# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d538959d-662c-5ae3-b391-0216af50f655
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-04-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.04.2025 E-3207/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3207-2021_2025-04-07.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3207/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  7 .  A p r i l  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richter Kaspar Gerber (Vorsitz), 

Richter Daniele Cattaneo, Richter David R. Wenger, 

Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am 12. April 1981, 

Türkei, 

vertreten durch Ali Tüm, Asylum Rechtsberatung, 

Beschwerdeführer, 

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 10. Juni 2021 / N (…). 

 

 

 

E-3207/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, ein alevitischer Kurde, verliess seinen Heimatstaat 

eigenen Angaben zufolge am (…) 2020, reiste am 12. September 2020 in 

die Schweiz ein und suchte am gleichen Tag um Asyl nach. Am 15. Oktober 

2020 wurde er dem erweiterten Verfahren und dem Kanton B._______ zu-

gewiesen. Seine Personendaten nahm das SEM am 17. September 2020 

auf. 

B.  

Am 24. September 2020 führte das SEM mit dem Beschwerdeführer ein 

Dublin-Gespräch durch, wobei er vorbrachte, es gehe ihm aus medizini-

scher Sicht nicht gut. 

C.  

Mit Eingaben vom 24. und 28. September sowie vom 6. Oktober 2020 

reichte der Beschwerdeführer medizinische Datenblätter für interne Arzt-

besuche im EVZ (Empfangs- und Verfahrenszentrum) Basel mit Einträgen 

vom 22. und 29. September sowie vom 1. Oktober 2020 und einen Bericht 

von C._______ (Radiologie […]) vom 25. September 2020 (inkl. Röntgen-

aufnahmen des Bereichs […]) beim SEM ein. 

D.  

Anlässlich der Anhörung vom 8. Oktober 2020 und der ergänzenden Anhö-

rung vom 18. Februar 2021 brachte der Beschwerdeführer in persönlicher 

Hinsicht vor, er stamme ursprünglich aus D._______ (Provinz Tunceli). Mit 

seiner Familie sei er im Jahr 1984 oder 1985 nach E._______ (Stadtge-

meinde der Provinz Istanbul) umgezogen, wo er bis zu seiner Ausreise im 

Haus seines Vaters gelebt habe. Dieses Viertel sei jedoch schon immer in 

den Händen von Türken respektive der AKP (Adalet ve Kalkınma Partisi) 

gewesen. Seine (damalige) Ehefrau F._______ und seine zwei Kinder (ge-

boren […] und […]) seien seit seiner Ausreise im Haus seines Schwieger-

vaters in G._______ (Stadtgemeinde der Provinz Istanbul) wohnhaft. Ab 

dem Jahr 1996 habe er verschiedene Tätigkeiten in der (…)branche aus-

geführt, wobei er im Jahr 2009 aufgrund seiner Ethnie entlassen worden 

sei. Danach habe er – teilweise illegal – als Hilfsarbeiter oder (…) gearbei-

tet. 

Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er im Wesentlichen geltend, 

er sei als Kurde und Alevit schon sein ganzes Leben ständigen Diskrimi-

nierungen ausgesetzt gewesen. Von (…) 2011 bis (…) 2012 sei er wegen 

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Seite 3 

eines falschen Verdachts auf Drogenhandel für (…) Monate inhaftiert ge-

wesen. Nach einem erstinstanzlichen Urteil vom (…) 2012 habe das Ver-

fahren mit einem Freispruch durch den Kassationshof am (…) 2015 geen-

det und die früheren Verurteilungen seien aufgehoben worden. 

Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis im (…) 2012 habe er begon-

nen, sich in einem alevitischen Verein seines Viertels zu engagieren (vgl. 

eingereichter Mitgliedsausweis [Bm. 1]). Ausserdem habe er regelmässig 

an Kundgebungen teilgenommen und die HDP (Halkların Demokratik Par-

tisi) gewählt. Am (…) 2014 habe er eine Tante besuchen wollen und sei in 

einen Streit zwischen Aleviten und Sunniten geraten. Er habe zunächst die-

sen Streit schlichten wollen, doch dann sei er von H._______, eine ihm 

bekannte regierungsnahe Person aus demselben Wohnviertel, angeschos-

sen worden. Auch sein Schwager (resp. Ehemann seiner Tante) sei damals 

von dieser Person angegriffen worden, welche anschliessend festgenom-

men und für (…) Monate in Untersuchungshaft gekommen sei. Das zustän-

dige Regionalgericht habe ihn am (…) 2018 zu (…) Jahren Haft verurteilt; 

derzeit sei eine Beschwerde in diesem Fall am Kassationshof hängig (vgl. 

eingereichte Gerichtsunterlagen [Bm. 2]). Trotz allem sei H._______ der-

zeit auf freiem Fuss und bedrohe den Beschwerdeführer seit dem Jahr 

2017/2018 respektive (…) 2019 per Telefon oder per SMS, dass er seine 

Anzeige zurückziehe. Als der Beschwerdeführer deswegen einen Polizei-

posten in E._______ aufgesucht habe, sei er zurückgewiesen worden, weil 

er keine Beweise für diese Drohungen habe. Als dann auch noch in seiner 

Abwesenheit auf sein Haus geschossen worden sei, habe er (…) Tage spä-

ter die Türkei verlassen. 

An der ergänzenden Anhörung führte der Beschwerdeführer ferner aus, 

(…) 2019 sei er, als er illegal (…) sei, von der Polizei angehalten, festge-

nommen und beschuldigt worden, an Kundgebungen teilgenommen zu ha-

ben. Nach (…) Tagen in Untersuchungshaft habe der Friedensstrafrichter 

ihn am (…) 2019 unter der Auflage einer Meldepflicht wieder freigelassen. 

Nach (…) Monaten sei diese Auflage wieder aufgehoben worden. Als der 

Beschwerdeführer (…) Monate in der Schweiz gewesen sei, habe er erfah-

ren, dass eine Anklage wegen Propaganda für eine Terrororganisation ge-

gen ihn vorbereitet werde. Die Anklageschrift sei am (…) 2020 ausgestellt 

worden (Bm. 4). 

Hinsichtlich des medizinischen Sachverhalts informierte der Beschwerde-

führer das SEM, dass er aufgrund des Umstandes, dass er angeschossen 

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Seite 4 

und anschliessend operiert worden sei, immer noch grosse Schmerzen vor 

allem an den Hüften habe, da ein Bein (…) cm länger sei. 

E.  

Am 16. Oktober 2020 erhielt der Beschwerdeführer auf dem Postweg ei-

nen türkischen Personalausweis (Nüfüs [Bm. 3]). 

F.  

Mit Eingabe vom 2. Dezember 2020 reichte der Beschwerdeführer fol-

gende Unterlagen beim SEM ein (alle in Kopie, soweit identifizierbar und 

leserlich [Bm. 5]): 

• Anklageschrift (İddianame) der Staatsanwaltschaft I._______ vom (…)  

2011 (Beilage 1), 

• Vernehmungsprotokoll (Sorgulama tutanağı) der Staatsanwaltschaft 

I._______ vom (…) 2011 (Beilage 1), 

• begründetes Urteil (Gerekçeli karar) des (…) Gerichts für schwere Straf-

teten (Ağır Ceza Mahkemesi) I._______ vom 27. November 2012 (Bei-

lage 2) und 

• Urteil des Kassationshofs (Yargıtay ilamı) der (…) Strafkammer vom (…)  

2015 (Beilagen 3 und 4). 

G.  

G.a Gemäss einem Bericht der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) 

wurde am (…) 2020 am Flughafen J._______ eine türkische Strafanzeige 

eingezogen. Dabei handelt es sich um eine Anklageschrift (İddianame) der 

Staatsanwaltschaft Istanbul vom (…) 2020 (Bm. 6). 

G.b Dieses Dokument sowie die weitere davon abweichende Version, wel-

che der Beschwerdeführer an der ergänzenden Anhörung am 18. Februar 

2021 eingereicht hatte (Anklageschrift vom […] 2020 [Bm. 4]), wurden vom 

SEM amtsintern untersucht. Der Bericht vom 6. Mai 2021 hielt im Wesent-

lichen fest, dass die 2. Version (Anklageschrift vom […] 2020 [Bm. 6]) mit 

Sicherheit gefälscht sei, und schloss nicht aus, dass es sich bei beiden 

Dokumenten um Totalfälschungen handle. 

G.c Am 7. Mai 2021 gewährte das SEM dem Beschwerdeführer in Bezug 

auf den erstellten Analysebericht das rechtliche Gehör. Eine entspre-

chende Stellungnahme wurde am 19. Mai 2021 zu den vorinstanzlichen 

Akten gereicht. 

H.  

Aus den Akten ergibt sich, dass der Beschwerdeführer gemäss Urteil des 

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Seite 5 

(…) Familiengerichts G._______ vom (…) 2021 von der Klägerin 

F._______ geschieden wurde (Verhandlungsdatum: […] 2019). 

I.  

Mit Verfügung vom 10. Juni 2021 – tags darauf eröffnet – verneinte das 

SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein Asyl-

gesuch ab, wies ihn aus der Schweiz weg und beauftragte den zuständigen 

Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. 

J.  

J.a Am 9. Juni 2021 (Eingang SEM: 10. Juni 2021) reichte der Beschwer-

deführer folgende Unterlagen ein: 

• Bestätigungsschreiben der Staatsanwaltschaft I._______ vom (…) 2021 

(inkl. Vollmacht aus dem Jahr 2011 [Beilage 1]) sowie 

• Dokument vom (…) 2021, dass sein Anwalt in der Türkei nicht befugt sei, 

ein neues e-Devlet-Passwort zu bestellen (inkl. Vollmacht aus dem Jahr 

2011 und ein notarielles Schreiben vom (…) 2011 [Beilage 2]). 

J.b Am 15. Juni 2021 gelangte der Beschwerdeführer an die Vorinstanz 

und stellte fest, dass die am 9. Juni 2021 eingereichten Beweismittel im 

Asylentscheid vom 10. Juni 2021 nicht berücksichtigt worden seien, wes-

wegen dieser Entscheid vor Ablauf der Rechtsmittelfrist in Wiedererwä-

gung zu ziehen sei. 

J.c Mit Schreiben vom 17. Juni 2021 hielt das SEM fest, dass die Eingabe 

vom 9. Juni 2023 nicht habe im Asylentscheid berücksichtigt werden kön-

nen, da sie erst am 10. Juni 2021 beim SEM eingetroffen sei. Die neuen 

Beweismittel seien jedoch nicht geeignet, eine andere Einschätzung her-

beizuführen, weswegen die Vorinstanz diesbezüglich auf den ordentlichen 

Rechtsweg verwies. 

K.  

Der Beschwerdeführer liess am 10. Juli 2021 durch den rubrizierten 

Rechtsvertreter gegen die Verfügung vom 10. Juni 2021 beim Bundesver-

waltungsgericht Beschwerde erheben und beantragte sinngemäss, nach 

Aufhebung der Verfügung sei der Beschwerdeführer als Flüchtling unter 

Asylgewährung anzuerkennen; eventualiter sei er vorläufig aufzunehmen; 

subeventualiter sei die Sache zwecks Feststellung des rechtserheblichen 

Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher 

Hinsicht sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf 

die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. 

E-3207/2021 

Seite 6 

Der Beschwerde lagen folgende – bereits zuvor der Vorinstanz einge-

reichte – Unterlagen bei:  

• Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I._______ vom (…) 2020 (vgl. 

Bst. G.a), 

• notarielles Bestätigungsschreiben vom (…) 2011 und eine Vollmacht aus 

dem Jahr 2011 (vgl. Bst. J.a], 

• anwaltliches Schreiben vom (…) 2021(vgl. Bst. J.a), 

• Bestätigungsschreiben der Staatsanwaltschaft I._______ vom (…) 2021 

(vgl. Bst. J.a) und 

• Fürsorgebestätigung des Sozialdienstes des Kantons B._______ vom 

6. Juli 2021. 

L.  

Am 6. August 2021 wurde das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung gutgeheissen. 

M.  

Die Vorinstanz liess sich am 12. August 2021 vernehmen und stellte fest, 

dass die Beschwerdeschrift keine neuen erheblichen Tatsachen oder Be-

weismittel enthalte, welche eine Änderung ihres Standpunktes rechtferti-

gen könnte. 

N.  

Am 28. August 2021 reichte der Beschwerdeführer durch seinen Rechts-

vertreter seine Replik dem Bundesverwaltungsgericht ein. 

O.  

Nach der Trauungsmitteilung des Zivilstandswesens K._______ heiratete 

der Beschwerdeführer am 17. November 2021 die türkische Staatsange-

hörige L._______ (heute M._______, geb. […]), welche gemäss ZEMIS 

(Zentrales Migrationsinformationssystem) in der Schweiz über einen Auf-

enthaltsbewilligung B verfügt. 

P.  

Mit Eingabe vom 4. November 2024 wurden folgende Unterlagen dem Ge-

richt eingereicht: 

• zwei Schreiben der Staatsanwaltschaft G._______ an das Sicherheits-

büro E._______ vom (…) 2024 und an das Sicherheitsbüro N._______ 

vom (…) 2024 sowie 

• ein Schreiben der Bezirkspolizei N._______ vom 4. Oktober 2024. 

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Seite 7 

Q.  

In seiner ergänzenden Vernehmlassung kam das SEM am 17. Februar 

2025 vorfrageweise zum Schluss, dass der Beschwerdeführer als Ehe-

gatte einer Person mit B-Bewilligung gemäss Art. 8 EMRK einen potentiel-

len Anspruch auf Erteilung im Sinne der einschlägigen bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung habe. Sollte er seinen potentiellen Anspruch bei den kan-

tonalen Migrationsbehörden geltend machen und dem SEM eine entspre-

chende kantonale Bestätigung einreichen, wäre die angefochtene Verfü-

gung im Wegweisungspunkt aufzuheben. 

R.  

Mit Instruktionsverfügung vom 25. Februar 2025 wurde der Beschwerde-

führer aufgefordert, eine Replik und ein Bestätigungsschreiben der kanto-

nalen Migrationsbehörden im Sinne der Vernehmlassung einzureichen. 

S.  

Am 11. März 2025 teilte der Rechtsvertreter mit, dass sich der Beschwer-

deführer in einer Klinik befunden habe, weshalb er das Gesuch um Famili-

ennachzug beim zuständigen Kanton nicht habe einreichen können; auch 

dem Rechtsvertreter sei es nicht gelungen, ein Gesuch einzureichen. Als 

Beilage reichte er unter anderem ein bereits in den vorinstanzlichen Akten 

liegendes Schreiben der Stadt K._______ vom 22. Mai 2023 ein. 

T.  

Mit Eingabe vom 18. März 2025 reichte der Rechtsvertreter eine E-Mail der 

Stadt K._______ ein, dass ihre Behörde am 22. Mai 2023 das damalige 

Gesuch nicht an die Hand genommen habe, weshalb es ihr nicht möglich 

sei, eine Bestätigung ihm zukommen zu lassen. 

U.  

Per Januar 2025 hat der vorsitzende Richter das Verfahren aus organisa-

torischen Gründen von der vormaligen Richterin übernommen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

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Seite 8 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – end-

gültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Der Subeventualantrag, die Sache sei zu hinreichenden Abklärung des 

rechtserheblichen Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen, wird in 

der Beschwerdeschrift nicht begründet, weshalb auf diese Rüge nicht wei-

ter einzugehen ist, zumal auch aus den Akten keine formellen Mängel er-

kennbar sind. Der entsprechende Antrag ist daher abzuweisen. 

4.  

4.1 Das SEM begründete seinen ablehnenden Entscheid im Wesentlichen 

damit, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen 

an die Flüchtlingseigenschaft respektive der Glaubhaftigkeit nicht stand-

halten. 

4.1.1 Hinsichtlich des Vorbringens, der Beschwerdeführer sei am (…) 2014 

angeschossen wurde, hielt das SEM fest, der Täter sei später zu (…) Jah-

ren Haft verurteilt worden, wobei das Verfahren aktuell vor dem Kassati-

onshof hängig sei und der Anwalt des Beschwerdeführers davon ausgehe, 

dass das Urteil der unteren Instanz bestätigt und die Strafe gar erhöht 

werde. Hinsichtlich der Drohungen des Täters habe der Beschwerdeführer 

auf einem Polizeiposten Anzeige erstatten wollen; darauf sei die Polizei 

aus Mangel an Beweisen nicht eingegangen. Dies könne jedoch nicht als 

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fehlender Schutzwille ausgelegt werden, vielmehr wäre vom Beschwerde-

führer zu erwarten gewesen, auf die Inanspruchnahme der staatlichen 

Schutzinfrastruktur zu insistieren. Daher sei dieses Vorbringen als flücht-

lingsrechtlich nicht relevant zu bezeichnen. 

Das weitere Vorbringen, der Beschwerdeführer sei zu Unrecht von (…) 

2011 bis (…) 2012 inhaftiert gewesen, habe – ungeachtet der Frage, ob es 

sich um eine rechtsstaatlich legitime Massnahme der türkischen Behörden 

gehandelt habe oder ob diese Massnahme aus einem flüchtlingsrechtlich 

relevanten Motiv heraus erfolgt sei – mit einem Freispruch des Kassations-

hofs vom (…) 2015 geendet, weshalb nicht von einer aktuellen Verfol-

gungssituation auszugehen sei. Dies ergebe sich auch aus den diesbezüg-

lichen Beweismitteln (Bm. 5). 

4.1.2 Sodann habe der Beschwerdeführer vorgebracht, Ende (…) 2019 für 

(…) Tage verhaftet worden zu sein. Aufgrund dieses Umstandes sei im (…) 

2020 ein Verfahren wegen Propaganda für eine Terrororganisation einge-

leitet worden. Zunächst, so das SEM in seinen Erwägungen, habe der Be-

schwerdeführer dieses Vorbringen an der Anhörung vom 8. Oktober 2020 

nicht erwähnt und sogar angegeben, alle Asylgründe genannt zu haben 

und nach dem Vorfall vom (…) 2014 in kein weiteres Verfahren involviert 

gewesen zu sein (A21 F62 und 66). Auch habe er an der ergänzenden 

Anhörung vom 18. Februar 2021 zu Beginn bestätigt, dass er nach seiner 

Entlassung aus dem Gefängnis im (…) 2012 niemals wieder in Haft gewe-

sen sei (A44 F17). Es sei daher nicht nachvollziehbar, dass er erst gegen 

Ende der ergänzenden Anhörung und nicht früher von seiner (…)tägigen 

Inhaftierung erzählt habe (A44 F72 ff.). Der Grund dafür, er habe zuvor kein 

Dokument bezüglich dieser (…)tägigen Inhaftierung gehabt, überzeuge 

ebenso wenig wie der Hinweis, er sei aufgrund der gleichzeitigen Einrei-

chung des entsprechenden Dokuments an der ergänzenden Anhörung 

(A44 F76 [Bm. 4]) davon ausgegangen, die befragende Person des SEM 

sei in Kenntnis der Inhaftierung gewesen. Somit sei dieses Vorbringen als 

nachgeschoben und daher als unglaubhaft zu betrachten, zumal auch die 

Angaben des Beschwerdeführers hierzu widersprüchlich ausgefallen 

seien. 

An dieser Einschätzung würden die eingereichten Beweismittel – die An-

klageschrift vom (…) respektive (…) 2020 (Bm. 4 und Bm. 6) – nichts än-

dern. Zum einen seien diese nur in Kopien und von schlechter Qualität vor-

handen, zum anderen sei aufgrund der zwei Versionen und des Ergebnis-

ses der Dokumentenanalyse davon auszugehen, dass es sich hierbei um 

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Seite 10 

nicht authentische Dokumente handle. Die Ausführungen in der Stellung-

nahme vom 19. Mai 2021, die Anklageschrift vom (…) 2020 (Bm. 6), die an 

der Grenze eingezogen worden sei, sei ein fehlerhaft ausgestelltes Doku-

ment, das sein Anwalt habe korrigieren lassen und der Beschwerdeführer 

dann an der ergänzenden Anhörung eingereicht habe (Anklageschrift vom 

(…) 2020 [Bm. 4]), sei nicht plausibel. Ferner habe er nur eine Anklage-

schrift eingereicht, was angesichts der diversen behördlichen Schritte die 

im Vorfeld einer solchen erfolgen würden, ebenfalls nicht nachvollziehbar 

sei. Weiter stünden seine Aussagen der ergänzenden Anhörung, er habe 

das Dokument (Anklageschrift vom […] 2020 [Bm. 4]) eine Woche zuvor 

erhalten, also rund um den 11. Februar 2021 (A44 F81), im Widerspruch 

zu den Ausführungen in seiner Stellungnahme, dass das am (…) 2021 an 

der Grenze eingezogene Dokument ihm von seinem Anwalt auf dem Post-

weg zugestellt worden sei. 

4.2 Gegen den Asylentscheid hielt der Beschwerdeführer in seiner Be-

schwerde fest, er sei aus zwei Gründen aus der Türkei ausgereist: Zum 

einen sei er ungerechtfertigterweise fast (…) Jahre in Haft gewesen und 

zum anderen sei er wegen seiner Vergangenheit und seines hängigen 

Strafverfahrens (vgl. Anklageschrift vom […] respektive […] 2020 [Bm. 4 

und Bm. 6; Anmerkung des Gerichts]) als «unbequeme Person» registriert, 

weshalb ein Datenblatt über seine Person existiere und er damit rechnen 

müsse, bei seiner Wiedereinreise in die Türkei verhaftet zu werden. Dies-

bezüglich ergebe sich aus den Protokollen nicht, dass er diesen Vorfall 

nachgeschoben habe. Ferner habe er die originale Anklageschrift von sei-

nem Anwalt in der Türkei erhalten, weshalb diese trotz allem als Beweis-

mittel anzuerkennen sei. 

4.3 In seiner Vernehmlassung qualifizierte das SEM das Argument, es sei 

in Bezug auf die Inhaftierung von Ende (…) 2019 ein Datenblatt gegen den 

Beschwerdeführer anhängig gemacht worden, als unglaubhaft, zumal in 

der Beschwerde auch festgehalten worden sei, seine Aussagen würden 

diesbezüglich «einige Ungereimtheiten aufweisen» (vgl. Beschwerde 

S. 12). Betreffend die Kopie der Anklageschrift vom (…) respektive 

(…) November 2020 verwies das SEM auf seine Ausführungen in der Ver-

fügung. Auch das anwaltliche Schreiben vom (…) 2021 sei nicht geeignet, 

diese Erwägungen umzustossen. Im Übrigen verwies es auf seine Erwä-

gungen seines Asylentscheides, an denen es vollumfänglich festhalte. 

4.4 Der Beschwerdeführer replizierte hiergegen, dass die vorinstanzliche 

Behauptung, die eingereichten Beweismittel seien manipuliert, unbelegt 

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Seite 11 

sei. Die eingereichte Anklageschrift beweise, dass ein Verfahren gegen 

den Beschwerdeführer hängig sei. Die ältere Anklageschrift sei durch die 

die jüngere Anklage ersetzt worden, weshalb kein Verfahrensfehler vor-

liege. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

6.  

6.1 Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich nach Durchsicht der Ak-

ten den Erwägungen des SEM der angefochtenen Verfügung an, wonach 

die Vorbringen des Beschwerdeführers teils nicht flüchtlingsrelevant und 

teils nicht glaubhaft zu qualifizieren sind. Zwecks Vermeidung von Wieder-

holungen kann auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen verwie-

sen werden. Ergänzend kann Folgendes festgestellt werden: 

6.2 Das Vorbringen auf Beschwerdeebene, die Inhaftierung des Beschwer-

deführers von (…) 2011 bis (…) 2012 sei ungerechtfertigt gewesen, ist 

nicht überzeugend. Gestützt auf die eingereichten Gerichtsunterlagen 

(Bm. 5) wurde das Verfahren mit Urteil des Kassationshofs vom (…) 2015 

mit einem Freispruch beendet, weshalb diesbezüglich nicht von einer ak-

tuellen Verfolgungssituation auszugehen ist. 

6.3 Hinsichtlich der Drohungen von H._______, der Beschwerdeführer 

habe seine Anzeige gegen ihn bezüglich des Vorfalls vom (…) 2014 

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Seite 12 

zurückzuziehen, ansonsten er getötet werde (A21 F65 und 85), ist das 

SEM in seinen Erwägungen zu bestätigen. Ausserdem gilt festzuhalten, 

dass die Drohungen, so wie vom Beschwerdeführer dargestellt, ins Leere 

führen würden, da anzunehmen ist, es handle sich – trotz anderweitigen 

Aussagen des Beschwerdeführers (A44 F39) – bei diesem Vorfall aufgrund 

der Schwere der Tat um ein Offizialdelikt. Gemäss den Aussagen des Be-

schwerdeführers meldete eine Drittperson den Vorfall vom (…) 2014 der 

Polizei, die ein Verfahren aufnahm und H._______ noch am selben Tag für 

(…) Monate in Untersuchungshaft nahm (A44 F26 und 34 f.). Dass der Be-

schwerdeführer während seiner Einvernahme im Spital gegen H._______ 

auch eine Anzeige erhoben habe (A44 F42), spielt daher keine Rolle. Fer-

ner ist – abgesehen davon, dass unklar ist, seit wann der Beschwerdefüh-

rer bedroht worden sei (seit […] 2019 [A21 F86] resp. zwischen 2017 und 

2018 [A44 F46]) – nicht einsichtig, weshalb H._______ bis zur ersten Dro-

hung mindestens (…) Jahre (von 2014 bis 2017) hätte warten sollen. 

6.4 Den Erwägungen des SEM ist ferner zuzustimmen, dass das Vorbrin-

gen, weil der Beschwerdeführer anfangs (…) 2019 kurzzeitig festgehalten 

worden sei, sei im (…) 2020 gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen 

Propaganda für eine Terrororganisation eingeleitet worden, nachgescho-

ben und daher unglaubhaft ist. Anzufügen bleibt, dass das politische Profil 

des Beschwerdeführers – auch wenn er sich als Mitglied eines alevitischen 

Vereins politisch engagiert, an Kundgebungen teilgenommen und die HDP 

gewählt hat (A21 F69 f.) – als niederschwellig zu bezeichnen ist. Es ist da-

her zweifelhaft, dass die Staatsanwaltschaft I._______ im (…) 2020 ohne 

erkennbares Motiv gestützt auf die kurzzeitige Inhaftierung anfangs (…) 

2019 ein Ermittlungsverfahren gegen den Beschwerdeführer eingeleitet 

hat, zumal zwischenzeitlich nichts Weiteres vorgefallen sei und das Ver-

fahren von (…) 2019 nach Aufhebung der Pflicht, sich während (…) Mona-

ten regelmässig zu melden, als abgeschlossen gegolten habe (A44 

F72 ff.). Auch ist ungewöhnlich, dass der Beschwerdeführer weder zur 

kurzzeitigen Untersuchungshaft vom (…) 2019 noch in Bezug auf die An-

klageschrift vom (…) 2020 weitere Akten eingereicht hat. Schliesslich ist in 

der Beschwerde nichts Stichhaltiges erkennbar, dass die vom SEM aufge-

führten Zweifel an der Echtheit der Anklageschriften vom (…) respektive 

(…) 2019 (Bm. 4 und Bm. 6) beseitigen könnten; insbesondere sind die 

Dokumente nicht – wie behauptet – im Original vorhanden. Insgesamt ist 

folglich nicht glaubhaft, dass gegen den Beschwerdeführer aufgrund einer 

(…)tägigen Untersuchungshaft ein Verfahren wegen Propaganda für eine 

Terrororganisation eingeleitet wurde. 

E-3207/2021 

Seite 13 

6.5 Der Beschwerdeführer machte ausserdem geltend, als Angehöriger 

der kurdisch-alevitischen Gemeinschaft sei er wiederholten Benachteili-

gungen und Übergriffen im Alltag ausgesetzt gewesen. Im Hinblick auf die 

Frage des Asyls sind solche Ereignisse praxisgemäss nicht intensiv genug, 

um das Leben im Herkunftsland unmöglich oder unannehmbar machen 

würden. Diese Einschätzung bleibt trotz der sich seit dem Putschversuch 

im Jahr 2016 verschlechternden Situation der Menschenrechte in der Tür-

kei gültig. Im Übrigen stellt das Bundesverwaltungsgericht praxisgemäss 

sehr hohe Anforderungen an die Bejahung einer Kollektivverfolgung, die im 

Fall der Kurden und Aleviten – auch unter Berücksichtigung der aktuellen 

politischen Entwicklungen in der Türkei – nicht erfüllt sind (vgl. Referenz-

urteil BVGer E-4103/2024 vom 8. November 2024 E. 7.1 m.w.H.). 

6.6 Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass aus objekti-

ver Sicht keine konkreten Anhaltspunkte dafür bestehen, der Beschwerde-

führer hätte bei einer Rückkehr in die Türkei mit beachtlicher Wahrschein-

lichkeit in absehbarer Zeit ernsthafte Nachteile zu befürchten. Die Vorin-

stanz hat sein Asylgesuch nach dem Gesagten zu Recht abgelehnt. 

7.  

7.1 Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung 

aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf ein-

tritt. Die Wegweisung wird unter anderem dann nicht verfügt, wenn die 

asylsuchende Person im Besitz einer Aufenthalts- oder Niederlassungsbe-

willigung ist (Art. 32 Abs. 1 Bst. a der Asylverordnung 1 vom 11. August 

1999 [AsylV 1, SR 142.311]), oder wenn ein potenzieller Anspruch auf Er-

teilung einer solchen besteht (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, 

je m.w.H.). 

7.1.1 In Art. 14 Abs. 1 AsylG ist der sogenannte Grundsatz des Vorrangs 

des Asylverfahrens (gegenüber ausländerrechtlichen Verfahren) festgehal-

ten. Demnach kann eine asylsuchende Person ab Einreichung des Asylge-

suches bis zur Ausreise nach einer rechtskräftig angeordneten Wegwei-

sung, nach einem Rückzug des Asylgesuches oder bis zur Anordnung ei-

ner Ersatzmassnahme bei nicht durchführbarem Vollzug kein Verfahren um 

Erteilung einer ausländerrechtlichen Aufenthaltsbewilligung einleiten, aus-

ser es bestehe ein potenzieller Anspruch auf deren Erteilung. Ist dies der 

Fall, geht die Zuständigkeit, die Wegweisung aus der Schweiz zu verfügen, 

von den Asylbehörden auf die kantonale Ausländerbehörde über, welche 

über die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zu befinden hat (vgl. BVGE 

2013/37 E. 4.4 und EMARK 2001 Nr. 21 E. 8d). 

E-3207/2021 

Seite 14 

7.1.2 Im Asyl- und Wegweisungsverfahren ist daher vorfrageweise zu prü-

fen, ob sich die asylsuchende Person auf einen grundsätzlichen Anspruch 

auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung berufen kann. Als Anspruchs-

grundlage fällt dabei unter anderem Art. 8 EMRK in Betracht, wobei dies-

bezüglich die bundesgerichtliche Rechtsprechung massgeblich ist. Diese 

besagt, dass Ausländerinnen und Ausländern gestützt auf den in Art. 8 

EMRK und Art. 13 BV gewährleisteten Schutz des Familienlebens ein po-

tenzieller Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz erwächst, wenn eine 

nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung vorliegt. Weiter 

muss es sich beim in der Schweiz lebenden Familienmitglied um eine hier 

gefestigt anwesenheitsberechtigte Person handeln (vgl. BGE 139 I 330 

E. 2.1 m.w.H.). Von einem gefestigten Anwesenheitsrecht ist ohne weiteres 

bei schweizerischer Staatsangehörigkeit auszugehen, ebenso bei einer 

Niederlassungs- oder Aufenthaltsbewilligung, auf deren Verlängerung ein 

Anspruch besteht (vgl. BGE 144 II 1 E. 6.1 und BVGE 2017 VII/4 E. 6.2, je 

m.w.H.). 

Die im Asylverfahren angeordnete Wegweisung wird demzufolge praxisge-

mäss aufgehoben, wenn erstens ein potenzieller Anspruch gestützt auf 

Art. 8 EMRK vorfrageweise bejaht wird, zweitens die betroffene Person an 

die zuständige kantonale Ausländerbehörde ein Gesuch um Erteilung einer 

Aufenthaltsbewilligung gerichtet hat und drittens dieses Gesuch noch hän-

gig ist (vgl. Urteil BVGer D-1869/2017 vom 6. August 2018 E. 5.2 m.w.H.). 

7.2 Die Ehefrau des Beschwerdeführers, die er am 17. November 2021 in 

K._______ geheiratet hat, verfügt gemäss ZEMIS über eine Aufenthaltsbe-

willigung B. Gemäss einem Schreiben der Stadt K._______ vom 22. Mai 

2023 ersuchte er gestützt auf die Heirat um Einbezug in die Aufenthaltsbe-

willigung seiner Ehefrau. Die Stadt Biel verwies in ihrem Schreiben auf den 

Grundsatz der Ausschliesslichkeit des Asylverfahrens (Art. 14 Abs. 1 

AsylG), von welchem nur bei Vorliegen eines Rechtsanspruchs abgewi-

chen werden könne. Vorliegend sei über das Asylgesuch noch nicht rechts-

kräftig entschieden worden und es liege gemäss Art. 44 AIG (SR 142.20) 

auch kein Rechtsanspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung vor, 

weshalb die Stadt Biel das entsprechende Gesuch nicht entgegennehme. 

Das SEM kam in seiner Vernehmlassung vom 17. Februar 2025 zum 

Schluss, dass der Beschwerdeführer gestützt auf Art. 8 EMRK ein potenti-

eller Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung B habe. Sobald 

ein Bestätigungsschreiben der kantonalen Migrationsbehörden über die 

E-3207/2021 

Seite 15 

Einleitung eines solchen Verfahrens vorliege, werde es die angefochtene 

Verfügung im Wegweisungspunkt aufheben. 

7.3 Vorliegend hat die vorfrageweise Prüfung durch das SEM in seiner er-

gänzenden Vernehmlassung ergeben, dass sich der Beschwerdeführer auf 

einen potentiellen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung be-

rufen kann (vgl. Vernehmlassung vom 17. Februar 2025). Daher wies das 

Gericht ihn mit Instruktionsverfügung vom 25. Februar 2025 darauf hin, 

dass er ein entsprechendes Bewilligungsgesuch bei der zuständigen kan-

tonalen Behörde einzureichen hat, was er innert der angesetzten Frist nicht 

getan hat. In diesem Sinne ist kein Gesuch um Erteilung einer Aufenthalts-

bewilligung bei einer kantonalen Behörde hängig. Daher ist trotz der vor-

instanzlichen Feststellung eines potenziellen Anspruchs auf eine Bewilli-

gung die Wegweisung im Sinne von Art. 44 AsylG anzuordnen (vgl. BVGE 

2013/37 E. 4.4 und Urteil BVGer E-381/2013 vom 14. Mai 2013 E. 4.5.2, je 

m.w.H.). 

7.4 Vorliegend ist immer noch die Einreichung eines Gesuchs beim zustän-

digen kantonalen Migrationsamt möglich. Dieses ist darauf hinzuweisen, 

dass als Anspruchsgrundlage nebst Art. 44 AIG (Ehegatten und Kinder von 

Personen mit Aufenthaltsbewilligung) auch Art. 8 EMRK in Betracht kommt, 

was in seinem Schreiben vom 22. Mai 2023 nicht erwähnt wurde. 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.2  

8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

E-3207/2021 

Seite 16 

8.2.2 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

8.2.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-

rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur 

Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 

Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-

dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den 

Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 

noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-

schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-

ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung 

ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für 

Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachwei-

sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter 

oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil EGMR Saadi 

gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, § 124 ff. 

m.w.H.). Nach den vorstehenden Ausführungen gelingt ihm das nicht. Auch 

die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegwei-

sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 

8.2.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im 

Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

  

E-3207/2021 

Seite 17 

8.3  

8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

8.3.2 Nach konstanter Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ist in der 

Türkei nicht auf dem ganzen Staatsgebiet von einer Situation allgemeiner 

Gewalt oder bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen auszugehen, dies auch 

nicht für Angehörige der kurdischen Ethnie (vgl. das Referenzurteil BVGer 

E-4103/2024 vom 8. November 2024 E. 13.2). 

8.3.3 Wie das SEM bereits in seiner Verfügung festgehalten hat, hat der 

Beschwerdeführer ein breites familiäres Beziehungsnetz. Ausserdem ver-

fügt er über einen gymnasialen Abschluss und über viele Jahre Berufser-

fahrung in verschiedenen Branchen (A21 F24 ff.). Deshalb ist davon aus-

zugehen, dass er nach seiner Rückkehr in die Türkei im Haus seines Vaters 

in E._______ bei I._______ zumindest vorübergehend über eine gesi-

cherte Wohnsituation verfügt und bei Bedarf auf die Unterstützung durch 

seine Verwandten zurückgreifen kann (A21 F19 ff. und 49). 

8.3.4 Auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus medizinischen 

Gründen ist nach Lehre und konstanter Praxis dann zu schliessen, wenn 

eine notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfü-

gung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden 

Beeinträchtigung des Gesundheitszustands der betroffenen Person führen 

würde. Dabei wird als wesentlich die allgemeine und dringende medizini-

sche Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung einer menschen-

würdigen Existenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls 

dann noch nicht vor, wenn im Heimat- oder Herkunftsstaat eine nicht dem 

schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung mög-

lich ist (vgl. etwa BVGE 2011/50 E. 8.3 und 2009/2 E. 9.3.1, je m.w.H.). 

Aus den Akten ergibt sich, dass beim Beschwerdeführer eine deutliche (…) 

respektive (…) und eine damit einhergehende Bewegungseinschränkung 

der der rechten Hüfte besteht (vgl. Bericht von C._______ vom 25. Sep-

tember 2020). Eine mögliche Behandlung oder eine Therapie ist in den Ak-

ten nicht ersichtlich. Es ist daher davon auszugehen, dass auch aus medi-

zinischer Sicht nichts gegen einen Wegweisungsvollzug spricht. 

E-3207/2021 

Seite 18 

8.3.5 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch 

als zumutbar. 

8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AIG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da das Gesuch um Gewährung 

der unentgeltlichen Prozessführung mit Instruktionsverfügung vom 6. Au-

gust 2021 gutgeheissen wurde und sich gemäss den Akten an den Voraus-

setzungen nichts geändert hat, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-3207/2021 

Seite 19 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Kaspar Gerber Patricia Petermann Loewe 

 

 

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