# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 04371168-c051-5ee4-93c2-84a2440d0113
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-30
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 30.11.2022 SST.2022.163
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-163_2022-11-30.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2022.163 
(ST.2022.17; StA.2019.2821) 

 

 

Urteil vom 30. November 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin L. Stierli 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg, 

Riburgerstrasse 4, 4310 Rheinfelden  

 

 
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.1983, von Dietikon, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Fabian Blum,  

[…] 

 

 
 

Gegenstand  Sexuelle Nötigung, Gefährdung des Lebens, Drohung usw. 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die Staatsanwaltschaft erhob gegen den Beschuldigten am 11. Februar 

2022 Anklage. 

 

1.2. 

Am 11. April 2022 fällte das Bezirksgericht Rheinfelden folgendes Urteil: 

 

1. 
Das Verfahren wird in Bezug auf die Vorwürfe  
- der Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB,  
- des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB, 
- der Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 126 Abs. 2 lit. a StGB 
eingestellt. 
 
2. 
Der Beschuldigte wird von folgenden Vorwürfen von Schuld und Strafe  
freigesprochen 
- der mehrfachen versuchten vorsätzlichen Tötung gemäss Art. 111 StGB i.V.m. Art. 22 

Abs. 1 StGB, 
- der mehrfachen, teilweise versuchten, einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 

Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 123 Ziff. 2 al. 5 StGB teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, 
- der versuchten Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 

StGB. 
 
3. 
Der Beschuldigte ist schuldig  
- der Gefährdung des Lebens gemäss Art. 129 StGB 
- der Misswirtschaft gemäss Art. 165 Ziff. 1 StGB 
- der Drohung gemäss Art. 180 StGB i.V.m. Art. 180 Abs. 2 lit. b StGB 
- der sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB 
- der mehrfachen sexuellen Belästigung gemäss Art. 198 al. 2 StGB 
- der mehrfachen Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB  
4. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 3 erwähnten Bestimmungen und gestützt 
auf Art. 40, Art. 47 und Art. 49 Abs. 1 StGB zu 32 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.  
 
5. 
Die Untersuchungshaft von insgesamt 88 Tagen (12. – 14. August 2019 und 19. September 
2019 bis 12. Dezember 2019) wird gestützt auf Art. 51 StGB auf die zu vollziehende 
Freiheitsstrafe angerechnet. 
 
6. 
Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 und 43 StGB für 20 Monate Freiheitsstrafe der 
bedingte Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf Art. 44 Abs. 1 StGB auf 3 
Jahre festgesetzt. Der zu verbüssende Teil der Freiheitsstrafe macht damit 12 Monate 
abzüglich 88 Tage Untersuchungshaft aus. 
 

 - 3 - 

 

 

7. 
7.1. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 3 erwähnten Bestimmung und gestützt auf 
Art. 34, Art. 47 StGB und Art. 49 Abs. 1 StGB zu 110 Tagessätzen Geldstrafe verurteilt. 
Der Tagessatz wird auf Fr. 50.– festgesetzt. Die Geldstrafe beläuft sich auf Fr. 5'500.–.  
 
7.2. 
Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 Abs. 1 StGB für die Geldstrafe der bedingte 
Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf Art. 44 Abs. 1 StGB auf 3 Jahre 
festgesetzt. 
 
8. 
[…] 
 
9. 
9.1. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 3 erwähnten Bestimmungen und gestützt 
auf Art. 106 Abs. 1 StGB, Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB und teilweise in Verbindung 
mit Art. 42 Abs. 4 StGB zu einer Busse von Fr. 2'600.– verurteilt. 
 
9.2. 
Wird die Busse schuldhaft nicht bezahlt, so wird eine Ersatzfreiheitsstrafe von 52 Tagen 
vollzogen. 
 
10. 
10.1. 
Die Kostennote der unentgeltlichen Vertreterin der Zivil- und Strafklägerin 1, 
Rechtsanwältin Rosa Renftle, wird im Betrag von Fr. 11'640.75 (inkl. Fr. 832.25 MWSt) 
richterlich genehmigt. 
 
10.2. 
Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Zivil- und Strafklägerin 1 die Parteikosten im Umfang 
von 50% mit Fr. 5'820.35 zu ersetzen.  
 
10.3. 
Die Parteikosten der Zivil- und Strafklägerin 1 im Umfang von Fr. 5'820.40 gehen zu Lasten 
der Staatskasse und werden von der Zivil- und Strafklägerin 1 nicht zurückgefordert. 
 
10.4. 
Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Zivil- und Strafklägerin 1, B., betr. Selbstbehalt der 
Krankenkasse Fr. 264.05 zu bezahlen. Die Zinsforderung von 5% ab 11. August 2019 wird 
abgewiesen.  
 
10.5. 
Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Zivil- und Strafklägerin 1, B., eine Genugtuung von 
Fr. 1'000.– zuzüglich Zins seit 11. August 2019 zu bezahlen. 
 
11. 
11.1. 
Die Kostennote des amtlichen Verteidigers des Beschuldigten, Rechtsanwalt Fabian Blum, 
wird im Betrag von Fr. 29'117.45 (inkl. MwSt Fr. 2'081.75) richterlich genehmigt. 
 
11.2. 
Die Gerichtskasse Rheinfelden wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des 
Beschuldigten, Rechtsanwalt Fabian Blum, Fr. 29'117.45 (inkl. MwSt Fr. 2'081.75) zu 
bezahlen.  
 

 - 4 - 

 

 

12. 
Die Verfahrenskosten bestehen aus: 
a) der Gebühr von Fr. 3'000.00 
b) den Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr. 29'117.45 
c) den Kosten für die unentgeltl. Verbeiständung von Fr. 11'640.75 
d) den Kosten für Übersetzungen von Fr. 0.00 
e) den Kosten für Gutachten von Fr. 21'373.95 
f) den Kosten der Mitwirkung anderer Behörden von Fr. 903.50 
g) den Spesen von Fr. 124.00 
h) andere Auslagen Fr.  0.00 
i) Anklagegebühr Fr. 3'450.00 
Total Fr. 69'609.65 
 
Dem Beschuldigten werden die Kosten der Gutachten in Höhe von Fr. 21'373.95 auferlegt. 
Die Gebühr gemäss lit. a, die Anklagegebühr gemäss lit. i, die Kosten gemäss lit. f und g 
im Betrag von Fr. 7'477.50 werden dem Beschuldigten zu 2/3 in Höhe von Fr. 4'985.00 
auferlegt. Die übrigen Kosten in Höhe von Fr. 2'492.50 gehen zu Lasten der Staatskasse. 
 
12.1. 
Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die amtliche 
Verteidigung im Umfang von 2/3 Fr. 19'411.65 zurückzuzahlen, sobald es seine 
wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 
 
Die Kosten für die amtliche Verteidigung im Umfang von 1/3 Fr. 9'705.80 werden vom 
Beschuldigten nicht zurückgefordert.  
 
13. 
Die Kosten der Untersuchungshaft gehen zu Lasten des Staates.  

 

2. 

2.1. 

Mit Berufungserklärung vom 18. Juli 2022 beantragte der Beschuldigte 

einen Freispruch betreffend die Vorwürfe der Gefährdung des Lebens und 

der Drohung. Sodann beantragte er, er sei zu einer bedingten 

Freiheitsstrafe von 18 Monaten (anstelle einer teilbedingten Freiheitsstrafe 

von 32 Monaten) zu verurteilen und die vorinstanzlichen Verfahrenskosten 

seien ihm zur Hälfte aufzuerlegen. 

 

2.2. 

Die Berufungsverhandlung fand am 30. November 2022 statt. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen die Schuldsprüche in 

Bezug auf die Vorwürfe der Gefährdung des Lebens und der Drohung 

(Dispositivziffer 3 des angefochtenen Urteils), gegen die Strafzumessung 

betreffend die Freiheitsstrafe (Dispositivziffer 4 und 6), sowie gegen die 

Kostenverlegung (Dispositivziffer 12). Im Übrigen ist das vorinstanzliche 

 - 5 - 

 

 

Urteil nicht angefochten und entsprechend nicht zu überprüfen (Art. 404 

Abs. 1 StPO).  

 

2. 

2.1. 

Dem Beschuldigten wird im Anklagesachverhalt Ziff. 4 vorgeworfen, seiner 

damaligen Partnerin, B., am 25. Februar 2019 in der damaligen 

gemeinsamen Wohnung anlässlich eines Streits im Schlafzimmer mit 

seinen Händen Nase und Mund zugehalten zu haben. Diesen Griff habe er 

mindestens eine Minute aufrechterhalten, so dass B. Atemnot verspürt 

habe und es ihr schwindlig geworden sei. Währenddessen habe der 

Beschuldigte B. gegenüber geäussert, dass er sie umbringen werde, was 

diese ernst genommen habe. Dies habe der Beschuldigte zumindest in 

Kauf genommen und sich dadurch der Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 

i.V.m. Art. 180 Abs. 2 lit. b StGB schuldig gemacht. 

 

Von der im gleichen Sachverhalt angeklagten versuchten Tötung wurde der 

Beschuldigte von der Vorinstanz freigesprochen (vorinstanzliches Urteil, 

E. 7.4), was nicht angefochten worden ist. 

 

2.2. 

Der Beschuldigte bestreitet generell, dass es am 25. Februar 2019 zu 

einem Vorfall zwischen ihm und B. gekommen ist. An der Darstellung der 

Ereignisse von B. würden erhebliche Zweifel bestehen, weshalb ein 

Freispruch zu erfolgen habe (Plädoyer Berufungsverhandlung, S. 2 f.). 

 

2.3. 

2.3.1. 

Gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB wird auf Antrag bestraft, wer jemanden durch 

schwere Drohung in Schrecken oder Angst versetzt. Subjektiv muss der 

Täter im Bewusstsein handeln, dass eine bestimmte Drohung geeignet ist, 

jemanden mindestens möglicherweise in Angst oder Schrecken zu ver-

setzen und der Täter muss das wollen bzw. mindestens in Kauf nehmen. 

Hingegen ist kein Wille erforderlich, die Drohung in die Tat umzusetzen. 

 

Gemäss Art. 180 Abs. 2 lit. b StGB wird der Täter von Amtes wegen 

verfolgt, wenn der Lebenspartner das Opfer ist, sofern sie auf unbestimmte 

Zeit einen gemeinsamen Haushalt führen und die Drohung während dieser 

Zeit oder bis zu einem Jahr nach der Trennung begangen wurde. 

Unbestrittenermassen haben der Beschuldigte und B. im angeklagten 

Zeitpunkt in einer, wenn auch wechselhaften, Beziehung gelebt und einen 

gemeinsamen Haushalt geführt. Der Beschuldigte ist deshalb von Amtes 

wegen zu verfolgen. 

 

 - 6 - 

 

 

2.3.2. 

Am 11. August 2019 wurde durch den Bruder von B., C., der Polizei 

gemeldet, dass der Beschuldigte an seiner Schwester einen 

Vergewaltigungsversuch verübt habe (Untersuchungsakten [UA] act. 17). 

Anlässlich der delegierten Einvernahme von B. am 12. August 2019 

erklärte diese sodann auf Nachfrage, dass das Maximum, was sich der 

Beschuldigte bisher «geleistet» habe, gewesen sei, dass er sie solange 

gewürgt habe, bis ihr die Adern geplatzt seien (UA act. 435). Tags darauf 

reichte B. bezugnehmend auf den geltend gemachten schlimmsten Vorfall 

per Email verschiedene Fotos ihres Gesichts der Kantonspolizei ein und 

datierte diese Aufnahmen auf den 25. Februar 2019. Dabei machte sie 

bereits geltend, dass der Beschuldigte ihr an jenem Tag Mund und Nase 

zugehalten und dabei gesagt habe, dass er sie am liebsten umbringen 

würde (UA act. 708 ff.). In den nachfolgenden Einvernahmen schilderte B. 

den Vorfall vom 25. Februar 2019 stets auf gleiche Art und Weise. Der 

Beschuldigte habe sich von ihr trennen wollen, habe jedoch gesagt, dass 

sie ihn nicht lassen würde und er nicht von ihr loskäme. Im Rahmen dieses 

Streits habe er sich auf sie gelegt und ihr mit den Händen Nase und Mund 

zugehalten, sodass sie keine Luft mehr erhalten habe. Währenddessen 

habe ihr der Beschuldigte gesagt, dass er sie umbringe (UA act. 700 f. und 

745 ff.). Auch anlässlich ihrer Befragung an der Berufungsverhandlung 

konnte sich B. noch klar an den Vorfall vom 25. Februar 2019 erinnern, 

insbesondere daran, dass der Beschuldigte aus ihr unerklärlichen Gründen 

sehr wütend gewesen sei und ihr mit seiner Hand Mund und Nase 

zugehalten habe (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 5). 

 

Der Beschuldigte stellt grundsätzlich den ganzen Vorfall in Abrede (UA 

act. 728 f.; Plädoyer Beschuldigter anlässlich der Berufungsverhandlung, 

S. 2). 

 

Die Aussagen von B. sind glaubhaft. Ihre Schilderung, wie sich der 

Beschuldigte im Rahmen eines Streits selbst hochgeschaukelt habe und 

es am Ende darin gemündet habe, dass er ihr gegenüber handgreiflich 

geworden sei, sind schlüssig und nachvollziehbar und ergeben insgesamt 

ein stimmiges Bild. Sie konnte den Vorfall auch an einem konkreten 

Ereignis, ihrer Trennung, festmachen. Der Beschuldigte macht zwar 

geltend, dass er denke, dass sie sich vor dem 25. Februar 2019 getrennt 

hätten (UA act. 728), ohne jedoch konkret ein anderes Datum nennen zu 

können. Aus der Entstehungsgeschichte der Vorwürfe von B. kann 

grundsätzlich ausgeschlossen werden, dass B. den Beschuldigten zu 

Unrecht beschuldigen wollte. Einerseits hat der Bruder von B. die 

Untersuchung mit seiner Benachrichtigung der Polizei ins Rollen gebracht 

und der Vorfall vom 25. Februar 2019 wurde erst im Verlaufe dieser 

Untersuchung von B. geäussert, was wiederum gegen eine 

Falschbelastung spricht. Zudem hat B. den Beschuldigten auch nicht 

übermässig beschuldigt (vgl. UA act. 703) und machte auch geltend, dass 

 - 7 - 

 

 

sich der Beschuldigte im Anschluss auch bei ihr entschuldigt habe und sie 

nicht glaube, dass er sie habe töten wollen (UA act. 748 f.). Ebenfalls 

schilderte B. anlässlich der vorinstanzlichen Verhandlung den Kontakt zum 

Beschuldigten zwischenzeitlich als normal und die Übergabe der 

gemeinsamen Tochter klappe ohne Probleme (GA act. 34). Aus dem 

Aussageverhalten von B. ergeben sich damit keine Hinweise, dass sie den 

Beschuldigten ohne Not und ungerechtfertigt belasten würde. Sodann ist 

erstellt und vom Beschuldigten auch anerkannt, dass es während ihrer 

Beziehung mehrfach zu Streitereien und auch (gegenseitigen) tätlichen 

Auseinandersetzungen zwischen ihm und B. gekommen ist (vgl. z.B. UA 

act. 610 f.). Die als Zeugin einvernommene D., eine ehemals sehr gute 

Freundin des Beschuldigten, erklärte, dass die Beziehung des 

Beschuldigten und B. von gegenseitigen Beschimpfungen geprägt 

gewesen sei und der Beschuldigte ihr auch gesagt habe, dass er nach 

Provokationen seitens B. diese auch schon «gschüpft», «ghebt» und 

«packt» habe (UA act. 716 ff.). Damit erscheint auch eine wie von B. 

geschilderte Auseinandersetzung bei der Trennung durchaus plausibel. 

Dass sich B. anlässlich der Berufungsverhandlung nicht mehr an eine 

während dieses Vorfalls geäusserte Drohung erinnern konnte (vgl. 

Protokoll Berufungsverhandlung, S. 5), ändert daran nichts und ist 

einerseits mit dem Zeitablauf zu erklären und andererseits damit, dass in 

ihren Erzählungen stets der Wutanfall und das Mundzuhalten stärker im 

Vordergrund gestanden sind als die geäusserte Drohung. Bereits bei der 

Einvernahme vom 19. November 2019 hat B. jedoch klar und 

unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass der Beschuldigte ihr 

während des Zuhaltens von Mund und Nase gesagt habe, dass er sie 

umbringen werde (UA act. 701). 

 

In einer Gesamtbetrachtung lässt sich somit zusammenfassend erstellen, 

dass es am 25. Februar 2019 am Morgen im Rahmen eines Streits, in 

welchem es um die Trennung ging, zu einem tätlichen Übergriff des 

Beschuldigten auf B. gekommen ist. Während der Beschuldigte B. mit 

beiden Händen Mund und Nase zugehalten hat, hat er gedroht, sie 

umzubringen. 

 

2.3.3. 

Der Beschuldigte hat der ihm körperlich unterlegenen B. mit seinen Händen 

Nase und Mund zugehalten, sodass diese kurzzeitig keine Luft mehr 

bekommen hat. Gleichzeitig hat er dabei geäussert, dass er sie (B.) 

umbringe. Vor diesem Hintergrund ist die Todesdrohung zweifellos als 

Ankündigung künftigen Übels zu verstehen. Unter den gegebenen 

Umständen ist ein vernünftiger Mensch ohne weiteres geneigt, diesen 

Drohungen Glauben zu schenken und in Schrecken und Angst versetzt zu 

werden. B. selber hat in jenem Moment geglaubt, dass ihr Leben vorbei sei 

und der Beschuldigte sie nicht mehr loslassen würde (UA act. 702). 

Entsprechend hat sie seine Drohung ernst genommen. Dem Beschuldigten 

 - 8 - 

 

 

wiederum war in diesem Moment klar, dass die Situation für B. eine 

bedrohende war und er ihr mit den Worten «ich bringe dich um» Angst 

einjagen würde. Daher ist sowohl der objektive wie auch der subjektive 

Tatbestand erfüllt, und der Beschuldigte ist wegen Drohung gemäss 

Art. 180 StGB zu bestrafen. Die Berufung erweist sich in diesem Punkt als 

unbegründet. 

 

3. 

3.1. 

In Bezug auf den Anklagesachverhalt Ziff. 7 ist unbestritten, dass der 

Beschuldigte am 11. August 2019 B. nach den Aufräumarbeiten des 

Geburtstagsfests der gemeinsamen Tochter ins Schlafzimmer geführt hat 

und trotz ihrer Bekundungen, keinen Geschlechtsverkehr zu wollen, ihren 

Rock hochgeschoben, seine Kleidung ausgezogen und B. an der Vagina 

massiert und weitere sexuelle Handlungen vorgenommen hat. 

Entsprechend wurde er erstinstanzlich auch wegen sexueller Nötigung 

schuldig gesprochen (vorinstanzliches Urteil, E. 10.3.2), was vorliegend 

nicht angefochten ist. Ebenfalls nicht mehr angefochten ist der 

Schuldspruch wegen mehrfacher Beschimpfung (vorinstanzliches Urteil, 

E. 10.3.4), da der Beschuldigte beim Hinausgehen B. zwei Mal den 

Mittelfinger gezeigt und sie als Schlampe bezeichnet hat. 

 

Angefochten ist hingegen der vorinstanzliche Schuldspruch wegen 

Gefährdung des Lebens. Gemäss Anklage habe der Beschuldigte, als B. 

zu schreien begonnen habe, da dieser auf ihr draufgelegen sei und 

sexuelle Handlungen an ihr vorgenommen habe, ihr mit den Händen Mund 

und Nase zugehalten, sodass B. kurzzeitig keine Luft mehr bekommen 

habe. Als Folge dessen, dass der 84 Kilogramm schwere Beschuldigte auf 

der rund 40 Kilogramm schweren B. gelegen sei und ihr Mund und Nase 

zugehalten habe, habe diese Stauungsblutungen in den beiden 

Augenoberlidern erlitten und habe sich in akuter Lebensgefahr befunden. 

Dies habe der Beschuldigte erkannt, habe diese Handlungen aber 

gleichwohl durchgeführt, wobei er den Eintritt der durch ihn erkannten 

möglichen Folgen gewollt habe. 

 

3.2. 

Gemäss Art. 129 StGB macht sich der Gefährdung des Lebens schuldig, 

wer einen Menschen in skrupelloser Weise in unmittelbare Lebensgefahr 

bringt. 

 

In objektiver Hinsicht erfordert der Tatbestand den Eintritt einer konkreten 

unmittelbaren Lebensgefahr. Sie liegt vor, wenn sich aus dem Verhalten 

des Täters nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge direkt die 

Wahrscheinlichkeit oder nahe Möglichkeit der Todesfolge ergibt (BGE 133 

IV 1 E. 5.1). Dies setzt nicht voraus, dass die Wahrscheinlichkeit des Todes 

grösser sein muss als jene seines Ausbleibens. Die Gefahr muss 

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 - 9 - 

 

 

unmittelbar, nicht aber unausweichlich erscheinen. Nach der 

Rechtsprechung ist in der Regel bereits von einer unmittelbaren 

Lebensgefahr auszugehen, wenn der Täter das Opfer stranguliert, ohne 

ihm ernsthafte Verletzungen beizufügen und ohne, dass das Opfer 

ohnmächtig wird (BGE 124 IV 53 E. 2; Urteil des Bundesgerichts 

6B_758/2018 vom 24. Oktober 2019 E. 2.1). Bei Würgevorfällen können 

Durchblutungsstörungen des Gehirns zu einem Sauerstoffmangel führen 

und dort relativ rasch irreversible Schädigungen verursachen. Das Gehirn 

ist ein lebenswichtiges Organ, womit dessen irreversible Schädigung zum 

Tod führen kann. Diese Kausalverläufe setzen ein gewisses Ausmass der 

Gewalt voraus, welches mittels rechtsmedizinischer, objektivierbarer 

Feststellungen sowie durch Angaben des Opfers eruiert werden kann. Zu 

relevanten Strangulationsfolgen gehören unter anderem Atemnot, 

Würgemale, Urin- und Stuhlabgang sowie punktförmige Stauungs-

blutungen an den Augenbindehäuten, wobei eine Kombination mehrerer 

Symptome grundsätzlich nicht erforderlich ist (Urteil 6B_1258/2020 vom 

12. November 2021 E. 1.4 mit Hinweisen). 

 

Der subjektive Tatbestand verlangt bezüglich der unmittelbaren 

Lebensgefahr direkten Vorsatz; Eventualvorsatz genügt nicht (BGE 133 IV 

1 E. 5.1). Bei sicherem Wissen um den Eintritt der tödlichen Verletzung liegt 

Tötungsvorsatz vor, so dass die Art. 111 ff. StGB eingreifen (zur echten 

Konkurrenz von Art. 129 StGB und Art. 117 StGB vgl. BGE 136 IV 76 

E. 2.7). Eine Verurteilung wegen Art. 129 StGB fällt daher nur in Betracht, 

wenn der Täter trotz der erkannten Lebensgefahr handelt, aber darauf 

vertraut, die Gefahr werde sich nicht realisieren (BGE 136 IV 76 E. 2.4). 

Weiter erfordert der Tatbestand skrupelloses Handeln. Skrupellos ist ein in 

schwerem Grade vorwerfbares, ein rücksichts- oder hemmungsloses 

Verhalten (BGE 133 IV 1 E. 5.1). Je grösser die vom Täter geschaffene 

Gefahr ist und je weniger seine Beweggründe zu billigen sind, desto eher 

ist die Skrupellosigkeit zu bejahen. Diese liegt stets vor, wenn die 

Lebensgefahr aus nichtigem Grund geschaffen wird oder deutlich 

unverhältnismässig erscheint, so dass sie von einer tiefen Geringschätzung 

des Lebens zeugt (Urteil des Bundesgerichts 6B_698/2017 vom 

13. Oktober 2017 E. 4.2 mit Hinweisen). 

 

3.3. 

3.3.1. 

Gemäss dem Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin des Kantonsspitals 

Aarau vom 21. August 2019 (UA act. 354 ff.) wurden bei B. anlässlich der 

Untersuchung vom 12. August 2019 Stauungsblutungen in beiden 

Augenoberlidern festgestellt, welche bei der Nachuntersuchung vom 

23. August 2019 fehlten. Diese Stauungsblutungen können einerseits 

durch das von B. angegebene Zuhalten von Mund und Nase erklärt 

werden. Andererseits ist in Anbetracht der Schilderungen von B. alternativ 

bzw. zusätzlich ein sog. «Burking» in Betracht zu ziehen. Dabei kommt es 

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 - 10 - 

 

 

zu einer Behinderung der Atembewegungen infolge Brustkorb-

kompressionen durch Knien, Sitzen oder Lehnen auf dem Oberkörper einer 

anderen Person, in Kombination mit einer Verlegung der Atemwege. 

Stauungsblutungen sind in der Regel höchstens ein bis zwei Tage nach 

dem schädigenden Ereignis nachweisbar. B. ist erst ca. 28 bis 30 Stunden 

nach dem Übergriff untersucht worden, weshalb es möglich erscheint, dass 

ein allfällig vorhandenes, initial deutlich stärker ausgeprägtes Stauungs-

syndrom bereits weitgehend abgeklungen war. 

 

3.3.2. 

Der Beschuldigte erklärte seinen Griff über den Mund von B. so, dass er 

dies aus Reflex gemacht habe, weil sie geschrien habe, er sei einfach 

erschrocken. Falls er ihr dabei auch die Nase zugehalten habe, so sei dies 

nicht absichtlich geschehen (UA act. 486 f.). Weiter führte er aus, dass, als 

er sich die Hose abgestreift habe, nach vorne auf B. gekippt sei (UA 

act. 488). B. selber schilderte den Vorfall so, dass sie geschrien habe und 

der Beschuldigte ihr dann mit der Hand den Mund zugehalten habe, es sei 

jedoch nicht lange gewesen und «einfach in blöder Position», auch etwas 

über die Nase, aber wohl aus Versehen (UA act. 418, 424 und 431). Auch 

führte sie aus, dass der Beschuldigte sie vorne runtergedrückt habe, als er 

seine Hose inkl. Boxershorts runtergeschoben habe (UA act. 424).  

 

3.3.3. 

Die objektiven Anzeichen der festgestellten Stauungsblutung weisen 

grundsätzlich auf eine bestehende Lebensgefahr hin. Unklar ist, welche 

Handlungen des Beschuldigten diese Stauungsblutungen verursacht 

haben. B. schilderte, dass das Zudrücken des Mundes nur kurz gedauert 

und sie fast keine Luft mehr bekommen habe (UA act. 418 und 424). Da 

sie gemäss eigenen Aussagen gleich danach weitergeschrien habe (UA 

act. 418), kann der Luftmangel nicht besonders gross gewesen sein. In der 

freien Erzählung hat B. sodann dem Mundzuhalten auch keine grosse 

Bedeutung zugemessen. Sie erwähnte vor allem den sexuellen Übergriff 

und wies nur kurz darauf hin, dass der Beschuldigte ihr den Mund 

zugehalten habe (UA act. 414). Daher erscheint es naheliegender, dass die 

Stauungsblutungen, wie im Gutachten erwähnt (vgl. UA act. 356), von 

einem sog. «Burking» resp. von einer Kombination des Zuhaltens der 

Mund- und Nasenpartie und des Runterdrückens des Oberkörpers von B. 

herrührten. Zwar kann unter diesen Umständen der objektive Tatbestand 

der Gefährdung des Lebens bejaht werden. Aus den Schilderungen von B. 

sowie des Beschuldigten kann Letzterem jedoch kein direkter Vorsatz in 

Bezug auf die unmittelbare Lebensgefahr unterstellt werden. Einerseits 

ging selbst B. nicht davon aus, dass der Beschuldigte ihr vorsätzlich Mund 

und Nase zugehalten hat. Beide haben übereinstimmend ausgesagt, dass 

der Beschuldigte dies nach einem Schrei von B. gemacht hat, weshalb es 

naheliegt und auch nachvollziehbar erscheint, dass der Beschuldigte B. 

damit vom Schreien hat abhalten wollen, ohne dass er ihr mit dem Zuhalten 

 - 11 - 

 

 

von Mund und Nase die Luft hat abschneiden wollen. Schon gar nicht kann 

ihm unterstellt werden, durch das simultane Mund- und Nasenzudrücken 

sowie das nach vorne Drücken von B., also durch sog. «Burking», B. gezielt 

in Lebensgefahr gebracht zu haben. Es liegen weder in den Schilderungen 

von B. noch des Beschuldigten Hinweise vor, die zweifellos aufzeigen, dass 

dem Beschuldigten eine bestehende Lebensgefahr bekannt gewesen wäre 

und er dennoch handelte. Entsprechend lässt sich der subjektive 

Tatbestand nicht erstellen und der Beschuldigte ist vom Vorwurf der 

Gefährdung des Lebens freizusprechen. Damit erweist sich die Berufung 

in diesem Punkt als begründet. 

 

4. 

4.1. 

Zusammenfassend ist der Beschuldigte somit der Drohung gemäss 

Art. 180 StGB, der sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB, der 

mehrfachen sexuellen Belästigung gemäss Art. 198 StGB, der mehrfachen 

Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB und der Misswirtschaft 

gemäss Art. 165 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen und dafür angemessen 

zu bestrafen. 

 

4.2. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten – ausgehend auch von einem 

Schuldspruch wegen Gefährdung des Lebens – zu einer teilbedingten 

Freiheitsstrafe von 32 Monaten mit einem bedingt vollziehbaren Anteil von 

20 Monaten und einem unbedingten Anteil von 12 Monaten, einer 

bedingten Geldstrafe von 110 Tagessätzen à Fr. 50.00 sowie einer 

Übertretungs- und Verbindungsbusse von insgesamt Fr. 2'600.00 

verurteilt. 

 

4.3. 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung – unter Annahme von 

Freisprüchen betreffend die Vorwürfe der Drohung und der Gefährdung des 

Lebens – eine Verurteilung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 

18 Monaten. 

 

Die von der Vorinstanz für die Misswirtschaft und die Beschimpfungen 

ausgesprochene Geldstrafe sowie die für die sexuellen Belästigungen 

ausgesprochene Busse sind mit Berufung nicht angefochten worden, womit 

es sein Bewenden hat. 

 

4.4. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen). 

Darauf kann verwiesen werden. 

 

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 - 12 - 

 

 

4.5. 

Sowohl die sexuelle Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB als auch die 

Drohung gemäss Art. 180 StGB sehen als Strafe alternativ Freiheits- oder 

Geldstrafe vor. Bei der Wahl der Sanktionsart sind neben dem Verschulden 

unter Beachtung des Prinzips der Verhältnismässigkeit als wichtige 

Kriterien die Zweckmässigkeit und Angemessenheit einer bestimmten 

Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie 

ihre Wirksamkeit unter dem Gesichtswinkel der Prävention zu 

berücksichtigen (BGE 147 IV 241 E. 3; BGE 134 IV 97 E. 4.2; BGE 134 IV 

82 E. 4.1).  

 

Der Beschuldigte verfügt über zwei nicht einschlägige Vorstrafen. Mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg vom 

27. August 2013 wurde er wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand zu 

einer unbedingten Geldstrafe von 25 Tagessätzen à Fr. 70.00, d.h. 

Fr. 1'750.00, und mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Rheinfelden-

Laufenburg vom 24. April 2018 wegen Führens eines Motorfahrzeugs trotz 

Verweigerung, Entzugs oder Aberkennung des Ausweises zu einer 

unbedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen à Fr. 70.00, d.h. Fr. 2'100.00, 

verurteilt. Wie zu zeigen sein wird, ist aufgrund der jeweiligen Schwere des 

Verschuldens sowohl für die sexuelle Nötigung als auch die Drohung auf 

eine Freiheitsstrafe zu erkennen. 

 

4.6. 

4.6.1. 

Die Einsatzstrafe ist für die qua Strafrahmen schwerste Straftat, d.h. die 

sexuelle Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB, festzusetzen. Dazu ergibt 

sich Folgendes: 

 

Die sexuelle Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB wird mit Freiheitsstrafe 

bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe bestraft. Das Gericht misst die Strafe 

innerhalb des Strafrahmens nach dem Verschulden zu (Art. 47 Abs. 1 

StGB). Ausgangspunkt ist die Schwere der Verletzung oder Gefährdung 

des betroffenen Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB). Der Tatbestand der 

sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 StGB schützt die sexuelle Freiheit und 

Selbstbestimmung (BGE 146 IV 153). 

 

Der Beschuldigte hat B. mehrmals an die Vagina gefasst und diese 

massiert und auch mit seinem erigierten Penis den Scheideneingang 

berührt. Damit hat er B. massiv bedrängt und ihre mehrfache und 

ausdrücklich zum Ausdruck gebrachte Zurückweisung ignoriert. Nichts zu 

seinen Gunsten ableiten lässt sich von der Tatsache, dass der 

Beschuldigte schliesslich aus eigenen Stücken von B. abliess und den 

Geschlechtsakt nicht gegen ihren Willen durchführte, da sich dies bereits 

in der Subsumption unter den Tatbestand der sexuellen Nötigung und eben 

nicht der Vergewaltigung niederschlägt. Die vom Beschuldigten 

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 - 13 - 

 

 

vorgenommenen Handlungen sind nicht zu bagatellisieren, im 

vergleichsweise grossen Spektrum möglicher sexueller Nötigungen 

handelt es sich jedoch nicht um besonders eingriffsintensive Handlungen 

wie z.B. eine orale oder anale Penetration, sondern um vergleichsweise 

kurze Berührungen der Vagina mit den Fingern und dem Penis des 

Beschuldigten. Entsprechend kann nicht von einer schweren 

Beeinträchtigung der sexuellen Freiheit und Selbstbestimmung von B. 

ausgegangen werden. 

 

Was die Art und Weise bzw. die Verwerflichkeit des Handelns angeht, so 

ist dieses nicht wesentlich über die Erfüllung des Tatbestands, der ein 

Nötigungselement voraussetzt, hinausgegangen, was sich neutral 

auswirkt. Insbesondere sind keine massiven Gewalttätigkeiten, schweren 

Drohungen oder ein über die Nötigung hinausgehender Unterwerfungs- 

und Beherrschungswille gegenüber B. erstellt. Der sexuellen Nötigung ist 

– wie bei der Vergewaltigung – eine sexuelle sowie egoistische Motivation 

immanent, was für sich allein nicht verschuldenserhöhend zu berück-

sichtigen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6P.194/2001 vom 3. Dezember 

2002 E. 7.4.2). Hingegen wirkt sich verschuldenserhöhend aus, dass der 

Beschuldigte über ein sehr grosses Mass an Entscheidungsfreiheit verfügt 

hat. Seine Einsichts- und Steuerungsfähigkeit waren nicht eingeschränkt 

(vgl. dazu auch das Gutachten vom 27. Februar 2020, S. 41, UA act. 1055) 

und es sind auch sonst keine Umstände ersichtlich, welche die 

Entscheidungsfreiheit des Beschuldigten als subjektiv eingeschränkt 

erscheinen lassen könnten. Daran ändert auch nichts, dass der 

Beschuldigte gemäss B. an einer «Sexsucht» gelitten haben soll. Je 

leichter es aber für ihn gewesen wäre, die sexuelle Integrität von B. zu 

respektieren, desto schwerer wiegt die Entscheidung dagegen und damit 

sein Verschulden (vgl. BGE 117 IV 112 E. 1 S. 114 mit Hinweisen). 

 

Insgesamt ist in Relation zum breiten Spektrum möglicher sexueller 

Nötigungshandlungen von einem vergleichsweise noch leichten 

Tatverschulden und einer dafür angemessenen Einsatzstrafe von 

18 Monaten auszugehen. 

 

4.6.2. 

Die Einsatzstrafe ist aufgrund der Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB 

in Anwendung des Asperationsprinzips angemessen zu erhöhen. Dazu 

ergibt sich Folgendes: 

 

Wer jemanden in Schrecken oder Angst versetzt, wird mit Freiheitsstrafe 

bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. Der Tatbestand der Drohung 

schützt den inneren Frieden sowie das Gefühl von Sicherheit (BGE 141 IV 

1 E. 3.2.2). Der Beschuldigte hat B. im Rahmen eines tätlichen Streits 

angedroht, sie umzubringen. Es handelt sich dabei um eine gegen das 

Leben und somit das höchste Rechtsgut überhaupt gerichtete Drohung. 

 - 14 - 

 

 

Diese hat B. im Zeitpunkt der ausgesprochenen Drohung in ihrem 

Sicherheitsgefühl sehr stark eingeschränkt, hat sie doch damit gerechnet, 

dass ihr Leben nun vorbei sein könnte. Relativiert wird die Auswirkung der 

Drohung dadurch, dass sich diese Todesangst, nachdem der Beschuldigte 

von B. abgelassen hatte, relativ rasch verflüchtigt hat, wovon auch die 

späteren Treffen mit dem Beschuldigten zeugen. Mithin ist B. im 

Tatzeitpunkt zwar sehr intensiv, nachher aber nicht mehr nachhaltig in 

ihrem inneren Frieden und ihrem Gefühl von Sicherheit eingeschränkt 

gewesen. 

 

Die Art und Weise des Tatvorgehens ist nicht über die blosse Erfüllung des 

Tatbestands hinausgegangen, was sich neutral auswirkt. Der Auslöser der 

Drohung war ein vom Beschuldigten vom Zaun gebrochener Streit, 

anlässlich welchem er sich emotional immer weiter hochgeschaukelt hat. 

Dennoch verfügte er über ein grosses Mass an Entscheidungsfreiheit, was 

sich leicht verschuldenserhöhend auswirkt. 

 

Insgesamt ist von einem mittelschweren Verschulden und einer dafür 

angemessenen Einzelstrafe von 9 Monaten auszugehen. Im Rahmen der 

Asperation ist zu berücksichtigen, dass sich die Drohung zwar ebenfalls 

gegen B. gerichtet hat, im Übrigen aber kein enger Zusammenhang zur 

sexuellen Nötigung, für welche die Einsatzstrafe festgesetzt worden ist, 

vorliegt. Entsprechend hoch ist der Gesamtschuldbeitrag der Drohung zu 

veranschlagen. Angemessen erscheint eine Erhöhung der Einsatzstrafe 

um 6 Monate auf 24 Monate Freiheitsstrafe. 

 

4.6.3. 

Im Rahmen der Täterkomponente fallen die zwei Vorstrafen leicht negativ 

ins Gewicht. Der Beschuldigte wurde am 27. August 2013 mit Strafbefehl 

der Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg wegen Führens eines 

Motorfahrzeugs in angetrunkenem Zustand mit qualifizierter 

Blutalkoholkonzentration zu einer unbedingten Geldstrafe von 

25 Tagessätzen à Fr. 70.00, und mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Rheinfelden-Laufenburg vom 24. April 2018 wegen Führens eines 

Motorfahrzeuges trotz Verweigerung, Entzug oder Aberkennung des 

Ausweises zu einer unbedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 

Fr. 70.00 verurteilt. Auch wenn es sich dabei nicht um einschlägige Delikte 

handelt, so hat der Beschuldigte doch gezeigt, dass er nicht genügende 

Lehren aus seinem Fehlverhalten gezogen hat (BGE 136 IV 1 E. 2.6.2). Es 

ist jedoch zu beachten, dass aus dem täterbezogenen Strafzumessungs-

kriterium der Vorstrafen nicht indirekt ein tatbezogenes Kriterium gemacht 

wird. Mithin dürfen diese Vorstrafen nicht wie eigenständige Delikte 

gewürdigt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_18/2022 vom 23. Juni 

2022 E. 2.6.1 mit Hinweisen). 

 

 - 15 - 

 

 

Strafmindernd ist zu berücksichtigen, dass sich der Beschuldigte in Bezug 

auf die sexuelle Nötigung von Anfang geständig gezeigt hat und bereits 

anlässlich der Verhandlung vor dem Zwangsmassnahmengericht am 

14. August 2019 die ihm zum Vorwurf gemachte sexuelle Nötigung 

anerkannt hatte (vgl. UA act. 56). Insofern hat er die Untersuchung in 

diesem Punkt ohne weiteres vereinfacht und beschleunigt. Hingegen hat 

der Beschuldigte den Vorwurf der Drohung auch noch im 

Berufungsverfahren bestritten. Zwar muss sich der Beschuldigte nicht 

selbst belasten (vgl. Art. 113 Abs. 1 StPO). Unter diesen Umständen ist 

aber eine erhebliche Strafminderung, wie sie bei einem vollumfänglich 

geständigen, einsichtigen und reuigen Täter möglich ist, ausgeschlossen.  

 

Weitere strafzumessungsrelevante Faktoren sind nicht ersichtlich resp. 

wirken sich neutral aus. Insbesondere ist nicht von einer besonderen 

Strafempfindlichkeit auszugehen. Eine erhöhte Strafempfindlichkeit lässt 

sich nur bei aussergewöhnlichen Umständen bejahen (statt vieler: Urteil 

des Bundesgerichts 6B_18/2022 vom 23. Juni 2022 E. 2.6.1 mit 

Hinweisen). Solche sind vorliegend nicht gegeben.  

 

Insgesamt überwiegen aufgrund des Geständnis in Bezug auf die sexuelle 

Nötigung die positiven Faktoren, so dass es sich rechtfertigt, die 

Täterkomponente im Umfang von 3 Monaten strafmindernd zu 

berücksichtigen. 

 

4.7. 

Zusammengefasst erscheint dem Obergericht eine Freiheitsstrafe von 

21 Monaten als dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des 

Beschuldigten angemessen. 

 

4.8. 

Das Gericht schiebt den Vollzug einer Freiheitsstrafe von mindestens 

sechs Monaten und höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine 

unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der 

Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 

StGB). Die Prüfung, ob der Beschuldigte für ein dauerndes Wohlverhalten 

Gewähr bietet, setzt eine Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände 

voraus. In die Beurteilung mit einzubeziehen sind neben den Tatumständen 

auch das Vorleben und der Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, die 

gültige Schlüsse auf den Charakter des Täters und die Aussichten einer 

Bewährung zulassen. Dabei sind die persönlichen Verhältnisse bis zum 

Zeitpunkt des Entscheids mit einzubeziehen (BGE 134 IV 1 E. 4.2.1). Der 

Strafaufschub ist die Regel, von der grundsätzlich nur bei ungünstiger 

Prognose abgewichen werden darf. Er hat im breiten Mittelfeld der 

Ungewissheit den Vorrang (BGE 134 IV 1 E. 4.2.2). 

 

 - 16 - 

 

 

Der Beschuldigte weist zwei nicht einschlägige Vorstrafen auf. Mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg vom 

27. August 2013 wurde er wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand zu 

einer unbedingten Geldstrafe von 25 Tagessätzen à Fr. 70.00, d.h. 

Fr. 1'750.00, und mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Rheinfelden-

Laufenburg vom 24. April 2018 wegen Führens eines Motorfahrzeugs trotz 

Verweigerung, Entzugs oder Aberkennung des Ausweises zu einer 

unbedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen à Fr. 70.00, d.h. Fr. 2'100.00, 

verurteilt. Diese – unbedingt ausgesprochenen – Geldstrafen haben den 

Beschuldigten nicht von der Begehung weiterer und deutlich schwerer 

wiegenden Straftaten abhalten können, was bei der Prognosestellung als 

ungünstiges Element zu gewichten ist. Zu beachten ist allerdings, dass es 

sich um zwei Strafen am untersten Ende des Strafrahmens und somit 

eigentliche Bagatellstrafen aus dem Bereich der Strassenverkehrs-

gesetzgebung gehandelt hat. Mithin sind diese Vorstrafen nicht geeignet, 

dem Beschuldigten eine eigentliche Schlechtprognose zu stellen, zumal 

dem Beschuldigten noch nie eine Freiheitsstrafe angedroht worden ist. 

Hinzu kommt, dass er sich aufgrund des vorliegenden Strafverfahren für 88 

Tage in Untersuchungshaft befunden hat. Es ist daher davon auszugehen, 

dass diese Erfahrung genügend einschneidend gewesen ist, um ihn 

zukünftig vom Delinquieren abzuhalten, zumal bei einem Rückfall während 

der Probezeit der Vollzug einer einschneidenden Freiheitsstrafe droht. 

 

Gemäss dem forensisch-psychiatrischen Gutachten vom 27. Februar 2020 

hat beim Beschuldigten zum Zeitpunkt der ihm vorgeworfenen Straftaten 

ein schädlicher Gebrauch von Alkohol und Kokain sowie eine 

Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und 

Sozialverhalten bestanden, welche jedoch zum Zeitpunkt Januar 2020 

weitgehend remittiert war. Die Rückfallgefahr wurde als gering bis 

höchstens moderat eingeschätzt. Insbesondere seien erneute Straftaten 

dann zu erwarten, wenn sich wiederum ein Teufelskreis von emotionaler 

Beeinträchtigung, gestörter Nähe-Distanzregulation und Substanzkonsum 

ausbilde (UA act. 1054 f.). Aufgrund der Unschuldsvermutung muss offen 

bleiben, was es mit dem am 6. September 2022 von der Staatsanwaltschaft 

des Kantons Basel-Stadt wegen Schändung eröffneten Strafverfahren auf 

sich hat. Allein der Umstand der Eröffnung eines neuen Strafverfahrens 

kann sich bei der Prognosestellung nicht zum Nachteil des Beschuldigten 

auswirken. Nachdem sich der Kontakt zu B. beruhigt hat resp. auf ein 

Minimum beschränkt ist und die Übergaben der gemeinsamen Kinder über 

die Tagesmutter laufen (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 3 und 10), und 

der Beschuldigte gemäss eigenen Angaben derzeit weder Alkohol noch 

Drogen konsumiert (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 11), kann dem 

Beschuldigten auch gestützt auf die gutachterliche Einschätzung keine 

eigentliche Schlechtprognose gestellt werden. 

 

 - 17 - 

 

 

Bei einer Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände, die einen 

gültigen Rückschluss auf seine Bewährung erlauben, ist dem 

Beschuldigten zwar keine vorbehaltlos gute Prognose, jedoch auch keine 

eigentliche Schlechtprognose zu stellen. Davon ist auch die Vorinstanz 

ausgegangen, wäre bei einer Schlechtprognose doch auch ein bloss 

teilweiser Aufschub der Strafe ausgeschlossen gewesen (BGE 134 IV 1 

E. 5.3.1). Ihm ist somit für die Freiheitsstrafe von 21 Monaten der bedingte 

Strafvollzug zu gewähren. Den nicht unerheblichen Bedenken an seiner 

Legalbewährung ist mit einer erhöhten Probezeit von 3 Jahren Rechnung 

zu tragen (Art. 44 Abs. 1 StGB). 

 

4.9. 

Zusammengefasst ist der Beschuldigte zu einer bedingten Freiheitsstrafe 

von 21 Monaten, Probezeit 3 Jahre, zu einer bedingten Geldstrafe von 

110 Tagessätzen à Fr. 50.00, Probezeit je 3 Jahre, sowie zu einer Busse 

von Fr. 2'600.00, ersatzweise 52 Tage Freiheitsstrafe, zu verurteilen. 

 

5. 

5.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei 

im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon 

ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge 

gutgeheissen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_330/2016 vom 

10. November 2017 E. 4.3). 

 

Der Beschuldigte obsiegt mit seinem Antrag auf Freispruch vom Vorwurf 

der Gefährdung des Lebens und teilweise im Hinblick auf die 

Strafzumessung. Mit seinem Antrag, vom Vorwurf der Drohung 

freigesprochen zu werden, unterliegt er. Bei diesem Ausgang des 

Verfahrens sind die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 

dem Beschuldigten zur Hälfte aufzuerlegen und im Übrigen auf die 

Staatskasse zu nehmen. 

 

5.2. 

Der amtliche Verteidiger ist gestützt auf seine anlässlich der Berufungs-

verhandlung eingereichten Kostennote, angepasst an die effektive Dauer 

der Berufungsverhandlung mit gerundet Fr. 3'595.00 (inkl. Auslagen und 

Mehrwertsteuer) aus der Staatskasse zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 

StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 3bis AnwT). 

 

6. 

6.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz einen neuen Entscheid, so befindet sie darin 

auch über die von der Vorinstanz getroffenen Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person 

 - 18 - 

 

 

die Kosten, wenn sie verurteilt wird. Wird sie teilweise freigesprochen, so 

sind ihr die Verfahrenskosten anteilsmässig aufzuerlegen. 

 

Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten die erstinstanzlichen 

Verfahrenskosten zu 2/3 auferlegt. Unter Berücksichtigung des im 

Berufungsverfahrens erfolgten Freispruchs vom Vorwurf der Gefährdung 

des Lebens und bei einer Gewichtung der ergangenen Einstellungen und 

Freisprüche rechtfertigt es sich, auch die erstinstanzlichen 

Verfahrenskosten dem Beschuldigten nur zur Hälfte aufzuerlegen. 

 

6.2. 

Die dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochene Entschädigung von Fr. 29'117.45 ist mit Berufung nicht 

angefochten worden, weshalb darauf im Berufungsverfahren nicht mehr 

zurückgekommen werden kann (Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 

vom 28. Januar 2019). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zur Hälfte mit Fr. 14'558.75 

zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 

(Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

6.3. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten verpflichtet, der Privatklägerin B. die 

Parteikosten für die unentgeltliche Vertreterin im Umfang von 50 % mit 

Fr. 5'820.35 (von insgesamt Fr. 11'640.75 inkl. MwSt.) zu ersetzen. Die 

Höhe der Entschädigung der unentgeltlichen Vertreterin der Privatklägerin 

B. ist im Berufungsverfahren unbestritten geblieben, weshalb darauf nicht 

zurückgekommen werden kann. Entgegen der Vorinstanz wäre der 

Stundenansatz jedoch mit Fr. 200.00 und nicht mit Fr. 220.00 zu 

veranschlagen (vgl. § 9 Abs. 3bis AnwT). Zudem verkennt die Vorinstanz, 

dass wenn der Privatklägerin – wie vorliegend – die unentgeltliche 

Rechtspflege gewährt worden ist, diese keine Anwaltskosten zu bezahlen 

hat. Ihr ist daher kein Schaden entstanden, den sie auf Grundlage von 

Art. 433 StPO geltend machen könnte (Urteil des Bundesgerichts 

6B_234/2013 vom 8. Juli 2013 E. 5.2) und schon gar nicht adhäsionsweise 

als Zivilforderung gemäss Art. 122 StPO. Die unentgeltliche 

Rechtsbeiständin ist vielmehr aus der Staatskasse zu bezahlen, wobei der 

Beschuldigte diese Kosten nur trägt, wenn er sich in günstigen 

wirtschaftlichen Verhältnissen befindet (Art. 426 Abs. 4 StPO). Dies ist 

vorliegend nicht der Fall. 

 

7. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). 

 

 - 19 - 

 

 

 
    

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

1.1. [in Rechtskraft erwachsen] 

Das Strafverfahren wird hinsichtlich des Vorwurfs der Sachbeschädigung, 

des Hausfriedensbruchs und der Tätlichkeiten eingestellt. 

 

1.2. 

Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf 

- der mehrfachen versuchten vorsätzlichen Tötung [in Rechtskraft 

erwachsen]; 

- der mehrfachen, teilweise versuchten, einfachen Körperverletzung [in 

Rechtskraft erwachsen]; 

- der versuchten Vergewaltigung [in Rechtskraft erwachsen]; 

- der Gefährdung des Lebens. 

 

2. 

Der Beschuldigte ist schuldig  

- der sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB [in Rechtskraft 

erwachsen]; 

- der Drohung gemäss Art. 180 StGB; 

- der Misswirtschaft gemäss Art. 165 Ziff. 1 StGB [in Rechtskraft 

erwachsen]; 

- der mehrfachen sexuellen Belästigung gemäss Art. 198 StGB [in 

Rechtskraft erwachsen]; 

- der mehrfachen Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB [in 

Rechtskraft erwachsen]. 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte wird gemäss den in Ziff. 2 genannten Bestimmungen 

sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 40 StGB, 

Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 und 4 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB und Art. 106 

StGB  

 

zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 21 Monaten, Probezeit 3 Jahre, 

 

einer bedingten Geldstrafe von 110 Tagessätzen à Fr. 50.00, d.h. 

Fr. 5'500.00, Probezeit je 3 Jahre,  

 

und einer Busse von Fr. 2'600.00 (Übertretungsbusse Fr. 1'500.00; 

Verbindungsbusse Fr. 1'100.00), ersatzweise 52 Tage Freiheitsstrafe, 

 

verurteilt. 

 

 - 20 - 

 

 

3.2. 

Die Untersuchungshaft von insgesamt 88 Tagen (12. bis 14. August 2019 

und 19. September bis 12. Dezember 2019) wird gestützt auf Art. 51 StGB 

auf die Freiheitsstrafe angerechnet. 

 

4. [in Rechtskraft erwachsen] 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B. Schadenersatz von 

Fr. 264.05 und eine Genugtuung von Fr. 1'000.00 nebst Zins zu 5 % seit 

dem 11. August 2019 zu bezahlen. 

 

5. 

5.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 werden dem 

Beschuldigten zur Hälfte mit Fr. 2'000.00 auferlegt. 

 

5.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des 

Beschuldigten für das Berufungsverfahren eine Entschädigung von 

Fr. 3'595.00 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zur Hälfte mit Fr. 1'797.50 

zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

6. 

6.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 28'851.45 (inkl. Anklage-

gebühr von Fr. 3'450.00 und Gutachtenskosten von Fr. 21'373.95) werden 

dem Beschuldigten zur Hälfte mit Fr. 14'425.75 auferlegt. 

 

6.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten für 

das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 29'117.45 

auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zur Hälfte mit Fr. 14'558.75 

zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

6.3. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, der unentgeltlichen Rechtsbeiständin der 

Privatklägerin B. für das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von 

Fr. 11'640.75 auszurichten. 

 

 

 Zustellung an: 

 - 21 - 

 

 

[…] 

 
   

Hinweis zur Bedeutung der bedingt ausgesprochenen Strafe  

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer ausgefällten bedingten Geld- oder Freiheitsstrafe wird der Vollzug aufgeschoben. 

Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren angesetzt. Hat 

sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird die aufgeschobene Strafe 

nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass die Geldstrafe dann nicht zu 

bezahlen bzw. die Freiheitsstrafe nicht anzutreten ist. Begeht der Verurteilte während der 

Probezeit aber ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere 

Straftaten verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 

Abs. 1 StGB).  

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

  

 - 22 - 

 

 

   

Aarau, 30. November 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Six     L. Stierli