# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 996c6f9b-aece-5f73-b6d8-dcade1deeb90
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-01-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.01.2012 A-5050/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-5050-2011_2012-01-12.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung I
A­5050/2011

U r t e i l   v om   1 2 .   J a nua r   2 0 1 2

Besetzung Richter Lorenz Kneubühler (Vorsitz),
Richter Christoph Bandli, Richter Alain Chablais,   
Gerichtsschreiber Andreas Meier.

Parteien A._______,
vertreten durch lic. iur. Till Gontersweiler, Rechtsanwalt, 
Beschwerdeführer, 

gegen

Fachstelle für Personensicherheitsprüfungen im Bereich 
Informations­ und Objektsicherheit (IOS),
Papiermühlestrasse 20, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Personensicherheitsprüfung.

A­5050/2011

Seite 2

Sachverhalt:

A. 
Anlässlich  seiner  Rekrutierung  wurde  A._______  als  (Funktion)  den 
(Truppengattung)  zugeteilt.  Das Kommando  des Rekrutierungszentrums 
(…)  beantragte  der  Fachstelle  für  Personensicherheitsprüfungen  im 
Bereich Informations­ und Objektsicherheit (Fachstelle IOS; nachfolgend: 
Fachstelle)  darauf  über  den  Führungsstab  der  Armee  (FGG  1)  eine 
Personensicherheitsprüfung  (Grundsicherheitsprüfung)  von  A._______, 
weil er als (Funktion) bei den (Truppengattung) Zugang zu als vertraulich 
klassifizierten Informationen und zu militärischen Anlagen der Schutzzone 
2 hat. A._______ hatte der Durchführung der Sicherheitsprüfung und der 
dafür benötigten Datenerhebung durch die Fachstelle auf dem Formular 
"Personensicherheitsprüfung  für Angehörige der Armee" am 17. Februar 
2010 zugestimmt.

B. 
Am  17. Dezember  2010  und  am  20. Mai  2011  verlängerte  A._______ 
jeweils  auf  dem  Formular  "Fristverlängerung  zur  Datenerhebung"  seine 
Zustimmung zur Datenerhebung.

C. 
Die Fachstelle erhielt im Verlaufe des Verfahrens Kenntnis von mehreren 
strafrechtlich relevanten Vorfällen:

Am  3. September  2002  erteilte  die  Jugendanwaltschaft  (…)  A._______ 
wegen pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall einen Verweis. A._______ sei 
am 31. Mai 2002 Fahrrad gefahren, als plötzlich und völlig unverhofft ein 
fünfjähriges  Kind  auf  die  Strasse  getreten  sei.  A._______  sei 
ausgewichen, habe das Kind aber noch mit dem Ellenbogen gestreift, so 
dass der Knabe zu Fall gekommen sei und sich leicht verletzt habe. Statt 
anzuhalten und sich um den Knaben zu kümmern, sei A._______ einfach 
weitergefahren.

Am  12. November  2007  sprach  die  Jugendanwaltschaft  (…)  wegen 
mehrfacher  Übertretung  des  Betäubungsmittelgesetzes  ebenfalls  einen 
Verweis  aus.  Bei  A._______  seien  am  12. September  2007  anlässlich 
einer  Personenkontrolle  1,4 Gramm  Marihuana  sowie  ein  Joint 
sichergestellt  worden.  Gegenüber  der  Polizei  habe  er  angegeben,  seit 
Januar 2006 wöchentlich 0,2 Gramm Marihuana zu konsumieren.

A­5050/2011

Seite 3

Sodann  verpflichtete  die  Jugendanwaltschaft  (…)  A._______  mit 
Entscheid  vom  20. Mai  2010  zu  einer  persönlichen  Leistung  von  zehn 
Tagen.  Er  hatte  im  Zeitraum  von Dezember  2007  bis  Februar  2008  an 
sieben verschiedenen Orten Sprayereien angebracht, wobei er jeweils in 
Begleitung seines älteren Stiefbruders unterwegs gewesen war. Der von 
beiden verursachte Sachschaden belief sich gemäss Entscheid auf über 
Fr. 10'000.­.  Unter  anderem  brachte  A._______  auf  einer  Sitzbank  ein 
Hakenkreuz  und  ein  eisernes  Kreuz  an.  Er  wurde  der  mehrfachen 
Sachbeschädigung,  der  Rassendiskriminierung  und  des 
Hausfriedensbruchs für schuldig befunden.

Bereits  am  9. Oktober  2009  bestrafte  die  Staatsanwaltschaft  (…)  den 
Beschwerdeführer  per  Strafbefehl  wegen  vorsätzlichen  Fahrens  in 
fahrunfähigem  Zustand,  Hinderung  einer  Amtshandlung,  mehrfacher 
Verletzung  der  Verkehrsregeln  und  mehrfacher  Übertretung  des 
Betäubungsmittelgesetzes  mit  einer  Geldstrafe  von  35  Tagessätzen  zu 
Fr. 30.– und einer Busse von Fr. 400.–, wobei der Vollzug der Geldstrafe 
unter Ansetzung einer Probezeit  von  zwei  Jahren aufgeschoben wurde. 
Dies, weil A._______, welcher unter Cannabiseinfluss stand, am 31. Mai 
2009  kurz  nach  Mitternacht  mit  seinem  Wagen  davon  fuhr,  als  ein 
Polizeifahrzeug  neben  ihm  angehalten  hatte.  Dabei  folgte  ihm  das 
Polizeifahrzeug  mit  eingeschaltetem  Blaulicht  und  Sirene.  A._______ 
beging  auf  seiner  ca.  1 km  langen  Fluchtfahrt  verschiedene  einfache 
Verkehrsregelverletzungen  (Überschreiten  der  signalisierten 
Höchstgeschwindigkeit,  Unterlassen  der  Richtungsanzeige, 
Nichtangurten). Zuletzt liess er den Wagen stehen und flüchtete zu Fuss. 
Dem  Strafbefehl  ist  weiter  zu  entnehmen,  dass  A._______  seit  Jahren 
praktisch täglich Cannabis konsumiert habe, letztmals am 30. Mai 2009.

D. 
Am  5. Juli  2011  befragte  die  Fachstelle  A._______  persönlich.  Im 
Anschluss  an  die  Befragung  wurde  ihm  mitgeteilt,  dass  die  Fachstelle 
erwäge,  eine  Risikoverfügung  mit  Auflagen  oder  eine  negative 
Risikoverfügung zu erlassen. Die Fachstelle gab A._______ Gelegenheit, 
dazu schriftlich Stellung zu nehmen. Dieser reichte darauf Unterlangen zu 
Urintests  nach, welche  im Zeitraum  von Februar  2010  bis August  2010 
durchgeführt  worden  waren.  Die  Proben  wurden  auf  Cannabinoide 
getestet, die Resultate waren in allen Fällen negativ.

E. 
Am  22. Juli  2011  erliess  die  Fachstelle  eine  negative  Risikoverfügung. 

A­5050/2011

Seite 4

Sie  hielt  im  Dispositiv  fest,  A._______  werde  als  Sicherheitsrisiko 
erachtet  (Ziff. 1).  Es  dürfe  ihm  kein  Zugang  zu  VERTRAULICH 
klassifizierten Informationen oder militärischen Anlagen der Schutzzone 2 
gewährt werden (Ziff. 2). Seine Weiterverwendung als (Funktion) sei nicht 
zu  empfehlen;  die militärische Einteilung,  Funktion  oder  der Ausschluss 
aus der Armee sei durch den Führungsstab der Armee neu zu beurteilen 
(Ziff. 3). Es werde empfohlen, A._______ die Armeewaffe  zu entziehen, 
und  es  solle  ebenfalls  gewährleistet  werden,  dass  ihm  bei  einem 
allfälligen  Verbleib  in  der  Armee  jeglicher  Zugang  zu  Armeewaffen, 
Munition  und  Explosivstoffen  verwehrt  werde  (Ziff. 4).  Sowohl  von 
militärischen  Weiterbildungen  und  Beförderungen  wie  auch 
Friedensförderungseinsätzen im Ausland sei abzusehen (Ziff. 5).

F. 
Gegen  diese  Verfügung  erhebt  A._______  (nachfolgend: 
Beschwerdeführer)  am  13. September  2011  Beschwerde  beim 
Bundesverwaltungsgericht und stellt folgende Anträge:

"Es  sei  die  negative  Risikoverfügung  vom  22.07.2011  (Reg­Nr.  …) 
aufzuheben  und  festzustellen,  dass  in  der  Person  des  Beschwerdeführers 
kein Sicherheitsrisiko besteht (positive Risikoverfügung)".

Der  Beschwerdeführer  rügt,  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  sei 
unrichtig und unvollständig  festgestellt worden, die Risikobeurteilung sei 
materiell falsch, und die negative Risikoverfügung sei unverhältnismässig 
und unangemessen.

G. 
Die  Fachstelle  (nachfolgend:  Vorinstanz)  beantragt  in  ihrer 
Vernehmlassung vom 25. Oktober 2011 die Abweisung der Beschwerde. 
In  seinen  Schlussbemerkungen  vom  8. November  2011  hält  der 
Beschwerdeführer  an  seinen  Anträgen  fest.  Auf  die  Vorbringen  der 
Parteien  im  Einzelnen  und  die  sich  bei  den  Akten  befindlichen 
Schriftstücke  wird,  sofern  relevant,  in  den  nachfolgenden  Erwägungen 
eingegangen.

A­5050/2011

Seite 5

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  beurteilt  gemäss  Art. 31  des 
Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG,  SR 173.32) 
Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des 
Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20. Dezember  1968  (VwVG, 
SR 172.021),  sofern  sie  von  Behörden  erlassen  wurden,  die  gemäss 
Art. 33 VGG als Vorinstanzen gelten, und überdies keine Ausnahme nach 
Art. 32 VGG vorliegt. Die Fachstelle IOS ist eine Organisationseinheit des 
Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). Sie 
gehört  somit  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  Bst. d  VGG  und  ist  daher 
Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Die 
Personensicherheitsprüfung  fällt  nicht  unter  die  Ausnahme  von  Art. 32 
Abs. 1  Bst. a  VGG  betreffend  das  Gebiet  der  inneren  und  äusseren 
Sicherheit  (vgl.  THOMAS  HÄBERLI,  in:  Basler  Kommentar  zum 
Bundesgerichtsgesetz,  2. Auflage,  Basel  2011,  Art. 83  Rz. 24  sowie 
HANSJÖRG  SEILER,  in:  Seiler/von  Werdt/Güngerich  [Hrsg.] 
Handkommentar  zum  Bundesgerichtsgesetz  [BGG],  Bern  2007,  Art. 83 
Rz. 17 mit weiteren Hinweisen). Das Bundesverwaltungsgericht  ist damit 
zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig (vgl. auch Art. 21 
Abs. 3  des  Bundesgesetzes  vom  21. März  1997  über Massnahmen  zur 
Wahrung der inneren Sicherheit [BWIS, SR 120]).

1.2. Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht  richtet sich nach 
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG).

1.3. Zur Beschwerde ist nach Art. 48 Abs. 1 VwVG berechtigt, wer vor der 
Vorinstanz  am  Verfahren  teilgenommen  hat  oder  keine  Möglichkeit  zur 
Teilnahme  erhalten  hat,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders 
berührt  ist  und  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  oder 
Änderung hat. Der Beschwerdeführer ist als Adressat der angefochtenen 
negativen Risikoverfügung zur Beschwerde legitimiert.

1.4. Auf  die  im Übrigen  frist­  und  formgerecht  eingereichte Beschwerde 
(vgl. Art. 50 und Art. 52 VwVG) ist daher einzutreten.

2. 

Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf 
Rechtsverletzungen  –  einschliesslich  unrichtiger  oder  unvollständiger 

A­5050/2011

Seite 6

Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und Rechtsfehler bei der 
Ausübung des Ermessens – sowie auf Angemessenheit (Art. 49 VwVG). 
Gerügt  werden  kann  also  auch  die  Unangemessenheit  einer 
angefochtenen Verfügung (Art. 49 Bst. c VwVG).

Das Bundesverwaltungsgericht darf sein eigenes Gutdünken jedoch nicht 
ohne hinreichenden Grund an die Stelle  des Ermessens der Vorinstanz 
setzen,  da  diese  über  spezielle  Fachkenntnisse  verfügt.  Auch  hat  das 
Bundesverwaltungsgericht  den  Massstab  für  sicherheitsrelevante 
Bedenken  nicht  selber  zu  definieren.  Dies  obliegt  in  erster  Linie  dem 
Bundesrat,  dem  Departement  und  den  nachgeordneten 
Verwaltungsbehörden.  Aufgabe  der  Justizbehörden  ist  nur,  zu 
überprüfen,  ob  die  Exekutivbehörden  bei  der  Konkretisierung  des 
Sicherheitsrisikos bezogen auf eine bestimmte Funktion  im Rahmen der 
delegierten  Befugnisse  geblieben  sind  und  ob  die  Beurteilung  im 
Einzelfall  gemessen  an  diesem  Massstab  korrekt  ist  (Urteil  des 
Bundesgerichts  2A.705/2004  vom 16. März  2005 E. 3.1 mit Hinweisen). 
Soweit  die  Überlegungen  der  Vorinstanz  als  sachgerecht  erscheinen, 
greift das Bundesverwaltungsgericht deshalb nicht in deren Ermessen ein 
(vgl.  zum  Ganzen:  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A­6275/2010 vom 27. April 2011 E. 2 mit weiteren Hinweisen).

3. 

Ziel der Personensicherheitsprüfung  ist es, bei Personen, die eine nach 
Art. 19  Abs. 1  Bst.  a­e  BWIS  sensible  Arbeit  verrichten  oder  verrichten 
würden,  Sicherheitsrisiken  aufzudecken.  Nach  Art. 20  Abs. 1  BWIS 
werden im Rahmen der Personensicherheitsprüfung sicherheitsrelevante 
Daten  über  die  Lebensführung  der  betroffenen  Person  erhoben, 
insbesondere über  ihre engen persönlichen Beziehungen und  familiären 
Verhältnisse,  ihre  finanzielle  Lage,  ihre  Beziehungen  zum  Ausland  und 
Aktivitäten,  welche  die  innere  oder  die  äussere  Sicherheit  in 
rechtswidriger  Weise  gefährden  können.  Über  die  Ausübung 
verfassungsmässiger Rechte werden keine Daten erhoben. Gemäss dem 
Zweckartikel  von  Art. 1  BWIS  dient  das  Gesetz  der  Sicherung  der 
demokratischen  und  rechtsstaatlichen  Grundlagen  der  Schweiz  sowie 
dem Schutz der Freiheitsrechte  ihrer Bevölkerung. Der Bundesrat hat  in 
seiner  Botschaft  vom  7. März  1994  ausgeführt,  eine  der  heikelsten  und 
intensivsten Bedrohungen der inneren Sicherheit entstehe dann, wenn an 
besonders  wichtigen  Schlüsselpositionen  eingesetzte  Personen  Verrat 
übten,  gegen  den  Staat  selber  arbeiteten  oder  seine  Institutionen  auf 

A­5050/2011

Seite 7

rechtswidrige Art  verändern wollten. Es  sollten nur Personen eingesetzt 
werden,  die  nicht  erpressbar  seien  und  Gewähr  böten,  das  ihnen 
entgegengebrachte Vertrauen nicht zu missbrauchen (BBl 1994 II 1147). 
Als  Sicherheitsrisiken  im  Sinne  des  BWIS  gelten  insbesondere 
Terrorismus,  verbotener  Nachrichtendienst,  gewalttätiger  Extremismus, 
kriminelle Handlungen, Korruption, finanzielle Probleme, Abhängigkeiten, 
Erpressbarkeit  und  exzessiver  Lebenswandel  (vgl.  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A­8451/2010  vom  20. September  2011  E. 3 
mit weiteren Hinweisen; so auch schon Urteil der Rekurskommission VBS 
470.07/05 vom 6. April 2006 E. 4b).

4. 

Am  1. April  2011  ist  die  Verordnung  vom  4. März  2011  über  die 
Personensicherheitsprüfungen  (PSPV,  120.4)  in Kraft  getreten. Gemäss 
der  Übergangsbestimmung  von  Art. 32  Abs. 3  PSPV  gilt  indes  für 
Personensicherheitsprüfungen,  die  vor  dem  Inkrafttreten  dieser 
Verordnung  eingeleitet  worden  sind,  das  bisherige  Recht.  Auf  den 
vorliegenden  Fall  findet  demnach  noch  die  Verordnung  vom 
19. Dezember 2001 über die Personensicherheitsprüfungen (aPSPV, AS 
2002 377) Anwendung.

5. 

5.1. Im Rahmen der Beurteilung, ob eine Person ein Sicherheitsrisiko im 
Sinne  des  BWIS  darstellt,  ist  stets  eine  Abwägung  zu  treffen  zwischen 
der  Sicherheitsempfindlichkeit  der  Funktion  und  dem  konkreten  Risiko, 
das  von  der  betroffenen  Person  ausgeht.  Je  heikler  eine  Funktion  ist, 
desto  tiefer  ist  die  Schwelle  für  ein  Sicherheitsrisiko  anzusetzen  (vgl. 
Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­8451/2010  vom  20. September 
2011 E. 7 und 8.3 mit Hinweis).

5.2.  Im  hier  zu  beurteilenden  Fall  hat  die  Vorinstanz  die  negative 
Sicherheitsverfügung  in  erster  Linie  mit  den  vom  Beschwerdeführer 
begangenen  Straftaten  begründet.  Nach  der  Rechtsprechung  des 
Bundesverwaltungsgerichts  macht  nicht  jede  Verurteilung  wegen 
kriminellen Handlungen eine Person  zum Sicherheitsrisiko. Auszugehen 
ist  vielmehr  von  der  Art  des  Delikts,  den  Umständen  und  den 
Beweggründen  der  Delinquenz.  Es  ist  zu  fragen,  ob  die  damaligen 
Umstände  Rückschlüsse  auf  Charakterzüge  des  Beschwerdeführers 
zulassen, die einen Risikofaktor darstellen. Weiter spielt eine Rolle, ob es 

A­5050/2011

Seite 8

sich  um  ein  einmaliges  Vergehen  handelt  oder  ob  der  Betroffene 
wiederholt delinquiert hat und ob davon ausgegangen werden muss, dass 
Wiederholungsgefahr besteht. Zu berücksichtigen ist auch, wie lange das 
Delikt  beziehungsweise die Verurteilung  zurückliegt. Auch die Höhe der 
Strafe  ist  für  sich  allein  nicht  entscheidend;  ist  das  Strafmass  aufgrund 
einer herabgesetzten Zurechnungsfähigkeit tief ausgefallen, kann gerade 
dieser Umstand Anlass zu besonderer Vorsicht sein. Bei der Beurteilung 
des  sich  im  Delikt  manifestierenden  Sicherheitsrisikos  muss  aber  auch 
der  Frage  nachgegangen  werden,  ob  seither  Umstände  hinzugetreten 
sind,  welche  die  Verurteilung  in  den  Hintergrund  treten  oder  anders 
beurteilen  lassen,  d.h.  ob  sich  die  Risikobeurteilung  zugunsten  der  zu 
überprüfenden  Person  geändert  hat.  Vorab  sind  die  Umstände  des 
Einzelfalls  massgebend  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A­4673/2010  vom  7. April  2011  E. 6.4  mit  Hinweisen;  Entscheid  der 
Rekurskommission  VBS  vom  27. Oktober  2004,  veröffentlicht  in  VPB 
70.25, E. 3a mit Hinweis).

5.3. Die Bejahung eines relevanten Sicherheitsrisikos im Sinne des BWIS 
kann  auch  aufgrund  der  Summe  mehrerer  Risikoquellen  gerechtfertigt 
sein,  selbst  wenn  einzelne  davon  für  sich  genommen  kein  relevantes 
Sicherheitsrisiko  darstellen  würden  (vgl.  Entscheid  der 
Rekurskommission  VBS  vom  27. Oktober  2004,  veröffentlicht  in  VPB 
70.25 E. 6a; vgl. auch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A­8451/2010 
vom 20. September 2011 E. 6.3 mit Hinweis).

5.4. Bei der Personensicherheitsprüfung kann nicht nur aufgrund "harter" 
Fakten  entschieden  werden.  Es  geht  vielmehr  darum,  eine 
Risikoeinschätzung  vorzunehmen,  welche  aufgrund  von  Erhebungen 
gemacht  wird.  Dass  es  sich  bei  den  aus  den  erhobenen  Daten 
gezogenen  Schlussfolgerungen  auch  um  Annahmen  und  Vermutungen 
handeln  muss,  liegt  in  der  Natur  der  Sache,  da  bei  der 
Personensicherheitsprüfung  eine  Prognose  über  ungewisse  künftige 
Sacherhalte  vorgenommen  werden  muss.  Gerichtlich  überprüft  werden 
kann  zum  einen,  ob  die  getätigten  Erhebungen  auf  zulässige  Weise 
erfolgt sind, zum andern, ob die erhobenen Daten anschliessend korrekt 
gewürdigt  worden  sind  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­
7894/2009  vom  16. Juni  2010  E. 5.1;  vgl.  auch  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A­8451/2010  vom  20. September  2011 
E. 6.1).

6. 

A­5050/2011

Seite 9

Der  Beschwerdeführer  rügt  zunächst,  die  Vorinstanz  habe  den 
Sachverhalt unrichtig und unvollständig, ja sogar willkürlich festgestellt. 

6.1.  Die  Vorinstanz  hat  im  Verlaufe  des  Verfahrens  zunächst  einen 
Strafregisterauszug  sowie  einen  Informationsbericht  der  Kantonspolizei 
(…)  eingeholt.  Weiter  befinden  sich  sämtliche  Entscheide  der 
Jugendanwaltschaften  und  der  Staatsanwaltschaft  in  den  Akten.  Am 
5. Juli 2011 hat die Vorinstanz den Beschwerdeführer persönlich befragt. 
Sodann würdigt sie in ihren Erwägungen auch die vom Beschwerdeführer 
nachgereichten  Resultate  der  Urinproben.  Diese  musste  der 
Beschwerdeführer  durchführen,  weil  ihm  nach  dem Vorfall  vom  31. Mai 
2009  der  Führerausweis  entzogen  worden  war  und  das 
Strassenverkehrsamt  die  entsprechenden  Tests  zur  Bedingung  für  die 
Widererteilung machte (Persönliche Befragung 02'18'').

6.2.  Nach  Ansicht  des  Beschwerdeführers  hätte  die  Vorinstanz  neben 
den  Akten  betreffend  Vorstrafen  noch  weitere  Informationen  von 
Drittpersonen  einholen  und  berücksichtigen  müssen,  beispielsweise 
Schul­  und  Arbeitszeugnisse  oder  schriftliche  Auskünfte  von  Lehr­, 
Ausbildungs­  und  anderen  Bezugspersonen.  Weiter  seien  die 
militärischen  Qualifikationen  des  Beschwerdeführers  nicht  in  die 
Beurteilung eingeflossen. Die Datenerhebung sei einseitig erfolgt,  indem 
im  Wesentlichen  nur  die  Strafakten  berücksichtigt  worden  seien.  Die 
erhobenen  Daten  seien  daher  nicht  geeignet,  als  objektive 
Entscheidbasis zu dienen.

Die Vorinstanz hält dem entgegen, die Datenerhebung sei  innerhalb der 
Vorgaben  vom  Art. 21  BWIS  und  Art 17  aPSPV  erfolgt.  Bei  der 
Beurteilung  des  Sicherheitsrisikos  sei  die  Qualität  der  Arbeitsleistung 
nicht  relevant  und  ebenso  dürften  keine  sozialen  Überlegungen 
einfliessen.

Dem widerspricht der Beschwerdeführer in seinen Schlussbemerkungen. 
Um abschätzen zu können, ob eine Person ein Sicherheitsrisiko darstelle 
oder  nicht,  müssten  sämtliche  Charakterzüge  ausgeleuchtet  werden, 
wozu  zwangsläufig  auch  soziale  Überlegungen  und  das  Verhalten  im 
Alltag, namentlich bei der Arbeit, hinzugezählt werden müssten.

6.2.1. Das Bundesverwaltungsgericht hat wiederholt festgehalten, dass in 
die  Beurteilung  des  Sicherheitsrisikos  keine  sozialen  Überlegungen 
einfliessen  dürfen.  Nicht  relevant  sei  ferner  die  Qualität  der 

A­5050/2011

Seite 10

Arbeitsleistung der betroffenen Person. Soziale Aspekte und die positive 
Arbeitsleistung könnten hingegen – bei Angestellten des Bundes – vom 
Arbeitgeber  beim  Entscheid  über  die  Form  der  Weiterbeschäftigung 
mitberücksichtigt  werden,  zumal  dieser  gemäss  Art. 21  Abs. 4  Satz 2 
BWIS nicht an die Beurteilung der Fachstelle gebunden sei  (vgl. anstatt 
vieler:  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­8451/2010  vom 
20. September  2011  E. 6.2  und  A­705/2007  vom  6. August  2007  E. 5). 
Diese  Grundsätze  hat  bereits  die  Rekurskommission  des 
Eidgenössischen  Departements  für  Verteidigung,  Bevölkerungsschutz 
und  Sport  (nachfolgend:  REKO  VBS)  als  Vorgängerorganisation  des 
Bundesverwaltungsgerichts  festgelegt.  Die  REKO  VBS  hatte  einen  Fall 
zu  beurteilen,  in  welchem  die  dortige  Beschwerdeführerin  nach  einer 
schweren  Drogenabhängigkeit  wieder  zu  einer  geordneten 
Lebensführung zurückgefunden hatte. Die REKO VBS erachtete dies für 
bewundernswert  und  begrüsste  auch  die  Integrationsbemühungen  der 
Arbeitgeberin, hielt aber  fest, diese Umstände vermöchten  im Verfahren 
der  Personensicherheitsprüfung  ein  allfälliges  Sicherheitsrisiko  nicht  zu 
neutralisieren.  Sozialen  Überlegungen  und  solchen  zur  Integration  der 
Beschwerdeführerin  könnten  einzig  von  deren  Vorgesetzten  beim 
Entscheid über eine allfällige Weiterbeschäftigung Bedeutung zukommen. 
Ebensowenig  vermöge  die  gute  Beurteilung  der  Arbeitsleistung  der 
Beschwerdeführerin  ein  allfälliges  Sicherheitsrisiko  aufwiegen.  Auch 
brillante  Arbeitnehmer  könnten  geheime  Informationen  an  ausländische 
Nachrichtendienste  weiterleiten.  Hingegen  könnten  die  positiven 
Erfahrungen  mit  den  Leistungen  der  Beschwerdeführerin  –  gleich  wie 
soziale Überlegungen – beim Entscheid über deren Weiterbeschäftigung 
berücksichtigt  werden  (Urteil  der  REKO  VBS  470.07/05  vom  6. April 
2006,  E. 3c;  bestätigt  in  Urteil  der  REKO  VBS  470.01/06  vom 
4. Dezember 2006 E. 3d).

Zugleich  hat  das  Bundesverwaltungsgericht  aber  auch  in  mehreren 
Entscheiden  festgehalten,  dass  die  positive  Arbeitsleistung  einer 
Beschwerde  führenden  Person  für  die  Beurteilung  der 
Vertrauenswürdigkeit  nicht  bedeutungslos  und  gebührend 
mitzuberücksichtigen  ist.  Allerdings  gebe  dies  nur  Auskunft  darüber,  ob 
die Person  in Bezug auf die Erfüllung  ihrer arbeitsvertraglichen Pflichten 
zuverlässig  sei.  Für  die  im  Hinblick  auf  die  Personensicherheitsprüfung 
entscheidende  Frage,  ob  sie  über  die  für  die  Verneinung  eines 
Sicherheitsrisikos  notwendige  Integrität  und  Vertrauenswürdigkeit 
verfüge,  sei  dies  jedoch  nicht  von  vorrangiger  Bedeutung  (Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts A­8451/2010 vom 20. September 2011 E. 9.3 

A­5050/2011

Seite 11

letzter Absatz, A­4673/2010 vom 7. April 2011 E. 6.5.4, A­527/2010 vom 
19. Oktober 2010 E. 6.3.4.3 und A­705/2007 vom 6. August 2007 E. 7.7). 

6.2.2.  An  dieser  Rechtsprechung  ist  trotz  der  Kritik  des 
Beschwerdeführers grundsätzlich festzuhalten; zur Beurteilung der Frage, 
ob  eine  Person  ein  Sicherheitsrisiko  darstellt,  ist  die  Qualität  der 
Arbeitsleistung kein wesentliches Element, kann aber – bei Angestellten 
des  Bundes  –  vom  Arbeitgeber  im  Hinblick  auf  eine  allfällige 
Weiterbeschäftigung  trotz  bestehenden  Sicherheitsrisiken  berücksichtigt 
werden.  Arbeitszeugnissen  und  anderen  Beurteilungen  der  überprüften 
Person kommt aber insofern Bedeutung zu, als sie geeignet sein können, 
deren  Persönlichkeit  besser  zu  erfassen.  Gerade  bei  länger 
zurückliegenden Vorkommnissen können derartige Einschätzungen auch 
Hinweise  auf  eine  allfällige  positive  Veränderung  des  Sozialverhaltens 
dieser  Person  liefern,  oder  aber,  gegenteils,  das  Fortbestehen 
problematischer Tendenzen belegen. 

Im  vorliegenden  Zusammenhang  fragt  sich  namentlich,  ob  seit  der 
Begehung  der  Drogendelikte  Umstände  hinzugetreten  sind,  welche  die 
Verurteilung  in  den  Hintergrund  treten  oder  anders  beurteilen  lassen 
(E. 5.2  hiervor).  Es  kann  nicht  ausgeschlossen  werden,  dass  dabei  je 
nach konkretem Fall auch eine  längere Drogenabstinenz o.ä. eine Rolle 
spielen  kann.  Doch  darf  ein  solcher  Faktor  nur  im  Hinblick  auf  das 
Vorliegen  eines  Sicherheitsrisikos  gewertet  werden  und  nicht  im  Sinne 
einer sozialen Überlegung.

6.3.  Der  Beschwerdeführer  reicht  mit  der  Beschwerdeschrift  ein 
Fähigkeitszeugnis  als  (…),  ein  Arbeitszeugnis  und  einen  Arbeitsvertrag 
ein. Weiter legt er zwei Berichte von X._______, Facharzt für Psychiatrie 
und Psychotherapie,  ins Recht. Diese datieren vom 28. Dezember 2009 
und vom 8. September 2011.

Die Behörden legen ihrem Entscheid denjenigen Sachverhalt zu Grunde, 
wie  er  sich  im  Zeitpunkt  der  Entscheidung  darstellt.  Entsprechend  sind 
selbst  verspätete  Parteivorbringen  zu  berücksichtigen,  wenn  sie  als 
ausschlaggebend erscheinen (Art. 32 Abs. 2 VwVG). Dies bedeutet, dass 
die  Parteien  auch  im  Beschwerdeverfahren  vor 
Bundesverwaltungsgericht  noch  neue  Sachverhaltsumstände  und 
Beweismittel  vorbringen  können  (vgl.  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL 
BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 2.204, 2.206 mit Hinweisen). 

A­5050/2011

Seite 12

Entsprechend  sind  die  genannten  Beweismittel  für  den  vorliegenden 
Entscheid zu berücksichtigen.

6.4. Wie sich jedoch erweisen wird, vermögen die vom Beschwerdeführer 
geltend  gemachten  Umstände  am  Vorliegen  eines  Sicherheitsrisikos 
nichts  zu  ändern  (vgl.  unten  E. 8.5  und  8.6).  Es  kann  daher 
ausgeschlossen  werden,  dass  weitere  Abklärungen  betreffend  die 
persönlichen Verhältnisse und die Arbeitsleistung des Beschwerdeführers 
am Ergebnis der Personensicherheitsprüfung etwas ändern würden. Die 
entsprechenden  Beweisanträge  sind  somit  in  antizipierter 
Beweiswürdigung abzuweisen (vgl. dazu BGE 134 I 140 E. 5.3).

6.5.  Der  Beschwerdeführer  führt  aus,  die  persönliche  Befragung  vom 
5. Juli 2011 sei nicht mit der nötigen Unvoreingenommenheit, Objektivität 
und  Professionalität  durchgeführt  worden.  Man  gewinne  den  Eindruck, 
dass  die  Experten  bereits  vor  dem  Gespräch  ein  negatives  Bild  vom 
Charakter  des  Beschwerdeführers  gehabt  hätten  und  dies  durch 
entsprechende  Fragen  bestätigt  haben  wollten.  Dem  ist  zu 
widersprechen:  Der  Eindruck,  die  Befragung  sei  nicht  mit  der  nötigen 
Unvoreingenommenheit  oder  nicht  objektiv  oder  professionell 
durchgeführt  worden,  bestätigt  sich  beim  Anhören  der  Aufnahme  nicht. 
Weiter führt der Beschwerdeführer aus, die Fragen hätten sich wiederum 
nur  auf  die  Vorstrafen  bezogen  oder  aber  in  überhaupt  keinem 
Zusammenhang  zur  Risikobeurteilung  gestanden.  Zur  Bedeutung  der 
vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Umstände  ist  wiederum  auf 
die späteren Ausführungen zu verweisen (E. 8.5 und 8.6). Zudem wurde 
der  Beschwerdeführer  z.B.  durchaus  zu  seinem  jetzigen  Kollegenkreis 
befragt  (18'00'').  Im Übrigen  ist nicht  relevant, ob auch unnötige Fragen 
gestellt wurden.

6.6.  Die  Vorinstanz  hat  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  somit  nicht 
unrichtig oder unvollständig festgestellt.

7. 

Vorliegende  Sicherheitsprüfung  war  einzuleiten,  weil  der 
Beschwerdeführer  als  (Funktion)  Zugang  zu  VERTRAULICH 
klassifizierten  Informationen und militärischen Anlagen mit Schutzzone 2 
hat  (Art. 19  Abs. 1  Bst. c  BWIS  i.V.m.  Art. 2  Abs. 2  bzw.  Art. 10  Abs. 1 
Bst. b  und  d  aPSPV).  Als  VERTRAULICH  werden  Informationen 
klassifiziert,  deren  Kenntnisnahme  durch  Unberechtigte  den 

A­5050/2011

Seite 13

Landesinteressen  Schaden  zufügen  kann  (vgl. Art. 6  Abs. 1  der 
Informationsschutzverordnung vom 4. Juli 2007 [ISchV, SR 510.411]. Als 
militärische Anlagen der Schutzzone 2 gelten Anlagen und Anlagenteile, 
die in der Regel von aussen her nicht wahrnehmbar sind, von Unbefugten 
nicht betreten werden können und deren Zerstörung oder Beschädigung 
den Betrieb und/oder den Zweck der Anlage selbst oder anderer Anlagen 
bzw.  Teilen  davon  oder  die  Auftragserfüllung  von  Teilen  der  Armee 
gefährdet  (vgl. Art. 3  Abs. 2  Bst. b  der  Anlageschutzverordnung  vom 
2. Mai  1990  [SR 510.518.1]). Dem Beschwerdeführer  kommt  damit  eine 
Funktion  mit  besonderer  Sicherheitsempfindlichkeit  zu.  Die 
Sicherheitsempfindlichkeit ist aber noch nicht als sehr hoch einzustufen.

A­5050/2011

Seite 14

 

8.1.  Die  Vorinstanz  kommt  bereits  unter  dem  Titel  "Integrität  / 
Vertrauenswürdigkeit  /  Zuverlässigkeit"  zum  Schluss,  dass  der 
Beschwerdeführer die geforderten Voraussetzungen seiner Funktion nicht 
erfülle. Unter diesem Titel  ist zu prüfen, ob darauf vertraut werden kann, 
dass  der  Beschwerdeführer  bei  der  Ausübung  seiner  Tätigkeit  loyal  zu 
seiner Aufgabe steht, mithin ob er Gewähr dafür bietet, das ihm entgegen 
gebrachte  Vertrauen  nicht  zu  missbrauchen  (vgl.  oben  E. 3;  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A­4673/2010  vom  7. April  2011  E. 6.5.2  mit 
Hinweis).

8.2.  Die  Vorinstanz  führt  aus,  der  Beschwerdeführer  habe  über  einen 
Zeitraum von mindestens vier Jahren regelmässig und exzessiv Cannabis 
konsumiert. Mit  diesem Gebaren  habe  er  nicht  nur  ein  eingeschränktes 
Verantwortungsbewusstsein  an  den  Tag  gelegt,  sondern  habe  in  Kauf 
genommen, dass seine Zuverlässigkeit am Arbeitsplatz und in der Schule 
unter den möglichen Nachwirkungen des Drogenkonsums leiden könnte. 
Zwar  sei  durch  die  eingereichten  Testresultate  belegt,  dass  der 
Beschwerdeführer  von  Mitte  Januar  2010  bis  Ende  August  2010  kein 
Cannabis  konsumiert  habe,  doch  ändere  dies  nichts  an  der  Tatsache, 
dass  der  Beschwerdeführer  erst  seit  knapp  19 Monaten  keine  Drogen 
mehr  konsumiere,  auch  wenn  man  seinen  Aussagen  bezüglich 
Drogenabstinenz ab August 2010 Glauben schenke. Deshalb müsse zur 
Zeit  eher  von  einer  Stabilisierung  denn  einer  Abstinenz  ausgegangen 
werden;  falls  es  im Berufs­  oder Privatleben des Beschwerdeführers  zu 
destabilisierenden  Ereignissen  kommen  sollte,  könnte  dies  erneut  zum 
Konsum  von  Cannabis  und  damit  zu  einer  mangelnden 
Selbststeuerungsfähigkeit führen.

Weiter,  so  die  Vorinstanz,  habe  der  Beschwerdeführer  diverse  Male 
aktenkundig gegen das Strassenverkehrsgesetz und das Strafgesetzbuch 
verstossen.  Dieses  Verhalten  lasse  darauf  schliessen,  dass  es  der 
Beschwerdeführer mit der Einhaltung der Gesetze nicht so streng nehme 
und  er  ein  mangelndes  Gefahrenbewusstsein  aufweise.  Ein  ebenso 
fahrlässiges  Verhalten  beim  Umgang  mit  sensitiven  Daten  könne  nicht 
ausgeschlossen  werden,  weshalb  daran  zu  zweifeln  sei,  dass  er  den 
hohen  Anforderungen  an  Integrität,  Vertrauenswürdigkeit  und 
Zuverlässigkeit  gerecht werde. Die Vorinstanz  kommt  zum Schluss,  der 
Beschwerdeführer  erfülle  die  geforderten  Voraussetzungen  seiner 

A­5050/2011

Seite 15

sensitiven  Funktion  nicht  und  seine  Integrität  und  Vertrauenswürdigkeit 
seien als eingeschränkt zu beurteilen.

8.3. 

8.3.1. Der  Beschwerdeführer  wendet  bezüglich  des  früheren  Cannabis­
Konsums  ein,  dieser  sei  unter männlichen  Jugendlichen weit  verbreitet, 
und  sein  Konsum  sei  nicht  exzessiv  gewesen.  Die  Leistungen  in  der 
Schule und  in der Berufslehre hätten auch nie darunter  gelitten, weil  er 
während des Tages auf den Konsum von Cannabis verzichtet und jeweils 
erst am Abend einen Joint geraucht habe. 

8.3.2. Auch wenn der Konsum sog. weicher Drogen unter  Jugendlichen 
verbreitet  sein mag, manifestiert  sich  darin  doch  ein  Nichtbeachten  der 
geltenden  rechtlichen  Ordnung,  was  Fragen  hinsichtlich  Integrität  und 
Vertrauenswürdigkeit  berechtigt  erscheinen  lässt  (vgl.  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A­6275/2010  vom  27. April  2011  E. 6.2  mit 
Hinweisen;  so  auch  schon  Urteil  der  REKO  VBS  470.04/05  vom 
27. Dezember  2005  E. 6d).  Zu  beachten  ist  indessen,  dass  der  Erwerb 
und Besitz von Betäubungsmitteln lediglich zum Eigenkonsum bloss eine 
Übertretung  darstellt  (vgl.  Art. 19a  Ziff. 1  i.V.m.  Art. 19  des 
Betäubungsmittelgesetzes  vom  3. Oktober  1951  [BetmG,  SR 812.121]). 
Die  entsprechenden  Vorstrafen  stehen  bei  der  Beurteilung  des  vom 
Beschwerdeführer  ausgehenden  Sicherheitsrisikos  somit  nicht  im 
Vordergrund.

8.4. 

8.4.1.  Bezüglich  der  ihm  vorgehaltenen  weiteren  (schwereren)  Delikte 
betont  der  Beschwerdeführer,  dass  er  nie  aggressiv  gegenüber  Dritten 
aufgetreten  sei  und  durch  sein  Verhalten  nie  Personen  in  Gefahr 
gebracht habe. Er habe nie ein Delikt gegen Leib und Leben begangen. 
Des Weiteren  sei  er  nie  in  einem Bereich  straffällig  geworden,  welcher 
seine  Vertrauenswürdigkeit  generell  trüben  würde,  wie  dies 
beispielsweise  bei  Delikten  wie  Betrug,  Urkundenfälschung,  Diebstahl, 
Raub oder Nötigung der Fall sei. Was das pflichtwidrige Verhalten nach 
dem Fahrradunfall betrifft, weist der Beschwerdeführer darauf hin, dass er 
zu  diesem  Zeitpunkt  bloss  elf  Jahre  alt  gewesen  sei  und  man  einem 
elfjährigen  Kind  nicht  vorwerfen  könne,  sich  nicht  um  den  Knaben 
gekümmert  zu  haben.  Betreffend  die  Sprayereien  führt  der 
Beschwerdeführer  aus,  er  sei  seinem  älteren  Stiefbruder 

A­5050/2011

Seite 16

hinterhergelaufen  und  habe  diesen  imitiert.  Es  sei  notorisch,  dass 
pubertierende  Jugendliche  bei  Auslotung  ihrer Grenzen  diese  bisweilen 
auch überschreiten würden. Dies vermöge auch zu erklären, weshalb er 
sich  habe  hinreissen  lassen,  ein  Hakenkreuz  zu  sprayen.  Eine 
rechtsradikale  Ideologie  habe  er  damals  nicht  unterstützt  und  tue  das 
auch  heute  nicht.  Der  Beschwerdeführer  habe  aus  dem  Vorfall  gelernt 
und  seither  keine  Sachbeschädigungen  mehr  begangen.  Bezüglich  der 
Fluchtfahrt  vom  31. Mai  2009  macht  der  Beschwerdeführer  schliesslich 
geltend, dass es sich dabei um das einzige Delikt handle, welches er als 
Erwachsener  begangen  habe.  Wiederum  handle  es  sich  um  einen 
einmaligen Vorfall, woraus er sofort die Lehren gezogen habe.

8.4.2. Dem Beschwerdeführer  ist  zuzustimmen, dass das mit  elf  Jahren 
erfolgte  pflichtwidrige  Verhalten  bei  Unfall  vorliegend  nicht  ins  Gewicht 
fällt.  Schwerer  wiegen  die  im  Alter  von  17 Jahren  begangenen 
Sprayereien.  Es  kann  daraus  durchaus  geschlossen  werden,  dass  der 
Beschwerdeführer es mit der Einhaltung der Gesetze nicht genau nimmt. 
Daran würde  sich  auch  nichts  ändern, wenn  er  von  seinem Stiefbruder 
zum Sprayen animiert worden sein sollte und als  Jugendlicher Grenzen 
ausloten wollte. Stark ins Gewicht fällt dann insbesondere die Fluchtfahrt 
vom  31. Mai  2009.  Damit  hat  der  Beschwerdeführer  erneut  ein 
problematisches  Verhältnis  zur  Rechtsordnung,  aber  auch  einen  nicht 
akzeptablen Umgang mit den staatllichen Autoritäten an den Tag gelegt. 
Insofern  handelt  es  sich,  wie  die  Vorinstanz  in  ihrer  Vernehmlassung 
richtig ausgeführt hat, keineswegs um einen einmaligen Vorfall. Aufgrund 
der  sehr  unüberlegten Fluchtfahrt  –  nota bene unter Cannabiseinfluss – 
kann  auch  ohne  Weiteres  davon  ausgegangen  werden,  dass  der 
Beschwerdeführer  die  Folgen  seines  Tuns  wenig  bedenkt  und  ein 
mangelndes  Gefahrenbewusstsein  aufweist.  Dass  die  Vorinstanz  vor 
diesem  Hintergrund  die  Integrität  und  Vertrauenswürdigkeit  des 
Beschwerdeführers als eingeschränkt beurteilt, ist daher einleuchtend. Es 
sei  auch  darauf  hingewiesen,  dass  der  Beschwerdeführer  durch  die 
Hinderung einer Amtshandlung in einem Bereich straffällig geworden ist, 
welcher seine Vertrauenswürdigkeit in den Augen des Staates und seiner 
Organe generell trübt.

8.5. 

8.5.1.  Der  Beschwerdeführer  führt  weiter  aus,  er  habe  seit  rund  zwei 
Jahren  und  damit  vor  Antritt  der  Rekrutenschule  gänzlich  vom 
Cannabiskonsum Abstand genommen. Die Befunde über die Urinproben 

A­5050/2011

Seite 17

seien  erwiesenermassen  alle  negativ.  Die Cannabisabstinenz  sei  daher 
entgegen  den  Ausführungen  der  Vorinstanz  klar  verifiziert  und 
ausgewiesen.  Der  Beschwerdeführer  lebe  in  geordneten  und  stabilen 
Verhältnissen;  sowohl  die  berufliche  Situation  als  auch  sein  soziales 
Umfeld  seien  intakt.  Er  habe  erfolgreich  eine  Lehre  als  (…)  absolviert. 
Nach  seiner  Lehre  habe  er  zunächst  im  angestammten  Beruf  bei  der 
Y._______  gearbeitet  und  sei  zur  Zeit  als  (…)  bei  der  Z._______  tätig. 
Seine  beruflichen  Qualifikationen  seien  stets  gut  gewesen.  Er  besuche 
einen Vorbereitungskurs  für die Berufsmittelschule und plane, später an 
einer  Fachhochschule  zu  studieren.  Er  lebe  noch  bei  seiner Mutter,  zu 
welcher  er  ein  gutes  Verhältnis  habe.  Auch  zu  seinem  Vater  habe  er 
regelmässig  guten  Kontakt.  Er  habe  sich  von  seinen  ehemaligen 
Kollegen, mit  welchen  in  der  Gruppe  Cannabis  konsumiert  worden  sei, 
distanziert und habe keinen Kontakt mehr zu diesen. Er sei sodann seit 
mehreren Monaten mit einer gleichaltrigen Frau liiert. Die Bemerkung der 
Vorinstanz,  wonach  destabilisierende  Ereignisse  zu  einem  erneuten 
Cannabiskonsum  und  zu  einer  mangelnden  Selbststeuerungsfähigkeit 
führen könnten, entbehrten unter diesen Umständen jeglicher Grundlage 
und  seien  rein  spekulativ  und  theoretischer  Natur.  Weiter  weist  der 
Beschwerdeführer  darauf  hin,  dass  er  sich  seit  Mai  2009  in  einer 
Psychotherapie  befinde,  in  welcher  seine  früheren  Denkmuster 
thematisiert und besprochen würden. Der damalige Cannabiskonsum sei 
im Zusammenhang mit der belastenden Situation in der Berufslehre, dem 
Stress  aufgrund  der  der  bevorstehenden  Lehrabschlussprüfung  sowie 
familiärer Spannungen gestanden.

8.5.2. Die erste negative Urinprobe auf Cannabis datiert vom 10. Februar 
2010,  die  letzte  vom  27. August  2010.  Ob  der  Beschwerdeführer  seit 
Ende  August  2010  abstinent  ist,  kann  nicht  verifiziert  werden.  Die 
Fachstelle  geht  in  ihrem  Entscheid  davon  aus,  dass  der 
Beschwerdeführer seit Mitte Januar 2010 kein Cannabis mehr konsumiert 
und  erachtet  den  notwendigen  zeitlichen  Abstand  aufgrund  des 
langjährigen  und  exzessiven  Konsumprofils  noch  nicht  als  erreicht,  um 
von einer erfolgreichen Abstinenz sprechen zu können. Diese Auffassung 
erscheint  vertretbar.  Die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten 
stabilen  beruflichen  und  privaten  Verhältnisse  mögen  auf  längere  Frist 
eine abweichende Beurteilung  rechtfertigen;  im heutigen Zeitpunkt  kann 
indessen  noch  nicht  mit  hinreichender  Sicherheit  ausgeschlossen 
werden,  dass  ein  künftiges  destabilisierendes  Ereignis  den 
Beschwerdeführer wieder zum Cannabiskonsum veranlassen könnte.

A­5050/2011

Seite 18

Die letzte Vorstrafe betrifft den Vorfall vom 31. Mai 2009, zuvor wurde der 
Beschwerdeführer im Februar 2008 straffällig. Ob es sich dabei um reine 
"Jugenddelikte"  handelt,  kann  man  zum  heutigen  Zeitpunkt  ebenfalls 
noch nicht sagen. Daran ändern auch das Fähigkeitszeugnis als (…), das 
Arbeitszeugnis  der  Y._______  und  der  mit  der  Z._______ 
abgeschlossene Arbeitsvertrag nichts, welche der Beschwerdeführer dem 
Bundesverwaltungsgericht  eingereicht  hat.  Geht  man  von  den  geltend 
gemachten  stabilen  Lebensverhältnissen  und  guten  beruflichen 
Qualifikationen  aus,  erscheint  es  wahrscheinlich,  dass  der 
Beschwerdeführer  sich  in  Zukunft  an  die  Rechtsordnung  halten  wird. 
Immerhin  hat  auch  das  Verhalten  des  Beschwerdeführers  während  der 
Rekrutenschule, welche er trotz laufender Sicherheitsprüfung absolvieren 
konnte, anscheinend zu keinen Beanstandungen Anlass gegeben. Doch 
sind  damit  zur  Zeit  noch  keine  Umstände  gegeben,  welche  die 
Verurteilungen derart  in den Hintergrund  treten  lassen würden, dass ein 
Sicherheitsrisiko vernünftigerweise ausgeschlossen werden müsste.

8.5.3. Nach  dem Gesagten  ist  dem  Beschwerdeführer  auch  darin  nicht 
beizupflichten,  dass  die  Schlussfolgerungen  der  Vorinstanz  pauschal 
erfolgt  und  die  Umstände  des  Einzelfalls  nicht  berücksichtigt  worden 
seien.  Aufgrund  des  kurzen  Zeitraums  seit  dem  letzten  Delikt  und  der 
Einstellung  des  Cannabiskonsums  erübrigten  sich  genauere 
Ausführungen zur Lebensführung des Beschwerdeführers.

8.6. 

8.6.1. Aus  dem  ärztlichen  Bericht  vom  8. September  2011  geht  hervor, 
dass  der  Beschwerdeführer  seit  dem  31. Mai  2009  bei  X._______  in 
Behandlung ist (Kontrollgespräche und Psychotherapie). Die Behandlung 
wurde  somit  begonnen,  nachdem  sich  die  Fluchtfahrt  des 
Beschwerdeführers  ereignet  hatte  und  wurde  offenbar  –  wie  die 
Urinproben  –  vom  Strassenverkehrsamt  veranlasst.  X._______  geht 
gemäss dem erwähnten Bericht davon aus, dass eine Wiederholung der 
vergangenen Vorfälle praktisch ausgeschlossen sei.

8.6.2.  Bei  der  Würdigung  der  Beweise  ist  die  Behörde  keinen  Regeln 
unterworfen,  es  gilt  der  Grundsatz  der  freien  Beweiswürdigung  (Art. 19 
VwVG  i.V.m.  Art. 40  des  Bundesgesetzes  über  den  Bundeszivilprozess 
vom  4. Dezember  1947  [BZP,  SR 273]).  Für  den  Beweiswert  eines 
Arztberichts  ist  unabhängig  von  dessen  Herkunft  entscheidend,  ob  der 
Bericht  für  die  streitigen  Belange  umfassend  ist,  auf  allseitigen 

A­5050/2011

Seite 19

Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, 
in  Kenntnis  der  Vorakten  (Anamnese)  abgegeben  worden  ist,  in  der 
Beurteilung  der  medizinischen  Situation  einleuchtet  und  ob  die 
Schlussfolgerungen  des  Experten  begründet  sind  (vgl.  BGE  125  V  351 
E 3a;  vgl.  auch Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts B­1655/2011 vom 
13. Oktober  2011  E. 6.1).  Der  Umstand  allein,  dass  eine  ärztliche 
Stellungnahme  von  einer  Partei  eingeholt  und  in  das  Verfahren 
eingebracht  wird,  rechtfertigt  somit  keine  Zweifel  an  ihrem  Beweiswert. 
Eine  solche  Stellungnahme  ist  dann  beweistauglich,  wenn  sie  als 
schlüssig  erscheint,  nachvollziehbar  begründet  sowie  in  sich 
widerspruchsfrei  ist  und  keine  Indizien  gegen  ihre  Zuverlässigkeit 
bestehen (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 3.148; BGE 125 
V 351, E 3b dd und ee; vgl. auch BGE 136 III 161 E. 3.4.2). 

8.6.3. Der Arztbericht  vom 8. September  2011  genügt  den Kriterien  der 
Vollständigkeit,  Nachvollziehbarkeit  und  Schlüssigkeit  nicht.  Es  wird 
lediglich  ausgeführt,  der  Beschwerdeführer  nehme  die  Kontroll­  und 
Psychotherapiegespräche  regelmässig  wahr  und  konsumiere  seit 
Aufnahme  der  Behandlung  auch  kein  Cannabis.  Unter  dem  Titel 
"Beurteilung" wird auf wenigen Zeilen erläutert, der Beschwerdeführer sei 
absolut rehabilitiert und es bestünden aus psychiatrischer Sicht keinerlei 
Bedenken in irgend einer Hinsicht. Es dürfe davon ausgegangen werden, 
dass  die  vergangenen  Vorfälle  aufgearbeitet  und  daraus  Einsichten 
gewonnen  seien,  welche  eine  Wiederholung  praktisch  ausschliessen 
würden. Weiter werden Ausführungen zur positiven beruflichen Situation 
und den Ausbildungsplänen gemacht (vgl. dazu E 8.5.1 hiervor).

Immerhin  geht  aus  dem  Bericht  zuhanden  des  Instituts  für 
Rechtsmedizin,  welcher  bereits  vom  28. Dezember  2009  datiert, 
ergänzend noch hervor, dass "die damals mitverantwortlichen Ursachen" 
für  den  Drogenkonsum weggefallen  seien.  Der  Beschwerdeführer  habe 
die  sehr  belastende  Lehrstelle  abgeschlossen,  der  Stress  durch  die 
Lehrabschlussprüfung falle weg, er habe eine gute Stelle ausserhalb der 
bisherigen  Umgebung  (…)  und  seine  familiären  Spannungsprobleme 
seien ebenfalls gelöst. Es seien "viele alte Verhaltensmuster miteinander 
bearbeitet"  und  "neue  Verhaltensstrategien  zur  Bewältigung  ähnlicher 
Stresssituationen  erarbeitet"  worden.  Unter  "Diagnose"  wird 
"Cannabismissbrauch ICD 10 F12.1" aufgeführt. 

Doch  ist  auch  damit  nicht  ausgeführt,  welche  vergangenen  Vorfälle  im 
Einzelnen  aufgearbeitet  wurden,  welche  Einsichten  der 

A­5050/2011

Seite 20

Beschwerdeführer  daraus  gewonnen  hat,  und welche  Verhaltensmuster 
bearbeitet wurden.  Insbesondere aber  ist nicht nachvollziehbar, weshalb 
man  bereits  zum  heutigen  Zeitpunkt  davon  ausgehen  kann,  dass  der 
Beschwerdeführer mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht mehr delinquieren 
werde  bzw.  ihn  ein  destabilisierendes  Ereignis  nicht  wieder  zum 
Cannabiskonsum  veranlassen  könnte.  Die  entsprechenden  Zweifel 
bleiben  nur  schon  deshalb  bestehen,  weil  gemäss  den  Arztberichten 
erstens  durchaus  Behandlungsbedarf  gegeben  war  (Bearbeiten  alter 
Muster, Erarbeiten neuer Verhaltensstrategien zur Bewältigung ähnlicher 
Stresssituationen)  und  zweitens  die  Kontroll­  und 
Psychotherapiegespräche  nach  wie  vor  stattfinden.  Die  eingereichten 
Arztberichte vermögen daher am oben gesagten (E 8.5) nichts zu ändern.

8.7.  Auch  wenn  der  Cannabiskonsum  weniger  ins  Gewicht  fällt,  ergibt 
sich vorliegend insbesondere aufgrund der Sachbeschädigungen und der 
Fluchtfahrt  ein  schlechtes  Gesamtbild  hinsichtlich  der  Integrität  und 
Vertrauenswürdigkeit  des  Beschwerdeführers.  Es  kann  davon 
ausgegangen  werden,  dass  der  Beschwerdeführer  keine  Gewähr  dafür 
bietet, das ihm entgegengebrachte Vertrauen nicht zu missbrauchen. Die 
Schlussfolgerung  der  Vorinstanz,  dass  der  Beschwerdeführer  die 
Voraussetzungen  für  seine  Funktion  nicht  erfülle,  erscheint  deshalb 
sachgerecht.  Ob  alleine  der  Cannabiskonsum  des  Beschwerdeführers 
ausgereicht  hätte,  um  eine  negative  Risikoverfügung  zu  rechtfertigen, 
kann offen bleiben.

9. 

Der Beschwerdeführer rügt schliesslich, die negative Risikoverfügung sei 
unverhältnismässig.  Sollte  wider  erwarten  von  einer 
Abhängigkeitstendenz  ausgegangen  werden,  so  der  Beschwerdeführer, 
könne  im  Sinne  einer  milderen  Massnahme  mittels  regelmässiger 
Urintests die Drogenabstinenz sichergestellt werden. Grundsätzlich ist es 
möglich,  eine  Risikoverfügung  mit  einer  entsprechenden  Auflage  zu 
erlassen  (vgl. Urteil der REKO VBS 470.04/05 vom 27. Dezember 2005 
E. 7d).  Vorliegend  ist  ein  Sicherheitsrisiko  aber  nicht  in  erster  Linie 
aufgrund des Cannabiskonsums zu bejahen. Es ist der Vorinstanz daher 
darin  beizupflichten,  dass  keine  mildere  Massnahme  ersichtlich  ist, 
welche  ebenso  wie  der  Erlass  der  negativen  Risikoverfügung  zum 
angestrebten  Ziel  führen  würde,  das  Risiko  eines  Schadens  sofort  und 
nachhaltig  möglichst  klein  zu  halten.  Weiter  überwiegt  das  öffentliche 
Interesse  an  der  Vermeidung  eines  Sicherheitsrisikos  gegenüber  dem 

A­5050/2011

Seite 21

privaten  Interesse  des  Beschwerdeführers  an  einer  weiteren  Ausübung 
seiner sicherheitsempfindlichen Funktion in der Armee. Dies umso mehr, 
als der Beschwerdeführer diese Funktion nicht beruflich ausübt und damit 
nicht  in  erheblichem  Masse  auf  sie  angewiesen  ist.  Die 
Verhältnismässigkeit der negativen Risikoverfügung ist daher zu bejahen.

A­5050/2011

Seite 22

 

10.1.  Die  Vorinstanz  hat  demnach  im  Dispositiv  der  angefochtenen 
Verfügung  zu  Recht  festgehalten,  dass  der  Beschwerdeführer  als 
Sicherheitsrisiko  zu  erachten  sei  (Ziff. 1)  und  ihm  kein  Zugang  zu 
VERTRAULICH  klassifizierten  Informationen  oder  militärischen  Anlagen 
mit  Schutzzone  2  gewährt  werden  dürfe  (Ziff. 2).  Soweit  der 
Beschwerdeführer  die  Aufhebung  dieser  Ziffern  bzw.  den  Erlass  einer 
positiven Risikoverfügung verlangt, ist die Beschwerde abzuweisen.

10.2.  Hingegen  ist  die  Beschwerde  insoweit  gutzuheissen,  als  die 
Vorinstanz neben der Risikoeinschätzung bezüglich der Funktion als (…) 
im  Dispositiv  noch  weitergehende  Empfehlungen  –  wie  über  die 
militärische Einteilung und Funktion, die Entziehung der Armeewaffe oder 
die  Weiterausbildung  bzw.  Beförderung  des  Beschwerdeführers – 
verfügungsweise  angeordnet  hat  (Ziff. 3  bis  5  des Dispositivs). Gemäss 
Art. 21  Abs. 1  aPSPV  hat  die  Fachstelle  eine  positive  Risikoverfügung, 
eine  Risikoverfügung  mit  Auflagen,  eine  negative  Risikoverfügung  oder 
eine  Feststellungsverfügung  zu  erlassen. Weitergehende Empfehlungen 
sind  nicht  vorgesehen  und  fallen  deshalb  nicht  in  die  Kompetenz  der 
Vorinstanz  (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A­6275/2010 vom 
27. April 2011 E. 12.2).

Daran  ändert  auch  die  Tatsache  nichts,  dass  am  1. Januar  2011  die 
revidierte Fassung von Art. 113 des Militärgesetzes vom 3. Februar 1995 
(MG,  SR 510.10)  in  Kraft  getreten  ist.  Gemäss  Abs. 1  Bst. d  dieser 
Bestimmung  kann  der  Führungsstab  der  Armee  zur  Prüfung  von 
Hinderungsgründen  für  die  Überlassung  der  persönlichen  Waffe  ohne 
Zustimmung  der  zu  prüfenden  Person  die  Beurteilung  des 
Gewaltpotentials  durch  eine  Personensicherheitsprüfung  verlangen. 
Gemäss  Art. 5  Abs. 2  und  3  der  neuen  PSPV  müssen  alle 
Stellungspflichtigen  und  können  alle  Angehörigen  der  Armee  einer 
solchen  Sicherheitsprüfung  unterzogen  werden.  Vorliegende 
Sicherheitsprüfung  wurde  jedoch  noch  vor  Inkrafttreten  des  revidierten 
Art 113  MG  eingeleitet  und  die  Fachstelle  hat  vom  Führungsstab  der 
Armee  auch  danach  nie  den  Auftrage  erhalten,  eine 
Personensicherheitsüberprüfung  nach  Art. 113  Abs. 1  Bst. d  MG 
durchzuführen. Ferner ist vorliegend noch die aPSPV und nicht die PSPV 
anwendbar  (vgl.  E. 4).  Es  bleibt  somit  dabei,  dass  auch  Ziff. 4  des 
Dispositivs betreffend die Entziehung der Armeewaffe aufzuheben ist.

A­5050/2011

Seite 23

Die  Beschwerde  ist  daher  teilweise  gutzuheissen,  und  die  in  den 
Dispositivziffern  3  bis  5  der  angefochtenen  Verfügung  erfolgten 
Empfehlungen sind aufzuheben.

11. 

11.1.  Die  Verfahrenskosten  werden  in  der  Regel  der  unterliegenden 
Partei  auferlegt.  Unterliegt  eine  Partei  nur  teilweise,  werden  die 
Verfahrenskosten  ermässigt  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Keine 
Verfahrenskosten werden Vorinstanzen auferlegt  (Art. 63 Abs. 2 VwVG). 
Da  der  Beschwerdeführer  mit  seinem  Hauptantrag  um  Erlass  einer 
positiven Risikoverfügung und mit vorliegendem Entscheid einzig Ziffer 3 
bis  5  der  angefochtenen  Risikoverfügung  aufgehoben  werden,  ist  im 
Kostenpunkt  von  einem  Unterliegen  zu  2/3  auszugehen.  Dem 
Beschwerdeführer  sind  daher  reduzierte  Verfahrenskosten  in  der  Höhe 
von  Fr. 1'000.–  aufzuerlegen.  Vom  geleisteten  Kostenvorschuss  von 
Fr. 1'500.– sind ihm nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils 
Fr. 500.– zurückzuerstatten.

11.2.  Da  der  Beschwerdeführer  teilweise  obsiegt,  ist  ihm  eine 
Parteientschädigung  für  ihm  erwachsene  notwendige  und 
verhältnismässig hohe Kosten zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. 
Art. 7  Abs. 1  und  2  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die 
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 
SR  173.320.2]).  Wird  wie  vorliegend  keine  Kostennote  eingereicht,  so 
setzt  das  Gericht  die  Entschädigung  aufgrund  der  Akten  fest  (Art. 14 
Abs. 2  VGKE).  Entsprechend  dem  teilweisen  Obsiegen  steht  dem 
Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 800.– (inkl. 
Mehrwertsteuer  und  Auslagen)  zu.  Diese  ist  dem  Beschwerdeführer 
durch die Vorinstanz zu entrichten (Art. 64 Abs. 2 VwVG).

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
In  teilweiser Gutheissung der Beschwerde werden die Dispositivziffern 3 
bis 5 der angefochtenen Verfügung aufgehoben.

2. 
Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen.

A­5050/2011

Seite 24

3. 
Dem  Beschwerdeführer  werden  reduzierte  Verfahrenskosten  von 
Fr. 1'000.–  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss 
von  Fr. 1'500.­­  verrechnet.  Der  Restbetrag  von  Fr. 500.–  wird  dem 
Beschwerdeführer  nach Eintritt  der Rechtskraft  des  vorliegenden Urteils 
zurückerstattet.  Hierzu  hat  der  Beschwerdeführer  dem 
Bundesverwaltungsgericht seine Post­ oder Bankverbindung anzugeben.

4. 
Die  Vorinstanz  hat  dem  Beschwerdeführer  eine  reduzierte 
Parteientschädigung  von  Fr.  800.–  (inkl. Mehrwertsteuer  und Auslagen) 
zu entrichten.

5. 
Dieses Urteil geht an:

– den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde)
– die Vorinstanz (Ref­Nr. …; Einschreiben)
– das Generalsekretariat VBS (Gerichtsurkunde)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Lorenz Kneubühler Andreas Meier

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim 
Bundesgericht,  1000 Lausanne 14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen 
Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des 
Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Die 
Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, 
deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu 
enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit 
sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG).

A­5050/2011

Seite 25

Versand: