# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ec8dc5e4-a5f6-5f01-b670-4150ec73c24f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.09.2011 E-7663/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-7663-2007_2011-09-13.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­7663/2007
beu/pep/ris

U r t e i l   v om   1 3 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz),
Richter Maurice Brodard, Richterin Regula Schenker Senn,   
Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe.

Parteien A._______, geboren am (…),
B._______, geboren am (…),
C._______, geboren am (…),
D._______, geboren am (…),
E._______, geboren am (…),
Kosovo, 
Eigerstrasse 20, 3076 Worb
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM 
vom 15. Oktober 2007 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Die  Beschwerdeführenden,  Kosovaren  albanischer  Ethnie  aus  dem 
Distrikt  F._______,  sind  seit  1995  nach  Brauch  verheiratet.  Gemäss 
eigenen Angaben verliessen sie ihre Heimat am (…) 2007 und gelangten 
mit  Hilfe  eines  Schleppers  per  Auto  über  Mazedonien,  Montenegro, 
Kroatien, Slowenien und weitere, unbekannte Länder in die  Schweiz, wo 
sie am 6. Juni 2007 um Asyl nachsuchten. Am 11. Juni 2007 wurden der 
Beschwerdeführer  und  am  18. Juni  2007  die  Beschwerdeführerin  im 
Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  Vallorbe  summarisch  befragt; 
am  3. September  2007  wurden  beide  vertieft  zu  ihren  Asylgründen 
angehört.  Dabei  brachten  sie  vor,  sie  seien  aufgrund  schwerwiegender 
familiärer Probleme aus dem Kosovo geflohen.  Im Jahre 1998 habe die 
Frau des Bruders X. des Beschwerdeführers – G._______ – ihren Mann 
verlassen, um mit dem Bruder Y. der Beschwerdeführerin zusammen zu 
leben, bis dieser einige Jahre später getötet worden sei. Die Familie des 
Beschwerdeführers,  bei  der  die  Beschwerdeführenden  seit  der  Heirat 
gelebt hätten, habe ihn seit dem Vorfall von 1998 gedrängt, seine Frau zu 
verlassen,  und  diese  permanent  psychisch  unter  Druck  gesetzt  und 
eingeschlossen;  die  Kinder  seien  oft  geschlagen  worden.  Mehrmals 
hätten  Familienmitglieder  des  Beschwerdeführers  zudem  versucht,  ihn 
und seine Frau umzubringen. Etwa drei Jahre vor der Ausreise habe die 
Beschwerdeführerin  einen  Suizidversuch  gemacht.  Etwa  zweieinhalb 
Jahre  vor  der Flucht  habe der Beschwerdeführer Ausweise  der Mission 
der  Vereinten Nationen  zur Übergangsverwaltung  des Kosovo  (UNMIK) 
erhalten, mit denen er das Land habe verlassen wollen, die seine Familie 
jedoch  entdeckt  und  verbrannt  habe.  Im  (…)  2007  sei  schliesslich  die 
Flucht geglückt.

B. 
Mit Verfügung vom 15. Oktober 2007 – eröffnet am 16. Oktober 2007 – 
stellte  das  BFM  fest,  die  Beschwerdeführenden  würden  die 
Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllen  und  lehnte  die  Asylgesuche  ab. 
Zudem  verfügte  es  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  deren 
Vollzug.

Zur Begründung führte das BFM im Wesentlichen aus, die Aussagen der 
Beschwerdeführenden  würden  in  zentralen  Bereichen  Ungereimtheiten 
aufweisen, weshalb die Vorbringen insgesamt unglaubhaft seien und den 
Anforderungen  von Art.  7  des Asylgesetzes  vom 26.  Juni  1998  (AsylG, 

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SR  142.31)  nicht  genügen  würden.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  sei 
zudem zulässig, zumutbar und möglich.

C. 
Mit  Beschwerde  vom  14.  November  2007  (Poststempel:  13. November 
2007)  wandten  sich  die  Beschwerdeführenden  an  das 
Bundesverwaltungsgericht  und  beantragten  die  Aufhebung  des 
Entscheides  der  Vorinstanz,  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft 
und Asylerteilung sowie eventualiter die Feststellung der Unzumutbarkeit 
des  Wegweisungsvollzuges  und  die  vorläufige  Aufnahme  von  Amtes 
wegen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  wurde  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen Prozessführung nach Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes 
über  das  Verwaltungsverfahren  vom  20. Dezember  1968  (VwVG, 
SR 172.021) und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 
ersucht.  Die  Beschwerdeführenden  reichten  in  diesem  Zusammenhang 
eine Fürsorgebestätigung ein.

Zur Begründung brachten sie insbesondere vor, sie würden aufgrund der 
schutzlosen  Stellung  der  Frau  in  ihrer  Gesellschaft  verfolgt.  Werde  die 
Ehefrau verlassen, weil es die Familie des Ehemannes fordere, so sei sie 
ohne  Schutz.  Weil  sie  zusammenhalten  würden  und  der 
Beschwerdeführer  seine  Frau  nicht  verlassen  habe,  sei  es  bisher  nicht 
zum Racheakt beziehungsweise Ehrenmord gekommen. Als Preis dafür 
hätten sie  in den vergangenen Jahren unter unerträglichem psychischen 
Druck  leben  müssen,  was  die  Flucht  bewirkt  habe.  Der 
Beschwerdeführerin  gehe  es  wegen  der  schlimmen  Erlebnisse 
gesundheitlich nicht gut, sie sei in medizinischer Behandlung. 

D. 
Mit  Instruktionsverfügung  vom  19.  Dezember  2007  entschied  das 
Bundesverwaltungsgericht, dass die Beschwerdeführenden den Ausgang 
des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  können,  und  führte  aus,  die 
Beschwerdebegehren würden  als  aussichtslos  erscheinen, weshalb  das 
Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  abgewiesen 
wurde.  Gleichzeitig  wurde  ein  Kostenvorschuss  von  Fr.  600.­­ 
eingefordert  und  angekündigt,  dass  auf  die  Beschwerde  bei  nicht 
fristgerechter Zahlung nicht eingetreten werde. Die Beschwerdeführende 
leisteten den Kostenvorschuss fristgemäss am 28. Dezember 2007.

E. 
Am (…) wurde der Sohn der Beschwerdeführenden, E._______, geboren.

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F. 
Am  2.  Februar  2010  reichte  ein  Oberarzt  der  Universitären 
Psychiatrischen  Dienste  Bern  (UPD)  mit  Einverständnis  der 
Beschwerdeführenden einen ärztlichen Bericht deren Tochter C._______ 
betreffend  ein.  Demnach  leide  diese  unter  anderem  an  einer 
posttraumatischen  Belastungsstörung  und  sei  psychopharmakologisch 
sowie mittels einer Verhaltenstherapie und systematischer Interventionen 
innerhalb der Familie behandelt worden. 

Mit  Schreiben  vom  3.  Februar  2010 wurde  durch  die  UPD  ein  weiterer 
ärztlicher  Bericht  eingereicht,  dem  zufolge  bei  der  Beschwerdeführerin 
ebenfalls  eine  posttraumatische  Belastungsstörung  sowie  eine 
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom vorliege.

G. 
Das  BFM  liess  sich  auf  Einladung  des  Bundesverwaltungsgerichts  am 
27. Mai 2011 vernehmen und  führte aus, die Beschwerdeschrift enthalte 
keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel, die eine Änderung 
seines  Standpunktes  rechtfertigen  könnten.  Im  Übrigen  werde  auf  die 
Erwägungen  der  angefochtenen  Verfügung  verwiesen,  an  denen 
vollumfänglich festgehalten werde. 

H. 
Mit  Instruktionsverfügung  vom  25. Juli  2011  forderte  das 
Bundesverwaltungsgericht  die Beschwerdeführenden  auf,  bezüglich  des 
Gesundheitszustands  der  Beschwerdeführerin,  des  Beschwerdeführers 
und deren Tochter C._______ bis zum 8. August 2011 aktuelle ärztliche 
Berichte  und  je  eine  ärztliche  Entbindungserklärung  von  der 
Schweigepflicht einzureichen. Zudem wurde ihnen die Stellungnahme der 
Vorinstanz vom 27. Mai 2011 zur Kenntnis zugestellt.

Innert  erstreckter  Frist  wurden  am  16. August  2011  ein  Arztbericht  die 
Tochter  C._______  und  am  19. August  2011  je  ein  Arztbericht  die 
Beschwerdeführenden betreffend eingereicht.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110])

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung;  sie  sind  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1, 
Art. 50 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

1.4.  Der  am  (…)  geborene  Sohn  E._______  wird  in  das 
Beschwerdeverfahren einbezogen.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 

3.1. 
Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 

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grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person 
anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie 
zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit 
zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen 
Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen 
(Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7 
AsylG).

4. 

4.1. Das BFM befand in der angefochtenen Verfügung, die Aussagen der 
Beschwerdeführenden  würden  zahlreiche  Ungereimtheiten  in  zentralen 
Bereichen aufweisen;  insgesamt seien  ihre   Vorbringen unglaubhaft und 
würden  den  Anforderungen  von  Art. 7  AsylG  nicht  genügen.  So  sei  es 
nicht  nachvollziehbar,  dass  sie  mit  ihrer  Ausreise  bis  zum  (…)  2007 
zugewartet  hätten,  obgleich  sie  geltend  machten,  seit  1998  grosse 
Schwierigkeiten  mit  den  Familienmitgliedern  des  Beschwerdeführers 
gehabt zu haben, die sie oft mit Pistolen und Beilen bedroht, die Kinder 
geschlagen  und  die Gesuchstellerin  eingesperrt  hätten.  Schleierhaft  sei 
auch,  wie  die  Beschwerdeführenden  –  in  Anbetracht  der  strengen 
Überwachung  durch  die  Familienmitglieder  –  unbemerkt  die  Ausreise 
hätten  vorbereiten  und  mit  den  Kindern  das  Haus  verlassen  können. 
Zudem  habe  die  Beschwerdeführerin  hinsichtlich  des  Zeitpunkts  der 
Tötung  ihres  Bruders  drei  verschiedene  Jahre  ((…),(…)  und  (…)) 
angegeben.  Auch  der  Beschwerdeführer  habe  sowohl  zum  Todesjahr 
seines  Schwagers  als  auch  zur  letzten  Bedrohung  durch  seine 
Familienmitglieder  verschiedene  Angaben  gemacht  beziehungsweise 
verschiedene Daten genannt. 

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4.2. Auf Beschwerdeebene beantragten die Beschwerdeführenden, es sei 
ihren Ausführungen im Asylverfahren die gebührende Aufmerksamkeit zu 
schenken.  Ebenso  seien  die  im  Asylverfahren  der  Eltern  der 
Beschwerdeführerin  (N  (…)) sowie die  im Asylverfahren von G._______ 
gemachten  Angaben  zu  berücksichtigen;  diese  würden  die 
Glaubwürdigkeit  (recte:  Glaubhaftigkeit)  der  Vorbringen  der 
Beschwerdeführenden  bestätigen  und  die  Sache  könne  nicht  wie  im 
angefochtenen  Entscheid  mit  dem  Hinweis  auf  ein  paar  angebliche 
Ungereimtheiten  abgetan  werden.  Die  Bedrohung  dauere  schon  viele 
Jahre  an;  ob  des  ständigen  Druckes  seien  sie  krank  geworden. 
Einzelheiten  seien  deswegen  vielleicht  unterschiedlich  geschildert 
worden,  das Problem  könne  aber  nicht wegdiskutiert  werden.  Effektiver 
behördlicher  Schutz  vor  der  dargelegten  Verfolgung  (durch  die 
Familienmitglieder  des Beschwerdeführers)  bestehe  nicht.  Aufgrund  der 
schlimmen  Erlebnisse  gehe  es  der  Beschwerdeführerin  gesundheitlich 
nicht gut, weshalb sie sich um medizinische Hilfe bemüht habe und sich 
in (psychiatrischer und neurologischer) Behandlung befinde. 

5. 

5.1.  Vorab  ist  festzustellen,  dass  der  Kosovo  seit  der  Ausreise  der 
Beschwerdeführenden  unabhängig  geworden  ist,  und  die  Schweiz  die 
Republik  Kosovo  am 27. Februar  2008  als  souveränen Staat  anerkannt 
hat.  Von  diesem Status  geht  somit  auch  das Bundesverwaltungsgericht 
aus.  Am  1.  April  2009  erklärte  sodann  der  Bundesrat  Kosovo  als 
sogenanntes Safe Country. 

5.2.  Gemäss  Art.  29  des  kosovarischen  Gesetzes  über  die 
Staatsangehörigkeit  vom  20.  Februar  2008  (Law  Nr.  03/L­034,  in  Kraft 
getreten am 15. Juni 2008) sind alle Personen, die am 1. Januar 1998 die 
jugoslawische Staatsbürgerschaft besassen und am selben Tag auch ihr 
Domizil  auf  dem Territorium der  jetzigen Republik Kosovo  hatten  (ohne 
Rücksicht  auf  ihre  heutige  [weitere]  Staatsangehörigkeit  oder  auf  ihren 
heutigen  Aufenthaltsort),  Staatsangehörige  der  Republik  Kosovo.  Die 
Beschwerdeführenden lebten gemäss eigenen Angaben seit ihrer Geburt 
bis zur Ausreise im Distrikt F._______, verzeichneten dort Wohnsitz und 
sind somit als Staatsangehörige der Republik Kosovo zu betrachten.

6. 
Wie  nachfolgend  aufgezeigt  wird,  vermögen  die  durch  die 
Beschwerdeführenden  angeführten  Gründe  für  das  Verlassen  ihrer 

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Heimat  unbesehen  der  Glaubhaftigkeit  der  Asylvorbringen  keine 
Asylrelevanz  im Sinne von Art. 3 AsylG zu entfalten. Damit erübrigt sich 
eine  Berücksichtigung  der  Verfahrensakten  der  Eltern  der 
Beschwerdeführerin  beziehungsweise  von  G._______,  deren 
Heranziehung  die  Beschwerdeführenden  zur  Bestätigung  ihrer 
Glaubhaftigkeit begehrt hatten.

7. 

7.1.  Die  Beschwerdeführenden  gaben  an,  ausschliesslich  durch  die 
Familie des Beschwerdeführers und nicht durch die Behörden bedroht zu 
sein (A12/16 S. 13).

Das  schweizerische  und  das  internationale  Flüchtlingsrecht  sind 
grundsätzlich  subsidiär  ausgestaltet. Der Schutz eines Drittstaates  kann 
erst  dann  in  Anspruch  genommen  werden,  wenn  der  Heimatstaat  des 
Betroffenen keinen Schutz bieten will oder kann (vgl. Entscheidungen und 
Mitteilungen  der  ehemaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
[EMARK]  2006  Nr.  18  E.  10.1  S.  201).  Schutz  vor  nichtstaatlicher 
Verfolgung  im Heimatstaat  ist als ausreichend zu qualifizieren, wenn die 
betroffene  Person  effektiv  Zugang  zu  einer  funktionierenden  und 
effizienten  Schutzinfrastruktur  hat  und  ihr  die  Inanspruchnahme  eines 
solchen innerstaatlichen Schutzsystems individuell zumutbar ist.

7.2. Der Schutzwille und die Schutzfähigkeit der kosovarischen Behörden 
und Sicherheitskräfte können im jetzigen Zeitpunkt bejaht werden. Diese 
sind  grundsätzlich  willens  und  in  der  Lage,  schwere  Straftaten  zu 
verfolgen  (vgl.  bspw.  das  Urteil  E­2442/2007  des 
Bundesverwaltungsgerichts vom 1. April 2010 E. 7.1).

Anlässlich  seiner  Befragung  zur  Person  vom  11. Juni  2007  gab  der 
Beschwerdeführer  an,  er  sei  wegen  der  Morddrohungen  seiner  Familie 
gegen  ihn und seine Frau etwa ein Jahr zuvor einmal bei der Polizei  in 
F._______  gewesen;  diese  habe mehr  oder weniger  alles  gewusst.  Sie 
habe ihm gesagt, sie könne intervenieren, aber seine Brüder (durch die er 
u.a.  bedroht  worden  sei)  könne  sie  nicht  verhaften.  Falls  sich  etwas 
derartiges wiederhole, solle er sofort anrufen, da die Polizei Beweise und 
nicht bloss Aussagen benötige (vgl. A1/11 S. 7). Auf die Frage, ob er vor 
seiner  Abreise  noch  einmal  zur  Polizei  gegangen  sei,  führte  der 
Beschwerdeführer  aus,  man  habe  ihm  gesagt,  falls  die  Polizei 
interveniere,  könnten  sich  die  Dinge  für  ihn  verschlimmern,  und  er  sei 

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(darum)  nicht  mehr  hingegangen  sondern  habe  begonnen,  über  eine 
Flucht  nachzudenken  (vgl.  A1/11  S. 7).  Die  Beschwerdeführerin 
bestätigte  im  Wesentlichen  die  Aussagen  ihres  Mannes  (vgl.  A8/10 
S. 5f.).  Bei  der  Anhörung  vom  3. September  2007  gab  der 
Beschwerdeführer zu Protokoll, er, seine Frau und die Kinder seien trotz 
zunehmendem  Druck  so  lange  bei  seiner  Familie  geblieben,  weil  sie 
gedacht hätten, diese werde sie  in Ruhe  ihr Leben  leben  lassen; es sei 
aber  unmöglich  gewesen,  so weiterzuleben  (vgl. A12/16 S. 10). Bei  der 
Familie  seiner  Frau  –  die  dieser  angeboten  habe,  bei  ihr  zu  leben  (vgl. 
A12/16 S. 7) – habe er nicht leben wollen; er habe es auch nicht gewagt, 
an einem anderen Ort innerhalb des Kosovo zu leben (vgl. A12/16 S. 10), 
beziehungsweise habe dies nicht in Betracht gezogen (vgl. A12/16 S. 13). 
Die Polizei  habe  ihm gesagt,  sie  könne nicht  kommen,  da die Situation 
dadurch schlimmer würde (vgl. A12/16 S. 7), beziehungsweise könne sie 
zwar kommen, aber sie wisse nicht, was danach geschehe; es sei besser 
für ihn, wenn sie nicht kommen würde (vgl. A12/16 S. 10). Deshalb habe 
er  keine  andere  Lösung  gesehen,  als  den  Kosovo  zu  verlassen  (vgl. 
A12/16 S. 7 und 13). Die Beschwerdeführerin führte gleichentags aus, die 
Polizei sei bezüglich ihrer Situation auf dem Laufenden; ihr Mann sei vor 
etwa einem Jahr dort gewesen. Auch sie habe einmal eine Aussage bei 
der  Polizei  gemacht,  dies  allerdings  in  einem  anderen  Zusammenhang 
(vgl. A13/19 S. 14). Die Familie ihres Mannes habe ihr gesagt, falls sie zu 
ihren Eltern  gehen würde, würden  sie  die Kinder  nicht mitgehen  lassen 
und sie würde sie nie mehr wiedersehen (vgl. A13/19 S. 10). Sie sei um 
ihrer Kinder willen nicht weggegangen  (vgl. A13/19 S. 15). Wenn sie  im 
Kosovo geblieben wären (statt in die Schweiz zu flüchten, wo seit einigen 
Jahren auch  ihre Eltern  leben würden,  vgl. A13/19 S. 12),  so  hätte  ihre 
Schwiegermutter  sie  wiederfinden  können,  da  es  ein  kleines  Land  sei 
(vgl.  A13/19  S.  12).  In  der  Beschwerdeschrift  schliesslich  brachten  die 
Beschwerdeführenden vor, effektiver behördlicher Schutz vor Verfolgung 
bestehe nicht.

7.3.  Es  ist  damit  festzuhalten,  dass  sich  die  Beschwerdeführenden 
gemäss  eigenen  Angaben  einmal  im  Zusammenhang  mit  den 
Behelligungen  durch  die  Familienmitglieder  des  Beschwerdeführers  im 
Jahre  2006  an  die  Polizei  gewandt  hatten,  wobei  diese  scheinbar  auf 
blossen  Verdacht  beziehungsweise  auf  reine  Aussagen  der 
Beschwerdeführenden  hin  nicht  intervenieren  wollte,  jedoch  anbot,  bei 
weiteren Vorfällen vorbeizukommen. Damit ergeben sich keine Hinweise, 
dass  die  staatliche  Schutzinfrastruktur  den  Beschwerdeführenden  nicht 
zugänglich  wäre  und  die  kosovarischen  Behörden  offensichtlich  aus 

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einem  Grund  nach  Art.  3  AsylG  nicht  willens  wären,  ihnen  Schutz  vor 
Übergriffen  durch  die Familie  des Beschwerdeführers  zu  gewähren  und 
zu diesem Zweck konkrete und geeignete Massnahmen zu treffen. 

Den Beschwerdeführenden  –  insbesondere  dem Beschwerdeführer,  der 
das Haus  frei  habe verlassen können – wäre es zudem auch zumutbar 
gewesen,  sich  (erneut)  an  die  Polizei  zu  wenden  und  um  Schutz  zu 
ersuchen. Dies tat er nicht, da er gedacht und gehört habe, dass dies die 
Situation nur verschlimmern würde. Allerdings stellt diese Einstellung den 
Schutzwillen und die Schutzfähigkeit der kosovarischen Behörden nicht in 
Frage.  Die  geltend  gemachten  Ereignisse  vermögen  unter  diesen 
Umständen  praxisgemäss  nicht  zur  Anerkennung  der 
Flüchtlingseigenschaft und zur Gewährung des Asyls zu führen.

7.4.   Da die Beschwerdeführenden bei den kosovarischen Behörden  im 
Zusammenhang  mit  ihrer  vorgebrachten  Bedrohung  hätten  Schutz 
suchen  können  und  ihnen  dies  auch  zumutbar  gewesen  wäre 
beziehungsweise auch bei einer Rückkehr weiterhin zumutbar ist, sind sie 
auf den Schutz der Schweiz nicht angewiesen, weshalb ihren Vorbringen 
keine Asylrelevanz zukommt.

8. 
Aufgrund der vorstehenden Erwägungen folgt unter Berücksichtigung der 
gesamten  Umstände,  dass  das  BFM  im  Ergebnis  zu  Recht  die 
Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführenden  verneint  und  ihre 
Asylgesuche abgelehnt hat.

9. 
Die Ablehnung eines Asylgesuchs hat in der Regel die Wegweisung aus 
der  Schweiz  und  deren  Vollzug  zur  Folge  (Art.  44  Abs.  1  AsylG); 
vorliegend  hat  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  und  es 
besteht  auch  kein  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  (vgl.  EMARK 
2001  Nr. 21),  weshalb  das  BFM  zu  Recht  die  Wegweisung  der 
Beschwerdeführenden angeordnet hat. 

10. 
Ist  der Vollzug der Wegweisung nicht möglich,  nicht  zulässig oder nicht 
zumutbar,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 

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SR 142.20]).  Die  drei  Bedingungen  für  einen  Verzicht  auf  den 
Wegweisungsvollzug  sind  alternativer  Natur.  Sobald  eine  dieser 
Bedingungen erfüllt  ist,  ist der Vollzug als undurchführbar zu betrachten 
(BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748; EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2 S. 54 f.).

10.1. Gemäss Art.  83 Abs.  4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 
83 Abs.  7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 
2002, BBl 2002 3818).

10.2.  Die  Vorinstanz  hielt  in  der  angefochtenen  Verfügung  fest,  dass 
weder  die  im Heimatstaat  herrschende politische Situation  noch  andere 
Gründe  gegen  die  Zumutbarkeit  der  Rückführung  nach  Serbien  (recte: 
den Kosovo) sprechen würden. Auch gebe es im Kosovo keine Situation 
allgemeiner  Gewalt  mehr,  da  es  dort  seit  dem  Einmarsch  der  Kosovo 
Force  (KFOR)  am  12.  Juni  1999  zu  keinen  kriegerischen 
Auseinandersetzungen mehr  gekommen  sei.  In  ihrer  Beschwerdeschrift 
hielten  die  Beschwerdeführenden  den  Ausführungen  des  BFM  nichts 
entgegen. Diesen ist zuzustimmen; eine konkrete allgemeine Gefährdung 
der Beschwerdeführenden im Kosovo ist nicht ersichtlich.

10.3.  Fraglich  ist  hingegen  das  Vorliegen  von  individuellen  Gründen, 
welche  gegen  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  in  den 
Kosovo sprechen könnten. 

10.3.1. Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug Kinder betroffen, 
so  bildet  im  Rahmen  der  Zumutbarkeitsprüfung  das  Kindeswohl  einen 
Gesichtspunkt  von gewichtiger Bedeutung. Dies ergibt  sich nicht  zuletzt 
aus einer  völkerrechtskonformen Auslegung  von Art.  83 Abs.  4 AuG  im 
Lichte von Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. November 1989 
über  die  Rechte  des  Kindes  (KRK,  SR  0.107).  Unter  dem  Aspekt  des 
Kindeswohls  sind  demnach  sämtliche  Umstände  einzubeziehen  und  zu 
würdigen, die im Hinblick auf eine Wegweisung wesentlich erscheinen. In 
Bezug  auf  das  Kindeswohl  können  für  ein  Kind  namentlich  folgende 
Kriterien  im Rahmen einer  gesamtheitlichen Beurteilung  von Bedeutung 
sein:  Alter,  Reife,  Abhängigkeiten,  Art  (Nähe,  Intensität,  Tragfähigkeit) 
seiner  Beziehungen,  Eigenschaften  seiner  Bezugspersonen 

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(insbesondere  Unterstützungsbereitschaft  und  ­fähigkeit),  Stand  und 
Prognose bezüglich Entwicklung/Ausbildung sowie der Grad der erfolgten 
Integration  bei  einem  längeren  Aufenthalt  in  der  Schweiz.  Gerade 
letzterer  Aspekt,  die  Dauer  des  Aufenthaltes  in  der  Schweiz,  ist  im 
Hinblick  auf  die  Prüfung  der  Chancen  und  Hindernisse  einer 
Reintegration beziehungsweise Integration im Heimatland bei einem Kind 
als gewichtiger Faktor zu werten, da Kinder nicht ohne guten Grund aus 
einem einmal vertrauten Umfeld herausgerissen werden sollten. Dabei ist 
aus  entwicklungspsychologischer  Sicht  nicht  nur  das  unmittelbare 
persönliche  Umfeld  des  Kindes  (d.h.  dessen  Kernfamilie)  zu 
berücksichtigen,  sondern  auch  dessen  übrige  soziale  Einbettung.  Die 
Verwurzelung in der Schweiz kann eine reziproke Wirkung auf die Frage 
der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  haben,  indem  eine  starke 
Assimilierung  in  der  Schweiz  mithin  eine  Entwurzelung  im  Heimatstaat 
zur Folge haben kann, welche unter Umständen die Rückkehr dorthin als 
unzumutbar  erscheinen  lässt  (BVGE  2009/51  E. 5.6  mit  weiteren 
Hinweisen). 

Die Beschwerdeführenden haben drei Kinder, wobei das jüngste erst (…) 
Jahre  alt  und  damit  noch  vollständig  an  die  Eltern  gebunden  ist. 
C._______,  geboren  am  (…),  war  im  Zeitpunkt  der  Einreise  in  die 
Schweiz (…) Jahre alt. Sie besuchte im Kosovo die Schule bis zur fünften 
Klasse  und  setzte  den  Schulbesuch  in  der  Schweiz  fort.  Im  jetzigen 
Zeitpunkt  ist  sie  (…)  Jahre  alt.  D._______,  geboren  am  (…)  war  im 
Ausreisezeitpunkt  (…)  Jahre  alt  und  besuchte  im  Kosovo  den 
Kindergarten  beziehungsweise  stand  kurz  vor  der  Einschulung  (vgl. 
A12/16 S. 3); derzeit  ist er  (…) Jahre alt und besucht die Primarschule. 
Nach  dem  über  vier  Jahre  dauernden  Aufenthalt  in  der  Schweiz  ist 
aufgrund  des  Fehlens  anderer  Hinweise  davon  auszugehen,  dass  sich 
beide Kinder  in das schweizerische Schul­ und soziale System integriert 
haben. Dem am 2. Februar 2010 eingereichten ärztlichen Bericht von Dr. 
med.  H._______  (Oberarzt  an  der  Kinder­  und  Jugendpsychiatrischen 
Poliklinik  der  Universität  Bern)  (act.  7)  ist  u.a.  zu  entnehmen,  dass 
C._______  in  der  Schule  als  aufgewecktes,  manchmal  fröhliches  und 
sehr  lernmotiviertes  Kind  erlebt  werde.  Sie  habe  Freunde,  gehe  mit 
Kolleginnen  aus  und  habe  ihr  erstes  Liebeserlebnis  hinter  sich.  Beide 
Kinder  haben  Lebensabschnitte  in  der  Schweiz  verbracht,  die  ihre 
Persönlichkeit nachhaltig geprägt haben dürften. Gerade der Besuch der 
Schule über einen Zeitraum von mehreren Jahren hinweg, die natürliche 
Interaktion  mit  Klassenkammeradinnen  und  ­kameraden  sowie  das 
sukzessive Erlernen der deutschen Sprache dürfte bei den Kindern eine 

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weitreichende  Anpassung  an  die  schweizerische  Lebensweise  bewirkt 
haben,  so  dass  eine  abrupte  Trennung  vom  gewohnten  Umfeld  sich 
zwangsläufig  stark  negativ  auf  die  individuelle  Entwicklung  auswirken 
würde. Insbesondere bei D._______ erscheint zudem fraglich, ob er über 
die – namentlich schriftlichen – Kenntnisse seiner Muttersprache verfügt, 
die  für  eine  erfolgreiche  Eingliederung  ins  Schulsystem  des  Kosovo 
vorauszusetzen  wäre.  C._______,  die  die  prägenden  Jahre  zwischen 
Kindheit und Adoleszenz – und damit dem Beginn der Ablösung von ihren 
Eltern  –  in  der  Schweiz  verbracht  hat,  dürfte  dagegen  kurz  vor  einer 
beruflichen  oder  weiterführenden  schulischen  Ausbildung  und  damit  an 
einem wichtigen Wendepunkt stehen. Es besteht bei dieser Sachlage für 
C._______  und  D._______  die  erhebliche  Gefahr,  dass  die  mit  einem 
Vollzug  der  Wegweisung  verbundene  Entwurzelung  aus  dem 
gewachsenen  sozialen  Umfeld  in  der  Schweiz  einerseits  und  die  sich 
gleichzeitig  abzeichnende  Problematik  einer  Reintegration  in  die  ihnen 
mittlerweile  fremde  Kultur  und  Umgebung  andererseits  zu  starken 
Belastungen  ihrer  kindlichen beziehungsweise  jugendlichen Entwicklung 
führen  würden,  die  mit  dem  Schutzanliegen  des  Kindeswohls  nicht 
vereinbar  wären  (vgl.  EMARK 2005  Nr.  6  E.  7.1  sowie  das  Urteil  D­
4571/2006  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  1.  Februar  2010 
E. 7.2.2.2).

10.3.2.  In  Bezug  auf  die  Beurteilung  der  Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  ist  im  vorliegenden  Falle  neben  den 
Beeinträchtigungen  des  Kindeswohls  auch  der  psychische 
Gesundheitszustand  der  Beschwerdeführenden  zu  beachten.  Dabei  ist 
darauf hinzuweisen, dass aufgrund einer medizinischen Notlage nur dann 
auf  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  geschlossen  werden 
kann,  wenn  eine  notwendige  medizinische  Behandlung  im  Heimatland 
nicht  zur  Verfügung  steht  und  die  Rückkehr  zu  einer  raschen  und 
lebensgefährdenden  Beeinträchtigung  des  Gesundheitszustands  der 
betroffenen  Person  führt.  Dabei  wird  als  wesentlich  die  allgemeine  und 
dringende  medizinische  Behandlung  erachtet,  die  zur  Gewährleistung 
einer menschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit 
liegt  jedenfalls  noch  nicht  vor,  wenn  im  Heimatstaat  eine  nicht  dem 
schweizerischen  Standard  entsprechende  medizinische  Behandlung 
möglich ist (vgl. BVGE 2009/2, EMARK 2003 Nr. 24 E. 5a und b). 

Dem erwähnten Arztbericht  vom 2. Februar  2010 betreffend C._______ 
ist  zu  entnehmen,  dass  bei  dieser  eine  posttraumatische 
Belastungsstörung  (PTBS;  ICD­10  F43.1)  sowie  –  vermutlich  im 

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Zusammenhang  mit  der  PTBS  –  Kopfschmerzen  und  Nabelkolliken 
diagnostiziert  wurden,  wobei  die  Probleme  beim  Eintritt  in  die 
psychiatrische Behandlung  so  schwer  gewesen  seien,  dass  der weitere 
Besuch der Schule  bedroht  gewesen  sei. Die Traumatisierungen hätten 
mit Todesängsten  zu  tun  sowie mit  der Befürchtung,  dass  sie oder  ihre 
Eltern durch Blutrache seitens der Familie väterlicherseits getötet werden 
könnten.  C._______  sei  in  der  Folge  seit  September  2008 
psychopharmakologisch  behandelt  worden  und  habe  eine  kognitive 
Verhaltenstherapie  gemacht,  wobei  die  Behandlungsbemühungen  (erst) 
auf entscheidende Art und Weise greifen konnten, als  ihr Vater  ihr habe 
versichern können, dass sie nie mehr  in den Kosovo zurück müsse. Mit 
Eingabe  vom  16.  August  2011  (vgl.  act.  20)  reichten  die 
Beschwerdeführenden  einen  Arztbericht  gleichen  Datums  von  Dr.  med. 
H._______ bezüglich des aktuellen Gesundheitszustands von C._______ 
ein.  In  jenem  wird  bestätigt,  dass  sie  unter  einer  PTBS  gelitten  habe, 
welche  therapiefähig war beziehungsweise  ist. Die mittlerweile  erreichte 
Stabilität der Situation erlaube es, mit der Frequenz der therapeutischen 
Sitzungen  deutlich  zurückzugehen.  Die  wichtigste  Bedingung  für  die 
seelische  Gesundheit  von  C._______  bestehe  indes  in  der  Sicherheit, 
nicht mehr  in das traumatisierende Umfeld zurückkehren zu müssen. Es 
sei  durchaus  anzunehmen,  dass  eine  Retraumatisierung  durch  die 
Rückkehr  nicht  nur  zu  einem  Rückfall  führen  würde,  sondern  auch  die 
Gefahr  einer  dauernden  psychischen  Schädigung  mit  chronischer 
psychischen Invalidisierung nach ziehen könne.

Gemäss dem die Beschwerdeführerin betreffenden Bericht der UPD vom 
3.  Februar  2010  (vgl.  act.  8),  verfasst  von  lic.  phil.  I._______ 
(Psychologin) und Dr. med. J._______ (Oberarzt an der Universitätsklinik 
und  Poliklinik  für  Psychiatrie  Bern),  leidet  diese  an  mittelgradig 
depressiven  Episoden  mit  somatischem  Syndrom  (ICD­10  F32.11)  und 
ebenfalls  an  einer  PTBS.  Seit  Februar  2009  befinde  sie  sich  in 
ambulanter psychiatrisch­psychotherapeutischer Behandlung und nehme 
zudem  an  einer  therapeutischen  Bewegungsgruppe  für  traumatisierte 
Frauen  teil.  Durch  die  Behandlung  habe  die  depressive  Symptomatik 
leicht  verbessert werden  können. Suizidale Handlungsabsichten würden 
im  Moment  nicht  bestehen;  eine  psychotherapeutische  und 
medikamentöse Weiterbehandlung  sei  jedoch dringend notwendig. Dem 
Bericht  lässt  sich  entnehmen,  dass  auch  der  Beschwerdeführer  zur 
psychiatrischen  Behandlung  an  die  UPD  überwiesen  worden  sei.  Mit 
Eingabe vom 19. August 2011 reichten die Beschwerdeführenden weitere 
sie  betreffende  Arztberichte  derselben  Fachpersonen  ein.  Diese 

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bestätigten  in  ihrem Bericht über die Beschwerdeführerin die genannten 
Diagnosen  und  führten  aus,  diese  leide  nach  wie  vor  unter  den 
Symptomen  der  Depression  und  der  PTBS,  welche  unter  der 
antidepressiven  Medikation  und  der  fortgesetzten  Psychotherapie 
allerdings  weiter  zurückgegangen  seien.  Eine  weitere 
psychotherapeutische  und  medikamentöse  Weiterbehandlung  sei 
notwendig,  um die  bis  anhin  erreichte Stabilisierung  aufrechtzuerhalten. 
Beim  Beschwerdeführer  wurde  aufgrund  einer  anhaltenden 
psychosozialen  Belastungssituation  –  dem  Familienkonflikt  im  Kosovo 
und  der  unsicheren  Asylsituation  in  der  Schweiz  –  eine  mittelgradige 
depressive  Episode  ohne  somatisches  Syndrom  (ICD­10  F32.10)  bei 
psychosozialer chronischer Belastungssituation diagnostiziert. Er befinde 
sich  seit  dem  4.  März  2010  in  ambulanter  psychiatrisch­
psychotherapeutischer  Behandlung.  Mit  der  Installation  einer 
antidepressiven  Medikation  und  dem  Aufbau  einer  Tagesstruktur  habe 
eine  gewisse  psychische  Stabilisierung  erreicht  werden  können;  die 
Symptome der Depression hätten sich  leicht  reduziert. Eine Fortsetzung 
der Behandlung sei indiziert. 

Aus  den  erwähnten  Berichten  ergibt  sich,  dass  die  erlebte  familiäre 
Situation  im  Kosovo  –  wenn  auch  nicht  asylrelevant  –  so  doch 
traumatisierend gewesen zu sein scheint. Es  ist anzunehmen, dass sich 
die  psychischen  Probleme  durch  den  bisherigen  Aufenthalt  und  die 
Behandlung  in  der  Schweiz  sowohl  bei  den  Beschwerdeführenden  als 
auch bei ihrer Tochter stabilisiert haben, es jedoch bei einer Rückkehr in 
den  Kosovo  zu  ernstzunehmenden  Rückfällen  –  insbesondere  bei 
C._______ – kommen würde. 

10.4. Die  psychische  Erkrankung  der  Beschwerdeführenden  lässt  zwar 
nicht auf eine konkrete Gefährdung aufgrund einer medizinischen Notlage 
schliessen, die im Kosovo nicht behandelbar wäre. Indessen gelangt das 
Bundesverwaltungsgericht im Rahmen einer Gesamtwürdigung und unter 
Berücksichtigung des Kindeswohls, des Risikos von Retraumatisierungen 
– insbesondere bei der Tochter – sowie des Grundsatzes der Einheit der 
Familie  (vgl.  Art.  44  Abs.  1  AsylG)  zum  Schluss,  dass  der  Vollzug  der 
Wegweisung der Beschwerdeführenden zum heutigen Zeitpunkt als nicht 
zumutbar  zu  erachten  ist.  Die  Voraussetzungen  für  die Gewährung  der 
vorläufigen  Aufnahme  sind  damit  erfüllt,  zumal  ihr  vorliegend  keine 
einschränkenden  gesetzlichen  Tatbestände  entgegenstehen  (Art.  83 
Abs. 7 AuG).

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Seite 16

11. 
Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht  verletzt.  Die  Beschwerde  ist  demnach  teilweise 
gutzuheissen, die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der Verfügung des BFM 
vom 15. Oktober 2007 sind aufzuheben und das BFM ist anzuweisen, die 
Beschwerdeführenden  infolge  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzuges  in  der  Schweiz  vorläufig  aufzunehmen  (vgl. 
Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 AuG).

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Seite 17

12. 

12.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist vom hälftigen Obsiegen der 
Beschwerdeführenden  auszugehen.  Von  ihnen  sind  deshalb  in 
Anwendung von Art. 63 Abs. 1 VwVG und Art. 1­3 des Reglements vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  reduzierte 
Verfahrenskosten  in der Höhe von Fr. 300.­­ zu erheben. Diese sind mit 
dem am 28. Dezember 2007 geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.­­ 
zu  verrechnen.  Dementsprechend  sind  den  Beschwerdeführenden  Fr. 
300.­­ zurückzuerstatten. 

12.2.  Da  die  Beschwerdeführenden  im  Beschwerdeverfahren  keine 
Rechtsvertretung  mandatiert  haben  und  sich  aus  den  Akten  keine 
Hinweise  darauf  ergeben,  dass  ihnen  selber  durch  die 
Beschwerdeführung verhältnismässig hohe Kosten  im Sinne von Art. 64 
Abs.  1  VwVG  erwachsen  wären,  ist  ihnen  trotz  ihres  teilweisen 
Obsiegens keine Parteientschädigung auszurichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen,  soweit  beantragt  wird,  es  sei  die 
Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzuges  festzustellen  und  das  BFM 
sei  anzuweisen,  für  die  Beschwerdeführenden  die  vorläufige  Aufnahme 
anzuordnen. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 

2. 
Die Dispositivziffern  4  und  5  der  Verfügung  des  BFM  vom  15. Oktober 
2007  werden  aufgehoben  und  das  BFM  wird  angewiesen,  die 
Beschwerdeführenden wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 
vorläufig aufzunehmen.

3. 
Den  Beschwerdeführenden  werden  reduzierte  Verfahrenskosten  von 
Fr. 300.­­  auferlegt  und  mit  dem  am  28.  Dezember  2007  geleisteten 
Kostenvorschuss  von  Fr.  600.­­  verrechnet.  Fr.  300.­­  werden  den 
Beschwerdeführenden  durch  das  Bundesverwaltungsgericht 
zurückerstattet.

4. 
Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe

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