# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b6093ab0-e324-5d1d-af7e-33b070eb832a
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-05-29
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 29.05.2020 SK 2018 523
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2018-523_2020-05-29.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 18 523

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 29. Mai 2020 

Besetzung Oberrichterin Falkner (Präsidentin i.V.), 
Oberrichter Guéra, Oberrichter Vicari

Gerichtsschreiber Jaeger

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3013 Bern
vertreten durch Staatsanwältin S.________, Regionale Staatsan-
waltschaft Oberland, Scheibenstrasse 1, 3600 Thun

und

C.________
v.d. Rechtsanwalt D.________

Straf- und Zivilkläger 1

E.________
F.________
G.________
H.________
I.________
J.________
K.________
L.________
alle a.v.d. Rechtsanwalt D.________, Konsumstrasse 16, 
3001 Bern

1

Straf- und Zivilkläger 2-9

M.________
N.________
beide v.d. Rechtsanwalt Dr. O.________

Straf- und Zivilkläger 10+11

P.________
v.d. Fürsprecher Q.________

Straf- und Zivilkläger 12

Gegenstand Neubeurteilung des Urteils der 1. Strafkammer des Obergerichts 
vom 19.12.2017

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Prozessvorgeschichte

Mit Urteil vom 13. Dezember 2016 sprach das Regionalgericht Oberland (Kollegial-
gericht, nachfolgend: Vorinstanz) A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) des 
Mordes, mehrfach begangen gemeinsam mit seinem Sohn R.________ am 
11. Mai 2013 in W.________ z.N. von T.________ und U.________, schuldig und 
verurteilte ihn hierfür unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungs- und 
Sicherheitshaft zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe, zur Bezahlung der Ver-
fahrenskosten sowie zur Ausrichtung einer Entschädigung für die Aufwendungen 
im Verfahren – zu einem Teil unter solidarischer Haftbarkeit mit R.________ – an 
die Straf- und Zivilkläger 1-12. Weiter ordnete die Vorinstanz die Verwahrung an. 
Die Vorinstanz widerrief den mit Strafbefehl vom 29. November 2012 für eine 
Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je CHF 100.00, ausmachend CHF 9‘000.00, 
gewährte bedingte Vollzug und auferlegte die Kosten für das Widerrufsverfahren 
von CHF 300.00 dem Beschuldigten. Weiter bestimmte sie die Entschädigung für 
die amtliche Vertretung des Beschuldigten sowie der Privatkläger 2-9 und befand 
über die entsprechenden Nachforderungsrechte. Im Zivilpunkt verurteilte die Vorin-
stanz den Beschuldigten unter solidarischer Haftbarkeit mit R.________ zur Leis-
tung von Genugtuungszahlungen an die Zivilkläger 2-12. Die Genugtuungsforde-
rung von C.________ (Straf- und Zivilkläger, nachfolgend Privatkläger 1) wies sie 
hingegen ab und verurteilte diesen zur Bezahlung einer Parteientschädigung von 
CHF 460.00 an den Beschuldigten. Auch die Schadenersatzforderung für den erlit-
tenen Versorgerschaden von P.________ (Straf- und Zivilkläger, nachfolgend Pri-
vatkläger 12) wies die Vorinstanz ab. Soweit weitergehend verwies sie die Zivilkla-
ge auf den Zivilweg. Für die Behandlung des Zivilpunkts schied die Vorinstanz Ver-
fahrenskosten von CHF 3‘000.00 aus, wobei diese im Umfang von CHF 2‘500.00 
dem Beschuldigten zur Bezahlung auferlegt wurden und im Umfang von 
CHF 500.00 durch den Kanton Bern zu tragen waren. Schliesslich befand die Vor-
instanz auch über die beschlagnahmten Gegenstände und traf die nötigen Verfü-
gungen zur Löschung des DNA-Profils und der erhobenen erkennungsdienstlichen 
Daten (pag. 7824 ff.). 

Mit Berufungserklärung vom 27. April 2017 beantragte der Beschuldigte die vollum-
fängliche Anfechtung des erstinstanzlichen Urteils mit Ausnahme der durch das 
erstinstanzliche Gericht getroffenen weiteren Verfügungen sowie die Ausscheidung 
der Verfahrenskosten zu Lasten des Kantons Bern und die Verurteilung der Privat-
kläger 1 und 12 zur Bezahlung einer Entschädigung (pag. 7850 ff.). 

Die Generalstaatsanwaltschaft gab am 15. Mai 2017 bekannt, dass sie weder An-
schlussberufung erkläre noch Nichteintreten auf die Berufung beantrage. Weiter 
beantragte sie die Abweisung der durch die Verteidigung gestellten Anträge 
(pag. 8037 ff.). Rechtsanwalt Dr. O.________ stellte namens von M.________ und 
N.________ (Straf- und Zivilkläger, nachfolgend Privatkläger 10 + 11) mit Eingabe 
vom 18. Mai 2017 identische Anträge und verzichtete ebenfalls auf die Erklärung 

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der Anschlussberufung (pag. 8041). Rechtsanwalt D.________ schloss sich na-
mens der Privatkläger 1-9 und Fürsprecher Q.________ namens des Privatklägers 
12 diesen Eingaben inhaltlich ebenfalls vollumfänglich an (pag. 8045 und 8047 f.). 

Das Obergericht des Kantons Bern bestätigte in seinem Urteil vom 19. Dezem-
ber 2017 den Schuldspruch betreffend den Tatvorwurf des gemeinsam mit 
R.________ mehrfach begangenen Mordes und verurteilte den Beschuldigten zu 
einer lebenslangen Freiheitsstrafe unter Anrechnung der bisher ausgestandenen 
Untersuchungs- und Sicherheitshaft, zur Bezahlung der erstinstanzlichen Verfah-
renskosten, ¾ der oberinstanzlichen Verfahrenskosten und zur Ausrichtung einer 
Entschädigung für die notwendigen Aufwendungen der Privatkläger C.________ 
(Privatkläger 1), M.________ (Privatklägerin 10), N.________ (Privatkläger 11) und 
P.________ (Privatkläger 12) im erst- und oberinstanzlichen Verfahren. Anders als 
die erste Instanz wurde von einer Verwahrung abgesehen. Sodann widerrief das 
Obergericht den bedingt gewährten Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwalt-
schaft des Kantons Bern, Region Bern-Mittelland vom 29. November 2012 ausge-
sprochenen Geldstrafe unter Auferlegung der diesbezüglichen Verfahrenskosten 
an den Beschuldigten. Im Zivilpunkt stellte das Obergericht weiter fest, dass mit 
rechtskräftigem Urteil des Jugendgerichts des Kantons Bern vom 19. Dezem-
ber 2016 R.________ zur Zahlung von Genugtuungen an die Privatkläger 1-12 
verurteilt wurde und verurteilte den Beschuldigten unter solidarischer Haftung zur 
Bezahlung dieser rechtskräftig zugesprochenen Genugtuungssummen. Weiter 
bestätigte das Obergericht die Rechtskraft betreffend Zivilpunkte der abgewiesenen 
Genugtuungsforderungen und der abgewiesenen Schadensersatzforderungen des 
Privatklägers 12, des Verweises auf den Zivilweg der weiter geltend gemachten 
Schäden des Privatklägers 12, der Verurteilung des Privatklägers 12 zur Bezahlung 
einer Parteientschädigung an den Beschuldigten sowie der weiter ausgesproche-
nen Verfügungen in Bezug auf die beschlagnahmten Waffen inkl. Munition, der 
zurückzugebenden Gegenstände an die Erben der Opfer sowie an den Beschuldig-
ten und der zur Vernichtung eingezogenen Gegenstände. Die auf den Zivilpunkt 
entfallenden erstinstanzlichen Verfahrenskosten wurden dem Beschuldigten sowie 
dem Kanton Bern gleich wie im erstinstanzlichen Urteil auferlegt. Das Obergericht 
bestimmte die Entschädigungen und befand über die Nachforderungsrechte. Fer-
ner traf das Obergericht die nötigen Verfügungen zur Löschung des DNA-Profils 
und der erhobenen erkennungsdienstlichen Daten und verfügte, den Beschuldigten 
in Sicherheitshaft zu belassen (pag. 7889 ff.). 

2. Urteil des Bundesgerichts vom 12. Dezember 2018

Gegen dieses Urteil erhob sowohl die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern 
wie auch der Beschuldigte Beschwerde in Strafsachen an das Schweizerische 
Bundesgericht (pag. 6499 ff. und 6517 ff.). Die Generalstaatsanwaltschaft des Kan-
tons Bern beantragte in Ergänzung des Urteils der 1. Strafkammer des Oberge-
richts vom 19. Dezember 2017 die Anordnung einer Verwahrung eventualiter die 
Rückweisung zur Anordnung der Verwahrung an das Obergericht des Kantons 
Bern (pag. 6500 ff.). Der Beschuldigte beantragte die Aufhebung des Urteils und 
Rückweisung zur neuen Entscheidung (pag. 6518 ff.). 

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Mit Urteil vom 12. Dezember 2018 vereinigte das Bundesgericht die beiden Be-
schwerdeverfahren, wies die Beschwerde des Beschuldigten (6B_270/2018) ab, 
soweit es darauf eintrat, hiess die Beschwerde der Generalstaatsanwaltschaft 
(6B_257/2018) gut, hob das Urteil des Obergerichts des Kantons Bern vom 
19. Dezember 2017 auf und wies die Angelegenheit zur neuen Entscheidung an 
die Vorinstanz zurück. Weiter erhob das Bundesgericht keine Gerichtskosten und 
entschädigte die Rechtsvertreterin des Beschuldigten (pag. 6574 ff.).

3. Neubeurteilungsverfahren

Mit Verfügung vom 21. Januar 2019 nahm und gab die 1. Strafkammer des Ober-
gerichts des Kantons Bern in neuer Zusammensetzung Kenntnis, dass die Angele-
genheit vom Schweizerischen Bundesgericht einzig bezüglich der Frage der Ver-
wahrung zur neuen Entscheidung zurückgewiesen wurde und alle anderen Punkte 
bestätigt und damit rechtskräftig und vollstreckbar seien. Weiter stellte die Verfah-
rensleitung fest, dass es im Neubeurteilungsverfahren beim Obergericht einzig um 
die Frage der Sanktion (Verwahrung) gehe, zu welcher die PrivatklägerInnen nicht 
legitimiert seien, bzw. welche sie nicht anfechten könnten und gab diesen Gele-
genheit ohne Kostenfolge den Rückzug bzw. ihren Verzicht auf die Teilnahme am 
Neubeurteilungsverfahren zu erklären und die Zustellung des Endurteils zu bean-
tragen (pag. 6599 f.). 

Nach Eingang der entsprechenden Anträge der Straf- und Zivilkläger nahm und 
gab die Verfahrensleitung mit Verfügung vom 15. Februar 2019 Kenntnis, dass die 
Straf- und Zivilkläger 1-11 auf die Teilnahme am Neubeurteilungsverfahren verzich-
ten und der Straf- und Zivilkläger 12 auch im Neubeurteilungsverfahren als Partei 
verbleiben möchte. Weiter wurde den Parteien eine Frist gesetzt um allfällige Ab-
lehnungsgründe gegen den vorgesehenen Sachverständigen zu nennen 
(pag. 6617 ff.). 

Der Beschuldigte machte keine Ablehnungsgründe gegen den vorgeschlagenen 
Sachverständigen geltend und stellte keine Zusatzfragen, ersuchte jedoch mit glei-
chem Schreiben vom 6. März 2019, dass die Termine mit dem Sachverständigen in 
Anwesenheit seiner Verteidigung stattfinden sollen (pag. 6629 f.).

Mit Verfügung vom 7. März 2019 wurden unter anderem beim Amt für Justizvollzug 
des Kantons Bern zu Handen des Sachverständigen alle Vollzugsberichte resp. 
falls vorhanden die Zusammenfassung der Vollzugsberichte über den Beschuldig-
ten ediert (pag. 6632 ff.) und mit Schreiben vom 22. März 2019 einen aktuellen 
Führungsbericht eingeholt (pag. 6639).

Mit Gutachtensauftrag vom 2. April 2019 wurde dem Sachverständigen eine Frist 
bis am 30. Juni 2019 gesetzt, um ein Ergänzungsgutachten zu verfassen. Im glei-
chen Schreiben wurde den Parteien die dem Sachverständigen vorgelegten Fragen 
zur Kenntnis gebracht und ihnen eine Frist gesetzt, um allfällige zusätzliche Fragen 
zu stellen (pag. 6644 f.).   

Mit Schreiben vom 5. April 2019 beantragte die Generalstaatsanwaltschaft die Vor-
lage weiterer Fragen an den Sachverständigen (pag. 6650). Der Beschuldigte ver-

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zichtete mit Schreiben vom 15. April 2019 auf die Vorlage weiterer Fragen 
(pag. 6652). 

Am 30. April 2019 beschloss die Kammer die Zulassung der von der General-
staatsanwaltschaft gestellten Zusatzfragen und hiess den Antrag auf Teilnahme der 
Verteidigung an der Exploration zum Ergänzungsgutachten gut (pag. 6656 f.). Mit 
Schreiben vom 14. Mai 2019 beantragte die Generalstaatsanwaltschaft die Stellung 
einer weiteren Frage, welche sich aus der Teilnahme der Verteidigung an der Ex-
ploration ergeben hatte. Die Verfahrensleitung liess die Frage mit Verfügung vom 
16. Mai 2019 zu (pag. 6667 f.). 

Das Ergänzungsgutachten datiert vom 20. Juni 2019 und ging der Kammer am 
21. Juni 2019 ein. Als Vorbemerkung erläuterte der Sachverständige, die eigentlich 
geplante ambulante psychiatrische Untersuchung des Exploranden sei vom Be-
schuldigten unmittelbar vor dem Gespräch (nach einer ca. 10-minütigen Unterre-
dung unter vier Augen mit seiner Anwältin) abgesagt worden, so dass an diesem 
Tag nur ein ca. halbstündiges Gespräch mit seiner Anwältin möglich gewesen sei. 
In diesem Gespräch sei noch einmal die Bedeutung eines persönlichen Untersu-
chungsgesprächs – auch im eigenen Interesse des Beschuldigten – erläutert wor-
den. Es sei vereinbart worden, dem Beschuldigten einen Fragekatalog zuzuschi-
cken, welcher die Vertretung mit ihm anschauen und ihn motivieren könne, diese 
Fragen zu beantworten. Vorsorglich sei dem Beschuldigten ein Ersatztermin für ein 
Gespräch angeboten worden. Auf Nachfrage des Sachverständigen sei am 13. Ju-
ni 2019 die Nachricht (per Mail) gekommen, der Beschuldigte halte am Aussage-
verweigerungsrecht fest und wolle dem Sachverständigen gegenüber keinerlei An-
gaben über seine Person und zu den ihm übermittelten Fragen machen. Das Er-
gänzungsgutachten konnte sich somit nur auf die vorliegenden Akteninformationen 
stützen (pag. 6673 ff.). 

Das Ergänzungsgutachten vom 20. Juni 2019 wurde den Parteien mit Verfügung 
vom 21. Juni 2019 zugestellt und ihnen Frist zur Stellungnahme sowie zur Stellung 
von Ergänzungs- und/oder Erläuterungsfragen gesetzt (pag. 6718). Nachdem zwei 
von der Generalstaatsanwaltschaft gestellte Zusatzfragen nicht beantwortet wur-
den, wurde der Sachverständige mit Schreiben vom 12. August 2019 aufgefordert, 
diese Fragen noch zu beantworten (pag. 6746 f.). Mit Ergänzung vom 28. August 
2019 kam der Sachverständige dem nach (pag. 6748 ff.). Nach Erhalt des Gutach-
tens inkl. Ergänzung teilten die Generalstaatsanwaltschaft und der Beschuldigte 
mit, sie würden auf Bemerkungen wie auch auf Ergänzungs- sowie Erläuterungs-
fragen verzichten (pag. 6758 und 6759). 

Mit Schreiben vom 24. September 2019 wurde Staatsanwältin S.________ mit der 
Wahrnehmung der staatsanwaltschaftlichen Aufgaben betraut (pag. 6766). Der Be-
schuldigte beantragte mit Schreiben vom gleichen Tag die Durchführung eines 
schriftlichen Verfahrens eventualiter die Dispensation (pag. 6768). Sowohl der 
Straf- und Zivilkläger 12 als auch die zuständige Staatsanwältin beantragten dar-
aufhin die Durchführung einer mündlichen Verhandlung (Schreiben vom 16. Okto-
ber 2019, pag. 6778 f. und Schreiben vom 25. Oktober 2019, pag 6782 ff.). Am 
29. Oktober 2019 wurden die Anträge des Beschuldigten auf Durchführung eines 

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schriftlichen Verfahrens sowie eventualiter seine Dispensation an der Hauptver-
handlung mit Beschluss abgewiesen (pag. 6785 ff.). 

Am 8. November 2019 wurde zur Hauptverhandlung und Urteilseröffnung am 
25. Mai 2020 und 26. Mai 2020 vorgeladen (pag. 6805 f.).

Am 9. Januar 2020 teilte Rechtsanwalt D.________ mit, dass sich bezüglich der 
Privatklägerin E.________ ein Missverständnis ergeben habe. Diese wüsche die 
Teilnahme an der Hauptverhandlung als Privatklägerin (pag. 6821), was mit Verfü-
gung vom 10. Januar 2020 gutgeheissen wurde (pag. 6823 f.). 

Mit Schreiben vom 17. April 2020 stellte die Verteidigung den Antrag, der stellver-
tretende Generalstaatsanwalt, V.________, solle die Anklage vor Obergericht ver-
treten und erklärte, der Beschuldigte würde die Verhandlung mit Zwischenrufen 
und Gesang stören, sollte er nicht dispensiert werden (pag. 6845). Mit Schreiben 
vom 27. April 2020 wurde nochmals der Antrag auf Dispensation gestellt, da der 
Beschuldigte unter Berücksichtigung der aktuellen Situation das Coronavirus be-
treffend der Risikogruppe angehöre und sich deshalb in der Justizvollzugsanstalt 
Thorberg auch in Quarantäne befunden habe (pag. 6853). Nach Eingang der Stel-
lungnahmen der Generalstaatsanwaltschaft (pag. 6849 f. und 6855 f) und getätig-
ten Abklärungen bei der Justizvollzugsanstalt Thorberg (pag. 6857) wies die Ver-
fahrensleitung die Anträge der Verteidigung mit Verfügung vom 29. April 2020 ab 
(pag. 6858). Die Verteidigung wurde mit derselben Verfügung ersucht bis zum 8. 
Mai 2020 eine ärztliche Bestätigung betreffend Risikogruppe einzureichen. 

Mit Beschluss vom 6. Mai 2020 wurde der Sachverständige zur Berufungsverhand-
lung vorgeladen und ihm der Vollzugsbericht vom 27. April 2020 zur Durchsicht zu-
gestellt (pag. 6986 ff.). 

Mit Gesuch vom 8. Mai 2020 ersuchte die Verteidigung erneut um Dispensation 
von der Hauptverhandlung (pag. 6997 f.). An ein ärztliches Attest fehlte indessen 
auch in dieser Eingabe. An der Teilnahme des Beschuldigten wurde deshalb mit 
Beschluss vom 11. Mai 2020 festgehalten. Zudem wurde die Justizvollzugsanstalt 
Thorberg gebeten innert Frist zu beantworten, ob der Beschuldigte von Sprech-
stunden bei einer Psychiaterin oder einem Psychiater Gebrauch gemacht habe und 
das Medikamentenblatt des Beschuldigten (soweit er Medikamente erhalte) nach 
Unterzeichnung einer dem Beschluss beiliegenden Entbindung vom Arztgeheimnis 
einzureichen (pag. 7001 ff.). Die Justizvollzugsanstalt Thorberg hielt im Schreiben 
vom 13. Mai 2020 fest, dass der Beschuldigte seit seinem Eintritt an keinem Ge-
spräch mit einem/einer Psychiaterin teilgenommen habe und er es trotz zweimali-
ger Aufforderung verweigere, die Entbindung vom Arztgeheimnis zu unterzeichnen, 
weshalb eine Kopie des Medikamentenblattes nicht eingereicht werden könne 
(pag. 7011). Anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung reichte die Vertretung 
des Beschuldigten die Disziplinarverfügung der Sicherheitsdirektion, Amt für Justiz-
vollzug, Justizvollzugsanstalt Thorberg, vom 19. März 2020 zu den Akten, welche 
ohne Einwände der Parteien mit Beschluss vom 25. Mai 2020 zu den Akten ge-
nommen wurde (pag. 7030). 

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4. Beweisergänzungen 

Von Amtes wegen wurden oberinstanzlich im Sinne einer Beweisergänzung zwei 
Führungsberichte (vom 29. März 2019 [pag. 6641] und 4. Februar 2020 
[pag. 6831]) sowie ein Vollzugsbericht vom 27. April 2020 (pag. 6866) eingeholt.

Zudem wurde der Beschuldigte und der Sachverständige an der oberinstanzlichen 
Verhandlung ergänzend einvernommen (pag. 7031 ff). 

5. Anträge der Parteien

Die Staatsanwaltschaft stellte und begründete an der oberinstanzlichen Berufungs-
verhandlung vom 25. Mai 2020 folgende Anträge (pag. 7038 f.):
I.

Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Oberland, Kollegialgericht 
in Fünferbesetzung, vom 13.12.2016 in Rechtskraft erwachsen ist,

A. als betreffend Zivilpunkt erkannt wurde, dass 

1. die Genugtuungsforderung des Privatklägers C.________ abgewiesen wird; 
2. die Schadenersatzforderung für den erlittenen Versorgerschaden des Privatklägers P.________ 

abgewiesen wird; 
3. in Anbetracht der unzureichenden Begründung/Bezifferung sämtlicher weiterer geltend 

gemachten Schäden die Zivilklage des Privatklägers P.________ soweit weitergehend auf den 
Zivilweg verwiesen wird; 

4. der Privatkläger C.________ zur Bezahlung einer Parteientschädigung von CHF 460.00 an 
A.________ verurteilt wird; 

B. als Verfügungen über die beschlagnahmten Gegenstände ergangen sind.

II.

A.________ sei schuldig zu erklären: 
des Mordes, mehrfach begangen gemeinsam mit R.________ am 11.5.2013 in W.________, 
X.________, Y.________, zum Nachteil von T.________ und U.________,

und er sei in Anwendung von Art. 40, 47, 49 Abs. 1, 51, 56, 64 Abs. 1 lit. a, 112 StGB, Art. 426 
Abs. 1, 428 Abs. 1 und 3 StPO

zu verurteilen:

1. zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe, unter Anrechnung der ausgestandenen Unter-
suchungs- und Sicherheitshaft vom 27.11.2014 bis am 18.12.2019 von total 1'848 Tagen, 
und es sei festzustellen, dass er am 19.12.2019 die Strafe angetreten hat;

im Weiteren sei die Verwahrung anzuordnen, wobei der Vollzug der Freiheitsstrafe der 
Verwahrung vorausgeht; 

2. zur Bezahlung der erstinstanzlichen Verfahrenskosten und der oberinstanzlichen Ver-
fahrenskosten des ersten Berufungsverfahrens (inkl. eine Gebühr von CHF 1'500.00 
gemäss Art. 21 VKD); 

die Verfahrenskosten für das Neubeurteilungsverfahren seien dem Kanton Bern aufzuerle-
gen. 

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III.

Im Weiteren sei zu verfügen: 

1. A.________ sei zurück in den Strafvollzug zu bringen. 

2. Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN-Nr. .________) sei nach Ab-
lauf der Frist durch das zuständige Bundesamt einzuholen (Art. 16 Abs. 4 DNA-Profi1G).

3. Die Zustimmung zur Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten 
sei nach Ablauf der Frist durch die auftraggebende Behörde einzuholen (Art. 17 Abs. 4 
i.V.m. 19 Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstlicher Da-
ten).

4. Das Honorar der amtlichen Verteidigung sei gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO). 

5. Der Kantonspolizei Bern, Fachbereich Digitale Forensik und Kriminaltechnischer Dienst, sei 
der Eintritt der Rechtskraft mitzuteilen.

Die Vertretung des Beschuldigten begründete an der oberinstanzlichen Berufungs-
verhandlung vom 25. Mai 2020 folgende am 25. Mai 2020 per Fax nachgereichten 
Anträge (pag. 7045 ff. und 7059): 

I.

Auf die Anordnung einer Verwahrung sei zu verzichten

unter Auferlegung der gesamten in vorliegendem oberinstanzlichen Verfahren entstandenen Ver-
fahrenskosten inkl. Verteidigungskosten an den Kanton Bern

und unter Verteilung der erstinstanzlichen sowie der im ersten oberinstanzlichen Verfahren entstan-
denen Verfahrenskosten inkl. Verteidigungskosten gemäss Urteil des Obergerichts vom 19. Dezem-
ber 2017. 

II.

Weiter sei zu verfügen: 

Das Honorar der amtlichen Verteidigung für das vorliegende Verfahren sei gerichtlich zu bestimmen. 

6. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Die Behörde, an welche zurückgewiesen wird, ist an die rechtlichen Erwägungen 
im Rückweisungsentscheid gebunden. Dabei betrifft die Verbindlichkeit sowohl 
Punkte, bezüglich denen keine Rückweisung erfolgt, die also «definitiv» entschie-
den wurden, wie auch diejenigen Erwägungen, welche den Rückweisungsauftrag 
umschreiben (vgl. dazu BSK BGG-MEYER/DORMANN N. 18 zu Art. 107 BGG 
m.w.H., sowie BGE 135 III 334 E. 2; bestätigt im Urteil des Bundesgerichts 
6B_434/2014 vom 24. November 2014 E. 1.3.1). Ergibt sich aus der Urteilsbegrün-
dung des Bundesgerichts, dass es sich materiell um eine Teilaufhebung handelt, 
gilt das kantonale Urteil im Übrigen als bestätigt (BGE 122 I 250 E. 2b). Die kanto-
nale Instanz hat sich demnach bei der neuen Entscheidung auf das zu beschrän-
ken, was sich aus den Erwägungen des Bundesgerichts als Gegenstand der neuen 
Beurteilung ergibt. Wird eine Beschwerde in Strafsachen gutgeheissen und das 
vorinstanzliche Urteil aufgehoben, soll das Verfahren nicht als Ganzes neu in Gang 
gesetzt werden, sondern nur insoweit, als dies notwendig ist, um den verbindlichen 
Erwägungen des Bundesgerichts Rechnung zu tragen (Urteil des Bundesgerichts 
6B_434/2014 vom 24. November 2014 E. 1.3.3).

https://www.swisslex.ch/AssetDetail.mvc/Show?assetGuid=4fe38550-7768-4aa2-9e23-ca9402caf415&SP=6|jko0v5#cons_2b

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Ausgangspunkt ist vorliegend das Urteil des Bundesgerichts 6B_257/2018 vom 
12. Dezember 2018. Die Beschwerde des Beschuldigten, 6B_270/2018, wurde 
vollständig abgewiesen. Die Beschwerde der Generalstaatsanwaltschaft, welche 
einzig den Verzicht auf die Anordnung der Verwahrung rügte, wurde gutgeheissen, 
das angefochtene Urteil aufgehoben und die Sache zu neuer Entscheidung an die 
Vorinstanz zurückgewiesen (pag. 6574 ff.). Die Erwägungen 7.1 bis 7.8 sind für die 
Kammer gestützt auf das soeben ausgeführte verbindlich (pag. 6589 ff.).

Dies bedeutet, dass nur noch die Frage betreffend Anordnung einer Verwahrung 
gemäss Art. 64 Abs. 1 lit. a StGB neu zu beurteilen ist. Der im Urteil des Oberge-
richts des Kantons Bern vom 19. Dezember 2017 ausgefällte Schuldspruch, die 
ausgefällte Strafe, sowie alle weiteren Zivilklagen und Verfügungen sind gestützt 
auf das bundesgerichtliche Urteil 6B_270/2018 bereits in Rechtskraft erwachsen 
und bilden die Grundlage für die nachfolgende Frage betreffend Anordnung einer 
Verwahrung. Weiter zu beurteilen sind die oberinstanzlichen Kostenfolgen. Bereits 
rechtskräftig ist hingegen die erstinstanzliche Kostenverteilung, da diese nicht vom 
Obsiegen/Unterliegen, sondern von der Frage der Verurteilung an sich abhängt.

II. Verwahrung

7. Allgemeine Ausführungen des Bundesgerichts zur Verwahrung

Das Gericht ordnet eine Verwahrung an, wenn der Täter einen Mord oder eine wei-
tere im Gesetz genannte Straftat begangen hat und aufgrund der Persönlichkeits-
merkmale des Täters, der Tatumstände und seiner gesamten Lebensumstände 
ernsthaft zu erwarten ist, dass er weitere Taten dieser Art begeht (Art. 64 
Abs. 1 Bst. a StGB).

Die Anwendbarkeit von Art. 64 StGB beurteilt sich ausschliesslich nach dem As-
pekt der Sicherheitsinteressen der Allgemeinheit. Die Garantie der Sicherheit Drit-
ter stellt den hauptsächlichen Zweck dieser Massnahme dar. Bei der Verwahrung 
treten die Individualinteressen des Betroffenen gänzlich in den Hintergrund 
(HEER/HABERMEYER in: NIGGLI/WIPRÄCHTIGER [Hrsg.], Basler Kommentar, Strafge-
setzbuch StGB, 4. Auflage 2019, N. 6 zu Art. 64 StGB mit weiteren Hinweisen). 

Folgerichtig ist die Frage nach der Notwendigkeit einer solchen Massnahme primär 
nach dem Kriterium der Gefährlichkeit eines Täters zu beantworten. Eine entspre-
chende Prognose steht im Zentrum der Beurteilung und stellt in der Praxis faktisch 
das einzige Abgrenzungskriterium gegenüber therapeutischen Massnahmen dar. 
Die künftige Gefährlichkeit des Täters ist der eigentliche Angelpunkt des Mass-
nahmenrechts schlechthin, dies im Einklang mit der kriminalpolitischen Zielsetzung 
in diesem Rechtsbereich. Gefährlichkeitsprognosen sind aber naturgemäss unsi-
cher (vgl. statt vieler BGE 127 IV 1, 5). Sie gehören, abgesehen von den relativ 
eindeutigen Fällen der hochgefährlichen Straftäter, zu den schwierigsten Aufgaben 
der psychologisch-psychiatrischen Diagnostik. Menschliches Sozialverhalten kann 
nur bedingt mit hinreichender Wahrscheinlichkeit vorausgesagt werden, selbst 
wenn die Prognosemethoden verbessert werden. Die Praxis sucht sich nicht zuletzt 
deshalb gelegentlich zu stark an der Anlasstat zu orientieren, da ihr diese als ob-

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jektiver Anknüpfungspunkt erscheint. Erforderlich ist indessen eine Gesamtwürdi-
gung von Tat und Täter. Diese beinhaltet eine umfassende Analyse vieler anderer 
Aspekte (HEER/HABERMEYER, a.a.O., N. 7 zu Art. 64 StGB mit weiteren Hinweisen). 

Die Verwahrung steht immer in direktem Zusammenhang mit einer konkreten Straf-
tat. Die Sozialgefährlichkeit eines Täters ist nur insoweit beachtlich, als sie sich in 
einer Anlasstat realisiert hat. Der Anlasstat kommt insofern limitierende Funktion 
zu. Allerdings bedarf es keiner Mehrzahl von Anlasstaten. Es kann somit sogar ein 
Ersttäter grundsätzlich verwahrt werden (HEER/HABERMEYER, a.a.O., N. 9 zu 
Art. 64 StGB) 

Zum weiteren Kriterium der Gefährlichkeit und Gefährlichkeitsprognose hält das 
Bundesgericht im Urteil 6B_270/2018 folgendes fest (pag. 6591 f., Erw. 7.4.1 f.): 

Die Anordnung der Verwahrung setzt eine hohe Rückfallgefahr voraus. Im Unterschied zu den ande-
ren Massnahmen ist eine qualifizierte Gefährlichkeit erforderlich. Diese ist vom Strafgericht zu beja-
hen, wenn es kaum vorstellbar ist, dass der Täter keine weiteren Straftaten derselben Art begeht. Ei-
ne blosse Vermutung, vage Wahrscheinlichkeit oder latente Gefahr ist in diesem Zusammenhang 
nicht ausreichend. Das Strafgericht hat dabei das Risiko für schwere Straftaten gegen die psychische, 
physische oder sexuelle Integrität zu berücksichtigen (BGE 137 IV 59 E. 6.3 S. 70 mit Hinweisen; Ur-
teil 6B 1397/2017 vom 26. April 2018E. 1.1.1). 

7.4.2. Das Gericht stützt sich bei seinem Entscheid über die Anordnung einer Verwahrung auf eine 
sachverständige Begutachtung. Diese muss sich zur Notwendigkeit und den Erfolgsaussichten einer 
Behandlung des Täters, zur Art und Wahrscheinlichkeit weiterer möglicher Straftaten und zu den 
Möglichkeiten des Vollzugs der Massnahme äussern (Art. 56 Abs. 3 StGB; BGE 134 IV 315 E. 4.3.1 
S. 326; Urteil 66_28/2017 vom 23. Januar 2018 E. 3.3.3). 

Das Gericht hat das Gutachten nach fachwissenschaftlichen Kriterien zu verstehen und zu prüfen. Es 
muss das Gutachten selbstständig beurteilen und darf die Prognoseentscheidung nicht dem Sachver-
ständigen überlassen. Die richterliche Überprüfung bzw. Kontrolle des Gutachtens hat sich deshalb 
nicht nur auf das ermittelte Prognoseergebnis als solches zu beziehen, sondern muss sich auf die 
Qualität der gesamten Prognosestellung inklusive der vom Sachverständigen allenfalls verwendeten 
Prognoseinstrumente erstrecken (Urteil 66_424/2015 vom 4. Dezember 2015 E. 2.3 mit Hinweis). Das 
Gericht muss im Ergebnis eine eigenständige Beurteilung des Sachverständigenbeweises im Hinblick 
auf die Einbeziehung aller für die Begutachtung relevanten Umstände vornehmen, damit es gestützt 
darauf einen eigenverantwortlichen Entscheid zur Gefährlichkeit treffen kann (Urteil 6B_424/2015 vom 
4. Dezember 2015 E. 2.3 mit Hinweis auf MARIANNE HEER, Basler Kommentar, Strafrecht, Band I, 
N. 50, N. 53, N. 64d sowie N. 75 zu Art. 56 StGB). 

Ob ein Gericht die in einem Gutachten oder Fachbericht enthaltenen Erörterungen für überzeugend 
hält oder nicht und ob es dementsprechend den Schlussfolgerungen der Experten folgen soll, ist eine 
Frage der Beweiswürdigung, die mit Beschwerde an das Bundesgericht wegen Verletzung des Will-
kürverbots gerügt werden kann. Dasselbe gilt für die Frage, ob ein Gutachten in sich schlüssig ist. 
Das Gericht darf in Fachfragen nicht ohne triftige Gründe von Gutachten abweichen und muss Abwei-
chungen begründen (BGE 142 IV 49 E. 2.1.3 S. 53; 141 IV 369 E. 6.1 S. 372 f.; je mit Hinweisen). Er-
scheint ihm die Schlüssigkeit eines Gutachtens in wesentlichen Punkten zweifelhaft, hat es nötigen-
falls ergänzende Beweise zur Klärung dieser Zweifel zu erheben. Das Abstellen auf eine nicht schlüs-
sige Expertise bzw. der Verzicht auf die gebotenen zusätzlichen Beweiserhebungen kann gegen das 
Verbot der Willkür verstossen (vgl. BGE 142 IV 49 E. 2.1.3 S. 53; Urteile 6B_244/2017 vom 12. Fe-

11

bruar 2018 E. 1.1.2; 6B_265/2015 vom 3. Dezember 2015 E. 4.2; je mit Hinweisen). Dies trifft etwa 
zu, wenn das Gericht auf das Gutachten abstellt, obwohl der Sachverständige die an ihn gestellten 
Fragen nicht beantwortet, seine Erkenntnisse und Schlussfolgerungen nicht begründet oder diese in 
sich widersprüchlich sind oder die Expertise sonst wie an Mängeln krankt, die derart offensichtlich und 
auch ohne spezielles Fachwissen erkennbar sind, dass sie das Gericht nicht hätte übersehen dürfen 
(Urteile 613_244/2017 vom 12. Februar 2018 E. 1.1.2; 66_604/2016 vom 29. November 2016 E. 1.2.2 
mit Hinweis). 

8. Ausgangslage

Die vorliegend in der fachpsychiatrischen Expertise enthaltene Risikoeinschätzung, 
d.h. die Wiederholungswahrscheinlichkeit für ein erneutes Tötungsdelikt, für andere 
schwere Gewaltstrafen oder andere Delikte mit Gefährdung des Lebens, beruht auf 
der strukturierten, kriteriengeleiteten Risikoeinschätzung nach Z.________. Dabei 
werden insgesamt zwölf Kriterien geprüft und gewürdigt. Der Sachverständige be-
wertete im Gutachten vom 13. Oktober 2015 die Analyse der Anlasstat, das spezi-
fische Konfliktverhalten und die Auseinandersetzung mit der Tat als ungünstige Kri-
terien. Eher ungünstig bewertete er die bisherige Kriminalitätsentwicklung, die Per-
sönlichkeit (vorhandene psychische Störung), neutral bis eher ungünstig die soziale 
Kompetenz und (noch) eher ungünstig, bzw. nicht beurteilbar den sozialen Emp-
fangsraum. Neutral bzw. nicht beurteilbar beurteilte er die Therapiebereitschaft und 
neutral den bisherigen Verlauf nach den Taten. Eher günstig beurteilte er die Ein-
sicht des Täters in seine Störung, die allgemeinen Therapiemöglichkeiten und die 
realen Therapiemöglichkeiten. In der Gesamtschau schätzte er die Kriminalprogno-
se als ungünstig ein (pag. 6193 ff.). 

9. Konkrete bundesgerichtliche Ausführungen zum vorliegenden Fall

Das Bundesgericht rügte mit Urteil 6B_270/2018, das Obergericht sei ohne triftige 
Gründe von der Expertise abgewichen und habe die Bedeutung der vom Gutachter 
als ungünstig bewerteten Kriterien und damit die Rückfallgefahr ohne triftige Grün-
de relativiert. Damit sei das Obergericht in Willkür verfallen. Zudem seien Lücken 
im Gutachten festgestellt worden, so dass keine rechtgenügende Entscheidgrund-
lage im Sinne vom Art. 56 Abs. 3 StGB vorgelegen habe. Das Obergericht wurde 
vom Bundesgericht angewiesen, die fachpsychiatische Expertise im Sinne seiner 
vorstehenden Erwägungen soweit nötig ergänzen zu lassen. Das Bundesgericht 
führte im Urteil 6B_270/2018 E. 7.5 ff. folgendes aus:

7.5 Die in der fachpsychiatrischen Expertise enthaltene Einschätzung der Rückfallgefahr beruht auf 
dem Kriterienkatalog nach Z.________. Beim Beschwerdegegner wird eine narzisstisch-
selbstunsichere, ängstlich depressive und zwanghafte (evtl. auch schizotype) Persönlichkeitsakzentu-
ierung (ICD-10 Z73.1) diagnostiziert (Expertise, S. 43 und 48) und für die Tatzeit eine vollständig er-
haltene Schuldfähigkeit festgestellt. Von den zwölf Kriterien beurteilt der Gutachter insbesondere das 
Kriterium der Anlasstat, des spezifischen Konfliktverhaltens und der Auseinandersetzung mit der Tat 
als ungünstig. Im Rahmen des Kriteriums der bisherigen Kriminalitätsentwicklung berücksichtigt er, 
dass der Beschwerdegegner bisher nicht wegen gravierender Gewaltstraftaten strafrechtlich in Er-
scheinung getreten sei. Aufgrund der hohen Affinität zu Waffen und der mehrfachen Widerhandlun-
gen gegen das Waffengesetz bewertet er dieses Kriterium als eher ungünstig. In einer Gesamtschau 
sei von einer ungünstigen Kriminalprognose auszugehen. Es bestehe ein "erhöhtes Risiko für erneute 

12

schwere Gewaltstraftaten". Auf die zur Rückfallgefahr gestellte Frage, welche Straftaten mit welcher 
Wahrscheinlichkeit zu erwarten seien, führte der Gutachter aus, es sei von einer "deutlich erhöhten 
Wiederholungswahrscheinlichkeit für erhebliche Gewaltstraftaten (auch mit schwersten, lebensbe-
drohlichen Opferschäden)" auszugehen. 

7.6.
7.6.1 Weswegen die rechtliche Qualifikation der Anlasstat die Bedeutung der forensisch-psychiatrisch 
relevanten Umstände des Einzelfalls relativieren sollte, legt die Vorinstanz nicht nachvollziehbar dar. 
Die Tatumstände werden in Art. 64 Abs. 1 lit. a StGB ausdrücklich als eines der massgebenden Ele-
mente der Legalprognose aufgeführt. Sofern sich die hohe Gefährlichkeit des Täters aus seiner Ge-
waltbereitschaft ergibt, ist diese unabhängig der rechtlichen Qualifikation der Tat zu berücksichtigen. 
Gerade die mangelnde Beachtung der Anlasstat wird u.a. als wesentliche Fehlerquelle bei der Krimi-
nalprognose genannt (NORBERT LEYGRAF, Die Begutachtung der Gefährlichkeitsprognose, in: 
Psychiatrische Begutachtung, Venzlaff/Foerster/Dressing/Habermeyer [Hrsg.], 6. Aufl., München 
2015, S. 414 ff., 425). Ferner überzeugt das von der Vorinstanz dargelegte Verhältnis zwischen der 
Mordqualifikation und der Risikoprognose nicht. LEYGRAF weist diesbezüglich darauf hin, dass die 
Qualifikationsmerkmale eines Mordes mehr den Unrechtsgehalt der Tat als die künftige Gefährlichkeit 
des Täters beschreiben und gerade diese Taten oftmals in krisenhaft zugespitzten Lebenssituationen 
oder innerhalb einer lebensphasisch umschriebenen Problematik erfolgen (LEYGRAF, a.a.O., S. 
421). Ebenfalls nicht stichhaltig ist die vorinstanzliche Relativierung der Gefährlichkeitsprognose mit 
dem Hinweis auf die statistische Grundlage (Basisrate). Die Basisraten zur Rückfälligkeit stecken den 
Rahmen für die Rückfallgefahr ab, besagen jedoch darüber hinaus-gehend nichts für die Prognose im 
Einzelfall (LEYGRAF, a.a.O., S. 415; ausführlich zur Basisrate, MÜLLER/NEDOPIL, Forensische 
Psychiatrie, 5. Aufl., Stuttgart 2017, S. 348 f.). Die Beschwerdeführerin weist diesbezüglich auch zu-
treffend darauf hin, dass der Gutachter das Kriterium der Anlasstat ausdrücklich im Wissen um die 
eher geringe statistische Rückfallwahrscheinlichkeit bei Tötungsdelikten als ungünstig bewertet hat. 

7.6.2 Nicht nachvollziehbar ist, dass die Vorinstanz die offenbar am 28. April 2016 ausgestossene 
Drohung des Beschwerdegegners trotz Kenntnis der Vorgeschichte, insbesondere der Drohungen im 
Jahre 2003 gegenüber T.________, lediglich mit einem pauschalen Verweis auf die Persönlichkeit 
des Beschwerdegegners als unbedeutend würdigt. Ferner vermag die pauschale Berücksichtigung 
des Alters als grundsätzlich protektiver Faktor durch die Vorinstanz den Anforderungen an eine Ein-
zelfallbeurteilung nicht zu genügen (vgl. Urteil 66_424/2015 vom 4. Dezember 2015 E. 3.7 mit Hin-
weis). Eine Überprüfung der konkreten Bedeutung dieser Faktoren durch den Gutachter wäre ange-
zeigt gewesen. Für die prognostische Beurteilung können die konstellativen Bedingungen der Tat und 
die Mittäterschaft von entscheidender Bedeutung sein (LEYGRAF, a.a.O., S. 421). Der Expertise lässt 
sich indes nicht entnehmen, dass sich der Gutachter mit diesen Elementen befasst hätte. Schliesslich 
bleibt unklar, ob basierend auf der Expertise von einem erhöhten oder einem deutlich erhöhten Risiko 
auszugehen ist (vgl. E. 7.5). Die Risikoformulierung unterliegt gutachterlichem Klärungsbedarf (zu den 
Anforderungen an die Bestimmtheit der prognostischen Risikobeurteilung, vgl. Urteil 66_265/2015 
vom 3. Dezember 2015 E. 6.3 mit Hinweisen). 

Zum Einwand des Beschwerdegegners, das Gutachten sei als Aktengutachten von geringem Be-
weiswert, ist darauf hinzuweisen, dass es in erster Linie dem angefragten Sachverständigen obliegt 
zu beurteilen, ob sich ein solches verantworten lässt (BGE 127 I 54 E. 2f S. 58; Urteil 66_93/2015 
vom 19. Mai 2015 E. 5.2; je mit Hinweisen). Inwiefern die diesbezügliche gutachterliche Einschätzung 
in der vorliegenden Konstellation in Frage zu stellen ist, zeigt der Beschwerdegegner nicht auf und ist 
auch nicht ersichtlich.

13

10. Ergänzungsgutachten vom 20. Juni 2019 resp. 28. August 2019 (pag. 6673 ff.)

Der Sachverständige führt aus, dass sich die Beurteilung der Persönlichkeit des 
Beschuldigten zum einen auf die bereits im Gutachten vom Jahr 2015 zusammen-
getragenen und referierten aktenanamnestischen Informationen und zum anderen 
ergänzt um die von ihm im weiteren Verlauf gezeigten Auffälligkeiten im Vollzugs- 
und Aussageverhalten abstütze (pag. 6674). Die eigentlich geplante ambulante 
psychiatrische Untersuchung des Beschuldigten (gemäss ursprünglichem Wunsch 
von diesem im Beisein seiner Vertretung) sei vom Beschuldigten unmittelbar vor 
dem Gespräch nach einer zehnminütigen Unterredung mit dieser abgesagt worden. 
Die Verteidigung sei in einem Gespräch vom Sachverständigen auf die Bedeutung 
des persönlichen Untersuchungsgespräches für eine möglichst genaue Risikobeur-
teilung hingewiesen worden. Es sei vereinbart worden, dem Beschuldigten ein Fra-
gekatalog zuzusenden, welcher die Verteidigung mit dem Beschuldigten anschau-
en könne und sie ihn motivieren könne, die Fragen zu beantworten. Vorsorglich sei 
als weitere Option ein Ersatz-Gesprächstermin vereinbart worden. Auf Nachfrage 
des Sachverständigen habe der Beschuldigte über seine Verteidigung mitgeteilt, 
dass er an seinem Aussageverweigerungsrecht festhalte und keinerlei Angaben 
über seine Person und zu den ihm übermittelten Fragen machen wolle (pag. 6674). 

Zur psychiatrischen Diagnose / Persönlichkeitsbild führt der Sachverständige aus, 
es hätten sich auch unter Berücksichtigung des weiteren Verlaufs, des dabei ge-
zeigten Vollzugsverhaltens und der unverändert mangelnden Mitwirkung an einer 
gutachterlichen Exploration und psychiatrischen Untersuchung in diagnostischer 
Hinsicht keine wesentlichen neuen Gesichtspunkte ergeben, sodass die ihm Gut-
achten aus dem Jahr 2015 getroffenen Feststellungen auch zum Zeitpunkt des Er-
gänzungsgutachtens grundsätzlich zu bestätigen, bzw. nur geringfügig zu modifi-
zieren seien. Es hätten im Jahr 2015 eine Reihe auffälliger Persönlichkeitsmerkma-
le beschrieben werden können, was als leichte kombinierte Persönlichkeitsstörung 
eingeordnet habe werden können. Im Hinblick auf die Stabilität einiger dieser auf-
fälligen, fehlangepassten und eindeutig unangemessenen Persönlichkeits- und 
Verhaltensmerkmale (u.a. auch bezüglich seiner anhaltenden Leugnung betreffend 
seinen Täteranteil am Anlassdelikt und seiner starren Abwehrhaltung gegenüber 
einer psychiatrischen Untersuchung und Exploration) müsse beim Beschuldigten 
aus gutachterlicher Sicht zum Zeitpunkt des Ergänzungsgutachtens allerdings – 
zumindest differenzialdiagnostisch – das Vorliegen einer (leichten) kombinierten 
Persönlichkeitsstörung in Betracht gezogen werden. Zusammengefasst seien beim 
Erkenntnisstand zum Zeitpunkt des Ergänzungsgutachtens folgende auffällige Per-
sönlichkeitsmerkmale bzw. psychiatrische Diagnosen zu beschreiben 
(pag. 6703  f.):

- Narzisstisch-selbstbezogene / selbstunsichere, ängstlich-vermeidende, depres-
sive und zwanghafte Persönlichkeitsakzentuierungen (ICD-10 Z73.1), 
differenzialdiagnostisch leichte kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 
F61.0)

- anamnestisch: Störungen durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom mit episodi-
schem Substanzmissbrauch (ICD-10 F10.26), derzeit in beschützender Umge-
bung abstinent (F10.21). 

14

Das Gutachten aus dem Jahre 2015 habe die Kriterien Analyse der Anlasstat, bis-
herige Kriminalitätsentwicklung des Beschuldigten, seine Persönlichkeit bzw. bei 
ihm vorhandene deliktfördernde Störungsmerkmale, sein spezifisches Konfliktver-
halten, seine (noch) nicht zu erkennende selbstkritische Auseinandersetzung mit 
der Tat, der sich noch nicht abzeichnende bzw. nicht beurteilbare zukünftige sozia-
le Empfangsraum als ungünstig oder eher ungünstig bewertet. Als neutral bis eher 
ungünstig sei das Kriterium der sozialen Kompetenz und als neutral oder eher 
günstig seien die Kriterien Therapiebereitschaft und bisheriger Verlauf nach der Tat 
beurteilt worden. Lediglich die Kriterien Einsicht des Täters in seine Störung 
(gemäss psychiatrischem IV-Gutachten von 2012 zumindest in Teilbereichen vor-
handen), die allgemeine Therapiemöglichkeit (bzw. die grundsätzliche Behandel-
barkeit der Alkohol und Persönlichkeitsproblematik beim Beschuldigten) und die 
realen Therapiemöglichkeiten als günstig oder eher günstig beurteilt werden kön-
nen (pag. 6704 f.). 

Der Sachverständige führt weiter aus (pag. 6705 ff.):

Aus heutiger gutachterlicher Sicht müssen — unter Berücksichtigung des weiteren Verlaufes und der 
bis heute anhaltenden, strikten Abwehr- bzw. Verweigerungshaltung von Herrn A.________ gegenü-
ber einer psychiatrischen Exploration — einige dieser prognostischen Kriterien allerdings doch etwas 
kritischer beurteilt werden. So müssen insbesondere die (2015 noch als ,neutral' oder ,nicht beurteil-
bar' eingeschätzten) Kriterien der ,Therapiebereitschaft' und des ,bisherigen Verlaufs nach der Tat' 
wie auch das Kriterium der (2015 noch als ,eher günstig' eingeschätzten) ,Einsicht des Täters in seine 
Störung' im Hinblick darauf, dass Herr A.________ bis heute keinerlei Einblick gewährt in seiner see-
lisches Innenleben, in seine Tatmotivation, in seine Beziehung zu seinen Söhnen, in seine Art der 
Verarbeitung der Tat und seiner eigenen und seines Sohnes (R.________) Schuld und Verurteilung 
sowie in seine Zukunftsvorstellungen, wie auch die Tatsache, dass er sich gegenüber einer gutachter-
lichen Exploration und psychiatrisch-therapeutischen Unterstützung vollkommen verschliesst, heute 
als risikoerhöhend und damit in prognostischer Hinsicht als ,ungünstig' bewertet werden.

Aus forensisch-psychiatrischer Sicht steht (recte: ist) bei Herrn A.________ konkret zu befürchten, 
dass seine anhaltende — geradezu wahnartig anmutende — Leugnung seines Tatbeitrages und sei-
ner (rechtskräftig festgestellten) Tatschuld nicht nur seinem (als Mittäter verurteilten) Sohn 
R.________ und seinem anderen Sohn AA.________ die realitätsgerechte Verarbeitung der Tat und 
den angemessenen Umgang mit der Verurteilung erschwert und damit deren Zukunftschancen erheb-
lich belastet, sondern bei ihm selbst eher noch zu einer Verstärkung und weiteren Verfestigung seiner 
„Lebenslüge" und seines Ressentiments führt, dass nicht nur seine beiden Söhne „Opfer" (des getöte-
ten Heimleiters) gewesen sind, sondern nun auch er selbst und sein Sohn R.________ (und indirekt 
auch sein Sohn AA.________) gemeinsam „Opfer" einer ungerechten Behandlung durch das Strafjus-
tizsystem und andere staatliche Stellen geworden sind, was ein fortbestehendes Reservoir aufgestau-
ter Kränkungswut darstellt, woraus auch entsprechende Rachefantasien und Bestrafungsideen ent-
stehen und handlungsleitend werden können im Sinne einer ernsthaften Fremdgefährdung von Re-
präsentanten der Strafjustiz bzw. der vermeintlich „wahren" Verantwortlichen für seine Tat und seine 
Verurteilung und für das eigene missglückte Lebensschicksal (und auch das seiner Kinder).

Daneben besteht bei Herrn A.________ aber auch ein nicht nur theoretisches sondern konkretes ho-
hes Risiko dafür, dass sich bei ihm im Falle der Bewusstwerdung und Akzeptanz der eigenen Schuld 
und Verantwortlichkeit für das Tatgeschehen und die Folgen eine schwere depressive Verfassung 
einstellt mit Selbstanklagen und schweren Schuldgefühlen gegenüber seinen Kindern, was nicht nur 

15

zu einer eigenen Suizidgefährdung sondern angesichts des ausgeprägten, durch die Tat noch einmal 
verstärkten symbiotischen Zusammengehörigkeitsgefühls mit seinen Kindern durchaus auch zu Ideen 
oder sogar ernsthaften Absichten eines (seine Söhne mit einschliessenden) erweiterten oder Mitnah-
mesuizids führen kann. Dieses Risiko muss als umso höher eingeschätzt werden, je verschlossener 
sich Herr A.________ verhält und je weniger er professionellen Fachpersonen Einblicke in seinen in-
nerseelischen Prozess der Tat- und Schuldverarbeitung gewährt und therapeutische Hilfsangebote 
ausschlägt.

Dass Herr A.________ sich so konsequent und auffällig rigide, geradezu sthenisch, allen Bemühun-
gen um gutachterliche Aufklärung seines seelischen Befindens und damit auch gegenüber jeglicher 
therapeutischer Unterstützung verschliesst, lässt zum einen auf eine starke Angst, z.B. vor möglichen 
psychiatrisch-therapeutischen Interventionen oder allgemein vor einer Veränderung seines bisherigen 
subjektiven Wahrheitskonstrukts schliessen, welches ihn wahrscheinlich aber auch vor eigenen de-
pressiv-suizidalen Tendenzen schützt. Es könnte aber auch als Indiz dafür verstanden werden, dass 
er, falls er sich auf eine vertiefte psychiatrische Exploration einlassen sollte, nicht zuletzt auch die 
Aufdeckung fremdgefährdender Rachegefühle oder latenter, fantasierter oder bereits vorgestalteter 
Rachepläne befürchtet; in diesem Fall müssten seine Verschlossenheit und sein anhaltendes Abwehr- 
und Leugnungsverhalten als weiterer risikoerhöhender Faktor bewertet werden. 

In der Risikoeinschätzung ist neben den bereits genannten persönlichkeitsgebundenen Variablen 
auch das fortschreitende Alter von Herrn A.________ zu berücksichtigen, welches sich zum einen 
durchaus risikomindernd auswirkt, da Herr A.________ bei einer allfälligen Entlassung aus der Straf-
haft sicherlich das 60. Lebensjahr bereits überschritten haben dürfte und nach allen kriminologischen 
Studien das Delinquenz- bzw. Rückfallrisiko nach dem 50. Lebensjahr — zumindest statistisch — si-
gnifikant abnimmt. Auf der anderen Seite muss im vorliegenden Fall berücksichtigt werden, dass unter 
den gegebenen Umständen, d.h. bei weiterhin anhaltender hermetischer Verschlossenheit und Ab-
wehrhaltung von Herrn A.________, eine Vielzahl von Risikovariablen nur schwer einschätzbar blei-
ben und im Laufe der Zeit und mit zunehmender Haftdauer (falls z.B. sein privates, selbstrechtferti-
gendes Wahrheitskonstrukt einen eindeutig wahnhaften Charakter annehmen sollte) sich sogar noch 
verstärken könnten, was sich wiederum (altersunabhängig) risikoerhöhend bzgl. der Wiederholungs-
wahrscheinlichkeit von Gewalttaten auswirken würde. 

In Bezug auf den Einflussfaktor des Alters von Herrn A.________ muss ferner darauf hingewiesen 
werden, dass seine seit der Tat bis heute fehlende Einsicht und Beeinflussbarkeit bezüglich persön-
lichkeitsgebundener Risikovariablen sich voraussichtlich weiter verfestigen werden und gleichzeitig 
ihm nur noch geringe und mit zunehmendem Lebensalter weiter abnehmende innere Ressourcen und 
Veränderungspotenziale zur Verfügung stehen, was eine risikomindernde therapeutische Beeinfluss-
barkeit im Alter eher unwahrscheinlich macht und damit das Risiko erneuter Gewalthandlungen anhal-
tend hoch erscheinen lässt.

Schliesslich muss bezüglich des Alters- bzw. Zeitfaktors bedacht werden, dass in der Vorgeschichte 
der Anlasstat von 2013 eine relativ lange Latenzzeit von zehn Jahren bestanden hat zwischen der of-
fensichtlichen Kränkungserfahrung von Herrn A.________ im Zusammenhang mit dem (kurzen) 
Heimaufenthalt seiner Söhne beim späteren Tatopfer (Herrn T.________) im Jahr 2003 und dass mit 
zunehmendem zeitlichen Abstand zu diesem Vorfall bei Herrn A.________ keineswegs eine dauer-
hafte Entaktualisierung des damaligen kränkenden Erlebnisses stattgefunden hat, sondern sich dar-
aus — möglicherweise ausgelöst durch eine persönliche Krise seines Sohnes R.________ — im Jahr 
2013 eine wahrscheinlich aus Kränkungswut und Rachegefühlen gespeiste homizidale Tatbereitschaft 
und schliesslich die Realisierung des Tötungsdeliktes entwickelt hat. Bei einer derartigen Zeitgestalt 

16

der Entwicklung einer homizidalen Tatbereitschaft kann daher auch zukünftig nicht ausgeschlossen 
werden, sondern muss vielmehr als fortbestehendes Risiko erneuter Gewalthandlungen angesehen 
werden, dass es bei Herrn A.________ — zumal er, wie zwischenzeitlich gerichtlich festgestellt, ge-
meinsam mit seinem Sohn R.________ das Doppeltötungsdelikt tatsächlich begangen und damit 
schon einmal die Tötungshemmschwelle überschritten hat — auch noch nach einer langen, mehrjäh-
rigen Latenzzeit zur einer Umsetzung von Kränkungswut und Rachegefühlen in manifeste schwere 
Gewalthandlungen kommen kann.

Solange sich keine Veränderungen in den Einstellungen von Herrn A.________ und in seiner Koope-
ration mit forensisch-psychiatrischen Fachpersonen abzeichnet und weder eine therapeutische Bear-
beitung der Dynamik der Anlasstat, der Mittäterschaft seines Sohnes R.________ und seiner eigenen 
Schuld und Verantwortlichkeit möglich ist noch die Etablierung eines funktionierenden Risiko-
Monitorings und Risiko-Managements gelingt, kann von der biologischen Altersvariable allein kein hin-
reichend deliktprotektiver Effekt erwartet werden. Das bei einer allfälligen Haftentlassung wahrschein-
lich bereits fortgeschrittene Lebensalter von Herrn A.________ ist aus gutachterlicher Sicht und beim 
gegenwärtigen Erkenntnisstand daher für sich alleine als prognostisch neutral oder indifferent zu be-
werten.

Wie bereits zum Zeitpunkt der Vorbegutachtung von Oktober 2015 muss auch heute, allein nach kli-
nisch-forensischer Einschätzung, bei Herrn A.________ weiterhin von einer ungünstigen Kriminalpro-
gnose — auch bzgl. der Wiederholungswahrscheinlichkeit für erneute schwere Gewaltstraftaten — 
ausgegangen werden. Zum einen sind erneute Straftaten im Rahmen und im Spektrum seiner frühe-
ren Delinquenz zu erwarten, d.h. Beschimpfungen, Drohungen, Hausfriedensbruch, Widerhandlungen 
gegen das Waffengesetz oder auch erneute einschlägige Strassenverkehrsdelikte (z.B. Fahren in an-
getrunkenem Zustand); zum anderen besteht angesichts der dargestellten besonderen inneren und 
äusseren Umstände von Herrn A.________ (mit einer Vielzahl unsicherer, teilweise sogar risikoer-
höhender Faktoren sowie weiterer, derzeit nicht genau einschätzbarer persönlichkeitsgebundener und 
zukünftiger situativer Risikovariablen) aber auch ein hohes Risiko für neuerliche, auch gravierende 
Gewalthandlungen mit schweren, nicht ausschliessbar auch lebensbedrohlichen Opferschäden.

In Ergänzung dieser klinisch-forensischen Risikoeinschätzung wandte der Sach-
verständige die aktuarischen Prognoseinstrumente des HCR-20 und des Violence 
Risk Appraisal Guide (nachfolgend: VRAG) an (pag. 6708). Das HCR-20 diene der 
Vorhersage erneuter Gewaltstraftaten. Ausgehend von 20 operationalisierten Items 
liessen sich die für den entsprechenden Fall wichtigen Risikofaktoren herausarbei-
ten, ihre aktuelle Relevanz bewerten und damit auch die Möglichkeiten eines wirk-
samen Risikomanagements aufzeigen (pag. 6709). Die Anwendung des HCR-20 
ergebe – bei allerdings nur eingeschränkter Beurteilbarkeit einiger Variablen (ins-
besondere persönlichkeitsgebundener klinischer und zukünftiger situationsbezoge-
ner Items) – beim Beschuldigten bezüglich der Wiederholungswahrscheinlichkeit 
von Gewaltdelikten 24 von max. 40 möglichen Risikopunkten. Dies deute auf ein 
mindestens mittleres (bis hohes) Risiko für eine erneute Gewalttat hin (pag. 6710). 
Das VRAG sei ein gruppenstatistisches Prognoseverfahren. Mittels des VRAG sol-
le untersucht werden können, welcher Risikogruppe von Gewalttätern mit welcher 
statistischen Rückfallwahrscheinlichkeit der Beschuldigte zugerechnet werden kön-
ne (pag. 6710). Der Beschuldigte falle mit einem Summenwert von -5 gemäss den 
Auswertungsrichtlinien des VRAG in die Risikokategorie vier mit einer als mässig 
bzw. moderat einzuschätzenden gruppenstatistischen Rückfallwahrscheinlichkeit 

17

(mit erneuter Anklage wegen eines Gewaltdelikts) von 17% nach sieben Jahren 
und von 31% nach zehn Jahren («time-at-risk», d.h. nach Haftentlassung; pag. 
6712). 

In einer Gesamtschau inkl. den Ergebnissen der zusätzlichen verwendeten Pro-
gnoseverfahren hält der Sachverständige fest (pag. 6712 f.):

[…] dass bei Herrn A.________ — aufgrund seiner fortbestehenden, infolge seiner abwehrenden 
Verschlossenheit jedoch gutachterlicherseits z.Zt. nicht genauer zu untersuchenden und differenzier-
ter zu beschreibenden Persönlichkeitsproblematik (mit einem tiefverwurzelten Ressentiment und ei-
nem grossen Reservoir aufgestauter Kränkungswut) — von einem mindestens mittleren bis hohen (in 
jedem Fall deutlich erhöhten) Risiko für erneute Gewalthandlungen ausgegangen werden muss, wo-
bei das konkrete Risiko abhängig ist von einer Vielzahl derzeit unsicherer bzw. gegenwärtig nur 
schwer einschätzbarer persönlichkeitsgebundener und zukünftiger situativer Variablen (z.B. vom wei-
teren Verlauf der Persönlichkeits- und Verhaltensauffälligkeiten von Herrn A.________, seiner thera-
peutischen Beeinflussbarkeit, seiner selbstkritischen Auseinandersetzung mit seinem Tatanteil und 
seiner Schuld, von der Akzeptanz seiner Verurteilung und der Übernahme seiner Verantwortung, von 
seiner konstruktiven Mitarbeit an den Vollzugszielen, von d er Ausgestaltung seines zukünftigen sozi-
alen Empfangsraumes und nicht zuletzt auch von der Gestaltung seines Verhältnisses zu seinen bei-
den Söhnen u.a.). 

Da es trotz der anhaltenden Verschlossenheit und starren Abwehrhaltung von Herrn A.________ 
nicht gänzlich ausgeschlossen erscheint, dass sich bei ihm bezüglich der genannten persönlichkeits-
gebundenen Risikobereiche dennoch Veränderungen im weiteren Vollzugsverlauf ergeben könnten, 
die möglicherweise zu einer günstigeren Risikobeurteilung führen würden, wird gutachterlicherseits 
empfohlen, bei entsprechenden konkreten Hinweisen auf allfällige Einstellungs- und Verhaltensände-
rungen bei Herrn A.________ im weiteren Verlauf (mit möglicher Auswirkung auf die Einschätzung 
des Risikos für neuerliche Gewalthandlungen) vollzugsseitig eine aktualisierte prognostische Nachbe-
gutachtung zu veranlassen. 

Die dem Sachverständigen gestellten Fragen beantwortete dieser wie folgt 
(pag. 6713):

1. Wie beurteilen Sie den Vorfall vom 28. April 2016 (vgl. Berichtsrapport vom 29.04.2016 
pag. 6910.1-6910.3) mit Blick auf die ganze Vorgeschichte, insbesondere die Drohungen 
im Jahre 2003 gegenüber T.________? 

Aus forensisch-psychiatrischer Sicht lässt der (im Berichtsrapport vom 29.04.2016 dokumentier-
te) Vorfall vom 28. April 2016 im RG Thun deutlich erkennen, dass bei Herrn A.________ nach 
wie vor eine Neigung zum inadäquaten Umgang mit Kränkungen und zu spontan-impulsiven 
(überschiessenden) Affektreaktionen sowie ein ganz offensichtlich fortbestehendes grosses in-
nerseelisches Reservoir an Kränkungswut, Rachegefühlen und Gewaltfantasien besteht, was 
die Annahme einer deutlich erhöhten Wahrscheinlichkeit eines gezielten fremdschädigenden 
Ausagierens — auch noch nach einer langen, mehrjährigen Latenzzeit (im Falle des Tatopfers 
T.________ waren es zehn Jahre) — begründet. 

2. A.________ ist heute 51 Jahre alt. Kann sein Alter als protektiver Faktor betreffend Risi-
kobeurteilung gewertet werden?

Das fortschreitende Alter von Herrn A.________ und die Tatsache, dass er bei einer allfälligen 
Entlassung aus der Strafhaft sicherlich das 60. Lebensjahr bereits überschritten haben dürfte 

18

und nach allen kriminologischen Studien das Delinquenz- bzw. Rückfallrisiko nach dem 50. Le-
bensjahr — zumindest statistisch — signifikant abnimmt, mag sich zum einen risikomindernd 
auswirken, stellt zum anderen allerdings keinen hinreichend deliktprotektiven Faktor dar, solan-
ge sich keine nachhaltigen Veränderungen in den Einstellungen von Herrn A.________ und in 
seiner Kooperation mit forensisch-psychiatrischen Fachpersonen abzeichnen und weder eine 
therapeutische Bearbeitung der Dynamik der Anlasstat, der Mittäterschaft seines Sohnes 
R.________ und seiner eigenen Schuld und Verantwortlichkeit möglich ist noch ein funktionie-
rendes Risikomonitoring und Risikomanagement etabliert werden können. 

3. Welche Auswirkungen haben die konstellativen Bedingungen der Tat und die Mittäter-
schaft auf die prognostische Beurteilung? 

Die Familienkonstellation von Herrn A.________ zur Tatzeit (nach Trennung von der Ehefrau 
und Mutter seiner beiden Söhne) und seine damals von ihm übernommene Rolle im Verhältnis 
zu seinen Söhnen hat im Zusammenwirken mit seinen eigenen Affektdispositionen und Hand-
lungsbereitschaften mit hoher Wahrscheinlichkeit beigetragen zur Entwicklung der Tatmotivati-
on, zur Einbeziehung seines jüngeren Sohnes R.________ in den Tatplan und in die Tatdurch-
führung wie auch zur relativ langen gemeinsamen Geheimhaltung der Tat nach aussen. Da sich 
Herr A.________ dem Gutachter gegenüber bis heute nicht geäussert hat bezüglich dieser fami-
liendynamischen und motivationalen Zusammenhänge und auch nicht bekannt ist, wie seine 
Söhne heute zur Tat und zur Rolle ihres Vaters eingestellt sind und wie alle Beteiligten ihr Ver-
hältnis zukünftig gestalten wollen, müssen diese nach wie vor unklaren innerfamiliären Bezie-
hungsvariablen als fortbestehende Risikofaktoren angesehen werden. Es liegt alleine an Herrn 
A.________ selber, diesbezüglich für Klarheit zu sorgen und eine noch genauere prognostische 
Beurteilung der Wiederholungswahrscheinlichkeit erneuter Gewalthandlungen zu ermöglichen. 

4. Können Sie Ihre Risikoeinschätzung insofern präzisieren, als klar ersichtlich ist, ob Sie 
von einem erhöhten oder einem deutlich erhöhten Risiko ausgehen?

Aus der prognostischen Gesamtschau von aktueller klinisch-forensischer Risikoeinschätzung 
und den Ergebnissen der zusätzlich verwendeten Prognoseverfahren (Dittmann-Kriterien, HCR-
20 und VRAG) ergibt sich, dass bei Herrn A.________ — aufgrund seiner fortbestehenden, in-
folge seiner abwehrenden Verschlossenheit jedoch gutachterlicherseits z.Zt. nicht genauer zu 
untersuchenden und differenzierter zu beschreibenden Persönlichkeitsproblematik (mit einem 
tiefverwurzelten Ressentiment und einem grossen Reservoir an aufgestauter Kränkungswut und 
Rachegefühlen) — von einem mindestens mittleren bis hohen, in jedem Fall deutlich erhöhten 
Risiko für erneute Gewalthandlungen mit Gefährdung des Lebens ausgegangen werden muss.

Das bei Herrn A.________ bestehende konkrete Risiko ist dabei abhängig von einer Vielzahl 
derzeit unsicherer bzw. gegenwärtig nur schwer einschätzbarer persönlichkeitsgebundener und 
zukünftiger situativer Variablen (z.B. vom weiteren Verlauf der Persönlichkeits- und Verhaltens-
auffälligkeiten von Herrn A.________, seiner therapeutischen Beeinflussbarkeit, seiner selbstkri-
tischen Auseinandersetzung mit seinem Tatanteil und seiner Schuld, von der Akzeptanz seiner 
Verurteilung und der Übernahme von Verantwortung, von seiner konstruktiven Mitarbeit an den 
Vollzugszielen, von der Ausgestaltung seines zukünftigen sozialen Empfangsraumes und nicht 
zuletzt auch von der Gestaltung seines Verhältnisses zu seinen beiden Söhnen u.a.). 

5. Hat sich seit Ihrer letzten Beurteilung bezüglich Risikoeinschätzung etwas geändert?

Unter Berücksichtigung der zwischenzeitlich vom Gericht festgestellten Tatsachen bezüglich des 
Anlassdeliktes wie auch des von Herrn A.________ weiterhin (auch noch nach seiner rechtskräf-

19

tigen Verurteilung) gezeigten auffälligen Schweige-, Abwehr und Verweigerungsverhaltens von 
prognostischer Relevanz wurde die gutachterliche Risikoeinschätzung noch einmal gründlich 
überarbeitet, aktualisiert, um die zusätzliche Anwendung aktuarischer Prognoseinstrumente 
(HCR-20, VRAG) erweitert und damit auf eine breitere Beurteilungsgrundlage gestellt, auch 
wenn nach wie vor ein persönliches Untersuchungs- und Explorationsgespräch mit Herrn 
A.________ (mit Erhebung eines aktuellen psychischen Befundes) wünschenswert gewesen 
wäre. 

6. Haben Sie sonst noch etwas Sachdienliches beizufügen? 

Da es trotz der anhaltenden Verschlossenheit und starren Abwehrhaltung von Herrn 
A.________ nicht gänzlich ausgeschlossen erscheint, dass sich im weiteren Vollzugsverlauf bei 
ihm bezüglich der beschriebenen persönlichkeitsgebundenen Risikobereiche dennoch Verände-
rungen ergeben könnten, die möglicherweise zu einer günstigeren Risikobeurteilung führen wür-
den, wird gutachterlicherseits empfohlen, bei entsprechenden konkreten Hinweisen auf allfällige 
Einstellungs- und Verhaltensänderungen bei Herrn A.________ im weiteren Verlauf (mit mögli-
cher Auswirkung auf die Einschätzung des Risikos für neuerliche Gewalthandlungen) vollzugs-
seitig eine aktualisierte prognostische Nachbegutachtung zu veranlassen.

7. Wurde bei der Begutachtung das Aussageverhalten von A.________ beeinflusst durch 
verbale oder nonverbale Äusserungen der Verteidigung (z.B. Rascheln, Husten, Scharren 
mit den Füssen etc.)? Wenn ja, zu welchem Zeitpunkt und in welcher Form erfolgte die 
Beeinflussung?

Das für den 16.05.2019 im RG Thun vorgesehene persönliche Untersuchungsgespräch — wie 
ursprünglich von Herrn A.________ gewünscht, im Beisein seiner Verteidigerin Frau Rechtsan-
wältin B.________ — hat der Explorand unmittelbar vor dem Gespräch abgelehnt und hat des-
halb nicht stattfinden können (zudem war er auch nicht bereit zur Beantwortung der ihm vom 
Gutachter übermittelten Fragen). Von gutachterlicher Seite konnten deshalb keine allfälligen Be-
einflussungen des Aussageverhaltens von Herrn A.________ durch seine Verteidigerin gemacht 
werden.

Die weiteren zugelassenen Fragen der Generalstaatsanwaltschaft beantwortete 
der Sachverständige wie folgt (pag. 6748 ff.):

1. Haben Sie Ergänzungen zu Ihrem Gutachten vom 13.10.2015 unter Berücksichtigung des 
Umstandes, dass zwischenzeitlich das Bundesgericht den obergerichtlich festgestellten 
Sachverhalt als erwiesen erachtet hat und A.________ nun rechtskräftig wegen zweifa-
chen Mordes, gemeinsam begangen mit seinem damals .________ Jahre alten Sohn 
R.________, schuldig gesprochen worden ist?

Wie in unserem Ergänzungsgutachten vom 20.06.2019 dargelegt, haben sich — unter Berück-
sichtigung der zwischenzeitlich vom Bundesgericht bestätigten gerichtlichen Tatsachenfeststel-
lungen bezüglich der Täterschaft von A.________ bei dem (gemeinsam mit seinem Sohn 
R.________ im Mai 2013 begangenen) zweifachen Mord sowie des weiteren Verlaufes (mit an-
haltender Leugnung von Herrn A.________ bezüglich seiner Tatbeteiligung, mit einigen doku-
mentierten Verhaltensauffälligkeiten während des Strafvollzuges (z.B. beim Vorfall vom 
28.04.2016) und mit seiner unverändert ablehnenden Haltung gegenüber einer gutachterlichen 
Exploration und psychiatrischen Untersuchung) — in diagnostischer Hinsicht keine wesentlichen 
neuen Gesichtspunkte ergeben. Unsere — im Gutachten von 2015 getroffenen — diagnosti-
schen Feststellungen haben wir daher aus heutiger gutachterlicher Sicht noch einmal grundsätz-

20

lich bestätigt bzw. lediglich geringfügig modifiziert, indem wir neben den bei Herrn A.________ 
feststellbaren narzisstisch-selbstbezogenen /selbstunsicheren, ängstlich-vermeidenden, depres-
siven und zwanghaften Persönlichkeitsakzentuierungen (ICD-10 Z73.1) zumindest differenzial-
diagnostisch (DD) auch das Vorliegen einer (leichten) kombinierten Persönlichkeitsstörung (ICD-
10 F61.0) in Betracht gezogen haben.

Auch bezüglich der (vom Obergericht jetzt nicht mehr neu gestellten) Frage der tatzeitbezoge-
nen Schuldfähigkeit von Herrn A.________ haben sich bis heute keine neuen beurteilungsrele-
vanten Erkenntnisse gegeben, welche Anlass wären, von der Einschätzung unseres Gutachtens 
vom 13.10.2015 abzuweichen, dass aus forensisch-psychiatrischer Sicht bei Herrn A.________ 
für die Tatzeit vom 11.05.2013 eine vollständig erhaltene Schuldfähigkeit angenommen werden 
kann.

Unsere (vom Bundesgericht beanstandete) Risikoeinschätzung im Gutachten vom 13.10.2015 
haben wir — unter Berücksichtigung der zwischenzeitlich vom Gericht festgestellten Tatsachen 
bezüglich des Anlassdeliktes wie auch des von Herrn A.________ weiterhin (auch noch nach 
seiner rechtskräftigen Verurteilung) gezeigten Schweige-, Abwehr und Verweigerungsverhaltens 
von prognostischer Relevanz — noch einmal überarbeitet und aktualisiert (z.B. bezüglich der Ri-
sikobeurteilung anhand der sog. Dittmann-Kriterien) sowie um die zusätzliche Anwendung aktu-
arischer Prognoseinstrumente (HCR-20 und VRAG) erweitert. Auf dieser breiteren Beurteilungs-
grundlage ergibt sich unsere heutige gutachterliche Einschätzung (vgl. Ergänzungsgutachten 
vom 20.06.2019 S. 32ff.), dass bei Herrn A.________ von einem mindestens mittleren bis ho-
hen, in jedem Fall deutlich erhöhten  Risiko für erneute Gewalthandlungen mit Gefährdung des 
Lebens ausgegangen werden muss, wobei das konkrete Risiko abhängig ist von einer Vielzahl 
derzeit unsicherer bzw. gegenwärtig nur schwer einschätzbarer persönlichkeitsgebundener und 
zukünftiger situativer Variablen, z.B. vom weiteren Verlauf der Persönlichkeits- und Verhaltens-
auffälligkeiten von Herrn A.________, seiner therapeutischen Zugänglichkeit und Beeinflussbar-
keit, seiner selbstkritischen Auseinandersetzung mit seinem Tatanteil und seiner Schuld, von der 
Akzeptanz seiner Verurteilung und der Übernahme seiner Verantwortung, von seiner konstrukti-
ven Mitarbeit an den Vollzugszielen, von der Ausgestaltung seines zukünftigen sozialen Emp-
fangsraumes und nicht zuletzt auch von der Gestaltung seines Verhältnisses zu seinen beiden 
Söhnen (von denen Herr A.________ immerhin einem die Täterschuld für den zweifachen Mord 
zuschreibt und ihn damit indirekt auch mitverantwortlich macht für seine eigene Verurteilung). 

2. Wie beurteilen Sie die Rückfallgefahr im Hinblick auf die Besonderheit, dass A.________ 
an einem Tatort und zur gleichen Tatzeit zwei Morde mit praktisch gleicher Intensität be-
gangen hat, denen jedoch unterschiedliche Beweggründe (betr. T.________ Rache wegen 
Vorgeschichte, betr. U.________ Zeugenbeseitigung ohne Vorgeschichte) und unter-
schiedliche Tatentschlüsse (betr. T.________ Rache, längere Planung, betr. U.________ 
spontan) zu Grunde lagen? 

Die Tatsache, dass Herr A.________ (und sein zur Tatzeit noch minderjähriger Sohn 
R.________) im Mai 2013 in einem einzigen, zusammenhängenden Tatgeschehen „mit prak-
tisch gleicher Intensität" einen zweifachen Mord aus „unterschiedlichen Beweggründen (betr. 
T.________ Rache wegen Vorgeschichte, betr. U.________ Zeugenbeseitigung ohne Vorge-
schichte)" begangen haben und diesen beiden Taten „unterschiedliche Tatentschlüsse (betr. 
T.________ längere Planung, betr. U.________ spontan)" zu Grunde lagen, haben wir bei der 
strukturierten, kriteriengeleiteten Risikoeinschätzung (nach Z.________) berücksichtigt und ha-
ben dementsprechend das Kriterium „Analyse der Anlasstaten" bereits im Gutachten von Okto-

21

ber 2015 wie auch in unserem Ergänzungsgutachten von Juni 2019 als „prognostisch ungünstig" 
bewertet.

Dass von den beiden (rechtskräftig verurteilten) Tätern die ursprünglich gegen Herrn 
T.________ gerichtete Tötungshandlung in der konkreten Tatsituation und mit einem gesonder-
ten Tatentschluss ausgedehnt wurde auf die (den Tätern unbekannte und für sie unerwartet an-
wesende) Zeugin Frau U.________, ist aus forensisch-psychiatrischer Sicht zwar nicht als ein 
bereits realisiertes Rückfalldelikt, jedoch in jedem Fall als zusätzlich risikoerhöhend zu beurtei-
len, da es darauf schliessen lässt, dass unter besonderen Tatumständen die Täterschaft keiner-
lei Tötungshemmung mehr aufzubringen vermag und (im Sinne einer Disposition) bereit zu sein 
scheint, auch weitere, eigentlich unbeteiligte Opfer zumindest in Kauf zu nehmen, womit sich der 
Kreis potenziell gefährdeter zukünftiger Opfer erweitert und ein allfälliges homizidales Rückfall-
delikt unter ungünstigen Umständen auch erneut mehrere Opfer treffen könnte.

Weitere prognostische Schlussfolgerungen lassen sich aus den (gerichtlich festgestellten) Tatva-
riablen des Anlassdeliktes von Mai 2013 gutachterlicherseits nicht ableiten, so dass aufgrund 
der Vielzahl weiterhin ungeklärter Tätervariablen auch heute noch keine sichere prognostische 
Beurteilung abgegeben werden kann, wie hoch genau bei Herrn A.________ die Wiederho-
lungswahrscheinlichkeit bezüglich erneuter Tötungsdelikte einzuschätzen ist.

11. Einvernahme Sachverständiger (pag. 7033 ff.)

Der Sachverständige erklärte, die Begutachtung rein auf Aktenstücke stelle für ihn 
eine Ausnahme dar, welche jedoch vorkomme. Wenn kein persönliches Untersu-
chungsgespräch stattfinden könne, fehle der Schlussstein, sozusagen das Herz-
stück der psychiatrischen Begutachtung. Ein Gutachter versuche ein Bild des Be-
schuldigten zu erhalten und zwar die Sinneseindrücke des Gegenübers mit seiner 
geschulten Wahrnehmung zu erfassen und zu beschreiben. Dieser psychische Be-
fund ergänze dann alle anderen aus möglichst verschiedenen Quellen gewonne-
nen Informationen über die Person. Wenn dann die Analyse vorliege, laufe es in 
beiden Fällen, ob der psychische Befund vorliege oder nicht, gleich ab. Es seien 
ihm eine Reihe von Informationen aus den Akten zur Verfügung gestanden, die er 
im Gutachten 2015 und die Informationen aus den Verlaufsberichten, die er im 
Gutachten 2019 referiert habe. 

Das Aussageverhalten des Beschuldigten an der jetzigen Hauptverhandlung sei 
auffällig, ziehe sich aber durch die ganze Prozessgeschichte. Aus gutachterlicher 
Sicht sehe er keinen Anlass, zum Vollzugsbericht vom 27. April 2020 ergänzend 
Stellung zu nehmen. Dieser füge sich in das im Laufe der Zeit herauskristallisierte 
Bild. Aus dem protokollierten Besuchsgespräch im Jahr 2016 habe sich der Hin-
weis ergeben, dass der Beschuldigte dazu neige, leicht kränkbar zu sein und dann 
darauf überschiessend affektiv (überschiessende Affektreaktionen mit Rachege-
danken, Drohungen und anderem) zu reagieren. Dass der Beschuldigte den 
Wunsch geäussert habe, aus dem Normalvollzug in den Langzeitvollzug wechseln 
zu können, um u.a. mit einer Psychiaterin zu sprechen, er aber bisher an keinem 
solchen Gespräch teilgenommen habe, sei zu erwarten gewesen. Der Beschuldigte 
habe in einen ruhigeren Langzeitvollzug gewollt, was seinem Einzelgängertum eher 
entspreche. Für die weitere Entwicklung und die Ressourcen- sowie die Ermittlung 
des Anpassungspotenzials die sich eventuell risikomindernd auswirken könnten, 

22

wäre aber ein solcher Gesprächswunsch zentral. Der Beschuldigte belasse es wei-
terhin bei den im Gutachten beschriebenen und in den Vorinstanzen angenomme-
nen risikoerhöhenden Aspekten seiner Persönlichkeit. Offenbar habe er bis anhin 
kein eigenes Interesse entwickelt, risikomindernde Persönlichkeitsaspekte zur Gel-
tung zu bringen. Nach dem Eindruck des Gutachters sei der Beschuldigte weiter 
nicht mit Psychopharmaka überdosiert oder mediziert. Der Beschuldigte habe 
durch die Vorlage von Fotos seiner Opfer an Mitgefangene beim Eintritt in den 
Vollzug in eine Dreierzelle sein neues Umfeld mit Hinweis auf sein Gewaltpotential 
beeindrucken, eventuell einschüchtern wollen. Der Sachverständige wisse nicht, ob 
man dies im juristischen Sinne als Geständnis deuten dürfe, aber er scheine sich 
zumindest mit den Urhebern dieser Opferschäden zu identifizieren und benutze es 
wohl als Mittel um Angst und Eindruck zu erzeugen. Auch betreffend diesen Vorfall 
seien dieselben Verhaltensauffälligkeiten zu finden, welche sich auch betreffend 
den Vorfall im Jahr 2016 gezeigt hätten. Er verweise daher auf seine Antwort zur 
ersten Frage des Ergänzungsgutachtens (pag. 6713), wonach beim Beschuldigten 
eine Neigung zu inadäquaten Umgang mit Kränkungen und zu spontan-impulsiven 
(überschiessenden) Affektreaktionen sowie ein ganz offensichtlich fortbestehendes 
grosses innerseelisches Reservoir an Kränkungswut, Rachegefühlen und Gewalt-
fantasien bestehe, was die Annahme einer deutlich erhöhten Wahrscheinlichkeit 
eines gezielten fremdschädigenden Ausagierens – auch noch nach einer langen 
Latenzzeit begründe. 

Weiter gebe es Leitlinien, sog. Mindestanforderungen an Schuldfähigkeits- und 
Prognosegutachten, wobei bei Prognosegutachten auch Risikoeinschätzungen 
mitenthalten sind. Die seien in den Jahren 2005, 2006, von einer interdisziplinären 
Arbeitsgruppe aus Psychiatern, Forensiken und Juristen ausgearbeitet worden und 
würden seit daher im deutschsprachigen Raum als Standard gelten. Danach werde 
de lege artis auch ein persönliches Gespräch mit der beschuldigten Person gefor-
dert aber auch möglichst viele – alle verfügbaren Erkenntnisquellen – sollen ge-
nutzt werden. Auch das Tatbild oder Tatortbilder, rechtsmedizinische Befunde über 
Opferschäden, Aussagen von Tatzeugen aus den Ermittlungsakten und – wenn 
vorhanden – auch Berichte über frühere psychiatrische Behandlungen oder Ent-
wicklungsberichte aus der Kindheit und Jugend der Person der beschuldigten Per-
son sollten berücksichtig werden. Dies mit dem Ziel, sowohl eine Längsschnittbe-
trachtung als auch einen aktuellen Querschnittsbefund beschreiben zu können. 
Des Weiteren sei die Vordelinquenz, idealerweise sämtliche Vorstrafenakten, zu 
beachten. Ebenfalls seien sämtliche allfällige Berichte der Bewährungshilfe zu 
berücksichtigen. Als ein methodischer Fehler gelte, wenn man sich nur auf die 
Aussagen der beschuldigten Person dem Gutachter gegenüber abstützen und die 
anderen Erkenntnisse und Informationen ausser Acht lassen würde. Insofern sei 
der psychische Befund oder das gutachterliche Untersuchungsgespräch eine wich-
tige, aber nicht die einzig entscheidende Erkenntnisquelle für den Gutachter, für die 
an ihn gestellten Fragen beantworten zu können. Wenn dieses Gespräch nicht 
stattfinden konnte, sei natürlich darauf hinzuweisen. (pag. 7033 ff.). 

23

12. Führungsberichte vom 29. März 2019 (pag. 6641 f.) und 4. Februar 2020 
(pag. 6831 f.)

Dem Führungsbericht vom 29. März 2019 ist zu entnehmen, dass der Beschuldigte 
sich seit dem 3. Februar 2016 im Regionalgefängnis Thun befinde. Das 
Betreuungspersonal beschreibe ihn als anständige und ruhige Person. Im Umgang 
zeige er sich äusserst höflich und zuvorkommend. Ordnung und Sauberkeit der 
Zelle hätten nie Anlass zur Beanstandung gegeben. Er gehe täglich spazieren und 
tausche sich während den Zellenöffnungszeiten mit den Mitinsassen aus. Er sei in 
der Abteilung sehr gut integriert und disziplinarisch habe sich das 
Regionalgefängnis Thun nicht mit ihm befassen müssen. Er zeige bis anhin kein 
Interesse, einer vom Regionalgefängnis Thun angebotenen Arbeit nachzugehen 
oder im Fitnessraum zu trainieren und besuche auch nicht die Insassenbibliothek. 
Er habe Gitarrenunterricht nehmen können und es werde ihm ermöglicht, 
regelmässig alleine Gitarre zu spielen. An der Weihnachtsfeier habe er für die 
Insassen seiner Abteilung ein kleines Konzert mit Gitarre und Gesang gegeben. Er 
empfange fast wöchentlich Besuch von seiner Familie. Aufgrund seines tadellosen 
Verhaltens, würden diese Besuche einmal im Monat ohne Trennscheibe 
durchgeführt (pag. 6641 f.). 

Der Führungsbericht vom 4. Februar 2020 ist praktisch identisch mit demjenigen 
vom 29. März 2019. Ergänzend wurde festgestellt, dass als der Beschuldigte am 
29. Juli 2019 rechtskräftig in den Strafvollzug gekommen sei, er auf einen Wechsel 
in die Strafabteilung verzichtet habe und auf eigenen Wunsch, im Wissen um die 
Einschränkungen, in der Abteilung der Untersuchungshaft, verblieben sei 
(pag. 6831 f.). 

13. Vollzugsbericht vom 27. April 2020 (pag. 6866 ff.)

Der Vollzugsbericht hält fest, dass sich der Beschuldigte seit dem 19. 
Dezember 2019 zwecks Verbüssung einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe in der 
Justizvollzugsanstalt Thorberg befinde. Der Vollzugsbericht sei unter Zuhilfenahme 
des Urteils des Obergerichts vom 19. Dezember 2017, der ROS Risikoabklärung 
vom 10. November 2019 und des Gutachtens vom 13. Oktober 2015 erstellt 
worden. 

Gegenüber den Mitarbeitenden der Justizvollzugsanstalt Thorberg verhalte sich der 
Beschuldigte grundsätzlich freundlich und angepasst. In Situationen, die nicht so 
ablaufen, wie er sich das vorgestellt habe, könne er auch eine andere Seite zeigen. 
So sei es im Gesundheitsdienst dazu gekommen, dass er einer Mitarbeiterin den 
Mittelfinger zeigte, sich grenzüberschreitend und provokativ benahm und ihr gar 
drohte, dass das Gespräch „ein Nachspiel" haben werde, da sie ihn als arbeitsfähig 
beurteilte, obschon er sich als krank erlebte. Im anschliessenden Gespräch mit der 
Bereichsleiterin Vollzugskoordination habe er geäussert, dass er befürchte, dass 
seine Gesundheitsakten nicht vollständig seien und er Angst davor habe, dement 
zu werden. Er habe sagen können, dass er unfreundlich und aufgebracht gewesen 
sei, sich aber nicht daran erinnere, dass er den Mittelfinger gezeigt habe. Zudem 
habe er betont, dass auch die Mitarbeiterin sich im Verlauf des Gesprächs 

24

aufgeregt und ihn gebeten habe, den Raum zu verlassen. Er sei für sein Verhalten 
mit fünf Tagen Arrest in der eigenen Wohnzelle diszipliniert worden.

Seit Eintritt, bei welchem der Beschuldigte im Normalvollzug untergebracht 
gewesen sei, habe er sich geäussert, dass er in der Langzeitvollzugsabteilung 
platziert werden möchte. Nachdem ein Platz freigeworden war, sei der Übertritt 
beschlossen worden und ein Wechsel vom Normalvollzug in den Langzeitvollzug 
habe am 10. Februar 2020 erfolgen können. In dem anschliessend geführten 
Aufnahmegespräch habe der Beschuldigte sich dahingehend geäussert, dass ihm 
die Abteilung entsprechen würde, da er mit weniger Mitgefangenen zusammen sei 
und er die Möglichkeit habe, mit einer Psychiaterin zu sprechen (Anmerkung der 
Verfasser: was im Normalvollzug auch jederzeit möglich gewesen wäre). Im 
gesamten Gespräch (in welchem durchaus kritische Nachfragen zum bisherigen 
Strafverfahren gestellt worden seien) habe der Beschuldigte den Eindruck 
vermittelt, für sein Verhalten rasch Erklärungen bereit zu haben, wobei bei diesen 
häufig Umweltfaktoren im Vordergrund gestanden seien. Es scheine zudem so, 
dass er sich selber in einer Opferrolle sehe, da er eine lebenslange Freiheitsstrafe 
zu verbüssen habe für ein Delikt, dass er gemäss seinen Aussagen nicht begangen 
habe.

Bereits zwei Tage nach seinem Eintritt in den Normalvollzug am 19. 
Dezember 2019 sei es zu Schwierigkeiten mit Mitgefangenen gekommen. 
Standardgemäss sei dem Beschuldigten zu Beginn seines Aufenthaltes ein Platz in 
einer Dreierzelle zugewiesen worden. Seine zwei Zellengenossen hätten sich bei 
der Betreuung gemeldet, da sie sich geweigert hätten, weiter mit dem 
Beschuldigten zusammenzuwohnen. Dabei hätten sie sich geäussert, dass dieser 
ihnen Fotos seiner Opfer aus den Gerichtsakten gezeigt und ihnen damit gedroht 
habe, dass es ihnen bei Schwierigkeiten gleich ergehen könne. Daraufhin sei ein 
Rapport für ausserordentliche Ereignisse erstellt und der Beschuldigte als 
Sofortmassnahme in eine leere Einzelzelle verlegt worden. Mit den Aussagen 
seiner Mitgefangenen konfrontiert, habe er sich dahingehend geäussert, dass er 
die Akten nicht gezeigt habe. Im Gegenteil sei er von den anderen beiden von 
Beginn an schikaniert worden. Zum Schluss habe nicht wirklich eruiert werden 
können, welche Version der Wahrheit entspreche. Allerdings sei der Beschuldigte 
daraufhin einer Einzelzelle zugewiesen worden, was seinem Bedürfnis nach 
Einzelgängertum sicherlich entgegengekommen sei. 

An seinem Arbeitsplatz der AB.________ (vgl. Kapitel Arbeitsplatz) sei es ebenfalls 
zu einer verbalen Auseinandersetzung mit einem Mitgefangenen gekommen. Im 
anschliessenden Gespräch auf der Abteilung sei versucht worden, mit ihm an 
Verhaltensstrategien zu arbeiten, damit er sich nicht so schnell provoziert fühle. 

Nebst Kopfhörer mitnehmen und Musik hören, sei er rasch auf die Idee gekommen, 
seine Medikation zu verändern. Auffallend sei gewesen, dass es ihm anscheinend 
schwergefallen sei, Strategien auf der Verhaltensebene zu entwickeln. Er habe sich 
aber humorvoll zeigen können und habe gemeint, er habe ja noch so 20 - 30 Jahre 
Zeit, daran zu arbeiten. In diesem Gespräch seien auch ausländerfeindliche 
Haltungen deutlich geworden. So scheine er die Gefangenengruppe in „Weisse" 
und „Farbige" zu unterteilen. Auch habe er mehrfach betont, dass er es als nicht 

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nomal ansehe, dass die Schweizer in einem schweizerischen Gefängnis nicht mehr 
zu sagen hätten. Dem Beschuldigten sei es wichtig, zu betonen, dass er seit vielen 
Jahren an einer Depression leide. Dadurch sei er in einigen Lebensbereichen 
eingeschränkt. Mit diesbezüglichen Aussagen könne er den Eindruck erwecken, als 
würde er die Depression verantwortlich für gewisse Schwierigkeiten oder 
Verhaltensweisen machen.

Im Rahmen der COVID19-Pandemie gelte der Beschuldigte als vulnerabler 
Gefangener. Zunächst sei er nicht als solcher deklariert worden. Durch sein 
Intervenieren und Einfordern sei er schlussendlich vom zuständigen Arzt doch 
dieser Gruppe zugewiesen worden. Er zeige sich bezüglich einer möglichen 
Erkrankung angstbehaftet. Aus diesem Grund verlasse er seine Zelle kaum mehr. 
Vom Angebot, sich das Essen, die Post und die Medikamente bringen zu lassen, 
mache er Gebrauch.

Der Beschuldigte sei zunächst im Normalvollzug aufgenommen worden. Bereits am 
Ankunftstag habe er sein Erstaunen geäussert, nicht im Langzeitvollzug platziert zu 
sein. Er habe in den Regionalgefängnissen Thun und Burgdorf von Mitgefangenen 
gehört, dass im Thorberg alle Gefangenen mit Strafen von mehr als 15 Jahren in 
obgenannter Abteilung untergebracht würden. Seine Vorstellung sei dahingehend 
gewesen, dass er im Langzeitvollzug mehr Freiheiten geniessen könne. Nach einer 
internen Fallbesprechung sei beschlossen worden, die Aufnahme in den 
Langzeitvollzug intensiver zu prüfen und ein Vorgespräch mit ihm zu führen. Es sei 
dabei einerseits darum gegangen, seine Erwartungen und Vorstellungen zu klären 
und ihm andererseits zu vermitteln, nach welchem Konzept die Abteilung aufgebaut 
sei und welche Verpflichtungen er seinerseits zu erfüllen habe (Gruppenfähigkeit, 
Teilnahme an Bezugspersonengesprächen, Einhalten der Abteilungsregeln). Im 
Rahmen des Übertritts sei eine Probezeit von 6 Monaten vereinbart und eine 
entsprechende Vereinbarung unterzeichnet worden. So habe er am 10. Februar 
2020 in die Langzeitvollzugsabteilung eintreten können. Bis anhin könne 
festgehalten werden, dass sich der Beschuldigte an die vereinbarten Vorgaben 
hält. Seine Zelle halte der Beschuldigte meist ordentlich und sauber. Die 
persönliche Hygiene bereite ihm keine Probleme.

Seit seinem Eintritt arbeitet der Beschuldigte in der AB.________ der 
Justizvollzugsanstalt Thorberg. Seine Arbeitsleistungen würden als gut bezeichnet. 
Im Umgang mit Mitgefangenen komme es zeitweise zu Auffälligkeiten und 
Zusammenstössen bei welchen der Beschuldigte als sehr dominant und 
manipulativ wahrgenommen werde. Aufgrund dieser Vorkommnisse seien die 
Arbeitsplätze so eingeteilt worden, dass der Beschuldigte einen Arbeitsplatz 
erhalten habe, bei welchem er weiter von den betroffenen Mitgefangenen entfernt 
platziert sei. Da der Beschuldigte als vulnerable Person in Bezug auf die COVID19-
Pandemie eingestuft worden sei, arbeite er seit dem 1. April 2020 nicht mehr und 
verbringe seine Zeit grösstenteils auf seiner Zelle.

Der Beschuldigte beteuere bis heute, dass er den Doppelmord, für welchen er 
rechtskräftig verurteilt worden sei, nicht begangen habe. Der Haupttäter sei sein 
Sohn. Da dieser zum Zeitpunkt der Tat minderjährig gewesen war, habe er zu einer 
Maximalstrafe von lediglich 7 Jahren verurteilt werden können. Da man aber für 

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diese Tat jemanden lange habe wegsperren wollen, müsse halt „der Alte" den Kopf 
hinhalten. Die Aussage, dass sein Sohn der Haupttäter und er nicht für die Tat 
verantwortlich seien, betone er bei verschiedenen Mitarbeitenden aus 
unterschiedlichen Bereichen der Justizvollzugsanstalt Thorberg.

Beim Abklärungsgespräch für den Langzeitvollzug habe sich der Beschuldigte auf 
Nachfrage hin geäussert, dass er beim Gutachten keine Auskunft gegeben habe, 
weil er schon gewusst habe, wie das laufe und dass dies nur eine Geldmacherei 
sei. Vor Gericht habe er sich nicht zu Wort gemeldet, da er bereits bei der ersten 
Befragung gemerkt habe, dass er sowieso schon verurteilt sei und darum habe er 
seine Ausgangslage nicht noch weiter verschlechtern wollen.

Der Beschuldigte leiste aktuell keine materiellen Wiedergutmachungszahlungen 
und nehme an keinem der Aus- und Weiterbildungsangeboten teil.

Der Beschuldigte beschreibe sich selber als Einzelgänger. In der 
Gefangenengruppe sei er integriert, pflege zu Einzelnen etwas näheren Kontakt. In 
seiner Freizeit spiele er oft Gitarre oder sei beim Billard spielen anzutreffen. Auch 
dabei sei er oft für sich alleine. An geführten Freizeitangeboten in der Gruppe habe 
er bis anhin selten teilgenommen.

Der Umgang mit den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln scheine ihm in 
der JVA keine Probleme zu bereiten.

Der Beschuldigte habe seit seinem Eintritt in die Justizvollzugsanstalt Thorberg und 
bis zur aktuell geltenden Besuchssperre aufgrund der COVID19-Pandemie bis 
anhin fünfmalig Besuch von seinen Eltern und dem Sohn AA.________ erhalten.

Weiter gebe der Beschuldigte an, mit seinen Eltern und seinen Söhnen in 
regelmässigem telefonischen Kontakt zu sein. Mit seinem Sohn R.________, 
welcher Mittäter bei dem begangenen Delikt sei und welcher sich zurzeit im 
Massnahmenvollzug für Jugendliche befindet, habe er dann telefonischen Kontakt, 
wenn sich dieser im Urlaub befinde. Andere Aussenkontakte habe er nicht. Er gebe 
an, alle anderen Kontakte abgebrochen zu haben.

Aktuell stünden keine Vollzugslockerungen zur Diskussion und eine Vorbereitung 
der Entlassung sei aktuell kein Thema. 

Zusammengefasst sei der Beschuldigte zum Personal und den Mitgefangenen 
korrekt und anständig. Wenn er jedoch etwas erreichen wolle oder mit einer 
Situation unzufrieden sei, könne er durch sein Verhalten Druck aufbauen und 
fordernd wirken. Teilweise gelinge es ihm so, an sein Ziel zu kommen. Er gebe 
weiterhin an, an der Tatausführung, wie sie vom Gericht mehrfach festgehalten 
worden sei, nicht beteiligt gewesen zu sein. Eine Bearbeitung dieses Themas sei 
bis anhin nicht ein zentraler Punkt der Bezugspersonenarbeit. Seit dem Übertritt in 
den Langzeitvollzug sei vor allem der Beziehungsaufbau im Vordergrund 
gestanden. Daran solle momentan weitergearbeitet werden. Zudem seien in erster 
Linie Alltagssituationen oder im Vollzug gezeigtes Verhalten angesprochen und 
allenfalls alternative Verhaltensweisen zu erarbeiten.

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Die Justizvollzugsanstalt Thorberg empfehle den Beschuldigten weiterhin im 
Langzeitvollzug dieser platziert zu lassen. Er scheine sich dort wohl zu fühlen und 
er könne aktuell vom milieutherapeutischen Setting profitieren (pag. 6866 ff.). 

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14. Stellungnahme Justizvollzugsanstalt Thorberg vom 13. Mai 2020 (pag. 7011)

Mit Schreiben vom 13. Mai 2020 teilte die Justizvollzugsanstalt auf Nachfrage der 
Kammer mit Beschluss vom 11. Mai 2020 (pag. 7001 f.) mit, der Beschuldigte habe 
sei seinem Eintritt in den Langzeitvollzug an keinem Gespräch mit einem/einer 
Psychiaterin teilgenommen und er habe es trotz zweimaliger Aufforderung verwei-
gert, die Entbindung vom Arztgeheimnis zu unterzeichnen, weshalb eine Kopie des 
Medikamentenblattes nicht eingereicht werden könne (pag. 7011). 

15. Erwägung durch die Kammer

15.1 Zur Frage der Aktualität und Qualität von Gutachten

Die Verteidigung rügt, dass weder das Gutachten aus dem Jahr 2015 noch dasje-
nige aus dem Jahr 2019 den Anforderungen von Art. 56 Abs. 3 StGB genüge. Das 
Gutachten dürfe nicht mehr als ein Jahr zurückliegen und die geforderte Gefähr-
lichkeit stelle kein unverändertes stabiles Merkmal dar, sondern könne sich im Lau-
fe der Zeit verändern. Das Ergänzungsgutachten aus dem Jahr 2019 basiere auf 
demjenigen aus dem Jahre 2015, welches sich wiederum auf die Ermittlungsakten 
und die IV- Ermittlungen stütze, seit welchen wiederum über ein Jahr vergangen 
sei. Das Gutachten und das Ergänzungsgutachten würden sich daher auf die kör-
perliche und psychische Gesundheit des Beschuldigten von vor über acht Jahren 
stützen, weshalb keine aktuelle Entscheidgrundlage vorliege. Der Sachverständige 
führe aus, dass wesentliche Faktoren nicht beurteilbar seien, weshalb es sich um 
ein reines Aktengutachten ohne eine persönliche Untersuchung des Beschuldigten 
handle und daher den Anforderungen eines Gutachtens nicht genüge 
(pag. 7045 f.).

Ein Aktengutachten muss die Ausnahme darstellen. Solche Ausnahmen sind dann 
möglich, wenn über den begutachtenden Täter bereits ein oder mehrere Gutachten 
erstattet worden sind, die überdies jüngeren Datums sein müssen, und wenn sich 
die Grundlagen der Begutachtung nicht wesentlich geändert haben (nach wie vor 
gleiches Krankheitsbild; vgl. BGE 127 I 54 E. 2f.). In Bezug auf die Aktualität eines 
Gutachtens stellt das Bundesgericht sodann bei der bedingten Entlassung aus der 
Verwahrung fest, dass nicht primär auf das formelle Kriterium des Alters eines Gut-
achtens abzustellen ist. Massgeblich ist vielmehr die materielle Frage, ob Gewähr 
dafür besteht, dass sich die Ausgangslage seit der Erstellung des Gutachtens nicht 
gewandelt hat. Wenn ein früheres Gutachten mit Ablauf der Zeit und zufolge ver-
änderter Verhältnisse an Aktualität eingebüsst hat, sind neue Abklärungen unab-
dingbar (vgl. Urteil BGer 6B_1198/2016 vom 29. Juni 2017, E. 1.3.1 mit weiteren 
Hinweisen). Gleiches muss auch in Bezug auf ein Gutachten für die Anordnung ei-
ner Verwahrung gelten.

Ein Aktengutachten kommt weiter als Ausnahme dann in Betracht, wenn der Pro-
band sich einer Begutachtung verweigert. Ob bei einer derartigen Konstellation sich 
ein Aktengutachten verantworten lässt, hat in erster Linie der angefragte Sachver-
ständige zu beurteilen (vgl. BGE 127 I 54 E. 2f.). Ob und wie sich die fehlende Un-
mittelbarkeit der sachverständigen Einschätzung auf den Beweiswert eines Akten-
gutachtens auswirkt, ist nach dem konkreten Gegenstand der Gutachterfrage diffe-
renziert zu beurteilen. Der Gutachter soll sich dazu äussern, ob eine Frage ohne 

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Untersuchung gar nicht, nur in allgemeiner Form oder ohne Einschränkungen be-
antwortbar ist (vgl. BGE 146 IV 1 E. 3.2.2.). Verweigert der Beschuldigte gegenü-
ber den Sachverständigen eine persönliche Untersuchung, gilt dies dann als Ver-
zicht auf eine Mitwirkung der Beweisaufnahme, wenn die Weigerung Ausdruck ei-
ner krankheitswertigen akzentuierten narzisstischen Persönlichkeit sein sollte. Hat 
es sich der Beschuldigte selbst zuzuschreiben, dass eine persönliche Untersu-
chung unterblieben ist, verhält er sich widersprüchlich, wenn er sich darauf beruft, 
das Aktengutachten sei als Expertise unverwertbar (BGE 146 IV 1 E. 3.2.2. mit 
Hinweis auf BGE 127 I 54 E. 2d).

Der Beschuldigte selbst verweigert jegliche Begutachtung und es ist auf die Beur-
teilung des Sachverständigen abzustellen, ob sich ein Aktengutachten verantwor-
ten lässt (vgl. BGE 127 I 54 E. 2f.). Das Bundesgericht hat sich bereits mit dem 
Beweiswert des Gutachtens aus dem Jahr 2015 auseinandergesetzt und die gut-
achterliche Einschätzung aus dem Jahr 2015 gestützt (vgl. Urteil des Bundesge-
richts 6B_270/2018 E. 7.6.2.). Auf diese Einschätzung kann daher abgestellt wer-
den. Das Ergänzungsgutachten vom 20. Juni 2019 resp. 28. August 2019 befasst 
sich sodann ebenfalls einlässlich mit der im Jahr 2015 beurteilten strukturierten, kri-
teriengleiteten Risikoeinschätzung (nach Z.________), wobei der Sachverständige 
auf eine Wiederholung der einzelnen Kriterienbereiche und deren prognostischen 
Bewertung, welche zum Zeitpunkt der Gutachtenserstellung noch Gültigkeit besit-
zen, verzichtet (pag. 6704). Aus der damaligen (2015) gutachterlicher Sicht und un-
ter Berücksichtigung des weiteren Verlaufs bis zum Zeitpunkt der Erstellung des 
Ergänzungsgutachtens (2019) und der anhaltenden, strikten Abwehr- bzw. Verwei-
gerungshaltung des Beschuldigten gegenüber dem Sachverständigen müssen 
gemäss dem Sachverständigen einige dieser prognostischen Kriterien etwas kriti-
scher beurteilt werden (pag. 6705). Aus gutachterlicher Sicht hätten sich in dia-
gnostischer Hinsicht aber keine wesentlichen neuen Gesichtspunkte ergeben 
(pag. 6749). Damit bringt der Sachverständige nichts Anderes zum Ausdruck, als 
dass er bei Erstellung des Ergänzungsgutachtens im Jahr 2019 sämtliche bereits 
im Jahr 2015 durchgegangenen strukturierten, kriteriengleiteten Risikoeinschät-
zungskriterien – deren zwölf nach Z.________ – nochmals unter Berücksichtigung 
des aktuellen Verlaufs überarbeitet und aktualisiert hat (pag. 6749). Er hat es über-
dies mit zwei weiteren Prognoseinstrumenten (HCR-20 und VRAG) ergänzt 
(pag. 6708 f.). Die Ausgangslage beim Beschuldigten hat sich bis zur Erstellung 
des Ergänzungsgutachtens sowie bis zur Entscheidfällung im vorliegenden Verfah-
ren also insofern geändert, als dass nebst diesem zwei Führungsberichte, ein Voll-
zugsbericht, eine Stellungnahme der Justizvollzugsanstalt Thorberg und die Ein-
vernahme des Sachverständigen vorliegen. An der Verweigerungshaltung des Be-
schuldigten hat sich indessen nichts geändert und der Sachverständige beurteilte 
auch den aktuellsten Vollzugsbericht vom 27. April 2020, wobei dieser den Vorfall 
mit dem Zeigen von Opferfotos an Mitgefangene bei Eintritt in den Normalvollzug – 
wenn auch vom Beschuldigten bestritten – anlässlich seiner Einvernahme qualitativ 
gleich einordnete wie derjenige bestrittene Vorfall im Jahr 2016 (pag. 7036). Dies 
verdeutlicht – wie auch vom Sachverständigen ausgeführt –, dass sich die Aus-
gangslage seit Erstellung des Gutachtens 2015 in Bezug auf die prognostizierten 
Kriterien nicht verändert, sondern gar verschlechtert hat. 

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Der Sachverständige hat weiter mehrmals darauf hingewiesen, dass das gutachter-
liche Untersuchungsgespräch, resp. der psychische Befund nicht habe stattfinden 
können. Er hat die Verweigerungshaltung des Beschuldigten in seiner Beurteilung 
berücksichtigt und trotzdem gestützt auf die weiteren Erkenntnisquellen Prognosen 
abgegeben. Er hat deutlich ausgeführt, dass unter Berücksichtigung der breiten 
Beurteilungsgrundlage beim Beschuldigten von einem mindestens mittleren bis ho-
hen, in jedem Fall deutlich erhöhten Risiko für erneute Gewalthandlungen mit Ge-
fährdung des Lebens ausgegangen werden müsse (pag. 6750). Ob die Verweige-
rungshaltung Ausdruck einer krankheitswertigen akzentuierten narzisstischen Per-
sönlichkeit des Beschuldigten und damit sein Verhalten auf Berufung der Unver-
wertbarkeit der Expertise widersprüchlich ist – was im Übrigen bei Gesamtbetrach-
tung in Bezug auf die Persönlichkeitsstörungen des Beschuldigten wohl angenom-
men werden dürfte (vgl. die diagnostizierte narzisstisch-selbstbezogene / selbstun-
sichere, ängstlich-vermeidende, depressive und zwanghafte Persönlichkeitsakzen-
tuierung (ICD-10 Z73.1), differenzialdiagnostisch leichte kombinierte Persönlich-
keitsstörung [ICD-10 F61.0; pag. 6704]) – kann dabei offengelassen werden. Die 
im Jahr 2015 und 2019 erstellten Gutachten genügen damit den Anforderungen an 
die Aktualität und wie sich nachfolgend zeigen wird auch an die Qualität eines sol-
chen Gutachtens nach Art. 56 StGB.

15.2 Zur Anordnung der Verwahrung

15.2.1 Katalogstraftat und Schwere der Beeinträchtigung des Opfers

Mit der vom Gesetz gemäss Art. 64 Abs. 1 StGB geforderten Anlasstat, muss eine 
schwere Beeinträchtigung der physischen, psychischen oder sexuellen Integrität 
des Opfers verbunden sein, sei es, dass der Täter eine solche verursachte, sei es, 
dass er eine solche lediglich beabsichtigte (HEER/HABERMEYER, a.a.O., N. 23 zu 
Art. 64 StGB). 

Der Beschuldigte wurde des Mordes, mehrfach begangen gemeinsam mit seinem 
Sohn R.________ am 11. Mai 2013 in W.________ z.N. von T.________ und 
U.________ verurteilt. Dies stellt zweifellos sowohl eine vom Gesetz geforderte Ka-
talogstraftat als auch eine schwere Beeinträchtigung der Opfer dar. 

15.2.2 Gefährlichkeit und Gefährlichkeitsprognose

a. Anlasstat

Wie bereits der Sachverständige ausführte, handelt es sich bei den Anlasstaten um 
besonders grausame Taten mit übermässiger Gewaltanwendung («Overkill»). Die-
se sind ohne Ankündigung oder vorgängige konkrete Drohungen, resp. zehn Jahre 
nach den Drohungen, und ohne jegliche Chance für die Opfer auf Gegenwehr und 
Flucht vorgenommen worden. Die hohe Anzahl der Stiche deutet auf einen heftigen 
Wutaffekt und auf den unbedingten Tötungswillen hin (pag. 6193).  Wie der Sach-
verständige anlässlich seiner Einvernahme ergänzend hinzufügte, deutet insbe-
sondere die Intensität der Stiche beim zweiten, dem Beschuldigten unbekannten 
und zufälligen Opfer U.________, darauf hin, dass sie ebenfalls vom Tatentschluss 
erfasst gewesen sein dürfte (pag. 7036). Auch wenn – wie der Sachverständige 
ausführte – Tötungsdelikte eine eher geringe statistische Rückfallwahrscheinlich-
keit aufweisen, sind die in den vorliegenden Anlasstaten zutage getretene hohe 

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Gewaltbereitschaft bzw. das sich darin ausdrückende geringe Hemmungsvermö-
gen gegenüber dem Ausagieren von Tötungsimpulsen oder anderen fremdschädi-
genden Aggressionen prognostisch ungünstig zu beurteilen, wovon auch die Kam-
mer ausgeht.

b. Bisherige Kriminalitätsentwicklung

Der Beschuldigte ist vorbestraft wegen wiederholter Trunkenheitsfahrten (Alkohol), 
wegen Hausfriedensbruch, wegen Beschimpfung sowie wegen mehrfacher und 
wiederholter Widerhandlungen gegen das Waffengesetz (SK 17 144 pag. 8266 f.). 
Wegen gravierenden Gewaltstraftaten ist er bisher nicht in Erscheinung getreten. 
Die hohe Affinität zu Waffen, auch illegalen Schuss- und Stichwaffen, deutet darauf 
hin, dass er diese auch anwenden würde. Wegen der wiederholten Verstösse ge-
gen das Waffengesetz während der Probezeit ist auch ein Bewährungsversagen 
anzunehmen. Sodann zeigt der Beschuldigte eine Neigung zu verbaler Aggressi-
vität sowie zu impulsiven Kränkungs- und Affektreaktionen – was sich anhand des 
jüngsten Vorfalls gegenüber dem Gesundheitsdienst der Justizvollzugsanstalt 
Thorberg mit seinem grenzüberschreitenden und provokativen Verhalten bestätigt 
hat (pag. 6866 ff). Welcher Hintergrund das grenzüberschreitende und provokative 
Verhalten des Beschuldigten hatte und ob er den Mittelfinger gezeigt hat, kann da-
bei offengelassen werden. Fakt sind seine Neigung zu verbaler Aggressivität, im-
pulsiven Kränkungs- und Affektreaktionen und zu domina