# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f1a3589e-962f-5003-aba6-83f4ced27cb8
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-05-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.05.2008 D-5908/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5908-2006_2008-05-20.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5908/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 0 .  M a i  2 0 0 8

Richter Hans Schürch (Vorsitz), 
Richterin Marianne Teuscher, Richter Blaise Pagan, 
Gerichtsschreiberin Katarina Umegbolu.

A._______, geboren (...), Sri Lanka,
vertreten durch (...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung, Verfügung des BFM vom 
4. April 2006 / N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5908/2006

Sachverhalt:

A.
Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer Sri Lanka am 
7.  März  2006  auf  dem  Luftweg  und  gelangte  über  S._______  und 
I._______ herkommend am 19. März 2006 in die Schweiz, wo er am 
darauf  folgenden  Tag  ein  Asylgesuch  stellte.  Dazu  wurde  der 
Beschwerdeführer am 23. März 2006 (...) summarisch befragt und am 
29. März 2006 vom BFM direkt angehört. 

Anlässlich der Befragungen machte der Beschwerdeführer geltend, ta-
milischer Ethnie zu sein und sich kurz vor der Ausreise wenige Tage in 
Colombo  aufgehalten  zu  haben.  Ursprünglich  stamme  er  aus 
Z._______ (T._______ Distrikt), habe jedoch seit September 2004 bis 
zu  seiner  Ausreise  in  einem  LTTE-Camp  in  K._______  (B._______ 
Distrikt) gelebt. Seine Eltern, zwei Brüder und zwei Schwestern seien 
weiterhin  in  T._______  wohnhaft,  seine  Ehefrau  lebe  hingegen  in 
U._______  (B._______  Distrikt),  wo  auch  der  Rest  ihrer  Familie 
beheimatet sei. Im Jahre 1990 sei er von der LTTE zwangsrekrutiert 
worden  und  man  habe  ihn  nach  J._______  versetzt,  wo  er  an 
Kampfhandlungen  habe  teilnehmen müssen. Kurze  Zeit  nach  seiner 
Ankunft  sei  er  durch  einen  Granatsplitter  am  Bein  verletzt  worden, 
worauf die LTTE ihn nach der Genesung zum Kameramann ausbilden 
liess. Seither sei er für die LTTE ausschliesslich als Kameramann tätig 
gewesen,  wobei  es  zu  seinen  Aufgaben  gehört  habe,  an 
verschiedenen  Orten  im  Norden  und  Osten  Sri  Lankas 
Kriegsereignisse zu filmen. Bei dieser Tätigkeit sei er im Juni 1994 und 
Oktober 1997 erneut verletzt worden. Im September 2004 habe ihn die 
LTTE nach B._______ versetzt und noch vor der Versetzung gewarnt, 
sich dort wegen der Auseinandersetzungen mit der Karuna-Fraktion in 
keine Frau zu verlieben oder zu heiraten. Trotz dieses Verbotes habe 
er  sich  in  eine  Frau  verliebt  und  diese  am  24.  Februar  2005  in 
U._______ (B._______ Distrikt) geheiratet. Zuvor sei das Haus seiner 
zukünftigen  Schwiegereltern  im Dezember  2004 durch  den  Tsunami 
zerstört worden. 

1991 sei  der Bruder  der  Ehefrau von der LTTE erschossen worden, 
weil dieser ein Mitglied der EPRLF gewesen sei und gegen die LTTE 
gekämpft habe. Auch der Onkel der Ehefrau sei bei der EPRLF. Seither 
gelte die Familie als Sympathisant der EPRLF.

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Nach der Tsunami Katastrophe habe er Videoaufnahmen über die von 
der Flutwelle angerichteten Schäden gemacht, wodurch sowohl die sri-
lankische Armee (SLA) als auch die Karuna-Gruppe gewusst hätten, 
dass er der LTTE angehöre. Deshalb sei er von SLA-Soldaten mehr-
fach eingeschüchtert  worden. Zudem habe er über einen Bekannten, 
der früher bei der LTTE gewesen sei und sich zwischenzeitlich der Ka-
runa  Gruppe  angeschlossen  habe,  erfahren,  dass  die  Karuna-Leute 
ihn erschiessen wollten. Am 6. Januar 2006 hätten vermutlich Karuna-
Milizen  und  -  wie  er  vernommen  habe  -  auch  SLA-Soldaten  einen 
Wachposten  eines  LTTE-Lagers  in  der  Nähe  von  K._______  an-
gegriffen. Dabei seien vier Karuna-Kämpfer getötet worden. Am folgen-
den  Tag  seien  bei  einem  Bombenattentat  inY._______  acht  SLA-
Soldaten  verletzt  worden. Tags darauf  hätten  sich  SLA-Soldaten bei 
der Dorfbevölkerung nach ihm erkundigt und dabei auch seinen Deck-
name „(...)“ benutzt.

Am 25. Januar 2006 sei er zum Ortskommandanten der LTTE zitiert 
worden, welcher ihm vorgeworfen habe, trotz der Warnung eine Frau 
aus einer EPRLF sympathisierenden Familie geheiratet zu haben. Er 
sei  aufgefordert  worden,  nach  V._______  zu  gehen  und  dort  den 
Entscheid  wegen  seines  Fehlverhaltens  abzuwarten.  Er  habe  sich 
geweigert,  der Aufforderung Folge zu leisten. Drei  Tage später  habe 
ihm  ein  LTTE-Kollege  geraten,  aus  dem  Camp  zu  fliehen,  da  er 
riskiere,  in  V._______  erschossen  zu  werden.  Aus  diesen  Gründen 
habe  er  noch  in  der  gleichen  Nacht  gegen  Ende  Januar  2006  die 
Flucht aus dem LTTE-Lager ergriffen und sich vorerst bei Verwandten 
der Ehefrau versteckt. 

Von  seiner  Ehefrau,  die  nach  der  Tsunami-Katastrophe  in  einem 
Flüchtlingslager für Tsunami-Opfer untergekommen sei, habe er erfah-
ren, dass sowohl die LTTE als auch die SLA sich bei ihr nach ihm er-
kundigt hätten. Daraufhin habe er beschlossen, aus Sri Lanka zu flie-
hen. Mit  Hilfe seines Onkels,  welcher  die Ausreise  organisiert  habe, 
habe er sein Heimatland am 7. März 2006 verlassen. Auf seiner Reise 
in die Schweiz über S._______ und I._______ habe er in I._______ 
von seiner Ehefrau vernommen, dass ihr die LTTE mit  Erschiessung 
gedroht  habe,  falls  er  sich  nicht  bei  der  LTTE melden  würde.  Aber 
auch  von  Seiten  der  SLA  sei  seine  Ehefrau  belästigt  worden, 
weswegen sie das Flüchtlingslager verlassen habe und sich seither an 
verschiedenen Orten versteckte.

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Als Belege für  seine Vorbringen gab der Beschwerdeführer (gemäss 
Auflistung im angefochtenen Entscheid) vier Fotografien zu den Akten. 
Auf einer Fotografie ist das durch den Tsunami zerstörte Haus seiner 
Schwiegereltern abgebildet. Die drei  anderen Fotografien zeigen den 
Beschwerdeführer  neben  diversen  LTTE-Mitgliedern,  unter  anderem 
mit  dem  LTTE-Chef  C._______.  Ferner  legte  der  Beschwerdeführer 
seine Identitätskarte sowie die Kopie seiner Heiratsurkunde ins Recht. 

B.
Mit  Verfügung vom 4. April  2006 lehnte das Bundesamt das Asylge-
such ab und ordnete die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der 
Schweiz sowie den Vollzug an. Zur Begründung führte es im Wesentli-
chen aus, dass der Beschwerdeführer Verfolgung durch die LTTE als 
auch die Karuna-Gruppe geltend gemacht  habe. Von der LTTE oder 
der Karuna-Gruppe behelligte Personen könnten jedoch bei den srilan-
kischen Behörden um Schutz ersuchen, zumal Straftaten wie Zwangs-
rekrutierung oder damit verbundene Drohungen und Übergriffe auch in 
Sri  Lanka  bestraft  würden.  Ferner  bestünde  gemäss  Erkenntnissen 
des Bundesamtes die Möglichkeit,  sich an die mit  der Überwachung 
des  Waffenstillstandsabkommens  beauftragte  Sri  Lanka  Monitoring 
Mission (SLMM) oder die Human Rights Commission (HRC) zu wen-
den, um Unterstützung gegen Bedrängungen seitens der LTTE zu er-
halten. Der Beschwerdeführer habe es indessen unterlassen, die Be-
hörden oder andere Organisationen über sein Schutzbedürfnis zu in-
formieren, weshalb die geltend gemachten Nachteile nicht dem srilan-
kischen Staat zugerechnet werden könnten und folglich nicht asylrele-
vant seien. Im Weiteren seien Behelligungen durch die LTTE oder die 
Karuna-Gruppe in der Regel lokal oder regional beschränkt, weshalb 
den Betroffenen grundsätzlich eine innerstaatliche Wohnsitzalternative 
zur Verfügung stünde, um sich den Verfolgungsmassnahmen zu ent-
ziehen. Dies träfe auch auf den Beschwerdeführer zu. Im Rahmen ih-
res Alleinvertretungsanspruchs bekämpfe die LTTE seit  längerer Zeit 
kompromisslos alle „Abweichler“ und Verräter und sei mutmasslich für 
zahlreiche der so genannten political killings der letzten Jahre verant-
wortlich. Diese Entwicklung habe sich nach dem Bruch der LTTE im 
März 2004 verstärkt. Die hauptsächlichen Personengruppen, welche in 
diesem Zusammenhang im Visier  der LTTE stünden und mit  landes-
weiter Verfolgung durch die LTTE zu rechnen hätten, seien vor allem 
desertierte  ehemalige  (hochrangige)  LTTE-Mitglieder,  Anhänger  der 
verfeindeten LTTE-Fraktion, Angehörige regierungsfreundlicher tamili-
scher Gruppierungen, Mitarbeiter des srilankischen Armee- und Poli-

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zeigeheimdienstes  sowie  kritische  tamilische  Journalisten.  Der  Be-
schwerdeführer  gehöre  jedoch keiner  dieser  Personenkategorien an. 
Demnach  bestünde  keine  beachtliche  Wahrscheinlichkeit,  dass  der 
Beschwerdeführer von der LTTE oder der Karuna-Gruppe aufgespürt 
und getötet werde. Die diesbezüglichen Befürchtungen des Beschwer-
deführers seien folglich unbegründet und somit nicht asylrelevant.

Im Weiteren sei auch die Furcht des Beschwerdeführers von der sri-
lankischen Armee umgebracht zu werden, weil er bei der LTTE gewe-
sen sei und sich Soldaten nach dem Bombenattentat  vom 7. Januar 
2006 nach ihm erkundigt hätten, unbegründet, zumal vor dem Hinter-
grund des gegenwärtigen Waffenstillstandsabkommens kein Anlass zu 
der Annahme bestünde, die srilankischen Sicherheitskräfte würden ge-
zielt nach einem ehemaligen einfachen LTTE-Mitglied suchen, der als 
Jugendlicher zwangsrekrutiert  worden seien. Daher sei als Folge der 
erzwungenen  LTTE-Mitgliedschaft  nicht  von  begründeter  Furcht  vor 
ernsthaften  Nachteilen  seitens  staatlicher  Sicherheitskräfte  im  asyl-
rechtlichen Sinne auszugehen. Sodann stelle die erfolgte Erkundigung 
nach dem Beschwerdeführer nach dem Bombenattentat ebenfalls kei-
nen Nachteil im genannten Sinne dar, zumal es sich dabei um eine le-
gitime Massnahme zur Aufklärung des Attentats handeln könnte. Fer-
ner werde die Unbegründetheit der Furcht des Beschwerdeführers vor 
den  srilankischen  Sicherheitskräften  dadurch  bestätigt,  dass  er  mit 
seinem eigenen echten Pass sein Heimatland legal über den Flugha-
fen  von  B._______  verlassen  habe.  Die  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers seien demnach nicht asylrelevant.

Die  eingereichten Beweismittel  vermöchten an diesen Überlegungen 
nichts zu ändern. 

C.
Mit Eingabe vom 4. Mai 2006 beantragte der Beschwerdeführer bei der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  durch  seinen  Rechts-
vertreter  die  Aufhebung  des angefochtenen Entscheids  und  die  Ge-
währung von Asyl. Ferner wurde der Antrag auf Kostenvorschussver-
zicht gestellt. Zur Begründung wurde geltend gemacht, die Vorinstanz 
erachte die Verfolgung als nicht asylrelevant, es handle sich vorliegend 
um Verfolgung durch Dritte (LTTE), deren Asylrelevanz nur dann gege-
ben sei, wenn der Staat trotz bestehender Schutzpflicht und Schutzfä-
higkeit  dem Verfolgten den erforderlichen Schutz nicht gewähre. Das 
Kriterium der Schutzfähigkeit sei allerdings umstritten und im Falle von 

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Sri  Lanka  müsse  davon  ausgegangen  werden,  dass  der  Staat  mit 
seiner  Armee  selbst  Partei  innerhalb  des  Bürgerkrieges  sei.  Der 
srilankische Staat verdächtige eine klar definierte ethnische Minderheit 
der  Zusammenarbeit  mit  der  LTTE,  führe  im  grossen  Masse 
Verhaftungen  durch  und  verübe  dabei  zahlreiche 
Menschenrechtsverletzungen.  Angesichts  dieser  Umstände  müsse 
bezweifelt  werden,  ob  dieser  Staat  gegenüber  der  tamilischen 
Minderheit  überhaupt  schutzwillig  sei.  Insbesondere  lasse  sich 
Schutzbereitschaft  nicht  allein  mit  dem  blossen  Hinweis  auf 
bestehendes Verfassungs- und Gesetzesrecht  des Heimatstaates als 
gegeben  unterstellen.  Die  mangelnde  Schutzbereitschaft  des 
srilankischen Staates sei  darin ersichtlich,  dass das Militär  seit  zwei 
Jahren einen versteckten Krieg gegen die LTTE führe, dies obwohl der 
Staat  offiziell  noch  dem  Friedensabkommen  verpflichtet  sei. 
Verschiedene tamilische Milizgruppen würden durch den srilankischen 
Staat  gegen  die  LTTE  eingesetzt.  Offiziell  agierten  diese  Milizen 
unabhängig und unkontrolliert,  was dem Staat erlaube, seine weisse 
Weste  zu  behalten.  Auf  die  Forderung  der  LTTE,  die  Milizen  zu 
entwaffnen, sei die srilankische Regierung jedoch nicht eingegangen, 
zumal  sie  deren Waffengewalt  im versteckten Krieg gegen die LTTE 
brauche.  Die  Grenzen  zwischen  den  Milizen  und  der  Armee  seien 
folglich fliessend und eine starke Verflechtung zwischen Angehörigen 
der  Milizen  und  der  Armee  sei  gegeben.  Ein  Schutzwille  der 
srilankischen  Regierung  gegenüber  LTTE-Sympathisanten  oder 
-Mitgliedern  sei  demnach  nicht  vorhanden. Die  rechtliche  Frage  der 
Asylrelevanz  einer  nichtstaatlichen  Verfolgung  sei  darüber  hinaus 
Thema zahlreicher Abhandlungen (vgl.  WALTER KÄLIN in der Zeitschrift 
Asyl [Nr. 3/2001]) auf welche verwiesen werde.

Im Weiteren setze sich das BFM im angefochtenen Entscheid nur sehr 
oberflächlich  mit  den Vorbringen auseinander  und stelle  die  aktuelle 
Situation im Herkunftsland schematisch und falsch dar. So habe der 
Beschwerdeführer  angegeben,  1990  von  der  LTTE zwangsrekrutiert 
worden zu sein. Nach anfänglichem Widerstand habe der Beschwerde-
führer allerdings diesen aufgegeben und aus voller Überzeugung bei 
der LTTE mitgekämpft. Während 16 Jahren sei der Beschwerdeführer 
bei  der  LTTE aktiv  tätig  gewesen,  weshalb  er  nicht  mehr  als  Opfer 
einer Zwangsrekrutierung betrachtet werden könne. Einzig seine Lie-
besaffäre mit  einer Tochter aus einer „feindlichen“ Familie habe dem 
Beschwerdeführer  den  Konflikt  mit  der  LTTE eingebracht.  Das  BFM 
zähle sodann diverse Kategorien von Personen auf, welche durch die 

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LTTE gefährdet  seien.  Eine  davon  seien  ehemalige  LTTE-Mitglieder 
beziehungsweise  Anhänger  der  verfeindeten  Karuna-Fraktion.  Der 
Beschwerdeführer  gehöre zu dieser  Kategorie,  auch wenn das BFM 
dies  verneine.  Mit  seiner  16-jährigen  Ausbildungs-  und  Dienstzeit 
gehöre  der  Beschwerdeführer  zu  den  Senior-Sodaten  mit 
Leitungsfunktion  und  sei  mit  seiner  langen  Erfahrung  ein 
Geheimnisträger,  welcher  über  weitreichende  Kenntnisse  der  LTTE-
Struktur  und  -Logistik  verfüge.  Derart  erfahrene  Mitglieder  könnten 
nicht  gegen  den  Willen  der  Organisation  den  Dienst  quittieren  und 
müssten  mit  schwersten  Konsequenzen  rechnen.  Ferner  sei  die 
Vorstellung  des  BFM,  abtrünnige  LTTE-Mitglieder  könnten  sich  um 
Schutz bei der SLMM oder der HRC bemühen, naiv und fern jeglicher 
Realität,  zumal  beide  Organisationen  nicht  über  die  notwendigen 
militärischen  Strukturen  verfügten,  um  gefährdete  Personen 
tatsächlich  zu schützen. Aber  auch die  srilankische Armee sei  nicht 
daran  interessiert,  einem  langjährigen  LTTE-Militanten  Schutz  zu 
gewähren.  Viel  eher  sei  der  Beschwerdeführer  in  Gefahr,  von  den 
regierungsfreundlichen Milizen festgenommen, verhört und gefoltert zu 
werden, was die aktuelle Situation im Osten des Landes klar aufzeige. 
Der  Beschwerdeführer  habe  im  Weiteren  sein  Heimatland  unter 
Verwendung seines eigenen Passes verlassen. Darin sehe das BFM 
einen  zusätzlichen  Beweis  für  eine  unbegründete  Verfolgungsfurcht. 
Die  Vorstellung  der  Vorinstanz,  wonach  alle,  der  Kooperation 
verdächtigten  Personen  in  einer  polizeilichen  Datenbank  landesweit 
registriert seien, entspräche aber nicht der Realität. Die Verfolgung sei 
nach  einem  anderen  Muster  aufgebaut  und  die  srilankische  Armee 
werde erst  nach Informationen lokal  operierender tamilischer Milizen 
und  Spione  gegen  LTTE  aktive  Personen  oder  deren 
Familienmitglieder tätig. Es gelänge der LTTE denn auch immer wieder 
Mitglieder  in  die  Hauptstaat  Colombo  zu  entsenden,  wo  diese 
Attentate verüben würden, was klar die ungenügende Organisation der 
srilankischen  Sicherheitskräfte  aufzeige.  Schliesslich  habe  der 
Beschwerdeführer Beweismittel eingereicht, welche seine Tätigkeit für 
die LTTE belegen würden.

D.
Mit Beschwerdeergänzung vom 19. Mai 2006 wies der Rechtsvertreter 
des Beschwerdeführers ferner darauf hin, dass der Beschwerdeführer 
seine Ausführungen anlässlich beider Befragungen klar, stringent und 
mit vielen Realitätskriterien versehen, vorgebracht habe. Des Weiteren 
habe der Beschwerdeführer anlässlich der direkten Bundesanhörung 

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vom 29. März 2006 die meisten führenden Personen der LTTE und der 
Karuna-Fraktion  auf  dem Bildmaterial,  welches  vom Befrager  einge-
bracht worden sei, auf Anhieb erkannt und sogar deren Funktion und 
Stellung anzugeben gewusst. Ungeachtet dessen sei der Beschwerde-
führer im angefochtenen Entscheid wie eine gewöhnliche Zivilperson 
dargestellt worden, welche jetzt mit der LTTE Probleme habe und sich 
diesbezüglich in den sicheren Schutz der srilankischen Behörden oder 
anderer  Organisationen  begeben  könne.  Eine  solche  Ansicht  sei 
falsch. Der Beschwerdeführer sei ein langjähriges, gut ausgebildetes 
LTTE-Mitglied mit viel Insider-Wissen, weshalb seine Befürchtung vor 
einer Verfolgung durch die LTTE sehr ernst zu nehmen sei. Aufgrund 
seiner Lebensgeschichte bestünde für den Beschwerdeführer auch im-
mense Gefahr für Leib und Leben seitens der Karuna-Gruppe und der 
SL-Armee,  die  den  Beschwerdeführer  als  Feind  betrachten  würden. 
Mit der Verfolgungsfurcht des Beschwerdeführers habe sich das BFM 
indessen  nicht  vertieft  auseinandergesetzt  und  in  ihrer  Begründung 
weitgehend mit Textbausteinen argumentiert.

Als Beilage zur Beschwerdeschrift reichte der Beschwerdeführer zwei 
weitere Fotografien zu den Akten (eine Fotografie zeigt den Beschwer-
deführer in Kampfuniform am Maschinengewehr, die andere als Kame-
ramann  im  Einsatz).  Ferner  wies  der  Beschwerdeführer  darauf  hin, 
dass er wegen diverser Granatsplitter im Körper in ärztlicher Behand-
lung stünde. Diesbezügliche Arztberichte würden nachgereicht.

E.
Mit Zwischenverfügung vom 24. Mai 2006 verzichtete der Instruktions-
richter der ARK auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und ver-
wies den Entscheid über das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege 
auf den Urteilszeitpunkt. Der Beschwerdeführer wurde zudem aufge-
fordert, zu den geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden in-
nert Frist einen ärztlichen Bericht einzureichen.

F.
Mit  Schreiben vom 19. Juni  2006 ging ein  ärztlicher  Bericht  bei  der 
ARK  ein,  wonach  dem  Beschwerdeführer  zwei  Metallsplitter  bezie-
hungsweise allfällige weitere Granatsplitter aus diversen Körperstellen 
herausoperiert werden müssten.

G.
Mit Vernehmlassung vom 7. August 2006 beantragte die Vorinstanz die 
Abweisung der Beschwerde. Hinsichtlich der Granatsplitter im Körper 

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des Beschwerdeführers aufgrund früherer Kriegsverletzungen hielt das 
BFM  fest,  mangels  diesbezüglicher  Arztberichte  und  Prognosen  sei 
eine  Stellungnahme  bezüglich  einer  allfälligen  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzuges zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. 

H.
Die vorinstanzliche Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer mit 
Zwischenverfügung vom 9. August 2006 zur Kenntnis gebracht. Dies-
bezüglich ging keine Stellungnahme des Beschwerdeführers ein.

I.
Mit  Schreiben vom 9. März 2007 übermittelte  der  Beschwerdeführer 
einen Operationsbericht (...)  zu den Akten. Gemäss Bericht sei dem 
Beschwerdeführer am 24. Januar 2007 ein Granatsplitter am rechten 
Oberarm entfernt worden. 

J.
Am 8. Mai 2007 ging beim Bundesverwaltungsgericht ein weiterer Arzt-
bericht (...) ein. Gemäss Bericht sei der Beschwerdeführer am 6. April 
2007  notfallmässig  am  Herzen  operiert  worden  und  man  habe  ihm 
einen  Herzkatheter  eingesetzt.  Der  Beschwerdeführer  sei  auf  die 
lebenslange Einnahme bestimmter Medikamente angewiesen.

K.
Mit Schreiben vom 8. Juni 2007 liess der Beschwerdeführer Informatio-
nen  betreffend  seine  Familienangehörigen  in  Sri  Lanka  zukommen. 
Gemäss diesen Ausführungen werde seine Ehefrau seit anfangs März 
2007 von Mitgliedern der Karuna-Gruppe belästigt und verfolgt, nach 
seinem Aufenthalt gefragt und mit dem Tode bedroht. Sie habe daher 
das Haus anfangs April 2007 verlassen und lebe seither in einem Ver-
steck. Anfangs Mai 2007 seien der Vater und ein Bruder der Ehefrau 
von  der  Karuna-Gruppe  festgenommen  und  während  zwei  Tagen  in 
einem Camp bei U._______ (B._______ Distrikt) festgehalten worden. 
Man habe sie nach seinem Aufenthaltsort sowie demjenigen der Ehe-
gattin gefragt und während der Befragungen auch geschlagen. Eben-
falls sei anfangs Mai 2007 der Ehemann seiner Schwester verschwun-
den,  welcher  sich  zwecks  medizinischer  Behandlung  von  Y._______ 
nach  C._______  begeben  habe. Zivil  gekleidete  Männer  hätten  den 
Schwager  in  C.______  verschleppt.  Zumal  der  Schwager  mit  seiner 
Ehefrau ohne polizeiliche Bewilligung nach C._______ gefahren sei, 
getraue sich diese nicht, sich wegen der Verschleppung an die Polizei 
zu wenden. Bis  heute wisse die Schwester  nichts über den Verbleib 

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ihres  Ehegatten.  Schliesslich  hätten  seine  Eltern  und  Geschwister 
ihren  Wohnort  im  Distrikt  T._______  Mitte  2006  wegen 
Kriegsereignissen  verlassen  und  befänden  sich  seither  auf 
innerstaatlicher Flucht.

L.
Am  25.  Juli  2007  ging  ein  weiteres  ärztliches  Zeugnis  (...)  beim 
Bundesverwaltungsgericht  ein.  Aufgrund  der  schweren  Ko-
ronarerkrankung  des  Beschwerdeführers  sei  links  die  ventrikuläre 
Herzfunktion  eingeschränkt,  weshalb  der  Beschwerdeführer  lebens-
lang  Medikamente  einnehmen  müsse  und  regelmässiger  medizini-
scher Kontrollen bedürfe.

M.
Mit Schreiben vom 7. April 2008 wies der Beschwerdeführer auf seine 
angeschlagene gesundheitliche Situation und die Probleme seiner Ver-
wandten im Heimatland hin und ersuchte um baldigen Verfahrensab-
schluss.

N.
Die mit Zwischenverfügung vom 22. April 2008 einverlangte Kostenno-
te  reichte  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  am  25.  April 
2008 zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni 
2005 (VGG, SR 173.32)  beurteilt  das Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5  des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 
172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vor-
instanzen gelten die in Art. 33 und 34 VGG genannten Behörden. Dazu 
gehören  Verfügungen  des  BFM  gestützt  auf  das  Asylgesetz  vom 
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31); das Bundesverwaltungsgericht ent-
scheidet  in diesem Bereich endgültig  (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 

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Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2 Das  Bundesverwaltungsgericht  übernimmt,  sofern  es  zuständig 
ist,  seit  dem 1. Januar 2007 die Beurteilung der bei der ehemaligen 
ARK hängigen Rechtsmittel. Das neue Verfahrensrecht ist anwendbar 
(Art. 53 Abs. 2 VGG). 

1.3 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verlet-
zung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung 
des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt 
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

2.
Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Än-
derung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde  legitimiert  (Art.  6  AsylG  i.V.m.  Art.  48  Abs.  1  und  50  ff. 
VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

3.

3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt,  wenn  sie  in  ihrem Heimatstaat  oder  im  Land,  wo sie  zuletzt 
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei-
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Frei-
heit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tra-
gen (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet  oder in sich wider-
sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 

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AsylG). Vorbringen sind dann glaubhaft, wenn sie genügend substanzi-
iert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen 
Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüch-
lich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsa-
chen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus 
muss  die  asylsuchende  Person  persönlich  glaubwürdig  erscheinen, 
was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf 
gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt (Art. 7 Abs. 3 AsylG), 
aber  auch  dann,  wenn  sie  wichtige Tatsachen  unterdrückt  oder 
bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswech-
selt oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfah-
ren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung be-
deutet ferner - im Gegensatz zum strikten Beweis - ein reduziertes Be-
weismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel 
an den Vorbringen des Beschwerdeführers. Eine Behauptung gilt  be-
reits als glaubhaft gemacht, wenn der Richter von ihrer Wahrheit nicht 
völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht 
alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es demge-
genüber nicht  aus,  wenn der Inhalt  der Vorbringen zwar möglich ist, 
aber  in  Würdigung der  gesamten Aspekte wesentliche und überwie-
gende  Umstände  gegen  die  vorgebrachte  Sachverhaltsdarstellung 
sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die 
Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, 
überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise ab-
zustellen (vgl. Entscheide und Mitteilungen der Schweizerischen Asyl-
rekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 5 E. 3c S. 43 f.; 1996 Nr. 28 E. 3a 
S. 270; 2005 Nr. 21 E. 6.1. S. 190 f.). An den genannten Kriterien ist 
nach wie vor festzuhalten, zumal die Rechtslage diesbezüglich keine 
Änderung erfahren hat. 

3.3 Entsprechend der  Lehre und Praxis  ist  für  die  Anerkennung der 
Flüchtlingseigenschaft  sodann  erforderlich,  dass  die  asylsuchende 
Person ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, be-
ziehungsweise solche im Fall  einer  Rückkehr  in  den Heimatsaat  mit 
beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten 
muss. Die  Nachteile  müssen  der  asylsuchenden  Person  gezielt  und 
aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen oder zugefügt worden 
sein.  Nach  neuerer  Rechtsprechung  kann  eine  Verfolgungshandlung 
im Sinne von Art. 3 AsylG von staatlichen oder nichtstaatlichen Akteu-
ren ausgehen (vgl. den Grundsatzentscheid EMARK 2006 Nr. 18). Die 
Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft setzt zudem voraus, dass die 

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betroffene  Person  einer  landesweiten  Verfolgung  ausgesetzt  ist  und 
sich nicht in einem anderen Teil ihres Heimatstaates in Schutz bringen 
kann (EMARK 2006  Nr. 18).  Ausgangspunkt  für  die  Beurteilung  der 
Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausrei-
se vorhandenen Verfolgung oder begründete Furcht vor einer solchen. 
Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Rahmen 
der  Prüfung  nach  der  Aktualität  der  Verfolgungsfurcht  ebenfalls  we-
sentlich.  Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwi-
schen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulas-
ten  der  ein  Asylgesuch  stellenden  Person  zu  berücksichtigen  (vgl. 
EMARK 2000 Nr. 2 E. 8b, 1994 Nr. 24 E. 8a; WALTER KÄLIN, Grundriss 
des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a. M. 1990, S.135 ff.). 

4.

4.1 Die Vorinstanz ging im angefochtenen Entscheid von der Glaub-
haftigkeit  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  aus.  Die  vom  Be-
schwerdeführer erwähnte Zwangsrekrutierung durch die LTTE im Jah-
re  1990,  seine  darauffolgenden  wiederholten  Einsätze  als  Kamera-
mann für die Organisation, die im Jahre 2005 geschlossene Ehe mit 
einer  Frau aus  einer  mit  der  LTTE verfeindeten und  mit  der  EPRLF 
sympathisierenden Familie und die damit verbundenen Drohungen sei-
tens der LTTE und der Karuna-Fraktion wurden im angefochtenen Ent-
scheid nicht bezweifelt. Grundsätzlich für glaubhaft erachtete die Vor-
instanz  ferner  mögliche  Nachstellungen  durch  die  LTTE wegen  der 
Flucht  des Beschwerdeführers  aus  der  Organisation,  auch wenn sie 
dabei anführte, das Persönlichkeitsprofil der Beschwerdeführerin lasse 
eine Bedrohung durch die LTTE als nicht hinreichend konkret erschei-
nen. In diesem Zusammenhang legte das BFM dar, von der LTTE be-
helligte Personen hätten grundsätzlich die Möglichkeit, bei den srilan-
kischen Behörden um Schutz nachzusuchen und sich darüber hinaus 
auch an die SLMM und die HRC zu wenden, auch wenn der Schutz 
durch die beiden letztgenannten nicht immer effektiv gewährt werden 
könnte. Der Beschwerdeführer habe sich jedoch nicht um Schutz bei 
den  srilankischen  Behörden  oder  anderen  Organisationen  bemüht, 
weshalb die geltend gemachten Nachteile seitens der LTTE und der 
Karuna  dem  srilankischen  Staat  nicht  zugerechnet  werden  könnten 
und damit nicht asylrelevant seien. Ferner sei dem Beschwerdeführer 
offengestanden, sich allfälligen weiteren Behelligungen durch die LTTE 
und die Karuna Gruppe durch landesinterne Verlegung seines Wohn-
sitzes zu entziehen.  

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4.2 Den Erwägungen des Bundesamtes ist nach Prüfung der Aktenla-
ge Folgendes entgegenzuhalten: Die Schilderungen des Beschwerde-
führers über seine Tätigkeit als Kameramann für die LTTE, seine Kon-
takte  innerhalb  der  Organisation  sowie  seine  Kenntnisse  einzelner 
Führungspersonen beziehungsweise seine Bekanntschaften mit diver-
sen Entscheidungsträgern der LTTE respektive das profunde Wissen 
des Beschwerdeführers über die Struktur der LTTE sind als substanzi-
iert zu bezeichnen (vgl. Akte A6/19, S. 3 f. und 11 f.) und durch die ein-
gereichten Fotografien belegt. Vor diesem Hintergrund kann die vorins-
tanzliche Einschätzung des Persönlichkeitsprofils des Beschwerdefüh-
rers als  einfaches Mitglied der LTTE im Hinblick auf eine Verfolgung 
durch die Organisation bereits für den damaligen (Entscheid)Zeitpunkt 
nicht  gestützt  werden.  Übereinstimmend  mit  den  Ausführungen  des 
Beschwerdeführers  in  dessen  Beschwerdeergänzung  vom  19.  Mai 
2006  ist  vielmehr  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer 
1990 wohl durch die LTTE zwangsrekrutiert wurde, sich indessen auf-
grund seiner  Tätigkeit  für  die  Organisation  zu  einem treuen Mitglied 
der LTTE entwickelt hat, dessen weitreichendes Insider-Wissen seine 
Stellung innerhalb der LTTE nicht mehr als „einfach“ bezeichnen lässt. 
Ein Austritt oder ein Verstoss gegen Gebote und Prinzipien der LTTE 
dürfte  angesichts  seiner  Position  somit  entsprechende  Verfolgungs-
massnahmen seitens der Organisation nach sich gezogen und bereits 
für den Ausreisezeitpunkt ein Verfolgungsinteresse der LTTE am Be-
schwerdeführer begründet haben. Ob der Beschwerdeführer im Sinne 
der  vorinstanzlichen  Sichtweise  im  Ausreisezeitpunkt  wegen  seines 
politischen  Profils  auf  effektiven  Schutz  der  srilankischen  Behörden 
hätte vertrauen können, erscheint daher als zweifelhaft, und die Option 
einer  zumutbaren  innerstaatlichen  Fluchtalternative  kann  kaum  als 
existent bezeichnet werden. Es kann indessen in Anbetracht nachfol-
gender Erwägungen letztlich offen bleiben, ob dem Beschwerdeführer 
bereits  für  den  Ausreisezeitpunkt  begründete  Furcht  vor  ernsthaften 
Nachteilen zu attestieren gewesen wäre, zumal im heutigen Zeitpunkt 
im  Falle  einer  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  sein  Heimatland 
nicht von einer effektiven Schutzgewährung der Behörden bei Verfol-
gung durch die LTTE oder die Karuna ausgegangen werden kann.

4.3 In diesem Zusammenhang hat sich das Bundesverwaltungsgericht 
in seinem Urteil E-2775/2007 vom 14. Februar 2008 einlässlich mit der 
aktuellen Lage in Sri Lanka befasst. Es kam dabei zum Schluss, dass 
sich  seit  Januar  2006  die  dortige  Sicherheitslage  kontinuierlich  ver-
schlechtert habe. Der Bürgerkrieg zwischen der LTTE und der srilanki-

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schen Armee sei wieder aufgeflammt und habe hundertausende Men-
schen in die Flucht getrieben. Gemäss Schätzungen der mit der Über-
wachung des Waffenstillsandsabkommens beauftragten SLMM seien 
im Zeitraum von November 2005 bis Februar 2007 gegen 4000 Perso-
nen dem Bürgerkrieg  zum Opfer  gefallen,  weshalb  das  UNHCR die 
Lage im Norden und Osten des Landes bereits im Jahre 2006 als eine 
Situation allgemeiner Gewalt charakterisiert habe. Im Jahre 2004 habe 
sich die Karuna-Fraktion von der LTTE abgespalten und als politische 
Partei zu manifestieren versucht. Sowohl die Karuna-Fraktion als auch 
die LTTE seien für  Zwangsrekrutierungen bekannt. Die entsprechen-
den Militärlager der beiden Gruppierungen befänden sich in Gebieten, 
welche unter der Kontrolle der Regierungstruppen stünden, womit die 
zumindest passive Duldung respektive Verwicklung der Staatsmacht in 
diese Praktiken aufgezeigt würden. Gegenüber von Beschwerden von 
betroffenen Familien seien die srilankischen Sicherheitsbehörden nicht 
gewillt diese entgegenzunehmen oder nachzugehen. Ferner sei davon 
auszugehen,  dass  Tamilen,  insbesondere  wenn  sie  aus  Gebieten 
stammten, die von der LTTE kontrolliert würden, behördlicherseits als 
potentielle LTTE-Mitglieder oder -Anhänger verdächtigt würden und mit 
hoher Wahrscheinlichkeit durch Festnahmen, Haft, Entführungen oder 
gar  Tötungen bedroht  seien. Auch in  Colombo seien  Tamilen  einem 
Verfolgungsrisiko seitens der  srilankischen Sicherheitsbehörden aus-
gesetzt. Darüber hinaus bestünde gemäss dem UNHCR ein Unvermö-
gen der staatlichen Behörden, Personen Schutz vor zielgerichteter Ge-
walt und Menschenrechtsverletzungen durch die LTTE zu bieten, zu-
mal die Regierung in Colombo nicht in der Lage und nicht willens sei, 
dort  lebenden  Tamilen,  welche  der  Opposition  gegen  die  LTTE ver-
dächtigt  würden oder  bei  diesen gar  als  Informanten der  Regierung 
gälten, vor der Ermordung durch die LTTE zu schützen. Aufgrund der 
wiederaufgeflammten  Konflikte,  namentlich  zwischen  der  LTTE,  der 
Karuna-Gruppe und den srilankischen Sicherheitskräften würden sich 
die  Existenzmöglichkeiten  für  die  tamilische  Bevölkerung  als  sehr 
schwierig erweisen und Schutz vor Verfolgung würde nicht im gleichen 
Umfang wie anderen Bevölkerungsschichten gewährt. 

Gemäss  Aktenlage  wird  der  Beschwerdeführer  durch  die  LTTE  ge-
sucht, weil er gegen deren Verbot in eine EPRLF-Familie eingeheiratet 
hat. Den diesbezüglichen Konsequenzen hat sich der Beschwerdefüh-
rer durch Flucht entzogen, worauf seine Ehefrau seitens der LTTE be-
droht  wurde.  Die  bereits  damalige  Bedrohung  der  Ehefrau  des  Be-
schwerdeführers durch die LTTE, verbunden mit  der  Nötigung,  ihren 

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Ehemann der LTTE zuzuführen, erscheint gemäss den Ausführungen 
unter  Ziff.  4.2  als  realistisch  und  in  Berücksichtigung  der  üblichen 
Vorgehensweise  der  LTTE gegen  Abtrünnige  und  deren  Angehörige 
naheliegend.  Gemäss  zitiertem  Urteil  kann  sodann  im  heutigen 
Zeitpunkt  offensichtlich  nicht  von  einer  effektiven  Schutzgewährung 
der staatlichen Behörden bei Verfolgung durch die LTTE ausgegangen 
werden.  Der  Vollständigkeit  halber  sei  an  dieser  Stelle  darauf 
hingewiesen,  dass  die  SLMM  nach  der  formellen  Kündigung  des 
Waffenstillstandsabkommens durch die Regierung am 2. Januar 2008 
und dessen Ablauf per 16. Januar 2008 Sri Lanka verlassen hat, und 
die Schutzmöglichkeit  des HRC bereits  im angefochtenen Entscheid 
als wenig effizient bezeichnet wurde. In Anbetracht der beschriebenen 
generell  gewaltsamen  Vorgehensweise  der  LTTE  gegen  Abtrünnige 
und  deren  Umfeld  und  der  erwähnten  Passivität  der  srilankischen 
Behörden  hätte  der  Beschwerdeführer  somit  als  ehemaliges  LTTE-
Mitglied und Tamile im jetzigen Zeitpunkt keine Möglichkeit, effektiven 
Schutz vor den ihm zielgerichtet  und konkret  drohenden ernsthaften 
Nachteilen seitens der LTTE oder der Karuna-Fraktion zu erlangen. Im 
Weiteren  war  der  Beschwerdeführer  ausgewiesenermassen  über 
Jahre  hinweg  für  die  LTTE  tätig,  so  dass  er  entgegen  den 
Ausführungen  der  Vorinstanz  mit  Gewissheit  auch  wegen  LTTE-
Unterstützung bei der Wiedereinreise ins Land oder einer der häufigen 
Kontrollen  von  den  staatlichen  Sicherheitsdiensten  festgenommen 
werden könnte und allfälligen Misshandlungen ausgesetzt wäre. Eine 
entsprechende  Furcht  des  Beschwerdeführers  vor  ernsthaften 
Nachteilen im Sinne des Asylgesetze ist nach dem Gesagten somit - 
insbesondere auch gestützt auf die Entwicklung der Sicherheitslage im 
Land - zu bejahen.  

4.4  Zusammenfassend ist festzustellen, dass das Vorliegen einer be-
gründeten Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu bejahen 
ist,  womit  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllt. 
Asylausschlussgründe gemäss Art. 53 AsylG sind nicht ersichtlich. Die 
Verfügung der Vorinstanz ist somit aufzuheben und dem Beschwerde-
führer ist Asyl zu gewähren. Demzufolge erübrigt es sich, auf weitere 
Beschwerdevorbringen einzugehen. 

5.

5.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten 
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Das Gesuch um Gewäh-

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rung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1 
VwVG wird damit gegenstandslos.

5.2 Dem obsiegenden Beschwerdeführer  ist  zulasten  der  Vorinstanz 
eine Parteientschädigung für  die ihm erwachsenen notwendigen und 
verhältnismässig  hohen Kosten zuzusprechen (Art. 64  Abs. 1  VwVG 
i.V.m. Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 11. Dezember 2006 über die 
Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht 
[VGKE, SR 173.320.2]). Der in der Kostennote vom 25. April 2008 gel-
tend gemachte Arbeitsaufwand von 12,7 Stunden sowie die Auslagen 
von Fr. 76.-- erscheinen für die damit abgedeckte Zeitperiode als an-
gemessen. Gemäss Art. 10 Abs. 2 VGKE beträgt der Stundenansatz 
für nichtanwaltliche Vertreter mindestens 100.-- und höchstens 300.-- 
Franken. Der ausgewiesene Stundenansatz von Fr. 120.-- bewegt sich 
in diesem Rahmen. Somit hat das BFM dem Beschwerdeführer in An-
wendung der vorgenannten Bemessungsfaktoren (Art. 8 ff. VGKE) eine 
Parteientschädigung von insbesamt Fr. 1600.-- auszurichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die angefochtenen Verfügung vom 4. April 2006 wird aufgehoben, und 
das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer Asyl zu erteilen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.
Das BFM hat  dem Beschwerdeführer  für  das  Verfahren  vor  der  Be-
schwerdeinstanz eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1600.-- 
auszurichten.

5.
Dieses Urteil geht an:

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- die Vorinstanz, mit deren Akten Ref.-Nr. N _______, unter Hinweis 

auf Ziffer 2 des Dispositivs (per Kurier; in Kopie;)
- (...)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Hans Schürch Katarina Umegbolu

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