# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2bedf6a4-923b-539f-ba54-44cfdab400aa
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-09-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.09.2023 D-4354/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4354-2023_2023-09-14.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4354/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 4 .  S e p t e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richter Thomas Segessenmann (Vorsitz),  

Richterin Esther Marti,  

Richter Manuel Borla;   

Gerichtsschreiber Daniel Widmer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Burundi,   

vertreten durch Melek Kusoglu, Advokatin, 

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (beschleunigtes Verfahren); 

Verfügung des SEM vom 12. Juli 2023 / N (…). 

 

 

 

D-4354/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 16. Dezember 2022 in der Schweiz um 

Asyl nach und bevollmächtigte am 29. Dezember 2022 die zugewiesene 

Rechtsvertretung (…) mit der Wahrung seiner Interessen. 

B.  

In der Anhörung vom 3. Juli 2023, die in Abwesenheit der Rechtsvertretung 

durchgeführt wurde, machte der Beschwerdeführer geltend, er sei burun-

discher Staatsangehöriger aus B._______. Dort lebe seine Mutter mit (…) 

seiner Geschwister. Seine Familie besitze ein (…) und habe nichts mit der 

Politik zu tun, sie würde lieber «Business» machen. Im Jahr 2020 habe er 

frühmorgens, als er Sport betrieben habe, zufällig drei Polizisten dabei be-

obachtet, wie sie eine Person stranguliert hätten. Als sie ihn gesehen hät-

ten, habe er die Flucht ergriffen. Seine Mutter habe ihm kurz darauf telefo-

nisch mitgeteilt, dass sich Personen bei Nachbarn im Quartier nach ihm 

erkundigt hätten. Aus diesem Grund habe er sich kurze Zeit bei einer Nach-

barin versteckt und sei dann zu Verwandten nach C._______ gegangen. 

Auch dort seien bei den Nachbarn Erkundigungen über ihn eingeholt wor-

den. Deshalb sei er schliesslich zu seinem Cousin nach D._______ gezo-

gen, wo er ein Internat besucht habe. Dort habe er etwas Ruhe gehabt. 

Nach (…) Jahren, nachdem er seine Prüfungen bestanden habe, sei er zu 

seiner Familie in B._______ zurückgekehrt. In der Folge hätten erneut Un-

bekannte im Quartier Nachforschungen zu seinem Aufenthaltsort ange-

stellt. Da seine Mutter um seine Sicherheit gefürchtet habe, habe sie ihn 

nach E._______ geschickt und seine Ausreise organsiert. Rund drei Mo-

nate später sei er am 28. September 2022 aus Burundi ausgereist. Im Falle 

einer Rückkehr befürchte er, umgebracht zu werden. 

Der Beschwerdeführer reichte keine heimatlichen Identitätsdokumente zu 

den Akten. 

C.  

Am 10. Juli 2023 händigte das SEM der Rechtsvertretung den Entscheid-

entwurf zur Stellungnahme aus. Letztere datiert vom selben Tag und ging 

am 11. Juli 2023 beim SEM ein. 

D.  

Mit Verfügung vom 12. Juli 2023 (Eröffnung am selben Tag) stellte das 

SEM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht 

D-4354/2023 

Seite 3 

erfülle, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der 

Schweiz sowie den Vollzug an. 

E.  

Dagegen erhob der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin mit 

Eingabe vom 10. August 2023 Beschwerde beim Bundesverwaltungsge-

richt. Er beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Fest-

stellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. Eventua-

liter sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Subeventualiter sei der Ent-

scheid in Bezug auf die Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung auf-

zuheben und zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und Neubeur-

teilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht er-

suchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, insbeson-

dere sei von der Erhebung eines Kostenvorschusses abzusehen.  

Auf die Begründung der Begehren und das mit der Beschwerde eingereich-

ten Beweismittel wird – soweit für den Entscheid wesentlich – in den nach-

folgenden Erwägungen eingegangen.  

F.  

Am 11. August 2023 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-

gang der Beschwerde. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesver-

waltungsgericht am selben Tag in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 

Abs. 1 AsylG; SR 142.31). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-

tig (vgl. Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

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Seite 4 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG und 

Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 COVID-19-Verordnung Asyl [SR 

142.318]; Art. 48 Abs. 1 VwVG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel 

in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (Art. 21 Abs. 1 VGG). 

Das Gericht kann auch in solchen Fällen auf die Durchführung eines Schrif-

tenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

4.  

Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz-

lich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, 

in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zu-

gehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politi-

schen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-

dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 

AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei-

bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg-

lichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung des Asylentscheids im Wesent-

lichen aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderun-

gen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. So be-

ruhten die erlittenen Nachteile und die Befürchtungen einzig auf dem Um-

stand, dass er Zeuge einer Straftat geworden sei. Dabei handle es sich 

nicht um ein flüchtlingsrechtlich relevantes Motiv im Sinne von Art. 3 AsylG. 

Vielmehr seien seine Vorbringen auf die Vertuschung von kriminellen 

Handlungen von Polizeibeamten zurückzuführen. In der Stellungnahme 

der Rechtsvertretung sei vorgebracht worden, dass er über den Anhö-

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Seite 5 

rungsablauf und die Vorbereitung nach wie vor schockiert sei. So habe er 

von der Anhörung an jenem Tag nichts gewusst. Er habe sich unter Druck 

gefühlt, denn es seien ihm vorgängig überdurchschnittlich lange Wartezei-

ten in Aussicht gestellt worden, sofern er der Teilnahme ohne eine Rechts-

vertretung nicht zustimmen würde. Dazu führte das SEM aus, dass die Vor-

ladung ordnungsgemäss und rechtzeitig zugestellt worden sei. Die Grün-

de, weshalb er von seiner Rechtsvertretung nicht früher über den anste-

henden Befragungstermin informiert worden sei, seien dem SEM nicht be-

kannt. Zudem sei keine Mitarbeiterin beziehungsweise kein Mitarbeiter des 

SEM während des Vorgesprächs anwesend, weshalb es sich seiner Kennt-

nis entziehe, was ihm von seiner Rechtsvertretung mitgeteilt worden sei, 

und ob er sich hierdurch unter Druck gesetzt gefühlt habe. Das SEM habe 

ihm jedoch zu Beginn der Anhörung nochmals die Möglichkeit gegeben, 

sich betreffend die Absenz seiner Rechtsvertretung zu äussern. Dabei 

habe er explizit zu Protokoll gegeben, dass dies kein Problem sei. Auch 

sonst gingen aus dem Protokoll keinerlei Hinweise hervor, dass er sich 

nicht frei hätte äussern respektive seine Vorbringen nicht vollständig hätte 

darlegen können. 

Den Vollzug der Wegweisung erachtete die Vorinstanz als zulässig. Die 

Furcht des Beschwerdeführers vor Nachteilen von Seiten der Polizisten sei 

in subjektiver Hinsicht nachvollziehbar. In objektiver Hinsicht hielt das SEM 

fest, dass bislang unbekannte Personen sich in seiner Nachbarschaft nach 

ihm erkundigt hätten. Er sei jedoch weder bei seiner Familie noch bei Ver-

wandten jemals direkt gesucht worden. Auch hätten seine Familienange-

hörigen weder Drohungen erhalten noch Nachteile erlitten. Mangels kon-

kreter Anhaltspunkte sei somit nicht mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 

davon auszugehen, dass ihm eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe 

oder Behandlung drohe. Zudem leiteten sich die geltend gemachten Nach-

teile aus lokal oder regional beschränkten Problemen ab. Da er sich diesen 

durch einen Wegzug in einen anderen Teil seines Heimatlandes entziehen 

könnte, sei er nicht auf den Schutz eines Drittstaates angewiesen. Es sei 

zumutbar, dass er sich – wie bereits in der Vergangenheit – mit der Unter-

stützung seiner Familie an einem anderen Ort in Burundi niederlasse. So-

dann sei nicht grundsätzlich auszuschliessen, dass er bei entsprechender 

Anzeige Schutz durch die burundischen Behörden erhalten würde, zumal 

er bislang keinerlei Probleme mit diesen gehabt habe. Die Rechtsvertre-

tung habe in ihrer Stellungnahme moniert, es sei nicht ausreichend geprüft 

worden, weshalb er in D._______ ohne Nachteile gelebt habe. So habe er 

sich während der ganzen Zeit versteckt aufgehalten und nur aufgrund des-

sen keine Probleme gehabt. Diesbezüglich hielt die Vorinstanz fest, aus 

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seinen Aussagen gehe hervor, dass er während seines Aufenthalts in 

D._______ mehrere Jahre die Schule besucht habe. Dies stehe seiner an-

derslautenden Behauptung entgegen. Es sei nicht plausibel, weshalb er 

nun – wie geltend gemacht – von seinen ehemaligen Mitschülern verraten 

werden sollte, nachdem dies während seiner gesamten Aufenthaltsdauer 

in D._______ nicht erfolgt sei. Dabei handle es sich offensichtlich um eine 

Schutzbehauptung. Somit seien keine Tatsachen oder Beweismittel vorge-

legt worden, welche eine Änderung des Standpunktes des SEM oder eine 

Zuteilung ins erweiterte Verfahren rechtfertigen könnten.  

Der Vollzug der Wegweisung sei in allgemeiner und individueller Hinsicht 

zumutbar. Betreffend den gesundheitlichen Zustand des Beschwerdefüh-

rers, namentlich (…), hielt das SEM fest, dass er nicht an einer Krankheit 

leide, die derart schwer sei, dass eine Rückkehr zu einer raschen und le-

bensgefährdenden Beeinträchtigung seines Gesundheitszustandes führen 

würde und in Burundi nicht behandelbar wäre. Gemäss seinen Aussagen 

sei er bereits in seiner Heimat diesbezüglich behandelt worden. Die mit 

Eingabe vom 23. Februar 2023 vorgebrachten (…) respektive psychischen 

Beschwerden habe er in der Anhörung nicht mehr geltend gemacht. Es 

stehe ihm zudem frei, medizinische Rückkehrhilfe zu beantragen.  

In ihrer Stellungnahme habe die Rechtsvertretung moniert, dem Entscheid 

könne keine Begründung entnommen werden, weshalb die Sicherheitslage 

in B._______ als stabil bezeichnet werden könne. Insbesondere steige die 

Anzahl der willkürlichen Gewaltanwendungsfälle der Jugendmiliz 

Imbonerakure gegenüber Zivilpersonen. Auch in diesem Zusammenhang 

habe die Rechtsvertretung beantragt, den vorliegenden Fall dem erweiter-

ten Verfahren zuzuteilen sowie eine detaillierte Prüfung der Wegweisungs-

vollzugshindernisse vorzunehmen. Diesbezüglich verwies das SEM auf die 

Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, wonach der Vollzug der 

Wegweisung hinsichtlich der allgemeinen Lage trotz der heiklen Situation 

in einigen Provinzen Burundis, insbesondere in wirtschaftlicher und sicher-

heitspolitischer Hinsicht, als zumutbar erachtet werde. Auch unter diesem 

Gesichtspunkt rechtfertige sich eine Zuteilung ins erweiterte Verfahren 

nicht. 

5.2 In der Beschwerdeschrift wird unter sinngemässer Wiederholung der 

bisherigen Vorbringen und der Ausführungen in der Stellungnahme vom 

10. Juli 2023 zum Entscheidentwurf an der Asylrelevanz der Vorbringen 

festgehalten. Der Beschwerdeführer habe im Rahmen der Entwurfsbespre-

chung vom 10. Juli 2023 und der Entscheideröffnung vom 13. Juli 2023 

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erklärt, er sei verwirrt gewesen, dass die Anhörung ohne Anwesenheit der 

Rechtsvertretung und überhaupt am besagten Tag stattgefunden habe. In 

materieller Hinsicht habe die Vorinstanz nicht berücksichtigt, dass er, nebst 

den involvierten Polizisten, auch durch Imbonerakure verfolgt werde. In 

beiden Fällen werde er durch Angehörige des burundischen Sicherheits-

apparates bedroht. In diesem Zusammenhang habe das SEM die Begrün-

dungspflicht verletzt und den Sachverhalt nur unvollständig berücksichtigt. 

Zudem habe es unterlassen, ihn zu seiner Ethnie ([…]) zu befragen und 

seine familiäre Situation mittels konkreter Nachfragen abzuklären. Damit 

erweise sich die Sachverhaltsfeststellung als unvollständig. Angesichts 

dieser als Gehörsverletzung zu qualifizierenden Mängel überrasche umso 

mehr, dass die Vorinstanz den Antrag auf Zuteilung in das erweiterte Ver-

fahren abgelehnt habe. Als Beweismittel reichte er eine Kopie eines Such-

befehls vom (…) zu den Akten, den er am 21. Juli 2023 eingereicht habe. 

6.  

6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum 

Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu 

Recht abgewiesen hat. Die Entgegnungen in der Beschwerdeschrift und 

die darin angerufenen Beweismittel vermögen zu keiner anderen Betrach-

tungsweise zu führen. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann vorab 

auf die entsprechenden Erwägungen im angefochtenen Asylentscheid ver-

wiesen werden (vgl. oben E. 4.2).  

6.2  

6.2.1 Gemäss Art. 102h Abs. 5 i.V.m. Art. 102k Abs. 1 Bst. b AsylG nimmt 

die zugewiesene Rechtsvertretung an der Anhörung zu den Asylgründen 

teil. Teilt das SEM dem Leistungserbringer den Anhörungstermin rechtzei-

tig mit, kann die Anhörung auch ohne die Anwesenheit oder Mitwirkung der 

Rechtsvertretung rechtsgültig durchgeführt werden, vorbehältlich kurzfris-

tiger Verhinderungen aus entschuldbaren, schwerwiegenden Gründen 

(vgl. Art. 102j Abs. 1 und 2 AsylG).  

Das SEM hat den Leistungserbringer Rechtsschutz BAZ (…) am 28. Juni 

2023 über den Anhörungstermin vom 3. Juli 2023 informiert (vgl. act. […]-

15/2). Aus den Akten ist sodann nicht ersichtlich, dass beim SEM wegen 

kurzfristiger Verhinderung der zugewiesene Rechtsvertretung ein Gesuch 

um Verschiebung des Anhörungstermins eingereicht wurde. In der Stel-

lungnahme zum Entscheidentwurf wurde kein Grund angegeben, weshalb 

die zugewiesene Rechtsvertretung nicht an der Anhörung des Beschwer-

deführers genommen hatte. Erst in der Beschwerde macht die 

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Seite 8 

Rechtsvertreterin geltend, «aufgrund von Krankheitsfall» verhindert gewe-

sen zu sein, ohne diese Behauptung weiter zu substantiieren oder mit Be-

weismitteln zu unterlegen (vgl. Beschwerde, S. 5). Der blosse Umstand, 

dass das SEM die Anhörung des Beschwerdeführers zu seinen Asylgrün-

den in Abwesenheit der zugewiesenen Rechtsvertretung durchgeführt hat, 

stellt deshalb für sich alleine betrachtet, keine Verletzung der Verfahrens-

rechte des Beschwerdeführers dar. 

6.2.2 Bezüglich der konkreten Umstände der Anhörung zu den Asylgrün-

den wird in der Beschwerde ausgeführt, der Beschwerdeführer sei von ei-

ner Stellvertretung der Rechtsvertretung informiert worden, dass die Anhö-

rung stattfinden und wie diese ablaufen werde. Die Rechtsvertretung sei 

aufgrund eines Krankheitsfalls verhindert gewesen. Weil ihm im Rahmen 

der Anhörung mitgeteilt worden sei, dass er bei einem Verzicht lange auf 

einen nächsten Termin für eine Anhörung warten müsste, habe er der An-

hörung ohne Rechtsvertretung zugestimmt (vgl. Beschwerde S. 5). Daraus 

vermag der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Zum 

einen gesteht er damit ein, dass er im Rahmen des Vorgesprächs über die 

bevorstehende Anhörung und deren Ablauf durch eine Stellvertretung der 

Rechtsvertretung informiert worden war (vgl. auch act. […]-19/2 F1 f.). 

Zum andern finden sich weder im Protokoll der Anhörung noch in der Stel-

lungnahme und der Beschwerdeschrift Hinweise darauf, dass ihm anläss-

lich der Anhörung vonseiten des SEM für den Fall, dass er die Durchfüh-

rung einer solchen in Anwesenheit der Rechtsvertretung wünsche, eine 

lange Wartezeit in Aussicht gestellt worden wäre und er sich deswegen 

unter Druck gesetzt gefühlt hätte beziehungsweise schockiert gewesen 

wäre. Mithin sind die diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz nicht zu 

beanstanden (vgl. oben E. 4.2 und auch act. […]-19/2 F3).  

6.3 Der Beschwerdeführer vermag sein Vorbringen in der Beschwerde-

schrift, er werde nebst den straffälligen gewordenen Polizisten auch durch 

überall in seinem Heimatstaat aktive Imbonerakure verfolgt, nicht zu sub-

stanziieren. So gab er zu Protokoll, bei den Tätern habe es sich um (…) 

Polizisten, wovon (…) in Zivil, gehandelt. Als sie ihn gesehen hätten, seien 

sie auf ihn zugekommen. Als er weggelaufen sei, seien sie ihm gefolgt. Als 

er geschrien habe, hätten sich die Verfolger zurückgezogen (vgl. 

act. a.a.O. F45). Bereits deshalb vermag er aus seinen allgemein gehalte-

nen Aussagen, in Burundi sei bekannt, dass die Leute, die umgebracht hät-

ten, Imbonerakure seien und diese seien überall (vgl. a.a.O.), nichts zu 

seinen Gunsten abzuleiten. Daran kann auch das – lediglich als Kopie – zu 

den Akten gereichte Beweismittel, bei dem es sich um einen Suchbefehl 

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Seite 9 

der Imbonerakure handeln soll, nichts ändern (vgl. Beschwerde S. 6 und 

Beschwerdebeilage 3). Über die Umstände, wie der Beschwerdeführer in 

den Besitz des Suchbefehls gelangt ist, finden sich in der Beschwerde-

schrift keine Ausführungen. Dem Dokument ist, soweit lesbar, zu entneh-

men, dass das (…)kommissariat der (…)polizei von B._______ eine Per-

son mit dem Namen des Beschwerdeführers wegen Verweigerns des Er-

scheinens («[…]») dringend suche («...recherche très activement…»). Es 

ist von einem Offizier der Justizpolizei unterzeichnet («Officier de Police 

Judiciaire»). Mithin ist nicht ersichtlich, inwiefern das Dokument von den 

Imbonerakure stammen soll. Zudem erstaunt das Datum des angeblichen 

Suchbefehls ([…]), zumal der Beschwerdeführer anlässlich seiner Anhö-

rung zu Protokoll gab, er sei am 28. September 2022, unter seinen Perso-

nalien, legal aus Burundi ausgereist (a.a.O. F34–36). Unter diesen Um-

ständen kann dem vorgelegten Dokument kein Beweiswert zugemessen 

werden, weshalb sich auch die diesbezüglichen formellen Rügen als unbe-

gründet erweisen. Das entsprechende Subeventualbegehren betreffend 

Rückweisung der Sache an die Vorinstanz ist demzufolge abzuweisen. Im 

Übrigen würde es, selbst wenn er von Imbonerakure gesucht würde, an 

einem Verfolgungsmotiv im Sinne von Art. 3 AsylG mangeln. 

6.4 Auch aus dem Vorbringen des Beschwerdeführers, er gehöre der Min-

derheit der (…) an, was sein Gefährdungsprofil weiter schärfe, und dem 

Vorwurf, die Vorinstanz habe es unterlassen, ihn zu seiner Ethnie zu befra-

gen, vermag er nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Er hat es selber un-

terlassen, Ziffer 8 des Personalienblattes (Volksgruppe/Ethnie/Stamm) 

auszufüllen. Zudem stellte er anlässlich seiner Anhörung die geltend ge-

machte Suche nach ihm zu keinem Zeitpunkt in eine Beziehung zu seiner 

Ethnie. Somit geht auch die Rüge der unvollständigen Sachverhaltsfest-

stellung fehl. 

6.5 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht und 

ergibt sich nichts aus den Akten, was geeignet wäre, eine Furcht vor einer 

asylrechtlich relevanten Verfolgung durch die burundischen Behörden oder 

durch Imbonerakure als objektiv begründet erscheinen zu lassen. Die Vor-

instanz hat daher sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt.  

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

D-4354/2023 

Seite 10 

7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.2  

8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

8.2.2 Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich 

erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der 

in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegen-

den Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr in den Heimatstaat 

ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

D-4354/2023 

Seite 11 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen noch aus den Akten An-

haltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimat-

staat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder 

Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Auch die 

allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegwei-

sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 

Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der 

asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

8.3  

8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

8.3.2 In der Beschwerde wird eingewendet, die Vorinstanz habe den Sach-

verhalt unvollständig festgestellt, weil sie es unterlassen habe, die familiäre 

Situation des Beschwerdeführers mittels konkreter Nachfragen abzuklä-

ren. Weder sei erstellt, wie sich die finanzielle Situation der Familie seit 

dem Tod seines Vaters sowie nach seiner Flucht verändert habe noch ob 

und falls ja, in welchem Umfang seine Geschwister arbeitstätig seien (vgl. 

Beschwerde S. 9). Diese Vorwürfe gehen fehl. Der Beschwerdeführer gab 

zu Protokoll, sein Vater sei im Jahr (…) gestorben. Dieser habe der Familie 

(…) hinterlassen. Sie hätten auch Häuser, welche vermietet seien. Die Mut-

ter besitze zudem ein (…) und ein (…)lokal. Sie hätten keine Geldprobleme 

gehabt (vgl. act. […]-19/2 F26 ff.). Während seines (…)jährigen Aufenthalts 

in D._______ sei er von der Familie weiterhin unterstützt worden, welche 

ihm viel Geld dorthin geschickt habe (vgl. a.a.O. F45). Der Beschwerde-

führer machte somit mit keinem Wort eine Verschlechterung der finanziel-

len Situation geltend. Zudem stellt sich unter diesen Umständen die Frage 

der Erwerbstätigkeit seiner Geschwister nicht. Bei dieser Sachlage kann 

von einer unvollständigen Sachverhaltsfeststellung keine Rede sein.  

8.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch 

als zumutbar. 

8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

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Seite 12 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

8.5 Insgesamt erweisen sich die formellen Rügen der Verletzung der Be-

gründungspflicht, der unvollständigen Abklärung des rechtserheblichen 

Sachverhalts und der Verletzung des rechtlichen Gehörs als unbegründet. 

Das entsprechende Subeventualbegehren betreffend Rückweisung der 

Sache an die Vorinstanz ist demzufolge abzuweisen. Es liegen auch keine 

Gründe für eine Zuteilung in das erweiterte Verfahren vor.  

8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

10.1 Mit dem Entscheid in der Hauptsache wird das Gesuch um Verzicht 

auf die Erhebung eines Kostenvorschuss gegenstandslos. 

10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da die gestellten Be-

gehren als nicht von vornherein aussichtslos zu bezeichnen waren und auf-

grund der Akten von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen 

ist, ist ihm die unentgeltliche Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG zu 

gewähren. Es sind daher keine Verfahrenskosten zu erheben.  

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-4354/2023 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Thomas Segessenmann Daniel Widmer