# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 33393648-4079-57c8-97b1-40ad1dc3a315
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2016-04-27
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 27.04.2016 RR.2016.33
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_RR-2016-33_2016-04-27.pdf

## Full Text

Entscheid vom 27. April 2016 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, 

Andreas J. Keller und Tito Ponti,  

Gerichtsschreiber Stefan Graf  

   
 

Parteien 

  

A. INC., vertreten durch Rechtsanwalt Goran Maz-

zuchelli,  

Gesuchstellerin 

 

 gegen 

   

1. B., Staatsanwalt des Bundes,  

 

2. C., Staatsanwalt des Bundes,  

 

Gesuchsgegner 

  

Gegenstand  Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Brasi-

lien 

 

Ausstand (Art. 10 VwVG) 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: RR.2016.33 

 

 

 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Die Bundesanwaltschaft führt u. a. gegen die A. Inc. eine Strafuntersuchung 

(Verfahrensnummer SV.15.0775) wegen des Verdachts der Strafbarkeit des 

Unternehmens im Sinne der Art. 102 Abs. 2 i.V.m. Art. 322septies und 305bis 

Ziff. 2 StGB. Im Rahmen dieses Verfahrens richtete sie am 16. Juli 2015 ein 

internationales Rechtshilfeersuchen in Strafsachen an die brasilianischen 

Strafbehörden. Diesem Ersuchen legte sie u. a. in der Schweiz erhobene 

Unterlagen zu einem auf die A. Inc. lautenden Konto bei der Bank D. bei 

(RR.2015.240, act. 12.1).  

 

 

B. Die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts hiess mit Entscheid 

RR.2015.240 vom 22. Januar 2016 die von der A. Inc. hiergegen erhobene 

Beschwerde teilweise gut und stellte fest, dass die erfolgte Herausgabe von 

die Beschwerdeführerin betreffenden Bankunterlagen an die brasilianischen 

Behörden unzulässig war. Die Beschwerdekammer wies die Bundesanwalt-

schaft diesbezüglich an, ein nachträgliches Rechtshilfeverfahren durchzu-

führen, in dessen Rahmen das Vorliegen der materiellen Voraussetzungen 

der gewährten Rechtshilfe zu überprüfen sei. 

 

  

C. Am 27. Januar 2016 erliess die Bundesanwaltschaft folgende Eintretens- 

und Zwischenverfügung in Rechtshilfesachen (act. 2.1): 

 

1. Auf das Ergänzungsersuchen vom 18. November 2014 wird eingetreten. 

2. Die von der Beschwerdekammer mit Entscheid vom 22. Januar 2016 angeordnete materi-

elle Prüfung für die Herausgabe von Bankunterlagen der A. Inc. wird im Rahmen des vorlie-

genden Rechtshilfeverfahrens durchgeführt. 

3. Aus der Strafuntersuchung SV.15.0775 werden beigezogen: 

 Das Rechtshilfeersuchen der Bundesanwaltschaft vom 16. Juli 2015 exkl. Beilagen 

 Die Stellungnahmen und Eingaben im Beschwerdeverfahren RR.2015.240 

 Der Entscheid des Bundesstrafgerichts vom 22. Januar 2016 (RR.2015.240) 

 Die Bankunterlagen der Bank D. betreffend Konto Nr. 1 lautend auf A. Inc. 

4. Der A. Inc. wird eine nicht verlängerbare Frist von 20 Tagen ab Erhalt der vorliegenden 

Verfügung eingeräumt, zur beabsichtigten Ausfolgung der Bankunterlagen der Bank D., Kon-

to 1 lautend auf A. Inc., Stellung zu nehmen bzw. eine Erklärung im Sinne von Art. 80c IRSG 

abzugeben. 

5. (…) 

 

 

- 3 - 

 

 

D. Mit Eingabe vom 2. Februar 2016 verlangt die A. Inc. u. a., dass die beiden 

verfahrensleitenden Staatsanwälte des Bundes, B. und C., im Rechtshilfe-

verfahren in den Ausstand treten (act. 1). Mit Stellungnahme vom 24. Feb-

ruar 2016 beantragen die beiden Betroffenen, das Ersuchen sei kostenfällig 

abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden könne (act. 2). In ihrer Replik 

vom 11. März 2016 hält die A. Inc. an ihrem Ausstandsgesuch fest (act. 4). 

 

Das Bundesamt für Justiz (nachfolgend «BJ») beantragt in seiner Stellung-

nahme vom 11. März 2016 Folgendes (act. 5): 

 

Plaise au Tribunal pénal fédéral de rejeter la demande de récusation à l'encontre des procu-

reurs fédéraux B. et C. dans le cadre de la procédure d'entraide judiciaire avec le Brésil (…). 

 

Die jeweiligen Eingaben wurden den Parteien am 14. März 2016 wechsel-

seitig zur Kenntnis gebracht (act. 6, 7). 

 

Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genommen. 

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1. Das Verfahren der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit in Strafsachen 

richtet sich mangels anderslautenden Bestimmungen in internationalen Ver-

einbarungen oder in anderen Bundesgesetzen hauptsächlich nach dem Bun-

desgesetz vom 20. März 1981 (Rechtshilfegesetz, IRSG; SR 351.1) und der 

Verordnung vom 24. Februar 1982 über internationale Rechtshilfe in Straf-

sachen (Rechtshilfeverordnung, IRSV; SR 351.11). Wenn das IRSG nichts 

anderes bestimmt, wenden die Bundesverwaltungsbehörden das Bundesge-

setz vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (Verwaltungs-

verfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021), die kantonalen Behörden die für sie 

geltenden Vorschriften sinngemäss an. Für Prozesshandlungen gilt das in 

Strafsachen massgebende Verfahrensrecht (Art. 12 Abs. 1 IRSG). 

 

 

2.  

2.1 Weder das IRSG noch die IRSV enthalten Bestimmungen, welche den Aus-

stand im Bereich der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen regeln. Aus 

diesem Grund stellt sich vorliegend die Frage, welche Behörde zur Beurtei-

lung des gegen Vertreter der Bundesanwaltschaft gerichteten Ausstandsge-

- 4 - 

 

 

suchs zuständig ist und welche gesetzlichen Bestimmungen zu dessen Be-

urteilung heranzuziehen sind. Im Entscheid des Bundesstrafgerichts 

RR.2012.169 vom 14. September 2012 wurde die Zuständigkeit der Be-

schwerdekammer des Bundesstrafgerichts zur Beurteilung eines gegen ei-

nen mit der Ausführung eines internationalen Rechtshilfeersuchens betrau-

ten kantonalen Staatsanwalt gerichteten Ausstandsgesuchs bejaht (siehe 

E. 1.2 des angeführten Entscheides). Ein gegen die ausführende Bundesbe-

hörde gerichtetes Ausstandsbegehren war von der Praxis bisher nicht zu be-

urteilen. In der Literatur wird diesbezüglich die Meinung vertreten, das Bun-

desstrafgericht sei hierfür zuständig (ohne weitere Begründung in ZIMMER-

MANN, La coopération judiciaire internationale en matière pénale, 4. Aufl., 

Bern 2014, N. 273). Diesbezüglich könnte zumindest prima facie aber auch 

eine Zuständigkeit des BJ in Frage kommen (Art. 12 Abs. 1 IRSG i.V.m. 

Art. 10 Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 3 IRSV). Gesuchstellerin und BJ wurden 

daher ausdrücklich eingeladen, sich im vorliegenden Verfahren auch zur 

Frage der Zuständigkeit zu äussern (act. 3). 

 

2.2 Ein Ausstandsbegehren bzw. das diesbezügliche Verfahren ist nicht als Pro-

zesshandlung im Sinne von Art. 12 Abs. 1 Satz 2 IRSG zu betrachten, dem-

zufolge sind die erwähnten Fragen in erster Linie auf der Basis von Art. 12 

Abs. 1 Satz 1 IRSG zu beantworten (Entscheid des Bundesstrafgerichts 

RR.2012.169 vom 14. September 2012, E. 1.2.1). Richtet sich das Aus-

standsbegehren gegen die Bundesanwaltschaft als ausführende Bundesbe-

hörde, so spricht dies vorliegend für eine Anwendung des VwVG. Eine Re-

gelung zum Ausstand befindet sich in Art. 10 VwVG. Ist der Ausstand wie 

vorliegend streitig, so entscheidet darüber die Aufsichtsbehörde oder, wenn 

es sich um den Ausstand eines Mitgliedes einer Kollegialbehörde handelt, 

diese Behörde unter Ausschluss des betreffenden Mitgliedes (Art. 10 Abs. 2 

VwVG). Bei der vom vorliegenden Ausstandsbegehren betroffenen Bundes-

anwaltschaft handelt es sich nicht um eine Kollegialbehörde im Sinne der 

angeführten Bestimmung. Die Aufsicht über die Anwendung des IRSG ob-

liegt dem BJ (Art. 3 IRSV). 

 

2.3 Das BJ wendet in seiner Stellungnahme hierzu ein, dass seine Aufsichts-

funktion im Bereich der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen nicht der-

jenigen einer Aufsichtsbehörde im Sinne des VwVG entspricht (act. 5, S. 2). 

Tatsächlich weisen Lehre und Rechtsprechung die Zuständigkeit zur Beur-

teilung eines Ausstandsbegehrens im Falle von Art. 10 Abs. 2 VwVG der 

administrativen Aufsichtsbehörde zu (BGE 122 II 471 E. 3a S. 476; vgl. auch 

BREITENMOSER/SPORI FEDAIL, Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensge-

setz, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2016, Art. 10 VwVG N. 113). Diese ergebe 

sich aus der hierarchischen Gliederung der Verwaltung (FELLER, Kommentar 

- 5 - 

 

 

zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich/St. Gallen 2008, 

Art. 10 VwVG N. 37 Fn 84 m.w.H.). Gerade im Bereich der Zentralverwaltung 

ist die umfassende (Dienst-)Aufsicht geprägt durch das Hierarchieprinzip, in-

dem obere Behörden die Stellen kontrollieren, welche ihnen organisatorisch 

untergeordnet sind (VOGEL, Kommentar zum Bundesgesetz über das Ver-

waltungsverfahren, Zürich/St. Gallen 2008, Art. 71 VwVG N. 11). Von dieser 

Idee ging offensichtlich auch der historische Gesetzgeber aus. So wurde in 

Art. 9 des Entwurfs zum VwVG die «vorgesetzte Behörde» mit dem Ent-

scheid über den streitigen Ausstand betraut (vgl. Botschaft vom 24. Septem-

ber 1965 über das Verwaltungsverfahren, BBl 1965 II S. 1379).  

 

Das BJ ist im Bereich der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen zwar als 

«Aufsichtsbehörde» eingesetzt (Art. 3 IRSV), der Bundesanwaltschaft als 

ausführende Bundesbehörde aber hierarchisch nicht übergeordnet. Ebenso 

sind die Aufsichtsbefugnisse des BJ offensichtlich nicht umfassend. Das 

lässt sich aus Art. 17a Abs. 2 IRSG ableiten, welcher vorsieht, dass das BJ 

bei ungerechtfertigter Verzögerung bei der Erledigung von Rechtshilfeersu-

chen bei der zuständigen Aufsichtsbehörde intervenieren kann. Im Falle der 

Bundesanwaltschaft wäre das die Aufsichtsbehörde über die Bundesanwalt-

schaft im Sinne der Art. 23 ff. StBOG. Nach dem Gesagten ist somit eher 

zweifelhaft, ob das BJ als zur Beurteilung des gegen die Vertreter der Bun-

desanwaltschaft gerichteten Ausstandsbegehrens zuständig erklärt werden 

könnte. 

 

2.4 Alternativ könnte demgegenüber die Zuständigkeit – wie im Bereich der Aus-

standsbegehren gegen ausführende kantonale Behörden (vgl. hierzu den 

Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2012.169 vom 14. September 2012, 

E. 1.2.1) – unter Zuhilfenahme der Bestimmungen der StPO begründet wer-

den. Diese Lösung entspricht auch dem Geist der letzten Reformen des 

IRSG, namentlich derjenigen vom 4. Oktober 1996, mit welcher das Rechts-

hilfeverfahren für die ganze Schweiz einheitlich geregelt wurde (siehe hierzu 

die Botschaft vom 29. März 1995 betreffend die Änderung des Rechthilfege-

setzes und des Bundesgesetzes zum Staatsvertrag mit den USA über ge-

genseitige Rechtshilfe in Strafsachen sowie den Bundesbeschluss über ei-

nen Vorbehalt zum Europäischen Übereinkommen über die Rechtshilfe in 

Strafsachen, BBl 1995 III S. 2). Im Übrigen bestimmte die alte Fassung von 

Art. 16 Abs. 2 IRSG, dass die Kantone Zuständigkeit, Organisation und 

Amtsführung der ausführenden Behörden bestimmen. Diese Norm wurde mit 

Inkrafttreten der neuen StPO am 1. Januar 2011 aufgehoben (AS 2010 

2043). Gemäss Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung des 

Strafprozessrechts (BBl 2006 S. 1343) wurde sie obsolet, nachdem die StPO 

die kantonale Staatsanwaltschaft zur Erledigung der Fälle von internationaler 

- 6 - 

 

 

Rechtshilfe für zuständig erklärt (siehe hierzu Art. 55 Abs. 1 StPO). In ihrem 

Entscheid RR.2012.169 vom 14. September 2012 kam die Beschwerdekam-

mer daher zum Schluss, dass die Bestimmungen der StPO – im Geist der 

neueren Änderungen des IRSG – zur Begründung der Zuständigkeit zur Be-

urteilung von gegen kantonale ausführende Behörden gerichteten Aus-

standsbegehren heranzuziehen sind. Diese Überlegungen sind auch für den 

Fall von gegen die ausführende Bundesbehörde gerichteten Ausstandsbe-

gehren zu beachten. In der Tat würde es angesichts der Bestrebungen, das 

Rechtshilfeverfahren schweizweit zu vereinheitlichen, keinen Sinn machen, 

wenn die Zuständigkeit zur Beurteilung von Ausstandsbegehren eine unter-

schiedliche wäre, je nachdem ob sich das Gesuch gegen eine ausführende 

kantonale oder gegen eine ausführende Bundesbehörde richtet.  

 

2.5 Nach dem Gesagten ist die Beschwerdekammer gestützt auf Art. 59 Abs. 1 

lit. b StPO i.V.m. Art. 25 Abs. 1 IRSG zur Beurteilung des vorliegenden Aus-

standsgesuchs zuständig (vgl. hierzu bereits den Entscheid des Bun-

desstrafgerichts RR.2012.169 vom 14. September 2012, E. 1.2.2). Die ma-

terielle Beurteilung des gegen eine ausführende Bundesbehörde gerichteten 

Ausstandsbegehrens hat demgegenüber – auch in Berücksichtigung der ver-

waltungsrechtlichen Natur des Rechtshilfeverfahrens – gestützt auf Art. 10 

Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 12 Abs. 1 Satz 1 IRSG zu erfolgen (vgl. gleich hierzu 

den Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2012.169 vom 14. September 

2012, E. 2.2).  

 

 

3.  

3.1 Die Gesuchsgegner halten in ihrer Stellungnahme dafür, das Gesuch sei ver-

spätet erfolgt (act. 2, Ziff. II.4). 

 

3.2 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung wird gestützt auf den auch 

für die Privaten geltenden Grundsatz von Treu und Glauben und das Verbot 

des Rechtsmissbrauchs (Art. 5 Abs. 3 BV) verlangt, dass Ausstandsgründe 

so früh wie möglich, d. h. nach deren Kenntnis bei erster Gelegenheit, gel-

tend gemacht werden. Wer den Mangel nicht unverzüglich vorbringt, wenn 

er davon Kenntnis erhält, sondern sich stillschweigend auf ein Verfahren ein-

lässt, verwirkt den Anspruch auf spätere Anrufung der vermeintlich verletzten 

Ausstandsbestimmungen (BGE 141 III 210 E. 5.2 S. 216; 132 II 485 E. 4.3 

S. 496 m.w.H.; Urteil des Bundesgerichts 2C_972/2015 vom 30. März 2016, 

E. 2.1.2; Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2007.77 vom 29. Oktober 

2007, E. 3.1; vgl. auch BREITENMOSER/SPORI FEDAIL, a.a.O., Art. 10 VwVG 

N. 104; FELLER, a.a.O., Art. 10 VwVG N. 35; KIENER/RÜTSCHE/KUHN, Öffent-

liches Verfahrensrecht, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2015, N. 554).  

- 7 - 

 

 

 

3.3 Während sich das von der Gesuchstellerin im Rahmen des parallel laufen-

den Strafverfahrens gestellte Ausstandsbegehren als offensichtlich verspä-

tet erwies (siehe den Beschluss des Bundesstrafgerichts BB.2016.41 vom 

11. April 2016), gestaltet sich die Sachlage vorliegend anders. Mit Entscheid 

RR.2015.240 vom 22. Januar 2016 wies die Beschwerdekammer die Bun-

desanwaltschaft an, bezüglich der bereits erfolgten Herausgabe von die Ge-

suchstellerin betreffenden Bankunterlagen an die brasilianischen Behörden 

ein nachträgliches Rechtshilfeverfahren durchzuführen. Die entsprechende 

Eintretens- und Zwischenverfügung, aus welcher überhaupt erst ersichtlich 

ist, dass die beiden Gesuchsgegner das entsprechende Rechtshilfeverfah-

ren führen, datiert vom 27. Januar 2016 (act. 2.1). Das am 2. Februar 2016 

gestellte Gesuch ist demzufolge als rechtzeitig anzusehen. Dass die von der 

Gesuchstellerin angeführten, den Ausstand begründenden Tatsachen mehr-

heitlich ein paar Monate zurückliegen mögen, ändert daran nichts. War der 

Gesuchstellerin vor dem 27. Januar 2016 kein von den beiden Gesuchsgeg-

nern geführtes Rechtshilfeverfahren bekannt, so bestand für sie auch kein 

Grund, diesbezüglich irgendwelche Ausstandsbegehren zu stellen.  

 

 

4.  

4.1 Die Gesuchstellerin verweist zur Begründung ihres Gesuchs hauptsächlich 

auf die festgestellte Unzulässigkeit der Herausgabe der sie betreffenden 

Bankunterlagen an die brasilianischen Behörden und auf das Verhalten der 

Gesuchsgegner bzw. auf deren «wahrheitswidrige» und «unhaltbare» 

Äusserungen (vgl. act. 1, Rz. 5, 9 und 11; act. 4, S. 2 f.) im Rahmen des 

Schriftenwechsels zum diesbezüglichen Beschwerdeverfahren. Gestützt da-

rauf schliesst die Gesuchstellerin auf eine Befangenheit der beiden Ge-

suchsgegner. 

 

4.2  

4.2.1 Gemäss Art. 10 Abs. 1 VwVG treten Personen, die eine Verfügung zu treffen 

oder diese vorzubereiten haben, in Ausstand, wenn sie in der Sache ein per-

sönliches Interesse haben (lit. a), mit einer Partei durch Ehe oder eingetra-

gene Partnerschaft verbunden sind oder mit ihr eine faktische Lebensge-

meinschaft führen (lit. b), mit einer Partei in gerader Linie oder bis zum dritten 

Grade in der Seitenlinie verwandt oder verschwägert sind (lit. bbis), Vertreter 

einer Partei sind oder für eine Partei in der gleichen Sache tätig waren (lit. c) 

oder aus anderen Gründen in der Sache befangen sein könnten (lit. d). Letz-

teres ist nach der Rechtsprechung der Fall, wenn Umstände bestehen, die 

das Misstrauen in die Unbefangenheit und damit die Unparteilichkeit des Be-

troffenen objektiv rechtfertigen. Auf das subjektive Empfinden der Partei, 

- 8 - 

 

 

welche die Befangenheit behauptet, kommt es dabei ebenso wenig an wie 

darauf, ob der Betroffene tatsächlich befangen ist. Es genügt, dass ein ent-

sprechender Anschein durch objektive Umstände und vernünftige Gründe 

glaubhaft dargetan erscheint (BGE 137 II 431 E. 5.2 S. 452 m.w.H.; Ent-

scheide des Bundesstrafgerichts RR.2012.169 vom 14. September 2012, 

E. 3.1; RR.2007.77 vom 29. Oktober 2007, E. 3.1). 

 

4.2.2 Durch ein Behördenmitglied begangene prozessuale Fehler oder Fehlent-

scheide in der Sache führen nur dann zur Annahme der Befangenheit, wenn 

es sich um wiederholte und krasse Irrtümer handelt, die zugleich als schwere 

Amtspflichtverletzungen zu qualifizieren sind und von der Absicht zeugen, 

der Partei zu schaden, oder sich einseitig zu Lasten einer Prozesspartei aus-

wirken (BGE 125 I 119 E. 3e; Urteile des Bundesgerichts 2C_629/2015 vom 

1. Dezember 2015, E. 3.1; 6B_518/2015 vom 2. September 2015, E. 3.1; 

Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2012.169 vom 14. September 2012, 

E. 3.1). Sofern konkrete Verfahrensfehler eines Staatsanwalts beanstandet 

werden, sind in erster Linie die entsprechenden Rechtsmittel zu ergreifen 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_411/2015 vom 9. September 2015, E. 4.2). 

 

4.3  

4.3.1 Die Gesuchstellerin macht hierzu in erster Linie geltend, die von der Be-

schwerdekammer mit ihrem Entscheid RR.2015.240 vom 22. Januar 2016 

als unzulässig taxierte Herausgabe der sie betreffenden Bankunterlagen 

durch die Bundesanwaltschaft an die brasilianischen Behörden stelle einen 

gravierenden Fehler dar (act. 1, Rz. 5 und 9; act. 4, S. 2). Die lediglich auf 

das Ergebnis des entsprechenden Beschwerdeverfahrens abstellende Argu-

mentation der Gesuchstellerin greift aber offensichtlich zu kurz. Im erwähn-

ten Entscheid untersuchte die Beschwerdekammer die von der Gesuchstel-

lerin aufgeworfene, einen Ausnahmefall betreffende Rechtsfrage einlässlich 

im Lichte von nur spärlich vorhandener Rechtsprechung, von teilweise von-

einander abweichenden Lehrmeinungen, aus den verschiedenen Blickwin-

keln sowohl der aktiven als auch der passiven Rechtshilfe sowie des Rechts-

hilferechts und des nationalen Strafprozessrechts. Allein das Ausmass der 

Entscheidbegründung lässt klar erkennen, dass es sich bei der festgestellten 

Unzulässigkeit letztlich nicht um einen klaren und offensichtlichen Regel-

verstoss handelte, sondern eben vielschichtige und komplexe Fragestellun-

gen betraf. Unter anderem wurde im Entscheid auch festgehalten, dass das 

Vorgehen der Bundesanwaltschaft bzw. von deren Vertretern rein mit Blick 

auf die Regeln der schweizerischen Strafprozessordnung nicht zu beanstan-

den war (siehe E. 5.2 des angeführten Entscheides). Das angefochtene 

Rechtshilfeersuchen erwies sich denn auch nicht als missbräuchlich. Sofern 

die Gesuchstellerin diesen Punkt vorliegend erneut zur Diskussion stellt, ist 

- 9 - 

 

 

sie nicht zu hören (act. 1, Rz. 8 und 10). Mit Blick auf den Grundsatz der 

Verhältnismässigkeit kritisiert wurde von der Beschwerdekammer letztlich al-

lein die mit dem Ersuchen gleichzeitig erfolgte Herausgabe von Beweismit-

teln (siehe E. 5.4 des Entscheides); ein Mangel jedoch, der einer Heilung 

durchaus zugänglich ist (siehe E. 6.3 des Entscheides). Angesichts der Kom-

plexität der dem Entscheid zu Grunde liegenden Rechtsfragen und nament-

lich auch des Fehlens von klaren und widerspruchsfreien Grundlagen in 

Rechtsprechung und Literatur zu diesen Fragen, kann vorliegend klarer-

weise nicht von einem krassen Irrtum gesprochen werden, welcher bereits 

den Anschein einer Befangenheit zu erwecken vermag. 

 

4.3.2 Weiter bezieht sich die Gesuchstellerin auf eine Aussage der Beschwerde-

kammer, wonach die von den Vertretern der Bundesanwaltschaft in ihrer Be-

schwerdeantwort gemachte Aussage, die Beschwerdeführerin oder die an 

dieser wirtschaftlich Berechtigte seien «bis dato auch nicht im entferntesten 

Gegenstand eines in der Schweiz hängigen Rechtshilfeersuchens der brasi-

lianischen Strafverfolgungsbehörden» gewesen (siehe RR.2015.240, 

act. 12, S. 3), auf jeden Fall unhaltbar sei (vgl. den Entscheid des Bun-

desstrafgerichts RR.2015.240 vom 22. Januar 2016, E. 5.3). Die Gesuch-

stellerin unterstellt den Gesuchsgegnern in diesem Punkt und bezüglich wei-

terer Ausführungen zum selben Gegenstand, diese hätten ihr unzulässiges 

Tun im Rahmen des Beschwerdeverfahrens mit wahrheitswidrigen Angaben 

verschleiern wollen (act. 1, Rz. 9 und 11). Auch diesbezüglich ist die Aus-

sage der Gesuchsgegner nicht isoliert, sondern in ihrem Kontext zu beurtei-

len. Sowohl die Bundesanwaltschaft wie auch das BJ vertraten u. a. mit Hin-

weis auf das Urteil des Bundesgerichts 1A.107/2002 vom 8. Juli 2002 sinn-

gemäss die Ansicht, dass eine «entraide sauvage» nur dann vorliege, wenn 

das ausländische Strafverfahren bzw. das diesbezügliche Rechtshilfeersu-

chen direkt auf den von der Rechthilfemassnahme Betroffenen abzielten. 

Dies war tatsächlich so direkt nicht der Fall. Weder die Gesuchstellerin noch 

die an ihr wirtschaftlich Berechtigte wurden in den brasilianischen Ersuchen 

namentlich erwähnt. Dieser Bezug ergab sich erst aus einer Gesamtwürdi-

gung sowohl der ausländischen Rechtshilfeersuchen wie auch der im natio-

nalen Strafverfahren gesammelten Erkenntnisse und ist letztlich auf die weit 

gefasste, nicht gerade auf der Hand liegenden Formulierung bzw. Interpre-

tation des einen brasilianischen Rechtshilfeersuchens vom 18. November 

2014 zurückzuführen (RR.2015.239, act. 16.11/16.12, Ziff. 6 und 9). Die Ver-

treter der Bundesanwaltschaft relativierten ihre «unhaltbare» Aussage im 

Verlaufe des Beschwerdeverfahrens übrigens bereits selber (RR.2015.240, 

act. 19, S. 2) und erklärten diesbezüglich, sie hätten sich bei der Überprüfung 

der brasilianischen Ersuchen auf eine elektronische Suche («E.» bzw. Na-

men der Gesuchstellerin) beschränkt (RR.2015.240, act. 19, S. 2, Fn 1). Die 

- 10 - 

 

 

von der Gesuchstellerin vorliegend angeführte Aussage der Vertreter der 

Bundesanwaltschaft stellt so betrachtet keinen Versuch dar, nachträglich ei-

genes unrechtmässiges Verhalten zu verschleiern, sondern geht letztlich im 

angeführten Verfahrensfehler auf bzw. war wohl dessen Ursache. Von wie-

derholtem, krassem Fehlverhalten kann diesbezüglich keine Rede sein. 

 

4.3.3 Aufgrund der erwähnten Kritikpunkte kann daher nicht auf den Anschein ei-

ner Befangenheit der Gesuchsgegner im nun nachträglich durchzuführenden 

Rechtshilfeverfahren geschlossen werden. Diesbezüglich sind auch die wei-

teren Vorbringen der Gesuchstellerin untauglich (siehe act. 1, Rz. 10, mit 

Hinweis auf RR.2015.240, act. 23 und 26), wonach es sich beim angefoch-

tenen Rechtshilfeersuchen der Bundesanwaltschaft ausschliesslich um eine 

vorgängig geplante und mit Absicht getarnte Herausgabe von Beweismitteln 

gehandelt haben soll. Es handelt sich hierbei um eine Annahme der Gesuch-

stellerin, die in den Akten keine Stütze findet. 

 

4.3.4 Ebenso wenig den Anschein einer Befangenheit zu begründen, vermag die 

allfällige Beantwortung von Presseanfragen. Das hohe Interesse der inter-

nationalen Medien an den Ermittlungen in Brasilien ist mittlerweile notorisch. 

Die Tatsache, dass die Bundesanwaltschaft in vorliegendem Zusammen-

hang ein nachträgliches Rechtshilfeverfahren durchzuführen hat, ist zudem 

spätestens nach Publikation des Entscheides des Bundesstrafgerichts 

RR.2015.240 vom 22. Januar 2016 in anonymisierter Form auf der Ent-

scheiddatenbank des Gerichts bekannt. 

 

 

5. Nach dem Gesagten erweist sich das Gesuch als unbegründet und ist abzu-

weisen. Ob und inwiefern der Gesuchsgegner 2 an den kritisierten Verfah-

renshandlungen überhaupt mitgewirkt hat, braucht demnach nicht weiter un-

tersucht zu werden. 

 

 

6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten der Gesuch-

stellerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Gerichtsgebühr ist auf 

Fr. 3'000.– festzusetzen (Art. 63 Abs. 5 VwVG i.V.m. Art. 73 StBOG sowie 

Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 

31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bun-

desstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]). 

 

 

- 11 - 

 

 

Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Das Gesuch wird abgewiesen. 

 

2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 3'000.– wird der Gesuchstellerin auferlegt.  

 

 

Bellinzona, 28. April 2016 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Rechtsanwalt Goran Mazzuchelli 

- Bundesanwaltschaft, B., Staatsanwalt des Bundes 

- Bundesanwaltschaft, C., Staatsanwalt des Bundes 

- Bundesamt für Justiz, Fachbereich Rechtshilfe 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über 
Ausstandsbegehren ist die Beschwerde zulässig (Art. 92 Abs. 1 BGG). Diese Entscheide können 
später nicht mehr angefochten werden (Art. 92 Abs. 2 BGG). 
 
Auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen sind andere selbständig eröffnete Vor- 
und Zwischenentscheide nicht anfechtbar. Vorbehalten bleiben Beschwerden gegen Entscheide 
über die Auslieferungshaft sowie über die Beschlagnahme von Vermögenswerten und Wertgegen-
ständen, sofern sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können, oder wenn die 
Gutheissung der Beschwerde sofort einen Entscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden 
Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (vgl. Art. 93 Abs. 1 
und 2 BGG). Ist die Beschwerde gegen einen Vor- oder Zwischenentscheid gemäss Art. 93 Abs. 1 
und 2 BGG nicht zulässig oder wurde von ihr kein Gebrauch gemacht, so sind die betreffenden Vor- 
und Zwischenentscheide durch Beschwerde gegen den Endentscheid anfechtbar, soweit sie sich auf 
dessen Inhalt auswirken (Art. 93 Abs. 3 BGG).  
 
Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die Be-
schwerde nur zulässig, wenn es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (vgl. Art. 84 
Abs. 1 BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme 
bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im Aus-
land schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG). 
 
Die Beschwerde ist innert zehn Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bun-
desgericht einzureichen (vgl. Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG).