# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dec96617-a07e-52fc-85f7-38f96233d87f
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2008-09-16
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsbehörden Bau- und Verkehrsdirektion 16.09.2008 130 2008 6
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_BVD/BE_VB_001_130-2008-6_2008-09-16.pdf

## Full Text

ENTSCHEID
DER

BAU-, VERKEHRS- UND ENERGIEDIREKTION

RA Nr. 130/2008/6 Bern, 16. September 2008

in der Beschwerdesache zwischen

A.________

alle vertreten durch Herrn Rechtsanwalt Dr. B.________

und

C.________

alle vertreten durch Frau Rechtsanwältin D.________

sowie

Oberingenieurkreis II (OIK II), Schermenweg 11, Postfach, 3001 Bern

vertreten durch Herrn Fürsprecher E.________

betreffend die Verfügung des OIK II vom 21. Juli 2008 (2028/Wankdorfplatz inkl. 
Tramverlängerung; Wankdorfplatz, Baumeisterarbeiten, Los 3)

I. Sachverhalt

1. Der OIK II schrieb im Amtsblatt Nr. 51 vom 19. Dezember 2007 das Los 3 der 

Baumeisterarbeiten für die Neugestaltung des Wankdorfplatzes einschliesslich 

Tramverlängerung öffentlich aus. Einziges Zuschlagskriterium war der Preis. 

Laut Öffnungsprotokoll vom 29. April 2008 gingen folgende Angebote ein (netto 

einschliesslich Mehrwertsteuer):

2

Angebot der Beschwerdegegnerinnen Fr. 54'233'844.60

Angebot der Beschwerdeführerinnen Fr. 55'992'269.95

Angebot der F.________ Fr. 69'089'122.20

Das Los 3 zerfällt in eine Reihe von Teillosen, darunter das Teillos 

«Werkleitungspassarelle». In der Position «NPK 321» R 719.106 hatten die Anbieter den 

Einheitspreis und den Gesamtpreis (Einheitspreis multipliziert mit der Menge von 320 m²) 

für den Holzboden dieser Passerelle anzugeben. Die Beschwerdegegnerinnen offerierten 

einen Einheitspreis von Fr. 20.00, die Beschwerdeführerinnen einen solchen von Fr. 

1'980.00. Multipliziert mit der Menge von 320 m² ergab dies einen Preis von Fr. 6'400.00, 

bzw. Fr. 633'600.00.

Die Beschwerdeführerinnen machen geltend, es sei ihnen bei dieser Position ein 

Schreibfehler unterlaufen, bei dem «das Komma um zwei Dezimalstellen zu weit nach 

rechts verschoben wurde». Sie hätten den Fehler nicht bemerkt. «Einer der vom Kanton 

beauftragten involvierten Planer» habe den Fehler entdeckt, die Beschwerdeführerin 1 

informiert und erklärt, die Berichtigung des Fehlers könne im Bereinigungsgespräch 

erfolgen. 

Im Namen des OIK II bat die Planergemeinschaft «BE3 Wankdorfplatz» mit Brief vom 

6. Juni 2008 die Beschwerdeführerinnen, den Termin vom 9. Juli 2008 für das technische 

Bereinigungsgespräch zu reservieren. In der Folge verzichtete der OIK II auf eine 

Bereinigung des Angebots der Beschwerdeführerinnen. 

Im Rahmen des technischen Bereinigungsgesprächs mit den Beschwerdegegnerinnen 

erhöhte der OIK II das Angebot der Beschwerdegegnerinnen vorerst um ungefähr 

Fr. 800'000.--, später um weitere Fr. 516’250.--. Die Differenz zum Angebot der 

Beschwerdeführerinnen betrug nach dieser Bereinigung noch rund Fr. 500'000.--. 

2. Der OIK II erteilte mit Verfügung vom 21. Juli 2008 dem Angebot der 

Beschwerdegegnerinnen den Zuschlag. Mit der Zuschlagsverfügung stellte er den 

Anbieterinnen eine Vergleichstabelle mit folgenden «bereinigten» Netto-Endsummen zu:

- Angebot der Beschwerdegegnerinnen Fr. 55'484'336.65

- Angebot der Beschwerdeführerinnen Fr. 55'992'269.95

3

Gegen diese Verfügung haben die Beschwerdeführerinnen mit Eingabe vom 31. Juli 2008 

Beschwerde erhoben. Sie stellen folgende Rechtsbegehren:

«Die Zuschlagsverfügung des Beschwerdegegners vom 21.7.2008 betreffend Baumeisterarbeiten Los 3 

Wankdorfplatz inkl. Tramverlängerung Linie 9 sei aufzuheben und es sei in der Offerte der 

Beschwerdeführer ein offensichtlicher Schreibfehler beim Quadratmeter-Preis und beim Betrag der 

Montagearbeiten für den Holzboden der Werkleitungspassarelle im Sinne von Art. 25 Abs. 2 ÖBV und § 

28 Abs. 2 VRöB zu berichtigen und gestützt darauf seien die Baumeisterarbeiten des Loses 3 des 

vorerwähnten Projektes den Beschwerdeführern zuzuschlagen. 

Der vorliegenden Beschwerde sei Suspensiveffekt zuzuerkennen und es sei dem Beschwerdegegner 

und den Beizuladenden der Abschluss eines Werkvertrages über die in Ziffer 1 hievor erwähnten 

Baumeisterarbeiten bis zu einem rechtskräftigen Entscheid im vorliegenden 

Submissionsbeschwerdeverfahren zu verbieten.»

Die Beschwerdegegnerinnen beantragen in ihrer Eingabe vom 18. August 2008, die 

Beschwerde abzuweisen und der Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zu erteilen. 

Mit Verfügung vom 14. August 2008 erstreckte das Rechtsamt dem OIK II die 

Vernehmlassungsfrist bis 27. August 2008. In der Stellungnahme vom 27. August 2008 

stellt der OIK II folgende Rechtsbegehren:

«Die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.

Eventuell:

Die Beschwerde sei im Sinne der nachfolgenden Erwägungen teilweise gutzuheissen und die Sache zur 

weiteren Behandlung an den OIK II zurückzuweisen.

Der Beschwerde sei keine aufschiebende Wirkung zuzuerkennen.»

3. Das Rechtsamt verzichtet darauf, einen weiteren Schriftenwechsel anzuordnen. Die 

Beschwerdeführerinnen äusserten sich mit Eingabe vom 5. September 2008 zur 

Stellungnahme des OIK II.

4. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den 

nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

4

II. Erwägungen

1. Sachurteilsvoraussetzungen

Die Zuständigkeit der BVE zum Entscheid über die Beschwerde ergibt sich aus Art. 12 

Abs. 1 ÖBG1. Das Angebot der Beschwerdeführerinnen ist beim Zuschlag nicht 

berücksichtigt worden. Würde der Preis in Position R 719.106 berichtigt, ergäbe dies einen 

Angebotspreis von Fr. 55'365'005.95, der Fr. 119'930.70 tiefer wäre als die «bereinigte 

Endsumme» des Angebots der Beschwerdegegnerinnen. Im Fall der Gutheissung ihrer 

Beschwerde haben die Beschwerdeführerinnen somit eine realistische Chance, mit ihrem 

Angebot zum Zug zu kommen. Sie haben deshalb ein schutzwürdiges Interesse an der 

Anfechtung der Zuschlagsverfügung. Die Beschwerde ist innert der zehntägigen 

Rechtsmittelfrist eingereicht worden. Sie enthält einen Antrag und eine Begründung. Die 

BVE tritt auf die Beschwerde ein. 

Das Verfahren vor der BVE richtet sich nach den Bestimmungen des VRPG2, soweit das 

ÖBG nichts anderes bestimmt. Mit der Beschwerde können Rechtsverletzungen, 

einschliesslich Rechtsfehler bei der Ausübung des Ermessens, und die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 14 

Abs. 2 ÖBG). Der Beschwerdegrund der Unangemessenheit gemäss Art. 66 Abs. 1 Bst. c 

VRPG steht dagegen nicht offen.

2. Berichtigung von Fehlern von Amtes wegen

Die Beschwerdeführerinnen sind der Auffassung, dass es sich beim Einheitspreis von 

Fr. 1'980.00 und dem Gesamtbetrag von Fr. 633'600.00 in der Position «NPK 321» R 

719.106 um einen offensichtlichen Schreibfehler «durch irrtümliche Verschiebung des 

Kommas um zwei Dezimalstellen nach rechts» handle. Der Fehler müsste im Sinne von 

Art. 25 Abs. 2 ÖBV und § 28 Abs. 2 der Mustervorlage für Vergaberichtlinien (VRöB) von 

Amtes wegen berichtigt werden. 

1 Gesetz vom 11. Juni 2002 über das öffentliche Beschaffungswesen (ÖBG; BSG 731.2)
2 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)

5

Nach Art. 19 ÖBV3 darf das Angebot nach seiner Einreichung nicht mehr geändert werden. 

Die Vergabestelle prüft die Angebote nach der Öffnung nach einheitlichen Kriterien fachlich 

und rechnerisch (Art. 25 Abs. 1 ÖBV). Sie kann offensichtliche Rechnungs- und 

Schreibfehler berichtigen (Art. 25 Abs. 2 ÖBV). Nach der Prüfung erstellt sie eine 

Vergleichstabelle über die Angebote (Art. 25 Abs. 3 ÖBV). Sie kann von den Anbietern 

Erläuterungen in Bezug auf ihre Eignung und ihr Angebot verlangen (Art. 26 Abs. 1 ÖBV). 

Verhandlungen über Preise, Preisnachlässe und Änderungen des Leistungsinhalts sind 

unzulässig (Art. 27 ÖBV). 

Bei den Bestimmungen von Art. 25 Abs. 2 und Art. 26 Abs. 1 ÖBV handelt es um «Kann-

Vorschriften», die der Vergabestelle ein Ermessen einräumen. Sie kann offensichtliche 

Rechnungs- und Schreibfehler im Angebot der Beschwerdeführerinnen berichtigen und 

kann von den Beschwerdeführerinnen Erläuterungen in Bezug auf ihr Angebot verlangen 

(Art. 26 Abs. 1 ÖBV), sie ist aber dazu nicht verpflichtet. Sie verfügt über ein 

Entschliessungs- oder Handlungsermessen. Da der Beschwerdegrund der 

Unangemessenheit nicht offen steht, ist nicht zu prüfen, ob der OIK II nicht 

zweckmässigerweise eine Berichtigung hätte vornehmen müssen. 

Das Interkantonale Organ für das öffentliche Beschaffungswesen (InöB) hat gestützt auf 

Art. 4 Abs. 2 Bst. b IVöB4 eine Mustervorlage für Vergaberichtlinien (VRöB) erlassen. Diese 

sieht in § 28 vor, dass die Angebote nach einheitlichen Kriterien fachlich und rechnerisch 

geprüft werden. Es können Dritte als Sachverständige beigezogen werden (Abs. 1). 

Offensichtliche Rechnungs- und Schreibfehler werden berichtigt (Abs. 2). Danach wird eine 

objektive Vergleichstabelle über die Angebote erstellt (Abs. 3). Entgegen der Auffassung 

der Beschwerdeführerinnen handelt es sich bei der Mustervorlage für Vergaberichtlinien 

nicht um Vorschriften, die im Kanton gelten. Aus § 28 Abs. 2 VRöB können die 

Beschwerdeführerinnen deshalb nichts zu ihren Gunsten ableiten.

3 Verordnung vom 16. Oktober 2002 über das öffentliche Beschaffungswesen (ÖBV; 731.21)
4 Interkantonale Vereinbarung vom 25. November 1994/15. März 2001 über das öffentliche Beschaffungswesen 
(IVöB)

6

3. Keine Rechnungsfehler 

Rechnungsfehler sind fehlerhaft durchgeführte Operationen mit richtig aufgeführten 

Grössen. Hubert Stöckli5 unterscheidet Rechnungsfehler, die in der Offerte selber liegen 

und auf einer falschen Addition verschiedener Einzelpreise oder auf einer fehlerhaften 

Multiplikation von Einheitspreis und voraussichtlicher Menge beruhen. Wenn sich aus 

Bestimmungen der Auftraggeberin (z.B. «Die Einzelpreise sind bloss informativ. 

Massgeblich ist allein der Totalbetrag.») oder aus der gewählten Preisart (z.B. 

Einheitspreis) unzweifelhaft ergibt, welche der mehreren (sich widersprechenden) 

Preisangaben verbindlich sein soll, darf der fehlerhafte Positionsbetrag korrigiert werden. 

Diese Korrektur schlägt auf den Gesamtpreis (die Summe der Positionsbeträge) und damit 

unter Umständen auf die Rangierung der Angebote durch. 

Ein Rechnungsfehler liegt im vorliegenden Fall nicht vor: Die Beschwerdeführerinnen 

offerierten einen Einheitspreis von Fr. 1'980.00. Multipliziert mit der Menge von 320 m² 

ergibt dies einen Preis von Fr. 633'600.00. Der Einheitspreis und die voraussichtliche 

Menge sind richtig multipliziert worden. 

4. Berichtigung von Kalkulations- und Erklärungsirrtümern

a) Nach Hubert Stöckli6 liegt ein «Kalkulationsfehler» vor, wenn das Angebot in sich 

fehlerfrei (ohne Rechnungsfehler) ist, doch vom «tatsächlichen Willen» des Anbieters 

abweicht. Hierher gehört der Einheitspreis, den der Anbieter falsch übertragen oder den er 

falsch kalkuliert hat, etwa indem er sich «um eine Zehnerpotenz verrechnet»7 hat. Während 

das Bundesgericht die Korrektur solcher Fehler zulässt, sofern der Fehler offensichtlich ist 

und der tatsächliche Wille des Anbieters «eindeutig feststeht», hält Hubert Stöckli analog 

der Behandlung von Rechnungsfehlern eine Berichtigung nur dann für zulässig, wenn der 

Anbieter ihr zustimmt und überdies die Berichtigung ohne Auswirkung auf die 

Schlussrangierung der bewerteten Angebote bleibt. In den übrigen Fällen ist nach Hubert 

Stöckli das Angebot auszuschliessen, sofern der Anbieter seinen (fehlerhaften) Preis - 

5 Hubert Stöckli, Bundesgericht und Vergaberecht: Zur vergaberechtlichen Praxis des Bundesgerichts seit 
1998, in BR/DC 2002 S. 3 ff.
6 Hubert Stöckli, a.a.O. 
7 vgl. BGE 2P.151/1999 vom 30. Mai 2000 (E. 3b)

7

allenfalls aufgrund von Erläuterungen, welche die Vergabestelle verlangt (Art. 26 Abs. 1 

ÖBV) - ausdrücklich bestätigt. Sie tritt insoweit einem möglichen Irrtum (Art. 23 OR8) 

entgegen. Hubert Stöckli begründet seine Rechtsauffassung damit, dass das 

Gleichbehandlungsgebot verletzt wird, wenn einem Anbieter die Gelegenheit eingeräumt 

wird, sein Angebot nachträglich rangwirksam zu modifizieren. Diese Lösung wahrt die 

Verhältnismässigkeit, indem sie eine Alternative zum Ausschluss vom Verfahren schafft, 

ohne das Gleichbehandlungsgebot preiszugeben. Im Übrigen drängt sie die 

Manipulationsgefahr auf ein erträgliches Mass zurück, ohne diese Gefahr vollständig zu 

bannen.

Auch nach Peter Rechsteiner9 sind bei der Berichtigung von Fehlern die 

beschaffungsrechtlichen Grundsätze der Transparenz und der Gleichbehandlung zu 

beachten. Eine Korrektur der Angebotspreise muss deshalb nachvollziehbar, d.h. auch 

sachlich begründbar, sein und darf die übrigen Anbieter nicht benachteiligen, bzw. den 

betroffenen Anbieter nicht bevorteilen. Mit Blick auf Art. 24 Abs. 3 OR, der bei gegebenen 

Voraussetzungen beiden Parteien das Recht auf Korrektur des Vertragspreises gibt, kann 

davon ausgegangen werden, dass eine Preisbereinigung, die diese allfällige Korrektur 

vorwegnimmt, zulässig sein muss. Dabei ist zu beachten, dass unter diesem Gesichtspunkt 

- wenn überhaupt - lediglich arithmetische Fehler zu korrigieren sind, die in den 

(zukünftigen) Vertragsbestandteilen enthalten sind, nicht jedoch Kalkulationsfehler des 

Anbieters10. 

b) Bei andern «offensichtlichen Fehlern» stellt sich für Peter Rechsteiner die Frage, wie 

die Vergabestelle zum «richtigen» Preis kommt. Eine einseitige Korrektur durch die 

Vergabestelle ist nicht zulässig. Die Vergabestelle darf nicht anstelle des offerierten 

Preises, den sie als «unrichtig» vermutet, einen Durchschnittspreis einsetzen, den sie 

aufgrund der übrigen Offertpreise ermittelt. Eine Rücksprache mit dem betreffenden 

Anbieter verletzt das Gleichbehandlungsgebot und öffnet diesem Anbieter häufig die 

Möglichkeit, seine Zuschlagschance durch entsprechende Festlegung des «richtigen» 

Preises zu erhöhen. Auch Peter Rechsteiner hält dafür, dass Kalkulationsfehler nicht 

korrigierbar sein sollten, räumt aber ein, dass das Bundesgericht eine andere Auffassung 

8 Bundesgesetz vom 30. März 1911 betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter 
Teil: Obligationenrecht) (OR; SR 220)
9 Peter Rechsteiner, Der Angebotspreis: Probleme und Lösungen, in BR/DE 2004 Sonderhet S. 7 ff.
10 Zum Kalkulationsfehler BGE 102 II 82 ff.

8

vertritt. Die BVE hält mit Hubert Stöckli und Peter Rechtsteiner eher dafür, dass 

Kalkulationsfehler grundsätzlich nicht als Schreibfehler berichtigt werden dürfen.

Im vorliegenden Fall liegt nach Darstellung der Beschwerdeführerinnen kein 

Kalkulationsfehler, sondern ein Fehler in der Preiserklärung vor. Die 

Beschwerdeführerinnen erklärten in ihrem Angebot einen anderen Einheitspreis, als sie 

eigentlich gewollt hätten. Sie wollten Fr. 19.80 schreiben, schrieben aber Fr. 1'980.00. Was 

für Kalkulationsfehler gilt, muss auch für Erklärungsfehler gelten. Für die BVE ist es mit 

Hubert Stöckli und Peter Rechtsteiner systemwidrig, einem Erklärungsirrtum dieselben 

Rechtsfolgen angedeihen zu lassen wie einem offensichtlichen Rechnungsfehler. Während 

nämlich obligationenrechtlich ein offensichtlicher Rechnungsfehler einen Vertrag nach der 

Korrektur weiter bestehen lässt (vgl. Art. 24 Abs. 3 OR), bewirkt der wesentliche 

Erklärungsirrtum dessen einseitige Unwirksamkeit (Art. 23 OR). Der Anbieter muss sich auf 

Grund des Obligationenrechts weder binden noch eine Korrektur gefallen lassen. Unter 

diesen Umständen wäre unverständlich, wenn man die Vergabestelle verpflichten würde, 

Erklärungsfehler zu berichtigen. Hinzu kommt, dass es für die Vergabestelle schwierig ist 

zu entscheiden, ob das Angebot einen Erklärungs- oder Kalkulationsirrtum aufweist. 

Deshalb darf - wie der Kalkulationsfehler - auch der Erklärungsirrtum nicht als 

Schreibfehler im Sinne Art. 25 Abs. 2 ÖBV qualifiziert werden.

c) Selbst wenn man im vorliegenden Fall den Erklärungsfehler der 

Beschwerdeführerinnen als Schreibfehler im Sinne von Art. 25 Abs. 2 ÖBV qualifizieren 

würde, ist zu beachten, dass sich die Korrektur nicht hätte transparent nach Massgabe des 

«tatsächlichen Willens» der Beschwerdeführerinnen vollziehen lassen. Deshalb wäre das 

Gleichbehandlungsgebot einer Korrektur entgegengestanden. Jedenfalls kann dem OIK II 

keine Rechtsverletzung bei der Ausübung des Ermessens vorgeworfen werden, wenn er 

darauf verzichtet hat, bei den Beschwerdeführerinnen Erläuterungen in Bezug auf ihr 

Angebot zu verlangen. 

5. Bundesgerichtsurteil 2P.151/199 vom 30. Mai 2000

Mit Urteil vom 30. Mai 2000 (2P.151/1999) hielt das Bundesgericht in E. 3 fest: «Wenn der 

Auftraggeber nach ausdrücklicher Submissionsvorschrift von den Anbietern schon 

Erläuterungen bezüglich ihres Angebots verlangen kann, so muss er dabei festgestellte 

9

offensichtliche Versehen auch korrigieren können, ansonsten diese Regelung in vielen 

Fällen, insbesondere bei Preisanalysen, ihren Sinn und Zweck verfehlen würde. Eine 

Berichtigung muss jedenfalls dann zulässig sein, wenn auf Grund der eingeholten 

Erläuterung der tatsächliche Wille des Anbieters eindeutig feststeht.» Peter Rechsteiner 

hält mit Hubert Stöckli diese Rechtsprechung als problematisch, weil sie dazu führt, dass 

ausgerechnet ein Anbieter, der sich geirrt hat, eine zweite Offert-Chance erhält, was er als 

Bevorteilung des irrenden Anbieters und Ungleichbehandlung der übrigen Offerenten 

betrachtet und vor dem Hintergrund des kantonalen Verhandlungsverbots ohnehin als 

unzulässig qualifiziert. 

Die BVE ist der Auffassung, dass die Erwägungen des Bundesgerichts in diesem Urteil 

nicht ohne Weiteres auf den vorliegenden Fall übertragen werden können. Wie dem Urteil 

entnommen werden kann, lautete die Walliser Vorschrift über die Berichtigung von 

offensichtlichen Rechnungs- und Schreibfehlern gleich wie die Mustervorlage für 

Vergaberichtlinien: «Offensichtliche Fehler, wie Rechnungs- und Schreibfehler, werden 

berichtigt.» Wie bereits oben ausgeführt, räumt die «Kann-Vorschrift» den bernischen 

Vergabestellen ein Ermessen ein. Der Staatsrat des Kantons Wallis verfügte nicht über 

dieses Ermessen. Aus dem Urteil können die Beschwerdeführerinnen nichts zu ihren 

Gunsten ableiten.

6. Rechtsfehler bei der Ausübung des Ermessens

Nachdem fraglich ist, ob es überhaupt zulässig ist, einen Erklärungsirrtum der 

Beschwerdeführerinnen als Schreibfehler zu korrigieren, können dem OIK II keine 

Rechtsfehler vorgeworfen werden, wenn er auf eine Berichtigung und eine Erläuterung 

verzichtet hat. Hinzu kommt, dass fraglich ist, ob der Fehler offensichtlich war. Allein der 

Umstand, dass die Berichtigung einer Nachfrage bei den Beschwerdeführerinnen bedurft 

hätte, zeigt, dass der Fehler nicht offensichtlich war.11 Es war Sache der vier 

Beschwerdeführerinnen dafür zu sorgen, dass ihr Angebot frei von Erklärungsfehlern ist. 

Eine Rechtsververletzung bei der Ausübung des Ermessens liegt nicht vor. 

7. Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung

11 Urteil Verwaltungsgericht ZH VB 2005.00543 vom 22. März 2006

10

Mit dem vorliegenden Entscheid in der Hauptsache wird das Gesuch der 

Beschwerdeführerinnen um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerden 

gegenstandslos.

8. Oberinstanzliche Verfahrens- und Parteikosten

a) Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten bestehen aus einer Pauschalgebühr. Für 

besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren 

erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Gestützt auf Art. 19 GebV12 wird die Pauschale 

auf 1'600 Franken festgelegt. 

Die Beschwerdeführerinnen unterliegen. Ihnen werden deshalb die oberinstanzlichen 

Verfahrenskosten zur Bezahlung auferlegt (Art. 108 Abs. 1 VRPG). 

b) Die Beschwerdeführerinnen haben den Beschwerdegegnerinnen zudem die 

Parteikosten zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Keinen Anspruch auf Ersatz der 

Parteikosten hat der OIK II (Art. 104 Abs. 3 VRPG). 

Nach Art. 41 KAG13 regelt der Regierungsrat durch Verordnung die Tarifordnung für die 

Bemessung des Parteikostenersatzes durch die Gerichte und Verwaltungsjustizbehörden. 

Die Tarifordnung besteht aus Rahmentarifen für Zivilrechts-, Verwaltungsrechts- und 

Strafrechtssachen. In Zivilrechtssachen und verwaltungsrechtlichen Klageverfahren ist der 

Streitwert massgebend. Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der Parteikostenersatz 

nach dem in der Sache gebotenen Zeitaufwand und der Bedeutung der Streitsache sowie 

der Schwierigkeit des Prozesses. Als geboten gilt der Zeitaufwand, den ein fachlich 

ausgewiesener und gewissenhafter Anwalt unter Berücksichtigung der Bedeutung der 

Sache und des Schwierigkeitsgrads der tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse für die 

korrekte Erledigung des Geschäfts benötigt14.

12 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung; GebV, 
BSG 154.21) 
13 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März  2006 (KAG; BSG 168.11) 
14 VGE 22659 vom 28.8.2007 i.S. B., E. 5.3 mit Hinweisen

11

In Verwaltungsrechtssachen beträgt das Honorar 400 bis 11 800 Franken pro Instanz. Sind 

bedeutende vermögensrechtliche Interessen zu wahren, wird auf dem Honorar ein 

Zuschlag von bis zu 200 Prozent gewährt (Art. 11 PKV15). Bei der Beurteilung, ob 

bedeutende vermögensrechtliche Interessen zu wahren sind, ist der Streitgegenstand zu 

betrachten. Zielt das Verfahren auf das Feststellen oder Zusprechen einer bestimmten 

Geldsumme ab, sind Vermögensinteressen zu wahren (z.B. Verfahren betreffend 

Gebühren- und Abgabenerhebung, Verfahren betreffend Bemessung der Parteikosten, 

Verfahren betreffend Abgeltung von Überzeit und Ferien, Verfahren betreffend 

Entschädigung aus materieller Enteignung und Verfahren betreffend Staatshaftung). 

Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist ein Zuschlag im öffentlichen 

Beschaffungsrecht. Dieses Verfahren zielt nicht auf das Feststellen oder Zusprechen einer 

bestimmten Geldsumme ab. Die neue Parteikostenverordnung hat nichts daran geändert, 

dass bei submissionsrechtlichen Streitigkeiten keine vermögensrechtlichen Interessen zu 

wahren sind. Es kann diesbezüglich auf die Praxis zum alten Dekret über die 

Anwaltsgebühren16 verwiesen werden.17 Die Parteikosten der Beschwerdegegnerinnen 

werden ohne Zuschlag auf Fr. 5'930.90 festgelegt. Darin sind die Auslagen und die 

Mehrwertsteuer eingeschlossen. 

III. Entscheid

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. Die Verfügung des OIK II vom 21. Juli 2008 wird 

bestätigt. 

2. Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 1600.00 werden den 

Beschwerdeführerinnen zur Bezahlung auferlegt. Sie haften solidarisch für den 

gesamten Betrag.

Eine Zahlungseinladung folgt, sobald dieser Entscheid in Rechtskraft erwachsen ist. 

15 Verordnung über die Bemessung des Parteikostenersatzes vom 17. Mai 2006 (Parteikostenverordnung, 
PKV; BSG 168.811)
16 Dekret vom 6. November 1973 über die Anwaltsgebühren (DAG)
17 BVR 2005 S. 561, nicht publizierte E.6; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 
1997, Art. 104 N. 5

12

3. Die Beschwerdeführerinnen haben den Beschwerdegegnerinnen die Parteikosten, 

bestimmt auf Fr. 5'930.90 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu ersetzen. Sie 

haften solidarisch für den gesamten Betrag.

IV. Eröffnung

- Herrn Rechtsanwalt Dr. B.________, als Gerichtsurkunde

- Frau Rechtsanwältin D.________, als Gerichtsurkunde

- Herrn Fürsprecher E.________, als Gerichtsurkunde 

BAU-, VERKEHRS- UND 

ENERGIEDIREKTION

Die Direktorin

B. Egger-Jenzer,

Regierungspräsidentin