# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 70374eb4-1bd2-5e40-94d9-0e8699635519
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-11-21
**Language:** de
**Title:** Kinderkrippe. Reduktion Mindestwohnanteil für Quartierversorgungsbetriebe. Lärmimmissionen.
**Docket/Reference:** BRGE I Nrn. 0169-0170/2014
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_i_nrn._0169_und_0170-2014_vom_21._november_2014.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 
1. Abteilung 

G.-Nnr. 
BRGE I Nr. 

R1S.2014.05044 und R1S.2014.05048 
0169/2014 und 0170/2014 

Entscheid vom 21. November 2014 

Mitwirkende 

Abteilungspräsident  Felix  Hess,  Baurichter  Ulrich Weiss,  Baurichter  Bruno 
Grossmann, Gerichtsschreiberin Sara Ramp-Burkhalter     

in Sachen 

Rekurrierende 

R1S.2014.05044 
1.  R. E., [….] 
2.  T. C., [….] 
3.  V. M., [….] 
4.  N. L., [….] 

R1S.2014.05048 
1.  E. B., [….] 
2.  G. M., [….] 
3.  N. F., [….] 
4.  C. K., [….] 
5.  A. A., [….] 
6.  G. S., [….] 
7.  R. I., [….] 
8.  E. S., [….] 

gegen 

Rekursgegnerinnen 

1.  Bausektion der Stadt Zürich, Amtshaus IV, 8021 Zürich  

2.  Kinderkrippe X,  

betreffend 

Bauentscheid  Nr.  BE  582/14  vom  15.  April  2014;  Baubewilligung  für  Um-
nutzung Wohnhaus in Kinderkrippe 
_______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A. 

Mit  Beschluss  vom  15.  April  2014  erteilte  die  Bausektion  der  Stadt  Zürich 

der Kinderkrippe X die baurechtliche Bewilligung für die Nutzungsänderung 

des Erd- und des Dachgeschosses des Wohnhauses auf dem Grundstück 

Kat.-Nr. 00 am Y-Weg in Zürich. 

B. 

R. E., T. C., V. M. und N. L. wandten sich mit gemeinsamer Rekurseingabe 

vom 23. Mai 2014 an das Baurekursgericht und beantragten die Aufhebung 

des oben genannten Beschlusses unter Kosten- und Entschädigungsfolgen 

zulasten der privaten Rekursgegnerin. 

Dieselben Anträge stellten E. B., G. M., N. F., C. K., A. A., G. S., R. I. und 

E. S. mit gemeinsamer Rekurseingabe vom 26. Mai 2014. 

C. 

Mit Präsidialverfügungen vom 26. bzw. 30. Mai 2014 nahm das Baurekurs-

gericht 

unter 

den  Geschäftsnummern 

R1S.2014.05044 

und 

R1S.2014.05048  von  den  Rekurseingängen  Vormerk  und  eröffnete  die 

Vernehmlassungsverfahren. 

D. 

In ihren Eingaben vom 7. bzw. 14. Juli 2014 schlossen sowohl die Vorins-

tanz als auch die private Rekursgegnerin auf Abweisung der Rekurse. Letz-

tere beantragte zudem die Zusprechung einer Umtriebsentschädigung. 

E. 

In den weiteren Schriftenwechseln, welche am 26. September 2014 ende-

ten,  hielten  die  Parteien  an  ihren  Anträgen  fest,  soweit  sie  sich  nochmals 

äusserten. 

R1S.2014.05044 

Seite 2 

 
 
F. 

Am 29. Oktober 2014 führte eine Delegation des  Baurekursgericht im Bei-

sein der Parteien einen Augenschein auf dem Lokal durch. 

G. 

Auf  die  Vorbringen  der  Parteien  und  die  Erkenntnisse  des  Augenscheins 

wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

Es kommt in Betracht: 

1. 

Die Rekursverfahren G.-Nrn. R1S.2014.05044 und R1S.2014.05048 betref-

fen  dasselbe  Bauvorhaben  und  werfen  die gleichen  Rechtsfragen  auf. Sie 

sind daher aus prozessökonomischen Gründen zu vereinigen. 

2. 

Das  Baugrundstück  ist  der  zweigeschossigen  Wohnzone  W2bI  gemäss 

Bau-  und  Zonenordnung  (BZO)  der  Stadt  Zürich  zugeteilt  und  mit  einem 

Mindestwohnanteil  von  90  %  belegt.  Es  grenzt  im  Nordwesten  an  den  Y-

Weg, eine mit einem Fahrverbot für Unberechtigte versehene Privatstrasse, 

und  im  Übrigen  an  mit  Wohnbauten  überbaute  Grundstücke.  Die  private 

Rekursgegnerin  plant,  das  bisher  ausschliesslich  dem  Wohnen  dienende 

Gebäude  im  Erd-  und  Obergeschoss  der  Nutzung  als  Kinderkrippe  zuzu-

führen.  Das  mehrheitlich  über  dem  gestalteten  Terrain  liegende  Unterge-

schoss soll weiterhin dem Wohnen dienen. Zudem soll auch der parkähnli-

che  Garten  den  Krippenkindern  zur  Verfügung  stehen.  Mit  dem  angefoch-

tenen Beschluss hat die Vorinstanz den Wohnanteil gestützt auf Art. 6 Abs. 

4  BZO  auf  50%  herabgesetzt  und  zudem  einer  Übertragung  der Wohnflä-

che in das Untergeschoss des streitbetroffenen Gebäudes zugestimmt. Im 

Übrigen hat sie für die verbleibende Unterschreitung der vorgeschriebenen 
Wohnfläche um 4,85 m2 eine Ausnahmebewilligung erteilt.   

R1S.2014.05044 

Seite 3 

 
 
3. 

Die  Rekurrierenden  sind  Eigentümer  bzw.  Mieter  von  südwestlich  an  das 

Baugrundstück  grenzenden  bzw.  einzig  durch  den  Y-Weg  von  diesem  ge-

trennten Liegenschaften. Aufgrund dieser räumlichen Nähe und den vorge-
brachten Rügen – insbesondere Lärmimmissionen, Verkehrssicherheit und 
zonenwidrige  Nutzung  –  sind  sie  ohne  weiteres  im  Sinne  von  §  338a  des 
Planungs-  und  Baugesetzes  (PBG)  zur  Rekurserhebung  legitimiert.  Da 

auch  die  übrigen  Prozessvoraussetzungen  erfüllt  sind,  ist  auf  die  Rekurse 

einzutreten. 

4. 

Die  Rekurrierenden  bringen  zur  Begründung  zunächst  vor,  die  Nutzungs-

änderung  sei  zonenwidrig  und  verletze  den  Mindestwohnanteil.  Auf  dem 

Baugrundstück seien lediglich nichtstörende gewerbliche Nutzungen zuge-

lassen. Aufgrund des zu erwartenden Kinderlärms und des durch den Krip-

penbetrieb ausgelösten Mehrverkehrs könne nicht von einer nichtstörenden 

Nutzung die Rede sein. Die Herabsetzung des Mindestwohnanteils gestützt 

auf Art. 6 Abs. 4 BZO sei sodann unzulässig, da die Krippe nicht die in ei-

nem näheren Umkreis wohnende Bevölkerung mit Dingen oder Dienstleis-

tungen  des  alltäglichen  Bedarfs  versorge.  Zum  einen  bestehe  in  diesem 

Quartier kein Bedarf an zusätzlichen Krippenplätzen; dies ergebe sich aus 

dem  "Report  Kinderbetreuung"  des  Sozialdepartements  der  Stadt  Zürich. 

Zum  anderen  sei  aufgrund  des  mutmasslich  sehr  hohen  Mietzinses  von 

überdurchschnittlichen  Betreuungskosten  auszugehen,  weshalb  nahelieg-

enderweise  Eltern  mit  grossem  Budget  aus  den  "Goldküstengemeinden" 

angesprochen würden. 

Dem halten die Vorinstanz und die private Rekursgegnerin entgegen, dass 

Kindertagesstätten  in  Wohnzonen  zonenkonform  seien.  Die  private  Re-

kursgegnerin  habe  zudem  Anspruch  auf  die  Herabsetzung  des  Wohnan-

teils,  da  die  entsprechenden  gesetzlichen  Voraussetzungen  erfüllt  seien. 

Gerade für Kinder unter 18 Monaten bestehe auch in diesem Quartier nach 

wie vor grosser Bedarf an Betreuungsplätzen. Zudem gebe es in unmittel-

barer Nähe zum Bahnhof XY kein entsprechendes Angebot. Dass die Kin-

derkrippe auch von Kindern, die nicht im Quartier wohnten, besuchten wer-
den könne, ändere daran nichts. 

R1S.2014.05044 

Seite 4 

 
 
5.1. 

Wohnzonen sind in erster Linie für Wohnbauten bestimmt. Dieser Nutzwei-

se  werden  auch  Arbeitsräume  zugerechnet,  die  mit  einer  Wohnung  zu-

sammenhängen  und  in  einem  angemessenen  Verhältnis  zur  eigentlichen 

Wohnfläche  stehen  (§ 52  Abs. 1  PBG).  Die  kommunale  Bau-  und  Zonen-

ordnung kann in Wohnzonen mässig störende Betriebe zulassen; stark stö-

rende  Betriebe  und  solche,  die  unverhältnismässigen  Verkehr  auslösen, 

sind hingegen nicht zulässig (§ 52 Abs. 3 PBG). Ferner kann die Bau- und 

Zonenordnung für ganze Zonen, gebietsweise oder für einzelne Geschosse 

die  Nutzung  zu Wohnzwecken  oder  gewerblichen  Zwecken  zulassen,  vor-

schreiben oder beschränken (§ 49a Abs. 3 PBG). Unter Gewerbe bzw. Be-

trieb  im  Sinne  dieser  Regelungen  versteht  das  Gesetz  in  umfassender 

Weise  jede  Art  von  Arbeitsplatznutzung,  also  Produktion,  Verkauf,  Dienst-

leistungen,  freie  Berufe  etc.  (Robert  Wolf/Erich  Kull,  Das  revidierte  Pla-

nungs- und Baugesetz des Kantons Zürich, VLP-Schriftenfolge Nr. 58, Bern 

1992, Rz. 154 und 160). 

Mit  dem  Inkrafttreten  der  Umweltschutzgesetzgebung  haben  die  Begriffe 

"nicht  störend"  und  "mässig  störend"  ihre  immissionsrechtliche  Bedeutung 

grundsätzlich verloren (BGE 114 Ib 214 ff., E. 4a). Es kommt ihnen jedoch 

weiterhin ein raumplanerischer Gehalt zu, welcher die Zulässigkeit betrieb-

licher Nutzungen in (auch) dem Wohnen dienenden Zonen mitbestimmt. Zu 

den nicht vom Bundesumweltrecht erfassten Auswirkungen von Betrieben, 

welche  die  Wohnnutzung  beinträchtigen  können,  zählen  in  der  Praxis  ne-

ben  den  Gefahren  eines  ungewöhnlich  intensiven  Fahrzeugverkehrs  (RB 

1994  Nr.  73)  oder  ideellen  Immissionen  (BRKE  III  Nr.  0104/2009  in  BEZ 

2010  Nr.  46;  www.baurekursgericht-zh.ch)  auch  ästhetische  Beeinträchti-

gungen,  so  etwa  durch  eine  in  der  Wohnzone  situierte  Verkaufsfläche  für 

Occasionsfahrzeuge (BGE 117 Ib 147). 

Erlaubt eine Gemeinde in einer Wohnzone nur nicht störende Betriebe, sind 

an  deren  Vereinbarkeit  mit  der  Wohnnutzung  höhere  Anforderungen  zu 

stellen,  als  wenn  auch  mässig  störende  Betriebe  zugelassen  sind.  Diese 

Anforderungen lassen sich etwa dahingehend umschreiben, dass Betriebe 

ihrem Wesen  nach  einwandfrei in  eine Wohnzone  passen müssen  (BRKE 

III  Nr. 0064/2010  in BEZ 2010  Nr.  45;  www.baurekursgericht-zh.ch). Dem-

gegenüber ist mit der Zulassung mässig störender Betriebe ein deutlich hö-

heres Konfliktpotential hinzunehmen (VB.2010.00470 in BEZ 2011 Nr. 2). 

R1S.2014.05044 

Seite 5 

 
 
Führen  Vorschriften  über  die  Zulassung  nur  nicht  störender  Betriebe  in 

Wohnzonen indirekt dazu, lärmige Betriebe fernzuhalten, so ist dies mit der 

bundesrechtlichen  Ordnung  durchaus  vereinbar,  dient  doch  die  Raumpla-

nung  unter anderem auch  der vorausschauenden  Vermeidung  von  Immis-

sionspotentialen und ist insofern dem Umweltrecht mit seinen Instrumenten 

zur  Immissionsbegrenzung  vorgelagert  (VB.2010.00652  vom  30.  August 

2011 und dort zitierte Lehre). 

Die  Gemeinde  verfügt  zwar  bei  der  Auslegung  ihres  eigenen  Rechts  über 

einen  Beurteilungsspielraum,  wenn  dieses,  wie  hier  der  Fall,  unbestimmte 

Rechtsbegriffe  enthält.  Auf  der  andern  Seite  ist  der  Beurteilungsspielraum 

der Gemeinde nicht unbeschränkt. Vielmehr steht das Recht auf wirksame 

Überprüfung  auf  derselben  Stufe  wie  die  Gemeindeautonomie.  Diese  bei-

den  gleichrangigen  Verfassungsnormen  sind  im  Rahmen  praktischer  Kon-

kordanz auszulegen (VB.2013.00788 vom 28. August 2014, E. 4.5).  

Die  Frage,  ob  der  Beurteilungsspielraum  einer  Gemeinde  bei  der  Ausle-

gung ihres eigenen Rechts weiter reicht als bei der Auslegung kantonalen 

Rechs,  hat  das  Verwaltungsgericht  im  zitierten  Entscheid  offen  gelassen. 

Auch vorliegend kann diese Frage offen bleiben, ergibt sich doch nachste-

hend, dass der Entscheid der Vorinstanz auch dann zu schützen ist, wenn 

ihr kein erweiterter Beurteilungsspielraum zuzubilligen ist (vgl. zum Ganzen 

Marco Donatsch, in: Kommentar VRG 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014 § 20 

Rz. 54 ff.). 

Das  Baugrundstück  ist  der  zweigeschossigen  Wohnzone  W2bI  mit  einem 

Wohnanteil von 90 % zugeteilt. Gemäss Art. 16 BZO sind in Gebieten mit 

einem Wohnanteil von 90 % nebst Wohnnutzungen nur nicht störende Ge-

werbe- und Dienstleistungsnutzungen zulässig. 

Die Nutzung einer Liegenschaft als Kindertagesstätte ist mit der Wohnnut-

zung  eng  verwandt.  Anstelle  der  Eltern  erfolgt  die  Betreuung  der  Kinder 

durch  die Kindertagesstätte.  Zudem  ist  zu  berücksichtigen,  dass  der Lärm 

von Kindern, die in Nachbargärten, Innenhöfen oder auf dem Trottoir spie-

len, für ein Wohnquartier geradezu typisch ist und von der Mehrheit der Be-

völkerung, auch in einer ruhigen Wohnzone, als ortsüblich und weniger als 

störend  empfunden  wird  (BGr  1A.282/2000  vom  15.  Mai  2001,  E.  5b, 
VB.2009.00324 vom 18.11.2009). Selbst wenn alle maximal 29 Kinder mit 
dem  Auto  gebracht  und  geholt  würden  (womit  jedoch,  wie  nachstehend 

aufgezeigt wird, nicht zu rechnen ist), würde dies nicht zu ungewöhnlich in-

R1S.2014.05044 

Seite 6 

 
 
tensivem  Fahrzeugverkehr führen. Wenn  die  Vorinstanz  eine  Kinderkrippe 

als mit  der Wohnnutzung  eng  verwandt  qualifiziert  und demnach als in  ei-

ner Wohnzone mit nicht störendem Gewerbe zonenkonform erachtet, han-

delt sie in Übereinstimmung mit der gerichtlichen Praxis.  

5.2. 

Gemäss  Art.  6  Abs.  4  BZO  darf  in  Gebieten  mit  einem  vorgeschriebenen 

Wohnanteil von 90 % der Wohnanteil zugunsten von Betrieben und Einrich-

tungen,  welche  vorwiegend  die  in  einem  näheren  Umkreis  wohnende  Be-

völkerung  mit  Dingen  oder  Dienstleistungen  des  alltäglichen  Bedarfs  ver-

sorgen, in zweigeschossigen Zonen auf 50 % herabgesetzt werden. 

Die Vorinstanz geht davon aus, dass die betreuten Kinder im Vorschulalter 

mehrheitlich aus dem Quartier stammen. Sie hat deshalb die Kinderkrippe 

ihrer  Praxis  entsprechend  als  Quartierversorgungsbetrieb  im  Sinne  von 

Art. 6  Abs.  4  BZO  behandelt.  Dieser  Qualifikation  ist  zuzustimmen.  Auf-

grund  der  gesellschaftlichen  Entwicklung  besteht  eine  nach  wie  vor  hohe 

Nachfrage  nach  Kindertagesstätten  mit  professioneller  Ganztagesbetreu-

ung,  welche  der  organisatorischen  Entlastung  von  Familien  dienen  und 

damit Eltern die Berufstätigkeit ermöglichen.  

Auch wenn die Kinderkrippe nicht ausschliesslich von Kindern, die in einem 

näheren Umkreis wohnen, besucht werden wird, so ist sie doch primär für 

die  Befriedung  eines  alltäglichen  Bedürfnisses  der  Quartierbewohner  ge-

dacht. Wenn  die  Vorinstanz  vernehmlassungsweise  ausführt,  der Wortlaut 

von  Art.  6  Abs.  4  BZO  sei  insofern  zu  eng,  als  dort  von  der  "wohnenden 

Bevölkerung" die Rede sei, jedoch auch die im Quartier arbeitende Bevöl-

kerung  gemeint  sei,  so  ist  daran  nichts  auszusetzen,  soll  doch  durch 

Wohnanteilsvorschriften  die  Verödung  der  Innenstadt  bekämpft  sowie  die 

Durchmischung von Arbeits- und Wohnplätzen und die Erhaltung von güns-

tigem Wohnraum gefördert werden. Diesen öffentlichen Interessen läuft die 

Errichtung  einer  Kindertagesstätte  in  einer  Wohnzone  mit  einem  Wohnan-

teil  von  90  %  offenkundig  nicht  zuwider,  sondern  unterstützt  im  Gegenteil 

deren Verwirklichung. 

Die  Rekurrierenden  schliessen  aus  den  Preisen,  welche  die  private  Re-

kursgegnerin für die Betreuung der Kinder verlangt, es handle sich um eine 

Luxuskrippe, welche auf die in den "Goldküstengemeinden" wohnhaften El-
tern ausgerichtet sei. Diesem Argument ist nicht zu folgen. Die private Re-

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Seite 7 

 
 
kursgegnerin  verlangt  in  ihren  anderen  Krippen  in  der Stadt  Zürich  für  die 

Betreuung von Kindern unter 18 Monaten Fr. 119.-- am Tag, für die älteren 

Kinder  Fr.  109.--.  Dies  soll  auch  in  der  streitbetroffenen  Krippe  so  sein. 

Damit  bewegt  sich  die  private  Rekursgegnerin  im  unteren  Bereich  des  in 

der Stadt  Zürich  von privaten  Kinderbetreuungsstätten  verlangten Preises. 

Weit verbreitet sind Preise zwischen Fr. 130.-- und Fr. 150.-- für Säuglinge 

sowie rund Fr. 125.-- für Kleinkinder über 18 Monate. Selbst wenn die von 

der  privaten  Rekursgegnerin  angegebenen  Preise  so  zu  verstehen  wären 

wie dies die Rekurrierenden nahelegen, nämlich dass darin bereits der ge-

mäss  Homepage  der  privaten  Rekursgegnerin  gewährte  Eröffnungsrabatt 

von 20 % für die ersten sechs Monate enthalten ist, läge sie mit tatsächli-

chen Preisen von Fr. 149.-- (Kinder unter 18 Monate) bzw. Fr. 136.-- (Kin-

der  über  18  Monate)  zwar  im  oberen  Preissegment,  aber  immer  noch 

durchaus  im  Rahmen  des  Üblichen.  Von  einer  exklusiven,  die  Anwohner 

des  vorliegenden  Quartiers  nicht  ansprechenden  Tarifgestaltung  kann  so-

mit nicht die Rede sein. 

Im Übrigen ist mit der Vorinstanz darauf hinzuweisen, dass die meisten El-

tern  ihre  Kleinkinder  schon  aus  praktischen  Gründen  in  der  Nähe  des 

Wohnorts  oder  allenfalls  des  Arbeitsplatzes  betreuen  lassen.  Gerade  be-

rufstätige Eltern mit Kleinkindern können und wollen in der Regel keine un-

nötigen Umwege bewältigen. 

Sodann ist auch dem Vorbringen des fehlenden Bedarfs entgegenzutreten. 

Mit  der  Vorinstanz  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  die  Nachfrage  nach 

Betreuungsplätzen  für  Kinder  unter  18  Monate  nach  wie  vor  hoch  ist  und 

das entsprechend Angebot nicht ausreicht. Die private Rekursgegnerin füllt 

mit  ihren  geplanten  maximal  9  Betreuungsplätzen  für  Babys  zwischen  3 

und 18 Monaten eine bestehende Lücke. Aber auch für die grösseren Kin-

der ab 18 Monaten besteht Bedarf an Betreuungsplätzen. Der von den Re-

kurrierenden zitierte "Report Kinderbetreuung" des Sozialdepartements der 

Stadt  Zürich  weist  für  682  vorschulpflichtige  Kinder  in  diesem  Schulkreis  

450 Betreuungsplätze aus. Damit dürfte der Bedarf für Kinder über 18 Mo-

nate  wohl  gerade  gedeckt  sein.  Die  Konkurrenzsituation  unter  den  einzel-

nen  Betreuungseinrichtungen  ist  kein  Indiz  gegen  die  Annahme  eines 

Quartierversorgungsbetriebs.  Sie  deutet  vielmehr  darauf  hin,  dass  zumin-

dest  für  ältere  Kinder  in  gewissen  Stadtkreisen  langsam  eine  Normalisie-

rung des Verhältnisses von Angebot und Nachfrage stattfindet. Im Übrigen 
ist das bestehende Angebot für die Einstufung eines weiteren Konkurrenten 

R1S.2014.05044 

Seite 8 

 
 
als Quartierversorgungsbetrieb nicht ausschlaggebend. Jedenfalls solange 

mit Bezug auf die Quartierversorgung kein klares Überangebot geschaffen 
wird – das alsdann gehäuft auch Kunden ausserhalb des Quartiers anzie-
hen könnte –, ist es nicht Aufgabe des Baupolizeirechts, mit Bedarfskontrol-
len  in  den  Markt  einzugreifen.  Von  einem  Überangebot  kann  vorliegend 

keine Rede sein. Zu Recht hat die Vorinstanz bislang keine Bedarfsabklä-

rungen durchgeführt.  

Insgesamt erweist sich die rekurrentische Argumentation gegen die Herab-

setzung  des  Wohnanteils  für  einen  Quartierversorgungsbetrieb  als  nicht 

stichhaltig.  Auch  die Tatsache,  dass  das  streitbetroffene  Gebäude  an  sich 

durchaus  vollständig  der  Wohnnutzung  zugeführt  werden  könnte,  ändert 

daran  nichts,  handelt  es  sich  doch  auch  bei  Art.  6  Abs.  4  BZO  um  eine 

baupolizeiliche  Vorschrift,  auf  deren  Inanspruchnahme  jeder  Bauherr  An-

spruch  hat,  sofern  die  entsprechenden  Voraussetzungen  erfüllt  sind.  Die 

Rekurse sind daher diesbezüglich abzuweisen. 

6. - 8. 
[….] 

9.1. 

Schliesslich stören sich die Rekurrierenden an den zu erwartenden Immis-

sionen  des  Krippenbetriebes.  Als  neue  Anlage  habe  diese  die  Planungs-

werte  gemäss  Lärmschutzverordnung  (LSV)  einzuhalten.  Indem  die  Vorin-

stanz keine vorsorglichen Massnahmen zur Begrenzung des Lärms verfügt 

habe, habe sie das Vorsorgeprinzip verletzt. Es sei nicht klar, wie viele Kin-

der gleichzeitig in der Krippe betreut würden und wie oft sich wie viele Kin-

der im Garten aufhalten würden. Die Kinderkrippe sei vergleichsweise lang 

geöffnet.  Im  Quartier  gebe  es  keine  Lärmvorbelastung.  Der  Zubring-  und 

Abholdienst werde zu einer erheblichen Mehrbelastung führen. Der primäre 

und  sekundäre  Lärm  würde  von  den  Rekurrierenden  als  übermässig  und 

störend  empfunden.  Da  viele  von  ihnen  ihrer  täglichen  Arbeit  zu  Hause 

nachgingen, seien sie auf ein ruhiges Umfeld angewiesen. 

Die  Vorinstanz  kam  gestützt  auf  eine  Stellungnahme  des  Fachbereichs 

Lärmschutz  von  Umwelt-  und  Gesundheitsschutz  Zürich,  welche  sich  auf 

ein von der privaten Rekursgegnerin in Auftrag gegebenes Lärmgutachten 

der  BAKUS  Bauphysik  &  Akustik  GmbH  vom  11.2.2014  (vgl.  act.  12.12) 
abstützt,  zum  Schluss,  dass  der  Krippenbetrieb  höchstens  geringfügige 

R1S.2014.05044 

Seite 9 

 
 
Störungen verursacht, und hat daher die Bewilligung ohne weitere Auflagen 

erteilt. 

9.2. 

Zunächst  ist  festzuhalten,  dass  aufgrund  der  besonderen  Situation  am  Y-

Weg  und  dem  vertraglichen  Verbot,  diesen  zu  befahren,  gerade  nicht  mit 

einer  wesentlichen  Zunahme  des  motorisierten  Verkehrs  durch  die  Eltern 

der betreuten Kinder zu rechnen ist. 

Es  ist  unbestritten  geblieben,  dass  für  "Kinderlärm"  keine  Belastungs-

grenzwerte bestehen. Gemäss Art. 40 Abs. 3 LSV sind die Lärmimmissio-

nen  somit  nach  Art.  15  des  Umweltschutzgesetzes  (USG)  zu  beurteilen. 

Diese  Bestimmung  besagt,  dass  die  Immissionsgrenzwerte  für  Lärm  und 

Erschütterungen  so  festzulegen  sind,  dass  nach  dem  Stand  der  Wissen-

schaft oder der Erfahrung Immissionen unterhalb dieser Werte die Bevölke-

rung in ihrem Wohlbefinden nicht erheblich stören. Der Planungswert, wel-
cher hier einzuhalten ist, liegt – in der Regel 5 dB – unter dem Immissions-
grenzwert  (vgl.  Art.  23  USG).  Steht  wie  im  vorliegenden  Fall  die  Anwen-

dung  der  Planungswerte  in  Frage,  muss  die  Anlage  ein  Immissionsniveau 

einhalten, bei welchem nach richterlicher Beurteilung höchstens geringfügi-

ge Störungen auftreten. Dabei sind der Charakter des Lärms, Zeitpunkt und 

Häufigkeit des Auftretens sowie die Lärmempfindlichkeit bzw. die Lärmvor-

belastung  der  Zone  zu  berücksichtigen.  Es  ist  nicht  auf  das  subjektive 

Lärmempfinden einzelner Personen abzustellen, sondern eine objektivierte 

Betrachtung  unter  Berücksichtigung  von  Personen  mit  erhöhter  Empfind-

lichkeit vorzunehmen (vgl. VB.2009.00324 vom 18. November 2009, E. 4.5, 

mit weiteren Hinweisen). 

Zur Lärmvorbelastung ist festzuhalten, dass das streitbetroffene Wohnhaus 

in  einem  ruhigen  Wohnquartier  an  einer  sehr  schwach  frequentierten  Pri-

vatstrasse liegt. Die Lärmimmissionen vom nahe verlaufenden Bahntrassee 

und  der  S.-strasse  sind  wahrnehmbar.  Insgesamt  ist  von  einer  in  einem 

nicht  an  einer  Durchgangsstrasse  liegenden  Wohnquartier  üblichen  und 

damit geringen Lärmvorbelastung auszugehen.  

Bezüglich des Lärmcharakters ist zu  berücksichtigen, dass es Lärmimmis-

sionen gibt, die zur Wohnnutzung gehören und von einer Mehrheit der Be-
völkerung – auch in einer ruhigen Wohnzone  – als ortsüblich und weniger 
als störend empfunden werden. Dazu gehört insbesondere der Lärm spie-

lender Kinder. Gemäss dem Betriebskonzept ist die Kinderkrippe von Mon-

R1S.2014.05044 

Seite 10 

 
 
tag bis Freitag von 07.00 Uhr bis 18.30 Uhr geöffnet, wobei von 12.00 Uhr 

bis 14.00 Uhr Mittagsruhe gilt, und sich die Kinder während dieser Zeit nicht 

im Freien aufhalten. Nach dem Morgenkreis und einem Znüni um 09.00 Uhr 

geht  ein  Teil  der  Kinder  nach  draussen,  während  der  Rest  im  Haus  be-

schäftigt wird. Spätestens um 11.30 Uhr sind alle wieder im Haus zum Mit-

tagessen. Von 14.00 Uhr bis 15.30 Uhr finden drinnen und draussen noch-

mals geführte  Aktivitäten  statt.  Nach dem  Zvieri  können die  Kinder  wiede-

rum draussen spielen, bis sie abgeholt werden. 

Es  werden  maximal  29  Kinder  die  Krippe  besuchen,  die  private  Rekurs-

gegnerin  geht  von  einer  durchschnittlichen  Belegung  mit  22  Kindern  aus. 

Da  auch  6-9  Plätze  für  Babys  reserviert  sind,  und  diese  sich  nicht  aktiv 

draussen aufhalten und eventuell Spiellärm erzeugen, ist mit der Vorinstanz 

davon  auszugehen,  dass  sich  in  aller  Regel  nicht  mehr  als  20  Kinder 

gleichzeitig  im  Garten  des  Baugrundstücks  aufhalten  werden.  Gemäss 

bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist es den Nachbarn in einer eher ru-

higen  Wohnzone  zuzumuten,  von  Montag  bis  Freitag  zwischen  06.30  Uhr 

und 12.00 Uhr sowie 13.00 und 19.00 Uhr den Lärm von in der Regel ma-

ximal  20  gleichzeitig  im  Freien  spielenden  Kindern  zu  dulden  (BGr 

1C_148/2010, E. 2.2.3. vom 6. September 2010). Daraus ergibt sich, dass 
der  Krippenbetrieb  auf  dem  Baugrundstück  –  solange  sich  nicht  mehr  als 
20 Kinder gleichzeitig im Freien aufhalten – für die benachbarten Anwohner 
nicht  mehr  als  geringfügige  Störungen  verursacht  und  die  Planungswerte 

damit eingehalten sind. 

Es  bleibt  zu  prüfen,  ob  die  Emissionen  durch  zusätzliche  vorsorgliche 

Massnahmen  im  Sinne  von  Art.  11  Abs.  2 USG  begrenzt  werden  können. 

Gemäss den Erwägungen des angefochtenen Beschlusses werden sich die 

Kinder nur in Begleitung einer Betreuungsperson im Freien aufhalten, was  

ein  gewisses  Mass  an  Kontrolle  über  das  Lärmaufkommen  garantieren 

dürfte.  Sollte  die  Häufigkeit  der  Nutzung  des  Aussenraums  zu  Beschwer-

den  Anlass  geben,  könnte  eine  zeitliche  Beschränkung  verfügt  werden. 

Dies scheint im jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht erforderlich. Weitere Mass-

nahmen,  mit  welchen  sich  mit  relativ  geringem  Aufwand  eine  zusätzliche 

Reduktion der Emissionen erreichen lässt, sind nicht ersichtlich. 

Somit ist der Rekurs auch bezüglich der Lärmimmissionen abzuweisen.  

[….] 

R1S.2014.05044 

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