# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ff4d159a-f2fb-565b-8263-ec41e82d064c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-09-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.09.2017 D-7793/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-7793-2015_2017-09-18.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-7793/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 8 .  S e p t e m b e r  2 0 1 7  

Besetzung 
 Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), 

Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger, 

Richter Daniele Cattaneo,    

Gerichtsschreiber Stefan Weber. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (...), 

unbekannte Staatsangehörigkeit beziehungsweise China,   

vertreten durch MLaw Michèle Künzi,  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM; 

zuvor Bundesamt für Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 30. Oktober 2015 / N_______. 

 

 

 

D-7793/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die Beschwerdeführerin, eigenen Angaben zufolge eine aus dem Dorf 

B._______ (Gemeinde C._______ / Bezirk D._______) in der Präfektur 

E._______ stammende Tibeterin mit letztem Wohnsitz in B._______, ver-

liess ihren Wohnort am 9. April 2013 und gelangte am 17. April 2013 nach 

F._______. Dort habe sie eineinhalb Jahre Unterschlupf bei einem Freund 

ihres Onkels gefunden und sei danach am 30. September 2014 auf dem 

Luftweg über eine ihr unbekannte Destination in ein ihr unbekanntes Land 

geflogen. Am 1. Oktober 2014 sei sie mit dem Zug illegal in die Schweiz 

gereist. Gleichentags suchte sie im Empfangs- und Verfahrenszentrum 

(EVZ) G._______ um Asyl nach. 

A.b Mit Entscheid des BFM vom 1. Oktober 2014 wurde die Beschwerde-

führerin für den Aufenthalt während des Verfahrens dem Verfahrenszent-

rum (VZ) H._______ zugewiesen. 

A.c Am 7. Oktober 2014 wurde im VZ H._______ die Befragung zur Person 

(BzP) durchgeführt. Zur Begründung ihres Asylgesuches brachte die Be-

schwerdeführerin dabei im Wesentlichen vor, ihre Eltern hätten am 

10. März 2013 – am Tag des Tibetaufstandes – demonstriert und seien in 

der Folge verhaftet worden. Sie habe sich jeweils im Büro ihres Onkels 

väterlicherseits nach dem Aufenthalt ihrer Eltern erkundet, weil sie zuhause 

alleine und unglücklich gewesen sei. Sie habe aber nie eine Antwort erhal-

ten. Ihr Grossvater habe ihr dann angeboten, ein paar Tage zu ihm nach 

I._______ zu kommen, damit es ihr wieder besser gehe. Nachdem sie sich 

zu ihrem Grossvater begeben und dort viel geweint habe, habe sie den 

Drang verspürt, etwas zu tun, weshalb sie und ihr Onkel mütterlicherseits 

zusammen eine Aktion geplant hätten. Sie hätten am (...) bei einem von 

dessen Bekannten in C._______ übernachtet und am folgenden Tag, am 

(...), in aller Frühe Plakate geklebt. Danach seien sie noch ein wenig beim 

Bekannten geblieben und anschliessend nach I._______ zurückgekehrt. 

Nach einer Weile habe ihr Onkel väterlicherseits telefoniert und sie ge-

warnt, dass die chinesische Polizei vorbeigekommen sei, da diese von ih-

rer Aktion Kenntnis erhalten habe und sie nun suchen würden. In aller Eile 

hätten sie das weitere Vorgehen besprochen und entschieden, in das 

nächstgelegene Land – F._______ – zu flüchten, bis sich die Angelegen-

heit beruhigen würde. Sie sei deshalb zusammen mit ihrem Onkel mit dem 

Auto drei bis vier Stunden gefahren und danach während sechs bis sieben 

Nächten zu Fuss gegangen, bis sie F._______ erreicht hätten. Dort seien 

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sie zu einem Bekannten ihres Onkels mütterlicherseits gegangen, wo sie 

rund eineinhalb Jahre geblieben sei und – aus Angst vor einer Entdeckung 

– sich immer drinnen aufgehalten habe. Nach einigen Monaten habe ihr 

Onkel zusammen mit dem Bekannten ihre Ausreise organisiert, da es nach 

deren Ansicht in F._______ für sie nicht mehr sicher gewesen sei. 

A.d Am 15. Oktober 2014 führte eine externe Fachperson der Fachstelle 

LINGUA mit der Beschwerdeführerin ein Gespräch im Sinne einer Her-

kunftsabklärung durch. Der darauf gestützte LINGUA-Bericht vom 17. Ok-

tober 2014 kommt zum Schluss, es bestehe nur eine kleine Wahrschein-

lichkeit, dass die Beschwerdeführerin im behaupteten geographischen 

Raum gelebt haben könnte. 

A.e Am 27. November 2014 wurde die Beschwerdeführerin vom BFM im 

Rahmen von Art. 17 Abs. 2 Bst. b der Testphasenverordnung vom 4. Sep-

tember 2013 (TestV, SR 142.318.1) befragt. Im Verlauf der Anhörung wurde 

ihr im Beisein einer von ihr gewählten Begleitperson respektive ihrer 

Rechtsvertretung das rechtliche Gehör zum Resultat des LINGUA-Berichts 

gewährt. Weiter führte sie in Ergänzung zu ihren bisherigen Ausführungen 

aus, ihre Eltern hätten sich am Tag des Aufstandes im Jahre 2012 nach 

C._______ begeben, um dort an einer Demonstration teilzunehmen. Nach 

der Festnahme ihrer Eltern habe sich ihr Onkel väterlicherseits während 

einer Woche jeden Tag bei der dortigen Polizei nach deren Verbleib erkun-

digt, jedoch keinerlei Informationen erhalten. Sie habe sich nach Aufforde-

rung ihres Grossvaters nach I._______ begeben, wo sie in der Folge die 

Plakataktion mit ihrem Onkel mütterlicherseits geplant habe. Am (...) seien 

sie um fünf respektive sechs Uhr morgens zu den Geschäften gegangen, 

wo sie Plakate angebracht hätten. Sie hätten ein paar wenige Leute gese-

hen, sich aber nichts dabei gedacht. Nach ihrer Rückkehr nach I._______ 

seien sie vom Onkel väterlicherseits telefonisch informiert worden, dass er 

von der Polizei aufgesucht und diese nun über die Plakataktion im Bilde 

sei. Sie könne sich auch nicht erklären, wie sie und ihr Onkel, die ja im 

betreffenden Ort unbekannt gewesen seien, identifiziert worden seien. Auf 

die weiteren Ausführungen wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden 

Erwägungen eingegangen.   

 

Die Beschwerdeführerin reichte während des vorinstanzlichen Verfahrens 

den schweizerischen Behörden weder Identitätsdokumente noch sonstige 

Beweismittel ein. 

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Seite 4 

A.f Nachdem das BFM der Beschwerdeführerin am 5. Dezember 2014 mit-

teilte, dass ihr Asylgesuch weiterer Abklärungen bedürfe und im erweiter-

ten Verfahren gemäss Asylgesetz bearbeitet werde, wies sie die Vorinstanz 

mit Entscheid vom 8. Dezember 2014 für den weiteren Aufenthalt während 

des Verfahrens dem Kanton J._______ zu. 

A.g Mit Schreiben vom 30. April 2015 teilte die Rechtsvertretung unter an-

derem mit, dass die im Zusammenhang mit dem LINGUA-Gutachten er-

stellten Tonaufzeichnungen überprüft worden seien. Die Überprüfung lasse 

Zweifel an den Kompetenzen der vom SEM beauftragten Fachperson im 

vorliegenden Fall aufkommen. Ihrem Schreiben legte sie nebst einer Voll-

macht eine Analyse der Tonaufnahmen durch K._______, welche Kennt-

nisse der in Frage stehenden Region besitze, vom 1. April 2015 bei. 

B.  

Mit Verfügung vom 30. Oktober 2015 – eröffnet am 2. November 2015 – 

stellte das SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der 

Schweiz und beauftragte den zuständigen Kanton – unter Ausschluss des 

Vollzugs in die Volksrepublik China – mit dem Vollzug der Wegweisung. 

C.  

Mit Eingabe vom 2. Dezember 2015 (vorab per Telefax) reichte die Be-

schwerdeführerin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und 

beantragte, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben, die Vorinstanz 

sei anzuweisen, ihr die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und ihr Asyl 

zu gewähren; eventualiter sei ihr die vorläufige Aufnahme als Flüchtling zu 

gewähren und eventualiter sei das Vorbringen (recte: Verfahren) an das 

SEM zurückzuweisen und neu zu beurteilen. In prozessualer Hinsicht er-

suchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne 

von Art. 65 Abs. 1 VwVG, um Beiordnung der unterzeichnenden Juristin als 

amtliche Rechtsbeiständin und um Verzicht auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses. 

Mit der Beschwerde reichte sie (Auflistung Beweismittel) zu den Akten. 

D.  

Mit Schreiben vom 3. Dezember 2015 bestätigte das Bundesverwaltungs-

gericht den Eingang der Beschwerde. 

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Seite 5 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 9. Dezember 2015 wurde das Gesuch um Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 

VwVG unter der Voraussetzung des Nachreichens einer Fürsorgebestäti-

gung und unter Vorbehalt der Veränderung der finanziellen Lage der Be-

schwerdeführerin gutgeheissen. Die Beschwerdeführerin wurde aufgefor-

dert, bis zum 24. Dezember 2015 eine Fürsorgebestätigung nachzureichen 

oder einen Kostenvorschuss zu bezahlen, unter Androhung des Nichtein-

tretens im Unterlassungsfall. Ferner wurde festgehalten, dass über das Ge-

such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung gemäss 

Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) nach Ablauf der genannten Frist 

zu entscheiden sei. 

F.  

Mit Eingabe vom 14. Dezember 2015 reichte die Beschwerdeführerin eine 

Fürsorgebestätigung der (...) zu den Akten.  

G.  

Mit Verfügung vom 29. Dezember 2015 wurde die von der Beschwerdefüh-

rerin mandatierte Rechtsvertreterin MLaw Michèle Künzi, (...), als amtliche 

Rechtsbeiständin eingesetzt. Ferner wurde die Vorinstanz gestützt auf 

Art. 57 VwVG eingeladen, bis zum 13. Januar 2016 eine Vernehmlassung 

einzureichen. 

H.  

In ihrer Vernehmlassung vom 6. Januar 2016 stellte die Vorinstanz fest, 

dass in den Beschwerdeakten keine neuen und erheblichen Tatsachen  

oder Beweismittel vorliegen würden, die eine Änderung ihres Standpunk-

tes rechtfertigen könnten. Nach einigen ergänzenden Bemerkungen ver-

wies sie auf ihre Erwägungen, an denen sie vollumfänglich festhielt. 

I.  

Mit Verfügung vom 11. Januar 2016 wurde der Beschwerdeführerin ein 

Doppel der vorinstanzlichen Vernehmlassung vom 6. Januar 2016 zuge-

stellt und ihr Gelegenheit gegeben, bis zum 26. Januar 2016 eine Replik 

und entsprechende Beweismittel einzureichen. 

J.  

Die Beschwerdeführerin replizierte mit Eingabe vom 26. Januar 2016. 

 

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Seite 6 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-

treten. 

1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

2.  

2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

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Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

3.  

3.1 In ihrem ablehnenden Asylentscheid hielt die Vorinstanz im Wesentli-

chen zur Begründung fest, das SEM habe die Fachstelle LINGUA aufgrund 

erheblicher Zweifel an der geltend gemachten Herkunft der Beschwerde-

führerin beauftragt, durch eine Expertin einen Bericht zu den landeskund-

lich-kulturellen Kenntnissen zu erstellen. Dabei habe sie zusammenfas-

send festgestellt, dass das Alltagswissen der Beschwerdeführerin nicht 

demjenigen einer Person entspreche, welche die ersten (...) bis (...) Le-

bensjahre in Tibet verbracht habe. Den Einschätzungen der Expertin habe 

die Beschwerdeführerin – in der Anhörung darauf angesprochen – nichts 

Überzeugendes entgegenzuhalten vermocht. In der Eingabe vom 30. April 

2015 habe sie eine von ihrer Rechtsvertretung in Auftrag gegebene Ana-

lyse der Tonaufzeichnung vom 15. Oktober 2014 dem BFM zukommen las-

sen. In der Analyse werde dargelegt, dass die Überprüfung von einer tibe-

tischen Person durchgeführt worden sei, deren Grosseltern aus 

L._______/C._______, E._______ stammen würden. Sie sei einmal im Ti-

bet gewesen und stehe in engem Kontakt mit ihren Grosseltern, welche im 

Tibet und in Indien lebten. Aufgrund dieser Hinweise zu ihren Kompetenzen 

könne diese Person für sich selber keine höhere Qualifikation bezüglich 

Alltagswissen zu Tibet beanspruchen als die Expertin der Fachstelle LIN-

GUA. Diese Person sei nämlich gemäss deren Qualifikationsblatt (A20/1) 

in Tibet aufgewachsen und habe bis im Jahre (...) dort gelebt. Ausserdem 

stehe sie in regelmässigem Kontakt mit ihrer Familie in M._______ und 

N._______. Zum Vorhalt von Verständigungsproblemen zwischen Expertin 

und Beschwerdeführerin sei anzumerken, dass die Expertin gemäss Eva-

luationsbericht jeweils nachgefragt habe, wenn sie sie nicht verstanden 

habe. Zudem sei nicht die Sprache der Beschwerdeführerin beurteilt wor-

den, sondern deren landeskundlich-kulturelles Wissen. Hinsichtlich der 

weiteren Kritik werde in der Evaluation des Alltagswissens der Begriff (...) 

– den die Expertin nicht kennen solle – nicht erwähnt, weshalb die unter-

schiedlichen dialektischen Bezeichnungen nicht in das Resultat der LIN-

GUA-Evaluation einfliessen würden. Sofern an mehreren Stellen der Ana-

lyse auf Informationen aus Wikipedia verwiesen werde, sei darauf hinzu-

weisen, dass die dort verfügbaren Informationen grundsätzlich nur mit Vor-

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sicht zu geniessen seien. Zum Vorhalt einer falschen Einschätzung betref-

fend der Möglichkeit Landwirtschaft zu betreiben, sei anzumerken, dass 

dieser angesichts der mehrstündigen Entfernung zwischen den in Frage 

stehenden Ortschaften nicht zu überzeugen vermöge, müssten doch die 

klimatischen Verhältnisse an den beiden Orten nicht dieselben sein. Es sei 

festzuhalten, dass das Resultat einer LINGUA-Evaluation des Alltagswis-

sens nicht von einzelnen Punkten abhänge, sondern von einer Gesamt-

würdigung des landeskundlich-kulturellen Wissens. In der Analyse werde 

sodann der Schluss gezogen, dass die Expertin wohl nicht aus der gleichen 

Region wie die Beschwerdeführerin komme oder nicht genügend Kennt-

nisse darüber habe, um über ihre Herkunft zu urteilen. Jedoch sei die Her-

kunft aus einer Region nicht ein notwendiges Kriterium, um über diese Re-

gion Fachkenntnisse zu haben. Darüber hinaus komme die mit der privaten 

Analyse betraute Person ebenfalls nicht aus der betreffenden Region und 

besitze somit nicht die nötige Qualifikation, um diejenige der Expertin von 

LINGUA zu beurteilen. Die von der Rechtsvertretung in Auftrag gegebene 

Analyse vermöge demnach die Einschätzung der Expertin von LINGUA 

nicht umzustossen. Die Beschwerdeführerin habe sodann kein Identitäts-

papier eingereicht und keine Bemühungen zur Beschaffung eines solchen 

dokumentiert, obschon sie seit der Einreichung ihres Asylgesuchs Zeit und 

Möglichkeit dazu gehabt hätte.  

 

Aufgrund der Feststellungen der unabhängigen Expertin der Fachstelle 

LINGUA mangle es den Ausführungen der Beschwerdeführerin grundsätz-

lich an Glaubhaftigkeit. Diese Einschätzung werde durch unlogische und 

realitätsfremde Angaben gestützt. So sei das dargelegte Vorgehen der Pla-

katklebeaktion nicht nachvollziehbar, zumal die Plakate zu einem Zeitpunkt 

angebracht worden sein sollen, als man sie habe sehen und anhalten kön-

nen, und überdies in einer Umgebung, die von Chinesen oft besucht wor-

den sei. Weiter habe sie nicht erklären können, wie die chinesische Polizei 

sie als Urheberin habe identifizieren können. Da sie nicht aus C._______ 

stamme und auch nicht oft dorthin gegangen sei, sei es unrealistisch, dass 

es den Behörden gelungen sein soll, sie in wenigen Stunden zu identifizie-

ren und auch zu Hause zu suchen. Sie habe sich ferner zum Zeitpunkt der 

Festnahme ihrer Eltern widersprüchlich geäussert und den Vorhalt nicht 

plausibel aufzulösen vermocht. Obwohl sie unbestrittenermassen tibeti-

scher Ethnie sei, würden ihre mangelhaften Länder- beziehungsweise Re-

gionalkenntnisse, ihre fehlenden Kenntnisse der chinesischen Sprache, 

die fehlenden Identitätspapiere sowie die unglaubhaft vorgetragenen Asyl-

gründe nahelegen, dass sie nicht in der von ihr angegebenen Region sozi-

alisiert worden sei. Es sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon 

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auszugehen, dass sie vor ihrer Ankunft in der Schweiz nicht in der Volks-

republik China, sondern in der exiltibetischen Diaspora gelebt habe. Da sie 

aber keine konkreten, glaubhaften Hinweise auf einen längeren Aufenthalt 

in einem Drittstaat geliefert habe, sei zu schliessen, dass keine flüchtlings- 

oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bis-

herigen Aufenthaltsort bestehen würden. Dabei verweist das SEM auf das 

Urteil des BVGer vom 20. Mai 2014 E-2981/2012 E. 5.8. – 5.10. 

3.2 In der Rechtsmitteleingabe macht die Beschwerdeführerin im Wesent-

lichen geltend, sie habe ihre Asylgründe und ihre Flucht aus Tibet ausführ-

lich geschildert und die Argumentation des SEM basiere hauptsächlich auf 

dem Bericht der Expertin, welche die LINGUA-Analyse durchgeführt habe. 

Die Vorinstanz unterstelle ihr, sie habe sich vor ihrer Ausreise nicht in der 

Volksrepublik China, sondern in der exiltibetischen Diaspora aufgehalten. 

Zudem würden ihr die Unkenntnis von Sachverhalten vorgeworfen, welche 

jedoch nicht begründet sei. Dabei bringt sie zu den in der angefochtenen 

Verfügung dargelegten Vorhalten zum Teil ausführlichere Gegendarstellun-

gen vor, die der Erklärung der aus Sicht des SEM bestehenden Unstim-

migkeiten ihrer Sachvorbringen dienen würden. Insbesondere sei das 

Fachwissen der vom SEM beauftragten Expertin über ihren Herkunftsort 

zu bezweifeln. Offenkundig sei es dieser nicht möglich gewesen, ihren Di-

alekt aus E._______ zu verstehen. Der Tonaufnahme sei zu entnehmen, 

dass die Expertin sie des Öfteren nicht verstanden habe. Das Verständnis 

der Sprache stelle aber für eine rechtsgenügliche Durchführung der Ana-

lyse eine grundlegende Voraussetzung dar. Folglich sei die Vorinstanz ihrer 

Abklärungspflicht im Sinne von Art. 12 VwVG nicht nachgekommen. Dem-

gegenüber würden sich in ihren Ausführungen diverse Realkenntnisse be-

treffend des Alltagslebens und der angegebenen Herkunftsregion finden 

lassen. Weiter habe sie ihre Asylvorbringen (Plakataktion) realitätsnah und 

somit glaubhaft schildern können. Da es in ganz Tibet Spione gebe, die für 

die chinesische Regierung arbeiten würden, sei es nicht unrealistisch, dass 

sie und ihr Onkel von der Polizei innert weniger Stunden identifiziert und 

gesucht worden sein sollen. Hinsichtlich des Zeitpunktes, wann ihre Eltern 

demonstriert hätten und in der Folge verhaftet worden seien, liege es nahe, 

dass sie sich verrechnet habe, zumal sie in der Anhörung auf ihr damaliges 

Alter von (...) Jahren verwiesen habe, aber einige Monate später (...)-jährig 

worden sei. Auch sei die Verzweiflung, die zu dieser Protestaktion geführt 

habe, nachvollziehbar, nachdem sie keine Erklärung für das Verschwinden 

ihrer Eltern erhalten hatte. Da ihre Asylvorbringen glaubhaft seien, habe 

sie begründete Furcht, von den chinesischen Behörden verfolgt zu werden. 

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3.3 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM an seinen Erwägungen voll-

umfänglich fest und wies darauf hin, dass in der Beschwerde erneut be-

mängelt werde, die Expertin von LINGUA hätte die Beschwerdeführerin öf-

ters nicht verstanden, was auch aus der Abschrift der Tonaufzeichnung her-

vorgehe. Aus dieser Abschrift gehe jedoch ebenfalls hervor – wie bereits 

im angefochtenen Entscheid erwähnt worden sei –, dass die Expertin an 

mehreren Stellen im Gespräch Nachfragen gestellt habe, um sicherzustel-

len, dass sie die Beschwerdeführerin verstanden habe. Schliesslich bleibe 

darauf hinzuweisen, dass die Expertin nicht beauftragt worden sei, die 

sprachlichen Merkmale der Beschwerdeführerin zu beurteilen, sondern de-

ren Herkunftswissen und dass sie daher nicht über linguistische Kennt-

nisse zu verfügen habe. 

In ihrer Replik wendete die Beschwerdeführerin ein, es sei nicht nachvoll-

ziehbar, weshalb die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung betont habe, dass 

die Expertin über keine linguistischen Kenntnisse zu verfügen brauche, sei 

doch gemäss den Arbeitsmethoden betreffend LINGUA-Analyse der 

Zweck derselben, die Landeskunde und die von der asylsuchenden Person 

angegebene Sprache zu beurteilen. Diesbezüglich stelle die Sprache ein 

elementarer Bestandteil der LINGUA-Analyse dar. Sie habe während der 

Expertise nicht in ihrem angestammten Dialekt sprechen können, jedoch 

könne nur so ein möglichst natürliches und spontanes Gespräch stattfin-

den. Sodann hätten die ihr gestellten Fragen nicht ihrem Profil (fehlender 

Schulbesuch; Leben als Nomadin) entsprochen. Im Weiteren wiederholte 

die Beschwerdeführerin ihre Zweifel an der fachlichen Qualifikation respek-

tive am Fachwissen der vom SEM beauftragten Expertin bezüglich ihrer 

Herkunftsregion und kritisierte, dass im Rahmen der Gesamtwürdigung 

den Angaben der Expertin zu viel und ihren Aussagen zu wenig Gewicht 

beigemessen worden sei. 

4.   

4.1 Vorab ist darauf hinzuweisen, dass der in Art. 12 VwVG statuierte Un-

tersuchungsgrundsatz, wonach die Behörde den Sachverhalt von Amtes 

wegen feststellt und sich nötigenfalls der gesetzlichen Beweismittel be-

dient, seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden findet 

(Art. 8 AsylG). Dazu gehört, die Identität offenzulegen und Identitätspa-

piere abzugeben, an der Feststellung des Sachverhaltes mitzuwirken und 

die Asylgründe darzulegen, allfällige Beweismittel vollständig zu bezeich-

nen und unverzüglich einzureichen sowie bei der Erhebung der biometri-

schen Daten mitzuwirken (vgl. BVGE 2011/28 E. 3.4). Die Beschwerdefüh-

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Seite 11 

rerin hat weder Reise- noch Identitätspapiere eingereicht, die geeignet wä-

ren, etwas zur Klärung ihrer Identität beziehungsweise Herkunft beizutra-

gen. Die fehlende Beibringung eines Identitätsnachweises stellt eine Ver-

letzung der ihr obliegenden Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG dar, auf 

die sie die Vorinstanz anlässlich der Erstbefragung explizit hinwies (SEM-

Akten A13/14 S. 2). Zudem fand die BzP am 7. Oktober 2014 statt, weshalb 

der Hinweis in der Beschwerdeschrift auf die seit August 2015 durchge-

führten strikten Kontrollen des Postverkehrs, die es der Beschwerdeführe-

rin verunmöglichen würden, mit ihrer Familie in Kontakt zu treten, erheblich 

zu relativieren ist. Ausserdem hielt sie sich eigenen Angaben zufolge wäh-

rend eineinhalb Jahren in F._______ bei einem Bekannten eines ihrer On-

kel auf, weshalb auch die Möglichkeit bestehen dürfte, dass sie über diesen 

Bekannten mit ihren Familienangehörigen in Kontakt treten könnte, um Do-

kumente zu beschaffen, welche ihre Identität in irgendeiner Weise belegen 

könnten. Ausserdem vermochte sie nicht konkret zu erklären, weshalb sie 

mit ihren Familienangehörigen beispielsweise nicht telefonisch in Kontakt 

getreten ist, zumal (Nennung Verwandter) über ein Telefon verfügen soll 

(vgl. act. A23/16 S. 13 unten) und gemäss Evaluationsbericht der LINGUA-

Expertin Handys im vorgebrachten Herkunftsgebiet der Beschwerdeführe-

rin sehr verbreitet seien, gerade auch unter jungen Personen. Das pau-

schale Vorbringen der Beschwerdeführerin anlässlich ihrer Anhörung, es 

gebe keine Möglichkeit mit ihrer Familie Kontakt aufzunehmen, erscheint 

unter diesen Umständen als blosse Schutzbehauptung (vgl. act. 23/16 

S. 2). Ferner hat die Behörde lediglich den Nachweis zu erbringen, dass 

eine asylsuchende Person über ihre Identität getäuscht hat (Herkunftsana-

lysen der Fachstelle LINGUA werden ausdrücklich als zulässiger „Nach-

weis“ aufgeführt: BVGE 2013/10 E. 9.1, so bereits Entscheidungen und 

Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 

2003/27 E. 4a).  

4.2 Was den Bericht der Fachstelle LINGUA anbelangt, wurde eine landes-

kundlich-kulturelle, nicht aber eine linguistische Analyse durchgeführt, wo-

bei die beauftragte Person über eine entsprechende Befähigung verfügt. 

Bei einem solchen LINGUA-Bericht handelt es sich zwar nicht um ein 

Sachverständigengutachten im Sinne von Art. 12 Bst. e VwVG (vgl. hierzu 

Art. 57–61 BZP [SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG), sondern um eine schriftliche 

Auskunft einer Drittperson im Sinne von Art. 12 Bst. c VwVG. Das Bundes-

verwaltungsgericht misst diesen LINGUA-Analysen dennoch erhöhten Be-

weiswert bei, sofern bestimmte Anforderungen an die fachliche Qualifika-

tion, Objektivität und Neutralität der Expertin oder des Experten sowie die 

inhaltliche Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit gegeben sind, denen 

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eine solche Prüfung zu entsprechen hat (so auch bei reinen LINGUA-All-

tagswissensevaluationen, vgl. Urteil des BVGer D-5625/2013 vom 

29. September 2014 E. 4.4.1 f.). Diese Voraussetzungen sind vorliegend 

erfüllt. Die hier zu beurteilende Analyse ist fundiert und – entgegen der auf 

Beschwerdeebene geäusserten Ansicht – mit einer überzeugenden sowie 

ausgewogenen Begründung versehen, die zu keinen Beanstandungen An-

lass gibt. Zudem bestehen an der fachlichen Qualifikation der sachverstän-

digen Person keine Zweifel (A20/1). Die von der Rechtsvertretung beauf-

tragte tibetische Person kann aufgrund ihrer dargelegten Kompetenzen so-

dann in der Tat keine höhere Qualifikation bezüglich des Alltagswissens zu 

Tibet in Anspruch nehmen, als die vom SEM beauftragte Fachperson. 

Diesbezüglich kann auf die zutreffenden und zu bestätigenden Ausführun-

gen im angefochtenen Entscheid (vgl. act. A30/9 S. 4 oben) verwiesen wer-

den. Somit wird dem vorliegenden LINGUA-Bericht erhöhter Beweiswert 

beigemessen und von dessen inhaltlichen Richtigkeit und Vollständigkeit 

ausgegangen. Die Vorinstanz hat der wiederholt geäusserten Rüge von 

Verständigungsproblemen zwischen LINGUA-Expertin und der Beschwer-

deführerin zu Recht entgegengehalten, dass vorliegend die sprachlichen 

Merkmale der Beschwerdeführerin durch die Fachperson nicht zu beurtei-

len waren und die wiederholten Nachfragen der Expertin lediglich dem 

Zweck dienten, Missverständnisse zu vermeiden respektive aus dem Weg 

zu räumen. Die Rüge der Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes und 

mithin des rechtlichen Gehörs ist unter diesen Umständen als unbegründet 

zu qualifizieren. Der entsprechende Antrag auf Rückweisung der Sache an 

die Vorinstanz zwecks Neubeurteilung ist daher abzuweisen. 

5.  

5.1 Die Schlussfolgerungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfü-

gung sind weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht zu beanstan-

den. Die angefochtene Verfügung ist einlässlich begründet und stützt sich 

auf einen fundierten LINGUA-Bericht. Auch wenn Ausführungen zu einzel-

nen Umständen und Gegebenheiten in der Rechtsmitteleingabe nachvoll-

ziehbar erscheinen und das SEM im angefochtenen Entscheid anerkannte, 

dass die Beschwerdeführerin teilweise zutreffende Aussagen in verschie-

denen Bereichen machte, zeigen die Erklärungsversuche auf Beschwer-

deebene zu entscheidwesentlichen Aspekten offenkundig nicht auf, inwie-

fern die – zu Ungunsten der Beschwerdeführerin ausgefallene – und vor-

liegend zu bestätigende vorinstanzliche Gesamtwürdigung des landes-

kundlich-kulturellen Wissens Bundesrecht verletzen oder zu einer rechts-

fehlerhaften Sachverhaltsfeststellung führen soll (vgl. auch E. 4.2 oben). 

D-7793/2015 

Seite 13 

Es ist festzustellen, dass das SEM nicht in Zweifel zieht, dass die Be-

schwerdeführerin tibetischer Abstammung und Ethnie ist. Zudem gilt klar-

zustellen, dass die in der angefochtenen Verfügung vertretene Einschät-

zung, es sei der Beschwerdeführerin nicht gelungen, ihre Herkunft aus der 

Volksrepublik China glaubhaft zu machen, offenkundig dahingehend zu 

verstehen ist, als sie einen seit ihrer Geburt bis zur Ausreise im April 2013 

ununterbrochenen Aufenthalt in Tibet nicht hat glaubhaft machen können. 

Dies kommt deutlich zum Ausdruck, wenn das SEM ausführt, es sei „mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sie vor ihrer 

Ankunft in der Schweiz nicht in der Volksrepublik China, sondern in der 

exiltibetischen Diaspora gelebt“ habe. 

Im Weiteren erachtet das Gericht die Feststellung des SEM als zutreffend 

und hinreichend begründet, wonach sich die von der Beschwerdeführerin 

geltend gemachten Ausreisegründe aus ihrem Heimatland als unglaubhaft 

darstellen. Das SEM legt in der angefochtenen Verfügung zu Recht dar, es 

sei logisch nicht nachvollziehbar, dass sie trotz des grossen Risikos einer 

Festnahme und der Anwesenheit von potenziellen Zeugen die Plakate in 

C._______ angebracht habe (vgl. act. A30/9 S. 5). Daran vermag der Ein-

wand, es hätten sich zur fraglichen Zeit lediglich zwei Personen auf der 

Strasse befunden und sie und ihr Onkel hätten sich von ihrem Vorhaben 

nicht mehr abbringen lassen wollen, nachdem sie die Vorbereitungen ge-

troffen und den weiten Weg nach C._______ auf sich genommen hätten, 

nichts zu ändern. Nachdem bereits kurz davor ihre Eltern im Rahmen einer 

Demonstration offenbar festgenommen respektive verschwunden sein sol-

len, was bei der Beschwerdeführerin grosse Verzweiflung ausgelöst habe 

(vgl. act. A13/14 S. 10; A23/16 S. 6), wäre zu erwarten gewesen, dass sie 

sich bereits vor ihrer Aktion über die damit verbundenen Risiken Gedanken 

gemacht und entsprechende Vorsichtsmassnahmen getroffen hätte, umso 

mehr, als sie die Aktion mit ihrem erwachsenen Onkel mütterlicherseits ge-

plant habe. Jedenfalls wirken ihre diesbezüglichen Ausführungen in der An-

hörung derart naiv, unbeholfen und realitätsfremd, dass ihnen kein Glau-

ben geschenkt werden kann (vgl. act. A23/16 S. 10 oben). Sodann vermag 

auch der Hinweis in der Rechtsmitteleingabe auf das Vorhandensein von 

Spionen in ganz Tibet, welche für die chinesische Regierung arbeiteten, 

die schnelle Identifizierung der Beschwerdeführerin nicht glaubhaft zu ma-

chen. So ist diesbezüglich zunächst festzuhalten, dass sie und ihr Onkel 

eigenen Angaben zufolge in C._______ nicht bekannt gewesen seien. Aus-

serdem hätte die ganze Aktion – folgte man den zeitlichen Angaben der 

Beschwerdeführerin (zwischen fünf und sechs Uhr morgens) – lange vor 

D-7793/2015 

Seite 14 

Sonnenaufgang im fraglichen Gebiet stattgefunden, weshalb die Be-

schwerdeführerin und ihr Onkel bereits aus diesem Grund aufgrund der 

schlechten Lichtverhältnisse kaum identifizierbar gewesen wären. Sodann 

wäre bei Wahrunterstellung dieser Annahme respektive bei einer entspre-

chenden Wahrnehmung durch einen Spion der chinesischen Regierung 

viel eher davon auszugehen, dass sie nicht in B._______, sondern zu-

nächst in I._______, am Wohnort des Onkels mütterlicherseits, gesucht 

worden wären, da dieser an der Aktion ebenfalls beteiligt gewesen sein 

soll. Weiter vermögen die Entgegnungen zum Vorhalt widersprüchlicher 

Zeitangaben deshalb nicht zu überzeugen, da die fraglichen Ereignisse 

(Demonstrationsteilnahme der Eltern und anschliessende(s) Festnahme 

respektive Verschwinden derselben) der Auslöser für die nachfolgenden 

Geschehnisse darstellen, die zur Verfolgung und Flucht der Beschwerde-

führerin geführt haben sollen. Deshalb durfte mit Fug eine übereinstim-

mende zeitliche Angabe erwartet werden, zumal es sich dabei um für sie 

einschneidende Vorfälle handelte, die erfahrungsgemäss besonders gut im 

Gedächtnis haften bleiben. 

5.2 Nach dem Gesagten ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass 

die Beschwerdeführerin vor der Ankunft in der Schweiz nicht in der Volks-

republik China, sondern in der exiltibetischen Diaspora gelebt hat. Die mit 

der Beschwerde eingereichten Unterlagen vermögen angesichts der fun-

dierten LINGUA-Analyse an dieser Erkenntnis nichts zu ändern, zumal 

auch die ins Recht gelegte Schnellrecherche der SFH zu Tibet im Wesent-

lichen nur allgemeine Ausführungen enthält und darin eine einzelne fallbe-

zogene Frage nicht beantwortet werden konnte. 

5.3 In Übereinstimmung mit dem SEM ist somit festzustellen, dass es der 

Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, ihre Herkunft aus der Volksrepublik 

China sowie ihre Asylgründe glaubhaft zu machen. In Anwendung der in 

BVGE 2014/12 E. 5.10 entwickelten Rechtsprechung hat das SEM daher 

zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin verneint und 

ihr Asylgesuch abgelehnt. 

6.  

6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

D-7793/2015 

Seite 15 

6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

7.2 In BVGE 2014/12 präzisierte das Gericht seine Praxis gemäss  

EMARK 2005 Nr. 1 dahingehend, dass bei Personen tibetischer Ethnie, die 

ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen, vermutungsweise da-

von auszugehen sei, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtli-

chen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort be-

ständen. Denn die Abklärungspflicht der Asylbehörden finde ihre Grenze 

an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person. Verunmögliche ein 

tibetischer Asylsuchender durch die Verletzung seiner Mitwirkungspflicht 

die Abklärung, welchen effektiven Status er (etwa) in Nepal respektive in 

Indien innehabe, könne namentlich keine Drittstaatenabklärung im Sinne 

von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Überdies werde durch die Ver-

heimlichung und Verschleierung der wahren Herkunft auch die Prüfung der 

Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives 

Heimatland verunmöglicht (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.9 f.). In Berücksichti-

gung dieser Rechtsprechung ist der Vollzug der Wegweisung als zulässig, 

zumutbar und möglich zu erachten. 

7.3 Da die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen tibetischer Ethnie ist 

und dadurch auch die Möglichkeit nicht auszuschliessen ist, dass sie die 

chinesische Staatsangehörigkeit besitzt, ist vorliegend der Wegweisungs-

vollzug nach China – in Übereinstimmung mit dem Dispositiv der angefoch-

tenen Verfügung – auszuschliessen, da andernfalls eine Refoulement-Ver-

letzung droht. 

D-7793/2015 

Seite 16 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.   

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Verfahrenskosten 

grundsätzlich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; 

Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

Mit Zwischenverfügung der Instruktionsrichterin vom 9. Dezember 2015 

wurde jedoch das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-

rung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG unter der Voraussetzung des Nach-

reichens einer Fürsorgebestätigung – welche am 14. Dezember 2016 

nachgereicht wurde – gutgeheissen. An dieser Einschätzung ist auch im 

Urteilszeitpunkt festzuhalten, weshalb keine Kosten zu erheben sind.  

9.2 Mit Verfügung vom 29. Dezember 2015 wurde ausserdem das Gesuch 

um amtliche Verbeiständung gutgeheissen (Art. 110a Abs. 1 VwVG) und 

der Beschwerdeführerin ihre Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeistän-

din bestellt. Demnach ist dieser ein amtliches Honorar für ihre notwendigen 

Aufwendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten, zumal in der er-

wähnten Verfügung gestützt auf Art. 28 Abs. 2 TestV festgehalten wurde, 

dass die Aufwände der mandatierten Rechtsvertreterin auf Beschwerde-

ebene nicht durch die für das beschleunigte Verfahren vorgesehenen Ent-

schädigung abgegolten würden. Es wurde keine Kostennote zu den Akten 

gereicht. Der notwendige Vertretungsaufwand lässt sich indessen aufgrund 

der Aktenlage zuverlässig abschätzen, weshalb auf die Einholung einer 

solchen verzichtet werden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Der Rechts-

vertreterin ist unter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungsfak-

toren (Art. 9 – 13 VGKE) und der Entschädigungspraxis in vergleichbaren 

Fällen zulasten der Gerichtskasse ein amtliches Honorar von insgesamt 

Fr. 1200.– (inkl. Auslagen und allfälliger MWSt) zuzusprechen. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-7793/2015 

Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Der amtlichen Rechtsbeiständin wird zulasten der Gerichtskasse ein Ho-

norar von Fr. 1200.– zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

  

Daniela Brüschweiler Stefan Weber 

 

 

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