# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 839a7259-eebf-5be9-b684-761afb2f4b38
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-11-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.11.2011 E-366/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-366-2008_2011-11-21.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­366/2008

U r t e i l   v om   2 1 .   No v embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Daniel Willisegger (Vorsitz), Richter Bruno Huber, 
Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, 
Gerichtsschreiber Tobias Meyer.

Parteien A. _______, geboren (…),
Eritrea, 
vertreten durch Daniel Habte, 
Beschwerdeführerin, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, 
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 18. Dezember 2007 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Die  Beschwerdeführerin,  eine  Staatsangehörige  Eritreas,  verliess  nach 
eigenen Angaben  ihr Heimatland  am 10. Juli  2005  und  gelangte  in  den 
Sudan, wo sie sich ca. ein Jahr aufhielt. Danach verliess sie den Sudan 
und  gelangte  über  Ägypten  und  Frankreich  am  13. Juli  2006  in  die 
Schweiz, wo  sie  gleichentags  um Asyl  nachsuchte. Am 2. August  2006 
wurde  sie  im  Transitzentrum  Altstätten  (heute:  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum  Altstätten)  zur  Person  befragt  und  am  25. August 
2006 vom Amt (…) zu ihren Asylgründen angehört.

B. 
Mit  Verfügung  vom  18. Dezember  2007  stellte  das  BFM  fest,  die 
Beschwerdeführerin  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  lehnte  ihr 
Asylgesuch  ab  und  verfügte  die Wegweisung  aus  der  Schweiz. Wegen 
Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  ordnete  das  BFM  die 
vorläufige Aufnahme an. 

C. 
Mit  Eingabe  vom  17. Januar  2008  erhob  die  Beschwerdeführerin  durch 
ihren Rechtsvertreter  gegen  die  Verfügung  des  BFM Beschwerde  beim 
Bundesverwaltungsgericht  mit  den  Anträgen,  die  Verfügung  sei 
aufzuheben, es sei  ihre Flüchtlingseigenschaft  festzustellen und  ihr Asyl 
zu  gewähren.  In  prozessualer Hinsicht  ersuchte  sie  um Gewährung der 
unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsvertretung. 

Mit Verfügung vom 25. Januar 2008 stellte das Bundesverwaltungsgericht 
fest, die Beschwerdeführerin könne den Ausgang des Verfahrens  in der 
Schweiz  abwarten,  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses, teilte mit, dass über das Gesuch um  Gewährung der 
unentgeltlichen Prozessführung später entschieden werde, und wies das 
Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtsvertretung  ab.  Das  BFM  wurde  zur 
Vernehmlassung  eingeladen.  Am  30. Januar  2008  nahm  es  zur 
Beschwerde Stellung und beantragte deren Abweisung. 

Mit Verfügung vom 8. Februar 2008 wurde der Beschwerdeführerin das 
Replikrecht  gewährt,  von  dem  sie  mit  Eingabe  vom  23. Februar  2008  
Gebrauch machte. 

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Mit Eingabe vom 27. Juli 2010 reichte die Beschwerdeführerin 
unaufgefordert eine Verfügung des BFM aus einem anderen Verfahren 
beim Bundesverwaltungsgericht ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Die 
angefochtene Verfügung  ist  beschwerdefähig. Da  keine das Sachgebiet 
betreffende Ausnahme nach Art.  32 VGG vorliegt und das BFM zu den 
Vorinstanzen  im  Sinne  von  Art. 33  Bst.  d  VGG  gehört,  ist  das 
Bundesverwaltungsgericht  zur  Beurteilung  der  Beschwerde  zuständig. 
Das Verfahren  richtet  sich nach dem VwVG,  soweit  das VGG oder das 
Asylgesetz  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  nichts  anderes 
bestimmen (Art. 37 VGG; Art. 105 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht 
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 
– endgültig  (vgl.  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2.  Die  Beschwerdeführerin  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  oder 
Änderung,  weshalb  sie  zur  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 48  Abs. 1 
VwVG).

1.3. Die Beschwerdefrist  (Art. 108 Abs. 1 AsylG) und die Anforderungen 
an  die  Beschwerdeschrift  (Art.  52  Abs.  1  VwVG)  sind  gewahrt.  Die 
übrigen Sachurteilsvoraussetzungen  sind gegeben. Auf  die Beschwerde 
ist daher einzutreten. 

2. 
Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf 
Verletzung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Missbrauch  und 
Überschreitung  des  Ermessens,  auf  unrichtige  oder  unvollständige 
Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  auf 
Unangemessenheit hin (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

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Die  gerichtliche  Überprüfung  hat  sich  auf  den  Streitgegenstand,  wie  er 
durch  die  Parteidisposition  bestimmt  wird,  zu  beschränken.  Die 
Beschwerdeführerin  beantragt  die  Feststellung  ihrer 
Flüchtlingseigenschaft  und  Asylgewährung  durch  die  Schweiz.  Zur 
Begründung  macht  sie  geltend,  sie  habe  sich  der  Militärdienstpflicht  in 
Eritrea  durch  Flucht  entzogen,  weshalb  ihr  bei  einer  Rückkehr  eine 
unverhältnismässige Bestrafung drohe. Zudem befürchte sie wegen ihrer 
Zugehörigkeit  zur  Glaubensgemeinschaft  der  Pfingstgemeinde  eine 
Festnahme. Für den Fall, dass ihr kein Asyl gewährt werde, beantragt sie 
die Anerkennung als Flüchtling infolge subjektiver Nachfluchtgründe, was 
sie mit  illegaler  Ausreise  begründet.  Streitig  ist  demnach  der  Asylpunkt 
inklusive Flüchtlingseigenschaft. Wegweisungs­ und Wegweisungsvollzug 
hingegen  liegen  ausser  Streit,  nachdem  die  Beschwerdeführerin  die 
Wegweisung  nicht  angefochten  hat,  diese  in  Rechtskraft  erwachsen  ist 
und die Vorinstanz ihre vorläufige Aufnahme angeordnet hat.

3. 

3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2.  Nach  Art.  54  AsylG  (mit  der  Marginalie  "subjektive 
Nachfluchtgründe")  wird  Flüchtlingen  kein  Asyl  gewährt,  wenn  sie  erst 
durch  ihre  Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  oder  wegen 
ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG 
wurden.

3.3.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 

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auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7 
AsylG). 

4.  

4.1. Die Vorinstanz hat die Vorbringen der Beschwerdeführerin nicht auf 
Asylrelevanz  hin  geprüft,  weil  sie  zum Schluss  gekommen  ist,  dass  die 
Vorbringen insgesamt unglaubhaft seien. Die Beschwerdeführerin bringe 
einerseits vor, dass sie zu Beginn des Jahres 2002 eine Tochter zur Welt 
gebracht  habe.  Andererseits  mache  sie  geltend,  die  eritreische  Armee 
habe sie im Jahre 2004 zu rekrutieren versucht, sie aber wegen Krankheit 
einstweilen  nicht  mitgenommen.  Auf  Vorhalt  habe  sie  erklärt,  in  Eritrea 
gebe  es  keine  Demokratie,  was  als  Schutzbehauptung  zu  werten  sei. 
Nach  gesicherten  Erkenntnissen  würden  in  Eritrea  nämlich  Mütter  von 
kleinen Kindern  nicht  für  die  Armee  rekrutiert  und  die  Behörden  hielten 
sich an diese Rekrutierungsbestimmung. Die Beschwerdeführerin mache 
sodann  widersprüchliche  Angaben  zur  Frage,  wann  und  wie  oft  die 
Behörden  sie  aufgesucht  hätten.  Dabei  habe  sie  einen  Vorfall  in  der 
Befragung  zur  Person  auf  das  Jahr  2004,  in  der  kantonalen  Anhörung 
dagegen  auf  das  Jahr  2005  datiert.  Widersprüchlich  seien  auch  die 
geschilderten  Umstände  ihrer  Ausreise  aus  Eritrea:  Während  sie  nach 
ihren beim Empfangs­ und Verfahrenszentrum deponierten Aussagen  in 
einem  Personenwagen  in  den  Sudan  eingereist  sein  wolle,  habe  sie 
anlässlich  der  Anhörung  berichtet,  dass  sie  die  Grenze  zum  Sudan  zu 
Fuss  passiert  habe.  Schliesslich  seien  die  Vorbringen  bezüglich  der 
Zugehörigkeit  zur  Pfingstgemeinschaft  in  keiner Weise  nachvollziehbar, 
zumal  sie anlässlich der Befragung zur Person ausgesagt habe,  sie  sei 
Protestantin. Die Aussage, die anderen Frauen der Pfingstgemeinschaft, 
die  sie  regelmässig  besuchten  hätten,  seien  allesamt  festgenommen 
worden,  sei  unglaubhaft.  Das  Datum  der  Festnahme  habe  sie  nicht 
genauer  als  auf  das  Jahr  2005  angegeben  und  insbesondere  nicht 
erklären können, weshalb sie selber nicht festgenommen worden sei, was 
als klares Indiz für die Unglaubhaftigkeit zu werten sei. 

4.2. Die Beschwerdeführerin  bringt  in  der Beschwerde  dagegen  vor,  es 
entspreche  der  allgemeinen  Lebenserfahrung,  dass  eine  Person  ein 
Ereignis, das Jahre zurückliege, nicht auf den Tag genau datieren könne. 
Bei  der  Befragung  zur  Person  handle  es  sich  zudem  um  eine 
Erstanhörung  mit  summarischem  Charakter,  weshalb  den  dort 
gemachten  Aussagen  ein  sehr  geringer  Beweiswert  zukomme.  Die 
Aussagen anlässlich der kantonalen Anhörung seien widerspruchsfrei. Es 

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sei  tatsachenwidrig,  dass  Mütter  von  kleinen  Kindern  in  Eritrea  vom 
Militärdienst befreit würde. Das treffe lediglich auf stillende Mütter zu, was 
sie im Jahre 2004 nicht mehr gewesen sei. Zur Untermauerung zitiert die 
Beschwerde  aus  einem  Bericht  des  UK­Homeoffice  ("Exemptions  from 
national service include provision for the disabled, for mothers while they 
are breast feeding, …."). Die Beschwerdeführerin beruft sich sodann auf 
eine  neuerliche  Rekrutierungswelle  in  Eritrea,  die  eine  natürliche 
Vermutung  dafür  schaffe,  dass  ihre  Angaben  zur  Rekrutierung  richtig 
seien.

In der Beschwerde sowie mit Eingabe 27. Juli 2010 wird eine Verletzung 
des  Rechtsgleichheitsgebotes  gerügt.  Das  BFM  habe  in  zahlreichen, 
vergleichbaren  Fällen  entschieden,  dass  die  illegale  Flucht  aus  Eritrea 
einen subjektiven Nachfluchtgrund  im Sinne von Art. 45 AsylG darstelle, 
weshalb  zumindest  die  Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführerin 
festzustellen sei. Als Beleg für ihre Zugehörigkeit zur Pfingstgemeinschaft 
wird  auf  zwei  eingereichte  Beweismittel  verwiesen:  Ein  Foto,  das  sie 
während  einer  Versammlung  der  Gemeinschaft  in  der  Bibel  lesend 
abbilde, sowie eine DVD­Aufzeichnung, aus der hervorgehe, dass sie an 
einer  Versammlung  der  Pfingstgemeinde  in  Bern  teilgenommen  habe. 
Damit  sei  der  rechtsgenügliche  Beweis  der  Flüchtlingseigenschaft 
erbracht.

4.3.  In  der  Vernehmlassung  hält  die  Vorinstanz  fest,  die  beiden 
Beweismittel  (Foto und DVD) seien nicht geeignet, den Beweis dafür zu 
erbringen,  dass  die  Beschwerdeführerin  schon  in  Eritrea  der 
Pfingstgemeinschaft angehört habe und deshalb verfolgt worden sei. 

4.4. In der Replik bringt die Beschwerdeführerin vor, dass eine natürliche 
Vermutung für die Zugehörigkeit zur Pfingstgemeinschaft bestehe, da sie 
die Religion in der Schweiz weiterhin ausübe. 

5. 

5.1.  Gemäss  Art.  7  Abs.  1  AsylG  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachgewiesen  oder  zumindest  glaubhaft  gemacht  werden.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  und  die  vormals  zuständige  Schweizerische 
Asylrekurskommision  (ARK)  hat  die  gesetzlichen Anforderungen an das 
Glaubhaftmachen  in  mehreren  Entscheiden  dargelegt  (vgl.  etwa  BVGE 
2010/57  E. 2.2 f.;  aus  den  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  ARK 
[EMARK] 2004 Nr. 1 E. 5a). Darauf kann hier verwiesen werden. 

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5.2. Die Vorinstanz hat das Beweismass des Glaubhaftmachens korrekt 
auf  den  vorliegenden  Fall  zur  Anwendung  gebracht.  Die  angefochtene 
Verfügung begründet einlässlich, weshalb die Flüchtlingseigenschaft nicht 
glaubhaft  dargetan  ist.  Was  die  Beschwerdeführerin  vorbringt,  ist  nicht 
geeignet,  die  vorinstanzliche  Beweiswürdigung  in  einem  anderen  Licht 
erscheinen zu lassen. 

5.2.1. Die Beschwerde  beruft  sich  auf  die Rechtsprechung, wonach  die 
Furcht vor einer Bestrafung wegen Dienstverweigerung oder Desertion in 
Eritrea  begründet  ist,  wenn  die  betroffene  Person  in  einem  konkreten 
Kontakt  zu den Militärbehörden  stand  (EMARK 2006 Nr. 3 E. 4.10). Die 
Vorinstanz hat  jedoch zutreffend erwogen, dass die Beschwerdeführerin 
keine genauen Angaben darüber machen  konnte, wann und wie oft  die 
Militärbehörden  sie  aufgesucht  hätten.  Die  Ausführungen  zu  den 
angeblichen  Rekrutierungsversuchen  im  Jahre  2004  blieben  in  der  Tat 
vage und unsubstantiiert, obwohl die Ereignisse eindrücklich und  (auch) 
Grund  für  ihre  Ausreise  gewesen  sein  sollen.  Sodann  ist  festzuhalten, 
dass  die  fraglichen  Vorfälle  im  Zeitpunkt  der  Befragungen  (Juli  und 
August 2006) lediglich eineinhalb bis zwei Jahre zurücklagen. Damit geht 
die Rüge, aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung könne man sich an 
Jahre  zurückliegende  Ereignisse  nicht  mehr  genau  erinnern, 
offensichtlich fehl. Das in der Beschwerde angeführte Zitat und der blosse 
Hinweis  auf  eine  neuerliche  Rekrutierungswelle  sind  ebenfalls 
unbehelflich. Die Beschwerdeführerin verkennt, dass die Furcht vor einer 
flüchtlingsrelevanten  Verfolgung  jeweils  im  konkreten  Einzelfall 
nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen  ist.  Von  einer 
"natürlichen  Vermutung"  kann  keine  Rede  sein,  nachdem  die 
Ausführungen  der  Beschwerdeführerin  zur  angeblichen  Rekrutierung 
gänzlich  unsubstantiiert  ausgefallen  sind  und  auch  in  der  Beschwerde 
nicht  näher  konkretisiert  werden.  Bei  dieser  Beweislage  kann  nicht 
angenommen  werden,  die  Beschwerdeführerin  sei  in  einem  konkreten 
Kontakt zu den Militärbehörden gestanden. 

5.2.2.  Die  im  Beschwerdeverfahren  nachgereichten  Beweismittel  zur 
angeblichen Mitgliedschaft in der Pfingstgemeinde in Eritrea vermögen an 
der  vorinstanzlichen  Einschätzung  nichts  zu  ändern.  Auf  dem 
eingereichten  Foto  ist  kein  Gesicht  zu  erkennen  und  die  DVD­
Aufzeichnung  lässt  eine  klare  Identifikation  der  Beschwerdeführerin 
ebenso  wenig  zu.  Zudem  könnte  aus  der  blossen  Teilnahme  an  einer 
Veranstaltung der Pfingstgemeinde  in  (…), wie die Vorinstanz  zu Recht 
festhält,  auch  nicht  ohne  Weiteres  auf  eine  Mitgliedschaft  in  Eritrea 

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geschlossen  werden.  Schliesslich  ist,  wie  die  Vorinstanz  ebenfalls 
zutreffend  ausführt,  kaum  plausibel,  dass  sämtliche  Mitglieder  der 
Pfingstgemeinde,  die  sich  im  Hause  der  Beschwerdeführerin  in  Eritrea 
versammelt  haben  sollen,  festgenommen  wurden  –  ausser  der 
Beschwerdeführerin. Eine Verfolgungsgefahr aufgrund der Zugehörigkeit 
der  Beschwerdeführerin  zur  Pfingstgemeinde  ist  bei  dieser  Beweislage 
nicht glaubhaft.

5.2.3. Die Beschwerdeführerin rügt, die angefochtene Verfügung verletze 
das Rechtsgleichheitsgebot. Das BFM habe die Flüchtlingseigenschaft in 
anderen  vergleichbaren  Fällen  bejaht,  wenn  eine  asylsuchende  Person 
Eritrea  illegal  und  im  militärdienstpflichtigen  Alter  verlassen  habe.  Die 
Rüge  ist  unbegründet.  Die  ins  Recht  gelegten  Entscheide  des  BFM 
betreffen illegal ausgereiste, junge Männer, die aufgrund von Geschlecht 
und  Alter  der  Militärdienstpflicht  unterstanden  (Beilage  3)  oder  deren 
geleisteter  Militärdienst  zumindest  teilweise  glaubhaft  war  (Beilage  4), 
sowie eine Frau,  deren Mann den Militärdienst  verlassen hatte  (Beilage 
im  Nachgang).  Der  vorliegende  Fall  ist  damit  nicht  vergleichbar.  Die 
Beschwerdeführerin  ist Mutter  eines  kleinen  Kindes  und  ein  Kontakt  zu 
den Militärbehörden – wie  bereits  dargelegt  –  nicht  glaubhaft  (E. 5.2.1). 
Überdies  kommt  die  Vorinstanz  zutreffend  zum  Schluss,  dass  den 
behaupteten Umständen  der  illegalen Ausreise  aus Eritrea  kein Glaube 
geschenkt werden kann, was die Beschwerdeführerin übergeht. Wohl trifft 
zu,  dass  den Aussagen  in  der Empfangsstelle  zu  den Ausreisegründen 
angesichts  des  summarischen  Charakters  dieser  Befragung  für  die 
Beurteilung  der  Glaubhaftigkeit  der  Asylgründe  nur  ein  beschränkter 
Beweiswert  zukommt  (EMARK  1993  Nr. 3  E. 3).  Widersprüche  dürfen 
jedoch  herangezogen  werden,  wenn  klare  Aussagen  in  der 
Empfangsstelle  in  wesentlichen  Punkten  von  späteren  Aussagen 
abweichen (EMARK, a.a.O., E. 3). Die Akten bestätigen denn auch, dass 
die Beschwerdeführerin sich  in wesentlichen Punkten mehrfach und klar 
widersprochen  hat.  Erstens  brachte  sie  zu  Beginn  des  Asylverfahrens 
vor,  sie  habe  die  Grenze  von  Eritrea  in  den  Sudan  in  einem 
Personenwagen  zurückgelegt  (BFM­Akte  A1/12  S. 8);  nach  ihren 
späteren Angaben will  sie  jedoch  die Grenze  zu  Fuss  überquert  haben 
(Akte  A8/31  S. 5).  Zweitens  besteht  ein  offensichtlicher Widerspruch  in 
ihren  Aussagen  bezüglich  der  Reise  aus  dem  Sudan  nach  Italien.  So 
sagte  sie  in  der  Befragung  zur  Person,  sie  sei  in  Kairo  in  ein  anderes 
Flugzeug  umgestiegen  und  in  Paris  im  Flugzeug  sitzengeblieben  (Akte 
A1/12 S. 9). In der kantonalen Anhörung dagegen gab sie an, sie habe in 
Paris  eine  Nacht  verbracht  und  das  Flugzeug  wechseln  müssen  (Akte 

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A8/31 S. 5). Bei dieser Aktenlage  ist auf die behaupteten Umstände der 
illegalen Ausreise nicht abzustellen und die erhobene Rüge erweist sich 
als unbegründet. 

5.3. Zusammenfassend vermag die Beschwerdeführerin eine begründete 
Furcht vor asylrelevanter Verfolgung nicht glaubhaft  im Sinne von Art. 7 
AsylG zu machen, weshalb sie die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt und 
keinen Anspruch auf Asylgewährung hat.

6.  
Nach  den  vorstehenden  Erwägungen  verletzt  die  angefochtenen 
Verfügung  Bundesrecht  nicht,  stellt  den  rechtserheblichen  Sachverhalt 
richtig  und  vollständig  fest  und  ist  angemessen  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist daher abzuweisen.

7. 
Bei  diesem  Verfahrensausgang  sind  die  Kosten  grundsätzlich  der 
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Eine Partei, die 
nicht  über  die  erforderlichen Mittel  verfügt,  wird  auf  Antrag  hin  von  der 
Bezahlung  der  Verfahrenskosten  befreit,  sofern  ihr  Begehren  nicht 
aussichtlos  erscheint  (Art.  65  Abs.  1  VwVG).  Bedürftig  im Sinne  dieser 
Bestimmung  ist  eine  Partei,  die  nicht  in  der  Lage  ist,  für  die 
Prozesskosten  aufzukommen,  ohne  Mittel  zu  beanspruchen,  die  zur 
Deckung  des  Grundbedarfs  notwendig  sind.  Die  Beschwerdeführerin 
arbeitet gemäss dem Zentralen Migrationsinformationssystem ZEMIS seit 
August 2007 als (…) in einem Ferienhotel. Mit der Beschwerde reichte sie 
eine Lohnabrechnung für Dezember 2007 ein, der zu entnehmen ist, dass 
sie Fr. 2445.– netto pro Monat verdient und ihrem Arbeitsgeber monatlich 
Fr. 710.–  für  Unterkunft  und  Verpflegung  bezahlt.  Damit  verbleiben  ihr 
monatlich Fr. 1735.– für die restlichen Lebenskosten, inkl. Krankenkasse 
und  Steuern.  Die  Beschwerdeführerin  kann  damit  in  Bezug  auf  das 
vorliegende  Verfahren  nicht  als  bedürftig  bezeichnet  werden,  weshalb 
das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege 
abzuweisen  ist  und  ihr  die  Kosten  für  das  Verfahrens  in  der  Höhe  von 
insgesamt Fr. 600.– aufzuerlegen  sind  (Art.  1  –  3  des Reglements  vom 
21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

E­366/2008

Seite 10

E­366/2008

Seite 11

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Daniel Willisegger Tobias Meyer

Versand: