# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9dc722ee-0621-5684-82b6-04a8c4ae1cee
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-09-07
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Verwaltungsgericht 07.09.2021 B 2021/122
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VG_001_B-2021-122_2021-09-07.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: B 2021/122

Stelle: Verwaltungsgericht

Rubrik: Verwaltungsgericht

Publikationsdatum: 30.09.2021

Entscheiddatum: 07.09.2021

Entscheid Verwaltungsgericht, 07.09.2021
Ausländerrecht, humanitäre Aufenthaltsbewilligung, Art. 84 Abs. 5 AIG. Die 
Beschwerdeführerin, geboren 1995, stammt aus Somalia und hält sich bei 
straf- und betreibungsrechtlich ungetrübtem Leumund mittlerweile fast 
neuneinhalb Jahre – bei Ablauf des aktuell gültigen F Ausweises werden es 
rund zehn Jahre sein – rechtmässig in der Schweiz auf, wo sie einen Teil 
ihrer prägenden Jugendjahre verbrachte. Ihre Kenntnisse der 
Landessprache entsprechen den gestellten Anforderungen, sodass unter 
Berücksichtigung ihres ehrenamtlichen Engagements insgesamt auf eine 
genügende bis gute sprachlich-soziale Integration zu schliessen ist. Ihre 
Beteiligung am Wirtschaftsleben und am Erwerb von Bildung blieb nach 
erfolgreichem Abschluss des Integrationskurses sowie der Vorlehre zwar 
hinter den an sie gestellten Erwartungen zurück, und die 
Beschwerdeführerin bezog in der Vergangenheit – bis Dezember 2019 – 
Sozialhilfe. Seit August 2019 ist die Beschwerdeführerin in einem 
Teilzeitpensum in der Tagesbetreuung einer Schule angestellt und hat dort 
mittlerweile die Ausbildung zur Küchenangestellten mit eidgenössischem 
Berufsattest aufgenommen. Damit tut sie dar, dass sie zukünftig 
wirtschaftlich selbsterhaltungsfähig sein will und mit hinreichender 
Wahrscheinlichkeit auch sein wird. Demgegenüber wäre ihre 
Wiedereingliederung im Herkunftsland, wo sie als alleinstehende Frau, deren 
Mutter und Bruder samt Familie hierzulande leben und die in ihrem 
Herkunftsland über kein besonders tragfähiges familiäres Netz verfügt, 
ausgesprochen schwierig. In Anbetracht des skizzierten Gesamtbilds und 
unter Berücksichtigung, dass die Vorinstanz wesentliche Umstände nicht 
oder nur ungenügend berücksichtigte, lässt sich die Abweisung des 
Gesuchs, die Angelegenheit dem SEM als Gesuch um Erteilung einer 
Härtefallbewilligung zu unterbreiten, rechtlich nicht halten 
(Verwaltungsgericht, B 2021/122).

Entscheid vom 7. September 2021

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Besetzung

Abteilungspräsident Zürn; Verwaltungsrichterin Reiter, Verwaltungsrichter Zogg; a.o. 

Gerichtsschreiber Kapsahili

Verfahrensbeteiligte

A.__,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Bettina Surber, Oberer Graben 44, 

9000 St. Gallen,

gegen

Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St. Gallen, Oberer Graben 32, 

9001 St. Gallen,

Vorinstanz,

Gegenstand

Gesuch um Erteilung einer humanitären Aufenthaltsbewilligung

 

Das Verwaltungsgericht stellt fest:

A.

A.__ (geb. 1995) ist Staatsangehörige von Somalia. Sie reiste am 24. April 2012 in die 

Schweiz ein und stellte gleichentags ein Asylgesuch. Das Bundesamt für Migration 

(heute: Staatssekretariat für Migration [nachfolgend: SEM]) wies das Gesuch am 

20. September 2013 ab, schob jedoch den Vollzug der angeordneten Wegweisung zu 

Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. Der A.__ ausgestellte F-Ausweis wurde in der 

Folge jährlich – zuletzt bis 27. März 2022 – verlängert.

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B.

Am 20. November 2013 schlossen das Migrationsamt und A.__ eine 

Integrationsvereinbarung ab, in der sie sich verpflichtete, an Integrations- und 

Verzahnungsprogrammen gemäss erfolgter Abklärung der zuständigen Regionalen 

Potenzial- und Arbeitsintegrationsstelle teilzunehmen (Vorakten Migrationsamt 

[nachfolgend: Dossier] S. 38 ff.). Nach Abschluss eines Integrationskurses sowie einer 

Vorlehre in den Jahren 2013 bis 2015 war A.__ zunächst nicht erwerbstätig. Seit Mitte 

November 2018 arbeitet sie als Reinigungskraft für drei bis dreieinhalb Stunden 

wöchentlich in einem Privathaushalt in X.__. Von Ende Juli 2019 bis Ende Juli 2021 war 

sie zudem zu einem Pensum von zehn Prozent bei der S.__ AG (nachfolgend: S-AG) als 

Mitarbeiterin Reinigung tätig. Ab August 2019 arbeitete bzw. arbeitet sie alsdann als 

Küchenhilfe bei der Tagesbetreuung B.__ der Stadt X.__ zu einem Pensum von 

zunächst 20, später 30 Prozent. Bei dieser Arbeitgeberin begann sie im August 2021 

eine zweijährige Ausbildung. Seit Oktober 2018 engagiert sie sich ausserdem 

ehrenamtlich beim Y.__.

Von April 2012 bis April 2019 bezog A.__ Sozialhilfe im Asylbereich in der Höhe von 

CHF 82'697.40. Von Mai bis Dezember 2019 wurde sie mit finanzieller Sozialhilfe im 

Umfang von CHF 1'485.50 unterstützt. Seither bezog sie keine Fürsorgeleistungen 

mehr.

C.

Am 28. August 2019 reichte A.__ beim Migrationsamt ein Gesuch auf Ausstellung einer 

humanitären Aufenthaltsbewilligung ein. Mit Schreiben vom 11. September 2019 

forderte das Migrationsamt sie zur Einreichung von Unterlagen, insbesondere eines 

Zertifikats zur Bestätigung ausreichender Deutschkenntnisse (Niveau A2), auf. Am 

10. März 2020 ging beim Migrationsamt ein "telc"-Zertifikat ein, wonach A.__ die 

Prüfung A2 – nach einem knapp gescheiterten ersten Versuch im November 2019 – 

bestanden hatte. Am 10. Juni 2020 teilte das Migrationsamt mit, es benötige weitere 

Unterlagen. Es forderte A.__ zudem auf, ein Budget zusammenzustellen, woraus ihre 

monatlichen Einnahmen und Ausgaben ersichtlich seien. Dem kam A.__ mit Eingabe 

vom 24. Juni 2020 nach. Mit Verfügung vom 21. Dezember 2020 wies das 

Migrationsamt das Gesuch ab und verweigerte die Unterbreitung des Falles an das 

SEM. Den dagegen erhobenen Rekurs wies das Sicherheits- und Justizdepartement 

mit Entscheid vom 7. Mai 2021 ab (Dispositiv Ziffer 1).

D.

A.__ (Beschwerdeführerin) erhob gegen den am 7. Mai 2021 versandten Entscheid des 

Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) durch ihre Rechtsvertreterin mit 

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Eingabe vom 25. Mai 2021 und Ergänzung vom 2. Juli 2021 Beschwerde beim 

Verwaltungsgericht mit dem Antrag, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei der 

angefochtene Entscheid aufzuheben und das Migrationsamt anzuweisen, ihr Gesuch 

um Erteilung einer humanitären Aufenthaltsbewilligung B dem SEM zur Zustimmung zu 

unterbreiten. Zudem ersuchte sie um unentgeltliche Rechtspflege und 

Rechtsverbeiständung. Mit Zwischenverfügung vom 6. Juli 2021 entsprach der 

Abteilungspräsident dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und 

Rechtsverbeiständung und bestimmte Rechtsanwältin lic. iur. Bettina Surber als 

unentgeltliche Rechtsvertreterin. Mit Vernehmlassung vom 9. Juli 2021 beantragte die 

Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde und verwies auf die Erwägungen im 

angefochtenen Entscheid. Am 3. August 2021 übermittelte das Migrationsamt dem 

Verwaltungsgericht weitere Unterlagen, welche der Beschwerdeführerin am 5. August 

2021 zugestellt wurden.

Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen der 

Beschwerdeführerin zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit 

wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:

1. Eintreten

Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59  Abs. 1 des 

Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeführerin 

ist Adressatin des angefochtenen Entscheids, mit dem ihr Begehren um Anweisung 

des Migrationsamts, die Angelegenheit dem SEM als Gesuch um Erteilung einer 

Härtefallbewilligung zu unterbreiten, abgewiesen wurde, und damit zur Erhebung der 

Beschwerde befugt (Art. 84 Abs. 5 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und 

Ausländer und über die Integration, Ausländer- und Integrationsgesetz; SR 142.20, 

AIG; Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde gegen den am 

7. Mai 2021 versandten Entscheid (Zustellung am 10. Mai 2021) erfolgte mit Eingabe 

vom 25. Mai 2021 unter Berücksichtigung des Umstands, dass der letzte Tag der Frist 

(24. Mai 2021) auf einen vom kantonalen Recht anerkannten Feiertag (Pfingstmontag) 

fiel, fristgerecht (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 VRP und Art. 30 Abs. 1 VRP in 

Verbindung mit Art. 142 Abs. 3 der Schweizerischen Zivilprozessordnung; SR 272). Sie 

erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 2. Juli 2021 inhaltlich und formal die 

gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf 

die Beschwerde ist einzutreten.

2. Rechtsgrundlagen und Streitgegenstand

bis

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Ausländerinnen und Ausländer können grundsätzlich nur bei Vorliegen von bestimmten 

Zulassungsvoraussetzungen eine Aufenthaltsbewilligung beantragen (vgl. Art. 18 ff. 

AIG). Gemäss Art. 84 Abs. 5 AIG werden Gesuche um Erteilung einer 

Aufenthaltsbewilligung von vorläufig aufgenommenen Ausländerinnen und Ausländern, 

die sich seit mehr als fünf Jahren in der Schweiz aufhalten, unter Berücksichtigung der 

Integration, der familiären Verhältnisse und der Zumutbarkeit einer Rückkehr in den 

Herkunftsstaat vertieft geprüft. Die Bestimmung stellt keine eigenständige 

Rechtsgrundlage dar, sondern verweist diesbezüglich implizit auf die in Art. 30 Abs. 1 

Ingress und lit. b AIG geregelte Bewilligung wegen eines schwerwiegenden 

persönlichen Härtefalls, den Art. 31 Abs. 1 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt 

und Erwerbstätigkeit (SR 142.201, VZAE) mit ausdrücklichem Hinweis im Randtitel, 

unter anderem auf Art. 84 Abs. 5 AIG, konkretisiert. Danach sind bei der Beurteilung 

insbesondere die Integration anhand der Integrationskriterien nach Art. 58a Abs. 1 AIG 

(lit. a; Beachtung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung; Respektierung der Werte 

der Bundesverfassung; Sprachkompetenzen; Teilnahme am Wirtschaftsleben oder am 

Erwerb von Bildung), die Familienverhältnisse, insbesondere der Zeitpunkt der 

Einschulung und die Dauer des Schulbesuchs der Kinder (lit. c), die finanziellen 

Verhältnisse (lit. d), die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz (lit. e), der 

Gesundheitszustand (lit. f) und die Möglichkeit der Wiedereingliederung im 

Herkunftsstaat (lit. g) zu berücksichtigen. Die Aufzählung ist nicht abschliessend, und 

für die Erteilung einer Härtefallbewilligung kann es genügen, dass eines oder einige der 

genannten Kriterien erfüllt sind (vgl. VerwGE B 2018/218 vom 6. April 2019 E. 2; BVGer 

C-1136/2013 vom 24. September 2013 E. 5.2). Bei der Prüfung eines Gesuchs um 

Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung nach Art. 84 Abs. 5 AIG ist ausserdem die 

erfolgreiche Teilnahme an Integrations- oder Beschäftigungsprogrammen zu 

berücksichtigen (Art. 31 Abs. 6 VZAE). Da Art. 31 VZAE auf verschiedene 

Härtefallregelungen im Ausländer- und Integrationsgesetz verweist, ist es denkbar, 

dass die Beurteilung von wichtigen persönlichen Gründen unterschiedlich ausfallen 

kann, je nachdem, auf welche gesetzliche Ausgangslage sie sich bezieht (vgl. BGer 

2C_195/2010 vom 23. Juni 2010 E. 6.3; zit. VerwGE B 2018/218 E. 2; B 2018/88 vom 

20. Januar 2019 E. 2).

Die Voraussetzungen zur Anerkennung eines Härtefalls sind restriktiv zu handhaben. 

Die betroffene Person muss sich in einer persönlichen Notlage befinden, was bedeutet, 

dass ihre Lebens- und Existenzsicherung, gemessen am durchschnittlichen Schicksal 

von Ausländern, in gesteigertem Mass in Frage gestellt sein muss bzw. die 

Verweigerung einer Abweichung von den Zulassungsvoraussetzungen für sie mit 

2.1. 

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schweren Nachteilen verbunden wäre (zit. VerwGE B 2018/88 E. 2; BGE124 II 110 E. 2 

betreffend Art. 13 lit. f der per 1. Januar 2008 aufgehobenen Verordnung über die 

Begrenzung der Zahl der Ausländer; SR 823.21; zur Weiterführung der Rechtsprechung 

unter Art. 30 Abs. 1 Ingress und lit. b VZAE vgl. BGer 2C_129/2014 vom 4. November 

2014 E. 3). Bei der Beurteilung eines Härtefalles sind sämtliche Umstände des 

jeweiligen Einzelfalls zu berücksichtigen. Die Anerkennung als Härtefall setzt nicht 

zwingend voraus, dass die Anwesenheit in der Schweiz das einzige Mittel zur 

Verhinderung einer persönlichen Notlage darstellt. Auf der anderen Seite reichen eine 

lang dauernde Anwesenheit und eine fortgeschrittene soziale und berufliche Integration 

sowie klagloses Verhalten für sich alleine nicht aus, um einen schwerwiegenden 

persönlichen Härtefall zu begründen. Vielmehr wird vorausgesetzt, dass der Ausländer 

so enge Beziehungen zur Schweiz unterhält, dass von ihm nicht verlangt werden kann, 

in einem anderen Land, insbesondere in seinem Heimatstaat zu leben. Berufliche, 

freundschaftliche und nachbarschaftliche Beziehungen, welche der Betroffene während 

seines Aufenthalts in der Schweiz knüpfen konnte, genügen normalerweise nicht für 

eine Abweichung von den Zulassungsvoraussetzungen (zit. VerwGE B 2018/88 E. 2 mit 

Hinweis auf BVGer C 351/2010 vom 2. November 2012 E. 6.3 sowie C-2240/2010 vom 

14. Dezember 2012 E. 5.3).

Art. 84 Abs. 5 AIG räumt als Härtefallbewilligung keinen Rechtsanspruch ein (vgl. BGer 

2C_195/2010 vom 23. Juni 2010 E. 6.3). Das Verwaltungsgericht kann lediglich prüfen, 

ob die Vorinstanz das ihr zustehende Ermessen ohne Rechtsverletzung, das heisst 

ohne Unter- oder Überschreitung ihres Ermessens und ohne Ermessensmissbrauch, 

ausgeübt hat (Art. 61 Abs. 1 VRP; zit. VerwGE B 2018/88 E. 2).

Es ist unbestritten und offenkundig, dass die Beschwerdeführerinnen die formelle 

Voraussetzung der fünfjährigen Aufenthaltsdauer erfüllt und deshalb eine vertiefte 

Prüfung ihres Gesuchs zu erfolgen hat. Dabei rügt die Beschwerdeführerin nicht, die 

Vorinstanz habe keine solche vorgenommen. Sie ist indes mit dem Ergebnis der 

Prüfung nicht einverstanden und hält dafür, die Vorinstanz habe zu Unrecht das 

Vorliegen eines schweren persönlichen Härtefalls verneint, worauf nachfolgend 

einzugehen ist. Auszugehen ist dabei davon, dass die Beschwerdeführerin – ebenfalls 

unstrittig – die Kriterien der Beachtung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sowie 

der Respektierung der Werte der Bundesverfassung (Art. 58a Abs. 1 Ingress und lit. a 

und b AIG) erfüllt. Keiner vertieften Betrachtung bedarf auch ihr Gesundheitszustand 

(Art. 31 Abs. 1 Ingress und lit. f VZAE), stehen doch keine diesbezüglichen 

Einschränkungen zur Diskussion. Näher zu untersuchen sind die übrigen hiervor 

2.2. 

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3. Analyse der einzelnen Härtefallkriterien

(Erwägungen 2.1) aufgeführten Kriterien (vgl. dazu Erwägung 3 nachfolgend). Gestützt 

darauf ist zu klären, ob der vorinstanzliche Schluss, es liege kein schwerwiegender 

persönlicher Härtefall vor, Recht verletzt (vgl. dazu Erwägung 4 nachfolgend).

Dauer der Anwesenheit in der Schweiz

Die Beschwerdeführerin reiste im April 2012 im Alter von sechzehn Jahren in die 

Schweiz ein und wurde im darauffolgenden Jahr vorläufig aufgenommen. Sie 

verbrachte mithin einen Teil ihrer prägenden Jugendjahre in der Schweiz (vgl. BVGer 

F-3332/2015 vom 13. Februar 2018 E. 6.1) und hält sich insgesamt seit fast 

neuneinhalb Jahren – zunächst als Asylbewerberin, danach als vorläufig 

Aufgenommene – hier auf.

Nach der Rechtsprechung kann zwar nicht von einer bestimmten Aufenthaltsdauer an 

schematisierend eine besondere, einen Anspruch auf die Erteilung eines 

Anwesenheitsrechts begründende Verwurzelung in den hiesigen Verhältnissen 

angenommen werden (BGE 130 II 281 E. 3.2.1). Gemäss einer in BGE 124 II 110 

begründeten und unter dem AIG weiterhin zu berücksichtigenden Praxis ist jedoch bei 

der Beurteilung, ob sich ein Abweichen von den ordentlichen 

Zulassungsvoraussetzungen rechtfertigt, sehr langen Aufenthaltsdauern insofern 

Rechnung zu tragen, als in solchen Fällen weniger hohe Anforderungen an das 

Vorliegen besonderer Umstände, wie etwa eine überdurchschnittliche Integration oder 

andere Faktoren, welche die Rückkehr ins Heimatland als ausgesprochen schwierig 

erscheinen lassen, zu stellen sind (E. 3 des zitierten BGE; siehe dazu etwa C. Peter, 

Härtefallregelungen im Ausländer- und Asylrecht, in: Schiess Rütimann [Hrsg.], 

Schweizerisches Ausländerrecht in Bewegung?, Zürich 2003, S. 87 ff., 100). Alsdann 

geht die auf BGE 124 II 110 gestützte kantonale Praxis dahin, dass ein zumindest 

zehnjähriger Aufenthalt in der Regel zur Bejahung eines persönlichen Härtefalls führt – 

vorausgesetzt, dass sich die ausländische Person tadellos verhalten hat, finanziell 

unabhängig sowie sozial und beruflich gut integriert ist (vgl. VerwGE B 2007/127 vom 

5. November 2007 E. 2.10). Im Fall einer seit rund neun Jahren in der Schweiz 

lebenden Beschwerdeführerin und deren Kindern hielt das hiesige Verwaltungsgericht 

fest, die relativ lange Anwesenheit erscheine als ein gewichtiger Umstand, welcher für 

die Erteilung der anbegehrten Aufenthaltsbewilligung spreche. Diese sei bei der 

Beurteilung des konkreten Falles hinsichtlich der Anforderungen an das Vorliegen 

besonderer Umstände zu berücksichtigen (VerwGE B 2016/47 vom 26. Oktober 2017 

E. 2.2).

3.1. 

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Entsprechend ist auch hier zu verfahren. Der fast neuneinhalbjährige (rechtmässige) 

Aufenthalt der Beschwerdeführerin spricht in der Tendenz für die Erteilung der 

Aufenthaltsbewilligung. Wenn auch diese Dauer des Aufenthalts nicht per se 

ausschlaggebend ist (VerwGE 2014/240 vom 27. April 2016 E. 3.2.1 am Ende), führt sie 

dennoch dazu, dass sich unter den gegebenen Umständen eine weniger strenge 

Handhabung aufdrängt, als bei Gesuchstellern, die beispielsweise nur wenig länger als 

fünf Jahre hierzulande weilen (siehe auch BGE 144 I 266 E. 3.9, wonach das Element 

der Aufenthaltsdauer umso wichtiger in der Interessenabwägung wird, je länger jemand 

in einem Land lebt).

Teilnahme am Wirtschaftsleben und Erwerb von Bildung, finanzielle Verhältnisse

Die Beschwerdeführerin besuchte in den Jahren 2013 bzw. 2014 zunächst einen 

Integrationskurs des Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrums St. Gallen 

(nachfolgend: GBS), wo sie eine gute bis sehr gute Bewertung erhielt (Deutsch für 

Fremdsprachige 5.5; Pünktlichkeit sehr gut; Umgang mit Differenzen sehr gut; 

Zuverlässigkeit gut). In den Jahren 2014 bzw. 2015 absolvierte sie – ebenfalls über das 

GBS – eine Vorlehre bei der Z.__. Dabei erzielte sie genügende (jeweils 4.0 in Deutsch, 

Mathematik und Themenunterricht) bzw. gute bis sehr gute (aktive Beteiligung am 

Unterricht gut; Ordnung und Sorgfalt gut; Pünktlichkeit sehr gut; Verhalten gegenüber 

Vorgesetzten sehr gut; Zuverlässigkeit sehr gut) Bewertungen. Insofern – etwas 

anderes wurde im Verfahren von keiner Seite geltend gemacht – ist die am 

20. November 2013 abgeschlossene Integrationsvereinbarung als erfüllt zu betrachten 

(vgl. auch Art. 31 Abs. 6 VZAE) und es ist der Beschwerdeführerin die in diese Zeit 

fallende Abhängigkeit von Sozialhilfe im Asylbereich, wenn überhaupt, nur beschränkt 

vorwerfbar. Für die Zeit danach ist zunächst keine Erwerbstätigkeit aktenkundig und es 

werden auch keine entsprechenden Stellensuchbemühungen behauptet. Erst am 

13. November 2018 trat die Beschwerdeführerin eine Stelle als Reinigungskraft für 

wenige Stunden pro Woche in einem Privathaushalt an (Dossier S. 63). Vom 25. Juli 

2019 bis 31. Juli 2021 (act. 13 letzte Seite) arbeitete sie sodann mit einem Pensum von 

rund zehn Prozent bei der S-AG, ebenfalls im Bereich Reinigung. Seit dem 1. August 

2019 war bzw. ist die Beschwerdeführerin ausserdem als Küchenhilfe bei der 

Tagesbetreuung B.__ der Stadt X.__ mit einem Pensum von zunächst 20, später 30 

Prozent tätig (vgl. Dossier S. 97, 111). Bei diesem Arbeitgeber begann sie kürzlich, per 

August 2021, eine Ausbildung (act. 11/9.2 S. 2). Es handelt sich mit Blick auf den 

angegebenen Tätigkeitsbereich und die Ausbildungsdauer (zwei Jahre) mutmasslich 

um eine Ausbildung zur Küchenangestellten mit eidgenössischem Berufsattest (EBA). 

Die Bewertungen durch die erwähnten Arbeitgeber fallen allesamt positiv aus (vgl. etwa 

3.2. 

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Dossier S. 112: "rasche Auffassungsgabe", "freundliche und humorvolle Art", 

"positiven Kontaktaufbau zu den Kindern", "engagierte Mitarbeit"; siehe auch Dossier 

S. 111, 113-115).

Dass sich die Beschwerdeführerin mit Blick auf ihre Ausbildung am Erwerb von Bildung 

beteiligt, steht ausser Frage (vgl. auch Art. 77e Abs. 2 VZAE). Auch lässt sich nicht 

sagen, ihre Teilnahme am Wirtschaftsleben sei bereits angesichts des verhältnismässig 

tiefen Pensums ungenügend, denn der Wille der Beschwerdeführerin zur 

wirtschaftlichen Selbsterhaltung erscheint angesichts der Akten als vorhanden, und es 

darf, wie die Vorinstanz zu Recht festhielt (E. 2.a/bb S. 7 des angefochtenen 

Entscheids), Berücksichtigung finden, dass vorläufig Aufgenommene auf dem 

Arbeitsmarkt mit Schwierigkeiten konfrontiert werden, die nicht geleugnet werden 

können (vgl. zit. VerwGE 2014/240 E. 3.2.1 am Ende, unter anderem mit Hinweis auf 

BVGer C 351/2010 vom 2. November 2012 E. 9.3.1). Ausserdem ist davon auszugehen, 

dass die Ausbildung jedenfalls zurzeit einer wesentlichen Erhöhung des 

Beschäftigungsgrads entgegensteht. Zu untersuchen ist daher, inwiefern der 

Beschwerdeführerin ihre finanziellen Verhältnisse entgegengehalten werden können. 

Dabei kann auf die Praxis zu Art. 62 Abs. 1 Ingress und lit. e AIG abgestellt werden (vgl. 

zit. VerwGE B 2014/240 E. 3.2.4 betreffend Art. 62 Ingress und lit. e des 

Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer; SR 142.20, AuG). Diese 

Bestimmung besagt, dass die zuständige Behörde (Aufenthalts )Bewilligungen 

widerrufen kann, wenn die Ausländerin oder der Ausländer auf Sozialhilfe angewiesen 

ist. Beim Widerruf bzw. der Nichtverlängerung einer Aufenthaltsbewilligung wegen 

Bedürftigkeit geht es in erster Linie darum, eine zusätzliche und damit künftige 

Belastung der öffentlichen Wohlfahrt zu vermeiden. Ob dies der Fall sein wird, ist 

allerdings kaum je mit Sicherheit feststellbar. Es muss daher auf die wahrscheinliche 

finanzielle Entwicklung bei der betroffenen Person abgestellt werden. Nach der 

Rechtsprechung ist für die Bejahung des Widerrufsgrundes eine konkrete Gefahr der 

Sozialhilfeabhängigkeit erforderlich, und es kann dafür nicht auf Hypothesen und 

pauschalisierte Gründe abgestellt werden. Neben den bisherigen und den aktuellen 

Verhältnissen ist auch die wahrscheinliche finanzielle Entwicklung auf längere Sicht 

abzuwägen. Ein Widerruf soll in Betracht kommen, wenn eine Person hohe finanzielle 

Unterstützungsleistungen erhalten hat und nicht damit gerechnet werden kann, dass 

sie in Zukunft für ihren Lebensunterhalt sorgen wird (zit. VerwGE B 2014/240 a.a.O.; 

BGer 2C_1228/2012 vom 20. Juni 2013 E. 2.3).

Unbestritten und aktenkundig ist, dass die Beschwerdeführerin von April 2012 bis 

Dezember 2019 Sozialhilfe erhielt (Dossier S. 108) und erst hernach keine Leistungen 

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mehr bezog. Was ihre aktuelle finanzielle Lage betrifft, so beträgt ihr Bruttolohn 

während der Ausbildung CHF 1'300 und ist damit etwa gleich hoch wie zuvor (vgl. 

act. 7 Ziff. III.4; 11/9.2 S. 2). Weggefallen sind inzwischen die Einnahmen von 

durchschnittlich rund CHF 203.70 aus dem Arbeitsverhältnis mit der S-AG (Auflösung 

des Arbeitsverhältnisses per 31. Juli 2021). Es ist daher aufgrund der vorhandenen 

Unterlagen davon auszugehen, dass das monatliche Einkommen der 

Beschwerdeführerin aktuell rund CHF 1'326.70 beträgt (vgl. Dossier S. 155). Dies 

zumindest, solange sie keine neue Stelle antritt und soweit sie den erwähnten Ausfall 

nicht mittels eines allfälligen Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung sollte decken 

können (vgl. zu den geleisteten ALV-Beiträgen Dossier S. 134, 140 ff., 144 ff.; zu den 

hier nicht näher zu prüfenden Anspruchsvoraussetzungen insbesondere Art. 8 des 

Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die 

Insolvenzentschädigung; SR 837.0; zur Berücksichtigung der 

Arbeitslosenentschädigung unter Art. 58a Abs. 1 Ingress und lit. d AIG bzw. Art. 77e 

Abs. 1 VZAE Entscheid des Verwaltungsgerichts Zürich VB.2020.00883 vom 

24. Februar 2021 E. 5.2; zur Vermittlungsfähigkeit Art. 85a Abs. 1 und 2 AIG, der 

vorsieht, dass vorläufig aufgenommene Personen in der ganzen Schweiz eine 

Erwerbstätigkeit ausüben dürfen, wobei es einer Meldung bei der für den Arbeitsort 

zuständigen Behörde bedarf). Damit resultiert bei Heranziehen des von der 

Beschwerdeführerin in Anschlag gebrachten Bedarfs von CHF 1'532.35 ein Fehlbetrag 

von rund CHF 205. Stellt man auf die von der Vorinstanz zugrunde gelegten 

Bedarfszahlen – unter Ausklammerung des Ergänzungsbedarfs von CHF 241 (VerwGE 

B 2012/112 vom 12. März 2013 E. 3.4.1 mit Hinweis) – ab, beträgt der Fehlbetrag rund 

CHF 416.65 (Bedarf von CHF 1'743.35 [CHF 1'984.35 abzüglich CHF 241]). Da die 

Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben bestimmte Leistungen mittels 

entsprechender Vergünstigungen bezieht (vgl. Dossier S. 156), auf die sie zumindest 

teilweise einen Rechtsanspruch im Sinne von Art. 77e Abs. 1 VZAE hat (vgl. betreffend 

Einkaufsberechtigung im Y.__ Dossier S. 84 unter "Rechte und Pflichten"), dürfte das 

effektive (allfällige) Manko unter dem rechnerisch ermittelten Betrag von CHF 416.65 

liegen.

Angesichts dieser knappen Verhältnisse lässt sich eine gewisse Gefahr einer 

neuerlichen Sozialhilfeabhängigkeit der Beschwerdeführerin zwar nicht von der Hand 

weisen. Dieser Umstand ist indes in zweierlei Hinsicht zu relativieren. Zum einen wäre 

eine allfällige neuerliche Abhängigkeit nur eine teilweise (vgl. zu diesem Kriterium 

BVGer F-3332/2015 vom 13. Februar 2018 E. 6.3 und 6.4). Zum anderen fällt ins 

Gewicht, dass mit einem Vollzug der Wegweisung innert absehbarer Zukunft nicht zu 

rechnen ist (vgl. dazu Erwägung 3.4 letzter Absatz nachfolgend), wovon auch die 

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Vorinstanz ausging (vgl. E. 2.a/aa S. 5 des angefochtenen Entscheids). Kurzfristig 

betrachtet ist die Verweigerung der Aufenthaltsbewilligung deshalb von vornherein kein 

geeignetes Mittel, um eine (neuerliche) teilweise Fürsorgeabhängigkeit zu verhindern. 

Damit aber tritt die mittel- und längerfristige Perspektive in den Vordergrund. Für diese 

ist der Beschwerdeführerin angesichts der angetretenen Ausbildung und ihrer 

bisherigen Anstrengungen sowie Leistungsausweise eine positive Prognose hinsichtlich 

ihrer wirtschaftlichen Selbsterhaltungsfähigkeit auszustellen. Vor diesem Hintergrund 

erscheint es als zweifelhaft, ob an der Nichterteilung der Aufenthaltsbewilligung in der 

vorliegenden Konstellation aus finanzieller Sicht ein öffentliches Interesse besteht. 

Jedenfalls wöge ein solches Interesse angesichts des Ausgeführten nicht besonders 

schwer.

Sprachliche und soziale Integration

Was die sprachlichen Kompetenzen angeht, so reichte die Beschwerdeführerin dem 

Migrationsamt, wie erwähnt, ein "telc"-Sprachzertifikat ein, das ihr Deutschkenntnisse 

auf Niveau A2 attestiert (Dossier S. 94). Damit genügt sie den gemäss kantonaler Praxis 

gestellten Anforderungen ohne weiteres (vgl. dazu das entsprechende Merkblatt des 

Migrationsamts zur "Härtefallbewilligung [Statuswechsel F in B]", abrufbar unter 

www.sg.ch/sicherheit > Einreise, Aufenthalt und Ausreise > Bewilligungen für Nicht-EU/

EFTA-Staatsangehörige). Dass sie bloss das Prädikat "ausreichend" erlangte, ändert 

daran nichts. Im Übrigen hielt der SO-Kriminaldienst der Kantonspolizei fest, man habe 

sich mit der Beschwerdeführerin gut auf Hochdeutsch unterhalten können (Dossier S. 

131).

Hinsichtlich der Beziehungen der Beschwerdeführerin zur Schweiz bzw. der hiesigen 

Gesellschaft liegen nur wenige Angaben im Recht. Der SO-Kriminaldienst der 

Kantonspolizei St. Gallen gibt an, die Integration in der Wohngemeinde bzw. dem 

Wohnquartier sei vorhanden – die Beschwerdeführerin gebe an, sich nebst 

Unternehmungen mit ihrem Bruder und seinen Kindern öfters mit Kolleginnen zu 

treffen. Ihre Hobbys seien Schwimmen (Hallenbad R.__) und Lesen (Dossier S. 131). 

Damit ist für sich betrachtet zwar noch keine besondere Integrationsleistung bzw. 

Verwurzelung in der Schweiz dargetan. Positiv fällt jedoch auf, dass die 

Beschwerdeführerin seit Oktober 2018 ehrenamtlich beim Y.__ tätig ist, wobei ihr im 

"Nachweis für freiwillige und ehrenamtliche Arbeit" ein "einfühlsame[r] Umgang mit den 

Kunden" attestiert und sie als eine "Bereicherung für das Team" bezeichnet wird 

(Dossier S. 114). Dieses freiwillige Engagement spricht für Kontaktfreude und 

Uneigennützigkeit, sodass die sprachlich-soziale Integration der Beschwerdeführerin 

insgesamt als genügend bis gut zu bezeichnen ist.

3.3. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/16

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Familienverhältnisse und Möglichkeit der Wiedereingliederung im Herkunftsstaat

Es bleiben die Familienverhältnisse sowie die Möglichkeit einer Wiedereingliederung im 

Herkunftsland zu würdigen. In dieser Hinsicht geht die Rechtsprechung dahin, dass die 

Rückkehr einer alleinstehenden Frau in ihr Herkunftsland, in dem sie keine Familie hat, 

im Allgemeinen (für sich gesehen) keinen Härtefall darstellt, es sei denn, es lägen 

andere Umstände vor, die die Rückkehr stark erschwerten. Ein Härtefall kann dann 

vorliegen, wenn zu den Schwierigkeiten bei der Wiedereingliederung hinzutritt, dass die 

betreffende Person einen wichtigen Teil ihrer engen Verwandten zurücklassen würde, 

die dauerhaft in der Schweiz leben und mit denen sie seit langem die gleichen 

Lebensumstände geteilt hatte (vgl. BVGer C-5316/2011 vom 29. Oktober 2013 E. 5.6.1; 

C-1502/2012 vom 24. Mai 2013 E. 5.3.1; C-5048/2010 vom 7. Mai 2012 E. 5.4.2). Im 

Somalia-Kontext trägt das Bundesverwaltungsgericht im Zusammenhang mit 

entsprechenden Asylverfahren jedenfalls einer Vielzahl an (frauenspezifischen) Faktoren 

Rechnung, die sich auch im vorliegenden Kontext nicht ausblenden lassen. So stellte 

es etwa fest, dass für alleinstehende Frauen und Mädchen in Somalia, welche nicht 

unter dem Schutz eines männlichen Familienmitglieds stehen, ein hohes Risiko 

bestehe, Opfer gezielter geschlechtsspezifischer Verfolgung zu werden. Speziell 

gefährdet seien Frauen und Mädchen, wenn sie intern vertrieben worden seien oder 

einem Minderheitenclan angehörten. Die somalischen Behörden könnten diese Frauen 

oft nicht schützen. Ein Schutz könne von den Clan-Strukturen oder von der eigenen 

Kernfamilie ausgehen; dies mache Frauen aus Minderheitenclans und Alleinstehende 

ohne männliche Familienangehörige besonders verletzlich (BVGer E 1155/2018 vom 

18. November 2020 E. 7.2 mit Hinweisen; siehe dazu auch den Bericht der Norwegian 

Organisation for Asylum Seekers, Persecution and Protection in Somalia, 2014, V.13, 

letzter Abschnitt auf S. 44).

Nach eigenen Angaben stammt die Beschwerdeführerin aus Mogadischu, der 

Hauptstadt Somalias im Süden des Landes, wo sie auch aufwuchs. Sie gehört – 

ebenfalls gemäss eigenen Ausführungen – der Gruppe der Reer Hamar an (vgl. Dossier 

S. 11, 29), welche der ethnischen Minderheit der Benadiri zuzuordnen ist (vgl. 

Herkunftsländerinformationen des SEM, Focus Somalia, Clans und Minderheiten, 31. 

Mai 2017, S. 13; siehe auch www.wikipedia.org > Benadiri). Sie hat in ihrem 

Heimatland – soweit ersichtlich abgesehen von ihrem Vater, von dessen Ehefrau 

(Stiefmutter) sie misshandelt wurde (vgl. Dossier S. 18; E. 2.a/aa des angefochtenen 

Entscheids) – keine Verwandtschaft mehr (Dossier S. 14). Ihre Mutter und ihr Bruder 

(welcher die schweizerische Staatsangehörigkeit besitzt [Dossier S. 14]) samt Familie 

wohnen in X.__ (Dossier S. 130). Insofern kann für den Fall einer Rückkehr nicht von 

einem tragfähigen Beziehungsnetz ausgegangen werden, auf das die 

3.4. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/16

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Beschwerdeführerin zurückgreifen könnte. Weiter genoss sie in ihrem Herkunftsland 

weder eine Ausbildung noch erlernte sie einen Beruf (Dossier S. 12). Angesichts dieser 

Verhältnisse sind die Möglichkeiten einer Wiedereingliederung der alleinstehenden 

Beschwerdeführerin in ihrem Herkunftsland als spärlich bis kaum vorhanden zu 

bezeichnen.

Hinzu kommt, dass rechtsprechungsgemäss eher von einem schwerwiegenden 

persönlichen Härtefall auszugehen ist, je unwahrscheinlicher die Aufhebung der 

vorläufigen Aufnahme ist, weil es sich desto weniger rechtfertigt, die Betroffenen auf 

unbestimmte Zeit den (wenn auch mittlerweile geringeren) rechtlichen Einschränkungen 

zu unterwerfen, die mit dem Status der vorläufigen Aufnahme nach wie vor 

einhergehen (vgl. dazu BVGer F 3332/2015 vom 13. Februar 2018 E. 6.5 mit Hinweis; 

zu den rechtlichen Einschränkungen unter dem aktuellen Regime vgl. BGer 

2C_175/2020 vom 24. November 2020 E. 4.2). In diesem Sinne präzisierte das 

Verwaltungsgericht, dass bei der Prüfung, ob die Voraussetzungen der Erteilung einer 

Aufenthaltsbewilligung wegen eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls erfüllt 

seien, bei einer vorläufig aufgenommenen Person nicht in Frage stehe, ob die mit der 

Verweigerung verbundene Wegweisung aus der Schweiz zu einer persönlichen Notlage 

führe. Trotzdem habe Art. 84 Abs. 5 AuG (heute: AIG) insofern eine grosse Bedeutung, 

als viele vorläufig aufgenommene Personen dauerhaft in der Schweiz blieben und sie 

somit bei einem sich abzeichnenden dauerhaften Verbleib in der Schweiz ein Interesse 

an einer ordentlichen ausländerrechtlichen Regelung ihres Aufenthaltsstatus hätten (zit. 

VerwGE B 2014/240 E. 3.3.1). Auch diese Überlegungen sprechen für eine Erteilung 

der Aufenthaltsbewilligung an die Beschwerdeführerin, die sich nächsten April seit zehn 

Jahren in der Schweiz aufhalten wird und hinsichtlich deren vorläufigen Aufnahme 

weder aktuell ein Widerruf zur Diskussion steht noch mittelfristig stehen dürfte (vgl. zur 

aktuellen [Rechts ]Lage BVGer E-5141/2019 vom 9. März 2021 E. 6.2-6.3, wonach im 

grössten Teil Somalias [Landesteile Süd- und Zentralsomalia] seit längerer Zeit 

Verhältnisse herrschen, die dazu führen, den Wegweisungsvollzug generell – das heisst 

ungeachtet aller individueller Umstände – als unzumutbar zu qualifizieren, und sich der 

Vollzug von Wegweisungen nach Somaliland oder Puntland [nur] bei Vorliegen 

begünstigender Umstände [enge Verbindungen zur Region, Möglichkeit der 

Existenzsicherung oder wirkungsvolle Unterstützung durch den Familienclan] als 

zumutbar erweisen kann, wobei bspw. das Bundesverwaltungsgericht in den 

einschlägigen Urteilen die prekäre Gesundheitsversorgung sowie namentlich die 

generelle Verletzlichkeit von Frauen in diesen Regionen betont; siehe dazu BVGer 

E 591/2018 vom 9. Juli 2020 E. 9.3.4 f. [Somaliland] und E 6310/2017 vom 15. Januar 

2020 E. 11.2.3 f. [Puntland]).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/16

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4. Ergebnis

Zusammenfassend hält sich die Beschwerdeführerin bei straf- und 

betreibungsrechtlich ungetrübtem Leumund fast neuneinhalb Jahre – bei Ablauf des 

aktuell gültigen F Ausweises werden es rund zehn Jahre sein – rechtmässig in der 

Schweiz auf, wo sie einen Teil ihrer prägenden Jugendjahre verbrachte. Ihre Kenntnisse 

der Landessprache entsprechen den gestellten Anforderungen, sodass unter 

Berücksichtigung ihres ehrenamtlichen Engagements insgesamt auf eine genügende 

bis gute sprachlich-soziale Integration zu schliessen ist. Ihre Beteiligung am 

Wirtschaftsleben und am Erwerb von Bildung blieb nach erfolgreichem Abschluss des 

Integrationskurses sowie der Vorlehre zwar hinter den an sie gestellten Erwartungen 

zurück, und sie bezog in der Vergangenheit – bis Dezember 2019 – Sozialhilfe. 

Allerdings wäre eine allfällige neuerliche teilweise Fürsorgeabhängigkeit voraussichtlich 

zeitlich beschränkt und angesichts des nicht zur Disposition stehenden Widerrufs der 

vorläufigen Aufnahme realistisch betrachtet ohnehin wohl nur schwierig vermeidbar. 

Zugleich vermag die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer per August dieses Jahres 

angetretenen Ausbildung mit ausreichender Wahrscheinlichkeit darzutun, dass sie 

zukünftig wirtschaftlich selbsterhaltungsfähig sein will und wird. Demgegenüber wäre 

ihre Wiedereingliederung im Herkunftsland, wo sie als alleinstehende Frau, deren 

Mutter und Bruder samt Familie in X.__ leben und die in ihrem Herkunftsland über kein 

(im vorliegenden Kontext zu berücksichtigendes) familiäres Netz verfügt, 

ausgesprochen schwierig.

In Anbetracht des skizzierten Gesamtbilds entspricht die Handhabung der Bestimmung 

zur Härtefallbewilligung durch die Vorinstanz keiner pflichtgemässen 

Ermessensausübung mehr. Die Vorinstanz berücksichtigte wesentliche Umstände nicht 

(Erwerb von Bildung; Verbesserung der finanziellen Prognose; ehrenamtliche Tätigkeit) 

oder nur ungenügend (fast neuneinhalbjähriger Aufenthalt; kaum Möglichkeiten zur 

Wiedereingliederung; vorläufige Aufnahme gilt in absehbarer Zukunft weiter) und verlieh 

damit im Ergebnis den momentanen finanziellen Verhältnissen unverhältnismässig viel 

Gewicht. Dieses Vorgehen qualifiziert sich insgesamt als rechtsfehlerhafte 

Ermessensausübung. Sodann verlangt auch das Verhältnismässigkeitsprinzip, die 

Beschwerdeführerin im konkreten Fall nicht länger den rechtlichen und faktischen 

Einschränkungen zu unterwerfen, die der Status der vorläufigen Aufnahme für sie nach 

sich zieht (vgl. Erwägung 3.4 vorstehend). Folglich erweist sich die Beschwerde als 

begründet. Sie ist gutzuheissen und der angefochtene Entscheid der Vorinstanz vom 

7. Mai 2021 aufzuheben. Die Angelegenheit ist an das Migrationsamt zurückzuweisen 

und dieses anzuweisen, sie dem SEM als Gesuch um Erteilung einer 

Härtefallbewilligung zu unterbreiten.

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5. Kosten

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die amtlichen Kosten des Rekursverfahrens 

von CHF 1'000 sowie des Beschwerdeverfahrens dem Staat (Sicherheits- und 

Justizdepartement) aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Für das Beschwerdeverfahren ist 

unter Berücksichtigung der Kosten der Zwischenverfügung vom 6. Juli 2021 eine 

Entscheidgebühr von CHF 2'000 angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der 

Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12). Auf die Erhebung wird verzichtet (Art. 95 

Abs. 3 VRP).

Der Verlegung der amtlichen Kosten entsprechend hat der Staat (Sicherheits- und 

Justizdepartement) der Beschwerdeführerin für das Rekurs- und das 

Beschwerdeverfahren ihre ausseramtlichen Kosten zu ersetzen (Art. 98 Abs. 1 und 2 in 

Verbindung mit Art. 98  VRP). Er hat die Beschwerdeführerin für das Rekursverfahren 

mit CHF 1'250 zuzüglich Barauslagen von CHF 50 (vier Prozent von CHF 1'250; Art. 6, 

19, 22 Abs. 1 Ingress und lit. a sowie 28  der Honorarordnung; sGS 963.75, HonO, in 

Verbindung mit Art. 30 Abs. 1 Ingress und lit. b Ziff. 1 sowie Art. 31 Abs. 3 des 

Anwaltsgesetzes; sGS 963.70) und – die Vorinstanz sprach diese trotz fehlendem 

Antrag zu (vgl. zum Verbot der reformatio in peius vor Verwaltungsgericht Art. 63 VRP) 

– Mehrwertsteuer (Art. 29 HonO) zu entschädigen. Die von der Vorinstanz aus 

unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zugesprochene Entschädigung von CHF 1'000 

zuzüglich Mehrwertsteuer ist anzurechnen, soweit sie bereits ausbezahlt worden sein 

sollte.

Für das Beschwerdeverfahren ist die Beschwerdeführerin, deren Rechtsvertreterin 

keine Kostennote einreichte, mit CHF 2'500 zuzüglich Barauslagen von CHF 100 (4 

Prozent von CHF 2'500), mangels Antrags jedoch ohne Mehrwertsteuerzuschlag, zu 

entschädigen (Art. 6, 19, 22 Abs. 1 Ingress und lit. b, 28  sowie 29 HonO).

Demnach erkennt das Verwaltungsgericht auf dem Zirkulationsweg zu Recht:

1.

Die Beschwerde wird gutgeheissen, der angefochtene Entscheid der Vorinstanz vom 

7. Mai 2021 aufgehoben und die Angelegenheit an das Migrationsamt zurückgewiesen, 

um sie dem Staatssekretariat für Migration als Gesuch um Erteilung einer 

Härtefallbewilligung zu unterbreiten.

2.

Der Staat (Sicherheits- und Justizdepartement) trägt die amtlichen Kosten des 

bis

bis

bis

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Rekursverfahrens von CHF 1'000 und des Beschwerdeverfahrens von CHF 2'000. Auf 

die Erhebung wird verzichtet.

3.

Der Staat (Sicherheits- und Justizdepartement) entschädigt die Beschwerdeführerin für 

das Rekursverfahren mit CHF 1'300 (inklusive Barauslagen) zuzüglich Mehrwertsteuer 

unter Anrechnung der von der Vorinstanz zugesprochenen Entschädigung von 

CHF 1'000 zuzüglich Mehrwertsteuer, soweit sie bereits ausbezahlt worden ist, und für 

das Beschwerdeverfahren mit CHF 2'600 (inklusive Barauslagen) ohne Mehrwertsteuer.

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	St.Galler Gerichte
	Entscheid Verwaltungsgericht, 07.09.2021
	Ausländerrecht, humanitäre Aufenthaltsbewilligung, Art. 84 Abs. 5 AIG. Die Beschwerdeführerin, geboren 1995, stammt aus Somalia und hält sich bei straf- und betreibungsrechtlich ungetrübtem Leumund mittlerweile fast neuneinhalb Jahre – bei Ablauf des aktuell gültigen F Ausweises werden es rund zehn Jahre sein – rechtmässig in der Schweiz auf, wo sie einen Teil ihrer prägenden Jugendjahre verbrachte. Ihre Kenntnisse der Landessprache entsprechen den gestellten Anforderungen, sodass unter Berücksichtigung ihres ehrenamtlichen Engagements insgesamt auf eine genügende bis gute sprachlich-soziale Integration zu schliessen ist. Ihre Beteiligung am Wirtschaftsleben und am Erwerb von Bildung blieb nach erfolgreichem Abschluss des Integrationskurses sowie der Vorlehre zwar hinter den an sie gestellten Erwartungen zurück, und die Beschwerdeführerin bezog in der Vergangenheit – bis Dezember 2019 – Sozialhilfe. Seit August 2019 ist die Beschwerdeführerin in einem Teilzeitpensum in der Tagesbetreuung einer Schule angestellt und hat dort mittlerweile die Ausbildung zur Küchenangestellten mit eidgenössischem Berufsattest aufgenommen. Damit tut sie dar, dass sie zukünftig wirtschaftlich selbsterhaltungsfähig sein will und mit hinreichender Wahrscheinlichkeit auch sein wird. Demgegenüber wäre ihre Wiedereingliederung im Herkunftsland, wo sie als alleinstehende Frau, deren Mutter und Bruder samt Familie hierzulande leben und die in ihrem Herkunftsland über kein besonders tragfähiges familiäres Netz verfügt, ausgesprochen schwierig. In Anbetracht des skizzierten Gesamtbilds und unter Berücksichtigung, dass die Vorinstanz wesentliche Umstände nicht oder nur ungenügend berücksichtigte, lässt sich die Abweisung des Gesuchs, die Angelegenheit dem SEM als Gesuch um Erteilung einer Härtefallbewilligung zu unterbreiten, rechtlich nicht halten (Verwaltungsgericht, B 2021/122).

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	"9001 St.Gallen"
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