# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 004e5632-bbef-5f72-8f8a-1ec4912006cf
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-11-27
**Language:** de
**Title:** IVG; abgestufte Rente; Zumutbarkeit; Wechsel auf eine leidensangepasste Tätigkeit; Alter
**Docket/Reference:** IV.2013.00743
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2013.00743.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2013.00743
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Gerichtsschreiberin Nossa
Urteil
vom
27. November 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch DAS Rechtsschutz-Versicherungs-AG
MLaw
Y.___
Badenerstrasse
141, Postfach 1372, 8026 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
weitere Verfahrensbeteiligte:
SWISSBROKE Vorsorgestiftung
Rheinfelsstrasse 1, 7004 Chur
Beigeladene
Sachverhalt:
1.
Der 1949 geborene
X.___
rutschte am 1
1.
November 2006 beim Gehen aus und fiel dabei auf sein rechtes Knie. Dabei erlitt er eine distale
Patellamehrfragmentfraktur
, welche operativ saniert werden musste. Nach Mel
dung mehrerer Rückfälle schloss die Schweizerische
Unfallversicherungs
anstalt
(Suva) den Fall per
1.
Juni 2012 ab und sprach dem Versicherten eine
Rente in der Höhe von 26
%
zu.
Mit Eingabe vom 3
1.
Oktober 2011 meldete er sich bei der
Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/1). Diese klärte den Sachverhalt ab und stellte dem Versicherten mit Vorbescheid vom 2
5.
April 2013 in Aussicht, sie werde bei einem Invaliditätsgrad von 27
%
einen Anspruch auf Rente verneinen (
Urk.
7/49). Mit Verfügung vom
2.
Juli 2013
verfügte
sie trotz dagegen erhobener Einwände
in diesem Sinne
(
Urk.
7/59 =
Urk.
2).
2.
Dagegen liess der Versicherte, vertreten durch
die
DAS Rechtsschutz-
Versiche
rungs
-AG,
MLaw
Y.___
,
mit Eingabe vom
3.
September 2013 Beschwerde erheben und die Aufhebung der Verfügung vom
2.
Juli 2013 sowie die Rückweisung zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhalts und anschliessend zur erneuten Verfügung beantragen (
Urk.
1). Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom
1.
Oktober 2013 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6).
Mit Verfügung vom 1
6.
September 2014 gab das Sozialversicherungsgericht den Parteien Gelegenheit
,
zu einer möglichen Besserstellung des Beschwerdeführers Stellung zu nehmen (
Urk.
9).
Die Beschwerdegegnerin liess sich mit Eingabe vom
2.
Oktober 2014 ver
nehmen. Sie räumte ein, das Alter des Beschwerdeführers sei allenfalls
bei der Ermittlung des Invaliditätsgrades
zu berücksichtigen. D
er Beschwerdeführer
sei gemäss Untersuchungsbericht des RAD vom
7.
November 2012 im angestamm
ten Beruf als Buschauffeur noch zu 50
%
arbeitsfähig, weshalb allenfalls eine halbe Rente zuzusprechen sei (
Urk.
11).
Der Beschwerdeführer verzichtete auf eine Stellungnahme.
Mit Verfügung vom 3
0.
Oktober 2014 wurde die SWISSBROKE Vorsorgestiftung zum Prozess beigeladen (
Urk.
13). Sie verzichtete mit Schreiben vom 2
4.
November 2014 auf eine Stellungnahme (
Urk.
15).
Auf die Ausführungen in den einzelnen
Rechtsschriften wird, soweit erforder
lich, in den Erwägungen Bezug genommen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall der Richter) auf Unterlagen angewiesen, die der Arzt und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Ver
fü
gung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes ist es, den Gesund
heits
zustand zu beurteilen und da
zu Stellung zu nehmen, in wel
chem Umfang und bezüglich welcher Tä
tig
keiten der Versicherte ar
beitsunfähig ist. Hinsichtlich des
Beweis
wertes
eines
Arzt
be
richts
ist entschei
dend, ob der Bericht für die streitigen Be
lange um
fassend ist, auf allseitigen Untersu
chungen beruht, auch die ge
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anam
ne
se) abge
geben worden ist, in der Darlegung der medizi
ni
schen Zusam
men
hänge und in der Beurteilung der medi
zi
ni
schen Situ
ation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 f.
E
. 1c). Im Weiteren sind die ärzt
lichen Aus
künfte eine wich
tige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Ar
beits
leis
tungen dem Versicherten im Hinblick auf seine persönli
chen Ver
hältnisse noch zugemutet werden können. Dagegen ist es nicht Auf
gabe des Arztes, die Invaliditätsbemessung vorzu
neh
men (BGE 115 V 134 E. 2, 114 V 314 f. E. 3c, 105 V 158 f. E. 1 = ZAK 1980 S. 283; ZAK 1991 S. 319 E. 1c; vgl. auch Her
mann
Freden
ha
gen
, Das ärzt
liche Gut
ach
ten, 4. Aufl., Bern 2003, S. 202).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hält in der angefochtenen Verfügung fest, dass das Ende des Wartejahres
gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG
auf den
3.
April 2012 zu legen sei. Sie geht davon aus, seit März 2012 bestehe eine 100
%
ige Arbeitsfä
higkeit fü
r leidensangepasste Tätigkeiten
. Aufgrund des Alters gewährte sie bei der Berechnung des Invalideneinkommens einen
leidensbedingten Abzug von 10
%
, verneinte aber einen Rentenanspruch bei einem Invaliditätsgrad von 27
%
(Urk.
7/59
=
Urk.
2 S. 1 und 2
).
Soweit ersichtlich, hat der Beschwerdeführer gegen den mutmasslichen
Renten
be
ginn
(
1.
April 2012) nichts einzuwenden. Er lässt
lediglich
vorbringen, der medizinische Sachverhalt sei nicht genügend abgeklärt (
Urk.
1 S. 3-5).
2.2
Aus den Akten ergibt sich, dass
sich der Beschwerdeführer am 3
1.
Oktober 2011 zum Leistungsbezug anmeldete (
Urk.
7/1/6) und er
seit
3.
April 2011 zu min
destens 50
%
in seiner angestammten Tätigkeit als Buschauf
feur arbeitsunfähig war (Feststellungsblatt vom 2
6.
April 2013 [
Urk.
7/47]). Das Wartejahr ist des
halb in Anwendung des
Art.
28
Abs.
1
lit
.
b
IVG tatsächli
ch am
3.
April 2012 abgelaufen. Die
Zusprache
einer Rente ist wegen der verspäteten Anmeldung ab
1.
Mai 2012
möglich
. Gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG entsteht der Rentenanspruch nämlich frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs. Dieser erfolgte im vorliegenden Fall am 3
1.
Oktober 2011 (Anmeldung vom 3
1.
Oktober 2011 [
Urk.
7/1]).
2.3
Med.
pract
.
Z.___
,
Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatolo
gie des Bewegungsapparates
und RAD-Ärztin,
stellte
anlässlich der Untersu
chung des Beschwerdeführers vom
8.
Oktober 2012 am
7.
November 2012 zusammen
fassend fest
,
dass
der Beschwerdeführer seit Oktober 2012 als Buschauffeur noch zu 50
%
arbeitsfähig
sei
(
Urk.
7/38
/
8). Zum weiteren Verlauf der Arbeitsfähig
keit als
Buschauffeur sagte sie nichts.
Dem Bericht der
A.___
vom 2
6.
Januar 2012 ist
hingegen
zu ent
nehmen, dass dem Beschwerdeführer die Tätigkeit als Busfahrer nicht
mehr
zumutbar sei, weil die Anforderungen zu hoch seien. Die Tätigkeit sei ganztags sitzend
auszuüben
und das rechte Knie müsse beim Bedienen des Pedals immer belastet werden (
Urk.
7/16
/
3).
Die Arbeitgeberin gab am
2.
April 2012
denn auch
an, da der Beschwerdeführer nicht mehr als Busfahrer arbeiten dürfe, müsse man ihm per 3
1.
Mai 2012 kün
digen (
Urk.
7/19).
Auch dem
Verlaufsprotokoll der Eingliederungsberatung vom 1
9.
April 2012 ist zu entnehmen, dass gemäss Kreisarztbericht vom 3
0.
März 2012 keine Arbeits
fähigk
eit als Busfahrer mehr bestehe
(
Urk.
7/25
/
3).
Die Eingliederungsberatung stützte sich dabei auf die Beurteilung des
Kreisarzt
es
Dr.
med.
B.___
,
Facharzt für Chirurgie
und Kreisarzt der Suva, vom
2
3.
März 2012
,
wonach
der
Beschwerdeführer als Busfahrer
nicht
mehr
arbeitsfähig sei
. Diese Einschätzung könne er allein aufgrund der Skelettveränderungen treffen
(
Urk.
7/20
/
10).
In Beachtung der Tatsache, dass der Kreisarzt
und die Ärzte in der
A.___
nur
die unfallbedingten Knieverletzungen beurteilte
n
(30
%
der Knieschäden) und der Beschwerdeführer offenkundig an weiteren Gebrechen leidet (70
%
krankheitsbedingte Knieschäden und Lumbalgien, vgl.
Urk.
7/20
/
11 und 7/38
/
8)
, ist
d
avon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
zumindest ab Juni 2012 (Zeitraum nach der Kündigung)
aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht als Busfahrer
nicht mehr einsetzbar war.
Insofern ist der RAD-Bericht ungenau
. D
ie Tatsachen lassen sich
indes
anhand der übrigen Akten erstellen.
Der Beschwerdeführer
war ab
3.
April 2011 als Busfahrer zu 50
%
und ab Juni 2012 zu 100
%
arbeitsunfähig.
2.4
Was die Zumutbarkeit einer leidensangepassten Tätigkeit betrifft, so geht die RAD-Ärztin
von einer seit Oktober 2012 bestehenden Restarbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten von 100
%
aus (
Urk.
7/38
/
8). Sie bezieht diesen Zeit
punkt
wohl auf ihre Untersuchung, welche am
8.
Oktober 2012 stattfand (
Urk.
7/38
/
1). Dagegen ging der Kreisarzt bereits im März 2012 von einer 100
%
igen Zumutbarkeit leidensangepasster Tätigkeiten aus (
Urk.
7/20
/
10
). Ob nun seit März oder erst seit Oktober 2012 von einer 100
%
igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten auszugehen ist, kann, wie sogleich zu zeigen sein wird, offen bleiben.
2.5
B
ei der Prüfung der
wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
darf
nicht von
realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. Ins
besondere
kann von einer Arbeitsgelegenheit im Sinne von
Art.
28
Abs.
2 IVG
dort nicht
gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so einge
schränkter Form
möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder
dass sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines
durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer
entspre
chenden Stelle deshalb zum vornherein ausgeschlossen erscheint
(ZAK 1991 S.
320 E. 3b, 1989 S. 321 E. 4a).
Ferner beinhaltet der Begriff
des ausge
glichenen Arbeitsmarktes nicht nur ein gewisses Gleichgewicht
zwischen dem Angebot und der Nachfrage nach Stellen, sondern bezeichnet auch
einen Arbeits
markt, der von seiner Struktur her einen Fächer
verschiedenartiger Stellen offen hält, und zwar sowohl bezüglich der dafür
verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch
hinsichtlich des körperlichen Einsatzes (
BGE 110 V 276
E. 4b mit Hinweisen;
ZAK 1991 S. 321 E. 3b). Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im
Einzelfall, ob ein Invalider die Möglichkeit hat, seine restliche
Erwerbsfähigkeit zu verwerten und ob er ein
rentenausschliessendes
Einkom
men
zu erzielen vermag oder nicht (
BGE 110 V 276
E. 4b; AHI 1998 S. 291 E.
3b, ZAK 1991 S.
320 E. 3b). Weder gestützt auf die Pflicht zur
Selbsteingliede
rung
noch im Rahmen der dem Versicherten auf einem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt offen stehenden Möglichkeiten zur Ver
wertung
seiner
Rester
werbsfähigkeit
dürfen von ihm Vorkehren verlangt werden, die
unter Berück
sichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten
des Einzel
falles nicht zumutbar sind (
BGE 113 V 28
E. 4a mit Hinweisen; Urteil
I 401/01
des Bundesgerichts
vom
4.
April 2002).
Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor in der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
realistischerweise
nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungslast nicht mehr zumutbar ist. Es fehlt
diesfalls
an einer wirtschaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, was einen Anspruch auf eine Invalidenrente begründet (BGE 138 V 460 E. 1).
2.6
Das Bundesgericht hat einen 60-jährigen
Versicherten
, welcher mehrheitlich als Wirker in der Textilindustrie tätig gewesen war, als zwar nicht leicht
vermittel
bar
erachtet. Es sah aber mit Bezug auf den hypothetischen ausge
glichenen Arbeitsmarkt gleichwohl Betätigungsmöglichkeiten, da der Versicher
te zwar sachlich eingeschränkt (weiterhin zumutbar waren leichte und mittelschwere Arbeiten im Gehen, Stehen und Sitzen in geschlossenen Räumen), aber immer noch im Rahmen eines Vollpensums arbeitsfähig war (Urteil I_376/05 vom
5.
August 2005 E. 4.2).
Unter anderem mit Blick auf eine Aktivitätsdauer von immerhin noch sieben Jahren
beurteilte das Bundesgericht,
eine erwerbliche
Umsetzung der Leistungsfähigkeit
sei bei
einem 58-jährigen, kaufmännisch ausgebildeten Versicherten möglich und zumutbar, der aufgrund hochgradiger Innenohrschwerhörigkeit auf einen besonderen Anforderungen genügenden Arbeitsplatz angewiesen w
ar (Urteil I 819/04
v
om 2
7.
Mai 2005 E.
2.2).
Als arbeitsmarkttauglich angesehen wurde auch die Restarbeitsfähigkeit eines 60
jährigen Versicherten mit einer unter anderem wegen rheumatolo
gischer und kardialer Probleme um 30 Prozent eingeschränkten Leistungs
fähigkei
t (Urteil I 304/06 vom 2
2.
Januar 2007 E. 4.2). Ebenfalls zumutbar erachtete das Bundes
gericht das Finden einer Stelle auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt bei
eine
m
gleichaltrigen Versicherten, dem trotz verschiedener Rückenschäden ein ver
gleichsweise weites Spektrum zumutbarer Hilfstätigkeiten offenstand
(erwähntes Urteil 9C_918/2008 E. 4.3).
V
erneint hat das Bundesgericht demgegenüber die Verwertbarkeit der
Restar
beitsfähigkeit
eines über 61-jährigen Versicherten, der über keine Berufsaus
bil
dung verfügte, bezüglich der aus medizinischer Sicht im Umfang von 50
Prozent zumutbaren feinmotorischen Tätigkeiten keinerlei Vorkenntnisse besass, dessen Teilarbeitsfähigkeit weiteren krankheitsbedingten Einschränkun
gen unterlag und dem von den Fachleuten der Berufsberatung die für einen Berufswechsel erforderliche Anpassungsfähigkeit abgesprochen wur
de (Urteil I
392/02 vom 2
3.
Oktober 2003 E. 3).
Als unverwertbar erachtet wurde auch die 50-prozentige, durch verschiedene Auflagen zusätzlich limitierte Arbeitsfähig
keit eines knapp 64-jährigen Versicherten mit multiplen, die Arbeitsfähigkeit einschränkenden Beschwerde
n (Urteil I 401/01 vom
4.
April 2002 E. 4c und d).
Ebenso fiel die Beurteilung aus bei einem 64 1/2-jährigen
Magaziner
, der einen Berufswechsel
hätte
vollziehen müss
en
, um die noch zumutbaren leichten und
wech
sel
belastenden
Verweisungstätigkeiten ausüben zu könne
n (Urteil 9C_979/2009 vom 1
0.
Februar 2010 E. 4 und 5). A
ngesichts der 50-prozentigen Arbeitsfähigkeit einer im Verfügungszeitpunkt 61 Jahre alten Versicherten, die bezüglich der für sie in Frage kommenden Tätigkeiten einer Umschulung bedurft hätte
, hat das Bundesgericht die Zumutbarkeit ebenfalls verneint
(SVR 2009 IV Nr. 35 S. 97 E. 4.3
, Urteil 9C_437/2008
vom 1
9.
März 2009
).
Weiter erachtete das Bundesgericht im Alter von 62 ¾ Jahren den zeitlichen Horizont für eine Anstellung mit berufliche
r
Umstellung ohne Umschulung als zu kurz (Urteil 9C_272/2014 E. 3.4 vom 3
0.
Juli 2014).
Keine Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit nahm
es
bei einem 62-jährigen Versicherten an, weil
das fortgeschrittene Alter in Verbindung mit
einem
Herzleiden und der damit ver
knüpften Verzögerung einer allfälligen
Schulter
operation
eine Situation mit vielen Unwägbarkeiten schaff
e. Es müsse
damit gerechnet werden, dass eine Anstellung durch krankheitsbedingte Unterbrüche geprägt und eine halbwegs
ungestörte Tätigkeit gar nicht möglich
sei
.
Dies h
alte
potenzielle Arbeitgeber davon ab, das Risiko einer mit solchen Komplikationen behafteten Anstellung einzugehen. Hinzu komm
e
aber, dass der zeitliche Horizont für eine Anstellung immer kürzer
werde (Urteil 9C_734/2013 vom 1
3.
März 2014).
Es schloss die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit bei einem 60-jährigen Versicherten aus,
weil dieser
über keine Berufsbildung verfügt
e
und in seiner über 20 Jahre dauernden Tätigkeit als Hotelportier meist mittelschwere bis schwere Arbeiten ausgeführt hat
te, sowie die für eine leidensangepasste Tätig
keit notwendigen fein
motorische
n
Fähigkeiten
nicht habe aneignen können. Zudem sei zu berücksichtigen, dass er nur noch fünf Jahre vor seiner Pen
sionierung gestanden habe, was einen durchschnittlichen Arbeitgeber davon abhalten würde, die mit seiner Beschäftigung verbundenen Risiken wie
krank
heitsbedingte
Ausfälle, berufliche Unerfahrenheit und altersbedingt geringe Anpassungsfähigkeit einzugehen, zumal behindertengerechte Arbeitsplätze mit der Möglichkeit, teils stehend, teils sitzend zu arbeiten, von Behinderten in jungem und mittlerem Alter ebenfalls stark nachgefragt würden (Urteil 9C_954/2012 vom 1
0.
Mai 2013 E. 3.2.1 und 3.2.2).
Dem Urteil 9C
_
149/2011 vom 2
5.
Oktober 2012
(BGE 138 V 457)
lässt sich ent
nehmen, dass
bei einer 61-1/2-jährigen Versicherten im Rahmen einer Arbeits
fähigkeit
von 50
%
in einer leidensangep
assten Tätigkeit nicht mehr
von einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt ausgegangen werden könne
.
2
.7
Der Beschwerdeführer ist im
Mai 1949 geboren. Er war damit im März 2012 knapp 63 und im Oktober 2012 bereits einiges über 63 Jahre alt. Gemäss
Zumut
bar
keitsprofil
sind ihm leidensangepasste Tätigkeiten zwar noch zu 100
%
zuzu
muten, jedoch bestehen Einschränkungen. So sind ihm nur noch wechselbe
lastende Tätigkeiten ohne Kniezwangspositionen wie Tätigkeiten in der Hocke oder im Knien, ohne wiederholtes Bücken und ohne wiederholte oder länger dauernde wirbelsäulenbelastende Zwangshaltungen (
Austritts
bericht
der
A.___
vom 2
6.
Januar 2012 [
Urk.
7/16] S. 3) bzw. ohne regelmäs
sige Hebe- und Tragebelastungen über 10 kg, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne häufiges Treppensteigen, ohne häufige wirbelsäulenbelastende und kniegelenksbelastende Zwangshaltungen und Tätigkeiten
wie Bücken, Hocken, Knien, Überkopfarbeit, Arbeiten in Armvorhalte, ohne häufiges Gehen
auf unebenem Gelände, ohne andauernde Vibrationsbelastungen und Nässe-
/
Käl
te
exposition
zumutbar (Bericht von med.
pract
.
Z.___
vom
7.
November 2012
[
Urk.
7/38
/
8
]
). Gemäss dem Eingliederungsverantwortlichen
C.___
waren die künftigen Arbeitsmarktaussichten im April 2012 wegen der zu berücksichtigenden medizinischen Möglichkeiten und aufgrund des Alters
massiv erschwert (
Urk.
7/25).
Bei diesen Gegebenheiten kann unter Berücksich
tigung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht von einer Verwertbarkeit seiner Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt ausgegangen werden.
2.8
Der Beschwerdeführer hat demnach ab
1.
April 2012 Anspruch auf eine halbe Rente und in Anwendung von
Art.
88a
Abs.
2 der Verordnung über die Invali
denversicherung (IVV) ab
1.
September 2012
Anspruch auf eine ganze Rente.
Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen.
3.
Die Gerichtskosten werden gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG auf
Fr.
800.
--
festge
setzt und entsprechend dem Verfahrensausgang der Beschwerdegegnerin aufer
legt.
Das Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird
die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 2.
Juli 2013 aufg
ehoben, und es wird festgestellt, dass d
er Beschwerdeführer
ab 1.
April 2012 Anspruch auf eine halbe Rente und ab 1.
September 2012 Anspruch auf eine ganze Rente
hat.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
DAS
Rechtsschutz-Versicherungs-AG
unter Beilage einer Kopie von
Urk.
15
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
unter Beilage einer Kopie von
Urk.
15
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
-
SWISSBROKE
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu ent
halten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GrünigNossa