# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fb8d7992-7141-5fd4-8dfa-5671dcfd4191
**Source:** Solothurn (SO)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-05-05
**Language:** de
**Title:** Solothurn Obergericht Schuldbetreibungs- und Konkurskammer 05.05.2022 SCBES.2022.27
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SO_Omni/SO_OG_005_SCBES-2022-27_2022-05-05.html

## Full Text

Aufsichtsbehörde für

Schuldbetreibung und
Konkurs 

 

 

 

 

Urteil vom 5. Mai 2022  

Es wirken mit:

Präsident Marti 

Oberrichter Flückiger 

Oberrichter Kiefer   

Gerichtsschreiber Isch

In Sachen

A.___ AG,

 

Beschwerdeführerin 

 

 

gegen

 

 

Betreibungsamt Region Solothurn, Filiale
Grenchen-Bettlach,

 

Beschwerdegegner 

 

betreffend     Betreibungsamtliche
Liegenschaftssteigerung

zieht die Aufsichtsbehörde
für Schuldbetreibung und Konkurs in Erwägung:

I.

 

1. Mit Eingabe vom 12. März 2022 erhebt
die A.___ AG als Schuldnerin Beschwerde gegen die Spezialanzeige im Sinne von
Art. 139 SchKG und Art. 30 VZG vom 28. Februar 2022 der Amtschreiberei
Grenchen-Bettlach, worin unter anderem das Datum der Steigerung (1. Juni 2022)
und die betreibungsamtliche Schätzung des Steigerungsobjektes (Grundbuch [...]
Nr. [...], CHF 1'251'600.00) aufgeführt wurde. In ihrer Beschwerde stellt
die Schuldnerin folgende Rechtsbegehren:

 

Hauptbegehren:

1.      Es sei die Nichtigkeit der betreibungsamtlichen
Schätzung festzustellen.

2.      Es sei eine (neue) betreibungsamtliche
Schätzung durchzuführen. 

3.      Das Ergebnis der ersatzweise neuen
betreibungsamtlichen Schätzung sei uns zur Kenntnisnahme zu eröffnen und, wenn
von uns nicht weiter beanstandet, sei diese öffentlich bekanntzumachen und den
Beteiligten mitzuteilen. 

4.      Dieser Beschwerde sei aufschiebende
Wirkung zu erteilen.

 

Alternatives Begehren 1:

Für den Fall, dass Sie
bezüglich der Nichtigkeit der betreibungsamtlichen Schätzung einen anderen Standpunkt
als wir einnehmen bzw. unseren Antrag nicht schützen, beantragen wir:

1.   Es sei eine neue Schätzung nach Art. 9
VZG in Verbindung mit Art. 44 VZG durchzuführen. 

2.   Es sei an angemessener Kostenvorschuss
anzusetzen.

3.   Dieser Beschwerde sei aufschiebende Wirkung
zu erteilen.

 

Alternatives Begehren 2:

Für den Fall, dass Sie
bezüglich der neuen Schätzung nach Art. 9 VZG in Verbindung mit Art. 44 VZG
einen anderen Standpunkt einnehmen bzw. unseren Antrag nicht schützen, beantragen
wir:

1.      Es sei eine neue Schätzung nach Art. 9
VZG durchzuführen.

2.      Es sei ein angemessener Kostenvorschuss
anzusetzen.

3.      Dieser Beschwerde sei aufschiebende
Wirkung zu erteilen.

 

Ergänzendes Begehren:

Für den Fall, dass einem
mit 1) bezeichneten Begehren entsprochen wird, beantragen wir, dass die
Beteiligten, insbesondere wir, Gelegenheit erhalten, einen Schatzungsexperten vorzuschlagen
und für den Fall, dass dieser einem anderen Beteiligten begründet nicht zugemutet
werden kann, einen Alternativvorschlag.

Für den Fall, dass einem
mit 2) bezeichneten Begehren entsprochen wird, beantragen wir, dass die
vorgeschlagenen Experten zur Abgabe eines Kostenvoranschlages eingeladen werden.
Dieser Kostenvoranschlag ist zur Wahrung eines fairen Verfahrens gemäss Art. 9
BV uns vorzulegen.

-    
Wir beantragen infolge der
Komplexität dieses Verfahrens und der Beweisanträge die wir gestellt haben
einen zweiten Schriftwechsel.

-    
Zudem sollen wir die
Möglichkeit erhalten, Beweise so vorzulegen, dass die Beschwerdegegner und das
BA keine Gelegenheit erhalten, sich an unsere Kaufinteressenten zu wenden, um
diese vom Erwerb abzuhalten. 

-    
Wir ersuchen die
Aufsichtsbehörde dringlich, die aufschiebende Wirkung sofort zu erteilen, damit
die Gläubiger nicht genötigt sind, bis zum 24. März 2022 deren Forderungen
anzumelden.

 

2. Mit Verfügung vom 17. März 2022 setzt
der Präsident der Aufsichtsbehörde für Schuldbetreibung und Konkurs der A.___
AG Frist bis 30. März 2022, für das Verfahren vor der Aufsichtsbehörde für
Schuldbetreibung und Konkurs einen Kostenvorschuss von CHF 2'000.00 an die
Gerichtskasse Solothurn zu bezahlen. Falls der Vorschuss nicht innerhalb der
Frist geleistet werde, trete die Aufsichtsbehörde für Schuldbetreibung und
Konkurs auf das Begehren, GB-Nr. [...], [...], neu zu schätzen, nicht ein.

 

3. Am 18. März 2022 reicht die
Schuldnerin eine Beschwerdeergänzung ein und stellt ergänzend den Antrag, es
müsse in dieser Angelegenheit ein neues, von der Kaufinteressentin Stadt B.___ unabhängiges
Betreibungsamt eingesetzt werden. Das BA Grenchen-Bettlach sei von dieser Sache
vollumfänglich zu entlassen.

 

4. Am 30. März 2022 reicht die
Schuldnerin eine weitere ergänzende Eingabe ein und führt unter anderem aus,
SchKG-Beschwerden seien kostenlos, weshalb der eingeforderte Kostenvorschuss
wohl ein Versehen sei. Für den Fall, dass die Aufsichtsbehörde wider Erwarten
weiterhin auf einem Kostenvorschuss bestehe, werde höflich gebeten, ihr dazu
ein Rechtsmittel anzugeben. Zudem werde sie ersucht, für die Bezahlung des
Vorschusses die Frist angemessen zu erstrecken, damit sie sich auf der
Grundlage des aktuellen Beschlusses der Regierung des Kantons Solothurn soweit
neu aufstellen könne, dass die Bezahlung eines Kostenvorschusses für sie
möglich werde. 

 

5. Mit Beschwerdeantwort vom 8. April
2022 stellt das Betreibungsamt folgende Anträge:

 

1.   Sämtliche Anträge der Beschwerdeführerin
sind abzuweisen, soweit überhaupt darauf einzutreten ist. 

2.   Der Beschwerde sei ausdrücklich keine
aufschiebende Wirkung zu erteilen. 

3.   Gestützt auf Art. 20a Abs. 2 Ziff. 5
SchKG sind der Beschwerdeführerin wegen mutwilliger und querulatorischer
Beschwerdeführung die Gerichtsgebühren und Auslagen aufzuerlegen.

 

6. Mit abschliessender Stellungnahme vom
22. April 2022 hält die Beschwerdeführerin an ihren bereits gestellten
Rechtsbegehren fest. 

 

 

II.

 

1. Gemäss Art. 140 Abs. 3 SchKG ordnet
das Betreibungsamt eine Schätzung des zu versteigernden Grundstückes an und
teilt deren Ergebnis den Beteiligten mit. Wird die Schätzung mit der
Spezialanzeige nach Art. 139 SchKG dem Schuldner bekannt gemacht, gilt letztere
nach Vorgabe von Art. 30 Abs. 1 VZG grundsätzlich zugleich als fristauslösende
Schätzungseröffnung im Sinne von Art. 140 Abs. 3 SchKG (Häusermann/Stöckli/Feuz,Basler
Kommentar, 2. Auflage 2010, N 138 zu Art. 140 SchKG). Mit Eingabe vom 12. März
2022 hat die Beschwerdeführerin fristgerecht Beschwerde gegen die
Spezialanzeige vom 28. Februar 2022 (zugestellt am 8. März 2022) erhoben.

 

2. Nach Art. 9 Abs. 2 VZG ist jeder
Beteiligte berechtigt, innerhalb der Frist zur Beschwerde gegen die Pfändung
(Art. 17 Abs. 2 SchKG) bei der Aufsichtsbehörde gegen Vorschuss der Kosten eine
neue Schätzung durch Sachverständige zu verlangen. Streitigkeiten über die Höhe
der Schätzung werden endgültig durch die kantonale Aufsichtsbehörde beurteilt
(Art. 9 Abs. 2 i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VZG). Den Beteiligten steht kein Anspruch
auf Einholung einer Oberexpertise zu (BGE 120 III 135 E. 2 S. 136).

 

Mit Verfügung vom 17. März 2022 hat der
Präsident der Aufsichtsbehörde für Schuldbetreibung und Konkurs der A.___ AG
Frist bis 30. März 2022 gesetzt, für das Verfahren vor der
Aufsichtsbehörde für Schuldbetreibung und Konkurs einen Kostenvorschuss von CHF
2'000.00 an die Gerichtskasse Solothurn zu bezahlen. Falls der Vorschuss nicht
innerhalb der Frist geleistet werde, trete die Aufsichtsbehörde für
Schuldbetreibung und Konkurs auf das Begehren, GB-Nr. […], […], neu zu
schätzen, nicht ein. Innert Frist hat die Beschwerdeführerin den geforderten
Kostenvorschuss von CHF 2'000.00 nicht bezahlt, weshalb auf das Begehren,
GB-Nr. […], […], neu zu schätzen, wie angedroht, nicht eingetreten wird. 

 

Zu den diesbezüglichen Vorbringen der
Beschwerdeführerin aus der Eingabe vom 30. März 2022 ist ergänzend
festzuhalten, dass aus dem Wortlaut der Verfügung vom 17. März 2022 klar
hervorgeht, dass es bei dem verlangten Kostenvorschuss um die Durchführung der
beantragten Schätzung geht. So wurde bei Nichtbezahlung des Vorschusses denn
auch nur in Aussicht gestellt, es werde auf die beantragte Neuschätzung nicht
eingetreten. Sodann verlangt die Beschwerdeführerin, für die Bezahlung des
Vorschusses sei die Frist angemessen zu erstrecken, damit sie sich auf der
Grundlage des aktuellen Beschlusses der Regierung des Kantons Solothurn soweit
neu aufstellen könne, dass die Bezahlung eines Kostenvorschusses für sie
möglich werde. Damit verlangt die Beschwerdeführerin eine Fristerstreckung für
die Bezahlung des Kostenvorschusses, bis es ihr wirtschaftlich möglich ist und damit
de facto auf unbestimmte Zeit. Dies wäre nicht vereinbar mit dem Interesse der
Gläubiger an einer möglichst raschen Befriedigung der noch offenen Forderung.
Das Gesuch um eine Fristerstreckung für die Bezahlung des Kostenvorschusses ist
deshalb abzuweisen.

 

3. Zur Begründung der behaupteten
Nichtigkeit der betreibungsamtlichen Schätzung sowie der Spezialanzeige bringt
die Schuldnerin in ihren Rechtschriften im Wesentlichen vor, die
betreibungsamtliche Schätzung sei viel zu tief, und zwar derart tief, dass nur
deren Nichtigkeit festgestellt werden könne. Die Stadt B.___ habe wiederholt
bestätigt, dass sie das Grundstück selber kaufen wolle. Es werde zum Beweis
auch auf das Schreiben der Baudirektion der Stadt B.___ vom 4. Oktober 2019
verwiesen. Daraus sei auch ersichtlich, dass diese vom Betreibungsamt ein
Schreiben vom 10. Mai 2019 erhalten habe. Es werde beantragt, dass dieses
Schreiben des Betreibungsamtes von diesem ediert werde. Die Schuldnerin müsse
in dieses Einsicht nehmen können. Die Offerte der Stadt B.___ habe
bemerkenswerterweise die Höhe der betreibungsamtlichen Schätzung. Das
Betreibungsamt habe keine echte Schätzung der Liegenschaft vorgenommen, sondern
sich lediglich darauf beschränkt, die Zahl gemäss Kaufpreisofferte der Stadt B.___
als betreibungsamtliche Schätzung auszugeben. Zu einer Schätzung gehöre, dass
der Schätzer (Betreibungsbeamte) die Liegenschaft besichtige, und anhand der
Bauten in der Umgebung abschätze, was auf dem Grundstück gebaut werden könne.
Eine derartige Begehung habe wohl nie stattgefunden. Die Schätzung sei weniger
als ein Drittel eines aktuellen Verkaufspreises. Das Gutachten der C.___ AG bezüglich
des Grundstückes vom 9. Januar 2020 enthalte einen Baulandpreis von CHF
3'144'645.00. Dies sei ein weiterer Beweis für die Nichtigkeit der Schätzung
des Betreibungsamtes. Aus dem Lastenverzeichnis sei ersichtlich, dass die
hypothekarische Belastung (samt Zinsen) höher sei als die betreibungsamtliche
Schätzung. Bauland werde von Banken maximal zu 50 % belehnt. Die
Gesamtbelastung sei nominal CHF 2'175'000.00 (ohne Zinsen). Der Kreditgewährung
liege eine reale Verkaufspreisschätzung von mindestens CHF 4'000'000.00
zugrunde. Die Schuldnerin habe eine derartige Offerte vorliegen, auch mehrere
andere in der Höhe von mindestens 3,2 Millionen bis zu den erwähnten 4
Millionen.  Die Schuldnerin habe deshalb davon Fragmente kopiert und lege diese
Beweise bei, und zwar mit dem Hinweis, dass sie die vollständigen Dokumente
vorlegen könne, wenn diese nicht in die Hände ihrer wirtschaftlichen Gegner
gelangten, die ihr, wie es die Vergangenheit bewiesen habe, das Grundstück
hätten abnehmen wollen, insbesondere zuhanden des BA und damit der Stadt B.___.
Diese Papiere sollten bestenfalls nur an die Aufsichtsbehörde gelangen. In
diesem Zusammenhang werde beantragt, den Verwaltungsrat der D.___ AG, Herr E.___,
als Zeugen zu befragen. Er könne bestätigen bzw. dazu Stellung nehmen, dass die
Schuldnerin ihm ihr Grundstück angeboten habe und dass dieses von der
Käuferschaft D.___ AG akzeptiert worden sei. Bedingt durch das willkürliche
Vorgehen der Stadt B.___ sei der Käufer- und Bauherrschaft D.___ AG ein
stadteigenes Grundstück in der Stadt B.___ angeboten worden. Die D.___ AG habe
für dieses Grundstück mit der Stadt B.___ einen Kaufrechtsvertrag
abgeschlossen. Von der Stadt B.___ sei dazu ein Amtsbericht zu verlangen,
ebenso vom Grundbuchamt bezüglich des Kaufrechtsvertrages. Sodann habe das
Betreibungsamt einen absolut unmöglichen Steigerungstag angesetzt. Der 26. Mai
2022 sei Auffahrt. Am 5. Juni 2022 sei Pfingsten. Die Woche dazwischen sei die
Woche, in welcher alle, die es sich leisten könnten, Ferien nähmen. Sie seien
abwesend und würden nicht an einer Steigerung in B.___ anwesend sein. Dies sei
ein weiterer Beweis dafür, dass sich die Stadt B.___ des Betreibungsamtes
bedient habe, um weitere konkurrierende Käufer nicht an der Steigerung zu
haben. Auch das mache die Steigerungsanzeige nichtig. Des Weiteren sei die
Steigerungsanzeige auch deshalb falsch, weil die Angabe über die Pfandrechte,
welche Gläubiger die Verwertung verlangten, falsch sei. Dies könne anhand der
Spezialanzeige nicht verifiziert werden, weil darauf keine Steigerungs-Nr.
angegeben sei. Jede Betreibungsurkunde habe von Gesetzes wegen eine
Steigerungs-Nr. zu enthalten. Auch diese beiden Mängel hätten die Nichtigkeit
und eine Korrektur zur Folge. Es werde beantragt, dass die Aufsichtsbehörde
sich vor Ort orientiere und eine Begehung zum Grundstück vornehme. Nur so könne
die Aufsichtsbehörde die Richtigkeit der Ausführungen der Schuldnerin zur
Kenntnis nehmen.

 

Demgegenüber führt das Betreibungsamt in
seiner Beschwerdeantwort aus, die Beschwerde sei rein querulatorisch motiviert.
Die Beschwerdeführerin versuche durch Ausschöpfung verschiedener Rechtsmittel,
das Verfahren in die Länge zu treiben, was grundsätzlich rechtsmissbräuchlich
sei. Sie verkenne, dass umgekehrt ihre Gläubigerin Interesse an einer möglichst
raschen Befriedigung der noch offenen Forderung habe. Die querulatorische
Beschwerdeführung zeige sich deutlich in den dilettantisch verfassten Eingaben
der Beschwerdeführerin. Eine Systematik lasse sich nicht erkennen und viele
Einwände seien materiellrechtlicher Natur, für deren Beurteilung weder die
Beschwerdegegnerin noch die Aufsichtsbehörden zuständig seien. Die
Beschwerdegegnerin habe für ihre Schätzung einen Preis von CHF 400.00/m2
zugrunde gelegt. Die Stadt B.___ und insbesondere das [...]quartier wiesen eine
höchstens durchschnittliche Wohnlage auf, was sich naturgemäss in tieferen
Bodenpreisen ausdrücke. Gemäss Auskunft des zuständigen Grundbuchamtes gebe es
im «[...]» fast kein Bauland mehr. Die letzten Grundstücke seien 2018 zu einem
Preis von CHF 225.00/m2 gehandelt worden. Da in den letzten Jahren die
Bodenpreise erheblich gestiegen seien, erscheine ein heutiger Preis von CHF
400.00/m2 recht realistisch. Die von der Beschwerdeführerin beanspruchten
Bodenpreise von CHF 1’000.00 - 2'000.00 pro m2 gälten keinesfalls auf dem
ganzen Gebiet der Schweiz. Eine kurze Recherche bei «lmmoscout24.ch» finde für
die Kantone Bern und Solothurn über 50 Baugründstücke, die zum Verkauf stünden.
Die Preisspanne bewege sich zwischen CHF 85.00/m2 in Moutier und CHF 2000.00/m2
für eine kleine, besonders schöne Baulandparzelle in Hünibach, Kanton Bern, mit
unverbaubarer Sicht auf den Thunersee und die Alpen. Bauland an Top-Lage in
Meiringen, Kanton Bern, werde für CHF 450.00/m2 gehandelt und in Rüti bei
Büren, Kanton Bern, würden für 3’296 m2 nicht mehr als CHF 1'200'000.00
verlangt, was einem Preis von CHF 364.00/m2 entspreche. Die Beschwerdegegnerin
habe die Schätzung der Liegenschaft in Anwendung von Art. 9 VZG gewissenhaft
und ordnungsgemäss vorgenommen. Von Ermessensmissbrauch, Ermessensüberschreitung
und Willkür könne nicht die Rede sein. Gemäss Art. 9 Abs. 2 VZG könne jeder
Beteiligte bei der Aufsichtsbehörde gegen Vorschuss der Kosten eine neue
Schätzung durch Sachverständige verlangen. Die Aufsichtsbehörde entscheide
endgültig. Die Beschwerdeführerin habe den Kostenvorschuss nicht geleistet.
Eine Neuschätzung komme demnach nicht in Frage. Sollte ein präsumtiver
Ersteigerer an der Steigerung selbst verhindert sein, habe er jederzeit die
Möglichkeit, vor der Steigerung ein schriftliches Angebot abzugeben oder sich
vertreten zu lassen. Es bedürfe nicht der höchstpersönlichen Anwesenheit des
Ersteigerers am Steigerungstag.

 

4. Wie unter E. II. 2 hiervor erwähnt,
hat der an einem Grundpfandverwertungsverfahren Beteiligte, der sich mit der betreibungsamtlichen
Schätzung nicht abfinden will, nur die Möglichkeit, bei der Aufsichtsbehörde
eine neue Schätzung durch einen Sachverständigen zu verlangen, wofür er einen
Kostenvorschuss zu zahlen hat (Art. 9 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 99 Abs. 2
VZG). Es obliegt nicht den (kantonalen) Aufsichtsbehörden, die
betreibungsamtliche Schätzung zu überprüfen (Urteil des Bundesgerichts
7B.122/2006 vom 15. Dezember 2006 E. 10.1.1; BGE 73 III 52 S. 54 f.). Ein
Sonderfall kann einzig dann vorliegen, wenn die Schätzung des Betreibungsamtes
nichtig, d.h. vollkommen unbeachtlich ist und sie somit vom Amt überhaupt erst
(neu) vorgenommen werden muss (Urteil des Bundesgerichts 7B.152/2001 vom 28.
August 2001 E. 3). Nichtig ist eine betreibungsamtliche Verfügung, wenn
sie gegen Vorschriften verstösst, die im öffentlichen Interesse oder im
Interesse von am Verfahren nicht beteiligten Personen erlassen worden sind
(Art. 22 Abs. 1 SchKG). Die Nichtigkeit, das heisst die absolute Unwirksamkeit
einer Verfügung, ist nur ausnahmsweise anzunehmen. Eine Verfügung wird gemäss
der sogenannten Evidenztheorie als nichtig erklärt, wenn der ihr anhaftende
Mangel besonders schwer und offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar ist
und zudem die Rechtssicherheit dadurch nicht ernsthaft gefährdet wird. Somit
ist eine Abwägung zwischen dem Interesse an der Rechtssicherheit und dem
Interesse an der richtigen Rechtsanwendung erforderlich. Eine nichtige
Verfügung entfaltet keinerlei Rechtswirkungen und auf ihr beruhende weitere
Verfügungen sind ebenfalls nichtig. Die Nichtigkeit wirkt ex tunc
(Cometta/Möckli, Basler Kommentar SchKG I, 2. Aufl. 2010, N. 8 zu Art. 22 mit
Hinweisen).

 

Wie bereits vorgehend festgehalten,
obliegt es nicht den Aufsichtsbehörden, die betreibungsamtliche Schätzung zu
überprüfen. Vielmehr müsste die Aufsichtsbeurteilung einzig auf Nichtigkeit
erkennen, wenn der der Schätzung anhaftende Mangel besonders schwer und
offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar wäre. Bereits aus diesem Grund
ist die Aufsichtsbehörde nicht gehalten, eingehendere Abklärungen wie den von
der Beschwerdeführerin beantragten Augenschein vor Ort vorzunehmen, womit der
diesbezügliche Antrag abzuweisen ist. An der betreibungsamtlichen Schätzung des
Grundstücks […] Nr. […] von CHF 1'251'600.00 ist zudem kein besonders
schwerer und leicht erkennbarer Mangel ersichtlich, welcher eine Nichtigkeit
nach sich ziehen würde. Das Betreibungsamt hat in der Beschwerdeantwort seine
Schatzung mit einem zugrunde gelegten Preis von CHF 400.--/m2 nachvollziehbar begründet
und dargelegt, dass die Stadt B.___ und insbesondere das [...]quartier eine
höchstens durchschnittliche Wohnlage aufweisen und der genannte
Quadratmeterpreis im Vergleich zu anderen Gebieten in der Schweiz durchaus als
realistisch erscheint. Die von der Beschwerdeführerin eingereichten Offerten und
die eingereichte Schatzung der C.___ AG vermögen für sich alleine keine
Nichtigkeit der Schätzung des Betreibungsamtes zu begründen. Des Weiteren ist
darauf hinzuweisen, dass die Aufsichtsbehörde im Rahmen einer Beschwerde nach
Art. 17 SchKG nur die Handlungen des Betreibungsamtes zu überprüfen hat. Somit
ist auf die gegen die Stadt B.___ erhobenen Vorwürfe nicht einzutreten und die
in diesem Zusammenhang beantragte Zeugenbefragung sowie die Einholung eines
Amtsberichts und des Schreibens des Betreibungsamtes an die Stadt B.___ vom 10.
Mai 2019 abzuweisen. Im Übrigen sind die sinngemässen Behauptungen der
Beschwerdeführerin, wonach das Betreibungsamt befangen sei und die Stadt B.___ bevorzuge,
nicht nachgewiesen, womit auch der Antrag, es sei in der vorliegenden
Angelegenheit ein anderes, unabhängiges Betreibungsamt einzusetzen, abzuweisen
ist. 

 

Insofern die Beschwerdeführerin sodann geltend
macht, der 1. Juni 2022 sei als Steigerungstag ungeeignet und damit werde
verhindert, dass der bestmögliche Verwertungserlös erzielt werde, kann
vollumfänglich auf die treffenden Ausführungen des Betreibungsamtes verwiesen
werden. So bedarf es nicht der höchstpersönlichen Anwesenheit des Ersteigerers
am Steigerungstag. Sollte ein Interessent an der Steigerung selbst verhindert
sein, kann er vor der Steigerung ein schriftliches Angebot abgeben oder sich
vertreten lassen. Im Übrigen ist in diesem Zusammenhang festzuhalten, dass am
1. Juni weder Schulferien sind noch üblicherweise Betriebsferien angesetzt
werden, weshalb das diesbezügliche Argument der Beschwerdeführerin auch im
Lichte dessen nicht nachvollziehbar ist. Schliesslich behauptet die
Beschwerdeführerin ohne zu begründen, dass die Angaben auf der Spezialanzeige
darüber, welche Gläubiger die Verwertung verlangten, falsch sein sollen. Ein
diesbezüglicher Fehler ist für die Aufsichtsbehörde nicht ersichtlich. Ebenso kann
das Vorbringen, wonach jede Betreibungsurkunde von Gesetzes wegen eine
Steigerungs-Nr. zu enthalten habe, nicht nachvollzogen werden.

 

5.1 Die Beschwerde ist demnach abzuweisen,
soweit darauf einzutreten ist. 

 

5.2 Die Ausrichtung einer
Parteientschädigung kommt nicht in Betracht (Art. 62 Abs. 2 GebV SchKG).

 

5.3 Das Beschwerdeverfahren ist nach
Art. 20a SchKG und Art. 61 Abs. 2 lit. a GebV SchKG grundsätzlich
unentgeltlich. Die Beschwerdeführerin hat vorliegend teilweise mit den gleichen
Argumenten Beschwerde erhoben, welche die Aufsichtsbehörde mit Urteil
SCBES.2021.42 vom 28. Januar 2022 bereits rechtskräftig beurteilt hat. Das kann
nicht anders denn als mutwillig bezeichnet werden. Es wäre demnach denkbar, der
Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 20a Abs. 2 Ziff. 5 SchKG einen Teil der
Verfahrenskosten aufzuerlegen. Davon wird noch einmal abgesehen, jedoch wird
die Beschwerdeführerin darauf hingewiesen, dass eine nochmalige mutwillige
Beschwerdeführung die Auferlegung der Verfahrenskosten nach sich ziehen wird.

 

6. Mit sofortigem Entscheid in der Sache
ist das Gesuch der Beschwerdeführerin um aufschiebende Wirkung gegenstandslos
geworden.

 

Demnach wird erkannt:

1.    Auf das Begehren der Beschwerdeführerin,
GB-Nr. [...], [...], sei neu zu schätzen, wird nicht eingetreten.

2.    Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit
darauf einzutreten ist.

3.    Es werden keine Kosten erhoben.

 

Rechtsmittel: Gegen
diesen Entscheid kann innert 10 Tagen seit Eröffnung des begründeten Urteils
beim Bundesgericht Beschwerde in Zivilsachen eingereicht werden (Adresse: 1000
Lausanne 14). Die Frist wird durch rechtzeitige Aufgabe bei der Schweizerischen
Post gewahrt. Die Frist ist nicht erstreckbar. Die Beschwerdeschrift hat die
Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des
Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten. Für die weiteren
Voraussetzungen sind die Bestimmungen des Bundesgerichtsgesetzes massgeblich. 

Im Namen der Aufsichtsbehörde für
Schuldbetreibung und Konkurs

Der Präsident                                                                    Der
Gerichtsschreiber

Marti                                                                                  Isch

 

Das Bundesgericht ist mit
Urteil vom 15. Juli 2022 auf die dagegen erhobene Beschwerde nicht eingetreten (BGer
5A_381/2022).