# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 795279fb-b1e6-52e2-ae4d-88241ba0b515
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-11-27
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 27.11.2017 IV 2015/63
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2015-63_2017-11-27.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2015/63

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 06.05.2020

Entscheiddatum: 27.11.2017

Entscheid Versicherungsgericht, 27.11.2017
Art. 7 ATSG, Art. 16 ATSG, Art. 28 IVG Beweiskraft eines bidisziplinären 
(orthopädisch/psychiatrischen) Gutachtens. Dieses ist auch nach der am 3 
Juni 2015 geänderten Rechtsprechung des Bundesgerichts und rückwirkend 
massgebend. Gestützt auf das Gutachten ergibt sich aufgrund einer 30 
%igen Arbeitsunfähigkeit ein Anspruch auf eine Viertelsrente. Während einer 
tagesklinischen Behandlung ist indes von einer 100 %igen 
Arbeitsunfähigkeit auszugehen, weshalb befristet ein Anspruch auf eine 
ganze Rente besteht (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. 
Gallen vom 27. November 2017, IV 2015/63).

Entscheid vom 27. November 2017

Besetzung

Präsidentin Marie Löhrer, a.o. Versicherungsrichterin Lisbeth Mattle Frei und 

Versicherungsrichterin Marie-Theres Rüegg Haltinner; Gerichtsschreiberin Beatrix 

Zahner

Geschäftsnr.  

IV 2015/63

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwältin Margot Benz, MLaw HSG,

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Jacober Bialas & Partner, Oberer Graben 44, Postfach 1047,

9001 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand 

Rente

Sachverhalt

A. 

A.a  A.___ meldete sich am 4. Juni 2012 über die Krankentaggeldversicherung bei der 

Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (IV-act. 1 und 4). Die als 

Mitarbeiterin Hausdienst eines Pflegeheims tätige Versicherte war ab 8. bzw. 27. 

Januar 2012 zu 100 % und ab 2. April 2012 zu 50 % arbeitsunfähig geschrieben 

(Taggeldkarte SWICA [IV-act. 17-5], Angaben des Arbeitgebers vom 18. Mai 2012, IV-

act. 13).

A.b  Dr.med. B.___, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, führte am 14./16. Juni 2012 

gegenüber der IV-Stelle aus, die Versicherte sei psychomotorisch deutlich verlangsamt, 

leide an diversen körperlichen Beschwerden und passiven Gedanken des 

Lebensüberdrusses, massiven Schuldgefühlen wegen eines Abortus, depressiver 

Verstimmung mit Schlafstörungen und affektiver Labilität, innerer Unruhe, Spannungs- 

und Angstzuständen, intensiven Insuffizienzgefühlen und an generalisierten 

Schmerzen, vor allem im Rücken und an den Fingern. In ihrer bisherigen Tätigkeit sei 

sie während 4 Stunden täglich arbeitsfähig (IV-act. 12). Dr.med. C.___, Innere Medizin 

FMH, berichtete am 22. Juni 2012 über die Diagnose eines generalisiertes 

Schmerzsyndroms bei/mit Lumbovertebralsyndrom bei Spondylarthrosen und 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Osteochondrosen der LWS, Diskushernie S1 mit möglichem intermittierendem Kontakt 

zur S1-Wurzel, Fingerpolyarthrosen und rezidivierenden Schmerzen im Nacken und in 

den Schultergelenken. In der angestammten, eher als leicht eingestuften 

Reinigungsarbeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 % bzw. 4 Stunden täglich. 

Sobald das Arbeitspensum gesteigert worden sei, habe die Versicherte mit heftigen 

Schmerzen reagiert und notfallmässig behandelt werden müssen (IV-act. 17-1 f.).

A.c  Im Assessmentgespräch vom 12. September 2012 wurde unter anderem 

festgehalten, die Versicherte arbeite seit Anfang August 2012 zu 60 %. Die 

Arbeitgeberin verlange eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 100 % bis Anfang 2013 

bei voller Leistungsfähigkeit (IV-act. 23). Dr. B.___ befand gemäss Verlaufsbericht vom 

25. Oktober 2012, die bisherige Tätigkeit sei zu 60 % zumutbar mit einer um ca. 20 % 

verminderten Leistungsfähigkeit (IV-act. 25). Der Arbeitgeber kündigte das 

Arbeitsverhältnis auf den 31. Januar 2013 (vgl. Assessmentprotokoll Verlauf per 19. 

November 2012 [IV-act. 26-4 ff.]).

A.d  Am 20. November 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, zurzeit seien keine 

beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich; die medizinischen 

Behandlungsmassnahmen stünden aktuell im Vordergrund (IV-act. 30).

A.e  Dr. C.___ führte im Verlaufsbericht vom 21. Januar 2013 aus, bis November 2012 

habe die Versicherte allmählich ansteigend bis 60 % beschäftigt werden können. 

Aktuell sei sie arbeitsunfähig, da sie vermehrt Schmerzen verspüre und sich generell 

müde fühle. Die bisherige Tätigkeit sei eventuell noch zumutbar, dabei bestehe eine 

verminderte Leistungsfähigkeit. Leichte, wechselbelastende Tätigkeiten seien ohne 

verminderte Leistungsfähigkeit  ev. zu max. 50 % zumutbar (IV-act. 35).

A.f  Im Auftrag des Krankentaggeldversicherers begutachtete Dr.med. D.___, 

Psychiatrie und Psychotherapie FMH, die Versicherte (Gutachten vom 14. März 2013, 

Untersuchung 26. Februar 2013). Er diagnostizierte eine mittelgradige depressive 

Episode, einhergehend mit ausgeprägter psychophysischer Erschöpfung, und führte 

aus, aktuell sei die Versicherte in der bisherigen und in adaptierter Tätigkeit zu 100 % 

arbeitsunfähig. Sie fühle sich gegenwärtig nicht arbeitsfähig, was auch mit den 

objektiven Befunden übereinstimme. Unter stationären Massnahmen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

(psychosomatische Rehabilitation über mindestens 4 Wochen) sei mit der 

Wiederherstellung einer mindestens 50 %igen Arbeitsfähigkeit zu rechnen, die nachher 

stufenweise um 10 % monatlich bis zur Wiederherstellung der vollen Arbeitsfähigkeit 

erhöht werden können sollte (IV-act. 39-7 ff.).

A.g  Vom 8. Mai bis 4. Juni 2013 unterzog sich die Versicherte einer 

psychosomatischen Rehabilitation in der Klinik E.___. Es wurden eine mittelgradige 

depressive Episode (ICD-10: F32.1) und ein Verdacht auf eine somatoforme autonome 

Funktionsstörung (ICD-10: F45.3) diagnostiziert und festgehalten, auch bei Austritt 

habe sich noch eine klare Beeinträchtigung der Stimmung und des Antriebs gezeigt. 

Die Versicherte sei aufgrund ihrer Dekonditionierung und ihrer Depressivität nur 

beschränkt in der Lage gewesen, das Therapieprogramm zu nutzen. Es bestehe eine 

Arbeitsunfähigkeit von 100 %, möglich sei ein therapeutischer Arbeitsversuch zu 10 % 

bis 20 % (Beiblatt vom 16. Juli 2013, IV-act. 42; vgl. auch Austrittsbericht vom 25. Juni 

2013, IV-act. 45-2 ff.).

A.h  Dr.med. F.___, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete über die 

Behandlung der Versicherten an der Psychiatrischen Tagesklinik G.___ vom 10. 

Oktober 2013 bis 17. Januar 2014, die Versicherte leide unter einer mittelgradigen 

depressiven Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11) und einer 

chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: 

F45.41). Aufgrund der depressiven Symptome, vor allem aber der starken 

Antriebslosigkeit, der Schlafstörungen wie auch des häufigen Gefühls von 

Überforderung sei die Versicherte in der bisherigen Tätigkeit sehr eingeschränkt. 

Zusätzlich schränke die chronische Schmerzstörung ihre Lebensqualität sowie ihre 

Aktivitätsfähigkeit ein. Durch eine medikamentöse Optimierung könne man sich einen 

stundenweisen Einsatz in einer Aktivität erhoffen (Austrittsbericht vom 13. Februar 2014 

[IV-act. 56-3 ff.]).

A.i Dr. B.___ erhob gemäss Verlaufsbericht vom 22. April 2014 die Diagnosen einer 

anhaltenden depressiven Störung, gegenwärtig schwerer Ausprägung, auf dem 

Hintergrund eines weitgehend chronischen Schmerzsyndroms sowie diverser 

intrapsychischer Konflikte (ICD-10: F38.8), einer chronischen Schmerzstörung mit 

somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) und einer anhaltenden 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10: F62.8). Der 

Gesundheitszustand sei stationär mit Tendenz zur Verschlechterung. Jegliche Form 

von Belastung führe zu einer Zunahme der Beschwerden. Aufgrund der bestehenden 

Psychopathologie, des langjährigen und bereits weitgehend chronischen Verlaufs 

sowie eingeschränkter Ressourcen sei nicht zu erwarten, dass die Versicherte in der 

Lage sei, sich neue Fähigkeiten anzueignen und sich in der freien Wirtschaft erfolgreich 

neu zu orientieren. Aus ihrer fachlichen Sicht und Erfahrung sei die Versicherte in 

jeglicher Tätigkeit in der freien Wirtschaft zu 100 % arbeitsunfähig (IV-act. 56-1 f.; vgl. 

auch ihren Bericht vom 20. Februar 2015 an die Rechtsvertreterin der Versicherten [act. 

G 1.5]).

A.j Die IV-Stelle beauftragte Dr.med. H.___, Fachärztin für Psychiatrie und 

Psychotherapie FMH, und Dr.med. I.___, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und 

Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, mit einer bidisziplinären Abklärung der 

Versicherten (Gutachten vom 19. Oktober 2014, Untersuchungen 19. und 29. 

September 2014 [IV-act. 68]). Die Gutachter diagnostizierten mit Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit eine (1.) rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis 

maximal mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F33.0 bis 33.1), eine (2.) 

Panikstörung (ICD-10: F41.0), (3.) ein chronisches Lumbovertebralsyndrom (ICD-10: 

M54.5) mit Osteochondrosen und Spondylosen L3 bis S1 (ICD-10: M47.86), mit 

Diskusprotrusionen (ICD-10: M51.2), mit Hohl-Rundrückenfehlhaltung (ICD-10: M40.46/

M40.24) und leichter linkskonvexer Skoliose (ICD-10: M41.85) und mit muskulärer 

Dysbalance, eine (3.) Rhizarthrose beidseits (ICD-10: M18.2), (4.) multiple 

Fingerarthrosen beidseits (ICD-10: M15.1), eine (5.) SC-Gelenksarthrose rechts 

(ICD-10: M19.01) sowie einen (6.) Spreizfuss (ICD-10: M21.6) mit MCP I-Arthrose 

beidseits (ICD-10: M19.07). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit blieben unter 

anderen die Diagnosen einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und 

psychischen Faktoren (ICD-10: F45.51) sowie von akzentuierten Persönlichkeitsanteilen 

mit passiv-aggressiven Zügen (ICD-10: Z73.1), DD anhaltende Persönlichkeitsänderung 

bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10: F62.80 [IV-act. 68-41]). Aus bidisziplinärer 

Sicht sei (in der bisherigen und in adaptierten Tätigkeiten) von einer Einschränkung der 

Leistungsfähigkeit von 30 % auszugehen (IV-act. 68-42, 43).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.k  Nachdem die IV-Stelle das Gutachten dem RAD vorgelegt hatte (Stellungnahme 

vom 27. Oktober 2014 [IV-act. 69]), stellte sie der Versicherten mit Vorbescheid vom 

19. November 2014 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (IV-act. 71). 

Mit Einwand vom 30. Dezember 2014 liess die Versicherte eine Viertelsrente ab 19. 

September 2014 sowie einen befristeten Anspruch auf eine ganze Rente für die Zeit 

vom 1. Januar 2013 bis 18. September 2014 und einen Leidensabzug von mindestens 

15 % geltend machen (IV-act. 75).

A.l Mit Verfügung vom 19. Januar 2015 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab. 

Die von der Fachärztin attestierte Diagnose und Arbeitsfähigkeit habe durch die 

Gutachter nicht in demselben Ausmass bestätigt werden können. Die Anrechnung 

eines Teilzeit- und Leidensabzuges seien nicht gerechtfertigt, da das Pensum 

ganztägig umsetzbar sei und bei der  Arbeitsfähigkeit bereits eine 30 %ige 

Leistungsminderung berücksichtigt worden sei (IV-act. 76).

B. 

B.a  Gegen die Verfügung vom 19. Januar 2015 lässt A.___, vertreten durch 

Rechtsanwältin M. Benz, M.A. HSG in Law, am 23. Februar 2015 Beschwerde erheben. 

Sie beantragt, die angefochtene Verfügung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge 

aufzuheben und es sei ihr ab 1. Januar 2013 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. 

Die Beschwerdeführerin sei nicht umfassend begutachtet worden. Die Einschätzung 

der psychiatrischen Gutachterin weiche diametral von der Einschätzung sowohl der 

behandelnden Psychiaterin wie auch des Psychiatrischen Zentrums G.___ ab. Bei 

einem derart grossen Widerspruch in den zentralen medizinischen Berichten sei 

zwingend ein neutrales und umfassendes (polydisziplinäres) Gutachten einzuholen (act. 

G 1).

B.b  Mit Beschwerdeantwort vom 21. Mai 2015 beantragt die Beschwerdegegnerin die 

Abweisung der Beschwerde. Die behandelnden Ärzte seien eindeutig weniger 

unabhängig als ein Gutachter. Insbesondere hätten die Gutachter ihre Einschätzung in 

Kenntnis der Berichte der behandelnden Ärzte abgegeben und ausdrücklich zu den 

früheren ärztlichen Einschätzungen Stellung genommen. Die Schmerzen als solche 

würden als "überwindbar" angesehen. Dabei sei auch zu beachten, dass die 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Beschwerdeführerin in der Lage sei, regelmässig zu kochen und den Haushalt mit 

Unterstützung der Kinder weitgehend selbständig zu erledigen. Nachdem sich der 

Gesundheitszustand seit längerem gleich präsentiere, müsse die Einschränkung auch 

für die Zeit vor dem Gutachten gelten. Mit der Beschwerde seien neue Arztberichte von 

Dr. B.___ vom 20. Februar 2015 sowie von Dr. J.___ vom 23. Dezember 2014 

eingereicht worden. Nachdem Dr. B.___ der Beschwerdeführerin bereits seit November 

2012 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiere und deren früheren Berichte den 

Gutachtern allesamt vorgelegen hätten, bestehe kein Anlass, von der Einschätzung der 

Gutachter abzuweichen. Der Bericht von Dr. J.___ ergebe ebenfalls keine neuen 

Erkenntnisse oder Diagnosen. Das MRI vom 30. August 2013 sei im orthopädischen 

Teilgutachten bereits berücksichtigt worden. Der RAD habe den Fall mehrmals beurteilt 

und sei zum Schluss gekommen, dass auf die Einschätzung der Gutachter abgestellt 

werden könne. Zum Leidensabzug werde auf die angefochtene Verfügung verwiesen 

(act. G 4).

B.c  In ihrer Replik vom 2. Juli 2015 stellt die Beschwerdeführerin die Anträge, die 

angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr ab 1. Januar 2013 eine ganze, 

eventualiter eine halbe Invalidenrente zuzusprechen. Subeventualiter sei zur 

Bestimmung des Invaliditätsgrades ein neutrales, polydisziplinäres Gutachten 

einzuholen. Sowohl aufgrund der geänderten Rechtsprechung (des Bundesgerichts zu 

somatoformen Schmerzstörungen und ähnlichen Beschwerdebildern) wie auch 

aufgrund des nicht vollständig ermittelten Sachverhalts sei zwingend ein neutrales und 

polydisziplinäres Gutachten einzuholen. Die Beurteilung einer behandelnden Fachärztin 

habe denselben Stellenwert wie die eines Gutachters. Im Ergebnis sei die Beurteilung 

der Arbeitsfähigkeit mit 70 % in der angestammten und in adaptierten Tätigkeiten 

willkürlich. Aufgrund der vorhandenen Einschränkungen sei die verwertbare 

Arbeitsfähigkeit erheblich tiefer als bei 70 % anzusetzen und eine entsprechende 

Anstellung in der freien Wirtschaft nicht denkbar. Es sei ein Leidensabzug von 20 % 

gerechtfertigt, womit bei einer 30 %igen Arbeitsunfähigkeit ein Invaliditätsgrad von 44 

% und bei Annahme einer 40 %igen Arbeitsunfähigkeit ein Invaliditätsgrad von 52 % 

resultiere (act. G 8).

B.d  Die Beschwerdegegnerin bringt in ihrer Duplik vom 10. September 2015 vor, das 

gemäss altem Verfahrensstandard eingeholte Gutachten habe grundsätzlich nach wie 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

vor Beweiswert. Ein erhebliches somatisches Leiden liege bei der Beschwerdeführerin 

nicht vor. Leichte bis höchstens mittelschwere psychische Störungen depressiver 

Natur seien im Prinzip therapeutisch angehbar. Das sei auch bei der 

Beschwerdeführerin der Fall. Gemäss RAD-Stellungnahme vom 27. Oktober 2014 

seien den Ergebnissen der neuropsychologischen Testbatterie Hinweise auf 

suboptimales Leistungsverhalten sowie relevante Inkonsistenzen zu entnehmen 

gewesen. Es erscheine fraglich, ob überhaupt eine versicherte Gesundheitsschädigung 

vorliege. Weiter verfüge die Beschwerdeführerin über gute Ressourcen. Sie verrichte 

diverse Haushaltsarbeiten, koche, mache kleinere Einkäufe und gehe spazieren. Auch 

verbringe sie ein- bis zweimal Ferien im Heimatland, wo sie ein eigenes Haus gebaut 

hätten. Unter diesen Umständen sei auch nach geänderter Rechtsprechung sicherlich 

nicht von einer höheren Einschränkung der Erwerbsfähigkeit als bisher angenommen 

auszugehen (act. G 12).

Erwägungen

1. 

1.1  Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich 

bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. 

Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und 

nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der 

Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt 

(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind 

ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. 

Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar 

ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).

1.2  Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 

831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person 

mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine 

halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie 

mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 

Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 

Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum 

Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 

(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).

1.3  Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im 

Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des 

Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung 

zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte 

Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des 

Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen 

Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten 

Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden 

ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen 

Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind 

(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie 

ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen 

Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und 

Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der 

Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft 

zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise 

sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).

1.4  Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und 

Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige 

Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a). 

Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den 

streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben 

Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen 

stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der 

Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat 

das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, 

nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (BGE 126 V 360 

E. 5b; BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).

2. 

2.1  Medizinische Grundlage der angefochtenen Verfügung vom 19. Januar 2015 (IV-

act. 76) bildet das bidisziplinäre Gutachten der Dres. H.___ und I.___ vom 19. Oktober 

2014 (IV-act. 68). Dessen Beweistauglichkeit ist umstritten und im Folgenden zu prüfen. 

Die Beschwerdeführerin rügt verschiedene Mängel des Gutachtens (act.G 8-13 ff.), auf 

welche im Folgenden einzugehen ist.

2.2  In somatischer Hinsicht bestätigte der orthopädische Gutachter die Diagnosen von 

Dr. K.___ (IV-act. 68-23), die zusätzlich eine im Vordergrund stehende Dekompensation 

bei psychosozialer und depressiver Problematik mit sekundärer 

Ganzkörperschmerzsymptomatik diagnostiziert hatte (Bericht vom 8. Februar 2012, IV-

act. 17-7 ff). Der Verzicht auf eine (erneute) rheumatologische Abklärung erscheint 

daher nachvollziehbar. Auch bezog der orthopädische Gutachter die von der 

Beschwerdeführerin beklagte Kraftlosigkeit und die Schwindelereignisse in die 

Beurteilung ein (IV-act. 68-22) und diskutierte sodann die Diagnose einer Fibromyalgie 

angesichts 11 positiver Tenderpoints; gemäss den Leitlinien dürfe die Diagnose jedoch 

nicht gestellt werden, da auch praktisch alle Kontrollpunkte positiv seien (IV-act. 

68-22). Weiter hielt er fest, Beschwerden, klinische Befunde und Resultate der 

bildgebenden Verfahren liessen sich bis zu einem gewissen Grad miteinander in 

Einklang bringen (IV-act. 68-22). Dies zeigt, dass er die Ganzkörperschmerzen 

jedenfalls nicht vollumfänglich einem organischen Korrelat zuordnen konnte. 

Einleuchtend erscheint auch, dass der orthopädische Gutachter gestützt auf die 

objektivierten somatischen Diagnosen körperlich schwere Tätigkeiten für unzumutbar 

hielt, die bei der bisherigen Reinigungsarbeit 10 % ausmachten, und zusätzlich in 

jeglicher Tätigkeit die Leistungsfähigkeit aufgrund verlangsamten Arbeitstempos und 

erhöhten Pausenbedarfs um 10 % eingeschränkt schätzte (IV-act. 68-22 ff.).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

2.3  Die psychiatrische Gutachterin diagnostizierte in Übereinstimmung mit dem 

Psychiatrischen Zentrum G.___ (Austrittsbericht vom 13. Februar 2014 [IV-act. 56-3]) 

und Dr. B.___ (Berichte vom 22. April 2014 [IV-act. 56-1] und vom 20. Februar 2015 

[act. G 1.5]) eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen 

Faktoren (ICD-10: F45.41; IV-act. 68-34 f.). Weiter stellte sie die Diagnose einer leichten 

bis höchstens intermittierend mittelgradigen depressiven Episode bei rezidivierender 

depressiver Störung (ICD-10: F33.0 bis 33.1). Im Gegensatz namentlich zu Dr. B.___ 

(Berichte vom 22. April 2014 [IV-act. 56-1] und vom 20. Februar 2015 [act. G 1.5]) 

verneint die Gutachterin das Vorliegen einer schweren Ausprägung der depressiven 

Erkrankung. In der aktuellen psychiatrischen Untersuchung habe sich eine schwere 

depressive Symptomatik (nach ICD-10) weder psychopathologisch noch anhand der 

beschriebenen Einschränkungen ableiten lassen bzw. eine solche habe weder klinisch 

noch anamnestisch festgestellt werden können. Die Beschwerdeführerin habe 

beschrieben, dass ihre Stimmung alle zwei bis drei Tage schwanke, dazwischen gehe 

es ihr besser, aber nie ganz gut. Das Ergebnis des Selbsteinschätzungstests spreche 

für einen hohen Leidensdruck und eine Tendenz zur Symptomverdeutlichung (IV-act. 

68-34). Von Dr. D.___ (Gutachten vom 14. März 2013 [IV-act. 39-7 ff.]), in der Klinik 

E.___ (Austrittsbericht vom 25. Juni 2013 [IV-act. 45-2]) und in der Psychiatrischen 

Tagesklinik (Austrittsbericht vom 13. Februar 2014 [IV-act. 56-3]) war jeweils eine 

mittelgradig ausgeprägte depressive Episode diagnostiziert worden. Die Gutachterin 

erhob im Untersuchungsbefund einen reduzierten und schwunglosen Antrieb, ein 

ausdrucksarmes, spärliches, sparsames und teilweise auch teilnahmsloses 

Ausdrucksverhalten und ein eher abweisendes, den Blickkontakt vermeidendes, 

verschlossenes und zurückhaltendes Kontaktverhalten. Das formale Denken sei 

einfallsarm und eingeengt auf die Kraft- und Lustlosigkeit. Die Stimmung sei affektarm, 

distanziert, dysphorisch, missbefindlich, niedergeschlagen, teilweise ratlos und 

teilnahmslos traurig. Aufmerksamkeit, Konzentration und Merkfähigkeit hätten im 

Verlauf des Gesprächs nachgelassen. Die Gedächtnisleistungen beschrieb die 

Gutachterin als "schwer besinnlich" (IV-act. 68-30). Dass der Bericht von Dr. B.___ vom 

22. April 2014 objektive Gesichtspunkte enthält, welche die psychiatrische Gutachterin 

nicht berücksichtigt hätte, wird weder im Bericht der behandelnden Psychiaterin vom 

20. Februar 2015 (act. G 1.5) noch in den übrigen nach dem Gutachten entstandenen 

Akten aufgezeigt, weshalb ihre Beurteilung diejenige der Gutachterin nicht in Frage zu 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

stellen vermag (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. 

Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilung des Bundesgerichts] vom 13. März 2006, I 

676/05, E. 2.4 mit Hinweisen). Weiter ist zu beachten, dass – behandelnde und 

begutachtende – Psychiater, die mit der gleichen Person als Patientin oder Explorandin 

in verschiedenen Zeitpunkten und Situationen konfrontiert, zu unterschiedlichen 

Beurteilungen der psychischen Beeinträchtigungen und deren Schweregrades mitsamt 

den sich daraus ergebenden Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit gelangen können. 

Diese in der Natur der Sache begründete, weitgehend fehlende Validierbarkeit 

("Reliabilität") psychiatrischer Diagnosen kann nicht automatisch zu 

Beweisweiterungen bei sich widersprechenden psychiatrischen Berichten und 

Expertisen führen, wenn die gutachterliche Einschätzung die Anforderungen an 

beweiskräftige Gutachten erfüllt (Urteil des Bundesgerichts vom 29. September 2009, 

9C_661/09, E. 3.2). Was den von der Beschwerdeführerin angeführten 

beweisrechtlichen Vorrang von Berichten behandelnder Fachärzte gegenüber 

Gutachtern anbelangt, gilt dieser nur im Einzelfall und vermag an den Grundsätzen der 

Beweiswürdigung von Arbeitsunfähigkeitseinschätzungen therapeutisch tätiger Ärzte, 

bei welchen der Behandlungsauftrag im Vordergrund steht, nichts zu ändern (vgl. 

Urteile des Bundesgerichts vom 14. April 2015, 9C_203/2015, E-. 3.2, Bezug nehmend 

auf ein Urteil vom 17. Dezember 2014, 4A_526/2014, E. 2.4). Mit der psychiatrischen 

Gutachterin ist daher von einer leichten bis intermittierend mittelgradigen Depression 

auszugehen. Nachvollziehbar erscheint schliesslich die Diagnose einer Panikstörung 

(ICD-10: F41) aufgrund der von der Beschwerdeführerin beschriebenen 

wiederkehrenden Angstattacken, einhergehend mit Herzklopfen, Brustschmerz und 

Schwindel mehrmals täglich von einigen Minuten (IV-act. 68-34).

2.4  Im Bericht vom 20. Februar 2015 beschrieb Dr. B.___ sodann eine aktuell massive 

Verschlechterung der Gesamtsituation. Die schweren ängstlich-depressiven Phasen 

mit schwerer emotionaler Labilität, tiefster Verzweiflung und Verbitterung sowie 

Intensivierung der chronischen generalisierten Schmerzen hätten trotz einer intensiven 

psychiatrischen Behandlung und solider Bemühungen der Beschwerdeführerin seit 

Anfang 2014 häufiger stattgefunden. Im Befund ist von einer ängstlich depressiven 

Stimmung schwerer Ausprägung (Vorbefund gemäss Bericht vom 22. April 2014: 

ratlose depressive Grundstimmung mittelschwerer Ausprägung) und neu von einem 

Morgentief und von einer unumgänglichen stationären Therapie die Rede (act. G 1.5). 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Weiter wurden die Angstzustände, die innere Unruhe und die Störung der Vitalgefühle 

neu als schwer bzw. intensiv bezeichnet (vgl. Berichte vom 22. April 2014 [IV-act. 56-1 

f.] und vom 20. Februar 2015 [act. G 1.5]). Der Bericht unterscheidet nicht zwischen 

(subjektiven) Beschwerden und (objektivierten) Befunden. Dass sich der Zustand nach 

dem Zeitpunkt der Begutachtung dauerhaft verschlechtert hätte bzw. die in Betracht 

gezogene stationäre Behandlung oder eine anderweitige Intensivierung der Therapie 

tatsächlich stattgefunden hätte, wird insbesondere auch in der Replik vom 2. Juli 2015 

nicht geltend gemacht (act. G 9). Somit ist in diagnostischer Hinsicht nach wie vor auf 

das Gutachten abzustellen.

3. 

3.1  Die Gutachter erkannten den von ihnen gestellten Diagnosen der 

Ganzkörperschmerzsymptomatik (orthopädisches Teilgutachten, IV-act. 68-20) und der 

chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: 

F45.41, psychiatrisches Teilgutachten, IV-act. 68-33) keine Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit zu. Sie verwiesen dabei auf das Fehlen einer schweren psychischen 

Komorbidität bzw. auf die so genannten Förster-Kriterien (IV-act. 68-35, 38, 41, 44).

3.2  Das Bundesgericht hat seine Rechtsprechung zu den unklaren Beschwerden 

geändert und die Vermutung, Schmerzsyndrome und vergleichbare psychosomatische 

Leiden seien überwindbar, aufgegeben und durch einen strukturierten, normativen 

Prüfungsraster ersetzt (BGE 141 V 281, insb. S. 294 f. E. 3.5 f.). Gemäss altem 

Verfahrensstandard eingeholte Gutachten verlieren nicht per se ihren Beweiswert. Im 

Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen 

Gegebenheiten und den erhobenen Rügen ist entscheidend, ob das abschliessende 

Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 137 

V 266 E. 6). In sinngemässer Anwendung auf die materiellbeweisrechtlich geänderten 

Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die administrativen und/oder 

gerichtlichen Sachverständigengutachten gegebenenfalls im Kontext mit weiteren 

fachärztlichen Berichten eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen 

Indikatoren erlauben oder nicht (BGE 141 V 309 E. 8; Urteil des Bundesgerichts vom 

13. April 2016, 9C_168/2015, E. 2.2.3).

3.3 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3.3.1  Die Diagnosekriterien der chronischen Schmerzstörung mit somatischen und 

psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) erfordern im Gegensatz zur anhaltenden 

somatoformen Schmerzstörung keinen andauernden, schweren und quälenden 

Schmerz (http://www.icd-code.de/icd/code/F45.-.html). Der Schweregrad ist folglich 

nicht diagnoseinhärent (vgl. dem gegenüber für die somatoforme Schmerzstörung: 

BGE 141 V 286, E. 2.1.1), sondern hängt von den konkreten funktionellen 

Auswirkungen ab (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 13. April 2016, 9C_168/2015, E. 

3.2, und vom 9. Mai 2017, 9C_44/2017, E. 4.2.1). Gegenüber dem orthopädischen 

Gutachter schilderte die Beschwerdeführerin diffuse Schmerzen variabler Intensität am 

ganzen Körper bzw. Bewegungsapparat, vor allem an der rechten Körperseite. Art und 

Intensität der Schmerzen konnte sie nicht genauer beschreiben. Mit Schmerzmitteln sei 

das Ganze irgendwie erträglich, aber nicht gut. Weiter beklagte sie Kraftlosigkeit und 

ständige Müdigkeit (IV-act. 68-12). Neben diesen organisch nicht erklärbaren 

Beschwerden leidet die Beschwerdeführerin unter somatisch objektivierten 

Beschwerden aufgrund von Befunden in der Lendenwirbelsäule und unter Arthrose in 

den Fingern, dem SC-Gelenk rechts und den Füssen. Die leicht- bis mittelgradige 

Depression stellt gemäss Gutachterin keine psychische Komorbidität von erheblicher 

Schwere im Sinne einer schweren psychischen Erkrankung dar (IV-act. 68-35). Im 

Rahmen der Gesamtbetrachtung ist sie dennoch, unabhängig vom Zusammenhang 

zum Schmerzsyndrom, zu berücksichtigen (BGE 141 V 301 E. 4.3.1.3, mit Hinweisen). 

Als weitere psychische Komorbidität fällt die Panikstörung (IV-act. 68-34) ins Gewicht. 

Zur Therapieresistenz und Behandlung verweist das psychiatrische Gutachten auf 

unbefriedigende Behandlungsergebnisse und eine gescheiterte Rehabilitation (IV-act. 

68-35). Die Beschwerdeführerin befinde sich in regelmässiger fachpsychiatrischer 

Behandlung und die medikamentöse Therapie sei aus aktueller Sicht suffizient (IV-act. 

68-38). Zur Persönlichkeit führte die psychiatrische Gutachterin aus, es gebe Hinweise 

auf passiv-aggressive Züge im Sinne von akzentuierten Persönlichkeitsanteilen. 

Differenzialdiagnostisch sei auch an eine andauernde Persönlichkeitsänderung bei 

chronischem Schmerz¬syndrom (ICD-10: F62.80) zu denken (IV-act. 68-34). Die 

Persönlichkeitsproblematik habe aus versicherungsmedizinischer Sicht keine 

Auswirkung auf die quantitative Arbeitsfähigkeit (IV-act. 68-35). Im Zusammenhang mit 

dem sozialen Kontext und den Einschränkungen und Ressourcen schilderte die 

Beschwerdeführerin, sie lebe zusammen mit ihrem Ehemann, zwei Söhnen und einer 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Tochter - alle erwachsen - in einer Fünfzimmerwohnung. Die meisten Hausarbeiten 

könne sie etappenweise und mit Hilfe der Familienmitglieder erledigen. Früher habe sie 

auch ausgedehntere Spaziergänge gemacht, aktuell habe sie zu nichts mehr Lust (IV-

act. 68-15, 28 f.). Sie hätten in L.___ ein Haus gebaut und würden dort ein- bis maximal 

zweimal im Jahr Ferien machen. Es gehe ihr dann jeweils etwas besser und sie habe 

dort auch mehr soziale Kontakte. (Ansonsten) habe sie nur noch mit einer älteren Frau 

aus M.___ ein- bis zweimal im Monat Kontakt. Öffentliche Verkehrsmittel könne sie 

ohne fremde Hilfe benutzen (IV-act. 68-28 f.). Die psychiatrische Gutachterin hielt einen 

ausgewiesenen sozialen Rückzug für gegeben (IV-act. 68-35). Als Einschränkungen 

nannte der orthopädische Gutachter einerseits eine Gewichtslimite von 10 kg und 

andererseits gewisse Einschränkungen bezüglich Feinmotorik und aufwendbarer Kraft 

(IV-act. 68-22). Die psychiatrische Gutachterin beschrieb Funktionsdefizite in Form 

einer Antriebsstörung, einer psychophysischen Belastbarkeitsminderung mit vorzeitiger 

Erschöpfung und Minderung der konzentrativen Ausdauerbelastbarkeit sowie eines 

erhöhten Pausenbedarfs (IV-act. 68-36). Ressourcenhemmend wirkt schliesslich der 

hohe Stellenwert, den die Beschwerdeführerin ihren Beschwerden beimisst (vgl. 

orthopädisches Teilgutachten, IV-act. 68-22).

3.3.2  Zum Aspekt der Konsistenz hielt der orthopädische Gutachter fest, die Angaben 

der Beschwerdeführerin zu den Schmerzen und zur Art und Häufigkeit der geklagten 

Schwindelereignisse seien trotz vorhandener Übersetzung und eigener 

Sprachkenntnisse vage (vgl. IV-act. 68-12 f., 17, 22). Es sei nicht von Diskrepanzen 

bzw. Inkonsistenzen im Verhalten der Beschwerdeführerin, jedoch von einer gewissen 

Verdeutlichungstendenz auszugehen (IV-act. 68-23). Die Beschwerdeführerin brach 

psychologische Testungen wegen Überanstrengung und Schmerzen der Finger beim 

Bedienen der Computertastatur ab bzw. führte sie nicht aus (IV-act. 68-31 f.; ein 

ähnliches Verhalten hatte sich auch bei der Begutachtung von Dr. D.___ gezeigt, vgl. 

Gutachten vom 14. März 2013 [IV-act. 39-11]). Bei der psychologischen Testung 

wurden eine abwehrende und gleichgültige Haltung der Beschwerdeführerin 

verzeichnet. Die Psychologinnen hielten fest, dies könne einerseits auf eine depressive 

Symptomatik zurückgeführt werden, andrerseits aber auch als Ausdruck von 

Simulations- oder Aggravationsbemühungen verstanden werden (IV-act. 68-31 f.). 

Auch die psychiatrische Gutachterin beschrieb Ratlosigkeit, Gleichgültigkeit, eine 

negativistische Willenseinstellung und ein abweisendes, verschlossenes und 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

zurückhaltendes Kontaktverhalten (IV-act. 68-30) und kam zum Schluss, es gebe 

klinisch und testpsychologisch Hinweise auf Diskrepanzen und Widersprüche im Sinne 

von Simulations- und Aggravationsbemühungen (IV-act. 68-35). Die Gutachter 

begründeten die Abweichung von der Einschätzung der behandelnden Psychiaterin 

unter anderem mit Tendenzen zu Simulation und Aggravation (IV-act. 68-36). Sie haben 

demnach diesen Punkt in ihre Beurteilung bereits einbezogen. Die Wahl des 

Symptomvalidierungstests ist im Übrigen den Sachverständigen überlassen. Die das 

medizinische Fachgebiet betreffende Kritik an der Wahl und Auswertung des Tests 

durch die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin vermag keine Zweifel an der 

Überzeugungskraft der entsprechenden Ausführungen der Gutachter zu wecken (vgl. 

Entscheid des Versicherungsgerichts vom 15. Februar 2017, IV 2016/92, E. 2.2).

3.4  Insgesamt ist der Arbeitsfähigkeitsschätzung des Gutachtens zu folgen. Auch nach 

der geänderten Schmerzrechtsprechung vermögen die organisch nicht objektivierbaren 

Schmerzen keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewirken. Weiter begründeten die 

Gutachter ihr Abweichen von der Beurteilung der behandelnden Ärzte mit dem 

Vorhandensein nicht gesundheitsbedingter subjektiver Beschwerden aufgrund 

psychosozialer Faktoren (psychiatrisches Teilgutachten, IV-act. 68-36). Der 

orthopädische Gutachter führte unter Bezugnahme auf den Arztbericht von Dr. C.___ 

vom 14. März 2014 (IV-act. 62-1 f.) aus, es dürfe angenommen werden, dass der 

behandelnde Arzt einerseits Lebensumstände einbezogen habe, die nicht direkt Teil 

der Gesundheitsschädigung seien, sondern diese förderten oder stützten, und dass er 

sich andererseits die Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung der Beschwerdeführerin zu eigen 

gemacht habe (IV-act. 68-23). Es erscheint nachvollziehbar, dass das Beschwerdebild 

auch durch psychosoziale Belastungsfaktoren beeinflusst wurde. Die 

Beschwerdeführerin nannte selbst die folgenschwere Attacke auf ihren Ehemann als 

Auslöser ihrer Beschwerden (IV-act. 68-13, 21, 39). Auch fällt auf, dass die 

Beschwerdeführerin Anfang August 2012 das Arbeitspensum auf 60 % steigern konnte 

und nach der Kündigung am 9. November 2012 wieder 100 % arbeitsunfähig wurde 

(Arztbericht Dr. C.___ vom 21. Januar 2013 [IV-act. 35-2], IV-act. 26-5). Insgesamt 

begründen die Gutachter somit nachvollziehbar, weshalb ihre Einschätzung der 

Arbeitsfähigkeit von derjenigen von Dr. B.___ und Dr. C.___ abweicht. Die 

psychiatrische Gutachterin attestierte infolge der leichten bis intermittierend maximal 

mittelgradigen depressiven Episode bei rezidivierender Störung und der Panikstörung 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 17/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

aktuell eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30 % (IV-act. 68-35). Gemäss dem 

orthopädischen Gutachter sei auch in einer gut angepassten Tätigkeit mit einem 

verlangsamten Arbeitstempo zu rechnen und es bestehe ein vermehrter Pausenbedarf 

(IV-act. 68-24). Im Konsens übernahmen die Gutachter die aus psychiatrischer Sicht 

attestierte Leistungseinschränkung von 30 % und führten dazu aus, aus Sicht beider 

Fachgebiete werde eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit im Sinne einer 

schnelleren Ermüdbarkeit, einer geringeren Belastbarkeit und eines verlangsamten 

Arbeitstempos bescheinigt. Unter diesen Umständen wirkten sich die aus beiden 

Fachgebieten bescheinigten Arbeitsfähigkeiten nicht additiv aus (IV-act. 68-42, 43). 

Daraus geht hervor, dass die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von 70 % sowohl die 

somatisch bedingte physische als auch die psychiatrisch bedingte Einschränkung der 

Belastbarkeit berücksichtigt. Dass sich die organisch objektivierten Schmerzen und die 

psychische Beeinträchtigung auf die Leistungsfähigkeit bzw. das Arbeitstempo und 

den Erholungsbedarf ähnlich auswirken und der zeitliche Bedarf von 30 % für die 

Erholung hinsichtlich beider Arten von Beschwerden genutzt werden kann und somit 

sich überlappende Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit verursachen, erscheint 

plausibel. Auch die geschätzte Höhe der Einschränkung von 30 % erscheint 

nachvollziehbar. Somit ist auf das Gutachten abzustellen und von einer Arbeitsfähigkeit 

in einer adaptierten Tätigkeit von 70 % auszugehen.

4. 

4.1  Das Gutachten geht sowohl für die angestammte als auch für eine adaptierte 

Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 70 % aus und begründet die Einschränkung 

interdisziplinär im Wesentlichen mit der erhöhten Erschöpfbarkeit, der verlangsamten 

Arbeitsweise und einem erhöhten Pausenbedarf (IV-act. 68-42 f.). Für die angestammte 

Tätigkeit lässt diese Gleichsetzung mit der Einschränkung in adaptierten Tätigkeiten 

jedoch ausser Acht, dass der Beschwerdeführerin aus orthopädischer Sicht 10 % der 

im angestammten Tätigkeitsprofil enthaltenen Tätigkeiten nicht mehr zumutbar sind, 

weil das Heben und Tragen von Lasten über 10 kg nicht mehr zumutbar ist und weil 

zudem aufgrund der Handarthrosen Einschränkungen der Feinmotorik und der 

anwendbaren Kraft bestehen (IV-act. 68-23 f.). Die bisherige Tätigkeit war damit 

aufgrund der orthopädischen Einschränkungen nicht adaptiert und die Einschränkung 

der Leistungsfähigkeit zufolge Verlangsamung und zusätzlichem Pausenbedarf in der 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 18/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

angestammten Tätigkeit auch nicht toleriert, da die Arbeitgeberin klar und ausdrücklich 

bis Januar 2013 das Wiedererlangen einer vollen Arbeits- und Leistungsfähigkeit 

verlangte und die andernfalls in Aussicht gestellte Kündigung auch aussprach 

(Protokoll Eingliederungsverantwortliche per 19. November 2012, IV-act. 26-4 f.). Für 

die Frage nach der Erfüllung des Wartejahres gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG ist daher 

von einer Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auszugehen, wie sie die 

behandelnden Ärzte attestiert hatten. Diese betrug ab 8. Januar 2012 100 % und ab 2. 

April 2012 50 % (Angaben Arbeitgeberin vom 18. Mai 2012, IV-act. 13-2; Taggeldkarte 

SWICA, IV-act. 17-5). Bis November 2012 konnte die Beschwerdeführerin die bisherige 

Tätigkeit allmählich ansteigend zu 60 % ausüben (Verlaufsbericht Dr. C.___ vom 21. 

Januar 2013 (IV-act. 35). Demnach dauerte das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b 

IVG vom 8. Januar 2012 bis 8. Januar 2013 und besteht ein allfälliger Rentenanspruch 

aufgrund der Anmeldung zum Leistungsbezug am 4. Juni 2012 (IV-act. 4) ab 1. Januar 

2013 (Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG). Das Jahr 2013 ist somit massgebend für den 

Einkommensvergleich (BGE 129 V 222).

4.2  Die Beschwerdeführerin verlor ihre bisherige Stelle als Reinigungskraft in einem 

Altersheim aus gesundheitlichen Gründen (vgl. E. 4.1). Das an dieser Arbeitsstelle 

erzielte Einkommen bildet daher Basis des Valideneinkommens. Die 

Beschwerdeführerin erzielte an diesem Arbeitsplatz ein Einkommen von Fr. 4'040.-- x 

13 = Fr. 52'879.--. Zusätzlich erhielt sie Zulagen für Samstag- und Sonntagsarbeit 

sowie Frühschicht (Angaben der Arbeitgeberin vom 18. Mai 2012, IV-act. 13-10, 12). 

Der AHV- relevante Bruttolohn betrug für das Jahr 2009 Fr. 53'803.-- (Auszug aus dem 

individuellen Konto [IK; IV-act. 9-4]), für das Jahr 2010 Fr. 53'652.-- (Angabe 

Arbeitgeberin [IV-act. 13-9]; Auszug aus dem individuellen Konto [IK; IV-act. 9-4]), für 

das Jahr 2011 Fr. 54'380.-- (Angabe Arbeitgeberin [IV-act. 13-10]; Bruttolohn abzüglich 

Ausbildungszulagen). Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung bis zum 

Jahr 2013 (Informationsstelle AHV/IV, Invalidenversicherung, Ausgabe 2015, Bern 

2015, Anhang 2) ergeben sich Beträge von Fr. 55'827.-- (Fr. 53'803.-- : 2552 x 2648), 

Fr. 55'087.-- (Fr. 53'652.-- : 2579 x 2648) und von Fr. 55'299.-- (Fr. 54'380.-- : 2604 x 

2648) und ein Durchschnitt von Fr. 55'404.--. Dem entspricht das Valideneinkommen.

4.3  Da die Beschwerdeführerin die bisherige Tätigkeit gesundheitsbedingt verloren 

hat, bildet der durchschnittliche Tabellenlohn gemäss Lohnstrukturerhebung (LSE)/

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 19/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Lohnentwicklung des Bundesamtes für Statistik (BFS), Kompetenzniveau 1, Frauen, für 

das Jahr 2013 von Fr. 51'793.-- (Informationsstelle AHV/IV, a.a.O.) Basis für die 

Bemessung des Invalideneinkommens. Entsprechend der 70 %igen Arbeitsfähigkeit 

ergibt dies ein Jahreseinkommen von Fr. 36'255.--.

4.4  Des Weiteren stellt sich beim Abstellen auf den genannten Tabellenlohn die Frage 

nach einem Tabellenlohnabzug. Bereits in der Beurteilung der medizinischen 

Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen dürfen dabei nicht ein 

zweites Mal berücksichtigt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 22. Januar 

2015, 9C_846/2014, E. 4.1.1). Die Beschwerdeführerin leidet an Einschränkungen 

somatischer und psychischer Natur. Die Auswirkungen des chronischen 

Lumbovertebralsyndroms, der Rhizarthrosen und Fingerarthrosen beidseits, der SC-

Gelenksarthrose rechts und des Spreizfusses mit MCP I-Arthrose beidseits (vgl. IV-act. 

68-20) sind in der Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachter lediglich insoweit 

berücksichtigt, als sie neben den psychischen Beschwerden zu einer reduzierten 

Leistungsfähigkeit bzw. einem langsameren Arbeitstempo und einem erhöhten 

Pausenbedarf führen. Nicht eingeflossen in die Arbeitsfähigkeitsschätzung sind 

hingegen die Einschränkungen bezüglich Gewichtslimite, Feinmotorik und Handkraft. 

Diesen ist durch einen Tabellenlohnabzug von jedenfalls 10 % Rechnung zu tragen. 

Das Invalideneinkommen beläuft sich somit auf Fr. 32'630.-- (0,9 x Fr. 36'255.--), 

woraus bei einem Valideneinkommen von Fr. 55'404.-- ein Invaliditätsgrad von 41,1 % 

resultiert.

5. 

5.1  Die Gutachter erklären ihre Einschätzung als spätestens ab dem Zeitpunkt der 

Untersuchung (19. September 2014) für massgebend (IV-act. 68-36, 37, 42). Begründet 

wird dies mit dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin zuvor nicht über die 

Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit informiert gewesen sei (IV-act. 

68-25, 43). Lediglich für den Zeitpunkt des Beginns der Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit wird auf die behandelnden Ärzte verwiesen (IV-act. 68-24) und im 

Übrigen werden die seit April 2012 attestierten Arbeitsunfähigkeiten zwischen 50 % 

und 100 % lediglich erwähnt (IV-act. 68-37), aber nicht kommentiert. Aus der 

Diskussion der Einschätzungen der vorbehandelnden Ärzte geht jedoch hervor, dass 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 20/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

die Gutachter diesen insbesondere deshalb nicht folgten, weil sie somatisch ungeklärte 

und durch psychosoziale Belastungsfaktoren beeinflusste Beschwerden nicht 

berücksichtigen. Damit bildet das Gutachten zwar Grundlage für den Nachweis einer 

auch retrospektiv mindestens 30 %igen Arbeitsunfähigkeit. Die Annahme einer vor dem 

Gutachten höheren Arbeitsunfähigkeit würde indes bedingen, dass vor der 

Begutachtung eine Verbesserung des Gesundheitszustandes eingetreten war. Der 

orthopädische Gutachter bemerkte hierzu, laut Angaben der Beschwerdeführerin habe 

sich die Problematik in den letzten Jahren eigentlich nicht relevant verändert, sicher 

nicht verbessert (IV-act. 68-13). Gemäss Bericht von Dr. C.___ vom 21. Januar 2013 

hatte sich der Gesundheitszustand seit dem 11. Juni 2012 verschlechtert (IV-act. 35-1). 

Die Psychiatrische Tagesklinik G.___ hielt im Bericht vom 13. Februar 2014 fest, die 

Beschwerdeführerin habe unzureichend profitieren können (IV-act. 56-5), womit davon 

auszugehen ist, dass die tagesklinische Behandlung keine Verbesserung bewirkte. Dr. 

B.___ bezeichnete am 11. April 2013 (IV-act. 38-1) und am 22. April 2014 (IV-act. 56-1) 

den Gesundheitszustand als stationär bis verschlechtert. Auch wenn der 

Beschwerdeführerin für den Zeitraum zwischen November 2012 und der Begutachtung 

höhere Arbeitsunfähigkeiten attestiert wurden (vgl. insbesondere Bericht Dr. C.___ vom 

21. Januar 2013, IV-act. 35; Gutachten von Dr. D.___ vom 14. März 2013, IV-act. 39-7 

ff.; Verlaufsbericht von Dr. B.___ vom 22. April 2014, IV-act. 56-1 f.), ist aufgrund der 

Ausführungen der Gutachter eine höhere Arbeitsfähigkeit bzw. eine Verbesserung des 

Gesundheitszustandes vor der Begutachtung nicht ausgewiesen. Hingegen war die 

Beschwerdeführerin während ihrer stationären Behandlung in der Klinik E.___ vom 8. 

Mai bis 4. Juni 2013 (Austrittsbericht vom 25. Juni 2013, IV-act. 45-2 ff.) und während 

der tagesklinischen Behandlung am Psychiatriezentrum G.___ vom 10. Oktober 2013 

bis 17. Januar 2014 (Arztbericht vom 2. April 2014, IV-act. 55; vgl. auch Bericht vom 

13. Februar 2014, IV-act. 56-5) aufgrund der Klinikaufenthalte zu 100 % arbeitsunfähig.

5.2  Gemäss Art. 88a Abs. 1 und 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; 

SR 831.201) sind Verbesserungen und Verschlechterungen der Erwerbsfähigkeit zu 

berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert 

haben. Unter Berücksichtigung dieser Bestimmungen hat die Beschwerdeführerin ab 1. 

Januar 2013 Anspruch auf eine Viertelsrente (E. 4.4, Invaliditätsgrad 41 %). Der 

Klinikaufenthalt in E.___ dauerte lediglich rund einen Monat und führt deshalb zu keiner 

Rentenanpassung. Hingegen besteht aufgrund der vollen Arbeitsunfähigkeit während 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 21/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

der tagesklinischen Behandlung vom 10. Oktober 2013 bis 17. Januar 2014 ein 

Anspruch auf eine ganze Rente vom 1. Februar 2014 bis 30. April 2014. Für die Zeit ab 

1. Mai 2014 hat die Beschwerdeführerin wiederum Anspruch auf eine Viertelsrente.

6. 

6.1  In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung vom 19. Januar 2015 

aufzuheben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Januar 2013 eine 

Viertelsrente, mit Wirkung vom 1. Februar 2014 bis 30. April 2014 eine ganze Rente 

und mit Wirkung ab 1. Mai 2014 wiederum eine Viertelsrente zuzusprechen. Zur 

Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistung ist die Sache an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

6.2  Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 

1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint 

als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der 

Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. Januar 2016, 

9C_288/2015, E. 4.2). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der 

Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.

6.3  Da die Beschwerdeführerin obsiegt, hat sie einen Anspruch auf eine 

Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei 

insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen 

ist. Vorliegend erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3‘500.-- (inklusive 

Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat der 

Beschwerdeführerin somit eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive 

Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 22/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 19. Januar 2015 

aufgehoben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Januar 2013 eine 

Viertelsrente, mit Wirkung vom 1. Februar 2014 bis 30. April 2014 eine ganze Rente 

und mit Wirkung ab 1. Mai 2014 wiederum eine Viertelsrente zugesprochen. Zur 

Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistung wird die Sache an die 

Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2. 

Die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- bezahlt die Beschwerdegegnerin. Der geleistete 

Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet.

3. 

Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von Fr. 

3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 27.11.2017
	Art. 7 ATSG, Art. 16 ATSG, Art. 28 IVG Beweiskraft eines bidisziplinären (orthopädisch/psychiatrischen) Gutachtens. Dieses ist auch nach der am 3 Juni 2015 geänderten Rechtsprechung des Bundesgerichts und rückwirkend massgebend. Gestützt auf das Gutachten ergibt sich aufgrund einer 30 %igen Arbeitsunfähigkeit ein Anspruch auf eine Viertelsrente. Während einer tagesklinischen Behandlung ist indes von einer 100 %igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen, weshalb befristet ein Anspruch auf eine ganze Rente besteht (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 27. November 2017, IV 2015/63).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T06:46:20+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen