# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 53793a46-76de-5a62-b8be-f287e1163b14
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-01-29
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 29.01.2024 WBE.2023.273
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_WBE-2023-273_2024-01-29.pdf

## Full Text

Verwaltungsgericht 

2. Kammer 

 

WBE.2023.273 / ew / we 
ZEMIS [***] (E.2023.020)  

Art. 5 

 

Urteil vom 29. Januar 2024 
 
 

Besetzung  Verwaltungsrichter Busslinger, Vorsitz  

Verwaltungsrichter Clavadetscher  

Verwaltungsrichter Ch. Huber  

Gerichtsschreiberin William  

 

 
   

Beschwerde-

führer  

 A._____, von Zürich   

vertreten durch MLaw Tamara De Caro, Rechtsanwältin, 

Stadtturmstrasse 19, Postfach, 5401 Baden    

 

gegen 

 

  Amt für Migration und Integration Kanton Aargau, Rechtsdienst, 

Bahnhofplatz 3C, 5001 Aarau    

 

 
 

   

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend Familiennachzug 

 

Entscheid des Amtes für Migration und Integration  

vom 13. Juli 2023 

  

 - 2 - 

 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht entnimmt den Akten: 

 

A. 

Der Beschwerdeführer (geb. tt.mm.jjjj, Schweizer Staatsangehöriger) 

heiratete am 31. Januar 2009 in Thailand die thailändische Staatsange-

hörige B._____ (heute C._____; geb. tt.mm.jjjj). Mit dieser hat er eine 

bereits im Oktober 2002 geborene Tochter, welche das Schweizer 

Bürgerrecht besitzt (Akten des Amtes für Migration und Integration [MI-

act.] 9 ff.). Aus einer früheren Beziehung hat die Ehefrau des 

Beschwerdeführers zudem eine ca. 28-jährige Tochter, die wie ihre Mutter 

thailändische Staatsangehörige ist (vgl. MI-act. 38). Beide Kinder leben seit 

ihrer Geburt in Thailand. 

 

Seit ihrem Kennenlernen im Jahr 2000 besuchte der Beschwerdeführer 

seine Ehefrau jeweils im Winter für drei Monate in Thailand. In der übrigen 

Zeit des Jahres pflegte das Paar den Kontakt über moderne Kommunika-

tionsmittel (MI-act. 17, 37 f., 41, 67). Mit Gesuchsformular vom 29. Septem-

ber 2022 beantragte die Ehefrau des Beschwerdeführers bei der Schweizer 

Botschaft in Bangkok die Erteilung eines Visums für einen langfristigen Auf-

enthalt in der Schweiz zum Zwecke des Familiennachzugs (MI-act. 6 ff.). In 

der Folge forderte das Amt für Migration und Integration Kanton Aargau 

(MIKA), Sektion Aufenthalt, den Beschwerdeführer mit Schreiben vom 

24. Oktober 2022 auf, das Familiennachzugsgesuch für seine Ehefrau bei 

den zuständigen Einwohnerdiensten seiner Wohnsitzgemeinde einzu-

reichen. Gleichzeitig richtete es einen Fragenkatalog an den Beschwerde-

führer, den dieser mit E-Mail vom 30. Oktober 2022 beantwortete (MI-

act. 14 f., 17). Das Gesuch um Familiennachzug ging am 31. Oktober 2022 

bei den Einwohnerdiensten der Gemeinde Q._____ ein (MI-act. 18 ff.). 

 

Daraufhin teilte das MIKA dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 

9. November 2022 mit, dass es beabsichtige, das Familiennachzugsge-

such wegen Versäumung der Nachzugsfrist und mangels wichtiger fami-

liärer Gründe für einen nachträglichen Familiennachzug abzulehnen, und 

gewährte ihm das rechtliche Gehör (MI1-act. 25 ff.). 

 

Nach Eingang der Stellungname des inzwischen anwaltlich vertretenen Be-

schwerdeführers vom 2. Dezember 2022 (MI-act. 36 ff.) verfügte das MIKA 

am 17. Januar 2023 die Ablehnung des Familiennachzugsgesuchs des Be-

schwerdeführers für seine Ehefrau und verweigerte dieser die Wohnsitz-

nahme in der Schweiz (MI-act. 54 ff.). 

 

B. 

Gegen die Verfügung des MIKA vom 17. Januar 2023 erhob der Beschwer-

deführer mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 16. Februar 2023 beim 

Rechtsdienst des MIKA (Vorinstanz) Einsprache (MI-act. 62 ff.). 

 - 3 - 

 

 

 

Am 13. Juli 2023 erliess die Vorinstanz folgenden Einspracheentscheid 

(act. 1 ff.): 

 

1. 
Die Einsprache wird abgewiesen. 
 
2. 
Es werden keine Gebühren erhoben. 
 
3. 
Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

Auf die Begründung wird, soweit erforderlich, in den folgenden Erwägungen 

eingegangen. 

 

C. 

Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 11. August 2023 erhob der Be-

schwerdeführer beim Verwaltungsgericht des Kantons Aargau (Verwal-

tungsgericht) Beschwerde und stellte folgende Begehren (act. 10 ff.): 

 

1. 
In Gutheissung der Beschwerde sei der Einspracheentscheid des Rechts-
diensts des Amts für Migration und Integration Kanton Aargau vom 13. Juli 
2023 aufzuheben und das Amt für Migration und Integration Kanton 
Aargau sei anzuweisen, das Familiennachzugsgesuch zugunsten 
C._____ zu bewilligen und dieser eine Aufenthaltsbewilligung 
auszustellen. 
 
2. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Vorinstanz. 

 

Die Begründung ergibt sich, soweit erforderlich, aus den nachstehenden 
Erwägungen. 
 
D. 

Nach Eingang des Kostenvorschusses reichte die Vorinstanz aufforde-
rungsgemäss die Akten ein, hielt am Einspracheentscheid fest und bean-
tragte die Abweisung der Beschwerde (act. 25, 29). Mit Verfügung vom 
18. September 2023 wurde die Beschwerdeantwort dem Beschwerdefüh-
rer zur Kenntnisnahme zugestellt. Ein weiterer Schriftenwechsel wurde 
nicht angeordnet (act. 30 f.). 
 

Das Verwaltungsgericht hat den Fall am 29. Januar 2024 beraten und ent-

schieden. 

 

 - 4 - 

 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

 

I. 

1. 

Einspracheentscheide des MIKA können innert 30 Tagen seit Zustellung 

mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht weitergezogen werden (§ 9 

Abs. 1 des Einführungsgesetzes zum Ausländerrecht vom 25. November 

2008 [EGAR; SAR 122.600]). Beschwerden sind schriftlich einzureichen 

und müssen einen Antrag sowie eine Begründung enthalten; der angefoch-

tene Entscheid ist anzugeben, allfällige Beweismittel sind zu bezeichnen 

und soweit möglich beizufügen (§ 2 Abs. 1 EGAR i.V.m. § 43 des Gesetzes 

über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Dezember 2007 [Verwaltungs-

rechtspflegegesetz, VRPG; SAR 271.200]). 

 
Nachdem sich die Beschwerde gegen den Einspracheentscheid der 

Vorinstanz vom 13. Juli 2023 richtet, ist die Zuständigkeit des Verwaltungs-

gerichts gegeben und auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde ist einzutreten. 

 

2. 

Unter Vorbehalt abweichender bundesrechtlicher Vorschriften oder Bestim-

mungen des EGAR können mit der Beschwerde an das Verwaltungsgericht 

einzig Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung oder Miss-

brauch des Ermessens, und unrichtige oder unvollständige Feststellung 

des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden. Die Ermessensüber-

prüfung steht dem Gericht jedoch grundsätzlich nicht zu (§ 9 Abs. 2 EGAR; 

vgl. auch § 55 Abs. 1 VRPG). Schranke der Ermessensausübung bildet 

das Verhältnismässigkeitsprinzip (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, in: MARTINA 

CARONI/THOMAS GÄCHTER/DANIELA THURNHERR [Hrsg.], Stämpflis Hand-

kommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer 

[AuG], Bern 2010, N. 7 zu Art. 96 mit Hinweisen). In diesem Zusammen-

hang hat das Verwaltungsgericht gemäss bundesgerichtlicher Recht-

sprechung insbesondere zu klären, ob die Vorinstanz die gemäss Art. 96 

des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer vom 16. De-

zember 2005 (Ausländergesetz, AuG; SR 142.20) bzw. neu Art. 96 des 

Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die In-

tegration vom 16. Dezember 2005 (Ausländer- und Integrationsgesetz, 

AIG; SR 142.20) relevanten Kriterien (öffentliche Interessen, persönliche 

Verhältnisse, Integration) berücksichtigt hat und ob diese rechtsfehlerfrei 

gewichtet wurden (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, a.a.O., N.  9 zu Art. 96). 

Schliesslich ist im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zu entscheiden, ob 

die getroffene Massnahme durch ein überwiegendes öffentliches Interesse 

gerechtfertigt erscheint (sog. Verhältnismässigkeit im engeren Sinn). 

 

 - 5 - 

 

 

II.  

1. 

1.1.  

Die Vorinstanz hält im angefochtenen Entscheid zunächst fest, dass die 

gesetzliche Nachzugsfrist für die Ehefrau des Beschwerdeführers verpasst 

sei und ein nachträglicher Familiennachzug mangels wichtiger familiärer 

Gründe für diese nicht bewilligt werden könne. Dazu führt sie im Wesent-

lichen aus, dass die Änderung der Ferienregelung durch den Arbeitgeber 

des Beschwerdeführers keinen wichtigen persönlichen Grund darzustellen 

vermöge, um einen Familiennachzug ausserhalb der gesetzlichen Nach-

zugsfristen zu bewilligen, zumal die bisherige grosszügige Ferienregelung 

aussergewöhnlich gewesen sei und das Ehepaar im Rahmen des gewähl-

ten Familienmodells mit zwei verschiedenen Wohnorten damit habe rech-

nen müssen, dass die bisherige Kontaktpflege irgendwann nicht mehr mög-

lich sein würde (act. 5 f.). Auch der Wegfall der behaupteten Betreuungs- 

und Erziehungsaufgaben der Ehefrau stelle keinen wichtigen familiären 

Grund dar. Diesbezüglich hält die Vorinstanz fest, dass die Tochter aus 

erster Ehe der Ehefrau nach eigenen Angaben des Beschwerdeführers im 

Jahr 2022 27 Jahre alt gewesen sei. Demnach sei sie mutmasslich im Jahr 

1995 geboren. Dass diese Tochter besonders pflegebedürftig oder in 

sonstiger Weise betreuungsbedürftig gewesen wäre, sei nicht geltend ge-

macht worden. Im Januar 2014, zum Zeitpunkt des Ablaufs der fünfjährigen 

Nachzugsfrist, sei sie volljährig gewesen. Folglich wäre diese Tochter bei 

einer allfälligen Bewilligung des (rechtzeitig gestellten) Familiennachzugs-

gesuchs alt genug gewesen, um ausserhalb des mütterlichen Haushalts 

leben zu können. Ein Zuwarten mit der Antragsstellung um weitere 

acht Jahre – wegen einer Betreuungspflicht gegenüber der Tochter aus 

erster Ehe – sei nicht geboten gewesen. Die gemeinsame Tochter sei am 

tt.mm.jjjj geboren worden. Ihre Übersiedlung innerhalb der Nachzugsfrist 

sei der Ehefrau möglich und zumutbar gewesen. Der Beschwerdeführer 

habe jedoch zugunsten einer Schul- und Jugendzeit der gemeinsamen 

Tochter in Thailand auf einen früheren Nachzug verzichtet. Die behauptete 

Betreuungs- und Erziehungsaufgabe könne daher nicht kausal für die 

Entscheidung gewesen sein, die Ehefrau nicht rechtzeitig nachzuziehen. 

Auch die altersbedingte Pflege der Eltern des Beschwerdeführers und die 

damit einhergehenden Kosten stellten keinen wichtigen Grund für den 

nachträglichen Familiennachzug dar.  

 

Abschliessend hält die Vorinstanz fest, die Verweigerung des Familien-

nachzugs des Beschwerdeführers stelle zwar einen Eingriff in das durch 

Art. 8 der Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreihei-

ten vom 4. November 1950 (EMRK; SR 0.101) geschützte Familienleben 

dar; dieser sei jedoch aufgrund des überwiegenden öffentlichen Interesses 

an der Ablehnung des Familiennachzugs gerechtfertigt (act. 8 f.). 

 

 - 6 - 

 

 

1.2.  

Der Beschwerdeführer anerkennt in seiner Beschwerde, dass er das Nach-

zugsgesuch für seine Ehefrau verspätet eingereicht hat, macht aber gel-

tend, dass wichtige familiäre Gründe für einen nachträglichen Familien-

nachzug vorlägen. Diese sieht er (wie bereits im vorinstanzlichen Verfah-

ren) in der Pflegebedürftigkeit seiner Eltern, der neuen Familienkonstella-

tion in Thailand und der geänderten Ferienregelung. Nunmehr wolle er ge-

meinsam mit seiner Ehefrau in der Schweiz zusammenleben, damit diese 

ihn bei der Pflege seiner Eltern unterstützen könne (act. 15 ff.). Im Übrigen 

sei der Nachzug der Ehefrau auch gestützt auf Art. 8 EMRK zu bewilligen, 

zumal keine öffentlichen Interessen ersichtlich seien, die den mit einer Ver-

weigerung einhergehenden Eingriff in das Familienleben rechtfertigen 

würden (act. 19). 

 

2. 

Gemäss Art. 42 Abs. 1 AIG haben ausländische Ehegatten und ledige Kin-

der unter 18 Jahren von Schweizerinnen und Schweizern Anspruch auf Er-

teilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen 

zusammenwohnen. 

 

Gesuche um Familiennachzug für Ehegatten von Schweizerinnen und 

Schweizern gestützt auf Art. 42 Abs. 1 AIG müssen gemäss Art. 47 Abs. 1 

AIG innerhalb von fünf Jahren eingereicht werden. Die Frist beginnt mit der 

Einreise der Schweizerin oder des Schweizers in die Schweiz oder mit der 

Entstehung des Familienverhältnisses zu laufen (Art. 47 Abs. 3 lit. a AIG). 

Ist die Einreise vor dem 1. Januar 2008 erfolgt bzw. das Familienverhältnis 

vor dem 1. Januar 2008 entstanden, beginnt die Nachzugsfrist am 1. Ja-

nuar 2008 zu laufen (Art. 126 Abs. 3 AIG). Wird die Frist nicht eingehalten, 

liegt ein nachträglicher Familiennachzug vor. Dieser ist nur bei Vorliegen 

wichtiger familiärer Gründe zu bewilligen (Art. 47 Abs. 4 AIG). 

 

3.  

3.1. 

Der Schweizer Beschwerdeführer und seine Ehefrau sind seit dem 31. Ja-

nuar 2009 verheiratet und wollen in der Schweiz dauerhaft zusammenwoh-

nen. Mit der 5 ½-Zimmerwohnung in Q._____, in welcher der Beschwerde-

führer gemeinsam mit seinen Eltern lebt (MI-act. 20, 24), ist klarerweise 

auch eine bedarfsgerechte Wohnung im Sinne der Rechtsprechung zu 

Art. 42 Abs. 1 AIG für den bei einem Nachzug der Ehefrau resultierenden 

4-Personenhaushalt vorhanden. Damit sind die materiellen Voraus-

setzungen für einen Familiennachzug gestützt auf Art. 42 Abs. 1 AIG 

grundsätzlich erfüllt, was durch die Vorinstanz im Übrigen explizit bestätigt 

wurde (act. 3).  

 

 - 7 - 

 

 

3.2. 

Wie durch die Vorinstanz richtig festgestellt (act. 3), hat der Beschwerde-

führer das verfahrensgegenständliche Familiennachzugsgesuch für seine 

Ehefrau vom 30. Oktober 2022 über acht Jahre nach Ablauf der fünfjähri-

gen Nachzugsfrist, welche am 31. Januar 2009 begann und am 31. Januar 

2014 endete, eingereicht. Es handelt sich damit um einen nachträglichen 

Familiennachzug, welcher lediglich bei Vorliegen wichtiger familiärer 

Gründe bewilligt werden kann (Art. 47 Abs. 4 AIG). Da dies der Beschwer-

deführer in seiner Beschwerde ausdrücklich anerkennt (act. 14), erübrigen 

sich weitere Ausführungen hierzu. 

 

3.3. 

3.3.1.  

3.3.1.1. 

Ein nachträglicher Familiennachzug wird nach Art. 47 Abs. 4 AIG nur be-

willigt, wenn wichtige familiäre Gründe geltend gemacht werden. Art. 75 der 

Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit vom 24. Ok-

tober 2007 (VZAE; SR 142.201) greift den Begriff der wichtigen familiären 

Gründe auf und führt aus, dass solche vorliegen, wenn das Kindswohl nur 

durch einen Nachzug in die Schweiz gewahrt werden kann. Damit präzisiert 

der Verordnungsgeber zwar den Begriff der wichtigen familiären Gründe 

beim nachträglichen Kindernachzug, lässt aber den nachträglichen Ehegat-

tennachzug ausser Acht. Bei letzterem kann selbstredend nicht das Kinds-

wohl für die Bejahung wichtiger familiärer Gründe ausschlaggebend sein 

(MARTINA CARONI, in: MARTINA CARONI/THOMAS GÄCHTER/DANIELA 

THURNHERR [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über 

die Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Bern 2010, N. 21 zu Art. 47). 

Auch in der einschlägigen Rechtsprechung und Lehre hat hinsichtlich des 

Ehegattennachzugs der unbestimmte Rechtsbegriff der wichtigen fami-

liären Gründe bislang keine scharfen Konturen erfahren (so auch Urteile 

des Bundesgerichts 2C_481/2018 vom 11. Juli 2019, Erw. 6.1, 

2C_323/2018 vom 21. September 2018, Erw. 8.2.1, und 2C_386/2016 vom 

22. Mai 2017, Erw. 2.3 mit Hinweisen; vgl. MARTINA CARONI, a.a.O., N. 21 

zu Art. 47; MARC SPESCHA, in: MARC SPESCHA/ANDREAS ZÜND/PETER 

BOLZLI/CONSTANTIN HRUSCHKA/FANNY DE WECK [Hrsg.], Kommentar Migra-

tionsrecht, 5. Aufl., Zürich 2019, N. 17 zu Art. 47 AIG). Jedenfalls bedarf es 

– analog zum Nachzug von Kindern – auch hier einer gesamthaften Wür-

digung der relevanten Umstände im Einzelfall (vgl. Urteil des Bundesge-

richts 2C_386/2016 vom 22. Mai 2017, Erw. 2.3.2) und soll nach dem 

Willen des Gesetzgebers die Bewilligung eines nachträglichen Familien-

nachzugs die Ausnahme und nicht die Regel bilden (vgl. Urteil des Bun-

desgerichts 2C_214/2019 vom 5. April 2019, Erw. 3.2). 

 

 

 - 8 - 

 

 

3.3.1.2. 

In Bezug auf den massgeblichen Zeitpunkt, in welchem wichtige familiäre 

Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG für einen nachträglichen Nachzug 

des Ehegatten vorliegen müssen, ist zunächst auf den Sachverhalt im Zeit-

punkt der Gesuchseinreichung abzustellen (vgl. BGE 136 II 497, Erw. 3.4). 

Waren sämtliche Voraussetzungen für den nachträglichen Familiennach-

zug bereits zu jenem Zeitpunkt erfüllt, ist das Gesuch zu bewilligen bzw. 

eine Einsprache oder Beschwerde gutzuheissen. Andernfalls ist die Ent-

wicklung ab Gesuchseinreichung in die Beurteilung miteinzubeziehen. 

Stellt sich nämlich heraus, dass im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung noch 

keine wichtigen familiären Gründe vorlagen, diese jedoch im Laufe des Ver-

fahrens eingetreten sind, ist eine Einsprache oder eine Beschwerde gutzu-

heissen, sofern in jenem Zeitpunkt auch die übrigen Voraussetzungen für 

den Familiennachzug zeitgleich erfüllt waren. Dieselben Überlegungen gel-

ten auch, wenn eine andere Voraussetzung für den Familiennachzug (z.B. 

Wohnung oder finanzielle Mittel) im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung 

noch nicht erfüllt war (vgl. vorne Erw. II/3.1.1.1).  

 

Ein nachträgliches Familiennachzugsgesuch für den Ehegatten ist mit 

anderen Worten dann zu bewilligen, wenn zu einem beliebigen Zeitpunkt 

zwischen der Gesuchseinreichung und dem Entscheidzeitpunkt sämtliche 

Voraussetzungen für den (nachträglichen) Familiennachzug gleichzeitig 

erfüllt waren. Dies geht auch aus dem Gebot der rechtsgleichen Behand-

lung hervor, da andernfalls der Ausgang eines Familiennachzugsver-

fahrens vom jeweiligen Zeitpunkt abhängig wäre, in welchem die zustän-

dige Behörde über das Gesuch befindet (Entscheid des Verwaltungsge-

richts WBE.2015.341 vom 3. März 2017, Erw. II/3.3). 

 

3.3.1.3.  

In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob wichtige familiäre Gründe vorliegen, 

die den Familiennachzug offensichtlich gebieten.  

 

Hinsichtlich des nachträglichen Nachzugs eines Ehegatten ist dies insbe-

sondere dann der Fall, wenn bei einem (beispielsweise altersbedingt) be-

treuungsbedürftigen Ehegatten die Betreuungssituation wegfällt und es im 

Heimatland an einer adäquaten Betreuungsalternative fehlt, oder wenn 

sich der Gesundheitszustand des Ehegatten verschlechtert und im Heimat-

land keine adäquate Behandlung möglich ist. Umgekehrt kann ein nach-

träglicher Ehegattennachzug aber auch deshalb offensichtlich geboten er-

scheinen, weil sich die Situation des nachziehenden Ehegatten in der 

Schweiz – namentlich in gesundheitlicher Hinsicht – dergestalt verschlech-

tert, dass dieser der Unterstützung des nachzuziehenden, bislang im Aus-

land lebenden Ehegatten bedarf (vgl. dazu BGE 146 I 185, Erw. 7.1.2; 

siehe auch Pra 110 (2021) Nr. 36). 

 

 - 9 - 

 

 

Wichtige familiäre Gründe im Sinne von Art. 75 VZAE, die den Familien-

nachzug offensichtlich gebieten, können zudem auch dann vorliegen, wenn 

rechtsgenügend dargetan wird, dass das Familienleben seit Jahren wäh-

rend mehrerer (aufeinanderfolgender) Monate im Ausland tatsächlich 

gelebt wurde und das Zusammenleben im bisher gewohnten Umfang aus 

Gründen, die nicht in der Person der Ehegatten liegen, nicht mehr möglich 

ist. 

 

Liegen keine derartigen Umstände vor, ist in einem zweiten Schritt zu prü-

fen, ob die Verweigerung des Familiennachzugs zu einer Verletzung von 

Art. 8 EMRK führen würde und deshalb vom Vorliegen wichtiger familiärer 

Gründe auszugehen ist. 

 

3.3.1.4. 

3.3.1.4.1. 

Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist das nationale Gesetzes-

recht möglichst verfassungs- und konventionskonform auszulegen (vgl. Ur-

teile des Bundesgerichts 2C_432/2016 vom 26. Januar 2018, Erw. 5.3.1, 

und 2C_1050/2016 vom 10. März 2017, Erw. 5.1). Wird der Familiennach-

zug eines Kindes zu einem Elternteil oder des einen Ehegatten zum ande-

ren verweigert, geht damit regelhaft ein Eingriff in das durch Art. 8 EMRK 

geschützte Familienleben einher. Die Fristenregelung von Art. 47 AIG 

bildet indes eine ausreichende gesetzliche Grundlage für den Eingriff im 

Sinne von Art. 8 Ziff. 2 EMRK (Urteil des Bundesgerichts 2C_323/2018 

vom 21. September 2018, Erw. 6.5.1). Entsprechend gilt der Eingriff nach 

Massgabe von Art. 8 Ziff. 2 EMRK als gerechtfertigt, sofern er sich im kon-

kreten Einzelfall in einer demokratischen Gesellschaft als notwendig, d.h. 

als verhältnismässig, erweist. Ist dies zu bejahen, hält die Verweigerung 

des Familiennachzugs vor Art. 8 EMRK stand. 

 

Nach dem Gesagten ist bei der Beurteilung nach nationalem Recht, ob der 

Familiennachzug eines Kindes oder des Ehegatten trotz Verpassens der 

Nachzugsfrist gemäss Art. 47 Abs. 1 AIG zu bewilligen ist, die Ausnahme-

regelung von Art. 47 Abs. 4 AIG so zu handhaben – mithin der unbestimmte 

Rechtsbegriff der wichtigen familiären Gründe so auszulegen – dass das 

durch Art. 8 EMRK geschützte Familienleben der Betroffenen nicht verletzt 

wird. Um dies sicherzustellen, ist im Rahmen der Gesamtschau, derer es 

hinsichtlich des allfälligen Vorliegens wichtiger Gründe für einen nachträg-

lichen Familiennachzug bedarf (siehe vorne Erw. II/3.3.1.1), grundsätzlich 

eine umfassende Interessenabwägung vorzunehmen (vgl. zum Ganzen Ur-

teil des Bundesgerichts 2C_889/2018 vom 24. Mai 2019, Erw. 3.1 mit Hin-

weisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 2C_386/2016 vom 22. Mai 

2017, Erw. 2.3.2). Erweist sich unter Berücksichtigung aller relevanten Um-

stände im Einzelfall die Verweigerung des nachträglichen Familiennach-

zugs als unverhältnismässig und damit als konventionswidrig (Art. 8 Ziff. 2 

EMRK), ist gleichsam davon auszugehen, dass bei gesamthafter Betrach-

 - 10 - 

 

 

tung wichtige familiäre Gründe für den nachträglichen Familiennachzug im 

Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG vorliegen. Mit anderen Worten: Vermag das 

öffentliche Interesse an der Verweigerung des verspätet beantragten Fa-

miliennachzugs das private Interesse an dessen Bewilligung nicht zu über-

wiegen, ist dieser bereits unter nationalem Recht – gestützt auf Art. 47 

Abs. 4 AIG – zu bewilligen. 

 

Das Bundesgericht hat diesbezüglich festgehalten, dass das Vorliegen 

wichtiger familiärer Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG bzw. Art. 73 

Abs. 3 VZAE mit Blick auf Art. 8 EMRK nicht auf Gründe zu beschränken 

ist, die nicht vorhersehbar waren. Lassen die Gesamtumstände darauf 

schliessen, dass die Familie über längere Zeit freiwillig getrennt gelebt hat, 

geht das Interesse des Staates an einer restriktiven Einwanderungspolitik, 

der ratio legis von Art. 47 Abs. 4 AIG folgend, den verspätet vorgebrachten 

Interessen der Betroffenen an einer Familienzusammenführung in der 

Schweiz jedoch regelmässig vor. Werden demgegenüber objektiv nachvoll-

ziehbare Umstände glaubhaft gemacht, die darauf schliessen lassen, dass 

das Getrenntleben nicht freiwillig erfolgte, ist der Familiennachzug bei Weg-

fallen dieser Umstände in der Regel zu bewilligen (BGE 146 I 185, 

Erw. 7.1.1). Als nachvollziehbare Umstände fallen insbesondere das 

Fehlen einer materiellen Nachzugsvoraussetzung wie einer bedarfsgerech-

ten Wohnung oder genügender finanzieller Ressourcen für den Familien-

unterhalt in Betracht (BGE 146 I 185, Erw. 7.1.2). Liegen derartige Um-

stände vor, erübrigt sich eine umfassende Interessenabwägung, sondern 

ist – ähnlich wie bei Vorliegen von Umständen, die den nachträglichen Fa-

miliennachzug offensichtlich gebieten (vgl. vorne Erw. II/3.3.1.3) – ohne 

weiteres von wichtigen familiären Gründen im Sinne von Art. 73 Abs. 3 

VZAE auszugehen. 

 

Das Vorliegen wichtiger familiärer Gründe im Sinne von Art. 73 Abs. 3 

VZAE hängt zudem nicht davon ab, ob es den Betroffenen unmöglich ist, 

das Familienleben im Ausland zu führen, da dies keine gesetzliche Voraus-

setzung für den Familiennachzug darstellt (vgl. BGE 146 I 185, Erw. 7.2). 

 

Zu den entgegenstehenden öffentlichen und privaten Interessen betreffend 

den nachträglichen Familiennachzug des Ehegatten ist mit der bundesge-

richtlichen Rechtsprechung das Folgende festzuhalten: 

 

3.3.1.4.2.  

Was das öffentliche Interesse angeht, soll mit der gesetzlichen Befristung 

des Familiennachzugs die rasche Integration der nachzuziehenden Ange-

hörigen und insbesondere der Kinder gefördert werden. Durch einen früh-

zeitigen Nachzug sollen diese unter anderem eine möglichst umfassende 

Schulbildung in der Schweiz geniessen. Gleichzeitig kommt den Nachzugs-

fristen die Funktion zu, den Zuzug ausländischer Personen zu steuern bzw. 

zu beschränken. Die Fristenregelung von Art. 47 AIG bildet einen Kompro-

 - 11 - 

 

 

miss zwischen den genannten, legitimen, öffentlichen Interessen und dem 

konträren Anliegen der Ermöglichung des Familienlebens (Urteil des Bun-

desgerichts 2C_889/2018 vom 24. Mai 2019, Erw. 3.1 mit Hinweisen). Vor 

diesem Hintergrund ist rechtsprechungsgemäss von einem entsprechend 

grossen öffentlichen Interesse an der Verweigerung des Familiennachzugs 

auszugehen, wenn die Fristen von Art. 47 Abs. 1 AIG nicht eingehalten 

wurden (vgl. Entscheide des Verwaltungsgerichts WBE.2019.410 vom 

27. April 2020, Erw. II/2.3.1.4.2, WBE.2019.1 vom 22. Januar 2020, 

Erw. II/3.4.1, und WBE.2015.476 vom 29. Juni 2016, Erw. II/4). Dies gilt – 

im Ergebnis – beim Ehegattennachzug ebenso wie beim Kindernachzug, 

derweil bei ersterem migrationsregulatorische und bei letzterem integrati-

onspolitische Aspekte im Vordergrund stehen (vgl. Urteil des Bundesge-

richts 2C_914/2014 vom 18. Mai 2015, Erw. 4.1, wo das Gericht die Gel-

tung von Art. 47 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Aus-

länder vom 16. Dezember 2005 [AuG; SR 142.20; heute AIG] auch für Ehe-

gatten unter Verweis auf die Materialien auf das öffentliche Interesse an 

einer Begrenzung der Einwanderung zurückführt; vgl. auch MARC 

SPESCHA, a.a.O., N. 17 zu Art. 47 AIG).  

 

Im Gegensatz zum Kindernachzug ist bei einem Ehegattennachzug die 

nachzuziehende Person im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung in der Regel 

volljährig oder, von seltenen Ausnahmekonstellationen abgesehen, zumin-

dest nicht mehr schulpflichtig (vgl. Art. 94 Abs. 1 des Schweizerischen 

Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 [ZGB; SR 210]; Art. 27 Abs. 1 

und Art. 45 Abs. 2 des Bundesgesetzes über das Internationale Privatrecht 

vom 18. Dezember 1987 [IPRG; SR 291]). Anders als beim Kindernachzug 

besteht somit kein verallgemeinerungsfähiger Zusammenhang zwischen 

dem Alter und dem Integrationspotential des nachzuziehenden Ehegatten, 

welcher es erlauben würde, die im Nachzugsfall zu erwartenden 

Integrationsschwierigkeiten objektiviert zu bemessen. Eine Höher- oder 

Tieferveranschlagung des öffentlichen Interesses an der Verweigerung des 

nachträglichen Familiennachzugs aufgrund des konkreten Alters des nach-

zuziehenden Ehegatten im Gesuchszeitpunkt bzw. im Zeitpunkt, da sämt-

liche Nachzugsvoraussetzungen erfüllt gewesen sein sollen, ist daher 

regelhaft nicht angezeigt. 

 

3.3.1.4.3.  

Dem öffentlichen Interesse ist das private Interesse an der Bewilligung des 

nachträglichen Familiennachzugs gegenüberzustellen. Da die Verweige-

rung eines Ehegatten- oder Kindernachzugs regelhaft das geschützte 

Familienleben gemäss Art. 8 EMRK tangiert (siehe vorne Erw. II/3.3.1.4.1), 

ist – in einem ersten Schritt – grundsätzlich von einem grossen privaten 

Interesse des nachzuziehenden und des nachziehenden Ehegatten am Zu-

sammenleben in der Schweiz auszugehen. Lebt eine Familie jedoch jahre-

lang freiwillig voneinander getrennt, bringt sie damit rechtsprechungs-

gemäss ihr geringes Interesse an einem gemeinsamen Familienleben zum 

 - 12 - 

 

 

Ausdruck und ist das private Interesse in der Regel entsprechend tiefer zu 

veranschlagen. Anders verhält es sich lediglich dann, wenn objektive, 

nachvollziehbare Gründe für das bisherige Getrenntleben bestehen, 

welche dagegen sprechen, dieses zu Lasten der Betroffenen zu würdigen 

(siehe wiederum vorne Erw. II/3.3.1.4.1; vgl. BGE 146 I 185, Erw. 7.1.1 am 

Schluss; Urteil des Bundesgerichts 2C_889/2018 vom 24. Mai 2019, 

Erw. 3.1 mit Hinweisen; Entscheid des Verwaltungsgerichts WBE.2019.1 

vom 22. Januar 2020, Erw. II/3.4.2).  

 

Gegebenenfalls sind zudem sämtliche weiteren Umstände des Einzelfalls 

zu beachten, welche sich auf das private Interesse an der Bewilligung eines 

nachträglichen Familiennachzugs auswirken.  

 

3.3.1.5. 

Soll ein nachträglicher Familiennachzug bewilligt werden, obliegt es auf-

grund der weitreichenden Mitwirkungspflichten gemäss Art. 90 AIG den 

Gesuchstellenden, ihre entsprechenden Vorbringen zu substanziieren und 

zu belegen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_214/2019 vom 5. April 

2019, Erw. 3.3, 2C_303/2014 vom 20. Februar 2015, Erw. 6.1, und 

2C_906/2012 vom 15. Juni 2013, Erw. 2.2; vgl. auch Urteil des Bundesge-

richts 2C_50/2010 vom 17. Juni 2010, Erw. 2.2; BGE 130 II 482, Erw. 3.2). 

 

3.3.2.  

3.3.2.1. 

Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerde geltend, dass die ge-

trennte Wohnsitznahme der Ehegatten von Anfang an eine bewusste 

(finanzielle) Entscheidung gewesen sei, um der Tochter der Ehefrau aus 

einer früheren Beziehung und der gemeinsamen Tochter das bestmögliche 

Leben in Thailand mit den besten Schulen und Ausbildungsmöglichkeiten 

zu ermöglichen. Das Ehe- und Familienleben sei aufgrund der arbeitsver-

traglichen Vereinbarung des Beschwerdeführers mit seinem Arbeitgeber 

darauf ausgerichtet worden, dass der Beschwerdeführer während rund 

dreier aufeinanderfolgender Monate in Thailand bei seiner Ehefrau und 

Tochter gelebt habe. Nachdem der Arbeitgeber dem Beschwerdeführer 

nicht mehr erlaubt habe, drei Monate am Stück abwesend zu sein, um 

diese Zeit mit seiner Familie, bzw. nach dem Auszug der gemeinsamen 

Tochter im Jahr 2022, mit seiner Ehefrau in Thailand zu verbringen und 

sich die Ehefrau deshalb allein und einsam gefühlt habe, wolle das Ehepaar 

nach Jahren des teilweisen Getrenntlebens nunmehr zusammen in der 

Schweiz wohnen (act. 16, 18 f.). Bei einem Zusammenleben in der Schweiz 

könnte die Ehefrau des Beschwerdeführers diesen zudem bei der Pflege 

seiner Eltern unterstützen, was in absehbarer Zeit auch die öffentliche 

Hand entlasten werde (act. 15). 

 

Vorab ist festzuhalten, dass nach der klaren Rechtsprechung des Bundes-

gerichts der Umstand, dass der nunmehr nachzuziehende Ehegatte im 

 - 13 - 

 

 

Ausland die Kinder grossgezogen hat und diese ausgezogen sind, für sich 

allein keinen wichtigen familiären Grund für einen nachträglichen Familien-

nachzug des Ehegatten darstellt (Urteil des Bundesgerichts 2C_143/2022 

vom 18. Januar 2023, Erw. 4.5). 

 

Entgegen der offensichtlichen Auffassung des Beschwerdeführers ist auch 

nicht ersichtlich, inwiefern die noch nicht eingetretene, aber nach seinen 

Angaben absehbare Pflegebedürftigkeit seiner Eltern einen wichtigen fami-

liären Grund darstellen könnte, aufgrund dessen ein Familiennachzug 

offensichtlich geboten erschiene. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass 

im vorliegenden Fall noch nicht absehbar ist, ob und wann sich eine 

schwere Pflegebedürftigkeit, welche die Suche nach einer alternativen Be-

treuung der Eltern des Beschwerdeführers notwendig machen würde, kon-

kret eintreten wird. Für die Beurteilung, ob wichtige familiäre Gründe für 

den nachträglichen Familiennachzug des Ehegatten vorliegen, ist auf die 

gegenwärtigen Verhältnisse und nicht auf unabsehbare zukünftige Ereig-

nisse abzustellen (act. 6). 

 

Aus den Akten ergeben sich sodann auch keine Anhaltspunkte dafür, dass 

einer der Ehegatten heute gesundheitliche Probleme hätte, aufgrund derer 

er selbst der Pflege und Betreuung durch den anderen Ehegatten bedürfte. 

Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerde denn auch nichts der-

gleichen geltend. 

 

Es stellt sich jedoch die Frage, ob der Umstand, dass die Ehegatten auf-

grund der Änderung des Ferienreglements des Arbeitgebers des Be-

schwerdeführers ihre eheliche Lebensgemeinschaft nicht mehr im bisheri-

gen Rahmen weiterführen können, einen wichtigen familiären Grund im 

Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG darstellt. 

 

In einem ähnlichen, aber nicht gleichgelagerten Fall, hat das Bundesgericht 

einer in Thailand lebenden Frau den nachträglichen Familiennachzug ver-

weigert, weil sie zugunsten der Betreuung ihrer Tochter bewusst auf ein 

gemeinsames Familienleben verzichtet hatte, obwohl die Tochter nicht 

während der gesamten Nachzugsfrist einer massgebenden Betreuung 

durch die Mutter bedurfte bzw. Alternativen wie die Betreuung durch die 

Grosseltern bestanden (Urteil des Bundesgerichts 2C_143/2022 vom 

18. Januar 2023, Erw. 4.5). Während im erwähnten Urteil das jahrelange 

freiwillige Getrenntleben als ausschlaggebend für die Ablehnung des nach-

träglichen Familiennachzugs erachtet wurde, steht vorliegend die ein-

schneidende Anpassung der Ferienregelung des Arbeitgebers des Be-

schwerdeführers im Zentrum, welche die bereits seit Jahrzehnten etablierte 

Lebensgestaltung der Ehegatten mit zwei Wohnsitzen in Zukunft verun-

möglicht. Der Beschwerdeführer hat vorliegend glaubhaft dargelegt, dass 

ihm sein Arbeitgeber seit 2001 eine grosszügige Ferienregelung gewährt 

hat und die Ehegatten deshalb über einen Zeitraum von drei aufeinander-

 - 14 - 

 

 

folgenden Monaten pro Jahr ein aktives Familienleben geführt haben (vgl. 

MI-act. 17). Dies wird auch von der Vorinstanz nicht in Frage gestellt. Diese 

intensive (jeweils dreimonatige) Phase des Zusammenlebens in Thailand 

verdeutlicht nicht nur die tiefe Verbundenheit der Eheleute, sondern auch 

deren Bestreben, trotz der räumlichen Distanz eine enge familiäre Bezie-

hung aufrechtzuerhalten. Im Gegensatz zu Fällen, in denen bewusst auf 

ein gemeinsames Familienleben verzichtet wurde, haben die Ehegatten im 

vorliegenden Fall aktiv und konsequent an einer engen Bindung gearbeitet. 

Die plötzliche Änderung der Ferienregelung des Arbeitgebers des Be-

schwerdeführers nach über 20 Jahren stellt zweifellos einen erheblichen 

Einschnitt in die Lebensplanung der Eheleute dar. Aufgrund der langen 

Dauer des gelebten Familienmodells durften sie jedoch darauf vertrauen, 

dass dieses auch weiterhin Bestand haben würde. Es erscheint daher stos-

send, den Ehegatten künftig das Zusammenleben zu verwehren bzw. auf 

wenige Wochen im Jahr zu beschränken, zumal dies weder der Praxis noch 

dem Willen der Ehegatten entspricht. Insbesondere haben sie die Ände-

rung der Ferienregelung und damit die heutige Situation nicht zu vertreten.  

 

Vor diesem Hintergrund ist im vorliegenden Fall von wichtigen familiären 

Gründen im Sinne von Art. 75 VZAE auszugehen. Das Familiennachzugs-

gesuch für die Ehefrau des Beschwerdeführers ist dementsprechend zu 

bewilligen. Damit erübrigt sich die Vornahme einer Interessenabwägung. 

 

3.4. 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer für 

den Familiennachzug seiner Ehefrau auf Art. 42 Abs. 1 AIG berufen kann 

und die Beschwerde demnach gutzuheissen ist.  

 

4.  

Die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung an Drittstaatsangehörige 

(d.h. Staatsangehörige von Nichtmitgliedstaaten der EU oder der EFTA) im 

Rahmen des Familiennachzugs nach Ablauf der Nachzugsfrist gemäss 

Art. 47 AIG oder Art. 73 VZAE steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung 

des Bundes. Mit anderen Worten hat das SEM vor Erteilung der Bewilligung 

durch den Kanton seine Zustimmung zu erteilen (Art. 40 Abs. 1 AIG; Art. 99 

AIG i.V.m. Art. 85 Abs. 1 und 2 VZAE; Art. 6 lit. a der Verordnung des EJPD 

über die dem Zustimmungsverfahren unterliegenden ausländerrechtlichen 

Bewilligungen und Vorentscheide vom 13. August 2015 [Verordnung des 

EJPD über das ausländische Zustimmungsverfahren, ZV-EJPD; 

SR 142.201.1]; vgl. Weisungen und Erläuterungen des SEM zum Auslän-

derbereich [Weisungen AIG], Bern Oktober 2013 [aktualisiert am 1. Sep-

tember 2023], Ziff. 1.3.1, S. 24 f.). 

 

Vorliegend unterliegt demnach die Erteilung der Aufenthaltsbewilligung an 

die Ehefrau des Beschwerdeführers, welche gemäss Art. 42 Abs. 1 i.V.m. 

Art. 47 Abs. 4 AIG einen entsprechenden Anspruch ha, der Zustimmung 

 - 15 - 

 

 

des SEM. Die Gutheissung der Beschwerde durch das Verwaltungsgericht 

hat im vorliegenden Fall deshalb nicht unmittelbar die Erteilung der Bewil-

ligung durch das MIKA zur Folge, sondern führt einzig dazu, dass das MIKA 

die Erteilung der Bewilligung dem SEM mit dem Antrag auf Zustimmung zu 

unterbreiten hat, wobei das SEM nicht an die Beurteilung der kantonalen 

Behörden gebunden ist (Art. 99 Abs. 2 AIG). 

 

5. 

Die Beschwerde ist gutzuheissen und das MIKA in Aufhebung des Ein-

spracheentscheids der Vorinstanz vom 13. Juli 2023 anzuweisen, dem 

SEM die Erteilung von Aufenthaltsbewilligungen an die Ehefrau des Be-

schwerdeführers mit dem Antrag auf Zustimmung zu unterbreiten. 

 

III. 

1. 

Gemäss § 31 Abs. 2 VRPG werden die Verfahrenskosten in der Regel 

nach Massgabe des Unterliegens und Obsiegens auf die Parteien verlegt. 

Gleiches gilt gemäss § 32 Abs. 2 VRPG für die Parteikosten. 

 

2. 

Bei diesem Verfahrensausgang obsiegt der Beschwerdeführer. Die Verfah-

renskosten sind auf die Staatskasse zu nehmen (§ 31 Abs. 2 VRPG). 

 

3. 

Als unterliegende Partei hat das MIKA dem Beschwerdeführer die Partei-

kosten für das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht zu ersetzen (§ 32 

Abs. 2 VRPG). 

 

Die Festsetzung der Höhe der Parteientschädigung richtet sich nach dem 

Dekret über die Entschädigung der Anwälte vom 10. November 1987 (An-

waltstarif, AnwT; SAR 291.150). Migrationsrechtliche Verfahren sind soge-

nannte nicht vermögensrechtliche Streitigkeiten. Die Parteientschädi-

gung setzt sich damit zusammen aus einer Grundentschädigung zwischen 

Fr. 1'210.00 und Fr. 14'740.00 (§ 8a Abs. 3 i.V.m. § 3 Abs. 1 lit. b AnwT) 

sowie den Zu- und Abschlägen (§§ 6–8 AnwT). Innerhalb dieses Rahmens 

ist die Grundentschädigung nach dem mutmasslichen Aufwand des Anwal-

tes sowie nach der Bedeutung und der Schwierigkeit des Falles festzu-

setzen (§ 3 Abs. 1 lit. b AnwT). Durch die tarifgemässe Entschädigung sind 

die in einem Verfahren notwendigen und entsprechend der Bedeutung der 

Sache üblichen Leistungen des Anwaltes einschliesslich der üblichen Ver-

gleichsbemühungen abgegolten (§ 2 Abs. 1 AnwT). Die Entschädigung ist 

als Gesamtbetrag festzusetzen. Auslagen und Mehrwertsteuer sind darin 

enthalten (§ 8c AnwT). 

 

 - 16 - 

 

 

Im vorliegenden Fall ist in Anwendung der genannten Gesetzesbestimmun-

gen die Entschädigung inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer auf Fr. 3'500.00 

festzusetzen. 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht erkennt: 

 

1. 

In Gutheissung der Beschwerde wird der vorinstanzliche Einspracheent-

scheid vom 13. Juli 2023 aufgehoben. Das MIKA wird angewiesen, dem 

SEM die Erteilung von Aufenthaltsbewilligungen an die Ehefrau des Be-

schwerdeführers, C._____, mit dem Antrag auf Zustimmung zu 

unterbreiten. 

 

2. 

Die verwaltungsgerichtlichen Verfahrenskosten gehen zu Lasten des Kan-

tons. 

 

3. 

Das MIKA wird angewiesen, dem Beschwerdeführer nach Rechtskraft die 

vor Verwaltungsgericht entstandenen Parteikosten in Höhe von 

Fr. 3'500.00 zu ersetzen 

 

 
 

   

Zustellung an: 

den Beschwerdeführer (Vertreterin, im Doppel) 

die Vorinstanz (mit Rückschein) 

das Staatssekretariat für Migration, 3003 Bern 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung 

 

Migrationsrechtliche Entscheide können wegen Verletzung von Bundes-

recht, Völkerrecht, kantonalen verfassungsmässigen Rechten sowie inter-

kantonalem Recht innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Beschwerde in 

öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Schweizerischen Bun-

desgericht, 1000 Lausanne 14, angefochten werden, soweit nicht eine 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 lit. c des Bundesgesetzes über das Bun-

desgericht vom 17. Juni 2005 (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) 

vorliegt. Die Frist steht still vom 7. Tag vor bis und mit 7. Tag nach Ostern, 

vom 15. Juli bis und mit 15. August und vom 18. Dezember bis und mit 

2. Januar. Das Bundesgericht tritt auf Beschwerden nicht ein, wenn weder 

das Bundesrecht noch das Völkerrecht einen Anspruch auf die in Frage 

stehende Bewilligung einräumt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

2C_694/2008 vom 25. September 2008). 

 - 17 - 

 

 

 

In allen anderen Fällen können migrationsrechtliche Entscheide wegen 

Verletzung von verfassungsmässigen Rechten innert 30 Tagen seit Zustel-

lung mit der subsidiären Verfassungsbeschwerde beim Schweizeri-

schen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, angefochten werden. 

 

Die unterzeichnete Beschwerde muss das Begehren, wie der Entscheid zu 

ändern sei, sowie in gedrängter Form die Begründung, inwiefern der ange-

fochtene Akt Recht verletzt, mit Angabe der Beweismittel enthalten. Der 

angefochtene Entscheid und als Beweismittel angerufene Urkunden sind 

beizulegen (Art. 82 ff. BGG bzw. Art. 113 ff. BGG). 

 

 
 

   

Aarau, 29. Januar 2024 

 

Verwaltungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Vorsitz: Gerichtsschreiberin:  

 

i.V. 

 

Busslinger William