# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5c265098-33b5-5b72-9b18-d17483dafbc9
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 1992-08-25
**Language:** de
**Title:** Besitzstandsgarantie. Umbau von grenz- und gebäudeabstandswidrigem Gebäude. Entgegenstehende nachbarliche Interessen.
**Docket/Reference:** BRKE II Nr. 0173/1992
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRKE_II_173_1992_823.pdf

## Full Text

BRKE II Nr. 173/1992 vom 25. August 1992 in BEZ 1993 Nr. 20

4. c) Beim Wohnhaus des privaten Rekursgegners handelt es sich aufgrund der 
krassen  Verletzung  von  Strassen-,  Grenz- und  Gebäudeabständen  unbestrittener-
massen um ein erheblich vorschriftswidriges Gebäude. Die im 1. Obergeschoss be-
findliche Kleinwohnung soll durch einen Ausbau des Dachgeschosses erweitert wer-
den.  Angesichts  des  geringen  Umfanges  der  baulichen  Vorkehren  (Anhebung  des 
Daches  um  0,7  m,  Einbau  von  drei  Lukarnen,  untergeordnete  Änderungen  im  Erd-
und Obergeschoss) ist das Vorhaben nicht als Neubau, sondern als eine im Rahmen 
von  §  357  Abs.  1  PBG  grundsätzlich  noch  zulässige  Erweiterung  bzw.  als  blosser 
Umbau zu qualifizieren. Es fragt sich aber, ob dem Vorhaben keine überwiegenden 
öffentlichen oder nachbarlichen Interessen entgegenstehen.

5. Die  Grenzabstände  und  insbesondere  die  Gebäudeabstandsnormen  dienen
der  Schaffung  von  hinreichenden  wohnhygienischen  Verhältnissen  (Belichtung  und 
Besonnung);  sie  werden  darüber  hinaus  aus  feuerpolizeilichen,  siedlungsplaneri-
schen und überbauungsästhetischen Gründen erlassen.

Gegenüber  der  südwestlichen  Grundstücksgrenze  steht  die  Fassade  des  re-
kursbetroffenen Wohnhauses nur ca. 2,1 m entfernt. Ein ebenfalls auf der Südwest-
seite  befindlicher  3  m breiter  Vorbau  weist  im  Bereich  des  Erdgeschosses  einen 
Grenzabstand von nur 1,1 m, im Bereich des Obergeschosses einen Grenzabstand 
von gar nur 0,8 m auf. Der Abstand zum Wohnhaus des Rekurrenten - das den er-
forderlichen  Grenzabstand  seinerseits  um  1,6  m  unterschreitet  - beträgt  grössten-
teils  4,5  m,  im  Bereich  des  Vorbaus  dagegen  nur  3,5  bzw.  3,2  m.  Der  gesetzliche 
Grenzabstand  würde  jedoch  mindestens  4  m,  der  Gebäudeabstand  8  m  betragen 
(vgl. Ziffern 4.1, 4.2 BauO).

Die  Fassade  der  geplanten,  gegen  das  Nachbargebäude  gerichteten,  1,6  m 
breiten Lukarne ist lediglich 4,5 m von der Nachbarfassade entfernt. Der äusserste 
Punkt des Lukarnenfirstes liegt 2,4 m über der heutigen Dachfläche. Durch die An-
hebung  des  Daches  würde  die  gegen  das  rekurrentische  Gebäude  gerichtete  Fas-
sadenfläche deutlich vergrössert und der Dachfirst um 0,7 m angehoben.

Die  baulichen  Veränderungen  im  Nahbereich  des  rekurrentischen  Gebäudes 
hätten  bei  den  geschilderten  kleinräumigen  Verhältnissen  eine  starke  Beeinträchti-
gung der Wohnqualität im Nachbargebäude zur Folge. Insbesondere würden sie zu 
einer  nicht  hinzunehmenden  Beeinträchtigung  der  Belichtungs- und  Besonnungs-
verhältnisse führen.

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Der  Einblick  in  ein  Gebäude  (ideelle  Immission)  wird  durch  das  Baurecht  nur 
indirekt  über  die  Gebäudeabstandsvorschriften  geschützt.  Unter  den  gegebenen 
Umständen (massive Abstandsunterschreitungen) ist indessen auch dieser Einwand 
in  die  Interessenabwägung  miteinzubeziehen. Durch den nachträglichen Einbau ei-
nes der Fassade seines Gebäudes in nur 4,5 m Distanz direkt gegenüberliegenden 
Fensters  und  die damit  verbundene  Einsichtsmöglichkeit  wird  der  Rekurrent,  unab-
hängig  von  der  Nutzung  in  dem  der  Dachlukarne  zugeordneten  Raum,  übermässig 
betroffen.

Auch  unter  Berücksichtigung  des  Umstandes,  dass  auch  das  rekurrentische 
Gebäude  Abstände  unterschreitet  und  dadurch  die  engen  räumlichen  Verhältnisse 
mitverursacht,  überwiegen  die  nachbarlichen  Interessen  gegenüber  der  von  der 
Bauherrschaft angestrebten besseren Nutzung des Gebäudes. Auch das Gebot der 
sparsamen Bodennutzung ist selbstverständlich nur im Rahmen der geltenden Bau-
vorschriften realisierbar und deshalb vorliegend ohne Belang.

Da  das  Bauprojekt  bereits  aufgrund  von  entgegenstehenden  privaten  Interes-
sen  nicht  bewilligungsfähig  ist,  kann  offen  bleiben,  ob  ihm  auch  überwiegende  öf-
fentliche Interessen entgegenstünden.