# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cdabbdd7-73f2-517e-bec0-2568ba4be2f0
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-11-06
**Language:** de
**Title:** Zürich Baurekursgericht 06.11.2025 BRGE IV Nr. 0148/2025
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Baurekurs/ZH_BRK_001_BRGE-IV-Nr--0148-202_2025-11-06.pdf

## Full Text

Baurekursgericht
des Kantons Zürich
4. Abteilung

G.-Nr. R4.2025.00062
BRGE IV Nr. 0148/2025

Entscheid vom 6. November 2025

Mitwirkende Abteilungspräsident Reto Philipp, Baurichterin Petra Röthlisberger, Ersatz-
richter Florian Poppele, Gerichtsschreiberin Andrea Kuhn

in Sachen Rekurrent
Zürcher Heimatschutz ZVH
vertreten durch […]

gegen Rekursgegner
1. Stadtrat X

vertreten durch […]

Mitbeteiligte
2. A AG
3. B AG
4. C
2 - 4 vertreten durch […]
5. D
6. E
7. F

betreffend Beschluss des Stadtrates vom 12. März 2025; Inventarentlassung Wohn-
überbauung Y, […]
______________________________________________________

R4.2025.00062 Seite 2

hat sich ergeben:

A.
Mit Beschluss vom 12. März 2025 entliess der Stadtrat X die Wohnüberbau-
ung Y mit den Gebäuden Vers.-Nrn. 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 und 8 auf den Grund-
stücken Kat.-Nrn. 1, 2, 3, 4, 5, 6 und 7 und deren Umgebung an der G-
Strasse 1 und 3, an der H-Strasse 21 und 23 sowie an der I-Strasse 1, 3, 6
und 8 aus dem kommunalen Inventar schutzwürdiger Bauten.

B.
Hiergegen erhob der Zürcher Heimatschutz ZVH mit Eingabe vom 22. April
2025 Rekurs beim Baurekursgericht des Kantons Zürich und stellte die fol-
genden Anträge:

" 1. Es sei der Beschluss des Stadtrates der Stadt X SR.23.956-3 vom
12. März 2025 aufzuheben.

 2. Die Rekursgegnerin sei anzuweisen, vor einer erneuten Entscheidung
über die Schutzwürdigkeit resp. den Inventarstatus und der denkmal-
pflegerischen Bedeutung der betroffenen Wohnüberbauung ein wis-
senschaftlich fundiertes, bauhistorisches und vollständiges Gutachten
von einer neutralen Fachperson einzuholen – losgelöst vom Gutachten
Nr. 03-2024 des Kantons Zürich, Denkmalpflege-Kommission (KDK)
vom 19. Juni 2024.

 3. Es sei ein Abteilungsaugenschein durchzuführen, sofern das Gericht
sich ausserstande sehen sollte, allein aufgrund der Akten zu entschei-
den.

 4. Die Kosten des Verfahrens seien der Rekursgegnerin aufzuerlegen."

Zudem stellte er die folgenden prozessualen Anträge:

" 1. Es seien die Akten des Verfahrens BRGE IV Nr. 0157/2023 vom
21. September 2023 beizuziehen.

 2. Es sei das denkmalpflegerische Gutachten, welches allenfalls im Rah-
men der überkommunalen Inventarisation vom 26. Juli 2018 erstellt
wurde, beizuziehen.

 3. Es sei das denkmalpflegerische Gutachten, welches allenfalls im Rah-
men der kommunalen Inventarisierung vom 5. Oktober 2016
(SR.16.894-1; Ergänzung um Wohnsiedlungen, Grün- und Freiräume)
erstellt wurde, beizuziehen"

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C.
Mit Verfügung vom 22. April 2025 wurde vom Rekurseingang Vormerk ge-
nommen und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet. Die Eigentümer der
betroffenen Grundstücke (A AG, B AG, C, D, E sowie die F) wurden als Mit-
beteiligte in das Verfahren aufgenommen.

D.
Die Vorinstanz schloss in ihrer Vernehmlassung vom 26. Mai 2025 auf Ab-
weisung des Rekurses, unter Kostenfolgen zu Lasten des Rekurrenten.

Mit gemeinsamer Eingabe vom 26. Mai 2025 beantragten die Mitbeteiligten
A AG, B AG sowie C (nachfolgend Mitbeteiligte 2-4) ebenfalls die Abweisung
des Rekurses, soweit darauf einzutreten sei, unter Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen zu Lasten des Rekurrenten. In prozessualer Hinsicht beantrag-
ten sie zudem die Durchführung eines Augenscheins.

E.
Mit Replik vom 19. Juni 2025 und Dupliken vom 14. Juli 2025 hielten der
Rekurrent, die Vorinstanz sowie die Mitbeteiligten 2-4 an ihren bereits ge-
stellten Anträgen fest.

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Es kommt in Betracht:

1.
Gemäss § 338b Abs. 1 lit. a Planungs- und Baugesetz (PBG) sind gesamt-
kantonal tätige Vereinigungen, die sich seit wenigstens zehn Jahren im Kan-
ton statutengemäss dem Natur- und Heimatschutz oder verwandten, rein
ideellen Zielen widmen, zum Rekurs gegen Anordnungen und Erlasse be-
rechtigt, soweit diese sich auf den III. Titel (Natur- und Heimatschutz, §§ 203-
217 PBG) oder § 238 Abs. 2 PBG stützen. Der Rekurrent erfüllt diese Vo-
raussetzungen unbestrittenermassen. Da auch die übrigen Prozessvoraus-
setzungen erfüllt sind, ist auf den Rekurs einzutreten.

2.
Es wird die Durchführung eines Augenscheins beantragt (vgl. § 7 des Ver-
waltungsrechtspflegegesetzes [VRG]). Das Baurekursgericht hat unbesehen
von Parteianträgen nur dann einen Augenschein durchzuführen, wenn die
Verhältnisse vor Ort zwar entscheidrelevant, auf Grund der Akten aber noch
unklar sind. Wie sich nachfolgend zeigen wird, ist der angefochtene Ent-
scheid bereits mangels genügender Sachverhaltsermittlung durch die
Vorinstanz aufzuheben, weshalb auf die Durchführung eines Augenscheins
verzichtet werden konnte.

3.1.
Die Wohnüberbauung Y wurde am 5. Oktober 2016 ins Inventar der schutz-
würdigen Bauten der Stadt X aufgenommen. Mit Verfügung vom 26. Juli
2018 wurde sie sodann im Inventar der Denkmalpflegeschutzobjekte von
überkommunaler Bedeutung verzeichnet. Die Mitbeteiligten 2-4 zogen den
Abriss und Neubau ihrer Liegenschaften in Betracht. Aufgrund dieser Absich-
ten sind die genannten Eigentümerschaften und die kantonale Denkmal-
pflege übereingekommen, vor der Einleitung weiterer Schritte ein unabhän-
giges Gutachten zur denkmalpflegerischen Bedeutung der Wohnüberbau-
ung Y einzuholen. Die Baudirektion hat daraufhin die kantonale Denkmal-
pflegekommission (KDK) mit der Abklärung der Schutzwürdigkeit der Wohn-
überbauung beauftragt. Das Gutachten der KDK datierte vom 9. Juni 2021.
Im Dezember 2021 reichten die Mitbeteiligten 2-4 ein Provokationsbegehren

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ein, woraufhin die Baudirektion Kanton Zürich die Wohnüberbauung Y mit
Verfügung vom 14. November 2022 aus dem Inventar der Schutzobjekte von
überkommunaler Bedeutung entliess. Dagegen gelangte der Rekurrent mit
Rekurs vom 15. Dezember 2022 an das Baurekursgericht des Kantons Zü-
rich, welches mit Urteil vom 21. September 2023 den Rekurs guthiess, den
Entscheid der Baudirektion aufhob und die Sache zur ergänzenden Sach-
verhaltsermittlung und zum Neuentscheid an die Baudirektion Kanton Zürich
zurückwies (vgl. BRGE IV Nr. 157/2023). Am 19. Juni 2024 erstellte die KDK
ein Ergänzungsgutachten. Gestützt auf dieses entliess die Baudirektion Kan-
ton Zürich mit Verfügung vom 21. November 2024 die Wohnüberbauung Y
erneut aus dem Inventar der Schutzobjekte von überkommunaler Bedeu-
tung. Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft. Kurz darauf erging der hier
angefochtene Beschluss, mit welchem die Siedlung auch aus dem kommu-
nalen Inventar schutzwürdiger Bauten entlassen wird.

3.2.
Dem angefochtenen Entscheid lässt sich als Begründung entnehmen, dass
sowohl das Gutachten vom 9. Juni 2021 der KDK als auch das Ergänzungs-
gutachten vom 19. Juni 2024 der KDK zum Schluss gelangten, dass es sich
bei der Wohnüberbauung Y aufgrund ihrer fehlenden historischen, ortsbauli-
chen, baugeschichtlichen und bautypologischen Bedeutung nicht um ein
Schutzobjekt handle. Sie erfülle die hohen Anforderungen an ein Schutzob-
jekt nicht. Im Ergänzungsgutachten der KDK werde auch die kommunale
Ebene abgehandelt. Eine kommunale Bedeutung werde der Wohnüberbau-
ung nicht beigemessen. Es gebe keine triftigen Gründe, vom Ergebnis der
Gutachten abzuweichen. Daher sei die Wohnüberbauung Y aus dem Inven-
tar schutzwürdiger Bauten der Stadt X zu entlassen.

Dem neuen, ergänzten Gutachten kann zusammengefasst Folgendes ent-
nommen werden:

Die Wohnüberbauung Y ist ein zeittypischer Wohnungsbau der 1950er Jahre
mit vier gleichartigen, durchwegs fünfgeschossigen Wohnblöcken. Sie wur-
den in zwei zeitlichen Etappen 1954-1956 und 1960-1961 vom selben Archi-
tekten M erbaut. Die einheitliche Bebauung bedeutete einen grösseren Mas-
sstab und eine neue, hohe Dichte im Zentrum von X. Im kommunalen Inven-
tar heisst es, dass die Wohnüberbauung die damalige "Trendwende weg von
der Einfamilienhaus- und hin zur Mehrfamilienhaussiedlung" widerspiegle.

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Indessen hatte der Bau von Mehrfamilienhäusern bereits viele Jahre früher
eingesetzt, weshalb die Überbauung Y in dieser Beziehung keine besondere
Leistung darstellt. In der Nachkriegszeit setzte sich der Bau von Einfamilien-
haussiedlungen mitunter in neuen Bebauungsformen fort. Zugleich setzte ein
Trend zu grossmassstäblicheren Bauten und Siedlungen ein. Die Wohnüber-
bauung Y dokumentiert einen Schritt in diese Richtung, mit den fünfgeschos-
sigen Doppelmehrfamilienhäusern wurde bezüglich der Höhe eine damals
noch nicht oft realisierte Grössendimension im Wohnungsbau von X erreicht.
Doch wurde damit keine typologische Neuerung lanciert. Vielmehr steht die
auf dem Grundstück einer Villa mit Park aus dem 19. Jahrhundert erstellte
Wohnüberbauung stellvertretend für den Niedergang der grossbürgerlichen
Lebenswelt nach dem Zweiten Weltkrieg und deren Zerstörung durch Spe-
kulation im Anbruch der Boomjahre.

Das als Bauherrschaft auftretende Baukonsortium setzte sich aus Bauleuten
und Handwerkern zusammen. Der am Baukonsortium beteiligte Architekt M
mit Büroadressen in Zürich und X war bereits mit ähnlichen Bauten in X in
Erscheinung getreten. Über das Leben und Werk des Architekten, der an der
ETH Zürich studiert hatte, ist in der Fachliteratur nichts greifbar, doch kann
aus den Bauakten im Stadtarchiv eine lange Reihe von Wohnbauten, vor
allem gewöhnlichen Mehrfamilienhäusern, in X aus der Zeit zwischen 1951
und 1973 eruiert werden. Im kommunalen Inventar findet sich von M ausser
der Wohnüberbauung Y die Überbauung N aus den Jahren 1973-1976. Eine
grössere architekturhistorische Bedeutung kann dem Œuvre des M aber
nicht beigemessen werden.

Aus zeitgenössischen Zeitungsartikeln und Leserbriefen, in denen vor allem
die Furcht vor zuviel Bebauung im durchgrünten Wohnquartier nahe der Alt-
stadt und der Verlust von wertvollen Grünräumen zum Ausdruck kommt, wird
auch klar, dass es sich um ein Spekulationsprojekt handelte. Bereits der Ver-
kauf verlief nicht nach den Vorstellungen der bisherigen Villenbesitzer, der
Erbengemeinschaft der Familie O, denn das Versprechen, die Villa und den
Park zu erhalten, wich mittels eines Täuschungsmanövers eines privaten
Käufers und dem umgehenden Weiterverkauf der Liegenschaft einem Pro-
jekt mit mehrgeschossigen Mietshäusern, mit denen zumindest annähe-
rungsweise eine maximale Ausnutzung und Rendite verfolgt wurden. Aus
heutiger Sicht kann diese zeittypische Kategorie des privatwirtschaftlichen,
gewinnorientierten Wohnungsbaus als gewisses, wenn auch kein

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hochstehendes sozial-, politik- und wirtschaftsgeschichtliches Phänomen be-
urteilt werden, quasi als Gegenspiel gegenüber dem kommunalen Sozial-
wohnungsbau und dem genossenschaftlichen Wohnungsbau, doch eine
hohe Bedeutung kommt ihm damit noch nicht zu. Tatsächlich hatte in X auch
schon zuvor der unter Bauleuten und Handwerkern zur Arbeitsbeschaffung
organisierte Wohnungsbau eine gewisse Verbreitung gefunden, mit mitunter
positiv beurteilbaren Überbauungen (beispielsweise Wohnbauten der Bau-
genossenschaft an der W wie die Siedlung T).

In der städtebaulichen Setzung der Bauten, die in einfachster Weise den
Baulinien folgt, entspricht die Wohnüberbauung Y einer offenen Randbebau-
ung. Zwischen den Villen und anderen freistehenden Wohnbauten des H-
Quartiers und den Ansätzen zur Blockrandbebauung im Bahnhofsquartier,
so auch an der Ecke G-Strasse/J-Strasse, erscheint die städtebauliche Set-
zung der Wohnüberbauung Y gewissermassen als Kompromiss, der zwi-
schen den angrenzenden Bebauungsarten vermittelt. Aus der spezifischen
städtebaulichen und siedlungsgeschichtlichen Situation leitet sich hingegen
keine Situierung mit besonderen Qualitäten ab. Das angrenzende Park-
grundstück der Villa P wird mit dem gewählten Städtebau nicht berücksich-
tigt. Städtebauliche Differenzierungen der Bauten entsprechend der jeweili-
gen Nahumgebung – beispielsweise Eckbetonungen durch Höhenakzente,
Risalite, Erker, Dachaufbauten oder Fassadenknicke – sucht man verge-
bens. Nur die Westfassade des Blocks der zweiten Bauetappe ist als Folge
des trapezförmig sich verjüngenden Grundstücks am Ende geknickt und die
Südfassade dem stumpfwinkligen kreuzenden Verlauf der K-Strasse ent-
sprechend abgedreht – dies allerdings nicht aus entwerferischen Gründen
zugunsten der Architektur, sondern um das Grundstück maximal auszunüt-
zen.

X erfuhr in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ein starkes Bevölkerungs-
wachstum, die Industrie stand in der Hochkonjunktur nach 1960 auf ihrem
Höhepunkt. Entsprechend entwickelte sich der Wohnungsbau und vergrös-
serte die Siedlungsgebiete. Das H-Quartier wurde vergleichsweise wenig
nachverdichtet: So vor allem durch den Neubau des 1979 eröffneten Stadt-
theaters und den 1995 fertiggestellten Anbau an das Kunstmuseum. Im un-
mittelbaren Umfeld der Wohnüberbauung Y kam es in jüngerer Zeit zu star-
ken baulichen Veränderungen.

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Im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), in
dem X 2016 als Ortsbild von nationaler Bedeutung erfasst wurde, erfolgt auf
die Wohnüberbauung Y ein Hinweis ohne Einstufung (Nr. 0.0.29). Die Wohn-
überbauung Y ist Teil der heterogenen, dichten Bebauung im Spickel H- und
J-Strasse (ISOS Umgebungszone IV, Erhaltungsziel b), die keine hohen
Ortsbildqualitäten aufweist, im Gegensatz zum östlichen Bereich des Inneren
H mit den regelmässig gereihten zwei- bis viergeschossigen Mehrfamilien-
häusern entlang eines orthogonalen Strassensystems (ISOS Gebiet 3, Er-
haltungsziel A). Wie der Bereich im Osten verfügt auch der im Süden an-
schliessende übrige Bereich des Inneren H, der mehrheitlich durch herr-
schaftliche zwei- und dreigeschossige Bauten zwischen Stadttheater und
Kunstmuseum charakterisiert wird (ISOS Baugruppe 0.2, Erhaltungsziel A),
über hohe räumliche und architekturhistorische Qualitäten sowie eine hohe
Bedeutung für das Ortsbildganze. In diesem siedlungsstrukturellen Kontext
verweist die Wohnüberbauung Y vielmehr auf das nahe, im Westen und Süd-
westen anschliessende Bahnhofsquartier, das zwar repräsentative öffentli-
che Bauten enthält, aber auch vor allem im Norden eine disperse jüngere
Bebauung aufweist (ISOS Gebiet 2, Erhaltungsziel C).

Stilistisch ist die Wohnüberbauung Y dem aufkommenden Funktionalismus
der Nachkriegsmoderne zuzuordnen und zeugt von der Überwindung des
nun als rückständig empfundenen Landistils der Zeit während und nach dem
Zweiten Weltkrieg. Abgesehen davon, dass die Bauten nur dem Wohnen
dienen, war durch das zeitgenössisch vorherrschende Credo der Funktions-
erfüllung die weitgehende Schmucklosigkeit der Architektur zum Erken-
nungsmerkmal geworden. Gesimse, Lisenen, Materialwechsel etc. sind nicht
vorhanden. Die weitgehend einheitliche, mit gewissen Unterschieden aufei-
nander abgestimmte architektonische Gestaltung der vier Wohnblöcke mit
Putzfassaden, Walmdach und Flugdach entspricht dem gewöhnlichen Woh-
nungsbau der Zeit, zeigt weder Raffinessen noch besondere Merkmale und
wurde ausserdem zum Teil später unvorteilhaft verändert. Die Balkone zum
Beispiel, vor allem jene mit einer halb eingezogenen, halb vorstehenden Po-
sitionierung, haben zwar einen hohen Gebrauchswert, doch in der architek-
tonischen Gestaltung lassen sei eine weitergehende gestalterische Einbin-
dung oder gar Hervorhebung vermissen. Die flachen Eingangsvordächer
wurden fein dimensioniert, aber oft nachträglich unschön erneuert.

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Die Häuser boten mit den vielen Balkonen, den Liften und der Tiefgarage
zuvor nicht verbreitete Annehmlichkeiten, was auf die Ausrichtung auf eine
mittelständische Klientel hinweist. Die Grundrisse mit dem innenliegenden
Treppenhaus und Wohnungen unterschiedlicher Grössen und Orientierun-
gen und ohne besondere Merkmale deuten allerdings auch auf den Entste-
hungshintergrund als reiner Renditebau hin. Konzeption, Grundrissgestal-
tung und Fassadengestaltung sind sehr pragmatisch.

Das Kostenbewusstsein der Erbauer schlug sich auch im Freiraum nieder.
Davon zeugt der sparsame Einsatz von Plattenwegen und Mauern. Aber
auch die pflanzliche Ausgestaltung beschränkt sich auf ungewöhnlich we-
nige Gehölze, weswegen insbesondere der Innenhof eher kahl als gärtne-
risch wirkt. Für die etwas gehobene Mietklientel des Hauses erscheint diese
Gestaltung unverhältnismässig schlicht. Selbst in den genossenschaftlichen
Siedlungen der Nachkriegszeit, die für eine einkommensschwache Klientel
angelegt wurde, ist vielfach eine aufwändigere Pflanzen- und Materialver-
wendung vorzufinden. Die wenigen eingesetzten Elemente erscheinen indes
den gestalterischen Prinzipien der Landi verpflichtet und sind eher als Nach-
ruf einer vergehenden Ära denn als wichtiges Zeugnis einer baukünstleri-
schen Epoche zu werten.

Die Stadt X ist durch zahlreiche Wohnsiedlungen und eine weit zurückrei-
chende Tradition im Wohnungsbau geprägt. Im kommunalen Inventar sind
etliche qualitativ höherstehende Siedlungen und Wohnüberbauungen ver-
merkt. Von herausragender Bedeutung sind, um nur einzelne Beispiele her-
auszugreifen, die Siedlung Z (1928 - 1934) und die Wohnüberbauung Q
(1965 - 1968). Drei bis fünfgeschossige Mehrfamilienhäuser in offener Rand-
bebauung finden sich schon in der 1930 - 1934 Siedlung R an der L-Strasse.
Damit sei lediglich darauf hingewiesen, dass die Wohnüberbauung Y bezüg-
lich Bebauungsform und Gebäudegrösse keine Neuerung darstellte. Weitere
Beispiele für Siedlungen als aufgelöster Blockrand sind die Siedlung S
(1926) und die Siedlung T.

4.1.
Die Vorinstanz macht zunächst geltend, die Frage, ob die kommunale Be-
hörde überhaupt noch einen Schutzentscheid hätte anordnen dürfen, wäre
nach der grammatikalischen Auslegung des Wortlauts von § 213 Abs. 2 PBG

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(recte: Abs. 3) grundsätzlich zu verneinen. Der Entscheid des zuständigen
Gemeinwesens habe innert Jahresfrist resp. spätestens innert Zweijahres-
frist (bei rechtmässiger Verlängerung der Schutzabklärungsfrist) zu erfolgen.
Diese Frist sei mittlerweile klar abgelaufen, denn das Provokationsbegehren
datiere vom 6./7. Dezember 2021. Da diese Frage jedoch weder von der
Lehre noch von der Rechtsprechung abschliessend beantwortet worden sei,
sei der Vorinstanz die materielle Prüfung des Gutachtens sowie die Verfü-
gung der daraus resultierenden Konsequenzen oblegen.

4.2.
Sofern die Vorinstanz mit ihren Ausführungen geltend machen will, sie hätte
mit dem angefochtenen Entscheid aufgrund der verpassten Jahresfrist zur
Anordnung eines Schutzentscheides gemäss § 213 Abs. 3 PBG gar nicht
mehr über die Schutzwürdigkeit der Wohnüberbauung befinden dürfen, kann
festgehalten werden, dass die Vorinstanz entgegen ihrer Argumentation im
Rekursverfahren über die Schutzwürdigkeit der Siedlung Y entschieden hat.
Dieser Entscheid muss demgemäss nun auch im Rechtsmittelverfahren ma-
teriell durch das Baurekursgericht überprüft werden können. Aber selbst
wenn der vorinstanzlichen Auffassung gefolgt würde, könnte die Verwir-
kungsfolge von § 213 Abs. 3 PBG dem nach § 338 Abs. 2 PBG legitimiertem
Rekurrenten nicht entgegengehalten werden (vgl. VB.2005.00479, E. 4, in
BEZ 2006 Nr. 4).

5.1.
Der Rekurrent bringt vor, die Baudirektion sei der Anordnung des Gerichts,
ein Ergänzungs- oder Obergutachtens einzuholen, nicht nachgekommen.
Der gerichtliche Auftrag zur Einholung eines unabhängigen Ergänzungsgut-
achtens könne nicht dadurch erfüllt werden, dass erneut dieselbe Gutachter-
instanz mit der Ergänzung betraut werde. Die KDK habe sich im Gutachten
KDK 2021 bereits sachlich positioniert und sei somit als vorbefasst anzuse-
hen. Ein Ergänzungsgutachten, das lediglich von derselben Instanz unter
Berücksichtigung neu beigebrachter Plan- und Fotodokumentationen erstellt
werde, stelle keine objektive und unvoreingenommene Überprüfung oder gar
Neubewertung des Sachverhaltes dar. Es fehle an einer externen unabhän-
gigen falschen Würdigung im Sinne eines echten Ergänzungs- oder Ober-
gutachtens.

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Hinzu komme, dass es der Stadt X grundsätzlich freistehe, die Führung ihres
kommunalen Inventars selbst zu regeln. Aus dieser kommunalen Autonomie
folge jedoch ebenso, dass keine Pflicht bestehe, das Gutachten KDK 2024
als verbindliche Entscheidgrundlage für den angefochtenen Beschluss zu
übernehmen, insbesondere auch deshalb nicht, weil dieses Gutachten eine
überkommunale Fragestellung betreffe und in einem anderen sachlichen
Kontext stehe, der mit der hier zu beurteilenden Situation der Schutzwürdig-
keit der Wohnüberbauung "Y" auf kommunaler Ebene nicht deckungsgleich
sei. Die Bindung an ein solches Gutachten bestehe daher weder faktisch
noch rechtlich.

5.2.
Die Vorinstanz hält dem entgegen, das Baurekursgericht habe weder aus-
drücklich statuiert, dass die KDK erneut zu beauftragen sei, noch habe es
dies ausgeschlossen. Ein Ergänzungsgutachten basiere nicht auf einer voll-
ständig neuen Untersuchung, sondern knüpfe an ein bereits bestehendes
Gutachten an. Festzuhalten sei die Tatsache, dass die hiesige Instanz im
Wesentlichen die Lückenhaftigkeit bzw. fehlende Nachvollziehbarkeit des
seinerzeitigen KDK-Gutachtens moniert habe und aus diesem Grund denn
auch überhaupt die Möglichkeit aufgeführt habe, ein Ergänzungsgutachten
einzuholen, ohne dabei konkret auszuschliessen, dass dies von derselben
Begutachtungsstelle durchgeführt werden könne.

Im Übrigen handle es sich bei der KDK nicht um eine beliebige Begutach-
tungsstelle, sondern um eine Sachverständigenkommission des Regie-
rungsrates, die aus verwaltungsunabhängigen Fachleuten im Bereich der
Denkmalpflege bestehe. Ihre Hauptaufgabe sei die Abklärung der Schutz-
würdigkeit von Gebäuden. Gemäss der Verordnung über die Sachverständi-
genkommissionen im Sinne von § 216 PBG habe der Kanton die Kommis-
sion zur Frage der Schutzwürdigkeit von überkommunalen Schutzobjekten
beizuziehen (vgl. § 3 Abs. 1 lit. b VSVK). Dies unterstreiche die Bedeutung
der KDK sowohl in fachlicher als auch in formeller Hinsicht. Unter dieser
Sachlage sei nicht einzusehen, weshalb die KDK nicht mit dem Ergänzungs-
gutachten hätte beauftragt werden sollen.

5.3.1.
Gemäss § 7 Abs. 1 VRG untersucht die Verwaltungsbehörde den Sachver-
halt von Amtes wegen durch Befragen der Beteiligten und von

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Auskunftspersonen, durch Beizug von Amtsberichten, Urkunden und Sach-
verständigen, durch Augenschein oder auf andere Weise. Erscheint die
Schlüssigkeit eines Gutachtens in wesentlichen Punkten zweifelhaft, so hat
die Entscheidinstanz nötigenfalls ergänzende Beweise zur Klärung dieser
Zweifel zu erheben. Der Verzicht auf gebotene zusätzliche Beweiserhebun-
gen kann gegen das Verbot willkürlicher Beweiswürdigung verstossen. Vor
der Einholung eines allfälligen zweiten Gutachtens ist allerdings stets zu prü-
fen, ob sich Unklarheiten oder neue Tatsachen nicht durch ein Ergänzungs-
gutachten oder eine persönliche Befragung der sachverständigen Person
klären lassen und ob die Entscheidinstanz den Zweifel dank ihres Fachwis-
sens und des liquiden Sachverhalts nicht sofort beseitigen kann (Kaspar
Plüss, in: Kommentar VRG, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, § 7 Rz. 69).

5.3.2.
Das Baurekursgericht kam im Entscheid vom 21. September 2023 (BRGE IV
Nr. 157/2023) unter anderem zum Schluss, dass das ursprüngliche Gutach-
ten der KDK vom 9. Juni 2021 lückenhaft sei, und hielt daher fest, es sei ein
Ergänzungs- bzw. Obergutachten einzuholen. Der Baudirektion ist es daher
offen gestanden, die KDK mit der Ergänzung ihres Gutachtens zu beauftra-
gen. Die Einholung eines unabhängigen Gutachtens eines anderen Sach-
verständigen wurde von Seiten des Baurekursgerichts nicht gefordert. Die
Entlassung des Streitobjekts aus dem Inventar von überkommunaler Bedeu-
tung gestützt auf das Gutachten KDK 2024 ist denn auch mittlerweile rechts-
kräftig geworden.

Im Grundsatz ist es auch nicht zu beanstanden, wenn die kommunale Be-
hörde ihren Entscheid betreffend Unterschutzstellung eines Gebäudes, wel-
ches im kommunalen Inventar aufgeführt ist, auf ein Gutachten stützt, wel-
ches im Zusammenhang mit einem überkommunalen Inventareintrag erstellt
worden ist, solange das Gutachten vollständig, klar, gehörig begründet und
widerspruchsfrei ist. Dies ist nachfolgend zu prüfen.

6.1.
Der Rekurrent macht geltend, die inhaltlichen Mängel des Erstgutachtens der
KDK hätten durch das Ergänzungsgutachten vom Jahr 2024 nicht behoben
werden können. In weiten Teilen wiederhole das Ergänzungsgutachten den
Inhalt des ursprünglichen Gutachtens nahezu wortgleich, wobei lediglich

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marginale redaktionelle Anpassungen vorgenommen worden seien. Anstelle
einer fundierten, eigenständigen Sachverhaltsanalyse beschränkten sich
beide Gutachten im Wesentlichen auf eine blosse Verifizierung der beste-
henden kantonalen und kommunalen Inventareinträge. Diese Schwerpunkt-
setzung vermöge die vom Gericht im ersten Rekursverfahren festgestellten
inhaltlichen Mängel nicht zu beheben. Eine unabhängige und umfassende
gutachterliche Schutzabklärung bzw. Schutzbewertung sei nicht vorgenom-
men worden.

Die Gutachten unterliessen eine sachgerechte Differenzierung zwischen ei-
ner allfälligen regionalen bzw. überkommunalen Bedeutung und der kommu-
nalen Schutzwürdigkeit der Wohnüberbauung. Die Bewertung auf kommu-
naler Ebene erfordere eine kontextbezogene Analyse unter Berücksichti-
gung der lokalen Gegebenheiten. Der Vergleich rein epochenspezifischer,
gestalterischer Merkmale genüge den Anforderungen an eine umfassende
Schutzbeurteilung in keiner Weise. Vielmehr wären im Sinne einer vollstän-
digen Schutzanalyse auch städtebauliche Kriterien, die Bewohner-Ziel-
gruppe sowie die sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Aussagekraft des Ob-
jekts systematisch zu würdigen gewesen. Das Fehlen einer integralen Beur-
teilung stelle einen erheblichen methodischen Mangel dar.

Letztendlich lasse das Gutachten KDK 2024 eine argumentative Stringenz
vermissen und verstricke sich zudem in Widersprüche. Einerseits werde fest-
gestellt, stilistisch sei die Wohnüberbauung dem aufkommenden Funktiona-
lismus der Nachkriegsmoderne zuzuordnen und zeuge von der Überwindung
des nun als rückständig empfundenen Landistils der Zeit während und nach
dem Zweiten Weltkrieg. Die weitgehende Schmucklosigkeit der Architektur
sei zum Erkennungsmerkmal geworden. Gleichzeitig werde dazu bemängelt,
dass beispielsweise die Balkone zwar einen hohen funktionellen Gebrauchs-
wert hätten, aber – dem Gebot der obgenannten Schlichtheit folgend – zu
wenig "Hervorhebung" zeigten. Die filigran gestalteten Flugdächer als typi-
sches Merkmal der Nachkriegsarchitektur, welches den Gebäuden einen un-
verwechselbaren Ausdruck von Leichtigkeit und Eleganz verliehen, werde
von der KDK lapidar als Element des gewöhnlichen Wohnungsbaus der
Nachkriegszeit ohne Raffinesse herabgewürdigt. Drei Absätze weiter werde
indes ausgeführt, dass die wenigen eingesetzten Elemente den gestalteri-
schen Prinzipien der Landi verpflichtet seien. Wesentliche, die zeittypischen
Architektur prägende Elemente, auf die es gemäss der Beschreibung im

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Inventar gerade ankomme und die Wohnüberbauung gerade als besonderen
Zeugen des Übergangs vom Landistil zur Nachkriegsmoderne auszeichne-
ten, würden im Gutachten in ihrer Bedeutung nicht erkannt, unschlüssig in-
terpretiert oder nicht berücksichtigt. Ebenfalls widersprüchlich sei das Gut-
achten, wenn es einerseits feststelle, die Wohnüberbauung sei von keiner
hohen städtebaulichen Qualität und von baukünstlerisch bescheidenem Ni-
veau und dies damit begründe, die aufeinander abgestimmte architektoni-
sche Gestaltung der vier Wohnblöcke entspreche dem gewöhnlichen Woh-
nungsbau der Zeit und enthalte weder Raffinessen noch Besonderheiten und
andererseits ausführe, die Häuser mit den vielen Balkonen, den Liften und
der Tiefgarage würden zuvor nicht verbreitete Annehmlichkeiten verbreiten
und im Innern würde zunächst die Gestaltung der innenliegenden Treppen-
häuser auffallen. Ohne weitere Begründung behaupte die KDK mit herab-
würdigender Geste ebenso, dass beispielsweise die einen Akzent setzenden
kastenförmig vorstehenden Blumenfenster und französischen Fenster in ih-
rem baukünstlerischen Niveau sehr bescheiden bleiben würden.

Die Gartenanlage entspreche nach Angabe der KDK nicht dem zeittypischen
Standard der Nachkriegsgartenanlagen, wobei die KDK auf die Präsentation
der Tendenzen für Neuerungen der Gartenanlagen der Nachkriegszeit an-
lässlich der Gartenbauausstellung G59 in Zürich im Jahr 1959 verweise. Er-
innert sei daran, dass die Konzeption der Gartenanlagen des Ys jedoch
Jahre zuvor erfolgt sei.

Die KDK verfange sich in Vergleichen mit gänzlich andersartigen Siedlungen
mit verschiedenartigen Konzeptionen, unvergleichbaren städtebaulichen Si-
tuationen und aus unterschiedlichen Epochen, die sich wesentlich vom "Y"
unterschieden. Diese Vergleichsobjekte würden ohne vertiefte Sachverhalts-
ermittlung, nachvollziehbare Beweisführung oder differenzierte Begründung
als angeblich qualitativ höherwertig dargestellt. Ein solches Vorgehen ge-
nüge den Anforderungen an eine fachgerechte denkmalpflegerische Bewer-
tung nicht.

Der strittigen Wohnüberbauung werde durch die KDK jegliche sozial- und
wirtschaftsgeschichtliche Zeugenschaft abgesprochen, ohne dass diese
Frage im Rahmen einer nachvollziehbaren und vertieften Prüfung abgeklärt
worden wäre. Die These, dass die Überbauung tatsächlich für den Mittel-
stand konzipiert worden sei, sei unbelegt geblieben. Von der

R4.2025.00062 Seite 15

innerstädtischen Lage her, den Wohnungsgrössen, der Beiordnung einer
Tiefgarage möge dies auf den Mittelstand verweisen. Für die geringe Grösse
der Küche habe es indes einer Ausnahmebewilligung bedurft. Dies könnte
entweder dafürsprechen, dass die Überbauung gerade nicht für die geho-
bene Klientel konzipiert worden sei, oder dass die moderne Hausfrau nun-
mehr im Labor mit Konserven, Halbprodukten usw. für die neue Kleinfamilie
gekocht habe. Selbst wenn das "Y" eine rein profitorientierte Überbauung
wäre, könnte sie dennoch über eine wichtige Zeugenschaft für frühe Speku-
lationsbauten in X bewertet werden. Eine Zeugenschaft müsse nicht nur mit
einem städtebaulichen oder baukünstlerischen "Leuchtturm" verknüpft sein.
Die zahlreichen Zeitungsartikel würden belegen, für welchen Aufruhr das
Bauprojekt Anfang der 1950er-Jahre in X gesorgt habe. Es sei eine breite
öffentliche Diskussion über die seinerzeitigen Ziele der Stadtentwicklung
ausgelöst worden.

6.2.
Die kommunale Vorinstanz sowie die Mitbeteiligten 2-4 halten dem entge-
gen, das Gutachten KDK 2024 enthalte eine ausführliche Bau- und Verän-
derungsgeschichte, die sich auch mit dem Inneren der Überbauung befasse.
Ausserdem seien eine systematische Baubeschreibung sowie Ausführungen
zur Umgebung und zum Erhaltungsgrad der Überbauung enthalten. Es ent-
halte weder Irrtümer noch Lücken oder Widersprüche.

Die vom Rekurrenten aufgeführten Rügen seien grösstenteils unsubstantiiert
und die aufgeführten Widersprüche griffen einzelne Aussagen aus dem Kon-
text. Dem Gutachten KDK 2024 sei zu entnehmen, dass die Wohnüberbau-
ung wesentliche Punkte der zeittypischen Merkmale nicht oder nicht hinrei-
chend aufweise. So komme die Bezugnahme zur Moderne der Zwischen-
kriegszeit nicht zum Ausdruck, es fehle eine soziale Anreicherung mit Quar-
tiertreff, Restaurant, Kindergarten oder Kinderspielplatz und zudem sei eine
differenzierte Bauweise mit unterschiedlich hohen Bauten resp. unterschied-
lichen Bautypen kein Thema gewesen. Bei diesen Kriterien handle es sich
jedoch um wesentliche Merkmale der zeittypischen Beispiele aus den Jahren
1950 und 1965 im Bereich der Grosssiedlungen. Ein Vergleich mit zeittypi-
schen Beispielen aus der Stadt Zürich zeige, dass es sich bei der Siedlung
gerade nicht um einen signifikanten Epochenvertreter handle, denn sie weise
vergleichsweise bescheidene städtebauliche Qualitäten und wenig ausge-
prägte zeittypische Gestaltungsmerkmale auf.

R4.2025.00062 Seite 16

Die Interpretation beruhe auf einer vollständigen Tatbestandsaufnahme und
einer sich daraus ergebenden, schlüssigen Folgerung. Die KDK weise auf
die fehlende Raffinesse und das baukünstlerisch bescheidene Niveau in Be-
zug auf die Ausgestaltung der einzelnen wesentlichen Elemente für sich und
in der Gesamtheit als Erkennungsmerkmal der Zeugenschaft hin. Das Flug-
dach, die Blumenfenster und Balkone seien zwar zeittypische Elemente,
würden der Siedlung aber nicht zu einer wichtigen Gestaltung verhelfen. Da-
ran änderten auch die zuvor nicht verbreiteten Annehmlichkeiten der Häuser,
wie beispielsweise die Balkone, der Lift oder die Tiefgarage, nichts.

Die Aufnahme in ein Inventar bedeute lediglich die Vermutung der Schutz-
würdigkeit. Diese Vermutung vermöge jedoch keine umfassende Abklärung
des Objekts zu ersetzen, geschweige denn über ihr zu stehen. Gerade dies
postuliere der Rekurrent jedoch.

Die Vorinstanz ergänzt, in Bezug auf den nicht angewandten Musterprozess
könne festgehalten werden, dass das Gutachten KDK 2021 sich nicht hinrei-
chend zur Frage der Schutzwürdigkeit auf kommunaler Ebene geäussert
habe und die Vorinstanz nicht in angemessener Weise in die Schutzabklä-
rung über ein Objekt auf ihrem Siedlungsgebiet miteinbezogen worden sei.
Es müsse einleuchten, dass im Fall der nachvollziehbaren Verneinung der
Zeugenschaft nach § 203 Abs. 1 lit. c PBG von Seiten der Vorinstanz keine
weiteren kostenpflichtigen Abklärungsmassnahmen hätten eingeleitet wer-
den können. Die KDK habe in ihrem Gutachten zunächst abgeklärt, ob es
sich bei der Wohnüberbauung Y um ein Schutzobjekt gemäss § 203 Abs. 1
lit. c PBG handle. Erst wenn diese Frage zu bejahen gewesen wäre, hätte
sie sich mit der Frage befasst, ob dem Schutzobjekt eine kommunale oder
eine überkommunale Bedeutung zukomme. Diese Kaskade sei schlüssig
und korrekt. Da die Prüfung ergeben habe, dass es sich nicht um ein
Schutzobjekt handle, erübrige sich eine Aussage zu seiner Bedeutung.

Die Frage nach Vergleichsobjekten könne erst dann relevant werden, wenn
es um die Verhältnismässigkeitsprüfung und die Interessenabwägung durch
die Unterschutzstellungsbehörde gehe. Die Frage, ob es auf kommunaler
Ebene Objekte gebe, welche mit der Siedlung verglichen und allenfalls hö-
herwertig eingestuft werden können, habe mitunter keinen Einfluss auf die
Frage, ob ein Objekt grundsätzlich als wichtiger Zeuge zu qualifizieren sei.

R4.2025.00062 Seite 17

6.3.1.
Schutzobjekte sind unter anderem Ortskerne, Quartiere, Strassen und
Plätze, Gebäudegruppen, Gebäude und Teile sowie Zugehör von solchen,
die als wichtige Zeugen einer politischen, wirtschaftlichen, sozialen oder bau-
künstlerischen Epoche erhaltenswürdig sind oder die Landschaft oder Sied-
lungen wesentlich mitprägen, samt der für ihre Wirkung wesentlichen Umge-
bung (§ 203 Abs. 1 lit. c PBG).

Aus der vom Gesetz alternativ zur landschafts- oder siedlungsprägenden
Wirkung vorausgesetzten Zeugeneigenschaft ergibt sich das Erfordernis,
dass ein Objekt, über welches Schutzmassnahmen verhängt werden sollen,
namentlich auf Grund seiner ortsbaulichen, baulichen oder ausstattungs-
mässigen Eigenschaften von einer Epoche Zeugnis abzulegen, d.h. die be-
treffende Epoche zu veranschaulichen und im eigentlichen Wortsinne zu do-
kumentieren vermag. Allein der Umstand, dass ein Objekt einer Epoche zu-
geordnet werden kann, ist somit für die Bejahung der Zeugeneigenschaft
noch nicht ausreichend. Zudem lässt das Gesetz auch die blosse Zeugenei-
genschaft noch nicht genügen; das betreffende Objekt muss vielmehr ein
wichtiger Zeuge sein. Diese Qualifikation kann sich aus verschiedenen, hier
nicht abschliessend aufzuzählenden Gründen ergeben. Ein wichtiger Zeuge
liegt namentlich dann vor, wenn die betreffende Baute auf Grund ihrer ge-
samten Beschaffenheit eine Epoche besonders aussagekräftig und qualitäts-
voll zu dokumentieren vermag.

Mit dem Begriff der Epoche werden vom Gesetz auch Ereignisräume anvi-
siert, die zeitlich oder lokal vergleichsweise eng begrenzt sind und daher im
Allgemeinen kaum als "Epochen" zu bezeichnen wären. Namentlich mit Blick
auf die baukünstlerischen Epochen gilt sodann, dass auch Bauten, die Über-
gänge zwischen solchen bezeugen, Schutzobjekte sein können. Zu verlan-
gen ist allerdings stets, dass die betreffende politische, wirtschaftliche, sozi-
ale oder baukünstlerische Epoche klar definiert werden kann.

Mit der Erfassung von Gebäuden und Gebäudegruppen, die Landschaften
oder Siedlungen wesentlich mitprägen, bezweckt § 203 Abs. 1 lit. c PBG an-
ders als mit dem Schutz wichtiger Zeugen nicht die Dokumentation ge-
schichtlicher Epochen, sondern die Erhaltung qualifizierter Landschafts- und
Siedlungsbilder. In der Praxis wird hierbei oftmals auch vom Situationswert
eines Objektes gesprochen. Da das Gesetz die beiden Voraussetzungen für

R4.2025.00062 Seite 18

eine Unterschutzstellung - Zeugeneigenschaft oder prägende Wirkung - al-
ternativ aufzählt, lässt sich auch allein schon mit letzterer die Anordnung von
Schutzmassnahmen an Gebäuden oder Gebäudegruppen begründen. Aller-
dings rechtfertigt nicht jede Optimierung von Siedlungs- oder Landschaftsbil-
dern die Anordnung von Schutzmassnahmen; die positiv prägende Wirkung
muss vielmehr objektiv ausgewiesen und begründet sein, was etwa bei für
das geschützte Ortsbild wichtigen Kernzonenbauten der Fall sein kann
(VB 2009.00608 vom 4. Mai 2011).

6.3.2.
Bei sich auf § 203 Abs. 1 PBG stützenden Schutzentscheiden kommt den
kommunalen und kantonalen Denkmalpflegebehörden eine gewisse Ent-
scheidungsfreiheit zu. Diese bezieht sich vor allem auf die Qualifikation eines
Objektes als Schutzobjekt, auf den konkreten Umfang einer Schutzmass-
nahme, gegebenenfalls auf die Auswahl unter mehreren in Betracht fallen-
den Schutzobjekten oder aber auf den Verzicht auf Schutzmassnahmen. In-
soweit hat sich die Rekursinstanz bei der Entscheidüberprüfung Zurückhal-
tung aufzuerlegen. Beruht der kommunale Entscheid auf einer vertretbaren
Würdigung der massgebenden Umstände, so hat ihn die Rekursinstanz zu
respektieren. Die Rekursinstanz darf nur dann einschreiten, wenn die Be-
hörde ihren Ermessensspielraum überschreitet, indem sie sich von unsach-
lichen, dem Zweck der in Frage stehenden Regelung fremden Erwägungen
leiten lässt oder allgemeine Rechtsprinzipien, wie das Verbot von Willkür
oder den Grundsatz der Verhältnismässigkeit, verletzt. Dabei darf sich die
Rekursinstanz jedoch nicht auf eine blosse Willkürprüfung beschränken, viel-
mehr muss die Eingriffsschwelle tiefer gesetzt werden (vgl. BGE 145 I 52,
E. 3.6., mit Hinweisen). Die Entscheidungsfreiheit der Denkmalpflegebe-
hörde ist stets gegen den Anspruch auf wirksamen Rechtsschutz abzuwägen
(Art. 77 der Kantonsverfassung [KV] und Art. 29a der Bundesverfassung
[BV]; Marco Donatsch, in: Kommentar VRG, 3. Aufl., Zürich/Ba-
sel/Genf 2014, § 20 Rz. 64 ff.), zumal Schutzmassnahmen in der Regel ei-
nen schweren Eingriff in das Grundeigentum bilden.

Im Übrigen besteht in der Regel keine Kognitionseinschränkung. Die Frage,
was unter einem Schutzobjekt im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c PBG zu ver-
stehen ist, kann die Rekursinstanz frei beantworten. Auch steht ihr in der
Regel eine freie Würdigung der örtlichen Verhältnisse zu, soweit ihr diese
hinreichend bekannt sind. Geht es um bautechnische Fragen, namentlich um

R4.2025.00062 Seite 19

solche der Erhaltungs- und Renovationsfähigkeit von Schutzobjekten oder
von Teilen hiervon, ist das Baurekursgericht als Fachgericht in Bausachen
zu deren Beantwortung nicht weniger berufen als die Denkmalpflegebehör-
den.

6.3.3.
Bei der Natur- und Heimatschutzkommission, der Denkmalpflegekommis-
sion und der Archäologiekommission handelt es sich um vom Regierungsrat
gestützt auf § 216 PBG eingesetzte Sachverständigenkommissionen, deren
Zusammensetzung, Aufgaben etc. in der Verordnung über die Sachverstän-
digenkommissionen gemäss § 216 PBG festgelegt sind. Die Sachverständi-
genkommissionen nehmen Stellung zu wichtigen Fragen des Natur- und Hei-
matschutzes; dies auf Grund von Gesuchen der Direktionen, der Gemeinden
oder Dritter (§ 3 ff. der Verordnung über die Sachverständigenkommissionen
gemäss § 216 PBG).

Die Berichte der Sachverständigenkommissionen kommen, da auf besonde-
rer Sachkunde beruhend, einem Gutachten gleich. Dieses darf einzig zu
Sachverhaltsfragen, nicht aber auch zu Rechtsfragen eingeholt werden; die
Beantwortung von Rechtsfragen obliegt der Rekursinstanz. Diese hat das
Gutachten einer Würdigung zu unterziehen. Es gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung, so dass allein die - in nachvollziehbarer Weise zu begrün-
dende - Überzeugung der Rekursinstanz massgeblich ist.

Allerdings kommt den Berichten der Sachverständigenkommissionen in der
Regel ein erhöhter Beweiswert zu, was dem Umstand geschuldet ist, dass
die Sachverständigenkommissionen von Gesetzes wegen die kantonalen
Experten in Fragen des Natur- und Heimatschutzes sind. Weicht die Rekurs-
instanz in Fachfragen von der Auffassung des Gutachtens ab, so hat sie
hierfür triftige Gründe anzuführen. Als solche gelten namentlich Irrtümer, Lü-
cken oder Widersprüche im Gutachten. Abweichungen sind aber auch etwa
dann gerechtfertigt, wenn die Schlüssigkeit des Gutachtens in wesentlichen
Punkten zweifelhaft erscheint, wenn die Erkenntnisse des Gutachtens nicht
oder nur unzureichend begründet oder wenn gestellte Fragen ungenügend
oder überhaupt nicht beantwortet wurden (vgl. Kaspar Plüss, in: Kommentar
VRG, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, § 7 Rz. 66 ff. und 136 ff.). Die Berichte
der Sachverständigenkommissionen sind demnach nur, aber immerhin inso-
weit bindend, als sich die darin getroffenen Feststellungen und Schlüsse

R4.2025.00062 Seite 20

nicht als mangelhaft erweisen und ihnen nicht eine zutreffendere Auffassung
des Gerichtes entgegensteht.

6.3.4.
Mit einem Gutachten sind die im Inventar gemachten Äusserungen zu ver-
tiefen und genauer abzuklären. Das Gutachten hat das Objekt so weit zu
beschreiben, dass die Frage der Schutzwürdigkeit beantwortet werden kann.
Das Gutachten KDK 2024 ist wie folgt aufgebaut: Anlass und Ausgangslage,
Situation, Baugeschichte, Baubeschreibung, Umgebung, Beurteilung des
kommunalen Inventareintrags von 2017, Beurteilung des kantonalen Inven-
tareintrags von 2018, Beurteilung der Wohnüberbauung Y. Dieses Gutach-
ten ist im Vergleich zum ursprünglichen Gutachten ausführlicher und struk-
turierter. Zudem verfügt es im Gegensatz zum Gutachten KDK 2021 über
Bilder und Pläne. Diesbezüglich ist jedoch festzuhalten, dass insbesondere
die angefügten Grundrisspläne von schlechter Bildqualität sind und sich die
Grundrisse daher lediglich erahnen lassen (vgl. act. 8.4 S. 24 ff.). Die ur-
sprünglichen Grundrisse der Wohnungen sind jedoch von Bedeutung für die
Abklärung der Schutzwürdigkeit, spiegeln sie doch oft wichtige architektoni-
sche Konzepte und Ideale wider oder offenbaren Besonderheiten. Ausser-
dem können sie auch Auskunft über die ursprüngliche Nutzung und die Ziel-
gruppe geben, woraus sich sozial- und wohnungsgeschichtliche Schlüsse
ziehen lassen.

Des Weiteren fällt auf, dass sich das Gutachten KDK 2024 ausführlich mit
den Inventareinträgen beschäftigt. Dabei beschränkt sich das Gutachten je-
doch darauf, die Einträge im Inventar zu entkräften. Es entsteht der Eindruck,
das Gutachten wolle die Einträge im Inventar als unrichtig darstellen, auch
wenn sich gewisse Einträge im Inventar tatsächlich als falsch erweisen. Bei-
spielsweise werden die gemäss Inventareintrag typischen Merkmale, wie die
markanten Flugdächer, die wohnlichen Balkone und die leicht vorstehenden
Blumenfenster, im Gutachten KDK 2024 erwähnt, jedoch mit dem Kommen-
tar abgetan, das baukünstlerische Niveau bleibe dabei sehr bescheiden (vgl.
act. 8.4 S. 16). Weitere diesbezügliche Ausführungen fehlen. Die im Inventar
speziell erwähnten halbrunden Treppenhäuser sind im Gutachten zwar be-
schrieben (act. 8.4 S. 7), werden jedoch nicht weiter gewürdigt.

Das Gutachten lässt weiter eine Auseinandersetzung mit dem sozialge-
schichtlichen und wirtschaftshistorischen Hintergrund der Siedlung

R4.2025.00062 Seite 21

vermissen. Dies, obwohl die Bedeutung der Geschichte der Bauten im kan-
tonalen Inventar sehr hoch bewertet wurde (vgl. act. 5.2, Bewertung mit neun
Punkten). Denkmalschutz basiert nicht nur auf Architektur, sondern auch auf
der Bedeutung eines oder mehrerer Gebäude für die Gesellschaft, Kultur und
Geschichte. Diesbezüglich lässt sich dem Gutachten lediglich entnehmen,
die Häuser böten mit den vielen Balkonen, den Liften und der Tiefgarage
zuvor nicht verbreitete Annehmlichkeiten, was auf die Ausrichtung auf eine
mittelständische Klientel hinweise. Gleichzeitig handle es sich um einen Ren-
ditebau. Weitere Abklärungen oder diesbezügliche Erklärungen fehlen je-
doch. So bleibt unklar, weshalb die baulichen Merkmale wie Balkone, Lifte
und Tiefgaragen damals ungewöhnlich waren, weshalb dies relevant ist und
was dies über den sozialen Wandel aussagt. Sodann wird auch nicht weiter
auf die "mittelständische Schicht" eingegangen. Es bleibt unerwähnt, wer mit
dieser Schicht genau gemeint war und warum diese Zielgruppe wichtig war.
Die genaue Klientel der Mehrfamilienhäuser hätte anhand weiterer Quellen
ermittelt werden können, wie z.B. aus Adressbüchern dieser Zeit. Auch wird
im Gutachten nicht versucht zu erklären, weshalb die für diese Zeit typischen
Merkmale der sozialen Anreicherungen mit Quartiertreff, Restaurant, Kinder-
garten etc. fehlen. Dass dies allenfalls mit der unmittelbaren Nähe zum Stadt-
zentrum in Zusammenhang steht, wird ausgeblendet. Unerwähnt im Gutach-
ten KDK 2024 bleibt auch, welche Impulse für die weitere Siedlungsentwick-
lung im Lindquartier von der Überbauung Y ausgegangen sind, stellte sie
doch in Bezug auf ihre Höhe und Dichte einen neuen Massstab dar.

Letztlich ist auch der Quervergleich mit den zum Teil im Gutachten genann-
ten Siedlungen nicht stichhaltig, wobei hier – in Übereinstimmung mit den
Ausführungen der Vorinstanz – zu beachten gilt, dass Vergleichsobjekte
hauptsächlich erst im Zusammenhang mit der Ausübung des behördlichen
Auswahlermessens und somit erst im Rahmen der Verhältnismässigkeits-
prüfung einer Unterschutzstellung relevant sind (vgl. VB.2020.00277 vom
16. Dezember 2021, E. 6.4.1). Es ist jedoch der Vollständigkeit halber darauf
hinzuweisen, dass die genannten Siedlungen grösstenteils lediglich ein ge-
meinsames Merkmal mit der Überbauung Y aufweisen und wohl auch haupt-
sächlich im Zusammenhang mit der Frage der überkommunalen Schutzwür-
digkeit aufgeführt worden sind. So verfügt beispielsweise die Siedlung U
zwar auch über eine Tiefgarage, weist jedoch eine andere Typologie auf als
das Y. Die Überbauung U übernimmt eine Zentrumsfunktion, was beim Y
nicht der Fall ist. Das genannte Mehrfamilienhaus V war im Gegensatz zum

R4.2025.00062 Seite 22

Y von gehobenem Standard und sprach eine andere Klientel an. So gehörten
zu der Wohnungsgrundrissgestaltung auch Mädchenzimmer.

Insgesamt erweist sich das Gutachten somit als mangelhaft, weshalb der
Sachverhalt nicht genügend erstellt ist. Die Einholung eines weiteren Gut-
achtens drängt sich auf. Dabei empfiehlt es sich – aufgrund der Vorge-
schichte und Vorbefassung –, eine nicht bereits in dieses Verfahren invol-
vierte Fachperson mit der Aufgabe zu betrauen.

6.3.5.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens stellt sich die Frage, ob das Baurekurs-
gericht selbst ein Gutachten einholen muss oder die Sache an die Vorinstanz
zurückweisen kann.

Die Rechtsmittelinstanz verfügt über einen weiten Ermessensspielraum, ob
sie einen reformatorischen Entscheid fällen oder eine Rückweisung vorneh-
men will (BGE 131 V 407 E. 2.1.1). Bei der Anwendung von § 203 Abs. 1
lit. c PBG hat die verfügende Behörde die darin enthaltenen unbestimmten
Rechtsbegriffe auszulegen und die denkmalpflegerische Bedeutung des in-
frage stehenden Objekts abzuklären. Hierzu kann und soll sie nötigenfalls
Expertisen oder Stellungnahmen von Fachgremien einholen. Das Ergebnis
der Sachverhaltsfeststellung würdigen die rechtsanwendenden Behörden
frei (§ 7 Abs. 4 VRG). Bei der Auslegung und Anwendung der für die Beur-
teilung massgebenden unbestimmten Rechtsbegriffe wie "wichtiger Zeuge"
oder "wesentliche Mitprägung" steht der für die Unterschutzstellung zustän-
digen Behörde sodann eine besondere Entscheidungsfreiheit im Grenzbe-
reich zwischen Rechtsanwendung und Ermessensbetätigung zu (vgl. BGE
115 Ib 131 E. 3; VB.2010.00707 vom 4. Mai 2011, E. 4.2), deren Handha-
bung die Rechtsmittelinstanzen nicht frei überprüfen können (RB 1982
Nr. 37). Schliesslich sind allfällige Schutzanordnungen nur anzuordnen,
wenn das öffentliche Interesse an der Erhaltung des Schutzobjekts höher zu
werten ist als entgegenstehende öffentliche und private Interessen
(VB.2003.00121 vom 27. August 2003, E. 2c). Eine solchen gegebenenfalls
vorzunehmende Interessenabwägung ist zwar grundsätzlich eine vom Bau-
rekursgericht überprüfbare Rechtsfrage. Bei der Gewichtung der sich gegen-
überstehenden Interessen bestehen jedoch in verschiedener Hinsicht Beur-
teilungsspielräume, die in erster Linie von den Verwaltungsbehörden auszu-
füllen sind; auch insofern steht ihnen eine von den Rechtsmittelinstanzen zu

R4.2025.00062 Seite 23

beachtende besondere Entscheidungsfreiheit zu (VB.2013.00337 vom
31. Oktober 2013, E. 6.5.1; RB 1982 Nr. 37).

Da wesentliche Sachverhaltsabklärungen nicht vorliegen, ein weiteres Be-
weisverfahren durchgeführt werden muss und der Vorinstanz auch eine ge-
wisse Ermessensbetätigung zukommt, rechtfertigt es sich, die Sache an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Dies auch zur Wahrung des Instanzenzugs.

7.1.
Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs gutzuheissen ist. Der ange-
fochtene Entscheid ist demgemäss aufzuheben und die Sache ist zur weite-
ren Untersuchung des Sachverhalts, insbesondere Einholung eines Zweit-
gutachtens, sowie zum neuen Entscheid über die Schutzwürdigkeit an den
Stadtrat X zurückzuweisen.

Bei diesem Verfahrensausgang erübrigen sich denn auch die prozessualen
Anträge des Rekurrenten um Aktenedition.

7.2.
Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten der Vorinstanz aufzuerlegen
(§ 13 VRG).

R4.2025.00062 Seite 24

Nach § 338 Abs. 1 PBG bzw. § 2 der Gebührenverordnung des Verwaltungs-
gerichts (GebV VGr) legt das Baurekursgericht die Gerichtsgebühr nach sei-
nem Zeitaufwand, nach der Schwierigkeit des Falls und nach dem bestimm-
baren Streitwert oder dem tatsächlichen Streitinteresse fest. Liegt wie hier
ein Verfahren ohne bestimmbaren Streitwert vor, beträgt die Gerichtsgebühr
in der Regel Fr. 500.-- bis Fr. 50'000.-- (§ 338 Abs. 2 PBG; § 3 Abs. 2 GebV
VGr). Bei der Bemessung der Gebührenhöhe steht der Rekursinstanz ein
grosser Ermessensspielraum zu (Kaspar Plüss, in: Kommentar VRG,
3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, § 13 Rz. 25 ff.).

Demnach ist die Gerichtsgebühr vorliegend auf Fr. 4'500.-- festzusetzen.

7.3.
Die Mitbeteiligten beantragen eine Umtriebsentschädigung. Eine solche
steht ihnen bei diesem Ausgang des Verfahrens jedoch von vornherein nicht
zu (§ 17 Abs. 2 VRG).

R4.2025.00062 Seite 25

Das Baurekursgericht erkennt:

I.
Der Rekurs wird gutgeheissen.
Demgemäss wird der Beschluss des Stadtrates vom 12. März 2025 aufge-
hoben. Die Sache wird zur weiteren Untersuchung des Sachverhalts sowie
zum neuen Entscheid über die Schutzwürdigkeit der Siedlung Y an den
Stadtrat X zurückgewiesen.

II.
Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus
Fr. 4'500.-- Gerichtsgebühr
Fr. 360.-- Zustellkosten
Fr.  4‘860.-- Total
=========
werden dem Stadtrat X auferlegt. Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides zu-
gestellt. Die Kosten sind innert 30 Tagen ab Zustellung der Rechnung zu
bezahlen.

III.
Es wird keine Umtriebsentschädigung zugesprochen.

IV.
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der Zustellung an ge-
rechnet, beim Verwaltungsgericht des Kantons Zürich, Freischützgasse 1,
Postfach, 8090 Zürich, schriftlich Beschwerde eingereicht werden. Die Be-
schwerdeschrift ist in genügender Anzahl für das Verwaltungsgericht, die
Vorinstanz und jede Gegenpartei einzureichen. Die Beschwerdeschrift muss
einen Antrag und dessen Begründung enthalten. Der angefochtene Ent-
scheid ist beizulegen. Die angerufenen Beweismittel sind genau zu bezeich-
nen und soweit möglich beizulegen.