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**Case Identifier:** e6704181-4241-5ea3-afb8-1437173f016e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-08-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.08.2014 BVGE 2014/27
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2014-27_2014-08-06.pdf

## Full Text

2014/27 Flüchtlingseigenschaft/Asyl 

 

 

432 BVGE / ATAF / DTAF 

 

27 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung V 
i.S. A., B. und C. gegen Bundesamt für Migration 

E‒1425/2014 vom 6. August 2014 

Flüchtlingseigenschaft und Asyl. Frauenspezifische Fluchtgründe. 

Somalia: Situation von intern vertriebenen alleinstehenden Frauen, 

die Angehörige eines Minderheitenclans sind. 

Art. 3 AsylG. Art. 1 A FK. 

1. Für alleinstehende Frauen und Mädchen in Somalia, welche 
nicht unter dem Schutz eines männlichen Familienmitglieds 

stehen, besteht ein hohes Risiko, Opfer gezielter geschlechts-

spezifischer Verfolgung zu werden (E. 5.4). Speziell gefährdet 

sind Frauen und Mädchen, wenn sie intern vertrieben sind (E. 

5.2) oder einem Minderheitenclan angehören (E. 5.3). 

2. Die Gewalt gegen Frauen kann von staatlichen wie nichtstaat-
lichen Akteuren gleichermassen ausgehen, zu den Tätern gehören 

auch Mitglieder internationaler Schutztruppen (E. 5.5). Eine 

Schutzgewährung durch die somalischen Behörden ist nicht ge-

geben. 

3. Es wird eine gezielte Gefährdung festgestellt, die weit über die 
allgemeinen Folgen des Bürgerkriegs hinausgeht und asylrele-

vant ist (E. 6). Es besteht auch keine innerstaatliche Fluchtalter-

native im Norden Somalias (E. 6.5). 

Qualité de réfugié et asile. Motifs de fuite spécifiques aux femmes. 

Somalie: situation des femmes seules, déplacées internes, qui appar-

tiennent à un clan minoritaire. 

Art. 3 LAsi. Art. 1 A Conv. réfugiés. 

1. Les femmes et les jeunes filles seules en Somalie, qui se trouvent 
sans protection d'un membre masculin de leur famille, courent 

un risque particulièrement élevé d'être victimes de persécutions à 

raison du sexe (consid. 5.4). Les femmes et les jeunes filles 

déplacées internes ou qui appartiennent à un clan minoritaire, 

sont particulièrement en danger (consid. 5.2–5.3). 

2. Les violences faites aux femmes peuvent tout aussi bien provenir 
d'acteurs étatiques que non-étatiques, ainsi que de membres des 

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troupes de protection internationales (consid. 5.5). Une protec-

tion de la part des autorités somaliennes n'est pas disponible. 

3. La menace ciblée constatée va bien au-delà des conséquences 
générales liées à une guerre civile, qui peuvent concerner tout un 

chacun, et peut entraîner l'octroi de l'asile (consid. 6). Il n'existe 

aucune possibilité de refuge interne au nord de la Somalie 

(consid. 6.5). 

Qualità di rifugiato e asilo. Motivi di fuga specifici alla condizione 

femminile. Somalia: situazione delle donne sole, profughe interne e 

appartenenti ad un clan minoritario. 

Art. 3 LAsi. Art. 1 A Conv. rifugiati. 

1. In Somalia le donne sole e le ragazze, che non possono contare 
sulla protezione di un membro di sesso maschile della loro fami-

glia, corrono un rischio particolarmente elevato di subire perse-

cuzioni di natura sessuale (consid. 5.4). Un rischio particolare 

esiste per le donne sole e le ragazze, rifugiate interne (consid. 5.2) 

o membre di un clan minoritario (consid. 5.3). 

2. La violenza contro le donne è esercitata sia da parte di attori sta-
tali che da attori non-statali, nonché da soldati delle truppe di 

pace internazionali (consid. 5.5). Una protezione da parte delle 

autorità somale non è garantita. 

3. Constatazione dell'esistenza di una minaccia che va ben al di là 
delle conseguenze generali di una guerra civile e riconoscimento 

della qualità di rifugiato (consid. 6). Non esiste alcuna alternativa 

di rifugio interno nel nord della Somalia (consid. 6.5). 

 

Die Beschwerdeführerin ist nach eigenen Angaben somalische Staatsan-

gehörige, sie gehöre zum Clan der D., zur Clanfamilie « E. » und zum 

Subclan « F. ». Vor ihrer Ausreise habe sie mit ihrer Familie in G. gelebt. 

Im Jahr 2001 habe sie ihren Ehemann geheiratet. Mit den zwei gemein-

samen Kindern und ihrer jüngeren Schwester habe sie bei ihrer Mutter 

gelebt, die seit einem Schlaganfall 2007 halbseitig gelähmt gewesen sei, 

um diese pflegen zu können. Ihr Ehemann sei im Oktober 2008 bei 

einem Autounfall ums Leben gekommen, im gleichen Jahr sei auch ihr 

Vater von Unbekannten getötet worden. Wegen der Mittellosigkeit nach 

dem Tod des Ehegatten, der plötzlichen Verarmung der Familie und dem 

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Krieg habe sie Somalia am 5. November 2008 verlassen, die Kinder 

seien mit der Schwester und der Mutter im Heimatland verblieben. Nach 

ihrer Ausreise seien Mutter, Schwester und Kinder nach Elasha Biyaha 

im Westen von Mogadischu geflohen. 

Über Djibouti und Frankreich reiste die Beschwerdeführerin in die 

Schweiz und reichte am 17. November 2008 im Empfangs- und Verfah-

renszentrum Kreuzlingen ein Asylgesuch ein. Am 2. Dezember 2008 

wurde sie dort zur Person befragt, am 16. März 2010 hörte das Bundes-

amt für Migration (BFM) sie zu ihren Asylgründen an.  

Am (…) wurde das dritte Kind der Beschwerdeführerin geboren. Dieses 

Kind ist Beschwerdeführer 2 im vorliegenden Verfahren.  

Bereits am 14. August 2012 hatte die Rechtsvertreterin für die in Somalia 

verbliebene Mutter, die jüngere Schwester und die beiden ersten Kinder 

der Beschwerdeführerin im Rahmen des damals geltenden Art. 20 AsylG 

(SR 142.31, Fassung von 1998) ein Gesuch um Einreisebewilligung zur 

Durchführung des Asylverfahrens gestellt. Am 18. Februar 2014 

informierte die Rechtsvertreterin, dass die Mutter der Beschwerde-

führerin am 20. Dezember 2013 durch die Al-Shabaab-Milizen schwer 

verletzt worden und am 21. Dezember 2013 ihren Schussverletzungen er-

legen sei.  

Am 25. Februar 2014 erging im Verfahren der Beschwerdeführerin der 

Entscheid der Vorinstanz. Das BFM verneinte das Vorliegen der Flücht-

lingseigenschaft, lehnte das Asylgesuch ab und verfügte die Wegwei-

sung, deren Vollzug jedoch wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer vor-

läufigen Aufnahme aufgeschoben wurde.  

Am 18. März 2014 ficht die Beschwerdeführerin diesen Entscheid an und 

beantragt die Feststellung des Vorliegens ihrer Flüchtlingseigenschaft 

sowie die Gewährung des Asyls. 

Das Bundesverwaltungsgericht heisst die Beschwerde gut.  

Aus den Erwägungen: 

4.  
4.1 In ihrer angefochtenen Verfügung vom 25. Februar 2014 hat die 
Vorinstanz festgehalten, dass die Beschwerdeführerin keine asylrelevan-

ten Vorbringen im Sinne von Art. 3 AsylG geltend gemacht habe; sie 

habe ihr Heimatland wegen ihrer Mittellosigkeit, der Armut und dem 

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Krieg verlassen. Einzig aufgrund einer bürgerkriegsähnlichen Situation 

werde jedoch nicht Asyl gewährt, ausserdem seien Befürchtungen, künf-

tig (quasi)-staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt zu sein, nur 

dann asylrelevant, wenn begründeter Anlass zur Annahme bestehe, dass 

sich die Verfolgung mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehba-

rer Zukunft verwirklichen werde. Ferner eröffne sich für die Beschwer-

deführerin angesichts der Lage in Nordsomalia die Möglichkeit, in einem 

anderen Landesteil Schutz zu suchen. Angesichts sämtlicher Umstände 

sei der Vollzug der Wegweisung jedoch unzumutbar und die Beschwer-

deführerin vorläufig aufzunehmen. 

4.2 In der Beschwerdeergänzung vom 5. Mai 2014 wurde ausge-
führt, dass sich der Sachverhalt nach dem Entscheid dahingehend 

aktualisiert habe, dass die Mutter der Beschwerdeführerin im Dezember 

2013 durch Al-Shabaab-Milizen ermordet worden sei, als sie versucht 

habe, ihre Tochter und ihren Enkel (die Schwester und den Sohn der 

Beschwerdeführerin) vor der Zwangsrekrutierung durch die Al-Shabaab 

zu schützen. Der Sohn hätte als Kämpfer rekrutiert werden sollen, die 

Schwester sollte mit einem Milizionär zwangsverheiratet werden. Als die 

Mutter der Beschwerdeführerin Tochter und Enkelkinder bei Nachbarn 

versteckt habe, sei sie von den Milizionären erschossen worden, als diese 

die Familie erneut aufgesucht und den Enkel und die Tochter nicht vor-

gefunden hätten. Aufgrund dieses Sachverhaltes bestehe eine hohe und 

zielgerichtete Gefährdung nicht nur für die verbliebenen Familienmit-

glieder im Heimatland, sondern auch für die Beschwerdeführerin, da 

diese sich im Falle einer Rückführung ebenfalls vor ihre Kinder stellen 

würde und bereits in den Anhörungen und der Befragung zur Person 

(BzP) betont habe, wie ausweglos die Situation vor ihrer Flucht gewesen 

sei. Auch die Beschwerdeführerin selbst liefe Gefahr, bei einem zu 

erwartenden neuerlichen Rekrutierungsversuch durch die Al-Shabaab 

Opfer einer Zwangsverheiratung zu werden. Ein weiteres beachtliches 

Element sei darin zu erblicken, dass die Beschwerdeführerin als Binnen-

vertriebene und alleinstehende Angehörige eines Minderheiten-Clans im 

Fall der Rückkehr nach Somalia besonders gefährdet sei, wie verschie-

dene Quellen berichteten. Sie und ihre Kinder könnten als Zugehörige 

dieser Risikogruppe Opfer gezielter Verfolgungen werden und litten nicht 

nur unter der Situation allgemeiner Gewalt. Es könne in diesem Zusam-

menhang auch nicht vom Vorliegen einer zumutbaren inländischen 

Fluchtalternative ausgegangen werden. Darüber hinaus habe die Be-

schwerdeführerin weitere ernsthafte Nachteile aufgrund der Tatsache zu 

befürchten, dass sie als Kind infibuliert worden sei, also die schwerste 

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Form der Genitalverstümmelung erlitten habe. Dieser Eingriff entfalte 

nach Sicht des Hochkommissariats der Vereinten Nationen für Flücht-

linge (UNHCR) in seiner Schwere und der Dauerhaftigkeit seiner Folgen 

bereits Asylrelevanz, erschwerend komme im Einzelfall hinzu, dass nach 

den Geburten im Heimatland jeweils eine Reinfibulation vorgenommen 

worden sei. Die Beschwerdeführerin habe inzwischen in der Schweiz ein 

weiteres Kind zur Welt gebracht (nach Aktenlage hat sich der Sach-

verhalt aktualisiert, am […] wurde in der Schweiz noch ein viertes Kind 

geboren). Im Falle einer Rückkehr ins Heimatland müsste sie ‒ um sozial 

anerkannt zu bleiben und sich gegebenenfalls wiederverheiraten zu kön-

nen ‒ erneut eine solche Reinfibulation vornehmen lassen. 

4.3 In der Vernehmlassung vom 20. Mai 2014 kommt das BFM zum 
Schluss, dass die Beschwerdeführerin die Beschneidung ‒ welche sie an-

lässlich der BzP und der Anhörung nicht erwähnt habe ‒ bereits in der 

Vergangenheit erlitten habe, weshalb diesbezüglich keine begründete 

Furcht vor asylrelevanter Verfolgung mehr bestehe. In Hinblick auf die 

Auslandsgesuche der Schwester und der Kinder seien die Abklärungen 

noch im Gange, es sei jedoch darauf zu verweisen, dass sich die Vorfälle 

im Dezember 2013 in einem Ort zugetragen hätten, aus dem die Al-

Shabaab schon längere Zeit vertrieben worden sei, sodass erhebliche 

Zweifel bestünden, dass die Familienangehörigen noch vor wenigen Mo-

naten Opfer gezielter Übergriffe geworden sein könnten. Überdies lasse 

sich aus diesen angeblichen Übergriffen keine Asylrelevanz für die 

Beschwerdeführerin ableiten. 

4.4 In der Replik vom 3. Juni 2014 wird argumentiert, dass vorlie-
gend die Gesamtheit aller beachtlichen Faktoren zur Begründung der 

Flüchtlingseigenschaft führen müsse (Vorbringen bezüglich schwacher 

Stellung als verwitwete, intern-vertriebene alleinstehende Frau, die ei-

nem niederrangigen Clan angehöre und die unter den Folgen der Genital-

verstümmelung leide sowie neue Folgen zu befürchten habe). Die Vorin-

stanz habe den Sachverhalt nur unvollständig erhoben, beziehungsweise 

diese Umstände ungenügend berücksichtigt. Die Rechtsvertreterin ver-

weist auf die Vorbringen in der Eingabe vom 25. März 2014 beziehungs-

weise 1. April 2014 im Rahmen des Asyl- und Einreiseverfahrens der 

ersten beiden Kinder und der Schwester. Dort sei ausgeführt worden, 

dass es an deren Aufenthaltsort im Lager Elasha Biyaha noch immer zu 

Kämpfen zwischen Truppen der African Union Mission to Somalia 

(AMISOM) und der somalischen Armee und Al-Shabaab komme und 

dass die Lage für Frauen in den Flüchtlingslagern in jedem Fall prekär 

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sei, ungeachtet, welche Gruppe gerade herrschend sei (…). In Bezug auf 

die Würdigung der Vorbringen zur Genitalverstümmelung wird ein Arzt-

bericht eingereicht und mit Verweis auf eine Bestimmung der entspre-

chenden EU-Richtlinie bemerkt, dass die Staaten für besonders schutzbe-

dürftige Opfer von geschlechtsspezifischer Verfolgung eine adäquate 

psychologische und medizinische Betreuung vorzusehen hätten. In ihrer 

Eingabe vom 1. Juli 2014 ergänzt die Beschwerdeführerin nochmals ihre 

Vorbringen und reicht zu deren Beleg ein weiteres Arztzeugnis ein, aus 

welchem hervorgeht, dass es sich bei der Beschneidung der Beschwerde-

führerin um mindestens eine Vorstufe der Infibulation Typ III gehandelt 

habe. Ferner zitiert die Rechtsvertreterin neuste Berichte zur Situation 

von binnenvertriebenen alleinstehenden Frauen in Somalia sowie das 

Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 8. Mai 2014 im Verfahren 

E‒7228/2013 (…). 

5.  
5.1 Wie nachfolgend im Einzelnen begründet, macht die Beschwer-
deführerin zu Recht eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von 

Art. 3 Abs. 1 AsylG geltend. Die Situation der Beschwerdeführerin in 

Somalia definiert sich massgeblich dadurch, dass sie intern vertrieben ist, 

dass sie und ihre Kinder in Somalia nicht durch erwachsene männliche 

Verwandte beschützt werden und dass sie einem Minderheitenclan an-

gehören. Das Zusammentreffen dieser Faktoren begründet eine Gefähr-

dung im flüchtlingsrechtlichen Sinne. 

In der Beschwerde und der ergänzenden Replik wird ausgeführt, dass sie 

bei einer Rückkehr in ihren Herkunftsstaat ernsthafte Nachteile von einer 

gewissen Intensität zu befürchten hätte, weil sie einem Minderheitenclan 

angehöre und als alleinstehende Frau, die intern vertrieben wurde und die 

sich nicht auf den Schutz eines männlichen Familienmitglieds berufen 

könne, besonders gefährdet sei. Es sei sehr wahrscheinlich, dass sie 

Opfer von Menschenrechtsverletzungen werden könnte, insbesondere 

Opfer von geschlechtsspezifischen Verfolgungshandlungen durch ver-

schiedenste Akteure. Das Gericht hält diese Befürchtungen aus folgenden 

Gründen für plausibel: Wie aus den Akten hervorgeht, kann die aus 

Zentralsomalia stammende Beschwerdeführerin seit dem Tod ihres Ehe-

mannes und ihres Vaters im Jahr 2008 nicht auf den Schutz eines männ-

lichen Verwandten im Herkunftsstaat zurückgreifen, da ihre bekannten 

männlichen Verwandten (Brüder des verstorbenen Ehemanns) sich im 

Ausland befinden (…) und die Verwandten der Mutter der Beschwer-

deführerin aus Elasha Biyaha vor dem Krieg geflohen sind und der 

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Kontakt abgebrochen ist (…). Vor ihrer Flucht lebte sie mit ihrer kranken 

Mutter und der jüngeren Schwester sowie ihren Kindern zusammen. Sie 

gehört nach eigenen Angaben zu einem Minderheitenclan (…). Die Be-

schwerdeführerin hat die Schule nur zwei Jahre besucht und verfügt über 

keinerlei Ausbildung (…). Nach dem Tod des Ehegatten « verteilte » sie 

vor ihrer Haustüre Gemüse (…). Aufgrund ihrer Flucht wurde der Fami-

lie kein männlicher Verwandter zur Seite gestellt (…). Nach ihrer Aus-

reise ist der Rest der Familie nach Elasha Biyaha geflohen und lebt dort 

in einem Lager für intern Vertriebene (…). Es besteht keine Veranlas-

sung, die Glaubhaftigkeit dieser widerspruchsfrei und kongruent darge-

stellten Angaben in Zweifel zu ziehen. Auch in der angefochtenen 

Verfügung des BFM und in der Vernehmlassung wurden die Angaben der 

Beschwerdeführerin zu ihrer Clanzugehörigkeit und zu ihren Familien-

verhältnissen nicht bezweifelt. 

5.2 Intern Vertriebene (internally displaced persons [IDP]; nach 
Schätzungen des UNHCR waren in Somalia im Oktober 2013 893 000 

Personen intern vertrieben) werden in Somalia Opfer verschiedenster 

Menschenrechtsverletzungen, sie sind insbesondere der Macht der Lager-

manager oder « Gate-Keeper » in den IDP-Lagern hilflos ausgeliefert, sie 

leiden ausserdem unter den das Gebiet kontrollierenden Milizen oder 

Sicherheitskräften, die häufig auch mit der Regierung zusammenarbeiten 

(vgl. UNHCR, International Protection Considerations with Regard to 

people fleeing Southern and Central Somalia, January 2014, 

Ziff. 6, < http://www.refworld.org/doc-id/52d7fc5f4.html >, abgerufen 

am 03.07.2014 [nachfolgend: UNHCR Protection Considerations]; vgl. 

auch die Ausführungen von ALEXANDRA GEISER, Somalia: Situation von 

Intern Vertriebenen, 25.10.2013, Ziff. 3 m.w.H.). 

Intern vertriebene Frauen berichten von Vergewaltigungen durch bewaff-

nete Männer in Uniform, einige wurden als Zugehörige der Regierungs-

truppen identifiziert (Human Rights Watch [HRW], Hostage of the Gate-

keepers: Abuses against Internally Displaced in Mogadishu, Somalia, 

29.03.2013, < http://www.refworld.org.docid/5152c1002.html >, zitiert 

in UNHCR Protection Considerations Ziff. 6 Fn. 44). 

Das UNHCR führt des Weiteren aus, dass der langandauernde Bürger-

krieg und die Vertreibungen die sozialen Strukturen und Schutzmecha-

nismen in Somalia zerrüttet haben. Die alten Clan-Strukturen ‒ welche 

ihren Mitgliedern traditionell Sicherheit und Schutz vermittelten ‒ sind 

geschwächt und stellenweise zusammengebrochen, mit dem Ergebnis, 

dass insbesondere im Raum Mogadischu die Kernfamilie das einzig 

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schutzgewährende Element darstellt (vgl. UNHCR Protection Conside-

rations Bst. C S. 8 m.w.H.). 

Gerade auf diesen Schutz kann sich die Beschwerdeführerin seit dem Tod 

ihres Vaters und ihres Ehegatten nicht länger berufen. Ihre Kernfamilie 

besteht nur noch aus der jüngeren Schwester und ihren minderjährigen 

Kindern, ihre kranke Mutter kam im Dezember 2013 ums Leben; es gibt 

keine erwachsenen männlichen Angehörigen in der Kernfamilie mehr, 

der Sohn ist erst 14-jährig. 

5.3 Auch von ihrem Clan kann sie keinen Schutz erwarten. Grund-
sätzlich garantieren die Clans in Somalia in gewisser Weise die Sicher-

heit des/der Einzelnen, jedenfalls dann, wenn die Person zu einem ein-

flussreichen Clan gehört und im Clan-dominierten Gebiet lebt (vgl. 

Internal Displacement Monitoring Centre, Somalia: Solutions for IDPs 

revealed as key for future peace and stability in Somalia, 01.10.2013, 

< http://www.refworld.org-/docid/528c828a4.html >, abgerufen am 

02.07.2014, nachfolgend: Solutions for IDP). 

Die Beschwerdeführerin legt dar, dass sie dem D.-Clan und dem Subclan 

« F. » angehört. Dieser Clan sei wenig einflussreich, zudem habe sie 

schon vor ihrer Flucht nicht im Einflussgebiet ihres Clans gelebt (…). 

Auch die inzwischen geflüchteten Mitglieder ihrer Familie halten sich 

nicht im Clan-Gebiet auf, sondern in einem IDP-Lager. Der Danish 

Immigration Service (DIS) publizierte im Jahr 2000 einen zum Teil auf 

Feldforschung basierenden Bericht zu Minderheiten in Somalia. Darin 

werden die D. als eine Untergruppe der (…) dargestellt. Die D. wiederum 

wurden in die zwei Untergruppen J. und F. unterteilt, welche ihrerseits 

wiederum mehrere Untergruppen haben (vgl. DIS, Report on minority 

groups in Somalia 17 to 24 September 2000, < http://www.ecoi.net/ 

file_upload-/470_1161683683_-somalianov2000.pdf >, abgerufen am 

03.07.2014, nachfolgend: DIS Report). 

Diese Erkenntnisse decken sich mit den Angaben der Beschwerdeführe-

rin, es besteht kein Anlass, ihre Vorbringen in diesem Punkt für unglaub-

haft zu halten. Zum gesellschaftlichen Status der D. führt das UNHCR in 

der Übersetzung seiner Protection Guidelines von 2010 aus: 

« Minderheitenclans in Süd- und Zentralsomalia sind Ashraf, Midgan, 

Bantu, Bravanese, Bajuni, Rerhamar, Eyalgala, Tumal, Yibir, 

Gaboye, Hamar Hindi und die Oromos. Diese Minderheitenclans 

sind gefährdet, da sie keine militärischen Kapazitäten zu ihrer 

Verteidigung haben und generell nicht vom Schutz durch Warlords 

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oder durch die Milizen von grösseren Clans profitieren. Sie sind da-

her einem erhöhten Risiko ausgesetzt, Opfer von Vergewaltigungen, 

Übergriffen und Entführungen zu werden. (…) Binnenvertriebene, 

welche Angehörige von Minderheitenclans sind, werden täglich mit 

Misshandlungen wie z.B. Tötung, physische Angriffe, Diebstahl 

und Vergewaltigung konfrontiert, ohne rechtlich dagegen vorgehen 

zu können ‒ sei es durch die formale Justiz oder das gewohnheits-

rechtliche Justizsystem ‒ was dazu führt, dass sie praktisch unge-

straft misshandelt werden können » (vgl. UNHCR-Richtlinien zur 

Feststellung des internationalen Schutzbedarfs somalischer Asyl-

suchender ‒ Zusammenfassende Übersetzung des UNHCR Büro für 

die Schweiz und Liechtenstein, Juli 2010, < http://www.unhcr.ch/ 

no_cache/droit/4-informations-sur-des-pays.html?L=1%5C-%22% 

5C%27&cid=5005&did=7369&sechash=6c5b-30ea >, nachfolgend: 

UNHCR Richtlinien 2010). 

 Vgl. auch UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs 

[OCHA], A study on minorities in Somalia, 01.08.2002, < http:// 

reliefweb.int/report/somalia/study-minorities-somalia >; 

 Amnesty International, Somalia ‒ Urgent need for effective human 

rights protection under the new transitional government, März 2005, 

< http://www.amnesty.org/fr/-library/asset/AFR52/001/-2005/en/ 

c7bb-68ad-d52f-11dd-8a23-d58a49c-0d652/afr520012005en.pdf >; 

 Austrian Centre for Country of Origin and Asylum Research and 

Documentation [ACCORD], Clans in Somalia, Dezember 2009, 

< http://www.ecoi.net-/file_upload/90_1261131016_accord-bericht-

clans-in-somalia-ueberar-beitete-neuausgabe-20091215.pdf >; 

 Ein Bericht der Joint Special Operations University (JSOU, Florida) 

erwähnte im Dezember 2013: « There is also a variety of equally ‒ 

or even more ‒ despised minority clans, such as the Ashraf, Tumal, 

Yibir, and Bantu (though some would argue that some of the 

minority clans are not clans at all as their members are not 

ethnically Somali). Interestingly enough, a number of the minority 

clans are from the Samale line, which theoretically makes them 

‹ noble ›, but that has not been enough to protect them from abuse at 

the hands of other clans. Only power in the form of a well-armed 

militia can do that » (Joint Special Operations University [JSOU], 

Al-Shabaab, Dezember 2013, < http://blogs.uml-.edu/ctss/wp-

content/uploads/sites-/7/2014/02/2014-Al-Shabaab_PDF1-pdf >); 

 Dem Jahresbericht 2013 des U.S. Department of State über « Natio-

nal/Racial/Ethnic Minorities » in Somalia ist Folgendes zu entneh-

men: « Minority groups, often lacking armed militias, continued to 

be disproportionately subjected to killings, torture, rape, kidnapping 

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for ransom, and looting of land and property with impunity by fac-

tion militias and majority clan members. Many minority communi-

ties continued to live in deep poverty and to suffer from numerous 

forms of discrimination and exclusion » (U.S. Department of State, 

2013 Country Reports on Human Rights Practices ‒ Somalia, 

27.02.2014, nachfolgend: Country reports 2013, < www.state.gov-/ 

j/drl/rls/hrrpt/humanrights-report/index.htm?-year=2013-dlid= 

220158 >); alle abgerufen am 03.07.2014. 

Das UNHCR ist deshalb der Ansicht, dass Angehörige von Minder-

heitenclans in Süd- und Zentralsomalia (insbesondere die kastenlosen 

Clans) aufgrund ihrer Ethnie/Rasse gefährdet sind (vgl. UNHCR Pro-

tection Considerations Ziff. III A Nr. 6; so auch schon UNHCR Richt-

linien 2010 IV Bst. B Ziff. 1d S. 9). 

Angesichts dieser Ausführungen erscheint es als sehr wahrscheinlich, 

dass die Beschwerdeführerin als Zugehörige des D.-Clans, Subclan « F. » 

im Fall einer Rückkehr nach Somalia gefährdet ist, da ihr Clan wenig 

einflussreich und daher wenig schutzmächtig ist. Erschwerend kommt 

vorliegend hinzu, dass die im Heimatland verbliebenen Angehörigen der 

Beschwerdeführerin als IDP nicht im angestammten Clangebiet leben. 

Die Beschwerdeführerin hat glaubhaft gemacht, dass sie bereits vor ihrer 

Ausreise nicht im Clan-Gebiet gewohnt hat und ihr Clan auch keine 

besondere Schutzmacht ausübt. Daher fällt sie in die Risikogruppe der 

Angehörigen eines Minderheitenclans. Dieser Umstand ist ein Risiko-

faktor, der eine Gefährdung im Sinne des Art. 3 AsylG zu begründen ver-

mag. 

5.4 Die oben skizzierte Gefährdungssituation der Beschwerdeführe-
rin verschärft sich noch, weil sie eine alleinstehende, verwitwete Frau 

ohne erwachsenen männlichen Schutz ist. Dieser Umstand ist ebenfalls 

bedeutsam für die Beurteilung der begründeten Furcht vor ernsthaften 

Nachteilen gemäss Art. 3 AsylG. 

In seinen Protection Considerations vom Januar 2014 bezeichnet das 

UNHCR ausdrücklich Frauen und Mädchen als Risikogruppe, bei denen 

im Einzelfall flüchtlingsrelevante Verfolgung vorliegen kann und deren 

Einzelfälle deshalb sorgfältig zu prüfen sind (UNHCR Protection Consi-

derations Ziff. III A Nr. 8). 

Speziell intern vertriebene weibliche Angehörige von Minderheitenclans 

‒ wie die Beschwerdeführerin ‒ sind nach Quellenlage besonders 

gefährdet, Opfer sexueller Gewalt zu werden: Bereits im Jahr 2007 kam 

der DIS im Bericht nach einer Fact-finding-Mission zum Schluss, dass 

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Frauen dann verletzlich seien, wenn sie keine männlichen Beschützer 

hätten: 

« Female-headed households are amongst the most vulnerable as they 

are without the protection of a male. Women in various situations 

can be vulnerable as they in general are easier targets for abuse and 

they have few rights in Somali society. Elders and unaccompanied 

minors are also in vulnerable situations. People who have expe-

rienced loss of the family network will most commonly also lose 

clan support and will accordingly become vulnerable » (vgl. Danish 

Refugee Council und DIS, Human rights and security in central and 

southern Somalia, August 2007, < https://www.nyidanmark.dk/NR/ 

rdonlyres/F382C881-5A67-4605-845F-953B98E01355/0/ 

somaliarapport_humanrights.pdf >, abgerufen am 10.07.2014). 

Der Bericht belegt mit Aussagen von Akteuren vor Ort, dass zwar nicht 

alle Frauen in Somalia konkret gefährdet seien, anderes jedoch für 

Frauen ohne den Schutz ihres Ehemanns gelte, besonders wenn sie IDP 

seien und zu einem schwachen Clan oder einer Minderheit gehörten 

(vgl. DIS Report Ziff. 3.9 Women S. 32). 

Frauen werden in Somalia häufig Opfer geschlechtsspezifischer Verfol-

gung ‒ besonders schwer betroffen sind intern vertriebene Frauen und 

Mädchen. Täter können Milizionäre wie Armeeangehörige gleicher-

massen sein (vgl. UN General Assembly, Sexual violence in conflict, 

14.03.2013, < http://www.un.org/ga/search-/view_doc.asp?symbol=S/ 

2013/149 >, abgerufen am 03.07.2014, nachfolgend: Sexual violence). 

HRW erwähnte im Jahresbericht vom Januar 2014 zu Somalia: « Women 

and girls face alarming levels of sexual violence throughout the country. 

Internally displaced women and girls are particularly vulnerable to rape 

by armed men including government soldiers and militia members. In 

January, a displaced woman, who alleged that she was raped by govern-

ment soldiers, and a journalist who interviewed her were prosecuted in a 

deeply flawed and politicized judicial process. Security forces have also 

threatened individuals who have reported rape, and service providers » 

(vgl. HRW, World Report Country Summary 2014 ‒ Somalia, 

21.01.2014, < http://www.hrw.org/world-report/2014/countrychapters/ 

somalia >, abgerufen am 03.07.2014, nachfolgend: Summary 2014). 

Sabahi Online, eine vom United States Africa Command unterstützte 

Nachrichten-Website, zitierte im Zusammenhang mit dem Human Rights 

Watch World Report 2014 ein Mitglied des Peace and Human Rights 

Network in Mogadischu wie folgt: « ‹ Women are among the people who 

Flüchtlingseigenschaft/Asyl 2014/27 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 443 

 

face the most problems when it comes to human rights violations, › she 

told Sabahi. ‹ They suffer rapes and torture and are targeted because of 

the clans they are from, which are minority clans that have little power 

within Somalia. Combating this issue will require a huge awareness cam-

paign and meetings to address it. › » (Sabahi Online, Human rights 

record mixed in Somalia, report says, 28.01.2014, < http://sabahionline. 

com/en_GB/articles/hoa/articles/features/2014-/01/28-/feature-02 >, ab-

gerufen am 03.07.2014). 

Die Vereinten Nationen berichteten von 1 700 Vergewaltigungen von 

IDP-Frauen in Mogadischu im Jahr 2012, wobei die Dunkelziffer höher 

sein dürfte. Aus Angst vor Stigmatisierungen würden viele Vergewalti-

gungen nicht angezeigt (vgl. UN General Assembly, Sexual violence; 

Internal Displacement Monitoring Centre, Solutions for IDP). 

Nach Angaben des UN-Menschenrechtsausschusses vom 16. August 

2013 sei die Situation von IDP-Frauen, die einer Minderheit angehörten, 

besonders problematisch, weil sie in Gefahr seien, Opfer von sexuellen 

Gewaltakten zu werden. In der Regel hätten sie keinen Schutz durch den 

Clan und müssten sich mit riskanten Strategien das Überleben sichern 

(UN General Assembly, Report of the Independent Expert on the 

situation of human rights in Somalia Shamsul Bari vom 16.08.2013, 

< http://www.securitycouncil-report.org/atf/cf/%-7B65BFCF9B-6D27-

4E9C-8CD3-CF6E4FF96FF9%7D/A_HRC_24_40.pdf >, abgerufen am 

03.07.2014). 

Prostitution wie auch Zwangsheirat oder Verheiratung junger Mädchen 

gehören ebenfalls zu den Überlebensstrategien der IDP-Frauen (vgl. 

GEISER, a.a.O., S. 8). Auch europäische Asylbehörden kommen zu 

diesem Schluss. Gemäss eines Berichts von Landinfo (Norwegen) und 

dem DIS vom Mai 2013 werden vor allem IDP-Frauen aus Minder-

heiten-Clans Opfer von Vergewaltigungen (vgl. Landinfo, Security and 

protection in Mogadishu and South-Central Somalia, Mai 2013, 

< http://www.nyidan-mark.dk/NR/-rdonlyres/-6F1A29C6-2F84-40D2-

BDE442F6-9897EEC3/0-/security_and_protection_in_somalia_may_ 

2013.pdf >, abgerufen am 03.07.2014).  

Die oben dargelegten Fakten belegen die Vorbringen der Beschwerde-

führerin während des Verfahrens. Sie hat ‒ auch unter Berücksichtigung 

ihres sehr tiefen Bildungsstandes ‒ glaubhaft vorgetragen, dass sie und 

ihre Kinder sowie die übrigen weiblichen Verwandten (Mutter und jün-

gere Schwester) nach dem Tod der männlichen Versorger (Vater und Ehe-

2014/27 Flüchtlingseigenschaft/Asyl 

 

 

444 BVGE / ATAF / DTAF 

 

mann im Jahr 2008) schutzlos und gefährdet waren. Auf den Vorhalt, 

dass sie von dem Geld, das sie von ihrem Schwager aus dem Ausland für 

die Flucht erhalten hatte (USD 4 000.‒), in Somalia lange hätte leben 

können, entgegnete sie, dass sie als Frau dieses Geld nicht hätte behalten 

können. Es wäre ihr geraubt worden, wenn sie es behalten hätte. Es habe 

viele Räuber dort (…). Bereits in der BzP führte die Beschwerdeführerin 

aus, dass ihr zwar bisher noch nichts passiert sei, die Sicherheitslage aber 

sehr gefährlich sei (…). In der Anhörung führt sie aus, es gebe immer 

Tote, es gebe immer Krieg und man müsse immer woandershin fliehen 

(…). Auch aus den Akten der Auslandsasylverfahren ihrer beiden ersten 

Kinder und der Schwester geht hervor, dass die Angehörigen der Be-

schwerdeführerin in sehr prekären Verhältnissen in einem Lager leben 

und in ständiger Furcht sind, von den Milizen zwangsrekrutiert bezie-

hungsweise zur Ehe mit einem Milizionär gezwungen zu werden. Im 

Auslandsasylgesuch vom 14. August 2012 zitiert die Rechtsvertreterin 

verschiedene Quellen hinsichtlich der Rekrutierung von Jugendlichen 

(…) und der Entführung und Zwangsverheiratung von jungen Frauen 

(…). Ein Bericht von Amnesty International aus dem Jahr 2011 doku-

mentiert verschiedene Fälle, in denen es zu Zwangsrekrutierungen von 

Jugendlichen kam (vgl. Amnesty International, In the line of fire: 

Somalia's children under attack, 20.07.2011, < http://www.amnesty.org/ 

en/library/asset-/AFR52/001/-2011/en/2b90-b425-0742-4c83-87f0e8fd 

0b6baa51/-afr520-01-2011en.pdf >, abgerufen am 03.07.2014). 

Es ist also durchaus möglich, dass der 14-jährige Sohn von den Milizen 

rekrutiert werden würde ‒ auch er kann sich nicht auf den Schutz eines 

Clanälteren berufen. Am 3. Dezember 2013 reichte die Rechtsvertreterin 

erneut Beweismaterial im Rahmen der laufenden Auslandsasylgesuche 

ein und beschrieb, ergänzt durch Fotomaterial, die schwierigen Lebens-

umstände der in Somalia verbliebenen Familienmitglieder (…). Das Ge-

richt geht davon aus, dass die Beschwerdeführerin und ihre zwei in der 

Schweiz geborenen Kleinkinder im Fall einer Rückkehr im heutigen 

Zeitpunkt in akuter Gefahr wären, Opfer von Menschenrechtsverlet-

zungen zu werden. Relevant ist auch die Ermordung der Mutter der Be-

schwerdeführerin im Dezember 2013. Diese wurde gemäss eingereich-

tem Beweismittel erschossen, was ebenfalls aufzeigt, dass das in der 

Beschwerde beschriebene Bedrohungsszenario real gegeben ist. Das Ge-

richt geht davon aus, dass die Beschwerdeführerin sich und ihre Kinder 

nicht vor Übergriffen schützen könnte.  

Flüchtlingseigenschaft/Asyl 2014/27 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 445 

 

Auch die Erwägungen des BFM in der Vernehmlassung, die Al-Shabaab 

würden das Gebiet um Elasha Biyaha nicht länger kontrollieren (…), 

vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Berichten zufolge ist 

Al-Shabaab in der Gegend immer noch aktiv und stellt eine Gefahr dar. 

Am 11. August 2012 berichtete das somalische Shabelle Media Network: 

« Heavily armed militants belonging Al shabab have launched deadly 

assaults against an army base manned by Somali government troops 

in Elasha Biyaha, just 18 Km south of Mogadishu, witnesses said. » 

(vgl. Shabelle Media Network, Somalia: Al Shabaab Attacks Army 

Base, 11.08.2012, < http://allafrica.-com/stories/20120813-0018. 

html >, abgerufen am 03.07.2014). 

In der Nacht vom 13. auf den 14. Oktober 2013 kam es in der Nähe von 

Elasha Biyaha zu Kampfhandlungen zwischen der Al-Shabaab und Re-

gierungstruppen/AMISOM-Soldaten (vgl. Garowe Online, Somalia: Ten 

killed in fighting near Mogadishu, 14.10.2013, < http://www. 

garoweonline.com/artman2/-publish/Somalia_27/Somalia_Ten_killed_ 

in_fighting_near_Mogadishu.shtml >; Sabahi Online, Somali troops 

clash with al-Shabaab near Elasha Biyaha, 15.10.2013, < http:// 

sabahionline.com-/en_GB/articles/hoa/articles/newsbriefs/2013/10/15/ 

newsbrief-01 >; Harar24, Al Shabab fighters attack Amisom base in 

Elasha Biyaha last night, 14.10.2013, < http://harar24.com-/?p=9055 >; 

alle abgerufen am 03.07.2014). 

Am 23. Mai 2014 berichtete das Shabelle Media Network über einen 

Anschlag auf einen AMISOM-Konvoi bei Elasha Biyaha (vgl. Shabelle 

Media Network, Somalia: Amisom convoy attacked in IED Blast, 

23.05.2014, < http://shabelle.net/?p=21921 >, abgerufen am 03.07.2014). 

Auch das UNHCR kommt in seiner aktuellsten « Position on Returns to 

Southern and Central Somalia » vom 17. Juni 2014 zum Schluss: 

« Even where the State has re-established territorial control, local 

civilian governance, including functioning justice and security 

structures, will need to be rebuilt. The situation in these areas is 

expected to remain fragile for some time. (…) Under the present 

circumstances, UNHCR urges States to refrain from forcibly retur-

ning any persons to areas of Southern and Central Somalia that are 

affected by military action and/or ensuing displacement, remain 

fragile and insecure after recent military action, or remain under 

control of non-State groups » (vgl. UNHCR, Position on Returns to 

Southern and Central Somalia, Juni 2014 < http://www.refworld. 

org/docid/-53a04d044.html >, abgerufen am 03.07.2014). 

2014/27 Flüchtlingseigenschaft/Asyl 

 

 

446 BVGE / ATAF / DTAF 

 

Angesichts dieser Berichte geht das Gericht davon aus, dass die Sicher-

heitslage in Elasha Biyaha keineswegs entspannt ist und Al-Shabaab 

noch immer vor Ort aktiv ist. Zu dieser gefährlichen Ausgangslage 

kommt in casu erschwerend hinzu, dass die Familie sowohl den gerade 

machthabenden Sicherheitskräften in Elasha Biyaha als auch den kämp-

fenden Truppen jeder Couleur und den Mitgliedern der vorherrschenden 

Clans schutzlos ausgeliefert wäre.  

5.5 Nach dem Gesagten hält das Gericht für glaubhaft gemacht, 
dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer besonderen Verletzlichkeit in 

konkreter Gefahr ist, Opfer von insbesondere geschlechtsspezifischen 

Verfolgungshandlungen zu werden. Täter können dabei, wie oben aus-

geführt, sowohl staatliche wie nichtstaatliche Akteure sein. Die Be-

schwerdeführerin kann sich nach dem Tod ihres Gatten und des Vaters 

gegen diese Bedrohung weder auf den Schutz durch männliche Ver-

wandte noch durch ihren Clan berufen. Auch von den staatlichen Behör-

den ist kein Schutz zu erwarten: Das U.S. Department of State schrieb im 

Januar 2014: 

« Government efforts and capacity to end violence against women 

and girls remain extremely limited. Documented cases of rape con-

tinued to be widespread throughout the country. Some 30 to 50 per 

cent of those victims were children » (U.S. Department of State, 

Country Reports 2013). 

Diesen Umstand bestätigt auch Abdullahi Hassan Shirwa, der Direktor 

der Organisation Somali Peace Line mit Sitz in Mogadischu: Die Regie-

rung unternehme nichts, um die Menschenrechtssituation von IDP, ins-

besondere von Frauen, zu verbessern (zitiert nach Sabahi Online, Human 

Rights record mixed in Somalia, report says, 28.01.2014, a.a.O.). 

Wie HRW berichtet, wurde im Januar 2013 statt des Täters die betroffene 

Frau vor Gericht gestellt, weil sie sexuelle Übergriffe durch einen Re-

gierungssoldaten meldete (HRW Summary 2014). 

Die Organisation berichtet in diesem Zusammenhang auch von Entfüh-

rungen und Vergewaltigungen von Frauen durch die AMISOM-Peace-

keeping-Truppen der African Union, welche der UN-Sicherheitsrat im 

März 2013 in einer Resolution verurteilte. Im Rahmen der darauf 

folgenden Aufklärung dieser Verbrechen wurden die Vorwürfe von Seiten 

der AMISOM-Truppen bestritten, Opfer und Zeugen wurden von Sicher-

heitskräften der Regierung eingeschüchtert (HRW Summary 2014). 

Flüchtlingseigenschaft/Asyl 2014/27 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 447 

 

Es ist davon auszugehen, dass der somalische Staat nicht nur nicht 

schutzfähig, sondern auch nicht schutzwillig ist, wenn es um derartige 

Übergriffe gegen Frauen und Mädchen geht. Gleiches muss nach den 

obigen Ausführungen auch für die Mitglieder der Afrikanischen Schutz-

truppen im Land gelten. 

5.6 Schliesslich ist auch der Umstand zu würdigen, dass die Be-
schwerdeführerin als Kind in der schwerstmöglichen Form an ihren 

Genitalien beschnitten wurde und nach den Geburten ihrer älteren Kinder 

in Somalia jeweils eine Reinfibulation vorgenommen wurde. Dieser Um-

stand wird durch ärztliche Zeugnisse der behandelnden Gynäkologin 

belegt. Inzwischen hat die Beschwerdeführerin zwei weitere Kinder in 

der Schweiz geboren. Gemäss Einschätzungen des UNHCR in seiner 

Guidance Note on Refugee Claims relating to Female Genital Mutilation 

(vgl. UNHCR, Guidance Note on Refugee Claims relating to Female 

Genital Mutilation, Mai 2009, < http://www.refworld.org/docid/ 

4a0c28492.html >, abgerufen am 03.07.2014, nachfolgend: UNHCR 

Guidance Note) stellt weibliche Genitalverstümmelung eine Form ge-

schlechtsspezifischer Gewalt dar, die sowohl psychisches wie physisches 

Leiden zur Folge hat und einer asylrelevanten Verfolgung gleichkommt 

(UNHCR Guidance Note Ziff. A 7 S. 5). 

Dies betrifft nach Einschätzung des UNHCR nicht nur diejenigen Frauen 

und Mädchen, die vor einer noch bevorstehenden Genitalverstümmelung 

flüchten, sondern auch Frauen, an denen die Verstümmelung bereits vor-

genommen wurde (UNHCR Guidance Note Ziff. I. 1 S. 4). 

Diese Einschätzung begründet das UNHCR mit dem Umstand, dass eine 

Genitalverstümmelung oft lebenslange schädigende Konsequenzen für 

die Betroffenen habe; darüber hinaus liefen die betroffenen Frauen häufig 

Gefahr, im Laufe ihres Lebens weiteren Formen der Beschneidung unter-

worfen zu werden, etwa vor einem Eheschluss oder nach einer Geburt 

(vgl. UNHCR Guidance Note Ziff. II 6 S. 5). 

In diesem Zusammenhang verweist das UNHCR auf die Praxis der soge-

nannten Reinfibulierung, ein Verfahren, bei dem der Zustand der Infibu-

lierung (Verschluss der Vagina, bis auf ein kleines Loch, nach Be-

schneidung der äusseren und inneren Schamlippen) nach einer Geburt 

wiederhergestellt wird, nachdem die Naht für die Geburt geöffnet werden 

musste. Um das « jungfräuliche Aussehen » des weiblichen Geschlechts-

organs wieder herzustellen, ist es nach einer Geburt jedoch häufig nötig, 

noch weiteres Vaginalgewebe zu entfernen, um die neue Naht zu ermög-

2014/27 Flüchtlingseigenschaft/Asyl 

 

 

448 BVGE / ATAF / DTAF 

 

lichen, beziehungsweise das lose Gewebe nach einer Geburt wieder zu 

vernähen (vgl. dazu die Ausführungen in Anhang 5: Health complica-

tions of female genital mutilation, S. 33, zu den Langzeitfolgen S. 34 f. 

des interagency statements: Eliminating Female genital mutilation, 

Februar 2008, < http://www.unhcr.org/refworld/docid-/47c6aa6e2.html >, 

einschliesslich Anhang 2 zur Einordnung der verschiedenen Formen von 

Genitalverstümmelung). 

Nach UN-Angaben sind in Somalia 98 Prozent aller Frauen und Mäd-

chen von Genitalverstümmelung betroffen (vgl. Eliminating Female 

genital mutilation, a.a.O., Anhang 3, S. 29; UNICEF, Towards abando-

ning female genital mutilation/cutting in Somalia for once, and for all, 

19.03.2013, < http://www.unicef.org/protection/somalia_68110.html >, 

abgerufen am 03.07.2014). 

Die Beschwerdeführerin wurde als Kind beschnitten, nach den Geburten 

ihrer älteren Kinder in Somalia wurde jeweils eine Reinfibulation vor-

genommen. Gemäss dem eingereichten Arztbericht vom 13. Mai 2014 

leide die Beschwerdeführerin nach diesen Eingriffen bis heute unter 

psychischen Störungen im Erleben ihrer Sexualität, sie habe Schmerzen 

aufgrund vaginaler Veränderungen, bei den Untersuchungen komme es 

häufig zu vaginalen Blutungen. Nach den Geburten sei der Heilungspro-

zess jeweils langwierig verlaufen, die Geburtsverletzungen seien auch 

deutlich ausgeprägter als im zu erwartenden Rahmen gewesen (…). Im 

zweiten Arztbericht vom 20. Juni 2014 präzisiert die behandelnde Ärztin, 

dass die ausgeprägte Vernarbung die genaue Einteilung des Schwere-

grades, beziehungsweise die Definition des genauen Typs der Beschnei-

dung zwar erschwere, allerdings zeige sich aufgrund der ausgeprägten 

Verwachsungen und Vernarbungen, « dass es sich im Fall (der Beschwer-

deführerin) um mindestens eine Vorstufe der Infibulation entsprechend 

Typ III gehandelt haben muss. Dies ist die schwerste Form der weib-

lichen Genitalbeschneidung ». Erneut weist die Ärztin darauf hin, dass 

diese « mit erheblichen gesundheitlichen und psychischen Problemen 

(einhergeht) » (…). Das Gericht hält es bei dieser Aktenlage für erwie-

sen, dass die Beschwerdeführerin unter den Folgen der erlittenen Geni-

talverstümmelung dauerhaft leidet. 

5.7 (…) 

6. Aufgrund des bisher Gesagten ist für die Beschwerdeführerin 
eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu be-

jahen. 

Flüchtlingseigenschaft/Asyl 2014/27 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 449 

 

6.1 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter 
Anlass zur Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich ‒ aus der Sicht 

im Zeitpunkt der Ausreise ‒ mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in 

absehbarer Zeit verwirklicht, beziehungsweise werde sich ‒ auch aus 

heutiger Sicht ‒ mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zu-

kunft verwirklichen. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfol-

gung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen, welche den 

Eintritt der erwarteten ‒ und aus einem der vom Gesetz aufgezählten 

Motive erfolgenden ‒ Benachteiligung als wahrscheinlich und dement-

sprechend die Furcht davor als realistisch und nachvollziehbar erschei-

nen lassen (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193 f.; 2004 Nr. 1 E. 6a 

S. 9; BVGE 2010/57 E. 2.5; 2011/50 E. 3.1.1.; 2011/51 E. 6.2). Wie in 

E. 5.3‒5.6 dargelegt, würde sich die Beschwerdeführerin bei einer 

Rückkehr in ihr Herkunftsland in einer Situation konkreter Gefährdung 

befinden aufgrund des Zusammenspiels verschiedener Aspekte, die sich 

alle auf ihre Situation als alleinstehende, intern vertriebene Frau und 

Angehörige eines Minderheitenclans beziehen und die für sie ernsthafte 

Nachteile zur Folge haben können. 

Wie ausgeführt, kann die Beschwerdeführerin weder von anderen Priva-

ten noch vom somalischen Staat Schutz vor den ihr drohenden Verfol-

gungshandlungen erhalten. Aufgrund ihrer persönlichen Vorbringen, aber 

insbesondere auch aufgrund gefestigter Länderkenntnisse, hält das 

Gericht es für erwiesen, dass die Beschwerdeführerin in ihrer spezifi-

schen persönlichen Situation eine durch den Länderkontext auch objektiv 

begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG 

hat. Die Bedrohung der Beschwerdeführerin ist dabei zweifach: Einer-

seits ist davon auszugehen, dass sie versuchen würde, ihre Kinder vor 

Übergriffen zu schützen und dadurch gefährdet wäre, andererseits ist sie 

auch unabhängig von ihrer Mutterrolle gefährdet, als intern vertriebene 

Opfer von Misshandlungen und sexueller Gewalt oder einer Zwangsehe 

zu werden. (…) 

6.2 Anders als die Vorinstanz kommt das Gericht zum Schluss, dass 
die Verfolgung, die der Beschwerdeführerin in ihrer speziellen Situation 

im Fall einer Rückkehr in ihr Herkunftsland droht, zielgerichtet ist und 

damit weit über die allgemeinen Folgen des Bürgerkriegs, die jeden tref-

fen können und daher nicht asylrelevant sind, hinausgeht. Diese mit gros-

ser Wahrscheinlichkeit drohende Verfolgung begründet sich dabei nicht 

nur aus dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin eine Frau ist, son-

dern es sind, wie oben ausgeführt, noch weitere Risikoaspekte zu berück-

2014/27 Flüchtlingseigenschaft/Asyl 

 

 

450 BVGE / ATAF / DTAF 

 

sichtigen, die dazu führen, dass sie konkret und zielgerichtet gefährdet 

ist: Sie gehört zur Gruppe der intern vertriebenen, alleinstehenden Frauen 

ohne männlichen Schutz, die einem Minderheitenclan angehören. Wie 

ausgeführt ist das Risiko einer drohenden Verfolgung für Angehörige 

dieser Personengruppe ungleich viel höher und konkreter, als für den 

Rest der Bevölkerung. Sie sind besonders gefährdet, Opfer zielgerichte-

ter Verfolgungshandlungen zu werden und können auf keinen staatlichen 

Schutz zählen. 

6.3 Eine Verfolgung ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn sie aus 
einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG beziehungsweise Art. 1 A Ziff. 2 des 

Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge 

(FK, SR 0.142.30) genannten Motive erfolgt. Diese Motive sind, über die 

sprachlich allenfalls engere Bedeutung ihrer Begrifflichkeit hinaus, so zu 

verstehen, dass die Verfolgung wegen äusserer oder innerer Merkmale, 

die untrennbar mit der Person oder Persönlichkeit des Opfers verbunden 

sind, erfolgt ist beziehungsweise droht (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1; insb. 

zum Verfolgungsmotiv bei frauenspezifischer Verfolgung vgl. EMARK 

2006 Nr. 32 E. 8.7.1). Nachdem die Beschwerdeführerin, wie dargelegt, 

eine Verfolgung insbesondere aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einem 

Minderheitenclan, zumal als intern vertriebene Frau ohne Schutz eines 

erwachsenen männlichen Verwandten, befürchten muss, ist das Vorliegen 

eines flüchtlingsrelevanten Verfolgungsmotivs zu bejahen. 

6.4 Die drohende Verfolgung der Beschwerdeführerin ist aktuell. 
Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die 

Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder 

begründeten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des 

Asylentscheides ist jedoch im Rahmen der Frage nach der Aktualität der 

Verfolgungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven 

Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind 

deshalb zugunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu 

berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4; EMARK 2000 Nr. 2 E. 8a 

S. 20; WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Ausländerrecht, 2009, Rz. 11.17 und 

11.18). 

Die Beschwerdeführerin hatte bereits zu Anfang ihres Asylverfahrens im 

Jahr 2008 die Gefährdungslage geschildert, in die sie und ihre Ange-

hörigen durch den Verlust der männlichen Beschützer und Versorger nach 

dem Tod ihres Ehegatten und des Vaters und durch die Vertreibung ge-

raten waren, und die sie zur Ausreise bewegt hatte. Die durch den Tod 

des Gatten entstandene Gefährdungssituation war kausal für die Flucht 

Flüchtlingseigenschaft/Asyl 2014/27 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 451 

 

der Beschwerdeführerin, die sich und ihren Familienangehörigen eine 

sicherere Existenz ermöglichen wollte. Obwohl das Asylverfahren meh-

rere Jahre bis zum erstinstanzlichen Entscheid dauerte, hat sich die 

Situation nicht verbessert, sondern verschärft, weil die Beschwerdefüh-

rerin inzwischen erneut Mutter geworden ist und im Fall einer Rückkehr 

in ihr Herkunftsland noch für zwei weitere Kinder im Kleinkindalter 

sorgen müsste. Ausserdem hat sich durch die Geburten in der Schweiz 

die Gefahr einer erneut drohenden Reinfibulation ergeben. Auch die Mit-

teilung, dass ihre Mutter von Milizionären erschossen wurde, zeigt, dass 

die Gefährdung real ist und sich die Situation bis zum heutigen Zeitpunkt 

nicht verbessert hat. Allgemein kommt das Gericht zum Schluss, dass 

alle ausgewerteten Quellen nahelegen, dass sich die Situation für intern 

vertriebene Frauen in Somalia keineswegs verbessert hat, seit die Be-

schwerdeführerin vor mehr als fünf Jahren das Land verlassen hat. 

6.5 Abschliessend ist zu klären, ob die Beschwerdeführerin, wie die 
Vorinstanz vorgeschlagen hat, nicht eine staatliche Schutz- oder Flucht-

alternative im Norden des Landes in Anspruch nehmen könnte. Wie fest-

gestellt, droht der Beschwerdeführerin sowohl an ihrem letzten Wohnort 

in Somalia als auch am internen Zufluchtsort ihrer Familienmitglieder 

asylrelevante Verfolgung, vor denen sie der Staat nicht schützen kann. 

Mit den Voraussetzungen einer internen Fluchtalternative hat sich das 

Bundesverwaltungsgericht in seinem Grundsatzurteil BVGE 2011/51 

ausführlich befasst. Die inländische Fluchtalternative fusst auf dem Ge-

danken, dass der Heimatstaat zwar nicht am Ort der Verfolgung, hinge-

gen in anderen Gebieten seines Territoriums hinlänglichen Schutz vor 

Verfolgung beziehungsweise vor dem Verfolger gewährt (vgl. EMARK 

2000 Nr. 15 E. 7b S. 113 f.; 1997 Nr. 12 E. 6b; 1997 Nr. 14 E. 6b S. 118). 

Ausschlaggebend ist, dass am Zufluchtsort adäquater Schutz vor Verfol-

gung tatsächlich in Anspruch genommen werden kann. Zu klären ist im 

Einzelfall, ob im Heimatstaat eine Schutzinfrastruktur besteht und der 

Staat auch gewillt ist, der von Verfolgung betroffenen Person Schutz zu 

gewähren. Darüber hinaus besteht gemäss BVGE 2011/51 für eine in 

einem Landesteil von Verfolgung betroffene Person keine die Flücht-

lingseigenschaft ausschliessende innerstaatliche Schutzalternative in 

einem anderen Landesteil, sofern sie dort in eine existenzbedrohende 

Situation geraten würde (BVGE 2011/51 E. 8). Das Bestehen einer inner-

staatlichen Alternative zum internationalen Schutz ist daher nur zu be-

jahen, wenn sie der im anderen Landesteil von Verfolgung betroffenen 

Person zugänglich ist und sie sich dort legal aufhalten kann, und wenn 

die Schutzalternative individuell zumutbar ist (vgl. BVGE 2011/51 

http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/12
http://links.weblaw.ch/EMARK-1997/14
http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/4

2014/27 Flüchtlingseigenschaft/Asyl 

 

 

452 BVGE / ATAF / DTAF 

 

E. 8.5.2 m.w.H.; UNHCR-Richtlinien zum internationalen Schutz, Inter-

ne Flucht- oder Neuansiedlungsalternative, 23. Juli 2003, Rz. 10‒12). 

Eine Rückkehr in den Norden des Landes, nach Somaliland oder Punt-

land im Sinne einer innerstaatlichen Fluchtalternative, wäre nach gefes-

tigter Rechtsprechung nur dann zumutbar, wenn die Beschwerdeführerin 

über enge Verbindungen zur Region verfügt, die es ihr ermöglichen 

würden, dort eine Existenzgrundlage aufzubauen, und wenn sie dort mit 

wirkungsvoller Unterstützung des Familienclans rechnen könnte (vgl. 

schon EMARK 2006 Nr. 2 sowie die Urteile des BVGer D‒4926/2008 

vom 6. Juni 2011 E. 4.3.2 m.w.H. und D‒1186/2011 vom 30. März 2012 

E. 7). Den Akten ist kein Hinweis zu entnehmen, dass die Beschwerde-

führerin über enge Verbindungen nach Somaliland oder Puntland verfügt, 

die es ihr und ihrer Familie ermöglichen würden, dort eine neue Exis-

tenzgrundlage aufzubauen. Beachtlich ist auch in diesem Zusammenhang 

ihre Zugehörigkeit zu einem Minderheitenclan und der Umstand, dass sie 

ohne männliches Familienmitglied schutzlos ist. Ihre Schutzwürdigkeit 

begründet sich in ihrer geringwertigen sozialen Stellung als allein-

stehende, binnenvertriebene Angehörige einer Minderheit. An diesem 

Umstand würde sich nichts ändern, wenn sie sich in den Norden des 

Landes begeben würde. Der Norden Somalias stellt für sie keine inner-

staatliche Schutzalternative dar (vgl. BVGE 2011/51).  

6.6 Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass die 
Beschwerdeführerin zu Recht eine begründete Furcht vor zielgerichteter 

zukünftiger Verfolgung im Sinne des Art. 3 Abs. 1 AsylG geltend ge-

macht hat. Als Angehörige eines Minderheitenclans und intern vertrie-

bene Frau ohne Schutz eines erwachsenen männlichen Verwandten ist sie 

konkret gefährdet, Opfer von (geschlechtsspezifischer) Verfolgung zu 

werden und ernsthaften Nachteilen ausgesetzt zu sein. Staatlicher Schutz 

steht der Beschwerdeführerin in Somalia nicht zur Verfügung und es 

eröffnet sich auch keine interne Schutzalternative in einem anderen 

Landesteil. 

Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die Voraussetzungen von Art. 3 

AsylG gegeben sind und die Beschwerdeführerin die Flüchtlings-

eigenschaft erfüllt. Den Akten sind keinerlei Hinweise auf das Vorliegen 

von Asylausschlussgründen im Sinne von Art. 53 AsylG zu entnehmen. 

Die Beschwerde ist daher gutzuheissen, die angefochtene Verfügung der 

Vorinstanz aufzuheben und diese anzuweisen, der Beschwerdeführerin in 

der Schweiz Asyl zu gewähren.  

Flüchtlingseigenschaft/Asyl 2014/27 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 453 

 

7. Die beiden in der Schweiz geborenen Kinder der Beschwerde-
führerin, B. und C., sind, gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG, in die Flücht-

lingseigenschaft einzubeziehen und es ist ihnen ebenfalls Asyl zu ge-

währen

2014/38 Blocage d'avoirs 

 

 

454 BVGE / ATAF / DTAF