# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dbeb539a-74a9-5efc-afbe-f869e70f6fab
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-12-01
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 01.12.2023 OG.2023.00042 (OGS.2024.161)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2023-00042_2023-12-01.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
  Es wirken mit: Obergerichtsvizepräsidentin lic. iur. Marianne Dürst
  Benedetti, Ober­richterin Monika Trümpi und Oberrichterin Ruth Hefti sowie
  Gerichtsschreiber lic. iur. Erich Hug. 

  
	
   

  
	
  Beschluss
  vom 1. Dezember 2023

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2023.00042

  
	
   

  
	
   

  
	
  A.______                                                                                    Beschwerdeführer

  
	
   

  
	
  vertreten
  durch RA lic. iur. Fred
  Hofer,
  LL.M.,

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
  1. Staatsanwaltschaft
  des Kantons Glarus                          Beschwerdegegner

  
	
  Postgasse 29, 8750 Glarus
  

  
	
   

  
	
  2. B.______

  
	
   

  
	
  3. C.______

  
	
   

  
	
  4. D.______

  
	
   

  
	
  5. E.______

  
	
   

  
	
  6. F.______

  
	
   

  
	
  7. G.______

  
	
   

  
	
  8. H.______

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Nichtanhandnahme
  einer Strafuntersuchung

  
	
   

  
	
   

  
	
  Anträge
  des Beschwerdeführers (gemäss Eingabe vom 10. Juli 2023,
  act. 3 S. 2):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Es sei die
    Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft Glarus vom 6. Juli
    2023 (SA.2022.00107-114) aufzuheben und es sei die Staatsanwaltschaft
    anzuweisen, die Strafanzeige vom 31. Januar 2022 wegen Nötigung und Erpres­sung
    weiterzuverfolgen, dabei auch unter dem Aspekt des Versuchs.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Unter
    praxisgemässen Kosten- und Entschädigungsfolgen.

    

  

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
   

  
	
  Das
  Gericht zieht in Betracht:

  
	
   

  
	
  I.

  
	
  1. 

  
	
  A.______ ist Eigentümer der
  Parzelle Nr. [...] im Dorfgebiet von Niederurnen (Gemeinde Glarus Nord). Im
  Juni 2017 reichte er der Gemeinde Glarus Nord ein Baugesuch ein, um auf dem
  genannten Grund­stück eine Tiefgarage zu errichten (Akten der
  Staatsanwaltschaft SA.202.00107-114 [nachfolgend Vorakten], act. 3.1.01,
  Beilage 1). Weil jedoch zwei Abwasserleitungen (Meteor- und Schmutz­wasser)
  das Baugrundstück im Profil der geplanten Tiefgarage durch­queren und darüber
  ein Dienstbarkeitsvertrag besteht, machte die Gemeinde Glarus Nord im
  November 2017 die Erteilung der Baubewilligung davon abhängig, dass A.______
  zum einen gestützt auf den bisherigen Dienstbarkeitsvertrag die Kosten für
  die Verlegung der Werkleitungen (exkl. Material) von pau­schal
  CHF 70'000.- vorab bezahlt und zum anderen einen neuen
  Dienstbarkeitsvertrag eingeht in Hinsicht auf die danach ganz am Rand des
  Grundstücks verlaufende Meteorwasserleitung (bezüglich der Schmutzwasser­leitung
  sah die Gemeinde deren Verlegung auf ein Nachbargrundstück vor; siehe zum
  Ganzen: Vorakten, act. 3.1.01, Beilagen 3-5).

  
	
   

  
	
  Soweit aus den Akten ersichtlich,
  stritt sich A.______ in der Folge bis Juni 2018 in einem ausgedehnten
  Schriftenwechsel mit der Gemeinde über die Leitungsverle­gung bzw. die
  verlangte Kostenbeteiligung. A.______ stellte sich dabei auf den Standpunkt,
  zur Duldung einer Durchleitung überhaupt nicht verpflichtet zu sein und
  bezeichnete ausserdem die für die Verlegung der beiden Leitungen
  veranschlagten Kosten als wesentlich zu hoch (Vorakten, act. 3.1.01,
  Beilagen 6-26).

  
	
   

  
	
  Im Februar 2019 reichte A.______
  der Gemeinde einen geänderten Bauplan ein; er beabsichtigte nunmehr, die
  Tiefgarage so zu konzipieren, dass die bestehenden Werkleitungen davon nicht
  mehr tangiert sind (Vorakten, act. 3.1.01, Beilagen 27 und 28).

  
	
   

  
	
  Wie den Akten zu entnehmen ist,
  bewilligte die Gemeinde am 5. Februar 2020 das ursprüngliche Baugesuch von
  2017 (Vorakten, act. 3.1.01, Beilage 1, letzte Seite). A.______ erwähnt
  in seiner Strafanzeige vom 31. Januar 2022 (dazu gleich nach­folgend), Mitte
  2019 sei ihm seitens der Gemeinde zur Kenntnis gebracht worden, die Gemeinde
  werde im fraglichen Quartier ein gänzlich neues Abwasserkonzept realisieren
  und sei dabei auf Durchleitungen über sein Grundstück nicht mehr an­gewiesen
  (Vorakten, act. 3.1.01, S. 6 unten und S. 7).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Mit Schreiben vom 31. Januar 2022
  an die hiesige Staatsanwaltschaft erhob A.______ gegen sieben namentlich
  genannte Personen sowie gegen Unbekannt Straf­anzeige (Vorakten,
  act. 3.1.01). Bei den Beanzeigten handelt es sich um Exekutiv­mitglieder
  (ein Mitglied ist inzwischen nicht mehr im Amt) und leitende Angestellte der
  Gemeinde Glarus Nord sowie eine von der Gemeinde im vorliegenden Kontext
  beigezogene Rechtsanwältin. Ihnen allen wirft der Anzeiger vor, ihn bei der
  Abwick­lung seines Baugesuchs ab Juni 2017 bis Mitte 2019 genötigt und
  erpresst zu haben. Die Nötigung und Erpressung erblickt er darin, dass die
  Genehmigung sei­nes Tiefgaragenprojekts (damals) davon abhängig gemacht
  worden sei, dass er in die Verlegung der Werkleitungen und einen damit
  verbundenen neuen Dienstbar­keitsvertrag einwillige sowie CHF 70'000.-
  bezahle, obwohl die Aufwendun­gen für eine neue Leitungsführung höchstens
  halb so viel gekostet hätten. Bei alldem hätten die seitens der Gemeinde
  involvierten Personen von Anfang an gewusst, dass auf Dauer überhaupt keine
  Werkleitungen via seine Parzelle mehr benötigt würden, da damals bereits ein
  Planungskredit beschlossen gewesen sei, um in der betreffenden Dorfzone ein
  vollkommen neues Leitungsnetz zu realisieren, dies im Zusammen­hang mit einem
  gross angelegten Fernwärme-Projekt.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Mit Verfügung vom 6.
  Juli 2023 entschied die Staatsanwaltschaft, in der ange­zeigten Angelegenheit
  keine Strafuntersu­chung einzuleiten (act. 1, Nichtanhand­nahmeverfügung).

  
	
   

  
	
  3.2 Dagegen erhob A.______
  mit Eingabe vom 10. Juli 2023 beim Obergericht Beschwerde mit eingangs wiedergegebenen
  Anträgen (act. 2).

  
	
   

  
	
  3.3 In der Sache wurden
  keine Stellungnahmen eingeholt, jedoch die Vorakten der Staats­anwaltschaft
  beigezogen.

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  1.1 Das Obergericht ist
  als Rechtsmittelinstanz zuständig zur Behandlung von Beschwerden in Strafsachen
  (Art. 17 Abs. 2 lit. a GOG/GL; GSIII A/2).

  
	
   

  
	
  1.2 Gegen eine
  Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft kann innert der hier
  eingehaltenen Frist von zehn Tagen Beschwerde erhoben werden (Art. 310
  Abs. 2 StPO in Verbindung mit Art. 322 Abs. 2 StPO). Hierzu
  ist der Beschwerde­führer legitimiert, hat er sich nämlich in seiner
  Strafanzeige vom 31. Januar 2022 zulässigerweise als Privat­kläger
  konstituiert (Art. 310 Abs. 2 SPO in Verbindung mit Art. 322
  Abs. 2 StPO sowie Art. 118 Abs. 1 StPO und Art. 115 Abs. 1
  StPO; BSK-Omlin,
  N 26 ff. zu Art. 310 StPO sowie Guidon, Die Beschwerde gemäss Schweizerischer Straf­prozessordnung,
  Zürich/St. Gallen 2011, S. 49 f. N 110).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Die Staatsanwaltschaft
  erwog zur verfügten Nichtanhandnahme einer Strafun­tersuchung, die
  gemeindeseitig mit dem Baubewilligungsverfahren befassten Per­sonen hätten
  sich alle rechtmässig verhalten. Die einschlägigen gemeinderechtli­chen
  Bestimmungen sähen vor, dass bei einer durch ein Bauvorhaben bedingten
  Verlegung von Werkleitungen der Bauherr die entsprechenden Kosten zu bevor­schussen
  habe. Der vorliegend von der Gemeinde konkret veranlagte Betrag habe zudem
  auf einer Kostenschätzung eines auf Tiefbau spezialisierten Inge­nieurunternehmens
  beruht. Demzufolge seien die inkriminierten Tatbestände der Nötigung (Art.
  181 StGB) und der Erpressung (Art. 156 StGB) nicht erfüllt und bestünden auch
  anderweitig keine Hinweise auf ein strafbares Verhalten, was gestützt auf
  Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO zu einer Nichtanhandnahme führe (zum Gan­zen act.
  1 S. 4 f. E. 2.).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Mit Beschwerde können in Bezug
  auf den angefochtenen Entscheid Rechtsver­letzungen und eine unvollständige
  oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt
  werden (Art. 393 Abs. 2 StPO).

  
	
   

  
	
  3.1 

  
	
  3.1.1 Gemäss Art. 310
  lit. a StPO verfügt die Staatsanwaltschaft die Nichtanhand­nahme einer
  Strafunter­suchung, namentlich wenn auf Grund der Strafanzeige fest­steht,
  dass der fragliche Straftatbestand ein­deutig nicht erfüllt ist, mithin
  überhaupt kein Tatverdacht besteht.

  
	
   

  
	
  3.1.2 Der Beschwerdeführer
  macht in seiner Beschwerde geltend, seitens der Gemeinde sei ihm ein
  ernstlicher Nachteil angedroht worden, indem die Erteilung der Baubewilligung
  für die Tiefgarage davon abhängig gemacht worden sei, dass er einen
  Dienstbarkeitsvertrag unterzeichne und sich an den Kosten für die Umlegung
  der Werkleitungen beteilige (act. 2 S. 4 Ziff. 2. Bst. a). Der
  Beschwerdeführer rügt damit im Ergebnis, die Staatanwaltschaft habe den
  Tatverdacht hinsichtlich einer Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB zu Unrecht
  verneint. Die Rüge ist unbegrün­det, wie sogleich darzulegen ist.

  
	
   

  
	
  3.1.3 Eine Nötigung im
  Sinne von Art. 181 StGB begeht, wer jemanden durch Gewalt oder Androhung
  ernstlicher Nachteile oder durch andere Beschränkung sei­ner
  Handlungsfähigkeit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu dulden.
  Vorlie­gend könnte vorder­gründig argumentiert werden, die Gemeinde habe dem
  Beschwerdeführer einen ernstlichen Nachteil (Ablehnung seines Baugesuchs) in
  Aussicht gestellt, sollte er keinen (neuen) Dienstbarkeitsvertrag zur
  geänderten Lei­tungsführung abschliessen und die mit der Leitungsumlegung
  verbundenen Kos­ten nicht im Voraus finanzieren. Der angedrohte Nachteil wäre
  bei dieser Betrachtung darauf ausgerichtet gewesen, den Beschwerdeführer in
  seiner Willensfreiheit zu be­schrän­ken und zu einem Tun
  (Vertragsunterzeichnung / Bezahlung) zu veran­lassen.

  
	
   

  
	
  Indes: Wenn immer die äusseren
  Merkmale einer Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB erfüllt scheinen, so
  setzt die Strafbarkeit stets zusätzlich voraus, dass effektiv auch eine
  Rechtswidrigkeit vorliegt. Eine solche liegt vor, wenn der von der han­delnden
  Person verfolgte Zweck oder das von ihr verwendete Mittel unerlaubt war oder
  wenn das Mittel zum erstrebten Zweck nicht im richtigen Verhältnis steht oder
  wenn die Verknüpfung zwischen einem an sich zulässigen Mittel und einem
  erlaub­ten Zweck rechtsmiss­bräuchlich oder sittenwidrig ist (BGE 122 IV 322
  E. 2 S. 326). Vorliegend ist die Gemeinde Glarus Nord als Rechtsnachfolgerin
  der vormaligen Ortsgemeinde Niederurnen (siehe dazu Art. 10 Abs. 1
  Gemeindegesetz; GS II E/2) berechtigt, Werkleitungen über das Grundstück Nr.
  [...] des Beschwerdeführers zu führen; es besteht darüber ein
  Dienstbarkeitsvertrag vom 15. November 1988 (Vorakten, act. 3.1.01,
  Beilage 16) und ist die Dienstbarkeit im Grundbuch eingetra­gen (Vorakten,
  act. 3.1.01, Beilage 15). Verpflichtet zur Duldung der Durchleitung ist der
  jeweilige Eigentümer der Parzelle Nr. [...] (siehe Dienstbarkeitsvertrag Ziff.
  4); damit hat der Beschwerdeführer als jetziger Eigentümer der Liegenschaft
  die grund­buchlich verbriefte dingliche Dienstbarkeit gegen sich gelten zu
  lassen (Art. 971 ff. ZGB). Er geht daher fehl in seiner gegenüber der
  Gemeinde vertretenen Auffas­sung, wonach die seinerzeit «zwischen einem X.______
  und der Ortsgemeinde [Niederurnen]» begründete Dienstbarkeit heute nichtig
  sei (Vorakten, act. 3.1.01, Beilage 12). Im konkreten Dienstbarkeitsvertrag
  ist zudem explizit fest­gehalten, dass der belastete Grundeigentümer eine
  später von ihm gewünschte Umlegung der Werkleitungen selbst zu finanzieren
  hat (siehe Ziff. 4, letzter Satz, des Vertrags). Diese Kostentragpflicht
  des dienstbarkeitsbelasteten Grundeigentümers steht über­dies nicht im
  Widerspruch zum kommunalen Recht. Das hier für die streitgegen­ständlichen
  Abwasserleitungen (Meteor- und Schmutzwasser) einschlägige Regle­ment über
  die Siedlungsentwässerung (Abwasserreglement) der Gemeinde Glarus Nord (siehe
  bei act. 7 die bis Ende 2022 gültige Fassung) sieht in Art. 39 Ziff. 1 für
  die Finanzierung von Leitungsumlegungen vor, dass die Kostentragung sich
  primär nach vorhandenem Durchleitungsvertrag richtet, wobei der
  gegebenenfalls kosten­pflichtige Private die Kosten vorzuschiessen hat (Art.
  39 Ziff. 3). Vor diesem Hinter­grund hat demnach im vorliegenden Fall die
  Gemeinde die Erteilung der Baubewilli­gung berechtigterweise bzw. sogar
  notwendigerweise davon abhängig gemacht, dass der Beschwerdeführer einen
  angepassten Dienst­barkeitsvertrag unter­zeichnet und die Kosten der
  Leitungsverle­gung im Voraus ent­richtet. Ein rechtswidriges Ver­halten
  seitens der Gemeindever­treter liegt nicht vor, weshalb die vom Beschwerde­führer
  zur Anzeige gebrachte Nötigung gemäss Art. 181 StGB eindeutig nicht erfüllt
  ist; die Staatsanwaltschaft hat in diesem Punkt in korrekter Anwendung von
  Art. 310 lit. a StPO keine Strafuntersuchung eingeleitet.

  
	
   

  
	
  3.2

  
	
  3.2.1 Der Beschwerdeführer
  bringt im Weiteren vor, die Gemeinde habe schon im Juni 2016, und damit
  bereits ein Jahr vor seinem Bauge­such vom Juni 2017, die Sanierung einer
  Wasserleitung u.a. auf seiner Parzelle beschlossen und dafür einen
  Verpflichtungskredit von CHF 80'000.- gesprochen. Dieser Verpflichtungskredit
  für die Sanierung [...] in Niederurnen inkl. Wasser- und Abwasserleitung sei
  an der Gemeindever­sammlung vom 22. Novem­ber 2019 genehmigt worden. Er
  selbst habe nie die Ver­legung von Leitungen ver­langt, sondern die Idee dazu
  sei von der Gemeinde gekommen. Er habe zudem schon in seiner Anzeige darauf
  hingewiesen, dass bereits vor seinem Baugesuch für das fragliche Quartier ein
  Projekt zur Erstellung von neuen Wasser-, Abwasser und Meteorleitungen
  bestanden habe; es sei daher nicht mehr notwendig gewesen, wegen seines
  Tiefgaragenprojekts noch Leitungen zu verlegen. Der Gemeinde sei auch immer
  klar gewesen, dass er mit seinem Bauprojekt nicht an die geplanten Leitungen
  anschliessen müsse; seine drei Liegenschaften [...] seien alle an der
  Kreuzung [...] angeschlossen. Ferner habe er in seiner Anzeige ausgeführt,
  dass er am 20. Februar 2019 neue Pläne für eine anders konzipierte Tiefgarage
  eingereicht habe, welche die Leitungen nicht mehr tangiert habe, so dass
  diese nicht mehr hätten verlegt werden müssen. Es könne folglich keine Rede
  davon sein, dass die Verlegung der Leitungen nur in seinem Interesse hätte
  erfolgen sollen, wie im angefochtenen Nichteintretensentscheid behauptet
  werde. Aus alldem schliesst der Beschwerdeführer, dass die
  Nichtanhandnahmeverfügung auf einer falschen Sachverhaltsfeststellung beruhe
  (zum Ganzen act. 2 S. 4 f. Ziff. 2 Bst. b – c und Ziff. 3).

  
	
   

  
	
  Der Beschwerdeführer macht mit
  diesen Ausführungen im Ergebnis geltend, eine Leitungsverlegung als Folge
  seines Tiefgaragenprojekts sei sachlich nicht notwen­dig gewesen, was die
  Staatsanwaltschaft zufolge unzulänglicher Sachverhaltsabklä­rung verkannt
  habe. Implizit läuft diese Argumentation darauf hinaus, die Gemeinde habe die
  Erteilung der Baubewilligung unzulässigerweise davon abhängig gemacht, dass
  er einen Dienstbarkeitsvertrag eingehe und einen Kostenbeitrag leiste für Lei­tungen,
  die gar nicht mehr benötigt würden. Auch diese Vorbringen zielen ins Leere.

  
	
   

  
	
  3.2.2

  
	
  Dass der Gemeinderat bereits im
  Juni 2016 einen Verpflichtungskredit konkret zur Sanierung einer
  Wasserleitung auf dem Grundstück des Beschwerdeführers (Nr. [...] in
  Niederurnen) beschlossen haben soll, lässt sich der vom Beschwerdeführer zum
  Beleg dieser Behauptung eingereichten Medienmitteilung der Gemeinde vom 6.
  Juni 2016 (act. 3/5) nicht entnehmen. Dies ist aber sowieso unerheblich. Denn
  das Tiefgaragenprojekt tangierte nicht eine Wasserleitung, sondern Abwasserleitungen
  (Meteor- und Schmutzwasser), welche im Profil der vorge­sehenen
  Unterflurgarage das Grundstück durchquerten (Vorakten, act. 3.1.01, Bei­lage 5).

  
	
   

  
	
  Die Gemeindeversammlung von
  Glarus Nord genehmigte am 22. November 2019 einen Verpflichtungskredit von
  rund CHF 3.2 Mio. für die Sanierung der [...] in Niederurnen inkl. Wasser-
  und Abwasserleitungen (act. 3/6). Welche Auswirkungen dieses Projekt konkret
  auf die das Grundstück des Beschwerdeführers traversierenden
  Abwasserleitungen hatte, kann dahingestellt bleiben. Nachdem nämlich der
  Beschwerdeführer sein Tiefgaragenprojekt im Juni 2017 zur Bewilligung
  eingereicht hatte, war die Gemeinde zu diesem Zeitpunkt noch weiterhin auf
  die Werkleitungen quer durch das Baugrundstück angewiesen und musste deren
  kostenfällige Verlegung zur Voraussetzung einer Baubewilligung machen.

  
	
   

  
	
  Auf die geänderte Baueingabe des
  Beschwerdeführers vom 20. Febru­ar 2019 (Vorakten, act. 3.1.01, Beilagen 27
  und 28) erfolgte seitens der Gemeinde keine Reaktion dahingehend, dass er
  dennoch die Umlegung von Leitungen finan­zieren und einen angepassten
  Dienstbarkeitsvertrag abschliessen müsse. Es ist daher nicht ersichtlich, was
  der Beschwerdeführer daraus für seinen Standpunkt konkret herleiten möchte.

  
	
   

  
	
  Der Beschwerdeführer hat
  tatsächlich nie von sich aus eine Verlegung der Leitun­gen verlangt. Dies,
  weil er von allem Anfang an den unzutreffenden Standpunkt ein­nahm, die
  Werkleitungen der Gemeinde im Profil der geplanten Tiefgarage würden ihn
  nichts angehen (Vorakten, act. 3.1.01, Beilage 12). Die Verlegung der
  dienstbar­keitsrechtlich abgesicherten Leitungen via sein Grundstück zum
  damaligen Zeit­punkt (2017 bis 2019) wurde einzig wegen des Baugesuchs des
  Beschwerdeführers zum Thema und lag eine entsprechende Verlegung fraglos in
  dessen Interesse, soweit er damals eine Tiefgarage realisieren wollte, welche
  die Linienführung der betreffenden Leitungen tangierte.

  
	
   

  
	
  3.3

  
	
  3.3.1 Mutmasslich im
  Kontext mit dem in der Strafanzeige erhobenen Vorwurf einer Erpressung im
  Sinne von Art. 156 StGB (Vorakten, act. 3.1.01) rügt der Beschwer­deführer,
  eine Bereicherungsabsicht sei nicht dadurch ausgeschlossen, weil eine
  Kostenschätzung angeblich nicht zu hoch ausgefallen sei, zumal im
  vorliegenden Fall eine Verlegung der Leitungen überhaupt nicht nötig gewesen
  und insofern «automatisch eine nicht gerechtfertigte Bereicherung gegeben»
  sei (act. 2 S. 5 Bst. d). Dieser Kritikpunkt an der angefochtenen
  Nichtanhandnahmeverfügung verfängt ebenfalls nicht.

  
	
   

  
	
  3.3.2 Dass die Gemeinde
  berechtigt bzw. im Interesse der (steuerzahlenden) Öffentlichkeit nachgerade
  verpflichtet war, die Genehmigung der vom Beschwerde­führer geplanten
  Tiefgarage davon abhängig zu machen, dass er in die allein nur wegen seines
  Bauvorhabens erforderliche neue Leitungsführung einwilligt und diese auch
  finanziert, wurde bereits in den vorangegangenen Erwägungen klargestellt.

  
	
   

  
	
  Dem Vorwurf des
  Beschwerdeführers, wonach die Gemeinde die Kosten für die Umlegung der
  Leitungen massiv zu hoch veranschlagt habe, hielt die Staatsanwalt­schaft in
  der angefochtenen Nichtanhandnahmeverfügung entgegen, die Gemeinde habe sich
  bei der Bezifferung der Kosten auf einen entsprechenden Kostenvoran­schlag
  eines spezialisierten Ingenieurunternehmens verlassen dürfen, weshalb die
  Gemeinde nicht in Bereicherungsabsicht gehandelt habe (act. 1 S. 5). Der
  besagte und im Recht liegende Kostenvoranschlag eines lokalen Ingenieurbüros
  listet die einzelnen Kostenpositionen für die notwendige Umlegung der Meteor-
  sowie der Schmutzwasserleitung detailliert auf und beziffert den
  Gesamtaufwand auf CHF 82'500.- (Vorakten, act. 3.1.01, Beilage 18).
  Inwiefern dieser Kostenvoranschlag unzutreffend sein soll, zeigt der
  Beschwerdeführer in seiner Beschwerde nicht auf und ist auch nicht
  ersichtlich.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  Aus alldem ergibt sich, dass die
  Staatsanwaltschaft in Anwendung von Art. 310 StPO zu Recht keine
  Strafuntersuchung eröffnet hat, womit die Beschwerde abzu­weisen ist.
  Ergänzend zu den vorstehenden Ausführungen kann gestützt auf Art. 82 Abs. 4
  StPO auf die insgesamt zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen
  Nichtanhandnahmeverfügung (act. 1) verwiesen werden.

  
	
   

  
	
  Bei diesem Ausgang sind die
  Kosten des Beschwerdeverfahrens dem Beschwerde­führer aufzuerlegen
  (Art. 428 Abs. 1 StPO); die Gerichtsgebühr ist dabei auf
  CHF 1'800.- festzusetzen (Art. 8 Abs. 2 lit. b der Zivil-
  und Strafprozess­kostenverordnung; GS III A/5).

  
	
   

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
  Das
  Gericht beschliesst:

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Die Beschwerde gegen die
    Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft Glarus vom 6. Juli 2023
    (SA.2022.00107-114) wird abgewiesen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Die Gerichtskosten für das
    Beschwerdeverfahren im Betrag von CHF 1'800.- werden dem Beschwerdeführer
    auferlegt und vom geleisteten Kostenvorschuss bezogen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Schriftliche Mitteilung an:

    
	
     

    	
    [...]