# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f40103b3-f41d-56c4-833b-735a1e946239
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-05-06
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Zivilkammer 06.05.2022 ZK2 2019 43
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_007_ZK2-2019-43_2022-05-06.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

Teilurteil vom 15. Februar 2022

Referenz ZK2 19 43

Instanz II. Zivilkammer 

Besetzung Bergamin, Vorsitzender
Hubert und Nydegger
Jent-Sørensen, Aktuarin ad hoc

Parteien A._____ AG
Berufungsklägerin und Anschlussberufungsbeklagte
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Dimitri Santoro
Rüd Winkler Partner AG, Wiesenstrasse 7, Postfach 275, 
8024 Zürich 

gegen

B._____
Berufungsbeklagter und Anschlussberufungskläger
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Guido Lazzarini
Plazza da Scoula 12, 7500 St. Moritz 

Gegenstand Forderung

Anfechtungsobj. Entscheid Regionalgericht Maloja vom 4. Dezember 2018, mitge-
teilt am 30. April 2019 (Proz. Nr. 115-2016-38)

Mitteilung 21. Februar 2022

2 / 27

Sachverhalt

A.a. B._____ wohnt in C._____ und führt unter der Firma "D._____" ein Einzel-
unternehmen im Bereich Vermögensverwaltung. Ab dem Jahr 1998 unterhielt er 
eine Geschäftsbeziehung zu den in F._____ wohnhaften Ehegatten G._____ und 
H._____. Das verwaltete Vermögen betrug durchschnittlich CHF 4.8 Mio. und war 
ab August 2005 durch eine Einmaleinlage von rund CHF 3 Mio. in eine anteilsge-
bundene Lebensversicherung ("T._____") bei der I._____ auf den J._____ einge-
bracht. Neben der Vermögensverwaltung erbrachte B._____ für die Ehegatten 
G./H._____ Treuhanddienstleistungen im Zusammenhang mit einer Liegenschaft 
und einer Yacht in U._____.

A.b. Im Jahr 2010 eröffneten die F._____ Steuerbehörden gegen die Ehegatten 
G./H._____ ein Steuerstrafverfahren, in dessen Zuge die Ehegatten G./H._____ 
Nach- und Strafsteuern in der Höhe von rund CHF 2.6 Mio. bezahlen mussten. In 
diesem Zusammenhang transferierte B._____ das Wertschriftendepot der Ehegat-
ten G./H._____ von der I._____ zur K._____, wobei am 18. Oktober 2010 ein 
neuer Vermögensverwaltungsvertrag abgeschlossen wurde. 

A.c. Weiter unterhielten die Ehegatten G./H._____ ein Wertschriftendepot bei 
der L._____, dessen Verwaltung sie ab 9. Juli 2010 ebenfalls B._____ anvertrau-
ten. Am 27. Juni 2015 übernahm B._____ ein weiteres Konto der Ehegatten 
G./H._____ bei der L._____ zur Verwaltung.

A.d. Am 26. September 2015 traten die Ehegatten G./H._____ ihre auftrags-
rechtlichen Ansprüche gegen B._____ auf Rechenschaftsablegung und Heraus-
gabe an die A._____ AG ab, ein auf die Durchsetzung von Rückerstattungsan-
sprüchen gegen Schweizer Banken und Versicherungen spezialisiertes Unter-
nehmen mit Sitz in V._____. Am 21. Oktober 2015 kündigte B._____ den Vertrag 
mit den Ehegatten G./H._____. 

B. Am 25. Januar 2016 reichte die A._____ AG gegen B._____ bei der 
Schlichtungsbehörde Maloja ein Schlichtungsgesuch ein. Nachdem an der 
Schlichtungsverhandlung vom 10. März 2016 keine Einigung erzielt werden konn-
te, stellte der Vermittler am 29. April 2016 die Klagebewilligung aus.

C. Am 16. August 2016 klagte die A._____ AG beim damaligen Bezirksgericht 
Maloja (heute: Regionalgericht Maloja) mit folgendem Rechtsbegehren:

1. Der Beklagte sei unter Androhung von Art. 292 StGB zu verpflichten, 
der Klägerin umfassend Rechenschaft über seine Tätigkeit als Beauf-
tragter von Frau Prof. Dr. G._____ sowie Herrn Prof. Dr. H._____ seit 
dem 01.01.2005 bis zum 21.10.2015 abzugeben und insbesondere 

3 / 27

sämtliche Aufzeichnungen, Bücher und Belege herauszugeben, wel-
che über die von ihm in Zusammenhang mit der Verwaltung des Ver-
mögens von Frau Prof. Dr. G._____ sowie Herrn Prof. Dr. H._____ seit 
dem 01.01.2005 bis zum 31.12.2010 bezogenen Honoraransprüche 
und Provisionen (Retrozessionen), über sämtliche vom Beklagten 
getätigten Barbezüge und weitere erhaltene Vermögenswerte sowie 
über deren Verwendung, umfassend Aufschluss zu geben.

2. Es sei der Beklagte zu verpflichten, der Klägerin sämtliche von ihm in 
Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Beauftragter von Frau 
Prof. Dr. G._____ sowie Herrn Prof. Dr. H._____ seit dem 01.01.2005 
bis zum 21.10.2015 vereinnahmten Provisionen (Retrozessionen) der 
I._____ AG bzw. anderen Vertragsbanken herauszugeben, und es sei 
der Beklagte überdies zu verpflichten, der Klägerin sämtliche von ihm 
als Beauftragter von Frau Prof. Dr. G._____ sowie Herrn Prof. Dr. 
H._____ erlangten Vermögenswerte, über deren auftragsgemässe 
Verwendung und/oder Weiterleitung der Beklagte keine Rechenschaft 
ablegen kann, zurückzuerstatten bzw. zu bezahlen, und zwar in der 
Höhe des nach erfolgter Rechenschaftsablegung des Beklagten fest-
gestellten Herausgabeanspruchs, mindestens jedoch in der Höhe von 
CHF 77'695.90, zuzüglich Zins ab Datum der Klageeinleitung.

3. Es sei in der Betreibung Nr. E._____ des Betreibungsamtes Oberen-
gadin/Bergell der Rechtsvorschlag aufzuheben und es sei der Klägerin 
die definitive Rechtsöffnung im Umfang der Gutheissung der vorlie-
genden Klage zu bewilligen.

4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 8 % MWST) zu 
Lasten des Beklagten.

D. B._____ beantragte mit Klageantwort vom 29. September 2016 die kosten-
fällige Abweisung der Klage, soweit darauf eingetreten werden könne.

E. In der Replik stellte die A._____ AG zusätzlich zu den genannten Klagean-
trägen Ziff. 1-3 das folgende Eventualbegehren:

1. Der Beklagte sei zu verurteilen, der Klägerin Auskunft zu erteilen über 
alle direkten und indirekten Vorteile, insbesondere über sämtliche Ver-
gütungen und geldwerten Leistungen, welche der Beklagte in der Zeit 
vom 01.01.2005 bis zum 31.12.2010 für das ihm erteilte Vermögens-
verwaltungsmandat, lautend auf Prof. Dr. G._____ und Prof. Dr. 
H._____, oder auf einen von ihnen, erhalten hat. Die Auskunft sei 
durch umfassende Abrechnung zu erteilen, die insbesondere die Be-
rechnungsweise, die Höhe und den Erhalt der vorstehend genannten 
Vergütungen und geldwerten Leistungen enthält, durch Urkunden, so-
weit möglich, zu belegen.

2. Der Beklagte sei zu verurteilen, der Klägerin Auskunft zu erteilen über 
die Geschäftsbeziehung zwischen ihm und Prof. Dr. G._____ und Prof. 
Dr. H._____, durch Herausgabe folgender Unterlagen:

- Vermögensverwaltungsvertrag inklusive aller Nebenabreden und der 
zur Vertragsbeendigung geltenden Allgemeinen Vertragsbedingungen

- Vollmachten, die dem Beklagten durch Prof. Dr. G._____ und Prof. 
Dr. H._____ oder einen von ihnen erteilt wurden

4 / 27

- Kontenverträge und/oder Depotverträge mit Finanzinstituten, die 
Namens und im Auftrag von Prof. Dr. G._____ und Prof. Dr. H._____ 
oder einen von ihnen geschlossen wurden, nebst der zur Vertragsbe-
endigung geltenden allgemeinen Vertragsbedingungen 

- Anlageberatungsverträge mit Finanzinstituten, die Namens und im 
Auftrag von Prof. Dr. G._____ und Prof. Dr. H._____ oder einen von 
ihnen geschlossen wurden, nebst den zur Vertragsbeendigung gelten-
den allgemeinen Vertragsbedingungen

- Kopie der Dokumente, die zur Identifizierung von Prof. Dr. G._____ 
und Prof. Dr. H._____ gedient haben

- Für den Fall der Feststellung der wirtschaftlich berechtigten Person, 
die schriftliche Erklärung von Prof. Dr. G._____ und Prof. Dr. H._____ 
über die Identität der wirtschaftlich berechtigten Person

- Kontoauszüge oder Vermögensübersichten, jeweils zum 31.12. des 
jeweiligen Jahres für den Zeitraum vom 01.01.2005 bis 31.12.2010, 
bezüglich des durch den Beklagten für Prof. Dr. G._____ und Prof. Dr. 
H._____ oder einem von ihnen direkt oder indirekt verwalteten Vermö-
gens

- Unterlagen über Abreden oder Instruktionen von Prof. Dr. G._____ 
und Prof. Dr. H._____ oder einen von ihnen über die Verwaltung des 
Vermögens, insbesondere im Zusammenhang mit der Disposition oder 
Dispositionsbefugnis über das verwaltete Vermögen

- Kunden- und Risikoprofil, das von Prof Dr. G._____ und Prof Dr. 
H._____ erstellt wurde

- Dokumentation über die Umsetzung der Aufklärungs- und Informati-
onspflichten, insbesondere im Hinblick auf die Einbringung des Ver-
mögens in die T._____ bei der I._____, Policen Nummer M._____ 
oder N._____ und die darin erfolgte Vermögensanlage

- Versicherungsvertrag, T._____ bei der I._____ (W._____) Ltd., Poli-
cen Nummer M._____ oder N._____ nebst den zur Vertragsbeendi-
gung geltenden allgemeinen Vertragsbedingungen

3. Die beklagte Partei sei zu verurteilen, an die Klägerin einen nach Aus-
kunftserteilung gemäss Ziffer 1 noch genau zu beziffernden Betrag 
(mindestens CHF 50'000) zu zahlen.

4. Der Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr. E._____ (Zahlungsbefehl 
des Betreibungsamtes Oberengadin/Bergell) sei aufzuheben.

5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge der beklagten Partei.

F. Mit Duplik vom 10. Januar 2017 bestätigte B._____ sein in der Klageant-
wort gestelltes Rechtsbegehren.

G. Am 18. Oktober 2017 erging eine Beweisverfügung, mit der die Einvernah-
me von Zeugen und die Edition von Urkunden aus den Händen von B._____ und 
der I._____ AG angeordnet wurden. 

5 / 27

H. Am 4. Dezember 2018 fand vor dem Regionalgericht die Hauptverhandlung 
statt. Gleichentags fällte das Regionalgericht folgenden Entscheid, den es am 
30. April 2019 schriftlich eröffnete: 

1. Das Begehren der Klägerin auf umfassende Rechenschaftsablegung 
und Herausgabe sämtlicher Aufzeichnungen, Bücher und Belege im 
Zusammenhang mit der Verwaltung des Vermögens durch den Be-
klagten für die Zedenten wird zufolge Gegenstandslosigkeit abge-
schrieben.

2. Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.

3. Die Gerichtskosten in Höhe von CHF 8'000.00 gehen im Umfang von 
CHF 6'000.00 zu Lasten der Klägerin und werden mit dem von ihr ge-
leisteten Kostenvorschuss von CHF 8'000.00 verrechnet.

Die Klägerin ist im Umfang von CHF 2'000.00 berechtigt, auf den Be-
klagten Regress zu nehmen.

4. Die Klägerin hat den Beklagten ausseramtlich im Betrag von 
CHF 11'636.60, inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer, zu entschädigen.

5./6. [Rechtsmittelbelehrung]

7. [Mitteilung]

I. Dagegen erhob die A._____ AG (nachfolgend: Berufungsklägerin) mit Ein-
gabe vom 3. Juni 2019 Berufung beim Kantonsgericht von Graubünden. Sie stellte 
darin folgendes Rechtsbegehren:

1. Der Entscheid des Regionalgerichts Maloja vom 4. Dezember 2018, 
Proz. Nr. 115-2016-38, sei vollumfänglich aufzuheben und die Klage 
der Klägerin und Berufungsklägerin gutzuheissen, wobei der Beru-
fungsbeklagte

a) unter Androhung der Bestrafung gemäss Art. 292 StGB im Unter-
lassungsfalle und soweit dies nicht bereits im Rahmen des vor-
instanzlichen Verfahrens erfolgte, zu verpflichten ist, umfassend 
Rechenschaft über seine Tätigkeit als Beauftragter von Frau 
Prof. Dr. G._____ sowie Herrn Prof. Dr. H._____ seit dem 
01.01.2005 bis zum 21.10.2015 abzugeben und insbesondere 
sämtliche Aufzeichnungen, Bücher und Belege herauszugeben, 
welche über die von ihm in Zusammenhang mit der Verwaltung 
des Vermögens von Frau Prof. Dr. G._____ sowie Herrn Prof. Dr. 
H._____ seit dem 01.01.2005 bis zum 31.12.2010 bezogenen 
Honorare und Provisionen (Retrozessionen), über sämtliche vom 
Beklagten getätigten Barbezüge und weitere erhaltene Vermö-
genswerte sowie über deren Verwendung, insbesondere betref-
fend 3 % des verwalteten Vermögens und die Beibringungs-
kommission für den Abschluss der anteilsgebundenen Lebens-
versicherung mit der I._____, Aufschluss geben.

b) sowie zu verpflichten, der Klägerin sämtliche von ihm in Zusam-
menhang mit seiner Tätigkeit als Beauftragter von Frau 
Prof. Dr. G._____ sowie Herrn Prof. Dr. H._____ seit dem 
01.01.2005 bis zum 21.10.2015 vereinnahmten Provisionen (Re-
trozessionen) der I._____ AG bzw. anderen Vertragsbanken her-

6 / 27

auszugeben, und es sei der Beklagte und Berufungsbeklagte 
überdies zu verpflichten, der Klägerin sämtliche von ihm als Be-
auftragter von Frau Prof. Dr. G._____ sowie Herrn Prof. Dr. 
H._____ erlangten Vermögenswerte, über deren auftragsgemäs-
se Verwendung und/oder Weiterleitung der Beklagte keine Re-
chenschaft ablegen kann, zurückzuerstatten bzw. zu bezahlen, 
und zwar in der Höhe des nach erfolgter Rechenschaftsablage 
gemäss lit. a) hiervor von der Klägerin zu beziffernden Umfangs, 
mindestens jedoch in der Höhe von CHF 88'229.36 zuzüglich 
Zins ab 16. August 2016.

2. Es sei in der Betreibung Nr. E._____ des Betreibungsamtes Oberen-
gadin/Bergell der Rechtsvorschlag aufzuheben und es sei der Klägerin 
die definitive Rechtsöffnung im Umfang der Gutheissung der vorlie-
genden Klage zu bewilligen.

3. Eventualiter sei das Verfahren zwecks Durchführung eines Beweisver-
fahrens und/oder zum Entscheid im Sinne der Erwägungen des Kan-
tonsgerichts an die Vorinstanz zurückzuweisen.

4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich MWST zu 
Lasten des Beklagten und Berufungsbeklagten.

J. Am 5. Juli 2019 reichte B._____ (nachfolgend: Berufungsbeklagter) seine 
Berufungsantwort und Anschlussberufung ein. Das Rechtsbegehren lautete fol-
gendermassen:

1. Abweisung der Berufung, soweit auf diese zur materiell-rechtlichen 
Beurteilung eingetreten werden kann.

2. Ziff. 3 des vorinstanzlichen Entscheids sei aufzuheben und es seien 
sämtliche Gerichtskosten im Umfange von CHF 8'000.00 der Klägerin 
aufzuerlegen.

3. Ziff. 4 des vorinstanzlichen Entscheids sei aufzuheben und es sei die 
Klägerin zu verpflichten, den Beklagten ausseramtlich mit 
CHF 23'273.20, inklusive Mehrwertsteuer, zu entschädigen.

4. Unter gerichtlicher und aussergerichtlicher Kosten- und Entschädi-
gungsfolge für das vorliegende Verfahren.

5. Es sei im vorliegenden Berufungsverfahren in Anlehnung an Art. 316 
ZPO eine mündliche Berufungsverhandlung durchzuführen.

6. Es sei im Rahmen der mündlichen Berufungsverhandlung Frau Prof. 
Dr. G._____ durch das Berufungsgericht als Zeugin einzuvernehmen 
(Art. 316 Abs. 3 ZPO).

K. Mit Berufungsreplik und Anschlussberufungsantwort vom 16. August 2019 
hielt die Berufungsklägerin an ihren Rechtsbegehren fest und beantragte neu, auf 
eine mündliche Verhandlung sowie eine erneute Zeugenbefragung sei zu verzich-
ten.

L. Weitere Eingaben der Parteien erfolgten am 17. September 2019 (Beru-
fungsduplik/Anschlussberufungsreplik), 21. Oktober 2019 (Anschlussberufungs-

7 / 27

duplik) und 23. Dezember 2019 (Stellungnahme des Berufungsbeklagten zur An-
schlussberufungsduplik). Mit Eingabe vom 17. Januar 2020 verzichtete die Beru-
fungsklägerin auf weitere Bemerkungen. 

M. Die verlangten Kostenvorschüsse in der Höhe von CHF 9'000.00 (Beru-
fungsklägerin) und CHF 5'000.00 (Berufungsbeklagter) gingen innert Frist ein. Die 
vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen. Das Verfahren ist spruchreif und Wei-
terungen (mündliche Hauptverhandlung, Zeugeneinvernahme; Rechtsbegehren 
Ziff. 5 und 6 des Berufungsbeklagten) sind jedenfalls im Rahmen dieses Verfah-
rens nicht erforderlich. 

Wie zu zeigen sein wird, entscheidet das Kantonsgericht mit vorliegendem Teilur-
teil – da es sich um eine Stufenklage handelt – lediglich die Stufe 1 betreffend die 
auftragsrechtliche Rechenschaftsablegung. Über die Stufe 2 betreffend die Ablie-
ferung der Drittvergütungen sowie über die Anschlussberufung wird nach Ablauf 
der Rechtsmittelfrist bzw. nach Erledigung eines allfälligen Rechtsmittels gegen 
das vorliegende Teilurteil entschieden.

Erwägungen

1. Eintretensvoraussetzungen

Beim angefochtenen Entscheid handelt es sich um einen erstinstanzlichen End-
entscheid, welcher mit Berufung angefochten werden kann (Art. 308 Abs. 1 lit. a 
ZPO). Der Streitwert beträgt mindestens CHF 77'695.90 (RG act. I/1 Antrag Ziff. 2) 
bzw. CHF 88'229.36 (act. A.1 Antrag Ziff. 1b), so dass der für die Berufung vor-
ausgesetzte Streitwert von CHF 10'000.00 (Art. 308 Abs. 2 ZPO) offensichtlich 
erreicht ist. Die 30-tägige Berufungsfrist (Art. 311 Abs. 1 ZPO) ist, nachdem die 
Berufungsklägerin den begründet ausgefertigten Entscheid am 2. Mai 2019 erhielt 
und sie am 3. Juni 2019 die Berufung einreichte, ebenfalls gewahrt. Die Berufung 
muss nach Art. 311 Abs. 1 ZPO eine Begründung enthalten, wobei mit der Be-
gründung aufgezeigt werden muss, inwiefern der angefochtene Entscheid als feh-
lerhaft angesehen wird (BGE 138 III 374 E. 4.3.1). Das Bundesgericht hat in 
BGE 144 III 398 E. 4.1.4 dazu ausgeführt, dass sich das Berufungsgericht, jeden-
falls grundsätzlich, auf die gegen das erstinstanzliche Urteil erhobenen Beanstan-
dungen beschränken kann (bestätigt in BGE 147 III 176 E. 4.2.1).

2. Vorbringen der Berufungsklägerin in der Berufung

Die Berufungsklägerin beanstandet den vorinstanzlichen Entscheid insbesondere 
in zwei zentralen Aspekten als mangelhaft: Zum einen sei die Vorinstanz zu Un-

8 / 27

recht davon ausgegangen, der Berufsbeklagte sei den auftragsrechtlichen Re-
chenschafts- und Informationspflichten in genügender Weise nachgekommen, 
insbesondere in Bezug auf die zentralen Punkte der Finder's Fees sowie des Ver-
waltungshonorars. Zum anderen habe die Vorinstanz in unhaltbarer Weise die zu 
Unrecht einbehaltenen Retrozessionen in einen Honoraranspruch des Berufungs-
beklagten umgedeutet (act. A.1 Rz. 8). Neben hier unwesentlichen (über 600) Do-
kumenten für allgemeine Treuhandleistungen (act. A.1 Rz. 11) habe er viele 
Bankbelege eingereicht, wobei nur die Belege BB 7-15, 26 und 32 für das Vermö-
gensverwaltungsverhältnis mit den Eheleuten G./H._____ einschlägig seien (act. 
A.1 Rz. 12). Das eingereichte Dossier habe keine Angaben zu den im vor-
instanzlichen Verfahren umstrittenen Finder's Fees und zu dem vereinbarten Ver-
mögensverwaltungshonorar für die Periode vor 2010 enthalten, in der das Verwal-
tungsmandat ja bereits bestanden habe (act. A.1 Rz. 13). Der Berufungsbeklagte 
wäre seiner Rechenschafts- und Auskunftspflicht nur dann vollständig nachge-
kommen, wenn die entsprechenden Dokumente nicht existierten und die behaup-
teten Leistungen nicht erfolgt seien (act. A.1 Rz. 14). Die Auffassung der Vorin-
stanz, die vom Berufungsbeklagten vereinnahmten Retrozessionen seien eine 
angemessene Entschädigung für seine Tätigkeit, sei unhaltbar (act. A.1 Rz. 39 f.). 
Der Berufungsbeklagte mache weder Angaben zu den für seine Klienten vorge-
nommenen Transaktionen noch sei der Zeitaufwand für die ausserhalb des Ver-
waltungsmandates erbrachten Leistungen nachvollziehbar. Es sei nicht Sache des 
Gerichts, die erforderlichen Informationen betreffend Art, Umfang, Umständen und 
Verantwortung in den unkommentierten 600 Belegen zusammenzusuchen (act. 
A.1 Rz. 44). Er sage auch nicht einmal, in welchem Umfang die Vergütung ge-
schuldet gewesen wäre; der Hinweis auf die Üblichkeit von 0.5 bis 1 % des ver-
walteten Vermögens genüge nicht (act. A.1 Rz. 45). Die Zedenten hätten nicht 
gültig auf die Retrozessionen verzichtet, wie bereits die Vorinstanz festgehalten 
habe (act. A.1 Rz. 38).

Mit Blick auf die als Stufenklage eingereichte Klage (act. A.1 Rz. 7 und 27) weist 
die Berufungsklägerin darauf hin, dass die Vorinstanz die offenzulegenden Infor-
mationen und Dokumente zum Gegenstand eines Beweisverfahrens gemacht ha-
be, was den materiell-rechtlichen Anspruch auf Rechnungslegung und Auskunft 
verletze (act. A.1 Rz. 28). 

3. Rechtliche Ausgangslage 

3.1. Die Berufungsklägerin ist die Zessionarin der eingeklagten Forderung, wel-
che ihr von den ursprünglichen Gläubigern und Zedenten, den Eheleuten 
G./H._____, abgetreten wurde (RG act. II.2). In Anwendung von Art. 170 Abs. 2 

9 / 27

OR waren die Abtretenden gesetzlich verpflichtet, der Berufungsklägerin als Er-
werberin der Forderung die Schuldurkunde und alle vorhandenen Beweismittel 
auszuliefern und zu ihrer Geltendmachung die nötigen Aufschlüsse zu erteilen. Mit 
dieser, sich aus dem Rechtsgrundgeschäft ergebenden Unterstützungspflicht soll 
sichergestellt werden, dass der Erwerber im Hinblick auf die Geltendmachung den 
Inhalt der Forderung kennt (Eugen Spirig, Zürcher Kommentar, Obligationenrecht, 
Teilband V 1k, Die Abtretung von Forderungen und die Schuldübernahme, Erste 
Lieferung, Art. 164-174 OR, 3. Aufl., Zürich 1993, N 70 zu Art. 170 OR) und den 
erworbenen Anspruch auch beweisen kann. Exemplarisch werden (Spirig, a.a.O., 
N 79 zu Art. 170 OR) Inventare, Ursprungszeugnisse, Zollquittungen, Steuerdo-
kumente, Pfandurkunden, Versicherungspolicen etc. genannt, und es wird darauf 
hingewiesen, dass der Gläubiger/Zedent bei mangelndem Besitz die Urkunden 
seinerseits zu beschaffen hat (gl.A. Flavio Lardelli, in: Honsell [Hrsg.], Kurzkom-
mentar OR, Basel 2014, N 7 zu Art. 170 OR; Daniel Girsberger/Johann Lukas 
Hermann, in: Widmer/Lüchinger Oser [Hrsg.], Basler Kommentar, Obligationen-
recht I, 7. Aufl., Basel 2019, N 12 zu Art. 170 OR). Daraus folgt, dass die Beru-
fungsklägerin als Zessionarin Aufschlüsse und Unterlagen bei den Zedenten, den 
Eheleuten G./H._____, erhalten hat bzw. diese bei ihnen beschaffen konnte. 

3.2. Das Rechtsverhältnis zwischen den Eheleuten G./H._____ und dem Beru-
fungsbeklagten beurteilt sich unstreitig nach Auftragsrecht i.S.v. Art. 394 ff. OR. 
Gemäss Art. 400 Abs. 1 OR hat der Beauftragte auf Verlangen jederzeit über sei-
ne Geschäftsführung Rechenschaft abzulegen und alles, was in dieser Funktion 
zugekommen ist, zu erstatten. Nach BGE 141 III 564 E. 4.2.1 umfasst diese Pflicht 
die Rechenschaftspflicht, die Ablieferungs- oder Herausgabepflicht sowie die In-
formationspflicht. Letztere ermöglicht dem Auftraggeber, die Tätigkeit des Beauf-
tragten zu überprüfen, widrigenfalls er Schadenersatz verlangen kann. Dass Art. 
400 Abs. 1 OR einen materiell-rechtlichen Anspruch festschreibt, der mit einer 
Leistungsklage durchgesetzt werden kann, ist allgemein anerkannt und ist vom 
Bundesgericht in BGE 141 III 564 E. 4.2.2 erneut bestätigt worden. Der Beauftrag-
te muss die Unterlagen im Original herausgeben (Jean-Marc Schaller, in: Honsell 
[Hrsg.], Kurzkommentar OR, Basel 2014, N 3 zu Art. 400 OR), wobei er sich zur 
Beweissicherung Kopien anfertigen darf (Walter Fellmann, Berner Kommentar, 
Das Obligationenrecht, Band VI, 2. Abteilung, Die einzelnen Vertragsverhältnisse, 
Der einfache Auftrag [Art. 394-406], Bern 1992, N 146 zu Art. 400 OR). 

3.3. Nach BGE 139 III 49 E. 4.5.2 braucht es keinen besonderen Nachweis ei-
nes schutzwürdigen Interesses an der Rechenschaftsablegung, auf die es einen 
gesetzlich statuierten Anspruch gibt. Allerdings kann der Grundsatz von Treu und 

10 / 27

Glauben einen Riegel schieben, etwa dann, wenn der Auftraggeber die erforderli-
chen Informationen bereits besitzt oder sich leicht aus eigenen Unterlagen infor-
mieren kann, während der Beauftragte grössere Umtriebe auf sich nehmen muss 
(BGer 4C.206/2006 v. 12.10.2006 E. 4.3.1, insbesondere mit Hinweis auf Fell-
mann, a.a.O., N 78 und 82 zu Art. 400 OR). Ein fehlendes Rechtsschutzbedürfnis 
ist weiter anzunehmen, wenn der Auftraggeber sicher oder mit an Sicherheit gren-
zender Wahrscheinlichkeit nichts zu fordern hat: Zum Beispiel muss der Beauf-
tragte mit einem vereinbarten festen Honorar keine Rechenschaft über seinen 
Aufwand ablegen (Fellmann, a.a.O., N 84 zu Art. 400 OR). Das Geheimhaltungs-
interesse des Beauftragten hat keinen unbedingten Vorrang, ist aber auch nicht 
bedeutungslos (Fellmann, a.a.O., N 87 zu Art. 400 OR). 

Für den Beauftragten muss die Rechenschaftsablegung zumutbar sein und die 
Zumutbarkeit beurteilt sich nach den gegenseitigen Interessen. Da die Interessen 
des Beauftragten hinter jene des Auftraggebers zurücktreten müssen, kommt der 
Ausschluss grundsätzlich nur dann in Betracht, wenn den Interessen des Beauf-
tragten keine schutzwürdigen Interessen des Auftraggebers gegenüberstehen. Als 
mögliche Beauftragteninteressen werden Geheimhaltung und Verhältnismässig-
keit des Arbeitsaufwandes genannt (Fellmann, a.a.O., N 79 zu Art. 400 OR). 
Missbräuchlich sind unangemessen häufig gestellte Begehren, Begehren, die 
grossen Aufwand verursachen, ohne dass der Auftraggeber ein berechtigtes In-
teresse daran geltend machen kann (Fellmann, a.a.O., N 80 zu Art. 400 OR). Der 
hohe Aufwand als solcher reicht jedoch für sich allein nicht aus (Fellmann, a.a.O., 
N 82 zu Art. 400 OR). 

Der Beweis der vollständigen (und richtigen) Erfüllung der Abrechnungspflicht ist 
vom Beauftragten zu führen, der unter Umständen durch Vorlage der gesamten 
Buchhaltung (samt Belegen) zu erbringen ist, der aber auch anderweitig geführt 
werden kann. Wird für das betreffende Geschäft keine separate Buchhaltung ge-
führt und verweigert der Beauftragte mangels einer entsprechenden Pflicht die 
Vorlegung der gesamten Buchhaltung, so kann das Gericht den Beauftragten un-
ter Wahrheitspflicht als Partei einvernehmen (Fellmann, a.a.O., N 97 zu Art. 400 
OR; Max Guldener, Schweizerisches Zivilprozessrecht, 3. Aufl., Zürich 1979, 
S. 334).

3.4. Nach dem Gesagten ist zu klären, wie sich Art. 400 Abs. 1 und Art. 170 
Abs. 1 OR zueinander verhalten. Der Zessionar tritt in die Rechtsstellung des Ze-
denten ein; er erwirbt die Forderung mit allen in ihr enthaltenen Befugnissen (An-
dreas von Tuhr/Arnold Escher, Allgemeiner Teil des schweizerischen Obligatio-
nenrechts, Band II, 3. Aufl., Zürich 1974, S. 358). Mit der Abtretung einer Forde-

11 / 27

rung aus Auftrag müssen deshalb auch die (materiell-rechtlichen) Herausgabe- 
und Informationsrechte an den Zessionar übergehen, sodass er entsprechend zu 
dokumentieren ist. Dokumentiert der Zedent den Zessionaren nur unvollständig, 
stellt sich die Frage, ob der Zessionar all das, was er vom Zedenten im Rahmen 
der Abtretung gemäss Art. 170 Abs. 2 OR hätte erhalten müssen, und allenfalls 
nicht erhalten hat, nunmehr beim debitor cessus – hier dem Beauftragten und Be-
rufungsbeklagten – erhältlich machen kann. Davon ist aus grundsätzlichen Über-
legungen nicht auszugehen, und schon gar nicht, wenn der debitor cessus die ihn 
aus dem Auftragsverhältnis treffenden Pflichten gegenüber den Zedenten bereits 
erfüllt hat. Wird mit der Informations- und Auskunftspflicht nämlich ein materieller 
Anspruch geltend gemacht, so steht die bereits erfolgte Erfüllung einer nochmali-
gen Geltendmachung entgegen. Zu erwähnen ist auch der weitere von Fellmann 
(vgl. oben E. 3.3) erwähnte Grund – die namhaften Umtriebe – welcher allerdings 
bei bereits erfolgter Erfüllung nicht mehr angerufen werden muss. Wie es sich 
verhält, wenn ein Zessionar geltend machen würde, er habe die erforderlichen 
Unterlagen beim Zedenten verlangt, habe bei diesem aber im bilateralen Verhält-
nis nichts erreichen können, kann dahingestellt bleiben, hat doch die Berufungs-
klägerin solches nicht geltend gemacht. Wenn die Zedentin G./H._____ in der 
Zeugeneinvernahme erwähnte, dass sie und ihr Mann "gewisse Unterlagen" zur 
Verfügung gehabt hätten, welche bei einem Brand in ihrem Haus vernichtet wor-
den seien (RG act. X.12 S. 2), so heisst das nicht, dass sie die allenfalls zerstörten 
Bankdokumente nicht und ohne grössere Mühe bei den betreffenden 
Bankinstituten hätten wiederbeschaffen oder durch den Zessionar hätten beschaf-
fen lassen können (gegebenenfalls mit Vollmacht), worauf der Berufungsbeklagte 
betreffend die Dokumente der I._____ (RG act. II.11) zu Recht hinweist. 

12 / 27

4. Zur Stufenklage

4.1. Leistungsbegehren müssen grundsätzlich beziffert werden. Die unbezifferte 
Forderungsklage, wie sie in Art. 85 ZPO vorgesehen ist, ist eine gesetzlich vorge-
sehene Ausnahme von diesem Grundsatz (Paul Oberhammer/Philipp Weber, in: 
Oberhammer/Domej/Haas [Hrsg.], Kurzkommentar ZPO, 3. Aufl., Basel 2021, N 2 
zu Art. 84 ZPO und N 1 zu Art. 85 ZPO). Soweit eine Partei bereits über die mass-
geblichen Informationen verfügt oder ohne grössere Mühe auf sie zugreifen kann, 
ist die Bezifferung im Sinne von Art. 85 ZPO nicht "unmöglich oder unzumutbar" 
und er muss diesfalls auch nicht "ins Blaue hinaus" beziffern (Oberham-
mer/Weber, a.a.O., N 2 zu Art. 85 ZPO). 

4.2. Die Vorinstanz hat die Klage betreffend den Informationsanspruch abge-
schrieben, weil sie der Meinung war, dass der Berufungsbeklagte der von ihm ver-
langten Rechenschaftsablegung und Herausgabe der verlangten Unterlagen im 
Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens in genügender Weise nachgekommen 
und die Klage daher gegenstandslos geworden sei ("Das Begehren der Klägerin 
auf umfassende Rechenschaftsablegung und Herausgabe sämtlicher Aufzeich-
nungen, Bücher und Belege im Zusammenhang mit der Verwaltung des Vermö-
gens durch den Beklagten für die Zedenten wird zufolge Gegenstandslosigkeit als 
erledigt abgeschrieben", act. B.1 Dispositiv-Ziff. 1). Sie hat das wie folgt begrün-
det: 

Die Herausgabe mehrerer im Zusammenhang mit dem Vertragsverhältnis zwi-
schen den Parteien (recte: zwischen den Zedenten und dem Berufungsbeklagten) 
bestehenden Dokumente würde die Beurteilung der der Berufungsklägerin allen-
falls zustehenden vermögensrechtlichen Ansprüche erlauben. Mit Beweisverfü-
gung vom 18. Oktober 2017 habe das Regionalgericht die Edition der von der Be-
rufungsklägerin verlangten Dokumente angeordnet ("Verwaltungsvertrag; Aufstel-
lung der Vertriebsentschädigungen; Depotauszug/Auszug investiertes Kapital der 
Zedenten durch den Beklagten; Abschlussvertrag zwischen der I._____ [W._____] 
Ltd. und dem Beklagten; sämtliche Verträge zwischen den Zedenten und dem Be-
klagten sowie sämtliche Verträge zwischen dem Beklagten und Dritten, welche die 
Zedenten betreffen; Postbeleg für die angeblich getätigte Übersendung der Unter-
lagen an die Zedentin"). Der Berufungsbeklagte habe in der Folge geltend ge-
macht, die von ihm direkt zu edierenden Unterlagen habe er bereits mit seinen 
Rechtsschriften ins Recht gelegt, und zwar die BB 9, 8, 18-25, 7, 9, 10-15, 26 so-
wie den Postzustellungsbeleg gemäss BB 32. Bereits anlässlich der Schlichtungs-
verhandlung habe er mehrere herausverlangte Dokumente ausgehändigt. Der Be-
rufungsbeklagte sei damit den beantragten Editionen soweit möglich nachgekom-

13 / 27

men (act. B.1 E. 7.2.2.2 S. 32): Die eingereichte BB 9 sei ein schriftlicher Vermö-
gensverwaltungsvertrag. Zwar datiere er vom 18. Oktober 2010 und betreffe er 
das an die K._____ übertragene Wertschriftendepot und nicht das generelle Ver-
mögensverwaltungsverhältnis von 1998 bis 21. Oktober 2015. Jedoch gehe aus 
den Ausführungen der Parteien nicht hervor, dass ein genereller schriftlicher Ver-
trag bestanden hätte. Weiter seien als BB 8 die Übersichten zu den bezogenen 
Retrozessionen eingereicht worden und mit den Schreiben der K._____ vom 14. 
September 2016 und demjenigen der L._____ vom 19. September 2016 sei hin-
reichend Auskunft über die vom Berufungsbeklagten bezogenen Vertriebsent-
schädigungen erteilt worden. Die Vermögensverzeichnisse der I._____ AG für ein 
Depotkonto bei der I._____ für die Jahre 2003 bis 2010 (BB 18-25) seien ins 
Recht gelegt worden, was die massgebliche Zeitspanne von 2005 bis 2010 um-
fasse. Der herausverlangte Abschlussvertrag zwischen der Bank und dem Beklag-
ten habe nicht beigebracht werden können bzw. der Aufforderung sei (seitens der 
I._____ Life [W._____] Ltd.) nicht nachgekommen worden. Nach einem Hinweis 
auf weitere vom Berufungsbeklagten eingereichte Unterlagen hält die Vorinstanz 
schliesslich fest, dass die "insgesamt eingereichten Belege […] eine genügende 
Übersicht [bieten], um sich sowohl aus Sicht der Auftraggeber als auch des Ge-
richts von der Tätigkeit des Beklagten ein weitgehend vollständiges Bild machen 
zu können". Sie reichten aus, so die Vorinstanz, um im Rahmen der "zweiten Stu-
fe" allfällige Ansprüche der Klägerin beurteilen zu können (act. B.1 E. 7.2.2.2 
S. 33). 

4.3. Wie erwähnt hat die Vorinstanz aus den vorstehend wiedergegebenen 
Gründen das Begehren als gegenstandslos abgeschrieben. Ein solches Vorgehen 
ist insofern korrekt, als das, was verlangt wurde, auch tatsächlich erhältlich ge-
macht worden ist, sei es, dass die Herausgabe freiwillig erfolgte, sei es, dass sie 
im Rahmen des Beweisverfahrens der Stufe 1 erlangt werden konnte (vgl. Ober-
hammer/Weber, a.a.O., N 16 zu Art. 85 ZPO). Damit das Verfahren gänzlich ab-
geschrieben werden kann, müssen die gestellten Herausgabe- und Auskunftsbe-
gehren aber vollumgänglich erfüllt sein (vgl. Pascal Leumann Liebster, Die Stufen-
klage im schweizerischen Zivilprozessrecht, Basel 2005, S. 175). Bei einer Stu-
fenklage darf das Mass nicht sein, ob der in der Stufe 2 geltend gemachte An-
spruch beurteilt werden kann, wie die Vorinstanz angenommen hat (vgl. vorste-
hend E. 4.2 am Ende). In der Stufe 1 war nämlich ein selbständiges Begehren im 
Sinne von Art. 400 OR zu beurteilen, und ein solches hätte höchstens dann abge-
schrieben werden können, wenn alles, was verlangt wurde, beigebracht worden 
wäre. Soweit dies nicht der Fall war, musste grundsätzlich ein Urteil mit verpflich-

14 / 27

tendem Inhalt erlassen werden, sofern die Voraussetzungen dafür denn erfüllt wa-
ren. 

4.4. Die Berufungsbeklagte hat eine unbezifferte Forderungsklage i.S.v. Art. 85 
ZPO erhoben, und zwar in Form der sog. Stufenklage. Wie die Berufungsklägerin 
zu Recht ausführt (act. A.1 Rz. 27), handelt es sich beim Anspruch auf Rechen-
schaftsablage und Information i.S.v. Art. 400 OR um einen materiell-rechtlichen 
Anspruch, der selbständig durchsetzbar ist (BGE 144 III 43 E. 4.1), während der 
Kläger, wenn er eine "gewöhnliche" unbezifferte Forderungsklage erhebt, sein In-
formationsdefizit mittels Beweisanträgen im Rahmen des Prozesses um den 
Hauptanspruch wettzumachen sucht (Lukas Bopp/Balthasar Bessenich, in: Sutter-
Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivil-
prozessordnung, 3. Aufl., Zürich 2016, N 4 zu Art. 85 ZPO). Bei der Stufenklage 
hat das Gericht zunächst nur den Informationsanspruch und dessen Begründetheit 
zu prüfen und fällt dann über den Informationsanspruch einen Teilentscheid 
(Oberhammer/Weber, a.a.O., N 13 zu Art. 85 ZPO). Die Berufungsklägerin rügt, 
die Vorinstanz habe das Wesen der Stufenklage verkannt, als sie den Berufungs-
beklagten nicht mittels Urteilsspruch zur Rechenschaftsablegung verpflichtet habe, 
sondern die offenzulegenden Informationen und Dokumente zum Gegenstand des 
Beweisverfahrens gemacht und deren Vorlage im Rahmen einer Edition eingefor-
dert habe (act. A.1 Rz. 28). 

Es trifft zu, dass die Vorinstanz nicht nach den Regeln der Stufenklage vorgegan-
gen ist; anders als im Beweisverfahren ist in der Stufe 1 keine antizipierte Be-
weiswürdigung vorzunehmen, sondern das gestellte Begehren ist in einem Teil-
Entscheid gutzuheissen oder abzuweisen (oder allenfalls ist darauf nicht einzutre-
ten). Mit einer Vermischung der beiden Stufen war die Vorinstanz jedoch nicht al-
lein, hat doch die damalige Rechtsvertretung der Berufungsklägerin vor erster In-
stanz Beweisofferten gemacht, bei denen es um die Beschaffung von Dokumen-
ten ging und nicht nur um die Klärung der Frage, ob ein Auskunfts- bzw. Heraus-
gabeanspruch besteht (RG act. I.1 Rz. 16 und 19). Dies betrifft insbesondere das 
Editionsbegehren betreffend den angeblichen Abschlussvertrag zwischen der 
I._____ und dem Berufungsbeklagten (RG act. I.3 Rz. 19). Nach den Regeln der 
Stufenklage hätte es mit der urteilsmässigen Verpflichtung des Berufungsbeklag-
ten, dieses Dokument herauszugeben, sein Bewenden gehabt. Ausserdem ver-
langte die Berufungsklägerin selbst verschiedentlich die Einvernahme von Zeugen 
und die Befragung des Berufungsbeklagten, und zwar auch, soweit es lediglich um 
die Informationsbeschaffung ging (z.B. RG act. I.1 Rz. 19; RG act. I.3 Rz. 37).

15 / 27

Eine andere Frage ist, wie in der Berufung mit dieser verfahrensrechtlichen Ab-
weichung vom Regelvorgehen umzugehen ist. Was an Informationen im erstin-
stanzlichen Verfahren erhältlich gemacht worden ist, liegt bei den Akten, womit es 
diesbezüglich sein Bewenden haben muss – eine urteilsmässige Verpflichtung ist 
diesbezüglich obsolet und die Klage insoweit tatsächlich gegenstandslos. In die-
sem Zusammenhang kann daran erinnert werden, dass auch diejenigen Beweis-
mittel im Dossier zu belassen sind, die aufgrund einer unrichtigen Verteilung der 
Beweislast in der Beweisverfügung eingereicht wurden. 

4.5. Die Berufungsklägerin hat vor Vorinstanz geltend gemacht, dass der Gross-
teil des verwalteten Vermögens durch eine Einmaleinlage von EUR 2'932'336.00 
in ein Wertschriftendepot bei der I._____ eingebracht worden sei (RG act. I.1 
Rz. 14 f.). Auf eine dafür geleistete Abschlussprovision sei seitens der Zedenten 
G./H._____ nie verzichtet worden. Der Abschluss dieser Versicherung wird vom 
Berufungsbeklagten nicht bestritten (RG act. I.2 Rz. 2), hingegen in Abrede ge-
stellt, dass er dafür eine Abschlussprovision erhalten habe (RG act. I.5 Rz. 5; RG 
act. I.4 Rz. 7) und auch, dass derartige Provisionen üblich seien (RG act. I.4 Rz. 
7). Ausserdem weist der Berufungsbeklagte verschiedentlich darauf hin, dass sich 
die Versicherungspolice bei den Akten befinde, und zwar eingereicht durch die 
Berufungsklägerin als KB 11 und durch den Berufungsbeklagten als BB 26 (act. 
A.2 Rz. 27). Die Berufungsklägerin machte ihrerseits geltend, dass sie die Provisi-
on nicht beweisen könne, ohne das Bankgeheimnis zu verletzen, und ersuchte 
deshalb um Edition der entsprechenden Verträge durch die I._____ (RG act. I.3 
Rz. 19).

4.5.1. Abgesehen von der bereits erwähnten Vermischung von Stufenklage und 
Beweisverfahren im Rahmen der unbezifferten Forderungsklage trifft es nicht zu, 
dass die Angaben zu allfälligen Provisionen für die Berufungsklägerin nicht erhält-
lich waren, sondern sie hätte sich von den Zedenten eine Vollmacht zur Beschaf-
fung des Vertrages geben lassen bzw. die Zedenten an ihre Pflicht i.S.v. Art. 170 
Abs. 2 OR um die Herausgabe bzw. Beschaffung und Weiterleitung mahnen kön-
nen. Eines gerichtlichen Herausgabebefehls hätte es demnach nicht bedurft und 
die Vorinstanz hätte den Beweisantrag auch aus diesem Grund ablehnen sollen. 
Tatsächlich sind die Gerichte nicht verpflichtet, allen Beweisanerbieten stattzuge-
ben. Bei Beweisanträgen muss begründet werden oder muss mindestens ersicht-
lich sein, dass ein rechtliches Interesse an der verlangten Edition besteht (Franz 
Hasenböhler, Das Beweisrecht der ZPO, Die Beweismittel, Band 2, Zürich 2019, 
Rz. 5.171). Das ist nicht der Fall, wenn die gesuchstellende Partei ein bestimmtes 
Beweismittel selber in Händen hat oder es selber beschaffen kann. 

16 / 27

4.5.2. Fraglich kann höchstens noch sein, ob hier, wo es im Rahmen einer Stu-
fenklage um ein materiell-rechtliches Auskunfts- und Herausgabebegehren geht, 
etwas Anderes gilt als im Rahmen von prozessualen Editionen von Beweismitteln. 
Das ist bei der Frage, ob dem materiell-rechtlichen Informationsbegehren stattzu-
geben ist, zu klären (vgl. unten E. 6). 

4.5.3 Richtig ist auch, wie die Berufungsklägerin geltend macht, dass die Edition 
nicht regelkonform durchgeführt wurde (act. A.1 Rz. 32). Nachdem sich die zuerst 
aufgeforderte I._____ AG auf die rechtliche Unabhängigkeit von der I._____ beru-
fen hatte (RG act. I.1 Rz. 14; RG act. VIII.1), gelangte die Vorinstanz auf direktem 
postalischen Weg an die I._____ auf den J._____ (RG act. VIII.5) und übersah 
dabei die Regeln über den rechtshilfeweisen Verkehr mit Personen im Ausland, 
worauf die Berufungsklägerin in der Berufung denn auch hinweist (act. A.1 Rz. 30 
ff.). Die Edition müsste daher regelkonform wiederholt werden, wenn sie zulässig 
und nötig wäre. Dies ist nicht der Fall und muss hier auch nicht nochmals ausge-
führt werden, zumal der neue Anwalt der Berufungsklägerin die Vorinstanz dafür 
kritisiert, dass sie überhaupt eine Edition durchgeführt habe (act. A.1 Rz. 28) und 
diese – zusätzlich zur fehlerhaften Zustellung – als verfahrensrechtliche Fehlüber-
legung bezeichnet (act. A.1 Rz. 32). 

5. Finder's Fees und Verwaltungshonorar

5.1. Dazu kommt folgende Überlegung, die später auch noch im Rahmen der 
Prüfung der Rechenschaftsablegung von Bedeutung ist (unten E. 6): Der Ab-
schluss der Versicherungspolice bei der I._____ soll gemäss der Berufungskläge-
rin eine Beibringungskommission, auch als "Finder's Fees" bezeichnet, ausgelöst 
haben. Darunter versteht man eine einmalige Entschädigung, welche der Vermö-
gensverwalter von einer Bank für die Zuführung von neuen Vermögenswerten 
bzw. von neuen Kunden(-Geldern) erhält (vgl. BGE 132 III 460 E. 4 m.w.H.). In 
BGE 132 III 460 E. 4.1 wird dazu Folgendes ausgeführt: "Retrozessionen – und 
wohl regelmässig auch Finder's Fees, sofern der Beauftragte dem Auftraggeber im 
Rahmen des Vertrags geraten hat, die zur Verwaltung überlassenen Vermögens-
werte bei einer bestimmten Bank (neu) zu deponieren (a.M. offenbar de Capitani, 
Retrozessionen an externe Vermögensverwalter, Festschrift Jean-Paul Chappuis, 
Zürich 1998, S. 29 Ziff. 13) – werden dem Beauftragten ausgerichtet, weil er im 
Rahmen des Auftrags bestimmte Verwaltungshandlungen vornimmt oder veran-
lasst; sie fallen im Zusammenhang mit der Verwaltung des Vermögens an und 
unterliegen der Herausgabepflicht nach Art. 400 Abs. 1 OR". 

17 / 27

5.2. Der Berufungsbeklagte bestreitet, solche Abschlussprovisionen oder Fin-
der's Fees erhalten zu haben. Dafür, dass dies zutrifft, spricht, dass die Zedenten 
schon Jahre vor dem Erwerb der Versicherungspolice in den J._____ über das 
gleiche Wertschriftendepot bei der I._____ in der Schweiz verfügten, woran sich 
durch den Abschluss der Versicherungspolice nichts änderte. Das macht auch der 
Berufungsbeklagte geltend, wenn er darauf hinweist, dass einzig die aus Steuer-
gründen gewählte "Ummantelung" neu war. Tatsächlich wurde der I._____ mit 
dem Abschluss der Versicherung nichts Neues oder Weiteres zugeführt, was sie 
nicht schon hatte. Das belegen die bei den Akten liegenden Vermögensverzeich-
nisse (2003 bis 2010, vgl. RG act. III.18-25), die die Kundenbeziehung zur I._____ 
bereits zwei Jahre vor dem Abschluss der Versicherung bei der I._____ nachwei-
sen. In der Zeit vor und nach der "Ummantelung" ist auf dem Titelblatt der Vermö-
gensverzeichnisse "R._____" erwähnt, und die genannten Anlageberater sind via 
schweizerische Telefonnummern erreichbar. Wurden der I._____ keine Neukun-
den mit neuen Mitteln zugeführt, gab es im Sinne des vorstehend zitierten Bun-
desgerichtsentscheides auch kein Grund für besondere "Belohnungen". 

5.3. Die Vorinstanz hat in ihrem Entscheid (act. B.1 E. 7.2.2.3) auch auf den von 
der Berufungsklägerin im vorinstanzlichen Verfahren behaupteten 3 %-igen Hono-
raranspruch des Berufungsbeklagten hingewiesen (vgl. RG act. I.1 Rz. 17) und 
erwähnt, dass der Berufungsbeklagte diesen bestritten und ausserdem als rea-
litätsfremd bezeichnet habe (RG act. I.2 Rz. 8). In diesem Zusammenhang erliess 
die Vorinstanz mit Datum vom 18. Oktober 2017 –  wiederum auf Ersuchen der 
Berufungsklägerin (RG act. I.1 Rz. 16 und 19) – eine Beweisverfügung (RG 
act. IV.2), mit der der Berufungsklägerin der Hauptbeweis (u.a.) für den Abschluss 
und Inhalt eines Vermögensverwaltungsvertrages und den Bezug eines Vermö-
gensverwaltungshonorars von 3 % durch den Berufungsbeklagten auferlegt wur-
de. Von den als einzuvernehmende Zeugen bezeichneten drei Personen wurde 
schliesslich einzig die Zedentin G./H._____ in F._____ rechtshilfeweise einver-
nommen. Sie sagte aus (RG act. X.12 S. 2 und 3), sie (und ihr Ehemann, der Ze-
dent) könnten sich nicht erinnern, dass es eine schriftliche Vereinbarung gegeben 
hätte. Nach ihrer Erinnerung habe es eine mündliche Vereinbarung darüber gege-
ben, dass ein Honorar von 3 % der Rendite geschuldet gewesen sei. Dass die 3 % 
auf der Rendite geschuldet seien, sei eine vage Erinnerung. Und auf Nachfrage, 
ob es nicht 3 % des angelegten Kapitals gewesen sein könnten (in der Klage-
schrift ist von 3 % die Rede, ohne dass dort ausgeführt wird, worauf diese berech-
net worden sind), wiederholte die Zedentin, dass es sich um eine nicht exakte Er-
innerung an 3 % von der Rendite handle; an etwas Anderes hätten sie (und der 
Zedent) sich nicht erinnern können. Auf die Zeugenaussage der Zedentin, die 

18 / 27

tatsächlich Fragen aufwirft, nimmt die Vorinstanz keinen Bezug und äussert ledig-
lich, dass der Berufungsklägerin die Beweislast auferlegt worden sei; ihr sei es in 
der Folge nicht gelungen, den entsprechenden Nachweis zu erbringen, sodass 
davon auszugehen sei, dass der Berufungsbeklagte die besagte Gebühr nicht be-
zogen habe. 

5.4. In der Berufungsschrift macht die Berufungsklägerin geltend, dass insbe-
sondere ein schriftlicher Vermögensverwaltungsvertrag für die Periode vor 2010 
fehle, und zwar für den Zeitraum, als der Berufungsbeklagte unbestrittenermassen 
bereits das Vermögen der Zedenten verwaltet habe (act. A.1 Rz. 13). Das sei ei-
ner von drei Punkten, in denen der Berufungsbeklagte weder Dokumente noch 
anderweitige Informationen vorgelegt habe (act. A.1 Rz. 14). Die Standesregeln 
(die Rede ist von denjenigen des Verbandes schweizerischer Vermögensverwalter 
[VSV]) würden vorsehen, dass ein schriftlicher Vertrag abzuschliessen sei. Es 
spreche daher eine natürliche Vermutung dafür, dass das bereits seit 1998 beste-
hende Vermögensverwaltungsmandat durch eine – oder mehrere – Vereinbarun-
gen dokumentiert und geregelt worden sei. Das vorinstanzliche Verfahren habe 
keinerlei Anhaltspunkte oder Gründe zutage gefördert, die gegen den Bestand 
solcher Vereinbarungen sprächen. Der Berufungsbeklagte behaupte in diesem 
Zusammenhang bloss lapidar, es habe vor 2010 kein solcher Vermögensverwal-
tungsvertrag bestanden (act. A.1 Rz. 15). Das von der Berufungsklägerin themati-
sierte Verwaltungshonorar von 3 %, welches durch Zeugenaussage bestätigt wer-
de, sei daher keineswegs abwegig (act. A.1 Rz. 19). Die als Zeugin einvernom-
mene Zedentin sei sich trotz Unsicherheiten betreffend die Frage, worauf genau 
sich die 3 % bezogen hätten (auf die Rendite oder auf das verwaltete Vermögen), 
sicher gewesen, dass eine Honorarvereinbarung in dieser Höhe getroffen worden 
sei. Trotz der zentralen Rolle dieser Aussage habe sich die Vorinstanz mit keinem 
Wort dazu geäussert oder sie in ihre Überlegungen einfliessen lassen. Das verlet-
ze das Recht der Berufungsklägerin auf Beweis (act. A.1 Rz. 34 ff.). 

5.5. Der Berufungsbeklagte bezeichnet die Zeugenaussage der Zedentin 
G./H._____ als "Farce" (act. A.2 Rz. 11 und 24 lit. b). Sie habe sich durch Verle-
sen eines vorbereiteten Textes geäussert und sie habe genau das vorgetragen, 
was man ihr vorgeschrieben habe. Auch die Fragen des Berufungsbeklagten habe 
sie nicht beantwortet, sondern stereotyp geäussert, diese seien nicht Gegenstand 
des Fragenkatalogs, sodass sie sich dazu nicht äussere. Auch Bankvollmachten, 
die sie selber unterzeichnet habe, habe sie nicht wiedererkannt. Die Zeugenaus-
sage sei daher wertlos, um nicht zu sagen manipuliert. Bei 3 % auf dem verwalte-
ten Vermögen wäre damit die Bruttorendite von 3-4 % jährlich praktisch aufgezehrt 

19 / 27

worden. Weiter macht der Berufungsbeklagte geltend, dass das behauptete Ver-
waltungshonorar direkt dem Bankkonto der Eheleute G./H._____ belastet worden 
wäre, was ohne Weiteres durch Einreichung der jeweiligen Bankauszüge hätte 
bewiesen werden können. 

5.6. Die Vorinstanz musste sich jedenfalls nicht um den Zeitraum zwischen 
1998 und 2005 kümmern, da das Verfahren lediglich die Zeit ab 2005 beschlägt. 
Was die Zeugenaussage anbelangt, ist zu erwähnen, dass die Zedentin 
G./H._____ zwar nicht Prozesspartei ist und daher gemäss Art. 169 ZPO als Zeu-
gin zu befragen war. Allerdings ist sie auch keine unbeteiligte Dritte. Weil es für 
ihren Fall keine vergleichbare Regel wie Art. 159 ZPO für Organe juristischer Per-
sonen gibt, kann und muss im Rahmen der freien Beweiswürdigung ihre besonde-
re Nähe zur Streitsache berücksichtigt werden (vgl. Hans Schmid/Samuel Baum-
gartner, in: Oberhammer/Domej/Haas [Hrsg.], Kurzkommentar ZPO, 3. Aufl., Ba-
sel 2021, N 2 zu Art. 159 ZPO m.w.H.).

5.7.1. Die Zeugin G./H._____ wurde rechtshilfeweise durch das Amtsgericht Ulm 
einvernommen (vgl. RG act. X.2 und X.12). Der ebenfalls für eine Einvernahme 
vorgeladene O._____ stellte Verschiebungsanträge (RG act. X.7 und X.11), und 
auf seine Einvernahme wurde letztlich verzichtet. Dazu äussert sich die Beru-
fungsklägerin nicht. Hingegen macht sie geltend, die Zeugin G./H._____ habe das 
Verwaltungshonorar bestätigt (act. A.1 Rz. 19) und die Vorinstanz habe sich nicht 
mit dem Beweisergebnis auseinandergesetzt (act. A.1 Rz. 34 ff.). Dass sich die 
Zeugin mindestens an die Höhe der Honorarvereinbarung habe erinnern können 
(gemeint müssen die 3 % sein), sei essentiell. Anders als die völlig unsubstantiier-
ten Behauptungen des Berufungsbeklagten sei dies ein weiterer Anhaltspunkt für 
die Vereinnahmung von zusätzlichen Vergütungen, und zwar schon deshalb, weil 
gemäss der allgemeinen Lebenserfahrung nicht davon auszugehen sei, dass sich 
der Berufungsbeklagte mit den offengelegten Retrozessionen begnügt hätte. 

5.7.2. Die Zeugin, die die ihr gestellten Fragen häufig in der "Wir-Form" (und sich 
damit auch auf ihren Mann bezog) beantwortete und die Antworten aufgrund an-
geblich gemeinsam verfasster schriftlicher Unterlagen gab (RG act. X.12 S. 2), im 
Übrigen die Antwort auf gestellte Fragen verweigerte, konnte sich nicht an eine 
schriftliche Vereinbarung betreffend Verwaltungshonorar erinnern; nach ihrer va-
gen Erinnerung hätte es aber eine mündliche Vereinbarung gegeben mit einem 
Honorar von 3 % der Rendite und der Berufungsbeklagte habe über eine Konto-
vollmacht verfügt (RG act. X.12 Frage 1). Bemerkenswert ist, dass die Berufungs-
klägerin in der Berufung ohne Weiteres und ohne Erklärung von 3 % des verwalte-
ten Vermögens ausgeht, obwohl sich die Zeugin, auch auf eine spezifische Zu-

20 / 27

satzfrage hin, an die Rendite als Berechnungsgrundlage erinnerte. Dass die 3 % 
auf dem verwalteten Vermögen berechnet wurden, ist demnach nicht bewiesen, 
und schon gar nicht, dass es einen schriftlichen Vertrag gegeben hat, den die 
Zeugin ohne "wenn und aber" in Abrede stellte. 

5.7.3. Auf das Zeugnis der Zedentin G./H._____ abzustellen, erübrigt sich ohne-
hin, jedenfalls soweit es sich um allenfalls entrichtete Vermögensverwaltungsho-
norare handelt. Vermögensverwaltungshonorare werden nicht von Dritten bezahlt, 
sondern von denjenigen Personen, die ihr Vermögen verwalten lassen. Hierin un-
terscheiden sich die beiden Entschädigungsformen entscheidend: Retrozessionen 
etc. werden von Dritten an die Vermögensverwalter bezahlt; und die auftragge-
benden Kunden sehen sie nicht und wissen ohne zusätzliche Informationen auch 
nicht, wie hoch sie sind, weil sie den Vermögensverwaltern ausgerichtet werden. 
Das ist der Grund dafür, dass das Bundesgericht die Offenlegung von Bandbreiten 
verlangt, damit die Kunden mindestens der Grössenordnung nach wissen, wie 
hoch die drittfinanzierten Beträge sind. Wird hingegen ein Vermögensverwalterho-
norar vereinbart, so muss der auftraggebende Kunde dieses bezahlen (und weiss 
dann auch, wie hoch es ist). Allenfalls kann vereinbart sein, dass der Vermögen-
verwalter sein Honorar aus den verwalteten Konten selber bezieht. Auch dann 
hinterlassen solche Honorarbezüge Spuren auf den Konten der Auftraggeber und 
können daher von diesen jederzeit eingesehen werden.

5.7.4. Nur noch der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die Berufungsklägerin 
– anders als die Zeugin G./H._____ ausgesagt hat – davon ausgeht, es müsse 
eine schriftliche Vereinbarung gegeben haben (act. A.1 Rz. 13), ja eine solche sei 
in den Standesregeln vorgeschrieben (act. A.1 Rz. 15), was der Berufungsbeklag-
te für den massgeblichen Zeitraum bestreitet: Er sei – so der Berufungsbeklagte – 
nie Mitglied des Verbands Schweizerischer Vermögensverwalter (VSV) gewesen, 
sondern Mitglied des Vereins zur Qualitätssicherung von Finanzdienstleistung 
(VQF), einer der FINMA unterstellten Selbstregulierungsorganisation. Dort beste-
he das Gebot zur Schriftlichkeit des Vertragsabschlusses erst ab dem Jahr 2020 
(act. A.2 Rz. 7). Unabhängig davon kann davon ausgegangen werden, dass selbst 
eine Mitgliedschaft in den genannten Organisationen kein Nachweis für das Vor-
liegen einer schriftlichen Vereinbarung wäre und dass eine solche Unterlassung 
die Gültigkeit einer nur mündlich abgeschlossenen Vereinbarung nicht in Frage 
stellen könnte (vgl. act. A.2 Rz. 5). Wenn die Berufungsklägerin geltend macht, 
das vorinstanzliche Verfahren habe keinerlei Anhaltspunkte 
oder Gründe zutage gefördert, die gegen den Bestand einer schriftlichen Verein-
barung sprechen (act. A.1 Rz. 15), ist das offensichtlich wahrheitswidrig, denn es 

21 / 27

kann der Berufungsklägerin nicht entgangen sein, dass sich die Zedentin, die 
Zeugin G./H._____, gegen den Bestand einer schriftlichen Vereinbarung ausge-
sprochen hat (vgl. RG act. X.12 S. 2 f.). 

6. Behandlung der Klage betreffend den materiell-rechtlichen Anspruch auf 
Rechenschaftsablegung

6.1. Was die Mechanik dieses Verfahrens anbelangt, ist darauf bereits oben in 
E. 4 hingewiesen worden. Die Vorinstanz sah den Informationsanspruch der Beru-
fungsklägerin aufgrund der vom Berufungsbeklagten im Verlaufe des Prozesses 
erteilten Informationen als erfüllt an und schrieb deshalb das präparatorische Ver-
fahren betreffend die Rechenschaftsablegung als gegenstandslos ab (act. B.1 
E. 7.2.2.2 und Dispositiv-Ziff. 1). 

6.2. Die Berufungsklägerin hat unter anderem deshalb Berufung eingereicht und 
geltend gemacht, der Informationsanspruch sei in drei Punkten nicht erfüllt wor-
den, nämlich bezüglich (i) der Finder's Fees, (ii) des vereinbarten Vermögensver-
waltungshonorars und (iii) des schriftlichen Vermögensverwaltungsvertrags 
(act. A.1 Rz. 13 f.). Der Berufungsbeklagte wäre seiner Rechenschafts- und Aus-
kunftspflicht nur dann vollständig nachgekommen, wenn die entsprechenden Do-
kumente vorgelegt worden wären. Die Faktenlage spreche aber gegen diese Auf-
fassung (act. A.1 Rz. 14): Der fehlende schriftliche Vermögensverwaltungsvertrag 
(act. A.1 Rz. 15) und das behauptete Honorar von höchst bescheidenen ca. 
CHF 8'000.00 pro Jahr (act. A.1 Rz. 18) begründeten eine natürliche Vermutung 
für das zusätzliche Verwaltungshonorar von 3 % (act. A.1 Rz. 19) sowie für die 
Ausrichtung einer Beibringungskommission bzw. von Finder's Fees im Zusam-
menhang mit der Einmaleinlage in die Lebensversicherung der I._____ (BB 26). 
Der Beweis der vollständigen und richtigen Erfüllung der Rechenschaftspflicht 
könne es angezeigt erscheinen lassen, dass der Beauftragte die gesamte Buch-
haltung und sämtliche Belege seiner geschäftlichen und privaten Bankverbindung 
offenzulegen habe (act. A.1 Rz. 21). 

6.3. In diesem Zusammenhang ist darauf zurückzukommen, dass der Anspruch 
auf Rechenschaftsablegung aus Art. 400 OR ein materiell-rechtlicher Anspruch ist, 
wovon auch die Parteien und die Vorinstanz ausgehen. Dieser wurde im Rahmen 
einer Stufenklage geltend gemacht, auch wenn es dann im Rahmen der Stufe 1 
für dieses Verfahren nicht zulässige Beweisanträge gab. Für Stufe 1 der Klage, 
die Rechenschaft, müssen – wie bei jedem materiell-rechtlichen Anspruch – 
zunächst die Voraussetzungen der klageweisen Durchsetzung geprüft werden, 
insbesondere, ob die Tätigkeit des Berufungsbeklagten als Vermögensverwalter 

22 / 27

unter Art. 400 OR fällt (was vorliegend ohne Weiteres zu bejahen ist) und ob ihn 
für das, was die Berufungsklägerin an Information und Herausgabe verlangt, 
grundsätzlich eine Informations- bzw. Auslieferungspflicht trifft. 

Die Berufungsklägerin räumt ohne nähere Spezifizierung ein, dass ihren Informa-
tions- und Herausgabebegehren durch die mit der Klageantwort eingereichten Do-
kumente in verschiedener Hinsicht Folge geleistet worden sei (act. A.1 Rz. 11). 
Diesbezüglich hat die Vorinstanz demnach zu Recht Gegenstandslosigkeit ange-
nommen. Die Berufungsklägerin kritisiert hingegen, dass keine vollständige Re-
chenschaftsablegung erfolgt sei (act. A.1 Rz. 10 ff.); es fehlten Angaben zu den 
umstrittenen Finder's Fees und dem vereinbarten Vermögensverwaltungshonorar, 
vor allem für die Periode vor 2010, als das Verwaltungsmandat unbestrittener-
massen bereits bestand (act. A.1 Rz. 13). In Rz. 14 der Berufungsschrift fährt sie 
fort: "Damit wird deutlich, dass der Beklagte in drei von der Klägerin geltend ge-
machten Punkten weder Dokumente noch anderweitige Informationen vorlegte", 
womit entsprechend zu untersuchen ist, wie die Klage der ersten Stufe diesbezüg-
lich zu entscheiden ist. 

Der Berufungsbeklagte weist darauf hin, dass das Begehren der Berufungskläge-
rin in der Berufung um den Zusatz betreffend das Verwaltungshonorar von 3 % 
des verwalteten Vermögens und die Beibringungskommission für den Abschluss 
der anteilsgebundenen Lebensversicherung mit der I._____ erweitert worden sei, 
was als Klageänderung unzulässig sei (act. A.2 Rz. 1). Diesbezüglich ist anzu-
merken, dass es dafür, was nach Ansicht der Berufungsklägerin nicht gegen-
standslos geworden ist, einer Präzisierung bedurfte, welche insoweit zulässig er-
scheint. 

6.4. Zurückzukommen ist in diesem Zusammenhang auf die vorstehende E. 3.3. 
Dort wurde darauf hingewiesen, dass kein schutzwürdiges Interesse an der 
Durchsetzung eines Informationsanspruchs besteht, wenn der Auftraggeber die 
erforderlichen Informationen bereits besitzt oder sie leicht aus eigenen Quellen 
beschaffen kann, während der Beauftragte grössere Umtriebe auf sich nehmen 
muss. 

6.4.1. Dass das Vermögensverwaltungshonorar – wäre es dem Berufungsbeklag-
ten ausgerichtet worden – von den Zedenten beglichen worden sein müsste – sei 
es durch Honorierung durch die Zedenten selber, sei es durch Abbuchung auf ih-
ren Konten durch den Berufungsbeklagten – ist bereits aufgezeigt worden (oben 
E. 5.7.3). Es liegt damit ein Fall vor, in dem die Zedenten als Auftraggeber – und 
damit die Zessionarin als ihre Rechtsnachfolgerin – die erforderlichen Informatio-

23 / 27

nen kennen oder aus eigenen Unterlagen beschaffen können. Die Gründe (insbe-
sondere das angesichts der geleisteten Dienste sehr tiefe Honorar [act. A.1 
Rz. 15 ff.]), die die Berufungsklägerin gegen die Bestreitung des Berufungsbeklag-
ten anführt, er habe nichts dergleichen erhalten ("lapidare Behauptung", act. A.1 
Rz. 16), halten schon deshalb nicht stand, weil das, was die Berufungsklägerin 
wissen will, in ihrem Einflussbereich liegt bzw. dort erhältlich gemacht werden 
kann, womit diesbezüglich das erforderliche Interesse an Information und Heraus-
gabe fehlt. 

6.4.2. Ähnlich verhält es sich mit dem behaupteten schriftlichen Vermögensver-
waltungsvertrag für die Zeit vor 2010. Gäbe es diesen, so würden auch die Zeden-
ten als Vertragsparteien darüber verfügen und die Berufungsklägerin könnte ihn 
dort erhältlich machen. Gibt es diesen Vertrag in schriftlicher Form tatsächlich 
nicht, und das behauptet nicht nur der Berufungsbeklagte, sondern auch die Ze-
dentin G./H._____ als Zeugin (vgl. oben E. 5.7.2 und 5.7.4), so ist von einem of-
fensichtlich überflüssigen Herausgabebefehl abzusehen. Auf die entsprechenden 
Begehren ist daher nicht einzutreten (vgl. Leumann Liebster, a.a.O., Anm. 702 auf 
S. 175). 

6.4.3. Was die Finder's Fees anbelangt, die ausserhalb der Kundenbeziehung 
bezahlt worden sein könnten, verhält es sich grundsätzlich gleich, jedenfalls so-
weit es um Unterlagen und Informationen geht, die die Zedenten und damit auch 
ihre Rechtsnachfolgerin (mit Vollmacht) bei der I._____ beschaffen können. Das 
bestätigen auch die im Berufungsverfahren eingereichten Beilagen act. C.10 und 
C.11; sie sind zwar neu, wiederholen aber nur das, was ohnehin gilt, nämlich dass 
Informationen betreffend die Bankbeziehung via die Zedenten beschafft werden 
können und müssen. Dass die Zedenten als Auftraggeber des Berufungsbeklag-
ten (und damit auch die Zessionarin) sicher oder mit an Sicherheit grenzender 
Wahrscheinlichkeit nichts zu fordern hatten, ist – wie ebenfalls bereits ausgeführt 
(oben E. 5.1 und 5.2) – aus Rechtsgründen anzunehmen, weil durch die "Umman-
telung" des schon seit Jahren bei der I._____ deponierten Vermögens der Zeden-
ten weder neue Kundschaft noch neues Geld zugeführt wurde, was die Voraus-
setzung für die Bezahlung von Finder's Fees wäre. 

6.4.4. In Bezug auf das Begehren, sämtliche vom Berufungsbeklagten getätigten 
Bezüge und weitere erhaltene Vermögenswerte samt deren Verwendung offen zu 
legen, kann dieses nur noch die bestrittenen Finder's Fees betreffen. Angesichts 
des ausserordentlich weit gefassten Begehrens, inkl. private Unterlagen (act. A.1 
Rz. 21 und 23), das der an Sicherheit grenzenden Unwahrscheinlichkeit der Aus-
richtung von Finder's Fees für eine längst bestehende Kundenbeziehung mit im 

24 / 27

Wesentlichen gleichem Vermögen gegenübersteht, entfällt der an sich bestehende 
Vorrang der Interessen der Berufungsklägerin als Rechtsnachfolgerin der Auftrag-
geber im konkreten Fall. Eine Verpflichtung zur Herausgabe wäre hier nicht ver-
hältnismässig und ist angesichts der konkreten Umstände zu verneinen, womit 
diesbezüglich ebenfalls ein Nichteintretensentscheid zu fällen ist. Ob es – wie der 
Berufungsbeklagte behauptet – zutrifft, dass Bestätigungen der Banken über aus-
bezahlte Retrozessionen zusätzlich auch belegen, dass keine weiteren vergleich-
baren Entschädigungen an den Berufungsbeklagten geflossen sind (Vollständig-
keitserklärung; act. A.2 Rz. 5 lit. c), muss deshalb nicht geklärt werden. 

6.5. Der Vollständigkeit halber sei abschliessend noch auf den vom Berufungs-
beklagten erhobenen Einwand eingegangen, wonach er bereits im Jahr 2012 
sämtliche Unterlagen betreffend den Geschäftsverkehr mit der I._____ herausge-
geben und damit seine Rechenschaftspflicht erfüllt habe. 

6.5.1. So führte der Berufungsbeklagte in der Klageantwort aus, er habe zunächst 
Anfang 2012 sämtliche Unterlagen (vor allem Kontoauszüge, Gutschrifts- und Be-
lastungsanzeigen der Bank, Vermögensverzeichnisse am Jahresende etc.) dem 
Steueranwalt der Zedenten übermittelt (RG act. I.2 Rz. 17). Sodann habe er auf 
Anfrage der Zedentin im Juni 2012, da er über die Unterlagen nicht mehr verfügt 
habe, nochmals die umfassende Bankdokumentation (Kontoauszüge zweier 
Bankbeziehungen, Depotauszüge Wertschriftendepot, Belege betreffend Dividen-
denzahlungen, Zinsabrechnungen, Fondsausschüttungen, Gebührenabrechnun-
gen, Kontoeröffnungs-Unterlagen, Vollmachten etc.) bei der I._____ AG in Zürich 
angefordert, wofür die Bank den Zedenten eine Gebühr von CHF 2'000.00 belastet 
habe. Er – der Berufungsbeklagte – habe die von der I._____ AG erhaltenen Un-
terlagen in der Folge der Zedentin weitergeleitet (RG act. I.2 Rz. 18). Was die ers-
te Übermittlung an den deutschen Steueranwalt betrifft, beschränkte sich die Beru-
fungsklägerin in der Replik darauf, die Behauptungen des Berufungsbeklagten zu 
bestreiten. Mit dem Fax-Protokoll in BB 16 sei nicht belegt, so die Berufungskläge-
rin, dass das Dossier mit angeblich 514 Kopien an Dr. Q._____ übermittelt worden 
sei (RG act. I.3 Rz. 37). Die zweite Herausgabe an die Zedenten persönlich wurde 
von der Berufungsklägerin in der Replik ebenfalls in Abrede gestellt. Diesbezüglich 
führte sie aus, die Zedenten hätten "von Herrn Dr. Q._____ ausschliesslich eine 
CD mit ihrer Akte – welche aber nicht vollständig ist – erhalten" (RG act. I.3 Rz. 
38), was implizit bedeutet, dass der Rechtsvertreter Dr. Q._____ immerhin in Be-
sitz eines Teils der Bankunterlagen gelangt war. Abgesehen davon hielt die Beru-
fungsklägerin lediglich fest, die Zedenten hätten vom Berufungsbeklagten nie phy-
sische bzw. Unterlagen in Papierform erhalten. Es obliege dem Berufungsbeklag-

25 / 27

ten, mittels Postbeleg nachzuweisen, dass dieser die Akten übersandt habe (RG 
act. I.3 Rz. 38). Zur Post-Quittung vom 3. September 2012, die der Berufungsbe-
klagte daraufhin mit der Duplik einreichte, um die Zustellung der Bankunterlagen 
an die Zedenten zu belegen (RG act. I.4 Rz. 21; RG act. III.32), äusserte sich die 
Berufungsklägerin nicht (vgl. RG act. VII.2 S. 2 und 4).

6.5.2. Solch pauschale Bestreitungen, wie sie die Berufungsklägerin vor erster 
Instanz erhoben hat, genügen nicht: Als Ausgangspunkt unbestritten und überdies 
belegt (vgl. RG act. III.16) sind Fax-Übermittlungen von insgesamt 514 Seiten vom 
Berufungsbeklagten an den deutschen Steueranwalt Dr. Q._____ Anfang des Jah-
res 2012. Ebenfalls unbestritten ist, dass diese Übermittlungen das Vermögen bei 
der I._____ betrafen, das der Berufungsbeklagte für die Zedenten verwaltete. 
Wenn die Zustellung einer Sendung bewiesen ist, greift nach der Rechtsprechung 
die Vermutung, dass die Sendung das streitige Schriftstück tatsächlich enthalten 
hat. Diese Vermutung kann vom Empfänger zwar umgestossen werden 
(BGE 124 V 400 E. 2c). Hierzu bedarf es jedoch konkreter Anhaltspunkte, die 
Zweifel wecken. Andernfalls ist der Einwand, die zugestellte Sendung habe das 
fragliche Schriftstück nicht enthalten, nicht zu hören (BGer 4D_84/2007 v. 
11.3.2008 E. 2). Dieser Grundsatz wurde im Zusammenhang mit gerichtlichen Zu-
stellungen entwickelt. Aufgrund der identischen Interessenlage rechtfertigt es sich 
jedoch, ihn auch im Rechtsverkehr zwischen Privaten anzuwenden. Die Beru-
fungsklägerin hätte sich demnach nicht mit einer pauschalen Bestreitung begnü-
gen dürfen, sondern substantiiert darlegen müssen, inwiefern die Fax-
Übermittlungen an den deutschen Steueranwalt unvollständig waren. Dies gilt um-
so mehr, als der Berufungsbeklagte in seinen persönlichen Notizen, die er damals 
erstellte, wiederholt die Zustellung sämtlicher Unterlagen vermerkte (vgl. RG 
act. VIII.3.2). So hielt er am 9. März 2012 fest: "Austausch mit Dr. Q._____ und 
Frau P._____ zwecks Übersendung aller steuerrelevanten Bankkorrespondenzen 
der Eheleute G./H._____. Erste Auszüge via Fax." In einer weiteren Aktennotiz 
vermerkte der Berufungsbeklagte: "1. Juni 2012, Telefon von Frau H. Sie wünscht 
nochmals die gesamte Bankdokumentation der I._____ teilt mit, dass dies jetzt 
Kosten verursache, teilt mit, dass CHF 2'000.- zu Gunsten [sic] deren Konto ge-
zahlt werden muss. Die Einzahlung erfolgt am 5.6.12. Die Dokumente für die Be-
ziehung Nr. _____ und die Beziehung _____ werden geliefert. (Termin ca. 2Wo-
chen)". Dieser Aktennotiz angehängt ist ein Kassenbeleg der I._____ in R._____, 
der eine Einzahlung von CHF 2'000.00 zugunsten des "S._____", Valutadatum 
5. Juni 2012, bestätigt. Diese Urkunden, die der Berufungsbeklagte lange vor der 
Beendigung der Geschäftsbeziehung und der vorliegenden Auseinandersetzung in 
seinem persönlichen Rapport sammelte, bestätigen seine Behauptung, wonach er 

26 / 27

schon im Jahr 2012 zwei Mal die gesamte Bankdokumentation den Zedenten zur 
Verfügung stellte. Es ist denn auch plausibel, dass die Zedenten und der von ih-
nen mandatierte deutsche Steueranwalt sämtliche Bankdokumente einsehen woll-
ten, um im laufenden Steuerstrafverfahren die Interessen zu wahren. Jedenfalls 
bestehen mit Blick auf die Vorbringen der Parteien in ihren Rechtsschriften und die 
eingereichten Urkunden keine konkreten Hinweise, dass der Berufungsbeklagte 
im Jahr 2012 nicht das gesamte Dossier der I._____ den Zedenten und ihrem 
Rechtsvertreter zustellte. Im Ergebnis ist somit davon auszugehen, dass der Beru-
fungsbeklagte seine Rechenschaftspflicht, zumindest was die I._____ betrifft, be-
reits zum damaligen Zeitpunkt erfüllte, so dass die Berufungsklägerin sie wieder-
um mangels Rechtsschutzinteresses nicht erneut geltend machen kann. 

7. Fazit

7.1. Soweit die Vorinstanz zu Unrecht angenommen hat, der Informationsan-
spruch sei gegenstandlos geworden, weil der materiell-rechtliche Informationsan-
spruch der Berufungsklägerin vollumfänglich erfüllt sei, ist die Berufung gutzuheis-
sen. Zu prüfen ist dann allerdings weiter, ob bezogen auf die Klage der Stufe 1 
das erforderliche Rechtsschutzinteresse vorliegt, was zu verneinen ist. Die ver-
langte Prüfung der Begründetheit des Auskunftsanspruches ist daher nicht durch-
zuführen, sondern auf die Klage in der Stufe 1 ist, soweit sie nicht gegenstandslos 
geworden ist, nicht einzutreten. 

7.2. Das Berufungsverfahren zum Entscheid der Stufe 2 (Klage auf Verpflich-
tung zur Erstattung von Bezügen im Zusammenhang mit dem Vermögensverwal-
tungsauftrag) ist i.S.v. Art. 125 ZPO zu sistieren, bis die Frist für ein Rechtsmittel 
gegen Dispositiv-Ziff. 1 des vorliegenden Entscheides abgelaufen oder ein allfälli-
ges Rechtsmittel erledigt ist (vgl. Bopp/Bessenich, a.a.O., N 5 zu Art. 85 ZPO; 
BGE 123 III 140 E. 2c).

7.3. Die prozessualen Anträge des Berufungsbeklagten auf Durchführung einer 
mündlichen Berufungsverhandlung und der Einvernahme einer Zeugin werden mit 
Blick auf die Klage der Stufe 2 nach Aufhebung der Sistierung behandelt.  

7.4. Über die Kosten- und Entschädigungsfolgen ist im Zusammenhang mit der 
Behandlung der Stufe 2 für beide Stufen zu entscheiden (Art. 104 Abs. 1 ZPO). 
Gleiches gilt für die Anschlussberufung, die einzig die erstinstanzlichen Kosten- 
und Entschädigungsfolgen betrifft und ebenfalls nach Aufhebung der Sistierung zu 
behandeln ist.

27 / 27

Demnach wird erkannt:

1. In teilweiser Gutheissung der Berufung wird Dispositiv-Ziffer 1 (Rechen-
schaftsablegung und Herausgabe von Dokumenten, Stufe 1 der Klage) des 
Entscheids des Regionalgerichts Maloja vom 4. Dezember 2018 aufgeho-
ben und durch folgende Fassung ersetzt:

"Auf das Begehren der A._____ AG auf umfassende Rechenschaftsable-
gung und Herausgabe sämtlicher Aufzeichnungen, Bücher und Belege im 
Zusammenhang mit der Verwaltung des Vermögens durch B._____ für die 
Zedenten G./H._____ wird nicht eingetreten, soweit es nicht als gegen-
standslos abzuschreiben ist." 

2. Das Berufungsverfahren bezüglich Dispositiv-Ziffer 2 (Erstattung der Dritt-
vergütungen, Stufe 2 der Klage) und bezüglich Dispositiv-Ziffer 3 und 4 
(Prozesskosten) des Entscheids des Regionalgerichts Maloja vom 4. De-
zember 2018 wird nach Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. nach Erledigung 
eines allfälligen Rechtsmittels gegen das vorliegende Teilurteil weiterge-
führt. 

3. Die Kosten des bisherigen Berufungsverfahrens bleiben bei der Prozedur. 

4. Gegen diese, einen Streitwert von mindestens CHF 30'000.00 betreffende 
Entscheidung kann gemäss Art. 72, Art. 74 Abs. 1 lit. b BGG Beschwerde in 
Zivilsachen an das Schweizerische Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, ge-
führt werden. Die Beschwerde ist dem Bundesgericht schriftlich, innert 
30 Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in 
der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die 
Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen 
und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 72 ff. und Art. 90 
ff. BGG.

5. Mitteilung an: