# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6d48c231-033b-5607-a39b-8108234f61c4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-11-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.11.2023 D-6232/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6232-2023_2023-11-24.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-6232/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 4 .  N o v e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichterin Jeannine Scherrer-Bänziger, 

mit Zustimmung von Richterin Constance Leisinger;   

Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei,   

vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar,  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (beschleunigtes Verfahren); 

Verfügung des SEM vom 13. Oktober 2023 / N (…). 

 

 

 

D-6232/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer, ein unbegleiteter Minderjähriger, suchte am 

16. September 2023 in der Schweiz um Asyl nach. Am 4. Oktober 2023 

wurde er vom SEM zu seinen Asylgründen angehört.  

A.b Dabei brachte der Beschwerdeführer vor, er stamme aus B._______ 

(Provinz […]) wo er zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern gelebt 

und die Schule besucht habe. Er sei eigentlich gerne zur Schule gegangen, 

habe dort aber Probleme gehabt. Die Lehrer hätten Körperstrafen ange-

wendet, und er sei davon besonders betroffen gewesen, da ihn die Lehrer 

nicht gemocht hätten. Sodann habe er im Sommer (…) von einem Schul-

kameraden erfahren, dass sein Grossvater vor (…) Jahren erstochen wor-

den und ein gleichaltriger Mitschüler namens C._______. ein Verwandter 

des Mörders sei. In der Folge habe er sich mehrfach mit C._______ geprü-

gelt, weil dieser das Gegenteil behauptet habe. Ihre Eltern hätten vergeb-

lich versucht, den Streit zu schlichten, und er habe schliesslich die Schule 

gewechselt. C._______ habe ihn aber auch dort nicht in Ruhe gelassen, 

sondern ihn im Juli (…) in der neuen Schule aufgesucht, mit einem Messer 

verletzt und gedroht, ihn umzubringen. Die Polizei habe die Auseinander-

setzung beendet, ansonsten aber nichts unternommen. Daher habe er be-

schlossen, sein Heimatland zu verlassen. Als weiteren Ausreisegrund 

nannte der Beschwerdeführer das Erdbeben vom Februar 2023, welches 

bei ihm psychische Spuren hinterlassen habe. Er habe mehrere Verwandte 

sowie einen guten Freund verloren und ständig Angst vor weiteren Erdbe-

ben gehabt. Er sei deswegen zweimal bei einem Psychologen gewesen, 

was ihm aber nicht geholfen habe. Nach dem Erdbeben seien er und seine 

Familie für zwei Monate nach D._______ gezogen, wo er allerdings auf-

grund seiner Herkunft aus einem Kurdengebiet diskriminiert worden sei. 

Nach der Rückkehr nach B._______ habe er erkannt, dass er in der Türkei 

keine Zukunft habe. Aus diesen Gründen sei er mit Unterstützung seiner 

Eltern am (…) ausgereist.  

A.c  Der Beschwerdeführer reichte im Verlauf des vorinstanzlichen Verfah-

rens seine Identitätskarte sowie eine Kopie des Schweizer Aufenthaltstitels 

seiner Tante zu den Akten.  

A.d Mit Eingabe vom 11. Oktober 2023 nahm der Beschwerdeführer Stel-

lung zum Entscheidentwurf des SEM vom selben Datum. 

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Seite 3 

B.  

Mit Verfügung vom 13. Oktober 2023 – gleichentags eröffnet – verneinte 

das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte das 

Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete 

den Vollzug an.  

C.  

Die zugewiesene Rechtsvertretung teilte dem SEM gleichentags mit, das 

Mandatsverhältnis sei beendet.  

D.  

Der Beschwerdeführer focht diesen Entscheid mit Beschwerde vom 

13. November 2023 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragte, die 

angefochtene Verfügung sei aufzuheben, und es sei seine Flüchtlingsei-

genschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Eventuell sei er infolge 

Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit vorläufig aufzunehmen. In prozessu-

aler Hinsicht ersuchte er um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses.  

Der Beschwerde lagen die angefochtene Verfügung (inkl. Empfangsbestä-

tigung) sowie eine Vollmacht vom 10. November 2023 bei (beides in Ko-

pie). 

E.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 14. November 2023 den Ein-

gang der Beschwerde. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesver-

waltungsgericht gleichentags in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 

Abs. 1 AsylG). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet des Asyls 

in der Regel – so auch hier – endgültig über Beschwerden gegen Verfü-

gungen (Art. 5 VwVG) des SEM (Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m. Art. 31–

33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

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Seite 4 

1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-

rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-

reichte Beschwerde (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 der Ver-

ordnung über Massnahmen im Asylbereich im Zusammenhang mit dem 

Coronavirus [Covid-19-Verordnung Asyl, SR 142.318]; Art. 52 Abs. 1 

VwVG) ist einzutreten.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).  

3.  

3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-

cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-

weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie 

nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Ur-

teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

4.1 Das SEM führte zur Begründung seines Entscheids aus, es handle sich 

bei der Auseinandersetzung mit C._______ um einen privaten Streit. Es 

seien zudem noch nicht alle zur Verfügung stehenden Mittel eingesetzt 

worden, um diesen zu schlichten. Im Übrigen habe sich der Beschwerde-

führer zeitweilig in D._______ aufgehalten, wo ihm C._______ nichts habe 

antun können. Die geltend gemachte Gewaltanwendung durch Lehrperso-

nen sowie die angebliche Diskriminierung in D._______ aufgrund seiner 

Herkunft aus einem kurdischen Gebiet seien sodann nicht intensiv genug, 

um flüchtlingsrechtlich relevant zu sein. Soweit der Beschwerdeführer vor-

bringe, er sehe für sich in Bezug auf Ausbildung und Beruf keine Zukunft 

in der Türkei, sei dies ebenfalls nicht asylrelevant. Demnach sei die Flücht-

lingseigenschaft zu verneinen und das Asylgesuch abzulehnen. Den Voll-

zug der Wegweisung erachtete das SEM als durchführbar. Insbesondere 

stehe das Kindeswohl der Bejahung der Zumutbarkeit des Wegweisungs-

vollzugs nicht entgegen; denn aus den Aussagen des Beschwerdeführers 

sei zu schliessen, dass ihn seine Eltern bei seiner Rückkehr wieder bei sich 

aufnehmen und sich um ihn kümmern würden. Dem Kindeswohl werde zu-

dem mittels im Ausreisezeitpunkt anzuordnender Empfangs- und 

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Begleitmassnahmen Rechnung getragen. Hinsichtlich der geltend ge-

machten psychischen Probleme sei auf die in der Türkei vorhandenen, 

adäquaten Behandlungsmöglichkeiten zu verweisen. Der Vollzug der Weg-

weisung in die vom Erdbeben betroffenen Gebiete sei ferner nicht mehr 

generell unzumutbar. Das Wohnhaus des Beschwerdeführers scheine 

nicht zerstört worden zu sein, und ihm und seiner Familie sei nichts ge-

schehen. Nach ihrem Aufenthalt in D._______ seien sie jedenfalls wieder 

nach Hause zurückgekehrt. Daher sei im vorliegenden Fall nicht von einer 

erdbebenbedingten existenziellen Notlage auszugehen.  

4.2 In der Beschwerde wird entgegnet, der Beschwerdeführer erfülle sehr 

wohl die Flüchtlingseigenschaft. Er sei viermal durch einen Schulkamera-

den angegriffen und mit dem Tod bedroht worden. Dieser habe ihn nicht in 

Ruhe gelassen. Aus Angst, beim nächsten Angriff schwer verletzt oder ge-

tötet zu werden, habe er sich zur Flucht entschieden. Es handle sich um 

eine nichtstaatliche Verfolgung, welche gemäss Schutztheorie asylrelevant 

sei. Zudem habe er im Zusammenhang mit dem Erdbeben Angst und Zer-

störung erlebt. Ausserdem sei er noch ein Kind, weshalb gemäss Art. 3 

Abs. 1 des Übereinkommens über die Rechte der Kinder (KRK SR 0.107) 

das Kindeswohl zu beachten sei. Das SEM habe nicht in diesem Sinn ent-

schieden. Insbesondere habe es nicht berücksichtigt, dass der Beschwer-

deführer bei einer Rückkehr in die Türkei Gefahr laufe, von seinem Schul-

kameraden verletzt oder getötet zu werden, zumal die Polizei ihn nicht im-

merzu beschützen könnte. Es sei daher Asyl oder zumindest die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren.  

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politi-

schen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder 

begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).  

6.  

Wie das SEM zu Recht festgestellt hat, können die vom Beschwerdeführer 

erlebten Vorfälle allesamt nicht als flüchtlingsrechtlich relevante Verfol-

gungshandlungen qualifiziert werden. Bei der angeblichen Diskriminierung 

in D._______ aufgrund der Herkunft aus einem Kurdengebiet handelt es 

sich offensichtlich nicht um derart intensive Massnahmen, als dass sie un-

ter den Begriff des «ernsthaften Nachteils» im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG 

subsumiert werden könnten. Auch die seitens von Lehrpersonen erlittenen 

Züchtigungen und Schikanen weisen klarerweise nicht die für eine Beja-

hung der Flüchtlingseigenschaft geforderte Intensität auf. Zudem ist auf-

grund der Aktenlage nicht davon auszugehen, dass den Handlungen der 

Lehrpersonen ein asylbeachtliches Motiv im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG 

zugrunde lag. Ein solches ist auch in Bezug auf die Angriffe und Drohungen 

von C._______ nicht zu erkennen; vielmehr handelt es sich dabei um mut-

masslich strafrechtlich relevante Handlungen ohne asylbeachtlichen Hin-

tergrund, gegen die sich der Beschwerdeführer bei Bedarf mit einer Straf-

anzeige zur Wehr setzen kann. Die Auswirkungen des Erdbebens vom 

Februar 2023 auf die Psyche des Beschwerdeführers sowie das von ihm 

geäusserte Gefühl, in der Türkei keine Zukunftsperspektive zu haben, sind 

schliesslich ebenfalls nicht geeignet, die Flüchtlingseigenschaft gemäss 

Art. 3 AsylG zu begründen.  

7.  

Nach dem Gesagten bestehen keine konkreten Hinweise dafür, dass der 

Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise aus der Türkei einer asyl-

beachtlichen Verfolgung oder entsprechenden Verfolgungsgefahr ausge-

setzt war oder im Falle seiner Rückkehr ernsthafte Nachteile im Sinne von 

Art. 3 AsylG zu gewärtigen hätte. Die Vorinstanz hat demnach zu Recht die 

Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

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lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 

(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).  

In Bezug auf die Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge-

mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be-

weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu 

beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

9.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 

Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen 

Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-

lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-

mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-

handlung unterworfen werden. 

9.2.2 Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine flüchtlings-

rechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, 

findet der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im 

vorliegenden Verfahren keine Anwendung. Eine Rückkehr in den Heimat-

staat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 

noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-

schaffung in die Türkei dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit – im Sinne 

eines «real risk» (vgl. dazu das Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 

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28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.) – einer 

nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-

gesetzt wäre. Auch wenn sich die allgemeine Menschenrechtssituation in 

der Türkei in den letzten Jahren (namentlich seit dem Putschversuch im 

Jahr 2016) verschlechtert hat, lässt sie den Wegweisungsvollzug im heuti-

gen Zeitpunkt ebenfalls nicht als unzulässig erscheinen. Bezüglich der An-

griffe und Drohungen seitens C._______ ist auch unter dem Aspekt von 

Art. 3 EMRK kein «real risk» zu bejahen. Vielmehr ist der Beschwerdefüh-

rer gehalten, sich an die schutzfähigen und schutzwilligen Strafverfol-

gungsbehörden zu wenden, sofern er sich weiterhin von C._______ be-

droht fühlt.  

9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren.  

9.3.1 In der Türkei herrscht weder Krieg oder Bürgerkrieg noch eine lan-

desweite Situation allgemeiner Gewalt, aufgrund welcher eine Rückkehr 

generell unzumutbar wäre. An dieser Einschätzung vermag weder das 

Wiederaufflammen des türkisch-kurdischen Konflikts seit Juli 2015 noch 

die sicherheitspolitische Entwicklung nach dem Putschversuch im Juli 

2016 etwas zu ändern (vgl. statt vieler die Urteile des BVGer D-1920/2023 

vom 14. Juni 2023 E. 9.4.1 sowie E-2377/2023 vom 2. Juni 2023 E. 9.4.2, 

je m. H.). Lediglich in Bezug auf die Provinzen Hakkari und Sirnak erachtet 

das Bundesverwaltungsgericht den Wegweisungsvollzug aufgrund einer 

anhaltenden Situation allgemeiner Gewalt als unzumutbar (vgl. 

BVGE 2013/2 E.9.6; Referenzurteil des BVGer E-1948/2018 vom 12. Juni 

2018 E. 7.3.1). Der Beschwerdeführer stammt indessen nicht aus einer 

dieser zwei Provinzen. Seine Herkunftsprovinz ist (…). 

9.3.2 In individueller Hinsicht ist zunächst festzustellen, dass der Be-

schwerdeführer an keinen aktenkundigen, relevanten gesundheitlichen 

Problemen leidet. Er gab zwar zu Protokoll, er habe nach dem Erdbeben 

vom Februar 2023 unter Ängsten gelitten und deswegen zweimal einen 

Psychologen aufgesucht. In der Schweiz nahm er indes keine medizinische 

Hilfe in Anspruch und bezeichnete seinen aktuellen Gesundheitszustand 

mehrfach als gut; er erklärte ausdrücklich, er habe jetzt keine psychischen 

Beschwerden mehr (vgl. A13 F7 f. und F189). Demnach können im 

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Seite 9 

heutigen Zeitpunkt keine medizinisch bedingten Vollzugshindernisse fest-

gestellt werden. Im Übrigen sind die vom Beschwerdeführer erwähnten 

Angststörungen ohne weiteres auch in der Türkei adäquat behandelbar. Im 

Weiteren verfügt der Beschwerdeführer am Herkunftsort über ein tragfähi-

ges familiäres Beziehungsnetz. Er kann zu seinen Eltern und Geschwistern 

in die Familienwohnung zurückkehren, und es ist ohne weiteres davon aus-

zugehen, dass seine Eltern, welche den Akten zufolge in wirtschaftlich gu-

ten Verhältnissen leben (vgl. A13 F31 ff.), für ihn sorgen werden.  

9.3.3 Unter dem Gesichtspunkt des Kindeswohls im Sinne von Art. 3 Abs. 1 

des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kin-

des (KRK, SR 0.107) sind im Rahmen der Prüfung der Zumutbarkeit des 

Vollzugs sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die im Hin-

blick auf eine Wegweisung wesentlich erscheinen. Dabei können nament-

lich folgende Kriterien im Rahmen einer gesamtheitlichen Beurteilung von 

Bedeutung sein: Alter und Reife des Kindes, Abhängigkeiten, Art (Nähe, 

Intensität, Tragfähigkeit) seiner Beziehungen, Eigenschaften seiner Be-

zugspersonen (insbesondere Unterstützungsbereitschaft und -fähigkeit), 

Stand und Prognose bezüglich Entwicklung/Ausbildung, sowie der Grad 

der erfolgten Integration bei einem längeren Aufenthalt in der Schweiz (vgl. 

dazu BVGE 2009/51 E. 5.6; 2009/28 E. 9.3.2). Bei unbegleiteten minder-

jährigen Asylsuchenden ist das SEM zudem verpflichtet abzuklären, ob sie 

zu ihren Eltern oder anderen Angehörigen zurückgeführt werden können 

und ob diese in der Lage sind, ihre Bedürfnisse abzudecken (vgl. 

BVGE 2021 VI/3 E. 11.5.2, m.w.H.); die Vorinstanz stützt sich beim Ent-

scheid, ob weitere vorgängige Abklärungen im Heimatstaat notwendig 

sind, auf die Aktenlage (vgl. auch Urteile des Bundesverwaltungsgerichts 

D-5411/2019 vom 20. September 2021 E. 11.5.2 m.w.H., E-5868/2017 vom 

5. Februar 2018 E. 10.3). 

Der Beschwerdeführer ist (…) Jahre alt und ohne seine Eltern in die 

Schweiz gereist. Aus seinen Angaben anlässlich der Anhörung geht hervor, 

dass seine – nach wie vor am Herkunftsort lebenden – Eltern seine pri-

mären Bezugspersonen sind, er mit diesen nach wie vor in engem Aus-

tausch steht, ohne weiteres zu ihnen zurückkehren kann und sie auch in 

Zukunft seinen Bedürfnissen entsprechend für ihn sorgen werden. Ange-

sichts der bloss sehr kurzen Aufenthaltsdauer in der Schweiz besteht keine 

Gefahr einer Entwurzelung im Falle des Vollzugs der Wegweisung. Im Wei-

teren stehen dem Beschwerdeführer auch bei einer Rückkehr in die Türkei 

angemessene Entwicklungs- und Bildungsmöglichkeiten offen. Es ist da-

von auszugehen, dass ihn seine Eltern bei seiner weiteren Ausbildung 

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Seite 10 

unterstützen werden und dass sie über die dafür notwendigen finanziellen 

Mittel verfügen (vgl. A13 F31 ff., F197). Es ist sodann Sache der zuständi-

gen kantonalen Behörde, vor der Ausschaffung des Beschwerdeführers si-

cherzustellen, dass dieser im Rückkehrstaat einem Familienmitglied oder 

einer anderweitigen geeigneten Person oder Einrichtung übergeben wer-

den kann (vgl. Art. 69 Abs. 4 AIG). Nach dem Gesagten spricht das Kin-

deswohl somit ebenfalls nicht gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungs-

vollzugs. 

9.3.4 Die Herkunftsregion des Beschwerdeführers (Provinz […]) wurde 

vom Erdbeben vom Februar 2023 stark getroffen. Die Familie des Be-

schwerdeführers kam seinen Aussagen zufolge allerdings glimpflich da-

von, insbesondere wurde ihre Wohnung offenbar nicht in relevanter Weise 

beschädigt; jedenfalls leben seine Eltern und Geschwister seit der Rück-

kehr aus D._______ wieder in derselben Wohnung wie vor dem Erdbeben 

(vgl. A13 F77 sowie F89 f.). Aus den Aussagen des Beschwerdeführers ist 

ferner zu schliessen, dass seine Familienangehörigen alle wohlauf sind, 

mehrere Immobilien besitzen und keine finanziellen Sorgen haben (vgl. 

A13 F31 ff.). Demnach weist nichts darauf hin, dass der Beschwerdeführer 

aufgrund der Folgen des Erdbebens vom Februar 2023 bei einer Rückkehr 

in eine existenzielle Notlage geraten würde. 

9.3.5 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich nach dem Gesagten auch 

als zumutbar. 

9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch 

BVGE 2008/34 E. 12 S. 513–515), weshalb der Vollzug der Wegweisung 

auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

9.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Wegwei-

sungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat. 

Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt damit ausser Betracht 

(Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist 

(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 

  

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Seite 11 

11.  

11.1 Das Beschwerdeverfahren ist mit dem vorliegenden Urteil abge-

schlossen. Der Antrag, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

zu verzichten, ist damit gegenstandslos geworden. 

11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dessen Kosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Jeannine Scherrer-Bänziger Anna Dürmüller Leibundgut 

 

 

Versand: