# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 57f07c82-e55a-59ba-a17b-ea5571d1d478
**Source:** Appenzell Ausserrhoden (AR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-01-01
**Language:** de
**Title:** Appenzell Ausserrhoden Kantonsgericht Sammlung ARGVP ARGVP 2007 1453
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AR_Gerichte/AR_KG_005_ARGVP-2007-1453_nodate.pdf

## Full Text

A. Verwaltungsentscheide 1453 

 

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Baubewilligungsverfahren. Dachgeschoss. Ein Dach, das nur auf 
einer Seite die massgebliche Kniestockhöhe für Dachgeschosse ein-
hält, wie es bei einem Pultdach der Fall ist, ist als Vollgeschoss und 
nicht als Dachgeschoss zu qualifizieren. 

 5.3 Zu prüfen ist, ob das oberste Stockwerk [des geplanten Ein-
familienhauses] als Dachgeschoss zu qualifizieren ist. Art. 7 Abs. 1 
Baureglement W. (BauR) lautet hiezu wie folgt: „Als Dachgeschoss 
zählt ein Stockwerk, das im Dachraum liegt und einen Kniestock von 
maximal 0.8 m aufweist oder das im Wesentlichen unter einem Winkel 
von 45 Grad von der Schnittlinie der Fassadenflucht mit der Dachhaut 
des Flachdaches als Attikageschoss über dem obersten Vollgeschoss 
zurückliegt.“ 
 5.3.1 Der zweite Satzteil befasst sich mit einem Attikageschoss, 
das hier bei einem mit einem Pultdach überdeckten Dachraum ohne 
weiteres nicht gegeben ist. Fraglich ist hingegen, wie der erste Satz-
teil des vorstehenden Absatzes auf den vorliegenden Fall anzu-
wenden ist; insbesondere, ob der maximal zulässige Kniestock von 
0.8 m beidseits links und rechts ab Gebäudeoberkante des mittleren 
Geschosses oder nur von einer Seite her zu messen ist. Die Bedeu-
tung der Bestimmung ist nach den allgemeinen Auslegungsregeln der 
grammatikalischen, historischen, teleologischen sowie der systemati-
schen Auslegung zu ermitteln. Gemäss Wortlaut hat ein Dach-
geschoss einen Kniestock von maximal 0.8 m aufzuweisen. Die 
Formulierung „einen“ ist nun aber nicht so zu interpretieren, dass der 
Kniestock nur ab einer Dachoberkante des mittleren Vollgeschosse zu 
messen wäre. Denn die im Appenzellerland traditionell und auch 
heute noch mit Abstand am häufigsten vorkommenden Dachformen 
sind Satteldächer, bei denen die maximale Kniestockhöhe beidseitig 
einzuhalten ist. Das Wort „einen“ erhellt im Gegenteil, dass für im 
Dachraum gelegene Stockwerke zur Annahme eines Dach-
geschosses nur eine Kniestockhöhe von 0.8 m zulässig ist, was die 
Messung dieser Kniestockhöhe sowohl ab der linken wie der rechten 
Gebäudeoberkante des mittleren Geschosses bedingt. Diese beid-
seitige Messweise deckt sich auch mit der Rechtsprechung des 
Verwaltungsgerichts Zürich in vergleichbaren Fällen (Entscheid des 
Verwaltungsgerichts Zürich VB.99.00085, in: Fritsche/Bösch, Zürcher 

A. Verwaltungsentscheide 1453 

 

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Planungs- und Baurecht, Zürich 2006, 13.1.3.3). Die Messweise der 
Kniestockhöhe von zwei Seiten her ist überdies auch deswegen an-
gebracht, weil Attikageschosse als Spezialform eines Dach-
geschosses explizit in Art. 7 Abs. 1 BauR W. aufgeführt sind, ein 
Hinweis auf ein Pultdach als weiterer Sonderfall eines Dach-
geschosses dagegen fehlt. Ebenso wenig ist ein Dachgeschoss mit 
Pultdach indirekt über die Definition eines kleinen und grossen Knie-
stockes zugelassen, zumal im Wesen von Pultdächern die unter-
schiedliche Höhe der beiden Kniestöcke liegt. Art. 7 Abs. 1 BauR W. 
schliesst dagegen oberste Stockwerke als Dachgeschosse mit 
anderweitig als mit Satteldächern gestalteten Dachformen wie etwa 
Mansardedächer, Walmdächer, Mansardewalmdächer, Zeltdächer, 
Zwiebeldächer usw. nicht aus, solange nur die maximale Kniestock-
höhe von 0.8 m und die weiteren Regelbauvorschriften eingehalten 
sind (vgl. Fritsche/Bösch, Zürcher Planungs- und Baurecht, Zürich 
2006, 29-7).  
 5.3.2 Vorliegend wahrt das oberste mit Pultdach überdeckte Ge-
schoss der geplanten Baute nur einseitig die erlaubte Kniestockhöhe. 
Demzufolge ist dieses Geschoss im Sinne von Art. 7 Abs. 3 BauR W. 
als übriges Geschoss und damit als Vollgeschoss zu qualifizieren. 
Das in der Wohnzone 1 gelegene Bauvorhaben weist somit aber zu-
sammen mit dem unbestrittenen mittleren Vollgeschoss ein über-
zähliges unzulässiges Vollgeschosse auf. Das Baureglement der 
Gemeinde W. schliesst zwar nicht grundsätzlich oberste Stockwerke 
mit Pultdächern aus. In den jeweiligen Bauzonen darf aber die Anzahl 
zulässiger Vollgeschosse nicht wie hier überschritten werden, sofern 
nicht allfällige Sondernutzungspläne ausnahmsweise gemäss Art. 41 
Abs. 1 lit. a BauG eine Abweichung von der Geschosszahl zulassen. 

Entscheid Departement Bau und Umwelt vom 20.08.2007  
 
(Eine gegen diesen Entscheid erhobene Verwaltungsgerichts-
beschwerde ist mit Urteil des Verwaltungsgerichts vom 28. Mai 2008 
abgewiesen worden.)