# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d0de0a1f-8fa5-536c-a941-38a51e0115b0
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-08-24
**Language:** de
**Title:** Einschätzung für die Steuerperiode 1.1. - 31.12.2007 und
Direkte Bundessteuer für die Steuerperiode 1.1. - 31.12.2007
**Docket/Reference:** ST.2010.158
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_ST_2010_158_gd.pdf

## Full Text

STEUERREKURSKOMMISSION I 
DES KANTONS ZÜRICH 

1 ST.2010.158 
1 DB.2010.113 

Entscheid 

24. August 2010 

Mitwirkend: 

Vizepräsident Michael Ochsner, Mitglied Anton Tobler, Ersatzmitglied Walter Balsiger 
und Sekretärin Barbara Müller 

A ,    

In Sachen 

gegen 

Rekurrentin/ 
Beschwerdeführerin,  

1.  S t a a t   Z ü r i c h ,    

2.  S c h w e i z e r i s c h e   E i d g e n o s s e n s c h a f t ,    

Rekursgegner,  

Beschwerdegegnerin,  

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Dienstleistungen,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

betreffend 

Einschätzung für die Steuerperiode 1.1. - 31.12.2007 und  
Direkte Bundessteuer für die Steuerperiode 1.1. - 31.12.2007 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 2 - 

hat sich ergeben: 

A.  Die  A  (nachfolgend  die  Pflichtige)  mit  Sitz  in  B  bezweckt  die  Übernahme 

von Kontrollstellmandaten, Steuer- und Unternehmensberatung, Buchführung und alle 

in den Bereich einer Treuhand- und Revisionsgesellschaft fallenden Dienstleistungen. 

In der Bilanz per 31. Dezember 2007 führte sie zum ersten Mal ein Darlehen "C" in der 

Höhe  von  Fr.  141'559.-  auf,  worauf  sie  aufwandwirksam  ein  Delkredere  von 

Fr. 71'000.-  bildete.  Insgesamt  deklarierte  sie  für  die  Steuerperiode  1.1.  -  31.12.2007 

einen  steuerbaren  Reingewinn  von  Fr.  18'106.-  und  ein  steuerbares  Eigenkapital  von 

Fr. 278'000.-.  

Mit Auflagen vom 20. Oktober bzw. 20. November 2009 verlangte der Steuer-

kommissär  u.a.  einen  detaillierten  Nachweis  des  Darlehens  sowie  des  Delkrederes 

anhand  der  vollständigen  Buchungsbelege,  eine  Kopie  des  vollständigen  Darlehens-

vertrags sowie eine Begründung, weshalb das Darlehen im selben Jahr um 50% abge-

schrieben  wurde,  unter  Beilage  von  beweiskräftigen  Unterlagen.  Die  Pflichtige  führte 

darauf  am  15.  Dezember  2009  aus,  sie  habe  das  Darlehen  am  12.  Juli  2007  einem 

Klienten zu einem Zins von 10% gewährt; es habe im selben Jahr zurückbezahlt wer-

den müssen, was aber bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht erfolgt sei. Es sei des-

halb wertberichtigt worden. Ein schriftlicher Darlehensvertrag bestehe nicht. Der Steu-

erkommissär  mahnte  am  26.  Januar  2010  seine  Auflagen.  Am  18.  Februar  2010 

machte die Pflichtige weitere Ausführungen.  

Am 3. März 2010 schätzte der Steuerkommissär die Pflichtige für die Staats- 

und Gemeindesteuern bzw. direkten Bundessteuern 1.1. - 31.12.2007 mit einem steu-

erbaren  Reingewinn  von  Fr.  89'100.-  und  einem  steuerbaren  Eigenkapital  von 

Fr. 208'000.-  bzw.  Eigenkapital  von  Fr.  208'025.-  ein.  Dabei  rechnete er das  auf  dem 

Darlehen  vorgenommene  Delkredere  von  Fr.  71'000.-  beim  steuerbaren  Reingewinn 

als  verdeckte  Gewinnausschüttung  der  Pflichtigen  an  ihren  Hauptaktionär  D  auf  und 

reduzierte das steuerbare Eigenkapital um den Restwert des Darlehens.  Die Schluss-

rechnung/Veranlagungsverfügung direkte Bundessteuer wurde am 12. März 2010 ver-

sandt.  

1 ST.2010.158 
1 DB.2010.113 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 3 - 

B.  Hiergegen  erhob  die Pflichtige  am  5./6.  April  2010  je  Einsprache mit  dem 

Antrag,  sie  gemäss  Steuererklärung  einzuschätzen.  Das  kantonale  Steueramt  wies 

diese am 29. April 2010 ab.  

C. Mit Rekurs bzw. Beschwerde vom 31. Mai 2010 wiederholte die Pflichtige 

ihre Einspracheanträge. Bei C handle es sich um den Mehrheitsaktionär der E, zu wel-

cher 1998 bis 2004 eine geschäftliche Beziehung mit namhaften Umsätzen bestanden 

habe;  er  habe  von  dieser  in  der  Vergangenheit  verschiedene  Male  Darlehen  aufge-

nommen und wieder zurückbezahlt. Die E habe Verkaufslokale an den Grenzen Öster-

reichs zu Tschechien und der Slowakei beliefert. Weil einer dieser Shops vom slowaki-

schen  Staat  geschlossen  worden  sei,  habe  die  E  eine  Klage  gegen  diesen  anhängig 

gemacht. Da sich das Verfahren sehr in die Länge gezogen habe, habe C entschieden, 

die  Forderung  an  Dritte  abzutreten.  Zu  diesem  Zweck  habe  er  die  Pflichtige  um  ein 

Darlehen  ersucht,  damit  er  die  Forderung  auslösen  könne.  Damit  hätte  die  E  saniert 

und  die  Pflichtige  hätte  die  ausstehenden  Forderungen  in  Rechnung  stellen  können. 

Die  Pflichtige  habe  von  C  einen  Wechsel  als  Sicherheit  erhalten.  Aus  Gründen  der 

Vorsicht sei bei der Erstellung der Bilanz anfangs 2009 eine Wertberichtigung von 50% 

der Darlehensforderung verbucht worden, da sich C nicht mehr regelmässig gemeldet 

habe.  Mit  der  Bildung  des  Delkrederes  sei  aber  noch  keine  definitive  Abschreibung 

vorgenommen  worden.  Die  Gewährung  von  Darlehen  gehöre  im  Übrigen  auch  zum 

Geschäftsfeld der Pflichtigen. Es sei keine verdeckte Gewinnausschüttung erfolgt.  

Das  kantonale  Steueramt  schloss  am  16.  Juni  2010  auf  Abweisung  der 

Rechtsmittel. Die Eidgenössische Steuerverwaltung liess sich nicht vernehmen.  

Die Rekurskommission zieht in Erwägung: 

1. a)  Der  steuerbare  Reingewinn  einer  Kapitalgesellschaft  berechnet  sich 

nach § 64 Abs. 1 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) aufgrund des Saldos der 

Erfolgsrechnung  (Ziff. 1),  erhöht  um  die  der  Rechnung  belasteten,  geschäftsmässig 

nicht begründeten Aufwendungen, wie u.a. offene und verdeckte Gewinnausschüttun-

gen sowie geschäftsmässig nicht begründete Zuwendungen an Dritte (Ziff. 2 lit. e). Die 

1 ST.2010.158 
1 DB.2010.113 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 4 - 

gleiche Regel gilt bezüglich der direkten Bundessteuer (Art. 58 Abs. 1 lit. a und b des 

Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990, DBG). 

b) Geschäftsmässig begründet und damit gestützt auf § 64 Abs. 1 Ziff. 2 StG 

bzw.  Art. 58  Abs. 1  lit. b  DBG  vom  erzielten  Gewinn  absetzbar  sind  Aufwendungen 

dann,  wenn  sie  auf  Massnahmen  beruhen,  welche  die  Unternehmensleitung  in guten 

Treuen in Erfüllung des Gesellschaftszwecks getroffen hat. Zu diesen zählen nament-

lich  alle  Aufwendungen,  Wertverminderungen  und  Verluste,  deren  Vermeidung  der 

Unternehmung im Hinblick auf die Erfüllung ihres Gesellschaftszwecks nach den Um-

ständen  des  Einzelfalls  nicht  zumutbar  ist  (zum  alten  kantonalen  Recht:  Rei-

mann/Zuppinger/Schärrer, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. Band, 1969, § 45 

N 111; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Kommentar zum harmonisierten Zürcher Steu-

ergesetz,  2.  A.,  2006,  § 64  N  113;  Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Handkommentar 

zum  DBG,  2.  A.,  2009,  Art. 58  N 74).  Als  geschäftsmässig  nicht  begründet  werden  

dagegen  Aufwendungen  erachtet,  die  auf  ungewöhnlichen,  sachwidrigen,  absonderli-

chen  Gepflogenheiten  oder  auf  völlig  unangemessenen  Massnahmen  beruhen,  oder 

von  denen  anzunehmen  ist,  die  Gesellschaft  habe  damit  lediglich  Steuern  einsparen 

wollen,  die  bei  sachgemässer  Ordnung  der  Verhältnisse  geschuldet  wären  (Rei-

mann/Zuppinger/Schärrer, § 45 N 113). Demgegenüber ist es für die geschäftsmässige 

Begründetheit einer Aufwendung nicht erforderlich, dass sie für den Betrieb notwendig 

oder im Sinn einer rationellen und gewinnorientierten Betriebsführung zweckmässig ist. 

Ungeschickte  Dispositionen  sind  ebenso  hinzunehmen  wie  mangelnde  Rentabilität 

einer  Investition.  Anders  zu  entscheiden  hiesse,  in  die  unternehmerische  Entschei-

dungsfreiheit  des  Betriebs  einzugreifen,  was  nicht  Sache  der  Steuerbehörde  ist.  Es 

genügt, wenn der Betrieb und der damit verfolgte Zweck der Gewinnerzielung mit der 

Aufwendung in irgendeinem kausalen Zusammenhang steht, wobei dieser Zusammen-

hang  immerhin  sachlicher  Natur  sein  muss  (Kuhn/Brülisauer,  in:  Kommentar  zum 

Schweizerischen Steuerrecht, Band I/1, 2. A., 2002, Art. 24 N 56 ff. StHG). 

c) Auf eine verdeckte Gewinnausschüttung ist zu schliessen, wenn eine juris-

tische  Person,  sich  entreichernd,  ihren  Gesellschaftern oder  ihr  sonst  nahestehenden 

Personen, diese bereichernd, bewusst geldwerte Vorteile zuwendet, die sie unbeteilig-

ten Dritten nicht einräumen würde (RB 1985 Nr. 42 = StE 1985 B 72.13.22 Nr. 4; Rei-

mann/Zuppinger/Schärrer,  §  45  N  68  ff.).  Von  einer  "nahestehenden  Person"  ist  ge-

mäss  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  dann  zu  sprechen,  wenn  diese  von  der 

juristischen Person Leistungen erhält, welche nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge 

1 ST.2010.158 
1 DB.2010.113 

 
 
 
 
 
 
 
- 5 - 

nur einem Gesellschafter erbracht werden und die daher ihren Grund im Beteiligungs-

verhältnis  und  nicht  in  einem  Vertragsverhältnis  haben  (vgl.  ASA  51,  543).  Allgemein 

sind  es  natürliche  oder  juristische  Personen,  die  zum  beherrschenden  Gesellschafter 

wirtschaftliche  oder  persönliche  enge  Verbindungen  besitzen.  Dabei  begründet  der 

Umstand, dass der Dritte eine aussergewöhnliche Leistung empfängt, allein noch keine 

derartige  Verbindung  zum  Gesellschafter.  Vielmehr  ist  eine  zusätzliche,  objektiv  fest-

stellbare  Beziehung  zu  diesem  wie  Freundschaft,  Verwandtschaft,  geschäftliche  Be-

ziehung  etc.  erforderlich  (Brülisauer/Poltera,  in:  Kommentar  zum  Schweizerischen 

Steuerrecht,  Band  I/2a,  2.  A.,  Art. 58  N 120  ff  DBG;  Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, 

Art. 58 N 89 DBG und § 64 N 129 StG mit weiteren Hinweisen). 

Die  verdeckte  Gewinnausschüttung  kann  nicht  nur  in  einem  Wertzufluss  an 

den Gesellschafter oder eine ihm nahestehende Person liegen, sondern auch im Ver-

zicht  auf  einen  entsprechenden  Wertabfluss.  Eine  derartige  Vorteilszuwendung  wird 

insbesondere  angenommen,  wenn  eine  Gesellschaft  den  genannten  Personen  ohne 

betrieblichen Grund ein Darlehen gewährt im Bewusstsein, auf eine Rückzahlung allen-

falls  verzichten  zu  müssen  (StE  1990  B  24.4  Nr.  25).  Unter  solchen  Umständen  er-

scheint das hingegebene Darlehen als simuliertes, ungültiges Rechtsgeschäft (Art. 18 

Abs. 1 OR).  

Die  Rechtsprechung  hat  verschiedene  Indizien  entwickelt,  welche  auf  die  Si-

mulation eines zwischen Kapitalgesellschaft und Gesellschafter abgeschlossenen Dar-

lehensgeschäfts  schliessen  lassen  (ASA  53,  54  ff.;  StE  1989  B  24.4  Nr.  17;  André 

Rouiller, Geldwerte Leistungen in Form von Aktionärsdarlehen, ASA 55, 3 ff.; alle auch 

zum  Folgenden).  Einen  derartigen  Anhaltspunkt  bildet  insbesondere  die  Tatsache, 

dass  ein  Darlehen  ohne  angemessene  Sicherheit  geleistet  wird,  oder  der  Umstand, 

dass  ein  schriftlicher  Darlehensvertrag  über  Höhe,  Rückzahlung  und  Verzinsung  des 

Kredits fehlt. Die erwähnten Elemente stellen freilich bloss Teile der erforderlichen Ge-

samtbetrachtung des Einzelfalls dar. Diese hat grundsätzlich aus der Sicht im Zeitpunkt 

des  Vertragsabschlusses  bzw.  der  Hingabe des  Darlehensbetrags  zu erfolgen.  Dabei 

steht nach der neueren verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung im Vordergrund, ob 

die Gesellschaft einem unabhängigen Dritten unter den nämlichen Bedingungen eben-

falls  ein  ungesichertes  Darlehen  gewährt  hätte.  Ist  dies  auszuschliessen,  ist  davon 

auszugehen, die Darlehensgewährung bzw. -erhöhung entspreche nicht einem betrieb-

lichen Vorgang,  sondern  sei  im  Beteiligungsverhältnis  zwischen Gesellschaft  und An-

teilsinhaber begründet. 

1 ST.2010.158 
1 DB.2010.113 

 
 
 
 
 
 
 
- 6 - 

d)  Liegt  eine  verdeckte  Gewinnausschüttung  vor,  ist  die  steuerliche  Gewinn-

korrektur bei der leistenden Gesellschaft in jenem Zeitpunkt vorzunehmen, in welchem 

sich der Vorgang in ihren Büchern auf den Erfolg der Gesellschaft auswirkt (RB 1976 

Nr.  47;  Reimann/Zuppinger/Schärrer,  §  45  N  86  mit  Hinweisen).  Das  gilt  auch  dann, 

wenn sich ein Darlehenskontrakt im Ergebnis von Anfang an als simuliert erweist, weil 

etwa mit der Rückzahlung der Darlehenssumme aufgrund der gegebenen besonderen 

Verhältnisse  nicht  ernsthaft  gerechnet  werden  kann.  Diesfalls  hat  die  gebotene  er-

tragssteuerliche Aufrechnung bei der leistenden Gesellschaft somit erst im Moment der 

Verbuchung  einer Wertberichtigung  auf  dem  Guthaben  zu  erfolgen  (StE  1989  B  24.4 

Nr.  17  mit  Hinweisen;  StRK  I,  7.  November  1991,  I  28/1991;  Richner/Frei/Kauf-

mann/Meuter,  § 64  N 151  StG  sowie  Markus  Reich,  Verdeckte  Vorteilszuwendungen 

zwischen verbundenen Unternehmen, ASA 54, 621 f.). 

e) Macht die Steuerbehörde geltend, ein Hingabe eines Darlehens sei  einzig 

im Interesse des Aktionärs erfolgt, hat sie aufgrund ihrer Untersuchungen den steuer-

begründenden  Tatbestand  aufzuzeigen,  mithin  darzutun,  dass  eine  Leistung  der  Ge-

sellschaft  ganz  oder  teilweise  nicht  geschäftsmässig  begründet  sein  kann  (vgl.  StE 

1990  B  24.4.  Nr.  25;  vgl.  Reimann/Zuppinger/Schärrer,  §  45  N  82).  Dabei  dürfen  die 

Anforderungen an den Nachweis der Steuerbehörde naturgemäss nicht allzu hoch an-

gesetzt werden. Es genügt vielmehr, dass sie den behaupteten Sachverhalt glaubhaft 

macht  bzw.  dass  sich  dieser  in  sachgemässer  Würdigung  der  Verhältnisse  als  sehr 

wahrscheinlich erweist (vgl. StRK I, 16. Dezember 1991, R 148/90). Diesfalls obliegt es 

alsdann  der  steuerpflichtigen  Gesellschaft,  die  begründete  Vermutung  zu  entkräften 

und den Gegenbeweis für die geschäftsmässige Begründetheit der streitigen Leistung 

zu  erbringen  (vgl. Reimann/Zuppinger/Schärrer,  §  45  N  83  f.).  Die  Begünstigungsab-

sicht  des  Leistungserbringers  darf  bei  alledem  in  der  Regel  ohne  besonderen  Nach-

weis  der  Steuerbehörden  vorausgesetzt  werden  (vgl.  VGr,  24.  November  1977  =  ZBl 

1978, 265 = ZR 1978 Nr. 59; Reimann/Zuppinger/Schärrer, § 45 N 84). 

Die den Steuerpflichtigen treffende Beweisleistung setzt in erster Linie und in 

jedem  Fall  eine  spätestens  vor  Rekurskommission  zu  gebende  substanziierte  Sach-

darstellung voraus (RB 1987 Nr. 35 mit Hinweisen, auch zum Folgenden). Substanzi-

iert  ist  die  Sachdarstellung  dann,  wenn  aus  ihr  die  vorgetragenen  tatsächlichen  Be-

hauptungen  in  der  Weise  detailliert  hervorgehen,  dass  bereits  gestützt  auf  diese 

Vorbringen  –  aber  unter  Vorbehalt  einer  Beweiserhebung  –  eine  zweifelsfreie  rechtli-

1 ST.2010.158 
1 DB.2010.113 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 7 - 

che  Beurteilung  des  behaupteten  Sachverhalts  möglich  ist  (vgl.  VGr,  15.  Dezember 

1989,  SB  89/0050).  Fehlt  es  an  einer  in  diesem  Sinn  genügenden  Substanziierung  – 

welche im Beweisverfahren nicht nachgeholt werden kann (RB 1980 Nr. 69) –, hat die 

Rekurskommission keine Untersuchung zu führen, um sich die erforderlichen Grundla-

gen zu beschaffen (RB 1975 Nr. 64), und hat eine Beweisabnahme zu unterbleiben mit 

der Wirkung, dass der Nachweis der mangelhaft behaupteten Tatsachen zuungunsten 

des hierfür beweisbelasteten Steuerpflichtigen als gescheitert zu betrachten ist. Für die 

von ihm verfochtene, hinreichend substanziierte Tatbestandsschilderung hat er sodann 

von  sich  aus  zum  Beweis  geeignete  Unterlagen  einzureichen  oder  diese  wenigstens 

unter genauer Bezeichnung anzubieten (vgl. RB 1975 Nr. 55). 

2. a) Gemäss Sachdarstellung der Pflichtigen gewährte sie per 12. Juli 2007 C 

in F, ein Darlehen von EUR 85'000.- (= Fr. 141'559.-). Bereits per 31. Dezember 2007 

nahm sie auf dem Darlehensbetrag eine Wertberichtigung von Fr. 71'000.- vor.  

b) Es liegen eine Reihe von Anhaltspunkten dafür vor, dass die Darlehenshin-

gabe  nicht  geschäftsmässig  begründet,  sondern  im  Interesse  des  Hauptaktionärs  der 

Pflichtigen erfolgte:  

Auffällig ist vorab das vollständige Fehlen eines schriftlichen Vertrags. Weder 

die  Zinsen  noch  die  Auszahlungs-  und  Rückzahlungsmodalitäten  sind  schriftlich  fest-

gehalten worden. Zieht man in Betracht, dass es sich beim Schuldner um eine Person 

mit Wohnsitz  im  Ausland,  nämlich  in  Tschechien  handelt,  ist  ein  solcher  Verzicht  auf 

jegliche Dokumentation und schriftliche Beweise mit einem unter Dritten üblichen Ge-

schäftsgebaren  in  keiner  Weise  vereinbar.  Dies  fällt  umso  schwerer  ins  Gewicht,  als 

das  Darlehen  mit  einer  Höhe  von  Fr.  141'559.- beträchtlich ist  und die  übrigen  in  der 

Bilanz aufgeführten Darlehen weit übersteigt (Fr. 19'000.-, Fr. 37'500.- und 25'610.-).  

Zudem  ist  auch  die  Höhe  der  vereinbarten  Zinsen  unbekannt.  Die  Sachdar-

stellungen  der  Pflichtigen  diesbezüglich  sind  widersprüchlich  und  änderten  sich  auch 

im  Lauf  des  Verfahrens.  In  der  Auflageantwort  vom  15.  Dezember  2009  erwähnt  sie 

einen  Zinssatz  von  10%,  während  sie  im  Schreiben  vom  18.  Februar  2010  auf  die 

Mahnung  hin  ausführt,  es  sei  ein  fixer  Betrag  von  EUR  15'000.-  vereinbart  worden, 

indem der Schuldner am Ende des Jahres hätte EUR 100'000.- zurückbezahlen müs-

1 ST.2010.158 
1 DB.2010.113 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 8 - 

sen.  Einen  Zinsertrag  hat  sie  zudem  nicht  verbucht.  Die  diesbezügliche  Unsicherheit 

über den Vertragsinhalt spricht stark gegen einen geschäftlichen Hintergrund.  

Weiter wäre ein solcher Kredit unter unabhängigen Dritten nicht ohne Einräu-

mung  von  Sicherheiten  gewährt  worden.  Solche  sind  aber  nicht  verlangt  worden.  Im 

Schreiben  vom  18.  Februar  2010  führt  die  Pflichtige  hierzu  aus,  der  Schuldner  habe 

nicht  über  die erforderlichen Mittel  verfügt,  um  in  der  Slowakei  einen Prozess zu füh-

ren, weshalb er sich an sie gewandt habe; in der Folge habe er glaubhaft machen kön-

nen,  dass  die  Summe  bis  Ende  Jahr  zurückbezahlt  werde.  Mithin  war  der  Pflichtigen 

bekannt,  dass  der  Schuldner  nicht  über  die  notwendigen  finanziellen  Mittel  verfügte; 

weshalb sie dennoch das Darlehen ohne Sicherheiten gewährte, ist aus der Sicht eines 

Drittvergleichs nicht verständlich. Sodann führt sie mit keinem Wort aus, aus welchen 

Gründen sie mit einer Rückzahlung per Ende Jahr rechnen konnte.  Auch erwähnt sie 

Liegenschaften  des  Darlehensnehmers  in  der  Slowakei,  substanziiert  diese  indessen 

nicht weiter, weshalb sich mit dem blossen Hinweis darauf die Bonität des Darlehens-

nehmers  nicht  belegen  lässt,  zumal  die Liegenschaften  auch nicht  zur  Sicherung  des 

Darlehens  herangezogen  wurden.  Ein  auf  den  Darlehensnehmer  gezogener Wechsel 

taugt  nicht  als  Sicherheit,  gewährt  dieser  doch  nicht  viel  mehr  Sicherheit  als  eine 

schriftliche Schuldanerkennung. 

Nicht weiter hilft der Pflichtigen ihr Einwand, die E habe bereits in der Vergan-

genheit  C  Darlehen  ausgerichtet,  welche  immer  wieder  zurückbezahlt  worden  seien. 

Massgebend  sind  die  geschäftlichen  Beziehungen  der  Pflichtigen  selber  zu  diesem; 

dass  sie  ihm  in  der  Vergangenheit  Darlehen  ausgerichtet  habe,  macht  sie  indessen 

nicht  geltend.  Zudem  werden  die  Einzelheiten  der  Darlehensgewährungen,  insbeson-

dere was die Höhe und Zinskonditionen anbelangt, mit keinem Wort ausgeführt.  

In  dieser  Situation  war  der  Geldverlust  für  den  Fall  einer  Kreditgewährung 

vorprogrammiert und ist schwer vorstellbar, welche geschäftlichen Gründe die Pflichti-

ge dazu hätten bewegen können, C ein Darlehen zu gewähren. Insgesamt liegt damit 

die Vermutung nahe, dass die Geldhingabe nicht auf einem hochriskanten Darlehens-

geschäft,  sondern  vielmehr  auf  aussergeschäftlichen  Beziehungen  zwischen  den 

(Haupt-)Beteiligten gründete.  

c) Die Pflichtige begründet ihr geschäftliches Interesse damit, dass die E auf-

grund einer Betriebsschliessung in der Slowakei und eines darauf folgenden gerichtli-

1 ST.2010.158 
1 DB.2010.113 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 9 - 

chen  Verfahrens  in  finanzielle  Schwierigkeiten  geraten  sei.  Der  Darlehensempfänger 

sei Teilhaber der E, welche ihren Sitz an der Adresse der Pflichtigen hat; das Darlehen 

habe dazu gedient, die streitige Forderung "auszulösen" und in der Folge an Dritte ab-

zutreten, wodurch die E hätte saniert und die ausstehenden Forderungen der Pflichti-

gen in Rechnung gestellt werden können. 

Indessen ist kein Interesse der Pflichtigen ersichtlich, die E zu sanieren, han-

delt es sich doch dabei um eine von ihr unabhängige Gesellschaft. Auch sind die be-

haupteten  Forderungen  gegen  diese,  welche  gefährdet  gewesen  seien,  weder  sub-

stanziiert dargetan noch nachgewiesen; zudem ist das Darlehen an C und nicht der E 

gewährt  worden.  Mit  der  E  und  C  geschäftlich  verbunden  ist  indessen  der  beherr-

schende  Hauptaktionär  der  Pflichtigen,  D.  Dieser  ist  seit  1994  Mitglied  ihres  Verwal-

tungsrats  mit  Einzelunterschrift,  sodass  von  einer  langjährigen  geschäftlichen  Bezie-

hung zwischen D und dem Darlehensnehmer auszugehen ist. Bei dieser Sachlage ist 

zu  schliessen,  dass  D  als  beherrschender  Aktionär  aus  persönlichen  Gründen  die 

Pflichtige zur Darlehensgewährung an C veranlasst hat. Zwar sind die genauen Hinter-

gründe  nicht  bekannt,  indessen  können  unter  den  dargelegten  Umständen  auch  die 

Anforderungen an die entsprechende substanziierte Sachdarstellung durch die Steuer-

behörde  nicht  zu  hoch  angesetzt  werden.  Insgesamt  ist  nach  dem  Gesagten  zu 

schliessen, dass die Pflichtige einem Dritten unter den nämlichen Bedingungen jeden-

falls  kein  ungesichertes  Darlehen  gewährt  hätte  und  die  Gründe  dafür  im  Verhältnis 

des Darlehensempfängers und des Hauptaktionärs der Pflichtigen zu suchen sind.  

d) Unbehelflich ist der Einwand der Pflichtigen, mit der Bildung des Delkrede-

res sei noch keine definitive Abschreibung vorgenommen worden. Wie bereits ausge-

führt, hat die gebotene ertragssteuerliche Aufrechnung bei der leistenden Gesellschaft 

im Moment, in dem sich der streitige Vorgang in ihren Büchern auf den Erfolg auswirkt, 

zu  erfolgen.  Eine  solche  ertragswirksame  Verbuchung  ist  vorliegend  mit  der  Bildung 

eines  Delkrederes  auf  dem  Darlehen  unstreitig  erfolgt,  sodass  die  gewinnsteuerliche 

Korrektur auch in dieser Steuerperiode vorzunehmen ist. 

Ebenfalls fehl geht die Pflichtige, wenn sie geltend macht, ihrem beherrschen-

den  Hauptaktionär  D  persönlich  sei  kein  geldwerter  Vorteil  zugekommen.  Der  Grund 

der Vorteilszuwendungen liegt nicht in der Geschäftstätigkeit der Gesellschaft, sondern 

im Beteiligungsverhältnis. Mit der Ausrichtung von geldwerten Vorteilen kommt die Ge-

1 ST.2010.158 
1 DB.2010.113 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 10 - 

sellschaft  nicht  geschäftlichen  Verpflichtungen  nach,  sondern  verwendet  Gewinn  im 

Interesse ihrer Aktionäre. Dies muss sie sich anrechnen lassen.  

e) Insgesamt bleibt es dabei, dass die behauptete Darlehenshingabe an Wolf-

gang  Doppler  einem  Drittvergleich  nicht  standhält.  Die  Pflichtige  vermochte  das  Ge-

genteil nicht nachzuweisen. Dementsprechend ist nicht zu beanstanden, dass das kan-

tonale  Steueramt  die  Wertberichtigung  des  angeblichen  Darlehens  als  verdeckte 

Gewinnausschüttung  qualifiziert  und  in  der  Steuerperiode  1.1.  -  31.12.2007  eine  ent-

sprechende ertragssteuerliche Aufrechnung vorgenommen hat.  

Ebenfalls zu Recht hat das kantonale Steueramt das steuerbare Eigenkapital 

um den Restwert des Darlehens reduziert, weil die Darlehensforderung zufolge Simula-

tion gar nicht existiert bzw. der Darlehensbetrag definitiv abgeflossen ist.  

3.  Gestützt  auf  diese  Erwägungen  sind  der  Rekurs  und  die  Beschwerde  ab-

zuweisen. Bei diesem Ausgang der Verfahren sind die Kosten der Pflichtigen aufzuer-

legen (§ 151 Abs. 1 StG und Art. 144 Abs. 1 DBG). 

Demgemäss erkennt die Rekurskommission: 

1.  Der Rekurs wird abgewiesen.  

2.  Die Beschwerde wird abgewiesen.  

[…] 

1 ST.2010.158 
1 DB.2010.113