nicht so, dass er 

sich in einer subjektiv als aussichtslos empfundenen Lage befunden hätte. 

Insbesondere ist nicht ersichtlich, weshalb der Beschuldigte die 

zerbrochene Glasflasche nicht losliess, um weitere Schnittverletzungen zu 

vermeiden, nachdem er bereits C._____ stark blutende 

Gesichtsverletzungen zugefügt hatte. Je leichter es aber für den 

Beschuldigten gewesen wäre, die körperliche Integrität von B._____ zu 

respektieren, desto schwerer wiegt die Entscheidung dagegen und damit 

 - 15 - 

 

 

einhergehend sein Verschulden (vgl. BGE 117 IV 112 E. 1 mit Hinweisen; 

BGE 127 IV 101 E. 2a; Urteil des Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. 

Januar 2023 E. 3.4.3). 

 

Innerhalb des breiten Spektrums der vom Tatbestand der schweren 

Körperverletzung erfassten Sachverhalte und Verletzungsfolgen wäre – für 

die vollendete Tatbegehung – bei uneingeschränkter Schuldfähigkeit 

gestützt auf das Vorstehende von einem mittelschweren Tatverschulden 

auszugehen. Aufgrund der festgestellten leichtgradig verminderten 

Schuldfähigkeit des Beschuldigten im Tatzeitpunkt ist jedoch lediglich von 

einem leichten bis mittelschweren Verschulden (vgl. BGE 136 IV 55) und – 

in Relation zum Strafrahmen von 6 Monaten [in der im Tatzeitpunkt 

geltenden Fassung] bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe – einer dafür 

angemessenen Freiheitsstrafe von 3 ½ Jahren auszugehen. 

 

3.3.1.4. 

Nachdem es vorliegend bei einem Versuch geblieben ist, ist die Strafe 

angemessen zu reduzieren (Art. 22 Abs. 1 StGB). Die Strafminderung hat 

umso geringer auszufallen, je näher der tatbestandsmässige Erfolg und je 

schwerer die tatsächlichen Folgen der Tat waren (BGE 121 IV 49 E. 1b).  

 

Beim vorliegend zu beurteilenden Tathergang ist es einzig dem Zufall zu 

verdanken, dass sich die nahe liegende Gefahr einer lebensgefährlichen 

Verletzung oder einer argen und bleibenden Entstellung des Gesichts von 

B._____ bei den tatsächlich getroffenen Bereichen des Kopfes nicht 

verwirklicht hat. Indem der Beschuldigte mit der abgebrochenen und mit 

scharfen Kanten versehenen Bierflasche im Rahmen eines dynamischen 

Geschehens gegen die Kopfgegend von B._____ geschlagen hat, hat er 

bereits alles getan, was für die Vollendung des Tatbestands der schweren 

Körperverletzung notwendig gewesen wäre. Hätte er z.B. die nicht weit 

entfernte Halsschlagader getroffen, wäre die Gefahr eines Verblutens sehr 

nahe gelegen. Auch wenn es letztlich nur dem Zufall zu verdanken ist, dass 

es nicht zu schwerwiegenderen Verletzungen gekommen ist, so ist der 

Unterschied zwischen der vom Beschuldigten in Kauf genommenen 

schweren Körperverletzung und den effektiv erlittenen Verletzungen von 

B._____ doch relativ gross. Mithin profitiert auch der Beschuldigte vom 

Ausbleiben des Taterfolgs. Dies rechtfertigt es, den Versuch im Umfang 

von 1 Jahr strafmindernd zu berücksichtigen, sodass die Einsatzstrafe 

unter Berücksichtigung aller Umstände auf 2 ½ Jahre festzusetzen ist. 

 

3.3.2. 

An sich wäre die bis anhin ermittelte Freiheitsstrafe aufgrund der zweiten – 

zum Nachteil von C._____ begangenen – versuchten schweren 

Körperverletzung angemessen zu erhöhen. Dies kann jedoch unterbleiben, 

da bereits für die erste versuchte schwere Körperverletzung an B._____ – 

sowie in Anbetracht der sich leicht straferhöhend auswirkenden 

 - 16 - 

 

 

Täterkomponente (siehe dazu unten) – eine deutlich höhere als die von der 

Vorinstanz ausgesprochene Freiheitsstrafe von 2 ½ Jahren auszusprechen 

wäre, was aufgrund des Verschlechterungsverbots jedoch nicht möglich ist 

(Art. 391 Abs. 2 StPO; vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. 

Januar 2023 E. 3.4.3, demzufolge nicht zu beanstanden ist, dass die 

weiteren Delikte nicht mehr im Einzelnen asperiert werden, wenn eine 

Strafe aufgrund des Verschlechterungsverbots nicht zu Lasten der 

beschuldigten Person abgeändert werden darf). 

 

3.3.3. 

In Bezug auf die Täterkomponente ergibt sich Folgendes: 

 

Der Beschuldigte ist bereits zweifach vorbestraft (siehe Strafregisteraus-

zug), was leicht straferhöhend ins Gewicht fällt (BGE 136 IV 1 E. 2.6.2). 

Aus seinen früheren Verurteilungen hat er offensichtlich nicht die 

genügenden Lehren gezogen. Jedoch ist zu berücksichtigen, dass aus dem 

täterbezogenen Strafzumessungskriterium der Vorstrafen nicht indirekt ein 

tatbezogenes Kriterium gemacht wird; mithin sind Vorstrafen nicht wie 

eigenständige Delikte zu würdigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_18/2022 vom 23. Juni 2022 E. 2.6.1 mit Hinweisen). 

 

Der Beschuldigte hat bereits am Tatort und somit von Anfang an 

eingestanden, sowohl C._____ als auch B._____ mit einer Flasche verletzt 

zu haben (UA act. 241 f.). Ein Leugnen seiner Täterschaft wäre aufgrund 

der klaren Beweislage jedoch zwecklos gewesen. Nachdem er auch noch 

im Berufungsverfahren hartnäckig bestreitet, bewusst gehandelt und eine 

schwere Verletzung von C._____ und B._____ in Kauf genommen zu 

haben, hat sein teilweises Geständnis nicht wesentlich zur Aufklärung oder 

Vereinfachung des Strafverfahrens geführt, weshalb es auch nicht 

strafmindernd zu berücksichtigen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_785/2015 vom 18. November 2015 E. 3). Er gibt sodann zwar an, dass 

es ihm leidtue, was passiert sei (UA act. 243), ist sich jedoch keiner Schuld 

bewusst und sieht sich sogar selbst als Opfer (UA act. 286 f., 290). Sein 

teilweises Geständnis lässt deshalb weder auf eine nachhaltige Einsicht in 

das begangene Unrecht noch auf aufrichtige Reue (vgl. mündliche 

Berufungsbegründung S. 11), sondern bloss auf eine Tatfolgenreue 

schliessen. Eine erhebliche Strafminderung, wie sie bei einem von Anfang 

an vollumfänglich geständigen, nachhaltig einsichtigen und aufrichtig 

reuigen Täter möglich ist, kommt deshalb nicht infrage. 

 

Der Beschuldigte ist türkischer Staatsangehöriger, ist jedoch in der 

Schweiz geboren und aufgewachsen (GA act. 64). Er ist 33 Jahre alt, 

unverheiratet und Vater einer vierjährigen Tochter (GA act. 65). 

Ausserordentliche Umstände, welche eine erhöhte Strafempfindlichkeit zu 

begründen vermögen, liegen damit nicht vor (vgl. statt vieler: Urteil des 

Bundesgerichts 6B_18/2022 vom 23. Juni 2022 E. 2.6.1 mit Hinweisen). 

 - 17 - 

 

 

 

Insgesamt wirkt sich die Täterkomponente mit Blick auf die Vorstrafen des 

Beschuldigten leicht straferhöhend aus. Aufgrund des 

Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) ist eine Erhöhung der von 

der Vorinstanz ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 2 ½ Jahren jedoch 

nicht möglich. 

 

3.3.4. 

Nach dem Gesagten bleibt es unter Beachtung des Verschlechterungsver-

bots (Art. 391 Abs. 2 StPO) bei der von der Vorinstanz ausgesprochenen 

Freiheitsstrafe von 2 ½ Jahren. 

 

3.4. 

Die Vorinstanz hat die Freiheitsstrafe von 2 ½ Jahren teilbedingt bei einem 

zu vollziehenden Anteil von 6 Monaten und einem bedingt zu vollziehenden 

Anteil von 2 Jahren, Probezeit 2 Jahre, ausgesprochen. 

 

Ein vollumfänglicher Aufschub der Freiheitsstrafe nach Art. 42 Abs. 1 StGB 

kommt vorliegend aufgrund des Strafmasses von 2 ½ Jahren nicht in 

Betracht. Infrage kommt einzig ein teilbedingter Strafvollzug nach Art. 43 

Abs. 1 StGB, der bei einer angeordneten Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren 

möglich ist. Dabei müssen sowohl der aufgeschobene wie auch der zu 

vollziehende Teil der Freiheitsstrafe mindestens 6 Monate betragen (Art. 43 

Abs. 3 StGB). Aufgrund des Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 

StPO) ist somit die Anordnung der Vorinstanz zu bestätigen, den unbedingt 

vollziehbaren Teil der Freiheitsstrafe auf das gesetzliche Minimum von 6 

Monaten festzusetzen. Die restlichen 2 Jahre Freiheitsstrafe sind 

unter Ansetzung der gesetzlich minimalen Probezeit von 2 Jahren (Art. 44 

Abs. 1 StGB) aufzuschieben. 

 

3.5. 

Die Dauer der vorläufigen polizeilichen Festnahme (UA act. 72, 79) ist dem 

Beschuldigten im Umfang von 2 Tagen auf den unbedingten Teil der 

Freiheitsstrafe anzurechnen (Art. 51 StGB i.V.m. Art. 110 Abs. 7 StGB; 

BGE 150 IV 377 E. 2). Nachdem eine vollständige Anrechnung erfolgt, 

entfällt ein Anspruch auf Entschädigung. 

 

3.6. 

Zusammengefasst ist der Beschuldigte zu einer teilbedingten 

Freiheitsstrafe von 2 ½ Jahren bei einem zu vollziehenden Anteil von 6 

Monaten und einem bedingt zu vollziehenden Anteil von 2 Jahren bei einer 

Probezeit von 2 Jahren zu verurteilen. Damit erweist sich die Berufung des 

Beschuldigten auch in diesem Punkt als unbegründet. 

 

 - 18 - 

 

 

4. 

4.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. b 

StGB unter Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS) für die 

Dauer von 5 Jahren des Landes verwiesen. 

 

Der Beschuldigte beantragt, es sei von einer Landesverweisung 

abzusehen. 

 

4.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Landesverweisung gemäss 

Art. 66a StGB unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des EGMR zu 

Art. 8 EMRK wiederholt dargelegt (BGE 146 IV 311; BGE 146 IV 172; 

BGE 146 IV 105; BGE 146 II 1; BGE 145 IV 455; BGE 145 IV 364; 

BGE 145 IV 161; BGE 144 IV 332; statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

6B_549/2024 vom 26. November 2024 E. 3). Darauf kann verwiesen 

werden. 

 

4.3. 

Der Beschuldigte ist türkischer Staatsangehöriger. Er hat mit der 

mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung Katalogtaten für eine 

obligatorische Landesverweisung gemäss Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB 

begangen. Diese Bestimmung ist auch auf den Versuch einer Katalogtat 

anwendbar (BGE 144 IV 168 E. 1.4.1). Der Beschuldigte ist somit 

grundsätzlich für 5 bis 15 Jahre aus der Schweiz zu verweisen. 

 

Auf die vom Beschuldigten vorgebrachte Ausnahme der Anordnung der 

Landesverweisung aufgrund einer Notwehrsituation (Art. 66a Abs. 3 StGB; 

mündliche Berufungsbegründung S. 12) ist nicht weiter einzugehen, da der 

Beschuldigte, wie bereits ausgeführt, weder in rechtfertigender noch in 

entschuldbarer Notwehr gehandelt hat (siehe dazu oben). 

 

Von der Anordnung der Landesverweisung kann ausnahmsweise auch 

unter den kumulativen Voraussetzungen abgesehen werden, dass sie (1) 

einen schweren persönlichen Härtefäll bewirken würde und (2) die 

öffentlichen Interessen an der Landesverweisung gegenüber den privaten 

Interessen des Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen. 

Dabei ist der besonderen Situation von Ausländern Rechnung zu tragen, 

die in der Schweiz geboren oder aufgewachsen sind (Art. 66a Abs. 2 StGB). 

 

Die gesetzlichen Bestimmungen von Art. 66a StGB, wonach die Landes-

verweisung bei Vorliegen einer Katalogtat die Regel und das Absehen von 

der Landesverweisung unter restriktiver Annahme eines Härtefalls und 

eines überwiegenden privaten Interesses an einem Verbleib in der Schweiz 

die Ausnahme sein sollte, wurden insbesondere bei Straftätern mit einer 

langen Aufenthaltsdauer in der Schweiz («long-term immigrants») und 

 - 19 - 

 

 

solchen, die sich aus sonstigen Gründen auf Art. 8 EMRK berufen können, 

durch die Rechtsprechung des Bundesgerichts und des Europäischen 

Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) stark relativiert bzw. sogar ins 

Gegenteil verkehrt (siehe dazu unten). 

 

4.4. 

4.4.1. 

Der heute 33-jährige Beschuldigte ist türkischer Staatsbürger und verfügt 

über die Niederlassungsbewilligung C (Protokoll der Berufungsverhand-

lung S. 37; UA act. 21). Er ist in der Schweiz geboren und hier 

aufgewachsen, wobei er das gesamte schweizerische Schulsystem 

durchlaufen hat (GA act. 64). Somit ist er Angehöriger der zweiten 

Ausländergeneration und nach der Rechtsprechung des EGMR als «long-

term immigrant» anzusehen (Urteil des Bundesgerichts 7B_730/2023 vom 

25. Oktober 2024 E. 4.6.1 mit Verweis auf das Urteil des EGMR Nr. 

52232/20 i.S. P.J. und R.J. gegen die Schweiz vom 17. September 2024, 

§ 28), was es bei seinen persönlichen Interessen zu berücksichtigen gilt. 

 

Der Beschuldigte ist unverheiratet und derzeit nicht in einer Beziehung 

(Protokoll der Berufungsverhandlung S. 34), jedoch Vater einer knapp 

vierjährigen Tochter, die bei der Kindsmutter lebt und zu der er 

regelmässigen Kontakt pflege (Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 26 f., 39; GA act. 65). Der Beschuldigte und die Kindsmutter, eine 

Schweizerin, haben sich etwa ein halbes Jahr nach der Geburt der Tochter 

getrennt (mündliche Berufungsverhandlung S. 26). Der Beschuldigte hat 

seine Tochter, die wie ihre Mutter Schweizerin ist, erst seit Kurzem 

anerkannt (Beilage 7 zur mündlichen Berufungsbegründung Ziff. 1), was er 

in erster Linie damit erklärte, dass die Beschaffung der für eine 

Anerkennung notwendigen Papiere aus der Türkei administrativ und 

finanziell aufwändig gewesen sei, weshalb darauf verzichtet worden sei 

(Protokoll der Berufungsverhandlung S. 41; Beilage 6 zur mündlichen 

Berufungsbegründung; GA act. 65 f.). Seit der gerichtlichen Vereinbarung 

vom 12. Februar 2025 steht die Tochter unter der gemeinsamen elterlichen 

Sorge beider Eltern (Beilage 7 zur mündlichen Berufungsbegründung 

Ziff.  2). Letztlich spielt der späte Zeitpunkt der formellen Anerkennung für 

die Frage, ob eine echte, nahe und gelebte Beziehung zur Tochter besteht, 

aber keine entscheidende Rolle. Die als Zeugin vor Obergericht befragte 

Kindsmutter hat diesbezüglich bestätigt, dass mit Ausnahme eines kurzen 

Unterbruchs nach der Geburt ein stetiger Kontakt zwischen dem 

Beschuldigten und seiner Tochter vorhanden gewesen sei. Insbesondere 

sei der Beschuldigte auch eine sehr grosse Stütze gewesen, als die 

Tochter aufgrund einer sehr kritischen Erkrankung ins Spital habe 

eingeliefert werden müssen. Der Beschuldigte liege seiner Tochter 

mittlerweile sehr am Herzen, auch wenn sie sich in ihren ersten Jahren eher 

auf ihre Mutter fokussiert habe (Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 26 f.). Auch die als Zeugin befragte E._____, die Exfreundin des 

 - 20 - 

 

 

Beschuldigten, bestätigte, dass die Tochter den Beschuldigten besucht 

habe, als sie noch mit ihm zusammengewohnt habe (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 9). Vor diesem Hintergrund bestehen für das 

Obergericht entgegen der Vorinstanz keine Zweifel daran, dass der 

Beschuldigte eine nahe und echte Beziehung zu seiner nunmehr 

vierjährigen Tochter lebt und sich daher auf das Recht auf Achtung des 

Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK berufen kann. 

 

Sodann pflegt der Beschuldigte nach eigenen Angaben auch 

wöchentlichen Kontakt zu seiner Mutter, die zusammen mit seinem 

Stiefbruder in U._____ wohnt. Seine Schwester, die in V._____ lebe, sehe 

er weniger häufig, halte aber telefonischen Kontakt mit ihr und treffe sie ab 

und zu zusammen mit seiner und ihrer Tochter (GA act. 64 f.). 

 

Sprachlich ist der Beschuldigte sehr gut integriert. Er spricht einwandfrei 

Schweizer Dialekt, was bei einer in der Deutschschweiz geborenen und 

aufgewachsenen Person allerdings auch erwartet werden kann. Auch die 

persönliche und gesellschaftliche Integration des Beschuldigten 

ausserhalb der Familie ist positiv zu werten, da sich sämtliche 

Bezugspersonen und damit auch sein Lebensmittelpunkt in der Schweiz 

befinden (mündliche Berufungsbegründung S. 15; Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 39). Zudem bestätigten sowohl E._____ 

(Protokoll der Berufungsverhandlung S. 8 f.) als auch C._____ (Protokoll 

der Berufungsverhandlung S. 21 f.) und F._____ (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 29) anlässlich der Berufungsverhandlung die 

gelungene soziale und kulturelle Integration des Beschuldigten in der 

Schweiz. 

 

Gegen eine gelungene Integration sprechen – nebst der vorliegenden 

Verurteilung wegen mehrfacher versuchter schwerer Körperverletzung – 

die drei Verurteilungen des Beschuldigten zwischen 2012 und 2016 (UA 

act. 12 f.). Dass die erste dieser Verurteilungen mittlerweile infolge 

Zeitablaufs aus dem Strafregister gelöscht worden ist, steht einer 

Berücksichtigung im Rahmen der Landesverweisung nicht entgegen (vgl. 

dazu Urteile des Bundesgerichts 6B_1385/2021 vom 29. August 2023 

E. 2.4.2 und 6B_188/2021 vom 23. Juni 2021 E. 2.2.1 jeweils mit Hinweis). 

Relativierend wirkt sich aus, dass die Vorstrafen, mit denen er zu bedingten 

Geldstrafen von zweimal 30 und einmal 100 Tagessätzen und somit 

Strafen im Bagatellbereich verurteilt worden ist, schon länger zurückliegen. 

Jedenfalls kann daraus nicht geschlossen werden, dass es sich beim 

Beschuldigten um einen unbelehrbaren Gewohnheitsverbrecher handeln 

würde. 

 

Als unterdurchschnittlich und wenig geglückt muss die wirtschaftliche und 

berufliche Integration des Beschuldigten bezeichnet werden. Der 

Beschuldigte hat keine Ausbildung abgeschlossen, sondern sowohl seine 

 - 21 - 

 

 

Lehre als Maler als auch eine Anlehre im Detailhandel abgebrochen (GA 

act. 66 f.; vgl. mündliche Berufungsbegründung S. 12). Daraufhin hat er als 

Logistiker/Fabrikmitarbeiter gearbeitet, die Stapler- und Kranprüfung 

gemacht und zwei temporäre Arbeitsstellen als Kranführer angenommen, 

zuerst beinahe zwei Jahre bei der J._____ AG und danach etwa ein Jahr 

bei der K._____ (GA act. 67; vgl. mündliche Berufungsbegründung S. 12). 

Zuletzt sei er als Logistiker bei L._____ angestellt gewesen, wo ihm aber 

im Zusammenhang mit dem Vorfall vom 20. Februar 2022 gekündigt 

worden sei (GA act. 67). Bis zum 13. Mai 2024 sei er aufgrund der erlittenen 

Knieverletzung zu 100% arbeitsunfähig gewesen und habe von der SUVA 

monatlich Fr. 840.00 Taggeld erhalten (Beilage 2b zur mündlichen 

Berufungsbegründung; GA act. 67). Zwischen dem 14. Mai 2024 und dem 

2. Juni 2024 wurde ihm noch eine Arbeitsunfähigkeit von 50% attestiert 

(Beilage 2a zur mündlichen Berufungsbegründung). Seit dem 1. Juli 2024 

arbeite er nun zu 50% als Gastronomiemitarbeiter bei der M._____ GmbH 

in W._____ (Beilage 4 zur mündlichen Berufungsbegründung). Er 

beabsichtige jedoch, ab April 2025 zusätzlich zu 50% als Hauswart sowie 

in der Gartenpflege eingestellt zu werden, bis er wieder eine Arbeitsstelle 

im 100%-Pensum finden würde (Beilage 5c zur mündlichen 

Berufungsbegründung; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 35). Ob ihm 

das gelingen wird, muss sich zuerst noch weisen. 

 

Gemäss eingereichtem Betreibungsregisterauszug hat der Beschuldigte 

noch knapp Fr. 8'500.00 Franken Restschulden, wobei es sich 

insbesondere um Steuerschulden handelt (Beilage 5b zur mündlichen 

Berufungsbegründung). Sowohl der Beschuldigte als auch die Kindsmutter 

haben anlässlich der Berufungsverhandlung ausgeführt, dass er oft 

Schwierigkeiten mit administrativen Angelegenheiten habe oder sich nicht 

darum kümmere (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 29 f., 36). 

 

4.4.2. 

Weiter sind die Gegebenheiten zu berücksichtigen, die den Beschuldigten 

in der Türkei erwarten würden. Insbesondere die soziale Integration in der 

Türkei dürfte sich als schwierig erweisen. Der Beschuldigte hat dort laut 

eigenen Angaben keine Verwandten mehr und habe sein Heimatland 

bisher nur ferienhalber besucht, zuletzt im Oktober 2023 (GA act. 64). Sein 

Vater könnte sich zwar in der Türkei aufhalten, jedoch habe der 

Beschuldigte seit über 10 Jahren keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt und 

wisse nicht, wo er sich aktuell befinde (GA act. 64). Zumindest würde seine 

soziale Integration dadurch erleichtert, dass der Beschuldigte Türkisch 

spricht, auch wenn er selbst angibt, es nur zu verstehen und nicht so gut 

zu sprechen (GA act. 64). So spricht zumindest seine Mutter Türkisch mit 

ihm und am 20. Februar 2022 hat er sich mit B._____ wenigstens teilweise 

auf Türkisch gestritten (UA act. 200; GA act. 64). 

 

 - 22 - 

 

 

Eine berufliche und wirtschaftliche Integration in seinem Heimatland 

scheint durchaus realistisch. Da der Beschuldigte in der Schweiz weder 

eine Ausbildung absolviert noch eine jahrelange Berufserfahrung 

gesammelt hat, ist er in seinem Heimatland im Vergleich zur Schweiz nicht 

spürbar benachteiligt. Insbesondere ein beabsichtigter Berufswechsel (GA 

act. 68) könnte auch in der Türkei vollzogen werden. 

 

Insgesamt dürfte sich eine Integration des Beschuldigten in der Türkei zwar 

als eher schwierig, aber nicht als unmöglich erweisen. 

 

4.4.3. 

Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der Beschuldigte in der Schweiz 

geboren und aufgewachsen ist und zufolge EGMR aufgrund seines 

Aufenthaltes in der Schweiz von mehr als 20 Jahren als «long-term 

immigrant» gilt, der an sich gar nicht mehr ausgewiesen werden sollte 

(Urteil des EGMR Nr. 52232/20 i.S. P.J. und R.J. gegen die Schweiz vom 

17. September 2024, § 28). Angesichts der langen Aufenthaltsdauer des 

Beschuldigten in der Schweiz und der Tatsache, dass er seit jeher hier 

seinen Lebensmittelpunkt hat, hier verwurzelt ist und eine nahe und echte 

Vater-Tochter-Beziehung zu seiner vierjährigen Tochter lebt, ist von einem 

sehr hohen privaten Interesse des Beschuldigten an einem Verbleib in der 

Schweiz auszugehen, auch wenn sich seine wirtschaftliche und berufliche 

Integration in der Schweiz als ungenügend erweist und eine Eingliederung 

in der Türkei von ihm durchaus zu bewältigen wäre. Gestützt auf die 

vorstehenden Ausführungen ist von einem schweren persönlichen Härtefall 

im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB auszugehen. 

 
4.5. 

4.5.1. 

Bei der Interessenabwägung zwischen den öffentlichen Interessen an einer 

Landesverweisung und den privaten Interessen des Beschuldigten am 

Verbleib ist die aktuelle Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs 

für Menschenrechte zu berücksichtigen. Dieser hat im Urteil Nr. 52232/20 

vom 17. September 2024 i.S. P.J. und R.J. gegen die Schweiz (betreffend 

das Urteil des Bundesgerichts 6B_191/2020 vom 17. Juni 2020) 

entschieden, dass die Schweiz einen Straftäter, der wegen qualifizierter 

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer bedingten 

Freiheitsstrafe von 20 Monaten verurteilt worden war, zu Unrecht 

ausgewiesen und dadurch dessen Recht auf Achtung des Familienlebens 

(Art. 8 EMRK) verletzt habe. Insbesondere sei die Tatsache, dass die 

Strafe zur Bewährung ausgesetzt worden sei, er deshalb keine Gefahr 

mehr für die öffentliche Sicherheit darstelle, dass er seit langem im Land 

lebe und dass die Ausweisung nachteilige Auswirkungen auf seine 

Familienangehörigen habe, falsch gewichtet worden (§ 48-55). Diese 

Rechtsprechung des EGMR führt dazu, dass der Legalprognose im Bereich 

der bedingten Freiheitsstrafen ein ganz erhebliches Gewicht zukommt. 

 - 23 - 

 

 

 

4.5.2. 

Der Beschuldigte hat sich der mehrfachen versuchten schweren 

Körperverletzung schuldig gemacht und ist dafür zu einer teilbedingten 

Freiheitsstrafe von 2 ½ Jahren zu verurteilen. Betroffen bzw. gefährdet 

waren besonders hochstehende Rechtsgüter. Auch bedarf es gemäss der 

aus dem Ausländerrecht stammenden «Zweijahresregel» bei einer 

Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren oder mehr 

ausserordentlicher Umstände, damit das private Interesse des Betroffenen 

an einem Verbleib in der Schweiz das öffentliche Interesse an einer 

Ausweisung überwiegt. Dies gilt grundsätzlich sogar bei bestehender Ehe 

mit einer Schweizerin oder einem Schweizer und gemeinsamen Kindern 

(statt vieler Urteil des Bundesgerichts 7B_730/2023 vom 25. Oktober 2024 

E. 4.5 mit Hinweisen). Es ist jedoch zu beachten, dass die Freiheitsstrafe 

von 2 ½ Jahren teilbedingt bei einem vollziehbaren Anteil von 6 Monaten 

und einem bedingten Anteil von 2 Jahren, Probezeit 2 Jahre, 

ausgesprochen worden ist. In diesem Bereich sind von Gesetzes wegen 

keine vollbedingten Strafen möglich. Dass die Strafe teilbedingt ausgespro-

chen worden ist, spricht jedoch gegen eine schlechte Legalprognose, da 

bei einer Schlechtprognose auch ein bloss teilweiser Aufschub der Strafe 

ausgeschlossen ist (BGE 134 IV 1 E. 5.3.1) und zudem sowohl der zu 

vollziehende Anteil als auch die Probezeit auf das gesetzliche Minimum 

festgesetzt worden sind (vgl. BGE 134 IV 1 E. 5.6, wonach je günstiger die 

Prognose und je kleiner die Vorwerfbarkeit der Tat ist, desto grösser der 

auf Bewährung ausgesetzte Strafteil sein muss). Nach dem Gesagten kann 

in Nachachtung der zitierten Rechtsprechung des EGMR nicht von einer 

manifesten Rückfallgefahr ausgegangen werden und der Beschuldigte 

stellt keine erhebliche Gefahr für die öffentliche Sicherheit dar. Er war im 

Tatzeitpunkt zwar bereits mit drei rechtskräftigen Vorstrafen (zwei 

Geldstrafen von 30 Tagessätzen und eine Geldstrafe von 100 

Tagessätzen) im Strafregister verzeichnet, jedoch wurden auch diese 

Strafen alle bedingt ausgesprochen, wobei die letzte Verurteilung aus dem 

Jahr 2016 stammt. Seit der vorliegend zu beurteilenden Tatbegehung vom 

20. Februar 2022 hat sich der Beschuldigte denn auch wohl verhalten; 

zumindest ist es bis zur Berufungsverhandlung zu keinen neuen Einträgen 

im Strafregister gekommen. Damit liegen unter Berücksichtigung der 

Rechtsprechung des EGMR ausserordentliche Umstände vor, aufgrund 

welcher das sehr hohe private Interesse des Beschuldigten an einem 

Verbleib in der Schweiz das nicht unerhebliche öffentliche Interesse an 

einer Landesverweisung überwiegt. 

 

Nach dem Gesagten erweist sich die Berufung des Beschuldigten in 

diesem Punkt als begründet und es ist entgegen der Vorinstanz von einer 

Landesverweisung abzusehen. 

 

 - 24 - 

 

 

5. 

5.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei 

im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon 

ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge gutgeheis-

sen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_1145/2022 vom 13. Oktober 

2023 E. 3.2.1). 

 

Die Berufung des Beschuldigten wird teilweise gutgeheissen. Zwar 

unterliegt er mit seinen gestellten Rechtsbegehren im Schuld- und 

Strafpunkt vollumfänglich, jedoch erwirkte er mit dem Absehen von einer 

Landesverweisung einen für sich günstigeren Entscheid. Unter diesen 

Umständen rechtfertigt es sich, ihm die obergerichtlichen Verfahrenskosten 

von Fr. 4'000.00 (§ 18 VKD i.V.m. § 29 GebührD) zu ¾ aufzuerlegen und 

im Übrigen auf die Staatskasse zu nehmen. 

 

5.2. 

Der amtliche Verteidiger ist gestützt auf die von ihm eingereichte 

Kostennote, jedoch angepasst an die effektive Dauer der 

Berufungsverhandlung, mit gerundet Fr. 7'890.00 aus der Staatskasse zu 

entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 3bis AnwT; 

§ 13 AnwT). Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zu ¾ zurückzufor-

dern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 

Abs. 4 StPO). 

 

6. 

6.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). 

 

Die beschuldigte Person trägt im erstinstanzlichen Verfahren die 

Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 Satz 1 StPO). 

Wird sie nur teilweise schuldig gesprochen, so sind ihr die Verfahrens-

kosten grundsätzlich nur anteilsmässig aufzuerlegen. Sie kann in diesem 

Fall aber auch vollumfänglich kostenpflichtig werden, wenn die ihr zur Last 

gelegten Handlungen in einem engen und direkten Zusammenhang stehen 

und alle Untersuchungshandlungen hinsichtlich jedes Anklagepunkts not-

wendig waren. Bei einem einheitlichen Sachverhaltskomplex ist vom 

Grundsatz der vollständigen Kostenauflage nur abzuweichen, wenn die 

Strafuntersuchung im freisprechenden Punkt zu Mehrkosten geführt hat 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_491/2023 vom 7. August 2023 E. 3.3 mit 

Hinweisen). 

 

 - 25 - 

 

 

Der Beschuldigte wurde von der Vorinstanz, was mit Berufung nicht 

angefochten worden ist, vom Vorwurf des versuchten Diebstahls, des 

versuchten Hausfriedensbruchs und der Sachbeschädigung 

freigesprochen; im Übrigen ist er gemäss Anklage wegen mehrfacher 

versuchter schwerer Körperverletzung schuldig gesprochen worden. Die 

erstinstanzlich ergangenen Freisprüche betreffen einen Vorwurf, der in 

keinerlei Zusammenhang zum Schuldspruch wegen mehrfacher versuchter 

schwerer Körperverletzung steht. Dem Beschuldigten sind die 

erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 9'982.60 zu ¾ mit Fr. 7'486.95 

aufzuerlegen und im Übrigen auf die Staatskasse zu nehmen. 

 

6.2. 

Die dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochene Entschädigung von Fr. 5'456.75 zu Lasten der Staatskasse 

ist mit Berufung nicht angefochten worden, weshalb im Berufungsverfahren 

nicht mehr darauf zurückzukommen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_1231/2022 vom 10. März 2023 E. 2.1). Diese Entschädigung ist vom 

Beschuldigten zu ¾ zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen 

Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO) 

 

Der ehemaligen amtlichen Verteidigerin, Rechtsanwältin Stella 

Spellecchia, wurde zudem bereits eine Entschädigung von Fr. 5'005.35 

ausgerichtet. Auch diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zu ¾ 

zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 

(Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

7. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, fällt es ein 

neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 Abs. 1 

StPO, Art. 81 StPO). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. [in Rechtskraft erwachsen] 

Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf 

- des versuchten Diebstahls i.S.v. Art. 139 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 22 

Abs. 1 StGB; 

- des versuchten Hausfriedensbruchs i.S.v. Art. 186 StGB i.V.m. Art. 22 

Abs. 1 StGB; 

- der Sachbeschädigung i.S.v. Art. 144 Abs. 1 StGB. 

 

2. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

 - 26 - 

 

 

- der mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung i.S.v. Art. 122 

StGB [in der bis 30. Juni 2023 geltenden Fassung] i.V.m. Art. 22 Abs. 

1 StGB. 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss den in Ziff. 2 genannten 

Gesetzesbestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 19 

Abs. 2 StGB, Art. 40 StGB, Art. 43 StGB, Art. 44 StGB und Art. 49 

Abs. 1 StGB 

 

zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 2 ½ Jahren mit einem 

vollziehbaren Anteil von 6 Monaten und einem bedingt vollziehbaren Anteil 

von 2 Jahren, Probezeit 2 Jahre, 

 

verurteilt. 

 

3.2. 

Die ausgestandene Haft von 2 Tagen wird dem Beschuldigten auf den 

unbedingten Teil der Freiheitsstrafe angerechnet. 

 

4. [in Rechtskraft erwachsen] 

4.1. 

Die Zivilklage der O._____ AG wird abgewiesen.  

 

4.2. 

Die Zivilklage von C._____ wird auf den Zivilweg verwiesen. 

 

4.3. 

Die Zivilklage von B._____ wird auf den Zivilweg verwiesen. 

 

5. 

Es wird von der Anordnung einer obligatorischen Landesverweisung 

gemäss Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB abgesehen. 

 

6. 

6.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 werden dem 

Beschuldigten zu ¾ mit Fr. 3'000.00 auferlegt und im Übrigen auf die 

Staatskasse genommen. 

 

6.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das 

Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 7'890.00 auszurichten. 

 

 - 27 - 

 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zu ¾ zurückgefordert, 

sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

7. 

7.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 9'982.60 (inkl. Anklage-

gebühr von Fr. 2'050.00) werden dem Beschuldigten zu ¾ mit Fr. 7'486.95 

auferlegt und im Übrigen auf die Staatskasse genommen. 

 

7.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Entschädigung von Fr. 5'456.75 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zu ¾ zurückgefordert, 

sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

7.3. 

Die Entschädigung von Fr. 5'005.35, die der ehemaligen amtlichen 

Verteidigerin, Rechtsanwältin Stella Spellecchia, bereits ausgerichtet 

worden ist, wird vom Beschuldigten zu ¾ zurückgefordert, sobald es seine 

wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

 

 Zustellung an: 

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

 - 28 - 

 

 

Aarau, 20. Februar 2025 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Six Albert