# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f412bd7a-debf-561b-af4c-1fdd760eee77
**Source:** Zug (ZG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-05-16
**Language:** de
**Title:** Zug Obergericht Strafabteilung 16.05.2024 S1 2023 21
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZG_Obergericht/ZG_OG_002_S1-2023-21_2024-05-16.pdf

## Full Text

Urteil Entwurf final_ANOM.docx

I. Strafabteilung S1 2023 21

Oberrichter A. Sidler, Abteilungspräsident
Oberrichter St. Dalcher
a.o. Ersatzrichter O. Fosco
Gerichtsschreiber F. Eller

Urteil vom 16. Mai 2024 [rechtskräftig]

in Sachen

Staatsanwaltschaft des Kantons Zug, An der Aa 4, Postfach, 6301 Zug, 
vertreten durch den Leitenden Staatsanwalt A.________, 
Anklägerin, Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin,

gegen

B.________, geb. tt.mm.1990 in C.________, serbischer Staatsangehöriger, 
wohnhaft in D.________,  
erbeten verteidigt durch Rechtsanwalt E.________,
Beschuldigter, Berufungskläger und Anschlussberufungsbeklagter,

betreffend

mehrfache Gefährdung des Lebens, mehrfache, teilweise qualifizierte Widerhandlungen gegen das 
Betäubungsmittelgesetz usw.

(Berufung des Beschuldigten und Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des 
Strafgerichts des Kantons Zug, Kollegialgericht, vom 6. Juli 2023; SG 2022 4)

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Sachverhalt

1. Verfahren S 2023 21

1.1 Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) wirft B.________ 
(nachfolgend: Beschuldigter) in der Anklageschrift vom 15. Februar 2022 vor, er habe am 
21. Oktober 2020 in I.________ zweimal mit einer Faustfeuerwaffe ungezielt und aus der 
Hüfte ca. einen halben bis einen Meter vor oder neben die Füsse von J.________ in den as-
phaltierten Boden geschossen. Dabei sei weder dieser noch eine andere Person getroffen 
worden. Der Beschuldigte habe aber bewusst und gewollt eine in rücksichtsloser Weise her-
vorgerufene Gefahr für Leib und Leben der sich in der Nähe befindlichen Personen verur-
sacht. Der Beschuldigte habe zudem zwischen Juli 2016 und dem 8. Mai 2018 mindestens 
21 Mal jeweils ein Gramm Kokaingemisch an K.________ übergeben. Am 28. April 2018 soll 
er zudem von L.________ in M.________ über 200 Gramm Kokaingemisch mit dem Auftrag 
übernommen haben, dieses aufzubewahren und am 9. oder 10. Mai 2018 an eine ihm noch 
nicht bekannte Drittperson zu übergeben. Er soll davon 98,9 Gramm (Reinheitsgehalt: 98 %; 
Reinsubstanz: 87,7 Gramm) und 99,4 Gramm (Reinheitsgehalt: 95 %; Reinsubstanz: 94,3 
Gramm) bis zu seiner Verhaftung am 8. Mai 2018 versteckt in seinem Geschäftsauto aufbe-
wahrt haben. Der Beschuldigte soll ferner 1,55 Kilogramm Marihuana im Oktober 2019 er-
worben und bis am 22. Oktober 2020 im Umfang von 1'496,8 Gramm nebst weiteren 14,2 
Gramm Haschisch gelagert haben. Sodann soll der Beschuldigte seit Sommer 2017 ein- bis 
zweimal pro Jahr Kokain und insbesondere im Jahr 2019 Marihuana konsumiert haben. Fer-
ner wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er habe (1.) zwischen dem 22. April 2019 und dem 
22. Oktober 2019 bei den .________ in N.________ eine Faustfeuerwaffe inkl. Munition ge-
funden und in der Folge dauerhaft für sich behalten, (2.) diese Faustfeuerwaffe und die Muni-
tion zwischen dem 22. April 2019 und dem 22. Oktober 2020 unsorgfältig, insbesondere nicht 
gegen den Zugriff von Dritten geschützt, in einem Gebüsch aufbewahrt, (3.) diese Faustfeu-
erwaffe in seinem Geschäftsfahrzeug von D.________ nach I.________ transportiert, ohne 
die Waffe und Munition zu trennen, (4.) sich die Faustfeuerwaffe in I.________ in die Hose 
gesteckt und später ohne Berechtigung damit geschossen. Weiter wird dem Beschuldigten 
vorgeworfen, er habe den entsprechenden Fund der Faustfeuerwaffe nicht angezeigt. 
Schliesslich sei er am 7. Februar 2021 mit mindestens 125 km/h auf der Autobahn Richtung 
Affoltern gefahren, wobei er auf dem Überholstreifen gefahren sei, beim Spurwechsel auf die 
rechte Fahrspur nicht auf den Verkehr geachtet habe und dabei in einen anderen Personen-
wagen geprallt sei (SG GD 1/1). 

1.2 Nachdem die Verfahrensleitung des Strafgerichts des Kantons Zug, Kollegialgericht (nachfol-
gend: Kollegialgericht), mit Verfügung vom 21. Juni 2022 die Ordnungsmässigkeit der An-
klage feststellte (SG GD 2/2), lud es die Parteien auf den 12. April 2023 und den 14. April 
2023 zur Hauptverhandlung vor (SG GD 2/6). Da es der erbetene Verteidiger versäumte, den 
Termin in seiner Agenda einzutragen, musste der Hauptverhandlungstermin verschoben wer-
den (SG GD 2/7; SG GD 4/4). Zur neu angesetzten Hauptverhandlung am 4. Juli 2023 und 
am 6. Juli 2023 erschienen der Beschuldigte, zusammen mit seinem erbetenen Verteidiger, 
und der fallzuständige Staatsanwalt. Die Parteien warfen keine Vorfragen auf. Nach eröffne-
tem Beweisverfahren wurde der Beschuldigte zur Person und zur Sache befragt. Im Verlauf 
des Beweisverfahrens beantragte die Staatsanwaltschaft, dass neu eingereichte Unterlagen 
zu den Akten zu nehmen seien und dass eventualiter bestimmte Personen als Zeugen be-

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treffend die Kenntnisse der deutschen Sprache des Beschuldigten zu befragen seien. Nach 
Beratung sistierte das Kollegialgericht den Eventualbeweisantrag der Staatsanwaltschaft bis 
zur Urteilsberatung und nahm die eingereichten Dokumente zu den Akten. Weitere Beweis-
anträge wurden nicht gestellt. Nach den Parteivorträgen hielt der Beschuldigte ein Schluss-
wort. Am zweiten Hauptverhandlungstag eröffnete das Kollegialgericht das Urteil mündlich 
und die Parteien erhielten das Urteilsdispositiv ausgehändigt (SG GD 7/1). Mit Schreiben 
vom 12. Juli 2023 meldete die erbetene Verteidigung Berufung gegen das Urteil vom 6. Juli 
2023 an (SG GD 4/11). 

1.3 Am 24. Juli 2023 versandte das Kollegialgericht das 103-seitige, schriftlich begründete Urteil 
vom 6. Juli 2023 an die Parteien. Das Urteil konnte dem erbetenen Verteidiger am 25. Juli 
2023 zugestellt werden (SG GD 8/2/1). Der Urteilsspruch lautete wie folgt: 

"1. Das Strafverfahren gegen den Beschuldigten B.________ wird zufolge Eintritts der Verfolgungsverjährung 

hinsichtlich folgender Tatvorwürfe eingestellt:

1.1. Nichtanzeigen eines Fundes gemäss Art. 332 aStGB (Anklageziffer 1.C);

1.2. mehrfache Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG (Anklageziffer 

1.B.4).

2. Der Beschuldigte B.________ wird von den folgenden Vorwürfen freigesprochen:

2.1. der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG (Anklageziffer 

1.B.3); 

2.2. der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG, begangen durch Missachtung von 

Art. 32 Abs. 1 und 2 SVG sowie Art. 4a Abs. 1 lit. d VRV (Anklageziffer 1.E 1. Teil).

3. Der Beschuldigte B.________ wird schuldig gesprochen:

3.1. der mehrfachen Gefährdung des Lebens in Putativnotwehrexzess gemäss Art. 129 StGB i.V.m. Art. 21 Satz 

2 StGB;

3.2. der Gefährdung des Lebens gemäss Art. 129 StGB;

3.3. der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. b und d 

i.V.m. Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG;

3.4. der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG;

3.5. der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a WG; 

3.6. der Widerhandlung gegen das Waffengesetz gemäss Art. 34 Abs. 1 lit. e WG;

3.7. der Widerhandlung gegen das Waffengesetz gemäss Art. 34 Abs. 1 lit. n WG;

3.8. der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz gemäss Art. 34 Abs. 1 lit. b WG; 

3.9. der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG, begangen durch Missachtung von 

Art. 44 Abs. 1 SVG.

4. Er wird dafür bestraft mit:

4.1. einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten, wobei der Vollzug der Freiheitsstrafe im Umfang von 24 Monaten bei 

einer Probezeit von drei Jahren aufgeschoben und im Umfang von 12 Monaten vollzogen wird, unter An-

rechnung der Untersuchungshaft von 32 Tagen;

4.2. einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je CHF 130.00, unter Gewährung des bedingten Strafvollzugs bei 

einer Probezeit von drei Jahren, als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis 

vom 24. Juni 2022;

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4.3. einer Busse in der Höhe von CHF 600.00 und im Falle eines schuldhaften Nichtbezahlens mit einer Ersatz-

freiheitsstrafe von fünf Tagen, als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis 

vom 24. Juni 2022.

5. Der Beschuldigte wird gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. b und lit. o StGB für die Dauer von sieben Jahren aus 

der Schweiz verwiesen. 

6. Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem angeordnet.

7. Die Verfahrenskosten betragen

CHF 9'899.90 Kosten des Vorverfahrens (inkl. Kosten Zwangsmassnahmengericht)

CHF 7'500.00 Entscheidgebühr 

CHF 745.00 Auslagen 

CHF 18'144.90 Total

und werden dem Beschuldigten auferlegt. 

8.

8.1. Der ehemalige amtliche Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur. O.________, wird für seine 

Bemühungen mit CHF 4'673.70 (inkl. Auslagen und MWST) aus der Staatskasse entschädigt. 

8.2. Der Beschuldigte hat dem Staat die Kosten seiner amtlichen Verteidigung zurückzuzahlen, sobald es seine 

wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben.

8.3. Dem Beschuldigten wird für seine erbetene Verteidigung keine Aufwandentschädigung ausgerichtet.

9.

9.1. Die folgenden mit Verfügung vom 27. September 2021 beschlagnahmten Gegenstände sind gestützt auf 

Art. 69 StGB nach Rechtskraft des Urteils einzuziehen und zu vernichten:

- 1 Sack Minigrip mit weissem Pulver, 99.31 Gramm (Position 1, Lagernummer: 122/2018, Zuger Polizei 

KTD);

- 1 Sack (Cellophan) mit weissem Pulver, 99.73 Gramm (Position 2, Lagernummer: 122/2018, Zuger 

Polizei KTD); 

- 1 weisser Sack (Cellophan) leer (Position 3, Lagernummer: ZG 2018/5/99/3 Zuger Polizei KTD);

- Digitalwaage (Position 4, Lagernummer: ZG 2018/5/99/4 Zuger Polizei KTD);

- 1 Säcklein (Cellophan) mit weissem Pulver, 2.39 Gramm (Position 5, Lagernummer: ZG 2018/5/99/5, 

Zuger Polizei KTD);

- Simkartenfassung ohne SIM Karte (Position 6);

- 1'496.8 Gramm Marihuana (Position 13, Lagernummer: ZG 2020/246, Zuger Polizei KTD)

- 14.2 Gramm Haschisch und der kleine Kunststoffbehälter schwarz/gelb (Position 14, Lagernummer: 

ZG 2020/10/382, Zuger Polizei KTD).

9.2. Die folgenden mit Verfügung vom 27. September 2021 beschlagnahmten Gegenstände sind dem Beschul-

digten nach Rechtskraft des Urteils gestützt auf Art. 267 Abs. 3 StPO auszuhändigen:

- Mobiltelefon iPhone 11 pro, schwarz (Position 7, Lagerung bei der Zuger Polizei, Dienst Kriminaltech-

nik);

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- Mobiltelefon Google Pixel, schwarz (Position 8, Lagerung bei der Zuger Polizei, Dienst Kriminaltech-

nik).

Werden diese Gegenstände nicht innerhalb von 30 Tagen nach entsprechender Aufforderung abgeholt, kön-

nen sie vernichtet werden. 

9.3. Folgende mit Verfügung vom 27. September 2021 (act. 5/1/9 ff.) beschlagnahmten Daten sind nach Eintritt 

der Rechtskraft dieses Urteils durch den Kriminaltechnischen Dienst der Zuger Polizei zu löschen:

- Sichergestellte Daten aus der Mobiltelefonauswertung von B.________, Bericht vom 13.06.2018, Fall-

Nr. 2018/5/99 (Position 29, lagernd beim KTD, Labor IT-Forensik, Zuger Polizei);

- Sichergestellte Daten aus der Mobiltelefonauswertung (Google Pixel 3a und Apple iPhone 11 Pro) von 

B.________, Bericht vom 10.02.2021, Fall-Nr. 2020/10/382 (Position 30, lagernd beim KTD, Labor IT-

Forensik, Zuger Polizei);

- Sichergestellte Daten aus der Mobiltelefonauswertung von J.________, Bericht vom 10.02.2021, Fall-

Nr. 2020/10/382 (Position 31, lagernd beim KTD, Labor IT-Forensik, Zuger Polizei);

- Sichergestellte Daten aus der Mobiltelefonauswertung von T.________, Bericht vom 10.02.2021, Fall-

Nr. 2020/10/382 (Position 32, lagernd beim KTD, Labor IT-Forensik, Zuger Polizei).

9.4. Die mit Verfügung vom 27. September 2021 (act. 5/1/9 ff.) beschlagnahmte Patronenhülse 7.65 Geco Brow-

ning (Position 25) sowie die zwei Projektilteile mit sichtbaren Zügen (Position 26) werden nach Eintritt der 

Rechtskraft dieses Urteils gestützt auf Art. 69 StGB eingezogen und als Beweismittel bei den Akten belas-

sen.

10. Die mit Verfügung vom 27. September 2021 (act. 5/1/9 ff.) aus dem Vermögen des Beschuldigten beschlag-

nahmten und bei der Gerichtskasse einbezahlten CHF 3'950.00 (Position 12) werden nach Eintritt der 

Rechtskraft dieses Urteils zur anteilsmässigen Deckung der vom Beschuldigten zu tragenden Verfahrens-

kosten verwendet.

[Rechtsmittel]"

1.4 Mit Schreiben vom 14. August 2023 reichte der erbetene Verteidiger namens des Beschul-
digten bei der Strafabteilung des Obergerichts des Kantons Zug (nachfolgend: Gericht) die 
Berufungserklärung ein. Er führte aus, dass vollumfängliche Berufung erklärt und die Disposi-
tiv-Ziffern 3.1, 3.2, 3.3, 3.4, 3.5, 3.6, 3.7, 3.8, 4.1, 4.2, 4.3, 5., 6., 7., 8.2 und 8.3 des erstin-
stanzlichen Urteils angefochten würden (OG GD 2 [S 2023 21]).

1.5 Die Verfahrensleitung stellte mit Präsidialverfügung vom 16. August 2023 der Staatsanwalt-
schaft die Berufungserklärung des Beschuldigten zu und setzte ihr Frist, um Anschlussberu-
fung zu erheben oder Nichteintretensanträge zu stellen. Die Verteidigung wurde gestützt auf 
Art. 400 Abs. 1 StPO aufgefordert, die Berufungserklärung zu verdeutlichen. Den Parteien 
wurde überdies Frist für Beweisanträge gesetzt (OG GD 3 [S 2023 21]). 

1.6 Mit Eingabe vom 28. August 2023 präzisierte die Verteidigung, dass nur eine teilweise Beru-
fung erhoben werde. Angefochten würden Dispositiv-Ziffern 3.1, 3.2, 3.3, 3.4, 3.5, 3.6, 3.7, 
3.8, 4.1, 4.2, 4.3, 5., 6., 7., 8.2 und 8.3 (OG GD 4 [S 2023 21]).

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1.7 Die Staatsanwaltschaft erhob am 5. September 2023 Anschlussberufung mit folgenden An-
trägen (OG GD 5 [S 2023 21]):

"1. Es seien Ziff. 2.1, 2.2, 4.1, 4.2 und 4.3 aufzuheben und es sei der Beschuldigte angemessen zu bestrafen.

2. Kostenfolge zulasten des Beschuldigten."

Sie erklärte überdies, keine Beweisanträge zu stellen.

1.8 Mit Präsidialverfügung vom 6. September 2023 wurde die Anschlussberufung der Staatsan-
waltschaft der Verteidigung eröffnet und ihr Frist gesetzt, um Nichteintretensanträge zu stel-
len. Die Parteien wurden zudem informiert, dass die Kanzlei des Gerichts sich in den nächs-
ten Tagen zwecks Festlegung eines Verhandlungstermins melden werde (OG GD 6 [S 2023 
21]).

1.9 Mit Präsidialverfügung vom 21. September 2023 setzte die Verfahrensleitung die Berufungs-
verhandlung auf den 16. November 2023 an und lud die Parteien vor (OG GD 11 [S 2023 
21]). 

1.10 Die auf den 16. November 2023 angesetzte Berufungsverhandlung musste abgesagt wer-
den, da der erbetene Verteidiger, Rechtsanwalt E.________, dem Gericht am 9. November 
2023 mitteilte, dass ihm der Beschuldigte das Mandat entzogen habe. Der Beschuldigte 
wurde daraufhin aufgefordert, innert zehn Tagen eine neue erbetene Verteidigung zu be-
zeichnen oder einen Wahlvorschlag für eine amtliche Verteidigung abzugeben (OG GD 14-15 
[S 2023 21]). Nach einmaliger Fristerstreckung erklärte der Beschuldigte, dass er sich mit 
Rechtsanwalt E.________ ausgesprochen habe und wieder von ihm verteidigt werde 
(OG GD 18 [S 2023 21]). 

2. Verfahren S 2023 40

2.1 Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten in der Anklageschrift vom 19. Dezember 
2022 vor, am 7. Februar 2021 im Anschluss an einen Auffahrunfall auf der Autobahn A4 zwi-
schen Blegi und Affoltern a.A. Abfallsäcke mit zerlegten Fahrrädern (ein Rennrad und ein 
Mountain-Bike) aus einem Vermögensdelikt über den Plexiglasschutz der Fahrbahnbegren-
zung geworfen zu haben. Dadurch habe er das Auffinden dieser Gegenstände erschweren 
oder verunmöglichen wollen. Alternativ wird dem Beschuldigten zur Last gelegt, sich zwi-
schen dem 4. Januar und dem 4. Februar 2021 unbefugt Zugang zum Fahrradkeller der Lie-
genschaft an der Hochwachtstrasse 26 in Steinhausen verschafft und die vorgenannten 
Fahrräder entwendet zu haben. Des Weiteren wird dem Beschuldigten vorgeworfen, zwi-
schen dem 12. und 19. März 2022 an seinem nicht immatrikulierten Personenwagen der 
Marke Citroën C4 ein nicht auf dieses Fahrzeug zugelassenes Kontrollschild montiert zu ha-
ben und damit mindestens zwei Mal, letztmals am 19. März 2022, ohne Versicherungsschutz 
gefahren zu sein (SE GD 1).

2.2 Nachdem das Strafgericht des Kantons Zug, Einzelgericht (nachfolgend: Einzelgericht), mit 
verfahrensleitender Verfügung vom 5. Januar 2023 die Ordnungsmässigkeit der Anklage 
feststellte (SE GD 7), lud es die Parteien auf den 4. Oktober 2023 zur Hauptverhandlung vor 

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(SE GD 10-12). Am 4. Oktober 2023 fand die Hauptverhandlung in Anwesenheit des Be-
schuldigten, seines erbetenen Verteidigers, des zuständigen Staatsanwalts und des Privat-
klägers statt (SE GD 23). Die Parteien warfen keine Vorfragen auf. Der Beschuldigte wurde 
zur Person und zur Sache befragt, wobei er bei den Fragen zur Sache die Aussage verwei-
gerte (SE GD 23/1). Die Parteien stellten keine Beweisanträge. Nach den Parteivorträgen er-
klärte der Beschuldigte in seinem Schlusswort einzig, dass er nichts zu sagen habe. Das Ein-
zelgericht unterbrach danach die Verhandlung zwecks Urteilsberatung. Anschliessend eröff-
nete und begründete es das Urteil mündlich. Den Parteien wurde das Urteilsdispositiv aus-
gehändigt. Die Staatsanwaltschaft gab zu Protokoll, auf eine Berufung zu verzichten. Die 
weiteren Parteien gaben keine Erklärung ab (SE GD 23). Mit Schreiben vom 13. Oktober 
2023 meldete die Verteidigung namens des Beschuldigten Berufung an (SE GD 24). 

2.3 Am 19. Oktober 2023 versandte das Einzelgericht das begründete Urteil (SE GD 25). Dieses 
wurde den Parteien am 20. Oktober 2023 zugestellt (SE GD 27). Der Urteilsspruch lautete 
wie folgt:

"1. Der Beschuldigte B.________ wird von folgenden Tatvorwürfen freigesprochen:

1.1 Fahren ohne Haftpflichtversicherung gemäss Art. 96 Abs. 2 Satz 1 aSVG in einem Fall (Handlung, welche 

nicht die Fahrt von 19. März 2022 betrifft); 

1.2 Missbrauch von Ausweisen und Schildern gemäss Art. 97 Abs. 1 lit. a SVG in einem Fall (Handlung, welche 

nicht die Fahrt von 19. März 2022 betrifft). 

2. Der Beschuldigte B.________ wird schuldig gesprochen:

2.1 der versuchten Hehlerei gemäss Art. 160 Ziff. 1 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB;

2.2 des Fahrens ohne Haftpflichtversicherung gemäss Art. 96 Abs. 2 Satz 1 aSVG; 

2.3 des Missbrauchs von Ausweisen und Schildern gemäss Art. 97 Abs. 1 lit. a SVG.

3. Er wird dafür bestraft mit einer Geldstrafe von 77 Tagessätzen zu je CHF 160.00 unter Anrechnung der 

strafprozessualen Haft von zwei Tagen sowie als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lim-

matthal/Albis A-7/2022/19767 vom 24. Juni 2022. 

4. Folgende beschlagnahmte Gegenstände werden eingezogen und der Zuger Polizei nach Eintritt der Rechts-

kraft zur gutscheinenden Verwendung überlassen:

4.1 Rennrad der Marke Specialized, Typ Roubaix Comp, Rahmennummer WSBC6044269733M (zerlegt; la-

gernd bei der Zuger Polizei unter den Asservate-Nummern 32, 35, 37, 38, 40, 41);

4.2 Mountain-Bike der Marke Specialized, Typ Camber Comp Carbon, Rahmennummer WSBC604212767M 

(zerlegt; lagernd bei der Zuger Polizei unter den Asservate-Nummern 32, 35, 37, 38, 40, 41).

5. Folgende beschlagnahmte Gegenstände und Vermögenswerte werden nach Eintritt der Rechtskraft zur An-

meldung von Ansprüchen öffentlich ausgeschrieben; sie fallen an den Kanton Zug, wenn innert fünf Jahren 

seit der Ausschreibung niemand Anspruch darauf erhebt: 

5.1 iPhone 6s, IMEI 355766074902542 (lagernd bei der Zuger Polizei unter der Asservate-Nummer 9);

5.2 CHF 10'000.00 Bargeld (einbezahlt bei der Gerichtskasse Zug; Einzahlung K0403794).

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6. Die unbezifferte Zivilforderung des Privatklägers F.________ wird auf den Zivilweg verwiesen. 

7. Der Beschuldigte wird für die Aufwendungen in Zusammenhang mit seiner erbetenen Verteidigung nicht 

entschädigt.

8. Die Verfahrenskosten betragen

CHF 6'643.20 Untersuchungskosten

CHF 2'000.00 Entscheidgebühr 

CHF 290.00 gerichtliche Auslagen 

CHF 8'933.20 Total

und werden dem Beschuldigten auferlegt. 

9. Auf den Antrag des Beschuldigten, das bereits erfasste DNA-Profil zu vernichten, wird nicht eingetreten. 

10. [Rechtsmittel]"

2.4 Mit Schreiben vom 8. November 2023 reichte die erbetene Verteidigung namens des Be-
schuldigten beim Gericht die Berufungserklärung ein. Sie erklärte, dass vollumfängliche Be-
rufung erhoben werde. Es würden die Dispositiv-Ziffern 2., 2.1, 2.2, 2.3, 3., 7. und 8. des 
erstinstanzlichen Urteils angefochten. Der erbetene Verteidiger erklärte im genannten Schrei-
ben sodann, dass ihm der Beschuldigte das Mandat entzogen habe (OG GD 2 [S 2023 40]). 
Wie bereits oben ausgeführt, ernannte der Beschuldigte auf Aufforderung hin erneut Rechts-
anwalt E.________ als erbetener Verteidiger (vgl. Sachverhalt Ziff. 1.10). 

2.5 Die Verfahrensleitung stellte mit Präsidialverfügung vom 6. Dezember 2023 der Staatsan-
waltschaft und dem Privatkläger die Berufungserklärung des Beschuldigten zu und setzte 
Frist, um Anschlussberufung zu erheben oder Nichteintreten zu beantragen. Den Parteien 
wurde zudem Frist für Beweisanträge sowie für eine Stellungnahme zur Frage der Vereini-
gung der Berufungsverfahren S 2023 40 und S 2023 21 gesetzt (OG GD 4 [S 2023 40]). 

2.6 Mit Schreiben vom 15. Dezember 2023 erklärte der Privatkläger, er stelle keine Beweisan-
träge und verzichte auf eine Stellungnahme (OG GD 5 [S 2023 40]). Die Verteidigung er-
klärte mit Schreiben vom 18. Dezember 2023, keine Einwände gegen die Verfahrensvereini-
gung zu haben (OG GD 6 [S 2023 40]). Die Staatsanwaltschaft liess sich nicht vernehmen. 

2.7 Die Verfahrensleitung stellte mit Präsidialverfügung vom 4. Januar 2024 fest, dass bezüglich 
der Berufung gegen das Urteil vom 4. Oktober 2023 keine Anschlussberufung erhoben und 
keine Nichteintretensanträge sowie keine Beweisanträge gestellt wurden (OG GD 7 [S 2023 
40]).

3. Die beiden Berufungsverfahren S 2023 21 und S 2023 40 wurden mit Präsidialverfügung vom 
4. Januar 2024 vereint (OG GD 19 [S 2023 21]; OG GD 7 [S 2023 40]).

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4. Mit Präsidialverfügung vom 22. Januar 2024 setzte die Verfahrensleitung den Termin für die 
Berufungsverhandlung auf den 10. April 2024 fest und lud die Parteien vor (OG GD 20-21 
[S 2023 21]).

5. Die erbetene Verteidigung machte am 9. April 2024 eine Eingabe per E-Mail (ohne aner-
kannte elektronische Signatur). Sie erklärte darin den vollumfänglichen Rückzug der Beru-
fung gegen das Urteil des Einzelgerichts vom 4. Oktober 202. Weiter stellte sie den Antrag, 
es seien die Ehefrau und die Kinder des Beschuldigten an der Berufungsverhandlung zur 
Frage der Landesverweisung einzuvernehmen. Diese seien dazu förmlich vorzuladen 
(OG GD 27 [S 2023 21]). Die Verfahrensleitung entschied gleichentags, dass über den Be-
weisantrag das Gesamtgericht an der Berufungsverhandlung am 10. April 2024 befinden 
werde, zumal eine förmliche Vorladung nicht mehr möglich war. Die Ehefrau des Beschuldig-
ten, P.________, wurde telefonisch über den Beweisantrag informiert und es wurde ihr frei-
gestellt, mit ihren Kindern zur Berufungsverhandlung zu erscheinen. Die erbetene Verteidi-
gung und die Staatsanwaltschaft wurden darüber in Kenntnis gesetzt (OG GD 28-30 [S 2023 
21]). 

6. Am 10. April 2024 fand die Berufungsverhandlung in Anwesenheit des Beschuldigten, seines 
erbetenen Verteidigers, des zuständigen Staatsanwalts und des Privatklägers (im Fall 
S 2023 40) statt. Die Verteidigung gab zu Protokoll, dass sie namens des Beschuldigten die 
Berufung gegen das Urteil des Einzelgerichts vom 4. Oktober 2023 zurückziehe. Weiter be-
antragte sie die Befragung der Ehefrau und der Kinder des Beschuldigten bzw. hielt an die-
sem Antrag fest. Das Gericht hiess den Antrag auf Befragung der Ehefrau, P.________, gut 
und wies jenen auf Befragung der Kinder einstweilen, d.h. unter Vorbehalt nach Art. 349 
StPO, ab. P.________, welche zur Verhandlung erschienen war, wurde befragt. Anschlies-
send wurde auch der Beschuldigte zur Person und zur Sache einvernommen. Die Verteidi-
gung hielt sodann am Antrag auf Befragung der Kinder fest. Das Gericht befand nicht noch-
mals über diesen Antrag, zumal die Verteidigung keine neuen Gründe für die Notwendigkeit 
deren Befragung vorbrachte. Nach den Parteivorträgen hielt der Beschuldigte ein kurzes 
Schlusswort. Die Parteien erklärten sich schliesslich mit der schriftlichen Urteilseröffnung ein-
verstanden (OG GD 32 [S 2023 21]). 

6.1 Die Verteidigung stellte anlässlich der Berufungsverhandlung folgende Hauptanträge 
(OG GD 32/5 S. 1-2 [S 2023 21]): 

"1. Der Beschuldigte sei in Abänderung der Dispositivziffern 3.1, 3.2, 3.3 und 3.4 des Urteils vom 6. Juli 2023 

von der mehrfachen Gefährdung des Lebens in Putativnotwehrexzess iSv Art. 129 iVm Art. 21 StGB (Ankla-

geziffer 1.A Teil 1), der Gefährdung des Lebens iSv Art. 129 StGB (Anklageziffer 1.A Teil 2), der qualifizier-

ten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz iSv Art. 19 Abs. 1 lit. b und d iVm Art. 19 Abs. 2 lit. a 

BetmG (Anklageziffer 1.B.2) sowie der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz iSv 

Art. 19. Abs. 1 lit. c BetmG (Anklageziffer 1.B.1) freizusprechen.

2. Der Beschuldigte sei der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz iSv Art. 33 Abs. 1 lit. a, der 

Widerhandlung gegen das Waffengesetz iSv Art. 34 Abs. 1 lit. e und n WG, der mehrfachen Widerhandlun-

gen gegen das Waffengesetz iSv Art. 34 Abs. 1 lit. b WG sowie der einfachen Verletzung der Verkehrsre-

geln iSv Art. 90 Abs. 1 SVG schuldig zu sprechen.

3. Der Beschuldigte sei in Abänderung der Dispositivziffern 4.1, 4.2 und 4.3 des Urteils mit einer Geldstrafe 

von 20 Tagessätzen à CHF 50 als Zusatzstrafe zum Strafbefehl vom 24. Juni 2022 zu bestrafen sowie mit 

Seite 10/92

einer Busse von CHF 600, dies unter Anrechnung der erstandenen Haft von 32 Tagen. Der Vollzug der 

Geldstrafe sei aufzuschieben, dies unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren.

4. Es sei in Abänderung der Dispositivziffern 5 und 6 des Urteils keine Landesverweisung auszusprechen und 

keine Ausschreibung im SIS vorzunehmen.

5. Die Verfahrenskosten des erstinstanzlichen Verfahrens seien dem Beschuldigten in Abänderung der Dispo-

sitivziffern 7 und 8 des Urteils zu maximal 1/5 aufzuerlegen. Im Restumfang von 4/5 seien die Kosten auf 

die Staatskasse zu nehmen, wozu auch die Zusprechung einer Prozessentschädigung für die erbetene Ver-

teidigung gehört."

Eventualiter beantragte sie (OG GD 32/5 S. 3 [S 2023 21]):

"1. Der Beschuldigte sei der mehrfachen Gefährdung des Lebens in Putativnotwehrexzess iSv Art. 129 iVm 

Art. 21 StGB (Anklage ziffer 1.A Teil 1), der Gefährdung des Lebens iSv Art. 129 StGB (Anklageziffer 1.A 

Teil 2), der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz iSv Art. 19 Abs. 1 lit. b und d 

iVm Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG (Anklageziffer 1.B.2), der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäu-

bungsmittelgesetz iSv Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG (Anklageziffer 1.B.1), der mehrfachen Widerhandlung ge-

gen das Waffengesetz iSv Art. 33 Abs. 1 lit. a WG und Art. 34 Abs. 1 lit. b, e und n WG iVm Art. 12 WV (An-

klageziffer 1.D) sowie der der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln (Anklageziffer 1.E, Teil 2) schuldig 

zu sprechen.

2. Der Beschuldigte sei in Abänderung der Dispositivziffern 4.1, 4.2 und 4.3 des Urteils mit einer Freiheits-

strafe von 13 Monaten und einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen à CHF 50 sowie einer Busse von CHF 600 

zu bestrafen, dies unter Anrechnung der erstandenen Haft von 32 Tagen. Der Vollzug sowohl der Freiheits-

strafe als auch der Geldstrafe sei aufzuschieben, dies unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren.

3. Es sei in Abänderung der Dispositivziffern 5 und 6 des Urteils von einer Landesverweisung und von einer 

Ausschreibung im SIS abzusehen.

4. Die Verfahrenskosten des erstinstanzlichen Verfahrens seien dem Beschuldigten in Abänderung der Dispo-

sitivziffern 7 und 8 des Urteils zu maximal 3/5 aufzuerlegen. Im Restumfang von 2/5 seien die Kosten auf 

die Staatskasse zu nehmen, wozu auch die Zusprechung einer Prozessentschädigung für die erbetene Ver-

teidigung gehört."

6.2 Die Staatsanwaltschaft zog an der Berufungsverhandlung ihre Anschlussberufung teilweise, 
d.h. betreffend die Dispositiv-Ziffern 2.1, 2.2, 4.2 und 4.3 des Urteils vom 6. Juli 2023, 
zurück. Sie erklärte, nur noch Dispositiv-Ziffer 4.1 des vorinstanzlichen Urteils anzufechten 
und beantragte diesbezüglich die Bestrafung des Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 
41 Monaten unter Anrechnung der Untersuchungshaft (OG GD 32/9 S. 2 [S 2023 21]). 

7. Mit Präsidialverfügung vom 16. Mai 2024 wurde das Berufungsverfahren S 2023 40 betref-
fend das Urteil des Einzelgerichts vom 4. Oktober 2023 zufolge Rückzugs der Berufung ab-
geschrieben. 

Erwägungen

I. Formelles

1. Die in Art. 399 StPO für die Einlegung der Berufung vorgesehenen zwei Parteihandlungen 
(Berufungsanmeldung innert zehn Tagen seit Eröffnung des Urteils und Berufungserklärung 
innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils) erfolgten von der erbetenen 

Seite 11/92

Verteidigung fristgerecht. Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft erfolgte ebenfalls 
innert Frist. 

2.
2.1 Im Berufungsverfahren gilt die Dispositionsmaxime. Der Berufungskläger muss in seiner Be-

rufungserklärung angeben, ob er das Urteil vollumfänglich oder nur in Teilen anficht (Art. 399 
Abs. 3 lit. a StPO). Ficht er nur Teile des Urteils an, hat er in der Berufungserklärung verbind-
lich anzugeben, auf welche Teile (Schuldpunkt, allenfalls bezogen auf einzelne Handlungen, 
Bemessung der Strafe etc.) sich die Berufung beschränkt (Art. 399 Abs. 4 StPO). Das Beru-
fungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 
Abs. 1 StPO). Es kann zugunsten der beschuldigten Person auch nicht angefochtene Punkte 
überprüfen, um gesetzwidrige oder unbillige Entscheidungen zu verhindern (Art. 404 Abs. 2 
StPO). Soweit die Einschränkung der Berufung auf einzelne Punkte eindeutig und der Grund-
satz der Untrennbarkeit oder inneren Einheit nicht verletzt ist, muss die Einschränkung durch 
das Berufungsgericht respektiert werden. Die nicht angefochtenen Urteilspunkte werden, un-
ter dem Vorbehalt von Art. 404 Abs. 2 StPO, rechtskräftig. Eine spätere Ausdehnung der Be-
rufung ist ausgeschlossen, nicht aber eine weitere Beschränkung (vgl. dazu umfassend Urteil 
des Bundesgerichts 6B_1403/2019 vom 10. Juni 2020 E. 1.3 m.H.).

2.2 Die Berufung des Beschuldigten betreffend das Urteil vom 6. Juli 2023 richtet sich gemäss 
der Berufungserklärung gegen die Dispositiv-Ziffern 3.1, 3.2, 3.3, 3.4, 3.5, 3.6, 3.7, 3.8, 4.1, 
4.2, 4.3, 5., 6., 7., 8.2 und 8.3 des erstinstanzlichen Urteils. Die Staatsanwaltschaft ficht (nur 
noch) die Dispositiv-Ziffer 4.1 an. Die übrigen Dispositiv-Ziffern wurden nicht angefochten. 
Über die Kostenfolgen ist sodann von Amtes wegen neu zu entscheiden (Art. 428 Abs. 3 
StPO). Die Verwendung der beschlagnahmten Vermögenswerte von CHF 3'950.00 zur De-
ckung der Verfahrenskosten (Dispositiv-Ziffer 10) betrifft die Frage der Kostenfolge, da ohne 
Kostenauferlegung auch keine Verwendung zur Deckung dieser Kosten erfolgen kann. In 
Rechtskraft erwachsen sind somit die Dispositiv-Ziffern 1.1, 1.2, 2.1, 2.2, 3.9, 8.1, 9.1-9.4. 
Dies ist im Urteilsspruch festzuhalten. 

3. Die Verteidigung beantragte an der Berufungsverhandlung sowohl im Haupt- als auch im 
Eventualstandpunkt einen Schuldspruch wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln 
gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG betreffend den Sachverhalt gemäss Anklageziffer 1.E Teil 2. In 
ihrer Berufungserklärung focht sie diesen Schuldspruch durch das Kollegialgericht nicht an, 
sodass er in Rechtskraft erwuchs. Der Beschuldigte kann daher nicht erneut schuldig gespro-
chen werden (vgl. Art. 11 Abs. 1 StPO). Auf diesen Antrag ist daher nicht einzutreten. Im Üb-
rigen ist auf die Berufung des Beschuldigten einzutreten. Auch auf die Anschlussberufung 
der Staatsanwaltschaft ist einzutreten (soweit sie nicht zurückgezogen wurde). 

4. Das Kollegialgericht hat das Strafverfahren bezüglich einzelner Vorwürfe wegen Eintritts der 
Verfolgungsverjährung eingestellt. Diese Verfahrenseinstellungen blieben unangefochten. 
Weitere Prozesshindernisse sind nicht ersichtlich. 

5. Nachdem die Staatsanwaltschaft Anschlussberufung erhoben hat, darf das vorinstanzliche 
Urteil zum Nachteil des Beschuldigten abgeändert werden. Das Verschlechterungsverbot 
gemäss Art. 391 Abs. 2 erster Satz StPO greift somit nicht. Allerdings beseitigt die An-
schlussberufung das Verschlechterungsverbot nicht über die zulasten des Beschuldigten ge-
stellten Anträge hinaus. Es ist Sache der zur Anschlussberufung bzw. Berufung berechtigten 

Seite 12/92

Partei, ihre Dispositionsfreiheit auszuüben und mit Anträgen in der Sache den Verfahrens- 
bzw. Streitgegenstand im Rechtsmittelverfahren zu bestimmen (BGE 147 IV 167 E. 1.5.3).

6. Gemäss Art. 29 Abs. 1 lit. a StPO werden Straftaten gemeinsam verfolgt und beurteilt, wenn 
eine beschuldigte Person mehrere Straftaten verübt hat. Die beiden Berufungsverfahren 
S 2023 21 und S 2023 40 wurden vereint, da dem Beschuldigten verschiedene Straftaten 
vorgeworfen werden und es in beiden Verfahren u.a. um Handlungen des Beschuldigten am 
7. Februar 2021 ging. Es bestanden keine sachlichen Gründe, die gegen die Vereinigung 
sprechen. Die Verteidigung erhob sodann keine Einwände gegen die Verfahrensvereinigung. 
Nachdem die Berufung gegen das Urteil vom 4. Oktober 2023 zurückgezogen wurde, wurde 
das diesbezügliche Verfahren wieder abgetrennt und mit separatem Entscheid abgeschrie-
ben. 

7.
7.1 Das Rechtsmittelverfahren beruht gemäss Art. 389 Abs. 1 StPO auf den Beweisen, die im 

Vorverfahren und im erstinstanzlichen Hauptverfahren erhoben worden sind. Von Amtes we-
gen oder auf Antrag einer Partei kann die Rechtsmittelinstanz die erforderlichen zusätzlichen 
Beweise erheben (Art. 389 Abs. 3 StPO). Notwendig ist dies aber nur dann, wenn die zusätz-
lich erhobenen Beweise den Ausgang des Verfahrens beeinflussen können (vgl. auch Urteil 
des Bundesgerichts 6B_288/2015 vom 12. Oktober 2015 E. 1.3.1 m.H.). Eine unmittelbare 
Beweisabnahme im Rechtsmittelverfahren hat gemäss Art. 343 Abs. 3 i.V.m. Art. 405 Abs. 1 
StPO auch zu erfolgen, wenn eine solche im erstinstanzlichen Verfahren unterblieb oder un-
vollständig war und die unmittelbare Kenntnis des Beweismittels für die Urteilsfällung not-
wendig erscheint. Weiter kann eine unmittelbare Beweisabnahme durch das Berufungsge-
richt in den Fällen von Art. 343 Abs. 3 StPO erforderlich sein, wenn dieses von den erstin-
stanzlichen Sachverhaltsfeststellungen abweichen will (BGE 140 IV 196 E. 4.4.1). 

7.2 Die Verfahrensleitung zog von Amtes wegen aktuelle Auszüge aus dem Strafregister und 
dem Betreibungsregister bei und erkundigte sich beim Amt für Migration nach neuen Akten. 
Weiter wurde der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung zur Person und zur Sa-
che befragt. Wie erwähnt, beantragte die Verteidigung die Befragung der Ehefrau und der 
Kinder des Beschuldigten. Die Ehefrau, P.________, wurde antragsgemäss befragt. Den An-
trag auf Befragung der Kinder wies das Gericht an der Berufungsverhandlung einstweilen ab. 
Auch anlässlich der Urteilsberatung bestand keine Notwendigkeit die Kinder des Beschuldig-
ten zusätzlich zu befragen. 

7.2.1 Die Verteidigung begründete ihren Antrag auf Befragung der Kinder zusammengefasst damit, 
dass eine Landesverweisung des Beschuldigten auch die Kinder betreffen würde und ihnen 
nicht zugemutet werden könne, dem Beschuldigten nach Serbien zu folgen. Das Bundesge-
richt lege besonderes Gewicht auf das Kindeswohl. Zur Klärung des Sachverhalts sei die Be-
fragung der Kinder erforderlich. Zudem ergebe sich aus Art. 12 der UN-Kinderrechtskonven-
tion die Pflicht, Kinder in den sie berührenden Angelegenheiten anzuhören, wenn sie fähig 
seien, sich eine eigene Meinung zu bilden. Dies sei bei den bald 5- und 9-jährigen Kindern 
des Beschuldigten der Fall (OG GD 32 S. 3-4, 35 [S 2023 21]).

7.2.2 Sind Kinder involviert, ist bei der Interessenabwägung im Rahmen der Prüfung der Landes-
verweisung als wesentliches Element den Kindesinteressen und dem Kindeswohl Rechnung 
zu tragen (Urteil des Bundesgerichts 7B_729/2023 vom 20. November 2023 E. 2.1.3 m.H.). 

Seite 13/92

Nach Art. 12 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kin-
des (Kinderrechtskonvention, KRK; SR 0.107) sichern die Vertragsstaaten dem Kind, das 
fähig ist, sich eine eigene Meinung zu bilden, das Recht zu, diese Meinung in allen das Kind 
berührenden Angelegenheiten frei zu äussern, und berücksichtigen die Meinung des Kindes 
angemessen und entsprechend seinem Alter und seiner Reife. Nach Art. 12 Abs. 2 KRK wird 
dem Kind zu diesem Zweck insbesondere Gelegenheit gegeben, in allen das Kind berühren-
den Gerichts- oder Verwaltungsverfahren entweder unmittelbar oder durch einen Vertreter 
oder eine geeignete Stelle im Einklang mit den innerstaatlichen Verfahrensvorschriften 
gehört zu werden. Art. 12 KRK stellt einen direkt anwendbaren Rechtssatz dar. Wie sich aus 
dem Wortlaut von Art. 12 Abs. 2 KRK ergibt, ist allerdings eine persönliche Anhörung nicht in 
jedem Fall unerlässlich. Wenn die Kinder durch ihre Eltern vertreten werden und beider Inter-
essen gleichläufig sind, kann die Ansicht der Kinder auch ohne persönliche Anhörung durch 
ihre Eltern eingebracht werden, sofern der rechtserhebliche Sachverhalt auch ohne diese An-
hörung rechtsgenüglich festgestellt werden kann. Ist Letzteres der Fall, liegt auch keine Ver-
letzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör vor (Urteil des Bundesgerichts 2C_776/2022 
vom 14. November 2023 E. 3.2.1 m.w.H.). 

7.2.3 Vorliegend wurden mit dem Beschuldigten und P.________ beide Elternteile der Kinder be-
fragt. Beide haben sich zu den Auswirkungen einer Landesverweisung auf die beiden Kinder 
geäussert und konnten zu den Folgen der Massnahme auf das Kindeswohl Stellung nehmen 
(OG GD 32 S. 14 Ziff. 47-50, S. 22-23 Ziff. 93-96). Weitere Abklärungen dazu sind nicht er-
forderlich. Die Interessen des Beschuldigten, seiner Ehefrau und seiner Kinder sind sodann 
gleichgerichtet. Eine Befragung der 5- und 9-jährigen Kinder war zur Sachverhaltsfeststellung 
somit nicht notwendig. 

8. Gemäss Art. 82 Abs. 4 StPO kann das Gericht für die tatsächliche und die rechtliche Würdi-
gung des Anklagesachverhalts aus Gründen der Prozessökonomie auf die Begründung der 
Vorinstanz verweisen, wenn es dieser beipflichtet. Ein Verweis erscheint bei nicht streitigen 
Sachverhalten und abstrakten Rechtsausführungen sinnvoll, kommt hingegen bei strittigen 
Sachverhalten und Beweiswürdigungen sowie der rechtlichen Subsumtion des konkreten 
Falls nur dann in Frage, wenn den vorinstanzlichen Erwägungen (vollumfänglich) beigepflich-
tet wird (BGE 141 IV 244 E. 1.2.3). Der schlichte Verweis auf die Begründung der 
Vorinstanz gemäss dieser Bestimmung ist indes unzulässig, wenn gerade diese Begründung 
als unzutreffend gerügt wird (Urteil des Bundesgerichts 6B_183/2018 vom 31. Oktober 2018 
E 1.). Falls das Gericht nachfolgend in diesem Sinne von der Verweisungsmöglichkeit Ge-
brauch macht, wird Art. 82 Abs. 4 StPO jeweils nicht mehr separat aufgeführt.

II. Beweisverwertbarkeit

1. Sämtliche Einvernahmen des Beschuldigten sind vollumfänglich verwertbar. Es kann hierzu 
auf die zutreffenden Erwägungen des Kollegialgerichts verwiesen werden (OG GD 1 E. I.2 
und I.4 [S 2023 21]), zumal die Verteidigung im Berufungsverfahren nichts gegen die vorin-
stanzlichen Ausführungen vorbrachte. Die Einvernahmen von Q.________, R.________, 
S.________, T.________ und J.________ sind ebenfalls vollumfänglich verwertbar. Auch 
hier wird auf die zutreffenden, von der Verteidigung nicht beanstandeten Ausführungen des 
Kollegialgerichts verwiesen (OG GD 1 E. I.3.1, 3.3-3.6 [S 2023 21]). 

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2. Fraglich ist jedoch zunächst die Verwertbarkeit der Einvernahme von P.________, der Ehe-
frau des Beschuldigten. Diese wurde am 22. Oktober 2020 um 09:00 Uhr von der Zuger Poli-
zei im Auftrag der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau als Auskunftsperson befragt (act. 
1/2/10 f.; 2/2/56 ff. [1A 2018 713]). Es handelte sich somit um eine delegierte Einvernahme, 
womit die Teilnahmerechte nach Art. 147 StPO galten (Art. 312 Abs. 2 StPO), worauf die 
Staatsanwaltschaft in ihrem Auftrag an die Polizei auch ausdrücklich hingewiesen hatte (act. 
1/2/10 [1A 2018 713]). Weder der Beschuldigte noch sein Verteidiger waren bei der Einver-
nahme von P.________ anwesend. Aus den Akten ergibt sich auch nicht, dass der Beschul-
digte und/oder die Verteidigung vorgängig über diese Beweiserhebung orientiert wurden. 
Entsprechend ist ein (vorgängiger) Verzicht auf die Teilnahme ausgeschlossen. Die Einver-
nahme ist daher grundsätzlich nicht zulasten des Beschuldigten verwertbar (Art. 147 Abs. 4 
StPO). Es fragt sich, ob die Einvernahme dennoch ausnahmsweise zulasten des Beschuldig-
ten verwertbar ist, weil er keine Wiederholung der Einvernahme verlangt und damit auf die 
Teilnahme nachträglich verzichtet hat, wie es das Kollegialgericht annahm. 

2.1 Gemäss Art. 147 Abs. 3 StPO können die Partei oder ihr Rechtsbeistand die Wiederholung 
der Beweiserhebung verlangen, wenn der Rechtsbeistand oder die Partei ohne Rechtsbei-
stand aus zwingenden Gründen an der Teilnahme verhindert waren. Wird keine Wiederho-
lung verlangt, ist die Beweiserhebung verwertbar. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre-
chung kann auch im Nachhinein ausdrücklich oder stillschweigend auf die Teilnahme bzw. 
Konfrontation verzichtet werden. Der Beschuldigte kann den Behörden nach ständiger Recht-
sprechung grundsätzlich nicht vorwerfen, gewisse Zeugen zwecks Konfrontation nicht vorge-
laden zu haben, wenn er es unterlässt, rechtzeitig und formgerecht entsprechende Anträge 
zu stellen (BGE 143 IV 397 E. 3.3.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_1320/2020 vom 12. Ja-
nuar 2022 E. 4.2.3). Diese bundesgerichtliche Rechtsprechung betrifft – soweit ersichtlich – 
Fälle, in denen Zeugen (bzw. Auskunftspersonen) im polizeilichen Ermittlungsverfahren be-
fragt wurden, wo die Teilnahmerechte nicht gelten und damit StPO-konform durchgeführt 
wurden. Der nachträgliche Verzicht bezieht sich dabei lediglich auf das Konfrontationsrecht 
gemäss Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK, d.h. der Beschuldigte kann (nachträglich) darauf verzichten, 
dass eine parteiöffentliche Einvernahme der Zeugen durchgeführt wird, damit er diesen Er-
gänzungsfragen stellen kann. Im Übrigen ist festzuhalten, dass die Verwertbarkeit der Be-
weise von Amtes wegen zu prüfen ist, weshalb Beweise nicht nur dann unverwertbar sind, 
wenn eine Partei dies vorbringt. 

2.2 Vorliegend handelt es sich weder um einen Verzicht auf Wiederholung i.S.v. Art. 147 Abs. 3 
StPO noch um einen Verzicht auf das Konfrontationsrecht i.S. der zitierten Rechtsprechung. 
Da der Beschuldigte und sein Verteidiger gemäss den Akten nicht vorgängig über die Einver-
nahme von P.________ orientiert wurden, kann auch keine zwingende Verhinderung an der 
Teilnahme i.S.v. Art. 147 Abs. 3 StPO bestanden haben, welche einen Anspruch auf Wieder-
holung gegeben hätte, auf den verzichtet werden kann. Im Berufungsverfahren hat der Be-
schuldigte zwar eine Befragung seiner Ehefrau beantragt. Dieser Antrag erfolgte aber nicht 
aus dem Grund der Konfrontation mit ihren früheren Aussagen, sondern bezüglich der Lan-
desverweisung. Insofern verzichtete er auf sein Konfrontationsrecht bezüglich der früheren 
Aussagen. Daraus folgt aber nicht, dass die unverwertbare Einvernahme verwertbar wird. 
Denn dies würde darauf hinauslaufen, dass die Unverwertbarkeit nur anzunehmen ist, wenn 
sie von einer Partei geltend gemacht wird. Eine zeitliche Dringlichkeit bei der Befragung von 
P.________, welche allenfalls eine Einschränkung der Teilnahmerechte erlaubt hätte, be-

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stand überdies nicht (vgl. BGE 143 IV 397 E. 3.4.2). Hinzu kommt, dass unklar ist, ob zu Be-
ginn der Einvernahme eine rechtsgenügliche Rechtsbelehrung erfolgt ist. Aus dem Protokoll 
geht nicht hervor, dass P.________ über den Gegenstand des Strafverfahrens, wie in 
Art. 143 Abs. 1 lit. b StPO vorgesehen, orientiert wurde. Der entsprechende Abschnitt im Pro-
tokoll ist leer. Ob dieser Mangel zur Unverwertbarkeit der Einvernahme führen würde, kann 
vorliegend jedoch offenbleiben. Denn nach dem Gesagten darf die Einvernahme ohnehin we-
gen der Verletzung der Teilnahmerechte nicht zulasten des Beschuldigten verwertet werden. 

3. Die Verteidigung macht die Unverwertbarkeit der Beweise betreffend die Vorwürfe gemäss 
Anklageziffer 1.B.1 (Kokainveräusserungen an K.________) und 1.B.2 (Kokain im Dachhim-
mel) geltend. Sie begründet dies zusammengefasst damit, dass die Aussagen von 
K.________ [bei der polizeilichen Anhaltung] mangels Rechtsbelehrung gemäss Art. 158 
StPO nicht verwertbar seien. Ohne diese Aussagen wäre der Beschuldigte – so die Verteidi-
gung – nicht angehalten und festgenommen worden. Sämtliche nachfolgenden Beweiserhe-
bungen seien daher auch unverwertbar. Auch die Aussagen des Beschuldigten bei der Fest-
nahme seien mangels Rechtsbelehrung unverwertbar. Weiter sei die Durchsuchung des 
Fahrzeugs ZG .________ unzulässig gewesen, da weder eine gültige bzw. verwertbare Ein-
willigung des Beschuldigten noch ein Durchsuchungsbefehl vorgelegen habe (OG GD 32/5 
S. 4-8 [S 2023 21]). 

3.1 Die Verwertbarkeit von rechtswidrig erlangten Beweisen ist in Art. 141 StPO geregelt. Nach 
Abs. 1 sind Beweise, die in Verletzung von Art. 140 StPO erhoben wurden, in keinem Falle 
verwertbar. Dasselbe gilt, wenn die StPO einen Beweis als unverwertbar bezeichnet. Art. 158 
Abs. 2 StPO bestimmt, dass Einvernahmen ohne Hinweise gemäss Art. 158 Abs. 1 StPO 
nicht verwertbar sind. Beweise, die Strafbehörden in strafbarer Weise oder unter Verletzung 
von Gültigkeitsvorschriften erhoben haben, dürfen nicht verwertet werden, es sei denn, ihre 
Verwertung sei zur Aufklärung schwerer Straftaten unerlässlich (Art. 141 Abs. 2 StPO). Be-
weise, bei deren Erhebung Ordnungsvorschriften verletzt worden sind, sind hingegen ver-
wertbar (Art. 141 Abs. 3 StPO). Ob im Einzelfall eine Gültigkeits- oder eine Ordnungsvor-
schrift vorliegt, bestimmt sich (sofern das Gesetz die Norm nicht selber als Gültigkeitsvor-
schrift bezeichnet) primär nach dem Schutzzweck der Norm. Hat die Verfahrensvorschrift für 
die Wahrung der zu schützenden Interessen der betreffenden Person eine derart erhebliche 
Bedeutung, dass sie ihr Ziel nur erreichen kann, wenn bei Nichtbeachtung die Verfahrens-
handlung ungültig ist, liegt eine Gültigkeitsvorschrift vor (BGE 139 IV 128 E. 1.6). Ermög-
lichte ein Beweis, der nach Art. 141 Abs. 1 oder 2 StPO nicht verwertet werden darf, die Er-
hebung eines weiteren Beweises, so ist dieser nur dann verwertbar, wenn er auch ohne die 
vorhergehende Beweiserhebung möglich gewesen wäre (Art. 141 Abs. 4 StPO).

3.2 Polizeirapporte sind grundsätzlich ein zulässiges Beweismittel (Urteile des Bundesgerichts 
6B_1057/2013 vom 19. Mai 2014 E. 2.3, 6B_75/2023 vom 18. April 2023 E. 3.3.2). Allerdings 
kommt einem Polizeirapport nicht ohne weiteres Beweisqualität im Sinne von Art. 139 Abs. 1 
StPO zu. Es ist danach zu differenzieren, ob die im Rapport gemachten Feststellungen auf 
eigenen Wahrnehmungen des rapportierenden Polizeibeamten oder auf Angaben von Dritt-
personen beruhen. Soweit der Rapport eigene Wahrnehmungen des Polizeibeamten festhält, 
qualifiziert er sich als Wahrnehmungsbericht nach Art. 195 StPO und somit als Beweismittel 
gemäss Art. 139 Abs. 1 StPO. Hinsichtlich des Beweiswertes des entsprechenden Berichtes 
ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange nachvollziehbar, begründet und für das 

Seite 16/92

Gericht überzeugend ist. Basieren die Ausführungen im Polizeirapport hingegen nicht auf ei-
genen Wahrnehmungen des Polizeibeamten, sondern auf Angaben Dritter, handelt es sich 
nicht um einen amtlichen Bericht gemäss Art. 195 StPO. Vielmehr hält der Polizeibeamte in 
einem solchen Fall Informationen eines von ihm informell geführten Gesprächs fest. Bei 
formlosen polizeilichen Befragungen zum Beispiel im Rahmen einer Anhaltung oder an ei-
nem Unfallort ohne konkreten Tatverdacht, bei der es in erster Linie darum geht, die Rollen 
der Anwesenden im Geschehen abzuklären, ist keine vorgängige Rechtsbelehrung nach 
Art. 158 Abs. 1 StPO notwendig resp. führt eine fehlende Rechtsbelehrung nicht zu einer Un-
verwertbarkeit nach Art. 158 Abs. 2 StPO (Schmid/Jositsch, Handbuch des schweizerischen 
Strafprozessrechts, 3. A. 2017, N 859 Fn. 187 [nachfolgend: Schmid/Jositsch, Handbuch]; 
Godenzi, in: Donatsch et al. [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 
3. A. 2020, Art. 158 StPO N 39). Die formlosen Befragungen dürfen jedoch nicht gezielt zur 
Umgehung der Belehrungspflicht genutzt werden (Schmid/Jositsch, Handbuch, N 859 
Fn. 187). Die Abgrenzung, bis zu welchem Punkt die Polizei eine informelle Befragung ohne 
Rechtsbelehrung und ohne förmliche Protokollierung durchführen darf, kann im Einzelfall 
schwierig sein. Umstritten ist überdies die Zulässigkeit, ob die Polizei die Aussagen im Rah-
men der informellen Befragung im Polizeirapport sinngemäss und zusammengefasst wieder-
geben darf (bejahend: Schmid/Jositsch, Praxiskommentar Strafprozessordnung, 4. A. 2023, 
Art. 142 StPO N 7 [nachfolgend: Schmid/Jositsch, PK]; Häring, Basler Kommentar, 3. A. 
2023, Art. 142 StPO N 6; verneinend: Riklin, StPO-Kommentar, 2. A. 2014, Art. 142 StPO 
N 2). Solche informellen Gespräche sind zusammengefasst im Rahmen eines polizeilichen 
Ermittlungsverfahrens und jedenfalls vor Eröffnung der Strafuntersuchung zur Klärung eines 
allenfalls deliktsrelevanten Sachverhalts zwar möglich (Häring, a.a.O., Art. 142 StPO N 6), 
können eine förmliche Beweisabnahme jedoch nicht ersetzen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 
6B_1023/2016 vom 30. März 2017 E. 1.3.3).

3.3 Gemäss dem Polizeirapport vom 8. Mai 2018 gab K.________ bei der Personenkontrolle auf 
Vorhalt an, sie habe soeben ca. 1 Gramm Kokain bei der Person, welche sich mit dem Fahr-
zeug ZG .________ entfernt habe, erworben. Ferner ergibt sich aus dem Rapport, dass bei 
K.________ eine Portion Kokain sichergestellt wurde (act. 15/2-3; act. 1/1/15 [1A 2018 713]). 
Entgegen der Argumentation der Verteidigung handelt es sich hierbei nicht um von der Poli-
zei provozierte Aussagen. Unter dem im Rapport erwähnten "Vorhalt" ist nicht ein solcher zu 
verstehen, wie er regelmässig in Einvernahmen erfolgt (d.h. als Schilderung des vorgeworfe-
nen Sachverhalts oder Konfrontation mit Dokumenten oder Aussagen), sondern eine Infor-
mation über den Grund für die Personenkontrolle. Denn die Polizei hat die betroffene Person 
mindestens summarisch über den Grund der Anhaltung zu informieren (Schmid/Jositsch, PK, 
Art. 215 StPO N 9). So ist lebensnah davon auszugehen, dass K.________ über die mögli-
che Betäubungsmittelübergabe als Grund der Personenkontrolle unterrichtet wurde, worauf-
hin sie diese zugestand und das erworbene Kokain aushändigte. Wenn die Polizei die ange-
haltene Person in diesem Sinne entsprechend informiert und diese daraufhin Aussagen 
macht, kann nicht gesagt werden, die Polizei habe die Aussage provoziert, sodass sie nicht 
verwertbar sind. Die von K.________, nachdem sie über den Grund ihrer Anhaltung infor-
miert wurde, gemachten spontanen Aussagen sind demnach beweisrechtlich verwertbar. 

3.4 Der Verteidigung kann weiter nicht gefolgt werden, dass der Beschuldigte ohne die Aussa-
gen von K.________ nicht angehalten oder festgenommen worden wäre. Denn unabhängig 
von den Aussagen von K.________ bestand aufgrund der von der Polizei gemachten Beob-

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achtungen (komische Fahrmanöver, zweimal kurzes Anhalten, bei denen der Beschuldigte 
jeweils zu K.________ ging, aufgefundene Portion Kokain bei K.________ [act. 1/1/4; act. 
1/1/15; act. 15/2 [1A 2018 713]) ein Verdacht auf eine mögliche Straftat, in casu auf eine 
Drogenübergabe. Dies war auch der Grund, um K.________ zu kontrollieren. Dieser Ver-
dacht erlaubte ebenfalls die Anhaltung des Beschuldigten gestützt auf Art. 215 StPO. Für die 
Anhaltung des Beschuldigten war somit nicht vorausgesetzt, dass K.________ bei ihrer An-
haltung aussagte, vom Beschuldigten Kokain erhalten zu haben.

3.5 Zu den fraglichen Aussagen des Beschuldigten ergibt sich Folgendes aus den Akten: Im 
Rapport von U.________ vom 18. Juni 2018 steht, der Beschuldigte habe sich vor Ort spon-
tan geäussert, dass er ca. 100 Gramm Kokain im Fahrzeug mitführe und sich weitere ca. 100 
Gramm im Privatfahrzeug befinden würden. Es wird dabei auf die Aktennotiz von Wachtmeis-
ter V.________ verwiesen (act. 1/1/4 [1A 2018 713]). In der angesprochenen Aktennotiz vom 
9. Mai 2018 schrieb Wachtmeister V.________, der Beschuldigte habe während der Fest-
nahme bzw. auf Vorhalt, wo er seine Betäubungsmittel habe, "spontan" geäussert, das Ver-
steck sei beifahrerseitig unter dem Dachhimmel. Auf Nachfrage, wie viel er dort deponiert 
habe, habe er gesagt, es seien ca. 100 Gramm Kokain in Steinform (act. 1/1/15 [1A 2018 
713]). Es ist auch hier nicht protokolliert, dass der Beschuldigte gemäss Art. 158 StPO be-
lehrt wurde, bevor er Aussagen machte. Folglich muss davon ausgegangen werden, dass 
keine vorgängige Belehrung erfolgte. Diese Aussagen des Beschuldigten sind somit nur ver-
wertbar, wenn es sich um sogenannte Spontanaussagen bzw. eine zulässige informelle Be-
fragung handelte. Auch hier kann – entgegen der Auffassung der Verteidigung – nicht von 
Aussagen ausgegangen werden, die von der Polizei provoziert wurden. Im Rapport und in 
der Aktennotiz wurde der "Vorhalt" offensichtlich verkürzt wiedergegeben. Auch hier ging es 
um die Information des Beschuldigten über den Grund für die Anhaltung und wonach gesucht 
wird. Daraufhin hat der Beschuldigte offenbar geantwortet, die Betäubungsmittel seien im 
Dachhimmel versteckt. Die spontane Aussage des Beschuldigten, wo sich das "Drogenver-
steck" befindet, ist daher verwertbar. Ob dies auch für die Aussage gilt, dass es ca. 100 
Gramm Kokain in Steinform seien, kann offen gelassen werden, da diese für die weitere Be-
urteilung nicht relevant ist. 

3.6 Nach der Anhaltung und der Festnahme des Beschuldigten durchsuchte die Zuger Polizei 
das Fahrzeug ZG .________ und stellte verschiedene Gegenstände sicher, welche mit Be-
fehl der Staatsanwaltschaft vom 27. September 2021 beschlagnahmt wurden (act. 1/1/1 ff.; 
5/1/1 f.; 5/1/9 ff. [1A 2018 713]). Wie das Kollegialgericht zutreffend ausgeführt hat und auch 
die Verteidigung zu Recht vorbrachte, liegt kein (schriftlicher) Durchsuchungsbefehl der 
Staatsanwaltschaft für dieses Fahrzeug vor. Aus den Akten geht auch nicht hervor, dass die 
Staatsanwaltschaft die Durchsuchung mündlich angeordnet hatte. Es stellt sich daher die 
Frage, ob die Durchsuchung zulässig war und die dabei erhobenen Beweismittel verwertbar 
sind. 

3.6.1 Da der Beschuldigte unmittelbar nach einer beobachteten mutmasslichen Betäubungsmit-
telübergabe die eingesetzten Beamten selber auf die im Fahrzeug gelagerten Betäubungs-
mittel aufmerksam machte, ist die Durchsuchung – mit dem Kollegialgericht – als zulässig zu 
beurteilen und die erhobenen Beweise sind entsprechend verwertbar. Denn mit seiner An-
gabe, wo sich die Betäubungsmittel befinden, stimmte der Beschuldigte zumindest konklu-
dent der Durchsuchung des Fahrzeugs ZG .________ zu. Auch wenn es sich nicht um sein 
eigenes, sondern um das von ihm benutzte Geschäftsfahrzeug seines Arbeitgebers handelte, 

Seite 18/92

konnte der Beschuldigte rechtsgültig in die Durchsuchung des Fahrzeugs ZG .________ ein-
willigen. Denn der Beschuldigte ist als faktischer (Mit-)Inhaber des Fahrzeugs zu qualifizie-
ren. Da sich die Ermittlungen nie gegen den Arbeitgeber richteten, lief die Einwilligung durch 
den Beschuldigten auch nicht offensichtlich gegen die Interessen des Arbeitgebers, weshalb 
die Einwilligung des Beschuldigten als Mitinhaber genügt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 
6B_900/2015 vom 29. Januar 2016 E. 1.4.2). Da der Beschuldigte seine Zustimmung erteilte, 
bedurfte es keines Durchsuchungsbefehls der Staatsanwaltschaft (Urteile des Bundesge-
richts 6B_900/2015 vom 29. Januar 2016 E. 1.4.3; 6B_999/2021 vom 10. Oktober 2022 
E. 3.2). 

3.6.2 Selbst wenn eine Einwilligung des Beschuldigten verneint würde, wären die durch die Durch-
suchung erhobenen Beweise, im Sinne einer Eventualerwägung, vorliegend verwertbar. 
Mangels Gefahr in Verzug i.S.v. Art. 241 Abs. 3 StPO hätte die Durchsuchung zwar von der 
Staatsanwaltschaft angeordnet werden müssen. Die Voraussetzungen für eine Durchsu-
chung waren aber zweifellos erfüllt. Aufgrund der Beobachtungen der Polizei und des bei 
K.________ festgestellten Kokains bestand – unabhängig von den initialen Aussagen von 
K.________ und des Beschuldigten – der Verdacht auf Betäubungsmittelhandel. Entgegen 
der Verteidigung bestand somit nicht nur ein vager Verdacht. Da der Beschuldigte unmittel-
bar nach der Übergabe angehalten wurde, war zu vermuten, dass er weitere Betäubungsmit-
tel mit sich führt. Er hatte keine Gelegenheit und keinen Grund, diese allenfalls zwischenzeit-
lich zu beseitigen. Die Durchsuchung war auch klar verhältnismässig. Anhaltspunkte dafür, 
dass sich die Beamten vorsätzlich und rechtsmissbräuchlich über die gesetzliche Zuständig-
keitsordnung im Sinne von Art. 198 StPO hinwegsetzten bzw. den staatsanwaltschaftlichen 
Durchsuchungsbefehl bewusst nicht einholten, bestehen – entgegen der Ansicht der Verteidi-
gung – nicht. Es ist nicht erkennbar, inwiefern sich aus der Formulierung der Aktennotiz (act. 
1/1/15) ergeben soll, dass die Polizei den Durchsuchungsbefehl absichtlich und prozess-
rechtswidrig nicht eingeholt habe. Es sind auch keine Abweichungen zwischen der Aktenno-
tiz und dem Polizeirapport betreffend K.________ (act. 15/1) ersichtlich, wie es die Verteidi-
gung behauptet. Unter Berücksichtigung der konkreten Umstände stellt das Erfordernis des 
staatsanwaltschaftlichen Durchsuchungsbefehls im vorliegenden Fall eine blosse Ordnungs-
vorschrift im Sinne von Art. 141 Abs. 3 StPO dar (BGE 139 IV 128 E. 1.7). Demnach sind die 
bei der Durchsuchung des Fahrzeugs ZG .________ erhobenen Beweise verwertbar.

3.6.3 Schliesslich wären, im Sinne einer zweiten Eventualerwägung, die bei der Durchsuchung er-
hobenen Beweise auch verwertbar, wenn von der Verletzung einer Gültigkeitsvorschrift aus-
gegangen würde. Es geht vorliegend um eine qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäu-
bungsmittelgesetz i.S.v. Art. 19 Abs. 2 BetmG. Die Strafdrohung beträgt Freiheitsstrafe von 
einem Jahr bis zu 20 Jahren. Konkret geht es sodann um eine erhebliche Menge (ca. 198,3 
Gramm Kokaingemisch bzw. ca. 172 Gramm reines Kokain), die weit über der mengenmässi-
gen Grenze von 18 Gramm reinem Kokain für das qualifizierte Delikt liegt. Es ist somit eine 
schwere Straftat zu beurteilen. Die bei der Durchsuchung des Fahrzeugs ZG .________ er-
hobenen Beweismittel sind für die Aufklärung dieser Straftat unerlässlich. Folglich sind sie 
gemäss Art. 141 Abs. 2 StPO verwertbar. 

3.7 Die Einvernahmen von K.________ vom 8. Mai 2018 (ab 18.10 Uhr) und vom 11. Mai 2018 
sind sodann uneingeschränkt verwertbar. Es kann dazu auf die zutreffenden und unbestritten 

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gebliebenen Erwägungen des Kollegialgerichts verwiesen werden (OG GD 1 E. I.3.2 [S 2023 
21]). 

4. Weiter ist die Verwertbarkeit der Videoaufzeichnung vom 21. Oktober 2020 zu prüfen. Die Vi-
deoaufzeichnung wurde von der W.________ AG gestützt auf die Editionsverfügung der 
Staatsanwaltschaft vom 22. Oktober 2020 herausgegeben (act. 5/3/1 [1A 2018 713]). Sie 
wurde somit in korrekter Weise zu den Akten genommen. Zu prüfen ist jedoch, ob die Video-
aufzeichnung von der W.________ AG rechtmässig erstellt wurde. In Übereinstimmung mit 
dem Kollegialgericht ist die Datenbearbeitung durch die W.________ AG als rechtmässig zu 
beurteilen. Entsprechend ist die Videoaufzeichnung verwertbar. Auch hier kann auf die zu-
treffenden, von der Verteidigung nicht gerügten Ausführungen des Kollegialgerichts verwie-
sen werden (OG GD 1 E. I.6 [S 2023 21]). Anzufügen ist, dass am 1. September 2023 das 
neue Datenschutzgesetz (DSG) in Kraft getreten ist. Inhaltlich haben sich für die hier interes-
sierende Frage keine Änderungen ergeben. Überdies ist die Datenbearbeitung nach dem 
geltenden Recht im Zeitpunkt der Bearbeitung zu beurteilen. Es gibt keine Rückwirkung des 
neuen Rechts (vgl. die Übergangsbestimmungen Art. 69 ff. DSG). 

III. Allgemeines zur Beweiswürdigung

1. Der Richter würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen 
Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Er hat weder Beweisregeln noch einen numerus clausus 
der Beweismittel zu beachten, sondern soll einzig nach seiner persönlichen Überzeugung 
aufgrund gewissenhafter Prüfung darüber entscheiden, ob er eine Tatsache für bewiesen 
hält. Er ist dabei an den in der Anklageschrift umschriebenen Sachverhalt gebunden, nicht 
aber an dessen rechtliche Würdigung (Art. 9 Abs. 1; Art. 350 StPO), und auch nicht an die 
Anträge der Parteien. Die Organe der Strafrechtspflege sollen frei von Beweisregeln und nur 
nach ihrer persönlichen Überzeugung aufgrund gewissenhafter Prüfung der vorliegenden Be-
weise darüber entscheiden, ob sie eine Tatsache für bewiesen halten. Dabei sind sie freilich 
nicht nur der eigenen Intuition verpflichtet, sondern auch an (objektivierende) Denk-, Natur- 
und Erfahrungssätze sowie wissenschaftliche Erkenntnisse gebunden (BGE 144 IV 345 
E. 2.2.3.1).

2.
2.1 Nach Art. 10 Abs. 3 StPO geht das Gericht von der für die beschuldigte Person günstigeren 

Sachlage aus, wenn unüberwindliche Zweifel daran bestehen, dass die tatsächlichen Vor-
aussetzungen der "angeklagten Tat" erfüllt sind. Diese Bestimmung operationalisiert den ver-
fassungsmässigen Grundsatz der Unschuldsvermutung ("in dubio pro reo"). Sie verbietet es, 
bei der rechtlichen Würdigung eines Straftatbestands von einem belastenden Sachverhalt 
auszugehen, wenn nach objektiver Würdigung der gesamten Beweise ernsthafte Zweifel be-
stehen, ob sich der Sachverhalt tatsächlich so verwirklicht hat, oder wenn eine für die be-
schuldigte Person günstigere Tatversion vernünftigerweise nicht ausgeschlossen werden 
kann. Eine einfache Wahrscheinlichkeit genügt somit nicht. Auf der anderen Seite kann auch 
keine absolute Gewissheit verlangt werden; abstrakte und theoretische Zweifel sind kaum je 
ganz auszuräumen (BGE 144 IV 345 E. 2.2.1).

Seite 20/92

2.2 Der vorerwähnte "In-dubio-Grundsatz" wird indessen erst anwendbar, nachdem alle aus 
Sicht des Gerichts notwendigen Beweise erhoben und ausgewertet worden sind. Insoweit 
stellt er gerade keine Beweiswürdigungsregel dar. Im Falle einer uneinheitlichen, wider-
sprüchlichen Beweislage muss das Gericht die einzelnen Gesichtspunkte gegeneinander ab-
wägen und als Resultat dieses Vorgangs das Beweisergebnis feststellen. Eine tatbestands-
mässige, zum Schuldspruch beitragende Tatsache ist rechtserheblich festgestellt, sobald das 
Gericht erkennt, dass die Zuverlässigkeit des Beweisergebnisses nicht ernsthaft zu bezwei-
feln ist. Die freie Beweiswürdigung ermächtigt den Richter schon bei vernünftig scheinenden 
Zweifeln an der Schuld des Angeklagten, diesen freizusprechen. Mit Blick auf die Ausprä-
gung des In-dubio-Grundsatzes als Beweislastregel muss ein Sachverhalt nach Überzeu-
gung des Gerichts umgekehrt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erstellt sein, 
damit er dem Beschuldigten zur Last gelegt werden kann. Die "In-dubio-Regel" ist mithin eine 
Anforderung zum Beweismass. Für die richterliche Überzeugung ist ein jeden vernünftigen 
Zweifel ausschliessendes Urteil eines besonnenen und lebenserfahrenen Beobachters erfor-
derlich. Ein im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO relevanter Zweifel kann sich nicht nur aus dem 
Ergebnis der Beweiswürdigung bezüglich des Vorhandenseins oder Nichtvorhandenseins ei-
nes Lebenssachverhalts ergeben. Das Beweisergebnis kann auch darum zweifelhaft sein, 
weil es durch ernsthaft in Betracht fallende Sachverhaltsalternativen relativiert wird (BGE 144 
IV 345 E 2.2.3.2-4).

2.3 Sogenannte "Aussage-gegen-Aussage-Konstellationen", in welchen sich als massgebliche 
Beweise belastende Aussagen des mutmasslichen Opfers und bestreitende Aussagen der 
beschuldigten Person gegenüberstehen, führen nach dem Gesagten weder zwingend noch 
höchstwahrscheinlich zu einem Freispruch; erst wenn keine Aussage überzeugender als die 
andere erscheint und auch in Würdigung der übrigen Beweise und Indizien keine Überzeu-
gung für die eine oder andere Darstellung gewonnen werden kann, wirkt sich dies nach dem 
Grundsatz "in dubio pro reo" zugunsten einer beschuldigten Person aus (BGE 137 IV 122 
E. 3.3).

3.
3.1 Beim Abwägen von Aussagen ist zwischen der Glaubwürdigkeit einer Person und der Glaub-

haftigkeit ihrer Aussage zu unterscheiden. Während erstere die Grundlage dafür liefert, ob ei-
ner Person getraut werden kann, ist letztere für die im Prozess massgebende Entscheidung 
bedeutungsvoll, ob sich der behauptete Sachverhalt zugetragen hat oder nicht. Dabei kommt 
der allgemeinen beziehungsweise persönlichen Glaubwürdigkeit der einvernommenen Per-
son gegenüber der Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage eine vergleichsweise untergeord-
nete Rolle zu. Damit Aussagen als zuverlässig gewürdigt werden können, sind sie auf das 
Vorhandensein von Realitätskriterien und umgekehrt auf das Fehlen von Phantasiesignalen 
zu überprüfen (Urteil des Bundesgerichts 6B_77/2009 vom 4. Mai 2009 E. 3.6; Dittmann, Zur 
Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen, Plädoyer 2/1997 S. 32 f.). Verwandtschaftliche oder 
freundschaftliche Beziehungen zur Partei, die Abhängigkeit von ihr, Feindschaft, eigenes In-
teresse am Ausgang des Prozesses, Angst, Scham, Beeinflussung oder Einschüchterungen 
sind geeignet, die Aussage in eine bestimmte Richtung zu lenken und können ggf. als Indi-
zien für die Unglaubwürdigkeit angesehen werden.

3.2 Mit Bezug auf die Glaubhaftigkeit sind als Kennzeichen wahrheitsgetreuer Aussagen zu wer-
ten: innere Geschlossenheit und Folgerichtigkeit in der Darstellung des Geschehnisablaufes; 
konkrete und anschauliche Wiedergabe der Erlebnisse; Schilderung des Vorfalles in so cha-

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rakteristischer Weise, wie sie nur von demjenigen zu erwarten ist, der den Vorfall selbst er-
lebt hat; Vorhandensein einer hinreichenden Zahl von Realitätskriterien und das Fehlen von 
Lügensignalen; Kenntlichmachung der psychischen Situation von Täter und Zeuge; Selbstbe-
lastung oder unvorteilhafte Darstellung der eigenen Rolle; Entlastungsbemerkungen zuguns-
ten des Beschuldigten sowie Konstanz in der Aussage bei verschiedenen Befragungen. Indi-
zien für falsche Aussagen sind: Unstimmigkeit, grobe Widersprüche oder Strukturbrüche in 
den eigenen Aussagen; Zurücknahme oder erhebliche Abschwächung in den ursprünglichen 
Anschuldigungen; Über- oder Untertreibungen; unklare, verschwommene oder ausweichende 
Antworten sowie gleichförmige, eingeübt wirkende Aussagen (Bender, Die häufigsten Fehler 
bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, SJZ 81/1985 S. 53 ff.; Hauser, Der Zeugenbeweis 
im Strafprozess mit Berücksichtigung des Zivilprozesses, 1974, S. 313 ff.; zu den Realkenn-
zeichen, welche nach Steller/Köhnken eine Aussage glaubhaft erscheinen lassen, vgl. Lu-
dewig/Tavor/Baumer, Wie können aussagepsychologische Erkenntnisse Richtern, Staatsan-
wälten und Anwälten helfen?, AJP 2011 S. 1425).

3.3 Eine beschuldigte Person ist direkt vom Strafverfahren betroffen und hat daher grundsätzlich 
ein – durchaus legitimes – Interesse daran, Geschehnisse, Abläufe, Sachverhalte, Begeben-
heiten etc. in einem für sie günstigeren Licht zu schildern bzw. eine Situation beschönigend 
darzustellen, da sie im Falle einer Verurteilung mit Nachteilen im Sinne einer Sanktion zu 
rechnen hat. Dies allein bedeutet jedoch noch nicht, dass ihre Aussagen per se weniger 
glaubhaft wären als diejenigen von Drittpersonen. Sie sind aber unter diesem Gesichtspunkt 
und eingedenk der Interessenslage mit der notwendigen Vorsicht zu werten. Entsprechend 
hat auch die Aussage eines Zeugen oder einer Auskunftsperson nicht ohne weiteres grösse-
res Gewicht als die Aussage des Beschuldigten. Indessen gilt es bei formell und unter Wahr-
heitspflicht als Zeugen einvernommenen Personen zu beachten, dass sie sich im Falle einer 
Falschaussage der Gefahr eines Strafverfahrens nach Art. 307 StGB aussetzten; ihre Aussa-
gen dürfen daher nicht leichthin in Zweifel gezogen werden. Gleiches gilt für die Aussagen 
von Auskunftspersonen, welche vorgängig u.a. auf die Straffolgen einer falschen Anschuldi-
gung gemäss Art. 303 StGB hingewiesen wurden, drohte dieser Tatbestand doch bis zur 
Harmonisierung der Strafrahmen per 1. Juli 2023 immerhin eine Freiheitsstrafe von bis zu 20 
Jahren an.

4.
4.1 Das Gericht darf bei seiner Entscheidung auch indirekte, mittelbare Beweise, sogenannte 

Beweisanzeichen oder Indizien, d.h. Tatsachen, die einen Schluss auf eine andere, unmittel-
bar entscheiderhebliche Tatsache zulassen, berücksichtigen. Indizien sind sogar unentbehr-
lich zur Aufdeckung innerer Tatsachen wie des Vorsatzes. Dabei können einzelne Indizien 
praktisch mit Sicherheit auf ein Beweisthema hinweisen, während andere dies nur mit einer 
gewissen (mehr oder weniger grossen) Wahrscheinlichkeit tun. Es ist zulässig, aus der Ge-
samtheit der verschiedenen Indizien, welche je für sich allein betrachtet nur mit einer gewis-
sen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und inso-
fern Zweifel offen lassen, auf den vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat oder Täter zu 
schliessen. Somit ist der Indizienbeweis dem direkten Beweis gleichwertig. Der Indizienpro-
zess als solcher verletzt weder die Unschuldsvermutung noch die aus ihr abgeleiteten Teil-
rechte. Der Grundsatz "in dubio pro reo" ist dabei nur auf die ganze Beweisführung anwend-
bar, nicht jedoch auf einzelne Indizien (vgl. im Wesentlichen Urteil des Bundesgerichts 

Seite 22/92

6B_605/2016 vom 15. September 2016 E. 2.8 mit Hinweisen, aber auch ZR 106/2007 Nr. 46 
mit Hinweisen; Walder, Der Indizienbeweis im Strafprozess, ZStR 108/1991 S. 299 ff.).

4.2 Bei der Abschätzung des Wertes, den die für einen Umstand vorhandenen Indizien in ihrer 
Gesamtheit haben, kommt es in erster Linie auf deren Qualität an. Die Zahl der Indizien kann 
insofern eine gewisse Bedeutung haben, als die darauf gegründeten Schlussfolgerungen an 
Wahrscheinlichkeit gewinnen, je zahlreicher jene sind. Umgekehrt kann ein einziges, unzwei-
felhaftes Indiz für eine Verurteilung des Täters ausreichen, wenn die übrigen Indizien keines-
wegs alle schlüssig sind, untereinander aber nicht in Widerspruch stehen und mindestens 
geeignet sind, eine Täterschaft des betroffenen Beschuldigten als plausibel erscheinen zu 
lassen. Bei der Beurteilung, Einordnung, Bewertung und letztlich der/den Schlussfolge-
rung(en), welche daraus zur Überzeugung des Gericht gezogen werden, handelt es sich na-
turgemäss stets um einen weiten Ermessensentscheid des Gerichts. 

IV. Tatvorwurf der mehrfachen Gefährdung des Lebens (Anklageziffer 1.A)

1. Tatvorwurf gemäss Anklageschrift

Die Staatsanwaltschaft legt dem Beschuldigten in ihrer Anklageschrift vom 15. Februar 2022 
unter der Anklageziffer 1.A den folgenden Sachverhalt zur Last (SG GD 1/1):

"B.________ und J.________ verabredeten sich zu einem Treffen am 21.10.2020 nach 20:15 Uhr beim X.________ 

an der Y.________-Strasse 14 in I.________. B.________ lenkte den Geschäftslieferwagen der Marke Renault 

Kangoo, Kontrollschilder ZG .________, zu den Autowaschboxen, unmittelbar dahinter folgten ihm J.________ und 

T.________ im Alfa Romeo, Kontrollschilder AG .________. B.________ parkierte den Lieferwagen rückwärts in die 

erste Waschbox (die Nächste beim X.________), der Waschanlage «Carwash». T.________ parkierte den Alfa Ro-

meo vor den Lieferwagen von B.________, womit er diesem die Wegfahrt versperrte und stellte den Motor ab. Um 

20:26:18 Uhr (Videozeit) verliess J.________ auf der Beifahrerseite den Alfa Romeo und begab sich direkt zu 

B.________ in die Waschbox. Zirka 25 Sekunden später stieg T.________ aus dem Alfa Romeo und positionierte 

sich bei der Fahrertüre mit Blickrichtung Waschbox. Um 20:27:05 Uhr (Videozeit) kam J.________ aus der Wasch-

box und kehrte zum Alfa Romeo zurück, wo er auf der Motorhaube einen Gegenstand und seine Jacke deponierte. 

Daraufhin lief er wieder zu B.________ in die Waschbox. B.________ lief aus der Waschbox, zog um 20:28:23 (Vi-

deozeit) mit der rechten Hand eine geladene und schussbereite bzw. ungesicherte Faustfeuerwaffe (Pistole) aus 

dem Hosenbund, drehte sich zu J.________ um, der sich noch bei der Waschbox befand und schoss in einer Di-

stanz von zirka 2.5 Metern, aus der Hüfte und ungezielt, zirka 0.5 bis 1 Meter vor oder neben die Füsse von 

J.________, in den asphaltierten Boden, wobei das Projektil (mutmasslich 7.65 Geco Browning) oder Teile davon 

weder J.________ noch eine andere Person trafen. Dabei befand sich T.________ in nur zirka 4 Metern Entfer-

nung, zwischen B.________ und J.________, seitlich zur Schussrichtung, bei der Fahrertüre des Alfa Romeo’s. 

J.________ verliess um 20:28:28 Uhr (Videozeit) die Waschbox und lief einige Schritte auf B.________ zu. Die 

schussbereite bzw. ungesicherte Faustfeuerwaffe in den Händen haltend lief, B.________ einige Schritte rückwärts, 

worauf B.________ und J.________ die Positionen wechselten. J.________ lief allgemein in Richtung Heck des 

Alfa Romeo's und B.________ in Richtung Waschbox. Um 20:28:36 Uhr (Videozeit) hob B.________ kurz den rech-

ten Arm und schoss mit der geladenen Faustfeuerwaffe aus einer Distanz von zirka 2 Metern, auf Hüfthöhe und un-

gezielt zirka 0.5 bis 1 Meter vor, respektive leicht seitlich der Füsse von J.________ und in einer Distanz von weni-

ger als 5 Metern, seitlich an T.________, in den asphaltierten Boden, wobei das Projektil (mutmasslich 7.65 Geco 

Seite 23/92

Browning) oder Teile davon weder J.________ noch eine andere Person trafen. Bei mindestens einer der beiden 

Schussabgaben kam es zu einer Zerlegung des Projektils, wobei die Splitterteile über eine derart grosse Distanz 

vom Tatort weggeschleudert wurden, dass diese im Rahmen der polizeilichen Spurensicherung nicht mehr aufge-

funden werden konnten. 

Dabei brachte der Beschuldigte B.________ J.________ und T.________ in unmittelbare Lebensgefahr, da nach 

dem gewöhnlichen Verlauf der Dinge die Wahrscheinlichkeit oder nahe Möglichkeit des Todeseintritts bestand. 

B.________ lief zurück in die Waschbox und J.________ sowie T.________ stiegen in den Alfa Romeo ein. Um 

20:28:44 Uhr (Videozeit) verliessen T.________ und J.________ im Alfa Romeo in rasantem Tempo den Tatort, un-

mittelbar gefolgt von B.________, der um 20:28:51 Uhr (Videozeit) deren Verfolgung mit dem Geschäftslieferwagen 

aufnahm. 

Durch dieses Handeln hat der Beschuldigte bewusst und gewollt eine in rücksichtsloser Weise hervorgerufene, 

unmittelbare und sittlich zu missbilligende, ohne jeden vernünftigen Grund bewirkte und durch nichts zu 

rechtfertigende Gefahr für Leib und Leben der sich in der Nähe aufhaltenden Personen, insbesondere von 

J.________ geschaffen. Insbesondere J.________ und T.________ hätten durch Abpraller oder wegfliegende 

Projektilteile getroffen werden können, weshalb durch das Verhalten des Beschuldigten die nahe Möglichkeit des 

Todeseintritts für die sich dort aufhaltenden Personen, insbesondere J.________ bestand. Dies hat B.________ ge-

wusst und gewollt. B.________ handelte äusserst hemmungs- und rücksichtslos und liess jegliche Rücksicht auf 

das Leben anderer Menschen vermissen.

Dadurch hat sich B.________ der mehrfachen Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB strafbar ge-

macht, wofür er zu bestrafen ist."

2. Beweislage

Das Kollegialgericht hat die wesentlichen Aussagen des Beschuldigten und der Auskunfts-
personen bzw. Zeugen sowie die weiteren Beweismittel korrekt dargelegt. Es kann daher 
darauf verwiesen werden (OG GD 1 E. III.2 [S 2023 21]). Allfällige weitere bzw. detailliertere 
Darlegungen der Aussagen der verschiedenen Personen sowie die Darlegung der Aussagen 
des Beschuldigten an der Berufungsverhandlung erfolgen direkt im Rahmen der Beweiswür-
digung. 

3. Beweiswürdigung / Sachverhaltsfeststellung

3.1 Wie das Kollegialgericht zutreffend ausführte, ist der in der Anklageschrift unter Ziff. 1.A 
("mehrfache Gefährdung des Lebens") dargelegte äussere Sachverhalt in weiten Teilen 
durch die Aufzeichnung der Überwachungskamera des Restaurants X.________ sowie die 
im Kern übereinstimmenden Aussagen des Beschuldigten und von T.________, J.________ 
und S.________ erstellt. So ist unbestritten, dass es am 21. Oktober 2020 in I.________ 
beim X.________ und der Waschanlage an der Y.________-Strasse 14 zu einer Auseinan-
dersetzung gekommen ist, bei welcher der Beschuldigte, J.________ sowie T.________ an-
wesend waren. Unbestritten ist sodann, dass der Beschuldigte mit seinem weissen Liefer-
fahrzeug rückwärts in die Waschbox fuhr und T.________ sowie J.________ mit ihrem 
schwarzen Personenwagen seine Wegfahrt blockierten, da die Waschbox hinten geschlos-
sen ist. Nicht bestritten ist weiter, dass der Beschuldigte im Verlauf der Auseinandersetzung 

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zwei Schüsse in den Boden abgab, ohne dass Personen getroffen wurden. Im Kern letztlich 
unbestritten und auch auf den Videoaufnahmen ersichtlich ist schliesslich, dass der Beschul-
digte nach dem Vorfall mit seinem Fahrzeug dem Fahrzeug von T.________ und J.________ 
folgte. Nachfolgend ist auf die umstrittenen sowie auf die zentralen Punkte einzugehen. 

3.2 "Vorgeschichte" / Grund für das Treffen und die Mitnahme der Waffe

3.2.1 Der Beschuldigte sagte von Beginn an aus, er und J.________ hätten sich zu diesem Treffen 
vom 21. Oktober 2020 in I.________ verabredet (act. 2/1/23 Ziff. 15 f. [1A 2018 713]). Dies 
stimmt mit den Aussagen von T.________ überein (act. 2/2/39 Ziff. 19, 21; 2/3/5 Ziff. 23 [1A 
2018 713]). J.________ bestritt dies jedoch sowohl in der polizeilichen Einvernahme als auch 
zunächst in der Konfrontationseinvernahme (act. 2/2/48 Ziff. 21; act. 2/3/23 Ziff. 30 ff. [1A 
2018 713]). Er behauptete, er sei zufällig auf den Beschuldigten getroffen, dieser habe ihn 
provoziert, worauf es zur Auseinandersetzung gekommen sei (act. 2/2/47 ff. Ziff. 14, 38 ff. 
[1A 2018 713]). In der Konfrontationseinvernahme gab J.________ schliesslich zu, dass sie 
sich verabredet hatten (act. 2/3/24 f. Ziff. 44, 46 [1A 2018 713]). Als Grund für das Treffen 
vom 21. Oktober 2020 gaben der Beschuldigte (act. 2/1/25 Ziff. 39 f.; act. 2/1/49 Ziff. 52 ff. 
[1A 2018 713]; SG GD 7/2 S. 8; OG GD 32 S. 26-27 Ziff. 111, 117-118 [S 2023 21]) und 
J.________ (act. 2/3/24 Ziff. 44 [1A 2018 713]) übereinstimmend ein Aufeinandertreffen vom 
Vortag in N.________ an. Sie hätten dies klären wollen. Die Aussagen über das Geschehen 
anlässlich dieses Aufeinandertreffens in N.________ gehen jedoch auseinander, weshalb 
dies nachfolgend zu beleuchten ist.

3.2.2 Der Beschuldigte gab bei der polizeilichen Einvernahme vom 22. Oktober 2020 zusammen-
gefasst an, es sei in N.________ zu einer Prügelei zwischen ihm und J.________ gekom-
men. Dabei habe er [der Beschuldigte] Kratzer auf der linken Gesichtsseite erlitten. 
J.________ sei der Aggressor gewesen. Dieser habe ihm auch mit dem Tode gedroht (act. 
2/1/23-24 Ziff. 16 ff.; act. 2/1/30-31 Ziff. 89 ff. [1A 2018 713]). Diese Drohung erwähnte der 
Beschuldigte jedoch nicht bei der ersten Schilderung, sondern erst später bei der Frage, 
weshalb er am 21. Oktober 2020 eine Waffe mitgenommen habe. Der Grund für die Ausein-
andersetzung sei gewesen, dass er [der Beschuldigte] von J.________ CHF 50'000.00 gelie-
hen habe, um Schulden zu bezahlen, und J.________ befürchtet habe, dass er [der Beschul-
digte] dies nicht zurückzahle (act. 2/1/23-24 Ziff. 16; act. 2/1/26 Ziff. 41 ff. [1A 2018 713]). 
Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 2. November 2021 gab der Be-
schuldigte an, es sei am 20. Oktober 2020 in N.________ zu einer Auseinandersetzung ge-
kommen, bei der er von J.________ mit Fäusten geschlagen worden sei (act. 2/1/49 Ziff. 52 
ff. [1A 2018 713]). Indirekt gab er auch an, J.________ habe ihm dabei gedroht, die ganze 
Familie zu "zerhacken", weshalb er Angst gehabt habe und die Waffe zum Treffen vom 21. 
Oktober 2020 mitgenommen habe (act. 2/1/51 Ziff. 77 [1A 2018 713]). Als Grund für die Aus-
einandersetzung führte er aus, J.________ habe ihn beschuldigt, Geld aus dessen Haus ge-
stohlen zu haben. Er soll J.________ daher CHF 15'000.00 schulden (act. 2/1/49-51 Ziff. 61 
ff.; act. 2/1/57 Ziff. 134 [1A 2018 713]). Auf den Vorhalt, er habe bei der Polizei ausgesagt, 
von J.________ CHF 50'000.00 geliehen zu haben, um Schulden zu bezahlen, bestritt dies 
der Beschuldigte. Das sei von der Polizei falsch protokolliert oder verstanden worden. Er 
habe kein Geld genommen, um Schulden zu bezahlen, da er keine Schulden habe (act. 
2/1/52 Ziff. 83-87 [1A 2018 713]). Er bestritt auch, dass er J.________ CHF 50'000.00 aus ei-
nem Drogengeschäft schulde (act. 2/1/57-59 Ziff. 132-144 [1A 2018 713]).

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3.2.3 J.________ schilderte das Aufeinandertreffen vom 20. Oktober 2020 in N.________ anläss-
lich der Konfrontationseinvernahme vom 11. November 2021 zusammengefasst wie folgt: 
Der Beschuldigte habe ihn nach N.________ bestellt, damit sie sprechen könnten. Es seien 
drei bis vier Leute vor Ort gewesen und Autos mit italienischen Kontrollschildern. Es seien "2-
Meter Typen" gewesen, die zum Beschuldigten gehört hätten. Er [J.________] sei mit einer 
Kollegin vor Ort gewesen, an deren Namen erinnere er sich jedoch nicht. Einer der "2-Meter 
Typen" habe den Pullover hochgezogen und ihm [J.________] eine Waffe gezeigt. Er 
[J.________] habe geglaubt, dass sie ihn ausrauben wollten, da er damals mit viel Geld zu 
tun gehabt habe. Ein weisses Auto mit italienischen Kontrollschildern habe ihm die Wegfahrt 
versperrt, weshalb er bei seiner Flucht über den Rasen zwischen einer Schranke und einem 
Stein hindurch habe fahren müssen und dabei am Stein sein Auto seitlich zerkratzt habe (act. 
2/3/24 Ziff. 38 ff. [1A 2018 713]). Seine Kollegin habe aufgrund des Vorfalls die ganze Nacht 
geweint (act. 2/3/56 Ziff. 56 [1A 2018 713]). Weiter bestritt J.________, dass der Beschul-
digte ihm Geld schulde. Der Beschuldigte habe das erfunden, um die Schüsse auf ihn zu er-
klären (act. 2/3/25 Ziff. 49 ff. [1A 2018 713]).

3.2.4 Der Beschuldigte bekräftigte an der Konfrontationseinvernahme, dass er J.________ Geld 
schulde und dies der Grund des Streits gewesen sei. Am Treffen vom 20. Oktober 2020 sei 
er [der Beschuldigte] allein gewesen (act. 2/3/25-26 Ziff. 52-54 [1A 2018 713]). An der Haupt-
verhandlung vor dem Kollegialgericht am 4. Juli 2023 gab der Beschuldigte zu Protokoll, 
J.________ habe behauptet, er [der Beschuldigte] schulde ihm CHF 50'000.00, die er ge-
stohlen habe. Beim Streit am 20. Oktober 2020 habe ihn J.________ angegriffen und ihm ge-
droht, er werde seine [des Beschuldigten] ganze Familie "zerhacken". Er habe deswegen 
Angst/Todesangst gehabt und die ganze Nacht nicht geschlafen. Deshalb habe er auch die 
Waffe zur Verteidigung zum Treffen vom 21. Oktober 2020 mitgenommen bzw. um 
J.________ zu erschrecken. Er habe niemanden töten oder verletzen wollen. Es sei nicht ge-
plant gewesen, diese auch einzusetzen (SG GD 7/2 S. 6 ff.). An der Berufungsverhandlung 
sagte der Beschuldigte zur Auseinandersetzung vom 20. Oktober 2020 zusammengefasst 
aus, J.________ habe ihn beschuldigt, Geld aus der Schublade in dessen Wohnung gestoh-
len zu haben, was aber nicht stimme. Er habe dies J.________ gesagt. Danach sei 
J.________ nach Hause gegangen und sie hätten ein zweites Treffen vereinbart (OG GD 32 
S. 26 f. Ziff. 111-117 [S 2023 21]). 

3.2.5 Die Aussagen des Beschuldigten zum Vorfall vom 20. Oktober 2020 in N.________ sind we-
nig detailliert. Auffallend ist, dass er bei seinen Schilderungen nie direkt erklärte, von 
J.________ mit dem Tode bedroht worden zu sein bzw. dass dieser gedroht habe, seine Fa-
milie zu "zerhacken". Die Drohung erwähnte er jeweils erst bei den Fragen, weshalb er am 
21. Oktober 2020 eine Waffe mitgenommen habe. Es wäre grundsätzlich zu erwarten gewe-
sen, dass der Beschuldigte die Drohungen von J.________ direkt und klar geschildert hätte, 
zumal diese gemäss seinen Aussagen massiv gewesen, ihn in Todesangst versetzt und letzt-
lich zum Treffen vom 21. Oktober 2020 geführt haben sollen. Zu seinen (angeblichen) Schul-
den gegenüber J.________ äusserte sich der Beschuldigte – wie aufgezeigt – widersprüch-
lich. Nachdem er zunächst (sinngemäss) von einem Darlehen über CHF 50'000.00 sprach, 
gab er dann an, J.________ beschuldige ihn, CHF 15'000.00 gestohlen zu haben, bevor er 
schliesslich von CHF 50'000.00 sprach, die er gestohlen haben soll. In Übereinstimmung mit 
dem Kollegialgericht erscheint es nicht glaubhaft, dass seine erste Aussage vom 22. Oktober 

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2020 im Protokoll falsch vermerkt worden ist. Denn mehrere Fragen betrafen das Darlehen 
und der Beschuldigte bestätigte auch auf Vorhalt, dass er die CHF 50'000.00 geliehen habe 
(act. 2/1/26 Ziff. 41-45 [1A 2018 713]). Weiter hat der Beschuldigte das Protokoll selbst gele-
sen und unterzeichnet. Auch der anwesende Verteidiger intervenierte nicht. Sodann können 
auch die Sprachkenntnisse des Beschuldigten hierbei keine Rolle gespielt haben. Das Ge-
richt konnte sich an der Berufungsverhandlung überzeugen, dass er Schweizerdeutsch 
spricht. Schliesslich ist auch seine Aussage, wonach er kein Geld von J.________ genom-
men habe, um Schulden abzuzahlen, weil er keine Schulden gehabt habe (act. 2/1/52 Ziff. 87 
[1A 2018 713]), nicht glaubhaft. Denn im März 2019 gab der Beschuldigte noch an, 
CHF 12'000.00 Schulden zu haben (act. 2/1/14 Ziff. 8 [1A 2018 713]). Im Mai 2019 bezifferte 
er seine Schulden auf CHF 7'000.00 bis CHF 8'000.00 (act. 2/1/18 Ziff. 9 [1A 2018 713]). 
Und im November 2021 beliefen sich seine Schulden auf insgesamt CHF 70'000.00 bis 
CHF 80'000.00 (act. 2/1/67-68 Ziff. 219-222 [1A 2018 713]). Diese Schulden dürften sich an-
gesichts der Höhe kaum erst nach dem Oktober 2020 angehäuft haben. Vielmehr ist davon 
auszugehen, dass der Beschuldigte im damaligen Zeitpunkt beträchtliche Schulden hatte, 
weshalb die Aufnahme eines Darlehens, um Schulden abzuzahlen, plausibel erscheint. Die 
Erklärung der Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung, der Beschuldigte habe be-
treffend die Summe widersprüchlich ausgesagt, um zu verhindern, dass J.________ eine 
Schuldanerkennung erhalte (OG GD 32/5 S. 10 [S 2023 21]), überzeugt nicht. Denn der Be-
schuldigte sagte nicht nur bezüglich des Betrags widersprüchlich aus, sondern auch über 
den Grund für diese angebliche Schuld (Darlehen oder Diebstahl). Für die Richtigkeit seiner 
Schilderung der Auseinandersetzung in N.________ spricht hingegen, dass er leichte Kratzer 
im Gesicht aufwies, wie die Fotos der erkennungsdienstlichen Erfassung zeigen (act. 13/39 
ff. [1A 2018 713]). Die Kratzer hatte er in der polizeilichen Einvernahme erwähnt (act. 2/1/24 
Ziff. 18 [1A 2018 713]). 

3.2.6 Die Angaben von J.________ über den Vorfall vom 20. Oktober 2020 in N.________ sind 
demgegenüber sehr detailliert. So beschrieb er die Örtlichkeit des Treffens genau, nannte die 
Farbe des Autos, das ihm die Wegfahrt versperrte, und äusserte mit dem Zerkratzen seines 
Autos bei seiner Flucht ein nebensächliches Detail. Zu berücksichtigen ist, dass J.________ 
diese Aussagen spontan machte, da er zunächst das Treffen vom 20. Oktober 2020 bestritt. 
Es ist daher nicht davon auszugehen, dass er seine Aussage lange im Voraus zurechtlegen 
konnte. Auf der anderen Seite spricht aber gerade der Umstand, dass J.________ zuerst so-
wohl bestritten hatte, sich mit dem Beschuldigten am 21. Oktober 2020 verabredet zu haben, 
als auch, dass es am 20. Oktober 2020 bereits zu einem Aufeinandertreffen gekommen war, 
gegen die Richtigkeit seiner Aussagen. Für J.________ spricht hingegen wieder eine Aus-
sage der Auskunftsperson S.________. Diese sagte aus, sie habe bei der Auseinanderset-
zung bei der Waschbox gehört, wie ein Mann gesagt habe "du hesch mini Frau zum brüelle 
brocht" (act. 2/2/31 Ziff. 12 [1A 2018 713]). Diese Äusserung passt zur Schilderung von 
J.________, wonach seine Kollegin, welche in N.________ dabei gewesen sei, danach die 
ganze Nacht geweint habe (act. 2/3/56 Ziff. 56 [1A 2018 713]). 

3.2.7 Gegen die Version des Beschuldigten, wonach er aufgrund der Auseinandersetzung vom 
Vortag Todesangst gehabt habe, spricht zunächst das vereinbarte Treffen vom 21. Oktober 
2020. Es ist in keiner Weise nachvollziehbar, dass er sich trotz Todesangst mit J.________ 
treffen wollte (SG GD 7/2 S. 8 f.; vgl. OG GD 32 S. 28 Ziff. 120 [S 2023 21]). Auch der Um-
stand, dass er in die Waschbox fuhr und dadurch ermöglichte, dass ihm der Fluchtweg ver-

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sperrt wird, spricht gegen eine vorgängige Todesangst. Wenn er tatsächlich Todesangst ge-
habt hätte, wäre zu erwarten gewesen, (1.) dass er sich nicht persönlich bei Dunkelheit vor 
Ort begibt, (2.) dass er – wenn schon – einen von anderen Menschen mehr frequentierten 
bzw. besser überblickbaren Ort für ein Treffen wählt, (3.) allenfalls einen Begleiter mitnimmt 
und (4.) dass er sein Fahrzeug so abstellt, dass er jederzeit wegfahren bzw. dass ihn nie-
mand zuparken kann. In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 2. November 2021 
erklärte der Beschuldigte auf die Frage, weshalb er nicht auf dem Parkplatz geblieben sei, 
wenn er doch gewusst habe, dass es gefährlich werde, er sei in die Waschbox gefahren, um 
das Auto zu waschen, da er nicht genau gewusst habe, wann sie kommen würden. Auf die 
Frage, weshalb er auf dem Parkplatz des X.________ gewartet habe, erklärte er, er sei dort-
hin gegangen, um auf sie zu warten und weil sie nicht gekommen seien, sei er in die Wasch-
box gegangen (act. 2/1/60 Ziff. 158, 160 [1A 2018 713]). An der Konfrontationseinvernahme 
mit T.________ antwortete der Beschuldigte auf die Frage, weshalb er in die Waschbox ge-
fahren sei, dass er gedacht habe, er sei zu früh dort und könne die Zeit nutzen, um das Auto 
zu waschen (act. 2/3/5 Ziff. 28 [1A 2018 713]). Diese Aussagen entkräften den erwähnten 
Widerspruch nicht. Denn auch wenn er zu früh dort gewesen sein sollte, musste der Beschul-
digte jederzeit damit rechnen, dass J.________ auftaucht, da er gemäss eigenen Aussagen 
nicht genau gewusst habe, wann dieser eintreffe. Die Videoaufnahme zeigt zudem, dass der 
Beschuldigte relativ direkt in die Waschbox gefahren ist. Sein Fahrzeug ist ab 08:24:53 (Vi-
deozeit) auf der Videoaufnahme zu sehen. Er fährt auf den Parkplatz und hält dort am Rand 
für ca. 15 Sekunden an, bevor er in die Waschbox fährt. Entgegen seiner Aussage vom 
2. November 2021 wartete er somit nicht zunächst auf dem Parkplatz auf J.________ und er 
hatte auch nie die Absicht, sein Auto zu waschen. Auf der Aufnahme ist auch erkennbar, 
dass unmittelbar nachdem der Beschuldigte anhielt, die Scheinwerfer des Fahrzeugs von 
T.________ aufleuchteten, welches einige Meter dahinter parkiert war, und dieser losfährt. 
Dies spricht dafür, dass alle Beteiligten wussten, dass sie jetzt alle am vereinbarten Ort bei 
den Waschboxen eingetroffen sind. 

3.2.8 Auch wenn J.________, ein rechtskräftig verurteilter Drogenhändler (d.h. Kokainhandel im 
Kilobereich, vgl. act. 14/2/12 ff. [1A 2018 713]), zunächst abstritt, sich mit dem Beschuldigten 
verabredet zu haben und dass es am Vortag bereits zu einem Treffen gekommen war, sind 
seine späteren Aussagen zum Geschehen vom 20. Oktober 2020 in N.________ glaubhaft. 
Deshalb und weil die Aussagen des Beschuldigten in zahlreichen Punkten – wie gezeigt und 
wie betreffend weitere Sachverhaltsteile noch aufzuzeigen ist – widersprüchlich und nicht 
nachvollziehbar sind, ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte am 20. Oktober 2020 
nicht mit dem Tode bedroht wurde bzw. J.________ nicht drohte, die ganze Familie des Be-
schuldigten zu "zerhacken". Denn gerade diesen Ausdruck verwendete der Beschuldigte auf 
stereotype Art und Weise bei mehreren verschiedenen Situationen, bei denen er eine Bedro-
hung geltend machte (u.a. auch beim Vorfall vom 21. Oktober 2020, vgl. nachfolgend, 
E. IV.3.4.2). Folglich ist die Aussage des Beschuldigten, er habe Todesangst gehabt und 
deshalb die Waffe zum Treffen vom 21. Oktober 2020 mitgenommen, als Schutzbehauptung 
zu qualifizieren. Ihm ist jedoch nicht nachzuweisen, dass er die Waffe bereits in der Absicht 
mitnahm, sie auch effektiv einzusetzen. Entsprechendes wird auch nicht in der Anklageschrift 
umschrieben.

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3.3 Waffenkenntnisse des Beschuldigten

3.3.1 Der Beschuldigte sagte konstant und widerspruchsfrei aus, dass er die Waffe im Wald in der 
Nähe der .________ in N.________ gefunden habe (act. 2/1/31 Ziff. 94 ff.; act. 2/1/45 Ziff. 10 
ff. [1A 2018 713]; SG GD 7/2 S. 10, 20). Auch gab er konstant an, sich mit Waffen und dem 
Umgang mit diesen nicht auszukennen (act. 2/1/45 Ziff. 8-9 [1A 2018 713]; SG GD 7/2 S. 10 
f.). Widersprüchlich sind jedoch seine Aussagen zur Frage, ob er wusste, dass die Waffe 
funktioniert und wie viel Munition eingelegt war. Bei der polizeilichen Einvernahme vom 
22. Oktober 2020 sagte der Beschuldigte aus, dass die Waffe funktioniert habe. Er habe das 
Magazin rausgenommen und sie "leer" ausprobiert. Im Magazin habe es zwei Patronen ge-
habt (act. 2/1/31 Ziff. 101-103 [1A 2018 713]). Bei der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme 
vom 2. November 2021 gab er hingegen an, er habe nicht gewusst, ob die Waffe funktio-
niere. Auch habe er nicht gewusst, wie viel Munition in der Waffe gewesen sei, weil er die 
Pistole nicht habe aufmachen können; er kenne sich zu wenig aus (act. 2/1/45 f. Ziff. 17, 25 
ff. [1A 2018 713]). Auf Vorhalt seiner anderslautenden Aussagen bei der Polizei, gab er an, 
es stimme nicht, dass er die Waffe leer ohne Magazin ausprobiert habe. Er habe die Waffe 
nicht öffnen können. Auf die Frage, wie er bei der Polizei habe aussagen können, es seien 
zwei Schuss Munition in der Waffe gewesen, wenn er die Waffe doch gar nicht habe öffnen 
können, erklärte der Beschuldigte, er habe direkt nach den ersten beiden Schüssen ein drit-
tes Mal abgedrückt, es sei aber nicht mehr gegangen [d.h. es kam kein Schuss] (act. 2/1/48 
Ziff. 48-50 [1A 2018 713]). Vor dem Kollegialgericht gab der Beschuldigte ebenfalls zu Proto-
koll, nicht gewusst zu haben, ob die Waffe überhaupt funktioniere und ob sie Munition drin 
habe. Er habe die Waffe nicht aufgemacht (SG GD 7/2 S. 8, 10 f.). Auf die Frage, wie oft er 
abgedrückt habe, antwortete er, er habe nur zwei Mal abgedrückt. Die Frage, warum er nur 
zwei Mal abgedrückt habe, wenn er nicht gewusst habe, wie viele Patronen drin gewesen 
seien, beantwortete er wie folgt: "Ich habe einfach zwei Mal abgedrückt und zwei Mal kam 
es" (SG GD 7/2 S. 11). An der Berufungsverhandlung sagte der Beschuldigte aus, es seien 
zwei Patronen in der Waffe gewesen. Auf die Frage, woher er das wisse, gab er an, er habe 
zweimal geschossen und das dritte Mal sei es nicht mehr gegangen. Auf direkte Nachfrage 
bestritt er jedoch ein drittes Mal den Abzug gedrückt zu haben (OG GD 32 S. 28 f Ziff. 123-
128 [S 2023 21]). Auch auf die späteren Ergänzungsfragen des Staatsanwalts hin verneinte 
der Beschuldigte, ein drittes Mal abgedrückt zu haben. Er konnte aber nicht erklären, wie er 
gemerkt habe, dass die Waffe nach den zwei Schüssen nicht mehr funktioniert habe (OG GD 
32 S. 30 Ziff. 132-134 [S 2023 21]).  

3.3.2 Die späteren Aussagen des Beschuldigten, wonach er nicht gewusst habe, ob die Waffe 
funktioniere sowie ob und wie viel Munition drin sei, sind nicht glaubhaft bzw. sind klar un-
wahr. In der ersten Einvernahme, welche kurz nach der Tat stattfand, sagte er klar und un-
missverständlich aus, er habe die Waffe ausprobiert und es seien zwei Patronen im Magazin 
gewesen. Dass er ein drittes Mal abgedrückt habe, bestätigte er an der vorinstanzlichen 
Hauptverhandlung auf ausdrückliche Nachfrage nicht (SG GD 7/2 S. 11). An der Berufungs-
verhandlung sagte er zunächst aus, er habe ein drittes Mal abgedrückt, bestritt dies dann 
aber vehement (OG GD 32 S. 28-30 [S 2023 21]). Eine versuchte dritte Schussabgabe ist 
aufgrund dieses Aussageverhaltens nicht glaubhaft. Es ist offensichtlich, dass der Beschul-
digte hier die Unwahrheit sagte. Es ist auch nicht nachvollziehbar, dass er eine Waffe zu ei-
nem Treffen mitnimmt, ohne zu wissen, ob sie funktioniert und geladen ist. Der Beschuldigte 
wusste somit zweifellos, dass die Waffe funktioniert und geladen ist.

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3.4 Vorgänge in der Waschbox

3.4.1 Umstritten ist, was in der Waschbox, d.h. vor den beiden Schüssen, vorgefallen ist. Das Ge-
schehen in der Waschbox ist auf der Videoaufzeichnung nicht ersichtlich. 

3.4.2 Der Beschuldigte sagte an der polizeilichen Einvernahme vom 22. Oktober 2020 aus, 
J.________ habe ihn wieder angegriffen und zugeparkt. J.________ sei wütend zu ihm ge-
kommen und habe ihn mit der Hand im Gesicht gepackt. Dieser sei voller Wut und Hass ge-
wesen. J.________ habe gedroht, dass er ihn [den Beschuldigten] und die Familie umbrin-
gen werde (act. 2/1/25 Ziff. 37-38 [1A 2018 713]). Chronologisch beschrieb er den Ablauf wie 
folgt: "Ich fuhr hin. Sie fuhren vor mir. Ich fuhr retour in die Waschanlage und sie parkierten 
mich retour zu und verschlossen meinen Ausgang. J.________ stieg aus und öffnete meine 
Türe. Der Andere [T.________] stieg auch aus und kam zu mir. J.________ fasste mir in die 
Augen und biss sich auf die Zähne. Er war voller Hass. Ich ging auf die Seite und wollte die 
Situation schildern. Er wollte nicht hören, weil er wütend war. Er drohte mir, dass er meine 
Familie zerhacken würde. Ich wollte einen Schlussstrich ziehen und sagen, dass nun fertig 
sei" (act. 2/1/26 Ziff. 49 [1A 2018 713]). Auf die Ergänzungsfrage seines Verteidigers, was in 
der Box passiert sei, nachdem J.________ die Jacke ausgezogen habe, antwortete der Be-
schuldigte, dieser sei auf ihn voller Wut und Hass zugekommen und habe mit den Fingern in 
seine Augenhöhle gegriffen. Er [J.________] sei nochmals gekommen und habe gedroht und 
gedroht. Der zweite sei auch nochmals gekommen (act. 2/1/36 Ziff. 152 [1A 2018 713]). An 
der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme am 2. November 2021 schilderte der Beschuldigte 
die Ereignisse in der Waschbox zusammengefasst wie folgt: Er sei in die Waschbox gegan-
gen und J.________ sei zum Fenster der Fahrerseite gekommen und habe ihn aufgefordert 
auszusteigen. Dann habe ihn J.________ aus dem Auto gezerrt, begonnen ihn [den Beschul-
digten] mit einer Hand neben den Augenhöhlen zu fixieren und ihn gegen die Ecke zu drü-
cken/stossen. In dem Moment sei sein Kollege [T.________] aus dem Fahrzeug gekommen 
und in seine [des Beschuldigten] Nähe gekommen. Er [der Beschuldigte] habe nicht gewusst, 
was passieren werde, weil J.________ gedroht habe, ihn und seine Familie zu "zerhacken" 
(act. 2/1/60 Ziff. 154, 164 f. [1A 2018 713]). An der vorinstanzlichen Hauptverhandlung gab 
der Beschuldigte zu Protokoll, J.________ habe ihn aus dem Auto gezerrt und mit beiden 
Fingern in seine Augenhöhle gedrückt und ihn an die Wand gedrückt. J.________ habe ihn 
aggressiv angegriffen (SG GD 7/2 S. 8, 10). Auf die Ergänzungsfrage des Staatsanwalts gab 
der Beschuldigte an, J.________ habe gedroht, dass er seine [des Beschuldigten] Familie 
"zerhacken" werde. Er [der Beschuldigte] habe sich gewehrt und J.________ mit den Händen 
weggestossen (SG GD 7/2 S. 13 f.). An der Berufungsverhandlung sagte der Beschuldigte 
zusammengefasst au