# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a48c6b06-0a32-5dfc-a276-79af5f16daa1
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-12-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.12.2010 E-8076/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-8076-2010_2010-12-06.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-8076/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  6 .  D e z e m b e r  2 0 1 0  

Einzelrichter Bruno Huber, 
mit Zustimmung von Richter Martin Zoller;
Gerichtsschreiber Peter Jaggi.

A._____, geboren (...),
Kolumbien,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 8. September 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-8076/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  spanischsprachiger  Eingabe  vom 
25. Mai 2010 an die Schweizerische Botschaft in Kolumbien  (Bogotà) 
gelangte  und unter  Verweis auf  gleichzeitig  eingereichte  Dokumente 
sinngemäss um die Bewilligung der Einreise in die Schweiz und um 
Asyl nachsuchte,

dass für die Begründung des Gesuchs auf die Akten verwiesen wird,

dass  die  Botschaft  diese  Eingabe  mit  Begleitschreiben  vom 4.  Juni 
2010 an das BFM weiterleitete und darauf hinwies, dass eine Befra-
gung aus Kapazitätsgründen nicht möglich und die Asylsache mit zwei 
anderen Fällen verbunden sei,

dass die Vorinstanz dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 6. Juli 
2010 mitteilte,  sie  erachte  den entscheidrelevanten Sachverhalt  auf-
grund  der  vorliegenden  Akten,  namentlich  der  schriftlichen  Begrün-
dung des Asylgesuchs und der beigelegten ausführlichen Dokumen-
tation, als erstellt,  weshalb sich eine Anhörung auf der Botschaft  als  
nicht notwendig erweise,

dass  das  Bundesamt  dem  Beschwerdeführer  gleichzeitig  unter  An-
setzen  einer  Frist  zur  Stellungnahme mitteilte,  es  erachte  unter  Be-
rücksichtigung aller Faktoren und aufgrund der vorliegenden Akten die 
Möglichkeit  einer  anderweitigen  Schutzsuche  als  gegeben,  weshalb 
beabsichtigt werde, die Einreise in die Schweiz zu verweigern und das 
Asylgesuch abzulehnen,

dass die Botschaft dem BFM am 5. August 2010 die bei ihr am 2. Au-
gust 2010 eingelangte Stellungnahme des Beschwerdeführers zukom-
men liess,

dass das Bundesamt mit Verfügung vom 8. September 2010 – eröffnet 
am 21. September 2010 - die Einreise in die Schweiz nicht bewilligte 
und das Asylgesuch des Beschwerdeführers ablehnte,

dass für die Begründung der angefochtenen Verfügung auf die Akten 
und, soweit für den Entscheid wesentlich, auf die nachfolgenden Erwä-
gungen verwiesen wird,

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dass  die  Botschaft  mit  Begleitschreiben  vom  22.  Oktober  2010  die 
auch in deutscher Sprache verfasste Rechtsmitteleingabe vom 20. Ok-
tober 2010, mit welcher der Beschwerdeführer sinngemäss die Bewil-
ligung der Einreise in die Schweiz und die Gewährung von Asyl anbe-
gehrt, samt Beilagen dem Bundesverwaltungsgericht zustellte,

dass auf die Begründung der Rechtsbegehren und die zu deren Stüt -
zung eingereichten Dokumente, soweit für den Entscheid wesentlich, 
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird,

und erwägt,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundes-
gesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
[VwVG, SR 172.021]) des BFM entscheidet (Art. 105 des Asylgesetzes 
vom  26.  Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31]  i.V.m.  Art. 31-33  des  Ver-
waltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32]; 
Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 2005 
[BGG, SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten  ist  (Art. 108  Abs.  1  AsylG  i.V.m. Art. 37  VGG  und  Art. 52 
VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden wird 
(Art. 111 Bst. e AsylG), und es sich vorliegend, wie nachfolgend auf-

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gezeigt,  um eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid 
nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass im Asylverfahren der Sachverhalt grundsätzlich von Amtes wegen 
festzustellen ist (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG) und diese behördli -
che Untersuchungspflicht  durch die  den  Asylsuchenden  gestützt  auf 
Art.  8  AsylG auferlegte  Mitwirkungspflicht  eingeschränkt  wird,  wobei 
diese insbesondere bei  der  Anhörung vollständig  anzugeben haben, 
weshalb sie um Asyl nachsuchen (vgl. Art. 8 Abs. 1 Bst. c AsylG),

dass die Asylsuchenden auch einen Anspruch auf Mitwirkung haben, 
was sich unmittelbar aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 
Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft 
vom 18. April 1999 [BV, SR 101]; Art. 29 ff. VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG) 
ergibt,

dass  der  Grundsatz  des  rechtlichen  Gehörs  verlangt,  dass  die 
verfügende Behörde die Vorbringen der betroffenen Person tatsächlich 
hört, prüft und bei der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich ent-
sprechend in der Entscheidbegründung niederzuschlagen hat (Art.  35 
Abs. 1 VwVG, vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der  Schweizeri-
schen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 38 E. 6.3),

dass vorliegend festzustellen ist, dass der Beschwerdeführer offenbar 
seinem schriftlichen Asylgesuch vom 25. Mai 2010 eine ausführliche 
Dokumentation (s. Schreiben des BFM vom 6. Juli 2010) beigelegt hat,  
die weder im Aktenverzeichnis aufgeführt ist noch sonst Eingang in die 
vorinstanzlichen Akten gefunden hat,

dass diese Dokumentation  denn auch in  der  angefochten Verfügung 
mit  keinem  Wort  erwähnt  und  offenbar  tatsachenwidrig  ausgeführt 
wird,  der  Beschwerdeführer  habe  keinerlei  Beweismittel  eingereicht, 
die seine Aussagen belegen würden,

dass in der angefochtenen Verfügung auch nicht auf die Mitteilung der 
Botschaft  vom  4.  Juni  2010  eingegangen  und  begründet  wird,  in-
wiefern es sich vorliegend rechtfertigen könnte, dem Umstand, dass 
das Asylverfahren offenbar mit zwei anderen Fällen verbunden ist, kei-
ne Beachtung zu schenken,

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dass das BFM durch diese Unterlassungen das rechtliche Gehör des 
Beschwerdeführers verletzt, den Sachverhalt unvollständig respektive 
unrichtig  festgestellt,  die  Begründungspflicht  und  damit  insgesamt 
Bundesrecht in schwerwiegender Weise verletzt hat,

dass  zwar  eine  Missachtung  von  Verfahrensvorschriften  durch  die 
Vorinstanz  aufgrund  der  umfassenden  Kognition  des 
Bundesverwaltungs-gerichts  (Art.  106  AsylG)  in  bestimmten 
Schranken geheilt werden kann,

dass die festgestellte Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes, des 
Anspruchs  des  Beschwerdeführers  auf  rechtliches  Gehör  und  die 
Missachtung  der  Begründungspflicht  auf  Beschwerdeebene  nicht  zu 
heilen  sind,  zumal  es nicht  Sinn und Zweck des Beschwerdeverfah-
rens  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  ist,  von  der  Vorinstanz 
unterlassene Verfahrenshandlungen nachzuholen,

dass  gegen  eine  Heilung  insbesondere  auch  der  Umstand  spricht, 
dass dem Beschwerdeführer  andernfalls  eine Instanz verloren ginge 
(vgl. dazu EMARK 1998 Nr. 34 E. 10d S. 292),

dass die Beschwerde demnach im Sinne der Erwägungen gutzuheis-
sen, die angefochtene Verfügung vom 8. September 2010 aufzuheben 
und  das  Bundesamt  anzuweisen  ist,  den  rechtserheblichen 
Sachverhalt vollständig und richtig festzustellen und in der Sache neu 
zu entscheiden,

dass  sich  bei  dieser  Sachlage  eine  Auseinandersetzung  mit  den 
Ausführungen  in  der  Beschwerde  und  den  zu  deren  Stützung 
eingereich-ten Dokumenten erübrigt,  zumal  es Sache der Vorinstanz 
sein wird, sich damit zu befassen,

dass die Aufhebung der angefochtenen Verfügung vorliegend für den 
Beschwerdeführer  nicht  zu  einer  Bewilligung  der  Einreise  in  die 
Schweiz  führt,  da  sich  aus  den  Akten  keine  genügend  konkreten 
Anhaltspunkte  für  die  Annahme  ergeben,  ihm  wäre  ein  Verbleib  in 
Kolum-bien  für  die  Dauer  der  weiteren,  noch  erforderlichen 
Verfahrenshandlungen  nicht  zumutbar  im  Sinne  von  Art. 20  Abs.  2 
AsylG,

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Verfahrenskosten auf-
zuerlegen sind (Art. 63 Abs. 3 VwVG),

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dass aufgrund der Akten nicht davon auszugehen ist, dem nicht vertre-
tenen  Beschwerdeführer  seien  verhältnismässig  hohe  Kosten  ent-
standen, weshalb keine Parteientschädigung zuzusprechen ist (Art. 7 
Abs. 4  des  Reglements  vom 21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen.

2.
Die  Verfügung  vom 8. September  2010  wird  aufgehoben. Das  BFM 
wird  angewiesen,  den rechtserheblichen  Sachverhalt  vollständig  und 
richtig festzustellen und in der Sache neu zu entscheiden.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

5.
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
Schweizerische Botschaft in Kolumbien.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bruno Huber Peter Jaggi

Versand:

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