# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fe2448b4-8379-59f2-8023-e1304910b78c
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-05-12
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 12.05.2020 S 2019 31
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2019-31_2020-05-12.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 19 31

3. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz Pedretti
RichterIn von Salis, Audétat 
Aktuar Paganini

URTEIL

vom 12. Mai 2020

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____, vertreten durch die Eltern,
vertreten durch Procap Schweiz,

Beschwerdeführer
gegen 

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden,

Beschwerdegegnerin

betreffend Versicherungsleistungen nach IVG

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1. A._____ wurde kurz nach seiner Geburt im Dezember 2007 unter Hinweis 

auf einen Herzfehler bei der IV zum Leistungsbezug angemeldet. Nachdem 

die IV-Stelle beim behandelnden Arzt, Dr. med. B._____, Facharzt FMH für 

Kinder- und Jugendmedizin, einen Arztbericht eingeholt hatte, welcher die 

Diagnosen zweier kleiner muskulärer Ventrikelseptumsdefekte sowie eines 

kleinen ASD Typ II mit links-rechts-Shunt auswies, übernahm sie mit 

Mitteilung vom 4. Februar 2008 die Kosten für die Behandlung des 

Geburtsgebrechens Ziff. 313 ab dem 2. November 2007 bis 30. November 

2010.

2. Im Mai 2016 wurde A._____ erneut für medizinische Massnahmen bei der 

IV angemeldet. Seine Eltern führten darin aus, Dr. med. B._____ habe bei 

A._____ schon im Alter von sechs Monaten Entwicklungsschwierigkeiten 

und -störungen festgestellt. Anfangs sei A._____ wegen der Grobmotorik 

aufgefallen, danach auch im Hinblick auf die sprachliche Entwicklung sowie 

der Feinmotorik. Gemäss Abklärungen bei Dr. med. C._____ handle es 

sich um ein Aufmerksamkeitsdefizit bzw. ein ADH-ähnliches Krankheitsbild 

mit klar darstellbaren zerebralen Funktionsstörungen. Der Anmeldung 

beigelegt wurden der Abklärungsbericht des Heilpädagogischen Dienstes 

(HPD) vom 18. Mai 2012 und die Berichte von Dr. med. C._____, ADHD-

Zentrum Ostschweiz, vom 5. Februar 2014 bzw. 15. November 2015. In 

dem von der IV-Stelle bei der neuen Kinderärztin Dr. med. D._____, 

Fachärztin FMH für Innere Medizin, eingeholten Arztbericht vom 15. 

September 2016 stellte diese die Diagnose eines ADHS mit 

Aufmerksamkeits-, Lern-, Aktivitäts-, Wahrnehmungs-, Merkfähigkeits- und 

Verhaltensstörung und einem IQ von schwankend zwischen 64 und 75. 

Nachdem jedoch Dr. med. E._____, leitender Arzt im Kantonsspital 

Graubünden (KSGR) für Kinder- und Jugendmedizin und Neuropädiatrie, 

in seinen Berichten vom 26. August 2016 und 2. September 2016 die 

Kriterien für die Anerkennung eines psychoorganischen Syndroms (POS) 

mangels Erreichens eines IQ von 70 nicht als erfüllt erachtet hatte, wies die 

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IV-Stelle mit Verfügung vom 14. Juni 2017 das Gesuch um 

Kostengutsprache für medizinische Massnahmen zur Behandlung des 

Geburtsgebrechens Ziff. 404 ab.

3. Mit Arztbericht vom 26. April 2018 stellte Dr. med. E._____ bei der IV-Stelle 

ein Gesuch für das Geburtsgebrechen Ziff. 405 (Autismus-Spektrum-

Störungen, sofern diese bis zum vollendeten 5. Lebensjahr erkennbar 

werden) sowie Ergotherapie und wies darauf hin, dass aufgrund der 

Diagnose einer Autismusspektrumstörung (ASS) das Vorliegen einer 

leichten Hilflosigkeit überprüft werden sollte. Zu diesem Zweck wurde am 

18. Mai 2018 eine entsprechende Anmeldung (Hilfslosentschädigung für 

Minderjährige) der IV-Stelle nachgereicht. 

4. Am 6. November 2018 führte die IV-Stelle eine Abklärung vor Ort durch und 

sprach A._____ gestützt darauf mit Verfügung vom 29. Januar 2019 für den 

Monat September 2015 eine Entschädigung wegen leichter Hilflosigkeit 

und ab 1. Oktober 2015 bis 30. September 2021 eine solche wegen 

mittlerer Hilflosigkeit zu.

5. Die IV-Stelle tätigte zudem medizinische Abklärungen und liess A._____ 

durch Dr. med. F._____, Fachärztin FMH für Kinder- und Jugendpsychiatrie 

und -psychotherapie und Psychiatrie und Psychotherapie, begutachten. In 

ihrem Bericht vom 26. Oktober 2018 kommt Dr. med. F._____ zum 

Schluss, dass sie die Diagnose einer ASS nicht bestätigen könne. Aufgrund 

der Nonverbal Learning Disorder (dissoziierte Intelligenz) könnten die 

beobachteten Phänomene in Kombination mit der leichten 

Intelligenzminderung verstanden werden. Nachdem Dr. med. G._____ vom 

Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) Ostschweiz gestützt darauf schloss, 

dass die Voraussetzungen für die Anerkennung des Geburtsgebrechens 

Ziff. 405 nicht gegeben seien, stellte die IV-Stelle am 12. Dezember 2018 

die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht. 

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6. Dagegen liess A._____ am 18. Dezember 2018 Einwand erheben und 

begründete diesen mit Eingabe vom 7. Januar 2019 unter Beilage der 

medizinischen Stellungnahme von Dr. med. H._____ vom 22. Dezember 

2018. Nachdem der RAD-Arzt Dr. med. G._____ dazu festhielt, diese 

Stellungnahme vermöge die Ergebnisse der gutachterlichen Abklärung 

nicht zu erschüttern, verfügte die IV-Stelle am 20. Februar 2019 wie 

vorbeschieden und wies das Kostengutsprachegesuch für das 

Geburtsgebrechen Ziff. 405 und die Ergotherapie ab. Begründend hielt sie 

im Wesentlichen fest, die kinder- und jugendpsychiatrische Begutachtung 

von Dr. med. F._____, gemäss welcher keine ASS vorliege, sei als 

fachärztliche Beurteilung höher zu gewichten als jene des 

neuropädiatrischen Behandler Dr. med. E._____ und werde auch durch die 

Stellungnahme von Dr. med. H._____ nicht in Zweifel gezogen.

7. Dagegen liess A._____ (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 25. März 

2019 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden 

erheben und in Aufhebung der Verfügung vom 20. Februar 2019 

beantragen, ihm seien medizinische Massnahmen nach Art. 13 IVG 

gestützt auf das Geburtsgebrechen Ziff. 405 zuzusprechen. Eventualiter 

sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle 

zurückzuweisen. Zur Begründung machte er im Wesentlichen geltend, es 

liege eine Verletzung des rechtlichen Gehörs und der Abklärungspflicht vor; 

auf das in mehrfacher Hinsicht mängelbehaftete Gutachten von Dr. med. 

F._____ könne nicht abgestellt werden und es lägen eindeutige 

Anhaltspunkte dafür vor, dass eine Symptomatik, die im Zusammenhang 

mit ASS stehe, bereits vor dem vollendeten 5. Lebensjahr erkennbar 

gewesen sei.

8. Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) schloss in der 

Vernehmlassung auf Abweisung der Beschwerde. Dazu führte sie im 

Wesentlichen aus, von einer Gehörsverletzung könne keine Rede sein; 

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dem Gutachten von Dr. med. F._____ komme vollen Beweiswert zu und es 

seien am 15. Oktober 2012 (bei Vollendung des 5. Lebensjahres) keine 

krankheitsspezifischen, therapiebedürftigen Symptome einer ASS 

erkennbar gewesen, wobei geltungszeitliche, retrospektive Abklärungen 

dazu keine rechtsgenüglichen Antworten mehr liefern würden.

9. Die Parteien hielten im weiteren Schriftenwechsel an ihren Anträgen fest.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversiche-

rung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt 

vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anfechtbar. Die Verfü-

gung der IV-Stelle des Kantons Graubünden vom 20. Februar 2019 stellt 

somit ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem Verwal-

tungsgericht des Kantons Graubünden dar. Die sachliche Zuständigkeit er-

gibt sich aus Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Verbindung mit Art. 49 

Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 

370.100). Als Adressat der strittigen Verfügung ist der Beschwerdeführer 

berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder 

Änderung auf (Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht 

eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten.

2. Streitgegenstand bildet die Frage, ob die Beschwerdegegnerin dem Be-

schwerdeführer mangels Vorliegens des Geburtsgebrechens Ziff. 405 zu 

Recht medizinische Massnahmen nach Art. 13 IVG abgesprochen hat. 

Unstreitig ist, dass der Beschwerdeführer zur Zeit keinen Anspruch auf me-

dizinische Massnahmen nach Art. 12 IVG hat. Die Parteien sind sich darin 

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einig, dass die Frage, ob die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen, 

zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beurteilbar sei. 

3. Zunächst ist auf die vom Beschwerdeführer erhobene formelle Gehörsrüge 

einzugehen.

Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, die Beschwerdegegnerin habe 

sich in der angefochtenen Verfügung nicht angemessen mit seinen Aus-

führungen und den eingereichten Arztberichten auseinandergesetzt, ver-

mag er nicht durchzudringen: Die Beschwerdegegnerin hat sich mit seinem 

Einwand und den einschlägigen medizinischen Berichten bzw. 

Stellungnahmen befasst und die Leistungsabweisung in einer, wenn auch 

sehr kurzen Begründung erläutert. Die Überlegungen, von denen sich die 

Beschwerdegegnerin leiten liess, können daher zumindest im Kern 

nachvollzogen werden. Es liegt keine Gehörsverletzung vor, nur weil die 

Begründung nach Ansicht des Beschwerdeführers fehlerhaft ist. Die Pflicht 

zur Entscheidbegründung bezweckt vielmehr, dass sich der Betroffene 

über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und dieses in 

voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann, falls er 

damit nicht einverstanden ist (BGE 142 III 433 E.4.3.2). Da vorliegend die 

Motive der Beschwerdegegnerin mit genügender Klarheit aus der 

angefochtenen Verfügung hervorgehen, war der Beschwerdeführer denn 

auch in der Lage, den Entscheid der Beschwerdegegnerin sachgerecht 

anzufechten.

4. In materieller Hinsicht erachtet der Beschwerdeführer die Voraussetzungen 

für die Anerkennung des Geburtsgebrechens Ziff. 405 als erfüllt und 

kritisiert dabei das kinder- und jugendpsychiatrische Gutachten, in 

welchem Dr. med. F._____ zum Schluss gelangt, dass keine ASS vorliege.

4.1. Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu wür-

digen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbe-

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schwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach 

haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise 

grundsätzlich frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie um-

fassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren be-

deutet dies, dass das Gericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von 

wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob 

die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen 

Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widerspre-

chenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das 

gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum 

es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (vgl. 

BGE 125 V 351 E.3a). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist 

entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf 

allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden 

berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden 

ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Be-

urteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolge-

rungen des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 

E.3a). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder 

die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten 

oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (vgl. 

BGE 125 V 351 E.3a, 122 V 157 E.1c). Dennoch hat es die Rechtspre-

chung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erach-

tet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten 

Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. BGE 125 V 351 E.3b, 

118 V 286 E.1b, 112 V 30 E.1a). Den im Rahmen des Verwaltungsverfah-

rens eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund 

eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in 

die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüs-

sigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweis-

kraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässig-

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keit der Expertise sprechen (vgl. BGE 137 V 210 E.1.3.4, 125 V 351 

E.3b/bb).

4.2. Dr. med. F._____ stellt in ihrem Gutachten vom 26. Oktober 2018 (IV-act. 

43 S. 1-11) gestützt auf die neuropsychologische Testung durch lic. phil. 

I._____, Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP, vom 4. Oktober 2018 

(IV-act. 43 S. 12 ff.) folgende Diagnosen: leichte Intelligenzminderung bei 

einem Gesamt-IQ von 62 (ICD-10: F70), dissoziierte Intelligenz, deutliche 

Verhaltensstörung, die Beobachtung und Behandlung erfordert (ICD-10: 

F74.1) und sonstige, nicht näher bezeichnete Symptome, welche die 

Sinneswahrnehmung und das Wahrnehmungsvermögen betreffen (ICD-

10: R44.8; vgl. Gutachten S. 9). In der Untersuchung hat Dr. med. F._____ 

ihren Angaben zufolge keine zusätzlichen autismusspezifischen Tests 

durchgeführt, sondern die vor Kurzem vorgenommene ADI-R (Autism 

Diagnostic Interview – Revised, Diagnostisches Interview für Autismus – 

revidierte Version), die FSK (Fragebogen zur sozialen Kommunikation)-

Fragebögen sowie die ADOS (Beobachtungsskala für Autistische 

Störungen) als genügende Beurteilungsgrundlage beigezogen (vgl. 

Gutachten S. 8). In ihrer Beurteilung führte sie insbesondere aus, die 

Kernsymptomatik einer autistischen Störung in der Interaktion und der 

sozialen Kommunikation fänden sich beim Beschwerdeführer nicht, jedoch 

diejenigen Anteile, die sowohl Kinder mit Autismus, als auch Kinder mit 

einer Nonverbal Learning Disorder auszeichneten, welche mit einer 

dissoziierten Intelligenz gleichgesetzt werden könne und die Bereiche 

soziale Wahrnehmung und Wahrnehmungsproblematik beträfen. Beim 

Beschwerdeführer handle es sich aufgrund seines Verhaltens – auf den 

ersten Blick – nicht um ein typisches Kind mit leichter Intelligenzminderung, 

da er recht agil bzw. umtriebig und interessiert sei. Bei genauerem 

Betrachten falle auf, dass sein Verhalten stark von (intellektuellen) 

Anforderungen abhänge. Sobald die Untersucherin sich auf das 

Phantasiespiel einlasse und ihre Zielabsicht (ADOS-Test-Ziele nach 

vorgegebenem Ablauf zu erfassen) verlasse, falle sein Verweigern völlig 

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weg. Er reagiere sehr empfindlich und feinfühlig auf Anforderungen und 

blocke ab, wenn er sich überfordert fühle. Falle die Prüfungssituation weg, 

mache er mit. Die Reaktionen, wie sie in der ADOS-Untersuchung bei Dr. 

med. E._____ aufgetreten seien, entsprächen diesem Verweigern, 

wodurch seine eigentlichen Fähigkeiten nicht zum Tragen gekommen 

seien. Insgesamt sei die Testsituation bei Dr. med. E._____ in weiten 

Teilen eher als Resultat seiner intellektuellen Überforderung als einer 

tatsächlichen Symptomatik, die einer ASS zugeschrieben werden könnte. 

Insofern sei der ADOS zwar korrekt durchgeführt, von der Untersucherin 

aber aufgrund der Befunde der neuropsychologischen Untersuchung 

anders interpretiert worden. Die Tatsache, dass er sich in der adäquaten 

Beschulungssituation im Schulheim X._____ innerhalb eines Jahres sehr 

gut entwickelt habe, spreche dafür, dass er sich bei genügender Entlastung 

von Anforderungen besser entfalten könne. Entscheidend für die 

Beurteilung sei der aktuelle klinische Eindruck. Anamnestische 

Fragebögen würden weniger gewertet als solche, welche die aktuelle 

Situation beträfen. Somit sei das Ergebnis des FSK des Schulheims 

X._____ massgebender für die Beurteilung (Cut off unter 

Autismusspektrum) und entspreche auch der klinischen Beurteilung. 

Aufgrund der Mischung der leichten intellektuellen Behinderung mit der 

Nonverbal Learning Disorder (dissoziierte Intelligenz) sei es 

nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer über lange Zeit diagnostisch 

nicht richtig habe eingeordnet werden können. Nonverbal Learning 

Disorder bzw. dissoziierte Intelligenz entsprächen einer Überlappung der 

Symptome eines Autismus und ADHS, ohne das eine oder andere zu 

erfüllen. Aufgrund der klinischen Beobachtung und Einordnung aller 

Befunde könne die Diagnose einer ASS nicht bestätigt werden. Die 

Tatsache der Intelligenzminderung liesse höchstens die Diagnose 

frühkindlicher Autismus zu, was aber auch gemäss den Untersuchungen 

von Dr. med. E._____ nicht zutreffe. Aufgrund der Nonverbal Learning 

Disorder (dissoziierte Intelligenz) könnten die beobachteten Phänomene in 

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Kombination mit der leichten Intelligenzminderung jedoch verstanden 

werden (vgl. Gutachten S. 9-11).

4.3. Der RAD-Arzt Dr. med. G._____ schloss gestützt auf das Gutachten von 

Dr. med. F._____, dass die Voraussetzungen für die Anerkennung des 

Geburtsgebrechens Ziff. 405 nicht gegeben seien und fügte an, dass die 

Autismusdiagnose in den Zuständigkeitsbereich der Kinder- und 

Jugendpsychiatrie falle, weshalb die fachärztliche, gutachterliche 

Beurteilung höher zu gewichten sei als jene des neuropädiatrischen 

Behandlers Dr. med. E._____ (vgl. IV-act. 62 Case Report S. 5).  

Dem widerspricht Dr. med. H._____, Facharzt für Kinder- und 

Jugendpsychiatrie sowie ausgewiesener ASS-Spezialist, in seiner 

medizinischen Stellungnahme vom 22. Dezember 2018 (IV-act. 56 S. 4 f.). 

Darin kommt er gestützt auf seine eigene klinische Untersuchung, eine 

Erhebung der Vorgeschichte und die Unterlagen aus früheren Abklärungen 

zum eindeutigen Schluss, dass beim Beschwerdeführer eine ASS vorliege. 

Angesichts der frühen Auffälligkeiten und der sprachlichen wie auch 

intellektuellen Beeinträchtigung handle es sich um eine Form des 

frühkindlichen Autismus (ICD-10: F84.0), wobei angesichts der eher 

wenigen Symptome im Bereich der Stereotypen und eingeschränkten 

Interessen auch die Diagnose eines atypischen Autismus (ICD-10: F84.1) 

diskutiert werden könne. Für die Diagnose eines ASS sei diese 

Unterscheidung indes irrelevant. Im Gutachten von Dr. med. F._____ 

werde die Diagnose von Dr. med. E._____ auf völlig unzulässige Art und 

Weise in Frage gestellt und stattdessen von einem "Nonverbal Learning 

Disorder" gesprochen. Diese Diagnose sei beim Beschwerdeführer völlig 

fehl am Platz, denn sie würde bedeuten, dass eine umschriebene 

Entwicklungsstörung vorliege und insbesondere der sprachliche Bereich 

nicht betroffen sei. Beim Beschwerdeführer liege aber gerade auch im 

sprachlichen Bereich eine schwere Beeinträchtigung vor, was die Diagnose 

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"Nonverbal Learning Disorder" ausschliesse. Die Beeinträchtigungen des 

Beschwerdeführers in vielen Entwicklungsbereichen (mit Ausnahme des 

reinen logischen Denkens) könnten nur mit der Diagnose einer 

Tiefgreifenden Entwicklungsstörung (ICD-10: F84) erklärt werden. Diese 

Kategorie nach ICD-10 entspreche dem Begriff ASS, wie er erstmals im 

DSM-5 gebraucht werde. Ausserdem benutze Dr. med. F._____ der 

angebliche Mangel an aktuell beobachtbaren autistischen 

Verhaltensweisen als Hauptargumentationslinie gegen eine Autismus-

Diagnose, was nach neueren Erkenntnissen völlig unzulässig sei und 

ausser Acht lasse, dass auch autistische Kinder einen Lern- und 

Entwicklungsprozess durchmachen und so mit der Zeit einst vorhandene 

autistische Symptome maskiert würden. Schliesslich bestätigt Dr. med. 

H._____, dass die von Dr. med. E._____ als klinisch erfahrene Fachperson 

durchgeführte Autismus-Abklärung absolut "lege artis" erfolgt sei und zu 

einer klaren diagnostischen Beurteilung geführt habe. Es könne kein 

vernünftiger Zweifel daran bestehen, dass beim Beschwerdeführer eine 

ASS vorliege, für welche es nota bene schon vor dem 5. Geburtstag 

dokumentierte Hinweise gebe.

Aus ähnlichen Überlegungen wie Dr. med. H._____ führt auch Dr. med. 

E._____ in seiner Stellungnahme vom 4. Juni 2019 (Bf-act. 5) an, dass 

beim Beschwerdeführer ein "Nonverbal Learning Disorder" nicht vorliege, 

da er in keiner Weise die dazu notwendigen diagnostischen Kriterien 

erfülle. Dies leuchtet angesichts der Vorgeschichte des Beschwerdeführers 

denn auch ein: Wie nachfolgend (s. E.5.4) aufgezeigt wird, wurde beim 

Beschwerdeführer bereits im frühen Kindesalter eine 

Sprachentwicklungsstörung festgestellt. Zwar konnten in diesem Bereich 

gewisse Fortschritte erzielt werden, die Sprachentwicklung bleib aber weit 

hinter der Altersnorm zurück, so dass auch in aktuellen Dokumenten von 

sprachlichen Schwierigkeiten berichtet wird. Wenn nun aber Kinder mit 

einem "Nonverbal Learning Disorder" gemäss Dr. med. E._____ 

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typischerweise im sprachlichen Teil von psychometrischen Testungen gut 

abschnitten, dagegen aber unterdurchschnittliche nichtsprachliche 

Leistungen zeigten (vgl. hierzu Stellungnahme von Dr. med. E._____ vom 

4. Juni 2019), so ist dies nachweislich nicht mit dem Beschwerdebild des 

Beschwerdeführers vereinbar. Es mutet denn auch widersprüchlich an, 

wenn der Gutachterin Dr. med. F._____ die Defizite im sprachlichen 

Bereich vorbefundlich bekannt waren (vgl. dazu zuletzt Zeugnis des 

Schulheims X._____ vom 11. Juni 2018 [IV-act. 37]) und sie solche auch 

in ihrer eigenen Befunderhebung festgestellt hat (vgl. Gutachten S. 7 ff.), 

aber dennoch die Diagnose eines "Nonverbal Learning Disorder" bzw. 

einer dissoziierten Intelligenz stellte. Abgesehen von ihrer Feststellung, 

wonach eine dissoziierte Intelligenz einer Überlappung der Symptome 

eines Autismus und ADHS entspreche, ohne das eine oder andere zu 

erfüllen (vgl. Gutachten S. 11), finden sich hierzu denn auch keine 

Ausführungen.

Ebenso wenig vermag die Schlussfolgerung der Gutachterin zu 

überzeugen, wonach der aktuelle klinische Eindruck für ihre Beurteilung 

entscheidend sei, weshalb auch anamnestischen Fragebögen weniger 

Gewicht beigemessen würden als jenem, der vom Schulheim X._____ 

ausgefüllt worden sei und einen Cut off unter Autismusspektrum ergeben 

habe (Gutachten S. 11). Abgesehen davon, dass Dr. med. H._____ eine 

solche Vorgehensweise nach neueren Erkenntnissen für unzulässig 

erachtet und darauf hinweist, dadurch werde der Lern- und 

Entwicklungsprozess von autistischen Kindern ausser Acht gelassen (vgl. 

Stellungnahme vom 22. Dezember 2018), widerspricht sie einer 

leitliniengerechten Abklärung. Wie zu Beginn des Gutachtens ausgeführt 

wird, beschlossen die Frühinterventionszentren Genf, Zürich, Bellinzona 

und Basel am 10. September 2013 einstimmig, dass die Diagnostik von 

ASS mittels ADI-R-Interview mit den Eltern, mit standardisierter 

Verhaltensbeobachtung ADOS, mit der Erfassung der intellektuellen 

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Funktionen mit geeigneten Tests und mit neuropädiatrischer Untersuchung 

zwecks Ausschluss möglicher somatischer Ursachen zu erfolgen hat (vgl. 

Gutachten S. 2). Dr. med. F._____ hat ihrer Begutachtung die von Dr. med. 

E._____ am 22. Februar 2018 durchgeführten Verfahren (ADI-R-Interview, 

FSK-Fragebögen und ADOS) zugrunde gelegt und auf zusätzliche 

autismusspezifische Tests verzichtet (vgl. Gutachten S. 8). Aus ihrer 

klinischen Beurteilung geht dabei hervor, dass sie im Vergleich zur ADOS-

Untersuchung von Dr. med. E._____, welche sie als korrekt durchgeführt 

einstufte, einzelne Aufgaben anders bewertete, und letztlich auf einen 

Gesamtwert ausserhalb des Autismus-Spektrums schloss (vgl. Gutachten 

S. 10). Wenn sie sodann für ihre Gesamtbeurteilung auf diese klinischen 

Beobachtungen zusammen mit dem durch das Schulheim X._____ 

ausgefüllten FSK-Fragebogen, welcher zu demselben Ergebnis gelangte, 

abstellte, wurden massgebende, gemäss Leitlinien zu beachtende 

Testverfahren, wie das ADI-R-Interview mit den Eltern, dessen Resultat für 

die Annahme einer ASS sprach, unzulässigerweise aussen vor gelassen. 

Vor diesem Hintergrund geht es entgegen der Auffassung der 

Beschwerdegegnerin nicht an, der Stellungnahme von Dr. med. H._____ 

ihre Aussagekraft abzusprechen, weil er den Beschwerdeführer nicht 

selbst umfassend untersucht habe, sondern seiner Beurteilung – wie die 

Gutachterin Dr. med. F._____ auch – die von Dr. med. E._____ 

durchgeführten Tests zugrunde gelegt hat. Im Gegensatz zu Dr. med. 

F._____ hat Dr. med. H._____ aber diese standardisierten Verfahren nicht 

modifiziert, sondern aufbauend darauf leitliniengerechte zusätzliche 

Untersuchungen durchgeführt (vgl. Stellungnahme vom 22. Dezember 

2018). Seine Beurteilungen sind somit geeignet, die gutachterlichen 

Einschätzungen in Frage zu stellen. Wenn Dr. med. H._____ als Facharzt 

für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie ausgewiesener ASS-Spezialist 

sodann die von Dr. med. E._____ als Neuropädiater durchgeführten 

Testverfahren zur Autismus-Abklärung als "lege artis" bezeichnete und 

selbst die Gutachterin diese als Grundlage heranzog, dann kann der 

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Beschwerdegegnerin nicht gefolgt werden, wenn sie der Beurteilung der 

Kinderpsychiaterin mehr Gewicht beimisst als jener von Dr. med. E._____, 

einem renommierten Neuropädiater für Autismus-Diagnostik bei Kindern. 

Es mutet denn auch widersprüchlich an, wenn die Beschwerdegegnerin 

zum Ausschluss des Geburtsgebrechens Ziff. 404 (POS) massgeblich auf 

den Bericht von Dr. med. E._____ abstellte, seine schlüssigen und 

nachvollziehbaren Ergebnisse im Bericht vom 26. April 2018 zur 

Anerkennung des Geburtsgebrechens Ziff. 405 (ASS) nicht gelten lassen 

will.

Insgesamt sprechen somit konkrete Indizien gegen das Gutachten von Dr. 

med. F._____ bzw. wird dieses durch die übrigen medizinischen Akten 

derart in Zweifel gezogen, dass nicht darauf abgestellt werden kann.

5. Zu prüfen bleibt demnach, ob beim Beschwerdeführer bis zum 15. Oktober 

2012, als er sein 5. Lebensjahr vollendete, Symptome einer ASS erkennbar 

waren, sodass das Geburtsgebrechen Ziff. 405 anzuerkennen wäre.

5.1. Versicherte haben bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf die zur 

Behandlung von Geburtsgebrechen (Art. 3 Abs. 2 ATSG) notwendigen me-

dizinischen Massnahmen (Art. 13 Abs. 1 IVG). Der Bundesrat bezeichnet 

die Gebrechen, für welche diese Massnahmen gewährt werden. Er kann 

Leistungen ausschliessen, wenn das Gebrechen von geringfügiger Bedeu-

tung ist (Art. 13 Abs. 2 IVG; vgl. auch Art. 3 der Verordnung über die Inva-

lidenversicherung [IVV; SR 831.201]). 

 

Nach Art. 1 der Verordnung über Geburtsgebrechen (GgV; SR 831.232.21) 

gelten als Geburtsgebrechen im Sinne von Art. 13 IVG Gebrechen, die bei 

vollendeter Geburt bestehen. Die blosse Veranlagung zu einem Leiden gilt 

nicht als Geburtsgebrechen. Der Zeitpunkt, in dem ein Geburtsgebrechen 

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als solches erkannt wird, ist unerheblich (Abs. 1). Die Geburtsgebrechen 

sind in der Liste im Anhang (GgV Anhang) aufgeführt (Abs. 2 Satz 1).

5.2. Autismus-Spektrum-Störungen werden gemäss Ziff. 405 GgV Anhang als 

Geburtsgebrechen anerkannt, wenn sie bis zum vollendeten 5. Lebensjahr 

erkennbar werden. Nach den Verwaltungsweisungen (Rz. 405 des Kreis-

schreibens über die medizinischen Eingliederungsmassnahmen der Invali-

denversicherung [KSME], ab Januar 2019 geltende Fassung) müssen die 

entsprechenden krankheitsspezifischen, therapiebedürftigen Symptome 

bis zum vollendeten 5. Lebensjahr erkennbar sein. Dies soll es ermögli-

chen, die prä- oder perinatale Autismus-Spektrum-Störung von nachge-

burtlich entstandenen gleichartigen Leiden abzugrenzen (vgl. Art. 3 Abs. 2 

ATSG). Daher ist die Altersgrenze, bis zu welcher sich das Gebrechen ma-

nifestiert haben muss, relativ tief angesetzt (Urteil des Bundesgerichts 

9C_682/2012 vom 1. Mai 2013 E.3.2.1). Ziff. 405 GgV Anhang setzt keine 

diagnostische Festlegung vor Vollendung des 5. Lebensjahres voraus. Das 

Erfordernis "krankheitsspezifischer, therapiebedürftiger Symptome" ist 

auch nicht so zu verstehen, dass die Symptomatik vor dem 5. Geburtstag 

so klar ausgebildet gewesen sein müsste, dass bereits damals ohne wei-

teres die zutreffende spezifische Diagnose hätte gestellt werden können. 

Vielmehr besteht nach der gesetzmässigen (Urteil 9C_244/2012 vom 25. 

April 2012 E.3.2.2) Konzeption der GgV bei nachträglicher Diagnose schon 

dann hinreichende Gewissheit darüber, dass die Störung auf die Geburt 

zurückreicht, wenn bis zum 5. Geburtstag autismustypische Symptome 

verzeichnet wurden. Anhand dieser muss zum einen festgestanden haben, 

dass überhaupt eine (differenzialdiagnostisch noch nicht endgültig spezifi-

zierbare) Störung im fachmedizinischen Sinn vorlag; zum andern müssen 

die damaligen Befunde in die spätere definitive Diagnose einfliessen (SVR 

2014 IV Nr. 21 S. 77, Urteil des Bundesgerichts 9C_639/2013 E.2.3; vgl. 

auch Urteile 9C_682/2012 vom 1. Mai 2013 E.3.2.2, 8C_269/2010 vom 12. 

- 16 -

August 2010 E.5.1.1; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 

302/05 vom 31. Oktober 2005 E.2). 

 

Aus der Möglichkeit einer retrospektiven diagnostischen Festlegung ergibt 

sich, dass nicht nur "echtzeitlich" getroffene ärztliche Feststellungen mass-

gebend sind, sondern auch spätere, soweit sie Rückschlüsse auf eine 

rechtzeitige Erkennbarkeit der Störung zulassen. Allerdings ist eine 

nachträgliche Schilderung von Symptomen mit zunehmender zeitlicher Di-

stanz kritisch zu würdigen, weil sie oftmals von späteren Beobachtungen 

überlagert sein dürfte. Aus diesem Grund muss im Einzelfall schlüssig dar-

getan sein, dass die betreffende Anamnese nicht bloss aktuelle Feststel-

lungen in die Vergangenheit projiziert (Urteile des Bundesgerichts 

9C_680/2018 vom 22. Juli 2019 E.3.1 ff., 9C_682/2012 vom 1. Mai 2013 

E.3.2.3; vgl. auch SVR 2014 IV Nr. 21 S. 77, 9C_739/2013 E. 2.4). 

5.3. Im vorliegenden Fall wurde beim Beschwerdeführer die Diagnose ASS im 

Alter von zehn Jahren im Bericht von Dr. med. E._____, leitender Arzt im 

KSGR für Kinder- und Jugendmedizin Neuropädiatrie, vom 26. April 2018 

(IV-act. 27 S. 1-7) gestellt. Wie aus Letzterem hervorgeht, führte Dr. med. 

E._____ in seiner Untersuchung vom 22. Februar 2018 eine eingehende 

Anamnese des Beschwerdeführers unter Beisein und Befragung der Eltern 

durch. Dieser kann namentlich entnommen werden, dass Dr. med. K._____ 

vom HPD, bei welchem der Beschwerdeführer bis zum Eintritt in den 

Kindergarten in der Frühförderung gewesen sei, beim Beschwerdeführer 

bereits im Alter von 4 ½ Jahren den Verdacht auf eine ASS geäussert habe, 

diese jedoch auf Wunsch der Eltern damals nicht weiter abgeklärt worden 

sei (vgl. Arztbericht S. 3). Dr. med. E._____ wertete in seinem Bericht vom 

26. April 2018 zudem verschiedene durch die Eltern und Lehrpersonen der 

3. Klasse des Schulheims X._____ ausgefüllte Fragebogen aus, welche 

u.a. zeigten, dass das (Sozial- bzw. Kommunikations-)Verhalten des 

Beschwerdeführers für die Eltern insbesondere bezogen auf die Zeit um 

- 17 -

das 4. bis 5. Lebensjahr als auffällig und mit einer ASS vereinbar 

angesehen wurde, während die Angaben der Lehrpersonen der 3. Klasse 

unter dem Cut off für eine ASS zu liegen kamen (Arztbericht S. 4). Dr. med. 

E._____ nahm anlässlich der Untersuchung vom 22. Februar 2018 

überdies autismusspezifische Abklärungen beim Beschwerdeführer in 

Abwesenheit der Eltern vor. Im Rahmen der ADOS-Untersuchung ergaben 

sich zahlreiche Einschränkungen u.a. bei der Konversation, der Qualität 

sozialer Annäherung und Reaktionen sowie beim Ausmass wechselseitiger 

sozialer Kommunikation. Gänzlich fehlend waren dabei das Berichten über 

Ereignisse und ein an den Untersucher gerichteter mimischer Ausdruck. Im 

Bereich der Untersuchung repetitiver und restriktiver Verhaltensweisen war 

der stereotype eigentümliche Sprachgebrauch des Beschwerdeführers 

auffällig. Insgesamt kam Dr. med. E._____ zum Schluss, dass das 

Ergebnis der ADOS-Untersuchung mit einer Autismusstörung vereinbar 

wäre (vgl. Arztbericht S. 4-6). Dr. med. E._____ führte zudem in einem 

Interview mit den Eltern das sog. ADI-R-Verfahren durch, bei welchem 

neben den drei Kernsymptomen des Autismus (qualitative Auffälligkeiten 

der reziproken sozialen Interaktion, qualitative Auffälligkeiten der 

Kommunikation sowie repetitives, restriktives und stereotypes Verhalten) 

codiert wird, ob die abnorme Entwicklung bis einschliesslich des 36. 

Lebensmonats aufgetreten ist. Der Beschwerdeführer erzielte dabei in 

allen drei Kernbereichen Cut off-Werte, die über jenen für Autismus liegen. 

Im Kernbereich qualitative Auffälligkeiten der reziproken sozialen 

Interaktion seien der direkte Blickkontakt, die Skala von 

Gesichtsausdrücken in der Kommunikation, das Interesse an anderen 

Kindern, die Qualität der sozialen Kontaktaufnahme und die 

Angemessenheit sozialer Reaktionen eingeschränkt und die 

Unangemessenheit des Gesichtsausdrucks auffällig. Zudem fehlten ein 

soziales Lächeln, das Fantasiespiel mit Gleichaltrigen und die Fähigkeit, 

Trost zu spenden. Im Kernbereich qualitative Auffälligkeiten der 

Kommunikation seien u.a. die konventionelle zielgerichtete Gestik sowie 

- 18 -

das imitierende soziale Spiel eingeschränkt und es fehlten ein spontanes 

Imitieren von Handlungen, Fantasiespiele, soziales Geplauder und 

reziproke Konversationen. Keine Auffälligkeiten ergaben sich bei der 

stereotypen und repetitiven Verwendung der Sprache. Im Kernbereich 

repetitives, restriktives und stereotypes Verhalten seien Verhaltensweisen 

wie intensive Interessen, Zwänge, der repetitive Gebrauch von Objekten 

bzw. das Interesse an Teilen von Objekten sowie ungewöhnliche 

sensorische Interessen auffällig. Die Auffälligkeiten, welche auf Autismus 

hinwiesen, seien aus Sicht der Eltern bereits in der Frühkindheit, sicher vor 

dem 36. Lebensmonat, ersichtlich gewesen. Dr. med. E._____ kam hierbei 

zum Schluss, dass das ADI-R die bereits nach Durchführung des ADOS 

geäusserte Annahme einer ASS bestätige (vgl. Arztbericht S. 6). Dr. med. 

E._____ hielt weiter fest, die autismusspezifischen Zeichen seien bereits 

vor Vollendung des 5. Lebensjahres erkennbar gewesen. Dr. med. K._____ 

habe in einem Förderplan vom 9. März 2012 (der dem Arztbericht beigelegt 

wurde [IV-act. 27 S. 8-9)), als der Beschwerdeführer 4 ½ Jahre alt gewesen 

sei, festgehalten, dass der IQ nonverbal bestimmt nur bei 67 liege, die 

Gesamtentwicklung bei einem Entwicklungsstand von knapp über drei 

Jahren retardiert bzw. in grobmotorischer Hinsicht gar stark retardiert und 

das Verhalten auffällig sei. Dr. med. K._____, eine Fachperson, habe klar 

die Verdachtsdiagnose (Autismusform) geäussert, die aber im weiteren 

Verlauf nicht nachgegangen worden sei. Für alle späteren Ärzte habe die 

geistige Behinderung sowie sein auffälliges erethisches Verhalten im 

Vordergrund gestanden. Deshalb sei der Verdacht auf POS geäussert 

worden. Durch die spezifische Autismusdiagnostik habe nun der bereits im 

Alter von 4 ½ Jahren geäusserte Verdacht auf eine tiefgreifende 

Entwicklungsstörung bestätigt werden können. Die Kriterien für das 

Vorliegen des Geburtsgebrechens Ziff. 405 seien klar erfüllt (vgl. 

Arztbericht S. 7). 

- 19 -

Davon geht im Übrigen auch Dr. med. H._____ aus, wenn er in seiner 

medizinischen Stellungnahme vom 22. Dezember 2018 (IV-act. 56) 

ausführt, dass die von Dr. med. E._____ als klinisch erfahrene Fachperson 

durchgeführte Autismus-Abklärung "lege artis" vorgenommen worden sei 

und kein Zweifel daran bestehe, dass beim Beschwerdeführer eine ASS 

vorliege, für welche es schon vor Vollendung des 5. Lebensjahres 

dokumentierte Hinweise gegeben habe. 

5.4. Die Beschwerdegegnerin wendet gegen diese retrospektive diagnostische 

Festlegung einer ASS ein, Dr. med. E._____ habe den Beschwerdeführer 

bereits im Jahr 2016 eingehend untersucht. Dabei sei aber von Autismus 

oder einem Autismusverdacht keine Rede gewesen. Dies lasse nur den 

Schluss zu, dass die krankheitsspezifischen, therapiebedürftigen 

Symptome im Jahr 2016 (und in den Jahren zuvor) offensichtlich noch nicht 

erkennbar gewesen seien. Dass sich Dr. med. E._____ damals offenbar 

auf eine POS-Abklärung fixiert habe, vermöge an diesem Resultat nichts 

zu ändern. Denn aus den Berichten von Dr. med. E._____ vom 26. August 

2016 und 2. September 2016 gehe hervor, dass die Abklärungen im Jahr 

2016 insbesondere auch zum Ziel gehabt hätten, zu prüfen, ob beim 

Beschwerdeführer ein Gesundheitsschaden vorliege, aus welchem ein 

Anspruch auf medizinische Massnahmen nach Art. 13 IVG abgeleitet 

werden könne. Wären krankheitsspezifische, therapiebedürftige 

Symptome von ASS im Jahr 2016 erkennbar gewesen, hätte dies Dr. med. 

E._____ in seinen Berichten, auch wenn er sich auf eine POS-Abklärung 

fixiert habe, sicher vermerkt.

Soweit die Beschwerdegegnerin mit dieser Argumentation versucht, das 

Vorliegen einer ASS als Geburtsgebrechen auszuschliessen, vermag dies 

nicht zu überzeugen, hat Dr. med. E._____ doch bis dahin nachweislich 

keine autismusspezifischen Abklärungen getroffen. Vielmehr geht aus 

seinem Bericht vom 26. April 2018 (IV-act. 27 S. 1-7) hervor, dass er den 

Beschwerdeführer zwar bereits im August 2016 untersucht und dabei die 

- 20 -

Diagnose einer leichten psychointellektuellen Retardierung gestellt habe. 

Da sich damals auch Hinweise für ein ADHS gezeigt hätten, habe er eine 

POS-Abklärung vorgenommen, dessen Kriterien nicht erfüllt worden 

waren. Er habe sich damals strikte auf eine POS-Abkärung fixiert, da dies 

der ausdrückliche Wunsch der zuweisenden Ärztin, Dr. med. D._____, 

gewesen sei. Andere möglichen Diagnosen seien nicht weiter abgeklärt 

worden (Arztbericht S. 2 f.). Dies erscheint plausibel und unter 

Berücksichtigung der Stellungnahme vom 4. Juni 2019 (Bf-act. 5) 

nachvollziehbar, wenn Dr. med. E._____ darin präzisierend ausführte, dass 

die Zuweisung des Beschwerdeführers kurz vor Vollendung seines 9. 

Lebensjahres erfolgt sei, die Diagnose POS wie auch die Einleitung 

medizinisch-therapeutischer Massnahmen indes vor dieser Altersgrenze 

erfolgen müssten. Er habe damals die richtige Diagnose der ASS verpasst, 

weil er insbesondere aufgrund der zeitlichen Abläufe klar auf ein POS resp. 

dessen Ausschluss fixiert gewesen sei. Insofern habe er keine 

autismusspezifische Fragebögen eingesetzt. Zu jenem Zeitpunkt sei ihm 

auch nicht bekannt gewesen, dass beim Beschwerdeführer bereits vor dem 

5. Altersjahr der Verdacht einer ASS vom früheren Heilpädagogen 

geäussert worden sei. Insofern kann dem Beschwerdeführer die fehlende 

Diagnose bzw. Symptombeschreibung von ASS in den Berichten von Dr. 

med. E._____ vom 26. August 2016 und 2. September 2016 (IV-act. 14) 

nicht zum Nachteil gereichen.

Der Beschwerdeführer wurde bereits im Alter von 18 Monaten von seinem 

damaligen Kinderarzt, Dr. med. B._____, wegen Defizite im Bereich der 

Motorik, Sprache und des Spielverhaltens zur Beurteilung des 

Entwicklungsstandes beim HPD angemeldet (vgl. Zuweisung von Dr. med. 

B._____ vom 21. April 2009 [Bf-act. 3]). Dr. med. K._____ stellte damals 

ein heterogenes Entwicklungsprofil auf: Am weitesten verzögert seien die 

Grobmotorik (Niveau eines 11.5 Monate alten Kindes) und die 

Sprachentwicklung (Niveau eines 15 Monate alten Kindes), während die 

- 21 -

Selbstständigkeit und das Sozialalter leicht retardiert gewesen seien. 

Demgegenüber habe er im Bereich der Feinmotorik und der Perzeption 

überdurchschnittlich abgeschnitten. Da sich insgesamt ein 

Entwicklungsrückstand abzeichnete, wurden zusätzlich zur seit Sommer 

2009 eingeleiteten heilpädagogischen Früherziehung eine Ergotherapie 

sowie alternative Behandlungsmethoden (Homöopathie, Osteopathie und 

Kinesiologie) eingeleitet (vgl. HPD-Förderplan vom 10. August 2009 [IV-

act. 27 S. 8 f.] und Abklärungsbericht HPD von Dr. med. K._____ vom 18. 

Mai 2012 [IV-act. 4 S. 1 f.]). 

Während einer Hospitalisation des Beschwerdeführers mit 3 ⅔ Jahren 

wegen einer idiopathisch-thrombozytopenischen Purpura im KSGR wurde 

anamnestisch eine grobmotorische und sprachliche 

Entwicklungsverzögerung (DD: ADHS), diagnostiziert und festgehalten, 

dass während des Aufenthalts eine ausgeprägte Hyperaktivität beim 

Beschwerdeführer aufgefallen sei, weshalb – je nach Belastungssituation 

der Familie – eine Abklärung bzgl. ADHS indiziert sei (vgl. Austrittsbericht 

vom 7. Juli 2011 [Bf-act. 4]).

Während zunächst eine Unterstützung in den Bereichen Grobmotorik, 

aktive Sprache und Sprachverständnis angezeigt war (vgl. HPD-

Förderplan vom 10. August 2009), mussten die Ziele im Alter von knapp 4 

Jahren angepasst werden, da sich verstärkt Verhaltensprobleme zeigten. 

Dabei habe Dr. med. K._____ die testpsychologische Untersuchung nicht 

zu Hause durchführen und nur mit sehr viel Motivation des Knaben 

abschliessen können. Der Gesamt-IQ habe bei 81 gelegen und während 

sich im sprachlichen Bereich deutliche Verbesserungen ergeben hätten, 

seien die Motorik und die Selbstständigkeitsentwicklung stark retardiert 

geblieben (vgl. Abklärungsbericht HPD von Dr. med. K._____ 18. Mai 2012 

[IV-act. 4 S. 1]). 

- 22 -

Im Alter von 4 ¼ Jahren fand im Januar 2012 mit Blick auf den 

Kindergarteneintritt erneut eine entwicklungspsychologische Abklärung 

durch Dr. med. K._____ statt. Letzterer habe den Beschwerdeführer 

damals als sehr herzliches und fröhliches Kind erlebt, welcher einen durch 

seine positive Art schnell in seinen Bann ziehen könne. Auf der anderen 

Seite könne er auch stark provozieren, was den Umgang mit ihm zu Hause 

und in Überforderungssituationen manchmal nicht ganz leicht mache. In 

der Spielgruppe sei er gut tragbar und es zeigten sich keine 

Verhaltensprobleme. Indes habe sich im kognitiven Bereich im letzten Jahr 

eine Scherbewegung eingestellt. Der Gesamt-IQ (nonverbal) betrage 

unterdessen 67. Bei der Sprachentwicklung zeige der Beschwerdeführer 

erfreuliche Fortschritte, wenngleich im Vergleich zur Altersnorm nach wie 

vor eine grosse Lücke klaffe. Diesbezüglich werde vorgeschlagen, mit 

Logopädie zu beginnen. Im motorischen Bereich falle der 

Beschwerdeführer weiterhin durch einen grossen Rückstand auf. Auch im 

Bereich der Feinmotorik habe sich gemäss Angaben der Ergotherapeutin 

eine Scherbewegung gegeben. Die verzögerte motorische Entwicklung 

wirke sich zudem auf die Selbstständigkeitsleistungen aus. Insgesamt liege 

der Entwicklungsstand des Beschwerdeführers in vielen Bereichen auf 

dem Niveau eines knapp über dreijährigen Kindes. Der Beschwerdeführer 

sei im Kindergarten – auch um Verhaltensprobleme zu vermeiden – auf 

klare Strukturen und einfühlsame Führung angewiesen. Zu Hause würden 

z.B. gute Erfahrungen mit dem "stillen Stuhl" gemacht. In der Spielgruppe 

sei der Beschwerdeführer sehr beliebt und hilfsbereit und sollte deshalb 

das Freispiel mit wenig Unterstützung bewältigen können. Insgesamt 

schloss Dr. med. K._____ aufgrund des Gesamt-IQ von 67 und dem 

Entwicklungsstand eines knapp über dreijährigen Kindes, dass die Kriterien 

zur Gewährleistung einer Sonderschulung gegeben seien und ein 

unbegleiteter Kindergartenbesuch den Beschwerdeführer und sein Umfeld 

überfordern würden (vgl. Abklärungsbericht HPD von Dr. med. K._____ 

vom 18. Mai 2012 [IV-act. 4 S. 2 ff.]). 

- 23 -

Aufgrund dieser Gesamtentwicklung des Beschwerdeführers und des 

auffälligen Verhaltens empfahl Dr. med. K._____ am 9. März 2012, den 

Beschwerdeführer – damals 4 ½-jährig – durch Dr. med. E._____ abklären 

zu lassen, da es sich um eine Form von Autismus handeln könne. Dazu ist 

es jedoch nicht gekommen, da sich die Eltern damals gegen eine solche 

Abklärung entschieden hatten (vgl. HPD-Förderplan vom 9. März 2012 [IV-

act. 27 S. 9], vgl. ferner ähnlich den Bericht von Dr. med. B._____ von 8. 

Mai 2012 [Bf-act. 3]).

In den weiteren Abklärungen (nach vollendetem 5. Lebensjahr) wurde der 

Beschwerdeführer auch mit Blick auf ein Aufmerksamkeitsdefizit bzw. ein 

ADH-ähnliches Krankheitsbild hin untersucht und eine Anmeldung des 

Geburtsgebrechens Ziff. 404 in Erwägung gezogen (vgl. Berichte von Dr. 

med. C._____, ADHD-Zentrum Ostschweiz, vom 5. Februar 2014 [IV-act. 

20] und 15. November 2015 [IV-act. 19] sowie Arztzeugnis von Dr. med. 

D._____ vom 24. April 2016 [IV-act. 5]). Dem Bericht von Dr. C._____, 

ADHD-Zentrum Ostschweiz, vom 15. November 2015 wurde neben der 

Aufmerksamkeitsstörung ausserdem u.a. eine Störung des Verhaltens 

(aggressiv-oppositionell) ausgewiesen. In anamnestischer Hinsicht wurde 

zudem ausgeführt, der Beschwerdeführer habe sich im letzten 

Kindergartenjahr, welches er wiederholen durfte, gut entwickelt. Er habe 

sich vermehrt in die Klassengemeinschaft zu integrieren vermocht, als dies 

noch vor einiger Zeit der Fall gewesen sei. Dadurch könne er sich besser 

auf das Gegenüber beziehen, Inhalte verarbeiten und beim Lernen 

dranbleiben. Gesamthaft zeige sich im Vergleich zur Untersuchung vom 

Februar 2014 eine klar verbesserte Leistungsbereitschaft. Aus dem Bericht 

der (neuen) Kinderärztin, Dr. med. D._____, vom 15. September 2016 (IV-

act. 11) geht hervor, dass das Verhalten schwierig sei, da der 

Beschwerdeführer in Spannung gerate, wenn um ihn herum zu viel los sei. 

In solchen Situationen werde er u.a. hyperaktiv, rede undeutlich und 

- 24 -

stotternd und müsse zur Beruhigung abgeschirmt werden. Auch aus den 

Berichten von Dr. med. E._____ geht hervor, dass der Beschwerdeführer 

damals sehr verhaltensauffällig gewesen sei (so habe er z.B. die Figuren 

aus dem Puppenhaus ausgeräumt und von einem auf den anderen Tisch 

verschoben oder unterhalb des Tisches in einem Fach versteckt), was im 

Rahmen der diagnostizierten psychointellektuellen Retardierung mit 

gleichzeitiger Hyperaktivität interpretiert worden sei (vgl. Arztbericht vom 

26. August 2016 und 2. September 2016 [IV-act. 14] sowie seine 

Stellungnahme vom 4. Juni 2019 [Bf-act. 5]). Schliesslich wird im Zeugnis 

des Schulheims X._____ vom 11. Juni 2018 (IV-act. 37) neben den 

sprachlichen Schwierigkeiten namentlich ausgeführt, der 

Beschwerdeführer habe sich im Schulheim gut eingelebt und trete im 

geschützten Rahmen von sich aus in Kontakt mit seinen Mitschülern. 

Dieser Kontakt sei aber selten positiv, zumal er andere Kinder provoziere, 

indem er sie nachmache, oder auf dem Pausenplatz in Konflikt mit anderen 

Schülern gerate. Er fühle sich dann als Opfer und könne das Geschehene 

nicht reflektieren.

Aus dem Vorerwähnten ergibt sich, dass vorliegend im massgebenden 

Zeitraum bis zum 15. Oktober 2012, als der Beschwerdeführer das 5. 

Lebensjahr vollendete, eindeutige autismusspezifische Symptome 

erkennbar waren. Zwar wird der Beschwerdeführer zum Teil als sehr 

herzliches und fröhliches Kind mit einer positiven Art beschrieben und er 

scheint auch in der Spielgruppe gut integriert gewesen zu sein. Auf der 

anderen Seite finden sich in den echtzeitlichen Akten aber auch 

Anhaltspunkte für Verhaltensauffälligkeiten im sozialen Bereich. So wird im 

Abklärungsbericht des HPD vom 18. Mai 2012 (IV-act. 4) ausgeführt, der 

Beschwerdeführer könne stark provozieren, wodurch sich der Umgang mit 

ihm zu Hause und in Überforderungssituationen nicht einfach gestalte. Aus 

dem selbigen Bericht ergibt sich ferner, dass sich beim Beschwerdeführer 

im Alter von knapp 4 Jahren verstärkt Verhaltensprobleme gezeigt hätten 

- 25 -

(die namentlich auch eine testpsychologische Untersuchung zu Hause 

verunmöglichten), weshalb es einer Anpassung der Förderungsziele 

bedurft habe. Ausserdem sind Hinweise auf eine ausgeprägte 

Hyperaktivität aktenkundig (vgl. Austrittsbericht des KSGR vom 7. Juli 2011 

[Bf-act. 4]). Die Annahme einer ASS entfiele aber auch bei eher wenigen 

Symptomen im Bereich der Stereotypien und eingeschränkten Interessen 

nicht von vornherein, führt Dr. med. H._____ in seiner fachärztlichen 

Stellungnahme vom 22. Dezember 2018 (IV-act. 56 S. 4) dazu doch 

nachvollziehbar aus, dass diesfalls die Diagnose eines atypischen 

Autismus zu diskutieren wäre. Als diagnostisches Kriterium dafür – wie 

auch bei anderen Autismusformen (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 

9C_680/2018 vom 22. Juli 2019 E.3.6 m.H.) – spräche, dass beim 

Beschwerdeführer bereits im Alter von 18 Monaten eine Störung der 

Sprachentwicklung festgestellt worden ist (vgl. Zuweisung von Dr. med. 

B._____ vom 21. April 2009 [Bf-act. 3], HPD-Förderplan vom 10. August 

2009 [IV-act. 27 S. 8] und Abklärungsbericht HPD vom 18. Mai 2012 [IV-

act. 4]), die zwar im Laufe der Zeit verbessert werden konnte, jedoch auch 

im Alter von 4 ¼ Jahren immer noch weit hinter der Altersnorm 

zurückgeblieben war (vgl. Abklärungsbericht HPD vom 18. Mai 2012). Ins 

Bild eines atypischen Autismus passen würde ferner, dass der 

Beschwerdeführer bereits vor Vollendung des 5. Lebensjahres einen 

wesentlichen Entwicklungsrückstand sowie mit einem Gesamt-IQ von 67 

eine Intelligenzminderung aufwies (Abklärungsbericht HPD vom 18. Mai 

2012, S. 2). Diese Form der tief greifenden Entwicklungsstörung 

unterscheidet sich vom frühkindlichen Autismus entweder durch das Alter 

bei Krankheitsbeginn oder dadurch, dass die diagnostischen Kriterien nicht 

in allen genannten Bereichen erfüllt werden. Diese Subkategorie sollte 

immer dann verwendet werden, wenn die abnorme oder beeinträchtigte 

Entwicklung erst nach dem dritten Lebensjahr manifest wird und wenn nicht 

in allen für die Diagnose Autismus geforderten psychopathologischen 

Bereichen (nämlich wechselseitige soziale Interaktionen, Kommunikation 

- 26 -

und eingeschränktes, stereotyp repetitives Verhalten) Auffälligkeiten 

nachweisbar sind, auch wenn charakteristische Abweichungen auf 

anderen Gebieten vorliegen. Atypischer Autismus tritt sehr häufig bei 

schwer retardierten bzw. unter einer schweren rezeptiven Störung der 

Sprachentwicklung leidenden Patienten auf (Definition des Atypischen 

Autismus gemäss ICD:10 F84.1). 

Im Übrigen weisen gewisse Autismusformen als diagnostisches Kriterium 

motorische Ungeschicklichkeit auf (so z.B. beim Asperger-Syndrom, vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 9C_680/2018 vom 22. Juli 2019 E.3.6.2 m.H.), 

die sich auch beim Beschwerdeführer wie ein roter Faden durch seine frühe 

Kindheit zieht. Schliesslich erscheint es aufgrund all dieser Gegebenheiten 

nachvollziehbar, dass Dr. med. K._____ als Facharzt am 9. März 2012 (IV-

act. 27 S. 9) den Verdacht äusserte, dass der damals 4 ½-jährige 

Beschwerdeführer an einer Form von Autismus leiden könnte. Hierfür 

sprechen denn auch die Resultate des ADI-R-Interviews, wonach die 

Auffälligkeiten, welche auf Autismus hinwiesen, nach Angaben der Eltern 

bereits in der Frühkindheit, sicher vor dem 36. Lebensmonat, ersichtlich 

gewesen seien (vgl. Bericht von Dr. med. E._____ vom 26. April 2018 [IV-

act. 27 S. 6]).

6. In Gesamtwürdigung der Sachlage ist es demnach überwiegend 

wahrscheinlich, dass beim Beschwerdeführer bereits vor dem vollendeten 

5. Altersjahr krankheitsspezifische, therapiebedürftige Symptome des 

Geburtsgebrechens Ziff. 405 erkennbar gewesen sind und deshalb ein 

Anspruch auf medizinische Massnahmen gemäss Art. 13 IVG besteht. Die 

Beschwerde erweist sich somit als begründet, weshalb sie gutzuheissen 

und die angefochtene Verfügung aufzuheben ist. Die Beschwerdegegnerin 

wird die Modalitäten für die Kostenübernahme der beantragten 

Ergotherapie festzulegen haben. Bei diesem Verfahrensausgang erübrigt 

es sich, auf die weiteren Vorbringen des Beschwerdeführers einzugehen.

- 27 -

7.1. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in Abwei-

chung von Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder 

die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kan-

tonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

jeweiligen Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen 

von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Vorliegend legt das Gericht die 

Kosten auf Fr. 700.-- fest. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind 

die Kosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (vgl. 

Art. 73 Abs. 1 VRG). 

7.2. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Per-

son Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da trotz entsprechender Auffor-

derung keine Honorarnote eingereicht worden ist, legt das Gericht die aus-

sergerichtliche Entschädigung nach Ermessen fest (vgl. Art. 2 bis 4 der Ver-

ordnung über die Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen und 

Rechtsanwälte [Honorarvereinbarung, HV; BR 310.250]). Dabei ist dem 

praxisgemäss geltenden, reduzierten Stundenansatz für Anwälte und 

Anwältinnen, welche bei einer Hilfs- bzw. gemeinnützigen Organisation 

tätig sind – zu denen auch die Procap Schweiz zu zählen ist –, von Fr. 160.-

- Rechnung zu tragen. Insgesamt erscheint ein Betrag von pauschal Fr. 

2'300.-- als Parteientschädigung angemessen.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. In Aufhebung der Verfügung der IV-

Stelle des Kantons Graubünden vom 20. Februar 2019 sind A._____ 

medizinische Massnahmen nach Art. 13 IVG gestützt auf das 

Geburtsgebrechen Ziff. 405 zuzusprechen.

- 28 -

2. Die Kosten von Fr. 700.-- gehen zulasten der IV-Stelle des Kantons 

Graubünden und sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses Entscheides 

an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu bezahlen.

3. Die IV-Stelle des Kantons Graubünden hat A._____ mit Fr. 2'300.-- ausser-

gerichtlich zu entschädigen. 

4. [Rechtmittelbelehrung]

5. [Mitteilungen]