# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8772e2fd-8167-543f-9eda-f65e5a41067f
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht Praxis des Verwaltungsgerichts (PVG) 00.00.0000 PVG 2015 1
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_006_PVG-2015-1_0000-00-00.pdf

## Full Text

1/1 Politische Reche PVG 2015

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Politische Rechte 1
Dretgs politics Diritti 
politici

Bürgergemeindeversammlung. Ausstandsregeln.
– Art. 23 GG setzt betreffend Ausstandsgründe lediglich 

einen Minimalstandard fest; die politischen Gemeinden und 
damit auch die Bürgergemeinden sind im Rahmen ihrer 
Gemeinde- und Organisationsautonomie daher befugt, 
schärfere Ausstandsvorschriften als das kanto- nale Recht 
gemäss Art. 23 GG zu erlassen und umzuset- zen (E.2c).

– Mit der Gesetzesrevision des kantonalen Gemeindege- 
setzes im Jahre 2005 wurde nur die Ausstandspflicht bei 
Gemeindeversammlungen aufgehoben, nicht aber aus- 
drücklich ein Ausstandsverbot statuiert; die Ausstands- 
gründe nach Art. 23 GG gelten seither nur noch für die 
Mitglieder einer Gemeindebehörde (z. B. des Gemein- 
devorstands oder der Baukommission), nicht aber auch für 
Teilnehmer von Gemeindeversammlungen; Art. 11 der 
Statuten der betreffenden Bürgergemeindever- 
sammlung geht also der allgemeinen (Auffang-)Bestim- 
mung nach Art. 23 GG vor, wobei aber einzig eine 
Verschärfung oder Präzisierung des im Prinzip höher- 
rangigen kantonalen Rechts zulässig ist (E.2d).

– Weil Art. 11 der Statuten der Bürgergemeindeversamm- 
lung vorliegend zu Unrecht nicht beachtet wurde, muss das 
umstrittene Abstimmungsresultat aufgehoben wer- den, 
zumal die Verletzung dieser Ausstandsregel als er- heblich 
einzustufen ist bzw. das Endresultat der in Frage 
stehenden Abstimmung dadurch massgeblich be- einflusst 
wurde (E.2e).

– Eine solche Verletzung der statutarisch garantierten Ab- 
stimmungsfreiheit infolge falsch zusammengesetzter 
Stimmbürgerschaft muss zur allfälligen Wiederholung der 
Abstimmung führen (E.2f).

Assemblea patriziale. Regole sulla ricusa.
– Per quanto riguarda i motivi di ricusa, l’art. 23 LC pone 

delle esigenze minime; i comuni politici e quindi anche

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quelli patriziali sono pertanto autorizzati nell’ambito della 
loro autonomia comunale e organizzativa ad emanare e 
applicare disposizioni sulla ricusa più severe di quelle 
previste dal diritto cantonale all’art. 23 LC (cons. 2c).

– Con la revisione della LC del 2005 è stato abrogato il do- vere 
di ricusa nelle assemblee comunali, ma non è stato 
espressamente statuito un divieto di ricusa; da allora i 
motivi di ricusa di cui all’art. 23 LC valgono per i membri 
dell’amministrazione comunale (municipio, commis- 
sione edilizia), ma non anche per i partecipanti al- 
l’assemblea comunale; l’art. 11 degli Statuti del relativo 
comune patriziale prevale quindi sulla norma generale di 
cui all’art. 23 LC, anche se è ammissibile solo una nor- 
mativa più severa o una precisazione dei principi del 
preminente diritto cantonale (cons. 2d).

– Poiché nell’evenienza l‘art. 11 degli Statuti del comune 
patriziale a torto non è stato ossequiato, il controverso 
esito della votazione deve essere annullato, in quanto la 
violazione delle norme sulla ricusa va qualificata grave e il 
risultato della votazione in discussione è stato influen- zato 
in modo decisivo da detta violazione (cons. 2e).

– Una simile lesione della libertà di voto garantita dagli 
Statuti a seguito di una errata composizione del corpo 
elettorale deve comportare l’eventuale rifacimento della 
votazione (cons. 2f).

Erwägungen:
2. c) In verfahrensrechtlicher Hinsicht regelt Art. 11 der am

19. Dezember 2006 verabschiedeten Statuten der Bürgergemeinde 
X. mit Verweis auf Art. 9 (recte Art. 10) der Statuten, dass bei 
der Beratung und Abstimmung ein Mitglied der Bürgergemeinde 
in den Ausstand zu treten hat, wenn es, der Ehegatte, der Ver- 
wandte oder Verschwägerte in direkter Linie sowie Geschwister an 
der Vorlage ein unmittelbares persönliches Interesse haben (Ori- 
ginaltext in romanischer Sprache). Demgegenüber sieht Art. 23 
GG keine Ausstandsvorschriften mehr vor (vgl. dazu Botschaft 
Heft Nr. 12/2005 – 2006, S. 1030 und S. 1042 [Ausstandsgründe Ge- 
meindeversammlung, Art. 23 E-GG]). Strittig und zu klären ist nun, 
ob die kantonale Bestimmung gemäss Art. 23 GG der kommuna- 
len Regelung nach Art. 1 der Statuten der Bürgergemeinde vor- 
geht oder nur einen Minimalstandard setzt, welcher durch das

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kommunale Recht verschärft werden darf. Im konkreten Fall geht 
es damit letztlich um die richtige Zusammensetzung der Stimm- 
bürgerschaft bzw. um die korrekte Anwendung der zu beachten- 
den Ausstandsregeln. Zur Rügepflicht des Beschwerdeführers sei 
noch festgehalten, dass derselbe aufgrund des E-Mails des Amtes 
für Gemeinden vom 9. Dezember 2013 (vgl. Beilagen Beschwerde- 
gegnerin) zunächst nachvollziehbar davon ausgegangen ist, dass 
Art. 1 der Statuten der Bürgergemeinde durch Art. 23 GG dero- 
giert würde und er daher keine Veranlassung hatte, bereits an- 
lässlich der Beratung der strittigen Traktanden 3a, 3b und 3c zu in- 
tervenieren. Er hat sich also lediglich auf die Auskunft dieses 
Amtes verlassen. Umgekehrt beruft sich die Beschwerdegegnerin 
ebenfalls auf dieses E-Mail, worin festgehalten wird, dass Art. 23 
GG keinerlei Vorschriften bezüglich Ausstand für Gemeindever- 
sammlungen enthalte und daraus der Schluss zu ziehen sei, dass 
deshalb auch an der Versammlung der Bürgergemeinde keine sol- 
chen Regelungen zu beachten seien. Dem hält der Beschwerdefüh- 
rer entgegen, dass eine derartige Beurteilung mit der Gemeinde- 
autonomie, insbesondere mit der Organisationsautonomie und 
der ratio legis des heute geltenden Art. 23 GG unvereinbar sei.

d) Nach Auffassung des streitberufenen Verwaltungsge-
richts ist Art. 23 GG in dem Sinne kein zwingender Charakter zuzu- 
billigen, als dass das Weglassen von Ausstandsgründen bei Ge- 
meindeversammlungen in der heute geltenden Fassung – im 
Gegensatz zur früheren Fassung vor 2006 – nicht bedeutet, dass 
die Gemeinwesen solche nicht doch (weiterhin) vorsehen dürften. 
Wenn dies tatsächlich die Meinung des Gesetzgebers (ratio legis) 
gewesen wäre, so müsste dies aus dem Gesetzestext selbst er- 
sichtlich sein. Wie der Beschwerdeführer überzeugend aufzeigt, 
wurde mit der Gesetzesrevision lediglich die Ausstandspflicht bei 
Gemeindeversammlungen aufgehoben, nicht aber explizit ein 
Ausstandsverbot statuiert (vgl. nochmals Botschaft, a.a.O. S. 1030 
und S. 1042). Der Grund für die Streichung der Ausstandspflicht 
war, dass es sich in der Praxis für die Gemeinden jeweils als 
schwierig erwies, abzuklären, ob im Einzelfall ein Ausstandsgrund 
gegeben war oder nicht. Dies deutet nach Überzeugung des Ge- 
richts klarerweise auf eine Erleichterung zugunsten der Gemein- 
den und vergleichbarer öffentlich-rechtlicher Körperschaften hin, 
ohne diesen aber gleichzeitig zu verbieten, eigene Regelungen 
(weiterhin) zu berücksichtigen. Für diese Betrachtungsweise 
spricht auch, dass mit der Revision den betroffenen Gemeinwesen 
in den Übergangsbestimmungen keine Frist für entsprechende

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Anpassungen gesetzt wurde, wie es z. B. für die Zusammenset- 
zung des Kreisrates in Art. 103a GG der Fall war, der in den Über- 
gangsbestimmungen zur Teilrevision vom 31. August 2006 be- 
stimmte: «Die Kreise haben innert zweier Jahre ab Inkrafttreten 
dieses Gesetzes die Zusammensetzung des Kreisrates in der Ver- 
fassung zu regeln.» Gestützt wird diese Würdigung zudem durch 
die bisherige Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts, das be- 
reits in PVG 2009 Nr. 2 E.3c klärend festhielt, dass im konkreten 
Fall das kommunale Recht keine Ausstandsregelungen enthalte, 
weshalb – also nur subsidiär – Art. 23 GG (in der seit 1. Juli 2006 
geltenden Fassung) heranzuziehen sei; weiter sei diese Bestim- 
mung in der Revision 2005 insofern präzisiert worden, als die 
darin enthaltenen Ausstandsgründe nur noch für Mitglieder einer 
Gemeindebehörde (z. B. des Gemeindevorstands, einer Baukom- 
mission) gelten würden, nicht aber, wie noch in der bis 30. Juni 
2006 geltenden Version, auch für Mitglieder von Gemeindever- 
sammlungen. Aus dem Gesagten ergibt sich für das Verwaltungs- 
gericht, dass Art. 1 der Statuten der Bürgergemeindeversamm- 
lung der allgemeinen (Auffang-)Bestimmung gemäss Art. 23 GG 
vorgeht und damit grundsätzlich kommunales Verfassungs- oder 
Gesetzesrecht das generelle kantonale Recht zu übersteuern ver- 
mag, solange diese Gemeindevorgaben einzig eine Verschärfung 
oder Präzisierung des im Prinzip höherrangigen kantonalen 
Rechts beinhalten, den übergeordneten Rahmenbestimmungen 
des Kantons oder Bundes aber nicht widersprechen und folglich 
eine rechtskonforme Auslegung der vom kommunalen Gesetzge- 
ber korrekt erlassenen Verfassungs-, Statuten- und Gesetzesbe- 
stimmungen zulassen. Am Primat des kommunalen Gesetzgebers 
(Legislative) im Direktvergleich zum kantonalen Gesetzgeber – bei 
allen ausschliesslich das Gemeinwesen selbst betreffenden Ange- 
legenheiten – besteht für das Gericht kein Zweifel, solange keine 
mit dem höherrangigen Recht unvereinbare Regelungen getroffen 
werden und der Kompetenzbereich der Gemeinden nicht über- 
schritten wird.

e) Für den vorliegenden Streitfall muss diese Erkenntnis 
zur Konsequenz haben, dass Art. 1 der Statuten der Bürgerge- 
meindeversammlung von der Beschwerdegegnerin zu Unrecht 
nicht beachtet wurde. Das angefochtene Abstimmungsresultat 
vom 24. Januar 2014 muss demnach aufgehoben werden, sofern 
die Verletzung der in Art. 1 der Statuten verankerten Ausstandsbe- 
stimmung erheblich ist und eine Beeinflussung des Schlussresul- 
tats der in Frage stehenden Abstimmung als möglich erscheint

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(vgl. Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden 
[VGU] V 13 7 vom 8. April 2014 E.3a – b, V 12 3 vom 15. Mai 2012
E.2a; PVG 2009 Nr. 2 E.3a; Urteile des Bundesgerichts 1C_395/2010 
vom 7. Februar 201 E.2.3.1, 1C_392/2009 vom 1.  Dezember 2009  
E.2, 1C_412/2007 vom 18. Juli 2008 E.4; BGE 135 I 293 E.2, 132 I 108 
E.3.1, 131 I 446 E.3.1, 130 I 293 E.3, 1  3 Ia 52 E.4a, 1  7 Ia 455  E.3a;
JÖRG PAUL MÜLLER / MARKUS SCHEFER, Grundrechte in der Schweiz,
4. Aufl., Bern 2008, S. 613 ff.; ULRICH HÄFELIN / WALTER HALLER / HELENE 
KELLER, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 8. Aufl., Zürich 2012,
S. 431 ff.; PIERRETSCHANNEN, Staatsrecht der Schweizerischen Eidge- 
nossenschaft, 3. Aufl., Bern 201 , § 52 S. 663 ff.). In Anbetracht der 
Liste der Teilnehmer an der Bürgergemeindeversammlung, bei 
der neben den unmittelbar Betroffenen auch Familienangehörige 
nach Art. 10 der Statuten anwesend waren, liegt eine Beeinflus- 
sung des Abstimmungsergebnisses nahe, zumal fast die Hälfte 
der anwesenden, stimmberechtigten Bürgerinnen und Bürger aus 
nahen Verwandten der Direktbetroffenen bestand. Dieses Faktum 
wurde von der Beschwerdegegnerin nicht bestritten. Die Verlet- 
zung der massgeblichen Ausstandsbestimmung gemäss Art. 1 
der Statuten muss somit hier aber definitionsgemäss als schwer 
taxiert werden. An dieser Bewertung ändert auch die Argumenta- 
tionsweise des Wortführers der Beschwerdegegnerin (Bürger- 
meister) nichts, wonach es auch möglich gewesen wäre, die fünf 
Verträge separat zur Abstimmung zu bringen, unter Beachtung 
des Ausstands nur gerade der davon betroffenen Person bzw. de- 
rer engeren Familienangehörigen. Hier geht es nämlich um den 
Grundsatz der Veräusserung, der gesamthaft entweder gilt oder 
eben nicht gilt. Weiter tut auch das Argument des Bürgermeisters 
nichts zur Sache, bei früheren Abstimmungen seien die Aus- 
standsregelungen möglicherweise (ebenfalls) nicht korrekt ange- 
wandt worden, weil diese früheren Abstimmungen nicht Streit- 
gegenstand dieses Verfahrens bilden und diese Abstimmungsre- 
sultate längst verbindlich und unabänderlich geworden sind.

f) Zusammengefasst ergibt sich damit, dass die «Nichtbe- 
achtung» der zulässigerweise erlassenen Ausstandsvorschriften 
nach Art. 1 der Statuten als schwerwiegend und abstimmungs- 
relevant einzustufen ist, was für sich allein betrachtet bereits zur 
Aufhebung des angefochtenen Abstimmungsresultats (Verletzung 
der Abstimmungsfreiheit infolge falsch zusammengesetzter 
Stimmbürgerschaft) vom 24. Januar 2014 und zur Gutheissung der 
dagegen am 3. Februar 2014 erhobenen Beschwerde führen muss. 
Aus praktischen Gründen sind im konkreten Fall aber auch noch

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die weiter erhobenen (materiellen) Einwände und Rügen zu be- 
handeln, um so allen Betroffenen im Hinblick auf eine neue Ab- 
stimmung eine vorhersehbare Rechtssicherheit zu geben.
V 14 2 Urteil vom 6. Mai 2015