# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 44798470-e433-5622-b692-abb24ba6196c
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-11-19
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 19.11.2021 SK.2021.7
**Docket/Reference:** SK.2021.7
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_SK-2021-7_2021-11-19

## Full Text

Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB), eventualiter Gehilfenschaft zur Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 22 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 224 Abs. 1 StGB), mehrfache Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Art. 285 StGB), Hinderung einer Amtshandlung (Art. 286 StGB), Beschimpfung (Art. 177 StGB), Unbefugter Verkehr (Art. 37 SprstG), Widerhandlung gegen die COVID-19-Verordnung 2 (Art. 10f CO...;;Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB), eventualiter Gehilfenschaft zur Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 22 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 224 Abs. 1 StGB), mehrfache Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Art. 285 StGB), Hinderung einer Amtshandlung (Art. 286 StGB), Beschimpfung (Art. 177 StGB), Unbefugter Verkehr (Art. 37 SprstG), Widerhandlung gegen die COVID-19-Verordnung 2 (Art. 10f CO...;;Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB), eventualiter Gehilfenschaft zur Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 22 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 224 Abs. 1 StGB), mehrfache Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Art. 285 StGB), Hinderung einer Amtshandlung (Art. 286 StGB), Beschimpfung (Art. 177 StGB), Unbefugter Verkehr (Art. 37 SprstG), Widerhandlung gegen die COVID-19-Verordnung 2 (Art. 10f CO...;;

Urteil vom 19. November 2021  
Strafkammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Adrian Urwyler, Einzelrichter 

Gerichtsschreiber David Heeb  

Parteien  BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch 

Staatsanwalt des Bundes Vincens Nold, 

 

und 

 

als Privatklägerschaft: 

 

1. GENERALKONSULAT DER REPUBLIK TÜRKEI,  

vertreten durch Rechtsanwalt Yetkin Geçer,  

 

2. B., c/o Stadtpolizei Zürich, vertreten durch Rechts-

anwalt Adrian Bigler, 

 

3. C., c/o Stadtpolizei Zürich, vertreten durch Rechts-

anwalt Marco Uffer,  

 

4. D., c/o Stadtpolizei Zürich,  

 

5. E., c/o Stadtpolizei 

Zürich,  

 

6. F., c/o Stadtpolizei Zürich,  

 

 
gegen 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

Geschäftsnummer:  SK.2021.7 

- 2 - 

SK.2021.7 

 

  
A., amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Bernard Olivier 

Rambert 

 

 

Gegenstand  
Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in 

verbrecherischer Absicht, eventualiter Gehilfenschaft 

dazu; mehrfache Gewalt und Drohung gegen Behörden 

und Beamte; Hinderung einer Amtshandlung; Beschimp-

fung; Unbefugter Verkehr; Widerhandlung gegen die 

COVID-19-Verordnung 2 vom 13. März 2020 i.V.m. dem 

Epidemiengesetz 

 

 

- 3 - 

SK.2021.7 

Anträge der Bundesanwaltschaft: 

1. A. sei schuldig zu sprechen: 

 

- der Gefährdung durch Sprengstoffe in verbrecherischer Absicht gemäss Art. 224 

Abs. 1 StGB, begangen am 18. Januar 2017 zum Nachteil des türkischen Gene-

ralkonsulats; 

 

- der mehrfachen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte gemäss 

Art. 285 Ziff. 1 StGB, begangen am 6. Juni 2020 und am 13. Juni 2020 in Zürich 

zum Nachteil von B.; 

 

- der Hinderung einer Amtshandlung gemäss Art. 286 Abs. 1 StGB, begangen am 

17. Januar 2018 in Zürich; 

 

- der Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB, begangen am 23. Januar 2018 

in Zürich zum Nachteil von F., C., D. und E.; 

 

- des unbefugten Verkehrs gemäss Art. 37 Ziff. 1 SprstG, begangen am 

14. Juni 2019 durch Abbrennen einer Rauchpetarde im Hauptbahnhof Zürich; 

 

- der Widerhandlung gegen die COVID-19-Verordnung 2, begangen durch Orga-

nisation und Teilnahme an einer verbotenen Veranstaltung am 18. April 2020 in 

Zürich. 

 

2. A. sei im Sinne einer Gesamtstrafe zu bestrafen mit einer unbedingten Freiheitsstrafe 

von 14 Monaten als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons 

Basel-Stadt vom 22. März 2021. 

 

3. A. sei zudem zu bestrafen mit einer Busse von Fr. 300.--. 

 

4. Die Kosten des Vorverfahrens seien A. aufzuerlegen. 

 

5. Der amtliche Verteidiger, Rechtsanwalt Bernard Rambert, sei für seine Aufwendun-

gen zu entschädigen. A. sei im Falle einer Verurteilung zu verpflichten, der Eidgenos-

senschaft für die Kosten der gesamten amtlichen Verteidigung, inklusive derjenigen 

durch Rechtsanwalt Q., im Sinne von Art. 135 Abs. 4 StPO Ersatz zu leisten, sobald 

es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

6. Für den Vollzug des vorliegenden Urteils sei der Kanton Zürich als zuständig zu er-

klären. 

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SK.2021.7 

Anträge der Privatklägerschaft Generalkonsulat der Republik Türkei: 

1. Die Beschuldigte sei im Sinne der Anklage zu bestrafen. 

 

2. Alles unter Parteikosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschuldigten. 

Anträge des Privatklägers B.: 

1. Die Beschuldigte sei im Sinne der Anklage Ziffer 1.3 schuldig zu sprechen und ange-

messen zu bestrafen. 

 

2. Die Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Privatkläger für die Kosten seiner Vertre-

tung eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 12'297.80 (inkl. MWST) auszu-

richten. 

 

3. Die Beschuldigte sei darüber hinaus zu verpflichten, dem Privatkläger eine Entschä-

digung für die Kosten der Anreise (Fr. 104.--), Verpflegung (3 x Fr. 27.50) und der 

Übernachtung (Fr. 175.--) in der Höhe von total Fr. 361.50 auszurichten. 

 

4. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass der Privatkläger auf eine weitergehende Ent-

schädigung oder Genugtuung verzichtet. 

 

5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) zulasten der Staats-

kasse. 

Anträge des Privatklägers C.: 

1. Die Beschuldigte sei anklagegemäss der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 

StGB schuldig zu sprechen und angemessen zu bestrafen. 

 

2. Die Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Privatkläger C. eine Prozessentschädigung 

von insgesamt Fr. 9'920.90 und eine Umtriebsentschädigung von Fr. 257.50 zu be-

zahlen. 

Die übrige Privatklägerschaft stellt keine eigenen Anträge. 

Antrag der Verteidigung: 

Die Beschuldigte sei von sämtlichen Anklagepunkten freizusprechen. 

 

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SK.2021.7 

Sachverhalt: 

A. Am 18. Januar 2017 errichtete eine unbekannte Täterschaft um ca. 00:24 Uhr 

gegenüber dem Generalkonsulat der Republik Türkei an der Weinberg-

strasse 68a in Zürich eine Abschussrampe und zündete von dort aus mehrere 

pyrotechnische Gegenstände in Richtung des Konsulats. Durch die eingeschla-

genen Böller zerbrach ein Fenster des Gebäudes. Am 10. November 2017 eröff-

nete die Bundesanwaltschaft eine Strafuntersuchung gegen Unbekannt wegen 

Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht 

(Art. 224 Abs. 1 StGB) und sistierte diese (pag. 03-00-0001 f.). Mit Beschluss 

BB.2017.209 vom 28. März 2018 hiess die Beschwerdekammer des Bun-

desstrafgerichts die von der Republik Türkei gegen die Sistierung erhobene Be-

schwerde gut und hob die angefochtene Eröffnungs- und Sistierungsverfügung 

vom 10. November 2017 auf, soweit damit die Strafuntersuchung sistiert wurde 

(TPF pag. 21-01-0012 ff.). Mit Verfügung vom 8. Januar 2019 sistierte die Bun-

desanwaltschaft das Verfahren erneut. Mit Beschluss der Beschwerdekammer 

BB.2019.13 vom 11. September 2019 wurde die Beschwerde der Republik Tür-

kei wiederum gutgeheissen und die angefochtene Sistierungsverfügung aufge-

hoben (pag. 21-02-0012 ff.). 

B. Mit Verfügung vom 26. September 2019 dehnte die Bundesanwaltschaft das 

Strafverfahren personell auf A. (nachfolgend: A.) aus (BA pag. 01-01-0001). 

C. Mit Schreiben vom 8. Juli 2020 übernahm die Bundesanwaltschaft die von der 

Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland sowie der Staatsanwaltschaft Zürich-

Sihl gegen A. geführten Verfahren wegen Hinderung einer Amtshandlung 

(Art. 286 StGB), übler Nachrede (Art. 173 StGB) sowie unbefugten Verkehrs 

(Art. 37 Ziff. 1 SprstG) bzw. wegen Verstosses gegen die Covid-19-Verordnung 2 

(Art. 10f COVID-19-Verordnung 2) (pag. 02-01-0003; 02-05-0003; 02-07-0003). 

Sodann übernahm sie mit Schreiben vom 18. September 2020 das von der 

Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat geführte Verfahren gegen die Beschuldigte 

wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (Art. 285 StGB) (pag. 

02-07-0003). Mit Verfügung vom 27. Oktober 2020 vereinigte die Bundesanwalt-

schaft die Verfahren gegen die Beschuldigte gestützt auf Art.  26 Abs. 2 StPO in 

der Hand der Bundesbehörden (pag. 02-01-0005, -0008). 

D. A. befand sich mehrfach in Polizeihaft, so vom 18. April 2018 bis 19. April 2018, 

am 14. November 2018, vom 6. Juni 2020 bis 7. Juni 2020 und vom 13. Juni 2020 

bis 15. Juni 2020 (pag. 06-01-0001; 18-01-0004 f.; 18-01-0007 ff.; 18-01-0010 

ff.). 

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SK.2021.7 

E. Am 23. Februar 2021 erhob die Bundesanwaltschaft beim hiesigen Gericht An-

klage gegen A. wegen Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in ver-

brecherischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB), eventualiter Gehilfenschaft dazu 

(Art. 224 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 25 StGB), Gewalt und Drohung gegen Behörden 

und Beamte (Art. 285 Ziff. 1 StGB), Hinderung einer Amtshandlung (Art. 286 

Abs. 1 StGB), Beschimpfung (Art. 177 Abs. 1 StGB), unbefugten Verkehrs 

(Art. 37 Ziff. 1 SprstG) sowie verbotener Veranstaltung (Art. 10f Abs. 1 lit. a  

COVID-19-Verordnung 2 i.V.m. Art. 6 Abs. 2 COVID-19-Verordnung 2, Fassung 

vom 13. März 2020, und Art. 7 EpG) bzw. Verbots von Menschenansammlungen 

im öffentlichen Raum (Art. 10f Abs. 2 lit. a COVID-19-Verordnung 2 i.V.m. Art. 7c 

Abs. 1 COVID-19-Verordnung 2, Fassung vom 13. März 2020, und Art. 7 EpG). 

F. Im Rahmen der Prozessvorbereitung holte der Einzelrichter von Amtes wegen 

die erforderlichen Beweismittel zu den persönlichen und finanziellen Verhältnis-

sen der Beschuldigten (Auszüge aus dem Schweizerischen Strafregister vom 

16. Juli 2021 und 18. Oktober 2021; die letzten Steuerunterlagen des Steueram-

tes der Stadt Zürich; Betreibungsregisterauszüge des Betreibungsamtes Zürich 4 

vom 15. Juli 2021 und 19. Oktober 2021) sowie einen Amtsbericht beim Foren-

sischen Institut Zürich (FOR) vom 15. Juli 2021 zu den abgefeuerten pyrotechni-

schen Gegenständen sowie der abgebrannten Rauchpetarde ein (TPF pag. 

3.231.003, -010; 2.31.2.004, -061; 2.231.3.002, -007; 3.262.1.005, -051). Aus-

serdem erkannte er das Urteil der Strafkammer SK.2011.1 vom 8. Novem-

ber 2011 und Berichtigung vom 21. März 2012 (in Sachen Bundesanwaltschaft 

gegen A. et al.) zu den Akten (TPF pag. 3.250.007, -081). 

G. Der Einzelrichter eröffnete am 18. November 2021 in Anwesenheit der Bundes-

anwaltschaft sowie des Verteidigers die Hauptverhandlung am Sitz des Bun-

desstrafgerichts. Nach einer sogenannten Respektstunde erschienen zusätzlich 

mehrere Privatkläger und Vertreter. Die ordnungsgemäss vorgeladene Beschul-

digte blieb der Hauptverhandlung weiterhin unentschuldigt fern. Der Einzelrichter 

nahm mit dem Einverständnis der anwesenden Parteien eine vorzeitige Beweis-

aufnahme vor (TPF pag. 3.720.004; 3.720.008, 3.771.001 ff.; 3.772.001 ff.). 

Am 19. November 2021 fand in Anwesenheit der Bundesanwaltschaft, mehrerer 

Privatkläger und Vertreter sowie des Verteidigers am Sitz des Bundesstrafge-

richts eine «zweite» Hauptverhandlung statt. Die ordnungsgemäss vorgeladene 

Beschuldigte blieb der Hauptverhandlung weiterhin unentschuldigt fern. Das Ur-

teil des Einzelrichters der Strafkammer wurde am 19. November 2021 in Anwe-

senheit der erwähnten Parteien eröffnet und mündlich begründet (TPF pag. 

3.720.018; 3.930.001, -006). 

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H. Am 29. November 2021 meldete die Beschuldigte fristgerecht Berufung gegen 

das Urteil an (Art. 399 Abs. 1 i.V.m. Art. 398 Abs. 1 StPO). 

Der Einzelrichter erwägt: 

1. Bundesgerichtsbarkeit und Zuständigkeit 

1.1 Das Gericht prüft seine Zuständigkeit von Amtes wegen. Die Anklage lautet im 

Hauptanklagepunkt auf Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in ver-

brecherischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB), eventualiter Gehilfenschaft dazu 

(Art. 224 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 25 StGB). Gemäss Art. 23 Abs. 1 lit. d StPO 

unterstehen die Verbrechen und Vergehen der Art. 224-226ter StGB der Bundes-

gerichtsbarkeit. Für die Verfolgung der weiteren angeklagten Delikte – Gewalt 

und Drohung gegen Behörden und Beamte, Hinderung einer Amtshandlung, Be-

schimpfung, unbefugter Verkehr sowie Widerhandlung gegen die COVID-19-Ver-

ordnung 2 – bestünde grundsätzlich kantonale Zuständigkeit (Art. 22 StPO). Auf-

grund der Übernahme und Vereinigung der Verfahren durch die Bundesbehörden 

(vgl. Prozessgeschichte lit. C.), ist die sachliche Zuständigkeit der Strafkammer 

des Bundesstrafgerichts für die Beurteilung aller Anklagepunkte gegeben (Art. 19 

Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 35 des Bundesgesetzes über die Organisation der Straf-

behörden des Bundes vom 19. März 2010, Strafbehördenorganisationsgesetz, 

StBOG; SR 173.71). 

1.2 Die Kompetenz des Einzelrichters der Strafkammer des Bundesstrafgerichts 

ergibt sich aus Art. 19 Abs. 2 lit. b StPO i.V.m. Art. 36 Abs. 2 StBOG. 

2. Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Ab-

sicht, eventualiter Gehilfenschaft dazu 

2.1 Anklagevorwurf 

2.1.1 Die Bundesanwaltschaft wirft der Beschuldigten in der Anklage vom 23. Feb-

ruar 2021 zusammenfassend vor, sie habe am 18. Januar 2017 um ca. 00:24 Uhr 

von der Weinbergstrasse 68a in 8006 Zürich aus mittäterschaftlich mit einer un-

bekannten Täterschaft von einer selbst gebastelten Abschussrampe eine Feuer-

werksbatterie der Kategorie F3 mit 36 Schuss und zwei Horror-Knall-Raketen der 

Kategorie F3 nahezu horizontal auf das gegenüberliegende Gebäude des Gene-

ralkonsulats der Republik Türkei an der Weinbergstrasse 65 in 8006 Zürich ab-

gefeuert. Die Feuerwerkskörper seien auf der Fassade des Generalkonsulats 

aufgeprallt. Dadurch sei eine Fensterscheibe zerbrochen und an der Gebäude-

fassade seien kleinere Schäden und Verschmutzungen entstanden. Insgesamt 

sei ein Schaden von ca. Fr. 1'200.-- verursacht worden. Auf dem Holzstab, der 

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von einer der beiden Horror-Knall-Raketen stamme, und welcher auf dem Park-

platz vor dem Generalkonsulat aufgefunden worden sei, seien zwei DNA-Spuren 

festgestellt worden, wobei eine der Beschuldigten habe zugeordnet werden kön-

nen. Die Beschuldigte habe die modifizierte Pyrotechnik bzw. die Abschussvor-

richtung mit der Feuerwerksbatterie und den beiden Horror-Knall-Raketen, eine 

unkonventionelle Spreng und/oder Brandvorrichtung (USBV), zum Zwecke der 

Zerstörung eingesetzt. Sie habe dabei wissentlich und willentlich sowie in verbre-

cherischer Absicht Leib und Leben von Menschen sowie fremdes Eigentum in 

Gefahr gebracht. Die Beschuldigte habe in verbrecherischer Absicht die Beschä-

digung des Generalkonsulats der Republik Türkei und damit fremdes Eigentum 

angestrebt oder zumindest billigend in Kauf genommen. Ihr Vorsatz habe sich 

auf die Herbeiführung eines möglichst grossen Schadens am Gebäude des Ge-

neralkonsulats der Republik Türkei gerichtet. 

2.1.2 Eventualiter legt die Bundesanwaltschaft der Beschuldigten zur Last, sie habe 

einer unbekannten Täterschaft am 18. Januar 2017, allenfalls früher, an der 

Weinbergstrasse 68a in 8006 Zürich oder andernorts Hilfe geleistet, um vorsätz-

lich und in verbrecherischer Absicht durch Sprengstoffe Leib und Leben von Men-

schen sowie fremdes Eigentum in Gefahr zu bringen, indem sie eine Horror-

Knall-Rakete der Kategorie F3 mit Blitzknallsatz beschafft und der unbekannten 

Täterschaft ausgehändigt habe. Die unbekannte Täterschaft habe damit und mit 

einer Feuerwerksbatterie der Kategorie F3 mit 36 Schuss eine unkonventionelle 

Spreng- und/oder Brandvorrichtung (USBV) hergestellt und diese in Richtung 

des Generalkonsulats der Republik Türkei an der Weinbergstrasse 65 in Zürich 

ausgerichtet und gezündet. Am 18. Januar 2017 sei um 00:26 Uhr der erste Feu-

erwerkskörper auf das Generalkonsulat abgeschossen worden und um 

00:27 Uhr an der linken Fassade des Gebäudes aufgeprallt. Durch das einge-

schlagene Feuerwerk sei ein Fenster des Gebäudes zerbrochen und an der Ge-

bäudefassade seien kleinere Schäden verursacht worden. Die Beschuldigte 

habe zudem der unbekannten Täterschaft Hilfe bei diesem Anschlag geleistet, 

indem sie diese – aufgrund ihrer einschlägigen Erfahrungen bei der Planung und 

Durchführung des Anschlags auf das spanische Generalkonsulat am 

29./30. September 2002 – im Vorfeld zum pyrotechnischen Anschlag auf das Ge-

neralkonsulat der Republik Türkei vom 18. Januar 2017 im Raum Zürich oder 

anderswo beraten habe. 

2.1.3 Der Verteidiger bestreitet die Tatbeteiligung der Beschuldigten. 

2.2  Rechtliches 

2.2.1 Nach Art. 224 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer vorsätzlich und in verbreche-

rischer Absicht durch Sprengstoffe oder giftige Gase Leib und Leben von Men-

schen oder fremdes Eigentum in Gefahr bringt.  

  

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SK.2021.7 

2.2.2 Objektiver Tatbestand 

2.2.2.1 Der Sprengstoffbegriff gemäss Art. 224 Abs. 1 StGB deckt sich im Wesentlichen 

mit dem Begriff im Bundesgesetz über explosionsgefährliche Stoffe vom 

25. März 1977 (Sprengstoffgesetz, SprstG; SR 941.41). Als Sprengstoffe gelten 

gemäss Art. 5 Abs. 1 SprstG «einheitliche chemische Verbindungen oder Gemi-

sche solcher Verbindungen, die durch Zündung, mechanische Einwirkung oder 

auf andere Weise zur Explosion gebracht werden können und die wegen ihrer 

zerstörenden Kraft, sei es in freier oder verdämmter Ladung, schon in verhältnis-

mässig geringer Menge gefährlich sind». Darunter fallen Stoffe gemäss Art. 2 der 

Verordnung über explosionsgefährliche Stoffe vom 27. November 2000 (Spreng-

stoffverordnung, SprstV; SR 941.411). Nicht unter den Sprengstoffbegriff fallen 

Molotow-Cocktails (Brandwurfkörper) und Stoffe nach Art. 5 Abs. 2 lit. a SprstG 

(explosionsfähige Gase, Dämpfe von flüssigen Brennstoffen sowie andere 

Stoffe, die erst nach einer Vermischung mit Luft explodieren), lit. b (bei der Her-

stellung chemischer Produkte verwendete Hilfsstoffe oder entstehende Zwi-

schenerzeugnisse, die explosionsgefährlich sind, aber diese Eigenschaft vor Ab-

schluss des Produktionsverfahrens verlieren) und lit. c (explosionsfähige Erzeug-

nisse und Präparate, die nicht zu Sprengzwecken hergestellt und in den Handel 

gebracht werden). Die Definition in Art. 5 Abs. 1 SprstG gilt auch für die  

Art. 224–226 StGB, wobei das Merkmal der zerstörerischen Kraft entscheidend 

ist (BGE 104 IV 232 E. Ia; 103 IV 241 E. I.1; statt vieler: Urteile des Bundesstraf-

gerichts SK.2019.35 vom 6. September 2019 E. 2.2.2; SK.2015.28 vom 7. Ap-

ril 2016 E. 4.1; TRECHSEL/CONINX, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxis-

kommentar, 4. Aufl. 2021, Art. 224 StGB N. 2; ROELLI, Basler Kommentar, 

4. Aufl. 2019, Art. 224 StGB N. 4). 

Feuerwerkskörper und andere gebrauchsfertige Erzeugnisse mit einem Explosiv- 

oder Zündsatz, die nicht zum Sprengen bestimmt sind, gelten als pyrotechnische 

Gegenstände (Art. 7 SprstG). Sie fallen nicht unter den Sprengstoffbegriff von 

Art. 5 SprstG. Pyrotechnische Gegenstände sind daher grundsätzlich nicht als 

Sprengstoff im Sinne von Art. 224 Abs. 1 StGB zu qualifizieren. Ausgenommen 

sind Erzeugnisse, die besonders grosse Zerstörungen bewirken oder zum Zwe-

cke der Zerstörung verwendet werden (Urteile des Bundesgerichts 6B_79/2019 

vom 5. August 2019 E. 1.5.1; 6B_1248/2017 vom 21. Februar 2019 E. 4.2.5; 

6B_299/2012 vom 20. September 2012 E. 2.2; BGE 104 IV 232 E. 1a; Urteile 

des Bundesstrafgerichts SK.2021.28 vom 17. Dezember 2021 E. 3.2.1; 

SK.2019.35 vom 6. September 2019 E. 2.2.2 und SK.2017.17 vom 9. Au-

gust 2017 E. 4.1.1; SK.2015.28 vom 7. April 2016 E. 4.2). 

2.2.2.2 Art. 224 StGB ist ein konkretes Gefährdungsdelikt und setzt objektiv voraus, dass 

der Täter durch Sprengstoffe oder giftige Gase Leib und Leben von Menschen 

oder fremdes Eigentum konkret in Gefahr bringt (Urteile des Bundesgerichts 

6B_79/2019 vom 5. August 2019 E. 1.2.2; 6B_1248/2017 vom 21. Februar 2019 

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SK.2021.7 

E. 4.2.5; BGE 115 IV 111 E. 3b S. 113; 103 IV 241 E. I.1). Die konkrete Gefähr-

dung ist gegeben, wenn eine Verletzung nicht nur möglich, sondern nach dem 

gewöhnlichen Lauf der Dinge wahrscheinlich ist (Urteil des Bundesgerichts 

6B_79/2019 vom 5. August 2019 E. 1.1.2; BGE 103 IV 241 E. I.1). Massgebend 

sind die tatsächlichen Umstände des konkreten Falles. Die Gefahr muss nicht 

einer Mehrzahl von Personen oder Sachen von grosser Substanz gelten; es ge-

nügt die gezielte Gefährdung eines bestimmten Menschen oder einer bestimm-

ten fremden Sache (BGE 103 IV 241 E. I.1; 115 IV 113; CORBOZ, Les infractions 

en droit suisse, Volume II, 3. Aufl. 2010, Art. 224 StGB N. 12). Deshalb erfüllt 

bereits der taugliche Versuch eines Sprengstoffattentats den Tatbestand von 

Art. 224 StGB (ROELLI, a.a.O., Art. 224 StGB N. 7; Urteil des Bundesstrafgerichts 

SK.2015.28 vom 7. April 2016 E. 4.1). Wie die Gefährdung zu erfolgen hat, um-

schreibt das Gesetz nicht. Für die Erfüllung des Tatbestandes genügt jeder wie 

auch immer geartete Umgang mit Sprengstoff oder giftigen Gasen, sofern nur 

der Gefährdungserfolg eintritt (Urteile des Bundesgerichts 6B_79/2019 vom 

5. August 2019 E. 1.1.2; 6B_1248/2017 vom 21. Februar 2019 E. 4.2.5 mit Hin-

weisen). Allerdings ist bezüglich der Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige 

Gase im Sinne von Art. 224 Abs. 1 StGB angesichts der hohen Strafdrohung und 

des Umstands, dass der Tatbestand schon im Falle der Gefährdung einer einzi-

gen, individuell bestimmten Person erfüllt sein kann, eine eher grosse Wahr-

scheinlichkeit der Verletzung von Leib, Leben sowie Eigentum und damit eine 

eher nahe Gefahr erforderlich (Urteile des Bundesgerichts 6B_79/2019 vom 

5. August 2019 E. 1.1.2; 6B_1248/2017 vom 21. Februar 2019 E. 4.4.2 mit Hin-

weisen). 

2.2.2.3 Der privilegierte Tatbestand gemäss Art. 224 Abs. 2 StGB kommt nur dann zur 

Anwendung, wenn Eigentum in unbedeutendem Umfang gefährdet wurde, ist je-

doch bei einer Gefährdung von Leib und Leben ausgeschlossen. Das Ausmass 

der konkreten Gefährdung fremden Eigentums ergibt sich aus den gesamten Tat-

umständen (BGE 103 IV 241 E. I.1). Ist es zu einem Sachschaden gekommen, 

muss dieser geringfügig sein (BGE 115 IV 111 E. 3b; ROELLI, Basler Kommentar, 

4. Aufl. 2019, Art. 224 StGB N. 10). 

2.2.3 Subjektiver Tatbestand 

2.2.3.1 In subjektiver Hinsicht erfordert Art. 224 Abs. 1 StGB zunächst Gefährdungsvor-

satz. Dieser liegt vor, sobald der Täter die Gefahr kennt und trotzdem handelt. 

Wer in diesem Bewusstsein handelt, will die Gefahr auch. Nicht erforderlich ist, 

dass der Täter die Verwirklichung der Gefahr, sei es auch nur eventuell, gewollt 

hat (Urteile des Bundesgerichts 6B_79/2019 vom 5. August 2019 E. 1.2.3; 

6B_1248/2017 vom 21. Februar 2019 E. 4.2.5 und 4.5.3; 6B_913/2016 vom 

13. April 2017 E. 1.1.1; 6B_1038/2009 vom 27. April 2010 E. 1.2, nicht publ. in: 

- 11 - 

SK.2021.7 

BGE 136 IV 76, mit Hinweisen; BGE 103 IV 241 E. I.1; Urteil des Bundesstrafge-

richts SK.2019.35 vom 6. September 2019 E. 2.2.4). 

2.2.3.2 Der subjektive Tatbestand von Art. 224 Abs. 1 StGB setzt zudem – nebst dem 

Gefährdungsvorsatz – ein Handeln in verbrecherischer Absicht voraus («Doppel-

vorsatz», Urteil des Bundesgerichts 6B_79/2019 vom 5. August 2019 E. 1.7.2; 

Urteile des Bundesstrafgerichts SK.2021.26 vom 17. Dezember 2021 E. 3.3.1; 

SK.2019.35 vom 6. September 2019 E. 2.2.4). 

Die heutigen Art. 224 ff. StGB entstanden im Rahmen der Revision der gemein-

gefährlichen Delikte in den 1920er Jahren. Der Botschaft «zu einem Bundesge-

setze betr. den verbrecherischen Gebrauch von Sprengstoffen und giftigen Ga-

sen» ist bezüglich «verbrecherischem Gebrauch» Folgendes zu entnehmen: 

«Als verbrecherischer Gebrauch ist der Natur der Sache nach sowohl die wis-

sentliche Gefährdung als auch ein damit konkurrierendes Erfolgsverbrechen zu 

verstehen» (BBl 1924 I 596). Die verbrecherische Absicht bezieht sich somit auf 

das Handlungsziel des Täters. Dieses muss in der Verwirklichung eines (ande-

ren) Verbrechens oder – über den Wortlaut hinaus – Vergehens bestehen; eine 

angestrebte Übertretung reicht dagegen nicht aus (ROELLI, a.a.O., Art. 224 StGB 

N. 9; TRECHSEL/CONINX, a.a.O., Art. 224 StGB N. 7). Die verbrecherische Absicht 

besteht mithin darin, dass der Täter den Sprengstoff einsetzt, um vorsätzlich ein 

darüberhinausgehendes Verbrechen oder Vergehen zu verüben (Urteile des 

Bundesgerichts 6B_79/2019 vom 5. August 2019 E. 1.2.3; 6B_1248/2017 vom 

21. Februar 2019 E. 4.2.5). In verbrecherischer Absicht handelt nach der bun-

desgerichtlichen Rechtsprechung auch, wer nicht rechtmässig und sachgerecht 

Sprengstoff einsetzt und dabei – aufgrund der gesetzten Gefahr – in Kauf nimmt, 

dass es zu einer Körperverletzung oder Sachbeschädigung kommt. Insoweit ge-

nügt nach der Rechtsprechung Eventualvorsatz (Urteil des Bundesgerichts 

6B_79/2019 vom 5. August 2019 E. 1.7.2 und 1.7.3). Nach Art. 224 StGB ist auch 

strafbar, wer mit dem eigentlichen Ziel handelt, Personen zu erschrecken, nicht 

jedoch zu verletzen, wenn er durch die von ihm gesetzte Gefahr eine Verletzung 

von Personen oder Eigentum eventualvorsätzlich in Kauf nimmt (Urteil des Bun-

desgerichts 6B_79/2019 vom 5. August 2019 E. 1.7.2). Der Täter handelt mit 

Eventualabsicht, wenn ihn die Aussicht auf den bloss möglichen, nicht sicheren 

Eintritt des Erfolges nicht von der bewussten und gewollten Begehung der Tat 

abhält (Urteile des Bundesgerichts 6B_79/2019 vom 5. August 2019 E. 1.2.3; 

6B_1248/2017 vom 21. Februar 2019 E. 4.6.3 und 4.6.4). Dieser höchstrichterli-

chen Rechtsprechung steht die Lehre mehrheitlich kritisch gegenüber (STRATEN-

WERTH/BOMMER, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil II: Straftaten ge-

gen Gemeininteressen, 7. Aufl. 2013, § 29 N. 20; DONATSCH/THOMMEN/WOHL-

ERS, Strafrecht IV, Delikte gegen die Allgemeinheit, 5. Aufl. 2017, § 10 S. 50; 

- 12 - 

SK.2021.7 

TRECHSEL/CONINX, a.a.O., Art. 224 StGB N. 7; ROELLI, a.a.O., Art. 224 StGB 

N. 9). 

2.2.4 Mittäterschaft 

Nach der Rechtsprechung ist Mittäter, wer bei der Entschliessung, Planung oder 

Ausführung eines Deliktes vorsätzlich und in massgebender Weise mit anderen 

Tätern zusammenwirkt, so dass er als Hauptbeteiligter dasteht. Dabei kommt es 

darauf an, ob der Tatbeitrag nach den Umständen des konkreten Falles und dem 

Tatplan für die Ausführung des Deliktes so wesentlich ist, dass sie mit ihm steht 

oder fällt. Das blosse Wollen der Tat, der subjektive Wille allein genügt zur Be-

gründung von Mittäterschaft jedoch nicht. Der Mittäter muss vielmehr bei der Ent-

schliessung, Planung oder Ausführung der Tat auch tatsächlich mitwirken. Dar-

aus folgt aber nicht, dass Mittäter nur ist, wer an der eigentlichen Tatausführung 

beteiligt ist oder sie zu beeinflussen vermag (vgl. BGE 125 IV 134 E. 3a mit Hin-

weisen). Die Frage, ob ein Beteiligter an der Tatherrschaft teilhat und deshalb 

Mittäter ist, entscheidet sich nach der Art des Tatbeitrags. Der Beteiligte muss 

jedoch – damit von Tatherrschaft ausgegangen werden kann – in für die Tat  

massgebender Weise mit dem bzw. den anderen Tätern zusammenwirken. Da-

bei ist die Gesamtheit der Umstände des Tatgeschehens zu berücksichtigen (DO-

NATSCH/TAG, Strafrecht I, Verbrechenslehre, 9. Aufl. 2013, S. 175 f.). Mittäter-

schaft kann durch tatsächliches Mitwirken bei der Ausführung begründet werden. 

Dabei sind tatbestandsmässige Ausführungshandlungen keine notwendige Vo-

raussetzung für die Annahme von Mittäterschaft (BGE 126 IV 84 E. 2c/aa; 

125 IV 134 E. 3a; 120 IV 17 E. 2d). Nicht erforderlich ist ferner, dass der Mittäter 

bei der Fassung des gemeinsamen Tatentschlusses mitwirkt. Es reicht, dass er 

sich später den Vorsatz seiner Mittäter zu eigen macht, wobei konkludentes Han-

deln genügt (BGE 135 IV 152 E. 2.3.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_127/2021 

vom 27. September 2021 E. 4.1). Bei der Mittäterschaft hat jeder Mittäter inner-

halb der durch den Tatplan gesteckten Grenzen für die Tat als Ganzes einzu-

stehen und muss sich die Taten seiner Mittäter grundsätzlich zurechnen lassen. 

Das Konzept der Mittäterschaft bewirkt mithin eine materiell-rechtlich begründete 

Beweiserleichterung bei der Zurechnung von Teilaspekten einer Tat an die Mit-

täter. Führen verschiedene Personen gemeinsam strafbare Handlungen insbe-

sondere in örtlich, zeitlich oder funktionell unterschiedlichen Zusammenhängen 

arbeitsteilig aus, verwehrt das Institut der Mittäterschaft dem einzelnen Mittäter 

den Einwand, ein anderer habe die fragliche Teilhandlung ausgeführt. Es muss 

somit nicht jedem Beteiligten jede Teilhandlung eines komplexen Tatgeschehens 

im Detail nachgewiesen und zugeordnet werden (Urteile des Bundesgerichts 

6B_81/2013 vom 5. September 2013 E. 2.5; 6B_557/2012 vom 7. Mai 2013 

E. 2.7). 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F126-IV-84%3Ade&number_of_ranks=0#page84

- 13 - 

SK.2021.7 

2.2.5 Gehilfenschaft 

Wer zu einem Verbrechen oder Vergehen vorsätzlich Hilfe leistet, wird milder 

bestraft (Art. 25 StGB). Der objektive Tatbestand der Gehilfenschaft setzt voraus, 

dass der Gehilfe einen untergeordneten Tatbeitrag leistet. Darunter ist jeder ir-

gendwie geartete kausale Tatbeitrag zu verstehen, der das Delikt fördert, so dass 

sich die Tat ohne die Mitwirkung des Gehilfen anders abgespielt hätte. Erforder-

lich ist hingegen nicht, dass die Haupttat ohne die Gehilfenschaft überhaupt nicht 

stattgefunden hätte. Ausreichend ist bereits eine Förderung der Haupttat durch 

den Tatbeitrag des Gehilfen, d.h. eine Erhöhung der Erfolgschancen (sog. För-

derungskausalität). Der Gehilfe muss bloss das Risiko des Erfolgseintritts erhöht 

haben. Die Unterstützung muss jedoch tatsächlich zur Straftat beitragen, ihre 

praktischen Erfolgschancen erhöhen und sich in diesem Sinne als kausal erwei-

sen (FORSTER, Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, Art. 25 StGB N. 8; vgl. BGE 129 

IV 124 E. 3.2). Es genügt, dass der Gehilfe nach den konkreten Umständen er-

kennen kann und zumindest in Kauf nimmt, dass sein Beitrag die strafbare Hand-

lung fördert (FORSTER, a.a.O., Art. 25 StGB N. 19). Neben physischer Gehilfen-

schaft ist auch die psychische strafbar. Während der Gehilfe bei der ersten die 

Tat durch reale Vorkehren erleichtert, stützt oder bestärkt er den Haupttäter bei 

der zweiten Form in seinem bereits gefassten deliktischen Willen (BGE 79 IV 145 

S. 147; 70 IV 12 E. 3), indem er diesem beispielsweise Hilfe zusagt. In der Praxis 

ist die Förderung der Haupttat durch physische Gehilfenschaft z.B. durch tech-

nisch-materielle Unterstützung qualifiziert worden (BGE 108 Ib 301; FORSTER, 

a.a.O., Art. 25 StGB N. 21). In subjektiver Hinsicht kann die Gehilfenschaft nur 

vorsätzlich geleistet werden. Der Gehilfe muss mindestens damit rechnen, dass 

sein Verhalten die Haupttat unterstützt und fördert, und dies in Kauf nehmen 

(STRATENWERTH, Schweizerisches Strafrecht Allgemeiner Teil 1, 4. Aufl. 2011, 

§ 13 Rn. 121). Daraus folgt, dass der Gehilfe Wissen und Wollen sowohl in Bezug 

auf die Haupttat als auch in Bezug auf seine Hilfeleistung hierzu haben muss 

(sog. doppelter Gehilfenvorsatz). Zum Vorsatz des Gehilfen gehört auch die Vo-

raussicht des Geschehensablaufs; dabei genügt es, dass er um die wesentlichen 

Merkmale des vom Täter zu verwirklichenden strafbaren Tuns weiss, während er 

Einzelheiten der Tat nicht zu kennen braucht (BGE 121 IV 109 E. 3a; 117 IV 186 

E. 3). Es ist ein zielorientierter Beihilfetatbestand anzuwenden (FORSTER, a.a.O., 

Art. 25 StGB N. 45). Ein ganz unbestimmter, allgemein gehaltener Vorsatz da-

hingehend, dass das eigene Verhalten einem Dritten überhaupt Hilfe zur Delikts-

begehung leiste, kann nicht ausreichen (BGE 117 IV 186 E. 3 m.w.H.). 

  

- 14 - 

SK.2021.7 

2.3 Beweismittel 

2.3.1 Bild- und Videoaufnahmen 

Die Bundesanwaltschaft stellte die Überwachungsvideos des Generalkonsulats 

der Republik Türkei vom pyrotechnischen Anschlag vom 18. Januar 2017 sicher. 

Auf dem Video- und erstellten Bildmaterial ist zu sehen, dass sich am 18. Ja-

nuar 2017 um 00:13 Uhr eine dunkel gekleidete Person gegenüber dem Gene-

ralkonsulat der Republik Türkei auf der Grünfläche an der Weinbergstrasse 68a 

in 8006 Zürich aufhielt (pag. 05-00-0017 f.). Um 00:24 Uhr wurde auf der Grün-

fläche durch eine unbekannte Täterschaft das inkriminierte Feuerwerk gezündet 

(pag. 05-00-0019). Der erste Feuerwerkskörper wurde um 00:26 Uhr nahezu ho-

rizontal über die Weinbergstrasse in Richtung des Generalkonsulats der Repub-

lik Türkei an der Weinbergstrasse 65 in 8006 Zürich abgefeuert. Das Feuerwerk 

detonierte teils zuerst auf der Weinbergstrasse, in mindestens zwei Fällen in un-

mittelbarer Nähe eines Tramhalteunterstands, wo sich eine erschreckte Person 

befand (pag. 05-00-0024). Sodann ist ersichtlich, wie um 00:27 Uhr mehrere 

Knallköper zusätzlich auf der linken Fassade des Generalkonsulats sowie auf 

dessen Parkplatz aufprallten (pag. 05-00-0020 f.; 05-00-0025, -0030.). Insge-

samt wurden 38 pyrotechnische Gegenstände in Richtung des Generalkonsulats 

der Republik Türkei abgefeuert (pag. 05-00-25 ff.). Durch das detonierte Feuer-

werk zerbrach ein Kellerfenster des Generalkonsulats und an der Gebäudefas-

sade ergaben kleinere Schäden und Verschmutzungen. Im Gebäude des Gene-

ralkonsulats befanden sich mehrere Personen. 

2.3.2 Bekennerschreiben 

Am 18. Januar 2017, 01:19 Uhr, wurde auf der linksextremistischen Internetplatt-

form «G.» ein Bekennerschreiben mit dem Titel «[…]» veröffentlicht. In diesem 

Schreiben bekennt sich die Täterschaft, das türkische Generalkonsulat mit Feu-

erwerk angegriffen zu haben und sich somit in die Serie der Angriffe gegen die 

Vertretung des türkischen Staats in Europa einzureihen. (pag. 05-00-0040; 05-

00-0005) 

2.3.3 Anzeigerapport der Stadtpolizei Zürich 

Dem Anzeigerapport der Stadtpolizei Zürich vom 15. Februar 2017 ist zu entneh-

men, dass am 18. Januar 2017, ca. 00:25 Uhr, mehrere Anrufer der Einsatzzent-

rale gemeldet haben, dass das türkische Generalkonsulat an der Weinberg-

strasse 65 mit Pyrotechnika beschossen wird. Zeitgleich meldete die mit der Be-

wachung des Generalkonsulats betraute Polizeipatrouille den Vorfall ebenfalls. 

Zu diesem Zeitpunkt konnte eine Person im Haltestellenunterstand an der Wein-

bergstrasse ausgemacht werden. Nach Ende des pyrotechnischen Beschusses 

- 15 - 

SK.2021.7 

konnte die Polizeipatrouille auf einer erhöhten Terrasse an der Weinberg-

strasse 68a eine Abschussvorrichtung für pyrotechnische Gegenstände auffin-

den. An der Zündvorrichtung war eine Zeitverzögerung (Mückenspirale) ange-

bracht. Die Abschussvorrichtung bestand aus einem Holzkasten, zwei Abschuss-

rohren sowie einer 36 Schuss Feuerwerksbatterie. Personen konnten auf der 

Grünfläche neben der Liegenschaft 68a an der Weinbergstrasse keine mehr an-

getroffen werden. In Bezug auf die konkrete Gefährdung durch den Anschlag ist 

dem Rapport zu entnehmen, dass sich während des Abbrennens der pyrotech-

nischen Gegenstände ein Passant im Unterstand der VBZ-Haltestelle befand. 

Eine direkte Gefährdung durch die pyrotechnischen Gegenstände für die Perso-

nen im Generalkonsulat der Republik Türkei, dürfte indes nicht bestanden haben. 

Durch das Aufprallen der Feuerwerkskörper an der Gebäudefassade sind meh-

rere Russanhaftungen sowie oberflächliche Beschädigungen an der Fassade 

des Generalkonsulats entstanden. Ausserdem sei ein Fenster an der linken Seite 

des Generalkonsulats zerbrochen. Der Schaden beträgt ca. Fr. 1'200.--. (pag. 

05-00-0002 ff.) 

2.3.4 Spurenbericht des FOR 

Am Tatort wurden diverse Materialien und Spuren sichergestellt (pag.  

11-01-0026 ff.). Gemäss Spurenbericht des Forensischen Instituts Zürich (nach-

folgend: FOR) vom 20. Februar 2017 befindet sich gegenüber dem Generalkon-

sulat der Republik Türkei, neben dem Gebäude an der Weinbergstrasse 65, eine 

begrünte Terrasse. Dort befand sich eine Art «Abschussvorrichtung», mit wel-

cher die pyrotechnischen Gegenstände in Richtung des Konsulats geschossen 

wurden. Die Vorrichtung bestand aus einer Holzpalette, auf welcher mittels einer 

Spanngurte eine Feuerwerksbatterie und daneben mittels mehreren Kabelbin-

dern zwei graue Kunststoffrohre befestigt wurden. Vor dieser Abschussvorrich-

tung konnten mehrere abgebrannte Anzündlitzen sowie eine ebenfalls abge-

brannte Anzündvorrichtung festgestellt werden. Diese Anzündvorrichtung be-

stand aus einem Stück einer «Mückenspirale» und einem oder eventuell mehre-

ren Streichhölzern, welche mittels Draht und einem Kabelbinder an den Enden 

der Anzündlitzen befestigt wurden. Auf dem Parkplatz vor dem Generalkonsulat 

konnten ein Raketentreiber, ein Holzstab sowie mehrere Kartonteile/-fragmente 

festgestellt werden. Diese Gegenstände, wie auch die erwähnten Abschuss- und 

Anzündvorrichtungen, wurden zwecks einer DNA-Spurensicherung asserviert. 

(pag. 11-01-0002) 

2.3.5 DNA-Spurenbericht des FOR 

Das FOR erstellte am 21. Februar 2017 einen Bericht über die Identifizierung der 

DNA-Spuren am Tatort. Auf einem sichergestellten Holzstab, der von einer der 

- 16 - 

SK.2021.7 

beiden abgefeuerten Horror-Knall-Raketen stammte, und welcher auf dem Park-

platz vor dem Generalkonsulat aufgefunden wurde, konnten zwei DNA-Spuren 

(1, PCN 2 und 3, PCN 4) festgestellt werden. Bezüglich der DNA-Spur 1, PCN 2 

ergab die Auswertung, dass die Spurenverursacherin die Beschuldigte ist 

(PCN 5). (Asservaten-Nr. 1; pag. 11-01-0011; 11-01-0005; 11-01-0007; 11-01-

0015; 11-01-0029) 

2.3.6 Untersuchungsbericht des Wissenschaftlichen Forschungsdienstes der Stadtpo-

lizei Zürich (WFD) 

Gemäss Untersuchungsbericht des Wissenschaftlichen Forschungsdienstes der 

Stadtpolizei Zürich (WFD) vom 8. März 2017 wurde am 18. Januar 2017, um 

ca. 00:30 Uhr, auf das Generalkonsulat der Republik Türkei an der Weinberg-

strasse 65 in 8006 Zürich ein Anschlag mit einer unkonventionellen Sprengvor-

richtung (USBV) verübt. Die Sprengvorrichtung bestand aus einer Palette, wel-

che als Grundplatte diente. Auf der Palette waren zwei graue Rohre mit vier 

schwarzen Kabelbindern befestigt, aus welchen je eine Horror-Knall-Rakete der 

Kategorie F3 abgefeuert wurde. Die Rohre dienten als Abschussvorrichtung für 

die Raketen. Sämtliche Rohre der Feuerwerksbatterie waren abgefeuert. Zwei 

Horror-Knall-Raketen hatten einen Holzleitstab. Ausserdem war auf der Palette 

mit einem blauen Spanngurt eine Feuerwerksbatterie der Kategorie F3 befestigt, 

so dass die Batterie waagrecht abschiesst. Als Anzündvorrichtung und Verzöge-

rung wurden drei Anzündlitzen und eine Mückenspirale verwendet. Die Ab-

schussvorrichtung mit der Feuerwerksbatterie und den beiden Horror-Knall-Ra-

keten (USBV), war in Richtung des Generalskonsulats ausgerichtet (pag.  

11-01-0024, 0026, -0030). 

2.3.7 Amtsbericht des FOR 

Zur abgefeuerten Feuerwerksbatterie mit 36 Schuss sowie den zwei Horror-

Knall-Raketen und von diesen ausgehenden Gefahren erstellte das FOR auf-

grund eines Fragenkatalogs des Einzelrichters sowie des zur Verfügung gestell-

ten Videomaterials vom pyrotechnischen Anschlag auf das Generalkonsulat der 

Republik Türkei einen Amtsbericht (TPF pag. 3.262.1.005, -051). Auf den Inhalt 

des Berichts wird im einschlägigen Kontext näher eingegangen (siehe unten 

E. 2.5.2). 

2.3.8 Aussagen der Beschuldigten 

In der Einvernahme bei der Stadtpolizei Zürich vom 14. November 2018 und der 

Schlusseinvernahme bei der Bundesanwaltschaft vom 20. Oktober 2020 verwei-

gerte die Beschuldigte ihre Aussagen (BA pag. 12-01-0006, -0008; 13-01-0033, 

- 17 - 

SK.2021.7 

-0036, 0041 f.). Der Hauptverhandlung blieb die Beschuldigte fern (TPF pag. 

3.720.002 f.; 3.720.009). 

2.3.9 Wahrnehmungsbericht 

Dem Wahrnehmungsbericht der Auskunftsperson H., Polizistin der Stadtpolizei 

Zürich, vom 25. Januar 2017 ist zu entnehmen, dass sie und Kpl. I. am 18. Ja-

nuar 2017 den Auftrag erhalten hätten, von 23:30 Uhr bis 01:45 Uhr das türkische 

Generalkonsulat zu bewachen. Sie hätten das Fahrzeug auf dem Trottoir auf der 

Höhe der Weinbergstrasse 68 mit Blickrichtung Konsulat parkiert. Um ca. 

00:25 Uhr habe sie plötzlich von rechts einen «Feuerschweif» gesehen, welcher 

über die Weinbergstrasse in Richtung der Frontfassade des Konsulats gezielt 

habe. Ca. eine Sekunde bis zwei Sekunden später habe es einen sehr lauten 

Knall gegeben. Daraufhin seien aus derselben Richtung ca. eine Minute lang di-

verse farbige Feuerwerkskörper in Richtung der Frontfassade des Konsulats ab-

gefeuert worden. Die Feuerwerkskörper hätten die Hauptfassade vor allem 

rechtseckig und in der Nähe des Bodens getroffen. Sie hätten auf Höhe der Wein-

bergstrasse 68a eine Grünfläche gesehen, von wo sie die Abschüsse der Feuer-

werksköper vermutet hätten. Dort hätten sie die Abschussvorrichtung des Feu-

erwerks gesehen. Während sie das Feuerwerk gesehen hätten, seien keine an-

deren Personen in unmittelbarer Nähe des Konsulats gewesen. Es sei lediglich 

ein Mann an der Tramhaltestelle Sonneggstrasse gewesen, welcher aber durch 

eine Schreibe geschützt gewesen sei. Er habe sehr eingeschüchtert ausgese-

hen. (BA pag. 05-00-0013 f.) 

2.4 Beweiswürdigung 

2.4.1  

2.4.1.1 Gemäss Art. 10 Abs. 3 StPO geht das Gericht von der für die beschuldigte Per-

son günstigeren Sachlage aus, wenn unüberwindliche Zweifel daran bestehen, 

dass die tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat erfüllt sind. Diese 

Bestimmung konkretisiert den verfassungsmässigen Grundsatz der Unschulds-

vermutung (in dubio pro reo; Art. 32 Abs. 1 und Art. 6 Ziff. 2 EMRK). Sie verbietet 

es, bei der rechtlichen Würdigung eines Straftatbestands von einem belastenden 

Sachverhalt auszugehen, wenn nach objektiver Würdigung der gesamten Be-

weise ernsthafte Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt tatsächlich so ver-

wirklicht hat, oder wenn eine für die beschuldigte Person günstigere Tatversion 

vernünftigerweise nicht ausgeschlossen werden kann. Auf der anderen Seite 

kann keine absolute Gewissheit verlangt werden; abstrakte und theoretische 

Zweifel sind kaum je ganz auszuräumen (BGE 144 IV 345 E. 2.2.1 mit weiteren 

Hinweisen). 

- 18 - 

SK.2021.7 

2.4.1.2 Keine Anwendung findet der Grundsatz in dubio pro reo auf die Frage, welche 

Beweismittel zu berücksichtigen und wie sie gegebenenfalls zu würdigen sind. 

So stellt das Gericht bei sich widersprechenden Beweismitteln nicht unbesehen 

auf den für den Angeklagten günstigeren Beweis ab. Mit andern Worten enthält 

der Grundsatz keine Anweisung, welche Schlüsse aus den vorhandenen Beweis-

mitteln zu ziehen sind. Die Beweiswürdigung als solche wird vom Grundsatz der 

freien und umfassenden Beweiswürdigung beherrscht: Nach Art. 10 Abs. 2 StPO 

würdigt das Gericht die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren 

gewonnenen Überzeugung (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.1). Der Grundsatz in dubio 

pro reo wird erst anwendbar, nachdem alle aus Sicht des urteilenden Gerichts 

notwendigen Beweise erhoben und ausgewertet worden sind. Im Falle einer un-

einheitlichen, widersprüchlichen Beweislage muss das Gericht die einzelnen Ge-

sichtspunkte gegeneinander abwägen und als Resultat dieses Vorgangs das Be-

weisergebnis feststellen. Zum Tragen kommt der Grundsatz in dubio pro reo erst 

bei der Beurteilung des Resultats der Beweisauswertung, das heisst beim auf die 

freie Würdigung der Beweismittel folgenden Schritt vom Beweisergebnis zur 

Feststellung derjenigen Tatsachen, aus denen sich das Tatsachenfundament ei-

nes Schuldspruchs zusammensetzt (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.2, WOHLERS, Zür-

cher Kommentar, 3. Aufl. 2020, Art. 10 StPO N. 12 ff.). Eine tatbestandsmässige, 

zum Schuldspruch beitragende Tatsache ist rechtserheblich festgestellt, sobald 

das Gericht erkennt, dass die Zuverlässigkeit des Beweisergebnisses nicht ernst-

haft zu bezweifeln ist (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.3). 

2.4.1.3 Der Nachweis kann mittels direkten oder indirekten Beweises erbracht werden. 

Liegen keine direkten Beweise vor, ist nach der Rechtsprechung auch ein indi-

rekter Beweis zulässig. Bei Letzterem (sog. Indizienbeweis) wird aus bestimmten 

Tatsachen, die nicht unmittelbar rechtserheblich, aber bewiesen sind (Indizien 

[Anzeichen]), auf die zu beweisende, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache ge-

schlossen. Es gilt, die Indizien daraufhin zu überprüfen, ob sie ausschliesslich für 

eine Hypothese sprechen oder ob sie ambivalent sind, weil sie ja nach Kontext 

unterschiedlich verstanden werden könnten. Die In-dubio-Regel weist den 

Rechtsanwender an, ernsthaften Anhaltspunkten für alternative Sachverhalte 

nachzugehen und zu überprüfen, ob sich daraus allenfalls ein unüberwindlicher 

Zweifel ergibt, der es verbietet, den tatbestandsmässigen Sachverhalt anzuneh-

men. Der erfolgreiche Indizienbeweis begründet eine der Lebenserfahrung ent-

sprechende Vermutung, dass die nicht bewiesene Tatsache gegeben ist. Für sich 

allein betrachtet deuten Indizien jeweils nur mit einer gewissen Wahrscheinlich-

keit auf eine bestimmte Tatsache hin. Auf das einzelne Indiz ist der In-dubio-

Grundsatz denn auch nicht anwendbar. Eine Mehrzahl von Indizien, welche je 

für sich alleine nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder 

die Tat hinweisen, können sodann in ihrer Gesamtheit ein Bild erzeugen, das bei 

objektiver Betrachtung keine Zweifel bestehen lässt, dass sich der Sachverhalt 

- 19 - 

SK.2021.7 

so verwirklicht hat. Der Indizienbeweis ist dem direkten Beweis gleichgestellt. 

Sachverhaltsalternativen sind nur zu prüfen, wenn die Indizienlage widersprüch-

lich oder ambivalent ist (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.4, 2.2.3.6 f.; Urteile des Bun-

desgerichts 6B_1427/2016 vom 27. April 2017 E. 3 m.w.H.; 6B_360/2016 vom 

1. Juni 2017 E. 2.4; nicht publ. in: BGE 143 IV 361 sowie 6B_332/2009 vom 

4. August 2009 E. 2.3; je mit Hinweisen; Urteile des Bundesstrafgerichts 

SK.2021.45 vom 22. Dezember 2021 E. 2.3.3.3; SK.2018.26 vom 9. August 2018 

E. 3.4.4.4). 

2.4.2 Vorliegend ist einzig strittig, ob die Beschuldigte am 18. Januar 2017 beim inkri-

minierten Anschlag auf das Generalkonsulat der Republik Türkei beteiligt war. 

Beweismässig ist insofern zu prüfen, ob sie bei der Planung, Entschlussfassung 

oder Tatausführung dabei war oder allenfalls dazu behilflich war. 

Der angeklagte Sachverhalt ist ansonsten in objektiver Hinsicht erstellt. 

2.4.3 Den Nachweis, dass die Beschuldigte am 18. Januar 2017 die Knallkörper mittä-

terschaftlich mit einer unbekannten Täterschaft gegen das Generalkonsulat der 

Republik Türkei abfeuerte, sieht die Bundesanwaltschaft einzig aufgrund von si-

chergestellten DNA-Spuren als erbracht. Am Tatort konnten zwei DNA-Spuren 

am Leitstab einer der abgefeuerten Horror-Knall-Raketen sichergestellt werden; 

eine der beiden (1, PCN 2) konnte der Beschuldigten zugeordnet werden 

(PCN 5). Dies ist der einzige direkte Sachbeweis, dass die Beschuldigte zu ei-

nem gewissen Zeitpunkt irgendwelchen Kontakt mit der Horror-Knall-Rakete 

hatte. Andere Sach- oder Personalbeweise liegen nicht vor. 

2.4.4 Die Tatbeteiligung der Beschuldigten stützt sich auf folgende Indizien: 

2.4.4.1 a) Als Indiz für die Tatbeteiligung der Beschuldigten gilt es den Modus Operandi 

zu berücksichtigen. Dem Modus Operandi als erlerntes und wiederholtes Verhal-

ten bei Straftaten kommt als Anknüpfungspunkt bei der Ermittlung eine erhebli-

che Bedeutung zu (vgl. zum Ganzen: DOUGLAS/DOUGLAS, Criminal Investigative 

Concepts in Crime Scene Analysis, in: Crime Classification Manual, 3. Aufl. 2013, 

S. 21 ff.,). Die case linkage (Verknüpfung verschiedener Taten) aufgrund eines 

identischen Modus Operandi ist ein anerkanntes Prinzip der Kriminalistik 

(vgl. etwa PICOZZI/ZAPPALÀ, FBI: le origini del profiling, in: Picozzi/Zappalà, Cri-

minal profiling, 2002, S. 103 ff., 112 f.; CARILLO, Tecnica dell’investigazione, 

2014, S. 138 und 144) und ist u.a. bei der Recherche von ungelösten Fällen von 

Bedeutung (VINCIGUERRA/ROSSI, Principi di Criminologia, 3. Aufl. 2011, S. 153). 

b) Bereits mit Urteil des Bundesstrafgerichts SK.2011.1 vom 8. November 2011 

und Berichtigung vom 21. März 2012 wurde die Beschuldigte unter anderem we-

gen eines Anschlags mit einer Horror-Knall-Rakete (USBV) auf das spanische 

- 20 - 

SK.2021.7 

Generalkonsulat am 29./30. September 2002 verurteilt (TPF pag. 3.250.007,  

-081). Das Urteil ist in Rechtskraft erwachsen. An den Tatmitteln konnte aus-

schliesslich ihre DNA sichergestellt werden; aber bei der Beschuldigten konnten 

zahlreiche E-Mails (Ausdrucke) und Zeitungsartikel über Anschläge mittels Pyro-

technika sichergestellt werden, aus denen hervorgeht, dass sie sich bereits im 

Vorfeld der Tat damit auseinandersetzte (E. 3.2.2 des Urteils SK.2011.1; TPF 

pag. 3.250.044). Sodann wurden bei der am 18. Januar 2017 verwendeten USBV 

als Anzündvorrichtung und Verzögerung drei Anzündlitzen und eine Mückenspi-

rale verwendet (pag. 11-01-0024). Die Beschuldigte hatte erwiesenermassen Er-

fahrung mit Zündvorrichtungen mittels Mückenspiralen, wie sich aus dem er-

wähnten Urteil des Bundesstrafgerichts SK.2011.1 ergibt (vgl. E. 3.5, 3.5.1b  

und c [TPF pag. 3.250.051 f.]; E. 4.3.2 [TPF pag. 3.250.056]). Der Modus Ope-

randi des pyrotechnischen Anschlags auf das türkische Generalkonsulat ist inso-

fern mit der Vorgehensweise gegen das spanische Generalkonsulat vergleich-

bar, als frei verkäufliches Feuerwerk gegen das Gebäude eines Konsulats nicht 

bestimmungsgemäss eingesetzt wurde.  

Vorliegend ist indessen zu berücksichtigen, dass am Holzstab, welcher von einer 

der beiden Horror-Knall-Raketen stammt, zwei unterschiedliche DNA-Spuren 

festgestellt werden konnten. Lediglich eine davon konnte der Beschuldigten zu-

geordnet werden. Dies beweist zunächst, dass sie irgendeinen Beitrag zum An-

schlag auf das Generalkonsulat der Republik Türkei geleistet hat. Damit ist aber 

nicht erwiesen, ob sie bei der Tatausführung auch dabei war, zumal im anklage-

relevanten Zeitraum nur eine dunkel gekleidete Person auf der Grünfläche an der 

Weinbergstrasse 68a in 8006 Zürich am Tatort war. 

2.4.4.2 In Bezug auf das Motiv der Beschuldigten ergibt sich Folgendes: Die Auswahl 

des türkischen Generalkonsulats als Ziel des Angriffs vom 18. Januar 2017 sowie 

das im Anschluss an das Ereignis auf einschlägigen Internetportalen veröffent-

lichte Bekennerschreiben weist auf einen linksradikalen politischen Hintergrund 

der Tat hin. Das Bekennerschreiben wurde im Internet auf «G.» von einer unbe-

kannten Person veröffentlicht (pag. 05-00-0040 f.). Derselbe Artikel befindet sich 

auch auf der Webseite der linksradikalen Organisation J. (nachfolgend: J.) (TPF 

pag. 3.721.012). In der Vergangenheit gab es bereits mehrere Anschläge mit 

Pyrotechnik unter Verwendung von – zu einer sogenannten unkonventionellen 

Spreng- und/oder Brandvorrichtung (USBV) – umfunktionierten Feuerwerkskör-

pern, welche dem J. und dessen Umfeld zuzurechnen sind (TPF pag. 3.721.013; 

3.252.052 f.). Da die Beschuldigte als Exponentin des linksradikalen J. und sei-

nes Ablegers K. (nachfolgend: K.) bekannt ist, trägt der Anschlag auf das Gene-

ralkonsulat der Republik Türkei auch ihre Handschrift. Sie hatte ferner eine of-

fenkundige Aversion gegen die Politik und Regierung der Republik Türkei. Be-

weismässig ist dies durch ihre Teilnahme an den unbewilligten Kundgebungen 

- 21 - 

SK.2021.7 

vom 23. Februar 2018 (Anklagepunkt 1.5 [Tatvorwurf: Beschimpfung]) und am 

Hauptverhandlungstag vom 18. November 2021 vor dem Generalkonsulat der 

Republik Türkei an der Weinbergstrasse 65 in Zürich erstellt (TPF pag. 

3.720.009). Vor diesem Hintergrund kann kein Zweifel daran bestehen, dass sie 

ein gewichtiges Motiv für den Anschlag auf das Generalkonsulat der Republik 

Türkei hatte. 

2.4.5 Entgegen der Ansicht der Verteidigung liegen somit sehr wohl belastende Indi-

zien vor, die im Zusammenhang mit dem Sachbeweis – der DNA auf dem Rake-

tenstab (vgl. E. 2.3.5) – in ihrer Gesamtheit die Tatbeteiligung der Beschuldigten 

rechtsgenügend belegen. Dazu kommt, dass keine entlastenden Indizien zu-

gunsten der Beschuldigten gefunden oder geltend gemacht wurden. 

2.4.6 Einwände der Verteidigung 

2.4.6.1 Die vom Verteidiger im Parteivortrag geltend gemachten Einwände stellen Sach-

verhaltsalternativen in Bezug auf die Tatmittel und Täterschaft dar. Aufgrund des 

Sachbeweises (DNA-Spuren der Beschuldigten am Tatobjekt [vgl. E. 2.3.5]) so-

wie der schlüssigen Indizienkette (vgl. E. 2.4.4) sind alternative Hypothesen 

grundsätzlich nicht zu prüfen (vgl. E. 2.4.1.3). Um dem Anspruch auf rechtliches 

Gehör vollkommen zu genügen, wird gleichwohl eine Prüfung der relevanten Ein-

wände vorgenommen. 

2.4.6.2 Die Verteidigung bestreitet zunächst die Tatrelevanz der beiden Leitstäbe der 

Horror-Knall-Raketen, deren Funktion und Dimensionen sowie somit deren Be-

weiskraft (pag. 3.521.012, -016). Ferner wisse man nicht, wo sie gefunden wor-

den seien. 

Die Einwände sind aus folgenden Gründen nicht geeignet, um vernünftige und 

nachhaltige Zweifel am angeklagten Sachverhalt hervorzurufen: 

a) Was die Funktion der Leitstäbe angelangt, so entsprachen diese wie bei jeder 

anderen 1. August Rakete der Stabilisation des Sprengköpers. Ebenso dienten 

die beiden Abschussrohre der Ausrichtung der Flugbahn der Raketen. Ausser-

dem waren die Leitstäbe entgegen dem Einwand der Verteidigung sehr wohl tat-

relevant, wurden doch daran die DNA-Spuren der Beschuldigten gefunden. Der 

Einwand ist somit unbegründet. 

b) In Bezug auf die Dimension der Leitstäbe der Raketen führt die Verteidigung 

unter Verweis auf ein aktenkundiges Abbild von einer Horror-Knall-Rakete aus, 

sie seien weniger als 30 cm lang und weniger als 1 cm breit (TPF pag. 3.521.012). 

Auf der aktenkundigen Abbildung von der Horror-Knall-Rakete ist ersichtlich, 

dass der Raketen-Sprengkörper rund 30 cm lang ist (pag. 11-01-0027). Angaben 

- 22 - 

SK.2021.7 

zur Länge der fraglichen Holzstäbe sind aber darauf nicht ersichtlich. Dass die 

Dimension der in den Akten abgebildeten Raketen andere sind, hat tatsächlich 

keine Relevanz, umso mehr, als es sich nur um einen exemplarischen Ausschnitt 

handelt. Die Länge der fraglichen Holzstäbe ergibt sich indes aus den Angaben 

im forensischen Bericht des Wissenschaftlichen Forschungsdienstes WFD der 

Stadtpolizei Zürich vom 8. März 2017, wo unter Bezugnahme auf fotographische 

Aufnahmen der konkreten Holzstäbe festgehalten wird, dass die Länge ca. 1 Me-

ter und die Dicke etwa 10 mm ist. Die Tatrelevanz der Leitstäbe ist somit belegt. 

2.4.6.3 Die Verteidigung bringt weiter vor, dass ein Holz- bzw. Leitstab einer Rakete im 

«Bereich der Tramstrasse» gefunden worden sei. Man wisse aber nicht, wo ge-

nau der Leitstab bei den Tramgeleisen gefunden worden sei. Es sei anzuneh-

men, dass darauf ein Tram gefahren sei (TPF pag. 3.521.014). 

Im Bericht des FOR vom 21. Februar 217 ist diesbezüglich zu entnehmen, dass 

ein Holzstab auf dem Parkplatz des Generalskonsulats der Republik Türkei ge-

funden wurde und ein weiterer Holzstab am Ereignisort im Bereich des Tram-

Trasses bzw. in einer Tramschiene (pag. 11-01-0011). Von einer Tramstrasse 

steht hingegen im wissenschaftlichen Bericht nichts. Tatsächlich ist es nicht un-

wahrscheinlich, dass ein Tram über die Geleise fahren kann, in welcher ein Holz-

stab einer Feuerwerksrakete liegt. Beweismässig ist indes relevant, dass auch 

der zweite Holzstab in unmittelbarere Nähe des Ereignisortes beim Generalkon-

sulat der Republik Türkei sichergestellt wurde. Schliesslich ist weder dargelegt 

und ersichtlich, zum Beweis welcher entlastenden Tatsache der Einwand dienen 

soll. Aufgrund des erstellten Ablauf des Tatgeschehens (vgl. E. 2.4.7) erscheint 

der Einwand des Verteidigers gänzlich unbehelflich. 

2.4.6.4 Der Verteidiger wendet weiter ein, die DNA-Spur der Beschuldigten am Tatobjekt 

sei nicht verwertbar. Die DNA-Spur sei somit kein Beweis für die Täterschaft der 

Beschuldigten (TPF pag. 3.521.016 ff.). Sodann sei die Identifizierung der DNA-

Spur nicht nachvollziehbar (TPF pag. 3.521.015). Ausserdem sei nicht erstellt, 

wie das Zellmaterial (DNA) der Beschuldigten auf den Holzstab der Horror-Knall-

Rakete gekommen sei (pag. 3.521.016). 

a) Wie im Spurenbericht des FOR vom 20. Februar 2017 dargelegt, erfolgten 

Analyse und Auswertung des DNA-Hits durch das Institut für Rechtsmedizin 

(pag. 11-01-0008). Dieses hat das DNA-Profil erstellt und die Beschuldigte als 

Spurenverursacherin zweifelsfrei identifiziert (pag. 11-01-0011). Beweismässig 

relevant ist somit einzig, dass die vor dem Generalkonsulat der Republik Türkei 

aufgefundene DNA-Spur auf dem Holzstab der Horror-Knall-Rakete eindeutig 

der Beschuldigten zugeordnet wurde. Zudem wird im Spurenbericht des FOR 

klar festgehalten, dass alle sichergestellten Gegenstände unter Wahrung des 

- 23 - 

SK.2021.7 

Spurenschutzes asserviert wurden (pag. 11-01-0002). Das Gericht sieht keinen 

Anlass, die Arbeit dieser beiden Institute in Zweifel zu ziehen.  

b) Zwar ist es theoretisch möglich, dass Zellmaterial durch sekundäre Übertra-

gung anderswo hingelangt. Aber die rein theoretische Möglichkeit einer DNA-

Wanderung genügt nicht, und vorliegend fehlt jedwelcher Anknüpfungspunkt, der 

eine solche Übertragung in den Bereich des Möglichen bringt. Aber der Verteidi-

gung ist einem Punkt zuzustimmen: Eine DNA-Spur allein ist noch kein Beweis 

für die Täterschaft der Beschuldigten. 

2.4.6.5 Der Verteidiger bringt weiter vor, dass die Beschuldigte mit Urteil SK.2011.1 und 

Berichtigung vom 21. März 2012 der Strafkammer 8. November 2011 (vgl. 

E. 2.4.4.1 b) in drei von fünf Anschlägen mit pyrotechnischen Gegenständen frei-

gesprochen worden sei. Weder der Modus Operandi noch das politische Motiv 

hätten dem Gericht als Indiz für eine Täterschaft der Beschuldigten ausgereicht 

(TPF pag. 3.521.019 f.). 

Die Freisprüche im Urteil der Strafkammer SK.2011.1 erfolgten, weil keine DNA-

Spur von der Beschuldigten am Tatort bzw. Tatmittel festgestellt werden konnte. 

Das ist vorliegend grundlegend anders, weshalb insoweit nichts zugunsten der 

Beschuldigten abgeleitet werden kann (E. 2.4.3; 2.4.6.4). 

2.4.6.6 Der Verteidiger macht ferner unter Verweis auf das Urteil der Strafkammer 

SK.2011.1 vom 8. November 2011 und Berichtigung vom 21. März 2012 geltend, 

dass zwischen April 1997 und 2007 in der Schweiz 43 Anschläge mit USBV um-

funktionierten Feuerwerksraketen «oder mit einem vergleichsweisen Modus 

Operandi» verübt worden seien. Das Tatmittel lasse somit nicht ausschliessen, 

dass andere Personen solche Anschläge verübt hätten (TPF pag. 3.721.045). 

Wie dargelegt wurde, sprechen gewichtige Indizien (DNA, politisches Motiv, Mo-

dus Operandi [vgl. E. 2.4.3; 2.4.4.1 a und b; 2.4.4.2]) für die Tatbeteiligung der 

Beschuldigten. Die Indizienkette ist geschlossen. Der Einwand ist daher unbe-

gründet. 

2.4.6.7 Die Einwände sind insgesamt nicht geeignet, um ernsthafte Zweifel am Sachbe-

weis und der schlüssigen Indizienkette zu wecken (vgl. E. 2.4.3 f.). 

2.4.7 Beweisergebnis 

2.4.7.1 a) Beweismässig ist zum äusseren Sachverhalt erstellt, dass am 18. Januar 2017 

ab ca. 00.24 Uhr eine unbekannte Täterschaft von der Weinbergstrasse 68a in 

8006 Zürich eine Feuerwerksbatterie der Kategorie F3 mit 36 Schuss und zwei 

Horror-Knall-Raketen der Kategorie F3 auf das Gebäude des Generalkonsulats 

- 24 - 

SK.2021.7 

der Republik Türkei an der Weinbergstrasse 65 in 8006 Zürich abfeuerte. Zuvor 

wurde auf einer Grünfläche an der Weinbergstrasse 68a eine Abschussvorrich-

tung mit einer Holzplatte, einem blauen Spanngurt, zwei grauen Rohren und vier 

schwarzen Kabelbindern aufgestellt, wobei auf dieser Abschussvorrichtung mit 

dem blauen Spanngurt eine Feuerwerksbatterie der Kategorie F3 mit 36 Schuss 

befestigt war. In die beiden grauen Rohre auf der Abschussvorrichtung wurde je 

eine Horror-Knall-Rakete der Kategorie F3 mit Blitzknallsatz gelegt. Als Anzünd-

vorrichtung und Verzögerung der Böller-Abschüsse wurden drei Anzündlitzen 

und eine Mückenspirale verwendet. Um ca. 00:27 Uhr vom 18. Januar 2017 

prallte abgefeuerte Pyrotechnik an der linken Fassade des Generalskonsulats 

ein. Durch das eingeschlagene Feuerwerk zerbrach ein Fenster des Gebäudes 

und an einigen Stellen entstanden an der Gebäudefassade kleine Schäden und 

Verschmutzungen. Der Sachschaden beträgt rund Fr. 1'200.--. 

Die Abschussvorrichtung mit der Feuerwerksbatterie und den beiden Horror-

Knall-Raketen stellen eine unkonventionelle Spreng- und/oder Brandvorrichtung 

USBV dar. Sie wurde in Richtung des Generalkonsulats der Republik Türkei aus-

gerichtet.  

b) In Bezug auf die Täterschaft ist erstellt, dass sich um 00:13 Uhr des 18. Janu-

ars 2017 – somit unmittelbar vor der Zündung der pyrotechnischen Sprengkörper 

– eine dunkel gekleidete Person auf der Grünfläche der Weinbergstrasse 68a in 

Zürich bewegte. 

Auf einem Holzstab, der von einer der beiden Horror-Knall-Raketen stammt, wur-

den zwei DNA-Spuren (1, PCN 2 und 3, PCN 4) festgestellt. Bezüglich der DNA-

Spur 1, PCN 2 ergab die forensische Auswertung, dass zweifelsfrei die Beschul-

digte die Spurenverursacherin ist. 

2.4.7.2 a) In Bezug auf die Tatbeteiligung der Beschuldigten als Mittäterin liegt keine 

schlüssige Indizienkette vor, dass sie in massgebender Weise mit anderen zu-

sammengewirkt hat, sodass sie als Hauptbeteiligte dastehen würde. Zwar wurde 

ihre DNA auf einem Holzstab der Horror-Knall-Rakete festgestellt. Damit kann 

aber nicht beweisimmanent gesagt werden, ihr Tatbeitrag sei nach den konkre-

ten Umständen und dem Tatplan für die Ausführung des Deliktes so wesentlich 

gewesen, dass die Tat mit ihr steht oder fällt. Aufgrund der Beweislage kann nicht 

ausgeschlossen werden, dass sie keine Tatherrschaft hatte und lediglich einen 

untergeordneten Beitrag leistete. Es ist somit nicht erwiesen, dass sie die in der 

Anklageschrift zur Last gelegte Tat in Mittäterschaft begangen hat. 

b) Nachgewiesen werden kann der Beschuldigten nur – aber immerhin – Gehil-

fenschaft: Denn beweismässig ist erstellt, dass die Beschuldigte der Täterschaft 

zur Hand ging und ihr die beim Anschlag verwendete Horror Knall-Rakete F3 mit 

- 25 - 

SK.2021.7 

Blitzknallsatz – auf der ihre DNA anhaftete (vgl. E. 2.4.3; 2.4.7.2 a) – beschaffte 

und/oder aushändigte. Das Gericht schliesst in Würdigung aller Umstände aus, 

dass die Beschuldigte über den Anschlag auf das Generalkonsulat der Republik 

Türkei nicht in Bilde war; sie hat die Täterschaft in ihrem Vorhaben zumindest 

physisch wie psychisch bekräftigt und unterstützt. Die Indizien ergeben ihn ihrer 

Gesamtheit ein klares Bild und sprechen für die Tatbeteiligung der Beschuldig-

ten. 

Der Modus Operandi beim Anschlag auf das spanische und türkische Gene-

ralskonsulat war der gleiche. Bei beiden Konsulaten wurde der gleiche Raketen-

typ (Horror Knall-Rakete) und Klebeband verwendet. Beim Anschlag auf das spa-

nische Konsulat war die Horror-Knall-Rakete ebenfalls umfunktioniert und der 

Zündzeitpunkt der USBV war nicht vorhersehbar. Beim Anschlag auf das türki-

sche Generalkonsulat war die Horror-Knall-Rakete in gleicher Weise modifiziert 

und der genaue Zeitpunkt der Auslösung konnte nicht kontrolliert werden (vgl. 

E. 2.5.2). Der Anschlag auf das Generalkonsulat der Republik Türkei trägt somit, 

auch angesichts ihrer linksradikalen Gesinnung, klar die Handschrift der Beschul-

digten (vgl. E. 2.4.4.2). Die gleiche Vorgehensweise bei den beiden pyrotechni-

schen Anschlägen deutet ferner ganz klar darauf hin, dass die Beschuldigte die 

Täterschaft in Bezug auf die Tatausführung auch beraten hat; dazu kommt, dass 

beide Anschläge auf die Konsulate politisch motiviert waren und der linksradika-

len Ideologie der Beschuldigten entsprachen (vgl. E. 2.4.4.2). 

Für das Gericht steht daher zweifelsfrei fest, dass die Beschuldigte aufgrund ihrer 

einschlägigen Erfahrung mit pyrotechnischen Anschlägen die Täterschaft bei der 

Durchführung des Anschlags auf das Generalkonsulat der Republik Türkei un-

terstützt und beraten hat. Dass sie der Täterschaft beim Anschlag auf das türki-

sche Generalkonsulat bei der Planung und Durchführung nicht behilflich gewe-

sen sein soll, ist schlichtweg lebensfremd. Sie wusste vielmehr ganz genau, dass 

die Täterschaft vorsätzlich und in verbrecherischer Absicht durch Sprengstoffe 

Leib und Leben von Menschen sowie fremdes Eigentum in Gefahr bringen 

würde. 

2.4.7.3 Im Ergebnis bestehen für das Gericht keine ernsthaften Zweifel, dass die Be-

schuldigte die angeklagten Sachverhalte begangen hat bzw. als Gehilfen daran 

beteiligt war. Der angeklagte Sachverhalt gemäss Ziffer 1.2 ist in objektiver und 

subjektiver Hinsicht erstellt. 

  

- 26 - 

SK.2021.7 

2.5 Subsumtion objektiver Tatbestand 

2.5.1 Einsatz von Sprengstoff 

In rechtlicher Hinsicht gilt es vorab zu prüfen, ob die von der unbekannten Täter-

schaft auf das türkische Generalkonsulat eingesetzten pyrotechnischen Gegen-

stände als Sprengstoffe im Sinne von Art. 224 Abs. 1 StGB zu qualifizieren sind. 

Dies ist der Fall, wenn sie eine besonders grosse Zerstörung bewirken oder zum 

Zwecke der Zerstörung verwendet wurden (E. 2.2.2.1, zweiter Absatz). Dabei ist 

entscheidend, ob durch die Art und Weise, wie die Feuerwerkskörper eingesetzt 

wurden, eine besonders grosse Gefährdung für Personen oder Sachen entstan-

den ist. 

2.5.2 Gemäss dem vom Gericht eingeholten Amtsbericht des FOR vom 15. Juli 2021 

(E. 2.3.8) handelt es sich bei der verwendeten Feuerwerksbatterie mit 36 Schuss 

sowie den zwei Horror-Knall-Raketen um pyrotechnische Gegenstände im Sinne 

des Sprengstoffgesetzes. Die Gegenstände entsprechen der Definition von Art. 7 

SprstV und Anhang 1 Ziff. 2.3 SprstV. Sie fallen in die Kategorie F3 der Spreng-

stoffverordnung. Von solchen Feuerwerksköpern geht eine mittlere Gefahr aus. 

Sie sind für die Verwendung in weitem, offenen Bereich vorgesehen. Die Feuer-

werkskörper dürfen nicht an Personen unter 18 Jahren abgegeben werden. (TPF 

pag. 3.262.1.013) 

In Bezug auf die Art der Verwendung führte das FOR aus, dass die Feuerwerks-

batterie und die Horror-Knall-Raketen Feuerwerksköper zu Vergnügungszwe-

cken sind. Im Zusammenhang mit der Mückenspirale und der zusätzlichen An-

zündlitze für die Zeitverzögerung wie auch der Abschussvorrichtung, mit welcher 

die Feuerwerksköper nahezu horizontal gegen das Generalkonsulat der Republik 

Türkei ausgerichtet waren, wurden die Feuerwerksbatterie und die beiden Hor-

ror-Knall-Raketen nicht bestimmungsgemäss verwendet. Sie wurden modifiziert. 

(TPF pag. 3.262.1.014 f.) 

Da bei der Abschussvorrichtung eine Anzündlitze und eine Mückenspirale zur 

zeitlichen Verzögerung der Anzündung von mehreren Sekunden bis mehreren 

Minuten angebracht war, konnte der genaue Zeitpunkt der Auslösung durch die 

Täterschaft nicht kontrolliert werden. Dadurch wurden Verletzungen von Perso-

nen und Beschädigungen von Objekten in Kauf genommen, die sich vom Zeit-

punkt der Anzündung bis zur Auslösung der pyrotechnischen Gegenstände in 

der Gefahrenzone befanden respektive es wurde eine gefährliche Situation bzw. 

eine Situation mit hohem Verletzungspotenzial geschaffen. (TPF pag. 

3.262.1.015) 

- 27 - 

SK.2021.7 

Das FOR stellte weiter fest, dass bei ähnlichen Feuerwerksbatterien (36 Schuss, 

Rohrinnendurchmesser ca. 30 mm) der Sicherheitsabstand gemäss Produkteti-

kette 25 bis 50 Meter beträgt. Gemäss Produktetikette der Horror-Knall-Rakete 

beträgt der Sicherheitsabstand 60 bis 80 Meter. Die Gefährdungsradien entspre-

chen den Sicherheitsabständen. Die Sicherheitsabstände gelten nur für die be-

stimmungsgemässe Verwendung. (TPF pag. 3.262.1.013 f.) 

Bezüglich der Gefährlichkeit der Feuerwerkskörper führte das FOR aus, dass die 

Horror-Knall-Raketen sog. Blitzknallsätze hatten. Die Nettoexplosivstoffmasse 

(NEM) der Horror-Knall-Rakete beträgt ca. 62 g und sie enthält ca. 20 g Blitz-

knallsatz. Die Feuerwerksbatterie kann in der Kategorie F3 bis zu 4 g verdämm-

ten Blitzknallsatz pro Rohr aufweisen. Blitzknallsätze sind sehr energiereiche, 

pyrotechnische Systeme mit hoher Reaktionsgeschwindigkeit. Dementspre-

chend gross war der Explosionsdruck und der Knalleffekt. Ladungen ab ca. 10 g 

Blitzknallsatz, die direkt am Körper umsetzen, können zu einer erheblichen Zer-

störung des Gewebes führen. Sind vitale Strukturen betroffen, kann es zu lebens-

bedrohlichen Verletzungen kommen (TPF pag. 3.262.1.014 f.). Das FOR doku-

mentiert anhand von Fotos mögliche Verletzungen an Gliedmassen (zerfetzte 

Hand etc. [TPF pag. 33.262.1.029 ff.]). 

2.5.3 Die von der unbekannten Täterschaft gezündete und gezielt auf das Generalkon-

sulat der Republik Türkei abgeschossene Feuerwerksbatterie der Kategorie F3 

mit 36 Schuss sowie zwei Horror-Knall-Raketen detonierten mit lauten Knallen 

teils bereits auf der Weinbergstrasse und auf dem Parkplatz vor dem General-

konsulat. Ein Grossteil der Feuerwerkskörper schlug auf der Fassade des Ge-

bäudes ein. Die Detonationen verursachten Blitze und massive Rauchwolken. 

Ein Knallkörper detonierte rund zwei Meter neben einer Person, welche in einer 

Tramunterkunft wartete. Die Person zuckte aufgrund der Explosionen zusam-

men. Bloss dem Zufall und der Nachtzeit um 00:30 Uhr ist es zu verdanken, dass 

sich nicht mehrere Personen auf der Strasse im unmittelbaren Gefahrenbereich 

der Feuerwerkskörper befanden. Der grosse Explosionsdruck und Knalleffekt 

war auf die in den Sprengkörpern enthaltenen Blitzknallsätze zurückzuführen. 

Durch das am türkischen Generalkonsulat eingeschlagene Feuerwerk zerbrach 

ein Fenster des Gebäudes und an einigen Stellen ergaben sich kleinere Schäden 

und Verschmutzungen, wobei sich der dadurch verursachte Schaden auf 

Fr. 1'200.-- beläuft. 

Werden derartige pyrotechnische Gegenstände der Kategorie F3 – welchen de-

finitionsgemäss eine mittlere Gefahr immanent ist – nahezu horizontal über eine 

Strasse auf ein Gebäude und ohne Einhaltung der Sicherheitsabstände von 25 

bis 50 Metern (Feuerwerksbatterie mit 36 Schuss) bzw. 60 bis 80 Metern (Horror-

Knall-Raketen) gezündet und nicht bestimmungsgemäss zur Explosion gebracht, 

- 28 - 

SK.2021.7 

so ist eine besonders grosse Gefährdung für Personen und Sachen gegeben. 

Aufgrund der Art der Verwendung der pyrotechnischen Gegenstände, d.h. ohne 

Beachtung der Sicherheitsabstände und der bestimmungsgemässen Verwen-

dung, ist in objektiver Hinsicht eine Verwendung zum Zwecke der Zerstörung zu 

bejahen. 

Nach dem Gesagten steht zweifelsfrei fest, dass so, wie die Täterschaft die py-

rotechnischen Gegenstände zweckentfremdet eingesetzt hat, es sich um 

Sprengstoff und damit um ein geeignetes «zerstörerisches» Tatmittel im Sinne 

von Art. 224 Abs. 1 StGB gehandelt hat. 

2.5.4 Konkrete Gefahrenlage 

In Bezug auf die konkrete Gefährdungslage kann auf den Bericht des FOR vom 

15. Juli 2021 verwiesen werden (E. 2.5.2). Wird Sprengstoff der vorliegenden Art 

horizontal über eine Strasse auf ein Gebäude gerichtet und unter krasser Miss-

achtung der vom Hersteller vorgeschriebenen Sicherheitsabstände abgefeuert, 

werden gemäss FOR selbstverständlich Verletzungen von Personen und Be-

schädigungen von Objekten in Kauf genommen. Die konkrete Gefährdung ergab 

sich vorliegend aber auch daraus, da bei der Abschussvorrichtung eine Anzünd-

litze – also eine Zündschnur – und eine Mückenspirale zur zeitlichen Verzöge-

rung der Zündung von mehreren Sekunden bis mehreren Minuten angebracht 

war. Der genaue Zeitpunkt der Auslösung konnte daher nicht kontrolliert werden. 

Ebenso konnte aufgrund der selbst gebastelten Abschussvorrichtung der Ort der 

Detonation nach der Zündung der pyrotechnischen Gegenstände nicht genau 

bestimmt werden, was die zahlreichen Querschläger auf der Weinbergstrasse 

vor dem türkischen Generalkonsulat belegen. Damit ist eine hohe Verletzungs-

wahrscheinlichkeit und grosse konkrete Gefährdung gegeben und es wurde in 

besonderem Masse in Kauf genommen, dass Personen, Fahrzeuge und andere 

Objekte, die sich vom Zeitpunkt der Anzündung der pyrotechnischen Gegen-

stände bis zur Detonation in den Gefahrenbereich begaben bzw. im Gefahren-

bereich waren, verletzt respektive beschädigt werden. Laut Amtsbericht des FOR 

lag sogar eine Situation mit hohem Verletzungspotential vor. Anders kann die 

konkrete Gefahrenlage aufgrund der verzögerten Zündung nicht gewertet wer-

den. Nicht auszumalen, was geschehen wäre, wenn die Böller am Körper eines 

Passanten auf der Weinbergstrasse detoniert wären. Bei direkter Umsetzung der 

Sprengkörper am Körper eines Menschen wären erhebliche Verletzungen zu er-

warten gewesen (E. 2.5.2). 

Zusammenfassend bestand eine sehr grosse, evidente Wahrscheinlichkeit der 

Verletzung von Eigentum und Leib und Leben, was die beschädigte Hausfassade 

und der Glasbruch am Generalkonsulat der Republik Türkei belegt. Damit ist die 

- 29 - 

SK.2021.7 

im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung konkrete Gefährdung (vgl. 

E. 2.2.2.2) nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge in Bezug auf die von der Tä-

terschaft gezündeten Böller zweifelsfrei nachgewiesen. 

2.5.5 Die Täterschaft hat mit dem Zünden der Sprengkörper den objektiven Tatbestand 

von Art. 224 Abs. 1 StGB erfüllt. 

2.6 Subsumtion subjektiver Tatbestand 

2.6.1 In subjektiver Hinsicht ist zu prüfen, ob der Beschuldigte im Sinne von Art. 224 

Abs.1 StGB mit Gefährdungsvorsatz sowie in verbrecherischer Absicht handelte. 

2.6.2 Die Täterschaft zündete die Sprengkörper wissentlich und willentlich. Sie wuss-

ten, dass bei unsachgemässer Verwendung – ohne Kontrolle der Flugbahn und 

des Detonationsortes – eine erhebliche Gefahr für Menschen und Sachen aus-

ging. Einen anderen Schluss lässt das gezielte, nahezu horizontale Abfeuern der 

pyrotechnischen Gegenstände auf das türkische Generalkonsulat nicht zu. Die 

Täterschaft nahm in Kauf, dass Menschen und Eigentum erheblich gefährdet 

werden. Das Gefährdungsrisiko wurde verstärkt, weil die Täterschaft den Zünd-

zeitpunkt, die Flugbahn und den Detonationsort nicht voraussehen konnte. 

Ebenso wenig stand es in ihrer Macht zu kontrollieren, ob nach der Zündung der 

Knallkörper plötzlich Personen im Zielgebiet auftauchen oder die Knallköper das 

anvisierte Ziel verfehlen, was die zahlreichen Querschläger beweisen. Die Täter-

schaft musste damit rechnen, Personen schwer zu verletzen und Sachen zu be-

schädigen. Ihr war das Gefährdungspotenzial der eingesetzten Sprengkörper be-

wusst. Sie kannten die Gefahren und handelten trotzdem. Durch ihr Verhalten 

hat sie eine konkrete Gefahr geschaffen und diese auch bewusst beziehungs-

weise billigend in Kauf genommen. Nicht entscheidend ist, ob sie wussten, wel-

che Sicherheitsabstände konkret einzuhalten gewesen wären. Die Täterschaft 

nahm Körperverletzungen und Sachbeschädigungen in Kauf und handelte dabei 

in der Eventualabsicht, Menschen an Leib und Leben zu verletzten und fremdes 

Eigentum zu beschädigen. Nur durch Glück blieb es beim Sachschaden. Nach 

dem Gesagten liegt Gefährdungsvorsatz vor. 

2.6.3 Die Täterschaft hat den Sprengstoff offensichtlich nicht bestimmungsgemäss ein-

gesetzt (vgl. E. 2.5.2, zweiter Abschnitt). Indem sie die Knallköper weder recht-

mässig noch sachgerecht verwendet hat, diese trotz Kenntnis der Gefährlichkeit 

in einem Wohngebiet zündete, ist das Handeln in verbrecherischer Absicht er-

stellt (E. 2.2.3). Wer in einem Wohngebiet pyrotechnische Gegenstände der hier 

in Frage stehenden Art zündet, deren Flugbahnen nahezu horizontal über eine 

Strasse führen und auf ein Gebäude ausgerichtet sind, nimmt in Kauf, beliebigen 

Personen einen gesundheitlichen Schaden zuzufügen und damit ein Verbrechen 

oder Vergehen zu begehen. Diese Absicht wird – als inneres Element des  

- 30 - 

SK.2021.7 

Willens – durch die Missachtung von Handhabungsvorschriften (Sicherheitsab-

stände von 25 bis 50 Meter [Feuerwerksbatterie mit 36 Schuss] bzw. 60 bis 

80 Meter [Horror-Knall-Raketen]) untermauert. Eine Eventualabsicht des Schä-

digungserfolges (im Sinne von Sachschaden) ist angesichts der Vorgehensweis 

zu bejahen. Die Art und Weise der modifizierten pyrotechnischen Gestände be-

legen, dass diese benutzt werden sollten, um damit Schaden anzurichten. Auch 

war sich die Täterschaft bewusst, dass sie die pyrotechnischen Gegenstände auf 

illegale Weise verwendete. Nach dem Gesagten ist das Handeln in verbrecheri-

scher Absicht gegeben. 

2.6.4 Zusammenfassend ist sowohl der Vorsatz als auch die verbrecherische Absicht 

gegeben. Der subjektive Tatbestand ist erfüllt. 

2.7 Bei dieser Sachlage sind sowohl die objektiven als auch die subjektiven Tatbe-

standsmerkmale von Art. 224 Abs. 1 StGB erfüllt. 

2.8 Gehilfenschaft 

2.8.1 In rechtlicher Hinsicht kann die Beschuldigte nur dann in objektiver Hinsicht als 

Gehilfin zur vorsätzlichen Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in 

verbrecherischer Absicht ins Recht gefasst werden, wenn ihr Beschaffen  

und/oder Aushändigen der Horror-Knall-Rakete sowie ihre Planung und Bera-

tung bei der Durchführung des Anschlags mit dem Tatplan der Täterschaft Sinn 

machte und ihr Tatbeitrag für den deliktischen Erfolg kausal war. Diesbezüglich 

ergibt sich Folgendes: 

Indem die Beschuldigte der Täterschaft eine Horror-Knall-Rakete beschafft 

und/oder ausgehändigt und sie bei der Planung und Durchführung des An-

schlags beraten hat, leistete sie sowohl physische wie auch psychische Gehil-

fenschaft. Ihr Tatbeitrag war nach dem Tatplan der Täterschaft zweifelsohne we-

sentlich und für den Sachschaden am Generalkonsulat der Republik Türkei kau-

sal. Sie hat die Tat mit ihrem untergeordneten Beitrag gefördert. Ohne ihren Tat-

beitrag hätte sich die Tat anders abgespielt.  

2.8.2 In subjektiver Hinsicht bezweckte die Beschuldigte, die Täterschaft bei ihrem An-

schlag auf das Generalkonsulat der Republik Türkei zu unterstützen. Der An-

schlag entsprach ihrer linksradikalen Ideologie. Sie wusste zweifelsohne auf-

grund ihrer Verurteilung im Zusammenhang mit dem spanischen Generalkonsu-

lat (vgl. E. 2.4.4.1 b), dass die Täterschaft vorsätzlich und in verbrecherischer 

Absicht handeln würde. Ebenso war ihr aufgrund ihren einschlägigen Erfahrun-

gen die Voraussicht des Geschehensablaufs bekannt. Sie kannte aufgrund ihres 

Anschlags auf das spanische Generalkonsulat die Gefahren und Wirkungen, die 

- 31 - 

SK.2021.7 

mit der unsachgemässen Verwendung von Sprengkörpern verbunden sind. In-

dem sie in Kenntnis der potenziell zerstörerischen Wirkung der (modifizierten) 

Horror-Knall-Rakete diese der Täterschaft beschaffte und/oder aushändigte, un-

terstützte sie deren Gefährdungsvorsatz. Sodann war ihr bewusst, dass sie mit 

ihrem unterstützenden Beitrag die Haupttat wirksam förderte. Der sog. doppelte 

Gehilfenvorsatz ist somit gegeben (vgl. E. 2.2.5). 

2.9 Rechtfertigungs- und Schuldausschliessungsgründe sind keine gegeben. Die Be-

schuldigte hat demnach tatbestandsmässig, rechtswidrig und schuldhaft gehan-

delt. 

2.10 Die Beschuldigte ist der Gehilfenschaft zur vorsätzlichen Gefährdung durch 

Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht im Sinne von Art. 224 

Abs. 1 i.V.m. Art. 25 StGB schuldig zu sprechen. 

3. Mehrfache Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte 

3.1 Anklagevorwurf (Vorfall vom 6. Juni 2020) 

Die Bundesanwaltschaft wirft der Beschuldigten vor, sie habe am 6. Juni 2020, 

um 14:30 Uhr, anlässlich einer Personenkontrolle im Zusammenhang mit einer 

unbewilligten Demonstration zum Thema «Black Lives Matter» an der Kreuzung 

Sihlstrasse/St. Annagasse, in Zürich, mit Armen und Beinen auf den Einsatzoffi-

zier der Stadtpolizei Zürich, B. (nachfolgend: B.), eingeschlagen. Sie habe ihn 

mit den Füssen im Bereich Knie und Waden und mit den Armen und Ellbogen im 

Bereich Hüfte und Unterbauch getreten. Der Polizeioffizier habe die Personen-

kontrolle in seiner dienstlichen Eigenschaft durchgeführt und sei aufgrund des 

tätlichen Angriffs durch die Beschuldigte in seiner Amtshandlung behindert wor-

den. In subjektiver Hinsicht habe die Beschuldigte wissentlich und willentlich ge-

handelt. Sie habe gewusst, dass der Polizeioffizier befugt gewesen sei, die Per-

sonenkontrolle vorzunehmen und habe zumindest in Kauf genommen, dass er in 

seiner amtlichen Tätigkeit behindert werde. 

Der Verteidiger bringt vor, die Personenkontrolle sei ungesetzlich gewesen (TPF 

pag. 3.721.052; 3.720.018). Der äussere Sachverhalt ist ansonsten unbestritten. 

3.2 Rechtliches 

3.2.1 Nach Art. 285 Ziff. 1 StGB wird bestraft, wer eine Behörde, ein Mitglied einer 

Behörde oder einen Beamten durch Gewalt oder Drohung an einer Handlung, 

die innerhalb ihrer Amtsbefugnisse liegt, hindert, zu einer Amtshandlung nötigt 

oder während einer Amtshandlung tätlich angreift. 

- 32 - 

SK.2021.7 

3.2.2 Geschütztes Rechtsgut von Art. 285 StGB ist das Funktionieren staatlicher Or-

gane. Angriffsobjekt ist nicht der handelnde Beamte, sondern die Amtshandlung 

als solche. Träger der Amtsgewalt, gegen deren Amtshandlungen sich die Tat 

richten muss, sind Beamte und Behörden sämtlicher Gemeinwesen (Bund, Kan-

tone, Bezirke, Kreise, Gemeinden) und deren Körperschaften und Anstalten 

(HEIMGARTNER, Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, vor Art. 285 StGB N. 3). 

3.2.3 Als Amtshandlung gilt jede Handlung, die innerhalb der Amtsbefugnisse des Be-

amten fällt und in seiner örtlichen und sachlichen Zuständigkeit liegt. Amtshand-

lung ist jede Betätigung in der Funktion als Beamter. Erfasst sind alle Teilakte 

der Amtstätigkeit, auch Vorbereitungs- und Begleithandlungen. Entscheidend ist, 

dass die Handlung in Zusammenhang mit der Erfüllung einer öffentlich-rechtli-

chen Funktion steht (Urteile des Bundesgerichts 6B_891/2010 vom 11. Ja-

nuar 2011 E. 3.2; 6B_132/2008 vom 13. Mai 2008 E. 3.3). Bereits das „Durch-

den-Zug-Gehen“ eines Kondukteurs stellt eine Amtshandlung dar (HEIM-

GARTNER, a.a.O., Art. 285 StGB N. 9). Der Täter hindert eine Amtshandlung be-

reits, wenn diese in einer Art und Weise beeinträchtigt wird, dass sie nicht rei-

bungslos durchgeführt werden kann (BGE 103 IV 186 E. 2; HEIMGARTNER, a.a.O., 

Art. 285 StGB N. 5). Der tatbestandmässige Erfolg liegt in der Beeinträchtigung 

der Amtshandlung durch Einsatz der vom Gesetz genannten qualifizierten Mittel 

der Gewalt oder Drohung (HEIMGARTNER, a.a.O., Art. 285 StGB N. 5).  

3.2.4 Das Tatbestandsmerkmal der Gewalt ist gemäss herrschender Lehre im gleichen 

Sinne wie bei der Nötigung auszulegen. Eine Nötigung ist grundsätzlich rechts-

widrig, wenn der Zweck oder das Mittel unerlaubt sind (HEIMGARTNER, a.a.O., 

Art. 285 StGB N. 13). Unter Gewalt ist demnach jede physische Einwirkung auf 

den Amtsträger zu verstehen. Diese muss indessen eine gewisse Intensität auf-

weisen, um tatbestandsmässig zu sein (HEIMGARTNER, a.a.O., Art. 285 StGB 

N. 6). Zu beachten ist, dass relative Kriterien zur Bestimmung der vorausgesetz-

ten Intensität massgebend sind. Insbesondere ist auf die Konstitution, das Ge-

schlecht und die Erfahrung des Opfers abzustellen. In Fällen, in denen Polizisten 

amten, muss folglich aufgrund ihrer Konstitution und Erfahrung die physische 

Einwirkung von einiger Intensität sein (HEIMGARTNER, a.a.O., Art. 285 StGB N. 6). 

Vorausgesetzt wird somit eine eindeutige aggressive Kraftentfaltung gegen die 

betreffende Amtsperson (HEIMGARTNER, a.a.O., Art. 285 StGB N. 6; Entscheid 

des Obergerichts des Kantons Zürich vom 29. November 1968, in: SJZ 1971 

S. 24 Nr. 8). An einem solchen fehlt es etwa bei einem leichten Rempeln im Rah-

men eines „Gerangels“ (HEIMGARTNER, a.a.O., Art. 285 StGB N. 6, 15 m.w.H.) 

oder beim Um-sich-Schlagen ohne zu treffen (Entscheid des Obergerichts des 

Kantons Zürich vom 30. Januar 1953, ZR 1954, S. 155; vgl. Entscheid der Straf-

kammer SK.2017.29 vom 25. Juli 2017 E. III. 1.1) oder beim Herumfuchteln mit 

den Händen (BGE 74 IV 57, 63).  

- 33 - 

SK.2021.7 

3.2.5 Bei der Tatbestandsvariante des tätlichen Angriffs während einer Amtshandlung 

wird vorausgesetzt, dass der Angriff während der Amtshandlung erfolgt (HEIM-

GARTNER, a.a.O., Art. 285 StGB N. 14). Der Begriff des tätlichen Angriffs nach 

Art. 285 Ziff. 1 StGB stimmt nach der Rechtsprechung mit dem Begriff der Tät-

lichkeit nach Art. 126 StGB überein. Ein tätlicher Angriff besteht mithin in einer 

unmittelbaren körperlichen Aggression im Sinne von Art. 126 StGB (HEIM-

GARTNER, a.a.O., Art. 285 StGB N. 15). Eine Tätlichkeit liegt vor bei einer das 

allgemein übliche und gesellschaftlich geduldete Mass überschreitenden physi-

schen Einwirkung auf einen Menschen, die keine Schädigung des Körpers oder 

der Gesundheit zur Folge hat (BGE 134 IV 189 E. 1.2 S. 191 m.w.H.). Die Ver-

ursachung von Schmerzen ist dabei nicht erforderlich (BGE 117 IV 14, 16). Eine 

Tätlichkeit muss gleichwohl von einer gewissen Intensität sein. Das Verursachen 

eines deutlichen Missbehagens genügt (zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 

6B_883/2018 vom 18. Dezember 2018 E. 1.2). 

3.2.6 Der subjektive Tatbestand verlangt Vorsatz; Eventualvorsatz genügt (Art. 12 

Abs. 1 und 2 StGB). Dem Täter muss bewusst sein, dass es sich bei seinem 

Gegenüber möglicherweise um einen Amtsträger handelt. Zudem muss sich sein 

Vorsatz auch auf die Amtshandlung beziehen, d.h. der Täter muss um das mög-

liche Vorliegen einer Amtshandlung wissen, wobei auch hier Eventualvorsatz 

ausreicht. Die Handlung des Täters muss weiter vom Willen getragen sein, den 

Amtsträger an der Amtshandlung zu hindern (Urteil des Bundesgerichts 

6B_132/2008 vom 13. Mai 2008 E. 3.3; HEIMGARTNER, a.a.O., Art. 285 StGB 

N. 23 sowie Art. 286 StGB N. 15). 

 Bei der Tatbestandsvariante der Hinderung einer Amtshandlung durch Gewalt 

oder Drohung muss der Täter mit Wissen und Willen um die möglicherweise hin-

dernde Wirkung seiner Handlung vorgehen. Zudem muss er wissen, dass seine 

Handlungsweise gewaltsam oder drohend ist. Bei der Tatbestandsvariante des 

tätlichen Angriffs während einer Amtshandlung muss der Täter zumindest in Kauf 

nehmen, dass seine Handlung einem tätlichen Angriff gleichkommt (HEIM-

GARTNER, a.a.O., Art. 285 StGB N. 23). Ein bestimmter Beweggrund ist dabei 

nicht erforderlich (BGE 101 IV 62 E. 2c). 

3.2.7 Eine Anhaltung dient grundsätzlich der Verhütung strafbarer Handlungen bzw. 

der Verbrechensbekämpfung. Sie richtet sich vorliegend nach dem Polizeigesetz 

des Kantons Zürich (PolG) vom 23. April 2007 (LS 550.1). Gemäss § 3 Abs. 1 

PolG trägt die Polizei durch Information, Beratung, sichtbare Präsenz und andere 

geeignete Massnahmen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Si-

cherheit bei. Sie trifft insbesondere Massnahmen zur Verhinderung von Strafta-

ten und zur Abwehr von unmittelbar drohenden Gefahren für Menschen (§ 3 

Abs. 2 lit. a und c PolG). Mit § 9 PolG (Generalklausel) bestätigt der Zürcher 

- 34 - 

SK.2021.7 

Gesetzgeber die in Art. 36 Abs. 1 BV geschaffene Möglichkeit, dass die Polizei 

im Einzelfall auch bei fehlender ausdrücklicher Rechtsgrundlage die notwendi-

gen Massnahmen treffen kann, um schwere Störungen der öffentlichen Sicher-

heit und Ordnung abzuwenden (JAAG, Kommentar zum Polizeigesetz des Kan-

tons Zürich, 2018, § 9 PolG N. 3). Wenn es zur Erfüllung ihrer Aufgaben notwen-

dig ist, darf die Polizei eine Person anhalten, deren Identität feststellen und ab-

klären, ob nach ihr oder nach Fahrzeugen, anderen Gegenständen oder Tieren, 

die sie bei sich hat, gefahndet wird (§ 21 Abs. 1 PolG). Das Handeln der Polizei 

muss aber zur Erfüllung ihrer Aufgaben notwendig (Abs. 1) und geeignet sein. 

Das entspricht dem Verhältnismässigkeitsgrundsatz. Dies bedeutet, dass spezi-

fische Umstände vorliegen müssen, welche eine Aktion erforderlich machen. In-

dikatoren für eine Personenkontrolle können eine verworrene Situation, die An-

wesenheit in der Nähe eines Tatortes, eine Ähnlichkeit mit einer gesuchten Per-

son, die Zugehörigkeit zu einer verdächtigen Gruppe oder Ähnliches sein 

(BORBÉLY, Kommentar zum Polizeigesetz des Kantons Zürich, 2018, § 21 PolG 

N. 3; BGE 136 I 87 E. 5.1 f.). Die Feststellung solcher Umstände aufgrund von 

polizeilichen Erfahrungswerten kann genügen, wenn diese objektiv nachvollzieh-

bar sind. Im frühen Stadium des polizeilichen Handelns darf an die Verdachtslage 

ohnehin kein allzu strenger Massstab gestellt werden (BORBÉLY, a.a.O, § 21 PolG 

N. 3). Gemäss § 25 lit. a PolG darf die Polizei zudem eine Person in Gewahrsam 

nehmen, wenn sie unter anderem andere Personen oder Gegenstände ernsthaft 

und unmittelbar gefährdet. 

Sodann bestimmt Art. 215 StPO, dass die Polizei im Interesse der Aufklärung 

einer Straftat eine Person anhalten und wenn nötig auf den Polizeiposten bringen 

kann. Die polizeiliche Anhaltung zum Zweck der Identitätsfeststellung kann damit 

sowohl bei einer konkreten Gefahrenabwehr als auch im Rahmen der eigentli-

chen Strafverfolgung (also strafprozessual) erfolgen. Sicherheits- und kriminal-

polizeiliche Kontrollen können fliessend ineinander übergehen. Grundsätzlich 

gilt: Dient eine Anhaltung der Verhütung strafbarer Handlungen bzw. der Verbre-

chensbekämpfung, so richtet sich diese nach dem kantonalen Polizeigesetz. 

Wenn es um die Aufklärung einer konkreten Straftat geht, sind die Bestimmungen 

der Strafprozessordnung anzuwenden (BORBÉLY, a.a.O., § 21 PolG N. 9). 

3.2.8 Die Stadtpolizei Zürich hat die im PolG festgehaltenen Voraussetzungen für eine 

Personenkontrolle (vgl. E. 3.2.7, erster Abschnitt) in einem Merkblatt konkreti-

siert. Dem «Merkblatt Personenkontrolle» der Stadtpolizei Zürich vom 7. Sep-

tember 2018, welches auch auf der Internetseite der Konferenz der Sicherheits-

direktorinnen und -direktoren (KSSD) abrufbar ist (https://kssd.ch/cmsfiles/blu-

mer_personenkontrollen.pdf) sind unter anderem folgende Voraussetzungen zu 

entnehmen: 1. Gefahren abwehren (Ruhe und Ordnung wahren); 2. Straftaten 

erkennen und aufklären (Prüfung, ob Anfangsverdacht für Straftaten besteht; 

https://kssd.ch/cmsfiles/blumer_personenkontrollen.pdf
https://kssd.ch/cmsfiles/blumer_personenkontrollen.pdf

- 35 - 

SK.2021.7 

Klärung des möglichen Bezugs zu einem konkreten Delikt als Täter etc.; Identität 

von möglichen Beteiligten feststellen); 3. Straftaten verhindern (Mögliche Gefähr-

der ansprechen; Massnahmen ergreifen); 4. Amts-/Vollzugshilfe leisten (Durch-

setzung des Strafvollzugs); 5. Private Rechte schützen (Sicherung glaubhaft ge-

machter privater Rechte; vorsorgliche Beweissicherung). 

Sodann können folgende Gründe eine Personenkontrolle rechtfertigen: 1. Aus-

schreibungen; 2. Polizeiliche Lage und Bedrohung (aktuelle Bedrohungen); 

3. Konkrete Situationen (Grossveranstaltungen; Umfeld potentieller Opfer); 

4. Verhalten und Erscheinung einer Person (von der Norm abweichendes, ver-

dächtiges Verhalten oder unstimmige Kleidung); 5. Objektive Erfahrungswerte 

(bekannte Verhaltensmuster von Straftätern; bekannter «Modus Operandi»; be-

kannte Deliktsorte). 

Schliesslich enthält das Merkblatt folgende Richtlinien, wie die Personenkontrolle 

durchzuführen ist: 1. Verhältnismässig (Abwägung zwischen Schwere des mög-

lichen Delikts und Beeinträchtigung des/der Kontrollierten); 2. Respektvoll (Un-

voreingenommen und ohne Vorbehalt; Transparent [sich vorstellen und Anlass 

der Kontrolle erklären]); 3. Taktvoll (diskret und die Menschenwürde beachtend); 

4. Gründlich (vollständig; konsequent, bei Bedarf Kontrolle durchsetzen); 5. Si-

cher (taktisches Vorgehen mit Kollege/in abgesprochen). 

3.3 Beweismittel 

3.3.1 Rapport der Stadtpolizei Zürich 

Dem Rapport der Stadtpolizei Zürich von Feldweibel L. vom 7. Juni 2020 ist zu 

entnehmen, dass sich am 6. Juni 2020 im Rahmen der unbewilligten Demonst-

ration zum Thema «Black Lives Matter» eine grössere Anzahl Personen in der 

Umgebung der Pestalozziwiese an der Bahnhofstrasse in Zürich versammelt ha-

ben. Als Einsatzleiter-Front fungierte Hauptmann B. von der Stadtpolizei Zürich. 

Er wurde durch Wachtmeister R. und weitere Polizisten begleitet. Die Situation 

war anfangs friedlich, bis eine bekannte linksextreme Gruppierung die Stimmung 

aufheizte und den Lead der Kundgebung übernahm. Ein grosser Teil der Teil-

nehmer bewegte sich schliesslich in Richtung Bahnhofplatz und setzte die Route 

in der Löwenstrasse fort. Die Beschuldigte gab ihm Rahmen der nicht bewilligten 

Demonstration Anweisungen und Instruktionen an die teils vermummten Teilneh-

mer. Sie lief an vorderster Front des Demonstrationszuges mit und hetzte ein-

zelne Teilnehmer gegen die Polizei auf. Aus diesem Grunde wurde sie durch den 

Einsatzleiter B. angesprochen und kontrolliert. Die Beschuldigte trat und schlug 

dann den als Polizist erkennbaren B., als er sie einer Polizeikontrolle unterziehen 

wollte. (pag. 10-01-5-0004, -0006; vgl. Nachtragsrapport von Feldweibel S. von 

- 36 - 

SK.2021.7 

der Stadtpolizei Zürich vom 15. Juni 2020 [pag. 10-01-5-0014] sowie Nachtrags-

rapport von Feldweibel T. von der Stadtpolizei Zürich vom 4. August 2020 [pag. 

10-01-5-0023]) 

3.3.2 Wahrnehmungsberichte 

3.3.2.1 Gemäss Wahrnehmungsbericht des Privatklägers B. von der Stadtpolizei Zürich 

vom 6. Juni 2020 sei gleichentags auf diversen Kommunikationskanälen zu einer 

Demonstration zum Thema «Black Lives Matter» aufgerufen worden. Besamm-

lungsort sei die Bahnhofstrasse respektive der Hauptbahnhof Zürich gewesen. 

Er habe den Einsatz als Einsatzoffizier geleitet und sei uniformiert gewesen. Im 

Bereich der Pestalozziwiese in Zürich seien anfangs rund 600 Demonstrations-

teilnehmer vor Ort gewesen. Verschiedene polizeiliche Dialogteams hätten die 

Teilnehmer auf die Covid-19-Verordnung aufmerksam gemacht. Um ca. 

13:45 Uhr sei ihm ein Fahrradfahrer im Bereich Bahnhofstrasse auf dem Geh-

steig mit relativ hoher Geschwindigkeit von hinten in das rechte Bein gefahren 

(pag. 12-04-0003). Die Zahl der Demonstrationsteilnehmer sei um 14:00 Uhr auf 

gut 1000 gestiegen, wobei sie die Personen abgemahnt und auf die unbewilligte 

Situation aufmerksam gemacht hätten. Die Beschuldigte sei mit einer grösseren 

Gruppierung, welche der linksextremen Gruppierung habe zugeordnet werden 

können, im vorderen Teil der Demonstration mitgelaufen. Sie habe mit zum Teil 

vermummten Personen den «Lead» der Demonstration übernommen. Beim Lö-

wenplatz hätten die polizeilichen Dialogteams versucht, die Demonstrationsteil-

nehmer zu bewegen, geradeaus in die Löwengasse weiterzugehen, was aber die 

Beschuldigte zu verhindern versucht habe. Sie habe die Organisation und die 

Handlungsgewalt über die Demonstrationsteilnehmer innegehabt. Ausserdem 

habe sie kommuniziert, den Anweisungen der Polizei nicht zu folgen. Im Bereich 

der Seidengasse 17/20 habe die Spitze der Demonstrationsteilnehmer unter An-

weisung der Beschuldigten die Polizeisperre durchbrochen und sei Richtung 

Sihlstrasse gegangen. Bei der Einmündung der Seidengasse in die Sihlstrasse 

habe ihm eine männliche Person von hinten mit der Hand ins Genick geschlagen, 

wobei sein Kopf nach vorne geschleudert worden sei. Kurze Zeit später sei ihm 

derselbe Fahrradfahrer, der ihn in der Bahnhofstrasse attackiert habe, im Schritt-

tempo wieder in sein Bein gefahren und habe ihn an die Hauswand an der Sihl-

strasse 1 gedrückt. Der Fahrradfahrer fuhr dann durch die Menschenmenge nach 

vorne an die Spitze der Demonstration zur Beschuldigten. Wenige Minuten spä-

ter sei er von einem weiteren Demonstrationsteilnehmer im Bereich Sihlstrasse 3 

attackiert worden, indem er ihn (gemeint: Einsatzoffizier B.) an die Wand ge-

drückt und mit dem Ellbogen gegen seine Hüfte geschlagen habe. An der Kreu-

zung Sihlstrasse/St. Annagasse habe die Beschuldigte die Anweisung gegeben, 

die Polizei zu umlaufen und in Richtung Bahnhofstrasse/Paradeplatz zu gehen. 

- 37 - 

SK.2021.7 

Er habe sich dann entschlossen, die Beschuldigte als offensichtliche Organisa-

torin einer Personenkontrolle zu unterziehen (pag. 12-04-0004). Sie habe sich 

nach Eröffnung der Personenkontrolle durch Arm- und Beinschläge stark zur 

Wehr gesetzt (pag. 12-04-0004 f.). Er habe dadurch Schmerzen an den Beinen 

sowie in der Bauch- und Hüftgegend verspürt (pag. 12-04-0005). 

3.3.2.2 Dem Wahrnehmungsbericht von Wachtmeister R. von der Stadtpolizei Zürich 

vom 10. Juni 2020 ist zu entnehmen, dass er am 6. Juni 2020 anlässlich des 

Demonstrations-Einsatzes im Rahmen der Demonstration zum Thema «Black Li-

ves Matter» den Einsatzoffizier B. begleitet habe. Die Beschuldigte habe Anwei-

sungen gegeben, die Polizeiabsperrungen zu durchbrechen. Sie sei offensicht-

lich die Organisatorin und Aufhetzerin gewesen. Hauptmann B. habe der Be-

schuldigten eine Personenkontrolle eröffnet. Dabei habe sie sich mit Händen und 

Füssen gewehrt. (pag. 12-05-0001) 

3.3.3 Verhaftungsrapport 

Dem Verhaftungsrapport von Polizist AA. von der Stadtpolizei Zürich vom 

6. Juni 2020 ist zu entnehmen, dass die Beschuldigte die Demonstration zum 

Thema «Black Lives Matter» angeführt und gelenkt habe. Der Polizeioffizier B. 

habe das Gespräch mit ihr gesucht. Dabei habe sie sich von Anfang an äusserst 

renitent verhalten und das Gespräch verweigert. Sie habe mehrmals mit den Bei-

nen und Armen den Polizeioffizier geschlagen. Danach sei sie verhaftet worden. 

(pag. 18-01-0008) 

3.3.4 Aussagen 

3.3.4.1 Der Privatkläger B. sagte am 1. Februar 2021 bei der Bundesanwaltschaft als 

Auskunftsperson zum inkriminierten Vorfall vom 6. Juni 2020 aus, er sei damals 

im Zusammenhang mit der unbewilligten Demonstration zum Thema «Black Li-

ves Matter» als polizeilicher Einsatzleiter im Dienst für die Begleitung des Einsat-

zes verantwortlich gewesen. Die unbewilligte Demonstration sei vom Bereich 

Bahnhof in die Innenstadt der Stadt Zürich verlaufen. Die Stadtpolizei Zürich 

habe versucht, eine ordentliche Durchführung der Demonstration zu bewerkstel-

ligen. Dabei seien sie von der Beschuldigten und mehreren Personen aus ihrem 

Umfeld, welche sie begleitet hätten, behindert worden. Er sei selber körperlich 

angegangen worden. Er habe die Beschuldigte, welche immer aktiver in die Füh-

rung der Demonstration eingegriffen habe, im Bereich Innenstadt bei der St. An-

nagasse einer Personenkontrolle unterziehen wollen. Dabei sei sie körperlich ge-

gen ihn vorgegangen und habe zur Gewalt gegen ihn und generell gegen die 

Polizei aufgerufen (pag. 12-04-0017). Er sei befugt gewesen, als diensttuender 

Einsatzoffizier eine Personenkontrolle durchzuführen. Auf Frage, warum er die 

Personenkontrolle habe durchführen wollen, sagte er aus, die Beschuldigte habe 

- 38 - 

SK.2021.7 

immer offensichtlicher die Kontrolle über die Demonstration übernommen und 

schliesslich innegehabt. Die Beschuldigte habe zu Gewalt gegen die Polizei auf-

gerufen. Sie habe aufgerufen, die Polizeisperren zu umgehen und die Polizei zu 

bekämpfen. Aus diesem Grund habe er sich bewogen gefühlt, sie als offensicht-

liche Führungsperson und Organisatorin der Demonstration einer Kontrolle zu 

unterziehen, weil es sich um eine unbewilligte Demonstration gehandelt habe. 

(pag. 12-04-018) Er habe im Rahmen der polizeilichen Gefahrenabwehr erkannt, 

dass sie mutmasslich die Handlungen dieser Demonstration geführt habe  

und/oder die Organisatorin dieser Demonstration gewesen sei. Ausserdem habe 

sie die Handlungsgewalt über die Demonstration innegehabt. Er habe sie daher 

zur Klärung der Sachlage einer Personenkontrolle unterziehen wollen. (pag.  

12-04-0022). 

Zum Verhalten der Beschuldigten während der Personenkontrolle befragt, sagte 

er aus, sie habe sich der Kontrolle durch Abdrehen und Wegrennen entziehen 

wollen. Er habe sie am Arm halten müssen. Sie habe dann zur Gewalt gegen ihn 

aufgerufen. Sodann habe sie gegen ihn mit Armen und Beinen getreten (pag.  

12-04-0018). Sie habe ihn mit den Füssen im Bereich des Knies und der Waden 

getreten. Ausserdem habe sie ihn mit den Armen und Ellbogen im Bereich der 

Hüfte und des Unterbauchs geschlagen (pag. 12-04-0019). Er habe dann mit ihr 

flüchten müssen, weil ein grosser Menschenmob auf sie zugekommen sei (pag. 

12-04-0018 f.). 

Dazu befragt, ob er durch das Verhalten der Beschuldigten in seiner Amtshand-

lung behindert worden sei, sagte er aus: «Ja». Er sei durch die Handlungen der 

Beschuldigten in seiner Amtshandlung behindert wor