# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 98cc819d-2991-5c38-a6e0-57a332bb8ff8
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-06-02
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Kammer für Kindes-und Erwachsenenschutz 02.06.2020 XBE.2020.21
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_002_XBE-2020-21_2020-06-02.pdf

## Full Text

478 Obergericht, Abteilung Zivilgericht 2020 

2.4. 
Wie in Erwägung 4. des angefochtenen Entscheids korrekt 

dargelegt wird, konnte im Verfahren betreffend die Genehmigung des 
Beistandschaftsberichts als Einzelrichterverfahren nicht über die 
Aufhebung oder Abänderung der Beistandschaft entschieden werden. 
Das Gleiche gilt spiegelbildlich für die unveränderte Weiterführung 
der Beistandschaft. Auch darüber konnte die Einzelrichterin im 
angefochtenen Entscheid nicht entscheiden. Dementsprechend ist 
Dispositiv-Ziffer 2. des angefochtenen Entscheids ersatzlos 
aufzuheben. 

2.5.  
Damit läuft die Beistandschaft vorläufig weiter, da sie auf 

unbefristete Zeit angeordnet worden ist und weder von Gesetzes 
wegen geendet hat, noch ein Aufhebungsentscheid des dafür 
zuständigen Kollegiums des Familiengerichts vorliegt. (…) 

 

56 Art. 307 Abs. 3 ZGB 

Zur Bestärkung der Eltern einen normalen Umgang miteinander zu 

finden und zu lernen, ihre Konflikte auf Erwachsenenebene zu lösen, ist 

die Anordnung einer Weisung, den Kurs "Kinder im Blick" zu besuchen, 

angezeigt und begegnet einer Kindsgefährdung in adäquater Weise, 

zumal diese Unterstützung die Möglichkeiten einer Beistandsperson 

übersteigen würde. 

Aus dem Entscheid des Obergerichts, Kammer für Kindes- und 

Erwachsenenschutz, vom 2. Juni 2020, i.S. F. (XBE.2020.21) 

Aus den Erwägungen  

4. 
4.1. 

2020 Familienrecht 479 

Schliesslich beanstandet die Beschwerdeführerin die Erteilung 
der Weisung gemäss Art. 307 Abs. 3 ZGB, den Kurs "Kinder im 
Blick" zu besuchen.  

4.2. 
Gemäss Art. 307 Abs. 3 ZGB kann die Kindesschutzbehörde 

insbesondere die Eltern, die Pflegeeltern oder das Kind ermahnen, 
ihnen bestimmte Weisungen für die Pflege, Erziehung oder Ausbil-
dung erteilen und eine geeignete Person oder Stelle bestimmen, der 
Einblick und Auskunft zu geben ist. Die Weisung kommt als 
niederschwellige Intervention vor allem in nicht besonders schwer-
wiegenden Fällen oder in Kombination mit anderen Massnahmen in 
Frage. Sie zeichnet sich aber im Vergleich zur Ermahnung durch eine 
verbindlichere Formulierung aus und wird entweder ausgesprochen, 
nachdem die Kindesschutzbehörde ohne Erfolg versucht hat, die 
Situation mit einer Ermahnung zu verbessern, oder wenn von 
vornherein klar ist, dass eine solche zur Behebung der Gefährdung 
nicht genügen wird. Mit einer Weisung verlangt die Kindes- und 
Erwachsenenschutzbehörde ein konkretes Tun, Unterlassen oder 
Dulden. Thematisch bestehen im Grundsatz keine Einschränkungen 
(vgl. KOKES-Praxisanleitung Kindesschutzrecht, Rz. 2.26 f.).  

4.3. 
Das Familiengericht begründet die erteilte Weisung damit, dass 

es den Eltern nicht gelingt, konstruktiv miteinander zu 
kommunizieren bzw. gemeinsam Lösungen für ihre Kinder zu 
erarbeiten und dieser Elternkonflikt auch die gemeinsamen Kinder 
belastet.  

4.4. 
Die Beschwerdeführerin weigert sich, den Kurs zu besuchen 

und wendet ein, sie habe bereits auf eigene Initiative verschiedene 
Beratungs- und Gesprächsangebote mit Fachpersonen in Anspruch 
genommen und für die Kinder ebenfalls eine geeignete 
Psychotherapie organisiert. Ein Kursbesuch wäre aufgrund ihres 
Widerstands kaum erfolgsversprechend oder zielführend. Der mit der 
Massnahme verbundene Eingriff in die persönliche Freiheit der 
Beschwerdeführerin erweise sich damit als unverhältnismässig und 
habe zu unterbleiben.  

480 Obergericht, Abteilung Zivilgericht 2020 

4.5. 
Wie bereits dargelegt wurde und aus den Akten deutlich 

hervorgeht, gestaltet sich die Beziehung der Eltern sehr schwierig. 
Sie haben unterschiedliche Auffassungen in Bezug auf die 
Kinderbelange, unterschiedliche Erwartungen an das Gegenüber 
sowie unterschiedliche Erziehungsstile. Aktenkundig sind zudem 
zahlreiche gegenseitige Anschuldigungen und Vorwürfe. Die beiden 
Kinder sind diesem Konflikt dauernd ausgesetzt.  

Die Eltern müssen daher – im Hinblick auf das Kindeswohl und 
im Interesse ihrer Kinder – darin bestärkt werden, einen normalen 
Umgang miteinander zu finden. Wichtig ist vor allem, dass die Eltern 
lernen, ihren Konflikt auf Erwachsenenebene zu lösen und ihre 
Kinder nicht miteinzubeziehen. Dieses Unterfangen übersteigt 
jedoch die Möglichkeiten einer Beistandsperson und bedarf einer 
professionellen Begleitung. Unter dem Titel 
“Hintergrundinformationen“ ist der Webseite 
«www.kinderimblick.ch» zu entnehmen, dass eine grosse Anzahl von 
Forschungsergebnissen darauf hinweisen, dass Elternkonflikte den 
grössten Risikofaktor im Trennungsprozess auf die Entwicklung der 
Kinder darstellen, d.h. besonders belastend wirken sich Konflikte 
dann auf die Kinder aus, wenn sie lange anhalten, intensiv sind, mit 
feindseligem Verhalten einhergehen, die Kinder involvieren und 
ohne Lösung enden. Durch die Teilnahme am Kurs zeigten sich 
insgesamt positive Effekte besonders signifikant in den Bereichen 
Wohlbefinden, Reduktion der Konfliktintensität, Konflikthäufigkeit 
und Erziehungsprobleme. Auf Kinderebene zeigten sich signifikant 
positive Veränderungen im Bereich Entwicklung. Hier profitierten 
die Kinder hinsichtlich ihrer Trennungsbewältigung einerseits durch 
die erhöhte Sensibilität der Eltern für die kindlichen Bedürfnisse aber 
auch durch das verbesserte Wohlbefinden der Eltern.  

Die vom Familiengericht X. erteilte Weisung an die Mutter, den 
Kurs "Kinder im Blick" zu besuchen, ist daher angezeigt, und 
begegnet der vorliegenden Gefährdungslage in adäquater Weise. 

 

http://www.kinderimblick.ch/

2020 Familienrecht 481 

57 Art. 325 Abs. 1 ZGB 

Es besteht keine Notwendigkeit, für die Sicherstellung der Finanzierung 

der Platzierung und der IV-Kinderrente, die Gewährleistung der Bezah-

lung der Krankenkassenprämien sowie die Befugnis der Beistandsperson 

Stipendien und Prämienverbilligung zu beantragen, eine 

Kindsvermögensverwaltungsbeistandschaft nach Art. 325 ZGB zu 

errichten. 

Aus dem Entscheid des Obergerichts, Kammer für Kindes- und 

Erwachsenenschutz, vom 30. November 2020, i.S. B. (XBE.2020.66) 

Aus den Erwägungen  

4. 
4.1. 
Schliesslich beantragen die Beschwerdeführer die Aufhebung 

der Beistandschaft gemäss Art. 325 Abs. 1 ZGB und eine Rück-
übertragung der Verwaltung des Kindsvermögens an die Eltern.  

4.2. 
Gemäss Art. 325 ZGB ist die Verwaltung des Kindesvermögens 

einem Beistand zu übertragen, wenn dieser Gefährdung nicht anders 
begegnet werden kann. Diese Massnahme beschränkt sich damit auf 
Fälle, in welchen mit milderen Massnahmen nicht Abhilfe geboten 
werden kann – namentlich nicht durch allgemeine Beratung oder 
durch Weisungen (vgl. BREITSCHMID, Basler Kommentar, 
Zivilgesetzbuch I, 6. Auflage 2018, N. 12 ff. zu Art. 324/325). In 
Betracht fallen insbesondere Gefahrensituationen infolge umfang-
reichem Kindesvermögen und Interessenkollisionen betreffend die 
sorgeberechtigten Eltern. 

4.3. 
Die Beiständin begründet den Antrag auf eine Kindsvermögens-

verwaltungsbeistandschaft mit der Sicherstellung der Finanzierung 
der Platzierung, mit der Gewährleistung der Bezahlung der Kranken-
kassenprämien sowie mit der Beantragung von Stipendien und Prä-
mienverbilligung.