# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a90d94be-0557-52de-844c-c32b29b3ed0f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-06-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.06.2014 E-2535/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2535-2014_2014-06-19.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-2535/2014 

 

 

  U r t e i l  v o m  1 9 .  J u n i  2 0 1 4  

Besetzung 

 
Richter Walter Stöckli (Vorsitz), 

Richter Walter Lang, Richter William Waeber, 

Gerichtsschreiber Thomas Hardegger. 

   Parteien 
 

A._______, geboren (…), Eritrea, 

vertreten durch (…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Flüchtlingseigenschaft;  

Verfügung des BFM vom 7. April 2014 / N (…). 

 

 

E-2535/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.   

A.a Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge am 8. Mai 

2012 sein Heimatland. Bei der Ausreise an der Grenze zum Sudan sei er 

von den eritreischen Grenzbeamten kontrolliert, aber in Anbetracht seiner 

Arztzeugnisse und seines Schülerausweises durchgelassen worden. Am 

18. Juni 2012 sei er auf dem Luftweg mit einem ihm nicht zustehenden 

sudanesischen Reisepass von Khartum nach Tunis und von dort mit ei-

nem anderen Flugzeug nach Italien (Flughafen Malpensa) gelangt. Per 

Auto gelangte er in die Schweiz, wo er am 19. Juni 2012 ein Asylgesuch 

im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Chiasso stellte  

Die summarische Befragung im EVZ Chiasso zu den Personalien und 

den Ausreisegründen fand am 4. Juli 2012 und die vertiefte Anhörung zu 

den Asylgründen in Bern-Wabern am 15. November 2013 statt. Der Be-

schwerdeführer machte geltend, seinen Vater, einen Freiheitskämpfer, 

nicht gekannt und mit der Mutter bei seiner Grossmutter in B._______ ge-

lebt zu haben. Eine Halbschwester und eine Tante seien ebenfalls in 

B._______. Seine Mutter habe ihren Lebensunterhalt als Händlerin mit 

dem Verkauf von (…) verdient; sie sei zu diesem Zweck zwischen 

B._______ und der nahe der sudanesischen Grenze gelegenen Ortschaft 

hin und her gependelt. Mit zehn Jahren sei bei ihm Diabetes festgestellt 

worden. Er sei während eines Monats im Spital gewesen und habe sich 

fortan einmal pro Monat im Spital einer Blutentnahme unterziehen müs-

sen. Einmal pro Tag habe er sich eine Spritze setzen müssen. Trotzdem 

sei es ihm gesundheitlich sehr schlecht gegangen. Er habe jederzeit mit 

dem Ableben gerechnet und sei militäruntauglich gewesen. Eritrea sei mit 

der medizinischen Behandlung von Diabeteserkrankten völlig überfordert; 

weder die Behandlungsformen noch die Mittel seien ausreichend. Er wis-

se von Gleichaltrigen, die ebenfalls an Diabetes erkrankt gewesen seien, 

ähnlich behandelt worden seien wie er und dann gestorben seien. Seine 

Mutter habe ihn deswegen zur Behandlung ins Ausland schicken wollen, 

damit er eine Überlebenschance habe. Im Mai 2012 habe sein in den 

USA lebender Onkel (S.G.) seiner Ausreise zugestimmt und Geld über-

wiesen. Bei der Ausreise vom 8. Mai 2012 habe er mehrere eritreische 

Kontrollposten und zuletzt auch den Grenzposten zum Sudan im Raum 

C._______ passieren müssen. Wie der Grenzübertritt tatsächlich vor sich 

gegangen sei, könne er nicht mehr exakt rekonstruieren, auch die Rou-

tenwahl des Schleppers nicht. Jedenfalls habe der Schlepper seine ärztli-

chen Berichte des Spitals und den Schülerausweis mit sich geführt und 

habe sämtliche Kontroll- und Grenzpostenangehörigen von der Notwen-

E-2535/2014 

Seite 3 

digkeit seiner umgehenden kurzfristigen medizinischen Behandlung in 

Sudan überzeugen können. Nur deswegen hätten ihn die eritreischen 

Behörden in den Sudan ausreisen lassen. Nach erfolgtem Grenzübertritt 

habe er S.G. in den USA kontaktiert, welcher ihm die Weiterreise einst-

weilen nach Europa ermöglicht habe. Er könne S.G. per E-Mail erreichen. 

Mit der Mutter in Eritrea stehe er telefonisch in Kontakt. Falls er heute 

nach Eritrea zurückkehren müsste, erwarte ihn wegen seiner nicht erfolg-

reich behandelbaren Erkrankung und der ungenügenden medizinischen 

Versorgungslage der Tod. Seitens der eritreischen Behörden würde ihm 

nichts passieren. Seine Mutter, die ihm zur Ausreise verholfen habe, 

müsste allenfalls mit Konsequenzen rechnen.  

Der Beschwerdeführer reichte dem BFM die ihm von einem Bekannten 

per Yahoo Messenger übermittelte Fotokopie der eritreischen Identitäts-

karte seiner Mutter ein sowie einen Arztbericht vom 27. Februar 2014 

samt ärztlichen Schreiben vom 15. Oktober, 11. und 12. Dezember 2012, 

vom 23. Januar, 13. März, 4. Juli, 29. August und 31. Oktober 2013 und 

vom 16. Januar 2014. Im jüngsten Arztbericht wird eine Diabetes mellitus 

Typ 1 diagnostiziert und festgestellt, der Beschwerdeführer brauche zeit-

lebens Insulin im Basis-Bolus-Prinzip und lebenslange Kontrollen durch 

einen Diabetologen (mindestens drei Kontrollen pro Monat). Die Progno-

se sei bei entsprechender Behandlung gut. Der behandelnde Arzt gab an, 

es gebe in Eritrea keinen spezialisierten Diabetologen und die Lebenser-

wartung von jungen Diabetikern Typ 1 sei minimal.  

A.b Mit Verfügung vom 7. April 2014 – eröffnet am Tag darauf – stellte 

das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte seine Wegweisung aus der 

Schweiz und ordnete anstelle des nicht zumutbaren Vollzugs seine vor-

läufige Aufnahme an. 

B.  

Diesen Entscheid liess der Beschwerdeführer nach gewährter Aktenein-

sicht vom 14. April 2014 mit Rechtsmitteleingabe vom 8. Mai 2014 beim 

Bundesverwaltungsgericht anfechten. In materieller Hinsicht beantragte 

er die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Feststellung der 

Flüchtlingseigenschaft und die vorläufige Aufnahme als Flüchtling. In pro-

zessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung und die amtliche Verbeiständung in der Person des Rechts-

vertreters. Der Eingabe lagen Kopien einer Vollmacht vom 25. Juni 2013 

und der angefochtenen Verfügung bei.  

E-2535/2014 

Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.   

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu 

den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bun-

desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im 

Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist 

daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – 

endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges 

Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher 

zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 

AsylG, Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-

treten. 

1.4 Im Geltungsbereich des Asylgesetzes (Art. 1 AsylG) kann mit Be-

schwerde die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch 

und Überschreiten des Ermessens, sowie die unrichtige und unvollstän-

dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden 

(Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

1.5 In Anwendung von Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung 

eines Schriftenwechsels verzichtet. 

1.6 Der Beschwerdeführer stellte primär Antrag auf Aufhebung der ange-

fochtenen Verfügung. Mithin wäre jede Dispositivziffer der angefochtenen 

Verfügung vom Antrag erfasst. Eine Überprüfung der Ziff. 2 des Disposi-

tivs (Ablehnung des Asylgesuchs) der angefochtenen Verfügung entfällt 

indessen, weil er in der Begründung seiner Beschwerde erklärte, akzep-

tiert zu haben, dass ihm in der Schweiz kein Asyl gewährt werden könne 

(vgl. Beschwerde S. 4 Ziff. 4). Demzufolge ist Ziff. 2 der angefochtenen 

Verfügung in Rechtskraft getreten. 

 

E-2535/2014 

Seite 5 

2.  

2.1 Der Beschwerdeführer wirft dem BFM unter anderem unrichtige und 

unvollständige Feststellung des Sachverhalts vor. Er hält die Angabe in 

der angefochtenen Verfügung für falsch, wonach er in den Anhörungen 

die Auffassung vertreten habe, er habe bei einer Rückkehr nichts zu be-

fürchten. Er moniert, vielleicht möge er Eritrea tatsächlich legal verlassen 

haben; dies sei aber auf Schleichwegen und unter nicht genau geklärten 

Umständen geschehen. Da er eine Bestätigung eines Spitals bei sich ge-

habt habe, sei ihm von den eritreischen Grenzbeamten (nur) ein kurzzei-

tiger Aufenthalt im Sudan aus gesundheitlichen Gründen erlaubt gewe-

sen. Nachdem er diese Weisung verletzt habe, müsse seine Ausreise als 

problematisch gelten. Er hätte bei einer Rückkehr mit massiven Nachtei-

len zu rechnen. Seine Aussagen seien im Kontext der Befragung und un-

ter Berücksichtigung seines jungen Alters zu würdigen.  

Diese verfahrensrechtlichen Rügen sind vorab zu prüfen, da die Sache 

an die Vorinstanz zurückzuweisen wäre, falls sich der in diesen Rügen 

verpackte Vorwurf der Verletzung des rechtlichen Gehörs respektive der 

Willkür und der Verletzung der Begründungspflicht bewahrheiten sollte.  

2.2 Allgemein gilt im Verwaltungsverfahren der Untersuchungsgrundsatz 

und die Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheb-

lichen Sachverhalts (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG). Diese behördliche 

Untersuchungspflicht wird durch die den Asylsuchenden gestützt auf 

Art. 8 AsylG auferlegte Mitwirkungspflicht eingeschränkt, wobei ein Ge-

suchsteller insbesondere bei der vertieften Anhörung alle Gründe zu nen-

nen hat, die für die Asylgewährung relevant sein könnten. Den Aussagen 

in der Empfangsstelle zu den Ausreisegründen kommt angesichts des 

summarischen Charakters dieser Befragung für die Beurteilung der 

Glaubwürdigkeit der vorgebrachten Asylgründe indessen nur ein be-

schränkter Beweiswert zu. Widersprüche dürfen für die Beurteilung der 

Glaubwürdigkeit nur dann herangezogen werden, wenn Aussagen in der 

Empfangsstelle in wesentlichen Punkten von den späteren Aussagen in 

der Anhörung diametral abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse 

oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe genannt wer-

den, nicht bereits in der Empfangsstelle zumindest ansatzweise erwähnt 

worden sind. Was die Anforderungen an die mündliche Anhörung gemäss 

Art. 29 AsylG und den entsprechenden Anspruch auf rechtliches Gehör 

anbelangt, so soll die Anhörung Gewähr dafür bieten, dass die asylsu-

chende Person ihre Asylgründe vollständig darlegen kann und diese von 

der Asylbehörde korrekt erfasst werden, wobei die mündliche Befragung 

E-2535/2014 

Seite 6 

insbesondere auch dazu dient, gezielte Rückfragen zur Erhebung des 

Sachverhalts zu stellen und Missverständnisse zu klären.  

Diesen Anforderungen ist das BFM entgegen der Auffassung des Rechts-

vertreters nachgekommen. So hat es korrekt den rechtserheblichen 

Sachverhalt in Rubrik I der angefochtenen Verfügung zusammengefasst 

und seine Beurteilung der Sachlage nachvollzieh- und anfechtbar be-

gründet. Dem bei der Anhörung (…) minderjährig gewesene Beschwerde-

führer ist aufgrund seiner protokollierten Antworten in den Anhörungen 

ohne weiteres eine genügende Reife und die Kompetenz, die Konse-

quenzen seiner Antworten abschätzen zu können, zuzubilligen. Er hat in 

den Anhörungen die Frage, ob er bei seinem Grenzübertritt zu Sudan et-

was Beeindruckendes erlebt habe, mit einem vorbehaltslosen "Nein" be-

antwortet (A16 S. 8) und zuvor geschildert, dass er sich auf seiner Aus-

reise bis und mit Grenzübertritt wiederholt eritreischen Kontrollposten ha-

be stellen müssen (A16 S. 7 f.). Mithin ist es nicht falsch, auf einen prob-

lemlosen (so die Formulierung in der angefochtenen Verfügung, E. II. S. 3 

oben) und angesichts des Passierens der Grenzkontrollen auch legalen 

Grenzübertritt in den Sudan zu schliessen. Den Umstand einer problem-

losen Ausreise bestätigt selbst der Rechtsvertreter. So stellte er fest, dass 

der Schlepper mit den zu passierenden Kontrollstellen offenbar so umge-

gangen sei, dass "keine Probleme entstanden" seien (vgl. Beschwerde S. 

5). Umso mehr ist die Einschätzung einer problemlosen Ausreise gerecht-

fertigt, weil der Beschwerdeführer stets die Auffassung vertreten hat, auch 

die Grenzbeamten hätten seiner Ausreise zugestimmt und er befürchte im 

Falle einer Rückkehr für seine eigene Person keine negativen Konse-

quenzen seitens eritreischer Behörden. Gegen Ende der Erstbefragung 

sprach er zudem zusammenfassend davon, das Einzige, was er persön-

lich zu fürchten habe, sei, in Eritrea mangels genügend medizinischer 

Versorgung zu sterben (A5 S. 8 Ziff. 7.03). Bei dieser Sachlage bleibt kein 

Raum für nachträgliche formelle Einwände der geltend gemachten Art.  

2.3 Zusammenfassend sind damit keine triftigen Hinweise auf eine unge-

nügende Sachverhaltsfeststellung, eine Verletzung des Gehörsanspruchs 

des Beschwerdeführers oder eine ungenügende Begründung der ange-

fochtenen Verfügung erkennbar. Es besteht weder zu weiteren Abklärun-

gen noch zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung aus anderen for-

mellen Gründen Veranlassung.  

  

E-2535/2014 

Seite 7 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen Asyl, 

sofern keine Asylausschlussgründe nach Art. 50 ff. AsylG vorliegen. 

Flüchtlinge i.S.v. Art. 3 AsylG sind Personen, die in ihrem Heimatstaat 

oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, 

Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder 

wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 

sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu 

werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des 

Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen uner-

träglichen psychischen Druck bewirken.  

Nach Lehre und Rechtsprechung (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 m.w.H.) er-

füllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von 

Art. 3 AsylG, wenn sie mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in abseh-

barer Zukunft mit gutem Grund Nachteile von bestimmter Intensität be-

fürchten muss, die ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive 

zugefügt zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreichenden 

staatlichen Schutz erwarten kann. Die in Art. 3 Abs. 1 AsylG erwähnten 

fünf Verfolgungsmotive sind über die sprachlich allenfalls engere Bedeu-

tung ihrer Begrifflichkeit hinaus so zu verstehen, dass die Verfolgung we-

gen äusserer oder innerer Merkmale, die untrennbar mit der Person oder 

Persönlichkeit des Opfers verbunden sind, erfolgt ist beziehungsweise 

droht. Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt 

die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die 

betroffene Person in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat keinen ausrei-

chenden Schutz finden kann. Massgeblich für die Beurteilung der Flücht-

lingseigenschaft ist die Situation im Zeitpunkt des Entscheides über deren 

Bestehen – nicht diejenige im Zeitpunkt der Ausreise –, wobei allerdings 

erlittene Verfolgung oder im Zeitpunkt der Ausreise bestehende begrün-

dete Furcht vor Verfolgung auf andauernde Gefährdung hinweisen kann. 

Veränderungen der Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und 

Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asylsuchenden Person 

zu berücksichtigen. 

Als Flüchtlinge gelten auch Personen, die nach ihrer Ausreise aufgrund 

von Tatsachen, die nicht von ihnen zu verantworten sind, Verfolgung be-

fürchten müssen (sog. objektive Nachfluchtgründe), oder die erst durch 

ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres 

Verhaltens nach der Ausreise im Falle einer Rückkehr ernsthaften 

Nachteilen ausgesetzt wären (sog. subjektive Nachfluchtgründe). 

E-2535/2014 

Seite 8 

3.2 Die Flüchtlingseigenschaft ist nachzuweisen oder zumindest glaub-

haft machen. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhan-

densein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Un-

glaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu 

wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht 

entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismit-

tel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Zur Begründung der Asylgesuchabweisung führte das BFM im We-

sentlichen aus, der Beschwerdeführer habe angegeben, wegen seiner 

Krankheit militärdienstuntauglich zu sein. Er habe sein Heimatland prob-

lemlos verlassen und zudem erklärt, ihm werde bei einer Rückkehr nach 

Eritrea nichts passieren. Mithin sei er in Eritrea keinen Nachteilen ausge-

setzt und erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht. 

Demgegenüber wird in der Beschwerde argumentiert, das BFM habe zu 

Unrecht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführer nicht aner-

kannt. Er sei unbestrittenermassen glaubwürdig. Er habe akzeptiert, dass 

ihm in der Schweiz kein Asyl gewährt werden könne. Das BFM verkenne, 

dass er trotz vorerst möglicherweise legaler Ausreise durch das illegale 

Verlassen (ohne Reisepass und Ausreisevisum) beziehungsweise das il-

legale Fernbleiben (sog. Republikflucht) oder dem Einreichen eines Asyl-

gesuchs im Ausland subjektive Nachfluchtgründe gesetzt habe. So hätten 

eritreische Staatsangehörige, die ihr Heimatland illegal verlassen hätten, 

praxisgemäss begründete Furcht, bei ihrer Rückkehr erheblichen 

Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu werden. Nach wie 

vor seien weder die Legalität seiner Ausreise noch die Folgen seiner 

Nicht-Rückkehr gesichert. Somit seien vorliegend die im Urteil des BVGer 

E-3702/2013 vom 18. März 2014 umschriebenen Voraussetzungen einer 

legalen Ausreise aus Eritrea nicht erfüllt. Er könnte bei einer allfälligen 

Rückreise nicht mehr die ärztliche Bestätigung seines Spitals in 

B._______, die zur Gestattung eines kurzzeitigen Aufenthalts in Sudan 

geführt habe, vorzeigen, weil ihm der Schlepper das Beweismittel nicht 

zurückgegeben habe. Zudem wage sich die Mutter nicht, sich mit dem 

Spital in Verbindung zu setzen, weil sie riskiere, nach ihrem Sohn gefragt 

zu werden, was Schwierigkeiten zur Folge haben könne. Darüber hinaus 

sei der Schülerausweis abgelaufen. Weiter sei dem Beschwerdeführer bis 

heute schleierhaft, wie es sein damaliger Schlepper fertig gebracht habe, 

mit den Grenzkontrollen so umzugehen, so dass die Ausreise problemlos 

abgelaufen sei. Es sei immerhin klar, dass die Zusicherungen gegenüber 

E-2535/2014 

Seite 9 

den eritreischen Grenzbehörden, er werde sich lediglich einige Tage lang 

im Ausland behandeln lassen, nicht eingehalten worden seien. Eritrea 

werde dabei kaum einen Unterschied machen zwischen einer illegalen 

Ausreise und einem illegalen Fernbleiben. Mithin dürften ihn asylrelevan-

te Nachteile erwarten. Er habe begründete Furcht und sei als Flüchtling 

vorläufig aufzunehmen. 

4.2 Nach Durchsicht aller Aussagen, Beweismittel und Rechtschriften ist 

für das Gericht nicht erkennbar, dass die Argumentation des BFM in der 

angefochtenen Verfügung falsch sein soll. Es kann mithin auf die korrekte 

Begründung in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden, welche 

wie folgt zu ergänzen ist: 

4.2.1 Begründete Furcht vor Verfolgung würde praxisgemäss dann vorlie-

gen, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, eine Verfolgung hätte 

sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirk-

licht beziehungsweise werde sich mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in 

absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss entfernte Möglichkeit künfti-

ger Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen, wel-

che den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufge-

zählten Motive erfolgenden – Benachteiligung als wahrscheinlich und 

dementsprechend die Furcht davor als realistisch und nachvollziehbar er-

scheinen lassen. Begründete Furcht vor Verfolgung enthält somit eine 

subjektive und eine objektive Komponente. Die subjektive Furcht vor Ver-

folgung muss auch objektiv begründet sein, das heisst sie muss ange-

sichts der tatsächlichen Situation gerechtfertigt erscheinen. Massgebend 

für die Bestimmung der begründeten Furcht ist allerdings nicht allein, was 

ein normal empfindender Mensch angesichts der geschehenen oder dro-

henden Verfolgungsmassnahmen zu Recht empfunden hätte. Diese rein 

objektive Betrachtungsweise ist zusätzlich durch das vom Betroffenen be-

reits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen 

zu ergänzen. Dabei hat derjenige, der bereits früher Verfolgung ausge-

setzt war, objektive Gründe für eine ausgeprägtere subjektive Furcht als 

jemand, der erstmals ernsthafte Nachteile erlebt. 

Aufgrund der bisherigen Ausführungen des Beschwerdeführers fehlt es 

diesem offensichtlich an der subjektiven Furcht. Er ist wegen seiner Er-

krankung an Diabetes mellitus Typ 1 militärdienstuntauglich. Er durfte mit 

Wissen und Willen der eritreischen Grenzbehörden in den Sudan ausrei-

sen. Er ist kontrolliert und mithin legal ausgereist. Er hat ausgesagt, ihm 

würde bei einer Wiedereinreise nichts passieren (A16 S. 9, respektive er 

E-2535/2014 

Seite 10 

befürchte lediglich aus gesundheitlichen Gründen, wegen der ungenü-

genden medizinischen Versorgungslage sterben zu müssen (A5 S. 8). Er 

vermittelte im Kontext seiner Angaben dabei weder den Eindruck einer 

persönlichen und geistigen Unreife oder Unbedachtheit noch erschienen 

seine Auffassungen konträr zum notorischen Wissen über Eritrea. Er 

muss sich daher seine Antworten vollumfänglich anrechnen lassen. Die 

vom Rechtsvertreter letzten Endes behauptete Kollektivverfolgung aller 

sich zu lange im Ausland befindender eritreischer Staatsbürger trifft nicht 

zu (vgl. beispielsweise Urteil des BVGer D-3892/2008 vom 6. April 2010 

und Urteil des BVGer E-7461/2010 vom 16. April 2013). An dieser Ein-

schätzung vermögen weder die übrige Beschwerdebegründung noch die 

beim BFM eingereichten ärztlichen Beweismittel etwas zu ändern. Letzte-

re vermögen jedoch seine schwere Erkrankung an Diabetes Typ 1 zu be-

legen, womit seine Militärdienstuntauglichkeit glaubhaft erscheint.  

Der Beschwerdeführer hatte im Zeitpunkt seiner Ausreise keine begrün-

dete Furcht vor Verfolgung.  

4.2.2 Weiter bleibt zu prüfen, ob er aufgrund seiner Ausreise aus Eritrea, 

seinem überlangen Fernbleiben oder seiner Asylgesuchstellung in der 

Schweiz mit flüchtlingsrelevanter Verfolgung rechnen müsste und damit 

subjektive Nachfluchtgründe erfüllt. Personen mit subjektiven Nachflucht-

gründen werden in der Schweiz als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen.  

Da er nicht illegal aus Eritrea ausgereist ist, nicht militärdienstpflichtig und 

damit auch nicht zum Aufenthalt beziehungsweise zur Rückkehr verpflich-

tet ist, zumal dem eritreischen Staat sein Verbleib im Ausland eher entge-

genkommen dürfte, sein Asylgesuch in der Schweiz den eritreischen Be-

hörden nicht bekannt ist und er keine erheblichen exilpolitischen Aktivitä-

ten geltend machen kann, erfüllt er die Flüchtlingseigenschaft nicht auf-

grund von subjektiven Nachfluchtgründen.  

4.3 Zusammenfassend konnte der Beschwerdeführer die Flüchtlingsei-

genschaft weder nachweisen noch glaubhaft machen. Das BFM hat zu 

Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint. 

5.  

5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, 

so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der 

Familie (Art. 44 AsylG). 

E-2535/2014 

Seite 11 

5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG).  

6.  

Das BFM hat den Wegweisungsvollzug in Anwendung von Art. 83 Abs. 1 

des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen 

und Ausländer (AuG, SR 142.20) wegen Unzumutbarkeit durch die An-

ordnung einer vorläufigen Aufnahme ersetzt, namentlich in Anbetracht 

seiner Diabetes und der zu erwartenden mangelhaften medizinischen 

Versorgung in Eritrea. Die Anordnung der vorläufigen Aufnahme, welche 

nicht selbständig, sondern nur insofern adhäsionsweise Gegenstand des 

Beschwerdeverfahren gewesen ist, als eine Gutheissung im Wegwei-

sungspunktes ihre Aufhebung zur Folge gehabt hätte, tritt mit dem Erlass 

des heutigen Urteils in Kraft.  

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

rechtskonform und die Beschwerde abzuweisen ist. 

8.   

8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch 

das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 

Abs. 1 VwVG) wegen nicht aussichtsloser Begehren und mutmasslicher 

prozessualer Bedürftigkeit des Beschwerdeführers gutzuheissen ist, sind 

keine Verfahrenskosten zu erheben. 

8.2 Das Gesuch um amtliche Verbeiständung des im Zeitpunkt der Ge-

suchstellung minderjährig gewesenen Beschwerdeführers durch den ge-

genwärtigen Rechtsvertreter ist in Anwendung der spezialrechtlichen Be-

stimmung von Art. 110a Abs. 1 AsylG abzuweisen, da er angesichts sei-

ner (…) Vertretung durch (…) bis zur Erreichen seiner Volljährigkeit eine 

angemessene und kostenlose Vertretung erfahren hat, seit Erreichen der 

Volljährigkeit im Beschwerdeverfahren keine Verfahrenshandlungen mehr 

erforderlich waren und zudem die für (…) handelnde Person die gesetzli-

chen Voraussetzungen (gemäss Art. 110a Abs. 5 AsylG: universitärer ju-

ristischer Hochschulabschluss) offenbar nicht erfüllt.  

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-2535/2014 

Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung wird gutgeheissen. Es 

werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Das Gesuch um amtliche Verbeiständung in der Person des Rechtsver-

treters wird abgewiesen. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Walter Stöckli Thomas Hardegger 

 

 

 

Versand: