# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b20f8cbb-815b-5d19-949d-b7324d8b09da
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-02-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.02.2024 F-2368/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-2368-2021_2024-02-08.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-2368/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  8 .  F e b r u a r  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richter Basil Cupa (Vorsitz), 

Richterin Susanne Genner,  

Richterin Claudia Cotting-Schalch,    

Gerichtsschreiberin Nathalie Schmidlin. 
 

 
 

Parteien 
 A._______,  

vertreten durch Marek Wieruszewski,  

Beschwerdeführerin,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Familiennachzug (v.A.) zu Gunsten von B._______;  

Verfügung des SEM vom 20. April 2021. 

 

 

 

F-2368/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin (Staatsangehörige von Eritrea, geb. 1975) er-

suchte am 29. September 2014 in der Schweiz um Asyl. Mit Verfügung vom 

1. April 2016 lehnte die Vorinstanz ihr Asylgesuch ab, gewährte ihr jedoch 

infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Auf-

nahme.  

B.  

Am 17. Mai 2019 reichte die Beschwerdeführerin ein Gesuch um Familien-

nachzug und Einbezug in die vorläufige Aufnahme zugunsten ihrer Tochter 

C._______ (geb. 2000) und ihres Sohnes B._______ (geb. 2003) ein.  

C.  

Mit Verfügung vom 20. April 2021 trat die Vorinstanz auf das Gesuch um 

Familiennachzug und Einbezug in die vorläufige Aufnahme zugunsten der 

Tochter der Beschwerdeführerin nicht ein und wies jenes des Sohnes ab.  

D.  

Mit Beschwerde vom 19. Mai 2021 an das Bundesverwaltungsgericht be-

antragte die Beschwerdeführerin sinngemäss, in teilweiser Aufhebung der 

angefochtenen Verfügung ihrem Sohn die Einreise in die Schweiz zu be-

willigen und ihn in die vorläufige Aufnahme einzubeziehen. Eventualiter sei 

ihm ein humanitäres Visum zu erteilen. In Bezug auf die Tochter blieb die 

vorinstanzliche Verfügung unangefochten. 

E.  

Mit Vernehmlassung vom 29. Juli 2021 beantragte die Vorinstanz die Be-

schwerdeabweisung. Die Beschwerdeführerin verzichtete auf die Einrei-

chung einer Replik.  

F.  

Mit Instruktionsverfügung vom 6. April 2023 erhielt die Beschwerdeführerin 

Gelegenheit, den Sachverhalt zu aktualisieren.  

G.  

Im Mai 2023 wurde für die bisherige Instruktionsrichterin der vorsitzende 

Richter im Spruchkörper aufgenommen.  

H.  

Mit Eingabe vom 5. Juni 2023 reichte die Beschwerdeführerin eine Ver-

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sicherungspolice einer Krankenkasse vom Oktober 2022, einen Mietver-

trag vom 18. Januar 2023, einen Arbeitsvertrag vom 16. Februar 2023 und 

eine Lohnabrechnung vom April 2023 ein. 

I.  

Mit ergänzender Vernehmlassung vom 4. September 2023 beantragte die 

Vorinstanz die Beschwerdeabweisung. 

J.  

Am 5. September 2023 reichte die Beschwerdeführerin einen Arbeitsver-

trag vom 4. September 2023 ein.  

K.  

Mit ergänzender Vernehmlassung vom 3. Oktober 2023 hielt die Vorinstanz 

an der eingangs beantragten Beschwerdeabweisung fest. Die Beschwer-

deführerin verzichtete auf die Einreichung einer Stellungnahme.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Verfügungen des SEM betreffend Familiennachzug gemäss Art. 85 

Abs. 7 AIG (SR 142.20) unterliegen der Beschwerde an das Bundesver-

waltungsgericht (Art. 112 Abs. 1 AIG i.V.m. Art. 31 ff. VGG). 

1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet 

sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt 

(Art. 37 VGG). 

1.3 Die Beschwerdeführerin ist zur Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 

VwVG). Auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen (Rechtsmittelfrist 

[Art. 50 Abs. 1 VwVG] und Form der Beschwerde [Art. 52 Abs. 1 VwVG]) 

sind erfüllt. Auf die Beschwerde ist – unter Vorbehalt von E. 1.4 – einzutre-

ten.  

1.4 Streitgegenstand kann nur sein, was bereits Gegenstand des ange-

fochtenen Entscheids war oder allenfalls hätte sein müssen und zwischen 

den Parteien noch strittig ist. Im Laufe eines Rechtsmittelverfahrens kann 

sich der Streitgegenstand grundsätzlich nicht erweitern oder inhaltlich ver-

ändern (vgl. BGE 142 I 155 E. 4.4.2; 136 II 457 E. 4.2; Urteil des BGer 

2C_638/2023 vom 28. November 2023 E. 2; je m.H.). Die Erteilung eines 

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humanitären Visums ist weder Gegenstand der nachgesuchten Bewilli-

gung noch bildet sie Teil der angefochtenen Verfügung. Die Vorinstanz 

durfte davon absehen, sich dazu im gegebenen Streitfall zu äussern. Die 

Erteilung eines humanitären Visums ist vom vorliegenden Verfahren nicht 

umfasst, weshalb auf den entsprechenden Antrag nicht einzutreten ist. 

2.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 

von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-

messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-

lichen Sachverhalts und, im Falle von Bundesbehörden, die Unangemes-

senheit gerügt werden (vgl. Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht 

wendet im Beschwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an 

und ist nicht an die Begründung der Begehren gebunden (Art. 62 

Abs. 4 VwVG). Massgeblich ist grundsätzlich die Sachlage im Entscheid-

zeitpunkt (vgl. BVGE 2020 VII/4 E. 2.2 m.H.). 

3.  

Gemäss Art. 85 Abs. 7 AIG können Ehegatten und ledige Kinder unter 

18 Jahren von in der Schweiz vorläufig aufgenommenen Personen frühes-

tens drei Jahre nach Anordnung der vorläufigen Aufnahme nachgezogen 

und in diese einbezogen werden. Voraussetzung dafür ist, dass sie zusam-

menwohnen (Bst. a), eine bedarfsgerechte Wohnung vorhanden ist 

(Bst. b), die Familie nicht auf Sozialhilfe angewiesen ist (Bst. c), sie sich in 

der am Wohnort gesprochenen Landessprache verständigen können 

(Bst. d) und die nachzuziehende Person keine jährlichen Ergänzungsleis-

tungen nach dem Bundesgesetz vom 6. Oktober 2006 über die Ergän-

zungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung 

(ELG, SR 831.10) bezieht oder wegen des Familiennachzugs beziehen 

könnte (Bst. e). Gemäss Art. 74 Abs. 3 der Verordnung vom  

24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE, 

SR 142.201) ist ein Familiennachzugsgesuch innerhalb von fünf Jahren zu 

stellen, sobald die zeitlichen Voraussetzungen gemäss Art. 85 Abs. 7 AIG 

erfüllt sind. 

4.  

4.1 Die Vorinstanz führt zur Begründung ihres Entscheids an, die von der 

Beschwerdeführerin bewohnte 4.5-Zimmerwohnung entspreche ange-

sichts ihrer Grösse und der bereits vorhandenen Belegschaft nicht dem 

Bedarf eines nachzuzuziehenden Kindes. Die Beschwerdeführerin sei von 

2019 bis 2021 bei diversen Unternehmen im Stundenlohn angestellt 

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gewesen und habe durchschnittlich ein Monatseinkommen zwischen 

Fr. 1'210.– und Fr. 1'305.– erwirtschaftet. Basierend auf diesem Einkom-

men resultiere gemäss Budgetberechnung für zwei Personen nach den 

Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) ein ne-

gativer monatlicher Saldo von Fr. 1'600.–. Aktuell sei die Beschwerdefüh-

rerin weder angestellt noch liege ein Arbeitsvertrag oder eine Zusicherung 

einer Arbeitsstelle vor. Sie sei zwar seit ihrem Zuzug in die Gemeinde 

D._______ nie auf Sozialhilfe angewiesen gewesen. Der Nachzug ihres 

Sohnes würde aber zur Sozialhilfeabhängigkeit der Familie führen, womit 

die Voraussetzung von Art. 85 Abs. 7 Bst. c AIG nicht erfüllt sei. In Bezug 

auf die Verhältnismässigkeit der Massnahme sei festzuhalten, dass das 

Übereinkommen vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes 

(KRK, SR 0.107) keinen unmittelbaren Anspruch auf Familiennachzug ge-

währe. Der Sohn der Beschwerdeführerin lebe zusammen mit seiner voll-

jährigen Schwester bei einem Bekannten in Äthiopien und verfüge damit in 

seinem Aufenthaltsstaat über erwachsene Bezugspersonen. Überdies 

stehe er in telefonischem Kontakt mit seiner Mutter. Angesichts des zu er-

wartenden erheblichen finanziellen Fehlbetrags sei das öffentliche Inte-

resse an einer Verweigerung des Familiennachzugs höher zu gewichten 

als das private Interesse der Beschwerdeführerin und ihres Sohnes, ihre 

familiäre Beziehung in der Schweiz führen zu können.  

4.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, ihre Wohnsituation habe sich 

zwischenzeitlich verändert. Sie bewohne als Wohngemeinschaft mit einer 

weiteren Person eine 3-Zimmerwohnung und habe ein eigenes Zimmer zur 

Verfügung. Von Oktober 2020 bis Januar 2021 sei sie angestellt gewesen. 

Sie sei weiterhin intensiv auf Arbeitssuche. Da ihre Tochter heiraten und 

mit ihrem zukünftigen Ehemann nach Norwegen ziehen werde, verbleibe 

der Sohn ohne Verwandte in Äthiopien, wo er aufgrund der aktuellen poli-

tischen Lage an Leib und Leben gefährdet sei. 

4.3 Im Rahmen des Schriftenwechsels führt die Vorinstanz aus, in Bezug 

auf die veränderte Wohnsituation sei festzuhalten, dass die 3-Zimmerwoh-

nung nicht als bedarfsgerecht angesehen werden könne, da es sich um 

eine Wohngemeinschaft handle und es dem nahezu volljährigen Sohn 

nicht zumutbar sei, ein Zimmer mit seiner Mutter zu teilen. Obwohl in der 

angefochtenen Verfügung von einem weitaus höheren Erwerbseinkommen 

ausgegangen worden sei, als es die Beschwerdeführerin im Jahr 2023 er-

ziele, sei das Familiennachzugsgesuch aufgrund der zu erwartenden So-

zialhilfeabhängigkeit abgelehnt worden. Ihr derzeitiges Erwerbseinkom-

men reiche nicht aus, um die monatlichen Kosten für eine Wohnung und 

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die obligatorische Krankenversicherung zu decken. Auch wenn die Be-

schwerdeführerin die bisherigen temporären Anstellungen in Zukunft wahr-

nehmen könnte, würde der Nachzug ihres Sohnes zur Sozialhilfeabhän-

gigkeit der Familie führen. Die dem Urteil des EGMR B.F. u.a. gegen die 

Schweiz vom 4. Juli 2023, Nr. 13258/18, zugrundliegenden Sachverhalte 

würden sich massgeblich vom vorliegenden Fall unterscheiden, zumal der 

Gerichtshof die Fälle von in der Schweiz vorläufig aufgenommen Flüchtlin-

gen zu beurteilen gehabt habe. Die Beschwerdeführerin sei hingegen in 

der Schweiz nicht als Flüchtling anerkannt worden.  

5.  

Vorliegend ist unbestritten, dass die zeitlichen Voraussetzungen (drei 

Jahre vorläufige Aufnahme, Gesuchseinreichung innerhalb von fünf Jah-

ren) erfüllt sind. Demgegenüber ist strittig, ob die Voraussetzung der Sozi-

alhilfeunabhängigkeit gemäss Art. 85 Abs. 7 Bst. c AIG erfüllt ist.  

6.  

6.1 Sozialhilfeunabhängigkeit im Sinne von Art. 85 Abs. 7 Bst. c AIG wird 

in der Praxis grundsätzlich dann angenommen, wenn die Eigenmittel das 

Niveau erreichen, ab dem gemäss SKOS-Richtlinie kein Sozialhilfean-

spruch mehr resultiert. Für die Beurteilung der Gefahr der Sozialhilfeab-

hängigkeit ist von den bisherigen und aktuellen Verhältnissen des in der 

Schweiz anwesenheitsberechtigten Familienangehörigen und den wahr-

scheinlichen finanziellen Entwicklungen unter Berücksichtigung der finan-

ziellen Möglichkeiten aller Familienmitglieder auf längere Sicht auszuge-

hen (siehe BVGE 2017 VII/4 E. 5.2). Das Einkommen der Angehörigen, die 

an die Lebenshaltungskosten der Familie beitragen sollen und können, ist 

daran zu messen, ob und in welchem Umfang sich dieses grundsätzlich 

als tatsächlich realisierbar erweist. Die Erwerbsmöglichkeiten und das da-

mit verbundene Einkommen müssen mit einer gewissen Wahrscheinlich-

keit auf mehr als nur kurze Frist hin gesichert erscheinen (siehe BGE 139 

I 330 E. 4.1 m.w.H.; Urteil des BGer 2C_891/2021 vom 6. Dezember 2022 

E. 4.2 m.w.H.; Urteile des BVGer F-155/2021 vom 13. März 2023 E. 5.1; 

F-528/2022 vom 24. Juni 2022 E. 5.2.1; F-240/2021 vom 13. April 2022 

E. 6). 

6.2 Die Beschwerdeführerin lebt seit September 2014 in der Schweiz und 

wurde im April 2016 vorläufig aufgenommen. Vom 1. März 2019 bis 

31. Mai 2019 und 24. Februar 2020 bis 31. Mai 2020 war sie als Aushilfe 

in einem landwirtschaftlichen Betrieb im Stundenlohn angestellt. Für einen 

weiteren landwirtschaftlichen Betrieb arbeitete sie vom 8. Oktober 2019 bis 

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31. Dezember 2019 und von Oktober 2020 bis Mitte Januar 2021 im Stun-

denlohn, wobei sie ein monatliches Bruttoeinkommen von Fr. 3'000.– bis 

Fr. 4'000.– erzielte. Einem Arbeitsvertrag vom 16. Februar 2023 ist zu ent-

nehmen, dass sie ab dem 18. Februar 2023 im Stundenlohn als (…) mit 

einem Pensum von zwei Stunden pro Woche angestellt war. Gemäss 

Lohnabrechnung vom April 2023 hatte sie ein Bruttoeinkommen von 

Fr. 415.– erwirtschaftet. Seit dem 1. Oktober 2023 arbeitet sie zeitlich be-

fristet als (…) mit einem Pensum von 80%-100%. 

6.3 Aufgrund der bisherigen beruflichen Entwicklung mit lediglich monats-

weisen Arbeitseinsätzen im Stundenlohn auf dem ersten Arbeitsmarkt kann 

nicht davon ausgegangen werden, die Beschwerdeführerin werde in ab-

sehbarer Zeit die Lebenshaltungskosten eines Zweipersonenhaushalts de-

cken können. Dies scheint zwar mit dem am 4. September 2023 abge-

schlossenen Arbeitsvertrag als (…) hypothetisch möglich. Der Arbeitsver-

trag ist aber auf den 31. März 2024 befristet und der Bruttolohn von 

Fr. 3'900.– bei einem 100%-Pensum würde ohnehin nicht ausreichen, um 

den finanziellen Bedarf der Familie zu decken. Zwar ist angesichts dessen 

nicht in Abrede zu stellen, dass sich die Beschwerdeführerin um eine be-

rufliche Integration bemüht. Eine konstante, längerfristige Erwerbstätigkeit 

auf dem ersten Arbeitsmarkt kann sie allerdings trotz ihres nunmehr über 

neunjährigen Aufenthalts in der Schweiz nicht vorweisen. Die bisherigen 

Arbeitseinsätze waren zu kurz, als dass langfristig von einer genügenden 

beruflichen Integration ausgegangen werden könnte (siehe Urteile des 

BVGer F-2213/2018 vom 1. Februar 2021 E. 6.3.2; F-7303/2015 vom 

11. August 2017 E. 6.1). Zwar wurde die Arbeitsmarktintegration der Be-

schwerdeführerin durch die Pandemie vorübergehend erschwert; indessen 

ist sie auch heute nicht in der Lage, einen Zweipersonenhaushalt dauerhaft 

zu finanzieren. 

6.4 Dem Gesetzeszweck entsprechend, die Vereinigung der Gesamtfami-

lie unter bestimmten Voraussetzungen – darunter die Sozialhilfeunabhän-

gigkeit (Art. 85 Abs. 7 Bst. c AIG) – zuzulassen, sind die finanziellen Mög-

lichkeiten aller Familienmitglieder über eine längere Sicht zu berücksichti-

gen (siehe E. 6.1 hiervor). Der mittlerweile volljährige Sohn der Beschwer-

deführerin verbrachte sein gesamtes bisheriges Leben in Eritrea und Äthi-

opien. Eine Übersiedlung in die Schweiz würde für ihn einen bedeutenden 

Einschnitt darstellen, nicht zuletzt aufgrund des Umstands, dass er keine 

hiesige Landessprache beherrscht. Ohne einschlägige Sprachkenntnisse 

und abgeschlossene Schul- und Berufsbildung sind seine Erwerbsmöglich-

keiten sowie ein damit zusammenhängendes Einkommen auf absehbare 

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Sicht nicht hinreichend gesichert. Während längerer Zeit wird folglich auch 

er nicht im Stande sein, die Lebenshaltungskosten der Familie zu decken 

(vgl. BGE 139 I 330 E. 4.1; Urteile des BVGer F-2213/2018 vom 1. Februar 

2021 E. 6.4.2; F-611/2017 vom 22. Februar 2019 E. 7.8; F-7893/2016 vom 

16. Juli 2018 E. 4.3.2).  

6.5 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass das in Art. 85 Abs. 7 Bst. c 

AIG niedergelegte Kriterium der Sozialhilfeunabhängigkeit als eine der 

kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen für den Familiennachzug nicht 

erfüllt ist. 

7.  

Zu prüfen bleibt, ob die Verweigerung des Familiennachzugs mit dem An-

spruch auf Schutz des Familienlebens im Sinne von Art. 8 EMRK vereinbar 

ist. 

7.1 Art. 8 Ziff. 1 EMRK garantiert den Schutz des Familienlebens, welches 

in erster Linie die Kernfamilie umfasst, das heisst die Gemeinschaft der 

Ehegatten mit ihren minderjährigen Kindern (BGE 144 II 1 E. 6.1; 135 I 143 

E. 1.3.2). Im Grundsatzurteil BVGE 2018 VII/4 hat das Bundes-

verwaltungsgericht seine Praxis dahingehend geändert, dass der aus 

Art. 8 Ziff. 1 EMRK fliessende Anspruch auf Familiennachzug weiter-

besteht, wenn das nachzuziehende Kind während des Verfahrens 

volljährig wird (siehe a.a.O. E. 7-10). Für den vorliegenden Fall bedeutet 

dies, dass der mittlerweile volljährige Sohn der Beschwerdeführerin, 

welcher im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs minderjährig war, sich 

darauf berufen kann. 

7.2 Die Garantie kann verletzt sein, wenn einer ausländischen Person, de-

ren Familienangehörige in der Schweiz weilen, die Anwesenheit untersagt 

und damit das Familienleben vereitelt wird. Das in Art. 8 Ziff. 1 EMRK be-

ziehungsweise Art. 13 Abs. 1 BV geschützte Recht ist berührt, wenn eine 

nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung einer gefestigt an-

wesenheitsberechtigten Person beeinträchtigt wird, ohne dass es dieser 

möglich beziehungsweise zumutbar wäre, ihr Familienleben andernorts zu 

pflegen (BGE 144 II 1 E. 6.1). Die Eröffnung des Schutzbereichs von Art. 8 

Ziff. 1 EMRK führt nicht per se zu einem Anspruch auf Einreise und Aufent-

halt in einem Konventionsstaat (BVGE 2021 VI/1 E. 13.2 und 13.3, je 

m.w.H.).  

7.3 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung können sich auch 

Personen auf Art. 8 Ziff. 1 EMRK berufen, die kein gefestigtes Aufenthalts-

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recht haben, deren Anwesenheit in der Schweiz jedoch faktisch als Realität 

hingenommen wird beziehungsweise aus objektiven Gründen hingenom-

men werden muss (BGE 146 I 185 E. 6; 144 II 1 E. 6.1; 139 I 330 E. 2.1; 

135 I 143 E. 1.3.1 und 130 II 281 E. 3.1; je m.w.H.). Diese Rechtsprechung 

wird auf vorläufig aufgenommene Personen ohne Flüchtlingseigenschaft 

angewendet, wobei in der Regel ein mehrjähriger Aufenthalt vorausgesetzt 

wird (siehe Urteile des BVGer F-1708/2022 vom 14. April 2023 E. 5.3.2;  

F-3211/2020 vom 21. April 2022 E. 9.1; F-1975/2018 vom 30. April 2020 

E. 6.1). 

7.4 Das Zulassungskriterium des Vorhandenseins hinreichender finanziel-

ler Mittel und damit der Entlastung der Sozialhilfe sowie der öffentlichen 

Finanzen ist als Voraussetzung des Familiennachzugs konventionsrecht-

lich anerkannt (BGE 139 I 330 E. 3.2; BVGE 2017 VII/4 E. 4; Urteil des 

EGMR B.F. u.a. gegen die Schweiz vom 4. Juli 2023, Nr. 13258/18, § 104). 

Mit dem Zuzug des Sohnes der Beschwerdeführerin ist von einer Sozial-

hilfeabhängigkeit der Familie auf längere Sicht auszugehen (siehe E. 6.2 

ff. hiervor). Das einem Familiennachzug entgegenstehende öffentliche In-

teresse am wirtschaftlichen Wohlergehen des Landes ist deshalb als er-

heblich anzusehen.  

7.5 Die Situation des Sohnes der Beschwerdeführerin in Äthiopien dürfte 

zweifellos mühselig sein. Er befindet sich allerdings in einem Alter, in dem 

er seinen Alltag selbständig bestreiten kann. Zudem hat er die Möglichkeit 

sich – wie seine Schwester – beim UNHCR zu registrieren. Er hat sein 

gesamtes Leben in Eritrea und Äthiopien verbracht. Eine Schweizer Lan-

dessprache beherrscht er nicht. Vor diesem Hintergrund würde sich eine 

Integration in der Schweiz als schwierig erweisen (siehe Urteil des BVGer 

F-6710/2019 vom 6. September 2021 E. 8). Es erscheint der Beschwerde-

führerin und ihrem Sohn grundsätzlich zumutbar, die Beziehung weiterhin 

mit modernen Kommunikationsmitteln aufrechtzuerhalten und zu pflegen. 

Vor diesem Hintergrund sind die privaten Interessen an einem Familien-

nachzug zu relativieren.  

7.6 Das private Interesse der Beschwerdeführerin am Familiennachzug 

vermag angesichts der zu erwarteten Sozialhilfeabhängigkeit und einer da-

mit einhergehenden Belastung der öffentlichen Finanzen das öffentliche 

Interesse nicht zu überwiegen. Die Verweigerung des Familiennachzugs 

ist verhältnismässig im Sinne von Art. 8 Ziff. 2 EMRK und Art. 96  

Abs. 1 AIG. 

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Seite 10 

8.  

Im Ergebnis erweist sich die vorinstanzlich verfügte Verweigerung des Fa-

miliennachzugs als rechtmässig (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist folg-

lich abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 

9.  

Entsprechend dem Verfahrensausgang sind die Kosten in der Höhe von 

Fr. 800.– der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 

Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über 

die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). Sie sind durch den in gleicher Höhe geleisteten 

Kostenvorschuss gedeckt. 

10.  

Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 3 BGG; siehe Urteil des BGer 

2C_154/2022 vom 29. November 2022 E. 1.4). 

 

(Dispositiv: nachfolgende Seite) 

  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.  

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.– werden der Beschwerdeführerin 

auferlegt. Sie sind durch den in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss 

gedeckt. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin und die Vorinstanz. 

 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Basil Cupa Nathalie Schmidlin 

 

 

 

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