# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0ac9100c-7669-5c00-b5f8-dc3e89b8859c
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-24
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 24.11.2023 SB220541
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB220541_2023-11-24.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB220541-O/U/jv

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. Ch. Prinz, Präsident, lic. iur. B. Amacker und 

Ersatzoberrichterin lic. iur. S. Nabholz sowie der Gerichtsschreiber 

MLaw S. Zuber

Urteil vom 24. November 2023

in Sachen

A._____, 
Beschuldigter und Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

gegen

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, 
vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. H. Wieser, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte sowie Anschlussberufungsklägerin

betreffend qualifizierte Geiselnahme 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Bülach, II. Abteilung, 
vom 5. Juli 2022 (DG210040)

- 2 -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 13. Februar 

2020 (Urk. 22) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 38 S. 74 ff.)

" Es wird erkannt:

1. Der Beschuldigte ist schuldig der qualifizierten Geiselnahme im Sinne von Art. 185 Ziff. 1 und 

2 StGB.

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 7 ½ Jahren Freiheitsstrafe, wovon 1057 Tage durch Haft 

erstanden sind.

3. Die folgenden gemäss Liste vom 13. April 2018 sichergestellten und beim Forensischen 

Institut gelagerten Gegenstände

 A011'389'110: Laptop ASUS

 A011'389'176: iPhone 6 inkl. SIM-Karte

 A011'389'256: Mobiltelefon Music

 A011'389'267: Mobiltelefon Samsung schwarz

 A011'389'290: UBS-Stick schwarz/blau

 A011'389'314: Mobiltelefon Samsung "DUOS"

 A011'389'325: Samsung Mobiltelefon

 A011'389'358: USB-Stick rot "ECAP"

sind dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft des Urteiles auf erstes Verlangen hin 

herauszugegeben.

Werden sie nicht innerhalb von 90 Tagen herausverlangt, so wird der Verzicht angenommen.

4. a) Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 1, B._____, dem 

Grundsatz nach schadenersatzpflichtig ist. 

b) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1, B._____, eine Genugtuung von 

Fr. 25'000.– zuzüglich Zins zu 5% seit 1. Juni 2015 auszurichten. 

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5. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten 

auferlegt; davon ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung, welche einst-

weilen und unter dem Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse über-

nommen werden sowie die Kosten der Rechtsvertretung der Privatklägerin 1.

7. [Mitteilungen]

8. [Rechtsmittel] "

Berufungsanträge:

a) Die amtliche Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 57):

" 1. Es sei festzustellen, dass das Beschleunigungsgebot verletzt wurde.

2. Es sei festzustellen, dass Ziff. 3. und 5. des Urteils des Bezirksgerichts 

Bülach vom 5. Juli 2022 in Rechtskraft erwachsen sind.

Fr. 12'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:

Fr. 5'000.–   Gebühr für die Strafuntersuchung

Fr. 724.10   IRM-Gutachten B._____

Fr. 335.00   Zeugenentschädigung

Fr. 1'190.25   Entschädigung Dolmetscher im Vorverfahren

Fr. 300.–   Barauslagen Einvernahme C._____

Fr. 10'900.–   Rechtsvertretung von B._____ inkl. MwST., bereits im Verfahren DG200007-C entschädigt.

Fr. 6'000.–   Rechtsvertretung von B._____ inkl. MwSt. (Entschädigung für Aufwände im Verfahren DG210040-C)

Fr. 28'500.–   amtliche Verteidigungskosten inkl. MwST., bereits im Verfahren DG200007-C entschädigt.

Fr. 17'000.–   amtl. Verteidigungskosten inkl. MwST. (Entschädigung für Aufwände im Verfahren DG210040-C)

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3. Es sei das Urteil des Bezirksgerichts Bülach vom 5. Juli 2022 im Übrigen 

aufzuheben.

4. Es sei der Beschuldigte von Schuld und Strafe freizusprechen.

5. Die Zivilansprüche der Privatklägerin 1 seien abzuweisen, soweit darauf 

einzutreten ist. Eventualiter seien diese auf den Weg des Zivilprozesses 

zu verweisen.

6. Dem Beschuldigten sei eine Genugtuung in angemessener Höhe aus 

der Staatskasse zu bezahlen.

7. Sämtliche Verfahrenskosten, einschliesslich derjenigen der amtlichen 

Verteidigung (zzgl. MWST), seien auf die Staatskasse zu nehmen. "

b) Die Staatsanwaltschaft (Urk. 59):

" Dispositiv Ziffern 1 und 2 des angefochtenen Urteils seien wie folgt zu refor-

mieren:

1. Der Beschuldigte sei schuldig zu sprechen der qualifizierten Geisel-

nahme im Sinne von Art. 185 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 und 3 StGB.

2. Der Beschuldigte sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 12 Jah-

ren. "

c) Die unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin 1 (Urk. 60):

" 1. Es seien sowohl Dispositiv-Ziffer 8. (Schaden) wie auch Dispositiv-Ziffer 

9. (Genugtuung) des vorinstanzlichen Urteils (Bezirksgericht Bülach, 

II. Abteilung, Urteil vom 5. Juli 2022, Geschäfts-Nr. DG210040) zu be-

stätigen.

2. Die unentgeltliche Rechtsvertreterin sei angemessen (vgl. eingereichte 

Honorarnote) aus der Gerichtskasse zu entschädigen. "

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Erwägungen:

I. Verfahrensgang, Berufungsumfang, Prozessuales

1. Verfahrensgang

1.1. Der Beschuldigte A._____ wurde erstmals mit Urteil des Bezirksgerichts 

Bülach, II. Abteilung, vom 28. April 2020 schuldig gesprochen der qualifizierten 

Geiselnahme im Sinne von Art. 185 Ziff. 1 und 2 StGB und mit 7 ½ Jahren Frei-

heitsstrafe bestraft, wovon 251 Tage als durch Haft erstanden angerechnet wurden 

(betrifft nachfolgend das Geschäft DG200007: Urk. 58; begründete Ausfertigung 

Urk. 75). Gegen das gleichentags mündlich eröffnete Urteil liess der Beschuldigte 

am 30. April 2020 rechtzeitig Berufung anmelden (Urk. 62; Urk. 63). Mit Eingabe 

vom 25. August 2020 reichte die Verteidigung fristgerecht ihre Berufungserklärung 

ein (betrifft nachfolgend das Geschäft SB200343: Urk. 83). Die Staatsanwalt-

schaft I des Kantons Zürich (nachfolgend Staatsanwaltschaft) erklärte mit Eingabe 

vom 1. September 2020 Anschlussberufung (Urk. 87). Die Privatklägerinnen lies-

sen sich innert Frist nicht vernehmen (Urk. 85 i.V.m. Urk. 86). Am 24. Februar 2021 

wurde zur Berufungsverhandlung auf den 10. Juni 2021 vorgeladen (Urk. 91).

1.2. Mit Eingabe vom 19. Mai 2021 stellte die Verteidigung im Berufungs-

verfahren erstmals Beweisergänzungsanträge (Urk. 93). Mit Präsidialverfügung 

vom 21. Mai 2021 wurde der Staatsanwaltschaft sowie der Privatklägerin 1 Frist 

angesetzt, um zu diesen Stellung zu nehmen, wobei die Staatsanwaltschaft obliga-

torisch zur Stellungnahme aufgefordert wurde (Urk. 95). Die Stellungnahme der 

Staatsanwaltschaft vom 27. Mai 2021 ging am 31. Mai 2021 ein (Urk. 97). Die 

Vertretung der Privatklägerin 1 verzichtete auf eine Stellungnahme (Urk. 95 und 

Urk. 96).

1.3. Mit Präsidialverfügung vom 2. Juni 2021 wurde den Parteien Frist angesetzt, 

um zur Frage einer allfälligen Rückweisung der Sache an die Vorinstanz im 

Sinne von Art. 409 Abs. 1 StGB Stellung zu nehmen (Urk. 100). Gleichzeitig wurde 

den Parteien die Vorladung zur Berufungsverhandlung vom 10. Juni 2021 abge-

nommen (Urk. 99). Die Staatsanwaltschaft nahm mit Schreiben vom 7. Juni 2021 

Stellung (Urk. 104), die Verteidigung ihrerseits am 11. Juni 2021 (Urk. 106). Die 

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Privatklägerin 1 liess sich nicht vernehmen (Urk. 100 i.V.m. Urk. 101). Mit Eingabe 

vom 21. Juni 2021 stellte die Verteidigung weitere Beweisanträge (Urk. 108).

1.4. Mit Beschluss vom 19. Juli 2021 hob die Berufungsinstanz das Urteil der 

Vorinstanz vom 28. April 2020 auf und wies das Verfahren zurück, mit den folgen-

den Bereinigungen bzw. Beweisergänzungen: Es seien die Privatklägerinnen zur 

ergänzenden Sachverhaltsabklärung und Gewinnung eines persönlichen Ein-

drucks durch das Gericht einzuvernehmen. Es sei ausserdem der Partner der Pri-

vatklägerin 1 (D._____) zu den Umständen der Entführung, zum Zusammentreffen 

nach der mehrwöchigen Trennung von der Privatklägerin 1 sowie über die hernach 

zurückgelegte Reise in die Schweiz einzuvernehmen. Sodann seien seine Migrati-

onsakten beim Staatssekretariat für Migration anzufordern. Es sei weiter eine Fo-

todokumentation der Vernarbungen des Beschuldigten und eine Vermessung sei-

ner Körpergrösse zu erstellen. Es seien die Registrierungen der Privatklägerinnen 

beim UNHCR Office Switzerland und Liechtenstein über deren Aufenthalt im 

Flüchtlingslager E._____ einzuholen. Ausserdem sei F._____ ausfindig zu machen 

und dieser sei im Erfolgsfall zum Aufenthalt des Beschuldigten in G._____ [Stadt 

im Sudan] und dessen Reise bzw. Migrations-Fluchtroute einzuvernehmen 

(Urk. 115).

1.5. Mit Beschluss vom 28. September 2021 wies die Vorinstanz die Akten zur 

Vornahme verschiedener Beweisergänzungen an die Staatsanwaltschaft zurück 

(betrifft nachfolgend das Geschäft DG210040: Urk. 3). Mit Verfügung vom 31. März 

2022 retournierte die Staatsanwaltschaft die Akten samt ergänzter Beweisabnah-

men unter Festhalten an der Anklageschrift vom 13. Februar 2020 an die Vorin-

stanz (Urk. 5A/102). Die Parteien wurden auf den 5. Juli 2022 zur Hauptverhand-

lung vorgeladen (Urk. 6). Mit Schreiben vom 9. Juni 2022 beantragte die Verteidi-

gung, es seien zwei weitere Personen unbekannten Aufenthaltes ausfindig zu ma-

chen und als Zeugen einzuvernehmen (Urk. 13). Mit Schreiben vom 10. Juni 2022 

wies die Verfahrensleitung die Beweisanträge ab (Urk. 14). Anlässlich der zweiten 

Hauptverhandlung stellte die Verteidigung keine Beweisanträge mehr.

1.6. Mit Urteil der Vorinstanz vom 5. Juli 2022 wurde der Beschuldigte erneut 

schuldig gesprochen der qualifizierten Geiselnahme im Sinne von Art. 185 Ziff. 1 

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und 2 StGB und mit 7 ½ Jahren Freiheitsstrafe bestraft, wovon die inzwischen 

1057 Tage als durch Haft erstanden angerechnet wurden (Urk. 32; begründete 

Ausfertigung Urk. 38). Gegen diesen Entscheid meldete der Beschuldigte vor 

Schranken Berufung an (Urk. 34). Die Berufungserklärung der Verteidigung ging 

innert gesetzlicher Frist bei der Berufungsinstanz ein (betrifft nachfolgend das vor-

liegende Geschäft SB220541: Urk. 43). Die Staatsanwaltschaft hat mit Eingabe 

vom 9. November 2022 innert Frist Anschlussberufung erhoben (Urk. 47). Mit Ver-

fügung vom 4. November 2022 wurde den Privatklägerinnen und der Staatsanwalt-

schaft die Berufungserklärung zugestellt und Frist angesetzt, um zu erklären, ob 

Anschlussberufung erhoben oder ob ein Nichteintreten auf die Berufung beantragt 

wird (Urk. 45). Die Privatklägerinnen liessen sich innert Frist erneut nicht ver-

nehmen (Urk. 46). Am 27. Juli 2023 wurde zur Berufungsverhandlung vorgeladen 

(Urk. 49), welche am 23. November 2023 stattfand. Zur Berufungsverhandlung er-

schienen der Beschuldigte mit seinem Verteidiger sowie die Staatsanwaltschaft 

und die unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin 1. Das Urteil wurde am 23. so-

wie am 24. November 2023 beraten und anschliessend den Parteien mündlich 

eröffnet (zum Ganzen: Prot. II S. 3 ff.).

2. Berufungsumfang

2.1. Die Berufung des Beschuldigten (Urk. 43) richtet sich gegen den vorinstanz-

lichen Schuldspruch (Dispositiv-Ziffer 1), die ausgefällte Strafe (Dispositiv-Ziffer 2), 

die Zivilforderungen (Dispositiv-Ziffer 4 a. und b.) sowie die Kostenauflage (Dis-

positiv-Ziffer 6). Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft beschränkt sich auf 

den Schuldpunkt sowie die Bemessung der Strafe (Urk. 47).

2.2. Gemäss den Anträgen der Parteien sind somit im Berufungsverfahren nicht 

angefochten (vgl. Prot. II S. 7).

- die vorinstanzliche Regelung betreffend beschlagnahmte Gegenstände 

(Dispositiv-Ziffer 3) sowie

- die vorinstanzliche Kostenfestsetzung (Dispositiv-Ziffer 5).

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Vom Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnungen ist vorab Vormerk zu nehmen 

(Art. 404 StPO).

3. Prozessuales

3.1. Die von der Verteidigung während des ersten Hauptverfahrens gerügte Zu-

ständigkeit der Schweizer Behörden sowie die Verletzung des Anklageprinzips war 

nach der Rückweisung durch die Berufungsinstanz im zweiten Hauptverfahren kein 

Thema mehr (vgl. Plädoyer der Verteidigung; DG210040: Urk. 28). Hingegen 

wurde die Frage der Zuständigkeit im Berufungsverfahren erneut als Vorfrage ein-

gebracht (Prot. II S. 5; Urk. 54). Es kann hierzu zunächst auf die zutreffenden kur-

zen Erwägungen der Vorinstanz zur Strafbarkeit nach schweizerischem Recht ver-

wiesen werden (Urk. 38 S. 61 Ziff. 3.8.). Vorliegend wurde ein qualifiziertes Delikt 

zur Anklage gebracht (Art. 185 Ziff. 5 StGB i.V.m. Art. 7 Abs. 4 und 5 StGB). Der 

Tatort lag im Grenzgebiet des Sudans zu Eritrea und Äthiopien. Eine Auslieferung 

des Beschuldigten an die Republik Sudan ist jedoch nicht möglich. Es liegt kein 

entsprechendes Auslieferungsgesuch vor. Die sudanesischen Behörden sind durch 

die Staatsanwaltschaft informiert worden und haben nie reagiert. Nach der allge-

meinen Lebenserfahrung ist auch nicht mehr damit zu rechnen, dass sich die Re-

publik Sudan für die Strafverfolgung dieses Deliktes interessiert, zumal es sich bei 

den Opfern sowie beim mutmasslichen Täter um eritreische Staatsangehörige han-

delt. Ebenfalls hätten die sudanesischen Behörden inzwischen ausreichend Zeit 

gehabt, sich um eine Auslieferung des Beschuldigten zu bemühen. Die Strafrechts-

hoheit der Schweiz zur Verfolgung von Auslandtaten erscheint hier (angesichts des 

zur Anklage gebrachte Delikts) fraglos gegeben.

Die Frage der Zuständigkeit wurde im Übrigen bereits im Rahmen des Entsie-

gelungsverfahrens von der Verteidigung aufgeworfen. Im Rahmen des damaligen 

Beschwerdeentscheides hat das Bundesgericht – obwohl es diese Fragen nicht zu 

entscheiden hatte – keine Zweifel aufkommen lassen, dass die Zuständigkeit der 

Schweizer Behörden gegeben ist (vgl. BGer 1B_407/2018 vom 13. Dezember 

2018).

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3.2. Die Staatsanwaltschaft rügte in der Berufungsverhandlung, dass eine 

Vorabeingabe (bzw. Vorabstellungnahme) der Verteidigung (Urk. 52) straf-

prozessual nicht vorgesehen sei (Prot. II S. 9 f.). Dazu lässt sich ausführen, dass 

die Parteien der Verfahrensleitung jederzeit Eingaben machen und so gestaltend 

auf das Strafverfahren einwirken können (Art. 109 Abs. 1 StPO). Dies ist ein Teil-

aspekt des Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 107 StPO). 

Das Gericht hat die Eingaben sodann den übrigen Parteien zur Kenntnis zu bringen 

(Art. 109 Abs. 2 StPO). Vorliegend wurde die Vorabeingabe der Verteidigung der 

Staatsanwaltschaft zugestellt (Urk. 53) und diese konnte sich in ihrem Plädoyer 

dazu äussern (Urk. 59 S. 2). Ebenfalls wurde die Vorabeingabe – im Einverständnis 

mit den Parteien – an der Berufungsverhandlung den anwesenden Journalisten 

ausgehändigt (vgl. Prot. II S. 7). Der Einwand der Staatsanwaltschaft findet dem-

nach keinen Halt.

3.3. Die von der Verteidigung vorgebrachte Rüge, wonach die Anschlussberu-

fung der Staatsanwaltschaft rechtsmissbräuchlich sei (Prot. II S. 13), erweist sich 

mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung als unbegründet (vgl. BGer 

6B_1498/2020 vom 29. November 2021). Mit ihrer Anschlussberufung beantragte 

die Staatsanwaltschaft eine vom Urteil der Vorinstanz abweichende rechtliche 

Würdigung (Art. 185 Ziff. 3 StGB anstelle von Art. 185 Ziff. 1 und 2 StGB). Darin ist 

kein treuwidriges Verhalten zu erkennen.

3.4. Auch die Rüge der Verletzung des u.a. in Art. 5 Abs. 2 StPO geregelten Be-

schleunigungsgebots dringt nicht durch (Urk. 57 S. 16). Unter Berücksichtigung, 

dass es vorliegend zu einer Rückweisung kam und umfangreiche – teils im Ausland 

durchgeführte – Untersuchungshandlungen vorgenommen werden mussten, ge-

ben Untersuchungs- und Gerichtsverfahren unter diesem Titel zu keinen weiteren 

Bemerkungen Anlass. Inwiefern die Verfahrensdauer unzulässig lang oder eigent-

liche Bearbeitungslücken vorliegen sollten, ist jedenfalls nicht erkennbar.

3.5. Schliesslich kann die von der Verteidigung anlässlich der Berufungs-

verhandlung aufgeworfenen Frage nach der Verwertbarkeit verschiedener Beweis-

mittel (vgl. Urk. 57 S. 3) mit Blick auf das Endergebnis offenbleiben.

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II. Sachverhalt

1. Ausgangslage

1.1. Der Anklagesachverhalt kann der diesem Urteil beigehefteten Anklageschrift 

(Urk. 1 sowie Urk. 22) sowie dem erstinstanzlichen Urteil (Urk. 38 S. 6 f.) ent-

nommen werden. Zusammengefasst wird dem Beschuldigten darin vorgeworfen, 

er sei ca. im April 2015 für Geiselnehmer (arabischsprechender Nomadenstamm 

H._____) im Sudan als Arabisch/Tigrinisch-Dolmetscher tätig gewesen und habe 

dabei die beiden Privatklägerinnen B._____ (Privatklägerin 1) und C._____ (Privat-

klägerin 2) geschlagen, vergewaltigt oder sie sexuell missbraucht, oder habe dies 

zumindest versucht. Zudem habe der Beschuldigte jeweils die Forderungen der 

Geiselnehmer übersetzt und auch am Telefon den Angehörigen der Privatklägerin-

nen gegenüber gedroht, man werde letztere weiterverkaufen und deren Organe 

entnehmen und sie gar töten, treffe das geforderte Lösegeld nicht ein.

1.2. Bei der Sachverhaltserstellung prüfte die Vorinstanz zweierlei. Nämlich, (A) 

ob sich die Privatklägerinnen zur fraglichen Zeit im Sudan beim arabisch sprechen-

den Nomadenstamm der H._____ in Geiselhaft befanden und ob sich die Geisel-

nahme anklagegemäss zugetragen hat sowie ob (B) es sich beim Beschuldigten 

tatsächlich um den von den Privatklägerinnen bezeichneten "zweiten" Dolmetscher 

handelte. Dazu würdige die Vorinstanz die im Recht liegenden Beweismittel, na-

mentlich die Aussagen des Beschuldigten und die Aussagen der Privatklägerinnen 

inkl. deren Aussagen im Asylverfahren sowie die weiteren nach der Rückweisung 

erhobenen Beweismittel, namentlich die Aussagen des Zeugen (und Ex-Partners 

der Privatklägerin 1) D._____, die Aussagen des vom Beschuldigten angerufenen 

Entlastungszeugen F._____, das IRM-Gutachten über die Körpergrösse und be-

sonderen körperlichen Merkmale des Beschuldigten sowie die UNHCR-Anfrage 

betreffend die Registrierung der Privatklägerinnen im E._____ Flüchtlingscamp.

1.3. Gestützt auf diese Beweismittel kam die Vorinstanz zum Schluss, dass die 

Aussagen der Privatklägerinnen zum Ablauf der Entführung, der Lösegeldforde-

rungen und damit verbundenen Drohungen sowie zu den einzelnen Tatbeiträgen 

des zweiten Dolmetschers glaubhaft seien und dass es sich beim Beschuldigten 

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um den von den Privatklägerinnen genannten "zweiten" Dolmetscher handle. Die 

Vorinstanz präzisierte die Anklage dahingehend, dass die Entführung im April oder 

Mai 2015 stattgefunden und ca. sechs bis sieben Wochen angedauert habe sowie 

dass der Beschuldigte die Privatklägerinnen nicht persönlich vergewaltigt und die 

Privatklägerin 2 auch nicht persönlich geschlagen habe, diese aber sexuell genötigt 

sowie die Vergewaltigungen der anderen Geiselnehmer zugelassen habe (Urk. 38 

S. 27, S. 49 ff.).

1.4. Der Beschuldigte hielt dem im Vorverfahren, an der Hauptverhandlung vom 

21. April 2020 sowie nach Rückweisung des Verfahrens durch das Obergericht 

bzw. nach erfolgten weiteren Beweisabnahmen an der erneuten Hauptverhandlung 

vom 5. Juli 2022 zur Hauptsache entgegen, es handle sich um eine Verwechslung, 

er sei nicht dieser in der Anklage beschriebene als zweiter Dolmetscher zur Geisel-

nahme hinzugekommene Eritreer (Urk. 1/3/2; Urk. 1/3/3 Ziff. 15; Urk. 1/3/4 Ziff. 5 

u. 8; Urk. 1/48 Rz. 9 ff.; Prot. I S. 17 ff. im Verfahren DG200007; Prot. I S. 8 und 

S. 44 ff. im Verfahren DG210040). In der Berufungsverhandlung stellte sich der Be-

schuldigte wiederum auf den Standpunkt, dass der Anklagevorwurf nicht stimme. 

Er habe für niemanden gearbeitet oder übersetzt und er kenne die Privatkläge-

rinnen nicht (Urk. 55 S. 13). Zudem liess er im Wesentlichen ausführen, dass es 

sich um eine Verwechslung handle, dass die Privatklägerin 1 ein Motiv gehabt 

habe, ihn anzuzeigen und dass überdies die Aussagen der Privatklägerinnen nicht 

glaubhaft seinen (Urk. 57 S. 9 ff.).

2. (A) Geiselhaft der Privatklägerinnen im Sudan

2.1. Die Vorinstanz hat die Grundsätze zur Beweiswürdigung zutreffend wieder-

gegeben, so dass darauf verweisen werden kann (Urk. 38 S. 7 ff.). In ihrer Urteils-

begründung setzte sich die Vorinstanz ausführlich mit den Aussagen der Privatklä-

gerinnen auseinander. Darauf kann ebenfalls verwiesen werden (Urk. 38 S. 10 ff.). 

Die Vorinstanz hat darauf hingewiesen, dass sich der Sachverhalt (A: Geiselhaft 

der Privatklägerinnen) zur Hauptsache auf die Analyse der Aussagen der Privatklä-

gerinnen stützt. Dabei zeigte sie auf, wie umfassend die Privatklägerinnen in der 

Untersuchung sowie in der Hauptverhandlung befragt worden seien. Die Vorinstanz 

hat sodann dargelegt, dass die Privatklägerinnen zum Kerngeschehen detailliert 

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und deckungsgleich ausgesagt hätten. Sie hätten sich weder in ihren eigenen Aus-

sagen widersprochen, noch hätten sich ihre Darstellungen widersprochen. Um dies 

zu untermauern, hob die Vorinstanz Passagen in den Einvernahmen hervor, wo 

geschilderte Erlebnisse deckungsgleich wiedergegeben wurden und auch Details 

enthielten, die sich gegenseitig nicht ausschlossen. Die Vorinstanz räumte nach-

vollziehbar zahlreiche Widersprüche aus und zeigte die Gründe für Ungenauigkei-

ten in den Aussagen der Privatklägerinnen auf (mehr dazu nachfolgend).

2.2. Die Privatklägerinnen schilderten über alle Einvernahmen hinweg, in unter-

schiedlicher Erzählweise, aber mit deckungsgleichem Inhalt, was ihnen nach dem 

Grenzübertritt von Äthiopien in den Sudan widerfahren ist. Dabei machten sie 

immer auch spontan Angaben zu ihrer Gefühlslage, wie Totdesangst, Hass etc. Bei 

der Privatklägerin 1 kommt hinzu, dass sie zum fraglichen Zeitpunkt schwanger 

war, wodurch sie besonders vulnerabel war. Ihre Schilderungen sind immer auch 

unter diesem Aspekt zu betrachten. Die Privatklägerinnen konnten die ungefähre 

Grösse ihrer Flüchtlingsgruppe mit über ca. 50 Personen benennen und eindrück-

lich beschreiben, wie sich der Überfall der H._____ auf diese abgespielt hat, mit 

einem ersten Schusswechsel zwischen den Schleppern und den H._____s sowie 

dem späteren Umzingeln der Flüchtlingsgruppe durch die H._____s mit weiterer 

Abgabe von Schüssen. Die Privatklägerinnen gaben übereinstimmend zu Protokoll, 

wie sie verschleppt wurden, nämlich, dass die Geiseln auf mehreren hinten offenen 

Ladeflächen von Fahrzeugen verteilt unter Androhung von Waffengewalt verscho-

ben wurden und dass sie von den H._____s später unter freiem Himmel an einem 

Fluss ohne Wasser bzw. bei einem ausgetrockneten Flussbett festgehalten worden 

seien. Den Privatklägerinnen war es möglich, übereinstimmend die Namen von 

weiteren vier Frauen, die mit ihnen auf den Ladeflächen der Fahrzeugen mitgeführt 

wurden, zu benennen. Wenn die Vorinstanz dann zum Schluss kommt, dass es 

nicht vorstellbar sei, dass die Privatklägerinnen eine derartige Geschichte zu zweit 

einstudiert hätten und sie über mehrere Einvernahmen, die über Jahre hinweg 

verteilt gewesen seien, aufrechtgehalten hätten (Urk. 38 S. 22), so kann ihr ohne 

Weiteres gefolgt werden. Die Erzählungen der Privatklägerinnen zeugen hier ohne 

Zweifel von persönlichen Erlebnissen.

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2.3. Dies wird umso deutlicher bei Schilderungen der Privatklägerinnen zum wei-

teren Ablauf der Geiselnahme. Beide gaben die Dauer der Geiselnahme überein-

stimmend mit sechs mit sieben Wochen an. Die allgemeinen Umstände während 

der Geiselnahme beschrieben sie ebenfalls deckungsgleich. Sie hätten nur wenig 

zu essen erhalten, hätten am Boden geschlafen und es sei in der Nach sehr kalt 

gewesen. Die hygienischen Umstände seien derart schlecht gewesen, so dass sie 

sich erst nach über einem Monat hätten waschen können (Urk. 38 S. 17).

2.4. Beiden gaben Vorkommnisse zu Protokoll, die so an Grausamkeit kaum zu 

überbieten sind und zusammen mit der Vorinstanz kann attestiert werden, dass 

diese Erzählungen eine derart persönliche Betroffenheit der Privatklägerinnen 

offenbaren, so dass sie nur tatsächlich Erlebtem entsprechen können (Urk. 38 

S. 22). So berichteten beide wiederum übereinstimmend, jedoch aus unterschied-

lichen Perspektiven, was selbstredend zu gewissen, jedoch vernachlässigbaren 

Abweichungen in den Aussagen führte, wie sich der weitere Ablauf der Geisel-

nahme zugetragen hat. Die Privatklägerinnen berichteten, wie die Geiselnehmer 

am ersten Abend vier Frauen, darunter auch die Privatklägerin 2, vergewaltigt 

hätten. Die Privatklägerin 2 schilderte weitere Vergewaltigungen von ihr und wie ihr 

beim zweiten Mal Sand in den Mund gefüllt worden sei. Beim dritten Mann, der sie 

vergewaltigt habe, habe es sich um den "ersten" Dolmetscher gehandelt (nicht zu 

verwechseln mit dem Beschuldigten). Insgesamt schilderte die Privatklägerin 2 bis 

zu sechs Vergewaltigungen und wie sie danach derart krank geworden sei, so dass 

die Vergewaltigungen aufgehört hätten und wie ihr die Entführer eine Infusion ge-

legt und ihr Medikamente gegen Infektionen gegeben hätten. Die Privatklägerin 1 

berichtete ihrerseits, dass sie zwei Mal vergewaltigt worden sei, wobei einer kein 

Kondom verwendet und der andere auf sie eingeschlagen habe, so dass sie Kopf-

schmerzen bekommen habe (Urk. 38 S. 12, S. 15).

2.5. Auch die weiteren von den Privatklägerinnen übereinstimmend geschilder-

ten Gewalttätigkeiten können wiederum nicht anders, als für die Glaubhaftigkeit der 

Aussagen sprechend, angesehen werden. Es sind Schilderungen, die den Eindruck 

von Authentizität vermitteln. So seien sie an Händen und Füssen gefesselt gewe-

sen und man habe ihnen befohlen, in die Sonne zu schauen. Sie seien mit Stöcken 

- 14 -

geschlagen worden, wenn sie den Kopf gesenkt hätten, ihnen sei kochendes 

Wasser über die Arme und Beine gegossen worden, man habe ihnen eine tote 

Schlange um den Hals, auf den Rücken und die Füsse gelegt. Ebenfalls hätte man 

ihnen die Fusssohlen mit einem Stück am Feuer aufgeheiztem Eisen verletzt. Hier 

ist bemerkenswert, dass die Privatklägerinnen angaben, dass Gewalttätigkeiten 

und Vergewaltigungen aufgehört hätten, sobald jeweils der Chef der Gruppe vor 

Ort gewesen sei, der seinen Männern derartiges Vorgehen gegen die Geiseln ver-

boten habe (Urk. 38 S. 16 f.).

2.6. Die Privatklägerinnen schilderten taggenau (am dritten Tag der Geisel-

nahme), wie ein eritreischer Übersetzer hinzugekommen sei (nicht zu verwechseln 

mit dem Beschuldigten), welcher ihnen erklärt habe, was die Geiselnehmer forder-

ten. Sodann konnten die Privatklägerinnen wiedergeben, wie die Familien per 

Telefonanruf unter Mithilfe des Dolmetschers unter Druck gesetzt worden seien, 

Lösegeld zu überweisen. Sie beschrieben dabei eindrücklich, wie sie unter Schlä-

gen und unter Waffengewalt mit den Familien zu sprechen hatten und wie weiter 

Druck aufgebaut wurde, indem ihnen und ihren Familien ihre Enthauptung sowie 

der Verkauf ihrer Körperorgane gedroht worden sei. Zusammen mit der Vorinstanz 

ist es nachvollziehbar, wenn es hier auch Ungenauigkeiten über die einzelnen Ein-

vernahmen hinweg gab, die jedoch dem Wahrheitswert der Aussagen nicht abträg-

lich sind. So zum Beispiel, weshalb die Lösegeldforderung von der Privatklägerin 1 

in unterschiedlichen Währungen angegeben wurde. Übereinstimmend wurde ge-

schildert, dass die erste Forderung bei um 1 Mio. Nafka (eritreische Währung) lag.

2.7. Beide Privatklägerinnen berichteten, dass nach einer gewissen Zeit ein 

neuer eritreischer Dolmetscher aufgetaucht sei. Der Dolmetscher sei herumge-

laufen und habe mit den H._____s gegessen. Die Privatklägerinnen gaben beide 

an, dass dieser Dolmetscher Stockschläge ausgeführt habe und die Privat-

klägerin 1 auch in einem leeren Flussbett mit einem Stromkabel ausgepeitscht 

habe. Die Vorinstanz kam sodann zu Recht zum Schluss – insbesondere gestützt 

auf die Aussagen der Privatklägerinnen anlässlich der Hauptverhandlung vom 

5. Juli 2022 – dass der zweite Dolmetscher weder die Privatklägerin 1 noch die Pri-

vatklägerin 2 persönlich vergewaltigt habe. Ebenfalls habe er die Privatklägerin 2 

- 15 -

auch nicht persönlich geschlagen. Jedoch habe der zweite Dolmetscher sie sexuell 

genötigt, indem er ihre Brüste berührte. Er habe an ihr aber nicht den Geschlechts-

verkehr vollzogen. Die Vorinstanz präzisierte den Anklagesachverhalt dementspre-

chend. Auf diese zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen kann verwiesen wer-

den (Urk. 38 S. 24 u. S. 51). Weiter führte die Vorinstanz aus, dass die Privatklä-

gerinnen den zweiten Dolmetscher auch entlastet hätten (er habe die Privatkläge-

rin 2 einmal auf dem Rücken getragen; er habe versucht, ihnen Mut zu machen, 

etc.; Urk. 38 S. 15). Die Privatklägerinnen hätten den zweiten Dolmetscher in ihren 

Aussagen nicht übermässig belastet und sie hätten offengelegt, wenn sie sich be-

treffend dessen Tatbeiträge nicht mehr sicher gewesen seien. Das spreche für ihre 

Glaubwürdigkeit, so die Vorinstanz (Urk. 38 S. 24 f.). Auch hier: dass die Privatklä-

gerinnen eine derart facettenreiche Geschichte erfunden hätten und diese danach 

über Jahre in mehreren Einvernahmen nahezu deckungsgleich aufrecht hielten, ist 

schlichtweg nicht vorstellbar.

2.8. Die Privatklägerinnen schilderten den weiteren Ablauf wie folgt: die 

H._____s hätten sich mit der Zeit zerstritten und seien sich über das Vorgehen 

uneinige geworden. Beide Privatklägerinnen seien dann an einen anderen Ort ver-

bracht worden und die Lösegeldforderung sei auf USD 3'000.– reduziert worden. 

Ein Betrag, den ihre Angehörigen hätten aufbringen können. Das Geld sei mittels 

Überweisung per Mobiltelefon bezahlt worden. Sie seien dann in der Nähe des 

Flüchtlingslagers E._____ abgesetzt worden. Nach vier bis fünf Tagen seien sie 

zusammen mit zwei weiteren entführten Frauen nach G._____ gereist, wo die Pri-

vatklägerin 1 ihren Partner, den Zeugen D._____, wiedergetroffen habe. Mit ihm 

und der Privatklägerin 2 sei sie über Libyen nach Italien bis in die Schweiz gereist.

2.9. Die Privatklägerin 2 gab in ihrer ersten Befragung beim SEM in I._____ am 

23. Juli 2015 folgendes zu Protokoll (DG200007: Urk. 15/5, Protokoll Befragung zur 

Person, Rz. 5.02):

"[…] haben wir an einem Fluss Pause gemacht, wir waren sehr müde. Als wir 

dort waren sind H._____s gekommen mit Fahrzeugen […] mich und andere 

5 Mädchen haben sie anhalten können. Die anderen sind weggelaufen und uns 

haben sie mit dem Fahrzeug ungefähr 3 Stunden irgendwohin gefahren in eine 

- 16 -

Einöde wo niemand war. Sie haben gemacht was sie wollten mit uns, sie haben 

uns vergewaltigt, sie haben uns angekettet und geschlagen und sagten zu uns 

wir sollten uns Geld überweisen lassen […]. Dann haben sie zu ihnen gesagt, 

sie müssten 15'000 USD überweisen wenn sie uns wieder sehen wollten […]. 

Dann nachdem sie nicht zahlen konnten habe sie aufgegeben und gesagt 

180'0000 Nafka. Dann haben Leute die im Ausland leben, Verwandte, meine 

Mutter hat ihren Geldschmuck verkauft und bezahlt dann haben sie uns in der 

Einöde freigelassen […]. Dann sind wir zu Fuss in den Sudan nach E._____  

gegangen, das war am 15.05.2015 […]."

Die Privatklägerin 1 und der Beschuldigte trafen am 11. Oktober 2019 auf 

dem Migrationsamt Zürich aufeinander. Die Privatklägerin 2 kam in die Schweiz 

und gab diese Aussagen über vier Jahre vor diesem Zusammentreffen und losge-

löst vom vorliegenden Strafverfahren bei ihrer Befragung zum Asylantrag zu Proto-

koll. Sie konnte unmöglich kolludieren. Sie schilderte damals im Asylverfahren die 

wichtigsten Eckpunkte des hier fraglichen Sachverhalts in freier Rede übereinstim-

mend. Wenn die Vorinstanz daraus den Schluss zieht, dass diese Aussagen der 

Privatklägerin 2 im Jahr 2015 die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin-

nen im Strafverfahren insgesamt festigen (Urk. 38 S. 25), kann dem ohne Weiteres 

gefolgt werden.

2.10. Die Privatklägerin 1 hingegen erwähnte in der ersten Befragung im Asyl-

verfahren nichts von den hier geschilderten Erlebnissen (DG200007: Urk. 15/2, 

Ziff. 5.01 ff.). Hierzu kann auf die vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden. 

Es ist nachvollziehbar, dass sie als Opfer von sexueller Gewalt und Folter keines-

falls solch traumatische Erlebnisse offenlegen wollte, zumal ihr damals auch mitt-

geteilt wurde, dass Erlebnisse ausserhalb Eritreas nicht relevant seien für das Asyl-

gesuch. Augenfällig ist in diesem Zusammenhang, dass sich die Privatklägerin 1 

während all ihrer Einvernahmen sehr zurückhaltend in Bezug auf erlebte sexuelle 

Gewalt äusserte, was keinesfalls der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen abträglich ist. 

Ebenfalls sind auch die vorinstanzlichen Erwägungen zum Vorbringen der Ver-

teidigung, wonach sich die Privatklägerin 1 mit der Erzählung der Geiselnahme 

bessere Chancen auf eine Aufenthaltsbewilligung erhofft habe, zutreffend (Urk. 38 

- 17 -

S. 25 ff.). Es ist schlicht nicht nachvollziehbar, dass die Privatklägerin 1 über genü-

gend (fachliches) Wissen verfügte, um eine Geiselnahme im Sudan zu erfinden und 

diese Geschichte dann in ihrem Asylverfahren einzubringen, so dass ihr daraus 

Vorteile hätten erwachsen können.

2.11. Ebenfalls keiner weiteren Ergänzungen bedürfen die vorinstanzlichen Erwä-

gungen betreffend die Registrierung der Privatklägerinnen im E._____ Flüchtlings-

lager. Die Verteidigung brachte dazu vor, weil es keine Registrierung gegeben 

habe, hätten sie sich gar nie im Flüchtlingslager befunden (DG210040: Urk. 28 

N 22 ff.). Wenn die Vorinstanz hierzu ausführte, dass die Nichtregistrierung in der 

Datenbank zufolge unterschiedlicher Schreibweisen nicht per se dagegenspreche, 

dass sich die Privatklägerinnen im Lager befunden hätten, kann dem ohne Weiteres 

gefolgt werden (Urk. 38 S. 27).

2.12. Auch das Vorbringen der Verteidigung, wonach der Zeuge D._____ bei der 

Privatklägerin 1 bei deren Wiedervereinigung "nur" blaue Flecken, jedoch keine 

Anzeichen von offenen Wunden, Humpeln und Verbrennungen bemerkt habe, was 

nach einem wie dem beschriebenen Martyrium lebensfremd und unglaubhaft sei 

(DG210040: Urk. 28 Rz 28 f.), verfängt nicht. Hier muss der Zeitablauf nach der 

Entlassung aus der Geiselhaft sowie die ärztliche Behandlung im Flüchtlingslager 

E._____ mitgedacht werden. Jedenfalls ist es nicht undenkbar, dass die Wunden 

derart verheilen konnten, so dass sie dem Zeugen D._____ nicht auffielen. Zu be-

rücksichtigen ist ebenfalls, dass die Privatklägerin 1 die Narbe an der Fusssohle 

der befragenden Polizistin anlässlich der Einvernahme vom 21. Oktober 2017 

zeigte (DG200007: Urk. 4/1 F 50 f.). Im Rapport der Stadtpolizei Zürich wird von 

einer dunklen Verfärbung an der Fusssohle gesprochen (DG200007: Urk. 1/1 S. 4). 

Auch das Gutachten zur körperlichen Untersuchung der Privatklägerin 1 stellte bei 

ihr verschiedenste Narben am Körper fest (DG200007: Urk. 6/3), wobei natürlich 

aufgrund der Zeitspanne zwischen dem Ereignis und der Untersuchung keine Aus-

sage zu deren Entstehung erfolgen konnten. Der Umstand, dass der Zeuge 

D._____ bei der Privatklägerin 1 keine schlimmen Verletzungen feststellen konnte, 

spricht jedenfalls nicht dagegen, dass sie das von ihr Berichtete auch tatsächlich 

erlebt hat.

- 18 -

2.13. Der von den Privatklägerinnen geschilderte Ablauf der Geschehnisse ist in 

sich stimmig. Auch durch gegenseitige Absprachen – haben sie denn überhaupt 

stattgefunden, man findet in den Akten keinerlei derartige Hinweise – liesse sich 

keine erfundene Geschichte in diesem Detaillierungsgrad über mehrere Jahre 

praktisch deckungsgleich wiedergeben. Insbesondere werden die Aussagen der 

Privatklägerinnen gestützt durch die Aussagen der Privatklägerin 2 beim Staats-

sekretariat für Migration in I._____, mehr als vier Jahre vor dem Zusammentreffen 

der Privatklägerin 1 und dem Beschuldigten in Zürich. Dieser Umstand lässt sich 

nicht einfach ausblenden. Zusammen mit der Vorinstanz kann geschlussfolgert 

werden, dass die Aussagen der Privatklägerinnen zum Ablauf der Entführung, der 

Lösegeldforderung und damit verbundenen Drohungen sowie zu den einzelnen 

Tatbeiträgen des zweiten Dolmetschers glaubhaft sind und dieser Sachverhaltsteil 

anklagegemäss mit den vorinstanzlichen Korrekturen (Urk. 38 S. 51) als erstellt 

anzusehen ist.

3. (B) Identifikation des Beschuldigten als den "zweiten" Dolmetscher

3.1. Die Vorinstanz setzte sich ausführlich damit auseinander, ob es sich beim 

Beschuldigten um den während der Geiselnahme erwähnten zweiten Dolmetscher 

handelte. Sie würdigte dabei das Wiedererkennen des Beschuldigten beim Staats-

sekretariat für Migration am 11. Oktober 2019 durch die Privatklägerin 1 und auf 

dem Fotowahlbogen durch die Privatklägerin 2, die Gegenüberstellung anlässlich 

der Hauptverhandlung vom 5. Juli 2022, die Identifikationsmerkmale des Beschul-

digten, sein Name, die Aussagen der Zeugen D._____ und F._____, den Aufent-

haltsort des Beschuldigten während des Tatzeitraums, die Finanzierung seiner 

Reise sowie seine Sprachkenntnisse. Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass es 

sich beim Beschuldigten um den von den Privatklägerinnen genannten "zweiten" 

Dolmetscher handle, womit eine Tatbeteiligung des Beschuldigten als erstellt an-

zusehen sei (Urk. 38 S. 51).

3.2. Zunächst muss festgehalten werden, dass die Privatklägerin 1 am 

11. Oktober 2019 auf dem Migrationsamt Zürich den Beschuldigten erkannt und ihn 

angesprochen hat. Dass er von der Privatklägerin 1 damals angesprochen worden 

sei, bestritt sodann der Beschuldigte nicht. Die Verteidigung hielt dem entgegen, 

- 19 -

es habe sich um eine Verwechslung gehandelt (DG200007: Urk. 48 Rz 51 f.; 

DG210040: Urk. 28 Rz 36; Berufungsverhandlung: Urk. 57 S. 9 ff.). Der Beschul-

digte selber gab immer wieder zu Protokoll, er kenne die Privatklägerinnen nicht 

(z.B. DG200007: Urk. 3/4 F 5; Berufungsverhandlung: Urk. 55 S. 13 ff.).

3.3. Bereits zu diesem Zusammentreffen des Beschuldigten und der Privatkläge-

rin 1 beim Migrationsamt in Zürich muss ergänzt werden, dass letztere in der staats-

anwaltschaftlichen Einvernahme vom 26. März 2019 aussagte, dass sie den Be-

schuldigten zuvor in der Stadt mehrmals gesehen habe. Sie seien Nachbarn gewe-

sen. Sie habe beim J._____ gewohnt in einem Heim am K._____ Nr. 1. Der Be-

schuldigte habe an der Nr. 2 gewohnt (DG200007: Urk. 4/3 F12). Später in dersel-

ben Einvernahme gab sie zu Protokoll, dass sie den Beschuldigten möglicherweise 

gesehen habe, als sie mit dem Kinderwagen unterwegs gewesen sei (F75). Eine 

solche Begegnung schilderte die Privatklägerin 1 ebenfalls anlässlich ihrer 

Befragung vor der Vorinstanz (DG210040: Prot. I S. 20 f.). Es stellt sich hier die 

Frage, weshalb sie den Beschuldigten nicht schon früher zur Anzeige gebracht 

hat  (die Privatklägerin 1 hat gemäss eigenen Angaben gewusst, wo die von ihr 

als  den zweiten eritreischen Dolmetscher wiedererkannte Person gewohnt hat) 

und ob es sich tatsächlich immer um dieselbe Person gehandelt hat. Hier sind Ver-

wechslungen ohne Weiteres vorstellbar, jedenfalls aber nicht auszuschliessen.

3.4. Nachdem die Privatklägerin 1 am 11. Oktober 2017 beim Migrationsamt 

Zürich auf den Beschuldigten getroffen war und eine Untersuchung eröffnet wurde 

(DG200007: Urk. 2/1), konnte am 27. April 2018 bei der Polizei Pirmasens in 

Deutschland die dort lebende Privatklägerin 2 zur Sache befragt werden 

(DG200007: Urk. 4/2). Am 19. August 2019 reiste die Privatklägerin 2 sodann in die 

Schweiz und wurde tags darauf von der Staatsanwaltschaft befragt. Anlässlich 

dieser Einvernahme identifizierte sie den Beschuldigten auf einem Fotowahlbogen 

(DG200007: Urk. 4/5). Diese Identifizierung des Beschuldigten – mehr als vier 

Jahre nach der Geiselnahme – ist ein Indiz für dessen Täterschaft. Dem steht 

jedoch die Aussage der Privatklägerin 2 anlässlich der zweiten Hauptverhandlung 

vom 5. Juli 2022 entgegen, wo sie angab, dass ihr bereits in Deutschland ein Foto 

des Beschuldigten gezeigt worden sei (DG210040: Prot. I S. 32). Durch das Gericht 

- 20 -

wurde anlässlich der Berufungsverhandlung die entsprechende Tonaufnahme der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung abgehört und dabei festgestellt, dass der pro-

tokollierte Text dem Gesagten entspricht (Prot. II S. 16). Bei dieser Ausgangslage 

bleibt unklar, ob die Privatklägerin 2 am 20. August 2019 in Zürich den Beschuldig-

ten wiedererkannt hat, weil sie ihn zuletzt im Sudan gesehen hat oder ob sie ihn 

widererkannt hat, weil ihr in Deutschland anlässlich der ersten Befragung ein Foto 

von ihm gezeigt worden ist. Möglich ist ausserdem, dass die Privatklägerin 2 vor 

ihrer Reise in die Schweiz in Deutschland ein Foto des Beschuldigten auf den so-

zialen Medien gesehen hat. Hinweise, dass die Privatklägerin 2 und der Beschul-

digte auf den sozialen Medien aktiv waren, sind in den Akten zu finden (Urk. 1/4; 

Urk. 51, Beilage 1). Anhand der Akten lässt sich jedenfalls nicht mehr nachvoll-

ziehen, was der Privatklägerin 2 in Deutschland bereits bekannt war. Zufolge des 

Zeitablaufs lässt sich das auch nicht mehr aufklären. Eine Verwechslung kann auch 

hier nicht ausgeschlossen werden.

3.5. Damit kann zusammenfassend festgehalten werden, dass bezüglich der 

Identifikation des Beschuldigten durch die Privatklägerinnen als den an der Geisel-

nahme beteiligen zweiten Dolmetscher starke Zweifel bestehen.

3.6. An dieser Beweislage ändern auch die weiteren von der Staatsanwaltschaft 

angerufenen und von der Vorinstanz erwogenen Indizien nichts. Die Aussagen der 

Privatklägerinnen vermögen sich zusammen mit den übrigen Indizien (Körper-

grösse, keine auffälligen Narben, Name, Aufenthaltsort, Motiv etc.) nicht zu einem 

überzeugenden Gesamtbild zusammenzufügen:

Die Staatsanwaltschaft wies darauf hin, dass am Körper – nicht aber am Ge-

sicht – des Beschuldigten Narben zu finden seien. Das lasse jedoch keine weiteren 

Schlüsse zu, weil unklar sei, ob die Privatklägerinnen den Beschuldigten unbe-

kleidet gesehen hätten (Urk. 59 S. 9). Auch von der Vorinstanz wurde festgehalten, 

dass der Beschuldigte über keine speziellen Narben oder andere besondere äus-

seren Wiedererkennungsmerkmale verfüge (Urk. 38 S. 32). Das bestätigte auch 

der Bericht des IRM, worin festgehalten wurde, dass die kleineren Vernarbungen 

am Körper des Beschuldigten keine speziellen äusseren Wiedererkennungsmerk-

male darstellen würden (Urk. 38 S. 30 ff.). Davon konnte sich auch das Gericht an-

- 21 -

lässlich der Berufungsverhandlung überzeugen. Damit kann festgehalten werden, 

dass der Beschuldigte über keine besonderen Wiedererkennungsmerkmale ver-

fügt, die für seine Identifikation als Täter hilfreich wären.

Die Vorinstanz hat sich einlässlich mit dem Namen "A._____" befasst und ist 

zum Schluss gelangt, dass der Beschuldigte mit "A._____" (A'._____) angespro-

chen worden sei, was ein weiteres Indiz für seine Täterschaft sei (Urk. 38 S. 34). 

Dem ist nicht ohne weiteres zu folgen. Der Beschuldigte konnte von den Privatklä-

gerinnen nicht zweifelsfrei als "A._____" benannt werden. Obwohl die Privatkläge-

rinnen aussagten, sie hätten den Namen gehört, weil der Beschuldigte möglicher-

weise so am Telefon genannt worden sei, muss bedacht werden, dass diese Aus-

sagen spät im Verfahren gemacht wurden, als ihnen der Name des Beschuldigten 

bereits bekannt war (vgl. erste Einvernahmen der Privatklägerinnen; Urk. 4/1 und 

Urk. 4/2). Der Umstand, dass die Privatklägerinnen den Namen "A._____" gehört 

haben wollen, stellt jedenfalls kein zwingendes Indiz für die Täterschaft des Be-

schuldigten dar.

Der Beschuldigte brachte wiederholt vor, er habe sich zum hier fraglichen Tat-

zeitrum (April und Mai 2015) in G._____ im Sudan aufgehalten und habe dort auf 

seine Weiterreise gewartet (Urk. 38 S. 40 m.w.H.). Zum Beweis hierzu liess er den 

Zeugen F._____ anrufen. Dieser bestätigte lediglich, dass sich der Beschuldigte in 

G._____ aufgehalten habe, wo er ihn auch getroffen habe. Weder zum Zeitpunkt 

noch zur Anzahl der Treffen, liessen sich aus den Aussagen des Zeugen F._____ 

behilfliche Informationen entnehmen (Urk. 38 S. 39 f.). Ebenfalls sind keine an-

deren Beweismittel aktenkundig, die zur Bestimmung der Aufenthaltsorte des Be-

schuldigten zum fraglichen Zeitraum herangezogen werden könnten. Im Ergebnis 

kann aus den Aussagen des Zeugen F._____ sowie den weiteren Akten nichts ab-

geleitet werden, woraus sich ein Aufenthalt des Beschuldigten im Tatzeitraum im 

Gebiet der H._____s zweifellos erstellen liesse.

Wiederholt wurde vorgebracht, dass sich die Fluchtrouten des Beschuldigten 

und der Privatklägerinnen örtlich wie zeitlich nicht in Einklang bringen liessen. Zu 

berücksichtigen ist hier, dass die Privatklägerinnen und der Beschuldigte während 

ihrer Flucht mutmasslich über keine Uhren oder Navigationsgeräte verfügten. Di-

- 22 -

stanzen mussten sie schätzen und Datumsangaben teilweise im Nachhinein nach-

vollziehen. Die unterschiedlichen Angaben des Beschuldigten und der Privatkläge-

rinnen zu ihren Fluchtrouten, Aufenthaltsorten und Zeiten sind deshalb zu ungenau. 

Im Ergebnis vermögen sie nichts darüber auszusagen, ob sich der Beschuldigte 

und die Privatklägerinnen zum selben Zeitpunkt am selben Ort aufgehalten haben.

Notorisch ist, dass eine Reise von Eritrea nach Europa finanziert werden 

muss. Danach gefragt, machte der Beschuldigte erst widersprüchliche Angaben 

und stellte sich anlässlich der Berufungsverhandlung auf den Standpunkt, dass das 

Geld für die Flucht von seiner Familie gekommen sei (Urk. 55 S. 12 f.). Belege oder 

weitere Zeugenbefragungen zur Finanzierung der Flucht lassen sich in den Akten 

nicht finden. Im Ergebnis kann aufgrund dieser Angaben nichts dazu gesagt wer-

den, ob der Beschuldigte bei den H._____s als Dolmetscher Geld zur Finanzierung 

seiner Flucht erhalten hat.

Schliesslich förderte die Befragung des Zeugen D._____ zahlreiche Wider-

sprüche über Zeitangaben und Aufenthaltsorte bzw. Reiseroute zutage, welche die-

ser nicht auszuräumen vermochte und auf welche die Verteidigung hingewiesen 

hat (DG210040: Urk. 28 Rz 14 ff.). Zu Recht kam die Verteidigung zum Schluss, 

dass der Zeuge D._____ sich immer dann an Details erinnern konnte, wenn diese 

aus der Strafuntersuchung bekannt waren (DG210040: Urk. 28 Rz 17). Die Aussa-

gen des Zeugen D._____ sind zu inkonsistent, als dass darauf abgestellt werden 

könnte.

3.7. Insgesamt verbleiben letztlich zu viele Zweifel daran, ob es sich beim Be-

schuldigten um den an der Geiselnahme beteiligten zweiten eritreischen Dolmet-

scher handelt. Diese Zweifel sind für das Gericht nicht überwindbar. Der Anklage-

sachverhalt lässt sich somit nicht rechtsgenügend erstellen und der Beschuldigte 

ist entsprechend nach dem Grundsatz in dubio pro reo vom Vorwurf der Geisel-

nahme im Sinne von Art. 185 StGB freizusprechen.

- 23 -

III. Zivilforderungen

Zufolge des Freispruchs ist keine Anspruchsgrundlage für die Leistung von 

Schadenersatz oder Genugtuung ersichtlich. Die Zivilforderungen der Privatkläge-

rin 1 (B._____) sind somit abzuweisen.

IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 5'000.– festzu-

setzen.

2. Die Verteidigung des Beschuldigten reichte anlässlich der Berufungsverhand-

lung ihre Honorarnote ein (Urk. 58). Das geltend gemachte Honorar steht im Ein-

klang mit den Ansätzen der Anwaltsgebührenverordnung und erweist sich grund-

sätzlich als angemessen. Rechtsanwalt X._____ ist demnach für seine Bemühun-

gen im Berufungsverfahren unter Berücksichtigung des Aufwands für die 

Berufungsverhandlung pauschal mit Fr. 23'000.– (inkl. Barauslagen und MwSt.) 

aus der Gerichtskasse zu entschädigen.

3. Ebenfalls reichte die unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin 1 anlässlich 

der Berufungsverhandlung ihre Honorarnote ein (Urk. 61). Auch dieses geltend 

gemachte Honorar steht im Einklang mit den Ansätzen der Anwaltsgebühren-

verordnung und erweist sich grundsätzlich als angemessen. Rechtsanwältin 

Y._____ ist demnach für ihre Bemühungen im Berufungsverfahren pauschal mit 

Fr. 2'900.– (inkl. Barauslagen und MwSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.

4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Untersuchung und 

sämtlicher gerichtlicher Verfahren, einschliesslich derjenigen der amtlichen Ver-

teidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin 1, auf die Gerichts-

kasse zu nehmen (Art. 426 Abs. 1 Satz 1 StPO und Art. 428 Abs. 1 und 3 StPO).

- 24 -

V. Genugtuung

1. Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen, so hat sie 

Anspruch auf Genugtuung für besonders schwere Verletzungen ihrer persönlichen 

Verhältnisse, insbesondere bei Freiheitsentzug (Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO).

2. Der Beschuldigte befand sich 1'563 Tage in Haft. Bei der Festsetzung der Ent-

schädigung erachtet die Rechtsprechung grundsätzlich einen Betrag von Fr. 200.– 

pro Tag als angemessen soweit keine besonderen Umstände einen tieferen oder 

höheren Betrag rechtfertigen. Dieser Tagessatz ist indes nur ein Kriterium für die 

Ermittlung der Grössenordnung der Entschädigung. In einem zweiten Schritt sind 

auch die Besonderheiten des Einzelfalls zu berücksichtigen wie die Dauer des Frei-

heitsentzugs, die Auswirkungen des Strafverfahrens auf die betroffene Person und 

die Schwere der ihr vorgeworfenen Taten etc. (BGE 146 IV 231 E. 2.3.2; BGer 

6B_1094/2022 vom 8. August 2023 E. 2.2.2).

3. Analog zur zivilrechtlichen Bemessung der Genugtuung können bei beson-

ders grossen Unterschieden zu den hiesigen Verhältnissen auch die Lebens-

haltungskosten am Ort des Betroffenen berücksichtigt werden, wobei die Reduktion 

nicht schematisch im gleichen oder annähernd gleichen Verhältnis erfolgen darf. 

Das Bundesgericht hat in einem Fall den wesentlich tieferen Lebenshaltungskosten 

in Algerien (BIP pro Einwohner rund 20 Mal kleiner als in der Schweiz) Rechnung 

getragen, indem es eine Genugtuung von Fr. 70.– pro Tag (Reduktion um 65% von 

Fr. 200.–) als angemessen erachtete (BGer 6B_242/2019 vom 18. März 2019). 

Das Bundesgericht hat diese Reduktion des Tagessatzes sodann in seiner neueren 

Rechtsprechung geschützt (BGer 6B_1160/2022 vom 1. Mai 2023). Vorliegend 

sind ebenfalls Umstände ersichtlich, die einen tieferen Tagessatz rechtfertigen. Der 

Beschuldigte hatte als rechtskräftig weggewiesener Asylsuchender keine Chancen 

auf ein legales Erwerbseinkommen in der Schweiz und wurde durch seine Inhaftie-

rung nicht aus einem intakten beruflichen Umfeld gerissen. Auch verfügte er in der 

Schweiz über keine Familienangehörigen oder wurde sonst wie aus einem intakten 

sozialen Umfeld gerissen. In Eritrea, dem Heimatland des Beschuldigten, sind die 

Lebenshaltungskosten notorisch wesentlich tiefer, als in der Schweiz. Unter Be-

- 25 -

rücksichtigung dieser Überlegungen erscheint ein Tagessatz analog der vorge-

nannten bundesgerichtlichen Rechtsprechung als angemessen.

4. Dem Beschuldigten ist deshalb für die Haft eine Genugtuung in der Höhe von 

1'563 Tagessätzen zu Fr. 70.–, insgesamt Fr. 109'410.–, aus der Gerichtskasse zu-

zusprechen.

Es wird beschlossen:

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Bülach, II. Abteilung, 

vom 5. Juli 2022 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:

" Es wird erkannt:

1.-2. […]

3. Die folgenden gemäss Liste vom 13. April 2018 sichergestellten und beim Forensi-

schen Institut gelagerten Gegenstände

 A011'389'110: Laptop ASUS

 A011'389'176: iPhone 6 inkl. SIM-Karte

 A011'389'256: Mobiltelefon Music

 A011'389'267: Mobiltelefon Samsung schwarz

 A011'389'290: UBS-Stick schwarz/blau

 A011'389'314: Mobiltelefon Samsung "DUOS"

 A011'389'325: Samsung Mobiltelefon

 A011'389'358: USB-Stick rot "ECAP"

sind dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft des Urteiles auf erstes Ver-

langen hin herauszugegeben.

Werden sie nicht innerhalb von 90 Tagen herausverlangt, so wird der Verzicht an-

genommen.

4. […]

5. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr. 12'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:

- 26 -

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

6. […]

7. [Mitteilungen]

8. [Rechtsmittel] "

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.

Es wird erkannt:

1. Der Beschuldigte A._____ wird vom Vorwurf der Geiselnahme im Sinne von 

Art. 185 StGB freigesprochen.

2. Die Zivilforderungen der Privatklägerin 1 (B._____) werden abgewiesen.

Fr. 5'000.–   Gebühr für die Strafuntersuchung

Fr. 724.10   IRM-Gutachten B._____

Fr. 335.00   Zeugenentschädigung

Fr. 1'190.25   Entschädigung Dolmetscher im Vorverfahren

Fr. 300.–   Barauslagen Einvernahme C._____

Fr. 10'900.–   Rechtsvertretung von B._____ inkl. MwST., bereits imVerfahren DG200007-C entschädigt.

Fr. 6'000.–   Rechtsvertretung von B._____ inkl. MwSt. (Entschädigungfür Aufwände im Verfahren DG210040-C)

Fr. 28'500.–   amtliche Verteidigungskosten inkl. MwST., bereits im Verfahren DG200007-C entschädigt.

Fr. 17'000.–   amtl. Verteidigungskosten inkl. MwST. (Entschädigung für Aufwände im Verfahren DG210040-C)

- 27 -

3. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr. 5'000.– ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 23'000.–   amtliche Verteidigung

Fr. 2'900.–   unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin 1

4. Die Kosten der Untersuchung und sämtlicher gerichtlicher Verfahren, ein-

schliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen 

Vertretung der Privatklägerin 1, werden auf die Gerichtskasse genommen.

5. Dem Beschuldigten werden Fr. 109'410.– als Genugtuung aus der Gerichts-

kasse zugesprochen.

6. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an

 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten (übergeben)

 die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich (versandt)
 die Vertretung der Privatklägerin 1 im Doppel für sich und die 

Privatkägerin 1 (übergeben)
 die Privatklägerin 2, C._____ (versandt)
 den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 

Vollzugsdienste (versandt)
 das Migrationsamt des Kantons Zürich (versandt)

sowie in vollständiger Ausfertigung an

 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten

 die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich
 die Vertretung der Privatklägerin 1 im Doppel für sich und die 

Privatkägerin 1
 die Privatklägerin 2, C._____

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälliger 

Rechtsmittel an

 die Vorinstanz
 den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 

Vollzugsdienste 

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 das Migrationsamt des Kantons Zürich
 die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA zur Entfernung der Daten gemäss 

Art. 32 Abs. 1 StReG mittels Kopie von Urk. 13/1 aus DG200007
 die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung des 

DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks Bestimmung 
der Vernichtungs- und Löschungsdaten

 die Kantonspolizei Zürich, KDM-ZD, mit separatem Schreiben (§ 54a 
Abs. 1 PolG)

7. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen 

erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 Lau-

sanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebenen 

Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 24. November 2023

Der Präsident:

lic. iur. Ch. Prinz

Der Gerichtsschreiber:

MLaw S. Zuber