# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 591440ba-3664-5c1c-958c-5a7128830fa5
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-12-18
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 18.12.2023 SST.2022.185
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-185_2023-12-18.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 2. Kammer 

 

SST.2022.185 
(ST.2021.209; StA.2018.4482) 

 

 

Urteil vom 18. Dezember 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Plüss, Präsidentin  

Oberrichter Fedier  

Oberrichter Egloff  

Gerichtsschreiber Gasser        

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Baden, 

Mellingerstrasse 207, 5405 Dättwil AG  

 

Privatkläger   A._____, 

[…] 

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin Brigitta Brunner,  

[…] 

 

    
    

Beschuldigter   C._____, geboren am tt.mm.1993,  

[…] 

verteidigt durch Rechtsanwalt Mario Bortoluzzi,  

[…]   

 

  

 
 

Gegenstand  Fahrlässige schwere Körperverletzung 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Am 26. Oktober 2021 erliess die Staatsanwaltschaft Baden folgende 

Anklageschrift: 

 

"Fahrlässige schwere Körperverletzung durch Unterlassen gemäss Art. 125 Abs. 2 

i.V.m. Art. 11 Abs. 1 StGB 

Der Beschuldigte hat fahrlässig, durch pflichtwidriges Untätigbleiben, einen Menschen am 

Körper schwer geschädigt. 

 

Am 03.07.2018 arbeitete der Beschuldigte als ausgebildeter und zertifizierter Kranführer 

für die E._____ AG, W-Strasse, [Ortschaft], auf der Baustelle der Y-Strasse in [Ortschaft]. 

Dabei war der Beschuldigte dafür verantwortlich Materialien von verschiedenen 

Unternehmen sowie auch von anderen Angestellten der E._____ AG, sicher an die 

richtigen Orte der Baustelle zu transportieren. Bereits am Vormittag des 03.07.2018 hievte 

der Beschuldigte u.a. mehrere Lasten mit Fenstern der F._____ AG, die durch die G._____ 

GmbH, QQ-Strasse, [Ortschaft], auf der Baustelle montiert werden sollten. Für die G._____ 

GmbH waren deren Geschäftsführer, H._____ (separate Anklage) sowie dessen 

Angestellte A._____, J._____ und K._____, der an diesem Tag bei der G._____ GmbH 

schnupperte, vor Ort. Nach der Mittagspause, um ca. 13:15 Uhr befestigte H._____ 

zusammen mit dem Transporteur der Fenster, AA._____, eine weitere Ladung von 

Fenstern am Kran und liess diese durch den Beschuldigten auf die andere Seite der 

Baustelle hieven, wo A._____, im Auftrag von H._____, die Fenster entgegennehmen 

sollte. A._____ hatte K._____ neben sich, der nach dem Absetzen der Fenster helfen sollte, 

die Fenster an den richtigen Ort zu bringen, damit sie dort montiert werden können. Der 

Beschuldigte befand sich in der Folge am 03.07.2018 um ca. 13:21 Uhr auf der ersten 

Etage des Baugerüsts und manövrierte von da den Flügelbock mit den Fenstern zur 

vorgesehenen Abladestelle, die sich ca. 3 Meter unterhalb von ihm, in Sichtweite, auf einem 

grob planierten Grund befand. A._____ stand bei der Abladestelle zusammen mit K._____ 

und unterstützte den Beschuldigten beim Absetzen des Flügelbocks als Einweiser. Der 

Beschuldigte stellte sodann den Flügelbock mit den Fenstern bei der Abladestelle ab. Weil 

dieser keinen sicheren Stand hatte und zu kippen drohte, wiesen A._____ und K._____ 

den Beschuldigten verbal und mit Zeichengabe an, den Flügelbock nochmals anzuheben, 

was der Beschuldigte unverzüglich tat. Dadurch wurde A._____ zum Anschläger. Beim 

erneuten Anheben drehte sich der Flügelbock, wodurch die darauf befindlichen acht 

Fenster (77.3 cm x 225.4 cm; Gesamtgewicht von ca. 687 kg) vom Flügelbock rutschten 

und auf den Boden sowie teilweise auf A._____, fielen. A._____, v.d. Rechtsanwältin lic. 

iur. Brigitta Brunner wurde durch die auf ihn fallenden Fenster schwer verletzt und erlitt 

eine Querschnittlähmung. 

 

Die nachfolgenden Ermittlungen ergaben, dass der Flügelbock mit den Fenstern kippte, 

weil eines oder beide Hebebänder beim Flügelbock aus der dafür vorgesehenen 

Hakenvorrichtung gerutscht waren, nachdem der Flügelbock durch den Beschuldigten kurz 

aufgesetzt und folglich wieder angehoben wurde. 

 

Als zertifizierter Kranführer auf der Baustelle kam dem Beschuldigten eine 

Garantenstellung zu, wobei er als Garant dafür verantwortlich war, die gesetzlichen 

Richtlinien zu erfüllen und dadurch die Rechtsgüter des Geschädigten zu schützen. 

Insbesondere war der Beschuldigte von Gesetzes wegen verpflichtet, bei der Arbeit mit 

Kranen Lasten für den Hebevorgang so zu sichern, so am Kranhaken zu befestigen 

 - 3 - 

 

 

(anzuschlagen) und nach dem Hebevorgang so abzustellen, dass sie nicht in Gefahr 

bringender Weise umstürzen, herabstürzen oder abrutschen können (Art. 6 Abs. 1 der 

Verordnung über die sichere Verwendung von Kranen [SR 832.312.15]). Gemäss Abs. 3 

derselben Bestimmung sind Personen, die Lasten anschlagen, zu dieser Arbeit anzuleiten. 

 

Indem der Beschuldigte vorliegend weder vorgängig überprüfte, ob A._____ ausreichend 

als Einweiser und Anschläger instruiert gewesen ist noch ob er sich als solcher eignete, 

hat er seine Sorgfaltspflichten verletzt. Zudem hat es der Beschuldigte pflichtwidrig 

unterlassen, vor erneutem Anheben des Flügelbocks zu überprüfen, ob dieser weiterhin 

richtig angeschlagen war. Vorliegend wäre es dem Beschuldigten ohne weiteres möglich 

und zumutbar gewesen, vorgängig, d.h. bevor er A._____ konkludent als Einweiser und 

Anschläger bestimmte, diesen nach seiner Ausbildung bzgl. Einweisen und Anschlagen 

von Lasten zu fragen und seine Eignung entsprechend zu beurteilen. Des Weiteren wäre 

es für den Beschuldigten möglich und zumutbar gewesen, vor erneuter Anhebung des 

Flügelbocks zu verifizieren, ob dieser weiterhin korrekt angeschlagen war, d.h. dass beide 

Hebebänder noch immer in der dafür vorgesehenen Hakenvorrichtung lagen.  

 

Die Pflichtverletzung des Beschuldigten war nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und 

der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet, die Verletzung von A._____ herbeizuführen 

oder zumindest zu begünstigen. Der Unfall und die daraus resultierenden Verletzungen 

von A._____ sind damit darauf zurückzuführen, dass der Beschuldigte die Folgen seines 

Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedacht oder darauf keine Rücksicht 

genommen hat. Hätte der Beschuldigte vorgängig die Eignung von A._____ als Einweiser 

überprüft und nach dem Absetzen des Flügelbocks dessen korrekte Befestigung verifiziert, 

wäre der Flügelbock mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht gekippt und hätte somit A._____ 

nicht verletzen können. Dem Beschuldigten war als zertifizierter Kranführer bewusst, 

welche Gefahren mit dem Umgang von schweren Lasten drohen. Somit war es für den 

Beschuldigten vorhersehbar, dass eine nicht genügend geschulte Person, einerseits eine 

schwere Last nicht korrekt entgegennehmen und andererseits – bei auftauchenden 

Problemen – nicht angemessen reagieren würde, was folglich zu einem schweren Unfall 

führen kann, wie vorliegend eingetreten." 

 

2. 

2.1. 

Anlässlich der Hauptverhandlung vom 21. Juni 2022 vor der Präsidentin 

des Bezirksgerichts Baden wurden der Privatkläger, der Mitbeschuldigte 

H._____ (obergerichtliches Verfahren SST.2022.186) sowie der 

Beschuldigte befragt. 

 

2.2. 

Der Privatkläger stellte folgende Anträge: 

 

"Strafpunkt: 
 
1. 
Es sei der Beschuldigte wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung 
gemäss Art. 125 Abs. 2 i.V.m. Art. 11 Abs. 1 StGB zu verurteilen. 
 
2. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beschuldigten. 
 
Zivilpunkt: 

 - 4 - 

 

 

 
1. 
Es sei der Beschuldigte zu verpflichten, dem Zivil- und Strafkläger eine 
Genugtuung in der Höhe von CHF 165'000.00 nebst Zins zu 5 % seit dem 
schädigenden Ereignis am 3. Juli 2018 zu bezahlen. 
 
2. 
Es sei der Beschuldigte zu verpflichten, dem Zivil- und Strafkläger eine 
Entschädigung für das aufgelaufene Anwaltshonorar in Höhe von 
CHF 27'937.95 (inkl. MWSt.) zu bezahlen. 
 
3. 
Die restlichen Zivilforderungen, insbesondere bezüglich des 
Schadenersatzanspruchs, seien auf den Zivilweg zu verweisen. 
 
4. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beschuldigten." 
 
 

2.3. 

Der Beschuldigte liess folgende Anträge stellen: 

 

"1. 
Es sei der Beschuldigte von Schuld und Strafe freizusprechen; 
 
2. 
die Zivilforderungen des Privatklägers seien abzuweisen, eventualiter auf 
den Zivilweg zu verweisen; 
 
3. 
das Entschädigungsbegehren des Privatklägers betreffend 
Prozessaufwendungen sei abzuweisen; 
 
4. 
die Kosten der Untersuchung und des Gerichtsverfahrens seien auf die 
Gerichtskasse zu nehmen und  
 
5.  
der Beschuldigte für die Kosten seiner Verteidigung angemessen zu 
entschädigen." 
 
 

2.4. 

Die Präsidentin des Bezirksgerichts Baden fällte am 21. Juni 2022 das 

folgende Urteil: 

 

"1. 
Der Beschuldigte C._____ wird von Schuld und Strafe freigesprochen. 
 
2. 
Die beschlagnahmte Plastikfolie wird eingezogen und vernichtet. 
 
3. 
3.1. 

 - 5 - 

 

 

Der Antrag des Zivil- und Strafklägers A._____ auf Zusprechung einer 
Entschädigung für aufgelaufene Anwaltskosten wird abgewiesen (Art. 433 
StPO). 
 
3.2. 
Im Übrigen wird die Zivilklage des Zivil- und Strafklägers auf den Zivilweg 
verwiesen (Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO).  
 
4. 
Die Verfahrenskosten gehen zu Lasten des Staates. 
 
5. 
Der unentgeltlichen Rechtsvertreterin des Zivil- und Strafklägers, lic. iur. 
Brigitta Brunner, Rechtsanwältin, Baden, wird eine Entschädigung von 
Fr. 2'096.60 (inkl. Auslagen von Fr. 56.70 und MWST von Fr. 149.90) zu 
Lasten der Staatskasse zugesprochen und die Gerichtskasse Baden 
angewiesen, die Auszahlung vorzunehmen. 
 
Von einer Rückforderung der Kosten vom Zivil- und Strafkläger wird 
gestützt auf Art. 30 Abs. 3 OHG abgesehen. 
 
6. 
Dem Beschuldigten wird eine Entschädigung von Fr. 23'916.70 (inkl. 
Auslagen von Fr. 646.80 und MWST von Fr. 1'709.90) zu Lasten der 
Staatskasse zugesprochen und die Gerichtskasse Baden angewiesen, die 
Auszahlung nach Rechtskraft vorzunehmen."  
 

3. 

3.1. 

Gegen das ihm im Dispositiv zugestellte Urteil meldete der Privatkläger mit 

Eingabe vom 21. Juni 2022 Berufung an. Das begründete Urteil wurde ihm 

am 15. August 2022 zugestellt. 

 

3.2. 

Mit (begründeter) Berufungserklärung vom 5. September 2022 stellte der 

Privatkläger die folgenden Anträge: 

 

"1. 
In Gutheissung der Berufung seien die Ziffern 1 und 3 des Urteils des 
Bezirksgerichts Baden vom 21. Juni 2022 aufzuheben und es sei wie folgt 
zu entscheiden: 
 
1. Der Beschuldigte C._____ sei der fahrlässigen schweren 

Körperverletzung durch Unterlassen gemäss Art. 125 Abs. 2 i.V.m. 
Art. 11 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. 

2. Es sei der Beschuldigte zu verpflichten, dem Zivil- und Strafkläger 
eine Genugtuung in Höhe von CHF 165'000.00 nebst Zins zu 5 % 
seit dem schädigenden Ereignis am 3. Juli 2018 zu bezahlen. 

3. Es sei der Beschuldigte zu verpflichten, dem Zivil- und Strafkläger 
eine Entschädigung für das aufgelaufene Anwaltshonorar in Höhe 
von CHF 27'937.95 (inkl. MWSt) zu bezahlen. 

4. Die restlichen Zivilforderungen, insbesondere bezüglich des 
Schadenersatzanspruchs, seien auf den Zivilweg zu verweisen. 

2. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beschuldigten. 

 - 6 - 

 

 

 
Begehren um unentgeltliche Rechtspflege: 
 
Dem Zivil- und Strafkläger sei die unentgeltliche Rechtspflege zu 
gewähren und ihm die unterzeichnende Rechtsanwältin als unentgeltliche 
Rechtsbeiständin zu bestellen." 
 

3.3. 

Mit Verfügung vom 8. September 2022 wurde dem Privatkläger die 

unentgeltliche Rechtspflege für das Verfahren vor Obergericht gewährt. 

 

3.4. 

Mit Schreiben vom 13. September 2022 verzichtete die Staatsanwaltschaft 

Baden darauf, einen Nichteintretensantrag zu stellen oder eine Anschluss-

berufung zu erklären. 

 

3.5. 

Mit Berufungsantwort vom 23. November 2022 beantragte der Be-

schuldigte die Abweisung der Berufung des Privatklägers unter 

Kostenfolgen. 

 

3.6. 

Am 18. Dezember 2023 fand die Berufungsverhandlung vor Obergericht 

mit Befragung des Beschuldigten und des Mitbeschuldigten H._____ statt. 

 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Dem Privatkläger wurde mit Verfügung der Verfahrensleiterin vom  

8. September 2022 die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt, womit sich der 

diesbezügliche Antrag des Privatklägers als gegenstandslos erweist 

(vgl. Berufung vom 5. September 2022, Verfahrensantrag).  

 

2. 

2.1. 

Die Staatsanwaltschaft Baden wirft dem Beschuldigten in der Anklage-

schrift vom 26. Oktober 2021 zusammengefasst vor, dass dieser als 

ausgebildeter und zertifizierter Kranführer auf einer Baustelle in [Ortschaft] 

einen Flügelbock mit Fenstern mittels Kran zur vorgesehenen Abladestelle 

manövriert und den Flügelbock mit den Fenstern dort abgeladen habe, 

wobei er durch den Privatkläger bei der Abladestelle als Einweiser 

unterstützt worden sei. Da der Flügelbock keinen sicheren Stand gehabt 

und zu kippen gedroht habe, sei der Beschuldigte durch den Privatkläger 

verbal und mittels Zeichenabgabe darauf hingewiesen worden, den 

Flügelbock nochmals anzuheben, was er unverzüglich getan habe. Beim 

 - 7 - 

 

 

erneuten Anheben habe sich der Flügelbock gedreht, wodurch die darauf 

befindlichen acht Fenster auf den Boden sowie teilweise auf den 

Privatkläger gestürzt seien und diesen schwer verletzt hätten. Indem der 

Beschuldigte nicht geprüft habe, ob der Privatkläger ausreichend als 

Einweiser und Anschläger instruiert gewesen sei und sich als solcher 

geeignet habe, habe er seine Sorgfaltspflichten verletzt. Ferner habe es der 

Beschuldigte unterlassen, vor erneutem Anheben des Flügelbocks zu 

überprüfen, ob dieser weiterhin richtig angeschlagen gewesen sei. 

 

2.2. 

Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten mangels Sorgfalts-

pflichtverletzung von der Anklage der fahrlässigen schweren Körper-

verletzung durch Unterlassen frei.  

 

2.3. 

Die Berufung des Privatklägers richtet sich gegen den Freispruch des 

Beschuldigten vom Vorwurf der fahrlässigen schweren Körperverletzung 

durch Unterlassen gemäss Art. 125 Abs. 2 i.V.m. Art. 11 Abs. 1 StGB sowie 

gegen die Abweisung seiner Zivilforderung (Dispositivziffern 1 und 3 des 

vorinstanzlichen Urteils). Unangefochten geblieben und deshalb nicht mehr 

zu überprüfen sind die Einziehung und Vernichtung der Plastikfolie 

(Dispositivziffer 2 des vorinstanzlichen Urteils) und die Entschädigung der 

unentgeltlichen Rechtsvertreterin des Privatklägers (Dispositivziffer 5 des 

vorinstanzlichen Urteils).  

 

3. 

Soweit der Privatkläger vor Obergericht als Subeventualantrag eine 

Wiederholung der staatsanwaltschaftlichen Untersuchungshandlungen 

beantragt (vgl. Plädoyer Privatkläger, S. 9 f.), da diese (insb. die Einver-

nahmen) durch Assistenz-Staatsanwältin O._____ und damit in Verletzung 

der Zuständigkeitsvorschriften erfolgt seien, kann ihm nicht gefolgt werden. 

Wichtige Beweiserhebungen wie bspw. die Erteilung des 

Gutachterauftrags (UA act. 73) wurden im vorliegenden Fall durch den 

zuständigen Staatsanwalt P._____ vorgenommen (§ 27 Abs. 3 EG StPO). 

Im Weiteren durfte die Assistenz-Staatsanwältin O._____ mit der 

Durchführung von Einvernahmen betraut werden (§ 27 Abs. 1 EG StPO), 

zumal nicht ersichtlich ist, dass eine Schlusseinvernahme durchgeführt 

worden wäre (vgl. § 27 Abs. 3 EG StPO). Im Übrigen ist der Einwand des 

Privatklägers als rechtsmissbräuchlich zu qualifizieren, zumal er diesen 

Einwand erstmals anlässlich der obergerichtlichen Berufungsverhandlung 

vorbringt, obschon er (bzw. seine Rechtsvertreterin) bei den entspre-

chenden durch Assistenz-Staatsanwältin O._____ durchgeführten 

Einvernahmen anwesend war (UA act. 220 ff.; UA act. 241 ff.; UA act. 265 

ff.; UA act. 275 ff; UA act. 287 ff.), die Befragung durch die Assistenz-

Staatsanwältin aber zum damaligen Zeitpunkt und auch im 

erstinstanzlichen Verfahren in keiner Weise beanstandete.   

 - 8 - 

 

 

4. 

4.1. 

Folgender Sachverhalt ist erstellt und unbestritten:  

 

Am 3. Juli 2018 kurz nach 13:00 Uhr ereignete sich auf einer Baustelle in 

[Ortschaft] ein Arbeitsunfall (UA act. 53 ff.), wodurch der Privatkläger u.a. 

eine Querschnittlähmung erlitt (GA Oger act. 67 f.). Der Beschuldigte, 

welcher zum Unfallzeitpunkt im Besitz eines gültigen Kranführerausweises 

Kat. B war (UA act. 54; Bild "IMG_2449.JPG", auf: CD "Fotos von Unfalltag 

3.7.2018" nach UA act. 211) und für die E._____ AG arbeitete, hievte einen 

Flügelbock (mit acht durch Schrumpffolie fixierte Fenster mit einem 

Gesamtgewicht von ca. 687 kg [UA act. 55; UA act. 85]) mittels Kran über 

die Gebäude "Haus A" und "Haus B" hinweg auf die Rückseite des "Hauses 

B", wo er den Flügelbock auf einem Vorplatz abstellen sollte (UA act. 55; 

UA act. 59; "452_Baustelleninstallation1", in: UA act. 10). Die Fenster 

waren korrekt auf dem Flügelbock fixiert (UA act. 48; UA act. 90, Frage 4). 

Der Flügelbock wurde zuvor auf dem Lastwagen des Fensterherstellers 

F._____ AG vom Chauffeur AA._____ und dem Chefmonteur der 

Fenstermontagefirma G._____ GmbH (und Vorgesetzten des 

Privatklägers) H._____ angeschlagen (UA act. 222, Fragen 23 ff.; UA 

act. 244, Frage 27) und in der Folge durch den Beschuldigten mit dem Kran 

an die Abladestelle transportiert, wo der Privatkläger, als Mitarbeiter der 

G._____ GmbH (UA act. 40), den Flügelbock zusammen mit dem 

Schnupperarbeiter der G._____ GmbH K._____ hätte entgegennehmen 

und entladen sollen (UA act. 290, Fragen 24). Auf der Baustelle befand sich 

ferner der Hilfsarbeiter der G._____ GmbH J._____ (UA act. 225, Frage 

52; UA act. 277, Fragen 18 ff.). Der Beschuldigte befand sich während des 

Transportvorgangs mit AD._____, einem Polier der E._____ AG, auf einem 

Baugerüst (UA act. 266, Frage 13; UA act. 267, Fragen 28 und 32; UA act. 

272). Während des Abladevorgangs des Flügelbocks intervenierten der 

Privatkläger und der bei ihm stehende K._____ beim Beschuldigten, worauf 

der Beschuldigte den Flügelbock wieder anhob (UA act. 289, Frage 20; 

Berufung vom 5. September 2022, N. 15). Daraufhin drehte sich der 

Flügelbock und kippte, woraufhin die auf dem Flügelbock befestigten 

Fenster hinunterstürzten und (teilweise) den Privatkläger am Rücken trafen 

(UA act. 48 ff.; UA act. 53). Die obere Schrumpffolie war nicht gerissen, 

womit die Fenster nicht seitlich abrutschten, sondern erst beim Drehen des 

Flügelbocks hinunterstürzten (UA act. 48; UA act. 50; UA act. 71, Frage 7). 

Zum Zeitpunkt, als der Flügelbock kippte, lag mindestens eine Gurte nicht 

oder nicht mehr in den Führungshaken des Flügelbocks (UA act. 48; UA 

act. 55), ansonsten der Flügelbock nicht hätte kippen können (UA act. 55). 

Der Baustellenkran war technisch in Ordnung und geprüft (UA act. 48).  

 

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4.2. 

4.2.1. 

Gemäss Anklage sei der Flügelbock mit den Fenstern gekippt, nachdem 

der Flügelbock durch den Beschuldigten kurz aufgesetzt und dann wieder 

angehoben worden sei. Dies habe dazu geführt, dass ein oder beide 

Hebebänder beim Flügelbock aus der dafür vorgesehenen Hebevor-

richtung gerutscht seien. In tatsächlicher Hinsicht umstritten und zu prüfen 

ist als erstes, ob der Flügelbock durch den Beschuldigten bei der 

Abladestelle auf dem Boden abgesetzt und wieder angehoben wurde. 

 

4.2.2. 

Die Vorinstanz ging davon aus, dass nicht erwiesen sei, dass der 

Flügelbock zwischenzeitlich am Boden abgesetzt worden sei (vor-

instanzliches Urteil, E. 3.4.5.). Soweit der Privatkläger im Zusammenhang 

mit dieser vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellung eine Verletzung des 

Immutabilitätsprinzips geltend macht (Berufung vom 5. September 2022, 

N. 19), indem die Vorinstanz alternative Sachverhaltsvarianten in 

Erwägung gezogen habe, ist vorab festzuhalten, dass das Gericht an den 

in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt gebunden ist (Art. 350 Abs. 

1 StPO). Dies schliesst aber nicht aus, eine alternative Sachverhalts-

variante aufzuzeigen, insbesondere dann, wenn der angeklagte Sach-

verhalt nicht erstellt werden kann. Nicht zulässig wäre demgegenüber, für 

die Entscheidfindung auf den (nicht angeklagten) Alternativsachverhalt 

abzustellen, was die Vorinstanz indes nicht tat. Die Rüge des Privatklägers 

erweist sich als unbegründet. 

 

4.2.3. 

Hinsichtlich der Frage, ob der Flügelbock auf dem Boden aufsetzte, liegen 

die Aussagen von AD._____ (UA act. 265 ff.) und K._____ (UA act. 287 ff.) 

vor. Der Beschuldigte berief sich im gesamten Verfahren auf sein 

Aussageverweigerungsrecht (UA act. 212 ff.; GA act. 42 f.), der 

Mitbeschuldigte H._____ und der Zeuge J._____ machten diesbezüglich 

keine sachdienlichen Beobachtungen (UA act. 222, Frage 24; UA act. 277, 

Frage 22; Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 6) und der Privatkläger 

konnte sich nicht an den Unfallhergang erinnern (UA act. 243, Frage 17; 

UA act. 245, Frage 45; GA act. 39 ff.). Andere Beweismittel liegen nicht vor. 

 

4.2.4. 

AD._____ gab anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Einvernahme 

vom 13. Mai 2019 zu Protokoll, dass er seit Januar 2018 als Polier für die 

AE._____ AG (recte: E._____ AG) arbeite (UA act. 266, Fragen 11 und 12). 

Der Kranführer der E._____ AG (folglich der Beschuldigte) habe die 

Fenster transportiert. Der Beschuldigte sei auf dem Gerüst etwa 4 bis 5 

Meter entfernt von ihm gestanden. Die zwei Personen bei der Abladestelle 

(folglich der Privatkläger und K._____) hätten gesagt: "abe mit Palette". Die 

zwei Personen (Privatkläger und K._____) hätten entschieden, nicht an 

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dieser Stelle abzuladen, sondern hätten ca. 1 bis 2 Meter weiter auf eine 

andere Seite gewollt. Die Palette sei unten gewesen, sei aber nicht 

abgehängt worden. Die zwei Personen (Privatkläger und K._____) hätten 

dann gesagt, etwas weiter nach links oder rechts, was er nicht mehr genau 

wisse. Die Palette sei ca. 1 Meter oder 1.50 Meter in der Höhe gewesen 

und dann gekippt. Die Fenster seien gekippt, die Palette sei "geblieben" 

(UA act. 266, Frage 13). Den Transfer des Flügelbocks über die Gebäude 

habe er von seinem Standort nicht sehen können (UA act. 267, Frage 16). 

Er habe gesehen, wie der Flügelbock abgesetzt worden sei (UA act. 267, 

Frage 17), wobei alles ganz normal gewesen sei (UA act. 267, Frage 18). 

Weshalb der Flügelbock nochmals angehoben worden sei, wisse er nicht, 

möglicherweise hätten die zwei Personen (Privatkläger und K._____) die 

Palette nicht dort abstellen wollen (UA act. 267, Frage 20). Der Flügelbock 

sei ganz normal auf dem Boden abgestellt worden, sei gerade gestanden 

und sei nicht kraftvoll, sondern sanft abgesetzt worden, weil sonst die 

Fenster kaputt gegangen wären (UA act. 267, Fragen 24 ff.). Die Distanz 

von seinem Standort (1. Etage auf dem Gerüst) bis "runter" zum 

Unfallstandort gab AD._____ mit 3 bis 4 Meter an (UA act. 267, Frage 30). 

Nach dem Unfall sei der Flügelbock wieder angehoben und nach rechts 

verschoben worden, da er noch über dem Privatkläger gehangen habe (UA 

act. 268, Fragen 42 und 43). Auf eine mögliche Ursache für den Unfall 

angesprochen, gab AD._____ an, dass die Fenster nicht richtig an der 

Palette befestigt gewesen seien. Sie seien nur mit Plastik umwickelt 

gewesen. Wie die Fenster "rausgekommen" seien, wisse er nicht (UA act. 

268, Frage 44). Es sei unklar, wie die Fenster vom Flügelbock gekippt seien 

(UA act. 268, Frage 47). Ob der Grund für das Kippen des Flügelbocks ein 

Anhängen gewesen sei, habe er nicht sehen können (UA act. 269, Fragen 

52 und 53). Er habe gesehen wie der Flügelbock nach unten gekommen 

sei, auf dem Boden aufgesetzt habe, nochmals angehoben worden und 

dann gekippt sei (UA act. 269, Frage 54). Beim Absetzen des Flügelbocks 

habe er zwei Seile gesehen und zwei Seile nicht (UA act. 269, Frage 61). 

Ob die Seile, gespannt oder unter dem Flügelbock gewesen seien, als der 

Flügelbock am Boden gestanden habe, konnte AD._____ nicht beurteilen 

(UA act. 269, Frage 62). Der Flügelbock sei 5 bis 10 Sekunden am Boden 

gestanden, bevor er wieder angehoben worden sei (UA act. 269, Frage 63).  

 

4.2.5. 

K._____ gab im Rahmen seiner staatsanwaltschaftlichen Einvernahme 

vom 13. September 2019 zu Protokoll, sich als Schnupperarbeiter für die 

G._____ GmbH auf der Baustelle aufgehalten zu haben (UA act. 289, 

Frage 15). Seine Aufgabe habe darin bestanden, Fenster zu montieren und 

Fenster vom Kranführer entgegen- und abzunehmen (UA act. 289, Frage 

17). Er habe zusammen mit dem Privatkläger unten am Boden gestanden. 

Der Kran habe die Fenster ganz langsam heruntergelassen. Kurz bevor der 

Flügelbock am Boden gestanden sei, hätten sie angefangen zu kippen. Er 

und der Privatkläger hätten sofort reagiert und "Stopp" gerufen. Sie hätten 

 - 11 - 

 

 

etwas sagen müssen, da er Angst gehabt hätte, dass es auf ihn kippe. Es 

wurde dann nochmals angehoben und in diesem Moment sei es dann 

passiert, wobei der Privatkläger und der Beschuldigte keine Schuld daran 

hätten. Der Privatkläger habe nicht davonlaufen können, er habe keine 

Chance gehabt (UA act. 289, Frage 20). Weiter gab K._____ an, dass der 

Privatkläger und er "Chli lüpfe, chli lüpfe" gerufen hätten (UA act. 291 

Fragen 38 und 49). Auf Nachfrage führte K._____ aus, nicht sicher zu sein, 

ob der Flügelbock auf dem Boden aufgesetzt habe oder nicht. Die Ladung 

habe auf jeden Fall gewackelt und sei dann wieder angehoben worden (UA 

act. 289, Frage 21). K._____ konnte nicht angeben, weshalb der 

Flügelbock nochmals angehoben wurde. Die Ladung sei 

heruntergekommen, wobei er nicht wisse, ob die Ladung am Boden 

gewesen sei oder nicht. Sie habe gewackelt. Er und der Privatkläger hätten 

dann "Stopp" gerufen und in diesem Moment beim Anheben habe es 

angefangen zu kippen. Sie hätten es im Moment, als der Flügelbock am 

Boden oder fast am Boden gestanden habe, für sinnvoll empfunden, wenn 

der Flügelbock wieder angehoben würde. Er und der Privatkläger hätten 

laut gesagt, dass der Flügelbock wieder angehoben werden soll. Beim 

Anhebevorgang sei es dann gekippt (UA act. 289, Frage 22). Durch das 

Anheben hätten er und der Privatkläger sicherstellen wollen, dass die 

Fenster nicht zu Boden fallen würden, um einen Schaden zu vermeiden. Er 

sei das erste Mal dagewesen und habe nicht gewusst, wie reagieren 

(UA act. 290, Frage 23). K._____ konnte nicht angeben, aus welchen 

Gründen die Fenster gewackelt haben (UA act. 291, Frage 50).  

 

4.2.6. 

Vorab ist festzuhalten, dass K._____ und AD._____ nach vorgängiger 

Rechtsbelehrung als Zeugen einvernommen wurden und glaubwürdig 

erscheinen, zumal kein Motiv für eine Falschaussage erkennbar ist und 

beide Zeugen Erinnerungslücken, Nichtwissen und/oder Unsicherheiten 

anlässlich ihrer Befragung offenlegten.  

 

AD._____ gab anlässlich seiner Einvernahme klar und unmissverständlich 

zu Protokoll, dass er das Aufsetzen des Flügelbocks auf dem Boden 

beobachtete. Der Flügelbock habe normal aufgesetzt und sei während 5 

bis 10 Sekunden am Boden gestanden, bevor er wieder angehoben worden 

sei. Selbst wenn AD._____ den Vorgang von der ersten Etage des 

Baugerüsts in einem spitzen Winkel beobachtete, bestehen keine 

ernsthaften Zweifel daran, dass er als Polier und folglich als erfahrener 

Arbeiter auch von diesem Standort aus beurteilen konnte, ob der 

Flügelbock auf dem Boden aufsetzte, zumal er sich gemäss seinen 

Angaben nur in 3 bis 4 Meter Entfernung zum Unfallort befand und der 

Flügelbock für 5 bis 10 Sekunden am Boden stand. Dass der Flügelbock 

auf dem Boden aufsetzte, wird auch durch den Schnupperlehrling K._____ 

nicht ausgeschlossen. Nachdem dieser anfänglich festhielt, dass der 

Flügelbock nicht am Boden gestanden habe, relativierte er in den folgenden 

 - 12 - 

 

 

Einvernahmen mehrfach seine Aussage und gab zu Protokoll, dass er sich 

diesbezüglich nicht mehr sicher sei und die Ladung eventuell am Boden 

stand, bevor sie wieder angehoben wurde. Auszugehen ist demnach 

gestützt auf die klaren Aussagen des Zeugen AD._____, sowie der 

Aussage des Zeugen K._____, welcher es ebenfalls als möglich erachtete, 

dass die Ladung abgesetzt worden war, davon, dass der Flügelbock auf 

dem Boden aufgesetzt worden war. Es wäre demnach auch vollends 

leichtsinnig gewesen, die Ladung – hätten die Fenster noch in der Luft 

gewackelt – wieder hochziehen zu lassen, zumal das Risiko einer 

Beschädigung der Fenster oder einer Verletzung der beteiligten Arbeiter 

dadurch noch erhöht worden wäre. Nachvollziehbarer und logischer 

erscheint vielmehr, dass die Last nochmals angehoben wurde, weil sie auf 

dem unebenen Boden (vgl. UA act. 57) "wackelte" und deshalb verschoben 

werden sollte. In Würdigung der Aussagen der beiden Zeugen und der 

damals vorliegenden Situation (unebener Boden) bestehen für das 

Obergericht keine unüberwindbaren Zweifel, dass der Flügelbock auf dem 

Boden aufsetzte, ins "wackeln" geriet, der Abladevorgang gestoppt und der 

Flügelbock anschliessend wieder angehoben wurde.  

 

4.3. 

4.3.1. 

Nachdem das Aufsetzen des Flügelbocks auf dem Boden zweifelsfrei 

erstellt werden konnte, ist zu prüfen, wann und weshalb mindestens eine 

Gurte aus der dafür vorgesehenen Hakenvorrichtung rutschte, woraufhin 

der Flügelbock kippte.  

 

4.3.2. 

Als Sachbeweise liegen das Gutachten (UA act. 83 ff.) und das 

Ergänzungsgutachten (UA act. 108 ff.) vor, welche im Auftrag der 

Staatsanwaltschaft Baden durch den zertifizierten Gerichtsexperten und 

Sicherheitsingenieur AH._____ erstellt wurden. Gemäss Gutachter ist es 

möglich, dass sich eine oder beide Gurte aus der Führung lösen, wenn die 

Ladung während des Transports an einem Gerüst anhängt, wobei der 

Gutachter die Wahrscheinlichkeit hierfür, beim Einsatz eines ausgebildeten 

Kranführers, als gering einstuft (UA act. 91, Fragen 9 und 10). Weiter wird 

im Gutachten ausgeführt, dass ein Flügelbock mit Fenstern, bei welchem 

keine der Gurte korrekt in der oberen Führung liegt, vom Lastwagen bis 

zum Zielort transportiert werden könne, ohne zu Kippen (UA act. 88, Frage 

2; UA act. 89, Frage 3), dies allerdings nur ohne irgendeinen auslösenden 

Faktor. Ein auslösender Faktor könne dazu führen, dass der Schwerpunkt 

der Last ausserhalb der Gurten zu liegen kommt, wodurch die Last kippen 

würde (UA act. 88, Frage 2). So führe, wenn keine der Gurten korrekt in 

der oberen Führung liege, bereits eine geringe Abweichung von den Soll-

Bedingungen (Last ist nicht ganz zentrisch gelagert, Last wird angestossen, 

Last steht vor dem Anheben schief auf der Unterlage, schnelle seitliche 

Kranbewegung, Verwendung von ungleich langen Traggurten etc.) zum 

 - 13 - 

 

 

Kippen der Last (UA act. 88, Frage 2). Liege nur eine Gurte korrekt in der 

Führung, sei die Stabilität noch geringer (UA act. 89, Frage 3). Die SUVA 

kommt in ihrer Kurzexpertise vom 12. Februar 2019 zum gleichen Schluss, 

wobei die Möglichkeit eines Transports des Flügelbocks bis zum Zielort 

ohne zu kippen überhaupt bezweifelt wird (UA act. 71, Fragen 4 und 5). 

Schliesslich wird im Gutachten festgehalten, dass es beim Aufsetzen des 

Flügelbocks auf dem Boden zu einer Entlastung der Gurten komme und 

sich dabei eine oder beide Gurte aus der Führung lösen könnten (UA act. 

92, Frage 11). Hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit eines solchen Szenario 

kommt das Gutachten zum Schluss, dass insbesondere dann, wenn der 

Flügelbock schief auf dem Untergrund aufsetze und so eine Gurte stärker 

entlastet werde, es vorhersehbar sei, dass sich eine der beiden Gurten aus 

der Führung lösen könnten (UA act. 92, Frage 12).  

 

4.3.3. 

Vorab ist festzuhalten, dass die Gutachten vollständig, schlüssig und 

nachvollziehbar sind, woran die – dem Gutachten widersprechenden – 

Aussagen des Mitbeschuldigten H._____ nichts zu ändern vermögen (vgl. 

Berufung vom 5. September 2022, N. 20; UA act. 229, Fragen 92 ff.) und 

sich aufgrund der übrigen Beweismittel keine ernsthaften Einwände gegen 

die Schlüssigkeit der gutachterlichen Darstellungen aufdrängen.  

 

Aufgrund der gutachterlichen Stellungnahme ist es denkbar, dass ein 

Flügelbock am Ausgangspunkt angehoben und zur Abladestelle trans-

portiert wird, obschon keine oder nur eine Gurte korrekt in der Führung liegt, 

wofür gemäss Gutachter allerdings vorausgesetzt ist, dass kein aus-

lösender Faktor (bspw. Anstossen der Ladung oder ruckartige seitliche 

Kranbewegung) dazu führt, dass der Schwerpunkt der Last ausserhalb der 

Gurten zu liegen kommt, wodurch die Last kippen würde. Ebenso wäre es 

vorstellbar, dass ein Haken aus der Führung rutscht, weil der Flügelbock 

während des Transport anhängt. Keine der einvernommenen Personen hat 

hinsichtlich eines auslösenden Faktors oder eines Anhängens der Last 

während des Transports konkrete Beobachtungen gemacht: H._____ gab 

anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Einvernahme zu Protokoll, der 

Ladung bis über dem Gebäude nachgeschaut zu haben, dabei aber nichts 

bemerkt zu haben (UA act. 223, Fragen 35 und 36). AD._____ hat den 

Transport gemäss seinen Angaben nicht beobachtet (UA act. 267, Frage 

16), gab aber zu Protokoll, dass die Ladung beim Abladen nicht angehängt 

habe (UA act. 269, Fragen 52 ff.). J._____ beobachtete den Transport nicht 

(UA act. 278, Frage 30), wobei er anlässlich seiner Einvernahme ausführte, 

dass der Flügelbock am Gerüst hängen geblieben sein müsse, was er aber 

lediglich daraus schlussfolgerte, dass die Folie am Flügelbock zerrissen 

war (UA act. 279, Fragen 39 ff.). K._____ schilderte anlässlich seiner 

Einvernahme, nicht den Transport des Flügelbocks, sondern lediglich 

dessen "langsames Herunterlassen" beobachtet zu haben (UA act. 290, 

Frage 26). Ob die Last während des Transports zu nahe am Gerüst 

 - 14 - 

 

 

gewesen sei, konnte er nicht beurteilen (UA act. 291, Frage 49). Keine der 

einvernommenen Personen, welche jeweils unterschiedliche Stationen des 

Transports beobachtet hatten, konnte einen auslösenden Faktor oder ein 

Anhängen der Last in der jeweilig beobachteten Situation wahrnehmen. 

Nachdem keiner der befragten Beteiligten ein "Anhängen" feststellen 

konnte und auch im Gutachten darauf hingewiesen wurde, dass die 

Wahrscheinlichkeit eines solchen "Anhängens" bei einem ausgebildeten 

Kranführer gering sei, ist diese Variante im vorliegenden Fall 

auszuschliessen. In Würdigung der Aussagen von H._____, der hinsichtlich 

der Anschlagetechnik erfahren und fachkundig ist (vgl. UA act. 222 f., Frage 

28) und insbesondere um die Wichtigkeit des korrekten Anschlagens 

wusste, der zudem darauf hingewiesen hat, dass die Gurten richtig 

angeschlagen gewesen seien (UA act. 224, Frage 42), was das wichtigste 

sei (UA act. 224, Frage 50) und dem Hinweis im Gutachten, dass bereits 

die geringste Abweichung von der Ist-Beschaffenheit dazu geführt hätte, 

dass der Flügelbock während des Transports gekippt wäre (UA act. 82), 

erscheint auch diese Variante (Gurte von Anfang an nicht in der Führung) 

als bloss theoretisch, zumal der Transport des Flügelbocks über zwei 

Häuser erfolgte.  

 

4.3.4. 

Das Obergericht ist davon überzeugt, dass der Flügelbock auf dem 

(unebenen [vgl. dazu auch die Aussage des Mitbeschuldigten H._____ vor 

Obergericht: "Der Boden war nicht flach", Protokoll der 

Berufungsverhandlung, S. 8]) Boden aufsetzte, wackelte, wieder 

angehoben wurde und sich mit an Sicherheit grenzender 

Wahrscheinlichkeit in diesem Zustand eine der beiden Gurten aus der 

Führung löste, was dazu führte, dass der Flügelbock beim Anheben kippte, 

zumal dieses Szenario im Gutachten als "vorhersehbar" bezeichnet wird. 

Demgegenüber erscheint die Tatbestandsvariante, wonach ein Anhängen 

des Flügelbocks während des Transports oder ein unfachmännisches 

Anschlagen der Ware auf dem Lastwagen dazu geführt haben könnte, dass 

sich eine Gurte nach dem erneuten Anheben aus der Führung löste, im 

vorliegenden Fall in Würdigung der Aussagen der beteiligten Personen und 

der konkreten Situation, wie erwähnt, als ausgeschlossen.  

 

4.3.5. 

Aufgrund des Gesagten erübrigt sich die vom Privatkläger beantragte 

Befragung von AA._____ oder eines Sicherheitsbeauftragten der E._____ 

AG, ob ein Transport eines Flügelbocks mit einem Kran über ein Haus 

hinweg möglich sei, ohne zu kippen (Berufung vom 5. September 2022, N. 

20). Zu dieser Frage liegen schlüssige Gutachten vor, womit die beantragte 

Befragung zu keinen neuen Erkenntnissen führen würde.  

 

 - 15 - 

 

 

5. 

Gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB wird bestraft, wer fahrlässig einen Menschen 

am Körper oder an der Gesundheit schädigt. Ist die Schädigung schwer, 

wird der Täter von Amtes wegen verfolgt (Art. 125 Abs. 2 StGB). Fahrlässig 

handelt, wer die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtig-

keit nicht bedenkt oder darauf nicht Rücksicht nimmt (Art. 12 Abs. 3 StGB).  

 

Die Straftat kann auch durch pflichtwidriges Unterlassen (vgl. Art. 11 StGB) 

begangen werden. Voraussetzung ist in diesem Fall eine Rechtspflicht zur 

Vornahme der unterlassenen Handlung (Garantenstellung) sowie die 

Möglichkeit, diese Handlung vorzunehmen. Ein sog. Unechtes Unter-

lassungsdelikt liegt vor, wenn im Gesetz wenigstens die Herbeiführung des 

Erfolgs durch Tun ausdrücklich mit Strafe bedroht wird, der Beschuldigte 

durch sein Tun den Erfolg tatsächlich hätte abwenden können (Ver-

meidbarkeit des Erfolgseintritts) und infolge seiner Garantenstellung dazu 

auch verpflichtet war, so dass die Unterlassung der Erfolgsherbeiführung 

durch aktives Tun als gleichwertig erscheint. Für die Annahme einer 

Garantenstellung genügt nicht jede, sondern nur eine qualifizierte Rechts-

pflicht (BGE 148 IV 39 E. 2.3.2). Die Abgrenzung zwischen Handlung und 

Unterlassung ist im Zweifel nach dem Subsidiaritätsprinzip vorzunehmen. 

Danach ist immer zuerst zu prüfen, ob ein aktives Tun vorliegt, das 

tatbestandsmässig, rechtswidrig und schuldhaft ist. Dabei sind allerdings 

nur Handlungen zu berücksichtigen, die das Risiko, das in den Erfolg 

umschlug, herbeiführten oder steigerten – und nicht nur nicht verminderten 

(BGE 115 IV 199 E. 2a; BGE 120 IV 265 E. 2b).  

 

Ein Schuldspruch wegen fahrlässiger Körperverletzung gemäss Art. 125 

StGB setzt voraus, dass der Täter den tatbestandsmässigen Erfolg durch 

Verletzung einer Sorgfaltspflicht verursacht hat. Nach der Rechtsprechung 

ist ein (pflichtwidriges) Verhalten im natürlichen Sinne kausal, wenn es 

nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch der eingetretene Erfolg 

entfiele; dieses Verhalten braucht nicht alleinige oder unmittelbare Ursache 

des Erfolgs zu sein. Mit dieser Bedingungsformel ("conditio sine qua non") 

wird ein hypothetischer Kausalzusammenhang untersucht und dabei ge-

prüft, was beim Weglassen bestimmter Tatsachen geschehen wäre. Ein 

solchermassen vermuteter natürlicher Kausalverlauf lässt sich nicht mit 

Gewissheit beweisen, weshalb es genügt, wenn das Verhalten des Täters 

mindestens mit einem hohen Grad der Wahrscheinlichkeit oder mit an 

Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Ursache des Erfolgs bildete 

(statt vieler BGE 125 IV 195 E. 2b).  

 

Sorgfaltswidrig ist die Handlungsweise, wenn der Täter zum Zeitpunkt der 

Tat aufgrund der Umstände sowie seiner Kenntnisse und Fähigkeiten die 

damit bewirkte Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte erkennen 

können und müssen und wenn er zugleich die Grenzen des erlaubten 

Risikos überschritten hat. Wo besondere, der Unfallverhütung und der 

 - 16 - 

 

 

Sicherheit dienende Normen ein bestimmtes Verhalten gebieten, bestimmt 

sich das Mass der zu beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach diesen Vor-

schriften. Fehlen solche, kann auf analoge Regeln privater oder halb-

privater Vereinigungen abgestellt werden, sofern diese allgemein 

anerkannt sind. Die Vorsicht, zu der ein Täter verpflichtet ist, wird letztlich 

durch die konkreten Umstände und seine persönlichen Verhältnisse 

bestimmt, weil naturgemäss nicht alle tatsächlichen Gegebenheiten in 

Vorschriften gefasst werden können. 

 

Die Zurechenbarkeit des Erfolgs bedingt die Voraussehbarkeit nach dem 

Massstab der Adäquanz. Danach muss das Verhalten geeignet sein, nach 

dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und den Erfahrungen des Lebens einen 

Erfolg wie den eingetretenen herbeizuführen oder mindestens zu be-

günstigen. Weitere Voraussetzung ist, dass der Erfolg vermeidbar war. 

Dabei wird ein hypothetischer Kausalverlauf untersucht und geprüft, ob der 

Erfolg bei pflichtgemässem Verhalten des Täters ausgeblieben wäre (BGE 

130 IV 7 E. 3.2.; zum Ganzen BGE 135 IV 56 E. 2.1; Urteil des Bundes-

gerichts 6B_1056/2016 vom 6. Juni 2017 E. 1.3.1). 

 

6. 

6.1. 

Die vom Privatkläger erlittenen Verletzungen (u.a. eine Querschnitt-

lähmung) sind unbestrittenermassen als schwer i.S.v. Art. 125 Abs. 2 StGB 

i.V.m. Art. 122 StGB zu qualifizieren, womit der tatbestandsmässige Erfolg 

erstellt ist.  

 

6.2. 

Wird eine gefährliche Unternehmung ohne genügende Sicherungs-

massnahme durchgeführt, so liegt in der Regel ein Begehungsdelikt vor 

(STEFAN TRECHSEL/BIJAN FATEH-MOGHADAM, in: Schweizerisches Straf-

gesetzbuch, Praxiskommentar, 4. Aufl. 2021, N. 6 zu Art. 11 StGB). Ob es 

sich beim Vorwurf gegenüber dem Beschuldigten um ein Begehungs- oder 

Unterlassungsdelikt handelt (vorinstanzliches Urteil, E. II. 4.1.) kann vor-

liegend offenbleiben, zumal er als ausgebildeter Kranführer im Rahmen der 

Verwendung des Krans gesetzlich dazu verpflichtet war, die Rechtsgüter 

der auf der Baustelle tätigen Arbeiter (und somit des Privatklägers) zu 

schützen, wobei die Aufgabe der Hebearbeiten mit einem Kranen an jene 

Person gebunden ist, die den entsprechenden Kranführerausweis besitzt 

(Art. 6 Abs. 1 i.V.m. Art. 5 Abs. 2 Kranverordnung). Weiter sind die Lasten 

(durch den Kranführer) so zu sichern, am Kranhaken zu befestigen und 

nach dem Hebevorgang abzustellen, dass sie nicht in Gefahr bringender 

Weise umstürzen, herabstürzen oder abrutschen können (UA act. 87, 

Frage 1). Die Garantenstellung des Beschuldigten wäre folglich ohnehin zu 

bejahen. 

 

 - 17 - 

 

 

7. 

7.1. 

7.1.1. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, pflichtwidrig nicht überprüft zu 

haben, ob der Privatkläger ausreichend als Einweiser und Anschläger 

instruiert worden und als solcher geeignet gewesen sei.  

 

7.1.2. 

Offenbleiben kann zunächst, ob der Beschuldigte den Privatkläger 

ausdrücklich als Einweiser einsetzte bzw. die Übernahme dieser Funktion 

abgesprochen war. Auf jeden Fall war dem Beschuldigten die Rolle des 

Privatklägers (als Einweiser) aufgrund seines Verhaltens bewusst. So 

stand der Privatkläger gemeinsam mit K._____ beim Abladeort für die 

Entgegennahme der Ladung bereit und erteilte dem Beschuldigten 

Anweisungen, wogegen der Beschuldigte nicht opponierte, sondern diese 

vielmehr befolgte, indem er die Ladung entsprechend der Anweisung des 

Privatklägers wieder anhob. Auch wenn der Beschuldigte den Privatkläger 

nicht ausdrücklich als Einweiser einsetzte, zeigte er sich jedenfalls 

(konkludent) damit einverstanden, dass dieser in der konkreten Situation 

die Aufgabe des Einweisers übernahm. Wie die Vorinstanz in diesem 

Zusammenhang zudem zutreffend ausführt, lassen sich die Tätigkeiten 

eines Einweisers und Anschlägers kaum voneinander unterscheiden, so 

dass ein Einweiser auch über die Eignungen und die Instruktion für das 

Anschlagen von Lasten verfügen muss (vgl. vorinstanzliches Urteil, E. II. 

4.2.3.2.2.; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

 

7.1.3. 

Gemäss den obigen Ausführungen (E. 4.3.4.) steht fest, dass der 

Flügelbock mit den Fenstern kippte, weil mindestens eine Gurte beim 

Flügelbock aus der dafür vorgesehenen Hakenvorrichtung rutschte, 

nachdem der Flügelbock durch den Beschuldigten kurz aufgesetzt und 

wieder angehoben wurde. Der Taterfolg realisierte sich durch das Absetzen 

des Flügelbocks auf dem Boden, was in der Folge zur Instabilität und zum 

Kippen der Last geführt hat. Gemäss Anklage sind Personen, die Lasten 

anschlagen, zu dieser Arbeit anzuleiten. Der Beschuldigte als zertifizierter 

Kranführer habe es unterlassen, vorgängig zu überprüfen, ob der Privat-

kläger ausreichend als Einweiser und Anschläger instruiert gewesen sei, 

zudem, ob sich dieser als solcher geeignet habe. Der Privatkläger wäre 

gemäss Anklage vorgängig darüber aufzuklären gewesen, dass bei einem 

Aufsetzen des Flügelbocks auf dem Boden die Gefahr besteht, dass 

(mindestens) eine Gurte aus der Führung rutschen und die Last beim 

Anheben aus dem Gleichgewicht geraten könnte. Die Sorgfaltspflicht des 

Beschuldigten bestand nach dem Gesagten gemäss Anklage in der 

vorgängigen Überprüfung, ob der Privatkläger die - soeben dargelegte - 

Instruktionen erhalten hat und gestützt darauf angemessen hätte reagieren 

können. 

 - 18 - 

 

 

7.1.4. 

In einem ersten Schritt ist zu prüfen, wer verpflichtet war, den Privatkläger 

als Anschläger und Einweiser zu instruieren: 

 

Aus Art. 6 Abs. 3 Kranverordnung lässt sich nicht ableiten, wem die Pflicht 

zur Instruktion obliegt, da die Bestimmung lediglich den Grundsatz statuiert, 

dass Personen, die Lasten anschlagen, zu dieser Arbeit anzuleiten sind. 

Gestützt auf Art. 328 Abs. 2 OR (wonach der Arbeitgeber zum Schutz von 

Leben, Gesundheit und persönlicher Integrität der Arbeitnehmenden die 

Massnahmen zu treffen hat, die nach der Erfahrung notwendig, nach dem 

Stand der Technik anwendbar und den Verhältnissen des Betriebes 

angemessen sind, soweit es ihm billigerweise zugemutet werden kann) 

sowie Art. 82 Abs. 1 UVG (wonach der Arbeitgeber zur Verhütung von 

Berufsunfällen und Berufskrankheiten alle Massnahmen zu treffen hat, die 

nach der Erfahrung notwendig, nach dem Stand der Technik anwendbar 

und den gegebenen Verhältnissen angemessen sind) ist der Arbeitgeber 

verpflichtet, Massnahmen zur Verhütung von Berufsunfällen zu ergreifen. 

Gemäss Art. 6 Abs. 1 VUV (i.V.m. Art. 1 Abs. 2 Kranverordnung) hat der 

Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass alle in seinem Betrieb beschäftigten 

Arbeitnehmer, einschliesslich der dort tätigen Arbeitnehmer eines anderen 

Betriebs, ausreichend und angemessen informiert und angeleitet werden 

betreffend die bei ihren Tätigkeiten auftretenden Gefahren sowie über die 

Massnahmen der Arbeitssicherheit. Im Gutachten wird ausgeführt, dass 

der Arbeitgeber dafür zu sorgen habe, dass die Mitarbeiter ausreichend 

ausgebildet würden (UA act. 87, Frage 1; UA act. 110, Frage 1) und es zur 

Sorgfaltspflicht des Arbeitgebers als Fenstermontageunternehmen gehöre, 

dass die Mitarbeiter im Umgang mit schweren und hängenden Lasten 

instruiert und angewiesen würden (UA act. 110, Frage 1). Nach dem 

Erwogenen ist festzuhalten, dass die Pflicht zur Instruktion des Privat-

klägers grundsätzlich seinem Arbeitgeber und somit der G._____ GmbH 

oblag.  

 

7.1.5. 

Hinsichtlich der Frage, in welcher Form die Instruktion des Privatklägers zu 

erfolgen hatte, ist dem Ergänzungsgutachten zu entnehmen, dass für 

gefährliche Arbeiten, wie etwa für das Anschlagen von Lasten, eine 

Information bzw. Anleitung gefordert werde. Die durchgeführte Instruktion 

sei zu dokumentieren, wobei ersichtlich sein müsse: Wer, von wem, wann 

und worüber instruiert worden sei. Es müsse auch immer überprüft werden, 

ob die für die betreffende Tätigkeit vorgesehenen Personen geeignet seien, 

ob sie mit dem Arbeitsmittel sicher arbeiten könnten und ob sie die 

Instruktion richtig verstanden hätten. Es sei nicht zwingend notwendig, 

dass ein Arbeitgeber Schulungen durch eine Institution wie der SUVA 

durchführen lasse. Eine betriebsinterne Anweisung durch eine erfahrene 

Person sei ausreichend. Die SUVA-Lerneinheit Nr. 88801.d bilde eine 

angemessene Instruktion, wobei der Lerninhalt auf 10 einfach 

 - 19 - 

 

 

verständlichen Instruktionsblättern dargestellt werde und der Zeitbedarf mit 

20 bis 30 Minuten angegeben werde (UA act. 111, Frage 2; UA act. 112, 

Frage 4).  

 

Damit steht fest, dass eine betriebsinterne Anweisung durch eine erfahrene 

Person genügt, einer Schulung einer (externen) Institution bedarf es grund-

sätzlich nicht. Die instruierende Person ist dabei nicht verpflichtet, auf 

Schulungsunterlagen zurückzugreifen oder theoretische Instruktionen zu 

geben. In welcher Form die Instruktion durchzuführen ist, liegt folglich im 

Ermessen der instruierenden Person, womit eine rein praktische Instruktion 

auf der Baustelle, erteilt von einer erfahrenen Person, grundsätzlich 

genügt.  

 

7.1.6. 

In einem nächsten Schritt ist zu überprüfen, ob der Privatkläger 

dahingehend instruiert wurde, dass durch das Aufsetzen des Flügelbocks 

die Gefahr bestand, dass (mindestens) eine Gurte aus der Führung 

rutschte, wodurch die Last beim Anheben aus dem Gleichgewicht geraten 

und kippen konnte, worauf dem Kranführer umgehend zu signalisieren 

gewesen wäre, das Anheben der Last zu stoppen ( vgl. UA act. 14, Frage 

9). Zur Beurteilung dieser Frage liegen die Aussagen des Privatklägers und 

von H._____ vor, welche die Vorinstanz umfassend und korrekt dargelegt 

hat, womit vorab darauf verwiesen werden kann (vorinstanzliches Urteil, E. 

II. 4.2.3.4.3.). Vor Obergericht gab H._____ ergänzend an, dass der 

Privatkläger schulisch nicht ausgebildet gewesen sei. Er habe dem 

Privatkläger gezeigt, wie man ablade und wie man es wieder 

zurückschicke. Wie der Privatkläger in Gefahrensituationen hätte reagieren 

müssen, sei diesem nie gezeigt worden. Es sei dem Privatkläger auch nie 

erklärt worden, dass sich ein Gurt lösen könne, wenn die Ladung vom 

Kranen abgesetzt werde. Der Privatkläger sei nicht instruiert worden, dass 

er die Gurte kontrollieren müsse, wenn die Ladung auf dem Boden 

aufgesetzt habe (Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 7).  

 

Gestützt auf die Aussagen des Privatklägers und des Mitbeschuldigten 

H._____ steht fest, dass der Privatkläger weder eine (externe) Schulung 

besuchte, noch mittels Schulungsmaterialien wie bspw. der SUVA-

Lerneinheit Nr. 88801.d instruiert wurde (UA act. 246, Frage 56; UA 

act. 226, Fragen 70 ff.; GA act. 38). Die Instruktion des Privatklägers 

bestand (einzig) darin, den Mitbeschuldigten H._____ auf der Baustelle zu 

begleiten, ihm zuzuschauen und selbstständig Fenster abzuladen, womit 

ausschliesslich eine (schrittweise) praktische Instruktion erfolgte (UA act. 

226, Fragen 70 ff.; GA act. 39). Dass der Privatkläger über die Gefahr und 

das richtige Verhalten - im hier interessierenden Szenario (Flügelbock setzt 

auf dem Boden auf und wackelt) - instruiert worden wäre, hätte folglich 

vorausgesetzt, dass er diese Situation im Rahmen seiner praktischen 

Tätigkeit auf der Baustelle bereits erlebte. Der Privatkläger gab 

 - 20 - 

 

 

diesbezüglich an, noch nie erlebt zu haben, dass die Fenster noch einmal 

hätten angehoben werden müssen, weil sie nicht gerade gestanden seien 

(UA act. 247, Frage 61). Auf diese glaubhafte Aussage ist abzustellen, 

zumal H._____ schilderte, diese Situation einmal in Genf erlebt zu haben 

(UA act. 228, Frage 89; UA act. 231, Frage 110 ff.), woraus geschlossen 

werden kann, dass es bei der Einarbeitung des Privatklägers nie zu einem 

ähnlichen Vorfall kam, andernfalls es H._____ in diesem Zusammenhang 

erwähnt hätte. H._____ bestätigte vor Obergericht, den Privatkläger nie 

entsprechend instruiert zu haben. 

 

Im Weiteren bestehen keine Anhaltspunkte, dass der Privatkläger 

hinsichtlich der hier massgeblichen Gefahrensituation in anderer Weise 

instruiert worden wäre, wobei eine entsprechende Schulung des Privat-

klägers bei der F._____ AG offenbar erst noch bevorstand (UA act. 230, 

Frage 102; Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 7). Der Privatkläger 

sagte aus, nicht gewusst zu haben, wie er sich in Gefahrensituationen zu 

verhalten habe, wobei eine Gefahr für ihn beispielsweise das sei, was ihm 

passiert sei (GA act. 41). Auf die Problematik des Aufsetzens einer Last 

angesprochen gab H._____ an, dass diese in seiner eigenen Schulung 

thematisiert worden sei. Wenn die Last kippe, müsse die erste Reaktion 

weglaufen sein. Man könne das nicht aufhalten, es sei zu schwer. Man 

stehe natürlich nicht unter die Last, solange diese in der Höhe sei (UA act. 

230, Frage 98). Er habe diese Informationen an den Privatkläger 

weitergegeben, es sei nicht kompliziert (UA act. 230, Frage 99). Selbst 

wenn H._____ den Privatkläger dahingehend instruierte, war diesem 

dadurch nicht klar, dass das Aufsetzen des Flügelbocks zu einer Entlastung 

der Gurte führt und so ein Haken aus der Führung rutschen und der 

Flügelbock kippen könnte. Entsprechend war dem Privatkläger nicht 

bekannt, dass er sich beim Aufsetzen des Flügelbocks auf diesen Umstand 

achten musste und wie er sich beim Eintreten dieses Szenarios zu 

verhalten hatte. Vor Obergericht gab der Mitbeschuldigte H._____ an, den 

Privatkläger nicht über diese Gefahrensituation informiert zu haben 

(Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 7). Wird eine Last schief abgestellt 

(mit Gefahr zum Kippen), so hat der Kranführer (allenfalls auf Hinweis des 

Anschlägers) das Absetzen zu stoppen (vgl. UA act. 114, Frage 9), womit 

sich der durch H._____ erfolgte Hinweis "Weglaufen" zudem als falsch 

erweist und insgesamt keine Zweifel bestehen, dass der Privatkläger weder 

über die konkrete Gefahr, welche mit dem Aufsetzen eines Flügelbocks 

einhergehen, noch über das richtige Verhalten in dieser Situation, 

genügend instruiert wurde.  

 

7.1.7. 

7.1.7.1. 

Nachdem feststeht, dass der Privatkläger nicht ausreichend instruiert 

wurde (vgl. E. 7.1.6. hiervor), ist nachfolgend zu klären, ob sich der 

Beschuldigte vor Beginn der Transportarbeiten hätte vergewissern 

 - 21 - 

 

 

müssen, ob der Privatkläger die in E. 7.1.3. dargelegten Instruktionen 

erhalten hat oder er sich aufgrund der Umstände darauf verlassen durfte, 

dass eine hinreichende Instruktion durch den Arbeitgeber erfolgte.  

 

7.1.7.2. 

Gemäss Art. 6 Kranverordnung sind Personen, die Lasten anschlagen, zu 

dieser Arbeit anzuleiten, woraus sich ergibt, dass nur Personen als 

Anschläger bzw. Einweiser (E. 7.1.2. hiervor) einzusetzen sind, welche 

vorgängig entsprechend instruiert wurden. Die Gutachten halten fest, dass 

der Kranführer eine geeignete Person als Anschläger bestimme und mit 

dieser ein Team bilde. Der Kranführer trage zusammen mit dem 

Anschläger die Verantwortung, dass die Last am Kran so gesichert sei, 

dass sie nicht abrutschen, umstürzen oder herabstürzen könne. Damit eine 

einwandfreie Verständigung zwischen den Parteien sichergestellt sei, 

müsse der Kranführer vor dem Transportvorgang abklären, ob der 

Anschläger eingewiesen sei und die Handzeichen verstehe (UA act. 113, 

Frage 6). Es sei dabei die Aufgabe des Kranführers, einen Anschläger zu 

bestimmen und er müsse abklären, ob er dazu geeignet sei (UA act. 114 

Frage 8), wobei die Verantwortung für das Anschlagen und Heben der Last 

in erster Linie beim Beschuldigten als Kranführer liege (UA act. 87, Frage 

1).  

 

Aus dem Dargelegten ergibt sich die Pflicht des Beschuldigten, vor Beginn 

der Transportarbeiten zu überprüfen, ob der Einweiser für diese Tätigkeit 

hinreichend instruiert wurde, wobei der Beschuldigte die Nichtvornahme 

dieser Überprüfung vorliegend nicht (explizit) bestreitet (GA act. 72; 

Berufungsantwort, N. 31 f.). Nachdem im Weiteren feststeht, dass der 

Beschuldigte den Privatkläger nicht kannte (vgl. Berufungsantwort, N. 31; 

act. 71; UA act. 242, Frage 10), hätte eine Überprüfung vorliegend einzig 

dann unterbleiben dürfen, wenn der Beschuldigte mit Sicherheit hätte 

davon ausgehen können, dass es sich bei der G._____ GmbH um ein 

professionelles Unternehmen handelt, welches seine Mitarbeiter hin-

reichend schult. Der Beschuldigte bringt nicht vor, H._____ zu kennen oder 

bereits mit der G._____ GmbH zusammengearbeitet zu haben, sondern 

bezeichnet die G._____ GmbH vielmehr als "Drittunternehmen" 

(Berufungsantwort, N. 31). Auch den Akten sind hinsichtlich einer Ver-

bindung zwischen dem Beschuldigten und der G._____ GmbH keine 

Anhaltspunkte zu entnehmen: J._____ sagte aus, dass ihm der 

Beschuldigte [am Unfalltag] durch H._____ vorgestellt worden sei, jedoch 

nicht namentlich, sondern lediglich als "Kranführer" (UA act. 276, Fragen 8 

ff.; UA act. 278, Frage 29). AD._____, welcher als Polier für das gleiche 

Unternehmen (E._____ AG) wie der Beschuldigte arbeitete, gab anlässlich 

seiner Einvernahme an, H._____ nicht zu kennen (UA act. 269, Frage 58; 

UA act. 268, Fragen 39 und 40), was den Schluss zulässt, dass die beiden 

Unternehmen nicht oft zusammenarbeiten. H._____ gab vor Obergericht 

an, den Beschuldigten nicht gekannt und noch nie mit ihm 

 - 22 - 

 

 

zusammengearbeitet zu haben (Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 6) 

Im Weiteren bestand zwischen der E._____ AG (Arbeitgeberin des 

Beschuldigten) und der F._____ AG ein vertragliches Verhältnis hinsichtlich 

der Fenstermontage auf der Baustelle in [Ortschaft], wobei die G._____ 

GmbH durch die F._____ AG als Subunternehmen beigezogen wurde 

(UA act. 303), womit folglich kein unmittelbarer Geschäftskontakt zwischen 

der E._____ AG (als Arbeitgeberin des Beschuldigten) und der G._____ 

GmbH bestand. Damit steht fest, dass dem Beschuldigten die G._____ 

GmbH (und deren Geschäftsführer H._____) nicht derart gut bekannt war, 

als er von einer hinreichenden Instruktion des Privatklägers hätte ausgehen 

dürfen, was er im Übrigen auch nicht geltend macht. Im Ergebnis hätte sich 

der Beschuldigte vergewissern müssen, ob der Privatkläger dahingehend 

instruiert wurde, als dass durch das Aufsetzen eines Flügelbocks die 

Gefahr besteht, dass (mindestens) eine Gurte aus der Führung rutscht, 

wodurch die Last beim Anheben aus dem Gleichgewicht geraten und 

kippen könnte, worauf dies dem Kranführer umgehend zu signalisieren und 

das Anheben der Last zu stoppen wäre. Indem er dies nicht tat, verletzte 

er seine Sorgfaltsplicht.  

 

7.2. 

7.2.1. 

Nachfolgend ist der zweite Vorwurf der Anklage zu prüfen. Die 

Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, es pflichtwidrig unter-

lassen zu haben, vor erneutem Anheben des Flügelbocks zu überprüfen, 

ob dieser weiterhin angeschlagen war. 

 

7.2.2. 

Gemäss Art. 6 Kranverordnung sind Lasten so zu sichern, am Kranhaken 

zu befestigen und nach dem Hebevorgang so abzustellen, dass sie nicht in 

Gefahr bringender Weise umstürzen, herabstürzen oder abrutschen 

können. Gemäss Gutachten muss der Blickkontakt des Kranführers zur 

Last grundsätzlich gewährleistet sein, andernfalls der Kranführer einen 

Einweiser einzusetzen habe (UA act. 90, Frage 7). Soweit die Last nach 

Absetzen auf dem Boden erneut angehoben werden solle, so habe der 

Anschläger aus kurzer und sicherer Distanz zu überwachen, dass die Last 

im Gleichgewicht bleibe, andernfalls er beim Kranführer zu intervenieren 

und den Vorgang zu stoppen habe (UA act. 114, Frage 9). Gemäss 

Kranführer-Handbuch (S. 21) hat der Kranführer zu überprüfen, ob der 

Befehl zum Aufziehen der Last gegeben werden darf und ob keine 

Personen in Gefahr sind (Ziff. 9).  

 

7.2.3. 

Nach dem Erwogenen steht fest, dass dem Beschuldigten vor dem 

erneuten Anheben des Flügelbocks die Pflicht zur Überprüfung der 

angeschlagenen Last oblag. Soweit er den Flügelbock überprüfte, tat er 

dies nicht mit der erforderlichen Sorgfalt, andernfalls ihm hätte auffallen 

 - 23 - 

 

 

müssen, dass die Last nach dem Aufsetzen am Boden nicht mehr richtig 

angeschlagen war. Aber auch eine (grundsätzlich zulässige) Delegation 

dieser Prüfung war im vorliegenden konkreten Fall nicht zulässig. Der 

Privatkläger war für die Tätigkeit als Einweiser nicht hinreichend instruiert, 

was der Beschuldigte pflichtwidrig nicht überprüft hatte (E. 7.1.7.2. hiervor). 

Daraus folgt, dass sich der Beschuldigte nicht auf die Anweisungen des 

Privatklägers hätte verlassen dürfen, sondern vor dem erneuten Anheben 

des Flügelbocks selber hätte überprüfen müssen (oder durch eine korrekt 

instruierte Person überprüfen lassen müssen), ob die Last nach dem 

Aufsetzen noch richtig angeschlagen war. Auch dies hat er nicht getan, 

womit der Beschuldigte auch hinsichtlich des zweiten Vorwurfs seine 

Sorgfaltspflicht verletzte.  

 

7.3. 

Das Eintreten des Erfolgs, nämlich die durch das Herunterfallen der 

Fenster verursachte schwere körperliche Schädigung, war für den 

Beschuldigten vorhersehbar. Nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und 

der allgemeinen Lebenserfahrung war zu erwarten (gemäss Gutachten 

"vorhersehbar" [UA act. 92, Frage 12]), dass sich durch das Aufsetzen des 

Flügelbocks (mindestens) ein Haken aus der Führung löste, was ohne 

korrekte Anweisung des Einweisers dazu führte, dass der Flügelbock beim 

Anheben kippte und die darauf befindliche Ladung herunterfiel. Zudem 

musste damit gerechnet werden, dass der Privatkläger eine besonders 

schwere körperliche Schädigung davonträgt, wenn eine Fensterladung mit 

einem Gesamtgewicht von ca. 687 kg auf diesen hinunterfällt. Es liegen 

keine aussergewöhnlichen Umstände wie bspw. ein Mitverschulden des 

Unfallopfers vor, aufgrund derer die Adäquanz zu verneinen wäre. Selbst 

wenn man sich auf den Standpunkt stellt, dass der Privatkläger im Wissen 

um seine nichtvorhandene Instruktion als Einweiser fungierte und dieser 

Umstand eine Mitursache des Unfallgeschehenen bilden würde, vermöchte 

dies den Beschuldigten nicht zu entlasten. Das Fehlerverhalten des 

Privatklägers ist nicht derart aussergewöhnlich, dass damit schlechthin 

nicht gerechnet werden müsste und wiegt auch nicht derart schwer, dass 

die Pflichtwidrigkeit des Beschuldigten dadurch vollständig in den 

Hintergrund gedrängt würde.  

 

7.4. 

Sodann wäre der eingetretene Erfolg vermeidbar gewesen, wenn der 

Beschuldigte gemäss der gebotenen Sorgfalt gehandelt hätte. Hätte sich 

der Beschuldigte vergewissert, dass der Privatkläger darüber instruiert war, 

wie im Fall des Aufsetzens eines Flügelbocks auf dem Boden vorzugehen 

ist oder hätte er überprüft, ob die Ladung nach dem Aufsetzten noch richtig 

angeschlagen war, bevor er diese wieder hochzog, wäre der Flügelbock 

mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht gekippt und hätte 

den Privatkläger nicht verletzt. 

 

 - 24 - 

 

 

7.5. 

Der Beschuldigte erfüllt somit sämtliche Tatbestandselemente der 

fahrlässigen schweren Körperverletzung durch Unterlassen. Recht-

fertigungs- und Schuldausschlussgründe sind weder ersichtlich noch 

geltend gemacht. Der Beschuldigte ist folglich der fahrlässigen schweren 

Körperverletzung i.S.v. Art. 125 Abs. 2 StGB durch Unterlassen schuldig 

zu sprechen. Die Berufung ist in diesem Punkt gutzuheissen.  

 

8. 

8.1. 

Die Staatsanwaltschaft beantragt für die Verurteilung wegen fahrlässiger 

schwerer Körperverletzung durch Unterlassen eine Geldstrafe von 

120 Tagessätzen à Fr. 140.00 und eine Busse von Fr. 3'000.00.  

 

Der Beschuldigte stellt für den Fall eines Schuldspruchs keinen Antrag zum 

Strafmass.  

 

8.2. 

8.2.1. 

Eine fahrlässige schwere Körperverletzung ist nach Art. 125 StGB mit 

Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bedroht. Innerhalb des 

Strafrahmens bemisst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden des 

Täters. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse 

sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters. Das Verschulden 

wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen 

Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen 

und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den 

inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder 

Verletzung zu vermeiden.  

 

8.2.2. 

Im Rahmen der Tatkomponente ist festzuhalten, dass die durch den Vorfall 

entstandenen Verletzungen des Privatklägers von erheblicher Tragweite 

sind, mehrerer Operationen bedurften und sein weiteres Leben stark 

einschränken werden: Er wird u.a. wegen der Wirbelsäulenverletzung ab 

Brusthöhe dauerhaft querschnittsgelähmt bleiben, ist zurzeit auf einen 

Blasenkatheter angewiesen und leidet an einer erektilen Dysfunktion 

(vgl. GA OGer act. 67). Im Rahmen der schweren Körperverletzung sind 

zwar noch gravierendere Körperverletzungen denkbar, die vom Privat-

kläger erlittene Querschnittlähmung ab Brusthöhe ist aber eher im oberen 

Bereich des Möglichen einzuordnen. Weiter ist zu berücksichtigen, dass 

der Beschuldigte die ihm obliegende Sorgfaltspflicht in zweifacher Hinsicht 

verletzt hat, wobei die Pflichtverletzungen einfach vermeidbar gewesen 

wären. Es wäre für den Beschuldigten ein Leichtes gewesen, durch 

Nachfrage beim Privatkläger zu überprüfen, ob dieser die nötigen 

Instruktionen erhalten hat bzw. zu kontrollieren, ob die Last nach dem 

 - 25 - 

 

 

Aufsetzen am Boden noch richtig angeschlagen war, womit auch eine 

Strafmilderung i.S.v. Art. 11 Abs. 4 StGB ausser Betracht fällt.    

 

Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft und weist einen unbescholtenen 

Leumund auf. Ein entsprechendes Wohlverhalten darf jedoch erwartet 

werden und wirkt sich deshalb neutral aus. Es ist ausserdem von einer 

durchschnittlichen Strafempfindlichkeit des Beschuldigten auszugehen. 

Damit bleibt die Täterkomponente ohne Auswirkungen auf die Strafzu-

messung.  

 

8.3. 

Die fahrlässige schwere Körperverletzung wird mit Geldstrafe von 3 bis 

höchstens 180 Tagessätzen oder alternativ Freiheitsstrafe von 3 Tagen bis 

3 Jahren geahndet (Art. 125 StGB i.V.m. Art. 34 Abs. 1 und Art. 40 

Abs. 1 StGB). Innerhalb dieses Rahmens ist die Strafe nach den 

genannten Kriterien zu bemessen, wobei der Geldstrafe der Vorzug zu 

geben ist. 

 

Unter gesamthafter Würdigung der Tat- und Täterkomponente ist beim 

Beschuldigten von einem nicht mehr leichten bis nicht ganz mittelschweren 

Verschulden auszugehen. Es rechtfertigt sich, für die Straftat eine 

Geldstrafe von 120 Tagessätzen, wie von der Staatsanwaltschaft be-

antragt, festzusetzen. Die Ausfällung einer Verbindungsbusse drängt sich 

im vorliegenden Fall nicht auf. 

 

8.4. 

Der Beschuldigte bezieht gemäss seinen Angaben (Protokoll der 

Berufungsverhandlung, S. 3; Personaldatenblatt [anlässlich der Berufungs-

verhandlung eingereichte Beilage 2]) einen monatlichen Bruttolohn von 

rund Fr. 6'716.00 (inkl. 13. Monatslohn), was einem Nettolohn von 

ca. Fr. 6'100.00 entspricht. Ausgehend von diesem Einkommen sind ein 

Pauschalabzug von 20% sowie Unterstützungsabzüge für die Ehe-

partnerin und das Kind (GA act. 42) von gesamthaft 30 % vorzunehmen. 

Eine – wie hier vorliegend – hohe Anzahl an Tagessätzen kann zudem zu 

einer Senkung der Tagessatzhöhe führen, gerade auch bei Tätern mit 

tiefen und mittleren Einkommen (DOLGE, in: Basler Kommentar, 

Strafrecht I, 4. Aufl. 2019, N 85 zu Art. 34 StGB). Da im konkreten Fall 

120 Tagessätze ausgesprochen werden, erscheint zusätzlich eine 

Reduktion um weitere 20% angezeigt (BGE 134 IV 60 E. 6.5.2). Die Tages-

satzhöhe ist somit auf Fr. 80.00 festzusetzen. 

 

8.5. 

Gemäss Art. 42 Abs. 1 StGB schiebt das Gericht den Vollzug einer 

Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren in der 

Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den 

Täter von der Begehung weiterer Verbrechen und Vergehen abzuhalten. In 

 - 26 - 

 

 

subjektiver Hinsicht ist also Voraussetzung, dass dem Täter keine 

ungünstige Prognose zu stellen ist. Mit anderen Worten wird eine günstige 

Prognose vermutet, solange nicht die Voraussetzungen von Art. 42 Abs. 2 

StGB erfüllt sind (STEFAN HEIMGARTNER, in: OF-Kommentar zum 

StGB/JStG, N. 2 zu Art. 42). Bei der Prognosestellung ist ein Gesamtbild 

der Täterpersönlichkeit zu machen, welches die Tatumstände, das 

Vorleben des Täters, seinen Leumund, das Bestehen eines Arbeits-

verhältnisses und sozialer Bindungen, allfällige Suchtgefährdungen usw. 

umfasst (HEIMGARTNER, a.a.O., N. 7 ff. zu Art. 42 StGB). 

 

Das Obergericht hat den Beschuldigten zu einer Geldstrafe verurteilt, 

weshalb die objektive Voraussetzung für einen bedingten Strafvollzug 

erfüllt ist. Der Beschuldigte hat keine Vorstrafen. Es handelt sich vorliegend 

um ein Fahrlässigkeitsdelikt. Insgesamt ist dem Beschuldigten eine gute 

Prognose auszustellen. Ihm ist daher der bedingte Vollzug der Geldstrafe 

zu gewähren. 

 

8.6. 

Zusammengefasst ist der Beschuldigte zu einer bedingten Geldstrafe von 

120 Tagessätzen à Fr. 80.00, d.h. Fr. 9'600.00, zu verurteilen. Die 

Geldstrafe ist aufzuschieben bei einer Probezeit von 2 Jahren. 

 

9. 

9.1. 

Der Privatkläger beantragt eine Genugtuung in der Höhe von 

Fr. 165'000.00 nebst Zins zu 5% seit dem schädigenden Ereignis am 3. Juli 

2018.  

 

9.2. 

Gemäss Art. 47 OR kann der Richter bei Tötung eines Menschen oder 

Körperverletzung unter Würdigung der besonderen Umstände dem 

Verletzten oder den Angehörigen des Getöteten eine angemessene Geld-

summe als Genugtuung zusprechen.  

 

9.3. 

Vorab ist festzuhalten, dass die Anwendung der Zweiphasen-Methode zur 

Berechnung der Genugtuungsforderung durch den Privatkläger nicht zu 

beanstanden ist, zumal es vorliegend eine Körperverletzung zu beurteilen 

gilt. Betreffend den physischen Gesundheitszustand des Privatklägers liegt 

dem Obergericht im Wesentlichen ein Arztbericht vom 10. Januar 2022 (GA 

Oger act. 67 f.) mit der Zusammenfassung der entsprechenden Diagnosen 

vor. Dem ärztlichen Bericht ist hinsichtlich der einzelnen Diagnosen nicht 

zu entnehmen, ob eine Verbesserung oder Heilung der gesundheitlichen 

Beeinträchtigungen des Privatklägers zu erwarten ist und falls ja, zu 

welchem Zeitpunkt und mit welcher Wahrscheinlichkeit eine solche 

eintreten kann. So wird unter "Procedere" im Hinblick auf die Harn-

 - 27 - 

 

 

inkontinenz festgehalten, dass mögliche operative Therapieverfahren 

besprochen würden, sollten keine ausreichenden Verbesserungen 

eintreten, was den Schluss zulässt, dass Therapiemöglichkeiten bestehen 

und eine Besserung des Zustands möglich ist. Gesagtes gilt für die 

diagnostizierte erektile Dysfunktion, wozu festgehalten wird, dass ein 

Orgasmusgefühl und eine Ejakulation durch den Privatkläger verneint 

würden, was wiederum darauf schliessen lässt, dass eine Besserung 

denkbar ist, andernfalls sich die diesbezügliche Nachfrage beim Privat-

kläger als sinnlos erweisen würde. Nachdem die Besserungs- bzw. 

Heilungsmöglichkeiten im Hinblick auf die einzelnen Diagnosen nicht als 

gerichtsnotorisch vorausgesetzt werden können, ergibt sich für das 

Obergericht nicht, ob und wie sich der Zustand des Privatklägers zukünftig 

entwickeln wird, so dass weder der Basisbetrag festgelegt noch den 

Besonderheiten des Einzelfalls Rechnung getragen werden kann, wie das 

für die Festsetzung der Genugtuung nach der Zweiphasen-Methode 

erforderlich wäre. Nach dem Gesagten ist die Genugtuungsforderung auf 

den Zivilweg zu verweisen. 

 

10. 

10.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens bzw. Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschul-

digte unterliegt im Berufungsverfahren vollständig, weshalb er die Kosten 

vor Obergericht zu tragen hat (Art. 428 Abs. 2 litb StPO). Die 

Gerichtsgebühr ist gemäss § 18 Abs. 1 VKD für beide Verfahren (mit 

SST.2022.186) auf Fr. 4'000.00 und vorliegend somit auf die Hälfte von 

Fr. 2'000.00 festzusetzen.  

 

10.2. 

Zufolge des Schuldspruchs hat der Beschuldigte seine Parteikosten für das 

Berufungsverfahren selber zu tragen (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO e 

contrario).  

 

10.3. 

Die unentgeltliche Rechtsbeiständin des Privatklägers ist für das 

Berufungsverfahren gestützt auf die von ihr eingereichte Kostennote mit 

Fr. 2'769.95 (die Hälfte von Fr. 5'539.85) aus der Staatskasse zu 

entschädigen (Art. 138 Abs. 1 i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 3bis AnwT). 

 

Der Beschuldigte befindet sich nicht in günstigen wirtschaftlichen 

Verhältnissen, weshalb er die Kosten für die unentgeltliche Verbeiständung 

des Privatklägers nicht zu tragen hat (Art. 426 Abs. 4 StPO). 

 

 - 28 - 

 

 

11. 

11.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). 

 

11.2. 

Der Beschuldigte wird schuldig gesprochen und hat damit die folgenden 

Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens zu tragen (Art. 426 Abs. 1 StPO):  

 

Anklagegebühr Fr. 1'050.00 

Untersuchungskosten Fr. 3'941.10 

Gerichtskosten Fr. 1'500.00 

Zeugenentschädigung K._____ Fr. 40.30 

Total Fr. 6'531.40 

 

Die auf den Beschuldigten entfallenden erstinstanzlichen Gerichtskosten 

betragen Fr. 6'531.40, da die Gerichtsgebühr in der Höhe von Fr. 3'000.00, 

die Zeugenentschädigung von Fr. 80.55 und die Untersuchungskosten von 

Fr. 7'882.20 dem Beschuldigten und dem Mitbeschuldigten H._____ je 

hälftig aufzuerlegen sind. 

 

Zufolge des Schuldspruchs hat der Beschuldigte seine Parteikosten für das 

erstinstanzliche Verfahren selber zu tragen (Art. 429 Abs 1 lit. a StPO e 

contrario).  

 

11.3. 

Die Privatkläger, denen die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde und 

die deshalb keine Anwaltskosten zu tragen haben, erleiden keinen 

Schaden und können somit keinen Anspruch auf eine Entschädigung 

zulasten der beschuldigten Person gemäss Art. 433 StPO geltend machen 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_234/2013 vom 8. Juli 2013). Dem Privat-

kläger wurde die unentgeltliche Rechtspflege mit Wirkung ab dem 4. April 

2022 bewilligt (GA act. 32). Die unentgeltliche Rechtsvertreterin ist für das 

erstinstanzliche Verfahren aus der Staatskasse zu entschädigen, weshalb 

die vorinstanzliche Gerichtskasse anzuweisen ist, dieser eine Ent-

schädigung von Fr. 2'096.60 auszurichten. 

 

Für die vor der Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege entstandenen 

notwendigen Aufwendungen ist dem Privatkläger eine angemessene 

Entschädigung zuzusprechen (Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO), wobei er eine 

Entschädigung in der Höhe von Fr. 27'937.95 geltend macht (GA OGer 

act. 71 ff.). Es gilt anzumerken, dass der Privatkläger im gemeinsam 

geführten Untersuchungsverfahren betreffend den Mitbeschuldigten 

H._____ ebenfalls durch Rechtsanwältin Brigitta Brunner vertreten wurde, 

wobei die (nahezu) identischen Aufwendungen angefallen sind bzw. 

 - 29 - 

 

 

geltend gemacht werden (vgl. Honorarnote vom 21. Juni 2022 im 

Verfahren SST.2022.186 [GA OGer act. 71 ff.]). Es anerbietet sich daher, 

den Gesamtaufwand für beide Beschuldigten (H._____ und C._____) 

gemeinsam festzusetzen, wofür auf die im Berufungsverfahren 

SST.2022.186 eingereichte umfassendere Kostennote abzustellen ist. Von 

der geltend gemachten Entschädigung von insgesamt 91 Stunden und 39 

Minuten (vgl. Honorarnote vom 21. Juni 2022 [GA OGer act. 71 ff.]) sind 

zunächst 16 ½ Stunden für die erbrachten Leistungen seit dem 4. April 

2022 in Abzug zu bringen, zumal diese Aufwendungen bereits durch die 

unentgeltliche Rechtspflege erfasst werden, womit ein Zwischentotal von 

75 Stunden und 6 Minuten resultiert. Der Aufwand im Zusammenhang mit 

dem Beschwerdeverfahren gegen die Einstellungsverfügung betreffend 

den Beschuldigten (C._____) wird auf der vorliegend massgeblichen 

Kostennote nicht aufgeführt und ist zusätzlich zu entschädigen. Hierfür 

macht der Privatkläger - mit Honorarnote vom 21. Juni 2022 im 

Berufungsverfahren SST.2022.185 (GA OGer act. 71 ff.) - einen Aufwand 

von 4 Stunden und 30 Minuten geltend, was angemessen erscheint. 

Insgesamt sind dem Privatkläger folglich Aufwendungen von 79 Stunden 

und 36 Minuten zu entschädigen, wobei die Hälfte und somit 39 Stunden 

und 48 Minuten auf den Beschuldigten entfällt. Der Stundenansatz ist auf 

Fr. 220.00 festzusetzen (§ 9 Abs. 2bis i.V.m. § 3 AnwT). Hinzu kommen die 

pauschalisierten (§ 13 AnwT) und praxisgemäss auf 3 % zu ver-

anschlagenden Auslagen sowie die gesetzliche Mehrwertsteuer, woraus 

eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 9'713.10 resultiert. 

  

12. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO).  

 

 
   

Das Obergericht erkennt 

 

1. 

Der Beschuldigte ist schuldig der fahrlässigen schweren Körperverletzung 

durch Unterlassen gemäss Art. 125 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 11 Abs. 1 StGB. 

 

2.  

Der Beschuldigte wird gestützt auf die in Ziff. 1 erwähnte Bestimmung 

sowie Art. 34 StGB und Art. 47 StGB zu 120 Tagessätzen à Fr. 80.00, d.h. 

Fr. 9'600.00, verurteilt. 

 

3. 

Der Vollzug der Geldstrafe wird gestützt auf Art. 42 StGB aufgeschoben. 

Die Probezeit wird gemäss Art. 44 Abs. 1 StGB auf 2 Jahre festgesetzt. 

 - 30 - 

 

 

 

4.(in Rechtskraft) 

Die beschlagnahmte Plastikfolie wird eingezogen und vernichtet. 

 

5. 

5.1. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger eine Entschädigung 

für seine Anwaltskosten in der Höhe von Fr. 9'713.10 zu bezahlen. 

 

5.2. 

Im Übrigen wird die Zivilforderung auf den Zivilweg verwiesen. 

 

6. 

6.1. 

Der Beschuldigte hat die erstinstanzlichen Verfahrenskosten in Höhe von 

Fr. 6'531.40 (inkl. Anklagegebühr von Fr. 1'050.00) zu tragen. 

 

6.2. 

Der Beschuldigte trägt seine Kosten vor Vorinstanz selber. 

 

6.3. (in Rechtskraft) 

Der unentgeltlichen Rechtsvertreterin des Zivil- und Strafklägers, 

lic. iur. Brigitta Brunner, Rechtsanwältin, Baden, wird [für das erst-

instanzliche Verfahren] eine Entschädigung von Fr. 2'096.60 (inkl. Aus-

lagen von Fr. 56.70 und MWST von Fr. 149.90) zu Lasten der Staatskasse 

zugesprochen und die Gerichtskasse Baden angewiesen, die Auszahlung 

vorzunehmen. 

 

Von einer Rückforderung der Kosten vom Zivil- und Strafkläger wird 

gestützt auf Art. 30 Abs. 3 OHG abgesehen. 

 

7. 

7.1. 

Die Kosten für das Berufungsverfahren, bestehend aus einer Gerichts-

gebühr von Fr. 2'000.00 und den Auslagen von Fr. 270.00, zusammen 

Fr. 2'270.00, werden dem Beschuldigten auferlegt. 

 

7.2. 

Der Beschuldigte trägt seine Kosten vor Obergericht selber.  

 

8. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, der unentgeltlichen Vertreterin 

des Privatklägers, Rechtsanwältin Brigitta Brunner, für das Berufungs-

verfahren eine Entschädigung von Fr. 2'769.95 (inkl. MWST und Auslagen) 

auszurichten. 

 

 - 31 - 

 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 
   

Aarau, 18. Dezember 2023 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 2. Kammer 

Die Präsidentin:     Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

 

Plüss      Gasser