# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0687e38d-71be-5b67-8276-427845656fdd
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-06-27
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Kantonsgericht Strafkammer und Anklagekammer 27.06.2019 ST.2018.87 / ST.2018.91
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_KG_001_ST-2018-87---ST-2018_2019-06-27.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: ST.2018.87 / ST.2018.91

Stelle: Kantonsgericht

Rubrik: Strafkammer und Anklagekammer

Publikationsdatum: 30.10.2019

Entscheiddatum: 27.06.2019

Entscheid Kantonsgericht, 27.06.2019
Art. 123 Ziff. 1 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB (SR 311.0). Versuchte einfache 
Körperverletzung. Angemessenheit der Abwehr. Unterbrechung Kausalität. 
Ein Faustschlag direkt ins Gesicht des angetrunkenen Opfers, das 
bedrohlich auf den Täter zugeht, ist als erste Abwehrreaktion nicht 
angemessen (E.6.c/bb). Dem Beschuldigten können objektiv nur diejenigen 
Verletzungen zugerechnet werden, welche durch seinen Faustschlag und 
den dadurch erfolgten (ersten) Sturz verursacht wurden. Für die weiteren 
Stürze bzw. die dadurch verursachten Verletzungen durch Personen, die 
dem Opfer helfen wollten und es fallen liessen, kann er nicht mehr 
verantwortlich gemacht werden. Darin liegen aussergewöhnliche Umstände, 
mit denen nicht gerechnet werden muss und die zur Unterbrechung der 
Kausalität führen (E.5.b/cc) (Kantonsgericht, Strafkammer, 27. Juni 2019, ST.
2018.87 und ST.2018.91).

Zum Sachverhalt:

 

X. (Beschuldigter) wird zur Last gelegt, am (…), um ca. (…) Uhr, Y. (Privatkläger) mittels 

Körpergewalt ("Schwitzkasten") während einer Veranstaltung aus dem Clublokal der A. 

(Motorradgruppe) in B. befördert zu haben. Kurze Zeit später sei der Privatkläger vor 

dem Lokal auf den Beschuldigten zugegangen, um ihn zu schlagen und zu stossen. 

Der Beschuldigte habe dies mit einem Faustschlag auf die linke Gesichtshälfte des 

Privatklägers abgewehrt, worauf der Privatkläger unter anderem mit seiner rechten 

Gesichtshälfte auf die asphaltierte Strasse geprallt sei. Nachdem ihm zwei Frauen 

aufgeholfen hätten, sei er ohne Fremdeinwirkung erneut rechtsseitig auf seinen 

Hinterkopf zu Boden gefallen. Der Privatkläger hat sich gemäss der einen Tag später 

erfolgten klinischen Untersuchung sowie weiteren Abklärungen zufolge verschiedene, 

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nicht lebensgefährliche Verletzungen zugezogen, welche eine mehrwöchige 

Arbeitsunfähigkeit zur Folge hatten.

 

Aus den Erwägungen:

 

III.

[…]

5. a/aa)

[…]

hh) Zusammenfassend ist aufgrund des Dargelegten und u.a. auch gestützt auf die 

Darstellung des Beschuldigten, von der wie erwähnt im Zweifel auszugehen ist, von 

folgendem Sachverhalt auszugehen: Kurz nach dem Rauswurf ging der Privatkläger in 

bedrohlicher Weise auf den Beschuldigten los. Dies wehrte Letzterer ab, indem er den 

Privatkläger mit seiner rechten Faust auf den linken Kiefer traf. Dabei holte er nicht mit 

der Faust aus. Der Schlag wurde mittelhart ausgeführt. Nach dem Schlag ist der 

Privatkläger u.a. mit seiner rechten Gesichtshälfte auf die asphaltierte Strasse geprallt. 

Nachdem zwei Frauen versuchten, ihm aufzuhelfen, ihn jedoch nicht richtig halten 

konnten, erfolgte ein erneuter Sturz, wobei er ohne Fremdeinwirkung rechtsseitig auf 

seinen Hinterkopf zu Boden fiel. Insgesamt kam es nach dem ersten Sturz zu weiteren 

Stürzen, da neben den involvierten Frauen auch C. versuchte, dem Privatkläger 

aufzuhelfen.

 

b/aa) Gemäss Art. 122 StGB macht sich der schweren Körperverletzung schuldig, wer 

einen Menschen lebensgefährlich verletzt (Abs. 1), wer den Körper, ein wichtiges Organ 

oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein wichtiges Organ oder Glied 

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unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend arbeitsunfähig, gebrechlich oder 

geisteskrank macht, das Gesicht eines Menschen arg und bleibend entstellt (Abs. 2), 

oder wer eine andere schwere Schädigung des Körpers oder der körperlichen oder 

geistigen Gesundheit eines Menschen verursacht (Abs. 3). Nach Art. 123 Ziff. 1 StGB 

wird wegen einfacher Körperverletzung bestraft, wer einen Menschen in anderer Weise 

an Körper oder Gesundheit schädigt.

 

Art. 123 Ziff. 1 StGB erfasst alle Körperverletzungen, welche nicht als schwer im Sinne 

von Art. 122 StGB, aber auch nicht mehr als blosse Tätlichkeiten im Sinne von 

Art. 126 StGB zu werten sind (Trechsel/Fingerhuth, in Trechsel/Pieth [Hrsg.], StGB PK, 

2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, Art. 123 N 2; BSK StGB-Roth/Berkemeier, Art. 123 N 3 

mit Hinweisen). Die körperliche Integrität ist dann im Sinne einer (einfachen) 

Körperverletzung beeinträchtigt, wenn innere oder äussere Verletzungen oder 

Schädigungen zugefügt werden, die mindestens eine gewisse Behandlung und 

Heilungszeit erfordern, also etwa Knochenbrüche, auch wenn sie unkompliziert sind 

und verhältnismässig rasch und problemlos ausheilen, aber auch bereits 

Hirnerschütterungen, Quetschungen mit Blutergüssen und Schürfungen, sofern sie um 

einiges über blosse Kratzer hinausgehen (BSK StGB-Roth/Berkemeier, Art. 123 N 4).

 

bb) Der Privatkläger erlitt gemäss Bericht der einen Tag später erfolgten klinischen 

Untersuchung die in der Anklageschrift angeführten und eingangs wiedergegebenen 

Verletzungen, welche unbestritten sind. Die von ihm erlittenen, nicht lebensgefährlichen 

Verletzungen mit den dadurch verbundenen Schmerzen und der einhergehenden 

Arbeitsunfähigkeit, weisen nicht den Grad einer schweren Körperverletzung (Art. 122 

StGB) auf, sondern stellen nach dem soeben Dargelegten Beeinträchtigungen der 

körperlichen Integrität im Sinne einer einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 

1 Abs. 1 StGB dar.

 

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cc) Die vom Privatkläger erlittenen Verletzungen können dem Beschuldigten aus 

verschiedenen Gründen nicht angelastet werden. Zunächst ist festzuhalten, dass der 

Beschuldigte den Privatkläger am linken Kiefer traf. Dort sind weder nach den 

eingereichten Bildern noch gemäss ärztlichem Zeugnis Verletzungen dokumentiert. Der 

behandelnde Arzt geht davon aus, dass die Verletzungen vielmehr aus mehreren 

Stürzen resultieren könnten. Die Aussagen von D. und C., wonach der Privatkläger 

mehrmals versucht habe, aufzustehen, jedoch wieder umgefallen sei bzw. sie versucht 

hätten, dem Privatkläger aufzuhelfen, dieser jedoch mehrmals wieder hinfiel, stimmen 

daher mit den medizinischen Erkenntnissen überein. Festzuhalten bleibt, dass der 

Privatkläger nach dem Faustschlag und dem ersten Sturz, jedenfalls mindestens noch 

einmal auf seinen Kopf stürzte. Wie die Vorinstanz zutreffend darlegte, ist es zwar 

durchaus denkbar, dass gewisse Verletzungen des Privatklägers durch den Schlag und 

den darauffolgenden ersten Sturz bewirkt worden sind, doch kann dies nicht mit der 

notwendigen Sicherheit erstellt werden. Sodann sagte E. aus, dass er nach dem 

Schlag vom Beschuldigten keine sichtbaren Verletzungen beim Privatkläger festgestellt 

habe, als er diesen am Boden betreut habe. Diese Aussage steht zwar bspw. jener von 

F. gegenüber, die den Beschuldigten erst nach dem Vorfall draussen mit den gemäss 

act. S/22 abgebildeten Verletzungen stehend vorgefunden haben will. 

Ausschlaggebend ist indessen, dass den ärztlichen Abklärungen zufolge die 

Verletzungen weder konkret dem Faustschlag noch dem ersten Sturz zugeordnet 

werden können. Im Übrigen soll der Privatkläger gemäss eingereichtem ärztlichen 

Zeugnis angeblich von drei Unbekannten geschlagen worden sein. Das stützt die 

Darstellung des Beschuldigten insofern, als er sich die Verletzungen, insbesondere auf 

der rechten Gesichtshälfte, die er nicht getroffen habe, dabei z.B. die Augenverletzung, 

nicht erklären kann.

 

Der Privatkläger lässt vorbringen, dass der Schlag des Beschuldigten kausal für die 

weiteren Stürze gewesen sei, weshalb die festgestellten Verletzungen dem 

Beschuldigten anzulasten seien. Diesbezüglich gilt es festzuhalten, dass es 

insbesondere die uferlose Weite der Äquivalenztheorie ist, die eine Ergänzung des 

Kausalurteils im Sinne einer zusätzlichen Einschränkung durch ein normatives, 

wertendes Korrektiv erfordert (Donatsch/Tag, Strafrecht I, Verbrechenslehre, 8. Aufl., 

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Zürich 2006, S. 101). Das Bundesgericht hat dazu folgende Formel aufgestellt: 

Rechtserheblich ist eine natürliche Ursache nur dann, "wenn sie nach dem 

gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet war, 

einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen oder mindestens zu 

begünstigen." Diese Formel verwendet das Bundesgericht allerdings nur bei 

Fahrlässigkeitsdelikten. Ein Teil der Lehre (z.B. Stratenwerth) wendet sie dennoch auch 

bei Vorsatzdelikten an, während ein anderer Teil der Lehre (etwa Donatsch/Tag) wie 

das Bundesgericht bei Vorsatzdelikten in solchen Fällen eine Einschränkung der 

Zurechnung auf der subjektiven Tatbestandsseite (kein Vorsatz) vornimmt (vgl. zum 

Ganzen: Seelmann, Strafrecht Allgemeiner Teil, 5. Aufl., Basel 2012, S. 44 f. m.w.H.). 

Gemäss Donatsch/Tag stellt sich in seltenen Fallkonstellationen beim Vorsatzdelikt die 

Frage, ob dem Beschuldigten der erfolgsverursachende Kausalverlauf tatsächlich 

zugerechnet werden kann. Ist dies zweifelhaft, muss die allenfalls notwendige Korrektur 

anhand objektiver Wertungen vorgenommen werden (Donatsch/Tag, a.a.O. S. 105). 

Dabei handelt es sich um die Frage der objektiven Zurechnung (Donatsch/Tag, a.a.O., 

S. 84 ff.). Bei eigenverantwortlichem Eingreifen Dritter in den Geschehensablauf gibt es 

Fälle, in denen die bisherige Ursachenkette zwar nicht unterbrochen wird, dennoch 

aber die objektive Zurechnung des Ersthandelnden entfällt (Donatsch/Tag, a.a.O., 

S. 86). Das Bundesgericht verneint eine Adäquanz nur, wenn ganz aussergewöhnliche 

Umstände, wie das Mitverschulden des Opfers beziehungsweise eines Dritten oder 

Material- oder Konstruktionsfehler, als Mitursache hinzutreten, mit denen schlechthin 

nicht gerechnet werden musste und die derart schwer wiegen, dass sie als 

wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache des Erfolgs erscheinen und so alle 

anderen mitverursachenden Faktoren – namentlich das Verhalten des Beschuldigten – 

in den Hintergrund drängen (vgl. BGE 135 IV 56 E. 2.1, 131 IV 145 E. 5.1 und E. 5.2; 

130 IV 7 E. 3.2; 127 IV 62 E. 2d; je mit Hinweisen).

 

In Bezug auf die Abhandlung der Kausalität bzw. Adäquanz kann auf die zutreffenden 

Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden, die sich der Lehrmeinung von 

Donatsch/Tag anschliesst (vgl. vi Entscheid, S. 22 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Kein 

anderer Schluss ergibt sich durch die Heranziehung der massgebenden, obgenannten 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur Kausalität bzw. Adäquanz. Vorliegend haben 

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die beiden Frauen eigenverantwortlich in den Geschehensablauf eingegriffen, indem sie 

den bereits am Boden gelegenen Privatkläger aufhoben, ihn jedoch wieder auf den 

Kopf fallenliessen. Sodann versuchten auch die Kollegen des Privatklägers ihm 

aufzuhelfen, wobei er jedoch mehrmals wieder hinfiel. Die Ursachenkette besteht aus 

dem Faustschlag, dem ersten Sturz, dem Aufhelfen sowie den folgenden Stürzen und 

den schliesslich diagnostizierten Verletzungen (sofern diese überhaupt diesem Vorfall 

zuzuschreiben sind). Das eigenverantwortliche Eingreifen besteht im Aufhelfen und 

dem anschliessenden Fallenlassen. Wie die Vorinstanz zutreffend darlegte, muss damit 

nach der allgemeinen Lebenserfahrung vernünftigerweise nicht gerechnet werden. Es 

ist aussergewöhnlich, dass Personen jemanden beim Helfen nach einem Sturz 

hochheben und dann loslassen, so dass dieser erneut stürzt. Der Beschuldigte hatte 

darauf keinen Einfluss mehr und musste damit schlechthin nicht rechnen. Ihm können 

deshalb objektiv nur die Verletzungen zugerechnet werden, welche durch den 

Faustschlag und den ersten Sturz verursacht worden sind. Für den nach dem ersten 

Sturz erfolgten weiteren Sturz auf den Kopf kann der Beschuldigte nicht mehr 

verantwortlich gemacht werden, zumal dort andere Personen involviert waren, ohne die 

es nicht zum genannten Sturz gekommen wäre. Gleiches gilt für die gemäss D. und C. 

beschriebenen mehrfachen Stürze, zumal auch dort dem Privatkläger aufgeholfen 

wurde, er jedoch wieder hinfiel. Damit sind durch das Mitverschulden Dritter die vom 

Bundesgericht geforderten aussergewöhnlichen Umstände gegeben, mit denen nicht 

gerechnet werden musste. So waren es gemäss medizinischen Abklärungen zufolge 

denn auch mehrere Stürze, welche zu den Verletzungen führten. Dabei ist nicht erstellt, 

welche konkrete Handlung (Faustschlag, Aufhelfen von Drittpersonen) zu welchen 

Verletzungen geführt hat. Aufgrund der vorliegenden unklaren Sachlage kann jedenfalls 

keine Verurteilung erfolgen. In Anwendung des Grundsatzes in dubio pro reo ist davon 

auszugehen, dass die Verletzungen nicht durch den Faustschlag und den ersten Sturz, 

sondern durch die weiteren Stürze entstanden sind. Damit können die Verletzungen 

nicht dem Handeln des Beschuldigten zugerechnet werden, womit der objektive 

Tatbestand der einfachen Körperverletzung nicht erfüllt ist.

 

c) Der vom Privatkläger gestellte Beweisantrag in Bezug auf die Einvernahme von F. 

(Freundin von C.) wurde stattgegeben. Sie wurde anlässlich der Berufungsverhandlung 

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vom 27. Juni 2019 als Zeugin befragt. Die weiteren vom Privatkläger gestellten 

Beweisanträge betreffend erneute Einvernahmen von C., D., G. bezüglich angeblich 

festgestellter Verletzungen erübrigen sich hingegen. Neue Erkenntnisse waren bzw. 

sind insbesondere angesichts der erwähnten medizinischen Befunden nicht zu 

erwarten. Aufgrund des Dargelegten und mangels Relevanz sind sie abzuweisen.

 

d/aa) Ein Versuch liegt vor, wenn der Täter, nachdem er mit der Ausführung eines 

Verbrechens oder Vergehens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende führt 

oder der zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt oder nicht eintreten 

kann (Art. 22 Abs. 1 StGB). Beim Versuch erfüllt der Täter sämtliche subjektiven 

Tatbestandsmerkmale und manifestiert seine Tatentschlossenheit, ohne dass alle 

objektiven Tatbestandsmerkmale verwirklicht sind (BGE 137 IV 113 E. 1.4.2 mit 

Hinweisen).

 

Zum Tatentschluss, dem auf die Begehung des Delikts gerichteten Willen, gehört stets 

der Vorsatz (BSK StGB-Niggli/Maeder, Art. 22 N 2 ff.; vgl. auch BGE 120 IV 199 E. 3e). 

Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen und Willen 

ausführt oder wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 

Abs. 2 StGB). Eventualvorsatz, welcher zur Erfüllung des subjektiven Tatbestandes des 

Art. 123 StGB wie erwähnt genügt, ist nach ständiger Rechtsprechung gegeben, wenn 

der Täter die Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, aber dennoch handelt, weil er 

den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er ihm 

auch unerwünscht sein. Für den Nachweis des Vorsatzes kann sich das Gericht – 

soweit der Täter nicht geständig ist – regelmässig nur auf äusserlich feststellbare 

Indizien und auf Erfahrungsregeln stützen, die ihm Rückschlüsse von den äusseren 

Umständen auf die innere Einstellung des Täters erlauben. Zu den äusseren 

Umständen, aus denen der Schluss gezogen werden kann, der Täter habe die 

Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen, zählt auch die Grösse des dem Täter 

bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung und die Schwere der 

Sorgfaltspflichtverletzung. Je grösser dieses Risiko ist und je schwerer die 

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Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto eher darf gefolgert werden, der Täter habe die 

Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen (BGE 134 IV 26 E. 3.2.2 mit Hinweisen).

 

Je nach den Umständen ist nicht ausgeschlossen, dass ein Schlag gegen den Kopf 

eines anderen Menschen und insbesondere ein harter, heftiger Faustschlag mitten ins 

Gesicht beim Opfer zu einer schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 

bis 3 StGB führen kann (vgl. dazu etwa die Beispiele in BGer 6B_388/2012 

Sachverhalt/A., 6B_802/2013 Sachverhalt/A.; 6B_758/2010 E. 1 und 4.2). Ein 

vollendeter Versuch der schweren Körperverletzung ist jedoch nur gegeben, wenn und 

soweit in subjektiver Hinsicht von mindestens der Inkaufnahme einer schweren 

Körperverletzung seitens des Beschuldigten auszugehen ist. Die bundesgerichtliche 

Rechtsprechung zeigt, dass die rechtliche Qualifikation von Körperverletzungen als 

Folge von Faustschlägen von den konkreten Tatumständen abhängt. Massgeblich sind 

insbesondere die Heftigkeit des Faustschlags und die Verfassung des Opfers (BGer 

6B_388/2012 E. 2.4.2). So bestätigte das Bundesgericht den Schuldspruch wegen 

eventualvorsätzlicher schwerer Körperverletzung, weil bei dem von der Vorinstanz 

festgestellten „ausserordentlich wuchtigen Faustschlag“ und dem „reduzierten 

Zustand“ des Opfers ein unkontrollierter Sturz desselben und ein Aufschlagen des 

Kopfs auf dem Asphalt keineswegs aussergewöhnlich waren (BGer 6B_388/2012 E. 

2.1.1 und 2.4.2; vgl. auch 6B_802/2013 E. 2.3.3 und 2.3.4 bezüglich Schlag eines 

Täters mit überdurchschnittlicher Konstitution mit dem Ellbogen/Arm gegen das 

Gesicht des Opfers, welches dadurch rücklings auf den Hinterkopf zu Boden stürzte). 

Nur als Tätlichkeit qualifizierte das Bundesgericht demgegenüber einen Schlag ins 

Gesicht, welcher eine Schramme und Prellungen an der Nase bewirkte. Ein „mit 

brutaler Gewalt ins Gesicht geführter Faustschlag (…), der geeignet war, schwere 

Quetschungen, gar einen Kiefer- oder Nasenbeinbruch oder das Abbrechen eines 

Zahnes zu bewirken“, wurde lediglich als einfache Körperverletzung gewertet. Gleiches 

gilt für „Verletzungen infolge mehrerer Faustschläge und Fusstritte, die bei einem der 

Opfer Spuren in der Augengegend und eine Quetschung der Unterlippe, beim andern 

Quetschungen des Unterkiefers, eine Rippenquetschung und Schrammen an Unterarm 

und Hand hinterliessen“ (vgl. zum Ganzen BGE 119 IV 25 E. 2 = Pra 83 [1994] Nr. 17 E. 

2 mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Auch in jüngerer Rechtsprechung erkannte das 

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Bundesgericht selbst „bei einem harten Faustschlag ins Gesicht, der Schmerzen 

unterhalb des Auges (…) und ein Schwindelgefühl zur Folge hatte“, nur auf einen 

leichten Fall der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 2 StGB 

(BGer 6S.386/2003 E. 3). Ebenso wurde „bei einem Faustschlag ins Gesicht, welcher 

eine starke Prellung und ausgeprägte Schwellung der Nase sowie eine 

Rissquetschwunde an der Unterlippe mit Druckdolenz des linken Mundwinkels 

verursachte“, lediglich eine einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 

StGB angenommen (BGer 6B_151/2011 E. 3.4).

 

bb) Zunächst ist daran zu erinnern, dass nicht etwa ein "harter, heftiger" oder „mit 

brutaler Gewalt ins Gesicht geführter Faustschlag" vorliegt. Vielmehr wurde der Schlag 

nicht heftig oder wuchtig ausgeführt. Der Beschuldigte teilte einen einzelnen 

Faustschlag im Rahmen seiner Abwehr aus. Dies geschah nicht aus dem Hinterhalt, 

zumal der Privatkläger auf den Beschuldigten losging. Laut Aussagen der 

Auskunftsperson H. holte der Beschuldigte beim Schlag nicht mit der Faust aus, was 

sich mit den Angaben des Beschuldigten, wonach er lediglich in einer 

Abwehrbewegung gegen den Privatkläger geschlagen habe, deckt. Eine durch 

Ausholen herbeigeführte Intensivierung des Schlags konnte bereits aus rein 

physikalischen Gründen nicht erfolgen (vgl. zum Ganzen E. III.5.a/ee). Den Akten 

können sodann keinerlei Anhaltspunkte dafür entnommen werden, dass der 

Beschuldigte derart hart zugeschlagen hätte, dass dies mindestens als Inkaufnahme 

einer schweren Körperverletzung zu werten wäre. In Bezug auf die Verfassung des 

Privatklägers liegen keine Hinweise dafür vor, dass der Beschuldigte im Vergleich zum 

Privatkläger eine überdurchschnittliche Konstitution aufwies oder zwischen den beiden 

ein grosser Alters- oder Kräfteunterschied bestand. Zwar bleibt festzuhalten, dass 

gemäss verschiedenen Aussagen der Privatkläger mutmasslich alkoholisiert war. Der 

Privatkläger führte diesbezüglich jedoch aus, er sei nur "angeheitert" gewesen. Eine 

Messung der Alkoholisierung wurde nicht durchgeführt. Eine massgebliche 

Reduzierung seiner Verfassung kann demzufolge nicht angenommen werden. Ohnehin 

musste der Beschuldigte davon auch nicht davon ausgehen, war der Privatkläger 

einerseits doch imstande, sich tobend und um sich schlagend aus dem Griff im Lokal 

zu lösen und fühlte sich der Beschuldigte andererseits gar körperlich von ihm bedroht. 

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Dass sein (Eventual-)Vorsatz eine schwere Körperverletzung mitumfasste, kann ihm in 

vorliegender Situation nicht unterstellt werden, zumal auch sein Verhalten weder 

aggressiv und schon gar nicht in vernichtender Art und Weise erscheint. Von einer 

Inkaufnahme einer schweren Körperverletzung ist nach dem Dargelegten nicht 

auszugehen.

 

Indessen muss angesichts des Verhaltens und Vorgehens des Beschuldigten 

angenommen werden, dass er eine Beeinträchtigung der körperlichen Integrität im 

Sinne einer einfachen Körperverletzung beim Privatkläger in Kauf genommen hat. Es 

entspricht der allgemeinen Lebenserfahrung, dass ein Faustschlag ins Gesicht zu 

Beeinträchtigungen der körperlichen Integrität führen kann. Dies musste auch dem 

Beschuldigten bewusst gewesen sein, auch wenn er innert Bruchteilen von Sekunden 

entscheiden musste, wie er den Angriff des Privatklägers abwehren soll. Wie die 

Vorinstanz zutreffend ausführte, musste dem Beschuldigten die Tatsache, dass er mit 

seiner Handlung sein Opfer verletzen kann, als so wahrscheinlich aufdrängt haben, 

dass sein Verhalten vernünftigerweise nur als Inkaufnahme dieses Erfolgs im Sinne des 

Eventualvorsatzes gewertet werden kann. Es steht somit ausser Frage, dass er im 

Wissen um die reale Möglichkeit der Tatbestandverwirklichung der einfachen 

Körperverletzung auf den Privatkläger einwirkte und eine Schädigung an Körper oder 

Gesundheit i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zumindest in Kauf nahm. Damit sind auch 

der Tatentschluss und der subjektive Tatbestand gegeben.

 

e) Zusammengefasst hat der Beschuldigte den Tatbestand der versuchten einfachen 

Körperverletzung erfüllt.

 

6. a) Der Verteidiger des Beschuldigten beruft sich auf den Rechtfertigungs- bzw. 

Schuldausschliessungsgrund der rechtfertigenden Notwehr. Der Beschuldigte sei in 

einer Notwehrsituation gewesen und freizusprechen.

 

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b/aa) Tatbestandsmässiges Handeln ist nur strafbar, wenn nicht Rechtfertigungsgründe 

ein rechtswidriges Handeln oder Schuldausschliessungsgründe ein schuldhaftes 

Handeln ausschliessen (vgl. Art. 14 ff. StGB; Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, 

Allgemeiner Teil I: Die Straftat, 4. Aufl., Bern 2011, § 8 Rz. 2 ff.). Wird jemand ohne 

Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem Angriff bedroht, so ist der Angegriffene 

und jeder andere berechtigt, den Angriff in einer den Umständen angemessenen Weise 

abzuwehren (Art. 15 StGB). Notwehr setzt somit eine Notwehrlage (unmittelbarer 

Angriff ohne Recht) und eine Notwehrhandlung (angemessene Verteidigung) voraus 

(BSK StGB-Seelmann, Art. 15 N 3). Der Rechtfertigungsgrund der Notwehr verlangt 

vom Angegriffenen nicht, dass er mit einer Reaktion zuwartet, bis es für eine Abwehr zu 

spät ist. Doch setzt die Unmittelbarkeit der Bedrohung voraus, dass jedenfalls 

Anzeichen einer Gefahr vorhanden sind, die eine Verteidigung nahelegen. Solche 

Anzeichen liegen namentlich vor, wenn der Angreifer eine drohende Haltung einnimmt, 

sich zum Kampfe vorbereitet oder Bewegungen macht, die in diesem Sinne gedeutet 

werden können. Abwehr ist zulässig, sobald mit einem Angriff ernstlich zu rechnen ist 

und jedes weitere Zuwarten die Verteidigungschancen gefährdet. Der Angriff droht mit 

anderen Worten nicht erst unmittelbar, wenn es für den Angreifer kein Zurück mehr 

gibt, sondern bereits, wenn der Bedrohte nach den gesamten Umständen mit dem 

sofortigen Angriff rechnen muss. Handlungen, die lediglich darauf gerichtet sind, einem 

zwar möglichen, aber noch unsicheren Angriff vorzubeugen, einem Gegner also nach 

dem Grundsatz, dass der Angriff die beste Verteidigung ist, zuvorzukommen und ihn 

vorsorglich kampfunfähig zu machen, fallen nicht unter den Begriff der Notwehr (vgl. 

zum Ganzen BGer 6B_780/2009 E. 2.3 und 6B_289/2008 E. 7.3 mit Hinweis).

 

bb) Die Abwehr in einer Notwehrsituation muss nach der Gesamtheit der Umstände als 

verhältnismässig erscheinen. Eine Rolle spielen vor allem die Schwere des Angriffs, die 

durch den Angriff und die Abwehr bedrohten Rechtsgüter, die Art des Abwehrmittels 

und dessen tatsächliche Verwendung. Die Angemessenheit der Abwehr ist aufgrund 

jener Situation zu beurteilen, in der sich der rechtswidrig Angegriffene im Zeitpunkt 

seiner Tat befand. Es dürfen nicht nachträglich allzu subtile Überlegungen darüber 

angestellt werden, ob der Angegriffene sich nicht allenfalls auch mit anderen, weniger 

einschneidenden Massnahmen hätte begnügen können und sollen (BGE 136 IV 49 E. 

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3.2 mit Hinweisen; BSK StGB-Seelmann, Art. 15 N 11 ff.; Stratenwerth, 

Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil I: Die Straftat, 4. Aufl., Bern 2011, § 10 Rz. 

76, wonach der Angegriffene das leichteste der ihm – nach Art und Stärke des Angriffs 

– zur Verfügung stehenden Verteidigungsmittel wählen muss, dasjenige also, das den 

Angreifer am wenigsten verletzt oder gefährdet.). Dabei verlangt das Gesetz lediglich 

die Angemessenheit der Abwehrmittel, nicht der Abwehr als solcher, mit der 

praktischen Konsequenz, dass der Angegriffene dem Angriff nicht ausweichen, flüchten 

oder polizeiliche Hilfe herbeiholen muss (Stratenwerth, a.a.O., § 10 Rz. 76; BGE 101 IV 

119; 79 IV 148 E. 2).

 

cc) Ein Notwehrexzess nach Art. 16 StGB liegt vor, wenn die Abwehr des 

Angegriffenen unangemessen ist. Art. 16 Abs. 2 StGB kommt zur Anwendung, wenn 

der Abwehrende die Grenzen der Notwehr im sogenannten asthenischen Affekt, d.h. in 

entschuldbarer Aufregung oder Bestürzung über den Angriff bzw. in einer 

entschuldbaren heftigen Gemütsbewegung, überschreitet (BSK StGB-Seelmann, Art. 

16 N 3 mit Hinweis auf Art. 113 StGB und BGE 118 IV 233; vgl. auch BGer 

6B_148/2013 E. 3). Diesfalls handelt der Abwehrende nicht schuldhaft. Erfasst werden 

dabei alle Emotionszustände, wie z.B. die Furcht oder Wut (BSK StGB-

Schwarzenegger, Art. 113 N 3 ff., 6).

 

c/aa) Wie bereits festgestellt wurde, war die Handlung des Beschuldigten betreffend 

Herausführens des Privatklägers aus dem Clubhaus rechtmässig und überdies 

abgeschlossen. Ein rechtswidriger Angriff seitens des Beschuldigten liegt deshalb nicht 

vor, weshalb der Privatkläger nicht dazu berechtigt war, auf den Beschuldigten 

loszugehen. Dem Beschuldigten kann keine Absichtsprovokation unterstellt werden, 

zumal er den Angriff des Privatklägers auch nicht provozierte, um ihm mit der Faust ins 

Gesicht zu schlagen.

 

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Der Beschuldigte schilderte im Kern nachvollziehbar, glaubhaft und konstant, dass der 

Privatkläger in bedrohlicher Weise (erhobene Hände bzw. Fäuste) auf ihn zugekommen 

sei. Dies wurde von verschiedenen Auskunftspersonen ebenfalls entsprechend 

wahrgenommen (vgl. dazu E. III. 5 a/cc). Der vom Privatkläger ausgehende Angriff 

stand demzufolge unmittelbar bevor. Aufgrund der vorliegenden Situation und den 

Aussagen des Beschuldigten ist davon auszugehen, dass er mit einem tätlichen Angriff 

des Privatklägers rechnete. Mit dem Verhalten des Privatklägers waren denn auch 

entsprechende Anzeichen einer drohenden Gefahr vorhanden. Damit war der 

Beschuldigte grundsätzlich berechtigt, sich in einer angemessenen Weise zu wehren 

(Art. 13 Abs. 1 i.V.m. Art. 15 StGB; Trechsel/Jean-Richard und Trechsel/Geth, in 

Trechsel/Pieth (Hrsg.), StGB PK, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2018, Art. 13 N 6 und Art. 15 

N 14, jeweils mit Hinweisen).

 

bb) Bei der Frage der Angemessenheit der Abwehr sind die gesamten Tatumstände zu 

berücksichtigen. Zunächst kann zwar vorliegend – wie bereits ausgeführt – nicht von 

einer wesentlichen bzw. übermässigen körperlichen Überlegenheit seitens des 

Beschuldigten ausgegangen werden, zumal weder ein grosses Gefälle im Alter noch in 

der sonstigen körperlichen Postur auszumachen ist. Dennoch ist zu berücksichtigen – 

und musste auch dem Beschuldigten bewusst gewesen sein – dass der Privatkläger 

angetrunken war und er ihm gegenüber insofern leicht im Vorteil war, als es ihm 

schliesslich doch gelang, jenen aus dem Club hinauszustellen. Nachdem der 

Privatkläger in bedrohlicher Art und Weise auf den Beschuldigten losging, schlug der 

Beschuldigte ihm mit der Faust direkt ins Gesicht und setzte ihn so dem Risiko einer 

Körperverletzung aus. Auch wenn im Nachhinein nicht allzu subtile Überlegungen 

angestellt werden dürfen, ob der Angegriffene sich nicht allenfalls auch mit anderen, 

weniger einschneidenden Massnahmen hätte begnügen können und sollen, erscheint 

vorliegend in einer solchen Situation der erfolgte Faustschlag direkt ins Gesicht des 

angetrunkenen Privatklägers als erste Reaktion des Beschuldigten, nicht mehr 

angemessen. Nachdem es sich beim Gesicht nicht nur um eine besonders 

empfindliche Körperregion handelt, beeinträchtigt ein Schlag dorthin auch die Würde 

des Geschlagenen in besonderer Weise. Es kann nicht angehen, dass jeder tätliche 

Angriff sogleich mit einem Faustschlag ins Gesicht beantwortet wird. Der Beschuldigte 

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hätte bspw. versuchen können, den Privatkläger an einer anderen Körperstelle zu 

schlagen, wegzustossen oder festzuhalten. Der Faustschlag ins Gesicht unter 

genannten Umständen stellt für die erkennende Kammer keine angemessene Abwehr 

mehr dar. Damit hat der Beschuldigte die Grenzen der Notwehr nach Art. 15 StGB 

überschritten, zumal in der vorliegenden Situation – wie erwähnt – mildere Mittel zur 

Verfügung gestanden hätten. Entsprechend bleibt die Handlung des Beschuldigten 

rechtswidrig (Stratenwerth, a.a.O., § 10 Rz. 88). Nicht geprüft braucht bei diesem 

Ergebnis, ob der Beschuldigte durch sein Verhalten (Rausstellen aus dem Lokal mittels 

Körpergewalt) und mit Blick auf die absehbare Reaktion des Privatklägers (vgl. hierzu 

die nachstehenden Ausführungen) die Notwehrlage zwar nicht provoziert, jedoch 

zumindest mitverschuldet bzw. -verursacht hat und sein Notwehrrecht deswegen 

bereits an und für sich eingeschränkt war (siehe hierzu BGer 6B_810/2011 und 

6B_811/2011 E. 5.3).

 

cc) Auf eine entschuldbare Aufregung oder Bestürzung über den Angriff im Sinne von 

Art. 16 Abs. 2 StGB kann sich der Beschuldigte nicht berufen. Denn angesichts der 

vorausgegangen Situation konnte ihn eine derartige Reaktion des Privatklägers nicht 

überraschen. Dem Angriff ging der Rauswurf bzw. der angewandte "Schwitzkasten" 

voraus. Auf die Frage, weshalb der Privatkläger auf ihn losgegangen sei, sagte der 

Beschuldigte selbst aus (act. S/13 Frage 6): „Weil wir ihn grob angefasst haben und er 

dachte vermutlich, dass er sich dies nicht gefallen lassen will." Ausserdem musste er 

bereits aufgrund des Verhaltens der Gruppe wie auch des Privatklägers während des 

Rauswurfs ([…]"ich hatte ihn im Schwitzkasten und er hat wie wild um sich geschlagen 

und getobt.") mit einer entsprechenden Reaktion rechnen bzw. damit, dass der 

Privatkläger in der Folge die Konfrontation mit allenfalls einhergehenden 

Handgreiflichkeiten suchte. Dessen Angriff kann ihn demzufolge nicht sonderlich 

überrascht haben. Ein überraschender Angriff, welcher den Beschuldigten in 

entschuldbarer und die Straflosigkeit der Notwehrüberschreitung rechtfertigende 

Aufregung oder Bestürzung handeln liess, liegt demzufolge nicht vor. Damit kann der 

vorliegend begangene Notwehrexzess nicht als entschuldbar qualifiziert werden. 

Vielmehr ist den vorliegenden Umständen im Rahmen der Strafzumessung gestützt auf 

Art. 16 Abs. 1 StGB strafmildernd Rechnung zu tragen.

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d) Zusammengefasst hat der Beschuldigte mangels Rechtfertigung den Tatbestand der 

versuchten einfachen Körperverletzung erfüllt. Die vorinstanzliche Verurteilung wegen 

des Tatbestandes der versuchten einfachen Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB 

i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB) ist zu bestätigen. Die dagegen erhobenen Berufungen des 

Beschuldigten wie auch des Privatklägers sind demgemäss abzuweisen.

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	Entscheid Kantonsgericht, 27.06.2019
	Art. 123 Ziff. 1 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB (SR 311.0). Versuchte einfache Körperverletzung. Angemessenheit der Abwehr. Unterbrechung Kausalität. Ein Faustschlag direkt ins Gesicht des angetrunkenen Opfers, das bedrohlich auf den Täter zugeht, ist als erste Abwehrreaktion nicht angemessen (E.6.c/bb). Dem Beschuldigten können objektiv nur diejenigen Verletzungen zugerechnet werden, welche durch seinen Faustschlag und den dadurch erfolgten (ersten) Sturz verursacht wurden. Für die weiteren Stürze bzw. die dadurch verursachten Verletzungen durch Personen, die dem Opfer helfen wollten und es fallen liessen, kann er nicht mehr verantwortlich gemacht werden. Darin liegen aussergewöhnliche Umstände, mit denen nicht gerechnet werden muss und die zur Unterbrechung der Kausalität führen (E.5.b/cc) (Kantonsgericht, Strafkammer, 27. Juni 2019, ST.2018.87 und ST.2018.91).

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		2025-07-19T04:54:38+0200
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