# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2689402b-5482-5683-bb36-0f629ad7762c
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-04-07
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 07.04.2022 SST.2021.184
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2021-184_2022-04-07.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

 

SST.2021.184 
(ST.2020.179; StA.2018.6520) 

 

 

Urteil vom 7. April 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier  

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin Rosset 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Baden, 

Mellingerstrasse 207, 5405 Dättwil AG  

 

Privatklägerin   A.C._____, 

[…] 

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin Alessandra Strub,  

[…] 

 

 
    

Beschuldigter   B._____,  

geboren am tt.mm.1967, von Mexiko, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Stephan Fröhlich,  

[…] 

 

  

 
 

Gegenstand  Sexuelle Handlungen mit Kindern, versuchte Nötigung, Tätlichkeiten 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Am 1. September 2020 erhob die Staatsanwaltschaft Baden Anklage 

gegen den Beschuldigten wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit 

Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB, versuchter Nötigung gemäss 

Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, mehrfacher Beschimpfung 

gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB und wiederholten Tätlichkeiten gemäss 

Art. 126 Abs. 1 und Abs. 2 lit. c StGB. 

 

2. 

Mit Urteil vom 23. März 2021 erkannte das Bezirksgericht Baden: 

 
1. 
Das Verfahren wird in Bezug auf die mehrfache Beschimpfung i.S.v. Art. 177 Abs. 1 StGB 
mangels Strafantrags eingestellt. 
 
2. 
Der Beschuldigte B. wird vom Vorwurf der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern 
i.S.v. Art. 187 Ziff. 1 StGB freigesprochen. 
 
3.  
Der Beschuldigte B. ist schuldig 
- der versuchten Nötigung i.S.v. Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22 StGB; 
- der wiederholten Tätlichkeiten i.S.v. Art. 126 Abs. 1 und Abs. 2 lit. c  StGB. 
 
4.  
Der Beschuldigte wird hierfür in Anwendung der genannten Gesetzesbestimmungen sowie 
Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 4 StGB i.V.m Art. 106 StGB Art. 47 StGB, Art. 48a StGB und 
Art. 49 Abs. 1 StGB mit 30 Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 120.00, d.h. total Fr. 3'600.00, 
und einer Busse von Fr. 1'000.00 bestraft  
 
Für den Fall, dass die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird, ist eine Ersatzfreiheitsstrafe von 
9 Tagen auszusprechen. 
 
5.  
Die ausgestandene Untersuchungshaft von 1 Tag (vorläufige Festnahme vom 11. Oktober 
2020) wird dem Beschuldigten gemäss Art. 51 StGB auf die Geldstrafe angerechnet.  
 
6.  
Der Vollzug der ausgefällten Geldstrafe wird gestützt auf Art. 42 StGB aufgeschoben. Die 
Probezeit wird gemäss Art. 44 Abs. 1 StGB auf 2 Jahre festgesetzt. 
 
7. 
Die Zivilklage der Zivil- und Strafklägerin [A.C.] wird gestützt auf Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO 
abgewiesen. 
 
8. 
8.1. 
Die Verfahrenskosten bestehen aus: 
a) der Gerichtsgebühr Fr. 5'000.00 
b) der Anklagegebühr Fr. 2'000.00 
c) den Kosten für die amtliche Verteidigung Fr.  11'133.00 
d) den Kosten für die unentgeltliche Rechtsvertretung Fr.  7'454.10 

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e) den Kosten für die Übersetzung Fr.  280.00 
f) den Kosten für die Mitwirkung anderer Behörden Fr.  900.00 
g) den Spesen Fr.  240.00 
h) den Spesen der Urteilsbegründung Fr. 60.00 
Total Fr.  27'067.10 
 
8.2. 
Dem Beschuldigten werden die Gebühren gemäss lit. a) und b) sowie die Kosten gemäss 
lit. f) bis h) im Gesamtbetrag von Fr. 8’200.00 im Umfang von 1/6, d.h. von Fr. 1'366.65, 
auferlegt. Die übrigen Verfahrenskosten gehen zu Lasten des Staates. 
 
8.3. 
Die Kosten für die Übersetzung gemäss lit. e) gehen zu Lasten des Staates (Art. 426 Abs. 3 
lit. b StPO). 
 
8.4. 
Dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten, Dr. iur. Stephan Fröhlich, Rechtsanwalt, 
Baden, wird eine Entschädigung von Fr. 11'133.00 (MwSt. und Auslagen inkl.) zu Lasten 
der Staatskasse zugesprochen (Kosten gemäss lit. c.) und die Gerichtskasse Baden 
angewiesen, die Auszahlung unter Berücksichtigung der bereits geleisteten Zahlung von 
Fr. 1'879.60, d.h. von restanzlich Fr. 9'253.40, vorzunehmen. 
 
Die Entschädigung wird einstweilen auf der Gerichtskasse Baden vorgemerkt. Die 
Entschädigung von Fr. 11'133.00 wird im Umfang von 1/6, d.h. von Fr. 1'855.50, vom 
Beschuldigten zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen 
(Art. 135 Abs. 4 i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO). 
 
8.5. 
Der unentgeltlichen Vertreterin der Zivil- und Strafklägerin, MLaw Alessandra Strub, 
Rechtsanwältin, Baden, wird eine Entschädigung von Fr. 7'454.10 (inkl. MwSt. und 
Auslagen) zu Lasten der Staatskasse zugesprochen (Kosten gemäss lit. d.) und die 
Gerichtskasse Baden angewiesen, die Auszahlung vorzunehmen. 
 
Von einer Rückforderung der Kosten von der Zivil- und Strafklägerin A.C. wird gestützt auf 
Art. 30 Abs. 3 OHG abgesehen. 

 

3. 

Mit bereits begründeter Berufungserklärung vom 9. August 2021 

beantragte die Privatklägerin A.C., dass der Beschuldigte der mehrfachen 

sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB schuldig 

zu sprechen und mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 2 Jahren, 

Probezeit 2 Jahre, sowie einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 

Fr. 100.00, Probezeit 2 Jahre, und einer Busse von Fr. 3'000.00 zu 

bestrafen sei. Weiter sei der Beschuldigte zu verpflichten, ihr eine 

Genugtuung von Fr. 10'000.00 zzgl. Zins zu 5% seit 1. Juni 2012 zu 

bezahlen. 

 

4. 

Mit Anschlussberufungserklärung vom 12. August 2021 beantragte die 

Staatsanwaltschaft Baden, dass der Beschuldigte der mehrfachen 

sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB schuldig 

zu sprechen und mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 2 Jahren, 

Probezeit 2 Jahre, und einer Verbindungsbusse von Fr. 3'000.00 sowie zu 

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einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen à Fr. 120.00, Probezeit 

2 Jahre, und einer Busse von Fr. 1'000.00 zu bestrafen sei. 

 

5. 

Am 2. September 2021 reichte die Staatsanwaltschaft Baden vorgängig 

zur Berufungsverhandlung ihre Anschlussberufungsbegründung ein. 

 

6. 

Der Beschuldigte beantragte mit Eingaben vom 14. September 2021, 

4. Oktober 2021 und 8. Oktober 2021 die Abweisung der Berufung und der 

Anschlussberufung.  

 

7. 

Die Berufungsverhandlung fand am 7. April 2022 statt.  

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Privatklägerin A.C. wendet sich mit Berufung gegen den vorinstanzlich 

ergangenen Freispruch vom Vorwurf der mehrfachen sexuellen 

Handlungen mit Kindern und damit einhergehend gegen die ausgefällte 

Strafe und die Abweisung ihrer Zivilforderung. Die Anschlussberufung der 

Staatsanwaltschaft beschränkt sich auf den vorinstanzlich ergangenen 

Freispruch vom Vorwurf der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern 

und die ausgefällte Strafe. Die übrigen, nicht angefochtenen Punkte des 

vorinstanzlichen Urteils sind – unter Vorbehalt von Art. 404 Abs. 2 StPO – 

nicht zu überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO).  

 

2. 

2.1. 

Die Vorinstanz hat den in der Anklageziffer I.1. zur Anklage erhobenen 

Sachverhalt als nicht erstellt erachtet und den Beschuldigten in Anwendung 

des Grundsatzes «in dubio pro reo» gemäss Art. 10 Abs. 3 StPO vom 

Vorwurf der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss 

Art. 187 Ziff. 1 StGB freigesprochen (vorinstanzliches Urteil E. 1 ff.). 

 

Sowohl die Privatklägerin A.C. als auch die Staatsanwaltschaft beantragen, 

dass der Beschuldigte der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern 

gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen sei (Berufungserklärung 

S. 2; Anschlussberufungserklärung S. 1). Die Privatklägerin A.C. begründet 

ihr Rechtsbegehren damit, dass ihre Aussagen glaubhaft seien, weil in 

diesen keine Widersprüche enthalten seien und sie stets detailliert 

ausgesagt habe (Berufungserklärung S. 7; Plädoyer der unentgeltlichen 

Vertreterin an der Berufungsverhandlung S. 1 ff.). Die Staatsanwaltschaft 

begründet ihren Antrag damit, dass die Aussagen der Privatklägerin A.C. 

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keine Übertreibungen enthalten würden, in sich schlüssig und von einem 

quantitativen Detailreichtum gekennzeichnet seien, weshalb diese 

glaubhaft seien (Anschlussberufungsbegründung S. 2; Plädoyer der 

Staatsanwaltschaft an der Berufungsverhandlung S. 3). Der Beschuldigte 

beantragt die Abweisung der Berufung sowie der Anschlussberufung 

(Berufungsantwort S. 2; Anschlussberufungsantwort S. 2). 

 

2.2. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, sich zwischen 2010 und Ende 

Mai 2012 der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind strafbar 

gemacht zu haben. 

 

Dazu sei es gekommen, als er in der Mehrfamilienhauswohnung an der X-

Strasse. in Q., in welcher er zusammen mit D.C., seiner damaligen 

Partnerin, den beiden gemeinsamen Söhnen und der Tochter von D.C., 

A.C., gewohnt habe, mehrfach in der Nacht lediglich mit Unterhosen 

bekleidet oder komplett nackt durch den Gang der Wohnung gelaufen sei 

und vor der offenen Kinderzimmertüre von A.C., welche in ihrem Bett 

gelegen habe, angehalten habe, zu A.C. geblickt und an seinem Glied 

masturbiert habe. A.C., die das Stöhnen des Beschuldigten habe hören 

können, habe ihre Augen geschlossen gehalten und so getan, als ob sie 

schlafen würde. Teilweise sei die Kinderzimmertür geschlossen gewesen 

und A.C. habe das Stöhnen des Beschuldigten hören können, ohne ihn zu 

sehen. Es sei auch vorgekommen, dass der Beschuldigte sich in das 

Kinderzimmer hineinbegeben und neben dem Bett von A.C. masturbiert 

habe. A.C. habe sich dabei stets schlafend gestellt, habe jedoch das 

Stöhnen und die Bewegungen des Beschuldigten hören können.  

 

Im gleichen Zeitraum habe der Beschuldigte A.C. vorwiegend am 

Nachmittag, wenn sonst niemand zuhause gewesen sei, auf einem Bett im 

Kinderzimmer oder im Elternbett mindestens zehnmal in unregelmässigen 

Abständen während je rund 30 Minuten massiert. Dabei habe er sich auf 

A.C., welche auf ihrem Bauch gelegen habe, gelegt und sei mit seinem 

Körper auf- und abgerutscht und habe dabei seinen erigierten Penis 

zwischen ihren Gesässbacken gerieben.  

 

Weiter habe der Beschuldigte zu einem nicht genau bestimmbaren 

Zeitpunkt in der obengenannten Zeitspanne im Badezimmer die Haare von 

A.C. mit einem Shampoo gegen Läuse eingeschäumt. Dabei habe er ihr 

gesagt, dass sie die Augen schliessen müsse, damit sie nicht erblinde. Er 

habe A.C. von vorne aufgehoben, so dass sie ihre Beine um seine Hüften 

habe schlingen müssen, woraufhin er mit ihr in den Gang gegangen sei, 

wo er sich und A.C. auf und ab bewegt habe, wobei sein Penis im erigierten 

Zustand gewesen sei. Bei diesen Bewegungen habe A.C. gespürt, dass 

der Beschuldigte seine Boxershorts, welche er im Badezimmer noch 

angehabt habe, nicht mehr getragen habe.  

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Im obengenannten Zeitraum habe A.C. zwei oder drei Mal im 

Elternschlafzimmer auf einem Stuhl am Schreibtisch gesessen und den 

Laptop betätigt. Dabei sei der Beschuldigte jeweils nackt aus dem 

begehbaren Kleiderschrank hervorgetreten, habe sich ungefähr einen 

Meter diagonal hinter A.C. hingestellt und an seinem Penis masturbiert. Er 

habe sich jeweils so positioniert, dass er sich bzw. A.C. im Spiegel habe 

sehen können.  

 

Dem Beschuldigten sei bewusst gewesen, dass A.C. noch nicht 16 Jahre 

alt gewesen sei und er habe die sexuellen Handlungen trotzdem 

wissentlich und willentlich vorgenommen (Anklage Ziff. I.1.).  

 

2.3. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StGB). Bestehen 

unüberwindbare Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, d.h. solche, die sich nach der objektiven 

Sachlage aufdrängen, geht das Gericht von der für den Beschuldigten 

günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO; Grundsatz «in dubio pro 

reo»). Bloss abstrakte und theoretische Zweifel sind nicht massgebend, 

weil solche immer möglich sind. Der Grundsatz «in dubio pro reo» verlangt 

indes nicht, dass bei sich widersprechenden Beweismitteln unbesehen auf 

den für den Beschuldigten günstigeren Beweis abzustellen wäre. Die 

Entscheidregel «in dubio pro reo» ist erst anwendbar, nachdem alle aus 

der Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen Beweise erhoben und 

ausgewertet worden sind und nach erfolgter Beweiswürdigung als Ganzem 

relevante Zweifel bestehen, wobei nur das Übergehen offensichtlich 

erheblicher Zweifel eine Verletzung des Grundsatzes «in dubio pro reo» zu 

begründen vermag (BGE 144 IV 354 E. 2.2.3.2 ff.; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1395/2019 vom 3. Juni 2020 E. 1.1). 

 

Bei Sexualdelikten sind die Aussagen von Opfer und Täter für das 

Beweisergebnis von entscheidender Bedeutung. Bei der Würdigung ihrer 

Aussagen sind zwei Aspekte zu unterscheiden: Die personenbezogene 

Glaubwürdigkeit und die aussagebezogene Glaubhaftigkeit. Die 

allgemeine Glaubwürdigkeit einer Person lässt sich an ihrer Persönlichkeit, 

ihren möglichen Motiven und der Aussagesituation abschätzen. Sie bildet 

aber lediglich den Randbereich der Aussagenanalyse und darf deshalb nie 

alleiniges oder überwiegendes Kriterium für die Überprüfung des 

Realitätsgehalts einer Aussage sein. Im Vordergrund steht deshalb die 

Glaubhaftigkeit einer konkreten Aussage, die sich nach ihrem Inhalt 

bestimmt (BGE 129 I 49 E. 5; BGE 128 I 81 E. 2). Voraussetzung einer 

Aussageanalyse ist jedoch stets, dass Aussagen vorliegen, die einer 

inhaltlichen Analyse zugänglich sind. 

 

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2.3.1. 

A.C. ist heute 23 Jahre alt. Die dem Beschuldigten vorgeworfenen 

sexuellen Handlungen sollen sich gemäss Anklage zwischen 2010 und 

Ende Mai 2012 zugetragen haben, also als A.C. 11 bis 13 Jahre alt war. 

Anzeige hat sie erst am 25. September 2018 und somit ungefähr 6 bis 8 

Jähre später, also im Alter von 20 Jahren erstattet (UA act. 27; 36). 

 

Die behaupteten Übergriffe liegen relativ weit zurück und betreffen einen 

Zeitraum, in welchem A.C. kurz vor oder am Anfang der Pubertät stand. Es 

liegen keine Aussagen von A.C. in dieser Zeitspanne vor. Ihren eigenen 

Angaben zufolge habe sie das erste Mal von den sexuellen Übergriffen 

berichtet, als sie die Bezirksschule besucht habe, wobei dies nicht am 

Anfang der Bezirksschulzeit gewesen sei. Sie habe sich einer Freundin aus 

Deutschland anvertraut. Somit hat A.C., eigenen Angaben zufolge, das 

erste Mal im Alter von 14 bis 15 Jahren eine Drittperson über die sexuellen 

Übergriffe informiert (GA act. 56; Protokoll Berufungsverhandlung S. 4). 

A.C. wurde erstmals am 25. September 2018 und somit im Alter von 

20 Jahren durch die Kantonspolizei (UA act. 43 ff.) und anschliessend am 

9. Juni 2020 im Alter von 21 Jahren durch die Staatsanwaltschaft 

einvernommen (UA act. 54 ff.). Weiter wurde sie anlässlich der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 23. März 2021 (GA act. 44 ff.) im 

Alter von 22 Jahren sowie an der Berufungsverhandlung vom 7. April 2022 

im Alter von 23 Jahren befragt (Protokoll Berufungsverhandlung S. 3). 

 

Der Umstand, dass die erste verwertbare Aussage erst rund 6 bis 8 Jahre 

nach den zur Anklage gebrachten Vorfällen erfolgt ist, erschwert die 

aussagepsychologische Analyse erheblich, mithin ist bereits die erste 

Aussage von einer starken Verblassungstendenz betroffen (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6P.165/2004 vom 27. April 2005 E. 2.4.2 mit weiteren 

Hinweisen). Zu berücksichtigen ist auch, dass bei einer – wie vorliegend – 

langen verstrichenen Zeit, zahlreiche Sekundäreinflüsse in Form von 

Gesprächen, Beratungen und Therapien möglich sind. Weiter besteht die 

Möglichkeit von autosuggestiven Prozessen, die teilweise auch von aussen 

angestossen werden und ihren Ausgangspunkt häufig in einem schlechten 

psychischen Befinden haben (vgl. VOLBERT, in: Handbuch der 

Rechtspsychologie, 2008, S. 333). Hierzu ist zu berücksichtigen, dass 

Schilderungen, die auf voll ausgebildeten Pseudoerinnerungen beruhen, 

eine ähnlich hohe Qualität erreichen können wie erlebnisbasierte 

Schilderungen. Sind mithin in der Entstehungs- und Entwicklungs-

geschichte der Aussage auto- und/oder fremdsuggestive Prozesse 

begründbar, stellt die Inhaltsanalyse im Einzelfall kein valides Mittel mehr 

zur Verifizierung von Aussagen dar (vgl. SCHLILLING/HAUCH, Wahrheit oder 

Lüge – Unterscheidbar?, in: Wahrheit Täuschung und Lüge, 

Schweizerische Arbeitsgruppe für Kriminologie, 2016, Band 33, S. 33). Vor 

diesem Hintergrund wäre die sachgerechte Durchführung der primären 

Einvernahme von A.C. kurz vor oder im Pubertätsalter und ihre 

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Dokumentation von entscheidender Bedeutung gewesen. Was in dieser 

Phase versäumt wird, ist später auch mit noch so ausgefeilter psy-

chologisch-psychiatrischer Methodik nicht mehr aufzuholen (DITTMANN, Zur 

Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen, in: Plädoyer 2/1997, S. 35; vgl. Urteil 

des Bundesgerichts 6B_760/2010 vom 13. Dezember 2010 E. 2.4.1). 

 

A.C. hat im Jahr 2010 drei Therapiesitzungen bei der Psychologin und 

Psychotherapeutin E. absolviert, wobei die angeblichen sexuellen 

Übergriffe jedoch nicht thematisiert wurden (UA act. 109 f.). Gemäss A.C. 

war der mehrfache sexuelle Missbrauch aber ein Thema, welches nach 

aussen diskutiert wurde, da sie sich – ihren eigenen Angaben zufolge – 

erstmals während ihrer Bezirksschulzeit einer Freundin und anschliessend 

im Jahr 2016 oder 2017 ihrer Mutter anvertraut habe (UA act. 65; 

GA act. 49; 56; Protokoll Berufungsverhandlung S. 5). Weiter habe sie sich 

auch Frau F. von der Jugend- und Familienberatung Q. anvertraut 

(GA act. 56; UA act. 112; Protokoll Berufungsverhandlung S. 5). Somit 

wurden – gestützt auf die Angaben von A.C. – die heute im Raum 

stehenden Vorfälle inner- als auch ausserfamiliär thematisiert und 

besprochen, was denn auch letztlich zu einer Anzeige geführt haben dürfte. 

Alsdann hat A.C. auch die Opferhilfe aufgesucht und Gespräche mit ihrer 

Rechtsbeiständin, Alessandra Strub, geführt. 

 

Zusammenfassend können damit aufgrund der aufgezeigten Umstände 

weder Sekundäreinflüsse noch auto- oder fremdsuggestive Prozesse nicht 

nur nicht ausgeschlossen werden, sondern drängen sich als wahrscheinlich 

geradezu auf. Dies zeigt sich denn auch klar anhand der von A.C. 

anlässlich der Berufungsverhandlung getätigten Aussage, wonach sie in 

der Zeitspanne, in welcher es zu den angeblichen Vorfällen gekommen 

sein soll, nicht wirklich gewusst oder verstanden habe, was passiere. Sie 

habe erst später anlässlich des Sexualkundeunterrichts in der 

Bezirksschule verstanden, was der Beschuldigte gemacht habe (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 7). Damit sind die Aussagen von A.C. einer 

inhaltlichen Analyse anhand von Realkennzeichen und somit einer 

Überprüfung des Wahrheitsgehalts nicht mehr bzw. nur derart beschränkt 

zugänglich, als dass ausgehend von der Nullhypothese keine Verurteilung 

erfolgen kann. Offensichtlich ist auch eine Konstanzanalyse und ein 

Qualitätsstrukturvergleich nicht zielführend, könnten sich doch auch diese 

nur auf die protokollierten und einer inhaltlichen Analyse nicht zugänglichen 

Aussagen im Erwachsenenalter, nicht aber auf die entscheidenden 

Aussagen im Vorpubertäts- oder Pubertätsalter beziehen. 

 

2.3.2. 

Aufgrund der späten Anzeigeerstattung wurde A.C. nicht ärztlich 

untersucht, weshalb keine Arztberichte, Spuren oder ähnliches, die zur 

Beweiswürdigung beigezogen werden könnten, vorhanden sind. Auch 

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konnte ihre Mutter, D.C., die von A.C. behaupteten sexuellen Missbräuche 

nicht aus eigener Wahrnehmung bestätigen. 

 

Keine Hinweise auf die angeklagten sexuellen Handlungen ergeben sich 

sodann aus dem Schreiben der Psychologin und Psychotherapeutin E. vom 

19. April 2019 (UA act. 109 f.), den Aktennotizen der Jugend- und 

Familienberatung Q. (UA act. 112 ff.) und des Spital L., Kinderschutzgruppe 

(UA act. 119 ff.), dem Schreiben von Dr. med. G., Leiter der 

Kinderschutzgruppe, vom 9. Oktober 2018 (UA act. 127 f.) und der 

Aktennotiz betreffend das Telefongespräch vom 31. Oktober 2018 mit der 

ehemaligen Lehrerin von A.C., H. (UA act. 129). Aus ihnen gehen keine 

Hinweise auf sexuelle Übergriffe hervor: 

 

Gemäss dem Schreiben der Psychologin und Psychotherapeutin E. vom 

19. April 2019 habe sie am 1. und 22. September 2010 sowie am 20. 

Oktober 2010 Gespräche mit A.C. geführt. Dies, nachdem A.C. aufgrund 

von sozialen Auffälligkeiten und einem Leistungsabfall in der Schule durch 

die Jugend- und Familienberatung Q. zur psychologischen Begleitung 

angemeldet worden sei. Während dieser Therapiesitzungen habe A.C. 

zuerst berichtet, dass der Beschuldigte sehr streng sei, viel von ihr 

verlange, manchmal schnell aufbrausend sei und sie teilweise unnötig 

bestrafe, weshalb sie ihn nicht gern habe. Kurz darauf habe sie jedoch 

erzählt, dass es aktuell viel besser und in Ordnung sei. Auf Wunsch von 

A.C. sei es dann zum Abbruch der Therapie gekommen. Zwar sei ihre 

Beziehung zum Beschuldigten von ihr als belastend beschrieben und von 

der Therapeutin auch so wahrgenommen worden, wobei jedoch keine 

sexuellen Übergriffe erwähnt worden seien (UA act. 109 f.). 

 

Aus den Aktennotizen der Jugend- und Familienberatung Q. geht hervor, 

dass die ehemalige Nachbarin, Frau I., im Juni 2010 eine 

Gefährdungsmeldung betreffend A.C. erstattet habe, wonach A.C. jeweils 

früh und ohne Frühstück aus dem Haus müsse sowie beinahe jeden Tag 

vom Beschuldigten angeschrien und nicht kindgerecht erzogen und 

behandelt werde. Weiter habe ein Au-Pair-Mädchen aus Mexiko gegenüber 

Frau I. angegeben, vom Beschuldigten sexuell belästigt worden zu sein und 

dass dieser immer zu A.C. ins Badezimmer gewollt habe, wenn diese am 

Duschen gewesen sei (UA act. 112 ff.). Nachdem unklar ist, welches Au-

Pair-Mädchen diese Aussagen getätigt haben soll und somit auch, in 

welcher Zeitspanne diese Vorfälle stattgefunden haben sollen, da das Au-

Pair-Mädchen nie ausfindig gemacht werden konnte (vgl. UA act. 40) und 

unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Angaben von Frau I. 

lediglich auf Hörensagen basieren, kann darauf nicht abgestellt werden. 

 

In der Aktennotiz des Spitals L., Kinderschutzgruppe, findet sich kein 

Hinweis auf sexuelle Übergriffe (UA act. 119 ff.). Dr. med. G., Leiter der 

Kinderschutzgruppe, hat in seinem Schreiben vom 9. Oktober 2018 

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bestätigt, dass A.C. anlässlich der Gespräche keine Aussagen betreffend 

sexuelle Übergriffe getätigt habe (UA act. 127 f.).  

 

Auch die ehemalige Lehrerin von A.C., H., hat bestätigt, dass sexuelle 

Übergriffe zum Nachteil von A.C. nie erwähnt worden seien (UA act. 129). 

 

2.3.3. 

Nebst dem Umstand, dass eine inhaltliche Analyse der entscheidenden 

Aussagen von A.C. im relevanten Alter vorliegend nicht möglich ist, kommt 

hinzu, dass das Vorliegen eines Motivs von A.C. für eine bewusste 

Falschaussage nicht ausgeschlossen werden kann:  

 

Zu ihrem Verhältnis zum Beschuldigten hat A.C. anlässlich ihrer 

Einvernahmen ausgesagt, diesen von Anfang an nicht gemocht zu haben 

(GA act. 46). Ihre Halbbrüder seien von ihm besser als sie behandelt 

worden. Sie selbst habe sich nie wie sein Kind gefühlt (GA act. 47) und es 

nicht gut gefunden, wie der Beschuldigte sie und ihre Mutter behandelt 

habe (Protokoll Berufungsverhandlung S. 6 und 15). 

 

Zu ihrem Verhältnis zu ihrer Mutter gab sie an, dass sie beide gute 

Freundinnen und zusammen das Familienoberhaupt seien (UA act. 45). 

Ihre Mutter sei ihre einzige Bezugsperson. Sie selbst sei jeweils 

dazwischen gegangen, wenn ihre Mutter und der Beschuldigte Streit 

gehabt hätten, was sehr häufig vorgekommen sei. Oft sei es bei den 

Streitereien darum gegangen, dass ihre Mutter eine Affäre gehabt habe 

und der Beschuldigte deshalb eifersüchtig gewesen sei. Sie sei die 

Vertraute ihrer Mutter, weshalb diese ihr gesagt habe, dass der 

Beschuldigte sie zum Geschlechtsverkehr gezwungen habe (GA act. 47 f.).  

 

D.C. gab anlässlich ihrer Befragungen an, vom Beschuldigten oft 

geschlagen und vergewaltigt worden zu sein und über diese 

Vergewaltigungen mit A.C. geredet zu haben (UA act. 160). Sie bestätigte, 

dass A.C. bei Streitereien oft dazwischen gegangen sei, sie verteidigt und 

ihr geholfen habe (UA act. 161; 96). Sie und A.C. seien wie zwei sehr enge 

Freundinnen (GA act. 62). Sie gab weiter an, dass A.C. den Beschuldigten 

hasse und dass sie ihn von Anfang an nicht gemocht habe (UA act. 99; 

GA act. 61). 

 

Diese Aussagen von A.C. und D.C. führen vor Augen, dass die beiden ein 

sehr enges Verhältnis zueinander haben und dass A.C. in der Ver-

gangenheit stets die Partei ihrer Mutter ergriffen und diese verteidigt hat. 

Unter Berücksichtigung der vorgängig aufgezeigten Verhältnisse erscheint 

der Zeitpunkt der Anzeige bei der Polizei am 25. September 2018 

(UA act. 27) auffällig. Die Anzeigeerstattung durch A.C. erfolgte nur zwei 

Monate nach dem Vorfall vom 22. Juli 2018, anlässlich welchem der 

Beschuldigte D.C. mehrfach beschimpft haben soll sowie diese geschlagen 

 - 11 - 

 

 

 

und versucht hat, sie zu nötigen (vgl. UA act. 146 ff.). Noch bevor A.C. den 

Beschuldigten wegen mehrfacher sexueller Handlungen zu ihrem Nachteil 

angezeigt hat, erwähnte D.C. anlässlich ihrer Einvernahme vom 22. Juli 

2018, dass sie der Meinung sei, der Beschuldigte habe A.C. angefasst. 

Diese habe ihr aber gesagt, dass sie dies selber bei der Polizei zur Anzeige 

bringen wolle, wenn sie so weit sei (UA act. 160). Somit war es D.C., die 

als Erste die sexuellen Handlungen zum Nachteil von A.C. bei der Polizei 

erwähnte, nachdem sie gefragt worden war, ob es bereits früher zu 

Tätlichkeiten des Beschuldigten gekommen sei und nachdem sie bereits 

mindestens ein Jahr lang die behaupteten sexuellen Übergriffe zum 

Nachteil von A.C. für sich behalten hatte (siehe hierzu unten).  

 

Dass D.C. den Willen hatte, den Beschuldigten loszuwerden, zeigt sich 

illustrativ an der von ihr an Staatsanwalt Richner am 24. August 2020 

versendeten E-Mail, in welcher sie festgehalten hat, dass es die beste 

Entschädigung wäre, wenn der Beschuldigte des Landes verwiesen würde 

(UA act. 181.5). An ihrer Einvernahme vom 9. Juni 2020 gab sie zu 

Protokoll, dass sie sich manchmal wünsche, den Beschuldigten anlässlich 

seines ersten Herzinfarktes nicht gerettet zu haben (UA act. 187). Zu ihrem 

Verhältnis zum Beschuldigten führte D.C. denn auch aus, dass dieser sie 

nerve, sie ihn nicht mehr ertrage und sich von ihm gestalkt fühle 

(UA act. 96).  

 

Weiter hervorzuheben ist, dass D.C. an ihrer Einvernahme vom 

30. Oktober 2018 angegeben hat, der Meinung zu sein, dass sie durch A.C. 

im Jahr 2011 über die sexuellen Handlungen in Kenntnis gesetzt worden 

sei, als A.C. empfohlen worden sei, zum Psychologen zu gehen 

(UA act. 103; 98 f.). An der vorinstanzlichen Hauptverhandlung gab D.C. 

dem widersprechend zu Protokoll, dass A.C. ihr erstmals im Jahr 2016 oder 

2017 von den sexuellen Übergriffen berichtet habe (GA act. 66). Für das 

Obergericht erscheint es nicht nachvollziehbar, dass sich eine Mutter nicht 

daran erinnern kann, wann ihr das eigene Kind erzählt hat, sexuelle 

Übergriffe erlitten zu haben. Ebenso wenig nachvollziehbar erscheint, dass 

D.C., welche – ihren eigenen Angaben zufolge – spätestens im Jahr 2017 

von den sexuellen Handlungen erfahren haben soll, im Anschluss daran 

nichts unternommen hat, um ihre Tochter, A.C., vor weiteren sexuellen 

Übergriffen zu schützen. A.C. zufolge habe sich der Kontakt zwischen D.C. 

und dem Beschuldigten nicht wirklich verändert, nachdem sie ihrer Mutter 

von den sexuellen Übergriffen erzählt habe (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 5). Gerade die Tatsache, dass D.C., nachdem 

sie von den sexuellen Handlungen zum Nachteil von A.C. erfahren haben 

soll, den Beschuldigten im Jahr 2018 trotzdem ab und zu bei ihr zuhause 

übernachten liess (GA act. 75), lässt Zweifel daran aufkommen, ob es 

tatsächlich zu den angeklagten sexuellen Handlungen zwischen A.C. und 

dem Beschuldigten gekommen ist. So erscheint es völlig lebensfremd, dass 

eine Mutter, welche weiss, dass ihre Tochter durch ihren (ehemaligen) 

 - 12 - 

 

 

 

Partner misshandelt wurde, diesen in derselben Wohnung übernachten 

lässt, in welcher sie und ihre Tochter wohnen und schlafen (vgl. Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 3 f.). D.C. hätte in diesem Fall den Kontakt des 

Beschuldigten zu den beiden gemeinsamen Söhnen ohne Weiteres auch 

auf andere Weise sicherstellen können. Ebenso wenig nachvollziehbar 

erscheint die durch D.C. gemachte Aussage, wonach der Beschuldigte kein 

schlechter Mensch und ein sehr guter Vater sei (UA act. 161). Dass eine 

Mutter einen Mann, welcher sexuelle Handlungen an ihrem Kind vollzogen 

haben soll, als keinen schlechten Menschen und sehr guten Vater 

beschreibt, wirft Fragen auf, wäre in einem solchen Fall doch vielmehr eine 

gegenteilige Aussage zu erwarten. Auch dies lässt starke Zweifel daran 

aufkommen, ob es tatsächlich zu den angeklagten sexuellen Handlungen 

mit A.C. gekommen ist. 

 

In Würdigung der gesamten Umstände erscheint es für das Obergericht 

vorstellbar, dass A.C. und D.C., welche ein sehr enges Verhältnis 

zueinander haben und bereits in der Vergangenheit stets 

zusammenhielten, den Beschuldigten, welchen A.C. noch nie leiden und 

den D.C. nicht mehr ertragen konnte, durch eine Anzeigeerstattung wegen 

mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind und der sich dadurch 

erhofften Anordnung einer Landesverweisung loswerden wollten, was ein 

mögliches Motiv für eine bewusste Falschaussage darstellt.  

 

2.3.4. 

Schliesslich bleibt festzuhalten, dass aufgrund der Tatsache, dass A.C. im 

Strafverfahren adhäsionsweise Zivilansprüche stellt (vgl. 

Berufungserklärung S. 2), theoretisch auch finanzielle Motive für eine 

Falschaussage denkbar wären.  

 

Zusammenfassend liegen somit mehrere Hinweise auf Motive für eine 

Falschaussage vor. 

 

2.3.5. 

Der Tatvorwurf lässt sich sodann auch nicht anhand der bestreitenden 

Aussagen des Beschuldigten erstellen. Ein Geständnis des Beschuldigten 

liegt nicht vor, hat er doch konstant ausgeführt, dass es nie zu sexuellen 

Handlungen gekommen sei. Weiter konnte er für das Obergericht 

nachvollziehbare Gründe dafür angeben, weshalb A.C. ihn 

fälschlicherweise der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind 

anschuldigen sollte. So gab er an, D.C. habe ihn wegen zwei anderer 

Männern loswerden wollen (UA act. 35.7). Weiter habe A.C. ihn gehasst, 

weil er ihr gesagt habe, dass sie unmoralisch sei und dass ihr Vater nicht 

für sie gekämpft habe, da er sie verlassen habe (GA act. 84; Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 18 f.).  

 

 - 13 - 

 

 

 

2.3.6. 

Nach dem Gesagten ist für das Obergericht zweifelhaft, ob sich die dem 

Beschuldigten vorgeworfenen mehrfachen sexuellen Handlungen mit 

einem Kind wirklich zugetragen haben. Es handelt sich dabei – entgegen 

dem Vorbringen der Privatklägerin A.C. (Berufungserklärung S. 21) – nicht 

bloss um abstrakte oder theoretische Bedenken, sondern um nicht zu 

unterdrückende Zweifel. Die Berufung der Privatklägerin A.C. wie auch die 

Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft erweisen sich somit im 

Schuldpunkt als unbegründet und der Beschuldigte ist vom Vorwurf der 

mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 

StGB freizusprechen.  

 

3. 

In der Anschlussberufung finden sich für den Fall der Abweisung der 

Berufung wie auch der Anschlussberufung im Schuldpunkt keine 

Ausführungen zur Strafzumessung. Nachdem der Beschuldigte mit 

vorliegendem Urteil vom Vorwurf der mehrfachen sexuellen Handlungen 

mit einem Kind freigesprochen wird, bleibt es bei der von der Vorinstanz 

festgelegten Strafe. 

 

4. 

Das Gericht entscheidet über die anhängig gemachte Zivilklage, wenn es 

die beschuldigte Person freispricht und der Sachverhalt spruchreif ist 

(Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO). 

 

Aufgrund des mit vorliegendem Urteil ergehenden Freispruchs vom 

Vorwurf der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind entfällt die 

Grundlage für die Zusprechung einer Genugtuung oder von 

Schadenersatz, weshalb die Zivilforderung der Privatklägerin A.C. 

abzuweisen ist. Die Berufung erweist sich somit auch in diesem Punkt als 

unbegründet. 

 

5. 

5.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei 

im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon 

ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge 

gutgeheissen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_330/2016 vom 

10. November 2017 E. 4.3). Sind mehrere beteiligte Personen 

kostenpflichtig, so werden die Kosten anteilsmässig auferlegt (Art. 418 

Abs. 1 StPO). 

 

Die Privatklägerin und die Staatsanwaltschaft unterliegen vollumfänglich. 

Der Beschuldigte, welcher die Abweisung der Berufung sowie der 

Anschlussberufung beantragt hat, obsiegt. Bei diesem Ausgang rechtfertigt 

 - 14 - 

 

 

 

es sich, die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'000.00 

(§ 18 VKD) zur einen Hälfte auf die Staatskasse zu nehmen und zur 

anderen Hälfte der unterliegenden Privatklägerin aufzuerlegen. Die in 

Art. 30 Abs. 1 OHG statuierte Kostenfreiheit gilt im Berufungsverfahren 

nicht, weshalb auch die Privatklägerin entsprechend dem Ausgang 

kostenpflichtig wird (Urteil des Bundesgerichts 6B_370/2016 vom 16. März 

2017 E. 1.2 mit Hinweis auf BGE 141 IV 262 E. 2.2). Zufolge der ihr 

gewährten unentgeltlichen Rechtspflege ist ihr dieser Betrag einstweilen 

vorzumerken. 

 

5.2. 

Der amtliche Verteidiger ist für das Berufungsverfahren aus der 

Staatskasse zu entschädigen, wobei ein Stundenansatz von Fr. 200.00 zur 

Anwendung gelangt (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 3bis 

AnwT; § 13 AnwT). Entschädigungspflichtig sind jene Bemühungen, die in 

einem kausalen Zusammenhang mit der Wahrung der Rechte im 

Strafverfahren stehen und die notwendig und verhältnismässig sind 

(BGE 141 I 124 E. 3.1). Als Massstab bei der Beantwortung der Frage, 

welcher Aufwand für eine angemessene Verteidigung im Strafverfahren 

nötig ist, hat der erfahrene Anwalt zu gelten, der im Bereich des materiellen 

Strafrechts und des Strafprozessrechts über fundierte Kenntnisse verfügt 

und deshalb seine Leistungen von Anfang an zielgerichtet und effizient 

erbringen kann (Urteil des Bundesgerichts 6B_824/2016 vom 10. April 

2017 E. 18.3.1 mit Hinweisen). 

 

Mit eingereichter Kostennote vom 7. April 2022 macht der amtliche 

Verteidiger einen Aufwand von 20.32 Stunden à Fr. 200.00 und einen 

weiteren Aufwand von 13.95 Stunden à Fr. 300.00 sowie Auslagen von 

Fr. 215.00 und die gesetzliche Mehrwertsteuer, gesamthaft somit 

Fr. 9'103.55 geltend. Dieser Aufwand erweist sich unter Berücksichtigung 

des Umfangs der vorliegenden Strafsache als überhöht und ist zu kürzen. 

 

In seiner Kostennote macht der amtliche Verteidiger Aufwände geltend, die 

zum erstinstanzlichen Verfahren gehören. Der geltend gemachte Aufwand 

für das Studium des vorinstanzlichen Urteils und diesbezügliche resp. 

vorgängige Korrespondenzen mit dem Beschuldigten wird grundsätzlich 

durch die vorinstanzlich zugesprochene Entschädigung abgedeckt. Das 

ergibt sich bereits daraus, dass wenn die Berufung gar nicht erst 

angemeldet wird, der amtliche Verteidiger einen im Nachgang zur 

erstinstanzlichen Urteilseröffnung ergangenen Aufwand selbstredend nicht 

bei der Rechtsmittelinstanz in Rechnung stellen kann. Grundsätzlich kann 

im Berufungsverfahren nur der angemessene Aufwand ab Berufungs-

erklärung entschädigt werden. Der zuvor anfallende Aufwand (vorliegend 

1.30 Stunden) ist im erstinstanzlichen Verfahren geltend zu machen. Dass 

dieser Aufwand teilweise nur geschätzt werden kann, ändert nichts daran, 

dass er zum erstinstanzlichen Verfahren gehört. Ein Gesuch um 

 - 15 - 

 

 

 

Fristerstreckung ist eine einfache, regelmässig vorkommende sowie 

weitgehend standardisierte Eingabe. Fristerstreckungsgesuche und der 

diesbezügliche Aufwand sind grundsätzlich nicht entschädigungspflichtig, 

da diese regelmässig von der Rechtsvertretung selbst verursacht sind (vgl. 

Beschluss BB.2017.125 des Bundesstrafgerichts vom 15. März 2018 

E. 7.7). Folglich ist dieser Aufwand von insgesamt 1.10 Stunden nicht zu 

entschädigen. Dasselbe gilt für die als «Verfügung von OGer» aufgeführten 

Aufwendungen – welche wohl für die Kenntnisnahme der Bewilligungen der 

Fristerstreckungen geltend gemacht werden – sind an den aufgeführten 

Daten doch keine Verfügungen ergangen, sondern lediglich Mitteilungen 

betreffend Fristerstreckungsbewilligungen. Für Kontakte mit dem 

Beschuldigten werden insgesamt 3.70 Stunden geltend gemacht. Es ist 

nicht ersichtlich, inwiefern Kontakte von einer solchen Dauer von Nöten 

gewesen sein sollen. Dies erschliesst sich sodann auch nicht aus der 

Kostennote. Dem amtlichen Verteidiger waren der Sachverhalt sowie die 

Aussagen des Beschuldigten bereits aus dem erstinstanzlichen Verfahren 

bekannt und der Beschuldigte hielt vor Obergericht an seinen bereits ge-

machten Aussagen fest. Der geltend gemachte Aufwand ist daher deutlich 

überhöht. Auch im Übrigen wurde im Wesentlichen an den gleichen 

Vorbringen festgehalten. Zu beachten ist denn auch, dass der Beschuldigte 

im erstinstanzlichen Verfahren vom Vorwurf der mehrfachen sexuellen 

Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB freigesprochen 

worden ist. Mangels notwendiger Änderung der Verteidigungsstrategie ist 

nur ein kleinerer Aufwand für solche Kontakte angemessen. Angemessen 

zu vergüten ist allein der notwendige Zeitaufwand für das konkrete 

Strafverfahren, nicht hingegen z.B. ein Aufwand für bloss soziale 

Betreuung (Urteil des Bundesgerichts 6B_824/2016 vom 10. April 2017 

E. 18.4.3, nicht publ. in: BGE 143 IV 214). Mithin geht es bei der amtlichen 

Verteidigung nicht um eine umfassende soziale Betreuung, auch wenn 

diese vom Beschuldigten gewünscht und vom amtlichen Verteidiger als 

wünschenswert erachtet wird. Aufgrund dessen ist dieser Aufwand auf 

1 Stunde zu kürzen. Für das Verfassen der Berufungs- und der Anschluss-

berufungsantwort inkl. Aktenstudium wird ein Aufwand von insgesamt 

10 Stunden geltend gemacht. Dies erscheint aufgrund der Tatsache, dass 

im Berufungsverfahren nur noch Ausführungen zu den von der 

Privatklägerin und der Staatsanwaltschaft angefochtenen mehrfachen 

sexuellen Handlungen mit einem Kind und damit zusammenhängend zur 

Zivilforderung notwendig waren, als überhöht. Grundsätzlich konnte sich 

der Beschuldigte darauf beschränken, seine bisherige Strategie, die zu 

einem Freispruch geführt hatte, beizubehalten und in erster Linie Stellung 

zu neuen Vorbringen zu nehmen, zumal der amtliche Verteidiger mit der 

Strafuntersuchung und den Akten bereits aus dem vorinstanzlichen 

Verfahren vertraut war und vorliegend keine neue Strategie verfolgt und 

teilweise dieselben Argumente wiederholt wurden. Aufgrund dessen 

erachtet das Obergericht einen Aufwand von 5 Stunden als angemessen. 

Für das Verfassen des Plädoyers wird in der Kostennote ein Aufwand von 

 - 16 - 

 

 

 

insgesamt 7 Stunden geltend gemacht. Dies erweist sich als überhöht. An 

der Berufungsverhandlung war eine Befragung der Privatklägerin sowie 

des Beschuldigten vorgesehen, so dass noch zu diesem Beweisergebnis 

Stellung zu nehmen war. Eine Würdigung dieser Aussagen kann an sich 

nur ad hoc erfolgen und entsprechend nicht vorbereitet werden. Gerade in 

Anbetracht dessen, dass das Plädoyer der Berufungsverhandlung dasje-

nige der vorinstanzlichen Hauptverhandlung und die Berufungsantwort wie 

auch die Anschlussberufungsantwort teilweise wiederholt, erscheint für das 

Verfassen des Plädoyers ein Aufwand von 2.50 Stunden angemessen.  

 

Angemessen erscheint somit ein Aufwand von insgesamt 19 Stunden à 

Fr. 200.00. Hinzu kommen die pauschalisierten (§ 13 AnwT) und 

praxisgemäss auf 3% zu veranschlagenden Auslagen und die gesetzliche 

Mehrwertsteuer, woraus eine auf gerundet Fr. 4'200.00 festzusetzende 

Entschädigung resultiert. 

 

Der Kostenentscheid präjudiziert die Entschädigungsfrage (BGE 147 

IV 47). Ausgangsgemäss ist auf eine Rückforderung dieser Entschädigung 

vom Beschuldigten zu verzichten. Nach der Rechtsprechung des 

Bundesgerichts besteht sodann – trotz Unterliegens im Berufungs-

verfahren – keine gesetzliche Grundlage, diese Entschädigung der 

Privatklägerin aufzuerlegen (BGE 145 IV 90 E. 5). 

 

5.3. 

Die unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin ist für ihren Aufwand 

im Berufungsverfahren aus der Staatskasse zu entschädigen (Art. 138 

Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 3bis 

AnwT; § 13 AnwT). 

 

Mit anlässlich der Berufungsverhandlung eingereichter Kostennote macht 

die unentgeltliche Vertreterin einen Aufwand von 22.60 Stunden à 

Fr. 200.00 sowie Auslagen von Fr. 176.30 und die gesetzliche 

Mehrwertsteuer, gesamthaft somit Fr. 5'057.50 geltend. 

 

Dieser Aufwand erweist sich unter Berücksichtigung des Umfangs der 

vorliegenden Strafsache als überhöht und ist zu kürzen. Diesbezüglich gilt 

es zu berücksichtigen, dass die unentgeltliche Rechtspflege unter 

Einsetzung einer unentgeltlichen Rechtsbeiständin in erster Linie zur 

Durchsetzung der Zivilansprüche gewährt wird (so ausdrücklich Art. 136 

Abs. 1 StPO). Nach der Rechtsprechung stellt die Strafuntersuchung in der 

Regel eher bescheidene juristische Anforderungen an die Wahrung der 

Mitwirkungsrechte von Geschädigten. Eine durchschnittliche Person sollte 

daher in der Lage sein, ihre Interessen als Geschädigte in einer 

Strafuntersuchung selbst wahrzunehmen (BGE 123 I 145 E. 2b/bb; Urteil 

des Bundesgerichts 1B_450/2015 vom 22. April 2016 E. 2.3; je mit 

Hinweisen). Daraus erhellt ohne weiteres, dass nur der notwendige und 

 - 17 - 

 

 

 

angemessene Aufwand der unentgeltlichen Rechtsbeiständin zu 

entschädigen ist. In ihrer bereits begründeten Berufungserklärung äusserte 

sich die unentgeltliche Rechtsbeiständin zu einem massgeblichen Teil zum 

Schuldpunkt und in ihrem Plädoyer sogar ausschliesslich zum 

Schuldpunkt, was zwar Voraussetzung für die im Grundsatz beantragte 

Zivilforderung war. Sie verkennt dabei jedoch, dass nicht sie, sondern die 

Staatsanwaltschaft Anklägerin ist. Der Strafanspruch wird grundsätzlich 

von der Staatsanwaltschaft wahrgenommen. Die angemessenen und zu 

entschädigenden Aufwendungen hinsichtlich des Schuldpunkts müssen 

sich deshalb in engen Grenzen halten. Nach dem Gesagten ist der geltend 

gemachte Anspruch von insgesamt 7 Stunden für die bereits begründete 

Berufungserklärung auf einen angemessenen Aufwand von 3 Stunden zu 

kürzen. Sodann ist der geltend gemachte Aufwand für das Verfassen des 

Plädoyers von 3.50 Stunden auf 1 Stunde zu kürzen. Es gilt diesbezüglich 

denn auch zu berücksichtigen, dass bereits ein zu entschädigender 

Aufwand für das Aktenstudium von insgesamt 2 Stunden geltend gemacht 

wurde. Nicht zu entschädigen sind die Aufwände von 1.70 Stunden, welche 

zum erstinstanzlichen Verfahren gehören (vgl. E. 5.2). Dasselbe gilt für den 

geltend gemachten Aufwand von 0.50 Stunden für Rechtsabklärungen, da 

solche nur bei aussergewöhnlichen Rechtsfragen – die in casu nicht 

vorliegen – zu entschädigen wären (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_694/2013 vom 9. September 2013 E. 2). Die unentgeltliche Vertreterin 

macht für Kontakte mit der Privatklägerin einen Aufwand von insgesamt 

1.80 Stunden geltend. Bezüglich dieses Aufwandes ist nicht ersichtlich, 

inwiefern Kontakte von einer solchen Dauer von Nöten gewesen sein 

sollen. Der unentgeltlichen Vertreterin waren der Sachverhalt sowie die 

Aussagen der Privatklägerin bereits aus dem erstinstanzlichen Verfahren 

bekannt und die Privatklägerin hielt vor Obergericht grundsätzlich an ihren 

bereits gemachten Aussagen fest. Der geltend gemachte Aufwand ist 

daher überhöht. Aufgrund dessen ist dieser Aufwand auf 1 Stunde zu 

kürzen. Schliesslich ist die auf 4 Stunden geschätzte Dauer der 

Berufungsverhandlung um 1 Stunde zu kürzen, wobei 1 Stunde für das 

Studium des vorliegenden Urteils sowie eine Nachbesprechung 

hinzuzurechnen ist.  

 

Angemessen erscheint somit ein Aufwand von 13 Stunden à Fr. 200.00. 

Hinzu kommen die pauschalisierten (§ 13 AnwT) und praxisgemäss auf 3% 

zu veranschlagenden Auslagen und die gesetzliche Mehrwertsteuer, 

woraus eine auf gerundet Fr. 2'900.00 festzusetzende Entschädigung 

resultiert.  

 

Nachdem es bereits im erstinstanzlichen Verfahren zu einem Freispruch 

gekommen ist und der Freispruch im Berufungsverfahren bestätigt wird, hat 

die Privatklägerin die Kosten für die unentgeltliche Vertretung im 

Berufungsverfahren bei verbesserten wirtschaftlichen Verhältnissen 

zurückzuerstatten (BGE 143 IV 154 Regeste). 

 - 18 - 

 

 

 

5.4. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). 

 

Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die 

Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. Wird sie bei mehreren 

angeklagten Straftaten nur teilweise schuldig gesprochen, im Übrigen aber 

freigesprochen oder wird das Verfahren in einem oder mehreren 

Anklagepunkten eingestellt, sind die Verfahrenskosten anteilsmässig 

aufzuerlegen. Dies gilt jedenfalls, soweit sich die verschiedenen 

Anklagekomplexe klar auseinanderhalten lassen. Die anteilsmässig auf 

einen Freispruch oder eine Verfahrenseinstellung entfallenden Kosten 

verbleiben beim Staat. Vollumfänglich kostenpflichtig werden kann die 

beschuldigte Person bei einem teilweisen Schuldspruch nur, wenn die ihr 

zur Last gelegten Handlungen in einem engen und direkten 

Zusammenhang stehen und alle Untersuchungshandlungen hinsichtlich 

jedes Anklagepunkts notwendig waren (Urteile des Bundesgerichts 

6B_993/2016 vom 24. April 2017 E. 5.3; 6B_904/2015 vom 27. Mai 2016 

E. 7.4 f.). 

 

Vorliegend waren nicht alle Untersuchungshandlungen auch hinsichtlich 

des Vorwurfs der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind, von 

welchem der Beschuldigte freigesprochen wird sowie betreffend den 

Vorwurf der mehrfachen Beschimpfung, betreffend welchen das Verfahren 

eingestellt wird, notwendig. Aufgrund dessen rechtfertigt es sich, dem 

Beschuldigten die vorinstanzlichen Verfahrenskosten zu 1/6 aufzuerlegen 

und im Übrigen auf die Staatskasse zu nehmen. 

 

Was die Höhe der erstinstanzlichen Verfahrenskosten betrifft, so können 

dem Beschuldigten mangels einer gesetzlichen Grundlage keine 

zusätzlichen Spesen für die schriftliche Urteilsbegründung auferlegt 

werden. Gemäss Art. 424 Abs. 1 StPO regeln Bund und Kantone die 

Berechnung der Verfahrenskosten und legen die Gebühren fest. 

Massgebend ist vorliegend das Dekret über die Verfahrenskosten des 

Kantons Aargau (Verfahrenskostendekret, VKD). Die Kosten für 

Strafverfahren vor Bezirksgericht sind in § 17 Abs. 1 VKD geregelt und 

betragen Fr. 300.00 bis Fr. 20'000.00. Abgedeckt sind damit auch die 

Aufwendungen, welche im Rahmen der Urteilsbegründung anfallen. Ein 

Vorbehalt analog zivilrechtlicher Streitigkeiten (vgl. § 13 Abs. 3 VKD) ist für 

Strafverfahren nicht vorgesehen. Unklar ist sodann, was es mit den 

«Kosten für die Mitwirkung anderer Behörden» auf sich hat und wie sich 

diese zusammensetzen. Diese können dem Beschuldigten deshalb auch 

nicht auferlegt werden. 

 

 - 19 - 

 

 

 

Nach dem Gesagten belaufen sich die vorinstanzlichen Verfahrenskosten 

(inkl. Anklagegebühr von Fr. 2'000.00) auf insgesamt Fr. 7'240.00. Davon 

sind 1/6, d.h. Fr. 1'206.00, dem Beschuldigten aufzuerlegen. 

 

5.5. 

Die Höhe der Entschädigung des amtlichen Verteidigers für das 

erstinstanzliche Verfahren von Fr. 11'133.00 ist im Berufungsverfahren 

unangefochten geblieben und somit keiner Überprüfung zugänglich (Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019 E. 2). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten im Umfang von 1/6 mit 

Fr. 1'855.50 zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse 

erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). Der Beschuldigte hat zudem dem 

amtlichen Verteidiger auf dem von ihm zu tragenden Anteil von 1/6 die 

Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung (Stundenansatz 

Fr. 200.00 und darauf berechnete Mehrwertsteuer) und dem vollen Honorar 

(Stundenansatz Fr. 220.00 und darauf berechnete Mehrwertsteuer) zu 

erstatten, d.h. gerundet insgesamt Fr. 180.00 sobald es seine 

wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen (Art. 135 Abs. 4 lit. b StPO). 

 

5.6. 

Die der unentgeltlichen Vertreterin zugesprochene Entschädigung von 

Fr. 7'454.10 für das erstinstanzliche Verfahren ist ebenfalls unangefochten 

geblieben und somit keiner Überprüfung zugänglich. Gestützt auf Art. 30 

Abs. 3 OHG hat die Privatklägerin die Kosten für die unentgeltliche 

Vertretung im erstinstanzlichen Verfahren nicht zurückzuerstatten. 

 

5.7.  

D.C., die sich im erstinstanzlichen Verfahren als Privatklägerin konstituiert 

hatte, ist für das erstinstanzliche Verfahren keine Parteientschädigung 

zuzusprechen, nachdem sie eine solche weder beantragt noch beziffert hat 

(Art. 433 Abs. 2 StPO).  

 

6. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Das Strafverfahren gegen den Beschuldigten wird hinsichtlich des Vorwurfs 

der Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB mangels Strafantrags 

eingestellt. 

 

 - 20 - 

 

 

 

2. 

Der Beschuldigte wird vom Vorwurf der mehrfachen sexuellen Handlungen 

mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB freigesprochen.  

 

3. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- der versuchten Nötigung gemäss Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 

StGB; 

- der Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 und Abs. 2 lit. c StGB. 

 

4. 

4.1. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss den in Ziff. 3 genannten 

Gesetzesbestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 34 

StGB, Art. 42 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB und Art. 106 StGB 

 

zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen à Fr. 120.00, 

d.h. Fr. 3'600.00, Probezeit 2 Jahre,  

 

und einer Busse von Fr. 1'000.00, ersatzweise 9 Tage Freiheitsstrafe, 

 

verurteilt. 

 

4.2. 

Die ausgestandene vorläufige Festnahme von 1 Tag wird auf die Geldstrafe 

angerechnet.  

 

5. 

Die Zivilforderung der Privatklägerin A.C. wird abgewiesen. 

 

6. 

6.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'000.00 werden zur einen 

Hälfte auf die Staatskasse genommen und zur anderen Hälfte, d.h. mit 

Fr. 2'500.00, der Privatklägerin A.C. auferlegt und aufgrund der ihr 

gewährten unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen vorgemerkt. 

 

6.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das 

Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 4'200.00 auszurichten.  

 

6.3. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, der unentgeltlichen Vertreterin für 

das Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 2'900.00 auszu-

richten. 

 

 - 21 - 

 

 

 

Diese Entschädigung wird von der Privatklägerin zurückgefordert, sobald 

es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben.  

 

7. 

7.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 7'240.00 (inkl. Anklage-

gebühr von Fr. 2'000.00) werden zu 1/6 mit Fr. 1'206.00 dem Beschuldigten 

auferlegt und im Übrigen auf die Staatskasse genommen.  

 

7.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – insoweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Entschädigung von Fr. 11'133.00 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zu 1/6 mit Fr. 1'855.50 

zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

Der Beschuldigte hat dem amtlichen Verteidiger auf dem von ihm zu 

tragenden Anteil von 1/6 die Differenz zwischen der amtlichen 

Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, d.h. Fr. 180.00, 

sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen. 

 

7.3. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – insoweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, der unentgeltlichen Vertreterin für das 

erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 7'454.10 

auszurichten. 

 

7.4. 

D.C. hat ihre erstinstanzlichen Parteikosten selber zu tragen. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Hinweis zur Bedeutung der bedingt ausgesprochenen Strafe  

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer ausgefällten bedingten Geld- oder Freiheitsstrafe wird der Vollzug aufgeschoben. 

Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren angesetzt. Hat 

sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird die aufgeschobene Strafe 

nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass die Geldstrafe dann nicht bezahlen 

bzw. die Freiheitsstrafe nicht anzutreten ist. Begeht der Verurteilte während der Probezeit 

aber ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten 

verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 Abs. 1 

StGB). 

 

 

 - 22 - 

 

 

 

   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
    

Aarau, 7. April 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

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