# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ae5c2712-b4f3-5f6c-9553-59e1253681e0
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-04-11
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 11.04.2012 SB110663
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB110663_2012-04-11.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB110663-O/U/hb 
 

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. Th. Meyer, Vorsitzender, lic. iur. Burger und 

lic. iur. et phil. Glur sowie der Gerichtsschreiber Dr. Bruggmann 

 

 

Urteil vom 11. April 2012 

 

in Sachen 

 

A._____, vertreten durch Inhaber der elterlichen Sorge B1._____ und B2._____, 

Beschuldigter und Berufungskläger 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin lic. iur. X._____ 

 

gegen 

 

Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich,  

Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 

betreffend mehrfachen versuchten Raub etc.   
 

Berufung gegen ein Urteil des Jugendgerichtes Horgen vom 14. Juli 2011 
(DJ100023) 

 

 

- 2 - 

Anklage  

Die Anklageschrift der Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis vom 27. Oktober 2010 

ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 27). 

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig des mehrfach versuchten Raubes im Sinne 

von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 

StGB (ND 1, ND 3), des mehrfach versuchten Raubes im Sinne von Art. 140 

Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (HD, ND 2, ND 4, 

ND 5) und der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB (ND 

6). 

2. Es wird eine Unterbringung des Beschuldigten im Sinne von Art. 15 Abs. 1 

JStG angeordnet. 

3. Die Unterbringung im Sinne von Art. 15 Abs. 1 JStG wird mit einer ambulan-

ten Behandlung nach Art. 14 Abs. 1 JStG verbunden. 

4. Der Beschuldigte wird zu einer persönlichen Leistung von 20 Tagen ver-

pflichtet, abzüglich 17 Tage, die durch Untersuchungshaft erstanden sind.  

5. Der Vollzug der persönlichen Leistung wird aufgeschoben und die Probezeit 

auf 1 Jahr festgesetzt.  

6. Das am 22. Januar 2009 polizeilich sichergestellte Küchenmesser wird nach 

Eintritt der Rechtskraft und auf erstes Verlangen den Eltern des Beschuldig-

ten ausgehändigt. 

7. Die Schadenersatzforderung des Privatklägers wird auf den Zivilweg verwie-

sen. 

8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem 

Beschuldigten auferlegt, aber im vollen Betrag abgeschrieben. 

- 3 - 

9. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Staatskasse genom-

men; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO. 

Über die Höhe der Kosten der amtlichen Verteidigung wird mit separatem 

Beschluss entschieden. 

Beschluss der Vorinstanz: 

1. Der Antrag, die polizeiliche Einvernahme vom 2. Februar 2009 und die 

staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 10. Februar 2009, seien aus dem 

Recht zu weisen, wird abgewiesen. 

2. Gegen diesen Beschluss kann innert 10 Tagen seit Zustellung des begrün-

deten Beschlusses an beim Jugendgericht des Bezirkes Horgen, Burghal-

denstrasse 3, 8810 Horgen, Beschwerde eingereicht werden. 

Berufungsanträge: 

a) des Beschuldigten: 

(Urk. 75 S. 2) 

1. Auf die Anordnung der Unterbringung des Beschuldigten im Sinne von Art. 

15 Abs. 1 JStG sei zu verzichten und von der Verbindung der Unterbringung 

mit einer ambulanten Behandlung im Sinne von Art. 14 Abs. 1 JStG sei ab-

zusehen. 

2. Die mit Verfügung der Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis vom 16. Juli 

2009 angeordnete vorsorgliche Unterbringung und die mit Verfügung der 

Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis vom 18. September 2009 angeordnete 

vorsorgliche ambulante Behandlung seien aufzuheben. 

3. Die in der Untersuchung und im erstinstanzlichen Verfahren angefallenen 

Kosten der amtlichen Verteidigung seien definitiv auf die Gerichtskasse zu 

nehmen. 

- 4 - 

4. Die Kosten des Berufungsverfahrens, inklusive diejenigen der amtlichen 

Verteidigung, seien auf die Gerichtskasse zu nehmen. 

 

b) des Vertreters der Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich: 

(Urk. 79 S. 1) 

 Die Berufung sei vollumfänglich abzuweisen. 

 

_________________________ 

 

Erwägungen: 

I. 

 1. In der Anklageschrift der Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis vom 27. Ok-

tober 2010 werden dem Beschuldigten nebst einer Sachbeschädigung nicht we-

niger als sechs – versuchte, teilweise qualifizierte – Raubdelikte vorgeworfen. Die 

Sachbeschädigung habe der Beschuldigte begangen, als er zur Ermöglichung der 

Flucht zusammen mit einem Mitinsassen im Jugendheim C._____ in D._____ ei-

ne Scheibe eingeworfen bzw. eingetreten habe. Bei den Raubtaten habe der Be-

schuldigte jeweils in E._____ die Opfer auf der Strasse angehalten und von ihnen 

die Herausgabe von Bargeld verlangt. Zur Untermauerung seiner Forderung habe 

er in zwei Fällen – für die Betroffenen sichtbar – ein Küchenmesser in der Hand 

gehabt. Bei einer weiteren Gelegenheit habe er in der Jackeninnentasche ein Kü-

chenmesser mit sich geführt, welches er in der Folge allerdings nicht eingesetzt 

habe. 

 2. Das Jugendgericht des Bezirkes Horgen sprach den Beschuldigten mit 

Urteil vom 14. Juli 2011 des mehrfach versuchten – qualifizierten – Raubes im 

- 5 - 

Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 

StGB, des mehrfach versuchten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB 

in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie der Sachbeschädigung im Sinne von 

Art. 144 Abs. 1 StGB schuldig (Dispositiv-Ziff. 1). Die Vorinstanz ordnete eine Un-

terbringung im Sinne von Art. 15 Abs. 1 JStG an (Dispositiv-Ziff. 2), welche mit ei-

ner ambulanten Behandlung nach Art. 14 Abs. 1 JStG verbunden wurde (Disposi-

tiv-Ziff. 3). Ausserdem wurde der Beschuldigte zu einer persönlichen Leistung von 

20 Tagen verpflichtet, unter Anrechnung von 17 Tagen Untersuchungshaft (Dis-

positiv-Ziff. 4), wobei der Vollzug der persönlichen Leistung unter Ansetzung einer 

Probezeit von einem Jahr aufgeschoben wurde (Dispositiv-Ziff. 5). 

 3. Dieser Entscheid wurde gleichentags mündlich eröffnet und schriftlich im 

Dispositiv mitgeteilt. Mit Zuschrift vom 19. Juli 2011 – der Post übergeben am sel-

ben Tag – meldete die Verteidigerin des Beschuldigten die Berufung innerhalb der 

zehntägigen Frist nach Art. 399 Abs. 1 StPO an (Urk. 52). In vollständiger Ausfer-

tigung wurde der Verteidigerin das Urteil am 11. Oktober 2011 mitgeteilt (Urk. 

55/3). In der Folge reichte die Verteidigerin innert der Frist von 20 Tagen gemäss 

Art. 399 Abs. 3 StPO dem Berufungsgericht eine schriftliche Berufungserklärung 

ein; diese datiert vom 19. Oktober 2011 und wurde am gleichen Tag der Post 

übergeben (Urk. 59). Mit Präsidialverfügung vom 28. Oktober 2011 wurde die Be-

rufungserklärung der Oberjugendanwaltschaft zugestellt und dieser Frist ange-

setzt, um Anschlussberufung zu erklären (Urk. 61; Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO). 

Mit Zuschrift vom 8. November 2011 teilte jene mit, dass sie keine Anschlussberu-

fung erhebe (Urk. 64 S. 1). 

 4. Nachdem sich sowohl die Verteidigerin als auch der Vertreter der Oberju-

gendanwaltschaft mit einem schriftlichen Berufungsverfahren einverstanden er-

klärt hatten, wurde mit Präsidialverfügung vom 7. Dezember 2011 das schriftliche 

Verfahren angeordnet. Gleichzeitig wurde dem Beschuldigten Frist – bis zum 31. 

Januar 2012 – angesetzt, um die Berufung zu begründen (Urk. 73; Art. 406 Abs. 2 

lit. a und Abs. 3 StPO). Mit Zuschrift vom 26. Januar 2012 (Poststempel: ebenfalls 

26. Januar 2012) begründete die Verteidigerin die Berufung (Urk. 75 sowie 

76/1-6). Hierauf wurde die Berufungsbegründung der Oberjugendanwaltschaft mit 

- 6 - 

Präsidialverfügung vom 1. Februar 2012 zur Beantwortung zugestellt (Urk. 77). 

Die Berufungsantwort datiert vom 13. Februar 2012 (Urk. 79). Sie wurde schliess-

lich dem Beschuldigten mit Präsidialverfügung vom 20. Februar 2012 zur freige-

stellten Stellungnahme zugestellt (Urk. 80), worauf sich dieser nicht weiter ver-

nehmen liess. Damit erweist sich der Prozess als spruchreif. Die Parteien stellten 

die eingangs wiedergegebenen Anträge. 

 

II. 

 Die Berufung des Beschuldigten richtet sich zunächst gegen Dispositiv-Ziff. 

2 und 3 des vorinstanzlichen Urteils, mithin gegen die Anordnung einer Unterbrin-

gung im Sinne von Art. 15 Abs. 1 JStG unter gleichzeitiger Anordnung einer am-

bulanten Behandlung nach Art. 14 Abs. 1 JStG. Angefochten wurde ferner Dispo-

sitiv-Ziff. 9, welche die Regelung der Kosten der amtlichen Verteidigung betrifft. 

Alle übrigen Punkte des vorinstanzlichen Urteils, mithin Dispositiv-Ziff. 1 (Schul-

digsprechung wegen mehrfachen, versuchten, teilweise qualifizierten Raubes und 

Sachbeschädigung), 4 (Verpflichtung zu einer persönlichen Leistung), 5 (beding-

ter Vollzug der Strafe), 6 (Herausgabe des sichergestellten Küchenmessers an 

die Eltern des Beschuldigten), 7 (Verweisung der Schadenersatzforderung des 

Privatklägers J._____ auf den Zivilweg) sowie 8 (Kostenregelung [ohne Kosten 

der amtlichen Verteidigung]) blieben unangefochten (vgl. dazu Urk. 59 S. 2 f. und 

Urk. 75 S. 2). Insoweit ist das vorinstanzliche Urteil in Rechtskraft erwachsen, was 

heute formell mit Beschluss festzustellen ist. Unangefochten geblieben und damit 

rechtskräftig ist ausserdem der Beschluss betreffend Abweisung des Antrages, 

eine polizeiliche und eine staatsanwaltschaftliche Einvernahme seien aus dem 

Recht zu weisen. 

 

III. 

 1. Wie gezeigt ist Gegenstand des vorliegenden Verfahrens im Wesentli-

chen die Frage einer Unterbringung unter gleichzeitiger Anordnung einer ambu-

- 7 - 

lanten Massnahme. Bei der persönlichen Unterbringung handelt es sich um eine 

sogenannte Schutzmassnahme gemäss Jugendstrafgesetz. Zu den Sanktions-

möglichkeiten des Jugendstrafrechts sowie zu den Voraussetzungen einer 

Schutzmassnahme äusserte sich bereits die Vorinstanz ausführlich und zutref-

fend. Auf jene Ausführungen kann deshalb, um unnötige Wiederholungen zu ver-

meiden, vorab verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 58 S. 8 f.). Voraus-

setzung für die Anordnung einer Schutzmassnahme ist demnach in erster Linie, 

dass der Jugendliche massnahmebedürftig ist (Art. 10 Abs. 1 JStG). Was die 

Massnahmefähigkeit anbelangt, so geht das Gesetz davon aus, dass diese bei 

Jugendlichen grundsätzlich gegeben ist. Dies hat zur Folge, dass bei Massnah-

mebedürftigkeit grundsätzlich eine Schutzmassnahme auszusprechen ist (vgl. da-

zu Gürber/Hug/Schläfli, in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, Straf-

recht I, 2. A., Basel 2007, N 15 vor Art. 1 JStG). 

 2. Die Vorinstanz gelangte zum Ergebnis, aufgrund der nachvollziehbaren 

und überzeugenden Feststellungen in den vorliegenden Gutachten bestünden 

keine Zweifel daran, dass der Beschuldigte aufgrund seiner schweren psychi-

schen Störung, seiner beeinträchtigten Persönlichkeitsentwicklung sowie seiner 

erzieherischen Fehlentwicklung therapiebedürftig sei. Der Zustand des Beschul-

digten erfordere nach Ansicht des Gerichts sowohl eine Unterbringung im Sinne 

von Art. 15 Abs. 1 JStG als auch eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 

14 Abs. 1 JStG. Auf diese nachvollziehbaren und überzeugenden Ausführungen 

kann verwiesen werden (Urk. 58 S. 10 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend ist 

festzuhalten, dass Dr. med. F._____ und Dr. phil. G._____ in ihrem Gutachten 

vom 25. Mai 2011 zum einen von einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivi-

tätsstörung (ADHS) ausgingen, welche die kognitive Informationsverarbeitung 

sowie die emotionalen Steuerungsmöglichkeiten des Beschuldigten in Stresssitu-

ationen beeinträchtige. Zum andern stellten sie die Diagnose einer hyperkineti-

schen Störung des Sozialverhaltens nach ICD-10 F 90.1 (Urk. 42 S. 49). Dabei 

schätzten sie das Rückfallrisiko des Beschuldigten als "moderat bis deutlich" ein, 

wobei dieses nicht mehr so hoch sei wie zwei Jahre zuvor, was im Übrigen darauf 

hinweise, dass die in der Vergangenheit durchgeführten Massnahmen zu einer 

Senkung des Rückfallrisikos und zu einer prosozialen Reifung des Beschuldigten 

- 8 - 

geführt hätten. Trotz dieser Fortschritte stuften die Gutachter das Rückfallrisiko 

als weiterhin "so relevant" ein, "dass risikosenkende Massnahmen klar indiziert" 

seien (a.a.O., S. 50). Im Weiteren hielten sie eine stationäre Unterbringung ge-

mäss Art. 15 JStG klar für angezeigt (a.a.O., S. 52 oben). Voraussetzung für den 

Erfolg einer solchen Massnahme sei allerdings eine psychotherapeutische Wei-

terbetreuung gemäss Art. 14 JStG (a.a.O., S. 52 Mitte). Eine Rückkehr des Be-

schuldigten nach Hause, begleitet von einer ambulanten Massnahme, bezeichne-

ten die Gutachter als eindeutig unzureichend, um das Rückfallrisiko massgeblich 

zu senken und die Persönlichkeitsentwicklung massgeblich positiv zu beeinflus-

sen (a.a.O., S. 53). 

 3. a) Die Verteidigerin hält nunmehr – entgegen den noch anlässlich der vor-

instanzlichen Hauptverhandlung gestellten Anträgen – dafür, von der Anordnung 

einer Unterbringung sowie einer ambulanten Behandlung abzusehen. Begründet 

wird dieser Antrag zunächst damit, dass der Beschuldigte am 29. Juli 2011 aus 

dem Aufnahmeheim H._____ entwichen sei und sich seither in I._____ [Staat in 

Nordafrika] aufhalte, wo er in einer seinen Eltern gehörenden Wohnung lebe, wo-

bei sich sein Vater und seine Mutter jeweils abwechslungsweise für mehrere Wo-

chen beim Beschuldigten aufhalten würden. Nach I._____ ausgereist sei der Be-

schuldigte, weil er weder eine Schutzmassnahme noch eine ambulante Behand-

lung wolle (vgl. dazu Urk. 59 S. 3 f. sowie Urk. 76/1 oben). Er sei mit anderen 

Worten einer weiterführenden Massnahme "nicht mehr zugänglich" (Urk. 75 S. 4).  

 Wie soeben ausgeführt wurde, ist die Massnahmebedürftigkeit des Beschul-

digten aufgrund der gutachterlichen Einschätzung ohne weiteres zu bejahen. 

Liegt eine Massnahmebedürftigkeit vor, so ist allerdings, wie oben ebenfalls dar-

gelegt, grundsätzlich eine Schutzmassnahme auszusprechen. Demnach verfängt 

das Argument der fehlenden Massnahmewilligkeit vorliegend nicht. 

 b) Als unbehelflich erweist sich auch das Argument der Verteidigerin, die El-

tern würden sich in I._____ abwechslungsweise um den Beschuldigten kümmern, 

ist doch aufgrund der in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen in Überein-

stimmung mit den Gutachtern davon auszugehen, dass die Eltern nicht in der La-

ge sind, dem Beschuldigten die notwendigen Erziehungs- und Beziehungsstruktu-

- 9 - 

ren zu geben (vgl. dazu Urk. 42 S. 53). Es ist nicht erkennbar, was sich diesbe-

züglich geändert hätte. 

 c) Die Verteidigerin argumentiert des Weiteren, der Beschuldigte habe in 

den vergangenen Monaten grosse Fortschritte gemacht. Er lebe drogenfrei, ver-

bringe seine Freizeit mit seinen zahlreichen Cousins und halte sich nicht in de-

liktsfördernden Peergroups auf. Sodann betreibe er verschiedene Sportaktivitä-

ten, was sich namentlich auf seine psychische Gesundheit sehr positiv auswirke. 

Auch führt sie ins Feld, der Beschuldigte habe die Aufnahmeprüfung sowie die 

Probezeit in einem dortigen "Lyceum" bestanden (Urk. 59 S. 4; Urk. 75 S. 4). Den 

Besuch dieser Schule habe er zwischenzeitlich zwar ausgesetzt, dies jedoch nur 

deshalb, weil er seine Französisch- und Englischkenntnisse verbessern wolle 

(Urk. 75 S. 4 f.). Hinzu komme, dass der Beschuldigte im Rahmen eines Jugend-

förderungsprogramms nachmittags in verschiedenen Betrieben arbeite, was ihm 

ermögliche, im Hinblick auf seine Berufswahl Erfahrungen zu sammeln (Urk. 75 S. 

5). Die beschriebenen Aktivitäten sprechen einerseits durchaus für eine günstige 

Entwicklung des Beschuldigten. Anderseits darf dabei nicht übersehen werden, 

dass sie mangels engmaschiger, professioneller Begleitung keinerlei Gewähr für 

eine nachhaltige Persönlichkeitsentwicklung sowie eine signifikante Reduktion der 

Rückfallgefahr bieten. 

 d) Die aktuellen persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten geben mithin 

keinen Anlass, von der Anordnung einer Unterbringung sowie einer ambulanten 

Massnahme abzusehen. 

 4. Beizufügen ist, dass Art. 10 Abs. 2 JStG, wonach von der Anordnung ei-

ner Schutzmassnahme abgesehen werden kann, wenn der Jugendliche keinen 

gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz hat, vorliegend nicht anzuwenden ist. 

Wie die Oberjugendanwaltschaft zutreffend ausführte, gelangt diese Bestimmung 

in der Regel nur bei ausländischen, illegal in die Schweiz eingereisten Jugendli-

chen zur Anwendung (Urk. 79 S. 2, unter Hinweis auf Gürber/Hug/Schläfli, a.a.O., 

N 8 zu Art. 10 JStG). Diese Voraussetzungen treffen auf den Beschuldigten nicht 

zu: Zwar hält er sich derzeit im Ausland auf, indessen handelt es sich bei ihm um 

einen Schweizer, der in der Schweiz aufwuchs und bei welchem zumindest die 

- 10 - 

Möglichkeit besteht, dass er sich in absehbarer Zeit wieder in der Schweiz aufhal-

ten wird. 

 5. Schliesslich stellt sich die Frage, ob allenfalls in analoger Anwendung von 

Art. 19 Abs. 1 JStG von der Anordnung einer Schutzmassnahme abzusehen ist. 

Gemäss dieser Bestimmung hebt die Vollzugsbehörde die Schutzmassnahme 

auf, wenn ihr Zweck erreicht ist oder feststeht, dass sie keine erzieherischen oder 

therapeutischen Wirkungen mehr entfaltet. Wie oben dargestellt wurde, gehen 

Dr. med. F._____ und Dr. phil. G._____ davon aus, dass die bisher durchgeführ-

ten Massnahmen zu einer Senkung des Rückfallrisikos und zu einer prosozialen 

Reifung des Beschuldigten geführt haben (vgl. dazu die Ausführungen in Ziff. 2). 

Unter diesen Umständen kann allerdings nicht angenommen werden, dass eine 

Schutzmassnahme keine positive Wirkung entfalten würde. 

 6. Zusammengefasst ist auch im Berufungsverfahren eine Unterbringung 

des Beschuldigten im Sinne von Art. 15 Abs. 1 JStG anzuordnen, welche über-

dies mit einer ambulanten Behandlung nach Art. 14 Abs. 1 JStG zu verbinden ist. 

 

IV. 

 Mit Beschluss vom 21. November 2011 wurde ein Gesuch des Beschuldig-

ten um Aussetzung der vorsorglich angeordneten Schutzmassnahme abgewiesen 

(Urk. 68). Im Rahmen der Berufungsbegründung stellte der Beschuldigte erneut 

ein entsprechendes Gesuch; darüber hinaus beantragte er die Aufhebung der 

vorsorglich angeordneten ambulanten Behandlung (Urk. 75 S. 6). Wie gezeigt ist 

auch in zweiter Instanz eine Unterbringung im Sinne von Art. 15 Abs. 1 JStG an-

zuordnen, welche mit einer ambulanten Behandlung nach Art. 14 Abs. 1 JStG zu 

verbinden ist. Unter diesen Umständen besteht kein Anlass, die vorsorgliche An-

ordnung dieser Massnahmen – Verfügung der Jugendanwaltschaft 

Limmattal/Albis vom 16. Juli 2009 betreffend vorsorgliche Unterbringung (Urk. 

14/3) sowie Verfügung der Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis vom 18. Septem-

ber 2009 betreffend vorsorgliche ambulante Behandlung (Urk. 15/1) – aufzuhe-

- 11 - 

ben. Der Umstand, dass der Beschuldigte aus dem Aufnahmeheim H._____ ent-

wichen ist und sich in I._____ aufhält, steht der Aufrechterhaltung der vorsorgli-

chen Anordnung der Massnahmen jedenfalls nicht entgegen. Das Gesuch des 

Beschuldigten ist demnach abzuweisen. 

 

V. 

 1. Was die erstinstanzliche Kostenregelung anbelangt, beantragt die Vertei-

digung, die Kosten der amtlichen Verteidigung seien definitiv auf die Gerichtskas-

se zu nehmen (vgl. dazu Urk. 75 S. 2). Die Vorinstanz hatte diese zwar auf die 

Gerichtskasse genommen, dies jedoch unter dem Vorbehalt der Rückforderung 

nach Art. 135 Abs. 4 StPO (vgl. Dispositiv-Ziff. 9). Unter Berücksichtigung der be-

scheidenen wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschuldigen – abgesehen von den 

erwähnten kurzen Arbeitseinsätzen ist er noch nicht in den Arbeitsprozess inte-

griert – sowie im Hinblick auf seine Resozialisierung rechtfertigt es sich, die Kos-

ten der amtlichen Verteidigung gestützt auf Art. 425 StPO definitiv auf die Ge-

richtskasse zu nehmen. 

 2. Für das Berufungsverfahren wird der Beschuldigte dem Ausgang des Ver-

fahrens entsprechend grundsätzlich kostenpflichtig (Art. 428 Abs. 1 StPO). Dem-

zufolge sind die Kosten des Berufungsverfahrens, ohne diejenigen der amtlichen 

Verteidigung, dem Beschuldigten aufzuerlegen. Wegen der finanziellen Lage des 

Beschuldigten sind sie jedoch sofort definitiv abzuschreiben (Art. 425 StPO). Die 

Kosten der amtlichen Verteidigung sind definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen 

(Art. 425 StPO). 

 

Demnach wird beschlossen: 

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Jugendgerichts Horgen vom 14. Juli 

2011 bezüglich Dispositiv-Ziff. 1 (Schuldigsprechung wegen mehrfachen, 

- 12 - 

versuchten, teilweise qualifizierten Raubes und Sachbeschädigung), 4 (Ver-

pflichtung zu einer persönlichen Leistung), 5 (bedingter Vollzug der Strafe), 

6 (Herausgabe des sichergestellten Küchenmessers an die Eltern des Be-

schuldigten), 7 (Verweisung der Schadenersatzforderung des Privatklägers 

J._____ auf den Zivilweg) sowie 8 (Kostenregelung [ohne Kosten der amtli-

chen Verteidigung]) und der gleichentags ergangene Beschluss (Abweisung 

des Antrages, eine polizeiliche und eine staatsanwaltschaftliche Einvernah-

me seien aus dem Recht zu weisen) in Rechtskraft erwachsen sind. 

2. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

Sodann wird erkannt: 

1. Es wird eine Unterbringung des Beschuldigten im Sinne von Art. 15 Abs. 1 

JStG angeordnet. 

2. Die Unterbringung wird mit einer ambulanten Behandlung nach Art. 14 Abs. 

1 JStG verbunden. 

3. Die Kosten der amtlichen Verteidigung in der Untersuchung sowie im erstin-

stanzlichen Gerichtsverfahren werden definitiv auf die Gerichtskasse ge-

nommen. 

4. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 1'500.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr.     amtliche Verteidigung 

 

5. Die Kosten des Berufungsverfahrens, ohne diejenigen der amtlichen Vertei-

digung, werden dem Beschuldigten auferlegt, jedoch sofort definitiv abge-

schrieben. 

6. Die Kosten der amtlichen Verteidigung im Berufungsverfahren werden defi-

nitiv auf die Gerichtskasse genommen. 

- 13 - 

7. Schriftliche Mitteilung an 

− den Beschuldigten bzw. seine Verteidigerin 
− die Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich 

− den Privatkläger J._____ bzw. seinen gesetzlichen Vertreter J._____ 
(im Dispositivauszug [Beschluss]) 

− die Geschädigte C._____ D._____ (im Dispositivauszug [Beschluss]) 

sowie nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfäl-

liger Rechtsmittel an 

− die Vorinstanz 

− die Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis 
− die Koordinationsstelle Zürich mit Formular A. 

8. Rechtsmittel: 

Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, vom Empfang der vollständigen, be-

gründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung des 

Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichts-

gesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

Ferner wird beschlossen: 

1. Das Gesuch des Beschuldigten um Aufhebung der mit Verfügung der Ju-

gendanwaltschaft Limmattal/Albis vom 16. Juli 2009 angeordneten vorsorgli-

chen Unterbringung sowie der mit Verfügung der Jugendanwaltschaft 

Limmattal/Albis vom 18. September 2009 angeordneten vorsorglichen am-

bulanten Behandlung wird abgewiesen. 

2. Schriftliche Mitteilung an 

- 14 - 

− den Beschuldigten bzw. seine Verteidigerin 

− die Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich 

sowie nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfäl-

liger Rechtsmittel an 

− die Vorinstanz 

− die Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis. 

3. Rechtsmittel: 

Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, vom Empfang der vollständigen, be-

gründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung des 

Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichts-

gesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer 

 
 

Zürich, 11. April 2012 
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

Oberrichter lic. iur. Th. Meyer 

Der Gerichtsschreiber: 
 
 
 

Dr. Bruggmann 
 

	Urteil vom 11. April 2012
	Anklage
	Urteil der Vorinstanz:
	1. Der Beschuldigte ist schuldig des mehrfach versuchten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (ND 1, ND 3), des mehrfach versuchten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbi...
	2. Es wird eine Unterbringung des Beschuldigten im Sinne von Art. 15 Abs. 1 JStG angeordnet.
	3. Die Unterbringung im Sinne von Art. 15 Abs. 1 JStG wird mit einer ambulanten Behandlung nach Art. 14 Abs. 1 JStG verbunden.
	4. Der Beschuldigte wird zu einer persönlichen Leistung von 20 Tagen verpflichtet, abzüglich 17 Tage, die durch Untersuchungshaft erstanden sind.
	5. Der Vollzug der persönlichen Leistung wird aufgeschoben und die Probezeit auf 1 Jahr festgesetzt.
	6. Das am 22. Januar 2009 polizeilich sichergestellte Küchenmesser wird nach Eintritt der Rechtskraft und auf erstes Verlangen den Eltern des Beschuldigten ausgehändigt.
	7. Die Schadenersatzforderung des Privatklägers wird auf den Zivilweg verwiesen.
	8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten auferlegt, aber im vollen Betrag abgeschrieben.
	9. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Staatskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO. Über die Höhe der Kosten der amtlichen Verteidigung wird mit separatem Beschluss entschieden.
	Beschluss der Vorinstanz:
	1. Der Antrag, die polizeiliche Einvernahme vom 2. Februar 2009 und die staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 10. Februar 2009, seien aus dem Recht zu weisen, wird abgewiesen.
	2. Gegen diesen Beschluss kann innert 10 Tagen seit Zustellung des begründeten Beschlusses an beim Jugendgericht des Bezirkes Horgen, Burghaldenstrasse 3, 8810 Horgen, Beschwerde eingereicht werden.
	Berufungsanträge:
	Erwägungen:
	Demnach wird beschlossen:
	1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Jugendgerichts Horgen vom 14. Juli 2011 bezüglich Dispositiv-Ziff. 1 (Schuldigsprechung wegen mehrfachen, versuchten, teilweise qualifizierten Raubes und Sachbeschädigung), 4 (Verpflichtung zu einer persönl...
	2. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.
	Sodann wird erkannt:
	1. Es wird eine Unterbringung des Beschuldigten im Sinne von Art. 15 Abs. 1 JStG angeordnet.
	2. Die Unterbringung wird mit einer ambulanten Behandlung nach Art. 14 Abs. 1 JStG verbunden.
	3. Die Kosten der amtlichen Verteidigung in der Untersuchung sowie im erstinstanzlichen Gerichtsverfahren werden definitiv auf die Gerichtskasse genommen.
	4. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
	5. Die Kosten des Berufungsverfahrens, ohne diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt, jedoch sofort definitiv abgeschrieben.
	6. Die Kosten der amtlichen Verteidigung im Berufungsverfahren werden definitiv auf die Gerichtskasse genommen.
	7. Schriftliche Mitteilung an
	 den Beschuldigten bzw. seine Verteidigerin
	 die Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich
	 den Privatkläger J._____ bzw. seinen gesetzlichen Vertreter J._____ (im Dispositivauszug [Beschluss])
	 die Geschädigte C._____ D._____ (im Dispositivauszug [Beschluss])
	 die Vorinstanz
	 die Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis
	 die Koordinationsstelle Zürich mit Formular A.

	8. Rechtsmittel: Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.
	Ferner wird beschlossen:
	1. Das Gesuch des Beschuldigten um Aufhebung der mit Verfügung der Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis vom 16. Juli 2009 angeordneten vorsorglichen Unterbringung sowie der mit Verfügung der Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis vom 18. September 2009 ange...
	2. Schriftliche Mitteilung an
	 den Beschuldigten bzw. seine Verteidigerin
	 die Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich
	 die Vorinstanz
	 die Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis.

	3. Rechtsmittel: Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.