# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5f9c70ee-ba32-5b1e-924c-b7e0a78ac832
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-01-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.01.2024 F-6766/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-6766-2023_2024-01-05.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-6766/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  5 .  J a n u a r  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richterin Susanne Genner (Vorsitz), 

Richterin Esther Marti,  

Richter Basil Cupa,    

Gerichtsschreiberin Selina Schmid. 
 

 
 

Parteien 
 A._______,  

vertreten durch B._______,  

Beschwerdeführer,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Ver-

fahren); Verfügung des SEM vom 27. November 2023. 

 

 

 

F-6766/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer ersuchte am (…) in der Schweiz um Asyl. Ein Ab-

gleich seiner Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerabdruck-Daten-

bank (Eurodac) ergab, dass er am (…) in Kroatien um Asyl ersucht hatte.  

B.  

Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer am 30. Oktober 2023 das 

rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der 

Möglichkeit der Überstellung nach Kroatien, dessen Zuständigkeit für die 

Behandlung des Asylgesuchs grundsätzlich in Frage komme. Der Be-

schwerdeführer führte aus, in Kroatien kein Asylgesuch eingereicht zu ha-

ben. Die Fingerabdrücke seien ihm unter Zwang abgenommen worden. Er 

sei in einen Raum gesperrt worden und habe dort fünf bis sechs Stunden 

warten müssen. Er sei dann von zwei Polizisten beleidigt und beschimpft 

und auf einen Polizeiposten gebracht worden. Dort sei ein Foto von ihm 

gemacht und es seien ihm die Fingerabdrücke unter Zwang abgenommen 

worden. Dann sei ihm mitgeteilt worden, er solle weggehen. Er sei dann 

selbständig nach Bosnien zurückgekehrt. Dort habe er Schlepper kontak-

tiert, welche seine Rückreise in die Türkei für EUR 4'000.– organisiert hät-

ten. In der Türkei habe er sich versteckt. Genauer genommen habe er ei-

nen Monat nach seiner Rückreise in die Türkei begonnen, sich zu verste-

cken, weil dann das Verfahren gegen ihn effektiv eingeleitet worden sei. Er 

werde im Heimatland aus politischen Gründen verfolgt. Er habe sich von 

(…) bis (…) 2023 in der Türkei aufgehalten. Dann sei er – wiederum durch 

Schlepper organisiert – versteckt in einem LKW von der Türkei bis in die 

Schweiz gereist. Dafür habe er EUR 7'000.– bezahlen müssen und die 

Reise habe 2.5 Tage gedauert. In Kroatien würde er sich wie in der Türkei 

fühlen; die Polizei «wende die gleichen Dinge an wie in der Türkei». Er 

befürchte bei einer Rückkehr nach Kroatien, in die Türkei abgeschoben zu 

werden. Psychisch würde es ihm nicht gut gehen. Immer wenn man mit 

ihm in einem «harten Ton» über Kroatien spreche, gehe es ihm nicht gut. 

Aufgrund der Geschehnisse in der Türkei und in Kroatien habe er Angst 

vor Polizisten. 

C.  

Die kroatischen Behörden hiessen das Gesuch des SEM vom 9. November 

2023 um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 

Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments 

und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und 

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Seite 3 

Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines 

von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied-

staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfol-

gend: Dublin-III-VO) am 23. November 2023 gestützt auf Art. 20 Abs. 5 

Dublin-III-VO gut.  

D.  

Mit Verfügung vom 27. November 2023 (eröffnet am 28. November 2023) 

trat das SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete 

seine Überstellung nach Kroatien an und forderte ihn auf, die Schweiz am 

Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig verfügte es 

die Aushändigung der editionspflichtigen Akten und stellte fest, einer allfäl-

ligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wir-

kung zu. 

E.  

Mit Rechtsmitteleingabe vom 5. Dezember 2023 (eingegangen am 7. De-

zember 2023) gelangte der Beschwerdeführer an das Bundesverwaltungs-

gericht und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und 

das SEM sei anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten und das Asyl-

verfahren in der Schweiz durchzuführen. Eventualiter sei die Sache zur 

Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Es sei ihm die unent-

geltliche Prozessführung zu gewähren, unter Verzicht auf die Erhebung ei-

nes Kostenvorschusses. 

F.  

Am 7. Dezember 2023 ordnete die Instruktionsrichterin gestützt auf Art. 56 

VwVG einen superprovisorischen Vollzugsstopp an. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.1 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG (SR 142.31) nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und 

Art. 6 AsylG). 

1.2 Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die übri-

gen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs. 1 VwVG], Frist 

[Art. 108 Abs. 3 AsylG] und Form [Art. 52 Abs. 1 VwVG]) sind offensichtlich 

erfüllt. Auf die Beschwerde ist einzutreten.  

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Seite 4 

1.3 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schrif-

tenwechsel verzichtet. 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-

gen Mitgliedstaats wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals 

ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).  

3.3 Der Mitgliedstaat, bei dem der erste Antrag auf internationalen Schutz 

gestellt wurde, ist gehalten, einen Antragsteller, der sich ohne Aufenthalts-

titel im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats aufhält oder dort einen 

Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat, nachdem er seinen ersten 

Antrag noch während des Verfahrens zur Bestimmung des zuständigen 

Mitgliedstaats zurückgezogen hat, nach den Bestimmungen der Artikel 23, 

24, 25 und 29 wieder aufzunehmen, um das Verfahren zur Bestimmung 

des zuständigen Mitgliedstaats zum Abschluss zu bringen (Art. 20 Abs. 5 

Dublin-III-VO).  

3.4 Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers ergab, dass 

er am (…) in Kroatien daktyloskopisch erfasst wurde. Gleichentags stellte 

er gemäss Auszug aus der «Eurodac»-Datenbank sein Asylgesuch. Die 

kroatischen Behörden stimmten dem Wiederaufnahmeersuchen der Vo-

rinstanz gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO zu. Somit sind sowohl die 

Antragsstellung in Kroatien als auch der Umstand, dass das kroatische 

Verfahren zur Bestimmung des für das Asylgesuch des Beschwerdefüh-

rers zuständigen Mitgliedstaats gemäss Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO noch 

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Seite 5 

nicht abgeschlossen wurde, als erstellt zu betrachten mit der Folge, dass 

das Verfahren nach einer Rücküberstellung des Beschwerdeführers fort-

gesetzt wird. Dem Einwand des Beschwerdeführers, er sei in Kroatien zur 

Abgabe seiner Fingerabdrücke gezwungen worden, ist entgegenzuhalten, 

dass sich die Abnahme der Fingerabdrücke von illegal einreisenden aus-

ländischen Personen und Asylsuchenden auf Art. 14 Abs. 1 der Verord-

nung (EU) Nr. 603/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 

26. Juni 2013 (Eurodac-Verordnung) stützt. Beim Vorbringen, es sei kein 

Dolmetscher vor Ort gewesen und entsprechend seien die kroatischen Be-

hörden ihrer Informationspflicht gemäss Art. 4 Dublin-III-VO nicht nachge-

kommen, handelt es sich schliesslich um eine unbelegte Parteibehaup-

tung. Ferner ist darauf hinzuweisen, dass die entsprechenden Informatio-

nen auch anlässlich des persönlichen Gesprächs – in einer Sprache, die 

der Beschwerdeführer versteht – gemäss Art. 5 Dublin-III-VO vermittelt 

werden können (Art. 4 Abs. 2 Unterabsatz 2 Dublin-III-VO). Zusammenfas-

send ist die Zuständigkeit Kroatiens grundsätzlich gegeben. 

4.  

4.1 Diese Pflicht [zur Wiederaufnahme] erlischt, wenn der Mitgliedstaat, 

der das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats ab-

schliessen soll, nachweisen kann, dass der Antragssteller zwischenzeitlich 

das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten für mindestens drei Monate verlas-

sen oder in einem anderen Mitgliedstaat einen Aufenthaltstitel erhalten hat 

(Art. 20 Abs. 5 Unterabsatz 2 Dublin-III-VO).  

4.2 In der Folge ist zu prüfen, ob die Pflicht zur Wiederaufnahme Kroatiens 

dadurch erloschen ist, dass der Beschwerdeführer für mindestens drei Mo-

nate das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten verlassen hat (vgl. Art. 20 

Abs. 5 Unterabsatz 2 Dublin-III-VO). Die Vorinstanz ging fälschlicherweise 

davon aus, dass Art. 19 Abs. 2 Dublin-III-VO – und nicht der tatsächlich 

anwendbare Art. 20 Abs. 5 Unterabsatz 2 Dublin-III-VO – zur Anwendung 

gelangt.  

4.3 Der Beschwerdeführer macht sinngemäss geltend, da er sich mehr als 

drei Monate ausserhalb des Dublin-Raumes aufgehalten habe, sei die Zu-

ständigkeit Kroatiens gemäss Art. 20 Abs. 5 Unterabsatz 2 Dublin-III-VO 

erloschen. Er habe Beweismittel eingereicht, welche bezeugen würden, 

dass er in diesem Zeitraum in der Türkei gewesen sei. 

  

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Seite 6 

4.4  

4.4.1 Die Vorinstanz stellt zu Recht fest, dass angesichts des geltend ge-

machten Verhaftungsrisikos in der Türkei eine Rückreise des Beschwerde-

führers in die Türkei – sowie ein dortiger Aufenthalt von acht Monaten – als 

unplausibel zu werten ist. Zudem hätte er sich bereits durch die illegale 

Einreise in die Türkei sowie die anschliessende illegale Wiederausreise 

beträchtlichen Risiken ausgesetzt. Dazu kommt, dass die illegale Ein- und 

Ausreise den Beschwerdeführer gemäss eigenen Ausführungen zusätzli-

che EUR 11'000.– gekostet haben sollen. Sodann widersprechen die vom 

Beschwerdeführer eingereichten Belege seiner Aussage, wonach er sich 

in der Türkei versteckt haben soll. So lassen sich insbesondere der geltend 

gemachte Aufenthalt in einem staatlichen Krankenhaus sowie die Zugfahrt 

nicht damit vereinbaren, dass der Beschwerdeführer sich in der Türkei vor 

den türkischen Behörden versteckt haben will.  

4.4.2 Die eingereichten Dokumente taugen sodann nicht dazu, einen lü-

ckenlosen dreimonatigen Aufenthalt des Beschwerdeführers ausserhalb 

des Dublin-Raumes beziehungsweise einen solchen Aufenthalt in der Tür-

kei schlüssig zu belegen. Wie von der Vorinstanz zu Recht angeführt, wird 

der Beschwerdeführer sowohl auf den Belegen bezüglich des Spitalaufent-

halts sowie auf der eingereichten Hochzeitseinladung nicht namentlich er-

wähnt. Sodann ist das eingereichte Hochzeitsfoto undatiert, weshalb dar-

aus keine Rückschlüsse gezogen werden können, wann und wo dieses 

Foto aufgenommen worden ist, und ob es tatsächlich von der mittels Hoch-

zeitseinladung bekannten Hochzeit vom (…) stammt. Diese Belege vermö-

gen einen Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Türkei nicht zu bewei-

sen. Zwar reichte der Beschwerdeführer ein am (…) in der Türkei ausge-

stelltes Rezept zum Medikamentenbezug – in welchem er namentlich er-

wähnt wird – sowie ein türkisches Zugticket vom (…) – ebenfalls auf ihn 

ausgestellt – ein. Das Zugticket wurde einzig von Hand ausgefüllt. Die Vo-

rinstanz hält zu Recht fest, dass diese Beweise keine Sicherheitsmerkmale 

aufweisen und daher leicht käuflich erworben, erschlichen oder gefälscht 

werden können. Es ist dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen, 

den behaupteten Aufenthalt ausserhalb des Dublin-Raums von mindes-

tens drei Monaten Dauer zu belegen. Selbst wenn davon ausgegangen 

würde, dass eine Rückkehr in die Türkei als bewiesen gilt, so gelingt es 

ihm nicht, einen Zeitraum von drei Monaten ausserhalb des Dublin-Rau-

mes zu belegen, sondern höchstens von einzelnen Tagen. Folglich vermö-

gen seine Ausführungen zu seinem Aufenthalt ausserhalb des Dublin-

Raums – auch unter Berücksichtigung des herabgesetzten Beweismasses 

(vgl. BVGE 2015/41 E. 7.3) – nicht zu überzeugen. 

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Seite 7 

4.5 Kroatien ist offenbar zum gleichen Ergebnis gekommen, indem es trotz 

des Hinweises auf eine mögliche Ausreise des Beschwerdeführers aus 

dem Dublin-Raum dessen Wiederaufnahme zugestimmt hat. Demnach 

liegt keine Übertragung der Zuständigkeit auf die Schweiz nach Art. 20 

Abs. 5 Unterabsatz 2 Dublin-III-VO vor. 

5.  

5.1 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller an den zunächst als 

zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche 

Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-

bedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische 

Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder 

entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU–Grund-

rechtecharta mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mit-

gliedstaat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um fest-

zustellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden 

kann. Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund 

der Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten 

Mitgliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen werden, so 

wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat der zuständige Mitglied-

staat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 

5.2 Gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts 

weisen das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Kroatien keine 

systemischen Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter 

Satz Dublin-III-VO auf (Referenzurteil des BVGer E-1488/2020 vom 

22. März 2023 E. 9.5). Demnach sind Dublin-Überstellungen nach Kroatien 

grundsätzlich sowohl in "take charge" (Aufnahme) als auch in "take back" 

(Wiederaufnahme)-Verfahren zulässig. Die in der Beschwerde genannten 

Berichte und Urteile, die teilweise zeitlich nach dem Referenzurteil datie-

ren, vermögen daran nichts zu ändern.  

6.  

6.1 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht ist zwingend auszuüben, wenn die Überstellung 

der betroffenen Person in den an sich zuständigen Mitgliedstaat zu einer 

Verletzung völkerrechtlicher Verpflichtungen der Schweiz führen würde 

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Seite 8 

(BVGE 2015/9 E. 8.2.1). Gemäss Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 

vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) kann zudem das SEM das 

Asylgesuch «aus humanitären Gründen» auch dann behandeln, wenn da-

für gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Bei dieser Ent-

scheidung kommt dem SEM Ermessen zu; das Bundesverwaltungsgericht 

darf sein eigenes Ermessen nicht an dessen Stelle setzen (BVGE 2015/9 

E. 7.6 und E. 8.1 in fine). 

6.2  

6.2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei festgenommen und 

ohne Essen und Trinken eingesperrt worden, und habe Gewalt durch kro-

atische Beamte erlebt. Er sei von zwei Polizisten beleidigt und beschimpft 

worden. Er befürchte bei einer Rückkehr nach Kroatien, in die Türkei ab-

geschoben zu werden. 

6.2.2 Die geltend gemachte Polizeigewalt wird weder belegt noch weiter 

substantiiert. Der Beschwerdeführer vermag nicht darzutun, dass die ihn 

bei einer Rückführung nach Kroatien zu erwartenden Bedingungen derart 

schlecht sind, dass sie zu einer Verletzung von Art. 3 EMRK führen könn-

ten. Es bestehen auch keine Gründe für die Annahme, Kroatien werde den 

Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein 

Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen 

würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Bei einer 

allfälligen vorübergehenden Einschränkung der ihm zustehenden Aufnah-

mebedingungen könnte er sich im Übrigen nötigenfalls an die kroatischen 

Behörden wenden und seine Rechte auf dem Rechtsweg einfordern 

(vgl. Art. 26 der Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates 

2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-

nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen [Aufnahme-

richtlinie]). Dies gilt auch in Bezug auf ein allfälliges Fehlverhalten der kro-

atischen Polizei. Des Weiteren steht ihm die Möglichkeit offen, die vor Ort 

tätigen karitativen Organisationen zu kontaktieren.  

6.3 Des Weiteren besteht kein Grund zur Annahme, die Gesundheit des 

Beschwerdeführers würde bei einer Überstellung nach Kroatien ernsthaft 

gefährdet. Die vom Beschwerdeführer angeführten psychischen Be-

schwerden und Angstzustände dürften – sofern überhaupt nötig – einer 

Behandlung in Kroatien zugänglich sein. Der Beschwerdeführer reicht 

keine medizinischen Unterlagen ein, welche die geltend gemachten psy-

chischen Beschwerden sowie Angstzustände darzulegen vermögen.  

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Seite 9 

Hinweise, wonach er deswegen bei der Pflege vorstellig geworden wäre, 

finden sich in den Akten nicht. Sollte der Beschwerdeführer nach der Rück-

kehr nach Kroatien eine medizinische Behandlung benötigen, ist darauf 

hinzuweisen, dass die Mitgliedstaaten verpflichtet sind, den Antragstellern 

die erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversor-

gung und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und 

schweren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 

Abs. 1 Aufnahmerichtlinie). Folglich droht keine Verletzung von Art. 3 

EMRK. Auch humanitäre Gründe im Sinne von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 sind 

nicht ersichtlich.  

6.4 Die Vorinstanz hat somit das Selbsteintrittsrecht von Art. 17 Dublin-III-

VO sowie Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 zu Recht nicht ausgeübt. Weder ist die 

Schweiz völkerrechtlich verpflichtet, auf das Asylgesuch einzutreten, noch 

liegen humanitäre Gründe vor, welche einen Selbsteintritt nahelegen wür-

den. 

7.  

Die Vorinstanz ist demnach zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwer-

deführers nicht eingetreten und hat die Wegweisung nach Kroatien ange-

ordnet. 

8.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Mit dem vorliegen-

den Urteil fällt der am 7. Dezember 2023 angeordnete superprovisorische 

Vollzugsstopp dahin.  

9.  

9.1 Die Begehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb das Gesuch um 

unentgeltliche Prozessführung abzuweisen ist.  

9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-

deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– 

festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-

ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR173.320.2]). 

10.  

Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

(Dispositiv nachfolgende Seite)  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Versand des vorliegenden Ur-

teils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Susanne Genner Selina Schmid 

 

 

 

Versand: