# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** daae1dfc-79a2-5e9e-830e-216f83f49d83
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-08-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.08.2008 D-5307/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5307-2008_2008-08-21.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5307/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 1 .  A u g u s t  2 0 0 8

Einzelrichter Martin Zoller, 
mit Zustimmung von Richterin Regula Schenker Senn, 
Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr.

A._______, geboren (...),
Nigeria,
(...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 7. August 2008 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5307/2008

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer am 28. März 2008 ohne Einreichung von 
Identitätsdokumenten in der Schweiz um Asyl nachsuchte,

dass  er  dabei  im  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum  B._______  im 
Rahmen der Erstbefragung vom 3. April 2008 und der Anhörung nach 
Art. 29  Abs. 1  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG, 
SR 142.31) am 16. April  2008 im Wesentlichen  angab, ein nigeriani-
scher Staatsangehöriger - Katholik und ethnischer Igbo - zu sein und 
bis zu seiner Ausreise mit seiner Familie im Bundesstaat C._______ 
gelebt zu haben, wobei er sich nicht politisch betätigt habe,

dass er Mitte Februar 2008 – als er alkoholisiert nach Hause gekom-
men sei – mit seiner siebzehnjährigen Schwester den Beischlaf ausge-
übt habe, worauf sich diese in der Folge übergeben und den sie be-
drängenden  Nachbarn  erklärt  habe,  sie  sei  von  ihrem  Bruder  ge-
schwängert worden, 

dass Inzest in seiner Heimat ein Tabu sei und er deshalb aus Angst vor 
den  Nachbarn  und  seinem  Onkel,  der  gedroht  habe,  ihn  zu 
erschiessen, geflohen sei, wobei ihm ein unbekannter Mann geholfen 
habe, nach Lagos zu gelangen,

dass er von dort aus mit einem Schiff an eine unbekannte Destination 
gelangt und schliesslich am 28. März 2008 mit dem Zug illegal in die 
Schweiz eingereist sei, 

dass  der  Beschwerdeführer  trotz  mehrfacher  Aufforderung  im  Emp-
fangs- und Verfahrenszentrum B._______ bis  zum jetzigen Zeitpunkt 
keine Identitätspapiere eingereicht hat,  mit  der Begründung, er  habe 
nie  solche  besessen  (vgl.  A1/8,  S. 3;  A7/17,  S. 3)  und  könne  auch 
keine  beschaffen,  da  ihm  in  seinem  Heimatstaat  niemand  dabei 
behilflich sein könne (vgl. A1/8, S. 4), 

dass gegen den Beschwerdeführer in den Monaten Mai bis Juli 2008 
in drei verschiedenen Kantonen jeweils wegen des Verdachts des Ver-
gehens gegen das Betäubungsmittelgesetz Anzeige erstattet wurde,

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  7. August  2008  -  eröffnet  am 
11. August 2008 - in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG auf 

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das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eintrat,  dessen 
Wegweisung anordnete und deren Vollzug als zulässig, zumutbar und 
möglich erachtete,

dass  der  Beschwerdeführer  dagegen  mit  Eingabe  vom  18. August 
2008 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und das Ein-
treten auf sein Asylgesuch, die Gewährung des Asyls, eventualiter die 
Anordnung der  vorläufigen Aufnahme,  das Durchführen weiterer  Ab-
klärungen im Sinne von Art. 41 AsylG und das Aussetzen des Vollzugs 
der Wegweisung,  sowie in formeller  Hinsicht die Gewährung der un-
entgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesge-
setzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021) beantragte,

dass der Rechtsmittelschrift – jeweils in Kopie – ein an einen heimat-
lichen Pfarrer gerichtetes, in englischer Sprache gehaltenes Schreiben 
sowie ein ärztlicher Ausweis beilagen,

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5  VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG 
i.V.m. Art. 31 – 34 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
[VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1  des Bundesgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung berührt 
ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei-
se  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legiti-
miert ist [Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG]),

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten  ist  [Art. 108  Abs. 2  AsylG  sowie  Art. 6  AsylG  i.V.m. Art. 52 
VwVG]),

dass mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht die Verletzung 
von Bundesrecht,  die unrichtige oder unvollständige Feststellung des 

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rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt 
werden kann (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art.  32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass daher auf den Antrag in der Beschwerdeschrift, das Asylgesuch 
sei gutzuheissen, nicht einzutreten ist, 

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung eines zweiten Richters entschie-
den wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend - wie nachfol-
gend aufgezeigt - um eine solche handelt, weshalb der Beschwerde-
entscheid nur summarisch zu begründen ist, wobei auf die Erwägun-
gen  in  der  angefochtenen  Verfügung  verwiesen  werden  kann  (vgl. 
Art. 111a Abs. 2 AsylG und Art. 109 Abs. 3 BGG i.V.m. Art. 6 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass nach Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG auf Asylgesuche nicht eingetre-
ten wird,  wenn Asylsuchende den Behörden nicht  innert  48 Stunden 
nach Einreichung des Gesuchs Reise- oder Identitätspapiere abgeben,

dass diese Bestimmung keine Anwendung findet,  wenn Asylgesuch-
steller  glaubhaft  machen können, dass sie dazu aus entschuldbaren 
Gründen nicht in der Lage sind oder auf Grund der Anhörung sowie 
gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG die Flüchtlingseigenschaft festgestellt 
wird oder zusätzliche Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingsei-
genschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses  nötig  sind 
(Art. 32 Abs. 3 AsylG),

dass  der  Beschwerdeführer  zu  den  Reisepapieren  widersprüchliche 
Angaben  macht,  indem  er  einerseits  anlässlich  der  Befragung  vom 
16. April  2008 vorbrachte,  ohne ein Identitätsdokument nach Europa 
gereist  zu  sein  (vgl.  A7/17,  S. 11),  was  angesichts  der  strengen 
Kontrolle  an  wichtigen  Grenzübergängen  als  nicht  realistisch  er-
scheint, und andererseits auf Beschwerdeebene plötzlich vorbringt, er 
sei mit einem Pass gereist, dessen Authentizität und Visum er ebenso-

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wenig bestätigen könne wie die Identität  der Person, auf welche das 
Dokument ausgestellt sei, 

dass  diese  widersprüchlichen  Vorbringen  nicht  zur  Glaubwürdigkeit 
des Beschwerdeführers beitragen,

dass  der  Beschwerdeführer  im  Rahmen  seiner  Beschwerde  vom 
18. August 2008 weiter geltend macht, er habe am 24. Juli 2008 den 
Pfarrer seiner heimatlichen Kirchgemeinde um Hilfe bei der Beschaf-
fung seiner Geburtsurkunde gebeten, wobei er  jedoch noch nicht  im 
Besitz dieses Dokumentes sei,

dass unter  den Begriff  „Reise- oder Identitätspapier“  gemäss Art. 32 
Abs. 2 Bst. a  AsylG nur Dokumente fallen,  welche von den heimatli-
chen Behörden zum Zweck des Identitätsnachweises ausgestellt wor-
den  sind,  mithin  grundsätzlich  nur  Reisepässe  und  Identitätskarten 
diese Anforderungen erfüllen, nicht aber zu anderen Zwecken ausge-
stellte  Dokumente  wie  Führerausweise  oder  Geburtsurkunden  (vgl. 
Entscheide  des  Schweizerischen  Bundesverwaltungsgerichts  [BVGE] 
2007/7  E. 6),  weshalb die Ausführungen des Beschwerdeführers  zur 
Beschaffung seiner Geburtsurkunde (vgl. das der Beschwerde beige-
legte  Schreiben  an  einen  Pfarrer,  worin  dieser  um Zustellung  eines 
solchen  Dokumentes  ersucht  wird)  unbeachtlich  sind,  da  diese  kein 
rechtsgenügliches Dokument darstellen würde,

dass  der  Beschwerdeführer  bis  zum jetzigen Zeitpunkt  offensichtlich 
keine  Anstrengungen  unternommen  hat,  um  ein  rechtsgenügliches 
Identitätspapier im Sinne der genannten Bestimmung einzureichen,

dass somit keine entschuldbaren Gründe für das Versäumnis des Be-
schwerdeführers, Identitätsdokumente einzureichen, vorliegen,

dass  die  Vorinstanz  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  seinen 
Heimatstaat wegen des Beischlafs mit seiner Schwester und der dar-
aus abgeleiteten Furcht vor Verfolgung verlassen zu haben, zutreffend 
mangels Substanz und Realkennzeichen sowie aufgrund von diversen 
Widersprüchen im Zusammenhang mit dem geltend gemachten Ereig-
nis  als  nicht  glaubhaft  und nicht  asylrelevant  erachtet  hat  und dass 
hierzu  auf  die  zu  bestätigenden  Erwägungen  in  der  angefochtenen 
Verfügung verwiesen werden kann, 

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dass sich die Argumente in der Beschwerdeschrift im Wesentlichen in 
einer Wiederholung der bereits im vorinstanzlichen Verfahren geltend 
gemachten Vorbringen erschöpfen und die vom BFM aufgezeigten Wi-
dersprüche und Ungereimtheiten nicht  zu entkräften und keine asyl-
rechtlich relevante Verfolgung zu begründen vermögen, 

dass  somit  keine  Abklärungen  im  Sinne  von  Art. 32  Abs. 3  Bst.  c 
AsylG notwendig erscheinen,

dass  das  Bundesamt demzufolge zu  Recht  auf  das  Asylgesuch des 
Beschwerdeführers nicht eingetreten ist,

dass die Anordnung einer Wegweisung die gesetzliche Regelfolge des 
Nichteintretens  auf  ein  Asylgesuch  ist  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  wenn 
sich der Asylsuchende nicht im Besitz einer fremdenpolizeilichen Auf-
enthaltsbewilligung befindet,

dass  der  Beschwerdeführer  über  keine  derartige  Bewilligung  verfügt 
und auch keinen Anspruch auf eine solche geltend machen kann, wes-
halb die von der Vorinstanz ausgesprochene Wegweisung im Einklang 
mit  den gesetzlichen Bestimmungen steht und zu bestätigen ist (vgl. 
Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskom-
mission [ARK] / EMARK 2001 Nr. 21),

dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzli-
chen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern re-
gelt,  wenn der Vollzug der Wegweisung nicht möglich,  nicht  zulässig 
oder nicht zumutbar ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG),

dass der Vollzug der Wegweisung des jungen, ledigen und über ver-
wandtschaftliche Beziehungen in seinem Heimatstaat verfügenden Be-
schwerdeführers (vgl. A1/8, S. 3) als zulässig, zumutbar und möglich 
im  Sinne  von Art. 83  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005 
über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) zu erachten 
ist, und dass die Ausführungen des Beschwerdeführers zur allgemei-
nen Situation in Nigeria und zur ambulanten Behandlung wegen eines 
offenbar in der Schweiz erlittenen Unfalls (gebrochener Fuss; vgl. den 
der Rechtsmitteleingabe beigelegten ärztlichen Ausweis) daran nichts 
zu  ändern  vermögen,  weshalb  die  Anordnung  der  vorläufigen 
Aufnahme ausser Betracht fällt,

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dass  die  angefochtene  Verfügung  demnach  weder  Bundesrecht  ver-
letzt noch unangemessen ist und der rechtserhebliche Sachverhalt von 
der  Vorinstanz  richtig  und  vollständig  festgestellt  wurde  (Art. 106 
AsylG),  weshalb  sie  zu  bestätigen  und die  Beschwerde abzuweisen 
ist, soweit auf diese einzutreten ist,

dass damit die Anträge in der Beschwerdeschrift betreffend Durchfüh-
rung weiterer  Abklärungen und Aussetzen des Wegweisungsvollzugs 
gegenstandslos sind,

dass die eingereichte Beschwerde als aussichtslos erschien, weshalb 
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss 
Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.-- 
(Art. 16  Abs. 1 Bst. a  VGG i.V.m. Art. 2  und 3  des Reglements  vom 
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer 
aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite) 

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf diese eingetreten wird.

2.
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im 
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  nach  Versand  des 
vorliegenden Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein)
- das  BFM,  Abteilung  Aufenthalt  und  Rückkehrförderung,  mit  den 

Akten Ref.-Nr. N (...) (per Kurier; in Kopie)
- (...) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Martin Zoller Susanne Burgherr

Versand: 

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