# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 09a4a482-3f31-5af0-a907-4d95ff7eb711
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-12-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.12.2023 D-6455/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6455-2023_2023-12-20.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-6455/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 0 .  D e z e m b e r  2 0 2 3   

Besetzung 
 Einzelrichter Simon Thurnheer, 

mit Zustimmung von Richterin Camilla Mariéthoz Wyssen;   

Gerichtsschreiberin Leslie Werne. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Armenien,   

vertreten durch Urs Jehle, Rechtsschutz für Asylsuchende, 

(…),  

Beschwerdeführerin,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Verweigerung vorübergehenden Schutzes;  

Verfügung des SEM vom 18. Oktober 2023. 

 

 

 

D-6455/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin suchte am 3. Juni 2023 mit ihrem mittlerweile voll-

jährigen Sohn (N […]) in der Schweiz um vorübergehenden Schutz nach. 

Am 4. Juli 2023 fand ihre Kurzbefragung statt. 

B.  

Zu ihrem persönlichen Hintergrund und zur Begründung ihres Gesuchs 

brachte sie im Wesentlichen vor, sie sei armenische Staatsangehörige und 

stamme aus B._______. Dort habe sie den Beruf der Näherin erlernt. Da 

es in Armenien Unruhen gegeben habe, habe sie im Jahr 2002 gemeinsam 

mit ihrem Ehemann ihren Heimatstaat verlassen und sei mit ihm und der 

gemeinsamen Tochter in die Ukraine gereist. Im Jahr (…) sei ihr Sohn 

ebendort geboren worden. Seit 2010 habe sie getrennt von ihrem Ehe-

mann gelebt und durch das Backen von Torten und mit einer Aushilfstätig-

keit in einer Bäckerei den Lebensunterhalt für sich und ihre beiden Kinder 

bestritten. Da sich ihre volljährige Tochter mit ihrem ukrainischen Ehemann 

und den gemeinsamen Kindern in der Schweiz befinde, hätten sie (die Be-

schwerdeführerin) und ihr Sohn sich ebenfalls zur Ausreise aus der Ukra-

ine entschlossen und seien mit einem polnischen Visum in die Schweiz 

gelangt. 

Als Beweismittel reichte sie unter anderem im Original ihren armenischen 

Reisepass (gültig bis 9. August 2024) sowie ein Permanent Resident Per-

mit für die Ukraine zu den Akten.  

C.  

Mit Verfügung vom 18. Oktober 2023 – eröffnet am 23. Oktober 2023 – 

lehnte das SEM das Gesuch der Beschwerdeführerin um vor- 

übergehenden Schutz ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und 

beauftragte den Kanton (…) mit dem Vollzug der Wegweisung.  

D.  

Dem am (…) volljährig gewordenen Sohn der Beschwerdeführerin wurde 

mit separater Verfügung des SEM vom 19. Oktober 2023 vorübergehender 

Schutz gewährt. 

E.  

Mit Eingabe vom 22. November 2023 erhob die Beschwerdeführerin gegen 

den Entscheid vom 18. Oktober 2023 Beschwerde beim Bundesver- 

waltungsgericht und beantragte, der Entscheid der Vorinstanz sei 

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aufzuheben und sie sei vorläufig aufzunehmen. Eventualiter sei ihr vor- 

übergehender Schutz zu gewähren; subeventualiter sei die Sache zur Neu-

beurteilung an das SEM zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht 

ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive 

Kostenvorschussverzicht. 

F.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

23. November 2023 in elektronischer Form vor. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1. Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem 

Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 72 

i.V.m. Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Die Be-

schwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung le-

gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde ist einzutreten (Art. 72 i.V.m. Art. 108 Abs. 6 AsylG; Art. 52 Abs. 1 

VwVG). 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich, soweit die Verweigerung vorübergehenden Schutzes betref-

fend, nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. Art. 72 AsylG), im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).  

3.  

3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-

cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-

weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 72 i.V.m. Art. 111 Bst. e 

AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, wes-

halb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 72 i.V.m. Art. 111a 

Abs. 2 AsylG). 

3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG (i.V.m. Art. 72 AsylG) wurde auf die 

Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

Soweit in der Beschwerde (subeventualiter) beantragt wird, die ange- 

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Seite 4 

fochtene Verfügung sei aufzuheben, und die Sache an die Vorinstanz zu-

rückzuweisen, ist festzustellen, dass dieser Antrag nicht näher begründet 

wird. Insbesondere legt die Beschwerdeführerin nicht dar, inwiefern der 

rechtserhebliche Sachverhalt unrichtig oder unvollständig erstellt sei. Man-

gels konkreter anderweitiger Hinweise ist daher von einem ausreichend 

erstellten, spruchreifen Sachverhalt auszugehen. Der Rückweisungs- 

antrag erweist sich damit als unbegründet und ist abzuweisen. 

5.  

5.1 Gestützt auf Art. 4 AsylG kann die Schweiz Schutzbedürftigen für die 

Dauer einer schweren allgemeinen Gefährdung, insbesondere während ei-

nes Kriegs oder Bürgerkriegs sowie in Situationen allgemeiner Gewalt, vor- 

übergehenden Schutz gewähren. Der Bundesrat entscheidet, ob und nach 

welchen Kriterien Gruppen von Schutzbedürftigen vorübergehender 

Schutz gewährt wird (Art. 66 Abs. 1 AsylG). 

5.2 Am 11. März 2022 hat der Bundesrat gestützt auf Art. 66 Abs. 1 AsylG 

eine Allgemeinverfügung zur Gewährung vorübergehenden Schutzes im 

Zusammenhang mit der Situation in der Ukraine erlassen und darin drei 

schutzberechtigte Personengruppen definiert (vgl. BBl 2022 586): Ukraini-

sche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger sowie deren Familienangehö-

rige, welche vor dem 24. Februar 2022 in der Ukraine wohnhaft waren 

(Bst. a der Allgemeinverfügung), Personen anderer Nationalität und Staa-

tenlose (inkl. Familienangehörige), welche vor dem 24. Februar 2022 in der 

Ukraine einen Schutzstatus hatten (vgl. Bst. b) sowie Personen anderer 

Nationalität und Staatenlose (inkl. Familienangehörige), welche belegen 

können, dass sie über eine gültige ukrainische Aufenthaltsbewilligung ver-

fügen und nicht in Sicherheit und dauerhaft in ihr Heimatland zurückkehren 

können (Bst. c).  

6.  

Die Beschwerdeführerin bringt vor, sie habe gemeinsam mit ihrem dann-

zumal minderjährigen Sohn, einem ukrainischen Staatsangehörigen, in der 

Schweiz um vorübergehenden Schutz nachgesucht. Das Alter ihres Soh-

nes betreffend sei auf den Zeitpunkt der Gesuchseinreichung abzustellen, 

weshalb dieser trotz der mittlerweile erreichten Volljährigkeit als minder- 

jährig zu betrachten sei. Dementsprechend sei nicht nur ihm, sondern auch 

der Beschwerdeführerin in der Schweiz vorübergehend Schutz oder zu-

mindest die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Darüber hinaus treffe es 

auch nicht zu, dass sie dauerhaft und in Sicherheit nach Armenien zurück-

kehren könne, sei doch insbesondere ihre wirtschaftliche Existenz bedroht. 

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Sie habe ihren Heimatstaat vor mehr als 20 Jahren verlassen und verfüge 

dort über kein Beziehungsnetz. Zudem spreche sie die Sprache kaum 

mehr. Sie verfüge zwar über eine Ausbildung als Näherin habe aber in die-

sem Beruf nie gearbeitet und habe ihren Lebensunterhalt in den vergange-

nen Jahren lediglich als ungelernte Aushilfe in einer Bäckerei verdienen 

können. 

7.  

7.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum 

Schluss, dass die Vorinstanz in ihren Erwägungen zutreffend festgehalten 

hat, die Beschwerdeführerin gehöre nicht zu den vom Bundesrat definier-

ten Gruppen der schutzberechtigten Personen. Auf die betreffenden Aus-

führungen in der angefochtenen Verfügung kann mit den nachfolgenden 

Ergänzungen verwiesen werden.  

7.2 Ungeachtet der Volljährigkeit des Sohnes der Beschwerdeführerin ist 

ihre Auffassung, sie gehöre der schutzberechtigten Personengruppe von 

Bst. a der Allgemeinverfügung an, unzutreffend. Als Familienangehörige im 

Sinne von Bst. a der Allgemeinverfügung gelten die in der vorgenannten 

Bestimmung ausdrücklich erwähnten Partnerinnen und Partner sowie min-

derjährigen Kinder von ukrainischen Staatsangehörigen. Darüber hinaus 

können andere enge Verwandte, welche zum Zeitpunkt der Flucht ganz 

oder teilweise unterstützt wurden, in den Schutz einbezogen werden 

(vgl. Urteile des BVGer E-5041/2022 vom 8. Dezember 2022 E. 6.3.5 und 

D-4049/2022 vom 12. Oktober 2022 E. 7.1). Die Beschwerdeführerin ist 

weder Partner noch Kind ihres Sohnes, noch war sie zum Zeitpunkt der 

Flucht auf dessen Unterstützung angewiesen; vielmehr erfolgte die Unter-

stützung des dannzumal minderjährigen ukrainischen Kindes durch seine 

armenische Mutter. Die Beschwerdeführerin fällt damit ungeachtet der uk-

rainischen Staatsangehörigkeit des volljährigen Sohnes nicht unter Bst. a 

der Allgemeinverfügung vom 11. März 2022. Nach dem Gesagten kann sie 

nichts aus der Minderjährigkeit ihres Sohnes zum Gesuchszeitpunkt ablei-

ten.  

7.3 Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, sie könne nicht in Si-

cherheit und dauerhaft nach Armenien zurückkehren (vgl. Bst. c der Allge-

meinverfügung vom 11. März 2022), begründet sie dies ausschliesslich da-

mit, dass sie im Falle ihrer Rückkehr nach Armenien in ihrer wirtschaftli-

chen Existenz bedroht sei und dort kein Beziehungsnetz habe. Zu keinem 

Zeitpunkt machte sie eine individuelle Verfolgung in Armenien oder eine 

Gefährdung aufgrund der dort herrschenden allgemeinen Sicherheitslage 

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geltend, vielmehr verneinte sie solches ausdrücklich (vgl. SEM-act. 

1256865 9/11 F76).  

7.4 Somit hat das SEM das Gesuch um vorübergehenden Schutz zu Recht 

abgelehnt.  

8.  

8.1 Lehnt das SEM ein Gesuch um Gewährung vorübergehenden Schut-

zes ab, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 

ordnet den Vollzug an (Art. 69 Abs. 4 AsylG). 

8.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 

(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 69 Abs. 4 

AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).  

In Bezug auf die Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge-

mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be-

weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu 

beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

9.2  

9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG).  

9.2.2 Die Beschwerdeführerin hat in der Schweiz kein Asylgesuch gestellt. 

Den Akten sind demnach keine Hinweise auf eine Verletzung des flücht-

lingsrechtlichen Refoulement-Verbots zu entnehmen. Sodann ergeben 

sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den Akten 

Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Rückkehr nach Armenien 

dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 

FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre.  

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Seite 7 

9.2.3 Weiter kann die Beschwerdeführerin – entgegen der in der Be-

schwerde vertretenen Auffassung – auch aus Art. 8 EMRK – in Bezug auf 

das Familienleben mit ihren hierzulande lebenden volljährigen Kindern –, 

nichts zu ihren Gunsten ableiten. Etwaige Ansprüche wären bei den zu-

ständigen kantonalen Migrationsbehörden geltend zu machen.  

9.2.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im 

Sinne der landes- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.  

9.3   

9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

9.3.2 In Armenien herrscht zurzeit weder ein kriegsähnlicher Zustand noch 

eine Situation allgemeiner Gewalt. Der Vollzug der Wegweisung nach Ar-

menien ist daher als generell zumutbar zu erachten (vgl. Urteile des BVGer 

D-2850/2022 vom 12. September 2022 E. 10.3.1 m.w.H.). 

9.3.3 Die vorgebrachten Einwände der Beschwerdeführerin bezüglich der 

finanziellen und beruflichen Schwierigkeiten in Armenien sind denn auch 

nicht geeignet, den Vollzug der Wegweisung als unzumutbar erscheinen 

zu lassen. Den Akten zufolge lebte sie mehr als ihr halbes Leben in Arme-

nien. Sie verfügt über eine abgeschlossene Ausbildung und reichlich Be-

rufserfahrung, womit sie sowohl ihren als auch den Lebensunterhalt ihrer 

Kinder seit der Trennung von ihrem Ehemann im Jahr 2010 selbständig 

erwirtschaften und Letzteren eine gute Ausbildung ermöglichen konnte 

(vgl. SEM-act. 1256865 9/11 F50, F67 und F74). Ihre Kinder sind mittler-

weile volljährig und es wurde ihnen in der Schweiz vorübergehender 

Schutz gewährt, weshalb sie der finanziellen Unterstützung durch die Be-

schwerdeführerin grundsätzlich nicht mehr bedürfen. Aufgrund des Gesag-

ten ist es ihr demnach zuzumuten, ihren Lebensunterhalt im Heimatland zu 

bestreiten. Zudem verfügt sie mit ihrer Mutter in Armenien über einen fami-

liären Anknüpfungspunkt. Bei dem in diesem Zusammenhang vorgebrach-

ten Kontaktabbruch handelt es sich sodann um eine unbelegte Partei- 

behauptung. Gleiches gilt für ihr Vorbringen, sie spreche die armenische 

Sprache kaum mehr. Angesichts dessen, dass die Tochter der Beschwer-

deführerin anlässlich ihres Gesuchs um vorübergehenden Schutz angab, 

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Seite 8 

Armenisch sei sowohl ihre Muttersprache als auch die ihrer Kinder, er-

scheint es nicht glaubhaft, dass die Beschwerdeführerin, die im Gegensatz 

zu ihrer Tochter und ihren Enkeln in Armenien aufwuchs, die Sprache «ver-

gessen» haben soll (vgl. SEM-act. 1205831 8/39 und SEM-act. 1256865 

9/11 F73). Die in der Befragung erwähnten (jedoch nicht belegten) gesund-

heitlichen Probleme der Beschwerdeführerin (Krampfadern und Nieren-

steine) erscheinen denn auch nicht derart gravierend, dass die Zumutbar-

keit des Vollzugs deswegen verneint werden müsste, zumal eine angemes-

sene medizinische Versorgung in Armenien gewährleistet ist (vgl. Urteil  

D-2850/2022 vom 12. September 2022 E. 10.3.2 m.w.H.). Insgesamt ist 

der Vollzug der Wegweisung somit auch in individueller Hinsicht zumutbar. 

9.4 Da die Beschwerdeführerin über einen gültigen armenischen Reise-

pass verfügt, ist der Vollzug der Wegweisung ohne weiteres auch als mög-

lich zu erachten (Art. 83 Abs. 2 AIG).  

9.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Wegwei-

sungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat. 

Die Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt damit ausser Betracht 

(Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist 

(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.   

11.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist 

abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägun-

gen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind. Angesichts des vorlie-

genden Direktentscheids wird das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung 

eines Kostenvorschusses gegenstandslos. 

11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwer-

deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– 

festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]).  

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 9 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen.  

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin auf- 

erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen.  

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Simon Thurnheer Leslie Werne 

 

 

Versand: