# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 822ff70c-98ec-5d96-aef7-b1c2f3610923
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-03-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.03.2010 A-1604/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-1604-2006_2010-03-04.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-1604/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  4 .  M ä r z  2 0 1 0

Richter Daniel Riedo (Vorsitz), 
Richterin Salome Zimmermann, Richter Michael Beusch, 
Gerichtsschreiberin Jeannine Müller.

X._______ AG, 
vertreten durch Y._______ AG, 
Beschwerdeführerin,

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV,
Hauptabteilung Mehrwertsteuer, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Mehrwertsteuer (4. Quartal 2002); Vorsteuerabzug; 
Lieferverträge.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-1604/2006

Sachverhalt:

A.
Die X._______ AG wurde am 8. November bzw. 21. Dezember 2001 
(Handelsregistereintrag:  29.  Januar  2002)  unter  dem  Namen 
Z._______ AG gegründet und bezweckt den Handel, Vertrieb und die 
Wartung  von  ökologischen  Heizungsanlagen  und  insbesondere  von 
Wärmepumpen. Sie ist – gestützt auf ihre Angaben – seit dem 29. Ja-
nuar  2002  im Register  der  Mehrwertsteuerpflichtigen  bei  der  Eidge-
nössischen Steuerverwaltung (ESTV) eingetragen. Der Namenswech-
sel in X._______ AG erfolgte mit Statutenänderung vom 25. Juni 2009 
(Handelsregistereintrag:  29.  Juli  2009).  Der  Einfachheit  halber  wird 
vorliegend ausschliesslich der ursprüngliche Name verwendet.

B.
In der Abrechnung für das 4. Quartal 2002 machte die Z._______ AG 
(nachfolgend  auch  Steuerpflichtige)  einen  Vorsteuerüberschuss  von 
Fr. 114'255.17  geltend  und  reichte  drei  Lieferrechnungen  der 
A._______ GmbH vom 30. November bzw. 16. Dezember 2002 ein. Am 
20. März  2003  übermittelte  die  Steuerpflichtige  der  ESTV eine  zwi-
schen ihr  und der A._______ GmbH (inzwischen im Handelsregister 
gelöscht)  abgeschlossene  Abzahlungsvereinbarung,  datierend  vom 
6. Januar 2003. Die ESTV kam zum Schluss, dass der Vorsteuerabzug 
im Zusammenhang mit den Lieferverträgen zu Unrecht erfolgt sei, und 
verlangte  von der  Steuerpflichtigen  mit  Ergänzungsabrechnung  (EA) 
Nr. ...  vom  19.  Juni  2003  einen  Betrag  in  Höhe  von  Fr. 114'294.90 
zurück. 

C.
Die ESTV entschied am 7. Januar 2004, sie fordere zu Recht für das 
4. Quartal 2002 einen Betrag von Fr. 114'294.-- (gerundet), zuzüglich 
Verzugszins, zurück. Mit Eingabe vom 15. Januar 2004 liess die Steu-
erpflichtige  Einsprache  erheben  und  die  Aufhebung  des  Entscheids 
beantragen. Am 11. November 2004 führte die ESTV eine Steuerkont-
rolle durch, die in den Räumlichkeiten der Rechtsvertreterin der Steu-
erpflichtigen stattfand. Am 27. März 2006 liess Letztere bei der Eidge-
nössischen Steuerrekurskommission (SRK) eine Rechtsverzögerungs-
beschwerde gegen die ESTV einreichen, da diese den Einspracheent-
scheid bis zu diesem Zeitpunkt nicht erlassen habe. 

Seite 2

A-1604/2006

D.
Mit  Einspracheentscheid vom 28. April  2006 wies die ESTV die Ein-
sprache vom 15. Januar 2004 ab. Zur Begründung hielt sie im Wesent-
lichen dafür, beim abgeschlossenen Abzahlungsvertrag handle es sich 
um eine Vertragsart, die dem Leasingvertrag ähnlich sei. Mit dem Ab-
schluss dieses Vertrags habe die Steuerpflichtige eine Änderung der 
alten Kaufverträge vorgenommen; die Rechte und Pflichten der Partei-
en seien dadurch wesentlich modifiziert worden. Dementsprechend sei 
dieses Vertragswerk zu berücksichtigen. Die Vorsteuer könnte grund-
sätzlich in derjenigen Periode geltend gemacht werden, in welche der 
jeweilige Zahlungstermin falle. Da die an die Belege gestellten Anfor-
derungen jedoch nicht  erfüllt  seien,  sei  ein  Vorsteuerabzug gänzlich 
ausgeschlossen. Mit Verfügung vom 15. Mai 2006 schrieb die SRK die 
Rechtsverzögerungsbeschwerde  vom 27.  März  2006  infolge  Gegen-
standslosigkeit ab. 

E.
Am 31. Mai bzw. 12. Juni 2006 lässt die Z._______ AG (Beschwerde-
führerin)  bei  der  SRK Beschwerde  erheben und  die  Aufhebung  des 
Einspracheentscheids vom 28. April  2006 beantragen. Es sei  festzu-
stellen, dass der in der Abrechnung für das 4. Quartal 2002 ausgewie-
sene  Vorsteuerüberschuss  von  Fr.  114'619.43  zu  Gunsten  der  Be-
schwerdeführerin zu Recht bestehe. Eventualiter sei die ESTV zu ver-
pflichten, der Beschwerdeführerin die Vorsteuer für die im Jahre 2003 
geleisteten Ratenzahlungen im Umfang von Fr. 19'176.19 zurückzuer-
statten. Zudem sei ihr in verfahrensrechtlicher Hinsicht zur Ergänzung 
der Beschwerdeschrift eine Nachfrist bis zum 30. September 2006 ein-
zuräumen. Zur Begründung der materiellen Anträge bringt sie im We-
sentlichen vor, Lieferfakturen müssten bei der Abrechnung nach ver-
einbarten Entgelten am Ende derjenigen Quartalsperiode abgerechnet 
werden, in welcher die Rechnungsstellung erfolgt sei. Die Lieferfaktu-
ren datierten  vom 30. November  bzw. 16. Dezember  2002. Die  Gel-
tendmachung der Vorsteuern sei  daher zu Recht im 4. Quartal  2002 
erfolgt. Die Abzahlungsvereinbarung vom 6. Januar 2003 spiele für die 
Beurteilung des Vorsteueranspruchs keine Rolle. 

F.
Auf  Antrag  der  Beschwerdeführerin  hin  bestätigt  die  SRK  mit  Zwi-
schenentscheid  vom  4.  August  2006  den  einverlangten  Kostenvor-
schuss in Höhe von Fr. 2'000.--. Die dagegen erhobene Beschwerde 
weist  das  Bundesgericht  am 1. September  2006 ab. Am 29. Januar 

Seite 3

A-1604/2006

2007 teilt das Bundesverwaltungsgericht den Verfahrensbeteiligten mit, 
es habe das vorliegende Verfahren zuständigkeitshalber übernommen.

G.
In ihrer Vernehmlassung vom 2. Mai 2007 beantragt die ESTV die kos-
tenfällige Abweisung der Beschwerde. 

Auf  die  weiteren  Vorbringen  in  den  Eingaben  an  die  SRK bzw. das 
Bundesverwaltungsgericht  wird  –  soweit  entscheidwesentlich  –  im 
Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Bis  zum 31. Dezember  2006 konnten  Einspracheentscheide der 
ESTV auf dem Gebiet der Mehrwertsteuer nach Art. 44 ff. des Bundes-
gesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021) innert 30 Tagen nach Eröffnung mit Beschwerde 
bei der SRK angefochten werden (aArt. 65 des Bundesgesetzes vom 
2. September  1999  über  die  Mehrwertsteuer  [aMWSTG,  AS  2000 
1300],  in der Fassung vom 1. Januar 2001,  aufgehoben per 31. De-
zember  2006).  Das  Bundesverwaltungsgericht  übernimmt,  sofern  es 
zuständig ist, die Ende 2006 bei der SRK hängigen Rechtsmittel. Die 
Beurteilung erfolgt nach neuem Verfahrensrecht (Art. 53 des Bundes-
gesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht [Ver-
waltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 172.32]). Das Verfahren richtet sich 
nach dem VwVG, soweit  das  VGG nichts  anderes  bestimmt (Art. 37 
VGG).  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  zur  Behandlung  der  Be-
schwerde sachlich wie funktionell zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d 
VGG).

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Einspra-
cheentscheid  grundsätzlich  in  vollem  Umfang  überprüfen.  Die  Be-
schwerdeführerin kann neben der Verletzung von Bundesrecht (Art. 49 
Bst.  a  VwVG) und  der  unrichtigen oder  unvollständigen  Feststellung 
des  rechtserheblichen  Sachverhalts  (Art.  49  Bst.  b  VwVG)  auch  die 
Rüge der Unangemessenheit erheben (Art. 49 Bst. c VwVG; ANDRÉ MO-
SER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER,  Prozessieren vor dem Bundes-
verwaltungsgericht,  Basel  2008,  S. 73 ff.  Rz. 2.149 ff.,  ULRICH HÄFE-

Seite 4

A-1604/2006

LIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Aufl., 
Zürich/Basel/Genf 2006, Rz. 1758 ff.). 

1.3 Gemäss Art. 25 Abs. 2 VwVG ist  dem Begehren um Erlass einer 
Feststellungsverfügung zu entsprechen, wenn die Gesuchstellerin ein 
entsprechendes schutzwürdiges Interesse nachweist. Laut bundesge-
richtlicher Rechtsprechung ist der Anspruch auf Erlass einer Feststel-
lungsverfügung subsidiär  gegenüber rechtsgestaltenden Verfügungen 
(BGE 119 V 13 E. 2a, BGE 114 V 203;  RENÉ RHINOW/BEAT KRÄHENMANN, 
Schweizerische  Verwaltungsrechtsprechung,  Ergänzungsband,  Basel 
1990,  Nr. 36,  S. 109 f.). Soweit  die  Beschwerdeführerin  ihre  Anträge 
formell als Feststellungsbegehren stellt, fehlt ihr folglich ein schutzwür-
diges Interesse an deren Behandlung, weil bereits das negative Leis-
tungsbegehren, der Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Nachfor-
derung (durch Aufhebung des Einspracheentscheids), gestellt worden 
ist. Damit kann anhand eines konkreten Falls entschieden werden, ob 
die fragliche Vorsteuerabzugsberechtigung besteht, was das Feststel-
lungsinteresse  hinfällig  werden  lässt  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts 
2C_726/2009  vom  20. Januar  2010  E. 1.3;  BVGE  2007/24  E. 1.3; 
Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts A-1505/2006 vom 25. Septem-
ber 2008 E. 1.2). Mit dieser Einschränkung ist auf die Beschwerde ein-
zutreten. 

1.4 Am  1.  Januar  2010  ist  das  Mehrwertsteuergesetz  vom 12.  Juni 
2009 (MWSTG, SR 641.20) in Kraft getreten. Die bisherigen gesetz-
lichen Bestimmungen sowie die darauf gestützt erlassenen Vorschrif-
ten  bleiben  grundsätzlich  weiterhin  auf  alle  während ihrer  Geltungs-
dauer eingetretenen Tatsachen und entstandenen Rechtsverhältnisse 
anwendbar (Art. 112 Abs. 1 MWSTG). Da es im vorliegenden Fall um 
das  4.  Quartal  2002  geht,  ist  in  materieller  Hinsicht  deshalb  das 
aMWSTG anwendbar. 

Demgegenüber ist  das neue mehrwertsteuerliche Verfahrensrecht  im 
Sinne  von Art.  113  Abs. 3  MWSTG auf  sämtliche  im  Zeitpunkt  des 
Inkrafttretens  hängige  Verfahren  anwendbar.  Allerdings  ist  Art.  113 
Abs. 3  MWSTG  insofern  restriktiv  auszulegen,  als  gemäss  höchst-
richterlicher Rechtsprechung nur eigentliche Verfahrensnormen sofort 
auf hängige Verfahren anzuwenden sind, und es dabei nicht zu einer 
Anwendung von neuem materiellen  Recht  auf  altrechtliche Sachver-
halte kommen darf (ausführlich: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 
A-1113/2009 vom 23. Februar 2010 E. 1.3).

Seite 5

A-1604/2006

Kein  Verfahrensrecht  in  diesem  engen  Sinn  stellen  im  vorliegenden 
Entscheid  etwa  die  nachfolgend  abgehandelten  Themen  wie  das 
Selbstveranlagungsprinzip,  die  Verwendung  des  Überschusses  oder 
gar der Verzugszins etc. dar,  so dass vorliegend diesbezüglich noch 
altes Recht anwendbar ist. Keine Anwendung finden deshalb beispiels-
weise  Art. 71,  72,  87  oder  88  MWSTG,  obwohl  sie  unter  dem Titel 
"Verfahrensrecht für die Inland- und die Bezugsteuer" stehen.

2.

2.1 Grundsätzlich  bildet  jeder  vorinstanzliche  Entscheid  ein  selbst-
ständiges Anfechtungsobjekt und ist deshalb einzeln anzufechten. Es 
ist gerechtfertigt, von diesem Grundsatz abzuweichen und die Anfech-
tung  in  einem  gemeinsamen  Verfahren  zuzulassen,  wenn  die  ein-
zelnen  Sachverhalte  in  einem  engen  inhaltlichen  Zusammenhang 
stehen  und  sich  in  allen  Fällen  gleiche  oder  ähnliche  Rechtsfragen 
stellen  (vgl.  BGE  123  V  215  E.  1;  Urteil  des  Bundesverwaltungs-
gerichts A-1444/2006 + A-1445/2006 vom 22. Juli 2008 E. 1.3). Unter 
den gleichen Voraussetzungen können auch getrennt eingereichte Be-
schwerden in einem Verfahren vereinigt werden. Ein solches Vorgehen 
dient  der Verfahrensökonomie und liegt im Interesse aller  Beteiligten 
(MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., S. 114 f. Rz. 3.17).

Die Beschwerdeführerin ersucht in ihrer Beschwerdeschrift um Zusam-
menlegung des vorliegenden Verfahrens mit demjenigen unter der Ver-
fahrensnummer A-1606/2006. Zur Begründung führt  sie an, inhaltlich 
sei  weitestgehend  dasselbe  Recht  betroffen,  nämlich  die  Regelung 
von Vorsteueransprüchen. Dies ist zwar zutreffend. Indessen ist darauf 
hinzuweisen,  dass  dem  geltend  gemachten  Vorsteuerabzug  im  vor-
liegenden Verfahren verschiedene Lieferungen an die Beschwerdefüh-
rerin zu Grunde liegen, währenddem im Verfahren A-1606/2006 ein Li-
zenzrechtsvertrag  zu  beurteilen  ist.  Ausserdem  handelt  es  sich  um 
zwei verschiedene Unternehmen, welche der Beschwerdeführerin ge-
genüber als Leistungserbringerinnen auftreten. Eine Zusammenlegung 
erweist sich unter den gegebenen Umständen nicht als opportun; die 
beiden Verfahren sind getrennt zu behandeln.

2.2

2.2.1 Nach Art. 53 VwVG gestattet  die  Beschwerdeinstanz  dem Be-
schwerdeführer,  der  in  seiner  sonst  ordnungsgemäss  eingereichten 
Beschwerde darum nachsucht, die Begründung innert einer angemes-
senen Nachfrist  zu ergänzen, sofern es der aussergewöhnliche Um-

Seite 6

A-1604/2006

fang oder die besondere Schwierigkeit einer Beschwerdesache erfor-
dert. Die Gewährung einer Nachfrist zur Beschwerdeergänzung ist in-
des auf Ausnahmefälle zu beschränken; dies jedenfalls dann, wenn die 
beschwerdeführende Partei  oder  ihre Rechtsvertreterin  bereits  zuvor 
im Rahmen eines verwaltungsinternen Einsprache- oder Beschwerde-
verfahrens Gelegenheit hatte, ihren Standpunkt einlässlich darzulegen 
und im hängigen Rechtsmittelverfahren darauf aufbauen konnte (MO-
SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., S. 104 f. Rz. 2.241 f.).

2.2.2 Was  die  Beschwerdeführerin  zur  Begründung  ihres  Gesuchs 
vorbringt, vermag die Einräumung einer Nachfrist für eine ergänzende 
Beschwerdeschrift  entgegen  ihrer  Auffassung  nicht  zu  rechtfertigen. 
Zwar stellt die ESTV nicht in Abrede, betreffend die Beschwerdeführe-
rin und vier weitere Steuerpflichtige, die alle von demselben Treuhand-
unternehmen vertreten werden, vom 28. April  bis 9. Mai 2006 insge-
samt zwei Entscheide und acht Einspracheentscheide erlassen zu ha-
ben. Allerdings wurden zwei Einspracheentscheide offensichtlich nicht 
weitergezogen. Die übrigen sechs sind, selbst wenn es sich um Ent-
scheide von 35 bis 41 Seiten handelt, praktisch gleich aufgebaut und 
enthalten inhaltlich zum überwiegenden Teil vergleichbare bzw. sogar 
identische Ausführungen. Die spezifischen, jeweils auf den konkreten 
Fall zutreffenden und deshalb nicht allgemeingültigen Erwägungen be-
schränken sich  auf  einige wenige Seiten. Im Weitern  sind  auch hin-
sichtlich  der  individuellen  Erwägungen  wieder  augenfällige  Überein-
stimmungen  festzustellen:  Mit  Ausnahme eines  einzigen  Verfahrens, 
bei dem es um die Problematik der seitens der ESTV vorgenommenen 
Umstellung der Abrechnungsart geht, sind bei den übrigen Verfahren 
ausschliesslich Vorsteueransprüche zu prüfen. In drei Fällen, worunter 
auch  die  vorliegende  Beschwerde  fällt,  sind  Lieferverträge,  bei  wel-
chen gleichzeitig  oder im Nachhinein Abzahlungsvereinbarungen ge-
troffen worden sind, zu beurteilen. Den übrigen zwei Verfahren liegen 
Lizenzrechtsverträge zu Grunde. Die Lizenzrechte unterscheiden sich 
zwar inhaltlich,  die  Art  und Weise der  Vertragsabwicklung ist  jedoch 
ähnlich ausgestaltet worden. Dementsprechend hat sich die ESTV in 
den  jeweils  ähnlich  gelagerten  Fällen  auf  die  gleichen  rechtlichen 
Grundlagen abgestützt und die selben Argumente angeführt. Hinzuzu-
fügen ist,  dass in vier Verfahren die gleiche Unternehmung als Leis-
tungserbringerin aufgetreten ist. Was die beiden (Erst-)Entscheide be-
trifft, so ist aus den Akten nicht ersichtlich, ob die betroffenen Perso-
nen bzw. Unternehmen überhaupt Einsprache erhoben haben. Unklar 
ist auch, inwieweit sich in diesen Verfahren andere Rechtsfragen ge-

Seite 7

A-1604/2006

stellt haben könnten. Die Beschwerdeführerin macht jedenfalls weder 
das eine noch das andere geltend oder erbringt dafür einen Nachweis. 
Dies wäre indes ein Leichtes für sie gewesen (durch Vorlage der Ent-
scheide  bzw.  der  Einsprachen).  Unter  den  gegebenen  Umständen 
kann  nicht  von  einem  aussergewöhnlichen  Umfang  im  Sinne  von 
Art. 53 VwVG gesprochen werden, zumal die Rechtsvertreterin schon 
mehrere  Jahre  bestens  mit  den  Fällen  bestens  vertraut  ist  und sich 
nicht  erst  in  die  Verfahren  einarbeiten  musste  (vgl.  auch  Urteil  des 
Bundesgerichts  2A.160/2004  vom 9. Juni  2005 E. 3). Daran vermag 
auch der Umstand, dass die ESTV zwischen den Entscheiden und den 
Einspracheentscheiden  teilweise  umfassende  Sachverhaltsabklärun-
gen getroffen hat, nichts zu ändern. Sie hat aus den Ergebnissen in al-
len Fällen die selben Schlüsse gezogen. Schliesslich ist auch das Vor-
liegen einer besonderen Schwierigkeit zu verneinen. Dass die SRK in 
der Abschreibungsverfügung vom 15. Mai 2006 betreffend die Rechts-
verzögerungsbeschwerde  festgehalten  hat,  es  handle  sich  nicht  um 
einen leichten Sachverhalt, reicht jedenfalls nicht dafür aus, dass von 
einer solchen besonderen Schwierigkeit ausgegangen werden müsste.

Nicht  zu  hören ist  im Übrigen das Vorbringen,  eine  Nachfrist  würde 
zudem den Umständen Rechnung tragen, dass der Unterzeichnende 
als Doktorand der Universität B._______ nur ein reduziertes Arbeits-
pensum wahrnehmen könne  und  angesichts  der  Betriebsgrösse  der 
Rechtsvertreterin eine Delegation nicht möglich sei. Dasselbe gilt  für 
den  Einwand,  weitere  fristgebundene  Arbeiten  sowie  das  herkömm-
liche  Tagesgeschäft  würden  unverändert  Zeit  beanspruchen.  Hiebei 
handelt  es  sich  ausschliesslich  um  organisatorische  Umstände  der 
Rechtsvertreterin,  welche von Vornherein  keinen Grund für  eine Be-
schwerdeergänzung darzustellen vermögen.

Nach dem Vorgesagten ist  ferner  nicht  ersichtlich,  weshalb  sich  der 
Erlass der zehn Entscheide unter dem Gesichtspunkt des "fair trial" als 
stossend erweisen oder den Grundsatz der Waffengleichheit verletzen 
könnte (vgl. zum Ganzen HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 1655 ff.). 
Im Übrigen hat die Rechtsvertreterin selber im vorliegenden sowie in 
zwei weiteren Fällen gleichzeitig bei der SRK Rechtsverzögerungsbe-
schwerde erhoben mit  dem Antrag, die ESTV sei anzuhalten, umge-
hend Einspracheentscheide zu  fällen. Nach unwidersprochen geblie-
bener Darstellung in der Vernehmlassung wurde in den anderen Ver-
fahren zudem wiederholt die Einreichung einer solchen Beschwerde in 
Aussicht  gestellt.  Dass  die  ESTV  unter  diesen  Umständen  von  der 

Seite 8

A-1604/2006

zeitlich gestaffelten Eröffnung der Entscheide absah und so allfällige 
Fragen nach der Bevorzugung vermied,  ist  insbesondere auch unter 
dem Gesichtspunkt  der  Gleichbehandlung der betroffenen Unterneh-
men nicht zu beanstanden.

2.3 Die Beschwerdeführerin führt in ihrer Eingabe ans Bundesverwal-
tungsgericht  vom 30. Mai  2007,  mit  welcher  sie  Akteneinsicht  in  die 
Vernehmlassungsbeilagen  beantragt,  zudem  an,  dass  sie  es  ange-
sichts der durchwegs ungeheuerlichen Vorbringungen der ESTV sehr 
bedaure, dass kein zweiter Schriftenwechsel durchgeführt werde.

Ein  zweiter  Schriftenwechsel  ist  grundsätzlich  möglich,  wenn  auch 
praxisgemäss  gewöhnlich  die  Ausnahme  (Entscheid  der  SRK  vom 
9. Februar 2006, veröffentlicht in Verwaltungspraxis der Bundesbehör-
den [VPB] 70.57 E. 1d.aa). Die Beschwerdeinstanz kann die Parteien 
auf  jeder  Stufe  des  Verfahrens  zu  einem weiteren  Schriftenwechsel 
einladen (Art. 57 Abs. 2 VwVG). Ein weiterer Schriftenwechsel ist na-
mentlich dann geboten, wenn die Vernehmlassung der Vorinstanz mit 
Bezug  auf  die  angefochtene  Verfügung  neue,  erhebliche  Vorbringen 
tatsächlicher  oder  rechtlicher  Art  enthält  (vgl.  Urteile  des  Bundes-
gerichts vom 12. November 1998, veröffentlicht in Archiv für Schwei-
zerisches  Abgaberecht  [ASA]  68  S. 652  E.  1a,  vom 27. April  1994, 
veröffentlicht  in  ASA  66  S. 158  E. 2;  Urteile  des  Bundesverwal-
tungsgerichts A-1647/2006 vom 31. März 2009 E. 1.3, A-1380/2006 + 
A-1381/2006 vom 27. September  2007 E. 3.1;  MOSER/BEUSCH/KNEUBÜH-
LER, a.a.O., S. 123 ff. Rz. 3.37 ff.).

Solches macht die Beschwerdeführerin offensichtlich nicht geltend und 
ist denn auch gar nicht ersichtlich. Vielmehr ist die Sache spruchreif, 
ein weiterer Schriftenwechsel drängt sich daher für das Bundesverwal-
tungsgericht, welches das Recht von Amtes wegen anzuwenden hat, 
nicht auf (BGE 119 V 347 E. 1a; FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechts-
pflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 212). Im Übrigen reichte die Beschwer-
deführerin am 28. Juni 2007 eine schriftliche Eingabe ein, in welcher 
sie sich noch einmal zum hängigen Verfahren geäussert hat und ins-
besondere Stellung nahm zur seinerzeit durchgeführten Steuerkontrol-
le. Soweit die Ausführungen als entscheidrelevant zu betrachten sind, 
würden  sie  ohnehin  bei  der  Beurteilung  berücksichtigt  werden. Den 
massgeblichen  (verfassungsrechtlichen)  Vorgaben wurde damit  ohne 
Weiteres  Rechnung  getragen  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsge-
richts A-5550/2008 vom 21. Oktober 2009 E. 1.1.3).

Seite 9

A-1604/2006

2.4 Die  Beschwerdeführerin  beantragt  in  prozessualer  Hinsicht 
schliesslich die Einholung einer Parteiauskunft  sowie einer Amtsaus-
kunft beim Konkursamt St. Gallen. Nach der höchstrichterlichen Recht-
sprechung kann das Beweisverfahren geschlossen werden, wenn die 
noch  im  Raum  stehenden  Beweisanträge  eine  nicht  erhebliche  Tat-
sache betreffen oder offensichtlich untauglich sind, etwa weil ihnen die 
Beweiseignung abgeht oder – gerade umgekehrt – die betreffende Tat-
sache aus den Akten bereits genügend ersichtlich ist (anstelle vieler: 
BGE 131 I 153 E. 3, BGE 124 I 208 E. 4a, je mit Hinweisen; vgl. auch 
Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1562/2006 vom 26. Septem-
ber  2008 E. 3.2.5.4,  A-1444/2006 + A-1445/2006 vom 22. Juli  2008 
E. 7.1;  MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,  a.a.O.,  S. 165,Rz. 3.144). Das Bun-
desverwaltungsgericht erachtet den Sachverhalt aufgrund der vorhan-
denen Akten für genügend geklärt. Überdies ist nicht ersichtlich, was 
die Partei- bzw. Amtsauskunft zur Klärung des vorliegenden Falls bei-
tragen könnten, was nicht ohnehin schon aus den Akten hervorgeht. 
Auf deren Einholung ist  folglich in  einer vorweggenommenen (antizi-
pierten) Beweiswürdigung zu verzichten.

3.

3.1 Verwendet die steuerpflichtige Person Gegenstände oder Dienst-
leistungen  für  steuerbare  Ausgangsleistungen,  so  kann  sie  in  ihrer 
Steuerabrechnung u. a. die ihr von anderen Steuerpflichtigen mit den 
Angaben nach Art. 37 aMWSTG in Rechnung gestellte Steuer für Lie-
ferungen und Dienstleistungen abziehen (Art. 38 Abs. 1 Bst. a und b 
sowie Abs. 2 aMWSTG). Gutschriften und andere Dokumente, die im 
Geschäftsverkehr  Rechnungen  ersetzen,  sind  solchen  Rechnungen 
gleichgestellt, wenn sie die erforderlichen Angaben enthalten (Art. 37 
Abs. 3 aMWSTG). 

3.2 Der Anspruch auf  Abzug der Vorsteuer entsteht  bei  Abrechnung 
nach  vereinbarten  Entgelten  am  Ende  derjenigen  Abrechnungspe-
riode, in welcher die steuerpflichtige Person die Rechnung erhalten hat 
(Art. 38 Abs. 7 Bst. a aMWSTG). Diese bereits unter dem Regime der 
Verordnung  vom  22. Juni  1994  über  die  Mehrwertsteuer  (MWSTV, 
AS 1994 1464) bestehende und ins Mehrwertsteuergesetz übernom-
mene Regelung steht in Korrelation mit der Systematik der Steuerfor-
derung. Diese entsteht bei Lieferungen und Dienstleistungen im Falle 
der Abrechnung nach vereinbarten Entgelten mit der Rechnungsstel-
lung, welche spätestens drei  Monate nach der Erbringung der Liefe-
rung oder Dienstleistung zu erfolgen hat (Art. 43 Abs. 1 Bst. a Ziff. 1 

Seite 10

A-1604/2006

aMWSTG) bzw. bei Umsätzen, die zu aufeinander folgenden Teilrech-
nungen oder Teilzahlungen Anlass geben,  mit  der  Ausgabe der Teil-
rechnung oder mit der Vereinnahmung der Teilzahlung (Art. 43 Abs. 1 
Bst.  a  Ziff.  2  aMWSTG)  bzw. bei  Vorauszahlungen  sowie  bei  Liefe-
rungen und Dienstleistungen  ohne oder  mit  verspäteter  Rechnungs-
stellung  mit  der  Vereinnahmung  des  Entgelts  (Art.  43  Abs. 1  Bst. a 
Ziff. 3  aMWSTG).  Bei  der  Abrechnung  nach  vereinbarten  Entgelten 
entsteht die Steuerforderung somit grundsätzlich mit der Rechnungs-
stellung oder Teilrechnungsstellung, sofern das Entgelt nicht schon zu-
vor ganz oder teilweise vereinnahmt wurde (Urteil des Bundesgerichts 
2A.220/2003 vom 11. Februar 2004 E. 2.2.1 [zur alten Mehrwertsteu-
erverordnung];  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1620/2006 
vom 22. Juni 2009 E. 2.1, A-1581/2006 vom 23. Juni 2008 E. 5.2).

3.3 Verwaltungsverordnungen (Merkblätter, Richtlinien, Kreisschreiben 
etc.)  sind  Meinungsäusserungen der  Verwaltung über  die  Auslegung 
der  anwendbaren  Gesetzesbestimmungen.  Sie  dienen  der  Sicher-
stellung einer einheitlichen, gleichmässigen und sachrichtigen Praxis 
des  Gesetzesvollzugs  (BVGE 2007/41  E. 4.1;  MICHAEL BEUSCH,  Was 
Kreisschreiben  dürfen  und  was  nicht,  in:  Der  Schweizer  Treuhänder 
[ST] 2005 S. 613 ff.). Als solche sind sie für die als eigentliche Adres-
saten figurierenden Verwaltungsbehörden verbindlich,  wenn sie nicht 
klarerweise  einen verfassungs-  oder  gesetzeswidrigen  Inhalt  aufwei-
sen  (MICHAEL BEUSCH,  in:  Zweifel/Athanas  [Hrsg.],  Kommentar  zum 
Schweizerischen  Steuerrecht,  Teil  I/Bd. 2b,  Bundesgesetz  über  die 
direkte  Bundessteuer  [DBG],  2. Aufl.,  Basel  2008,  ad  Art. 102 
Rz. 15 ff.).  Nicht  verbindlich  sind  Verwaltungsverordnungen,  welche 
keine  von  der  gesetzlichen  Ordnung  abweichenden  Bestimmungen 
enthalten dürfen,  dagegen für die Justizbehörden,  deren Aufgabe es 
ist,  die Einhaltung von Verfassung und Gesetz im Einzelfall  zu über-
prüfen (MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,  a.a.O.,  S. 81, Rz. 2.173 f.). Die Ge-
richtsbehörden  sollen  Verwaltungsverordnungen  bei  ihrer  Entschei-
dung  allerdings  mitberücksichtigen,  sofern  diese  eine dem Einzelfall 
angepasste  und gerecht  werdende Auslegung  der  anwendbaren ge-
setzlichen Bestimmungen zulassen. Dies gilt um so mehr, als es nicht 
ihre Aufgabe ist, als Zweitinterpreten des der Verwaltungsverordnung 
zugrunde  liegenden Erlasses eigene Zweckmässigkeitsüberlegungen 
an die Stelle des Vollzugskonzepts der zuständigen Behörde zu setzen 
(zum Ganzen statt vieler: BGE 126 II 275 E. 4, BGE 123 II 16 E. 7a; 
BVGE 2007/41 E. 3.3; Entscheid der  SRK vom 28. Juni  2005,  veröf-
fentlicht in VPB 69.125 E. 3b mit Hinweisen). Von selbst versteht sich 

Seite 11

A-1604/2006

angesichts  der  herausragenden  Bedeutung,  welche  dem  Legalitäts-
prinzip  im  Schweizer  Steuerrecht  zukommt,  bei  alledem,  dass  eine 
Verwaltungsverordnung oder gar eine blosse nicht schriftlich festgehal-
tene Praxis  unter  keinen Umständen alleinige Grundlage für  die wie 
auch  immer  ausgestaltete  steuerliche  Erfassung  eines  Sachverhalts 
darstellen kann (BVGE 2007/41 E. 4.1).

3.4 Die  Mehrwertsteuer  stellt  auf  wirtschaftliche  Vorgänge  ab  und 
besteuert den wirtschaftlichen Konsum. Bestand und Umfang einer der 
Mehrwertsteuer  unterstehenden  Leistung  werden  aufgrund  der 
wirtschaftlichen  Betrachtungsweise  bestimmt  (Urteil  des  Bundes-
gerichts  2A.304/2003  vom 14.  November  2003  E. 3.6.1;  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts A-1572/2006 vom 21. August 2008 E. 2.4, 
A-1434/2006  vom  14.  Mai  2007  E.  2.3).  Der  wirtschaftlichen  Be-
trachtungsweise kommt im Bereich der Mehrwertsteuer einerseits bei 
der Auslegung von zivilrechtlichen und von steuerrechtlichen Begriffen 
sowie andererseits bei der rechtlichen Qualifikation von Sachverhalten 
Bedeutung zu (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Januar 2003, veröf-
fentlicht  in  ASA  73  S. 569  E. 3.2;  Urteile  des  Bundesverwaltungs-
gerichts A-1634/2006 vom 31. März 2009 E. 2.1.4, A-1544/2006 vom 
11. September 2008 E. 2.1.4, A-1378/2006 vom 27. März 2008 E. 2.7).

3.5 Die Beweiswürdigung endet  mit  dem richterlichen Entscheid  da-
rüber, ob eine rechtserhebliche Tatsache als  erwiesen zu gelten hat 
oder nicht. Der Beweis ist geleistet, wenn das Gericht gestützt auf die 
freie  Beweiswürdigung  zur  Überzeugung  gelangt  ist,  dass  sich  der 
rechtserhebliche  Sachumstand  verwirklicht  hat  (BGE  130  III  321 
E. 3.2; Urteil  des Bundesgerichts 2A.110/2000 vom 26. Januar 2001 
E. 3c; FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, Bern 1983, S. 279 f.; 
MARTIN ZWEIFEL,  Die  Sachverhaltsermittlung  im  Steuerveranlagungs-
verfahren, Zürich 1989, S. 109 f.). Gelangt das Gericht nicht zu diesem 
Ergebnis, so fragt sich, ob zum Nachteil der Steuerbehörde oder des 
Steuerpflichtigen zu entscheiden ist, wer also die Folgen der Beweis-
losigkeit zu tragen hat. Nach der objektiven Beweislastregel ist bei Be-
weislosigkeit zu Ungunsten desjenigen zu urteilen, der die Beweislast 
trägt (statt vieler: Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1479/2006 
vom 10. September 2008 E. 1.3, A-1469/2006 vom 7. Mai 2008 E. 1.4, 
je  mit  weiteren  Hinweisen  GYGI,  a.a.O.,  S.  279  f.;  ZWEIFEL,  a.a.O., 
S. 109 f.). Die Steuerbehörde trägt die Beweislast für Tatsachen, wel-
che die Steuerpflicht als solche begründen oder die Steuerforderung 
erhöhen, das heisst für die steuerbegründenden und -erhöhenden Tat-

Seite 12

A-1604/2006

sachen.  Demgegenüber  ist  der  Steuerpflichtige  für  die  steuerauf-
hebenden und -mindernden Tatsachen beweisbelastet,  das heisst für 
solche  Tatsachen,  welche  Steuerbefreiung  oder  Steuerbegünstigung 
bewirken  (statt  vieler:  Urteil  des  Bundesgerichts  vom  14. Juli  2005, 
veröffentlicht  in  ASA 75 S. 495 ff. E. 5.4; Urteile  des  Bundesverwal-
tungsgerichts  A-1418/2006  vom  14.  Mai  2008  E. 5.1,  A-1373/2006 
vom 16. November 2007 E. 2.1, je mit zahlreichen Hinweisen).

4.
Im vorliegenden Fall liegt zwischen den Parteien die Vorsteuerabzugs-
berechtigung im Zusammenhang mit drei Lieferungen der A._______ 
GmbH im Streit. Nach Angaben der Beschwerdeführerin hat sie damit 
das  betriebsnotwendige  Warenlager  für  das  Jahr  2003  eingekauft. 
Sollte das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss gelangen, dass die 
ESTV  den  Vorsteuerabzug  zu  Recht  verweigert  hat,  ist  in  einem 
nächsten  Schritt  das  Eventualbegehren  der  Beschwerdeführerin,  ihr 
sei die Vorsteuer für die im Jahre 2003 geleisteten Ratenzahlungen im 
Umfang von Fr. 19'176.10 zurückzuerstatten, zu prüfen.  

4.1 Zum Nachweis  des  geltend  gemachten Vorsteuerabzugs hat  die 
Beschwerdeführerin Kopien der drei Lieferrechnungen eingereicht. Die 
Rechnung Nr. ... vom 30. November 2002 umfasst Materiallieferungen 
im Betrag von Fr. 596'501.89, zuzüglich Fr. 45'334.10 Mehrwertsteuer. 
Mit der Rechnung Nr. ..., ebenfalls vom 30. November 2002, fakturierte 
die A._______ GmbH diverse Büromöbel und Werkzeuge in Höhe von 
Fr. 176'180.--, zuzüglich Fr. 13'389.70 Mehrwertsteuer. Die Rechnung 
Nr. ... vom 16. Dezember 2002 schliesslich beinhaltet Lieferungen von 
Software  und  technischen  Unterlagen  zum  Preis  von  Fr. 731'198.--, 
zuzüglich Fr. 55'571.-- Mehrwertsteuer. Der Wert der Lieferungen be-
trug gesamthaft Fr. 1'618'174.69. Die darin enthaltene Mehrwertsteuer 
von Fr. 114'294.90 machte die Beschwerdeführerin in der Abrechnung 
für das 4. Quartal 2002 geltend. Am 6. Januar 2003 schlossen die Be-
schwerdeführerin  und  die  A._______  GmbH  mit  Bezug  auf  die 
Lieferungen eine Abzahlungsvereinbarung. Nebst dem ursprünglichen 
Warenwert  vereinbarten  sie  einen  Teilzahlungszuschlag  von 
Fr. 147'658.44,  zuzüglich  Mehrwertsteuer  von  Fr. 11'222.05,  ausma-
chend Fr. 158'880.49. Den Gesamtbetrag über Fr. 1'777'055.18 sollte 
die  Beschwerdeführerin  in  72  monatlichen  Ratenzahlungen  à 
Fr. 24'681.32 begleichen. Die auf den Teilzahlungszuschlag entfallende 
Mehrwertwertsteuer machte sie in der Abrechnung für das 1. Quartal 
2003 geltend. Diese forderte die ESTV mit EA Nr. ... vom 25. August 

Seite 13

A-1604/2006

2003 wieder zurück. Die Bestreitung der Steuernachforderung auf dem 
Teilzahlungszuschlag  bildet  Verfahrensgegenstand  eines  separaten 
Verfahrens  (entsprechende  Beschwerde  inzwischen  am  2. Februar 
2010 beim Bundesverwaltungsgericht eingegangen). 

4.2 Die drei Rechnungen enthalten jeweils folgenden Zusatz: "Zahlbar 
innert 30 Tagen Netto". Am 6. Januar 2003, dem Datum, an dem die 
Beschwerdeführerin mit  der A._______ GmbH die Abzahlungsverein-
barung  getroffen  hat,  hat  sich  jene  demnach  mit  den  ersten  zwei 
Rechnungen, datierend vom 30. November 2002, grundsätzlich bereits 
im  Verzug  befunden.  In  der  Abzahlungsvereinbarung  wurden  dem-
gegenüber 72 monatliche Ratenzahlungen festgelegt, wobei die erste 
Ratenzahlung per 1. Februar 2003 zu leisten war. Darüber hinaus hat 
sich die A._______ GmbH in der Vereinbarung ausdrücklich einen Ei-
gentumsvorbehalt  im Sinne  von Art.  715  des  Schweizerischen  Zivil-
gesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 (ZGB, SR 210) bis zur vollstän-
digen Bezahlung des Gesamtkaufpreises, also auch des Teilzuschlags, 
ausbedungen (vgl. Ziff. 5 der Allgemeinen Vertragsbestimmungen; Ver-
nehmlassungsbeilage  15).  In  diesem Zusammenhang  ist  denn  auch 
Folgendes vermerkt: "Bis dahin darf  der Käufer den Kaufgegenstand 
weder  veräussern  noch  verpfänden,  ausleihen  oder  vermieten."  Die 
drei  Lieferrechnungen  hingegen  enthalten  bezüglich  der  Eigentums-
verhältnisse  bzw.  der  Verfügungsmacht  keine  Hinweise.  Gemäss 
Art. 185  Abs.  1  des  Obligationenrechts  vom  30. März  1911  (OR, 
SR 220) gehen Nutzen und Gefahr der Sache mit dem Abschluss des 
Vertrags auf den Erwerber über, sofern nicht besondere Verhältnisse 
oder Verabredungen eine Ausnahme begründen. Währenddem in den 
Lieferrechnungen also nichts darauf hindeutet, dass der Übergang von 
Nutzen und Gefahr gesondert geregelt war, wurde das Nutzungsrecht 
durch  die  Abzahlungsvereinbarung  –  wie  gesehen  –  deutlich  einge-
schränkt. 

4.3 Laut den drei genannten Rechnungen hat die Beschwerdeführerin 
die Waren am 25. Oktober sowie am 22. November 2002 bestellt; die 
Lieferungen erfolgten am 5. und 8.,  am 21. und 22. November sowie 
am 2. Dezember  2002. Führt  man sich zudem die Daten der  Rech-
nungsstellung  (30.  November  sowie  16.  Dezember  2002)  sowie  der 
Abzahlungsvereinbarung (6. Januar 2003) vor Augen, liegt die Vermu-
tung  nahe,  dass  von Anfang  an nicht  die  Zahlungsbedingungen  ge-
mäss Rechnungen, sondern vielmehr diejenigen nach Abzahlungsver-
einbarung zwischen den Vertragsparteien gelten sollten. Auf jeden Fall 

Seite 14

A-1604/2006

wurden mit  Abschluss  der  Abzahlungsvereinbarung die  in  den  alten 
Kaufverträgen bzw. Lieferrechnungen geregelten Rechte und Pflichten 
der Parteien zu grossen Teilen ungültig bzw. haben die Parteien diese 
wesentlich modifiziert. Bei dieser Sachlage ist demnach vorliegend aus 
mehrwertsteuerlicher Sicht von einem Teilzahlungsliefergeschäft  aus-
zugehen. Entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin sind die 
Lieferverträge  und  die  Abzahlungsvereinbarung  bei  der  Beurteilung 
nicht getrennt bzw. unabhängig voneinander zu betrachten. Inwieweit 
dadurch die privatrechtliche Vertrags- bzw. Kontraktionsfreiheit verletzt 
sein soll, ist nicht ersichtlich. Die Beschwerdeführerin ist daran zu erin-
nern,  dass Bestand und Umfang einer  der  Mehrwertsteuer unterste-
henden Leistung aufgrund der wirtschaftlichen Betrachtungsweise zu 
bestimmen  ist:  Es  ist  auf  die  tatsächlichen  Verhältnisse  abzustellen 
(vgl. dazu E. 3.4 hievor). 

4.4 Der  Anspruch auf  Vorsteuerabzug entsteht  im Falle  der  Abrech-
nung nach vereinbarten Entgelten am Ende der Abrechnungsperiode, 
in welcher die steuerpflichtige Person die Rechnung bzw. die Teilrech-
nung erhalten hat (vgl. E. 3.2 hievor). Aufgrund des Vorgesagten wird 
indes deutlich, dass die Lieferrechnungen vorliegend nicht als die für 
den  Zeitpunkt  der  Entstehung  des  Anspruchs  massgeblichen  Rech-
nungen qualifiziert werden können. Die wesentlichen Änderungen der 
Rechte und Pflichten betreffen insbesondere auch die ursprünglichen 
Zahlungsbedingungen; diese haben keine Gültigkeit mehr. Die genann-
ten Rechnungen erfüllen zudem die Anforderungen an eine mehrwert-
steuerliche Rechnung im Sinne von Art. 37 Abs. 1 aMWSTG nicht: ge-
mäss dessen Bst. e muss darin das Entgelt für die Lieferung oder die 
Dienstleistung angegeben sein. Die Lieferrechnungen enthalten ledig-
lich den Kaufpreis ohne Teilzahlungszuschlag. Dieser gehört indes ge-
nauso zum Entgelt wie der Kaufpreis (Art. 33 Abs. 2 aMWSTG). Wei-
tere Rechnungen bzw. aufgrund der Teilzahlungsvereinbarung Teilrech-
nungen wurden unbestrittenermassen keine gestellt. Es bestand ledig-
lich eine vertragliche Abmachung in der Vereinbarung, wann die ein-
zelnen Raten jeweils zur Zahlung fällig wurden (vgl. S. 2 der Abzah-
lungsvereinbarung). Im Folgenden ist  deshalb zu prüfen, in welchem 
Zeitpunkt  bei  dieser  Sachlage der  Anspruch auf  Vornahme des Vor-
steuerabzugs entsteht bzw. entstanden ist. 

4.5 Nach  Auffassung  der  ESTV  kann  die  Beschwerdeführerin  die 
Steuer auf den vereinbarten Teilzahlungen in Anwendung von Ziff. 800 
der  Wegleitung  2001  zur  Mehrwertsteuer  (Wegleitung  2001)  in  der 

Seite 15

A-1604/2006

Steuerperiode in Abzug bringen, in welche der Zahlungstermin für die 
betreffende Rate gemäss Vertrag fällt, sofern sie über entsprechende 
Belege verfügt. 

4.5.1 Die erwähnte Ziff. 800 steht unter dem Titel "Rechnungsstellung 
bei  Miet-,  Leasing-  und  Abzahlungsgeschäften"  und  regelt  das  Vor-
gehen im Falle von "Wiederkehrenden Zahlungen aufgrund eines Ver-
trags ohne erneute Rechnungsstellung". Das fragliche Liefergeschäft 
fällt nach dem Wortlaut ohne Weiteres unter diese Regelung. Da vor-
liegend  keine  Teilrechnungen  ausgestellt  worden  sind,  die  den  An-
spruch auf Vornahme des Vorsteuerabzugs begründen, muss ein an-
derer Anknüpfungspunkt herangezogen werden. Das Abstellen auf den 
Zahlungstermin erweist sich im vorliegenden Fall als pragmatische und 
sinnvolle Lösung, welche mit den gesetzlichen Bestimmungen im Ein-
klang steht. Zwar können bzw. werden wohl bei Teilzahlungsgeschäf-
ten mit  Teilrechnungen der Zeitpunkt  des Rechnungserhalts  und der 
Zahlungstermin häufig verschieden sein. Der Vorsteuerabzug kann je-
doch ohnehin erst am Ende der entsprechenden Abrechnungsperiode 
geltend  gemacht  werden; das  allfällige  Auseinanderfallen  von Rech-
nungsstellung  und  Zahlungstermin  spielt  folglich  lediglich  dann  eine 
Rolle, wenn beide in unterschiedliche Abgabeperioden fallen. Das Ab-
stellen auf den Zahlungstermin kommt der gesetzlichen Regelung bei 
Teilzahlungen auf jeden Fall sehr nahe bzw. wird in vielen Fällen im Er-
gebnis  dieselben  Folgen  zeitigen.  Indem  der  Leistungserbringer  die 
Leistungen ebenfalls in der Steuerperiode zu versteuern hat, in welche 
der  Zahlungstermin  für  die  betreffende  Rate  fällt  (vgl.  ebenfalls 
Ziff. 800 der Wegleitung 2001),  wird auch die systembedingte Korre-
lation zwischen Steuerforderung und Vorsteuerabzug eingehalten (vgl. 
E. 3.2 hievor). 

4.5.2 Die Beschwerdeführerin wendet dagegen ein, Ziff. 800 der Weg-
leitung 2001 umfasse lediglich Dauerschuldverhältnisse wie Miet- und 
Leasinggeschäfte. Bei den fraglichen Liefergeschäften handle es sich 
demgegenüber um einfache Schuldverhältnisse: mit Empfang der Lie-
ferung habe sie rechtsgültig das Eigentum an den Gegenständen und 
Waren erworben und  könne diese für  ihre  betriebliche Tätigkeit  ein-
setzen und verbrauchen. Zunächst ist nochmals festzuhalten, dass die 
Beschwerdeführerin  mit  der  A._______  GmbH  in  der  Abzahlungs-
vereinbarung eine Laufzeit von 72 Monaten vereinbart hat; die Raten 
sind  in  vereinbarten Zeitabständen in  gleich  hohen Beträgen zu  be-
zahlen. Das Teilzahlungsliefergeschäft ist demnach durchaus in gewis-

Seite 16

A-1604/2006

ser Weise mit Dauerschuldverhältnissen vergleichbar. Bei den Ausfüh-
rungen  zu  den  Eigentumsverhältnissen  scheint  die  Beschwerdefüh-
rerin  ausserdem  zu  übersehen,  dass  sie  die  Gegenstände  bis  zur 
vollständigen  Begleichung  des  Gesamtkaufpreises  –  wie  gesehen  – 
weder  veräussern  noch  verpfänden,  ausleihen  oder  vermieten  darf. 
Erinnert sei ferner an den bestehenden Eigentumsvorbehalt. Dass die 
Vorinstanz  unter  diesen  Umständen  zum  Schluss  gekommen  ist,  in 
concreto handle es sich um eine Vertragsart, die dem Leasingvertrag 
ähnlich sei, erweist sich – insbesondere auch in einer wirtschaftlichen 
Betrachtungsweise – nicht als rechtswidrig. Inwiefern darin eine unzu-
lässige "Umdeutung in einen Leasingvertrag" vorliegen soll, ist demge-
genüber  nicht  ersichtlich.  Abgesehen  davon  zielt  die  Argumentation 
der Beschwerdeführerin ohnehin an der Sache vorbei. Entscheidrele-
vant ist einzig die Frage, ob die Praxis der ESTV eine dem vorliegen-
den Einzelfall angepasste und gerechte Lösung bietet, die sich an die 
gesetzlichen Bestimmungen hält. Dies ist, wie unter E. 4.5.1 hievor ge-
sehen, zu bejahen. Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, 
dass  die  Beschwerdeführerin  zu  Recht  nicht  mehr  geltend  macht, 
Merkblatt  Nr. 13,  Verbuchung  bei  Teilzahlungskaufverträgen  oder  Fi-
nanzierungsverträgen mit  Abtretung an ein  Finanzinstitut,  2001 bzw. 
2008,  sei  massgeblich (vgl. auch Wegleitung 2001 sowie Wegleitung 
zur Mehrwertsteuer 2008 [Wegleitung 2008], jeweils Rz. 801). In casu 
liegt klarerweise keine Abtretung an ein Finanzinstitut bzw. einen Drit-
ten vor. Der vorliegende Sachverhalt ist offensichtlich nicht mit einem 
derartigen Dreiparteienverhältnis vergleichbar. Soweit die Beschwerde-
führerin schliesslich rügt, Fragen, wie sie sich bei der Begehung künf-
tiger Verträge zu verhalten habe, seien nie beantwortet worden, ist sie 
auf die zutreffenden Ausführungen der ESTV in der Vernehmlassung 
zu verweisen, wonach ihre Aufgabe nicht in der Instruierung bzw. all-
gemeinen Beratung von Steuerpflichtigen, sondern bloss in der Über-
prüfung  der  gemachten  Angaben  besteht  (vgl.  auch  Art.  62  Abs.  1 
aMWSTG). Die Steuerpflichtigen haben – gestützt auf das Selbstver-
anlagungsprinzip – selbst und unaufgefordert über ihre Umsätze und 
Vorsteuern abzurechnen und den geschuldeten Mehrwertsteuerbetrag 
rechtzeitig an die ESTV abzuliefern (vgl. Art. 46 f. aMWSTG; s.a. Urteil 
des Bundesgerichts 2A.109/2005 vom 10. März 2006 E. 2.1; Urteil des 
Bundesverwaltungsgerichts  A-6150/2007  vom  26. Februar  2009 
E. 2.4).

4.6 Als  Zwischenergebnis  ist  festzuhalten,  dass  die  Beschwerdefüh-
rerin  die  Vorsteuer  grundsätzlich  –  sofern  auch  die  übrigen  Voraus-

Seite 17

A-1604/2006

setzungen erfüllt wären – gemäss den in der Abzahlungsvereinbarung 
geregelten Zahlungsterminen und entsprechend den fälligen Raten in 
Abzug  bringen  könnte.  Die  erste  Ratenzahlung  war  per  1. Februar 
2003  zu  leisten.  Sie  hätte  die  Vorsteuer  demnach  frühestens  im 
1. Quartal  2003  erstmals  geltend  machen  können  und  lediglich  in-
soweit, als die Zahlungstermine in diese Abgabeperiode gefallen sind. 
Die  ESTV  hat  demnach  zu  Recht  die  im  4. Quartal  2002  geltend 
gemachte Vorsteuer zurückgefordert, da der Anspruch zu diesem Zeit-
punkt  offensichtlich  nicht  bestanden  hat.  Unter  den  gegebenen  Um-
ständen  könnte  grundsätzlich  offenbleiben,  ob  die  weiteren  Voraus-
setzungen  für  den  Vorsteuerabzug  wie  die  formellen  Anforderungen 
oder  die  Verwendung  für  steuerbare  Zwecke  erfüllt  sind,  da  das 
1. Quartal 2003 vorliegend nicht Streitgegenstand bildet. Allerdings be-
antragt die Beschwerdeführerin eventualiter, ihr sei die Vorsteuer von 
Fr. 19'176.19 auf  den im Jahre 2003 geleisteten elf  Ratenzahlungen 
(Monate Februar – Dezember) im Umfang von Fr. 271'494.52 auszu-
zahlen. Vorab ist darauf hinzuweisen, dass berechtigte Vorsteuern bzw. 
ein allfälliger Überschuss ohnehin nur insoweit ausbezahlt werden, als 
sie  nicht  mit  Einfuhrsteuerforderungen verrechnet  oder  zur  Steuersi-
cherung  verwendet  werden  (vgl. Art.  48  Abs. 2  und 3  i.V.m. Art.  71 
Abs. 1  aMWSTG).  Darüber  hinaus  fragt  sich,  ob  auf  das  Begehren 
überhaupt einzutreten ist, nachdem die behaupteten Zahlungen – wie 
gesehen – nicht die hier massgebliche Abgabeperiode betrifft, oder ob 
das Begehren nicht vielmehr als Gesuch um Rückerstattung der Vor-
steuer entgegenzunehmen und die Sache diesbezüglich an die ESTV 
zum Entscheid zu überweisen ist. In der Vernehmlassung führt die Ver-
waltung in diesem Zusammenhang aus, die Beschwerdeführerin habe 
den Nachweis, dass die bezogenen Gegenstände für steuerbare Zwe-
cke verwendet werden, nicht erbracht. Ferner könne sie die behaup-
teten Zahlungen nicht belegen. Eine Überweisung erscheint in Anbe-
tracht  dieser  klaren Stellungnahme aus prozessökonomischen Grün-
den wenig sinnvoll, zumal nicht davon auszugehen ist, dass die ESTV 
ihre Meinung ändert. Das Begehren ist deshalb sogleich vom Bundes-
verwaltungsgericht zu beurteilen. 

4.7 Die  Beschwerdeführerin  hat  zum Nachweis  der  Ratenzahlungen 
nebst  einem  Auszug  aus  dem  Kreditorenkonto  betreffend  die 
A._______  GmbH  auch  zwei  Kontoblätter  aus  deren  Buchhaltung 
einreicht.  Im  Schreiben  vom  4. August  2005  an  die  ESTV  hat  die 
Rechtsvertreterin  der  Beschwerdeführerin,  welche  gleichzeitig  auch 
die A._______ GmbH vertrat, noch darauf hingewiesen, dass ihr Man-

Seite 18

A-1604/2006

dat infolge Konkurseröffnung über letztere am 11. November 2004 von 
Gesetzes  wegen  erloschen  sei  und  sie  über  keine  aktuelle  Akten-
kenntnis mehr verfüge (Vernehmlassungsbeilage 57). Die Löschung im 
Handelsregister erfolgte schliesslich am 25. Mai 2005. Es ist demnach 
von  Vornherein  fraglich,  inwieweit  die  Unterlagen  der  A._______ 
GmbH,  datierend  vom 30. Mai  2006,  überhaupt  beweistauglich  sein 
können. Darüber hinaus lässt sich dem eingereichten Kreditorenkonto-
Auszug der Beschwerdeführerin, der mit der Aufstellung der Buchun-
gen im Kontrollbericht übereinstimmt, entnehmen, dass im Jahr 2003 
anstelle  der  behaupteten  11  Zahlungen  lediglich  deren  acht  vorge-
nommen worden sind und nur drei betragsmässig mit der vereinbarten 
Höhe  der  Ratenzahlungen  korrespondieren.  Die  Buchungen  in  den 
Kontoblättern  der  A._______  GmbH demgegenüber  entsprechen  mit 
zwei Ausnahmen genau dem vereinbarten Betrag. Zudem stimmen die 
Buchungen auch in Bezug auf das Zahlungsdatum vielfach überhaupt 
nicht überein. Hinsichtlich der drei Buchungen, die betragsmässig zwar 
den  vereinbarten  Ratenzahlungen  entsprechen,  ist  anzufügen,  dass 
diese  über  das  Konto  "Darlehen  Gesellschafter"  der  Beschwerde-
führerin erfolgt sind. Die ESTV hat mit Schreiben vom 7. Juli 2005 um 
Auskünfte und Belege zu den einzelnen in diesem Konto enthaltenen 
Buchungen ersucht. Im Antwortschreiben vom 1. Oktober 2005 (Ver-
nehmlassungsbeilage  61)  führte  die  Beschwerdeführerin  aus:  "Über 
dieses Konto wurde der private Zahlungsverkehr abgewickelt, der nicht 
geschäftsmässig begründet war und demzufolge für die Erhebung der 
Mehrwertsteuer überhaupt keinen Einfluss hat. ... Wir halten fest, dass 
sämtliche  von  Ihnen  bezeichnete  Geschäftsvorfälle  keine  Mehrwert-
steuerrelevanz haben. ...  Die  aufwandneutrale  Verbuchung  über  das 
Kontokorrent Gesellschafter ist dafür nach unserer Ansicht die einzig 
richtige Vorgehensweise." 

Auch wenn der Anspruch auf Vorsteuerabzug grundsätzlich bei Rech-
nungsstellung bzw. im Zeitpunkt des Zahlungstermins entsteht, ist of-
fensichtlich, dass er nur insoweit gewährt werden kann, als in der Fol-
ge tatsächlich Zahlungen geleistet werden; die Erbringung der Gegen-
leistung (Entgelt)  bleibt  materiellrechtliches  Tatbestandsmerkmal  des 
endgültigen Vorsteuerabzugs (vgl. DANIEL RIEDO, Vom Wesen der Mehr-
wertsteuer als allgemeine Verbrauchsteuer und von den entsprechen-
den  Wirkungen  auf  das  schweizerische  Recht,  Bern  1999,  S. 251). 
Nach dem Gesagten wird jedoch deutlich, dass die ESTV zu Recht am 
Vorhandensein  der  angeblichen  Ratenzahlungen  gezweifelt  hat.  Es 
wäre demnach an der Beschwerdeführerin, den Nachweis für das Ge-

Seite 19

A-1604/2006

genteil zu erbringen. Dies gelingt ihr gerade nicht; mit Ausnahme der 
erwähnten Buchhaltungsauszüge vermochte sie keinerlei Belege vor-
zulegen, um die angeblichen Zahlungen nachzuweisen. Sie hat daher 
die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (vgl. E. 3.5 hievor). Das Even-
tualbegehren  ist  somit  ebenfalls  abzuweisen.  Unter  den  gegebenen 
Umständen kann definitiv offenbleiben, ob die weiteren Voraussetzun-
gen für den Vorsteuerabzug erfüllt sind. Insbesondere muss an dieser 
Stelle  nicht  beurteilt  werden,  ob die Praxis  der  ESTV betreffend die 
Anforderungen  an  die  Belege  rechtmässig  ist  (vgl.  Merkblatt  Nr.  9, 
Anforderungen  an  die  Belege  bei  wiederkehrenden  Zahlungen  auf-
grund  eines  Vertrages ohne erneute  Rechnungsstellung,  2001)  bzw. 
wie es sich mit der in diesem Zusammenhang auf den 1. Januar 2008 
eingetreten  Praxisänderung  verhält  (vgl.  Wegleitung  2008  zur  Mehr-
wertsteuer, Rz. 794 i.V.m. Rz. 800; Spezialbroschüre Nr. 1, Übersicht 
über die Praxisänderungen per 1. Januar 2008, S. 12).

5.
Ausgangsgemäss ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf ein-
getreten  werden kann. Die  Kosten für  das  Beschwerdeverfahren vor 
der SRK bzw. dem Bundesverwaltungsgericht, welche auf Fr. 2'000.-- 
festgesetzt  werden,  sind  der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  (vgl. 
Art. 63 Abs. 1 VwVG) und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe zu verrechnen. Für einen (teilweisen) Erlass dieses Betrags 
besteht entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin kein Anlass 
(vgl. Art. 63 Abs. 1 3. Satz VwVG bzw. Art. 6 Bst. b des Reglements 
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]; vgl. BVGE 2007/41 
E. 9.2). Das Bundesverwaltungsgericht trägt der finanziellen Lage der 
Beschwerdeführerin bereits hinreichend Rechnung, indem es sich am 
untersten Bereich des Kostenrahmens orientiert. Eine Parteientschädi-
gung an die Beschwerdeführerin ist nicht zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 
VwVG e contrario).

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

Seite 20

A-1604/2006

2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 2'000.-- werden der Beschwerdeführerin 
auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von 
Fr. 2'000.-- verrechnet. 

3.
Der  Beschwerdeführerin  wird  keine  Parteientschädigung  zugespro-
chen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Gerichtsurkunde)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Daniel Riedo Jeannine Müller

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich-rechtli-
chen Angelegenheiten geführt  werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die 
Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begeh-
ren,  deren Begründung mit  Angabe der  Beweismittel  und die Unter-
schrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel 
sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizu-
legen (vgl. Art. 42 BGG).

Versand: 

Seite 21