# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 25c30dbe-553a-516b-812e-6fd6d9862329
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-12-07
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 5. Kammer 07.12.2010 R 2010 77
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_005_R-2010-77_2010-12-07.pdf

## Full Text

R 10 77

5. Kammer 

URTEIL
vom 7. Dezember 2010

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Baueinsprache

1. Am 20. Oktober 2009 stellte die … AG das Gesuch um Errichtung einer 

Basisstation für Mobilfunk auf Parzelle 1780 (…) in ... Die Richtfunkspiegel 

sind in grauem Kunststoff, der Mast und Kabelkanal aus feuerverzinktem 

Stahl, grau, der Geräteschrank aus feuerverzinktem Stahl, grau, geplant. 

Gemäss am 17. September 2009 erstellten Standortdatenblatt ergibt sich am 

höchstbelasteten Ort für den kurzfristigen Aufenthalt (OKA) am Mastfuss 

(Dach des bestehenden Gebäudes) eine elektrische Feldstärke von 10.45 

V/m, womit der Immissionsgrenzwert zu 17 % ausgeschöpft wird. An den drei 

höchstbelasteten Orten mit empfindlicher Nutzung (Omen) ergeben sich 

elektrische Feldstärken von 5.83, 5.69 und 5.47 V/m, womit der 

Anlagegrenzwert von 6 V/m eingehalten ist.

Gegen das vom 25. Dezember 2009 bis 13. Januar 2010 aufgelegte 

Bauprojekt reichten u.a. … am 10./11./13. Januar 2010 Einsprache ein. Alle 

beantragten sie u.a., die Baubewilligung sei nicht zu erteilen. Am 13. Januar 

2010 erstattete das Amt für Natur und Umwelt Graubünden (ANU) seinen 

Fachbericht. Es seien drei Antennen mit einer gesamten maximalen 

äquivalenten abgestrahlten Leistung von 4’650 W (ERP) im Frequenzband 

von 2100 MHz installiert. Die Aufstellung der Antennen erfolge auf einem zirka 

19 m hohen Mast am Gebäude an der … Die Höhe der Antennen (unterkant) 

über Boden betrage im Minimum zirka 17.50 m. An den Omen sei der 

Anlagegrenzwert von 6 V/m eingehalten. Die maximale elektrische Feldstärke 

für die Sendeanlagen betrage 5.88 V/m. Beim Aufenthalt unterhalb der 

Antennenanlage betrage die gemäss Anhang 2 Ziff. 222 der NISV berechnete 

normierte Immission I=0.17. Damit würden 17 % des dort massgeblichen 

Immissionsgrenzwertes erreicht. Die Bestimmungen zum Schutz vor 

nichtionisierender Strahlung seien somit eingehalten. Innert sechs Monaten 

nach Inbetriebnahme der Anlage seien Abnahmemessungen durch ein 

neutrales Messeinstitut durchzuführen. Periodische Kontrollen und 

Messungen bei begründeten Reklamationen blieben vorbehalten. Die Kosten 

dafür gingen zulasten des Betreibers. Die bewilligte Mobilfunkanlage sei in 

das Qualitätssicherungssystem der Bauherrschaft einzubinden. Die 

Inbetriebnahme der Anlage sei dem ANU schriftlich mitzuteilen. Wenn die 

Anlage neu erstellt, an einem anderen Standort verlegt, am bestehenden 

Standort ersetzt oder die maximale äquivalente Strahlungsleistung (ERP) 

oder die Senderichtung geändert werde, müsse der Betreiber dem ANU über 

die Gemeinde ein Standortdatenblatt einreichen. In ihrer Stellungnahme vom 

28. Januar 2011 beantragte die … AG die Abweisung der Einsprachen und 

die Erteilung der Baubewilligung

Am 28. Juni, mitgeteilt am 5. Juli 2010, wies der Stadtrat die Einsprachen ab, 

soweit er darauf eintrat und erteilte gleichentags die nachgesuchte 

Baubewilligung unter Auflagen und Bedingungen. In der Baubewilligung vom 

28. Juni/5. Juli 2010 wurde u.a. der Fachbericht des ANU zum integrierenden 

Bestandteil der Bewilligung erklärt.

2. Dagegen erhoben die StWEG ... und … am 9. August 2010 Beschwerde an 

das Verwaltungsgericht mit dem sinngemässen Antrag, die angefochtene 

Baubewilligung aufzuheben. Die Baubewilligung sei zu Unrecht erteilt worden. 

Der Sachverhalt sei ungenügend abgeklärt worden. Die Studie 

„Standortbegründung“ der … vom 15. Dezember 2009 zeige keinen der 

angeblich geprüften Alternativstandorte. Die eingereichten Unterlagen 

genügten nicht. Die Standortbegründung der … sei eine reine 

Parteibehauptung. Sie habe von der Stadt nicht überprüft werden können. 

Das Gericht solle abklären, ob Amtsmissbrauch gemäss Art. 312 StGB 

vorliege. Die Antennenleistung könne jederzeit erhöht werden. Ein 

Qualitätssicherungssystem existiere nicht. Alle Schweizer Gerichte 

verweigerten einen Augenschein auf den Betriebszentralen. Wären die 

Systeme vorhanden, dürften sie auch gezeigt werden. Die Stadt habe nicht 

überprüft, ob ein Qualitätssicherungssystem existiere. Die UMTS-Strahlung 

könne nicht genau gemessen werden. BGU 1_C 132/2007 vom 30. Januar 

2008 gebe auf diese Frage keine Antwort. Die Einhaltung der 

Anlagegrenzwerte könne mit den ungenauen Messgeräten nicht zuverlässig 

gemessen werden. Die biologisch und medizinisch vertretbaren Werte lägen 

unterhalb von 0.06 V/m. Dies sei Stand der Wissenschaft. Höher dosierte 

Strahlung mache krank. Die Stadt habe nicht darlegen können, wie sie unter 

diesen Umständen die Sicherheit der Bevölkerung garantieren wolle. Die 

ICNIRP-Richtlinien seien irrelevant. Der Stadtrat habe in Bezug auf den 

Landschaftsschutz und Ortsbildschutz keine Abklärungen getroffen. Er habe 

auch nicht die Meinungen der zuständigen kantonalen Dienststellen eingeholt 

und keinen Augenschein vorgenommen. 

3. Die … beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 19. August 2010 die 

Abweisung der Beschwerde. Das Bestehen eines Funklochs im hier 

interessierenden Gebiet für … sei nachgewiesen. Mit der neuen Antenne 

könne dieses Loch geschlossen und die Abdeckung mit UMTS erreicht 

werden. Die eingereichte Standortbegründung sei schlüssig. Der Beizug eines 

neutralen Experten sei nicht notwendig. Die Machbarkeitsstudie zeige auf, wo 

an 23 weiteren möglichen Standorten Abklärungen getroffen worden seien. 

Im Endergebnis sei nur der gewählte Standort in Frage gekommen. Das 

Qualitätssicherungssystem sei eingerichtet worden. Es werde durch eine 

externe Firma auditiert. Daran könne nicht gezweifelt werden. Gemäss 

bundesgerichtlicher Rechtsprechung könnten UMTS-Strahlungen zuverlässig 

gemessen werden. Die NISV-Anforderungen seien erfüllt. An die Ästhetik 

könnten keine zu hohen Anforderungen gestellt werden. Die Anlage befinde 

sich nicht in einem Wohngebiet mit besonderer Wohnqualität. Die 

Ausgestaltung der Anlage sei technisch bedingt und lasse sich nicht 

wesentlich abändern. 

4. Die … AG beantragte in ihrer Vernehmlassung die Abweisung der 

Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden könne. Zur Begründung 

brachte sie im Wesentlichen dieselben Argumente vor, wie die Stadt Chur.

5. Das ANU brachte in seiner Stellungnahme vor, die NISV-Vorschriften seien 

eingehalten. Das Qualitätssicherungssystem sei auf Veranlassung des 

Bundesgerichts aufgebaut worden. Das Bundesgericht habe zwei Optionen 

genannt, um zu erreichen, dass in eine bestimmte Richtung nicht mehr 

Sendeleistung abgestrahlt werden könne als bewilligt, entweder durch 

bauliche Begrenzung oder durch eine verlässliche Kontrolle der NISV-

relevanten Hardware-Komponenten und Einstellungen. Auf Empfehlung des 

BAFU werde die zweite Option verfolgt und eine Kontrolle der NIS-relevanten 

Hardware-Komponenten und Einstellungen mittels eines 

Qualitätssicherungssystems der Netzbetreiber umgesetzt. Diese hätten bis 

Ende 2006 ein solches System einzuführen gehabt und dies auch getan. Die 

Einhaltung der bewilligten ERP werde somit durch das zertifizierte System 

gewährleistet. Auch hier sei die Gesuchstellerin verpflichtet worden, die 

Anlage in ihr Qualitätssicherungssystem einzubinden. Das Bundesgericht 

habe die grundsätzliche Zulässigkeit des Qualitätssicherungssystems 

mehrfach bestätigt. Das System funktioniere so, dass die Netzbetreiberin eine 

Datenbank führe, in welcher alle Hardware-Komponenten und 

Geräteeinstellungen, welche die ERP oder die Senderichtungen beeinflussen 

könnten, erfasst seien und laufend aktualisiert würden. Das System 

vergleiche automatisch einmal pro Tag die tatsächlich eingestellte äquivalente 

Sendeleistung und die Richtungen aller Antennen mit den bewilligten Werten 

und Winkelbereichen. Würden Überschreitungen festgestellt, werde 

automatisch ein Fehlerprotokoll erstellt. Allfällige Überschreitungen müssten 

selbstverständlich behoben werden. Die Fehlerprotokolle müssten alle zwei 

Monaten der kantonalen Fachstelle (hier: ANU) zugestellt werden. Es gebe 

verschiedene Kontrollmöglichkeiten der kantonalen Vollzugsbehörden. Das 

System bewähre sich sehr gut. Das ANU sei gerne bereit, den 

Beschwerdeführerinnen zu erläutern, wie das System sowie die weiteren 

Kontrollmöglichkeiten funktionierten. In BGU 1_C 492/2009 vom 20.7.2010 

habe das Bundesgericht die zuverlässige Messbarkeit von UMTS-Strahlen 

erneut bestätigt. Im gleichen Urteil habe sich das Bundesgericht erneut mit 

dem zulässigen Anlagegrenzwert von 6 V/m befasst. 

6. In einem zweiten Schriftenwechsel hielten die Parteien an ihren Standpunkten 

fest, ohne wesentliche neue Gesichtspunkte aufzuzeigen.

7. Am 6. Dezember 2010 führte das Verwaltungsgericht einen Augenschein an 

Ort und Stelle durch, an welchem Stockwerkeigentümer, Beschwerdeführer, 

der Anwalt der Stadt Chur, der Rechtsvertreter der … sowie Vertreter des 

ANU teilnahmen. Allen Anwesenden wurde dabei Gelegenheit erteilt, sich 

anhand der Örtlichkeiten auch noch mündlich zu den aufgeworfenen Fragen 

zu äussern. Im Anschluss an den Augenschein begaben sich das Gericht und 

die Parteien ins ANU, wo das Qualitätssicherungssystem und die 

Kontrollmöglichkeiten des ANU erläutert wurden. 

Auf das Ergebnis des Augenscheines sowie die weiteren Ausführungen der 

Parteien in den Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen 

eingegangen. 

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. a) Sendeanlagen für Mobilfunk und ähnliche Zwecke werden gemäss Art. 18 

Abs. 2 des städtischen Baugesetzes (BG) unter Berücksichtigung der 

technischen Möglichkeiten und des übergeordneten Rechts nur als 

Gemeinschaftsanlagen bewilligt. Das bedeutet nicht, dass ausschliesslich 

Gemeinschaftsanlagen bewilligungsfähig sind. Vielmehr sind eben das 

übergeordnete Recht  und die technischen Möglichkeiten zu berücksichtigen. 

Dem ist die Vorinstanz bezüglich der Standortwahl nachgekommen, wie sich 

klar aus dem angefochtenen Entscheid und den Prozessakten ergibt. 

b) Die Baubehörde kann nach Art. 18 Abs. 3 BG Standorte festlegen und 

insbesondere von den Mobilfunkbetreibern ein Gesamtkonzept für die 

Erstellung ihrer Anlagen verlangen. Die Standortfestlegungen und das 

Gesamtkonzept sind indessen für die Bewilligungsfähigkeit einer Anlage nicht 

zwingend. Massgebend ist ausschliesslich, ob sie einerseits die 

umweltrechtlichen Bestimmungen und anderseits die Bestimmungen des 

kommunalen Baurechts einhält. Dies ist im Folgenden zu prüfen.

2. Nach Ansicht der Beschwerdeführerinnen liegen genügend wissenschaftliche 

Studien vor, die nachweisen, dass die Grenzwerte der NISV zu hoch 

angesetzt sind. Zu dieser Frage hat sich das Bundesgericht neulich in BGU 

1C_492/2009 vom 20. Juli 2010 ausführlich wie folgt geäussert:

"2.2.1 Die Anlage- und Immissionsgrenzwerte der NISV hat das 

Bundesgericht bisher stets als gesetzes- und verfassungskonform beurteilt 

(Urteile 1C_45/2009 vom 6. Juli 2009 E. 3.2; 1C_282/2008 vom 7. April 2009 

E. 4; 1C_92/2008 vom 16. Dezember 2008 E. 3.3-3.6; 1C_316/2007 vom 30. 

April 2008 E. 5.1; 1C_170/2007 vom 20. Februar 2008 E. 2; je mit Hinweisen). 

Auch neuere Forschungen haben danach keine wissenschaftlich genügenden 

Studien hervorgebracht, welche einen hinreichenden Zusammenhang 

zwischen der Exposition durch Mobilfunkbasisstationen und schädlichen oder 

lästigen Einwirkungen herstellen (vgl. BAFU [Hrsg.], Hochfrequente Strahlung 

und Gesundheit: Bewertung von wissenschaftlichen Studien im 

Niedrigdosisbereich, 2. Aufl. 2007, S. 10 ff., 72 f., 98 ff., 105 f. und 131; 

«http://www.bafu.admin.ch/publikationen» [besucht am 13. Juli 2010]). Die 

wissenschaftliche Datenlage für die Beurteilung der Gesundheitsgefährdung 

der Bevölkerung durch hochfrequente Strahlung im Niedrigdosisbereich, 

namentlich durch Mobilfunkbasisstationen, ist jedoch noch immer sehr 

lückenhaft. Forschung auf diesem Gebiet ist deshalb wichtig (Urteil 

1C_45/2009 vom 6. Juli 2009 E. 3.2 mit Hinweis).

2.2.2 Es ist in erster Linie Sache der zuständigen Fachbehörden (und nicht 

des Bundesgerichts), die internationale Forschung sowie die technische 

Entwicklung zu verfolgen und gegebenenfalls eine Anpassung der 

Grenzwerte der NISV zu beantragen (Urteil 1C_45/2009 vom 6. Juli 2009 E. 

3.2 mit Hinweis). Das BAFU ist bisher dieser Aufgabe nachgekommen, indem 

es unter anderem in seinem Bericht "Hochfrequente Strahlung und 

Gesundheit" einschlägige wissenschaftliche Studien analysierte und 

bewertete. Die erste Auflage dieses Berichts erschien im Jahr 2003, die 

zweite, aktualisierte Auflage im Jahr 2007 (vgl. die oben erwähnte Internet-

Fundstelle). Ein ständiges Monitoring der neuen wissenschaftlichen Literatur 

erfolgt zudem in der Dokumentationsstelle ELMAR, welche im Auftrag des 

BAFU geführt wird («http://www.elmar.unibas.ch/index.html» [besucht am 13. 

Juli 2010]).

2.2.3 Das Argument der Beschwerdeführer, das BAFU sei bei der Bewertung 

der Studien viel zu streng und das Vorsorgeprinzip verlange, auch vorläufige 

wissenschaftliche Befunde zu berücksichtigen, ist vor dem Hintergrund der 

Konzeption der Umweltschutzgesetzgebung nicht stichhaltig. Deren 

Immissionsgrenzwerte beruhen von ihrer Anlage her auf wissenschaftlich 

erhärteten Erkenntnissen und lassen deshalb keinen Raum für die 

Berücksichtigung von Studien, welche wissenschaftlichen Massstäben nicht 

zu genügen vermögen oder auf ihre Zuverlässigkeit bisher nicht überprüft 

worden sind (in diesem Sinne bereits BGE 126 II 399 E. 3b S. 402 f.; 

SCHRADE/LORETAN, in: Kommentar zum Umweltschutzgesetz, 2. Aufl. 

2002, N. 9 zu Art. 13 USG, vgl. auch N. 38 zu Art. 11 USG). Das BAFU stellt 

diesbezüglich darauf ab, ob eine Studie ein Peer-Review-Verfahren 

durchlaufen hat (ein Verfahren zur Beurteilung der Qualität von 

wissenschaftlichen Arbeiten durch unabhängige Gutachter vor der Publikation 

mit dem Ziel der Qualitätssicherung der wissenschaftlichen Berichterstattung) 

und ob eine unabhängige Wiederholung das Ergebnis bestätigt. Ein Effekt 

wird demnach als gesichert erachtet, wenn er einer streng wissenschaftlichen 

Beweisführung standhält, das heisst mehrfach unabhängig repliziert worden 

ist, ein plausibles Wirkungsmodell existiert und er nicht im Widerspruch zu 

anderen Forschungsergebnissen steht (BAFU, a.a.O., S. 47). Was die 

Anlagegrenzwerte anbelangt, basiert deren spezifische Festlegung nicht auf 

den Kriterien der Schädlichkeit oder Belästigung; sie richten sich vielmehr 

nach den technischen, betrieblichen und wirtschaftlichen Möglichkeiten (Art. 

11 Abs. 2 USG; BGE 133 II 169 E. 3.1 S. 175 mit Hinweisen). Zwar trifft zu, 

dass der Anlagegrenzwert als Konkretisierung des Vorsorgeprinzips das 

Risiko schädlicher Wirkungen, die zum Teil erst vermutet werden und noch 

nicht absehbar sind, möglichst gering halten soll (BGE 126 II 399 E. 3b S. 403 

mit Hinweis). Und in diesem Sinne ist auch richtig, dass der Anlagegrenzwert 

eine Art Sicherheitsmarge schafft, indem auf wissenschaftliche Gewissheit 

verzichtet wird (ALAIN GRIFFEL, Die Grundprinzipien des schweizerischen 

Umweltrechts, 2001, S. 60 f.). Daraus folgt jedoch keineswegs, dass lediglich 

vorläufige wissenschaftliche oder erfahrungsbasierte Befunde den Massstab 

für die Bestimmung der konkreten Höhe des Anlagegrenzwerts abgeben. In 

seiner Vernehmlassung weist das BAFU in diesem Zusammenhang auch 

darauf hin, dass gegen eine rasche und unkritische Integration von nicht 

gefestigten Ergebnissen in ein Schutzkonzept gerade im Bereich der 

nichtionisierenden Strahlung die Tatsache spreche, dass in den vergangenen 

20 Jahren unerklärliche Einzelbefunde in Nachfolgeuntersuchungen zum Teil 

nicht repliziert werden konnten. Ein Abstellen auf derartige vorläufige 

Erkenntnisse hätte vor diesem Hintergrund auch eine beträchtliche 

Rechtsunsicherheit zur Folge. In Bezug auf die erwähnte Sicherheitsmarge 

zwischen dem (höheren) Immissionsgrenzwert und dem (tieferen) 

Anlagegrenzwert ist zu ergänzen, dass jede Mobilfunkanlage an OMEN den 

Anlagegrenzwert ausschöpfen darf (Art. 3 Abs. 3 und 6 NISV; Ziff. 64 und 65 

Anhang 1 NISV). Dies bedeutet zwar, dass es im Einzelfall zu einer 

Kumulation der Strahlung von zwei oder mehreren Anlagen in Bezug auf 

einen OMEN kommen kann und dadurch die elektrische Feldstärke dort über 

den Anlagegrenzwert ansteigt. Einer derartigen Kumulation sind jedoch 

dadurch Grenzen gesetzt, dass nach Ziff. 62 Anhang 1 NISV 

Antennengruppen, die aus einem engen räumlichen Zusammenhang senden, 

als eine Anlage gelten. Zudem weist das BAFU darauf hin, dass sich die 

Feldstärken nicht einfach addieren, wenn ein bestimmter OMEN von 

mehreren als eigenständig zu qualifizierenden Anlagen bestrahlt wird. 

Würden zwei Anlagen in Bezug auf einen OMEN den ihnen zustehenden 

Anlagegrenzwert ausschöpfen, so resultierte eine kumulierte elektrische 

Feldstärke von 141 % des Anlagegrenzwerts; bei drei Anlagen wären es 

maximal 173 %. Der Immissionsgrenzwert würde schliesslich erst in der 

praktisch nicht möglichen Situation erreicht, wenn 100 Mobilfunkanlagen den 

betreffenden OMEN in der Höhe des Anlagegrenzwerts bestrahlen würden.

2.2.4 Konkret zitieren die Beschwerdeführer verschiedene Studien und 

Berichte und weisen auf Entwicklungen im In- und Ausland hin. Unter 

anderem verweisen sie auf die gesetzgeberische Entwicklung in Belgien. 

Hierzu legt das BAFU dar, soweit ersichtlich stelle einzig die Verordnung der 

Region Brüssel (Ordonnance relative à la protection de l'environnement 

contre les éventuels effets nocifs et nuisances provoqués par les radiations 

non ionisantes) vom 1. März 2007 strengere Anforderungen an die 

Begrenzung der Strahlung von Mobilfunkanlagen als die schweizerische 

NISV. Diese belgische Verordnung werde jedoch offenbar noch nicht 

angewendet, was auf ein Rechtsmittelverfahren und die Ausarbeitung von 

Ausführungsbestimmungen zurückzuführen sei. Entsprechend bestünden 

keine Erfahrungen in der Praxis und könnten derzeit für die Schweiz auch 

keine Schlüsse gezogen werden. Insgesamt vermögen die Beschwerdeführer 

nicht aufzuzeigen, dass die zuständigen Fachbehörden oder der Bundesrat 

als Verordnungsgeber angesichts einer wissenschaftlich nachgewiesenen 

Gefährdung oder Belästigung untätig geblieben sind und es unterlassen 

haben, eine gebotene Anpassung der Grenzwerte zu beantragen 

beziehungsweise vorzunehmen. Nach dem Gesagten rechtfertigen es auch 

die bestehenden Wissenslücken nicht, die Grenzwerte der NISV als 

rechtswidrig zu beurteilen und den weiteren Bau von Mobilfunkantennen zu 

verbieten (vgl. Urteil 1C_45/2009 vom 6. Juli 2009 E. 3.2 mit Hinweis). Die 

kantonalen Behörden haben damit zu Recht die geltenden Immissions- und 

Anlagegrenzwerte der NISV angewandt. Die Rüge der Beschwerdeführer 

erweist sich als unbegründet."

Diese Ausführungen beanspruchen auch für den vorliegenden Fall Geltung, 

zumal die Beschwerdeführerinnen nichts dargelegt haben, was die 

Argumentation des Bundesgerichtes widerlegen würde.

3. Die Vorbringen betreffend die Nichtmessbarkeit von UMTS-Strahlen 

entsprechen in keiner Art und Weise der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung. Das Bundesgericht hat im erwähnten Urteil ausgeführt:

"3.2 Das Bundesgericht hat in seiner bisherigen Rechtsprechung die 

bestehenden Messverfahren und -geräte sowie den Entwurf einer 

Messempfehlung für UMTS-Strahlung des Bundesamts für Umwelt, Wald und 

Landschaft (BUWAL, heute: BAFU) und des Bundesamts für Metrologie 

(METAS) vom 17. September 2003 genügen lassen (Urteile 1C_316/2007 

vom 30. April 2008 E. 9; 1A.129/2006 vom 10. Januar 2007 E. 4, nicht publ. 

in: BGE 133 II 64; 1A.57/2006 vom 6. September 2006 E. 6, in: ZBl 108/2007 

S. 453; je mit Hinweisen). Gemäss einer Medienmitteilung des 

Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und 

Kommunikation (UVEK) vom 23. Januar 2007 haben vom METAS 

organisierte Vergleichsmessungen ergeben, dass die Signale von UMTS-

Antennen zuverlässig gemessen werden können. Die Resultate würden den 

erwähnten Entwurf der Messempfehlung für UMTS-Strahlung des BUWAL 

und des METAS bestätigen. Es habe sich gezeigt, dass die Streuung der 

Resultate von code-selektiven UMTS-Messungen mit jener der Messung von 

GSM-Signalen vergleichbar sei." 

An diese Beurteilung des Bundesgerichtes ist das Verwaltungsgericht 

gebunden. Weitere Ausführungen dazu erübrigen sich deshalb. 

4. Die Beschwerdeführerinnen rügen, das Qualitätssicherungssystem der 

Beschwerdegegnerin 2 sei ungenügend. Auch dazu hat sich das 

Bundesgericht im erwähnten Fall geäussert:

"4.2 Die Qualitätssicherungssysteme dienen der Kontrolle, dass die 

bewilligten Parameter (äquivalente Strahlungsleistung ERP, Senderichtung) 

der Mobilfunkantennen im Betrieb eingehalten und die Grenzwerte der NISV 

nicht überschritten werden. Diese Kontrolle ist in Art. 12 NISV vorgesehen. 

Die Verordnung schreibt jedoch nicht vor, auf welche Weise sie zu erfolgen 

hat. Das Bundesgericht hatte letztmals in seinem Urteil 1C_282/2008 vom 7. 

April 2009 Gelegenheit, zu den bestehenden Qualitätssicherungssystemen 

eingehend Stellung zu nehmen. Es wies auf die 2007 durchgeführte 

Überprüfung der Qualitätssicherungssysteme der Mobilfunknetzbetreiber …, 

…, … und … hin. Es räumte ein, die Systeme wiesen noch Mängel auf. 

Insgesamt kam es jedoch zum Schluss, dass diese aus 

umweltschutzrechtlicher Sicht nicht zu beanstanden seien (a.a.O., E. 3). Die 

Kritik der Beschewrdeführerinnen gibt keinen Anlass, auf diese 

Rechtsprechung zurückzukommen. Die Rüge, das zur Anwendung 

kommende Qualitätssicherungssystem sei ungenügend, ist demnach 

abzuweisen."

Das Verwaltungsgericht hat sich anlässlich der Demonstration im ANU von 

der Richtigkeit dieser Ausführungen überzeugen können. Ebenso bestehen 

genügende Kontrollmöglichkeiten für die Fachbehörde.

5. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerinnen geht mit dem Bauvorhaben 

keine rechtlich relevante Beeinträchtigung des Quartier- und 

Landschaftsbildes einher. Die Mobilfunkanlage befindet sich nicht in einem 

Wohngebiet mit besonderer Wohnqualität gemäss Art. 79 BG, so dass 

gestalterisch keine besonderen Anforderungen gestellt werden. Gemäss Art. 

73 Abs. 1 des Raumplanungsgesetzes für den Kanton Graubünden (KRG) 

wiederum sind Siedlungen, Bauten und Anlagen nach den Regeln der 

Baukunst so zu gestalten und einzuordnen, dass mit der Umgebung und der 

Landschaft eine gute Gesamtwirkung entsteht. Mit dem Wort „gut“ wird zum 

Ausdruck gebracht, dass die Anforderungen trotz der positiven Ausgestaltung 

der Generalklausel nicht allzu hoch angesetzt werden dürfen (vgl. Botschaft 

der Regierung Heft Nr. 3/2004-2005, S. 343; Urteil des Verwaltungsgerichts 

Graubünden R 09 77 vom 17. November 2009, E. 3b). Die vorgesehenen drei 

Antennen werden an einem ca. 19 Meter hohen Mast befestigt. 

Mobilfunkantennen gehören zu den Infrastrukturanlagen des täglichen 

Lebens und sind nicht besonders verunstaltend. Ihre Ausgestaltung (Höhe, 

Durchmesser, Farbe etc.) ist technisch bedingt und lässt sich nicht wesentlich 

abändern. Zudem erweist sich der Einfluss der Mobilfunkanlage auf den 

Charakter der näheren Umgebung und der Landschaft objektiv betrachtet als 

gering (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1A.30/2007 vom 9. Oktober 2007, E. 

4.1). Hinzu kommt, dass vorliegend in unmittelbarer Nähe des Standortes 

zahlreiche Infrastrukturanlagen bereits vorhanden sind. Insbesondere betrifft 

dies die Gleisanlagen des Güterbahnhofes. Von einer Verletzung des Orts- 

oder Landschaftsbildes kann aufgrund der vorstehenden Ausführungen keine 

Rede sein.

6. Nicht Gegenstand dieses Verfahrens können die Vorbringen betreffend 

Wertverminderung sein, da es hier lediglich um die Baubewilligung geht und 

diesbezüglich von der Vorinstanz auch nicht verfügt wurde.

7. Bei diesem Ausgang gehen die Verfahrenskosten unter solidarischer 

Haftbarkeit zulasten der Beschwerdeführerinnen. 

Gemäss Art. 78 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG) 

wird die unterliegende Partei in der Regel verpflichtet, der obsiegenden Partei 

alle durch den Rechtsstreit verursachten notwendigen Kosten zu ersetzen. 

Die Beschwerdeführer haben daher die private, anwaltlich vertretene 

Gegenpartei unter solidarischer Haftbarkeit aussergerichtlich zu 

entschädigen. Die Parteientschädigung wird in Berücksichtigung der 

Honorarnote und des nicht fakturierten Aufwandes für den Augenschein auf 

Fr. 4'000.-- (inkl. MWST) festgelegt.

Bund, Kanton und Gemeinden sowie mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben 

betrauten Organisationen wird gemäss Art. 78 Abs. 2 VRG in der Regel keine 

Parteientschädigung zugesprochen, wenn sie in ihrem amtlichen 

Wirkungskreis obsiegen. Davon abzuweichen besteht vorliegend kein Anlass. 

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 3'000.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 437.--

zusammen Fr. 3'437.--

gehen unter Solidarhaft zu je ¼ zulasten der Beschwerdeführerinnen und des 

Beschwerdeführers und sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses 

Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu 

bezahlen.

3. Die Beschwerdeführerinnen und der Beschwerdeführer entrichten der … AG 

unter Solidarhaft eine Parteientschädigung von je Fr. 1'000.--, total also Fr. 

4'000.-- (inkl. MWST).

Die an das Bundesgericht erhobene Beschwerde wurde am 24. August 2011 

abgewiesen, soweit darauf eingetreten wurde (1C_193/2011).