# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0b1ad030-e76f-509e-9136-a217062436c6
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2003-03-26
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 26.03.2003 SB 2003 9
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SB-2003-9_2003-03-26.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
  Tribunale cantonale dei Grigioni
  Dretgira chantunala dal Grischun

Ref.: Chur, 26. März 2003 Schriftlich mitgeteilt am: 
SB 03 9 (nicht mündlich eröffnet)

Urteil 
Kantonsgerichtsausschuss

Vizepräsident Schlenker, Kantonsrichter Riesen-Bienz und Vital, Aktuar ad hoc 
Lardi.

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In der strafrechtlichen Berufung 

der S t a a t s a n w a l t s c h a f t  G r a u b ü n d e n , Sennhofstrasse 17, 7001 Chur, 
Berufungsklägerin,

gegen

die Abschreibungsverfügung des Bezirksgerichtes Plessur vom 14. Februar 2003, 
mitgeteilt am 20. Februar 2003, in Sachen des L., Angeklagter und Berufungsbe-
klagter, 

betreffend Widerhandlung gegen das ANAG,

hat sich ergeben:

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A.  L. führt das Hotel A. in B. seit 1985/86 als Direktor. Bis zur konkur-
samtlichen Steigerung im Jahre 1997, bei welcher er das Hotel übernommen hat, 
war der Angeklagte im Angestelltenverhältnis tätig. Neue Eigentümerin der Hotel-
liegenschaft ist die Firma X. AG, wobei der Angeklagte Inhaber von 99% der Aktien 
dieser AG ist. Das Hotel A. ist nur während der Wintersaison geöffnet.

Gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 19. Dezem-
ber 2002 arbeitete der griechische Staatsangehörige C. von 1996 bis 2001  als Sai-
sonier in verschiedenen Funktionen im Hotel A. in B.. Um diesem Mitarbeiter eine 
Jahresbewilligung (B-Bewilligung) zu verschaffen, reichte die X. AG am 11. April 
2001 bei der Fremdenpolizei Graubünden ein Umwandlungsgesuch der Saison- in 
eine Jahresbewilligung ein. Dem Gesuch wurde ein Arbeitsvertrag beigelegt, den 
der Angeklagte als Arbeitgeber unterschrieben hatte. Das Amt für Industrie, Ge-
werbe und Arbeit (KIGA) stimmte diesem Gesuch am 18. Mai 2001 zu. In der Folge 
wurde aber festgestellt, dass das Hotel A. geschlossen war und C. sich nicht in B. 
aufhielt, weshalb die Fremdenpolizei Graubünden die Aufenthaltsbewilligung im 
Zentralen Ausländerregister annullierte. Der Angeklagte beantragte am 24. Juli 
2001 für C. eine weitere Aufenthaltsbewilligung für die Dauer vom 1. August 2001 - 
30. März 2002, welche gewährt wurde. Gemäss den Untersuchungsergebnissen 
soll C. in dieser Zeit nie im Hotel A. gearbeitet haben und die entsprechende Bewil-
ligung habe einzig den Zweck gehabt, später im Kanton Zürich eine B-Bewilligung 
zu erhalten.

B. Mit Strafmandat bei Vergehen und Verbrechen vom 14. Juni 2002 
wurde L. vom Kreispräsidenten Schanfigg der Widerhandlung gegen Art. 23 Abs. 1 
al. 5 ANAG für schuldig befunden und zu einer Busse von Fr. 2´000.-- verurteilt. 
Gegen dieses Strafmandat erhob L. am 19. Juni 2002 fristgerecht Einsprache beim 
Kreispräsidenten Schanfigg und beantragte sinngemäss die Aufhebung der Straf-
verfügung.

Nach Ergänzung der Untersuchung erhob die Staatsanwaltschaft Graubün-
den mit Anklageverfügung vom 19. Dezember 2002 beim Bezirksgericht Plessur 
Anklage wegen Widerhandlung gegen Art. 23 Abs. 1 al. 5 ANAG. Die Staatsanwalt-
schaft beantragte ein Bussgeld von Fr. 2´000.--, die vorzeitige Löschung im Strafre-
gister nach Ablauf einer einjährigen Probezeit und die gesetzliche Kostenfolge be-
stehend aus den Kosten vor dem Kreisamt Schanfigg von Fr. 250.--, den Untersu-
chungskosten der Staatsanwaltschaft von Fr. 1´044.-- sowie allfälligen Verfahrens-
kosten vor dem Bezirksgericht.

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Nachdem der Angeklagte unentschuldigt nicht zur Hauptverhandlung vom 
14. Februar 2003 erschienen ist, hat das Bezirksgericht Plessur mit Abschreibungs-
verfügung vom 14. Februar 2003, mitgeteilt am 20. Februar 2003, wie folgt erkannt:

„1. Das Verfahren wird abgeschrieben mit der Feststellung, dass das 
Strafmandat des Kreispräsidenten von Schanfigg vom 14.6.2002 in 
Rechtskraft erwachsen ist.

2. Die Kosten des Verfahrens von Fr. 2´544.-- (Untersuchungskosten der 
Staatsanwaltschaft Graubünden von Fr. 1´044.-- und Gerichtsgebühr von 
Fr. 1´500.--) gehen zulasten des Angeklagten und sind bis 20. März 2003 
auf das PC-Konto 70-3596-3 des Bezirksgerichtes Plessur zu bezahlen.

3. (Mitteilung).“

Das Bezirksgericht Plessur stützt seine Begründung insbesondere auf die 
Vorschrift von Art. 175 Abs. 3 StPO, welche besagt, dass eine Einsprache hinfällig 
werde, falls der Einsprecher einer Vorladung unentschuldigt keine Folge leistet.

C. Gegen die Abschreibungsverfügung des Bezirksgerichtes Plessur 
legte die Staatsanwaltschaft Graubünden am 6. März 2003 Berufung ein und 
beantragte die Aufhebung der Abschreibungsverfügung und die Rückweisung der 
Sache zur Durchführung des ordentlichen Verfahrens an die Vorinstanz.

Das Bezirksgericht Plessur verzichtete mit Schreiben vom 11. März 2003 auf 
eine Vernehmlassung. (Vernehmlassung von L. ist noch ausstehend)

Auf die weiteren Ausführungen im angefochtenen Entscheid sowie auf die 
Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden 
Erwägungen eingegangen.

Der Kantonsgerichtsausschuss zieht in Erwägung :

1. Gegen Urteile und Beschlüsse der Bezirksgerichte und ihrer Aus-
schüsse können der Verurteilte und der Staatsanwalt beim Kantonsgerichtsaus-
schuss Berufung führen (Art. 141 Abs. 1 StPO). Als Beschluss im Sinne von Art. 
141 Abs. 1 StPO gelten auch Abschreibungsverfügungen der Bezirksgerichte 
(Padrutt, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons Graubünden, 2. Auf-

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lage, Chur 1996, S. 360). Die Berufung ist innert zwanzig Tagen seit der schriftlichen 
Eröffnung des angefochtenen Entscheides einzureichen; sie ist zu begründen und 
hat darzutun, welche Mängel des erstinstanzlichen Entscheids gerügt werden und 
ob der ganze Beschluss oder lediglich Teile davon angefochten werden (Art. 142 
Abs. 1 StPO). Diesen Anforderungen vermag die vorliegende Berufung der Staats-
anwaltschaft Graubünden zu genügen. Auf die frist- und formgerecht eingereichte 
Berufung ist daher einzutreten.

2. a) Im vorliegenden Falle stellt sich die Frage, ob das Bezirksgericht 
Plessur zu Recht gestützt auf Art. 175 Abs. 3 StPO das Verfahren wegen 
unentschuldigtem Nichterscheinen von L. an der Hauptverhandlung vom 14. 
Februar 2003 abgeschrieben hat. Der Wortlaut des Art. 175 Abs. 3 StPO legt eine 
solche Auslegung nahe, da  diese Norm bestimmt, dass eine gegen ein Strafmandat 
erhobene Einsprache dahinfalle, „wenn der Einsprecher einer Vorladung 
unentschuldigt keine Folge leistet“. Dieser Wortlaut steht jedoch – wenigstens was 
die Vorladung zur Hauptverhandlung betrifft – in Widerspruch mit den 
Bestimmungen des Art. 122 StPO, die festlegen, wie zu verfahren ist, wenn ein einer 
Übertretung bzw. eines leichteren Vergehens oder Verbrechens Angeklagter der 
Vorladung zur Hauptverhandlung nicht nachkommt. Art. 175 StPO gilt denn auch 
nur für das Stadium  der Untersuchung, nicht aber mit Bezug auf die Vorladung zur 
Hauptverhandlung (Padrutt, a.a.O., S. 453).

Abs. 1 des Art. 122 StPO besagt, dass dem einer blossen Übertretung 
Angeklagten das persönliche Erscheinen zur Gerichtsverhandlung freigestellt ist. 
Wo sich das Verfahren nur um Übertretungen dreht, wird somit das Fernbleiben 
schlechthin gestattet und es hat nach der ebenso eindeutigen Vorschrift des Abs. 3 
desselben Artikels nicht die Einstellung des ordentlichen Verfahrens und das 
Wiederaufleben des Strafmandates zur Folge; Folge ist vielmehr, dass das Gericht 
in diesem Falle sein Urteil nur aufgrund der Akten und der Parteivorträge zu fällen 
hat, und dass das Urteil trotz der Abwesenheit des Angeklagten nicht als 
Abwesenheitsurteil gilt. Auch in dem Falle, da die Anklage auf ein Vergehen oder 
Verbrechen lautet und eine Gefängnisstrafe von nicht mehr als drei Monaten oder 
gar nur Haft oder Busse beantragt wird, besagt Art. 122 Abs. 2 StPO nicht, dass die 
Einsprache gegen ein zuvor ergangenes Strafmandat dahinfalle und dieses Mandat 
rechtskräftig werde, wenn der Angeklagte der Gerichtsverhandlung unentschuldigt 
fernbleibe; es wird im Gegenteil festgehalten, dass das Gericht bei diesen 
Voraussetzungen entweder wie bei blossen Übertretungen vorgehen oder aber den 

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Angeklagten zur Verhandlung vorführen lassen könne. Es ist also auch hier ein 
Urteil zu fällen (PKG 1976 Nr. 44).

b) Bei einer Widerhandlung gegen Art. 23 Abs. 1 al. 5 ANAG handelt es 
sich um ein Vergehen im Sinne von Art. 9 Abs. 2 StGB, welches mit Gefängnis bis 
zu sechs Monaten bestraft wird und mit Busse bis zu 10 000 Franken verbunden 
werden kann; in leichten Fällen kann auch nur auf Busse erkannt werden. Der 
Untersuchungsrichter hat in der Ergänzung der Anklageschrift vom 19. Dezember 
2002 eine Busse von Fr. 2´000.-- beantragt. L. hat der Vorladung vom 9. Januar 
2003 unentschuldigt nicht Folge geleistet und hat nicht an der Hauptverhandlung 
teilgenommen. Da Art. 175 Abs. 3 StPO sich nur auf das Untersuchungsverfahren 
bezieht und im vorliegenden Falle die Vorschriften von Art. 122 StPO betreffend die 
Durchführung der Hauptverhandlung zur Anwendung gelangen, hätte das 
Bezirksgericht Plessur das Verfahren nicht abschreiben dürfen. Die Vorinstanz hätte 
entweder in Abwesenheit des Einsprechers in der Sache selbst entscheiden oder 
falls notwendig denselben vorführen lassen können (Art. 122 Abs. 2 StPO). Die 
Berufung ist daher gutzuheissen, die Abschreibungsverfügung aufzuheben und die 
Sache im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen.

3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens werden gestützt auf Art. 160 
StPO keine Kosten erhoben.

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Demnach erkennt der Kantonsgerichtsausschuss :

1. Die Berufung wird gutgeheissen.

2. Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben und die Sache im Sinne der 
Erwägungen zur Durchführung des ordentlichen Verfahrens an die Vorin-
stanz zurückgewiesen.

3. Es werden keine Kosten erhoben.

4. Mitteilung an:

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Für den Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden 
Der Vizepräsident: Der Aktuar ad hoc: