# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 34a7492f-e259-56f6-81b6-3a0f6fa9ea9f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-06-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.06.2023 E-3596/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3596-2023_2023-06-28.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3596/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 8 .  J u n i  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichter Lorenz Noli, 

mit Zustimmung von Richter David R. Wenger;   

Gerichtsschreiber Daniel Merkli. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei,  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 19. Juni 2023 / N (…). 

 

 

 

E-3596/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer stellte am 17. Mai 2023 in die Schweiz ein Asyl- 

gesuch. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der europäischen Finger-

abdruck-Datenbank (Eurodac) ergab, dass er am 15. Mai 2023 bereits in 

Kroatien um Asyl nachgesucht hatte. 

B.  

Am 2. Juni 2023 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden um Rück-

übernahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b der 

Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des  

Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur 

Bestimmung des Mitgliedstaates, der für die Prüfung eines von einem Dritt-

staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-

trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend Dublin-III-VO). 

C.  

Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer anlässlich des sogenannten 

Dublin-Gesprächs vom 2. Juni 2023 das rechtliche Gehör zur mutmassli-

chen Zuständigkeit Kroatiens für die Durchführung des Asylverfahrens, zu 

einer allfälligen Rückkehr dorthin sowie zum medizinischen Sachverhalt. 

C.a Dabei machte er im Wesentlichen geltend, es sei allgemein bekannt, 

dass Asylsuchende in Kroatien schlecht behandelt würden. Deshalb wolle 

er nicht nach Kroatien zurückkehren. Man habe ihn gezwungen ein Doku-

ment in einer fremden Sprache zu unterzeichnen.  

C.b Die Frage nach seinem Gesundheitszustand beantwortete der Be-

schwerdeführer dahingehend, dass er in der Türkei in psychiatrischer Be-

handlung gewesen sei. Das letzte Mal vor sechs Monaten. Er könne nachts 

nicht gut schlafen. Bei der Pflege habe man ihm gesagt, dass er lange auf 

einen Termin beim Psychiater warten müsste. Er habe Medikamente erhal-

ten und sei auf die Seelsorge hingewiesen worden. 

D.  

Die kroatischen Behörden hiessen das Wiederaufnahmegesuch des SEM 

am 16. Juni 2023 gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO gut.  

E.  

Mit Verfügung vom 19. Juni 2023 – eröffnet am 21. Juni 2023 – trat das 

SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete seine 

Überstellung nach Kroatien an und forderte ihn auf, die Schweiz nach 

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Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig verfügte es die Aus-

händigung der editionspflichtigen Akten und stellte fest, einer allfälligen Be-

schwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu. 

F.  

Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe an das Bundesverwaltungs- 

gericht vom 26. Juni 2023 Beschwerde gegen diesen Nichteintretensent-

scheid. Er beantragte sinngemäss, die angefochtene Verfügung sei aufzu-

heben und das SEM sei anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten und 

das Asylverfahren in der Schweiz durchzuführen.   

G.  

Am 27. Juni 2023 setzte der Instruktionsrichter den Vollzug der Überstel-

lung gestützt auf Art. 56 VwVG per sofort einstweilen aus.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-

gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). 

Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressaten zur Beschwerde- 

führung legitimiert (Art. 48 VwVG).  

1.2 Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten 

(Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwerde-

instanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht 

auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 

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Seite 4 

2.3 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichter- 

licher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden 

(Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt wird, handelt es sich 

um ein solches Rechtsmittel, weshalb das Urteil nur summarisch zu be-

gründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG 

wurde auf einen Schriftenwechsel verzichtet. 

3.  

3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asyl- 

suchende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung 

des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist 

(Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Diesfalls verfügt das SEM in der Regel die 

Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-

gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals 

ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des 

– hier interessierenden – Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-

III-VO) findet grundsätzlich keine (neue) Zuständigkeitsprüfung nach  

Kapitel III Dublin-III-VO mehr statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2019 VI/7  

E. 4–6, 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1). 

3.3 Der Mitgliedstaat, bei dem der erste Antrag auf internationalen Schutz 

gestellt wurde, ist gehalten, einen Antragsteller, der sich ohne Aufenthalts-

titel im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats aufhält oder dort einen 

Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat, nachdem er seinen ersten 

Antrag noch während des Verfahrens zur Bestimmung des zuständigen 

Mitgliedstaats zurückgezogen hat, nach den Bestimmungen der Art. 23, 

24, 25 und 29 wieder aufzunehmen, um das Verfahren zur Bestimmung 

des zuständigen Mitgliedstaats zum Abschluss zu bringen (Art. 20 Abs. 5 

Dublin-III-VO). Diese Bestimmung findet auch im Fall der Weiterreise eines 

Antragstellers in einen anderen Mitgliedstaat bei noch nicht abgeschlosse-

nem Zuständigkeitsverfahren Anwendung (vgl. CHRISTIAN FILZWIESER / AN-

DREA SPRUNG, Dublin-III-Verordnung, Das europäische Asylzuständig-

keitssystem, 2014, K. 19 zu Art. 20). 

3.4 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-

ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die 

Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für 

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Seite 5 

Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-

sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-

lung im Sinne von Art. 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen 

Union (EU-Grundrechtecharta [GRC]; ABl. C 364/1 vom 18. Dezember 

2000) mit sich bringen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein an-

derer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein ande-

rer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit 

prüfende Mitgliedstaat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Sätze 

2 und 3 Dublin-III-VO). 

3.5 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder 

Staatenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch 

wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die 

Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Dieses so- 

genannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 

der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkre-

tisiert; gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch "aus 

humanitären Gründen" auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-

III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrecht-

liche Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt indessen zwingend 

(vgl. BVGE 2015/9 E. 8.2.1). 

4.  

4.1 Der Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers ergab, dass 

er am 15. Mai 2023 in Kroatien ein Asylgesuch gestellt hatte. Durch den 

Abgleich der Fingerabdrücke mit der Zentraleinheit Eurodac steht fest, 

dass er durch diesen Staat als asylsuchende Person registriert wurde. 

4.2 Die kroatischen Behörden stimmten den Wiederaufnahmeersuchen 

des SEM vom 2. Juni 2023 gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO zu. Vor 

diesem Hintergrund ist die grundsätzliche Zuständigkeit Kroatiens zur 

Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens gegeben. Daran ver-

mögen auch die Einwände des Beschwerdeführers, wonach er in Kroatien 

eigentlich gar kein Asylgesuch habe stellen wollen, nichts zu ändern.   

5.  

Der Beschwerdeführer bringt in seiner Beschwerdeeingabe im Wesentli-

chen vor, Asylsuchende würden in Kroatien schlecht behandelt. Das kroa-

tische Asylsystem weise auch Mängel auf. Er befürchte, einfach in die Tür-

kei abgeschoben zu werden, wo ihm Verfolgung drohe. Die Schweiz biete 

ihm höhere Lebensqualität und Bildungsmöglichkeiten als in Kroatien.  

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Seite 6 

6.  

Das SEM hat den rechtserheblichen Sachverhalt hinreichend abgeklärt. Es 

hat sich unter Bezugnahme auf die Schilderungen des Beschwerdeführers 

mit der individuellen Situation, den ihm offenstehenden Möglichkeiten, sich 

dort gegen ungerechte Behandlung zu wehren, sowie der allgemeinen Si-

tuation in Kroatien und der medizinischen Versorgung auseinandergesetzt. 

Für eine Rückweisung an die Vorinstanz besteht keine Veranlassung. 

7.  

Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts liegen keine 

konkreten Gründe für die Annahme vor, das Asylverfahren und die Aufnah-

mebedingungen für Antragstellende in Kroatien würden systemische 

Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz Dublin-

III-VO aufweisen (vgl. insbesondere Referenzurteil BVGer E-1488/2020 

vom 22. März 2023 E. 9.5 und statt vieler die Urteile BVGer E-1081/2023 

vom 28. Februar 2023 E. 6.1 und D-5890/2022 vom 3. Februar 2023 

E. 8.2). Auch in Würdigung der Aussagen des Beschwerdeführers zu sei-

ner Behandlung und seinen Beobachtungen während des (sehr kurzen) 

Aufenthalts in Kroatien ist nicht davon auszugehen, er geriete nach einer 

Überstellung in dieses Land in eine Situation extremer Not. Folglich ist die 

Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt. 

8.  

8.1 Demnach bleibt zu prüfen, ob die Schweiz das Selbsteintrittsrecht nach 

Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO auszuüben hat. 

8.2 Der Beschwerdeführer hat kein konkretes und ernsthaftes Risiko dar-

getan, die kroatischen Behörden würden sich weigern, ihn wiederaufzu-

nehmen und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der 

Regeln der Richtlinie 2013/32/EU des Europäischen Parlaments und des 

Rates vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung 

und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) 

zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu 

entnehmen, Kroatien werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refou-

lement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem Leib, 

Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefähr-

det wäre oder in dem er Gefahr laufen würden, zur Ausreise in ein solches 

Land gezwungen zu werden. Ausserdem hat der Beschwerdeführer nicht 

dargetan, die bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen in Kroatien 

seien derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 GRC, Art. 3 

EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten. Der Beschwerdeführer vermochte 

keine individuellen Umstände geltend zu machen, gestützt auf welche sich 

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die Annahme rechtfertigen würde, Kroatien würde ihm dauerhaft die ihm 

gemäss Richtlinie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von  

Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz bean-

tragen (sog. Aufnahmerichtlinie) zustehenden minimalen Lebensbedingun-

gen vorenthalten. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung 

könnte er sich nötigenfalls an die dortigen Behörden wenden und die ihm 

zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. 

Art. 26 Aufnahmerichtlinie).  

8.3  

8.3.1 Was den medizinischen Sachverhalt anbelangt, kann eine zwangs-

weise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur 

ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen (vgl. 

BVGE 2011/9 E. 7 m.w.H. und Urteil des Europäischen Gerichtshofs für 

Menschenrechte Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse 

Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). 

8.3.2 Den Akten zufolge leidet der Beschwerdeführer nicht an gravieren-

den Gesundheitsproblemen. Die im Dublin-Gespräch erwähnten psychi-

schen Probleme sind aufgrund der Aktenlage offensichtlich nicht derart 

schwerwiegend sein, dass davon ausgegangen werden müsste, er könnte 

nicht auch in Kroatien adäquat behandelt werden, wo grundsätzlich eine 

durchaus ausreichende medizinische Infrastruktur zur Verfügung steht (vgl. 

insbes. Referenzurteil E-1488/2020 a.a.O. E. 10.2, statt vieler das Urteil 

BVGer E-2952/2023 vom 31. Mai 2023 E. 7.3, je m.w.H.).  

8.3.3 Die Vorinstanz hält sodann zutreffend fest, dass Kroatien über eine 

ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt. Die Mitgliedstaaten sind 

verpflichtet, den Antragstellenden die erforderliche medizinische Versor-

gung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Be-

handlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, 

zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie); Antragstellen-

den mit besonderen Bedürfnissen ist die erforderliche medizinische oder 

sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer geeigneten psychologi-

schen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). So-

dann bestehen in Kroatien – sollte sich dort eine medizinische Behandlung 

als indiziert erweisen und der Beschwerdeführer nunmehr eine solche in 

Anspruch nehmen wollen – nebst den staatlichen Einrichtungen auch An-

gebote von Nichtregierungsorganisationen für die psychische Betreuung, 

womit von einem genügenden psychologischen Behandlungsangebot aus-

zugehen ist (vgl. Urteile des BVGer F-4368/2020 vom 14. Januar 2021 

E. 7.3; E-794/2022 vom 5. Mai 2022 E. 7.2). 

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Seite 8 

8.4 Nach dem Gesagten konnte der Beschwerdeführer kein konkretes und 

ernsthaftes Risiko dartun, wonach seine Überstellung nach Kroatien die 

Verletzung völkerrechtlicher Bestimmungen zur Folge hätte. 

8.5  

8.5.1 Das SEM verfügt bei der Anwendung der Kann-Bestimmung von 

Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 

2015/9 E. 7 f.). Das Gericht beschränkt sich bei der Beurteilung eines vor-

instanzlichen Verzichts der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 im  

Wesentlichen darauf, ob das SEM den Sachverhalt diesbezüglich korrekt 

und vollständig erhoben, allen wesentlichen Umständen Rechnung getra-

gen und seinen Ermessensspielraum genutzt hat (vgl. Art. 106 Abs. 1 

Bst. a und b AsylG). 

8.5.2 Die Verfügung des SEM ist auch unter diesem Blickwinkel korrekt. 

Der Sachverhalt ist hinreichend erstellt, und den Akten sind keine Hinweise 

auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- respektive Unterschreiten 

des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich unter diesen Um-

ständen weiterer Äusserungen zur Frage eines Selbsteintritts aus humani-

tären Gründen. 

8.6 Nach dem Gesagten bestand kein Grund für eine Anwendung der Er-

messensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Der Vollständigkeit halber ist 

festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein-

räumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 

2010/45 E. 8.3).  

9.  

Die Vorinstanz ist zu Recht nicht auf das Asylgesuch des Beschwerde- 

führers eingetreten und hat seine Überstellung nach Kroatien verfügt 

(Art. 31a Abs. 1 Bst. b und Art. 44 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

10.1 Mit vorliegendem Urteil ist das Beschwerdeverfahren abgeschlossen. 

Der am 27. Juni 2023 angeordnete provisorische Vollzugsstopp fällt dahin. 

10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.– 

(Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 9 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Lorenz Noli Daniel Merkli 

 

 

Versand: