# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1334f27b-cec0-5d20-95d6-2380734679ff
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2016-06-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.06.2016 D-1980/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1980-2015_2016-06-15.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-1980/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 5 .  J u n i  2 0 1 6  

Besetzung 
 Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richter Hans Schürch, Richter Daniele Cattaneo,    

Gerichtsschreiberin Norzin-Lhamo Dotschung. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Sri Lanka,   

vertreten durch Christian Wyss, Fürsprecher,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisung);  

Verfügung des SEM vom 24. Februar 2015 / N (…). 

 

 

 

D-1980/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer 

Ethnie, zuletzt wohnhaft in B._______, verliess seinen Heimatstaat eige-

nen Angaben zufolge am (…) November 2010 in Richtung Jordanien. Er 

gelangte über die Türkei, Kroatien und ihm unbekannte Länder am 12. No-

vember 2010 in die Schweiz und suchte am 15. November 2010 im Emp-

fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ um Asyl nach. Am 18. No-

vember 2010 wurde er zur Person, zum Reiseweg und summarisch zu sei-

nen Gesuchsgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]) sowie am 

29. November 2010 eingehend zu seinen Asylgründen angehört. Mehr als 

vier Jahre später am 18. Februar 2015 wurde eine ergänzende Anhörung 

durchgeführt.  

Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im 

Wesentlichen geltend, er stamme aus D._______ bei E._______. Nach 

seiner (…)jährigen Schulausbildung hätten die Liberation Tigers of Tamil 

Eelam (LTTE) ihm eine Stelle als (…) bei (…) vermittelt. Er habe mit der 

LTTE sympathisiert und für sie Hilfsarbeiten verrichtet. Insbesondere sei er 

von den LTTE dazu gedrängt worden, mit einem Fahrzeug Leute, aber 

auch heimlich Waffen zu transportieren. Er habe von (…) bis (…) (…) Mal 

Granaten, Claymore-Minen und kleinere Gewehre von LTTE kontrollierten 

Gebieten in die von der Armee kontrollierten Gebiete transportiert. Als der 

Krieg erneut ausgebrochen sei, habe die sri-lankische Armee (SLA) das 

Fahrzeug bei einem Checkpoint in F._______ genauer geprüft und die Waf-

fen entdeckt. Bei der Verhaftung sei es zunächst zu einem Gefecht gekom-

men, wo er sich verletzt habe. Nach dem Spitalaufenthalt sei er für zwei 

Wochen jeden Tag verhört und anschliessend als Spitzel eingesetzt wor-

den. Ungefähr im (…) habe er bei einem Wachpunkt in G._______ Fischer 

denunzieren müssen, die Kontakte zu LTTE-Mitgliedern gepflegt hätten. Er 

habe jedoch niemanden verraten. Nach ungefähr einem Monat sei ihm die 

Flucht in das von den LTTE kontrollierte Gebiet gelungen. Dort habe er sich 

den LTTE gestellt und habe nach einem Verhör nach Hause zu seiner Frau 

gehen können. Die LTTE hätten seine jüngere Schwester rekrutieren wol-

len. Da sie jedoch gesundheitliche Probleme gehabt habe, sei er anstelle 

seiner Schwester im (…) zwangsweise rekrutiert worden. Er habe den (…) 

angehört und eine ein bis zwei monatige Ausbildung durchlaufen. Seine 

Hauptaufgaben seien Schreibarbeiten gewesen. An direkten Kampfhand-

lungen sei er nie beteiligt gewesen. Als sein direkter Vorgesetzter bei einem 

(…)gefecht getötet worden sei, habe er dessen Leiche nach Hause bringen 

D-1980/2015 

Seite 3 

und die Beerdigung organisieren müssen. Für diese Aufgaben sei er (…) 

freigestellt worden. Diese Zeit habe er genutzt, um mit seiner Frau und 

seinem Kind sowie weiteren Angehörigen mit einem Boot von H._______ 

in Richtung I._______ zu fahren, um sich dort der SLA zu ergeben. Am (…) 

2009 seien sie in ein Camp gebracht worden, wo man ihn verhört habe. 

Seine LTTE-Aktivitäten seien damals nicht aufgedeckt worden. Am (…) 

2009 sei er aus dem Camp entlassen worden und danach ins J._______-

Camp gegangen. Die Campbewohner hätten ihn erkannt und seine LTTE-

Vergangenheit verraten. Da er beteuert habe, sich unfreiwillig den LTTE 

angeschlossen zu haben, habe K._______ ihm mündlich zugesichert, dass 

er nicht in ein Foltercamp komme. Am (…) 2009 sei er aus dem Camp 

entlassen worden. Einige Zeit später am (…) 2009 sei auf offener Strasse 

vom Geheimdienst festgenommen und ins Camp von L._______ gebracht 

worden. Beim anschliessenden Verhör sei er mit einem glühenden Schrau-

benzieher am Rücken verletzt worden. Eines Nachts sei ihm die Flucht ge-

lungen. Er habe sich bei einem Priester versteckt und mit dessen Hilfe Sri 

Lanka verlassen können.  

B.  

Mit Eingabe vom 27. November 2014 zeigte der rubrizierte Rechtsvertreter 

sein Mandat an, reichte weitere Beweismittel – auf welche soweit ent-

scheidrelevant nachfolgend einzugehen ist – ein und ersuchte um Akten-

einsicht.  

C.  

Mit Verfügung vom 24. Februar 2015 – eröffnet am 25. Februar 2015 – 

lehnte die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab. Indes-

sen wurde Beschwerdeführer als Flüchtling anerkannt und aufgrund des 

unzulässigen Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme in der 

Schweiz angeordnet.  

D.  

Mit Eingabe vom 27. März 2015 erhob der Beschwerdeführer – handelnd 

durch seinen Rechtsvertreter – Beschwerde beim Bundesverwaltungsge-

richt und beantragte im Wesentlichen die Aufhebung der Dispositivziffern 2 

und 3 der angefochtenen Verfügung und die Asylgewährung. In verfahrens-

rechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie der amtlichen 

Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG 

(SR 142.31).  

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Seite 4 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 2. April 2015 stellte die Instruktionsrichterin 

fest, dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Verfahrens in der 

Schweiz abwarten könne und hiess das Gesuch um Gewährung der un-

entgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG i.V.m. 

Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG unter der Voraussetzung des Nachreichens 

einer Fürsorgebestätigung gut. Der Beschwerdeführer wurde aufgefordert, 

innert angesetzter Frist eine Fürsorgebestätigung einzureichen oder einen 

Kostenvorschuss zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.  

F.  

Der Beschwerdeführer leistete am 8. April 2015 den einverlangten Kosten-

vorschuss fristgerecht.  

G.  

Mit Verfügung vom 22. April 2015 wurde das Gesuch um Gewährung der 

unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG i.V.m. 

Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG abgewiesen sowie die Vorinstanz eingeladen, 

eine Vernehmlassung einzureichen.  

H.  

In ihrer Vernehmlassung vom 30. April 2015 beantragte die Vorinstanz die 

Abweisung der Beschwerde.  

I.  

Mit Eingabe vom 19. Mai 2015 nahm der Beschwerdeführer zur Vernehm-

lassung Stellung.  

J.  

Mit Eingabe vom 14. Juli 2015 wurden weitere Beweismittel – auf welche 

soweit entscheidrelevant nachfolgend einzugehen ist – sowie eine Kosten-

note eingereicht.  

K.  

Am 7. April 2016 gelangten die Ehefrau des Beschwerdeführers und das 

gemeinsame Kind in die Schweiz. Gleichentags suchten sie im EVZ 

C._______ um Asyl nach.  

 

 

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Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was vorliegend nicht zu-

trifft – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor wel-

chem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; 

Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-

treten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.  

3.  

Nachdem das SEM mit der angefochtenen Verfügung den Beschwerdefüh-

rer gestützt auf Art. 3 AsylG als Flüchtling anerkannte und dessen vorläu-

fige Aufnahme anordnete, ist nachfolgend – auch weil sich die hauptsäch-

lichen Beschwerdeanträge darauf beschränken – einzig zu beurteilen, ob 

das SEM zu Recht zum Schluss gelangte, er sei im Sinne von Art. 53 AsylG 

asylunwürdig, weshalb sein Asylgesuch abzulehnen sei.  

4.  

4.1 In der angefochtenen Verfügung führte die Vorinstanz im Wesentlichen 

aus, die Vorbringen bezüglich der Verfolgung durch die Behörden aufgrund 

der LTTE-Vergangenheit seien insgesamt als glaubhaft zu werten. Es sei 

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mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Be-

schwerdeführer begründete Furcht habe, bei einer Rückkehr in den Hei-

matstaat in asylrelevantem Ausmass verfolgt zu werden, weshalb er die 

Flüchtlingseigenschaft erfülle.  

Indessen seien Flüchtlinge gemäss Art. 53 AsylG von der Asylgewährung 

auszuschliessen, wenn sie wegen verwerflicher Handlungen dessen un-

würdig seien oder die innere oder äussere Sicherheit der Schweiz verletzt 

hätten oder gefährden würden. Gemäss konstanter Praxis der schweizeri-

schen Asylbehörden würden auch Handlungen darunter fallen, die etwa im 

Heimatstaat begangen worden seien, wobei sich der Begriff der verwerfli-

chen Handlung im Sinne von Art. 53 AsylG am abstrakten Verbrechensbe-

griff von Art. 10 Abs. 2 StGB orientiere. Unter den Verbrechensbegriff des 

StGB würden insbesondere Delikte gegen Leib und Leben, Delikte gegen 

die Freiheit und Delikte gegen den öffentlichen Frieden fallen. Die Anwen-

dung von Art. 53 AsylG für im Ausland begangene Straftaten setze keinen 

förmlichen Beweis voraus. Es genüge das Vorliegen eines begründeten 

Verdachts, dass sie die Person einer Straftat im Sinne dieser Bestimmung 

schuldig gemacht habe. Es müsse auf den individuellen Tatbeitrag abge-

stellt werden, wobei die alleinige Zugehörigkeit zu einer Organisation nicht 

als verwerfliche Handlung zu werten sei. Zu diesem seien nicht nur die 

Schwere der Tat und der persönliche Anteil am Tatentscheid, sondern 

ebenso das Motiv des Täters und allfällige Rechtfertigungs- oder Schuld-

minderungsgründe zu zählen. Bei der Beurteilung der Asylunwürdigkeit sei 

schliesslich auch die Frage der Verhältnismässigkeit im Einzelfall zu prü-

fen. Im Hinblick auf das begangene Delikt, die Umstände und die seither 

vergangene Zeit müsse die Anwendung von Art. 53 AsylG verhältnismäs-

sig sein.  

Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, die LTTE unterstützt und 

Waffen vom LTTE kontrollierten Gebiet in das von der Armee kontrollierte 

Gebiet transportiert zu haben. Diese Tätigkeit habe er für ein Jahr während 

der Friedenszeit ausgeübt. Er sei davon ausgegangen, dass diese Waffen 

im bewaffneten Kampf eingesetzt würden. Aufgrund der Ausführungen und 

der Kenntnisse der während des bewaffneten Konflikts in Sri Lanka einge-

setzten Waffen, müsse davon ausgegangen werden, dass es bei den vom 

Beschwerdeführer beschriebenen „Claymores“ um sogenannte Claymore-

Minen (M18 Claymore; umgangssprachlich als Claymore bezeichnet) ge-

handelt habe. Diese Minen seien gemäss Haager Recht verboten, da sie 

mit keinem Selbstzerstörungs- oder Selbstdeaktivierungsmechanismus 

versehen seien und somit eine langfristige Bedrohung der Zivilbevölkerung 

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darstellen würden. Dadurch werde gegen eines der fundamentalen Prinzi-

pien des humanitären Völkerrechts, die Unterscheidung zwischen militäri-

schen Zielen und durch die Genfer Konvention geschützten Personen und 

Objekte verstossen (vgl. Art. 5 Abs. 1 des Protokolls über das Verbot oder 

die Beschränkung des Einsatzes von Minen, Sprengfallen und anderen 

Vorrichtungen in der am 3. Mai 1996 geänderten Fassung [Protokoll II in 

der am 3. Mai 1996 geänderten Fassung] zu dem Übereinkommen vom 

10. Oktober 1980 über das Verbot oder die Beschränkung des Einsatzes 

bestimmter konventioneller Waffen, die übermässige Leiden verursachen 

oder unterschiedslos wirken können, SR 0.515.091.2). Der Beschwerde-

führer habe durch seine Handlungen konkret und in entscheidender Weise 

dazu beigetragen, dass die Waffen weiter transferiert und im bewaffneten 

Konflikt eingesetzt werden können, so dass es dadurch habe zu Men-

schenrechtsverletzungen kommen können. Seine Handlung sei somit als 

kausales Element in dieser Handlungskette anzusehen. Der Vollständigkeit 

halber könne darauf hingewiesen werden, dass auch die Tätigkeiten bei 

den (…) ähnlich zu beurteilen seien. So habe der Beschwerdeführer durch 

die Bestellung der Munition, das Be- und Entladen der (…) und die Orga-

nisation der Mahlzeiten massgeblich und in kausaler Weise dazu beigetra-

gen, dass der (…) der LTTE habe funktionieren und im bewaffneten Konflikt 

erfolgreich agieren können.  

Im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung sei zu berücksichtigen, dass 

der Beschwerdeführer angegeben habe, von den LTTE zwangsrekrutiert 

worden zu sein. Der Beschwerdeführer sei aber erst im Jahr (…) von den 

LTTE zwangsrekrutiert worden, weshalb lediglich die Tätigkeit bei den (…) 

unter diesem Blickwinkel zu beurteilen sei. Die Aufgabe des Waffentrans-

ports habe der Beschwerdeführer jedoch freiwillig und frei von Zwang aus-

geübt. Bereits zum Tatzeitpunkt sei sich der Beschwerdeführer der Folgen 

des Waffentransports bewusst gewesen und er habe diese während der 

Friedenszeit ausgeübt. Deshalb könne weder von einer allenfalls schuld-

mindernden Reue bezüglich der Tätigkeit noch von einer kritischen Be-

trachtung der eigenen Tätigkeiten ausgegangen werden. Ferner sei der 

Zeitablauf zwischen der Straftat und dem Entscheid des SEM in Betracht 

zu ziehen. Dabei werde auf die strafrechtliche Verjährung sinngemäss ab-

gestellt. Die Waffentransporte seien zwischen Anfang (…) und Ende (…) 

durchgeführt worden, womit diese Tätigkeit unter der Verjährungsfrist liege, 

die das StGB nenne. Insgesamt erweise sich der Asylausschluss als ver-

hältnismässig. 

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Seite 8 

4.2 In der Beschwerde machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen gel-

tend, zur Aktivität bei den (…) sei anzumerken, dass er nicht direkt in die 

Kampfhandlungen eingegriffen habe, sondern im Büro weitgehend logisti-

sche Arbeit geleistet habe. Zudem habe er eine humanitär bedeutsame 

Aufgabe innegehabt, indem er bei Todesfällen die Familien informiert, die 

Leichen betreut und den Trauerfamilien übergeben habe. Gerade weil nach 

der Praxis des SEM die LTTE-Mitgliedschaft nicht zwangsläufig die Asylun-

würdigkeit nach sich ziehe, dürfe seine Tätigkeit ab (…) nicht pauschal zur 

Begründung der Asylunwürdigkeit herangezogen werden. Er habe keine 

Offiziersfunktion und keine Befehlsgewalt gehabt. Für diese Tätigkeit recht-

fertige sich daher der Asylausschluss nicht. Seine Aufgabe habe darin be-

standen, heimlich Waffen über die Checkpoints zu transportieren. Dabei 

hätten die LTTE einen grossen sozialen Druck auf ihn ausgeübt. Hätte er 

sich geweigert, hätte er seine Stelle als (…) verloren. Als Kriegsverbrechen 

oder schweres ziviles Verbrechen im Sinne von Art. 1 Bst. F des Abkom-

mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30) könne sein Verhalten in Hilfsfunktion für die LTTE nicht be-

zeichnet werden. Diese Norm ziele auf die Haupttäter und Kommandanten 

der Kriegsverbrechen. Zu Recht sei deshalb ein Ausschluss aus der Flücht-

lingseigenschaft nicht in Betracht gezogen worden. Bei der Prüfung der 

Asylunwürdigkeit sei zu unterscheiden zwischen kriminellen Handlungen, 

die nach der Flucht in der Schweiz begangen worden seien, und Handlun-

gen, welche in einem Bürgerkrieg in einer sehr angespannten Situation be-

gangen worden seien. Bei nach der Flucht in der Schweiz begangenen 

Handlungen sei es gerechtfertigt, den Massstab des StGB anzuwenden, 

während bei den in einem Bürgerkrieg ausgeübten Handlungen situative 

Rechtfertigungsgründe höher zu gewichten seien. Der Begriff der Verwerf-

lichkeit sei im Sinne der Kriegsverbrechen auf besonders grausame, in der 

Kriegslogik unnötige, und persönlich zuzurechnende Kriegshandlungen 

einzugrenzen. Es stelle sich die Frage, ob Claymore-Minen grausame Waf-

fen darstellen würden, deren blosser Transport als besonders verwerfliche 

Kriegshandlung im Sinne von Art. 53 AsylG gelte. Der Transport von Waf-

fen in einem Bürgerkrieg sei nicht a priori verwerflich. Er habe klar ausge-

führt, dass die Claymore-Minen in der damals noch zulässigen Variante der 

elektrischen Fernzündung verwendet worden seien. Erst seit dem Überein-

kommen vom 30. Mai 2008 über Streumunition – also deutlich nach den 

vom SEM festgestellten Transportfahrten – sei jeglicher Einsatz dieser 

Waffe völkerrechtlich geächtet. Es fragt sich, ob ein junger Widerstandsak-

tivist eine besondere Verwerflichkeit beim Transport – nicht beim Einsatz – 

der Waffe habe erkennen können. Das SEM differenziere den Handlungs-

rahmen schlecht und vergleiche die Transporttat unter anderem mit dem 

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Schweizer Strafrahmen für Tötung und Körperverletzung und frage dabei 

nicht nach dem konkreten Tatbeitrag. Das SEM übersehe, dass er mit dem 

Transport eine Hilfeleistung erbracht habe, welche strafrechtlich als Gehil-

fenschaft, nicht als volle Mittäterschaft zu qualifizieren sei. Beim späteren 

Einsatz der Waffen sei er nicht dabei gewesen. Diese Umstände würden 

das objektive und subjektive Verschulden des bloss transportierenden 

Chauffeurs stark reduzieren, so dass man in Strafrahmensbereiche ge-

lange, welche nicht strafgesetztechnisch, aber von der Deliktschwere her 

eine siebenjährige Verjährung angemessen erscheinen liessen. Er habe 

die Waffen nicht freiwillig transportiert, sondern sei von den LTTE bedrängt, 

eingeschüchtert und unter Druck gesetzt worden. Hätte er nicht kooperiert, 

hätte er seine Stelle bei (…) verloren. Dieses Abhängigkeitsverhältnis gelte 

es zu berücksichtigen. Entgegen der Ansicht seien die Transporte nicht 

während der Friedenszeit, sondern während dem Waffenstillstand ausge-

führt worden. Beide Kriegsparteien hätten den Waffenstillstand genutzt, um 

strategische Operationen vorzubereiten, wozu gerade der Waffentransport 

gehört habe. Das heute inkriminierte Ereignis habe vor neun bis zehn Jah-

ren stattgefunden. Die Transporte seien vor dem Beginn des 2006 wieder 

ausbrechenden Krieges erfolgt. Das liege eine lange Zeit zurück. Mittel-

schwere Taten würden in der Schweiz in sieben Jahren verjähren. Da nur 

eine Hilfstätigkeit vorliege und die Claymore-Minen nicht direkt von ihm 

eingesetzt worden seien, müsse der Zeitablauf unter dem Gesichtswinkel 

der Verhältnismässigkeit berücksichtigt werden.  

4.3 In seiner Vernehmlassung führte das SEM im Wesentlichen aus, dass 

bei der Beurteilung des individuellen Tatbeitrags nicht nur explizit offenge-

legte Tatbeiträge relevant seien. Vielmehr stelle sich die Frage, welche ver-

werflichen Handlungen der betreffenden Person im konkreten Kontext – 

direkt oder indirekt – zugerechnet werden müsse. Es sei zu berücksichti-

gen, dass kaum ein Gesuchsteller ein strafbares Verhalten offen einräu-

men werde. Beim Beschwerdeführer lägen Elemente vor, die vermuten 

liessen, dass er seine Rolle für die LTTE – insbesondere bei den (…) – 

bewusst heruntergespielt habe. Gemäss Aktenlage sei erstellt, dass der 

Beschwerdeführer durch den Transport verschiedener Waffen einen sub-

stanziellen und entscheidenden Tatbeitrag zur Begehung verschiedenster 

Menschenrechtsverletzungen geleistet habe. Seine Handlungen seien 

kausal zu den durch die LTTE begangenen Handlungen und würden im 

strafrechtlichen Sinne eine conditio sine qua non darstellen. Der Waffen-

transport stehe als notwendige beziehungsweise im Rechtsinn ursächliche 

Bedingung für die begangenen Straftaten. Mithin sei der Tatbeitrag nicht 

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wegzudenken, ohne dass damit der Erfolg ausbliebe. Hätte der Beschwer-

deführer die Waffen nicht transportiert, wäre es in konkreten Fällen auch 

nicht zu Menschenrechtsverletzungen gekommen. Aus strafrechtlicher 

Sicht sei der Beschwerdeführer aufgrund einer ursächlichen Vorberei-

tungshandlung als Mittäter zu klassifizieren. Es erscheine überaus pietäts-

los, die bewusste Inkaufnahme gravierender Menschenrechtsverletzungen 

mit einer befürchteten Kündigung der Arbeitsstelle zu rechtfertigen. Letzt-

lich sei es irrelevant, ob dem Beschwerdeführer das völkerrechtliche Ver-

bot der Claymore-Minen bewusst gewesen sei oder nicht. Die Behauptung, 

wonach die Verwendung von Landminen bis 2008 legitim gewesen sei, 

werde daher nicht geteilt. Bei den verwendeten Minen handle es sich um 

Waffen, die verheerenden Schaden haben anrichten können und für die 

sri-lankische Zivilbevölkerung nach wie vor können. Es sei allgemein be-

kannt, dass immer noch eine Grosszahl der Agrar- und Landwirtschafsflä-

che in Sri Lanka vermint sei und es noch Jahre dauern werde, bis die ent-

sprechenden Gebiete gesäubert seien. Dieser Umstand könne nicht alleine 

den LTTE zugerechnet werden, dennoch habe der Beschwerdeführer 

durch seine Tätigkeit für die Organisation einen Beitrag zu dieser Situation 

geleistet. Vor diesem Hintergrund erscheine der Ausschluss verhältnismäs-

sig.  

4.4 Diesen Ausführungen hielt der Beschwerdeführer in seiner Replik ent-

gegen, eine qualifiziert verwerfliche Handlung müsse, ähnlich wie im Straf-

recht, objektiv nachgewiesen sein. Die Vermutung einer möglichen Bege-

hung genüge nicht. Entscheidend sei, dass er die Waffen bloss transpor-

tiert, aber nicht eingesetzt habe. Mittäter sei, wer bei Planung oder Ausfüh-

rung eines Delikts vorsätzlich und in massgebender Weise mit anderen Tä-

tern zusammenwirke. Wer im Rahmen eines Kriegsgeschehens Waffen 

transportiere, ohne zu wissen, wer die Waffen wo und wie einsetze, nehme 

weder an der Planung noch an der Ausführung des Waffeneinsatzes teil. 

Auch wenn im Sinne einer strengen Kausalitätskette der Transport eine 

Voraussetzung des späteren Einsatzes der Waffe sei, werde der Transpor-

teur nicht zum Mittäter. Er sei im Rahmen der Organisation ersetzbar. Und 

leiste einen untergeordneten Beitrag. Wenn er weder bei der Planung des 

gesamten Vorgangs habe mitbestimmen können, noch bei der konkreten 

Benutzung der Waffe eine Mitwirkungsmöglichkeit habe, gelte er strafrecht-

lich als Gehilfe. Ein Transporteur unterscheide sich deutlich von einer Per-

son, die verbotene Waffen herstelle oder einsetze. Der Strich der Asylun-

würdigkeit sei nicht beim Transport zu ziehen, sondern erst beim konkreten 

Einsatz bestimmter Waffen gegen Menschen. Der Entscheid über den Ein-

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Seite 11 

satz der Waffe sei relevant. Undifferenziert und unsachlich sei die Verbin-

dung der Vorinstanz, der Transport von Claymore-Minen habe zu einer Ver-

minung der landwirtschlich genutzten Gebiete Sri Lankas geführt. Clay-

more-Minen seien Waffen, die nicht vergraben, sondern offen aufgestellt 

und mit Fernzündung bedient würden. Zu der für die Zivilbevölkerung so 

gefährlichen Verminung würden andere Minentypen verwendet. Dass er 

Land- oder Tretminen transportiert habe, sei nirgends ersichtlich. Insge-

samt sei die Sanktion des Asylausschlusses unverhältnismässig. Das SEM 

äussere sich zudem nicht zum Zeitfaktor seit der Handlung. Die Tatsache, 

dass die inkriminierten Waffentransporte (…) Jahre zurücklägen und dass 

er in der Schweiz gut beleumundet ein ethisch korrektes, verantwortungs-

bewusstes Leben führe, spreche gegen die Verhältnismässigkeit der Sank-

tion, zumal keine unverjährbaren Kriegsverbrechen zur Debatte stünden.  

4.5 Als Beweismittel legte der Beschwerdeführer diverse Schreiben von 

M._______, N._______, O._______ sowie ein persönliches Schreiben ins 

Recht. Gemäss diesen Schreiben besitze der Beschwerdeführer einen hu-

manitären und von christlicher Grundhaltung geprägten Charakter.  

5.  

5.1 Gestützt auf Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen 

grundsätzlich Asyl. Davon ausgenommen sind jedoch unter anderem ge-

mäss Art. 53 AsylG Flüchtlinge, die wegen verwerflicher Handlungen der 

Asylgewährung unwürdig sind oder die die innere oder die äussere Sicher-

heit der Schweiz verletzt haben oder gefährden.  

5.2 Unter den Begriff der verwerflichen Handlungen fallen grundsätzlich 

Delikte, die dem abstrakten Verbrechensbegriff von Art. 10 Abs. 2 StGB 

entsprechen, demnach also Straftaten, die mit Freiheitsstrafe von mehr als 

drei Jahren bedroht sind (vgl. hierzu und zum Folgenden BVGE 2011/29 

E. 9.2.2; 2011/10 E. 6; 2010/44 E. 6). Nach der asylrechtlichen Rechtspre-

chung ist es irrelevant, ob die verwerfliche Handlung einen ausschliesslich 

gemeinrechtlichen Charakter hat oder als politisches Delikt aufzufassen ist. 

Unter Art. 53 AsylG sind mithin auch Handlungen zu subsumieren, denen 

keine strafrechtliche Konnotation im engeren Sinne des Strafrechts zu-

kommt (vgl. BVGE 2011/29 E. 9.2.2; 2011/10 E. 6 [2. Abschnitt] und das 

Urteil des BVGer E-7453/2009 vom 28. Oktober 2013 E. 5.1, je m.w.H.). 

Das anzusetzende Beweismass wurde in der Botschaft zur Totalrevision 

des Asylgesetzes sowie zur Änderung des Bundesgesetzes über Aufent-

halt und Niederlassung der Ausländer vom 4. Dezember 1995 (BBl 1996 II 

73) für Art. 1 F des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung 

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Seite 12 

der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 53 AsylG übereinstimmend um-

schrieben, was sich in der Folge in der Rechtsprechung niedergeschlagen 

hat. Demnach ist bei Straftaten, die im Ausland begangen wurden, kein 

strikter Nachweis erforderlich. Es genügt die aus schwerwiegenden Grün-

den gerechtfertigte Annahme, dass sich die betreffende Person einer Straf-

tat im Sinne der genannten Bestimmungen schuldig gemacht hat, wobei 

auf den individuellen Tatbeitrag abzustellen ist (vgl. BVGE 2011/29 

E. 9.2.3).  

5.3 Liegt eine entsprechende Delinquenz vor, vermag die alleinige Tatsa-

che einer Mitgliedschaft bei einer extremistischen Organisation nicht zur 

Folgerung der Asylunwürdigkeit zu führen. Vielmehr ist von einer pauscha-

len Betrachtungsweise Abstand zu nehmen und der individuelle Tatbeitrag 

– zu welchem die Schwere der Tat und der persönliche Anteil am Tatent-

scheid wie auch das Motiv des Täters und allfällige Rechtsfertigungs- oder 

Schuldminderungsgründe zu zählen sind – zu ermitteln. Ausserdem ist zu 

prüfen, ob die Rechtsfolge des Asylausschlusses auch eine verhältnismäs-

sige Massnahme darstellt (vgl. a.a.O. E. 9.2.4 m.w.H.). 

5.4 Im Folgenden ist zunächst zu prüfen, ob und inwiefern dem Beschwer-

deführer verwerfliche Handlungen im oben genannten Sinne vorgeworfen 

werden können.  

5.4.1 Diesbezüglich ist vorab auf die Lage in Sri Lanka zum damaligen Zeit-

punkt, als die Waffentransporte stattgefunden haben, einzugehen. Die 

Schweizerische Asylrekurskommission führte in einer Situationsanalyse 

Folgendes aus: Im Februar 2002 wurde zwischen dem damaligen Premi-

erminister Ranil Wickremesinghe und dem LTTE-Führer Velupillai Prab-

hakaran ein zeitlich unbegrenzter Waffenstillstand vereinbart. Daraufhin 

folgten Friedensgespräche unter norwegischer Vermittlung. Allerdings 

wurde der Friedensprozess von beiden Seiten immer wieder behindert. Im 

Jahr 2004 kam es im Nordosten des Landes zum Bruch zwischen dem 

LTTE-Führer Prabhakaran und seinem wichtigsten Kommandanten im Os-

ten, Vinayagamoorthi Muralitharan, alias Oberst Karuna. Diese Abspaltung 

der Karuna-Fraktion führte zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und zu 

einer erheblichen Verschlechterung der Menschenrechtslage. Die Frie-

densverhandlungen blieben trotz norwegischer Vermittlungsbemühungen 

blockiert und es kam zu einem Schwebezustand zwischen einem Frieden 

und einem möglichen Rückfall in den Krieg. Nach der Flutkatastrophe Ende 

2004 flammten die Konflikte zwischen Tamilen und Singhalesen erneut auf. 

D-1980/2015 

Seite 13 

Aufgrund der gesamten Entwicklung zeichnete sich eine baldige Wieder-

aufnahme von Friedensverhandlungen Ende 2005 nicht ab (vgl. Entschei-

dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [E-

MARK] 2006 Nr. 6 E. 6.2.). In einer erneuten Lageanalyse stellte das Bun-

desverwaltungsgericht fest, dass sich die Sicherheitslage in Sri Lanka seit 

Januar 2006 kontinuierlich verschlechtert hat. Beiden Konfliktparteien wa-

ren wiederholte Verstösse gegen die Waffenstillstandsvereinbarung zuzu-

schreiben. Von diesen Verstössen waren besonders die Nord- und Ostpro-

vinz betroffen, wo es auch einen Anstieg von schweren Menschenrechts-

verletzungen zu verzeichnen gab. Im Sommer 2006 kam es im Bezirk Trin-

comalee zur ersten grossen Bodenoffensive der Armee, nachdem die LTTE 

eine wichtige Wasserschleuse im Osten des Landes blockierten. Im August 

2006 wurde auch der Norden Schauplatz heftiger Gefechte. Obwohl weder 

die Regierung noch die LTTE das Waffenstillstandsabkommen offiziell wi-

derrufen hatten, liessen die Auseinandersetzungen im Jahr 2006 nicht 

nach. Angesichts der weitverbreiteten Feindseligkeiten, der schlechten Si-

cherheitslage und der Menschenrechtsverletzungen im Norden und Osten 

Sri Lankas charakterisierte das UNHCR die Lage bereits im Jahr 2006 als 

eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2008/2 E. 7.2). Nachdem 

während rund zwei Jahren das Waffenstillstandsabkommen von beiden 

Konfliktparteien nicht mehr beachtet wurde, kündigte es die Regierung am 

2. Januar 2008 formell auf (vgl. a.a.O. E. 7.4).  

5.4.2 Der Beschwerdeführer gab zu Protokoll, dass er von Anfang (…) bis 

(…) zwischen (…) Mal heimlich Waffentransporte durchgeführt habe. Er 

habe Granaten, Claymore-Minen und kleine Gewehre in einem zivilen 

Fahrzeug versteckt und in die von der Armee kontrollierten Gebiete trans-

portiert. Die Claymore-Minen seien später im bewaffneten Kampf gegen 

Regierungstruppen verwendet worden, indem sie gepflanzt und mit einer 

Fernsteuerung gezündet worden seien. Er sei sich des Unrechts seiner 

Handlungen bewusst gewesen, sei jedoch von den LTTE zu den Taten ge-

drängt worden (vgl. act. A17/15 F29 ff.).  

5.4.3 Aus den Aussagen des Beschwerdeführers ergibt sich folglich, dass 

er während des vereinbarten Waffenstillstands am Transport verschiede-

ner Waffen beteiligt gewesen war. Im fraglichen Zeitraum kam es durch 

beide Konfliktparteien zu zahlreichen Verstössen gegen die Waffenstill-

standsvereinbarung sowie zu Menschenrechtsverletzungen. Insbesondere 

gab es zu diesem Zeitpunkt auch Claymore-Attacken, von welchen unter 

anderem zivile Personen getroffen wurden (vgl. CHANNA WICKREMESE-

KERA, The Tamil Separatist War in Sri Lanka, 2016, S. 178 f.). Vor diesem 

D-1980/2015 

Seite 14 

Hintergrund sind die Aktivitäten als Transporteur der Waffen keinesfalls zu 

bagatellisieren. Selbst der Beschwerdeführer bezeichnete seine Transport-

tätigkeit als „nicht korrekt“ (vgl. act. A17/15 F36). Allerdings gilt es zu prü-

fen, ob seine Aktivitäten auch unter den Begriff der verwerflichen Handlun-

gen im Sinne von Art. 53 AsylG subsumiert werden können.  

5.4.4 Das SEM führt in der angefochtenen Verfügung aus, dass Claymore-

Minen völkerrechtlich verboten seien, da sie mit keinem Selbstzerstörungs- 

oder Selbstdeaktivierungsmechanismus versehen seien und somit eine 

langfristige Bedrohung der Zivilbevölkerung darstellen würden. Diese vo-

rinstanzliche Argumentation vermag schon alleine deshalb nicht zu über-

zeugen, weil das SEM sich in diesem Zusammenhang auf ein Dokument 

des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) beruft, welches das 

Modell Claymore gerade als Ausnahme auflistet. So wird in der genannten 

Quelle festgehalten, dass die Regeln hinsichtlich des Selbstzerstörungs- 

respektive Selbstdeaktivierungsmechanismus unter bestimmten Voraus-

setzungen bei Claymore-Minen keine Anwendung finden (International 

Committee of the Red Cross, The Law of Armed Conflict, Weapons, 2002, 

S. 9). Sodann sind gemäss dem zitierten Dokument Claymore-Minen als 

befehlsgesteuerte Waffen („command-detonated munitions“) nicht verbo-

ten, sofern sie nicht mit einem Stolperdraht versehen sind oder der Zünder 

nicht durch das Opfer selbst ausgelöst werden kann (a.a.O. S. 13). Der 

Beschwerdeführer brachte vor, dass die von ihm transportierten Claymore-

Minen mit einer Fernsteuerung versehen gewesen seien (vgl. act. A17/15 

F34), weshalb sie unter Berücksichtigung der obigen Ausführungen zum 

damaligen Zeitpunkt - entgegen den Ausführungen der Vorinstanz - nicht 

als verbotene Waffen zu qualifizieren sind. Die Frage, ob die von den LTTE 

ausgeführten Claymore-Attacken – soweit gegen Regierungstruppen ge-

richtet – nicht grundsätzlich als Kriegshandlungen einzustufen wären, mit 

der Konsequenz, dass diese den daran beteiligten LTTE-Soldaten nicht als 

Asylausschlussgrund entgegengehalten werden könnten. 

Aus der Anbindung des Asylausschlussgrundes der „verwerflichen Hand-

lungen“ im Sinne von Art. 53 AsylG an den Verbrechensbegriff von Art. 10 

Abs. 2 StGB ergibt sich zwingend, dass in Bezug auf die in Frage stehen-

den Handlungen der betreffenden Person eine strafrechtliche Verantwort-

lichkeit gegeben sein muss (vgl. Urteil des BVGer D-5243/2010 vom 

26. August 2011 E. 6.3.4). Diesbezüglich hat das SEM ausgeführt, der Be-

schwerdeführer habe durch seine Handlungen konkret und in entscheiden-

der Weise dazu beigetragen, dass die Waffen weiter transferiert und im 

bewaffneten Konflikt hätten eingesetzt werden können, so dass es dadurch 

D-1980/2015 

Seite 15 

zu Menschenrechtsverletzungen habe kommen können. Aus der Argumen-

tation der Vorinstanz geht zwar hervor, welches Verhalten dem Beschwer-

deführer konkret vorgeworfen wird. Es bleibt jedoch unklar, welcher Straf-

tatbestand erfüllt sein soll, da nicht abschliessend geklärt ist, ob der Einsatz 

von Claymore-Minen zum damaligen Zeitpunkt (ungeachtet des von bei-

den Konfliktparteien nicht mehr beachteten Waffenstillstandsabkommens) 

als völkerrechtlich zulässig erachtet werden konnte. In diesem Sinne erüb-

rigen sich daher auch weitergehende Ausführungen zur Abgrenzung zwi-

schen der Mittäterschaft und Gehilfenschaft sowie zur Verjährung. Zusam-

menfassend kann festgehalten werden, dass es sich bei Claymore-Minen 

zweifellos um grausame Waffen handelt. Aufgrund ihrer Wirkungsweise 

kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass durch den Einsatz der vom 

Beschwerdeführer transportierten Waffen auch zivile Personen getroffen 

worden sind. Ob die Aktivitäten des Beschwerdeführers letztlich unter den 

Begriff der verwerflichen Handlungen im Sinne von Art. 53 AsylG subsu-

miert werden können, kann aufgrund nachfolgender Erwägungen zur Ver-

hältnismässigkeit jedoch offen gelassen werden.  

5.5  

5.5.1 Selbst unter der Annahme, der Beschwerdeführer habe mit den Waf-

fentransporten verwerfliche Handlungen im Sinne von Art. 53 AsylG began-

gen, erweist sich die Rechtsfolge des Asylausschlusses unter dem Blick-

winkel des Verhältnismässigkeitsprinzips als nicht gerechtfertigt.  

5.5.2 Gemäss entsprechender Praxis sind bei der Verhältnismässigkeits-

prüfung unter anderem das Alter des Beschwerdeführers im Zeitpunkt der 

Tatbegehung, allfällige Veränderungen der Lebensverhältnisse nach der 

Tat, die Wahrscheinlichkeit der erneuten Begehung von Straftaten sowie 

die Frage, wie lange die Tat bereits zurückliegt, wobei die strafrechtlichen 

Verjährungsbestimmungen zu berücksichtigen sind, in Betracht zu ziehen 

(vgl. Urteil des BVGer D-1071/2015 vom 19. April 2016 E. 5.4.5 m.w.H.).  

5.5.3 Der vom Beschwerdeführer durchgeführte Waffentransport ist im 

Kontext des damals herrschenden Konflikts zu betrachten (vgl. oben 

E. 5.4.1). Der Beschwerdeführer, der damals (…) beziehungsweise (…) 

Jahre alt war, führte glaubhaft aus, dass es – entgegen der Ansicht der 

Vorinstanz – nicht sein freier Wille gewesen sei, die Waffen zu transportie-

ren. Es sei ihm damals wie auch heute bewusst gewesen, dass seine Ak-

tivitäten nicht richtig seien. Die LTTE hätten ihn jedoch bedrängt, so dass 

er Angst gehabt habe, seine Stelle zu verlieren respektive an die Front ge-

schickt zu werden, und sich letztlich gefügt habe (vgl. act. A17/15 F88 f.; 

D-1980/2015 

Seite 16 

A7/15 F19). Handeln auf Befehl stellt grundsätzlich keinen Rechtferti-

gungsgrund dar; dem besonderen Interessenkonflikt ist jedoch unter dem 

Aspekt der Verhältnismässigkeit Rechnung zu tragen (vgl. Urteil des 

BVGer D-1071/2015 vom 19. April 2016 E. 5.5.1). Es ist davon auszuge-

hen, dass der Beschwerdeführer in jener Zeit, in welcher das Waffenstill-

standsabkommen von beiden Konfliktparteien immer wieder verletzt 

wurde, aufgrund seiner Bekanntschaft mit dem sri-lankischen Soldaten 

P._______ von den LTTE gezielt bestimmt und unter Druck gesetzt wurde, 

die Transporte durchzuführen (vgl. act. A7/15 F17 ff.). Daher ist es nach-

vollziehbar, dass sich der Beschwerdeführer in dieser Situation den Anord-

nungen der LTTE nicht hat widersetzen können. Die isolierte Betrachtungs-

weise des SEM, wonach das Verhalten des Beschwerdeführers als „über-

aus pietätslos“ erscheine, und die vorinstanzlichen Ausführungen, wonach 

der Beschwerdeführer eine Mitschuld an der Verminung der Agrar- und 

Landwirtschaftsflächen in Sri Lanka trage, erscheinen unter Berücksichti-

gung des Konfliktverlaufs als nicht angemessen. Der Beschwerdeführer ist 

in der Schweiz nie deliktisch in Erscheinung getreten. Aufgrund der spezi-

ellen Tatumstände ist auch die Begehung weiterer Straftaten als eher un-

wahrscheinlich einzustufen. Im Übrigen liegen die Aktivitäten nunmehr (…) 

Jahre zurück. 

5.5.4 Hinsichtlich der Aktivitäten für die (…) lässt sich übereinstimmend mit 

der Vorinstanz festhalten, dass von einer Zwangsrekrutierung auszugehen 

ist. Der Beschwerdeführer brachte glaubhaft vor, sich anstelle seiner kran-

ken Schwester den LTTE gestellt zu haben. Ferner sind den Anhörungs-

protokollen keine Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass der Beschwer-

deführer an Kampfhandlungen teilgenommen hat. 

5.5.5 In Würdigung der gesamten Umstände erweist es sich somit als un-

verhältnismässig, den Beschwerdeführer von der Gewährung des Asyls 

auszuschliessen.  

6.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die – auf den Punkt des Aus-

schlusses vom Asyl und die damit verbundenen Rechtsfolgen beschränkte 

– Beschwerde gutzuheissen ist, und die Ziffern 2 bis 7 der angefochtenen 

Verfügung aufzuheben sind. Das SEM ist zudem anzuweisen, dem Be-

schwerdeführer in der Schweiz Asyl zu gewähren.  

D-1980/2015 

Seite 17 

7.  

7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG). Der am 8. April 2015 geleistete 

Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.– ist dem Beschwerdeführer zu-

rückzuerstatten.  

7.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Der Rechts-

vertreter des Beschwerdeführers hat mit Eingabe vom 14. Juli 2015 eine 

Kostennote zu den Akten gereicht, die als angemessen erscheint. Dem Be-

schwerdeführer ist somit eine Parteientschädigung zu Lasten des SEM in 

der Höhe von Fr. 2'746.20 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zuzuspre-

chen.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-1980/2015 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen.  

2.  

Die Ziffern 2 bis 7 der Verfügung des SEM vom 24. Februar 2015 werden 

aufgehoben.  

3.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer in der Schweiz Asyl zu 

gewähren.  

4.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvor-

schuss in der Höhe von Fr. 600.– wird dem Beschwerdeführer zurücker-

stattet. 

5.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 2'746.20 

auszurichten. 

6.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Contessina Theis Norzin-Lhamo Dotschung 

 

 

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