# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0e97e594-bb78-59f3-a796-8463d7e6e81f
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-01-29
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Beschwerdekammer in Strafsachen 29.01.2021 BK 2020 504
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_008_BK-2020-504_2021-01-29.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

Beschwerdekammer in 
Strafsachen

Cour suprême
du canton de Berne

Chambre de recours pénale

Beschluss
BK 20 504

Hochschulstrasse 17
Postfach
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 09
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 29. Januar 2021

Besetzung Oberrichter J. Bähler (Präsident), Oberrichter Schmid,
Oberrichterin Bratschi
Gerichtsschreiber Müller

Verfahrensbeteiligte A.________

Beschuldigter

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

B.________

Straf- und Zivilkläger/Beschwerdeführer

Gegenstand Nichtanhandnahme

Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung

Beschwerde gegen die Verfügung der Regionalen Staatsanwalt-
schaft Bern-Mittelland vom 12. November 2020 (BM 20 29592)

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Erwägungen:

1. Mit Verfügung vom 12. November 2020 nahm die Regionale Staatsanwaltschaft 
Bern-Mittelland (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) das Strafverfahren gegen 
A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) wegen fahrlässiger Körperverletzung 
nicht an die Hand. Dagegen erhob der Straf- und Zivilkläger B.________ (nachfol-
gend: Beschwerdeführer) am 30. November bzw. (mit verbesserter Eingabe) am 
3. Dezember 2020 Beschwerde. In ihrer Stellungnahme vom 24. Dezember 2020 
beantragte die Generalstaatsanwaltschaft, die Beschwerde sei unter Kostenfolge 
abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Der Beschuldigte liess sich innert Frist 
nicht vernehmen. Der Beschwerdeführer reichte am 13. Januar 2021 eine weitere 
Eingabe ein. Diese wurde der Generalstaatsanwaltschaft und dem Beschuldigten 
mit Verfügung vom 14. Januar 2021 zugestellt.

2. Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Staatsanwaltschaft kann bei 
der Beschwerdekammer in Strafsachen innert zehn Tagen schriftlich und begrün-
det Beschwerde geführt werden (Art. 393 Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 396 Abs. 1 der 
Strafprozessordnung [StPO; SR 312.0], Art. 35 des Gesetzes über die Organisation 
der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1] i.V.m. Art. 
29 Abs. 2 des Organisationsreglements des Obergerichts [OrR OG; BSG 162.11]). 
Der Beschwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung unmittelbar in seinen 
rechtlich geschützten Interessen betroffen und somit zur Beschwerdeführung legi-
timiert (Art. 382 Abs. 1 StPO). Auf die form- und fristgerechte Beschwerde ist ein-
zutreten. Die Laienbeschwerde ist ausreichend begründet.

3. Die angefochtene Verfügung ist wie folgt begründet:
Gemäss Anzeigerapport vom 21.07.2020 wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er sei mit dem Perso-
nenwagen auf der Bernstrasse in Ostermundigen Richtung Stadt gefahren. Vor der Verzweigung 
Obere/Untere Zollgasse habe er vor dem Fussgängerstreifen bis zum Stillstand abgebremst, um 
Fussgänger passieren zu lassen. Anschliessend sei er weitergefahren und habe beim Signal «kein 
Vortritt» ein von links herannahendes E-Bike übersehen. Er sei in den Kreuzungsbereich gefahren, 
wo er mit der Front des Personenwagens mit dem E-Bike-Lenker (B.________) kollidiert sei. Dieser 
sei gestürzt und habe sich dabei verletzt. B.________ erstattete in der Folge Strafantrag wegen fahr-
lässiger Körperverletzung und konstituierte sich als Privatkläger. […] Im vorliegenden Fall gab der Be-
schuldigte gegenüber der Polizei zu Protokoll, er habe auf der Bernstrasse im dichten Verkehr ange-
halten, weil Fussgänger über den Streifen wollten. Beim Kein-Vortritt-Signal sei die Strasse frei gewe-
sen und er sei langsam auf die Kreuzung gefahren. Plötzlich sei von links ein Velofahrer angerast ge-
kommen. Er habe sofort abgebremst, aber der Velofahrer habe sein Fahrzeug gestreift. Er sei seitlich 
in seine Front gefahren, dabei habe er sich kopfvoran überschlagen und sei auf der Strasse liegenge-
blieben. Er habe keine Chance gehabt zu reagieren, weil der Velofahrer angerast gekommen sei. Bei 
der Kollision sei sein Auto stillgestanden. Er habe den Velofahrer wahrgenommen, als er schon auf 
der Kreuzung gewesen sei. Der Velofahrer habe versucht vor ihm durchzudrücken, dabei sei er sogar 
auf dem Pflasterstein der Insel gefahren. Der Velofahrer sei in ihn hereingefahren und nicht umge-
kehrt (vgl. EV vom 04.07.2020). Der Privatkläger gab demgegenüber an, er sei mit dem E-Bike auf 
der oberen Zollgasse gefahren und habe in die untere Zollgasse gewollt. Nachdem er den Kreisel be-
fahren habe, sei von rechts ein Auto gekommen. Er könne sich erinnern, dass der Fahrer nicht zu ihm 
geschaut habe. Er sei einfach weitergefahren und habe nach vorne geschaut. Er habe noch versucht 

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zu bremsen, aber es sei schon zu spät gewesen. Wie genau der Unfall geschehen sei, wisse er nicht 
mehr. Er habe ein kurzes Blackout gehabt. Er sei etwa mit 5 bis 10 km/h in den Kreuzungsbereich ge-
fahren. Er wisse nicht, ob das Fahrzeug bei der Kollision schon gestanden oder noch gefahren sei. Er 
glaube aber, dass es noch gefahren sei (vgl. EV vom 04.07.2020).

Im vorliegenden Fall steht somit zum genauen Ablauf des Unfalls Aussage gegen Aussage. Wie der 
Beschuldigte angibt, herrschte zum Tatzeitpunkt dichter Verkehr und der Beschuldigte musste vor 
dem Fussgängerstreifen halten. Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass er direkt anschliessend beim 
Weiterfahren in den Kreuzungsbereich in seiner Aufmerksamkeit beeinträchtigt gewesen war. Weiter 
stimmt die Angabe, wonach der Privatkläger auf den Pflasterstein gefahren sei, mit den örtlichen Ver-
hältnissen überein. Auch die Aussage der Beschuldigten, wonach sein Auto bei der Kollision bereits 
stillgestanden sei, ist mit dem Schadensbild (Kühlerhaube und Kontrollschild leicht eingedrückt) ver-
einbar. Insgesamt erscheinen die Aussagen des Beschuldigten als glaubhaft und vermögen von den 
Aussagen des Privatklägers nicht widerlegt zu werden. So gibt der Privatkläger an, dass er mit 5 bis 
10 km/h in den Kreuzungsbereich gefahren sei und bemerkt habe, dass der Beschuldigte nur nach 
vorne geschaut habe. Es erscheint nicht nachvollziehbar, weshalb der Privatkläger bei diesen Um-
ständen – gemässigte Geschwindigkeit und Erkennen des angeblichen Fehlverhaltens der Beschul-
digten – nicht rechtzeitig halten konnte. Gestützt auf die Aussagen des Beschuldigten und in Anwen-
dung des Grundsatzes «in dubio pro reo» ist deshalb in tatsächlicher Hinsicht davon auszugehen, 
dass sich der Beschuldigte beim Signal «Kein Vortritt» vergewissert hat, ob sich kein Fahrzeugführer 
von links nähert. Gleichzeitig fuhr der Privatkläger mit einer Geschwindigkeit in den Kreisverkehrsplatz 
hinein, welche nicht den Strassenverhältnissen angepasst war. Der Beschuldigte durfte gemäss dem 
Vertrauensgrundsatz (Art. 26 Abs. 1 SVG) darauf vertrauen, dass sich die von links kommenden Vor-
trittsberechtigten regelkonform verhalten. Bei der Einschätzung, ob er beim Losfahren in die Kreuzung 
einen Vortrittsberechtigten in dessen Fahrt behindern könnte, musste er deshalb nicht damit rechnen, 
dass sich ein Vortrittsberechtigter nähert, ohne dabei seine Geschwindigkeit im Kreisverkehrsplatz zu 
mässigen. Dem Beschuldigten kann somit nicht vorgeworfen werden, er habe seine Sorgfaltspflichten 
verletzt, indem er zunächst den Privatkläger übersehen und trotz dem Signal «Kein Vortritt» langsam 
in den Kreuzbereich hineingefahren ist. […]

4. Der Beschwerdeführer bringt sinngemäss vor, es stimme nicht, dass er gerast sei. 
Der Beschuldigte sei nicht stillgestanden. Er sei angefahren als er, der Beschwer-
deführer, im Kreisel gewesen sei. Er (Beschwerdeführer) sei auch nicht auf die 
Pflastersteine gefahren. Hätte der Beschuldigte die elementare Vorsicht beim Si-
gnal «Kein Vortritt» eingehalten, so hätte er den vortrittsberechtigten Beschwerde-
führer rechtzeitig erkennen und anhalten können. Der Beschuldigte sei drei Meter 
über der Markierung «Kein Vortritt» gestanden. Sein Wagen sei an der Kühlerhau-
be und im Bereich des Kontrollschilds beschädigt gewesen. 

5. Die Generalstaatsanwaltschaft vertritt die Auffassung, die Staatsanwaltschaft habe 
zutreffend aufgezeigt, dass eine Aussage-gegen-Aussage-Konstellation vorliege, 
bei der die Angaben des Beschuldigten glaubhaft erscheinen würden und diejeni-
gen des Beschwerdeführers nicht. Sie sei zum Ergebnis gekommen, dass der Be-
schuldigte keine Sorgfaltspflicht verletzt habe. Dass der Beschwerdeführer dage-
gen vorbringe, er sei nicht angerast gekommen und nicht auf die Pflastersteine ge-
fahren, vermöge den in der Nichtanhandnahmeverfügung festgestellten Sachver-
halt nicht in Zweifel zu ziehen. Auch im Kreisverkehr gelte das Vertrauensprinzip. 
Der Linksvortritt auf Kreisverkehrsplätzen gelte nicht absolut. Der Vortrittsbelastete 

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dürfe sich darauf verlassen, dass sich der von links kommende Vortrittsberechtigte 
regelkonform verhalte (Verweis auf BGE 124 IV 81 E. 2 b). Das Verfahren wegen 
fahrlässiger Körperverletzung sei zu Recht nicht an die Hand genommen worden. 

6. Vorweg ist Folgendes festzuhalten: Der Beschwerdeführer stützt sich in seiner Ein-
gabe auf einen Strafbefehl, der sich in den Akten befindet, indessen nie in Rechts-
kraft erwachsen ist. Dieser Strafbefehl betrifft den Vorwurf einer Verkehrsregelver-
letzung, sprich eine Übertretung. Verfahrensleiter war ein Mitarbeiter der Kanzlei 
der Staatsanwaltschaft. Vorgängig wartete er die dreimonatige Strafantragsfrist im 
Zusammenhang mit dem Vorwurf der einfachen Körperverletzung ab. Erst nach Er-
lass des Strafbefehls ging bei der Staatsanwaltschaft ein Nachtrag der Polizei ein, 
aus dem sich ergibt, dass der Beschwerdeführer rechtzeitig Strafantrag wegen 
fahrlässiger Körperverletzung gestellt hatte. Die Polizei brachte diesen Antrag der 
Staatsanwaltschaft erst zwei Wochen später zur Kenntnis. Folglich wurde dem Be-
schuldigten noch innerhalb der Einsprachefrist mitgeteilt, dass aufgrund des Straf-
antrages der Strafbefehl keinen Bestand mehr habe und das Verfahren fortgeführt 
werde. Dies hat seinen Grund darin, dass die fahrlässige Körperverletzung im Falle 
einer Verurteilung die einfache Verkehrsregelverletzung konsumiert hätte 
(ROTH/KESHELAVA, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Aufl. 2019, N. 7 zu Art. 
125 StGB). Da nunmehr der Vorwurf eines Vergehens im Raum stand, ging die (in-
terne) Zuständigkeit auf die Staatsanwältin über. Diese war bei ihrem Entscheid 
nicht an die Begründung des Strafbefehls gebunden. Infolgedessen stand es ihr 
tatsächlich an sich offen, die Frage der Sorgfaltspflichtverletzung des Beschuldig-
ten anders zu würdigen, als dies im (aufgehobenen) Strafbefehl gemacht worden 
war. Dennoch hat die Staatsanwaltschaft darauf zu achten, dass die (freilich sehr 
weit auseinanderliegenden) Kriterien für einen Strafbefehl auf der einen Seite bzw. 
für eine Nichtanhandnahmeverfügung auf der anderen Seite unabhängig davon, 
welche Person innerhalb der Staatsanwaltschaft damit betraut ist, möglichst gleich-
artig anzuwenden sind. Dies gilt insbesondere in Fällen wie dem vorliegenden, in 
welchem von der Staatsanwältin gar keine ergänzenden Abklärungen getroffen 
wurden.

7.

7.1 Gemäss Art. 310 Abs. 1 Bst. a - c StPO verfügt die Staatsanwaltschaft die Nichtan-
handnahme, sobald aufgrund der Strafanzeige oder des Polizeirapports feststeht, 
dass die fraglichen Straftatbestände oder die Prozessvoraussetzungen eindeutig 
nicht erfüllt sind, Verfahrenshindernisse bestehen oder aus den in Art. 8 StPO ge-
nannten Gründen auf eine Strafverfolgung zu verzichten ist.

Fahrlässig handelt, wer die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsich-
tigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht Rücksicht nimmt (Art. 12 Abs. 3 des Schwei-
zerischen Strafgesetzbuches [StGB; SR 311]). Ein Schuldspruch wegen fahrlässi-
ger Körperverletzung gemäss Art. 125 StGB setzt voraus, dass der Täter den Er-
folg durch Verletzung einer Sorgfaltspflicht verursacht hat. Sorgfaltswidrig ist die 
Handlungsweise, wenn der Täter zum Zeitpunkt der Tat aufgrund der Umstände 
sowie seiner Kenntnisse und Fähigkeiten die damit bewirkte Gefährdung der 
Rechtsgüter des Opfers hätte erkennen können und müssen und wenn er zugleich 

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die Grenzen des erlaubten Risikos überschritten hat. Das Mass der im Einzelfall zu 
beachtenden Sorgfalt richtet sich, wo besondere, der Unfallverhütung und der Si-
cherheit dienende Normen ein bestimmtes Verhalten gebieten, in erster Linie nach 
diesen Vorschriften. Grundvoraussetzung für die Fahrlässigkeitshaftung bildet die 
Vorhersehbarkeit des Erfolgs. Die zum Erfolg führenden Geschehensabläufe müs-
sen für den konkreten Täter mindestens in ihren wesentlichen Zügen voraussehbar 
sein. Für die Beantwortung dieser Frage gilt der Massstab der Adäquanz. Danach 
muss das Verhalten geeignet sein, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und 
den Erfahrungen des Lebens einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizuführen 
oder mindestens zu begünstigen (BGE 142 IV 237 E. 1.5.2; 135 IV 56 E. 2.1 mit 
Hinweisen). Die Adäquanz ist nur zu verneinen, wenn ganz aussergewöhnliche 
Umstände, wie das Mitverschulden des Opfers bzw. eines Dritten oder Material- 
oder Konstruktionsfehler, als Mitursache hinzutreten, mit denen schlechthin nicht 
gerechnet werden musste und die derart schwer wiegen, dass sie als wahrschein-
lichste und unmittelbarste Ursache des Erfolgs erscheinen und so alle anderen mit-
verursachenden Faktoren – namentlich das Verhalten des Beschuldigten – in den 
Hintergrund drängen (BGE 135 IV 56 E. 2.1 mit Hinweisen).

Im Strassenverkehr richtet sich der Umfang der zu beachtenden Sorgfalt nach den 
Bestimmungen des Strassenverkehrsgesetzes (SVG; SR 741.01) und der dazu 
gehörenden Verordnungen. Gemäss Art. 36 Abs. 2 SVG hat auf Strassenverzwei-
gungen das von rechts kommende Fahrzeug den Vortritt. Fahrzeuge auf gekenn-
zeichneten Hauptstrassen haben den Vortritt, auch wenn sie von links kommen. 
Vorbehalten bleibt die Regelung durch Signale oder die Polizei (vgl. auch Art. 27 
Abs. 1 SVG). Diese Vortrittsregel wird durch Art. 14 Abs. 1 der Verkehrsregelnver-
ordnung (VRV; SR 741.11) konkretisiert, wonach der Vortrittsbelastete den Vor-
trittsberechtigten in seiner Fahrt nicht behindern darf und mit Blick darauf seine 
Geschwindigkeit frühzeitig zu mässigen und, wenn er warten muss, vor Beginn der 
Verzweigung zu halten hat. Der Vortrittsberechtigte hat auf Strassenbenützer 
Rücksicht zu nehmen, welche die Strassenverzweigungen erreichten, bevor sie ihn 
erblicken konnten (Art. 14 Abs. 2 VRV). Jedermann muss sich im Verkehr so ver-
halten, dass er andere in der ordnungsgemässen Benützung der Strasse weder 
behindert noch gefährdet (Art. 26 Abs. 1 SVG).

7.2 Ungeachtet des unter Erwägung 6 Ausgeführten erweist sich die angefochtene 
Verfügung als rechtswidrig. Vorab ist festzustellen, dass es grundsätzlich nicht an-
geht, im Rahmen einer Nichtanhandnahmeverfügung mit dem «in dubio pro reo»-
Grundsatz zu argumentieren. Überdies liegt hier keine (reine) Aussage-gegen-
Aussage-Konstellation vor, existieren doch Schäden insbesondere am Motorfahr-
zeug des Beschuldigten (siehe Unfallaufnahmeprotokoll vom 4. Juli 2020: Kühler-
haube leicht eingedrückt, Rahmen von Kontrollschild eingedrückt). Die Beschwerdekammer 
vermag auch nicht zu erkennen, inwiefern die Aussagen des Beschuldigten deut-
lich glaubwürdiger sein sollen als diejenigen des Beschwerdeführers. Es ist klar 
und unbestritten, dass aufgrund der Verkehrsbeschilderung in der vorliegenden Si-
tuation prinzipiell der Beschwerdeführer vortrittsberechtigt war. Im Weiteren ereig-
nete sich die Kollision nicht im Bereich des Kreisverkehrsplatzes, sondern erst 
deutlich später. Die Unfallskizze ist ungenau. Die Strecke zwischen dem Ausgang 

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des Kreisverkehrs und dem Kollisionspunkt beträgt nämlich rund 30 Meter (gemes-
sen mit Google Maps):

Dem Beschwerdeführer stand es mithin aus rechtlicher Sicht frei, auf der Strasse 
nach dem Kreisverkehr mit seinem Fahrrad schneller als wenige Stundenkilometer 
zu fahren – wie dies nebenbei auch eine Autofahrerin tun würde. Er musste in den 
Sekunden vor der Kollision auf diesem Strassenabschnitt auch nicht ernsthaft mit 
einem Anfahren des Beschuldigten rechnen und deswegen sehr vorsichtig und 
langsam fahren. Mit welcher Geschwindigkeit der Beschwerdeführer (ungefähr) ge-
fahren und wie es exakt zur Kollision gekommen ist, muss im vorliegenden Be-
schwerdeverfahren nicht geklärt werden. Für die Beschwerdekammer ist es nach 
dem derzeitigen Aktenstand aber naheliegend, dass der Beschuldigte den E-
Bikefahrer – nachdem er Fussgänger passieren liess – schlicht übersehen hat und 
auf die Kreuzung gefahren ist (siehe EV Beschwerdeführer vom 4. Juli 2020: Er fuhr 
einfach und schaute nach vorn.; EV Beschuldigter vom 4. Juli 2020: Ich habe ihn wahrge-
nommen, als ich schon auf der Kreuzung war.). Auch mit dieser These ist im Übrigen das 
Schadensbild des Fahrzeugs des Beschuldigten gut vereinbar. Aus strafprozessua-
ler Sicht ist es unzweifelhaft, dass diese Angelegenheit nicht mit einer Nichtan-
handnahmeverfügung im Sinne von Art. 310 StPO erledigt werden kann. Die 
Staatsanwaltschaft hat ein Strafverfahren zu eröffnen, den Sachverhalt ergänzend 
festzustellen und diesen alsdann erneut im Lichte der einschlägigen Bestimmungen 
des StGB und des SVG (vgl. vorne E. 7.1) rechtlich zu würdigen.  

7.3 Nach dem Gesagten erweist sich die Beschwerde als begründet und ist die ange-
fochtene Verfügung aufzuheben. 

8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens trägt der Kanton Bern die Verfahrenskosten 
(Art. 423, Art. 428 Abs. 4 StPO). Entschädigungen sind keine auszurichten; der 
Beschwerdeführer hatte ferner auch keine solche beantragt (vgl. Art. 433 Abs. 2 
StPO).

7

Die Beschwerdekammer in Strafsachen beschliesst:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Die Verfügung der Regionalen Staatsanwalt-
schaft Bern-Mittelland vom 12. November 2020 wird aufgehoben. 

Die Regionale Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland wird angewiesen, ein Strafverfahren 
gegen den Beschuldigten zu eröffnen.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestimmt auf CHF 1'000.00, trägt der Kanton 
Bern.

3. Entschädigungen sind keine auszurichten.

4. Zu eröffnen:
- dem Straf- und Zivilkläger/Beschwerdeführer (per Einschreiben)
- dem Beschuldigten (per Einschreiben)
- der Generalstaatsanwaltschaft (per Kurier)

Mitzuteilen:
- der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland, Staatsanwältin C.________

(mit den Akten – per Kurier)

Bern, 29. Januar 2021 Im Namen der Beschwerdekammer
in Strafsachen

Der Präsident:

Oberrichter J. Bähler

Der Gerichtsschreiber:

Müller  

Die Zustellung von Vorladungen, Verfügungen und Entscheiden gilt bei eingeschriebenen Sendungen, die 
nicht abgeholt werden, am siebten Tag nach dem erfolglosen Zustellungsversuch als erfolgt, sofern die Person 
mit einer Zustellung rechnen musste (Art. 85 Abs. 4 Bst. a StPO). Daran ändern besondere Abmachungen mit 
der Schweizerischen Post – wie etwa Postrückbehalteaufträge oder Abholfristverlängerungen – nichts. Auch in 
diesen Fällen gilt die Sendung am siebten Tag nach Eingang der Sendung bei der Poststelle am Ort des Emp-
fängers als zugestellt.

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgerichtsgeset-
zes (BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entspre-
chen.