# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 21c43518-a13c-5027-8e2a-f946b01da611
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-05
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 05.01.2023 SST.2022.110
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-110_2023-01-05.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2022.110 
(ST.2021.32; StA.2020.337) 

 

 

Urteil vom 5. Januar 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier  

Oberrichterin Vasvary  

Gerichtsschreiber i.V. Stutz 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten, 

Kloster-Südflügel, Seetalstrasse 8, 5630 Muri AG  

 

Privatkläger   B.F._____, 

[…]  

vertreten durch Rechtsanwalt Jürg Krumm,  

[…] 

 

 
    

Beschuldigter   D.G._____,  

geboren am tt.mm.1988, von Kosovo, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Patrick Bürgi,  

[…] 

 

 

 
 

Gegenstand  Raufhandel, einfache Körperverletzung, Drohung usw. 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft erhob am 23. April 2021 Anklage gegen den 

Beschuldigten wegen mehrfachen Raufhandels (Anklageziff. 1 und 2), 

mehrfacher Beschimpfung (Anklageziff. 1 und 2), mehrfacher Drohung 

(Anklageziff. 1 und 2), einfacher Körperverletzung (Anklageziff. 1) und 

mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss 

Art. 19a Ziff. 1 BetmG (wegen Besitz und Konsum, Anklageziff. 3). 

 

2. 

Das Bezirksgericht Bremgarten stellte das Verfahren mit Urteil vom 

23. November 2021 in Bezug auf die Vorwürfe der mehrfachen Beschimp-

fung (Anklageziff. 1) und der mehrfachen Drohung (Anklageziff. 1) ein. Es 

sprach den Beschuldigten vom Vorwurf des Raufhandels (Anklageziff. 1) 

und der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss 

Art. 19a Ziff. 1 BetmG (wegen Besitz, Anklageziff. 3) frei. Im Übrigen 

sprach es den Beschuldigten gemäss Anklage schuldig. Es verurteilte ihn 

unter Widerruf der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau 

vom 15. November 2018 bedingt gewährten Geldstrafe von 40 Tages-

sätzen zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 10 Monaten, Probezeit 4 

Jahre, einer unbedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen und einer Busse 

von Fr. 100.00. 

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 19. Mai 2022 beantragte der Privatkläger B.F. 

einen zusätzlichen Schuldspruch wegen Angriffs, versuchter schwerer 

Körperverletzung sowie einfacher Körperverletzung. 

 

3.2. 

Mit Anschlussberufung vom 14. Juni 2022 beantragte die Staatsanwalt-

schaft einen zusätzlichen Schuldspruch wegen Raufhandels (Anklage-

ziff. 1) und eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten. 

 

Sie reichte am 4. August 2022 vorgängig zur Berufungsverhandlung eine 

schriftliche Anschlussberufungsbegründung ein. 

 

3.3. 

Der Privatkläger B.F. reichte am 15. September 2022 vorgängig zur 

Berufungsverhandlung eine schriftliche Anschlussberufungsantwort und 

am 29. September 2022 eine schriftliche Berufungsbegründung ein. 

 

 - 3 - 

 

 

3.4. 

Die Staatsanwaltschaft reichte am 24. Oktober 2022 vorgängig zur 

Berufungsverhandlung eine schriftliche Berufungsantwort ein und be-

antragte, die Berufung des Privatklägers B.F. sei abzuweisen. 

 

3.5. 

Der Privatkläger B.F. reichte am 1. November 2022 eine freigestellte 

Stellungnahme ein. 

 

3.6. 

Der Beschuldigte reichte schliesslich am 23. November 2022 vorgängig zur 

Berufungsverhandlung eine schriftliche Berufungs- sowie Anschluss-

berufungsantwort ein und beantragte, die Berufung sowie die Anschluss-

berufung seien abzuweisen, soweit auf die Anschlussberufung der Staats-

anwaltschaft überhaupt einzutreten sei. 

 

3.7. 

Die Berufungsverhandlung i.S. A.F. (SST.2022.107), B.F. (SST.2022.108), 

C.G. (SST.2022.109) und D.G. (SST.2022.110) fand am 5. Dezember 2022 

statt. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Berufung und Anschlussberufung richten sich gegen den Freispruch 

vom Vorwurf des Raufhandels (Anklageziff. 1) und damit einhergehend 

gegen das Strafmass, gegen die Zivilforderung und gegen die Kosten-

verteilung. Beantragt werden zusätzliche Schuldsprüche. Im Übrigen ist 

das Urteil der Vorinstanz unangefochten geblieben. Eine Überprüfung der 

unbestrittenen Punkte findet nicht statt (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

 

2. 

2.1. 

Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, er habe am 27. Januar 2020 an 

einem Raufhandel mit seinem Bruder C.G. sowie B.F. teilgenommen 

(Anklageziff. 1). Dem angeklagten Sachverhalt zufolge habe er sich 

gemeinsam mit C.G. an den Wohnort von B.F. begeben, um diesen für die 

anlässlich einer früheren telefonischen Auseinandersetzung ausge-

sprochenen Drohungen und Beschimpfungen zur Rede zu stellen. 

Nachdem er und sein Bruder auf B.F. getroffen seien, sei es nach einem 

kurzen Wortgefecht zu einer Schubserei zwischen dem Beschuldigten und 

B.F. gekommen, welche schliesslich in einer Schlägerei zwischen 

sämtlichen drei Personen geendet habe. Der Beschuldigte wie auch B.F. 

haben sich dabei diverse Verletzungen zugezogen. 

 

 - 4 - 

 

 

2.2. 

Die Vorinstanz ging im Wesentlichen davon aus, dass sich C.G. nicht an 

der körperlichen Auseinandersetzung beteiligt, sondern abseitsgestanden 

habe. Da ein Raufhandel die tätliche Auseinandersetzung dreier Personen 

voraussetze, komme vorliegend ein Raufhandel nicht in Frage, weshalb sie 

den Beschuldigten vom Vorwurf des Raufhandels (Anklageziff. 1) frei-

gesprochen hat. Dafür hat sie ihn der einfachen Körperverletzung zum 

Nachteil von B.F. schuldig gesprochen, was denn auch unangefochten 

geblieben und somit in Rechtskraft erwachsen ist. 

 

Der Privatkläger B.F. macht mit seiner Berufung im Wesentlichen geltend, 

der Beschuldigte habe ihn zusammen mit seinem Bruder C.G. aufgesucht 

und ohne Vorwarnung oder Reaktion auf seine Äusserung, sie sollen 

warten, um mit ihm das Missverständnis klären zu können, auf ihn mit einer 

Eisenstange und mit den Fäusten eingeschlagen, bis er bewusstlos 

geworden sei. Er beantragte entsprechend im vorliegenden Verfahren 

gegen den Beschuldigten (SST.2022.110) sowie im Verfahren gegen C.G. 

(SST.2022.109), beide seien des Angriffs, der versuchten schweren 

Körperverletzung sowie der einfachen Körperverletzung schuldig zu 

sprechen (Plädoyer Privatkläger S. 2; 5 ff.). 

 

Die Staatsanwaltschaft hielt mit der Anschlussberufung am angeklagten 

Sachverhalt fest und beantragte, der Beschuldigte sei des Raufhandels 

schuldig zu sprechen (Plädoyer Staatsanwaltschaft). 

 

Der Beschuldigte beantragte, die Berufung des Privatklägers sowie die 

Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft seien abzuweisen (Plädoyer 

Verteidigung S. 2 ff.; 8 f.). 

 

2.3. 

2.3.1. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den 

Beschuldigten günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Bloss 

abstrakte und theoretische Zweifel genügen nicht, weil solche immer 

möglich sind. Der Grundsatz «in dubio pro reo» verlangt indes nicht, dass 

bei sich widersprechenden Beweismitteln unbesehen auf den für den 

Angeklagten günstigeren Beweis abzustellen ist. Die Entscheidregel ist erst 

anwendbar, nachdem alle aus Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen 

Beweise ausgewertet worden sind und nach erfolgter Beweiswürdigung als 

Ganzem relevante Zweifel bestehen (BGE 144 IV 345; Urteil des Bundes-

gerichts 6B_1395/2019 vom 3. Juni 2020 E. 1.1). 

 

 - 5 - 

 

 

2.3.2. 

Des Raufhandels gemäss Art. 133 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer 

sich an einem Raufhandel beteiligt, der die Körperverletzung eines 

Menschen zur Folge hat. Nicht strafbar ist, wer ausschliesslich abwehrt 

oder die Streitenden scheidet (Abs. 2). Ein Raufhandel ist eine wechsel-

seitige tätliche Auseinandersetzung von mindestens drei Personen (BGE 

137 IV 1 E. 4.2.2). Eine psychische Teilnahme mittels warnenden Zurufen 

kann erst angenommen werden, wenn bereits ein Raufhandel vorliegt, was 

wiederum die tätliche Auseinandersetzung dreier Personen voraussetzt 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_1056/2015 vom 4. Dezember 2015 E. 4.1). 

 

2.4. 

2.4.1. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und unbestritten geblieben, dass der 

Beschuldigte und C.G. am 27. Januar 2020 um ca. 18:00 Uhr auf B.F. vor 

dessen Wohnhaus getroffen sind, der Beschuldigte B.F. konfrontierte und 

sich B.F. bei der darauffolgenden Auseinandersetzung diverse Verlet-

zungen zuzog, nämlich Blutergüsse mit Weichteilschwellungen am Nasen-

rücken, am linken Augenunterlid, an der linken Jochbogenregion, beidseitig 

am Hinterkopf und in der Scheitelregion linkseitig sowie einen Nasen-

schiefstand nach rechts, Druckschmerzhaftigkeit am rechten Unterkiefer-

ast, Hautrötungen und Hautabschürfungen an den Händen (UA act. 377). 

Erstellt ist auch, dass diesem Aufeinandertreffen einige Tage zuvor eine 

telefonische Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und B.F. 

vorausging, anlässlich welcher B.F. den Beschuldigten beschimpfte und 

drohte (vgl. zum Ganzen Urteil des Obergerichts SST.2022.108 E. 2). 

 

Strittig ist hingegen, ob C.G. an der tätlichen Auseinandersetzung zwischen 

dem Beschuldigten und B.F. teilnahm, was zur Erfüllung des Tatbestandes 

des Raufhandels oder des Angriffes notwendig wäre. Sofern dies zu 

bejahen wäre, ist weiter umstritten, ob B.F. sich hinsichtlich der tätlichen 

Auseinandersetzung lediglich passiv verhielt (Angriff im Sinne von Art. 134 

StGB) oder aktiv teilnahm (Raufhandel im Sinne von Art. 133 StGB). 

 

2.4.2. 

Wie im Folgenden aufzuzeigen sein wird, geht das Obergericht in 

tatsächlicher Hinsicht gestützt auf die Aussagen des Beschuldigten und 

C.G. mit der Vorinstanz davon aus, dass es zwischen B.F. und dem 

Beschuldigten zu einer wechselseitigen, tätlichen Auseinandersetzung 

gekommen ist, bei welcher C.G. nicht aktiv eingegriffen hat. 

 

Die Aussagen des Beschuldigten und C.G. sind konstant, widerspruchsfrei 

und detailreich. Beide schilderten den Vorfall glaubhaft und nach-

vollziehbar. Die Schilderungen der beiden stimmten von Beginn an überein. 

Dabei erzählen nicht beide die identische, möglicherweise im Voraus 

abgesprochene Geschichte, sondern sie schildern ihre Beobachtungen 

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erlebnisnah und konstant aus ihrer eigenen Perspektive mit unter-

schiedlichen Erinnerungslücken. Im Übrigen ist ohnehin nicht davon aus-

zugehen, dass sie die Möglichkeit gehabt hätten, sich bis ins letzte Detail 

abzusprechen, wurden sie doch noch am selben Abend nach dem Vorfall 

von der Polizei inhaftiert und getrennt voneinander zur Sache befragt. Des 

Weiteren zeigten sie sich von Beginn an selbstkritisch. C.G. gestand bereits 

zu Beginn Fehler ein und zeigte sich einsichtig (UA act. 490). Darüber 

hinaus belastete er B.F. nicht unnötig und räumte vermehrt ein, er könne 

nicht sagen bzw. er habe nicht gesehen, ob B.F. den Beschuldigten 

überhaupt geschlagen habe. Vielmehr habe B.F. lediglich seine Körperkraft 

eingesetzt, um zu «schüpfen» (UA act. 476; 486; Protokoll Berufungs-

verhandlung S. 18 f.). Dafür belastete er von sich aus seinen Bruder, den 

Beschuldigten, mit der Aussage, dass dieser die körperliche Auseinander-

setzung gesucht habe und dass er und nicht B.F. als erstes tätlich wurde 

(UA act. 472). Aber auch der Beschuldigte gestand von Beginn an ein, dass 

er (aufgrund früher ausgesprochener Drohungen) die Konfrontation mit 

B.F. gesucht und sodann die (tätliche) Auseinandersetzung gestartet habe. 

Er habe B.F., als dieser in seine Richtung gekommen sei, weggestossen, 

worauf dieser ihn zurückgeschupft habe (UA act. 431; 435; Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 26 f.). 

 

Demgegenüber sind die Aussagen von B.F. weder schlüssig noch nach-

vollziehbar. Wie im Folgenden aufzuzeigen ist, verwickelt er sich vermehrt 

in Widersprüche und es mangelt schliesslich bereits an der Konstanz seiner 

Aussagen. So gibt er anfänglich wiederholt zu Protokoll, C.G. habe mit 

einer Metallstange mehrfach auf ihn eingeschlagen (UA act. 500, 513, 

514). Mit dieser Version der Geschichte wandte er sich dann im Übrigen 

auch früh an den «Blick» (UA act. 424 ff.). Anlässlich der delegierten 

Einvernahme vom 27. Mai 2022 war er jedoch plötzlich nicht mehr sicher, 

ob C.G. ihn überhaupt mit der Stange geschlagen habe oder nicht (UA 

act. 531). Dies erscheint sehr merkwürdig, betonte B.F. doch zuerst noch, 

was für schlimme Verletzungen ihm durch die Stange zugefügt worden 

seien und dass die beiden Brüder G. – hätten sie keine Stange verwendet 

– gegen ihn aufgrund seines mehrjährigen Kampfsporttrainings keine 

Chance gehabt hätten (UA act. 531). Es kann sich folglich bei der Frage, 

ob mit der Stange auf ihn eingeschlagen wurde oder nicht, nicht um ein 

blosses Detail handeln, das man plötzlich nicht mehr weiss oder bei dem 

man sich nicht sicher ist. Ferner ist auch das von der Staatsanwaltschaft in 

Auftrag gegebene Gutachten durch das rechtsmedizinische Institut des 

Kantonsspitals X., das die Untersuchung der körperlichen Verletzungen 

von B.F. zum Inhalt hatte, zum Schluss gekommen, dass keine Hinweise 

auf ein einwirkendes, hartes Werkzeug wie ein Schlagring oder eine Eisen-

stange abgrenzbar seien. Bei einem Vorgang, wie von B.F. geschildert, 

seien schwerwiegendere und gegebenenfalls geformte Verletzungen wie 

z.B. Quetschrisswunden über den knöchernen Widerlagern, Striemen etc. 

zu erwarten gewesen. Die angegebenen Schläge mit einer Eisenstange 

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und Fusstritten würden morphologisch nicht verifiziert werden können und 

würden selbst unter der Annahme, dass er am Oberkörper eine dicke Jacke 

getragen habe, im Widerspruch zu der sehr massiven Gewaltangabe 

stehen (UA act. 378). Auffallend ist weiter, dass B.F. erst dann unsicher 

über die Schläge mit der Metallstange wurde, als das Ergebnis des 

Gutachtens vorlag. Dies erweckt den Eindruck, als ob B.F. seine Aussagen 

fortlaufend an den Stand der Ermittlungen anpasste. Weitere Widersprüche 

ergeben sich auch in Bezug auf die Aussagen zum Ausgang der tätlichen 

Auseinandersetzung. Gemäss B.F. sei er während der ersten Faustschläge 

des Beschuldigten teilweise weggetreten und habe anschliessend ganz 

das Bewusstsein verloren. Als er wieder zu sich gekommen sei, seien seine 

Mutter A.F. und sein Bruder E.F. bereits neben ihm gewesen (UA 

act. 500 f.). An einer weiteren Einvernahme ergänzte er sodann noch, dass 

sein Bruder E.F. Wasser über ihn geschüttet habe, um ihn wieder zu 

Bewusstsein zu bringen. Dieser habe ihn dann ins Spital gebracht, wobei 

er erst während der Autofahrt wieder richtig bei Sinnen gewesen sei (UA 

act. 516). B.F. führte auch aus, dass er vor dem Aufeinandertreffen mit den 

Brüdern G. mit einem «I.» am Telefon gewesen sei (UA act. 539; Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 37). Die Auswertung des Mobiltelefons von B.F. 

hat ergeben, dass dieses Telefon um 18:09 Uhr gewesen ist (UA act. 323). 

Um 18:28 Uhr hat B.F. dann per WhatsApp ein von sich selbst um 

18:23 Uhr aufgenommenes Selbstportrait an seinen Bruder E.F. geschickt. 

Auf dem Bild sind Blutspuren in der Nasen- und Mundregion von B.F. zu 

erkennen. Sein Haar und seine Kleidung sind zu diesem Zeitpunkt jedoch 

trocken. E.F. antwortete auf dieses Bild sogleich mit: «Deee nutesohm» 

(UA act. 314, 324). Zudem sind um 18:21 Uhr verschiedene Anrufversuche 

an E.F. im Anrufprotokoll des Mobiltelefons von B.F. verzeichnet (UA 

act. 323). Daraus ergibt sich, dass sich die Auseinandersetzung zwischen 

18:09 Uhr und 18:21 Uhr ereignet haben muss und dass B.F. zumindest 

wenige Minuten nach der Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten bei 

vollem Bewusstsein gewesen ist. Darüber hinaus entpuppt sich die 

Aussage von B.F., wonach er von seinem Bruder aufgefunden und dieser 

ihn mit Wasser habe wecken müssen, als eine prompte Lüge. Vielmehr hat 

B.F. von sich aus seinen Bruder kontaktiert. Ebenso vermag die Aussage 

von B.F. nach Konfrontation mit den obengenannten Mobiltelefon-

auswertungen nicht zu überzeugen, wonach seine Mutter A.F. die Anrufe 

an seinen Bruder E.F. mit seinem Mobiltelefon getätigt habe, als dieser mit 

B.F. zusammen auf dem Weg ins Spital gewesen sei (UA act. 540), denn 

beim verschickten Bild handelt es sich offensichtlich um ein Selbstportrait, 

das nicht die Mutter von ihm aufgenommen haben kann. Dass B.F. nun vor 

Obergericht zumindest eingesteht, dass die ausgewerteten Nachrichten 

und Anrufe auf seinem Mobiltelefon – und so auch das Selbstportrait – nun 

doch von ihm selbst stammen würden (Protokoll Berufungsverhandlung 

S. 38) und er doch nicht so lange bewusstlos gewesen sei, sondern eher 

filmrissartige Aussetzer gehabt habe (Protokoll Berufungsverhandlung 

S. 37), vermag an der fehlenden Glaubhaftigkeit seiner Aussagen nichts zu 

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ändern. Vielmehr bekräftigt es den bereits bestehenden Eindruck, dass er 

seine Aussagen stets dem aktuellen Verfahrensstand anpasst und er sich 

so die für ihn beste Ausgangslage zu verschaffen versucht. Zudem steht 

die Tatsache, dass B.F. nun vor Obergericht eingestanden hat, lediglich 

gesehen zu haben, wie er vom Beschuldigten, nicht aber von C.G. Schläge 

bekommen habe (Protokoll Berufungsverhandlung S. 41 f.), nicht nur im 

Widerspruch zu seinen früheren Aussagen, sondern spricht auch dafür, 

dass sich C.G. tatsächlich nicht an der Auseinandersetzung tätlich beteiligt 

hat. 

 

Nach dem Gesagten erweisen sich auch die Aussagen von A.F., die die 

Ereignisse angeblich aus dem Hauseingang beobachtet haben soll (UA 

act. 558 ff.; Protokoll Berufungsverhandlung S. 11 ff.), als unglaubhaft und 

mit B.F. abgesprochen. Sie schilderte zwei Tage nach dem Vorfall das von 

ihr angeblich Beobachtete im Wesentlichen gleich wie B.F., was sich aber 

– wie dargelegt – nicht mit den Auswertungen des Mobiltelefons verein-

baren lässt. Darüber hinaus fällt auf, dass sie das angeblich Beobachtete 

nur rudimentär wiedergeben und zu diversen banalen Fragen keine Antwort 

geben konnte. So sei sie sich zwar sicher, dass sie gesehen habe, dass 

einer der beiden Brüder G. eine Eisenstange aus der Jacke gezogen habe, 

sie konnte aber weder die Kleidung des Beschuldigten noch von C.G. 

beschreiben oder deren Farben nennen (UA act. 559; 564). Weiter sagte 

sie auch aus, dass sie beobachtet habe, dass ihr Sohn mehrfach getreten 

worden sei, sie konnte aber nicht sagen, wie viele Tritte sie ungefähr 

beobachtet haben soll (UA act. 561). Zudem gab sie zu Protokoll, dass sie 

das markante Gesicht von C.G. mit Sicherheit wiedererkenne, da dieser 

von vorne in den Bauch von B.F. geschlagen habe. Hingegen habe der 

andere (folglich der Beschuldigte) die Eisenstange gehabt (UA act. 568 f.). 

Den Aussagen von B.F. folgend hätte aber C.G. und nicht der Beschuldigte 

die Eisenstange gehabt. Den Protokollen ist schliesslich zu entnehmen, 

dass B.F. während der Einvernahme seiner Mutter A.F. wiederholt un-

aufgefordert das Wort ergriff und ihr auf Serbisch Sachen sagte bzw. 

Anweisungen machte, sodass sitzungspolizeiliche Massnahmen ergriffen 

werden mussten und er des Raumes verwiesen wurde (UA act. 559 f.; 563; 

703). So hat B.F. insbesondere versucht, Einfluss zu nehmen, als A.F. dazu 

befragt wurde, wer denn die Eisenstange gehabt haben soll (UA act. 563). 

Bezeichnend ist schliesslich, dass A.F. vor Obergericht, als sie nach dem 

Vorfall gefragt wurde, zuerst lediglich von angeblich beobachteten Fuss-

tritten durch den Beschuldigten und C.G. sprach (Protokoll Berufungs-

verhandlung S. 12 f.), nicht aber von einem verwendeten Schlagwerkzeug. 

Erst als sie explizit nach diesem gefragt wurde, war von einem gelben bzw. 

holzfarbenen Holzstock die Rede (Protokoll Berufungsverhandlung S. 13; 

15 f.). Dies obschon sie bis anhin immer von einer schwarzen Stange 

gesprochen hatte (UA act. 563; 697). Es muss nach dem Gesagten davon 

ausgegangen werden, dass A.F. diese Auseinandersetzung zwischen dem 

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Beschuldigten, C.G. und B.F. nicht beobachtet hat, sondern die 

belastenden Aussagen nach Absprache mit ihrem Sohn B.F. tätigte. 

 

Zusammenfassend erweisen sich die Aussagen von B.F. als Schutz-

behauptungen. Weiter erweisen sich auch die Aussagen von A.F. als 

erfunden. Demgegenüber erachtet das Obergericht die Aussagen des 

Beschuldigten und C.G. als in sich stimmig, schlüssig und glaubhaft. Es ist 

daher mit der Vorinstanz auf diese abzustellen. Diesen Aussagen folgend 

fragte der Beschuldigte am 27. Januar 2020 seinen Bruder C.G., ob er mit 

ihm in seinem Fahrzeug «eine Runde drehen» würde, um nach B.F. 

Ausschau zu halten. Er habe nämlich aufgrund des Telefonats einige Tage 

zuvor zwischen ihm und B.F. Angst gehabt und B.F. deshalb treffen bzw. 

konfrontieren wollen, bevor dieser ihn irgendeinmal unerwartet angreifen 

werde. Er habe diese Differenzen nun endlich mit B.F. klären wollen und 

deshalb von sich aus die Konfrontation gesucht. Die beiden Brüder G. sind 

sodann in das Auto von C.G. gestiegen, haben eine Runde in Q. gedreht, 

nach B.F. Ausschau gehalten und alsdann vor dessen Wohnblock parkiert. 

Als sie auf den herannahenden B.F. aufmerksam geworden sind, hat der 

Beschuldigte seinen Bruder gebeten, sich nicht einzumischen und nur 

darauf zu achten, ob B.F. eine Waffe ziehen würde. Der Beschuldigte hat 

anschliessend die verbale Konfrontation gesucht. B.F. ist daraufhin auf ihn 

zugelaufen, worauf der Beschuldigte ihn weggestossen hat. Es entwickelte 

sich eine Rangelei zwischen ihm und B.F., in welcher auch einzelne Fäuste 

geflogen sind. Der Beschuldigte hat dabei B.F. auch im Gesicht getroffen 

(UA act. 437). Die Schlägerei hat geendet, als der Beschuldigte bemerkte, 

dass B.F. blutete (UA act. 435 ff.; 452 ff.; 470; 472 ff.; 483; Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 17 ff.; 26 ff.). 

 

2.4.3. 

Gemäss dem erstellten Sachverhalt hat C.G. nicht an der tätlichen 

Auseinandersetzung und somit an einem Raufhandel teilgenommen. Unter 

den vorliegenden Umständen kann auch nicht aufgrund der blossen 

Anwesenheit von C.G. auf eine psychische Teilnahme am Raufhandel 

geschlossen werden, setzt eine solche doch voraus, dass bereits ein 

Raufhandel vorliegt, was wiederum die tätliche Auseinandersetzung dreier 

Personen voraussetzt (Urteil des Bundesgerichts 6B_1056/2015 vom 4. 

Dezember 2015 E. 4.1). 

 

Nach dem Gesagten ist der Beschuldigte mit der Vorinstanz vom Vorwurf 

des Raufhandels freizusprechen. 

 

2.5. 

2.5.1. 

Der Privatkläger B.F. macht mit seiner Berufung weiter geltend, der 

Beschuldigte habe sich durch den Schlag bzw. die Schläge ins Gesicht von 

B.F. der versuchten schweren Körperverletzung schuldig gemacht. 

 - 10 - 

 

 

 

2.5.2. 

Nach Art. 122 StGB macht sich der schweren Körperverletzung strafbar, 

wer vorsätzlich einen Menschen lebensgefährlich verletzt (Abs. 1), wer 

vorsätzlich den Körper, ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen 

verstümmelt oder ein wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar macht, 

einen Menschen bleibend arbeitsunfähig, gebrechlich oder geisteskrank 

macht, das Gesicht eines Menschen arg und bleibend entstellt (Abs. 2), 

oder wer vorsätzlich eine andere schwere Schädigung des Körpers oder 

der körperlichen oder geistigen Gesundheit eines Menschen verursacht 

(Abs. 3). 

 

Die rechtliche Qualifikation von Körperverletzungen als Folge von Faust-

schlägen oder Tritten hängt von den konkreten Tatumständen ab. Mass-

geblich sind insbesondere die Heftigkeit des Schlages und die Verfassung 

des Opfers. Faustschläge, Fusstritte oder Schläge mit gefährlichen 

Gegenständen (beispielsweise einer Glasflasche) gegen den Kopf eines 

Menschen sind geeignet, schwere Körperverletzungen oder sogar den Tod 

des Opfers herbeizuführen, wobei dieses Risiko umso grösser ist, wenn 

das Opfer ohne Reaktions- oder Abwehrmöglichkeit am Boden liegt. Nach 

der bundesgerichtlichen Rechtsprechung entspricht es der allgemeinen 

Lebenserfahrung, dass Fusstritte und Faustschläge in den Kopfbereich 

eines am Boden liegenden Opfers – selbst wenn dieses sich zusammenrollt 

und den Kopf mit den Händen zu schützen versucht – zu schwerwiegenden 

Beeinträchtigungen der körperlichen Integrität führen können. Für die 

Erfüllung des Tatbestandes der versuchten (Art. 22 Abs. 1 StGB) schweren 

Körperverletzung setzt die bundesgerichtliche Rechtsprechung nicht 

voraus, dass neben den eigentlichen Fusstritten oder Schlägen gegen den 

Kopf ein aggravierendes Moment, etwa eine besondere Heftigkeit der 

Tritte, die Wehrlosigkeit des Opfers, die Traktierung mit weiteren Gegen-

ständen oder die Einwirkung mehrerer Personen, hinzutreten muss (Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1314/2020 vom 8. Dezember 2021 E. 1.2.2 mit 

Hinweisen). 

 

2.5.3. 

Die Anklageschrift wirft dem Beschuldigten vor, B.F. habe aufgrund der 

Schläge und Tritte des Beschuldigten Blutergüsse mit Weichteilschwel-

lungen am Nasenrücken, am linken Augenunterlid, an der linken Joch-

bogenregion, beidseitig am Hinterkopf und in der Scheitelregion linkseitig 

sowie einen Nasenschiefstand nach rechts, Druckschmerzhaftigkeit am 

rechten Unterkieferast, Hautrötungen und Hautabschürfungen an den 

Händen erlitten. Es ist zwar richtig, dass das rechtsmedizinische Gutachten 

vom 26. Februar 2020 neben den angeklagten Verletzungen auch eine 

Eindrückungsfraktur der vorderen Wand der Kieferhöhle sowie eine Fraktur 

des Augenhöhlenbodens unter Beteiligung des Kanals, in welchem der 

Unteraugennerv verläuft, eine dislozierte Nasenbeinfraktur und eine 

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Fraktur des Knochenfortsatzes, der an der Verbindungsstelle beider 

Oberkieferknochen gebildet wird, diagnostizierte (vgl. UA act. 375). 

Dennoch bleibt es dem Obergericht aufgrund des Anklagegrundsatzes 

verwehrt, diese Verletzungen dem Beschuldigten zur Last zu legen, haben 

diese Verletzungen doch nicht Eingang in die Anklageschrift gefunden. 

 

Dem Vorbringen des Beschuldigten, dass eine versuchte schwere Körper-

verletzung auch lediglich gestützt auf die Tatsache angenommen werden 

könne, dass der Beschuldigte gemäss Anklage B.F. mit Fäusten und Tritten 

schwer traktiert habe und entsprechend in Kauf genommen haben müsse, 

dass dieser schwer verletzt werde (Protokoll Berufungsverhandlung S. 52), 

kann ebenfalls nicht gefolgt werden. Dem erstellten Sachverhalt folgend 

ereignete sich zwischen dem Beschuldigten und B.F. (lediglich) eine kurze 

Rangelei, in welcher auch einzelne Fäuste geflogen sind. Der Beschuldigte 

lag entgegen seinen Ausführungen zu keinem Zeitpunkt bewusstlos am 

Boden, während der Beschuldigte weiter auf ihn eingeschlagen habe. Auch 

wurden keine gefährlichen Gegenstände wie eine Metallstange verwendet. 

Das rechtsmedizinische Gutachten hält darüber hinaus fest, dass aufgrund 

der Untersuchungen keine Anhaltspunkte für das Vorliegen einer konkreten 

Lebensgefahr bestanden haben (UA act. 380). Die Annahme einer 

versuchten schweren Körperverletzung bleibt vor diesem Hintergrund 

ausgeschlossen. 

 

2.6. 

Die Berufung des Privatklägers B.F. sowie die Anschlussberufung der 

Staatsanwaltschaft erweisen sich damit in diesem Punkt als unbegründet. 

 

3. 

3.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten schliesslich des Raufhandels, der 

Beschimpfung und der Drohung (Anklageziff. 2) schuldig gesprochen. Zur 

Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass es am 11. Juli 2020 

zwischen B.F. und seiner Mutter A.F. einerseits und dem Beschuldigten 

andererseits anlässlich eines zufälligen Zusammentreffens in der Denner-

Filiale in Q. zu gegenseitigen, verbalen Provokationen und im Anschluss 

auf dem Parkplatz dieser Filiale zu einer Schlägerei zwischen ihnen 

gekommen sei, welche jedenfalls die Körperverletzung einer Person zur 

Folge hatte. Anlässlich dieser Auseinandersetzung habe der Beschuldigte 

A.F. als «Schlampe» beschimpft und B.F. damit gedroht, dass er ihm das 

letzte Mal die Nase gebrochen habe, dieses Mal er aber nicht einfach so 

davonkomme. 

 

Der Privatkläger B.F. macht mit seiner Berufung im Wesentlichen geltend, 

der Beschuldigte habe ihn anlässlich dieser Auseinandersetzung mit 

Faustschlägen und Fusstritten unter anderem gegen den Kopf traktiert, 

 - 12 - 

 

 

weshalb er wegen einfacher Körperverletzung und versuchter schwerer 

Körperverletzung schuldig zu sprechen sei. 

 

3.2. 

Der Anklageschrift ist zu entnehmen, dass es auf dem Parkplatz der 

Denner-Filiale zu einer Schlägerei zwischen B.F., A.F. und dem Beschul-

digten gekommen sei, wobei diese gegenseitig mit den Händen und 

Füssen aufeinander eingeschlagen haben sollen. B.F. habe dabei eine 

Schürfwunde und Kontusion am linken Knie, ein kleines Hämatom frontal 

rechts und diverse weitere Kontusionen erlitten. A.F. habe ebenfalls diverse 

Kontusionen am Körper und ein Hämatom occipital links erlitten, während 

der Beschuldigte leichte Schürfungen unter dem Auge, an der Schulter, am 

Rücken und an den Knien aufgewiesen habe. Der Beschuldigte habe 

gewusst, dass sich in einer unkontrollierten Prügelei Personen verletzen 

können. 

 

Der Anklageschrift kann indessen nicht entnommen werden, welche 

Verletzungen durch welche Personen verursacht wurden. Vielmehr seien 

diese Verletzungen auf die unkontrollierte Prügelei zwischen sämtlichen 

Personen zurückzuführen. Gestützt auf den angeklagten Sachverhalt 

besteht daher kein Raum für eine Verurteilung wegen einfacher Körper-

verletzung bzw. wegen versuchter schwerer Körperverletzung. 

 

Die Berufung des Privatklägers B.F. erweist sich damit auch in diesem 

Punkt als unbegründet. 

 

4. 

Der Beschuldigte verzichtete auf das Einlegen eines Rechtsmittels. Die 

Staatsanwaltschaft führte in ihrer Anschlussberufungsbegründung aus, 

dass den Erwägungen der Vorinstanz betreffend die Strafzumessung voll-

umfänglich zu folgen sei, gleichzeitig jedoch zusätzlich ein Schuldspruch 

wegen Raufhandels verlangt werde und infolgedessen die Strafe zwangs-

läufig höher zu bemessen sei. Wie hievor dargelegt, erweist sich die 

Berufung des Privatklägers sowie die Anschlussberufung der Staats-

anwaltschaft als unbegründet. Weitere Ausführungen zur Strafzumessung 

erübrigen sich damit bzw. es kann auf die unbestritten gebliebenen Aus-

führungen der Vorinstanz verwiesen werden. Damit einhergehend kann 

offen bleiben, ob auf die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft 

hinsichtlich der Strafzumessung überhaupt einzutreten wäre, wie dies vom 

Beschuldigten mit Berufungs- und Anschlussberufungsantwort vom 23. 

November 2022 infrage gestellt worden ist. Es bleibt damit bei der von der 

Vorinstanz ausgesprochenen bedingten Freiheitsstrafe von 10 Monaten, 

Probezeit 4 Jahre, der unbedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 

Fr. 100.00 und der Busse von Fr. 100.00, ersatzweise 1 Tag Freiheits-

strafe. 

 

 - 13 - 

 

 

5. 

5.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten verpflichtet, dem Privatkläger B.F. 

eine Genugtuung für die einfache Kopfverletzung vom 27. Januar 2020 in 

der Höhe von Fr. 500.00 zu zahlen. Darüber hinaus hat sie die Zivil-

forderung auf den Zivilweg verwiesen. 

 

Der Privatkläger B.F. macht mit seiner Berufung adhäsionsweise eine 

Genugtuung in der Höhe von Fr. 8'000.00 sowie Schadenersatzpflicht dem 

Grundsatz nach geltend. 

 

5.2. 

Wer Schadenersatz beansprucht, hat den Schaden – wenn er wie 

vorliegend bestritten wird – zu beweisen, wozu gehört, dass dieser 

substanziert behauptet wird, andernfalls das Gericht die Klage mangels 

Substanzierung abweist bzw. im Strafprozess auf den Zivilweg verweist, 

selbst wenn die Existenz des Schadens klar wäre. Der Privatkläger trifft 

somit eine Substanzierungsobliegenheit. Gemäss Art. 123 Abs. 2 StPO 

haben Bezifferung und Begründung der Zivilklage spätestens im Partei-

vortrag vor Erstinstanz zu erfolgen. Versäumt die Privatklägerschaft dies, 

ist die Zivilklage auf den Zivilweg zu verweisen (Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO). 

 

Der Privatkläger beantragt vorliegend Schadenersatz dem Grundsatz 

nach. Er hat es indessen unterlassen, diesen bis spätestens im erst-

instanzlichen Parteivortrag substanziert zu begründen. Ein allfälliger 

Schadenersatzanspruch dem Grundsatz nach gemäss Art. 126 Abs. 3 

StPO ist damit einer Beurteilung nicht zugänglich, zumal hinsichtlich der 

adhäsionsweise geltend gemachten Zivilforderungen die Dispositions-

maxime gilt. Die Zivilklage ist daher in diesem Punkt auf den Zivilweg zu 

verweisen (Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO). 

 

5.3. 

Der Privatkläger beantragt zudem eine Erhöhung der Genugtuung auf 

Fr. 8'000.00. 

 

Das Obergericht erachtet eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 500.00 für 

die erlittenen Verletzungen – wie sie vom Beschuldigten anerkannt und von 

der Vorinstanz zugesprochen wurde – als angemessen. Der Privatkläger 

unterliegt mit seiner Berufung, mit welcher er einen Angriff durch die Brüder 

G. geltend machte. Entgegen den Ausführungen des Privatklägers sind die 

erstellten Verletzungen vielmehr auf eine wechselseitig geführte Ausein-

andersetzung zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger zurück-

zuführen, anlässlich welcher der Beschuldigte den Privatkläger im Gesicht 

getroffen hat. Dass der Privatkläger aufgrund des Vorfalls vom 27. Januar 

2020 nicht mehr in seinem früheren Beruf als Polymechaniker arbeiten 

könne und deshalb eine Umschulung zu einem büroähnlichen Beruf nötig 

 - 14 - 

 

 

geworden sei, wurde zudem erstmals vor Obergericht und damit nach dem 

Fall der zivilprozessualen Novenschranke vorgebracht. Da es sich bei 

diesem Vorbringen nicht um ein echtes Novum handelt, kann es vorliegend 

nicht berücksichtigt werden, zumal es ohnehin fragwürdig ist, ob dieser 

Umstand auf das Ereignis vom 27. Januar 2020 zurückzuführen ist (vgl. 

Protokoll Berufungsverhandlung S. 43 in fine). 

 

Nach dem Gesagten bleibt es bei der Genugtuung in der Höhe von 

Fr. 500.00. 

 

6. 

6.1. 

6.1.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). 

 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten für das Berufungsverfahren gegen 

den Beschuldigten und die Mitbeschuldigten B.F., A.F. und C.G. belaufen 

sich auf insgesamt Fr. 14'000.00 (§ 18 VKD), der auf das Berufungs-

verfahren des Beschuldigten entfallende Anteil auf Fr. 4'000.00 (Art. 418 

Abs. 1 StPO). 

 

Vorliegend unterliegt der Privatkläger B.F. mit seiner Berufung und die 

Staatsanwaltschaft mit ihrer Anschlussberufung vollständig. 

 

Bei diesem Ausgang des Verfahren rechtfertig es sich, dem Privatkläger 

B.F. die Hälfte der anteilsmässig auf das vorliegende Berufungsverfahren 

entfallenden Kosten, mithin Fr. 2'000.00 aufzuerlegen und mit dem 

einverlangten Kostenvorschuss von Fr. 3'000.00 zu verrechnen. 

 

6.1.2. 

Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten ist für das Berufungsverfahren 

gestützt auf die von ihm eingereichte Kostennote – jedoch angepasst an 

die effektive, längere Dauer der Berufungsverhandlung – aus der 

Staatskasse mit gerundet Fr. 8'400.00 zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 

StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 3bis AnwT). 

 

Ausgangsgemäss ist diese Entschädigung vom Beschuldigten nicht 

zurückzufordern (Art. 135 Abs. 4 StPO e contrario). 

 

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts besteht – trotz Unterliegens 

im Berufungsverfahren – keine gesetzliche Grundlage, diese Entschä-

digung dem Privatkläger aufzuerlegen (BGE 145 IV 90 E. 5). 

 

 - 15 - 

 

 

6.1.3. 

Der Privatkläger B.F. unterliegt mit seiner Berufung vollumfänglich, 

weshalb ihm keine Parteientschädigung zuzusprechen ist (Art. 436 Abs. 1 

i.V.m. Art. 433 Abs. 1 StPO e contrario). 

 

6.2. 

6.2.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz einen neuen Entscheid, so befindet sie darin 

auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person 

die Kosten, wenn sie verurteilt wird. Wird sie teilweise freigesprochen oder 

das Verfahren teilweise eingestellt, so sind ihr die Verfahrenskosten 

anteilsmässig aufzuerlegen. Ihr dürfen jedoch dann die gesamten Kosten 

auferlegt werden, wenn die ihr zur Last gelegten Handlungen in einem 

engen und direkten Zusammenhang stehen und alle Untersuchungs-

handlungen hinsichtlich jedes Anklagepunktes notwendig waren (Urteile 

des Bundesgerichts 6B_343/2020 vom 14. Dezember 2021 E. 8.3; 

6B_460/2020 vom 10. März 2021 E. 10.3.1). Dies ist vorliegend der Fall. 

Die Verfahrenseinstellungen und der Freispruch betreffen jeweils die 

Anklageziffer 1. Diesbezüglich wird der Beschuldigte der einfachen Körper-

verletzung schuldig gesprochen. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass 

er mit seinem strafbaren Verhalten die Ursache für die Ermittlungen gesetzt 

hat und betreffend den Vorwurf des Raufhandels zudem von keinen 

zusätzlichen Ermittlungshandlungen auszugehen ist. Somit sind dem 

Beschuldigten die erstinstanzlichen Verfahrenskosten vollumfänglich auf-

zuerlegen. 

 

6.2.2. 

Die dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochene Entschädigung von Fr. 22'551.70 wurde mit der Berufung 

nicht angefochten, weshalb darauf nicht zurückgekommen werden kann 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es 

seine finanziellen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

7. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). Das ist auch der Fall, wenn eine Berufung vollumfänglich 

abgewiesen wird (Urteil des Bundesgerichts 6B_761/2017 vom 17. Januar 

2018 E. 4 mit Hinweisen). 

 

  

 - 16 - 

 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

1.1. [in Rechtskraft erwachsen] 

Das Verfahren wird eingestellt in Bezug auf den Vorwurf 

- der mehrfachen (teilweise versuchten) Drohung (Anklageziff. 1); 

- der mehrfachen Beschimpfung (Anklageziff. 1). 

 

1.2. 

Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf 

- des Raufhandels gemäss Art. 133 StGB (Anklageziff. 1); 

- der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss 

Art. 19a Ziff. 1 BetmG (wegen Besitz; Anklageziff. 3) [in Rechtskraft 

erwachsen]. 

 

2. [in Rechtskraft erwachsen] 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- der einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 StGB (Anklageziff. 1); 

- des Raufhandels gemäss Art. 133 StGB (Anklageziff. 2); 

- der Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB (Anklageziff. 2); 

- der Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB (Anklageziff. 2); 

- der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss 

Art. 19a Ziff. 1 BetmG (wegen Konsum; Anklageziffer 3). 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte wird gemäss den in Ziff. 2 genannten Gesetzes-

bestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, 

Art. 40 StGB, Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 44 StGB, Art. 46 

Abs. 1 StGB und Art. 106 StGB 

 

zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 10 Monaten, Probezeit 4 Jahre, 

 

einer unbedingten Gesamtgeldstrafe von 60 Tagessätzen (inkl. Widerrufs-

strafe gemäss Ziff. 3.3) à Fr. 100.00, d.h. Fr. 6'000.00, 

 

und einer Busse von Fr. 100.00, ersatzweise 1 Tag Freiheitsstrafe, 

verurteilt. 

 

3.2. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft von insgesamt 3 Tagen (28. Januar 

2020 bis 29. Januar 2020 sowie 11. Juli 2020) wird auf die Freiheitsstrafe 

angerechnet. 

 

 - 17 - 

 

 

3.3. 

Der dem Beschuldigten mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-

Aarau vom 15. November 2018 für die Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 

Fr. 80.00 gewährte bedingte Strafvollzug wird gestützt auf Art. 46 Abs. 1 

StGB widerrufen und ist Bestandteil der Gesamtgeldstrafe gemäss Ziff. 3.1. 

 

4. [in Rechtskraft erwachsen] 

Folgende Betäubungsmittel werden eingezogen: 

- Minigrip mit 2.24 g (netto) Haschisch 

 

Die Staatsanwaltschaft trifft die sachgemässen Verfügungen. 

 

5. 

5.1.  

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B.F. eine Genugtuung 

in der Höhe von Fr. 500.00 zu bezahlen. 

 

Im Übrigen wird seine Zivilklage auf den Zivilweg verwiesen. 

 

5.2. [in Rechtskraft erwachsen] 

Die Zivilklage der Privatklägerin A.F. wird auf den Zivilweg verwiesen. 

 

6. 

6.1. 

Die auf dieses Verfahren anteilsmässig entfallenden obergerichtlichen 

Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 werden dem Privatkläger B.F. zur Hälfte 

mit Fr. 2'000.00 auferlegt und mit dem Kostenvorschuss in der Höhe von 

Fr. 3'000.00 verrechnet. Im Übrigen werden die Verfahrenskosten auf die 

Staatskasse genommen. 

 

6.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des 

Beschuldigten für das Berufungsverfahren eine Entschädigung von 

Fr. 8'400.00 auszurichten. 

 

6.3. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 3'800.65 (inkl. Anklage-

gebühr von Fr. 450.00) werden dem Beschuldigten auferlegt. 

 

6.4. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

stattgefunden hat – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das erst-

instanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. Fr. 22'551.70 aus-

zurichten. 

 

 - 18 - 

 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine finanziellen Verhältnisse erlauben. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Hinweis zur Bedeutung der bedingt ausgesprochenen Strafe  

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer ausgefällten bedingten Geld- oder Freiheitsstrafe wird der Vollzug aufgeschoben. 

Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren angesetzt. Hat 

sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird die aufgeschobene Strafe 

nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass die Geldstrafe dann nicht bezahlen 

bzw. die Freiheitsstrafe nicht anzutreten ist. Begeht der Verurteilte während der Probezeit 

aber ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten 

verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 Abs. 1 

StGB).  

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde-

legitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 5. Januar 2023 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident:    Der Gerichtsschreiber i.V.: 

 

 

 

Six     Stutz