# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a6456c9c-c02e-59bf-85e5-bb7af2870032
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-08-19
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 19.08.2014 100 2014 164
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_100-2014-164_2014-08-19.pdf

## Full Text

100.2014.164U
HAT/RAP

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 19. August 2014

Verwaltungsrichter Burkhard, Abteilungspräsident
Verwaltungsrichter Daum und Häberli
Gerichtsschreiberin Gschwind

A.________
vertreten durch Rechtsanwalt …
Beschwerdeführerin 

gegen

Einwohnergemeinde Bern
Direktion für Sicherheit, Umwelt und Energie, Predigergasse 12, Postfach, 3000 Bern 7
Beschwerdegegnerin 

und

Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland
Poststrasse 25, 3071 Ostermundigen

betreffend Taxiführerbewilligung; Rechtzeitigkeit der Beschwerde (Entscheid des 
Regierungsstatthalteramts Bern-Mittelland vom 15. Mai 2014; vbv 131/2013)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.08.2014, Nr. 100.2014.164U, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Mit Verfügung vom 26. Februar 2013 wies das Polizeiinspektorat der Ein-
wohnergemeinde (EG) Bern das Gesuch von A.________ um Verlängerung ihrer 
Taxiführerbewilligung ab. Hiergegen gelangte A.________ erfolglos an die Direktion für 
Sicherheit, Umwelt und Energie (SUE) der EG Bern. Gegen deren abschlägigen 
Entscheid vom 4. September 2013 erhob sie Beschwerde. Die Beschwerdeschrift 
datiert vom 13. März 2013. A.________ reichte sie aber erst am 21. November 2013 
persönlich im Amthaus bei der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland ein. 

B.

Das Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland (RSA), an das die Beschwerde 
zuständigkeitshalber weitergeleitet worden war, trat darauf – unter gleichzeitiger 
Abweisung eines Fristwiederherstellungsgesuchs – wegen Verspätung nicht ein 
(Entscheid vom 15.5.2014).

C.

Am 16. Juni 2014 hat A.________ Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben mit dem 
Rechtsbegehren, den Entscheid des RSA aufzuheben und die Streitsache zur 
materiellen Beurteilung der Beschwerde an die Vorinstanz zurückzuweisen. Am 2. Juli 
2014 hat A.________ zudem um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um 
Beiordnung ihres Rechtsvertreters als amtlicher Anwalt ersucht.

Die EG Bern schliesst mit Beschwerdeantwort vom 1. Juli 2014 auf Abweisung der 
Beschwerde. Das RSA hat am 2. Juli 2014 auf Stellungnahme verzichtet.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.08.2014, Nr. 100.2014.164U, Seite 3

Erwägungen:

1.

1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als letzte kantonale 
Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 
über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) zuständig. Das RSA ist auf 
das Rechtsmittel der Beschwerdeführerin nicht eingetreten, weshalb sich deren 
Beschwerdebefugnis für das verwaltungsgerichtliche Verfahren unmittelbar aus dem 
negativen Prozessentscheid ergibt (vgl. BVR 2006 S. 481 E. 1.2; zuletzt VGE 2014/125 
vom 30.6.2014, E. 1.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen 
VRPG, 1997, Art. 79 N. 3, Art. 65 N. 6). Auf ihre form- und fristgerecht eingereichte 
Beschwerde ist einzutreten. 

1.2 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf 
Rechtsverletzungen hin (Art. 80 VRPG).

1.3 Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide behandeln die Mitglieder des 
Verwaltungsgerichts grundsätzlich als Einzelrichterin oder Einzelrichter (Art. 57 Abs. 2 
Bst. c des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden 
und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]). Hier rechtfertigen die rechtlichen 
Verhältnisse indes eine Überweisung an die Kammer (Art. 57 Abs. 6 i.V.m. Art. 56 
Abs. 1 GSOG).

2.

Streitig und zu prüfen ist vor Verwaltungsgericht einzig, ob im vorinstanzlichen 
Verfahren rechtzeitig Beschwerde erhoben worden ist. 

2.1 Gemäss Art. 44 VRPG werden Verfügungen und Entscheide grundsätzlich 
durch die Post zugestellt (Abs. 1), wobei der Versand in der Regel mit 
eingeschriebener Post oder mit gerichtlicher Urkunde erfolgt (Abs. 2). Zugestellt ist die 
Sendung, wenn sie von der Adressatin bzw. vom Adressaten oder von einer 
angestellten oder im gleichen Haushalt lebenden, mindestens 16 Jahre alten Person 
entgegengenommen wurde (Art. 44 Abs. 4 VRPG i.V.m. Art. 138 Abs. 2 der 
Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 [Zivilprozessordnung, 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.08.2014, Nr. 100.2014.164U, Seite 4

ZPO; SR 272]). Zudem gilt die Zustellung einer Sendung, die nur gegen Unterschrift 
der Adressatin bzw. des Adressaten oder einer andern berechtigten Person überbracht 
wird, spätestens am siebten Tag nach dem ersten erfolglosen Zustellungsversuch als 
erfolgt (sog. Zustellfiktion; Art. 44 Abs. 3 VRPG; vgl. auch Art. 138 Abs. 3 Bst. a ZPO). 
Ist eine Partei unbekannten Aufenthalts (oder hält sie sich im Ausland auf und hat in 
der Schweiz keine Zustelladresse bezeichnet), können Verfügungen und Entscheide 
zudem im Amtsblatt eröffnet werden (Art. 44 Abs. 5 Bst. a VRPG). Die gesetzliche 
Umschreibung der Zustellung in Art. 138 Abs. 2 ZPO knüpft an die bisherige 
Rechtsprechung an (BGE 138 III 225 E. 3.1; VGE 2012/2 vom 22.5.2012, E. 2.4; 
Botschaft des Bundesrats zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, in BBl 2006 
S. 7307). Nach Begründung eines Prozessrechtsverhältnisses ist deshalb für den 
Beginn des Fristenlaufs nicht der Zeitpunkt entscheidend, in dem die Sendung 
tatsächlich in Empfang genommen wird, sondern jener, in dem sie in den Machtbereich 
der Adressatin bzw. des Adressaten gelangt und zur Kenntnis genommen werden kann 
(vgl. BGE 122 I 139 E. 1, 122 III 316 E. 4b; BVR 1996 S. 189 E. 2b). Diese 
Voraussetzung ist erfüllt, wenn die Sendung selber oder eine Abholungseinladung der 
Post in den Briefkasten gelegt wird (Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 44 N. 2). 

2.2 Vorliegend ist der Beschwerdeentscheid der SUE am 4. September 2013 mit 
eingeschriebener Post an die von der Beschwerdeführerin angegebene Anschrift an 
der B._________strasse 1___ in C._________ versandt worden. Weil die 
Beschwerdeführerin dort nicht bekannt war, konnte die Sendung indes nicht zugestellt 
werden; sie wurde deshalb retourniert und traf am 9. September 2013 wieder bei der 
SUE ein (vgl. Zustellnachweis, Beschwerdebeilage [BB] 4). Mitte November erkundigte 
sich die Beschwerdeführerin telefonisch nach dem Stand des Verfahrens, worauf ihr 
die SUE den Beschwerdeentscheid am 18. November 2013 als A-Post-Sendung 
zustellte und sie am 21. November 2013 Beschwerde erhob (vgl. act. 6A pag. 23 und 
5). Vor Verwaltungsgericht hat sich ergeben, dass Anfang September 2013 folgende 
Umstände zur erfolglosen Zustellung geführt haben: Die Beschwerdeführerin hatte ihre 
Wohnung an der B._________strasse 1___ per Ende Juni 2013 gekündigt (vgl. BB 5), 
bezog aber die neue Wohnung an der D.________strasse 2___ erst am 1. November 
2013. In der Zwischenzeit wohnte sie offenbar bei ihrer Schwester und bei Freunden, 
wobei sie für Postsendungen weiterhin ihre bisherige Anschrift verwendete, die 
Sendungen aber «postlagernd» auf der Poststelle … zurückbehalten liess. Sie erteilte 
hiefür zwei Aufträge, einen ersten vom 1. Juli bis 31. August 2013 und einen zweiten 
vom 9. September bis 1. November 2013 (vgl. BB 6 und 7). Die erfolglose Zustellung 

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des Entscheids vom 4. September 2013 erfolgte also während einer (kurzen) Phase, in 
der die Beschwerdeführerin auf dem Postweg nicht erreichbar war.

2.3 Die Vorinstanz ist an sich davon ausgegangen, der Beschwerdeentscheid vom 
4. September 2013 sei der Beschwerdeführerin nicht zugestellt worden. Sie schloss 
aber auf eine Verletzung der Empfangspflicht, weil die Beschwerdeführerin die 
Unzustellbarkeit selber zu verantworten habe. Die Beschwerdeführerin habe deshalb 
«das Risiko für die Nichtzustellung des Entscheids» zu tragen, weshalb «der Entscheid 
vom 4. September […] mit Rücksicht auf den Grundsatz von Treu und Glauben im 
Prozessverfahren aber dennoch anfangs September 2013 als zugestellt zu 
betrachten» sei. Eine genaue Bestimmung des Zeitpunkts der Zustellung erachtete das 
RSA als entbehrlich, weil die Beschwerdefrist ohnehin nicht eingehalten worden sei. – 
Die Beschwerdeführerin wendet ein, die eingeschriebene Postsendung von Anfang 
September 2013 sei nicht in ihren Machtbereich gelangt, weshalb ihr der Entscheid 
erst im November 2013 eröffnet worden sei. Sie habe zwar die Nichtzustellung zu 
verantworten, habe aber ihre postalische Erreichbarkeit grundsätzlich sichergestellt ge-
habt; nur zwischen den beiden Aufträgen für die Zurückbehaltung von Postsendungen 
habe eine Lücke von einigen wenigen Tagen bestanden. Zudem habe sie die EG Bern 
in keiner Weise zu kontaktieren versucht, obschon ihr insbesondere die Rufnummer 
ihres Mobiltelefons bekannt gewesen sei. 

2.4 Entscheide sind zu eröffnen, ansonsten sie keine Rechtswirkungen entfalten; 
die Eröffnung, die in der Regel durch Zustellung des Entscheids an die Adressatin bzw. 
den Adressaten erfolgt, bildet deshalb auch Voraussetzung für den Lauf der 
Rechtsmittelfrist. Wurde – wie hier – ein Prozessrechtsverhältnis begründet, so ist eine 
fristauslösende Zustellung grundsätzlich schon dann vollzogen, wenn der Entscheid in 
den Machtbereich der Adressatin bzw. des Adressaten gelangt (vgl. vorne E. 2.1). Eine 
solche Zustellung ist vorliegend unbestrittenermassen erst durch die Sendung vom 
18. November 2013 erfolgt. Mit Blick auf den erfolglosen Zustellungsversuch von 
Anfang September kann sich einzig fragen, ob aufgrund der konkreten Umstände 
gestützt auf Art. 44 Abs. 3 VRPG eine Zustellung zu fingieren ist. 

2.4.1 Bei der Zustellfiktion wird regelmässig nicht die Zustellung selber, sondern 
bloss das In-Empfang-Nehmen bzw. die Fristauslösung fingiert und insoweit auf die 
siebentägige Abholfrist der Post Bezug genommen (vgl. BVR 2009 S. 107 E. 7.3.2; 
BGE 130 III 396 E. 1.2.3). Wie sich etwa auch aus dem Wortlaut von Art. 138 Abs. 3 
Bst. a ZPO klar ergibt, setzt die Fiktion deshalb grundsätzlich voraus, dass der 

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Adressatin bzw. dem Adressaten im Rahmen des erfolglosen Zustellungsversuchs 
zumindest eine Abholeinladung der Post zugegangen ist (vgl. Herzog/Daum, Die Um-
setzung der Rechtsweggarantie im bernischen Gesetz über die Verwal-
tungsrechtspflege, in BVR 2009 S. 26 f.; Markus Müller, Bernische Ver-
waltungsrechtspflege, 2. Aufl. 2011, S. 101; Amstutz/Arnold, in Niggli/Ueber-
sax/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar zum BGG, 2. Aufl. 2011, Art. 44 N. 21 f. 
und 31; Maitre/Thalmann, in Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar zum 
VwVG, 2009, Art. 20 N. 42 f.; Geiser/Uhlmann, in Geiser/Münch/Uhlmann/Gelzer 
[Hrsg.], Prozessieren vor Bundesgericht, 3. Aufl. 2011, S. 42; Gschwend/Bornatico, in 
Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar zur ZPO, 2. Aufl. 2013, Art. 138 
N. 17 f.; aus der Rechtsprechung des VGer etwa VGE 2012/2 vom 22.5.2012, E. 2.3, 
23141 vom 15.2.2008, E. 2.2). Für eine Anwendung der Zustellfiktion ist mithin 
grundsätzlich erforderlich, dass die Postsendung in den Machtbereich der Adressatin 
bzw. des Adressaten gelangt und demzufolge hätte zur Kenntnis genommen werden 
können (BGer 4P.124/2006 vom 17.8.2006, E. 2.3; vgl. auch BGer 2P.120/2005 vom 
23.3.2006, in BVR 2006 S. 378 E. 3). – Hier konnte der Beschwerdeführerin keine Ab-
holungseinladung in den Briefkasten gelegt werden, weil sie zwar ihre bisherige 
Anschrift weiterhin verwendete, aber in Wirklichkeit nicht mehr an der 
B._________strasse 1___ wohnhaft war und die an sie gerichteten Sendungen auf der 
zuständigen Poststelle zurückbehalten liess. Zwar kommt die Zustellfiktion gemäss 
Art. 44 Abs. 3 VRPG ohne weiteres auch bei einem Postrückbehaltungsauftrag zur 
Anwendung (Herzog/Daum, a.a.O., S. 27; vgl. auch BGE 134 V 49 E. 4); angesichts 
der zeitlichen Lücke zwischen den beiden Rückbehaltungsaufträgen (vgl. vorne E. 2.2) 
wurde der Entscheid vom 4. September 2013 jedoch nicht für die Beschwerdeführerin 
auf der Poststelle ... zurückbehalten, sondern postwendend an die EG Bern retourniert. 
Er ist deshalb nie in den Machtbereich der Beschwerdeführerin gelangt und diese hatte 
keine Gelegenheit, von ihm Kenntnis zu nehmen oder vom Zustellungsversuch zu 
erfahren. Bei diesen Gegebenheiten fehlt es nicht nur an einer Zustellung des Ent-
scheids an die Beschwerdeführerin, sondern überhaupt an dessen Eröffnung; die 
gesetzliche Zustellfiktion kommt nicht zum Tragen.

2.4.2 Allerdings wird in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 44 Abs. 2 
des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht 
(Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) teils nicht nur die Fristauslösung, sondern 
auch die Zustellung als solche fingiert, wenn die Adressatin bzw. der Adressat an der 
vorbehaltlos bekanntgegebenen Zustelladresse unbekannt ist (vgl. etwa BGer 

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2F_11/2010 vom 23.2.2011, 2C_67/2008 vom 29.4.2008, E.2.2). Der bernische 
Gesetzgeber hat diese Vorschrift des BGG mit Art. 44 Abs. 3 VRPG im Rahmen der 
VRPG-Revision 2008 zwar übernommen und sie im Sinn einer Vereinheitlichung gleich 
geregelt (vgl. Vortrag des Regierungsrats betreffend das Gesetz über die Verwaltungs-
rechtspflege [Änderung], in Tagblatt des Grossen Rates 2008, Beilage 11, S. 8 und 
10). Das Verwaltungsgericht hat jedoch Art. 44 Abs. 3 VRPG bisher – vorbehältlich des 
Postrückbehaltungsauftrags (E. 2.4.1 hiervor) – nur dann zur Anwendung gebracht, 
wenn die Adressatin bzw. der Adressat mittels Abholungseinladung der Post zumindest 
Gelegenheit erhalten hat, vom Inhalt der Sendung Kenntnis zu nehmen. Es mag zwar 
prozessuale Situationen geben, in denen es gerechtfertigt erscheint, auf die Zustell-
fiktion zurückzugreifen, obschon die Sendung gar nicht in den Machtbereich der 
Adressatin bzw. des Adressaten gelangt ist, etwa bei einer böswilligen Vereitelung 
oder Verzögerung des Zustellungsversuchs (vgl. BGer 4P.124/2006 vom 17.8.2006, 
E. 2.3) oder bei grober Missachtung von Obliegenheiten, die sich für die Parteien aus 
dem Prozessrechtsverhältnis ergeben. Wie die folgenden Erwägungen zeigen, erfüllt 
der vorliegende Sachverhalt indes keine dieser Voraussetzungen und fällt mithin so 
oder anders nicht in den Anwendungsbereich von Art. 44 Abs. 3 VRPG.

2.4.3 Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin nicht für eine lückenlose 
Rückbehaltung der an sie adressierten Post gesorgt hat und damit ihrer Obliegenheit, 
für den korrekten Empfang von behördlichen Sendungen zu sorgen, nicht 
uneingeschränkt nachgekommen ist. Sie hat sich jedoch keine groben Pflichtverstösse 
zuschulden kommen lassen, betrug die Lücke doch bloss eine Woche. Bei diesen 
Gegebenheiten erscheint es primär als unglückliche Zufälligkeit, dass ihr der Entscheid 
vom 4. September 2013 nicht eröffnet werden konnte. Umgekehrt wäre es für die SUE 
trotz des erfolglosen Zustellungsversuchs ein Leichtes gewesen, die 
Beschwerdeführerin doch noch zu erreichen. Insbesondere wäre ein erneuter Versand 
des Entscheids, sei es mit eingeschriebener Post oder als A-Post-Sendung, vom 
zweiten Rückbehaltungsauftrag erfasst worden. Die SUE hat sich aber mit dem 
missglückten einmaligen Versuch begnügt, obschon sie nicht wissen konnte, weshalb 
dieser gescheitert war, und insbesondere auch ein Fehler der Post als Ursache nicht 
auszuschliessen war. Weder hat sie Nachforschungen über den Aufenthaltsort der Be-
schwerdeführerin angestellt, noch hat sie versucht, diese auf anderem Weg zu 
kontaktieren. Zu Recht verweist die Beschwerdeführerin diesbezüglich auf den 
Umstand, dass die Rufnummer ihres Mobiltelefons aus den Verfahrensakten ersichtlich 
war (sie wurde teils sogar ins Rubrum amtlicher Dokumente aufgenommen; vgl. insb. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.08.2014, Nr. 100.2014.164U, Seite 8

die Dokumentierung der Gewährung des rechtlichen Gehörs vom 8.2.2013, in act. 6B). 
Auch wenn sich die Behörden grundsätzlich auf eine (einmalige) postalische Zustellung 
an eine vorbehaltlos bekanntgegebene Zustelladresse beschränken und darauf ver-
trauen dürfen, dass ihnen diese von der Partei korrekt übermittelt worden ist, wird das 
Verhalten der SUE den Umständen nicht gerecht. Es ist zu bedenken, dass sowohl die 
Zustellpflicht der Behörden als auch die Empfangspflicht der Parteien vernünftig, also 
weder mit übertriebener Strenge noch mit ungerechtfertigtem Formalismus zu 
handhaben sind (BGer 2P.120/2005 vom 23.3.2006, in BVR 2006 S. 378 E. 4.1). Der 
SUE musste angesichts der Umstände klar sein, dass ihr Entscheid nicht in den Macht-
bereich der Beschwerdeführerin gelangt war und dass diese letztlich nicht einmal von 
der Tatsache hatte Kenntnis nehmen können, dass im sie betreffenden (immerhin seit 
März 2013 hängigen) Verfahren nunmehr ein Rechtsmittelentscheid gefällt worden 
war. Ging die SUE dennoch von einer gültigen Eröffnung ihres Entscheids aus, 
erscheint es stossend, dass sie die Beschwerdeführerin trotz der grossen Tragweite, 
welche die Streitigkeit über die Berufsausübungsbewilligung für die Betroffene 
offensichtlich hat, und trotz der vermeintlichen Auslösung der Frist für die Einlegung 
eines Rechtsmittels nicht darüber zu informieren suchte. Dies umso mehr, als 
offensichtlich ist, dass die Beschwerdeführerin in rechtlichen Angelegenheiten gänzlich 
unerfahren ist. 

2.4.4 Nach dem Gesagten ist der Entscheid vom 4. September 2013 der 
Beschwerdeführerin erst am 18. November 2013 eröffnet worden, so dass die 
Beschwerdeerhebung am 21. November 2013 rechtzeitig erfolgt ist. Die Annahme der 
Vorinstanz, es sei bereits Anfang September zu einer gültigen Zustellung gekommen, 
lässt sich nicht halten, auch nicht gestützt auf die Zustellfiktion von Art. 44 Abs. 3 
VRPG, zumal die fragliche Sendung nie in den Machtbereich der Beschwerdeführerin 
gelangt ist und diese nie Gelegenheit hatte, von ihr Kenntnis zu nehmen. Zwar dürfte 
von dieser formellen Voraussetzung der Zustellfiktion dann abzuweichen sein, wenn 
ein grobes Fehlverhalten der Adressatin bzw. des Adressaten einer eingeschriebenen 
Postsendung vorliegt. Ein solches kann hier indes ausgeschlossen werden.

2.5 Da die Beschwerde an das RSA rechtzeitig erhoben worden ist, ist die 
Verwaltungsgerichtsbeschwerde gutzuheissen, der angefochtene Entscheid 
aufzuheben und die Sache zur Fortsetzung des Verfahrens an die Vorinstanz 
zurückzuweisen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.08.2014, Nr. 100.2014.164U, Seite 9

3.

3.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 108 
Abs. 1 und 2 VRPG).

3.2 Hingegen hat die EG Bern, welche die Abweisung der Beschwerde beantragt, 
der obsiegenden Beschwerdeführerin die Parteikosten zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 
i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG). Die Kostennote ihres Rechtsvertreters gibt zu keinen 
Bemerkungen Anlass. 

3.3 Das Gesuch um Erteilung des Rechts auf unentgeltliche Rechtspflege ist 
angesichts des Obsiegens der Beschwerdeführerin als gegenstandslos geworden vom 
Geschäftsverzeichnis abzuschreiben (Art. 39 Abs. 1 VRPG). 

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid des Regierungsstatthalteramts 
Bern-Mittelland wird aufgehoben und die Sache wird zur Fortsetzung des 
Verfahrens an die Vorinstanz zurückgewiesen.

2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3.  Die Einwohnergemeinde Bern hat der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor 
dem Verwaltungsgericht die Parteikosten, bestimmt auf insgesamt Fr. 2'701.60 (inkl. 
Auslagen und MWSt), zu ersetzen.

4. Das Gesuch um Erteilung der unentgeltlichen Rechtspflege wird als gegenstandslos 
geworden vom Geschäftsverzeichnis abgeschrieben.

5. Zu eröffnen:
- der Beschwerdeführerin
- der Einwohnergemeinde Bern
- dem Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.08.2014, Nr. 100.2014.164U, Seite 10

Der Abteilungspräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begründung beim 
Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 
gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das 
Bundesgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.