# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 42ba09ed-386f-58db-b5d0-04f4e1195ceb
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-12-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.12.2010 A-4861/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-4861-2010_2010-12-06.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-4861/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  6 .  D e z e m b e r  2 0 1 0

Richterin Charlotte Schoder (Vorsitz), 
Richter Daniel de Vries Reilingh, 
Richterin Salome Zimmermann, 
Gerichtsschreiber Keita Mutombo.

A._______, ...,
mit Zustelldomizil bei ...,
Beschwerdeführer,

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV,
Task Force Amtshilfe USA, Eigerstrasse 65, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Amtshilfe (DBA-USA).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-4861/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass  die  Schweizerische  Eidgenossenschaft  (Schweiz)  und  die  Ver-
einigten Staaten von Amerika (USA) am 19. August 2009 ein Abkom-
men über ein Amtshilfegesuch des Internal Revenue Service der USA 
betreffend UBS AG, einer nach schweizerischem Recht errichteten Ak-
tiengesellschaft (AS 2009 5669, Abkommen 09), schlossen,

dass sich die Schweiz darin verpflichtete, anhand im Anhang zum Ab-
kommen festgelegter Kriterien und gestützt auf das geltende Abkom-
men vom 2. Oktober  1996 zwischen der  Schweizerischen Eidgenos-
senschaft  und den Vereinigten Staaten von Amerika zur Vermeidung 
der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen 
(SR 0.672.933.61, DBA-USA 96) ein Amtshilfegesuch der USA zu be-
arbeiten,

dass die amerikanische Einkommenssteuerbehörde (Internal Revenue 
Service in Washington, IRS) am 31. August 2009 unter Berufung auf 
das  Abkommen 09 ein  Ersuchen um Amtshilfe an die Eidgenössische 
Steuerverwaltung (ESTV) richtete,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Urteil  A-7789/2009  vom 
21. Januar 2010 eine Beschwerde gegen eine Schlussverfügung der 
ESTV, welche einen Fall der Kategorie 2/A/b gemäss dem Anhang des 
Abkommens  09  betraf,  guthiess  mit  der  Begründung,  das  Abkom-
men 09  sei  eine  Verständigungsvereinbarung  und  habe  sich  an  das 
Stammabkommen zu halten,  welches Amtshilfe nur bei  Steuer-  oder 
Abgabebetrug, nicht aber bei Steuerhinterziehung vorsehe,

dass in der Folge der Bundesrat nach weiteren Verhandlungen mit den 
USA am 31. März 2010 ein Protokoll zur Änderung des Abkommens 
zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  den  Ver-
einigten Staaten von Amerika über  ein Amtshilfegesuch des Internal 
Revenue  Service  der  Vereinigten  Staaten  von  Amerika  betreffend 
UBS AG, einer nach schweizerischem Recht errichteten Aktiengesell-
schaft, unterzeichnet in Washington am 19. August 2009 (Änderungs-
protokoll Amtshilfeabkommen, AS 2010 1459), abschloss und die vor-
läufige Anwendung des Vertrages beschloss,

dass  die  ESTV  daraufhin  mit  Schlussverfügung  vom  25. Mai  2010 
entschied, dem IRS betreffend A._______ (nachfolgend: Beschwerde-

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führer) Amtshilfe zu leisten, weil sie (aus näher dargelegten Gründen) 
zum Schluss kam, es handle sich um einen Fall der Kategorie 2/A/b, 
für den gemäss dem Abkommen 09 in der revidierten Fassung Amts-
hilfe zu gewähren sei,

dass  die  Bundesversammlung  mit  Bundesbeschluss  vom  17. Juni 
2010 über die Genehmigung des Abkommens zwischen der Schweiz 
und den  Vereinigten  Staaten  von Amerika  über  ein  Amtshilfegesuch 
betreffend  UBS AG sowie  des Änderungsprotokolls  (AS 2010  2907) 
das  Abkommen 09  und  das  Änderungsprotokoll  Amtshilfeabkommen 
genehmigte und den Bundesrat ermächtigte, diese zu ratifizieren,

dass der eben genannte Bundesbeschluss nicht dem Staatsvertrags-
referendum unterstellt wurde,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  2. Juli  2010  auf 
Kroatisch,  samt  einer  beglaubigten  Übersetzung  ins  Deutsche  (mit 
Kurieraufgabe vom 5. Juli 2010 sowie mittels separater Zustellung am 
6. Juli  2010  durch  den  eingangs  im  Rubrum  genannten  Rechtsver-
treter  bzw. über  die  Schweizerische  Botschaft  in  Zagreb  am  5. Juli 
2010),  gegen  die  vorerwähnte  Schlussverfügung  der  ESTV  beim 
Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhob  und  beantragte,  die 
angefochtene Verfügung sei aufzuheben,

dass der Beschwerdeführer zur Begründung namentlich ausführte, er 
habe  sich  –  mit  kürzeren  Unterbrechungen  –  lediglich  vom 14. Juni 
1986 bis zum 31. März 1992 in den USA aufgehalten und sei während 
dieser  Zeit  als  (ausländischer)  Firmenvertreter  bei  einer 
amerikanischen  Firma  mit  Sitz  in  New York  tätig  gewesen;  er  habe 
jedoch während seines Aufenthaltes in den USA stets  seinen festen 
Wohnsitz in der Republik Kroatien behalten, zumal er für die USA nur 
das  "E-1  Visum bzw. das  sog. Treaty  trader-Visum oder  das Invest-
ment-Visum" erhalten  habe,  welches hoch  gebildeten ausländischen 
Angestellten gewährt werde, deren Firmen Filialen oder Vertretungen 
in  den  USA hätten  und  mit  deren  (Sitz-)Staaten  die  USA bilaterale 
Wirtschaftsabkommen  geschlossen  hätten;  insofern  sei  der  vor-
liegende Sachverhalt  von der ESTV unrichtig  und unvollständig fest-
gestellt worden,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Schreiben  vom 7. Juli  2010 
den  Beschwerdeeingang  bestätigte  und  weitere  Instruktionsver-

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fügungen nach Vorliegen eines Entscheids im entsprechenden Pilot-
verfahren in Aussicht stellte,

dass das Bundesverwaltungsgericht mit  Schreiben vom 22. Juli  2010 
dem  Beschwerdeführer  (zunächst  auf  Französisch  und  nach  ent-
sprechender Anfrage hin mit Zustellung eines Exemplars auf Deutsch 
per Fax  vom  23. Juli  2010)  mitteilte,  es  –  das  Bundesverwaltungs-
gericht  –  habe  am  15. Juli  2010  im  Pilotfall  A-4013/2010  über  die 
Gültigkeit  des Abkommens  vom  19. August  2009  zwischen  der 
Schweizerischen Eidgenossenschaft und den Vereinigten Staaten von 
Amerika über ein Amtshilfegesuch des Internal  Revenue Service der 
Vereinigten  Staaten  von  Amerika  betreffend  UBS  AG,  einer  nach 
schweizerischem  Recht  errichteten  Aktiengesellschaft,  (mit  Anhang 
und Erkl.; SR 0.672.933.612, Staatsvertrag 10) entschieden,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  dem  Beschwerdeführer  mit 
Zwischenverfügung  vom 20. August  2010  Frist  zur  Bezahlung  eines 
Kostenvorschusses von Fr. 20'000.-- ansetzte,

dass der Kostenvorschuss innert  einer erstmals erstreckten Frist  ge-
leistet wurde,

dass  die  Vorinstanz  in  ihrer  Vernehmlassung  vom 11. Oktober  2010 
beantragte, die Beschwerde vom 2. Juli 2010 sei gutzuheissen, da die 
Ausführungen des Beschwerdeführers als richtig anerkannt würden,

dass das Bundesverwaltungsgericht zuständig ist zur Beurteilung von 
Beschwerden  gegen  Schlussverfügungen  der  ESTV  betreffend  die 
Amtshilfe gestützt auf Art. 26 DBA-USA (vgl. Art. 20k Abs. 1 und 4 der 
Verordnung  vom  15. Juni  1998  zum  schweizerisch-amerikanischen 
Doppelbesteuerungsabkommen vom 2. Oktober 1996 [SR 672.933.61, 
Vo DBA-USA] i.V.m. Art. 31 - 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 
17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32] i.V.m. Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 
172.021]) und sich das Verfahren nach dem VwVG richtet, soweit das 
VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG),

dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders  berührt  ist  und  an  deren  Aufhebung  ein  schutzwürdiges 
Interesse hat (Art. 48 Abs. 1 VwVG),

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dass auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde somit ein-
zutreten ist,

dass der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde vom 2. Juli 2010 die 
Aufhebung der Verfügung der Vorinstanz vom 25. Mai 2010 beantragt,

dass  die  Vorinstanz  in  ihrer  Vernehmlassung  vom 11. Oktober  2010 
dem nicht widerspricht, sondern ihrerseits beantragt, die Beschwerde 
sei gutzuheissen,

dass nicht zuletzt aufgrund der vom Beschwerdeführer eingereichten 
Akten nicht ersichtlich ist, weswegen dieser in ein Amtshilfeverfahren 
einbezogen worden ist, weshalb den übereinstimmenden Anträgen der 
Prozessparteien ohne weiteres stattzugeben ist,

dass es sich aufgrund des Gesagten rechtfertigt, die Beschwerde im 
Sinn der Erwägungen gutzuheissen und den angefochtenen Entscheid 
aufzuheben,

dass es sich unter diesen Umständen erübrigt,  auf die weiteren Vor-
bringen des Beschwerdeführers einzugehen,

dass  dem  Beschwerdeführer  bei  diesem  Verfahrensausgang  keine 
Verfahrenskosten aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG e contrario); 
dass somit der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 20'000.-- dem Be-
schwerdeführer zurückzuerstatten ist,

dass auch der Vorinstanz als Bundesbehörde keine Verfahrenskosten 
aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 2 VwVG),

dass obsiegende Parteien gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 
Abs. 1  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten 
und Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE, 
SR 173.320.2)  Anspruch  auf  eine  Parteientschädigung  für  die  ihnen 
erwachsenen notwendigen Kosten haben,

dass  die  Parteientschädigung  die  Kosten  der  Vertretung  sowie  all -
fällige weitere notwendige Auslagen der Partei  (Art. 8 i.V.m. Art. 9 ff. 
und Art. 13 VGKE) umfasst; dass zu den weiteren notwendigen Aus-
lagen die Spesen der Partei  gehören,  soweit  sie  100 Franken über-
steigen, sowie der Verdienstausfall der Partei, soweit er einen Tages-
verdienst  übersteigt  und die Partei  in bescheidenen finanziellen Ver-

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hältnissen lebt  (Art. 13 VGKE); dass darunter allerdings lediglich die 
tatsächlichen Auslagen für unumgänglichen Aufwand fallen, wogegen 
der  reine  Zeitaufwand  einer  Partei  selber  in  der  Regel  nicht  ent-
schädigt  wird  (vgl.  ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, 
Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Basel  2008, 
Rz. 4.83),

dass der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde vom 2. Juli 2010 die 
Anwaltskanzlei "B._______, ..." für das vorliegende Verfahren lediglich 
als Zustelldomizil bezeichnet hat,

dass der eingangs im Rubrum genannte Rechtsvertreter mit Eingabe 
vom 6. Juli  2010 dem Bundesverwaltungsgericht  seine nachträgliche 
(vermeintliche)  Mandatierung  bekanntgab  und  gleichzeitig  die  Ein-
reichung einer ihn legitimierenden Vollmacht in Aussicht stellte,

dass der besagte Rechtsvertreter – trotz entsprechender Zusicherung 
und  telefonischem Hinweis  durch  das  Bundesverwaltungsgericht  am 
23. Juli 2010 – bis heute keine ihn legitimierende Vollmacht eingereicht 
hat;  dass  somit  davon  auszugehen  ist,  der  Beschwerdeführer  habe 
keinen Vertreter beigezogen, sodass ihm (nachdem er ohnehin seine 
Beschwerde selbständig  eingereicht  hat  und nicht  etwa durch einen 
mandatierten Rechtsvertreter  ausfertigen liess) hieraus keine Kosten 
entstanden  sind;  dass  weitere  notwendige  Auslagen  (Spesen  oder 
Verdienstausfall;  vgl.  Art. 13  VGKE)  weder  konkret  geltend  gemacht 
noch substantiiert  werden; dass  vorliegend zudem nicht  davon aus-
zugehen ist, dass allfällige Unkosten den reglementarisch geforderten 
Minimalbetrag  von  Fr. 100.--  übersteigen;  dass  eine  Parteient-
schädigung deshalb nicht auszurichten ist,

dass  dieser  Entscheid  nicht  mit  Beschwerde in  öffentlich-rechtlichen 
Angelegenheiten  an  das  Bundesgericht  weitergezogen  werden  kann 
(Art. 83 Bst. h des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, 
SR 173.110]).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen.  Die  Schlussverfügung  der  Eid-
genössischen Steuerverwaltung vom 25. Mai  2010 wird  aufgehoben. 
Es wird keine Amtshilfe geleistet.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvor-
schuss in der Höhe von Fr. 20'000.-- wird dem Beschwerdeführer zu-
rückerstattet. Dieser wird ersucht, dem Bundesverwaltungsgericht eine 
Auszahlungsstelle bekannt zu geben.

3.
Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Einschreiben)

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Charlotte Schoder Keita Mutombo

Versand:

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