# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0a12b4df-afb1-56fa-8e2f-cd7f927db386
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-08-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.08.2020 F-3944/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-3944-2020_2020-08-31.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-3944/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 1 .  A u g u s t  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), 

Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, 

Richterin Sylvie Cossy, 

Gerichtsschreiberin Karin Schnidrig. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

alias B._______, geboren am (…), 

Georgien,   

vertreten durch MLaw Alparslan Bagcivan, 

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 

(Dublin-Verfahren); 

Verfügung des SEM vom 29. Juli 2020 / N (…). 

 

 

 

F-3944/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – ein georgischer Staatsangehöriger – reichte am 

9. Januar 2014 in der Schweiz erstmals ein Asylgesuch ein. Am 21. März 

2014 wurde er im Rahmen des Dublin-Verfahrens nach C._______ über-

stellt. Nach einem erneuten Aufenthalt in der Schweiz wurde der Beschwer-

deführer im Rahmen eines sogenannten Kat.-III-Verfahrens am 22. Juli 

2014 abermals nach C._______ überstellt. 

B.  

B.a. Gemäss eigenen Angaben verliess der Beschwerdeführer sein Hei-

matland im Jahr 2019 und gelangte am 29. Juni 2020 via D._______, 

E._______, die Tschechische Republik und F._______ in die Schweiz, wo 

er gleichentags ein zweites Asylgesuch einreichte. 

B.b. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zent-

raleinheit Eurodac) ergab, dass der Beschwerdeführer am 9. September 

2010 in G._______, am 11. Mai 2013 in H._______, am 24. Juli 2013 in 

I._______, am 5. August 2013 in F._______, am 14. Oktober 2013 in 

C._______, am 15. Januar 2014 in der Schweiz, am 29. März 2014 in 

J._______, am 22. September 2014 in K._______ und am 19. Dezember 

2019 in der Tschechischen Republik Asylgesuche gestellt hatte. 

B.c.  

B.c.a. Anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 9. Juli 2020 (Akten der Vor-

instanz [SEM-act.] 1068444-16/5) gab der Beschwerdeführer an, er sei im 

Jahr 2019 via D._______ und E._______ legal mit seinem Pass in die 

Tschechische Republik gelangt. In der Tschechischen Republik habe er 

dann ein Asylgesuch eingereicht. Es habe dort keine Befragung stattgefun-

den und er habe keinen Entscheid erhalten. Auch eine Unterkunft habe er 

nicht bekommen. Er sei bis zur Öffnung der Grenzen in der Tschechischen 

Republik geblieben, zwei Monate im Freien, vier Monate in Haft. Nach sei-

nem dortigen Aufenthalt sei er direkt via F._______ in die Schweiz weiter-

gereist. 

B.c.b. Im Rahmen des ihm von der Vorinstanz gleichzeitig gewährten 

rechtlichen Gehörs zur Zuständigkeit der Tschechischen Republik für die 

Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens beziehungsweise 

zur Wegweisung dorthin und zum Nichteintretensentscheid gemäss 

Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) machte der Beschwerdeführer 

geltend, er sei mit einer Rückkehr nicht einverstanden, weil er in der Tsche-

chischen Republik keine Unterkunft erhalten habe. 

F-3944/2020 

Seite 3 

B.c.c. Was den medizinischen Sachverhalt anbelangt, erklärte der Be-

schwerdeführer, er sei nicht gesund. Er konsumiere seit 20-22 Jahren Me-

thadon. Am Nachmittag werde er bei der Suchtberatung einen Termin 

wahrnehmen. Ausserdem leide er seit 2007/2008 an Epilepsie, weshalb er 

das Medikament Lyrica einnehme. Dieses habe er aber bislang im Bundes-

asylzentrum nicht erhalten. Hinzu komme Hepatitis C, woran er seit 20 Jah-

ren leide. Er wünsche zu wissen, ob hier in der Schweiz eine Behandlung 

möglich sei. 

C.  

Gestützt auf die beim SEM am 1. Juli 2020 eingegangene Eurodac-Tref-

fermeldung (vgl. im Aktenverzeichnis des vorinstanzlichen Dossiers als "Hit 

Eurodac" bezeichnetes Aktenstück 1068444-11/2), welcher zu entnehmen 

ist, dass der Beschwerdeführer am 19. Dezember 2019 in der Tschechi-

schen Republik ein Asylgesuch eingereicht hat, ersuchte die Vorinstanz die 

tschechischen Behörden am 9. Juli 2020 um Wiederaufnahme des Be-

schwerdeführers im Sinne von Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) 

Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 

2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-

gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen 

oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio-

nalen Schutz zuständig ist (Neufassung), ABl. L 180/31 vom 29.6.2013 

(nachfolgend: Dublin-III-VO). 

Die tschechischen Behörden stimmten diesem Ersuchen am 15. Juli 2020 

gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO zu. 

D.  

Mit Eingabe vom 24. Juli 2020 reichte die Rechtsvertretung dem SEM den 

Austrittsbericht des L._______ vom 11. Juli 2020 zu den Akten und machte 

darauf aufmerksam, dass der Beschwerdeführer Unterstützung benötige, 

um seine Suchtproblematik in den Griff zu bekommen. Die Möglichkeit, 

dass er bei einer erneuten Rückkehr in die Tschechische Republik keine 

Unterkunft erhalten werde, sei als durchaus realistisch zu betrachten. Auch 

liege die Vermutung nahe, dass er mit seiner Medikamentensucht auf sich 

alleine gestellt sein werde. Es werde deshalb darum ersucht, all dies bei 

der Erstellung des medizinischen Sachverhalts und der Entscheidfindung 

gebührend zu berücksichtigen und auf das Asylgesuch des Beschwerde-

führers einzutreten. 

F-3944/2020 

Seite 4 

E.  

Mit Verfügung vom 29. Juli 2020 – eröffnet am 30. Juli 2020 (Empfangsbe-

stätigung [SEM-act. 1068444-29/1]) – trat das SEM in Anwendung von 

Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers 

vom 29. Juni 2020 nicht ein, verfügte die Wegweisung in die Tschechische 

Republik, forderte den Beschwerdeführer – unter Androhung von Zwangs-

mitteln im Unterlassungsfall – auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der 

Beschwerdefrist zu verlassen, beauftragte den Kanton M._______ mit dem 

Vollzug der Wegweisung, händigte dem Beschwerdeführer die editions-

pflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus und stellte fest, eine allfäl-

lige Beschwerde gegen die Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung. 

F.  

Mit Eingabe vom 6. August 2020 liess der Beschwerdeführer gegen den 

vorinstanzlichen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde 

erheben und beantragen, es sei die Verfügung des SEM vom 29. Juli 2020 

aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutre-

ten. Eventualiter sei die Verfügung des SEM vom 29. Juli 2020 zur rechts-

genüglichen Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Es 

sei im Sinne einer superprovisorischen Massnahme der vorliegenden Be-

schwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehör-

den seien anzuweisen, von einer Überstellung in die Tschechische Repub-

lik abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über den Suspensivef-

fekt der eingereichten Beschwerde entschieden habe. Es sei die unentgelt-

liche Prozessführung zu gewähren und insbesondere von der Erhebung 

eines Kostenvorschusses abzusehen.  

  

Ausserdem wurde um Beizug der Verfahrensakten der Vorinstanz ersucht. 

 

Auf die Begründung der Beschwerde wird – soweit entscheidrelevant – in 

den Erwägungen eingegangen. 

G.  

Der zuständige Instruktionsrichter setzte am 7. August 2020 gestützt auf 

Art. 56 VwVG den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus. 

H.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 7. Au-

gust 2020 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).  

 

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Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1. Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – 

endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-

gerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 108 Abs. 3 und 

Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

2.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 

2.3. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel 

verzichtet. 

3.  

Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentralein-

heit Eurodac) ergab, dass der Beschwerdeführer am 19. Dezember 2019 

F-3944/2020 

Seite 6 

in der Tschechischen Republik ein Asylgesuch gestellt hatte. Das SEM er-

suchte deshalb die tschechischen Behörden am 9. Juli 2020 um Wieder-

aufnahme des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dub-

lin-III-VO. Die tschechischen Behörden hiessen das Ersuchen am 15. Juli 

2020 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO gut. Vor diesem Hin-

tergrund ist die Zuständigkeit der Tschechischen Republik zur Durchfüh-

rung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens gegeben. 

4.  

4.1. Auf Beschwerdeebene wird im Wesentlichen dargelegt, die abwei-

sende Haltung der Tschechischen Republik gegenüber der Aufnahme von 

Flüchtlingen sei hinlänglich bekannt. Eine Studie der Flüchtlingshilfsorga-

nisationen aus den vier Visegrad-Staaten (Tschechische Republik, Polen, 

Ungarn und Slowakei) zeige, dass 70% der tschechischen Bevölkerung 

gegen die Aufnahme von Flüchtlingen sei und im Jahr 2018 lediglich 558 

Personen über eine Form von humanitärem Schutz verfügt hätten bezie-

hungsweise die Anerkennungsquote nur bei 3.2% gelegen habe. Verschie-

dene Berichte belegten, dass der Zugang zum Asylverfahren im tschechi-

schen Asylsystem das Hauptproblem sei. Daneben stelle die systemati-

sche Inhaftierung von Asylsuchenden, darunter auch verletzliche Personen 

und Familien, das zweitgrösste Problem dar. Ausserdem würden die asyl-

suchenden Personen aufgefordert, für ihre Unterbringung im Asylverfahren 

zu bezahlen.  

  

Der Beschwerdeführer habe in der Tschechischen Republik den erschwer-

ten Zugang zum Asylverfahren, zur Unterbringung und medizinischen Un-

terstützung am eigenen Leib erfahren müssen. Er könne sich aufgrund sei-

ner Suchtproblematik nicht mehr unter Kontrolle halten. Am 11. Juli 2020 

sei er nach der Einnahme einer Methadonüberdosis ohnmächtig geworden 

und habe notfallmässig ins L._______ eingeliefert werden müssen. Er 

möchte sein Suchtproblem in den Griff bekommen. Da er finanziell nicht in 

der Lage sei, selbst für die Unterbringungskosten aufzukommen, fürchte 

er, bei einer Wegweisung in die Tschechische Republik obdachlos zu wer-

den. Aus dem Risiko einer Gesundheitsverschlechterung resultiere eine 

Verletzung von Art. 3 EMRK. Die Vorinstanz sei deshalb anzuweisen, auf 

das Asylgesuch einzutreten.  

 

Es könne mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass 

der effektive Zugang zum Asylverfahren und zur medizinischen Versorgung 

aufgrund administrativer Hürden nicht gewährleistet sein werde. Ein eben-

falls nicht zu vernachlässigender Faktor spiele der Umstand, dass bei einer 

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Rückkehr in die Tschechische Republik die Gefahr einer weiteren Inhaftie-

rung bestehe. 

Der Zugang zur Gesundheitsversorgung in der Tschechischen Republik sei 

in der angefochtenen Verfügung nur ungenügend geprüft worden. Somit 

und im Sinne eines Eventualbegehrens sei die Verfügung wegen Verlet-

zung des rechtlichen Gehörs im Sinne der Verletzung der Begründungs-

pflicht und wegen unvollständiger oder unrichtiger Feststellung des Sach-

verhalts aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an das SEM zu-

rückzuweisen. 

 

Indem die Vorinstanz den Verzicht der Anwendung der Souveränitätsklau-

sel damit begründe, es gebe keinen Grund zur Annahme, dass eine Über-

stellung in die Tschechische Republik einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK 

bedeuten würde, habe sie ihren Ermessensspielraum nicht gesetzeskon-

form ausgeübt. Vorliegend sei keine vertiefte Prüfung der Situation des Be-

schwerdeführers erfolgt. Zahlreiche Indizien würden gegen eine völker-

rechtskonforme Durchführung des Asylverfahrens in der Tschechischen 

Republik sprechen.  

 

Zusammenfassend habe die Vorinstanz nur eine oberflächliche Prüfung ei-

nes allfälligen Selbsteintritts vorgenommen. Beim Beschwerdeführer 

handle es sich um eine vulnerable Person und es sei dringend angezeigt, 

dass auf sein Asylgesuch eingetreten werde. Eventualiter sei die Angele-

genheit zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts an die Vorinstanz 

zurückzuweisen und die entsprechenden Garantien für Unterbringung und 

medizinische Versorgung seien von den tschechischen Behörden einzufor-

dern. 

4.2. Mit seinen Vorbringen fordert der Beschwerdeführer die Anwendung 

von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO respektive Art. 29a Abs. 3 der Asylverord-

nung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311). 

5.  

5.1. Die Tschechische Republik ist Vertragsstaat des Abkommens vom 

28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) 

sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301), 

der EMRK und des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Fol-

ter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung 

oder Strafe (FoK, SR 0.105) und kommt ihren diesbezüglichen völkerrecht-

lichen Verpflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser 

Staat anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus 

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den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU 

vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und 

Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) so-

wie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-

nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-

merichtlinie) ergeben. 

5.2. Bislang haben weder das Bundesverwaltungsgericht noch der Euro-

päische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) – und im Übrigen auch 

nicht der Europäische Gerichtshof (EuGH) – systemische Schwachstellen 

im tschechischen Asylsystem erkannt. Diesbezüglich sind auch die in der 

Beschwerde zitierten Quellen, wonach das tschechische Asyl- und Aufnah-

meverfahren in der Kritik steht, nicht geeignet, systemische Mängel zu be-

legen. Gemäss den bisherigen Erkenntnissen des Bundesverwaltungsge-

richts ist davon auszugehen, dass die Tschechische Republik die Verfah-

rensrichtlinie und die Aufnahmerichtlinie grundsätzlich einhält und dass ins-

besondere, was Dublin-Rückkehrer betrifft, ein rechtsstaatliches Asylver-

fahren mit Beschwerdemöglichkeit und der Zugang zu medizinischer Be-

handlung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforderli-

che Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen 

umfasst, besteht (vgl. Art. 19 Abs. 1 und 2 Aufnahmerichtlinie). Unbehelf-

lich ist dabei auch, dass die Lebensverhältnisse oder die medizinische Ver-

sorgung in der Schweiz günstiger sind. Entsprechend gibt es derzeit keinen 

Anlass, von einem systemischen Mangel betreffend die staatliche Unter-

stützung und Einrichtungen für Asylsuchende auszugehen (vgl. Urteile des 

BVGer F-6836/2019 vom 27. Februar 2020 E. 6.3; F-81/2020, F-84/2020 

vom 13. Februar 2020 E. 7.2; F-5352/2019, F-5343/2019 vom 18. Oktober 

2019 E. 6.2; E-2414/2019 vom 21. August 2019 E. 6). Unter diesen Um-

ständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfer-

tigt. 

5.3. Der Beschwerdeführer hat kein konkretes und ernsthaftes Risiko dar-

getan, die tschechischen Behörden würden sich weigern, ihn wieder auf-

zunehmen und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung 

der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind auch keine 

Gründe für die Annahme zu entnehmen, die Tschechische Republik werde 

in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn 

zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine 

Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in 

dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen 

zu werden. Ausserdem hat der Beschwerdeführer nicht dargetan, die ihn 

bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen in der Tschechischen 

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Seite 9 

Republik seien derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der 

Charta der Grundrechte der Europäischen Union (2012/C 326/02), Art. 3 

EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten. Er hat auch keine konkreten Hin-

weise für die Annahme dargelegt, die Tschechische Republik würde ihm 

dauerhaft die ihm gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Le-

bensbedingungen vorenthalten. Bei einer allfälligen vorübergehenden Ein-

schränkung steht es ihm offen, sich nötigenfalls an die dafür zuständigen 

Behörden zu wenden und die ihm zustehenden Aufnahmebedingungen auf 

dem Rechtsweg einzufordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Seine Be-

fürchtung, in der Tschechischen Republik obdachlos zu werden, erweist 

sich demnach als unbegründet. Gleiches gilt für das anlässlich des Ausrei-

segesprächs vom 3. August 2020 geltend gemachte Vorbringen, in der 

Tschechischen Republik werde er überhaupt nicht unterstützt (vgl. SEM-

act. 1068444-30/1). 

5.4.  

5.4.1. Wie dem Austrittsbericht des L._______ vom 11. Juli 2020 zu ent-

nehmen ist, war der Beschwerdeführer vom 10. Juli 2020 bis am 11. Juli 

2020 auf der N._______ hospitalisiert, wobei eine Opiatintoxikation bei be-

kannter Polytoxikomanie ED 10.07.2020 und eine Hepatitis C diagnosti-

ziert wurden. Dem Bericht zufolge erklärte der Beschwerdeführer, er habe 

am Eintrittstag nicht seine übliche Methadondosis (40mg) von der Ausga-

bestelle genommen, sondern von einem Dealer "etwas anderes" gekauft 

und eingenommen beziehungsweise subcutan gespritzt. Diesen Fehler 

werde er nie mehr machen. Da sich die weitere Überwachung komplikati-

onslos gestaltete, konnte der Beschwerdeführer am 11. Juli 2020 in gebes-

sertem Allgemeinzustand wieder entlassen werden (vgl. SEM-act. 

1068444-24/3).  

 

Mit E-Mail vom 28. Juli 2020 teilte die Pflege im Bundesasylzentrum der 

Vorinstanz mit, sie gehe aufgrund der Anamnese des Beschwerdeführers 

davon aus, dass er keine Epilepsie habe, sondern diese Krankheit als Vor-

wand nutze, um das Medikament Pregabalin zu bekommen. Im Bundes-

asylzentrum werde jedoch wegen einer möglichen Missbrauchsgefahr kein 

Pregabalin abgegeben (SEM-act. 1068444-26/3). Vor diesem Hintergrund 

ist zu bezweifeln, dass der Beschwerdeführer tatsächlich an Epilepsie lei-

det, umso mehr, als die angebliche Krankheit durch keinerlei medizinische 

Unterlagen belegt wurde. 

5.4.2. Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen 

Problemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 

EMRK darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die betroffene 

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Seite 10 

Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium 

und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem siche-

ren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwar-

ten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis 

des EGMR). Eine weitere vom EGMR definierte Konstellation betrifft 

Schwerkranke, die durch die Abschiebung – mangels angemessener me-

dizinischer Behandlung im Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert 

würden, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung 

ihres Gesundheitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Lei-

den oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde 

(vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, 

Grosse Kammer, 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). 

5.4.3. Eine solche Situation ist vorliegend aufgrund der aktenkundigen und 

geschilderten gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht gegeben. Der 

Beschwerdeführer konnte nicht nachweisen, dass eine Überstellung seine 

Gesundheit ernsthaft gefährden würde. Sein Gesundheitszustand vermag 

eine Unzulässigkeit im Sinne der erwähnten restriktiven Rechtsprechung 

nicht zu rechtfertigen. Die medizinischen Probleme sind auch nicht von ei-

ner derartigen Schwere, dass aus humanitären Gründen von einer Über-

stellung abgesehen werden müsste. Vor diesem Hintergrund ist der Be-

schwerdeführer – entgegen anderslautender Einschätzung – nicht als vul-

nerable Person anzusehen, sodass kein Anlass besteht, bei den tschechi-

schen Behörden Garantien hinsichtlich Unterbringung und medizinischer 

Versorgung einzuholen.  

 

Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, den Antragstellern die erforderliche 

medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbe-

dingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychi-

schen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnah-

merichtlinie); den Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen ist die erfor-

derliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer 

geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Auf-

nahmerichtlinie). Die Tschechische Republik verfügt über eine ausrei-

chende medizinische Infrastruktur, weshalb sich der Beschwerdeführer im 

Bedarfsfall an das dafür zuständige medizinische Fachpersonal wenden 

kann.  

 

Im Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass die mit der Überstellung beauf-

tragten Behörden die besonderen Bedürfnisse des Beschwerdeführers – 

einschliesslich die der notwendigen medizinischen Versorgung, auch in 

Bezug auf die Corona-Problematik – berücksichtigen würden, sollte dies 

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Seite 11 

erforderlich sein (vgl. Art. 31 Abs. 2 Dublin-III-VO). So hat die Vorinstanz in 

der angefochtenen Verfügung festgehalten, die Reisefähigkeit werde erst 

kurz vor der Überstellung definitiv beurteilt. Ebenso hat die Vorinstanz dem 

Gesundheitszustand des Beschwerdeführers bei der Organisation der 

Überstellung in die Tschechische Republik Rechnung zu tragen, indem sie 

die tschechischen Behörden im Sinne von Art. 31 und Art. 32 Dublin-III-VO 

vorgängig über den Gesundheitszustand und die notwendige medizinische 

Behandlung zu informieren hat. Ausserdem erklärte die Vorinstanz in der 

angefochtenen Verfügung, dass sie dem Beschwerdeführer anlässlich der 

Überstellung die medizinischen Unterlagen aus der Schweiz und in ange-

messener Menge die von einem Arzt verschriebenen Medikamente mitge-

ben könne, bis er in der Tschechischen Republik den entsprechenden me-

dizinischen Einrichtungen übergeben und dort versorgt werde. 

5.5. Das SEM führte im angefochtenen Entscheid aus, in Würdigung der 

Akten und der vom Beschwerdeführer geäusserten Umstände bestünden 

keine Gründe, die die Schweiz veranlassen würden, die Souveränitätsklau-

sel anzuwenden. Es hat diesen Umständen in der Verfügung Rechnung 

getragen und sich insbesondere auch mit der gesundheitlichen Situation 

des Beschwerdeführers und der Möglichkeit einer entsprechenden medizi-

nischen Versorgung in der Tschechischen Republik hinreichend auseinan-

dergesetzt. Vor diesem Hintergrund ist nicht ersichtlich, inwiefern das SEM 

seiner Pflicht zur gesetzeskonformen Ermessensausübung nicht nachge-

kommen sein sollte und den Sachverhalt unvollständig festgestellt haben 

sollte. Eine Rückweisung der angefochtenen Verfügung an die Vorinstanz 

zwecks rechtsgenüglicher Sachverhaltsabklärung erübrigt sich somit. Der 

diesbezügliche Eventualantrag ist abzuweisen. 

5.6. Mit seiner Rechtsmittelbegründung kann der Beschwerdeführer insge-

samt nicht das gewünschte Verfahrensziel – die Behandlung seines Asyl-

gesuchs in der Schweiz – erreichen, zumal die Dublin-III-Verordnung den 

Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat 

selbst auszuwählen. Es sind ebenso keine Gründe ersichtlich, welche die 

Vorinstanz zu einem Selbsteintritt gemäss Art. 17 Dublin-III-VO bezie-

hungsweise Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 hätten verpflichten können. 

6.  

Die Vorinstanz ist angesichts der vorstehenden Erwägungen zu Recht und 

ohne Ermessensfehler auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht 

eingetreten und hat seine Wegweisung verfügt (vgl. Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

und Art. 44 AsylG). Die Beschwerde ist folglich abzuweisen. 

F-3944/2020 

Seite 12 

7.  

Mit dem vorliegenden Urteil in der Hauptsache sind die Gesuche um Ertei-

lung der aufschiebenden Wirkung und um Verzicht auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. 

Der am 7. August 2020 angeordnete Vollzugsstopp fällt mit vorliegendem 

Urteil dahin und die Vorinstanz hat dem Beschwerdeführer eine neue Frist 

zur Ausreise anzusetzen. 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem aber die 

Begehren nicht als aussichtslos zu bezeichnen waren und im Übrigen von 

der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist, ist das Gesuch 

um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 

VwVG gutzuheissen und es sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

 

 

  

F-3944/2020 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Fulvio Haefeli Karin Schnidrig 

 

 

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