# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 76dc5ddb-ad09-5f1e-b20c-c09f3cab5252
**Source:** Freiburg/Fribourg (FR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-10-20
**Language:** de
**Title:** Freiburg Kantonsgericht Verwaltungsgerichtshöfe 20.10.2015 601 2015 102
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/FR_Gerichte/FR_TC_007_601-2015-102_2015-10-20.pdf

## Full Text

Tribunal cantonal TC
Kantonsgericht KG

Augustinergasse 3, Postfach 1654, 1701 Freiburg

T +41 26 304 15 00, F +41 26 304 15 01
www.fr.ch/tc

—
Pouvoir Judiciaire PJ
Gerichtsbehörden GB

601 2015 102

Urteil vom 20. Oktober 2015

I. Verwaltungsgerichtshof

Besetzung Stellvertretender Präsident: Christian Pfammatter
Richter: Gabrielle Multone, Josef Hayoz
Gerichtsschreiber-Praktikant Pierre Portmann

Parteien A.________, Beschwerdeführerin

gegen

AMT FÜR BEVÖLKERUNG UND MIGRATION, Vorinstanz

Gegenstand Bürgerrecht, Niederlassung, Aufenthalt

Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung

Beschwerde vom 18. August 2015 gegen den Entscheid des Amts für 
Bevölkerung und Migration vom 20. Juli 2015

Kantonsgericht KG

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Sachverhalt

A. A.________, geboren im Jahr 1992, kosovarische Staatsangehörige, reiste am 22. Februar 
2014 in die Schweiz ein und heiratete hier am 28. Februar 2014 den 1987 geborenen deutschen 
Staatsangehörigen B.________, der im Besitz einer Niederlassungsbewilligung ist und sich im 
Kanton St. Gallen aufhält. Der Ehemann stammt ursprünglich offenbar ebenfalls aus dem Kosovo. 
Nach der Heirat erhielt A.________ eine bis zum 27. März 2015 gültige Aufenthaltsbewilligung 
zum Verbleib bei ihrem Ehemann. Die Ehe blieb kinderlos. Am 7. Juni 2014 zog A.________ zu 
einer in der Stadt Freiburg wohnhaften Tante und im gleichen Monat ersuchte der Ehemann das 
Kreisgericht Rorschach um Erlass von Eheschutzmassnahmen. 

B. Mit Verfügung vom 20. Juli 2015 wies das Amt für Bevölkerung und Migration (nachfolgend: 
BMA) das Gesuch von A.________ um Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung ab und wies sie 
an, die Schweiz innert 30 Tagen zu verlassen. Es erwog, dass die Eheleute lediglich vom 28. 
Februar bis zum 7. Juni 2014 zusammenlebten und es keine Anhaltspunkte für eine 
Wiederaufnahme des Ehelebens gebe. 

C. Gegen diesen Entscheid liess A.________, vertreten durch die C.________, am 18. August 
2015 beim Kantonsgericht Beschwerde einreichen und die Verlängerung der 
Aufenthaltsbewilligung beantragen. Zudem sei die Ausreiseaufforderung zu widerrufen. 
Eventualiter sei die Aufenthaltserlaubnis um mindestens die Frist zu verlängern, die sie brauche, 
um ihre Scheidung (in der Schweiz) korrekt abzuwickeln. Nachdem der Instruktionsrichter die 
Vertreterin von A.________ darauf hinwies, dass vor dem Kantonsgericht nur die zur Ausübung 
des Anwaltsberufs zugelassenen Personen als Vertreter tätig sein können, reichte A.________ am 
21. August 2015 eine eigenhändig unterzeichnete Beschwerdeschrift ein. Sie hielt an den von ihrer 
Vertreterin gestellten Rechtsbegehren fest.

Das BMA schliesst auf Abweisung der Beschwerde.

Erwägungen

1. Die vorliegende Angelegenheit beurteilt sich nach dem Bundesgesetz über die 
Ausländerinnen und Ausländer vom 16. Dezember 2005 (AuG; SR 142.20). Die sachliche und 
funktionale Zuständigkeit des Kantonsgerichts ergibt sich demnach aus Art. 114 Abs. 2 lit. a des 
Gesetzes vom 23. Mai 1991 über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; SGF 150.1) in Verbindung 
mit Art. 7 Abs. 2 des Ausführungsgesetzes vom 13. November 2007 zum Bundesgesetz über die 
Ausländerinnen und Ausländer (AGAuG; SGF 114.22.1). Die Beschwerdeführerin ist zur 
Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 76 VRG). Der angefochtene Entscheid wurde am 21. 
Juli 2015 eröffnet. Mit dem Einreichen der Beschwerde am 18. August 2015 ist die 30-tägige 
Rechtsmittelfrist (Art. 79 VRG) eingehalten. Auch die Frist zur Leistung des Kostenvorschusses 
wurde gewahrt. Die Beschwerde entspricht inhaltlich sowie formal den gesetzlichen Anforderungen 
(Art. 80 f. VRG). Folglich ist darauf einzutreten. 

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2. Mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde kann die Verletzung des Rechts, einschliesslich der 
Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens, gerügt sowie eine unrichtige und 
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 77 
Abs. 1 lit. a und b VRG). Die Unangemessenheit kann vor dem Kantonsgericht nur gerügt werden, 
wenn die Angelegenheit das Gebiet der öffentlichen Abgaben oder der Sozialversicherungen 
betrifft oder sie der Beschwerde an eine zur Überprüfung dieser Rüge befugte Behörde unterliegt 
oder ein Gesetz diesen Beschwerdegrund ausdrücklich vorsieht (Art. 78 Abs. 2 lit. a bis c VRG). 
Solange die Vorinstanz ihr Ermessen pflichtgemäss ausübt, ist es dem Gericht verwehrt, sein 
eigenes Ermessen anstelle der Vorinstanz zu setzen (vgl. BVR 2012 S. 193 E. 1.2). Das Gericht 
wendet das Recht von Amtes wegen an und prüft von Amtes wegen oder auf Antrag die Gültigkeit 
der auf den Einzelfall anwendbaren Vorschriften (Art. 10 Abs. 1 und 2 VRG). Im 
Anwendungsbereich des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer berücksichtigen 
die zuständigen Behörden bei der Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die 
persönlichen Verhältnisse sowie den Grad der Integration der Ausländer (Art. 96 Abs. 1 AuG). 

3. a) Gemäss Art. 43 Abs. 1 AuG haben ausländische Ehegatten von Personen mit 
Niederlassungsbewilligung Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, 
wenn sie mit diesen zusammenwohnen. Das Erfordernis des Zusammenwohnens nach Art. 43 
AuG besteht nicht, wenn für getrennte Wohnorte wichtige Gründe geltend gemacht werden und die 
Familiengemeinschaft weiter besteht (Art. 49 AuG). Wichtige Gründe für eine Ausnahme vom 
Erfordernis des Zusammenwohnens können gemäss Art. 76 der Verordnung über Zulassung, 
Aufenthalt und Erwerbstätigkeit vom 24. Oktober 2007 (VZAE; SR 142.201) insbesondere durch 
berufliche Verpflichtungen oder durch eine vorübergehende Trennung wegen erheblicher familiärer 
Probleme entstehen.

b) Nach Auflösung der Ehe oder der Familiengemeinschaft besteht der Anspruch des 
Ehegatten auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Art. 43 AuG weiter, 
wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre gedauert hat und eine erfolgreiche Integration 
besteht, oder wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich 
machen (Art. 50 Abs. 1 AuG). Eine erfolgreiche Integration liegt vor, wenn der Ausländer 
namentlich die rechtsstaatliche Ordnung und die Werte der Bundesverfassung respektiert und den 
Willen zur Teilnahme am Wirtschaftsleben und zum Erwerb der am Wohnort gesprochenen 
Landessprache bekundet (Art. 77 Abs. 4 VZAE). Wichtige Gründe für einen weiteren Aufenthalt in 
der Schweiz können namentlich vorliegen, wenn der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde und 
die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint (Art. 50 Abs. 2 AuG). 
Der (nach)eheliche Aufenthaltsanspruch erlischt jedoch gemäss Art. 51 Abs. 2 AuG, wenn 
Widerrufsgründe nach Art. 62 AuG vorliegen oder der Aufenthaltsanspruch rechtsmissbräuchlich 
geltend gemacht wird. Unter den Begriff des Rechtsmissbrauchs fällt beispielsweise die Schein- 
beziehungsweise Ausländerrechtsehe (Urteil BGer 2C_12/2013 vom 1. Februar 2013 E. 2.3). 

c) Art. 8 Abs. 1 der Europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte und 
Grundfreiheiten vom 4. November 1950 (EMRK; SR 0.101) und der inhaltlich identische Art. 13 
Abs. 1 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV; SR. 101) garantieren das Recht auf 
Achtung des Familienlebens. Unter dem Schutz dieser Bestimmungen steht vor allem die 
Kernfamilie. Darunter sind einerseits die eheliche Gemeinschaft der Ehegatten und andererseits 
das Zusammenleben minderjähriger Kinder mit ihren Eltern zu verstehen. Dabei soll nur das 
intakte und tatsächlich gelebte Ehe- und Familienleben geschützt werden (BGE 137 I 284 E. 1.3). 

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4. a) Die Beschwerdeführerin lebt unbestrittenermassen seit Juni 2014 getrennt von ihrem in 
der Schweiz niedergelassenen deutschen Ehemann. Sie hält sich in Freiburg und der Ehemann im 
Kanton St. Gallen auf. Die Eheleute behaupten nicht, dass sie Schritte für eine Wiederaufnahme 
der ehelichen Gemeinschaft unternommen haben oder dass ein Zusammenleben überhaupt noch 
im Bereich des Möglichen ist. Demnach ist kein intaktes und tatsächlich gelebtes Eheleben mehr 
gegeben, weshalb die Beschwerdeführerin keine konventions- oder verfassungsrechtliche 
Bleiberechte aus ihrer lediglich formell fortbestehenden Ehe ableiten kann. Da die Ehe kinderlos 
geblieben ist und die Beschwerdeführerin keine von ihr abhängige Familienangehörige in der 
Schweiz hat, sind auch sonst keine familiären Beziehungen erkennbar, welche unter dem Schutz 
des Familienlebens stünden. Des Weiteren ist angesichts der sehr kurzen Ehedauer die für die 
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Auflösung der Ehegemeinschaft verlangte Frist 
gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG offensichtlich nicht erfüllt, sodass sich die Beschwerdeführerin 
nicht mehr auf Art. 42 AuG berufen kann, um einen Anspruch auf Verlängerung ihrer 
Aufenthaltsbewilligung geltend zu machen.

b) aa. Gemäss Art. 2 Abs. 2 AuG gilt dieses Gesetz für Staatsangehörige eines 
Mitgliedstaates der Europäischen Gemeinschaft (heute Europäische Union [EU]) nur so weit, als 
das Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der 
Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit vom 21. 
Juni 1999 (Freizügigkeitsabkommen [FZA]: SR 0.142.112.681) keine abweichenden 
Bestimmungen enthält oder das Ausländergesetz günstigere Bestimmungen vorsieht. Gestützt auf 
Art. 7 lit. d und e FZA in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 und 2 lit. a Anhang I FZA haben Ehegatten 
von EU-Staatsangehörigen mit Aufenthaltsrecht in der Schweiz ungeachtet der eigenen 
Staatsangehörigkeit das Recht, bei diesen Wohnung zu nehmen und eine Erwerbstätigkeit 
auszuüben. Dieses abgeleitete Aufenthaltsrecht knüpft an den formellen Bestand der Ehe an und 
darf grundsätzlich nicht vom Erfordernis des Zusammenlebens abhängig gemacht werden (BGE 
130 II 113 E. 8; 139 II 393 E. 2.1).

bb. Die Beschwerdeführerin ist immer noch mit einem hier niedergelassenen EU-Bürger 
aus Deutschland verheiratet und kann sich damit während der formellen Fortdauer ihrer Ehe 
grundsätzlich auf einen abgeleiteten Aufenthaltsanspruch nach den genannten Bestimmungen des 
FZA berufen.

cc. Der Aufenthaltsanspruch des ausländischen Ehegatten nach Art. 3 Abs. 1 und 2 
Anhang I FZA steht jedoch unter dem Vorbehalt des Rechtsmissbrauchs. Demnach erscheint es 
rechtsmissbräuchlich, sich auf eine lediglich formell fortbestehende Ehe zu berufen, wenn dies 
ausschliesslich (noch) dazu dient, ausländerrechtliche Zulassungsvorschriften zu umgehen. Dies 
ist bei einer getrennten, definitiv gescheiterten und inhaltsleeren Ehe zu vermuten. Da bei 
rechtsmissbräuchlicher Berufung auf die inhaltsleer gewordene Ehe die 
Bewilligungsvoraussetzungen entfallen, kann die Aufenthaltsbewilligung widerrufen oder nicht 
(mehr) verlängert werden (BGE 139 II 393 E. 2.1).

dd. Die Beschwerdeführerin lebt seit geraumer Zeit getrennt von ihrem Ehemann. Wie 
erwähnt, behauptet sie nicht, dass eine Wiederaufnahme des gemeinsamen Ehelebens noch 
möglich ist. Offensichtlich ist der gegenseitige Ehewille erloschen, umso mehr als die 
Beschwerdeführerin beabsichtigt, ein Scheidungsverfahren durchzuführen. Da mithin die Ehe 
definitiv gescheitert und inhaltsleer geworden ist, kann sich die Beschwerdeführerin nicht auf die 
erwähnten Bestimmungen des FZA berufen.

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5. a) Neben der dreijährigen Dauer der Ehegemeinschaft verlangt Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG als 
zusätzliches (kumulativ) eine erfolgreiche Integration. Da die erste Voraussetzung nicht gegeben 
ist, erübrigt sich eine Prüfung der Integration. 

b) Des Weiteren kann sich, auch wenn die Ehegemeinschaft in der Schweiz keine drei Jahre 
gedauert hat, ein Aufenthaltsanspruch ergeben, wenn wichtige persönliche Gründe einen weiteren 
Landesaufenthalt erforderlich machen (Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG). Solche wichtige persönliche 
Gründe (der sogenannte nacheheliche Härtefall) liegen namentlich bei starker Gefährdung der 
sozialen Wiedereingliederung im Herkunftsland und bei Opfern ehelicher Gewalt vor (Art. 50 Abs. 
2 AuG; Art. 31 VZAE). Ein persönlicher, nachehelicher Härtefall setzt aufgrund der konkreten 
Umstände des Einzelfalls eine erhebliche Intensität der Konsequenzen für das Privat- und 
Familienleben der ausländischen Person voraus, die mit ihrer Lebenssituation nach dem 
Dahinfallen der abgeleiteten Anwesenheitsberechtigung verbunden sind. Da Art. 50 Abs. 1 AuG 
von einem Weiterbestehen des Anspruchs nach dem Scheitern der Ehe spricht, muss der Härtefall 
sich auf die Ehe und den damit verbundenen Aufenthalt beziehen (BGE 137 II 345).

c) aa. Die Beschwerdeführerin gibt an, dass ihre Ehe als arrangiert bezeichnet werden 
könne. Sie und ihr Mann hätten sich im September 2013 kennengelernt und im Dezember 2013 
hätte die Verlobung stattgefunden. Ihre Familie sei gegen eine Hochzeitsfeier vor der Heirat 
gewesen beziehungsweise habe darauf bestanden, dass sie nach der standesamtlichen Trauung 
von ihrem Bräutigam abgeholt und zusammen mit ihrer Aussteuer in die gemeinsame eheliche 
Wohnung gebracht werde. Allerdings habe ihr Ehemann darauf bestanden, dass sie schon vor der 
Heirat mit ihm zusammenwohne, bevor die Ehe durch den Imam abgesegnet war. Die Familien 
seien sich nicht einig gewesen über den Sinn und Zweck der Heirat. Im Monat Juni 2014 habe der 
Ehemann ihr ohne Angabe von Gründen den Zutritt zur gemeinsamen ehelichen Wohnung 
verweigert. Die drei Monate Ehe seien für sie die Hölle gewesen. Sie habe ihren Ehemann von 
seiner negativsten Seite kennengelernt. Er habe übermässig Alkohol, Drogen und Antidepressiva 
zu sich genommen, sei kaum zu Hause gewesen und regelmässig fremdgegangen. Sie hätte, da 
sie neu in der Schweiz war, seine Unterstützung gebraucht. Nachdem sie nicht mehr in die 
eheliche Wohnung habe zurückkehren können, sei sie in ihrer Verzweiflung in den Kanton Freiburg 
zu ihren Verwandten gezogen. Sie wisse, dass sie sich damit nicht gesetzeskonform verhalten 
habe, dafür möchte sie sich entschuldigen. Mit der Trennung werde sie in ihrer patriarchalisch und 
streng konservativ orientierten Verwandtschaft und generell in ihrem Herkunftsland Kosovo 
gesellschaftlich geächtet. Ihr werde Untreue unterstellt und sie werde der Unfähigkeit zur 
Aufrechterhaltung der Ehe bezichtig; sie gelte nicht mehr als heiratsfähig. Eine Rückkehr in den 
Kosovo wäre für sie eine sehr schmerzliche Erfahrung. Sie müsste in einer stark clanmässig 
gegliederten Gesellschaft nicht nur ohne die Unterstützung ihrer Familie auskommen, sondern 
würde sowohl von ihrer als noch vielmehr von derjenigen ihres Mannes geächtet und verstossen. 
Die Familien würden alles tun, um ihr das Erlangen einer Arbeitsstelle zu verunmöglichen; auch 
wäre eine Wiederaufnahme ihres Studiums äusserst schwierig zu bewerkstelligen. Eine Ausreise 
in einen Drittstaat sei kaum möglich, weil sie in keinem anderen Land ausser im Kosovo 
Verwandte habe. Sie habe mit der Unterstützung ihrer Verwandten, bei denen sie im Augenblick 
lebe, beträchtliche Integrationsleistungen erbracht. So könne sie sich auf Deutsch verständigen 
und habe Arbeit in einem Reinigungsunternehmen. Sie sei auch bereit, alles zu tun, um sich 
möglichst schnell und gut zu integrieren. Sie besuche Kurse an der Volkshochschule, um die 
deutsche Sprache und die Gesetze und Gepflogenheiten der Schweiz gut kennen zu lernen. Sie 

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möchte sich in der Schweiz mit ihrer eigenen Arbeit durchbringen und werde alles tun, um nicht auf 
die Unterstützung sozialer Institutionen angewiesen zu sein. 

bb. Auch der Ehemann der Beschwerdeführerin bestätigt, dass die Ehe arrangiert war. 
In einem Schreiben vom 15. Juni 2014 an das Migrationsamt des Kantons St. Gallen führte er 
unter anderem aus, dass er seine Frau im Juli 2013 über eine Drittperson kennengelernt habe. Er 
hätte sie ein paar Mal getroffen, jedes Mal sei aber ihre Mutter dabei gewesen, so dass er sie 
kaum persönlich habe kennenlernen können. Nach einigen Treffen sei er gemäss islamischer 
Tradition von seinen und den Eltern der Braut verlobt worden. Er habe einwilligen müssen, obwohl 
er die Frau nicht liebe. Er habe sich trennen wollen, dabei habe es aber Familienstreit gegeben. 
Beide Familien hätten Druck auf ihn ausgeübt und ihm eingeredet, sie zu heiraten, die Liebe werde 
mit der Zeit kommen. Er habe dem Druck nachgegeben, damit er seinen Frieden habe. Er habe für 
sie keine Gefühle empfunden und sei mit der Situation sehr unglücklich gewesen.

cc. Nach dem Gesagten sind Gründe für die Bejahung eines nachehelichen Härtefalls, 
welcher den weiteren Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der Schweiz erforderlich machen 
würde, nicht ersichtlich; jedenfalls werden solche nicht geltend gemacht.

dd. Ist der Vollzug der Wegweisung eines Ausländers, der nicht oder nicht mehr im 
Besitz einer ausländerrechtlichen Bewilligung ist, nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, 
so verfügt das Staatssekretariat für Migration (SEM) die vorläufige Aufnahme nach Art. 83 Abs. 1 
AuG. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Wegweisungsvollzug unzumutbar sein, wenn sie in 
Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage im Heimat- oder 
Herkunftsland konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG).

Dass eine Wiedereingliederung im Heimatland tatsächlich stark gefährdet sein sollte, ist nicht 
belegt. Die Beschwerdeführerin kam im Alter von 22 Jahren in die Schweiz; ihr vorheriges Leben 
verbrachte sie in ihrer Heimat. Dort hat sie noch über Familienangehörige, Verwandte und 
Bekannte. Ihre Situation ist nicht verschieden von der der anderen, die ebenfalls zur Rückreise 
verpflichtet werden. Im Kosovo herrscht zurzeit weder Krieg oder Bürgerkrieg noch eine Situation 
allgemeiner Gewalt. Im Übrigen ist gemäss dem Bundesgericht erst bei einer Aufenthaltsdauer von 
zehn oder mehr Jahren zu vermuten, dass die Rückkehr beziehungsweise eine 
Wiedereingliederung ins Heimatland sich als ausgesprochen schwierig erweisen würde (vgl. BGE 
124 II 110 E. 3). Sollten sich die Befürchtungen der Beschwerdeführerin insofern bewahrheiten, 
dass sie von ihrer Familie und der ihres Ehemanns geächtet wird, kann sie die dortigen staatlichen 
Behörden um Unterstützung nachsuchen, welche gemäss einem Urteil des 
Bundesverwaltungsgericht als schutzfähig und schutzwillig gelten (vgl. Urteil BVGer E-6802/2014 
vom 5. Dezember 2014 E. 9.2.4). Folglich erweist sich die Wegweisung als zulässig und zumutbar.

6. a) Der Entscheid über den weiteren Aufenthalt des Beschwerdeführers ist somit nach 
pflichtgemässem Ermessen zu treffen (Art. 96 AuG). Zu berücksichtigen sind gemäss Art. 96 Abs. 
1 AuG die öffentlichen Interessen, namentlich die Begrenzung des Bestandes der ausländischen 
Wohnbevölkerung und der Arbeitslosigkeit sowie die persönlichen Verhältnisse und der Grad der 
Integration. Hat der Aufenthalt der betroffenen Person nur kürzere Zeit gedauert und wurden keine 
engen Beziehungen zur Schweiz geknüpft, lässt sich ein Anspruch auf weiteren Verbleib nicht 
begründen, wenn die erneute Integration im Herkunftsland keine besonderen Probleme stellt 
(Botschaft zum AuG, BBl 2002 3754, Ziff. 1.3.7.6).

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b) Um den Bestand der ausländischen Wohnbevölkerung zu begrenzen, besteht 
grundsätzlich ein öffentliches Interesse daran, dass Ausländerinnen die Schweiz wieder verlassen, 
wenn ihr Aufenthaltszweck dahingefallen ist. Wie erwähnt, kam die Beschwerdeführerin im Februar 
2014 im Alter von 22 Jahren in die Schweiz. Von einer langen Aufenthaltsdauer kann keine Rede 
sein. Immerhin ist die Beschwerdeführerin arbeitstätig und bestrebt, die deutsche Sprache zu 
erlernen und sich in die hiesigen Verhältnisse zu integrieren. Auf die Situation in ihrem 
Herkunftsland wurde bereits eingegangen. Die Beschwerdeführerin hat ihr ganzes Leben im 
Kosovo verbracht. Es sollte ihr ohne grössere Schwierigkeiten möglich sein, sich dort wieder 
einzugliedern. 

7. Die Beschwerdeführerin beantragt, ihr den Aufenthalt in der Schweiz während der Dauer des 
Scheidungsverfahrens zu erlauben. Dieses Begehren ist abzuweisen. Aktuell ist kein 
Scheidungsverfahren hängig, sondern lediglich, aber immerhin, ein Verfahren um Erlass von 
Eheschutzmassnahmen. Die Beschwerdeführerin kann ihre Interessen in einem allfälligen 
Scheidungsverfahren durch einen Vertreter wahrnehmen lassen. Sollte ihre Anwesenheit im 
Prozess erforderlich sein, kann sie beim BMA ein entsprechendes Gesuch stellen.

8. Nach dem Gesagten lässt sich feststellen, dass die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf 
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung hat. Der angefochtene Entscheid respektiert den 
Grundsatz der Verhältnismässigkeit und ein Härtefall ist nicht gegeben. Im Übrigen sind auch 
keine Vollzugshindernisse ersichtlich. Somit ist die Beschwerde abzuweisen. 

9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gilt die Beschwerdeführerin als unterliegende Partei im 
Sinn von Art. 131 Abs. 1 VRG, weshalb sie die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu tragen hat. 
Die Gerichtskosten werden auf CHF 600.- festgesetzt (Art. 1 und 2 des Tarifs vom 17. Dezember 
1991 der Verfahrenskosten und Entschädigungen in der Verwaltungsjustiz [TarifVJ]) und mit dem 
geleisteten Kostenvorschuss verrechnet.

Der Hof erkennt:

I. Die Beschwerde wird abgewiesen.

Der Entscheid des Amts für Bevölkerung und Migration vom 20. Juli 2015 wird bestätigt.

II. Die dem Staat Freiburg geschuldeten Gerichtskosten von CHF 600.- werden der 
Beschwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss verrechnet.

III. Zustellung.

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Gegen dieses Urteil kann Beschwerde erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von 
der Zustellung an gerechnet, beim Bundesgericht, Lausanne, einzureichen.

Gegen die Festsetzung der Höhe der Verfahrenskosten ist innert 30 Tagen die Einsprache an die 
Behörde, die entschieden hat, zulässig, sofern nur dieser Teil des Entscheides angefochten wird 
(Art. 148 VRG).

Freiburg, 20. Oktober 2015/jha

Stellvertretender Präsident Gerichtsschreiber-Praktikant