# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 22c5a16b-39fe-5674-a745-5e3adb51c124
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-03
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 03.11.2023 OG.2022.00017 (OGS.2024.159)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2022-00017_2023-11-03.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Es wirken mit: Obergerichtsvizepräsidentin MLaw Sarina Dreyer,
  Oberrichterin Monika Trümpi, Oberrichter MLaw Mario Marti, Oberrichterin Ruth
  Hefti und Oberrichter Martin Ilg sowie Gerichtsschreiberin
  MLaw Jasmin Marlovits. 

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil
  vom 3. November 2023

  
	
   

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2022.00017

  
	
   

  
	
   

  
	
  A.______

  
	
  Beschuldigter und

  
	
  Berufungskläger

  
	
   

  
	
  verteidigt durch lic. iur. Giovanni Gaggini,
  Rechtsanwalt,

  
	
  Ausstellungsstrasse 41, Postfach 1516, 8031 Zürich

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
  1.
  Staats- und Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus

  
	
  Postgasse
  29, 8750 Glarus

  
	
  Anklägerin und

  
	
  Berufungsbeklagte

  
	
   

  
	
  vertreten durch lic. iur. Patrick Fluri, Staatsanwalt

  
	
   

  
	
   

  
	
  2.
  B.______ J.T.J.

  
	
   

  
	
  Privatklägerin und

  
	
  Berufungsbeklagte

  
	
   

  
	
  vertreten durch lic. iur. Silvia Margraf, Rechtsanwältin,

  
	
  Industriestrasse 47, 6300 Zug

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Betrug,
  Misswirtschaft, Unterlassung der Buchführung

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Rechtsbegehren des
  Beschuldigten und Berufungsklägers (gemäss Berufungserklärung vom
  3. Februar 2022, act. 40):

  
	
   

  
	
  	
    1.  Das Urteil der Strafgerichtskommission des
    Kantonsgerichts Glarus vom 24. November 2021 (Verfahren SG.2020.00155)
    sei bezüglich der Dispositiv-Ziff. 2, 3, 5 und 7 vollumfänglich aufzuheben.

    
	
     

    
	
    2.  Die beschuldigte Person sei vollumfänglich freizusprechen.

    
	
     

    
	
    3.  Etwaige Zivilansprüche der Privatklägerin seien
    allesamt auf den Zivilweg zu verweisen.

    
	
     

    
	
    4.  Die von der Staatsanwaltschaft des Kantons Glarus
    beschlagnahmten Gegenstände und Vermögenswerte seien der beschuldigten
    Person herauszugeben.

    
	
     

    
	
    5.  Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge inkl. den
    Kosten der amtlichen Verteidigung und der MwSt. zulasten der Staatskasse.

    

  

  
	
   

  
	
  Antrag der Anklägerin
  und Berufungsbeklagten (gestellt anlässlich der Hauptverhandlung vom
  17. März 2023, act. 55):

  
	
   

  
	
  Es sei unter vollumfänglicher
  Abweisung der Berufung das Urteil des Kantonsgerichts vom 24. November
  2021 zu bestätigen.

  
	
   

  
	
   

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
   

  
	
  Das Gericht zieht in Betracht:

  
	
   

  
	
  I.          Prozessgeschichte

  
	
   

  
	
  1.    

  
	
  Die B.______
  J.T.J. (nachfolgend "Privatklägerin") reichte am 29. Januar
  2013 Strafanzeige gegen A.______ (nachfolgend "Beschuldigter")
  betreffend diverse Delikte ein. Daraufhin erhob die Staats- und
  Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus (nachfolgend "Staatsanwaltschaft")
  am 30. Dezember 2020 Anklage gegen den Beschuldigten wegen Betrug gemäss
  Art. 146 Abs. 1 StGB, Misswirtschaft gemäss Art. 165 Ziff. 1
  StGB sowie Unterlassung der Buchführung im Sinne von Art. 166 StGB
  (act. 1, S. 2). 

  
	
  2.    

  
	
  2.1.    Mit
  Urteil vom 24. November 2021 sprach die Strafgerichtskommission des
  Kantonsgerichts Glarus den Beschuldigten des Betruges im Sinne von
  Art. 146 Abs. 1 StGB sowie der Misswirtschaft im Sinne von
  Art. 165 Ziff. 1 StGB schuldig (act. 27, S. 97,
  Dispositiv-Ziff. 2). Betreffend den Vorwurf der Unterlassung der
  Buchführung im Sinne von Art. 166 StGB stellte sie das Verfahren hingegen ein
  (Dispositiv-Ziff. 1). Sie verurteilte den Beschuldigten zu einer
  bedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten bei einer Probezeit von vier Jahren
  (Dispositiv-Ziff. 3). Ausserdem entschied die Strafgerichtskommission,
  dass die beim Beschuldigten sichergestellten Gegenstände diesem auf erstes
  Verlangen herauszugeben seien, wobei diese 120 Tage nach Rechtskraft des
  Entscheides vernichtet würden, sofern sie nicht davor herausverlangt würden
  (Dispositiv-Ziff. 4).

  
	
  2.2.    Die
  Strafgerichtskommission verpflichtete den Beschuldigten ausserdem, der
  Privatklägerin Schadenersatz im Umfang von EUR 207'523.82 nebst Zins zu
  5 % zu bezahlen (Dispositiv-Ziff. 5). Parteientschädigung sprach es
  ihr hingegen keine zu (Disposiitv-Ziff. 8). Die Gerichtsgebühr setzte
  sie fest auf CHF 14'000.− und auferlegte diese zusammen mit den
  weiteren Verfahrenskosten (exkl. amtliche Verteidigung) von CHF 6'910.50
  dem Beschuldigten (Dispositiv-Ziff. 6-7). Dem amtlichen Verteidiger
  erkannte die Vorinstanz für das vorinstanzliche Verfahren eine Entschädigung
  von CHF 30'678.30 zu, wobei dieses zusammen mit den Kosten der amtlichen
  Verteidigung während der Untersuchung von CHF 34'487.70 ebenfalls dem
  Beschuldigten auferlegt wurden, aber erst von ihm bezogen werden, sobald es
  dessen wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Dispositiv-Ziff. 6-7 und
  9).

  
	
  3.    

  
	
  Die
  Berufungsverhandlung fand am 17. März 2023 statt, wurde aber
  unterbrochen und am 31. März 2023 fortgeführt (act. 55 und 63).
  Anlässlich dieses Unterbruchs wurde Oberrichter Feuz durch Oberrichter Ilg
  ersetzt, wobei weder die Staats­anwaltschaft noch der Beschuldigte dagegen
  Einwände erhoben (vgl. act. 59, act. 60 und act. 63). Am
  3. November 2023 fällte das Obergericht seinen Entscheid (act. 70).
  Der Entscheid wird schriftlich eröffnet, nachdem die Parteien auf eine
  mündliche Urteilseröffnung ausdrücklich verzichtet haben (Art. 84
  Abs. 3 StPO; act. 63, S. 5).

  
	
   

  
	
  II.         Prozessuales

  
	
   

  
	
  1.    

  
	
  Das hier
  angefochtene Strafurteil der Vorinstanz (act. 27) ist der Berufung
  zugänglich (Art. 398 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte ist zur Berufung
  legitimiert (Art. 382 Abs. 1 StPO) und das Obergericht ist als
  Rechtsmittelinstanz in Strafsachen für die Behandlung von Berufungen
  zuständig (Art. 17 Abs. 1 lit. a GOG [GS III A/2]). Der
  Beschuldigte hat mit der Berufung vom 3. Februar 2022 die
  Rechtsmittelfrist gewahrt und erhebt zulässige Rügen (Art. 398 Abs. 3
  StPO; Art. 399 StPO; vgl. act. 40). Auf die Berufung ist einzutreten
  (Art. 398 ff. StPO).

  
	
  2.    

  
	
  Nach
  Art. 398 Abs. 3 StPO können mit der Berufung Rechtsverletzungen,
  einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens,
  Rechtsverweigerungen und Rechtsverzögerungen (lit. a), die unvollständige
  oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) sowie Unangemessenheit
  (lit. c) gerügt werden.

  
	
  3.    

  
	
  Die
  Berufungsinstanz überprüft das Urteil nur in den angefochtenen Punkten
  (Art. 404 Abs. 1 StPO). Wird gegen einzelne Punkte eines
  erstinstanzlichen Urteils kein Rechtsmittel ergriffen, erwachsen die
  betreffenden Urteilspunkte rückwirkend auf den Tag der Entscheidung in
  Rechtskraft (Art. 437 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 StPO). Die rechtskräftigen Punkte sind im Dispositiv des
  Berufungsentscheids vorab aufzuführen (Daniel
  Jositsch/Niklaus Schmid,
  Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 4. Aufl. 2023,
  N. 1 f. zu Art. 408 StPO). Gemäss
  Art. 408 StPO hat das Berufungsgericht (wenn es auf die Berufung
  eintritt) in jedem Fall ein neues Urteil zu fällen, welches das
  erstinstanzliche Urteil ersetzt. Darin wird unabhängig von einem
  allfälligen Antrag der Parteien auch über die von der Vorinstanz getroffene
  Kostenregelung neu befunden (Art. 428 Abs. 3 StPO; Urteil BGer
  6B_655/2018 vom 4. April 2019, E. 2.3).

  
	
  4.    

  
	
  4.1.    Vorliegend sind die folgenden Punkte
  des vorinstanzlichen Entscheids unangefochten in Rechtskraft erwachsen:
  Dispositiv-Ziff. 1 (Einstellung des Verfahrens betreffend Unterlassung
  der Buchführung), Dispositiv-Ziff. 4 (Herausgabe sichergestellter
  Gegenstände), Dispositiv-Ziff. 6 und 9 (Gerichtsgebühr, Verfahrenskosten
  und Entschädigung der amtlichen Verteidigung) sowie Dispositiv-Ziff. 8
  (Nichtzusprache Parteientschädigung).

  
	
  4.2.    Gemäss
  den vorstehenden Ausführungen wurde bereits rechtskräftig über die Herausgabe
  der sichergestellten Gegenstände an den Beschuldigten entschieden. Sein
  Antrag (act. 40, S. 3, und act. 57, S. 54), ihm seien die
  von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmten Gegenstände und Vermögenswerte
  herauszugeben, zielt daher ins Leere. Herauszuverlangen sind die Gegenstände
  bei den in act. 27, S. 97, Dispositiv-Ziff. 4 bezeichneten
  Stellen [Kantonspolizei bzw. Kantonsgericht] und nicht beim Obergericht.
  Nicht mehr Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist ausserdem, ob der
  Beschuldigte die Buchführung unterlassen hat. Der Sachverhalt ist deshalb
  nachfolgend nur noch in Bezug auf die übrigen Vorwürfe im Zusammenhang mit
  einem möglichen Betrug (E. V) bzw. Misswirtschaft (E. IV) zu
  überprüfen. 

  
	
  5.    

  
	
  Die Akten
  des vorinstanzlichen Verfahrens SG.2020.00155 (act. 1-39/4) wurden
  beigezogen. Integrierender Bestandteil dieser Akten bilden die
  Strafuntersuchungsakten (Verfahren SA.2013.00234;
  act. 2/1.0.00 ff.), die beim Beschuldigten beschlagnahmten Akten
  (act. 8/800001 ff.) sowie dessen Computer und Laptop
  (act. 21/1 und act. 21/2). Die Akten des Berufungsverfahrens werden
  im gleichen Dossier geführt (ab act. 40).

  
	
   

  
	
  III.        Vorbemerkungen

  
	
   

  
	
  1.    Unvoreingenommenheit, Unparteilichkeit und Unbefangenheit

  
	
  1.1.    Der
  Beschuldigte bringt zunächst vor, die Vorinstanz habe Art. 56 StPO bzw.
  Art. 30 Abs. 1 BV bzw. Art. 6 Abs. 1 EMRK bzw. Art. 14 Abs. 1
  UNO-Pakt II verletzt, wobei der Beschuldigte insbesondere von der
  Voreingenommenheit der Vorinstanz ausgeht. Zur Begründung verweist er auf
  verschiedene Formulierungen und Schlussfolgerungen des vorinstanzlichen
  Urteils (vgl. act. 57, S. 2 ff.).

  
	
  1.2.    Art. 30
  Abs. 1 BV (sowie Art. 6 Abs. 1 EMRK bzw. Art. 14 Abs. 1 UNO-Pakt
  II) gewährt einer Person Anspruch darauf, dass ihre Sache von einem
  unparteiischen, unvoreingenommenen und unbefangenen Richter beurteilt wird
  (vgl. statt vieler BGE 148 IV 137 E. 2.2). Eine Person, welche für
  eine Strafbehörde tätig ist und diese Voraussetzungen nicht erfüllt, hat in
  den Ausstand zu treten (Art. 56 StPO). Eine Garantie fehlerfreien richterlichen
  Handelns besteht hingegen nicht, weshalb entsprechende Mängel grundsätzlich
  auch keinen Anschein der Befangenheit zu begründen vermögen. Nur in besonders
  krassen Fällen und bei wiederholten Irrtümern könnte eine solche vorliegen
  (Urteil BGer 1C_205/2009 vom 2. Juli 2009, E. 2.4).

  
	
  1.3.    Zunächst ist festzuhalten, dass die
  Urteilsbegründung erst im Zusammenhang mit der konkreten Urteilsfällung
  erfolgt und damit grundsätzlich erst diese die abschliessende Würdigung des
  Sachverhalts enthält (vgl. Art. 81 Abs. 3 lit. a StPO). Bei
  den vom Beschuldigten bemängelten vorinstanzlichen Formulierungen handelt es
  sich ausserdem vorwiegend um ungeschickte Äusserungen, welche für sich nicht
  genügen, den Anschein einer Befangenheit zu bewirken (BGE 127 I 196
  E. 2.d; Markus Boog, in:
  Basler Kommentar Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023,
  N. 55 zu Art. 56 StPO). Staatsanwalt [...] war überdies im vorliegenden
  Verfahren Teil der Anklagebehörde und nicht etwa der Vorinstanz, weshalb
  dessen Aussagen (vgl. act. 57, S. 16 f.) im Zusammenhang mit
  einer allfällige Befangenheit der Vorinstanz ohne Belang sind. Anzumerken ist
  auch, dass der Begriff "System A.______" nicht etwa von der
  Vorinstanz stammt, sondern der Beschuldigte selbst bereits am
  20. September 2011 in einer E-Mail an C.______ erklärte, nach
  "A.______'s Ordnungssystem" zu handeln (act. 21/1). 

  
	
  Im Übrigen
  bemängelt der Berufungskläger unter dem Titel der
  "Unvoreingenommenheit" eine fehlerhafte Beweiswürdigung durch die
  Vorinstanz und legt seine eigene Beweiswürdigung sowie weitere
  Schlussfolgerungen dar (act. 57, insbes. S. 6 ff.; vgl. dazu
  auch E. III.3 nachfolgend). Inwiefern die Beweiswürdigung der Vorinstanz
  besonders krasse Mängel beinhalten soll, legt der Beschuldigte hingegen nicht
  dar und ist auch nicht ersichtlich. Insbesondere genügt es dafür nicht, dass
  die Vorinstanz auf einen veralteten Betreibungsregisterauszug abgestellt
  haben soll (vgl. act. 57, S. 9). Dementsprechend ist vorliegend
  keine Voreingenommenheit, Parteilichkeit oder Befangenheit der Vorinstanz
  ersichtlich.

  
	
  2.    Anklagegrundsatz

  
	
  2.1.    Der
  Beschuldigte rügt im Berufungsverfahren zudem eine Verletzung des aus dem
  Anklagegrundsatz fliessenden Immutabilitätsprinzips, da die Vorinstanz
  vollkommen anklagesachverhaltsfremde Elemente berücksichtigt habe. Dies habe
  sich zum Nachteil des Beschuldigten ausgewirkt, wobei insbesondere die Höhe
  der Strafe betroffen sei (vgl. act. 40, S. 4 f., und
  act. 57, S. 25 ff.). Die Staatsanwaltschaft bringt dagegen
  vor, dass Tatsachen und Beweismittel, welche einzig bei der Strafzumessung zu
  berücksichtigen seien, nicht in die Anklageschrift gehören würden. Dass die
  Anklageschrift nicht Grundlage für den ergangenen Schuldspruch sein könne,
  bringe der Beschuldigte hingegen nicht vor (act. 65, S. 5).

  
	
  2.2.    Gemäss dem Anklagegrundsatz (Art. 9
  Abs. 1 StPO) bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des
  Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; vgl. auch Art. 29 Abs. 2
  und Art. 32 Abs. 2 BV; Art. 6 Abs. 1 und Abs. 3
  lit. a und b EMRK). Die Anklage hat die dem Beschuldigten zur Last
  gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass der
  Beschuldigte weiss, wessen er angeklagt ist. Das bedingt eine zureichende
  Umschreibung der Tat sowohl in objektiver als auch in subjektiver Hinsicht
  (BGE 143 IV 63 E. 2.2.). Das Gericht ist gemäss dem
  Anklagegrundsatz zudem an den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt
  gebunden (Immutabilitätsprinzip), nicht aber an dessen rechtliche Würdigung
  durch die Anklagebehörde (vgl. Art. 350 StPO).

  
	
  Der
  Anklagegrundsatz ist daher insbesondere verletzt, wenn das Gericht mit seinem
  Schuldspruch über den angeklagten Sachverhalt hinausgeht (Urteil BGer
  6B_760/2021 vom 8. Oktober 2021, E. 1.1; Urteil BGer 6B_38/2022 vom
  11. Mai 2022, E. 2.2). Stellt sich im Beweisverfahren heraus, dass
  sich der Sachverhalt in einzelnen Punkten anders zugetragen hat, als in der
  Anklageschrift umschrieben, so hindert der Anklagegrundsatz das Gericht nicht
  daran, die beschuldigte Person aufgrund des abgeänderten Sachverhalts zu
  verurteilen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Änderungen für die
  rechtliche Qualifikation des Sachverhalts nicht ausschlaggebende Punkte
  betreffen und die beschuldigte Person Gelegenheit hatte, dazu Stellung zu
  nehmen (Urteil BGer 6B_954/2021 vom 24. März 2022, E. 1.2).

  
	
  2.3.    Dem
  Beschuldigten ist insoweit zuzustimmen, als dass die Vorinstanz in ihrem
  Urteil unter E. V einen Sachverhalt umschrieben hat, welcher wesentlich
  über den Anklagesachverhalt hinausgeht (act. 27, S. 16 ff.).
  Die Erweiterung ist im Wesentlichen aber nicht in den Schuldspruch
  eingeflossen (vgl. act. 27, S. 66 ff., E. VI f.),
  wobei auf die einzige Ausnahme direkt nachfolgend unter E. V eingegangen
  wird. Betreffend die Strafzumessung kommt der Anklagegrundsatz – wie die
  Staatsanwaltschaft zutreffend vorbringt – nicht zur Anwendung. Bei dieser
  sind nämlich auch das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des
  Beschuldigten zu berücksichtigen (Art. 47 Abs. 1 StGB), was nicht
  in der Anklageschrift auszuführen ist (vgl. E. III.2.2 vorstehend). Im
  Wesentlichen wurde der Anklagegrundsatz daher nicht verletzt (zur Ausnahme
  vgl. E. V.2.2.2 nachfolgend).

  
	
  3.    Grundsätze der
  Beweiswürdigung

  
	
  3.1.    Wie
  bereits erwähnt (E. III.1.3 vorstehend) bemängelt der Beschuldigte
  mehrfach die durch die Vorinstanz vorgenommene Beweiswürdigung. Aus diesem
  Grund sind nachfolgend nochmals die Grundsätze der Beweiswürdigung in
  Erinnerung zu rufen. Das Obergericht nimmt seine eigene Beweiswürdigung nach
  diesen Grund­sätzen vor (vgl. E. IV und V nachfolgend).

  
	
  3.2.    Jede
  Person gilt bis zu ihrer rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig
  (Art. 10 Abs. 1 StPO). Nach Art. 10 Abs. 2 StPO würdigt das
  Gericht die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen
  Überzeugung. Bestehen unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen
  Voraussetzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für die
  beschuldigte Person günstigeren Sachlage aus (in dubio pro reo; Art. 10
  Abs. 3 StPO; vgl. act. 27, S. 4 f., E. II).

  
	
  3.3.    Liegen für einen eingeklagten Sachverhalt keine
  direkten Beweise vor, ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts auch ein
  indirekter Beweis zulässig. Beim Indizienbeweis wird aus bestimmten
  Tatsachen, die nicht unmittelbar rechtserheblich, aber bewiesen sind
  (Indizien), auf die zu beweisende, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache
  geschlossen. Eine Mehrzahl von Indizien, welche für sich alleine nur mit
  einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder die Tat hinweisen
  und einzeln betrachtet die Möglichkeit des Andersseins offenlassen, können
  einen Anfangsverdacht verstärken und in ihrer Gesamtheit ein Bild erzeugen,
  das bei objektiver Betrachtung keine Zweifel bestehen lässt, dass sich der
  Sachverhalt so verwirklicht hat. Der Indizienbeweis ist dem direkten Beweis
  gleichwertig. Der Grundsatz "in dubio pro reo" findet auf das
  einzelne Indiz keine Anwendung (Urteil BGer 6B_726/2020 vom
  28. Juni 2021, E. 2.2; Urteil BGer 6B_1302/2020 vom
  3. Februar 2021, E. 1.2.3, je m.w.H.).

  
	
   

  
	
  IV.       Misswirtschaft

  
	
   

  
	
  1.    Sachverhalt

  
	
  1.1.    Standpunkte der Parteien und der Vorinstanz

  
	
  1.1.1.   Die Staatsanwaltschaft wirft dem
  Beschuldigten vor, vor dem 17. Januar 2012 D.______ mit der Gründung der
  E.______ AG beauftragt zu haben. Dieser habe am 30. Januar 2012 die
  E.______ AG mit einem Aktienkapital von CHF 100'000.− ins
  Handelsregister eintragen lassen. Das Gründungskapital sei am 23. Januar
  2012 von F.______ einbezahlt und am 7. Februar 2012 (abzüglich einer
  Kommission von CHF 500.−) wieder an diese zurückvergütet worden.
  Der Beschuldigte habe per 21. März 2012 die Aktien der E.______ AG
  übernommen und sei seither deren Geschäftsführer sowie das einzige Mitglied
  des Verwaltungsrates gewesen. Dabei habe er gewusst, dass er einen leeren
  Aktienmantel ohne Aktiven übernommen habe, und habe bewusst auf eine
  Sanierung oder Neuliberierung verzichtet. Eventualiter habe er der E.______
  AG ein Kapital von CHF 100'000.− aus einem privaten Darlehen zur
  Verfügung gestellt.

  
	
  Ab ca.
  Februar 2012 habe der Beschuldigte – insbesondere von seinem Wohnort in [...]
  aus – für die E.______ AG eine zunehmend regere Geschäftstätigkeit
  aufgenommen, wobei er insbesondere im Ausland Agrargüter gekauft habe und
  diese in der Schweiz verkauft habe. In den Monaten April 2012 bis Oktober
  2012 habe er damit einen Umsatz von monatlich CHF 200'000.− bis
  CHF 1'600'000.− erzielt. Indem der Beschuldigte trotz hoher Umsätze
  ohne Eigenkapital (bzw. mit einem Eigenkapital von CHF 100'000.−)
  und ohne Übersicht über die aktuelle finanzielle Lage der E.______ AG stets
  weitere und höhere Verpflichtungen für diese einging, habe er als
  Verwaltungsrat und Geschäftsführer arg nachlässig gehandelt. So habe er noch
  vom 16. August 2012 bis zum 30. Oktober 2012 von der Privatklägerin
  Agrarprodukte zu einem Preis von insgesamt EUR 390'382.02 [=
  EUR 182'836.12 + EUR 5'455.80 + EUR 166'616.42 +
  EUR 35'473.68] liefern lassen, wobei er aber nur EUR 185'910.84
  [recte: EUR 185'217.20; = EUR 182'836.12 + EUR 3'074.72
  (recte: EUR 2'381.08)] bezahlt habe. Dieses arg nachlässige Handeln habe
  im Juni 2012 zur Überschuldung und spätestens per September 2012, als die
  E.______ AG ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr fristgerecht nachkommen
  konnte, zur Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft geführt. 

  
	
  Die G.______
  AG habe zwar bis am 1. Mai 2013 per 31. März 2013 eine
  Zwischenbilanz erstellt, welche Schulden von mindestens CHF 1'655'143.57
  bei Aktiven von CHF 278'583.59 aufweise. Der Beschuldigte habe aufgrund
  von Liquiditätsengpässen, insbesondere auch aufgrund der Unmöglichkeit zur
  Einhaltung der Zahlungsfristen gegenüber der Privatklägerin, aber schon
  länger erkannt, spätestens aber ab September 2012, dass die E.______ AG in einer
  Finanzkrise gewesen sei und somit begründete Besorgnis einer Überschuldung
  bestanden habe. Trotzdem habe es der Beschuldigte unterlassen, seinen
  gesetzlichen Pflichten nach aArt. 725 Abs. 2 OR nachzukommen und sofort resp.
  innert maximal eines Monats eine Zwischenbilanz zu erstellen und durch einen
  zugelassenen Revisor prüfen zu lassen oder sofort die Bilanz zu deponieren,
  obwohl er als einziger Verwaltungsrat der E.______ AG dazu verpflichtet
  gewesen sei. Stattdessen habe der Beschuldigte mit der defizitären E.______
  AG weitergearbeitet und sei fortlaufend neue Verbindlichkeiten eingegangen. 

  
	
  Diese arge
  Nachlässigkeit des Beschuldigten habe eine Verschleppung des Konkurses
  bewirkt, was aufgrund der laufenden Kosten zu einer Verschlimmerung der
  Vermögenslage der E.______ AG geführt habe. Namentlich Kosten in Form von
  neuen Lieferantenforderungen, öffentlichen Abgaben und Verzugszinsen seien
  aufgelaufen, seit der Beschuldigte die Hinweise erkannt habe, die Anlass zur
  Besorgnis einer Überschuldung gegeben hätten. Da die E.______ AG, wie der
  Beschuldigte erkannt habe oder hätte erkennen sollen, keine Aussicht auf
  Fortführung der Geschäftstätigkeit mehr gehabt habe, habe sie sich mit diesen
  Ausgaben keinen für sie brauchbaren Gegenwert verschaffen können. Mit
  Verfügung vom 12. August 2014 sei über die E.______ AG schliesslich der
  Konkurs eröffnet worden, wobei dieser am 5. September 2014 mangels
  Aktiven eingestellt wurde (vgl. zum Ganzen act. 1, S. 3 ff.).

  
	
  1.1.2.   Die
  Vorinstanz erachtete den Anklagesachverhalt in Bezug auf die ungenügende
  Kapitalausstattung als erstellt, wobei sie von der Hauptanklage (Verzicht auf
  Neuliberierung) und nicht von der Eventualanklage (Kapital von
  CHF 100'000.−) ausging (vgl. act. 27, S. 74 ff.,
  E. VII.3). Betreffend die arge Nachlässigkeit in der Berufsausübung
  stellte die Vorinstanz fest, dass der Beschuldigte bereits im Juli 2012
  Schulden gegenüber zwei Firmen über eine halbe Million Euro angehäuft hatte,
  ohne dass Aussicht auf Abzahlung bestanden habe. Die Übergangsfrist für die
  Sanierungsmassnahmen habe entsprechend bereits im Juli zu laufen begonnen,
  weshalb der Beschuldigte bereits viel früher [als im Jahr 2013] eine
  Zwischenbilanz hätte erstellen lassen müssen. Indem er eine
  Aktiengesellschaft ohne jegliches Eigenkapital geleitet, innert wenigen
  Monaten Schulden von über einer Million Euro angehäuft habe und auch
  anschliessend weitere Verpflichtungen eingegangen sei, welche ihrerseits die
  ernsthafte Gefahr zu weiteren Schulden geboten hätten, habe er arg nachlässig
  gehandelt, wessen er sich auch bewusst gewesen sei (act. 27,
  S. 78 f., E. VII.4.3).

  
	
  1.1.3.   Der
  Beschuldigte lässt dagegen vorbringen, er habe von H.______ im Zusammenhang
  mit der Gründung der E.______ AG im Januar und Februar 2012 zwei Darlehen in
  bar über insgesamt CHF 100'000.− erhalten. Über diesen Betrag habe
  die E.______ AG verfügen können und damit Spesen und Rechnungen bezahlt.
  Zudem seien von Anfang an erhebliche Zahlungen aus Verkäufen von Produkten
  bei der E.______ AG eingegangen, weshalb der Beschuldigte auch von einer
  genügenden Liquidität habe ausgehen können. Der Beschuldigte habe
  entsprechend weder vorsätzlich noch eventualvorsätzlich eine
  Schwindelgründung begangen und auch nicht die Zahlungsunfähigkeit der
  E.______ AG herbeigeführt (act. 57, S. 21 f. und
  S. 35 ff.). Der Beschuldigte habe ausserdem laufende vertragliche
  Lieferverpflichtungen gehabt, aus welchen er nicht habe aussteigen können,
  ohne dass daraus Schadenersatzforderungen gegen die E.______ AG entstanden
  wären. Er sei daher nicht grundlos Verpflichtungen eingegangen (act. 57,
  S. 39).

  
	
  Bis zur
  Erstellung der Zwischenbilanz im Mai 2013 habe C.______ von der G.______ AG
  keine Überschuldung feststellen können und den Beschuldigten davor auch nie
  über eine solche informiert (act. 57, S. 38). Die Übergangsfrist
  für die Sanierungsmassnahmen (Toleranzfrist) könne daher keinesfalls bereits
  per Juli 2012 beginnen. Der Beschuldigte habe nachdem anfangs Mai 2013 klar
  gewesen sei, dass die E.______ AG überschuldet sei, umgehend am 15. Mai
  2013 eine schriftliche Meldung beim zuständigen Grundbuch- und Konkursamt
  [...] eingereicht. Damit habe er die Eröffnung des Liquidationsverfahrens
  beantragt, aber die Eröffnung des Konkurses gemeint. Der Beschuldigte habe
  dann während langer Zeit nichts mehr gehört und könne nicht sagen, weshalb
  der Konkurs schliesslich erst am 12. August 2014 eröffnet worden sei
  (act. 57, S. 43). 

  
	
  Dem
  Beschuldigten könne ausserdem auch kein eventualvorsätzliches Verhalten
  vorgeworfen werden. Ab November 2012 habe sich der Beschuldigte bemüht, den
  Liquiditätsengpass zu lösen, indem er Kundenforderungen gerichtlich
  eingefordert, Zwischenfinanzierungen gesucht und z.B. der Privatklägerin
  offene Lieferkontrakte vermittelt habe. Die I.______ AG habe der E.______ AG
  ausserdem eine Abnahmezusicherung sowie finanzielle Unterstützung
  versprochen. Der Beschuldigte habe daher die berechtigte Hoffnung gehabt,
  dass er die Liquiditätsprobleme der E.______ AG noch werde lösen können, ohne
  sogleich die Bilanz deponieren und den Richter anrufen zu müssen. Andernfalls
  müsse aber beim Beschuldigten von einem Sachverhaltsirrtum ausgegangen
  werden, weil dieser die Zusicherungen der I.______ AG irrtümlich als zu
  erfolgsversprechend eingeschätzt habe und daher von einer längeren
  Toleranzfrist ausgegangen sei (act. 57, S. 38 ff.).

  
	
  1.1.4.   Die
  Staatsanwaltschaft weist daraufhin, dass das Startkapital jeweils in Relation
  zum wirtschaftlichen Risiko zu sehen sei. Angesichts der erzielten
  Monatsumsätze bei der reinen Handelstätigkeit der E.______ AG, sei das
  Kapital (selbst wenn es CHF 100'000.− betragen würde) dem Risiko
  nicht angemessen, zumal anderweitige Reserven fehlen würden. Das
  vorinstanzliche Urteil sei daher zu bestätigen (act. 65,
  S. 6 ff.). Der Beschuldigte habe zudem als alleiniger
  Geschäftsführer und Verwaltungsrat spätestens ab September 2012 um die
  Überschuldung gewusst und sei daher unabhängig von der G.______ AG zum
  Handeln verpflichtet gewesen (act. 65, S. 10).

  
	
  1.2.    Feststellung des
  Sachverhalts 

  
	
  1.2.1.   Unbestritten
  ist vorliegend, dass D.______ die E.______ AG im Auftrag des Beschuldigten
  gründete und per 30. Januar 2012 ins Handelsregister eintragen liess
  (act. 56, S. 7, Frage 16). Weiter steht fest, dass D.______
  das dafür erforderliche Eigenkapital von F.______ per 23. Januar 2012
  einzahlen liess (act. 2/6.3.08) und ihr dieses am 7. Februar 2012
  abzüglich einer Kommission wieder zurückbezahlte (act. 2/6.3.09). Der
  Beschuldigte erwarb unbestrittenermassen per 21. März 2012 die E.______
  AG als Aktienmantel und ist seither deren einziges Verwaltungsratsmitglied
  sowie deren Geschäftsführer (act. 2/8.1.08 sowie act. 56,
  S. 7, Frage 16). Dass der Beschuldigte wusste, dass der erworbene
  Aktienmantel über kein Eigenkapital verfügte, ist vorliegend ebenfalls nicht
  mehr strittig (vgl. act. 57, S. 35 f.; act. 21/1,
  Kaufvertrag über die E.______ AG [S. 4, Ziff. 4.2] gemäss E-Mail
  der K.______ AG vom 17. Januar 2012). Unbestritten ist vorliegend auch,
  dass die E.______ AG in den Monaten April 2012 bis Oktober 2012 einen Umsatz
  von monatlich CHF 200'000.− bis CHF 1'600'000.−
  erzielte und von der Privatklägerin vom 16. August 2012 bis zum
  30. Oktober 2012 Agrarprodukte zu einem Preis von insgesamt
  EUR 390'382.02 liefern liess (act. 57, insbes. S. 37, und
  act. 2/3.1.01, S. 27). Der Beschuldigte war ausserdem im operativen
  Bereich alleine tätig, womit auch die Verantwortung für die E.______ AG bei
  ihm lag (act. 56, S. 18, Frage 54).

  
	
  Weiter steht
  fest, dass die G.______ AG eine Zwischenbilanz per 31. März 2013
  erstellte, welche Schulden von mindestens CHF 1'655'143.57 bei Aktiven
  von CHF 278'583.59 aufwies (act. 2/5.2.03-1). Dabei ist
  unbestritten, dass der Beschuldigte der G.______ AG den Auftrag zur
  Erstellung der Zwischenbilanz gab und diese am 1. Mai 2013 erhielt
  (act. 2/10.1.01, S. 11, Ziff. 19; act. 56, S. 8, Frage 17,
  und act. 2/5.2.03). Der damalige Anwalt des Beschuldigten sandte diese
  Zwischenbilanz am 1. Mai 2013 den Gläubigern der E.______ AG und bat um
  Mitteilung, ob für diese eine Sanierung mittels Rangrücktrittserklärung bzw.
  Umwandlung von Forderungen in Aktienkapital in Frage komme
  (act. 2/3.1.03-1, S. 7). Der Beschuldigte beantragte schliesslich
  am 15. Mai 2013 beim Grundbuch- und Konkursamt [...] die Eröffnung des
  Liquidationsverfahrens (act. 57/8). Unbestrittenermassen hat der Beschuldigte
  weder davor noch danach eine Überschuldungsanzeige eingereicht (vgl.
  act. 57, S. 43, und act. 56, S. 16, Frage 46).
  Erwiesen ist ausserdem, dass über die E.______ AG am 12. August 2014 der
  Konkurs eröffnet und das Konkursverfahren am 5. September 2014 mangels
  Aktiven eingestellt wurde (act. 2/3.1.20-1 und act. 2/8.1.08).
  Anlass zu dieser Konkurseröffnung hat das Konkursbegehren eines Gläubigers
  gegeben (act. 52).

  
	
  1.2.2.   Zu
  prüfen bleibt den vorstehenden Ausführungen zufolge, ob der Beschuldigte die
  E.______ AG mit (einem angemessenen) Eigenkapital ausstattete, nachdem er
  diese übernommen hatte (E. IV.1.2.3). Im Zusammenhang mit der
  nachfolgend zu überprüfenden Überschuldung (E. IV.2.2) ist zudem
  festzustellen, wie die finanzielle Situation der E.______ AG vor dem 31. März
  2013 bzw. per 30. Juni 2012 aussah (E. IV.1.2.5). Diesbezüglich ist auch
  zu prüfen, ob und inwiefern der Beschuldigte gegenüber der E.______ AG
  Schulden hatte (E. IV.1.2.4). Schliesslich ist festzustellen, was der
  Beschuldigte wann zur Rettung der E.______ AG unternahm (E. IV.1.2.6)
  und was die Meldung des Beschuldigten vom 15. Mai 2013 beinhaltete
  (E. IV.1.2.7).

  
	
  1.2.3.   Eigenkapital der E.______
  AG

  
	
  1.2.3.1.  Sowohl
  der Beschuldigte als auch H.______ geben übereinstimmend an, dass H.______
  dem Beschuldigten CHF 100'000.− in bar übergeben habe (act. 15, S. 6,
  Frage 11 f.; act. 2/10.1.19, S. 3 und S. 6,
  N. 93 und N. 199, sowie act. 2/10.1.27, S. 3 f.,
  N. 91 ff.). In den Akten liegen ausserdem zwei Quittungen, gemäss
  welchen H.______ dem Beschuldigten am 3. Januar 2012 sowie am
  1. Februar 2012 jeweils CHF 50'000.− in bar übergeben haben soll (act. 2/2.1.30-2/3).
  Zusätzlich hat der Beschuldigte mit H.______ am 19. Dezember 2013 einen
  Darlehensvertrag über bereits erfolgte Darlehenszahlungen im Umfang von
  insgesamt CHF 162'525.71 abgeschlossen, worin unter anderem ein für die
  E.______ AG gewährtes Darlehen über CHF 100'000.− ohne konkretes
  Übergabedatum aufgeführt wird (act. 2/2.1.14-6
  und act. 2/2.1.14-7). Das Darlehen
  wird ausserdem auch auf der Übersicht "Persönliches Darlehen,
  H.______" mit Daten vom 3. Januar 2012 und 1. Februar 2012
  aufgeführt (act. 2/2.1.14-8). Weitere Hinweise darauf, dass dieses
  Bargeld am 3. Januar 2012 bzw. am 1. Februar 2012 tatsächlich
  existierte, liegen hingegen keine vor. Insbesondere wurde der Betrag nie auf
  ein Bankkonto des Beschuldigten bzw. der E.______ AG einbezahlt und ist auch
  in der Steuererklärung von H.______ kein Darlehen aufgeführt
  (vgl. act. 2/6.1.10, act. 2/6.1.17, act. 2/6.1.22,
  act. 2/6.2.07 und act. 2/9.1.05-3).

  
	
  Dass
  H.______ dem Beschuldigten nochmals CHF 100'000.− dargeliehen
  haben soll, nachdem er bereits auf die Rückzahlung von Darlehen über rund
  CHF 70'000.− wartete (vgl. dazu act. 2/2.1.14-7), scheint
  wenig glaubhaft. Hinzu kommt, dass H.______ gegenüber dem Beschuldigten am
  4. Mai 2011 mitteilte, er habe bereits ca. CHF 160'000.− in
  die Firma [gemeint: L.______ AG] investiert (act. 21/1, E-Mail von
  H.______ vom 4. Mai 2011). Dieser Betrag entspricht in etwa dem
  vorstehend erwähnten gesamten Darlehensbetrag gemäss dem Vertrag vom
  19. Dezember 2013. Dementsprechend liegt nahe, dass diese
  Darlehensforderung bereits am 4. Mai 2011 bestand und nicht erst durch
  Barübergaben anfangs 2012 ergänzt wurde. Dafür, dass im Februar kein Geld
  mehr geflossen ist, spricht auch, dass der Beschuldigte bereits am
  17. Januar 2012 gegenüber der M.______ s.r.o. erklärte, das
  Aktienkapital der E.______ AG sei zu 100% liberiert (act. 8/801174). Den
  vorstehenden Ausführungen zufolge zweifelt die Vorinstanz zu Recht daran,
  dass die Übergabe von insgesamt CHF 100'000.− am 3. Januar
  2012 bzw. am 1. Februar 2012 tatsächlich erfolgte.

  
	
  Vollständigkeitshalber
  ist noch anzumerken, dass der Beschuldigte erstmals vor Obergericht
  vorbringt, er habe zusätzlich eine private Unterstützung über
  CHF 50'000.− erhalten (act. 56, S. 10 f.,
  Fragen 22 und 26; vgl. auch act. 17, S. 21 f.).
  Diesbezüglich liegen dem Obergericht aber keine Hinweise vor. Zudem scheint
  es auch wenig glaubhaft, dass dies dem Beschuldigten nach etwa zehn Jahren plötzlich
  in den Sinn gekommen sein soll. Es handelt sich entsprechend um eine reine
  Schutzbehauptung des Beschuldigten bzw. allenfalls um eine Verwechslung mit
  der späteren Übernahme der Y.______ GmbH (vgl. act. 57, S. 17),
  weshalb darauf nachfolgend nicht weiter eingegangen wird. Der Beschuldigte
  kann entsprechend maximal CHF 100'000.− von H.______ erhalten
  haben, welche in die E.______ AG hätten einfliessen können.

  
	
  1.2.3.2.  Betreffend das erwähnte Darlehen über
  CHF 100'000.− von H.______
  an den Beschuldigten ist zu klären, in
  wessen Namen der Beschuldigte dieses entgegengenommen hat. Mit anderen Worten
  ist festzustellen, ob der Beschuldigte selbst oder die E.______ AG
  Darlehensnehmer der erwähnten CHF 100'000.− ist. Auf den Quittungen
  ist zwar "für" die E.______ AG aufgeführt (act. 2/2.1.30-2/3).
  Daraus geht allerdings nicht eindeutig hervor, ob "für" den
  Darlehensnehmer bezeichnen soll oder lediglich eine Zweckbestimmung
  darstellt. Auf dem Darlehensvertrag vom 19. Dezember 2012 ist
  schliesslich allein der Beschuldigte persönlich als Kreditnehmer aufgeführt
  (act. 2/2.1.14-6, S. 1). Demgemäss steht fest, dass der
  Beschuldigte Partei des genannten Darlehens ist. Zu prüfen bleibt demnach, ob
  das erwähnte Darlehen in die E.______ AG eingeflossen ist. 

  
	
  1.2.3.3.  Die E.______ AG wird sowohl auf den vorstehend
  erwähnten Quittungen als auch auf der Finanzierungsaufstellung vom
  19. Dezember 2013 erwähnt (act. 2/2.1.30-2/3 und
  act. 2/2.1.14-7), was grundsätzlich dafür spricht, dass die
  CHF 100'000.− in die E.______ AG geflossen sein könnten. An der
  Einvernahme vor der Vorinstanz am 16. Juni 2021 erklärte der
  Beschuldigte, er habe das Geld auf das Konto bei der [...] einbezahlt
  respektive es sofort für den Produkteerwerb verwendet (act. 15,
  S. 6, Frage 12, und act. 16 ab 26'30''). Vor Obergericht
  erklärte er am 17. März 2023, er habe mit den CHF 100'000.− den
  Einkauf von Produkten, Verzollungs- und Transportkosten usw. bezahlt. Dazu
  sei er bei den Lieferanten im Ausland persönlich vorbeigegangen und habe
  diese bar in Schweizer Franken bezahlt (act. 56, S. 11,
  Frage 25). 

  
	
  Zunächst ist
  festzuhalten, dass in den Akten keine Rechnungen liegen, welche in der
  Gründungsphase Barausgaben der E.______ AG im Umfang von CHF 100'000.−
  belegen würden (vgl. insbes. act. 8/800212 ff.). Aus diesem Grund
  ist grundsätzlich davon auszugehen, dass auch keine solchen Zahlungen erfolgt
  sind. Auffällig sind auch die vom Beschuldigten verwendeten Formulierungen
  betreffend das Darlehen von H.______. So erklärte er vor der
  Staatsanwaltschaft, das Aktienkapital sei mit einem Darlehen sichergestellt
  (act. 2/10.1.19, S. 3, N. 90 f.), und vor Obergericht, Vermögen
  von H.______ habe das Eigenkapital bestätigt (act. 56, S. 10,
  Frage 22). Beide Formulierungen beinhalten nicht, dass das Darlehen
  tatsächlich in die E.______ AG einbezahlt wurde oder zumindest in ihrem Sinne
  verwendet wurde.

  
	
  Die vom
  Beschuldigten gehandelte Ware wird ausserdem jeweils über ein
  Transportunternehmen von einem ausländischen Lieferanten direkt an den Kunden
  des Beschuldigten geliefert (vgl. z.B. act. 8/802016 ff.). Der
  Beschuldigte kommt entsprechend grundsätzlich weder mit dem
  Transportunternehmen noch mit der Verzollung noch mit dem Lieferanten in
  persönlichen Kontakt. Aus diesem Grund hat er grundsätzlich auch keine
  Gelegenheit dazu, diese in bar zu bezahlen. In Bezug auf die Lieferanten ist
  zwar nicht daran zu zweifeln, dass der Beschuldigte diese teilweise im
  Ausland persönlich besuchte. Hingegen ist unglaubhaft, dass die Lieferanten
  Barzahlungen in Schweizer Franken angenommen und nicht auf Zahlungen in ihrer
  eigenen Währung oder Euro bestanden haben sollen. Die Ausführungen des
  Beschuldigten vermögen entsprechend keine begründeten Zweifel an der vom
  Obergericht gewonnenen Überzeugung, dass die CHF 100'000.− nicht
  in die E.______ AG eingeflossen sind bzw. nicht für diese verwendet wurden,
  hervorzurufen.

  
	
  1.2.3.4.  Demzufolge kann vorliegend offen bleiben, ob eine
  Ausstattung mit Eigenkapital im Umfang von CHF 100'000.− dem
  Risiko der vorliegenden Handelstätigkeit genügt hätte. Allerdings ist darauf
  hinzuweisen, dass der Beschuldigte dem Notariat, Grundbuch- und Konkursamt
  [...] anlässlich des Konkurses der L.______ AG [Vorgängergesellschaft der
  E.______ AG] im Januar 2012 mitteilte, dass CHF 200'000.− keine
  genügende Kapitalisierung seien (vgl. act. 8/801173). Der Beschuldigte
  ging demnach selbst davon aus, dass die Kapitalisierung ungenügend war.
  Wesentliche Unterschiede zwischen der E.______ AG und der L.______ AG sind in
  Bezug auf die Risikobeurteilung nicht ersichtlich, übten doch beide eine
  Back-to-Back-Handelstätigkeit im Agrarsegment aus. Entgegen der Auffassung
  des Beschuldigten vermag daran auch ein Kundenausbau nichts zu ändern
  (act. 56, S. 10, Frage 23, und act. 15, S. 5, Frage 10),
  bleibt er doch dennoch vollständig von diesen abhängig. Eher erhöht ein
  solcher aufgrund des höheren Umsatzes das Risiko sogar. Zudem lässt der
  Beschuldigte vorbringen, sogar schon mit der N.______ AG
  [Vorgängergesellschaft der L.______ AG] Erfahrung mit verspäteten, zu geringen
  oder verunreinigten Lieferungen gemacht zu haben (act. 57, S. 14).
  Damit war er sich bewusst, dass der von ihm getätigte Handel Risiken mit sich
  bringt.

  
	
  1.2.3.5.  Zusammengefasst, hat der Beschuldigte die
  CHF 100'000.− von H.______ nicht in die E.______ AG einbezahlt,
  wobei auch unklar ist, ob er dieses Geld überhaupt im Zeitpunkt der Gründung
  der E.______ AG erhalten hat. Dementsprechend steht fest, dass der
  Beschuldigte die E.______ AG, nachdem er diese übernommen hatte, bewusst
  nicht neu liberierte.

  
	
  1.2.4.   Schulden
  des Beschuldigten gegenüber der E.______ AG

  
	
  1.2.4.1.  Wie bereits dargelegt (E. IV.1.2.3), verfügte
  die E.______ AG über kein einbezahltes Eigenkapital. Sie hatte
  dementsprechend lediglich eine Forderung auf Einzahlung dieses Eigenkapitals
  gegenüber dem Beschuldigten als Alleinaktionär. Aufgrund der finanziellen
  Situation des Beschuldigten handelte es sich dabei aber um eine
  (grösstenteils) uneinbringliche Forderung, deren Wert berichtigt werden muss.
  Der Beschuldigte bezahlte sich während des Bestehens der E.______ AG keinen
  Lohn aus und hatte auch sonst keinerlei Einkünfte (act. 2/10.1.01,
  S. 8, Ziff. 22; act. 57, S. 19, und act. 2/1.1.04). Hinzu kommt, dass weitere Einkünfte aufgrund
  der bereits im Juni 2012 registrierten Betreibungen und Verlustscheinen des
  Beschuldigten ohnehin mit grosser Wahrscheinlichkeit gepfändet worden wären
  (vgl. act. 2/1.1.05). Entsprechend hätte der Beschuldigte das Eigenkapital
  einzig aus seinem Kontoguthaben bezahlen können. Per 30. Juni 2012
  befanden sich darauf lediglich rund CHF 20'000.− (act. 2/6.1.22, S. 7 und
  S. 44), womit dies der maximale
  Betrag ist, welchen der Beschuldigte zu diesem Zeitpunkt hätte als
  Eigenkapital einbezahlen können. Bis zum Konkurs der E.______ AG war der
  Beschuldigte gemäss seinem Kontostand schliesslich gar nicht mehr in der
  Lage, Eigenkapital einzubezahlen (vgl. act. 2/6.1.22, S. 1).

  
	
  1.2.4.2.  Bereits mit den
  vorstehenden Ausführungen wurde die Behauptung des Beschuldigten, er habe
  persönlich keine Schulden gegenüber der E.______ AG (act. 56,
  S. 14, Frage 37), widerlegt. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte auch
  nachdem er die Geschäftstätigkeit eingestellt haben will (act. 
  2/8.1.02, S. 8, Ziff. 39, und act. 56, S. 9, Frage 20),
  noch erhebliche Bargeldbeträge bezog (act. 2/6.1.17,
  S. 25 ff.). Dass es sich bei dem insgesamt vom 1. Dezember
  2012 bis 14. Mai 2013 abgehobenen Bargeld über CHF 13'990.− noch
  um Spesen, Administrativkosten und Besuchskosten gehandelt haben soll – wie
  dies der Beschuldigte behauptet (act. 56, S. 14, Frage 36) –,
  kann mangels Geschäftstätigkeit zu diesem Zeitpunkt ausgeschlossen werden.
  Bereits die G.______ AG konnte ausserdem private Zahlungen von dem
  Geschäftskonto feststellen und listete unklare Zahlungsausgänge über
  CHF 442'547.85 auf (vgl. act. 8/803714 ff.). Wohl mangels
  Eintreibungsfähigkeit hat die G.______ AG diese Forderungen aber nicht in der
  Zwischenbilanz aufgeführt (vgl. act. 2/5.2.03-1). Auf die privaten Zahlungen von dem Geschäftskonto
  wird nachfolgend unter E. IV.1.2.4.3 ff. näher eingegangen, auf
  geschäftliche Einzahlungen auf das Privatkonto des Beschuldigten unter
  E. IV.1.2.4.6. 

  
	
  1.2.4.3.  Der
  Beschuldigte bezahlte Telefonrechnungen seiner Frau und seiner Kinder
  teilweise über das Konto der E.______ AG. Zudem überwies er Beträge an seine
  Tochter, Gestüte sowie an Sportverbände bzw. ‑lehrer. Bei diesen
  genannten Ausgaben im Zeitraum von April 2012 bis Juni 2012 über insgesamt
  mindestens EUR 1'517.77 und von Juli 2012 bis März 2013 über mindestens
  CHF 3'411.60 handelt es sich offensichtlich um private und nicht
  geschäftsmässig begründete Ausgaben. Weiter
  bezahlte der Beschuldigte von seinem Geschäftskonto diverse Bussen in der
  Höhe von CHF 520.− und EUR 45.−, wobei er CHF 160.− bereits im Juni 2012 bezahlte
  und die übrigen Bussen von Juli 2012 bis Mai 2013 (vgl. zum Ganzen act. 2/6.1.17; 2/6.1.10,
  S. 39; act. 8/800231 ff., und act. 21/1, Anmeldung
  Herbstlager 2010). Bussen stellen allerdings keinen geschäftsmässig
  begründeten Aufwand dar (vgl. Art. 59 Abs. 2 lit. c DBG).
  Vielmehr sind sie höchstpersönlicher Natur und sollen die fehlbare Person
  direkt treffen (vgl. Peter Locher/Ernst
  Giger/Andrea Pedroli, Kommentar zum Bundesgesetz über die direkte
  Bundessteuer, 2. Aufl. 2022, N. 124 zu Art. 59 DBG). Entsprechend
  handelt es sich auch dabei – unabhängig davon, ob es sich um private oder um
  Geschäftsfahrten handelte – um private Schulden des Beschuldigten.

  
	
  1.2.4.4.  Der Beschuldigte bezahlte über sein Geschäftskonto
  zudem grössere Weinbestellungen, wobei diese gemäss dem Beschuldigten als
  Kundengeschenke übergeben worden sein sollen (act. 57, S. 18). Der
  Beschuldigte selbst gibt allerdings lediglich sechs Hauptkunden an, hat aber
  Rechnungen im Wert von insgesamt CHF 2'207.30 an Weinlieferanten bezahlt
  (vgl. act. 2/8.1.07 und act. 2/6.1.17, S. 4 f.). Dieser
  Betrag ist im Verhältnis zur Kundenanzahl offensichtlich übersetzt. Hinzu
  kommt, dass die E.______ AG zum Zeitpunkt der Bestellungen im Mai bzw. Juni
  2012 – nachdem sie erst per 21. März 2012 vom Beschuldigten übernommen
  wurde – noch in der Aufbauphase war und damit auch noch in Verhandlungen mit
  den Kunden sein musste. Zu diesem Zeitpunkt wären Kundengeschenke im Rahmen
  von Art. 4a Abs. 1 lit. a UWG ohnehin nicht unproblematisch.
  Aus den vorstehend erwähnten Gründen erscheint die Behauptung des
  Beschuldigten, es handle sich bei den Weinbestellungen um geschäftsmässigen
  Aufwand, nicht glaubhaft. Vielmehr ist davon auszugehen, dass es sich auch
  dabei um rein private Aufwendungen handelt.

  
	
  1.2.4.5.  Betreffend
  die Zahlungen an H.______ erklärte der Beschuldigte, es handle sich um
  geschäftsmässigen Aufwand (act. 57, S. 18). Er habe diesem eine
  Entschädigung bezahlt (act. 57, S. 21), aber keinen Lohn
  (act. 2/10.1.01, S. 9, Ziff. 6). Auch H.______ erklärte,
  keinen Lohn erhalten zu haben, jedoch Zahlungen auf kollegialer Basis wie
  z.B. Spesen (act. 2/10.1.18, S. 4, Ziff. 20). Auf den
  Kontoauszügen, werden die Überweisungen von jeweils CHF 400.− bzw.
  CHF 800.− teilweise als Spesen, teilweise als Lohn, als
  Dienstleistungen sowie teilweise als Darlehensrückzahlung bezeichnet
  (act. 2/6.1.17). Gemäss der sowohl von H.______ als auch vom
  Beschuldigten unterzeichneten Aufstellung betreffend das persönliche Darlehen
  hat der Beschuldigte von April bis August 2012 sowie im Oktober und November
  2012 jeweils CHF 800.− und im Februar, März sowie April 2013 jeweils
  CHF 400.− des Darlehens zurückbezahlt (act. 2/2.1.14-8).
  Der Beschuldigte und H.______ hatten sich entsprechend nach dem
  29. August 2014 darauf geeinigt, dass es sich bei den erwähnten Beträgen
  um die Rückzahlung des Darlehens handeln soll, womit eine allfällige andere
  frühere Bezeichnung der einzelnen Überweisungen nicht mehr massgebend ist.

  
	
  Da die
  überwiesenen Beträge exakt mit den zu Gunsten von H.______ vom Konto der
  E.______ AG getätigten Überweisungen übereinstimmen (vgl.
  act. 2/6.1.17), ist davon auszugehen, dass es sich bei allen diesen
  Zahlungen um Darlehensrückzahlungen handelt und der im Kontoauszug sowie der
  bei den Befragungen angegebene Zahlungszweck teilweise unzutreffend ist. Wie
  bereits vorstehend dargelegt (vgl. E. IV.1.2.3.2), handelt es sich bei
  dem zurückbezahlten Darlehen aber nicht etwa um ein Darlehen der E.______ AG,
  sondern um ein persönliches Darlehen des Beschuldigten. Die E.______ AG hat
  entsprechend mit den Zahlungen an H.______ über insgesamt CHF 6'800.−
  eine persönliche Schuld des Beschuldigten beglichen. Per 30. Juni 2012
  hatte die E.______ AG davon bereits CHF 2'400.− abbezahlt.

  
	
  1.2.4.6.  Verschiedene
  Kunden der E.______ AG haben zudem höhere Geldbeträge auf das Privatkonto des
  Beschuldigten bezahlt (vgl. act. 2/6.1.22). Gemäss dem Beschuldigten
  sollen diese Einzahlungen im Zeitraum von Januar bis April 2012 für die
  L.______ AG gewesen sein (act. 2/10.1.01, S. 10, Ziff. 17).
  Über die L.______ AG wurde aber bereits per 10. Januar 2012 der Konkurs
  eröffnet (act. 24), womit allfällige Guthaben dieser in die Konkursmasse
  fielen und nicht an den Beschuldigten ausbezahlt werden konnten (vgl.
  Art. 197 SchKG und Art. 205 Abs. 1 SchKG). Dass die Zahlungen
  für die L.______ AG gewesen sein sollen, ist daher nicht glaubhaft. Der
  Beschuldigte erklärte an seiner Einvernahme vor Obergericht ausserdem, dass
  er privat keinen Handel betrieben habe (act. 56, S. 19,
  Frage 57). Damit kann ausgeschlossen werden, dass es sich um private
  Guthaben des Beschuldigten handelt. Da die E.______ AG per 21. März 2012
  auf den Beschuldigten übertragen wurde (act. 2/8.1.08), ist davon
  auszugehen, dass spätestens die Kundenzahlungen ab 1. April 2012 für die
  E.______ AG erfolgten. Für die früheren Zahlungen hingegen kann vorliegend
  nicht erstellt werden, dass diese für die E.______ AG waren.

  
	
  Vom
  1. April 2012 bis zum 30. Juni 2012 sind auf das Konto des
  Beschuldigten bereits Kundenzahlungen über insgesamt CHF 1'626'269.90
  einbezahlt worden, wobei der Beschuldigte aber auch CHF 4'972.75 von
  seinem Privatkonto an die Zollspedition O.______ AG überwies. Abzüglich der
  Zahlungen von der E.______ AG auf die Privatkonti des Beschuldigten überwies
  dieser der E.______ AG von seinen Privatkonti in diesem Zeitraum im Gegenzug
  jedoch nur CHF 1'497'900.− sowie EUR 22'244.58
  (= CHF 26'984.90, Wechselkurs per 30. Juni 2012: 1.2131).
  Der Beschuldigte schuldete der E.______ AG entsprechend per 30. Juni
  2012 aus den an ihn persönlich bezahlten Geschäftsforderungen CHF 96'412.25.
  Bis zum Konkurs der E.______ AG ist diese Differenz auf CHF 153'347.49
  angestiegen (= CHF 3'238'930.55 - CHF 3'061'396.78 - EUR
  19'724.58 bzw. CHF 24'186.28; Wechselkurs per 12. August 2014:
  1.2262), wobei die Bezahlung der G.______ AG über das Privatkonto des
  Beschuldigten im Umfang von CHF 1'500.− vom 2. Mai 2013
  bereits abgezogen wurde (vgl. zu den Wechselkursen https://www.rates.bazg.admin.ch/estv;
  vgl. zum Ganzen act. 2/6.1.22).

  
	
  1.2.4.7.  Zusammengefasst
  sind die Schulden des Beschuldigten gegenüber der E.______ AG bis zu deren Konkurs
  neben dem Eigenkapital über CHF 100'000.− auf insgesamt mindestens
  CHF 182'192.66 (CHF 13'990.− + CHF 3'411.60 + EUR 1'517.77
  [= CHF 1'861.09] + CHF 520.− + EUR 45.− [= CHF 55.18] + CHF 2'207.30 + CHF 6'800.− + CHF 153'347.49;
  Wechselkurs per 12. August 2014: 1.2262) angewachsen. Der Beschuldigte
  hatte aber auch davor – abgesehen von dem Eigenkapital – bereits Schulden
  gegenüber der E.______ AG; per 30. Juni 2012 betrugen diese mindestens
  CHF 103'020.76 (= EUR 1'517.77 [= CHF 1'841.21] + CHF 160.− + CHF 2'207.30 + CHF 2'400.− + CHF 96'412.25;
  Wechselkurs per 30. Juni 2012: 1.2131; vgl. zum Ganzen
  E. IV.1.2.4.2 ff. vorstehend). Angesichts der finanziellen
  Situation des Beschuldigten ist allerdings auch diese Forderung in ihrem
  Werte auf CHF 0.− zu berichtigen (vgl. E. IV.1.2.4.1).
  Festzuhalten ist ausserdem, dass es sich bei den erwähnten Forderungen nicht
  um Lohn handelt, lässt doch selbst der Beschuldigte erklären, sich einen
  solchen nie ausbezahlt zu haben (act. 57, S. 19). Im Übrigen wäre
  ein Lohn von rund CHF 100'000.− für drei Monate insbesondere angesichts der
  finanziellen Verhältnisse der E.______ AG (vgl. E. IV.1.2.5 nachfolgend)
  auch in keiner Weise angemessen.

  
	
  1.2.5.   Finanzielle Situation der
  E.______ AG per 30. Juni 2012

  
	
  1.2.5.1.  Auf
  der Passivseite sind zunächst die Forderungen von den Lieferanten und
  Transportunternehmen zu berücksichtigen. Die P.______ GmbH hatte per
  30. Juni 2012 eine offene Forderung gegenüber der E.______ AG von
  mindestens EUR 31'929.84 (= CHF 38'734.09, Wechselkurs per
  30. Juni 2012: 1.2131 [vgl. E. IV.1.2.4.6 vorstehend]; act. 8/802584,
  vgl. auch act. 8/802504 und act. 8/802461 ff.). Die Q.______
  GmbH hatte per 30. Juni 2012 offene Forderungen im Umfang von insgesamt
  mindestens EUR 30'090.63 (= CHF 36'502.94, Wechselkurs:
  1.2131; act. 8/803062 ff., act. 8/802016, act. 8/802377
  und act. 8/802381). Die R.______ Gesellschaft m.b.H. hatte zu diesem
  Zeitpunkt bereits eine offene Forderung gegenüber der E.______ AG über
  EUR 224'346.18 (= CHF 272'154.35, Wechselkurs: 1.2131; vgl.
  act. 22/1). Die S.______ Handelsgesellschaft m.b.H. hatte per
  30. Juni 2012 offene Forderungen über insgesamt EUR 190'919.72
  (= CHF 231'604.71,
  Wechselkurs: 1.2131; act. 22/13, S. 4, vgl. auch
  act. 2/6.1.10, insbes. S. 18 ff.).

  
	
  Der O.______
  AG schuldete die E.______ AG per 30. Juni 2012 CHF 16'805.15 (=
  CHF 41'313.25 + CHF 1'552.85 - CHF 26'060.95 [Zahlungen]),
  nachdem der Beschuldigte erklärte, dass die E.______ AG die Schulden der
  L.______ AG übernehme (act. 8/803554, act. 8/803611,
  act. 2/6.1.17 sowie act. 2/6.1.22, S. 34). Anzumerken ist
  dabei, dass der Beschuldigte gegenüber der O.______ AG klar erklärte, die
  E.______ AG übernehme Schulden der L.______ AG. Demgemäss kann es sich nicht
  um eine Überschneidung bei den Verzollungskosten in Bezug auf V.______
  handeln, wie dies der Beschuldigte vorbringt (act. 56, S. 12, Frage
  29).

  
	
  1.2.5.2.  Vor
  Obergericht erklärte der Beschuldigte zwar, die M.______ s.r.o. habe mit der
  E.______ AG keine Geschäfte ausgeführt (act. 56, S. 13,
  Frage 32). Noch bei der Staatsanwaltschaft am 5. April 2016
  begründete der Beschuldigte jedoch den Verlust der E.______ AG von über einer
  Million damit, dass die M.______ s.r.o. Probleme bereitet habe
  (act. 2/10.1.01, S. 11, Ziff. 24). Auch in seinem
  Zusatzbericht vom 31. März 2014 erklärte er, die M.______ s.r.o. habe
  mit der E.______ AG Verträge abgeschlossen (act. 2/8.1.07, S. 4).
  Dies stimmt auch mit den Rechnungen und Einkaufsbestätigungen sowie der
  weiteren Korrespondenz überein (vgl. z.B. act. 8/802686,
  act. 8/802763, act. 802789 ff., act. 8/800884 f. und
  act. 8/801174). Der Beschuldigte bestätigte der M.______ s.r.o. am
  27. April 2012 im Namen der E.______ AG ausserdem, dass noch Ausstände
  bestehen (act. 8/802680). Die von der M.______ s.r.o. geltend gemachte
  Forderung über EUR 207'460.30 bzw. CHF 249'156.30 (vgl.
  act. 8/800779 und act. 8/800756) durfte daher, auch wenn sie vom
  Beschuldigten grundsätzlich bestritten wird, im Sinne von Art. 958c
  Abs. 1 Ziff. 5 OR bei der Bilanzierung und Finanzanalyse nicht
  vollständig unberücksichtigt bleiben. So konnte sich der Beschuldigte nicht
  sicher sein, bei einem Rechtsstreit zu obsiegen. Da allerdings gewisse
  Lieferungen der M.______ s.r.o. offenbar mangelhaft waren (vgl.
  act. 8/800872 ff.), wird diese Forderung bei der nachfolgenden
  Aufstellung (E. IV.1.2.5.5) dennoch nicht aufgeführt.

  
	
  1.2.5.3.  Auf der Aktivseite sind einerseits die Bankguthaben
  der E.______ AG von insgesamt CHF 10'387.80 (= CHF 8'626.65 +
  EUR 1'451.78 [= CHF 1'761.15, Wechselkurs: 1.2131]) zu
  berücksichtigen (act. 2/6.1.17, S. 8, und act. 2/6.1.10,
  S. 17). Andererseits sind die offenen Forderungen der E.______ AG aus
  Lieferungen und Leistungen zu berücksichtigen. Zunächst ist diesbezüglich die
  Forderung gegen V.______ zu beachten, welche per 30. Juni 2012
  CHF 113'867.55 betrug (= CHF 112'455.85 + CHF 1'411.70,
  act. 2/15.01.08-1, S. 2, und act. 2/6.1.17, S. 8). Die
  Forderungen gegen die übrigen Kunden der E.______ AG können mangels Belegen
  nicht genau berechnet werden. Der Beschuldigte erklärte aber anlässlich der
  Befragung vor Obergericht, er habe die Zahlungen back-to-back abgewickelt,
  was mit wenigen Ausnahmen sehr gut gegangen sei (act. 56, S. 13,
  Frage 33 f.). Es kann deshalb davon ausgegangen werden, dass seine
  Kunden die Lieferungen meist pünktlich nach Erhalt der Rechnung bezahlten
  (vgl. z.B. act. 8/800312 und act. 8/800418; vgl. auch
  act. 16 ab 24'42''). Daraus kann gefolgert werden, dass die per
  30. Juni 2012 offenen Forderungen etwa den Zahlungseingängen der
  folgenden zehn Tage entsprechen. In diesem Zeitraum gingen CHF 31'564.− von
  der T.______ sowie CHF 380'398.75 von der I.______ AG bei der E.______
  AG ein (act. 2/6.1.17, S. 8 f., und act. 2/6.1.22,
  S. 45 f.). 

  
	
  1.2.5.4.  Der Beschuldigte macht ausserdem in der
  Zwischenbilanz per 31. März 2013 diverse Gegenforderungen gegen die
  U.______ GmbH & Co. KG, die R.______ Gesellschaft m.b.H. sowie die
  M.______ s.r.o. geltend (act. 2/5.2.03-1). Zudem liess er vor
  Obergericht erklären, Hauptursache für die Liquiditätsschwierigkeiten der
  E.______ AG sei, dass teilweise Ware mit mangelhafter Qualität geliefert
  worden sei (act. 57, S. 39 ff.). Betreffend die Forderung der
  U.______ GmbH & Co. KG erklärte der Beschuldigte, diese habe die
  Liefervereinbarung, wonach bis im Dezember 2012 Lieferungen hätten erfolgen
  sollen, nicht vollständig erfüllt (act. 56, S. 15, Frage 40).
  Aus den Akten geht allerdings hervor, dass die U.______ GmbH & Co. KG die
  Lieferungen mangels Zahlungen der E.______ AG eingestellt hatte
  (act. 22/14). Damit ist die erwähnte Forderung der E.______ AG
  aussichtslos (vgl. Art. 64 Abs. 1 CISG; SR 0.221.211.1). Auch
  betreffend die R.______ Gesellschaft m.b.H. sind die vom Beschuldigten
  vorgebrachten Lieferverzögerungen bzw. -aussetzungen (act. 56,
  S. 14 f., Frage 39) gemäss den vorliegenden Akten einzig auf
  fehlende Zahlungen der E.______ AG zurückzuführen (vgl. insbes.
  act. 22/5). In Bezug auf die Forderung gegen die M.______ s.r.o. gibt
  der Beschuldigte selbst an, dass es sich um eine Forderung der L.______ AG
  aufgrund von falschen Verzollungsangaben und Mehrwertsteuerabrechnungen
  handle (act. 56, S. 15, Frage 41). Die E.______ AG hat
  dementsprechend keinen Anspruch auf diese Forderung.

  
	
  1.2.5.5.  Die Bilanz der E.______ AG per 30. Juni 2012 in
  Schweizer Franken (ohne Rappen) stellt sich den vorstehenden Ausführungen
  zufolge (E. IV.1.2.4 und IV.1.2.5) in etwa wie folgt dar:

  
	
  	
    

    

  Der vorstehenden Aufstellung kann entnommen werden, dass
  die E.______ AG per 30. Juni 2012 in etwa Aktive von CHF 556'218.−
  besass, denen Passive von CHF 695'801.− gegenüber standen.
  Folglich hatte die E.______ AG bereits zu diesem Zeitpunkt einen Verlust von
  ca. CHF 139'583.− erwirtschaftet.

  
	
  1.2.5.6.  Betreffend die
  Wirtschaftlichkeit der vom Beschuldigten ausgeführten Geschäfte ist Folgendes
  festzuhalten: Vor Obergericht erklärte der Beschuldigte zwar, er habe beim
  normalen Ablauf des Handelsgeschäfts eine Gewinnmarge über sämtliche Produkte
  von netto etwa vier Euro pro "100 Kilo oder Tonne" erzielt und die
  Preise laufend kalkuliert (act. 56, S. 12, Frage 31). Im Laufe
  des vorliegenden Verfahrens bestätigte der Beschuldigte aber mehrfach selbst,
  es sei [seit April 2012] bei seinen Geschäften zu Verlusten gekommen
  (vgl. act. 2/8.1.03, S. 4, Ziff. 61, und
  act. 2/8.1.03, S. 3, Ziff. 54). Dem Beschuldigten musste
  entsprechend bewusst sein, dass die mit der E.______ AG ausgeführten
  Geschäfte nicht besonders wirtschaftlich waren. 

  
	
  Entgegen der
  Auffassung des Beschuldigten ändert daran auch nichts, dass die I.______ AG
  gegen die E.______ AG eine Betreibung über CHF 1'101'436.−
  einleitete (vgl. act. 57, S. 39, und act. 2/2.1.15-1): Bei
  einem Handelsgeschäft besteht der Gewinn aus der Differenz des
  Einkaufspreises und dem Verkaufspreis an den Endkunden (abzüglich weiterer
  Gewinnungs- und Fixkosten). Wird dabei ein Zwischenhändler – wie die E.______
  AG – dazwischen geschaltet, ist dieser Gewinn zwischen dem ersten [hier:
  E.______ AG] und dem zweiten Händler [hier: I.______ AG] aufzuteilen. Hat
  entsprechend die I.______ AG einen besonders hohen Gewinnanteil, so deutet
  dies darauf hin, dass die E.______ AG einen tiefen Gewinnanteil hat. Die hohe
  Betreibungsforderung der I.______ AG ist entsprechend – wie dies die
  Staatsanwaltschaft zutreffend vorbringt (act. 65, S. 11) – ein
  Indiz dafür, dass der Beschuldigte deutlich unter dem Marktpreis verkaufte. 

  
	
  1.2.5.7.  Der Beschuldigte
  bestätigte an seiner Einvernahme vom 25. Februar 2014 selbst, dass er am
  1. November 2012 nicht mehr in der Lage gewesen wäre, sämtliche
  Gläubiger der E.______ AG zu befriedigen (act. 2/8.1.03,
  S. 5 f., Ziff. 70 und 75). Die Liquiditätsprobleme der E.______
  AG habe er bereits im September 2012 bemerkt (act. 2/8.1.02, S. 8,
  Ziff. 38, und act. 2/8.1.03, S. 3, Ziff. 52). Das Ausmass
  der Überschuldung sei ihm jedoch erst mit der Zwischenbilanz bewusst
  geworden. Davor habe er noch Hoffnung auf Besserung gehabt (act. 57,
  S. 8). Damit bestätigt der Beschuldigte, dass ihm die Überschuldung bzw.
  Liquiditätsschwierigkeiten der E.______ AG bereits vor der Zwischenbilanz
  bekannt waren und nur über deren Höhe Zweifel bestanden. Aus den Akten geht
  ausserdem hervor, dass der Beschuldigte bereits im April 2012
  Zahlungsprobleme hatte (vgl. act. 8/800913).

  
	
  Angesichts
  dessen, dass der Beschuldigte eine fremde Schuld (der L.______ AG gegenüber
  der O.______ AG) ohne jegliche Gegenleistung bezahlte (act. 8/803554)
  und er die E.______ AG auch nicht neuliberierte (vgl. E. IV.1.2.3.3
  vorstehend), musste ihm von Anfang an bewusst sein, dass dies zu
  Liquiditätsproblemen führen wird. Aufgrund seiner laufenden Berechnungen der
  Gewinn-Margen musste ihm ausserdem bereits im Juni 2012 bewusst sein, dass
  seine damals aktuellen Geschäfte zu Verlusten führen (vgl. E. IV.1.2.5.6
  vorstehend). Damit überein stimmt auch, dass der Beschuldigte die
  Privatklägerin von Sommer bis Herbst 2012 darüber informiert haben will, nach
  Finanzierungslösungen zu suchen (act. 56, S. 9, Frage 20).
  Zusammengefasst wusste der Beschuldigte entsprechend bereits im Juni 2012
  über die schwierige finanzielle Situation der E.______ AG Bescheid, wenn er
  sich auch nicht der genauen Zahlen bewusst war.

  
	
  Daran vermag
  auch nichts zu ändern, dass der Beschuldigte von der G.______ AG nicht
  über die Überschuldung informiert worden sein soll (vgl. act. 57,
  S. 42). Der Beschuldigte war als Verwaltungsrat bzw. Alleininhaber für
  die Jahresrechnung verantwortlich (vgl. Art. 716a OR), was ihm
  angesichts der bei ihm beschlagnahmten Unterlagen mit diesbezüglichen
  Informationen auch bewusst sein musste (act. 8/801706 ff.). Im
  Übrigen stammten die Anzeichen für die finanziellen Schwierigkeiten – wie
  vorstehend erwähnt – ohnehin aus dem operativen Geschäft, wofür seinen
  eigenen Angaben zufolge ausschliesslich der Beschuldigte verantwortlich war
  (act. 56, S. 18, Frage 54). Hinzu kommt, dass die finanziellen
  Verhältnisse des Beschuldigten aufgrund der Vermischung von privaten und
  geschäftlichen Zahlungen für Dritte nicht leicht durchschaubar waren. Daran
  ändert auch die gegenteilige Erklärung der G.______ AG sowie ihre Angabe,
  über alle notwendigen Unterlagen verfügt zu haben, nichts (act. 2/5.2.02
  und act. 2/10.1.26, S. 3, N. 97 ff.). Entgegen der
  erstmals vor Obergericht geäusserten Behauptung des Beschuldigten
  (act. 57, S. 22 f.), hatte die G.______ AG auch nur auf die
  Konti der E.______ AG, nicht aber auf die Privatkonti des Beschuldigten
  Zugriff (vgl. act. 2/5.2.02 und act. 2/10.1.26, S. 3,
  N. 97). Die G.______ AG konnte entsprechend im Gegensatz zum
  Beschuldigten auch keinen Überblick über die gesamten finanziellen
  Verhältnisse der E.______ AG haben.

  
	
  1.2.6.   Sanierungsbemühungen

  
	
  1.2.6.1.  Der
  Beschuldigte lässt mehrfach vorbringen, er habe sich vor der Konkurseröffnung
  um die Sanierung der E.______ AG bemüht. Dabei führt er auf, er habe
  Kundenforderungen gerichtlich eingefordert, Zwischenfinanzierungen bzw.
  Investoren gesucht, offene Lieferkontrakte vermittelt, eine
  Abnahmezusicherung von der I.______ AG erhalten sowie ein Konto bei der [...]
  eröffnet, bei welchem er mit Hilfe der I.______ AG als Kreditbürge einen
  Kontokorrentkredit habe erhalten wollen (vgl. zum Ganzen act. 57,
  S. 41 f., und act. 17, S. 26). Diese Vorgänge sind
  nachfolgend etwas näher zu betrachten.

  
	
  1.2.6.2.  Aus den Akten geht hervor, dass der Beschuldigte
  eine offene Forderung über CHF 112'455.85 gegenüber V.______ gerichtlich
  einforderte (act. 2/15.1.08-1, Beilage 1 f.). Weitere
  eingeforderte Forderungen sind nicht ersichtlich und werden auch vom
  Beschuldigten nicht vorgebracht. Tatsächlich vermitteln konnte der
  Beschuldigte den Akten zufolge ausserdem einzig Lieferungen der
  Privatklägerin an die W.______ Ges.m.b.H. (vgl. act. 10.1.01, S. 5,
  Ziff. 11, und act. 2/2.1.15-4, S. 2), wobei aber nicht
  auszuschliessen ist, dass der Beschuldigte weitere Vermittlungen versuchte.
  Betreffend das Konto der [...] steht zudem fest, dass der Beschuldigte keinen
  Kontokorrentkredit erhielt und die [...] die von der I.______ AG offerierte
  Bürgschaft für ungenügend hielt (act. 57, S. 24; vgl. auch
  act. 2/3.1.38-1, Beilage 13). Betreffend die Abnahmezusicherung
  liegt – entgegen der Behauptung des Beschuldigten (act. 2/8.1.03,
  S. 7, Ziff. 83) – lediglich ein nicht unterzeichneter
  Vereinbarungsentwurf vom 17./29. Januar 2013 vor. Dieser enthält, dass
  die I.______ AG bereit sei, die bisherige Geschäftsverbindung aufrecht zu
  erhalten. Gemäss der Vereinbarung wäre allerdings Voraussetzung dafür, dass
  die E.______ AG die offene Forderung der I.______ AG anerkannt hätte sowie
  dass diese bereinigt würde (act. 8/801239 ff.). Diese beiden
  Bedingungen sind vorliegend allerdings beide nicht erfüllt (vgl.
  E. IV.1.2.5 vorstehend sowie act. 8/801243), womit sich auch die
  Zusicherung erübrigt.

  
	
  1.2.6.3.  Betreffend die Zwischenfinanzierung geht aus den
  Akten hervor, dass der Beschuldigte bei diversen Unternehmen nach Investoren
  suchte. Allerdings geht daraus auch hervor, dass der Beschuldigte keine
  konkreten vertrauenswürdigen Investoren in Aussicht hatte (vgl. insbes. act. 2/8.1.15 ff.;
  vgl. auch act. 27, S. 58, E. V.4.8, und act. 8/800984).
  Hinzu kommt, dass der Beschuldigte per 1. März 2013 die Y.______ GmbH
  übernommen hatte und zudem beabsichtigte ein Haus bzw. Grundstück zu kaufen,
  wofür er ebenfalls finanzielle Mittel benötigte (act. 2/8.1.09;
  act. 2/8.1.04, S. 6 f., Ziff. 127 ff., und
  act. 2/3.1.38-1, Beilage 6). Bei einigen der getätigten Anfragen steht
  deshalb nicht eindeutig fest, wofür bzw. für welches Unternehmen diese
  getätigt wurden (vgl. insbes. act. 2/8.1.17, S. 1). Nach den
  Angaben des Beschuldigten wurden denn auch die Nachfolgegesellschaften
  [L.______ AG und E.______ AG] jeweils gegründet, um die laufenden
  Kundenverträge zu retten (act. 57, S. 15). Dies erschwert eine
  klare Trennung zwischen den verschiedenen Gesellschaften [N.______ AG,
  L.______ AG, E.______ AG und Y.______ GmbH] zusätzlich. Der Beschuldigte
  erklärte ausserdem, dass nicht er persönlich den Vertrag mit den Investoren
  abgeschlossen hätte, sondern direkt die E.______ AG (act. 56, S. 17,
  Frage 49). 

  
	
  1.2.6.4.  Der Beschuldigte erklärt zwar, dass er betreffend
  die Sanierung rechtlich von Rechtsanwalt [...] sowie der G.______ AG beraten
  wurde (act. 56, S. 7 f. und S. 17, Fragen 17 und 48). Aus
  den Akten geht jedoch hervor, dass sämtliche vorstehenden Bemühungen vom
  Beschuldigten selbst vorgenommen wurden (vgl. z.B. act. 2/15.1.08-1,
  Beilage 1 f., und act. 2/8.1.15 ff.). Ihm musste
  entsprechend auch deren Stand bewusst sein sowie, dass er nicht in der Lage
  ist, die Bedingungen der I.______ AG zu erfüllen (vgl. E. IV.1.2.5 und
  E. IV.1.2.6.2). Spätestens am 15. Mai 2013 war zudem klar, dass die
  Gläubiger nicht dazu bereit waren, Rangrücktrittserklärungen abzugeben oder
  ihre offenen Forderungen in Aktienkapital umzuwandeln (vgl. act. 57,
  S. 43, sowie act. 56, S. 8, Frage 17). Dem Beschuldigten
  musste ausserdem bewusst sein, dass eine Sanierung ohne diese Bereitschaft
  nicht möglich war, erklärte doch sein damaliger Anwalt dies gegenüber den
  Gläubigern der E.______ AG, wobei auch der Beschuldigte diese E‑Mail in
  Kopie erhielt (act. 2/3.1.03-1, S. 7). Weitere Sanierungsbemühungen
  sind nicht ersichtlich und wurden auch vom Beschuldigten nicht vorgebracht.

  
	
  1.2.7.   Schreiben an das
  Grundbuch- und Konkursamt vom 15. Mai 2013

  
	
  1.2.7.1.  Wie bereits vorstehend festgehalten, hat der
  Beschuldigte am 15. Mai 2013 ein Schreiben an das Grundbuch- und
  Konkursamt [...] verfasst, mit welchem er die Liquidation der E.______ AG
  beantragte. Daraus ist weder ersichtlich, dass der Beschuldigte einen Konkurs
  beantragen wollte, noch dass die E.______ AG überschuldet gewesen war. Auch
  wurden zu diesem Schreiben keine Unterlagen (insbesondere auch nicht die
  Zwischenbilanz) eingereicht, sondern deren Mitnahme zu einer späteren
  Einvernahme versprochen (vgl. zum Ganzen act. 57/8). Seinen eigenen
  Angaben zufolge wurde der Beschuldigte zu diesem Zeitpunkt diesbezüglich
  anwaltlich beraten, soll ihm doch sein Anwalt zu diesem Schreiben geraten
  haben (act. 57, S. 43). Rechtsanwalt [...] teilte allerdings
  bereits in der E-Mail vom 1. Mai 2013 den Gläubigern des Beschuldigten
  mit, dass der Beschuldigte die Bilanz deponieren und den Konkurs beantragen
  müsse, sofern keine Sanierung zustande komme (act. 2/3.1.03-1,
  S. 7). Demgemäss kann ausgeschlossen werden, dass dieser dem Beschuldigten
  geraten haben soll, eine Liquidation beim Grundbuch- und Konkursamt statt den
  Konkurs beim Gericht zu beantragen (vgl. dazu auch E. IV.2.3.2.3
  nachfolgend).

  
	
  1.2.7.2.  Das Notariat
  [...] stellte dem Beschuldigten daraufhin am 13. Juni 2013 einen Entwurf
  von einer öffentlichen Urkunde über die ausserordentliche Generalversammlung
  der E.______ AG zu, in welcher diese die Auflösung und Liquidation derselben
  beschliesse (vgl. act. 8/801251 ff.). Es handelt sich entsprechend
  um einen Entwurf für eine Auflösung nach Art. 736 Abs. 1
  Ziff. 2 OR und nicht etwa für eine konkursrechtliche Auflösung der
  Gesellschaft. Am 17. Juni 2013 sandte der Beschuldigte dieses Schreiben
  des Notariats per E-Mail an C.______ von der G.______ AG. Dieser antwortete
  darauf am 18. Juni 2013: "Ist das ein Witz? Über die Gesellschaft
  muss doch der Konkurs eröffnet werden und nicht eine Liquidation angeordnet
  werden, oder?" (vgl. zum Ganzen act. 21/1, E-Mail-Verkehr mit
  C.______ vom 17./18. Juni 2013). Damit ist die Behauptung des
  Beschuldigten, er habe das Schreiben des Notariats vom 13. Juni 2013
  nicht erhalten und erst im Nachhinein davon erfahren (act. 55,
  S. 3, und act. 56, S. 8, Frage 17 ff.), eindeutig
  widerlegt. Der Beschuldigte wusste spätestens nach Erhalt des Schreibens des
  Notariats vom 13. Juni 2013, dass sein Schreiben nicht als Konkursantrag
  verstanden wurde, worauf ihn den vorstehenden Ausführungen zufolge auch
  C.______ von der G.______ AG eindrücklich hinwies. Damit überein stimmt auch,
  dass der Beschuldigte der [...] AG am 4. September 2013 erklärte, dass
  er den Konkurs noch beantragen werde (act. 8/801228). Auch bei seiner Einvernahme vom 5. April 2016
  bestritt er nicht, dass er die Konkurseröffnung erst im Jahr 2014 eingereicht
  habe (act. 2/10.1.01, S. 11, Ziff. 21).

  
	
  1.2.8.   Zusammenfassung des Sachverhalts

  
	
  1.2.8.1.  Den
  vorstehenden Ausführungen zufolge hat der Beschuldigte vorliegend die
  E.______ AG per 21. März 2012 bewusst als Aktienmantel ohne Eigenkapital
  übernommen, ohne dass er diese anschliessend neuliberiert/saniert hätte.
  Insbesondere hat der Beschuldigte auch kein Darlehen über CHF 100'000.− in die E.______ AG einbezahlt bzw. diesen
  Betrag nicht für die E.______ AG verwendet. Der Beschuldigte war ausserdem
  Alleininhaber und Geschäftsführer der E.______ AG.

  
	
  1.2.8.2.  Die E.______ AG schrieb ausserdem bereits per
  30. Juni 2012 einen Verlust von rund CHF 140'000.−. Dieser
  Verlust wuchs bis am 31. März 2013 auf rund CHF 1'480'000.−.
  Dem Beschuldigten musste dabei bereits im Juni 2012 bewusst sein, dass die
  E.______ AG finanzielle Schwierigkeiten hatte. Dennoch wurde eine
  Zwischenbilanz erst per 31. März 2013 erstellt, wobei sie dem
  Beschuldigten am 1. Mai 2013 zuging. Der Beschuldigte reichte daraufhin
  am 15. Mai 2013 ein Schreiben ohne die Zwischenbilanz an das Grundbuch-
  und Konkursamt [...] ein, aus welchem auch die Überschuldung der E.______ AG
  nicht eindeutig hervorging. Spätestens am 13. Juni 2013 musste der
  Beschuldigte schliesslich wissen, dass sein Schreiben nicht als Konkursantrag
  verstanden wurde. Der Konkurs der E.______ AG wurde dennoch erst am
  12. August 2014 eröffnet.

  
	
  2.    Rechtliche Würdigung

  
	
  2.1.    Der
  Misswirtschaft nach Art. 165 Ziff. 1 StGB macht sich schuldig, wer
  in anderer Weise als nach Art. 164 StGB (Gläubigerschädigung durch
  Vermögensverminderung) namentlich durch eine ungenügende Kapitalausstattung,
  unverhältnismässigen Aufwand, gewagte Spekulationen, leichtsinniges Gewähren
  oder Benützten von Kredit, Verschleudern von Vermögenswerten oder arge
  Nachlässigkeit in der Berufsausübung oder Vermögensverwaltung seine
  Überschuldung herbeiführt oder verschlimmert, seine Zahlungsunfähigkeit
  herbeiführt oder im Bewusstsein seiner Zahlungsunfähigkeit seine
  Vermögenslage verschlimmert. Als objektive Strafbarkeitsbedingung ist zudem
  erforderlich, dass über den Schuldner der Konkurs eröffnet oder gegen ihn ein
  Verlustschein ausgestellt wurde.

  
	
  2.2.    Ausser
  Frage steht vorliegend, dass die objektive Strafbarkeitsbedingung der
  Konkurseröffnung über die E.______ AG erfüllt ist (vgl. E. IV.1.2.1
  vorstehend). Zudem steht fest, dass dem Beschuldigten die Handlungen bzw.
  Pflichtverletzungen der E.______ AG im Sinne von Art. 29 lit. a StGB
  angerechnet werden können (act. 2/8.1.08, vgl. auch act. 27,
  S. 66, E. VI.1). Eine Überschuldung liegt vor, wenn die Aktiven
  einen Teil des Fremdkapitals und das gesamte Eigenkapital nicht mehr decken,
  das Fremdkapital entsprechend höher als die gesamten Aktiven ist (aArt. 725
  Abs. 2 OR bzw. Art. 725b Abs. 1 OR). Per 30. Juni 2012
  betrugen die Aktiven der E.______ AG CHF 556'218.−, welchen ein
  Fremdkapital von CHF 595'801.− gegenüberstand
  (E. IV.1.2.5.5). Die E.______ AG war damit bereits per 30. Juni
  2012 (um rund CHF 40'000.−) überschuldet. Die Überschuldung
  vergrösserte sich ausserdem bis zur Erstellung der Zwischenbilanz per 31. März
  2013 massiv (auf rund CHF 1'380'000.−): Den Aktiven von
  CHF 278'583.59 stand zu diesem Zeitpunkt Fremdkapital in Höhe von
  CHF 1'655'143.57 gegenüber (act. 2/5.2.03-1). 

  
	
  2.3.    In
  Bezug auf die Tathandlung umschreibt die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift
  einerseits einen Sachverhalt betreffend die Tatbestandvariante der
  ungenügenden Kapitalausstattung sowie andererseits der argen Nachlässigkeit
  in der Berufsausübung. Weitere Tathandlungen werden in der Anklageschrift
  nicht umschrieben, weshalb auf diese auch nicht weiter einzugehen ist. Auf
  die beiden umschriebenen Tatbestandsvarianten wird nachfolgend separat
  eingegangen:

  
	
  2.3.1.   Ungenügende
  Kapitalausstattung

  
	
  2.3.1.1.  Eine
  ungenügende Kapitalausstattung liegt dann vor, wenn eine Gesellschaft gemessen
  an ihrem künftigen wirtschaftlichen Risiko offensichtlich mit zu wenig Geld
  ausgestattet wurde (Urteil BGer 5C.246/2000 vom 3. April 2001,
  E. 3; Nadine Hagenstein, in: Basler Kommentar Strafrecht, 4. Aufl.
  2019, N. 13 zu Art. 165 StGB). Zudem liegt eine ungenügende
  Kapitalausstattung vor, wenn ein Aktienmantel ohne anschliessende Sanierung
  oder Neuliberierung erworben wird (Nadine Hagenstein, a.a.O., N. 14 zu
  Art. 165 StGB).

  
	
  2.3.1.2.  Wie
  bereits dargelegt (E. IV.1.2.1), hat der Beschuldigte vorliegend einen
  Aktienmantel erworben, welcher zum Erwerbszeitpunkt über kein bzw. kein
  einbezahltes Eigenkapital verfügte. Entgegen seiner Sanierungs- bzw.
  Neuliberierungspflicht hat der Beschuldigte diesen aber nicht mit (neuem)
  Eigenkapital ausgestattet, sondern direkt mit dem Tagesgeschäft begonnen.
  Dies tat er, obwohl ihm aufgrund seiner finanziellen Lage bewusst sein
  musste, dass er auch zu einem späteren Zeitpunkt seiner Liberierungspflicht
  nicht nachkommen können wird (vgl. zum Ganzen E. IV.1.2.3 und
  E. IV.1.2.4.1). Zu erwähnen ist noch, dass ein zu CHF 0.−
  liberiertes Eigenkapital offensichtlich dem hohen Risiko, welches bei einer
  Back-to-Back-Handelstätigkeit aufgrund der Abhängigkeit von den Kunden
  entsteht, nicht gerecht wird (vgl. auch E. IV.1.2.3.4 vorstehend sowie
  Art. 621 OR). Der Beschuldigte hat daher zweifellos die E.______ AG
  nicht mit genügend Kapital ausgestattet.

  
	
  2.3.2.   Arge Nachlässigkeit in der
  Berufsausübung

  
	
  2.3.2.1.  Die arge Nachlässigkeit in der Berufsausübung
  besteht darin, dass zivilrechtliche Pflichten verletzt werden (vgl. Urteil
  BGer 6B_1091/2014 vom 24. November 2015, E. 5). Unter anderem kann
  eine solche darin bestehen, dass die gemäss aArt. 725 Abs. 2 OR
  erforderliche Überschuldungsanzeige unterlassen wird (Urteil BGer 6B_961/2016
  vom 10. April 2017, E. 6.3). Nach aArt. 725 Abs. 2 OR
  muss eine Zwischenbilanz erstellt werden, wenn begründete Besorgnis einer
  Überschuldung besteht. Dafür kann nicht nur auf die Bilanz abgestützt werden,
  sondern es müssen auch weitere Warnsignale berücksichtigt werden, wie
  fortgesetzte Verluste oder der Stand des Eigenkapitals (BGE 132 III 564
  E. 5.1). Ergibt sich aus der erstellten Zwischenbilanz, dass die
  Forderungen der Gesellschaftsgläubiger weder zu Fortführungs- noch zu
  Veräusserungswerten gedeckt sind, so hat der Verwaltungsrat den Richter zu
  benachrichtigen, soweit nicht Gesellschaftsgläubiger im Ausmass der
  Unterdeckung im Rang hinter alle anderen Gesellschaftsgläubiger zurücktreten
  (aArt. 725 Abs. 2 OR). 

  
	
  Nach der
  bundesgerichtlichen Rechtsprechung darf ausnahmsweise von einer sofortigen
  Benachrichtigung abgesehen werden, wenn sofort Massnahmen ergriffen werden,
  welche begründete und konkrete Aussicht auf eine finanzielle Sanierung geben
  (BGE 132 III 564 E. 5.1). Übertriebene Erwartungen und vage Hoffnungen
  genügen dafür hingegen nicht (Urteil BGer 6B_985/2016 vom 27. Februar
  2017, E. 4.2.1; BGE 127 IV 110 E. 5a). Im Rahmen der argen
  Nachlässigkeit in der Berufsausübung kommt ausserdem auch ein
  Übernahmeverschulden aufgrund mangelnder kaufmännischer Ausbildung in Frage (Nadine Hagenstein, a.a.O., N. 42
  zu Art. 165 StGB; vgl. auch Urteil BGer 6B_242/2015 vom 6. Oktober 2015,
  E. 1.4).

  
	
  2.3.2.2.  Wie vorstehend aufgezeigt, war die E.______ AG
  bereits per 30. Juni 2012 überschuldet, der Konkurs der E.______ AG
  wurde jedoch erst am 12. April 2014, also rund zwei Jahre später,
  eröffnet (E. IV.2.2 und E. IV.1.2.1). Der Beschuldigte musste
  aufgrund seiner laufenden (Verlust‑)Berech­nungen sowie der
  Schuldübernahme ohne Gegenleistung bereits im Juni 2012 befürchten, dass eine
  Überschuldung bestehen könnte (vgl. auch E. IV.1.2.5.7). Der
  Beschuldigte wäre entsprechend verpflichtet gewesen, eine Zwischenbilanz zu
  erstellen und – sofern sich die befürchtete Überschuldung bestätigt – den
  Richter zu benachrichtigen (aArt. 725 Abs. 2 OR). Der Beschuldigte hat
  aber nicht bloss keine Überschuldungsanzeige eingereicht, sondern noch nicht
  einmal eine Zwischenbilanz erstellt bzw. die Erstellung einer solchen erst
  Ende 2012 in Auftrag gegeben (act. 2/10.1.01, S. 11, Ziff. 19).
  Von der begründeten Besorgnis einer Überschuldung bis zur Auftragserteilung
  zur Erstellung einer Zwischenbilanz durch den Beschuldigten dauerte es
  entsprechend etwa ein halbes Jahr. 

  
	
  2.3.2.3.  Schliesslich wurde per März 2013 eine Zwischenbilanz
  erstellt, wobei diese dem Beschuldigten am 1. Mai 2013 zuging, gemäss
  den Angaben der G.______ AG aber gar nicht vollständig ist
  (act. 2/5.2.03 und act. 2/5.2.02). Es handelt sich bei dieser
  Zwischenbilanz deshalb um eine weitgehend vereinfachte Darstellung, welche
  praxisgemäss dann zulässig ist, wenn eine Gesellschaft offensichtlich massiv
  überschuldet und deren Sanierung praktisch unmöglich ist (Peter Böckli, Schweizer Aktienrecht,
  5. Aufl. 2022, N. 190 zu § 11). Am 15. Mai 2013 reichte der Beschuldigte ein
  Schreiben an das Grundbuch- und Konkursamt [...] ein. Für die
  Konkurseröffnung zuständig ist allerdings das Gericht und nicht das
  Konkursamt (vgl. aArt. 725 Abs. 2 OR), womit das Schreiben nicht an die
  für die Überschuldungsanzeige zuständige Stelle zugestellt wurde. Hinzu
  kommt, dass das Schreiben vom 15. Mai 2013 auch inhaltlich nicht einer
  Überschuldungsanzeige entspricht (vgl. E. IV.1.2.7 vorstehend). Im
  Anschluss daran nahm der Beschuldigte schliesslich gar keinen Versuch zur
  Einreichung einer Überschuldungsanzeige mehr vor, obwohl es noch fast ein
  Jahr dauerte bis schliesslich der Konkurs am 12. April 2014 aufgrund
  einer Gläubigerbetreibung eröffnet wurde (E. IV.1.2.1 vorstehend). Eine
  Überschuldungsanzeige hat der Beschuldigte demzufolge nie eingereicht.

  
	
  2.3.2.4.  In Bezug auf die Toleranzfrist ist festzuhalten,
  dass eine solche gemäss den vorstehenden Ausführungen zwar grundsätzlich für
  die Einreichung der Überschuldungsanzeige besteht (E. IV.2.3.2.1). Dabei
  muss es sich allerdings um einen bewussten Entscheid handeln, bei welchem die
  Überschuldungssituation bereits bekannt ist (Hanspeter
  Wüstiner, in: Basler Kommentar Obligationenrecht, 5. Aufl. 2016,
  N. 40a zu Art. 725 OR [Version bis 31.12.2022]). Keine Toleranzfrist
  aufgrund von Sanierungsmassnahmen besteht deshalb für die Erstellung der
  Zwischenbilanz, können doch nur dann erfolgreich Sanierungsmassnahmen
  getroffen werden, wenn die finanzielle Ausgangslage bekannt ist. Die Dauer
  der Toleranzfirst ist umstritten, wobei wenige Wochen bis etwa 90 Tage
  genannt werden (Urteil BGer 6B_1104/2022 vom 19. April 2023, E. 1.1.1; Nadine Hagenstein, a.a.O., N. 33a
  zu Art. 165 StGB; ab 1. Januar 2023: bis zu 90 Tage [Art. 725b
  Abs. 4 Ziff. 2 OR]; vgl. zum Ganzen auch Peter Böckli, a.a.O., N. 26 zu § 11). 

  
	
  Wie vorstehend
  dargelegt, hat der Beschuldigte bereits mit der Erstellung der Zwischenbilanz
  etwa ein halbes Jahr zugewartet, wofür jedoch keine Toleranzfrist durch
  Sanierungsmassnahmen entsteht. Vom Vorliegen der Zwischenbilanz bis zur
  Konkurseröffnung lagen schliesslich elf Monate, was die vorstehend dargelegte
  maximal vertretene Toleranzfrist von 90 Tagen bei weitem übersteigt.
  Unabhängig davon, ob der Beschuldigte eine begründete Aussicht auf Sanierung
  hatte, hat er entsprechend viel zu lange mit der Einreichung einer
  Überschuldungsanzeige bzw. bereits mit der Erstellung der Zwischenbilanz
  zugewartet. Vollständigkeitshalber ist auf die vom Beschuldigten angestrebten
  Sanierungsmassnahmen aber nachfolgend dennoch kurz einzugehen. 

  
	
  Sämtliche
  vom Beschuldigten erwähnten Massnahmen zielten einzig auf die Erhöhung der
  Liquidität ab, hatten aber keinen (massgeblichen) Einfluss auf die vorhandene
  Überschuldung. Die erfolgreiche Einforderung von offenen Kundenforderungen
  bzw. deren gerichtliche Geltendmachung hat lediglich eine Verschiebung
  zwischen den Aktiven (von "Forderungen aus Lieferungen und
  Leistungen" nach "flüssige Mittel") zur Folge. Sowohl der
  angestrebte Bankkredit als auch ein mit der E.______ AG abgeschlossener
  Investorenvertrag hätten eine Erhöhung der Aktiven und des Fremdkapitals im
  selben Umfang zur Folge. Da das Eigenkapital unverändert bliebe, würde
  weiterhin über denselben Betrag eine Überschuldung bestehen, wobei aber die
  Bilanzsumme gewachsen wäre. Diese Massnahme wäre zur Behebung der Überschuldung
  nicht nur nutzlos, sondern könnte zusätzlich eine weitere Tathandlung der
  Misswirtschaft, das leichtsinnige Benützen von Kredit (Art. 165
  Ziff. 1 StGB), erfüllen. 

  
	
  Die
  Vermittlung von Lieferkontrakten zielt darauf ab, dass sich die vorhandenen
  Schulden aufgrund von Schadenersatzforderungen aus der Nichteinhaltung von
  Verträgen nicht weiter vergrössern. Dass der Beschuldigte für diese
  Vermittlungen grössere Zahlungen in Aussicht gehabt hätte, kann
  ausgeschlossen werden. Eine Abnahmezusicherung schliesslich wäre zwar für
  eine zukünftige Geschäftstätigkeit wichtig, vermag aber an einer aktuellen
  Überschuldungssituation nichts zu ändern. Die einzige Massnahme, welche
  tatsächlich die Pflicht zur Einreichung einer Überschuldungsanzeige hätte
  aufschieben können, wäre der durch den damaligen Rechtsvertreter des
  Beschuldigten angestrebte Rangrücktritt durch die Gläubiger. Angesichts der
  finanziellen Situation der E.______ AG war diese Anfrage aber von Anfang an
  nicht sehr aussichtsreich, was sich dann auch bereits Mitte Mai 2013
  bestätigte (vgl. zum Ganzen E. IV.1.2.6.4). Abgesehen davon wären die
  Erfolgsaussichten der erwähnten vom Beschuldigten angestrebten Massnahmen
  ohnehin fraglich, war doch z.B. die Abnahmezusicherung noch von Bedingungen
  abhängig und bestand noch kein konkreter vertrauenswürdiger Investor. Aus den
  vorstehend erwähnten Gründen waren alle vom Beschuldigten beabsichtigen
  Bemühungen von Anfang an aussichtslos und begründeten somit keine
  Toleranzfrist.

  
	
  2.3.2.5.  Zusammengefasst
  kann festgehalten werden, dass der Beschuldigte zunächst durch die
  Nichterstellung einer Zwischenbilanz, obwohl begründete Besorgnis zur
  Überschuldung bestand, den Konkurs über die E.______ AG über rund ein halbes
  Jahr verschleppte. Nachdem die Zwischenbilanz erstellt war, liess der
  Beschuldigte wieder elf Monate verstreichen, ohne dass er eine
  Überschuldungsanzeige einreichte. Hierdurch verschleppte er den Konkurs
  erneut, sodass der Konkurs erst am 14. April 2014 eröffnet wurde. Durch seine
  arge Nachlässigkeit in der Berufsausübung wurde der Konkurs also erst rund
  zwei Jahre, nachdem begründete Besorgnis der Überschuldung der E.______ AG
  bestand, eröffnet. 

  
	
  2.4.    Schliesslich
  muss zwischen den Tathandlungen und dem Herbeiführen bzw. der Verschlimmerung
  der Überschuldung ein Kausalzusammenhang bestehen. Hätte der Beschuldigte die
  E.______ AG mit (genügend) Eigenkapital ausgestattet bzw. diese bei der
  Übernahme saniert oder neuliberiert, so hätte die Überschuldung zumindest in
  einem um das einbezahlte Eigenkapital geringeren Umfang bestanden. Dasselbe
  gilt für die arge Nachlässigkeit in der Berufsausübung: Ein Vergleich der
  Bilanz per 30. Juni 2012 und derjenigen per 31. März 2013 zeigt
  eindrücklich die enorme Zunahme der Überschuldung in diesem Zeitraum
  (vgl. E. IV.2.2). Auch danach erhöhte sich die Überschuldung nur
  schon aufgrund der Verzugszinse immer weiter (vgl. Art. 104 OR und
  Art. 78 CISG sowie Art. 209 Abs. 1 SchKG). Hinzu kommen
  ausserdem die vom Beschuldigten bis Mitte Mai 2013 getätigten offensichtlich
  geschäftsfremden Bargeldbezüge sowie die Bezahlung diverser
  Telefonrechnungen, welche aufgrund der Einstellung der Handelstätigkeit der
  E.______ AG seit November 2012 offensichtlich nicht mehr für diese gebraucht
  wurden (vgl. auch E. IV.1.2.4.2 vorstehend).

  
	
  2.5.    In subjektiver Hinsicht kann in Bezug
  auf die ungenügende Kapitalausstattung festgehalten werden, dass dem
  Beschuldigten bewusst war, dass er einen Aktienmantel ohne Aktiven übernahm.
  Zudem wusste er auch, dass er kein Eigenkapital in die E.______ AG einbezahlte,
  um diese neu zu liberieren, was er auch so wollte. Der Beschuldigte nahm
  schliesslich zumindest in Kauf, dass sich die E.______ AG hierdurch
  überschuldet bzw. sich deren Überschuldung vergrössert (vgl. zum Ganzen
  E. IV.1.2.1 und E. IV.1.2.3.5). Etwas näher zu betrachten ist
  vorliegend, der subjektive Tatbestand betreffend die arge Nachlässigkeit in
  der Berufsausübung:

  
	
  2.5.1.   Wie bereits vorstehend dargelegt,
  musste dem Beschuldigten bereits im Juni 2012 bewusst sein, dass die E.______
  AG überschuldet sein könnte und er entsprechend eine Zwischenbilanz erstellen
  muss (vgl. E. IV.2.3.2.2). Betreffend sein Schreiben vom 15. Mai
  2013 ist festzuhalten, dass der Beschuldigte bereits damals anwaltlich
  vertreten und zudem in Konkursangelegenheiten aufgrund seiner drei früheren
  Konkurse (Privatkonkurs 1994, Konkurs der N.______ AG 2011 und Konkurs der
  L.______ AG 2012) erfahren war (vgl. act. 2/8.1.14). Ihm musste
  entsprechend bewusst sein, dass für die Konkurseröffnung das Gericht
  zuständig ist und er durch ein Schreiben an das Konkursamt keine
  Überschuldungsanzeige einreicht; insbesondere dann nicht, wenn er keine
  Zwischenbilanz miteinreicht. Selbst wenn aber der Beschuldigte nicht über
  diese Erfahrung verfügen würde, musste ihm spätestens am 18. Juni 2013 mit
  der E-Mail der G.______ AG bewusst sein, dass er keine Überschuldungsanzeige
  eingereicht hatte (E. IV.1.2.7.2). Auch in diesem Zusammenhang nahm er
  die Vergrösserung der Überschuldung zumindest in Kauf (vgl.
  E. IV.1.2.5.7).

  
	
  2.5.2.   Im
  Übrigen würde, sogar wenn man – entgegen der vorstehenden Feststellung –
  davon ausginge, dass der Beschuldigte gemäss seiner eigenen Behauptung erst
  im November 2012 die Liquiditätsschwierigkeiten bemerkt habe und erst seit
  dem 18. Juni 2013 wusste, dass er noch keine Überschuldungsanzeige
  eingereicht hatte, ein Zeitraum bis zur Konkurseröffnung von rund einem Jahr
  und vier Monaten bestehen. Zwischen der Kenntnis des Fehlens der
  Überschuldungsanzeige und der Konkurseröffnung würden wiederum rund zehn
  Monate liegen, was ebenfalls noch weit über der als zulässig erachteten
  Toleranzfrist liegt. Selbst wenn man also – entgegen der vorliegenden
  Indizien – von der Version des Beschuldigten bzw. von den für ihn günstigsten
  Verhältnissen ausginge, hätte er den Konkurs noch verschleppt. 

  
	
  2.5.3.   Wie
  bereits festgehalten (vgl. E. IV.2.3.2.4 vorstehend), bestanden
  vorliegend keine ernsthaften Sanierungschancen. Ist der Beschuldigte von
  etwas anderem ausgegangen – wie er dies in Bezug auf die Zusicherungen der
  I.______ AG geltend machen lässt (act. 57, S. 44) –, so handelt es
  sich dabei bestenfalls um übertriebene Erwartungen. Hinzu kommt, dass die
  erwähnten Massnahmen von Anfang an gar nicht dazu geeignet waren, die
  Überschuldung zu beseitigen. Dabei, welche Handlungen eine Überschuldung –
  insbesondere das Eigenkapital – zu beeinflussen vermögen, handelt es sich um
  kaufmännisches Basiswissen und nicht etwa um spezifisches Fachwissen eines
  Finanzspezialisten. Sollte dem Beschuldigten dieses Basiswissen fehlen, so
  hätte er nicht als Alleininhaber und Geschäftsführer eine Aktiengesellschaft
  führen dürfen. Wäre der Beschuldigte davon ausgegangen, dass die Massnahmen
  die Überschuldung beseitigen könnten, würde ihn dementsprechend ein
  Übernahmeverschulden treffen.

  
	
  2.6.    Zusammengefasst hat der Beschuldigte
  den Tatbestand der Misswirtschaft einerseits dadurch erfüllt, dass er
  wissentlich und willentlich die E.______ AG, nachdem er diese als
  Aktienmantel erworben hatte, nicht neu liberierte und hierdurch deren
  Überschuldung herbeiführte bzw. verschlimmerte. Andererseits erfüllte er
  diesen auch dadurch, dass er erst verspätet eine Zwischenbilanz erstellte und
  es unterliess eine Überschuldungsanzeige einzureichen, wodurch er die
  Überschuldung weiter verschlimmerte. Schliesslich wurde per 14. April 2014
  über die E.______ AG der Konkurs eröffnet. Die Vorinstanz hat den
  Beschuldigten damit zu Recht der Misswirtschaft gemäss Art. 165
  Ziff. 1 StGB schuldig gesprochen. Die Berufung des Beschuldigten ist
  daher diesbezüglich abzuweisen.

  
	
   

  
	
  V.        Betrug

  
	
   

  
	
  1.    Sachverhalt

  
	
  1.1.    Standpunkte der Parteien und der Vorinstanz

  
	
  1.1.1.   Im
  Zusammenhang mit dem Betrug wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten
  gemäss Anklageschrift, was folgt, vor: Der Beschuldigte habe zwischen dem
  1. Juni 2012 und dem 14. September 2012 für die E.______ AG
  Verträge über die Lieferung von Agrarprodukten mit der Privatklägerin
  abgeschlossen. Diese hätten bestimmte Mengen vorgesehen, welche auf Abruf der
  E.______ AG auszuliefern und innert fünf Tagen zu bezahlen gewesen seien. Die
  Privatklägerin habe gestützt darauf zwischen dem 16. August 2012 und dem
  18. September 2012 in 37 Lieferungen Agrarprodukte zum Preis von
  insgesamt EUR 182'836.12 geliefert. Die
  Lieferungen vom 16. August 2012 bis zum 29. August 2012 habe der Beschuldigte
  mit höchstens einer Woche Verzögerung und die Lieferungen vom 3. September
  2012 bis zum 18. September 2012 mit bis zu einem Monat Verzögerung bezahlt.
  Am 19. September 2012 habe die Privatklägerin Braugerste im Betrag von EUR
  5'455.80 geliefert, wovon die E.______ AG am 29. Oktober 2012 einen
  Teilbetrag in Höhe von EUR 3'074.72 [recte: EUR 2'381.08] bezahlt habe. Vom
  25. September 2012 bis zum 18. Oktober 2012 habe der Beschuldigte für die
  E.______ AG weitere 29 Lieferungen von Agrarprodukten zum Preis von insgesamt
  EUR 166'616.42 bei der Privatklägerin abgerufen. Bezahlt habe er diese aber
  nicht. Per Ende September 2012 hätten seitens der Privatklägerin fällige
  Forderungen gegenüber der E.______ AG von über EUR 100'000.−
  bestanden. 

  
	
  Am 9.
  Oktober 2012 habe X.______ [von der Privatklägerin] den Beschuldigten per
  E-Mail auf die vertraglich vereinbarten Zahlungsfristen hingewiesen. Der
  Beschuldigte habe daraufhin weitere Zahlungen in Aussicht gestellt, obwohl er
  zu diesem Zeitpunkt gewusst habe, dass die E.______ AG nicht über die nötigen
  Mittel verfüge, um die Forderungen der Privatklägerin zu befriedigen. Am
  Montag, 22. Oktober 2012, um 10:11 Uhr, habe der Beschuldigte X.______ via
  E-Mail mitgeteilt, er habe folgende Zahlungen in Auftrag gegeben: für den
  16. Oktober 2012 EUR 15'000.−, für den 17. Oktober 2012
  EUR 15'000.−, für den 18. Oktober 2012 EUR 20'000.−,
  für den 19. Oktober 2012 EUR 20'000.−, für den
  23. Oktober 2012 EUR 30'000.−, für den 24. Oktober 2012
  EUR 15'000.−, für den 25. Oktober 2012 EUR 15'000.−
  und für den 26. Oktober 2012 EUR 20'000.−. Dieser Nachricht
  habe er vier E-Banking-Aufträge aus dem E-Banking der [...] angehängt, welche
  zu Gunsten der Privatklägerin Zahlungen von je EUR 15'000.− für
  den 16. und 17. Oktober 2012 sowie von je EUR 20'000.− für
  den 18. und 19. Oktober 2012 ausgewiesen hätten. Diese Zahlungsaufträge
  habe er zuvor am 22. Oktober 2012 im E-Banking im Wissen darum erfasst,
  dass er vor dem 22. Oktober 2012 lediglich eine Zahlung von
  EUR 15'000.− für den 17. Oktober 2012 in Auftrag gegeben habe,
  jedoch keine Zahlungen für den 16., 18. oder 19. Oktober 2012. Dadurch
  habe der Beschuldigte X.______, welchem das E‑Banking der [...] fremd
  war und der nicht über einwandfreie Kenntnisse der deutschen Sprache
  verfügte, über die Zahlungsfähigkeit der E.______ AG getäuscht: Letzterer sei
  aufgrund der erhaltenen Zahlungsaufträge davon ausgegangen, dass am
  22. Oktober 2012 bereits Zahlungen über insgesamt EUR 70'000.−
  angewiesen gewesen seien, obwohl vom Beschuldigten lediglich eine Zahlung von
  EUR 15'000.− in Auftrag gegeben worden sei. 

  
	
  Zudem habe
  der Beschuldigte X.______ in dessen Annahme, die E.______ AG sei
  zahlungsfähig, bestärkt, indem er am 22. Oktober 2012 eine Überweisung von
  EUR 20'000.− zugunsten der Privatklägerin ausführen liess.
  Aufgrund seiner irrigen Vorstellung über die Zahlungsfähigkeit der E.______
  AG habe X.______ nicht sofort weitere Lieferungen von Agrarprodukten der
  Privatklägerin an diese unterbunden, was der Beschuldigte habe erreichen
  wollen, so dass ihm die Privatklägerin vom 22. Oktober 2012 bis zum
  30. Oktober 2012 zum eigenen Schaden nochmals Agrarprodukte zum Preis
  von EUR 35'473.68 geliefert habe, nämlich am 22. Oktober 2012 DDGS
  Mais zum Preis von EUR 7’031.84, am 22. Oktober 2012 Braugerste zum
  Preis von EUR 5'107.20, am 24. Oktober 2012 Braugerste zum Preis von
  EUR 5'333.92, am 24. Oktober 2012 Braugerste zum Preis von
  EUR 5'321.20, am 25. Oktober 2012 Stroh zum Preis von
  EUR 5'500.− und am 30. Oktober 2012 DDGS Mais zum Preis von
  EUR 7'179.52 (vgl. zum Ganzen act. 1, S. 4 f.).

  
	
  1.1.2.   Die
  Vorinstanz erachtet als erstellt, dass der Beschuldigte die Privatklägerin
  getäuscht habe, indem er dieser Zahlungsaufträge zustellte, obwohl er wusste,
  dass diese Zahlungsbelege verlangt habe. Er habe damit einen Irrtum über die
  Aufgabe der Zahlungsaufträge hervorgerufen, wobei er sich auch nicht dadurch
  exkulpieren könne, er habe damit gerechnet, irgendwann über genügend
  Einnahmen zur Begleichung der Forderungen zu verfügen. Der Beschuldigte habe
  dafür einen Zahlungsplan versprochen, wobei er die einzelnen Zahlungen mit
  einer vermeintlichen Zahlungsbestätigung belegt habe. Ihm sei dabei bewusst
  gewesen, dass er nicht termingerecht zahlen würde, die Privatklägerin ihm
  ansonsten aber keine Lieferungen senden würde. Bereits davor habe er
  behauptet, dass eine internationale Zahlung drei bis vier Tage benötige. Für
  eine Opfermitverantwortung genüge nur Leichtfertigkeit und nicht jede
  Fahrlässigkeit. X.______ habe aber nach dem Erhalt des Zahlungsplans und den
  passenden Bildschirmaufnahmen davon ausgehen können, dass die Zahlungen in
  Auftrag gegeben wurden. Der Beschuldigte habe diesbezüglich direktvorsätzlich
  gehandelt (vgl. zum Ganzen act. 27, S. 68 ff., E. VI.3).

  
	
  1.1.3.   Der
  Beschuldigte lässt dagegen zusammengefasst vorbringen, es sei nicht
  rechtsgenügend nachgewiesen, dass die E.______ AG zwischen dem
  25. Septem­ber 2012 und dem 18. Oktober 2012 zahlungsunfähig gewesen
  sei, seien doch zwischen dem 25. September 2012 und dem 29. Oktober 2012
  Zahlungen über insgesamt CHF 512'993.98 auf die Bankkonti der E.______
  AG eingegangen. Der Beschuldigte habe deshalb davon ausgehen dürfen, dass die
  E.______ AG die Lieferungen der Privatklägerin sowie der weiteren Gläubiger
  werde bezahlen können. Die vom Beschuldigten im Online-Banking eingegebenen
  Zahlungsaufträge seien gerade einmal zwei Tage nach dem angegebenen
  Überweisungsdatum effektiv ausgelöst worden. Der Beschuldigte sei ausserdem
  willens und bemüht gewesen, die offenen Forderungen der Privatklägerin zu
  bezahlen, was daraus ersichtlich sei, dass der Beschuldigte ihr eine
  Lieferung von Braugerste vermittelt habe. 

  
	
  Bei
  vertraglichen Leistungsstörungen sei ausserdem eine gewisse Zurückhaltung bei
  der Anwendung des Betrugstatbestandes geboten. Die Privatklägerin trage zudem
  eine Mitschuld an den Liquiditätsproblemen der E.______ AG, habe diese doch
  wiederholt mangelhafte Lieferungen getätigt; insbesondere habe sie mit
  Mykotoxinen befallene Ware geliefert. Weil die Privatklägerin
  Lieferzusicherungen nicht eingehalten habe, habe der Beschuldigte teure
  Deckungskäufe tätigen müssen. Die Privatklägerin treffe ausserdem eine
  Opfermitverantwortung, weil sie keine Vorkasse verlangt habe. Zudem sei ohne
  Weiteres ersichtlich gewesen, dass es sich um Zahlungsaufträge gehandelt habe
  und nicht etwa um Zahlungsbestätigungen. Der Beschuldigte habe die
  Privatklägerin ausserdem über die angespannte Liquiditätssituation sowie die
  Sanierungsbemühungen informiert. Entsprechend habe die Privatklägerin
  leichtfertig gehandelt (vgl. zum Ganzen act. 57, S. 47 ff.
  sowie S. 40 und S. 42).

  
	
  1.1.4.   Die
  Staatsanwaltschaft bringt vor, der Beschuldigte habe durch die Übermittlung
  der Bildschirmaufnahmen aus dem E-Banking bei der Privatklägerin den Eindruck
  erweckt, diese Zahlungen bereits geleistet zu haben. Hierdurch habe er die finanzielle
  Lage der E.______ AG bewusst wahrheitswidrig besser dargestellt, als diese
  tatsächlich war. Indem sich der Beschuldigte der Lüge bedient habe, habe er
  den Bereich einer rein zivilrechtlichen Streitigkeit verlassen und sich des
  Betruges strafbar gemacht. Der Schuldspruch betreffend den Betrug gemäss dem
  Urteil des Kantonsgerichts sei entsprechend zu bestätigen (vgl. zum Ganzen
  act. 65, S. 12 ff.).

  
	
  1.2.    Feststellung des Sachverhalts

  
	
  1.2.1.   Der Sachverhalt betreffend den
  Vorwurf des Betruges ist in wesentlichen Punkten unbestritten. So steht fest,
  dass die Privatklägerin von Juni bis September 2012 mit der E.______ AG
  diverse Verträge abschloss (vgl. act. 2/3.1.01, S. 10 ff.).
  Unbestritten ist auch, dass die Privatklägerin der E.______ AG vom
  16. August 2012 bis zum 18. September 2012 in 37 Lieferungen
  Agrarprodukte zum Preis von insgesamt EUR 182'836.12 geliefert hat. Dabei
  wurden die Lieferungen vom August 2012 jeweils mit maximal einer Woche und
  diejenigen vom September 2012 mit bis zu einem Monat Verspätung bezahlt (vgl.
  zum Ganzen act. 2/3.1.01, S. 27, sowie act. 57). 

  
	
  Ebenfalls
  nicht st