# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 68a64ff4-b374-5f99-a03d-99b642d07953
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 1991-12-20
**Language:** de
**Title:** Anforderungen an Gebäude und Räume. Erforderliche Fensterfläche von über andere Räume mitbelichteter Wohnküche.
**Docket/Reference:** BRKE I Nr. 0763/1991
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRKE_I_763_1991_715.pdf

## Full Text

BRKE I Nr. 763/1991 vom 20. Dezember 1991 in BEZ 1992 Nr. 7

6. a) Gemäss den vom Regierungsrat für sofort verbindlich erklärten und damit 
auch in der Stadt Zürich anwendbaren wohnhygienischen Vorschriften der §§ 299 ff. 
PBG sind Wohn- und Schlafräume mit Fenstern zu versehen, die über dem Erdreich 
liegen,  unmittelbar  ins  Freie  führen  und  in  ausreichendem  Masse  geöffnet  werden 
können;  die  Fensterfläche  hat  wenigstens  einen  Zehntel  der  Bodenfläche  zu  betra-
gen  (§  302  Abs.  2  PBG).  Gemäss  §  36  Abs.  2  der  Besonderen  Bauverordnung  I
(BBV I) müssen Küchen in Wohnungen mit mindestens drei Zimmern und in Einfami-
lienhäusern  hinsichtlich  Belichtung  und  Belüftung  den  für  Wohn- und  Schlafräume 
geltenden Anforderungen entsprechen.

b) Die vom Rekurrenten im Untergeschoss erstellte Wohnung weist drei in sich
mehr  oder  weniger  abgeschlossene  Räume,  nämlich  einen  Wohn-,  einen  Schlaf-
und einen an den Wohnungseingang anschliessenden "Vorraum" auf. Zwischen die-
sen  Räumen  befindet  sich  ein  10,8  m2 (das  in  den  Plänen  vermerkte  Mass  von  14 
m2 bezieht sich offensichtlich auf den erwähnten Vorraum) grosser "Vorplatz", gegen 
welchen  das  Wohnzimmer  und  der  Vorraum  keine  Türen  aufweisen  und  von  wel-
chem aus über eine rund 1,5 m breite Maueröffnung die ebenfalls Teil dieser Woh-
nung  bildende  "Wohnküche"  erreicht  werden  kann.  Die  Küche  weist eine Bodenflä-
che von 21 m2 und eine Fensterfläche von 1,3 m2 auf.

c) Räume  müssen  gemäss  §  302  Abs.  1  PBG  genügend  belichtet  und  lüftbar
sein.  Diese  Anforderung  ist  insbesondere dann  gewährleistet,  wenn  die  zu  diesem 
Zweck in § 302 Abs. 2 PBG vorgeschriebenen Fenster mit der bestimmten Mindest-
grösse  in  jedem  einzelnen  Raum  vorhanden  sind.  Der  Vorschrift  von  §  302  Abs.  2 
PBG muss daher grundsätzlich jeder einzelne Raum eines Gebäudes genügen, so-
weit  bestimmte  Räume  hievon  nicht  ausdrücklich  ausgenommen  sind  und  nicht  die 
Spezialvorschrift von § 302 Abs. 3 PBG greift.

Darüber,  ob  es  zulässig  sei,  mit  (gemessen  an  §  302  Abs.  2  PBG)  "übergros-
sen" Fenstern des einen Raumes fehlende Fensterflächen in einem angrenzenden, 
vom  ersteren  nicht  vollständig  abgeschlossenen  bzw.  abschliessbaren  Raum  zu 
kompensieren, sagt das Gesetz nichts. Im Hinblick darauf, dass § 302 Abs. 2  PBG 
lediglich wohnhygienisch einwandfreie Verhältnisse sicherstellen will, erscheint diese 
Möglichkeit nicht als in jedem Fall ausgeschlossen. Die Frage, unter welchen Gege-
benheiten  eine  solche  Kompensation  fehlender  Fensterflächen  zulässig  sei,  ent-

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scheidet  die  Vorinstanz  offenbar  jeweils  in  analoger  Anwendung  von  §  10  Abs.  3 
BBV II, wonach bei der Ermittlung des nach § 10 Abs. 1 BBV II erforderlichen Raum-
inhalts  von  Gastwirtschaftslokalen,  Grossläden  und  anderen  Räumen  mit  grossem 
Publikumsverkehr bzw. -aufkommen die Flächen von Räumen zusammengerechnet 
werden, wenn die zugehörige feste Trennwand über mehr als einen Drittel ihrer Flä-
che, jedenfalls aber um mehr als 4 m2 unterbrochen ist. Es erscheint fraglich, ob eine 
schematische analoge Anwendung dieser Bestimmung mit Bezug auf die Frage, ob 
ein  Raum  genügend  belichtet  und  lüftbar  sei,  jedem  Einzelfall  gerecht  werde.  Ein 
solches Vorgehen dürfte jedenfalls dann nicht angehen, wenn trotz eines § 10 Abs. 3 
BBV II genügenden Mauerdurchbruchs zwischen zwei Räumen und einer 10 % der 
gemeinsamen Bodenfläche erreichenden Fensterfläche in einem der beiden Räume 
ein  Fenster  im  anderen Raum fehlt. Dies wäre selbst bei (von § 10 BBV II als eine 
Kategorie erwähnten) Gastwirtschaftsräumen nicht zulässig, unterstehen diese doch 
gemäss § 17 Abs. 1 BBV II hinsichtlich Belichtung und Belüftung denselben Anforde-
rungen  wie  Wohn- und  Schlafräume.  Mit  bloss  einem  Fenster  in  einem  von  zwei 
Räumen  wäre  namentlich  eine  genügende  Belüftung  (Zugluft)  in  Frage  gestellt.  In-
wieweit  die  von  der  Vorinstanz  erwähnte  Praxis  sachgerecht  sei,  braucht  indessen 
nicht  abschliessend  beurteilt  zu  werden,  hat  doch  die  Vorinstanz  eine  analoge  An-
wendung von § 10 Abs. 3 BBV II in dem hier zu beurteilenden Fall zu Recht abge-
lehnt.

Wenn es darum geht, ob ein bestimmter Raum über Fensterflächen eines ande-
ren  Raumes  genügend  (mit)belichtet  werde,  können  grundsätzlich  nur  Fensteröff-
nungen in Frage kommen, die in einem unmittelbar angrenzenden Raum vorhanden 
und  innert  nützlicher  Entfernung  gelegen  sind.  Beides  trifft  vorliegend  nicht  zu.  An 
die  fragliche  Wohnküche  schliesst  der  seinerseits  keine  Fensteröffnungen  aufwei-
sende, einen gefangenen Raum darstellende Vorplatz an. Von diesem führt ein rund 
1,2 m breiter Durchgang in den Wohnraum und ein ca. 1 m breiter Durchgang in den 
beim  Wohnungszugang  befindlichen  Vorraum.  Die  in  diesen  Räumen  vorhandenen 
Fenster  sind  rund  7  m  bzw.  8  m  von  der  Wohnküche  entfernt.  Angesichts  dessen 
und des Umstandes, dass das durch jene Fenster einfallende Licht zum grossen Teil 
wegen  der  vorhandenen  Zwischenwände  nicht  einmal  direkt  in  die  Wohnküche  ge-
langen kann, müssen jene Fensteröffnungen bei der Frage, ob die Wohnküche eine 
genügende  Fensterfläche  aufweise,  unberücksichtigt  bleiben.  Die  vom  Rekurrenten 
vorgenommene  Gesamtbetrachtung  von  Wohn- und  Vorraum,  Vorplatz  und  Wohn-
küche ist somit unzulässig.

Bei separater Beurteilung der Wohnküche ergibt sich klar, dass die dort vorhan-
dene Fensterfläche gemäss § 302 Abs. 2 PBG bzw. § 36 Abs. 2 BBV I ungenügend 
ist. Besondere Voraussetzungen im Sinne von § 302 Abs. 3 PBG, die eine reduzierte 
Fensterfläche  zuliessen,  sind  nicht  ersichtlich  und  auch  nicht  geltend  gemacht.  Der 
Rekurrent  ist  daher  zu  Recht  von  der  Baubehörde  aufgefordert  worden,  die  in  der 
Wohnküche  vorhandene  Fensterfläche  auf  das  erforderliche  Mass  zu  vergrössern 
und dies durch Einreichung entsprechender Pläne nachzuweisen.