# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 603a8199-ee63-5505-8442-f43ea8faac37
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-16
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 16.08.2023 SK 2023 33
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2023-33_2023-08-16.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 23 33

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 16. August 2023 

Besetzung Oberrichter Knecht (Präsident i.V.), Oberrichter Horisberger, 
Oberrichterin Friederich Hörr
Gerichtsschreiberin Bucher

Verfahrensbeteiligte A.________
v.d. Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

 

Gegenstand Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-
Seeland (Einzelgericht) vom 16. September 2022 (PEN 22 352)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland (Einzelgericht; nachfolgend Vorinstanz) 
erklärte den Beschuldigten und Berufungsführer A.________ (nachfolgend Be-
schuldigter) mit Urteil vom 16. September 2022 der einfachen Verkehrsregelverlet-
zung durch Überschreiten der allgemeinen, fahrzeugbedingten oder signalisierten 
Höchstgeschwindigkeit um 31 km/h, begangen am 15. Dezember 2021 in 
C.________ (Ortschaft), schuldig (Ziff. I. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, 
pag. 66). Die Vorinstanz verurteilte den Beschuldigten in Anwendung der einschlä-
gigen Gesetzesbestimmungen zu einer Übertretungsbusse von CHF 600.00, unter 
Festsetzung der Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung auf sechs 
Tage, sowie zu den erstinstanzlichen Verfahrenskosten, bestimmt auf CHF 
1'250.00 (Ziff. I.1.-2. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, pag. 67). 

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte, nunmehr vertreten durch Rechts-
anwalt B.________, mit Eingabe vom 19. September 2022 fristgerecht Berufung an 
(pag. 70 f.). Die ebenso fristgerechte Berufungserklärung datiert vom 23. Januar 
2023 (pag. 100 ff.). 

Die Generalstaatsanwaltschaft verzichtete mit Schreiben vom 26. Januar 2023 auf 
die Teilnahme am oberinstanzlichen Verfahren (pag. 135).

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Mit Berufungserklärung vom 23. Januar 2023 reichte Rechtsanwalt B.________ 
namens und auftrags des Beschuldigten Erklärungen von D.________, 
E.________, F.________ und G.________ vom 21. September 2022 sowie Fotos 
der Unterzeichnenden ein mit dem Antrag, diese seien zu den Akten zu nehmen. 
Weiter wurde deren Einvernahme beantragt (pag. 101). Mit begründetem Be-
schluss vom 30. Januar 2023 (pag. 136 ff.) wies die Kammer die Beweisanträge 
des Beschuldigten ab und stellte in Aussicht, die Erklärungen vom 21. September 
2022 mit den Fotos nach rechtskräftigem Abschluss des Verfahrens an die Vertei-
digung zu retournieren. Die entsprechenden Erklärungen und Bilder wurden in der 
Folge aus den Akten entfernt (pag. 104-111). Soweit die Verteidigung in der Beru-
fungsbegründung vom 2. März 2023 Bezug auf die Verfügung [recte: den Be-
schluss] vom 30. Januar 2023 nimmt (vgl. pag. 147), ist unter Verweis auf die Be-
gründung im Beschluss nicht erneut darauf einzugehen.

Von Amtes wegen wurden im Berufungsverfahren sodann ein Strafregisterauszug 
und ein Auszug aus dem Register für Administrativmassnahmen über den Be-
schuldigten, beide datierend vom 30. Januar 2023, ediert (pag. 139; pag. 140). 
Schliesslich wurde die bei der Vorinstanz nachverlangte Audioaufnahme der erstin-

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stanzlichen Einvernahme des Beschuldigten hinter dem Protokoll der erstinstanzli-
chen Hauptverhandlung in den Akten abgelegt (pag. 161 f.). 

4. Schriftliches Verfahren

Mit Beschluss vom 30. Januar 2023 wurde gestützt auf Art. 406 Abs. 1 Bst. c StPO 
die Durchführung eines schriftlichen Verfahrens angeordnet und der Beschuldigte 
aufgefordert, innert 30 Tagen eine schriftliche Begründung der Berufung einzurei-
chen (Art. 406 Abs. 3 StPO). Weiter wurde der Hinweis angebracht, dass die Beru-
fungssache – infolge Verzichts der Generalstaatsanwaltschaft auf die Teilnahme 
am oberinstanzlichen Verfahren – nach Einlangen der schriftlichen Berufungsbe-
gründung entschieden werden könne und der Schriftenwechsel entfalle (pag. 137). 
Die schriftliche Berufungsbegründung datiert vom 2. März 2023 und ging innert 
Frist beim Obergericht des Kantons Bern ein (pag. 142 ff.). Mit Verfügung vom 
13. März 2023 wurde dem Beschuldigten eine Kopie der Audioaufnahme seiner 
erstinstanzlichen Einvernahme zugestellt und Gelegenheit gegeben, allfällige er-
gänzende Bemerkungen einzureichen (pag. 161 f.). Mit Eingabe vom 15. März 
2023 gingen ergänzende Bemerkungen ein (pag. 164 f.). Der Entscheid im schriftli-
chen Verfahren wurde mit Verfügung vom 17. März 2023 in Aussicht gestellt (pag. 
168 f.). 

5. Anträge der Verteidigung

Die Verteidigung stellt für den Beschuldigten mit Berufungserklärung vom 
23. Januar 2023 die folgenden Anträge (pag. 101; Hervorhebungen im Original): 

«[…] In Abänderung des erstinstanzlichen Urteils Folgendes beantragt wird: 

1. Es sei das Urteil des Regionalgerichtes Berner Jura-Seeland aufzuheben und das Verfahren 
gemäss Art. 409 Abs. 1 StPO an die Vorinstanz zur rechtskonformen Durchführung des Haupt-
verfahrens zurückzuweisen. 

2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates. 

Sollte dem Hauptantrag nicht stattgegeben werden wird für das Berufungsverfahren vor dem Oberge-
richt des Kantons Bern Folgendes beantragt: 

1. A.________ sei von Schuld und Strafe vollumfänglich freizusprechen. 

2. A.________ seien die Kosten seiner privaten Verteidigung von MLaw B.________ für das Beru-
fungsverfahren vom Staat zu ersetzen. 

3. Die Gerichts- und Verfahrenskosten seien vom Staat zu tragen.»

6. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Der Beschuldigte hat das Urteil der Vorinstanz vom 16. September 2022 vollum-
fänglich angefochten (pag. 100), weshalb die Kammer das gesamte erstinstanzli-
che Urteil zu überprüfen hat.

Die Überprüfung erfolgt, weil ausschliesslich eine Übertretung Gegenstand des 
Verfahrens bildet, mit eingeschränkter Kognition: Mit der Berufung kann nur geltend 
gemacht werden, das Urteil sei rechtsfehlerhaft oder die Feststellung des Sachver-
halts sei offensichtlich unrichtig oder beruhe auf einer Rechtsverletzung. Neue Be-

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hauptungen und Beweise können nicht vorgebracht werden (Art. 398 Abs. 4 StPO). 
Die Rüge der offensichtlich unrichtigen oder auf Rechtsverletzung beruhenden 
Feststellung des Sachverhalts entspricht Art. 97 des Bundesgerichtsgesetzes 
(BGG; SR 173.110; vgl. EUGSTER, in: Basler Kommentar zur Strafprozessordnung, 
2. Aufl. 2014, N. 3a zu Art. 398 StPO). Offensichtlich unrichtig ist eine Sachver-
haltsfeststellung, wenn sie willkürlich ist (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1 mit Hinweisen). 
Willkür im Sinne von Art. 9 der Bundesverfassung (BV; SR 101) in der Beweiswür-
digung liegt nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts vor, wenn der an-
gefochtene Entscheid offensichtlich unhaltbar ist oder mit der tatsächlichen Situati-
on in klarem Widerspruch steht. Dass eine andere Lösung oder Würdigung eben-
falls vertretbar oder gar zutreffender erscheint, genügt für die Annahme von Willkür 
nicht (Urteil des Bundesgerichts 6B_1203/2014 vom 9. Juni 2015 E. 1.2 mit Hin-
weisen). Eine Sachverhaltsermittlung ist insbesondere nicht schon dann offensicht-
lich unrichtig, wenn sich Zweifel anmelden, sondern erst dann, wenn sie eindeutig 
und augenfällig unzutreffend ist (BGE 132 I 42 E. 3.1). Erforderlich ist also ein qua-
lifizierter Mangel, ein klares Abweichen der tatsächlichen Gegebenheiten von der 
Sachverhaltsfeststellung im angefochtenen Entscheid (SCHOTT, in: Basler Kom-
mentar zum Bundesgerichtsgesetz, 2. Aufl. 2011, N. 9 zu Art. 97 BGG). Auch dem 
Grundsatz «in dubio pro reo» kommt in seiner Funktion als Beweiswürdigungsregel 
keine über das Willkürverbot hinausgehende Bedeutung zu (vgl. BGE 123 I 1 E. 
4a).

Mangels eigenständiger Berufung oder Anschlussberufung der Generalstaatsan-
waltschaft ist die Kammer im vorliegenden Fall an das Verschlechterungsverbot 
nach Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden, d.h. sie darf das angefochtene Urteil nicht zu 
Ungunsten des Beschuldigten abändern.

II. Formelle Rügen des Beschuldigten

7. Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes

7.1 Oberinstanzliche Vorbringen des Beschuldigten

Mit Berufungserklärung vom 23. Januar 2023 (pag. 100 ff.), Berufungsbegründung 
vom 2. März 2023 (pag. 142 ff.) und Stellungnahme vom 15. März 2023 (pag. 164) 
bringt Rechtsanwalt B.________ namens und auftrags des Beschuldigten im We-
sentlichen vor, die Staatsanwaltschaft und die Vorinstanz hätten den Sachverhalt 
nicht von Amtes wegen umfassend abgeklärt. Damit liege eine Verletzung von Art. 
6 StPO vor. Zur Begründung führt er zusammengefasst aus, die Staatsanwaltschaft 
habe dem Beschuldigten im Schreiben vom 5. April 2022 mitgeteilt, dass sie ihn als 
Lenker weder ausschliessen könne noch als zweifelsfrei identifizierbar erachte und 
ausdrücklich festgehalten, dass bis zu diesem Zeitpunkt noch kein umfassendes 
Beweisverfahren zur Klärung der Straftat durchgeführt worden sei. Vor der Vor-
instanz habe der Beschuldigte mehrfach bekräftigt, was er bereits in seiner Ein-
sprachebegründung erwähnt habe, nämlich, dass er nicht wisse und nicht sagen 
könne, wer gefahren sei, er es aber nicht gewesen sei. Im letzten Wort habe er 
noch angegeben, dass er viele Kollegen habe, die ihm ähnlich sehen würden und 
auch einen Bart hätten. Er wisse schlicht nicht, wer gefahren sei. Spätestens ab 

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diesem Zeitpunkt sei es zwingend notwendig gewesen nachzufragen oder zu ermit-
teln, welche Kollegen ihm ähnlich sehen würden. Das Beweisverfahren hätte 
gemäss Art. 349 StPO nochmals aufgenommen werden können und müssen. Die 
Frage, wer denn sonst gefahren sein könnte, sei in diesem Kontext unabdingbar, 
um zumindest die Erklärung des Beschuldigten auf dessen Richtigkeit hin zu über-
prüfen. Es sei die Pflicht der Gerichtspräsidentin gewesen abzuklären, welche an-
deren Fahrer in Frage kommen und ob sie dem Beschuldigten gleichen würden. 
Hätte sie dies gefragt, hätte der Beschuldigte die Namen bekannt geben können 
und diese Personen wären zu befragen gewesen. Beim Beschuldigten handle es 
sich um einen juristischen Laien, der von seinen Rechten und Pflichten nicht in 
gleicher Art und Weise Kenntnis habe, wie eine Rechtsvertretung. Nachdem er sich 
habe vertreten lassen, sei sofort klar gewesen, dass er die Freunde habe nennen 
können und es seien entsprechende Erklärungen eingeholt worden. Bis auf eine 
einseitig geführte Befragung des Beschuldigten, welche zum Vornherein darauf 
abgezielt habe, ihn zum Rückzug der Einsprache zu bewegen, seien keine Be-
weisabnahmen vorgenommen worden. Der Beschuldigte habe durchgehend ange-
geben, dass er nicht sagen könne, wer von seinen Freunden oder seiner Familie 
gefahren sei, es aber jemand von diesem Personenkreis gewesen sein müsse. Es 
hätte von den Strafbehörden zumindest nachgefragt werden müssen, wer dieser 
Freunde bzw. Familienmitglieder genau in Fragen komme. Der Beschuldigte habe 
nie angegeben, dass er überhaupt nicht sagen könne, wer als Lenker in Frage 
kommen könne, sondern nur, dass es mehrere Personen seien und er von diesem 
überschaubaren Personenkreis nicht sagen könne, wer der tatsächliche Lenker 
gewesen sei, weshalb er nie eine spezifische Person habe angeben können. An-
sonsten wäre er Gefahr gelaufen, sich der falschen Anschuldigung schuldig zu ma-
chen. Dies als Schutzbehauptung abzutun und zu sagen, das qualitativ schlechte 
Foto gleiche dem Beschuldigten, weil er einen Bart trage, ohne jedoch je abgeklärt 
zu haben, ob andere Personen des genannten Personenkreises ebenfalls einen 
Bart getragen hätten und dem Foto gleichen könnten, könne nicht als umfassende 
Abklärung des Sachverhaltes qualifiziert werden. 

Weiter führte Rechtsanwalt B.________ zusammenfassend aus, der Grundsatz 
von in dubio pro reo bedinge, dass sich das Gericht ein umfassendes Bild der Sa-
che gemacht habe. Dieser Grundsatz sei verletzt, wenn die Feststellung des Sach-
verhaltes als ungenügend zu qualifizieren sei. Die Begründung des Obergerichts, 
der Beschuldigte habe darauf verzichtet, Beweisanträge zu stellen, vermöge die 
Pflicht gemäss Art. 6 StPO nicht zu untergraben. Das Recht, Beweisanträge zu 
stellen, sei ein Recht und keine Pflicht. Es obliege der Strafbehörde, die Beweise 
rechtskonform zu erheben, dazu bedürfe es keines Antrags durch eine Partei. Hät-
te der Beschuldigte zum Lenker nichts sagen können oder wollen, hätte ihm allen-
falls ein Vorwurf gemacht werden können. Diese Frage aber zu unterlassen und 
nicht einmal zu prüfen, wer als Lenker in Frage kommen könnte, verletze eindeutig 
die Pflichten, das Beweisverfahren umfassend zu führen und den Sachverhalt von 
Amtes wegen vollständig zu klären. Es gebe keine Beweislastumkehr im Strafpro-
zess, insbesondere auch nicht bei Ordnungsbussenverfahren, bei welchen es dem 
Halter des Fahrzeugs durch die Nennung des Lenkers gelingen könne, sich zu ex-
kulpieren. Könne oder wolle er diesen Lenker nicht nennen, bedeute das nicht, 

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dass es plötzlich seine Pflicht wäre zu beweisen, dass er nicht der Lenker gewesen 
sei. Bei vollständiger und richtiger Durchführung des Beweisverfahrens, welches 
weder die Staatsanwaltschaft noch das erstinstanzliche Gericht durchgeführt habe, 
sei ein Schuldspruch in dubio pro reo nicht möglich. Aufgrund dessen sei das Ver-
fahren gemäss Art. 409 Abs. 1 StPO mit der Weisung nach Art. 409 Abs. 2 StPO 
an die Vorinstanz zurückzuweisen, eventualiter die Berufung unter Abnahme der 
beantragten Beweise, welche schon im erstinstanzlichen Verfahren hätten abge-
nommen werden müssen, direkt gutzuheissen.

7.2 Theoretische Grundlagen

Gemäss dem Untersuchungsgrundsatz von Art. 6 StPO klären die Strafbehörden 
von Amtes wegen alle für die Beurteilung der Tat und der beschuldigten Person 
bedeutsamen Tatsachen ab (Abs. 1). Sie untersuchen die belastenden und entlas-
tenden Umstände mit gleicher Sorgfalt (Abs. 2). Der Untersuchungsgrundsatz gilt 
sowohl für die Strafverfolgungsbehörden als auch für die Gerichte (vgl. Art. 12 ff. 
StPO; WOHLERS, in: DONATSCH/HANSJAKOB/LIEBER [Hrsg.], Kommentar zur 
Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 4 zu Art. 6 StPO; RIE-
DO/FIOLKA, in: Basler Kommentar StPO/JStPO, 2. Aufl. 2014, N. 47 zu Art. 6 StPO). 
Der Untersuchungsgrundsatz verpflichtet das Gericht nicht, von Amtes wegen Be-
weiserhebungen vorzunehmen, wenn es sich aufgrund der bereits erhobenen Be-
weise seine Überzeugung gebildet hat und in vorweggenommener Beweiswürdi-
gung annehmen darf, dass die zusätzlichen Beweise nichts an seiner Überzeugung 
zu ändern vermöchten (BGE 141 I 60 E. 3.3; BGE 136 I 229 E. 5.3; Urteil des Bun-
desgerichts 6B_656/2017 vom 5. Juli 2017 E. 2 mit Hinweis). Die beschuldigte Per-
son kann den Behörden grundsätzlich zudem nicht vorwerfen, gewissen Beweisen 
nicht nachgegangen zu sein, wenn sie es unterliess, rechtzeitig und formgerecht 
entsprechende Beweisanträge zu stellen (BGE 125 I 127 E. 6c/bb S. 134; Urteile 
des Bundesgerichts 1B_115/2021 vom 3. Mai 2021 E. 2.1.; 6B_130/2012 vom 
22. Oktober 2012 E. 3.3, nicht publ. in: BGE 138 IV 209; je mit Hinweisen). Wenn 
die Gerichte ihrer Amtsermittlungspflicht genügen, dürfen sie einen Sachverhalt als 
erwiesen (oder nicht erwiesen) ansehen und in freier Beweiswürdigung darauf eine 
Rechtsentscheidung gründen (BGE 147 IV 409 E. 5.3.1; Urteil des Bundesgerichts 
6B_918/2021 vom 4. Mai 2022 E. 4.1; je mit Hinweisen). 

Die verfassungsmässige Garantie von Art. 30 Abs. 1 BV gewährleistet jeder Per-
son, deren Sache in einem gerichtlichen Verfahren beurteilt werden muss, unter 
anderem den Anspruch auf ein unabhängiges und unparteiisches Gericht. Eine Ge-
richtsperson gilt als befangen, wenn Umstände vorliegen, die geeignet sind, Miss-
trauen in ihre Unparteilichkeit zu erwecken. Diese Garantie ist verletzt, wenn Um-
stände vorliegen, die bei objektiver Betrachtung den Anschein der Voreingenom-
menheit erwecken (Urteile des Bundesgerichts 4A_327/2017 vom 31. August 2017 
E. 5.2; 1B_97/2017 vom 7. Juni 2017 E. 2). Art. 56 ff. StPO konkretisiert im gericht-
lichen Verfahren die Mindestanforderungen des Anspruchs auf ein verfassungs-
mässiges Gericht nach Art. 30 Abs. 1 BV (BOOG, in: Basler Kommentar 
StPO/JStPO, 2. Aufl. 2014, N. 1 f. zu Vor Art. 56-69 StPO). Will eine Partei den 
Ausstand einer in einer Strafbehörde tätigen Person verlangen, so hat sie der Ver-
fahrensleitung ohne Verzug ein entsprechendes Gesuch zu stellen, sobald sie vom 

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Ausstandsgrund Kenntnis hat (Art. 58 Abs. 1 StPO). Nach der Rechtsprechung des 
Bundesgerichts muss der Ablehnungsgrund unverzüglich nach dessen Kenntnis-
nahme geltend gemacht werden; andernfalls ist der Anspruch verwirkt (BGE 140 I 
271 E. 8.4.3).

Tritt das Berufungsgericht auf eine Berufung ein, so fällt es grundsätzlich ein neues 
Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO). Weist das erstin-
stanzliche Verfahren aber wesentliche Mängel auf, die im Berufungsverfahren nicht 
geheilt werden können, so hebt es das angefochtene Urteil auf und weist die Sache 
zur Durchführung einer neuen Hauptverhandlung und Fällung eines neuen Urteils 
an das erstinstanzliche Gericht zurück (Art. 409 Abs. 1 StPO). Nach der bundesge-
richtlichen Rechtsprechung ist die kassatorische Erledigung durch Rückweisung 
aufgrund des reformatorischen Charakters des Berufungsverfahrens die Ausnahme 
und kommt nur bei derart schwerwiegenden, nicht heilbaren Mängeln des erstin-
stanzlichen Verfahrens in Betracht, in denen die Rückweisung zur Wahrung der 
Parteirechte, in erster Linie zur Vermeidung eines Instanzenverlusts, unumgänglich 
ist (BGE 143 IV 408 E. 6.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_1394/2017 vom 2. Au-
gust 2018 E. 1.2; je mit Hinweisen). Dies gilt auch, wenn die Kognition des Beru-
fungsgerichts bei Übertretungen in Tatfragen auf Willkür beschränkt ist (Urteil des 
Bundesgerichts 6B_362/2012 vom 29. Oktober 2012 E. 8.4.1).

7.3 Erwägungen der Kammer

Soweit der Beschuldigte eine ungenügende Beweiserhebung durch die Staatsan-
waltschaft geltend macht, ist er nicht zu hören: 

Wie die Verteidigung selbst festhält, forderte die Staatsanwaltschaft nach Erhalt der 
Einsprachebegründung bei der Motorfahrzeugkontrolle des Kantons H.________ 
(Kanton) (nachfolgend I.________) das Bild des Beschuldigten an (pag. 143) und 
sammelte demnach auch allfällig entlastende Beweise (vgl. pag. 26 ff.). Hinzu 
kommt, dass die Staatsanwaltschaft nur in die Richtung ermitteln kann, in welche 
Anhaltspunkte bestehen bzw. auf die sie hingewiesen wird. Vorliegend gab der Be-
schuldigte zunächst auf dem Formular vom 23. Dezember 2021 zum Fahrzeuglen-
ker an, er bitte um Zustellung des Fotos, da er unsicher sei, wer gefahren sei (pag. 
8), und verweigerte anschliessend an der polizeilichen Einvernahme vom 5. Januar 
2021 [recte: 2022] die Aussagen zur Sache (pag. 3 f.). Erst in der Einsprachebe-
gründung vom 1. April 2022 brachte er andere mögliche Fahrzeuglenker ins Spiel, 
nur um diese Angabe sogleich wieder zu relativieren. Konkret führte der Beschul-
digte Folgendes aus: «Es ist auf den Bildern jedoch nicht zu erkennen, wer der 
Lenker meines Fahrzeuges zum Zeitpunkt der Geschwindigkeitsüberschreitung 
war. Grundsätzlich benützen das Fahrzeug mehrere Personen, zum einen ich als 
Halter, jedoch auch Familienmitglieder und Freunde von mir. Es ist nun nicht mehr 
nachvollziehbar, wer zum fraglichen Zeitpunkt das Fahrzeug gelenkt hatte und der 
verantwortliche Lenker kann mit den vorhandenen Bildern nicht bestimmt werden.» 
(pag. 23). Vor diesem Hintergrund war die Staatsanwaltschaft nicht gehalten, wei-
tere Beweise zu erheben und durfte nach einem Vergleich des Radarfotos mit dem 
Foto des Beschuldigten und unter Berücksichtig seiner Angaben auf dessen Täter-
schaft schliessen (vgl. die Ausführungen im Schreiben vom 5. April 2022 [pag. 30]). 
Kommt hinzu, dass der Untersuchungsgrundsatz im Vorverfahren insofern eine Re-

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lativierung erfährt, als der Beweisaufwand in einem vernünftigen Verhältnis zum 
mutmasslichen Delikt stehen muss (zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 
6B_1290/2021 vom 31. März 2022 E. 4.1. mit weiteren Hinweisen). Dass die 
Staatsanwaltschaft nicht gegen unbekannte Personen aus dem Umfeld des Be-
schuldigten ermittelte, ist angesichts der ausgesprochenen Strafe (Übertretungs-
busse in der Höhe von CHF 600.00 [pag. 10]) folglich nicht zu beanstanden. 

Die Rüge der Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes geht aber auch in Bezug 
auf das erstinstanzliche Beweisverfahren fehl: 

Der Beschuldigte bestätigte im Rahmen der Berufungsbegründung, ordentlich vor-
geladen worden zu sein und die Gelegenheit erhalten zu haben, Beweisanträge zu 
stellen, wovon er allerdings absah (pag. 144; vgl. pag. 38 f. und pag. 49 f.). Zudem 
ist dem Protokoll der vorinstanzlichen Hauptverhandlung zu entnehmen, dass der 
Beschuldigte zur Person (pag. 59, Z. 12 ff.) und zur Sache (pag. 60, Z. 21 ff.) be-
fragt wurde. Ihm wurde ermöglicht, sich zum Vorwurf zu äussern (pag. 60, Z. 34 ff.) 
und Ergänzungen zur Sache anzubringen (pag. 61, Z. 22 ff.), und ihm wurde das 
Radarfoto vorgehalten (pag. 60, Z. 44 ff.). Weiter konnte sich der Beschuldigte hin-
sichtlich der edierten Fotos seines Facebook-Accounts (pag. 61, Z. 1 ff.) sowie zur 
Einschätzung der Gerichtspräsidentin äussern, wonach eine grosse Ähnlichkeit 
zum Radarfoto bestehe (pag. 61, Z. 8 ff.) und es doch er auf dem Radarfoto sei 
(pag. 60, Z. 44 ff.). Dem Einwand, dass die Einvernahme einseitig geführt worden 
sei und einzig darauf abgezielt habe, den Beschuldigten zum Rückzug der Ein-
sprache zu bewegen, kann vor diesem Hintergrund nicht gefolgt werden. Zwar trifft 
zu, dass die beschuldigte Person keine Beweisführungslast trifft und sie keinen An-
trag auf Befragung weiterer, möglicher Täter stellen muss. Der Beschuldigte be-
schränkte sich im Rahmen seiner Einvernahme jedoch auf die Aussage, er könne 
sich nicht mehr erinnern, wer an diesem Tag mit seinem Fahrzeug gefahren sei 
(pag. 60, Z. 37 ff.) oder ob er selbst gefahren sei (pag. 60, Z. 42). Auch auf Vorhalt 
des Radarfotos und der Frage, wonach dies doch er sei, gab er an, es sei nicht ein 
scharfes Bild, und er könne es nicht sagen (pag. 60, Z. 46). Nichts Anderes ergibt 
sich aus dem letzten Wort des Beschuldigten. Neben der ebenfalls unspezifischen 
Angabe, er habe viele Kollegen, die ihm ähnlich sähen und einen Bart hätten, wie-
derholte er, dass er wirklich nicht wisse, wer gefahren sei (pag. 62). Für die Vorin-
stanz bestand demnach keine Veranlassung, von Amtes wegen weitere Beweise 
zu erheben.

Trotz Erklärungsbedarfs nannte der Beschuldigte während des gesamten Verfah-
rens weder Namen von Personen, die das Fahrzeug an seiner Stelle gelenkt haben 
könnten, noch machte er Angaben dazu, wo er sich zum Tatzeitpunkt befunden 
hatte. Dies, obwohl er spätestens ab der polizeilichen Einvernahme Kenntnis von 
den Radarfotos hatte (pag. 3; pag. 60, Z. 45) und mit Schreiben vom 
23. Dezember 2021 über die genaue Zeit und den Ort der Geschwindigkeitsüber-
schreitung informiert worden war (pag. 7). Angesichts des pauschalen Hinweises 
auf einen unbestimmten Personenkreis in der Einsprachebegründung sowie der 
weiteren Aussagen des Beschuldigten erübrigte sich auch die Nachfrage, wer als 
Lenker konkret in Frage kommt. So sagte der Beschuldigte selbst aus, dass er 
nicht wisse, wer der Lenker gewesen sei. Die Vorinstanz durfte sich somit gestützt 

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auf die erhobenen Beweise ihre Überzeugung bilden. Daran ändert nichts, dass es 
sich beim Beschuldigten um einen juristischen Laien handelt. Er wurde unbestritte-
nermassen über seine Rechte und Pflichten im Strafverfahren belehrt und wusste 
sich zu verteidigen; machte er doch teilweise von seinem Aussageverweigerungs-
recht Gebrauch (vgl. pag. 3 f.). Ferner dürfte er Unterstützung durch seine Rechts-
schutzversicherung erhalten haben, zumal er mit deren Jurist im Zusammenhang 
mit der Einsprachebegründung offenbar zuvor Rücksprache genommen hatte (vgl. 
pag. 21). Es wäre dem Beschuldigten somit ohne weiteres möglich gewesen, ande-
re mögliche Fahrzeuglenker konkret zu benennen und entsprechende Beweise ins 
Verfahren einzubringen bzw. deren Abnahme zu beantragen. Hiervon sah er je-
doch ab. 

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Vorinstanz und die Staats-
anwaltschaft ihrer Amtsermittlungspflicht genügend nachgekommen sind und den 
Sachverhalt hinreichend abgeklärt haben. Der Beschuldigte hat seinerseits auf das 
Stellen von (ergänzenden) Beweisanträgen verzichtet. Die vorinstanzliche Bewei-
serhebung erweist sich damit als vollständig, weshalb auch die von der Verteidi-
gung zitierte bundesgerichtliche Rechtsprechung zur Beweiserhebung im Rechts-
mittelverfahren (pag. 145 f.) unbehelflich ist. Dasselbe gilt für die Rechtsprechung 
zur Schliessung des Beweisverfahrens (pag. 146). 

Vor diesem Hintergrund geht schliesslich auch das Vorbringen des Beschuldigten 
fehl, die Gerichtspräsidentin sei von Beginn weg von seiner Schuld überzeugt ge-
wesen und in keiner Art und Weise ergebnissoffen an die Verhandlung herangetre-
ten (pag. 101; pag. 164). Es gehört zur Aufgabe der Gerichtspräsidentin, die Ver-
fahrensakten vor der Durchführung der Hauptverhandlung zu sichten und zu stu-
dieren und sich gestützt darauf eine vorläufige Meinung über die sich stellenden 
formellen und materiellen Fragen zu bilden. Diese vorläufige Meinungsbildung, die 
u.a. auch Auswirkungen auf die der beschuldigten Person zu machenden Vorhalte 
und zu stellenden Fragen haben kann, stellt eine Etappe im Erkenntnisprozess dar 
und begründet keine Voreingenommenheit. Auch die Tatsache, dass die Gerichts-
präsidentin die Aussagen und Angaben des Beschuldigten aufgrund der weiteren 
Beweismittel als unglaubhaft taxierte und nicht in seinem Sinne entschied, begrün-
det keine Voreingenommenheit. Der Einwand wurde zudem erst mit Berufungser-
klärung vom 23. Januar 2023 und damit verspätet erhoben.

Nach dem Gesagten erweisen sich die formellen Rügen des Beschuldigten als un-
begründet und liegt dem erstinstanzlichen Verfahren kein wesentlicher Mangel zu-
grunde, der eine Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils sowie eine Rückweisung 
im Sinne von Art. 409 Abs. 1 StPO erforderte.  

III. Sachverhalt und Beweiswürdigung

8. Sachverhalt

8.1 Vorwurf gemäss Strafbefehl

Dem Beschuldigten wird mit Strafbefehl vom 31. Januar 2022 zum Vorwurf ge-
macht, er habe sich des Überschreitens allgemeiner, fahrzeugbedingter oder signa-

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lisierter Höchstgeschwindigkeit nach Abzug der technisch bedingten Sicherheits-
marge auf Autobahnen um 31 km/h (Kontrollschild ________), begangen am 
15. Dezember 2021 um 23:03 Uhr in C.________(Ortschaft) auf der ________ (Au-
tobahn) von J.________ (Ortschaft) nach K.________ (Ortschaft) in Fahrtrichtung 
J.________(Ortschaft), schuldig gemacht (pag. 10).

8.2 Unbestrittener und bestrittener Sachverhalt

Wie die Vorinstanz richtig festgehalten hat, sind sowohl die Haltereigenschaft des 
Beschuldigten als auch die Geschwindigkeitsüberschreitung der zulässigen 
Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h um 31 km/h (nach Abzug der Sicherheits-
marge) am 15. Dezember 2021 in C.________(Ortschaft) unbestritten. Der Be-
schuldigte bestreitet demgegenüber, das Fahrzeug gelenkt zu haben.

9. Beweiswürdigung

9.1 Allgemeine Grundlagen der Beweiswürdigung 

Betreffend die allgemeinen Grundlagen der Beweiswürdigung kann auf die 
zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 85 ff., S. 4 ff. der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 

9.2 Willkürprüfung durch die Kammer

Wie bereits erwähnt, verfügt das Berufungsgericht in Sachverhaltsfragen nur über 
eine beschränkte Kognition (vgl. E. 6. hiervor). Zudem ist auf die reichhaltige 
Rechtsprechung zur Würdigung der Haltereigenschaft bei Strassenverkehrsdelikten 
hinzuweisen: 

Die Haltereigenschaft kann bei einem Strassenverkehrsdelikt, das von einem nicht 
eindeutig identifizierbaren Fahrzeuglenker begangen worden ist, ein Indiz für die 
Täterschaft sein (Urteile des Bundesgerichts 6B_243/2018 vom 6. Juli 2018 E. 
1.4.2; 6B_812/2011 vom 19. April 2012 E. 1.5; je mit Hinweisen; 6B_628/2010 vom 
7. Oktober 2010 E. 2.3 mit Hinweis). Das Gericht kann im Rahmen der Beweiswür-
digung ohne Verletzung der Unschuldsvermutung zum Schluss gelangen, der Hal-
ter habe das Fahrzeug selber gelenkt, wenn dieser die Tat bestreitet und sich über 
den möglichen Lenker ausschweigt (Urteile des Bundesgerichts 6B_243/2018 vom 
6. Juli 2018 E. 1.4.2; 6B_914/2015 vom 30. Juni 2016 E. 1.2; vgl. 6B_812/2011 
vom 19. April 2012 E. 1.5; je mit Hinweisen; 1P.641/2000 vom 24. April 2001 E. 4). 
Nichts Anderes kann gelten, wenn der Halter zwar Angaben zum Lenker macht, 
diese aber unglaubhaft oder gar widerlegt sind (Urteile des Bundesgerichts 
6B_243/2018 vom 6. Juli 2018 E. 1.4.2 mit Hinweisen; vgl. 6B_748/2009 vom 2. 
November 2009 E. 2.2 e contrario; 1P.641/2000 vom 24. April 2001 E. 4 e contra-
rio). Sich auf das Aussageverweigerungsrecht zu berufen oder die Möglichkeit ins 
Spiel zu bringen, nicht gefahren zu sein, hindert das Gericht nicht daran, eine 
Täterschaft anzunehmen (Urteile des Bundesgerichts 6B_1168/2020 vom 11. Ok-
tober 2022 E. 1.5.1.; 6B_1066/2021 vom 27. Januar 2022 E. 2.3.3; 6B_235/2021 
vom 29. Juli 2021 E. 2.3.2; 6B_812/2011 vom 19. April 2012 E. 1.5; je mit Hinwei-
sen).

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Die Vorinstanz listete die zu würdigenden Beweismittel auf und fasste deren we-
sentlicher Inhalt korrekt zusammen (pag. 88 f., S. 7 f. der erstinstanzlichen Urteils-
begründung). Die Beweismittel würdigend erwog sie zunächst, auf der Radarauf-
nahme sei erkennbar, dass das Fahrzeug von einer männlichen Person mit Bart 
gelenkt worden sei. Das Gesicht der am Steuer sitzenden Person sei jedoch auf 
den Nahaufnahmen unscharf, was eine Identifizierung grundsätzlich erschwere. 
Die Radaraufnahme lasse aber die Feststellung zu, dass die groben Gesichtszüge, 
namentlich die markanten Gesichtszüge wie die Nase und die Augenbrauen, gut 
erkennbar seien. Die Vorinstanz verglich sodann die Radaraufnahme mit den ak-
tenkundigen Portraitaufnahmen des Beschuldigten und gelangte gestützt darauf 
sowie aufgrund des persönlichen Eindrucks vom Beschuldigten anlässlich der erst-
instanzlichen Hauptverhandlung zum Ergebnis, dass der Beschuldigte mit an Si-
cherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Lenker sei. Die Vorinstanz legte dabei 
nachvollziehbar dar, dass insbesondere die Portraitaufnahmen des Beschuldigten 
dieselben markanten Gesichtszüge bei Nase und Augenbrauen aufwiesen (pag. 
89, S. 8 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Diese Würdigung der objektiven 
Beweise durch die Vorinstanz erfolgte willkürfrei. Auch die Kammer konnte sich 
anhand eines Vergleiches der aktenkundigen Aufnahmen von der grossen Ähnlich-
keit der markanten Gesichtszüge überzeugen. 

Die Vorinstanz verfiel sodann auch nicht in Willkür, indem sie beweiswürdigend 
festhielt, dass die subjektiven Beweismittel dieses Ergebnis nicht zu entkräften 
vermögen und das Vorbringen des Beschuldigten, dass auch andere Familienmit-
glieder und Freunde sein Fahrzeug gelegentlich benutzten, die ihm ähnlich sehen 
würden, als Schutzbehauptung zu qualifizieren sei. So wies die Vorinstanz zu 
Recht darauf hin, dass der Beschuldigte nicht explizit bestritten habe, das Fahr-
zeug gelenkt zu haben, sondern nur ausgesagt habe, dass er die Person am Steu-
er auf dem Radarfoto nicht erkennen könne, und er somit gemäss seinen eigenen 
Aussagen nicht wisse, ob er oder jemand anderes an diesem Abend gefahren sei. 
Angesichts des belastenden Radarfotos könne vom Beschuldigten erwartet wer-
den, seine Version des Sachverhalts durch zusätzliche detailliertere Angaben und 
Erklärungen zu belegen. Es genüge nicht, wenn der Beschuldigte lediglich behaup-
te, dass auch andere Familienmitglieder und Freunde sein Fahrzeug gelegentlich 
benutzten, die ihm ähnlich sehen würden. 

Wie die Vorinstanz unter Hinweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu-
treffend erwog, hätte unter den gegebenen Umständen, namentlich angesichts sei-
ner Haltereigenschaft, des Radarfotos und der grossen Ähnlichkeit, vom Beschul-
digten erwartet werden können, Angaben dazu zu machen, wer ausser ihm konkret 
als Täter in Frage kommt. Darin liegt weder eine Verletzung der Unschuldsvermu-
tung noch des Verbots des Selbstbelastungszwangs (sog. nemo tenetur Grund-
satz). Diese Grundsätze hindern das Gericht nicht daran, die zur Entlastung vorge-
brachte Behauptung des Beschuldigten, dass es auch ein Familienmitglied oder ein 
Freund gewesen sein könnte, der ihm ähnlich sehe, aufgrund der konkreten Fal-
lumstände als unglaubhaft zu würdigen. Aussagen, auch jene des Beschuldigten, 
sind Beweismittel. Fehlt eine solche Aussage, fehlt lediglich ein Beweismittel. Auch 
das Schweigen des Beschuldigten schliesst die Annahme der Täterschaft nicht 
aus, wenn sie aufgrund der Beweis- und Indizienlage unzweifelhaft ist. Der Schluss 

12

auf die Täterschaft begründet auch keine Umkehr der Beweislast, welche die Un-
schuldsvermutung verletzen könnte. In dem Masse, wie der Betroffene auf Mitwir-
kung verzichtet, vergibt er sich der Möglichkeit, auf sein Verfahren einzuwirken und 
seine Interessen aktiv wahrzunehmen. Dies kann die Behörden nicht hindern, ihre 
gesetzliche Aufgabe wahrzunehmen. Zu prüfen ist in solchen Fällen nur noch, ob 
die Behörden wirksame Verteidigungsmöglichkeiten gewährt und das Beweismate-
rial gesetzmässig verwendet haben (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1395/2019 
vom 3. Juni 2020). Dass dies nicht geschehen wäre, ist nicht ersichtlich (vgl. auch 
E. 7. oben). 

Insgesamt hat sich die Vorinstanz mit den entscheidrelevanten Beweismitteln hin-
reichend auseinandergesetzt und diese willkürfrei gewürdigt. Der Beschuldigte 
vermag nicht darzutun, dass die Schlussfolgerung, wonach die Radaraufnahme 
seine Täterschaft beweise, schlechterdings unhaltbar wäre. Alleine die Möglichkeit, 
dass es sich trotz der augenfälligen Ähnlichkeit des Beschuldigten mit der Person 
auf der Radaraufnahme nicht um den Beschuldigten, sondern um ein Familienmit-
glied oder einen Freund handelt, der ihm ähnlich sieht, vermag noch keine Willkür 
zu begründen. Die vorinstanzliche Feststellung des Sachverhalts erweist sich damit 
weder als offensichtlich unrichtig noch als auf einer Rechtsverletzung beruhend. 
Auch die Kammer geht folglich vom Sachverhalt gemäss Strafbefehl vom 
31. Januar 2022 aus.

IV. Rechtliche Würdigung

10. Tatbestand der einfachen Verkehrsregelverletzung

Wer Verkehrsregeln des Strassenverkehrsgesetzes oder der Vollziehungsvorschrif-
ten des Bundesrates verletzt, wird nach Art. 90 Abs. 1 des Strassenverkehrsgeset-
zes (SVG; SR 741.01) mit Busse bestraft. Für die hier relevanten Verkehrsregeln 
kann vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen 
werden (pag. 90, S. 9 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

11. Subsumtion

Gemäss dem als erstellt zu betrachtenden Sachverhalt fuhr der Beschuldigte auf 
der Autobahn ________(Autobahn) bei einer geltenden Höchstgeschwindigkeit von 
120 km/h mit einer Geschwindigkeit von 158 km/h. Nach Abzug der vom ASTRA 
festgelegten Geräte- und Messunsicherheit von 7 km/h überschritt er die geltende 
Höchstgeschwindigkeit um 31 km/h. Der Beschuldigte hat damit die Verkehrsregeln 
gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 4a Abs. 1 Bst. d VRV verletzt. Die Verkehrs-
regelverletzung ist nicht als schwer bzw. grob im Sinne der Qualifikation von Art. 90 
Abs. 2 SVG zu qualifizieren. Mit der gebotenen Sorgfalt hätte er die signalisierte 
Geschwindigkeit einhalten können; entsprechend handelte er mindestens fahrläs-
sig. Da bereits die fahrlässige Begehung strafbar ist, ist auch der subjektive Tatbe-
stand der einfachen Verkehrsregelverletzung erfüllt. Es sind sodann weder Recht-
fertigungs- noch Schuldausschlussgründe geltend gemacht noch ersichtlich. Der 
Beschuldigte ist somit wegen einfacher Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 
90 Abs. 1 SVG schuldig zu sprechen.

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V. Strafzumessung

12. Allgemeine Ausführungen und Strafrahmen

Die Vorinstanz hat die theoretischen Grundlagen der Strafzumessung korrekt aus-
geführt. Darauf wird verwiesen (pag. 91, S. 10 der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung). Die einfache Verkehrsregelverletzung ist mit Busse bis zu CHF 10'000.00 
bedroht (Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 102 Abs. 1 SVG und Art. 106 Abs. 1 des 
Schweizerischen Strafgesetzbuchs [StGB; SR 311.0]).

13. In concreto

Die Vorinstanz hat sich an den Richtlinien für die Strafzumessung des Verbands 
Bernischer Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte (VBRS-
Richtlinien; Stand per 1. Januar 2021) orientiert, welche für eine Geschwindigkeits-
überschreitung auf Autobahnen zwischen 31 und 34 km/h eine Busse von 
CHF 600.00 empfehlen (VBRS-Richtlinien, S. 22). Die ausgesprochene Busse in 
der Höhe von CHF 600.00 erscheint mit Blick auf das Tatverschulden als ange-
messen. Allerdings liess die Vorinstanz die Täterkomponenten unberücksichtigt. 
Mit Blick auf die einschlägige Vorstrafe, welche aus dem eingeholten Strafregister-
auszug hervorgeht (pag. 139 f.), wäre eine Erhöhung der Bussenhöhe angezeigt 
gewesen. Aufgrund des vorliegend geltenden Verschlechterungsverbots (vgl. E. 6. 
hiervor) bleibt es indessen bei CHF 600.00. 

Somit ist die durch die Vorinstanz ausgesprochene Busse von CHF 600.00 zu 
bestätigen. Die Ersatzfreiheitsstrafe für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung 
der Busse wird auf 6 Tage festgesetzt (vgl. Art. 106 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 102 
Abs. 1 SVG).

VI. Kosten und Entschädigung

Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die erstinstanzlichen 
Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens 
tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 
Abs. 1 StPO).

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 1'250.00 werden bestätigt und 
gehen infolge des Schuldspruches zu Lasten des Beschuldigten. Die oberinstanzli-
chen Verfahrenskosten werden bestimmt auf CHF 1'500.00 (Art. 5 i.V.m. Art. 24 
Bst. a des Verfahrenskostendekrets [VKD; BSG 161.12]) und dem unterliegenden 
Beschuldigten zur Bezahlung auferlegt.

Bei diesem Ausgang des Verfahrens steht dem Beschuldigten keine Entschädi-
gung zu (Art. 429 Abs. 1 StPO e contrario).

14

VII. Dispositiv

Die 2. Strafkammer erkennt:

I.

A.________ wird schuldig erklärt der einfachen Verkehrsregelverletzung, begangen 
am 15. Dezember 2021, 23:03 Uhr, auf der ________(Autobahn) J.________(Ortschaft) - 
K.________(Ortschaft), J.________(Ortschaft) in C.________(Ortschaft) durch Über-
schreiten der allgemeinen, fahrzeugbedingten oder signalisierten Höchstgeschwindigkeit 
nach Abzug der vom ASTRA festgelegten Geräte- und Messunsicherheit um 31 km/h;

und in Anwendung der Artikel
47, 106, 333 StGB
27 Abs. 1, 32 Abs. 2, 90 Abs. 1 SVG
4a Abs. 1 Bst. d VRV
Art. 426 Abs. 1, 428 Abs. 1 StPO

verurteilt:

1. zu einer Übertretungsbusse von CHF 600.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuld-
hafter Nichtbezahlung wird auf 6 Tage festgesetzt;

2. zur Bezahlung der erstinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 1'250.00;

3. zur Bezahlung der oberinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 1'500.00.

II.

Zu eröffnen:
- dem Beschuldigten/Berufungsführer, v.d. Rechtsanwalt B.________
- der Generalstaatsanwaltschaft

Mitzuteilen:
- der Vorinstanz
- der L.________ (Amt) Kanton H.________(Kanton) (nach unbenutztem Ablauf der 

Rechtsmittelfrist bzw. nach Entscheid der Rechtsmittelbehörde)

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Bern, 16. August 2023 Im Namen der 2. Strafkammer

Der Präsident i.V.:

Oberrichter Knecht

Die Gerichtsschreiberin:

Bucher
i.V. Gerichtsschreiberin Hafner

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgerichtsgeset-
zes (BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entspre-
chen.