# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 60d8e815-2ac6-5d16-9b93-20b5971eac3d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-11-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.11.2011 D-1954/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1954-2011_2011-11-01.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­1954/2011

U r t e i l   v om   1 .   No v embe r   2 0 1 1

Besetzung Robert Galliker (Vorsitz),
Richterin Nina Spälti Giannakitsas, 
Richter Daniele Cattaneo;
Gerichtsschreiber Matthias Jaggi.

Parteien A._______, geboren (…), 
und dessen Ehefrau 
B._______, geboren (…), 
China (Volksrepublik), 
(…),
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 1. März 2011 / N (…).

D­1954/2011

Seite 2

Sachverhalt:

A. 
A.a Der Beschwerdeführer reichte am 9. Februar 2009 im Empfangs­ und 
Verfahrenszentrum  (EVZ) C._______ ein Asylgesuch ein, wo er  am 12. 
Februar  2009  befragt  wurde.  Die  Beschwerdeführerin  reichte  am  16. 
März  2009  am  selben Ort  ein  Asylgesuch  ein,  wo man  sie  am  3.  April 
2009  befragte.  Am  9.  Juli  2009  wurden  die  Beschwerdeführenden  in 
D._______ zu ihren Asylgründen angehört. 

A.b  Anlässlich  der  Befragung  und  der  Anhörung  machte  der 
Beschwerdeführer  im Wesentlichen geltend, er stamme aus der Provinz 
E._______  (Innere  Mongolei,  China)  und  sei  burajatischer  Ethnie.  Seit 
dem Jahre 2005 sei er Mitglied der Gruppe "F._______", die von seinem 
Bruder im gleichen Jahr gegründet worden sei. Die Gruppe gehöre zu der 
in der Inneren Mongolei existierenden Volkspartei, die zum Ziel habe, die 
Inneren  Mongolen,  die  Tibeter  und  die  Uiguren  von  den  Chinesen  zu 
befreien.  Er  sei  in  der  Gruppe  "F._______"  als  Geheimkurier  tätig 
gewesen  und  habe  ausserdem  Propaganda  bei  den  Nomaden  der 
Inneren Mongolei gemacht. Am 15. März 2008 sei er in seiner Wohnung 
von der Polizei verhaftet und in einem Gefängnis inhaftiert worden, da sie 
von der Existenz der Gruppe erfahren habe. Dort  sei  er  oft  verhört  und 
misshandelt  worden,  da  man  von  ihm  die  Namen  der  übrigen 
Gruppenmitglieder habe erfahren wollen. Man habe ihm vorgeworfen, ein 
Staatsfeind zu sein. Am 17. Juli beziehungsweise August 2008 hätten ihn 
Mitglieder der Volkspartei aus dem Gefängnis befreien können, nachdem 
sie  die  Gefängnisbehörden  beziehungsweise  hochrangige  Beamte 
bestochen  hätten.  In  der  Folge  habe  er  sich  bei  einer  Nomadenfamilie 
versteckt.  Nach  seiner  Flucht  habe  die  Polizei  mittels  eines 
Fahndungsblattes  nach  ihm  gesucht.  Mit  der  Unterstützung  seines 
Bruders und eines anderen Mitgliedes der Volkspartei habe er im Januar 
2009  unter  Verwendung  eines  gefälschten  mongolischen  Passes 
zusammen  mit  seiner  Frau  in  die  Mongolei  flüchten  können.  Während 
seine  Frau  in  Ulaanbaatar  habe  zurückbleiben  müssen,  da  ihre 
Dokumente  noch  nicht  fertig  gewesen  seien,  sei  er  per  Auto 
beziehungsweise  LKW via Moskau  unter Umgehung  der Grenzkontrolle 
in  die  Schweiz  gelangt.  Für  die  übrigen  Aussagen  wird  auf  die  Akten 
verwiesen.

A.c  Anlässlich  der  Befragung  und  der  Anhörung  machte  die 
Beschwerdeführerin  im  Wesentlichen  geltend,  sie  stamme  aus  der 

D­1954/2011

Seite 3

Provinz  E._______  (Innere Mongolei)  und  sei  seit  dem  Jahre  1992 mit 
dem  Beschwerdeführer  verheiratet.  Sie  sei  wegen  der  Probleme  ihres 
Mannes  geflüchtet  und  habe  selber  keine  eigenen  Asylgründe.  Mitte 
August  2008  habe  sie  von  der  Flucht  ihres  Ehemannes  aus  dem 
Gefängnis erfahren. Anfang September 2008 sei die Polizei zweimal bei 
ihr  zu  Hause  vorbeigekommen  und  habe  sich  in  ihrer  Wohnung 
umgeschaut respektive sie gefragt, welche Personen sie besucht hätten. 
Nachdem  sie  das  ihr  und  ihrem Mann  gehörende Vieh  verkauft  gehabt 
habe, sei sie im Januar 2009 zusammen mit ihrem Mann mit gefälschten 
Papieren  nach  Ulaanbaatar  gereist,  wo  sie  bis  am  10.  März  2009 
geblieben sei, während ihr Mann schon früher in die Schweiz gereist sei. 
In der Folge sei sie per Zug und Auto via Moskau unter Umgehung der 
Grenzkontrolle in die Schweiz gelangt. Für die übrigen Aussagen wird auf 
die Akten verwiesen.

B. 
Eine  vom BFM  (Fachstelle  "Lingua")  beauftragte  Expertenperson  führte 
am 27. Februar sowie 14. April 2009 in Form von Telefongesprächen mit 
den  Beschwerdeführenden  eine  landeskundlich­kulturelle  und 
linguistische Analyse zur Verifizierung ihres Sozialisierungsortes ("area of 
sociali­sation") durch. In den Berichten vom 6. und 27. Mai 2009 hielt der 
Experte  im  Ergebnis  fest,  dass  die  von  den  Beschwerdeführenden 
geltend  gemachte  Herkunft  und  ethnische  Zugehörigkeit  zu  bestätigen 
seien.

C. 
Das BFM stellte mit Verfügung vom 1. März 2011 – eröffnet am 4. März 
2011 – fest, die Beschwerdeführenden würden die Flüchtlingseigenschaft 
nicht  erfüllen,  lehnte  die  Asylgesuche  ab  und  ordnete  die Wegweisung 
aus der Schweiz sowie den Vollzug an.

Es  begründete  seinen  ablehnenden  Entscheid  im  Wesentlichen  damit, 
der  Beschwerdeführer  bringe  vor,  er  sei  innerhalb  einer  politischen 
Bewegung gegen das chinesische Regime tätig gewesen und deswegen 
verfolgt  worden.  Obwohl  er  im  Verlaufe  der  Anhörung  mehrfach 
aufgefordert  worden  sei,  seine  geltend  gemachte  Propagandatätigkeit 
konkret  zu  schildern,  sei  es  ihm  nicht  gelungen,  über  allgemeine 
Aussagen  zur  Situation  der  Mongolen  in  der  Inneren  Mongolei  und 
generelle  Vorgehensweisen  von  geheimen  Organisationen  hinaus 
konkrete  und  in  diesem  Zusammenhang  persönlich  erlebte  Ereignisse 
differenziert  darzustellen.  Der  Beschwerdeführer  habe  sich  zu  seiner 

D­1954/2011

Seite 4

politischen Tätigkeit zudem widersprüchlich geäussert. So habe er in der 
Befragung erklärt, seine Bewegung habe für Januar 2008 einen Aufstand 
geplant.  Die  Polizei  habe  aber  davon  erfahren,  weswegen  die  Aktion 
dann  nicht  stattgefunden  habe.  In  der  Anhörung  habe  er  aber  geltend 
gemacht, man habe zwar einen Aufstand geplant, aber wann dieser hätte 
stattfinden sollen, sei nicht  festgelegt worden. Was den Zusammenhang 
der Bewegung  "F._______" mit  der Volkspartei  anbelange,  so habe der 
Beschwerdeführer  in  der  Befragung  lediglich  erwähnt,  Anhänger  der 
Volkspartei, die seine Bewegung unterstützt hätten, hätten ihm zur Flucht 
verholfen.  In  der  Anhörung  hingegen  habe  er  die  Volkspartei  als  die 
Mutterpartei  dargestellt,  die  der  Zweigstelle  "F._______"  Anweisungen 
und Aufträge erteilt habe. Als  tatsächlich seit mehreren Jahren für diese 
Bewegung  in  wichtiger  Funktion  tätige  Person  hätte  der 
Beschwerdeführer  aber  bereits  in  der  Befragung  seine  Bewegung  als 
Untergruppe  der  Volkspartei  dargestellt  und  jene  als  massgebende 
Gruppe  bezeichnet.  Demnach  sei  die  genannte  politische  Aktivität  des 
Beschwerdeführers  und  die  damit  verbundene,  geltend  gemachte 
Gefährdung  sehr  zu  bezweifeln.  Überdies  habe  sich  der 
Beschwerdeführer auch zu seiner Flucht  realitätsfremd und unrealistisch 
geäussert. Er habe geltend gemacht, Anhänger der Volkspartei hätten die 
Gefängnisverwaltung und hochrangige Beamte bestochen und  ihn unter 
dem  Vorwand,  er  werde  verlegt,  aus  dem  Gefängnis  gebracht.  Leute 
seiner  Partei  seien  dabei  als  Polizisten,  Befrager  und  Dolmetscher 
aufgetreten.  Angesichts  der  bekanntlich  strengen 
Sicherheitsvorkehrungen  in  chinesischen  Gefängnissen  und  auch  der 
behördlichen Einstufung des Beschwerdeführers als Staatsfeind, sei eine 
derartige  Vorgehensweise  realitätsfremd.  Die  Erklärung  des 
Beschwerdeführers, die Gefängnisbehörden seien auch Innere Mongolen 
und hätten vielleicht deswegen seinen Kollegen geholfen, vermöge nicht 
zu  überzeugen.  Denn  sowohl  die  Parteianhänger  als  auch  die 
bestochenen Beamten wären  ein  überaus  grosses Risiko  eingegangen, 
als Staatsfeinde und als Verräter entlarvt zu werden. Schliesslich bringe 
der  Beschwerdeführer  vor,  man  habe  ihn  nach  seiner  Flucht  zur 
Fahndung  ausgeschrieben  und  ein  Fahndungsblatt  mit  seinem  Bild 
verteilt.  Zum  einen  sei  es  nicht  nachvollziehbar,  dass  der 
Beschwerdeführer ein Vorbringen dieser Tragweite erst  in der Anhörung 
und nicht bereits im Rahmen der Befragung erwähnt habe. Zum anderen 
mache  der  Beschwerdeführer  geltend,  er  und  seine  Frau  seien  über 
einen  offiziellen  Grenzübergang  aus  China  ausgereist.  Angesichts  des 
grossen Risikos,  von  den Grenzbeamten  aufgrund  des  Fahndungsfotos 
erkannt  zu  werden,  sei  die  dargelegte  Vorgehensweise  nicht  plausibel 

D­1954/2011

Seite 5

und  widerspreche  dem  Verhalten  einer  tatsächlich  verfolgten  Person. 
Demnach  könnten  die  dargelegte  politische  Tätigkeit  sowie  die  damit 
verbundene behördliche Verfolgung nicht geglaubt werden. 

Die  Beschwerdeführerin  mache  geltend,  sie  sei  wegen  der  Probleme 
ihres  Mannes  aus  ihrer  Heimat  ausgereist  und  deswegen  bei  einer 
Rückkehr ebenfalls gefährdet. Da die geltend gemachte Verfolgung des 
Mannes  nicht  glaubhaft  sei,  könnten  auch  die  Vorbringen  der 
Beschwerdeführerin  nicht  geglaubt  werden.  Diese  Einschätzung  werde 
durch  eine widersprüchliche Aussage  der  Beschwerdeführerin  bestätigt. 
Sie habe nämlich in der Befragung vorgebracht, die Polizei habe nach der 
Flucht  ihres Mannes  aus  dem Gefängnis  im  September  2008  ihr  Haus 
aufgesucht.  Die  Polizisten  hätten  dabei  eine  Hausdurchsuchung 
durchgeführt.  In  der  Anhörung  habe  sie  jedoch  erklärt,  die  Polizisten 
seien nur kurz  in die Wohnung gekommen und hätten sie darauf wieder 
verlassen.  Die  von  der  Beschwerdeführerin  vorgebrachte  Verfolgung 
ihres  Mannes  und  die  dabei  verbundenen  möglichen  zukünftigen 
Benachteiligungen  ihrerseits seien daher nicht glaubhaft. Die Vorbringen 
der  Beschwerdeführenden  hielten  daher  den  Anforderungen  an  die 
Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998 
(AsylG, SR 142.31) nicht  stand,  so dass  ihre Asylrelevanz nicht  geprüft 
werden müsse. Überdies  sei  der  Vollzug  der Wegweisung  als  zulässig, 
zumutbar und möglich zu bezeichnen. Für die weitere Begründung wird 
auf die vorinstanzliche Verfügung verwiesen. 

D. 
Am  22.  März  2011  wurde  eine  Fürsorgebestätigung  betreffend  die 
Beschwerdeführenden zu den Akten gereicht. 

E. 
Mit  Beschwerde  vom  31.  März  2011  (Poststempel)  an  das 
Bundesverwaltungsgericht beantragten die Beschwerdeführenden, es sei 
die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben,  die  Flüchtlingseigenschaft 
anzuerkennen und Asyl zu gewähren. Zudem sei  festzustellen, dass der 
Vollzug  der Wegweisung  unzulässig,  unzumutbar  und  unmöglich  sowie 
die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen  sei.  In  verfahrensrechtlicher 
Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, 
um Beiordnung einer amtlichen Rechtsvertretung sowie um Verzicht auf 
die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Eventualiter  sei  die 
aufschiebende Wirkung wiederherzustellen  und  die  zuständige Behörde 
vorsorglich  anzuweisen,  die  Kontaktaufnahme  mit  den  Behörden  des 

D­1954/2011

Seite 6

Heimat­  oder  Herkunftsstaates  sowie  jegliche  Datenweitergabe  an 
dieselben  zu  unterlassen.  Eventuell  seien  sie  bei  bereits  erfolgter 
Datenweitergabe  darüber  in  einer  separaten  Verfügung  zu  informieren. 
Auf  die  Begründung  der  Beschwerde  wird,  soweit  für  den  Entscheid 
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Mit  der  Rechtsmittelschrift  wurde  die  bereits  eingereichte 
Fürsorgebestätigung  vom  22.  März  2011  (in  Kopie)  zu  den  Akten 
gereicht. 

F. 
Mit  Zwischenverfügung  des  Instruktionsrichters  des 
Bundesverwaltungsgerichts  vom  5.  April  2011  wurde  den 
Beschwerdeführenden mitgeteilt,  dass  sie  den Ausgang des Verfahrens 
in der Schweiz abwarten könnten. Gleichzeitig wies der Instruktionsrichter 
die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne 
von Art. 65 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  sowie  um  Erlass 
des Kostenvorschusses ab und verfügte, dass die Beschwerdeführenden 
einen Kostenvorschuss von Fr. 600.– bis zum 20. April 2011 zu bezahlen 
haben.  Der  Kostenvorschuss  ging  am  18.  April  2011  bei  der 
Gerichtskasse ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art.  33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [BGG,  SR 
173.110]).

D­1954/2011

Seite 7

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 
AsylG,  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  52  VwVG).  Die 
Beschwerdeführenden sind durch die angefochtene Verfügung besonders 
berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung;  sie  sind  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde  legitimiert  (Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  48 
Abs.  1  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist  somit  –  unter  Vorbehalt  der 
nachfolgenden Erwägungen – einzutreten.

1.4.  Der  Beschwerde  kommt  die  aufschiebende  Wirkung  zu  (Art.  55 
Abs. 1  VwVG)  und  die  Vorinstanz  hat  in  der  angefochtenen  Verfügung 
einer  allfälligen  Beschwerde  die  aufschiebende Wirkung  nicht  entzogen 
(Art.  55  Abs.  2  VwVG).  Daher  ist  auf  das  Eventualbegehren,  die 
aufschiebende  Wirkung  sei  wiederherzustellen,  mangels 
Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten (vgl. auch Art. 42 AsylG).

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Die  Abteilungen  des  Bundesverwaltungsgerichts  entscheiden  in  der 
Regel  in  der  Besetzung  mit  drei  Richtern  oder  Richterinnen 
(Spruchkörper;  vgl. Art.  21 Abs.  1 VGG). Gestützt  auf Art.  111a Abs.  1 
AsylG kann das Bundesverwaltungsgericht auch in solchen Fällen auf die 
Durchführung eines Schriftenwechsels verzichten.

4. 
4.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person 
anerkannt, wenn  sie  in  ihrem Heimatstaat  oder  im  Land, wo  sie  zuletzt 
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer 
bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen 
ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat, 
solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten 
namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit  sowie 

D­1954/2011

Seite 8

Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den 
frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7 
AsylG).

5. 
Die Vorinstanz hat die von den Beschwerdeführenden geltend gemachte 
politische  Tätigkeit  des  Beschwerdeführers,  dessen  damit 
zusammenhängende Verfolgung und Inhaftierung durch die chinesischen 
Behörden  sowie  dessen  spätere  Flucht  aus  dem  Gefängnis  als 
unglaubhaft beurteilt. Nachfolgend ist daher zu prüfen, ob die Vorinstanz 
diesen Vorbringen zu Recht gestützt auf Art. 7 AsylG die Glaubhaftigkeit 
abgesprochen hat. 

6. 
6.1.  Grundsätzlich  sind  Vorbringen  dann  glaubhaft  gemacht,  wenn  sie 
genügend substanziiert,  in  sich  schlüssig und plausibel  sind. Sie dürfen 
sich  nicht  in  vagen Schilderungen  erschöpfen,  in wesentlichen  Punkten 
nicht  widersprüchlich  sein,  der  inneren  Logik  entbehren  oder  den 
Tatsachen  oder  der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen.  Darüber 
hinaus muss der Gesuchsteller  persönlich  glaubwürdig  erscheinen, was 
insbesondere  dann  nicht  der  Fall  ist,  wenn  er  wichtige  Tatsachen 
unterdrückt  oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens 
Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die 
nötige Mitwirkung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet 
ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass 
und  lässt  durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und  Zweifel  an  den 
Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche 
für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  sprechen,  überwiegen 
oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art. 
7  AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.).

D­1954/2011

Seite 9

6.2. Vorab ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden den Wortlaut 
sämtlicher  Protokolle  mit  ihrer  Unterschrift  bestätigt  haben  und  sich 
deshalb  ihre  Aussagen  grundsätzlich  entgegenhalten  lassen  müssen, 
zumal  sie  die  übersetzenden  Personen  bei  den  Befragungen 
beziehungsweise  Anhörungen  gut  verstanden  haben  wollen  (vgl.  Akten 
BFM  A  1/8,  S.  6; 
A  1/11,  S.  8;  A  18/10,  S.  2;  A  20/19,  S.  2).  Im  Weiteren  ist  darauf 
hinzuweisen,  dass  den  Aussagen  einer  asylsuchenden  Person  im 
Empfangszentrum  zu  den  Asylgründen  angesichts  des  summarischen 
Charakters der Befragung für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit nur ein 
beschränkter Beweiswert  zukommt  (vgl. EMARK 2005 Nr.  7 E.  6.2.1 S. 
66  und  dort  zitierte,  weiterhin  gültige  Praxis).  Widersprüche  dürfen  nur 
dann herangezogen werden, wenn klare Aussagen im Empfangszentrum 
in  wesentlichen  Punkten  der  Asylbegründung  von  den  späteren 
Aussagen  in  der  Anhörung  beim  Kanton  oder  beim  BFM  diametral 
abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche 
später  als  zentrale  Asylgründe  genannt  werden,  nicht  bereits  bei  der 
Befragung im Empfangszentrum zumindest ansatzweise erwähnt werden.

Nach Prüfung der Akten durch das Gericht  ist –  in Übereinstimmung mit 
der  Vorinstanz  –  festzustellen,  dass  die  geltend  gemachte  politische 
Tätigkeit  des Beschwerdeführers und die damit  verbundene behördliche 
Verfolgung  nicht  glaubhaft  ist.  So  erklärte  der  Beschwerdeführer 
anlässlich  der  Befragung,  seine  Gruppe  "F._______"  habe  für  Januar 
2008  einen  Aufstand  geplant.  Die  Polizei  habe  aber  davon  erfahren, 
weswegen die Aktion nicht stattgefunden habe (Akten BFM A 1/11, S. 5). 
Bei  der  Anhörung  machte  er  demgegenüber  geltend,  es  sei  zwar  ein 
Aufstand geplant gewesen. Sein Bruder, der Anführer der Gruppe, habe 
jedoch noch nicht  festgelegt, wann dieser hätte stattfinden sollen, da er 
zuerst  die  kleinen  Parteigruppen  habe  zusammenführen  wollen  (Akten 
BFM A 20/19, S. 4). Überdies sagte der Beschwerdeführer anlässlich der 
Anhörung  zuerst  aus,  der  Treffpunkt  der Gruppe  "F._______"  sei  seine 
Wohnung gewesen (Akten BFM 20/19, S. 5), wohingegen er wenig später 
in  der  Anhörung  geltend machte,  es  habe  bei  der Gruppe  "F._______" 
keine Sitzungen der Mitglieder gegeben, weil dies sehr gefährlich für sie 
gewesen sei, weswegen sie alle nur sehr diskret miteinander  in Kontakt 
hätten treten können (Akten BFM 20/19, S. 8). 

Im  Weiteren  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  bei  der 
Anhörung auf Aufforderung hin nicht  in der Lage war,  seine behauptete 
Propagandatätigkeit  für  die  Gruppe  "F._______"  konkret  und 

D­1954/2011

Seite 10

substanziiert zu schildern. Seine diesbezüglichen Vorbringen erschöpften 
sich  im  Wesentlichen  in  allgemeinen  Aussagen  zur  Situation  in  der 
Inneren  Mongolei  (Akten  BFM  A  20/19,  S.  7).  Es  spricht  gegen  die 
Glaubhaftigkeit  der  geltend  gemachten  politischen  Tätigkeit  des 
Beschwerdeführers,  wenn  dieser  anlässlich  der  Anhörung  zwar  in  der 
Lage  war,  einlässliche  Ausführungen  zur  generellen  Situation  in  der 
Inneren Mongolei zu machen, nicht  jedoch zu seinen eigenen Aufgaben 
innerhalb  der  Gruppe  "F._______".  Aufgrund  seiner  langjährigen 
Erfahrung  wäre  doch  zu  erwarten,  dass  er  weit  mehr,  besonders  über 
seine politischen Tätigkeiten hätte Auskunft geben können. Insbesondere 
zeigt die Schilderung betreffend seine Tätigkeit als Geheimkurier, wie er 
Nachrichten erhalten und diese weitergeleitet hat (BFM Akten A 20/19, S. 
7;  Antwort  F  24),  auf,  dass  er  diese  Tätigkeit  nicht  ausgeübt  hat,  weil 
gewichtige Realkennzeichen fehlen, etwa welche Vorkehrungen getroffen 
wurden, wie der "Reisende" sich zu erkennen gegeben hat und was unter 
Geheimwort  konkret  zu  verstehen  ist,  zumal  die  geltend  gemachte 
Tätigkeit  besondere  Vorkehren  erfordert,  weil  man  sonst  Gefahr  läuft, 
infiltriert oder aufgedeckt zu werden.

Die Verfolgungsvorbringen der Beschwerdeführenden sind auch deshalb 
unglaubhaft,  da  es  dem  Beschwerdeführer  bei  der  Anhörung  nicht 
möglich  war,  die  Namen  der  anderen  kleinen  Gruppen  zu  nennen,  die 
sich  für die Befreiung von den Chinesen eingesetzt haben sollen, zumal 
er schon seit dem Jahre 2005 an der Vereinigung dieser kleinen Gruppen 
gearbeitet  haben  will  (Akten  BFM  A  20/19,  S.  8).  Hätte  sich  der 
Beschwerdeführer  tatsächlich  –  wie  behauptet  –  in  der  Gruppe 
"F._______" um die Vereinigung der Gruppen für die Befreiung von den 
Chinesen  gekümmert,  hätte  er  mit  Sicherheit  deren  Namen  nennen 
beziehungsweise konkretere Angaben machen können. 

Zudem ist festzustellen, dass sich der Beschwerdeführer zu seiner Flucht 
aus  dem Gefängnis  realitätsfremd  und  unrealistisch  geäussert  hat  (vgl. 
Akten  BFM  A  20/19,  S.  5,  S.  12  f.).  Es  ist  angesichts  der 
bekanntermassen strengen Sicherheitsvorkehrungen in den chinesischen 
Gefängnissen  unwahrscheinlich,  dass  es  der  Volkspartei  gelungen  sein 
soll,  mittels  Bestechung  der  Gefängnisbehörden  beziehungsweise 
hochrangiger Beamter eigene Leute, die als Polizisten, Dolmetscher und 
Befrager  aufgetreten  sein  sollen,  ins  Gefängnis  zu  schleusen,  um  den 
Beschwerdeführer  unter  dem  Vorwand,  er  werde  verlegt,  von  dort 
wegzubringen.  Zudem  ist  es  wenig  plausibel,  dass  es  der  Volkspartei 
gelungen sein soll, hochrangige Beamte zu bestechen, da diese ein sehr 

D­1954/2011

Seite 11

grosses  Risiko  eingegangen  wären,  als  Verräter  entlarvt  zu  werden, 
zumal  es  sich  beim  Beschwerdeführer  um  einen  Staatsfeind  gehandelt 
haben soll. 

Nicht  nachvollziehbar  ist  ausserdem,  dass  der  Beschwerdeführer  erst 
anlässlich  der  Anhörung  geltend  machte,  nach  seiner  Flucht  aus  dem 
Gefängnis  sei  mittels  eines  Fahndungsblattes  (inklusive  Bild)  nach  ihm 
gesucht  worden  (Akten  BFM  A  20/19,  S.  9  f.).  Es  wäre  zu  erwarten 
gewesen, dass der Beschwerdeführer ein Vorkommnis dieser Tragweite 
bereits bei der Befragung zumindest ansatzweise erwähnt hätte. 

Soweit  der  Beschwerdeführer  schliesslich  geltend  macht,  er  und  seine 
Frau  hätten  China  mit  gefälschten  mongolischen  Pässen  über  einen 
offiziellen chinesischen Grenzübergang verlassen (Akten BFM A 1/11, S. 
7),  ist  festzustellen,  dass  dieses  Vorgehen  dem  Verhalten  einer 
tatsächlich  verfolgten  beziehungsweise  gesuchten  Person  widerspricht, 
zumal  das  Risiko,  von  den  chinesischen  Grenzbeamten  aufgrund  der 
gefälschten  Pässe  festgehalten  beziehungsweise  wegen  des 
Fahndungsblattes erkannt und verhaftet zu werden, viel zu hoch gewesen 
wäre. 

Gestützt auf das soeben Ausgeführte  ist zu schliessen, dass es sich bei 
der  von  den  Beschwerdeführenden  geltend  gemachten 
Verfolgungssituation  lediglich  um  ein  Konstrukt  handelt.  Die 
Ausführungen  in  der  Beschwerde  sind  nicht  geeignet,  an  dieser 
Einschätzung  etwas  zu  ändern,  zumal  sie  den  vorinstanzlichen 
Erwägungen  nichts  Substanzielles  entgegenhalten.  Aufgrund  der 
festgestellten  Unglaubhaftigkeitselemente  in  den  Asylvorbringen  kann 
darauf  verzichtet  werden,  das  in  der  Rechtsmittelschrift  in  Aussicht 
gestellte  Fahndungsblatt  abzuwarten,  zumal  der  Beweiswert  dieses 
Beweismittels  ohnehin  als  gering  einzuschätzen  wäre  (antizipierte 
Beweiswürdigung;  BVGE  2008/24  E.  7.2;  EMARK  2003  Nr. 13  S.  84; 
FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 274).

6.3.  Im Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführenden 
– entgegen  der  Behauptung  in  der  Rechtsmittelschrift  –  aufgrund  ihrer 
Ausreise aus China bei einer Rückkehr in ihre Heimat keine asylrechtlich 
relevanten Nachteile zu befürchten haben, zumal die behauptete illegale 
Ausreise  nicht  feststeht  und  diese  mit  Blick  auf  die  unglaubhaften 
Verfolgungsvorbringen  zu  bezweifeln  ist.  Insbesondere  erscheinen  die 
Schilderungen  im  Zusammenhang  mit  der  Ausreise  aus  China  als 

D­1954/2011

Seite 12

realitätsfremd,  zumal  nicht  anzunehmen  ist,  die  Beschwerdeführenden 
hätten  China  über  einen  offiziellen  Grenzübergang  verlassen,  wäre 
tatsächlich  nach  dem  Beschwerdeführer  gefahndet  worden.  Selbst  für 
den  Fall,  dass  die  Beschwerdeführenden  tatsächlich  illegal  ausgereist 
sind  und  den  chinesischen  Behörden  ihre  Asylgesuchstellung  in  der 
Schweiz bekannt geworden sein sollte, wobei nicht ersichtlich ist, wie die 
chinesischen  Behörden  von  der  Asylgesuchstellung  Kenntnis  erhalten 
sollten,  ist  nicht  davon  auszugehen,  dass  sie  bei  ihrer  Rückkehr 
deswegen  mit  asylrechtlich  relevanten  Nachteilen  zu  rechnen  hätten, 
zumal  nach  Kenntnis  des  Bundesverwaltungsgerichts  Personen  ohne 
nennenswertes  politisches  Profil  nur  mit  einer  milden  Bestrafung  zu 
rechnen  haben.  Soweit  die  Beschwerdeführenden  in  der 
Rechtsmittelschrift geltend machen, die ethnischen Minderheiten würden 
in  der  Inneren  Mongolei  von  den  Chinesen  unterdrückt,  ist  schliesslich 
festzuhalten, dass allein die Zugehörigkeit der Beschwerdeführenden zu 
einer mongolischen Ethnie die Flüchtlingseigenschaft nicht zu begründen 
vermag.

6.4.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  das  es  den 
Beschwerdeführenden nicht gelungen  ist, nachzuweisen oder zumindest 
glaubhaft zu machen, dass sie in der Heimat ernsthafte Nachteile gemäss 
Art.  3  AsylG  erlitten  oder  solche  bei  der  Ausreise  zu  befürchten  hatten 
oder im Falle der Rückkehr nach China befürchten müssten. Sie erfüllen 
somit  die  Voraussetzungen  zur  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft 
nicht,  weshalb  die  Vorinstanz  die  Asylbegehren  zu  Recht  und  mit 
zutreffender Begründung abgelehnt hat. 

7. 
7.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

7.2.  Die  Beschwerdeführenden  verfügen  weder  über  eine 
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 
Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht 
angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2008/34 E. 9.2).

8. 
8.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 

D­1954/2011

Seite 13

den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 
Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser, 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

8.2. 
8.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche 
Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 
Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  in  einen  Drittstaat 
entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 
5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des 
Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4. 
November  1950  zum Schutze  der Menschenrechte  und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

8.2.2.  Da  es  den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine 
asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu 
machen,  kann  das  in  Art.  5  AsylG  verankerte  Prinzip  des 
flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  im vorliegenden Verfahren keine 
Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden nach China 
ist dem­nach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

D­1954/2011

Seite 14

Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der 
Beschwerdeführenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie 
für  den  Fall  einer  Ausschaffung  nach  China  dort  mit  beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit  einer nach Art.  3 EMRK oder Art.  1 FoK verbotenen 
Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des 
Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener 
des UN­Anti­Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine 
konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass 
ihnen  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche 
Behandlung drohen würde  (vgl. EGMR,  [Grosse Kammer], Saadi gegen 
Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124­
127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Dies  ist  ihnen  nach  den  vorstehenden 
Erwägungen  nicht  gelungen.  Auch  die  allgemeine 
Menschenrechtssituation  in  China  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum 
heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten 
ist der Vollzug der Wegweisung sowohl  im Sinne der asyl­ als auch der 
völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

8.3. 
8.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 
83 Abs.  7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 
2002, BBl 2002 3818).

8.3.2. In Bezug auf die allgemeine Sicherheits­ und Menschenrechtslage 
in China kommt das Bundesverwaltungsgericht  insgesamt zum Schluss, 
dass  in  China  keine  Kriegs­  oder  Bürgerkriegssituation  und  auch  keine 
Situation  allgemeiner Gewalt  herrscht  und  ein  Vollzug  der Wegweisung 
grundsätzlich nicht unzumutbar erscheint. 

8.3.3.  Vorliegend  sind  den  Akten  auch  keine  Anhaltspunkte  für 
individuelle  Unzumutbarkeitsindizien  zu  entnehmen.  Die  –  soweit  den 
Akten zu entnehmen ist – gesunden Beschwerdeführenden haben bis zu 
ihrer Ausreise im Januar 2009 immer in der Inneren Mongolei gelebt, wo 
der  Beschwerdeführer  auch  die  Schule  besucht  und  als  (…)  gearbeitet 

D­1954/2011

Seite 15

hat. Deshalb ist anzunehmen, die Beschwerdeführenden könnten sich in 
ihrer Heimat wieder wirtschaftlich integrieren. Gemäss den Angaben des 
Beschwerdeführers  leben seine Mutter  und sein Bruder nach wie  vor  in 
der  Inneren  Mongolei.  Vor  diesem  Hintergrund  ist  davon  auszugehen, 
dass  die  Beschwerdeführenden  in  ihrem  Heimatland  über  ein  soziales 
Beziehungsnetz  verfügen,  welches  ihnen  eine  Reintegration  erleichtern 
kann. Blosse soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten,  von denen die 
ansässige Bevölkerung  im Allgemeinen betroffen  ist, genügen nicht, um 
eine Gefahr  im Sinne  von  Art.  83  Abs.  4  AuG  darzustellen  (vgl.  BVGE 
2008/34  E.  11.2.2,  EMARK  2005  Nr.  24  E.  10.1  S.  215).  Nach  dem 
Gesagten  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  somit  auch  als  zumutbar  zu 
bezeichnen.

8.4.  Schliesslich  obliegt  es  den  Beschwerdeführenden,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG), 
weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

9. 
Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Vollzug der Wegweisung 
zu  bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  den  Vollzug  zu  Recht  als  zulässig, 
zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung 
der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1­4 AuG).

10. 
Die  Beschwerdeführenden  beantragen  in  ihrer  Rechtsmitteleingabe,  die 
Vollzugsbehörde  sei  vorsorglich  anzuweisen,  die  Kontaktaufnahme  mit 
dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  sowie  jeglichen  Datentransfer  zu 
unterlassen,  um  im Fall  einer Rückkehr  keine Probleme  zu  bekommen. 
Mit  vorliegendem Urteil  wird  die  Beschwerde  abgewiesen  und  damit  ist 
das  Beschwerdeverfahren  abgeschlossen,  weshalb  sich  der  Antrag  auf 
Anordnung vorsorglicher Massnahmen – solche sind ohnehin nur für die 
Dauer des Beschwerdeverfahrens wirksam – als gegenstandslos erweist. 
Im Übrigen  geht  aus  den  dem Gericht  vorliegenden Akten  nicht  hervor, 
die Vorinstanz habe die Beschwerdeführenden betreffende Daten an den 
Heimatstaat weitergegeben, weshalb auf das Eventualbegehren, es seien 
bei bereits erfolgter Datenweitergabe die Beschwerdeführenden darüber 
in  einer  separaten  Verfügung  zu  informieren,  mangels 
Rechtsschutzinteresses  im Rahmen dieses Verfahrens nicht  einzutreten 
ist.

D­1954/2011

Seite 16

11. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die 
Beschwerde  ist  nach  dem  Gesagten  abzuweisen,  soweit  darauf 
eingetreten wird. 

12. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  den 
Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  5  VwVG),  auf 
insgesamt  Fr. 600.–  festzusetzen  (Art.  1­3  des  Reglements  vom  21. 
Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  und mit  dem  am  18. 
April  2011  geleisteten  Kostenvorschuss  in  derselben  Höhe  zu 
verrechnen.

(Dispositiv nächste Seite)

D­1954/2011

Seite 17

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

2. 
Die Verfahrenskosten  von Fr.  600.­­ werden  den Beschwerdeführenden 
auferlegt.  Dieser  Betrag  wird  mit  dem  am  18.  April  2011  von  den 
Beschwerdeführenden zu Gunsten der Gerichtskasse in derselben Höhe 
geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Robert Galliker Matthias Jaggi

Versand: