# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bd001d22-1945-581a-8f3e-ad3b67c55855
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-08-10
**Language:** de
**Title:** Abweisung. Kosten der Psychotherapie als medizinische Massnahmen bei unter 20jährigen. Die Voraussetzungen von Art. 12 IVG (Ausrichtung auf künftige Erwerbstätigkeit, Befristung, positive Prognose) sind nicht erfüllt.
**Docket/Reference:** IV.2014.00933
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2014.00933.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2014.00933
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiberin Naef
Urteil
vom
10. August 2015
in Sachen
X.___
, geb. 1999
Beschwerdeführerin
gesetzlich vertreten durch den Vate
r Y.___
dieser vertreten durch CAP Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG
Rechtsanwalt Mario
Bertschi
, Leistungen und Services Zürich
Postfach, 8010 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
wurde 1999 in
Z.___
geboren und von
ihren
Adoptiveltern im zweiten Lebensjahr adoptiert. Sie leidet an einer Bindungsstörung des Kin
desalters mit Enthemmung (ICD-10 F94.2) und einer hyperkinetischen Störung des S
ozialverhaltens (ICD-10 F90.1). Seit dem
1.
September 2010 befindet sie sich in psychotherapeutischer Behandlung (
Urk.
6/4).
Die Eltern der Versicher
ten meldeten sie bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung am 1
6.
Januar 2012
für
medizinische Massnahmen von Minderjährigen an
(
Urk.
10/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach mit Mitteilung vom 1
4.
Mai 2012 medizinische Massnahmen in Form der Übernahme der Kosten für
eine
ambulante Psychotherapie für die Zeit vom
1.
September 2011 bis am 3
1.
August 2012 zu (
Urk.
6/7).
1.2
Mit Schreiben vom 1
5.
Juni 2013 ersuchte der Vater der Versicherten um eine Verlängerung der Kostengutsprache für Psychotherapie vom
1.
September 2012 bis zum 2
5.
April 2013 (
Urk.
6/13). Die IV-Stelle holte eine
n Bericht
des
A.___
vom 2
2.
Juli 2013 ein, in welchem die Versicherte sich seit dem 3
0.
April 2013 in stationärer Behandlung befand (
Urk.
6/17).
Am 1
3.
September 2013 nahm
Dr.
med.
B.___
, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) intern Stellung zum Gesuch der Versicherten (
Urk.
6/27/2).
Mit Vorbescheid vom 2
4.
September 2013 stellte die IV-Stelle eine Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht, da die Leidensbehandlung an sich im Vorder
grund stehe und es sich um eine Dauertherapie handle, weshalb die Voraus
setzungen für eine weitere Kostenübernahme nicht erfüllt seien (
Urk.
6/20). Hiergegen liess die Versicherte
am 1
8.
Oktober
und
am
2.
Dezember 2013
Ein
w
ä
nd
e
erheben und begründen
(
Urk.
6/21,
Urk.
6/25), wobei sie im
Vorbe
scheidverfahren
einen Bericht des behandelnden Psychotherapeuten
C.___
vom
7.
Dezember 2013 einreichte (
Urk.
6/29). Am 2
1.
Februar 2014 erfolgte eine weitere interne Stellungnahme von
Dr.
B.___
vom RAD (
Urk.
6/32). Mit Verfügung vom 1
5.
Juli 2014 wies die IV-Stelle das
Leistungs
begehren
ab (
Urk.
2).
2.
Hiergegen liess der Vater der Versicherten als gesetzlicher Vertreter, vertreten durch die CAP Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG
,
am 1
5.
September 2014 Beschwerde erheben. Er beantragte, die
Invalidenversicherung
habe der Versicherten weiterhin medizinische Massnahmen zu gewähren. Eventualiter sei die Sache für weitere medizinische Abklärungen an die IV-Stelle zurück
zuwei
sen
(
Urk.
1).
Zudem stellte die Versicherte in der Beschwerde eine
n
Bericht ihres
nun behandelnden Psychotherapeuten
D.___
in Aussicht (
Urk.
1 S.
4), welcher jedoch
bis heute
nicht eingereicht wurde
. Mit der Beschwerdeantwort vom 2
0.
Oktober 2014 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5).
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Versicherte haben gemäss
Art.
12 des Bundesgesetzes über die Invaliden
versiche
rung (IVG) bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf medizi
ni
sche Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgaben
be
reich gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren (
Abs.
1).
Der Bundesrat ist befugt, die Massnahmen gemäss
Abs.
1 von jenen, die auf die Behandlung des Leidens an sich gerichtet sind, abzugrenzen. Er kann zu diesem Zweck insbesondere die von der Versicherung zu gewährenden Massnahmen nach Art und Umfang näher umschreiben und Beginn und Dauer des Anspruchs regeln (
Abs.
2)
1.2
Nach der Rechtsprechung fällt bei Minderjährigen die Übernahme von Psycho
the
rapie als medizinische Massnahme nicht schon deshalb ausser Betracht, weil es um die Fortsetzung einer bereits mehrere Jahre andauernden Behandlung geht. Bei nicht erwerbstätigen minderjährigen Versicherten ist nicht ent
scheidend, ob eine Sofortmassnahme oder eine zeitlich ausgedehntere (aber nicht unbegrenzte) Vorkehr angeordnet wird. Die Massnahmen zur Verhütung einer Defektheilung oder eines sonst wie stabilisierten Zustandes können sehr wohl eine gewisse Zeit andauern. Sie dürfen jedoch nicht Dauercharakter haben, das heisst zeitlich unbegrenzt erforderlich sein, wie dies beispielsweise beim Diabetes oder bei Schizophrenien und manisch-depressiven Psychosen (BGE 105 V 19, 100 V 41) der Fall ist. Solche Krankheiten schliessen medizinische Mass
nahmen der Invalidenversicherung auch gegenüber Jugendlichen aus. Dies gilt auch für Krankheiten, bei denen im Einzelfall keine hinlängliche Zuverlässigkeit dafür besteht, dass die Prognose günstig ist (AHI 2003 S. 103, 2000 S. 63, ZAK 1984 S. 503 E. 3). Bleibt eine Störung (z. B. psychotischer Zustand im Gegensatz zu einer ausgeprägten Psychose) bei einem Kind lange fortschreitend, dient eine
psychotherapeutische Massnahme in der Regel nicht der Verhinderung eines stabilen Defektzustandes, der sich in naher Zukunft einstellen würde, weshalb die Invalidenversicherung nicht dafür aufzukommen hat (ZAK 1971 S. 604 E.
3b). Hingegen sind nach der vom Bundesgericht ausdrücklich als
gesetzes
kon
form
bezeichneten (BGE 105 V 19 in
fine
) Verwaltungspraxis die Voraus
setzun
gen für die Gewährung medizinischer Massnahmen an Versicherte vor vollen
detem 2
0.
Altersjahr unter anderem erfüllt bei schweren erworbenen psychi
schen Leiden, sofern - abgesehen von weiteren Erfordernissen - gemäss
spezial
ärztlicher
Feststellung von einer weiteren Behandlung erwartet werden darf, dass der drohende Defekt mit seinen negativen Auswirkungen auf die Berufs
ausbildung und Erwerbsfähigkeit ganz oder in wesentlichem Ausmass verhin
dert werden kann (Urteil des Bundesgerichts I 165/03 vom 17. Juli 2003 E. 3.2).
1.3
Versicherte haben bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen (
Art.
3
Abs.
2
des Bundesgesetzes über das Allgemeine Sozialversicherungsrecht [
ATSG
]
) notwendigen medizinischen Massnahmen (
Art.
13
Abs.
1 IVG). Der Bundesrat bezeichnet die Gebrechen, für welche diese Massnahmen gewährt werden
(
Art.
13 Abs. 2 IVG).
Als
Geburtsge
brechen
gelten diejenigen Krankheiten, die bei vollendeter Geburt bestehen (
Art.
3
Abs.
2 ATSG in Verb
indung mit
Art.
1
Abs.
1 Satz 1 der Verordnung über Geburtsgebrechen [
GgV
]
). Die Geburtsgebrechen sind in der Liste im Anhang aufgeführt. Als medizinische Massnahmen, die für die Behandlung eines Geburtsgebrechens notwendig sind, gelten sämtliche Vorkehren, die nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sind und den therapeutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (
Art.
2
Abs.
3
GgV
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte den Anspruch auf Verlängerung der Psycho
therapie nach
Art.
12 IVG
in der Verfügung vom 1
5.
Juli 201
4
sowie in der Beschwerdeantwort vom 2
0.
Oktober 2014
vor allem
mit der Begründung, dass die Leidensbehandlung an sich im Vordergrund stehe und es sich um eine Dauertherapie handle.
Zudem könne keine zuverlässige günstige Prognose
für den weiteren Verlauf
gestellt werden.
Dabei werde die Notwendigkeit einer Psy
chotherapie nicht in Frage gestellt, doch die Kosten könnten nicht von der Invalidenversicherung übernommen werden.
Im Übrigen liege kein
Geburtsge
brechen
vor
, sondern müsse vor dem Hintergrund der Verhältnisse im Kinder
heim in der frühen Kindheit eher von einem frühkindlich erworbenen Leiden ausgegangen werden
(
Urk.
2
,
Urk.
5
).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend, dass ihr Gesundheitszu
stand besserungsfähig und eine intensive Therapie unbedingt empfehlenswert sei. Die Kostenübernahme für medizinische Massnahmen könne nicht allein deshalb abgelehnt werden, weil diese längere Zeit in Anspruch nähmen. Es gehe nicht primär um die Symptombekämpfung, sondern um die Verhinderung einer Einschränkung in der späteren Ausbildung und Erwerbstätigkeit
.
Zudem bestehe bei der Versicherten ein Geburtsgebrechen, da die Bindungsstörung des Kindes
alters mit Enthemmung sowie die hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens vor dem neunten Altersjahr festgestellt worden seien (
Urk.
1).
3.
3.1
Dr.
med.
E.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
hielt im Bericht vom
2.
April 2012 die Diagnosen Bindungsstörung des Kindesalters mit Ent
hemmung (ICD-10 F94.2) und hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens (ICD-10 F90.1)
fest
, welche im November 2007 erstmals diagnostiziert worden seien. Die schweren Verhaltensstörungen mit impulsiv-aggressiven Reaktionen beeinträchtig
t
en die Lern- und Leistungsfähigkeit sowie insbesondere die soziale Integration. Es liege kein Geburtsgebrechen vor. Der Gesundheitszustand sei besserungsfähig und durch medizinische Massnahmen lasse sich die spätere Eingliederung ins Erwerbsleben wesentlich verbessern. Zur Aufarbeitung der frühkindlichen Verlusterlebnisse und zur Unterstützung der Entwicklung sei ab November 2007 eine kinderpsychiatrische Behandlung erfolgt, bis am
1.
Juli 2009 mit vorübergehender Beruhigung. Nach einer schweren Eskalation habe nach vorübergehender Krisenintervention auf der Jugendstation des
F.___
vom 1
5.
September bis 1
7.
Oktober 2011 eine längere stationäre Behandlung vom 1
7.
Oktober bis 1
6.
Dezember 2011 in der
G.___
erfolgen müssen. Die Bindungsstörung verhin
dere eine emotionale Ausgeglichenheit und führe bei erhöhter Erregbarkeit wiederholt zu Verhaltensstörungen mit
aggressiven oder verweigernden Re
aktionen. Bei adäquater Betreuung im Kleingruppenrahmen mit klarem Beziehungsangebot durch Bezugspersonen sei die Prognose günstig, dass die schulische Entwicklung und spätere berufliche Eingliederung gesichert bleibe. Um die weitere schulische und berufliche Eingliederung zu sichern, seien medi
zinische Massnahmen im Sinne einer behandelnden Psychotherapie, wie sie seit dem
1.
September 2010 durch ihn und seit dem
7.
Dezember 2011 durch
C.___
durchgeführt werde, unumgänglich
(
Urk.
6/4).
3.2
Im Bericht des
A.___
vom 2
2.
Juli 2013
wurden
ebenfalls
die psychiatrischen Diagnosen Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung (ICD-10 F94.2) und hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens (ICD-20 F90.1) genannt. Zudem wurden eine reaktive Bindungsstörung des Kindesalters und die Ent
wicklung einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung als
Verdachtsdiag
nosen
aufgeführt.
Es wurde festgehalten, dass sich der Gesundheitszustand auf den Schulbesuch und die berufliche Ausbildung auswirkten, da wiederkehrende Schwierigkeiten im Sozialkontakt bei der Integration in unterschiedliche
Pe
er
gruppen
und Schulklassen beständen
. Es lägen die Geburtsgebrechen POS und ADHD vor. Der Gesundheitszustand sei besserungsfähig und durch medizinische Massnahmen könne die Möglichkeit einer späteren Eingliederung ins Erwerbs
leben wesentlich verbessert werden. Die Versicherte benötige ein engmaschiges Schulsetting, eine gezielte soziale Förderung, eine Unterstützung durch
Psycho
pharmakamedikation
und eine Psychotherapie. Es bestehe seit längerem eine schwierige psychosoziale Situation, welche im März 2013 zu Hause
eskaliert sei. Die Versicherte
habe
sich daraufhin nach mehrfachen Eskalationen wegen
Ver
haltensproblem
en
an wechselnden Aufenthaltsorten auf
gehalten
, seit
dem 3
0.
April 2013
sei
sie auf
der S
tation
für Jugendliche
des
A.___
untergebracht
.
Wegen der Bedrohung von Mitschülern sei die Versicherte im März 2013 vom
H.___
ausgeschlossen worden. Das Störungsbild sei so ausgeprägt, dass spätere Eskalationen im Laufe der anstehenden Entwicklungsschritte (Pubertät, Adoleszenz, Schulabschluss, Beruf
swahl und -integration)
nicht auszuschliessen seien. Es bedürften neben der Versicherten auch die Eltern geeigneter professio
neller Beratung und Unterstützung, wenn die Reintegration daheim gelingen solle. Es werde zur Unterstützung der Versicherten bei der Steuerung ihres oft impulsiven Verhaltens empfohlen, die
neuroleptische
Medikation unter psychi
atrischer Kontrolle fortzuführen. Die
Versicherte sei vor der stationären psychi
atrischen Klinikeinweisung ambulant vom Psychotherapeut
en
C.___
behandelt worden. Trotz intensiver psychotherapeutischer Interventionen wür
den der anstehende Schulabschluss, die folgende Berufsfindung und -
integra
tion
sowie ein Wohnen innerhalb oder ausserhalb der Familie weiterhin durch die Symptomatik dominiert und mitbestimmt werden. Die Weiterführung der intensiven Therapie sei daher unbedingt empfehlenswert, bestehende Schwierig
keiten sowie die Gesamtprognose könnten dadurch erheblich gebessert werden (
Urk.
6/17).
3.3
Der Psychotherapeut
C.___
führte am
7.
Dezember 2013 aus, die Versi
cherte habe schwerwiegende frühkindliche Trennungserfahrungen erlebt. Sie habe als Kleinkind die typischen Verhaltensweisen eines frühkindlich ver
ängstigten traumatisierten Kindes mit einer schweren Bindungsstörung gezeigt.
In der
Kinderga
r
ten- und Schulzeit sei nie eine wirklich befriedigende Integra
tion in soziale Gruppen gelungen. Bei emotionalen Verunsicherungen habe sie schnell mit aggressivem und anklammerndem Verhalten reagiert, was zu trau
matisierenden erneuten Trennungserfahrungen geführt habe. Die pubertäre Reifung habe die herausfordernde Problematik erhöht. Es gehe darum, eine intensive pädagogische und psychotherapeutische Förderung und Betreuung aufzugleisen, damit die Ich-Struktur-Defizite, wie zum Beispiel die ungenü
gende Affektkontrolle bei Frustrationen
,
korrigiert werden könnten.
Es brauche ein sehr tragfähiges Beziehungsnetz, welches der Versicherten helfe, die emotionalen Fähigkeiten zu erarbeiten, welche sie für den schulischen und beruflichen Ausbildungsweg brauche.
Die Versicherte habe das Recht auf eine intensive Behandlung, damit sie die nötige psychosoziale Kompetenz entwickle, die sie arbeits-, gesellschafts- und beziehungsfähiger werden lasse (
Urk.
6/29).
3.4
Dr.
B.___
vom RAD führte in ihrer Stellungnahme vom 1
3.
September 2013 aus, die Indikation zu weiterer Psychotherapie sei unbestritten. Doch die Prog
nose könne nicht als zuverlässig gut angesehen werden und es werde eine Dauertherapie nötig sein.
Die Leidensbehandlung stehe im Vordergrund (
Urk.
6/27/2). Am 2
1.
Februar 2014 ergänzte sie, dass der bisherige
Behand
lungsverlauf
die Hoffnung auf eine Besserung nicht bestätige. Es liege sicherlich ein gravierender Gesundheitsschaden vor, welcher die Entwicklung der Persön
lichkeit bedrohe und die künftige Eingliederungsfähigkeit beeinträchtigen könne. Die Psychotherapie s
ei
primär im Sinne einer notwendigen
Leidensbe
handlung
nötig und erst sekundär im Hinblick auf die Eingliederungsfähigkeit. Im Übrigen könne vor dem Hintergrund der frühen Kindheit nicht mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit von einem angeborenen Symptomenkomplex ausgegangen werden, sondern eher von reaktiven Problemen (
Urk.
6/32/2-3).
4.
4.1
Dr.
E.___
ver
n
einte am
2.
April 2012
das Vorliegen eines Geburtsgebrechens
(
Urk.
6/5)
. Im
A.___
-Bericht
vom 2
2.
Juli 2013
w
u
rd
e
das Vorliegen eines Geburtsgebrechens (POS; ADHD) zwar bejaht
(
Urk.
6/17/2)
, doch das Schwerge
wicht
lag
auch
i
n diesem
Bericht auf der
frühkindlich erworbenen
Bindungs
störung
.
So w
u
rd
e
ausdrücklich festgehalten,
die Versicherte leide unter einer schweren Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung und massiven impulsiven Durchbrüchen sowie in diesem Zusammenhang fremd- und
selbst
gefährdendem
Verhalten. D
ie geschilderte Symptomatik bestehe gegenwärtig deutlich und gehe auf die ausgeprägt vorbestehende Bindungsstörung der Versi
cherten zurück (
Urk.
6/17/
5-
6).
Der behandelnde Psychotherapeut
C.___
führte
am
7.
Dezember 2013 aus, die Versicherte habe schwerwiegende früh
kindliche Trennungserfahrungen erlebt. Als die Adoptiveltern die zwei Jahre und vier Monate alte Versicherte zu sich genommen hätten, habe sie die typi
schen Verhaltensweisen eines frühkindlich verängstigten traumatisierten Kindes mit einer schweren Bindungsstörung gezeigt.
Ein Geburtsgebrechen w
u
rd
e
in diesem Bericht betreffend Indikation für
eine
intensive pädagogische und psy
chotherapeutische Behandlung nicht erwähnt (
Urk.
6/29).
M
it der Psychothera
pie
werden denn auch psychische Störungen behandelt
, welche keine
von der Invalidenversicherung anerkannte
n
Geburtsgebrechen
im Sinne von
Art.
13 IVG sind, wie sie in der Liste im Anhang zur
GgV
abschliessend bezeichnet werden. Bei der Beantwortung der Frage, ob die Kosten der Psychotherapie über den 3
1.
August 2012 hinaus weiterhin von der Invalidenversicherung zu tragen sind, kommen daher die Voraussetzungen von
Art.
12 IVG zum Tragen.
4.2
D
er
A.___
führte im Bericht vom
2
2.
Juli 2013
aus, das Ziel der Psychotherapie sei durchgängig eine verbesserte Verhaltensregulierung und -kontrolle
sowie sowohl
die Stabilisierung der Jugendlichen in sozialen
(Gruppen-)
Kontexten
wie zum Beispiel Schulklassen
als auch daheim bei ihren Adoptiveltern gewesen
(
Urk.
6/17/6)
.
Auch aus der Stellungnahme des Psychotherapeuten
C.___
ergibt sich, dass mit der Therapie Ich-Struktur-Defizite wie zum Bei
spiel die ungenügende Affektkontrolle bei Frustrationen korrigiert werden sollten und die Versicherte die nötige psychosoziale Kompetenz entwickeln soll
t
e
,
um arbeits-, gesellschafts- und beziehungsfähiger zu werden
(
Urk.
6/29)
. Die Therapie wirkt sich somit zwar
nach Ansicht der Fachärzte und des behan
delnden Psychotherapeuten
unter Umständen
durchaus
positiv auf die schuli
schen Leistungen und die bevorstehende Berufsf
indung aus,
sie dien
t
en aber primär der Behandlung des Leidens an sich, welches sich in sämtlichen Lebens
bereichen
und nicht nur in einer allfälligen Arbeitstätigkeit
auswirkt. So hat die Versicherte grosse Probleme
im Umgang
mit Gleichaltrigen, aber auch mit ihren Adoptiveltern und anderen Betreuungspersonen
, wobei sie sich insbesondere aggressiv verhält (6/18,
Urk.
6/29)
.
4.3
Die Versicherte befindet sich seit dem
1.
September 2010 in psycho
thera
peuti
scher Behandlung
(
Urk.
6/4/1)
.
Gemäss dem Bericht des
A.___
w
e
rden der anstehende Schulabschluss, die
nach
folgende Berufsfindung und -integration sowie ein Wohnen innerhalb oder ausserhalb der Familie trotz intensiver psy
chotherapeutischer Interventionen weiterhin
durch die Symptomatik dominiert und mitbestimmt
werden
. Die Weiterführung der intensiven Therapie sei daher unbedingt empfehlenswert, bestehende Schwierigkeiten sowie die
Gesamtprog
nose
könnten dadurch erheblich gebessert werden
(
Urk.
6/17/6)
.
Bei der Prog
nose wurde vermerkt, das Störungsbild sei so ausgeprägt, dass eine spätere
Eskalation im Laufe der anstehenden Entwicklungsschritte nicht auszuschliessen sei (
Urk.
6/17/5).
Der behandelnde Psychotherapeut liess geltend machen, die Versicherte habe das Recht auf eine intensive Behandlung
, damit sie die nötige psychosoziale Kompetenz entwickle, die sie arbeits-, gesellschafts- und beziehungsfähiger werden lasse
(
Urk.
6/29)
.
Unbestritten ist die medizinische Notwendigkeit der Psychotherapie
, welche auch von der IV-Stelle anerkannt wird (
Urk.
5)
. Es ergeben sich jedoch
aus
den
Berichten
des
A.___
(
Urk.
6/17)
und des behandelnden Psychotherapeuten
(
Urk.
6/29)
keine Angaben
,
aufgrund welcher auf eine klar umrissene Befristung der Ther
apie
oder
auf
eine konkrete Prognose geschlossen werden könnte.
Im bisherigen Verlauf ergab sich nach einer ungefähr zweieinhalbjährigen Therapie keine Besserung, es
kam
zu Hause aufgrund von fremdaggressivem und
selbst
gefährdendem
Verhalten der Versicherten
vielmehr
zur
Eskalation
und
zur
sta
tionären psychiatrischen Unterbringung (
Urk.
6/17/3-4). Diese Verschlechterung mag wie vo
m
Psychotherapeuten
C.___
ausgeführt, mit der Pubertät der Versicherten zusammenhängen (
Urk.
6/29), was jedoch nichts daran ändert, dass sich aus den Arztberichten keine konkrete Prognose ergibt.
Es ist somit nicht dargetan, dass mit der Psychotherapie der drohende Defekt mit seinen negativen Auswirkungen auf die Berufsausbildung und Erwerbsfähigkeit ganz oder in wesentlichem Ausmass verhindert werden kann
, wie dies für eine Kostenübernahme durch die Invalidenversicherung im Rahmen von
Art.
12 IVG erforderlich wäre
(vgl. E.
1.2)
.
Zudem kann der Abschluss der Psychotherapie überhaupt nicht
vorausgesehen
und
auch
nicht ausgeschlossen werden, dass diese Massnahme dauerhaft fortgesetzt werden muss, was eine
Kostenüber
nahme
durch die Invaliden
ver
sicherung ebenfalls ausschliesst.
4.4
Zusammenfassend muss somit mit dem im Sozialversicherungsrecht
geltenden
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass bezüglich der in Frage stehenden Psychotherapie von einer längeren Behandlungsdauer auszugehen ist, welche nicht befristet werden kann.
Hinzu kommt, dass die Psychotherapie gemäss den Akten nicht konkret auf die beruf
liche Eingliederung ausgerichtet ist und keine bestimmte Prognose gestellt wer
den kann.
Die psychotherapeutische Behandlung
wird
nicht aufgrund eines Geburtsgebrechens
durchgeführt
. Weitere Abklärungen, wie sie von der Ver
si
cherten im Eventualantrag verlangt wurden, erweisen sich als nicht notwendig, da ein ausführlicher Bericht des
A.___
und eine Einschätzung des behandelnden Psychotherapeuten
C.___
vorliegen.
Insgesamt sind die Voraus
setzungen für die Kostenübernahme durch die IV-Stelle nicht erfüllt und die angefochtene Verfügung vom
1
5.
Juli 2014 (
Urk.
2)
erweist sich als
korrekt
, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
400.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
400
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zuge
stellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
CAP Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu ent
halten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GrünigNaef