# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b7ebc400-7d41-5dd5-993f-f8dc2bf436b1
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-12-14
**Language:** de
**Title:** Aufhebung der ursprünglichen Verfügung und Rückweisung zu weiteren Abklärungen, da medizinischer Sachverhalt nicht ausreichend abgeklärt.
**Docket/Reference:** IV.2014.00613
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2014.00613.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2014.00613
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Gerichtsschreiberin Schwegler
Urteil
vom
14. Dezember 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
Matthias Gut
Gfennstrasse
47, 8603
Schwerzenbach
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Die 1966 geborene und
zuletzt in der Reinigung im Altersheim und beim Mittags
tisch
Y.___
tätige
X.___
meldete sich am 2
4.
September
2010 (Eingangsdatum,
Urk.
14/9
) bei der
Sozialversicherungsan
stalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum
Bezug von Leistungen (Rente) an.
Nach erwerblichen und medizinischen Abklärungen und Auferlegung einer
Schaden
minderungspflicht
(
Brief
vom
9.
November 2011,
Urk.
14/23) sprach ihr die
IV-Stelle mit Verfügung vom 1
7.
April 2012 (
Urk.
14/39,
Urk.
14/44
) ab dem
1.
März 2011 eine ganze Rente zu.
Anlässlich einer von Amtes wegen durchgeführten Revision (
Revision
sfragebo
gen
vom
2.
Februar 2013,
Urk.
14/57) tätigte die IV-Stelle medizinische
und erwerbliche
Abklärungen. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbe
scheid vom 1
5.
November 2013,
Urk.
14/67; Einwand vom 2
5.
November 2013,
Urk.
14/70) hob die IV-Stelle die Rente der Versicherten mit Verfügung vom 2
2.
Mai 2014 (
Urk.
2) mit Wirkung auf Ende des nach Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf.
2.
Hiergegen erhob die V
ersicherte am
4.
Juni 2014 Beschwerde (
Urk.
1
) und liess sinngemäss beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und der Beschwerdeführerin
sei
weiterhin eine ganze Rente auszurichten.
Mit
Eingabe
vom 2
6.
Juni 2014 (
Urk.
8)
wies sich
Rechtsanwalt
Dr.
iur
.
Matthias Gut
als Vertreter der Beschwerdeführerin aus
und ersuchte um Zustellung der Akten und Fristansetzung zur Verbesserung und Präzisierung der Beschwerde. In pro
zessualer Hinsicht
ersuchte
er namens seiner Klientin um Gewährung der
unentgeltliche
n
Prozessführung und
um
Bestellung von
Rechtsanwalt
Dr.
Matt
-
hias
Gut als
unentgeltlichen
Rechtsbeistand.
Da
die Beschwerdeschrift den Anforderungen an eine Beschwerde genügte, wurde mit Verfügung vom
2.
Juli 2014
(
Urk.
11)
keine Nachfrist
zur Ergänzung der Beschwerde
, sondern der Beschwerdegegnerin 30 Tage Frist zur Stellungnahme angesetzt. Die Beschwer
-
degegnerin
schloss mit Beschwerdeantwort vom
3.
September 2014 auf A
bweisung der Beschwerde
(
Urk.
13
unter Beilage ihrer Akten
,
Urk.
14/1-85). Mit Verfügung vom 2
0.
Oktober 2014
(
Urk.
15)
wurde die unentgeltliche P
rozessführung bewilligt und Rechtsanwalt
Dr.
Matthias Gut als unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt. Gleichzeitig wurde ein zweiter Schriftenwechsel ange
ordnet.
Mit Replik
vom 2
1.
November 2014 (
Urk.
17
unter Beilage des
Arztbe
richtes
von
Dr.
med.
Z.___
, praktische Ärztin FMH,
vom 1
1.
November 2014,
Urk.
18) hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest. Die Beschwerdegegnerin verzichtete
mit Schreiben vom 1
4.
Januar 2015
auf eine Duplik (
Urk.
21), was der Beschwerdeführerin am 1
9.
Januar 2015 (
Urk.
22) zur Kenntnis gebracht wurde.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
In der angefochtenen Verfügung vom 2
2.
Mai 2014 führte die
Beschwerdegegne
rin
aus, dass aus neurologischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit bestehe. Nicht zumutbar seien Tätigkeiten, die aufgrund der Epilepsie
die Beschwerdeführerin gefährden könnten, das heisst
Arbeiten in Gefahrenberei
chen wie an gefährlichen Maschinen, auf Leitern und Gerüsten oder mit heissen Flüssigkeiten.
Die Depression werde als remittiert beschrieben und liege folglich nicht mehr vor. Es bestehe somit keine erkennbare gesu
ndheitliche Beeinträch
tigung
, welche eine Arbeitsunfähigkeit begründe.
An dieser Sichtweise
hielt sie mit Beschwerdeantwort vom
3.
September 2014 (
Urk.
13) fest
.
1.2
Die Beschwerdeführerin führte im Wesentlichen aus, die d
iversen schweren Erkrankungen (e
pileptische Anfälle, Bluthochdruck wegen verschlossenen Arte
rien, Beschwerden und Unverträglichkeiten aufgrund der diversen Medika
mente, Ausbruch von Hepatitis C etc.) würden sie belasten. Die psychischen Belastungen, welche auch mit den Krankheiten zusammenhängen würden, überwinde sie mit psychologischer Hilfe und entsprechenden Medikamenten und schaffe es so fast immer, den Alltag zu bewältigen. Eine Arbeit auf dem Arbeitsm
arkt werde ihr nie möglich sein.
B
ereits die Stellensuche würde
sie überfordern
(
Urk.
17 S. 4
).
Der zusätzliche Stress einer Stellensuche, eines
Ver
such
s
, die verlangte Leistung an einem A
rbeitsplatz zu erbringen und eines vor
programmierten
Stellenverlusts
würde eine schwere Depression auslösen und sie könnte ihren Alltag nicht mehr selbständig bewältigen.
Auch sei nicht die Depression für den Rentenentscheid 2012 ausschlaggebend gewesen, sondern vielmehr die diversen schweren Erkrankungen und das labile psychische Gleichgewicht der Beschwerdeführerin. Ärztlich belegt sei, dass sich ihr Gesundheitszustand seit 2009 verschlechtert habe und bezüglich ihrer psychi
schen Belastbarkeit keine Änderung eingetreten sei (
Urk.
17 S. 5).
2.
2.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71
E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
2.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe
Rente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
2.
3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist ent
scheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderli
chen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berück
sichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person aus
einander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räu
mende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134
V
231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in
H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss ständiger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung - da diese das Verfahren verlängert und verteuert - abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. SVR 1995 ALV Nr. 27 S. 69).
3.
3.1
Die
Rentenzusprache
vom 1
7.
April 2012 (
Urk.
14/39
und
Urk.
14/44
) stützte sich in medizinischer Hinsicht auf das
von der Beschwerdegegnerin eingeholte
Gutachten von
Dr.
med.
A.___
, Facharzt für Neurologie FMH, vom 2
2.
Februar 2011 (vgl. Feststellungsblatt vom 1
7.
Januar 2012,
Urk.
14/28 S. 3 ff.).
Dr.
A.___
hielt folgende Diagnosen fest
(
Urk.
14/20 S. 8)
:
-
Generalisierte arteriosklerotische Gefässerkrankung mit Verschluss der lin
ken
Arteria
carotis
interna
mit inzwischen ausreichender
Kollateralisierung
und
Status nach
linkshirniger
tran
sitorischer ischämischer Attacke (TIA
) 07/2006 und fraglich 9/2009 (v
askuläre Risikofaktoren:
Nikotinabusus
und Hypertonie)
-
Symptomatische Epilepsie mit fokalen und generalisierten Anfällen seit Herbst 2009; aktuell insuffiziente antikonvulsive Einstellung
-
Verdacht auf
le
ichte Intelligenzminderung mit i
nsuffizienten
Stressbewälti
gungsstrategien
und Neigung zu Suchtverhalten
Bei der Beschwerdeführerin habe im Juli 2006 eine über 30 Minuten anhaltende
Hemisymptomatik
rechts im Rahmen eines angiographisch gesicherten Ver
schlusses der linken
Arteria
carotis
interna
bestanden, der zu kleineren kortika
len Infarkten prä- und postzentral sowie subkortikal im präzentralen Anteil der linken Corona
radiata
, geführt habe. Aufgrund des vaskulären Risikoprofils mit
Nikotinabusus
und arterieller Hypertonie sei am ehesten von einem arterio
sklerotisch/thrombotischen Verschluss au
szugehen. Im August 2009 habe no
ch
-
mals eine transiente
linkshirnige
Symptomatik bestanden, wobei nachträg
lich nicht zu entscheiden gewesen sei, ob es sich dabei wiederum um eine TIA oder um die Erstmanifestation einer im Herbst 2009 fachneurologisch diagnos
tizierten symptomatischen Epilepsie mit fokalen und generalisierten Anfällen gehandelt habe. Diesbezüglich hätten mehrfach anfallsartige Ereignisse, eben
falls mit rechtsseitiger
Hemisymptomatik
bestanden. Unter einer im März 2010 etablierten antikonvulsiven Prophylaxe mit 750 mg
Keppra
seien weiterhin Anfälle aufgetreten. Aufgrund der subjektiven Angaben mit häufigem
mor
gendlichen
Erwachen mit muskelkaterartigen Schmerzen sei nicht auszu
schliessen, dass auch weiterhin nächtliche epileptische Anfälle auftreten würden (
Urk.
14/20 S. 7).
Eine neurologisch-
epileptologische
Verlaufskontrolle am
B.___
sei pendent. Die Beschwerdeführerin sei im Intervall, abgesehen von einer generalisierten Reflexsteigerung, fokal-neurologisch unauffällig. Auf
grund ihres einfachen Bildungsniveaus bestehe ein inadäquater Umgang mit der Erkrankung.
Der Gutachter
führte aus, die Beschwerdeführerin sei aufgrund fortbestehender epileptischer Anfälle seit Herbst 2009 arbeitsunfähig. Nach Optimierung der antiepileptischen Medikation wäre aus neurologischer Sicht in einer intellektuell wenig fordernden, leicht erlernbaren Tätigkeit (nicht an laufenden und
verlet
zungsträchtigen
Maschinen, nicht auf Leitern oder Gerüsten) ohne
Nachtdienst
belastung
medizinisch-theoretisch eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit vor
stellbar.
Die medizinisch begründete Arbeitsunfähigkeit bestehe seit Beginn der
Epilepsie, wahrscheinlich im Herbst 200
9.
Bei fortbestehenden Anfällen seither sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (
Urk.
14/20 S. 8 f.).
Als Möglichkeiten zur Verbesserung der Arbeit
sfähigkeit wären insbesondere e
ngmaschigere neurologische Kontrollen zur besseren Einstellung der Epilepsie und ein konsequenter Nikotinverzicht im Hinblick auf die bestehende
Gefässer
krankung
notwendig.
Die Beschwerdeführerin
sei im Rahmen insuffizienter Stressbewältigungsstrategien bei Status nach Heroinabhängigkeit und Alkohol
abusus gefährdet, auch künftig in stressbelasteten Situationen wieder zu Suchtmitteln zu greifen. Eine regelmässige psychiatrisch-psychotherapeutische Begleitung wäre daher zusätzlich sinnvoll (
Urk.
14/20
S.
8 f.).
Die letzte neurologische Einschätzung des
B.___
sei vom 2
4.
November 2010 datiert. Zu diesem Zeitpunkt sei noch nicht bekannt gewesen, dass die Beschwerdeführerin weiterhin an epileptischen Anfällen leide, die aktuell eine Berufstätigkeit ausschliessen würden, solange keine suffizientere medikamen
töse Anfallskontrolle erfolge (
Urk.
14/20 S. 9).
3.2
Die aktuelle medizinische Aktenlage präsentiert sich wie folgt:
3.2.1
Die Ärzte der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie des
B.___
hielten im Bericht der
hepatologischen
Jahreskontrolle vom 1
6.
April 2013
als Diagnosen 1) eine Arteriosklerose, 2) Gallenblase nicht darstellbar, differentialdiagnostisch Agenesie, kontrahiert und 3) ansonsten normale Sonographie des Abdomens und normale Lebersteifigkeit, fest (
Urk.
14/69 S. 12). Die Lebersynthesewerte seien weiter im Normbereich. Die Transaminasen zeigten sich im Vergleich zur Voruntersuchung gebessert mit normaler AST/ALT und nur leicht erhöhter GGT. Womöglich habe sich die Verbesserung der Transaminasen durch den deutlich reduzierten Alkoholkonsum seit der letzten Kontrolle
eingestellt
. Die Beschwer
deführerin wünsche vorerst weiterhin keine Hepatitis C Therapie.
Sono
- und
elastographisch
habe sich weiterhin kein Hinweis für eine
Fibrosierung
gezeigt, so dass sich eine Therapie in keiner Weise aufdränge. Die nächste Kontrolle erfolge in einem Jahr.
Sonographisch
habe die Gallenblase aktuell wie in den zwei letzten Sonographien nicht dargestellt werden können, ein Status nach
Cholezystektomie
bestehe gemäss Beschwerdeführerin
nicht
.
Differentialdiag
nostisch
müsse an eine Gallenblasen-Agenesie oder an eine kontra
hierte Gal
lenblase gedacht werden. Zur weiteren Differenzierung könnte ein MR-Abdo
men durchgeführt werden. Bei jedoch fehlender Konsistenz hätten sie darauf verzichtet (
Urk.
14/69 S. 12).
3.2.2
Dr.
med.
C.___
, Assistenzärztin
der Klinik für Neurologie des
B.___
,
hielt in ihrem von der Beschwerdegegnerin eingeholten
Arztbericht vom 2
3.
September 2013 als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
symptomatische Epilepsie mit einfach-fokalen und wahrscheinlich generalisier
ten Anfällen fest
.
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit notierte sie fol
gende Diagnosen
(
Urk.
14/65 S. 5)
-
Ischämischer Schlaganfall im Media-Stromgebiet links 06/2009 mit/
b
ei
-
Klinisch: sensomotorisches
He
misyndrom
rechts für 30 Minuten
-
Konventionelle An
g
iographie vom 1
9.
J
uni 2009: kompletter Ver
schluss
der linken A.
carotis
interna
,
Kollateralisierung
via A.
comm
.
post
. l
inks und ebenfalls via A.
comm
.
ant
., minimal retrograd via
A.
carotis
externa
links via A.
ophthalmica
Farbduplexsonografie vom 1
4.
August 2009: unverändert zum Vorbefund Verschluss der linken A.
carotis
interna
-
Therapeutisch: Wechsel der antithrombotischen Prophylaxe von Aspi
rin auf
Asasan
tin
nach TIA mit passagerer motorischer
Hemisympto
matik
über wenige Minuten Anfang 08/2009
-
cardiovaskuläre
Risikofaktoren (
cvRF
)
: arterielle Hypertonie,
Nikotina
busus
Es bestehe eine symptomatische Epilepsie auf dem Boden einer strukturellen
cerebralen
Läsion, so dass das Risiko, epileptische Anfälle zu erleiden, hoch sei, was auch der weiterhin nicht anfallsfreie Verlauf unter einer
Kombinationsthe
rapie
zeige. Sie nehme zur Zeit
Keppra
und
Lamictal
ein (
Urk.
14/65 S. 6).
Sie sei durch die Gefahr von epileptischen Anfällen eingeschränkt. Keine Arbeits
fähigkeit bestehe für 1) Arbeiten an schweren/gefährlichen Maschinen, 2) Arbeiten mit Starkstrom, 3) ungesicherte Arbeiten in der Höhe, 4) Ar
b
eiten, für die das
Führen
eines Fahrzeugs notwendig ist und 4) die Beaufsichtigung von Schutzbefohlenen. Ansonsten sei die Arbeitsfähigkeit erhalten.
Keppra
könne zu einer vermehrten Tagesmüdigkeit führen.
Dr.
C.___
bejahte eine verminderte Leistungsfähigkeit dahingehend, dass eine vermehrte
Tages
müdigkei
t
bestehe (
Urk.
14/65 S. 6 f.).
Eine neuropsychologische Testung se
i nicht durchgeführt worden
(
Urk.
14/65 S. 9).
3.2.3
Die Ärzte der Klinik für
Angiologie
des
B.___
diagnostizierten
im Austrittsbericht vom
8.
Januar 2014
F
olgendes
(
Urk.
14/73 S. 3 f.)
:
-
Generalisierte Arteriosklerose
-
Renovaskuläre
Erkrankung
•
Aktuell:
PTA hochgrad
ige (
inStent
) Stenose Nierenart
erie rechts am
3.
Januar 2014
•
Status nach
u.e.
Eingriffen
-
Cerebrovaskuläre
Erkrankung
•
Status nach subakutem ischämischem Schlaganfall im
Mediastrom
gebiet
links 6/09
•
Verschluss der linken A.
carotis
interna
•
Status nach TIA 08/09 unter Aspirin, Therapiewechsel auf
Asasan
tin
-
kvRF
: arterieller Hypertonus,
Nikotinabusus
-
Symptomatische Epilepsie mit einfach-fokalen und wahrscheinlich sekundär generalisierten Anfällen
-
Aetiologie
: vermutlich symptomatisch bei Status nach wiederholten ischämischen CVIs (siehe Diagnose 1)
-
EEG: Funktionsstörung links temporal 03/10 und 11/10, leichter
Herd
befund
rechts temporal 05/10
-
Chronische Hepatitis C, Genotyp 4
Die elektive
Hospitalisation
der Beschwerdeführerin mit
renovaskulärer
Ver
schlusskrankheit sei zur PTA der In-Stent-Stenose der Nierenarterie rechts erfolgt. Dies habe am
7.
Januar 2014 erfolgreich durchgeführt werden können. Die
angiologische
Kontrolle inklusive Duplexsonographie am nächsten Tag habe ein gutes Resultat und eine
blande
Punktionsstelle ohne Blutungszeichen gezeigt. Die Laborwerte seien unauffällig gewesen. Der Blutdruck sei während der
Hospitalisation
meistens im Normbereich gelegen. Die
Hospitalisation
sei komplikationslos verlaufen
und die Beschwerdeführerin habe
am
8.
Januar 2014 in gutem Zustand nach Hause entlassen werden
können
. Sie würden eine Sekundärprophylaxe mit
Asasantin
und
Statin
empfehlen sowie die Weiterfüh
rung der etablierten Medikation. Eine
duplexsonographische
Verlaufskontrolle sei in drei Monaten empfohlen, ein Aufgebot folge (
Urk.
14/73 S. 3 f.).
3.2.4
Dr.
Z.___
stellte in ihrem von der Beschwerdegegnerin eingeholten
Arztbe
richt
vom 1
7.
Februar 2014
(
Urk.
14/74)
folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Generalisierte Arteriosklerose
-
renovaskuläre
Erkrankung
-
cerebrovaskuläre
Erkrankung
-
Symptomatische Epilepsie
-
Chronische Hepatitis C
-
Status nach Suchterkrankung/Alkoholabhängigkeit
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hielt sie rezidivierende depressive Episoden fest (
Urk.
14/74 S. 1).
Dr.
Z.___
führte aus, dass die Beschwerdeführerin durch immer
wiederkeh
rende somatische Probleme und Eingriffe etc. unter grossem physiologischem Stress stehe
. Sie sei dadurch extremer psychischer Belastung ausgesetzt. Dies ergebe eine starke Leistungsminderung in der Zusammenschau der
Multimorbi
dität
der Beschwerdeführerin. Sie sei mit der Erziehung ihres Sohnes und dem Haushalt
mehr als ausgelastet und es könne ihr auf keinen Fall mehr zugemutet werden (
Urk.
14/74 S. 2).
Ihre Aufgaben im Haushalt und die Erziehung ihres 12-jährigen Sohnes könne sie gut bewältigen
. Sie b
rauche tagsüber eine Ruhepause, s
o sei sie psychisch und somatisch kompensiert. Zusätzliche Belastung sei womöglich zu vermeiden. Arbeit ausser Haus würde ihren psychischen und körperlichen Zustand ver
schlechtern (
Urk.
14/74 S. 4).
Das Konzentrationsvermögen, die Anpassungsfähigkeit und die Bel
astbarkeit seien eingeschränkt, d
as Auffassungsvermögen sei intakt. Fahrtauglichkeit bestehe keine (
Urk.
14/74 S. 4).
4.
4.1
Aus dem Vergleich dieser medizinischen Aktenlage ergibt sich, dass seit der Begutachtung durch Dr.
A.___
(E. 3.1) weitere neurologische Abklärungen statt
fanden und insbesondere die epileptischen Anfälle medikamentös eingestellt werden konnten, sodass – wie vom Gutachter vorausgesehen – eine stabilere gesundheitliche Situation vorliegt, die zu einer Zunahme der Leistungsfähigkeit und damit zu einem Wiedergewinn der Arbeitsfähigkeit führt (vgl. E. 3.2.2). Damit liegt grundsätzlich ein Revisionsgrund vor. Bei einer materiellen Revision müssen die
Anspruchsberechtigung und allenfalls der Umfang des Anspruchs pro
futuro
geprüft werden. Dies heisst, dass der für die Zukunft festzulegende Invaliditätsgrad gestützt auf einen richtig und vollständig festgestellten Sachverhalt zu ermitteln ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_837/2010 vom 30. August 2011 E. 3.1 mit Hinweisen).
4
.
2
Im Rahmen des von Amtes wegen eingeleiteten Revisionsverfahren liegen
Arztbe
richte
der Klinik für Neurologie des
B.___
(
Urk.
14/57 S. 13 f.,
Urk.
14/62 S. 6 f.,
Urk.
14/65 S. 4 ff.,
Urk.
14/65 S. 11 ff.,
Urk.
14/69 S. 15 f.), der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie des
B.___
(
Urk.
14/57 S. 8 f.,
Urk.
14/69 S. 11 f.), der Klinik für
Angiologie
des
B.___
(
Urk.
14/69 S. 3 ff.,
Urk.
14/73 S. 3 f.,
Urk.
14/74 S. 5 f.) sowie von
Dr.
Z.___
(
Urk.
14/57 S. 3 f.,
Urk.
14/60,
Urk.
14/70,
Urk.
14/74,
Urk.
14/78,
Urk.
14/84 S. 9) vor. Von den behandelnden Ärzten des
B.___
äusserte sich lediglich
Dr.
C.___
von der Klinik für Neurologie des
B.___
im von der Beschwerdegegnerin eingeholten Arztbericht vom 2
3.
September 2013 (
Urk.
14/65 S. 5 ff.) zur Arbeitsfähigkeit. Dabei berücksichtigte sie allerdings nur die Auswirkungen der Epilepsie, weitere somatische sowie allfällige psychiatrische Einschränkungen beurteilte sie nicht.
Gestützt auf den Bericht von
Dr.
C.___
kann
damit
keine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erfolgen.
Auf die Einschätzung von
Dr.
Z.___
als behandelnde Ärztin kann - unter Hinweis auf die Erfahrungstatsache, dass behandelnde Arztpersonen
im Hin
blick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen
, nicht abgestellt werden
(BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Med.
pract
.
D.___
, Facharzt für Neurologie FMH, des Regionalen Ärztli
chen Dienstes (RAD), berücksichtigte in seiner Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vom 2
1.
Oktober 2013 lediglich den ischämischen Insult im Mediastromgebiet links 06/2009, die symptomatische Epilepsie sowie die rezidivierenden depressi
ven Episoden. Die weiteren somatischen Einschränkungen beurteilte er nicht (
Urk.
14/66 S. 5). Nach erfolgtem Einwand und unter Berücksichtigung der neu
eren medizinischen Akten erfolgte eine Einschätzung des RAD-Arztes
Dr.
med.
Dr.
rer
. pol.
E.___
, Facharzt für Innere Medizin. Er nahm allerdings nur zur Intervention am
B.___
an der A.
renalis
rechts Stellung und hielt fest, dass diese ohne Komplikationen verlaufen und
duplexsonographisch
ein gutes Resultat erzielt worden sei. Damit sei ein renal-
angiologischer
Gesundheitsschaden mit einer andauernden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit unwahrscheinlich (
Urk.
14/75 S. 3). Eine gesamthafte Beurteilung der somati
schen und allfälligen psychiatrischen Einschränkungen unterblieb allerdings, so dass deren Zusammenwirken und die allenfalls daraus resultierenden Ein
schränkungen auf die Arbeitsfähigkeit nicht beurteilt werden können. Es kann somit nicht auf die Einschätzung der RAD-Ärzte abgestellt werden.
4
.
3
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass gestützt auf die vorliegenden
Arztbe
richte
und Unterlagen die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer somatischen sowie allfälligen psychiatrischen Einschränkungen nicht abschliessend beurteilt werden kann.
Die angefochtene Verfügung ist deshalb
aufzuheben. Im Weiteren ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen, damit diese
die notwendigen Abklärungen, vorzugsweise im Rahmen einer polydisziplinären Begutachtung, vornimmt und d
anach
über den Renten
anspruch der Beschwerdeführerin
neu verfügt.
In
diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen.
5
.
5
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist gestützt auf
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1 und 3
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) unter
Berück
sichti
gung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
2‘0
00.-- (inklusive
Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefoch
tene Verfügung vom 2
2.
Mai 2014
aufgehoben
,
und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen
wird
, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem unentgeltlichen Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt Dr. Matthias Gut,
Schwerzenbach
,
eine
Prozessent
schädigung
von
Fr.
2‘000
.-- (inkl. Bar
auslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt
Dr.
Matthias Gut
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still:
vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstSchwegler