# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1d1034ff-c9b4-5f0d-93c8-01eddc2b9f20
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-03-10
**Language:** de
**Title:** Borreliose ist nicht überwiegend wahrscheinlich für die gesundheitliche Entwicklung des Beschwerdeführers verantwortlich. Natürlicher Kausalzusammenhang fehlt somit. Abweisung.
**Docket/Reference:** UV.2013.00241
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2013.00241.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2013.00241
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Käch
Ersatzrichterin Romero-Käser
Gerichtsschreiberin Schüpbach
Urteil
vom
10. März 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
gegen
Helsana Unfall AG
Zürichstrasse
130, 8600 Dübendorf
Beschwerdegegnerin
Zustelladresse: Helsana Versicherungen AG
Versicherungsrecht
Postfach, 8081 Zürich Helsana
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1974, war seit
April 2001
bei der
Y.___
AG
als Geschäftsführer angestellt und damit bei der Helsana Unfall AG (nachfol
gend
: Helsana)
versichert. Mit Schadenmeldung vom 2
3.
Dezember 2012 liess er eine Borreliose mit unklarer Ansteckung, wahrscheinlich durch einen
Zecken
biss
,
mel
den, welche zu einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit seit dem 1
2.
September 2011
geführt habe.
Als
Schadendatum wurde
„unklar, aber min
destens seit einem
Jahr“
angegeben (
Urk.
8/K1 =
Urk.
3/4).
Nach getätigten Abklärungen
verneinte
die Helsana den Anspruch auf Leis
tungen aus der obli
gatorischen Unfallversicherung mit Verfügung vom 6. Mai 2013 (Urk. 8/K7 =
Urk.
3/5
)
, da die natürliche Kausalität nicht mit dem erfor
der
li
chen Beweisgrad nachgewiesen sei.
Die vom Versicherten am
5.
Juni 2013
erhobene Einsprache (Urk.
8/K11 =
Urk.
3/6
)
wies die
Helsana am 1
0.
September 2013
ab (Urk.
8
/
K13
= Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 1
4.
Oktober 2013
Beschwerde (Urk. 1) geg
en den
Ein
spracheentscheid
vom 1
0.
September 2013
(Urk. 2)
und beantragte, dieser sei
auf
zuheben (S. 2
Ziff.
1) und die
Einsprachegegnerin
sei zu verpflichten, ihm die
nach UVG ordentlich geschuldeten Versicherungsleistungen (Taggelder, Renten, Integritätsentschädigung) zuzüglich 5
%
Zins seit dem 1
2.
September 2011 zu erbringen (S. 2
Ziff.
2).
Mit Beschwerdea
ntwort vom 2
8.
November 2013
(Urk.
7
) beantragte die
Helsa
na
die Abweisung der Beschwerde. Di
es wurde dem Beschwerdeführer am
4.
Dezem
ber 2013
zur Kenntnis gebracht (Urk.
9
).
Gleichzeitig wurde das Ver
fahren bis zum Vorliegen der medizinischen Berichte von
Dr.
Z.___
und
Dr.
A.___
sistiert.
Mit Eingabe vom
8.
September 2014 (
Urk.
12) reichte der Beschwerdeführer Be
richte von
Dr.
A.___
ein (
Urk.
13/1-2), wozu die Beschwerdegegnerin am
2.
Okto
ber 2014 Stellung nahm (
Urk.
16). Dies wurde dem Beschwerdeführer am
6.
Oktober 2014 z
ur Kenntnis gebracht (
Urk.
17).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ein Unfall ist gemäss
Art.
4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädi
gend
e
Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschli
chen Kör
per,
die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Ge
sundheit oder den Tod zur Folge hat (BGE 129 V 402 E. 2.1).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss
Bundesgesetz über die Un
fallversicherung (UVG)
setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzu
sammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene
Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungs
weise
nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sammen
hangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesund
heit
licher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zu
sammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten
Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht wegge
dacht wer
den kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE
129 V 177 E.
3.1, 402 E.
4.3.1, 119 V 335 E.
1, 118 V 286 E.
1b, je mit Hin
weisen).Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer ge
sund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, wo
rüber die Verwal
tung beziehungsweise im Beschwerdefall das Ge
richt im Rah
men der ihm oblie
genden Beweiswürdigung nach dem im Sozial
versicherungsrecht üblichen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglich
keit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 177 E.
3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Nach der Rechtsprechung erfüllt der Zeckenbiss sämtliche Merkmale des
Unfall
begriffs
gemäss
Art. 4 ATSG (BGE 122 V 230).
Bei der durch Zeckenbiss über
tragenen
Lyme
-Borreliose handelt es sich um eine Infektionskrankheit mit komplexem Krankheitsbild, welches aus unspezifischen Allgemein- und spezi
fischen Symptomen besteht, die aus dem Befall der einzel
nen Organe resul
tie
ren. Zu den wichtigsten Allgemeinsymptomen gehören Mü
dig
keit, Malaise, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Fieber, Arthralgien, My
al
gien, Heiserkeit, Nausea, Erbrechen, Konjunktivitis, Gewichtsverlust, Diarrhöe. Bekannt sind auch Beeinträchtigungen der Psyche wie insbesondere depressive
Verstimmun
gen (vgl. Norbert Satz, Klinik der
Lyme
-Borreliose, 2. Aufl. Bern 2002
,
S. 95 ff.).
Der erfolgte Kontakt mit dem Borreliose-Erreger kann zwar mittels serologi
schen
Untersu
chungen belegt werden, diese genügen für den Schluss auf eine daraus entstandene
Lyme
-Borreliose indes nicht. Die Diagnose einer
Lyme
-Bor
re
liose –
gleich welchen Stadiums – setzt vielmehr ein entsprechendes klini
sches
Be
schwerdebild
und den Ausschluss von Differentialdiagnosen voraus, wobei je nach
dem Krankheitsstadium ein pathologischer laborchemischer Test die Wahr
scheinlich
keit der Diagnose erhöhen kann (Urteil des Bundesgerichtes U 208/05 vom 18. Januar 2006, E.
4 mit Verweis auf das Urteil U 217/03 vom 15. April, E. 4 mit Hinweis auf: Norbert Satz, Klinik der
Lyme
-Borreliose, 2. Auflage, Bern 2002, S. 70).
1.4
Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der
Beweisfüh
rungslast
begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerichts (oder der verfügen
den Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des Be
weismaterials besorgt zu sein (BGE 115 V 111 E. 3d/
bb
; Maurer,
Sozialversi
che
rungsrecht
, Bd. I, 2. unveränderte Aufl., Bern 1983, S. 438
Ziff.
7a). Im
Sozi
al
versicherungsprozess
tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nu
r insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten
wollte
(BGE 115 V 133 E.
8a). Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn
es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungs
grundsatzes
auf
grund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrschein
lichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b).
1.
5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete im angefochtenen Entscheid
(Urk. 2)
die Ver
weigerung von Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung
da
mit, dass
ein Kausalzusammenhang zwischen den Beschwer
den und dem unklaren Unfallereignis bloss möglich sei. Vorliegend seien ke
ine kli
nischen Manifesta
tionen (Symptome)
gegeben, welche jedoch für die Diag
nose einer Borreliose in Kombination mit den Laborbefunden zwingend nötig seien.
Somit sei auch un
klar, in welchem Stadium sich die Krankheit
befinde. Die Diag
nose sei
aus
schliess
lich aufgrund der vorliegenden Laborresultate ge
stellt worden
, was für die Diagnostizierung einer Borreliose jedoch nicht ge
nüge. Die
Serologie diene
nur zur Unterstützung der klinischen Diagnose. Es lasse sich auch
nicht belegen, dass es sich um eine aktive Borreliose handle (S. 5).
2.2
Demgegenüber machte der Be
schwerdeführer geltend (
Urk.
1),
Dr.
Z.___
habe nicht – wie von der Beschwerdegegnerin behauptet – eine Borreliose aufgrund des Laborberichts diagnostiziert, sondern genau umgekehrt. Er habe eine Borre
liose diagnostiziert und deshalb – zur Unterstützung der klinischen Diagnose – ein
en
Laboruntersuch angeordnet.
Auch
Dr.
A.___
habe aufgrund der klinischen Manifestation ebenfalls eine Borreliose diagnostiziert (S. 7
f.
).
Die
Beschwerde
gegnerin
habe zu Unrecht den Schluss gezogen, dass die Kausalität vorliegend zu verneinen sei (S. 10).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die geltend gemachten Beschwerden des Be
schwer
deführers Ausdruck einer durch einen Zeckenbiss ausgelösten Borreliose sind.
3.
3.1
Gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts (Urteil U 208/05 vom 18. Januar 2006, E.
5.3) ist es nicht entscheidend, ob sich der Beschwerdeführer an einen Zeckenbiss erinnern kann oder nicht. Die entscheidende Frage ist, ob aufgrund der fachärztlichen Stellungnahmen darauf geschlossen werden kann, dass im Zeitpunkt der vorhandenen Versicherungsdeckung mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit von einem Zeckenbiss auszugehen ist, der die
Gesundheitsbeein
trächtigung
bewirkt hat.
Es ist
somit zu prüfen, ob aufgrund der klinischen Symptome, welche de
n
Be
schwer
deführer
erstmals
im September 2011 veranlasst hatten, einen Arzt auf
zusuchen und auch zur Arbeitsunfähigkeit geführt hatten,
der erhobenen La
borbefunde und des festgestellten wei
teren Krankheitsverlaufs aus fachärztlicher Sicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit von einem Zeckenb
iss auszugehen ist, der die Gesundheitsbeeinträchtigung
bewirkt hat.
3.2
Dem Schadeninspektoren-Bericht vom
5.
März 2013 (
Urk.
8/K4) ist zu entneh
men, dass die gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers und seiner
Ehe
frau in den Ferien in
B.___
im September 2011 begonnen haben. Ei
nen Arzt
hätten er und seine Ehefrau dort nicht aufgesucht. Der Beschwerde
führer habe in den folgenden Monaten unter Beschwerden mit Übelkeit, Magen-Darm Prob
le
men, Schwindel,
Ohren-Pfeif
en/Rauschen
, Beeinträchtigungen des Geschmack
sinns, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust, Kraftlosigkeit,
Schlaf
problemen
, inn
e
rer Unruhe im ganzen Körper, Flecken am ganzen Körper, Seh
störungen,
Ziehen/Taubheitsgefühl in Backen- und Stirnbereich, Ziehen in Brust und Rücken
mit Ausstrahlungen in den linken Arm, Kribbeln in zwei kleinen Fingern der
linken Hand, Gelenkschmerzen sowie
Konzentrationsschwierigkei
ten
gelitten
(S.
2).
3.3
Die Ärzte des
C.___
berichteten am 2
1.
Oktober 2011
(
Urk.
8/M3)
und führten aus, dass der Beschwerdeführer Ende August in
D.___
erkrankt sei und sich seine Beschwerden bisher nicht richtig gebessert hätten.
Endoskopisch habe ausser einer leichten Gastritis kein Befund erhoben werden können.
3.4
Dr.
med.
E.___
, Facharzt für Gastroenterologie und
Allgemeine
Innere Medizin
, berichtete am 2
1.
Oktober 2011 (
Urk.
8/M4 =
Urk.
3/8) über die endo
sko
pische Abklärung des Beschwerdeführers und führte aus, dass eine leichte Pangastritis sowie unklare rote Streifen im Ösophagus hätten festgestellt werden können (S. 1). Die Endoskopie als solche habe keine Klärung der Erkrankung des Beschwerdeführers ergeben. Möglicherweise werde die Histologie weiter
helfen. Eine Lambliasis könnte das Krankheitsbild gut erklären (S. 2).
3.5
Dr.
med.
F.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, berichtete am
9.
November 2011 über die Untersuchung des Beschwerdeführers vom gleichen Tag (
Urk.
3/10). Er nannte als Diagnosen vegetative Beschwerden mit hyperki
netischer Herzaktion sowie ein
po
stenteritisches
Reizdarmsyndrom und führte aus,
dass sich echokardiographisch ein Normalbefund ohne Hinweis auf eine Myokarditis zeige. Auffallend sei die hyperkinetische Herzaktion,
welche
gut
ver
einbar mit der vegetativen Symptomatik
sei
.
Wahrscheinlich handle es sich um eine virale Gastroenteritis mit protrahierter
postenteritischen
Reizdarm
symp
tomatik
.
3.6
Dr.
med.
G.___
, Facharzt für Kardiologie und Allgemeine Innere Medi
zin, berichtete am 2
3.
Februar 2012 (
Urk.
8/M2) über die vom 1
7.
bis 2
3.
Febru
ar 2012 durchgeführte intermittierende Langzeit-EKG-Registrierung
. Er nannte folgende Diagnosen:
-
vegetative Dystonie
-
bedeutungslose einfache ventrikuläre Extrasystolen und
Sinustachy
kardien
-
formell unauffällige ergometrische Belastung
-
normale Funktion/Morphologie beider Ventrikel (November 2011)
-
NYHA I
-
kardiovaskuläre Risikofaktoren
-
positive
Familienanamnese (
FA
)
für Hypertonie
Er führte aus,
nachdem eine klinisch relevante kardiale Affektion, insbesondere Begleit-Peri/
Myocarditis
bei Gastroenteritis im November 2011 ausgeschlossen worden seien, dürfte die klinische Symptomatik im Rahmen einer vegetativen Dystonie interpretiert werden. Für diese Hypothese spreche auch das Fehlen von
ventrikulären Rhythmusstörungen während der bereits durchgeführten ergo
metrischen Belastung.
3.7
Dr.
med.
H.___
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, be
richtete am 2
4.
Januar 2013 (
Urk.
8/M7) und
führte aus, de
r Beschwerdeführer sei bei ihr
von September 2011 bis Dezember 2011 in Behandlung gewesen und habe sich in einem leicht reduziertem Allgemeinzustand
befunden.
Z
um Zeit
punkt der Behandlung im Herbst 2011 sei ein Ver
dacht auf ein
postenterisches
Reizdarmsyndrom mit hyperkinetischem
Herzsyn
drom
diagnostiert
worden
.
3.8
Dr.
med.
Z.___
, praktischer Arzt, berichtete am 1
5.
April 2013 (
Urk.
8/M8
=
Urk.
3/13
)
und führte aus, nach zehnmaliger Behandlung mit
Ganzkörper
hyper
thermie
und Antibiotika hätten sich die Symptome des Be
schwerdeführers ge
bessert und die Arbeitsfähigkeit habe zugenommen. Es seien noch
Restsymp
to
me
vorhanden (
Ziff.
2). Gegenwärtig
erfolge
keine Behandlung (
Ziff.
3).
3.9
Dr.
med.
I.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, beraten
der Arzt der
Beschwerdegegnerin
, nahm
am 1
9.
April 2013
Stellung
(
Urk.
8/M9)
und
führte aus
, die erhobenen Diagnosen stünden möglicherweise zumindest teil
weise
(50
%
oder weniger) in einem natürlichen Kausalzusammenhang
zum erwähn
ten
Ereignis, da kein Zeckenbiss und eine negative
Borrelienserologie
vorlägen. Die Be
schwerden seien alle unfallfremd.
3.10
Dr.
Z.___
(vor stehend E.
3.8)
berichtete erneut am 2
3.
Juni 2013 (
Urk.
3/11) und
führte aus, beim Beschwerdeführer und
seiner
Eh
efrau sei gemäss dem Be
richt des
J.___
eine B
orreliose diagnostiziert worden. Diese
deutlich sensibleren Analysen seien hier in der Schweiz noch weitgehend unbe
kannt, was jedoch die Aussagekraft der Analytik nicht in Frage stellen dürfe. Der
Beschwerdeführer sei ab
Beginn der Behandlung bei ihm
, also seit dem 2
5.
Okto
ber 2012 bis auf weiteres zu 50
%
arbeitsunfähig.
3.11
Dr.
I.___
(vorstehend E.
3.9)
nahm am 2
3.
August 2013 erneut Stel
lung (
Urk.
8/M10)
und führte aus,
gemäss den schweizerischen Guidelines zur Borreliose der schweizerischen Gesellschaft für
Infektiologie
(
S. 2333
)
ergebe sich die Diagnose aus den klinischen Manifestationen in Kombination mit den
La
borbefunden
. Vorliegend sei es unklar,
wor
auf die Diagnose beruhe. Es seien keine klinischen Manifestationen (Symptome oder Befunde) angegeben worden.
Dementsprechend sei
auch unklar, ob es sich um ein
Borreliose-Stadium 1, 2 oder
3 handeln solle. Ohne entsprechende Symptomatik könne aber keine Bor
reliose
diagnostiziert werden.
Bei den Laborbefunden handle es sich um
La
borun
ter
such
ungen
, die in der Schweiz nicht in der Analysenliste aufgeführt seien. Es sei unklar, wieso Untersuchungen in einem deutschen Labor durchge
führt worden seien. Es scheine, dass auch hier die Diagnose ausschliesslich auf
grund der vor
liegenden Laborresultate gestellt worden sei. Gemäss der erwähn
ten Guidelines
(
S.
2333
)
diene die Serologie nur zur Unterstüt
zung der klinischen Diagnose. Ein
e
solche fehle jedoch. Vorliegend seien die
IgM
-Antikörper positiv für
Borrelia
afzeli
und grenzwertig für alle drei übrigen
Borrelienarten
, während die
IgG
-Antikörper alle negativ seien. Aus den Laborbefunden alleine lasse sich keine
Borreliose diagnostizieren. Positive
IgM
-Antikörper seien entweder Aus
druck eine
s irgendwann durchgemachten Kontaktes mit
Borrelia
afzeli
(die An
tikörper könnten jahrelang positiv bleiben) oder falsch positiv. Sonderbar mute übrigens auch die therapeutische Option an mit einer Empfehlung für eine dreimonatige
Antibiotikabehandlung, ohne dass Angaben über die Art der
Bor
reliener
kran
kung
oder des Stadiums vorlägen
(S.
2
)
.
Es
fänden sich keine Angaben über klinische Symptome, welche eine
Borrelien
er
krankung
überwiegend wahrscheinlich machen würden und die An
gaben
eines
Zeckenbisses fehlten ebenso.
Aus den vorliegenden Blutuntersu
chungen alleine
könne keine aktive Borreliose irgendeines Stadiums diagnosti
ziert werden (S.
2
f.)
.
3.12
Dr.
med.
A.___
nahm
am 2
7.
Februar 2014
zuhanden des Be
schwerdeführers Stellung
(Urk. 13/1) u
nd führte aus, die Diag
nose der Borreliose werde durch die Anamnese (Zeckenstich), die klinischen Manifesta
tio
nen sowie serologische respektive
Liquorbefunde
, Hautbiopsien und
Gelenk
punktionen
ge
stellt.
Die in der Schweiz üblichen serologischen Befunde hätten eine Zuver
lässigkeit von 20–30
%
, bei den
Liquoruntersuchungen
von knapp 20
%
. Einzig das Resultat der Biopsie wie auch der Punktion könne durch das
Auftreten der betreffenden
Bakterien
be
weisend sein
. Zu erwähnen sei auch, dass
auch andere stechende Insekten
Borrelien
übertragen könnten. Bei einem
Zecken
stich
könnten über 80 Erreger von der Zecke auf den Wirt über
tragen werden, so dass man
auch von Co-Infektionen der Borreliose spreche, welche entweder eine Borreliose
begleiten würden oder nur als solche, ohne
Borrelienbefall
auf
zutreten ver
möch
ten. Diese Co-Infektionen würden punkt
o
Schweregrad, Verlauf
und
Beschwer
debild
ähnliche Bilder wie eine Borreliose erzeugen. Eine Borreli
ose
könne über 100 Symptome erzeugen, wobei es ausser dem Erythema
migrans
und anderer seltener Hauterscheinungen keine spezifi
schen
Borrelien
s
ymptome
gebe
(S. 1 f.)
.
Er behandle den Beschwerdeführer erst seit Anfang Mai 2013, so dass er den Verlauf seiner Erkrankung seit September 2011 nicht mitbekommen habe.
Die
Borreliose sei im Dezember 2012 antibiotisch behandelt worden, jedoch zu we
nig
konsequent und mit einem Konzept, das nur schwer einer Borreliose-Thera
pie zuzuordnen
sei. Schon allein die Tatsache
, dass eine Vielzahl unterschied
lichster Symptome auf allen psychischen, mentalen und körperlichen Ebenen, hingegen
keine eindeutig objektiv
eruierbaren
Befunde vorlägen sowie die Chronizität des Verlaufs gäben einen Hinweis, dass es sich wahrscheinlich um eine Borreliose respektive eine oder mehrere der Co-Infektionen handle (S.
2 f.).
Nach der Sich
tung der Unterlagen und eingehender Untersuchung des Be
schwerdeführers im
Mai 2013 sei er zur Überzeugung gelangt, dass es sich vor
liegend um eine
Lyme
-
Borreliose wie auch um eine Neuroborreliose handle
(S. 3
oben
)
.
Wenn ein der
art vielfältiges Krankheitsbild derart eindeutig auf eine an
tibiotische Therapie
reagiere, könne davon ausgegangen werden, dass es sich um eine Borreliose oder
um eine andere chronische bakteriologische Erkran
kung (zum Beispiel Co-Infek
tion) handle
(S. 3 unten)
.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin wies das Leistungsbegehre
n gestützt auf die Beurtei
lung
durch
Dr.
I.___
(vorstehend E. 3.11)
ab.
Die Würdigung der medizinischen Akten ergibt, dass die Beurteilung
durch
Dr.
I.___
die vom
Beschwerdeführer
geklagten Be
schwerden in angemessener Weise berücksichtigt, in Kenntnis der und in Aus
einanderset
zung mit den
Vor
ak
ten
erstattet wurde und der konkreten medizini
schen Situa
tion Rechnung trägt. So zeigte er in nachvollziehbarer Weise auf, dass
sich die Diagnose einer Borreliose aus den klinischen Manifestationen in Kombination mit den
Labor
be
funden
ergebe, wobei vorliegend unklar sei, auf was die gestellte Diagnose be
ruhe
, zumal keine klinischen Manifestationen an
gegeben worden seien
.
Er
legte
ausserdem plausibel dar,
dass hier die Diagnose ausschliesslich aufgrund der vor
liegenden Laborresultate ge
stellt worden sei, wobei die Serologie gemäss der er
wähnten Guidelines nur zur Unterstützung der klinischen Diagnose diene.
Weiter
setzte
sich
Dr.
I.___
dif
feren
ziert
mit den Resultaten der Laboruntersuchung aus
einander
und nahm ausdrücklich Stellung zu
r empfohlenen antibiotischen Therapie.
Die
Beurteilung
leuchtet
in der Darlegung der medizinischen Zusammen
hän
ge ein und die vorgenommenen Schlussfolger
ungen zum Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers
werden ausführlich begründet. So zeigte
Dr.
I.___
in nach
voll
ziehbarer Weise auf,
dass sich vorliegend keine Angaben über klinische
Symptome fänden, welche
eine
Borrelienerkrankung
überwiegend wahrschein
lich
machen würden.
Die Beurteilung
durch
Dr.
I.___
ist  nach dem Gesagten für die Be
ant
wortung der gestellten Frage umfassend.
Der Bericht
erfüllt damit die
praxisgemässen
Kri
terien (vgl. vorstehend E.
1.
5
) vollumfäng
lich, so dass für die
Entscheidfi
n
dung
da
rauf abgestellt werden kann.
4.2
Die Stellungnahme von
Dr.
A.___
(
vorstehend E.
3.12)
steht
sodann entge
gen den
Ausführungen des Beschwerdeführers den Schlussfolgerungen im Be
richt von
Dr.
I.___
nicht entgegen.
Vielmehr
äusserte
sich
Dr.
A.___
einleitend
zu
stim
mend
zu
den Ausführung
en von
Dr.
I.___
über das Zustande
kommen der Diag
nose einer Borreliose und
machte
sodann
darauf aufmerksam
,
dass
er den Ver
lauf der Erkrankung
des Beschwerdeführers
seit September 2011 nicht mitbe
kommen habe.
Wie bereits
Dr.
I.___
befand auch
Dr.
A.___
die an
tibiotische Therapie als zu wenig konsequent und als ein Konzept, das einer Borreliose-
Therapie nur schwer zuzuordnen sei. Entgegen den Ausführungen des Beschwer
de
führers bestätigte
Dr.
A.___
sodann die Diagnose einer Borreliose nicht ohne weiteres, sondern erachtete diese
als ebenso wahrscheinlich
wie eine
andere chronische bakteriologische Erkrankung wie zum Beispiel eine
oder mehrere Co-Infektionen.
Auf die Berichte von
Dr.
Z.___
(
vorstehend E.
3.8 und E.
3.10) kann dem
gegen
über
nicht abgestellt werden. Er führte in seinen Berichten einzig aus, dass
sich die Symptome des Beschwerdeführers nach zehnmaliger Behandlung und Anti
biotika gebessert hätten, wobei noch Restsymptome vorhanden seien. Die Diag
no
se einer Borreliose stellte er sodann einzig aufgrund der Laborana
lysen.
Dr.
Z.___
erläuterte
weder
die genauen
Symptome
, unter welchen der Beschwer
deführer leide,
noch
legte er
erhobene
Befunde dar.
Er
begründete we
der seine aktuelle Einschätzung näher noch
gab
er eine
nachvollziehbare und durch Be
funde untermauerte Herleitung seiner Diagnosestellung
.
Abgese
hen davon machte
er weder Angaben zu funktionellen Einschränkungen des Beschwerde
führers
noch äusserte er sich zu anderslautenden Einschätzungen
. D
ement
spre
chend ist nicht ersichtlich,
ob und
inwiefern
sich
Dr.
Z.___
bei der
Diag
no
se
stellung
auf
allfällige
klinische Manifestationen berief.
Nach dem Gesagten verm
ö
g
en
entgegen den Ausführungen des Beschwerdefüh
rers weder
der Bericht von
Dr.
A.___
noch die Einschätzung von
Dr.
Z.___
die nachvollziehbar begründete
Beurteilung durch
Dr.
I.___
zu entkräften.
4.3
Zusammenfassend wurden die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden somit von keinem der involvierten Ärzte
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
dem komplexen Krank
heitsbild einer Borreliose zugeordnet. Lediglich die von
Dr.
Z.___
angeordnete laborchemische Untersuchung (vgl. vorstehend E.
3.10) er
gab einen positiven Befund für das Vorliegen der
IgM
-Antikörper für
Borrelia
afzeli
und einen grenzwertigen Befund für alle drei übrigen
Borrelienarten
im
Blut des Be
schwerdeführers, wobei d
ie
IgG
-Antikörper alle negativ waren. Dieser
positive Befund ist jedoch nach dem Gesagten nicht ohne
weiteres
Ausdruck einer akti
ven oder durchgemachten Borreliose-Infektion, sondern lediglich ein
möglicher
Hinweis
auf
eine
n
irgendwann durchgemachten Konta
kt
mit
Borrelia
afzeli
, wobei die Antikörper jahrelang positiv bleiben können. Auch die dritte Voraussetzung, welche eine Diagnose einer Borreliose neben einem entspre
chen
den klinischen Beschwerdebild und einem pathologischen laborchemischen
Test voraussetzt,
nämlich
der Ausschluss von Differentialdiagnosen, ist vorlie
gend
nicht erfüllt. Aufgrund der Akten konnten im Rahmen des
Ausschluss
ver
fahrens
nicht alle Differential
diagnosen ausgeschlossen werden.
4.4
E
ntscheiden
d
ist jedoch
, ob zwischen den Beschwerden und einer dafür geltend
gemachten Ursache mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein Kausalzusam
men
hang besteht. Die blosse Möglichkeit, dass die geltend gemachte Ursache zu den aktuellen Beschwerden geführt hat, genügt nicht (vgl. vorstehend E.
1.2). Lässt sich aufgrund der Beweiswürdigung ein anspruchsgenügender Sachverhalt nicht als zumindest wahrscheinlich taxieren, geht dies zu Lasten der Seite, die daraus Ansprüche ableitet (vgl. vorstehend E. 1.4).
Dies ist vorliegend der Fall. Dass der Beschwerdeführer in der fraglichen Zeit an
einer durch einen Zeckenbiss ausgelösten Borreliose gelitten hat
beziehungs
weise
leidet
, ist gestützt auf die vorhandenen Unterlagen und medizinischen Beurtei
lungen
zwar
als möglich zu betrachten, keineswegs jedoch als überwiegend
wahrscheinlich. Für diese Beurteilung sprechen die vorstehend gewürdigten Um
stände und die schlüssige Beurteilung
durch
Dr.
I.___
, während die anders
lau
tende Einschätzung von
Dr.
Z.___
nicht überzeugt.
4.5
Somit bleibt es, gestützt auf die schlüssig begründete Beurteilung
durch
Dr.
I.___
bei der Feststellung, dass es höchstens möglich, nicht aber wahr
scheinlich oder gar überwiegend wahrscheinlich ist, dass der Beschwerdeführer an einer Borreliose gelitten hat beziehungsweise leidet.
Mit der Beschwerdegegnerin ist die Borreliose
somit
als eine von mehreren mög
lichen Beschwerdeursachen zu betrachten und damit weder eindeutig noch über
wiegend wahrscheinlich für die gesundheitliche Entwicklung der letzten Jahre verantwortlich.
Diese blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungsanspruches nicht, was zu Abweisung der Beschwerde führt.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Helsana Versicherungen AG
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundes
gericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zu
zu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu ent
hal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkun
den sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannSchüpbach