# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 113beb44-d8d1-54a2-af4d-e7917dbec8a2
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-02-09
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 09.02.2023 VG.2022.00034 (VG.2023.1215)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2022-00034_2023-02-09.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 9. Februar 2023

  
	
   

  
	
   

  
	
  II. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  Besetzung:
  Gerichtspräsident MLaw Colin Braun, Verwaltungsrichterin Sally Leuzinger,
  Verwaltungsrichter Walter Salvadori und Gerichtsschreiber MLaw Keivan
  Mohasseb

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2022.00034

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführer

    
	
     

    	
     

    

  

  
	
  	
    vertreten durch Prof.
    Dr. Hardy Landolt, Rechtsanwalt

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    IV-Stelle Glarus

    	
    Beschwerdegegnerin

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Invalidenrente

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung:

  
	
  I.

  
	
  1.

  
	
  1.1 Der am […] geborene A.______ meldete sich am 2.
  April 2013 unter Hinweis auf Rückenschmerzen zum Bezug von Leistungen der
  Invalidenversicherung an. Nach Einholung verschiedener Berichte sprach ihm
  die IV-Stelle ab dem 1. Februar 2014 eine ganze Invalidenrente zu.

  
	
   

  
	
  1.2 Am 14. September 2016 eröffnete die IV-Stelle von
  Amtes wegen ein Revisionsverfahren. Sie holte Berichte der behandelnden
  Ärztinnen und Ärzte ein und beauftragte die Neurologie Toggenburg AG mit
  einer polydisziplinären Begutachtung. Das Gutachten mit den Fachdisziplinen
  Allgemeine Innere Medizin, Rheumatologie und Psychiatrie wurde am 29.
  Dezember 2020 erstattet. Am 19. Januar 2021 stellte die IV-Stelle der
  Neurologie Toggenburg AG verschiedene Ergänzungsfragen, welche am
  3. Februar 2021 beantwortet wurden.

  
	
   

  
	
  1.3 Gestützt auf das Gutachten der Neurologie
  Toggenburg AG stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 3. August 2021 in
  Aussicht, die Invalidenrente von A.______ aufzuheben und einer allfälligen
  Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu entziehen. Gleichentags forderte sie
  A.______ zur Mitwirkung und zur Befolgung einer Alkoholabstinenz auf. Die von
  ihm dagegen erhobenen Einwände beantwortete sie abschlägig und erliess am
  10. Mai 2022 die rentenaufhebende Verfügung.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Dagegen gelangte A.______ mit Beschwerde vom 9. Juni
  2022 ans Verwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung der Verfügung vom
  10. Mai 2022. Die IV-Stelle sei zu verpflichten, ihm weiterhin eine ganze
  Rente auszurichten; eventualiter sei die Angelegenheit an die IV-Stelle
  zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht sei der Beschwerde die aufschiebende
  Wirkung zu erteilen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten
  der IV-Stelle sowie unter Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
  der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung. Die IV-Stelle beantragte am 20.
  Juni 2022 die Abweisung des Gesuchs um Wiederherstellung der aufschiebenden
  Wirkung der Beschwerde.

  
	
   

  
	
  2.2 Das
  Verwaltungsgericht wies das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden
  Wirkung am 6. Juli 2022 ab und hiess die Gesuche um Gewährung der
  unentgeltlichen Prozessführung sowie der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung
  gut. Es bestellte A.______ in der Person von Rechtsanwalt Prof. Dr. Hardy Landolt
  einen unentgeltlichen Rechtsbeistand.

  
	
   

  
	
  2.3 Nachdem A.______ am 22. September 2022 und am
  26. September 2022 weitere Arztberichte ins Recht gelegt hatte, schloss die
  IV-Stelle am 30. September 2022 bzw. am 24. Oktober 2022 auf
  Abweisung der Beschwerde. In der Folge hielt A.______ am 31. Oktober 2022
  ebenso an seinen Anträgen fest, wie die IV-Stelle am 1. Dezember 2022 an
  den ihrigen.

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  1.1 Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 69
  Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom 19.
  Juni 1959 (IVG) zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Da auch
  die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde
  einzutreten.

  
	
   

  
	
  1.2 Am 1. Januar
  2022 trat die Änderung vom 19. Juni 2020 des IVG (Weiterentwicklung der IV;
  AS 2021 705) in Kraft. Soweit in Revisionsfällen die massgebende
  Änderung jedoch vor dem 1. Januar 2022 liegt, finden nach wie vor die
  Bestimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung
  über die Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 (IVV) in der
  bis zum 31. Dezember 2021 gültigen Fassung Anwendung. Der Zeitpunkt der
  massgebenden Änderung bestimmt sich dabei nach Art. 88a IVV
  (Kreisschreiben über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung [KSIR]
  vom 1. Januar 2022, Rz. 9102). Die im vorliegenden Verfahren
  massgebenden Änderungen datieren vor dem 1. Januar 2022, weshalb nach dem
  soeben Dargelegten die Bestimmungen des IVG und der IVV in der Fassung bis
  zum 31. Dezember 2021 anwendbar sind.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, auf das
  eingeholte Gutachten könne nicht abgestellt werden, weshalb eine gerichtliche
  Begutachtung zu erfolgen habe. Beim begutachtenden Rheumatologen handle es
  sich um einen vorbefassten Arzt, da dieser früher beim Regionalen Ärztlichen
  Dienst (RAD) massgeblich für seine medizinische Beurteilung verantwortlich
  gewesen sei. Sofern von der Verwertbarkeit des Gutachtens ausgegangen werde,
  enthalte dieses mehrere unzutreffende Annahmen. So sei ihm lediglich eine
  Arbeitsleistung von zwei bis drei Stunden für körperlich sehr leichte
  Tätigkeiten zumutbar, welche vom behandelnden Facharzt jedoch als rein
  theoretisch qualifiziert worden sei. Seine Hausärztin habe am 15. Juli
  2019 überdies darauf hingewiesen, dass sich die medizinische Situation seit
  der Rentenzusprache nicht wesentlich verbessert habe. Unrichtig sei sodann
  die abweichende Beurteilung der Gutachter, wonach von einer dauerhaften und
  stabilen Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auszugehen und er für leichte bis
  selten mittelschwere Tätigkeiten als voll arbeitsfähig zu qualifizieren sei.
  Seine gesundheitliche Situation habe sich seit dem 27. Oktober 2020
  nachhaltig und wesentlich verschlechtert, weshalb das Gutachten überholt sei.
  Zwischenzeitlich seien mehrere Operationen erforderlich gewesen, wobei sich
  auch die onkologische Problematik wieder verstärkt habe. Es sei deshalb
  tatsachenwidrig und rechtsfehlerhaft, von einer dauerhaften und wesentlichen
  Verbesserung des Gesundheitszustands auszugehen. Ferner hätte die
  Beschwerdegegnerin den maximalen Abzug vom Tabellenlohn gewähren müssen,
  sofern überhaupt von der Verwertbarkeit einer allenfalls noch vorhandenen
  Resterwerbstätigkeit ausgegangen werden könne. Unzutreffend sei
  letztlich auch die Auffassung der Beschwerdegegnerin betreffend
  Alkoholkonsum. So sei zwar richtig, dass die behandelnden Ärztinnen und Ärzte
  eine diesbezügliche Abstinenz empfehlen würden. Allerdings hätten die
  Gutachter keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit im Zusammenhang mit dem
  regelmässigen Alkoholkonsum festgestellt. Mit Blick auf die medizinischen
  Unterlagen sei die rentenbegründende Invalidität nicht mit überwiegender
  Wahrscheinlichkeit ab dem 1. Juli 2022 weggefallen. Sie habe sich auch nicht
  wesentlich reduziert bzw. 70 % unterschritten.

  
	
   

  
	
  2.2 Die Beschwerdegegnerin vertritt die
  Auffassung, indem sie eine eingehende versicherungsmedizinische Abklärung und
  eine polydisziplinäre Begutachtung durchgeführt habe, sei sie ihren
  Abklärungspflichten rechtsgenüglich nachgekommen. Sodann erfülle das
  Gutachten die Qualitätskriterien und sei verwertbar, womit eine Verbesserung
  des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers ausgewiesen sei. Letzterer sei
  seit spätestens Februar 2021 in einer angepassten Tätigkeit arbeitsfähig,
  sodass ein Invaliditätsgrad von weniger als 40 % vorliege und daher kein
  Anspruch auf eine Invalidenrente mehr bestehe. Auch sei es ihm zumutbar,
  seine Restarbeitsfähigkeit zu verwerten, da keine relevanten Erschwernisse
  vorlägen, die ihn als nicht vermittelbar einstuften. Überdies sei kein Abzug
  vom Tabellenlohn geschuldet. Mit Blick auf den Alkoholkonsum des
  Beschwerdeführers sei weiter darauf hinzuweisen, dass sich dieser gemäss
  Gutachten und RAD-Stellungnahme durchaus auf seinen Gesundheitszustand
  auswirke. Aufgrund der Schadenminderungspflicht sei eine Abstinenz daher
  geboten. Ab August 2022 müsse schliesslich von einer mutmasslich neuen
  gesundheitlichen Situation ausgegangen werden. Aufgrund der Fixierung des
  Verfahrensgegenstands mit der Verfügung vom 10. Mai 2022 sei dies jedoch im
  Rahmen einer Neuanmeldung geltend zu machen.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
  über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober
  2000 (ATSG) ist Invalidität die voraussichtlich bleibende oder
  längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit
  ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
  psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung sowie
  Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
  Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
  (Art. 7 Abs. 1 ATSG).

  
	
   

  
	
  3.2 Nach Art. 28 Abs. 2
  IVG besteht bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf
  eine Viertelsrente, bei einem solchen von mindestens 50 % auf eine halbe
  Rente, bei mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und ab mindestens
  70 % auf eine ganze Rente. Für die Bestimmung des
  Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
  Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung
  und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
  bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zum
  Erwerbseinkommen gesetzt, welches sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
  geworden wäre (Art. 16 ATSG).

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG ist eine Rente
  von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft zu erhöhen, herabzusetzen
  oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers
  erheblich ändert. Eine Revision wird von Amtes wegen durchgeführt,
  wenn sie im Hinblick auf eine mögliche erhebliche Änderung des Invaliditätsgrads
  bei der Festsetzung der Rente auf einen bestimmten Termin in Aussicht genommen
  worden ist oder wenn Tatsachen bekannt oder Massnahmen angeordnet werden, die
  eine erhebliche Änderung des Invaliditätsgrads als möglich erscheinen lassen
  (Art. 87 Abs. 1 IVV).

  
	
   

  
	
  4.2 Ein Revisionsgrund, d.h. eine für den Rentenanspruch
  massgebliche Veränderung der Verhältnisse, ist unter anderem bei einer
  Besserung oder Verschlechterung des Gesundheitszustands gegeben, aber auch
  bei einer Erhöhung oder Verminderung des massgeblichen Validen- oder
  Invalideneinkommens sowie bei einer Änderung der spezifischen
  Arbeitsfähigkeit. Keinen Revisionsgrund stellt hingegen eine nur vorübergehende
  Änderung des Gesundheitszustands oder die unterschiedliche Beurteilung eines
  im Wesentlichen unveränderten (medizinischen) Sachverhalts dar (BGer-Urteil
  9C_767/2008 vom 3. Oktober 2008 E. 1.2). Bei gleich gebliebenen
  tatsächlichen Verhältnissen muss ein Revisionsgrund, welcher zur Herabsetzung
  oder zur Aufhebung der Invalidenrente führt, somit aktenmässig zuverlässig
  ausgewiesen sein (BGer-Urteil 9C_552/2007 vom 17. Januar 2008
  E. 3.1.2).

  
	
   

  
	
  4.3 Identisch gebliebene Diagnosen schliessen eine
  revisionsrechtlich erhebliche Steigerung des tatsächlichen Leistungsvermögens
  (Arbeitsfähigkeit) – sei es aufgrund eines objektiv geminderten Schweregrads
  desselben Leidens, sei es aufgrund verbesserter Leidensanpassung der
  versicherten Person – nicht aus. Ob eine derartige tatsächliche Änderung oder
  aber eine revisionsrechtlich unbeachtliche abweichende ärztliche Einschätzung
  eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Gesundheitszustands vorliegt, bedarf
  – auch mit Blick auf die mitunter einschneidenden Folgen für die versicherte
  Person – einer sorgfältigen Prüfung. Dabei gilt der Beweisgrad der
  überwiegenden Wahrscheinlichkeit, wobei die blosse Möglichkeit einer
  Verbesserung tatsächlicher Art nicht genügt (BGer-Urteil 8C_666/2013 vom
  25. März 2014 E. 2.3). 

  
	
   

  
	
  4.4 Zur
  Ermittlung der Revisionsvoraussetzungen ist grundsätzlich der Sachverhalt der
  ursprünglichen Rentenverfügung mit den aktuellen Verhältnissen im Zeitpunkt
  der Neubeurteilung zu vergleichen. Zeitlicher
  Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung bildet
  rechtsprechungsgemäss die letzte (der versicherten Person eröffnete)
  rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des
  Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung
  und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine
  Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 108 E. 5.4).

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1 Nach dem für das gesamte Verwaltungs- und
  Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren geltenden Grundsatz der freien
  Beweiswürdigung haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsrichter die
  Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie
  umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet
  dies, dass das Gericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie
  stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren
  Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander
  widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne
  das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf
  die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt
  (BGE 125 V 351 E. 3a).

  
	
   

  
	
  5.2 Es
  ist Aufgabe der Ärztin oder des Arztes, sämtliche Auswirkungen einer
  Krankheit oder eines Unfalls auf den Gesundheitszustand der versicherten
  Person zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, bezüglich welcher konkreten
  Tätigkeiten und in welchem Umfang sie arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen
  Auskünfte sind sodann eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
  welche Arbeitsleistungen der versicherten Person im Hinblick auf ihre
  persönlichen Verhältnisse noch zugemutet werden können
  (vgl. BGE 132 V 93 E. 4).

  
	
   

  
	
  5.3 Hinsichtlich
  des Beweiswerts eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die
  Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf allseitigen
  Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis
  der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der
  medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die
  Schlussfolgerungen in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende
  Person sie prüfend nachvollziehen kann, sowie ob nicht auszuräumende Unsicherheiten
  und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren,
  gegebenenfalls deutlich gemacht werden. Ausschlaggebend
  für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines
  Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
  gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a). Dennoch hat es die
  Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar
  erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten
  Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen. Den im Rahmen des
  Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen Spezialärztinnen und
  -Ärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie
  nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der
  Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung
  volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
  Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210
  E. 1.3.4).

  
	
   

  
	
  6.

  
	
  Strittig und zu prüfen
  ist, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im
  Verfügungszeitpunkt vom 10. Mai 2022 (rentenaufhebende Verfügung) im
  Vergleich zu demjenigen vom 6. Mai 2015 (rentenzusprechende Verfügung) in rentenbeeinflussender
  Weise verändert hat und welche Tätigkeiten dem Beschwerdeführer (noch)
  zugemutet werden können.

  
	
   

  
	
  6.1 Beim Beschwerdeführer besteht seit 2013 ein Thymom
  im Stadium II nach Masoaka, was regelmässige Behandlungen zur Folge
  hatte. Auch im Zeitraum vor Erlass der rentenzusprechenden Verfügung kam es
  zu einer Tumorrezidiv-Behandlung. Dem Austrittsbericht des Spitals B.______
  vom 17. Januar 2015 lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer zur
  thorakospischen Biopsiegewinnung am 14. Januar 2015 operiert worden sei.
  Dabei seien pleurale Metastasen festgestellt worden. Von Februar bis April
  2015 fand eine neoadjuvante Chemotherapie am Spital B.______ statt. Im Juni
  2015 folgte eine Resektion des Rezidivs mit linksseitiger Pleuropneumonektomie
  und radikaler mediastinaler Lymphadenektomie.

  
	
   

  
	
  6.2

  
	
  6.2.1 Die behandelnde Hausärztin
  Dr. med. C.______, Fachärztin für Allgemeine Medizin FMH, führte am
  15. Juli 2019 aus, in den letzten Jahren sei von keiner wesentlichen
  Verbesserung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers auszugehen.
  Sitzende Tätigkeiten seien ihm seit Januar 2013 nicht mehr zumutbar, womit
  die Restarbeitsfähigkeit maximal 10 % betrage. Aufgrund der Schmerzen im
  Thoraxbereich sei durch medizinische Massnahmen keine Arbeitsfähigkeitssteigerung
  möglich.

  
	
   

  
	
  6.2.2 Am 29. Juli 2019 ersuchte die Beschwerdegegnerin bei
  der Abteilung Thoraxchirurgie des Spitals B.______ um die Beantwortung
  verschiedener Fragen. Prof. Dr. med. D.______ leitender Arzt
  für Gefäss- und Thoraxchirurgie, hielt im Arztbericht vom 26. September 2019
  fest, dass sich der klinische Zustand des Beschwerdeführers in der Zeit seit
  2015 deutlich verbessert habe. Körperlich leichte und sitzende Tätigkeiten
  seien ihm derzeit sicherlich zuzumuten. Seit wann dies der Fall sei, könne er
  nicht sicher beantworten. Diesbezüglich erscheine es sinnvoll, bei der
  Hausärztin nachzufragen.

  
	
   

  
	
  6.3 Am 27. Oktober 2020 wurde der Beschwerdeführer
  durch die Neurologie Toggenburg AG polydisziplinär begutachtet.

  
	
   

  
	
  6.3.1 Dr. med. E.______, Facharzt für Rheumatologie,
  Physikalische Medizin und Rehabilitation, stellte am 13. November 2020
  folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: chronisch
  lumbo-vertebrales, chronisch cerviko-vertebrales und chronisches
  Postthoraktomie Schmerzsyndrom links. Daneben stellte er eine ausgedehnte
  Suprascapularis- und Supraspinatussehnen-Ruptur rechts fest. Die
  objektivierbaren degenerativen Veränderungen im Bereich der Hals- und
  Lendenwirbelsäule sowie die Postthorakotomie-Beschwerden seien geeignet, beim
  Beschwerdeführer die statische und dynamische Belastbarkeit des Rumpfes
  sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht einzuschränken.
  Spätestens seit der zweiten Operation an der Lendenwirbelsäule vom 5. März
  2013 würden die tätigkeitsspezifischen Belastbarkeitsanforderungen die beim
  Beschwerdeführer verbliebenen körperlichen Ressourcen deutlich übersteigen,
  weshalb seit diesem Zeitpunkt eine bleibende Arbeitsunfähigkeit von
  100 % in Bezug auf die angestammte Tätigkeit als […] bestehe. Zumutbar
  seien ihm leichte, selten mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten. Dies
  unter der Voraussetzung, dass die qualitativen Einschränkungen in Bezug auf
  Zwangshaltungen, statische und dynamische Belastungen und hinsichtlich der
  Exposition gegenüber Vibrationen eingehalten würden. Aus rheumatologischer
  Sicht habe sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit 2015 nicht
  verbessert.

  
	
   

  
	
  6.3.2 Dr. med. F.______, Facharzt für Psychiatrie und
  Psychotherapie, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, verfasste das
  psychiatrische Teilgutachten. Darin stellte er lediglich Diagnosen ohne
  Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, namentlich eine Agoraphobie
  (ICD-10 F40.0), ein schädlicher Gebrauch von Alkohol (ICD-10 F10.1)
  sowie ein Verdacht auf Legasthenie bei Verdacht auf Lernbehinderung. Seit
  2015 sei keine Verbesserung eingetreten und es bleibe unklar, ob die
  agoraphobische Symptomatik bereits 2015 vorgelegen habe. Der schädliche
  Gebrauch von Alkohol habe bereits 2015 bestanden.

  
	
   

  
	
  6.3.3 Dr. med. G.______, Facharzt für Allgemeine
  Innere Medizin und Kardiologie, diagnostizierte im internistischen
  Teilgutachten ein Thymom im Stadium II nach Masoaka ED 07/2013. Den
  schädlichen Alkoholkonsum, die arterielle Hypertonie und das Übergewicht
  ordne er den internistischen Diagnosen ohne Auswirkungen auf die
  Arbeitsfähigkeit zu. Aufgrund des thorakalen Tumorleidens und seiner
  Behandlungsfolgen sei für körperlich schwere und mittelschwere Tätigkeiten
  keine Leistungsfähigkeit mehr gegeben. Dementsprechend bestehe eine
  vollständige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als […]. Als
  angepasste Tätigkeiten seien ihm körperlich sehr leichte bis leichte
  wechselbelastende Tätigkeiten mit gelegentlichem Heben und Tragen von Lasten
  bis maximal zehn Kilogramm zumutbar. In einer solchen sei eine Präsenz von
  acht bis neun Stunden mit einer Leistungseinschränkung von 20 % aufgrund
  eines leicht erhöhten Pausenbedarfs und eines leicht verminderten
  Arbeitstempos möglich. Daraus ergebe sich eine Arbeitsfähigkeit von 80 %.
  Überwiegend wahrscheinlich bestehe retrospektiv seit September 2015 nach
  Behandlung des Tumorrezidives durch neoadjuvante Chemotherapie,
  thoraxchirurgische Rezidivsektion mit Pleuropneumektonie und mediastinaler
  Lymphadenektomie ein weitgehend stabiler Gesundheitszustand.

  
	
   

  
	
  6.3.4 Im Rahmen der interdisziplinären Gesamtbeurteilung
  hielten die Gutachter fest, der Beschwerdeführer sei in der bisherigen
  Tätigkeit als […] aus allgemeininternistischer und rheumatologischer Seite
  seit dem 5. März 2013 zu 100 % arbeitsunfähig. Psychiatrischerseits
  bestehe weder für eine angepasste noch für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit
  eine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit. Für eine angepasste Tätigkeit
  bestehe allgemein-internistisch noch eine Arbeitsfähigkeit von 80 %.
  Seit September 2015 bestehe internistisch ein weitgehend stabiler
  Gesundheitszustand. Aus rheumatologischer und psychiatrischer Sicht seien
  keine Verbesserungen eingetreten. Insgesamt habe sich der Gesundheitszustand
  seit 2015 nicht verbessert.

  
	
   

  
	
  6.3.5 Die Gutachter hielten am 3. Februar 2021 ergänzend
  fest, bei der Konsensabfassung sei in Bezug auf die Arbeitsunfähigkeit seit
  September 2015 ein Fehler unterlaufen. Die 80%ige Arbeitsfähigkeit in einer
  angepassten Tätigkeit bestehe tatsächlich seit September 2015. Von Februar
  bis und mit Juni 2015 habe sich der Beschwerdeführer einer
  Tumorrezidiv-Behandlung mit neoadjuvanter Chemotherapie unterzogen, wobei von
  einer dreimonatigen Rekonvaleszenz nach dieser eingreifenden und umfassenden
  Behandlung auszugehen sei. Im September 2015 könne von einem gegenüber Januar
  2015 verbesserten und seither überwiegend stabilen Gesundheitszustand
  ausgegangen werden. Auch der Bericht von Prof. Dr. D.______ nehme auf
  diese Behandlung im Jahr 2015 Bezug, welche eine Verbesserung des
  Gesundheitszustands im Vergleich zur Situation vor der Behandlung ermöglicht
  habe.

  
	
   

  
	
  6.4

  
	
  6.4.1 Im Bericht vom 11. November 2021 stellte
  Prof. Dr. D.______ ein erneutes Rezidiv des Thymoms fest. Vom 17.
  Dezember 2021 bis am 23. Dezember 2021 wurde der Beschwerdeführer zur
  Resektion der Tumorrezidive im Bereich der linken Thoraxwand und der
  Bauchhöhle sodann am Spital B.______ hospitalisiert. Gemäss dem
  Austrittsbericht vom 22. Dezember 2021 hätten sich intraoperativ
  sechs Rezidivherde (ohne histologischen Malignitätsnachweis) gezeigt. Am
  23. Dezember 2021 sei der Beschwerdeführer in gutem Allgemeinzustand
  nach Hause entlassen worden.

  
	
   

  
	
  6.4.2 In der Stellungnahme vom 20. Januar 2022 hielt
  pract. med. H.______ fest, dass die Operation vom Dezember 2021
  nicht zu neuen, bisher unberücksichtigten, dauerhaften gesundheitlichen
  Einschränkungen geführt habe. Zwar sei bis zum Abschluss der postoperativen
  Heilungs- und Erholungsphase eine erneute Arbeitsunfähigkeit von 100 %
  für einen begrenzten Zeitraum (drei bis sechs Monate) plausibel. Danach könne
  aus arbeitsmedizinischer Hinsicht aber wieder von der gutachterlich
  festgelegten Arbeitsfähigkeit von 80 % in einer angepassten Tätigkeit
  ausgegangen werden.

  
	
   

  
	
  6.4.3 Gemäss dem Austrittsbericht der Klinik für Chirurgie
  vom 17. Mai 2022 befand sich der Beschwerdeführer zur Kyroablation einer
  Läsion im 7. ICR links vom 28. April 2022 bis am 29. April 2022
  erneut im Spital B.______.

  
	
   

  
	
  6.5 Am 1. Juni 2022 wiederholte Prof. Dr. D._____
  den Verlauf der Krankengeschichte im Zusammenhang mit dem im Jahr 2013
  erstdiagnostizierten Thymom und wies auf die regelmässig wiederauftretenden
  Tumorrezidive hin. Im Jahresverlauf sei mit der Notwendigkeit weiterer
  Tumorbehandlungen zu rechnen. Zudem seien bei dem vergleichsweise jungen Patienten
  auch grössere chirurgische Folgeeingriffe nicht auszuschliessen. Überdies
  äusserte er Zweifel an der Aktualität des polydisziplinären Gutachtens und
  forderte, dass die Beurteilung an die aktuelle Situation des
  Beschwerdeführers mit mehreren Folgeinterventionen angepasst werde.

  
	
   

  
	
  6.6 Dem Bericht von Dr. phil. I.______ und
  med. pract. J.______ vom 20. September 2022 lässt sich
  entnehmen, dass der Beschwerdeführer am 31. Mai 2022 der Beratungs- und
  Therapiestelle K.______ zugewiesen worden sei. Dabei seien eine
  rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F 33.2), eine Störung durch
  Alkohol/Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F 10.2) sowie eine Anpassungsstörung mit
  Angst und depressiver Reaktion gemischt (ICD-10 F 43.22) diagnostiziert
  worden. Der Beschwerdeführer sei vom 8. August bis am 11. August
  2022 wegen akuter Alkoholintoxikation notfallmässig nach […] eingewiesen
  worden. Zur Stabilisierung der Situation und für einen Alkoholentzug sei ab
  dem 26. September 2022 ein stationärer Eintritt in das Spital L.______
  vorgesehen.

  
	
   

  
	
  6.7 Pract. med. H.______ hielt am 29. September 2022 fest, dass eine gewisse
  Diskrepanz zwischen der Notwendigkeit einer notfallmässigen stationären
  Behandlung und den Ausführungen des Spitals B.______ bestünde. Im
  Bericht betreffend die ambulante Vorstellung vom 11. August 2022 sei von
  einem guten Allgemeinzustand die Rede gewesen. Dennoch müsse ab August 2022
  von einer neuen gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers ausgegangen
  werden, die wahrscheinlich zu einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % auch in
  einer angepassten Tätigkeit führe. Aus versicherungsmedizinischer Sicht
  dränge sich deshalb ein Fallabschluss per August 2022 auf. Aufgrund des
  instabilen Gesundheitszustands könne derzeit keine Prognose zur weiteren
  Entwicklung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit ab diesem
  Zeitpunkt abgegeben werden.

  
	
   

  
	
  7.

  
	
  7.1 In zeitlicher Hinsicht ist zunächst zu klären, ob
  und inwieweit diejenigen ärztlichen Berichte zu berücksichtigen sind, die
  nach Erlass der rentenaufhebenden Verfügung vom 10. Mai 2022 ergangen
  sind, wobei grundsätzlich auf den Sachverhalt abzustellen ist, wie er sich
  bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung entwickelt hat. Später
  eingereichte Arztberichte können dabei ausnahmsweise berücksichtigt werden,
  soweit sie Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand im Zeitpunkt des Erlasses
  der Verfügung erlauben (BGE 130 V 138 E. 2.1;
  121 V 362 E. 1b).

  
	
   

  
	
  7.2 Die Berichte des Spitals B.______ vom 17. Mai
  2022, vom 1. Juni 2022 und vom 11. August 2022 wurden nach Erlass
  der vorliegend angefochtenen Verfügung eingereicht. Sie beziehen sich auf die
  Behandlung des seit Jahren bekannten Thymoms und stehen damit im Zusammenhang
  mit einem vorbestehenden Leiden. Da die Berichte Rückschlüsse auf den
  Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im Verfügungszeitpunkt zulassen,
  sind sie im vorliegenden Verfahren zu berücksichtigen (vgl. auch das
  Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen IV 2009/272
  vom 5. Dezember 2011 E. 3).

  
	
   

  
	
  7.3 Anders verhält es sich mit dem Bericht von Dr. I.______
  und med. pract. J.______ vom 20. September 2022 bzw. den
  darin gestellten psychiatrischen Diagnosen. Zwar wird darin festgehalten,
  dass der Beschwerdeführer seit 30 Jahren an depressiven Episoden leide.
  In den im Verfügungszeitpunkt vorhandenen Akten lassen sich jedoch keine
  Anhaltspunkte für eine rezidivierende depressive Störung finden. Vielmehr
  verneinte Dr. F.______ im Rahmen der polydisziplinären Begutachtung das
  Vorliegen einer depressiven Störung. Auch die Anpassungsstörung (mit Angst
  und depressiver Reaktion gemischt) ist bis am 10. Mai 2022 nicht
  aktenkundig. Der Beschwerdeführer gelangte erst am 31. Mai 2022 (und damit
  nach Verfügungserlass) an die Beratungs- und Therapiestelle K.______. Vor
  diesem Zeitpunkt sind keine Hinweise auf eine fachärztliche psychiatrische
  Behandlung ersichtlich. Der Bericht von Dr. I.______ und
  med. pract. J.______ vom 20. September 2022, in welchem
  aufgrund einer rezidivierenden depressiven Störung von einer
  Arbeitsunfähigkeit von 100 % ausgegangen wird, hat im vorliegenden
  Verfahren deshalb unberücksichtigt zu bleiben.

  
	
   

  
	
  8.

  
	
  8.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrem
  Entscheid hauptsächlich auf das Gutachten der Neurologie Toggenburg AG,
  weshalb zu prüfen ist, ob darauf abgestellt werden kann bzw. diesem
  erhöhter Beweiswert zukommt.

  
	
   

  
	
  8.2

  
	
  8.2.1 In Bezug auf den Einwand des Beschwerdeführers,
  wonach Dr. E.______ sowohl als RAD-Arzt als auch als Gutachter mit
  seinem Fall befasst gewesen sei, wurde bereits in der Präsidialverfügung vom
  6. Juli 2022 darauf hingewiesen, dass verfahrensrechtliche Mängel aufgrund
  des Grundsatzes von Treu und Glauben und des Rechtsmissbrauchsverbots so früh
  wie möglich vorgebracht werden müssen. Wer sich auf ein Verfahren einlässt,
  ohne einen Verfahrensmangel bei erster Gelegenheit vorzubringen, verwirkt in
  der Regel den Anspruch auf spätere Anrufung der vermeintlich verletzten
  Verfahrensvorschrift (BGer-Urteil 8C_909/2018 vom 26. Juni 2018
  E. 5.2).

  
	
   

  
	
  8.2.2 Die Beschwerdegegnerin gab dem Beschwerdeführer die
  begutachtenden Ärzte bereits am 4. Februar 2020 bekannt, wobei sie auch
  Dr. E.______ ausdrücklich als Gutachter nannte. Dagegen hat der
  Beschwerdeführer keine Einwendungen erhoben, obwohl er von der
  Beschwerdegegnerin im vorerwähnten Schreiben ausdrücklich auf diese Möglichkeit
  hingewiesen wurde. Sodann wurden dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
  auf dessen Verlangen hin am 3. September 2021 die Akten zugestellt.
  Daraus war ohne Weiteres erkennbar, dass Dr. E.______ sowohl als
  RAD-Arzt als auch als Gutachter tätig war. Im Einwandverfahren wurde dies vom
  nunmehr anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer aber nicht bemängelt.
  Vielmehr verzichtete er stattdessen sogar darauf, den nur vorsorglich
  erhobenen Einwand weiter zu begründen. Indem die Einwendungen gegen
  Dr. E.______ als Gutachter erst im Beschwerdeverfahren erhoben wurden,
  können diese nun nicht als bei erster Gelegenheit gerügt gelten. Dies nicht
  zuletzt deshalb, weil der Beschwerdeführer seit dem 27. August 2021
  anwaltlich vertreten war. Die Rüge der Vorbefassung erfolgte damit verspätet.

  
	
   

  
	
  8.3

  
	
  8.3.1 Bei der Frage, ob sich der Gesundheitszustand des
  Beschwerdeführers möglicherweise verbessert habe, handelt es sich in erster
  Linie um eine medizinische Fragestellung, weshalb an die entsprechenden
  Abklärungen besonders hohe Anforderungen zu stellen sind. Namentlich wird
  verlangt, dass die Untersuchungen im Zeitpunkt der Revision aktuell sind und
  sich mit den massgeblichen Fragestellungen auseinandersetzen (vgl. dazu
  BGE 139 V 547 E. 10.2; BGer-Urteil 8C_505/2013 vom 8. Januar 2014
  E. 4.2). Wie lange ein Gutachten aktuell ist, lässt sich nicht abstrakt
  beziffern, sondern ist anhand der Umstände des Einzelfalls zu bestimmen,
  wobei der Dynamik des Gesundheitszustands des Betroffenen angemessen Rechnung
  zu tragen ist.

  
	
   

  
	
  8.3.2 Der Beschwerdeführer wurde am 27. Oktober 2020
  durch die Neurologie Toggenburg AG begutachtet. Die Rentenaufhebung erfolgte
  am 10. Mai 2022 und damit mehr als eineinhalb Jahre später. Angesichts
  der Instabilität des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers, sind
  vorliegend erhöhte Anforderungen an die Aktualität des Gutachtens zu stellen.
  Dies hat gerade vor dem Hintergrund, dass seit der Untersuchung des
  Beschwerdeführers durch die Gutachter im Jahr 2020 mehrere Spitalaufenthalte
  erforderlich waren, zu gelten. So fand im Dezember 2021 ein ausgedehnter
  chirurgischer Eingriff zur Tumorresektion statt. Auch im April 2022 kam es zu
  einer erneuten Hospitalisation. Die Auswirkungen dieser jüngsten Eingriffe
  auf den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers konnten im polydisziplinären
  Gutachten noch nicht berücksichtigt werden. Mit Blick auf die Komplexität der
  Krankheitsgeschichte und die mit jedem zusätzlichen Eingriff potentiell
  zunehmende Belastung, ist ungewiss, ob vorliegend noch von einer
  unveränderten gesundheitlichen Ausgangslage oder von einem verbesserten
  Gesundheitszustand seit Rentenzusprache gesprochen werden kann. Deshalb
  erweist sich eine aktuellere Einschätzung als unumgänglich.

  
	
   

  
	
  8.4 Selbst wenn von einer hinreichenden Aktualität des
  Gutachtens ausgegangen würde, ist fraglich, ob sich die Verbesserung des
  Gesundheitszustands des Beschwerdeführers daraus rechtsgenüglich ergibt. In
  Bezug auf die von der Beschwerdegegnerin gestellte Frage, ob eine
  Verbesserung des Gesundheitszustandes seit 2015 eingetreten sei, äussern sich
  die Gutachter nämlich nicht genügend deutlich und teilweise sogar
  widersprüchlich. Dr. G.______ verneinte im internistischen Teilgutachten
  zunächst eine Verbesserung des Gesundheitszustands und spricht von einem seit
  September 2015 weitgehend stabilen Gesundheitszustand nach der
  Tumorrezidivbehandlung. Auch im rheumatologischen Teilgutachten verneinte
  Dr. E.______ eine Verbesserung des Gesundheitszustands des
  Beschwerdeführers seit 2015. Erst im Rahmen der Rückfragen der Beschwerdegegnerin
  wird präzisiert, dass die umfassende und tiefgreifende Tumorrezidivbehandlung
  von Februar bis Juni 2015 zu einer Verbesserung des Gesundheitszustands
  gegenüber Januar 2015 geführt habe. Dieser lediglich pauschalen Feststellung
  der Gutachter fehlt es aber an einer vertieften Auseinandersetzung.
  Insbesondere wird die Frage, inwiefern sich der Gesundheitszustand vor und
  nach der Behandlung im Jahr 2015 unterscheidet, nicht beantwortet. Damit kann
  auch nicht beurteilt werden, ob es sich bei den gutachterlichen Ausführungen
  nur um eine andere Würdigung eines im Wesentlichen unveränderten Sachverhalts
  oder um eine tatsächliche Verbesserung des Gesundheitszustands handelt. Diese
  Aspekte sind im Rahmen einer vorliegend angezeigten Neuabklärung ebenso zu berücksichtigen,
  wie die Prüfung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in angepasster
  Tätigkeit.

  
	
   

  
	
  9.

  
	
  9.1 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung können
  die Sozialversicherungsgerichte nicht mehr frei entscheiden, ob sie eine
  Streitsache zur neuen Begutachtung an die Verwaltung zurückweisen. Die
  Beschwerdeinstanz hat vielmehr im Regelfall selbst ein Gerichtsgutachten
  einzuholen, wenn sie einen im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen
  Sachverhalt überhaupt für gutachterlich abklärungsbedürftig hält oder wenn
  ein Administrativgutachten in einem rechtserheblichen Punkt nicht
  beweiskräftig ist. Eine Rückweisung an die Vorinstanz bleibt hingegen
  möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig
  ungeklärten Frage begründet ist oder wenn lediglich eine Klarstellung,
  Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführungen erforderlich ist
  (BGE 137 V 210 E. 4.4.1 ff.).

  
	
   

  
	
  9.2 Die Beschwerdegegnerin hat es unterlassen, den
  aktuellen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im Zeitpunkt der
  rentenaufhebenden Verfügung rechtsgenüglich abzuklären. Sie hätte zusätzliche
  Abklärungen veranlassen müssen, nicht zuletzt, weil sich der Beschwerdeführer
  in einem instabilen Gesundheitszustand befindet und nach Erstattung des
  Gutachtens von erneuten Tumorbehandlungen berichtet wird. Hierbei genügt der
  lediglich pauschal gehaltene Hinweis des RAD, wonach aus den jeweiligen
  Behandlungen eine nur kurze Arbeitsunfähigkeit resultiere, nicht, um mit
  überwiegender Wahrscheinlichkeit auf eine Verbesserung des
  Gesundheitszustands zu schliessen. Die zentrale Frage, ob sich der
  Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit Erlass der rentenzusprechenden
  Verfügung in einer erheblichen Weise verändert hat, kann gestützt auf die
  vorhandenen Akten somit nicht ohne Weiteres beantwortet werden. Diese
  Unzulänglichkeiten lassen sich auch durch die weiteren im Recht liegenden
  ärztlichen Berichte nicht ausgleichen, da sich diese einerseits nur
  ungenügend mit den anderen ärztlichen Meinungen auseinandersetzen und sich
  andererseits nicht rechtsgenüglich zur Resterwerbsfähigkeit äussern. Da es
  nicht Aufgabe des kantonalen Sozialversicherungsgerichts sein kann, im
  Verwaltungsverfahren versäumte Abklärungen zu veranlassen, hat die
  Beschwerdegegnerin neue Abklärungen vorzunehmen, um Klarheit über den
  massgebenden Gesundheitszustand zu erhalten. Mit Blick auf die vorliegenden
  Umstände erweist sich die Rückweisung an die Beschwerdegegnerin somit als
  zulässig, nicht zuletzt weil der Beschwerdeführer selbst die Rückweisung der
  Sache beantragt.

  
	
   

  
	
  Dies führt zur teilweisen
  Gutheissung der Beschwerde. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 10. Mai
  2022 ist aufzuheben und die Sache ist im Sinne der Erwägungen an diese
  zurückzuweisen.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  1.

  
	
  Nach Art. 134 Abs. 1 lit.
  c VRG i.V.m. Art. 69 Abs. 1bis IVG hat die Partei, welche im
  Beschwerdeverfahren unterliegt, die amtlichen Kosten zu tragen. Als Obsiegen
  gilt hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen auch die Rückweisung
  der Sache zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung und zum Neuentscheid an den
  Versicherungsträger (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. A., Zürich/Basel/Genf
  2020, Art. 61 N. 224), weshalb die Gerichtskosten von pauschal Fr.
  600.- der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind. Da die Gerichtskosten der
  Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind, ist das am 6. Juli 2022 bereits
  gutgeheissene Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen
  Prozessführung als gegenstandslos geworden abzuschreiben.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Der obsiegende und berufsmässig vertretene Beschwerdeführer
  hat gemäss Art. 61 lit. g ATSG Anspruch auf eine angemessene
  Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Diese ist ohne
  Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und der
  Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen und vorliegend auf Fr. 1'800.-
  (inkl. Mehrwertsteuer) festzusetzen.

  
	
   

  
	
  2.2 Das
  Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen
  Rechtsverbeiständung wurde ebenfalls bereits am 6. Juli 2022 gutgeheissen und
  ihm wurde in der Person von Rechtsanwalt Prof. Dr. Hardy Landolt ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt. Dieser
  ist mit Fr. 1'800.- (inkl. Mehrwertsteuer und Auslagen) zu entschädigen.
  Daran anzurechnen ist die Parteientschädigung seitens der Beschwerdegegnerin
  in gleicher Höhe.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Gegen diesen
  Zwischenentscheid steht die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen
  Angelegenheiten ans Bundesgericht nur nach Massgabe von Art. 93 Abs. 1
  des Gesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 (BGG) offen.

  
	
  Demgemäss beschliesst die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Das
    Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen
    Prozessführung wird als gegenstandslos geworden abgeschrieben.

    
	
    2.

    	
    Der Rechtsbeistand des
    Beschwerdeführers wird zu Lasten der Gerichtskasse mit Fr. 1'800.-
    (inkl. Mehrwertsteuer und Auslagen) entschädigt. Daran
    angerechnet wird die Parteientschädigung seitens der Beschwerdegegnerin in
    gleicher Höhe.

    

  und erkennt sodann:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Die Verfügung der
    Beschwerdegegnerin vom 10. Mai 2022 wird aufgehoben und die Sache wird im
    Sinne der Erwägungen an diese zurückgewiesen.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtskosten von Fr. 600.- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt.

    
	
    3.

    	
    Die
    Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer innert
    30 Tagen nach Rechtskraft dieses Entscheids eine Parteientschädigung
    von Fr. 1'800.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]