# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 63577985-f0aa-56d3-87c9-58f634c57348
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-08-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.08.2023 E-3827/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3827-2023_2023-08-30.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3827/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 0 .  A u g u s t  2 0 2 3    

Besetzung 
 Einzelrichter Lorenz Noli, 

mit Zustimmung von Richter David R. Wenger,   

Gerichtsschreiber Daniel Merkli. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei,   

vertreten durch Marek Wieruszewski, Solidaritätsnetz Bern, 

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 9. Juni 2023 / N (…). 

 

 

 

E-3827/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 29. März 2023 in der Schweiz um Asyl 

nach. Er wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region Bern zugewie-

sen.  

B.  

Zur Begründung seines Asylgesuches machte er im Rahmen der Anhörung 

vom 1. Juni 2023 im Wesentlichen geltend, er sei ethnischer Kurde und 

stammte aus B._______, wo er mit Unterbrüchen bis zu seiner Ausreise 

zuerst mit seinen Eltern und Geschwistern und danach mit seiner eigenen 

Familie gewohnt habe. Er habe die Schule von 1977 bis 1984 besucht und 

habe danach zuerst in einer Apotheke gearbeitet. Von 1996 bis 1999 sei er 

als Präsident der Jugendflügels der HADEP (türkisch: Halkrn Demokrasi 

Partisi, Partei der Demokratie des Volkes, kurdisch: Partiya Demokrasiya 

Gel) beziehungsweise der späteren HDP Partei (türkisch: Halklann Demo-

kratik, Demokratische Partei der Völker, kurdisch: Partiya Demokratik a Ge-

lan) der B._______ tätig gewesen. Von 1999 bis 2004 sei er in den Grossen 

Gemeinderat der Stadt Diyarbakir gewählt worden und habe sich dort für 

die HDP engagiert. Nach seiner Heirat sei er für die Partei als Bühnentech-

niker für Parteianlässe und kurdische Konzerte aktiv gewesen. Dabei sei 

er in der Türkei viel gereist, habe in Hotels übernachtet und sich 2012 für 

ein Konzert auch ungefähr eine Woche in C._______ in der Autonomen 

Region Kurdistan (ARK) im lrak aufgehalten. Während des Erdbebens An-

fang Februar 2023 sei sein Haus zerstört worden. Danach sei er mit seiner 

Familie in eine Mietwohnung in B._______ gezogen. 

Er habe seinen Heimatstaat verlassen, weil er nach dem Präsidium für den 

Jugendflügel der HADEP/HDP zwischen 1999 und 2000 drei Mal festge-

nommen worden sei. Unter dem Vorwurf, Mitglied bei einer terroristischen 

Organisation zu sein, sei ein Verfahren gegen ihn eingeleitet worden, in 

dem man ihn freigesprochen habe. In solchen Fällen würden Leute fichiert. 

Sie seien damals unter dem Vorwurf, Mitglied bei einer terroristischen Or-

ganisation zu sein, verhaftet worden. Später, als er als Bühnentechniker 

unterwegs gewesen sei, sei er oft von Sicherheitskräften angehalten, kon-

trolliert und beleidigt worden. Auch habe man ihn in der Nacht im Hotel in 

das Fahrzeug der Sicherheitskräfte mitgenommen und befragt. Diese Mit-

nahmen seien nicht dokumentiert. Im Jahr 2015 sei er ein weiteres Mal 

unter demselben Vorwurf festgenommen worden, was in einem Verfahren 

mit einem Freispruch gemündet habe. Die Sicherheitskräfte seien auch zu 

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Seite 3 

ihm nach Hause gekommen und hätten ihn schikaniert. Ebenfalls sei er 

von diesen behelligt worden, weil ein Onkel väterlicherseits und dessen 

Sohn aufgrund fälschlicher Anschuldigungen, dass diese Mitglieder bei der 

PKK seien, gegenwärtig in Haft seien. Seine Familie besitze im Dorf 

D._______ Ländereien und Rebberge. Da die Angehörigen des besagten 

Onkels in diesem Dorf lebten, sei seiner Familie der Zugang zu den Län-

dereien verwehrt. 2015 und 2022 habe er, um dem behördlichen Druck zu 

entgehen, eine Zeitlang bei seinen Brüdern in E._______ und F._______ 

gelebt. Dort sei er, weil nicht offiziell registriert, nicht behelligt worden. Die 

Schikanen hätten bei den letzten Wahlen kurz vor seiner Ausreise, als er 

für die Partei Hausbesuche für die Wahl in B._______ gemacht habe, zu-

genommen. Da «sein Gesicht den Behörden bekannt sei» hätten ihn des 

öfteren Angehörige der Sicherheitskräfte angehalten und dazu aufgefor-

dert, seine politischen Aktivitäten aufzugeben. Er befürchte, bei einer Rück-

kehr in den Heimatstaat verhaftet zu werden, weil Recep Tayyip Erdogan 

die Wahlen gewonnen habe und es gegenwärtig eine grosse Verhaftungs-

welle gebe. Ausserdem leide er an chronischen Krankheiten und bei einer 

Verhaftung und einem Gefängnisaufenthalt würden ihm die erforderlichen 

medizinischen Behandlungsmöglichkeiten verwehrt werden. Am 21. März 

2023 sei er zusammen mit seinem Cousin (N 812963) legal über den Luft-

weg von Istanbul nach Serbien und über verschiedene europäische Länder 

schliesslich illegal in die Schweiz eingereist. Seine Familie befinde sich ge-

genwärtig in B._______. In der Schweiz habe er einen Herzinfarkt erlitten. 

Seine Medikation (im Zusammenhang mit seiner Blutarmutskrankheit und 

seinem Bluthochdruck) sei neu eingestellt worden und es gehe ihm zurzeit 

gesundheitlich gut.  

C.  

Zum Nachweis seiner Identität und zur Stützung seiner Vorbringen reichte 

der Beschwerdeführer seinen Reisepass, ein Personenstandsregister, und 

mehrere Gerichtsdokumente, alle in Kopie, ein (u.a. Urteil des Staatssi-

cherheitsgerichts B._______ vom 7. März 2000, in dem er freigesprochen 

worden sei, Einstellungsverfügungen des Staatssicherheitsgerichte 

B._______ vom 22. April 1999 und der G._______ vom 19. November 

2015, Bestätigungsschreiben des H._______ vom 30. November 2022, 

dass er von 1999 bis 2004 Mitglied des Stadtrats gewesen sei, und des 

I._______ vom 2. Dezember 2004 zur Wahl in den Stadtrat von 1999 bis 

2004). 

D.  

Am 7. Juni 2023 wurde der damaligen Rechtsvertretung der 

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Seite 4 

Entscheidentwurf des SEM zur Stellungnahme zugestellt. Diese ging beim 

SEM am 8. Juni 2023 ein. 

E.  

Mit (gleichentags eröffneter) Verfügung vom 9. Juni 2023 verneinte die Vo-

rinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers (Dispositivzif-

fer 1) und lehnte sein Asylgesuch ab (Dispositivziffer 2). Gleichzeitig ord-

nete es die Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an (Dispositiv-

ziffer 3-5). Mit der Verfügung erhielt der Beschwerdeführer Einsicht in die 

Akten (Dispositivziffer 6). 

F.  

Gleichentags beendete die damalige Rechtsvertretung ihr Mandat. 

G.  

Mit Beschwerde vom 6. Juli 2023 beantragte der Beschwerdeführer (unter 

Einreichung mehrerer Bestätigungsschreiben) die Aufhebung der ange-

fochtenen Verfügung, die Erteilung des Flüchtlingsstatus und die Gewäh-

rung von Asyl, eventualiter der vorläufigen Aufnahme. In prozessualer Hin-

sicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

und die unentgeltliche Rechtsverbeiständung in der Person der unterzeich-

nenden Rechtsvertretung. 

H.  

Mit Schreiben vom 10. Juli 2023 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht 

den Eingang der Beschwerde und hielt fest, dass der Beschwerdeführer 

den Ausgang des Beschwerdeverfahrens in der Schweiz abwarten könne. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-

tig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

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Seite 5 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb das 

Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das 

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Seite 6 

Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaftma-

chen von Asylvorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt 

dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 

2015/3 E. 6.5.1, 2013/11 E. 5.1 und 2010/57 E. 2.3, je m.w.H.). 

5.  

5.1 In der angefochtenen Verfügung hielt das SEM fest, es verkenne nicht, 

dass der Beschwerdeführer wegen den geltend gemachten Vorbringen 

(Verfahren gegen ihn wegen des Vorwurfs der Mitgliedschaft bei einer ter-

roristischen Organisation zwischen 1999 und 2000 sowie 2015, Schikanen, 

Verhaftungen) Druck erlebt habe. Jedoch lasse sich daraus gesamthaft be-

trachtet keine objektiv begründete Furcht flüchtlingsrechtlichen Ausmasses 

ableiten. So sei den eingereichten Gerichtsakten zufolge aus den beiden 

Verfahren aus den Jahren zwischen 1999 und 2000 sowie 2015, als der 

Beschwerdeführer für wenige Tage inhaftiert gewesen sei, freigesprochen 

worden. Zudem laufe gegenwärtig kein Verfahren gegen ihn (vgl. A15 

F74f). Bei einem Freispruch beziehungsweise Einstellung der Strafunter-

suchung sei entgegen seiner Darlegung grundsätzlich davon auszugehen, 

dass diese Personen als strafrechtlich unbescholten gelten würden und in 

der zentralen Datenbank Genel Bilgi Toplama Sistemi (GBTS) kein Eintrag 

mehr bestehe. Diese Feststellungen würden damit unterstrichen, dass der 

Beschwerdeführer seinen Äusserungen zufolge ausser den Belästigungen, 

auf die im Weiteren noch eingegangen werde, keine Probleme mit den Be-

hörden gehabt habe. Zwar habe er angeblich das Präsidium des lokalen 

Jugendflügels innegehabt sowie sei er für 1999 bis 2OO4 in den Gemein-

derat von B._______ gewählt worden. Dieses politische Engagement liege 

jedoch viele Jahre zurück und stehe, wie die geltend gemachten beiden 

Verfahren, nicht im zeitlich engen Konnex mit der Ausreise. Was sein poli-

tisches Engagement im Zeitraum, als er als Bühnentechniker gearbeitet 

habe, betreffe, so seien Vorbehalte zum Ausmass der diesbezüglich gel-

tend gemachten behördlichen Schikanen anzubringen. Es werde zwar 

nicht bezweifelt, dass der Beschwerdeführer gewisse Schikanen erlebt 

habe, jedoch sei es ihm auch nach entsprechender Aufforderung nicht ge-

lungen, die geltend gemachten Razzien und nicht dokumentierten Verhaf-

tungen mit dem nötigen inneren Gehalt zu beschreiben. Die Razzien habe 

er als verbale Bedrohungen aufgrund seiner getätigten Hausbesuche in 

Verbindung mit den bevorstehenden Wahlen und nicht etwa als Haus-

durchsuchungen in seinem eigenen Heim dargestellt. Auch hätten die Ver-

haftungen nicht einem klaren zeitlichen und räumlichen Kontext gestan-

den, womit der diesbezügliche Sachvortrag aufgebauscht wirke (vgl. A15 

F86ff). Bei fehlender flüchtlingsrechtlicher Relevanz erübrige sich eine 

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vertiefte Glaubhaftigkeitsprüfung. Das SEM behält sich indes eine spätere 

Geltendmachung ausdrücklich vor. 

Angesichts des aktuellen politischen Engagements als Bühnentechniker 

verfüge der Beschwerdeführer im weiteren nicht über ein herausragendes 

politisches Profil und es lasse sich daraus nicht schliessen, dass er aus der 

Masse der politisch interessierten Bürger getreten sei. Hinzu komme, dass 

er keine Verbindungen zur PKK habe. Auf die explizite Frage, ob er sich in 

einer Grossstadt im Westen, beispielsweise in E._______ oder F._______ 

niederlassen könnte, habe er im Wesentlichen erwidert, dass dies nicht 

mögIich sei, weil er bei einer dortigen Anmeldung von den Behörden erneut 

behelligt würde. Jedoch seien die erlebten Schikanen nicht intensiv genug 

gewesen, um eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung zu begründen. 

Im Weiteren habe der Beschwerdeführer lediglich in allgemeiner Weise an-

gegeben, weil «sein Gesicht bekannt gewesen sei» und es gegenwärtig 

Verhaftungswellen aufgrund Erdogans Wahlsieg gebe, drohe ihm bei einer 

Rückkehr Verfolgung, ohne diese Furcht zu konkretisieren. Seinem Vor-

bringen, er werde bei einer Verhaftung keinen Zugang zu medizinischer 

Behandlung haben, sei deswegen die Grundlage entzogen. Abschliessend 

sei darauf zu verweisen, dass er bei der Ausreise am Flughafen in 

F._______ keine Probleme gehabt habe, was ebenfalls dagegenspreche, 

dass er flüchtlingsrechtlich relevante Nachteile zu erwarten habe. 

Hinsichtlich der weiteren Vorbringen, in der Türkei als Angehöriger der kur-

dischen Bevölkerung Benachteiligungen ausgesetzt zu sein, sei festzuhal-

ten, dass Angehörige der kurdischen Bevölkerung in der Türkei tatsächlich 

Schikanen und Benachteiligungen verschiedenster Art ausgesetzt sein 

könnten. Dabei handle es sich nicht um ernsthafte Nachteile im Sinne des 

Asylgesetzes, die einen Verbleib im Heimatland verunmöglichten oder un-

zumutbar erschwerten. Aus diesem Grund führe die allgemeine Situation, 

in der sich die kurdische Bevölkerung befinde, gemäss gefestigter Praxis 

für sich allein nicht zur Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft. Diese Ein-

schätzung gelte trotz der sich nach dem Putschversuch im Juli 2016 allge-

mein verschlechternden Menschenrechtslage in der Türkei, von der auch 

die Kurden, insbesondere im Südosten der Türkei, betroffen seien. Auch 

die im vorliegenden Fall geltend gemachten Schikanen reichten in ihrer 

lntensität nicht über die Nachteile hinaus, welche weite Teile der kurdischen 

Bevölkerung in der Türkei in ähnlicher Weise treffen könnten. 

5.2 Im Weiteren habe der Beschwerdeführer geltend gemacht, ein Onkel 

väterlicherseits und dessen Sohn seien wegen des (unbegründeten) 

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Verdachts, Verbindungen zur PKK zu haben, behördlich verfolgt worden. 

Weil deren Familien im Dorf D._______ lebten, könnten die dortigen Län-

dereien und Reben, welche der Familie des Beschwerdeführers gehörten, 

und im Grundbuch auf den Namen seines Bruders J._______ eingetragen 

seien, nicht mehr bestellt werden. Beim Dorfeingang habe es einen Armee-

posten, der die Zufahrt verwehre (vgl. A15 F82).  

Hierzu sei festzuhalten, dass sich die allgemeine Menschenrechtslage in 

der Türkei seit dem Wiederaufflammen der gewaltsamen Auseinanderset-

zungen zwischen staatlichen Sicherheitskräften und dem Umfeld der Kur-

dischen Arbeiterpartei (PKK) im Sommer 2015 im Südosten der Türkei und 

insbesondere seit dem Militärputschversuch vom 15. Juli 2016 wahrnehm-

bar verschlechtert habe. In spezifisch gelagerten Einzelfällen seien seit-

dem Fälle von Reflexverfolgungshandlungen durch türkische Behörden-

stellen bekannt geworden. Diese stünden insbesondere im Zusammen-

hang mit der behördlichen Suche nach Personen, die untergetaucht seien 

oder die sich im Ausland aufhielten und denen etwa ausgeprägte oppositi-

onelle beziehungsweise ausgeprägte exilpolitische Aktivitäten vorgeworfen  

oder die einer Nähe zur oder Mitgliedschaft bei der «Hizmet-Bewegung» 

des Predigers Fethullah Gülen («Gülen-Bewegung») bezichtigt würden. ln 

derartigen Fällen könne es vorkommen, dass die türkischen Behörden 

nahe Angehörige, namentlich Ehegatten, Eltern oder Geschwister, drang-

salierten, mit weiteren ernsthaften Nachteilen bedrohten und sie etwa auch 

an einer legalen Ausreise aus der Türkei hinderten, um deren unterge-

tauchten beziehungsweise sich im Ausland aufhaltenden Angehörigen 

dazu bewegen, sich den Behörden zu stellen beziehungsweise in die Tür-

kei zurückzukehren. Dennoch sei bis auf Weiteres auf die Prüfkriterien ab-

zustellen, die im Grundsatzurteil der früheren Asylrekurskommission im Zu-

sammenhang mit der Reflexverfolgung entwickelt worden seien, die auch 

vom Bundesverwaltungsgericht angewandt werden würden, und denen 

weiterhin Gültigkeit zukomme (Urteil der Asylrekurskommission vom 

8. September 2005, publiziert in EMARK 2005121, sowie Urteile des Bun-

desverwaltungsgerichts vom 25. Oktober 2010, E-6587/2007 und vom 

9. Mai 2018, E-624412016). Demgemäss erreichten erlittene oder zu be-

fürchtende Nachteile naher Angehöriger im Regelfall keine flüchtlingsrecht-

lich relevante lntensität. Das Bestehen einer begründeten Furcht vor einer 

flüchtlingsrechtlich relevanten Reflexverfolgung sei deshalb nur beim Vor-

liegen besonderer Umstände gegeben. Dies sei etwa der Fall, wenn die 

betreffende Person bereits diesbezügliche schwerwiegende Nachteile er-

litten habe, oder wenn die Behörden Anlass zur Vermutung hätten, dass 

diese mit dem Gesuchten in Kontakt stünden, oder beim Verdacht eigener 

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politischer Aktivitäten beziehungsweise Unterstützungshandlungen für 

eine illegale politische Organisation. Darüber hinaus müsse seitens der tür-

kischen Behörden aufgrund des spezifischen Profils und oben geschilder-

ten Umfelds der gesuchten Person ein ausgeprägtes lnteresse an deren 

Ergreifung und Festnahme bestehen. Demgegenüber bestehe gemäss 

den Erkenntnissen des SEM bei Angehörigen von bereits inhaftierten oder 

ehemals verfolgten Personen in aller Regel keine Gefahr, dass sie heute 

in der Türkei von Reflexverfolgungsmassnahmen betroffen würden. Zudem 

gelte es zu beachten, dass behördliche Nachforschungen gegenüber Fa-

milienangehörigen von politisch missliebigen Personen bezüglich ihrer 

lntensität in der Regel kein asylbeachtliches Ausmass annehmen würden. 

Vor diesem Hintergrund seien die geltend gemachten Angaben zu den Ver-

wandten des Beschwerdeführers einzelfallspezifisch zu würdigen. So sei, 

wie bereits ausgeführt, nicht von einem herausragenden politischen Profil 

des Beschwerdeführers auszugehen und ausser Schikanen habe der Be-

schwerdeführer keine Probleme mit den Behörden gehabt. Die Sichtung 

des Dossiers des Cousins habe ergeben, dass sich dieser im laufenden 

Asylverfahren befinde und sich dessen Vorbringen von denjenigen des Be-

schwerdeführers deutlich unterschieden. Es bestehe kein direkter Konnex 

zu den Vorbringen des Beschwerdeführers und damit auch keine begrün-

dete Furcht vor künftiger Reflexverfolgung. 

5.3 In der Stellungnahme zum Entscheidentwurf habe die Rechtsvertre-

tung ausgeführt, das SEM habe nach ihrer Ansicht den Einzelfall nicht ge-

nügend abgeklärt und sich bloss in allgemeinen Ausführungen geäussert. 

Die Verhaftungswellen hätten bereits zugenommen und der Cousin, der 

vor zwei Tagen heimgereist sei, sei am Flughaften direkt inhaftiert worden. 

Sie wüssten nicht warum, da man in der Türkei während der Untersu-

chungshaft keinen Anwalt bekomme. Der Beschwerdeführer sei aber da-

bei, Belege dafür einzureichen. Zudem sei die Polizei nun bei ihm zu Hause 

vorbeigekommen und habe sich nach ihm erkundigt. Deshalb sei seine 

Furcht, verhaftet zu werden, sehr wohl objektiv begründbar. Dieser Darle-

gung sei entgegenzuhalten, dass das SEM vorliegend sehr wohl eine 

gründliche Einzelfallabklärung vorgenommen habe und dem Beschwerde-

führer an der Anhörung Gelegenheit gegeben habe, seine Fluchtgründe zu 

substantiieren. Was die angebliche Verhaftung des Cousins betreffe, so 

könne es durchaus sein, dass Personen am Flughafen angehalten und be-

fragt würden. Weder lasse sich daraus ein Gefährdungsprofil für den Be-

schwerdeführer oder den Cousin ableiten, noch sei daraus ein Konnex zum 

Beschwerdeführer abzuleiten, welcher in eine objektiv begründete Furcht 

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Seite 10 

vor einer möglichen Reflexverfolgung münden könnte. Den vermeintlichen 

Hausbesuch der Polizei habe der Beschwerdeführer weder detailliert aus-

geführt, noch die Beweggründe der Polizei für diese Suche konkretisiert, 

womit dieses neue Element dem nötigen inneren Gehalt entbehre und als 

nachgeschoben zu werten sei. Bei Wahrunterstellung wiese dieser Um-

stand ohnehin nicht die nötige flüchtlingsrechtlich relevante Intensität auf. 

6.  

In der Beschwerde wurde im Wesentlichen geltend gemacht, der Be-

schwerdeführer sei nachweislich bereits vor seiner Ausreise im Heimat-

staat verfolgt worden und müsse befürchten, bei einer Rückkehr in die Tür-

kei erneut Verfolgung ausgesetzt zu sein. Nur weil die Verhaftungen mit 

einem Freispruch geendet hätten, seien sie nicht legitim. Die Verhaftungen 

des Beschwerdeführers bestätigten dessen politisches Profil. Er sei bei der 

HDP nicht nur als Bühnentechniker tätig gewesen, sondern habe für die 

HDP auch Hausbesuche gemacht und sei ausserdem Mitglied der Partei 

und Präsident des Jugendflügels gewesen. Die rege politische Tätigkeit 

des Beschwerdeführers werde von verschiedenen Politikern in ihren 

Schreiben bestätigt, so von K._______, dem L._______ (Kurdisch demo-

kratische Gesellschaft Schweiz), der in seinem Schreiben festhalte, dass 

der Beschwerdeführer wegen drohender Verhaftung habe flüchten müs-

sen. Auch weitere, ehemalige Parteimitglieder bestätigten die politischen 

Aktivitäten des Beschwerdeführers und der daraus entstandenen behörd-

lichen Behelligungen. Bereits die Tatsache, dass der Beschwerdeführer 

solchen Kontakt zu Oppositionellen habe, beweise, dass die politische 

Rolle des Beschwerdeführers über diejenige eines normalen Parteimitglie-

des hinausgehe. Aufgrund des willkürlichen Verhaltens der türkischen Be-

hörden müsse der Beschwerdeführer zu jedem Zeitpunkt mit seiner Ver-

haftung rechnen. Dies habe einen unerträglichen psychischen Druck auf 

den Beschwerdeführer zur Folge. Nach dem Wahlsieg von Erdogan habe 

sich die Situation verschärft.  

7.  

7.1  

Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum 

Schluss, dass die angefochtene Verfügung zu stützen ist. Das SEM ist da-

rin mit ausführlicher und überzeugender Begründung zum Schluss gelangt, 

dass die Vorbringen des Beschwerdeführers die Voraussetzungen von 

Art. 7 AsylG nicht erfüllt. Mit seiner Beschwerdeeingabe – welche sich im 

Wesentlichen in pauschalen Gegenbehauptungen erschöpft – vermag der 

Beschwerdeführer nichts darzutun, was zu einer anderen Einschätzung 

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Seite 11 

führen könnte. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann daher – mit den 

nachfolgenden Ergänzungen – vollständig auf die zutreffenden Erwägun-

gen der Vorinstanz gemäss obiger Zusammenfassung (vgl. E. 5.1- E. 5.2) 

verwiesen werden. 

7.2 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer zwar 

wegen den geltend gemachten Vorbringen (Verfahren gegen ihn wegen 

des Vorwurfs der Mitgliedschaft bei einer terroristischen Organisation zwi-

schen 1999 und 2000 sowie 2015, Schikanen, Verhaftungen) behördlichen 

Druck erlebt hat. Indessen wurde er gemäss den eingereichten Gerichts-

akten in den beiden Verfahren aus den Jahren zwischen 1999 und 2000 

sowie 2015, als er für wenige Tage inhaftiert war, freigesprochen und es ist 

zum heutigen Zeitpunkt kein Verfahren gegen ihn aktenkundig. Das politi-

sche Profil des Beschwerdeführers ist als gering einzustufen und die erleb-

ten Schikanen sind nicht intensiv genug, um eine flüchtlingsrechtlich rele-

vante Verfolgung zu begründen. Auch die allgemeine Situation, in der sich 

die kurdische Bevölkerung befindet, führt gemäss gefestigter Praxis für 

sich allein nicht zur Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft. Diese Ein-

schätzung gilt trotz der sich nach dem Putschversuch im Juli 2016 allge-

mein verschlechternden Menschenrechtslage in der Türkei, von der auch 

die Kurden, insbesondere im Südosten der Türkei, betroffen sind. Wie die 

Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, besteht auch keine begründete 

Furcht vor künftiger Reflexverfolgung. An der Einschätzung der fehlenden 

begründeten Furcht vor Verfolgung vermögen die auf Beschwerdeebene 

eingereichten Schreiben von angeblichen Oppositionellen, in denen in 

bloss pauschaler Weise von der Gefahr des Beschwerdeführers vor Ver-

folgung aufgrund seiner politischen Tätigkeit berichtet wird, aufgrund der 

naheliegenden Möglichkeit, dass es sich bloss um Gefälligkeitsschreiben 

handelt, nichts zu ändern. Aufgrund der fehlenden begründeten Furcht vor 

Verhaftung bedarf auch das pauschale Vorbringen, in Haft allfällig medizi-

nisch ungenügend behandelt zu werden, nicht näherer Erörterung. 

7.3 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass das SEM zu Recht die 

Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und dessen Asyl-

gesuch abgewiesen hat. 

8.  

8.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es nicht darauf ein, 

so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

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Seite 12 

8.2 Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung 

aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht ein-

tritt. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 

2013/37 E.44; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.3 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die 

Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration [AIG, SR 142.20]). 

8.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn Verpflichtungen der Schweiz ei-

ner Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Her-

kunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, 

Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-

dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder 

Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der 

Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung 

unterworfen werden. 

Die Vorinstanz wies in der der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf 

hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-

sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-

schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-

dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den 

Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 

noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-

schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-

ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung 

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Seite 13 

ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men-

schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste 

der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder 

glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-

menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-

gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 

m.w.H.).  

8.3.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und  

medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefähr-

dung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläu-

fige Aufnahme zu gewähren. 

Das SEM begründete die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs damit, 

dass weder die allgemeine Lage im Heimatstaat noch individuelle Faktoren 

gegen die Zumutbarkeit sprächen. Namentlich nach der Niederschlagung 

des Militärputschversuches vom 15./16. Juli 2016 herrsche in der Türkei 

keine landesweite Situation allgemeiner Gewalt im Sinne von Art. 83 Abs. 

4 AIG, die einen Wegweisungsvollzug in die Türkei als unzumutbar erschei-

nen lassen würde.  

Anfang Februar 2023 hätten schwere Erdbeben im Südosten von Türkiye 

zur Zerstörung weiter Teile der lnfrastruktur geführt. ln der Folge habe der 

türkische Präsident Erdogan den Ausnahmezustand in den elf betroffenen 

Provinzen (Kahramanmaras, Hatay, Gaziantep, Osmaniye, Malatya, Adi-

yaman, Adana, Diyarbakir, Kilis, Sanliurfa und Elazig) ausgerufen. Ein 

Wegweisungsvollzug in diese Provinzen sei deshalb im Sinne von Art. 83 

Abs.4 AlG zurzeit als generell unzumutbar zu erachten. 

Der Beschwerdeführer stamme aus der Provinz B._______, über die der 

Ausnahmezustand verhängt worden sei. Ein Wegweisungsvollzug dorthin 

sei als unzumutbar zu erachten. Aus diesem Grunde sei das Bestehen ei-

ner individuell zumutbaren innerstaatlichen Aufenthaltsalternative aus-

serhalb der oben genannten Provinzen zu prüfen.  

Der Beschwerdeführer habe eine angemessene Schulbildung genossen, 

verfüge über langjährige Berufserfahrung und habe ein weitläufiges, trag-

fähiges Beziehungsnetz von Geschwistern und Verwandten, welche mehr-

heitlich berufstätig seien. Dem Beschwerdeführer sei eine beachtliche 

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Autonomie zuzuschreiben, da er gemäss eigenen Angaben für seine Arbeit 

als Bühnentechniker in der ganzen Türkei unterwegs sei und in vielen Städ-

ten in einem mobilen Team gearbeitet habe. Es sei davon auszugehen, 

dass er dieser Arbeit auch aus dem Westen der Türkei nachgehen könne. 

Der Beschwerdeführer habe über längere Zeit bei seinen Brüdern in 

E._______ und F._______ gelebt, womit es ihm unbenommen sei, sich 

beispielsweise in diesen Städten bei seinen Brüdern niederzulassen.  

Nach eigenen Angaben sei es dem Beschwerdeführer vor der Ausreise fi-

nanziell gut gegangen. Seiner Ehefrau und den Kindern sei es unbenom-

men dem Beschwerdeführer nachzufolgen. Eine innerstaatliche Aufent-

haltsalternative sei folglich gegeben. 

Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, er habe gesundheitliche 

Probleme. Er habe in der Schweiz einen Herzinfarkt erlitten und leide an 

der Blutarmutskrankheit Thalassämie und an Bluthochdruck. In den medi-

zinischen Unterlagen seien entgegen der Aussage des Beschwerdeführers 

keine Hinweise auf einen erlittenen Herzinfarkt vorhanden. Ohnehin sei der 

Beschwerdeführer in der Türkei hinsichtlich der genannten Krankheiten be-

handelt worden. Der Aussage des Beschwerdeführers, wonach er die Be-

handlung in der Türkei teilweise selber habe bezahlen müssen, sei entge-

genzuhalten, dass die 2012 neu eingeführte obligatorische «allgemeine 

Krankenversicherung» (Genel Saglik Sigortasi) zwar prämienpflichtig sei, 

der Zugang zu medizinischen Leistungen jedoch auch für Personen ge-

währleistet sei, die nicht über genügend finanzielle Mittel verfügten, um die 

Prämien zu bezahlen. Sofern der Beschwerdeführer nicht bei einer Sozial-

versicherungsinstitution versichert sei und sein Einkommen eine be-

stimmte Höhe nicht übersteige, könne er die Übernahme der Behandlungs-

kosten bei der zuständigen Behörde beantragen. Die medizinische Ge-

sundheitsversorgung sei in der Türkei gewährleistet und entspreche grund-

sätzlich westeuropäischen Standards. Es sei deshalb davon auszugehen, 

dass die geltend gemachten medizinischen Probleme im Heimatstaat wei-

terhin behandelbar seien. 

Beim Beschwerdeführer sei nicht von einer raschen und lebensgefährden-

den Beeinträchtigung seines Gesundheitszustandes auszugehen. Eine ab-

schliessende Diagnose des Gesundheitszustands sei vorliegend nicht er-

forderlich, da diese angesichts der guten medizinischen Versorgung im 

Heimatstaat auch dort erstellt werden könne (vgl. Urteil des BVGer E-

5943/2019 vom 21. November 2019 E.4.3). Aufgrund der Aktenlage könne 

daher in antizipierender Beweiswürdigung auf weitere Abklärungen zu den 

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Seite 15 

medizinischen Vorbringen verzichtet werden, da sie nicht geeignet wären, 

den Ausgang des Verfahrens zu ändern. Das SEM erachte somit den 

rechtserheblichen Sachverhalt im Sinne der gesetzlichen Grundlagen als 

erstellt (Art. 12 VwVG und Art. 6 AsylG). Es steht dem Beschwerdeführer 

zudem frei, bei der kantonalen Rückkehrberatungsstelle medizinische 

Rückkehrhilfe zu beantragen (Art. 93 AsylG). Diese könne durch die Ab-

gabe von Medikamenten, Hilfe bei der Ausreiseorganisation oder durch 

Unterstützung während und nach der Rückkehr gewährt werden.  

Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich dieser Einschätzung an. So-

mit ist der Vollzug der Wegweisung auch zumutbar. 

8.3.3 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr allenfalls notwen-

digen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu 

auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als 

möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

8.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass 

seine Begehren von vornherein aussichtslos waren. Damit ist eine der ku-

mulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht gegeben, weshalb den Ge-

suchen nicht stattzugeben ist. Aus demselben Grund kann auch dem Ge-

such um unentgeltliche Rechtsverbeiständung nicht stattgegeben werden. 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1–

3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-

gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) somit 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG.) 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 16 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und amtliche Rechtsver-

beiständung werden abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Lorenz Noli Daniel Merkli 

 

 

Versand: