# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5eba93aa-040f-5328-956b-c9114897d36f
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-01-25
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 25.01.2024 VG.2023.00043 (VG.2024.1328)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2023-00043_2024-01-25.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 25. Januar 2024

  
	
   

  
	
   

  
	
  I. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  Besetzung:
  Gerichtspräsident MLaw Colin Braun, Verwaltungsrichterin Jolanda Hager,
  Ersatzrichter Samuel Bisig und Gerichtsschreiberin MLaw Paula Brändli

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2023.00043

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    A.______

    	
    Beschwerdeführer

    

  

  
	
   

  
	
  	
    2.

    	
    B.______

    

  

  
	
   

  
	
  	
    beide vertreten durch MLaw
    Jacques Marti,

    
	
    Rechtsanwalt

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    C.______

    	
    Beschwerdegegner

    

  

  
	
   

  
	
  	
    2.

    	
    D.______

    

  

  
	
   

  
	
  	
    beide vertreten durch lic.
    iur. Hansjürg Rhyner,

    
	
    Rechtsanwalt

    
	
     

    

  

  
	
  	
    3.

    	
    Gemeinde Glarus

    

  

  
	
   

  
	
  	
    4.

    	
    Departement Bau und Umwelt des Kantons
    Glarus

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Baubewilligung

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung:

  
	
  I.

  
	
  1.

  
	
  1.1 C.______ und D.______ sind Eigentümer der
  Parz.-Nr. 01, Grundbuch […]. Am 23. Juli 2021 reichten sie bei der
  Gemeinde Glarus ein Baugesuch für die Erweiterung des gedeckten
  Eingangsbereichs und die Erstellung eines Carports ein.

  
	
   

  
	
  1.2 Gegen das
  Bauvorhaben erhoben A.______ und B.______ als Eigentümer der
  Parz.-Nr. 02, Grundbuch […], am 8. September 2021 Einsprache. Die
  Gemeinde Glarus wies diese am 28. Oktober 2021 ab und erteilte C.______ und
  D.______ gleichzeitig die Baubewilligung unter Auflagen. Dagegen gelangten
  A.______ und B.______ am 29. November 2021 ans Departement Bau und
  Umwelt des Kantons Glarus (DBU), welches die Beschwerde am 10. März 2023
  ebenfalls abwies.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 A.______ und B.______ erhoben am 25. April 2023
  Beschwerde beim Verwaltungsgericht und beantragten die Aufhebung des
  Entscheids des DBU vom 10. März 2023. Die Baubewilligung sei zu
  verweigern; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten von C.______ und
  D.______ sowie des DBU. In prozessualer Hinsicht beantragten sie die
  Durchführung eines Augenscheins. Das DBU schloss am 22. Mai 2023 auf
  Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei; unter Kostenfolge.
  Nämliches beantragten C.______ und D.______ am 19. Juni 2023; unter
  Kosten und Entschädigungsfolge zu Lasten von A.______ und B.______. Die Gemeinde
  Glarus liess sich am 22. Juni 2023 vernehmen und beantragte die
  Abweisung der Beschwerde; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten
  von A.______ und B.______.

  
	
   

  
	
  2.2 A.______ und B.______ hielten mit Replik vom
  18. September 2023 an ihrem Rechtsbegehren fest. Das DBU verzichtete am
  17. Oktober 2023 auf die Einreichung einer Duplik, erneuerte aber seine
  Anträge. Die Gemeinde Glarus hielt am 19. Oktober 2023 ebenfalls an
  ihren Anträgen fest. C.______ und D.______ liessen sich innert Frist nicht erneut
  vernehmen.

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  1.1
  Das Verwaltungsgericht ist gemäss
  Art. 79 Abs. 1 des Raumentwicklungs- und Baugesetzes vom
  2. Mai 2010 (RBG) i.V.m. Art. 105 Abs. 1 lit. b des
  Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Mai 1986 (VRG) zur
  Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig.

  
	
   

  
	
  1.2

  
	
  1.2.1 Der Beschwerdegegner 4 stellt sich auf den
  Standpunkt, die Argumentation bzw. die rechtliche Begründung der
  Beschwerdeführer weiche komplett von derjenigen im vorinstanzlichen Verfahren
  ab. Es verstosse gegen Treu und Glauben, rechtserhebliche Einwände erst vor
  der zweiten Rechtsmittelinstanz vorzubringen und zu substantiieren, weshalb
  auf die Beschwerde nicht einzutreten sei.

  
	
   

  
	
  1.2.2 Der Beschwerdeführer kann innert Beschwerdefrist
  und innert einer allfälligen Nachfrist neue Tatsachen, Beweisanträge und
  rechtliche Begründungen vorbringen (Art. 92 Abs. 1 VRG). Der
  Untersuchungsgrundsatz (Art. 37 Abs. 1 VRG) und die
  Rechtsweggarantie (Art. 29a der Bundesverfassung der Schweizerischen
  Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV]) bringen es diesfalls mit sich, dass im Rahmen des
  Streitgegenstands neue Tatsachenbehauptungen sowie neue Beweismittel
  grundsätzlich jederzeit vorgebracht werden können, und zwar unabhängig vom
  Zeitpunkt, in welchem sie sich verwirklicht haben (vgl. dazu Marco Donatsch, in Alain Griffel
  [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons
  Zürich, 3. A., Zürich/Basel/Genf 2014, § 52
  N. 26 ff.).

  
	
   

  
	
  1.2.3 Am 28. Februar 2023 wiesen die
  Beschwerdeführer den Beschwerdegegner 4 auf das Baureglement E.______
  hin. Ein entsprechendes Beweismittel legten sie dieser Stellungnahme jedoch
  nicht bei. Erst im Verfahren vor Verwaltungsgericht reichten sie das
  Baureglement E.______ ein und stützten ihr bisheriges Rechtsbegehren mit
  neuen rechtlichen Begründungen. Dies ist gemäss Art. 92 Abs. 1 VRG
  grundsätzlich zulässig, da die rechtliche Begründung nicht Bestandteil des
  Streitgegenstands ist (vgl. Donatsch, a.a.O., § 52 N. 36). Den anwaltlich vertretenen Beschwerdeführern wäre es
  jedoch ohne Weiteres möglich gewesen, die entsprechenden Tatsachen und
  Beweismittel bereits im Zeitpunkt der Beschwerdeeinreichung bei der
  Vorinstanz geltend zu machen. Mit Blick auf die Rechtsweggarantie und
  Art. 92 Abs. 1 VRG, wonach neue Tatsachen und Beweismittel auch
  innert der Beschwerdefrist vor dem Verwaltungsgericht vorgebracht werden
  können, kann vorliegend indessen offenbleiben, ob diese Vorbringen infolge
  einer allfälligen nachlässigen Verfahrensführung aus dem Recht zu weisen
  wären (vgl. Donatsch, § 52 N. 28). Zu Gunsten der Beschwerdeführer ist nämlich zu
  berücksichtigen, dass sich der Beschwerdegegner 4 aufgrund der
  Stellungnahme vom 28. Februar 2023 mit der Frage, ob das Baureglement
  E.______ auf die streitbetroffenen Bauten anwendbar ist, befasste, was sich
  nicht zuletzt aus Ziff. 4.3.3.8 des vorliegend angefochtenen Entscheids
  ergibt. Da
  auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde
  somit einzutreten.

  
	
   

  
	
  1.3 Gemäss Art. 107 Abs. 1 VRG können mit der
  Verwaltungsgerichtsbeschwerde die unrichtige oder unvollständige Feststellung
  des rechtserheblichen Sachverhalts (lit. a) sowie die unrichtige
  Rechtsanwendung einschliesslich eines Missbrauchs des Ermessens (lit. b)
  gerügt werden. Die Unangemessenheit des Entscheids kann gemäss abschliessender
  Aufzählung in Art. 107 Abs. 2 VRG nur ausnahmsweise geltend gemacht
  werden, wobei ein solcher Ausnahmefall nicht vorliegt.

  
	
   

  
	
  1.4
  Gemäss Art. 38 Abs. 1 lit. f VRG kann die Behörde einen
  Augenschein durchführen. Der Entscheid über dessen Anordnung steht im
  pflichtgemässen Ermessen der Behörde. Eine Pflicht zur Durchführung eines
  Augenscheins besteht nur dann, wenn die tatsächlichen Verhältnisse auf andere
  Weise überhaupt nicht abgeklärt werden können. Ein Augenschein ist
  insbesondere dann geboten, wenn die tatsächlichen Verhältnisse unklar sind
  und anzunehmen ist, die Parteien vermöchten durch ihre Darlegungen an Ort und
  Stelle Wesentliches zur Erhellung der sachlichen Grundlagen des Rechtsstreits
  beizutragen. Der Verzicht auf Durchführung eines Augenscheins ist zulässig,
  wenn die Akten eine hinreichende Entscheidgrundlage darstellen
  (vgl. BGer-Urteil 1C_192/2010 vom 8. November 2010 E. 3.3, mit
  Hinweis; VGer-Urteil VG.2019.00077 vom 5. September 2019
  E. II/2.2.2).

  
	
   

  
	
  Vorliegend ergibt sich der rechtserhebliche Sachverhalt
  genügend aus den Akten. Darüber hinaus stellen
  sich hauptsächlich Rechtsfragen, wozu ein Augenschein kaum
  Entscheidrelevantes beitragen kann. Auf einen Augenschein ist daher zu
  verzichten.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Die Beschwerdeführer machen geltend, das
  Baureglement zum Teilbebauungsplan E.______ sei am […] von der
  Gemeindeversammlung […] genehmigt worden. Es sei zwar unklar, wann dieses vom
  Regierungsrat des Kantons Glarus genehmigt worden sei. Allerdings sei von
  dessen Genehmigung auszugehen, da sämtliche Gebäude anhand des
  Teilbebauungsplans E.______ erstellt worden seien. Sodann handle es sich beim
  Teilbebauungsplan E.______ um einen Überbauungsplan, welcher nicht mittels
  Revision eines Baureglements aufgehoben werden könne. Weder die alte Bauordnung
  der Ortsgemeinde […] noch die geltende Bauordnung der Gemeinde Glarus
  enthielten einen Beschluss über dessen Aufhebung. Darüber hinaus sei auch
  kein entsprechender Beschluss der Gemeindeversammlung bekannt. Der
  Teilbebauungsplan E.______ sei somit weiterhin in Kraft und für die Prüfung
  des Baugesuchs der Beschwerdegegner 1 und 2 massgebend. Des Weiteren
  werde in Ziff. 5.5 des Baureglements E.______ festgehalten, dass die
  Gebäudegrundfläche nicht überschritten werden dürfte. Diese sei absolut und
  ergebe sich aus dem zum Überbauungsplan gehörenden Plan, welcher weder
  Anbauten noch Garagen beinhalte. Da der geplante Anbau der
  Beschwerdegegner 1 und 2 die Gebäudegrundfläche überschreite, sei dieser
  folglich nicht bewilligungsfähig. Schliesslich seien am 21. September
  1983 die im Anhang zum Baureglement E.______ festgelegten dinglichen Rechte
  im Grundbuch eingetragen worden. Dieser Umstand und die tatsächliche
  Überbauung des Quartiers E.______ seien im Ergebnis somit klare Hinweise
  dafür, dass für die Erstellung des Quartiers der Überbauungsplan Gültigkeit
  gehabt habe.

  
	
   

  
	
  2.2 Die Beschwerdegegner 1 und 2 stellen sich auf den
  Standpunkt, der Teilbebauungsplan E.______ sei aus heutiger Sicht als
  Sondernutzungsplan zu qualifizieren. Das Baureglement E.______ sei sodann
  einzig von der Beschwerdegegnerin 3 unterzeichnet worden, obwohl dieses
  gemäss dessen Ziff. 10.3 erst nach Genehmigung durch die
  Gemeindeversammlung und den Regierungsrat in Kraft trete. Ferner ergebe sich
  die Notwendigkeit zur Genehmigung durch eine kantonale Behörde direkt aus
  Art. 26 des Bundesgesetzes über die Raumplanung vom 22. Juni 1979
  (RPG), welches im Zeitpunkt des Erlasses des Teilbebauungsplans E.______ und
  dem entsprechenden Baureglement gültig gewesen sei. Eine Genehmigung durch
  den Regierungsrat hätte zur Folge gehabt, dass den Beschwerdeführern ein vom
  Regierungsrat unterschriebenes Exemplar zugestellt worden wäre. Dies erkläre
  auch, weshalb weder die Beschwerdegegnerin 3 noch der
  Beschwerdegegner 4 das Baureglement E.______ in ihren Archiven hätten
  auffinden können. Dass die Gebäude nach dem Teilbebauungsplan E.______
  erstellt worden seien, sei darüber hinaus kein Indiz für die Genehmigung des
  Baureglements E.______. Vielmehr spreche gerade der Umstand, dass dieses bei
  verschiedenen Bauprojekten im streitbetroffenen Quartier nicht angewendet
  worden sei, gegen dessen Inkraftsetzung. Selbst wenn das Baureglement wider
  Erwarten in Kraft getreten sein sollte, sei Ziff. 5.5 des Baureglements
  nie zur Anwendung gelangt und hätte spätestens bei ihrer Baueingabe keine
  Gültigkeit mehr gehabt. Eine Aufhebung von Sondernutzungsplänen sei nämlich
  dann geboten, wenn es sich um fertiggestellte Bauvorhaben auf Grundlage
  dieser Sondernutzungspläne handle, was vorliegend der Fall sei. Des Weiteren
  wären der Teilbebauungsplan E.______ und das dazugehörige Baureglement mit
  Auslaufen der Übergangsfristen gemäss Art. 85 f. RBG (fünf
  Jahre seit 2011) erloschen und aufgehoben worden. Im Übrigen hätten
  verschiedene Bauprojekte im Quartier E.______ die Gebäudeflächen
  überschritten. Dies gelte unter anderem für den im Jahr 1997 errichteten
  Anbau der Beschwerdeführer, was erneut aufzeige, dass das Baureglement nicht
  in Kraft getreten sei. Schliesslich sei im Grundbuch ein Grenzbaurecht
  eingetragen, welches den Eigentümern der Parz.-Nrn 01 und 02 erlaube,
  niedrige An- und Nebenbauten zu erstellen.

  
	
   

  
	
  2.3 Die Beschwerdegegnerin 3 bringt vor, die
  Beschwerdeführer hätten von ihrer Argumentation, wonach es sich beim
  geplanten Bauvorhaben nicht um einen Anbau handle, allem Anschein nach
  Abstand genommen, da sie das Bauvorhaben selber als Anbau bezeichnet hätten.
  Sodann sei nicht von einem rechtsgültig erlassenen Baureglement E.______
  auszugehen, da dieses nicht vom Regierungsrat genehmigt worden sei. Selbst
  wenn ein entsprechender Quartierplan in Kraft gewesen sein sollte, wäre
  dieser mittlerweile aufgehoben. Sie, die Beschwerdegegnerin 3, habe
  nämlich sämtliche Überbauungspläne überprüft und entschieden, welche in Kraft
  bleiben sollen. Ein Überbauungsplan E.______ sei dabei nicht genannt worden,
  was offensichtlich daran liege, dass ein solcher nie in Kraft gewesen sei.
  Des Weiteren sei nicht ersichtlich, inwiefern das streitbetroffene Bauprojekt
  nicht mit Ziff. 5.5 des Baureglements E.______ vereinbar sei. Zwar dürfe
  die Gebäudegrundfläche gemäss Letzterem nicht überschritten werden. Der ins
  Recht gelegte Plan weise jedoch keinen Massstab aus, in welchem das Quartier
  dargestellt werde. Es sei daher nicht möglich, die vorgesehene
  Gebäudegrundfläche zu bestimmen. Darüber hinaus würden (überdachte)
  Parkplätze nicht zur Gebäudegrundfläche zählen. Massgebend sei vielmehr die
  bebaute Fläche, weshalb die Gebäudegrundfläche nur durch den vergrösserten
  Eingangsbereich bzw. um weniger als 12 m2 erweitert
  werde. Folglich werde die Gebäudegrundfläche dadurch noch nicht
  überschritten. Schliesslich statuiere Ziff. 5.5 des Baureglements
  E.______ kein generelles Verbot, Anbauten zu errichten. Vielmehr könnten
  gemäss Ziff. 1 des Anhangs des Baureglements Anbauten und Garagenplätze
  erstellt werden. Im Übrigen werde bestritten, dass die Nichtanwendung dieses
  Baureglements auf frühere Bauprojekte irrelevant sei. Andernfalls wäre
  nämlich von einer ungerechtfertigten Ungleichbehandlung auszugehen.

  
	
   

  
	
  2.4 Der Beschwerdegegner 4 führt aus, er habe sich bei
  der Beschwerdegegnerin 3 nach dem Teilbebauungsplan E.______ erkundigt.
  Letztere habe in ihrem Archiv keinen solchen Plan gefunden. Sodann habe er
  zusammen mit der Abteilung Raumentwicklung und Geoinformation des Kantons
  Glarus das eigene Archiv und die digitalen Ablagen durchsucht. Der
  Teilbebauungsplan E.______ sei aber nicht auffindbar gewesen. Dass ihm, dem
  Beschwerdegegner 4, nun eine mangelnde Sachverhaltsabklärung vorgeworfen
  werde, sei nicht nachvollziehbar. Dies umso mehr, als er so weit recherchiert
  habe, als es von ihm in Anbetracht der Ausführungen der Beschwerdeführer und
  deren Begründungspflicht verlangt worden sei. Ferner gebe es neben einem
  Quartierplan weitere Gründe, weshalb ein Quartier nach einer bestimmten
  Struktur überbaut worden sei. Er habe daher nicht darauf schliessen müssen,
  dass ein Baureglement bestanden habe. Vielmehr habe er aufgrund des am
  1. Januar 1980 in Kraft getretenen RPG annehmen dürfen, dass
  Nutzungspläne und die sich auf sie beziehenden Reglemente erst mit der Genehmigung
  durch die kantonale Behörde verbindlich würden. Da ihm weder das Baureglement
  noch allfällige Genehmigungsunterlagen vorlägen, sei das von den
  Beschwerdeführern eingereichte Baureglement wohl nicht durch den
  Regierungsrat genehmigt worden.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Eine kantonale Behörde genehmigt die Nutzungspläne
  und ihre Anpassungen (Art. 26 Abs. 1 RPG). Mit der Genehmigung
  durch die kantonale Behörde werden die Nutzungspläne verbindlich
  (Art. 26 Abs. 3 RPG).

  
	
   

  
	
  3.2 Sondernutzungspläne regeln die Überbaubarkeit, die
  Erneuerung oder Verdichtung von Teilgebieten der Gemeinde in Ergänzung oder
  Verfeinerung der ortsplanerischen Grundordnung (Art. 21 Abs. 1
  RBG), wobei als Sondernutzungspläne unter anderem Überbauungspläne gelten
  (Art. 21 Abs. 2 lit. b). Gemäss Art. 23 RBG regelt der
  Überbauungsplan insbesondere die Erschliessung, die besondere Bauweise sowie
  die Freiraumgestaltung eines Teilgebiets (Abs. 1). Er besteht aus einem
  Plan und den dazu gehörenden Sonderbauvorschriften (Abs. 2). Mit dem
  Überbauungsplan kann unter inhaltung der zonengemässen Nutzungsart von der
  Regelbauweise abgewichen werden, wenn dadurch gesamthaft ein ortsbaulich und
  architektonisch besseres Ergebnis verwirklicht wird und dies im öffentlichen
  Interesse liegt (Abs. 4).

  
	
   

  
	
  3.3 Kommunale Richtpläne, Baureglemente, Zonen- und
  Sondernutzungspläne sind zu überprüfen und allenfalls zu ändern, wenn sich
  die tatsächlichen oder rechtlichen Verhältnisse wesentlich geändert haben,
  wenn sich neue Aufgaben stellen oder es aus wichtigen öffentlichen Interessen
  geboten erscheint (Art. 29 Abs. 1 RBG). Für Änderungen ist das
  gleiche Verfahren durchzuführen wie beim Erlass (Art. 29 Abs. 2
  RBG).

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Zunächst ist festzuhalten, dass die
  Beschwerdeführer im vorliegenden Verfahren zu Recht nicht mehr bestreiten,
  dass es sich bei den streitbetroffenen Bauvorhaben um Anbauten handelt.
  Folglich ist darauf nicht weiter einzugehen.

  
	
   

  
	
  4.2

  
	
  4.2.1 Im Verwaltungsverfahren gilt sodann der
  Untersuchungsgrundsatz, wonach es Sache der Behörde und nicht der Parteien
  ist, den Sachverhalt festzustellen und dazu, soweit nötig, Beweis zu erheben. Die Parteien trifft dabei eine
  Mitwirkungspflicht, insbesondere für Tatsachen, welche sie besser kennen als
  die Behörden. Vom Untersuchungsgrundsatz ist die objektive Beweislast jedoch
  zu unterscheiden. Bleibt eine rechtserhebliche Tatsache trotz rechtskonform
  durchgeführtem Verfahren nämlich unbewiesen, trägt nach den üblichen
  Beweislastregeln (Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs vom
  10. Dezember 1907 [ZGB]), die auch im öffentlichen Recht gelten,
  diejenige Person die Folgen, die Rechte aus der behaupteten, aber
  unbewiesenen Tatsache ableitet (BGer-Urteil 1C_469/2019 und 1C_483/2019 vom
  28. April 2021 E. 6.4, mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  4.2.2 Soweit die Beschwerdeführer der Ansicht sind, es
  sei nicht ihre Aufgabe, zu beweisen, dass das Baureglement E.______ vom
  Regierungsrat genehmigt worden sei, ist ihnen nicht zu folgen. Zwar ist es
  Sache der Beschwerdegegnerin 3, die notwendigen Unterlagen für die
  Baubewilligungsverfahren zu dokumentieren und zu archivieren. Es ist aber
  weder ersichtlich noch wird von den Beschwerdeführern dargelegt, inwiefern
  die Beschwerdegegnerin 3 ihrer Aktenführungs- und
  Aktenaufbewahrungspflicht nicht nachgekommen ist. Vielmehr ergibt sich aus
  den im Recht liegenden Akten, dass der Regierungsrat das Baureglement
  E.______ nicht unterzeichnet hat, was für die Genehmigung und das
  Inkrafttreten dieses Reglements jedoch unabdingbar gewesen wäre. Sodann lässt
  sich weder dem Archiv der Beschwerdegegnerin 3 noch demjenigen des
  Beschwerdegegners 4 ein unterschriebenes Exemplar des Baureglements
  E.______ finden, wobei diesbezüglich der Nachweis, dass der Regierungsrat das
  Baureglement E.______ genehmigt hat, den Beschwerdeführern obliegt
  (vgl. vorstehende E. II/4.2.1). Da im Ergebnis somit kein gültiges
  Baureglement E.______ im Recht liegt, tragen Letztere die Folgen dieser
  Beweislosigkeit.

  
	
   

  
	
  4.3

  
	
  4.3.1 Sodann sieht Art. 21 Abs. 2 RPG vor, dass
  Nutzungspläne überprüft und nötigenfalls angepasst werden, sofern sich die
  Verhältnisse erheblich geändert haben. Im kantonalen Baurecht regelt
  Art. 29 Abs. 1 RBG darüber hinaus, dass Sondernutzungspläne zu
  überprüfen und allenfalls zu ändern sind, sofern sich die tatsächlichen oder
  rechtlichen Verhältnisse wesentlich geändert haben, wenn sich neue Aufgaben
  stellen oder es aus wichtigen öffentlichen Interessen geboten erscheint.
  Sowohl Art. 21 Abs. 2 RPG als auch Art. 29 Abs. 1 RBG
  bestimmen somit einerseits, dass der Plan nicht geändert werden darf, wenn
  die Voraussetzungen gemäss diesen Bestimmungen nicht erfüllt sind. Sind sie
  jedoch erfüllt, müssen die notwendigen Anpassungen andererseits vorgenommen
  werden. Ferner kann auch die Frage, inwieweit ein Nutzungsplan bereits
  realisiert ist, ein Kriterium sein, welches die Schwelle für die Zulässigkeit
  einer Überprüfung erhöht (vgl. Thierry
  Tanquerel, in Heinz Aemisegger et al. [Hrsg.], Praxiskommentar RPG:
  Nutzungsplanung, Zürich/Basel/Genf 2016, Art. 21 N. 13 und 41).

  
	
   

  
	
  4.3.2 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer
  durchlief die Beschwerdegegnerin 3 für die Änderung bzw. Aufhebung
  der Überbauungspläne auf ihrem Gemeindegebiet das korrekte Verfahren
  (vgl. Art. 29 Abs. 2 RBG). Am […]  veröffentlichte sie ihren
  Auflagebeschluss im kantonalen Amtsblatt. Dementsprechend hätten sich mit der
  Gesamtrevision der Ortsplanung und der Änderung des RBG die rechtlichen und
  tatsächlichen Verhältnisse in Bezug auf die kommunalen sowie kantonalen
  planungs- und baurechtlichen Bestimmungen in der Gemeinde Glarus geändert.
  Folglich seien die Überbauungspläne zu überprüfen und allenfalls zu ändern
  bzw. aufzuheben. Nachdem die Beschwerdegegnerin 3 daraufhin
  sämtliche Überbauungspläne auf ihrem Gemeindegebiet überprüft hatte, behielt
  sie die Überbauungspläne F.______ und G.______ in […], den Überbauungsplan
  H.______ in […] sowie den Überbauungsplan I.______ in […], bei. Die übrigen
  Überbauungspläne hob sie auf, wobei sie im Rahmen dieser Überprüfung den
  vorliegend streitbetroffenen Plan E.______ nicht erwähnte. Gemäss ihren
  glaubhaften Ausführungen wurden während der öffentlichen Planauflage darüber
  hinaus auch keine Einsprachen in Bezug auf das Quartier E.______ eingereicht.

  
	
   

  
	
  4.3.3 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die
  Beschwerdegegnerin 3 den
  Teilbebauungsplan E.______ spätestens bei der Überprüfung sämtlicher
  Überbauungspläne gefunden und überprüft hätte, sofern dieser jemals in Kraft
  gesetzt worden wäre. Mit Blick darauf liegen somit insgesamt keine
  hinreichenden Anhaltspunkte für die Genehmigung des Baureglements E.______
  durch den Regierungsrat vor, weshalb das von den Beschwerdeführern zitierte
  Urteil des Verwaltungsgerichts vom 13. April 2017 (Verfahren
  VG.2016.00136), worin es unter anderem um die Anwendung eines in Kraft
  getretenen Überbauungsplans ging, nicht einschlägig ist.

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1 Selbst wenn aber davon auszugehen wäre, dass das
  Baureglement E.______ rechtsgültig genehmigt wurde und in Kraft getreten ist,
  könnten die Beschwerdeführer daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten. Folgt
  man nämlich den Ausführungen im Anhang zum Baureglement E.______, so wurden
  im Grundbuch ein gegenseitiges Grenzbaurecht für die Parz.-Nrn. 01 und
  02 sowie ein Fuss- und Fahrwegrecht zu Gunsten der Parz.-Nr. 02 (Beleg
  03), eingetragen. Dem Beleg 03 lässt sich dabei unter anderem zu entnehmen,
  dass sich die jeweiligen Eigentümer der Parz.-Nrn. 01 und 02 für die
  Erstellung von niedrigen An- und Nebenbauten, Gartensitzplätzen, Hauszugängen
  oder Garagenplätzen ein gegenseitiges Grenzbaurecht einräumen, wobei
  insbesondere für die Bauausführung, die Friedpflicht und die Baumbepflanzungen
  die Bestimmungen des kantonalen Baugesetzes, der Bauordnung und des
  Baureglements der Gemeinde […] sowie des Baureglements E.______ gelten.

  
	
   

  
	
  5.2 Die Beschwerdeführer machen geltend, die
  streitbetroffenen Bauten seien nicht bewilligungsfähig, weil die
  Gebäudegrundfläche gemäss Ziff. 5.5 des Baureglements E.______
  überschritten würde. Dem ist entgegenzuhalten, dass selbst im Anhang zum
  Baureglement E.______, welcher integrierender Bestandteil dieses Reglements
  bildet, ein gegenseitiges Grenzbaurecht für Anbauten und Garagenplätze
  vorgesehen ist. Die Auslegung von Ziff. 5.5 des Reglements durch die
  Beschwerdeführer kommt dabei einem generellen Bauverbot gleich, was Sinn und
  Zweck des gegenseitigen Grenzbaurechts weitgehend aushöhlen würde. Ferner weisen
  die Beschwerdegegner 1 und 2 zu Recht darauf hin, dass den
  Beschwerdeführern im Jahr 1997 die Baubewilligung für den Um- und Anbau ihres
  Einfamilienhauses erteilt wurde, wodurch die Gebäudegrundfläche
  offensichtlich erweitert wurde, was gegen die Anwendung des Baureglements
  E.______ spricht. Letzteres fand offenbar auch im Rahmen weiterer Bauprojekte
  im Quartier keine Anwendung, was die Beschwerdeführer nicht in Abrede
  stellen. Darüber hinaus mutet es widersprüchlich an, dass das Baureglement
  E.______ im vorliegenden Verfahren für anwendbar erklärt werden, für frühere
  Bauprojekte jedoch unbeachtlich sein soll. Würde dieser Ansicht gefolgt, wäre
  der Anspruch der
  Beschwerdegegner 1 und 2 auf rechtsgleiche Behandlung im Sinne von Art. 8 Abs. 1 BV offensichtlich missachtet,
  wobei für eine derartige Ungleichbehandlung denn auch keine triftigen und
  zureichenden Gründe bestünden. Im
  Ergebnis ist die Nichtanwendung des Baureglements E.______ bei diversen
  Bauprojekten im Quartier im Ergebnis schliesslich ebenfalls als Indiz dafür
  zu werten, dass dieses nicht in Kraft getreten ist. Daran vermögen auch die
  Vorbringen der Beschwerdeführer, wonach die Gebäude auf der
  gegenüberliegenden Strassenseite der streitbetroffenen Parzelle dem
  ursprünglichen Zustand gemäss dem Überbauungsplan entsprächen, nichts zu
  ändern.

  
	
   

  
	
  6.

  
	
  Zusammenfassend liegt kein
  vom Regierungsrat genehmigtes und damit gültiges Baureglement E.______ vor.
  Die Beschwerdegegnerin 3 fand im Rahmen der Überprüfung der
  Überbauungspläne insbesondere keine Hinweise auf einen Teilbebauungsplan
  E.______. Die Beschwerdeführer haben die Folgen dieser Beweislosigkeit zu
  tragen. Die tatsächliche Überbauung des Quartiers E.______ weist sodann nicht
  auf die Gültigkeit des Überbauungsplans hin, da verschiedene Bauprojekte im
  Quartier in Abweichung des Baureglements E.______ erstellt wurden. Ferner
  besteht ein gegenseitiges Grenzbaurecht für die Parz.-Nrn. 01 und 02,
  sodass die Beschwerdeführer die Erstellung von Anbauten grundsätzlich zu
  dulden haben. Damit erweist sich der vorliegend angefochtene Entscheid
  insgesamt als rechtmässig.

  
	
   

  
	
  Dies führt zur Abweisung
  der Beschwerde.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  1.

  
	
  Nach Art. 134 Abs. 1 lit.
  c VRG hat die Partei, welche im Beschwerde-, Klage- oder Revisionsverfahren
  unterliegt, die amtlichen Kosten zu tragen. Ausgangsgemäss sind die
  Gerichtskosten von pauschal Fr. 2'500.- den Beschwerdeführern
  aufzuerlegen und mit dem von ihnen bereits geleisteten Kostenvorschuss in
  gleicher Höhe zu verrechnen. 

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Die Beschwerdeführer sind
  nach Art. 138 Abs. 2 VRG sodann zu verpflichten, den Beschwerdegegnern 1
  und 2 eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 1'800.-
  (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Da die Beantwortung von
  Rechtsmitteln zum angestammten Aufgabenbereich der Beschwerdegegnerin 3
  gehört und weil keine besonderen Umstände vorliegen, steht dieser keine
  Parteientschädigung zu (Art. 138 Abs. 4 VRG).

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird abgewiesen.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtskosten von Fr. 2'500.- werden den Beschwerdeführer auferlegt und
    mit dem von ihnen bereits geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe
    verrechnet.

    
	
    3.

    	
    Die
    Beschwerdeführer werden verpflichtet, den Beschwerdegegnern 1 und 2
    innert 30 Tagen nach Rechtskraft dieses Entscheids eine
    Parteientschädigung von insgesamt Fr. 1'800.- (inkl. Mehrwertsteuer)
    zu bezahlen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]