# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ae90cb67-7629-5d73-b135-6febdc1cf9f6
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-25
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 25.08.2023 SST.2023.36
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2023-36_2023-08-25.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

 

SST.2023.36 

(ST.2022.10; StA.2021.1470) 

 

 

Urteil vom 25. August 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident 

Oberrichter Fedier 

Ersatzrichterin Müller 

Gerichtsschreiberin i.V. Kaileswaran 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten, 

Kloster-Südflügel, Seetalstrasse 8, 5630 Muri AG 

 

 
    

Beschuldigter   B._____,  

geboren am tt.mm.1974, von Afghanistan, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Tom Schaffner,  

[…] 

 

  

 
 

Gegenstand  Versuchte vorsätzliche Tötung 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

  
 

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten erhob am 31. März 2022 Anklage 

gegen den Beschuldigten wegen versuchter vorsätzlicher Tötung (Art. 111 

StGB i.V.m. Art. 22 StGB), einfacher Körperverletzung (Art. 123 StGB) und 

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz (Art. 19a Ziff. 1 

BetmG).  

 

2. 

Mit Urteil vom 28. Juni 2022 erkannte das Bezirksgericht Muri: 

 
1. 
Der Beschuldigte wird in Bezug auf den Anklagepunkt der versuchten vorsätzlichen Tötung 
(Art. 111 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB) von Schuld und Strafe freigesprochen. 
 
2. 
Der Beschuldigte ist schuldig: 
- der einfachen Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 und Ziff. 2 al. 3 StGB) 
- des mehrfachen vorsätzlichen Konsums von Betäubungsmitteln (Art. 19a Ziff. 1 

BetmG).  
 
3. 
3.1. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziffer 2 erwähnten Bestimmungen und gestützt 
auf Art. 40 und 47 StGB zu 4 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.  
 
3.2. 
Die Untersuchungshaft von 297 Tagen (17. April 2021 bis vorzeitigem Massnahmenantritt 
8. Februar 2022) wird gestützt auf Art. 51 StGB an die Freiheitsstrafe angerechnet. Die 
Freiheitsstrafe ist somit vollständig verbüsst.  
 
4. 
4.1. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziffer 2 erwähnten Bestimmungen und gestützt 
auf Art. 106 StGB zu einer Übertretungsbusse von Fr. 200.00 verurteilt. 
 
4.2. 
Die Untersuchungshaft von 297 Tagen (17. April 2021 bis vorzeitigem Massnahmenantritt 
8. Februar 2022) wird gestützt auf Art. 51 StGB mit 2 Tagen pro Fr. 100.00 an die 
Übertretungsbusse angerechnet. Die Busse gilt somit als vollständig beglichen. 
 
5. 
Von der Anordnung einer therapeutischen Massnahme i.S.v. Art. 56 ff. StGB wird 
abgesehen.  
 
6. 
Von einer Landesverweisung nach Art. 66abis StGB wird abgesehen.  
 
7. 
Dem Beschuldigten wird für die ausgestandene Überhaft (inkl. vorzeitigen 
Massnahmenvollzug) eine Genugtuung von Fr. 10'000.00 zu Lasten der Staatskasse 
zugesprochen.  
 

 - 3 - 

 

 

 

8. 
Es wird festgehalten, dass der Beschuldigte die Zivilforderung der Zivil- und Strafklägerin 
[A._____] von Fr. 1'000.00 Genugtuung anerkannt hat.  
 
9. 
Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Zivil- und Strafklägerin eine Parteientschädigung in 
der Höhe ihrer richterlich genehmigten Anwaltskosten von Fr. 4'000.20 (inkl. 7.7 % MWST 
von Fr. 286.00) zu bezahlen.  
 
10. 
Folgende Verfahrenskosten werden dem Beschuldigten auferlegt: 
 

Gerichtsgebühr Fr. 4'700.00 
Kosten für Vorabgutachten  Fr. 5'276.35 
Kosten für Gutachten Fr. 12'657.30 
Untersuchungskosten Fr. 1'675.00 
Kostenrapporte Polizei Fr.  94.00 
Post-, Telefon- und ähnliche Spesen Fr. 170.00 
Zwischentotal Fr. 24'572.65 
 

zuzügl. Anklagegebühr Fr. 2'550.00 
Total Fr. 27'122.65 
 

Die Übersetzungskosten von Fr. 907.00 gehen zu Lasten der Staatskasse.  
 

Die Kosten für die amtliche Verteidigung werden auf die Staatskasse genommen. Die 
Gerichtskasse Muri wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger MLaw Tom Schaffner, 
Schärer Rechtsanwälte, Hintere Bahnhofstrasse 6, 5001 Aarau 1, ein gerichtlich 
festgesetztes Honorar von Fr. 25'072.45 (inkl. 7.7 % MWST von Fr. 1'775.35) zu Lasten 
des Staates auszurichten.  
 

Hinweis: 
Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die amtliche 
Verteidigung zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 
(Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 
 
11. 
Über die Entlassung des Beschuldigten aus der Sicherheitshaft bzw. aus dem vorzeitigen 
Massnahmenvollzug wird in einem separaten Beschluss entschieden. 
 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 3. Februar 2023 beantragte die 

Staatsanwaltschaft, der Beschuldigte sei zusätzlich wegen versuchter 

vorsätzlicher Tötung schuldig zu sprechen. Er sei zu einer Freiheitsstrafe 

von 6 Jahren zu verurteilen. Weiter sei eine stationäre Massnahme gemäss 

Art. 59 StGB anzuordnen. Sodann sei er für die Dauer von 10 Jahren des 

Landes zu verweisen. 

 

3.2. 

Die Staatsanwaltschaft reichte am 24. März 2023 vorgängig zur 

Berufungsverhandlung eine schriftliche Berufungsbegründung ein. 

 

3.3. 

Mit vorgängiger Berufungsantwort vom 5. Juni 2023 beantragte der 

Beschuldigte die Abweisung der Berufung der Staatsanwaltschaft. 

 - 4 - 

 

 

 

3.4. 

Die Berufungsverhandlung fand am 25. August 2023 statt. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft beantragt mit Berufung – nebst dem im 

Berufungsverfahren unangefochten gebliebenen Schuldspruch wegen 

einfacher Körperverletzung zum Nachteil seiner Ehefrau A._____ – einen 

zusätzlichen Schuldspruch wegen versuchter vorsätzlicher Tötung seines 

Sohnes C._____ und damit einhergehend eine Erhöhung der 

Freiheitsstrafe auf 6 Jahre, die Anordnung einer stationären Massnahme 

sowie eine Landesverweisung für die Dauer von 10 Jahren. Die 

erstinstanzlichen Schuldsprüche wegen einfacher Körperverletzung und 

Konsums von Betäubungsmitteln, die für die Übertretung ausgesprochene 

Busse und die A._____ zugesprochene Genugtuung sind unangefochten 

geblieben, weshalb in diesem Punkten keine Überprüfung stattfindet 

(Art. 404 Abs. 1 StPO). 

 

2. 

2.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten vom Vorwurf der versuchten 

vorsätzlichen Tötung freigesprochen. Sie hat den Tötungsvorsatz des 

Beschuldigten mit der Begründung, dass er seinen Sohn C._____ nie habe 

töten wollen, verneint. Vielmehr sei es dem Beschuldigten, auch bei der 

Drohung mit dem Messer, darum gegangen, sich den notwendigen 

Respekt zu verschaffen bzw. er habe gewollt, dass C._____ die Wohnung 

verlasse. Weiter erwog sie, dass der Beschuldigte die Schwelle zur 

Tatausführung nicht überschritten habe (vorinstanzliches Urteil E. 2.2.3). 

 

Die Staatsanwaltschaft, die mit Berufung einen Schuldspruch wegen 

versuchter vorsätzlicher Tötung beantragt, macht demgegenüber geltend, 

der Beschuldigte habe mit Tötungsvorsatz gehandelt und die Schwelle zum 

Beginn der Tatausführung sei deutlich überschritten (Berufungs-

begründung S. 10).  

 

2.2. 

Der vorsätzlichen Tötung nach Art. 111 StGB macht sich strafbar, wer 

vorsätzlich einen Menschen tötet, ohne dass eine der besonderen 

Voraussetzungen von Art. 122 ff. StGB zutrifft. 

 

Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen 

und Willen ausführt. Wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in 

Kauf nimmt, handelt bereits vorsätzlich (Art. 12. Abs. 2 StGB). Nach 

ständiger Rechtsprechung ist Eventualvorsatz gegeben, wenn der Täter 

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den Eintritt des Erfolgs bzw. die Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, 

aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf 

nimmt und sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein. Ob 

der Täter die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen hat, muss das 

Gericht bei Fehlen eines Geständnisses des Beschuldigten aufgrund der 

Umstände entscheiden. Dazu gehören die Grösse des dem Täter 

bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung, die Schwere einer 

allfälligen Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweggründe des Täters und die 

Art der Tathandlung (BGE 147 IV 439 E. 7.3.1; Urteil des Bundesgerichts 

6B_1424/2020 vom 31. Januar 2022 E. 1.3.3, je mit Hinweisen). 

 

Strafbar ist auch der Versuch (Art. 22 StGB). Ein Versuch liegt vor, wenn 

der Täter, nachdem er mit der Ausführung seines Verbrechens oder 

Vergehens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende führt oder 

der zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt oder nicht 

eintreten kann. Beim Versuch erfüllt der Täter sämtliche subjektiven 

Tatbestandsmerkmale und manifestiert seine Tatentschlossenheit, ohne 

dass alle objektive Tatbestandsmerkmale verwirklicht sind (BGE 140 IV 

150 E. 3.4). 

 

2.3. 

2.3.1. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und unbestritten geblieben, dass es am 

17. April 2021 in der Wohnung des Beschuldigten in Y._____ zu einer 

Auseinandersetzung zwischen ihm, seiner Ehefrau A._____ und dem 

ältesten Sohn C._____ gekommen ist. So hatte der Beschuldigte von 

seinem Sohn verlangt, dass er den Fernseher installiere. Ein kurzer Disput 

zwischen C._____ und dem Beschuldigten erzürnte diesen so sehr, dass 

er mit dem Fernsehkabel auf den Boden oder an das Bein von C._____ 

schlug. Daraufhin schubste dieser den Beschuldigten weg und meinte, er 

solle aufhören zu schlagen. Die Ehefrau des Beschuldigten, A._____, ging 

zwischen den Beschuldigten und den Sohn C._____. Der Beschuldigte 

wollte in der Folge die Polizei rufen, damit diese C._____ aus der Wohnung 

verbringen solle, worauf A._____ ihm das Telefon wegzunehmen 

versuchte. Zwischenzeitlich war C._____ in sein Zimmer gegangen. Der 

Beschuldigte folgte ihm. In dessen Zimmer demolierte er den Kleider-

schrank und schmiss die Kleider und den Computer herum. Er forderte 

C._____ auf, die Wohnung zu verlassen. A._____ zog den Beschuldigten 

aus dem Zimmer, worauf dieser sehr wütend wurde und sie mit der Faust 

gegen den Kopf schlug, so dass sie mit dem Kopf an der Wand anschlug. 

Sie begann zu weinen und setzte sich auf den Boden. C._____ schubste 

daraufhin den Beschuldigten weg. Sodann lief der Beschuldigte in die 

Küche und kehrte nach wenigen Sekunden mit einem Messer in der Hand 

zurück und rief, dass er C._____ umbringen werde. Als C._____ den 

Beschuldigten mit dem Messer sah, geriet er in Panik. Auch A._____ 

ängstigte sich und rief deshalb ihrem Sohn, er solle schnell rausgehen, 

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bevor etwas passiere. Der Beschuldigte lief mit dem Messer in der Hand 

im Korridor ein oder zwei Schritte in Richtung von C._____, wobei die auf 

dem Boden im Korridor sitzende A._____ ihn an den Beinen und Händen 

packte und das Messer zu Boden fiel. In der Folge legte der Beschuldigte 

das Messer wieder in die Küche zurück und lief ins Wohnzimmer. 

 

Umstritten ist hingegen, ob der Beschuldigte mit Tötungsabsicht auf seinen 

Sohn C._____ zugeschritten ist und ob er bis zum Zeitpunkt, in welchem 

A._____ intervenierte, die Schwelle zum Versuch bereits überschritten 

hatte. 

 

2.3.2. 

Zwar bestreitet der Beschuldigte, mit Tötungsabsicht gehandelt zu haben 

(Protokoll der Berufungsverhandlung S. 24). Die Frage, was der 

Beschuldigte wusste, wollte und in Kauf nahm, betrifft jedoch sogenannte 

innere Tatsachen. Es ist deshalb aufgrund der äusseren Umstände zu 

entscheiden, ob der Beschuldigte mindestens im Sinne des Eventual-

vorsatzes mit Tötungsabsicht gehandelt hat. Von entscheidender 

Bedeutung ist, dass der Beschuldigte nicht bloss die verbale oder tätliche 

Auseinandersetzung mit C._____ gesucht hat, sondern bewusst in die 

Küche gegangen ist, um dort ein Küchenmesser mit einer Klingenlänge von 

rund 25 cm zu behändigen und mit diesem in der Hand – einhergehend mit 

einer verbalen Todesdrohung – auf seinen Sohn C._____ zuzuschreiten. 

Die Annahme, der Beschuldigte habe nur deshalb ein Messer aus der 

Küche geholt und Todesdrohungen ausgesprochen, um sich – ohne 

C._____ etwas antun zu wollen – Respekt zu verschaffen und C._____ 

zum Verlassen der Wohnung zu veranlassen, liegt unter den vorliegenden 

Umständen vollständig ausserhalb einer vernünftigen Betrachtungsweise. 

Sowohl der Sohn C._____ als auch die Ehefrau A._____, die mit dem 

Beschuldigten zusammengelebt haben und ihn, seinen Charakter und sein 

Verhalten entsprechend gut kannten, sind in diesem Moment denn auch 

davon ausgegangen, dass der Beschuldigte das Messer gegen C._____ 

effektiv habe einsetzen wollen und es nicht um blosse Drohungen 

gegangen ist. So hat C._____ konstant, schlüssig und nachvollziehbar 

ausgesagt, dass der Beschuldigte ihn sicher habe abstechen oder 

verletzen wollen. Er räumte ein, dass es bei ihnen wohl kulturell gesehen 

eher laut zu und her gehe; wenn aber jemand ein Messer hole, wolle er 

damit auch jemanden verletzen (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 14, 

17). Das Messer sei keine Dekoration. Es sei für ihn klar gewesen, dass 

ihn sein Vater habe angreifen und bedrohen wollen, wobei für ihn klar 

gewesen sei, dass es sein Vater nicht bei einer verbalen Diskussion bzw. 

Drohung belassen würde (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 14, 17 f.). 

Dass er nicht mit Sicherheit hat sagen können, ob ihn sein Vater mit dem 

Messer habe umbringen wollen oder nicht, liegt in der Natur der Sache. 

Daraus kann der Beschuldigte nichts zu seinen Gunsten ableiten, denn 

auch C._____ konnten die innersten Beweggründe des Beschuldigten nicht 

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bekannt sein. Der von C._____ gewonnene Eindruck, dass ihn der 

Beschuldigte habe abstechen wollen, steht im Einklang mit der 

Wahrnehmung von A._____, der Ehefrau des Beschuldigten. So hat diese 

ausgesagt, dass das Thema Respekt schon seit langem ein zentraler Punkt 

in der Familie sei, es aber noch nie vorgekommen sei, dass der 

Beschuldigte ein Messer gepackt und damit auf den Sohn losgegangen sei 

(Protokoll der Berufungsverhandlung S. 7). Bis zu diesem Vorfall sei es 

lediglich zu verbalen Auseinandersetzungen und Drohungen gekommen 

(Protokoll der Berufungsverhandlung S. 9). Ihr Sohn C._____ hätte keine 

Chance gehabt zu entkommen. Es ist dies auch der Grund, weshalb die 

sich aufgrund des vorangegangen Streits noch im Korridor befindliche 

A._____ durch Festhalten der Füsse und Arme des Beschuldigten versucht 

hat, diesen aufzuhalten. Das hätte sie nicht getan, wenn sich die Situation 

nicht sehr ernsthaft und bedrohlich präsentiert hätte. Dies hat auch 

C._____ so eingeschätzt. Wäre die Mutter nicht dazwischen gegangen, 

wäre seines Erachtens tatsächlich etwas passiert (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 14 f.). Es ist denn auch nicht ersichtlich, weshalb 

der Beschuldigte im Korridor mit dem Messer in der Hand an seiner Ehefrau 

vorbei auf seinen Sohn C._____ hätte zuschreiten sollen, wenn es ihm 

erkennbar bloss darum gegangen wäre, seinen Sohn C._____ verbal 

einzuschüchtern. Dies hätte er denn auch ohne Weiteres ohne das 

gefährliche Messer in der Hand oder aus Distanz tun können. Vielmehr hat 

sich der Beschuldigte nach Behändigen des Messers unverzüglich in 

Richtung des Zimmers seines Sohnes C._____ begeben. Dieses gezielte 

und gemäss C._____ rasche Hinlaufen zu seinem Zimmer, wie wenn 

jemand einen abfahrenden Zug erwischen müsse (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 19), mit dem Messer in der Hand und eine 

Todesdrohung rufend, kann nur so verstanden werden, dass er seinen 

Entschluss, auf Worte Taten folgen zu lassen, gefällt hatte. Aufgrund der 

sich deckenden Wahrnehmungen von C._____ und A._____ ist 

anzunehmen, dass das Handeln des Beschuldigten alles Bisherige 

übertroffen hat und es – auch unter Berücksichtigung der Ausführungen 

des Beschuldigten, demzufolge es in seiner Kultur vorkomme, Todes-

drohungen auszusprechen, ohne diese in die Tat umzusetzen, und es 

kulturell bedingt üblich sei, den eigenen Kindern gegenüber so aufzutreten, 

wie er es getan habe (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 24) – nicht 

mehr nur um den Respekt gegangen ist. Vielmehr ist unter 

Berücksichtigung des emotionalen Befindens des Beschuldigten zur 

Tatzeit anzunehmen, dass er seinem Leiden über die empfundene 

Respektlosigkeit seines Sohnes C._____ einen Schlusspunkt hat setzen 

wollen. Auch wenn der Beschuldigte bestreitet, dass er seinem Sohn etwas 

habe antun wollen, so hat er doch eingeräumt, dass er selbst nicht 

verstehe, weshalb er zum damaligen Zeitpunkt so aggressiv gewesen sei, 

sich nicht unter Kontrolle gehabt habe und einen Fehler begangen habe. 

Mithin ist aus den dargelegten äusseren Umständen darauf zu schliessen, 

dass der Beschuldigte – entsprechend seiner verbal geäusserten 

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Todesdrohung – mit der Absicht auf seinen Sohn C._____ zugegangen ist, 

das Messer mit einer Klingenlänge von 25 cm gegen diesen einzusetzen. 

Dabei hat er zumindest im Sinne des Eventualvorsatzes billigend in Kauf 

genommen, seinem Sohn tödliche Verletzungen zuzufügen. Damit ist 

entgegen der Vorinstanz die Tötungsabsicht des Beschuldigten erstellt.  

 

2.3.3. 

Zu bejahen ist auch die Frage, ob der Beschuldigte die Schwelle zum 

strafbaren Versuch gemäss Art. 22 Abs. 1 StGB bereits überschritten hatte, 

als er mit dem Küchenmesser bewaffnet und in Tötungsabsicht aus der 

Küche auf C._____ zugeschritten ist. Die Fotodokumentation zeigt, dass 

die räumlichen Verhältnisse im Korridor zwischen der Küche, aus welcher 

der Beschuldigte das Küchenmesser holte, und der Türschwelle zum 

Zimmer von C._____, wo sich dieser befand, beengt waren. Der 

Beschuldigte befand sich gerade einmal ein bis eineinhalb Meter von 

C._____ entfernt, als die noch auf dem Boden des Korridors sitzende 

Ehefrau versucht hat, den Beschuldigten aufzuhalten und in der Folge das 

Küchenmesser zu Boden fiel und der Beschuldigte schliesslich von seinem 

Ansinnen absah. Zwar ist es so, dass erst der Eingriff der Ehefrau dazu 

geführt hat, die Tatausführung zu stoppen und damit den Erfolg zu 

verhindern. Ohne diesen Eingriff wäre der Beschuldigte wohl wie von 

Sinnen mit seiner ganzen Wut auf C._____ zugegangen und hätte seinen 

gefassten Plan, das Messer gegen diesen einzusetzen, umgesetzt. Zu 

diesem Zeitpunkt hatte er den entscheidenden Schritt, von dem es in der 

Regel kein Zurück mehr gibt, es sei denn wegen äusserer Umstände, die 

eine Weiterverfolgung der Absicht erschweren oder verunmöglichen, 

bereits getan. Mithin hat der strafbare Versuch begonnen, als der 

Beschuldigte das Messer mit der 25 cm langen Klinge behändigte und 

damit im schmalen Korridor ununterbrochen bis zur Intervention durch die 

Ehefrau mit Tötungsabsicht in Richtung von C._____, der sich weniger als 

zwei Meter vom Beschuldigten entfernt befand, rasch zuschritt (vgl. Urteil 

des Bundesgerichts 6B_56/2015 vom 27. November 2015 E. 1.3.2, 

demzufolge in einem Fall, in welchem der Täter mit erhobenem Messer bis 

auf zirka zwei Meter an das Opfer herangetreten ist, die Versuchsschwelle 

zur vorsätzlichen Tötung überschritten war). Nicht vergleichbar ist der 

vorliegende Fall mit jenem, der dem Urteil des Bundesgerichts 

6B_1159/2018 vom 18. September 2019 zu Grunde lag und in welchem 

entschieden worden ist, dass die Schwelle zum Versuch nicht zwingend 

erreicht sei, wenn unklar sei, ob der vor dem mutmasslichen Opfer 

stehende, zögernde Täter mit dem Messer zugestochen hätte, wenn ihn 

Dritte davon haben abhalten können (nicht publizierte Erwägungen in BGE 

145 IV 424). Dort hat sich der Beschuldigte einer Person bis auf ca. einen 

Meter genähert, das Messer aber erst dann aus dem mitgeführten 

Plastiksack hervorgezogen und dieses in Richtung des Bauchbereichs 

einer Person gehalten, dann aber für einen kurzen Moment gezögert, bevor 

er hat zustechen können und von anderen Personen überwältigt worden 

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ist. Anders als in diesem Bundesgerichtsentscheid ist vorliegend gestützt 

auf das gewonnene Beweisergebnis nicht unklar, ob der Beschuldigte, der 

sich eines Küchenmessers bedient hatte und mit diesem in der Hand und 

unter Ausstossung einer Todesdrohung auf C._____ zuschritt, 

zugestochen hätte. Er hat bis zur Intervention seiner Ehefrau denn auch 

nicht gezögert. 

 

Entgegen der Vorinstanz ist es weder für das Vorliegen der Tötungsabsicht 

noch des strafbaren Versuchs entscheidend, ob A._____ aufgrund ihrer 

gesundheitlichen Verfassung und dem Schlag an den Kopf zu fest 

geschwächt gewesen sei, um den Beschuldigten an der Tatausführung 

hindern zu können bzw. ihr Eingreifen nicht kausal dafür gewesen sei, dass 

der Beschuldigte von der Tatbegehung abgesehen habe. Hat der 

Beschuldigte – wie hier – die Schwelle zum strafbaren Versuch bereits 

überschritten, so kann sich nur noch die Frage eines Rücktritts im Sinne 

von Art. 23 Abs. 1 StGB stellen, ohne dass dies jedoch etwas an seiner 

Tötungsabsicht oder der Strafbarkeit des Versuchs ändern würde. Vielmehr 

setzt der Rücktritt sachlogisch voraus, dass die strafbare Tätigkeit bereits 

begonnen hat. 

 

2.3.4. 

Zusammengefasst erweist sich die Berufung der Staatsanwaltschaft als 

begründet. Der Beschuldigte hat mit Tötungsabsicht gehandelt und die 

Schwelle zum strafbaren Versuch überschritten. Schuldausschluss- oder 

Rechtfertigungsgründe liegen nicht vor. In Gutheissung der Berufung der 

Staatsanwaltschaft ist er deshalb zusätzlich wegen versuchter 

vorsätzlicher Tötung gemäss Art. 111 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB zu 

verurteilen. 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte hat sich der versuchten vorsätzlichen Tötung gemäss 

Art. 122 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, der einfachen Körperverletzung 

gemäss Art. 123 StGB und der mehrfachen Widerhandlung gegen das 

Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG schuldig gemacht, 

wofür er angemessen zu bestrafen ist. 

 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen). 

Darauf kann verwiesen werden. 

 

3.2. 

Für die versuchte vorsätzliche Tötung gemäss Art. 111 StGB i.V.m. Art. 22 

Abs. 1 StGB kommt als Sanktion nur eine Freiheitsstrafe in Betracht, da 

keine ausserordentlichen Gründe vorliegen, die ein Unterschreiten des 

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ordentlichen Strafrahmens oder gar einen Strafartenwechsel erlauben 

würden (vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.8). 

 

Die Vorinstanz hat für die zum Nachteil von A._____ begangene einfache 

Körperverletzung auf eine Freiheitsstrafe anstatt eine Geldstrafe erkannt, 

da der Beschuldigte Sozialhilfe beziehe, seit seinem Zuzug in die Schweiz 

im Jahr 2010 nur gut ein Jahr gearbeitet habe und gemäss eigenen 

Angaben etwa Fr. 100'000.00 Schulden habe, weshalb davon 

ausgegangen werde müsse, dass eine Geldstrafe nicht vollzogen werden 

könne (vorinstanzliches Urteil E. 4.4.3). Dieser Einschätzung, die im 

Berufungsverfahren unbestritten geblieben ist, ist unter zusätzlicher 

Berücksichtigung dessen, dass der Beschuldigte wegen der versuchten 

vorsätzlichen Tötung zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe zu verurteilen 

ist und er sich zudem einer stationären Massnahme wird unterziehen 

müssen, beizupflichten (vgl. Art. 41 StGB; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

 

Die für die Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz ausge-

sprochene Übertretungsbusse von Fr. 200.00 ist mit Berufung nicht 

angefochten worden, worauf nicht zurückzukommen ist. Die Ersatz-

freiheitsstrafe für den Fall, dass der Beschuldigte die Busse von Fr. 200.00 

schuldhaft nicht bezahlt, ist ausgehend von einem Umwandlungssatz in der 

Höhe des ordentlichen Mindesttagessatzes von Fr. 30.00 (Art. 34 Abs. 2 

StGB) auf 7 Tage festzulegen (Art. 106 Abs. 2 StGB).  

 

3.3. 

Hinsichtlich der versuchten vorsätzlichen Tötung, für welche gemäss 

Art. 49 Abs. 1 StGB die Einsatzstrafe festzusetzen ist, ergibt sich 

Folgendes: 

 

3.3.1. 

Wer vorsätzlich einen Menschen tötet, wird gemäss Art. 111 StGB mit 

Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft. Liegt ein blosser Versuch 

vor, ist in einem ersten Schritt die schuldangemessene Strafe für das 

vollendete Delikt festzulegen. Die derart ermittelte hypothetische Strafe ist 

in der Folge unter Berücksichtigung des fakultativen Strafmilderungsgrunds 

von Art. 22 Abs. 1 StGB zu reduzieren (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.1). Der ordentliche Rahmen ist nur 

zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die ange-

drohte Strafe im konkreten Fall als zu hart erscheint (vgl. BGE 136 IV 55 

E. 5.8).  

 

Insoweit der Beschuldigte geltend macht, er habe aus eigenem Antrieb die 

strafbare Tätigkeit nicht zu Ende geführt, was dem Gericht gemäss Art. 23 

Abs. 1 StGB erlauben würde, die Strafe zu mildern oder von einer 

Bestrafung abzusehen, so kann ihm nicht gefolgt werden. Der Beschuldigte 

hat das Messer nicht von sich aus weggelegt, sondern erst als Folge der 

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Intervention von A._____. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese den 

Beschuldigten effektiv hätte aufhalten können, wenn dieser alles 

darangesetzt hätte, mit der Tatausführung fortzufahren. Tatsache ist, dass 

erst der Eingriff der Ehefrau dazu geführt hat, die Tatausführung zu stoppen 

und damit den Erfolg zu verhindern. Damit kann sich der Beschuldigte, der 

nach Beginn der Tatausführung bis zum Einschreiten seiner Ehefrau alle 

Voraussetzungen geschaffen hat, die nach seinem Plan zum Eintritt des 

Erfolges hätten führen sollen, nicht auf einen Rücktritt gemäss Art. 23 

Abs. 1 StGB berufen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1206/2016 vom 

16. Mai 2017 E. 2.1). 

 

3.3.2. 

Die Vernichtung menschlichen Lebens ist immer von einer extremen 

Schwere. Sie ist der vorsätzlichen Tötung immanent und wird bereits im 

Strafrahmen (Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren) berücksichtigt. Allein 

der Umstand, dass der Beschuldigte das höchste Rechtsgut eines 

Menschen, das Leben, verletzt hat, rechtfertigt somit nicht per se die 

Ausfällung der Maximalstrafe. Die Rechtsgutverletzung als solche ist 

unergiebig, wenn es um eine Tötung geht, da der Erfolgsunwert nicht 

abgestuft werden kann. Die objektive Tatschwere bestimmt sich deshalb 

vielmehr anhand des Tathergangs und der Tatumstände. Bei Totschlag 

(Art. 113 StGB) und bei Mord (Art. 112 StGB) kennzeichnen subjektive 

Elemente (eine entschuldbare heftige Gemütsbewegung oder eine grosse 

seelische Belastung resp. eine besondere Skrupellosigkeit) den privi-

legierten resp. qualifizierten Tatbestand. Subjektive Merkmale wie Motive, 

Beweggründe und Absichten des Täters sind implizit aber auch beim hier 

einschlägigen Grundtatbestand des Art. 111 StGB massgeblich, wenn es 

um die Festlegung des (objektiven) Schweregrades geht. Dieser bestimmt 

sich mit andern Worten anhand aller Tatkomponenten, welche einem 

gesetzlichen Tatbestandsmerkmal zuzuordnen sind (Urteil des Bundes-

gerichts 6B_1038/2017 vom 31. Juli 2018 E. 2.6.1). 

 

3.3.3. 

Der Beschuldigte hat am 17. April 2021, nachdem es in der 

Familienwohnung in Y._____ zu einer Auseinandersetzung zwischen ihm, 

seiner Ehefrau A._____ und dem ältesten Sohn C._____ gekommen ist, in 

der Küche ein Messer mit einer Klingenlänge von ca. 25 cm behändigt und 

ist damit in Tötungsabsicht und unter Äusserung einer Todesdrohung bis 

auf weniger als zwei Meter auf seinen Sohn C._____ zugegangen. 

 

Der Beschuldigte handelte – soweit ersichtlich – aus Wut sowie aus dem 

seit länger aufgeschaukelten Kränkungserleben aufgrund der erlebten 

Entwertung als Mann und Familienoberhaupt und somit aus einer starken 

Gemütserregung heraus (vgl. Gutachten vom 21. September 2021, 

UA act. 918). Im Rahmen des vorgelagerten Streits kam es bereits zu einer 

verbalen und leichten körperlichen Auseinandersetzung zwischen ihm, 

 - 12 - 

 

 

 

seinem Sohn C._____ und der Ehefrau A._____. Die Behändigung des 

Messers in einem anderen Raum erfolgte sodann noch während des 

schwelenden Konflikts, so dass – bei vollendeter Tat – das Zustechen mit 

dem Messer zwar als bewusste, jedoch nicht von langer Hand geplante 

Handlung zwecks Eliminierung fremden Lebens erscheint, was von einer 

erheblichen Geringschätzung fremden Lebens und einem erheblichen 

Mass an Skrupellosigkeit zeugt, zumal es sich beim Opfer um seinen 

eigenen Sohn handelte, was die vorsätzliche Tötung in die Nähe des 

Mordes rückt. 

 

Gemäss gutachterlicher Feststellung ist der Tötungsversuch im indirekten 

Kontext der psychischen Erkrankung des Beschuldigten (bipolare affektive 

Störung, Abhängigkeit von Opioiden, pathologisches Spielen) zu sehen, 

führt gemäss den schlüssigen und nachvollziehbaren Ausführungen des 

Sachverständigen jedoch nicht zur Annahme, dass der Beschuldigte in 

seiner Willensbildungs- und Steuerungsfähigkeit eingeschränkt gewesen 

wäre (Gutachten vom 13. September 2021, UA act. 927; Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 29). Er hat denn auch – trotz seiner Wut und 

Kränkung – über ein erhebliches Mass an Entscheidungsfreiheit verfügt. 

Insbesondere hätte er, nachdem er das Zimmer seines Sohnes im Streit 

verlassen hatte, es ohne weiteres dabei belassen können. Stattdessen ist 

er bewusst in die Küche gegangen, um sich dort eines Messers zu 

behändigen, um dieses gegen seinen Sohn einsetzen zu können. Auch 

wenn der Beschuldigte aus einer subjektiv empfundenen Überforderungs-

situation heraus gehandelt hat, wäre es für ihn doch ein Leichtes gewesen 

den schwelenden Konflikt mit C._____ anders zu lösen. 

 

Insgesamt wäre für die vollendete vorsätzliche Tötung von einem 

mittelschweren bis schweren Tatverschulden auszugehen, wofür 

– hinsichtlich der vollendeten Tat – in Relation zum ordentlichen Straf-

rahmen von 5 bis 20 Jahren eine hypothetische Freiheitsstrafe von 

12 Jahren als angemessen erscheint. 

 

Da es vorliegend bei einer versuchten vorsätzlichen Tötung geblieben ist, 

ist die Strafe angemessen zu reduzieren (Art. 22 Abs. 1 StGB). Dabei hat 

die Strafminderung umso geringer auszufallen, je näher der tatbestands-

mässige Erfolg und je schwerer die tatsächlichen Folgen der Tat waren 

(BGE 127 IV 101 E. 2b; BGE 121 IV 49 E. 1b; vgl. auch Urteile des 

Bundesgerichts 6B_587/2015 vom 6. April 2016 E. 1.3.3 und 6B_281/2014 

vom 11. November 2014 E. 3.6). C._____ ist nur deshalb unverletzt 

geblieben, weil seine Mutter, die Ehefrau des Beschuldigten, die noch im 

Korridor am Boden sass, eingeschritten ist, ansonsten der Beschuldigte 

wohl wie von Sinnen mit seiner ganzen Wut weiter auf den weniger als zwei 

Meter entfernten C._____ zugegangen und das Messer – entsprechend 

seiner ausgesprochenen Todesdrohung – gegen diesen eingesetzt hätte. 

Das gesamte Verhalten des Beschuldigten, insbesondere die Behändigung 

 - 13 - 

 

 

 

des Messers und die ausgesprochene Todesdrohung, zeigt keine Ansätze 

aktiven Verhinderns des Erfolgseintritts der vorsätzlichen Tötung oder 

eines Zögerns vor der Intervention seiner Ehefrau. Wie bereits ausgeführt, 

lag auch kein Rücktritt vor. Dennoch ist zu Gunsten des Beschuldigten zu 

berücksichtigen, dass er sich – obwohl er dies zweifellos gekonnt hätte – 

nicht über das Eingreifen seiner Ehefrau, bei dem das Messer zu Boden 

gefallen ist, hinweggesetzt hat und schliesslich von seinem 

Tötungsvorhaben abgesehen hat, wobei die genauen Gründe dafür – 

möglicherweise ist der Beschuldigte durch die Intervention seiner Ehefrau 

tatsächlich zur Besinnung gelangt – im Dunkeln bleiben. Der glimpfliche 

Ausgang ist damit in erster Linie dem Eingreifen von A._____ zu ver-

danken. Der Unterschied zwischen der vom Beschuldigten beabsichtigten 

Tötung und dem tatsächlich ausgebliebenen Tod – C._____ wurde nicht 

einmal verletzt – ist aber ausserordentlich gross. Vom Ausbleiben des 

Taterfolgs profitiert auch der Täter. Dies rechtfertigt, den Versuch im 

Umfang von 50% strafmildernd zu berücksichtigen, sodass die 

Einsatzstrafe für die versuchte vorsätzliche Tötung auf 6 Jahre 

festzusetzen ist. Eine noch weitergehende Strafminderung oder gar eine 

solche, die zu einer Unterschreitung des ordentlichen Strafrahmens führen 

würde, ist jedoch nicht angezeigt (vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.8). 

 

3.4. 

Die Vorinstanz hat für die zum Nachteil von A._____ begangene einfache 

Körperverletzung – unter leicht strafmindernder Berücksichtigung der 

Täterkomponente – eine Freiheitsstrafe von 4 Monaten ausgefällt, was im 

Berufungsverfahren unbestritten geblieben ist, angemessen erscheint und 

worauf verwiesen werden kann (vorinstanzliches Urteil E. 4; Art. 82 Abs. 4 

StPO). 

 

Im Rahmen der Asperation ist zu berücksichtigen, dass zwischen der zum 

Nachteil von C._____ begangenen versuchten vorsätzlichen Tötung und 

der zum Nachteil von A._____ begangenen einfachen Körperverletzung 

insoweit ein enger örtlicher, zeitlicher und situativer Zusammenhang 

besteht, als dass ihnen ein gemeinsamer Auslöser, nämlich der zwischen 

dem Beschuldigten und C._____ entstandene und eskalierte Streit in der 

Familienwohnung, zugrunde liegt, was den Gesamtschuldbeitrag der 

einfachen Körperverletzung als entsprechend geringer erscheinen lässt. 

Relativiert wird dies jedoch dadurch, dass sich beide Straftaten gegen die 

körperliche Integrität bzw. Leib und Leben und somit sehr hochwertige 

Rechtsgüter gerichtet haben und zwei verschiedene Opfer betroffen waren. 

Es ist denn auch nicht einerlei, ob der Beschuldigte nebst der versuchten 

vorsätzlichen Tötung zusätzlich – gegenüber einer anderen Person – eine 

einfache Körperverletzung begangen hat. Unter diesen Umständen ist die 

Einsatzstrafe für die versuchte vorsätzliche Tötung von 6 Jahren in 

Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB angemessen um 3 Monate auf 

6 ¼ Jahre zu erhöhen. 

 - 14 - 

 

 

 

3.4.1. 

Hinsichtlich der Täterkomponente ergibt sich Folgendes: 

 

Der Beschuldigte ist im Strafregister mit mehreren Vorstrafen verzeichnet. 

Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten vom 15. Januar 

2015 wurde der Beschuldigte wegen Fälschung von Ausweisen zu einer 

bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen à Fr. 30.00, Probezeit 2 Jahre, 

sowie zu einer Busse von Fr. 200.00 verurteilt. Am 1. Juli 2015 wurde er 

mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten wegen 

mehrfachen Tätlichkeiten und mehrfacher Drohung als Teilzusatzstrafe 

zum Grundurteil der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten vom 15. Januar 

2015 zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à Fr. 30.00, 

Probezeit 3 Jahre, sowie einer Busse von Fr. 900.00 verurteilt. Mit 

Strafbefehl vom 13. Mai 2020 der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis 

wurde der Beschuldigte schliesslich wegen Veruntreuung zu einer 

Geldstrafe von 90 Tagessätzen à Fr. 40.00 verurteilt. Der Beschuldigte hat 

aus diesen Verurteilungen nicht die notwendigen Lehren gezogen, was sich 

leicht straferhöhend auswirkt (BGE 136 IV 1 E. 2.6.2). Es ist jedoch zu 

berücksichtigen, dass aus dem täterbezogenen Strafzumessungskriterium 

der Vorstrafen nicht indirekt ein tatbezogenes Kriterium gemacht werden 

darf. Mithin dürfen die Vorstrafen nicht wie eigenständige Delikte gewürdigt 

werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_18/2022 vom 23. Juni 2022 

E. 2.6.1). 

 

Während der Beschuldigte, der sich im Strafverfahren grundsätzlich 

kooperativ verhalten hat, hinsichtlich des Tatvorwurfs der zum Nachteil 

seines Sohnes begangenen versuchten vorsätzlichen Tötung seine 

Tötungsabsicht vollständig in Abrede stellt, hat er die zum Nachteil seiner 

Ehefrau begangene einfache Körperverletzung und auch deren 

Genugtuungsforderung anerkannt. Sodann hat er seine Familie um 

Verzeihung gebeten. In Anbetracht dessen, dass er den Hauptvorwurf der 

versuchten vorsätzlichen Tötung nach wie vor bestreitet, kann jedoch nicht 

von einer nachhaltigen Einsicht ausgegangen werden. Eine erhebliche 

Strafminderung, wie sie bei einem von Anfang an vollumfänglich 

geständigen, nachhaltig einsichtigen und nicht bloss hinsichtlich der 

Tatfolgen reuigen Täter möglich ist, kommt vorliegend somit nicht infrage. 

Dennoch ist nicht zu verkennen, dass er die Strafverfolgung und 

Wahrheitsfindung zumindest durch die Anerkennung der zum Nachteil 

seiner Ehefrau begangenen einfachen Körperverletzung und deren 

Zivilforderung erleichtert und verkürzt hat, was zu seinen Gunsten zu 

berücksichtigen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_891/2017 vom 

20. Dezember 2017).  

 

Das Vorleben des Beschuldigten und sein kultureller Hintergrund sowie 

seine psychische Erkrankung können sich unter den vorliegenden 

Umständen, wenn überhaupt, nur massvoll strafmindernd auswirken, 

 - 15 - 

 

 

 

zumal seine persönlichen Umstände bereits Eingang in die gutachterliche 

Beurteilung der Schuldfähigkeit genommen haben. Insbesondere liegt 

beim Beschuldigten auch keine erhöhte Strafempfindlichkeit vor. Eine 

solche wäre nur bei aussergewöhnlichen Umständen, wie sie beim 

Beschuldigten nicht vorliegen, zu bejahen (statt vieler: Urteil des 

Bundesgerichts 6B_301/2019 vom 17. September 2019 E. 1.4.1). 

 

Insgesamt rechtfertigt es sich, die Täterkomponente im Umfang von ¼ Jahr 

strafmindernd zu berücksichtigen. 

 

3.4.2. 

Zusammengefasst ist für die versuchte vorsätzliche Tötung und die 

einfache Körperverletzung eine dem Verschulden und den persönlichen 

Verhältnissen des Beschuldigten angemessene Freiheitsstrafe von 

6 Jahren auszusprechen. 

 

3.4.3. 

Bei einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren kommt weder der bedingte noch der 

teilbedingte Strafvollzug infrage (Art. 42 f. StGB). 

 

Die ausgestandene Untersuchungshaft (ab 17. April 2021) sowie der 

vorzeitigte Straf- und Massnahmenantritt bis zu seiner Entlassung 

(8. Februar 2022 bis 15. Juli 2022) sind dem Beschuldigten im Umfang von 

insgesamt 455 Tagen auf die Freiheitsstrafe anzurechnen (Art. 51 StGB 

i.V.m. Art. 110 Abs. 7 StGB; Art. 236 Abs. 4 StPO i.V.m. Art. 57 Abs. 3 

StGB). 

 

4. 

4.1. 

Die Staatsanwaltschaft beantragt mit Berufung, ausgehend von einem 

Schuldspruch wegen versuchter vorsätzlicher Tötung, die Anordnung einer 

stationären Massnahme gemäss Art. 59 StGB. 

 

Der Beschuldigte beantragt, ausgehend von einem Freispruch vom Vorwurf 

der versuchten vorsätzlichen Tötung, die Abweisung der Berufung.  

 

4.2. 

Eine Massnahme ist anzuordnen, wenn eine Strafe alleine nicht geeignet 

ist, der Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu begegnen, ein 

Behandlungsbedürfnis des Täters besteht oder die öffentliche Sicherheit 

dies erfordert und die Voraussetzungen der Art. 59 bis 61, 63 oder 64 StGB 

erfüllt sind (Art. 56 Abs. 1 StGB). Dabei stützt sich das Gericht bei seinem 

Entscheid zwingend auf eine sachverständige Begutachtung (Art. 56 Abs. 3 

StGB). Die Anordnung einer Massnahme setzt weiter voraus, dass der mit 

ihr verbundene Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Täters im Hinblick 

auf die Wahrscheinlichkeit und Schwere weiterer Straftaten nicht 

 - 16 - 

 

 

 

unverhältnismässig ist (Art. 56 Abs. 2 StGB; Urteil des Bundesgerichts 

6B_796/2019 vom 16. Oktober 2019 E. 3.2.3). 

 

Ist der Täter psychisch schwer gestört, so kann das Gericht eine stationäre 

Behandlung anordnen, wenn der Täter ein Verbrechen oder Vergehen 

begangen hat, das mit seiner psychischen Störung in Zusammenhang steht 

und zu erwarten ist, dadurch lasse sich die Gefahr weiterer mit seiner 

Störung in Zusammenhang stehender Taten begegnen (Art. 59 Abs. 1 

StGB). Es muss eine hinreichende Wahrscheinlichkeit dafür bestehen, 

dass sich durch eine solche Massnahme über die Dauer von fünf Jahren 

die Gefahr weiterer Straftaten deutlich verringern lässt (BGE 134 IV 315 

E. 2.4.1). Ist der Täter psychisch schwer gestört, ist er von Suchtstoffen 

oder in anderer Weise abhängig, kann das Gericht anordnen, dass er nicht 

stationär, sondern ambulant behandelt wird, wenn er eine mit Strafe 

bedrohte Tat verübt, die mit seinem Zustand in Zusammenhang steht, und 

zu erwarten ist, dadurch lasse sich der Gefahr weiterer mit dem Zustand 

des Täters stehender Taten begegnen (Art. 63 Abs.1 StGB). Sind mehrere 

Massnahmen in gleicher Weise geeignet, ist aber nur eine notwendig, so 

ordnet das Gericht diejenige an, die den Täter am wenigsten beschwert 

(Art. 56a Abs.1 StGB). 

 

Die Voraussetzungen für die Anordnung einer therapeutischen 

Massnahme, namentlich deren Verhältnismässigkeit, sind von Amtes 

wegen zu prüfen und können nicht durch die grundsätzlich vorhandene 

Therapiewilligkeit des Betroffenen ersetzt werden (Urteil des Bundes-

gerichts 7B_148/2022 vom 19. Juli 2023 E. 2.7). 

 

4.3. 

4.3.1. 

Die Voraussetzungen für die Anordnung einer stationären therapeutischen 

Massnahme nach Art. 59 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 56 StGB sind vorliegend 

erfüllt: 

 

Der Beschuldigte wurde im Rahmen des vorliegenden Verfahrens durch 

Dr. med. E._____ am 17. Mai 2021, am 4. Juni 2021, am 24. August 2021 

sowie am 8. September 2021 psychiatrisch begutachtet. Das von ihm 

erstellte Vorabgutachten datiert vom 10. Juni 2021, das Hauptgutachten 

vom 13. September 2021. Sodann wurde Dr. med. E._____ anlässlich der 

Berufungsverhandlung zur Erläuterung und Ergänzung einvernommen 

(vgl. Art. 187 Abs. 2 StPO). 

 

Dr. med. E._____ diagnostizierte beim Beschuldigten eine komplexe 

psychische Störung, die mit den Hauptdiagnosen bipolare affektive 

Störung, Abhängigkeit von Opioiden und pathologisches Spielen 

zusammenzufassen seien. Es liege ein polymorbides Krankheitsbild vor, 

wobei die einzelnen Teilstörungen untereinander in einem Zusammenhang 

 - 17 - 

 

 

 

stünden und sich wechselseitig beeinflussten. Zusätzlich seien in der 

Persönlichkeit des Beschuldigten verankerte Risikofaktoren wirksam, die in 

keinem Zusammenhang mit der psychischen Krankheit stünden, wobei 

insbesondere die ausgeprägte (narzisstische) Kränkbarkeit eine Rolle 

spiele (UA act. 924). Insgesamt sei der Beschuldigte als schwer psychisch 

beeinträchtigt zu bezeichnen. Er sei nicht arbeitsfähig und nicht vollum-

fänglich in der Lage, seine persönlichen Angelegenheiten zu erledigen 

(UA act. 926). 

 

Dr. med. E._____ führte in seinem Gutachten weiter aus, dass die 

vorgeworfene Straftat indirekt mit der diagnostizierten psychischen Störung 

zusammenhänge, sei diese letztlich die Ursache seines sozialen Abstieges 

und somit seiner seit langem und zunehmend erlebten Kränkung gewesen, 

welche ihrerseits vom Beschuldigten aufgrund der erlebten Entwertung als 

Mann und Familienoberhaupt entstanden ist (UA act. 918). 

 

Der Beschuldigte bedürfe für seine psychische Störung eine umfassende 

Therapie. Hierfür gebe es gut ausgearbeitete psychiatrische Behandlungs-

methoden, die aus psychopharmakologischen und psychotherapeutischen 

Interventionen bestünden. Eine ausschliesslich ambulante Behandlung 

genüge aufgrund der hohen Rückfallgefahr, des Umstandes, dass keine 

kurz- oder mittelfristige Reintegration möglich sei und der Beschuldigte ein 

komplexes Störungsbild aufweise, nicht, zumal der Beschuldigte die 

Straftat unter laufender qualifizierter psychiatrischer Behandlung begangen 

habe. Auch sei ihm vom behandelnden Arzt geschildert worden, dass es 

während der ambulanten Behandlung immer wieder zu mehreren 

stationären Kriseninterventionen gekommen sei. Es habe somit ein 

schwerer Verlauf der bipolaren affektiven Störung stattgefunden. Des 

Weiteren seien neben der bipolaren affektiven Störung noch zwei weitere 

psychiatrische Störungen – die Abhängigkeit von Suchtmitteln und die 

Spielsucht – vorhanden, die ebenfalls ein hohes Rückfallrisiko beinhalten. 

Diese psychiatrischen Störungen würden ihrerseits wieder ein Risiko für die 

bipolare affektive Störung darstellen. Würde der Beschuldigte wieder 

konsumieren oder spielsüchtig werden, wäre das Risiko des Rückfalls der 

bipolaren affektiven Störung wiederrum hoch. Eine ambulante Therapie 

würde somit nicht in Frage kommen. Laut dem Gutachter gebe es daher 

weiterhin keinen Grund von seiner Empfehlung – der stationären 

Massnahme – abzuweichen (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 30). 

Zudem habe sich der Beschuldigte bereit erklärt, sich der Behandlung zu 

unterziehen (UA act. 924, 928). Der Beschuldigte hat dies denn auch 

anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigt (Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 26).  

 

Das Gutachten beruht auf einer sorgfältigen Sachverhaltsabklärung und ist 

in sich schlüssig sowie nachvollziehbar. Gestützt auf die Ausführungen des 

Gutachters Dr. med. E._____ in dessen Gutachten sowie im Rahmen 

 - 18 - 

 

 

 

seiner Befragung als Sachverständiger an der Berufungsverhandlung ist 

davon auszugehen, dass der Beschuldigte an einer komplexen 

psychischen Störung litt bzw. leidet, wobei zwischen den Straftaten des 

Beschuldigten und seiner psychischen Störung – wenn auch nur indirekt – 

ein Zusammenhang besteht. Eine schwere psychische Störung im Sinne 

von Art. 59 Abs. 1 StGB ist somit erstellt.  

 

4.3.2. 

Der Beschuldigte hat mit der versuchten vorsätzlichen Tötung ein Delikt 

begangen, das ein Verbrechen darstellt, womit eine Anlasstat gemäss 

Art. 59 Abs.1 lit. a StGB vorliegt. Wie vorstehend erwähnt, steht die 

begangene Straftat indirekt mit seiner Erkrankung im Zusammenhang. Eine 

verminderte Schuldfähigkeit wurde von Dr. med. E._____ hingegen 

verneint (UA act. 927; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 29). 

 

4.3.3. 

Mit einer stationären Massnahme lässt sich auch die Gefahr neuerlicher, 

mit der psychischen Störung des Beschuldigten in Zusammenhang 

stehender Taten begegnen. Dr. med. E._____ schloss in seinem Gutachten 

nachvollziehbar und schlüssig auf eine hohe Rückfall- und Ausführungs-

gefahr bezüglich Straftaten im Sinne von häuslicher Gewalt und Drohungen 

gegenüber Familienangehörigen. Auch seien mit hoher Wahrscheinlichkeit 

Betäubungsmittel- und Betrugsdelikte zu erwarten (UA act. 927). Er führte 

dazu aus, in unbehandeltem Zustand sei das Rückfallrisiko hoch und liege 

deutlich über 50%, sodass es auch in Zukunft zu Vorfällen häuslicher 

Gewalt kommen könne (UA act. 918). Erschwerend sei zu berücksichtigen, 

dass beim Beschuldigten bereits frühere einschlägige strafbare 

Handlungen aktenkundig seien. So solle er in den ersten Ehejahren seine 

Ehefrau geschlagen haben, so dass diese sich veranlasst gesehen habe, 

ihren Mann nach der Geburt des ersten Kindes vorübergehend zu 

verlassen. Zusätzlich werde das vom Beschuldigten ausgehende Risiko 

dadurch erhöht, dass er noch weitere Straftaten begangen habe. 

Dokumentiert seien insbesondere die Fälschung von Ausweisen und 

Veruntreuung. Dem Risiko lägen einerseits krankhafte Faktoren zugrunde, 

insbesondere die bipolare affektive Störung, die Abhängigkeit von Opioiden 

und das pathologische Spielen. Zusätzlich müssten normalpsychologische 

Faktoren beachtet werden, vor allem die mit seinem Rollenbild als Mann 

und Familienvater verknüpfte erhöhte (narzisstische) Kränkbarkeit. Sowohl 

ein deutliches Rückfall- und Ausführungsrisiko sind damit hinlänglich 

ausgewiesen. Bei der körperlichen Integrität handelt es sich um ein hohes 

Rechtsgut, weshalb weiterhin von einer erhöhten Gefährlichkeit des 

Beschuldigten auszugehen ist.  

 

Die stationäre Massnahme ist geeignet und erforderlich, um solchen 

weiteren Taten zu begegnen und dadurch die Legalprognose erheblich zu 

verbessern. Gemäss dem Gutachter lasse sich die Gefahr neuerlicher 

 - 19 - 

 

 

 

Straftaten mit einer Behandlung begegnen (UA act. 924). Erster Fokus der 

Therapie sei die bipolare affektive Störung. Diese beinhalte pharmako- und 

psychotherapeutische Elemente, für die es gut evaluierte Behandlungs-

empfehlungen gebe. Doch seien zusätzlich die Abhängigkeit, das 

pathologische Spielen und die deliktrelevanten Persönlichkeitszüge zu 

berücksichtigen. Der Beschuldigte sei grundsätzlich anpassungsbereit 

(UA act. 925). Zusammenfassend ist die Therapierbarkeit und die damit 

einhergehende Reduktion des Rückfallrisikos in Bezug auf den 

Beschuldigten zu bejahen. 

 

4.3.4. 

Aufgrund der Eignung und Erforderlichkeit kommt vorliegend nur eine 

stationäre Massnahme in Frage. Mildere Massnahmen stehen nicht zur 

Verfügung. Der Gutachter hält in seinem Gutachten fest, dass aufgrund des 

komplexen Störungsbildes, der hohen Rückfallgefahr sowie des 

Umstandes, dass kurz- oder mittelfristig eine Reintegration unmöglich 

seien, zum Schluss, dass lediglich eine stationäre Behandlung längerfristig 

erfolgversprechend sei. Die bisherigen Erfahrungen mit stationären 

Behandlungen zeigten auf, dass es sich um eine längerfristige Therapie 

handeln müsse, die zumindest in einer ersten Phase in einem 

geschlossenen Rahmen zu erfolgen habe (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 29). In einem offenen Rahmen bestehe das 

Risiko, dass der Beschuldigte erneut Suchtmittel konsumiere oder sich 

finanziell riskanten Online-Spielen hingebe (UA act. 924).  

 

Es sind keine Gründe ersichtlich, von den schlüssigen und nachvoll-

ziehbaren Einschätzungen von Dr. med. E._____ im Gutachten und den 

daraus gezogenen Schlüssen abzuweichen. Aufgrund der von ihm 

geäusserten Bedenken bezüglich einer erfolgsversprechenden 

ambulanten Behandlung, denen sich das Obergericht anschliesst, 

erscheint unter den gegebenen Umständen ausschliesslich eine stationäre 

Massnahme geeignet und angezeigt. 

 

4.3.5. 

Eine stationäre therapeutische Massnahme nach Art. 59 StGB stellt einen 

schweren Eingriff in die Freiheitsrechte des Beschuldigten dar. Im 

Unterschied zu Strafen ist ihre Dauer zeitlich relativ unbestimmt. Sie hängt 

vom Behandlungsbedürfnis des Massnahmenbetroffenen und den 

Erfolgsaussichten der Massnahme ab. Der mit ihr verbundene Freiheits-

entzug beträgt in der Regel fünf Jahre und kann – wenn nötig – um jeweils 

höchstens fünf Jahre verlängert werden (Art. 59 Abs. 4 StGB). Das Ende 

der Massnahme wird damit im Unterschied zum Ende der Strafe nicht durch 

reinen Zeitablauf bestimmt. Ihre Dauer hängt letztlich von den 

Auswirkungen der Massnahme auf die Gefahr weiterer Straftaten ab, wobei 

die Freiheit dem Betroffenen nur so lange entzogen werden darf, als die 

von ihm ausgehende Gefahr dies rechtfertigt. Die Massnahme dauert aber 

 - 20 - 

 

 

 

grundsätzlich so lange an, bis ihr Zweck erreicht ist oder sich eine 

Zweckerreichung als aussichtslos erweist (Urteil des Bundesgerichts 

6B_796/2019 vom 16. Oktober 2019 E. 3.2.3). Eine stationäre Massnahme 

in einer forensisch-psychiatrischen Klinik ist zudem von starken Eingriffen 

in die persönliche Freiheit des Beschuldigten geprägt. Eine solche bedeutet 

nicht bloss eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit, sondern umfasst 

regelmässig auch weitere Eingriffe, die sich aus der Notwendigkeit der 

Behandlung ergeben (BGE 130 IV 49 E. 3.3). 

 

Vorliegend ist die versuchte vorsätzliche Tötung als Anlasstat mit 

hinreichender Schwere zu betrachten und es ist von einem mittelschweren 

Verschulden auszugehen, was sich in der Strafhöhe niedergeschlagen hat.  

Ohne stationäre Behandlung muss entsprechend den vorhergehenden 

Ausführungen von einer hohen Rückfallgefahr des Beschuldigten ausge-

gangen werden. Die vom Beschuldigten bedrohten Rechtsgüter sind – 

nebst dem Sicherheitsgefühl der Familienmitglieder – Leib und Leben. 

Ausgehend von der relativ hohen Rückfallgefahr sowie in Anbetracht 

dessen, dass es sich bei dem durch einen Rückfall gefährdeten Rechtsgut 

um ein hochstehendes handelt, ist das Behandlungsbedürfnis höher zu 

werten als die Schwere des Eingriffs in die Freiheitsrechte des 

Beschuldigten. Bei Gefährdung hochwertiger Rechtsgüter wie Leib und 

Leben sind an Nähe und Ausmass der Gefahr denn auch weniger hohe 

Anforderungen zu stellen als bei der Gefährdung weniger bedeutender 

Rechtsgüter wie Eigentum und Vermögen. Mithin vermag die vom 

Beschuldigten ausgehende Gefahr weiterer Delikte im Bereich häuslicher 

Gewalt die mit der stationären Massnahme einhergehende Freiheits-

beschränkung mit Blick auf das Schutzbedürfnis der Familienmitglieder 

gegenwärtig zu rechtfertigen. Es ist gestützt auf das schlüssige Gutachten 

davon auszugehen, dass mit einer stationären Massnahme über die Dauer 

von fünf Jahren die Gefahr weiterer mit der psychischen Störung des 

Beschwerdeführers in Zusammenhang stehender Straftaten deutlich 

verringern lässt (Art. 59 Abs. 1 lit. b StGB), wobei es der Vollzugsbehörde 

freisteht, den Beschuldigten bereits vor Ablauf der Dauer von 5 Jahren 

bedingt aus dem stationären Massnahmenvollzug zu entlassen, sobald die 

Voraussetzungen hierfür vorliegen (vgl. Art. 62 und Art. 62d StGB). 

 

4.4. 

Zusammenfassend ist eine stationäre therapeutische Massnahme gemäss 

Art. 59 Abs. 1 StGB anzuordnen. Die Berufung der Staatsanwaltschaft 

erweist sich somit auch in diesem Punkt als begründet. 

 

5. 

5.1. 

Die Staatsanwaltschaft beantragt mit Berufung, ausgehend von einem 

Schuldspruch wegen versuchter vorsätzlicher Tötung, dass der 

Beschuldigte für die Dauer von 10 Jahren des Landes zu verweisen sei. 

 - 21 - 

 

 

 

 

Der Beschuldigte beantragt, es sei auf die Anordnung einer Landes-

verweisung zu verzichten und begründet dies mit einem schweren 

persönlichen Härtefall und einem überwiegenden privaten Interesse an 

seinem Verbleib in der Schweiz (GA act. 1194; Plädoyer der Verteidigung 

S. 17). 

 

5.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Landesverweisung nach 

Art. 66a StGB unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des EGMR zu 

Art. 8 EMRK wiederholt dargelegt (BGE 146 IV 311; BGE 146 IV 172; BGE 

146 IV 105; BGE 146 II 1; BGE 145 IV 455; BGE 145 IV 364; BGE 145 IV 

161; BGE 144 IV 332; statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_1179/2021 

vom 5. Mai 2023 E. 6). Darauf kann verwiesen werden. 

 

5.3. 

Der Beschuldigte ist afghanischer Staatsangehöriger. Er hat sich der 

versuchten vorsätzlichen Tötung gemäss Art. 111 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 

StGB schuldig gemacht und damit eine Katalogtat gemäss Art. 66a Abs. 1 

lit. a StGB begangen. Die obligatorische Landesverweisung ist auch bei 

versuchter Tatbegehung anzuordnen (BGE 144 IV 168 E. 1.4.1). Der 

Beschuldigte ist damit grundsätzlich für die Dauer von 5 bis 15 Jahren des 

Landes zu verweisen. 

 

Von der Anordnung der Landesverweisung kann ausnahmsweise unter 

den kumulativen Voraussetzungen abgesehen werden, dass sie (1) einen 

schweren persönlichen Härtefäll bewirken würde und (2) die öffentlichen 

Interessen an der Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen 

des Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen. Dabei ist der 

besonderen Situation von Ausländern Rechnung zu tragen, die in der 

Schweiz geboren oder aufgewachsen sind (Art. 66a Abs. 2 StGB). Art. 66a 

StGB ist EMRK-konform auszulegen. Die Interessenabwägung hat sich 

daher an der Verhältnismässigkeitsprüfung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK zu 

orientieren.  

 

Das Sachgericht prüft die rechtliche Durchführbarkeit der Landes-

verweisung, soweit sie definitiv bestimmbar ist (BGE 145 IV 455 E. 9; Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1024/2019 vom 29. Januar 2020 E. 1.3.5). Im 

Übrigen ist dem Non-Refoulement-Gebot und anderen völkerrechtlich 

zwingenden Bestimmungen auf der Ebene des Vollzugs Rechnung zu 

tragen (Urteil des Bundesgerichts 6B_423/2019 vom 17. März 2020 

E. 2.2.2).  

 

 - 22 - 

 

 

 

5.4. 

5.4.1. 

Der heute 49 Jahre alte Beschuldigte wurde am tt.mm.1974 in Afghanistan 

geboren, wo er bis zu seinem 5. Lebensjahr lebte. Anschliessend 

übersiedelte er mit seiner Familie in den Iran. Am 14. Oktober 2010, d.h. 

erst im Alter von 36 Jahren, reiste der Beschuldigte, zusammen mit seiner 

Ehefrau A._____, ebenfalls afghanische Staatsangehörige, und den beiden 

Kindern C._____ und D._____ in die Schweiz ein. Als Einreisegrund gab 

er damals an, er habe dem gesellschaftlichen Druck, den seine 

Suchtabhängigkeit ausgelöst habe, ausweichen wollen. Er habe sein 

Gesicht in der Gesellschaft verloren (MIKA-Akten, Befragungsprotokoll 

vom 22. Oktober 2010, S. 7). 

 

Mit Asylentscheid des Bundesamts für Migration (BFM) vom 1. Mai 2013 

(MIKA-Akten) wurde das Asylgesuch des Beschuldigten abgelehnt. 

Aufgrund der nicht zumutbaren Rückkehr in seine Heimat wurde er 

hingegen vorläufig aufgenommen. Der Beschuldigte und seine Familie 

besitzen die Aufenthaltsbewilligung B (MIKA-Akten; Protokoll Berufungs-

verhandlung S. 22). 

 

Zusammen mit seiner nunmehr getrennt von ihm lebenden Ehefrau hat der 

Beschuldigte mittlerweile drei Kinder (geboren in den Jahren 1997, 2006 

und 2014), die ebenfalls in der Schweiz leben. Zu den Kindern hat er aktuell 

nur noch ganz selten – z.B. über WhatsApp – Kontakt. C._____ hat zu 

Protokoll gegeben, dass er seit dem Vorfall keinen bzw. nur spärlichen 

Kontakt zum Vater habe. Der Vater sei wie eine fremde Person für ihn. 

Auch die jüngeren Geschwister würden den Vater nicht mehr vermissen 

(Protokoll der Berufungsverhandlung S. 13 f., 16). A._____ hat ebenfalls 

ausgesagt, dass sie seit mehr als einem halben Jahr keinen Kontakt mehr 

zum Beschuldigten habe. Sie habe ihm gegenüber auch kundgetan, dass 

sie keinen Kontakt zu ihm wünsche. Die Kinder hätten den Vater seit 

eineinhalb bis zwei Jahren nicht mehr gesehen und ihn sozusagen 

vergessen. Der Scheidungsprozess sei bereits in Gang gesetzt worden und 

es stehe diesbezüglich beim Familiengericht Muri ein Termin an (Protokoll 

der Berufungsverhandlung S. 3 f., 10, 21). Die persönliche und 

gesellschaftliche Integration des Beschuldigten erweist sich in Anbetracht 

seiner Aufenthaltsdauer als eher unterdurchschnittlich. Laut eigenen 

Angaben hält er sich überwiegend – wenn er nicht gerade im Fitnesscenter 

oder am Spazieren sei – zuhause auf; ansonsten habe er nur wenige 

soziale Verbindungen in der Schweiz (GA act. 1130; Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 28). Sein soziales Beziehungsnetz besteht und 

erschöpft sich hauptsächlich in der Beziehung zur Selbsthilfegruppe 

«L._____»; eine Organisation, welche die Teilnehmer dabei unterstützt, 

clean bzw. drogenfrei zu bleiben (Protokoll Berufungsverhandlung S. 28; 

Plädoyer der Verteidigung S. 5). Die Angehörigen aus seiner 

 - 23 - 

 

 

 

Herkunftsfamilie leben im Iran (GA act. 1132; Protokoll Berufungs-

verhandlung S. 22). Gemäss eigenen Angaben hatte der Beschuldigte 

während seiner gesamten Aufenthaltsdauer in der Schweiz nur marginalen 

Kontakt zu anderen Schweizern (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 

23). Seine sprachlichen Kenntnisse haben sich zwischenzeitlich zwar 

verbessert, sind trotz seiner 13-jährigen Anwesenheit in der Schweiz und 

Integrationsmassnahmen wie Sprachkurse aber nach wie vor mangelhaft 

(MIKA-Akten; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 23, 33).  

 

In wirtschaftlicher und beruflicher Hinsicht ist ebenfalls von einer unter-

durchschnittlichen Integration auszugehen. Zu Beginn lebte er als 

abgewiesener Asylbewerber von Sozialhilfe und ging keiner Arbeit nach, 

was jedoch auch mit seinem Aufenthaltsstatus in Zusammenhang steht 

(Protokoll der Berufungsverhandlung S. 22). Im Zeitraum vom 3. April 2017 

bis 2. Juli 2017 wurde dem Beschuldigten im Rahmen eines Arbeits-

integrationsprogramms ermöglicht, bei der Stiftung […] eine 

vorübergehende Beschäftigung im Bereich Montage/Verpackerei in […] zu 

beginnen. Diese Anstellung hat er jedoch infolge anstehender Arzttermine 

sowie wegen den Angestellten, welche nicht seinem Niveau (körperlich 

sowie geistig) entsprächen, verweigert und die Chance bewusst nicht 

genutzt bzw. nutzen wollen (MIKA-Akten). Per 20. April 2017 wurde er 

sodann bei der M._____ als Transportmitarbeiter angestellt. Das 

Arbeitsverhältnis wurde per 21. Juni 2017 – nach nur rund zwei Monaten – 

bereits wieder aufgelöst. Der Beschuldigte ging somit während seiner 

Aufenthaltsdauer in der Schweiz von 13 Jahren lediglich während rund zwei 

Monaten einer Arbeit nach. Gemäss eigenen Angaben hat er seither nicht 

mehr gearbeitet (GA act. 1130; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 19). 

Seit 1. November 2020 bezieht er erneut materielle Hilfe in der Gemeinde 

Y._____ (MIKA-Akten). Es sei nunmehr jedoch eine Anmeldung bei der 

Invalidenversicherung erfolgt (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 19).  

Ferner hat er keine Ausbildung (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 22). 

Zudem hat er nach eigenen Angaben Schulden von ca. Fr. 100'000.00, die 

insbesondere aus Fussballwetten stammen (GA act. 1132; Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 20).  

 

Der Beschuldigte trat während seiner Aufenthaltsdauer in der Schweiz 

wiederholt straffällig in Erscheinung (siehe dazu oben). Die mehrfachen 

Regelverstösse, die sich der Beschuldigte hierzulande hat zuschulden 

kommen lassen und die im Rahmen der Integrationsprüfung und 

Interessenabwägung auch dann zu berücksichtigen sind, wenn sie sich vor 

dem Inkrafttreten von Art. 66a StGB ereignet haben (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1412/2021 vom 9. Februar 2023 E. 2.2.2), sprechen 

gegen eine nachhaltig positive Integration. Die Verurteilungen sowie die 

Gleichgültigkeit, mit der er die vorliegend zu beurteilende versuchte 

vorsätzliche Tötung, einfache Körperverletzung und die Widerhandlung 

gegen das Betäubungsmittelgesetz trotz (un)bedingter Geldstrafen sowie 

 - 24 - 

 

 

 

mehreren Bussen begangen hat, zeugen von einer enormen Gering-

schätzung der hiesigen Rechts- und Werteordnung und sprechen gegen 

eine positive Integration des Beschuldigten. Auch der Gutachter geht von 

einem hohen Risiko zukünftiger Straffälligkeit aus, das durch eine 

stationäre Massnahme immerhin verringert werden könne (UA act. 927).  

 

Nach dem Gesagten hat sich der Beschuldigte zwar in den letzten 

13 Jahren in der Schweiz aufgehalten. Die Integration des Beschuldigten 

in der Schweiz geht jedoch nicht über das hinaus, was angesichts dieser 

langen Aufenthaltsdauer ohnehin zu erwarten gewesen wäre und erscheint 

insgesamt unterdurchschnittlich. Negativ auf eine nachhaltige Integration 

wirken sich insbesondere seine mehrfachen Verurteilungen aus. 

 

5.4.2. 

Ein familiärer Bezug zu Afghanistan besteht zwar nicht mehr (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 22). Doch sind ihm neben der Sprache – der 

Beschuldigte spricht nebst Farsi auch seine Muttersprache Dari (MIKA-

Akten; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 23) – auch die Kultur und die 

Gepflogenheiten des Landes bekannt. Auch in beruflicher Hinsicht stehen 

die Chancen auf eine erfolgreiche Reintegration zumindest nicht schlechter 

als in der Schweiz. Selbst wenn sich der aktuelle Bezug des Beschuldigten 

zu Afghanistan vor dem Hintergrund, dass seine Kinder und seine von ihm 

getrennt lebende Ehefrau in der Schweiz leben, nicht als besonders 

ausgeprägt erweist, erscheint eine wirtschaftliche und soziale Integration 

zumindest nicht unzumutbar. Ein Neuanfang in Afghanistan ist ihm daher 

bei gutem Willen möglich.  

 

In Bezug auf die Auswirkungen der Landesverweisung auf das Leben des 

Beschuldigten ist unter dem Titel von Art. 8 Abs. 2 EMRK auch das Recht 

auf Familienleben zu berücksichtigen. Die blosse Anwesenheit eines 

Ehepartners und von Kindern in der Schweiz genügt indes nicht, 

erforderlich ist vielmehr eine gelebte Beziehung. Zwischen dem 

Beschuldigten und der Ehefrau bestand eine enge, aber emotional 

nachhaltig belastete Beziehung mit erheblichen eheliche Spannungen vor 

(UA act. 988). Nunmehr steht die Ehescheidung an. Der persönliche 

Kontakt zur Ehefrau und den Kindern ist aktuell nicht mehr vorhanden 

(Protokoll der Berufungsverhandlung S. 21). Es ist denn auch nicht 

erkennbar, dass ein solcher Kontakt von der Familie gewünscht wird. 

Zumindest seit der Entlassung des Beschuldigten aus der PDAG am 

15. Juli 2022 hat der Beschuldigte kaum mehr Kontakt zu seiner Familie 

gehabt. Nach dem Gesagten kann schwerlich von intakten familiären 

Beziehungen gesprochen werden. Was den volljährigen Sohn C._____ 

betrifft, ist festzuhalten, dass dieser Opfer der versuchten vorsätzlichen 

Tötung wurde. Die Vater-Sohn-Beziehung ist ebenfalls emotional 

nachhaltig belastet, der Beschuldigte ist von seinem Sohn enttäuscht, es 

kam bereits wiederholt zu Eskalationen und weitere konflikthafte 

 - 25 - 

 

 

 

Situationen sind zu befürchten (UA act. 988). C._____ sagte denn auch 

aus, dass es für ihn keine grosse Rolle spiele, ob der Vater noch in der 

Schweiz sei oder nicht. Es sei für ihn nicht mehr relevant (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 14). Die fast volljährige Tochter sagte aus, dass 

seit dem Weggang des Beschuldigten aus der gemeinsamen 

Familienwohnung das Zusammenleben ruhiger und angenehmer verlaufe. 

Zu allen drei Kindern dürfte es dem Beschuldigten dennoch ohne Weiteres 

möglich sein, wenn diese es denn wünschen, den Kontakt zu ihnen über 

moderne Kommunikationsmittel aufrechtzuerhalten.  

 

5.5. 

In Bezug auf das öffentliche Interesse an einer Wegweisung des 

Beschuldigten aus der Schweiz ergibt sich Folgendes: 

 

Der Beschuldigte hat mit der zum Nachteil von seinem Sohn C._____ 

begangenen versuchten vorsätzlichen Tötung in schwerwiegender Weise 

gegen die schweizerische Rechtsordnung verstossen. Zwar konnte die 

Tötung – aufgrund des Eingriffs von A._____ – nicht vollendet werden, das 

ändert jedoch nichts daran, dass der Beschuldigte eine sehr schwere 

Straftat gegen das hochwertige Rechtsgut des menschlichen Lebens 

begangen hat. Der Beschuldigte ist mehrfach vorbestraft. Wie sich aus den 

vorstehenden Ausführungen ergibt (vgl. oben), hat sich der Beschuldigte 

hierzulande verschiedentlich und wiederholt Regelverstösse zu Schulden 

kommen lassen. Von den bisherigen Strafen liess sich der Beschuldigte 

nicht beeindrucken. Aus den bisherigen Verurteilungen offenbart sich eine 

eigentliche Unbelehrbarkeit sowie Gleichgültigkeit des Beschuldigten 

gegenüber der hiesigen Rechtsordnung. Im Gutachten wird denn auch von 

einer erheblichen Rückfallgefahr bezüglich häuslicher Gewalt, Drohungen 

gegenüber von Familienangehörigen, Betäubungsmitteldelikten und 

Betrugsdelikten ausgegangen (UA act. 927). Mithin bestehen ganz 

erhebliche Bedenken an seiner Legalbewährung. 

 

Durch die konkrete Tatbegehung gegenüber seinem damals adoleszenten 

Sohn hat der Beschuldigte nicht nur eine erhebliche Abwertung seines 

Verhältnisses zu diesem, sondern darüber hinaus auch eine krasse 

Geringschätzung des menschlichen Lebens zum Ausdruck gebracht. 

Angesichts dieser schweren Straftat, für die er zu einer mehrjährigen 

Freiheitsstrafe verurteilt wird und was bereits für sich ein erhebliches 

öffentliches Interesse an einer Landesverweisung begründet (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_225/2023 vom 7. Juli 2023 E. 1.5.2 mit Hinweis), der 

sehr ungewissen Legalbewährung und der vom Beschuldigten immer 

wieder an den Tag gelegten Gleichgültigkeit gegenüber der 

Schweizerischen Rechtsordnung und fremden Rechtsgütern ist insgesamt 

von einer hohen Gefährlichkeit des Beschuldigten für die öffentliche 

Sicherheit auszugehen, womit ein entsprechend hohes Interesse an seiner 

Wegweisung aus der Schweiz besteht. 

 - 26 - 

 

 

 

5.6. 

5.6.1. 

Mit Asylentsched vom 1. Mai 2013 wurde das Asylgesuch des 

Beschuldigten durch das BFM abgewiesen. Der Vollzug der Wegweisung 

in den Herkunfts- bzw. Heimatstaat oder in einen Drittstaat sei jedoch zum 

Entscheidzeitpunkt nicht zumutbar gewesen, weshalb er vorläufig 

aufgenommen worden ist (MIKA-Akten).  

 

Auf die Anordnung der Landesverweisung ist auch bei Annahme eines 

Rückschiebungsverbots und bei anerkannten Flüchtlingen nur zu 

verzichten, wenn die Landesverweisung insgesamt als unverhältnismässig 

erscheint (Urteil des Bundesgerichts 6B_260/2021 vom 20. Juli 2021 

E. 1.3.2; BGE 145 IV 55 E. 4.3; BGE 144 IV 332 E. 3.3.3). Dem 

Beschuldigten wurden die Flüchtlingseigenschaften gemäss Art. 3 AsylG 

nicht zugestanden (MIKA-Akten). Der Beschuldigte selbst bringt denn auch 

nicht vor, dass er bei einer Rückkehr nach Afghanistan oder in den Iran, wo 

er zusammen mit seiner Familie vor der Einreise in die Schweiz gelebt hat, 

konkret an Leib und Leben gefährdet wäre (vgl. statt vieler: Urteil des 

Bundesgerichts 6B_507/2020 vom 17. August 2020 E. 3.2 mit weiteren 

Hinweisen). Hinsichtlich solcher Umstände, die den Beschuldigten 

individuell-persönlich betreffen, käme ihm denn auch trotz Geltung des 

Untersuchungsgrundsatzes eine Mitwirkungspflicht zu (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1367/2022 vom 7. August 2023 E. 1.4.3). Eine solche 

individuell-persönliche Gefährdung in seinem Heimatland hat er nicht 

geäussert. Vielmehr hat er anlässlich der Einvernahme vom 22. Oktober 

2010 im Rahmen des Asylverfahrens lediglich angegeben, dass er nicht 

mehr nach Afghanistan zurückkehren könne, da er seine Heimat verlassen 

habe, als er noch ein Kind gewesen sei und dort auch niemanden mehr 

habe. Zudem sei die Lage dort sehr schlecht (MIKA-Akten). Auch anlässlich 

der Berufungsverhandlung konnte er diesbezüglich nichts Entscheid-

wesentliches vorbringen. Zudem verfügt er über die persönlichen 

Voraussetzungen (Alter, Sprache, Kultur), die ihm eine erfolgreiche 

Wiedereingliederung in die afghanische Gesellschaft ermöglichen und die 

Landesverweisung erweist sich als verhältnismässig (vgl. oben). Unter dem 

Aspekt des Non-Refoulement-Gebots ist einem der Landesverweisung 

vorgehender Freiheitsentzug Rechnung zu tragen. Der Beschuldigte wird 

zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 6 Jahren, an deren Stelle eine 

stationäre Massnahme tritt, die ohne Verlängerung in der Regel 5 Jahre 

dauert, verurteilt. Es lässt sich nicht antizipieren, wie sich die Situation in 

Afghanistan zum Zeitpunkt der Entlassung aus der Massnahme 

präsentieren wird. Ein allfälliges Vollzugshindernis werden die Vollzugs-

behörden im Rahmen von Art. 66d StGB zu berücksichtigen haben.  

 

5.6.2. 

Sodann sind keine gesundheitlichen Probleme beim Beschuldigten 

erkennbar, die einer Ausweisung entgegenstehen würden. Der 

 - 27 - 

 

 

 

Beschuldigte hat zu Protokoll gegeben, dass er nicht mehr an Hepatitis C 

leide; es sei alles wieder in Ordnung. Medikamente gegen Hepatitis C 

müsse er nicht mehr nehmen; er müsse jedoch alle drei Monate zur 

Kontrolle. Gegen Diabetes mellitus Typ II und gegen die psychische 

Störung, namentlich die bipolare affektive Störung, sei er weiterhin auf 

Medikamente angewiesen (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 20). 

Damit liegt jedoch noch kein so aussergewöhnlicher Fall vor, bei welchem 

im Fall der Landesverweisung die konkrete Gefahr bestehen würde, dass 

der Beschuldigte aufgrund fehlender angemessener Behandlungs-

möglichkeiten oder fehlenden Zugangs zu Behandlungen, einer 

ernsthaften, rapiden und irreversiblen Verschlechterung des Gesundheits-

zustands ausgesetzt würde, die intensives Leiden oder eine wesentliche 

Verringerung der Lebenserwartung nach sich ziehen würde (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_225/2023 vom 7. Juli 2023 E. 1.3.7). Hinzu kommt, 

dass sich der Beschuldigte vorerst einer mehrjährigen stationären 

Massnahme zu unterziehen hat, aufgrund welcher hinsichtlich seiner 

psychischen Erkrankung erhebliche Verbesserungen zu erwarten sind. 

 

5.7. 

Zusammenfassend ist weder von einem persönlichen Härtefall 

auszugehen noch überwiegen die privaten Interessen des Beschuldigten 

an einem Verbleib in der Schweiz. Der Beschuldigte ist hierzulande weder 

besonders stark verwurzelt, noch mag das Interesse an der Erhaltung des 

Privat- und Familienlebens das erhebliche öffentliche Interesse an seiner 

Wegweisung zu überwiegen. Diese erweist sich infolge überwiegender 

öffentlicher Interessen sowohl unter dem Blickwinkel von Art. 66a Abs. 2 

StGB als auch unter demjenigen von Art. 8 Ziff. 2 EMRK als 

verhältnismässig und rechtskonform und ist deshalb anzuordnen. 

 

Der Umstand, dass eine Wegweisung aus der Schweiz vom Beschuldigten 

als grosse Härte empfunden wird, kann daran nichts ändern. Eine 

Landesverweisung bewirkt in den meisten Fällen eine gewisse Härte. Sie 

hat ihren Grund jedoch in der Delinquenz der betroffenen Person selber 

und kann für sich alleine nicht zur Annahme eines Härtefalls im Sinne von 

Art. 66a Abs. 2 StGB führen.  

 

5.8. 

Unter Berücksichtigung der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten, 

der erheblichen Schwere der versuchten vorsätzlichen Tötung sowie den 

nicht unerheblichen Bedenken an seiner Legalprognose und damit der 

hohen Gefährlichkeit für die öffentliche Sicherheit, ist die Dauer der 

Landesverweisung wie von der Staatsanwaltschaft beantragt auf 10 Jahre 

festzusetzen. 

 

 - 28 - 

 

 

 

5.9. 

Die Staatsanwaltschaft hat mit Berufung formell keine Ausschreibung der 

Landesverweisung im Schengener Informationssystem (SIS) beantragt. 

Spricht das Gericht eine Landesverweisung aus, muss es bei Drittstaats-

angehörigen jedoch unabhängig von einem entsprechenden Antrag der 

Staatsanwaltschaft zwingend auch darüber befinden, ob die Landes-

verweisung im SIS auszuschreiben ist (BGE 146 IV 172). Um den Anspruch 

des Beschuldigten auf Verletzung des rechtlichen Gehörs nicht zu 

verletzen, muss dieser darauf hingewiesen werden, dass das Gericht auch 

über die Landesverweisung im SIS befinden wird (Urteil des Bundes-

gerichts 6B_225/2023 vom 7. Juli 2023 E. 1.6.3), wie dies zu Beginn der 

Berufungsverhandlung denn auch geschehen ist (siehe Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 2). 

 

Mit vorliegendem Urteil wird der Beschuldigte zu einer Freiheitsstrafe von 

6 Jahren verurteilt und es wird eine obligatorische Landesverweisung 

angeordnet. Entsprechend ist davon auszugehen, dass er eine Gefahr für 

die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 24 Ziff. 2 SIS-II-

Verordnung darstellt. Gründe, welche eine Ausschreibung im Schengener 

Informationssystem (SIS) als unverhältnismässig erscheinen lassen 

würden, sind keine ersichtlich (vgl. BGE 146 IV 172 E. 3.2). Somit ist die 

Ausschreibung der Landesverweisung im SIS anzuordnen. 

 

5.10. 

Zusammenfassend ist somit eine obligatorische Landesverweisung für die 

Dauer von 10 Jahren anzuordnen und diese ist im SIS auszuschreiben.  

 

6. 

6.1. 

Die Berufung der Staatsanwaltschaft ist vollumfänglich gutzuheissen. 

Ausgangsgemäss hat der Beschuldigte die obergerichtlichen Verfahrens-

kosten von Fr. 5'000.00 (inkl. Gutachterkosten von Fr. 1'309.40, ohne 

Dolmetscherkosten) zu bezahlen (Art. 428 Abs. 1 StPO; § 18 VKD). 

 

6.2. 

Der amtliche Verteidiger ist gestützt auf die anlässlich der Berufungs-

verhandlung eingereichte Kostennote, jedoch angepasst an die effektive 

Dauer der Berufungsverhandlung und unter Berücksichtigung der 

effektiven Dolmetscherkosten (Eingabe der Verteidigung vom 29. August 

2023) mit gerundet Fr. 5'940.00 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) aus 

der Staatskasse zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 

und Abs. 3bis AnwT). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten (ohne Dolmetscherkosten) 

zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 

(Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 - 29 - 

 

 

 

6.3. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die vorinstanzliche Kostenfolge (Art. 428 Abs. 3 StPO). 

Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die Kosten, 

wenn sie verurteilt wird. Der Beschuldigte wird entsprechend der Anklage 

schuldig gesprochen. Die vorinstanzlichen Verfahrenskosten sind ihm 

deshalb vollumfänglich aufzuerlegen. 

 

6.4. 

Die dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche Verfahren zugespro-

chene Entschädigung von Fr. 25'072.45 ist mit Berufung nicht angefochten 

worden, weshalb im Berufungsverfahren nicht mehr darauf zurück-

zukommen ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 

2019 E. 2.3 f.). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten (ohne Dolmetscherkosten) 

zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 

(Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

7. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- der versuchten vorsätzlichen Tötung gemäss Art. 111 i.V.m. Art. 22 

Abs. 1 StGB; 

- der einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 und Ziff. 3 Abs. 

3 StGB [in Rechtskraft erwachsen]; 

- der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz 

gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG [in Rechtskraft erwachsen]. 

 

2. 

2.1. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss den in Ziff. 1 genannten Gesetzes-

bestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, 

Art. 40 StGB und Art. 106 StGB 

 

zu einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren und einer Busse von Fr. 200.00, 

ersatzweise 7 Tage Freiheitsstrafe, verurteilt. 

 

 - 30 - 

 

 

 

2.2. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft und der vorzeitige Straf- und 

Massnahmenvollzug von insgesamt 455 Tagen (17. April 2021 bis 15. Juli 

2022) werden auf die Freiheitsstrafe angerechnet. 

 

3. 

Es wird eine stationäre Massnahme gemäss Art. 59 StGB angeordnet. 

 

4. 

Der Beschuldigte wird gestützt auf Art. 66a Abs. 1 StGB für 10 Jahre des 

Landes verwiesen. 

 

Die Landesverweisung wird im Schengener Informationssystem (SIS) aus-

geschrieben. 

 

5. [in Rechtskraft erwachsen] 

Der Beschuldigte wird zufolge Anerkennung verpflichtet, der Privatklägerin 

A._____ eine Genugtuung von Fr. 1'000.00 zu bezahlen. 

 

6. 

6.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'000.00 werden dem 

Beschuldigten auferlegt.  

 

6.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das 

Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 5'940.00 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

7. 

7.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 27'122.65 (inkl. Anklage-

gebühr von Fr. 2'550.00) werden dem Beschuldigten auferlegt. 

 

7.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger der Beschuldigten für 

das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 25'072.45 

auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

 - 31 - 

 

 

 

7.3. [in Rechtskraft erwachsen] 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin A._____ für das 

erstinstanzliche Verfahren eine Parteientschädigung von Fr. 4'000.20 zu 

bezahlen.  

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
    

Aarau, 25. August 2023 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin i.V.: 

 

 

 

Six Kaileswaran