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**Case Identifier:** c2672280-c81a-56b3-9d9b-39b1e4c901f1
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-10-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.10.2014 A-7102/2013
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-7102-2013_2014-10-16.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

   

 Abteilung I 

A-7102/2013 

 

 

  U r t e i l  v o m  1 6 .  O k t o b e r  2 0 1 4  

Besetzung 

 
Richterin Salome Zimmermann (Vorsitz), 

Richterin Kathrin Dietrich,  

Richter André Moser,    

Gerichtsschreiberin Susanne Raas. 
 

 
 

Parteien 

 
X._______, …,   

vertreten durch Dorrit Freund, Rechtsanwältin, …,  

Beschwerdeführerin,  

 
 

 
gegen 

 

 
Engadin Airport AG,  

Plazza Aviatica 2, 7503 Samedan,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Staatshaftung (Schadenersatz, Regress der Versicherung). 

 

 

A-7102/2013 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Am 19. Dezember 2010 kurz nach 15:00 Uhr (Zeitangaben beziehen sich 

auf die Ortszeit) stürzte ein Flugzeug Raytheon 390, eingetragen als  

D-IAYL (nachfolgend: Raytheon), beim Anflug auf den Flughafen Same-

dan ab. Die beiden Insassen, der Pilot B._______ und der Copilot 

C._______, beides deutsche Staatsbürger, kamen dabei ums Leben. Die 

Ereignisse bis zum Absturz stellten sich wie folgt dar: 

A.a Die Raytheon war in Zagreb zu einem gewerbsmässigen Flug nach 

Instrumentenflugregeln (instrument flight rules, IFR) unter einem ATC-

Flugplan Y (Flugpläne, die an die Flugverkehrsleitung [air traffic control, 

ATC] gerichtet sind und den ersten Teil des Fluges nach Instrumenten-

flugregeln und den Abschluss des Fluges, inklusive Landung, nach Sicht-

flugregeln vorsehen) nach Samedan gestartet. Um 14:53:09 Uhr wurde 

der IFR-Flugplan annulliert und der Flug nach Sichtflugregeln (visual flight 

rules, VFR) fortgesetzt. Um 14:57:12 Uhr teilte die Besatzung dem Flug-

verkehrsleiter von Zurich sector south mit, dass sie nun die Frequenz (zu 

Samedan information) wechseln würde. 

A.b Als sich die Besatzung einer Piaggio 180 um 14:58:40 Uhr beim flight 

information service officer (FISO) von Samedan information nach dem 

Wetter erkundigte («the condition for inbound still ok?»), antwortete die 

Besatzung der Raytheon um 14:58:46 Uhr, noch bevor der FISO antwor-

ten konnte, die Bedingungen seien im Moment gut («for the moment good 

condition»). Auf Frage teilte der FISO der Besatzung der Raytheon um 

14:59:27 Uhr mit, die Sichtweite betrage drei oder vier Kilometer. Betref-

fend Wolkenuntergrenze gebe es bei zweitausend Fuss einige Wolken 

und bei fünf- bis sechstausend Fuss sei es bedeckt («visibility three or 

four kilometres cloud base few at two thousand feet and overcast at five 

thousand or six thousand feet.»). Die Raytheon befand sich über Madu-

lain, als der FISO um 14:59:46 Uhr mitteilte, dass sie auf eigene Verant-

wortung/nach eigenem Ermessen landen könne («land at own discre-

tion»), was von der Besatzung mit «own discretion» bestätigt wurde. Un-

mittelbar darauf erhöhte die Besatzung die Sinkrate auf über 2200 Fuss 

pro Minute (feet per minute, ft/min) und behielt diese bis auf die zuletzt 

aufgezeichnete Funkhöhe (radio altitude, RA) von knapp 250 ft, welche 

sie über der Pistenschwelle 21 erreichte, bei.  

A.c In der Folge leitete die Besatzung einen Steigflug auf eine RA von 

rund 600 ft ein, drehte etwas nach links und flog dann parallel zur Pisten-

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achse. Das Fahrwerk war ausgefahren und die Landeklappen standen 

mit grosser Wahrscheinlichkeit auf 20 Grad. Am Ende der Piste 21 leitete 

die Besatzung eine Rechtskurve auf die Gegengerade ein, wobei die Ma-

schine bis zu 55 Grad Querlage erreichte. Die Geschwindigkeit wurde 

dabei von 110 auf 130 Knoten erhöht. Die Funkfrequenz blieb während 

rund 20 Sekunden blockiert. 

A.d  Der FISO informierte die Besatzung danach, dass sie jederzeit auf 

Piste 21 landen könne. Auf der Höhe der Pistenschwelle 21 drehte die 

Besatzung in den Queranflug auf die Piste 21 ein. Die Querlage in dieser 

Kurve betrug bis zu 62 Grad, ohne dass die Geschwindigkeit merklich er-

höht wurde. In der Folge geriet das Flugzeug in Rückenlage und stürzte 

beinahe senkrecht ab. Unfallzeitpunkt war 15:02 Uhr. 

B.  

Die X._______, als gesetzliche Unfallversicherung der Arbeitgeberin des 

Copiloten (Y._______), bezahlte einerseits an die Arbeitgeberin gewisse 

von dieser übernommene Kosten (Rücktransport des Leichnams, Ret-

tungskosten), andererseits richtet sie dem Sohn des Copiloten, 

D._______, eine Halbwaisenrente aus. 

C.  

Am 7. Mai 2013 reichte die X._______ bei der Engadin Airport AG, der 

Betreiberin des Flughafens (nachfolgend auch nur als Betreiberin oder 

Vorinstanz bezeichnet), ein Schadenersatzbegehren ein. Sie machte 

ausdrücklich einen Regressanspruch geltend und legte dar, aufgrund 

welcher Bestimmungen der Schadenersatzanspruch aus dem Bundesge-

setz vom 14. März 1958 über die Verantwortlichkeit des Bundes sowie 

seiner Behördenmitglieder und Beamten (VG, SR 170.32) aufgrund der 

Zahlungen auf sie übergegangen sei. 

D.  

Die Vorinstanz wies das Schadenersatzbegehren mit Verfügung vom 

25. November 2013 ab. Dabei verneinte sie im Wesentlichen den Kausal-

zusammenhang zwischen der Nichtweitergabe von Wetterinformationen 

durch den Fluginformationsdienst und dem Unfall sowie die fehlende Re-

präsentativität der zur Verfügung gestellten Wetterinformationen für den 

Anflug von Zernez her ebenso wie die Pflicht zur Einführung des Anflugs 

nach Instrumentenflugregeln. Die Frage, ob das Begehren nach Ablauf 

der Verwirkungsfrist von Art. 20 Abs. 1 VG eingereicht worden sei, liess 

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sie offen, ebenso die Frage, ob die geltend gemachten Ansprüche durch 

Subrogation auf die Beschwerdeführerin über gegangen seien.  

E.  

Gegen diese Verfügung erhebt die X._______ (nachfolgend: Beschwer-

deführerin) am 16. Dezember 2013 Beschwerde beim Bundesverwal-

tungsgericht. Sie beantragt, die Verfügung der Vorinstanz vom 25. No-

vember 2013 aufzuheben und die Vorinstanz zu verpflichten, ihr aus Re-

gress für den Versorgerschaden des Sohnes des Copiloten den Betrag 

von € 15'236.97.-- zuzüglich Zins zu 5 % seit mittlerem Verfall für den 

aufgelaufenen Schaden und den Betrag von € 127'772.92 für den zukünf-

tigen Schaden zu bezahlen. Sie verlangt weiter – als Auslagen, die sie 

der Y._______ erstattete – die Zusprechung des Betrags von € 1'213.74 

für Rettungskosten, € 3'720.-- als Sterbegeld und € 4'577.37 für Überfüh-

rungskosten, insgesamt € 9'511.11, zuzüglich Zins zu 5 % seit Einrei-

chung des Schadenersatzbegehrens, also seit 7. Mai 2013.  

F.  

Mit Vernehmlassung vom 7. Februar 2014 beantragt die Vorinstanz, das 

Verfahren auf die Frage der Haftung zu beschränken [d.h. auf die grund-

sätzliche Frage der Haftbarkeit] und die Beschwerde unter ausgangsge-

mässer Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen abzuweisen. 

Sollte die Haftbarkeit grundsätzlich bejaht werden, sei das Verfahren zur 

Beurteilung des Quantitativen an sie zurückzuweisen. 

G.  

Im Rahmen der Instruktion hat das Bundesverwaltungsgericht die Akten 

des Verfahrens der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle SUST 

beigezogen (act. 11-13). 

H.  

Mit Verfügung vom 14. bzw. 26. August 2014 wurde den Parteien Einsicht 

in diese Akten gewährt, wobei einige Dokumente, die höchstpersönliche 

und im vorliegenden Verfahren nicht relevante und somit nicht verwende-

te Daten beinhalteten, davon ausgeschlossen waren. 

I.  

Die Beschwerdeführerin nahm zu diesen Akten am 25. August 2014, die 

Vorinstanz am 12. September 2014 Stellung. Die Stellungnahmen wurden 

der jeweiligen Gegenpartei mit Verfügung vom 16. September 2014 zu-

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gestellt, worauf die Beschwerdeführerin am 24. September 2014 und die 

Vorinstanz am 30. September 2014 erneut Stellung nahmen. 

Auf die Begründungen in den Eingaben der Parteien wird – soweit sie 

entscheidwesentlich sind – im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen 

eingegangen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-

desverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwal-

tungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundes-

gesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren 

(VwVG, SR 172.021), sofern sie von Behörden erlassen wurden, die ge-

mäss Art. 33 VGG als Vorinstanzen gelten, und überdies keine Ausnahme 

nach Art. 32 VGG vorliegt. 

1.1 Mit der vorliegenden Beschwerde wird eine Verfügung der Vorinstanz, 

die gestützt auf Art. 19 Abs. 1 Bst. a und Abs. 3 VG über ein gegen sie 

gerichtetes Begehren um Schadenersatz entschieden hat, angefochten. 

Art. 19 Abs. 1 Bst. a VG bestimmt, dass für den Schaden, den ein Organ 

oder ein Angestellter einer mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben des Bundes 

betrauten und ausserhalb der Bundesverwaltung stehenden Organisation 

in Ausübung der mit diesen Aufgaben verbundenen Tätigkeit Dritten wi-

derrechtlich zufügt, primär die Organisation nach den Art. 3-6 VG haftet 

(vgl. zum Anwendungsbereich von Art. 19 VG allgemein BGE 106 Ib 273 

E. 2a sowie das Urteil des Bundesgerichts 2A.675/2005 vom 12. Juli 

2006 E. 4 und 5). Über streitige Ansprüche Dritter gegen die Organisation 

erlässt sie eine Verfügung (Art. 19 Abs. 3 VG). 

Gemäss Art. 36a Abs. 1 des Luftfahrtgesetzes vom 21. Dezember 1948 

(Luftfahrtgesetz, LFG, SR 748.0) nimmt ein Flughafenhalter mit dem Be-

trieb eines dem öffentlichen Verkehr dienenden Flughafens eine öffentli-

che Aufgabe des Bundes wahr (vgl. Art. 87 der Bundesverfassung der 

Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]; 

BGE 129 II 331 E. 2.3.1; Urteil des Bundesgerichts 2C_715/2008 vom 

15. April 2009 E. 3.3; BVGE 2010/4 E. 1.1, 2008/41 E. 6.4; Urteil des 

Bundesverwaltungsgerichts A-7918/2010 vom 4. Juni 2012 E. 1.2; vgl. 

auch TOBIAS JAAG/JULIA HÄNNI, Luftverkehrsrecht Teil I: Infrastruktur der 

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Seite 6 

Luftfahrt, in: Müller [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, 

Bd. IV, Verkehrsrecht, Basel 2008, S. 354 Rz. 29). 

Die Vorinstanz betreibt den Flughafen Samedan gewerbsmässig. Hierfür 

hat ihr das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie 

und Kommunikation (UVEK) gestützt auf Art. 36a Abs. 1 LFG eine Be-

triebskonzession erteilt. Unerheblich ist, dass sie als Aktiengesellschaft 

nach Art. 620 des Obligationenrechts vom 30. März 1911 (OR, SR 220) 

konstituiert und damit privatrechtlich organisiert ist. Art. 19 VG findet bei 

einer entsprechenden Übertragung öffentlicher Aufgaben auch auf juristi-

sche Personen des Privatrechts Anwendung (Urteil des Bundesverwal-

tungsgerichts A-7918/2010 vom 4. Juni 2012 E. 1.2; vgl. TOBIAS JAAG, 

Staats- und Beamtenhaftung, in: Koller/Müller/Rhinow/Zimmerli [Hrsg.], 

Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Bd. I, Organisationsrecht, 

Teil 3, 2. Aufl., Basel 2006, Rz. 219; GERHARD SCHMID/NAOKI D. TAKEI, 

Haftung von externen Trägern öffentlicher Aufgaben, in: Schaffhau-

ser/Bertschinger/Poledna [Hrsg.], Haftung im Umfeld des wirtschaftenden 

Staates, St. Gallen 2003, S. 108; BALZ GROSS, Die Haftpflicht des Staa-

tes, Zürich 1996, S. 100). Unbestritten ist die Vorinstanz eine Organisati-

on im Sinne von Art. 19 VG, die der Haftung nach dem Verantwortlich-

keitsgesetz untersteht. 

Die Vorinstanz zählt zu den in Art. 33 Bst. h VGG genannten Organisatio-

nen ausserhalb der Bundesverwaltung, die in Erfüllung ihnen übertrage-

ner öffentlich-rechtlicher Aufgaben des Bundes verfügen (BVGE 2008/41 

E. 6.5; vgl. auch Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-7918/2010 

vom 4. Juni 2012 E. 1.2, A-7171/2008 vom 12. Mai 2009 E. 2 und 

A-5237/2008 vom 15. Juli 2009 E. 1.4.1).  

1.2 Eine Ausnahme, was das Sachgebiet angeht, ist gemäss Art. 32 VGG 

nicht gegeben.  

1.3 Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zur Beurteilung der vorlie-

genden Beschwerde zuständig (vgl. auch Art. 19 Abs. 3 VG i.V.m. Art. 2 

Abs. 3 der Verordnung vom 30. Dezember 1958 zum Verantwortlichkeits-

gesetz [SR 170.321]). Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht 

richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt 

(vgl. Art. 37 VGG). 

1.4 Die Beschwerdeführerin ist durch die angefochtene Verfügung be-

schwert und damit zur vorliegenden Beschwerde berechtigt (vgl. Art. 48 

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Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde 

(vgl. Art. 50 und Art. 52 VwVG) ist daher einzutreten. 

1.5 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet grundsätzlich mit unein-

geschränkter Kognition. Gerügt werden kann die Verletzung von Bundes-

recht, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens 

(Art. 49 Bst. a VwVG), die unrichtige beziehungsweise unvollständige 

Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 49 Bst. b VwVG) 

sowie die Unangemessenheit des angefochtenen Entscheides (Art. 49 

Bst. c VwVG). 

2.  

Eingangs sind die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten ein-

zelnen Schadensposten mit den Ziel zu analysieren, allfällige Fragen 

nach dem anwendbaren Recht beantworten zu können, verlangt doch 

vorliegend eine deutsche obligatorische Unfallversicherung eine Leistung 

von einem Schweizer Haftpflichtigen, die ihren Grund im Tod eines deut-

schen Staatsangehörigen bei einem Unfall in der Schweiz hat (E. 2.1). 

Anschliessend sind die kollisionsrechtlichen Bestimmungen zu erläutern 

(E. 2.2) und es wird geprüft, ob der Beschwerdeführerin nach dem so 

anwendbaren Recht ein Rückgriffsrecht zusteht und wie dieses ausge-

staltet ist (E. 2.3). Danach sind die Haftungsgrundlagen nach dem an-

wendbaren Staatshaftungsrecht darzustellen (E. 2.4 und E. 3 ff.). 

2.1 Die Analyse der Rechtsbegehren ergibt Folgendes: 

2.1.1 Gemäss Rechtsbegehren Ziff. 1 werden «aus Regress für den Ver-

sorgerschaden von D._______» ein Betrag von € 15'236.97 zuzüglich 

Zins zu 5 % seit dem mittleren Verfall sowie ein Betrag von € 127'772.92 

für zukünftigen Schaden verlangt.  

Beim ersten Betrag handelt es sich um die von der Beschwerdeführerin 

an D._______, den Sohn von C._______ sel., bezahlte Waisenrente. 

Diese Zahlung wurde erbracht. Es ist unbestritten, dass die Beschwerde-

führerin obligatorische Unfallversicherin der Arbeitgeberin von C._______ 

sel. war. Grundlage für die Zahlung einer Halbwaisenrente sind die §§ 63 

Abs. 1 Ziff. 3 und 67 Abs. 1 Ziff. 1 des (deutschen) Sozialgesetzbuches 

VII (SGB VII). Bei den Zahlungen handelt es somit um Leistungen aus ei-

ner – deutschen – Sozialversicherung, welche die Beschwerdeführerin di-

rekt dem Sohn des Versicherten erbracht hat.  

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Beim Betrag von € 127'772.92 soll es sich um einen Mittelwert der künfti-

gen Rentenzahlungen handeln, da noch nicht feststehe, wie lange die 

Ausbildung von D._______ dauere. Damit charakterisiert sich dieser Be-

trag als die mutmassliche Summe noch nicht erbrachter, zukünftiger Leis-

tungen aus einer – deutschen – Sozialversicherung. 

2.1.2 Gemäss Rechtsbegehren Ziff. 2 werden aus Regress betreffend 

Y._______ € 1'213.74 Rettungskosten (Rettungswagen und Rettungsheli-

kopter), € 3'720.-- Sterbegeld und € 4'577.37 Überführungskosten, zuzüg-

lich 5 % Zins seit Einreichung des Schadenersatzbegehrens verlangt. Aus 

den Ausführungen der Beschwerdeführerin und den Akten ergibt sich, 

dass nicht die vollen Kosten, welche die Y._______ in diesen Bereichen 

übernommen hat, geltend gemacht werden – die effektiven Bestattungs- 

und Bergungskosten betrugen gemäss den Akten € 7'948.38 bzw. 

€ 9'782.37 –, sondern lediglich die von der Beschwerdeführerin effektiv 

erbrachten Leistungen. Rechtsgrundlage für die Auszahlung der Ret-

tungskosten ist § 27 Ziff. 1 SGB VII, jene für das Sterbegeld und die 

Übernahme der Überführungskosten sind die §§ 63 Abs. 1 Ziff. 1 und 64 

Abs. 1, 2 und 3 SGB VII. Auch bei diesen Leistungen handelt es sich um 

Leistungen aus einer – deutschen – Sozialversicherung. 

2.1.3 Die Beschwerdeführerin macht somit gegenüber der Vorinstanz den 

Rückgriff einer deutschen Sozialversicherung auf eine – falls die Voraus-

setzungen gegeben sind – nach schweizerischem Recht Haftpflichtige 

geltend, und zwar für einen Unfall, den ein deutscher Staatsangehöriger 

in der Schweiz erlitt. Begünstigte der Versicherungsleistungen sind ein 

deutscher Staatsangehöriger sowie ein Unternehmen mit Sitz in Deutsch-

land. Festzuhalten ist, dass die von der Beschwerdeführerin erbrachten 

Leistungen – wie soeben ausgeführt (E. 2.1.1 f.) – gemäss dem in diesen 

Rechtsverhältnissen anwendbaren deutschen Recht ausgerichtet wurden. 

Dass hier deutsches Recht anwendbar war, wurde von keiner Partei 

bestritten und es bestehen daran auch keine Zweifel, da die Beteiligten 

an diesem Rechtsverhältnis (Sozialversicherung, Sohn des Copiloten, 

Y._______) ausschliesslich einen Bezug zu Deutschland aufweisen und 

einzig der Unfall sich in der Schweiz ereignete. 

2.2  

2.2.1 Da es sich bei der Frage des Rückgriffs um einen Sachverhalt mit 

internationalem Bezug handelt, ist zunächst zu prüfen, welche Rechts-

ordnung auf die Frage anwendbar ist, ob der Beschwerdeführerin über-

haupt ein Regressrecht zusteht, womit sie legitimiert wäre, den Anspruch 

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geltend zu machen. Es geht also um die Frage, ob in den Dreiecksver-

hältnissen Vorinstanz als (potenzielle) Schädigerin, Sohn des Copiloten 

einerseits bzw. Y._______ andererseits als Geschädigte und Beschwer-

deführerin als Versicherung Letztere aufgrund ihrer Ersatzleistung in die 

Position der beiden Geschädigten nachgerückt ist und/oder ob sie aus ei-

genem Recht einen Anspruch auf Ersatz der von ihr gegenüber den Ge-

schädigten erbrachten Leistungen hat. 

2.2.1.1 Das VG äussert sich zu dieser Frage weder in Bezug auf das an-

wendbare Recht noch stellt es selbst Regeln für den Rückgriff einer Ver-

sicherung auf den (potenziellen) Schädiger auf. Auch im Bereich des all-

gemeinen öffentlichen Rechts findet sich keine Antwort auf diese Fragen. 

Das allenfalls für die Beantwortung der Frage nach dem anwendbaren 

Recht analog anzuwendende Bundesgesetz über das Internationale Pri-

vatrecht vom 18. Dezember 1987 (IPRG, SR 291) behält in Art. 1 Abs. 2 

völkerrechtliche Verträge ausdrücklich vor. Damit kommt dessen Art. 144 

Abs. 3, welcher sich mit der Frage befasst, ob einer Einrichtung, die öf-

fentliche Aufgaben wahrnimmt, ein Rückgriffsrecht zusteht, bezüglich der 

Frage, ob ein Anspruch auf die Beschwerdeführerin übergegangen ist, 

schon aus diesem Grund nicht zum Tragen, denn die Schweiz hat inter-

nationale Verträge ratifiziert, die sich mit dieser Frage befassen. 

2.2.1.2 Nach dem Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweize-

rischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemein-

schaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (FZA, 

SR 0.142.112.681), insbesondere dessen Anhang II betreffend die Koor-

dinierung der Systeme der sozialen Sicherheit, kommt die Verordnung 

(EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971 (VO 1408/71; AS 2004 

121) zur Anwendung. Dies gilt vorliegend auch in zeitlicher Hinsicht, ist 

sie doch am 1. Juni 2002 in Kraft getreten und am 1. April 2012 ausser 

Kraft gesetzt worden und hat sich der Unfall in dieser Zeitspanne, am 

19. Dezember 2010, ereignet. Entgegen der Ansicht der Beschwerdefüh-

rerin sind somit für den Rückgriff nicht die Bestimmungen des Abkom-

mens zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Bun-

desrepublik Deutschland über Soziale Sicherheit vom 25. Februar 1964 

(SR 0.831.109.136.1 in der Fassung durch das Erste Zusatzabkommen 

vom 9. September 1975 [SR 0.831.109.136.121] und das Zweite Zusatz-

abkommen vom 2. März 1989 [SR 0.831.109.136.122]) massgebend 

(Art. 6 Bst. a VO 1408/71). 

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Seite 10 

2.2.1.3 Nach Art. 93 Abs. 1 Bst. a VO 1408/71 gilt, wenn nach den 

Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaates Leistungen für den Schaden 

gewährt werden, der sich aus einem im Gebiet eines anderen Mitglied-

staats eingetretenen Ereignisses ergibt, für etwaige Ansprüche des ver-

pflichteten Trägers gegen einen zum Schadenersatz verpflichteten Dritten 

die folgende Regelung: Sind die Ansprüche, die der Leistungsempfänger 

gegen den Dritten hat, nach den für den verpflichteten Träger geltenden 

Rechtsvorschriften auf diesen Träger übergegangen, so erkennt jeder 

Mitgliedstaat diesen Übergang an. Nach Bst. b ist auch ein Anspruch von 

allen Mitgliedstaaten anzuerkennen, wenn der verpflichtete Träger gegen 

den Dritten einen unmittelbaren Anspruch hat (vgl. BASILE CARDINAUX, 

Das Personenfreizügigkeitsabkommen und die schweizerische berufliche 

Vorsorge, Zürich/Basel/Genf 2008, Rz. 1546). Die verpflichtete Trägerin 

ist im vorliegenden Fall die Beschwerdeführerin, also eine deutsche Sozi-

alversicherung. Demzufolge ist die Frage, ob der Beschwerdeführerin ein 

Regressrecht zusteht, nach deutschem Recht zu beurteilen. 

2.3 Was das deutsche Recht anbelangt, gilt Folgendes:  

2.3.1 Die Beschwerdeführerin hat dargelegt, dass nach § 116 Abs. 1 des 

(deutschen) Sozialgesetzbuches X (SGB X) «ein auf anderen gesetzli-

chen Vorschriften beruhender Anspruch auf Ersatz eines Schadens» auf 

sie übergeht, «soweit [sie] auf Grund des Schadensereignisses Sozial-

leistungen zu erbringen hat, die der Behebung eines Schadens der glei-

chen Art dienen und sich auf den selben Zeitraum wie der vom Schädiger 

zu leistende Schadenersatz beziehen.» Die Vorinstanz macht in der Rep-

lik geltend, sie habe den Regressanspruch nach § 116 SGB X nicht aner-

kannt, sondern die Frage offengelassen.  

2.3.2 Ein solcher Regressanspruch ist jedoch grundsätzlich zu bejahen, 

da er Ansprüche aus dem gesamten Haftpflichtrecht umfasst (DIETER 

KRAUSKOPF/HORST MARBURGER, Die Ersatzansprüche nach § 116 SGB X, 

7. Aufl., St. Augustin 2013, S. 73; vgl. auch TILMAN BREITKREUZ, in: Die-

ring/Timme/Waschull [Hrsg.], Sozialgesetzbuch X, Sozialverwaltungsver-

fahren und Sozialdatenschutz, 3. Aufl., Baden-Baden 2011, § 116 N. 4; 

HELMUT DANKELMANN, § 7 Zusammenarbeit der Leistungsträger, in: Fich-

te/Plagemann/Waschull [Hrsg.], Sozialverwaltungsverfahrensrecht, Ba-

den-Baden 2008, Rz. 162), insbesondere auch Ansprüche aus der Amts-

haftung (RAIMUND WALTERMANN, in: Ralf Kreikebohm/Wolfgang Spell-

brink/Raimund Waltermann, Kurzkommentar zum Sozialrecht, 2. Aufl., 

München 2011, Rz. 16 zu § 116 SGB X) und auch solche gegen auslän-

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Seite 11 

dische Schädiger (HERMANN PLAGEMANN, in: Bernd Baron von Maydell/ 

Franz Ruland/Ulrich Becker [Hrsg.], Sozialrechtshandbuch SRH, 5. Aufl., 

Baden-Baden 2012, Rz. 21 zu § 166 SGB X). Beim Rückgriff nach § 116 

SGB X tritt der Sozialversicherungsträger an die Stelle des Versicherten 

(KRAUSKOPF/MARBURGER, a.a.O., S. 25 und 37). 

2.3.3 Selbstredend kann die Sozialversicherung nur an die Stelle eines 

Geschädigten treten, wenn Letzterer tatsächlich einen Anspruch gegen 

den Schädiger hat (vgl. DANKELMANN, a.a.O., § 7 Rz. 160), denn sonst 

besteht keine Forderung, die übergehen kann. Da diese Frage (ob der 

Geschädigten ein Ersatzanspruch gegen die Vorinstanz zustehen würde) 

aber vorliegend erst zu klären sein wird, ist für die Frage, ob der Be-

schwerdeführerin überhaupt ein Regressrecht zustehen würde, nur zu 

prüfen, ob ihr ein solches zustünde, wenn der Anspruch, den sie geltend 

machen will, bestünde (gleich wie auch die Legitimation des Geschädig-

ten zunächst unabhängig vom Ausgang des Verfahrens zu prüfen ist). Ei-

ne weitere Voraussetzung ist, dass der Schaden, den die Versicherung 

deckt und jener, den der Schädiger verursacht hat, in sachlicher und zeit-

licher Hinsicht kongruent sind (DIRK BIERESBORN, in: Bieresborn et al. 

[Hrsg.], SGB X, Sozialverwaltungsverfahren und Sozialdatenschutz, 

8. Aufl., München 2014, Rz. 5 und 16 zu § 116 SGB X; BREITKREUZ, 

a.a.O., Rz. 8 und 11 zu § 116 SGB X; PLAGEMANN, a.a.O., Rz. 7 zu § 116 

SGB X). Unter den anderen gesetzlichen Vorschriften, auf denen der An-

spruch auf Ersatz gemäss § 116 Abs. 1 beruhen muss (E. 2.3.1), sind An-

sprüche ausserhalb des SGB gemeint (BREITKREUZ, a.a.O., Rz. 4 zu 

§ 116 SBG X). Das bedeutet, dass es sich beim den Schadenersatzan-

spruch begründenden Ereignis um eines handelt, welches auf eine ge-

setzliche Vorschrift ausserhalb des SGB gegründet ist (DANKELMANN, 

a.a.O., § 7 Rz. 162; WOLFGANG GITTER/JOCHEM SCHMITT, Sozialrecht, 

5. Aufl., München 2001, § 22 Rz. 20). 

2.3.4 Der Anspruch geht grundsätzlich im Zeitpunkt des Schadensereig-

nisses von Gesetzes wegen auf die Sozialversicherung über (BIERES-

BORN, a.a.O., Rz. 2 zu § 116 SGB X; BREITKREUZ, a.a.O., Rz. 12 zu § 116 

SGB X; DANKELMANN, a.a.O., § 7 Rz. 161 und 164). Der Zweck der Vor-

schrift von § 116 Abs. 1 SBG X ist einerseits, Doppelleistungen an den 

Geschädigten (nämlich einmal durch die Versicherung und ein weiteres 

Mal durch den Schädiger) zu verhindern, andererseits soll auf diese Wei-

se der Schädiger sich nicht darauf berufen können, dem Geschädigten 

sei gar kein Schaden entstanden, weil dieser Schaden durch die Versi-

cherung gedeckt worden sei (PLAGEMANN, a.a.O., Rz. 5 zu § 116 SGB X; 

A-7102/2013 

Seite 12 

GITTER/SCHMITT, a.a.O., § 22 Rz. 19; vgl. auch BREITKREUZ, a.a.O., Rz. 1 

zu § 116 SGB X; BIERESBORN, a.a.O., Rz. 1a zu § 116 SGB X). 

2.3.5 Da die Beschwerdeführerin gehalten war, den Schaden zu decken 

(E. 2.1.1 f.), der Schadenersatz aus dem diesen begründenden Ereignis 

sich nicht auf das SBG stützt und die erstatteten Schadensposten mit je-

nen, die gegen die Vorinstanz geltend gemacht werden, kongruent sind, 

sind allfällige Forderungen der Geschädigten gegen die Vorinstanz im 

Umfang der von der Beschwerdeführerin geleisteten Zahlungen nach 

deutschem Recht auf diese übergegangen, was von der Schweiz anzuer-

kennen ist (E. 2.2.1.3). 

2.3.6  

2.3.6.1 Die Frage, ob ein Rückgriff möglich ist, ist von der Frage zu unter-

scheiden, wie dieser Rückgriff ausgestaltet ist. Da – wie nachfolgend ge-

zeigt wird – sowohl nach deutschem als auch nach schweizerischem 

Recht die Sozialversicherung durch Subrogation in die Stellung des ur-

sprünglichen Schuldners eintritt, kann hier offengelassen werden, ob sich 

die Frage, wie der Regress ausgestaltet ist, nach deutschem oder 

schweizerischem Recht richtet (bzw. ob diese Frage in Art. 93 Abs. 1 VO 

1408/71 abschliessend geregelt wird [vgl. E. 2.2.1.3] oder ob aufgrund 

des Fehlens einer völkerrechtlichen Vereinbarung Art. 144 Abs. 2 IPRG 

zur Anwendung gelangt). 

2.3.6.2 Gemäss deutschem Recht tritt die Sozialversicherung vollständig 

an die Stelle des Geschädigten. Sie kann den Anspruch gegen den 

Schädiger genau so geltend machen, wie es dem Schädiger möglich ge-

wesen wäre. Der Anspruch ist auf dem Rechtsweg geltend zu machen, 

den auch der Geschädigte hätte beschreiten müssen (BREITKREUZ, 

a.a.O., Rz. 2 zu § 116 SGB X; vgl. GITTER/SCHMITT, a.a.O., § 22 Rz. 22). 

2.3.6.3 Gemäss schweizerischem Recht gilt Folgendes: Der Versiche-

rungsträger tritt nach Art. 72 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 

2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, 

SR 830.1) im Zeitpunkt des Ereignisses bis auf die Höhe der gesetzlichen 

Leistungen in die Ansprüche der versicherten Person und ihrer Hinterlas-

senen gegenüber einem Dritten Haftpflichtigen ein (UELI KIESER, ATSG-

Kommentar, 2. Aufl., Zürich 2009, Rz. 172 f. zu Art. 72 ATSG; 

DERS./HARDY LANDOLT, Unfall – Haftung – Versicherung, Zürich 2011, 

N. 705; WALTER FELLMANN/ANDREA KOTTMANN, Schweizerisches Haft-

pflichtrecht Allgemeiner Teil, Bern 2012, Rz. 1756). Mit der Subrogation 

A-7102/2013 

Seite 13 

entsteht kein neuer, selbständiger Anspruch des Sozialversicherers. Er 

übernimmt durch Legalzession den Haftpflichtanspruch des Geschädig-

ten mit allen damit verbundenen Vor- und Nachteilen (Urteil des Oberge-

richts des Kantons Zürich HG 110264 vom 12. September 2013 E. 2.1; 

INGEBORG SCHWENZER, Obligationenrecht Allgemeiner Teil, 6. Aufl., Bern 

2012, Rz. 15.14; siehe dazu aber auch E. 3.3.1). Die gesetzliche Re-

gressordnung von Art. 51 Abs. 2 OR gilt für die regressierende Sozialver-

sicherung nicht; diese kann auch auf einen Kausalhaftpflichtigen greifen 

(Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Juni 2010, SG 

2010 Nr. 1626, E. 2.2.1; CLAIRE HUGUENIN, Obligationenrecht, Allgemei-

ner und Besonderer Teil, Zürich 2012 Rz. 2018; KIESER, a.a.O. Rz. 17 zu 

Art. 72 ATSG; FRÉDÉRIC KRAUSKOPF, Der Regressprozess, in: Walter 

Fellmann/Stephan Weber [Hrsg.], Haftpflichtprozess 2013 Heuristics and 

Biases, Persönlichkeitsschutz, Regressprozess, Substanzierung, Partei-

befragung und Gutachten, Zürich 2013, S. 73; SCHWENZER, a.a.O., 

Rz. 88.33). 

2.4 Im Gegensatz zur Frage, ob der Beschwerdeführerin ein Regress-

recht zusteht, richtet sich die Frage, ob Anspruch auf Schadenersatz be-

steht – mangels Vorliegen völkerrechtlicher Bestimmungen – gemäss 

Art. 133 Abs. 2 IPRG nach dem Recht des Staates, in welchem die uner-

laubte Handlung begangen worden ist (sog. Forderungsstatut). Gleiches 

wäre auch nach dem deutschen Kollisionsrecht der Fall (PLAGEMANN, 

a.a.O., Rz. 22 zu § 116 SGB X; vgl. auch KRAUSKOPF/MARBURGER, 

a.a.O., S. 34, DANKELMANN, a.a.O., Rz. 168). Im vorliegenden Fall von 

besonderer Bedeutung sind Fragen im Zusammenhang mit Verjährung 

und Verwirkung der Forderung (dazu E. 3.2 und 3.3). 

Demzufolge sind nachfolgend die Haftungsgrundlagen nach dem schwei-

zerischen Staatshaftungsrecht darzustellen. 

3.  

3.1 Eine Organisation im Sinn von Art. 19 VG haftet für den einem Dritten 

zugefügten Schaden nach den Art. 3-6 VG (Art. 19 Abs. 1 Bst. a VG; vgl. 

oben E. 1.1). Eine Schadenersatzpflicht der Organisation besteht dem-

nach ohne Rücksicht auf ein Verschulden seiner Organe und Angestellten 

(vgl. Art. 3 Abs. 1 VG), wenn kumulativ folgende Tatbestandsmerkmale er-

füllt sind: 

A-7102/2013 

Seite 14 

– Verhalten (Tun oder Unterlassen) eines Organs oder Angestellten der 

Organisation in Ausübung der mit den übertragenen öffentlich-

rechtlichen Aufgaben verbundenen Tätigkeit; 

– Widerrechtlichkeit des Verhaltens; 

– adäquater Kausalzusammenhang zwischen diesem Verhalten und 

dem Schaden; 

– (quantifizierter) Schaden (vgl. zum Ganzen: statt vieler BVGE 2010/4 

E. 3; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-353/2014 vom 24. Juli 

2014 E. 2.1, A-6735/2011 vom 30. April 2013 E. 5.1 und A-3924/2012 

vom 18. Februar 2013 E. 4.1 je mit zahlreichen Hinweisen; JAAG, 

a.a.O., Rz. 203 i.V.m. Rz. 51 ff., 65 ff., 96 ff. und 143 ff.; 

SCHMID/TAKEI, a.a.O., S. 111 f.; HEINZ REY, Ausservertragliches Haft-

pflichtrecht, 4. Aufl., Zürich 2008, Rz. 117). 

Die Haftungsvoraussetzungen Schaden, Widerrechtlichkeit und adäqua-

ter Kausalzusammenhang stimmen in ihrer Bedeutung mit den entspre-

chenden Begriffen im privaten Haftpflichtrecht überein (vgl. BGE 123 II 

577 E. 4d/bb; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-7918/2010 vom 

4. Juni 2012 E. 2.1 und A-1269/2008 vom 13. November 2009 E. 2.1; 

JAAG, a.a.O., Rz. 33, 51 und 97; JOST GROSS, Schweizerisches Staats-

haftungsrecht, 2. Aufl., Bern 2001, S. 169, 212 und 238 f.; NADINE MAY-

HALL, Aufsicht und Staatshaftung, Zürich/Basel/Genf 2008, S. 225 ff. und 

267 ff; REY, a.a.O., Rz. 117). 

3.2 Die Haftung des Bundes erlischt, wenn der Geschädigte sein Begeh-

ren auf Schadenersatz oder Genugtuung nicht innert eines Jahres seit 

Kenntnis des Schadens einreicht, auf alle Fälle nach zehn Jahren seit 

dem Tag der schädigenden Handlung des Beamten (Art. 20 Abs. 1 VG). 

Während also die relative Frist von einem Jahr an die Kenntnis des 

Schadens anknüpft, läuft die absolute Frist von zehn Jahren ab dem Tag 

der schädigenden Handlung und somit unabhängig vom Zeitpunkt des 

Schadenseintritts (BGE 136 II 187 E. 7; siehe aber auch: Urteil des Euro-

päischen Gerichtshofs für Menschenrechte Howald Moor und andere ge-

gen die Schweiz vom 11. März 2014, 52067/10 und 41072/11, § 70 ff.).  

3.2.1 Sowohl die relative als auch die absolute Frist sind Verwirkungsfris-

ten. Sie können somit – im Gegensatz zu einer Verjährungsfrist – grund-

sätzlich weder gehemmt oder unterbrochen noch erstreckt werden (BGE 

136 II 187 E. 6, 133 V 14 E. 6, 126 II 145 E. 2a [Letzterer mit umfangrei-

chen Literaturhinweisen] und ausführlich BGE 86 I 60 E. 5; Urteile des 

Bundesverwaltungsgerichts A-353/2014 vom 24. Juli 2014 E. 2.2.2, 

A-7102/2013 

Seite 15 

A-6121/2011 vom 11. Dezember 2012 E. 3.1, A-5588/2007 vom 

10. August 2012 E. 2.3 f. und A-7063/2007 vom 28. Mai 2008 E. 4.1.1; 

MAYHALL, a.a.O., S. 294; ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, 

Allgemeines Verwaltungsrecht, Zürich/St. Gallen, 6. Aufl., 2010, Rz. 795). 

Gewahrt wird die Frist in einem Verfahren nach Art. 19 VG durch die 

rechtzeitige Eingabe des Begehrens beim leitenden Organ der Organisa-

tion (JAAG, a.a.O., Rz. 239; für Verfahren, die beim EFD einzuleiten sind 

vgl. Art. 1 Abs. 1 der Verordnung zum Verantwortlichkeitsgesetz vom 

30. Dezember 1958 (SR 170.321) und Urteile des Bundesverwaltungsge-

richts A-1017/3023 vom 29. August 2013 E. 2.2.1 und A-5389/2011 vom 

7. Januar 2013 E. 3.2).  

3.2.2 Art. 20 Abs. 1 VG ist entsprechend der ähnlich lautenden Bestim-

mung von Art. 60 Abs. 1 OR auszulegen (MAYHALL, a.a.O., S. 294; 

CANDRIAN, a.a.O., S. 153 f.). Praxisgemäss beginnt dort die relative Frist 

mit der tatsächlichen Kenntnis des Verletzten vom Schaden und von der 

Person des Haftpflichtigen zu laufen; blosses «Kennen-müssen» reicht 

nicht (vgl. aber E. 3.2.4). Dem Geschädigten müssen alle tatsächlichen 

Umstände bekannt sein, die geeignet sind, eine Klage zu veranlassen 

und zu begründen (BGE 133 V 14 E. 6; Urteil des Bundesgerichts 

2C.1/1999 vom 12. September 2000 E. 3a; Urteile des Bundesverwal-

tungsgerichts A-353/2014 vom 24. Juli 2014 E. 2.2.3, A-3924/2012 vom 

18. Februar 2013 E. 4.2.1, A-5588/2007 vom 10. August 2012 E. 2.5 f., 

A-2526/2011 vom 7. August 2012 E. 5.1 und A-5798/2009 vom 16. Juni 

2011 E. 4.1).  

Was die Kenntnis von der Person des Ersatzpflichtigen anbelangt, ist zu 

berücksichtigen, dass im Staatshaftungsrecht die externe Haftung des 

Beamten ausgeschlossen ist – für den Schaden mithin ausschliesslich 

der Bund bzw. die mit Aufgaben des Bundes betraute, ausserhalb der or-

dentlichen Bundesverwaltung stehende Organisation haftet (vgl. Art. 3 

i.V.m. Art. 19 Abs. 1 VG) –, weshalb nicht erforderlich ist, dass der scha-

denverursachende Beamte oder Angestellte identifiziert werden kann (vgl. 

statt vieler: Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-2526/2011 vom 

7. August 2012 E. 5.1 und A-5798/2009 vom 16. Juni 2011 E. 4.1; KURT 

MEIER, Orientierungshilfen im Dschungel der Staatshaftung, plädoyer, 

Magazin für Recht und Politik 2008, Heft 4, S. 40 ff., S. 41). 

Kenntnis vom Schaden hat demnach, wer die schädlichen Auswirkungen 

der unerlaubten Handlung bzw. der Unterlassung so weit kennt, dass er 

A-7102/2013 

Seite 16 

in der Lage ist, für alle Schadensposten auf dem Prozessweg Ersatz zu 

verlangen (BGE 133 V 14 E. 6; Urteile des Bundesgerichts 2C_149/2013 

vom 15. April 2013 E. 3.2 und 2C_640/2011 vom 1. Februar 2012 E. 2.3; 

Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1017/2013 vom 29. August 

2013 E. 2.2.2, A-2526/2011 vom 7. August 2012 E. 5.1, A-5798/2009 vom 

16. Juni 2011 E. 4.1 und A-7063/2007 vom 28. Mai 2008 E. 4.1.2.1). Mit 

Bezug auf die Kenntnis über die Höhe des Schadens gilt, dass die Frist 

zu laufen beginnt, wenn der Geschädigte die wichtigen Elemente seines 

Schadens kennt, die ihm erlauben, dessen Grössenordnung zu bestim-

men und sein Staatshaftungsbegehren in den wesentlichen Zügen zu be-

gründen, ohne aber bereits wissen zu müssen, wie hoch dieser ziffern-

mässig ist (grundlegend: BGE 108 Ib 97 E. 1b und 1c; statt vieler: Urteil 

des Bundesgerichts 2C_149/2013 vom 15. April 2013 3.5; Urteile des 

Bundesverwaltungsgerichts A-353/2014 vom 24. Juli 2014 E. 2.2.4, 

A-1017/2013 vom 29. August 2013 E. 2.2.3, A-5389/2011 vom 7. Januar 

2013 E. 3.2 und A-5588/2007 vom 10. August 2012 E. 2.6; ROBERT K. 

DÄPPEN, in: Basler Kommentar, Obligationenrecht I, 5. Aufl., Basel 2011, 

Rz. 7 zu Art. 60 OR mit Hinweisen; THOMAS MEIER, Verjährung und Ver-

wirkung öffentlich-rechtlicher Forderungen, Zürich 2013, S. 151 f.; KARL 

OFTINGER/EMIL W. STARK, Schweizerisches Haftpflichtrecht, Band II/1, 

4. Aufl., Zürich 1987, § 16, Rz. 351). 

3.2.3 Generell ohne Bedeutung ist die Kenntnis der einschlägigen 

Rechtsnormen. Weil es sich bei der Frage, ob eine Schädigung wider-

rechtlich erfolgt ist, um eine Rechtsfrage handelt, kann der Beginn des 

Fristenlaufs nicht davon abhängen, ob Gewissheit über die Widerrecht-

lichkeit besteht. Vielmehr muss es genügen, wenn alle der für die Beurtei-

lung der Widerrechtlichkeit erforderlichen Sachverhaltselemente bekannt 

sind (vgl. im Ergebnis BGE 82 II 43 E. 1b; Urteile des Bundesverwal-

tungsgerichts A-3924/2012 vom 18. Februar 2013 E. 4.2.3 und 

A-5389/2011 vom 7. Januar 2013 E. 3.2). Gleiches gilt für die Adäquanz. 

3.2.4 In Rechtsprechung und Lehre haben sich zwei Ausnahmen heraus-

gebildet, bei deren Bejahung vom Grundsatz, dass «Kennen-müssen» 

nicht genügt, abgewichen werden kann (vgl. zum Nachfolgenden: RO-

LAND BREHM, Berner Kommentar, Obligationenrecht: Die Entstehung 

durch unerlaubte Handlungen, Art. 41 – 61 OR, 4. Aufl., Bern 2006, 

Rz. 60-60b zu Art. 60 OR, mit weiteren Nachweisen), nämlich wenn der 

Geschädigte (1) die wesentlichen Elemente des Schadens kennt, es aber 

in der Folge unterlässt, nähere Abklärungen vorzunehmen, die für die Er-

hebung einer Klage notwendig sind, oder (2) sich wider Treu und Glauben 

A-7102/2013 

Seite 17 

(Art. 2 ZGB) gleichgültig oder sogar total desinteressiert gegenüber dem 

Schaden verhält (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-5588/2007 vom 

10. August 2012 E. 2.9). 

3.3 Es stellt sich jedoch die Frage, ob die in E. 3.2 dargestellte Regelung 

der Verwirkung der Forderung gemäss Art. 20 Abs. 1 VG auch dann an-

wendbar ist, wenn die Ansprüche auf dem Regressweg durch eine Sozi-

alversicherung geltend gemacht werden. Zur Beantwortung dieser Frage 

ist auf das schweizerische Sozialversicherungsrecht als Forderungsstatut 

einzugehen (E. 2.4). Im Folgenden wird zuerst das Regressrecht in der 

schweizerischen Sozialversicherung dargestellt (E. 3.3.1), insbesondere 

auf die Verjährungsbestimmung von Art. 72 Abs. 3 ATSG eingegangen 

(E. 3.3.2 f.), dann der Frage nachgegangen, ob Art. 72 Abs. 3 ATSG auf 

die Verwirkungsfrist von Art. 20 Abs. 1 VG anzuwenden ist und was dies 

bedeutet (E. 3.3.4). 

3.3.1 Nach Art. 72 Abs. 3 ATSG bleiben auf die übergegangenen Ansprü-

che die ihrer Natur entsprechenden Verjährungsfristen anwendbar. Für 

den Regressanspruch des Versicherungsträgers beginnen jedoch die re-

lativen Fristen erst mit dessen Kenntnis seiner Leistungen und der Per-

son des Ersatzpflichtigen zu laufen. Die Sozialversicherung wird dem-

nach gegenüber dem ursprünglich Anspruchsberechtigten bevorzugt. 

Massgebend ist somit einerseits in der Regel der Zeitpunkt der leistungs-

festsetzenden Verfügung und andererseits jener, in der der Versiche-

rungsträger weiss, dass er auf einen Haftpflichtigen Regress nehmen 

kann (MARC M. HÜRZELER, Extrasystemische Koordination, Regress der 

Sozialversicherer auf Haftpflichtige, in: Steiger-Sackmann/Mosimann 

[Hrsg.], Handbücher für die Anwaltspraxis XI, Recht der sozialen Sicher-

heit, Rz. 36.53 ff.; KIESER, a.a.O., Rz. 19 zu Art. 72). Diese Bestimmung 

durchbricht das Subrogationsprinzip, d.h. den Grundsatz, dass die Haft-

pflichtansprüche des Geschädigten, der gleichzeitig Ansprüche aus Sozi-

alversicherung hat, mit dem Eintritt des schädigenden Ereignisses – tel-

quel – auf den Sozialversicherer übergehen (KRAUSKOPF, a.a.O., S. 90). 

Die Regelung rechtfertigt sich, weil der Umfang des Regresses sich nach 

den erbrachten Leistungen richtet und weil gewisse Sozialversicherun-

gen, insbesondere die Invalidenversicherung, ihre Leistungen nicht unmit-

telbar nach dem schädigenden Ereignis erbringen (GHISLAINE FRÉSARD-

FELLEY, Le recours de l'assurance-accidents sociale contre le tiers 

responsable ou son assureur, Zürich/Basel/Genf 2007, Rz. 1830). Auch 

wenn die Ansprüche grundsätzlich im Zeitpunkt des schädigenden Ereig-

nisses auf die Sozialversicherung übergehen, steht der Umfang der 

A-7102/2013 

Seite 18 

Subrogation nämlich allenfalls bis zum Zeitpunkt der Leistung in der 

Schwebe (HÜRZELER, a.a.O., Rz. 36.9). 

3.3.2 Was Art. 72 Abs. 3 ATSG bezüglich der Dauer der Verjährungsfrist 

des Regressanspruchs festhält, muss auch gelten, wenn es sich bei der 

Frist um eine Verwirkungsfrist handelt; für die übergegangenen Ansprü-

che gelten dieselben Verwirkungsfristen. Es stellt sich jedoch weiter die 

Frage, ob die Sonderbestimmung über den Beginn der Verjährungsfrist 

auch für den Beginn einer Verwirkungsfrist – wie jener von Art. 20 Abs. 1 

VG – gilt. Im Hinblick auf diese Frage ist Art. 72 Abs. 3 ATSG auszulegen. 

Im Resultat läuft eine solche «Verschiebung» des Beginns des Fristen-

laufs auf eine Hemmung des Laufs der Verwirkungsfrist hinaus, was dem 

Grundsatz, dass Verwirkungsfristen keiner Hemmung unterliegen, wider-

spricht (MEIER, a.a.O., S. 208). Ausnahmen können sich jedoch aus dem 

Gesetz ergeben (MEIER, a.a.O., S. 208). Es stellt sich somit die Frage, ob 

Art. 72 Abs. 3 ATSG eine solche Ausnahme darstellt, was durch Ausle-

gung der Bestimmung zu ermitteln ist. 

Ausgangspunkt jeder Auslegung bildet der Wortlaut der Bestimmung 

(sog. grammatikalische Auslegung). Ist der Text nicht ganz klar und sind 

verschiedene Interpretationen möglich, so muss nach der wahren Trag-

weite der Bestimmung gesucht werden unter Hinzuziehung aller Ausle-

gungselemente (sog. «Methodenpluralismus»; vgl. BGE 136 II 149 E. 3; 

Urteil des Bundesgerichts 1C_156/2011 vom 15. Juli 2011 E. 3.5.1; statt 

vieler: BVGE 2014/3 E. 2.4.1; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., 

Rz. 217). Zu berücksichtigen sind namentlich die Entstehungsgeschichte 

der Norm (sog. historische Auslegung), der Zusammenhang, in dem sie 

mit anderen Gesetzesbestimmungen steht (sog. systematische Ausle-

gung) sowie ihr Sinn und Zweck (sog. teleologische Auslegung). Dabei 

können – zumindest, sofern es sich um zu konkretisierende Generalklau-

seln handelt – die unterschiedlichen rechtspolitischen Ziele von Sozial-

versicherungs- und Haftpflichtrecht berücksichtigt werden (BGE 123 III 

110 E. 3a). Die Gesetzesmaterialien sind zwar nicht unmittelbar ent-

scheidend, dienen aber im Rahmen der historischen Auslegung als 

Hilfsmittel, den Sinn der Norm zu erkennen. Namentlich bei neueren Tex-

ten kommt den Materialien eine besondere Stellung zu, weil noch keine 

veränderten Umstände oder ein gewandeltes Rechtsverständnis beste-

hen, die eine andere Lösung nahelegen würden (BGE 136 II 149 E. 3, 

128 I 288 E. 2.4; BVGE 2014/8 E. 3.3). 

A-7102/2013 

Seite 19 

Da der Wortlaut von Art. 72 Abs. 3 ATSG bezüglich der zu klärenden Fra-

ge unklar ist – die Bestimmung erwähnt nur Verjährungs-, nicht aber Ver-

wirkungsfristen –, wird bei der Auslegung im Folgenden zuerst auf die 

Materialien eingegangen (E. 3.3.2.1), dann im Rahmen einer systemati-

schen Auslegung die Rechtslage bei der Subrogation einer privaten Ver-

sicherung nach Art. 72 Abs. 1 des Versicherungsvertragsgesetzes vom 

2. April 1908 (VVG, RS 221.229.1; E. 3.3.2.2) und der Fristbeginn der 

Verwirkung des Regressanspruchs nach Art. 51 Abs. 2 OR dargestellt 

(E. 3.3.2.3). Schliesslich werden auch teleologische Elemente beigezo-

gen (E. 3.3.2.4).  

3.3.2.1 Den Materialen lässt sich wenig entnehmen. Einzig die Kommis-

sion des Nationalrates für soziale Sicherheit und Gesundheit äussert sich 

in ihrem Bericht vom 26. März 1999 (BBl 1999 V 4523, 4653 f.) wie folgt: 

«Auszugehen ist vom Grundsatz, dass der Sozialversicherungsträger, der in 

einem Versicherungsfall Leistungen zu erbringen hat, auf einen haftpflichti-

gen Dritten Rückgriff nehmen kann. Dabei soll generell das Subrogati-

onsprinzip gelten. Die Rechte sollen im Zeitpunkt des Ereignisses und nicht 

erst im Zeitpunkt der Zahlung übergehen. […] Absatz 3 des bundesrätlichen 

Antrags befasst sich mit den Verjährungsfristen. Diese beginnen gemäss 

Bundesrat erst dann, wenn der Sozialversicherungsträger Kenntnis von sei-

ner Leistungspflicht und der Person des Ersatzpflichtigen, auf den Rückgriff 

genommen werden kann, hat. Es wird aber im bundesrätlichen Antrag nicht 

dargelegt, ob es sich dabei um die absolute oder die relative Verjährungsfrist 

handelt. Die Kommission empfiehlt, beide Verjährungsfristen in den Absatz 3 

aufzunehmen und zum Ausdruck zu bringen, dass mit dem Übergang der 

Ansprüche auch die diesen Ansprüchen entsprechenden Verjährungsfristen 

voll übergehen. Die absoluten Verjährungsfristen schützen die Haftpflichtigen 

vor weit zurückliegenden Forderungen. Die relativen Verjährungsfristen müs-

sen wesentlich kürzer sein. Sie sollen aber erst dann zu laufen beginnen, 

wenn der Versicherungsträger weiss, dass er zu leisten hat, und wenn er den 

Ersatzpflichtigen kennt. In diesem Sinne präzisiert die Kommission das An-

liegen des Bundesrats.» 

Ob eine Unterscheidung zwischen – relativen – Verjährungs- und Verwir-

kungsfristen zu machen ist, geht aus diesen Ausführungen nicht hervor. 

Allerdings würden sich die hier wiedergegebenen Argumente auf Verwir-

kungsfristen übertragen lassen. 

3.3.2.2 Was ähnliche Regelungen in anderen Rechtsgebieten anbelangt, 

geht nach Art. 72 Abs. 1 VVG der Ersatzanspruch, der dem Anspruchsbe-

rechtigten gegenüber dem Dritten aus unerlaubter Handlung zusteht, in-

soweit als der (private) Versicherer eine Entschädigung geleistet hat, – 

durch Legalzession – auf diesen über. An der Verjährung der Forderung 

A-7102/2013 

Seite 20 

ändert sich mit der Subrogation durch die Versicherung als neue Gläubi-

gerin nichts, d.h. es geht die begonnene Verjährung auf die Versicherung 

über; dieser bleibt nur die restliche Dauer der Verjährungsfrist, um die 

Forderung gegen den Haftpflichtigen geltend zu machen (WALTER FELL-

MANN/ANDREA KOTTMANN, Schweizerisches Haftpflichtrecht Band I, Bern 

2012, Rz 2959 und 3010, FRÉDÉRIC KRAUSKOPF/ALEXANDER MÜLLER, Die 

Verjährung von Regressrechten im Haftpflicht- und Privatversicherungs-

recht, HAVE – Haftpflicht und Versicherung 2006 S. 325 f.; KRAUSKOPF, 

a.a.O., S. 105; REY, a.a.O., Rz. 1715). Das Gleiche müsste auch für eine 

begonnene Verwirkungsfrist gelten, denn auch diese kann nur soweit mit 

der Haftpflichtforderung übergehen, als sie noch nicht verstrichen ist. 

Auch hier hätte wohl die (private) Versicherung, die in die Forderung 

subrogiert, lediglich die Restdauer der Verwirkungsfrist zur Verfügung, um 

die Forderung geltend zu machen (vgl. aber die nachfolgenden Ausfüh-

rungen zum Anspruch der Versicherung aufgrund von Art. 51 Abs. 2 OR).  

3.3.2.3 Neben der durch die Subrogation gemäss Art. 72 VVG überge-

gangenen Forderung hat die leistende (private) Versicherung jedoch eine 

selbständige Regressforderung aufgrund des Regressrechts, wie es sich 

aus der gesetzlichen Regressordnung von Art. 51 Abs. 2 OR ergibt 

(KRAUSKOPF, a.a.O., S. 94). Dieser Anspruch unterliegt einer anderen 

Verjährung als der Subrogationsanspruch (Urteil des Bundesgerichts 

4A_133/2014 vom 8. Juli 2014 E. 4.2). 

Die Regressforderung verjährt nach der bundesgerichtlichen Rechtspre-

chung ein Jahr seit dem Tag, an dem der Geschädigte den Schadener-

satz tatsächlich erhalten hat und dem Leistenden der andere Haftpflichti-

ge bekannt geworden ist («relative Verjährungsfrist»), in jedem Fall je-

doch 10 Jahre nach Eintritt der Schädigung oder bei andauernder Schä-

digung nachdem diese ein Ende gefunden hat («absolute Verjährung»; 

BGE 133 III 6 [= Pra 2007 Nr. 104] E. 5.3.3 und 5.3.5; Urteil des Bundes-

gerichts 4A_656/2011 vom 12. März 2012 E. 3.2 f.; HUGUENIN, a.a.O., 

Rz. 2314; KRAUSKOPF, a.a.O., S. 102). Diese Regelung trägt primär der 

Überlegung Rechnung, dass die Regressforderung erst mit der Zahlung 

an den Geschädigten entsteht, dass eine Forderung nicht zu verjähren 

beginnen kann, bevor sie entstanden ist und dass die Versicherung im-

mer erst zu einem späteren Zeitpunkt zahlt, als der Schaden entstanden 

ist (BGE 133 III 6 E. 5.2.1 S. 12 und 127 III 257 E. 6c; KRAUSKOPF, a.a.O., 

S. 95). 

A-7102/2013 

Seite 21 

Zur Frage, ob die eben erwähnte einjährige Frist auch zur Anwendung 

kommt, wenn die Geltendmachung der Haftpflichtforderung mittels einer 

Verwirkungs- und nicht mittels einer Verjährungsfrist begrenzt ist, ob al-

lenfalls – obwohl die Forderung gegen den Haftpflichtigen mangels Wah-

rung einer Verwirkungsfrist, wie derjenigen von Art. 20 Abs. 1 VG – unter-

gegangen ist, der Regressanspruch dennoch geltend gemacht werden 

kann, weil entsprechend einer Verjährungsfrist auch eine Verwirkungsfrist 

lediglich ab Entstehung der Regressforderung bzw. Kenntnis des anderen 

Haftpflichtigen laufen würde, gibt es weder Literatur noch Entscheide.  

Die Analyse des erwähnten Entscheids BGE 133 III 6 liefert jedoch wert-

volle Hinweise und würde wohl dazu führen, die bundesgerichtliche 

Rechtsprechung für die Verjährungsfrist nicht auch auf eine Verwirkungs-

frist anzuwenden: Entscheidend ist, dass das Bundesgericht bei seiner 

Argumentation primär darauf abstellt, dass eine verjährte Forderung als 

Naturalobligation weiter besteht (BGE 133 III 6 E. 5.3.4 S. 26). Es betont, 

dass diese weiter erfüllt werden könne (aber nicht müsse), dass ein sie 

sicherndes Faustpfand weiter geltend gemacht werden und mit ihr ver-

rechnet werden könne, dass ihre Bezahlung keine Bezahlung einer 

Nichtschuld sei. Demzufolge befreie die Leistung eines Solidarschuldners 

auch denjenigen andern Solidarschuldner, der nicht mehr zur Erfüllung 

hätte gezwungen werden können, weil seine Forderung verjährt war. Das 

Bundesgericht betont, dass damit auch die Passiven des anderen Soli-

darschuldners vermindert würden. Bei der Verwirkung stellt sich die 

Rechtslage grundlegend anders dar, worauf auch das Bundesgericht in 

der eben zitierten Erwägung hinweist («contrairement à la péremption 

[Verwirkung, perenzione]»): Durch die Verwirkung geht die Forderung un-

ter; es bleibt keine Naturalobligation bestehen. Die Forderung verliert 

nicht bloss ihre Durchsetzbarkeit, sondern geht ganz unter (GAUCH/ 

SCHLUEP/EMMENEGGER, Obligationenrecht Allgemeiner Teil, Band II, 

9. Aufl., Zürich 2008 Rz. 3386 und 3575; MEIER, a.a.O., S. 8). Es kann al-

so auch keine Forderung mehr erfüllt, es kann nicht mehr mit ihr verrech-

net werden etc. Es lässt sich somit nicht argumentieren, die Leistung der 

Versicherung befreie den anderen Solidarschuldner – den Schuldner der 

«verwirkten Forderung» – von einem Passivum, denn ein solches gibt es 

nicht mehr. All diese Gründe, mit denen das Bundesgericht im zitierten 

Entscheid das Ansetzen einer – neuen – Frist ab Entstehung der Re-

gressforderung rechtfertigt, sind bei der Verwirkung nicht gegeben.  

Aus der Rechtsfolge, dass die Forderung bei Eintreten der Verwirkung 

untergeht, ergibt sich, dass es gar nicht mehr mehrere Haftpflichtige gibt 

A-7102/2013 

Seite 22 

und sich die Frage des Rückgriffs unter mehreren Haftpflichtigen gar nicht 

mehr stellt (vgl. BGE 130 III 362 [= Pra 2005 Nr. 7] E. 5.2).  

Demzufolge würde es sich wohl rechtfertigen, im Rahmen von Art. 51 

Abs. 2 OR die Regressforderung nur dann zuzulassen, wenn die Haft-

pflichtforderung nicht bereits verwirkt ist. 

3.3.2.4 Das Bundesgericht hat sich mit dem gesetzlichen Ziel der Verwir-

kungsfrist von Art. 20 Abs. 1 VG ausführlich in BGE 86 I 60 auseinander-

gesetzt und dort festgehalten, dass sich die Verwirkungsfrist, welche nur 

mit Einreichen des Schadenersatzbegehrens, nicht aber mit einer ande-

ren Handlung wie einer Betreibung gewahrt werden könne, mit den Inte-

ressen der Verwaltung rechtfertigen lasse (BGE 86 I 60 E. 5 S. 66 unten). 

Mit der kurzen Verwirkungsfrist von Art. 20 Abs. 1 VG soll ein Geschädig-

ter gezwungen werden, seine Ansprüche gegenüber dem Staat umge-

hend geltend zu machen, damit für diesen feststeht, ob er belangt wird 

oder nicht. Geschützt werden die öffentlichen Interessen an Rechtssi-

cherheit, Rechtsfrieden und an der Herstellung von Budgetsicherheit 

(MEIER, a.a.O., S. 155). 

3.3.2.5 Nun ist aufgrund der dargestellten Auslegungselemente zu ent-

scheiden, ob der Zeitpunkt des Verjährungsbeginns nach Art. 72 Abs. 3 

ATSG auch für die Verwirkungsfrist nach Art. 20 Abs. 1 VG gilt.  

Die Anwendung von Art. 72 Abs. 3 ATSG auch auf Verwirkungsfristen 

würde dem in den Materialien genannten Grundsatz entsprechen, dass 

die leistende Sozialversicherung auf den haftpflichtigen Dritten Rückgriff 

nehmen kann. 

Anders als beim Regress gestützt auf Art. 51 Abs. 2 OR geht die Forde-

rung gegenüber den Haftpflichtigen jedoch nicht erst beim Erbringen der 

Versicherungsleistung auf den Sozialversicherungsträger über, sondern 

bereits im Zeitpunkt des versicherten Ereignisses (E. 2.3.6.3; vgl. auch 

E. 3.3.1 sowie für das deutsche Recht E. 2.3.4). Dies bedeutet zwar, dass 

die Regressforderung im Zeitpunkt des Übergangs auf jeden Fall noch 

nicht verwirkt ist. Für die Sozialversicherung ist dies jedoch von geringer 

Bedeutung. Die Verwirkung könnte nämlich eingetreten sein, bis die Ver-

sicherung überhaupt vom Versicherungsfall und von ihrer Leistungspflicht 

erfährt, und noch viel eher, bis sie ihre Leistung erbracht hat. Zudem 

wird – wie bei Art. 51 OR – der Regressumfang und damit ein wesentli-

ches Element für die Geltendmachung erst mit der Leistungsverfügung 

A-7102/2013 

Seite 23 

bestimmt; die Sozialversicherung könnte somit vor diesem Zeitpunkt ihr 

Begehren gar nicht beziffern. Dies spricht dafür, Art. 72 Abs. 3 ATSG auch 

auf eine Verwirkungsfrist anzuwenden. 

Gegen dessen Anwendung spricht die gleiche Argumentation wie bei 

Art. 51 Abs. 2 OR (E. 3.3.2.3), nämlich dass die Forderung gegen den 

Haftpflichtgen bei einer Verwirkungsfrist mit deren Ablaufen definitiv un-

tergegangen ist, entsprechend dem bereits erwähnten Ziel, dass der 

Staat sich innert kurzer Frist darüber im Klaren sein soll, ob gegen ihn 

nach einem schädigenden Ereignis ein Anspruch erhoben wird oder nicht. 

Dieses Argument verliert aber etwas an Bedeutung, da beim Rückgriff ei-

nes Sozialversicherungsträgers als Gläubiger und als Schuldner «staatli-

che» Rechtspersönlichkeiten (zumindest solche mit staatlichen Aufgaben) 

beteiligt sind, zwischen denen es den Schaden «zu verteilen» gilt, und 

nicht Private und der Staat. Zudem geht es vorliegend «nur» um die rela-

tive Verwirkungsfrist, deren Beginn für den (potentiellen) Schädiger – so-

fern er nicht von sich aus informiert – oft ungewiss ist. 

Während es bei Art. 51 Abs. 2 OR darum geht, mit der Kaskadenhaftung 

eine Versicherung, die die Schadenstragung vertraglich übernommen hat, 

den Schaden vor einem einzig aufgrund einer Gesetzesvorschrift Haften-

den tragen zu lassen, ist das Ziel von Art. 72 ATSG gerade umgekehrt: 

Nicht die Sozialversicherung soll schlussendlich den Schaden tragen, 

sondern der Haftpflichtige.  

In der Interessenabwägung überwiegen nach Meinung des Bundesver-

waltungsgerichts diejenigen der Sozialversicherung, der der Rückgriff er-

leichtert werden soll, so dass das Bundesverwaltungsgericht im Folgen-

den davon ausgeht, dass Art. 72 Abs. 3 ATSG auch für Verwirkungsfristen 

und insbesondere auch für jene nach Art. 20 Abs. 1 VG gilt, umso mehr, 

als die Verwirkung gemäss Art. 20 Abs. 1 VG – sofern der Staat Schuld-

ner ist – praxisgemäss nur berücksichtigt wird, wenn das Gemeinwesen 

einen entsprechenden Einwand erhebt (Urteil des Bundesverwaltungsge-

richts A-5798/2009 vom 16. Juni 2011 E. 4.4), was diese Frist wieder in 

die Nähe einer Verjährungsfrist rückt. Demzufolge muss ein Sozialversi-

cherungsträger seinen Anspruch gegen den Staat bzw. eine Organisation 

nach Art. 19 VG innert eines Jahres nach seiner Leistung und vom Zeit-

punkt an, in dem er den Ersatzpflichtigen kennt, geltend machen. 

3.3.3 Was diese «Kenntnis des Ersatzpflichtigen» anbelangt, muss vor-

weg geklärt werden, welche Elemente diese Kenntnis umfassen muss. Im 

A-7102/2013 

Seite 24 

Gegensatz zu Art. 60 Abs. 1 OR erwähnt Art. 72 Abs. 3 ATSG diesbezüg-

lich nämlich neben der eigenen Leistung des Sozialversicherers nur die 

Person des Ersatzpflichtigen, nicht aber den Schaden selber. Da aber der 

Versicherer nur in der Höhe seiner Leistungen in die Ansprüche eintritt 

(Art. 72 Abs. 1 ATSG), hat seine Kenntnis darüber zu genügen. Die Höhe 

des dem Geschädigten tatsächlich entstandenen Schadens ist für ihn hier 

nicht relevant. Die Frage stellt sich, ob mit der Formulierung «Kenntnis 

[…] der Person des Ersatzpflichtigen» nicht nur dessen Stellung als mög-

licher Ersatzpflichtiger, sondern auch die übrigen Elemente von dessen 

Verantwortlichkeit erfasst werden, wie sie in E. 3.1 umschrieben sind. 

Art. 72 Abs. 3 ATSG muss auch in dieser Beziehung ausgelegt werden 

(zu den Elementen der Auslegung vgl. E. 3.3.2).  

3.3.3.1 Vorwegzunehmen ist, dass die Kenntnis der Widerrechtlichkeit 

nicht relevant ist, handelt es sich doch hierbei um eine Rechtsfrage; das 

Gleiche gilt für die Adäquanz, auch bei dieser handelt es sich um eine 

Rechtsfrage (E. 3.2.3).  

3.3.3.2 Der Wortlaut der Bestimmung lässt die zwei genannten Möglich-

keiten offen (E. 3.3.3). Entweder genügt es, wenn die Identität der ersatz-

pflichtigen Person bekannt ist, oder es muss zusätzlich bekannt sein, 

dass diese Person aufgrund der tatsächlichen Umstände auch wirklich 

ersatzpflichtig ist, womit der Regressgläubiger auch Kenntnis von den üb-

rigen Elementen der Verantwortlichkeit haben muss. Damit sind die weite-

ren Auslegungselemente (E. 3.3.2) beizuziehen.  

3.3.3.3 Was das historische Element anbelangt, spricht der Bericht der 

Kommission des Nationalrates für soziale Sicherheit und Gesundheit vom 

26. März 1999 (BBl 1999 V 653 f.) nicht bloss von der Kenntnis der «Per-

son des Ersatzpflichtigen», sondern von der Kenntnis der Person des 

«Ersatzpflichtigen, auf den Rückgriff genommen werden kann». Voraus-

setzung dafür, dass auf diese Person Rückgriff genommen werden kann, 

ist, dass eben auch die einzelnen Elemente, die zur Leistungspflicht füh-

ren, bekannt sind. Zum gleichen Resultat führt auch das teleologische 

Auslegungselement: Art. 72 Abs. 3 ATSG will den Rückgriff einer Sozial-

versicherung erleichtern und nicht erschweren. Das systematische Ele-

ment spricht ebenfalls dafür, dass auch die tatsächlichen Grundlagen der 

weiteren Haftungsvoraussetzungen bekannt sein müssen, da die Re-

gressforderung ihren Grund in der Haftpflichtforderung hat, und für diese 

relevant ist, dass alle Elemente der Haftpflicht bekannt sind. Dazu gehört 

insbesondere die Kenntnis der natürlichen Kausalität (BREHM, a.a.O., 

A-7102/2013 

Seite 25 

Rz. 61a zu Art. 60 OR) sowie der Elemente, die der Rechtswidrigkeit zu 

Grunde liegen (E. 3.2.2 f.).  

3.3.3.4 Dies bedeutet, dass die Verwirkungsfrist des Regressanspruchs 

nach Art. 20 Abs. 1 VG beginnt, wenn die Sozialversicherung leistungs-

pflichtig ist, und wenn sie zusätzlich weiss, dass aufgrund des VG eine 

Haftpflicht für den Bund oder eine mit Aufgaben des Bundes betraute Or-

ganisation besteht und sie zudem auch die der Rechtswidrigkeit und der 

natürlichen Kausalität zu Grunde liegenden Sachverhaltselemente kennt. 

3.3.4 Demzufolge ist als Nächstes zu klären, ob im vorliegenden Fall die-

se Frist von Art. 20 Abs. 1 VG eingehalten wurde.  

3.3.4.1 Die Beschwerdeführerin hat ihr Schadenersatzbegehren am 

7. Mai 2013 eingereicht. Der Bescheid – die leistungsfestsetzende Verfü-

gung (E. 3.3.1) – betreffend die Kosten von Rettungswagen und Ret-

tungshelikopter wurde am 9. September 2011 erlassen, derjenige über 

Sterbegeld und Überführungskosten am 21. Oktober 2011. Was die Wai-

senrente anbelangt, ist als Bescheiddatum auf der Gesamtkostenaufstel-

lung vom 24.10.2012 (Beschwerdebeilagen act. 3/22) der 23. August 

2011 aufgeführt. Ein Schaden wird als Gesamtheit mit einer einzigen 

Verwirkungsfrist und nicht als eine Summe von Einzelposten mit je unter-

schiedlichen Verwirkungsfristen betrachtet (Urteil des Bundesverwal-

tungsgerichts A-5798/2009 vom 16. Juni 2011 E. 4.3 mit Hinweisen, bes-

tätigt vom Bundesgericht mit Urteil 2C_640/2011 vom 1. Februar 2012). 

Dies muss auch für die Geltendmachung von Regressansprüchen gelten; 

die auf ein schädigendes Ereignis zurückzuführenden Versicherungsleis-

tungen müssen als ein Leistungskomplex mit einheitlichem Fristbeginn 

gelten. Massgebend für das Element der Leistungspflicht ist somit spätes-

tens das letzte Datum, der 21. Oktober 2011. Seit diesem Datum war der 

Beschwerdeführerin nicht nur bekannt, dass ein Schaden entstanden war, 

sondern auch dessen Höhe. Da dieses Datum mehr als ein Jahr vor Ein-

reichen des Schadenersatzbegehrens am 7. Mai 2013 liegt, ist die Frist 

von Art. 20 Abs. 1 VG i.V.m. Art. 72 Abs. 3 ATSG nur dann gewahrt, wenn 

die Beschwerdeführerin erst im Jahr vor diesem Datum Kenntnis der wei-

teren Elemente hatte, insbesondere von der Vorinstanz als möglicherwei-

se nach VG Haftende und von den Elementen, die der Rechtswidrigkeit 

und dem natürlichen Kausalzusammenhang zu Grunde liegen. 

3.3.4.2 Damit ist entscheidend festzustellen, wann die Beschwerdeführe-

rin erfahren hat, dass die Vorinstanz allenfalls aufgrund des VG haftet, 

A-7102/2013 

Seite 26 

und wann sie Kenntnis von der nach ihrer Auffassung falschen Übermitt-

lung von Wetterinformationen durch den FISO der Vorinstanz erhalten 

hat, worin sie unter anderem die Ursache des Flugzeugabsturzes sieht 

(vgl. E. 6.1). Was die letzteren Informationen anbelangt, sind diese insbe-

sondere dem Schlussbericht der SUST (Schlussbericht Nr. 2140 der 

Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle SUST über den Unfall des 

Flugzeuges Raytheon 390, D-IAYL, vom 19. Dezember 2010 in Bever/GR 

[nachfolgend: Schlussbericht]) zu entnehmen. Bereits am 15. April 2011 

hatte sich die Beschwerdeführerin bei der SUST nach der Absturzursache 

erkundigt (Akten SUST 3/119). Akteneinsicht wurde ihr auf Ende Septem-

ber 2011 in Aussicht gestellt (Akten SUST 3/121); dass sie diese wahrge-

nommen hat, kann den Akten der SUST nicht entnommen werden. Eine 

weitere Anfrage seitens der Beschwerdeführerin erfolgte am 31. Oktober 

2011 (Akten SUST 3/125). Aus dem Mailaustausch innerhalb der SUST 

(Akten SUST 3.138 und 3.139) ergibt sich, dass die SUST der Beschwer-

deführerin den Entwurf zum Schlussbericht nicht zugestellt hat, sondern 

erst den Schlussbericht selbst. Hingegen ging der Entwurf am 25. Januar 

2012 an die Y._______, wobei die Zustellung via die deutsche Bundes-

stelle für Flugunfalluntersuchungen erfolgte. Dass die Y._______ den 

Entwurf erhalten hat, ergibt sich aus ihrer ebenfalls in den Akten der 

SUST enthaltenen Reaktion. Ob diese als Versicherungsnehmerin der 

Beschwerdeführerin den Entwurf an diese weitergeleitet hat, ist den Akten 

nicht zu entnehmen. Zweifel daran bestehen insofern, als der Entwurf des 

Schlussberichts den interessierten Kreisen mit einem ausdrücklichen 

Hinweis auf Vertraulichkeit («dürfen Dritten nicht bekannt gegeben wer-

den») zugestellt wurde. Hingegen hat die SUST der Beschwerdeführerin 

am 19. Juni 2012 ein Exemplar des genehmigten Schlussberichtes zuge-

stellt. 

3.3.5 Über den Zeitpunkt des Fristbeginns sind sich die Parteien nicht ei-

nig: 

3.3.5.1 Die Vorinstanz bezieht sich auf eine Zwischenverfügung des Bun-

desverwaltungsgerichts vom 24. März 2011 im Verfahren A-7918/2010, 

wo eine Sistierung bis zum Vorliegen des definitiven Berichts abgelehnt 

wurde. Dies wurde in jener Verfügung damit begründet, die Bundesstelle 

für Flugunfalluntersuchung BFU (heute: SUST) habe selber ausdrücklich 

auf den begrenzten Wert ihrer Dokumente für das Bundesverwaltungsge-

richt hingewiesen. Das Bundesverwaltungsgericht schloss, der definitive 

Untersuchungsbericht der BFU werde für das damalige Verfahren nicht 

von entscheidender Bedeutung sein. 

A-7102/2013 

Seite 27 

3.3.5.2 Dagegen bezieht sich die Beschwerdeführerin auf die Rechtspre-

chung des Bundesgerichts. Dieses hielt im Urteil 2A.149/1992 (und weite-

re) vom 3. Juni 1999 ohne weitere Begründung fest, obwohl die Flugun-

falluntersuchung nicht die Aufgabe habe, Grundlagen für die zivil- und 

strafrechtliche Beurteilung zu schaffen, könne von einer sicheren Kennt-

nis der tatsächlichen Umstände erst gesprochen werden, wenn der 

Schlussbericht der Eidgenössischen Flugunfall-Untersuchungskommis-

sion (heute: SUST) vorliege (E. 3d). Die Frist gemäss Art. 20 Abs. 1 VG 

beginne demnach ab dem Vorliegen des Schlussberichts zu laufen. 

3.3.5.3 Das Bundesverwaltungsgericht betonte in seiner Zwischenverfü-

gung vom 24. März 2011 (dazu E. 3.3.5.1) ausdrücklich den Kontext des 

damaligen Verfahrens und sprach im Übrigen davon, dass «im Moment» 

keine zureichenden Gründe für die beantragte Sistierung vorlägen und 

demnach eine Sistierung «zurzeit» mit dem Beschleunigungsgebot nicht 

vereinbar wäre. Damit hielt es sich die Möglichkeit offen, das Verfahren 

zu einem späteren Zeitpunkt – bis zum Vorliegen des definitiven Be-

richts – zu sistieren. Umgekehrt begründet das Bundesgericht (dazu 

E. 3.3.5.2) seine Auffassung nicht weiter. 

Im vorliegenden Verfahren wird nun – wie sich im Folgenden zeigen 

wird – bezüglich der Sachverhaltselemente stark auf den Schlussbericht 

der SUST abgestellt. Die entscheidenden (Sachverhalts-)Elemente, ins-

besondere jene, die für die Beantwortung der Frage, ob ein rechtlich rele-

vanter Kausalzusammenhang gegeben ist, von Bedeutung sind, waren 

erst nach Erscheinen des Schlussberichts bekannt. Der definitive 

Schlussbericht erfuhr gegenüber dem Entwurf einige Änderungen, so 

auch in Bezug auf die Frage der Wetterverhältnisse, die für die Argumen-

tation der Beschwerdeführerin zentral sind. Damit ist für den vorliegenden 

Fall festzuhalten, dass erst mit Vorliegen (und Zustellung) des definitiven 

Schlussberichts der SUST an die Beschwerdeführerin für diese alle rele-

vanten Elemente feststanden, damit sie ein Schadenersatzbegehren ein-

reichen konnte. Erst ab diesem Datum lief damit für die Beschwerdefüh-

rerin die Verwirkungsfrist.  

3.3.5.4 Selbst wenn davon ausgegangen würde, bereits mit Vorliegen des 

Entwurfs des Schlussberichts seien alle Sachverhaltselemente bekannt 

gewesen, wäre unter Hinzuziehung von Art. 72 Abs. 3 ATSG darauf hin-

zuweisen, dass der Entwurf der Beschwerdeführerin nicht bekannt war 

und für sie damit – in Durchbrechung des Subrogationsprinzips 

(E. 3.3.1) – die Frist erst mit Zustellung des endgültigen Schlussberichts 

A-7102/2013 

Seite 28 

an sie zu laufen begann, zumal sie sich um eine entsprechende Akten-

einsicht bemühte und ihr damit jedenfalls keine Untätigkeit vorgeworfen 

werden könnte. 

3.3.6 Demzufolge wurde die Frist von Art. 20 Abs. 1 VG (allenfalls i.V.m. 

Art. 72 Abs. 3 ATSG) gewahrt und es sind die materiellen Voraussetzun-

gen einer Haftung der Vorinstanz nach dem VG zu prüfen (E. 3.1). 

4.  

Umstritten ist insbesondere, ob zwischen dem behaupteten Fehlverhalten 

des FISO bzw. der Vorinstanz und dem Unfall ein Kausalzusammenhang 

besteht. Nachfolgend werden deshalb die Regeln zum adäquaten (E. 4.1) 

und zum hypothetischen (E. 4.2) Kausalzusammenhang in Erinnerung 

gerufen und es wird auf das Beweismass (E. 4.3) und den Gefahrensatz 

(E. 4.4) sowie auf die Unterbrechung des Kausalzusammenhangs (E. 4.5) 

eingegangen. Im Anschluss daran werden die Bedingungen dargestellt, 

die die Pflichten von Flugplatzhaltern (E. 5.1) und Piloten (E. 5.2) regeln. 

4.1 Ein rechtlich relevanter – adäquater – Kausalzusammenhang zwi-

schen einem schädigenden Verhalten und dem eingetretenen Schaden 

besteht nicht bereits dann, wenn das in Frage stehende Verhalten – im 

Sinn der natürlichen Kausalität – eine notwendige Bedingung (eine condi-

tio sine qua non) für den Eintritt des Schadens ist. Vielmehr ist zusätzlich 

erforderlich, dass das betreffende, natürlich kausale Verhalten nach dem 

gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung an 

sich geeignet war, den eingetretenen Erfolg zu bewirken, so dass der Ein-

tritt dieses Erfolgs als durch die fragliche Tatsache allgemein begünstigt 

erscheint. Die Adäquanz beurteilt sich aufgrund einer objektiv-

retrospektiven Betrachtung (zum Ganzen: BGE 129 II 312 E. 3.3 und 123 

III 110 E. 3a; Urteile des Bundesgerichts 2C_936/2012 vom 14. Januar 

2013 E. 2.3, 6P.98/2006, 6S.206/2006, 6P.107/2006 und 6S.205/2006 

vom 20. Oktober 2006 E. 2.4 f. und 4C.343/2003 vom 13. Oktober 2004 

6.1; BVGE 2010/4 E. 4.1; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 

A-7918/2010 vom 4. Juni 2012 E. 3.3.2; JAAG, a.a.O., Rz. 143; JOST 

GROSS, a.a.O., S. 194 f.; REY, a.a.O., Rz. 525 ff.). 

4.2 Bei Unterlassungen kann nicht im gleichen Sinn von Kausalität ge-

sprochen werden wie bei Handlungen, da es bei Unterlassungen nur um 

eine Kausalität der nicht erfolgten Handlung gehen kann, die hypothetisch 

zum eingetretenen Erfolg in Beziehung gesetzt wird. Es handelt sich mit 

anderen Worten um einen hypothetischen Kausalzusammenhang, der nur 

A-7102/2013 

Seite 29 

dann gegeben ist, wenn die erwartete Handlung nicht hinzugedacht wer-

den kann, ohne dass der Erfolg höchstwahrscheinlich entfiele (BGE 132 

III 305 E. 3.5 und 115 II 440 E. 4c und 5b; JAAG, a.a.O., Rz. 144; JOST 

GROSS, a.a.O., S. 197; REY, a.a.O., Rz. 595 f.). Das Werturteil, welches 

sonst bei der Beurteilung der Adäquanz zu fällen ist und auf der allgemei-

nen Lebenserfahrung basiert, fliesst bei der Feststellung des hypotheti-

schen Kausalzusammenhangs in die Gesamtbetrachtung des Unterlas-

sens ein (vgl. BGE 132 III 715 E. 2.3 und 115 II 440 E. 5a; Urteile des 

Bundesgerichts 4A_48/2010 vom 9. Juli 2010 E. 7.2 und 2C_834/2009 

vom 19. Oktober 2010 E. 2.3; BVGE 2010/4 E. 4.2.2; Urteil des Bundes-

verwaltungsgerichts A-1269/2008 vom 13. November 2009 E. 3.3.2; REY, 

a.a.O., Rz. 599). 

Eine Unterlassung ist allerdings nur dann als Ursache eines Schadens zu 

betrachten, wenn eine entsprechende Pflicht zum Handeln besteht. Die 

Prüfung des hypothetischen Kausalzusammenhangs vollzieht sich damit 

in zwei Schritten. Zunächst ist abzuklären, ob sich aus einer bestimmten 

Verhaltensnorm eine Pflicht zum schadensverhindernden Handeln ergibt; 

eine solche lässt sich nicht nur aufgrund der Verletzung von Normen des 

geschriebenen Rechts, sondern auch mit Hilfe des Gefahrensatzes fest-

stellen (vgl. BGE 132 II 305 E. 4.1; unten E. 4.4). Eine auf diese Weise 

ermittelte pflichtgemässe – im konkreten Einzelfall aber unterlassene – 

Handlung ist im Weiteren auf ihre Beziehung zum eingetretenen Erfolg zu 

untersuchen: Hätte die Handlung, die bei Beachtung der Verhaltensnorm 

vorzunehmen gewesen wäre, den Erfolg höchstwahrscheinlich verhindert, 

wird daraus der Schluss gezogen, die Unterlassung sei hypothetisch kau-

sal für den Schaden (zum Ganzen: Urteile des Bundesverwaltungsge-

richts A-7918/2010 vom 4. Juni 2012 E. 3.3.2 und A-1269/2008 vom 

13. November 2009 E. 4.3; REY, a.a.O., Rz. 593 und 602; JOST GROSS, 

a.a.O., S. 197; KIESER/LANDOLT, a.a.O., Rz. 493, 539 ff.).  

4.3 Nach ständiger Rechtsprechung gilt für den Nachweis des natürlichen 

Kausalzusammenhangs das Beweismass der überwiegenden Wahr-

scheinlichkeit. Dies bedeutet, dass nicht ein strikter und absoluter Beweis 

erforderlich ist. Vielmehr hat sich das Gericht mit derjenigen Gewissheit 

zufrieden zu geben, die nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der 

Lebenserfahrung verlangt werden kann (vgl. dazu, je mit Hinweisen, 

BGE 132 III 715 E. 3.2, 128 III 271 E. 2b/aa, 121 III 358 E. 5 und 107 II 

269 E. 1b; Urteile des Bundesgerichts 8C_747/2013 vom 18. März 2014 

E. 3.2 f. und 4A_633/2011 vom 23. Februar 2012 E. 2; Urteile des Bun-

desverwaltungsgerichts A-5588/2007 vom 10. August 2012 E. 9.4.2 und 

A-7102/2013 

Seite 30 

A-2526/2011 vom 7. August 2012 E. 8.1; BREHM, a.a.O., Rz. 117 zu 

Art. 41 OR). Der Beweis gilt als erbracht, wenn für die Richtigkeit der 

Sachbehauptung nach objektiven Gesichtspunkten derart wichtige Grün-

de sprechen, dass andere denkbare Möglichkeiten nicht massgeblich in 

Betracht fallen. Bei der Frage, ob nicht nur ein natürlicher, sondern auch 

ein adäquater Kausalzusammenhang gegeben ist, handelt es sich hinge-

gen um eine Rechtsfrage. 

4.4  

4.4.1 Der Gefahrensatz besagt, dass derjenige, der einen gefährlichen 

Zustand schafft oder unterhält, der einen anderen schädigen könnte, die 

zur Vermeidung eines Schadens erforderlichen Vorsichtsmassnahmen zu 

ergreifen hat. Der Gefahrensatz ist bei der Verletzung von absoluten 

Rechtsgütern – im Gegensatz zu reinen Vermögensschäden (BGE 124 III 

297 E. 5b und 119 II 127 E. 3 mit Hinweisen) – geeignet, bei Fehlen einer 

spezifischen Schutznorm die Widerrechtlichkeit zu begründen. Er dient 

einerseits der Beurteilung des Kausalzusammenhangs zwischen einer 

Unterlassung und dem eingetretenen Schaden, andererseits ist ihm zu 

entnehmen, dass eine Vernachlässigung der gebotenen Schutzmass-

nahmen eine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht resp. Sorgfalts-

pflicht darstellt (BGE 126 III 113 E. 2a/aa; Urteile des Bundesgerichts 

4A_104/2012 vom 3. August 2012 E. 2.1, 4A_520/2007 vom 31. März 

2008 E. 2.1, 4C.119/2000 vom 2. Oktober 2000 E. 2b und 4C.280/1999 

vom 28. Januar 2000 E. 1a, je mit Hinweisen; Urteil des Bundesverwal-

tungsgerichts A-7918/2010 vom 4. Juni 2012 E. 4.3.2.3; vgl. auch HEIN-

RICH HONSELL/BERNHARD ISENRING/MARTIN A. KESSLER, Schweizerisches 

Haftpflichtrecht, 5. Aufl., Zürich 2013, § 4 N. 35; REY, a.a.O., Rz. 753). Im 

vorliegenden Zusammenhang interessiert einzig seine Funktion im Rah-

men des hypothetischen Kausalzusammenhangs. 

4.4.2 Inwiefern solche Verkehrssicherungspflichten bestehen und wie weit 

sie im Einzelnen reichen, hängt von den Umständen des Einzelfalls ab, 

wobei als Massstab insbesondere gesetzliche Sicherheitsvorschriften für 

den Betrieb einer spezifischen Anlage heranzuziehen sind (Urteil des 

Bundesgerichts 4A_22/2008 vom 10. April 2008 E. 15.1). Das Bundesge-

richt hat sich detailliert zu den Voraussetzungen und den Grenzen der 

Verletzung des Gefahrensatzes resp. von Verkehrssicherungspflichten 

geäussert (z.B. BGE 130 III 193 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 

4A_235/2007 vom 1. Oktober 2007 E. 5.2 auch zum Folgenden). Die 

Verkehrssicherungspflicht verlangt, dass der Benutzer einer Anlage vor 

nicht ohne weiteres erkennbaren Gefahren, die sich als eigentliche Fallen 

A-7102/2013 

Seite 31 

erweisen und die auch bei vorsichtigem Verhalten nicht vermieden wer-

den können, geschützt werden muss. Grundsätzlich wird davon ausge-

gangen, dass eine Sache oder Anlage gemäss ihrer Bestimmung benutzt 

wird. Nicht jede Gefahrenquelle stellt auch einen Mangel dar, dem durch 

den Verantwortlichen im Rahmen seiner Verkehrssicherungspflichten 

Rechnung getragen werden müsste (BGE 123 III 306 E. 3b/aa; Urteil des 

Bundesgerichts 4A_612/2010 vom 14. Februar 2011 E. 2.3). Die Grenze 

der Verkehrssicherungspflicht bildet die Zumutbarkeit, wobei Schutz-

massnahmen nur im Rahmen des nach der Verkehrsübung Erforderlichen 

und Möglichen verlangt werden können. Eine weitere Schranke der Ver-

kehrssicherungspflicht liegt gemäss Bundesgericht in der Selbstverant-

wortung des Einzelnen. Der Verantwortliche ist nicht dazu verpflichtet,  

alle erdenklichen Sicherheitsvorkehren zu treffen, um eine drohende Ge-

fahr schadlos abzuwenden. Erwartet wird, was besondere Vorschriften 

explizit verlangen oder was sich aufgrund allgemein gebotener Vorsichts-

regeln und nach Lage der Verhältnisse als erforderliche, zweckmässige 

und zumutbare Sicherheitsmassnahme erweist. Dabei hängt der Umfang 

der Schutzpflicht auch von den Kenntnissen bzw. der Schutzbedürftigkeit 

der beteiligten Personen ab. Je grösser die Schutzbedürftigkeit und je 

grösser das Risiko einer eintretenden Gefahr, desto umfangreicher sind 

auch die zu treffenden Vorsichtsmassnahmen auszugestalten. Von der 

geschädigten Person kann jedoch immer auch verlangt werden, dass sie 

die den Umständen und ihren Kenntnissen entsprechende und im Durch-

schnitt übliche Sorgfalt anwendet und sich der seiner Tätigkeit inhärenten 

Gefahren bewusst ist (BGE 123 III 306 E. 3b; Urteile des Bundesgerichts 

4A_612/2010 vom 14. Februar 2011 E. 2.3 und 5.3 und 4A_235/2007 

vom 1. Oktober 2007 E. 5.2; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 

A-7918/2010 vom 4. Juni 2012 E. 4.3.2.4 f.; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜL-

LER, a.a.O., § 62 Rz. 40 f.). 

4.5 Im Rahmen der Kausalitätsprüfung ist auch zu untersuchen, ob ein 

Unterbrechungsgrund vorliegt (kritisch zum Ausdruck «Unterbrechung» 

der Adäquanz BREHM, a.a.O., Rz. 136 zu Art. 41 OR mit Nachweisen). Zu 

den Unterbrechungsgründen gehören höhere Gewalt, schweres Drittver-

schulden oder schweres Selbstverschulden (vgl. Urteile des Bundesge-

richts 2C_843 vom 19. Oktober 2010 E. 2.3, 6P.98/2006, 6S.206/2006, 

6P.107/2006 und 6S.205/2006 vom 20. Oktober 2006 E. 2.4.2 und 

5C.63/2004 vom 9. Juni 2004 E. 3.1.1; Urteile des Bundesverwaltungsge-

richts A-5588/2007 vom 10. August 2012 E. 9.3, A-1432/2011, 

A-1449/2011 und A-1470/2011 vom 1. September 2011 E. 7.3 mit Nach-

weisen). Letzteres liegt vor, wenn das Selbstverschulden so schwerwie-

A-7102/2013 

Seite 32 

gend ist, dass die andere Handlung völlig in den Hintergrund tritt (vgl. 

BGE 130 III 182 E. 5.4 mit Hinweisen; JOST GROSS, a.a.O., S. 349). 

Leichtes Selbstverschulden ist bei der Bemessung des Schadenersatzes 

als Reduktionsgrund zu berücksichtigen (vgl. Art. 4 VG; vgl. Art. 43 Abs. 1 

OR; JOST GROSS, a.a.O., S. 349; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., 

S. 580 § 62 Rz. 17). 

5.  

5.1 Für den Betrieb eines Flugplatzes, der dem öffentlichen Verkehr dient, 

ist eine Betriebskonzession erforderlich, welche vom UVEK erteilt wird 

(Art. 36a Abs. 1 LFG). Mit dieser Konzessionierung wird das Recht verlie-

hen, einen Flughafen gewerbsmässig zu betreiben und insbesondere 

Gebühren zu erheben. Der Konzessionär hat die Pflicht, den Flughafen 

für alle Luftfahrzeuge im nationalen und internationalen Verkehr zur Ver-

fügung zu stellen – dies unter Vorbehalt der im Betriebsreglement festge-

legten Einschränkungen. Zudem hat er einen ordnungsgemässen, siche-

ren Betrieb zu gewährleisten und für die dafür erforderliche Infrastruktur 

zu sorgen (Art. 36a Abs. 2 LFG). 

5.1.1 Der Flugplatzhalter (nachfolgend E. 5.1.2) ist verpflichtet, das so-

eben genannte Betriebsreglement zu erlassen (Art. 36c Abs. 1 LFG), wel-

ches dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) zur Genehmigung zu unter-

breiten ist (Art. 36c Abs. 3 LFG). In diesem Reglement sind die im Sach-

plan Infrastruktur der Luftfahrt, in der Konzession oder in der Betriebsbe-

willigung sowie in der Plangenehmigung vorgegebenen Rahmenbedin-

gungen konkret auszugestalten (Art. 36c Abs. 2 LFG; JAAG/HÄNNI, a.a.O., 

S. 364 ff. Rz. 65 ff.). 

5.1.2 Flugplätze müssen so ausgestaltet, organisiert und geführt sein, 

dass der Betrieb geordnet ist und die Sicherheit für Personen und Sachen 

bei der Bereitstellung von Luftfahrzeugen, beim Ein- und Aussteigen, 

beim Beladen und Entladen, beim Rollen mit Flugzeugen oder Boden-

fahrzeugen, bei Starts und Landungen sowie bei An- und Abflügen stets 

gewährleistet ist (Art. 3 Abs. 1 der Verordnung vom 23. November 1994 

über die Infrastruktur der Luftfahrt [VIL, SR 748.131.1]). Zur Erfüllung die-

ser Aufgabe ernennt der Flughafenhalter einen Flugplatzleiter, dem die 

Verantwortung insbesondere für die Sicherheit auf dem Flughafen und für 

die Organisation des Flughafens obliegt (vgl. Art. 29c ff. VIL und die Flug-

platzleiterverordnung vom 13. Februar 2008 [SR 748.131.121.8]). Das 

An- und Abflugverfahren sowie der Schutz der Flughafenbenutzer vor Un-

fällen und Gefahren der Technik und des Betriebs sind insbesondere 

A-7102/2013 

Seite 33 

durch Benutzungsvorschriften im Betriebsreglement (vgl. Art. 23 Bst. c 

und d VIL) sicherzustellen (zum Ganzen: BVGE 2010/4 E. 4.3; 

JAAG/HÄNNI, a.a.O., S. 351 Rz. 19 und S. 372 Rz. 89). 

5.1.3 Für Flugplätze, Luftfahrthindernisse, das Vermessen des Geländes 

und den Bau von Flugsicherungsanlagen sind die Normen und Empfeh-

lungen der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) in den An-

hängen 3, 4, 10, 11, 14 und 15 zum Übereinkommen vom 7. Dezember 

1944 über die Internationale Zivilluftfahrt (SR 0.748.0; IZÜ) sowie die da-

zugehörigen technischen Vorschriften unmittelbar anwendbar (Art. 3 

Abs. 1bis VIL). 

5.1.4 Gemäss Ziff 1.1 des Anhangs 14 zum IZÜ (nachfolgend: Anhang 14; 

http://www.bazl.admin.ch  Dokumentation  Anhänge zur Konvention 

der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO)  ICAO Annex 14, 

Aerodromes, Volume I - Aerodrome Design and Operations [letztmals be-

sucht am 6. Oktober 2014]) ist das Safety management system (SMS)  

«A systematic approach to managing safety including the necessary or-

ganizational structure accountabilities, policies and procedures». Flughä-

fen sollen nur zertifiziert werden, wenn ein Manual, in dem unter anderem 

ein SMS festgehalten wird, eingereicht wird (Ziff. 1.4.4 Anhang 14). Als 

Minimalkriterien werden festgelegt (Ziff. 1.5.3 Anhang 14): «a) identifies 

safety hazards; b) ensures the implementation of remedial action neces-

sary to maintain agreed safety performance; c) provides for continuous 

monitoring and regular assessment of the safety performance; and 

d) aims at a continuous improvement of the overall performance of the 

safety management system.» 

Anhang 7 zu Anhang 14 (im gleichen Dokument wie Anhang 14 enthal-

ten) befasst sich eingehender mit dem SMS. Das Rahmenprogramm 

setzt sich aus vier Komponenten mit insgesamt zwölf Elementen zusam-

men. Die Umsetzung dieses Rahmenprogramms soll dabei der Grösse 

der Organisation und der Komplexität der angebotenen Leistungen ent-

sprechen. Allerdings finden sich hier vor allem allgemein gehaltene Emp-

fehlungen. 

5.1.5 Art. 29e VIL hält fest, dass der – vom Flughafenhalter ernannte und 

vom BAZL zugelassene (Art. 29c VIL) – Flugplatzleiter oder die Flugplatz-

leiterin die technische und die betriebliche Organisation des Flugplatzes 

regelt (Abs. 1), den Betrieb freigibt oder einschränkt und die entspre-

chende Bekanntmachung veranlasst (Abs. 2) und dafür sorgt, dass die 

A-7102/2013 

Seite 34 

Luftfahrtinformationen über den Flugplatz korrekt sind, und gegebenen-

falls die erforderlichen Publikationen veranlasst (Abs. 3). Art. 29g Abs. 1 

VIL bestimmt zudem, dass alle Personen auf dem Flugplatz die Anwei-

sungen des Flugplatzleiters oder der Flugplatzleiterin zu befolgen haben.  

5.1.6 Andere Regelungen, die nicht durch die Flughafenhalter zu treffen 

(und durch das BAZL zu genehmigen) sind (neben dem Betriebsregle-

ment haben Flughafenhalter beispielsweise die Sicherheitszonenpläne 

festzulegen), werden durch das BAZL erlassen, so z.B. ergänzende Wei-

sungen und Richtlinien zur Gewährleistung eines hohen Sicherheitsstan-

dards sowie Hindernisbegrenzungskataster (JAAG/HÄNNI, a.a.O., S. 366 

Rz. 73). 

5.2  

5.2.1 Der Luftraum der Klasse G gehört zum nicht überwachten Luftraum 

(Art. 1 VVR, Stichwort «kontrollierter Luftraum» e contrario). Art. 38 Abs. 1 

VVR bestimmt, dass in einem Luftraum der Klasse G bei Tag Flüge nach 

VFR so durchzuführen sind, dass folgende Mindestwerte für Flugsicht 

und Abstand von den Wolken eingehalten werden können (vgl. auch RO-

LAND MÜLLER, Recht der Luftfahrt, 8. Aufl. 2007, Kapitel 4-7, S. 1): 

– Ausserhalb von Wolken muss mit ständiger Sicht auf den Boden oder 

das Wasser geflogen werden können. 

– Die Flugsicht muss grundsätzlich 5 km betragen, darf aber bis 1,5 km 

betragen, sofern die Fluggeschwindigkeit jederzeit eine Umkehrkurve 

innert Sichtweite gestattet und andere Luftfahrzeuge oder Hindernisse 

rechtzeitig erkannt werden können. 

Diese Regeln richten sich an den Kommandanten eines Luftfahrzeuges 

(Art. 5 Abs. 1 VVR). Sie sind bei Flügen nach VFR in der Luftraumklas-

se G in jedem Fall einzuhalten (Art. 39 Abs. 3 VVR). 

5.2.2 Vor Antritt eines Fluges ist dieser vom Kommandanten entspre-

chend vorzubereiten. Dazu hat sich der Kommandant mit allen dafür 

massgebenden und verfügbaren Unterlagen vertraut zu machen (Art. 8 

Abs. 1 VVR). Insbesondere hat er bei VFR-Flügen über die Umgebung 

eines Flugplatzes hinaus oder bei IFR-Flügen die neusten verfügbaren 

Wetterinformationen sorgfältig zu prüfen sowie einen Ausweichplan und 

eine genügende Treibstoffreserve vorzusehen für den Fall, dass der Flug 

nicht wie erwartet beendigt werden kann (Art. 8 Abs. 2 VVR). Auch in der 

Fluginformationszone, in der ein Flugplatzinformationsdienst geboten 

A-7102/2013 

Seite 35 

wird, bleibt der Luftfahrzeugführer allein für den sicheren Verlauf des Flu-

ges und die Übermittlung der Flugabsichten verantwortlich (MÜLLER, 

a.a.O., Kapitel 4-2 S. 6). Die letzte Kurve vor der Landung ist nach links 

auszuführen, sofern nicht im Luftfahrthandbuch (Aeronautical Information 

Publication, AIP) eine andere Volte publiziert ist oder über Funk bzw. Bo-

densignale eine andere Weisung erfolgt (MÜLLER, a.a.O., Kapitel 4-3, 

S. 7). 

5.2.3 Weiter ist unter anderem zu beachten, dass die Piloten, um sich im 

dreidimensionalen Raum zurechtfinden zu können, ihre Flughöhe kennen 

müssen. Diese wird mit einem Höhenmesser (Altimeter) gemessen. Die 

Anzeige ist (abgesehen vom Spezialfall eines Radarhöhenmessers) ab-

hängig von der richtigen Einstellung des aktuellen Luftdrucks (MÜLLER, 

a.a.O., Kapitel 4-1, S. 1).  

6.  

Im vorliegenden Fall ist strittig, ob (fehlende) Sicherheitsmassnahmen auf 

dem Flughafen Samedan und insbesondere die vom Flughafenpersonal 

an die Piloten der Raytheon übermittelten Wetterinformationen einen Ein-

fluss auf den Absturz des Flugzeuges hatten und wenn ja, ob dieser eine 

rechtlich relevante Ursache für den Absturz war. 

6.1 Die Beschwerdeführerin wirft der Betreiberin ein Mitverschulden am 

Unfall vor. Sie hält fest, der Unfallbericht der SUST sehe die primäre Ur-

sache zwar im Verhalten der Besatzung, halte aber auch klar fest, dass 

das Ergebnis der Untersuchung weitere Sicherheitsmängel bei der 

Betreiberin gezeigt habe, die entweder zum Unfall beigetragen oder des-

sen Entstehung zumindest begünstigt hätten. Sie zitiert hierzu aus dem 

Unfallbericht die folgenden, der Betreiberin zum Teil schon länger be-

kannte Punkte: 

– Die auf dem Flughafen Samedan ermittelten Sichtweiten und Wol-

kenuntergrenzen waren für einen Anflug von Zernez her nicht reprä-

sentativ, weil sie nicht den tatsächlichen Verhältnissen im Anflugsektor 

entsprachen. 

– Die von einer anfliegenden Besatzung gemeldeten Werte bezüglich 

Sicht und Wolkenuntergrenze wurden vom Fluginformationsdienst 

nicht konsequent weitergegeben. 

– Die vom ATIS [automatic terminal information system] angegebenen 

Werte stimmten nicht in jedem Fall mit denjenigen im entsprechenden 

A-7102/2013 

Seite 36 

METAR [meteorological aerodrome report; Flughafenwettermeldung] 

überein und wurden nicht systematisch aufdatiert. 

– Das ATIS wurde nur einmal pro Stunde neu auf Band gesprochen, 

obwohl die METAR-Meldungen halbstündlich erfolgten. 

– Ein SPECI [aerodrome special meteorological report] wurde weder 

über das ATIS verbreitet noch über den Funk übermittelt. 

– Die Mitarbeiter des Fluginformationsdienstes konnten auf der METAR-

Eingabemaske des Flughafens keine Angaben zur Entwicklungsvor-

hersage machen. 

– Da in Samedan die Eingabe nur mit NOSIG [no significant change; 

keine wesentlichen Änderungen in den nächsten zwei Stunden zu er-

warten] abgeschlossen werden konnte, wurden die Besatzungen 

möglicherweise falsch informiert. 

Das Mitverschulden der Betreiberin wiege umso schwerer, als das Si-

cherheitsdefizit des Flughafens aufgrund diverser Unfälle und schwerer 

Vorfälle, bei denen allen das Wetter eine Rolle gespielt habe, bereits seit 

Jahren bekannt gewesen sei. Sicherheitsempfehlungen, die das BFU 

dem BAZL zugestellt habe, sei nicht vollumfänglich nachgelebt worden.  

Es müsse bezweifelt werden, dass die Besatzung ihr riskantes Landema-

növer in Angriff genommen hätte, wenn die Betreiberin sie in Kenntnis der 

ihr bekannten schlechten Wetterbedingungen gesetzt hätte. Demzufolge 

sei das Verschulden der FISO der Betreiberin und die Tatsache, dass die 

Betreiberin ihren Flughafen trotz früherer Vorfälle und der bekannten Si-

cherheitsempfehlungen nicht mit Instrumentenflugbedingungen ausgerüs-

tet habe, kausal für das Verschulden der Besatzung und somit massgeb-

lich für das gesamte Unfallgeschehen. Kurz nach dem Unfall sei eine 

Einweisungspflicht für Piloten eingeführt und seien die Sichtminima für 

den Anflug angehoben worden. Es liege ein Organisationsverschulden 

der Betreiberin vor. Die Beschwerdeführerin beruft sich ausdrücklich auf 

den Gefahrensatz und die Verkehrssicherungspflicht, auf die die Vorin-

stanz in ihrer Verfügung nicht eingegangen sei.  

In ihrer Stellungnahme vom 25. August 2014 bezieht sich die Beschwer-

deführerin auf einige Aktenstücke aus dem Verfahren der SUST und hält 

sinngemäss fest, es sei unverständlich, dass die Betreiberin Wetterinfor-

mationen nicht weitergeleitet hätte. Zudem sei vier Tage vor dem Unfall-

ereignis das Pilotenbriefing mit dem BAZL im Hinblick auf dessen mög-

lichst rasche Publikation und Einführung bereinigt worden. Am 

23. Dezember 2010 habe das BAZL zudem mit sofortiger Wirkung und 

A-7102/2013 

Seite 37 

unter Entzug der aufschiebenden Wirkung einer Beschwerde die Einfüh-

rung höherer Sichtminima und eines Pilotenbriefings verfügt. 

6.2 Die Vorinstanz macht geltend, der Flughafen befinde sich im nicht 

kontrollierten Luftraum der Klasse G, in dem die Sichtflugregeln gelten 

würden. Dies bedeute insbesondere, dass Luftfahrzeuge auf eigene Ver-

antwortung fliegen und landen müssten. Der Flughafen sei nicht befugt, 

dem Piloten irgendwelche Anweisungen zu erteilen. Die im Rahmen des 

Flughafeninformationsdienstes (Aerodrome Flight Information Service, 

AFIS) eingesetzten FISO könnten den Piloten nur Informationen zur Ver-

fügung stellen, insbesondere zum Flugverkehr und zu den Wind- und 

Wetterbedingungen. Sie seien aber – anders als Flugverkehrsleiter – 

nicht befugt, den Besatzungen Weisungen zu erteilen (Art. 1 VVR). 

Für die Einhaltung der Sichtminima sei der Kommandant verantwortlich 

(Art. 5 VVR). Er habe dafür zu sorgen, dass die gesetzlich vorgeschrie-

benen Sichtminima eingehalten würden und die Sicherheit anderer nicht 

gefährdet werde. Der Flughafen könne den Kommandanten diese Ver-

antwortung nicht abnehmen. Es gebe keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass 

die Sichtminima im Unfallzeitpunkt auf dem Flughafen unterschritten wor-

den seien. Auf Anfrage der Besatzung habe der zuständige FISO die 

Sicht mit drei bis vier Kilometern angegeben, was deutlich über den gel-

tenden Sichtminima gelegen habe. Zu den Sicht- und Wetterverhältnissen 

im Anflug habe sich der FISO nicht äussern können. Weder gebe es 

technische Einrichtungen, die ihm eine solche Beurteilung erlaubten, 

noch gebe es eine Verpflichtung, im nicht kontrollierten Luftraum entspre-

chende technische Geräte zu installieren. Im Flugunfalluntersuchungsbe-

richt werde die Sicht am Unfallort La Punt mit zwei bis drei Kilometern 

angegeben, was oberhalb der Sichtminima liege. Auch habe kein Anlass 

für zusätzliche oder andere Informationen des FISO an die Besatzung 

bestanden. Es habe auch keine Pflicht gegeben, die Meldung des Piloten 

eines anderen Flugzeugs bezüglich der Sichtverhältnisse weiterzuleiten. 

Der Anflug des Unfallflugzeugs sei 25 Minuten später erfolgt. In dieser 

Zeit könnten sich im Gebirge die Wetterverhältnisse wesentlich ändern. 

Zudem bestünden immer offene Fragen bezüglich der Verlässlichkeit von 

Angaben von Piloten, die naturgemäss Momentaufnahmen und eine nicht 

überprüfbare Einschätzung eines Dritten widergäben. Zudem habe die 

Besatzung des Unfallflugzeuges der Besatzung eines anderen Flugzeu-

ges unaufgefordert gemeldet, dass die Anflugbedingungen gut seien. 

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Seite 38 

Das Verhalten des Flughafenpersonals und von ihr (der Vorinstanz) sei 

für den Unfall nicht kausal gewesen. Die Besatzung des Flugzeuges habe 

am besten beurteilen können, wie die Sicht- und Wetterverhältnisse beim 

Anflug waren. Die Besatzung habe gestützt auf die eigene Wahrnehmung 

beurteilen können und müssen, ob die Sicht die Fortsetzung des Anflugs 

und die Landung erlaubte. Gemäss Art. 5 VVR habe der Entscheid dar-

über in ihrer eigenen Verantwortung gelegen. Dass die Piloten die Piste 

zu hoch angeflogen hätten, habe ebenfalls in ihrer alleinigen Verantwor-

tung gelegen. Es komme hinzu, dass der anschliessende Fehlanflug nicht 

direkt zum Unfall geführt habe. Ursache des Unfalls sei vielmehr gewe-

sen, dass die Piloten danach ein ungeeignetes Fehlanflugverfahren 

durchgeführt hätten, das auch auf eine ungenügende Flugvorbereitung 

schliessen lasse. Das Verhalten könne nur als grobfahrlässig bezeichnet 

werden. Ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem behaupte-

ten Verhalten des Flughafens bzw. der Flughafenangestellten und dem 

Unfall wäre ohnehin nicht gegeben. 

Soweit ersichtlich finde sich keine Vorschrift, die die Betreiberin verletzt 

haben könnte, weshalb eine Haftung durch Unterlassung nicht in Frage 

komme. Es sei nicht Sache der Flugplätze, von den Verkehrsregeln des 

Bundes und der ICAO abweichende Verkehrsregeln aufzustellen. Dazu 

seien die Flughäfen gar nicht befugt Aus dem Untersuchungsbericht, in 

dem das BFU dem BAZL Vorschläge unterbreitet habe, könne von vorn-

herein für die Betreiberin keine Handlungspflicht abgeleitet werden, sei 

sie doch weder Adressatin des Berichts noch befugt, die dem BAZL un-

terbreiteten Vorschläge in Eigenregie umzusetzen.  

Die früheren Unfälle seien teils auf schwerwiegende Pilotenfehler zurück-

zuführen. Die Unfälle seien somit nicht Folge von Sicherheitsmängeln 

gewesen und könnten keine Grundlage dafür bieten, auf dem Flughafen 

Samedan im Gesetz und in den ICAO Annexen nicht vorgesehene Mass-

nahmen zu treffen. Demzufolge könne darin, dass sie (die Vorinstanz) die 

von der Beschwerdeführerin genannten Sicherheitsmassnahmen nicht 

ergriffen habe, kein schuldhaftes und widerrechtliches Unterlassen gese-

hen werden. Daher könne offenbleiben, ob solche Massnahmen den Un-

fall verhindert hätten. 

7.  

Die Parteien sind sich einig, dass der Sachverhalt, wie er im Schlussbe-

richt dargestellt ist, korrekt ist. Der oben wiedergegebene Sachverhalt 

(Bst. A) wurde daher dem Schlussbericht (insb. der Kurzdarstellung sowie 

A-7102/2013 

Seite 39 

Ziff. 1.1.4) entnommen. Auch nachfolgend wird auf diesen verwiesen. 

Vorwegzunehmen ist, dass der Schlussbericht dem Zweck dient, weitere 

Unfälle zu verhindern. Ausdrücklich nicht Zweck dieses Berichtes ist es, 

ein Verschulden festzustellen oder Haftungsfragen zu klären (S. 3 

Schlussbericht; vgl. Art. 24 Abs. 2 Satz 2 LFG). Auf Feststellungen über 

den Sachverhalt und Schlussfolgerungen in technischer Hinsicht kann im 

Folgenden aber abgestellt werden. 

7.1 Was die Frage nach dem Vorliegen eines rechtlich relevanten Kausal-

zusammenhangs als Voraussetzung der Haftbarkeit der Vorinstanz nach 

Art. 19 VG (E. 3.1) anbelangt, ist zu unterscheiden, ob der Unfall (bei 

dem unter anderem der bei der Beschwerdeführerin versicherte Copilot 

ums Leben kam) auf eine aktive Handlung oder eine Unterlassung zu-

rückzuführen ist. Diese Unterscheidung ist bedeutsam, weil sie Auswir-

kungen auf die Anforderungen an einen rechtlich relevanten Kausalzu-

sammenhang hat, ist doch bei der Prüfung der hypothetischen Kausalität 

von Unterlassungen – anders als bei aktiven Handlungen – vorausge-

setzt, dass eine Pflicht zum Handeln besteht (E. 4.3.2). 

7.2 In der Übermittlung von – allenfalls – zu optimistischen Wetterkonditi-

onen im Anflugsektor lässt sich eine aktive Handlung sehen, die als Ursa-

che für den Unfall in Betracht kommt. Die Übermittlung solcher Informati-

onen kann die Piloten dazu verleiten, die Bedingungen nicht selbst genau 

zu prüfen. Nachfolgend gilt es zu beurteilen, ob zwischen dieser Übermitt-

lung von – allenfalls – zu optimistischen Wetterbedingungen und dem Ab-

sturz der Maschine ein natürlicher (E. 7.2.1) und ein adäquater (E. 7.2.2) 

Kausalzusammenhang besteht. Die Frage, ob die vom FISO übermittel-

ten Wetterbedingungen wirklich besser waren als die effektiven, wird be-

wusst offen gelassen und kann auch offen gelassen werden, wie im Fol-

genden zu zeigen sein wird (E. 7.2.3). Allerdings darf von einer Flugha-

fenbetreiberin erwartet werden, dass sie dafür sorgt, dass Wettermeldun-

gen korrekt und aktuell sind. 

7.2.1 Fraglich ist bereits, ob ein natürlicher Kausalzusammenhang zwi-

schen einer allenfalls zu optimistischen Einschätzung und Übermittlung 

der Wetterlage durch den FISO und dem Absturz besteht. Für die An-

nahme, dass die – allenfalls – zu optimistischen Wettermeldungen eine 

Fehlbeurteilung der Landemöglichkeiten durch die Piloten verursacht hät-

te, die so gravierend war, dass sie zum Absturz führte, müssen entspre-

chend dem Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nach ob-

jektiven Gesichtspunkten derart wichtige Gründe sprechen, dass alle an-

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Seite 40 

deren denkbaren Möglichkeiten nicht massgebend in Betracht fallen 

(E. 4.3.3). Solche anderen Möglichkeiten sind im vorliegenden Fall, dass 

sich die Piloten der Unrichtigkeit der Meldung aus eigener Wahrnehmung 

des Wetters bewusst waren und sich dennoch entschlossen, die Landung 

zu versuchen, sodass die Meldung effektiv gar nicht zum Unfall beitrug. 

Denkbar ist weiter, dass die Besatzung der Raytheon aufgrund eigener  

Beobachtungen davon ausging, dass die Bedingungen für eine Landung 

zumindest ausreichend waren; nur rund drei Minuten vor dem Absturz 

hatte sie nämlich dem Piloten eines anderen Flugzeugs auf dessen (an 

den FISO gerichtete) Frage hin unaufgefordert geantwortet, es herrschten 

im Moment gute Bedingungen (Sachverhalt Bst. A.b). Weiter ist möglich, 

dass die Piloten nicht wussten, dass der circling approach auf dem Flug-

hafen Samedan nicht vorgesehen ist und dieses Unwissen zum Absturz 

führte. Es kann auch sein, dass sie – was die Vorinstanz insbesondere in 

ihrer Stellungnahme vom 12. September 2014 vorbringt – unter Druck ih-

rer Auftraggeber standen und deswegen möglichst unabhängig von den 

Wetterbedingungen landen wollten. Eine weitere Möglichkeit ist, dass sie 

sich der gefährlichen Lage nach der ersten Rechtskurve zwar bewusst, 

jedoch unfähig waren, darauf zu reagieren. Dass sie nämlich in dieser 

Phase möglicherweise überfordert waren, könnte daraus geschlossen 

werden, dass sie die Sprechtaste des Funkgeräts während mehr als 

20 Sekunden gedr