# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d10771d4-f023-51db-bfc7-201672210ce2
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2009-09-09
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 09.09.2009 UV 2009/26
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_UV-2009-26_2009-09-09.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: UV 2009/26

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: UV - Unfallversicherung

Publikationsdatum: 24.04.2020

Entscheiddatum: 09.09.2009

Entscheid Versicherungsgericht, 09.09.2009
Art. 6 UVG; Art. 4 ATSG: Unfall beim Anschlagen eines Zahns mit einer Tasse 
beim Trinken infolge Lachens wegen eines Witzes bejaht (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 9. September 2009, UV 
2009/26).

Präsident Martin Rutishauser, Versicherungsrichterin Christiane Gallati Schneider und 

Versicherungsrichter Joachim Huber ; Gerichtsschreiberin Jeannine Bodmer

Entscheid vom 9. September 2009

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Hochreutener, St. Leonhard-Strasse 20, 

Postfach, 9001 St. Gallen,

gegen

CSS Versicherung, Recht & Compliance, Tribschenstrasse 21, Postfach 2568, 

6002 Luzern,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

Versicherungsleistungen

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Sachverhalt:

A.       

A.a   Die 1957 geborene A.___ war als Personalassistentin tätig und dadurch bei der 

CSS Versicherungen AG (nachfolgend: CSS) gegen die Folgen von Unfällen versichert, 

als sie mit Schadenmeldung vom 15. Februar 2008 einen Unfall meldete. Sie habe am 

12. Februar 2008 einen Zahnschaden erlitten, indem sie während des Nachtessens mit 

der Familie habe lachen müssen und dabei mit der Porzellankaffeetasse ungeschickt 

an den Schaufelzähnen angestossen sei (act. G 3.1/4). In der Folge liess sich A.___ 

zahnärztlich behandeln (act. G 1.1/3).

A.b   Mit Verfügung vom 16. Juli 2008 lehnte die CSS ihre Leistungspflicht für das 

Ereignis vom 12. Februar 2008 mit der Begründung ab, dass es sich beim damaligen 

Vorfall mangels Vorliegens eines ungewöhnlichen äusseren Faktors nicht um einen 

Unfall gehandelt habe.

B.       

B.a   Gegen diese Verfügung erhob die Protekta Rechtsschutz-Versicherung AG, Bern, 

für die Versicherte am 18. August 2008 Einsprache (act. G 3.1/20). Am 30. September 

2008 reichte sie die Einsprachebegründung nach (act. G 3.1/24). 

B.b   Mit Einspracheentscheid vom 2. Februar 2009 wies die CSS die Einsprache ab 

(act. G 3.1/25).

C.       

C.a   Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. 

R. Hochreutener, St. Gallen, für A.___ erhobene Beschwerde vom 5. März 2009 mit 

dem Antrag, der angefochtene Einspracheentscheid vom 2. Februar 2009 sei 

aufzuheben und der Beschwerdeführerin seien die gesetzlichen Leistungen gemäss 

UVG, namentlich die Kosten der Heilbehandlung, zu erbringen, unter Kosten- und 

Entschädigungsfolge.

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C.b   In der Beschwerdeantwort vom 17. April 2009 beantragte die 

Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde.

C.c   Mit Schreiben vom 21. April 2009 verzichtete der Rechtsvertreter der 

Beschwerdeführerin auf das Einreichen einer Replik.

C.d   Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften wird, soweit 

entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:

1.        

1.1    Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; 

SR 832.20) werden die Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen, 

Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes 

bestimmt. Als Unfall gilt die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung 

eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine 

Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge 

hat (Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).

1.2    Nach der Definition des Unfalls bezieht sich das Begriffsmerkmal der 

Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen 

selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere 

Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere 

Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich 

Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich im Einzelfall, 

wobei grundsätzlich nur die objektiven Verumständungen in Betracht fallen (RKUV 

2000 Nr. U 368 S. 99 E. 2b mit Hinweisen; BGE 122 V 233 E. 1, 118 V 61 E. 2b, 283 E. 

2a, je mit Hinweisen). Das heisst mit anderen Worten, dass das schädigende Ereignis 

den Rahmen des gewöhnlichen Ablaufs der betreffenden Verrichtungen sprengen und 

über die Anforderungen, die die Tätigkeit üblicherweise an den Körper stellt, 

hinausgehen muss (RKUV 1994 Nr. U 185 S. 80 E. 2).

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1.3    Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen 

äusseren Faktors auch in einer unkoordinierten Bewegung bestehen (RKUV 1999 Nr. U 

333 S. 199 E. 3c/aa und Nr. U 345 S. 422 E. 2b; Alfred Maurer, Schweizerisches 

Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. Bern 1989, S. 176 f.). Der ungewöhnliche Faktor liegt 

in solchen Fällen darin, dass die körperliche Bewegung durch etwas 

Programmwidriges oder Sinnfälliges wie Ausgleiten, Stolpern, reflexartiges Abwehren 

eines Sturzes usw. gestört wird (RKUV 2004 Nr. U 502 S. 183 f. E. 4.1, 1999 Nr. U 333 

S. 199 E. 3c/aa und Nr. U 345 S. 422 E. 2b; Maurer, a.a.O., S. 176 f.; Rumo-Jungo, 

Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz 

über die Unfallversicherung, 3. Aufl., Zürich 2003, S. 27 f.).

2.        

2.1    Unstreitig ist im vorliegenden Fall, dass der gemeldete Zahnschaden durch eine 

plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines äusseren Faktors 

verursacht worden ist, die eine Beeinträchtigung der körperlichen Gesundheit zur Folge 

hatte. Streitig und zu prüfen ist, ob beim Vorfall vom 12. Februar 2008 auch das 

Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors gegeben ist und damit ein 

Unfall im Sinne des Art. 4 ATSG vorliegt.

2.2    Laut Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG; seit 

1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts) stellt das Anstossen 

mit dem Trinkglas an einen Schneidezahn beim Trinken nichts Ungewöhnliches dar, 

selbst wenn dies mit einer gewissen Heftigkeit erfolgt. Es handelt sich dabei um einen 

durchaus üblichen und alltäglichen Vorgang. Das EVG weist darauf hin, dass hier auch 

nichts Programmwidriges wie Stolpern, Stossen oder Ausrutschen geschehe, welches 

den üblichen Vorgang beim Trinken, nämlich das Führen des Glases zum Mund, 

beeinträchtige (RKUV 1996 Nr. U 243 S. 137; vgl. auch SVR 2002 KV Nr. 40). In Bezug 

auf den vorliegenden Fall sieht jedoch der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin eine 

zum gewöhnlichen Bewegungsablauf hinzugetretene Programmwidrigkeit darin 

gegeben, dass das Erzählen eines Witzes durch den Sohn der Beschwerdeführerin bei 

dieser als reflexartige, unwillkürliche Reaktion ein Lachen und dadurch das Anschlagen 

ihres Schneidezahns an der Tasse ausgelöst habe. Der normale Ablauf, d.h. das 

Heranführen der Tasse zum Mund beim Trinken aus der Tasse, sei mithin durch einen 

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Reflex auf einen plötzlich in der Aussenwelt aufgetretenen Umstand programmwidrig 

gestört worden. Der natürliche Bewegungsablauf könne durch unmittelbare physische 

Einwirkung eines Gegenstands bzw. einer Drittperson oder aber - wie im konkreten Fall 

- durch eine verbale Äusserung, welche eine unwillkürliche Reaktion bzw. einen Reflex 

ausgelöst habe, programmwidrig gestört werden. Die Beschwerdegegnerin hält 

dagegen, dass das Lachen wie auch das Erzählen von Witzen Bestandteile geselliger 

Runden seien, womit jederzeit gerechnet werden müsse. So könne das Lachen nicht 

als Umstand betrachtet werden, welcher den natürlichen Bewegungsablauf 

programmwidrig beeinflusst habe. Unverhofftes Lachen gehöre ohne Weiteres zum 

üblichen Geschehensablauf einer Unterhaltung im Familienkreis.

2.3    Das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit dient dazu, unter den mannigfaltigen 

kleinen und kleinsten Insulten des täglichen Lebens jene Vorfälle auszusondern, die als 

einmalig, eben nicht alltäglich erscheinen. Es sollen damit jene Schädigungen erfasst 

werden, die sich dadurch auszeichnen, dass die Situation, in der die Schädigung 

entstanden ist, den Rahmen des Alltäglichen in sinnfälliger Weise sprengt. Die 

Ungewöhnlichkeit kann in der Art der vorgenommenen Handlung selbst liegen. Sie 

kann aber auch darin bestehen, dass bei der Vornahme einer alltäglichen Handlung ein 

ungewöhnliches Ereignis hinzutritt (BGE 134 V 72; vgl. dazu RKUV 2000 Nr. U 368 S. 

100; SVR 2001 KV Nr. 50 S. 145 E. 3a). - Fest steht, dass mit dem Anstossen der 

Beschwerdeführerin mit der Tasse an einem ihrer Schneidezähne ein übliches und 

alltägliches Geschehen vorliegt, das für sich allein kein sinnfälliges Zusatzereignis 

beinhaltet, welches beim Trinkvorgang nicht regelmässig vorkommt (RKUV 1996 Nr. U 

243 S. 137). Der dem in Erwägung 2.2 genannten Urteil zu Grunde liegende 

Sachverhalt ist jedoch nicht mit dem hier zu beurteilenden zu vergleichen. Im Falle von 

RKUV 1996 Nr. U 243 S. 137 war der natürliche Bewegungsablauf des Zum-Mund-

Führens eines Trinkglases ohne äussere Einwirkung insoweit programmgemäss erfolgt, 

als erst beim Ansetzen des Glasrandes dieser statt auf die Unterlippe an einen 

Frontzahn stiess, wobei ein Stücklein Zahn abbrach. Im Gegensatz dazu geriet bei der 

Beschwerdeführerin die Kopfhaltung sowie das Führen der Tasse zu den Lippen 

ausgerechnet beim Versuch, aus einer Tasse zu trinken, infolge Lachens über eine 

Pointe eines von ihrem Sohn erzählten Witzes ausser Kontrolle und mündete 

nachvollziehbar programmwidrig in eine unkoordinierte Bewegung, welche zur 

schädigenden Einwirkung (Schlag der Tasse gegen den Schneidezahn) führte. Das 

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Lachen sowie auch das Erzählen von Witzen stellen zwar übliche und alltägliche 

Bestandteile geselliger Runden dar. In der zeitlichen Kombination mit dem Trinken bzw. 

im Ablauf - die Beschwerdeführerin lachte genau in dem Moment als sie die Tasse zum 

Mund führte - stellen sie jedoch ein zum natürlichen Bewegungsablauf 

hinzukommendes Zusatzereignis im Sinne einer Programmwidrigkeit dar, womit die 

Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors nicht verneint werden kann (vgl. dazu Urteil 

des Bundesgerichts vom 11. Februar 2009 i/S L. [8C_500/2008]).

2.4    Nach dem Gesagten hat die Beschwerdegegnerin unter den gegebenen 

Umständen die Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors und damit die Erfüllung des 

Unfallbegriffs zu Unrecht verneint. Der Vorfall vom 12. Februar 2008 ist als Unfall im 

Sinn von Art. 4 ATSG zu qualifizieren. Ein Anspruch der Beschwerdeführerin auf 

Versicherungsleistungen der Beschwerdegegnerin ist daher zu bejahen.

3.        

3.1    Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des 

Einspracheentscheids vom 2. Februar 2009 gutzuheissen und die Beschwerdegegnerin 

zu verpflichten, für das Unfallereignis vom 12. Februar 2008 die gesetzlichen 

Leistungen zu erbringen.

3.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Hingegen hat die 

Beschwerdeführerin bei diesem Ausgang des Verfahrens Anspruch auf eine 

Parteientschädigung nach Ermessen des Gerichts (Art. 61 lit. g ATSG). Diese ist 

vorliegend auf Fr. 3'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG

entschieden:

1.       In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspracheentscheid vom 2. Februar 

2009 aufgehoben und die Beschwerdegegnerin verpflichtet, für das Unfallereignis vom 

12. Februar 2008 die gesetzlichen Leistungen zu erbringen.

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2.       Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

3.       Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung 

von Fr. 3'000.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) zu erbringen.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 09.09.2009
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