# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8a538f00-b6ab-5075-843a-8443aa834a83
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-07-07
**Language:** de
**Title:** Abbruch eines nicht inventarisierten Objekts. Neubau MFH.
**Docket/Reference:** BRGE II Nr. 0095/2015
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_ii_nr._0095-2015_vom_7._juli_2015.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 
2. Abteilung 

G.-Nr. 
BRGE II Nr. 

R2.2014.00128 
0095/2015  

Entscheid vom 7. Juli 2015  

Mitwirkende 

Abteilungspräsident  Peter  Rütimann,  Baurichter  Emil  Seliner,  Baurichter 
Stefano Terzi, Gerichtsschreiberin Christine Suter-Pfannes     

in Sachen 

Rekurrierende 

M. und R. H., [….]  

gegen 

Rekursgegnerinnen 

1.  Baukommission X, [….]  

2.  T. AG, [….] 

betreffend 

Baukommissionsbeschluss  vom  25.  August  2014;  Baubewilligung  für  ein 
Mehrfamilienhaus, Kat.-Nr. 321, W.-Strasse, X 
_______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A. 

Mit  Beschluss  vom  25. August  2014  erteilte  die  Baukommission  X  der  T. 

AG die baurechtliche Bewilligung für die Erstellung eines Mehrfamilienhau-

ses mit sechs Wohnungen und einer Tiefgarage auf dem Grundstück Kat.-

Nr. 321 an der W.-Strasse in X. 

B. 

Hiergegen  wandten  sich  M.  und  R.  H.  mit  Eingabe  vom 13. Oktober 2014 

fristgerecht an das Baurekursgericht und stellten folgende Anträge:  

"1.  Der  angefochtene  Beschluss  sei  aufzuheben  und  die  Baubewilligung 

sei zu verweigern. 

 2.  Es  sei  ein  Abteilungsaugenschein  durchzuführen  und  bis  dahin  die 

Aussteckung auch der Terrainveränderung anzuordnen.  

 3.  Es sei ein Gutachten der kantonalen Denkmalpflege einzuholen. 

 4.  Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Rekursgegne-

rinnen." 

C. 

Mit  Präsidialverfügung  vom  16.  Oktober  2014  wurde  vom  Rekurseingang 

Vormerk genommen und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet. 

D. 

Mit Stempelverfügung vom 10. November 2014 wurde das Rekursverfahren 

auf Gesuch der Bauherrschaft hin sistiert und die Vernehmlassungsfrist ab-

genommen. Nachdem die Verhandlungen zwischen den Parteien erfolglos 

geblieben  waren,  wurde  das  Rekursverfahren  mit  Präsidialverfügung  vom 

30. Januar  2015  auf  Antrag  der  Bauherrschaft 

fortgesetzt  und  die 

Vernehmlassungsfristen erneut angesetzt. 

Die  private  Rekursgegnerin  beantragte 

in 

ihrer  Rekursantwort  vom 

31. März 2015, es sei der Rekurs abzuweisen, unter Kosten- und Entschä-

digungsfolgen zulasten der Rekurrierenden. Die Vorinstanz schloss in ihrer 
Stellungnahme vom 1. April 2015 ebenfalls auf Abweisung des Rekurses.  

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E. 

Sowohl die Rekurrierenden in ihrer Replik vom 28. April 2015 als auch die 

Bauherrschaft  in  ihrer  Duplik  vom  26.  Mai  2015  hielten  an  ihren  Anträgen 

fest.  Die  Vorinstanz  verzichtete  unter  Festhalten  der  in  der  Rekursantwort 

gestellten Anträge auf eine Duplik. 

F. 

Mit  Eingabe  vom  6.  Juni  2015  reichten  die  Rekurrierenden  unaufgefordert 

eine Triplik ein. 

G. 

Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit für die Entscheidfindung erfor-

derlich, in den nachstehenden Erwägungen Bezug genommen. 

Es kommt in Betracht: 

1. 

Das der Zentrumszone zugeteilte, an einem Hang gelegene Baugrundstück 

wird  bergseits  durch  die  W.-Strasse,  talseitig  durch  das  Bahntrassee  der 

SBB  und  im  Übrigen  durch  überbaute  Grundstücke  begrenzt.  Geplant  ist 

die Errichtung eines Mehrfamilienhauses mit  sechs Wohneinheiten und ei-

ner Tiefgarage unter Abbruch der auf der Bauparzelle stehenden, im Jahre 

1907  erbauten  Einfamilienhaus-Villa.  Das  Abbruchobjekt  ist  nicht  im  kom-

munalen  Inventar  der  Heimatschutzobjekte  der  Gemeinde  X  verzeichnet. 

Die  Zufahrt  von  der  W.-Strasse  her  zur  Tiefgarage  ist  über  einen  Autolift 

vorgesehen,  wobei  neben  der  Einfahrt  ein  Warteraum  für  einfahrende 

Fahrzeuge und ein Besucherabstellplatz angelegt werden sollen. 

2. 
Die  Rekurrierenden  sind  Eigentümer  des  Grundstücks,  welches  [….]  un-
mittelbar  an  die  mit  der  abzubrechenden  Einfamilienhaus-Villa  überbaute 

Bauparzelle anstösst. Sie sind angesichts der engen nachbarlichen Bezie-
hung  und  der  vorgebrachten  Rügen  (Beeinträchtigung  eines  potentiellen 

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Schutzobjektes,  mangelhafter  Warteraum  vor  dem  Autolift,  ungenügender 

Einlenker,  übermässige  Terrainaufschüttungen  und  Abgrabungen,  über-

mässige  Lärmimmissionen)  zur  Rekursergreifung  ohne  weiteres  legitimiert 

(§ 338a  des  Planungs-  und  Baugesetzes  [PBG]).  Auf  das  Rechtsmittel  ist 

daher einzutreten.  

3. 

Die Rekurrierenden beantragen die Durchführung eines Augenscheins (vgl. 

§ 7 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes  [VRG]) und  verlangen,  dass  ne-

ben dem Neubau auch die Terrainveränderungen auszustecken seien. Die-

se Aussteckung sei, obwohl empfindlich und raumwirksam, unterblieben.  

Das  Baurekursgericht  hat  unbesehen  von  Parteianträgen  nur  dann  einen 

Augenschein durchzuführen, wenn die Verhältnisse vor Ort zwar entscheid-

relevant, auf Grund der Akten aber noch unklar sind. Diese Voraussetzung 

ist  vorliegend  nicht  erfüllt.  Auch  lässt  sich  das  Mass  der Geländeverände-

rungen anhand der im Dossier liegenden Pläne  beurteilen. Soweit die Re-

kurrierenden  eine  mangelhafte  Aussteckung  rügen,  ist  festzuhalten,  dass 

bei  der  Darstellung  eines  Neubauvorhabens  im  Gelände  nicht  jeder  Ge-

bäude-  oder  Bauteil  profiliert  werden  muss.  Dies  gilt  speziell  für  Bauteile 

(z.B.  Stützmauern)  und  Terrainveränderungen,  welche  die  Umgebungsge-

staltung  betreffen.  Über  die  genaue  Gestalt  des  Projektes  hat  sich  der 

durch die Aussteckung (und die Ausschreibung) auf geplante bauliche Ver-

änderungen  aufmerksam  gemachte  Nachbar  anhand  der  in  erster  Linie 

massgebenden  öffentlich  aufliegenden  Pläne  zu  orientieren.  Ein  Augen-

schein war daher nicht durchzuführen. 

4.1. 

Die  Rekurrierenden  vertreten  im  Hauptpunkt  die  Auffassung,  dass  es  sich 

beim abzubrechenden Wohnhaus mit seiner Gartenanlage  um ein Schutz-

objekt im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c PBG handle. Zur Begründung brin-

gen  sie  im  Wesentlichen  vor,  dass  das  Gebäude  im  Jahre  1907  erbaut 

worden sei; in einer Zeit, als die Bebauung an der W.-Strasse vom Ortskern 

um den Bahnhof her stadtwärts eingesetzt habe. Die Villa besetze als eines 
der ersten Gebäude diese erst wenige Jahre zuvor entstandene Achse und 
sei damals noch ziemlich alleine gestanden. Der markante Turm sei damals 

und bis heute das besondere Merkmal des Hauses. In späteren Jahren sei 

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die  Villa  um  etwa  dasselbe  Volumen  nach  Süden  erweitert  worden.  Das 

Haus  habe  als  "Doktorhaus"  über  Jahrzehnte  auch  eine  sozialgeschichtli-
che Bedeutung. Erhalten sei insbesondere auch – von der relativen Verwil-
derung  seit  dem  Leerstand  des  Hauses  müsse  abgesehen  werden –  der 
grosszügige  Garten  in  seiner Gesamtanlage  mit  der Terrassierung  und im 

Detail  mit  Stützmauer zum  Bahntrassee  hin,  Fusswegen,  der Pergola  und 

dem strassensäumenden üppigen Eisenzaun. Das Gebäude sei zwar nicht 

im  Inventar  der möglichen  Schutzobjekte  aufgeführt.  Aus  juristischer  Sicht 

stehe  dies  jedoch  der  Möglichkeit  (bzw.  dem  Erfordernis)  nicht  entgegen, 

den  Denkmalwert  des  Gebäudes  herauszuarbeiten  und  es  mit  geeigneten 

Massnahmen vor dem Rückbau zu bewahren. Das Inventar der Gemeinde 

sei  vor  einigen  Jahren  erneuert  worden.  Bei  der  Durchsicht  sei  zu  erken-
nen,  dass  – neben  sehr  vielen  aus  dem  frühen  19. Jahrhundert  und  noch 
älteren – 
in  auffallender  Häufung  Gebäude  vor  der  Wende  zum 
20. Jahrhundert aufgeführt worden seien, hingegen nur wenige aus der Zeit 

des  Umbruchs  danach.  Nun  sei  aber  kaum  ein  anderes  Objekt  wie  das 

streitbetroffene  Haus  zu  finden,  das  einerseits  auf  diese  Zeit  zurückweise 

und das Ortsbild seit über 100 Jahren so präge und an dem andererseits in 

derart  exemplarischer  Weise  bauliche  Veränderungen  nachgelebt  werden 

könnten. Die Bedeutung des Objekts und damit sein Wert sei offensichtlich 

verkannt und auch nicht untersucht worden. Es sei weiter darauf hinzuwei-

sen, dass das Abbruchobjekt unterhalb des bedeutenden Baudenkmals H. 

stehe, einer Villa aus der Zeit des neuen Bauens des bekannten Architek-

tenpaars  Flora  Steiger-Crawford  und  Rudolf  Steiger  von  1928.  Das  streit-

betroffene Gebäude habe seit seiner Errichtung und in den späteren Jahren 
–  auch  mit  seinem  Ausbau –  zusammen  mit  dem  Haus  Steiger-Crawford 
und  dem  Chalet  R.  das  Ortsbild  von  X  massgeblich  geprägt.  Dazu  habe 

auch  der besondere  Umstand  beigetragen,  dass  das  Bahntrassee  vor  der 

Villa einen unverbaubaren Freiraum zum See offengehalten habe und noch 

immer offen  halte.  So habe  das  Haus  seine prägende Stellung  auch  nicht 

verlieren können, als rundherum gebaut worden sei.  

Dem  hält  die  Vorinstanz  im  Wesentlichen  entgegen,  dass  das  aus  dem 

Jahre  1983  stammende  kommunale  Inventar  im  Jahre  2010/2011  umfas-

send überprüft und (bis zum Baujahr 1980) aktualisiert worden sei. Mit Be-

schluss vom 10. Mai 2011 habe der Gemeinderat das kommunale Inventar 
neu  festgesetzt.  Eine  Säumnis  bei  der  Inventarerstellung  liege  somit  nicht 
vor.  Die  vom  Gemeinderat  eingesetzte  Arbeitsgruppe  habe  das  Gebäude 

hinsichtlich seiner Schutzwürdigkeit eingehend geprüft. Gestützt darauf ha-

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be  der  Gemeinderat  vor  nicht  einmal  vier  Jahren  bewusst  den  Entscheid 

getroffen,  das  Haus  W.-Strasse  [….]  nicht  ins  kommunale  Inventar  der 
Heimatschutzobjekte  aufzunehmen.  Nachdem  der  Gemeinderat,  welchem 

in  heimatschutzrechtlichen  Fragen  ein  grosses  Ermessen  zukomme,  fest-

gestellt  habe,  dass  keine  Schutzwürdigkeit  vorliege,  fehle  es  an  einer  be-

gründeten Vermutung für die Schutzwürdigkeit. Die Vorinstanz habe somit 

keinen  Anlass  gehabt,  von  der  Schutzwürdigkeit  des  Hauses  auszugehen 

oder gar Schutzabklärungen  zu  veranlassen.  Unter diesen  Umständen  sei 

auch  die  Einholung  eines  Gutachtens  der  kantonalen  Denkmalpflegekom-

mission nicht erforderlich. Es stelle sich unter diesen Umständen die Frage, 

ob auf die vorliegende Rüge der Rekurrierenden überhaupt einzutreten sei. 

Lägen  keine  Versäumnisse  der  zuständigen  Behörde  bei  der  Inventarer-

stellung  vor,  sei  ein  Heimatschutzverband  nicht  rechtsmittellegitimiert,  so-

fern  das  Baubewilligungsverfahren  eine  nicht  in  dieses  Inventar  aufge-

nommene Baute betreffe. In Analogie zu dieser Rechtsprechung sei vorlie-

gend  davon auszugehen,  dass  auch  die  rekurrierenden  Nachbarn zur Rü-

ge,  das  streitbetroffene  Gebäude  sei  zu  Unrecht  nicht  ins  Inventar  auf-

genommen worden, nicht legitimiert seien.  

Auch  die  Bauherrschaft  hält  zusammengefasst  dafür,  dass  dem  Abbruch-

objekt keine potentielle Schutzqualität zuzuerkennen sei. Der Entscheid der 

Nichtaufnahme  ins  Inventar  sei aufgrund  einer fachgerechten  Gesamtwür-

digung erfolgt.  

Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels halten die Parteien an ihren An-

trägen und Ausführungen fest.  

4.2. 

Nach der Rechtsprechung sind Nachbarn, die durch ein Bauvorhaben in ei-

genen  Interessen  betroffen  sind  und  folglich  den  Zugang  zum  Verfahren 

gefunden  haben,  auch  zur  Rüge  befugt,  ein  für  sie  nachteiliger  Neu-  oder 

Umbau  sei  deshalb  unzulässig,  weil  er  den  Abbruch  eines  (potentiellen) 

Schutzobjektes voraussetze oder ein solches beeinträchtige. Anders als für 

die  Rechtsmittelbefugnis  von  Verbänden  gemäss  § 338b  Abs. 2  PBG 

kommt  es  dabei  nicht  darauf  an,  ob  das  fragliche  Objekt  inventarisiert  ist 

oder bei pflichtgemässem  Handeln  der zuständigen  Behörde  inventarisiert 
sein müsste (VB.2008.00404 vom 10. Dezember 2008 in BEZ 2009 Nr. 4 = 
RB 2008 Nr. 11). Auf die Rüge ist daher einzutreten.  

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4.3. 

Ein  Anspruch  auf  Überprüfung  der  Schutzwürdigkeit  eines  nicht  inventari-

sierten, vom Abbruch bedrohten Objekts bietet die Praxis in Fällen, wo die 

Schutzqualität  offensichtlich  ist  oder  ein  Eigentümer  konkrete  Anhalts-

punkte  für  eine  mögliche  Schutzwürdigkeit  hat.  Solche  Anzeichen  liegen 

etwa  dann  vor,  wenn  bei  einem  nicht  inventarisierten  Gebäude  eine  die 

Schutzwürdigkeit  bejahende  Stellungnahme  einer  Sachverständigenkom-

mission vorliegt (VB.2008.00404 in BEZ 2009 Nr. 4 = RB 2008 Nr. 11). Eine 

Pflicht zur Überprüfung drängt sich auch dann auf, wenn ein Objekt infolge 

eines unbestrittenen  Versäumnisses nicht  ins  Inventar aufgenommen  wor-

den ist.  

Im vorliegenden Fall sind keine solchen Hinweise vorhanden. Das streitbe-

troffene  Abbruchobjekt  ist  unbestrittenermassen  nicht  inventarisiert.  Mithin 

besteht grundsätzlich keine Vermutung für die Schutzwürdigkeit der Baute. 

Hinzu kommt, dass das aus dem Jahre 1983 stammende Inventar im Jahre 

2010/2011 umfassend überprüft und aktualisiert wurde. Gemäss den unbe-

stritten  gebliebenen  Ausführungen  der  Vorinstanz  erfolgte  die  Überarbei-

tung des Inventars in zwei Phasen. In der Phase 1 wurden alle bisherigen 
Grundlagen  auf  der  Gemeindeebene  gesammelt  und  – neben  ersten  Re-
cherchen  nach  möglichen  bedeutenden  Objekten –  als  Grundlage  für  die 
Begehung genutzt. Das gesamte Gemeindegebiet wurde systematisch be-

gangen  und  die  relevanten  Objekte  wurden  fotografiert,  stichwortartig  auf-

genommen  und  kurz  bewertet.  Unterschieden  wurde  in  der  ersten  Phase 

nach "beachtenswert" und "bedeutenden" Objekten. In der Phase zwei fan-

den  zu  den  als "beachtenswert"  eingestuften  Objekten  detaillierte  Recher-

chen statt, die zu einem Inventarblatt ausgearbeitet und bewertet wurden.  

Bei  dieser  Gelegenheit  wurde  auch  das  Ortsbild  entlang  der  W.-Strasse 
[….]  einer  Überprüfung  und  Würdigung  unterzogen.  Dabei  wurde  festge-
stellt, dass zu den kommunal schützens- und erhaltenswerten Bauten, die 

das  Ortsbild  prägten,  das  Wohnhaus  W.-Strasse [….]  gehöre.  Zahlreiche 
weitere  Bauten  (unter  anderem  das  Streitobjekt)  seien  zwar  prägend,  je-

doch nicht Bestandteil des kommunalen Inventars. Unter "Empfehlung" hält 

das Objektblatt Folgendes fest: "Als Ortsbild, das für die städtebauliche Er-

weiterung  und  den  gründungszeitlichen  Aufschwung  Xs  zu  Beginn  des 

20. Jahrhunderts  steht  und  herrschaftliche  Villen  und  Bürgerhäuser  des 

Historismus  umfasst, die  räumlich  prägnant am  Hang  liegen  und mit  ihren 
grossen umgebenden Gärten und Einfriedungen sowohl eine stilistische als 

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auch  räumliche  Einheit  bilden,  ist  das  Ortsbild  W.-Strasse  bedeutsam  und 

zu erhalten". Aufgrund dieser Beurteilung wurden die Bauten W.-Strasse [..-

..]  laut  Ausführungen  der  Vorinstanz  einer  eingehenden  Prüfung  unterzo-

gen. Der Eigenwert dieser Häuser wurde jedoch als nicht besonders hoch 

bewertet.  Zur  Diskussion  stand  lediglich,  allenfalls  die  ganze  Häuserreihe 

aufgrund  ihres  ortsbildprägenden  und  situativen  Wertes  als  Bauensemble 

ins Inventar aufzunehmen. Davon wurde jedoch abgesehen, da alle Häuser 

stärkere Änderungen erfahren hätten, die Aufhebung der Vorgärten und die 

Nutzung als Parkplatz den einst geschlossenen Eindruck verwischt und das 

Erscheinungsbild  sich  dadurch  so  massgeblich  verändert  habe,  dass  eine 

Schutzwürdigkeit aufgrund des Situationswertes nicht gegeben sei.  

Ungeachtet  dieser  Einschätzung  wurde  das  Streitobjekt  von  einer Arbeits-

gruppe  hinsichtlich  seiner  potentiellen  Schutzwürdigkeit  näher  geprüft  und 

einer  Einzelbeurteilung  unterzogen.  Die  eingesetzte  Arbeitsgruppe  kam 

zum  Schluss,  dass  das  Gebäude  "trotz  gewissen  architektonischen  und 

städtebaulichen  Qualitäten"  nicht  ins  Inventar  aufzunehmen  sei.  Der  Ge-

meinderat  folgte  dieser  Empfehlung.  Gemäss  den  Ausführungen  der  Vor-

instanz war ausschlaggebend, dass der Ursprungsbau von 1907 markante 

bauliche Veränderungen erfahren habe, durch den später erstellten anbie-

dernden  Anbau  entwertet  worden  sei  und  ein  grosser  Anteil  der  histori-

schen  Substanz  verloren  gegangen  sei.  Die  baulichen  Änderungen  hätten 

die architektonische und baukünstlerische Aussagekraft des Ursprungbaus 

erheblich geschmälert.  

In Anbetracht dieser einlässlichen Abklärungen kann somit nicht von einem 

Säumnis  der  Gemeinde  bei  der  Inventarerstellung  bzw.  -überarbeitung 

ausgegangen  werden.  Vielmehr  hat  die  zuständige  Behörde  ihr  Schutzin-

ventar erst vor kurzem eingehend, gründlich und seriös überarbeitet. Wäh-

rend  die  Gemeinde  zuvor  über  34  verzeichnete  Schutzobjekte  verfügte, 

sind  46  Objekte  neu  ins  kommunale  Inventar  aufgenommen  worden.  Es 

wäre  mit  dem  Gebot der Rechtssicherheit  nicht  vereinbar, wenn  in  Fällen, 

wo  nach  eingehender  Prüfung  und  aufgrund  sachlicher  Kriterien  die  nicht 

schützenswerten  von  den  zu  schützenden  Bauten  getrennt  wurden,  diese 

Abgrenzung  im  Baubewilligungsverfahren  wieder  in  Frage  gestellt  werden 

könnte.  Ein  Grundeigentümer muss bei Fehlen  eines  Inventareintrags  und 

konkreter  Anzeichen  für  eine  Schutzwürdigkeit  darauf  vertrauen  dürfen, 

dass seinen Überbauungsplänen keine denkmalpflegerischen Aspekte ent-
gegenstehen, was sich indirekt aus §§ 209 und 213 PBG ergibt: Es besteht 

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hier ein gesetzlicher Schutz des bauwilligen Grundeigentümers vor Verfah-

rensverzögerungen  im  Unterschutzstellungsverfahren,  der  die  Behörden 

zwingt,  vorläufige  Inventare  zu  erstellen  und  über  die  inventarisierten  Ob-

jekte nach Eingang eines Provokationsgesuchs innert Jahresfrist einen de-

finitiven Entscheid zu fällen. Dieser Schutz würde zunichte gemacht, liesse 

man  es  im  Baubewilligungsverfahren  trotz  fehlendem  Inventareintrag  und 

mangels entsprechender Anhaltspunkte zu, ein zeitintensives Schutzabklä-

rungsverfahren  in  Gang  zu  setzen.  Ein  Nachbar  hätte  es  so  in  der  Hand, 

mit der blossen Behauptung der Schutzwürdigkeit des Abbruchobjekts eine 

aufwändige materielle Prüfung der Voraussetzungen von § 203 Abs. 1 PBG 

zu  erwirken.  Eine  Abklärungspflicht  gebietet  sich  somit  – wie  vorne  er-
wähnt – lediglich bei jenen Objekten, deren Schutzqualität offensichtlich ist 
oder hierfür  konkrete  Anzeichen  bestehen.  Gleiches  gilt,  wenn  das  Objekt 

infolge  eines  unbestrittenen  Versäumnisses  nicht  ins  Inventar  aufgenom-

men  worden  ist,  oder  wenn  neue,  denkmalpflegerisch  wichtige  Gegeben-

heiten auftauchen, die bei der Inventarüberarbeitung nachgewiesenermas-

sen unberücksichtigt geblieben sind. Nur dann rechtfertigt es sich, das Ver-

trauen eines Bauherrn in den fehlenden Inventareintrag ausnahmsweise als 

nicht mehr ausschlaggebend zu qualifizieren. Ein solcher Fall ist vorliegend 

nicht  geben  und  wurde  im  Übrigen  auch  nicht  geltend  gemacht.  Vielmehr 

halten  die  Rekurrierenden  den  kürzlich  im  Rahmen  der  Inventarüberarbei-

tung gewonnenen Ergebnissen lediglich ihre eigenen Schutzansichten ent-

gegen.  

In Anbetracht der Aktualität des kommunalen Schutzinventars und mangels 

neuer,  unberücksichtigt  gebliebener  Fakten  fehlt  im  vorliegenden  Fall  die 

begründete  Vermutung,  dass  es  sich  beim  abzubrechenden  Gebäude  um 

ein  Schutzobjekt  handelt.  Es  besteht  daher kein  Anlass,  den  Abbruch  des 

Gebäudes nur unter vorgängiger Einholung eines dessen Schutzwürdigkeit 

näher untersuchenden Gutachtens für zulässig zu erklären. Der Rekurs ist 

in diesem Punkt somit abzuweisen.  

[….] 

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