# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2073b6ea-3626-5972-8fda-d47c75ff5062
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-09-30
**Language:** de
**Title:** Ungenügende Abklärung des somatischen Gesundheitszustandes; Rückweisung zur mehrdisziplinären Begutachtung und Gesamtbeurteilung der Arbeitsfähigkeit
**Docket/Reference:** IV.2015.00083
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2015.00083.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2015.00083
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Gerichtsschreiber Pfefferli
Urteil
vom
30. September 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Urs Christen
Weinbergstrasse 18, 8001 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1961,
ist ausgebildete Pflegefachfrau. Sie war zuletzt
in dieser Funktion
vom 1. September 1994 (Urk. 7/9/1) bis
Ende Juni 2010
(Urk. 7/28/9)
beim Alters- und
Spitexzentrum
Y.___
angestellt
, wobei der letzte
effektive Arbeitstag am 8. Dezember 2009 war (Urk. 7/9/18
, 7/12/6
)
. Die Versicherte
meldete sich am 1. Mai 2010 (Urk. 7/5) wegen eines Burnout-Syndroms, Depressionen, Herzrasen sowie Rücken- und Nackenschmerzen bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an.
D
ie Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
nahm
medizinische (Urk. 7/
12/6-8, 7/14, 7/19/6-16, 7/20, 7/28
) und erwerbliche (Urk. 7/3,
7/8, 7/9)
Abklärungen vor. Gestützt auf das am 14. Juli 2011 erstattete psychiatrische Gutachten von
Dr.
med.
et
Dr.
rer
. nat.
Z.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (Urk. 7/28), wurde der Versicherten mit Vorbe
scheid vom 25. August 2011 (Urk. 7/32) eine ganze Invalidenrente ab Dezember 2010 sowie ab August 2011 eine
Dreiviertelsrente
bei einem Invaliditätsgrad von 60 % in Aussicht gestellt.
Nach durchgeführtem
Einwandverfahren
ent
schied die IV-Stelle mit Verfügung vom 26. Januar 2012 (Urk. 7/44) wie ange
kündigt.
Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
2.
Die Beschwerdegegnerin leitete im Februar 2013 (Urk. 7/66 ff.) von Amtes wegen ein Revisionsverfahren ein. In dessen Verlauf tätigte sie wiederum erwerbliche (Urk. 7/67,
7/83
) und medizinische Abklärungen (Urk. 7/69/6, 7
/71, 7/76, 7/81
)
. Gestützt auf ein
am 1
2.
Mai 2014 erneut von
Dr.
Z.___
erstattetes psychiatrisches Gutachten (Urk. 7/77) wurde der Versicherten mit Vorbescheid vom 9. Juli 2014 (Urk. 7/85) die Aufhebung der bisherigen Rente in Aussicht gestellt. Mit Schreiben vom 9. September
und 27. Oktober 2014
(Urk. 7/90
, 7/92
) wurde
n
unter Einreichung neuer medizinischer Akten (Urk. 7/88, 7/89, 7/93) Einwä
nd
e
gegen den Vorbescheid erhoben
(Urk. 7/90). Mit Verfügung vom 28. November 2014 (Urk. 7/97
= Urk. 2
) wurde die beste
hende Rente auf das Ende des der
en
Zustellung folgenden Monats eingestellt und einer allfälligen Beschwerde die
aufschiebende Wirkung entzogen.
3.
Mit Beschwerde vom 19. Januar 2015 (Urk. 1) wurde die Aufhebung der ange
fochtenen Verfügung und die
Zusprache
einer halben Invalidenrente, eventua
liter einer
Viertelsrente
beantragt. Eventualiter wurde die Durchführung weiterer medizinischer Abklärungen durch das Gericht beantragt.
Subeventualiter
wurde die
Verpflichtung der Beschwerdegegnerin zur Veranlassung weiterer medizi
nischer Abklärungen unter weiterer Ausrichtung der bisherigen Rente beantragt.
Mit Beschwerdeantwort vom 5. März 2015 beantragte d
ie Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde.
4.
Mit Verfügung vom 16. April 2015 (Urk. 8)
wurde der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zur Kenntnis gebracht und
ihr
Gesuch um Wiederherstel
lung der aufschiebenden Wirkung abgewiesen.
Auf die
Vorbringen
der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
Die Rentenhöhe ist sowohl vom Ausmass der nach Ablauf der Wartezeit weiter
hin bestehenden Arbeitsunfähigkeit als auch von einem entsprechend hohen Grad der durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit während des vorangegangenen Jahres abhängig. Somit kommt eine ganze Rente erst in Betracht, wenn die ver
sicherte Person während eines Jahres durchschnitt
lich mindestens zu 70 % ar
beits
unfähig gewesen und weiterhin wenigstens im gleichen Umfang invalid im Sinne von Art. 28 Abs. 2 IVG ist (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_
659
/201
5
vom 2
2. Februar 2016
E. 3.
1).
1.
3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.
4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkom
mensvergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt, dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten seit der letzten Begutachtung im Jahr 2011 insbesondere hinsichtlich der depressiven Symp
t
o
matik
verbessert habe, womit ein Revisionsgrund gegeben sei. Mittlerweile stehe klar die chronische Schmerzstörung im Vordergrund. Eine solche sei nur in Ausnahmefällen nicht überwindbar. Die leicht- bis mittelgradige depressive Störung sei an die Schmerzstörung gekoppelt und in der Zwischenzeit soweit abgeklungen. dass sie für die Arbeitsfähigkeit kaum mehr relevant sei. Eine psy
chische Komorbidität sei damit zu verneinen. Der im Gutachten erwähnte Meniskusschaden habe aus versicherungsmedizinischer Sicht keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit als Pflegefachfrau. Eine chronische körperliche Begleiterkrankung sei demnach nicht ausgewiesen.
2.2
Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend,
dass die Beschwerde
-
gegne
rin
gestützt auf das psychiatrische Gutachten vom 12. Mai 2014 fälschlicherweise davon ausgehe, dass sich die depressive Symptomatik verbessert habe
und
nur noch eine überwindbare Schmerzstörung
, jedoch
keine Komorbidität vorliege. Der psychiatrische Sachverständige halte in seinem Gut
achten vom 1
2.
Mai 2014 fest, dass rein von der depressiven Symptomatik her ein höheres Arbeitspensum von initial 60 %, später möglichweise auch 80 % möglich sei. Damit bestehe bereits aus psychischen Gründen aktuell eine Arbeitsunfähigkeit von 40 %. Zudem leide die Beschwerdeführerin unter erheb
lichen somatischen Beschwerden, welche nicht als chronische Schmerzstörung zu beurteilen seien. Insbesondere bestünden schmerzhafte Rücken- und
Knie
verletzungen
, die sich einerseits direkt auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten und andererseits die depressive Störung verschärften. Die Beschwerdegegnerin habe es unterlassen, die im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
eingereichten Unter
lagen der behandelnden Ärzte zu berücksichtigen und habe in der Verfügung lediglich ausgeführt, es seien keine neuen fachärztlich-psychiatrisch ausgewie
senen Befunde vorgebracht worden. Diese unterschiedlichen medizinischen Beurteilungen und die erheblichen somatischen Beschwerden hätten für die Beschwerdegegnerin Anlass sein müssen, genauere medizinische Abklärungen, eventuell ein polydisziplinäres Gutachten, zu veranlassen.
3.
3
.1
In der angefochtenen Verfügung vom 28. November 2014 wurde ausgeführt, dass der im Gutachten vom 12. Mai 2014 (Urk. 7/77) erwähnte Meniskus
schaden aus versicherungsmedizinischer Sicht keinen Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit als Pflegehelferin habe und damit eine chronische körperliche Begleit
erscheinung
zur diagnostizierten Schmerzstörung
nicht ausgewiesen sei.
D
i
e Beschwerdeführer
in
reichte im Rahmen des Einwand- sowie des vorliegen
den Beschwerdeverfahrens diverse ärztliche Berichte betreffend seine körper
lichen Beschwerden ein.
Sie
führt dazu aus, die Beschwerdegegnerin habe es unterlassen,
die von ihr
eingereichten Beri
chte der behandelnden Ärzte Dr.
med.
A.___
, Facharzt für Neurologie, und Dr.
med.
B.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappa
rates,
zu berücksichtigen und angemessen zu würdigen. In der Verfügung werde lediglich ausgeführt, dass keine neuen „fachärztlich-psychiatrisch ausgewiese
nen Tatsachen und Befunde“ vorgebracht worden seien. Es sei jedoch eine Tat
sache, dass erhebliche somatische Beschwerden
vorhanden und entsprechende
Diagnosen gestellt worden seien.
3
.2
Im
ärztliche
n
Bericht der Chirurgischen Klinik des Spitals
C.___
vom 13. Februar 2013 (Urk. 7/81)
wurden gestützt
auf
die
gleichentags
erfolgte Sprechstunde
folgende Diagnosen
festgehalten
:
-
Unklare Kniebeschwerden rechts (DD: Muskuläre
Dysbalance
) bei
-
Status nach
arthroskopischer
medialer
Teilmeniskektomie
25.03.2011 bei medialer Meniskusläsion und Partialläsion des vorderen Kreuz
bandes
-
Status nach
Hallux
valgus
-Korrektur
bds
., links 1997, rechts 1999
-
Adipositas
-
Depression
-
Supraventrikuläre Tachykardie interm
ittierend (DD
Reentry
-Tachykardie)
-
Grenzwerthypertonie
Der Befund sei im Vergleich zur Voruntersuchung unverändert
.
Aus dem MRT des rechten Knies vom 8. Februar 2013 ergebe sich bei Zustand nach
Teilmenis
kektomie
des
Innenmeniskushinterhornes
kein
Nachweis einer erneuten Rissbil
dung. Es zeige sich die bereits bekannte degenerative Veränderung des
Aussen
meniskushinterhornes
mit
subchondralem
Knochenödem am
dorsolateralen
Tibiaplateaueck
. Der
femorotibiale
Knorpel sei überraschenderweise medial wie lateral und
femoropatellär
weitgehend unauffällig. Das Knie sei ergussfrei. Es
bestehe eine leichte Strukturstörung des
femoralen
ansatznahen vorderen Kreuzbandes. Das hintere Kreuzband sei
anguliert
, jedoch intakt.
Da bis auf eine kleine
Ödembildung
am
posterolateralen
Tibiaeck
unauffällige Knorpel- und Meniskusverhältnisse vorlägen, müsse im Moment keine operative Massnahme durchgeführt werden. Die Veränderungen des
posterolateralen
Tibiaplateaus
könnten nicht eindeutig eingegrenzt werden. Signifikante dege
nerative Veränderungen, welche die
Ödembildung
begünstigten, seien nicht vorhanden. Er habe der Beschwerdeführerin bei etwas diffusem Beschwerdebild eher zur Durchführung einer gezielten physiotherapeutischen Kräftigung
i.S. eines propriozeptiven Trainings geraten. Unterstützend sei eine
chondro
-
protek
tive Medikation mi
t
Chondrova
einmal täglich empfehlenswert.
3
.
3
Am 4. Juli 2014 (Urk. 84/4) nahm
Dr.
med.
D.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, zertifizierter Gutachter
E.___
und Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes der Beschwerdegegnerin,
Stellung zur Frage, ob gestützt auf den Bericht des Spitals
C.___
vom 13. Februar 2013 (Urk. 7/81) eine somatisch begründete Einschränkung vorliege.
Er verneint
e
dies und führte dazu aus, dass neu unklare Kniebeschwerden beschrieben würden.
T
rotzdem
sei es
im Hinblick auf die Eingliederung zur Erhaltung der Restarbeitsfähigkeit sinnvoll, das Belastungsprofil zu ergänzen.
3.4
Dem ärztlichen
Bericht
von
Dr.
A.___
vom 2. September 2014 (Urk. 7/89) ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin bei der Untersuchung
vom 25. August 2014
im Liegen beim Anheben des rechten Beines bei ungefähr
40
°
lum
bo
-
sakrale
Schmerzen empfu
nde
n habe
, die sich bei weiterem Forcieren bis 50° verstärk
t
hätt
en. Das Anheben des linken Beines sei spontan bis 60° erfolgt. Beim Positionsversuch habe es kein Absinken gegeben
und die Reflexe seien mittellebhaft sowie symmetrisch
gewesen
. Die Kraft sei erhalten. Bei der Untersuchung im Sitzen sei
en
der Positionsversuch der oberen Extremitäten ohne Absinken und die Reflexe mittellebhaft und symmetrisch erfolgt, wobei Kraft und Sensibilität intakt gewesen seien. Die Halswirbelsäule sei bis in die Endexkursionen in allen Positionen beweglich.
Cervicothorakal
,
thorakolumbal
und
lumbosakral
bestehe
eine
Druckdolenz
, die im Bereich der Dornfortsätze und der paravertebralen Muskulatur panvertebral besonders ausgeprägt sei. Die Hirnnerven seien unauffällig, insbesondere bestehe kein Nystagmus und
seien
keine Abnormitäten im Augenhintergrund
vorhanden
. Bei sämtlichen Untersu
chungen, welche im Stand oder im Gang durchgeführt worden seien, sei eine Schonung des rechten Beines erkennbar. Zehenspitzen- und Fersengang seien mit etwas Mühe durchführbar. Der Romberg-Test habe ein negatives Ergebnis gebracht.
Sensorisch
bestehe eine
Lumboischialgie
rechts L5/S1 mit Ausbreitung im Gebiet S1. Diesbezüglich sei eine MRI-Abklärung erforderlich. Ebenso seien weitere Beurteilungen auf den Fachgebieten Orthopädie und Psychiatrie in Bezug auf Zumutbarkeit, Leistung und Arbeitsfähigkeit erforderlich.
3
.
5
Am 29. September 2014 (Urk. 7/93) berichteten die Ärzte
der Klinik für Radiolo
gie der Uni
versitäts
klinik
F.___
über
die Ergebnisse der gleichentags durch
geführten MRI-Untersuchung des rechten Knies der Beschwerdeführerin.
D
as vordere Kreuzband
sei
schmal und das mediale Seitenband leicht vernarbt
(DD: Status nach Partialruptur).
Der laterale Meniskus sei horizontal lädiert. Am lateralen
Tibiaplateau
seien
tiefe
fokale
Knorpeldefekte dorsal mit angrenzenden
reaktiven
Knochenmarksveränderungen fest
zu
stell
en
.
Es bestehe ein
Status nach medialer
Teilmeniskektomie
.
3
.
6
Mit ärztlichem Bericht vom 12. Januar 2015
(Urk. 3/2)
nahm
Dr.
A.___
erneut
auf der Grundlage der
einzigen von ihm durchgeführten
Untersuchung
zur somatischen Gesundheitssituation der Beschwerdeführerin Stellung. Er führte aus, eine von ihm veranlasste MRI-Abklärung der Lendenwirbelsäule (LWS) am 8. September 2014 habe eine Fehlhaltung der LWS mit beginnenden degenera
tiven Veränderungen mit Betonung
der Wirbel
L3 bis L5, jedoch ohne abgrenz
bare fokale Diskushernie ergeben. Bei
den Wirbeln
L4/L5
bestünden beidseitig
leichtgradige
foraminale
Stenosen mit fraglicher beidseitiger Reizung der aus
tretenden Nervenwurzel beim Wirbel L4. Es bestehe keine Reizung oder Kom
pression des Wirbels S1.
Klinisch bestehe eine
Lumboischialgie
rechts
mit
Schmerzen und Einschränkung der Beweglichkeit sowie
Druckdolenzen
im Bereich der Wirbelsäule. Die Sensi
bilität im rechten Fuss sei diffus vermindert gewesen, ohne dass es sichere An
haltspunkte für einen
radikulären
Bezug gegeben habe. Wohl schmerzbedingt zeige die Patientin eine ausgeprägte Schonhaltung des rechten Beines. Eine vollbelastende Tätigkeit als Pflegefachfrau halte er nicht für zumutbar. Es bestünden organische Grundlagen für die Rückenschmerzen und
bei
Vollbelas
tung
seien Exaz
erbationen nicht zu vermeiden. Allenfalls sei eine arbeitsmedi
zinische Abklärung mit orthopädischer Untersuchung zu veranlassen.
Die in der angefochtenen Verfügung erwähnten persönlichen Ressourcen (intakte Ehe, guter Kontakt zu den Kindern sowie sporadische Treffen mit ein paar Freundinnen) hätten mit den Rückenschmerzen nichts zu tun.
3
.7
Dr.
B.___
berichtete am 16. Januar 2015 über die Beschwerdeführerin (Urk. 3/3).
Er diagnostizierte eine beginnende
Pangonarthrose
rechts mit
-
ausgedünntem
femorotibialem
Knorpel medial
,
ohne tiefe Defekte
,
und klei
nen
femorotibialen
Oste
o
phyten
,
-
eine persistierende, horizontale Läsion lateral im
Hinterhorn
und der Pars
intermedia
des Meniskus und
-
tiefen, fokalen Knorpeldefekten am lateralen
Tibiaplateau
-
mit angrenzend reaktiven
zystischen
Knochenmarkveränderungen und
-
oberflächlichen Knorpeldefekten am
Femurkondylus
,
-
schmalem vorderem Kreuzband, passend zu Status nach Partialruptur
Dr.
B.___
schloss
aus den Ergebnissen seiner Untersuchung darauf, dass die Arbeitsfähigkeit als Pflegefachfrau, in deren Rahmen Patiententransfer
s
routinemässig zum Pflichtenheft gehörten, deutlich herabgesetzt sei. Eine acht- bis neunstündige Tätigkeit auf einer Stati
on mit dauerndem Herumgehen sei
eindeutig nicht mehr zumutbar. Als Nachtwache mit einem Pensum von 50 % könne das rechte Knie
in
idealer
W
eise geschont werden. Die Belastung im Nachtdienst sei von der Wegstrecke und der Intensität her deutlich geringer.
E
ine laterale
Meniskektomie
sei nur mit Vorbehalt zu empfehlen. Anzunehmen sei, dass bei einem Knie mit derart ausgeprägtem
Genu
valgum
nach Entfernen des lateralen Meniskus die Degeneration rasch weitergehen werde. Das aktuelle MRI vom September 2014 zeige bereits die Extrusion der Pars
intermedia
:
D
er laterale Meniskus werde über die
Tibiakante
nach
aussen gedrückt, so dass eine laterale
Teilmeniskektomie
vielleicht für ein bis zwei Jahre eine leichte Besse
rung bringen werde. Danach sei mit grosser Wahrscheinlichkeit ein prothe
tischer Ersatz angezeigt. Nur das laterale Kompartiment zu ersetzen dürfte keine Lösung sein, es werde eine Totalprothese resultieren, so dass solange mit einer
Teilmeniskektomie
zugewartet werden sollte, wie die Patientin die aktuelle Situation ertrage beziehungsweise solange die Situation kompensiert sei.
3
.
8
Im Rahmen des
Einwandverfahrens
wurden von der Beschwerdeführerin am 9. September 2014 (Urk. 7/90) der Bericht von
Dr.
A.___
vom 2. September 2014 (Urk. 7/89) sowie am 27. Oktober 2014 (Urk. 7/92) der
Klinik für Radiolo
gie der Universitätsklinik
F.___
vom 29. September 2014 (Urk. 7/93) einge
reicht.
Am 13. Juni 2014 wurde der Beschwerdegegnerin der Ärztliche Bericht des Spitals
C.___
vom 13. Februar 2013 (Urk. 7/81) zugestellt.
RAD-Arzt
Dr.
med.
D.___
, Facharzt
für Allgemeine Innere Medizin,
zertifi
zierter Gutachter
E.___
und Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes der Beschwerdegegnerin
, nahm
zudem
am 23. Oktober 2014 zuhanden der Beschwerdegegnerin Stellung zur Frage, ob in medizinischer Hinsicht im Ver
gleich zu
seiner
Stellungnahme vom 4. Juli 2014 neue Tatsachen vorgebracht worden seien.
Er führte dazu aus, dass insbesondere keine neuen fachärztlich-psychiatrisch ausgewiesenen Tatsachen und Befunde vorgebracht worden seien. Vorbehalten bleibe der weitere Verlauf der derzeit leichten Einschränkungen an
Rücken und Knie, welche offensichtlich noch weiterer Abklärung und Behand
lung bedürften (Urk. 7/96/2).
Die Beschwerdegegnerin unterliess es
indessen
trotz dieses Vorbehalts in der Folge
,
weitere Abklärungen zu tätigen
.
Sie
ver
fügte
zudem
,
ohne
dem
RAD
auch
den ärztlichen
Bericht
der Universitätsklinik
F.___
vom 29. September 2014 (Urk. 7/93)
zur Stellungnahme zu unterbrei
ten,
wie angekündigt die Aufhebung der bisherigen Rente
.
3.9
Dr.
Z.___
deutete
in seinem Gutachten vom 12. Mai 2014 (Urk. 7/77)
eben
falls
an,
dass nicht ausgeschlossen werden könne
, dass die
Beschwerde
führerin an invalidenversicherungsrechtlich relevanten somatischen Beschwer
den leidet
.
Dasselbe
geht insbes
ondere
auch
aus den
ärztlichen Bericht
en
von
Dr.
A.___
vom
2
.
September 2014 (Urk. 7/89)
sowie dem MRI-Bericht der Klinik für Radiologie der Universitätsklinik
F.___
vom 29. September 2014 (Urk. 7/93)
hervor
.
Für diese Annahme spricht insbesondere der im Rahmen dieses Be
schwerdeverfahrens eingereichte ärztliche
Bericht von
Dr.
A.___
vom 12. Januar
2015
(Urk. 3/2)
. Da er diesen Bericht auf der Grundlage seiner ein
zigen Untersuchung der Beschwerdeführerin vom 25. August 2014 erstattete, bezieht er sich auf einen Sachverhalt vor Erlass der angefochtenen Verfügung, weshalb der Bericht zu berücksichtigen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_279/2015 vom 27. August 2015 E. 3.2.1).
A
uf
der G
rund
lage
de
s
im
Verfü
gungszeitpunkt
durch die
vorliegenden medizinischen Akten
ausgewiesenen
Sachverhalts kann die Frage
, ob die Beschwerdeführerin in somatischer
Hinsicht in ihrer
Leistungsfähigkeit
massgeblich
eingeschränkt ist,
nicht
zuverlässig
beantwortet werden.
Damit weist die Beschwerdeführerin gesundheitliche Befunde auf, deren gesamt
hafte Bedeutung für die Arbeitsfähigkeit ungeklärt
ist
.
Ergänzende
Abklärungen sind
daher
notwendig
. Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung ist Beweis über sozialversicherungsrechtliche Ansprüche schwergewichtig auf der Stufe des Administrativverfahrens zu führen und nicht im gerichtlichen Prozess (Art. 43
Abs.
1 ATSG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine Rückweisung an die Verwaltung vorzunehmen, wenn sie in der notwen
digen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist
(BGE 139 V 99 E. 1.1 mit Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4). Dies ist hier der Fall.
3
.
10
D
ie Kombination mehrerer Funktionsstörungen
führt
nicht notwendigerweise zu einer Addition der in verschiedenen Fachdisziplinen attestierten Arbeitsun
fähigkeiten. Bei ihrem Zusammentreffen überschneiden sich die erwerblichen Auswirkungen in der Regel. Deshalb ist der Grad der Arbeitsunfähigkeit grund
sätzlich in einer Gesamtbeurteilung zu bestimmen (
Urteil des Bundesgerichts
9C_204/2015 vom 29. April 2015 E. 6 mit Hinweis auf das
Urteil
des Bundes
gerichts
9C_948/2012 vom 2
2.
Juli 2013 E. 4.3).
Die Beschwerdegegnerin
hat damit die fehlenden Abklärungen
betreffend
den somatischen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin i
m
Rahmen
eine
r
mehrdisziplinären
Begutacht
ung
mit Gesamtbeurteilung vorzunehmen, da die Wechselwirkungen mit allfälligen psychiatrisch begründeten Einschränkungen zu berücksichtigen sind. Die Begutachtung hat dabei insbesondere durch Fach
ärzte der Disziplinen Psychiatrie und Orthopädie zu erfolgen.
Demzufolge
kann
die
Frage,
ob durch die bestehenden medizinischen Akten weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit in psychischer Hinsicht ausgewiesen ist
,
offen
bleiben
.
Damit ist die Beschwerde insoweit gutzuheissen, dass die angefochtene Verfügung
aufzuheben
und die Sache zur
ergänzenden Abklärung im Sinne der Erwägun
gen und zum neuen Entscheid über den Rentenanspruch an die
Beschwerdegeg
nerin
zurückzuweisen ist
.
4
.
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung. Das Verfahren ist daher kosten
pflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhän
gig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs.
1
bis
I
VG) und ermessensweise auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
Zudem hat die obsiegende Beschwerdeführerin Anspruch auf Ersatz der
Parteikos
ten
(
§
34
Abs.
1
GSVGer
).
Nachdem Rechtsanwalt Christen keine Zusammenstellung über seine anwaltlichen Bemühungen
einreichte,
erfolgt die Festsetzung seiner Entschädigung nach Ermessen. Unter der Berücksichtigung der Tatsache, dass Rechtsanwalt
Christen die Beschwerdeführerin
bereits im
Einwandverfahren
vertreten
hat und
seither nur in sehr beschränktem Mass Aktenstudium erforderlich war
,
ist die
Pro
zessentschädigung
ermessensweise auf Fr. 1’
6
00.-- (inklusive Barauslagen und 8 % Mehrwertsteuer) festzusetzen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass d
i
e angefochtene
Verfügung
vom
28. November 2014
aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter
Abklärung im Sinne der Erwägungen,
über den Rentenanspruch der Beschwerdefüh
rerin
neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine
Prozessent
-
schä
digung
von
Fr.
1‘600
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Urs Christen
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GrünigPfefferli