# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1e2656b5-7e21-5040-b49f-9a9390fb1aa8
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-03-20
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 20.03.2023 SK.2022.45
**Docket/Reference:** SK.2022.45
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_SK-2022-45_2023-03-20

## Full Text

A. Mehrfache Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB); qualifizierte Sachbeschädigung, eventualiter Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 3 StGB, evtl. Art. 144 Abs. 1 StGB)

B. Mehrfache Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB); qualifizierte Sachbeschädigung, eventualiter Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 3 StGB, evtl. Art. 144 Abs. 1 StGB), versuchte schwere Körperverletzung (Art. 122 Abs...;;A. Mehrfache Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB); qualifizierte Sachbeschädigung, eventualiter Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 3 StGB, evtl. Art. 144 Abs. 1 StGB)

B. Mehrfache Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB); qualifizierte Sachbeschädigung, eventualiter Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 3 StGB, evtl. Art. 144 Abs. 1 StGB), versuchte schwere Körperverletzung (Art. 122 Abs...;;A. Mehrfache Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB); qualifizierte Sachbeschädigung, eventualiter Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 3 StGB, evtl. Art. 144 Abs. 1 StGB)

B. Mehrfache Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB); qualifizierte Sachbeschädigung, eventualiter Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 3 StGB, evtl. Art. 144 Abs. 1 StGB), versuchte schwere Körperverletzung (Art. 122 Abs...;;

Urteil vom 20. März 2023 
Strafkammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Maric Demont, Vorsitz 

Martin Stupf und Stefan Heimgartner, 

Gerichtsschreiber David Heeb  

Parteien  BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch 

den Leitenden Staatsanwalt des Bundes Nils Eckmann 

 

und 

 

als Privatklägerschaft: 

 

1. SCHWEIZERISCHE BUNDESBAHNEN SBB, 

SBB Recht & Compliance – Strafrecht, 

 

2. E., 

 

3. F., 

 

 
gegen 

 

 

  
1. A., amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin Simone 

Gasser, 

 

2. B., amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Christian 

Kellenberger 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

Geschäftsnummer:  SK.2022.45 

- 2 - 

SK.2022.45 

Gegenstand  
Mehrfache Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige 

Gase in verbrecherischer Absicht; qualifizierte Sachbe-

schädigung, eventualiter Sachbeschädigung (A.) 

 

Mehrfache Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige 

Gase in verbrecherischer Absicht; qualifizierte Sachbe-

schädigung, eventualiter Sachbeschädigung; versuchte 

schwere Körperverletzung, eventualiter einfache Körper-

verletzung (B.) 

 

 

 

 

 

- 3 - 

SK.2022.45 

Anträge der Bundesanwaltschaft: 

1. A. 

 

1.1 A. sei schuldig zu sprechen: 

- der mehrfachen Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecheri-

scher Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB); 

- der Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 3 StGB). 

 

1.2 A. sei mit einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten zu bestrafen, unter Gewährung des 

bedingten Strafvollzugs mit einer Probezeit von 2 Jahren. 

 

 Die Haftdauer von 1 Tag sei an die Strafe anzurechnen. 

 

1.3 A. sei mit einer Verbindungsbusse von Fr. 1'800.-- zu bestrafen, bei schuldhaftem 

Nichtbezahlen ersatzweise mit einer Freiheitsstrafe von 60 Tagen. 

 

1.4 Von den Gesamtverfahrenskosten (Kosten des Vorverfahrens in der Höhe von 

Fr. 9'633.--) seien jene Verfahrenskosten betreffend Sachverhaltskomplex 1 

(Fr. 6'224.--, bestehend aus Fr. 6'000.-- Gebühren und Fr. 224.-- auferlegbarer Aus-

lagen) zzgl. die gerichtlich zu bestimmenden Kosten des Hauptverfahrens, A. auf-

zuerlegen, unter solidarischer Haftung mit B. für den gesamten Betrag  

(Fr. 6'224.--). 

 

2. B. 

 

2.1 B. sei schuldig zu sprechen: 

- der mehrfachen Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecheri-

scher Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB); 

- der Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 3 StGB); 

- der versuchten schweren Körperverletzung (Art. 122 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB). 

 

2.2 Die mit Urteil des Strafgerichts Basel-Stadt vom 28. Juli 2020 gegen B. wegen Ver-

gehens gegen das Betäubungsmittelgesetz (Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG), Hausfrie-

densbruchs (Art. 186 StGB), Fahrens in fahrunfähigem Zustand (Art. 91 Abs. 2 lit. c 

SVG), Missachtens des Verbots, unter Alkoholeinfluss zu fahren (Art. 91 Abs. 1 lit. 

b SVG) und Übertretens des Betäubungsmittelgesetzes (Art. 19a BetmG) bedingt 

ausgesprochene Geldstrafe in der Höhe von 240 Tagessätzen zu Fr. 100.-- sei nicht 

zu widerrufen (Art. 46 Abs. 2 StGB), jedoch sei die Probezeit um 1 Jahr zu verlän-

gern. 

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SK.2022.45 

2.3 B. sei mit einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten zu bestrafen. Der Vollzug der Strafe 

sei im Umfang von 20 Monaten aufzuschieben und die Probezeit auf 3 Jahre fest-

zusetzen. Im Übrigen sei die Freiheitsstrafe im Umfang von 10 Monaten zu vollzie-

hen. 

 

 Die Haftdauer von 1 Tag sei an die Strafe anzurechnen. 

 

2.4 Von den Gesamtverfahrenskosten (Kosten des Vorverfahrens in der Höhe von 

Fr. 9'633.--) seien zunächst jene Verfahrenskosten betreffend Sachverhaltskomplex 

1 (Fr. 6'224.--, bestehend aus Fr. 6'000.-- Gebühren und Fr. 224.-- auferlegbaren 

Auslagen) zzgl. die gerichtlich zu bestimmenden Kosten des Hauptverfahrens, B. 

aufzuerlegen, unter solidarischer Haftung mit A. für den gesamten Betrag (Fr. 

6'224.--). 

 

 Sodann seien von den Gesamtverfahrenskosten (Kosten des Vorverfahrens in der 

Höhe von Fr. 9'633.--) jene Verfahrenskosten betreffend Sachverhaltskomplex 2 

(Fr. 3'409.--, bestehend aus Fr. 3'000.-- Gebühren und Fr. 409.60 auferlegbaren 

Auslagen) zzgl. die gerichtlich zu bestimmenden Kosten des Hauptverfahrens, B. 

vollumfänglich aufzuerlegen. 

 

3. Beschlagnahmte Gegenstände und Datensicherungen 

 

3.1 Die folgenden Gegenstände bzw. Datensicherungen seien einzuziehen und als Be-

weismittel in den Akten zu belassen: 

 

Bezeichnung Gegenstand Inhaber 

Aktenstück (BA pag. 10-00-

0013) 

Edierte CD mit Videoüberwa-

chungssequenz vom Vorfall 

vom 1. August 2021 

Schweizerische Bundesbah-

nen SBB 

Ass-ID 100479 Forensische Datensicherung 

Mobiltelefon Samsung Galaxy 

S1, Model: SM-G973F 

B. 

Ass-ID 100478 Forensische Datensicherung 

Mobiltelefon Huawei P30 Mo-

del: MAR-LX1B 

A. 

ASS-ID 100477 Forensische Datensicherung 

Mobiltelefon Oppo Find X3 Neo 

5G, Model: CPH2207 

B. 

ASS-ID 100476 Forensische Datensicherung 

Mobiltelefon Samsung Galaxy 

S10, Model: SM-G973F 

B. 

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SK.2022.45 

4. Zivilklage 

 

4.1 Die Zivilklage von F. sei im Umfang von Fr. 1'000.-- gutzuheissen und B. sei zu 

verpflichten, F. innert 30 Tagen nach Rechtskraft des Urteils Fr. 1'000.-- zu bezah-

len. Im Übrigen seien die Zivilklagen auf den Zivilweg zu verweisen. 

 

5. Verteidigerkosten 

 

5.1 Rechtsanwältin Simone Gasser sei für die amtliche Verteidigung von A. in gerichtlich 

zu bestimmender Höhe aus der Kasse der Eidgenossenschaft zu entschädigen (Art. 

135 Abs. 1 StPO). 

 

 A. sei zu verpflichten, dem Bund die Entschädigung zurückzubezahlen, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

5.2 Rechtsanwalt Christian Kellenberger sei für die amtliche Verteidigung von B. in ge-

richtlich zu bestimmender Höhe aus der Kasse der Eidgenossenschaft zu entschä-

digen (Art. 135 Abs. 1 StPO). 

 

 B. sei zu verpflichten, dem Bund die Entschädigung zurückzubezahlen, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

6. Vollzug 

 

6.1 Der Kanton Aargau sei als Vollzugskanton zu bestimmen. 

 

 

Anträge der Privatklägerin Schweizerische Bundesbahnen SBB: 

 

(sinngemäss; TPF pag. 15-01-0059) 

 

A. und B. seien zu verpflichten, den Schweizerischen Bundesbahnen SBB als Schaden-

ersatz den Betrag von Fr. 23'200.53 zu bezahlen. 

 

 

 

 

 

 

  

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SK.2022.45 

Anträge des Privatklägers E.: 

 

(sinngemäss; TPF pag. 15-02-0001 ff.) 

 

A. und B. seien zu verpflichten, E. eine Genugtuung von Fr. 6'000.-- zu bezahlen. 

 

 

Anträge des Privatklägers F.: 

 

(sinngemäss; TPF pag. 15-03-0005) 

 

B. sei zu verpflichten, F. einen Schadenersatz sowie eine Genugtuung von je Fr. 1'000.-- 

zu bezahlen. 

 

 

Anträge der Verteidigung von A.: 

 

I. A. sei schuldig zu sprechen: 

 

1. der mehrfachen Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase ohne verbreche-

rische Absicht gemäss Art. 225 StGB, begangen am 1. August 2021 ab ca. 01:58 

Uhr, im fahrenden SBB-Zug auf der Strecke U. nach V.; 

 

2. der Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB, ebenfalls begangen am 1. Au-

gust 2021 ab ca. 01:58 Uhr, im fahrenden SBB-Zug auf der Strecke U. nach V.; 

 

und er sei in Anwendung der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen zu verur-

teilen: 

 

zu einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten, unter Gewährung des bedingten Strafvoll-

zugs und unter Anordnung einer Probezeit von zwei Jahren. 

 

II. Die Zivilklage der Privatklägerin Schweizerische Bundesbahnen SBB sei abzuwei-

sen. 

 

III. Die Zivilklage des Privatklägers E. sei abzuweisen. 

 

IV. Allfällige weitere Verfügungen seien von Amtes wegen zu erlassen. 

 

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SK.2022.45 

V. Die Verfahrenskosten seien anteilsmässig dem Beschuldigten A. aufzuerlegen und 

das Honorar der amtlichen Verteidigerin sei gemäss einzureichender Kostennote zu 

bestimmen. 

 

Anträge der Verteidigung von B.: 

 

I. B. sei schuldig zu erklären: 

 

1. der Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase ohne verbrecherische Absicht 

(Art. 225 Abs. 1 StGB), mehrfach begangen mit A. am 1. August 2021 ab ca. 01:58 

Uhr, im fahrenden SBB-Zug auf der Strecke U. nach V., kurz vor der Haltestelle W.; 

 

2. der Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 StGB), mehrfach begangen mit A. am  

1. August 2021 ab ca. 01:58 Uhr, im fahrenden SBB-Zug auf der Strecke U. nach 

V., kurz vor der Haltestelle W.; 

 

3. der einfachen Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB), begangen am 4. Dezember 

2021 um ca. 16:45 Uhr, auf einem Fussballplatz in X.; 

 

und in Anwendung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen zu verurteilen: 

 

1. zu einer Freiheitsstrafe von 9 Monaten, wobei der Vollzug aufzuschieben und die 

Probezeit auf 3 Jahre festzusetzen sei; dies unter Anrechnung der ausgestandenen 

Polizeihaft im Umfang von 1 Tag; 

 

2. zu einer Geldstrafe von 128 Tagessätzen zu je Fr. 80.--, ausmachend Fr. 10'240.--, 

wobei der Vollzug unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren aufzuschieben sei; 

 

3. zu einer Verbindungsbusse von Fr. 2'560.--. 

 

II. In Bezug auf das Widerrufsverfahren sei: 

 

1. der mit Urteil des Strafgerichts des Kantons Basel-Stadt vom 28. Juli 2020 bedingt 

gewährte Vollzug der Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu je Fr. 100.--, ausmachend 

Fr. 24'000.--, nicht zu widerrufen und 

 

2. B. zu verwarnen und die Probezeit sei um 2 weitere Jahre auf insgesamt 4 Jahre zu 

verlängern. 

 

III. Betreffend die geltend gemachten Zivilforderungen: 

 

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1. Die Zivilklage der Schweizerischen Bundesbahnen SBB sei vollumfänglich abzuwei-

sen. 

 

2. Die Zivilklage von E. sei vollumfänglich abzuweisen. 

 

3. Die Zivilklage von F. sei im Umfang von Fr. 1'000.-- gutzuheissen. Darüber hinaus 

sei die Zivilklage abzuweisen. 

 

IV. Des Weiteren: 

 

1. Die auf seinen Teil entfallenden Verfahrenskosten, einschliesslich jene des Wider-

rufsverfahrens, seien B. aufzuerlegen. 

 

2. Das Honorar des amtlichen Verteidigers sei gemäss eingereichter Kostennote zu 

bestimmen. 

 

3. Die weiteren gerichtlichen Verfügungen seien von Amtes wegen zu erlassen. 

 

Sachverhalt und Prozessgeschichte: 

A. Am 1. August 2021, zwischen 01:58 und 02:01 Uhr, wurden im fahrenden SBB-

Zug auf der Strecke von U. nach V. durch eine zunächst unbekannte Täterschaft 

drei Feuerwerkskörper gezündet und geworfen. Die pyrotechnischen Gegen-

stände explodierten in unmittelbarer Nähe von Zuggästen. Am 2. August 2021 

eröffnete die Staatsanwaltschaft Y. unter der Referenz ST.2021.2652 ein Straf-

verfahren gegen unbekannte Täterschaft wegen Gefährdung durch Sprengstoffe 

und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 224 StGB). Im Rahmen der 

Ermittlungen konnten A. und B. als mutmassliche Täter ausfindig gemacht wer-

den (BA pag. 10-01-0004 f., -0010). 

B. Am 5. Oktober 2021 stellte die Staatsanwaltschaft Y. eine Gerichtsstandsanfrage 

zu Handen der Bundesanwaltschaft, worauf Letztere am 12. Oktober 2021 be-

stätigte, das Verfahren in Bundeskompetenz weiterzuführen (BA pag. 02-00-

0001 f.). 

C. Am 27. Oktober 2021 fanden an den Wohnorten der Beschuldigten Hausdurch-

suchungen statt, wobei die beweisrelevanten elektronischen Datenträger von der 

Bundesanwaltschaft beschlagnahmt wurden (BA pag. 08-01-0001 ff.; 08-02-

0001 ff.). 

D. A. und B. befanden sich am 27. Oktober 2021 in Polizeihaft. 

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SK.2022.45 

E. Am 28. Oktober 2021 erstellte die Bundeskriminalpolizei (BKP) im Auftrag der 

Bundesanwaltschaft einen Bericht zur Auswertung der sichergestellten elektroni-

schen Daten auf den Handys (inkl. Clouds) der Beschuldigten. Die SBB AG er-

stellte ferner im Auftrag der Bundesanwaltschaft am 22. Februar 2022 einen 

schriftlichen Bericht zur Topologie der Feuerwerkskörper und Fahrgäste und er-

gänzte diesen am 16. März 2022. Die Bundesanwaltschaft holte ausserdem beim 

Forensischen Institut Zürich (nachfolgend: FOR) einen Kurzbericht zu den einge-

setzten pyrotechnischen Gegenständen, erstattet am 23. März 2022, ein (BA 

pag. 11-00-0004, -0012; 10-02-0001; 15-01-0024 ff., -0040 ff.). 

F. Gestützt auf die Strafanzeige von F. vom 4. Dezember 2021 führte die Staatsan-

waltschaft Basel-Landschaft unter der Referenz SB1 22 60 ein Strafverfahren 

gegen B. wegen einfacher Körperverletzung, eventualiter schwerer Körperverlet-

zung (BA pag. 10-03-0001; 18-02-0004). 

G. Am 22. April 2022 stellte die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft eine Gerichts-

standsanfrage zu Handen der Bundesanwaltschaft, worauf Letztere am 29. April 

2022 die Übernahme des Verfahrens bestätigte (BA pag. 02-00-0003 f.). 

H. Die Bundesanwaltschaft dehnte mit Verfügung vom 29. April 2022 das Strafver-

fahren auf den Tatbestand der versuchten schweren Körperverletzung (Art. 122 

i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), eventualiter leichte Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 

StGB) aus (BA pag. 01-00-0002). 

I. Mit Verfügung vom 3. Mai 2022 vereinigte die Bundesanwaltschaft das Verfahren 

in Bezug auf alle erwähnten Tatbestände gestützt auf Art. 26 Abs. 2 StPO in der 

Hand der Bundesbehörden (BA pag. 01-00-0003, -0005). 

J. Die Bundesanwaltschaft erhob am 28. September 2022 Anklage gegen A. und 

B. wegen mehrfacher Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbre-

cherischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB) und weiterer Delikte (TPF pag. 

4.100.001 ff.). 

K. Im Rahmen der Prozessvorbereitung holte die Strafkammer von Amtes wegen 

die erforderlichen Beweismittel zu den persönlichen und finanziellen Verhältnis-

sen der Beschuldigten (Strafregisterauszüge, Steuerunterlagen, Betreibungsre-

gisterauszüge) ein (TPF pag. 4.231.1.001 ff.; 4.232.2.001 ff.). 

L. Die Hauptverhandlung fand am 16. März 2023 in Anwesenheit der Bundesan-

waltschaft sowie der Beschuldigten und ihrer Verteidiger am Sitz des Bun-

desstrafgerichts statt. Die Privatklägerschaft verzichtete auf eine Teilnahme. Die 

an der Hauptverhandlung anwesenden Parteien verzichteten auf eine mündliche 

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SK.2022.45 

Urteilseröffnung. Der Vorsitzende wies darauf hin, dass das Dispositiv sofort 

nach der Urteilsberatung zugestellt wird (TPF pag. 4.720.007). 

 

Die Strafkammer erwägt: 

1. Prozessuales 

1.1 Bundesgerichtsbarkeit ist in Bezug auf den Straftatbestand der Gefährdung 

durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 

StGB) gestützt auf Art. 23 Abs. 1 lit. d StPO gegeben. Die weiteren Tatbestände 

(Sachbeschädigung; schwere Körperverletzung, eventualiter einfache Körper-

verletzung) unterliegen gemäss Art. 22 StPO grundsätzlich kantonaler Gerichts-

barkeit; diesbezüglich erfolgte mit Verfügung vom 3. Mai 2022 gestützt auf Art. 26 

Abs. 2 StPO eine Vereinigung zur Strafverfolgung und Beurteilung der Taten in 

der Hand der Bundesbehörden (vgl. Sachverhalt und Prozessgeschichte, lit. I). 

Demnach ist für alle angeklagten Taten Bundesgerichtsbarkeit gegeben. 

Die Kompetenz des Kollegialgerichts der Strafkammer ergibt sich aus Art. 19 

Abs. 2 StPO e contrario i.V.m. Art. 36 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Or-

ganisation der Strafbehörden des Bundes vom 19. März 2010 (StBOG; 

SR 173.71). 

1.2 Verwertbarkeit der Aussagen der Beschuldigten 

1.2.1 Die Beschuldigten A. und B. sind Halbbrüder. Sie wurden in den Einvernahmen 

im Vorverfahren u.a. jeweils auch zum inkriminierten Verhalten ihres Halbbruders 

befragt. Es stellt sich daher die Frage, ob die Bundesanwaltschaft verpflichtet 

gewesen wäre, A. vor seinen Einvernahmen vom 27. Oktober 2021 sowie 11. 

April 2022 sowie B. vor seiner Einvernahme vom 27. Oktober 2021 aufgrund ihrer 

verwandtschaftlichen Verbindung auf ihr spezifisches Aussageverweigerungs-

recht zum Verhalten ihres mitbeschuldigten Halbbruders hinzuweisen. Falls dies 

bejaht würde, wäre weiter zu prüfen, ob und inwieweit eine Verletzung der ge-

setzlichen Hinweispflicht im konkreten Einzelfall zu einem Beweisverwertungs-

verbot führt. 

1.2.2 Gemäss Art. 158 Abs. 1 StPO weisen Polizei oder Staatsanwaltschaft die be-

schuldigte Person zu Beginn der ersten Einvernahme in einer ihr verständlichen 

Sprache darauf hin, dass gegen sie ein Vorverfahren eingeleitet worden ist und 

welche Straftaten Gegenstand des Verfahrens bilden (lit. a), und dass sie die 

Aussage und die Mitwirkung verweigern kann (lit. b). Gemäss Art. 143 Abs. 1 

lit. c StPO sind alle einzuvernehmenden Personen «umfassend» über ihre 

Rechte und Pflichten zu belehren. Im Gegensatz zum Zeugnisverweigerungs-

recht von Personen, die als Zeugen oder Zeuginnen zu befragen sind (Art. 162 

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SK.2022.45 

ff. StPO), ist das generelle Aussageverweigerungsrecht der Beschuldigten nach 

Art. 113 Abs. 1 und Art. 158 Abs. 1 lit. b StPO nicht auf im Gesetz abschliessend 

genannte spezifische Personen (etwa nahe Angehörige, Art. 168 Abs. 1-3 StPO) 

und Sachverhalte beschränkt. Es schliesst sowohl die Aussagen der beschuldig-

ten Person zu ihrem eigenen Verhalten ein (sog. Selbstbelastungsprivileg bzw. 

«nemo tenetur»-Grundsatz) als auch Aussagen zum Verhalten von Mitbeschul-

digten oder etwelcher anderer Drittpersonen (darunter naher Angehöriger). Ein-

vernahmen ohne hinreichende Hinweise auf das Aussageverweigerungsrecht 

der beschuldigten Person sind nicht verwertbar (Art. 158 Abs. 2 StPO) (vgl. Urteil 

des Bundesgerichts 1B_56/2021 vom 5. Oktober 2021 E. 3.1). 

Beschuldigte Personen können auch zum Verhalten von Drittpersonen befragt 

werden, zugunsten derer das Gesetz ein Zeugnisverweigerungsrecht vorsieht. 

Dies gilt insbesondere für Aussagen zum Verhalten von mitbeschuldigten bzw. 

indirekt mitverdächtigen nahen Angehörigen, etwa Ehepartnern, Geschwistern 

oder Stiefgeschwistern der beschuldigten Person (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

1B_56/2021 vom 5. Oktober 2021 E. 4.1). Es drängt sich in casu die Frage auf, 

ob die Beschuldigten im Vorverfahren – über ihr persönliches Selbstbelastungs-

privileg hinaus –gegebenenfalls auch noch auf ein spezifisches Aussageverwei-

gerungsrecht betreffend nahe Angehörige (Halbgeschwister) hätten aufmerksam 

gemacht werden müssen. 

Das Bundesgericht hat in einem ähnlich gelagerten Fall entschieden, dass die 

beschuldigte Ehefrau von Bundesrechts wegen einen Anspruch darauf hatte, vor 

der Befragung zum Verhalten ihres mitbeschuldigten Ehemannes auf ihr diesbe-

zügliches spezifisches Aussageverweigerungsrecht (Art. 158 Abs. 1 lit. b i.V.m. 

Art. 168 Abs. 1 lit. a und Art. 177 Abs. 3 Satz 1 StPO) hingewiesen zu werden 

und dass eine Verletzung der Hinweispflicht zu einem partiellen Beweisverwer-

tungsverbot führt (Art. 158 Abs. 2 i.V.m. Art. 177 Abs. 3 Satz 2 StPO) (vgl. Urteil 

des Bundesgerichts 1B_56/2021 vom 5. Oktober 2021 E. 4.5). Da Art. 168 Abs. 

1 lit. d StPO unter anderem ein spezifisches Aussageverweigerungsrecht bei 

Stiefgeschwistern vorsieht, bei welchen keine Blutsverwandtschaft vorliegt, gilt 

ein solches auch bei Halbbrüdern. Das Bundesgericht erwog, dass nach dem 

Sinn und Zweck der gesetzlichen Regelung und in Nachachtung eines wirksa-

men Rechtsschutzes der Betroffenen in einer solchen Konstellation «doppelt» zu 

belehren sei. Ein blosser Hinweis auf das allgemeine Aussageverweigerungs-

recht mit Selbstbelastungsprivileg reichte im vom Bundesgericht entschiedenen 

Fall nicht aus, was zu einem absoluten Beweisverwertungsverbot der Aussagen 

der beschuldigten Ehefrau zum Verhalten ihres beschuldigten Ehemannes 

führte. 

Die erwähnte bundesgerichtliche Rechtsprechung zum spezifischen Aussage-

verweigerungsrecht hat vorliegend ebenfalls ein partielles Beweisverwertungs-

verbot zu Folge. Im Ergebnis besteht in Bezug auf die vorgenannten Einvernah-

men (E. 1.2.1) ein absolutes Beweisverwertungsverbot der Aussagen von A. zum 

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SK.2022.45 

inkriminierten Verhalten von B. und umgekehrt, soweit sie sich mit ihren Aussa-

gen belasten. 

2. Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Ab-

sicht (Art. 224 Abs. 1 StGB) 

2.1 Anklagevorwurf 

Die Bundesanwaltschaft wirft den Beschuldigten vor, sie hätten am 1. August 

2021 zwischen 01.58 und 02.01 Uhr in einem fahrenden SBB-Zug auf der Stre-

cke U. nach V. kurz vor der Haltestelle W. (teilweise gemeinsam) drei Feuer-

werksraketen gezündet und zur Explosion gebracht. Hierbei habe A. den Lenk-

stab der Feuerwerksrakete 1 weggenommen, diese entzündet und vor sich auf 

den Boden des Ganges des Bahnwagens geworfen. 

A. habe bereits im Rahmen des Abfeuerns der Feuerwerksrakete 1 und unmit-

telbar danach B. zum Abfeuern von weiteren Feuerwerksraketen angespornt. B. 

habe dann die Feuerwerksrakete 2 A. entgegengestreckt, welcher diese ange-

zündet habe. Daraufhin habe B. die entzündete Feuerwerksrakete 2 vor sich auf 

den Boden des Bahnganges geworfen. 

Schliesslich habe B. den Lenkstab der Feuerwerksrakete 3 weggenommen, 

diese angezündet und vor sich auf den Boden des Ganges des Bahnwagens 

geworfen. A. habe wiederum beim Abfeuern der Feuerwerksrakete motivierend 

auf B. eingewirkt und so durch seine psychische Tatbeteiligung einen wesentli-

chen Beitrag zum Abfeuern der Feuerwerksrakete geleistet. 

Die Feuerwerksraketen seien durch die unsachgemässe Verwendung unkontrol-

liert in Richtung von Menschen abgegangen und mit einer zufälligen Flugbahn, 

teilweise leicht abgelenkt von Hindernissen im Bahnwagen, über eine Distanz 

von einigen Metern (Feuerwerksrakete 1: 9 - 10 Metern; Feuerwerksrakete 2: 5 - 

6 Metern; Feuerwerksrakete 3: 6 - 8 Metern) durch den Gang geschossen. Die 

Feuerwerkskörper seien in unmittelbarer Nähe der sich in der Flugrichtung be-

findlichen Menschen mit einem Knall- und Leuchteffekt mit einem Radius von 2 - 

3 Metern und mit erheblichem Verletzungs- und Zerstörungspotential explodiert. 

Es sei unmöglich gewesen vorherzusagen, wo genau die abgeschossenen Feu-

erwerksraketen im Bahnwagen hinfliegen und explodieren würden, weil die Flug-

bahn von den Hindernissen im Bahnwagen abhängig gewesen sei. Die sich in 

Richtung der Feuerwerksraketen befindlichen Menschen seien aufgrund ihrer 

örtlichen Nähe zur Flugbahn und zum Explosionspunkt an Leib und Leben konk-

ret gefährdet worden. Es sei lediglich dem Zufall geschuldet, dass diese Perso-

nen keine potentiell schweren Körperverletzungen erlitten hätten. 

- 13 - 

SK.2022.45 

Hierbei hätten die Beschuldigten gewusst, dass von den Feuerwerkskörpern ein 

erhebliches Verletzungs- und Zerstörungspotential ausgegangen sei, wenn sie 

in der Nähe von Menschen oder fremdem Eigentum explodieren würden. Sie hät-

ten gewusst, dass es vom Zufall abhängig gewesen sei, ob die Feuerwerksrake-

ten Menschen treffen oder in der Nähe von ihnen explodieren würden und es 

zufolge der Explosionen zu Sachschaden kommen könnte. Ihnen sei auch be-

wusst gewesen und sie hätten zumindest billigend in Kauf genommen, dass die 

in Richtung der Feuerwerksraketen befindlichen Menschen potenziell schwere 

lebensgefährliche Körperverletzungen erleiden und Sachen potenziell geschä-

digt würden. Die Beschuldigten hätten mithin wissentlich und willentlich sowie in 

verbrecherischer Absicht gehandelt. 

Die Beschuldigten bestreiten einzig den Gefährdungsvorsatz und die verbreche-

rische Absicht. Ansonsten wird der Anklagevorwurf im Wesentlichen anerkannt. 

2.2 Rechtliches 

2.2.1 Nach Art. 224 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer vorsätzlich und in verbreche-

rischer Absicht durch Sprengstoffe oder giftige Gase Leib und Leben von Men-

schen oder fremdes Eigentum in Gefahr bringt. 

2.2.2 Objektiver Tatbestand 

2.2.2.1 Der Sprengstoffbegriff gemäss Art. 224 Abs. 1 StGB deckt sich im Wesentlichen 

mit dem Begriff im Bundesgesetz über explosionsgefährliche Stoffe vom 

25. März 1977 (Sprengstoffgesetz, SprstG; SR 941.41). Als Sprengstoffe gelten 

gemäss Art. 5 Abs. 1 SprstG «einheitliche chemische Verbindungen oder Gemi-

sche solcher Verbindungen, die durch Zündung, mechanische Einwirkung oder 

auf andere Weise zur Explosion gebracht werden können und die wegen ihrer 

zerstörenden Kraft, sei es in freier oder verdämmter Ladung, schon in verhältnis-

mässig geringer Menge gefährlich sind». Darunter fallen Stoffe gemäss Art. 2 der 

Verordnung über explosionsgefährliche Stoffe vom 27. November 2000 (Spreng-

stoffverordnung, SprstV; SR 941.411). Die Definition in Art. 5 Abs. 1 SprstG gilt 

auch für die Art. 224-226 StGB, wobei das Merkmal der zerstörerischen Kraft 

entscheidend ist (BGE 104 IV 232 E. Ia; 103 IV 241 E. I.1; statt vieler: Urteile des 

Bundesstrafgerichts SK.2019.35 vom 6. September 2019 E. 2.2.2; SK.2015.28 

vom 7. April 2016 E. 4.1; TRECHSEL/CONINX, Schweizerisches Strafgesetzbuch, 

Praxiskommentar, 4. Aufl. 2021, Art. 224 StGB N. 2; ROELLI, Basler Kommentar, 

4. Aufl. 2019, Art. 224 StGB N. 4). 

Feuerwerkskörper und andere gebrauchsfertige Erzeugnisse mit einem Explosiv- 

oder Zündsatz, die nicht zum Sprengen bestimmt sind, gelten als pyrotechnische 

Gegenstände (Art. 7 SprstG). Sie fallen nicht unter den Sprengstoffbegriff von 

Art. 5 SprstG. Pyrotechnische Gegenstände sind daher grundsätzlich nicht als 

- 14 - 

SK.2022.45 

Sprengstoff im Sinne von Art. 224 Abs. 1 StGB zu qualifizieren. Ausgenommen 

sind Erzeugnisse, die besonders grosse Zerstörungen bewirken oder zum Zwe-

cke der Zerstörung verwendet werden (Urteile des Bundesgerichts 6B_79/2019 

vom 5. August 2019 E. 1.5.1; 6B_1248/2017 vom 21. Februar 2019 E. 4.2.5; 

6B_299/2012 vom 20. September 2012 E. 2.2; BGE 104 IV 232 E. 1a; Urteile 

des Bundesstrafgerichts SK.2021.28 vom 17. Dezember 2021 E. 3.2.1; 

SK.2019.35 vom 6. September 2019 E. 2.2.2; SK.2017.17 vom 9. August 2017 

E. 4.1.1; SK.2015.28 vom 7. April 2016 E. 4.2). 

2.2.2.2 Art. 224 StGB ist ein konkretes Gefährdungsdelikt und setzt objektiv voraus, dass 

der Täter durch Sprengstoffe oder giftige Gase Leib und Leben von Menschen 

oder fremdes Eigentum konkret in Gefahr bringt (Urteile des Bundesgerichts 

6B_79/2019 vom 5. August 2019 E. 1.2.2; 6B_1248/2017 vom 21. Februar 2019 

E. 4.2.5; BGE 115 IV 111 E. 3b S. 113; 103 IV 241 E. I.1). Die konkrete Gefähr-

dung ist gegeben, wenn eine Verletzung nicht nur möglich, sondern nach dem 

gewöhnlichen Lauf der Dinge wahrscheinlich ist (Urteil des Bundesgerichts 

6B_79/2019 vom 5. August 2019 E. 1.1.2; BGE 103 IV 241 E. I.1). Massgebend 

sind die tatsächlichen Umstände des konkreten Falles. Die Gefahr muss nicht 

einer Mehrzahl von Personen oder Sachen von grosser Substanz gelten; es ge-

nügt die gezielte Gefährdung eines Menschen oder einer fremden Sache, aber 

gemäss der jüngsten bundesgerichtlichen Rechtsprechung ausschliesslich unter 

der Voraussetzung, dass sie nicht im Voraus individuell bestimmt, sondern vom 

Zufall ausgewählt ist. Die besondere Verwerflichkeit des gemeingefährlichen De-

likts wird erst dadurch begründet, dass die Opfer unbeteiligte Drittpersonen sind, 

die nicht individuell ausgewählt wurden und für den Täter als Repräsentanten der 

Allgemeinheit erscheinen. Um die Allgemeinheit zu repräsentieren, müssen die 

Rechtsgüter vom Zufall ausgewählt sein, selbst wenn im Augenblick des Angriffs 

bereits feststeht, wen es treffen kann (BGE 148 IV 242 E. 2 f. [sog. Repräsenta-

tionstheorie]). Wie die Gefährdung zu erfolgen hat, umschreibt das Gesetz nicht. 

Für die Erfüllung des Tatbestandes genügt jeder wie auch immer geartete Um-

gang mit Sprengstoff oder giftigen Gasen, sofern nur der Gefährdungserfolg ein-

tritt (Urteile des Bundesgerichts 6B_79/2019 vom 5. August 2019 E. 1.1.2; 

6B_1248/2017 vom 21. Februar 2019 E. 4.2.5 mit Hinweisen). Allerdings ist an-

gesichts der hohen Strafdrohung und des Umstands, dass der Tatbestand schon 

im Falle der Gefährdung einer einzigen, individuell bestimmten Person erfüllt sein 

kann, eine eher grosse Wahrscheinlichkeit der Verletzung von Leib, Leben sowie 

Eigentum und damit eine eher nahe Gefahr erforderlich (Urteile des Bundesge-

richts 6B_79/2019 vom 5. August 2019 E. 1.1.2; 6B_1248/2017 vom 21. Februar 

2019 E. 4.4.2 mit Hinweisen). 

2.2.3 In subjektiver Hinsicht erfordert Art. 224 Abs. 1 StGB zunächst Gefährdungsvor-

satz. Dieser liegt vor, sobald der Täter die Gefahr kennt und trotzdem handelt. 

Nicht erforderlich ist, dass der Täter die Verwirklichung der Gefahr, sei es auch 

nur eventuell, gewollt hat. Sodann ist eine verbrecherische Absicht verlangt. 

- 15 - 

SK.2022.45 

Diese besteht darin, dass der Täter den Sprengstoff einsetzt, um vorsätzlich ein 

darüberhinausgehendes Verbrechen oder Vergehen zu verüben (Urteile des 

Bundesgerichts 6B_79/2019 vom 5. August 2019 E. 1.2.3; 6B_1248/2017 vom 

21. Februar 2019 E. 4.2.5). 

2.3 Beweismittel 

2.3.1 Videoaufnahmen 

Die Staatsanwaltschat Y. stellte die Videoaufnahmen vom inkriminierten Vorfall 

in den SBB-Bahnwagen C und D (fahrender SBB-Zug auf der Strecke U. nach 

V.) sicher (BA pag. 10-01-0004 f.). Die Videoaufnahme mit dem Titel «Cam5-

W2_Trim» zeigt im Wesentlichen, wie die Beschuldigten im Bahnwagen D die 

Feuerwerkskörper entzünden und durch den Gang in Richtung Bahnwagen C 

abfeuern. Auf dem Videomaterial mit dem Titel «Cam10-W3_Trim» ist der Bahn-

wagen C mit den übrigen Zugspassagieren und den explodierenden Feuerwerks-

körpern ersichtlich. 

2.3.1.1 Zur Vorgeschichte ist im Videomaterial mit dem Titel «Cam5-W2_Trim» (Standort 

Beschuldigte) zu sehen, wie die Beschuldigten und eine dritte Person am 1. Au-

gust 2021 um 01:37:38 Uhr den Zug besteigen. A. hat eine ½ Liter Bierdose in 

der Hand. Die Beschuldigten befinden sich in einem Viererabteil des Bahnwa-

gens D, als der Privatkläger E. um 01.38:06 Uhr mit einem farblich auffälligen 

Pullover an ihnen im Gang vorbeiläuft. Die Videosequenz zeigt, dass sowohl A. 

wie auch B. diesen Zugpassagier mit den Augen anvisieren, als dieser an ihnen 

vorbeiläuft. Die Drittperson sitzt im gegenüberliegenden Viererabteil und hat eine 

Einkaufstüte mit Feuerwerkskörpern bei sich. A. begibt sich zur Drittperson. Er 

behändigt sich ohne zu fragen einen Feuerwerkskörper und entfernt den Holz-

stiel. Er zündet den Feuerwerkskörper im Zug und wirft diesen um 01:38:40 Uhr 

aus dem Türportal auf den Bahnsteig, wo dieser 7 Sekunden später explodiert. 

Der Zug fährt los. Anschliessend entwendet er weitere vier Feuerwerkskörper 

von der Drittperson. Er begibt sich in das Viererabteil im Zug, wo B. bereits sitzt. 

A. entwendet sitzend wiederum die Holzstiele der Feuerwerksraketen. Während-

dessen holt B. eine zweite ½ Liter Bierdose hervor. Die Beschuldigten trinken 

gemeinsam Bier und konsumieren eine nicht identifizierbare Substanz von der 

Ablagefläche durch die Nase. B. steht mit der Bierdose auf und schaut den Gang 

in Fahrtrichtung hinunter zu den anderen Zugspassagieren, bevor er sich wieder 

zu A. setzt. Die Beschuldigten unterhalten sich fortlaufend und schauen gele-

gentlich auf ihr Handy. A. steigt um 01:55:28 Uhr aus dem kurz anhaltenden Zug 

aus und wirft wiederum einen Feuerwerkskörper auf den Bahnsteig. Der Feuer-

werksköper explodiert wenige Sekunden später. B. filmt das Ganze vom Inneren 

des Zuges heraus. A. steigt wieder in den Zug und setzt sich zu B. A. steht auf 

und blickt durch den Gang in Richtung Bahnwagen C. Er beginnt gestenreich mit 

ausgestrecktem Arm und Sprechchören in Richtung der übrigen Fahrgäste zu 

skandieren. Aufgrund der Schatten, welche im Hintergrund der Videosequenz zu 

- 16 - 

SK.2022.45 

sehen sind, befanden sich Zugpassagiere in unmittelbarer Nähe der Beschuldig-

ten im Bahnwagen C. 

Zum Tathergang ist in der Videosequenz zu sehen, wie A. um 01:58:44 Uhr sich 

anschickt, eine weitere Feuerwerksrakete aus der Einkaufstüte der Drittperson 

zu entnehmen. Während rund 17 Sekunden schlägt ihm dabei B. auf die Hände 

und will ihn davon abhalten. Schliesslich entnimmt B. um 1:59:39 Uhr selbst ei-

nen Feuerwerkskörper aus der Tüte der Drittperson. Er bricht den Lenkstab der 

Feuerwerksrakete ab und wirft ihn auf den Gang des Bahnwagens. Um 02:00:30 

Uhr steht A. im Gang auf der Höhe des Viererabteils und zündet den Feuerwerks-

körper 1. Er schaut den Gang hinunter und wirft den Feuerwerkskörper gezielt in 

den Gang. Daraufhin setzt er sich in das Viererabteil und filmt 5 Sekunden später 

auf seinem Handy die Explosion, welche sich um 02:00:38 Uhr ereignet. B. steht 

die ganze Zeit im Gang und beobachtet die Explosion. Um 02:00:42 Uhr steckt 

B. die Feuerwerksrakete 2 A. entgegen, welcher diese anzündet. B. wirft diese 

um 02:00:54 Uhr rund 4 Meter vor sich auf den Boden des Ganges des Bahnwa-

gens. Um 02:00:59 Uhr geht die Rakete mit einer unkontrollierten Flugbahn im 

Gang los. Der Flugköper fliegt willkürlich dem Gang und Boden entlang in Rich-

tung dem nächsten Bahnwagen C. B. bringt sich beim Ausgang im Bahnwagen 

D. in Schutz und lacht. Währenddessen filmt A. das Geschehen auf seinem 

Handy. Im Gang sind durch den freigesetzten Blitzknallsatz explodierende blitz-

artige Leuchteffekte erkennbar und es breitet sich im Bahnwagen D. starker 

Rauch aus. Die Beschuldigten bejubeln die Explosion und skandieren mit ausge-

streckten Händen Richtung Explosionsort. A. filmt die Rauchentwicklung. Um 

02:01:35 Uhr wirft B. die Feuerwerksrakete 3, bei welchem zuvor der Lenkstab 

entfernt wurde, den Gang herunter. Er geht wiederum beim Ausgang hinter eine 

Trennwand in Deckung und kniet dabei nieder. Der Feuerwerkskörper 3 explo-

diert und es sind durch den freigesetzten Blitzknallsatz starke feuer- und blitzar-

tige Leuchteffekte erkennbar. Im Zugwagen D ist eine massive Rauchentwick-

lung sichtbar. Um 02:01:54 Uhr hält der Zug und die Beschuldigten steigen leicht 

schwankend aus. 

2.3.1.2 Das Videomaterial mit dem Titel «Cam10-W3_Trim» zeigt, wie am 1. August 

2021 um 01:58:47 Uhr zwei Passagiere in den Bahnwagen C einsteigen. Wie 

nachfolgend noch aufgezeigt wird (E. 2.3.4.1 f.), handelt es sich dabei um G. und 

H. Sie setzen sich nebeneinander in ein Viererabteil. Im Viererabteil gegenüber 

sitzt bereits eine unbekannte Person. Im Viererabteil dahinter sitzt eine männli-

che Person. Es handelt sich dabei um den Privatkläger E. Sämtliche Passagiere 

sitzen in Fahrtrichtung mit Blick Richtung Zugswagen C. Um 02:00:36 Uhr 

schiesst die Feuerwerksrakete unkontrolliert dem Boden entlang durch den Gang 

des Wagens C. Der Feuerwerkskörper kollidiert willkürlich an Kanten und Abde-

ckungen des Bahnwagens und schiesst an den Zuggästen vorbei. Schliesslich 

schiesst der Knallkörper unter Sitzflächen hindurch und explodiert um 02:00.38 

- 17 - 

SK.2022.45 

Uhr mit einem blitzartigen Leuchteffekt bei den Zugstüren. Die Passagiere er-

schrecken sich und versuchen sich in Sicherheit zu bringen. Auf der Videose-

quenz ist eine starke Rauchentwicklung sichtbar. E. bewegt sich zum Türportal. 

Im Hintergrund ist im Gang um 02:01:02 Uhr ein weiterer blitzartiger Leuchteffekt 

von der Feuerwerksrakete 2 erkennbar. Sämtliche Passagiere verlassen sichtlich 

schockiert ihre Sitzplätze und laufen den Gang im Zug entgegen der Fahrtrich-

tung hinunter. Um 02:01:42 Uhr schiesst der Feuerwerkskörper 3 mit einem grel-

len Leuchteffekt durch den Gang des Zugswagens in Richtung der Zugpass-

agiere. Der Explosionsort ist nicht sichtbar, da er ausserhalb des Videokamera-

feldes liegt. Es ist eine zunehmende starke Rauchentwicklung erkennbar. 

2.3.2 Schriftliche Berichte der Schweizerischen Bundesbahnen SBB 

Die Schweizerischen Bundesbahnen SBB erstellten im Auftrag der Bundesan-

waltschaft einen Bericht vom 22. Februar 2022 zum inkriminierten Vorfall im Zug 

und ergänzten diesen am 16. März 2022 (BA pag. 15-01-0016, -0044). Sie zeich-

neten anhand der sichergestellten Videoaufnahmen (E. 2.3.1) auf Grundrissplä-

nen der Bahnwagen C und D die Position der Fahrgäste sowie die Explosionsorte 

ein. Die Übersichtspläne im Format A4 wurden im Massstab 1:120 erstellt. Auf 

den Plänen ist ersichtlich, dass sich die Beschuldigten im Bahnwagen D befan-

den. Sie feuerten von dort aus die drei Feuerwerkskörper durch den Gang des 

Bahnwagens in den Bahnwagen C. Dort befanden sich vier Zugspassagiere in 

unmittelbarer Nähe der Explosionsorte. Anhand der Angaben in den Grundriss-

plänen sowie des Massstabs lässt sich berechnen, in welcher Entfernung die 

Feuerwerkskörper von den Zuggästen explodierten. Auf die Distanzen wird im 

einschlägigen Kontext im Zusammenhang mit der konkreten Gefährdungslage 

näher eingegangen (E. 2.4.1). 

2.3.3 Aussagen der Beschuldigten 

2.3.3.1 Der Beschuldigte A. wurde im Vorverfahren von der Bundesanwaltschaft am  

27. Oktober 2021 und 11. April 2022 einvernommen (BA pag. 13-01-0005 ff., -

0020 ff.). 

Zum Tathergang sagte A. wie folgt aus: Er sei am 1. August 2021 mit seinem 

Halbbruder im Zug gewesen. Im Zug habe er von einer Person das Feuerwerk 

behändigt. Das Feuerwerk sei im Zug abgelassen worden. Er wisse aber nicht 

mehr genau, was passiert sei. Zum «wie, wo und wann», wisse er nichts mehr. 

Man sehe es aber auf den Videoaufnahmen. Auf Vorhalt einer Videosequenz mit 

einer Person beim Anzünden und Abfeuern des Feuerwerkskörpers 1 («Cam5 –

W2-Trim» [Sicht Täter: 28:50-29:11]) sagte er aus, dass er nicht abstreiten 

könne, dass er das sei. Auf Vorhalt eines weiteren Videoausschnitts, auf dem er 

beim Anzünden des Feuerwerkskörpers 2 zu sehen ist («Cam5 – W2-Trim» 

[Sicht Täter: 29:15-29:30]), gab er zu Protokoll, dass er so etwas nüchtern nie 

machen würde. Zu den vorgespielten Videosequenzen zum Feuerwerkskörper 3 

- 18 - 

SK.2022.45 

(«Cam10 – W3_Trim» [Sicht Zugspassagiere: 04:30-04:35]) räumte er ein, dass 

er sich nichts überlegt und den «Scheiss» einfach gemacht habe. 

In Bezug auf sein Motiv sagte er aus, dass «der Kopf abgestellt» und er sich 

nichts überlegt habe. In diesem Zeitpunkt habe er nicht gewusst, was er gemacht 

habe. Er habe gar nicht so weit gedacht, dass jemand im Zug sitzen und zu Scha-

den kommen könnte. Der Zug sei ja fast leer gewesen. Zum Vorwurf, dass er 

durch den Wurf des angezündeten Feuerwerkskörpers bzw. durch die ganze Ak-

tion mit B. die Zugpassagiere ernsthaft an Leib und Leben gefährdet habe, wollte 

er nichts sagen. Die Frage, ob er sich überlegt habe, was den übrigen Passagie-

ren passieren könnte, wenn er im Zug Feuerwerkskörper abfeuere, verneinte er. 

Heute verstehe er nicht, warum er das gemacht habe. Er habe weder Privatper-

sonen verletzen noch die SBB schädigen wollen. Weiter gab er mehrmals an, 

dass er zu viel Alkohol getrunken gehabt habe. An diesem Abend habe er 7 bis 

10 Liter Bier und zusätzlich Schnaps getrunken. 

Zum Gefährdungspotenzial von Feuerwerkskörpern befragt, erklärte der Be-

schuldigte, dass er die Wirkungsweise eines typischen Feuerwerkskörpers ei-

gentlich schon kenne. Zu den einzuhaltenden Sicherheitsregeln bei Feuerwerks-

körpern sagte er aus, dass man wahrscheinlich Abstand halten und diese im 

Freien ablassen müsse. Er habe wahrscheinlich die Sicherheitsregeln beim Vor-

fall im Zug nicht beachtet. Auch räumte er ein, dass es Verletzte geben könne, 

wenn beim Abfeuern von Feuerwerkskörpern die Sicherheitsregeln nicht beach-

tet würden. Im Moment des Ablassens der Feuerwerkskörper habe er nicht ge-

wusst, wo diese hinfliegen und explodieren würden (BA pag. 13-01-0007 f.,  

-0010, -0014, -0021, -0024, -0030). 

An der Hauptverhandlung vom 16. März 2023 sagte er im Wesentlichen gleich-

bleibend aus (TPF pag. 4.731.007, -012). 

2.3.3.2 B. wurde im Vorverfahren von der Bundesanwaltschaft am 27. Oktober 2021 und 

11. April 2022 einvernommen (BA pag. 13-02-0005 ff., -0023 ff.). 

B. sagte zum Tathergang wie folgt aus: Er sei mit seinem Halbbruder am 1. Au-

gust 2021 im Zug von Z. nach UU. gewesen. Beim Einsteigen in den Zug hätten 

sie gesehen, dass auch andere Personen eingestiegen seien. Es sei die dumme 

Idee aufgekommen, Feuerwerkskörper zu zünden. Daraufhin hätten er und sein 

Halbbruder das Feuerwerk im Zug gezündet. Sie hätten beide so ein «Ding» an-

gezündet. Nachdem sie die Böller im Zug angezündet hätten, seien sie nach 

Hause gegangen. Er habe gesehen, wie der erste Feuerwerkskörper explodiert 

sei. Zum ersten abgefeuerten Feuerwerkskörper befragt, erklärte B., dass er da-

von ausgegangen sei, dass ein Feuerwerkskörper ohne Holzstab nicht so weit 

fliegen, sondern viel eher explodieren würde. Er habe dann einen Feuerwerks-

körper nach vorne in den Gang geworfen, welcher nur circa einen Meter geflogen 

- 19 - 

SK.2022.45 

sei. Es sei für ihn unverständlich, dass er nochmals einen Feuerwerkskörper ge-

worfen habe. Er habe maximal zwei Feuerwerkskörper gezündet. Weiter bestä-

tigte er, nach dem zweiten Feuerwerkskörper den dritten gezündet und in den 

Wagen des Zuges geworfen zu haben. 

Zu seinen Beweggründen gab er zu Protokoll, dass er und sein Halbbruder am 

gleichen Abend den Vorfall nochmals besprochen hätten und zum Schluss ge-

kommen seien, dass es eine dumme Aktion gewesen sei. Er habe so halbwegs 

gewusst, dass er Feuerwerk im Zug abgelassen habe. Es sei eine spontane Idee 

gewesen. Sie hätten es einfach lustig gefunden, aber ohne Vorsatz gehandelt. 

Sie hätten die anderen Passagiere nicht verletzen wollen. Er wisse nicht, warum 

sie dies getan hätten. Sie hätten beim Abfeuern der Feuerwerkskörper einen 

«kleinen Spass» gehabt. Die anderen Passagiere hätten nicht die oberste Prio-

rität gehabt. Auf Frage, ob es ihm egal gewesen sei, mit den von ihm geworfenen 

zwei Feuerwerkskörpern Passagiere zu verletzen, sagte er aus: «Ja». Weiter gab 

er mehrmals an, dass er und sein Halbbruder alkoholisiert gewesen seien. Er 

habe ca. 10 Bier à 5dl und noch ein paar Jägermeister getrunken. Er habe aber 

eine Konversation führen können. Damit er beim Vorfall nicht mehr hätte laufen 

und reden können, hätte es noch ein bisschen mehr Schnaps gebraucht. 

Zum Gefährdungspotenzial sagte er aus, er habe schon angenommen, dass die 

Feuerwerkskörper weiter nach vorne fliegen und explodieren würden. Er habe 

aber im Moment des Ablassens der Feuerwerkskörper nicht genau gewusst, wo-

hin diese fliegen würden. Dabei habe er nicht gedacht, dass er damit Leute hätte 

verletzen können. Sie hätten aber beim Einsteigen in den Zug gesehen, dass 

auch andere Personen in den Zug eingestiegen seien. Die Personen, welche er 

gesehen habe, seien weiter vorne gestanden. Auf Vorhalt des Videos zur ersten 

abgefeuerten Feuerwerksrakete («Cam10-W3_Trim, Sicht Zuggäste) sagte er 

aus, gesehen zu haben, dass die Leute aufgestanden seien, aber nicht bereits 

nach dem ersten Wurf. Nach dem ersten oder zweiten Knall sei es ihm schon 

aufgefallen, dass sich weitere Passagiere im Zugwaggon befunden hätten. Er 

habe sicherlich nach dem zweiten Wurf gehört, dass Passagiere im Wagen 

seien. Es hätten sich rund vier bis fünf Meter von ihnen entfernt weiter vorne im 

Zug Passagiere befunden. Die Rauchentwicklung sei ihm schon aufgefallen. Auf 

Nachfrage sagte er aus, dass er und sein Halbbruder die Passagiere gesehen 

hätten, als sie die Böller abgefeuert hätten. Seinem Halbbruder und ihm sei be-

wusst gewesen, dass es Passagiere im Zug gehabt habe. Die Frage, ob sie dar-

über beim «Revue passieren» gesprochen hätten, bejahte er. Zur Wirkungsweise 

eines typischen Feuerwerkskörpers befragt, erklärte er, dass diese normaler-

weise davonfliegen und explodieren würden. In Bezug auf die Sicherheitsregeln 

erklärte er: «Am besten im Freien. Immer Abstand halten auf jeden Fall. Von 

Leuten weg. Am besten in den Himmel rauf.» Er räumte ein, dass er diese Si-

cherheitsregeln beim Vorfall vom 1. August 2021 im Zug auf jeden Fall nicht be-

achtet habe. Auf die Frage, was passieren könne, wenn die Sicherheitsregeln 

- 20 - 

SK.2022.45 

nicht beachtet würden, sagte er aus, dass Menschen verletzt werden könnten 

(BA pag. 13-02-0007 f., -0009 f., -0011 f., -0013 f., -0015, -0024 f., -0026, -0028 

f.). 

An der Hauptverhandlung vom 16. März 2023 sagte er erstmals abweichend aus, 

dass er die Passagiere im Zug erst nach der dritten explodierten Feuerwerksra-

kete gehört habe (TPF pag. 4.731.013). Im Übrigen sagte er im Wesentlichen 

gleichbleibend aus. 

2.3.4 Aussagen von Zeugen / Auskunftsperson 

2.3.4.1 Die Zeugin G. sagte bei der Einvernahme bei der Bundesanwaltschaft am 24. Ja-

nuar 2022 aus, dass sie mit ihrem Freund H. im Zugsabteil gesessen habe, als 

der erste Feuerwerkskörper in ihre Richtung geflogen sei. Dieser sei ungefähr 

ein Sitzwagenabteil von ihnen entfernt explodiert. Sie seien daraufhin nach hin-

ten zur nächsten Zugstüre gegangen. Dann sei bereits der zweite Feuerwerks-

körper geflogen gekommen und explodiert. Sie seien zu diesem Zeitpunkt etwas 

weiter weg gestanden. Sie seien zur Türe beim Zugsausgang gegangen, falls 

noch ein dritter Feuerwerkskörper explodieren würde. Sie hätten dadurch eine 

Distanz von ca. 5 Metern gewonnen. Der zweite Feuerwerkskörper sei ungefähr 

am gleichen Ort explodiert wie der erste Feuerwerkskörper. Zu diesem Zeitpunkt 

hätten sie sich ca. zwei Abteile weiter hinten im Bahnwagen befunden. Sie sei in 

einem Schockzustand gewesen. Den ersten Feuerwerkskörper habe sie als ge-

fährlich empfunden, weil dieser zu nahe an ihnen explodiert sei. Es hätte sie bei-

spielswiese an den Augen schädigen können, weil es so hell und nahe gewesen 

sei. Sie habe dann realisiert, dass die Sprinkleranlage losgegangen sei (BA pag. 

12-01-0007 f., -0009, -0011). 

2.3.4.2 Am 24. Januar 2022 sagte der Zeuge H. bei der Einvernahme bei der Bundes-

anwaltschaft aus, er habe während des Einsteigens Sichtkontakt zu den Beschul-

digten gehabt. Diese hätten daher sehen müssen, dass Menschen in den Zug 

eingestiegen seien. G. und er seien dann im Zug gesessen. Auf einmal habe es 

«geklöpft». Er habe dem ersten Feuerwerkskörper nachgesehen, welcher dann 

explodiert sei. Daraufhin sei bereits der zweite Feuerwerkskörper losgegangen. 

Es habe noch andere Personen gehabt. Die Funken hätten sich gestreut, welche 

sternmässig aufgegangen seien. Er wisse daher nicht, ob es allenfalls mehr als 

zwei Feuerwerkskörper gewesen seien. In diesem Moment habe er sich in Ge-

fahr gefühlt. Er habe beim dritten Feuerwerkskörper einen «Klapf» gehört. Auf 

Vorhalt der Videos zu den drei explodierten Feuerwerkskörpern räumte er ein, 

dass er den zweiten Feuerwerkskörper nicht wirklich realisiert habe. In seiner 

Erinnerung seien es zwei Feuerwerkskörper gewesen, welche explodiert seien. 

Er vermute schon, dass die Beschuldigten realisiert hätten, dass sie Feuerwerks-

körper in Richtung von Menschen ablassen würden. Er habe wegen des Rauchs 

und der Sprinkleranlage das Abteil verlassen (BA pag. 12-02-0008 f., -0010 f., -

0013 f.). 

- 21 - 

SK.2022.45 

2.3.4.3 E. sagte bei der Einvernahme bei der Bundesanwaltschaft am 24. Februar 2022 

als Auskunftsperson aus, dass die Beschuldigten im Zug gewesen seien. Es 

seien eindeutig Hooligans gewesen. Sie hätten herausposaunt, «Scheiss DD., 

yeah EE.». Sie hätten dann im Zug unbedingt eine Rakete zünden wollen. Eine 

unbeteiligte Person in der Dreiergruppe mit den Beschuldigten habe mindestens 

300-mal zu ihnen gesagt, sie sollten dies nicht tun. Die Beschuldigten hätten eine 

Diskussion geführt, ob sie die Raketen zünden sollten. Einer habe gesagt, 

«zünds ah». Dann sei die Diskussion losgegangen mit «ja, nein, ja, nein.». 

Schliesslich habe jemand gesagt, «scheiss drauf.» Dann sei die erste Rakete 

losgegangen. Der Feuerwerkskörper sei genau 30 cm vor ihm explodiert. Der 

Radius der Detonation habe 1 bis 1.5 Meter betragen. Er habe dann Rauch ge-

sehen. Dann sei schon die zweite Rakete gekommen, worauf er wieder aus 

Angst in Deckung gegangen sei. Es seien nur 4 bis 5 Meter gewesen. Es seien 

Funken geflogen. Die Rakete sei nicht gerade geflogen, sondern sei während 

des Flugs links und rechts abgeprallt. Dann sei die dritte Rakete losgegangen. 

Zwei Raketen seien genau auf ihn gerichtet gewesen. Alle drei Feuerwerkskörper 

seien aber genau vor ihm explodiert. Er habe noch nie in seinem Leben solche 

Angst gehabt. Es sei überall rauchig gewesen und man habe nichts gesehen. 

Daraufhin sei die Sprinkleranlage losgegangen. Ein Feuerwerkskörper sei sogar 

zwischen seinen Beinen explodiert. Vor ihm seien ein Mann (identifiziert als H.) 

und eine Frau (identifiziert als G.) gesessen. Die Frau habe geweint. Es seien 

insgesamt so um die 8 Personen im Zugwaggon gewesen. Die Distanz von ihm 

zu den Beschuldigten habe zwischen 18 bis 22 Metern betragen. Auf die Frage, 

ob die Beschuldigten realisiert hätten, ob sie die Feuerwerkskörper in Richtung 

von Menschen ablassen würden, sagte er aus: «Ja. Ich gehe davon aus, dass 

sie es geplant hätten.». Dies sei ihre Absicht gewesen. Die Leute im Zug hätten 

getroffen werden sollen (BA pag. 12-03-0006, 0008 f., 0010 f., 0012, 0014 f.). 

2.3.5 Tatortskizzen 

Die Zeugen G. und H. zeichneten im Vorverfahren bei den Einvernahmen Tatort-

skizzen mit ihren Standorten im Zugwagen D und den Explosionsorten auf. Auf 

derjenigen von der Zeugin G. ist ersichtlich, dass die erste Feuerwerksrakete 

rund ein Zugabteil (ca. 2 bis 2.5 Meter) von ihr und H. entfernt explodierte. Bei 

der zweiten explodierten Feuerwerksrakete betrug der Abstand zu ihr rund zwei-

einhalb Zugabteile (ca. 5 bis 6 Meter). Die von H. gezeichnete Situationsskizze 

deckt sich im Wesentlichen mit derjenigen von G. (BA pag. 12-01-0014; 12-02-

0018). 

2.3.6 Schreiben des Privatklägers E. 

Mit Schreiben vom 7. März 2022 teilte der Privatkläger E. der Bundesanwalt-

schaft mit, dass das Geräusch der Feuerwerkskörper ohrenbetäubend gewesen 

sei. Es sei unbeschreiblich gewesen, «wie nahe die Funken an ihm vorbeigeflo-

gen seien». Ein paar hätten ihn direkt getroffen (BA pag. 13-01-0044). 

- 22 - 

SK.2022.45 

2.3.7 Kurzbericht des Forensischen Instituts Zürich (FOR) 

Zu den pyrotechnischen Gegenständen erstellte das FOR aufgrund eines Fra-

genkatalogs der Bundesanwaltschaft sowie der zur Verfügung gestellten Über-

wachungsaufnahmen einen Kurzbericht, erstattet am 23. März 2022 (BA pag. 11-

01-0004, -0012; vgl. Sachverhalt und Prozessgeschichte Lit. E.). Auf den Inhalt 

des Berichts in Bezug auf die Wirkung und das konkrete Verletzungspotential der 

pyrotechnischen Gegenstände wird im einschlägigen Kontext näher eingegan-

gen (E. 2.4.3.2, 2.4.4). 

2.3.8 Bericht der Bundeskriminalpolizei BKP vom 22. Februar 2022 

Die BKP erstellte im Auftrag der Bundesanwaltschaft am 22. Februar 2022 einen 

Bericht über die Auswertung der sichergestellten, elektronischen Daten auf den 

mobilen Telekommunikationsgeräten der Beschuldigten und den damit verbun-

denen Clouds (BA pag. 08-00-0002 ff.). Die Ergebnisse zu den ausgewerteten 

Daten wurden in Extraction Reports festgehalten (BA pag. 08-00-0009, -0090). 

Auf den Inhalt der sichergestellten Daten wird im einschlägigen Kontext einge-

gangen (E. 2.4.4.12). 

2.4 Beweiswürdigung und Subsumtion 

2.4.1 Äusserer Sachverhalt 

Der angeklagte äussere Sachverhalt ist erstellt und unbestritten. Aufgrund der 

Videoaufnahmen ist erstellt, dass A. am 1. August 2021 im Zug die Feuerwerks-

rakete 1 an sich nahm und den Lenkstab entfernte. B. versuchte ihn davon ab-

zuhalten. Gleichentags um 02:00:30 Uhr entzündete A. die Feuerwerksrakete 

und warf diese vor sich auf den Boden im Gang des Bahnwagens D. Die Feuer-

werksrakete schoss unkontrolliert durch den Gang und wurde teils durch Hinder-

nisse im Bahnwagen (Sitze, Kanten, Abdeckungen) abgelenkt. Sie landete bei 

den in einer Entfernung von ca. 5 bis 11 Metern weiter hinten im Wagen C sit-

zenden Menschen. 

Erstellt ist ebenfalls, dass B. am 1. August 2021 um 02:00:42 Uhr A. die Feuer-

werksrakete 2 entgegenstreckte, damit dieser sie anzünden konnte. Aufgrund 

der Videoaufnahmen ist weiter ersichtlich, dass A. motivierend auf B. einwirkte, 

den Feuerwerkskörper zu werfen. Daraufhin warf B. die entzündete Feuerwerks-

rakete um 02:00:54 Uhr rund 4 Meter vor sich auf den Boden des Ganges des 

Bahnwagens D. Diese schoss um 02:00:59 Uhr mit einer unkontrollierten Flug-

bahn in Richtung der sich in einer Entfernung von rund 9 bis 13 Metern weiter 

hinten im Bahnwagen C sitzenden Menschen. 

In Bezug auf die Feuerwerksrakete 3 ist erstellt, dass A. mit Sprechchören und 

Gesten motivierend auf B. einwirkte, diese zu zünden. B. warf um 02:01:35 Uhr 

die Feuerwerksrakete 3 mit dem zuvor entwendeten Lenkstab auf den Boden des 

- 23 - 

SK.2022.45 

Zugwagens D. Der Feuerwerksköper schoss unkontrolliert in Richtung der sich 

in einer Entfernung von ca. 6 bis 13 Metern im Zugswaggon C sitzenden Passa-

gieren. 

2.4.2 Bestrittener Sachverhalt 

Bestritten ist einzig, ob die Beschuldigten mit Gefährdungsvorsatz und verbre-

cherischer Absicht gehandelt haben. 

2.4.3 Einsatz von Sprengstoff 

2.4.3.1 In rechtlicher Hinsicht gilt es vorab zu klären, ob die eingesetzten Feuerwerksra-

keten als Sprengstoff im Sinne von Art. 224 StGB zu qualifizieren sind. Dies ist 

gemäss Rechtsprechung der Fall, wenn sie zum Zwecke der Zerstörung verwen-

det wurden (E. 2.2.2.1). Dabei ist entscheidend, ob durch die Art und Weise, wie 

die Feuerwerkskörper eingesetzt wurden, eine besonders grosse Gefährdung für 

Personen oder Sachen entstanden ist oder nicht. 

2.4.3.2 Gemäss den Ausführungen im Kurzbericht des FOR vom 23. Mai 2022 (BA pag. 

11-00-0004 ff.) stammen die verwendeten pyrotechnischen Gegenstände aus 

dem Raketensortiment «Rocket Festival». Zum Raketensortiment gehören unter 

anderem die verwendeten Raketen «Uranus» und die «Kugelraketen». Bei der 

Feuerwerksrakete 1 handelt es sich um ein nicht näher bestimmbares Modell aus 

dem genannten Feuerwerkssortiment. Bei der Feuerwerksrakete 2 handelt es 

sich um das Modell «Uranus» und bei der Feuerwerksrakete 3 um eine «Kugel-

rakete». 

Das FOR führt aus, dass die pyrotechnischen Gegenstände zu Vergnügungs-

zwecken in der Schweizer Identifikationsnummer mit einem «V» für Vergnü-

gungszwecke gekennzeichnet und nach den Kriterien von Anhang 1, Ziffer 2 

SprstV in die Kategorien F1 bis F4 eingeteilt sind. Bei den im Zug eingesetzten 

pyrotechnischen Gegenständen handelt es sich um solche der Kategorie F2. Sie 

enthalten eine Nettoexplosivmasse in der Grössenordnung von ca. 15 g bis 19 g, 

davon ca. 0.6 g Blitzknallsatz als Zerlegladung. Von diesen Feuerwerkskörpern 

geht eine geringe Gefahr aus. Sie sind für die Verwendung im Freien vorgese-

hen. Der Mindestabstand zu Zuschauern, Gebäuden und brennbaren Materialien 

beträgt 35 Meter. Hindernisse über den Raketen sind zu vermeiden. Die Raketen 

sollen in eine geeignete Abschussvorrichtung gestellt werden, damit diese unge-

hindert senkrecht aufsteigen können. Der Abschuss soll in Richtung freies Ge-

lände und von den Zuschauern abgewandt gewählt werden. 

Das FOR weist darauf hin, dass die Feuerwerksraketen unter Missachtung aller 

Sicherheitsvorschriften, die in der Gebrauchsanweisung aufgeführt sind, am 

1. August 2021 im Zug nach V. verwendet wurden. Die Flugbahn liess sich nicht 

- 24 - 

SK.2022.45 

vorherbestimmen, als die Feuerwerksraketen im Zugswaggon abgefeuert wur-

den. Aufgrund der vorhandenen Hindernisse (Sitze, Kanten, Abdeckungen usw.) 

konnten die Feuerwerksraketen bereits nach wenigen Metern irgendwo hängen 

bleiben und sich bis zur Umsetzung nicht mehr weiterbewegen. Durch Ablenkung 

an den verschiedenen Hindernissen war eine zufällige Flugbahn zu erwarten. Es 

war somit unmöglich vorherzusagen, wo sich so abgeschossene Feuerwerksra-

keten hinbewegen und wo diese zur Umsetzung gelangen würden. 

Bezüglich der von einem solchen Feuerwerkskörper ausgehenden Gefährdung 

führt das FOR aus, dass die verwendeten Raketen 1 bis 3 einen Blitzknallsatz 

als Zerlegungsladung enthalten. Blitzknallsätze sind sehr energiereiche, pyro-

technische Systeme mit hoher Reaktionsgeschwindigkeit. Dementsprechend 

gross ist der Explosionsdruck und Knalleffekt. Durch einen direkten Treffer am 

menschlichen Körper muss mit mittleren bis schweren Verletzungen gerechnet 

werden. Sind vitale Strukturen betroffen, können lebensbedrohliche Verletzun-

gen auftreten. Für das Ausmass der Gefährdung im Moment der Umsetzung der 

Zerlegungsladung ist die Distanz zum Explosionspunkt entscheidend. Direkt an-

liegend (z.B. an einem Körperteil) ist die Wirkung am grössten. Es besteht ein 

erhebliches Verletzungs- und Zerstörungspotenzial. Aufgrund des hohen Schall-

drucks kann es insbesondere auch zu einem Gehörtrauma kommen. Weiter kann 

der Effektkörper durch thermische Reaktionen Schäden verursachen. Die ther-

mischen Einflüsse können auf der Haut eines Menschen beträchtliche Verletzun-

gen oder im Auge irreversible Schädigungen verursachen. Die verwendeten Ra-

keten weisen einen Effektradius von mehreren Metern auf. In einem Abstand von 

1 bis 3 Metern besteht ein erhebliches Verletzungsrisiko sowohl durch thermi-

sche Reaktion als auch den Schalldruck. 

2.4.3.3 Aufgrund der Standortskizzen der SBB AG ist erstellt, dass die von den Beschul-

digten gezündeten und in den Gang des fahrenden Zuges geworfenen Feuer-

werkskörper in unmittelbarer Nähe von Zugpassagieren explodierten: So schoss 

der Feuerwerkskörper 1 über eine Distanz von insgesamt 9 bis 10 Metern am 

Boden entlang durch den Gang des Zugwaggons C und detonierte mit einem 

erheblichen Knall- und Leuchteffekt beim Türportal. Die Feuerwerksrakete explo-

dierte in unmittelbarer Nähe der sich in der Flugrichtung befindlichen Menschen 

im Zugswaggon C. Die Auswertung der Standortdaten ergibt, dass die Feuer-

werksrakete 1 in einer Entfernung von ca. 1 bis 1.5 Metern zu einem unbekann-

ten Passagier, ca. 2 bis 2.5 Metern zu G., ca. 2.5 bis 3 Meter zu H. und ca. 3.0 

bis 3.5 Metern zu E. explodierte. Daraufhin schoss die Feuerwerksrakete 2 ins-

gesamt über eine Distanz von 9 bis 10 Metern durch den Gang in Richtung der 

im Bahnwagen C sitzenden Passagieren. Die Distanz vom Explosionsort zu den 

Fahrgästen betrug ca. 4 bis 5 Meter zu einem unbekannten Fahrgast, ca. 5 bis 6 

Metern zu G., ca. 6 Metern zu einem Unbekannten und H., ca. 6 Metern zu einem 

unbekannten Fahrgast und ca. 7.5 bis 8.5 Metern zu E. Schliesslich flog der Feu-

- 25 - 

SK.2022.45 

erwerkskörper 3 unkontrolliert über eine Distanz von 6 bis 8 Metern, teils abge-

lenkt durch Hindernisse im Zug (Sitze, Kanten, Abdeckungen) mit einem grellen 

Leuchteffekt durch den Zug in Richtung der im Zugswaggon C sitzenden Passa-

gieren. Der Explosionsort ist auf den Videoaufnahmen zwar nicht ersichtlich. Auf-

grund der glaubhaften Aussagen der Zeugen und des Privatklägers bestehen 

aber keine Zweifel, dass die Feuerwerksrakete 3 in einer Entfernung von ca. 0.5 

Metern zu E. und einer nicht mehr näher bestimmbaren Entfernung zu G., H. und 

einem unbekannten Passagier explodierte (BA pag. 15-01-0029 ff.). 

2.4.3.4 Das Kriterium der Zerstörung (Potenzial einer schweren Körperverletzung) ist 

ebenso erfüllt wie dasjenige des zerstörerischen Verwendungszwecks (Ab-

schiessen gegen Menschen in einem Zugswaggon). Werden derartige pyrotech-

nische Gegenstände der Kategorie F2 in einem geschlossenen Zug in Richtung 

von sich in der Nähe befindlichen Menschen und zwangsläufig ohne Einhaltung 

der Sicherheitsabstände von 35 Metern gezündet, so ist eine besonders grosse 

Gefährdung für Personen und Sachen gegeben. Bei direkter Umsetzung der 

Sprengkörper am Körper wären mittlere bis schwere irreversible Verletzung zu 

erwarten gewesen (E. 2.4.3.2). 

2.4.3.5 Nach dem Gesagten steht zweifelsfrei fest, dass, so wie die Beschuldigten die 

pyrotechnischen Gegenstände 1-3 eingesetzt haben, es sich bei den Feuer-

werkskörpern um Sprengstoff und damit um ein geeignetes zerstörerisches Tat-

mittel im Sinne von Art. 224 Abs. 1 StGB handelte. 

2.4.4 Konkrete Gefahr 

Dass die Beschuldigten mit dem Zünden der Feuerwerkskörper eine konkrete 

Gefahr für die Passagiere und Sachen schufen, ist in casu deliktsimmanent. Aber 

auch die nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (E. 2.2.2.2) verlangte 

eher grosse Verletzungswahrscheinlichkeit liegt ebenfalls vor, da die Detonatio-

nen in einem geschlossenen Zugswaggon in unmittelbarer Nähe von Passagie-

ren stattfanden. Die konkrete Gefahrenlage wurde dadurch verschärft, dass es 

unmöglich war, vorherzusagen, wo genau die Feuerwerkskörper im Bahnwagen 

hinfliegen, weil die Flugbahn von den Hindernissen im Bahnwagen abhing und 

sich daher zufällig gestaltete. Dass im näheren Umkreis der Flugbahn und des 

Explosionsortes der Feuerwerkskörper ohne Weiteres von einer konkreten Ge-

fährdung für die sich dort aufhaltenden Personen ausgegangen werden kann, 

zeigen die Sachbeschädigungen (vgl. E. 3). Aufgrund der unkontrollierten und 

unberechenbaren Flugbahn der Feuerwerkskörper war es Zufall, dass die Rake-

ten nicht direkt auf Menschen trafen und diese keine potenziell schwere lebens-

gefährliche Körperverletzungen erlitten. Dies deckt sich mit den Aussagen der 

Zugpassagiere, wonach eine konkrete Gefahrenlage bestanden habe (vgl. 

E. 2.3.4). Es bestand zusammenfassend eine sehr grosse evidente Wahrschein-

lichkeit der Verletzung von Leib, Leben und Eigentum. Damit ist die im Sinne der 

- 26 - 

SK.2022.45 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung konkrete Gefährdung nach dem gewöhnli-

chen Lauf der Dinge in Bezug auf die von den Beschuldigten gezündeten und 

geworfenen Feuerwerkskörper zweifelsfrei nachgewiesen. 

2.4.5 Die Beschuldigten haben nach dem Gesagten (E. 2.4.3) den objektiven Tatbe-

stand von Art. 224 Abs. 1 StGB erfüllt. 

2.4.6 In subjektiver Hinsicht 

2.4.6.1 Erstellt ist, dass die Beschuldigten die Feuerwerkskörper unter Alkoholeinfluss 

warfen. Dies geht aus ihren Aussagen und den Videoaufnahmen hervor. Laut 

Angaben der Beschuldigten sollen sie zum Tatzeitpunkt unter starkem Alkohol-

einfluss gestanden haben. Blutalkoholproben liegen keine vor. Aufgrund nachfol-

gender Indizien ist Folgendes zum Alkoholeinfluss festzustellen: Die Beschuldig-

ten waren in der Lage, die Feuerwerkskörper gezielt und treffsicher in den Gang 

zu werfen. Obwohl die Beschuldigten unter Alkoholeinfluss standen, waren sie 

sich des Gefährdungspotenzials bewusst, andernfalls sie kaum nach dem Zün-

den der Feuerwerkskörper teilweise in Deckung gegangen wären. Auf den Vi-

deoaufnahmen ist ersichtlich, dass ihre körperliche Koordination durch den Alko-

holeinfluss nicht in relevanter Weise verzögert war. Eine nennenswerte Beein-

trächtigung der Orientierung oder Feinmotorik ist auf den Videoaufnahmen nicht 

ersichtlich. A. schaffte es sogar, nach dem Werfen des ersten Feuerwerkskörpers 

innerhalb von rund 5 Sekunden sein Handy zu zücken und die Explosion zu fil-

men. Bemerkenswert ist zudem, dass die Beschuldigten die Zündung der Feuer-

werksraketen zeitlich exakt planten. So zündeten die Beschuldigten die drei Ra-

keten zeitlich derart präzise abgestimmt, dass sie nur wenige Sekunden nach der 

Explosion der dritten Feuerwerksrakete den Zug verlassen und fliehen konnten. 

Dies zeigt, dass die Beschuldigten zwar alkoholisiert waren, aber nicht in dem 

Ausmass, wie sie es vorzugeben versuchen. Die Steuerungsfähigkeit der Be-

schuldigten war im Zeitpunkt des Vorfalls jedenfalls nicht derart eingeschränkt, 

dass sie nicht mehr um die Gefährlichkeit ihres Tuns gewusst hätten. Schliesslich 

führten die Beschuldigten zeitnah nach dem Vorfall Gespräche, in welchen sie 

sich über das Unrecht ihrer Taten unterhielten. Die Auswertung der sichergestell-

ten Daten durch die Bundeskriminalpolizei ergab ferner, dass B. vom 1. August 

2021, 12:34 Uhr, bis 4. August 2021 im Internet intensiv nach dem inkriminierten 

Ereignis und Fahndungsmassnahmen suchte (BA pag. 08-00-0006). A. suchte 

nach der Tatnacht nach Lösungen zur Löschung seiner Person aus den sozialen 

Netzwerken (BA pag. 08-00-0007). Sodann ergab die Auswertung der ausgehen-

den SMS-Nachrichten von A. vom 30. Juli 2021, 22:00 Uhr, bis 1. August 2021, 

02:50 Uhr, dass er um die Tatzeit von 31 Nachrichten immerhin 22 Nachrichten 

fehlerfrei schrieb (vgl. BA pag. 13-01-0023 f.). Sodann spricht gegen die Darstel-

lung der Beschuldigten in Bezug auf ihren starken Alkoholkonsum, dass die Zeu-

gen und Auskunftspersonen in ihren Einvernahmen keine Auffälligkeiten in Be-

zug auf die behauptete starke Trunkenheit der Beschuldigten berichteten. Alle 

- 27 - 

SK.2022.45 

diese Indizien sprechen gegen die geltend gemachte Trunkenheit der Beschul-

digten. Im Ergebnis hatte der Alkoholkonsum keinen relevanten Einfluss auf die 

Entscheidungsfreiheit und Steuerungsfähigkeit der Beschuldigten. 

2.4.6.2 Aufgrund der gesamten Umstände ist für das Gericht erwiesen, dass die Beschul-

digten die Feuerwerkskörper wissentlich und willentlich zündeten und warfen. Die 

Aussagen der Beschuldigten zu den nicht eingehaltenen Sicherheitsvorschriften 

erhellen, dass sie sich der Gefährlichkeit ihres Verhaltens bewusst waren. Sie 

wussten, dass sie die Sicherheitsregeln nicht einhielten und dass es verletzte 

Personen hätte geben können (vgl. E. 2.3.3.1 f.). In diesem Kontext ist zu be-

rücksichtigen, dass A. bereits im Vorfeld zwei Feuerwerkskörper im Zug bzw. auf 

dem Bahnhofsperron zündete (vgl. E. 2.3.1.1 [Vorgeschichte]), wobei B. die 

zweite Explosion filmte. Sie wussten somit, dass sie die Feuerwerkskörper nicht 

bestimmungsgemäss verwendeten und dadurch eine erhebliche Gefahr von den 

Sprengkörpern für Menschen und Sachen ausging. Sie warfen die Feuerwerks-

körper, obwohl sie wussten, dass sich Passagiere im Zug befanden. Dies bele-

gen die glaubhaften Aussagen des Zeugen H., wonach die Beschuldigten ihn 

beim Einsteigen in den Zug gesehen hätten. Sodann zeigen die Videoaufnah-

men, wie der Privatkläger E. an ihnen im Gang des Zuges vorbeilief, kurz bevor 

sie die Feuerwerksraketen in Richtung der Zugpassagiere abfeuerten. Aufgrund 

der Videoaufnahmen ist ferner erstellt, dass B. vor dem Abfeuern der Feuer-

werksrakete 1 aufstand und den Gang hinunter zu den anderen Fahrgästen 

schaute (CAM5 -W2 Trim [01:49:00 bis 01:49:18]). Schliesslich räumte B. ein, 

dass ihm nach dem ersten oder zweiten Knall schon bewusst gewesen sei, dass 

sich Passagiere im Zug befunden hätten. Seine abweichende Aussage an der 

Hauptverhandlung, wonach er die Passagiere erst nach dem dritten Knallkörper 

gesehen haben will, ist daher unglaubhaft (TPF pag. 4.731.013). Sodann ist zu 

berücksichtigen, dass die Beschuldigten mehrmals «Schlachtparolen» in Rich-

tung des Abteils C, wo sich unter anderem die Fahrgäste E. und H. befanden, 

ausstiessen. Dies ergibt nur Sinn, wenn sie von der Anwesenheit der anderen 

Fahrgäste Kenntnis hatten. Sie wussten somit um die Gefahr für Menschen und 

Sachen durch ihr Verhalten und die zerstörerische Wirkung, welche von den ge-

zündeten Sprengkörpern ausgingen, und handelten trotzdem. Hierbei handelten 

sie zumindest eventualvorsätzlich. Nach dem Gesagten ist der Gefährdungsvor-

satz gegeben. 

2.4.6.3 Die Beschuldigten haben die Feuerwerkskörper nicht bestimmungsgemäss ein-

gesetzt. Wer während einer Zugfahrt pyrotechnische Gegenstände der hier in 

Frage stehenden Art in ein Zugswaggon wirft, nimmt in Kauf, beliebigen Passa-

gieren einen gesundheitlichen Schaden zuzufügen und damit ein Verbrechen 

oder Vergehen (z.B. Körperverletzungen) zu begehen. Diese Absicht wird – als 

inneres Moment des Willens – durch die Missachtung der Handhabungsvor-

schriften (Sicherheitsabstand von 35 Metern) untermauert. Auch war den Be-

schuldigten bewusst, dass sie die pyrotechnischen Gegenstände auf illegale 

- 28 - 

SK.2022.45 

Weise verwendeten. B. war es sogar egal, ob Menschen verletzt worden wären. 

Dass es nicht ihr primäres Ziel gewesen sein muss, beliebige Menschen an ihrer 

Gesundheit zu verletzen oder ihnen der Verletzungserfolg gar unerwünscht ge-

wesen sein mag, ist unerheblich. Eine Eventualabsicht des Verletzungserfolgs 

(in casu im Sinne einer realisierten Sachbeschädigung und einer einfachen Kör-

perverletzung) ist angesichts ihrer Vorgehensweise zu bejahen. Im Ergebnis ist 

das Handeln in verbrecherischer Absicht gegeben. 

2.4.6.4 Die Beschuldigten haben den Tatbestand von Art. 224 Abs. 1 StGB erfüllt. 

2.4.7 Mittäterschaft 

2.4.7.1 Mittäter ist, wer bei der Entschliessung, Planung oder Ausführung eines Delikts 

vorsätzlich und in massgebender Weise mit anderen Tätern zusammenwirkt, so 

dass er als Hauptbeteiligter dasteht. Mittäterschaft kann durch tatsächliches Mit-

wirken bei der Ausführung begründet werden. Tatbestandsmässige Ausfüh-

rungshandlungen sind indes keine notwendige Voraussetzung. Nicht erforderlich 

ist ferner, dass der Mittäter bei der Fassung des gemeinsamen Tatentschlusses 

mitwirkt. Es reicht, dass er sich später den Vorsatz seiner Mittäter zu eigen 

macht, wobei konkludentes Handeln genügt (BGE 135 IV 152 E. 2.3.1; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_127/2021 vom 27. September 2021 E. 4.1). Bei der Mittäter-

schaft hat jeder Mittäter innerhalb der durch den Tatplan gesteckten Grenzen für 

die Tat als Ganzes einzustehen und muss sich die Taten seiner Mittäter grund-

sätzlich zurechnen lassen (Urteile des Bundesgerichts 6B_81/2013 vom 5. Sep-

tember 2013 E. 2.5; 6B_557/2012 vom 7. Mai 2013 E. 2.7). 

2.4.7.2 A. zündete den Feuerwerkskörper 1 im Alleingang. B. schloss sich dem Tatplan 

von A. an, indem er ihm die Feuerwerksrakete 2 zum Anzünden entgegenhielt 

und dann abschoss. B. trat dadurch nachträglich dem von A. gefassten Tatent-

schluss bei, was ihn zum Mittäter macht. Die so manifestierte Mittäterschaft 

setzte sich fort, indem B. die Feuerwerksrakete 3 abfeuerte, wozu er durch A. 

angespornt wurde. A. hat dadurch das Geschehen, welches er ursprünglich initi-

ierte, gleichermassen gewollt. 

Im Ergebnis haben die Beschuldigten durch ihr bewusstes und gewolltes Zusam-

menwirken die Feuerwerkskörper 2 und 3 gemeinsam verwendet und zur explo-

siven Umsetzung gebracht. Sie haben somit die Sprengstoffdelikte bezüglich 

Feuerwerksrakete 2 und 3 in Mittäterschaft begangen. 

2.4.8 Mehrfache Tatbegehung 

Die Beschuldigten haben zwei der drei Feuerwerkskörper in Mittäterschaft zur 

Explosion gebracht. Das Bundesgericht hatte jüngst in einer ähnlich gelagerten 

Konstellation (zwei explodierte Feuerwerkskörper in einem Fussballstadion im 

- 29 - 

SK.2022.45 

Kanton Luzern) zu klären, ob tatbestandliche Handlungseinheit oder eine mehr-

fache Tatbegehung vorliegt. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung 

kommt die Annahme einer die Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB (Asperation) 

ausschliessenden natürlichen Handlungseinheit nur in Betracht, wenn das ge-

samte Tätigwerden des Täters auf einem einheitlichen Willensakt (einheitliches 

Ziel, einmaliger Entschluss) beruht und kraft eines engen räumlichen und zeitli-

chen Zusammenhangs der Einzelakte bei natürlicher Betrachtungsweise objektiv 

als ein einheitliches, zusammenhängendes Geschehen (z.B. eine «Tracht Prü-

gel» (BGE 133 IV 256 E. 4.5.3; 131 IV 83 E. 2.4.5) erscheint. Dass die mehreren 

verübten strafbaren Handlungen auf ein und denselben Willensentschluss zu-

rückgehen, genügt für die Annahme einer Handlungseinheit nicht (Urteile des 

Bundesgerichts 6B_543/2016 vom 22. September 2016 E. 4.4; 6B_609/2010 

vom 28. Februar 2011 E. 6.2; je mit Hinweisen). Die natürliche Handlungseinheit 

kann nur mit Zurückhaltung angenommen werden, will man nicht das fortgesetzte 

Delikt oder die verjährungsrechtliche Einheit unter anderer Bezeichnung wieder 

einführen (BGE 133 IV 256 E. 4.5.3; 131 IV 83 E. 2.4.5; je mit Hinweisen). 

Auf den Videoaufnahmen ist ersichtlich, dass zwischen dem Wurf der zweiten 

und dritten Feuerwerksrakete über 30 Sekunden vergehen. Die Beschuldigten 

beschlossen in dieser Zwischenzeit, die dritte Feuerwerksrakete – dies im Ge-

gensatz zur zweiten Feuerwerksrakete – ohne Lenkstab und damit grundsätzlich 

mit erhöhtem Gefährdungspotenzial zu den Zugspassagieren abzufeuern. Auf-

grund des neuen Tatentschlusses liegt somit mehrfache Tatbegehung betreffend 

die zweite und dritte Feuerwerksrakete vor. 

2.4.9 Rechtfertigungs- und Schuldausschliessungsgründe liegen nicht vor. Die Be-

schuldigten haben demnach tatbestandsmässig, rechtswidrig und schuldhaft ge-

handelt. 

2.4.10 Die Beschuldigten sind der mehrfachen vorsätzlichen Gefährdung durch Spreng-

stoffe in verbrecherischer Absicht gemäss Art. 224 Abs. 1 StGB schuldig zu spre-

chen. 

3. Qualifizierte Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 StGB), even-

tualiter einfache Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 StGB) 

3.1 Anklagevorwurf 

Gemäss Anklage sei durch die in E. 2.1 dargestellte Vorgehensweise Sachscha-

den in der Höhe von insgesamt Fr. 23'200.53 entstanden. Durch die abgefeuer-

ten und explodierten Feuerwerksraketen sei durch die kumulierte Rauchentwick-

lung die im Bahnwagen installierte Brandschutzanlage ausgelöst worden, welche 

den Bahnwagen durchnässt habe. Die abgelassenen Feuerwerksraketen hätten 

ferner die Zugwagen verunreinigt und zu Brandflecken am Boden des Bahnwa-

- 30 - 

SK.2022.45 

gens geführt. Sodann hätten die Bahnwagen zwecks Reinigung und Instandset-

zung für insgesamt 7 Tage ausser Betrieb gesetzt und das verbrauchte Brand-

schutzsystem instandgesetzt werden müssen. Die Beschuldigten hätten mit ih-

rem Handeln zumindest billigend in Kauf genommen, das fremde Eigentum der 

SBB AG zu beschädigen und unbrauchbar zu machen. 

3.2 Rechtliches 

3.2.1 Gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB macht sich der Sachbeschädigung strafbar, wer 

eine Sache, an der ein fremdes Eigentums-, Gebrauchs- oder Nutzniessungs-

recht besteht, beschädigt, zerstört oder unbrauchbar macht. In subjektiver Hin-

sicht verlangt der Tatbestand Vorsatz (Art. 12 Abs. 1 und Abs. 2 StGB). 

Der Begriff des Schadens ist in einem weiteren Sinne zu verstehen. In Frage 

kommen sowohl materielle Schäden als auch solche immaterieller Art. Zu be-

rücksichtigen sind namentlich Kosten für die Wiederbeschaffung und Reparatur. 

Zum Schaden gehören auch die Folgeschäden (WEISSENBERGER, Basler Kom-

mentar, 4. Aufl. 2019, Art. 144 StGB N. 100). 

3.2.2 Eine qualifizierte Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 3 StGB liegt vor, 

wenn der Täter einen grossen Schaden verursacht hat. Nach der Rechtspre-

chung ist ein grosser Schaden anzunehmen, wenn er mindestens Fr. 10'000.-- 

beträgt (BGE 136 IV 119 E. 4.3.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_699/2018 vom 

7. Februar 2019 E. 3.3.1; vgl. WEISSENBERGER, a.a.O., Art. 144 StGB N. 102). 

Der Vorsatz des Täters muss sich auch hier auf die Verursachung eines grossen 

Schadens richten, wobei Eventualvorsatz genügt (WEISSENBERGER, a.a.O., 

Art. 144 StGB N. 104). 

3.3 Strafantrag 

Die SBB AG stellte am 8. August 2021 Strafantrag wegen Sachbeschädigung 

gegen die Beschuldigten. Sie konstituierte sich als Privatklägerin und machte ei-

nen Schaden von Fr. 80'741.70 geltend (BA pag. 15-01-0001 ff.). Mit ergänzen-

der Eingabe vom 12. Mai 2022 beantragte sie einen Schadensersatz von 

Fr. 23'200.53 (BA pag. 15-01-0001 ff.; 15-01-0058 ff.). In den Akten befinden sich 

keine Offerten, da die SBB AG das Material teilweise beim Hersteller (I. AG) be-

stellte und die Schäden im betriebseigenen Werk behob. Aus den eingereichten 

Unterlagen geht hervor, dass sich der geltend gemachte Schaden wie folgt zu-

sammensetzt: Fr. 2'848.78 für die Arbeiten inkl. Werkzeuge, Fr. 1'970.80 für ei-

nen Düsenkopf, Fr. 4'518.02 für ein Flaschentragsystem, Fr. 12'507.93 für die 

Ausserbetriebsetzung und Fr. 677.50 für die Überfuhrpauschale (BA pag. 15-01-

0059). Als Belege für den Düsenkopf und das Flaschentragsystem wurde ein 

«Rechnungsbeleg des Materialeinkaufs» im Umfang von Fr. 6‘488.82 einge-

reicht. 

- 31 - 

SK.2022.45 

3.4 Der geltend gemachte Schaden im Bahnwagen (Düsenkopf; Flaschentragsys-

tem) ist im Grundsatz anerkannt. Die Beschuldigten bestreiten sinngemäss die 

Folgeschäden (Betriebsausfall, Überfuhrkosten) (TPF pag. 4.731.011, -015). 

3.5 Objektiver und subjektiver Tatbestand 

Beweismässig ist aufgrund der Videoaufnahmen und des Spurenberichts und 

Polizeirapports der Kantonspolizei Aargau vom 1. August 2021 bzw. 30. Septem-

ber 2021 in objektiver Hinsicht erstellt und im Übrigen unbestritten, dass sich 

aufgrund der durch die Beschuldigten abgefeuerten und explodierten Feuer-

werkskörper im Zugswagen starker Rauch entwickelte und die Sprinkleranlagen 

angingen (BA pag. 10-01-0006 ff.; 15-01-0059). Durch die ausgelöste Sprinkler-

anlage entstand unbestrittenermassen Schaden im Bahnwagen. Die Beschuldig-

ten haben den Sachschaden adäquat kausal verursacht. Es handelte sich dabei 

um Sachen, an welchen für die Beschuldigten fremde Eigentumsrechte bestan-

den. Der objektive Tatbestand von Art. 144 Abs. 1 StGB ist erfüllt. 

In subjektiver Hinsicht nahmen die Beschuldigten zumindest in Kauf, dass die 

Sachschäden durch ihre Handlungen entstehen könnten. Insoweit liegt jedenfalls 

Eventualvorsatz vor (Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB). Der subjektive Tatbestand von 

Art. 144 Abs. 1 StGB ist erfüllt. 

3.6 Qualifizierter Tatbestand 

3.6.1 Die angeklagte Schadenshöhe von Fr. 23'200.53 ist nicht erstellt. Der angeklagte 

Sachschaden im Bahnwagen ist aufgrund der eingereichten Rechnungsbelege 

im Umfang von Fr. 6‘488.82 (Fr. 4'518.02 für ein Flaschentragsystem; 

Fr. 1'970.80 für einen Düsenkopf) ausgewiesen. Die geltend gemachten Folge-

schäden für die Ausserbetriebsetzung des Bahnwagens (sog. Chômage-Ent-

schädigung infolge Nutzungsausfalls), die Arbeiten sowie die Überfuhrpauschale 

von insgesamt Fr. 16'711.71 stützen sich zwar auf die branchenüblichen kalku-

latorischen Faktoren gemäss Vereinbarung zur Festlegung der Tagessätze für 

«Chômage-Entschädigungen» vom 1. Januar 2003 zwischen dem Verband öf-

fentlicher Verkehr (VöV) und dem Schweizerischen Versicherungs-Verband 

(SVV). Die Schadenspositionen sind aber nicht belegt. 

3.6.2 Gesamthaft ist ein Sachschaden von Fr. 6‘488.82 entstanden. Der Tatbestand 

der qualifizierten Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 3 StGB), d.h. ein Schaden 

von mindestens Fr. 10'000.--, ist daher nicht erfüllt. 

3.7 Die Beschuldigten haben den Schaden in Mittäterschaft verursacht (vgl. E. 2. 

4.7). 

3.8 A. und B. sind wegen Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB schuldig 

zu sprechen. 

- 32 - 

SK.2022.45 

4. Versuchte schwere Körperverletzung (Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 

StGB), eventualiter einfache Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB) 

4.1 Anklagevorwurf 

Die Bundesanwaltschaft wirft dem Beschuldigten B. vor, am 4. Dezember 2021, 

um ca. 16:45 Uhr, auf einem Fussballplatz in X., versucht zu haben, dem am 

Boden liegenden Gegenspieler F. wie bei einem Vollspann-Schuss im Fussball 

gegen den Kopf zu treten. Der Beschuldigte sei jedoch während der Tritt-Ausfüh-

rung von Dritten leicht an der Schulter zurückgehalten worden, weshalb er F. 

tatsächlich «nur» mit der Sohle bzw. mit den Nocken seiner Fussballschuhe an 

die Stirn getroffen und diesem dadurch eine Schädelkontusion mit leichter Ge-

hirnerschütterung und Rissquetschwunden zugefügt habe. Aufgrund des Tritts 

sei F. unmittelbar danach für wenige Minuten bewusstlos und später in der Gar-

derobe ein zweites Mal für wenige Minuten bewusstlos geworden. Der Beschul-

digte B. habe es zumindest für möglich gehalten und zumindest in Kauf genom-

men, F. eine schwere Körperverletzung zuzufügen. 

4.2 Rechtliches 

4.2.1 Der schweren Körperverletzung nach Art. 122 StGB macht sich strafbar, wer vor-

sätzlich einen Menschen lebensgefährlich verletzt (Abs. 1), wer vorsätzlich den 

Körper, ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein 

wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend ar-

beitsunfähig, gebrechlich oder geisteskrank macht, das Gesicht eines Menschen 

arg und bleibend entstellt (Abs. 2), wer vorsätzlich eine andere schwere Schädi-

gung des Körpers oder der körperlichen oder geistigen Gesundheit eines Men-

schen verursacht (Abs. 3). 

4.2.2 Bezüglich eines Fusstritts gegen den Kopf hat das Bundesgericht festgehalten, 

es entspreche der allgemeinen Lebenserfahrung, dass Fusstritte und Faust-

schläge in den Kopfbereich eines am Boden liegenden Opfers – selbst wenn die-

ses sich zusammenrollt und den Kopf mit den Händen zu schützen versucht – zu 

schwerwiegenden Beeinträchtigungen der körperlichen Integrität führen können. 

Der Tatbestand der versuchten schweren Körperverletzung setze nicht voraus, 

dass neben den eigentlichen Fusstritten oder Schlägen an den Kopf ein aggra-

vierendes Moment, etwa eine besondere Heftigkeit der Tritte, die Wehrlosigkeit 

des Opfers, die Traktierung mit weiteren Gegenständen oder die Einwirkung 

mehrerer Personen, hinzutreten müsse (Urteil des Bundesgerichts 

6B_1180/2015 vom 13. Mai 2016 E. 4.1, mit Hinweisen). 

4.3 Beweismittel 

4.3.1 Aussagen des Beschuldigten B. 

- 33 - 

SK.2022.45 

4.3.1.1 Der Beschuldigte sagte in der Einvernahme vom 13. Dezember 2021 gegenüber 

der Kantonspolizei Basel-Landschaft im Wesentlichen aus (BA pag. 13-02-0055 

ff.); er habe das Geschehen nicht mehr «richtig im Kopf», da er an diesem 

«Grümpeli» schon reichlich Alkohol konsumiert gehabt habe. Bereits während 

des Spiels sei es etwas härter zur Sache gegangen; nach dem Schlusspfiff sei 

es dann handgreiflich geworden. Es habe mit gegenseitigen Schubsereien be-

gonnen, bis dann die erste Faust von jemandem aus der gegnerischen Mann-

schaft geflogen sei. Auf die Frage, wo sich der Kontrahent befunden habe, bevor 

er ihn gegen den Kopf getreten habe, antwortete der Beschuldigte: «Er lag so 

halb am Boden, als ich gegen seinen Kopf ˂gingt˃ habe. Ich weiss auch nicht, 

was mich da geritten hat.». Es sei absolut unüberlegt geschehen. Danach habe 

er gewusst, dass er einen «Scheiss» gemacht habe und es habe ihm leidgetan. 

An mögliche Folgen für den Kontrahenten habe er dabei nicht gedacht. Vor und 

nach den Spielen habe er Alkohol getrunken. Circa 6-7 Biere à 0.5 Liter sowie 

Kaffee Lutz und «grüne Frösche», wobei er keine Mengenangabe machen 

könne. Er sei ziemlich betrunken gewesen, jedoch zum Spielen habe es gereicht. 

Nach dem Vorfall sei er zu einem Kollegen nach Hause gegangen. Das Ereignis 

habe ihn mitgenommen und er habe es als besser angesehen, nach Hause zu 

gehen. Auf den Kontakt mit der Polizei habe er verzichten wollen. Auf die Frage, 

wie er sein Aggressionspotential einschätze, antwortete der Beschuldigte, dieses 

sei eigentlich nicht so hoch. Er habe so etwas noch nie gemacht. Da habe sicher-

lich der Alkohol seine Wirkung gezeigt. Er verneinte die Frage, ob es in der Ver-

gangenheit schon zu ähnlichen Vorfällen gekommen sei. 

4.3.1.2 In der Einvernahme bei der Bundesanwaltschaft vom 18. März 2022 gab der Be-

schuldigte zu Protokoll (BA pag. 13-02-0067 ff.), den Geschädigten F. bis zum 

Grümpelturnier noch nie gesehen zu haben. Er und F. hätten während des Spiels 

bereits Reibereien und gegenseitige Provokationen gehabt. Nach dem Schluss-

pfiff seien sie aufeinander losgegangen. Es habe dann eine «Rudelbildung» ge-

geben und irgendjemand habe F. umgehauen. Er habe versucht F. einen Kick zu 

geben. Er habe das Gefühl gehabt, ihn getroffen zu haben. Er sei sich aber nicht 

ganz sicher, da er relativ rasch von jemandem zurückgezogen worden sei. Wenn 

er ihn getroffen habe, dann sei sein Kick in Richtung Kopf gegangen. Es sei ein 

leichter Tritt gewesen. Nicht voll aufgezogen und nicht so, wie wenn man versu-

che, einen Fussball zu treten. Er sei sich nicht sicher, ob er ihn getroffen habe, 

da ihn jemand gerade noch zurückgezogen habe. Dieser jemand habe ihn am 

Arm gepackt und zurückgezogen. Es sei während des Tritts gewesen. Möglich, 

dass der Tritt anders rausgekommen wäre, wenn er nicht zurückgehalten worden 

wäre. Dies sei schwierig einzuschätzen. Auf Frage bejahte der Beschuldigte, 

durch das Zurückhalten am Tritt behindert worden zu sein. Er habe das Gefühl, 

ihn (F.) schon getroffen zu haben. Wenn er ihn voll getroffen hätte, wäre es si-

cherlich schlimmer gewesen (BA pag. 13-02-0068, -0071). 

- 34 - 

SK.2022.45 

Auf Vorhalt des Fotos des im Gesicht blutenden Geschädigten, aufgenommen 

direkt nach dem Vorfall, äusserte sich der Beschuldigte, dass er nicht wisse, ob 

das vom Tritt stamme, wenn er ihn denn überhaupt getroffen habe. Er gehe aber 

schon davon aus, ihn getroffen zu haben, da F. direkt vor ihm gestanden sei (BA 

pag. 13-02-0072). 

Konfrontiert mit der Aussage von F., der Beschuldigte habe ihm aus dem Lauf 

heraus ins Gesicht gekickt, antwortete der Beschuldigte, dass er dies nicht be-

stätigen könne. Es sei eigentlich ein Tritt aus dem Stand heraus gewesen. Er 

habe wirklich nur einen Schritt nach vorne gemacht, weil er unmittelbar vor ihm 

gelegen habe. Er bejahte, wütend gewesen zu sein. Eigentlich habe er sich unter 

Kontrolle in solchen Situationen. Dort, in dieser Situation, aber weniger. Er habe 

aber schon gesehen, dass es kein Ball gewesen sei, weshalb er die Emotionen 

noch im Griff gehabt habe (BA pag. 13-02-0074). 

Auf Vorhalt der Aussage des Zeugen J., wonach er den Beschuldigten noch bei 

der Garderobe gesehen habe, wobei ein Kollege ihn habe festhalten müssen, da 

er immer noch am «Austicken» gewesen sei, antwortete der Beschuldigte, dass 

er nach dieser Aktion schon «hässig» gewesen sei. Es sei ja nicht so, dass er 

gar keinen Schlag bekommen habe. Klar sei er «am Kochen» gewesen. Auf die 

Frage, ob er in diesem Moment in Rage gewesen sei und F. habe verletzen wol-

len, antwortete der Beschuldigte, «teilweise» auf jeden Fall. Er habe es ja ver-

sucht. Konfrontiert mit einer weiteren Aussage von J., der Beschuldigte habe F. 

mit der Spitze des Fussballschuhs getroffen, antwortete der Beschuldigte: Er 

habe einfach versucht, ihm einen Tritt zu geben, mit einem Vollspann «theore-

tisch», und dann sei er zurückgezogen worden (BA pag. 13-02-0075, -0077). 

Auf Vorhalt der Aussage des Zeugen K., der Beschuldigte sei auf F. zugerannt 

und habe mit dem Fuss ausgeholt, als würde er schiessen, antwortete der Be-

schuldigte: Er sei nicht auf ihn zugerannt, denn es habe eine «Rudelbildung» 

gegeben. Es könne sein, dass sein Fuss durchgeschwungen gewesen sei und 

nicht beim Kopf gehalten habe, weil er von einem Kollegen zurückgehalten wor-

den sei und deshalb ein wenig nach hinten gelehnt habe. Es sei kein Tritt mit 

Schwung gewesen, sondern eher aus dem Stand (BA pag. 13-02-0077). 

Konfrontiert mit der Aussage vom Zeugen L., die Kickbewegung habe ausgese-

hen, wie wenn man aufziehe, wenn man beim Fussball schiesse, wobei der Be-

schuldigte etwas zurückgezogen worden sei, weshalb der Beschuldigte nicht 

ganz habe durchschwingen können und der Schwung ungefähr 30 cm über dem 

Kopf ausgelaufen sei, antwortete der Beschuldigte: So hätte ich es auch einiger-

massen geschildert, ausser dem Schluss, F. getroffen zu haben (BA pag. 13-02-

0078). 

- 35 - 

SK.2022.45 

Auf die Frage, was bei einem Fusstritt gegen den Kopf passieren kann, antwor-

tete der Beschuldigte: Sicherlich eine Gehirnerschütterung. Es komme immer da-

rauf an, wie man die Person treffe. Auf die Frage, was passiert wäre, wenn er 

nicht zurückgehalten worden wäre, antwortete er: Gott sei Dank wisse er das 

nicht, was dann passiert wäre (BA pag. 13-02-0079). 

Zum Alkoholkonsum sagte der Beschuldigte aus, dass er vielleicht drei oder vier 

Bier während des Tages getrunken habe. Zudem hätten sie grünen Vodka mit 

Tee gemischt. Es sei aber nicht so schlimm gewesen wie beim Vorfall mit den 

Raketen im Zug (BA pag. 13-02-0081). 

Auf Ergänzungsfrage seines Verteidigers führte der Beschuldigte aus, dass es 

bereits während des Spiels mehrere «Grätschen» zwischen ihm und F. gegeben 

habe. Nach dem Match seien sie aufeinander losgegangen und die ersten 

Schläge seien gefallen. Er glaube, ihm als erster einen Schlag zugefügt zu haben 

(BA pag. 13-02-0083). 

4.3.1.3 Anlässlich der Hauptverhandlung vom 16. März 2023 sagte der Beschuldigte 

aus, er habe das Opfer nicht gegen den Kopf treten wollen. Nach dem Abpfiff sei 

man aufeinander los und es habe eine «Rudelbildung» gegeben. Er habe dem 

Opfer einen «Ging» geben wollen und sei zurückgerissen worden. Das Opfer sei 

gebückt vor ihm gewesen. Ob er das Opfer erwischt habe, könne er nicht genau 

sagen. Die Fotos des Opfers würden jedoch dafürsprechen. Der Tritt sei nicht mit 

voller Wucht gewesen. Nicht so, wie wenn er gegen einen Ball treten würde. Auf 

die Frage des Vorsitzenden, wohin er versucht habe zu treten, sagte er aus, er 

habe ihn (F.) einfach treffen wollen. Er habe beim Tritt nicht ein eigentliches Ziel 

gehabt (TPF pag. 4.731.017, -019).  

Nach dem Fusstritt sei er von einem Freund zurückgerissen worden und sie seien 

zur Garderobe gegangen. Anfangs sei er wohl nicht freiwillig in die Garderobe 

gegangen. Danach habe er realisiert, dass es das Beste sei, nach Hause zu ge-

hen. 

Auf die Ergänzungsfrage vom Staatsanwalt des Bundes, dass er anlässlich der 

Hauptverhandlung das erste Mal ausgesagt habe, er habe das Opfer nicht gegen 

den Kopf treten wollen, erklärte der Beschuldigte, er habe nicht ein eigentliches 

Ziel gehabt. Im Übrigen sei seine Erinnerung verschwommen, er könne nicht sa-

gen, ob das Opfer vor ihm gekniet oder gebückt gewesen sei (TPF pag. 

4.731.019). 

4.3.2 Aussagen des Privatklägers F. als Auskunftsperson 

4.3.2.1 Am 13. Dezember 2021 sagte F. bei der Polizei Basel-Landschaft zum Tather-

gang aus, dass er fast zeitgleich mit dem Schlusspfiff von einem Spieler der geg-

nerischen Mannschaft mittels Frontkick zu Boden gebracht worden sei. Er sei 

- 36 - 

SK.2022.45 

perplex am Boden gelegen und ehe er sich versehen habe, sei ein weiterer Spie-

ler des FC UU. daher gerannt und habe ihn gegen den Kopf getreten. Dann sei 

er weggetreten, jedoch kurz später wieder zu sich gekommen. Er habe dann ge-

sehen, wie der Spieler, der ihn getreten habe, von seinen Teamkollegen zurück-

gehalten worden sei. Dann habe er das Bewusstsein verloren und sei erst wieder 

in der Mannschaftskabine zu sich gekommen (BA pag. 12-05-0001). 

Den Fusstritt umschrieb F. wie folgt: Als er ihn habe kommen sehen, sei der Be-

schuldigte noch zwei Schritte von ihm entfernt gewesen. Er habe nie daran ge-

dacht, dass der Beschuldigte gegen seinen Kopf treten würde. Er habe damit 

gerechnet, dass der Beschuldigte ihn noch anpöbeln werde, aber nicht das (BA 

pag. 12-05-0002). 

4.3.2.2 In der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 31. März 

2022 sagte F. aus, er habe nicht damit gerechnet, dass der Beschuldigte ihm mit 

den Fussballschuhen ins Gesicht trete. Der Beschuldigte habe ihm aus dem Lauf 

heraus ins Gesicht gekickt. Er sei dann bewusstlos gewesen und als er in die 

Kabine getragen worden sei, kurz wieder zu sich gekommen. Kurz darauf sei er 

wieder ohnmächtig geworden. In der Kabine sei er wieder zu Bewusstsein ge-

kommen. Der Beschuldigte habe gezielt gegen seinen Kopf getreten. Er habe 

durchgezogen und ihn voll getroffen (BA pag. 12-05-0005, -0008). 

4.3.2.3 Am 9. Juni 2022 sagte F. bei der Bundesanwaltschaft zum Tathergang aus, dass 

sie Fussball gespielt und ein Goal geschossen hätten. Als er am Boden gelegen 

habe, habe es eine «Rudelbildung» gegeben und jemand habe geschrien. Noch 

während sie am Jubeln gewesen seien, habe er sich umgedreht und sofort habe 

ihm einer der gegnerischen Spieler einen Frontkick in die Brust gegeben, so dass 

er deswegen zu Boden gegangen sei. Am Boden sei er erst völlig überrascht 

gewesen und habe dann aber gesehen, wie der Beschuldigte auf ihn zugerannt 

sei und den «Scheichen» (Fuss) um «Abzudrücken» hochgezogen habe. Er habe 

gesehen, dass der Beschuldigte auf ihn zugerannt sei und ausgeholt habe. Er 

habe den Kopf noch einigermassen abdrehen können. Wahrscheinlich habe er 

den Beschuldigten relativ spät wahrgenommen. Da sei er ungefähr 2 Meter von 

ihm entfernt gewesen. Ob der Beschuldigte gerannt oder gejoggt sei, könne er 

nicht sagen. Dann habe jener aufgezogen, so wie wenn man einen Ball wegtreten 

würde. Dadurch, dass der Beschuldigte so aufgezogen habe, und er seinen Kopf 

noch etwas habe wegdrehen können, habe der Beschuldigte ihn nur mit seinen 

Nocken am Gesicht erwischt.  

Zu den unmittelbaren Folgen des Fusstritts befragt, sagte er aus, dass er einige 

Schrammen abbekommen habe. Danach sei er weggetreten gewesen und habe 

eigentlich nichts mehr mitbekommen. Erst auf dem Weg in die Kabine sei er wie-

der zu sich gekommen. Er habe sehen können, dass der Beschuldigte ihm ir-

- 37 - 

SK.2022.45 

gendwie immer noch habe nachrennen wollen. Er sei dann aber nochmals weg-

getreten. Er sei zweimal bewusstlos gewesen. Richtig zu sich gekommen sei er 

erst in der Kabine, als er behandelt worden sei. 

Zu seinem Gesundheitszustand sagte er aus, dass er sich insgesamt zwei Mal 

im Spital und einmal beim Hausarzt habe behandeln lassen müssen. Die einzi-

gen Beschwerden, die er heute noch habe, seien gelegentliche Kopfschmerzen, 

gegen die er Schmerzmittel einnehmen müsse (BA pag. 12-05-0017, -0020 f., -

0023). 

4.3.3 Aussagen von Zeugen 

4.3.3.1 In der Einvernahme bei der Polizei Basel-Landschaft vom 15. Dezember 2021 

gab K. zu Protokoll, dass er als Zuschauer am Grümpelturnier gewesen sei. Zum 

Tathergang sagte er aus, dass ein Spieler auf dem Boden gelegen sei. Ein an-

derer Spieler sei von einem anderen Spieler zurückgehalten worden. Es habe 

ein aggressives Geschrei geherrscht. Dann habe sich der zurückgehaltene Spie-

ler aus seiner Blockade lösen können und sei unvermittelt auf den am Boden 

liegenden Spieler zugerannt und habe ihm mit den Nockenschuhen gegen den 

Kopf getreten. Der Beschuldigte habe mit dem rechten Bein ausgeholt, als ob er 

einen Ball abstossen wolle, und ihm gegen den Kopf gekickt. Dabei habe er le-

diglich mit den Nocken der Fussballschuhe den Kopf des Opfers getroffen. Der 

Beschuldigte habe zum Glück den Kopf nicht richtig getroffen, sodass lediglich 

die Nocken der Schuhe den Kopf getroffen hätten. Er nehme an, dass der Be-

schuldigte verzogen habe, ansonsten hätte er ihn voll getroffen. Er habe das Ge-

fühl, dass das Opfer danach bewusstlos gewesen sei (BA pag. 12-06-0001 ff.). 

Am 11. April 2022 sagte K. bei der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft weitge-

hend gleichbleibend aus. Der Beschuldigte sei auf einen anderen Spieler zuge-

rannt und habe ihm mit einem «Kung-Fu-Kick» in die Brust getreten. Aus dem 

vollen Lauf habe er dann mit dem rechten Fuss in Richtung Kopf des am Boden 

liegenden Spielers getreten, so, als wolle er einen Ball treten. Er habe ihn aber 

zum Glück nicht voll erwischt, sondern habe ihn mit den Fussballnocken am Ge-

sicht gestreift. Der getroffene Spieler sei mit dem Rücken auf den Boden gefallen. 

Ein Kollege, der auch dort gewesen sei, habe ihm erzählt, dass er gesehen habe, 

wie jemand den Täter noch an der Schulter habe zurückhalten können. Nach 

dem Kick habe er gesehen, dass das Opfer halb ohnmächtig dagelegen habe. 

Der Beschuldigte habe dann weiter auf den am Boden liegenden Spieler Iosge-

hen wollen, habe aber zurückgehalten werden können (BA pag. 12-06-0008 ff.) 

In der Einvernahme bei der Bundesanwaltschaft vom 17. Mai 2022 schilderte K. 

den Tathergang nochmals weitgehend identisch. Der Beschuldigte sei zunächst 

etwas abseitsgestanden, habe auf den am Boden liegenden Spieler Iosgehen 

wollen und habe zurückgehalten werden müssen. Der Beschuldigte habe sich 

Iosreissen können. Er sei auf das Opfer zugerannt wie im Sprint und habe diesem 

- 38 - 

SK.2022.45 

in den Kopf getreten. Der Beschuldigte habe durchgezogen ohne vorher anzu-

halten oder Schwung aus dem Tritt zu nehmen. Er habe ausgeholt, als würde er 

schiessen. Anstatt einen Ball habe er den Kopf treffen wollen. Es sei ein starker 

Fussballschuss gewesen. Der Beschuldigte habe das Opfer nicht voll getroffen, 

sondern gestreift – genauer etwas mehr als nur gestreift – aber jedenfalls nicht 

wie ein Vollspanntreffer auf den Kopf. L. habe ihm dann später gesagt, dass er 

gesehen hätte, wie der Täter im letzten Moment noch etwas zurückgehalten wor-

den sei und deshalb das Opfer nicht voll getroffen habe. Er habe das Gefühl, 

dass das Opfer in Ohnmacht gefallen sei (BA pag. 12-06-0015 ff.). 

4.3.3.2 In der Einvernahme bei der Bundesanwaltschaft vom 17. Mai 2022 sagte J. aus, 

dass er am Grümpelturnier im Fussball-Team des Opfers mitgespielt habe. Er 

habe gesehen, wie das Opfer zu Boden gefallen sei. Und nachher habe der Be-

schuldigte «in den Kopf dieser Person reinginget». Der Beschuldigte habe das 

Opfer mit der Spitze des Fussballschuhs getroffen. Er habe das Gefühl, dass es 

ein starker Tritt gewesen sei. Es sei alles sehr schnell gegangen. Nachher unter-

wegs zur Garderobe, vor dem Eingang zur Garderobe, sei der Beschuldigte am 

Boden gelegen und ein Kollege sei «auf ihm drauf» gewesen, um ihn festzuhal-

ten, weil der Beschuldigte noch immer am «Austicken» gewesen sei (BA pag. 12-

07-0003 ff.). 

4.3.3.3 In der Einvernahme bei der Bundesanwaltschaft vom 18. Mai 2022 erklärte L. 

einleitend, er kenne weder den Beschuldigten noch das Opfer. Er habe am Grüm-

pelturnier mit einer anderen Mannschaft mitgespielt. Zum Tathergang gefragt, 

sagte er aus, dass der Beschuldigte zum Opfer herangelaufen sei. Er habe auf-

gezogen und sei dann etwas zurückgehalten worden. Weil der Täter zurückge-

zogen worden sei, habe er auch nicht ganz «durchschwingen» können. Der Be-

schuldigte sei beim Ausführen des Fusstritts von einer Person etwas nach hinten 

gehalten worden, weshalb er aus dem Gleichgewicht gebracht worden sei und 

das am Boden liegende Opfer verfehlt habe. Die Kickbewegung habe so ausge-

sehen, wie wenn man «aufziehe», wenn man beim Fussball schiesse. Die Bewe-

gung des Täters habe etwas unnatürlich gewirkt. Anschliessend seien die ande-

ren aus seinem Team hinzugekommen und hätten den Täter festgehalten, damit 

er nicht weitere Aggressionen habe ausüben können (BA pag. 12-08-0004 ff.). 

4.3.3.4 Am 23. Juni 2022 erklärte M. bei der Bundesanwaltschaft, dass er weder den 

Beschuldigten noch das Opfer kenne. Er habe am Grümpelturnier mit einer an-

deren Mannschaft mitgespielt. Er erklärte, einen Fusstritt des Beschuldigten be-

obachtet zu haben. Er habe gesehen, wie der Beschuldigte die am Boden lie-

gende Person sehr stark in den Kopf gekickt habe. Es habe von der Bewegung 

her ausgesehen, als würde der Beschuldigte gegen einen Ball treten. Er habe 

ausgeholt und zugetreten. Aus seiner Sicht habe er ihn voll getroffen. Es sei ein 

Vollspann gewesen. Der Beschuldigte habe den Kick ungehindert ausführen kön-

nen (BA pag. 12-09-0003 ff.). 

- 39 - 

SK.2022.45 

4.3.3.5 Anlässlich der Einvernahme bei der Bundesanwaltschaft vom 23. Juni 2022 er-

klärte N. zu Beginn, dass er weder den Beschuldigten noch das Opfer kenne. Er 

habe am Grümpelturnier mit einer anderen Mannschaft mitgespielt. Zum Fusstritt 

sagte er aus, dass der Beschuldigte acht bis zehn Meter zügig zum Opfer her-

übergelaufen sei. Er habe zum Tritt ausgeholt. Diejenigen, welche um den Be-

schuldigten herumgestanden seien, hätten ihn noch etwas zurückhalten können. 

Der Beschuldigte habe weit ausgeholt und dann voll draufgehauen. Der Beschul-

digte habe bei der Ausführung des Kicks ein wenig sein Gleichgewicht verloren. 

Er sei leicht nach hinten gekippt. Er habe dan