# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3156decf-acaa-508d-bbe7-e04fbfa4848d
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-06-29
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 29.06.2021 SB210172
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB210172_2021-06-29.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: SB210172-O/U/ad-as 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Stiefel, Präsident, Oberrichterin lic. iur. Schärer 

und Ersatzoberrichter lic. iur. Faga sowie Gerichtsschreiber 

MLaw Pandya 

 

Urteil vom 29. Juni 2021 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigter und Berufungskläger 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland,  
Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 

betreffend mehrfachen Diebstahl 
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur, Einzelgericht 
Strafsachen, vom 16. Februar 2021 (GG200078) 
 
 
  

-   2   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 

20. November 2020 (Urk. D1/17) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 32 S. 10 f.) 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig des mehrfachen Diebstahls im Sinne 

von Art. 139 Ziff. 1 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 4 Monaten, wo-

von 2 Tage durch Haft erstanden sind. 

3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen. 

4. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 2'000.00 ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 1'100.00   Gebühr Vorverfahren 

Fr. 3'100.00   Total 

 
Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert 

sich die Entscheidgebühr um einen Drittel. 

5. Die Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 4 werden dem Beschuldigten auferlegt. 

6. [Mitteilungen] 

7. [Rechtsmittel] 

 

-   3   - 

Berufungsanträge: 

a) Des Beschuldigten: 

(Urk. 34 und 39, schriftlich) 

Bestrafung mit einer Geldstrafe von maximal Fr. 1000.– anstelle einer Frei-

heitsstrafe. 

b) Der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland:  

(Urk. 42, schriftlich) 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils. 

  

-   4   - 

Erwägungen: 

1. Mit Urteil vom 16. Februar 2021 sprach das Bezirksgericht Winterthur, Ein-

zelgericht Strafsachen, den Beschuldigten des mehrfachen Diebstahls schuldig, 

bestrafte ihn mit einer vollziehbaren Freiheitsstrafe von vier Monaten und regelte 

die Kostenfolgen des Verfahrens (Urk. 32 S. 10).  

2. Gegen das mündlich eröffnete Urteil (Prot. I S. 18) meldete der Beschuldigte 

rechtzeitig Berufung an (Urk. 27; Art. 399 Abs. 1 StPO) und reichte der erkennen-

den Kammer in der Folge innert Frist die schriftliche Berufungserklärung ein 

(Urk. 30; Urk. 34 und 38 f.; Art. 399 Abs. 3 i.V.m. Art. 90 StPO). Die Staatsanwalt-

schaft beantragte unter dem 30. März 2021 die Bestätigung des vorinstanzlichen 

Urteils und verzichtete damit auf eine Anschlussberufung (Urk. 40; Urk. 42). Am 

13. April 2021 reichte der Beschuldigte aufforderungsgemäss das ausgefüllte Da-

tenerfassungsblatt ein (Urk. 40; Urk. 45).  

3. Die Berufungsverhandlung fand heute in Anwesenheit des Beschuldigten 

statt (Prot. II S. 4). 

II. 

Der Beschuldigte ficht das vorinstanzliche Urteil "vollumfänglich an" und beantragt 

die Ausfällung einer Geldstrafe von maximal Fr. 1'000.– anstelle einer Freiheits-

strafe (Urk. 39). Die Berufung richtet sich folglich effektiv einzig gegen den Straf-

punkt. Nicht angefochten und in Rechtskraft erwachsen ist das vorinstanzliche Ur-

teil damit bezüglich der Dispositivziffern 1 (Schuldspruch), 4 und 5 (Kostendispo-

sitiv), was vorab festzustellen ist. 

III. 

1. Art. 139 Ziff. 1 StGB sieht für Diebstahl einen ordentlichen Strafrahmen von 

Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe vor. Aussergewöhnliche Um-

stände, die es angezeigt erscheinen liessen, diesen Strafrahmen zu verlassen, 

-   5   - 

bestehen nicht (vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.8). Die Strafe ist mithin innerhalb des or-

dentlichen Strafrahmens zu bemessen. 

2. Innerhalb des Strafrahmens bemisst das Gericht die Strafe nach dem Ver-

schulden des Täters, wobei das Vorleben, und die persönlichen Verhältnisse so-

wie die Wirkung der Strafe auf dessen Leben zu berücksichtigen sind (Art. 47 

Abs. 1 StGB; vgl. zu den Einzelheiten BGE 123 IV 49 E. 2 und BGE 136 IV 55).  

3. Ist der Täter wie vorliegend wegen mehrfach begangener Taten zu bestra-

fen, hat das Gericht basierend auf der Tatkomponente zunächst die Einsatzstrafe 

für das schwerste Delikt zu bestimmen. In einem weiteren Schritt sind die übrigen 

Delikte wiederum basierend auf der Tatkomponente zu beurteilen, und es ist dafür 

unter Berücksichtigung der jeweiligen Umstände je einzeln (vgl. BGE 144 IV 217 

E. 3.5.4.; BGE 6B_986/2020; BGE 6B_1071/2019) die hypothetische Strafe zu 

ermitteln. Sodann hat es bei gleichartigen Strafen unter Berücksichtigung des As-

perationsprinzips die hypothetische Gesamtstrafe für sämtliche dieser Delikte 

festzulegen (Art. 49 Abs. 1 StGB; Urteil des Bundesgerichts 6B_808/2017 vom 

16. Oktober 2017 E. 2.1.1; BGE 138 IV 120 E. 5.2). Nach der Festlegung der hy-

pothetischen Gesamtstrafe für sämtliche Delikte sind schliesslich die Täterkom-

ponente und weitere tatunabhängige Zumessungsfaktoren zu berücksichtigen 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_865/2009 vom 25. März 2010 E 1.6.1 sowie 

6B_496/2011 vom 19. November 2012 E 2 und E 4.2).  

4. Der Beschuldigte ist mit sieben Vorstrafen im Strafregister verzeichnet 

(Urk. 47). Zwei davon betreffen u.a. Vermögensdelikte (Raub, Diebstahl, geringfü-

giger Diebstahl). Bestraft wurde der Beschuldigte mit Freiheitsstrafen, die er weit-

gehend verbüsste, mit unbedingten Geldstrafen, gemeinnütziger Arbeit und Bus-

sen. Zuletzt wurde er am 22. Juli 2020, also nur wenige Tage vor Begehung der 

Delikte, für die heute eine Strafe auszusprechen ist, zu einer unbedingten Geld-

strafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 30.– verurteilt (Urk. 47 S. 4). Mit der Vorinstanz 

ist folglich zu konstatieren, dass die bisher ausgesprochenen Strafen, mit denen 

sämtliche vom Strafgesetzbuch vorgesehenen Strafarten ausgeschöpft wurden, 

den Beschuldigten nicht vom weiteren Delinquieren abhielten. Ob das auch künftig 

der Fall sein wird, wird sich zeigen. Bei der gegebenen Ausgangslage ist aber je-

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denfalls davon auszugehen, dass eine weitere Geldstrafe die nötige präventive 

Wirkung nicht entfalten würde. Vielmehr erscheint die vom Gesetzgeber als 

schärfste Strafe vorgesehene Freiheitsstrafe unter spezialpräventiven Gesichts-

punkten als die einzig zweckmässige Sanktion, auch wenn die Verschuldensbe-

wertung im Einzelfall eine Geldstrafe als Sanktion noch zuliesse. In Anwendung 

von Art. 41 Abs. 1 lit. a StGB ist vorliegend daher auch im Bereich, der grundsätz-

lich mit Geldstrafe bis 180 Tagessätzen zu ahnden wäre, auf eine kurze Freiheits-

strafe zu erkennen.  

4.1 Die beiden vom Beschuldigten verübten Diebstähle unterscheiden sich in 

objektiver Hinsicht im Wesentlichen nur hinsichtlich des Deliktsbetrages, der im 

ersten Fall knapp 60% höher lag als im zweiten. Mit Fr. 3'500.– und Fr. 2'078.– 

bewegten sich die Deliktsbeträge jedoch dennoch in einer vergleichbaren Grös-

senordnung und dabei in einer solchen, die gemessen an den denkbaren unter 

den Tatbestand von Art. 139 Abs. 1 StGB fallenden Vermögensschäden klar aus-

serhalb des Bagatellbereichs aber immer noch im geringfügigeren Rahmen ein-

zuordnen ist. Im Übrigen handelte der Beschuldigte in beiden Fällen zielstrebig 

aber bei Gelegenheit; er ging weder planmässig noch besonders raffiniert vor. 

Sein Verhalten offenbart eine gewisse Dreistigkeit aber keine besonders ausge-

prägte kriminelle Energie. Die objektive Tatschwere ist davon ausgehend in bei-

den Fällen als leicht zu qualifizieren, wobei die erste Tat innerhalb dieser Qualifi-

kation leicht schwerer wiegt. 

4.2 In subjektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass der Beschuldigte in beiden Fäl-

len direktvorsätzlich und aus eigennützigen Motiven (weil er ein schöneres Velo 

haben bzw. mit einem Verkauf Einkommen generieren wollte) handelte, was bei 

Diebstahlsdelikten allerdings die Regel ist. Der Beschuldigte verfügt zwar über 

keine sein Existenzminimum übersteigenden Einkünfte, in einer finanzielle Notla-

ge, die sein Verhalten in milderem Licht erscheinen lassen würde, befand er sich 

jedoch nicht. Zu Gunsten des Beschuldigten ist dagegen mit der Vorinstanz in 

beiden Fällen leicht verschuldensrelativierend eine leicht verminderte Schuldfä-

higkeit aufgrund seines Alkoholkonsums an den Tattagen zu berücksichtigen; es 

kann insoweit auf das Gutachten von Dr. B._____ vom 5. März 2018 verwiesen 

-   7   - 

werden (Urk. D1/8/1, insbes. S. 87 ff.), dessen Schlussfolgerungen im Licht der 

unveränderten Lebensumstände und Verhaltensweisen des Beschuldigten nach 

wie vor überzeugen. Insgesamt bleibt es bei einem je leichten Verschulden, wobei 

die erste Tat innerhalb dieser Qualifikation leicht schwerer wiegt. 

4.3 Davon ausgehend rechtfertigt sich für die erste der beiden Taten eine Ein-

satzstrafe von 3 Monaten Freiheitsstrafe und für die zweite eine solche von zwi-

schen 2 ½ und 3 Monaten Freiheitsstrafe. Die beiden Taten weisen keinen rele-

vanten Sachzusammenhang auf, weshalb die Strafe für die Tat vom 31. Juli 2020 

für die zweite Tat vom 5. August 2020 in Anwendung des Asperationsprinzips auf 

gegen 5 Monate Freiheitsstrafe zu erhöhen ist. 

4.4 Der inzwischen 38-jährige Beschuldigte wurde in C._____ geboren und 

wuchs dort zusammen mit einer Schwester und einem Bruder in unauffälligen 

Verhältnissen bei seinen Eltern auf. Er besuchte drei Jahre die Primarschule, im 

Anschluss daran eine Sonderschule, wobei er wegen Legasthenie und Stotterns 

Spezialunterricht erhielt, und die erste Realschulklasse. Während laufenden ers-

ten Realschuljahrs zog er mit seinem Vater und seiner Stiefmutter nach D._____ 

um, wo er auch mit seinem mittlerweile verstorbenen Stiefbruder lebte. Seine 

Schwester zog im Rahmen ihrer Lehre als Malerin hingegen in eine eigene Woh-

nung. Sein Bruder zog ebenfalls nicht mit ihm um und begann eine Lehre als 

Spengler im Sanitärbereich bei der Grosstante. Zu seiner Mutter pflegte er weiter-

hin Kontakt. In D._____ besuchte er zunächst weiter die 1. Klasse der Realschu-

le, kam dann für ein halbes Jahr ins Schulheim E._____ und schliesslich für ein 

weiteres halbes Jahr ins …-Heim F._____. Da er dort die Arbeit verweigerte, wur-

de er für ein Timeout auf einem Bergbauernbetrieb ob G._____ platziert und ver-

brachte anschliessend ein paar Wochen in H._____. Zurück bei seinem Vater und 

seiner Stiefmutter in D._____ kam es nach wenigen Monaten erneut zu Proble-

men, die zur Einweisung des Beschuldigten in die Durchgangsstation C._____ 

führten. Nach der Entlassung aus derselben lebte der Beschuldigte ohne Ziel in 

den Tag hinein. Er begann im Alter von etwa 14 Jahren mit dem Rauchen von 

Cannabis. Ab seinem 19. Altersjahr steigerte sich auch sein Alkoholkonsum. Eine 

Ausbildung absolvierte er nicht. Er verfügt weder über eine berufliche Ausbildung 

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noch über praktische berufliche Erfahrung, lebt bei seiner bald 100-jährigen 

Grosstante, hat keine Beschäftigung oder Hobbys und wird vom Sozialamt unter-

stützt. Dort wird er gegenwärtig bei der Suche nach einer eigenen Wohnung un-

terstützt, für den Fall, dass er zukünftig nicht mehr bei seiner Grosstante leben 

könnte (Urk. D1/4/2 S. 13 f.; Urk. D1/8/1 S. 35 ff. und S. 49 ff.; Prot. I S. 7 ff.; 

Prot. II S. 6 ff.). Er möchte später zudem eine Freundin haben und "arbeiten wäre 

sicher auch einmal ein Ziel" (Urk. D1/4/2 S. 14). Mit seinem Bruder pflegt der Be-

schuldigte regelmässig Kontakt. Er gab an, ihn einmal pro Woche zu sehen. Auch 

seine Mutter sehe er viel (Prot. II S. 12). Mit seiner Schwester sei der Kontakt ab-

gebrochen. Sie hätten sich auseinandergelebt (Prot. II S. 16). Strafzumessungsre-

levante Umstände ergeben sich aus der Lebensgeschichte und den persönlichen 

Verhältnissen des Beschuldigten nicht (vgl. auch nachfolgend E. 4.2).  

4.5 Deutlich straferhöhend wirken sich die sieben Vorstrafen des Beschuldigten 

aus, die teilweise einschlägig sind (Urk. 47). Erheblich strafmindernd ist sein Ge-

ständnis in beiden Fällen zu werten. Das am 5. August 2020 gestohlene Fahrrad 

wurde anlässlich einer Hausdurchsuchung beim Beschuldigten nicht gefunden, 

vom Beschuldigten aber später aus eigenem Antrieb zurückgegeben (vgl. 

Urk. D1/4/2 S. 2 f.). Bei der Rückgabe war das Fahrrad leicht beschädigt. Der Be-

schuldigte gab an, dass die Beschädigung des Schutzblechs und zwei Kratzer auf 

einen Sturz seinerseits zurückzuführen seien. Den Schaden würde er überneh-

men, wenn die Kosten im Rahmen blieben; er habe nicht viel Geld (Urk. D1/4/2 

S. 3 f.). Selbständige Anstalten, mit der Geschädigten diesbezüglich Kontakt auf-

zunehmen, traf der Beschuldigte bis heute allerdings keine (Prot. II S. 21). Die 

Rückgabe begründete er einerseits strategisch ("Im Verfahren ist es sicher besser 

für mich, wenn ich es zurückgebe. Das wäre strafmildernd.") und andererseits mit 

seinem schlechten Gewissen (Urk. D1/4/2 S. 3), wobei anzunehmen ist, dass 

auch die Erkenntnis, dass das E-Bike "huere schnell" bzw. lebensgefährlich und 

deshalb nichts für ihn sei (Urk. D1/4/2 S. 3), eine Rolle spielte. Tätige Reue im 

Sinne von Art. 48 lit. d StGB, die nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung eine 

besondere Anstrengung des Fehlbaren voraussetzt (BGE 107 IV 98 E. 3a), ist in 

der Rückgabe des beschädigten Fahrrads durch den Beschuldigten zwar nicht zu 

sehen. Allerdings ist nicht zu verkennen, dass der Beschuldigte den der Geschä-

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digten zugefügten Schaden mit seiner Initiative begrenzte, was das Strafbedürfnis 

reduziert. Insofern rechtfertigt sich eine weitere leichte Strafreduktion. Das zweite 

Fahrrad wurde beim Beschuldigten sichergestellt; die Rückgabe erfolgte nicht 

durch ihn. 

4.6 Der Beschuldigte macht geltend, er müsse sich um seine bald hundertjähri-

ge Tante kümmern. Sie sei schon noch fit, habe aber Probleme mit den Beinen. 

Er müsse für sie einkaufen und im Haushalt helfen. Deshalb gehe Haft momentan 

nicht. Wenn es sein müsse, dann könnte er ab 2023 ins Gefängnis (Urk. D1/4/2 

S. 5; Prot. I S. 8; Prot. II S. 5). Trotz seiner behaupteten Betreuungsfunktion sucht 

er allerdings nach einer eigenen Wohnung, wenn auch in der Nähe seiner 

Grosstante (Urk. D1/4/2 S. 8, 14; Prot. I S. 7; Prot. II S. 11). An ihren Wohnkosten 

beteiligt sich der Beschuldigte nach eigenen Angaben nicht (Prot. II S. 11). Ge-

mäss gutachterlicher Einschätzung handelt es sich bei der Beziehung zu seiner 

Grosstante um die einzige Beziehung, die der Beschuldigte über sehr viele Jahre 

unterhalte. Sie lasse sich aber nicht als reife oder auch nur partnerschaftliche Be-

ziehung verstehen, sondern sei allein durch das Bedürfnis des Beschuldigten 

nach Anlehnung und Befriedigung elementarer Bedürfnisse wie Geborgenheit, Si-

cherheit und friedvoller Widerspruchslosigkeit gekennzeichnet (Urk. D1/8/1 S. 81). 

Insgesamt ist davon auszugehen, dass vor allem der Beschuldigte aus emotiona-

len Gründen die Nähe seiner Grosstante sucht und nötig hat, und seine Feststel-

lung, er könne jetzt nicht ins Gefängnis, heute wie im Februar 2018 (vgl. 

Urk. D1/8/1 S. 54) damit zu tun hat, dass es "das Schlimmste wäre, wenn sie jetzt 

sterben würde und ich sie nie mehr sähe." Diese (verständliche) Angst des Be-

schuldigten, seine Grosstante könnte während seines Gefängnisaufenthaltes 

sterben, ist mit einer unbedingten Freiheitsstrafe an sich und nicht mit deren Dau-

er verknüpft. Eine besondere Strafempfindlichkeit im Sinne der Rechtsprechung, 

die eine weitere Strafreduktion rechtfertigen könnte, ergibt sich daraus nicht. 

Vielmehr wird dem Umstand nötigenfalls bei der Festsetzung des Strafantritts und 

(auf Gesuch des Beschuldigten hin) durch die Vollzugsform (z.B. gemeinnützige 

Arbeit) Rechnung zu tragen sein.  

-   10   - 

4.7 Insgesamt erweist sich eine Freiheitsstrafe von vier Monaten als dem Ver-

schulden und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten angemessen. 

An die Freiheitsstrafe sind zwei Tage erstandener Haft anzurechnen 

4.8 Die Freiheitsstrafe ist zu vollziehen. Es kann auf die zutreffenden Ausfüh-

rungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 32 E. III.3.). 

IV. 

Ausgangsgemäss hat der Beschuldigte die Kosten des Berufungsverfahrens zu 

tragen. Angesichts seiner wirtschaftlichen Verhältnisse sind ihm diese Kosten ge-

stützt auf Art. 425 StPO jedoch zu erlassen.  

  

-   11   - 

Es wird beschlossen: 

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur, Einzel-

gericht Strafsachen, vom 16. Februar 2021 bezüglich der Dispositivziffern 1 

(Schuldspruch), 4 und 5 (Kostendispositiv) in Rechtskraft erwachsen ist.  

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.  

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte A._____ wird bestraft mit 4 Monaten Freiheitsstrafe, wo-

von 2 Tage durch Haft erstanden sind. 

2. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen. 

3. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 1'000.–  

4. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden dem Beschuldigten auferlegt, 

ihm aber erlassen. 

5. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an 

− den Beschuldigten (übergeben) 
− die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland 

sowie in vollständiger Ausfertigung an 

− den Beschuldigten 
− die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland  

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an 

− die Vorinstanz 
− den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 

Vollzugsdienste 
− die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung 

des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks 
Bestimmung der Vernichtungs- und Löschungsdaten 

-   12   - 

− die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A. 

6. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 
 

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer 

 
 

Zürich, 29. Juni 2021 
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

Oberrichter lic. iur. Stiefel 
 

Der Gerichtsschreiber: 
 
 
 

MLaw Pandya 
 

 
 

	Urteil vom 29. Juni 2021
	Anklage:
	Urteil der Vorinstanz: (Urk. 32 S. 10 f.)
	1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB.
	2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 4 Monaten, wovon 2 Tage durch Haft erstanden sind.
	3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
	4. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
	Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert sich die Entscheidgebühr um einen Drittel.
	5. Die Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 4 werden dem Beschuldigten auferlegt.
	6. [Mitteilungen]
	7. [Rechtsmittel]
	Berufungsanträge:
	Bestrafung mit einer Geldstrafe von maximal Fr. 1000.– anstelle einer Freiheitsstrafe.
	Erwägungen:
	II.
	III.
	IV.
	Es wird beschlossen:
	1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur, Einzelgericht Strafsachen, vom 16. Februar 2021 bezüglich der Dispositivziffern 1 (Schuldspruch), 4 und 5 (Kostendispositiv) in Rechtskraft erwachsen ist.
	2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.
	Es wird erkannt:
	1. Der Beschuldigte A._____ wird bestraft mit 4 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 2 Tage durch Haft erstanden sind.
	2. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
	3. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
	4. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden dem Beschuldigten auferlegt, ihm aber erlassen.
	5. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an
	 den Beschuldigten (übergeben)
	 die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland
	 den Beschuldigten
	 die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland
	 die Vorinstanz
	 den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und Vollzugsdienste
	 die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks Bestimmung der Vernichtungs- und Löschungsdaten
	 die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A.

	6. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.