# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dbd54133-d0a1-554c-9133-dc17836973c0
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-10
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 10.11.2022 VG.2022.00049 (VG.2022.1193)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2022-00049_2022-11-10.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 10. November 2022

  
	
   

  
	
   

  
	
  II. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  Besetzung:
  Gerichtspräsident MLaw Colin Braun, Verwaltungsrichter Walter Salvadori,
  Verwaltungsrichter Samuel Bisig und Gerichtsschreiberin i.V. MLaw Tina
  Schneider

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2022.00049

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführerin

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch lic.
    iur. Roland Zahner, Rechtsanwalt,

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons
    Glarus

    	
    Beschwerdegegner

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Einstellung in der Anspruchsberechtigung

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung:

  
	
  I.

  
	
  1.

  
	
  A.______ war seit dem
  15. Juni 2017 bei der B.______ als Verkäuferin bzw. ab dem
  1. Juni 2018 als stellvertretende Filialleiterin in einem Teilzeitpensum
  angestellt. Mit Schreiben vom 10. September 2021 kündigte die B.______
  das Arbeitsverhältnis fristlos. Daraufhin meldete sich A.______ am
  13. September 2021 beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) an
  und beantragte gleichentags Leistungen der Arbeitslosenversicherung.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Das Amt für Wirtschaft und Arbeit stellte A.______
  mit Verfügung vom 25. Oktober 2021 aufgrund selbstverschuldeter
  Arbeitslosigkeit für 60 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Dagegen
  erhob sie am 17. November 2021 Einsprache und beantragte gleichzeitig
  die Sistierung des Verfahrens bis zum Abschluss des arbeitsrechtlichen
  Verfahrens. Am 16. Dezember 2021 entsprach das Amt für Wirtschaft und
  Arbeit dem Sistierungsgesuch.

  
	
   

  
	
  2.2 Nach der im Schlichtungsverfahren erzielten
  Einigung zwischen A.______ und der B.______ vom 7. April 2021 nahm das
  Amt für Wirtschaft und Arbeit das Verfahren wieder auf. Nachdem A.______ ihre
  Einsprache am 18. Mai 2022 ergänzt hatte, hiess es diese am 6. Juli
  2022 teilweise gut und reduzierte die Einstellung in der
  Anspruchsberechtigung auf 54 Tage.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Am 24. August 2022
  gelangte A.______ mit Beschwerde ans Verwaltungsgericht und beantragte die
  Reduktion der Einstellung in der Anspruchsberechtigung auf maximal
  26 Tage; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Amts
  für Wirtschaft und Arbeit. Das Amt für Wirtschaft und Arbeit schloss am
  16. September 2022 auf Abweisung der Beschwerde; alles unter Kosten- und
  Entschädigungsfolge zu Lasten von A.______.

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  Das Verwaltungsgericht ist
  gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
  Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung vom 25. Juni
  1982 (AVIG) i.V.m. Art. 56 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den
  Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000
  (ATSG) i.V.m. Art. 12 Abs. 2 des Einführungsgesetzes zum
  Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
  Insolvenzentschädigung vom 6. Mai 1984 (EG AVIG) zur Behandlung
  der vorliegenden Beschwerde zuständig. Da auch die übrigen
  Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Die obligatorische Arbeitslosenversicherung
  will der versicherten Person einen angemessenen Ersatz für Erwerbsausfälle
  wegen Arbeitslosigkeit garantieren (Art. 1a Abs. 1 lit. a
  AVIG). Gemäss der im gesamten Sozialversicherungsrecht geltenden
  Schadenminderungspflicht (Art. 17 Abs. 1 AVIG) muss die Versicherte jedoch
  alles Zumutbare unternehmen, um den Eintritt oder das Fortdauern der Arbeitslosigkeit
  zu verhindern (BGer-Urteil 8C_12/2010 vom 4. Mai 2010 E. 2.2). Ist die
  Versicherte durch eigenes Verschulden arbeitslos geworden, ist sie in der
  Anspruchsberechtigung einzustellen (Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG). Zweck
  der Einstellung als versicherungsrechtliche Sanktion ist die angemessene
  Mitbeteiligung der versicherten Person am Schaden, den sie durch ihr
  pflichtwidriges Verhalten der Arbeitslosenversicherung natürlich und adäquat
  kausal verursacht hat (BGE 122 V 34 E. 4c/aa, mit Hinweis).

  
	
   

  
	
  2.2 Ein Selbstverschulden der versicherten Person liegt
  vor, wenn oder soweit der Eintritt oder das Andauern der Arbeitslosigkeit
  nicht objektiven Faktoren zuzuschreiben ist, sondern in einem nach den
  persönlichen Verhältnissen vermeidbaren Verhalten liegt, für das die Versicherung
  die Haftung nicht übernimmt (BGer-Urteil C 348/00 vom 21. Februar
  2001 E. 1a; ARV 1998 Nr. 9 S. 44; Thomas Nussbaumer, in Ulrich
  Meyer [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit,
  Bd. XIV, 3. A., Basel 2016, Rz. 835). Die Arbeitslosigkeit
  gilt namentlich dann als selbstverschuldet, wenn die Versicherte durch ihr
  Verhalten, insbesondere wegen Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten, dem
  Arbeitgeber Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat
  (Art. 44 Abs. 1 lit. a der
  Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
  Insolvenzentschädigung vom 31. August 1983 [AVIV]). 

  
	
   

  
	
  2.3 Das vorwerfbare Verhalten der versicherten Person
  muss nach Art. 20 lit. b des am 17. Oktober 1991 für die
  Schweiz in Kraft getretenen Übereinkommens Nr. 168 der Internationalen
  Arbeitsorganisation (IAO) über Beschäftigungsförderung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit
  vom 21. Juni 1988 vorsätzlich erfolgt sein, wobei Eventualvorsatz
  genügt. Eine zumindest eventualvorsätzliche Herbeiführung der
  Arbeitslosigkeit liegt unter anderem dann vor, wenn die versicherte Person
  auf Grund einer Verwarnung weiss, dass ein bestimmtes Verhalten vom
  Arbeitgeber nicht oder zumindest nicht mehr toleriert wird und zu einer
  Kündigung führt, sie aber die ihr nach den persönlichen Umständen und
  Verhältnissen zumutbare Anstrengungen zu einer Änderung des vom Arbeitgeber
  beanstandeten Verhaltens nicht aufbringt. Gleichwohl ist für die
  Tatbestandserfüllung von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV keine
  Auflösung des Arbeitsverhältnisses aus wichtigen Gründen gemäss Art. 337
  bzw. Art. 346 Abs. 2 des Obligationenrechts vom 30. März
  1911 (OR) vorausgesetzt. Somit ist bei der Klärung der
  arbeitslosenversicherungsrechtlichen Frage der Einstellung in der Anspruchsberechtigung
  nicht entscheidend, ob sich eine fristlose Auflösung des Arbeitsverhältnisses
  aus arbeitsrechtlicher Sicht rechtfertige oder nicht bzw. ob der
  Arbeitgeber eine ordentliche Kündigung mit Kündigungsfrist hätte vornehmen
  müssen. Es genügt, dass das allgemeine dienstliche oder ausserdienstliche
  Verhalten der versicherten Person Anlass zur Kündigung oder Entlassung
  gegeben hat, wobei Beanstandungen in beruflicher Hinsicht nicht vorgelegen
  haben müssen (vgl. BGE 112 V 242 E. 1, mit Hinweisen).
  Hat hingegen eine versicherte Person nur grobfahrlässig zur Kündigung durch
  den Arbeitgeber beigetragen, ist eine Einstellung in der
  Anspruchsberechtigung gemäss Art. 20 lit. b IAO nicht zulässig
  (BGer-Urteil 8C_19/2019 vom 1. April 2019 E. 2.4, mit
  Hinweisen; Nussbaumer, Rz. 837).

  
	
   

  
	
  2.4 Beim Einstellungsgrund des Art. 44 Abs. 1 lit. a
  AVIV genügt der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der
  überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht, sondern es muss das der versicherten
  Person zur Last gelegte Verhalten in beweismässiger Hinsicht klar feststehen.
  In seiner Beweiswürdigung ist das Gericht regelmässig auf die
  Parteivorbringen und insbesondere auf die Aussagen der Arbeitgeberin
  angewiesen. Diese sollte eine Sachverhaltsdarstellung abgeben, ohne am
  Ausgang des Verfahrens interessiert zu sein und ohne ein Interesse daran zu
  haben, die versicherte Person in einem ungünstigen Licht erscheinen zu
  lassen. Solange kein Grund besteht, an den Aussagen der Arbeitgeberin zu
  zweifeln, ist auf diese abzustellen. Bei Differenzen zwischen Arbeitgeber und
  Arbeitnehmer vermögen blosse Behauptungen des Arbeitgebers den Nachweis für
  ein schuldhaftes Verhalten der versicherten Person nicht zu erbringen, wenn
  sie von dieser bestritten werden und nicht durch andere Beweise oder Indizien
  bestätigt erscheinen (vgl. BGE 112 V 245 E. 1, mit
  Hinweisen).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe
  versehentlich ein […] rabattiert und ein weiteres […], welches sie behändigt
  habe, sei von einem Kunden offen an die Kasse gebracht worden. Ein Tag vor
  ihrer Kündigung sei einer Kollegin die Mitnahme von nicht mehr verkäuflichen
  […] von der Vorgesetzten aber erlaubt worden, wobei darüber Stillschweigen
  vereinbart worden sei. Vor diesem Hintergrund stelle vorliegend lediglich das
  eigenhändige Kassieren sowie die Behändigung eines Artikels eine Verletzung
  arbeitsvertraglicher Pflichten dar. Das offene […] hätte jedoch nicht mehr
  verkauft werden können und wäre entsorgt worden, was ihr Verhalten zumindest
  teilweise als entschuldbar erscheinen lasse und der Lebensmittelverschwendung
  entgegenwirke. Da der Beschwerdegegner selbst nicht mehr von einer
  gerechtfertigten fristlosen Kündigung ausgehe, falle diese als
  Einstellungsgrund weg. Weiter sei ihr Verschulden nicht im schweren, sondern
  im mittelschweren Bereich anzusiedeln. Verschuldensmindernd sei darüber
  hinaus zu berücksichtigen, dass sie sich während der bereits mehr als fünf
  Jahre dauernden Anstellung klaglos verhalten habe. Ferner sei die Genehmigung
  der nicht mehr verkäuflichen […] am Vortag unter dem Aspekt des
  widersprüchlichen Verhaltens der Arbeitgeberin im Sinne einer Reduktion von
  fünf Einstelltagen zu berücksichtigen. Schliesslich stelle das Mitnehmen
  eines nicht mehr verkaufsfähigen Artikels mangels erkennbarem Schaden kein Diebstahl
  im strafrechtlichen Sinne dar, weshalb die diesbezüglich angerechneten zehn
  Einstelltage wegfallen würden. Gesamthaft betrachtet seien 54 Einstelltage
  unhaltbar, unverhältnismässig und nicht gerechtfertigt.

  
	
   

  
	
  3.2 Der Beschwerdegegner bringt vor, der Sachverhalt sei
  unbestritten und das letztlich zur Entlassung geführte Verhalten stehe klar
  fest. Durch ihr Betragen habe die Beschwerdeführerin gegen Weisungen und
  insbesondere gegen Ziff. 2.6 des Arbeitsreglements
  der Arbeitgeberin verstossen. Demgemäss
  habe sie gewusst, dass ihr Verhalten zu einer fristlosen Kündigung führen
  könne, wobei die strafrechtliche Relevanz für die Bemessung der Einstelltage
  nicht ausschlaggebend gewesen sei. Ihr Verhalten sei entgegen ihren
  Ausführungen sodann nicht entschuldbar. Ferner diene das interne
  Prüfprotokoll der Gleichbehandlung der versicherten Personen im Rahmen einer
  selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit. Mit Blick darauf dürfe sie nicht
  einfach schlussfolgern, der am 7. April 2022 erzielte Vergleich mit der ehemaligen
  Arbeitgeberin führe automatisch zu einer Reduktion der Einstelltage. Vielmehr
  sei der Sachverhalt unter Berücksichtigung des Vergleichs neu beurteilt
  worden. Dabei lehne sich die Bemessung der Einstelltage an das einschlägige
  Kreisschreiben an. Mit Blick auf den realisierten Entschädigungsanspruch habe
  dies zu 54 Einstelltagen geführt.

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Im Rahmen einer Kontrolle am 10. September 2021
  wurden in der Tasche der Beschwerdeführerin zwei Packungen […] vorgefunden,
  wobei gemäss Kaufbeleg lediglich eine abgerechnet und mit einem Rabatt von
  50 % deklariert wurde. Der Artikel wurde entgegen den Anweisungen der
  Arbeitgeberin von der Beschwerdeführerin selbst kassiert. Wegen diesem
  Verhalten wurde das Arbeitsverhältnis am 10. September 2021 fristlos
  gekündigt. Dieser Sachverhalt steht fest und wird nicht bestritten. Zu prüfen
  ist jedoch, ob die Beschwerdeführerin die Kündigung (eventual-)vorsätzlich
  verschuldet hat.

  
	
   

  
	
  4.2

  
	
  4.2.1 Der von der Beschwerdeführerin geltend gemachte
  Umstand, wonach die Rechtmässigkeit der fristlosen Kündigung anlässlich der
  Schlichtungsverhandlung vom 7. April 2022 nicht beurteilt worden sei und
  somit als Einstellungsgrund dahinfalle, zielt ins Leere. Wie bereits
  ausgeführt, ist die Frage, ob eine fristlose Kündigung gerechtfertigt ist,
  für die Annahme eines einstellungswürdigen Fehlverhaltens unbeachtlich
  (vgl. voranstehend E. II/2.3).

  
	
   

  
	
  4.2.2 Die Argumentation der Beschwerdeführerin, wonach es
  sich bei der von einem Kunden bereits offen an die Kasse gebrachten Packung
  […] um einen nicht mehr verkäuflichen Artikel gehandelt habe, welcher
  entsorgt worden wäre, erscheint zwar nachvollziehbar. Indessen ist aber
  fraglich, ob sie durch die Behändigung dieses Artikels eine Kündigung nicht
  zumindest in Kauf genommen hat. Es ist mit dem Beschwerdegegner einig zu
  gehen, dass das von der Beschwerdeführerin beabsichtigte Verhindern von «Foodwaste» das von ihr
  gezeigte Verhalten zwar plausibel erscheinen lässt, dieses jedoch nicht
  entschuldigt. So wäre es ihr zuzumuten gewesen, sich bei der vorgesetzten
  Person zu vergewissern, ob sie diesen Artikel mit nach Hause nehmen dürfe.
  Daran ändert nichts, dass einer Kollegin am Tag zuvor die Mitnahme von nicht
  mehr verkäuflichen […] durch die Vorgesetzte angeblich erlaubt wurde. So
  durfte die Aussage der Vorgesetzten gegenüber der Kollegin, wonach über die
  Mitnahme der unverkäuflichen […] Stillschweigen zu bewahren sei, nicht als
  Anlass genommen werden, eigenmächtig andere Artikel zu behändigen. Immerhin dürfte das mutmassliche Verhalten der
  Vorgesetzten am Vortag wohl aber dazu beigetragen haben, dass die
  Beschwerdeführerin für die Mitnahme nicht um Erlaubnis gebeten hat. Ob sie
  dadurch jedoch auch mit einer Kündigung hat rechnen müssen und diese somit
  eventualvorsätzlich in Kauf genommen hat, erscheint nicht vollständig
  geklärt. Aufgrund des Nachfolgenden
  kann dies jedoch offen gelassen werden.

  
	
   

  
	
  4.2.3 Die Beschwerdeführerin verstiess mit dem eigenhändigen Kassieren sowie der
  Fehlrabattierung gegen Weisungen der Arbeitgeberin. Dass es sich hierbei um ein
  Fehlverhalten handelt, räumte sie denn auch selbst ein. Da die Weisungen
  überdies integrierender Bestandteil des Arbeitsvertrags bildeten, mussten ihr
  diese bei gehöriger Sorgfalt bekannt gewesen sein, womit sie durch ihr
  Verhalten eine fristlose Kündigung zumindest in Kauf genommen hat. Das von
  ihr Behauptete, wonach das […] aus Versehen mit 50 % rabattiert worden
  sei, lässt sich gestützt auf die Akten nicht plausibel erklären. Zumindest
  findet sich für das von ihr Vorgebrachte mit Blick auf den Kassenbeleg vom
  10. September 2021 und dem Durchspielen verschiedener möglicher
  Varianten keine Stütze. Weiter hat sie entsprechende Angaben erstmals im
  Schlichtungsverfahren getätigt, wogegen sie im früher ausgefüllten Fragebogen
  gegenüber dem Beschwerdegegner hierzu keine Stellung genommen hat. Vor diesem
  Hintergrund mutet ihr Vorbringen vielmehr als Schutzbehauptung an. Im
  Ergebnis muss damit zumindest von einem eventualvorsätzlichen Verstoss gegen
  Ziff. 2.6 des Arbeitsreglements der Arbeitgeberin ausgegangen werden,
  womit die Kündigung als selbstverschuldet zu gelten hat. Demgemäss ist von
  einem einstellungswürdigen Fehlverhalten im Sinne des
  Arbeitslosenversicherungsrechts auszugehen.

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  Zu prüfen bleibt, ob die
  vom Beschwerdegegner verfügte 54-tägige Einstellung in der
  Anspruchsberechtigung angemessen ist.

  
	
   

  
	
  5.1 Die Dauer der Einstellung in der
  Anspruchsberechtigung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens
  (Art. 30 Abs. 3 AVIG) und beträgt je nach Einstellgrund 1
  bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 Tage bei mittelschwerem und 31
  bis 60 Tage bei schwerem Verschulden
  (Art. 45 Abs. 3 AVIV). Bei der Bemessung der
  Einstellungsdauer hat die verfügende Stelle die Pflicht, das Verhalten der
  versicherten Person unter Berücksichtigung aller wesentlichen Umstände des
  Einzelfalls zu würdigen. Namentlich sind die versicherte Person entlastende
  und belastende Gegebenheiten gleichermassen zu berücksichtigen. Bei der
  Anordnung der Sanktion kommt dem Beschwerdegegner ein Ermessen zu, in welches
  das Gericht nicht ohne Not eingreift. 

  
	
   

  
	
  5.2 Nimmt eine versicherte Person eine nicht
  fristgerechte Kündigung an und ergibt sich daraus ein Lohnausfall von mehr
  als zwei Monaten, liegt gemäss dem Einstellraster des SECO ein mittelschweres
  bis schweres Verschulden vor (vgl. AVIG-Praxis, ALE, Januar 2017,
  Rz. D75). Dies entbindet den Beschwerdegegner jedoch nicht von einer
  Prüfung des Einzelfalls. Für die Festlegung der Einstellungsdauer ist als
  sachgemässer Ausgangspunkt für die individuelle Verschuldensbeurteilung im Bereich
  des schweren Verschuldens vom Mittelwert bzw. von 45 Einstelltagen
  auszugehen. Diese Vorgehensweise erlaubt unter Berücksichtigung der gegebenen
  Umstände des konkreten Einzelfalls einerseits eine Verschärfung bei besonders
  schwerem Verschulden und andererseits eine Reduzierung aufgrund von
  Minderungsgründen (vgl. BGE 123 V 150 E. 3c; BVGer-Urteil
  B-1542/2019 vom 28. Oktober 2019 E. 5.1.5; AVIG-Praxis, ALE, Januar 2017,
  Rz. D77). 

  
	
   

  
	
  5.3 Vorliegend setzte der Beschwerdegegner die
  Einstellung in der Anspruchsberechtigung mit 54 Tagen im oberen Bereich
  des für schweres Verschulden vorgegebenen Rahmens an, wobei sich zunächst ein
  Blick auf die Rechtsprechung aufdrängt. Mit Blick darauf wurde eine
  versicherte Person beispielsweise mit 46 Einstelltagen sanktioniert, welche
  als Buffet-Angestellte in einem Hotel drei kleine Käsestücke, welche
  weggeworfen worden wären, sowie zwei Salamischeiben behändigt, eingepackt und
  in ihren Garderobenschrank gelegt hat (vgl. BGer-Urteil 8C_873/2013 vom
  17. Januar 2014 E. 3.1 f.). Sodann wurde eine versicherte
  Person mit 47 Einstelltagen belegt, welche mehrmals die Arbeitszeit
  manipulierte, indem sie unter anderem die Mittagspause wiederholt erst dann
  erfasste, nachdem sie in der nahe gelegenen Tankstelle ihr Mittagessen
  eingekauft hatte (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zug
  S 2020 49 vom 14. April 2021). Ferner wurde das Verhalten
  einer versicherten Person beurteilt, welche mehrfach Geld im Gesamtwert von
  Fr. 2'000.- unterschlagen und die Arbeitgeberin mit gefälschten Belegen
  und Abschlussunterlagen zu betrügen versucht hatte. Dabei wurde
  schuldmildernd berücksichtigt, dass ihr bereits vorgängig aus anderen
  Gründen, wegen denen sie nicht habe sanktioniert werden können, gekündigt
  worden sei und sie sich um einen Monat verspätet als arbeitslos angemeldet
  habe, was im Ergebnis zu einem mittelschweren Verschulden und somit zu einer
  Reduktion auf 30 Einstelltage führte (vgl. Urteil des
  Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden S 15 94 vom
  7. Januar 2016). Mit 27 Tagen wurde eine versicherte Person in der
  Anspruchsberechtigung eingestellt, weil sie regelmässig trotz Zuspätkommens
  den Arbeitsplatz früher verliess und dennoch die volle Arbeitszeit
  aufgeschrieben hatte (vgl. Urteil des Sozialversicherungsgerichts des
  Kantons Zürich AL.2014.00070 vom 7. Juli 2015).

  
	
   

  
	
  5.4 Bei der Festlegung der Einstelldauer von 54 Tagen
  hat sich der Beschwerdegegner bei der Berechnungsweise nach eigenen Angaben
  auf Ziff. C237 AVIG-Praxis, ALE, Januar 2013, gestützt. Die
  verschärfenden Faktoren wurden im dazugehörigen Prüfprotokoll aufgeführt. Mit
  Blick darauf kann der Argumentation der Beschwerdeführerin, wonach der
  Diebstahl nicht berücksichtigt werden und zu keiner Verschärfung der
  Einstelldauer führen dürfe, gefolgt werden. Gemäss Prüfprotokoll des
  Beschwerdegegners wurde der Diebstahl nämlich als strafrechtlich relevantes
  Verhalten mit zehn zusätzlichen Einstelltagen sanktioniert. Um als
  strafrechtlich relevantes Verhalten zu gelten, bedürfte es jedoch einer
  ordentlichen Beurteilung durch eine Strafbehörde, was vorliegend nicht der
  Fall ist. Dementsprechend darf das strafrechtlich ungeahndete Verhalten nicht
  zu einer Verschärfung der Einstelldauer führen, wobei das Vorbringen des
  Beschwerdegegners, wonach das tatsächlich strafrechtlich relevante Verhalten
  bei der Bemessung der Einstelltage nicht ausschlaggebend gewesen sei,
  widersprüchlich anmutet. Der Argumentation, wonach die Rechtmässigkeit der
  fristlosen Kündigung in der Schlichtungsverhandlung nicht beurteilt worden
  sei und somit nicht auf eine gerechtfertigte fristlose Kündigung geschlossen
  werden dürfe, ist sodann beizupflichten. Indessen ist diesem Umstand bei der
  Bemessung der Einstellungsdauer zu Gunsten der Beschwerdeführerin Rechnung zu
  tragen, indem die fristlose Kündigung zu keiner Verschärfung führen darf.
  Sodann konnte die Beschwerdeführerin anlässlich der Schlichtungsverhandlung
  Entschädigungsansprüche von insgesamt 32 Tagen realisieren, was vom
  Beschwerdegegner zu Recht als mildernd bei der Einstelldauer berücksichtigt
  wurde. Ferner handelt es sich bei den behändigten Waren, welche teilweise gar
  als unverkäuflich anzusehen sind, lediglich um geringe Vermögenswerte und
  überdies weist die Beschwerdeführerin abgesehen von den streitbetroffenen
  Vorfällen ein offensichtlich tadelloses Arbeitsverhalten auf, worauf nicht
  zuletzt der Umstand hindeutet, dass sie als stellvertretende Filialleiterin
  eingesetzt wurde. Dies wirkt sich ebenfalls schuldmildernd aus.

  
	
   

  
	
  5.5 Aufgrund des soeben Dargelegten sowie mit Blick auf
  die oben genannte Rechtsprechung muten die verfügten 54 Einstelltage als
  unverhältnismässig hoch an. Ausgehend von der durchschnittlichen Dauer von
  45 Einstelltagen und unter Berücksichtigung der oben aufgeführten
  mildernden Umstände ist das Verschulden im mittleren Bereich des schweren
  Verschuldens anzusiedeln, wobei sich eine Reduktion auf 40 Einstelltage
  als verhältnismässig erweist.

  
	
   

  
	
  Dies führt zur teilweisen Gutheissung der
  Beschwerde. Der Einspracheentscheid des Beschwerdegegners vom 6. Juli
  2022 ist dahingehend abzuändern, als dass die Beschwerdeführerin für
  40 Tage in der Anspruchsberechtigung einzustellen ist.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  Die Gerichtskosten sind
  von Gesetzes wegen auf die Staatskasse zu nehmen
  (Art. 1 Abs. 1 AVIG i.V.m.
  Art. 61 lit. a ATSG). Die teilweise obsiegende und berufsmässig
  vertretene Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine reduzierte
  Parteientschädigung zu Lasten des Beschwerdegegners (Art. 138
  Abs. 1 und Abs. 3 lit. a VRG). Diese ist auf
  Fr. 800.- (inkl. Mehrwertsteuer) festzusetzen.

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Der Einspracheentscheid des
    Beschwerdegegners vom 6. Juli 2022 wird dahingehend abgeändert, als
    dass die Beschwerdeführerin für 40 Tage in der Anspruchsberechtigung
    eingestellt wird.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtskosten werden auf die Staatskasse genommen.

    
	
    3.

    	
    Der
    Beschwerdegegner wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin innert
    30 Tagen nach Rechtskraft dieses Entscheids eine Parteientschädigung
    von Fr. 800.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    […]