# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1ec18d65-2919-5804-9da0-5f4121226fa5
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-04-03
**Language:** de
**Title:** Es liegen keine Gründe vor, um vom Erfordernis der Mindesterwerbseinbusse von 20 % abzuweichen. Kein Anspruch auf Umschulung bei einem Invaliditätsgrad von 6 %; Abweisung. (BGE 9C_320/2020)
**Docket/Reference:** IV.2019.00617
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2019.00617.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2019.00617
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Käch
Sozialversicherungsrichterin Romero-Käser
Gerichtsschreiberin Rämi
Urteil
vom
3.
April 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Markus
Loher
schadenanwaelte
AG
Alderstrasse
40, Postfach, 8034 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 19
92
,
absolvierte von 2008 bis 2011 eine Berufslehre zum Auto
mobil-F
achmann und arbeitete zuletzt von Oktober 2018 bis Dezember 2018 in der Gepäcksortierung beim
Y.___
. Unter Hinweis auf Hüftschmerzen meldete er sich am 2
2.
Januar 2019 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/5
Ziff.
1.1, 5.3, 5.4, 6.1 und
Urk.
9/1
). Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab
und stellte mit Vorbescheid vom 2
8.
März 2019 die Ab
weisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
9/24)
, woraufhin der Versi
cherte weitere medizinische Berichte einreichte (
Urk.
9/31
-36
,
Urk.
9/
41
-43
). Mit Verfügung vom 2
3.
Juli 2019 verneinte die IV-Stelle einen Leistungsanspruch (
Urk.
9/54
=
Urk.
2
).
2.
Der Versicherte erhob am 1
0.
September 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
3.
Juli 2019 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihm Eingliederungsmassnahmen im Sinne einer Umschulung zu gewähren. In pro
zessualer Hinsicht beantragte er die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsver
t
retung
(
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-3). Dieses Gesuch zog er m
it Schreiben vom 1
8.
September 2019
(
Urk.
7)
zurück
.
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerde
antwort vom 1
1.
Oktober 2019 (
Urk.
8) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 2
2.
Oktober 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1
.
2
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2
lit
. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.
3
Gemäss
Art.
17 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (
Abs.
1). Der Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit ist die Wiedereinschulung in den bisherigen Beruf gleichgestellt (
Abs.
2). Als Umschu
lung gelten gemäss
Art.
6
Abs.
1
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vor
gängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Invalidität zur Erhaltung oder Ver
besserung der Erwerbsfähigkeit benötigen.
1.
4
Nach der Rechtsprechung ist unter Umschulung grundsätzlich die Summe der Eingliederungsmassnahmen berufsbildender Art zu verstehen, die notwendig und
geeignet sind, der vor Eintritt der Invalidität bereits erwerbstätig gewesenen ver
sicherten Person eine
ihrer früheren annähernd gleichwertige Erwerbsmöglichkeit
zu vermitteln. Dabei bezieht sich der Begriff der «annähernden Gleichwertigkeit» nicht in erster Linie auf das Ausbildungsniveau als solches, sondern auf die nach erfolgter Eingliederung zu erwartende Verdienstmöglichkeit. In der Regel besteht nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren. Denn das Gesetz will die Eingliederung lediglich so weit sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE
130 V 488 E. 4.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_163/2008 vom 8. August 2008 E. 2.2). Schliesslich setzt der Anspruch auf Umschulung voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20
%
erleidet, wobei es sich um einen blos
sen Richtwert hande
lt (BGE 130 V 488 E. 4.2, 124 V
108 E. 2a und b mit Hinwei
sen auf u.a. AHI 1997 S. 80 E. 1b; ZAK 1984 S. 91 oben, 1966 S. 439 E. 3).
Für die Beurteilung der Gleichwertigkeit im Sinne der erwähnten Rechtsprechung ist in erster Linie auf die miteinander zu vergleichenden Erwerbsmöglichkeiten im ursprünglichen und im neuen Beruf oder in einer der versicherten Person zumutbaren Tätigkeit abzustellen. Zwar geht es nicht an, den Anspruch auf Umschulungsmassnahmen – gleichsam im Sinne einer Momentaufnahme – ausschliesslich vom Ergebnis eines auf den aktuellen Zeitpunkt begrenzten Einkommensvergleichs, ohne Rücksicht auf den qualitativen Ausbildungsstand einerseits und die damit zusammenhängende künftige Entwicklung der erwerbli
chen Möglichkeiten anderseits, abhängen zu lassen. Vielmehr ist im Rahmen der vorzunehmenden Prognose (BGE 110 V 99 E. 2) unter Berücksichtigung der gesamten Umstände nicht nur der Gesichtspunkt der Verdienstmöglichkeit, son
dern der für die künftige Einkommensentwicklung ebenfalls bedeutsame qualita
tive Stellenwert der beiden zu vergleichenden Berufe mit zu berücksichtigen. Die annähernde Gleichwertigkeit der Erwerbsmöglichkeit in der alten und neuen Tätigkeit dürfte auf weite Sicht nur dann zu verwirklichen sein, wenn auch die beiden Ausbildungen einen einigermassen vergleichbaren
Wert aufweisen (BGE
124 V 108 E. 3b; AHI 1997 S. 86 E. 2b; Urteile des Bundesgerichts I 826/05 vom 28. Februar 2006 E. 4.1 in
fine
und I 783/03 vom 18. August 2004 E. 5.2 mit Hinweisen; Meyer-Blaser, Zum
Verhältnismässigkeitsgrundsatz im staatli
chen Leistungsrecht,
Diss
. Bern 1985, S. 186).
Massnahmen im Sinne von
Art.
17 IVG setzen subjektive und objektive Einglie
derungsfähigkeit voraus (AHI 1997 S. 82 E. 2b/
aa
; ZAK 1991 S. 179 unten f. E.
3). Nicht unter Umschulung fallen Massnahmen der sozialberuflichen Rehabilita
tion (wie Gewöhnung an den Arbeitsprozess, Aufbau der Arbeitsmotivation, Stabilisierung der Persönlichkeit, Einüben der sozialen Grundelemente) mit dem primären Ziel, die Eingliederungsfähigkeit der versicherten Person zu erreichen oder
wieder herzustellen
(ZAK 1992 S. 367 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts I 527/00 vom 30. April 2001).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus,
dass
die durchgeführte Operation eine vorübergehende 100%ige Einschrän
kung begründe. Nach Abschluss der Behandlung bestehe aus medizintheoreti
scher Sicht
jedoch
wieder eine vollschichtige
Arbeitsfähigkeit für wechselbelas
tende, körperlich leichte bis zeitweilig mittelschwere Tätigkeiten mit Bewegen von Lasten bis 15 kg
. In einer solchen Tätigkeit könne
d
er
Beschwerdeführer
ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen. Da dadurch keine invaliditätsbe
dingte Erwerbseinbusse bestehe, sei kein Anspruch für berufliche Massnahmen gegeben (S. 1 f.).
2.2
Demgegenüber wandte der Beschwerdeführer im Wesentlichen ein (
Urk.
1)
, es stünden ihm aus näher genannten Gründen berufliche Tätigkeiten auf dem Niveau einer Berufslehre offen,
auch
ohne die fachspezifische Lehre abgeschlos
sen zu haben (S. 5
Ziff.
11). Aufgrund seines jungen Alters könne ihm nicht zu
gemutet werden, bis zu seiner Pensionierung nur noch Tätigkeiten ohne Ausbil
dungserfordernis auszuüben. Bei dieser Sachlage sei daher vom Erfordernis der 20%igen Ein
busse abzusehen. Er habe
Anspruch auf eine Umschulung auf einen Beruf, welcher mindestens eine Berufslehre erfordere und seinem gesundheitli
chen Vermögen angepasst sei (S. 5
Ziff.
12).
2.3
Streitig ist, ob ein Anspruch auf
Umschulungsmassnahmen besteht.
3.
3.1
Dr.
med.
Z.___
, Oberarzt Orthopädie
,
A.___
, nannte
in seinem
am
7.
März 2019 bei der IV-Stelle eingegangenen Bericht (
Urk.
9/13) als Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit einen Knorpelschaden, einen Status nach chirurgischer Hüftluxation, eine
Labrumrefixation
und eine
Offset
verbesserung der linken Hüfte vom
2
8.
Dezember 2018 (
Ziff.
2.5). Bezüglich der Prognose ging
er
von
eine
r
volle
n
Arb
eitsfähigkeit im Detailhandel aus
(
Ziff.
2.7). Er empfehle eine Umsch
ulung hin zu einer wechselhaft
sitzend respektive stehen
den Tätigkeit mit Belastung bis maximal 15 kg (
Ziff.
4.3)
.
3.2
Dr.
med. B.___
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
, Oberarzt Hüftchirurgie,
A.___
,
nannte in seinem Bericht vom 2
3.
April 2019 über die gleichentags erfolgte Konsultation (
Urk.
9/32) die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
Verdacht auf Infekt der linken Hüfte mit/bei
-
Status nach
intrartikulärer
Cortisoninfiltration
der linken Hüfte Mitte November 2018
-
Status nach chirurgischer Hüftluxation links mit Pfannenrandtrim
mung,
Labrumrefixation
und Kopfschenkelhals Offsetverbesserung am 2
8.
Dezember 2018
-
stark ausgeprägte
m Gelenkerguss und
subchondralem
Knochenmarks
ödem, insbesondere
acetabular
zentral im MRI vom 2
3.
April 2009, Differentialdiagnose (DD) Osteomyelitis
-
rasch progredientem zentralem
acetabularem
und
femoralem
Knorpel
schaden
-
Nikotinabusus (halbes Päckchen pro Tag)
Vier Monate nach chirurgischer Hüftluxation links bei
Impingement
zeige der Beschwerdeführer nach initial regelrechtem Heilungsverlauf seit dem 1
0.
April 2019 erneut inguinale und
gluteale
Hüftschmerzen links, welche auch in Ruhe vorhanden seien. Klinisch würde man bei
dem
äusserlichen
Befund keinen Infekt erwarten,
MR-tomographisch bestehe jedoch ein hochgradiger
Infektverdacht
. Entsprechend sei bereits die Aufklärung für eine Revisionsoperation besprochen worden (S. 2 unten).
In seinem Bericht vom 1
5.
Mai 2019 (
Urk.
9/35) führte er aus
, dass er dem Beschwerdeführer seit
5.
November 2018 eine volle Arbeitsunfähigkeit für sämt
liche Tätigkeiten mit
länger als 15 Minuten
dauerndem
Gehen, Stehen und Sitzen
attestiert
habe
(
Ziff.
1.3). Sodann nannte er als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Verdacht auf eine
Coxitis
Linus mit unklarem Erreger und progredientem Knorpelschaden (
Ziff.
2.5). Die Prognose sei gegenwärtig schwer einschätzbar. Im MRI habe sich ein Verdacht auf einen relativ schweren Knorpel
schaden gezeigt (
Ziff.
2.7). Eine dem L
eiden angepasste Tätigkeit sei vier
Stunden pro Tag zumutbar (
Ziff.
4.2).
Am 1
8.
Juni 2019 (
Urk.
9/41) berichtete
Dr.
B.___
, dass sich nach initial gutem Verlauf nach chirurgischer Hüftluxation eine relativ plötzliche
Beschwerde
exazerbation
gezeigt habe. MR-tomographisch sei ein grosser Knorpelschaden nachgewiesen worden. Trotz ausgiebigen Proben habe der vermutete Infekt nicht nachgewiesen werden können. Entsprechend werde von einer idiopathischen
Chondrolyse
ausgegangen. Am 1
1.
Juni 2019 sei eine Hüfttotalprothese auf der linken Seit
e
impl
antiert worden (
Ziff.
2.1). Innerhalb von 3 Monaten nach der erfo
lgten Hüft-TP Implantation soll
t
e wieder eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit gegeben sein. E
ine Umschulung vom Automobil-F
achmann auf eine körperlich weniger belas
tende Tätigkeit sei sinnvoll (
Ziff.
2.7).
Sicherlich müsse die Musku
latur wiederaufgebaut werden. Danach bestehe die Einschränkung in erster Linie darin, dass mit Rücksicht auf die Langlebigkeit der Prothese keine schweren Las
ten (>1
0 kg) gehoben werden sollten (
Ziff.
3.4). Die Tätig
keit als Automobil
-F
achmann sei drei bis vier
Stunden pro Tag möglich, nicht jedoch die Tätigke
it bei der Gepäckabfertigung (
Ziff.
4.1). Grundsätzlich sei ein 100%iges Arbeitspen
sum bei an
gepasster Tätigkeit zumutbar (
Ziff.
4.2).
3.3
Dr.
med. C.___
, Facharzt für Neurologie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in seiner Stellungnahme vom 1
9.
Juli 2019 (
Urk.
9/53 S. 3 f.) aus, dass bei einem Status nach Hüftgelenksersatz links am 1
1.
Juni 2019
und
nach komplikationsbehafteter Vorgeschichte ab
5.
November 2018 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt attestiert
worden sei
. Hiermit sei ein namhafter Gesundheitsschaden ausgewiesen. S
eitens der behandelnden Ärzte werde
die bi
sherige Tätigkeit als Automobil-F
achmann als nicht mehr geeignet eingestuft und eine körperlich leichtere Tätigkeit empfohlen, was versicherungs
medizinisch nachvollziehbar sei. In angepasster Tätigkeit sei gemäss Orthopäden ab August 2019 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit zu erwarten. Als angepasstes Pro
fil könnten gelten: körperlich leichte bis manchmal mittelschwere Tätigkeiten, in Wechselbelastung, kein Bewegen von Lasten
, die
schwerer als 10 kg
seien
, kein gehäuftes Ersteigen von Treppen, Leitern oder Gerüsten (S. 4).
4.
4.1
Unstreitig und gestützt auf die Akten ausgewiesen ist, dass der Beschwerdeführer
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit in der Gepäckabfertigung
zu 100
%
arbeits
unfähig ist
(vgl. vorstehend
E. 3.2-3.3
)
.
Die g
elernte Tätigkeit als Automobil-F
achmann
ist
dem Beschwerdeführer gemäss
Dr.
B.___
drei bis vier Stunden pro Tag zumutbar, womit diesbezüglich von einer zumindest teilweisen Einschrän
kung auszugehen ist.
Zu der Arbeitsfähigkeit für Tätigkeiten im Detailhandel nach der Hüft-TP Implantation äusserten sich sowohl
Dr.
B.___
als auch RAD-Arzt
C.___
nicht.
Beide Ärzte attestierten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeiten, was vom Beschwerdeführer nicht beanstandet wurde.
Das von RAD-Arzt
C.___
genannte Belastungsprofil beinhaltet körperlich leichte bis manchmal mittel
schwere Tätigkeiten in Wechselbel
astung, kein Bewegen von Lasten, die
schwerer als 10 kg
sind,
und kein gehäuftes Ersteigen von Treppen, Leitern oder Gerüsten
.
Sofern die Tätigkeit
en
im Detailhandel
Aufgabenbereiche ausserha
lb dieses Belastungsprofils umfassen
,
ist auch diesbezüglich von einer Einschränkung aus
zugehen
.
Der medizinische Sachverhalt ist
zusammenfassend
dahingehend erstellt, dass für angepasste Tätigkeit
en
unter Berücksichtigung des
aufgeführten
Belastungspro
fils eine 100%ige Arbeitsfähigkeit ausgewiesen ist.
4.2
Ein Anspruch auf Umschulung setzt voraus, dass diese infolge Invalidität not
wendig ist und eine Erwerbseinbusse von et
wa 20
%
besteht (vorstehend E. 1.
4
).
Unter Berücksichtigung
des Einkommens einer Hilfsarbeitertätigkeit als
Validen
einkommen
- wie beispielsweise
der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
in der Gepäck
abfertigung -
wird vorliegend
die rechtsprechungsgemäss geforderte
Erheblich
keitsschwelle
einer Einkommenseinbusse von 20
%
klarerweise
nicht
erreicht, was
vom Beschwerdeführer grundsätzlich nicht bestritten wird.
Der
Beschwerdeführer war
nur zirka zwei Monate vor Eintritt des Gesundheits
schadens
in der Gepäckabfertigung tätig. D
iese Arbeitsstelle
erachtete er gemäss eigener Aussage
als
vorübergehende
Notlösung (vgl.
Urk.
1 S. 4
Ziff.
11
und
Urk.
9/8/2-3
).
Selbst wenn man
i
n Anbetracht des
nur sehr
kurzen Arbeitsver
hältnisses
für die Berechnung des
Valideneinkommens
auf
das
Kompetenzniveau 2 der
Lohnstrukturerhebung (LSE) 2016, Tabelle TA1,
abstellt
,
resultiert daraus
keine Erwerbseinbusse, welche die
Erheblichkeitsgrenze
von 20
%
annähernd
erreicht
.
Das
Valideneinkommen
gemäss Kompetenzniveau 2 beträgt auf ein Jahr umge
rechnet, der durchschnittlichen Arbeitszeit von 41.7 Wochenstunden (www.bfs.admin.ch, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, T03.02) und der Nominallohnentwicklung vom Indexstand (Männer) 2'239 im Jahr 2016 auf 2'260 im Jahr 2018 (www.bfs.admin.ch, dort: Entwicklung der Nominallöhne, T 39) angepasst, rund
Fr.
71’294.-- (
Fr.
5'646.-- x
12 :
40.0 x 41.7 : 2'239 x 2'260).
Das
Invalideneinkommen lässt sich anhand der LSE 2016, Tabelle TA1, Kompetenzniveau 1, berechnen,
was einem von Männern im Jahr 2016 für Hilfsarbeiten durchschnittlich erzielten Lohn von
Fr.
5'340.-- entspricht
.
U
nter Berücksichtigung der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit
,
der Nominal
lohnentwicklung
und aufgerechnet auf ein Jahr resultiert daraus
ein Invaliden
einkommen von rund
Fr.
67'102.-- (
Fr.
5'340.-- x
12 :
40.0 x 41.7 : 2'239 x 2'249).
Bei
einem
Valideneinkommen
von
Fr.
71'294.-- und einem Invalidenein
kommen von
Fr.
67'102.-- beträgt
die Erwerbseinbusse
Fr.
4'192.--, woraus auf
gerundet ein Invaliditätsgrad von
lediglich
6
%
resultiert.
4.3
Vorliegend wird die rechtsprechungsgemäss geforderte
Erheblichkeitsschwelle
einer Einkommenseinbusse von 20
%
nicht erreicht, weshalb - wie vom Beschwerdeführer geltend gemacht
(
Urk.
1 S. 5
Ziff.
12)
- zu prüfen ist, ob Um
stände
vorliegen, welche ein Abweichen vom Erfordernis der Mindesterwerbsein
busse rechtfertigen.
Wie erwähnt (vorstehend E. 1.4) kann g
emäss bundesgerichtlicher Rechtspre
chung der
Anspruch auf Umschulungsmassnahmen
nicht
- gleichsam im Sinne einer Momentaufnahme - ausschliesslich vom Ergebnis eines auf den aktuellen Zeitpunkt begrenzten Einkommensvergleichs, ohne Rücksicht auf den qualitati
ven Ausbildungsstand einerseits und die damit zusammenhängende künftige Ent
wicklung der erwerblichen Möglichkeiten anderseits,
abhängig gemacht werden. Vielmehr
ist
im Rahmen der vorzunehmenden Prognose (BGE 110
V 102 E
. 2) unter Berücksichtigung der g
esamten Umstände nicht nur der
Gesichtspunkt der Verdienstmöglichkeit, sondern der für die künftige Einkommensentwicklung ebenfalls bedeutsame qualitative Stellenwert der beiden zu vergleichenden Berufe
mitzuberücksichtigen
(BGE
124 V 108
E. 3b)
.
Ferner
ist
von der
Erheblichkeitsschwelle
von 20
%
namentlich bei jungen Ver
sicherten mit
entsprechend langer verbleibender Aktivitätsdauer abzuweichen, wenn es sich bei den ohne Umschulung zumutbaren angepassten Tätigkeiten um unqua
lifizierte Hilfsarbeiten hande
lt
, die im Vergleich zur erlernten
Tätigkeit qua
litativ nicht als annähernd gleichwertig bezeichnet werden können (Urteil
des Bundesgerichts
9C_994/2009 vom 2
2.
März 2010 E. 4 mit Hinweise
n auf BGE
124 V 108 E. 3b
und Urteil
des Bundesgerichts
I 783/03 vom 1
8.
August 2004 E. 5.2). Selbs
t
nach jahrelange
r anderweitiger Tätigkeit bleib
t
der erlernte Beruf Bestandteil der Ausbildung, über welche die versic
herte Person sich ausweisen k
ann
und
ist
somit als qualitatives Merkmal zumindest in den
prognostischen Vergleich mit der beruflichen Situation nach durchgeführter Eingliederungsmass
nahme miteinzubeziehen (
Urteil
e
des Bundesgerichts 9C_704/2010
vom 3
1.
Januar 2011
E. 3.1 und
I 144/05 vom 1
3.
Mai 2005 E. 2.2.1).
4.4
Der - im Zeitpunkt der Verfügung vom Juli 2019 - 27-jährige Beschwerdeführer
absolvierte
von 2008 bis 201
1
eine Berufslehre zum Automobil-Fachmann
(
Urk.
9/5
Ziff.
5.3). Dem Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug)
vom 2
0.
Februar 2019
ist zu entnehmen
, dass er im Anschluss an die Ausbildung von Mai bis Dezember 2012,
von
Januar bis Dezember 2013 und
von
Januar bis August 2014 in der Automobilbranche tätig war (
Urk.
9/9/1).
Anschliessend wechselte er die Branche und war
bereits
v
on
November 2014 bis März
2016,
von August
bis Dezember 2016
sowie
von
Januar bis Dezember 2017 im Detailhandel a
ngestellt (
Urk.
9/9/1), ohne über eine entsprechende Berufsausbildung zu verfü
gen (vgl.
Urk.
1 S. 4
Ziff.
11).
Das Abweichen
vom Erfordernis der Erwerbseinbusse von mindestens 20
%
namentlich bei jungen Versicherten erfordert gemäss bundesgerichtlicher Recht
sprechung das
Vorliegen eines relevanten qualitativen Unterschieds
zwischen
de
r angestammten Tätigkeit und der
seit Eintreten des Gesundheitsschadens zumut
bare
n
angepasste
n
Tätigkeit
,
sodass diese
im Vergleich
als nicht qualitativ annä
hernd gleic
hwertig bezeichnet werden kann
(vorstehend E. 4.3
).
Vorliegend
lässt sich ein allfälliger qualitativer Unterschied
jedoch
nicht auf den beim Beschwerdeführer eingetretenen Gesundheitsschaden zurückführen. Er ent
schied sich freiwillig
im Anschluss an die Ausbildung und nach
knapp
2-jähriger Berufsbetätigung als Automobil-Fachmann die Branche zu wechseln und war sodann
mehrere Jahre
im Detailhandel angestellt.
Eine über einen längeren Zeit
raum dauernde Betätigung auf seinem gelernten Beruf ist vorliegend nicht ersichtlich.
Die zirka zwei Monate vor Eintritt des Gesundheitsschadens aufge
nommene Tätigkeit in der
Gepä
ckabfertigung habe gemäss
seiner
Aussage nur als Zwischenlösung gedient
,
bis er eine andere Anstellung in seinem bisherigen Tätigkeitsbereich gefunden hätte (
Urk.
1 S. 4
Ziff.
8).
Es ist
nicht der Gesundheitsschaden, der ihn an der erwerblichen Nutzung des mit der Ausbildung erworbenen Potenzials hindert, vielmehr hat er sich bereits Jahre vor Eintritt des Gesundheitsschadens für einen Branchenwechsel
ohne entspre
chende Ausbildung
entschieden
und sich diesbezüglich mit einem
etwas
tieferen Einkommen
begnügt
.
Für die Tätigkeiten im Detailhandel ist dem IK-Auszug im Jahr 2015 ein Einkommen von
Fr.
54'079.-- und im Jahr 2017 ein solches von
Fr.
52'904.--zu entnehmen
(
Urk.
9/9/1)
.
In einer angepassten Hilfsarbeitertätig
keit
hätte
er
2018
sogar
ein Jahreseinkommen von
Fr.
67'102.
--
erzielen
können
(vgl. vorstehend E. 4.2
).
Zwischen den bisher ausgeübten Tätigkeiten im Detail
handel und den nach Eintritt des Gesundheitsschadens zumutbaren angepassten Tätigkeiten ist
daher
sowohl in finanzieller als auch
in
qualitativer Hinsicht
kein
e
rechtsprechungsgemäss
relevant
e Diskrepanz zu erblicken.
5.
Nach dem Gesagt
en liegen keine Umstände vor
, um von der
Erheblichkeits
schwelle
von 20
%
abzuweichen, weshalb ein Anspruch auf Umschulung zu ver
neinen ist.
Damit erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtens, womit die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und ermes
sensweise auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Markus
Loher
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten
Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
D
ie Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannRämi