# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 916ad020-88b8-5fdb-be70-96d8ce16503c
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-01-25
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 25.01.2013 SB120330
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB120330_2013-01-25.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB120330-O/U 
 

Mitwirkend: die Oberrichter lic.iur. Spiess, Präsident, lic.iur. Burger und lic.iur. 

Stiefel sowie der Gerichtsschreiber lic. iur. Hafner 

 

Urteil vom 25. Januar 2013 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigter, Berufungskläger und Anschlussberufungsbeklagter 

 

amtlich verteidigt durch Fürsprecher X._____ 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  
vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. Eberle,  

Anklägerin, Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin 

 

sowie 

 

1. B._____,  
2. C._____,  
Privatklägerinnen 

 

1, 2 vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ 

 

betreffend versuchte vorsätzliche Tötung etc. (Rückweisung des Schweizeri-
schen Bundesgerichtes) 
 

-   2   - 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom 
9. März 2011 (DG100483), Urteil des Obergerichtes des Kantons Zürich, 
II. Strafkammer, vom 14. Oktober 2011 (SB110267), Urteil des Schweizeri-
schen Bundesgerichtes vom 12. Juli 2012 (6B_770/2011) 
 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 18. Mai 

2010 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 31). 

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig 

− der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in 

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB; 

− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 123 Ziff. 2 Abs. 5 StGB; 

− der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB sowie 

− der Widerhandlung gegen das BG über Waffen, Waffenzubehör und 

Munition im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 7 

Abs. 1 WG, in Verbindung mit Art. 12 Abs. 1 der VO über Waffen, Waf-

fenzubehör und Munition. 

2. Das Verfahren betreffend den Anklagevorwurf der Tätlichkeiten im Sinne 

von Art. 126 StGB zum Nachteil der Geschädigten C._____ wird eingestellt. 

3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 9 Jahren Freiheitsstrafe, wovon 764 Tage 

durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft bis und mit heute erstanden sind. 

-   3   - 

4. a) Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 

B._____ dem Grundsatze nach für den erlittenen Erwerbsausfall, den 

Haushaltsschaden und die tatbedingten Mehrkosten (unter Vorbehalt von 

Ziff. 4b) bei voller Haftung ersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung 

des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird die Privatklägerin  

B._____ auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

 b) Der Beschuldigte wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet der Pri-

vatklägerin B._____ folgende Beträge als Schadenersatz zu bezahlen: 

 Fr. 570.30 zuzüglich 5 % Zins ab 7. August 2007 (Reinigungskosten 
Mietwohnung) 

 Fr. 880.– zuzüglich 5 % Zins ab 23. August 2007 (Renovationskosten 
Wohnung) 

 Fr. 3'633.– zuzüglich 5 % Zins ab 25. Juni 2007 (diverses Mobiliar) 
 Fr. 2'228.10 zuzüglich 5 % Zins ab 31. Juli 2007 (Miete Wohnung Juli-

August 2007) 
 Fr. 225.– zuzüglich 5 % Zins ab 15. August 2007 (Miete Parkplatz Juli-

September 2007) 
 Fr. 4'282.35 zuzüglich 5 % Zins ab 31. Dezember 2010 (Anwaltskosten 

UVG) 

5. a) Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 

C._____ dem Grundsatze nach für den erlittenen Erwerbsausfall, den 

Haushaltsschaden und die tatbedingten Mehrkosten (unter Vorbehalt von 

Ziff. 5b) bei voller Haftung ersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung 

des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird die Privatklägerin 

C._____ auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

 b) Der Beschuldigte wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet der Pri-

vatklägerin C._____ folgende Beträge als Schadenersatz zu bezahlen: 

 Fr. 3'828.– zuzüglich 5 % Zins ab 23. Juli 2007 (Semestergeld …) 
 Fr. 4'158.25 zuzüglich 5 % Zins ab 31. Dezember 2010 (Anwaltskosten 

UVG) 
 Fr. 245.65 zuzüglich 5 % Zins ab 7. Februar 2011 (Übersetzungskosten 

Arztzeugnisse) 

-   4   - 

6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._____ Fr. 20'000.– 

zuzüglich 5 % Zins ab 25. Juni 2007 als Genugtuung zu bezahlen. Im 

Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin C._____ Fr. 10'000.– 

zuzüglich 5 % Zins ab 25. Juni 2007 als Genugtuung zu bezahlen. Im 

Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

8. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 8'000.– ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr.     Kosten der Kantonspolizei  

Fr.     Kanzleikosten Untersuchung  

Fr. 20'590.–   Auslagen Untersuchung  

Fr.     amtliche Verteidigung Untersuchung 

Fr.     amtliche Verteidigung (ausstehend) 
 

 Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

9. Die Kosten der Untersuchung sowie des gerichtlichen Verfahrens werden 

dem Beschuldigten auferlegt. 

10. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden einstweilen und unter Vorbe-

halt von Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO auf die Staatskasse genommen. 

11. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._____ eine Prozess-

entschädigung von Fr. 6'036.80 (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Im 

Mehrbetrag wird ihr Entschädigungsantrag abgewiesen. 

12. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin C._____ eine Prozess-

entschädigung von Fr. 6'036.80 (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Im 

Mehrbetrag wird ihr Entschädigungsantrag abgewiesen. 

-   5   - 

Berufungsanträge:  

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

 (Urk. 218 S. 3) 

1. Es sei der Beschuldigte vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tö-

tung im Sinne von Art. 111 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB freizuspre-

chen. 

2. Der Beschuldigte sei (nebst den bereits rechtskräftigen Tatbeständen) 

der fahrlässigen einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 

Ziff. 1 StGB, eventualiter der einfachen Körperverletzung im Sinne von 

Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB schuldig zu 

sprechen. 

3. Der Beschuldigte sei insgesamt mit einer Freiheitsstrafe von maximal 

zwei Jahren zu bestrafen, unter Anrechnung der erstandenen Untersu-

chungs- und Sicherheitshaft seit 3. Februar 2009. 

4. Es sei dem Beschuldigten für die zu Unrecht erstandene Haft eine Ge-

nugtuung von Fr. 200.00 pro Hafttag auszurichten. 

5. Eventualiter: Im Falle der Verurteilung wegen Art. 111 StGB i.V.m. 

Art. 22 Abs. 1 StGB sei der Beschuldigte insgesamt mit einer Freiheits-

strafe von maximal fünf Jahren zu bestrafen, unter Anrechnung der er-

standenen Untersuchungs- und Sicherheitshaft seit 3. Februar 2009. 

6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzügl. 8% MWST). 

b) Der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich: 

(Urk. 219 S. 1) 

1. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 10 ½ Jahren zu be-

strafen; 

-   6   - 

2. im Übrigen sei das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 9. Abteilung, vom 

9. März 2011 zu bestätigen. 

_________________________________________ 

Das Gericht erwägt: 

I. Prozessgeschichte und Prozessuales 

1. Mit Urteil der erkennenden Kammer vom 14. Oktober 2011 wurde der Beschul-

digte der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 in Verbindung 

mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen. Gleichzeit wurde festgestellt, dass 

das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 9. März 2011 bezüglich der Schuld-

sprüche wegen einfacher Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 in 

Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 5 StGB, wegen mehrfacher Drohung im Sinne von 

Art. 180 Abs. 1 StGB sowie wegen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über 

Waffen, Waffenzubehör und Munition im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in 

Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 WG, in Verbindung mit Art. 12 Abs. 1 VO über Waf-

fen, Waffenzubehör und Munition, bezüglich der Verjährung der Vorwürfe bezüg-

lich Tätlichkeiten zum Nachteil der Privatklägerin C._____ sowie hinsichtlich der 

Zivilforderungen der Privatklägerinnen und der Kosten- und Entschädigungsfolgen 

in Rechtskraft erwachsen war. Der Beschuldigte wurde bestraft mit 10 Jahren und 

6 Monaten Freiheitsstrafe, unter Anrechnung von 983 Tagen bereits erstandener 

Haft. 

2. Der erbetene Verteidiger des Beschuldigten erhob mit Zuschrift vom 24. No-

vember 2011 bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen (Urk. 154/2). Mit Urteil 

des Bundesgerichts, Strafrechtliche Abteilung, vom 12. Juli 2012 wurde der Ent-

scheid der erkennenden Kammer aufgehoben. Das Bundesgericht beanstandete, 

dass die richterliche Fürsorgepflicht gemäss Art. 134 Abs. 2 StPO verletzt worden 

sei, als die erkennende Kammer dem Begehren des Beschuldigten um Entlas-

-   7   - 

sung des amtlichen Verteidigers und Bestellung eines neuen Verteidigers nicht 

nachkam (Urk. 185).  

3. Mit Präsidialverfügung vom 10. August 2012 wurde Rechtsanwalt lic. i-

ur. D._____ als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten entlassen und Fürspre-

cher X._____ als neuer amtlicher Verteidiger bestellt (Urk. 192). Am 

17. September 2012 wurde zur heutigen Berufungsverhandlung vorgeladen 

(Urk. 194). 

4. Gegenstand der von der Verteidigung erhobenen bundesrechtlichen Be-

schwerde in Strafsachen war der Schuldspruch wegen versuchter vorsätzlicher 

Tötung im Sinne von Art. 111 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie das 

Strafmass (Urk. 154/2 S. 2). Der bundesgerichtliche Aufhebungsentscheid bezog 

sich demnach auch nur auf diese Punkte. Materiell handelte es sich um eine Teil-

aufhebung. Hinsichtlich des Beschlusses, mit dem die Rechtskraft des erstin-

stanzlichen Urteils bezüglich Dispositivziffer 1 teilweise (Schuldspruch betreffend 

einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbin-

dung mit Art. 123 Ziff. 2 Abs. 5 StGB, mehrfache Drohung im Sinne von Art. 180 

Abs. 1 StGB sowie Widerhandlung gegen das BG über Waffen, Waffenzubehör 

und Munition im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 

WG, in Verbindung mit Art. 12 Abs. 1 der VO über Waffen, Waffenzubehör und 

Munition) sowie bezüglich Dispositivziffer 2 (Einstellung des Verfahrens betreffend 

Tätlichkeit), 4 - 7 (Zivilforderungen der Privatklägerinnen B._____ und C._____) 

und 8 - 12 (Kosten- und Entschädigungsfolgen) festgestellt wurde, erfolgte mithin 

keine Korrektur. Diesbezüglich bleibt der angefochtene obergerichtliche Entscheid 

grundsätzlich bestehen (vgl. dazu BGE 104 IV 276 f.; Hauser/Schweri/ Hartmann, 

Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. A., Basel 2005, § 104 N 65; vgl. ferner 

BGE 122 I 252). Der Übersichtlichkeit halber bzw. aus Praktikabilitätsgründen 

wird im heutigen Entscheid allerdings praxisgemäss das vollständige Dispositiv 

wiedergegeben. 

5. Der frühere amtliche Verteidiger hatte im Berufungsverfahren den Antrag ge-

stellt, es sei für den Fall, dass der beanstandete Schuldspruch vom Berufungsge-

richt bestätigt würde, eine tiefere Strafe "von rund 7 Jahren" auszufällen bzw. "ei-

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ne Reduktion des vorinstanzlich verhängten Strafmasses auf maximal 5 Jahre" 

vorzunehmen (Urk. 140 S. 5, Prot. II S. 9 und 11) beantragt. Diese Anträge wur-

den vom neu bestellten amtlichen Verteidiger RA lic. iur. X._____ bestätigt, wobei 

für den Fall eines Freispruches vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung 

im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB eine Bestra-

fung wegen Art. 123 StGB (nebst den bereits rechtkräftigen Tatbeständen) mit 

zwei Jahren Freiheitsstrafe vorzunehmen sei (Urk. 218 S. 3). 

6. Die StA erklärte mit Eingabe vom 23. Mai 2011 rechtzeitig die Anschlussberu-

fung (Urk. 103). Wer Anschlussberufung erhebt, ist (entgegen der früheren Rege-

lung gemäss Strafprozessordnung des Kantons Zürich) nicht auf den Umfang der 

Hauptberufung beschränkt, es sei denn, diese beziehe sich ausschliesslich auf 

den Zivilpunkt (Art. 401 Abs. 2 StPO). Vorliegend wird mit der Berufung des Be-

schuldigten teilweise der Schuldspruch und die Strafzumessung angefochten und 

beschränkte sich die Staatsanwaltschaft ausdrücklich auf die Frage der Strafzu-

messung (Urk. 103, Urk. 141, Urk. 219). Beides ist zulässig. Von Seiten der Pri-

vatklägerinnen wurde kein Rechtsmittel ergriffen. 

7. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 9. März 2011 ist nur in den ange-

fochtenen Punkten zu überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 402 StPO 

hat die Berufung im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung und wird die 

Rechtskraft des angefochtenen Urteils dementsprechend gehemmt. Die nicht von 

der Berufung erfassten Punkte des erstinstanzlichen Urteils sind deshalb in 

Rechtskraft erwachsen (Schmid, a.a.O., N 1 zu Art. 402 StPO mit Hinweis auf 

Art. 437 StPO). Diese Teilrechtskraft ist vorab mit Beschluss festzustellen. 

8. Der vorliegenden Beurteilung ist der folgende unbestrittene äussere Sachver-

halt zugrunde zu legen: Der Beschuldigten begab sich am 24. Juni 2007, nachts 

zwischen 02.00 und 03.00 Uhr in die Wohnung seiner ehemaligen Freundin 

B._____ (nachfolgend: Privatklägerin B._____) an der …-Strasse .. in E._____. 

Die Privatklägerin B._____ hatte sich wenige Monate zuvor von ihm getrennt. Sie 

war bis am frühen Morgen des 24. Juni 2007 zusammen mit ihrer Schwester 

C._____ (nachfolgend: Privatklägerin C._____) im Ausgang. Als die beiden Frau-

en kurz nach 5 Uhr morgens in die Wohnung zurückkehrten, versteckte sich der 

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Beschuldigte in einem Kleiderschrank. Nachdem er dort entdeckt worden war, 

kam es zu einer vorerst verbalen, dann auch tätlichen Auseinandersetzung zwi-

schen ihm und den beiden Frauen. Im Verlauf dieses Streites behändigte der Be-

schuldigte eine Faustfeuerwaffe. Während er die Waffe in der Hand hielt, wurde 

die Privatklägerin B._____ aus einer Distanz von ein bis zwei Metern von einem 

Projektil getroffen. Dabei erlitt sie eine subkutane Durchschussverletzung an der 

linken Schulter. 

8.1 Der Beschuldigte setzte sich nach diesem Vorfall nach F._____ [Staat in Ost-

europa] ab. Unterwegs entledigte er sich der Tatwaffe; diese blieb unauffindbar. 

Die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich eröffnete am 29. Juni 2007 eine 

Untersuchung betreffend versuchte Tötung und weiterer Delikte gegen den Be-

schuldigten (Urk. HD 21.1). Sie stellte am 29. April 2008 ein Auslieferungsersu-

chen an [den Staat] F._____ (Urk. HD 14.10.6). 

8.2 Am 3. Februar 2009 stellte sich der Beschuldigte der Polizei in E1._____ und 

wurde umgehend festgenommen. Er befindet sich seither in Haft (Urk. HD 25/7). 

8.3 Nach durchgeführter Untersuchung erhob die Staatsanwaltschaft am 18. Mai 

2010 Anklage gegen den Beschuldigten (Urk. HD 31). Im damaligen Zeitpunkt fiel 

die Anklage in die sachliche Zuständigkeit des damals noch bestehenden Ge-

schworenengerichts, weshalb sie bei der damaligen Anklagekammer des Oberge-

richts eingereicht wurde. In dieser Anklage wirft die Staatsanwaltschaft dem Be-

schuldigten im Wesentlichen vor, er sei am 24. Juni 2007 unberechtigt in die 

Wohnung seiner Ex-Freundin eingedrungen (Hausfriedensbruch) und habe im 

Verlauf des anschliessenden Streites die beiden Frauen mehrfach mit einem un-

bekannten Gegenstand geschlagen, dabei der Privatklägerin B._____ zwei Riss-

quetschwunden am Kopf zugefügt (einfache Körperverletzung) und auch die kör-

perliche Integrität der Privatklägerin C._____ beeinträchtigt (Tätlichkeiten). Nach-

her habe er einen Schuss abgefeuert in der Absicht, die Privatklägerin B._____ zu 

töten; zumindest aber habe er deren Tod in Kauf genommen (versuchte vorsätzli-

che Tötung). Nach dieser Schussabgabe habe er die Waffe auch aus nächster 

Nähe gegen den Brustbereich der Privatklägerin C._____ gerichtet und diese 

dadurch um ihr Sicherheitsgefühl gebracht (Drohung). Als … Staatsangehöriger 

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[des Staates G._____] sei er nicht befugt gewesen, eine Faustfeuerwaffe bei sich 

zu haben, was er gewusst habe (Widerhandlung gegen das Waffengesetz). Nach 

diesem Vorfall, am 30. Juni 2007, habe er sodann mit drei SMS, vermutlich aus 

F._____, dem Vater der beiden Privatklägerinnen gedroht, dessen körperliche 

Unversehrtheit und jene seiner Töchter zu beeinträchtigen (Drohung) (vgl. 

Urk. HD 30).  

8.4 Nach Inkrafttreten der Schweizerischen Strafprozessordnung am 1. Januar 

2011 ergab sich eine Änderung der sachlichen Zuständigkeit für die erstinstanzli-

che Beurteilung der Anklage; sie lag neu beim Bezirksgericht Zürich. Die Haupt-

verhandlung am Bezirksgericht Zürich fand am 9. März 2011 statt. Die Staatsan-

waltschaft liess ihre Anklage wegen Hausfriedensbruchs und Tätlichkeiten fallen 

und beantragte im Übrigen einen Schuldspruch im Sinne ihrer Anklage und eine 

Freiheitsstrafe von 10 ½ Jahren (Urk. 84). Die beiden Privatklägerinnen stellten 

unter anderem Zivilforderungen. Der Beschuldigte beantragte einen Schuldspruch 

wegen einfacher Körperverletzung, einfacher Drohung und Widerhandlung gegen 

das Waffengesetz. Die Schadenersatzbegehren der beiden Privatklägerinnen an-

erkannte er (Urk. HD 89 S. 2). Er beantragte im Übrigen einen Freispruch und das 

Absehen von der Verpflichtung zur Bezahlung von Genugtuung gegenüber den 

beiden Privatklägerinnen. Er machte zum Hauptpunkt der Anklage geltend, der 

Schuss habe sich versehentlich aus der Waffe gelöst (Urk. HD 81 S. 6 ff.). 

8.5 Das Bezirksgericht sprach Zürich sprach den Beschuldigten der versuchten 

vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 

StGB, der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 in Ver-

bindung mit Ziff. 2 Abs. 5 StGB, der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 

Abs. 1 StGB sowie der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über Waffen, 

Waffenzubehör und Munition im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung 

mit Art. 7 Abs. 1 WG, in Verbindung mit Art. 12 Abs. 1 VO über Waffen, Waffen-

zubehör und Munition schuldig. Bezüglich Tätlichkeiten zum Nachteil der Privat-

klägerin C._____ stellte das Gericht das Verfahren infolge Verjährung ein (Urk. 98 

S. 11 f.). Das Bezirksgericht verurteilte den Beschuldigten zu einer Freiheitsstrafe 

von 9 Jahren (unter Anrechnung der damals erstandenen 764 Hafttage). Es ver-

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pflichtete ihn gemäss seiner Anerkennung zu konkreten Schadenersatzzahlungen 

an die beiden Privatklägerinnen und stellte zudem seine grundsätzliche Verpflich-

tung zu weiterem Schadenersatz fest. Sodann verpflichtete es ihn zur Bezahlung 

einer Genugtuung von Fr. 20'000.-- an die Privatklägerin B._____ und von 

Fr. 10'000.-- an die Privatklägerin C._____, zuzüglich Zins. Im Mehrbetrag wies es 

deren Genugtuungsforderungen ab. Er wurde verpflichtet, die Kosten des Verfah-

rens zu bezahlen mit Ausnahme jener seiner amtlichen Verteidigung. Sodann 

wurde er verpflichtet, den beiden Privatklägerinnen je eine Prozessentschädigung 

von rund Fr. 6'000.-- zu bezahlen (Prot. I S. 18 ff.; Urk. HD 92, berichtigte Fas-

sung).  

8.6 Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten insbesondere der versuchten vor-

sätzlichen Tötung schuldig. Sie ging davon aus, er habe den Abzug der Waffe 

"bewusst und gewollt" betätigt und erachtete seine Beteuerung, der Schuss habe 

sich zufällig bzw. aus Versehen gelöst, als Schutzbehauptung (Urk. HD 98, 

S. 29). Sie hielt ihm dabei in tatsächlicher Hinsicht zu Gute, er habe nicht mit ei-

ner Tötungsabsicht oder einem (direkten) Tötungswillen gehandelt (a.a.O., S. 32 

unten.). Allerdings habe er bei der Schussabgabe eine Tötung der Geschädigten 

B._____ in Kauf genommen (a.a.O. S. 31 und 42). 

8.7 Die Staatsanwaltschaft hat dieser Beurteilung des Sachverhalts und der ent-

sprechenden rechtlichen Würdigung im Rahmen ihrer Anschlussberufung nicht 

widersprochen. Der Entscheid der Vorinstanz bezüglich des subjektiven Tatbe-

standes kann nicht zum Nachteil des Beschuldigten abgeändert werden (Art. 391 

Abs. 2 StPO). Es ist damit im Berufungsverfahren nur noch vom Vorwurf des 

Eventualvorsatzes und nicht von einer direkt-vorsätzlichen Tatverübung auszuge-

hen. 

Der Beschuldigte bestreitet indessen auch einen Eventualvorsatz. Es bleibt somit 

zu prüfen, ob dieser erstellt werden kann. 

 

 

-   12   - 

II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung 

1. Die Vorinstanz hat die allgemeinen Grundsätze der Beweisführung im Strafpro-

zess ausführlich und zutreffend dargelegt und insbesondere auf die wesentlichen 

Grundregeln bei der Beurteilung von Aussagen hingewiesen. Auf die entspre-

chenden Ausführungen in den vorinstanzlichen Erwägungen kann verwiesen wer-

den (Urk. HD 98 S. 13 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

2. Im Vordergrund der Beweisführung stehen die Aussagen des Beschuldigten 

selbst. Dieser konnte allerdings nicht unmittelbar nach der Tat, sondern mehr als 

1 ½ Jahre nach dem Vorfall vom 24. Juni 2007 erstmals zur Sache befragt wer-

den, nachdem er sich am 3. Februar 2009 bei der Stadtpolizei Zürich gestellt hat-

te (vgl. Urk. HD 25.11). 

2.1 In der polizeilichen Befragung vom 4. Februar 2009 (Urk. HD 8.1) erklärte er 

auf den Vorhalt, er habe am Morgen des 24. Juni 2007 mit einer Faustfeuerwaffe 

auf seine ehemalige Freundin (bzw. die Privatklägerin B._____) geschossen und 

sie dabei an der Schulter verletzt, und er habe zudem die Privatklägerin C._____ 

geschlagen und mit der Waffe bedroht: "Das stimmt nicht ganz so, was in der Zu-

sammenfassung steht. Ich habe zwar schon eine Waffe in der Hand gehabt. Ich 

bin selber erschrocken, als sich ein Schuss gelöst hat. Ich habe nicht absichtlich 

geschossen, sonst hätte ich das 3 oder 4 Mal gemacht. Ich habe nicht gewusst, 

dass ein Schuss im Lauf der Waffe war. Deshalb habe ich mich freiwillig gestellt, 

ich möchte die Sache bei Gericht klären. Ich habe nicht einmal gewusst, dass 

B._____ verletzt worden ist, als ich geflüchtet bin. Der Schuss hat sich einfach zu-

fällig ausgelöst und ich habe Angst erhalten und bin geflüchtet." (Urk. HD 8/1 S. 1 

f.) Er führte weiter aus, die Privatklägerin C._____ weder auf den Kopf geschla-

gen noch die Waffe gegen sie gerichtet zu haben. Sie habe ihn angegriffen, wo-

rauf er zurückgeschlagen habe, wobei er nicht wisse, ob mit einer Flasche oder 

einem Aschenbecher. Er sei nach dem Vorfall nach F._____ geflüchtet, im No-

vember 2008 dann aber "schwarz" wieder in die Schweiz eingereist. Er habe sich 

nicht sogleich der Polizei gestellt, weil er damit habe beweisen wollen, dass er 

jemanden umbringen könnte, wenn er wollte, dass er tatsächlich aber niemanden 

umbringen wolle (S. 2). Geflohen sei er, weil er Angst gehabt habe (S. 3), dies vor 

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der Polizei und dem Gefängnis. Erst ein paar Tage später habe er erfahren, dass 

B._____ verletzt worden sei (S. 4). Die Waffe habe er Jahre vor dem Vorfall "von 

einem Mann als Geschenk erhalten" und sie in der Wohnung (der Privatklägerin 

B._____) unter ein paar Sachen deponiert. Die Marke wisse er nicht. Er habe die 

Waffe samt Munition erhalten (S. 6). Er habe lange vor dem Vorfall die Pistole 

einmal repetiert, d.h. den Schlitten nach hinten gezogen, worauf eine Patrone 

ausgeworfen worden sei. Diese habe er darauf wieder ins Magazin zurückgetan 

(S. 7). Er wisse, dass die Waffe nach dem Repetieren jeweils schussbereit sei; 

entladen könne man sie durch mehrfaches Repetieren, bis das Magazin leer sei. 

Er habe die Waffe früher einmal so entladen und anschliessend die Patronen 

wieder ins Magazin abgefüllt. Ob die Waffe einen Sicherungshebel gehabt habe, 

wisse er nicht; es sei jedenfalls eine kleine Pistole gewesen (S. 8). Nach dem Vor-

fall habe er sie auf der Fahrt mit dem Auto weggeworfen (S. 9). Vor dem Vorfall 

vom 24. Juni 2007 habe er noch nie damit geschossen (S. 9 f.). 

Auf die Frage, warum er überhaupt am 24. Juni 2007 in die Wohnung an der …-

Strasse ... gegangen sei, führte der Beschuldigte zusammengefasst aus, er habe 

gewusst, dass die Privatklägerin B._____ nicht mehr dort, sondern bei ihren El-

tern gewohnt habe. Deshalb habe er gedacht, er könne nachts zwischen 02.00 

und 03.00 Uhr in diese Wohnung gehen, um einige seiner Sachen zu holen. Zu-

vor sei er durch diverse Lokale gezogen und habe Bier getrunken, "etwas mehr 

als es erlaubt ist". Er habe sich schon ein bisschen angetrunken gefühlt. In die 

Wohnung sei er mittels Schlüssel gelangt. Auf die Frage, warum er dann bis um 

05.00 Uhr in der Wohnung geblieben sei, erklärte er, er sei einfach da gesessen, 

habe ein Bier getrunken und geschaut, was er mitnehmen könne. Als er gemerkt 

habe, dass die Frauen nach Hause gekommen seien, habe er sich in einem 

Schrank versteckt. Auf die Frage, ob er sich denn nicht mehr in der Wohnung hät-

te aufhalten dürfen, antwortete er, vielleicht hätte er nicht mehr in der Wohnung 

sein dürfen, da sie damals nicht mehr zusammen gewesen seien (S. 12). Die Pis-

tole habe er unter dem elektrischen Herd hervorgenommen, nachdem ihn die Pri-

vatklägerin C._____ in den Bauch geschlagen habe. Er habe ihnen Angst machen 

wollen, damit sie ihn aus der Wohnung hinausliessen; dabei habe sich der Schuss 

gelöst (S. 11). Er habe nicht auf die Privatklägerin B._____ schiessen wollen und 

-   14   - 

diese auch nicht geschlagen. Er habe die Privatklägerin C._____ "mit irgend et-

was" geschlagen, aber nur, um sich zu verteidigen. Die Waffe habe er aber nicht 

gegen sie gerichtet. Den Vorhalt, gemäss Aussage der beiden Frauen habe er die 

Waffe aus dem Hosensack gezogen, bestritt er (S. 12). 

In Würdigung dieser ersten Aussagen des Beschuldigten ist festzuhalten, dass 

der Beschuldigte selber einräumte, dass er zur Tatzeit am 24. Juni 2007 nicht 

mehr mit der Privatklägerin B._____ liiert und selber davon ausgegangen war, er 

dürfe sich nicht ohne Weiteres in deren Wohnung aufhalten. Wenig überzeugend 

wirkt seine Behauptung, er habe quasi mitten in der Nacht nur zurückgebliebene 

Effekten aus der Wohnung abholen wollen. Diese Angabe erklärt weder die Dauer 

seines tatsächlichen Verweilens noch den Umstand, dass er sich in der Wohnung 

versteckte, bevor die beiden Frauen die Wohnung betraten. Es wäre ihm zweifel-

los ohne Weiteres möglich gewesen, die Wohnung zu verlassen, zumal die bei-

den Frauen offensichtlich nicht mit seiner Anwesenheit einverstanden waren. Völ-

lig unplausibel ist seine Darstellung, wonach er immer noch seine geladene Pisto-

le unter dem Herd der Privatklägerin B._____ aufbewahrt habe und diese nun 

hervorgenommen habe, um sich insbesondere gegen Schläge der Privatklägerin 

C._____ zur Wehr setzen und um die Wohnung verlassen zu können. Immerhin 

räumt er damit ein, dass er die Waffe zumindest zur Drohung einsetzen wollte. Es 

ist somit plausibel, dass er sie dabei in Richtung der Frauen gehalten hat.  

Der Beschuldigte schildert in dieser ersten Einvernahme keinen konkreten Tatab-

lauf, welcher eine ungewollte, versehentliche Schussauslösung einigermassen 

glaubhaft oder auch nur plausibel erscheinen liesse. 

Der Umstand, dass sich der Beschuldigte von sich aus in der Schweiz stellte, ist 

sodann keineswegs ein Indiz, geschweige denn ein Beweis für seine Unschuld. Er 

musste ohne Weiteres davon ausgehen, wegen des Vorfalles vom 24. Juni 2007 

noch während vieler Jahr zumindest in ganz Europa zur Verhaftung ausgeschrie-

ben zu sein, weshalb seine Festnahme nur eine Frage der Zeit sein konnte und er 

damit rechnen musste, zwecks Auslieferung längere Zeit in einer Haftanstalt mit 

wesentlich härteren Haftbedingungen als hierzulande verbringen zu müssen. 

-   15   - 

Auch lässt sich aus dem Umstand, dass er dem ersten Schuss keine weiteren 

Schüsse folgen liess, nur ein Indiz für eine fehlende Tötungsabsicht herleiten. 

In vorläufiger Würdigung dieser ersten Aussage muss die Darstellung des Be-

schuldigten, insbesondere aufgrund der unglaubhaften Rechtfertigung seiner An-

wesenheit in der Wohnung zur Nachtzeit sowie des geltend gemachten Grundes 

für die Behändigung der Pistole aus einem höchst unwahrscheinlichen Aufbewah-

rungsort in der Küche, als wenig glaubhaft und konstruiert wirkend bezeichnet 

werden. 

2.2 Gleichentags wurde der Beschuldigte auch erstmals vom Staatsanwalt ein-

vernommen (Urk. HD 8.2). Er beteuerte erneut, nicht absichtlich geschossen zu 

haben. Hätte er jemanden umbringen wollen, hätte er mehrfach geschossen 

(S. 2). Er sei in die Schweiz gekommen, um zu beweisen, dass er die Privatkläge-

rinnen weder habe umbringen noch verletzen wollen. Er habe mit der Privatkläge-

rin B._____ zwei Jahre und zwei Monate zusammengelebt und während dieser 

ganzen Zeit die Waffe in der Wohnung deponiert gehabt. Er räumte nun ein, die 

Waffe gegen die beiden Privatklägerinnen gerichtet zu haben, um ihnen Angst zu 

machen. Er wisse aber nicht, wie es zur Schussabgabe gekommen sei; er sei wie 

gelähmt gewesen, als sich der Schuss gelöst habe. Er könne die Geschädigte 

schon deshalb nicht umbringen, weil er sie ja geliebt habe. Er habe den Abzug 

nicht bewusst betätigt und habe sicher nicht gewollt, dass sich ein Schuss löse 

(S. 3). Die Waffe habe er 10 oder 15 Tage vor der Tat letztmals in den Händen 

gehabt, aber nicht mehr gewusst, ob sie geladen gewesen sei. Das habe ihn nicht 

interessiert. Am fraglichen Tag habe dann die Privatklägerin C._____ angefan-

gen, zu schreien und ihn zu schlagen. Er habe sie darauf mit einer Flasche oder 

einem Aschenbecher auf den Kopf geschlagen. Aus der Schublade beim Back-

ofen habe er die Pistole genommen und sie auf die beiden Frauen gerichtet, um 

diese einzuschüchtern. Er habe aber nicht direkt auf sie gezielt. Die Waffe habe 

sich "quasi automatisch" auf die beiden Frauen gerichtet (S. 4). Nachher habe er 

die Waffe auf der Autobahn aus dem fahrenden Auto auf einen Acker geworfen 

(S. 5). Am fraglichen Abend habe er keine Manipulationen an der Waffe vorge-

nommen. Der Staatsanwalt hakte nach: "Ausser, dass Sie abgedrückt haben?", 

-   16   - 

worauf der Beschuldigte einräumte: "Ja, ich habe abgedrückt, doch weiss ich 

nicht, wie es dazu kommen konnte. Es ist schon klar, dass die Waffe nicht einfach 

selber schiessen kann bzw. sich ein Schuss einfach von selber löst."  

Er gab sodann an, nichts von Ermittlungen in dieser Sache durch die … Behörden 

[des Staates G._____] zu wissen, wandte sich aber gegen eine allfällige Ausliefe-

rung an diese (S. 6). 

Der Beschuldigte machte auch hier nicht geltend, der Schuss habe sich wegen 

eines Defekts an der Waffe gelöst oder im Verlaufe eines Gerangels um diese. 

Vielmehr gab er nun ausdrücklich zu, die Waffe aus nächster Nähe in die Rich-

tung der beiden Privatklägerinnen gehalten und den Abzug betätigt zu haben. 

Nichts Entlastendes ergibt sich sodann aus seinem Hinweis, er habe die Privat-

klägerin B._____ geliebt. Unbestritten war ihre Beziehung beim Vorfall vom 

24. Juni 2007 bereits beendet, womit er sich offenbar nur schwer abfinden konnte. 

Sodann ging dem Schuss ein handfester Streit voraus und kümmert sich der Be-

schuldigte nach der Schussauslösung, die unbestritten zu einer Verletzung der 

Privatklägerin B._____ geführt hatte, nicht einmal ansatzweise um diese. Auch 

dies spricht tendenziell gegen eine vorangegangene versehentliche Schussauslö-

sung. 

2.3 In der Einvernahme vom 17. März 2009 erklärte der Beschuldigte, er bleibe 

bei seinen bisherigen Aussagen. Er erläuterte, die Privatklägerin B._____ seit 

2004 gekannt zu haben (Urk. HD 8.3 S. 2). Daraus habe sich 2005 eine Bezie-

hung ergeben, die bis März/April 2007 gedauert habe. Sie hätten zusammen ge-

wohnt, wobei er aber als Asylbewerber im [Kanton] H._____ angemeldet gewesen 

sei (S. 3). Die Beziehung sei mit Streit verbunden gewesen, es sei auch zu 

Schlägen und Drohungen gekommen (S. 4 und 5). Nach der Trennung im Früh-

ling 2007 sei es gegenseitig zu SMS mit drohendem oder beleidigendem Inhalt 

gekommen (S. 5). Grund für die Trennung sei ein Vorfall gewesen, als ihm die 

Privatklägerin B._____ in Anwesenheit seiner Freunde den Autoschlüssel wegge-

nommen habe, weil er mit diesen Alkohol getrunken habe. Er habe ihr nachher 

-   17   - 

die Schlüssel wieder abnehmen wollen und habe sie dabei "offenbar geschlagen". 

Selber könne er sich daran nicht erinnern (S. 8 f.). 

Der Beschuldigte verneinte die Frage, ob er von der Privatklägerin C._____ vor 

dem Ereignis vom 24. Juni 2007 je geschlagen worden sei (S. 17). Bereits zuvor 

hatte er die Beziehung zu ihr als wie "Bruder und Schwester" umschrieben 

(S. 16). 

Auf entsprechende Frage gab er an, nach der Trennung noch einige Male in der 

Wohnung an der …-Strasse ... gewesen zu sein, wobei die Privatklägerin B._____ 

jeweils nicht zu Hause gewesen sei. Mit dieser habe er ein paar Tage vor dem 

24. Juni 2007 letztmals Kontakt gehabt. Vielleicht habe sie ihn angerufen, um ihn 

zu fragen, ob er in der Wohnung gewesen sei (S. 17). Er räumte nun explizit ein, 

er sei am 21. oder 22. Juni 2007 in der Wohnung gewesen und habe auf die Pri-

vatklägerin gewartet, um mit ihr zu reden. Er gab auch an, er habe dort 10 oder 

15 Tage vor dem Vorfall vom 24. Juni 2007 mit der Waffe herumgespielt bzw. die-

se geladen. Er habe sie in der Wohnung gelassen, weil er nicht gewusst habe, wo 

er sie sonst hätte lassen können; die Privatklägerin B._____ habe davon aber 

nichts gewusst (S. 18 f.). 

Die Darstellung des Beschuldigten, wonach er seine Pistole noch Wochen oder 

gar Monate nach der Trennung von seiner früheren Freundin ohne deren Wissen 

in deren Wohnung aufbewahrte, ist nicht glaubhaft. Vollends unglaubhaft er-

scheint jetzt auch seine frühere Behauptung, wonach er am 24. Juni 2007 ledig-

lich in deren Wohnung gegangen sei, um irgendwelche, nicht näher bezeichnete 

persönliche Effekten mitzunehmen, nachdem er nach eigenen Angaben in Abwe-

senheit der Privatklägerin schon mehrfach in die fragliche Wohnung zurückge-

kehrt war. Seine Erklärung vermag jedenfalls nicht zu begründen, warum er min-

destens zwei Stunden in der Wohnung verweilte, bevor er sich schliesslich in ei-

nem Kasten versteckte, statt mit den angeblich benötigten Effekten einfach die 

Wohnung zu verlassen. 

2.4 In der Einvernahme vom 1. April 2009 erklärte der Beschuldigte seine Kon-

taktaufnahmen zum Vater der Privatklägerinnen nach dem Vorfall vom 24. Juni 

-   18   - 

2007 damit, dass er sich bei der Familie - über seine Vermittler - habe entschuldi-

gen und dieser mitteilen wollen, der Schuss habe sich aus Versehen gelöst (Urk. 

HD 8/4 S. 4). Auf die Frage, wie es dazu gekommen sei, dass er den Vater der 

Privatklägerinnen angerufen habe, führte der Beschuldigte aus, er habe ein paar 

Tage nach der Trennung von der Privatklägerin B._____ ihren Vater angerufen 

und ihm gesagt, seine Tochter habe sein Leben zerstört und er habe alles verlo-

ren. "Sicherlich" habe er diesem auch "etwas Drohendes" gesagt, doch könne er 

sich nicht mehr konkret erinnern, zumal er damals betrunken gewesen sei. Als der 

Staatsanwalt nachhakte, räumte er ein, "vielleicht" damit gedroht zu haben, die 

Familie umzubringen (S. 6 f.). 

Auf die Frage, warum er sich am 24. Juni 2007 in einem Schrank versteckt habe, 

erläuterte der Beschuldigte, er habe gedacht, in Abwesenheit der Privatklägerin 

B._____ ein paar Sachen abholen und wieder gehen zu können. Diese sei dann 

aber nach Hause gekommen und er habe nicht gewusst, was er hätte tun sollen. 

Er räumte auch ein, sich schon früher dort versteckt zu haben; das sei "einfach 

ein Scherz" gewesen (S. 7 f.). Er schilderte dann ausführlich den weiteren Ablauf 

am fraglichen Morgen: Die Privatklägerin C._____ habe ihn im Schrank im 

Schlafzimmer gefunden, worauf er diesen verlassen habe. Anschliessend sei er 

ins Wohnzimmer gegangen. Wahrscheinlich habe die Privatklägerin C._____ dort 

angefangen, ihn zu schlagen. Er sei dann in den Korridor gegangen, während die 

Privatklägerin B._____ auf ihre Schwester eingeredet habe, sie solle sich beruhi-

gen. Sie habe ihn auch abgetastet, wohl um nach Schlüsseln zu suchen. Durch 

die Schläge der Privatklägerin C._____ sei er - wenn überhaupt - sicherlich nicht 

gravierend verletzt worden. Doch habe ihn ein Schlag in die Mitte seines Ober-

körpers sehr geschmerzt und dann sei "das Ganze" passiert (S. 9). Er sei dann 

wütend geworden, in die Küche gegangen und habe dort einen Gegenstand be-

händigt, wobei er nicht mehr wisse, was es genau gewesen sei. Damit sei er zu-

rück in den Korridor und habe der Privatklägerin C._____ einen Schlag versetzt 

und sie wohl am Kopf getroffen. Nachher sei diese wahrscheinlich ins Schlafzim-

mer gegangen. Im Eingangsbereich des Schlafzimmers sei es zu einem Gerangel 

zwischen ihm und den beiden Frauen gekommen, wobei er heftig in die Bauchre-

gion geschlagen worden sei. Darauf habe er sich wieder in die Küche begeben. 

-   19   - 

Weiter gab er zu Protokoll: "Aus der von mir schon erwähnten Schublade behän-

digte ich dann die Pistole und ging Richtung Korridor zurück. Faktisch stand ich 

dann in der Türe des Schlafzimmers. Ich nahm die Pistole nach oben und wollte 

damit drohen. In dem Moment, als ich die Pistole dann nach oben nahm, löste 

sich bereits ein Schuss." Die Privatklägerin B._____ sei darauf weiter ins Schlaf-

zimmer hineingegangen. Er habe nicht gesehen, ob sie getroffen worden sei. Er 

sei dann ein paar Sekunden still gestanden und habe nicht gewusst, was er tun 

sollte. Obwohl er den Schlüssel gehabt habe, sei er dann auf den Balkon und von 

dort, vom zweiten Stock hinunter gesprungen. Auch die Privatklägerin B._____ 

habe später gegenüber einer Drittperson gesagt, es wäre nicht zu einem solchen 

Vorfall gekommen, wenn ihre Schwester C._____ nicht so reagiert hätte (S. 10). 

Auch in dieser Einvernahme liess der Beschuldigte offen, was er denn genau in 

der Wohnung der Privatklägerin B._____ gesucht hatte, dies mitten in der Nacht 

und obwohl er sich zuvor schon mehrfach in Abwesenheit der Wohnungsinhabe-

rin dort aufgehalten hatte. Er bringt keine plausible Erklärung, warum er sich im 

Kleiderkasten der Ex-Freundin versteckte, statt spätestens bei deren Rückkehr 

die Wohnung zu verlassen. Er behauptete nicht einmal, das Verlassen der Woh-

nung sei ihm verunmöglicht worden, geschweige denn liefert er eine nachvoll-

ziehbare Begründung für seine Drohung mit einer geladenen Pistole, die er an-

geblich aus einem Versteck in der Küche der Wohnung der Ex-Freundin geholt 

haben will. Nur schon der Einsatz einer solchen Waffe zur Drohung war hier völlig 

übertrieben und keineswegs gerechtfertigt. Wenn der Beschuldigte selber ein-

räumt, dass er über das Verhalten der beiden Frauen - die sich im Gegensatz zu 

ihm rechtmässig in der Wohnung aufhielten - wütend war, lässt es dieses Einge-

ständnis durchaus als plausibel erscheinen, dass er sich zu einem weiteren irrati-

onalen Verhalten, nämlich einer gewollten Schussabgabe aus der Pistole hinreis-

sen liess. Insofern geht auch sein Hinweis, er habe nachher keine weiteren 

Schüsse mehr abgegeben und die Privatklägerin B._____ auch später nicht getö-

tet, an der Sache vorbei. Gegenstand des Verfahrens ist ja nicht mehr, ob er die 

Ex-Freundin habe töten wollen, sondern nur, ob er mit der Schussabgabe deren 

Tod in Kauf genommen hatte. 

-   20   - 

2.5 In der Einvernahme vom 9. Juli 2009 verlangte der Beschuldigte vorab das 

Auswechseln seines amtlichen Verteidigers (Urk. HD 8.5 S. 2) und beschränkte 

sich dann vor allem darauf, die Aussagen der Privatklägerinnen B._____ und 

C._____ pauschal als Lügen zu qualifizieren (S. 3 f.). Er hielt im Übrigen daran 

fest, die Tatwaffe vor Jahren von einem inzwischen verstorbenen Mann aus 

G._____ mit dem Spitznahmen "I._____" geschenkt erhalten zu haben (S. 10 ff.). 

Sie sei alt und rostig gewesen; von der Marke habe er keine Ahnung (S. 12). Er 

habe sie nur vielleicht einmal in einem halben Jahr angeschaut. Er wisse nicht, ob 

sie einen Sicherungshebel gehabt habe. Er bat sodann den Vertreter der Privat-

klägerinnen, seine Entschuldigung zu überbringen; er habe nicht absichtlich ge-

schossen (S. 13). 

Neue Erkenntnisse zur Frage, ob es zu einer gewollten oder zu einer ungewollten 

Schussabgabe gekommen war, ergaben sich aus dieser Einvernahme nicht. 

2.6 In der Einvernahme vom 27. August 2009 widersprach der Beschuldigte der 

Darstellung der Privatklägerin B._____, wonach er sie und ihre Schwester ange-

griffen habe, als er aus dem Schrank gekommen sei. Tatsächlich sei er da von 

der Privatklägerin C._____ angegriffen worden, und diese habe von ihrer Schwes-

ter beruhigt werden müssen (Urk. HD 8.6 S. 2 f.). Er habe die Waffe nicht im Ho-

sensack gehabt, sonst hätte diese ja von der Privatklägerin B._____ entdeckt 

werden müssen, als sie ihn abgetastet habe (S. 3). Er führte weiter aus, er habe 

sich auch nach der Trennung "ständig" mit der Privatklägerin B._____ getroffen 

und von dieser den Wohnungsschlüssel erhalten, um dort übernachten zu können 

(S. 5). Erneut beteuerte der Beschuldigte, der Schuss habe sich aus Versehen 

gelöst. 

Das vom Beschuldigten selber eingeräumte Verhalten in der Tatnacht ist rational 

nicht nachvollziehbar und war offensichtlich geeignet, die jungen Frauen zu ängs-

tigen, zumal das Vorgehen des Beschuldigten als heimtückisch zu bezeichnen ist, 

zumal es ihm nach stundenlangem Verbleib in der Wohnung klar sein musste, 

dass die Privatklägerinnen nach Hause kommen würden. Sein Verhalten lässt 

praktisch keine andere Möglichkeit offen, als dass er es darauf angelegt hatte, 

sich weiterhin unbemerkt in Anwesenheit der beiden Frauen in der Wohnung auf-

-   21   - 

zuhalten. Was er damit genau bezweckte, kann offenbleiben. Er hatte jedenfalls 

keinerlei Recht, sich in der Wohnung aufzuhalten und war sich dessen offensicht-

lich auch bewusst. Unglaubhaft ist namentlich die Behauptung, er habe von der 

Privatklägerin B._____ einen Wohnungsschlüssel erhalten, um dort übernachten 

zu können. Wäre dem so gewesen, hätte er dies von Anfang an erzählen können. 

Sodann wäre es geradezu absurd gewesen, sich bei der Rückkehr der Privatklä-

gerinnen in die Wohnung in einem Kleiderschrank zu verstecken. Auf seine Ein-

wände gegen die Sachdarstellung der beiden Privatklägerinnen wird im Übrigen 

bei der Würdigung der entsprechenden Aussagen dieser Frauen zurückzukom-

men sein. 

2.7 Am 22. September 2009 folgte eine weitere Einvernahme des Beschuldigten 

(Urk. HD 8.7). Auf entsprechende Frage bestätigte der Beschuldigte, am 27. Au-

gust 2009 ausser Protokoll geschildert zu haben, nach der Schussabgabe Mani-

pulationen an der Tatwaffe vorgenommen zu haben. Er legte in der Folge dar, wie 

er die Waffe auf dem Weg zu seinem Auto entladen hatte. In seinem 12-

monatigen Militärdienst habe er gelernt, wie man ein automatisches Gewehr (die 

… Variante [im Staat G._____] einer Kalaschnikow) entlade; das gehe auf gleiche 

Weise (S. 3). Es sei doch normal, dass er wisse, wie man eine Pistole entlade 

(S. 4). 

2.8 Im Rahmen der Einvernahme vom 20. Oktober 2009 machte der Beschuldigte 

geltend, es gebe Leute, die bestätigen könnten, dass er nicht der Typ sei, der ab-

sichtlich schiesse und die aussagen könnten, er habe unabsichtlich geschossen 

(Urk. HD 8.8 S. 3). Im Übrigen räumte er nun ein, im Verlaufe der Auseinander-

setzung "möglicherweise" auch die Privatklägerin B._____ geschlagen zu haben 

(S. 5). 

Es kann ohne Weiteres angenommen werden, dass sich Zeugen finden liessen, 

die entsprechende Aussagen machen würden. Zur Beurteilung des Vorfalls vom 

24. Juni 2007 würde dies allerdings nichts von Relevanz beitragen. Im Zusam-

menhang mit der Schussabgabe ist es auch ohne jede Bedeutung, ob die Privat-

klägerinnen je im Schlafzimmer eingesperrt waren bzw. sich dort selber einge-

sperrt hatten. Wesentlich ist immerhin, dass der Beschuldigte es nun jedenfalls 

-   22   - 

als möglich erachtet, dass sich seine Aggression im Verlaufe der Auseinanderset-

zung und vor der Schussabgabe gegen die Privatklägerin B._____ gerichtet und 

er ihr dabei eine Kopfverletzung zugefügt hatte, wobei er allerdings anfügte, er 

habe eigentlich die Privatklägerin C._____ treffen wollen. 

2.9 Am 7. Januar 2010 fand die Schlusseinvernahme statt (Urk. HD 8.9). Der Be-

schuldigte hielt erneut daran fest, er habe nicht schiessen und niemanden verlet-

zen wollen. Die Privatklägerinnen hätten zu 90 % gelogen (S. 3). Tatsächlich ha-

be die Privatklägerin C._____ ihn angegriffen und ihn mindestens 10 Mal ge-

schlagen (S. 4). Sodann habe deren Vater den Auftrag erteilt, ihn zu töten. Er ha-

be gar keinen Grund gehabt, die Privatklägerin B._____ umzubringen und sie 

auch nicht umgebracht, obwohl er die Möglichkeit gehabt hätte. Er glaube aller-

dings, das Gericht werde der Anklage und den Privatklägerinnen glauben (S. 4). 

Es sei ihm nie in den Sinn gekommen, auch nur einen Schuss abzufeuern (S. 5). 

Es tue ihm leid, und er sei froh, dass die Privatklägerin B._____ keinen bleiben-

den Schaden davontragen werde (S. 6). 

Nach Vorhalt des Anklagesachverhalts erklärte der Beschuldigte vorerst, dieser 

beruhe auf den Lügen der beiden Privatklägerinnen (S. 9). Sodann führte er aus, 

er habe etwas mehr als zwei Jahre, bis zum 26. oder 28. März 2007 in der fragli-

chen Wohnung gewohnt. Danach habe ihm die Privatklägerin B._____ bis zum 

15. oder 16. April 2007 die Schlüssel zur Verfügung gestellt. Seine Sachen seien 

immer noch dort (S. 10). Er anerkenne, gegen das Waffengesetz verstossen zu 

haben, nicht jedoch den "Rest" der Anklageschrift (S. 11). 

Aus der Schlusseinvernahme ergeben sich keine neuen Erkenntnisse. 

2.10 Die Fortsetzung der Schlusseinvernahme am 27. Januar 2010 diente einzig 

der Befragung des Beschuldigten zu seinem Vorleben und seinen persönlichen 

Verhältnissen (Urk. HD 8.10). 

2.11 Anlässlich seiner Befragung in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 

9. März 2011 räumte der Beschuldigte ohne Weiteres ein, dass er am 24. Juni 

2007 nachts ohne Berechtigung in die Wohnung seiner Ex-Freundin eingedrun-

-   23   - 

gen und mehrere Stunden dort verblieben war (Urk. 81 S. 4). Er schilderte dann 

den Ablauf, nachdem er von den Privatklägerinnen im Schrank entdeckt worden 

sei. Die Privatklägerin C._____ habe zu schreien begonnen, als er aus dem 

Schlafzimmer gekommen sei, worauf er sie gefragt habe, warum sie schreie, er 

mache ja nichts. Sie habe darauf begonnen, ihn zu schlagen, worauf er vom 

Wohnzimmer in den Korridor zurückgewichen sei. Dabei sei er ständig von der 

Privatklägerin C._____ geschlagen worden, während die Privatklägerin B._____ 

ihr gesagt habe, sie solle aufhören damit. Die Privatklägerin B._____ habe ihn 

aufgefordert, ihr die Wohnungsschlüssel auszuhändigen, worauf er wahrheitswid-

rig behauptet habe, keine Schlüssel zu haben. Nun habe die Privatklägerin 

B._____ angefangen, ihn an den Hosentaschen anzufassen, worauf er die 

Schlüssel herausgezogen und ihr gezeigt habe. Währenddessen habe die Privat-

klägerin B._____ seinen anderen Hosensack durchsucht und sein Mobiltelefon 

herausgenommen. Dieses habe sie ihm zurückgegeben. Darauf habe er sich um-

gedreht zur Wohnungstüre. Er habe gesehen, dass dort kein Schlüssel steckte, 

und er habe deshalb gedacht, die Türe sei nicht verschlossen. Als er dann die 

Türfalle hinuntergedrückt habe, habe er gesehen, dass sie verschlossen gewesen 

sei. Er sei darauf ca. 1 - 1.5 Meter zurückgewichen und habe die beiden aufgefor-

dert, die Türe zu öffnen, damit er hinausgehen könne. In diesem Moment habe 

ihn die Privatklägerin C._____ gefragt, wie er denn in die Wohnung hineinge-

kommen sei. Als er gesagt habe, durch das Fenster, habe sie gesagt, er solle 

durch das Fenster springen. Sie habe darauf seine Mutter verflucht und erneut 

angefangen, ihn zu schlagen. Dabei sei er "stark in die Mitte der Brust" getroffen 

worden. Er sei nun in die Küche zurückgewichen und habe von einem Tisch einen 

Aschenbecher oder etwas ähnliches genommen. Damit habe er die Privatklägerin 

C._____ "hinten im oberen Teil des Körpers getroffen". Sie sei in diesem Moment 

ins Schlafzimmer gegangen. Er sei dann "losgegangen" und habe "wahrscheinlich 

erneut ausgeholt". Er denke nicht, dass er die Privatklägerin C._____ getroffen 

habe, da sich die Privatklägerin B._____ dazwischen gestellt habe. Später habe 

er dann gehört, dass er sie auch getroffen habe. In dem Moment habe jemand der 

Nachbarn an die Türe geklopft; die beiden Privatklägerinnen seien da im Schlaf-

zimmer gewesen. Er schilderte seine weiteren Handlungen wie folgt: "Ich ging 

-   24   - 

dann in die Küche und habe den Gegenstand in die Küche gebracht. Aus der 

Schublade unterhalb des Kochherds holte ich eine Pistole und ging zurück in den 

Korridor. Dann bin ich genau an die Türe des Schlafzimmers gegangen und habe 

die Pistole gehoben. Meine Hand war nicht ausgestreckt". Er demonstrierte dabei, 

wie er sie in einem 45º-Winkel nach oben gehalten habe. Er habe die Pistole eher 

der Privatklägerin C._____ als der Privatklägerin B._____ "zeigen" wollen, damit 

jene aufhöre, ihn zu schlagen. Wie er nun die Pistole "gezeigt" habe, habe sich 

ein Schuss gelöst. Darauf habe er Angst bekommen und sei zurückgewichen. Die 

beiden seien ihm in etwa 1.5 Meter Entfernung gegenübergestanden. Nach ein 

paar Sekunden habe sich die Privatklägerin B._____ als erste bewegt und sich 

nach rechts gedreht. Sie sei ins Schlafzimmer gegangen. Das sei das Letzte, was 

er gesehen habe, nachher habe er die Wohnung verlassen (S. 6). 

Der Beschuldigte lieferte damit eine zumindest teilweise gegenüber seinen frühe-

ren Aussagen neue Sachverhaltsschilderung. Immerhin widerlegte er hier klar 

seine eigene, früher vorgebrachte Notwehrthese. Folgt man seiner Schilderung, 

wäre es ihm nämlich ein Leichtes gewesen, die Wohnung mittels seines Schlüs-

sels zu verlassen, zumal nur eine der beiden Frauen überhaupt gegen ihn tätlich 

geworden sein soll und er jedenfalls ungehindert zur Wohnungstüre hatte gehen 

können. Der behauptete starke Schlag durch die Privatklägerin C._____ hinderte 

ihn sodann nach eigener Darstellung nicht, zuerst in der Küche einen Gegenstand 

zu holen und nachher damit auf sie einzuschlagen. Dabei war er offenbar so wü-

tend, dass er nun auch die Privatklägerin B._____ - nach seiner Darstellung ver-

sehentlich - traf. Vollends unverständlich ist, weshalb er darauf in der Küche noch 

die Pistole holte, anstatt die Wohnung zu verlassen. Er sah sich ja angeblich als 

Opfer eines ungerechtfertigen Angriffs durch die Privatklägerin C._____. Für die 

Sachverhaltserstellung ist seine eigene Darstellung relevant, wonach er mit der 

Pistole zur Türe des Schlafzimmers und damit nach eigener Darstellung auf die 

beiden Frauen zugegangen sei, die Pistole "gehoben" und sie aus nächster Nähe 

in einem 45° Winkel (vgl. S. 6 und 7) nach oben gerichtet habe. Daran ändern 

auch seine nachgeschobenen Beteuerungen nichts, er habe nicht die Absicht ge-

habt, auf jemanden zu schiessen oder jemanden zu verletzen. Nicht überzeugend 

ist es, wenn er im weiteren Verlauf der Befragung seine Schilderung modifizierte 

-   25   - 

und nun geltend machte, die Waffe in einem 90° Winkel nach oben gehalten zu 

haben (S. 10). Diese Änderung nahm er vor, nachdem ihm im Rahmen der Befra-

gung gezeigt worden war, dass sich die beiden Frauen sehr wohl in der Schussli-

nie der von ihm mitgeführten Pistole befanden, die er - nach eigener Zugabe 

(S. 8) - in der zumindest teilweise ausgestreckten Hand gehalten hatte. Dass da-

bei die Privatklägerin B._____ tatsächlich im Schulterbereich getroffen wurde, ist 

ja unbestritten. Insbesondere enthält die Schilderung des Beschuldigten keinerlei 

Hinweise, die eine unwillkürliche Betätigung des Abzugs auch nur ansatzweise 

plausibel erscheinen lassen könnten: Es gab bei und unmittelbar vor der Schuss-

auslösung keinerlei Dritteinwirkung auf den Beschuldigten, und dieser hatte sich 

voll auf die beide Frauen konzentriert. 

2.12 Vor der Berufungsinstanz machte der Beschuldigte erneut geltend, er sei um 

ca. 03.00 Uhr in die Wohnung eingedrungen, um einige seiner Sachen abzuholen. 

Da er gewusst habe, dass niemand zuhause war, habe er dann ein Bier getrun-

ken. Als die beiden Geschädigten in die Wohnung gekommen seien, habe er sich 

im Schrank versteckt, damit diese nicht erfahren würden, dass er noch einen 

Schlüssel gehabt habe. Die Geschädigte C._____ habe ihn nach dem Verlassen 

des Schrankes geschlagen und getreten und man habe ihn nicht aus der Woh-

nung lassen wollen. B._____ habe dabei auch seine Hosentaschen nach dem 

Schlüssel durchsucht. Er habe die Pistole aus der Küche genommen, weil ein 

Nachbar an die Türe gehämmert habe. Er habe die Pistole in einem Winkel von 

45 Grad gehoben, um sie C._____ zu zeigen, als er sich bedroht gefühlt habe, 

dabei habe sich ein Schuss gelöst. Er habe die Waffe nicht auf C._____ gerichtet. 

Er sei dann von der Terrasse gesprungen und habe später die Pistole auf der Au-

tobahn aus dem fahrenden Auto zum Beifahrerfenster rausgeworfen (Urk. 217 

S. 6-11).  

Diese Schilderungen des Beschuldigten weisen zahlreiche Widersprüche auf. So 

machte er geltend, er habe seine Sachen abholen wollen, ging aber nie in den 

Keller, obwohl die meisten seiner Sachen sich dort befanden. Er sammelte auch 

keine Sachen ein, sondern trank ein Bier und wartete. Dass er verhindern wollte, 

dass die Geschädigte erfuhr, dass er noch einen Schlüssel besass, ist offensicht-

-   26   - 

lich eine Schutzbehauptung. Er wollte nicht flüchten, sondern suchte die Konfron-

tation. 

2.13 Zusammenfassend kann dem Beschuldigten zwar attestiert werden, dass er 

zum hier entscheidenden Kerngeschehen, der kurzen Sequenz der an sich unbe-

strittenen Schussauslösung immer gleich ausgesagt hatte: Sie sei ungewollt bzw. 

versehentlich erfolgt. Allerdings passt diese Behauptung einer versehentlichen 

Schussabgabe nicht nur schlecht zur immer wieder modifizierten Vorgeschichte 

sondern namentlich auch schlecht zu seiner anschliessenden Flucht, ohne sich 

um die Privatklägerin B._____ zu kümmern oder sich auch nur zu vergewissern, 

ob diese tatsächlich unverletzt geblieben war. Dies erscheint umso unverständli-

cher als er in der Untersuchung ja auch behauptete, sie geliebt und mit ihr bis 

zum 24. Juni 2007 in regelmässigem Kontakt gestanden zu haben. Hinzu kom-

men die weiteren Ungereimtheiten im Verlaufe seiner Aussagen; diesbezüglich 

kann auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 98 S. 20-25). 

Schliesslich passen auch die nachträglichen Drohungen an die Adresse des Va-

ters der Privatklägerinnen, über welche heute ein rechtkräftiger Schuldspruch vor-

liegt, nicht zu einer ungewollten, nur versehentlichen Schussabgabe am 24. Juni 

2007, sondern fügen sich psychologisch nachvollziehbar in das Gesamtbild einer 

bewussten Schussabgabe ein.  

Die Verteidigung hat eingewendet, man könne das (vom Beschuldigten behaupte-

te) "Erschrecken" auch so interpretieren, dass er tatsächlich der Ansicht gewesen 

sei, dass sich in der Waffe gar kein Schuss befinde; diesem "Umstand" habe die 

Vorinstanz keine Rechnung getragen (Urk. 100 S. 5). Tatsächlich sei der Be-

schuldigte davon ausgegangen, die Waffe sei "nicht geladen" (S. 6 und Urk. 140 

S. 3). 

Die Vorinstanz brauchte eine solche These schon deshalb nicht abzuhandeln, 

weil sie vom Beschuldigten selber nie auch nur im Ansatz vertreten wurde. Er sel-

ber hatte vielmehr in der Untersuchung erwähnt, die Waffe wenige Tage vor dem 

Vorfall persönlich entladen und anschliessend wieder geladen und dann im an-

geblichen Versteck unter dem Kochherd deponiert zu haben (Urk. HD 8.3 S. 18). 

Auch anlässlich der Berufungsverhandlung wiederholte er, eine geladene Pistole 

-   27   - 

dabei gehabt zu haben (Urk. 139 S. 6). Aufgrund seiner militärischen Ausbildung 

kannte er zudem zweifellos den allgemein gültigen Grundsatz, dass jede Waffe 

als geladen zu betrachten ist, solange man sich nicht persönlich vom Gegenteil 

vergewissert hat. Aber auch ein waffentechnischer Laie nimmt eine Schussauslö-

sung in Kauf, wenn er den Abzug einer Faustfeuerwaffe betätigt, ohne sich zuvor 

Gewissheit verschafft zu haben, dass sie ungeladen ist.  

Es bestehen jedenfalls keine ernsthafte Zweifel daran, dass der Beschuldigte im 

Verlaufe der tätlichen Auseinandersetzung mit Wissen und Willen aus seiner Pis-

tole einen Schuss in die Richtung seiner beiden Kontrahentinnen abgefeuert hat. 

Dabei bestand eine derart hohe Wahrscheinlichkeit, dass die in nächster Nähe 

und in allgemeiner Schussrichtung befindliche Privatklägerin B._____ eine tödli-

che Schussverletzung hätte erleiden können, dass mit der Schussabgabe von ihm 

auch eine solche Verletzung in Kauf genommen wurde, mag er auch nach der 

Schussabgabe selber über sein Vorgehen erschrocken gewesen sein und dieses 

heute bereuen. 

3. Die Privatklägerin B._____ wurde zum Vorfall vom 24. Juni 2007 mehrmals be-

fragt. 

3.1 Ihre erste Einvernahme erfolgte noch am 24. Juni 2007 kurz nach der Opera-

tion im Spital und ist als Audio-Aufnahme (auf einem Datenträger) dokumentiert 

(Urk. HD 6.1). 

Sie sagte im Wesentlichen aus, dass sie vom Beschuldigten - nach dessen Ent-

deckung im Schrank - zu Boden geschlagen worden sei und dass er später eine 

kleine Pistole, die sie zuvor noch nie gesehen habe, aus der Hosentasche ge-

nommen habe. Diese habe er auf sie gerichtet, worauf sie sich abgewendet habe. 

Dann habe sie den Schuss gehört. Vor der Schussabgabe habe der Beschuldigte 

nichts gesagt, er habe sie nur böse angeschaut. Sie habe nicht bemerkt, ob er vor 

dem Schuss an der Waffe manipuliert habe. Es sei alles sehr schnell gegangen; 

sie habe nur noch versucht, sich umzudrehen und die Türe zuzumachen. Die 

Schwester sei neben ihr im Zimmer gewesen. Der Beschuldigte habe die Waffe 

aber speziell auf sie (gemeint die Privatklägerin B._____) gerichtet. Es sei sicher 

-   28   - 

nur ein einziger Schuss gefallen. Geschlagen habe er sie vorher, weil er eifer-

süchtig sei und sie sich von ihm getrennt habe. Sie habe nicht bemerkt, dass er 

betrunken gewesen sei, doch könne dies schon sein. Sie sei fast zwei Jahre mit 

ihm zusammen gewesen, und während dieser Zeit habe er sie wiederholt ge-

schlagen. Sie sei deswegen aber nie zum Arzt oder ins Spital gegangen und habe 

auch nie eine Anzeige gemacht, da er dann das Land hätte verlassen müssen. 

Beim Vorfall, der zur definitiven Trennung geführt habe, sei sie von ihm auch ge-

schlagen worden. Darauf habe ihn ihr Vater zur Rede gestellt. Dabei habe der 

Beschuldigte gedroht, ihre ganze Familie umzubringen. Das habe sie aber nicht 

ernst genommen. Er sei einfach sehr eifersüchtig und auch "ein bisschen krank". 

Schon bei einer früheren Gelegenheit habe er ihr einmal eine Waffe gezeigt, eine 

andere, grössere. Damals habe er aber nicht geschossen, sondern nur damit ge-

droht, sie und sich selber damit umzubringen. Das habe sie aber nicht ernst ge-

nommen. 

3.2 In der polizeilichen Einvernahme vom 3. Juli 2007 erklärte sie vorab, sie habe 

bei der ersten Befragung im Spital die Wahrheit gesagt (Urk. HD 6.2 S. 1). Sie 

habe mit dem Beschuldigten etwa zwei Jahre lang - mit Unterbrüchen - eine Be-

ziehung gepflegt und zeitweise mit ihm an der …-Strasse … zusammen gelebt. 

Im März 2007 sei er endgültig weggezogen; es gebe aber noch "einige Klamotten 

von ihm" im Keller. Sie sei 2006 von ihm schwanger geworden, habe aber keine 

Familie mit ihm gewollt und das Kind abgetrieben. Sie habe seit Mai 2007 eine 

Beziehung zu einem anderen Mann in G._____. Der Beschuldigte habe sie immer 

wieder geschlagen, wenn er Alkohol getrunken habe (S. 2). Nachdem sie dies 

schliesslich ihren Eltern erzählt habe, habe er ihr versprochen, keinen Alkohol 

mehr zu trinken. Daran habe er sich dann bis zum Vorfall im März 2007 gehalten. 

Da habe er sie erneut geschlagen, weil sie ihm zuvor vor seinen Kollegen wegen 

seiner Alkoholisierung den Schlüssel zu ihrem Auto abgenommen habe. Nun ha-

be sie nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen. Bevor sie Ende April 2007 in die 

Ferien verreist sei, sei er in ihre Wohnung gekommen. Er habe eine Pistole dabei 

gehabt und ihr offenbar Angst einflössen wollen (Urk. 6.2 S. 3 f.).  

-   29   - 

Am 24. Juni 2007 sei sie um ca. 05.20 Uhr mit ihrer Schwester vom Ausgang in 

ihre Wohnung zurückgekehrt. Diese habe seit den Ferien bei ihr gewohnt, da sie 

Angst vor dem Beschuldigten gehabt habe. Die Schwester habe die Türe geöffnet 

und sogleich wieder abgeschlossen. Dann hätten sie die Wohnung durchsucht, 

um sicherzugehen, dass der Beschuldigte nicht anwesend sei. Er habe sich in der 

Vergangenheit schon zweimal im Kasten und auch im Bad oder unter dem Bett in 

der Wohnung versteckt gehabt. Er habe damit herausfinden wollen, ob sie jeman-

den nach Hause bringe. - Sie habe ihn auch dieses Mal im Kasten gefunden, wo-

rauf er herausgesprungen sei. Er habe sie ergreifen wollen, doch habe ihn ihre 

Schwester weggestossen. Sie habe dann Angst gehabt, er könnte dieser etwas 

antun. Sie habe ihm angesehen, dass er unter Drogen, eventuell Kokain, oder un-

ter Alkohol gestanden habe. Er habe ihre Schwester gestossen und sie auf den 

Kopf geschlagen, vermutlich mit der abgefallenen Türfalle vom Schlafzimmer. Sie 

sei auch selber am Kopf getroffen worden, wo man später zwei Rissquetschwun-

den festgestellt habe. Sie und ihre Schwester seien in der Tür zum Schafzimmer 

gestanden und sie habe ihn in den Gang hinausgestossen, wobei er auf sein Ge-

säss gefallen und sofort wieder aufgestanden sei. Darauf habe er eine kleine 

schwarze Pistole aus der rechten Hosentasche gezogen und sofort einmal auf sie 

geschossen. Schon als sie die Waffe gesehen habe, habe sie sofort die Schlaf-

zimmertüre schliessen wollen und sich dabei etwas nach rechts gedreht. Zwi-

schen dem Herausnehmen der Waffe und dem Schuss seien nur etwa 2 Sekun-

den verstrichen. Die Türe habe sie dann nicht mehr schliessen können, weil sie 

zuvor von der Kugel an der linken Schulter getroffen worden sei. Zuvor sei ihr 

schon Blut vom Kopf heruntergelaufen, weshalb sie zuerst gedacht habe, sie sei 

auch dort getroffen worden. Sie und ihre Schwester hätten sich darauf gegen die 

Türe gelehnt und versucht, diese zu schliessen. In diesem Zeitpunkt habe jemand 

gegen die Eingangstüre gehämmert, vermutlich Nachbarn, weil ihre Schwester 

von Anfang an geschrien habe. Der Beschuldigte habe noch versucht, ins Zimmer 

einzudringen, dann habe man nichts mehr von ihm gehört. Nach 10 Minuten sei 

dann die Polizei gekommen, ihr sei schlecht geworden und sie könne sich an das 

Weitere nicht mehr erinnern (S. 5 f.). Seither habe sie nichts mehr vom Beschul-

digten gehört. 

-   30   - 

Diese Darstellung ist detailliert, durchaus anschaulich und kompatibel mit dem 

von der Polizei festgehaltenen Situations- und Spurenbild. Sie deckt sich auch mit 

den Angaben, welche die Privatklägerin B._____ kurz nach dem Vorfall gegen-

über der Polizei auf Band gesprochen hatte. Zur Frage, ob der Beschuldigte ge-

wollt oder versehentlich den Abzug betätigt hatte, enthält sie zwar keine direkten 

Hinweise. Immerhin bestätigte die Privatklägerin B._____ aber, dass der Be-

schuldigte eifersüchtig war, sich schon vor dem Vorfall mehrmals zu Gewaltaus-

brüchen gegen sie hatte hinreissen lassen und sie auch hier unmittelbar vor der 

Schussabgabe massiv geschlagen hatte. Sie bestätigte auch ihre frühere Angabe, 

wonach der Beschuldigte schon nach dem Vorfall, der zur definitiven Trennung 

geführt hatte, angedroht hatte, ihre ganze Familie umzubringen. Insgesamt stütz-

ten die Ausführungen der Privatklägerin B._____ jedenfalls die Annahme, der Be-

schuldigte habe gewollt abgedrückt; konkrete Hinweise auf eine versehentliche 

Schussabgabe fehlen vollständig. 

3.3 Die Privatklägerin B._____ wurde am 26. Mai 2009 formell als Zeugin einver-

nommen, dies in Anwesenheit des Beschuldigten und seines Verteidigers (Urk. 

HD 6.3). Sie gab an, den Beschuldigten seit einigen Jahren zu kennen. 2005 sei 

man sich dann näher gekommen. Am Anfang sei es eine gute Beziehung gewe-

sen, doch sei es dann immer schlimmer geworden, weil der Beschuldigte "krank-

haft eifersüchtig" sei (S. 4). Er habe ihr nachspioniert und sie geschlagen, sodass 

es immer wieder zum Abbruch der Beziehung gekommen sei. Nachdem er sie an 

ihrem Arbeitsort in angetrunkenem Zustand geschlagen habe, habe sie die Be-

ziehung beendet und sei zu ihren Eltern gezogen. Sie habe ihm Geld gegeben, 

damit er sie in Ruhe lasse. Heute hasse sie ihn manchmal, manchmal sei er ihr 

gleichgültig oder sie habe Mitleid mit ihm (S. 5 f.). Sie bestätigte, sowohl am 

24. Juni wie auch am 3. Juli 2007 der Polizei die Wahrheit gesagt zu haben (S. 7). 

Sie sei am 24. Juni 2007 gegen ca. 5 Uhr mit der Schwester nach Hause gekom-

men. Weil sich der Beschuldige schon bei früheren Gelegenheiten in ihrer Woh-

nung im ersten Stock versteckt gehabt habe, hätten sie diese zuerst durchsucht, 

worauf sie ihn im Schrank versteckt gefunden habe. Ihre Schwester habe ihn an-

geschrien, worauf er ihnen bedeutet habe, still zu sein. Er habe sie dann beide 

-   31   - 

geschlagen, die Schwester sei sogar eine Weile bewusstlos gewesen. Sie denke, 

er habe mit der abgefallenen Türfalle des Schlafzimmers zugeschlagen. Als sie 

am Boden gesessen sei, habe ihr der Beschuldigte damit auf den Hinterkopf ge-

schlagen. Nachher hätten sie ihn gemeinsam weggestossen; er sei dabei umge-

stürzt. Beim Aufstehen habe er eine Pistole aus dem Hosensack gezogen und sie 

abgefeuert. Sie habe sich abgedreht, und die Kugel habe ihre linke Schulter ge-

troffen. Das habe sich zwischen Korridor und Schafzimmer ereignet. Sie und ihre 

Schwester hätten dann versucht, die Schlafzimmertüre zu schliessen. Drinnen 

habe die Klinke gefehlt, doch habe der Beschuldigte von aussen noch zwei- drei-

mal die Klinke hinuntergedrückt. Von aussen habe ein … Nachbar versucht, die 

Wohnungstüre zu öffnen. Dann sei auch die Polizei vor dem Haus gewesen 

(S. 9). Sie habe wegen des verärgerten Blicks des Beschuldigten den Eindruck 

gehabt, dieser sei alkoholisiert gewesen (S. 12). Sie selber habe zuvor nur wenig 

Alkohol getrunken, ihre Schwester gar keinen (S. 10). Die Schläge des Beschul-

digten seien heftig gewesen, und sie sei deswegen ebenfalls zu Boden gegangen 

(S. 13 f.). Das Ganze habe sich vor der Schlafzimmertüre abgespielt. Sie könne 

sich nicht erinnern (entgegen der Darstellung ihrer Schwester) während des Vor-

falls auch in der Küche oder im Wohnzimmer gewesen zu sein (S. 14 f.). Ge-

schossen habe der Beschuldigte jedenfalls vom Korridor aus. Es sei richtig, dass 

er zuvor nach einem Stoss auf das Gesäss gefallen sei, dann die Waffe aus der 

Hosentasche genommen habe, auf ihre Brust gezielt und geschossen habe; sie 

sei ganz sicher, dass er die Waffe aus dem Hosensack gezogen habe (S. 15). Er 

habe danach sofort geschossen. Sie könne sich nicht erinnern, dass er dabei et-

was gesagt hätte. Sie sei da etwa einen Meter von ihm entfernt gewesen. Er habe 

den rechten Arm gestreckt und "ca. waagrecht" gehalten und die Waffe auf sie 

gerichtet (S. 16). Genaueres könne sie nicht sagen, das Ganze habe sich der-

massen schnell abgespielt. Sicher habe er die Waffe aber nicht gegen ihren Kopf 

gehalten sondern gegen ihre Brust gezielt. Sie habe sich abgedreht, um die Türe 

zu schliessen, doch habe er da bereits geschossen (S. 17). Es sei ihr dann aber 

doch noch gelungen, die Türe zu schliessen. Nach der Schussabgabe habe ihr 

der Beschuldigte entgegengeblickt. Auf die Frage, ob er überrascht oder erschro-

cken gewirkt habe, meinte sie: "Diesbezüglich habe ich keine Beobachtungen 

-   32   - 

gemacht." Sie sei aber der Ansicht, er habe ihre Verletzung gesehen; er sei ja in 

der Nähe von ihr gestanden, und sie könne sich nicht vorstellen, dass er nicht hät-

te bemerken sollen, dass er getroffen habe. Manipulationen an der Waffe habe 

sie vor der Schussabgabe nicht bemerkt (S. 18). Auf Vorhalt, gemäss Darstellung 

des Beschuldigten habe dieser die Waffe aus einer Schublade in der Küche ge-

holt, erklärte die Privatklägerin B._____, er lüge; er habe sie im Hosensack ge-

habt. Weder seien sie im Verlauf des Ereignisses in der Küche gewesen, noch 

habe er dort eine Waffe geholt. Vielleicht habe er sie aber während der Wartezeit 

dort hervorgeholt (S. 19). 

In dieser Zeugenaussage stimmen viele Details und alle wesentlichen Punkte mit 

den früheren Aussagen der Privatklägerin B._____ überein, ohne dabei den An-

schein einer auswendig gelernten Darstellung zu erwecken. Auch hier gibt es in-

dessen keine Aussagen, welche direkt die Frage beantworten könnten, ob der 

Beschuldigte gewollt oder aus Versehen geschossen hatte. Ersteres ist aber auch 

aufgrund der gesamten Schilderung durch die Privatklägerin B._____ weit stim-

miger. Der Beschuldigte war wütend und sah sich nicht nur verbaler, sondern 

auch tätlicher Gegenwehr der beiden Frauen ausgesetzt, was er offensichtlich 

nicht akzeptieren konnte und hinnehmen wollte. Mit der Schussabgabe legte er es 

darauf an, sich gegenüber den beiden Frauen durchzusetzen. Es besteht auf-

grund der gesamten erstellten Umstände kein vernünftiger Zweifel, dass sie ge-

wollt erfolgte. 

4. Keine anderen Erkenntnisse ergeben sich aus den Aussagen der Privat-

klägerin C._____: 

4.1 Die Privatklägerin C._____ war noch am Morgen des 24. Juni 2007 von der 

Polizei befragt worden (Urk. HD 7.1). Sie führte an, der Beschuldigte habe es 

nicht verkraften können, dass ihre Schwester vor drei Monaten mit ihm "Schluss 

gemacht" habe. Seither belästige und bedrohe er sie dauernd. Da die Schwester 

deswegen Angst habe, sei sie zu ihr gezogen. Sie seien gegen 05.30 Uhr vom 

Ausgang zurückgekommen und hätten zuerst die Wohnung kontrolliert, weil der 

Beschuldigte dort schon einmal "eingebrochen" sei und ihrer Schwester aufgelau-

ert habe. Plötzlich habe ihre Schwester auf … [die Sprache des Staates G._____] 

-   33   - 

aus dem Schlafzimmer gerufen: "Er ist da; er hat sich im Schrank versteckt!" 

(S. 1) Die Schwester habe dann hinter ihr Schutz gesucht. Die Schwester habe 

ihn gefragt, wie er in die Wohnung gekommen sei, worauf er geantwortet habe, er 

sei durch das Küchenfenster eingestiegen. Die Schwester habe das nicht ge-

glaubt und gefragt, ob er einen Schlüssel habe. Sie habe ihm auch gesagt, die 

Beziehung sei zu Ende; er habe hier nichts mehr zu suchen. Er habe widerspro-

chen und gefragt, wer ihr neuer Freund sei. Er werde die Wohnung nicht verlas-

sen, bis sie ihm das sage. Die beiden hätten wütend, aber in normaler Tonlage 

auf …[die Sprache des Staates G._____] gesprochen. Die Unterhaltung sei dann 

aber immer lauter und aggressiver geworden (S. 2). Die Schwester habe ange-

fangen zu zittern, und sie selber habe dem Beschuldigten auch erklärt, er habe 

hier nichts zu suchen. Als er immer näher gekommen sei, habe sie ihn zurückges-

tossen und ihn geheissen, er solle gehen. Er habe nun seine Aufmerksamkeit ihr 

zugewandt. Sie sei wütend geworden und habe ihn nochmals gestossen. Gleich-

zeitig hätten sie und ihre Schwester um Hilfe gerufen, worauf er sie harsch ange-

wiesen habe, ruhig zu sein. Während dieser Phase hätten sie sich zu Dritt ins 

Wohnzimmer und anschliessend wieder in den Flur bewegt, dies, weil sie im 

Wohnzimmer das Mobiltelefon und die Wohnungsschlüssel habe holen wollen, 

was ihr dann aber aufgrund des Gerangels nicht gelungen sei. Durch den Lärm 

seien aber die Nachbarn alarmiert worden und hätten an die Wohnungstüre ge-

klopft. Sie und ihre Schwester hätten um Hilfe und nach der Polizei gerufen. Der 

Beschuldigte sei nun immer aggressiver geworden, wohl aus Angst vor der Poli-

zei. Sie habe dann von ihm einen Schlag an den Kopf bekommen. Es sei sehr 

schnell gegangen, und er habe sie irgendwie auf den Boden gedrückt. Sie habe 

gesehen, wie ihre Schwester ebenfalls auf den Boden gefallen sei. Sie selber ha-

be dann versucht aufzustehen, worauf ihr der Beschuldigte nochmals auf den 

Kopf geschlagen habe und sie in einer Kauerstellung geblieben sei. Nun habe sie 

gesehen, wie ihre Schwester den Beschuldigten in die Küche zurückgedrängt ha-

be. Sie habe ihrer Schwester dabei geholfen. Darauf sei der Beschuldigte in Rich-

tung Küche zurückgewichen und im Türrahmen stehen geblieben. Er habe - 

glaublich aus seiner rechten Hosentasche - eine Schusswaffe hervorgezogen, ei-

ne kleine schwarze Pistole, kleiner als die Dienstwaffe des einvernehmenden Po-

-   34   - 

lizisten. Er habe mit gestrecktem Arm sofort auf die links neben ihr stehende 

Schwester gezielt und einen Schuss abgegeben. Sie habe gesehen, dass die 

Schwester an der linken Schulter getroffen worden sei, habe wieder zum Be-

schuldigten geschaut und gesehen, dass er die Waffe nun auf sie selber gerichtet 

habe. Er sei da nur etwa 1 ½ Meter von ihnen entfernt gewesen. Sie, die beiden 

Frauen, hätten sich dann rückwärts ins Schlafzimmer zurückgezogen. Ihrer 

Schwester sei es gelungen, die Tür ins Schloss zu ziehen, worauf er noch zwei-

mal versucht habe, diese aufzudrücken. Sie hätten geschrien. Nach etwa 10 Mi-

nuten sei dann die Polizei eingetroffen. Inzwischen habe der Beschuldigte die 

Wohnung - aufgrund der umgestürzten Pflanzen wohl über den Balkon - verlas-

sen gehabt (S. 3). 

Auch diese Darstellung des Tatablaufs ist detailliert, anschaulich und nachvoll-

ziehbar. Sie deckt sich in allen wesentlichen Teilen mit jener der Privatklägerin 

B._____. In Anbetracht des hektischen und dynamischen Geschehens, aber auch 

des Umstandes, dass die erste Befragung der Privatklägerin B._____ nach deren 

Operation im Spital und dann erst wieder einige Zeit später erfolgte, sind kleinere 

Differenzen oder Ungenauigkeiten ohne Bedeutung. So ist es nebensächlich, ob 

sich das Geschehen vor der Schussabgabe auch einmal kurz ins Wohnzimmer 

oder in Richtung der Küche verlagert hatte. Dass der Beschuldigte während des 

Streits dort die Pistole aus einer Schublade hervorgeholt hätte, schilderte auch die 

Privatklägerin C._____ nicht. Jedenfalls enthalten auch ihre Ausführungen keiner-

lei Hinweise darauf, dass sich der Schuss versehentlich im Verlauf eines Geran-

gels gelöst haben könnte; im Gegenteil, sie deuten klar auf eine bewusste 

Schussabgabe hin, als sich der Beschuldigte von den beiden Frauen bedrängt 

fühlte und sich durchsetzen wollte, als diese offenkundig nicht bereit waren, sich 

seiner Gewalt einfach zu fügen.  

Die Privatklägerin C._____ schilderte im Übrigen wie schon ihre Schwester, diese 

und der Beschuldigte hätten sich vor zwei, drei Jahren kennen gelernt und später 

zusammengelebt. Die Schwester habe sich wegen seiner Eifersucht aber schon 

nach ein paar Monaten wieder trennen wollen. Er habe sie auch mindestens ein-

mal geschlagen. Sie wisse zwar keine Details, aber die Schwester habe aus der 

-   35   - 

Nase geblutet und ein blaues Auge gehabt. Aus Mitleid habe sie ihm aber nicht 

den Laufpass gegeben. Ende März 2007 habe sie dann aber nach einer Eifer-

suchtsszene am Arbeitsplatz die Beziehung beendet. Sie habe keinen Kontakt 

mehr gewollt, habe dann aber feststellen müssen, dass ihr der Beschuldigte 

"dauernd abpasste". Auch sie selber habe er mehrere Male angerufen und gebe-

ten, sie solle ihre Schwester dazu bewegen, ihn anzurufen. Einmal sei er sogar 

bei dieser eingebrochen, um sie zur Rede zu stellen, und einmal habe er ihrem 

Vater telefonisch gedroht, die ganze Familie umzubringen (S. 4). 

Auch die Privatklägerin C._____ schildert damit in Übereinstimmung mit ihrer 

Schwester, dass der Beschuldigte die Trennung von der Privatklägerin B._____ 

nicht akzeptieren wollte, aufsässig war und auch vor Drohungen nicht zurück-

schreckte. Auch ihre Darstellung enthält jedenfalls keinerlei Hinweise darauf, dass 

der Beschuldigte sich nur in die Wohnung der Ex-Freundin begeben hatte, um 

dort irgendwelche persönlichen Effekte abzuholen.  

4.2 Am 9. Juni 2009 wurde die Privatklägerin C._____ als Zeugin mit dem Be-

schuldigten konfrontiert (Urk. HD 7.2). Sie führte unter anderem aus, die Privat-

klägerin B._____ und der Beschuldigte hätten im Verlaufe ihrer Beziehung viel 

gestritten, oft in ihrer Anwesenheit. Einmal habe die Schwester geblutet, nachdem 

sie vom Beschuldigten geschlagen worden war. Den Schlag selber habe sie aber 

nicht gesehen. Die Schwester habe aber einige Male am Telefon geweint. Die 

Beziehung sei dann vor ein paar Monaten nach einem Streit am Arbeitsplatz von 

der Schwester beendet worden (S. 4 f.). 

Bezüglich des inkriminierten Vorfalles wisse sie nicht, ob sie sich noch an alles er-

innern könne. Anlässlich ihrer Befragung am 24. Juni 2007 habe sie die Wahrheit 

gesagt (S. 6). Die Schwester habe damals in Angst vor dem Beschuldigten gelebt, 

weshalb sie die Wohnung nach dem Betreten immer durchsucht hätten. Sie sel-

ber habe nicht geglaubt, dass er in der Wohnung sei und sie habe die Durchsu-

chung lächerlich gefunden. Sie habe es aber wegen der Schwester gemacht. Als 

sie dann auf dem Balkon gewesen sei, habe ihre Schwester laut geschrien: 

"C._____, er ist hier!" Die Schwester sei dann aus dem Schlafzimmer gerannt und 

habe sich hinter ihr versteckt. Der Beschuldigte sei dann dicht vor ihr gestanden 

-   36   - 

und habe von der Schwester wissen wollen, ob sie einen neuen Freund habe. Sie 

selber habe nun damit begonnen, den Beschuldigten wegzustossen. Sie hätten 

sich dadurch zur Stube bewegt, wo sie ihre Schlüssel habe behändigen wollen, 

um die Wohnungstüre aufzuschliessen. Der Streit habe sich damit auf sie und den 

Beschuldigten verlagert, worauf ihre Schwester dazwischen gegangen sei (S. 7). 

Der Beschuldigte sei wütend auf sie, die Privatklägerin C._____, gewesen, und 

sie habe ihm Vorwürfe gemacht wegen des Eindringens in die Wohnung. Tage 

zuvor sei sie auch von ihrem Vater vor dem Beschuldigten gewarnt worden. Er 

habe ich gesagt, sie solle die Polizei avisieren, falls sie den Beschuldigten erneut 

sehen sollte. Sie habe deshalb auch laut um Hilfe und nach der Polizei gerufen. 

Als sie zu schreien begonnen habe, sei sie vom Beschuldigten auf den Kopf ge-

schlagen worden, vermutlich mit einer Türfalle, worauf sie zu Boden gefallen und 

einige Sekunden bewusstlos gewesen sei. Als sie die Augen geöffnet habe, sei 

auch die Schwester am Boden gelegen und habe die Hände über den Kopf gehal-

ten. Offenbar habe er auch sie geschlagen. Sie sei dann aufgestanden und habe 

den Beschuldigten weggestossen, weil er nach wie vor die Schwester geschlagen 

habe. Nachher hätten sie den Beschuldigten gemeinsam in Richtung Küche ges-

tossen. In diesem Moment habe der Beschuldigte eine Pistole hervorgezogen. Sie 

und ihre Schwester hätten laut geschrien, da habe er geschossen. Nachdem er 

auf ihre Schwester geschossen gehabt habe, habe er die Waffe auf sie, die Pri-

vatklägerin C._____, gerichtet. Die Schwester habe geblutet, und es sei dieser 

dann gelungen, die Schlafzimmertüre zuzustossen. Sie hätten sie so zugehalten, 

dass der Beschuldige sie nicht habe öffnen können. Auf der Innenseite habe sich 

keine Türfalle befunden. Der Beschuldigte habe mehrfach versucht, die Türe zu 

öffnen. Später habe er die Wohnung irgendwie verlassen, und sie habe aus dem 

Fenster um Hilfe gerufen (S. 9). 

Die Privatklägerin C._____ bestätigte ausdrücklich ihre frühere Aussage, wonach 

ihre Schwester nach der Trennung vom Beschuldigten dauernd belästigt und be-

droht worden sei (S. 9). Sie präzisierte, heute nicht mehr zu wissen, ob ihr die 

Schwester vor oder nach dem fraglichen Ereignis erzählt hatte, der Beschuldigte 

sei schon einmal in ihre Wohnung eingedrungen und habe sie bedroht (S. 11). Sie 

sei auch nicht mehr sicher, ob sie im Korridor oder noch im Wohnzimmer gewe-

-   37   - 

sen sei, als die Schwester nach der Entdeckung des Beschuldigten im Schrank 

geschrien habe. Sie führte aus, sich nun nicht mehr an einzelne Sätze im Rah-

men der nachfolgenden Auseinandersetzung erinnern zu können. Der Beschul-

digte und ihre Schwester hätten einfach laut und aggressiv miteinander geredet 

(S. 12 f.). Sie verneinte ausdrücklich, dass sich der Beschuldige nach seiner Ent-

deckung im Schrank in der Küche befunden habe bis auf den Moment, als sie ihn 

gemeinsam in Richtung der Küche gestossen hatten. Unmittelbar danach habe er 

dann die Pistole herausgezogen (S. 15); er habe sich aber nie im Innern der Kü-

che befunden (S. 17). Sie habe Angst vor dem Beschuldigten gehabt, aber nicht 

das Gefühl, er sei angetrunken gewesen; er habe weder nach Alkohol gerochen 

noch gelallt (S. 15). Sie verneinte, dass der Beschuldigte vor der Schussabgabe 

irgendwelche Manipulationen an der Waffe vorgenommen hatte (S. 17 f.). Sie 

könne sich erinnern, dass er diese gezogen, den Arm gestreckt und dann ge-

schossen habe (S. 18). Sie konnte sich nicht erinnern, dass er dabei irgend etwas 

gesagt hatte. Sie wiederholte, er habe die Waffe hervorgenommen und den Arm 

gestreckt. Sie fügte an, er habe mit der Waffe auf ihre Schwester gezeigt und ge-

schossen. Sie wisse nur nicht mehr, ob die Schwester da links oder rechts von ihr 

gestanden sei. Sie seien jedenfalls im Türrahmen des Schlafzimmers gestanden, 

sie schätze, in einer Distanz von ca. einem Meter zum Beschuldigten, allenfalls 

etwas mehr. Er habe nach dem Hervornehmen der Waffe schnell geschossen 

(S. 18). Sie denke, sein Arm sei da ganz ausgestreckt gewesen, dies in Richtung 

ihrer Schwester. Die beiden seien sich vis-à-vis gestanden und hätten sich ge-

genseitig angeschaut. Als die Schwester getroffen worden sei, habe sie sich ir-

gendwie bewegt; sie denke, diese Bewegung sei schon vor der Schussabgabe er-

folgt (S. 19). Sie könne nicht sagen, wie der Beschuldigte im Moment der 

Schussabgabe reagiert habe, da sie sich nun auf die Schwester konzentriert ha-

be. Sie hätten dann ja auch schnell die Schlafzimmertüre geschlossen. 

Als Zeugin bestätigte die Privatklägerin C._____ ihre früheren Aussagen, soweit 

sie sich nun noch an den Vorfall erinnern konnte. Nicht im Ansatz gab sie dabei 

einen Hinweis darauf, dass sich der Beschuldigte in einer Notwehrsituation be-

funden und dann aus einer Küchenschublade die Faustfeuerwaffe hervorgeholt 

hatte. Vielmehr schilderte sie klar und deutlich, dass der Beschuldigte die Waffe 

-   38   - 

bereits auf sich hatte und sie hervornahm, nachdem er von den beiden Frauen in 

Richtung Küche abgedrängt worden war. Der Schuss wurde weder bereits beim 

Hervornehmen der Waffe ausgelöst noch gar im Verlauf eines Gerangels zwi-

schen ihm und einer der beiden Frauen. Er schoss vielmehr mit ausgestrecktem 

Arm und aus einer Distanz von ca. einem Meter zu den beiden Frauen. Für die 

Hypothese einer ungewollten Betätigung des Abzugs fehlt auch aufgrund der an-

schaulichen und detaillierten Darstellung der Privatklägerin C._____ jeder konkre-

te Hinweis. 

Die Aussagen der Zeugin sind im Übrigen von einer gewissen Zurückhaltung ge-

prägt. So erklärte sie auf die Frage, warum der Beschuldige die Waffe auch ge-

gen sie gerichtet hatte: "Ich weiss es nicht." Als sie gefragt wurde, ob sie eine 

Vermutung habe, fügte sie an: "Nein. Ich weiss nicht, mit welcher Absicht der An-

geschuldigte überhaupt in die Wohnung kam; ob er uns beide umbringen wollte 

oder nur meine Schwester; ich weiss es nicht." Auf die Frage, ob der Beschuldigte 

allenfalls den Abzug noch ein weiteres Mal betätigt, sich dann aber kein weiterer 

Schuss gelöst habe, erklärte sie, nichts derartiges bemerkt zu haben (S. 21). Al-

lerdings bezeichnet sie, nach entsprechendem Vorhalt, die Aussagen des Be-

schuldigten, wonach sich der Schuss unabsichtlich gelöst habe, als "lächerlich" 

und erklärte, sie gehe davon aus, er habe absichtlich auf ihre Schwester ge-

schossen. Auf die Nachfrage "um diese zu töten?", antwortete sie: "Ja, natürlich, 

oder um sie zu verletzen." Diese - allerdings subjektive - Einschätzung der Zeugin 

ist aufgrund der gesamten Umstände durchaus nachvollziehbar und lässt jeden-

falls keine Tendenz erkennen, den Beschuldigten mit falschen oder übertriebenen 

Angaben zum Sachverhalt zu belasten. 

Insgesamt ist die Darstellung der Privatklägerin C._____ stimmig, glaubhaft und 

überzeugend. Sie enthält keinen Hinweis darauf, dass der Beschuldigte vom 

Schuss selber überrascht worden ist, jedenfalls schilderte sie keine Verhaltens-

weise des Beschuldigten, die auf eine unbeabsichtigten Schussabgabe deuten 

würde. 

5. Die Verteidigung machte geltend, auch nach Einschätzung des sachverständi-

gen Zeugen Dr. J._____ in der vorinstanzlichen Hauptverhandlung, könne eine 

-   39   - 

"unbeabsichtigte Schussabgabe durchaus zustande kommen (..), wenn eine 

Stresssituation vorliege, dies auch dann, wenn der Stress nicht mit einer grossen 

körperlichen Anstrengung (z.B. mit der waffenfreien Hand) verbunden sei" (Prot. I 

S. 14, Urk. 140 S. 2). 

Dieser Hinweis des Verteidigers gibt die Ausführungen des genannten Gutachters 

nur stark verkürzt und im Ergebnis unzutreffend wieder. 

5.1 Der vom Gericht beauftragte Gutacher Dr. J._____ (vgl. Urk. HD 48) arbeitet 

als Sachverständiger am Forensischen Institut Zürich. Die bis anhin unauffindbare 

Tatwaffe stand ihm für seine Ermittlungen nicht zur Verfügung. Indessen hatte bei 

der Spurensicherung am Tatort ein Projektil des Kalibers .22 Short sowie eine 

entsprechende Hülse der Marke "…" sichergestellt werden können. Beides konnte 

vom Gutachter berücksichtigt werden. 

5.2 Dr. J._____ erstattete sein schriftliches Gutachten unter dem Datum vom 

2. Februar 2011 (Urk. HD 68). Dr. J._____ führte darin aus, dass Patronen des 

vorgefundenen Kalibers vorwiegend mit Waffen dieses Kaliber verschossen wür-

den, doch seien sie auch mit Waffen der Kaliber .22 Long Rifle, .22 Long sowie 

.22 WIN MAG RF kompatibel. Aufgrund der am Projektil erkennbaren Laufspezifi-

kationen und der an der Hülse erkennbaren zur Abformung gelangten Verfeue-

rungsmerkmale seien aus allen vier Kalibern insgesamt 9 Waffen ermittelt wor-

den, darunter 8 Selbstladepistolen der Marke "…", Modell "…" sowie ein Derringer 

der Marke "…" Modell "…", wobei letzterer aufgrund der zwei runden Schlagbol-

zen wieder habe ausgeschlossen werden können. Somit komme als Tatwaffe "mit 

einer sehr hohen Sicherheit" nur die Selbstladepistole … oder eine dem Gutach-

ter nicht bekannte (ähnliche, S. 12) Waffe in Frage (S. 6 und 11). Die Wahrschein-

lichkeit, dass es eine … gewesen sei, liege bei 95 %. Diese Waffe habe ein "Sin-

gle-Action"- Abzugssystem und einen Rückstosslader mit Masseverschluss, einen 

schwenkbaren Sicherungshebel, eine Magazinsicherung sowie einen Hammer mit 

Sicherheitsrast (S. 7). Die Schussabgabe setze somit (im Gegensatz zum Double-

Action-Abzugssystem) das Zurückziehen und Vorschnellenlassen des Verschlus-

ses und das Betätigen des Abzugs voraus (wenn sich die Patrone zuvor im Ma-

-   40   - 

gazin befunden hat) oder das Zurückziehen des Schlaghammers und Betätigen 

des Abzugs (wenn sich bereits eine Patrone im Patronenlager befindet). 

Aus den weiteren Ausführungen ergibt sich klar, dass eine Schussabgabe nicht 

möglich ist, solange der Sicherungshebel sich nicht in senkrechter Lage befindet 

und der Schlaghammer nicht gespannt ist. Die Schussabgabe setzt sodann das 

vollständige Durchziehen des Abzuges voraus, womit der gespannte Schlag-

hammer ausgeklinkt und die Zündung der Patrone ausgelöst wird. Das Abzugs-

gewicht wird dabei unter Bezugnahme auf zwei untersuchte Pistolen "…" aus der 

Sammlung des Forensischen Instituts Zürich mit Werten zwischen 3,4 und 3,6 Ki-

logramm angegeben (S. 9). 

Der Gutachter warf sodann von sich aus die Frage einer "unbeabsichtigten" 

Schussabgabe auf, ohne sie jedoch vorerst zu beantworten (S. 13). 

5.3 Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung erläuterte Gutachter 

J._____ mündlich die Funktionsweise einer Pistole … (Urk. 82 S. 2 ff.). Er wurde 

sodann mit der Frage konfrontiert, ob nicht, wie vom Beschuldigten behauptet, ei-

ne unbeabsichtigte Schussabgabe in Betracht gezogen werden müsse (S. 3). 

Er erläuterte hierauf, es gebe rein technisch gesehen Vorrichtungen an der Waffe, 

damit es nicht zu einer unbeabsichtigten Schussabgabe kommt. Neben dem Si-

cherungshebel und dem Abspannen des Hammers wirke der Abzugswiderstand 

gegen eine unbeabsichtigte Schussabgabe, da mit dem Zeigefinger eine nicht zu 

vernachlässigende Kraft von über 3 Kilogramm überwunden werden müsse. Un-

tersuchungen in Deutschland hätten allerdings ergeben, dass eine unbeabsichtig-

te Schussabgabe möglich sei, "insbesondere wenn man mit der anderen Hand, 

also mit der linken, eine Kraft ausübe in Stresssituationen, so dass sich dann ca. 

20 % der Kraft auf die waffenführende Hand übertragen" könne. Genau beschrie-

ben worden seien zwei Fälle: Im einen habe eine Polizistin mit der freien Hand ei-

ne abgeschlossene Autotür öffnen wollen und dabei so stark gezogen, dass sich 

aus der Waffe, die sie in der andern Hand gehalten habe, ein Schuss löste. Im 

anderen Fall sei ein Polizist hingefallen und habe aufstehen wollen, worauf sich 

dann ebenfalls ein Schuss gelöst habe. Weitere Fälle seien am Forensischen 

-   41   - 

Institut Zürich untersucht worden, wobei es immer darum gegangen sei, dass sich 

beim Herausnehmen der Waffe aus dem Holster oder beim Versorgen in einen 

solchen ein Schuss gelöst habe. Auch in diesen Fällen setze die Schussauslö-

sung jedoch (unter anderem) voraus, dass die Waffe durchgeladen und entsichert 

sei und dass der Finger am Abzug gehalten werde (S. 4). Der vorinstanzliche Re-

ferent fasste nach und wollte wissen, ob eine konkrete Aussage zu den im vorlie-

genden Verfahren sich gegenüberstehenden Varianten gemacht werden könne 

oder ob dies reine Spekulation wäre. Der Experte meinte darauf: "Im vorliegenden 

Fall kann ich keine Anhaltspunkte erkennen, ausser der Stresssituation, die nötig 

wären, um die Kriterien zu erfüllen, die in den genannten Fällen, also den zwei in 

Deutschland und denjenigen, die wir untersucht haben, zu einer Unbeabsichtigt-

keit führen können, d.h. ich sehe keinen Anhaltspunkt, dass der Beschuldigte mit 

der anderen Hand eine grosse Kraftanstrengung ausübte. Zudem muss er ge-

mäss Schilderung die Waffe im entsicherten, durchgeladenen Zustand mit ge-

spanntem Hammer bereits mitgeführt haben. Er hat von keiner Handlung gespro-

chen, von Entsichern, Hammerspannen oder Ladebewegung. Dies ist eher als 

unüblich zu bezeichnen. In diesem Zustand könnte sich ja bereits in der Hose o-

der beim Mitführen der Schuss lösen." Der Referent fragte nun nach, ob in den 

beiden Fällen aus Deutschland und in den vom Sachverständigten in der Schweiz 

untersuchten (beiden) Fällen jeweils eine Kraftübertragung von der waffenfreien 

zur waffentragenden Hand erfolgt sei. Der Sachverständige präzisierte, so eine 

Kraftübertragung sei nur in einem einzigen Fall, jenem mit der Autotüre so be-

schrieben worden. In den anderen Fällen seien aber "generelle Kraftanstrengun-

gen des Körpers vorhanden" gewesen, nicht ausschliesslich ein Zugreifen der 

nicht waffenführenden Hand; zum Beispiel ein Aufstehen, ein Rennen oder ande-

re Bewegungen. Der Referent fasste erneut nach und fragte, ob demnach "eine 

unbeabsichtigte Schussabgabe nur dann zu diskutieren" sei, "wenn eine gleich-

zeitige körperliche Anstrengung" vorliege. Der Sachverständige erklärte hierauf: 

"Ja, es braucht eine gleichzeitige, grosse körperliche Anstrengung. Zusätzlich 

müsste diese Anstrengung ungewohnt, d.h. nicht eingeübt sein, so dass die 

Stresssituation entsteht". 

-   42   - 

Zunächst ist festzuhalten, dass die Fragen des Referenten und die daraufhin ge-

machten Ausführungen des Sachverständigen in der vorinstanzlichen Hauptver-

handlung über die rein waffentechnische Fragestellung im schriftlichen Gutach-

tensauftrag vom 3. Januar 2011 hinausgingen und eigentliche Fragen der 

Schusswaffenhandhabung betrafen. Der Experte selber wies jedoch bereits in 

seinem schriftlichen Gutachten vom 2. Februar 2011 darauf hin, dass er für den 

Fall der Diskussion einer unbeabsichtigten Schussabgabe den entsprechenden 

Fragenkomplex aus der Sicht der Schusswaffenhandhabung näher beleuchten 

könne (Urk. 68 S. 13). Diese erweiterte Erörterung erfolgte dann im Rahmen der 

Zeugeneinvernahme des Experten Dr. J._____ durch die Vorinstanz (Urk. 82). 

Die gemäss den Ausführungen des Experten empirisch gewonnenen Erkenntnis-

se aus den Untersuchungen zu früheren Fällen von Schussabgaben erscheinen 

auch für den vorliegenden Fall von Relevanz. Der Sachverständige hat damit ins-

besondere nachvollziehbar und plausibel erklärt, dass vorliegend jedenfalls keine 

Situation gegeben war, die mit einer der geschilderten Situationen ungewollter 

Schussabgaben vergleichbar wäre. 

Ob man nun der Darstellung der beiden Privatklägerinnen oder des Beschuldigten 

folgt: Es gibt keinen Hinweis dafür, dass er im Zeitpunkt der Schussauslösung 

bzw. beim Durchziehen des Abzugs gleichzeitig noch irgendeine andere körperli-

che Anstrengung zu bewältigen hatte, geschweige denn gibt es einen konkreten 

Hinweis für eine Kraftübertragung von der einen auf die andere Hand. Er selber 

macht ja nicht geltend, der Schuss habe sich gelöst im Moment, als er die Waffe 

aus der Hosentasche gezogen hatte. Folgt man seiner Darstellung, hatte er sie 

aus einer Küchenschublade geholt und war damit in den Korridor zurückgegan-

gen. Er schilderte dabei keinen konkreten Vorgang, der sich auch nur im Ansatz 

mit den vom Sachverständigen referierten Möglichkeiten vergleichen liesse. Folgt 

man den beiden Privatklägerinnen (aber auch der Darstellung des Beschuldigten 

in der vorinstanzlichen Hauptverhandlung), hatte er stehend, mit (zumindest teil-

weise) ausgestrecktem Arm geschossen. 

Insgesamt wird die These von der unbeabsichtigten Schussauslösung durch das 

Gutachten nicht gestützt. Sie erweist sich vielmehr als völlig unwahrscheinlich und 

-   43   - 

ist nicht geeignet, die aufgrund der dargelegten Beweislage gewonnene richterli-

che Überzeugung zu erschüttern, wonach hier die Schussabgabe willentlich er-

folgt war, wobei der Beschuldigte damit eine tödliche Verletzung einer der beiden 

Frauen zumindest in Kauf genommen hatte. 

6. Die Vorinstanz hat die Schussabgabe in rechtlicher Hinsicht als versuchte vor-

sätzliche Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 12 Abs. 2 

StGB und Art. 22 Abs. 1 StGB beurteilt (Urk. HD 98 S. 41 ff.) und namentlich eine 

Qualifikation als versuchter Totschlag verworfen (S. 43). Diese rechtliche Würdi-

gung ist zutreffend, und sie wurde von der Verteidigung im Rahmen der Beru-

fungsbegründung auch nicht beanstandet. 

Auf die entsprechenden Ausführungen in den vorinstanzlichen Erwägungen kann 

deshalb vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 98 S. 41-44; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

7. Der Beschuldigte ist somit zusätzlich zu den bereits rechtskräftigen Schuld-

sprüchen der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in 

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. 

III. Strafzumessung 

1. Sind gleichzeitig mehrere Straftaten eines Beschuldigten zu beurteilen, ist für 

die Strafzumessung von der Strafzumessung für das schwerste Delikt auszuge-

hen (Art. 49 Abs. 1 StGB). Gemäss Gesetz ist das Strafmass sodann aufgrund 

der weiteren Delikte zu erhöhen, wobei das Höchstmass der Strafe nicht um mehr 

als die Hälfte überschritten werden darf. 

Das Gericht misst die Strafe weiter nach dem Verschulden des Täters zu. Es be-

rücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung 

der Strafe auf das Leben des Täters. Das Verschulden wird nach der Schwere der 

Verletzungen oder der Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Ver-

werflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie da-

nach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in 

der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 StGB). 

-   44   - 

2. Schwerstes Delikt ist hier der Tatbestand der vorsätzlichen Tötung im Sinne 

von Art. 111 StGB. Das Höchstmass der auf dieses Delikt entfallenden Freiheits-

strafe liegt bei 20 Jahren (Art. 40 StGB). Der obere Rahmen der betreffenden, 

zeitlich begrenzten Strafart ist damit bereits erreicht. Die Mindeststrafe beträgt 

gemäss Art. 111 StGB 5 Jahre Freiheitsstrafe.  

3.1 Beim Tötungsdelikt liegt hier nur ein Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 

StGB vor; der Erfolg der Tat ist ausgeblieben. Dies ist bei der Beurteilung der ob-

jektiven Tatkomponente zu Gunsten des Beschuldigten zu berücksichtigen. 

Art. 22 StGB lässt grundsätzlich eine Milderung nach Art. 48a StGB zu. Diese Be-

stimmung setzt für die Strafe keine untere Grenze, soweit das Mindestmass der 

Strafart nicht unterschritten wird. Grundsätzlich möglich wäre auch eine mildere 

Art der Sanktion.  

Liegt nur ein Versuch vor, führt dies zwar meistens zu einer milderen Strafe, als 

sie für das vollendete Delikt auszusprechen wäre, doch muss der reguläre Straf-

rahmen des betreffenden Straftatbestandes keineswegs zwingend oder auch nur 

in der Regel unterschritten werden (vgl. Jenny in BSK, N 25 zu Art. 22 StGB). 

Vorliegend ist von Bedeutung, dass der Beschuldigte die Waffe abgefeuert und 

damit seinerseits alles getan hatte, damit der Erfolg bzw. der Tod seines Tatop-

fers hätte eintreten können. Es ist dem Zufall oder buchstäblich einer glücklichen 

Wendung zu verdanken, dass sich dieses (die Privatklägerin B._____) im aller-

letzten Augenblick zur Seite gedreht hatte, so dass das Projektil nur quer die 

Schulter streifte und so weder lebenswichtige Organe noch bedeutende Blutbah-

nen getroffen wurden bzw. keine lebensgefährliche Verletzung eingetreten ist.  

Immerhin war aber die tatsächliche Verletzung der Privatklägerin B._____ recht 

erheblich und mit Sicherheit schmerzhaft. Sie musste sich sofort einem operativen 

Eingriff unterziehen und konnte das Spital erst zwei Tage später verlassen (Urk. 

HD 11.2). Abgesehen von einer Narbenbildung sind indessen nach ärztlicher Ein-

schätzung keine bleibende Schäden zu erwarten (Urk. HD 11.3). 

-   45   - 

3.2. In subjektiver Hinsicht fällt vorab etwas entlastend in Betracht, dass dem Be-

schuldigten keine direkte Tötungsabsicht (dolus directus ersten Grades) nachge-

wiesen werden konnte. Die Tat erfolgte im Verlauf eines Streites und trägt deut-

lich affektakzentuierte Züge und war nicht nachweisbar von langer Hand vorberei-

tet. Auch ein direkter Tötungsvorsatz (dolus directus zweiten Grades) lässt sich 

hier nicht zweifelsfrei erstellen. Es ist nur von einem Eventualvorsatz auszugehen, 

was sich beim Verschulden zu Gunsten des Beschuldigten auswirkt. Erschwerend 

ist andererseits, dass der Beschuldigte den Streit massgeblich mit seinem 

rechtswidrigen und schuldhaften Eindringen in die Wohnung herbeigeführt hatte 

und dabei schliesslich auch aus nichtigem Anlass zur Waffe gegriffen und damit 

geschossen hatte. Dies zeugt von einer erheblichen kriminellen Energie. 

3.3 Wäre die Privatklägerin B._____ (oder allenfalls ihre Schwester) vom Schuss 

des Beschuldigten tödlich getroffen worden, hätte - bei voll erhaltener Schuldfä-

higkeit - allein für das Tötungsdelikt durchaus eine Freiheitsstrafe im Bereiche von 

12 Jahren in Betracht gezogen werden müssen. 

3.4 Die Verteidigu