# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7f3659c8-34e1-5d41-86ac-0ebeb39af45d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-12-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.12.2021 F-3493/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-3493-2021_2021-12-08.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-3493/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  8 .  D e z e m b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), 

Richterin Daniela Brüschweiler, Richter Andreas Trommer,    

Gerichtsschreiber Daniel Grimm. 
 

 
 

Parteien 
 A._______, geboren am (…), 

Sri Lanka,   

vertreten durch Veronica Chindamo,  

HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren Nordwestschweiz, 

Freiburgerstrasse 50, 4057 Basel,  

Beschwerdeführer,  

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 26. Juli 2021 / (…). 

 

 

 

F-3493/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer reichte am 17. Februar 2021 im Bundesasylzent-

rum in Basel ein Asylgesuch ein. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit 

der «Eurodac»-Datenbank ergab, dass er am 28. Oktober 2020 in Italien 

aufgegriffen und gleichentags daktyloskopisch erfasst worden war (vgl. Ak-

ten der Vorinstanz [SEM act.] 9). 

B.  

Im Rahmen des Dublin-Gesprächs gewährte das SEM dem Beschwerde-

führer am 1. März 2021 im Beisein der zugewiesenen Rechtsvertretung 

das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Italiens für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zu einer allfälligen Rückkehr dorthin 

sowie zum medizinischen Sachverhalt. Hierbei erklärte er, in Italien nicht 

um Asyl nachgesucht zu haben, weil die Schweiz, wo ein Bruder, ein Onkel 

sowie eine Tante lebten, von Anfang an sein Zielland gewesen sei. Er wolle 

hier bei seinem Bruder bleiben, auf dessen Hilfe er angewiesen sei. Zum 

medizinischen Sachverhalt gab der Beschwerdeführer an, nicht gesund zu 

sein. Als Folge von Folterungen verspüre er am ganzen Körper Schmer-

zen. Im Ellbogen habe er eine Schiene und in Ellbogen und Kinn zudem 

Metallgegenstände. Wegen Schmerzen in den Fingern könne er sodann 

kaum Greifhandlungen ausführen. Hinzu kämen Angstzustände und 

Schlafstörungen. Die Folterungen habe man ihm vor zirka sechs Jahren in 

Sri Lanka zugefügt. In diesem Land wie auch in Indien und nun in der 

Schweiz sei er bereits in ärztlicher Behandlung gewesen. 

Am Ende der Befragung legte die zugewiesene Rechtsvertretung ein me-

dizinisches Datenblatt vom 23. Februar 2021 vor, worin die geschilderten 

Beeinträchtigungen festgehalten waren. Sodann stellte sie den Antrag auf 

psychologische Abklärungen (SEM act. 17 und 18). 

C.  

Aufgrund der «Eurodac»-Treffer ersuchte das SEM die italienischen Be-

hörden am 5. März 2021 um Übernahme des Beschwerdeführers gemäss 

Art. 13 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parla-

ments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und 

Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines 

von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied-

staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfol-

gend: Dublin-III-VO). 

F-3493/2021 

Seite 3 

D.  

Ebenfalls am 5. März 2021 reichte die zugewiesene Rechtsvertretung ei-

nen medizinischen Bericht vom 4. März 2021 ein und wiederholte ihren 

Antrag auf psychologische Abklärungen. Der Eingabe war ein Schreiben 

des Bruders ihres Mandanten vom 26. Februar 2021 beigelegt, worin er 

darlegte, weshalb der Beschwerdeführer auf dessen Unterstützung ange-

wiesen sei (SEM act. 22 – 24). 

E.  

Wegen der angegebenen physischen und psychischen Probleme unterzog 

sich der Beschwerdeführer am 30. März 2021, 6. April 2021, 13. April 2021 

und 27. April 2021 mehreren ärztlichen Konsultationen (SEM act. 28 und 

30). Die Rechtsvertretung ihrerseits ersuchte mit Eingabe vom 29. März 

2021 erneut um eine psychiatrische Begutachtung (SEM act. 26). 

F.  

Am 3. Mai 2021 stimmten die italienischen Behörden dem Übernahmeer-

suchen gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO zu (SEM act. 31). 

G.  

Am 8. Juni 2021, 15. Juni 2021 und 29. Juni 2021 wurde der Beschwerde-

führer weitere Male ärztlich untersucht (SEM act. 34 und 43). Die Rechts-

vertretung stellte mit Eingabe vom 25. Juni 2021 derweil nochmals den An-

trag, dass für ihren Mandanten eine psychiatrische Abklärung bzw. Be-

handlung zu veranlassen sei (SEM act. 35).   

H.  

Mit Verfügung vom 26. Juli 2021 (eröffnet tags darauf) trat die Vorinstanz 

in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asyl-

gesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte seine Überstellung nach 

Italien und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwer-

defrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte das SEM den Kanton Solo-

thurn mit dem Vollzug der Wegweisung, händigte dem Beschwerdeführer 

die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus und stellte fest, 

dass einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid keine aufschie-

bende Wirkung zukomme (SEM act. 45 und 47). 

I.  

Mit Rechtsmitteleingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 3. August 

2021 beantragt der Beschwerdeführer, die angefochtene Verfügung sei 

F-3493/2021 

Seite 4 

aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutre-

ten. Eventualiter sei die Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklä-

rung an das SEM zurückzuweisen und dieses anzuweisen, den Beschwer-

deführer beim Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer anzumelden und 

von den italienischen Behörden zumindest individuelle Garantien bezüglich 

adäquater Unterbringung, medizinischer Behandlung und Rehabilitation 

einzuholen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersucht er um Erteilung der 

aufschiebenden Wirkung, Erlass vorsorglicher Massnahmen, Gewährung 

der unentgeltlichen Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses. 

Das Rechtsmittel war u.a. mit einer Terminkarte für einen Arztbesuch vom 

30. Juli 2021, Anfragen der zugewiesenen Rechtsvertretung vom 28. Juli 

2021 an einen Arzt des Ärztezentrums X._______, dessen Antwortschrei-

ben vom 30. Juli 2021 sowie einer Einladung für eine auf den 18. August 

2021 angesetzte orthopädische Sprechstunde ergänzt (BVGer act. 1).  

J.  

Am 4. August 2021 setzt die Instruktionsrichterin gestützt auf Art. 56 VwVG 

den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus (BVGer act. 2). 

K.  

Mit Zwischenverfügung vom 9. August 2021 erteilte das Bundesverwal-

tungsgericht der Beschwerde die aufschiebende Wirkung, und hiess das 

Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG 

gut (BVGer act. 3). 

L.  

Zwecks Klärung der Frage, ob es sich beim Beschwerdeführer um ein Fol-

teropfer handle, forderte das SEM ihn im Rahmen des Vernehmlassungs-

verfahrens am 23. August 2021 auf, alle vorhandenen Unterlagen und Be-

weismittel einzureichen, die in direktem oder indirektem Zusammenhang 

zu den geltend gemachten, sechs Jahre zurückliegenden Vorkommnissen 

stünden und Aufschluss über die körperlichen Beeinträchtigungen am lin-

ken Arm vermittelten (BVGer act. 4). 

M.  

Mit Schreiben vom 13. September 2021 kritisierte die zugewiesene Rechts-

vertretung gegenüber der Vorinstanz deren Vorgehen hinsichtlich der Fest-

stellung der Vulnerabilität des Beschwerdeführers als Folteropfer und ver-

wies auf die bisherigen medizinischen Unterlagen (SEM act. 58). 

F-3493/2021 

Seite 5 

N.  

Die Vorinstanz schloss in ihrer Vernehmlassung vom 16. September 2021 

auf Abweisung der Beschwerde (BVGer act. 7). 

O.  

Replikweise hielt der Beschwerdeführer am 25. Oktober 2021 am einge-

reichten Rechtsmittel, den Rechtsbegehren und deren Begründung fest. 

Der Replik lagen ein Sprechstundenbericht vom 18. August 2021, die An-

meldung für einen Arztbesuch vom 19. Oktober 2021 sowie ein Aufgebot 

für den 5. November 2021 zur neurologischen Abklärung bei (BVGer 

act. 9). 

P.  

Am 26. November 2021 ergänzte der Beschwerdeführer das Rechtsmittel 

mit einem am 16. November 2021 verfassten neurologischen Sprechstun-

den- und Elektrophysiologiebericht zur Untersuchung vom 5. November 

2021 sowie einer Einladung zu einem auf den 29. November 2021 ange-

setzten Gespräch im Psychiatrischen Ambulatorium in Y._______ (BVGer 

act. 11).  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von 

Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (Art. 105 AsylG, Art. 31 und 33 

Bst. b VGG). Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet es in der Regel – und 

so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwür-

diges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist da-

her zur Einreichung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 105 AsylG und 

Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG sowie Art. 52 Abs. 1 

VwVG). 

F-3493/2021 

Seite 6 

2.  

2.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht 

(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die 

unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-

verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, ein Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf ein Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.H.). 

3.  

3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung dieses Staates prüft das SEM die 

Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. Führt diese Prüfung zur 

Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Prüfung des Asylge-

suchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betreffende Mitgliedstaat 

einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt hat, auf das Asylge-

such nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 

3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung dieses 

Staates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylan-

trag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall eines sogenannten 

Aufnahmeverfahrens («take charge») sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dub-

lin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip 

der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) 

anzuwenden, und es ist von der Situation im Zeitpunkt, in dem die betref-

fende Person erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat, 

auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rahmen eines Wiederaufnah-

meverfahrens («take back») findet demgegenüber grundsätzlich keine (er-

neute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 

2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.H.). 

3.3 Wenn eine antragstellende Person, aus einem Drittstaat kommend, die 

Land-, See- oder Luftgrenze eines Mitgliedstaates illegal überschritten hat, 

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Seite 7 

ist dieser Mitgliedstaat gemäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO für die Prüfung 

des Antrags auf internationalen Schutz zuständig. Die Zuständigkeit endet 

gemäss dieser Norm zwölf Monate nach dem Tag des illegalen Grenzüber-

tritts. Die Dublin-III-VO räumt den Schutzsuchenden kein Recht ein, den 

ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 

E. 8.3). 

4.  

Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der «Euro-

dac»-Datenbank ergab, dass er am 28. Oktober 2020 in Italien aufgegriffen 

und gleichentags daktyloskopisch erfasst worden war (SEM act. 9). Das 

SEM ersuchte die italienischen Behörden deshalb am 5. März 2021 um 

Übernahme des Beschwerdeführers (SEM act. 19). Diese stimmten dem 

Übernahmeersuchen am 3. Mai 2021 zu. Die Zustimmung stützte sich auf 

Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO (SEM act. 31). Die grundsätzliche Zuständig-

keit Italiens ist somit gegeben. Dies wird auf Beschwerdeebene nicht be-

stritten.  

5.  

5.1 Das SEM führte zur Begründung seines Nichteintretensentscheids im 

Wesentlichen aus, die italienischen Behörden hätten das Übernahmeersu-

chen gutgeheissen, womit Italien für die Durchführung des Asyl- und Weg-

weisungsverfahrens des Beschwerdeführers zuständig sei. Dass die 

Schweiz sein Zielland gewesen sei, habe keinen Einfluss auf die Zustän-

digkeit Italiens, da Asylsuchende den zuständigen Staat nicht selber wäh-

len könnten. Italien sei sowohl Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 

1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) als auch 

der EMRK. Es lägen keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass sich 

dieser Staat nicht an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen halte und das 

Asyl- und Wegweisungsverfahren nicht korrekt durchführe. Es sei auch 

nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Überstel-

lung nach Italien im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO und Art. 3 EMRK 

gravierenden Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt wäre, in eine exis-

tenzielle Notlage geraten oder ohne Prüfung seines Asylgesuches und un-

ter Verletzung des Non-Refoulement-Gebots in seinen Herkunftsstaat 

überstellt würde. Da den herangezogenen Akten nichts entnommen wer-

den könne, was auf ein aktuelles oder vergangenes Abhängigkeitsverhält-

nis zwischen ihm und dem Bruder hindeuten würde, bestünden des Weite-

ren keine Gründe im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO, welche die 

Schweiz zur Prüfung seines Asylgesuches verpflichtete. Ferner erwog die 

Vorinstanz, dass keine Gründe vorlägen, die Souveränitätsklausel gemäss 

F-3493/2021 

Seite 8 

Art.  29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV1, SR 

142.311) i.V.m. Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO anzuwenden. Mit dem Geset-

zesdekret Nr. 130/2020 habe Italien inzwischen Massnahmen ergriffen, 

welche darauf abzielten, das Aufnahmesystem für Asylsuchende und die 

bereits vorhandene gute Gesundheitsversorgung, nicht zuletzt für vul-

nerable Personen, substanziell zu verbessern. Der Europäische Gerichts-

hof für Menschenrechte (EGMR) habe dies im Urteil M.T. gegen die Nie-

derlande vom 23. März 2021, Nr. 46595/19 bestätigt. In Anbetracht dessen 

vertrete sie die Ansicht, dass mit den durch das neue Gesetzesdekret ein-

geführten praktischen und rechtlichen Änderungen sowohl die medizini-

sche Versorgung in den italienischen Erstaufnahmestrukturen als auch die 

Identifikation allfälliger Vulnerabilitätsmerkmale und die Behandlung von 

physischen und psychischen Krankheiten gewährleistet seien. Beim Be-

schwerdeführer lägen keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen vor, wel-

che einer Überstellung dorthin entgegenstünden.  

Mit Blick auf die geltend gemachten Misshandlungen führte das Staatssek-

retariat in der Vernehmlassung zusätzlich aus, diese Vorfälle lägen schon 

Jahre zurück. Abgesehen davon habe der Beschwerdeführer keine Nach-

weise eingereicht, die belegten, dass er als Folteropfer zu betrachten sei. 

5.2 Der Beschwerdeführer hielt in der Rechtsmitteleingabe vom 3. August 

2021 dagegen, dass das SEM es unterlassen habe, die geltend gemachten 

gesundheitlichen Probleme rechtsgenüglich abzuklären. Insbesondere sei 

ihm eine Untersuchung seines psychischen Zustandes verweigert und sei-

ner besonderen Vulnerabilität als Folteropfer während des gesamten Ver-

fahrens keine Beachtung geschenkt worden. Dadurch habe die Vorinstanz 

sowohl den Untersuchungsgrundsatz als auch das Recht auf Rehabilitation 

von Folteropfern verletzt. Zudem bestehe zwischen ihm und seinem Bruder 

eine grosse Abhängigkeit. Physisch und psychisch angeschlagen, würde 

ihn eine Überstellung nach Italien aus seinem einzigen sozialen Umfeld 

reissen. Die Vorinstanz werde der tatsächlichen Situation mit ihren Erläu-

terungen zur Möglichkeit eines allfälligen Selbsteintritts nicht gerecht, wes-

halb auf das Asylgesuch einzutreten und die Sache zur Sachverhaltsfest-

stellung und Neubeurteilung des Selbsteintrittsrechts an die verfügende 

Behörde zurückzuweisen sei. Des Weiteren verwies der Beschwerdeführer 

auf einen Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom Januar 

2020 und einen Update-Bericht vom Juni 2021 zu den Aufnahmebedingun-

gen in Italien und führte in diesem Zusammenhang aus, da er auf medizi-

nische Behandlung angewiesen sei und die diesbezüglichen Abklärungen 

F-3493/2021 

Seite 9 

sich noch im Gange befänden, würde er in Italien nicht die benötigte medi-

zinische Betreuung und Medikation erhalten. Eine Überstellung in dieses 

Land könnte höchstens dann erfolgen, wenn die  

Vorinstanz angewiesen würde, von den italienischen Behörden individuelle 

Garantien hinsichtlich adäquater Unterbringung und ärztlicher Behandlung 

einzuholen. Die im Referenzurteil E-962/2019 festgelegten Anforderungen 

betreffend zusätzlicher Garantien seien durch die neuen rechtlichen Ent-

wicklungen nicht obsolet geworden. Vielmehr erscheine die Umsetzung 

des Gesetzesdekrets Nr. 130/2020 nicht klar. Zudem gelte es das vom 

SEM zitierte EGMR-Urteil, zu welchem sich das Bundesverwaltungsgericht 

bislang nicht geäussert habe, in verschiedener Hinsicht zu kritisieren. 

Überdies sei die pandemiebedingte Verschlechterung der Lage zu berück-

sichtigen. Alles in allem werde verletzlichen Personen und Folteropfern wie 

ihm in Italien der Zugang zu Unterbringung und Versorgung nach wie vor 

nur mangelhaft gewährt. 

Replikweise kritisierte der Beschwerdeführer am 25. Oktober 2021, dass 

die Vorinstanz die geltend gemachten Folterungen erst im Rechtsmittelver-

fahren thematisiert habe und verwies ergänzend darauf, dass er nach einer 

hausärztlichen Konsultation vom 19. Oktober 2021 zur psychiatrischen Ab-

klärung angemeldet worden und am 5. November 2021 eine neurologische 

Untersuchung vorgesehen sei.  

6.  

6.1 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-

ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die 

Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für 

Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-

sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-

lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen 

Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich brin-

gen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat 

als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Staat als zustän-

dig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Staat zum zu-

ständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 

6.2 Vorab ist darauf hinzuweisen, dass Italien Signatarstaat der EMRK, des 

Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-

same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, 

SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung 

der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 

F-3493/2021 

Seite 10 

31. Januar 1967 (SR 0.142.301) ist und seinen entsprechenden völker-

rechtlichen Verpflichtungen nachkommt. Es darf davon ausgegangen wer-

den, dass dieser Staat die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den 

Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 

26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-

kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 

2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-

nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-

merichtlinie) ergeben, anerkennt und schützt. 

6.3 Weder das Bundesverwaltungsgericht noch der Europäische Gerichts-

hof für Menschenrechte (EGMR) oder der Europäische Gerichtshof 

(EuGH) haben bislang systemische Schwachstellen im italienischen Asyl-

system erkannt. Zwar stehen die Unterstützung und die Einrichtungen für 

Asylsuchende und Personen mit Schutzstatus in Italien in der Kritik, ge-

mäss den bisherigen Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts ist in-

des davon auszugehen, dass Italien die Verfahrens- und Aufnahmerichtli-

nien einhält (siehe etwa Referenzurteil des BVGer E-962/2019 vom 17. De-

zember 2019 E. 6.3; Urteil des BVGer E-685/2021 vom 23. Februar 2021 

E. 6). Am 20. Dezember 2020 ist das Umwandlungsgesetz Nr. 173/2020 

zum Gesetzesdekret Nr. 130/2020 vom 21. Oktober 2020 in Kraft getreten. 

Das Gesetzesdekret Nr. 130/2020 sieht eine umfassende Reform des Auf-

nahmesystems für Asylsuchende in Italien vor, indem zentrale Bestimmun-

gen des sog. Salvini-Dekrets geändert wurden und ein engverflochtenes 

Aufnahme- und Integrationssystem implementiert wurde. Das neue Auf-

nahmesystem ist vergleichbar mit jenem, das vor Erlass des Salvini-

Dekrets bestanden hat. Nach dem Anmeldeverfahren werden die Asylsu-

chenden in das Aufnahme- und Integrationssystem SAI (Sistema di accog-

lienza e integrazione) überführt, welches nunmehr wieder allen Asylsu-

chenden – also auch den im Rahmen des Dublin-Verfahrens nach Italien 

überstellten Personen – offensteht. Schutzbedürftige Personen, die einer 

besonderen Form der Unterstützung bedürfen, geniessen bei der Überstel-

lung von einem Erstaufnahmezentrum in das SAI Priorität (zum Ganzen 

vgl. Referenzurteil des BVGer F-6330/2020 vom 18. Oktober 2021 

E. 10.5). Der EGMR ist im Urteil M.T. gegen die Niederlande vom 23. März 

2021, Nr. 46595/19 zur selben Einschätzung gelangt. Das Bundesverwal-

tungsgericht hat sich hierzu im eben zitierten Referenzurteil explizit geäus-

sert (siehe dortige E. 10.6). Nachdem der Beschwerdeführer im Dublin-

Gespräch angegeben hat, in Italien gar nie ein Asylgesuch gestellt zu ha-

F-3493/2021 

Seite 11 

ben, da die Schweiz von Anfang an sein Ziel gewesen sei, ist seiner allge-

meinen Kritik am Gesetzesdekret Nr. 130 aber ohnehin die Grundlage ent-

zogen. 

6.4 Dem Beschwerdeführer steht es nach erfolgter Überstellung nach Ita-

lien offen, dort um Asyl nachzusuchen und damit Zugang zu den eben be-

schriebenen asylrechtlichen Aufnahmestrukturen, einschliesslich notwen-

diger medizinischer Behandlung (siehe hierzu eingehender E. 8.1 – 8.5 

hiernach), zu erhalten. Er hat in diesem Zusammenhang kein konkretes 

und ernsthaftes Risiko dargetan, die italienischen Behörden würden sich 

weigern, ihn aufzunehmen und seinen Antrag auf internationalen Schutz 

unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten 

sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, das Land 

werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und 

ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder 

seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder 

in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwun-

gen zu werden. Die Vermutung, Italien halte seine völkerrechtlichen Ver-

pflichtungen ein, kann im Einzelfall zwar widerlegt werden. Wie eben er-

wähnt, bedarf es hierfür aber konkreter und ernsthafter Hinweise. Dies ge-

lingt dem Beschwerdeführer, der in diesem Land gar nicht erst um Asyl 

nachgesucht hat, mit den in der Beschwerde zitierten Quellen jedoch nicht. 

Folglich ist nicht davon auszugehen, dass eine Überstellung des alleinste-

henden, noch jungen Beschwerdeführers im Rahmen des Dublin-Verfah-

rens nach Italien eine Verletzung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta  

oder Art. 3 EMRK nach sich ziehen würde. Ebenso wenig bedurfte es nach 

dem Gesagten individueller Garantien hinsichtlich einer bedarfsgerechten 

Unterbringung. 

6.5 Die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist unter den genannten 

Umständen nicht gerechtfertigt. 

7.  

7.1 Zu prüfen ist sodann, ob die Anwesenheit des Bruders in der Schweiz 

einer Überstellung des Beschwerdeführers im Rahmen des vorliegenden 

Dublin-Verfahrens entgegensteht. Beim Bruder handelt es sich um 

B._______ (geb. (…), […), welcher hierzulande im Besitze einer Aufent-

haltsbewilligung ist (vgl. Eintrag im Zentralen Migrationssystem [ZEMIS]). 

Geschwister gelten nicht als Familienangehörige im Sinne von Art. 2 Bst. g 

Dublin-III-VO, weshalb eine Berufung auf die erwähnte Bestimmung ent-

fällt. Auch eine Anwendung von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO kommt nicht in 

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Seite 12 

Betracht, da die in dieser Bestimmung erwähnten Ermessensdeterminan-

ten (Schwangerschaft, neugeborenes Kind, schwere Krankheit, ernsthafte 

Behinderung, hohes Alter), welche eine Unterstützung durch den Bruder 

erfordern würden, nicht erfüllt sind. Ferner muss vorliegend eine enge fa-

miliäre Bindung – selbst wenn eine solche einst im Herkunftsland bestan-

den haben sollte – verneint werden, zumal der Beschwerdeführer erst am 

17. Februar 2021 in die Schweiz einreiste, während sein Bruder gemäss 

Eintrag im ZEMIS bereits am 7. August 2007 als Asylsuchender hierher 

gelangt war.  

7.2 Auch die Voraussetzungen von Art. 8 EMRK sind nicht erfüllt. Der Fa-

milienbegriff gemäss Art. 8 EMRK erfasst zwar über die Kernfamilie hin-

ausgehend auch die Beziehungen zwischen nahen Verwandten, die in der 

Familie eine wesentliche Rolle spielen können. Allerdings setzt im Verhält-

nis zwischen diesen Verwandten ausserhalb der Kernfamilie die Berufung 

auf den Grundsatz der Familieneinheit gemäss der Rechtsprechung des 

Bundesverwaltungsgerichts – nebst einer nahen, echten und tatsächlich 

gelebten Beziehung – grundsätzlich ein besonderes Abhängigkeitsverhält-

nis voraus (BVGE 2008/47 E. 4.1.1 S. 677 f.). Vorliegend fehlt es indessen 

schon an einer gelebten Beziehung im Sinne der Rechtsprechung, weil 

sich B._______ – wie erwähnt – seit etlichen Jahren hierzulande aufhält, 

während der Beschwerdeführer erst am 17. Februar 2021 in die Schweiz 

einreiste. Dass die beiden inzwischen eine innige Beziehung pflegen und 

sich B._______ um das Wohlergehen der nachgereisten Person sorgt, än-

dert im Kontext der mindestens 14-jährigen Trennung nichts daran, dass 

hier weder von einem vergangenen noch aktuellen Abhängigkeitsverhältnis 

im Sinne der Rechtsprechung ausgegangen werden kann. Anderweitige 

Kontakte zwischen den Betroffenen sind für die fragliche Periode akten-

mässig nicht erstellt, weshalb eine Wegweisung nach Italien weder eine 

Verletzung von Art. 16 Dublin-III-VO noch eine solche von Art. 8 EMRK 

darstellt. 

7.3 Mit Blick auf die geltend gemachte Vulnerabilität des Beschwerdefüh-

rers als Folteropfer sagte der Betroffene anlässlich des Dublin-Gesprächs 

aus, in Sri Lanka gefoltert worden zu sein und seither überall Schmerzen 

zu verspüren, insbesondere an Ellbogen, Fingern und Kinn. Aufgrund der 

Folterungen, welche zirka vor sechs Jahren stattgefunden hätten, leide er 

zudem an Schlafproblemen und Angstzuständen (SEM act. 17). In einem 

Schreiben der Rechtsvertretung vom 29. März 2021 ist ferner davon die 

Rede, dass ihr Mandant damals mehrere Monate inhaftiert gewesen sei 

und man ihn immer wieder mit Metallstangen geschlagen habe, bis die 

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Seite 13 

Knochen gebrochen seien. Danach hätten ihn seine Peiniger verarztet, um 

ihn sogleich wieder zu quälen (SEM act. 26). Wegen seiner gesundheitli-

chen Beeinträchtigungen hat sich der Beschwerdeführer eigener Darstel-

lung zufolge in Sri Lanka und Indien in ärztliche Behandlung begeben. 

Ende Oktober 2020 ist er schliesslich auf dem Luftweg via die Türkei nach 

Italien gelangt. Vor diesem Hintergrund forderte die Vorinstanz ihn am 23. 

August 2021 im Rahmen der Vernehmlassung auf, alle vorhandenen Un-

terlagen und Beweismittel einzureichen, welche einen direkten oder indi-

rekten Zusammenhang zu den behaupteten, rund sechs Jahre zurücklie-

genden Vorkommnissen hätten und sie zu belegen vermöchten (BVGer 

act. 4). Dieser Aufforderung kam der Beschwerdeführer innert Frist bei der 

Vorinstanz nicht nach (ebenso nicht in der nachfolgenden Replik), stattdes-

sen verwies er auf die bereits vorhandenen medizinischen Unterlagen 

(BVGer act. 6) sowie anstehende ärztliche Untersuchungen (Replik 

[BVGer act. 9]). Die angesprochenen Arztberichte stützen sich, soweit da-

rin auf Folterungen Bezug genommen wird, allerdings einzig auf eigene 

Schilderungen und eignen sich deshalb nicht für den Nachweis, dass es 

sich bei ihm um ein Folteropfer handeln könnte. Der Vorinstanz ist in die-

sem Zusammenhang beizupflichten, dass sich die diagnostizierten physi-

schen und psychischen Leiden auf unterschiedlichste Ursachen zurückfüh-

ren lassen (siehe dazu Vernehmlassung [BVGer act. 7]. Nichts anderes 

ergibt sich aus dem Schreiben des Bruders vom 26. Februar 2021, worin 

dieser offen lässt, woher die betreffenden körperlichen Verletzungen und 

die damit einhergehende psychische Beeinträchtigung herrühren (SEM 

act. 24). Auch die in der Beschwerdeschrift angesprochene Fok und der 

Antifolterausschuss (CAT) halten Folteropfer im Übrigen dazu an, dem Ver-

tragsstaat bzw. dem Folterausschuss alle Informationen zur Verfügung zu 

stellen, die auf begangene Folterhandlungen hindeuten könnten, was vor-

liegend bislang nicht geschah. Anzumerken wäre an dieser Stelle, dass es 

dem Beschwerdeführer in Kenntnis der genannten Erfordernisse offen-

steht, allfällige Beweismittel später bei den nunmehr für sein Asyl- und 

Wegweisungsverfahren zuständigen italienischen Behörden einzureichen 

und entsprechende Verfolgungsgründe dort geltend zu machen (vgl. etwa 

Urteil des BVGer F-1619/2021 vom 10. Mai 2021 S. 7/8). Aufgrund dessen 

bestand seitens des SEM kein Anlass, den Beschwerdeführer beim Ambu-

latorium für Folter- und Kriegsopfer anzumelden oder bei den italienischen 

Behörden Garantien bezüglich Rehabilitation einzuholen. 

8.  

Nachfolgend bleibt zu prüfen, ob das SEM den rechtserheblichen Sachver-

halt im Hinblick auf allfällige gravierende gesundheitliche Probleme des 

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Seite 14 

Beschwerdeführers hinreichend abgeklärt hat und das Selbsteintrittsrecht 

nach Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO aus diesem Grunde auszu-

üben wäre. 

8.1 Was den medizinischen Sachverhalt anbelangt, so kann eine zwangs-

weise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur 

ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Eine 

vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch die Ab-

schiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Ziel-

staat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, raschen 

und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands 

ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen 

Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR 

Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 

41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).  

8.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Referenzurteil  

E-962/2019 strengere Kriterien für Dublin-Überstellungen von schwer er-

krankten Asylsuchenden, die sofort nach der Ankunft in Italien auf lücken-

lose medizinische Versorgung angewiesen sind, beschlossen und das 

SEM verpflichtet, diesfalls individuelle Zusicherungen betreffend die Ge-

währleistung der nötigen medizinischen Versorgung und Unterbringung bei 

den italienischen Behörden einzuholen (vgl. E-962/2019 E. 7.4.3). Eine sol-

che Situation liegt hier nicht vor.  

8.3 Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers sind 

nicht so gravierend, dass sie einer Überstellung nach Italien entgegenste-

hen würden. Aus den eingereichten medizinischen Unterlagen (vier medi-

zinische Datenblätter, drei Arztberichte) geht hervor, dass in der Zeit-

spanne vom 23. Februar bis 29. Juni 2021 zehn ärztliche Konsultationen 

stattfanden. Festgestellt wurden hierbei ein Streckdefizit am Ellbogen, eine 

Muskelatrophie am Unterarm, deutliche Bewegungseinschränkungen im 

Handgelenk, Unmöglichkeit des Fingerspreizens sowie eine einge-

schränkte Streckung der Finger II-V (alles an den oberen linken Extremitä-

ten). Ferner liess sich der Beschwerdeführer wegen Blasenentleerungs-

problemen, von denen er inzwischen genesen ist, urologisch behandeln. 

In drei medizinischen Datenblättern werden zudem psychische Probleme 

in Form von Schlafstörungen und depressiven Verstimmungen erwähnt. 

Hierfür erhielt er ein Antidepressivum, dessen Einnahme er zum Teil ver-

weigerte (zum Ganzen siehe SEM act.18, 23, 28, 30, 34 und 43). Aus den 

aktenkundigen Diagnosen ergibt sich mithin, dass er sich nicht zwingend 

F-3493/2021 

Seite 15 

in der Schweiz aufhalten muss, sondern eine adäquate Behandlung der 

beschriebenen Leiden in Italien ebenfalls möglich ist. Dies gilt auch mit 

Blick auf die nach Erlass der angefochtenen Verfügung hinzugekommenen 

ärztlichen Einschätzungen. Bezogen auf den psychischen Zustand wird im 

einen Arztbericht vom 30. Juli 2021 ergänzt, dass längerfristig «eine fach-

ärztliche psychiatrische Behandlung ein Thema werden» und eine post-

traumatische Belastungsstörung vorliegen könnte (Beschwerdebeilage 5). 

Dementsprechend gelingt es dem Beschwerdeführer nicht, nachzuweisen, 

dass er nicht reisefähig sei oder eine Überstellung nach Italien seine Ge-

sundheit ernsthaft gefährden würde. Sein Gesundheitszustand vermag 

eine Unzulässigkeit im Sinne der restriktiven Rechtsprechung nicht zu 

rechtfertigen.  

8.4 Der Beschwerdeführer wurde in der Schweiz medizinisch versorgt und 

unterzog sich verschiedener ärztlicher Untersuchungen, welche dreimal 

psychische Aspekte mitbeinhalteten. Dem SEM waren seine gesundheitli-

chen Probleme bekannt. In Bezug auf das Vorliegen einer schwerwiegen-

den Erkrankung wären von zusätzlichen medizinischen Abklärungen keine 

neuen Erkenntnisse zu erwarten gewesen (zur antizipierten Beweiswürdi-

gung vgl. BGE 141 I 60 E. 3.3 oder BGE 136 1 229 E. 5.3). Die nach Erlass 

der angefochtenen Verfügung eingegangenen medizinischen Unterlagen, 

einschliesslich der neurologischen Untersuchung vom 5. November 2021 

(siehe BVGer act. 11), bestätigen dies. Entgegen der Auffassung der Par-

teivertreterin ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz dies-

bezüglich keine weiteren Abklärungen vorgenommen hat. Ebenso wenig 

abzuwarten sind aufgrund des unter E. 8.3 Gesagten die Ergebnisse der 

hausärztlichen Konsultation vom 19. Oktober 2021 (die vom Betroffenen 

inzwischen hätten nachgereicht werden können und müssen) und des psy-

chologischen Gesprächs vom 29. November 2021. Die auf Beschwerde-

ebene erhobene Rüge der nicht rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung 

erweist sich folglich als nicht stichhaltig. Aufgrund seines Gesundheitszu-

standes ist der Beschwerdeführer nicht zur Gruppe besonders verletzlicher 

Personen zu zählen, womit es keiner individuellen Zusicherungen der itali-

enischen Behörden bezüglich medizinischer Versorgung bedarf. 

8.5 Ferner gilt es darauf hinzuweisen, dass Italien grundsätzlich über eine 

ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt. Es liegen keine Hinweise 

vor, dass dem Beschwerdeführer dort eine adäquate medizinische Be-

handlung verweigert würde. Der Zugang für asylsuchende Personen zum 

italienischen Gesundheitssystem über die Notversorgung hinaus erscheint 

vielmehr gewährleistet (vgl. statt vieler Urteil E-962/2019 E. 6.2.7 oder seit 

F-3493/2021 

Seite 16 

Inkrafttreten des Dekrets Nr. 130 ebenfalls Urteil F-6330/2020 E. 10.5 und 

11.1). Im Übrigen trägt die Vorinstanz dem aktuellen Gesundheitszustand 

des Beschwerdeführers bei der Organisation der Überstellung nach Italien 

Rechnung, indem sie die italienischen Behörden vor der Überstellung über 

seinen Zustand und eine allfällig notwendige medizinische Behandlung in-

formiert. Dies ist vorliegend geschehen, sind die entsprechenden Diagno-

sen, soweit fortbestehend (depressive Verstimmung, Behinderungen an 

den oberen linken Extremitäten), in den Überstellungsmodalitäten doch 

aufgelistet (SEM act. 46). Eine frühere Information der italienischen Behör-

den war unter den konkreten Begebenheiten nicht angezeigt.   

8.6 Mit Blick auf die vom Beschwerdeführer angesprochene Covid-19-Pan-

demie ist der Vollständigkeit halber zu ergänzen, dass die Vorinstanz die 

pandemische Lage und deren Auswirkungen auf die Gesundheitsversor-

gung im Destinationsland im Rahmen des Vollzugs berücksichtigt. Allfällige 

Verzögerungen wegen des Corona-Virus stellen lediglich temporäre Voll-

zugshindernisse dar und vermögen am Ausgang des vorliegenden Verfah-

rens nichts zu ändern (vgl. etwa Urteile des BVGer F-4786/2021 vom 

5. November 2021 E. 8.6 oder F-868/2021 vom 5. März 2021 E. 6.9, je 

m.H). 

9.  

Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei der 

Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspielraum 

(vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter diesem 

Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten keine Hin-

weise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- respektive Unter-

schreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb 

in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen. 

10.  

Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Ermes-

sensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Somit bleibt Italien der für die Be-

handlung des Asylgesuches des Beschwerdeführers zuständige Mitglied-

staat gemäss Dublin-III-VO.    

11.  

Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da er 

nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung 

F-3493/2021 

Seite 17 

ist, wurde die Überstellung nach Italien in Anwendung von Art. 44 AsylG 

ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1). 

12.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung 

des SEM zu bestätigen. 

13.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens würde der Beschwerdeführer kosten-

pflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Zwischenverfügung vom 9. August 2021 

hat das Bundesverwaltungsgericht dem Gesuch um Gewährung der unent-

geltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG stattgegeben. 

Demzufolge ist der Beschwerdeführer von der Bezahlung der Verfahrens-

kosten befreit. Da er auf Beschwerdeebene durch die ihm zugewiesene 

Parteivertretung vertreten ist, erwachsen ihm darüber hinaus keine Kosten. 

 

Dispositiv Seite 18 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

F-3493/2021 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Vorinstanz und die kan-

tonale Migrationsbehörde. 

 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Regula Schenker Senn Daniel Grimm 

 

 

 

Versand: 

 

 

 

 

 

F-3493/2021 

Seite 19 

Zustellung erfolgt an: 

– die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Einschreiben) 

– das SEM, Bundesasylzentrum Flumenthal, ad (…) 

– das Migrationsamt des Kantons Solothurn (in Kopie)