# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 11a96895-b379-52b0-9869-2da9e08fce4e
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-04-08
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 08.04.2014 SB130306
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB130306_2014-04-08.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 
 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB130306-O/U/eh 
 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. P. Marti, Präsident, die Oberrichterinnen lic. iur. 

L. Chitvanni und lic. iur. Ch. von Moos sowie die Gerichtsschreiberin 

lic. iur. C. Grieder  

Urteil vom 8. April 2014 

 

in Sachen 
 

A._____,  
Beschuldigter und Berufungskläger 

amtlich verteidigt durch Fürsprecher X._____ 
 

gegen 
 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  
vertreten durch Staatsanwältin lic. iur. F. Stadelmann,  

Anklägerin und Berufungsbeklagte 

sowie 
 

1. B._____,  
2. C._____,  
Privatklägerinnen und Berufungsbeklagte 

1.   vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Y1.______ 

2.  vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Y2._____ 

 

betreffend 

mehrfache Schändung etc. 
 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Affoltern vom  
22. Januar 2013 (DG120004) 

- 2 - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom  

3. September 2012 (Urk. 20) ist diesem Urteil beigeheftet. 

 

Beschluss und Urteil der Vorinstanz: 

Das Gericht beschliesst: 

1. Auf die Vorwürfe der mehrfachen Schändung im Sinne von Art. 189 Abs. 2 

aStGB und der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss 

Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 und Abs. 3 StGB zum Nachteil der Privatklägerin 1, 

sofern sie den Zeitraum bis 5. Oktober 1991 betreffen, wird aufgrund  

Verjährung nicht eingetreten. 

2. (Mitteilung) 

3. (Rechtsmittel). 

Das Gericht erkennt: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

− der mehrfachen Schändung im Sinne von Art. 189 Abs. 2 aStGB  

zum Nachteil der Privatklägerin 1, 

− der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB 

zum Nachteil der Privatklägerin 1 und der Privatklägerin 2, 

− der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von  

Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 und Abs. 3 StGB zum Nachteil der Privatklägerin 1 

und der Privatklägerin 2 sowie 

− der mehrfachen Pornographie im Sinne von Art. 197 Ziff. 3 StGB. 

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2. Der Beschuldigte A._____ wird bestraft mit 6 ½ Jahren Freiheitsstrafe, wo-
von 174 Tage durch Haft erstanden sind. 

3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.  

4. Die zwei beim Beschuldigten sichergestellten Festplatten, beide Marke Tos-

hiba (Asservaten-Nr. … und …), sind von der Lagerbehörde nach Löschung 

der Inhalte dem Beschuldigten herauszugeben. 

5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 4'000.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 23'737.15   Kosten für das Vorverfahren. 

6. Die Verfahrenskosten, ausgenommen die Kosten für die amtliche Verteidi-

gung und die Kosten der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung der Privat-

klägerinnen 1 und 2, werden dem Beschuldigten auferlegt. 

7. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die Gerichts-

kasse genommen. Über die Höhe der Entschädigung der amtlichen Vertei-

digung wird mit separatem Entscheid entschieden. Eine Nachforderung im 

Sinne von Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten. 

8. Die Kosten der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung der Privatklägerinnen 

1 und 2 werden einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Über die  

Höhe der Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung der  

Privatklägerinnen 1 und 2 wird mit separatem Entscheid entschieden. Eine 

Nachforderung im Sinne von Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten 

9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1, B._____, 

Fr. 40'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 1. Januar 1995 als Genugtuung zu  

bezahlen. Es wird davon Vormerk genommen, dass der Beschuldigte die 

Genugtuungsforderung der Privatklägerin 1 im Umfang von Fr. 8'000.–  

anerkannt hat. 

10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 2, C._____, 
Fr. 25'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 1. September 2002 als Genugtuung zu 

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bezahlen. Es wird davon Vormerk genommen, dass der Beschuldigte die 

Genugtuungsforderung der Privatklägerin 2 im Umfang von Fr. 8'000.–  

anerkannt hat. 

11. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 1, 

B._____, aus dem eingeklagten Ereignis anerkennungsgemäss dem Grund-

satz nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfan-

ges des Schadenersatzanspruches wird die Privatklägerin 1 auf den Weg 

des Zivilprozesses verwiesen. 

12. (Mitteilungen) 

13. (Rechtsmittel) 

 
 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

 (schriftlich; Urk. 97 S. 2) 

1. Mein Mandant sei freizusprechen vom Vorwurf  

− der mehrfachen Schändung im Sinne von Art. 189 Abs. 2a StGB zum 

Nachteil der Privatklägerin 1 

− der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB 

zum Nachteil der Privatklägerin 1 und 2 

2. A._____ sei schuldig zu sprechen 

− der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von  

Art. 187 Ziffer 1 Abs. 1 und 3 StGB 

− der mehrfachen Pornographie im Sinne von Art. 197 Ziff. 3 StGB 

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3. Mein Mandant sei angemessen zu bestrafen mit einer bedingten Geldstrafe 

von 350 Tagessätzen zu Fr. 30.00, unter Anrechnung der erstandenen Haft 

von 5 Monaten und 21 Tagen.  

4. Er sei zu verpflichten, den Privatklägerinnen eine Genugtuung in der Höhe 

von je Fr. 8'000.00 zu zahlen. 

5. Es sei festzustellen, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 1, 

B._____, aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadener-

satzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadener-

satzanspruches sei die Privatklägerin 1 auf den Weg des Zivilprozesses zu 

verweisen.  

6. Die Kosten für das Untersuchungsverfahren sowie das erstinstanzliche  

Gerichtsverfahren seien zu 1/3 dem Beschuldigten aufzuerlegen. Die Kosten 

des zweitinstanzlichen Verfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen. 

Ebenso seien die Kosten der amtlichen Verteidigung (zzgl. 8% MWST) auf 

die Staatskasse zu nehmen. 

b) Des Vertreters der  Staatsanwaltschaft: 

 (schriftlich; Urk. 99 S. 1) 

Das Urteil des Bezirksgerichts Affoltern am Albis vom 22. Januar 2013 sei 

vollumfänglich zu bestätigen; es haben jedoch entgegen dem vorinstanzli-

chen Urteil sämtliche für die Zeit vor dem 1. Oktober 1992 angeklagten  

Delikte als verjährt zu gelten.  

c) Der Privatklägerin B._____: 

(schriftlich; Urk. 100 S. 2f.) 

1. Es sei die Berufung abzuweisen, soweit der Beschuldigte und Berufungs-

kläger den Freispruch von Straftaten zum Nachteil der Privatklägerin 1  

verlangt, derer ihn die Vorinstanz in Ziffer 1 des Urteils vom 22. Januar 2013 

schuldig gesprochen hat. 

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Der Beschuldigte A._____ sei in Bestätigung des Urteils des Bezirksgerichts 

Affoltern am Albis vom 22. Januar 2013 folgender zum Nachteil der Privat-

klägerin 1 begangener Straftaten schuldig zu sprechen: 

- der mehrfachen Schändung i.S.v. Art. 189 Abs. 2 aStGB ev. Art. 191 

StGB gemäss Anklageschrift "Vorwürfe zum Nachteil B._____" Ziffern 

1, 2, 3 und 4, 

- der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB 

gemäss Anklageschrift "Vorwürfe zum Nachteil B._____" 

 Ziffern 1, 2, 3, 4, 6 und 7 und 

- der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern i.S.v. Art. 187  

Ziffer 1 und 3 StGB gemäss Anklageschrift "Vorwürfe zum Nachteil 

B._____" Ziffern 1 bis und mit 8. 

2. Soweit auf die Berufungserklärung betreffend Anfechtung von Ziffer 9 des 

Urteils des Bezirksgerichts Affoltern vom 22. Januar 2013 eingetreten  

werden sollte, sei der Berufungsantrag auf Herabsetzung der durch den  

Beschuldigten und Berufungskläger der Privatklägerin 1 zu bezahlende  

Genugtuung in der Höhe von CHF 40'000.00 (zuzüglich Zins zu 5% seit 

 1. Januar 1995) abzuweisen.  

Es sei der Beschuldigte A._____ in Bestätigung von Ziffer 9 des vor- 

instanzlichen Urteils zu verpflichten, der Privatklägerin 1 CHF 40'000.00  

zuzüglich Zins zu 5% seit 1. Januar 1995 als Genugtuung zu bezahlen. 

3. Es seien die Anwaltskosten des unentgeltlichen Rechtsbeistandes der  

Privatklägerin 1 auf die Staatskasse des Kantons Zürich zu nehmen.  

4. Es sei der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin 1 eine Prozess-

entschädigung zuzusprechen und festzustellen, dass diese Entschädigung 

gemäss Art. 138 Abs. 2 StPO im Umfang der Aufwendungen für die unent-

geltliche Rechtspflege an den Kanton Zürich fällt.  

5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschuldigten.  

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d) Der Privatklägerin C._____: 

(Urk. 102 S. 2) 

1. Das erstinstanzliche Urteil des Bezirksgerichts Affoltern vom 22. Januar 

2013 sei zu bestätigen. 

2. Die Kosten der Vertreterin der Privatklägerin 2 seien dem Beklagten aufzu-

erlegen. 

3. Der Privatklägerin 2 sei das vollständige Urteil zuzustellen. 

 

Erwägungen: 

I. Verfahrensgang / Prozessuales 

1. Prozessgeschichte 

1.1. Der Verlauf des Verfahrens bis zum vorinstanzlichen Urteil ergibt sich aus 
dem Entscheid vom 22. Januar 2013 (Urk. 73 S. 4). 

Mit dem vorstehend aufgeführten Urteil sprach die Vorinstanz den Beschuldigten 

am 22. Januar 2013 der mehrfachen Schändung im Sinne von Art. 189 Abs. 2 

aStGB zum Nachteil der Privatklägerin 1, der mehrfachen sexuellen Nötigung im 

Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB zum Nachteil der Privatklägerin 1 und der Privat-

klägerin 2, der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von 

Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 und Abs. 3 StGB zum Nachteil der Privatklägerin 1 und der 

Privatklägerin 2 sowie der mehrfachen Pornographie im Sinne von Art. 197 Ziff. 3 

StGB schuldig und bestrafte ihn mit 61/2 Jahren Freiheitsstrafe, wovon 174 Tage 

durch Haft erstanden waren. Weiter wurde erkannt, dass die zwei beim Beschul-

digten beschlagnahmten Festplatten nach Löschung der Inhalte dem Beschuldig-

ten wieder herauszugeben sind. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtli-

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chen Verfahrens wurden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen 

Verteidigung und die Kosten der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung der  

Privatklägerinnen 1 und 2 wurden auf die Gerichtskasse genommen, unter Vor-

behalt des Nachforderungsrechts des Staates. Weiter wurde der Beschuldigte 

verpflichtet, der Privatklägerin 1 Fr. 40'000.-- zuzüglich 5% Zins ab 1. Januar 

1995 und der Privatklägerin 2 Fr. 25'000.-- zuzüglich 5% Zins ab 1. September 

2002 als Genugtuung zu bezahlen, wobei er die Genugtuungsforderungen im 

Rahmen von je Fr. 8'000.-- anerkannt hat. Zudem wurde festgestellt, dass der 

Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 1 dem Grundsatze nach schaden-

ersatzpflichtig ist, wobei diese zur genauen Feststellung des Umfanges des  

Schadenersatzanspruches auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen wurde 

(Urk. 73 S. 77 f.).  

1.2. Gegen dieses Urteil meldete der Verteidiger am 24. Januar 2013 innert Frist 
Berufung an (Urk. 65). Nach Zustellung des begründeten Entscheids (Urk. 72) 

reichte die Verteidigung fristgerecht am 16. Juli 2013 (Poststempel) die Beru-

fungserklärung ein (Urk. 74). Mit Präsidialverfügung vom 15. August 2013 wurde 

den Privatklägerinnen und der Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, um Anschluss-

berufung zu erheben oder ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen 

(Urk. 77). Gleichzeitig wurde den Parteien Frist angesetzt, um zur Frage eines  

(Teil-)Ausschlusses der Öffentlichkeit von der Berufungsverhandlung Anträge zu 

stellen und zu begründen. Den Privatklägerinnen wurde ebenfalls Frist angesetzt, 

um schriftlich zu erklären, ob sie den Antrag stellen, dass dem urteilenden Gericht 

eine Person des gleichen Geschlechtes angehört und ob sie, für den Fall einer 

Befragung verlangen, von einer Person des gleichen Geschlechtes einvernom-

men zu werden (Urk. 77). Die Staatsanwaltschaft verzichtete in der Folge mit  

Eingabe vom 26. August 2013 auf Anschlussberufung und beantragte die Bestäti-

gung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 79). Mit Schreiben vom 27. August 2013 

teilte der Vertreter der Privatklägerin 1 mit, dass diese wünsche, dass dem  

urteilenden Gericht eine Person weiblichen Geschlechts angehöre und dass eine 

allfällige Einvernahme der Privatklägerin 1 von einer Person weiblichen  

Geschlechts durchgeführt werde (Urk. 81). Sodann beantragte der Vertreter der 

Privatklägerin 1 mit Eingabe vom 9. September 2013, die Öffentlichkeit von der 

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Berufungsverhandlung wegen schutzwürdiger Interessen der Opfer teilweise aus-

zuschliessen und den Gerichtsberichterstatterinnen und Gerichtsberichterstattern 

sowie allenfalls Professoren und Studenten der Rechtsfakultät den Zutritt zur Ver-

handlung zu gestatten, unter Auflage der ausreichend anonymisierten Berichter-

stattung bzw. Verwendung der erlangten Informationen (Urk. 83). Mit Präsidial-

verfügung vom 20. September 2013 wurde die Publikumsöffentlichkeit von der 

Berufungsverhandlung ausgeschlossen und den akkreditierten Gerichtsbericht-

erstattern wurden entsprechende Auflagen gemacht (Urk. 85).  

1.3. Am 15. Januar 2014 wurde auf den 3. April 2014 zur Berufungsverhandlung 
vorgeladen (Urk. 87). 

1.4. Am 3. April 2014 fand die Berufungsverhandlung statt (Prot. II S. 6ff.). Die  
interne Urteilsberatung war am 8. April 2014 (Prot. II S. 27 ff.). Das Urteil wurde 

den Parteien am 15. April 2014 mündlich eröffnet und kurz erläutert (Prot. II  

S. 32). 

2. Umfang der Berufung 

2.1. Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen den Schuldpunkt, ausser 
bezüglich der mehrfachen Pornografie im Sinne von Art. 197 Ziff. 3 StGB, gegen 

die Bemessung der Strafe, den Vollzug der Strafe sowie dementsprechend auf 

die Kosten- und Genugtuungsfolgen.  

2.2. Nicht angefochten und demgemäss in Rechtskraft erwachsen sind der 
Schuldspruch der mehrfachen Pornografie im Sinne von Art. 197 Ziff. 3 StGB 

(Dispositivziffer 1 lemma 4), die Herausgabe der zwei sichergestellten Festplatten 

(Dispositivziffer 4),die Kostenfestsetzung (Dispositivziffer 5) und dass die Kosten 

der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung der 

Privatklägerinnen 1 und 2 auf die Gerichtskasse genommen werden (Dispositiv-

ziffern 7 und 8). Schliesslich ist auch die Feststellung der Vorinstanz nicht ange-

fochten, wonach der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 1 aus dem einge-

klagten Ereignis dem Grundsatz nach schadenersatzpflichtig ist, wobei diese zur 

genauen Feststellung des Umfangs des Schadenersatzanspruchs auf den Weg 

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des Zivilprozesses verwiesen wurde (Dispositivziffer 11). Die Rechtskraft ist vorab 

mittels Beschluss festzustellen (Art. 399 Abs. 3 StPO in Verbindung mit Art. 402 

und 437 StPO). 

2.3. Die Vorinstanz ist auf verschiedene Vorwürfe, welche der Beschuldigte vor 
dem 5. Oktober 1991 begangen haben soll, infolge Verjährung nicht eingetreten 

(Urk. 73 S. 76). 

2.3.1. Was die zeitliche Einordnung dieses Entscheides betrifft, ging die Vor-
instanz von der falschen Prämisse aus, dass das revidierte Verjährungsrecht am 

5. Oktober 1991 in Kraft getreten sei (Urk. 73 S. 5). Das fragliche Bundesgesetz 

datiert zwar vom 5. Oktober 1991, doch trat es erst per 1. Oktober 1992 in Kraft 

(vgl. dazu BSK StGB I, 3. Auflage 2013, Ph. Maier, Art. 187 N 52).  

2.3.2. Zudem hätte die Vorinstanz gestützt auf Art. 329 Abs. 4 StPO auf die  
verjährten Vorwürfe - statt eines Nichteintretens - einen Einstellungsbeschluss  

erlassen müssen. 

2.3.3. Nachdem der Vorbeschluss der Vorinstanz von keiner Seite angefochten 
wurde und die Verjährungsfrage nachfolgend nochmals zu überprüfen ist, kann 

der Vorbeschluss als rechtskräftig erklärt werden. 

3. Anklagekorrektur 

3.1. Anlässlich der Berufungsverhandlung wurde die Anklage an zwei Stellen  
geändert: Einerseits wurde auf S. 5 der Anklageschrift (Urk. 20) zum Nachteil der 

Privatklägerin 1 B._____ "Ziffer 1-7", mehrfache sexuelle Nötigung, durch "Ziffer 

5-7" ersetzt, da die Vorwürfe der sexuellen Handlungen zulasten der  

Privatklägerin 1 zeitlich nach den Schändungsvorwürfen (Ziffern 1- 4, S. 4f. der 

Anklageschrift) einzuordnen sind (Prot. II S. 10). Weiter wurde auf S. 7 der  

Anklageschrift der Text "Ziffern 1-4"; mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern 

zum Nachteil der Privatklägerin 2 C._____, dahingehend geändert, dass der Zeit-

raum von ursprünglich "rund 2 - bis 11-jährig" auf "rund 5- bis 11-jährig" einge-

schränkt wurde (Prot. II S. 10f.). 

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3.2. Die Verteidigung rügte, dies sei nicht zulässig, weil so eine Verletzung des 
Anklageprinzips vorliege (Urk. 97 S. 17). 

3.3. Es handelt sich bei den fraglichen Zeitangaben um offenkundige Versehen 
der Staatsanwaltschaft. Dies ergibt sich in Bezug auf die Änderung der Anklage-

vorwürfe zum Nachteil der Privatklägerin 1 B._____ schon daraus, dass die unter 

"Ziffer 1-7" auf S. 5 der Anklageschrift aufgeführte Altersangabe (5-11-jährig) nicht 

mit den einzeln aufgeführten Vorwürfen gemäss Ziff. 1-4 auf S. 2f. der Anklage-

schrift übereinstimmt, wonach die Privatklägerin 1 bei diesen Vorfällen bis fünfjäh-

rig gewesen sein soll. Hinsichtlich der Vorwürfe der mehrfachen sexuellen Hand-

lungen zulasten der Privatklägerin 2 C._____ zeigt sich die Offenkundigkeit des 

Versehens darin, dass die Staatsanwaltschaft im Vorspann zu jenen Delikten, 

welche dem Beschuldigten zum Nachteil der Privatklägerin 2 vorgeworfen wer-

den, den Deliktszeitraum auf "ca. 1995 bis ca. Sommer 2002" (Anklage S. 5 un-

ten) festlegte. Die Privatklägerin 2 wurde am tt.mm.1990 geboren. Hätte der Be-

schuldigte gegen die Privatklägerin 2 Delikte verübt haben sollen, als sie zweijäh-

rig war, fielen solche aus dem festgelegten Zeitraum "ca. 1995 bis  

ca. Sommer 2002". Mithin handelt es sich um zwei offenkundige Versehen,  

welche gemäss Art. 79 StPO korrigiert werden können. 

3.4. Ferner lässt - dies entgegen der Ansicht der Verteidigung - auch Art. 333 
StPO in Verbindung mit Art. 379 StPO eine Änderung der Anklage selbst noch im 

Berufungsverfahren zu, sofern - wie vorliegend - die Verteidigungsrechte des  

Beschuldigten gewahrt wurden. 

3.5. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass die vorgenommene Änderung eine 
solche ist, die sich zugunsten des Beschuldigten auswirkt, indem jener Zeitraum, 

in welchem er sexuelle Handlungen zum Nachteil der Privatklägerin 2 begangen 

haben soll, kleiner wird. Der Beschuldigte ist mir dieser Änderung somit auch 

nicht beschwert. 

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4. Verjährungsproblematik 

4.1. Bezüglich der Privatklägerin 1, B._____ (geb. tt.mm.1987), umreisst die An-
klageschrift (im Vorspann) den Tatzeitraum ganz allgemein "vom  

tt.mm.1989 bis ca. Ende Juni / Juli 1998": 

4.1.1. Die Schändungen sollen ab dem zweiten Geburtstag begonnen und ange-
dauert haben, bis die Privatklägerin 1 "mindestens 5 jährig" gewesen sei. Mit an-

deren Worten behauptet die Anklage, der Beschuldigte habe die Privatklägerin 1 

vom tt.mm.1989 bis etwa tt.mm.1992 geschändet. 

4.1.2. Die sexuellen Nötigungen soll der Beschuldigte an der Privatklägerin 1 
nach der Anklagekorrektur verübt haben, als diese ca. fünf- bis elfjährig gewesen 

sei. Dies bedeutet, dass die behaupteten sexuellen Nötigungen ungefähr anfangs 

September 1992 begonnen und um den tt.mm.1998 aufgehört hätten. Allerdings 

ist die zeitliche Umschreibung in der Anklageschrift aus verständlichen Gründen 

recht vage ("damals zirka 5-jährig"). Zugunsten des Beschuldigten ist bei dieser 

Sachlage davon auszugehen, dass die ersten sexuellen Nötigungen zum Nachteil 

der Privatklägerin 1 anfangs Oktober 1992 begonnen haben (immer vorbehältlich, 

ob dies dem Beschuldigten effektiv auch nachgewiesen werden kann). Im Vor-

spann der Anklage heisst es, der Beschuldigte habe die Delikte zum Nachteil der 

Privatklägerin 1 bis (längstens) Juli 1998 begangen. Dies führt dazu, dass für die 

Verjährungsfrage bezüglich der behaupteten sexuellen Nötigungen zum Nachteil 

der Privatklägerin 1 von folgendem Zeitraum auszugehen ist: Anfangs Oktober 

1992 bis Ende Juli 1998. 

4.1.3. Die sexuellen Handlungen mit Kindern zum Nachteil der Privatklägerin 1 
platziert die Anklagebehörde zeitlich auf die "rund 2- bis 11-jährige" B._____. Dies 

würde bedeuten, dass diese Delikte zwischen dem tt.mm.1989 und (so der Vor-

spann) Ende Juli 1998 begangen worden wären. 

4.2. Bezüglich der Privatklägerin 2, C._____ (geb. tt.mm.1990), umreisst  
die Staatsanwaltschaft im Vorspann den Deliktszeitraum auf "ca. 1995 bis  

ca. Sommer 2002": 

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4.2.1. Die sexuellen Nötigungen soll der Beschuldigte an der "ca. 5- bis  
12-jährigen" Privatklägerin 2 verübt haben. C._____ wurde am tt.mm.1995 fünf-

jährig. Angesichts der vagen Anklageformulierung ist zugunsten des Beschuldig-

ten davon auszugehen, dass solche behaupteten Übergriffe nicht vor dem fünften 

Geburtstag der Privatklägerin stattgefunden haben, mithin frühestens am  

tt.mm.1996. Sie war am tt.mm.2002 zwölfjährig, doch geht die Staatsanwaltschaft 

im Vorspann von einem Deliktszeitraum bis "ca. Sommer 2002" aus. Der kalenda-

rische bzw. astronomische Herbst, welcher den Sommer abschliesst, beginnt je-

weils am 22. September. Deshalb ist hier für die Prüfung der Verjährungsfrage 

(ob die behaupteten Übergriffe dann auch beweismässig erstellt werden können, 

ist weiter hinten einzugehen) von einem Deliktszeitraum vom tt.mm.1996 bis 

(längstens) 21. September 2002 auszugehen. 

4.2.2. Aufgrund der Anklagekorrektur werden dem Beschuldigten sexuelle Hand-
lungen mit Kindern an der "rund fünf- bis 11-jährigen" Privatklägerin 2 vorgewor-

fen. Vorstehend wurde bereits ausgeführt, wie hier "rund fünfjährig" auszulegen 

ist, nämlich zugunsten des Beschuldigten mit frühestens tt.mm.1996. Elfjährig war 

die Privatklägerin am tt.mm.2001. Die behaupteten sexuellen Handlungen zum 

Nachteil der Privatklägerin 2 sind daher in den Zeitraum tt.mm.1996 bis 

tt.mm.2001 zu platzieren. 

4.3. Allgemeines zum Verjährungsrecht 

4.3.1. Das Sexualstrafrecht wurde im Jahre 1991 revidiert; die revidierte Fassung 
trat am 1. Oktober 1992 in Kraft. In der Fassung, gültig ab 1. Oktober 1992, wurde 

in der damaligen Ziffer 5 von Art. 187 StGB festgelegt, dass - in Abweichung von 

den üblichen Verjährungsnormen - die relative Verjährungsfrist fünf Jahre  

betrage. Die genannte Ziff. 5 wurde durch Ziff. I des Bundesgesetzes vom  

21. März 1997 (AS 1997 1626; BBl 1996 IV 1318 1322) aufgehoben. Die neuen 

Bestimmungen traten am 1. September 1997 in Kraft. Somit betrug die relative 

Verjährungsfrist für das Verbrechen der sexuellen Handlungen mit Kindern  

gemäss der damaligen Ziff. 5 von Art. 187 StGB für den Zeitraum vom 1. Oktober 

1992 bis 31. August 1997 fünf Jahre; die absolute Verjährungsfrist betrug für  

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Delikte, die in diesem Zeitraum begangen wurden, 7 ½ Jahre (vgl. dazu Entscheid 

des Bundesgerichts 6S.432/2006 vom 18.12.2006, Erw. 2.1 und 2.2.). 

4.3.2. Auf den 1. September 1997 wurde die vorgenannte Ziff. 5 des damals  
gültigen Art. 187 StGB aufgehoben und gleichzeitig mit einer neuen Ziff. 6  

ergänzt. Diese Ziff. 6 galt bis 30. September 2002. Somit betrug die Verjährungs-

frist in der Zeit zwischen 1. September 1997 und 30. September 2002 grund-

sätzlich 10 Jahre (seit der Tat). Diese Verjährungsfrist galt allerdings rückwirkend 

auch für Taten, deren Verjährung - unter Berücksichtigung der fünfjährigen Frist 

von Ziff. 5 des früheren Art. 187 StGB - am 1. September 1997 noch nicht einge-

treten war. Dies heisst, dass für alle Taten, die am 1. September 1997 noch nicht 

verjährt waren, die zehnjährige Verjährungsfrist gemäss Ziff. 6 der damals  

gültigen Fassung von Art. 187 StGB galt. Grundsätzlich galt daher ab dem  

1. September 1997 für sexuelle Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 

Ziff. 1 StGB, entsprechend den allgemeinen Regeln, die ordentliche relative  

Verjährungsfrist von 10 Jahren (vgl. dazu auch BGE 127 IV 88). 

4.3.3. Die vorstehend erwähnte, ab dem 1. September 1997 geltende spezielle 
Regelung der zehnjährigen Verfolgungsverjährung in Ziff. 6 von Art. 187 StGB 

wurde durch Ziff. I des Bundesgesetzes vom 5. Oktober 2001 (Verjährung der 

Strafverfolgung im Allgemeinen und bei Sexualdelikten an Kindern) aufgehoben. 

Die neue Regelung trat auf den 1. Oktober 2002 in Kraft und galt für alle Straf-

taten, die zu jenem Zeitpunkt noch nicht verjährt waren (vgl. dazu Trechsel/ 

Bertossa, StGB Praxiskommentar, 2. Auflage, Zürich/St. Gallen 2013, N 19 zu  

Art. 187 StGB). Bei dieser Revision wurden die damals geltenden Verjährungs-

bestimmungen (Art. 70 - 72 StGB) geändert. Diese revidierten Bestimmungen 

wurden inhaltlich unverändert in die ab 1. Januar 2007 geltenden Art. 97 und  

98 StGB überführt. Die grundsätzlich seit dem 1. Oktober 2002 geltenden  

Bestimmungen brachten folgende Änderungen: 

4.3.3.1. Gesetzgeberischer Leitgedanke war es, das als unnötig kompliziert  
erkannte und teils unbillige Ergebnisse zeitigende Verjährungsrecht zu ent-

schlacken und von seinen Mängeln zu befreien. Dies geschah durch folgende 

Neuerungen (vgl. Chr. Riedo/M. Zurbrügg, Der Jetlag dauert an oder Neue  

- 15 - 

Unwägbarkeiten im Recht der strafrechtlichen Verjährung, in AJP/PJA 2009,  

S. 372 - 380, 372; zum Nachfolgenden Martin Schubarth, Das neue Recht der 

strafrechtlichen Verjährung, in: ZStrR 2002, 321-339, 330 f.; Christian Denys, 

Prescription de l'action pénale: Les nouveaux art. 70, 71, 109 et 333 al. 5 CP, in: 

SJ 2003 II 49 - 66, 50 f; Christof Riedo/Oliver M. Kunz, Jetlag oder Grund-

probleme des neuen Verjährungsrechts, in: AJP/PJA 2004, 904-916 , 904): 

• Die in Art. 72 aStGB geregelten Institute des Ruhens und des Unter-

brechens der Verfolgungsverjährung wurden aufgehoben. Damit einher-

gehend fiel die Unterscheidung zwischen relativer und absoluter Verjäh-

rungsfrist dahin. 

• Die durch die Aufhebung von Art. 72 aStGB erfolgte faktische Verkürzung 

der (absoluten) Verjährung wurde durch eine Verlängerung der Verjäh-

rungsfristen in Art. 70 aStGB (heute Art. 97 StGB) abgefedert. 

• Schliesslich wurde der als unbillig empfundenen Möglichkeit, sich durch 

das Einlegen von Rechtsmitteln in die Verjährung zu retten, der Riegel  

geschoben: Die Verjährung kann nicht mehr eintreten, sobald ein erstin-

stanzliches Urteil ergangen ist (Art. 70 Abs. 3 aStGB; heute Art. 97 Abs. 3 

StGB). 

4.3.3.2.  Die sich aus diesen Neuerungen ergebenden übergangsrechtlichen 
Fragen regelte Art. 337 aStGB und heute Art. 389 StGB, wonach die Bestimmun-

gen des neuen Verjährungsrechts auch auf den Täter anwendbar sind, der vor  

Inkrafttreten des neuen Rechts eine Tat verübt hat, sofern das neue Recht das 

mildere ist und das Gesetz nichts anderes bestimmt. Damit wird der für das  

materielle Strafrecht geltende Grundsatz der lex mitior (Art. 2 Abs. 2 StGB) auch 

für die Verjährung festgeschrieben. Allerdings - und dies ist vorliegend von  

Bedeutung - gibt es besondere Übergangsbestimmungen, insbesondere bei  

bestimmten Straftaten zum Nachteil von Kindern unter 16 Jahren (Art. 70 Abs. 2 

und 4 aStGB; Art. 97 Abs. 2 und 4 StGB). Diese Bestimmungen gehen als lex 

specialis den allgemeinen Bestimmungen vor (vgl. dazu BSK StGB-II, Chr. Riedo, 

https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=AJPx2004x904x916&AnchorTarget=AJPx2004x916
https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=AJPx2004x904x916&AnchorTarget=AJPx2004x904
https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx311x0xA97&AnchorTarget=
https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx311x0&AnchorTarget=
https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx311x0xA97&AnchorTarget=
https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx311x0&AnchorTarget=
https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx311x0xA389&AnchorTarget=
https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx311x0&AnchorTarget=
https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx311x0xA2&AnchorTarget=
https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx311x0&AnchorTarget=
https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx311x0xA97&AnchorTarget=
https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx311x0&AnchorTarget=

- 16 - 

3. Auflage, Basel 2013, Art. 389 N 13-17) bzw. Art. 337 aStGB und Art. 389 StGB 

finden in diesem Bereich keine Anwendung. 

4.3.3.3. Gemäss Art. 70 Abs. 2 aStGB bzw. Art. 97 Abs. 2 StGB dauert die Ver-
folgungsverjährung bei sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 

StGB mindestens bis zum vollendeten 25. Lebensjahr des Opfers. Die Verjährung 

der Strafverfolgung von sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 

StGB bemisst sich - so Abs. 4 von Art. 70 aStGB bzw. Art. 97 StGB - nach den 

Absätzen 1 - 3 von Art. 70 aStGB bzw. Art. 97 StGB, wenn die Straftat vor dem 

Inkrafttreten der Änderung vom 5. Oktober 2001 begangen worden ist und die 

Verfolgungsverjährung zu jenem Zeitpunkt noch nicht eingetreten war (BSK 

StGB-II, Riedo, a.a.O., N 14 und 17 zu Art. 389 StGB). Mit anderen Worten hält 

Art. 70 Abs. 2 aStGB bzw. Art. 97 Abs. 2 StGB als lex specialis eine von den  

allgemeinen Bestimmungen abweichende Regelung der Verfolgungsverjährung 

fest; zudem soll mit der speziellen Übergangsbestimmung von Abs. 4 der Art. 70 

aStGB bzw. Art. 97 StGB - eigentlich analog zur Regelung im mit der Revision 

vom 5. Oktober 2001 aufgehobenen Art. 187 Ziff. 6 StGB - bewirkt werden, dass 

die neue "Verjährungsmechanik" unter anderem auf Art. 187 StGB auch dann 

Anwendung findet, wenn die sexuelle Handlung mit einem Kind zwar noch vor  

Inkrafttreten der Revision vom 5. Oktober 2001, das heisst konkret vor dem  

1. Oktober 2002, begangen wurde, zu diesem Zeitpunkt nach altem Recht aber 

noch nicht verjährt war (BSK StGB-I, P. Müller, 3. Auflage, Basel 2013, N 31 zu 

Art. 97 StGB). 

4.3.3.4. Zu berücksichtigen ist sodann die mit der Volksabstimmung vom  
30. November 2008 erfolgte Ergänzung der Bundesverfassung (Art. 123b BV), 

welche mit dem Bundesgesetz vom 15. Juni 2012 (BBl 2012 5933) umgesetzt 

wurde. Gemäss Art. 101 Abs. 1 lit e i.V. mit Abs. 3 StGB, in Kraft getreten am  

1. Januar 2013, sind diverse Sexualdelikte unverjährbar, wenn sie an Kindern  

unter 12 Jahren begangen wurden und am 30. November 2008, dem Datum der 

Annahme von Art. 123b BV in der Volksabstimmung und des Inkrafttretens dieser 

Verfassungsnorm (vgl. Art. 195 BV) nach dem bis zu jenem Zeitpunkt geltenden 

- 17 - 

Recht noch nicht verjährt waren (vgl. dazu Weder in Donatsch / Flachsmann / 

Hug / Weder, Kommentar StGB, 19. Auflage, Zürich 2013, StGB 187 N 35). 

4.4. Konkrete Umsetzung auf vorliegenden Fall 

4.4.1. Die Anklageschrift wirft dem Beschuldigten diverse sexuelle Handlungen 
zum Nachteil von zwei Kindern vor, welche er begangen haben soll, bevor diese 

Kinder das 12. Altersjahr erreichten. Diese Delikte sind aber nur dann unverjähr-

bar, wenn sie nach dem am 30. November 2008 geltenden Recht noch nicht  

verjährt waren. 

4.4.2. Wann vorliegend die Verjährung zu laufen begann, ist gestützt auf die  
Art. 71 aStGB bzw. 98 StGB zu entscheiden, zumal diese Bestimmung die  

verschiedenen Revisionen materiell unverändert überstanden hat. Wie gesehen 

soll der Beschuldigte die behaupteten Delikte gegen die Privatklägerin 1 zwischen 

dem tt.mm.1989 und längstens bis tt.mm.1998 begangen haben, gegen die Pri-

vatklägerin 2 zwischen anfangs 1996 und ca. Sommer 2002. Die Privat-

klägerinnen zeigten den Beschuldigten am 4. April 2011 bei der Polizei an.  

4.4.3. Der Vertreter der Privatklägerin 1 hat anlässlich der Berufungsverhandlung 
unter Verweis auf zwei Bundesgerichtsentscheide moniert, es handle sich hier um 

eine verjährungsrechtliche Einheit im Sinne von Art. 71 Abs. 2 aStGB (Urk. 100  

S. 7). Hinzuweisen ist an dieser Stelle, dass das Bundesgericht die Rechtsfigur 

des fortgesetzten Delikts vor langer Zeit aufgegeben hat (BGE 116 IV 121 und 

117 IV 408). Es sprach dann von einer verjährungsrechtlichen Einheit (sog. "Ein-

heitsdelikt"). Das Bundesgericht hat die Rechtsfigur des Einheitsdelikts aber mit 

Entscheid 131 IV 83, E. 2.4 S. 90 ff. ebenfalls über Bord geworfen. Mit dieser 

Praxisänderung wurde der Anwendungsbereich von Art. 98 lit. b StGB bzw.  

Art. 71 Abs. 2 aStGB entscheidend eingeschränkt: Unter diese Bestimmung fallen 

nunmehr nur noch Fälle von tatbestandlicher und natürlicher Handlungseinheit. 

Vorliegend fällt eine tatbestandliche Handlungseinheit ohnehin nicht in Betracht. 

Gemäss Bundesgericht (BGE 131 IV 83, E. 2.4.5. S. 94) ist dann von einer natür-

lichen Handlungseinheit auszugehen, wenn mehrere Delikte "auf einem einheitli-

chen Willensakt beruhen und wegen des engen räumlichen und zeitlichen  

- 18 - 

Zusammenhangs bei objektiver Betrachtung noch als ein einheitliches zusam-

mengehörendes Geschehen erscheinen". Eine natürliche Handlungseinheit darf 

allerdings nur mit Zurückhaltung angenommen werden, will man nicht das fortge-

setzte Delikt oder die verjährungsrechtliche Einheit unter einer anderen Bezeich-

nung wieder einführen. In Betracht zu ziehen wäre hier auch ein Dauerdelikt, was 

aber aufgrund von Literatur und Praxis nicht zur Anwendung kommen kann.  

Bleibt die Frage zu prüfen, ob von einer natürlichen Handlungseinheit auszu-

gehen ist: Das Bundesgericht hatte sich bereits verschiedentlich zur Frage der  

natürlichen Handlungseinheit bei sexuellen Übergriffen gegenüber Kindern  

geäussert. Im Entscheid 6S.397/2005 vom 13. November 2005 hatte das  

Bundesgericht einen Fall zu beurteilen, bei dem der Beschuldigte ein (zu Beginn 

der Übergriffe) zehnjähriges Mädchen in der Zeit von 1989 bis 1994 teils wöchent-

lich, teils während den Ferien, teils alle zwei Monate sexuell missbraucht hatte. In 

diesem Fall hat das Bundesgericht entschieden, dass ein über Jahre andauernder 

sexueller Missbrauch eines Kindes weder als tatbestandliche noch als natürliche 

Handlungseinheit eingestuft werden könne (Entscheid 6S.397/2005 vom 

13. November 2005, E. 2.3). Im Entscheid 6S.158/2005 vom 9. Juni 2006 hatte 

das Bundesgericht dieselbe Frage zu prüfen bei einem Täter, der sich im Zeit-

raum von 1985 bis im Januar 1994 mehrfach sexuell an seiner Tochter vergangen 

hatte. Auch in diesem Fall verneinte das Bundesgericht sowohl tatbestandliche 

als auch natürliche Handlungseinheit. Die Verjährung beginne - so das Bundes-

gericht - für die einzelnen Handlungen separat zu laufen, was dazu führte, dass 

ein Teil der Taten verjährt war. Demzufolge ist in casu nicht von einer natürlichen 

Handlungseinheit auszugehen. 

4.4.4. Nachdem - wie erläutert - weder eine tatbestandliche noch natürliche Hand-
lungseinheit noch ein Dauerdelikt vorliegt, sind die einzelnen Handlungen bezüg-

lich Eintritt der Verjährung separat zu prüfen (vgl. auch Weder, a.a.O. Art. 187 

StGB N 34). 

 

 

- 19 - 

4.5. Handlungen zum Nachteil der Privatklägerin 1: 

4.5.1. Was die sexuelle Handlungen mit Kindern betrifft, so fanden diese vom  
tt.mm.1989 bis ca. Ende Juni / Juli 1998 statt. Bis 1. Oktober 1992 waren diese 

Delikte als Unzucht mit Kindern nach Art. 191 Ziff. 2 aStGB zu subsumieren. De-

ren relative Verjährungsfrist betrug nach Art. 70 Abs. 3 aStGB 10 Jahre. Durch die 

neue Bestimmung von Art. 187 Ziff. 5 StGB in der Fassung vom  

21. Juni 1991, welche vom 1. Oktober 1992 bis 1. September 1997 in Kraft war, 

wurde die Verjährungsfrist auf 5 Jahre verkürzt. Diese Regelung ist milder und 

daher zugunsten des Beschuldigten für die sexuelle Handlungen mit Kindern, 

welche vor dem 1. September 1997 begangen wurden, anzuwenden. Daraus 

ergibt sich, dass für die sexuellen Handlungen mit Kindern, die vor dem  

1. September 1992 (d.h. 1. September 1997 abzüglich 5 Jahre) begangen  

wurden, die Verjährung bereits eintrat.  

 Für die Beurteilung der Verjährung mit Bezug auf die nach dem 1. Septem-

ber 1997 begangenen sexuellen Handlungen mit Kindern richtete sich die Verjäh-

rung bis zum 30. September 2002 nach der damals geltenden neuen Ziff. 6 von 

Art. 187 aStGB, welche 10 Jahre betrug. Dies ergibt, dass sämtliche sexuellen 

Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 StGB , welche zum Nachteil der 

Privatklägerin 1 vor dem 30. September 1992 begangen wurden, verjährt sind. 

 Am 1. Oktober 2002 trat das neue Verjährungsrecht in Kraft. Gemäss Art. 70 

Abs. 2 aStGB bzw. Art. 97 Abs. 2 StGB dauert die Verfolgungsverjährung bei  

sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 StGB mindestens bis 

zum vollendeten 25. Lebensjahr des Opfers. Gemäss Art. 70 Abs. 4 aStGB bzw. 

Art. 97 Abs. 4 StGB durften indessen die Taten im Zeitpunkt der Änderung des 

Verjährungsrechts vom 5. Oktober 2001, welche am 1. Oktober 2002 in Kraft trat, 

nach altem Recht noch nicht verjährt sein. Für die Zeit vor dem 1. Oktober 2002 

richtet sich die Verjährung damit nach altem Recht. Die Privatklägerin wurde zwar 

erst nach der Anzeigeerstattung, welche am 4. April 2011 erfolgte, 25-jährig.  

Indessen galt für die Zeit vor dem 1. Oktober 2002 noch die 10-jährige Verjäh-

rung. Dies bedeutet, dass die sexuellen Handlungen, welche vor dem 1. Oktober 

- 20 - 

1992 begangen wurden, auch nach Berücksichtigung dieser Änderung des  

Verjährungsrechtes bereits verjährt waren.  

 Die nächste Zäsur in verjährungsrechtlicher Hinsicht war der 1. Oktober 

2002. Die dann in Kraft gesetzte Regelung galt bis zum 31. Dezember 2012.  

Gemäss Art. 97 Abs. 1 lit. b StGB betrug die Verjährungsfrist für sexuelle Hand-

lungen mit Kindern zwischen dem 1. Oktober 2002 und dem 31. Dezember 2012 

15 Jahre. Diese neue Regelung galt grundsätzlich für alle Straftaten, die am  

1. Oktober 2002 noch nicht verjährt waren. Wie vorstehend gezeigt, waren die 

 sexuellen Handlungen, welche der Beschuldigte vor dem 1. Oktober 1992  

begangen hatte, auch nach Berücksichtigung der Änderung des Verjährungs-

rechtes vom 1. Oktober 2002 am 1. Oktober 2002 bereits verjährt. Dies heisst 

aber auch, dass dieselben Delikte auch am 30. November 2008 (so in Art. 101 

Abs. 3 StGB) verjährt waren. Weil dies so ist, greift hier die Unverjährbarkeits-

regelung von Art. 101 Abs. 3 StGB nicht. 

4.5.2. Zu den sexuellen Nötigungen, welche im Zeitraum zwischen Ende August 
1992 und Ende August 1998 verübt wurden, gilt gestützt auf die oben geschilder-

te, auch für diesen Tatbestand geltende und am 1. Oktober 2002 in Kraft ge-

tretene Verjährungsordnung dasselbe. Damit sind auch diesbezüglich sämtliche 

Taten verjährt, die der Beschuldigte zum Nachteil der Privatklägerin 1 vor dem  

1. Oktober 1992 verübt hat. 

4.5.3. Die mehrfachen Schändungen ereigneten sich gemäss der Anklage im Zeit-
raum Ende August 1989 und Ende August 1992. Für diese Taten galt aufgrund 

der massgeblichen Strafandrohung - wie oben dargestellt - die 10-jährige Verjäh-

rungsfrist. Auch diesbezüglich sind in Anwendung von Art. 70 Abs. 2 und 4 aStGB 

bzw. Art. 97 Abs. 2 und 4 StGB die vor dem 1. Oktober 1992 verübten Taten ver-

jährt, womit sämtliche eingeklagten Schändungen zum Nachteil der Privatklägerin 

1 nicht mehr zur Diskussion stehen. 

 

 

- 21 - 

4.6. Handlungen zum Nachteil der Privatklägerin 2:  

Die sexuellen Handlungen mit Kindern sollen gemäss Anklage - wie oben gese-

hen - zwischen Anfang 1996 bis zirka Sommer 2002 stattgefunden haben. Für die 

Taten vor dem 1. September 1997 betrug die (relative) Verjährungsfrist 5 Jahre. 

Damit steht schon fest, dass keine Delikte verjährt sind. Dasselbe gilt mit Bezug 

auf die sexuellen Nötigungen, zumal die Verjährungsfristen für diese Delikte noch 

länger waren. Letztlich sind diese Taten heute unverjährbar.  

5. Antrag auf Einholung eines Glaubhaftigkeitsgutachtens über B._____ 

5.1. Die Verteidigung hat den Antrag gestellt, es sei ein Glaubhaftigkeitsgutachten 
über B._____ zu erstellen, insbesondere auch zur Frage, ob das Borderline - 

Syndrom auf das Aussageverhalten und die Glaubhaftigkeit der Aussagen der 

Privatklägerin 1 Einfluss gehabt habe. Die Staatsanwaltschaft und der  

Vertreter der Privatklägerin 1 haben Abweisung dieses Antrags beantragt (Prot. II 

S. 17f.). 

5.2. Die Prüfung der Glaubhaftigkeit von Aussagen ist - so auch das Bundes-
gericht im Entscheid 6B_667/2013 vom 20.2.2014) - Teil der Beweiswürdigung 

und ureigenste Aufgabe des Gerichts. Die Begutachtung dränge sich nur bei  

besonderen Umständen auf, wenn schwer interpretierbare Äusserungen eines 

Kleinkinds zu beurteilen seien, bei Anzeichen ernsthafter geistiger Störungen, 

welche die Aussage beeinträchtigen können, oder wenn Anhaltspunkte für  

eine Beeinflussung durch Drittpersonen bestünden (Urteil 6B_681/2012 vom  

12. März 2013 E. 3.2.; BGE 129 IV 179 E. 2.4; 128 I 81 E. 2 S. 86). 

5.3. Wendet man diese Kriterien auf vorliegenden Fall an, ergibt sich folgendes: 

Es ist ohne weiteres einsichtig, dass keine Aussagen eines Kleinkindes zu  

beurteilen sind. Im Zeitpunkt der Anzeigeerstattung (April 2011) war die Privat-

klägerin 1 knapp 24 Jahre alt. 

Zwar wurde seitens der Verteidigung sinngemäss geltend gemacht, die Privat-

klägerin 1 habe nicht frei - quasi von sich aus - Aussagen gemacht. Es sei schon 

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- 22 - 

früh über allfällige Missbräuche unter den Privatklägerinnen und deren Mutter, 

aber auch im Umfeld der Privatklägerinnen gesprochen worden. Mithin wird - 

sinngemäss - ins Feld geführt, dass die Privatklägerin 1 bei ihren Aussagen von 

Drittpersonen beeinflusst worden sei. Es ist aktenkundig, dass sich die Privat-

klägerin ab ca. 2006 an verschiedene Leute, vorab Therapeutinnen und Ärzte, 

gewandt hat. Es liegen zahlreiche Berichte und Gutachten, aber auch Zeugenbe-

fragungen von Therapeutinnen, vor. Daraus ergibt sich nichts, was auf eine  

Beeinflussung nur schon zur Anzeigeerstattung, geschweige denn auf eine Beein-

flussung, was die Privatklägerin 1 auszusagen habe oder solle, hindeuten würde. 

Es ist einzuräumen, dass die beiden Privatklägerinnen vor ihrer Anzeigeerstattung 

darüber gesprochen haben, ob sie überhaupt Anzeige erstatten sollen, war es 

doch so, dass die Privatklägerin 1 längere Zeit eher keine Anzeige erstatten  

wollte, die Privatklägerin 2 aber schon. Dies heisst, dass zweifelsohne Gespräche 

über den Zeitpunkt der Anzeigeerstattung stattfanden, was aber nicht heisst, dass 

die Privatklägerin 1 im Zeitpunkt ihrer Aussagen unter dem Einfluss der Privat-

klägerin 2 oder anderer Personen stand, die Privatklägerin 1 also nicht eigen-

ständige Aussagen gemacht hätte. 

Aufgrund der Akten kann als erstellt gelten, dass die Privatklägerin 1 tatsächlich 

verschiedene gesundheitliche Probleme hatte und hat. Es liegen verschiedene 

Berichte und Gutachten, auch im Hinblick auf die Invalidisierung der Privat-

klägerin 1, bei den Akten. Es ist davon auszugehen, dass die Privatklägerin 1 

zeitweise an einem Borderline-Syndrom litt. Aus all den bei den Akten liegenden 

Berichten der Therapeutinnen (die auch als Zeuginnen befragt wurden) sowie den 

verschiedenen Gutachten ergibt sich aber nichts, dass die Privatklägerin 1 im 

Zeitpunkt der Anzeigeerstattung oder ihrer Aussagen bei der Polizei oder Staats-

anwaltschaft an einer ernsthaften geistigen Störung gelitten hätte. 

Dies führt zur Abweisung des Beweisantrages. 

6. Mangelnde Konfrontation mit Urk. 3/4  

6.1. Der Verteidiger des Beschuldigten machte vor Vorinstanz geltend, der  
Beschuldigte sei im Rahmen der Untersuchung nicht mit den von der Privat-

- 23 - 

klägerin 1 eingereichten und unter Urk. 3/4 zu den Akten genommenen Dokumen-

ten konfrontiert worden. Daraus ergebe sich, dass die betreffenden Schriftstücke 

nicht zu Ungunsten des Beschuldigten verwendet werden dürften (Urk. 59 S. 3).  

6.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 3. April 2014 wurde dem Beschul-
digten Urk. 3/4 zur Einsicht vorgelegt und er nahm dazu Stellung (Prot. II S. 18, 

Urk. 96 S. 25f.). Damit wurde dem Beschuldigten das rechtliche Gehör gewährt 

und ein allfälliger Mangel geheilt. 

 

II. Sachverhalt 

Vorab ist festzuhalten, dass der Beschuldigte im Berufungsverfahren die gleichen 

Sachverhalte anerkennt, bestreitet oder teilweise bestreitet wie schon vor Vor-

instanz. Der Verteidiger des Beschuldigten verweist denn auch in seiner Berufung 

auf die Plädoyernotizen vor erster Instanz (Urk. 74 S. 2). Die Vorinstanz hat sich 

ausführlich mit den Vorbringen des Beschuldigten zu sämtlichen Sachverhalten 

befasst. Zusammengefasst ist von folgender Ausgangslage auszugehen: 

1. Ausgangslage 

1.1. Der Beschuldigte hat sowohl in der Untersuchung als auch vor Vorinstanz 
den Vorwurf betreffend mehrfache Pornographie anerkannt. Der entsprechende 

vorinstanzliche Schuldspruch ist rechtskräftig. 

1.2. Der anklagebildende Sachverhalt in Bezug auf die Delikte zum Nachteil der 
Privatklägerinnen 1 und 2 gilt insoweit als erstellt (und wird vom Beschuldigten 

auch anerkannt; Urk. 96 S. 13 f.), als dass der Beschuldigte rund alle zwei Mona-

te die Privatklägerin 1 oder die Privatklägerin 2 mit der flachen Hand am Genital-

bereich gestreichelt hat, die Privatklägerin 1 im Zeitraum 1993 bis 1998 und die 

Privatklägerin 2 in den Jahren 1997 und 1998 bzw. 1999 (Urk. 5/3 S. 9; Urk. 5/4 

S. 8; Urk. 52 S. 13 ff.; Urk. 59 S. 5, Urk. 96 S. 13, Urk. 97 S. 4f.).  

- 24 - 

1.3. In Bezug auf sämtliche über diese Handlungen hinausgehenden eingeklagten 
Verhaltensweisen sowie in Bezug auf die Kadenz der Übergriffe, welche von  

beiden Privatklägerinnen - abweichend als vom Beschuldigten eingestanden -  

geschildert werden, ist der Sachverhalt - soweit die vorgeworfenen Delikte nicht 

verjährt sind (vgl. Ziff. I. 4.) - zu erstellen.  

2. Beweiswürdigung 

2.1. Somit ist im Folgenden zu prüfen, ob die eingeklagten Sachverhalte aufgrund 
der Akten rechtsgenügend nachgewiesen werden können. Es ist dabei jedoch 

festzuhalten, dass - wie bereits unter Ziff. I. 4. ausgeführt - einige Anklagevorwür-

fe verjährt sind und es bei der Privatklägerin 1 (B._____) noch um die  

Anklagevorwürfe der mehrfachen sexuellen Nötigung und der mehrfachen sexuel-

len Handlungen ab 1. Oktober 1992 bis Ende Juni/Juli 1998 geht und bei der  

Privatklägerin 2 (C._____) - wobei bei den Delikten zu ihrem Nachteil die Verjäh-

rung nicht gegriffen hat (vgl. Ziff. I. 4.6.) - um die Vorwürfe der mehrfachen sexu-

ellen Nötigung und der mehrfachen sexuellen Handlungen von ca. 1995 bis längs-

tens 21. September 2002. 

2.2. Vorab sind die allgemeinen Grundsätze der Beweiswürdigung festzuhalten:  

Die bestrittenen Sachverhalte sind aufgrund der Untersuchungsakten und der vor 

Gericht vorgebrachten Argumente nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu 

erstellen. Gemäss der aus Art. 8 und 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 

EMRK verankerten Maxime "in dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis 

seiner Schuld zu vermuten, dass der wegen einer strafbaren Handlung Angeklag-

te unschuldig ist (Urteile des Bundesgerichts 1P.587/2003 vom 29. Januar 2004, 

E. 7.2. und 1P.437/2004 vom 1. Dezember 2004, E. 4.2. f.; Pra 2002 S. 4 f. Nr. 2 

und S. 957 f. Nr. 180; BGE 127 I 40, 120 Ia 31 E. 2b). Als Beweiswürdigungsregel 

besagt die Maxime, dass sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den 

Beschuldigten ungünstigen Sachverhaltes überzeugt erklären darf, wenn bei  

objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht 

hat. Die Überzeugung des Richters muss auf einem verstandesgemäss einleuch-

tenden Schluss beruhen und für den unbefangenen Beobachter nachvollziehbar 

- 25 - 

sein (Hauser/Schweri/Hartmann, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. A., Basel 

2005, Rz 11 ff. zu § 54). Dabei beruht die nötige richterliche Überzeugung nicht 

auf äusseren, sondern alleine auf der inneren Autorität eines Beweismittels,  

bestehend in dessen zwingend-überzeugender Kraft (Schmid, Strafprozessrecht, 

4. Aufl., Zürich 2004, Rz 291; drs. Handbuch des schweizerischen Strafprozess-

rechts, Zürich/St.Gallen 2009, Rz 229).  

Die Beweiswürdigungsregel ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des 

Beschuldigten hätte zweifeln müssen (BGE 127 I 41, 124 IV 87 E. 2a). Wenn  

erhebliche oder nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen, ob sich der Sach-

verhalt so abgespielt hat, wie er eingeklagt ist, so ist der Beschuldigte nach dem 

Grundsatz "in dubio pro reo" freizusprechen (statt vieler: Corboz, "in dubio pro 

reo", in ZBJV 1993 S. 419 f.). Soweit ein direkter Beweis nicht möglich ist, ist der 

Nachweis der Tat mit Indizien zu führen, wobei die Gesamtheit der einzelnen 

Indizien, deren "Mosaik" (Arzt, In dubio contra, in Zeitschrift für Strafrecht 115, 

S. 197) zu würdigen ist (vgl. dazu auch Pra 2004 Nr. 51 S. 257 Ziff. 1.4; Pra 2002 

Nr. 180 S. 962 f. Ziff. 3.4.).  

Ein Schuldspruch darf demnach nur dann erfolgen, wenn die Schuld des  

Beschuldigten mit hinreichender Sicherheit erwiesen ist, das heisst Beweise dafür 

vorliegen, dass der Beschuldigte mit seinem Verhalten objektiv und subjektiv den 

ihm zur Last gelegten Straftatbestand verwirklicht hat. Dabei kann nicht verlangt 

werden, dass die Tatschuld gleichsam mathematisch sicher und unter allen  

Aspekten unwiderlegbar feststehe (vgl. Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, 4. A., 

Zürich 2004, Rz 288, S. 96). Es muss genügen, wenn vernünftige Zweifel an der 

Schuld des Beschuldigten ausgeschlossen werden können. Aufgabe des Richters 

ist es, seinem Gewissen verpflichtet, in objektiver Würdigung des gesamten  

Beweisergebnisses, zu prüfen, ob er von einem bestimmten Sachverhalt über-

zeugt ist und an sich mögliche Zweifel an dessen Richtigkeit zu überwinden  

vermag (§ 284 StPO; ZR 72 Nr. 80; Guldener, Beweiswürdigung und Beweislast, 

S. 7; Pra 2004 Nr. 51 S. 257 Ziff. 1.4.; BGE 124 IV 88, 120 Ia 31 E. 2c). Es liegt in 

der Natur der Sache, dass mit menschlichen Erkenntnismitteln keine absolute  

Sicherheit in der Beweisführung erreicht werden kann; daher muss es genügen, 

- 26 - 

dass das Beweisergebnis über jeden vernünftigen Zweifel erhaben ist (vgl.  

Kassationsgerichtsentscheid vom 26. Juni 2003 Nr. 2002/387S E. 2.2.1 samt  

Hinweisen). Bloss abstrakte oder theoretische Zweifel dürfen dabei nicht mass-

gebend sein, weil solche immer möglich sind (Hauser/Schweri/Hartmann, 

Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Auflage, Basel/Genf/München 2005, Rz 12 

zu § 54, und Urteile des Bundesgerichtes 6B_297/2007 vom 4. September 2007 

E. 3.4. und 1P.587/2003 vom 29. Januar 2004, E. 7.2.). Es genügt also, wenn 

vernünftige Zweifel an der Schuld ausgeschlossen werden können, hingegen darf 

ein Schuldspruch nie auf blosser Wahrscheinlichkeit beruhen. Lässt sich ein 

Sachverhalt nicht mit letzter Gewissheit feststellen, was schon im Wesen mensch-

lichen Erkenntnisvermögens liegt, so hindert dies den Richter nicht, subjektiv mit 

Gewissheit davon überzeugt zu sein.  

Dabei können auch indirekte, mittelbare Beweise, sogenannte Anzeichen oder  

Indizien, einen für die Beweisführung bedeutsamen Schluss erlauben. Indizien 

sind Tatsachen, die einen Schluss auf eine andere, unmittelbar erhebliche  

Tatsache zulassen. Beim Indizienbeweis wird mithin vermutet, dass eine nicht  

bewiesene Tatsache gegeben ist, weil sich diese Schlussfolgerung aus  

bewiesenen Tatsachen (Indizien) nach der Lebenserfahrung aufdrängt. Der 

 Indizienbeweis ist dem direkten Beweis gleichwertig (Hauser/Schweri/Hartmann, 

a.a.O., § 59 Rz. 14). Da ein Indiz immer nur mit einer gewissen Wahrscheinlich-

keit auf die Täterschaft oder die Tat hinweist, lässt es, einzeln betrachtet, die 

Möglichkeit des Andersseins offen, enthält daher auch den Zweifel (Hans Walder, 

Der Indizienbeweis im Strafprozess, ZStrR 108/1991, S. 309, derselbe, Die  

Beweisführung in Strafsachen, insbesondere der Indizienbeweis, Zürich 1974/75, 

S. 49). Es ist jedoch zulässig, aus der Gesamtheit der verschiedenen Indizien, 

welche je für sich allein betrachtet nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf 

eine bestimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offen  

lassen, auf den vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat oder Täter zu  

schliessen (Hauser/ Schweri/Hartmann, a.a.O., § 59 Rz. 15 und Urteil des  

Bundesgerichtes 6B_297/2007 vom 4. September 2007 E. 3.4.). 

- 27 - 

Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, so sind diese frei 

zu würdigen. Es ist anhand sämtlicher Umstände, die sich aus den Akten und den 

Verhandlungen ergeben, zu untersuchen, welche Sachdarstellung überzeugend 

ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt der Aussagen ankommt, ver-

bunden mit der Art und Weise, wie die Angaben erfolgen. Bei der Würdigung von 

Aussagen darf nicht einfach auf die Persönlichkeit oder allgemeine Glaubwürdig-

keit von Aussagenden abgestellt werden. Massgebend ist vielmehr die Glaub-

haftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussagen. Gemäss BGE 129 I 49 

E.5 hat sich bei der Abklärung des Wahrheitsgehalts von Aussagen die Aus-

sageanalyse weitgehend durchgesetzt. Nach dem empirischen Ausgangspunkt 

der Aussageanalyse erfordern wahre und falsche Schilderungen unterschiedliche 

geistige Leistungen. Überprüft wird dabei in erster Linie die Hypothese, ob die 

aussagende Person unter Berücksichtigung der Umstände, der intellektuellen 

Leistungsfähigkeit und der Motivlage eine solche Aussage auch ohne realen  

Erlebnishintergrund machen könnte. Methodisch wird die Prüfung in der Weise 

vorgenommen, dass das im Rahmen eines hypothesengeleiteten Vorgehens 

durch Inhaltsanalyse (aussageimmanente Qualitätsmerkmale, so genannte Real-

kennzeichen) und Bewertung der Entstehungsgeschichte der Aussage sowie des 

Aussageverhaltens insgesamt gewonnene Ergebnis auf Fehlerquellen überprüft 

und die persönliche Kompetenz der aussagenden Person analysiert werden. Bei 

der Glaubhaftigkeitsbegutachtung ist immer davon auszugehen, dass die Aus-

sage auch nicht realitätsbegründet sein kann. Ergibt die Prüfung, dass diese  

Unwahrhypothese (Nullhypothese) mit den erhobenen Fakten nicht mehr in Über-

einstimmung stehen kann, so wird sie verworfen. Es gilt dann die Alternativhypo-

these, dass die Aussage wahr sei. Erforderlich ist dafür besonders auch die  

Analyse der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Aussage (vgl. dazu 

die im erwähnten BGE angegebene Literatur). 

Angesichts der Unschuldsvermutung besteht Beweisbedürftigkeit, das heisst der 

verfolgende Staat hat dem Beschuldigten alle objektiven und subjektiven Tat-

bestandselemente nachzuweisen (vgl. dazu Schmid, a.a.O., S. 198, N 599) und 

nicht der Angeklagte hat seine Unschuld zu beweisen (BGE 127 I 40 und Urteile 

- 28 - 

des Bundesgerichtes 1P.587/2003 vom 29. Januar 2004, E. 7.2. und 1P.437/2004 

vom 1. Dezember 2004, E. 4.3.; 6S.154/2004 vom 30. November 2005 E. 4). 

2.3. Die Teilnahmerechte des Beschuldigten bei den Beweiserhebungen wurden 
gewahrt und die nachgenannten Beweismittel sind uneingeschränkt verwertbar. 

2.4. Als Beweismittel liegen die Aussagen der Privatklägerinnen 1 und 2, der 
Zeugin D._____ (Mutter der Privatklägerinnen), der Zeugen E1._____ und 

E2._____ (Bruder und Schwägerin des Beschuldigten), der Zeuginnen F._____, 

H._____, I._____, J._____, K._____ und L._____ (Schulkolleginnen der Privat-

klägerinnen), der Zeuginnen M._____, N._____, O._____ (Therapeutinnen) und 

die Aussagen des Beschuldigten vor. Die Aussagen der Privatklägerinnen 1 und 2 

wie auch diejenigen des Beschuldigten wurden jedoch im angefochtenen Urteil 

nur bruchstückhaft aufgeführt. Da den Schilderungen der Privatklägerinnen im 

Rahmen der Beweiswürdigung ein zentraler Stellenwert zukommt, ist es ange-

zeigt, diese nachfolgend ausführlich und in allen wesentlichen Einzelheiten darzu-

stellen.  

2.5. Aussagen der Privatklägerin 1  

2.5.1. Die Privatklägerin 1 sagte anlässlich ihrer ersten Einvernahme bei der  
Polizei am 18. April 2011 (Urk. 3/1) aus, dass sie eine strenge Kindheit gehabt 

habe. Sie sei von ihrem Vater militärisch erzogen worden. Wenn sie beispiels-

weise nicht gehorcht habe, sei sie mit nackten Füssen in den Schnee oder in die 

Küche gestellt worden und habe sich nicht bewegen dürfen. Ihr Vater habe in  

dieser Zeit Zeitung gelesen. Es sei eine strenge Kindheit gewesen. Wenn sie  

geweint habe, habe ihre Mutter nicht zu ihr gedurft. Ihr Vater habe ihre Mutter 

dann mit der Hand weggestossen. Die Privatklägerin 1 denke, dass ihre Mutter 

Angst gehabt habe (Urk. 3/1 S. 7).  

 Auf die Frage, weshalb sie Anzeige gegen ihren Vater gemacht habe,  

erklärte die Privatklägerin 1, ihre Mutter sei jeweils im unteren Stock gewesen und 

habe gedacht, der Vater komme der Privatklägerin 1 "gute Nacht" sagen, wenn  

er in den oberen Stock gekommen sei. Ihre Mutter habe gesagt, er sei jeweils  

- 29 - 

ca. 90 Minuten bei ihr gewesen. Wegen der knarrenden Treppe habe man gehört, 

wenn die Mutter zwischenzeitlich heraufgekommen sei. Sie habe dann gesagt, sie 

(die Privatklägerin 1) müsse schlafen. Ihr Vater habe dann geantwortet, er erzähle 

eine Gute-Nacht-Geschichte. Er sei dann jeweils zu ihr ins Bett gekommen und 

habe sie überall angefasst. Sie habe sich dann weggedreht oder dies zumindest 

gewollt, sie könne das nicht mehr genau sagen. Er habe ihr gesagt, das sei  

normal, jeder Vater schenke das seiner Tochter. Das sei immer wieder passiert, in 

der Stube, in der Badewanne, überall im Haus. Geendet hätten die Übergriffe, als 

sie 11-jährig geworden sei, da sie dann ihre Periode bekommen habe. Danach 

habe der Beschuldigte einfach nur noch seine Aggressionen an ihr ausgelassen 

(Urk. 3/1 S. 7f.).  

 Angefangen hätte alles an ihrem 2. Geburtstag, da habe er ihr gesagt, er 

habe ein Geschenk. So richtig heftig angefangen habe alles dann, als sie drei- 

oder vierjährig gewesen sei. Ihre Mutter sei oft mit Kollegen weg gewesen und ihr 

Vater habe dies dann ausgenutzt. Er habe auch Filme gezeigt. Die Übergriffe  

seien ca. dreimal in der Woche über einen Zeitraum von acht bis neun Jahren 

passiert. Das sei etwa 13 Jahre her (Urk. 3/1 S. 8).  

 Die Vorfälle mit ihrem Vater hätten immer zu Hause stattgefunden: Auf dem 

Sofa, in der Badewanne, in ihrem Bett, in seinem Bett, in seinem Büro. Der  

Beschuldigte sei jeweils nicht alkoholisiert gewesen, er habe fast nie Alkohol  

getrunken. Er sei ihres Wissens auch nicht unter Medikamenten- oder Drogen-

einfluss gestanden (Urk. 3/1 S. 8).  

 Der erste Übergriff sei an ihrem zweiten Geburtstag passiert. Das sei am  

tt.mm.1989 gewesen. Der Übergriff habe in ihrem Bett stattgefunden. Sie sei in ih-

rem Bett gewesen, ihr Papi sei die Treppe heraufgekommen. Sie habe eine Un-

terhose und ein Unterleibchen getragen. Er habe ihre Unterhose ausgezogen. Sie 

glaube nicht, dass ihre Kleider dabei kaputt gegangen seien. Er habe dann ge-

sagt, er lege sich jetzt in ihr Bett und ob er auch unter der Decke liegen dürfe. Sie 

habe mega mega Freude gehabt, dass ihr Papi zu ihr gewollt habe und es habe 

ihr viel bedeutet. Dann habe er angefangen, sie anzufassen. Sie wisse nicht 

mehr, ob sie sich gedreht habe, oder dies nur gewollt habe. Er habe gesagt, sie 

- 30 - 

müsse keine Angst haben, dass sei normal, das mache jeder Vater. Sie solle dem 

Mami nichts sagen, weil Mami nur traurig werde und sie nicht mehr gern haben 

werde. Im Zimmer sei es dunkel gewesen, aber ein Spalt der Tür habe offen  

gestanden. Vor diesem Übergriff seien noch ihr Götti und ihre Tante da gewesen 

und sie denke, dass er bei ihnen gesessen habe. Die Tat habe zu lange gedauert, 

aber sie erinnere sich nicht mehr genau. Beim ersten Übergriff sei es weder zu 

oralem, vaginalem oder analem Geschlechtsverkehr gekommen. Ihr Vater habe 

beim ersten Übergriff masturbiert. Sie wisse nicht, ob er beim ersten Übergriff 

zum Samenerguss gekommen sei. Der erste Übergriff sei aber ziemlich harmlos 

gewesen im Vergleich zu den anderen Übergriffen. Auf die Frage, wie sie darauf 

reagiert habe, gab die Privatklägerin 1 zu Protokoll, sie habe ihn gefragt, was er 

da mache und dass es weh tue. Er habe gesagt, dass das normal sei und dass 

das jeder Vater mache. Er sei mit seiner flachen Hand in ihre Unterhose und habe 

dann einen Finger reingestossen. Sie könne nicht mehr sagen, ob hinten oder 

vorne. Sie könne sich nicht mehr daran erinnern, ob er sie sonst noch berührt  

habe. Er habe ihr dann Heftli nach Hause gebracht oder gesagt, wenn sie lieb sei, 

werde er gut zu ihr schauen. Er habe ihr den Schutz gegeben, welche sie sich 

von einem Vater vorstelle. Nach dem ersten Übergriff sei er ihr gegenüber reser-

viert gewesen und habe sie kontrolliert. Sobald sie mit jemandem geredet habe, 

habe er wissen wollen, worüber. Sie habe ab diesem Moment auch keinen  

Kontakt mehr zu ihrem Götti haben dürfen, welcher der wichtigste Mensch in  

ihrem Leben gewesen sei. Ihr Vater habe gesagt, das sei ihr grösstes Geheimnis. 

Er sei darauf in den unteren Stock gegangen. Sie habe versucht zu schlafen  

(Urk. 3/1 S. 9 f.).  

 Er habe sie immer unter den Kleidern berührt. Er habe sie auch mit der  

Zunge zwischen den Beinen und auf den Mund geküsst. Er habe immer so Spiele 

mit ihr gemacht, mit Zunge in den Mund stecken. Das habe er bei jedem Übergriff 

gemacht. Zwischen den Beinen habe er sie nicht bei jedem Übergriff geküsst. Auf 

die Frage, was das für ein Spiel mit der Zunge gewesen sei, sagte die Privat-

klägerin 1 aus, sie habe dabei mit ihrer Zunge seine Zunge aus dem Mund holen 

müssen. Sie seien dabei meist in der Badewanne gewesen. Die Frage, ob der 

Beschuldigte sie auch abgeleckt habe, bejahte die Privatklägerin 1 und erklärte, 

- 31 - 

er habe sie dort abgeleckt, wo die Brüste gewesen wären, am Hals, am Gesicht, 

an den Fingern und zwischen den Beinen an ihrem Geschlechtsteil. Er habe dann 

gesagt, dass das ihr künftiger Freund auch machen werde. Er werde sie darauf 

vorbereiten (Urk. 3/1 S. 10 f.).  

 Auf die Frage, ob sie auch ihren Vater habe berühren müssen, gab die 

 Privatklägerin 1 zu Protokoll, dass sie ihn zwischen den Beinen im Rahmen eines 

Spiels habe berühren müssen. Ihr Vater sei dabei abgesehen von der Unterhose 

nackt auf dem Bett gelegen. Sie habe ihm dann die Unterhosen ausziehen und 

mit seinem Penis spielen müssen. Beim ersten Übergriff habe sie das noch nicht 

machen müssen. Dieses Spiel habe sie über diese neun Jahre hinweg immer und 

immer wieder machen müssen, sie könne nicht sagen, wie oft. Sonst haben sie 

ihn nirgends berühren müssen. Die Frage, ob ihr Vater Gegenstände bei diesem 

erstem Übergriff verwendet habe, verneinte die Privatklägerin 1, erklärte aber, 

dass er bei anderen Übergriffen Stifte verwendet habe. Er habe diese dann vorne 

rein gesteckt. Sie wisse nicht mehr, ob er sie auch hinten rein gesteckt habe. Ihr 

Vater sei extrem lieb während den Handlungen gewesen. Er habe ihr jeweils  

gesagt, dass das Mami sie nicht mehr gern habe, wenn sie ihr etwas erzähle und 

dass sie traurig werde. Ihr Vater habe keine Gewalt angewendet, aber es habe 

weh getan. Sie habe auch nicht nachgeschaut. Während der Tat sei sie unter 

Schock gewesen. Sie wisse nicht mehr, ob sie sich weggedreht habe, oder dies 

nur gewollt habe. Während den Handlungen sei sie manchmal wie aus sich raus 

gegangen und habe das aus der Distanz beobachtet. Bis zum Schluss sei sie ab-

wesend und nicht richtig dabei gewesen. Sie denke nicht, dass sie Widerstand 

geleistet habe, sie habe einfach gefragt, was er mache. Ihr Vater habe aber  

erkennen können, dass sie das nicht gewollt habe, da sie ihre Beine zusammen-

gedrückt und sich in der Decke eingemummelt habe. Er habe ihrer Mutter gegen-

über auch zugegeben, dass er das gemacht habe. Sie glaube nicht, dass sie 

 versucht habe zu fliehen. Zur Frage, wie sie sich während des Übergriffs gefühlt 

habe, gab sie zu Protokoll, sie habe gedacht, es sei normal, da ihr Papi dies  

gesagt habe. Sie habe aber gespürt, dass etwas komisch sei. Sie habe wie eine 

Gefühlsblockade und auch Angst gehabt. Die Gefühlsblockade habe sie auch 

heute noch (Urk. 3/1 S. 11 - 13).  

- 32 - 

 Zur Frage, wie sie darüber denke, was der Beschuldigte mit ihr gemacht  

habe, sagte die Privatklägerin 1 aus, es falle ihr kein Wort dafür ein. Sie nehme 

ihren Vater einerseits noch in Schutz und andererseits wisse sie, das es das 

Schlimmste sei, was man einem Menschen antun könne (Urk. 3/1 S. 13).  

 Ihr Vater habe ihr gesagt, er mache dies, um sie auf das Leben vorzuberei-

ten, auf das Sexualleben mit anderen Männern. Er habe sie für zukünftige Männer 

gefügig machen wollen. Dass sie eine Maschine werde, die funktioniere. Wenn er 

aber erfahren habe, dass sie ein anderer Mann angefasst habe, sei er ausge-

rastet (Urk. 3/1 S. 13 f.). 

 Die Frage, ob sie sich durch ihren Vater psychisch unter Druck gesetzt  

fühlte, bejahte die Privatklägerin 1 und erklärte, sie habe sich manipuliert gefühlt. 

Ihr Papi habe ihr auch immer gesagt, dass man Probleme für sich behalte und 

selber löse (Urk. 3/1 S. 14).  

 Zu den weiteren Übergriffen befragt und ob sich diese gleich wie der erste 

abgespielt hätten, sagte die Privatklägerin 1, es sei für sie immer gleich schlimm 

gewesen und eher gleich abgelaufen. Seine Berührungen seien härter gewesen 

als beim ersten Übergriff, am Anfang sei er noch vorsichtiger gewesen. Er habe 

ihr Schmerzen mit seinen spitzigen Fingernägeln zugefügt. Er habe sie oft im 

Brustbereich und zwischen den Beinen berührt. Er sei viel mit ihr in der Bade-

wanne gewesen und habe oft gewollte, dass sie sich auf ihn drauf setze, wobei er 

dazu gesagt habe, dass es nicht weh tun werde. Er habe sie auch härter geküsst 

als beim ersten Mal. Mit seinen Fingern habe ihr Vater bei den weiteren Über-

griffen immer dasselbe gemacht wie beim ersten Mal. Sie habe ihn auch mit dem 

Mund befriedigen müssen, sie wisse aber nicht, wie viele Male. Das sei in  

diversen Positionen gewesen. Sie wisse nicht mehr, ob er dabei zum Samen-

erguss gekommen sei. Er habe nie Kondome getragen. Er habe auch dreimal 

versucht, anal in sie einzudringen. Es habe aber weh getan. Sie habe dann  

jeweils extra mit den Schmerzen übertrieben in der Hoffnung, dass er aufhört. Er 

habe aber sicher auch gemerkt, dass anal nicht funktioniere. Er habe es auch 

drei- bis viermal mit vaginalem Geschlechtsverkehr versucht, was auch wieder 

weh getan und nicht funktioniert habe. Vielleicht habe ihr Vater auch Angst  

- 33 - 

gehabt, dass es nachher blute. Sie wisse nicht, ob ihr Vater zum Samenerguss 

gekommen sei. Sie habe sagen müssen, dass es schön sei und so gut tue. Er 

habe ihr auch gesagt, wie sie sich bewegen müsse und was sie machen solle. Er 

habe ihr auch gesagt, was ihm gefalle. Auf Frage erklärt die Privatklägerin 1, ihr 

Vater habe ihr immer wieder gedroht, sie dürfe nichts sagen, weil andere Leute 

sie nur auslachen würden oder Mami sogar weggehe. Einmal, als sie in der  

Badewanne gesessen hätten, sei ihre Mutter reingekommen und sie hätte ihr  

gezeigt, wie sie mit Papis Teil habe rumspielen müssen. Aber ihre Mutter habe 

nur gelacht und es nicht ernst genommen. Ihre Mutter sei sehr naiv. Sie habe nur 

gesagt, dass man das doch nicht mache (Urk. 3/1 S. 15 - 17).  

 Ihr Vater habe bei den weiteren Übergriffen keine Gewalt angewendet, er sei 

immer der Liebe gewesen. Sie habe immer Scheidenpilze gehabt und einmal  

habe sie Blut in der Unterhose gehabt, da sei sie ca. sechs oder sieben Jahre alt 

gewesen. Ihr Vater habe das gesehen und ihr die Unterhose weggenommen. Sie 

habe sich nicht gross gegen die Übergriffe gewehrt. Es habe sich so eingependelt 

mit der Zeit. Sie habe das als Zuwendung gesehen, weil dies die einzige  

Aufmerksamkeit gewesen sei, die sie von ihm bekommen habe. Sie habe sich wie 

gefreut, wenn er wieder zu ihr gekommen sei. Zum Teil habe sie sogar mit ihrer 

Schwester gestritten, zu wem er zuerst komme (Urk. 3/1 S. 17).  

 Auf die Frage nach dem schlimmsten Übergriff gab die Privatklägerin 1 zu 

Protokoll, dass für sie alle gleich schlimm gewesen seien. Der letzte Übergriff  

habe mit 11 Jahren statt gefunden, am Tag vor der Abreise nach W._____ [Land 

in Europa]. Dies müsse im Sommer 1998 gewesen sein. In W._____ sei sie dann 

aufs WC gegangen und habe ihrer Mutter noch gezeigt, dass sie Blut in ihrer Un-

ter-hose gehabt habe. Ihr Vater habe einen riesigen Schock gehabt. Sie habe ihre 

Periode bekommen und habe innerlich gewusst, dass sie jetzt erlöst sei. Sie 

 werde den Blick ihres Vaters nie wieder vergessen (Urk. 3/1 S. 17 f.).  

 Er habe später auch Nacktfotos von ihr gemacht, welche er auf seinem 

Computer gehabt habe. Sie habe dabei jeweils ein Röckli ohne Unterhose  

getragen. Es seien diverse obszöne Posen gewesen. Es seien ein paar tausend 

Fotos gewesen. Sie wisse nicht, ob auch ihre Schwester fotografiert worden sei. 

- 34 - 

Er habe ihr auch Videos gezeigt, unter anderem "Geschwisterliebe", in welchem 

Film sich 9 - 10-Jährige angefasst hätten. Er habe sie während des Filme-

schauens angefasst. Ihre Schwester habe dann gesagt, sie wolle auch. Ihr Vater 

habe ihr auch Fotos von nackten Kindern gezeigt, aber auch Videos und Fotos 

mit Erwachsenenpornografie (Urk. 3/1 S. 15 f.).  

 Zur Frage, wie ihre Mutter von den Übergriffen erfahren habe, sagte die  

Privatklägerin 1 aus, sie sei, als sie 16-jährig gewesen sei, nach Hause ge-

kommen und habe gehört, wie ihre Schwester ihrer Mutter gerade von den Über-

griffen erzählt habe. Ihre Mutter habe sie dann darauf angesprochen. Sie habe die 

Übergriffe dann verneint, worauf ihre Schwester gesagt habe, sie solle keinen 

Scheiss erzählen. Sie habe es dann zugegeben. Ihre Mutter sei völlig zusam-

mengebrochen. Ihre Mutter habe den Beschuldigten anzeigen wollen. Die Privat-

klägerin 1 habe ihr dann aber gesagt, dass sie sich umbringen werde, wenn sie 

ihn anzeige. Ihre Mutter habe dann heimlich den Beschuldigten getroffen und ihn 

zur Rede gestellt. Er habe dann gesagt, er hätte nicht gedacht, dass dies so 

schlimm für sie (die Privatklägerinnen 1 und 2) sei. Ihre Mutter habe dann keine 

Anzeige gemacht, wohl auch wegen ihrer Drohung. Sie selber sei dann dem  

Alkohol verfallen. Ihre Mutter überspiele und beschönige das Ganze auch  

(Urk. 3/1 S.18 f.). 

 Ihr Vater habe zwei ganz extreme Gesichter. Zum einen sei er ein ganz  

fürsorglicher Vater und zum anderen sei er einfach nur abartig. Er könne mega 

lieb oder mega bös sein. Nichts zwischendrin. Er müsse die Kontrolle über alles 

haben. Auf der Bank sei er auch in einer hohen Position gewesen. Er sei ein  

Kontrollfreak, aber auch sehr intelligent (Urk. 3/1 S. 19).  

 Sie habe kein Verhältnis mehr zu ihrem Vater, sie hätten keinen Kontakt 

mehr. Sie wolle von ihm nichts mehr wissen. Sie wolle ihm jedoch eines Tages 

mal in die Augen schauen können und wissen, was er fühle und denke über diese 

Vorfälle, um das Ganze vielleicht besser verarbeiten zu können. Ihre Schwester 

habe schon lange eine Anzeige machen wollen, aber sie habe sie schützen  

wollen und habe darum gewartet, bis es auch für sie der richtige Zeitpunkt  

gewesen sei. Sie sei erst nach ihrem Aufenthalt in der Psychiatrie so stark  

- 35 - 

gewesen, dass sie gewusst habe, dass es vorwärts gehen müsse. Sie habe auch 

gedacht, dass er es weiter machen könnte. Er habe gesagt, er würde sich  

umbringen, wenn sie ihn anzeige. Er habe auch schon mit ihr über die Vorfälle 

sprechen wollen, sie habe aber nicht gekonnt. Sie sei auch noch in psychiatri-

scher Behandlung wegen der Vorfälle, wobei sie jetzt gerade eine Pause mache. 

Sie fühle sich jetzt nach dem Erstatten der Anzeige minim lockerer und ein  

bisschen erlöster (Urk. 3/1 S. 20 ff.). 

2.5.2. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 26. Juli 2011 
(Urk. 3/2) gab die Privatklägerin 1 zu Protokoll, sie wisse nicht, wie es ihr gehe, es 

seien alle Gefühle miteinander, Trauer, Angst, dass es so ist, wie es ist, dann 

wieder eine Taubheit. Weiter bestätigte sie die bei der Polizei geäusserten  

sexuellen Übergriffe ihres Vaters (Urk. 3/2 S. 4).  

 Beim ersten sexuellen Übergriff sei ihr Vater zu ihr ans Bett gekommen und 

habe gefragt, ob er sich zu ihr ins Bett legen dürfe. Er habe ihr erklärt, dass alles, 

was er mache, normal sei und dass sie das ja nicht Mami erzählen dürfe. Er habe 

angefangen, sie überall anzufassen. Das sei das erste Mal gewesen, da sei noch 

nicht so viel passiert. Sie sei damals etwa zweijährig gewesen, wenn sie sich  

richtig erinnere. Es sei ihr zweiter Geburtstag gewesen, wegen der Kerzen, an 

welche sie sich erinnere. Ihr Vater habe sie zwischen den Beinen angefasst, sie 

wisse nicht mehr genau, was er da gemacht habe. Sonst habe er sie bei diesem 

ersten Übergriff nirgends angefasst. Der Übergriff sei in ihrem Zimmer im Bett 

passiert. Sowohl beim ersten als auch bei den weiteren Übergriffen habe er  

seinen Finger "reingestossen" (Urk. 3/2 S. 4 - 6).  

 Als sie elfjährig gewesen sei, sei alles vorbei gewesen mit den Übergriffen, 

da sie damals ihre Periode bekommen habe. Dies sei in W._____ gewesen, als 

sie ihre Mutter gefragt habe, was das sei in der Unterhose. Sie habe gesagt, sie 

(die Privatklägerin 1) habe ihre Tage bekommen. Ihr Vater habe schockiert ge-

guckt und gesagt, dass sie jetzt eine richtige Frau sei. Dies sei in den Sommerfe-

rien in W._____ gewesen. Der letzte Übergriff sei etwa ein bis zwei Wochen vor-

her gewesen (Urk. 3/2 S. 6).  

- 36 - 

 Es sei richtig, dass die Übergriffe mit zweijährig begonnen und mit elfjährig 

aufgehört hätten. Immer, wenn ihre Mutter weg oder am Fernsehschauen  

gewesen sei und ihr Vater ihr gute Nacht gesagt habe, sei es zu Übergriffen  

gekommen. Die Übergriffe seien schätzungsweise zweimal wöchentlich vorge-

kommen. Es sei dabei meistens darum gegangen, dass sie sein Geschlechtsteil 

habe anfassen müssen, dass sie habe lernen müssen, was ein Mann mit einer 

Frau mache und der Vater der Tochter dies zeige. Es sei normal, dass ein Vater 

das mit seiner Tochter mache. Auf die Frage, wie es dazu gekommen sei , dass 

sie sein Geschlechtsteil angefasst habe, antwortete die Privatklägerin 1, dass sie 

das nicht wisse, wie sie sich aber erinnern könne, habe es sie interessiert, was 

das sei. Ihr Vater habe ihr erlaubt, es anzufassen und sie auch dazu aufgefordert. 

Sie habe sich dann vorgestellt, dass sein Geschlechtsteil ein Männchen sei, dass 

sich aus- und wieder anziehe. Das sei eine Rauf- und Runterbewegung gewesen. 

Ihr Vater habe ihr gesagt, sie solle das so machen. Sie wisse nicht, ob er einen 

Samenerguss gehabt habe (Urk. 3/2 S. 6 f.).  

 Ihr Vater habe sie in der Badewanne aufgefordert, sich auf den Penis zu 

setzen, was sie dann gemacht habe. Das Glied ihres Vaters sei bei dieser  

Gelegenheit erigiert gewesen. Ihr Vater sei dabei auf dem Rücken gelegen und 

ihr Gesicht habe beim Draufsetzen in seine Richtung geschaut. Sie könne sich 

nicht daran erinnern, was er dann gemacht habe. In der Badewanne habe er ihr 

ausserdem beigebracht, wie man Zungenküsse gebe. Er habe dafür eine Kugel in 

den Mund genommen und sie habe diese mit der Zunge rausholen müssen. Sie 

sei damals etwa achtjährig gewesen. Sie wisse nicht mehr, wann die Übergriffe in 

der Badewanne begonnen hätten. Diese hätten maximal ein- bis zweimal im  

Monat stattgefunden. Die Übergriffe hätten begonnen, als sie noch Windeln  

getragen habe. Die Übergriffe hätten überall stattgefunden, bei ihr im Bett, bei ihm 

im Bett, in der Badewanne, in der Stube, im Büro, überall (Urk. 3/2 S. 7 f.).  

 Ihre Mutter habe am Sonntag immer Frühstück gemacht. Sie habe eine von 

ihnen hoch geschickt, um den Beschuldigten zu wecken. Sie habe sich dann  

jeweils zu ihm ins Bett gelegt und er habe angefangen, sie anzufassen. Das sei 

etwa ein bis zweimal die Woche geschehen. Sie könne sich an zwei Zungenküsse 

- 37 - 

erinnern, sie wisse nicht mehr, wann das gewesen sei. Sie sei etwa sieben oder 

acht Jahre alt gewesen (Urk. 3/2 S. 8).  

 Er habe sie auch mit der Zunge zwischen den Beinen geleckt. Sie sei  

damals etwa im Kindergarten gewesen. Sie erinnere sich an drei Vorfälle. Sie 

wisse aber nicht mehr, wie alt sie gewesen sei. Es sei so schwierig mit dem Alter. 

Ihr Vater habe gesagt, dass das jeder Vater mit seiner Tochter mache. Diese  

Vorfälle hätten bei ihr im Bett stattgefunden (Urk. 3/2 S. 9).  

 Dann habe es Übergriffe vor dem Fernseher gegeben. Ihr Vater habe die 

Beine auf dem Tisch gehabt und sie habe sich auf seine Beine legen müssen, mit 

dem Kopf gegen seine Füsse. Sie habe nur ein T-Shirt getragen, unten rum aber 

nichts, da er ihr die Hose und Unterhose ausgezogen habe. Er habe ihr dann  

zwischen die Beine gefasst, sie dort berührt, aber keinen Finger reingesteckt. Ihre 

Schwester habe dann gesagt, "ich will auch, ich will auch!", worauf ihr Vater  

gesagt habe, dass zuerst die Privatklägerin 1 dran sei. Das sei passiert, wenn ihr 

Mami im Ausgang gewesen sei. Das sei jede zweite Woche gewesen, da sei sie 

jeweils mit ihrem Kollegen tanzen gegangen. So oft hätten die Übergriffe sicher 

stattgefunden (Urk. 3/2 S. 10). 

 Ihr Vater habe versucht, in sie einzudringen, als sie sich auf ihn setzen 

musste. Einmal sei ihm dies in der Badewanne gelungen, er sei vaginal in sie  

eingedrungen. Er sei dabei sehr erschrocken, sie habe das seinem Blick ange-

sehen. Sie sei damals vier oder fünf Jahre alt gewesen. Er habe das zwei oder 

dreimal versucht. An Versuche ihres Vaters, anal in sie einzudringen, könne sie 

sich nicht erinnern. Darauf angesprochen, dass die Privatklägerin 1 bei der Polizei 

nicht erwähnte, dass er vaginal in sie eingedrungen sei, sagte sie aus, dass sie 

vieles verdränge. Sie sei nicht 100% sicher, ob er tatsächlich in sie eingedrungen 

sei (Urk. 3/2 S. 11).  

 Auf die Aussage bei Polizei angesprochen, sie habe einmal als Fünf- bis 

Sechsjährige Blut in der Unterhose gehabt, sagte sie, dass dies von der Periode 

gekommen sein könne oder weil sie von ihrem Vater verletzt worden sei. Sie habe 

auch oft Pilze an der Scheide gehabt (Urk. 3/2 S. 11 f.). 

- 38 - 

 Auf Frage erklärt die Privatklägerin 1, sie wisse nicht, ob sie ihren Vater  

habe oral befriedigen müssen, sie habe ein Gefühl in sich, dass sie das habe  

machen müssen, aber sie sei sich nicht sicher. Sie könne ihre bei der Polizei  

deponierte Aussage insofern nicht bestätigen (Urk. 3/2 S. 12).  

 Es sei weiter richtig, dass er einmal mit einem Blei- oder Farbstift vaginal in 

sie eingedrungen sei. Sie sei damals sicher jünger als neun oder zehn Jahre alt 

gewesen. Einmal sei das auf ihrem Bett passiert. Sie könne den Übergriff aber 

nicht genauer schildern (Urk. 3/2 S. 12 f.).  

 Das vaginale Eindringen mit dem Finger sei Standard gewesen, das sei  

jedes Mal vorgekommen, also etwa ein- bis zweimal pro Woche. Standard sei 

auch gewesen, dass sie ihn berührt habe, wobei dies nicht extrem Standard  

gewesen sei (Urk. 3/2 S. 13).  

 Zweimal habe er vor ihr in der Badewanne masturbiert. Sie könne nicht  

sagen, wie alt sie gewesen sei und ob ihr Vater einen Samenerguss gehabt habe 

(Urk. 3/2 S. 13 f.).  

 Weiter habe ihr Vater oft Fotos von ihr und ihrer Schwester gemacht; Fotos 

von ihnen in Minikröcken und nichts darunter. Diese Fotos würden jedoch nicht 

mehr existieren. Sie hätten dabei erotische, sexuelle Posen machen müssen. 

Beispielsweise, dass ihr Vater zwischen ihre Beine habe schauen können und sie 

nichts angehabt habe. Videos wie "Geschwisterliebe" hätten sie auch geschaut. In 

diesen Videos hätten sich Kinder berührt. Pornos hätten sie auch geschaut, u.a. 

"Lolita" (Urk. 3/2 S. 14).  

 Sie habe niemanden von den Übergriffen erzählt, weil man darüber nicht 

spreche. Es hätte sie "gruuset", wenn sie das jemandem hätte erzählen müssen. 

Ihr Vater habe ihr auch gesagt, dass ihre Mutter sehr böse werde, wenn sie ihr 

davon erzähle, und die Familie verlassen würde. Er habe auch gesagt, dass sie in 

ein Heim komme. Auch wäre ihre Mutter sehr traurig, wenn sie kein Geheimnis für 

sich behalten könne (Urk. 3/2 S. 14 f.).  

- 39 - 

 Mit ihrem Götti habe sie deshalb keinen Kontakt mehr gehabt, weil dies 

normal gewesen sei. Vielleicht habe ihr Vater Angst gehabt, dass sie etwas  

erzählen würde. In der Familie habe ihr Vater stets wissen wollen, was geredet 

worden sei (Urk. 3/2 S. 15).  

 Ihr Vater habe sie sehr sehr streng und militärisch erzogen. Beispielsweise 

habe ihr ihre Mutter erzählt, dass die Privatklägerin 1 jeweils in der Nacht aufge-

wacht sei und habe spielen wollen und deshalb ihren Vater geweckt habe,  

welcher darob sehr erbost gewesen sei. Er habe sie dann mit den nackten Füs-

sen in den Schnee gestellt. Ihre Mutter habe dann vom Fenster runter geschrien, 

er solle aufhören. Einmal habe er sie in die Küche geholt, wo sie habe stehen 

müssen, während dem er Zeitung gelesen habe. Sie habe da stehen bleiben 

müssen, bis sie fast zusammengebrochen sei. Sie nehme an, dies sei wiederum 

gewesen, weil sie ihn in der Nacht geweckt habe. Es habe auch einmal einen  

Vorfall am Pool in W._____ gegeben, wo er ihre eine Ohrfeige gegeben und ihre 

Kette zerrissen habe. Am selben Tag beim Essen habe er ihr an den Haaren  

gerissen und ins Gesicht geschlagen. Danach habe er geweint und habe sich 

entschuldigt. Da sei sie etwa 14-jährig gewesen (Urk. 3/2 S. 15 f.).  

 Ihr Vater sei kein böser Mensch, kein Monster. Er habe auch seine guten 

Seiten und er habe ihr oft gesagt, sie solle ihn nicht anzeigen. Er habe sich auch 

bei ihr entschuldigt für das, was er ihr je angetan habe. Dies sei gewesen, als er 

sie einmal besucht habe, als er bereits nicht mehr bei ihnen gewohnt habe. Sie 

seien einem Bach entlang spaziert, der sich neben dem Haus befinde. Er habe ihr 

dabei unter Tränen gesagt, dass es ihm leid tue, was er ihr alles angetan habe. 

Ein anderes Mal - ca. 2004 - sei sie bei der Arbeit in der Garage "…" in … gewe-

sen. Er habe sie über Mittag besucht und habe mit ihr nochmals darüber reden 

wollen. Sie habe aber dann gesagt, es sei gut, es sei schon vorbei. Ihr Vater habe 

sie gebeten, keine Anzeige zu machen. Sie habe geantwortet, dass sie keine An-

zeige machen würde, wenn er eine Therapie mache. Dies habe sie ihm rund 

dreimal in verschiedenen Abständen gesagt (Urk. 3/2 S. 16).  

 Sie sei lange Zeit depressiv gewesen, habe immer wieder etwas ange-

fangen, aber nie beendet. Beziehungen seien für sie schwierig gewesen. Sie sei 

- 40 - 

in die Psychiatrie P._____ … gekommen, wo sie mit ihr darüber hätten reden wol-

len, da ihre Mutter einem Psychiater erzählt habe, was alles passiert sei. Sie habe 

aber nicht darüber reden wollen. Im August letzten Jahres sei sie sehr depressiv 

geworden. Sie habe die Wohnung nicht mehr geputzt und sei nicht mehr mit dem 

Hund rausgegangen. Sie habe auch oft Trance-Zustände gehabt, bei denen sie 

ihren Vater wie real neben sich sitzen gesehen habe. Dies sei vor zwei Tagen ge-

rade wieder passiert. Sie habe oft Selbstmordgedanken gehabt. Sie sei oft in 

Schlägereien verwickelt gewesen. Im Oktober 2010 sei sie notfallmässig in den 

P._____ … eingeliefert worden und habe dort eine dreimonatige Traumatherapie 

gemacht, bei welcher man an der posttraumatischen Belastungsstörung arbeitet 

habe. Als sie herausgekommen sei, sei es ihr viel besser gegangen. Sie habe es 

aber noch nicht geschafft, so ins Leben zu kommen, wie das andere schaffen. Mit 

der Arbeit klappe es noch nicht, da sie panische Zustände bekomme. Dies habe 

mit der Lehrzeit zu tun, als sie der damaligen Lehrmeisterin ihre Erlebnisse in der 

Kindheit anvertraut habe, welche das dann aber ausgenutzt habe. Sie habe sie 

dann des Diebstahls bezichtigt. Ihr Vater habe ihr dann geholfen, dass sie nicht 

mehr habe dort arbeiten müssen. Sie habe danach Mühe gehabt, wieder zu arbei-

ten, ihr Vater habe geschimpft und gesagt, sie solle und könne arbeiten (Urk. 3/2 

S. 17).  

 Auf die Frage, wieso sie erst 2011 eine Anzeige gemacht habe, erklärte die 

Privatklägerin 1, sie habe gar nie eine Anzeige machen wollen, da sie das Gefühl 

gehabt habe, sie habe damit abgeschlossen. Sie habe sich auch gesagt, dass er 

ihr Leben kaputt gemacht habe, sie seins aber nicht zerstören möchte. In der 

Psychiatrie habe sie dann aber gemerkt, dass sie noch lange nicht darüber hin-

weg sei und dass es möglicherweise noch mehr Opfer gebe. Ihre Schwester und 

ihr Mutter hätten eine Anzeige machen wollen, sie nicht. Mutter und Schwester 

(Privatklägerin 2) hätten nur davon abgesehen, weil sie (die Privatklägerin 1) mit 

Selbstmord gedroht habe und ihre Schwester sie nicht habe überlasten wollen. 

Diese habe noch warten wollen, da sie gemerkt habe, dass sie (die Privatklägerin 

1) noch nicht bereit gewesen sei. Mit 16 oder 17 Jahren habe sie sich Frau Dr. 

Q._____ anvertraut, welche sie aber an Frau Dr. R._____ in … verwiesen habe, 

welche sie in eine Psychiatrie in … habe schicken wollen. Sie sei dann zur Dr. 

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S._____ in … gegangen, weil sie immer mehr abgestürzt sei. Er habe ihr dann 

Antidepressiva gegeben. Ihr Vater tue ihr leid. Aber man dürfe, wenn das eigene 

Leben kaputt sei, nicht andere Leben hineinziehen. Sie wisse von ihrer Schwes-

ter, dass ihr Vater eine sehr schwierige Kindheit gehabt habe. Seine Mutter sei 

sehr böse mit ihm gewesen. Vielleicht sei daraus ein Hass auf Frauen entstan-

den. Er habe dies einfach weitergegeben, statt es zu verarbeiten. Sie selber sei 

ein Rebell gewesen, sie habe sich nichts gefallen lassen. Er sei dadurch sehr ent-

täuscht gewesen. Er habe immer gesagt, sie würde lügen, damit die Wahrheit 

nicht ans Licht komme. Sie sei im Moment bei Dr. T._____ in psychologischer 

Behandlung. Ihre Beziehung zu ihrer Mutter sei angespannt. Sie habe Angst vor 

ihrem Vater wegen dem, was er gemacht habe. Sie könne dies aber nicht Hass 

nennen. Aber andererseits sei es ihr Vater, den sie nicht anders gekannt und ge-

liebt habe und auch immer noch irgendwie liebe (Urk. 3/2 S. 18 f.). 

2.5.3. Anlässlich der zweiten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 16. Mai 
2012 (Urk. 3/3) bestätigt die Privatklägerin 1 ihre bisherigen Aussagen. Sie gab 

auf den Vorhalt der Staatsanwältin, der Beschuldigte habe ausgesagt, die geltend 

gemachten Übergriffe hätten erst ab ca. 6 Jahren und nur alle zwei bis drei Mona-

te stattgefunden, zu Protokoll, auch alle zwei bis drei Monate seien "deftig" zu 

viel. Er müsse seinen Kopf retten. Sie habe einfach das ausgesagt, was sie noch 

eins zu eins im Kopf gehabt habe. Sie könne nicht klar sagen, wann die Übergriffe 

angefangen hätten, aber sicher vor 6-jährig. Sie könne nicht mehr 100% genau 

sagen, dass die Übergriffe ab ihrem zweiten Geburtstag begonnen hätten. Es sei 

richtig, dass ihr Vater ihr einen Kurs im Zusammenhang mit der Hundeschule  

bezahlt habe, sie habe jedoch im Laufe des Kurses ins Spital müssen, weshalb 

sie jenen nicht habe fertig machen können. Sie sei selber erschrocken darüber, 

wie viel Geld gemäss den Aussagen ihrer Mutter ihr Vater gegeben haben soll. Es 

stimme, dass er ihr finanziell geholfen habe. Sie habe ihm aber immer gesagt, 

dass sie ihn nicht anzeigen würde und es ihr nicht ums Geld gehe. Sie habe auch 

nicht gewusst, wie lange und wofür er ihrer Mutter Geld bezahlt habe. Als sie ein 

Praktikum als … gemacht habe, sei ihr Vater über Mittag zu ihr  

gekommen und habe sich weinend bei ihr entschuldigt. Sie habe ihm gesagt, sie 

wolle mit ihm nicht mehr über dieses Thema reden, sie würde ihn aber nicht  

- 42 - 

anzeigen. Sie hätten auch davor schon über dieses Thema gesprochen, auch 

schon am Telefon. Sie habe ihm ein bis zweimal telefonisch gesagt, dass sie ihn 

nicht anzeigen würde, dass er keine Angst haben müsse (Urk. 3/3 S. 3 - 5).  

 Auf die Frage, was jeweils Inhalt der Gespräche gewesen sei, in welchen es 

um die Anzeige gegangen sei, erklärte die Privatklägerin 1, sie könne sich nur 

noch an das eine Mal erinnern, bei welchem er gesagt habe, es tue ihm leid, er 

habe ihr das nicht antun wollen. Es habe ihm sehr leid getan und er habe geweint. 

Mehr wisse sie nicht mehr (Urk. 3/3 S. 5).  

 Als die Eltern des Beschuldigten von der Anzeige erfahren hätten, hätten sie 

gesagt, er solle hier nie wieder auftauchen und sie habe ihnen noch gesagt, dass 

er doch ihr Sohn sei und jeder Mensch Fehler mache. Die Situation habe sich 

später wieder gelegt, nachdem sie zuerst sehr sehr negativ reagiert hätten. Sie 

habe dem Beschuldigten gesagt, er solle sich therapieren lassen. Sie habe ihm 

aber nicht mit einer Anzeige gedroht, falls er es nicht mache. Er habe dann  

versprochen, sich therapieren zu lassen. Mit ihrer Schwester habe sie bis heute 

nie über die Vorfälle geredet Urk. 3/3 S. 7 f.).  

 Auf Vorhalt der Aussage des Beschuldigten, er habe die Privatklägerin 1 nie 

davon abgehalten, ihrer Mutter von den Übergriffen zu erzählen, gab die Privat-

klägerin 1 zu Protokoll, er habe gesagt, dass sie das ihrer Mutter nicht sagen  

dürften. Er wäre sehr dumm gewesen, wenn er dies nicht gemacht hätte. Er habe  

gesagt, ihre Mutter hätte sie nicht mehr gerne, wenn sie ihr das erzählen würde 

und sie würde ihr so oder so nicht glauben, wobei sie sich betreffend Letzteres 

nicht sicher sei. Sie würden sonst auseinander gehen und so weiter. Er habe ihr 

Angst gemacht und nicht gedroht. Auf Vorhalt, dass sie gewusst hätte, dass sich 

ihre Mutter nicht auf seine Seite geschlagen hätte, sagte sie, dass man das im  

Alter von 4 bis 6 Jahren nicht wisse (Urk. 3/3 S. 8 f.).  

 Sie habe auch nach seinem Auszug von zu Hause noch Kontakt zu ihrem 

Vater gehabt, wenn auch nur wenig. Sie habe Schuldgefühle und Mitleid mit ihm 

gehabt. Sie habe gedacht, dass er sich nach seinem Auszug allein fühlen würde 

(Urk. 3/3 S. 10).  

- 43 - 

 Sie habe jeweils ihre Türe nicht abgeschlossen, weil sie gedacht habe, dass 

er traurig sei, wenn er nicht zu ihr könne (Urk. 3/3 S. 11). 

 Auf Vorhalt der Aussagen des Beschuldigten, wonach die Gründe für die 

teilweise nicht zutreffenden Belastungen Hass, Neid und finanzielle Absicherung 

seien, gab die Privatklägerin 1 zu Protokoll, ihr Vater wisse genau, dass das nicht 

stimme. Sie habe ihn im Gegenteil immer in Schutz genommen (Urk. 3/3 S. 12). 

 Die Privatklägerin 1 führte auf Frage ihres Vertreters aus, dass sie früher 

durch diese Kindheitserlebnisse sehr viele Probleme mit der Sexualität gehabt 

habe. Sie sei einfach froh gewesen, wenn sie es hinter sich gehabt habe. Und 

jetzt sei sie froh, wenn sie so viel wie möglich könne, aber am Besten nicht im 

Bett und auch nicht in der Badewanne. Sie habe ihre Partner nie im Genital-

bereich anfassen können, er habe nie oben sein dürfen und er habe sie auch nie 

von Hand anfassen dürfen. Dies sei auch heute noch so (Urk. 3/3 S. 14). 

2.5.4. Hinzuweisen ist auch auf die handschriftlichen Aufzeichnungen der Privat-
klägerin 1 (Urk. 3/ 4) mit dem Titel "Meine schlimmste Erinnerung" und dem  

Untertitel "Darüber kann ich nicht sprechen, nur schreiben". Es sollen Dokumente 

aus dem Jahr 2005 sein. Auch in jenen Aufzeichnungen schilderte die Privat-

klägerin auf eindrückliche Weise verschiedene Übergriffe des Beschuldigten. 

2.6. Vorläufige Würdigung der Aussagen der Privatklägerin 1 

Schon an dieser Stelle ist festzuhalten, dass die Aussagen der Privatklägerin 1 

konstant, lebendig, authentisch und realistisch wirken. Die beschriebenen sexuel-

len Übergriffe erscheinen selbst erlebt. Ebenso authentisch erscheint das Hadern 

mit einer Anzeige, der Verdrängungsmechanismus bis hin zu Depressionen,  

Drohen mit Selbstmord, ihrer Suche nach professioneller Hilfe, dem Schritt zur 

Anzeige und die Mühe mit dem Ausleben der Sexualität als Erwachsene. Auch 

wenn nicht zu übersehen ist, dass die Privatklägerin 1 in den verschiedenen  

Befragungen nicht in allen Punkten genau gleich ausgesagt hat, erweisen sich die 

Aussagen der Privatklägerin 1 schon für sich allein betrachtet im Kernbereich ins-

gesamt sehr glaubhaft. Wiederholt hat die Privatklägerin 1 auch positive Seiten 

- 44 - 

des Beschuldigten erwähnt. Sie verzichtete auch auf Übertreibungen (keine  

Gewaltanwendung etc.) oder auf Aggravierungen. Auf Einzelheiten ist in der  

Gesamtwürdigung näher einzugehen.  

2.7. Aussagen der Privatklägerin 2 

2.7.1. Anlässlich der polizeilichen Befragung vom 21. April 2011 (Urk. 4/1) gab die 
Privatklägerin 2 zu Protokoll, sie habe eine strenge Kindheit gehabt. Zum Einen 

sei es sehr streng und zum Anderen wieder "mega locker" und verwöhnt  

gewesen. Anstand und Manieren seien ein grosses Thema gewesen. Ihr Vater 

habe sie militärisch erzogen, so habe sie zum Beispiel, wenn sie etwas nicht  

richtig gemacht habe, eins an den "Grind" bekommen. Ihre Mutter habe die 

Schläge mitbekommen. Ihre Mutter sei unbeständig gewesen in der Erziehung 

und habe keine Linie gehabt (Urk. 4/1 S. 6 f.).  

 Sie mache eine Anzeige, weil ihr Vater sie und ihre Schwester (Privat-

klägerin 1) als Kinder sexuell missbraucht habe. Sie wolle mit dieser Anzeige  

weitere Opfer verhindern. Es sei unzählige Male zu Übergriffen gekommen. Seit 

dem letzten Übergriff seien ca. 10 Jahre vergangen. Die Übergriffe hätten haupt-

sächlich zu Hause stattgefunden, wobei sie nicht mehr genau wisse, ob es auch 

in W._____ in den Ferien Übergriffe gegeben habe. Er habe dort aber am meisten 

oben-ohne Fotos gemacht. Ihr Vater sei während der Übergriffe weder alkoholi-

siert gewesen, noch habe er unter Drogen- oder Medikamenteneinfluss gestan-

den (Urk. 4/1 S. 7).  

 Der erste Übergriff habe im Kinderzimmer stattgefunden, als ihre Mutter 

übers Wochenende weg gewesen sei. Das sei oft vorgekommen. Es sei Herbst 

oder Frühling gewesen und sie sei drei- oder vierjährig gewesen und habe schon 

laufen können. Es könne sein, dass er sie gewickelt habe, aber sie wisse nicht, ob 

es sein könne, dass sie sich daran erinnern könne. Sie verdränge immer noch, 

was er dort gemacht habe. Er sei "hässig" auf sie gewesen wegen irgendetwas. 

Sie habe auf dem Wickeltisch oder etwas Ähnlichem gelegen. Das Licht sei an 

gewesen und es sei nicht Morgen gewesen. Er habe dann etwas an ihr gemacht, 

aber sie wisse nicht mehr was. Sie habe das auch verdrängt. Es sei dort sicher-

- 45 - 

lich zu einem sexuellen Übergriff gekommen, aber sie wisse nicht mehr genau, 

was passiert sei. Ihre Schwester habe sich auch im Haus, aber nicht im selben 

Zimmer aufgehalten. Ihr Vater habe sie auch bestraft, wenn sie nichts Schlimmes 

gemacht hätten, sie wisse deshalb nicht, ob sie etwas Schlimmes gemacht habe 

und er deshalb so "hässig" gewesen sei. Er habe sie nicht geküsst bei diesem 

ersten Übergriff. Auf die Dauer des Übergriffs angesprochen, erklärte sie, es sei 

ihr wie eine Ewigkeit vorgekommen, aber sie könne nicht mehr sagen, wie lange. 

Sie habe sich damals gewehrt und "täubelet". Dann habe er wohl gemerkt, dass 

er eine andere Taktik anwenden müsse (Urk. 4/1 S. 8 f.; S. 13). 

 Danach gefragt, ob ihr Vater ihr im Zusammenhang mit den Übergriffen  

etwas versprochen, geschenkt oder bezahlt habe, erklärte die Privatklägerin 2, sie 

habe es geliebt, von ihm gestreichelt zu werden. Sie sei dann jeweils einge-

schlafen. Er habe ihr meistens vorher oder während der Übergriffe versprochen, 

dass er sie so lieb streicheln werde. Zu Beginn habe es sich bei diesem  

Streicheln noch um ein Vater-Tochter-Streicheln gehandelt. Es sei jedoch immer 

mehr mit Übergriffen verbunden worden. Er habe das Verbinden solcher Dinge 

ziemlich im Griff gehabt (Urk. 4/1 S. 9).  

 An den ersten Übergriff könne sie sich nicht mehr erinnern. Bei den weiteren 

Übergriffen sei er feiner vorgegangen, beim ersten Übergriff sei er ja eben wütend 

gewesen und sie habe sich gewehrt gehabt. Er sei jeweils mit einer Hand an die 

Vagina gegangen und mit der anderen Hand habe er sie gestreichelt, weil sie das 

so gern gehabt habe. Die Hand an der Vagina habe er dann bewegt. Er habe  

stimulieren und zeigen wollen, dass es schön sei. Er habe auch gefragt, ob sie 

das schön finde. Sie habe dann gesagt, dass es kitzle. Sie habe ihm nicht sagen 

wollen, dass es schön sei. Das Streicheln sei schön gewesen, der Rest nicht. 

Hauptsächlich habe er sie jeweils unter den Kleidern berührt. Er habe sie auch an 

den Brüsten berührt, vor allem aber an der Vagina (Urk. 4/1 S. 9 f.).  

 Danach gefragt, ob ihr Vater sie auch geküsst habe, führte die Privatklägerin 

2 aus, dass das Küssen jeweils separat gewesen sei. Er habe das nicht alles mit-

einander gemacht. Es sei dabei um Zungenküsse gegangen. Er habe das als 

Spiel gemacht, sie habe seine Zunge mit ihrer Zunge rausholen müssen. Sie  

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habe den ersten Zungenkuss mit ihrem Vater gehabt. Einmal habe er sie auf dem 

Bänkli hinter dem Haus geküsst. Das sei so "strub", jeder hätte vorbeilaufen und 

das sehen können. Sie wisse nicht, ob er sie auch geleckt habe (Urk. 4/1 S. 10).  

 Auf Frage gab die Privatklägerin 2 zu Protokoll, dass sie sein Geschlechts-

teil habe berühren müssen. Sie habe ihn da stimulieren dürfen bzw. müssen. Er 

habe dies dann so rüber gebracht, dass er dann happy und dies normal sei. Auf 

genauere Nachfrage hin sagte die Privatklägerin 2 aus, sie habe seinen Penis in 

die Hand nehmen und ihm "eins wixen" müssen. Dies sei jedoch nicht häufig vor-

gekommen (Urk. 4/1 S. 10). 

 Auf die Frage, ob der Beschuldigte mit seinen Fingern sexuelle Handlungen 

vorgenommen habe, gab die Privatklägerin 2 zur Antwort, dass er mit einem  

Finger vaginal in sie eingedrungen sei. Auf Nachfrage sagte sie aus, es habe sich 

dabei um den Zeigefinger gehandelt, sie könne sich jedoch nicht mehr erinnern, 

ob von der rechten oder linken Hand. Er habe dies auch einmal mit zwei Fingern 

versucht, was ihm jedoch nicht gelungen sei. Das mit dem Finger sei recht oft 

vorgekommen, er habe dies immer in der Badewanne gemacht, wenn die Mutter 

nicht da gewesen sei. Sie habe allein mit dem Vater gebadet, einmal sei noch die 

Schwester dabei gewesen. Die schlimmsten Übergriffe seien gewesen, als sie 

sich in der Badewanne habe auf ihn draufsetzen müssen und dann seinen Penis 

zwischen ihren Beinen gehabt habe und er sich so stimuliert habe (Urk. 4/1  

S. 10 f.).  

 Zu oralem Geschlechtsverkehr sei es nicht gekommen. Vaginalen  

Geschlechtsverkehr habe ihr Vater versucht, sie könne aber nicht sagen, wie oft. 

Es habe aber nicht funktioniert. Sie habe sich - so glaube sie - ein wenig dagegen 

gewehrt und dann habe er das sein lassen. Es sei nicht zu analem Geschlechts-

verkehr gekommen. Sie wisse aber nicht, ob er das einmal versucht habe. Sie 

glaube eher nicht, dass ihr Vater zum Samenerguss gekommen sei, sie könne 

sich jedoch nicht genau daran erinnern. Ihr Vater habe keine Gegenstände bei 

den Übergriffen verwendet. Er habe vor ihr masturbiert. Sie könne nicht sagen, 

wie oft dies vorgekommen sei. Ihr Vater habe keine Gewalt während der Über-

griffe angewendet,