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**Case Identifier:** 7632b2e3-ba7c-5b2b-83e0-ec64f193e8a4
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-11-25
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 25.11.2015 RR.2015.287
**Docket/Reference:** RR.2015.287
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_RR-2015-287_2015-11-25

## Full Text

Auslieferung an Ungarn. Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG).;;Auslieferung an Ungarn. Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG).;;Auslieferung an Ungarn. Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG).;;Auslieferung an Ungarn. Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG).

Entscheid vom 25. November 2015  
Beschwerdekammer  

Besetzung  Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, 

Andreas J. Keller und Roy Garré, 

Gerichtsschreiber Miro Dangubic  

 

Parteien 

  

A., zur Zeit in Auslieferungshaft, 

 

Beschwerdeführer 

 

 gegen 

   

BUNDESAMT FÜR JUSTIZ, Fachbereich 

Auslieferung,  

 

Beschwerdegegner 

 

 

Gegenstand  Auslieferung an Ungarn 

 

 

Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG) 

 
  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: RR.2015.287 + RP.2015.70 

 

 

 

- 2 - 
 
 

Sachverhalt: 

 

 Mit Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS) vom 

11. September 2014 ersuchten die ungarischen Behörden um Fahndung 

und Verhaftung des ungarischen Staatsangehörigen A. (RR.2015.99, 

act. 8.1). 

 

 

 In der Folge wurde A. am 24. Oktober 2014 angehalten und gleichentags 

gestützt auf die Haftanordnung des Bundesamtes für Justiz (nachfolgend 

"BJ") in provisorische Auslieferungshaft versetzt (RR.2015.99, act. 8.3). Im 

Rahmen seiner Einvernahme vom 25. Oktober 2014 erklärte A., dass er mit 

einer Auslieferung an Ungarn nicht einverstanden sei (RR.2015.99, act. 8.4). 

 

 

 Am 28. Oktober 2014 verfügte das BJ die Auslieferungshaft gegen A. 

(RR.2015.99, act. 8.6). Dagegen wurde keine Beschwerde erhoben.  

 

 

 Mit Auslieferungsersuchen vom 10. November 2014, ergänzt am 

19. Januar 2015, verlangte Ungarn die Auslieferung von A. zur Vollstreckung 

des Urteil des Stadtgerichts Paks vom 9. Februar 2010 und des Ab-

wesenheitsurteils des Kreisgerichts Szekszard vom 4. Dezember 2013 

(RR.2015.99, act. 8.12 und act. 8.22).  

 

 

 Am 27. Januar 2015 ernannte das BJ Rechtsanwalt Peter Sprenger als 

amtlichen Rechtsbeistand von A. Im Rahmen der gleichentags erfolgten 

Einvernahme zum ungarischen Auslieferungsersuchen erklärte A. erneut, 

dass er mit einer Auslieferung an Ungarn nicht einverstanden sei 

(RR.2015.99, act. 8.24 und 8.26).  

 

 

 Am 5. und am 24. Februar 2015 nahm A. schriftlich Stellung zum 

ungarischen Auslieferungsersuchen (RR.2015.99, act. 8.28 und 8.31).  

 

 

 Mit Auslieferungsentscheid vom 11. März 2015 verfügte das BJ die 

Auslieferung von A. für die dem Urteil des Stadtgerichts von Paks vom 

9. Februar 2010 zu Grunde liegenden Straftaten. Betreffend die dem Urteil 

des Amtsgerichts Szeksard vom 4. Dezember 2013 zu Grunde liegenden 

Straftaten wurde ebenfalls die Auslieferung bewilligt, jedoch nur unter der 

Auflage, dass A. gestützt auf die einschlägige Bestimmung der ungarischen 

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Strafprozessordnung das Recht auf ein neues Verfahren zugestanden wird, 

in dem die Rechte der Verteidigung gewährleistet werden (RR.2015.99, 

act. 6.2).  

 

 

 Die dagegen von A. erhobene Beschwerde wurde mit Entscheid des 

Bundesstrafgerichts RR.2015.99 vom 30. Juli 2015 teilweise gutgeheissen.  

 

 

 In der Folge ersuchte das BJ das ungarische Justizministerium am 

7. August 2015 um Abgabe einer Zusicherung im Sinne von Art. 3 Art. des 

2. ZP (act. 7.2). Per Telefax vom 18. August 2015 verwies das ungarische 

Justizministerium auf das innerstaatliche Recht, ohne jedoch eine formelle 

Zusicherung abzugeben (act. 7.4).  

 

 

 Mit Schreiben vom 21. August 2015 forderte das BJ das ungarische 

Ministerium erneut auf, eine formelle Zusicherung abzugeben (act. 7.5). 

Diese erfolgte mit Schreiben vom 1. September 2015 (act. 7.7). In der Folge 

reichte Egri zwei vom 15. September 2015 datierte Eingaben mit dem Titel 

"Stellungnahme auf die schriftliche ungarische Garantie" beim BJ ein 

(act. 7.12-a und 7.14-a). Am 28. September 2015 nahm Rechtsanwalt 

Peter Sprenger im Namen von A. Stellung zum ungarischen Ersuchen 

(act. 7.16-a). 

 

 

 Mit Auslieferungsentscheid vom 5. Oktober 2015 bewilligte das BJ die 

Auslieferung von A. an Ungarn für die dem Auslieferungsersuchen des 

ungarischen Justizministeriums vom 10. November 2014, ergänzt am 

19. Januar 2015, 11. März 2015, 18. April 2015, 18. August 2015 und 

1. September 2015, zugrunde liegenden Straftaten – ausgenommen der 

Sachverhalte gemäss Ziff. 1 und 2 des Urteils des Amtsgerichts Szekszard 

vom 4. Dezember 2013 (act. 7.17). Dagegen gelangt A. mit handschriftlicher 

Beschwerde vom 3. November 2015 an das hiesige Gericht (act. 1). Ohne 

Stellung zur Beschwerde zu nehmen, beantragte der Beschwerdegegner am 

19. November 2015 die Abweisung der Beschwerde (act. 7), was dem 

Beschwerdeführer am 20. November 2015 zur Kenntnis gebracht wurde 

(act. 8).  

 

 

 

  

- 4 - 
 
 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Für den Auslieferungsverkehr zwischen der Schweiz und Ungarn sind primär 

massgebend das Europäische Auslieferungsübereinkommen vom 

13. Dezember 1957 (EAUe; SR 0.353.1; vgl. ferner BGE 132 II 81 E. 3.2.3), 

das zu diesem Übereinkommen am 15. Oktober 1975 ergangene erste 

Zusatzprotokoll (1. ZP; SR 0.353.11), das zu diesem Übereinkommen am 

17. März 1978 ergangene zweite Zusatzprotokoll (2. ZP; SR 0.353.12) sowie 

die Bestimmungen der Art. 59 ff. des Übereinkommens vom 19. Juni 1990 

zur Durchführung des Übereinkommens von Schengen vom 14. Juni 1985 

(Schengener Durchführungsübereinkommen, SDÜ; ABl. L 239 vom 

22. September 2000, S. 19–62). Günstigere Bestimmungen bilateraler oder 

multilateraler Übereinkünfte zwischen den Vertragsparteien bleiben von 

diesen multilateralen Abkommen unberührt (Art. 28 Abs. 2 EAUe; Art. 48 

Abs. 2 SDÜ; zum Ganzen ZIMMERMANN, La coopération judiciaire 

internationale en matière pénale, 4. Aufl., Bern 2014, N. 22 f., 28 ff., 75 ff.).  

 

1.2 Soweit diese Staatsverträge bestimmte Fragen nicht abschliessend regeln, 

findet auf das Verfahren der Auslieferung ausschliesslich das Recht des er-

suchten Staates Anwendung (Art. 22 EAUe), vorliegend also das 

Bundesgesetz vom 20. März 1981 über die internationale Rechtshilfe in 

Strafsachen (Rechtshilfegesetz, IRSG; SR 351.1) und die dazugehörige 

Verordnung vom 24. Februar 1982 (Rechtshilfeverordnung, IRSV; 

SR 351.11; Art. 1 Abs. 1 lit. a IRSG; BGE 136 IV 82 E. 3.1; 130 II 337 E. 1). 

Das innerstaatliche Recht gelangt nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann 

zur Anwendung, wenn dieses geringere Anforderungen an die Auslieferung 

stellt (BGE 140 IV 123 E. 2; 137 IV 33 E. 2.2.2; 136 IV 82 E. 3.1; 135 IV 212 

E. 2.3; 122 II 140 E. 2; FIOLKA, Basler Kommentar, Internationales Strafrecht, 

Basel 2015, Art. 1 IRSG N. 24-30; DANGUBIC/KESHELAVA, Basler 

Kommentar, a.a.O., Art. 12 IRSG N. 1). Vorbehalten bleibt die Wahrung der 

Menschenrechte (BGE 139 II 65 E. 5.4 letzter Absatz; 135 IV 212 E. 2.3; 

123 II 595 E. 7c; TPF 2008 24 E. 1.1; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 211 ff., 223 ff., 

684 ff.). Auf das vorliegende Beschwerdeverfahren sind zudem die 

Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das 

Verwaltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021) 

anwendbar (Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37 Abs. 2 lit. a StBOG; vgl. zum 

subsidiären Verfahrensrecht DANGUBIC/KESHELAVA, a.a.O., Art. 12 IRSG 

N. 4). 

 

 

  

- 5 - 
 
 

2.  

2.1 Gegen Auslieferungsentscheide des Bundesamtes kann innert 30 Tagen seit 

der Eröffnung des Entscheides bei der Beschwerdekammer des 

Bundesstrafgerichts Beschwerde geführt werden (Art. 55 Abs. 3 i.V.m. 

Art. 25 Abs. 1 IRSG; Art. 37 Abs. 2 lit. a Ziff. 1 des Bundesgesetzes vom 

19. März 2010 über die Organisation der Strafbehörden des Bundes 

[StBOG; SR 173.71]).  

 

2.2 Der Auslieferungsentscheid vom 5. Oktober 2015 wurde am 3. Novem-

ber 2015 – somit innerhalb der Beschwerdefrist – angefochten. Die übrigen 

Eintretensvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Auf die 

Beschwerde ist daher einzutreten. 

 

 

3. Die Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien gebunden 

(Art. 25 Abs. 6 IRSG). Sie prüft die Auslieferungsvoraussetzungen 

grundsätzlich mit freier Kognition. Der Beschwerdekammer steht es frei, 

einzelne  Auslieferungsvoraussetzungen einer Überprüfung zu unterziehen, 

die nicht Gegenstand der Beschwerde sind. Sie ist jedoch anders als eine 

Aufsichtsbehörde nicht gehalten, die angefochtene Verfügung von Amtes 

wegen auf ihre Konformität mit sämtlichen anwendbaren Bestimmungen zu 

überprüfen (BGE 123 II 134, E. 1d; TPF 2011 97 E. 5; ZIMMERMANN, a.a.O., 

N. 522, S. 519).  

 

Die Beschwerdeinstanz muss sich überdies nach der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich 

auseinandersetzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen. 

Sie kann sich auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken 

und es genügt, wenn die Behörde wenigstens kurz die Überlegungen nennt, 

von denen sie sich leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt (Urteil 

des Bundesgerichts 1A.59/2004 vom 16. Juli 2004, E. 5.2 m.w.H.).  

 

 

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer wurde mit Urteil des Stadtgerichts Paks vom 

9. Februar 2010 zu einer bedingten Freiheitsstrafe von einem Jahr und 

sechs Monaten verurteilt. Mit Abwesenheitsurteil des Kreisgerichts 

Szekszard vom 4. Dezember 2013 wurde er zu einer Freiheitsstrafe von drei 

Jahren und drei Monaten verurteilt. Zudem wurde die vom Stadtgericht Paks 

bedingt ausgesprochene Strafe widerrufen (RR.2015.99, act. 8.22, -54c-).  

 

4.2 Die Schweiz prüft die Auslieferungsvoraussetzungen des EAUe auch im 

Lichte ihrer grundrechtlichen völkerrechtlichen Verpflichtungen. Einem 

- 6 - 
 
 

Ersuchen wird nicht entsprochen, wenn Gründe für die Annahme bestehen, 

dass das ausländische Verfahren den Grundsätzen der EMRK oder des 

UNO-Pakt II nicht entspricht oder andere schwere Mängel aufweist (Art. 2 

Abs. 1 lit. a und d IRSG). 

 

Gemäss konstanter Praxis wird die Gültigkeit von solchen ausländischen 

Verfahrensentscheiden nur ausnahmsweise, wenn besonders schwere 

Verletzungen des ausländischen Rechts vorliegen, überprüft. Dies ist der 

Fall, wenn das Auslieferungsersuchen rechtsmissbräuchlich erscheint und 

Zweifel aufkommen, ob die grundsätzlichen Verteidigungsrechte im 

ausländischen Verfahren gewahrt werden bzw. gewahrt worden sind (Urteile 

des Bundesgerichts 1A.118/2004 vom 3. August 2004, E. 3.8; 1A.15/2002 

vom 5. März 2002, E. 3.2; Entscheide des Bundesstrafgerichts RH.2014.3 

vom 5. März 2014, E. 9.4; RR.2013.89 vom 25. Juni 2013, E. 4.5; 

RR.2012.259 vom 28. Mai 2013, E. 5.3).  

 

4.3 Besondere Regelungen gelten bei Abwesenheitsurteilen (vgl. GARRÉ, Basler 

Kommentar, a.a.O., Art. 37 IRSG N. 3):  

 

Ein Beschuldigter hat grundsätzlich Anspruch darauf, in seiner Anwesenheit 

verurteilt zu werden (Art. 6 EMRK; Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 14 UNO-Pakt II; 

BGE 127 I 213 E. 3a). Dieses Recht ist jedoch nicht absolut: Nach der 

Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte sind 

Abwesenheitsverfahren zulässig, sofern der in Abwesenheit Verurteilte 

nachträglich (grundsätzlich auch nach Eintritt der Vollstreckungsverjährung) 

verlangen kann, dass ein Gericht, nachdem es ihn zur Sache angehört hat, 

nochmals überprüft, ob die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen 

begründet sind (vgl. Urteil des Europäischen Gerichtshofs für 

Menschenrechte 24379/02 vom 23. Mai 2006 i.d.S. Kounov/Bulgarien, 

N 41 f. und 9024/80 vom 12. Februar 1985 i.d.S. Colozza/Italien, série A, 

N 89, S. 15, § 29). Das Recht, eine Neubeurteilung zu verlangen, besteht 

jedoch nicht uneingeschränkt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_268/2011 

vom 19. Juli 2011, E. 1.1 mit Verweis auf das Urteil des Europäischen 

Gerichtshofes für Menschenrechte i.S. Sejdovic gegen Italien vom 1. März 

2006, Recueil CourEDH 2006-II S. 201 § 81 ff. m.w.H.).   

 

4.4 Sowohl die schweizerische StPO als auch das ungarische Strafprozessrecht 

sehen die Möglichkeit von Urteilen in absentia vor (vgl. Art. 366 ff. StPO und 

Kapitel 25 der ungarischen Strafprozessordnung [RR.2015.99, act. 8.41]). 

Im Einklang mit der Rechtsprechung des EGMR besteht sowohl nach StPO 

als auch nach der ungarischen Strafprozessordnung die Möglichkeit – unter 

bestimmten Voraussetzungen – eine Neubeurteilung zu verlangen (vgl. 

- 7 - 
 
 

Art. 368 ff. StPO und Art. 408 Abs. 1 lit. e der ungarischen Straf-

prozessordnung [RR.2015.99, act. 8.41]).  

 

4.5 Im Auslieferungsverkehr regelt u.a. der hier massgebende Art. 3 Ziff. 1 des 

2. ZP (in Anlehnung an Art. 3 Ziff. 1 des 2. ZP wurde Art. 37 Abs. 2 IRSG 

eingeführt [Botschaft betreffend die Änderung des Rechtshilfegesetzes und 

des Bundesgesetzes zum Staatsvertrag mit den USA über gegenseitige 

Rechtshilfe in Strafsachen sowie den Bundesbeschluss über einen 

Vorbehalt zum Europäischen Übereinkommen über die Rechtshilfe in 

Strafsachen vom 29. März 1995, BBl 1995 III S. 20 ]) das Verfahren bei 

Abwesenheitsurteilen.  

 

4.6 Der erste Satz von Art. 3 Ziff. 1 des 2. ZP lautet wie folgt:  

 

"Ersucht eine Vertragspartei eine andere Vertragspartei um Auslieferung 

einer Person zur Vollstreckung einer Strafe oder einer sichernden 

Massnahme, die gegen sie in einem Abwesenheitsurteil verhängt worden 

ist, so kann die ersuchte Vertragspartei die Auslieferung zu diesem Zweck 

ablehnen, wenn nach ihrer Auffassung in dem diesem Urteil 

vorangehenden Verfahren nicht die Mindestrechte der Verteidigung 

gewahrt worden sind, die anerkanntermassen jedem einer strafbaren 

Handlung Beschuldigten zustehen. " 

 

Bestehen aufgrund der eingereichten Akten Zweifel, ob die Mindestrechte 

der Verteidigung gewahrt worden sind, so hat der ersuchte Staat dieser 

Frage nachzugehen, mithin beim ersuchenden Staat nachzufragen 

(Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2007.123 vom 10. Oktober 2007, 

E. 8.4). Er verfügt bei der Beurteilung der Frage, ob im ausländischen 

Abwesenheitsverfahren die Mindestrechte der Verteidigung gewahrt worden 

sind, über einen erheblichen Ermessensspielraum (BGE 117 Ib 337 E. 5c 

S. 345; Urteil des Bundesgerichts 1A.261/2006 vom 9. Januar 2007, E. 3.2). 

Das Auslieferungsgericht muss dabei die Besonderheiten des Einzelfalles 

würdigen (BGE 117 Ib 337 E. 5c S. 345 in fine).  

 

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind die minimalen 

Verteidigungsrechte des abwesenden Angeklagten im Sinne von Art. 3 des 

2. ZP jedoch gewahrt und das Abwesenheitsurteil bildet kein Hindernis für 

die Auslieferung, wenn dieser an der Gerichtsverhandlung durch einen frei 

gewählten Verteidiger vertreten wurde, der an der Verhandlung 

teilgenommen hat und Anträge stellen konnte (BGE 129 II 56 E. 6.2 in fine 

und E. 6.3 S. 60 f.; Urteil des Bundesgerichts 1A.261/2006 vom 9. Ja-

nuar 2007, E. 3.2). Gleiches gilt, wenn der in Abwesenheit Verurteilte gegen 

das Abwesenheitsurteil bei einer Rechtsmittelinstanz, welche in tatsächlicher 

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und rechtlicher Hinsicht über eine umfassende Kognition verfügt, ein 

Rechtsmittel erhoben hat und wenn in diesem Rechtsmittelverfahren die 

Mindestrechte der Verteidigung gewahrt wurden (BGE 129 II 56 E. 6.4 

S. 61 f.).  

 

4.7 Satz zwei von Art. 3 Ziff. 1 des 2. ZP lautet folgendermassen: 

 

"Die Auslieferung wird jedoch bewilligt, wenn die ersuchende Vertragspartei 

eine als ausreichend erachtete Zusicherung abgibt, der Person, um deren 

Auslieferung ersucht wird, das Recht auf ein neues Gerichtsverfahren zu 

gewährleisten, in dem die Rechte der Verteidigung gewahrt werden. Diese 

Entscheidung ermächtigt die ersuchende Vertragspartei, entweder das 

betreffende Urteil zu vollstrecken, wenn der Verurteilte keinen Einspruch 

erhebt, oder andernfalls gegen den Ausgelieferten die Strafverfolgung 

durchzuführen." 

 

Die Zusicherung wird in Form einer annahmebedürftigen Auflage i.S.v. 

Art. 80p IRSG eingeholt (Urteil des Bundesgerichts 1C_319/2014 vom 

31. Juli 2014, E. 1.3; GARRÉ, a.a.O., Art. 37 IRSG N. 5), indem das BJ dem 

ersuchenden Staat zunächst die Auflage mitteilt. Es setzt ihm dabei eine 

angemessene Frist, um deren Annahme oder Ablehnung zu erklären. Nach 

Erhalt der Zusicherung, hat das BJ zu prüfen, ob die Antwort den verlangten 

Auflagen genügt (Art. 80p Abs. 2 und 3 IRSG; TPF 2012 23 E. 3.3). Wird 

eine Zusicherung i.S.v. Art. 3 Ziff. 1 des 2. ZP eingeholt, braucht nicht weiter 

geprüft zu werden, ob in jenen Verfahren die Mindestrechte der Verteidigung 

gewahrt worden sind (vgl. Entscheide des Bundesstrafgerichts RR.2014.62 

vom 15. Juli 2014, E. 5.5 und RR.2013.258 vom 6. Juni 2014, E. 9.4).  

 

4.8 Im Entscheid RR.2015.99 vom 30. Juli 2015, E. 5.8 ff. erwog das hiesige 

Gericht was folgt:  

 

"Das Abwesenheitsurteil des Kreisgerichts Szekszard vom 

4. Dezember 2013, in welchem der Beschwerdeführer zu einer Freiheitsstrafe 

von 3 Jahren und 3 Monaten verurteilt worden ist, wurde durch 

Veröffentlichung eröffnet. In den Auslieferungsunterlagen finden sich keine 

Indizien, dass der Beschwerdeführer dabei durch einen Rechtsanwalt 

verteidigt worden wäre (siehe Übersetzung des Urteils des Kreisgerichts 

Szekszard vom 4. Dezember 2013, act. 8.22, -54c-). Soweit ersichtlich wurde 

das Urteil auch nicht angefochten. Der Beschwerdegegner hält für möglich, 

dass die Mindestrechte der Verteidigung nicht eingehalten worden seien. Er 

unterlässt es jedoch, dieser Frage nachzugehen, mithin bei den ungarischen 

Behörden nachzufragen. Stattdessen bewilligte er die Auslieferung für die 

dem zur Diskussion stehenden Urteil zu Grunde liegenden Straftaten 

- 9 - 
 
 

(vorsorglich) nur unter der Auflage, dass dem Beschwerdeführer gestützt auf 

die Bestimmungen der ungarischen Strafprozessordnung das Recht auf ein 

neues Verfahren zugestanden wird, in dem die Rechte der Verteidigung 

gewährleistet werden. Mit der Möglichkeit der Wiederaufnahme des 

Verfahrens könnten die einem Abwesenheitsverfahren grundsätzlich 

inhärenten Mängel korrigiert werden.  

 

Der im Auslieferungsverkehr bei Abwesenheitsurteilen vorgesehene 

Mechanismus von Art. 3 Ziff. 1 des 2. ZP besteht unabhängig von der 

Möglichkeit, gestützt auf das nationale Prozessrecht eine Neubeurteilung zu 

verlangen; jede nationale Strafprozessordnung, die Abwesenheitsurteile 

vorsieht, muss die Möglichkeit einer Neubeurteilung enthalten, ansonsten 

Abwesenheitsurteile im besagten Staat per se EMRK-widrig wären (siehe 

supra E. 5.3). Mithin kann die Anwendung von Art. 3 Ziff. 1 des 2. ZP nicht – 

wie vorliegend – mit dem allgemeinen und abstrakten Verweis 

ausgeschlossen werden, dass die Möglichkeit der Neubeurteilung gestützt auf 

nationales Prozessrecht bestehe.  

 

Gestützt auf die eingereichten Unterlagen hegt der Beschwerdegegner 

Zweifel, ob die Mindestrechte der Verteidigung des Beschwerdeführers im 

zum Diskussion stehenden Verfahren gewahrt worden sind. Aus den 

eingereichten Akten ergeben sich keine Hinweise, dass der 

Beschwerdegegner der Frage nach der Gewährung der Mindestrechte der 

Verteidigung nachgegangen wäre. Stattdessen bewilligt er die Auslieferung 

einfach unter einer "Auflage". Er verkennt dabei, dass er sich im 

Anwendungsbereich von Art. 3 Ziff. 1 des 2. ZP befindet, mithin auch eine 

bloss vorsichthalber an die Gewährung der Rechtshilfe geknüpfte Auflage den 

Anforderungen von Art. 80p IRSG genügen muss: Vorliegend fehlt die 

Mitteilung der Auflage bzw. die diesbezügliche Annahmeerklärung Ungarns. 

Wie sich aus der Beschwerdeantwort ergibt, versteht der Beschwerdegegner 

seine "Auflage" nicht als solche i.S.v. Art. 80p IRSG (act. 8, S. 4). Richtiger 

wäre daher von "Vorbehalt" zu sprechen. Mithin hat es der 

Beschwerdegegner unterlassen, bei der ersuchenden Behörde in Anwendung 

von Art. 3 Ziff. 1 Satz 2 des 2. ZP und Art. 37 Abs. 2 IRSG eine als ausreichend 

erachtete Zusicherung einzuholen, dass der Beschwerdeführer, im Falle einer 

Auslieferung, Anspruch auf ein neues Gerichtsverfahren hat, in dem die 

Rechte der Verteidigung gewahrt werden. Die Beschwerde ist daher 

diesbezüglich gutzuheissen. Der angefochtene Entscheid ist aufzuheben und 

die Angelegenheit dem Beschwerdegegner zur neuen Entscheidung 

zurückzuweisen." 

 

4.9 Aufgrund dieser Erwägungen ersuchte das BJ das ungarische 

Justizministerium am 7. bzw. am 21. August 2015 um Abgabe einer 

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Zusicherung im Sinne von Art. 3 Art. des 2. ZP (act. 7.2 und 7.5). Mit 

Schreiben vom 1. September 2015 gab das ungarische Justizministerium 

folgende Zusicherung ab (act. 7.7):  

 

A. wird in Bezug auf das Urteil des Amtsgerichtes Szekszard vom 

4. Dezember 2013 im Sinne von Art. 3 des Zweiten Zusatzprotokolls zum 

Europäischen Auslieferungsübereinkommens das Recht auf eine neues 

Gerichtsverfahren gewährleistet, in dem die Rechte der Verteidigung gewährt 

werden." 

 

4.10 Entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers (act. 1) stellt die von der 

ersuchenden Behörde mit Schreiben vom 1. September 2015 übermittelte 

Erklärung inhaltlich ohne weiteres eine ausreichende Zusicherung im Sinne 

von Art. 3 Ziff. 1 Satz 2 des 2. ZP dar. Die unter diesem Titel erhobenen 

Einwände gegen seine Auslieferung stossen somit allesamt ins Leere.  

 

4.11 Kann der Beschwerdeführer die Wiederaufnahme der Gerichtsverfahren 

verlangen, welche in seiner Abwesenheit zu seiner Verurteilung führten, 

braucht nicht weiter geprüft zu werden, ob in jenen Verfahren die 

Mindestrechte der Verteidigung gewahrt worden waren. Mithin erweisen sich 

die von Beschwerdeführer vorgebrachten Rügen betreffend die Verletzung 

der Mindestrechte der Verteidigung bezüglich des Urteils Kreisgerichts 

Szekszard vom 4. Dezember 2013 (act. 1) als nicht zielführend.  

 

4.12 Andere Auslieferungshindernisse vermag der Beschwerdeführer auch mit 

seinen weiteren Vorbringen nicht zu begründen; solche sind auch nicht 

ersichtlich. Nach dem Gesagten steht fest, dass die Beschwerde als 

unbegründet abzuweisen ist. 

 

 

5.  

5.1 Die Beschwerdekammer befreit eine Partei, die nicht über die erforderlichen 

Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, sofern 

ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG) und bestellt 

dieser einen Anwalt, wenn dies zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist 

(Art. 65 Abs. 2 VwVG). Diese Regelung ist Ausfluss von Art. 29 Abs. 3 BV. 

Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind Prozessbegehren 

als aussichtslos anzusehen, wenn die Gewinnaussichten beträchtlich 

geringer erscheinen als die Verlustgefahren. Dagegen gilt ein Begehren 

nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahren 

ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese 

(BGE 139 III 475 E. 2.2 S. 476; 139 III 396 E. 1.2; 138 III 217 E. 2.2.4; jeweils 

m.w.H.). 

 

- 11 - 
 
 

5.2 Wie oben dargelegt bestehen an der Rechtmässigkeit der Auslieferung keine 

Zweifel. Demzufolge ist das Begehren des Beschwerdeführers als 

aussichtslos im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG zu bezeichnen. Sein Gesuch 

um unentgeltliche Rechtspflege ist demnach bereits aus diesem Grund und 

ohne Überprüfung seiner finanziellen Verhältnisse abzuweisen. 

 

 

6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Gerichtsgebühr 

ist auf Fr. 1'500.-- festzusetzen (Art. 63 Abs. 5 VwVG i.V.m. Art. 73 StBOG 

sowie Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 

31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in 

Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]). 

- 12 - 
 
 

Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen. 

 

3. Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'500.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.  

 

 

Bellinzona, 26. November 2015  

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- A. 

- Bundesamt für Justiz, Fachbereich Auslieferung 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn 
Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde 
eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). 
 
Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die 
Beschwerde nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von 
Gegenständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem 
Geheimbereich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 
BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme 
bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im 
Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).