# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ed37bb99-c88f-5085-94d1-484bf67107c2
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-11-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.11.2022 D-5240/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5240-2022_2022-11-23.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-5240/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 3 .  N o v e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Einzelrichterin Nina Spälti Giannakitsas, 

mit Zustimmung von Richter Yanick Felley;   

Gerichtsschreiberin Angela Hefti. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,  

(…),   

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 9. November 2022 / N (…). 

 

 

D-5240/2022 

Seite 2 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass der Beschwerdeführer am 17. Juni 2022 in der Schweiz um Asyl 

nachsuchte, 

dass das SEM mit Verfügung vom 9. November 2022 – eröffnet am 11. No-

vember 2022 – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) 

auf das Asylgesuch nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach 

Italien anordnete und den Beschwerdeführer aufforderte, die Schweiz spä-

testens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, 

dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent-

scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändigung 

der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Beschwer-

deführer verfügte, 

dass die zugewiesene Rechtsvertretung ihr Mandat am 9. November 2022 

niederlegte, 

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 16. November 2022 in eige-

nem Namen gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerde erhob und sinngemäss beantragte, die angefochtene Verfügung 

sei aufzuheben, auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers sei einzutre-

ten und ein nationales Asylverfahren durchzuführen, 

dass er in formeller Hinsicht um die Gewährung der aufschiebenden Wir-

kung und unentgeltlichen Prozessführung einschliesslich Verzicht auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um amtliche Rechtsverbeistän-

dung ersuchte, 

dass er zur Stützung seiner Vorbringen zwei Fotografien (seines Bruders, 

der von den Taliban ermordet worden sei sowie einer Gruppe junger Män-

ner mit entblössten Oberkörpern – angeblich der Rückschiebung des Be-

schwerdeführers von Bulgarien in die Türkei) einreichte, 

dass die vorinstanzlichen Akten dem Bundesverwaltungsgericht am 

17. November 2022 in elektronischer Form vorlagen (vgl. Art. 109 Abs. 3 

AsylG), 

 

D-5240/2022 

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und zieht in Erwägung, 

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-

gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-

gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 

VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), 

dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 

AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), 

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-

treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), soweit bean-

tragt wird, auf das Asylgesuch sei einzutreten, 

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich, 

wie nachfolgend aufgezeigt wird, um ein solches Rechtsmittel handelt, 

weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 

AsylG), 

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-

zichtet wurde, 

dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), 

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG), 

dass diesbezüglich die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen 

Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien 

und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-

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nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit-

gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist, 

(nachfolgend: Dublin-III-VO) zur Anwendung kommt, 

dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-

gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO), 

dass ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der "Eu-

rodac"-Datenbank ergab, dass dieser am 8. Mai 2022 in Italien registriert 

worden war,  

dass das SEM die italienischen Behörden am 30. Juni 2022 demnach zu 

Recht um Aufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 13 Abs. 1 

Dublin-III-VO ersuchte, 

dass dieses Gesuch innert der in Art. 22 Abs. 1 und Abs. 7 Dublin-III-VO 

vorgesehenen Frist unbeantwortet blieb, womit dem Aufnahmegesuch 

durch die italienischen Behörden stillschweigend stattgegeben worden ist, 

dass die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens somit gegeben ist,  

dass betreffend den Einwand, er sei aufgrund der Menschenrechtssituation 

in Italien in die Schweiz gekommen, zu entgegnen ist, dass die Dublin-III-

VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfen-

den Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3), 

dass das Bundesverwaltungsgericht in ständiger Rechtsprechung davon 

ausgeht, dass das italienische Asylsystem – trotz punktueller Schwach-

stellen – keine systemischen Mängel im Sinn von Art. 3 Abs. 2 zweiter Satz 

Dublin-III-VO aufweist (vgl. Referenzurteil des BVGer D-4235/2021 vom 

19. April 2022 E. 10.2 m.w.H.), 

dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen kann, 

einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell-

ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in 

dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist 

(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO), 

dass dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht im Landesrecht durch Art. 29a 

Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) 

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konkretisiert wird und das SEM das Asylgesuch gemäss dieser Bestim-

mung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür 

gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre, 

dass der Beschwerdeführer mit seinen Vorbringen, die italienische Polizei 

habe ihn eingesperrt, er habe keine humanitäre Hilfe erhalten, es sei nicht 

sicher, ob er in Italien Asyl erhalten werde und indirekt, er würde in Italien 

keinen Zugang zur medizinischen Versorgung erhalten, implizit die Anwen-

dung von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO respektive Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 

fordert,  

dass Italien Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-

zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-

niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des  

Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge 

(FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 

(SR 0.142.301) ist und seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich-

tungen nachkommt,  

dass den Akten auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen sind, 

Italien werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missach-

ten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben 

oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist 

oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land ge-

zwungen zu werden, 

dass er nach Italien – und nicht nach Bulgarien – zurückkehren wird, womit 

sich die Frage einer allfälligen Rückschiebung von Bulgarien in die Türkei, 

vorliegend nicht stellt (vgl. dazu Urteil des BVGer D-3180/2022 vom 

19. September 2022 E. 5.4.2), 

dass auch davon ausgegangen werden darf, Italien anerkenne und 

schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des 

Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 

zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-

ternationalen Schutzes (Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, 

die internationalen Schutz beantragen (Aufnahmerichtlinie) ergeben, 

dass der Beschwerdeführer kein konkretes und ernsthaftes Risiko darge-

tan hat, die italienischen Behörden würden sich weigern ihn wieder aufzu-

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nehmen und seinen Antrag auf internationalen Schutz (inklusive seine Vor-

bringen betreffend die Ermordung seines Bruders durch die Taliban) unter 

Einhaltung der Regeln der erwähnten Richtlinien zu prüfen, 

dass er im Dublin-Gespräch vom 27. Juni 2022 angab, ihm gehe es sowohl 

physisch als auch psychisch gut, wobei er wegen Allergien und Hals-

schmerzen beim Arzt gewesen sei, 

dass der Beschwerdeführer gemäss Arztbericht vom 21. Juli 2022 unter 

juckendem Hautausschlag/Scabies litt, die Behandlung jedoch am 3. Au-

gust 2022 abgeschlossen wurde,   

dass Italien über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt, um 

allfällige zukünftige physische und psychologische Beschwerden des Be-

schwerdeführers angemessen zu behandeln, wobei keine Hinweise vorlie-

gen, wonach Italien ihm eine adäquate medizinische Behandlung verwei-

gern würde (vgl. Urteil des BVGer D-4651/2022 vom 20. Oktober 2022), 

dass somit auch sein Antrag, weiterhin medizinische Leistungen in der 

Schweiz zu erhalten, möglicherweise bezüglich seiner schmerzempfindli-

chen Zähne (vgl. zahnmedizinischer Bericht vom 28. Juli 2022) – in einem 

Racheabstrich vom 25. August 2022 wurde Corynebacterium diphtheriae 

nicht nachgewiesen (vgl. Laborbericht vom 29. August 2022), ins Leere 

zielt, 

dass Mitgliedstaaten jedenfalls die erforderliche medizinische Versorgung, 

welche zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Be-

handlung von Krankheiten und psychischen Störungen umfasst, den An-

tragsstellenden zugänglich machen müssen (vgl. 19 Abs. 1 und 2 Aufnah-

merichtlinie), 

dass der Beschwerdeführer keine konkreten Hinweise für die Annahme 

dargetan hat, Italien würde ihm die minimalen Lebensbedingungen vorent-

halten, und er nötigenfalls die ihm zustehenden Aufnahmebedingungen 

ebenfalls auf dem Rechtsweg einfordern könnte (vgl. Art. 26 Aufnahme-

richtlinie),  

dass dem SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 Ermessen 

zukommt (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) und den Akten keine Hinweise auf eine 

gesetzeswidrige Ermessensausübung (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG) 

durch die Vorinstanz zu entnehmen sind, 

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dass das Bundesverwaltungsgericht sich unter diesen Umständen weiterer 

Ausführungen zur Frage eines Selbsteintritts enthält,  

dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist und 

– weil der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- 

oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von Art. 44 AsylG die 

Überstellung nach Italien angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1),  

dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen ist,  

dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist, 

weshalb sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung so-

wie auf Verzicht eines Kostenvorschusses als gegenstandslos erweist, 

dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung abzuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus 

den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen wa-

ren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt 

sind,  

dass auch das Gesuch um amtliche Verbeiständung abzuweisen ist 

(vgl. Art. 102m Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 65 Abs. 2 VwVG), 

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr.  750.–  

(Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird vollum-

fänglich abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Angela Hefti 

 

 

Versand: