# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c7a54ae1-614d-566a-b9c3-812db135d240
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-07-30
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 30.07.2018 SK 2017 171
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2017-171_2018-07-30.pdf

## Full Text

1

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 17 171 + 172

Hochschulstrasse 17
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 30. Juli 2018 

Besetzung Oberrichter Guéra (Präsident i.V.), 
Oberrichterin Hubschmid Volz und Oberrichter Vicari
Gerichtsschreiberin Segessenmann

Verfahrensbeteiligte 1. A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer 1

2. C.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt D.________

Beschuldigter/Berufungsführer 2

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstras-
se 10, Postfach 6250, 3001 Bern

Staatsanwaltschaft/Anschlussberufungsführerin

sowie

1. E.________
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. F.________

Straf- und Zivilkläger 1

und

2. G.________
vertreten durch Rechtsanwältin H.________

Straf- und Zivilkläger 2

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Gegenstand versuchte schwere Körperverletzung, Raufhandel etc.

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Kollegialgericht) vom 22. Februar 2017 (PEN 16 784/785)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Am 22. Februar 2017 sprach das Regionalgericht Bern-Mittelland (Kollegialgericht) 
C.________ (nachfolgend Beschuldigter 2) schuldig der versuchten schweren Kör-
perverletzung, mehrfach begangen am 8. November 2015 in Bern zum Nachteil 
von E.________ (Straf- und Zivilkläger 1, nachfolgend Privatkläger 1) und 
G.________ (Straf- und Zivilkläger 2, nachfolgend Privatkläger 2), sowie des Rauf-
handels, begangen am 8. November 2015 in Bern zum Nachteil der Privatkläger 1 
und 2. Das Gericht verurteilte ihn hierfür zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten, 
wovon 6 Monate zu vollziehen sind und für eine Teilstrafe von 24 Monaten der 
Vollzug aufgeschoben wurde (Probezeit 2 Jahre), zur Bezahlung der anteilsmässi-
gen Verfahrenskosten von CHF 9‘445.00, zur Bezahlung einer Entschädigung von 
CHF 7‘452.00 für die Aufwendungen im Verfahren an den Privatkläger 1, sowie zur 
Bezahlung einer Entschädigung von CHF 3‘534.39 für die Aufwendungen im Ver-
fahren an den Privatkläger 2; letzteres unter solidarischer Haftung mit dem Be-
schuldigten 1. Im Zivilpunkt wurde der Beschuldigte 2 zur Bezahlung von 
CHF 118.30 Schadenersatz und CHF 1‘300.00 Genugtuung (zuzüglich 5 % Zins 
seit dem 8. November 2015) an den Privatkläger 1 verurteilt (Teilklage). Soweit 
weitergehend wurde die Teilklage abgewiesen. Die Zivilklage wurde darüber hinaus 
dem Grundsatz nach gutgeheissen und auf den Zivilweg verwiesen. Weiter wurde 
der Beschuldigte 2 zur Bezahlung einer Genugtuung von CHF 1‘800.00 (zuzüglich 
5 % Zins seit dem 8. November 2015) an den Privatkläger 2 verurteilt. Soweit wei-
tergehend wurde die Zivilklage abgewiesen. Für die Beurteilung der Zivilklagen 
wurden keine Kosten ausgeschieden. 

Mit gleichem Urteil sprach das Kollegialgericht Bern-Mittelland A.________ (nach-
folgend Beschuldigter 1) schuldig der versuchten schweren Körperverletzung, be-
gangen am 8. November 2015 in Bern zum Nachteil des Privatklägers 2, des Rauf-
handels, begangen am 8. November 2015 in Bern zum Nachteil der beiden Privat-
kläger, der Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz durch Führen eines 
Personenwagens in fahrunfähigem Zustand, begangen am 7. Mai 2016 auf der Au-
tobahn A6 Nord, sowie der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz 
durch Konsum von Marihuana, begangen am 6. Mai 2016 in K.________, und ver-
urteilte ihn hierfür zu einer Freiheitsstrafe von 17 Monaten sowie zu einer Geldstra-
fe von 15 Tagessätzen à CHF 30.00, ausmachend CHF 450.00. Der Vollzug beider 
Strafen wurde je unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben. 
Weiter wurde der Beschuldigte 2 zu einer Verbindungsbusse von CHF 150.00 (Er-
satzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung 5 Tage), zu einer Übertretungs-
busse von CHF 100.00 (Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung 1 
Tag), zur Bezahlung der anteilsmässigen Verfahrenskosten von CHF 10‘284.40 
sowie zur Zahlung einer Entschädigung von CHF 3‘534.30 an den Privatkläger 2 
für dessen Aufwendungen im Verfahren (unter solidarischer Haftung mit dem Be-
schuldigten 2) verurteilt. Im Zivilpunkt entschied das Gericht, dass der Beschuldigte 
1 eine Genugtuung von CHF 2‘000.00 (zuzüglich 5 % Zins seit dem 8. Novem-
ber 2015) an den Privatkläger 2 zu bezahlen habe. Soweit weitergehend wurde die 

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Zivilklage ohne Ausscheidung von Kosten auf den Zivilweg verwiesen. Im Weiteren 
verfügte das Kollegialgericht Bern-Mittelland über das amtliche Honorar der amtli-
chen Verteidiger der beiden Beschuldigten sowie die entsprechenden Rückzah-
lungs- und Nachzahlungspflichten. Das Gericht verfügte weiter die Rückgabe der 
beschlagnahmten Schuhe an den Beschuldigten 2 sowie die Löschung der erho-
benen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten nach Ablauf der gesetzlichen 
Frist. Schliesslich wurde die Erstellung eines DNA-Profils der beiden Beschuldigten 
angeordnet, wobei die vorzeitige Zustimmung zur Löschung des Profils nach Ablauf 
der gesetzlichen Frist erteilt wurde (pag. 587 ff.). 

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete Rechtsanwalt D.________ namens des Beschuldigten 
2 am 23. Februar 2017 form- und fristgerecht Berufung an (pag. 596). Auch 
Rechtsanwalt B.________ meldete gleichentags namens des Beschuldigten 1 
form- und fristgerecht die Berufung an (pag. 598). In der Berufungserklärung vom 
17. Mai 2017 erklärte Rechtsanwalt B.________ die teilweise Anfechtung des erst-
instanzlichen Urteils bezüglich der Schuldsprüche wegen versuchter schwerer Kör-
perverletzung und Raufhandels sowie der damit zusammenhängenden Straf-, Zivil- 
und Kosten- und Entschädigungsfolgen (pag. 711 f.). Rechtsanwalt D.________ 
erklärte in seiner Berufungserklärung vom 18. Mai 2017 die Anfechtung der den 
Beschuldigten 2 betreffenden Schuldsprüche sowie der damit zusammenhängen-
den Straf-, Zivil- sowie Kosten- und Entschädigungsfolgen (pag. 714 f.). Mit Verfü-
gung vom 22. Mai 2017 gewährte die Verfahrensleitung der Generalstaatsanwalt-
schaft und den Privatklägern Gelegenheit, Anschlussberufung zu erklären und/oder 
begründet ein Nichteintreten auf die Berufungen zu beantragen (pag. 717 f.). Mit 
Eingabe vom 29. Mai 2017 erhob die Generalstaatsanwaltschaft bezüglich beider 
Beschuldigten Anschlussberufung. Die Anschlussberufung erstrecke sich auf die 
Punkte der rechtlichen Qualifikation und des Strafmasses bezüglich der versuchten 
schweren Körperverletzung (pag. 722 f.). Rechtsanwalt Dr. F.________ gab na-
mens des Privatklägers 1 mit Eingabe vom 6. Juni 2017 bekannt, dass auf die Er-
klärung der Anschlussberufung verzichtet werde und keine Gründe für ein Nichtein-
treten auf die Berufungen vorhanden seien (pag. 727). Mit Eingabe vom 8. Ju-
ni 2017 erklärte Rechtsanwältin H.________ namens des Privatklägers 2 ebenfalls, 
dass auf die Anschlussberufung verzichtet werde und keine Gründe für ein Nicht-
eintreten ersichtlich seien (pag. 729). Mit Verfügung vom 9. Juni 2017 gab die Ver-
fahrensleitung die voraussichtliche Zusammensetzung des Gerichts bekannt und 
gewährte den Parteien die Möglichkeit, Nichteintretensgründe betreffend die An-
schlussberufung geltend zu machen (pag. 932 f.). Solche wurden keine geltend 
gemacht (pag. 738 und 740). Mit Verfügung vom 6. Juli 2017 ersuchte die Verfah-
rensleitung die Parteien darum mitzuteilen, ob sie mit der Durchführung des schrift-
lichen Verfahrens einverstanden seien (pag. 742 f.). Die beiden Privatkläger erklär-
ten sich mit Eingabe vom 13. und 20. Juli 2018 damit einverstanden (pag. 749 und 
752). Auch die Generalstaatsanwaltschaft gab am 27. Juli 2017 ihr Einverständnis 
bekannt (pag. 760 f.). Nach gewährter Fristerstreckung erklärte Rechtsanwalt 
B.________ namens des Beschuldigten 1, dass er trotz mehreren Versuchen kei-
nen Kontakt zu seinem Klienten habe herstellen können, weswegen er gezwungen 
sei, erneut eine Verlängerung der Frist zu beantragen (pag. 763). Auch Rechtsan-
walt D.________ ersuchte aufgrund fehlenden Kontakts mit seinem Klienten um 

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erneute Fristverlängerung (pag. 765), welche mit Verfügung vom 15. August 2017 
letztmals gewährt wurde (pag. 767). Rechtsanwalt D.________ teilte schliesslich 
am 4. September 2017 mit, dass nach wie vor keine Zustimmung vorliege 
(pag. 769). Auch Rechtsanwalt B.________ gab am 4. September 2017 bekannt, 
dass er nach wie vor keinen Kontakt zu seinem Klienten habe herstellen können 
(pag. 771). In der Folge lud die Verfahrensleitung am 13. Oktober 2017 zur mündli-
chen Verhandlung vor und hielt fest, dass sich die Verfahrensleitung einen Wech-
sel ins schriftliche Verfahren vorbehalte, sofern das entsprechende Einverständnis 
der Beschuldigten noch rechtzeitig beigebracht werden könne (pag. 795 ff.). Am 
6. November 2017 gab Rechtsanwalt D.________ namens des Beschuldigten 2 die 
Zustimmung für die Durchführung des schriftlichen Verfahrens bekannt (pag. 817). 
Die beiden Privatkläger liessen über ihre Rechtsvertreter mitteilen, dass sie an der 
mündlichen Hauptverhandlung nicht teilnehmen werden (pag. 820 und 822 f.). Am 
15. Januar 2018 gab schliesslich auch Rechtsanwalt B.________ namens des Be-
schuldigten 1 das Einverständnis für die Durchführung des schriftlichen Verfahrens 
bekannt (pag. 828), woraufhin dieses mit Verfügung vom 16. Januar 2018 ange-
ordnet und der Hauptverhandlungstermin vom 26. April 2018 abgesetzt wurde. 
Gleichzeitig wurden beide Beschuldigten aufgefordert, eine schriftliche Begründung 
der Berufung einzureichen, ansonsten die Berufung als zurückgezogen gelte 
(pag. 830 f.). Mit Eingabe vom 12. Februar 2018 beantragte Staatsanwalt 
L.________ namens der Generalstaatsanwaltschaft, es seien die Strafakten betref-
fend den Beschuldigten 2 wegen Raubes bei der Staatsanwaltschaft Frauenfeld zu 
edieren (pag. 863). Mit Verfügung vom 14. Februar 2018 verlängerte die Verfah-
rensleitung auf Ersuchen von Rechtsanwalt B.________ die Frist zur Einreichung 
der Berufungsbegründung für beide Beschuldigten und gewährte den Parteien Ge-
legenheit, gegen den beantragten Aktenbeizug Einwände zu erheben (pag. 866 f.). 
Der Privatkläger 2 machte keine solchen Einwände geltend (pag. 875). Rechtsan-
walt D.________ stellte jedoch namens seines Klienten den Antrag, der Beweisan-
trag der Generalstaatsanwaltschaft sei abzuweisen, da noch keine rechtskräftige 
Beurteilung erfolgt sei (pag. 878). Mit Verfügung vom 8. März 2018 wurde die Frist 
für die Einreichung der schriftlichen Berufungsbegründung für beide Beschuldigten 
letztmals verlängert (pag. 883 f.). Mit Beschluss vom 14. März 2018 wurde der Be-
weisantrag der Generalstaatsanwaltschaft gutgeheissen und die Akten des neuen 
Strafverfahrens der Staatsanwaltschaft Frauenfeld gegen den Beschuldigten 2 bei-
gezogen (pag. 888 f.). Die schriftliche Berufungsbegründung des Beschuldigten 2 
ging am 4. April 2018 beim Obergericht des Kantons Bern ein (pag. 898 ff.). Glei-
chentags reichte auch der Beschuldigte 1 die schriftliche Begründung ein 
(pag. 924 ff.). Mit Verfügung vom 5. April 2018 wurde der Generalstaatsanwalt-
schaft und den Privatklägern Gelegenheit gewährt, zu den Berufungsbegründun-
gen der Beschuldigten Stellung zu nehmen. Die Generalstaatsanwaltschaft wurde 
gleichzeitig zur Einreichung der Begründung der Anschlussberufung aufgefordert, 
ansonsten die Anschlussberufung als zurückgezogen gelte (pag. 940 f.). Die Stel-
lungnahme bzw. Begründung der Anschlussberufung der Generalstaatsanwalt-
schaft ging am 16. April 2018 beim Obergericht ein (pag. 946 ff.). Der Privatkläger 
1 liess sich mit Eingabe vom 17. April 2018 und der Privatkläger 2 mit Eingabe vom 
18. April 2018 zu den Berufungsbegründungen der Beschuldigten vernehmen 
(pag. 965 ff. und 971 ff.). Mit Verfügung vom 19. April 2018 gewährte die Verfah-
rensleitung den Beschuldigten Gelegenheit zur Einreichung einer Replik 

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(pag. 977 f.), welche der Beschuldigte 1 mit Eingabe vom 9. Mai 2018 (pag. 991 ff.) 
und der Beschuldigte 2 mit Eingabe vom 14. Mai 2018 wahrnahmen (pag. 998 ff.). 
Auf die Einreichung einer Duplik (pag. 1008 f.) verzichteten die Generalstaatsan-
waltschaft und die beiden Privatkläger (pag. 1013 f., 1015 und 1017), woraufhin der 
Schriftenwechsel als geschlossen erachtet und die amtlichen Verteidiger zur Ein-
reichung ihrer Kostennoten aufgefordert wurden (pag. 1019 f.). 

3. Anträge der Parteien

Namens des Beschuldigten 1 stellte Rechtsanwalt B.________ in der Berufungser-
klärung vom 17. Mai 2017 folgende Anträge (pag. 711 f.):

I.

A.________ sei freizusprechen

1. von den Anschuldigungen der versuchten schweren Körperverletzung, eventuell einfachen 
Körperverletzung, 

2. des Raufhandels

beides angeblich begangen am 08.11.2015 z.N. von G.________ bzw. G.________ und E.________, 
unter Auflegung von 95 % der auf ihn entfallenden erstinstanzlichen Verfahrenskosten an den Kanton 
Bern und unter Ausrichtung einer Entschädigung für die entstandenen erstinstanzlichen Verteidi-
gungskosten sowie unter Auferlegung der gesamten oberinstanzlichen Verfahrenskosten an den Kan-
ton Bern und der Ausrichtung einer Entschädigung für die oberinstanzlich entstehenden Verteidi-
gungskosten.

II.

Die Zivilklagen der Privatkläger seien kostenfällig abzuweisen.

III.

Es werden derzeit keine weiteren Beweisanträge für das oberinstanzliche Verfahren gestellt. 

In seiner schriftlichen Berufungsbegründung stellte Rechtsanwalt D.________ na-
mens des Beschuldigten 2 folgende Anträge (pag. 902):

1. In Abänderung des Urteils des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 22. Februar 2017 (PEN 
16 784/785) sei C.________ freizusprechen von der Anschuldigung der versuchten schwe-
ren Körperverletzung, angeblich mehrfach begangen am 08.11.2015 in Bern, z.N. von 
E.________ und/oder G.________.

2. In Abänderung des Urteils des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 22. Februar 2017 (PEN 
16 784/785) sei C.________ freizusprechen von der Anschuldigung des Raufhandels, an-
geblich begangen am 08.11.2015 in Bern, z.N. von E.________ und G.________.

3. Die Verfahrenskosten sowie die Entschädigung für die im Zusammenhang mit den beantrag-
ten Freisprüchen entstandenen Anwaltskosten seien den Privatklägern, eventualiter dem 
Kanton Bern aufzuerlegen.

4. Die Zivilklagen der Privatkläger seien zurückzuweisen, eventualiter abzuweisen; unter Kos-
ten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Privatkläger.

5. Die weiteren Beschlüsse seien unter Berücksichtigung der beantragten Freisprüche von Am-
tes wegen vorzunehmen.

- unter Kosten- und Entschädigungsfolge -

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Staatsanwalt L.________ stellte namens der Generalstaatsanwaltschaft am 
16. April 2018 folgende Anträge (pag. 947):

I. 

Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 2. Februar 2017 inso-
fern in Rechtskraft erwachsen ist, als A.________ schuldig erklärt wurde wegen Widerhandlung ge-
gen das Strassenverkehrsgesetz durch Führen eines Personenwagens in fahrunfähigem Zustand und 
wegen Widerhandlung gegen das BetmG durch Konsum von Marihuana, als er deswegen zu einer 
bedingten Geldstrafe von 15 Tagessätzen, zu einer Verbindungbusse von CHF 150.00 und zu einer 
Übertretungsbusse von CHF 100.00 verurteilt worden ist und als über die beschlagnahmten Schuhe 
verfügt worden ist.

II.

C.________ sei

1. schuldig zu sprechen wegen

1.1 versuchter schwerer Körperverletzung, mehrfach begangen am 08.11.2015 in Bern z.N. 
von E.________ und von G.________;

1.2 Raufhandels, begangen am 08.11.2015 in Bern;

2. Zu verurteilen

2.1 zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten. Davon seien 12 Monate zu vollziehen; der Voll-
zug für eine Teilstrafe von 24 Monaten sei aufzuschieben und die Probezeit auf zwei Jah-
re festzusetzen; 

2.2 zu den auf ihn entfallenden erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten.

III.

A.________ sei 

1. schuldig zu sprechen wegen 

1.1 versuchter schwerer Körperverletzung, begangen am 08.11.2015 in Bern z.N. von 
G.________;

1.2 Raufhandels, begangen am 08.11.2015 in Bern; 

2. zu verurteilen

2.1 zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten. Der Vollzug sei aufzuschieben und die Probe-
zeit auf zwei Jahre festzusetzen; 

2.2 zu den auf ihn entfallenden erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten.

Rechtsanwalt F.________ beantragte namens des Privatklägers 1 in seiner Stel-
lungnahme vom 17. April 2018 die vollumfängliche Bestätigung des erstinstanzli-
chen Urteils des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 22. Februar 2017 
(pag. 965).

Rechtsanwältin H.________ stellte namens des Privatklägers 2 ihrerseits in ihrer 
Stellungnahme vom 18. April 2018 folgende Anträge (pag. 971 f.):

1. C.________ sei wegen versuchter schwerer Körperverletzung, begangen am 8. November 2015 
in Bern zum Nachteil des Privatklägers zu verurteilen und angemessen zu bestrafen.

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2. C.________ sei wegen Raufhandels, begangen am 8. November 2015 in Bern zum Nachteil des 
Privatklägers zu verurteilen und angemessen zu bestrafen. 

3. A.________ sei wegen versuchter schwerer Körperverletzung, mehrfach begangen am 8. No-
vember 2015 in Bern zum Nachteil des Privatklägers zu verurteilen und angemessen zu bestra-
fen.

4. A.________ sei wegen Raufhandels, begangen am 8. November 2015 in Bern zum Nachteil des 
Privatklägers zu verurteilen und angemessen zu bestrafen.

5. C.________ sei zu verurteilen, dem Privatkläger eine Genugtuung in Höhe von 2‘0000.00 zuzüg-
lich Zins zu 5 % seit dem 8. November 2015 zu bezahlen.

6. A.________ sei zu verurteilen, dem Privatkläger eine Genugtuung in Höhe von 2‘000.00 zuzüg-
lich Zins zu 5 % seit dem 8. November 2015 zu bezahlen.

7. Für die Beurteilung der Zivilklage seien keine Kosten auszuscheiden. Falls auf die Zivilklage obe-
rinstanzlich Verfahrenskosten ausgeschieden werden, seien diese den Beschuldigten unter soli-
darischer Haftbarkeit aufzuerlegen.

8. Die Verfahrenskosten für das Vorverfahren sowie das erst- und oberinstanzliche Gerichtsverfah-
ren seien von den beschuldigten unter solidarischer Haftbarkeit zu bezahlen. 

9. Die Beschuldigten seien unter solidarischer Haftbarkeit zu verurteilen, dem Privatkläger eine Ent-
schädigung für seine Aufwendungen im oberinstanzlichen Verfahren gemäss der auf erste Auf-
forderung hin einzureichenden Honorarnote zu bezahlen. 

4. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Mit Verfügung vom 13. Oktober 2017 (pag. 795 ff.) wurden über die beiden Be-
schuldigten von Amtes wegen aktuelle Strafregisterauszüge (Beschuldigter 2, 
pag. 845; Beschuldigter 1, pag. 861) und ergänzende Leumundsberichte samt Er-
hebungen über wirtschaftliche Verhältnisse (Beschuldigter 2, pag. 837 ff., Beschul-
diger 1, pag. 846 ff.) eingeholt. Zudem wurden die Strafakten der Staatsanwalt-
schaft Bern-Mittelland betreffend rechtskräftige Strafbefehle wegen Raufhandels 
beigezogen (BM 16 2753, BM 16 8302 und BM 16 8301). Mit Beschluss vom 
14. März 2018 wurden auch die Akten des neuen Strafverfahrens der Staatsan-
waltschaft Frauenfeld gegen den Beschuldigten 2 beigezogen (pag. 888 f.). Am 
5. April 2018 wurden schliesslich die vom Beschuldigten 1 eingereichten Unterla-
gen zu den Akten erkannt (Lehrvertrag vom 6. Oktober 2017 und Arztzeugnis vom 
19. Februar 2018; pag. 940 f.). 

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Betreffend den Beschuldigten 1 hat die Kammer die Schuldsprüche wegen ver-
suchter schwerer Körperverletzung und Raufhandels (Ziffer B.I.1. und B.I.2 des 
Dispositivs), die Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe, die Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen sowie den Zivilpunkt zu überprüfen, soweit die Zivilklage nicht abge-
wiesen wurde (Ziffer B.III. des Dispositivs). Hingegen sind die Schuldsprüche we-
gen Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz und Betäubungsmittelge-
setz (Ziffer B.I.3. und B.I.4.), die hierfür ausgesprochene bedingte Geldstrafe sowie 
die Verbindungs- und Übertretungsbussen in Rechtskraft erwachsen. 

Betreffend den Beschuldigten 2 hat die Kammer die Schuldsprüche wegen ver-
suchter schwerer Körperverletzung und Raufhandels, die Verurteilung zu einer 

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Freiheitsstrafe, die Kosten- und Entschädigungsfolgen sowie den Zivilpunkt zu 
überprüfen, soweit die Teilklage und die Zivilklage nicht abgewiesen wurden (A.I. 
und A.III. des Dispositivs). 

In Rechtskraft erwachsen ist der Beschluss betreffend Rückgabe der beschlag-
nahmten Schuhe (C.1. des Dispositivs). Praxisgemäss wird die Kammer über die 
Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten und DNA-
Profile sowie über die amtliche Entschädigung und die Rück- und Nachzahlungs-
pflichten neu zu verfügen haben. 

Die Kammer verfügt bei der Überprüfung des erstinstanzlichen Urteils in den ange-
fochtenen Punkten über volle Kognition (Art. 398 Abs. 2 der Schweizerischen 
Strafprozessordnung [StPO; SR 312.0]). Da die Generalstaatsanwaltschaft An-
schlussberufung erklärt hat, ist die Kammer grundsätzlich nicht an das Verschlech-
terungsverbot gebunden. Dieses gilt aber aufgrund der fehlenden Beru-
fung/Anschlussberufung der Privatkläger im Zivilpunkt (Art. 391 Abs. 2 StPO). 

II. Formelles – Anklagegrundsatz

6. Rüge der Verteidigung des Beschuldigten 1

Rechtsanwalt B.________ rügt zunächst eine Verletzung des Anklagegrundsatzes. 
Die Formulierung gemäss Ziffer I.B.2. der Anklageschrift genüge den gesetzlichen 
Anforderungen nicht. Aufgrund der Formulierung «wo sich die Beiden in einen 
Schlagabtausch verwickelten» sei unklar, wer wen in einen Schlagabtausch verwi-
ckelt haben soll, was jedoch zentral sei. Gemäss Anklage habe sich der Schlagab-
tausch in der Laube vor dem M.________ abgespielt. Auf der Videoaufnahme sei 
jedoch zu erkennen, wie die beiden Beschuldigten von den Privatklägern aus der 
Laube gedrängt worden seien. Die Vorinstanz sei daher zu Recht davon ausge-
gangen, dass es in der Laube vor dem Hotel nicht zu einem Raufhandel gekom-
men sei und dass nicht erstellt sei, dass – wie in der Anklage festgehalten – die 
Beschuldigten den Privatklägern abgepasst hätten. Dadurch lege die Vorinstanz ih-
rem Urteil einen anderen Sachverhalt zugrunde, der Beschuldigte 1 sei vom Vor-
wurf des Raufhandels freizusprechen (pag. 925 f.). 

7. Ausführungen der Kammer

Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem 
Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und sub-
jektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Zugleich bezweckt das Anklageprin-
zip den Schutz der Verteidigungsrechte der beschuldigten Person und garantiert 
den Anspruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion; BGE 133 IV 235 E. 6.2 
f.; 126 I 19 E. 2a; je mit Hinweisen). Diese muss aus der Anklage ersehen können, 
was ihr konkret vorgeworfen wird, damit sie ihre Verteidigungsrechte angemessen 
ausüben kann. Sie darf nicht erst an der Gerichtsverhandlung mit neuen Anschul-
digungen konfrontiert werden (vgl. Urteile 6B_492/2015 vom 2. Dezember 2015 E. 
2.2, nicht publ. in: BGE 141 IV 437; 6B_1079/2015 vom 29. Februar 2016 E. 1.1; 
6B_1073/2014 vom 7. Mai 2015 E. 1.2; je mit Hinweisen). Die Anklageschrift ist in-
des nicht Selbstzweck, sondern dient der Umgrenzung des Prozessgegenstandes 
und der Information der beschuldigten Person, damit diese die Möglichkeit hat, sich 
zu verteidigen (BGE 141 IV 132 E. 3.4.1; 140 IV 188 E. 1.3 f.; je mit Hinweisen; Ur-

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teil 6B_462/2014 vom 27. August 2015 E. 2.3.1, nicht publ. in: BGE 141 IV 369). 
Ungenauigkeiten sind solange nicht von entscheidender Bedeutung, als für die be-
schuldigte Person keine Zweifel darüber bestehen, welches Verhalten ihr angelas-
tet wird (Urteile 6B_866/2016 vom 9. März 2017 E. 2.2; 6B_803/2014 vom 15. Ja-
nuar 2015 E. 1.3; je mit Hinweisen). An die Anklageschrift dürfen keine überspitzt 
formalistischen Anforderungen gestellt werden (vgl. Urteil 6B_966/2009 vom 25. 
März 2010 E.3.3).

Mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung ist vorliegend eine Verletzung 
des Anklagegrundsatzes zu verneinen. Die Anklageschrift gibt den dem Beschul-
digten 1 vorgeworfenen Sachverhalt genügend präzise wieder. Sie umschreibt, 
dass der Beschuldigte 1 zusammen mit seinen Kollegen den beiden Privatklägern 
in der Laube vor dem Hotel M.________ abgepasst haben soll, wo es zu einem 
Schlagabtausch gekommen sei (pag. 411). Der Sachverhalt ist mit dieser Um-
schreibung genügend konkretisiert, so dass der Beschuldigte 1 weiss, welches 
Verhalten ihm angelastet wird und gestützt darauf hat entscheiden können, wie er 
bzw. sein Verteidiger sich gegen den entsprechenden Vorwurf wehren will. Mit 
Blick auf den Anklagegrundsatz ist unerheblich, ob sich der Zwischenfall vor dem 
Hotel M.________ in der Laube oder unmittelbar vor der Laube auf der Strasse ab-
gespielt haben soll. Ebenso unerheblich ist, dass in der Anklage der Beginn der 
Auseinandersetzung vor dem Restaurant N.________ geschildert wird, obwohl es 
zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu Körperverletzungen gekommen ist. Die Verteidi-
gungsrechte des Beschuldigten 1 bleiben gewahrt, auch wenn zusätzliche Informa-
tionen in der Anklage enthalten sind und der Ort der Auseinandersetzung nicht ex-
akt benannt wird. Eine andere Betrachtung wäre angesichts einer örtlichen Abwei-
chung des mutmasslichen Tatorts von wenigen Metern als überspitzt formalistisch 
zu betrachten. 

Gleiches hat auch bezüglich der Frage zu gelten, wer Aggressor und damit Auslö-
ser der körperlichen Auseinandersetzung war. Der (Auffang-)Tatbestand des Rauf-
handels pönalisiert bereits die Gefährdung durch eine physische Auseinanderset-
zung, bei welcher sich eben gerade nur schwer beweisen lässt, wer den Schaden 
unmittelbar begünstigt hat (TRECHSEL/MONA in: Praxiskommentar StGB, Trech-
sel/Pieth (Hrsg.), 3. Auflage 2018, N 1 zu Art. 133). Straflos bleibt nur derjenige, 
welcher lediglich abwehrt oder schlichtet (TRECHSEL/MONA, a.a.O., N 4 zu Art. 
133). Wer Auslöser bzw. Angreifer war, wird sich daher regelmässig nicht eruieren 
lassen. Diese Frage ist für die Verteidigungsmöglichkeit des Beschuldigten, wel-
chem eine Beteiligung an einem Raufhandel vorgeworfen wird, mit Blick auf den 
Tatbestand auch nicht relevant. Sie kann daher in der Anklageschrift ohne Nachtei-
le für den Beschuldigten offen gelassen werden. Dem Beschuldigten 1 bleibt es 
vorliegend – unabhängig von der Frage, wer Aggressor war – unbenommen, sich 
gegen den Vorwurf gemäss Anklage zu verteidigen und seine Rolle präzisierend 
bzw. entlastend zu beschreiben. Eine Verletzung des Anklagegrundsatzes ist daher 
zu verneinen.

11

III. Sachverhalt und Beweiswürdigung

8. Vorwurf gemäss Anklageschrift

Den beiden Beschuldigten wird gemäss Anklageschrift vom 20. September 2016 
versuchte schwere Körperverletzung, evtl. einfache Körperverletzung und Rauf-
handel vorgeworfen. 

Der Beschuldigte 1 soll zusammengefasst am 8. November 2015, ca. um 03.20 
Uhr den Privatkläger 2 in einem Gerangel am Boden fixiert und aus kurzer Distanz 
dreimal mit der rechten Faust heftig gegen den Kopf geschlagen haben. Weiter soll 
er ihm, nachdem sich der Privatkläger 2 abwehrunfähig auf allen Vieren und mit 
gesenktem Kopf am Boden befunden habe, mit dem rechten Fuss heftig gegen den 
Kopf getreten haben. Damit habe der Beschuldigte 1 mindestens in Kauf genom-
men, den Privatkläger 2 lebensgefährlich zu verletzen, bleibend zu versehren oder 
ihm eine schwere Gesundheitsschädigung zu verursachen (pag. 411). 

Der Beschuldigte 2 soll zusammengefasst dem Privatkläger 1 im Verlaufe einer tät-
lichen Auseinandersetzung mit der linken Faust einen kurzen harten Schlag ins 
Gesicht verpasst haben, so dass der Privatkläger 1 zu Boden gegangen sei. Dar-
aufhin habe er dem reglos auf dem Rücken liegenden Privatkläger 1 noch zweimal 
mit der rechten Faust ins Gesicht geschlagen. Dem Privatkläger 2, welcher sich 
abwehrunfähig in Kriechstellung auf dem Boden befunden habe, soll der Beschul-
digte 2 mit dem rechten Fuss gegen den Kopf getreten haben. Mit diesem Vorge-
hen habe der Beschuldigte 2 mindestens in Kauf genommen, die Privatkläger le-
bensgefährlich zu verletzen, bleibend zu versehren oder eine schwere Gesund-
heitsschädigung zu verursachen (pag. 410). 

9. Beweismittel

Die Vorinstanz hat die vorhandenen objektiven und subjektiven Beweismittel zutref-
fend und vollständig wiedergegeben. Auf die entsprechenden Ausführungen kann 
vollumfänglich verwiesen werden (pag. 620 ff., S. 15-42 der Entscheidbegründung). 

10. Beweiswürdigung

10.1 Vorbemerkungen und durch die Kammer zu klärende Beweisfragen

Mit Blick auf die den Beschuldigten vorgeworfenen Handlungen, deren rechtliche 
Würdigung und die Vorbringen der Parteien stellen sich folgende durch die Kam-
mer zu beurteilende Beweisfragen:

- Wie ist es zum Vorfall vor dem Restaurant N.________ gekommen und was ist 
dort geschehen?

- Was ist danach vor dem Hotel M.________ geschehen? Haben die Beschuldig-
ten den Privatklägern aufgelauert? Oder haben die Privatkläger die Beschuldig-
ten angegriffen?

- Wie sind die Handlungen des Beschuldigten 1 (drei Faustschläge und ein Fuss-
tritt) zum Nachteil des Privatklägers 2 zu qualifizieren? 

o Sind sie in einer Notwehrsituation erfolgt und waren sie angemessen 
bzw. verhältnismässig?

12

o Kannte der Beschuldigte 1 das mit seinen Handlungen verbundene Ri-
siko einer schweren Körperverletzung und nahm er dieses in Kauf?

- Wie sind die Handlungen des Beschuldigten 2 (drei Faustschläge) zum Nachteil 
des Privatklägers 1 zu qualifizieren? 

o Sind sie in einer Notwehrsituation erfolgt und waren sie angemessen 
bzw. verhältnismässig?

o Kannte der Beschuldigte 2 das mit seinen Handlungen verbundene Ri-
siko einer schweren Körperverletzung und nahm er dieses in Kauf?

- Wie sind die Handlungen des Beschuldigten 2 (ein Fusstritt) zum Nachteil des 
Privatklägers 2 zu qualifizieren? 

o Sind sie in einer Notwehrsituation erfolgt und waren sie angemessen 
bzw. verhältnismässig?

o Kannte der Beschuldigte 2 das mit seinen Handlungen verbundene Ri-
siko einer schweren Körperverletzung und nahm er dieses in Kauf?

10.2 Würdigung der subjektiven Beweismittel

Die Vorinstanz hat sämtliche subjektiven Beweismittel ausführlich und zutreffend 
gewürdigt. Auf diese Ausführungen kann verwiesen werden (pag. 650 ff., S. 45-50 
der Entscheidbegründung). 

Die vorinstanzliche Beweiswürdigung wird – abgesehen von der Frage, was die 
Beschuldigten wussten oder in Kauf nahmen – durch die Parteien grösstenteils 
nicht in Zweifel gezogen. Die nachfolgenden Ausführungen verstehen sich daher – 
mit Ausnahme der darzulegenden Abweichungen von der vorinstanzlichen Be-
weiswürdigung – als Wiederholung bzw. Zusammenfassung der vorinstanzlichen 
Beweiswürdigung sowie mit Blick auf die Vorbringen der Parteien als präzisierende 
Ergänzungen. 

10.3 Beweiswürdigung durch die Kammer

10.3.1 Beweiswürdigung betreffend Vorfall vor dem Restaurant N.________

Die Vorinstanz hat zutreffend festgehalten, dass es vor dem Restaurant 
N.________ zu einer Auseinandersetzung zwischen den beiden Gruppen (Be-
schuldigte 1 und 2 sowie O.________ einerseits, und Privatkläger 1 und 2 anderer-
seits) gekommen ist. Der Beschuldigte 2 befand sich zu Beginn der Auseinander-
setzung im Restaurant N.________, wurde dann aber durch den Beschuldigten 1 
nach draussen geholt. Die Vorinstanz hat ebenso zutreffend ausgeführt, dass auf-
grund der Aussagen der Beteiligten und insbesondere der Sicherheitsmitarbeiter 
nicht mehr eruiert werden könne, wer bzw. was Auslöser der Auseinandersetzung 
war. Darauf kann verwiesen werden (pag. 653 f., S. 48 f. der Entscheidbegrün-
dung). 

Die Generalstaatsanwaltschaft sieht – entgegen der Vorinstanz – den Beschuldig-
ten 1 als Auslöser der Auseinandersetzung, da er gemäss eigenen Angaben über 
die beiden betrunkenen Privatkläger gelacht habe (pag. 953). 

Inwiefern und zu welchem Zeitpunkt (bewusste) Provokationen erfolgt sind, wie 
diese gedeutet wurden und weshalb es schliesslich zu der Auseinandersetzung vor 
dem N.________ kam, ist nach Ansicht der Kammer unklar und im Ergebnis auch 

13

nicht von entscheidender Bedeutung. Keiner der Beteiligten, also weder die Be-
schuldigten noch die Privatkläger, konnten den Beginn der Auseinandersetzung 
schlüssig schildern. Auch die Sicherheitsmitarbeiter als unbeteiligte Dritte vermoch-
ten zu dieser Frage keine weiterführenden Angaben zu machen. Die Frage muss 
daher offen gelassen werden.

Was den Inhalt bzw. weiteren Ablauf der Auseinandersetzung betrifft, fällt auf, dass 
insbesondere die Privatkläger zurückhaltende Angaben machten und sich an den 
Inhalt der Gespräche bzw. Provokationen nicht mehr erinnern konnten (pag. 29, 35, 
45 f., 52 f., 57, 534 f., 541). Diesbezüglich liegen jedoch die glaubhaften Aussagen 
der Sicherheitsmitarbeiter vor, welche gegenseitige Beleidigungen und Provokatio-
nen beider Parteien schildern (pag. 137, 144, 150, 153). Davon ist auszugehen. 
Weiter ist aufgrund der subjektiven Beweismittel erstellt, dass der Beschuldigte 2 
im Zuge dieser verbalen Auseinandersetzung den Privatklägern eine Ohrfeige ver-
setzt hat, woraufhin die beiden Gruppen von den Sicherheitsmitarbeitern getrennt 
wurden. 

10.3.2 Beweiswürdigung betreffend Beginn der Schlägerei vor dem Hotel 
M.________

Die Generalstaatsanwaltschaft macht geltend, die Beschuldigten hätten den Privat-
klägern aufgelauert bzw. auf sie gewartet, was auf den Videoaufnahmen ersichtlich 
sei und im Übrigen auch durch den Zeugen P.________ bestätigt werde 
(pag. 953). Die Verteidigung der Beschuldigten moniert demgegenüber, es sei ent-
gegen den Ausführungen der Vorinstanz nicht zutreffend, dass die beiden Be-
schuldigten einer Konfrontation (vor dem Hotel M.________) nicht abgeneigt ge-
wesen seien (pag. 910 und 928). 

Bezüglich der Frage, wie die körperliche Auseinandersetzung vor dem Hotel 
M.________ ausgelöst wurde, kann grundsätzlich auf die Ausführungen der Vorin-
stanz verwiesen werden, wonach davon auszugehen ist, dass die Privatkläger die 
Beschuldigten attackiert hatten (pag. 654, S. 49 der Entscheidbegründung). Die 
Kammer schliesst sich diesen vorinstanzlichen Ausführungen an. Wie die Vorin-
stanz stellt auch die Kammer bezüglich der Frage, wer Auslöser der gewalttätigen 
Auseinandersetzung vor dem Hotel M.________ war, in erster Linie auf die glaub-
haften Aussagen des Sicherheitsmitarbeiters und Zeugen Q.________ ab, welcher 
mit den beiden Privatklägern gesprochen hatte. Zwar konnten er und sein Kollege 
den Beginn der Auseinandersetzung von ihrem Standort vor dem Restaurant 
N.________ aus nicht beobachten. Er schilderte jedoch glaubhaft, dass sich die 
Beschuldigten vom Ort der Auseinandersetzung entfernt hatten, die beiden Privat-
kläger diesen jedoch dann gefolgt wären und ihnen gegenüber geäussert hätten, 
die Angelegenheit nicht auf sich sitzen lassen zu wollen. Konkret gab der Zeuge 
Q.________ an, dass einer der beiden Privatkläger gesagt hätte, dass sie nun 
„Nägel mit Köpfen“ machen wollten und sich dies von den anderen nicht gefallen 
lassen würden. Der eine habe sein Bier auf den Boden geschmissen und die bei-
den seien den Beschuldigten hinterhergerannt (pag. 137 und 146). Die Kammer 
stellt – wie die Vorinstanz – auf diese Aussagen ab. Es ist nicht ersichtlich, wieso 
der Zeuge Q.________ die beiden Privatkläger zu Unrecht belasten sollte. 

Auch die Aussagen von P.________, welcher an jenem Abend zufällig Zeuge der 
Auseinandersetzung wurde, lassen nicht an diesen Aussagen zweifeln. Der Zeuge 

14

P.________ gab zwar an, dass die Beschuldigten auf die drei Privatkläger losge-
gangen seien (pag. 129 und 132). Angesichts der Tatsache, dass er wesentliche 
Ereignisse falsch schilderte, kann auf seine Aussagen jedoch nicht ohne Weiteres 
abgestellt werden. In diversen Punkten machte er nachweislich falsche Angaben, 
so u.a. bezüglich der Anzahl involvierter Personen pro Gruppe. Weiter führte er 
aus, dass die Gruppe, welche bedroht worden sei, aus drei Personen bestanden 
habe, wovon einer ein Thailänder gewesen sei (pag. 134). Ebenso gab er fälschli-
cherweise an, dass vor dem Restaurant N.________ nur diskutiert worden sei 
(pag. 133). Schliesslich schilderte er auch einen Fusstritt des Beschuldigten 2 ge-
gen den Privatkläger 1, welcher – wie auf den Videoaufnahmen ersichtlich – so 
nicht stattgefunden hat (pag. 128). Auch seine Aussagen zu angeblichen Äusse-
rungen der Beschuldigten und Privatkläger sind wenig glaubhaft und überzeugend, 
zumal er in der ersten Einvernahme keine solchen angeblichen Äusserungen schil-
derte. So gab er bei der Staatsanwaltschaft erstmals an, die Privatkläger hätten 
gesagt, man soll es sein lassen. Die Beschuldigten hätten den Privatklägern jedoch 
zugerufen, sie sollten doch kommen und hätten sich dann versteckt (pag. 132). 
Angesichts dieser offensichtlichen Ungenauigkeiten ist davon auszugehen, dass es 
sich bei den Aussagen von P.________ zumindest teilweise um (unzutreffende) In-
terpretationen der Ereignisse handelt.

Auch die Aussagen der Privatkläger lassen keine Zweifel am vorinstanzlichen Be-
weisergebnis aufkommen. Auffällig ist, dass beide Privatkläger, insbesondere der 
Privatkläger 1, weder Angaben zu den Geschehnissen vor dem N.________ noch 
Angaben zu den Geschehnissen vor dem M.________ machen können und Erin-
nerungslücken geltend machen, aber dennoch in Abrede stellen, angegriffen zu 
haben (Privatkläger 1: pag. 29, 36, 533, 535 f.; Privatkläger 2: pag. 46, 52, 54, 
541 f.). Beide Privatkläger verharmlosen ihre eigene Rolle bei der Auseinanderset-
zung vor dem N.________. So stellen sie die Schilderung des Sicherheitsmitarbei-
ters in Abrede, wonach sie die Beschuldigten auch beschimpft hätten, und diesen 
dann nachgerannt seien. Beide konnten jedoch keine Erklärung dafür vorbringen, 
wieso der Sicherheitsmitarbeiter falsche Angaben machen sollte (pag. 38, 56, 535, 
542 f.)

Schliesslich stützen auch die Videoaufnahmen die Aussagen des Zeugen 
Q.________. Auf den Videoaufnahmen ist deutlich zu sehen, wie die beiden Be-
schuldigten als erstes aus den Lauben auf die Strasse hinaus straucheln, was eher 
auf einen unerwarteten Angriff hindeutet. Angesichts der Tatsache, dass insbeson-
dere der Beschuldigte 2 dem alkoholisierten Privatkläger 1 deutlich überlegen war 
und diesen mit einem einzigen Faustschlag niederschlug, kann davon ausgegan-
gen werden, dass die körperliche Auseinandersetzung in der Laube nicht bereits 
längere Zeit andauerte, wäre diesfalls doch zu erwarten gewesen, dass sich der 
Beschuldigte 2 bereits zuvor deutlich durchgesetzt hätte. Vielmehr muss aufgrund 
dieser Umstände davon ausgegangen werden, dass der Angriff auf die Beschuldig-
ten auch für diese eher unerwartet erfolgt ist und der Beschuldigte 2 deshalb durch 
den Angriff überrascht kurz ins Straucheln geraten, sich dann aber wieder auffan-
gen konnte. Diese Sequenz ist auf den Videoaufnahmen deutlich zu erkennen. Die 
objektiven Beweismittel stützen damit grundsätzlich die glaubhaften Aussagen von 
Q.________. 

15

Entgegen den Vorbringen der Generalstaatsanwaltschaft erachtet die Kammer die 
Annahme, dass die Beschuldigten vor dem M.________ auf die Privatkläger ge-
wartet hätten, als wenig plausibel und nicht erstellt. Die Beschuldigten konnten 
nicht wissen, dass die Privatkläger den gleichen Weg wie sie einschlagen würden. 
Sie konnten ebenso wenig ahnen, dass diese erneut eine Auseinandersetzung mit 
ihnen suchen würden. Ihre Aussagen, dass sie vor dem M.________ auf das Taxi 
gewartet hätten, wo sich auch ein Taxistand befindet, sind daher nicht abwegig. 
Dass sie, nachdem sie sich vom Ort der ersten Auseinandersetzung entfernt hat-
ten, Blicke nach hinten warfen (was auf den Videoaufnahmen ebenfalls zu sehen 
ist), ist ebenso nachvollziehbar. Ganz offensichtlich wollten die Beschuldigten die 
Privatkläger zumindest anfangs, also in dem Moment, in dem sie sich vom 
N.________ entfernten, im Auge behalten. Dies stellt jedoch für sich allein noch 
kein Indiz dafür dar, dass sie den Privatklägern tatsächlich aufgelauert hatten und 
eine Schlägerei beginnen wollten. Dies hat umso mehr zu gelten, als die Beschul-
digten eher Anlass hatten, die Angelegenheit als abgeschlossen zu betrachten. 
Immerhin konnten sie sich insofern Genugtuung verschaffen, als der Beschuldigte 
2 den beiden Privatklägern abschliessend eine Ohrfeige versetzt hatte. Insofern 
kann nach Ansicht der Kammer auch nicht festgehalten werden, dass die Privat-
kläger einer weiteren Auseinandersetzung nicht abgeneigt gewesen seien. Viel-
mehr ist nach dem Grundsatz in dubio pro reo davon auszugehen, dass die Ange-
legenheit für die Beschuldigten mit den beiden Ohrfeigen abgeschlossen war und 
sie vor dem M.________ auf ein Taxi warteten. 

10.3.3 Beweiswürdigung betreffend Ablauf der Auseinandersetzung und Bestehen 
einer Notwehrlage

Wie bereits dargelegt, erachtet es die Kammer als erstellt, dass die Beschuldigten 
vor dem Hotel M.________ durch die Privatkläger attackiert wurden. Der Ablauf der 
körperlichen Auseinandersetzung ist auf den Videoaufnahmen ersichtlich: 

Der Beschuldigte 2 wird vom Privatkläger 1 attackiert. Nach einer kurzen Keilerei 
trennen sich die Beiden. Der Privatkläger 1 hebt die Faust und läuft auf den Be-
schuldigten 2 zu. Dabei hebt er sein Bein an und macht damit eine Kickbewegung 
gegen den Beschuldigten 2. Bei dieser Ausgangslage ist von einem unmittelbaren 
Angriff des Privatklägers 1 auf den Beschuldigten 2 auszugehen. Der Beschuldigte 
2 versetzt in Reaktion auf diesen Angriff dem Privatkläger 1 einen Faustschlag. Der 
Privatkläger 1 stürzt in Folge des Faustschlags zu Boden und bleibt ausgestreckt 
und regungslos liegen, womit der Angriff in diesem Moment beendet bzw. abge-
wehrt ist. Der Beschuldigte 2 versetzt dem regungslos am Boden liegenden Privat-
kläger 1 daraufhin zwei weitere Faustschläge ins Gesicht, obwohl er wusste, dass 
dieser stark alkoholisiert, wehrlos und aufgrund des ersten und einzigen Faust-
schlages bereits ausser Gefecht gesetzt war. Dass heftige Schläge gegen den 
Kopf eines bereits zum Widerstand unfähigen und alkoholisierten Opfers gefährlich 
sind, weil es sich beim Kopf um einen sehr empfindlichen Körperteil handelt und 
Beeinträchtigungen zu schweren und bleibenden Schäden führen können bzw. es 
ausschliesslich vom Zufall abhängt, ob solche Verletzungen eintreten, ist allgemein 
bekannt und musste daher auch der Beschuldigte 2 wissen (vgl. Urteil des Bun-
desgerichts BGer 6B_760/2017 vom 23. März 2018, E. 3.4). Auf die Beweisfrage, 
ob der Beschuldigte 2 das ihm bekannte Risiko in Kauf nahm, wird der Einfachheit 
halber unter E. IV.16.3 einzugehen sein.

16

Der Beschuldigte 2 handelte nicht aus Aufregung oder Bestürzung über den An-
griff. Vielmehr war ihm seine körperliche Überlegenheit bewusst, was sich darin 
zeigt, dass er die Auseinandersetzung nicht scheute, sich im Kampf ruhig und ge-
zielt bewegte und sich anschliessend furchtlos und zielstrebig in die Geschehnisse, 
in welche der Beschuldigte 1 involviert war, einmischte. 

Der Beschuldigte 1 wurde durch den Privatkläger 2 angegriffen. Beide stürzen zu 
Boden. Auf den Videoaufnahmen ist nicht eindeutig ersichtlich, wer wen fixiert und 
festhält. Da der Angriff jedoch durch den Privatkläger 2 erfolgt ist und auf den Vi-
deoaufnahmen ersichtlich ist, dass der Beschuldigte 1 dem Privatkläger 2 kurz hin-
tereinander drei Faustschläge versetzt, um sich aus der Fixierung zu lösen, ist da-
von auszugehen, dass der Beschuldigte 1 – solange er sich zusammen mit dem 
Privatkläger 2 auf dem Boden befand – einem Angriff ausgesetzt war. Damit war 
der Beschuldigte 1 in jenem Moment, in dem er dem Privatkläger 2 drei Faust-
schläge versetzte und in dem der Beschuldigte 2 dem Privatkläger 2 einen Fusstritt 
gegen den Kopf versetzte, noch einem Angriff ausgesetzt. Der Angriff war jedoch 
beendet, als sich der Beschuldigte 1 aus der Fixierung lösen und aufstehen konnte. 
Im Moment, in dem der Beschuldigte 1 dem Privatkläger 2 einen Fusstritt gegen 
den Kopf versetzte, lag damit kein Angriff mehr vor. Dass ein mit Anlauf ausgeführ-
ter Fusstritt gegen den Kopf eines sich bereits am Boden befindlichen und zum Wi-
derstand unfähigen und alkoholisierten Opfer gefährlich ist, weil es sich beim Kopf 
um den empfindlichsten Körperteil handelt und Beeinträchtigungen zu schweren 
und bleibenden Schäden führen können bzw. es ausschliesslich vom Zufall ab-
hängt, ob solche Verletzungen eintreten, ist allgemein bekannt. Diese Tatsache 
war beiden Beschuldigten bekannt (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts BGer 
6B_760/2017 vom 23. März 2018, E. 3.4). Der Beschuldigte 2 gestand denn auch 
ein, dass er wisse, dass bei einem solchen Tritt – abhängig davon, ob und wie man 
treffe – viel passieren könne (pag. 105). Auch der Beschuldigte 1 bestätigte zu wis-
sen, dass man eine Person schwer verletzen könne, wenn man gegen den Kopf 
tritt (pag. 121). Die Verteidigung wendet nun dagegen ein, die Erkenntnis über die 
Gefährlichkeit ihrer Handlungen sei den Beschuldigten erst später gekommen. Es 
mag durchaus zutreffend sein, dass die beiden Beschuldigten sich erst später de-
taillierter mit den Konsequenzen ihrer Handlungen auseinandergesetzt haben. Das 
Wissen um die Gefährlichkeit ihrer Handlungen muss bei ihnen jedoch bereits zu-
vor vorhanden gewesen sein, handelt es sich dabei doch um Allgemeinwissen. Für 
die Annahme, dass die Beschuldigten erst später Kenntnis dieses Umstands er-
langten, gibt es keine Hinweise. Dies wird denn durch die Beschuldigten selbst 
auch gar nicht behauptet. Auf die Beweisfrage, ob die beiden Beschuldigten das 
ihnen bekannte Risiko in Kauf nahmen, wird der Einfachheit halber unter E. IV.16.3 
einzugehen sein.

Der Beschuldigte 2 handelte auch in dieser zweiten Sequenz der Auseinanderset-
zung nicht in Aufregung oder Bestürzung über den zuvor erfolgten Angriff. Er hatte 
– als er den Weg zum Beschuldigten 1 zurücklegte – genügend Zeit, die Situation 
zu überblicken und zu analysieren. Dass er dies auch tat, zeigt sich in seiner ziel-
strebigen und ruhigen Vorgehensweise. Auch der Beschuldigte 1 handelte nicht in 
Bestürzung, Aufregung oder Angst. Nachdem es ihm gelang, sich mit drei gezielten 
Faustschlägen aus der Fixierung durch den Privatkläger 2 zu lösen, agierte er 
ebenfalls ruhig und zielgerichtet. Beide Beschuldigten wirkten weder orientierungs- 
noch hilflos und verliessen denn auch zielstrebig den Tatort. Zu keinem Zeitpunkt 

17

zeigten sie Anzeichen von Verstörung oder Verwirrung über die Auseinanderset-
zung. 

Bezüglich der bei den beiden Privatklägern eingetretenen Verletzungen ist festzu-
halten, dass diese weder einem bestimmten Schlag oder Tritt, noch einer Person 
(betrifft den Privatkläger 2) zugeordnet werden können. 

IV. Rechtliche Würdigung 

11. Anwendbares Recht

Vorliegend stellt sich in Bezug auf die Revision von Art. 122 StGB die Frage des 
anwendbaren Rechts. Im Zeitpunkt der Tat sah der Tatbestand der schweren Kör-
perverletzung eine Mindeststrafe von 180 Tagessätzen vor. Heute beträgt das 
Strafmass 6 Monate bis 10 Jahre Freiheitsstrafe. 

Hat der Täter ein Verbrechen oder Vergehen vor Inkrafttreten des neuen Strafge-
setzbuches begangen, erfolgt die Beurteilung aber erst nachher, so ist gemäss 
Art. 2 Abs. 2 StGB das neue Gesetz anzuwenden, wenn dieses für ihn das mildere 
ist. Der Vergleich der Schwere verschiedener Strafnormen ist nach der sog. kon-
kreten Methode vorzunehmen, wonach sich umfassende Beurteilungen des Sach-
verhalts nach altem und nach neuem Recht gegenüberzustellen sind. Anzuwenden 
ist in Bezug auf ein und dieselbe Tat nur entweder das alte oder das neue Recht. 
Eine kombinierte Anwendung der beiden Rechte ist ausgeschlossen (BGE 134 IV 
82 E.6.2.3). Vorliegend gelangt daher formell das alte Recht (aStGB) mit dem mil-
deren Strafrahmen zur Anwendung. 

12. Rechtliche Grundlagen Notwehrsituation

Das Bundesgericht hat hierzu Folgendes festgehalten (Urteil des Bundesgerichts 
6B_853/2016 vom 18. Oktober 2017, E. 2.2.1 und 2.2.2; Hervorhebungen durch 
Verfasserin):

Die Abwehr in einer Notwehrsituation muss nach der Gesamtheit der Umstände als verhältnismässig 
erscheinen. Eine Rolle spielen insbesondere die Schwere des Angriffs, die durch den Angriff und die 
Abwehr bedrohten Rechtsgüter, die Art des Abwehrmittels und dessen tatsächliche Verwendung. An-
gemessen ist die Abwehr, wenn der Angriff nicht mit weniger gefährlichen und zumutbaren 
Mitteln hätte abgewendet werden können, der Täter womöglich gewarnt worden ist und der Abweh-
rende vor der Benutzung eines gefährlichen Werkzeugs das Nötige zur Vermeidung einer übermässi-
gen Schädigung vorgekehrt hat. Auch ist eine Abwägung der auf dem Spiel stehenden Rechtsgüter 
unerlässlich. Doch muss deren Ergebnis für den Angegriffenen, der erfahrungsgemäss rasch handeln 
muss, mühelos erkennbar sein. […]

Die Angemessenheit der Abwehr ist auf Grund jener Situation zu beurteilen, in der sich der 
rechtswidrig Angegriffene im Zeitpunkt seiner Tat befand. Es dürfen nicht nachträglich allzu 
subtile Überlegungen darüber angestellt werden, ob der Angegriffene sich nicht allenfalls auch 
mit anderen, weniger einschneidenden Massnahmen hätte begnügen können (BGE 136 IV 49 E. 
3.1 und 3.2 S. 51 f. mit Hinweisen). Notwehr ist nur so lange zulässig, wie der Angriff andauert, 
d.h. die Zufügung einer neuen oder die Vergrösserung einer bereits eingetretenen Verletzung 
durch das Verhalten des Angreifers unmittelbar droht. Entscheidend ist nicht die formelle Vollen-
dung des im Angriff liegenden Deliktes, sondern die Beeinträchtigung des bedrohten Rechtsguts (Ur-
teil 6B_251/2013 vom 24. Oktober 2013 E. 1.2 mit Hinweisen). 

18

13. Subsumtion 

Gestützt auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung ist Notwehr solange zulässig, 
wie der Angriff angedauert hat und die Angreifer noch in der Lage waren, weitere 
Angriffe zu starten bzw. weiter auf die Beschuldigten einzuwirken. 

Wie im Rahmen der Beweiswürdigung dargelegt, stellte der Privatkläger 1, welcher 
den Beschuldigten 2 angriff, solange eine Gefahr für diesen dar, bis er aufgrund 
des Faustschlages durch den Beschuldigten 2 zu Boden fiel. Solange ist daher von 
einer Notwehrsituation auszugehen. Beim Beschuldigten 1 ist solange von einer 
Notwehrsituation auszugehen, als er durch den Privatkläger 2 festgehalten wurde. 
Die drei Faustschläge durch den Beschuldigten 1 sowie der Fusstritt durch den Be-
schuldigten 2 sind daher noch innerhalb der Notwehrsituation erfolgt. 

Zu prüfen ist, ob die Abwehr der Notwehrsituation der Gesamtheit der Umstände 
angemessen und damit verhältnismässig war: 

- Der Beschuldigte 2 hat sich gegenüber dem Privatkläger 1 initial mit einem ein-
zigen, aber heftigen Faustschlag zur Wehr gesetzt. Die Kammer beurteilt diese 
Abwehr noch als verhältnismässig. Der Privatkläger 1 hat die Fäuste zum An-
griff erhoben und dem Beschuldigten 2 mit einem Faustschlag gedroht. Zudem 
hat er gleichzeitig das Bein zu einem Kick erhoben. Zwar könnte durchaus ar-
gumentiert werden, dass ein Fusstritt gegen den Bauch des Privatklägers 1 vor-
liegend das mildere aber gleichermassen effektive Mittel gewesen wäre und der 
Faustschlag mit einer zu grossen Heftigkeit ausgeführt wurde. Angesichts der 
Tatsache, dass es sich um ein dynamisches Geschehen gehandelt hat, dem 
Beschuldigten 2 keine Zeit für eingehende Überlegungen blieb und er berech-
tigt ist, ein Mittel einzusetzen, welches auch effektiv ist, wird die Abwehrhand-
lung noch als angemessen beurteilt. Als der Privatkläger 1 infolge des Faust-
schlages sogleich zu Boden fiel, war der Angriff jedoch beendet. Die unmittel-
bar folgenden beiden Faustschläge gegen den am Boden liegenden Privatklä-
ger 1 sind daher nicht mehr in einer Notwehrsituation erfolgt.

- Der Beschuldigte 2 hat dem Privatkläger 2, welcher den Beschuldigten 1 um-
klammert hatte, einen heftigen Fusstritt gegen den Kopf versetzt. Diese Not-
wehrhilfe war nicht mehr angemessen. Der Beschuldigte 2 befand sich zusam-
men mit dem Beschuldigten 1 gegenüber dem Privatkläger 2 in Überzahl. Der 
Privatkläger 1 war zu diesem Zeitpunkt bereits ausgeschaltet. Zudem hatten 
sich auch Sicherheitsmitarbeiter eingeschaltet, welche die Streitenden zu tren-
nen versuchten. Zudem stellt ein Fusstritt gegen den Kopf des Privatklägers 2, 
wie bereits dargelegt, ein erhebliches Risiko dar. Aufgrund dieser Umstände 
musste der Beschuldigte 2 davon ausgehen, dass die Situation bereits ent-
schärft war und dem andauernden Angriff ohne Weiteres auch mit weniger ein-
schneidenden und weniger gefährlichen Mitteln, namentlich einem Umklam-
mern bzw. Zurückhalten des Privatklägers 2, hätte begegnet werden können. 
Die Notwehrhilfe war damit nicht mehr verhältnismässig. 

- Der Beschuldigte 1 hat seinerseits dem Privatkläger 2 in einer Notwehrsituation 
drei Faustschläge versetzt. Die Kammer erachtet dieses Abwehrmittel ebenfalls 
noch als angemessen. Dem Beschuldigten 1 blieb in diesem Moment keine an-
dere Möglichkeit zur Abwehr. Ihm stand nur seine rechte Hand frei zur Verfü-
gung, wobei er zudem aufgrund einer Schulterverletzung eingeschränkt war. 

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Die drei Faustschläge waren nicht von besonderer Heftigkeit, was sich (neben 
den Videoaufnahmen) auch darin zeigt, dass der Privatkläger 2 erst nach dem 
dritten Faustschlag von ihm abliess. Auch ex post kann daher nicht gesagt 
werden, dass ein einziger Faustschlag das mildere und dennoch wirksame Mit-
tel gewesen wäre. Der Beschuldigte 1 konnte die Wirkung des ersten Schlags 
bzw. der beiden ersten Schläge gar nicht beurteilen, da er nach wie vor festge-
halten wurde. In diesem Moment muss es ihm daher erlaubt sein, sich so lange 
zur Wehr zu setzen, als der Angriff andauert. Auch der Umstand, dass zu die-
sem Zeitpunkt bereits weitere Personen zu Hilfe eilten bzw. ihn und den Privat-
kläger 2 trennen wollten, ist vorliegend nicht zu seinen Lasten zu werten. Wie 
erwähnt, handelte es sich um ein dynamisches Geschehen, in das der Be-
schuldigte 1 unmittelbar involviert war. Es war ihm nicht möglich zu sehen und 
abzuschätzen, welche Personen sich weiter einmischen würden. Im Gegensatz 
zum Beschuldigten 2 fehlte ihm der Überblick über die Gesamtsituation. Der 
Beschuldigte 1 musste zudem innerhalb von Sekundenbruchteilen eine Ent-
scheidung treffen. Die Abwehrhandlung ist daher noch als angemessen zu be-
urteilen. 

Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der erste Faustschlag des Beschuldigten 
2 gegen den Privatkläger 1 sowie die drei Faustschläge des Beschuldigten 1 gegen 
den Privatkläger 2 als angemessene Abwehrhandlungen in einer Notwehrsituation 
und daher als gerechtfertigt zu beurteilen sind. Hingegen handelt es sich beim 
Fusstritt des Beschuldigten 2 gegen den Privatkläger 2 um eine nicht angemesse-
ne Abwehrhandlung.

14. Intensiver oder extensiver Notwehrexzess

14.1 Allgemeines

Überschreitet der Abwehrende die Grenzen der Notwehr nach Artikel 15, so mildert 
das Gericht die Strafe (Art. 16 Abs. 1 aStGB). Überschreitet der Abwehrende die 
Grenzen der Notwehr in entschuldbarer Aufregung oder Bestürzung über den An-
griff, so handelt er nicht schuldhaft (Art. 16 Abs. 2 aStGB).

Der sogenannte intensive Notwehrexzess, bei dem in einer bestehenden Notwehr-
situation die Grenzen der angemessenen Notwehr überschritten werden, führt von 
Gesetzes wegen zu einer obligatorischen Strafmilderung, oder – sofern entschuld-
bar – zum Wegfall der Schuld und damit zur Straflosigkeit (Art. 16 aStGB). Umstrit-
ten ist, ob dies auch für den extensiven Notwehrexzess gilt. Die Generalstaatsan-
waltschaft stellt sich auf den Standpunkt, das Bundesgericht habe dies zwar in ei-
nem älteren Entscheid implizit bejaht, sich jedoch nicht konkret mit der Abgrenzung 
zwischen intensivem und extensivem Exzess auseinandergesetzt. Die neueren 
Entscheide würden belegen, dass bei einem extensiven Exzess keine obligatori-
sche Strafmilderung zu erfolgen habe (pag. 959). Die Verteidigung stellt sich dem-
gegenüber auf den Standpunkt, dass selbst wenn von einem extensivem Exzess 
(und nicht von einer anhaltenden Notwehrsituation) auszugehen wäre, dieser nur 
Sekundenbruchteile zu spät und damit noch innerhalb einer Notwehrlage erfolgt 
wäre (pag. 915 und 932 f.)

Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung liegt bei einem extensiven Notwehr-
exzess grundsätzlich keine Notwehrsituation vor und Art. 16 aStGB gelangt nicht 
zur Anwendung (Urteil des Bundesgerichts 6B_853/2016 vom 18. Oktober 2017, E. 

20

3.2.3). Im Urteil 6B_345/2013 vom 24. Oktober 2013 hat das Bundesgericht jedoch 
bestätigt, dass bei einer um lediglich Sekundenbruchteilen zu spät erfolgen Ab-
wehrhandlung noch eine Notwehrsituation vorliege (E. 4.3). Von keiner Notwehrsi-
tuation ausgegangen ist das Bundesgericht hingegen bei einer Schussabgabe auf 
ein regungs- und wehrlos am Boden liegendes Opfer (Urteil des Bundesgerichts 
6B_853/2016 vom 18. Oktober 2017, E. 3.2.3), sowie bei einer 20-25 Sekunden 
nach dem Angriff erfolgten Schussabgabe auf den Flüchtigen (Urteil des Bundes-
gerichts BGer 6B_345/2013 vom 24. Oktober 2013, E. 4.3).

14.2 Betreffend den Beschuldigten 2 

Die beiden Faustschläge des Beschuldigten 2 gegen den am Boden liegenden Pri-
vatkläger 1 erfolgten unmittelbar nachdem der Privatkläger 1 zu Boden gefallen ist. 
Es handelt sich dabei um eine nur um Sekundenbruchteile später erfolgte über-
mässige Abwehrhandlung. Die vorliegende Situation ist insofern nicht mit den oben 
genannten Fällen vergleichbar, in denen das Bundesgericht die Anwendung von 
Art. 16 aStGB verneint hat, als nicht mehrere Sekunden zwischen den Handlungen 
lagen, in welchen es dem Beschuldigten 2 möglich gewesen wäre, die Situation 
neu einzuschätzen. Vielmehr hat der Beschuldigte 2 eher reflexartig noch zwei wei-
tere Male auf den Privatkläger 1 eingeschlagen, um danach so rasch als möglich 
zu seinem Kollegen, dem Beschuldigten 1, zu laufen. Es kann daher noch von der 
Anwendbarkeit von Art. 16 aStGB ausgegangen werden. 

Beim Fusstritt des Beschuldigten 2 gegen den Privatkläger 2 handelt es sich un-
zweifelhaft um einen intensiven Notwehrexzess, der zur Anwendung von 
Art. 16 aStGB führt. 

Zusammengefasst ist festzuhalten, dass beim Beschuldigten 2 bezüglich sämtli-
cher Handlungen, welche nicht gerechtfertigt bzw. rechtswidrig erfolgt sind, von ei-
ner Anwendbarkeit von Art. 16 aStGB auszugehen ist (zwei Faustschläge gegen 
den Privatkläger 1, ein Fusstritt gegen den Privatkläger 2).

14.3 Betreffend den Beschuldigten 1

Auch die nicht mehr angemessene Abwehrhandlung des Beschuldigten 1 (Fusstritt 
gegen den Privatkläger 2) ist nur Sekundenbruchteile später erfolgt, d.h. unmittel-
bar nachdem er sich aus der Umklammerung durch den Privatkläger 2 befreien 
konnte. Mit Verweis auf die obigen Ausführungen (E. 14.2) ist daher auch diesbe-
züglich von der Anwendbarkeit von Art. 16 aStGB auszugehen.

15. Entschuldbarer Notwehrexzess nach Art. 16 Abs. 2 aStGB

In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob die Voraussetzungen von 
Art. 16 Abs. 2 aStGB (entschuldbarer Notwehrexzess) gegeben sind, d.h. ob die 
Grenzen der Notwehr(hilfe) in entschuldbarer Aufregung oder Bestürzung über-
schritten worden sind oder nicht.

Das Bundesgericht hat zum entschuldbaren Notwehrexzess Folgendes festgehal-
ten (Urteil des Bundesgerichts BGer 6B_853/2016 vom 18. Oktober 2017, E. 2.2.4, 
Hervorhebungen durch Verfasserin):

Ein Notwehrexzess ist gemäss Art. 16 Abs. 2 StGB entschuldbar, wenn die Aufregung oder die 
Bestürzung des Täters allein oder zumindest vorwiegend auf den rechtswidrigen Angriff zurück-
zuführen ist. Überdies müssen Art und Umstände des Angriffs derart sein, dass sie die Aufregung 

21

oder die Bestürzung entschuldbar erscheinen lassen. Nicht jede geringfügige Erregung oder Bestür-
zung führt zu Straflosigkeit. Erforderlich ist, dass es dem Täter aufgrund der Aufregung oder 
Bestürzung über den Angriff nicht möglich war, besonnen und verantwortlich zu reagieren (vgl. 
zum Einsatz von Schusswaffen: Urteil 6S.734/1999 vom 10. April 2001 E. 4b mit Hinweisen). Insoweit 
besteht trotz der absoluten Formulierung ein gewisses Ermessen (Urteil 6B_810/2011 vom 30. August 
2012 E. 5.3.2 mit Hinweisen). 

Nicht jede Aufregung, die mit einem Angriff gezwungenermassen einhergeht, führt zur Straflosigkeit 
im Sinne von Art. 16 Abs. 2 StGB. Bei der Beurteilung, ob die Aufregung oder die Bestürzung hinrei-
chend erheblich war, um den Täter in Anwendung von Art. 16 Abs. 2 StGB nicht mit Strafe zu bele-
gen, wird ein umso höherer Grad entschuldbarer Aufregung oder Bestürzung verlangt, je mehr 
die Reaktion des Täters geeignet ist, den Angreifer zu gefährden oder zu verletzen (Urteil 
6B_910/2016 vom 22. Juni 2017 E. 4.2.2; Rspr. missverständlich, soweit sie auf den Verletzungser-
folg und nicht die Verteidigungshandlung abstellt: zuletzt Urteil 6B_352/2016 vom 29. Juli 2016 mit 
Hinweisen). Tatfrage ist, in welchem Zustand sich die angegriffene Person befand. Rechtsfrage 
ist hingegen, ob dieser Zustand eine entschuldbare Aufregung oder Bestürzung im Sinne von 
Art. 16 Abs. 2 StGB darstellt (Urteil 6B_811/2011 vom 30. August 2012 E. 5.3.4 mit Hinweisen). 

Wie im Rahmen der Beweiswürdigung festgestellt, befanden sich die beiden Be-
schuldigten nicht in einem Zustand, welcher von Aufregung oder Bestürzung ge-
prägt war. Damit stellt sich die Rechtsfrage vorliegend gar nicht, ob der Zustand 
der Beschuldigten entschuldbar war. Selbst wenn jedoch davon auszugehen wäre, 
dass sich beide Beschuldigten in einem Zustand der Aufregung und Bestürzung 
befunden hätten, wäre dieser Zustand mit Blick auf die Vorgeschichte und die wei-
teren Umstände nicht als entschuldbar im Sinne des Gesetzes zu beurteilen. Wie 
festgestellt, wurden die beiden Beschuldigten zwar angegriffen und waren zur Ab-
wehr des Angriffs berechtigt. Aber der Angriff erfolgte nicht völlig unvermittelt. 
Vielmehr ist zu berücksichtigen, dass es bereits vor dem N.________ zu einer 
Auseinandersetzung gekommen ist, bei dem der Beschuldigte 2 zum einen die bei-
den Privatkläger geohrfeigt hat. Die Beschuldigten konnten zum anderen auch 
wahrnehmen, dass die Privatkläger offensichtlich betrunken und dadurch zumin-
dest in einem gewissen Masse beeinträchtigt waren. Die Beschuldigten waren den 
beiden Privatklägern körperlich überlegen, was sich denn auch darin zeigt, dass sie 
auf den Angriff verhältnismässig ruhig und zielgerichtet reagierten. Die Kammer 
hält den Notwehrexzess daher für nicht entschuldbar, weshalb der Schuldaussch-
liessungsgrund von Art. 16 Abs. 2 aStGB nicht zur Anwendung gelangt. Hingegen 
wird der Strafmilderungsgrund von Art. 16 Abs. 1 aStGB im Rahmen der Strafzu-
messung zu berücksichtigen sein. 

16. Rechtliche Würdigung versuchte schwere Körperverletzung

16.1 Rechtliche Grundlagen

Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen der versuchten schweren Körperver-
letzung zutreffend und ausführlich wiedergegeben. Auf diese Ausführungen wird 
verwiesen (pag. 656 ff., S. 51-54 der Entscheidbegründung)

16.2 Versuchte schwere Körperverletzung – objektiver Tatbestand

Die Faustschläge ins Gesicht des sich regungslos am Boden befindlichen Privat-
klägers 1 waren geeignet, eine schwere Körperverletzung zu verursachen. Sie er-
folgten heftig und ungeschützt, da der Privatkläger 1 im Moment, in dem die Schlä-

22

ge erfolgten, regungslos und zur Abwehr unfähig war. Auch der durch den Be-
schuldigten 2 ausgeführte Fusstritt gegen den Kopf des Privatklägers 2 war geeig-
net, eine schwere Körperverletzung zu verursachen. Der Fusstritt erfolgte mit 
Schwung und direkt gegen den ungeschützten Kopf des Privatklägers 2. Auch der 
Privatkläger 2 war in jenem Moment – er hielt nach wie vor den Beschuldigten 1 
umklammert – nicht in der Lage, seinen Kopf gegen den heftigen Tritt zu schützen. 
Beim Beschuldigten 1 stellt sich die Situation gleich dar. In jenem Moment, in dem 
er dem Privatkläger 2 einen heftigen Fusstritt versetzt hat, befand sich letzterer auf 
allen Vieren am Boden. Es ist offensichtlich, dass er nicht mehr mit einem Schlag 
rechnete und nicht in der Lage war, seinen Kopf zu schützen.

Das Bundesgericht hat in konstanter Rechtsprechung bestätigt, dass heftige 
Schläge und Tritte gegen den ungeschützten Kopfbereich des Opfers objektiv ge-
eignet sind, schwere Körperverletzungen zu verursachen (vgl. u.a. Urteile des 
Bundesgerichts 6B_760/2017 vom 23. März 2018, E. 3.4, 6B_161/2016 vom 12. 
Oktober 2016, E. 1.4.2, 6B_181/2015 vom 23. Juni 2015, E. 2.3). Die Handlungen 
der beiden Beschuldigten waren damit geeignet, auch eine schwere Körperverlet-
zung zu verursachen. 

16.3 Versuchte schwere Körperverletzung – subjektiver Tatbestand

Zur eventualvorsätzlich begangenen versuchten schweren Körperverletzung hat 
das Bundesgericht Folgendes festgehalten (Urteil des Bundesgerichts 
6B_760/2017 vom 23. März 2018, E. 3.3, Hervorhebungen durch Verfasserin):

Eventualvorsatz ist gegeben, wenn der Täter die Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, aber 
dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, 
mag er ihm auch unerwünscht sein (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3 mit Hinweis). Ob der Täter die Tatbe-
standsverwirklichung in diesem Sinne in Kauf genommen hat, muss das Gericht bei Fehlen eines Ge-
ständnisses des Beschuldigten aufgrund der Umstände entscheiden. Dazu gehören die Grösse des 
dem Täter bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung, die Schwere der Sorgfaltspflichtverlet-
zung, die Beweggründe des Täters und die Art der Tathandlung. Je grösser die Wahrscheinlichkeit 
der Tatbestandsverwirklichung ist und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto eher darf 
gefolgert werden, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen (BGE 135 IV 12 
E. 2.3.2; 134 IV 26 E. 3.2.2; 133 IV 9 E. 4.1; je mit Hinweisen). Das Gericht darf vom Wissen des 
Täters auf den Willen schliessen, wenn sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich 
aufdrängte, dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme 
des Erfolgs ausgelegt werden kann (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3; 134 IV 26 E. 3.2.2; je mit Hinweisen). Je 
grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist und je schwerer die Rechtsgutsver-
letzung wiegt, desto näher liegt die Schlussfolgerung, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung 
in Kauf genommen (BGE 135 IV 12 E. 2.3.2; 133 IV 222 E. 5.3 S. 226). Eventualvorsatz kann indes-
sen auch vorliegen, wenn der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolgs nicht in diesem Sinne 
sehr wahrscheinlich, sondern bloss möglich war. Doch darf nicht allein aus dem Wissen des 
Täters um die Möglichkeit des Erfolgseintritts auf dessen Inkaufnahme geschlossen werden. Vielmehr 
müssen weitere Umstände hinzukommen (BGE 133 IV 9 E. 4.1 S. 17, 1 E. 4.5 S. 6 f.; je mit Hinwei-
sen). Solche Umstände liegen namentlich vor, wenn der Täter das ihm bekannte Risiko nicht kal-
kulieren und dosieren kann und das Opfer keine Abwehrchancen hat (BGE 133 IV 1 E. 4.5 S. 7; 
131 IV 1 E. 2.2 S. 5). 

Wie bereits oben (siehe E. 16.2) dargelegt, entspricht es der allgemeinen Lebens-
erfahrung, dass Fusstritte und Faustschläge in den Kopfbereich eines am Boden 

23

liegenden Opfers – selbst wenn dieses sich zusammenrollt und den Kopf mit den 
Händen zu schützen versucht – zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen der kör-
perlichen Integrität führen können (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_760/2017 
vom 23. März 2018, E. 3.4). 

Da der Eintritt des Erfolgs in der vorliegenden Konstellation – auch mit Blick auf 
andere mögliche Tatbestandsvarianten – nicht sehr wahrscheinlich, sondern ledig-
lich möglich war, kann gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht ohne 
Weiteres vom Wissenselement auf das Wollenselement geschlossen werden. 
Vielmehr ist zu prüfen, ob zusätzliche Umstände vorliegen, welche zu einem Beja-
hen des Eventualvorsatzes führen (siehe Auszug aus der bundesgerichtlichen 
Rechtsprechung oben). Bei beiden Beschuldigten liegen solche Umstände vor:

- Beim Beschuldigten 2: Der Beschuldigte 2 hat dem sich auf dem Boden befind-
lichen und offensichtlich zur Abwehr unfähigen Privatkläger 1 zwei heftige 
Faustschläge ins Gesicht versetzt. Der Privatkläger 1 hatte keine Möglichkeit, 
seinen Kopf zu schützen und war nicht nur aufgrund seiner Alkoholisierung be-
einträchtigt, sondern wurde durch den zuvor erfolgten heftigen Faustschlag of-
fensichtlich ausser Gefecht gesetzt. Es ist daher davon auszugehen, dass der 
Beschuldigte 2 das ihm bekannte Risiko, mit den Faustschlägen schwere Kör-
perverletzungen des Privatklägers 1 zu verursachen, in Kauf nahm. 

Der Fusstritt des Beschuldigten 2 gegen den Kopf des Privatklägers 2 erfolgte 
für diesen unerwartet. Bei einem Fusstritt, welcher wie vorliegend schwungvoll 
und innerhalb eines dynamischen Geschehens erfolgt, lässt sich das damit 
verbundene Risiko nicht kalkulieren. Der Beschuldigte 2 hatte keine Möglichkeit 
mit seinem Fuss genau zu zielen oder seine Kraft dosiert einzusetzen. Im Mo-
ment, in dem der Fusstritt erfolgt ist, war der Privatkläger 2 zudem zum Wider-
stand unfähig. Er hielt den Beschuldigten 1 umklammert und hatte damit keine 
Chance, seinen Kopf zu schützen. Es ist daher davon auszugehen, dass der 
Beschuldigte 2 das ihm bekannte Risiko, mit dem Fusstritt schwere Körperver-
letzungen des Privatklägers 2 zu verursachen, in Kauf nahm. 

- Beim Beschuldigten 1: Der Fusstritt des Beschuldigten 1 gegen den Kopf des 
Privatklägers 2 erfolgte für diesen unerwartet. Er war aufgrund der kurz zuvor 
erfolgten drei Faustschläge erkennbar zum Widerstand unfähig. So kniete er 
auf allen Vieren am Boden und hatte keine Hände frei, um seinen Kopf zu 
schützen. Bei einem Fusstritt, welcher wie vorliegend schwungvoll erfolgt, lässt 
sich das Risiko nicht kalkulieren oder steuern. Auch der Beschuldigte 1 hatte 
keine Möglichkeit mit seinem Fuss genau zu zielen oder seine Kraft dosiert ein-
zusetzen. Es ist daher davon auszugehen, dass der Beschuldigte 1 das ihm 
bekannte Risiko, mit dem Fusstritt schwere Körperverletzungen des Privatklä-
gers 2 zu verursachen, in Kauf nahm.

- Bei beiden Beschuldigten: Ihre Kenntnis davon, dass die beiden Privatkläger 
alkoholisiert und bereits dadurch erheblich beeinträchtigt waren, kommt er-
schwerend dazu. Die Alkoholisierung der Privatkläger war offensichtlich, was 
durch die Beschuldigten und die Sicherheitsmitarbeiter bestätigt wurde (Be-
schuldigter 1 pag. 123; Beschuldigter 2: pag. 103; Zeuge Q.________: 
pag. 137; Zeuge R.________: pag. 152). Die alkoholbedingten Beeinträchti-

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gungen waren damit für beide Beschuldigten erkennbar – unabhängig von der 
Frage, wie stark alkoholisiert sie selbst waren.

Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der Beschuldigte 1 der versuchten schwe-
ren Körperverletzung zum Nachteil des Privatklägers 2, und der Beschuldigte 2 der 
versuchten schweren Körperverletzung zum Nachteil der Privatkläger 1 und 2 
schuldig zu erklären sind. Da es sich dabei um Notwehrexzesse handelt, gelangt 
im Rahmen der Strafzumessung Art. 16 Abs. 1 aStGB zur Anwendung. 

17. Rechtliche Würdigung Raufhandel

Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen des Raufhandels zutreffend wieder-
gegeben und ebenso zutreffend subsumiert, dass die beiden Beschuldigten den 
Tatbestand des Raufhandels erfüllt haben. Auf diese Ausführungen kann vollum-
fänglich verwiesen werden (pag. 662 ff., S. 57-59 der Entscheidbegründung; 
pag. 669 f., S. 64 f. der Entscheidbegründung).

Die Verteidigungen beider Beschuldigter wenden gegen die Schuldsprüche wegen 
Raufhandels im Wesentlichen ein, dass die Beschuldigten angegriffen worden sei-
en und sich lediglich verteidigt hätten. Dem Beschuldigten 1 würde der für den Tat-
bestand des Raufhandels erforderliche Vorsatz fehlen. Er sei vom Privatkläger 2 in 
den Schwitzkasten genommen worden, aber zu diesem Zeitpunkt habe noch kein 
Raufhandel vorgelegen. Dass daraufhin seine beiden Kollegen eingegriffen und 
ihm geholfen hätten, sei für ihn nicht vorhersehbar gewesen (pag. 927). 

Wie festgestellt, sind die Handlungen der beiden Beschuldigten über die zulässige 
Notwehr hinausgegangen. Sie haben sich damit nicht bloss auf die Abwehr be-
schränkt. 

Dass in der Anklage auch die Auseinandersetzung vor dem Restaurant 
N.________ geschildert wird, wo es noch zu keiner Körperverletzung gekommen 
ist, ist unerheblich. Der Tatbestand bzw. dessen objektive Strafbarkeitsbedingung 
wurde mit der tätlichen Auseinandersetzung vor dem M.________ erfüllt, bei wel-
cher beide Privatkläger Körperverletzungen im Sinne von Art. 123 aStGB erlitten. 

Das Bundesgericht hat bestätigt, dass es in subjektiver Hinsicht genügt, wenn der 
Täter damit rechnet, dass sich mehr als zwei Personen an der tätlichen Auseinan-
dersetzung beteiligen. Das Tatgeschehen ist als Tateinheit zu betrachten (BGE 137 
IV 1 E. 4.2.3 und 4.3.1). Sowohl die Beschuldigten als auch die Privatkläger waren 
in 3er bzw. 2er Gruppen unterwegs. Sie wussten bzw. mussten zumindest damit 
rechnen, dass sich ihre Kollegen in eine körperliche Auseinandersetzung einmi-
schen würden, was mutmasslich auch zur Eskalation beigetragen hat. Der Be-
schuldigte 1 hatte in jenem Moment, in dem er dem Privatkläger 2 einen Fusstritt 
versetzte, bereits Kenntnis davon, dass seine beiden Kollegen eingegriffen hatten. 
Auch der Beschuldigte 2 hat – als er sich gegen den Privatkläger 2 gewandt hatte – 
in eine bestehende Auseinandersetzung eingegriffen. Beide Beschuldigten haben 
damit sowohl den objektiven als auch den subjektiven Tatbestand erfüllt. Raufhan-
del steht in echter Konkurrenz zu Körperverletzungsdelikten (STEFAN MAEDER, in: 
Basler Kommentar Strafrecht II, 3. Aufl. 2013, N. 33 zu Art. 133 StGB). Sie sind 
somit auch des Raufhandels schuldig zu erklären. 

25

V. Strafzumessung

18. Grundlagen der Strafzumessung

Die Vorinstanz hat die Grundlagen der Strafzumessung und der Asperation zutref-
fend wiedergegeben. Auf diese Ausführungen wird verwiesen (pag. 671 f., S. 66 f. 
der Entscheidbegründung).

19. Schuldsprüche, Strafrahmen und Strafart

Vorab ist festzuhalten, dass für den Beschuldigten 1 infolge der Rechtskraft der 
Schuldsprüche wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz und 
wegen Strassenverkehrsgesetz-Widerhandlungen wie auch der hierfür ausgespro-
chenen Sanktionen (Geldstrafe sowie Verbindungs- und Übertretungsbussen) obe-
rinstanzlich die Strafe für die versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil 
des Privatklägers 2 und den Raufhandel zu bestimmen ist. Auch der Beschuldigte 2 
wurde oberinstanzlich der versuchten schweren Körperverletzung zum Nachteil der 
beiden Privatkläger sowie des Raufhandels schuldig erklärt, wofür die schuldan-
gemessene Strafe zu bestimmen sein wird. 

Mit ihren Handlungen haben die beiden Beschuldigten sowohl den Tatbestand der 
versuchten schweren Körperverletzung als auch den Tatbestand des Raufhandels 
erfüllt. Aus spezialpräventiven Gründen sowie aufgrund des engen sachlichen, zeit-
lichen und örtlichen Zusammenhangs der beiden Delikte erachtet es die Kammer 
nicht als zweckmässig, hierfür unterschiedliche Strafarten zu bestimmen. Für beide 
Schuldsprüche sind daher je Freiheitsstrafen auszusprechen. 

Wie die Vorinstanz zutreffend und entsprechend der bundesgerichtlichen Praxis 
festgehalten hat, liegen keine ausserordentlichen Umstände vor, aufgrund welcher 
der massgebliche weite Strafrahmen für die schwere Körperverletzung als das 
schwerste Delikt – gemäss Art. 122 aStGB 180 Tagessätze Geldstrafe bis zu 10 
Jahren Freiheitsstrafe – gegen oben oder unten zu verlassen wäre (pag. 674, 
S. 69 der Entscheidbegründung). 

Die Strafkammern des Obergerichtes verfügen als Berufungsgericht über umfas-
sende Kognition in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht (Art. 398 Abs. 2 und 
3 StPO). Das gilt auch für die Strafzumessung, doch sind die Kammern bei gleich-
bleibenden Schuldsprüchen und vergleichbarer Gewichtung der übrigen Strafzu-
messungsfaktoren bezüglich einer allfälligen Abweichung von der durch die Vorin-
stanz festgelegten Sanktion zurückhaltend, da die erstinstanzlichen Gerichte von 
allen Aspekten des beurteilten Falles einen unmittelbaren Eindruck gewinnen und 
in bestimmten Deliktskategorien über eine reiche Praxis mit vielen Vergleichsmög-
lichkeiten verfügen. Für gleiche Schuldsprüche ist daher in solchen Fällen eine Kor-
rektur im Strafmass durch die Kammer nur angezeigt, wenn wesentliche Tat- oder 
Täterkomponenten oder Abstufungen unter Teilnehmern unberücksichtigt geblie-
ben oder falsch gewürdigt worden sind oder wenn seit dem erstinstanzlichen Urteil 
wesentliche, die Strafzumessung beeinflussende Änderungen eingetreten sind.

26

20. Strafzumessung Beschuldigter 2

20.1 Einsatzstrafe für versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil des Pri-
vatklägers 1: objektive Tatkomponenten

Obwohl sich die beiden Körperverletzungsdelikte vom Unrechtsgehalt her nicht 
markant unterscheiden, erachtet die Kammer – wie die Vorinstanz – aufgrund der 
eingetretenen Verletzung die versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil 
des Privatklägers 1 als konkret schwerste Tat, für welche die Einsatzstrafe zu be-
stimmen ist. 

Der Beschuldigte 2 versetzte dem sich am Boden befindlichen und zur Abwehr un-
fähigen Privatkläger 1 – nachdem er ihm in Notwehr einen Faustschlag versetzt 
und zu Boden gebracht hatte – noch einmal zwei heftige Faustschläge ins Gesicht. 
Der Privatkläger 1 erlitt dadurch erhebliche Verletzungen, welche ihn noch während 
längerer Zeit beeinträchtigten bzw. nach wie vor beeinträchtigen. Im Verhältnis zum 
weiten Strafrahmen und auch mit Blick auf weitere mögliche Tatvarianten ist jedoch 
nach bundesgerichtlicher Terminologie noch von einem leichten Verschulden zu 
sprechen bzw. von einer Strafe im unteren Drittel des Strafrahmens auszugehen, 
wobei eine Freiheitsstrafe im Bereich von 24 Monaten angemessen erscheint.

20.2 Einsatzstrafe für versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil des Pri-
vatklägers 1: subjektive Tatkomponenten

Der Beschuldigte 2 handelte eventualvorsätzlich, was verschuldensmindernd zu 
berücksichtigen ist. Ebenso sind die konkreten Umstände zu seinen Gunsten zu 
werten. Der Beschuldigte 2 wurde durch den Privatkläger 1 angegriffen. Seine 
Handlungen sind als Notwehrexzess zu beurteilen und sind nur Sekundenbruchtei-
le nach Beendigung der Notwehrsituation erfolgt. Relativiert werden diese Umstän-
de jedoch durch das vorgängige Verhalten des Beschuldigten 2, welcher damit, 
dass er den beiden Privatklägern zwei Ohrfeigen versetzt hatte, die Privatkläger bei 
ihrem Vorgehen zusätzlich angetrieben und dadurch die Eskalation der Situation 
letztlich massgeblich mitkonstelliert hat. Der Beschuldigte 2 offenbarte zudem eine 
gewisse kriminelle Energie, indem er nicht davor zurückschreckte, den bereits re-
gungslos am Boden liegenden und damit wehrlosen Privatkläger 1 zweimal zu 
schlagen.

Unter Berücksichtigung vorallem des Notwehrexzesses und in geringerem Aus-
mass auch des Eventualvorsatzes, reduziert sich das Verschulden recht erheblich 
bzw. die Freiheitsstrafe um rund einen Drittel auf 16 Monate.

20.3 Verschuldensunabhängige Strafzumessungsfaktoren / Versuch

Die Vorinstanz hat zutreffend festgehalten, dass der ausgebliebene Erfolg weitge-
hend dem Zufall zu verdanken und damit von einem vollendeten Versuch auszuge-
hen ist, weswegen unter dem Titel der verschuldensunabhängigen Strafzumes-
sungsfaktoren lediglich eine Reduktion der Einsatzstrafe um zwei Monate auf 14 
Monate vorzunehmen ist (vgl. auch pag. 677, S. 72 der Entscheidbegründung).

20.4 Asperation für versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil des Privat-
klägers 2: objektive Tatkomponenten

Der Beschuldigte 2 hat dem Privatkläger 2, welcher den Beschuldigten 1 zu diesem 
Zeitpunkt umschlungen hielt, einen heftigen Fusstritt gegen den Kopf versetzt. Der 

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Beschuldigte 2 handelte in Notwehrhilfe. Sein Kollege, der Beschuldigte 1, befand 
sich in einer Notwehrsituation. Zu berücksichtigen ist aber, dass bereits Sicher-
heitskräfte eingriffen und die Parteien zu trennen versuchten, was ein derart skru-
pelloses Eingreifen als unverständlich erscheinen lässt. Obwohl der Privatkläger 2 
insgesamt eher weniger stark verletzt wurde als der Privatkläger 1, ist angesichts 
des Vorgehens von einem nicht unerheblichen Verschulden auszugehen. Der Be-
schuldigte 2 hat gegen den Kopf des Privatklägers 2 und damit gegen den empfind-
lichsten Körperteil getreten. Im Verhältnis zum weiten Strafrahmen und auch mit 
Blick auf weitere mögliche Tatvarianten ist jedoch nach bundesgerichtlicher Termi-
nologie auch hier noch von einem leichten Verschulden zu sprechen bzw. von einer 
Strafe im unteren Drittel des Strafrahmens auszugehen, wobei eine Freiheitsstrafe 
im Bereich von 22-24 Monaten angemessen erscheint.

20.5 Asperation für versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil des Privat-
klägers 2: subjektive Tatkomponenten 

Der Beschuldigte 2 handelte auch hier eventualvorsätzlich. Sein Handeln ist zudem 
als Notwehrhilfeexzess zu qualifizieren. Er wollte seinem Kollegen, dem Beschul-
digten 1, zu Hilfe kommen. Der Beschuldigte 2 offenbarte dabei aber eine nicht un-
erhebliche kriminelle Energie, indem er bei vorliegender Sachlage ohne zu zögern 
mit dem Fuss gegen den Kopf des Privatklägers 2 getreten hat. 

Unter Berücksichtigung vorallem des Notwehrhilfeexzesses und in geringerem 
Ausmass auch des Eventualvorsatzes, reduziert sich das Verschulden auch hier 
recht erheblich bzw. die Freiheitsstrafe um rund einen Drittel auf 15-17 Monate.

20.6 Asperation: verschuldensunabhängige Strafzumessungsfaktoren / Versuch

Der hier einschlägige verschuldensunabhängige Strafzumessungsfaktor – konkret 
die Tatsache, dass der Erfolg nicht eingetreten ist (Versuch) – ist lediglich dem Zu-
fall zu verdanken. Er wirkt sich daher auch hier nur in geringem Masse strafmin-
dernd aus, konkret im Umfang von zwei Monaten. 

Die Berücksichtigung der Tatkomponenten – notabene betreffend das zweite Opfer 
des Beschuldigten 2 – führt zu einer verschuldensangemessenen Strafe von 13-15 
Monaten, welche unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips zu einer Er-
höhung der Einsatzstrafe um 11 Monate führen (auf total 24-26 Monate).

20.7 Asperation Raufhandel

Unter Berücksichtigung des Umstands, dass das mit dem Raufhandel zu pönalisie-
rende Tatunrecht – mit Blick auf den engen sachlichen, örtlichen und zeitlichen Zu-
sammenhang – bereits im Wesentlichen durch die Bestrafung wegen versuchter 
schwerer Körperverletzung abgegolten wurde, erachtet die Kammer für den Rauf-
handel zum Nachteil der beiden Privatkläger – wie die Vorinstanz – eine Strafe von 
zwei Monaten als verschuldensangemessen, wobei infolge Asperation ein Monat 
aufzurechnen ist, so dass 25-27 Monate Freiheitsstrafe resultieren. 

20.8 Täterkomponenten

Diesbezüglich kann grundsätzlich auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen 
werden (pag. 678, S. 73 der Entscheidbegründung). 

Der Beschuldigte 2 erlitt gemäss aktuellem Leumundsbericht eine Psychose, wel-
che einen längeren Aufenthalt in der UPD Waldau erforderlich machte. Den einver-

28

nehmenden Polizeibeamten machte er einen gesundheitlich schlechten Eindruck. 
Gemäss eigenen Angaben hat der Beschuldigte 2 eine mündliche Zusage für eine 
Arbeitsstelle als Maler erhalten, welche er nach seiner Entlassung antreten könne 
(pag. 838). Der Beschuldigte 2 verfügt über Einträge im Betreibungsregister 
(pag. 840 ff.). Am 1. Dezember 2017 sei eine Exmission aus seiner Wohnung er-
folgt (pag. 839). Der Beschuldigte 2 hat zudem während hängigem Verfahren – am 
17. Februar 2017, kurz vor der Hauptverhandlung vor Regionalgericht am 22. Fe-
bruar 2017 – delinquiert und wurde mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Bern-
Mittelland vom 16. Oktober 2017 des Diebstahls schuldig gesprochen (pag. 845). 
Dieses Verhalten kann ihn im vorliegenden Verfahren jedoch nicht negativ angelas-
tet werden. Der Leumundsbericht erwähnt weitere Anzeigen gegen den Beschul-
digten 2 seit der Erstattung des letzten Berichts. Im Sommer 2017 sei er zudem 
selber Opfer einer Körperverletzung geworden. Zu erwähnen ist in diesem Zusam-
menhang die laufende Strafuntersuchung der Staatsanwaltschaft Frauenfeld u.a. 
wegen Raubes/Vorfall vom 6. Juli 2017 (vgl. beigezogene kopierte Akten 
SUV_F.2017.817; sep. Ordner). Mit der Generalstaatsanwaltschaft ist festzuhalten, 
dass aus dem zwischenzeitlichen Verhalten des Beschuldigten 2 zumindest keine 
Abkehr von gewalttätigen Auseinandersetzungen ersichtlich ist (pag. 963). Wie die 
Verteidigung aber zu Recht erwähnt, liegen bisher keinerlei rechtskräftige Verurtei-
lungen vor, welche dem Beschuldigten 2 negativ angelastet werden könnten (Un-
schuldsvermutung). 

Die Täterkomponenten lassen sich – unter Einbezug der zwischenzeitlichen Ent-
wicklungen und Erkenntnisse – nur mehr ganz knapp als neutral beurteilen.

20.9 Konkretes Strafmass, Anrechnung Haft und bedingter Strafvollzug

Die verschuldensangemessene Strafe des Beschuldigten 2 beläuft sich somit auf 
eine Freiheitsstrafe im Bereich von 25-27 Monaten, unter Anrechnung von einem 
Tag Untersuchungshaft (Polizeihaft vom 19. Januar 2016; Art. 51 aStGB). Es stellt 
sich die Frage, ob eine Reduktion dieser Strafe auf ein mit dem vollbedingten Voll-
zug vereinbares (immer noch angemessenes) Mass zu erfolgen hat bzw. ob dem 
Beschuldigten 2 der bedingte Vollzug zu gewähren ist oder nicht. Diese Frage ist – 
trotz gewisser Unsicherheiten – zu bejahen und die Freiheitsstrafe auf 24 Monate 
festzusetzen (vgl. die nachstehenden Ausführungen).

Wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Be-
gehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten, so schiebt das Gericht in 
der Regel den Vollzug der Strafe auf (Art. 42 Abs. 1 aStGB). Bezüglich der rechtli-
chen Grundlagen kann auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden 
(pag. 681, S. 76 der Entscheidbegründung). 

Mit Verweis auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz (zwar zum teilbe-
dingten Vollzug, hier jedoch ebenso anwendbar) kann dem Beschuldigten 2 der 
bedingte Strafvollzug gewährt werden (pag. 679 f., S. 74 f. der Entscheidbegrün-
dung). Aus den vorliegenden Umständen lässt sich (noch) keine ungünstige Pro-
gnose belegen. Zwar geht der Beschuldigte 2, soweit ersichtlich, nach wie vor kei-
ner Erwerbstätigkeit nach; gemäss seinen Angaben hat er jedoch eine mündliche 
Zusage für eine Arbeitsstelle als Maler erhalten (pag. 838). Der Beschuldigte 2 
weist einen Strafregistereintrag wegen Diebstahls auf und ist damit bezüglich Ge-
waltdelikten nicht einschlägig vorbestraft (pag. 845). Hingegen deuten die weiteren 

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Anzeigen und Verfahren seit des letzten Leumundsberichts noch nicht auf eine ge-
lungene Wende zum Besseren hin; sie trüben die Legalprognose, vermögen aber 
für sich allein – auch mit Blick auf die Unschuldsvermutung – noch keine Schlecht-
prognose zu begründen. Angesichts der Tatsache, dass der Beschuldigte 2 sich 
zudem auch in einem gewissen Masse einsichtig gezeigt hat (vgl. seine Aussagen 
anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung, wonach er gelernt habe, sich 
nicht provozieren zu lassen und sich wegzudrehen und wegzugehen, pag. 551; 
weiter auch seine Aussagen vom 30. Januar 2018, wonach er grosse Fehler ge-
macht habe und nach der Entlassung aus der UPD Waldau sein Leben neu ord-
nen, arbeiten und sicherlich nicht mehr straffällig werden wolle, pag. 838), erachtet 
die Kammer den Vollzug der Freiheitsstrafe aus spezialpräventiven Gründen nicht 
als zwingend notwendig, um den Beschuldigten 2 von weiterer Delinquenz abzu-
halten. Ihm ist daher der bedingte Vollzug zu gewähren. Die Probezeit ist auf zwei 
Jahre festzusetzen. 

21. Strafzumessung Beschuldigter 1

21.1 Einsatzstrafe für versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil des Pri-
vatklägers 2: objektive Tatkomponenten

Der Beschuldigte 1 hat dem Privatkläger 2, welcher sich wehrlos am Boden befand, 
einen heftigen Fusstritt gegen den Kopf versetzt. Der Beschuldigte 1 nahm die tat-
bestandsmässige Handlung vor, nachdem er sich aus der Umklammerung des Pri-
vatklägers 2 befreit hatte, also unmittelbar nach einer bestehenden Notwehrsituati-
on. Der Privatkläger 2 erlitt durch die ihm versetzten Schläge erhebliche Verletzun-
gen, welche ihn noch während längerer Zeit beeinträchtigten. Im Verhältnis zum 
weiten Strafrahmen und auch mit Blick auf weitere mögliche Tatvarianten ist jedoch 
nach bundesgerichtlicher Terminologie noch von einem leichten Verschulden zu 
sprechen bzw. von einer Strafe im unteren Drittel des Strafrahmens auszugehen, 
wobei eine Freiheitsstrafe im Bereich von 24-26 Monaten angemessen erscheint.

21.2 Einsatzstrafe für versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil des Pri-
vatklägers 2: subjektive Tatkomponenten

Der Beschuldigte 1 handelte eventualvorsätzlich, was verschuldensmindernd zu 
berücksichtigen ist. Auch die konkreten Umstände vermindern das Verschulden. 
Der Beschuldigte 1 wurde durch den Privatkläger 2 angegriffen. Seine Handlungen 
sind als Notwehrexzess zu beurteilen. Sie sind nur Sekundenbruchteile nach Be-
endigung der Notwehrsituation erfolgt. Relativiert werden diese Umstände jedoch 
durch das vorgängige Verhalten des Beschuldigten 1, welcher zusammen mit dem 
Beschuldigten 2 in eine Auseinandersetzung mit den Privatklägern getreten ist und 
diese erheblich mitkonstelliert hat. Zudem hat der Beschuldigte 1 durch sein Vor-
gehen – er hat mit Anlauf mit dem Fuss gegen den Kopf des Privatklägers 2 getre-
ten – eine erschreckende kriminelle Energie und Skrupellosigkeit offenbart. 

Auch beim Beschuldigten 1 reduziert sich, unter Berücksichtigung vorallem des 
Notwehrexzesses und in geringerem Ausmass auch des Eventualvorsatzes, das 
Verschulden recht erheblich bzw. die Freiheitsstrafe um rund einen Drittel auf 16-
18 Monate.

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21.3 Einsatzstrafe: verschuldensunabhängige Strafzumessungsfaktoren / Versuch

Dass der strafrechtliche Erfolg nicht eingetreten ist, ist vorliegend – da von einem 
vollendeten Versuch auszugehen ist – einzig dem Zufall zu verdanken und kann 
sich daher nur leicht – konkret im Umfang von zwei Monaten – strafmindernd aus-
wirken. 

Unter Berücksichtigung sämtlicher Tatkomponenten ist von einer hypothetischen 
Einsatzstrafe von 14-16 Monaten auszugehen. 

21.4 Asperation Raufhandel

Unter Berücksichtigung des Umstands, dass das mit dem Raufhandel zu pönalisie-
rende Tatunrecht bereits im Wesentlichen durch die Bestrafung wegen versuchter 
schwerer Körperverletzung abgegolten wurde, erachtet die Kammer auch für den 
Beschuldigten 1 eine Strafe von zwei Monaten als verschuldensangemessen, wo-
bei infolge Asperation ein Monat aufzurechnen ist, so dass 15-17 Monate resultie-
ren.

21.5 Täterkomponenten

Bezüglich der Täterkomponente kann vollumfänglich auf die Ausführungen der Vor-
instanz verwiesen werden (pag. 680, S. 75 der Entscheidbegründung). Der Be-
schuldigte 1 ist nicht vorbestraft, familiär gut integriert und geht einer Erwerbstätig-
keit (Lehre) nach. Gemäss ergänzendem Leumundsbericht vom 1. Februar 2018 
(pag. 846 ff) absolviert der Beschuldigte 1 zurzeit eine Lehre als Polymechaniker, 
befindet sich im dritten Lehrjahr und erbringt dort gute Arbeitsleistungen (pag. 847 
und 936 ff.). Gesundheitlich fühle er sich gut, befinde sich aber 14-täglich in Be-
handlung bei Frau Dr. med. S.________ für Gesprächstherapien (vgl. deren Bericht 
vom 19. Februar 2018, pag. 938). Der Betreibungsregisterauszug weist mehrere 
Betreibungen auf (pag. 857 ff.). Der Beschuldigte 1 gibt an, zurzeit einige Bussen 
abzubezahlen und nach Abschluss der Lehre eine Schuldensanierung in Angriff 
nehmen zu wollen (pag. 858). Der erst 21-jährige Beschuldigte 1 ist noch auf der 
Suche nach der für ihn geeigneten Lebensstruktur, scheint aber selber zunehmen-
de für die Festigung seiner Persönlichkeit und die Gestaltung seiner Lebensum-
stände besorgt zu sein.

Die Täterkomponenten wirken sich insgesamt leicht positiv aus.

21.6 Konkretes Strafmass und bedingter Strafvollzug

Der Beschuldigte 1 ist zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten zu verurteilen. 

Mit Verweis auf die diesbezüglich zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz ist 
dem Beschuldigten 1 bei dieser Erstverurteilung keine ungünstige Legalprognose 
zu stellen und daher der bedingte Strafvollzug zu gewähren, unter Ansetzung einer 
minimalen Probezeit von 2 Jahren (pag. 681, S. 76 der Entscheidbegründung). 

Wie bereits dargelegt, sind die Schuldsprüche und Sanktionen betreffend die Wi-
derhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz und die Konsumwiderhandlun-
gen gegen das Betäubungsmittelgesetz unangefochten geblieben und damit be-
reits rechtskräftig.

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VI. Zivilpunkt

22. Rechtliche Grundlagen

Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen betreffend Schadenersatz und Ge-
nugtuung zutreffend wiedergegeben. Darauf wird verwiesen (pag. 685 ff., S. 80-82 
der Entscheidbegründung). Soweit relevant, folgen weitere Ausführungen an der 
entsprechenden Stelle. 

23. Betreffend den Privatkläger 1

23.1 Schadenersatz

Zunächst ist festzuhalten, dass der Beschuldigte 2 in Anwendung von 
Art. 41 Abs. 1  des Schweizerischen Obligationenrechts (OR; SR 220) grundsätz-
lich haftpflichtig ist. Es kann auf die entsprechenden Ausführungen der Vorinstanz 
verwiesen werden, welche den Umfang der Haftpflicht des Beschuldigten 2 zutref-
fend dargelegt hat (pag. 687 f., S. 82 f. der Entscheidbegründung). Daran vermag 
auch der Umstand nichts zu ändern, dass der erste Faustschlag des Beschuldigten 
2 im Rahmen der Notwehr als rechtmässig zu beurteilen ist. Die Verletzungen sind 
auf die Faustschläge des Beschuldigten 2 zurückzuführen, welche als einheitliche 
Handlung zu beurteilen sind. Das Selbstverschulden des Privatklägers 1 vermag 
die Kausalität nicht zu unterbrechen, ist jedoch in Anwendung von 
Art. 44 Abs. 1 OR bei der Festlegung der Haftungsquote zu berücksichtigen (zum 
Mitverschulden des Opfers vgl. auch BGE 124 II 8 E. 5c und Urteil des Bundesge-
richts BGer 6B_529/2010 vom 4. November 2010, E. 4.3). 

Die Vorinstanz hat den geltend gemachten Schadenersatz von CHF 155.40 auf die 
zugesprochenen CHF 118.30 reduziert (Abzug für Teilnahme an der staatsanwalt-
schaftlichen Einvernahme vom 11. April 2016; pag. 688, S. 83 der Entscheidbe-
gründung). Diese Reduktion wurde vom Privatkläger 1 nicht angefochten. Anders 
als die Vorinstanz erachtet die Kammer jedoch – unter Berücksichtigung des Not-
wehrexzesses sowie des gerechtfertigten ersten Faustschlags – (auch hier) in An-
wendung von Art. 44 Abs. 1 OR eine Ermässigung im Umfang von einem Drittel als 
angemessen, so dass der Beschuldigte 2 aus der Teilklage des Privatklägers 1 zur 
Bezahlung von Schadenersatz von CHF 78.85 zu verurteilen ist. Soweit weiterge-
hend, ist die Teilklage abzuweisen. 

23.2 Zukünftiger mit dem Vorfall in Zusammenhang stehender Schaden

Die Vorinstanz hat den zivilrechtlichen Anspruch des Privatklägers 1 für zukünftige 
mit dem Vorfall im Zusammenhang stehende Forderungen dem Grundsatz nach 
gutgeheissen und für die vollständige Beurteilung auf den Zivilweg verwiesen 
(pag. 689 f., S. 84 f. der Entscheidbegründung). 

Das Strafgericht hat im Urteilsdispositiv klar anzugeben, welche Grundsatzfragen 
es bereits beurteilt hat und welche Fragen dem Zivilgericht noch zur Entscheidung 
unterbreitet werden können. So kann z.B. die grundsätzliche Haftpflicht der be-
schuldigten Person festgestellt werden, die Höhe des Schadenersatzes, die Haf-
tungsquoten bei Mittätern oder die Beurteilung eines allfälligen Drittverschuldens 
dem Zivilgericht überlassen werden. Auch die Beurteilung des (adäquaten) Kausal-
zusammenhangs zwischen einer Gesundheitsstörung der geschädigten Person 
und dem strafbaren Verhalten kann ausnahmsweise dem Zivilgericht überlassen 

32

werden (ANNETTE DOLGE, in: Basler Kommentar StPO, Niggli/Heer/Wiprächtiger 
(Hrsg.), 2. Auflage 2014, N 48 zu Art. 126).

Der Beschuldigte 2 wird – mit Verweis auf die entsprechenden Ausführungen der 
Vorinstanz – für künftig mit dem Vorfall in Zusammenhang stehenden Schäden ge-
genüber dem Privatkläger 1 grundsätzlich für haftpflichtig erklärt, wobei sich die 
Haftpflicht auf 2/3 des Schadens beschränkt (vgl. E. 23.1 oben). Für die weitere 
Beurteilung bzw. vollständige Beurteilung wird die Forderung auf den Zivilweg ver-
wiesen.

23.3 Genugtuung

Die Vorinstanz hat dem Privatkläger 1 zu Lasten des Beschuldigten 2 in Anwen-
dung der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen aufgrund der erlittenen Kör-
perverletzung und der dadurch verursachten immateriellen Unbill eine Genugtuung 
zugesprochen. Die Vorinstanz hat eine Genugtuung von CHF 2‘000.00 als ange-
messen erachtet, diese Summe jedoch in Anwendung von Art. 43 Abs. 1 und 
Art. 44 Abs. 1 OR aufgrund des Mitverschuldens des Privatklägers 1 um rund einen 
Drittel auf CHF 1‘300.00 gekürzt. Die Kammer erachtet diese Genugtuungssumme 
– unter Berücksichtigung der erheblichen Verletzungen sowie der Auswirkungen 
auf das Leben des Privatklägers 1 – als angemessen. Auch die Kürzung um einen 
Drittel erweist sich mit Blick auf das Mitverschulden des Privatklägers 1 und auf die 
auch im Rahmen der Schadenersatzforderung vorgenommene Kürzung um einen 
Drittel als angemessen (vgl. E. 23.1 oben sowie auch pag. 688, S. 83 f. der Ent-
scheidbegründung). 

23.4 Fazit Zivilforderung Privatkläger 1

Der Beschuldigte 2 wird zur Bezahlung von Schadenersatz von CHF 78.85 sowie 
einer Genugtuung von CHF 1‘300.00, zuzüglich 5 % Zins seit dem 8. Novem-
ber 2015, an den Privatkläger 1 verurteilt. Die Zivilklage wird bezüglich künftiger 
Schadenersatzforderungen aus dem Vorfall im Umfang von 2/3 dem Grundsatz 
nach gutgeheissen und zur weiteren Beurteilung auf den Zivilweg verwiesen. So-
weit weitergehend, wird die Zivilklage abgewiesen.

24. Betreffend den Privatkläger 2

24.1 Genugtuung

Die Vorinstanz hat dem Privatkläger 2 zu Lasten des Beschuldigten 1 in Anwen-
dung der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen aufgrund der erlittenen Kör-
perverletzung und der dadurch entstandenen immateriellen Unbill eine Genugtuung 
von CHF 3'000.00 zugesprochen, welche wiederum um rund einen Drittel gekürzt 
wurde. Zu Lasten des Beschuldigten 2 hat die Vorinstanz eine Genugtuungsforde-
rung von CHF 2‘500.00 zugesprochen, der Betrag wurde um einen Viertel gekürzt 
(vgl. pag. 688 f., S. 83 f. der Entscheidbegründung). 

Auch beim Privatkläger 2 können die Verletzungen nicht einem Beschuldigten bzw. 
einer Handlung zugeordnet werden. Dies bleibt jedoch im Ergebnis irrelevant; die 
beiden Beschuldigten sind haftpflichtig (vgl. auch Ausführungen oben E. 23.1). Die 
Handlungen der beiden Beschuldigten waren beide gegen den Privatkläger 2 ge-
richtet, erfolgten innerhalb von wenigen Sekunden und erscheinen damit als ein-
heitliches Vorgehen, in dessen Verlauf der Schaden durch einen der beiden Be-

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schuldigten verursacht wurde. Der Schaden gilt damit als gemeinsam verschuldet 
i.S. Art. 50 OR (MARTIN A. KESSLER, a.a.O., N 25 zu Art. 41). 

Die Vorinstanz hat dem Privatkläger 2 zu Lasten der beiden Beschuldigten je eine 
höhere Genugtuungssumme zugesprochen als dem Privatkläger 1. Beide litten 
massgeblich unter dem Vorfall, die beim Privatkläger 1 eingetretenen Verletzungen 
und Auswirkungen müssen jedoch als eher leichter bezeichnet werden. Hingegen 
wiegt das Verschulden der beiden Beschuldigten schwerer; der Fusstritt gegen den 
Kopf des Privatklägers 2 ist als gefährlichere und skrupellosere Handlung zu beur-
teilen. Da beide Fusstritte vergleichbar sind, erachtet die Kammer eine gleich hohe 
Genugtuungssumme, konkret je CHF 2‘500.00, als angemessen. Für eine unter-
schiedliche Reduktion sieht die Kammer mit Blick auf das Beweisergebnis bzw. das 
Ergebnis der rechtlichen Würdigung keine H