# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 40704aef-9267-5a1a-a570-65ec41ea3fa6
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-05-08
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 08.05.2025 SBK.2024.361
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SBK-2024-361_2025-05-08.pdf

## Full Text

Obergericht 

Beschwerdekammer in Strafsachen 

 

SBK.2024.361  
(STA.2023.9019)  

Art. 132 

 

 

Entscheid vom 8. Mai 2025  
 

 

Besetzung  Oberrichter Richli, Präsident  

Oberrichterin Massari  

Oberrichter Giese 

Gerichtsschreiberin Groebli Arioli 

 

 
   

Beschwerde-

führerin  

 A._____, […] 

[…] 

vertreten durch Rechtsanwalt Sandro Spiess,  

[…]   

 

  
    

Beschwerde-

gegnerin  

 Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau,  

Seetalplatz, Bahnhofstrasse 4, 5600 Lenzburg  

 

 

Beschuldigte   B._____, […] 

[…] 

 

 
   

Anfechtungs-

gegenstand 

 Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau 

vom 4. Dezember 2024 

 

in der Strafsache gegen B._____ 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten: 

 

1. 

A._____ reichte am 2. November 2023 bei der Staatsanwaltschaft Lenz-

burg-Aarau Strafanzeige gegen B._____ (fortan: Beschuldigte) wegen 

mehrfacher Amtsgeheimnisverletzung ein, und konstituierte sich gleichzei-

tig als Strafklägerin. 

 

A._____ machte geltend, dass die Beschuldigte Privatpersonen mit E-Mails 

vom 16. August 2023, 19. September 2023 sowie 22. September 2023 of-

fenbart habe, dass gegen sie ein Tierschutzverfahren geführt werde bzw. 

entsprechende Massnahmen geplant seien. Diese Information sei weder 

offenkundig noch allgemein zugänglich. 

 

2. 

Am 4. Dezember 2024 verfügte die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau die 

Nichtanhandnahme der Strafsache gegen B._____ wegen des Verdachts 

auf mehrfache Amtsgeheimnisverletzung, was von der Oberstaatsanwalt-

schaft des Kantons Aargau am 9. Dezember 2024 genehmigt wurde. 

 

3. 

3.1. 

Gegen diese ihr am 12. Dezember 2024 zugestellte Verfügung erhob 

A._____ am 23. Dezember 2024 bei der Beschwerdekammer in Strafsa-

chen des Obergerichts des Kantons Aargau Beschwerde mit folgenden An-

trägen: 

 

" 1. 
Die Nichtanhandnahmeverfügung der Beschwerdegegnerin vom 4. De-
zember 2024 (STA1 ST.2023.9019) sei in Gutheissung der Beschwerde 
vollumfänglich aufzuheben. 
 
2. 
Die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, gegen die Beschuldigte eine 
Strafuntersuchung wegen mehrfacher Verletzung des Amtsgeheimnisses 
(Art. 320 StGB) an die Hand zu nehmen und durchzuführen. 
 
3. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten des 
Staates." 

 

3.2. 

Am 27. Januar 2025 leistete die Beschwerdeführerin die von der Verfah-

rensleiterin der Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts mit 

Verfügung vom 14. Januar 2025 gestützt auf Art. 383 Abs. 1 StPO einver-

langte Sicherheit für allfällige Kosten in Höhe von Fr. 1'000.00. 

 

 - 3 - 

 

 

3.3. 

Die Beschuldigte nahm mit Eingabe vom 4. Februar 2025 Stellung zur Be-

schwerde und beantragte deren Abweisung. 

 

3.4. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau beantragte in ihrer Beschwerde-

antwort vom 6. Februar 2025 die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. 

 

3.5. 

Die Beschwerdeführerin nahm mit Eingabe vom 5. März 2025 zur Be-

schwerdeantwort der Beschuldigten vom 4. Februar 2025 Stellung. 

 

 
   

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Nichtanhandnahmeverfügungen der Staatsanwaltschaft sind gemäss 

Art. 310 Abs. 2 i.V.m. Art. 322 Abs. 2 und Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO mit 

Beschwerde anfechtbar. Beschwerdeausschlussgründe gemäss 

Art. 394 StPO liegen nicht vor. 

 

1.2. 

Die Beschwerdeführerin ist Geschädigte, zumal der Straftatbestand der 

Verletzung des Amtsgeheimnisses (Art. 320 Ziff. 1 StGB) auch die Pri-

vatsphäre des Bürgers schützt, soweit es um geheimhaltungsbedürftige In-

formationen von Privatpersonen geht (Urteil des Bundesgerichts 

1C_3/2017 vom 14. März 2017 E. 1.2.2 mit Hinweisen) und die Beschwer-

deführerin geltend macht, die Beschuldigte habe einen nicht allgemein 

wahrnehmbaren Umstand offenbart. Als im Strafpunkt konstituierte Privat-

klägerin (Art. 119 Abs. 2 lit. a StPO) hat sie ein schützenswertes Interesse 

an der Überprüfung und allenfalls Aufhebung oder Änderung des angefoch-

tenen Entscheids i.S.v. Art. 382 Abs. 1 StPO. Auf die rechtzeitig erhobene 

Beschwerde ist einzutreten. 

 

2. 

2.1. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau führte zur Begründung der Nicht-

anhandnahme der Strafsache zusammengefasst aus, dass die Beschul-

digte die Sondereigenschaft von Art. 320 StGB erfülle. Sie erfülle den Tat-

bestand indessen weder in objektiver noch in subjektiver Hinsicht. Bei der 

Information, dass die Beschwerdeführerin in Tierschutzverfahren involviert 

sei, handle es sich nicht um ein Geheimnis i.S.v. Art. 320 StGB, weil diese 

Information nicht nur einem eng begrenzten Personenkreis bekannt gewe-

sen sei. Gestützt auf die beigezogenen Akten des Veterinäramts sei belegt, 

dass die Beschwerdeführerin schon seit 1997 immer wieder in öffentlichen 

 - 4 - 

 

 

Berichterstattungen in Erscheinung getreten sei. Auch wenn die öffentliche 

Berichterstattung jeweils anonymisiert erfolgt sei, lasse sich die Beschwer-

deführerin anhand der übrigen Informationen als die entsprechende Bäue-

rin identifizieren – insbesondere für Personen aus der gleichen Gemeinde 

bzw. Region, wie dies bei der Melderin C._____ der Fall gewesen sei. Die 

Tatsache, dass die Beschwerdeführerin in Tierschutzverfahren involviert 

sei, sei aufgrund der jahrelangen medialen Berichterstattung sowie ge-

machten Feststellungen der Bevölkerung öffentlich zugänglich gemacht 

worden. Hinzu komme, dass diese Tierschutzverfahren Gegenstand diver-

ser Gerichtsverhandlungen gebildet hätten, so dass gestützt auf die Recht-

sprechung des Bundesgerichts nicht mehr von geheimen Tatsachen aus-

zugehen sei. Schliesslich sei Tierschutzverfahren immanent und gesetzlich 

vorgesehen, dass gegen involvierte Personen Massnahmen ergriffen wer-

den könnten. Auch dabei handle es sich nicht um ein Geheimnis i.S.v. 

Art. 320 StGB. Auch in subjektiver Hinsicht lasse sich nicht nachweisen, 

dass die Beschuldigte eventualvorsätzlich gehandelt habe. In ihrer E-Mail 

an den Melder D._____ habe sie diesen nämlich ausdrücklich darauf hin-

gewiesen, keine weiteren Auskünfte erteilen zu können. Daraus lasse sich 

schliessen, dass sie sich ihrer Amts- und Geheimwahrungspflichten durch-

aus bewusst gewesen sei und das Teilen der Information betreffend lau-

fende Verfahren und Massnahmen vor diesem Hintergrund höchstens fahr-

lässig erfolgt sei. Selbst wenn die Beschuldigte gegenüber den beiden Mel-

dern ein Geheimnis offenbart hätte, habe sie im Rahmen des behördlichen 

Auftrags bzw. gestützt auf die gesetzliche Pflicht zum Vollzug der Tier-

schutzgesetzgebung gehandelt. Zudem habe sie gestützt auf § 24 VRPG 

und § 15 IDAG gehandelt, weshalb ihr Handeln i.S.v. Art. 14 StGB in jedem 

Fall rechtmässig gewesen sei. 

 

2.2. 

Zur Begründung ihres Antrags auf Aufhebung der Nichtanhandnahmever-

fügung machte die Beschwerdeführerin zusammengefasst geltend, dass 

die von der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau erwähnten Berichterstat-

tungen sich auf jeweils abgeurteilte Verfahren gegen sie bezögen und ver-

gangenheitsgerichtet seien. Dass der kantonale Veterinärdienst zu jenem 

Zeitpunkt ein Verfahren gegen sie geführt habe, sei keine allgemein be-

kannte Tatsache, über welche zu jenem Zeitpunkt aktuell berichtet worden 

sei. Es habe sich um die Mitteilung einer neuen Tatsache und nicht um eine 

Wiederholung von bereits bekannten Tatsachen gehandelt. Die Beschul-

digte habe durch ihre Äusserung, dass bereits ein Verfahren gegen die Be-

schwerdeführerin laufe, einen Fakt offenbart, den die Öffentlichkeit nicht 

gekannt habe. Der Umstand, dass bereits ein Verfahren geführt werde, 

hätte bspw. durch die (unproblematische) Formulierung "in einem allfälligen 

Verfahren" nicht preisgegeben werden müssen. Die Verfahren des kanto-

nalen Veterinärdiensts als Verwaltungsbehörde seien auch nicht öffentlich. 

Auch der Umstand, dass Massnahmen geplant gewesen seien, sei nicht 

öffentlich zugänglich gewesen. Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau 

 - 5 - 

 

 

wende den Begriff des Geheimnisses falsch an. Weiter habe die Beschul-

digte keinesfalls fahrlässig gehandelt. Sie habe klar gewusst, dass sie der 

Geheimhaltungspflicht unterstehe, was sie auch in den fraglichen E-Mails 

zum Ausdruck gebracht habe. Schliesslich werde ein Rechtfertigungsgrund 

bestritten. Ein solcher bestehe nicht. 

 

2.3. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau verwies in ihrer Beschwerdeant-

wort auf ihre Ausführungen in der angefochtenen Nichtanhandnahmever-

fügung. 

 

2.4. 

Die Beschuldigte führte mit Beschwerdeantwort aus, dass sie die Auffas-

sung der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau in der angefochtenen Nicht-

anhandnahmeverfügung teile. Zur Beschwerde äussere sie sich nur dahin-

gehend, als die Beschwerdeführerin eine fehlgeleitete Annahme treffe, in-

dem sie die Aussage, es sei ein Verfahren hängig, als Fakt bezeichne mit 

dem Informationsgehalt, dass genügend gravierende Verstösse vorlägen, 

um in die Tierhaltung einzugreifen und Massnahmen anzuordnen. Diese 

Argumentation gehe von einem viel zu engen Verfahrensbegriff und Begriff 

der Massnahmen aus. Es sei ihres Erachtens vom Verfahrensbegriff im 

Verwaltungsrecht auszugehen, der das Vorverfahren umfasse, wie etwa 

die Prüfung, ob eine Meldung genügend tierschutzrelevant sei. Daher 

müsse auch ohne Weiteres zulässig sein, dass eine Behörde der Melde-

person mitteile, dass sie aufgrund der Meldung eine Kontrolle durchführen 

werde. Auch dies stelle eine Massnahme nach allgemeinem Sprachge-

brauch dar. Insbesondere bei einer gewerbsmässigen Katzenzucht hätten 

die Öffentlichkeit und insbesondere Käuferinnen und Käufer ein konkretes 

und gesteigertes Interesse zu wissen, ob die Vollzugsbehörden die Einhal-

tung der Vorschriften überprüften. Im Grunde genommen trete die Verfah-

renseröffnung jeweils gerade durch die Meldung ein, was die Meldeperson 

auch beabsichtige und berechtigterweise von einer Behörde erwarten 

dürfe. Daraus folge, dass ein Tierschutzverfahren nicht zwangsläufig mit 

Verstössen gegen die Tierschutzgesetzgebung gleichgesetzt werden 

müsse. Angaben zu Verfahren und Massnahmen in allgemeiner Weise be-

lasteten betroffene Tierhalterinnen und Tierhalter nicht. Sie hätten vielmehr 

zum Zweck, dass die Behörde gegenüber der Öffentlichkeit vertrauensbil-

dend auftreten könne, sie nehme ihren gesetzlichen Vollzugsauftrag gewis-

senhaft wahr. 

 

2.5. 

Mit Stellungnahme vom 5. März 2025 führte die Beschwerdeführerin aus, 

dass durch die erfolgten Mitteilungen preisgegeben worden sei, dass be-

reits entweder andere Meldungen eingegangen seien, welche ein Verfah-

ren eröffnet hätten, oder der Veterinärdienst habe von Amtes wegen infolge 

eigener Feststellungen ein Verfahren eröffnet. Die Preisgabe des Faktes, 

 - 6 - 

 

 

dass bereits ein Verfahren laufe, reiche aus, um sich strafbar gemacht zu 

haben. Eine Orientierungsmöglichkeit entsprechend Art. 74 StPO sei für 

kantonale Veterinärdienstbehörden nicht vorgesehen, weshalb die Mitar-

beiter des Veterinärdienstes zu hängigen Verfahren gegen bestimmte oder 

bestimmbare Personen zu absoluter Verschwiegenheit verpflichtet seien. 

Es sei nicht mitgeteilt worden, dass gestützt auf die Meldung eine Kontrolle 

durchgeführt werde, sondern dass bereits ein Tierschutzverfahren gegen 

die Beschwerdeführerin laufe (unabhängig von der Meldung). 

 

3. 

3.1. 

Die Staatsanwaltschaft eröffnet insbesondere dann eine Untersuchung, 

wenn sich aus den Informationen und Berichten der Polizei, aus der Straf-

anzeige oder aus ihren eigenen Feststellungen ein hinreichender Tatver-

dacht ergibt (Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO). Die Staatsanwaltschaft verzichtet 

dagegen auf die Eröffnung einer Untersuchung, wenn sie sofort eine Nicht-

anhandnahmeverfügung oder einen Strafbefehl erlässt (vgl. Art. 309 

Abs. 4 StPO). Die Staatsanwaltschaft verfügt die Nichtanhandnahme eines 

Strafverfahrens, sobald aufgrund der Strafanzeige oder des Polizeirapports 

feststeht, dass die fraglichen Straftatbestände oder die Prozessvorausset-

zungen eindeutig nicht erfüllt sind (Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO). Die Frage, 

ob die Strafverfolgungsbehörde ein Strafverfahren durch Nichtanhand-

nahme erledigen kann, beurteilt sich nach dem aus dem strafprozessualen 

Legalitätsprinzip abgeleiteten Grundsatz "in dubio pro duriore". Danach 

darf die Nichtanhandnahme nur in sachverhaltsmässig und rechtlich klaren 

Fällen ergehen (Urteil des Bundesgerichts 7B_97/2023 vom 13. Novem-

ber 2024 E. 3.1 m.w.H.). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung 

darf gestützt auf Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO auch dann eine Nichtanhand-

nahme erfolgen, wenn zwar ein Straftatbestand erfüllt ist, aber offenkundig 

ein Rechtfertigungsgrund vorliegt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_831/2016 vom 13. Februar 2017 E. 2.1.1 m.w.H.).  

 

Ein hinreichender Tatverdacht setzt voraus, dass die erforderlichen Hin-

weise auf eine strafbare Handlung konkreter Natur sind. Konkret ist der 

Tatverdacht dann, wenn eine gewisse Wahrscheinlichkeit für eine straf-

rechtliche Verurteilung der beschuldigten Person spricht. Die Gesamtheit 

der tatsächlichen Hinweise muss die plausible Prognose zulassen, dass 

die beschuldigte Person mit einiger Wahrscheinlichkeit verurteilt werden 

wird. Diese Prognose geht über die allgemeine theoretische Möglichkeit 

hinaus. Ein blosser Anfangsverdacht, d.h. eine geringe Wahrscheinlichkeit 

einer Verurteilung aufgrund vager tatsächlicher Anhaltspunkte (z.B. unge-

naue Schilderungen eines Anzeigeerstatters), löst zwar eine Strafverfol-

gungspflicht aus, genügt für die Eröffnung einer Untersuchung aber nicht 

(NATHAN LANDSHUT/THOMAS BOSSHARD, in: Kommentar zur Schweizeri-

schen Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2020, N. 25 f. zu Art. 309 StPO). In 

Zweifelsfällen ist gestützt auf den aus dem Legalitätsprinzip (Art. 5 

 - 7 - 

 

 

Abs. 1 BV) abgeleiteten Grundsatz "in dubio pro duriore" die Sache von der 

Staatsanwaltschaft an die Hand zu nehmen. Die Untersuchung muss eröff-

net oder fortgeführt werden, wenn eine Verurteilung wahrscheinlicher er-

scheint als ein Freispruch oder wenn die Wahrscheinlichkeiten eines Frei-

spruchs und einer Verurteilung gleich erscheinen, besonders bei schweren 

Fällen. Der Grundsatz "in dubio pro reo" (vgl. Art. 10 Abs. 1 und 

Abs. 3 StPO) ist in diesem Verfahrensstadium nicht anwendbar (Urteile des 

Bundesgerichts 6B_662/2017 vom 20. September 2017 E. 3.2; 

6B_271/2016 vom 22. August 2016 E. 2.1).  

 

3.2. 

Unbestritten ist, dass die Privatperson C._____ dem kantonalen Veterinär-

dienst am 16. August 2023 eine Meldung betreffend die Beschwerdeführe-

rin bzw. deren Hund, Katze und Ziege(n) erstattete und die Beschuldigte 

C._____ mit Antwort-E-Mail von 16. August 2023 Folgendes mitteilte: "Wir 

können Sie dahingehend informieren, dass wir bereits in einem Verfahren 

mit Frau A._____ stehen." (act. 18). 

 

Ebenfalls eine Meldung betreffend die Beschwerdeführerin bzw. einer von 

ihr verkauften Katze erstattete die Privatperson D._____ am 18. Septem-

ber 2023. Mit Antwort-E-Mail vom 19. September 2023 schrieb die Beschul-

digte ihm u.a. Folgendes: "Gegen Frau A._____ läuft bereits ein Tierschutz-

verfahren, weshalb der ganze Fall bereits in Bearbeitung ist." (act. 20). In 

der Folgekorrespondenz schrieb sie mit E-Mail vom 22. September 2023 

zudem Folgendes: "Ich darf Ihnen leider keine weitere Auskunft zum Fall 

geben. Ihre Meldung unterstützt uns jedoch sehr in den geplanten Mass-

nahmen." (act. 22).  

 

3.3. 

3.3.1. 

Vorab kann festgestellt werden, dass die Beschuldigte unbestrittenermas-

sen die Sondereigenschaft von Art. 320 StGB erfüllt (vgl. dazu angefoch-

tene Verfügung, E. 1.2, S. 3 sowie Urteil des Bundesgerichts 6B_825/2019, 

6B_845/2019 vom 6. Mai 2021 E. 5.2.1 mit Hinweis auf BGE 142 IV 65 

E. 5.1). 

 

3.3.2. 

Die Beschwerdeführerin erblickt die Geheimnisoffenbarung darin, dass die 

Beschuldigte den Meldepersonen mitgeteilt hat, dass gegen sie bereits ein 

Tierschutzverfahren laufe bzw. der kantonale Veterinärdienst in einem Ver-

fahren mit ihr stehe bzw. Massnahmen geplant seien. 

 

Die Beschuldigte spricht der von ihr an die beiden Meldepersonen weiter-

gegebenen Informationen implizit den Geheimnischarakter ab. 

 - 8 - 

 

 

3.3.3. 

3.3.3.1. 

Die Beschuldigte weist mehrfach auf das Öffentlichkeitsprinzip hin (vgl. Be-

schwerdeantwort sowie Einvernahmeprotokoll der Beschuldigten vom 

2. Juli 2024, Frage 35, act. 46). Diesbezüglich ist festzustellen, dass der 

Kanton Aargau mit dem Gesetz über die Information der Öffentlichkeit, den 

Datenschutz und das Archivwesen vom 24. Oktober 2006 (IDAG; 

SAR 150.700) das Öffentlichkeitsprinzip einführte und insofern einen Sys-

temwechsel vom Geheimhaltungsprinzip mit Öffentlichkeitsvorbehalt zum 

Öffentlichkeitsprinzip mit Geheimhaltungsvorbehalt machte (vgl. auch § 72 

Abs. 3 der Verfassung des Kantons Aargau vom 25. Juni 1980 (Kantons-

verfassung, KV; SAR 110.000). Davon bleibt der strafrechtliche Schutz des 

Amtsgeheimnisses als solcher unberührt. Hingegen wird der Geheimnisbe-

griff eingeschränkt, indem dem Amtsgeheimnis nur noch untersteht, was 

im Sinne des Öffentlichkeitsgesetzes bzw. der entsprechenden kantonalen 

Gesetze geheim bleiben soll (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_825/2019, 

6B_845/2019 vom 6. Mai 2021 E. 5.3.2; NIKLAUS OBERHOLZER, in: Basler 

Kommentar, Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N. 5 zu Art. 320 StGB). Demnach ist 

vorliegend anhand des kantonalen Rechts zu beurteilen, ob die von der 

Beschuldigten offenbarten Tatsachen ein Geheimnis im Sinne von 

Art. 320 StGB darstellen. 

 

3.3.3.2. 

Das IDAG regelt u.a. den Umgang mit Personendaten durch öffentliche Or-

gane und gilt für alle öffentlichen Organe (§§ 1 Abs. 1 lit. b und 2 

Abs. 1 IDAG), wobei öffentliche Organe u.a. alle Behörden, Kommissionen 

und Organe von öffentlichrechtlichen Anstalten auf kantonaler und kommu-

naler Ebene sind (§ 3 Abs. 1 lit. c Ziff. 1). Personendaten sind Daten, die 

sich auf eine bestimmte oder bestimmbare natürliche Person beziehen (§ 3 

Abs. 1 lit. d IDAG). Bearbeiten ist jeder Umgang mit Personendaten, insbe-

sondere das Beschaffen, Aufbewahren, Verwenden, Umarbeiten, Bekannt-

geben oder Vernichten von Personendaten (§ 3 Abs. 1 lit. g IDAG). Be-

kanntgeben ist das Zugänglichmachen von Personendaten, wie das Ein-

sichtgewähren, Weitergeben oder Veröffentlichen (§ 3 Abs. 1 lit. h IDAG). 

Gemäss § 15 Abs. 1 IDAG geben öffentliche Organe Privaten Personen-

daten nur bekannt, wenn a) sie dazu gesetzlich verpflichtet sind, oder b) 

die Bekanntgabe nötig ist, um eine gesetzliche Aufgabe erfüllen zu können, 

oder c) die um Auskunft ersuchende Person glaubhaft macht, dass sie 

ohne die Bekanntgabe an der Durchsetzung von Rechtsansprüchen gehin-

dert wird, oder d) die betroffene Person eingewilligt hat.  

 

3.3.3.3. 

Mit den E-Mails vom 16. August 2023, 19. September 2023 sowie 22. Sep-

tember 2023 hat die Beschuldigte zwei Privatpersonen darüber informiert, 

dass betreffend die Beschwerdeführerin bereits ein Tierschutzverfahren 

laufe und Massnahmen geplant seien. Mit dieser erteilten Information hat 

 - 9 - 

 

 

die Beschuldigte Personendaten im Sinne von § 3 Abs. 1 lit. d IDAG über 

die Beschwerdeführerin im Sinne von Bekanntgeben bearbeitet. Die Be-

kanntgabe von Personendaten ist nur unter den Voraussetzungen von 

§ 15 IDAG erlaubt, welche hier offensichtlich nicht erfüllt sind, zumal die 

beiden Melder gar nicht um Bekanntgabe von Personendaten (strafrechtli-

che oder administrative Vorgänge) der Beschwerdeführerin gefragt haben.  

 

3.3.3.4. 

Die Beschuldigte hat sich mehrfach auf eine Mitteilungspflicht berufen 

(vgl. Einvernahmeprotokoll der Beschuldigten vom 2. Juli 2024, Frage 35, 

act. 46). Gemäss § 4 Abs. 1 und 2 IDAG sind die öffentlichen Organe ver-

pflichtet, die Bevölkerung über Tätigkeiten und Angelegenheiten von allge-

meinem Interesse von Amtes wegen zu informieren. Von allgemeinem In-

teresse sind Informationen dann, wenn sie Belange von öffentlichem Inte-

resse betreffen und für die Meinungsbildung und zur Wahrung der rechts-

staatlichen und demokratischen Rechte der Bürgerinnen und Bürger von 

Bedeutung sind. Diese Bestimmung ist hier nicht anwendbar, da die Be-

schuldigte die Information nicht an "die Bevölkerung", wozu sie wohl gar 

nicht befugt wäre, sondern lediglich an zwei Privatpersonen weitergegeben 

hat.  

 

Die Auffassung der Beschuldigten, von einem Geheimnis könne unter dem 

Aspekt des Öffentlichkeitsprinzips nicht die Rede sein, greift daher zu kurz, 

und es bleibt vorliegend Raum für Art. 320 StGB. 

 

3.4. 

3.4.1. 

Gemäss Art. 320 Ziff. 1 StGB macht sich wegen Amtsgeheimnisverletzung 

strafbar, wer ein Geheimnis offenbart, das ihm in seiner Eigenschaft als 

Mitglied einer Behörde oder als Beamter anvertraut worden ist, oder das er 

in seiner amtlichen oder dienstlichen Stellung wahrgenommen hat. 

 

3.4.2. 

Geheimnisse sind Tatsachen, die nur einem begrenzten Personenkreis 

(den sog. Geheimnisträgern) bekannt sind, die der Geheimnisherr 

(d.h. jene Person, welche die Tatsachen betreffen) geheim halten will und 

an deren Geheimhaltung er ein berechtigtes Interesse hat. Der Tatbestand 

geht von einem materiellen Geheimnisbegriff aus. Es ist daher unerheblich, 

ob die betreffende Tatsache von der zuständigen Behörde als geheim er-

klärt worden ist. Entscheidend ist allein, dass es sich um eine Tatsache 

handelt, die weder offenkundig noch allgemein zugänglich ist und bezüglich 

derer der Geheimnisherr nicht nur ein berechtigtes Interesse, sondern auch 

den ausdrücklich oder stillschweigend bekundeten Willen zur Geheimhal-

tung hat. Ein Geheimnis offenbart, wer es einem dazu nicht ermächtigten 

Dritten zur Kenntnis bringt oder diesem die Kenntnisnahme zumindest 

 - 10 - 

 

 

ermöglicht (Urteil des Bundesgerichts 6B_825/2019, 6B_845/2019 vom 

6. Mai 2021 E. 5.2.1 mit Verweis auf BGE 142 IV 65 E. 5.1 und 5.2).  

  

In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz erforderlich; Eventualvorsatz genügt. Das 

Behördenmitglied oder der Beamte muss im Wissen um den Geheimnis-

charakter die Tatsache offenbart oder dies zumindest in Kauf genommen 

haben. Blosse Fahrlässigkeit ist nicht strafbar (Art. 12 Abs. 2 StGB). Nach 

ständiger Rechtsprechung ist Eventualvorsatz gegeben, wenn der Täter mit 

der Tatbestandsverwirklichung rechnet, aber dennoch handelt, weil er den 

Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt und sich mit ihm abfindet, 

mag er ihm auch unerwünscht sein. Nicht erforderlich ist, dass er den Erfolg 

"billigt". Das Gericht darf vom Wissen des Täters auf den Willen schliessen, 

wenn sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich auf-

drängte, dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftiger-

weise nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_825/2019, 6B_845/2019 vom 6. Mai 2021 5.2.1 f. 

m.w.H). 

 

Handelt der Täter in einer irrigen Vorstellung über den Sachverhalt, so be-

urteilt das Gericht die Tat zu Gunsten des Täters nach dem Sachverhalt, 

den sich der Täter vorgestellt hat (Art. 13 Abs. 1 StGB). Einem Sachver-

haltsirrtum unterliegt, wer von einem Merkmal eines Straftatbestands keine 

oder eine falsche Vorstellung hat. In diesem Fall fehlt dem Irrenden der 

Vorsatz zur Erfüllung der fraglichen Strafnorm (Urteil des Bundesgerichts 

6B_825/2019, 6B_845/2019 vom 6. Mai 2021 E. 5.2.3 m.w.H.). 

 

3.4.3. 

3.4.3.1. 

Die Beschuldigte macht geltend, es sei vom Verfahrensbegriff im Verwal-

tungsrecht auszugehen, der das Vorverfahren umfasse. Sie spricht damit 

ihre bereits geäusserte Behauptung an, wonach mit dem von ihr erwähn-

ten, gegen die Beschwerdeführerin laufenden Tierschutzverfahren 

bzw. dem erwähnten Verfahren, in dem der kantonale Veterinärdienst mit 

ihr stehe, das von den beiden Meldepersonen eröffnete Verfahren gemeint 

sei. Sinngemäss bestreitet sie damit die Geheimnisqualität ihrer Äusse-

rung. Dies erscheint allerdings unglaubhaft und ist deshalb als Schutzbe-

hauptung zu verwerfen: 

 

Im Zeitpunkt der E-Mails bzw. ab 15. Februar 2023 bestanden bereits di-

verse Tierschutzmeldungen, Kontrollen und Verfahren gegen die Be-

schwerdeführerin (vgl. Auflistung im Aktenverzeichnis vom 31. Okto-

ber 2024, Beizugsakten ST.2023.9019). Es ist deshalb offensichtlich, dass 

die Beschuldigte mit "Verfahren" bzw. dem "Tierschutzverfahren" das da-

mals bereits in Bearbeitung gestandene Verfahren gegen die Beschwerde-

führerin gemeint hat. Dies geht insbesondere aus der E-Mail der Beschul-

digten vom 22. September 2023 an D._____ (act. 22) hervor, in welcher sie 

 - 11 - 

 

 

diesem auf seine Frage, ob es nicht das erste Mal sei, dass die Beschwer-

deführerin kranke Katzen verkaufe oder ob es um die anderen Tiere gehe, 

antwortete, dass sie ihm leider keine weitere Auskunft zum Fall geben 

könne, seine Meldung sie aber sehr in den geplanten Massnahmen unter-

stützen würde. Die Frage von D._____ war eine Reaktion auf die Informa-

tion, dass gegen die Beschwerdeführerin bereits ein Tierschutzverfahren 

laufe (vgl. E-Mail der Beschuldigten an D._____ vom 19. September 2023, 

act. 20). Wenn die Beschuldigte das durch die Meldung von D._____ vom 

18. September 2023 (neu) eröffnete Verfahren gemeint hätte, hätte sie dem 

Melder ohne Weiteres Auskunft zum Fall geben können (vgl. ebenso Ein-

vernahmeprotokoll der Beschuldigten vom 2. Juli 2024, Frage 36, act. 46). 

Auch die Formulierung der Feststellung, dass eine 1:1-Verwendung der 

Meldung für das Verfahren von Vorteil wäre (vgl. E-Mail an C._____ von 

16. August 2023, act. 18), schliesst auf ein anderes Verfahren (unabhängig 

vom Verfahren aufgrund der Meldung). Die Beschuldigte hätte den Melde-

personen auch kaum am Tag der Meldung bzw. am Folgetag geschrieben, 

gegen die Beschwerdeführerin laufe bereits ein Tierschutzverfahren bzw. 

der kantonale Veterinärdienst stehe bereits in einem Verfahren mit der Be-

schwerdeführerin, wenn das jeweils eben erst eröffnete Verfahren aufgrund 

der Meldung gemeint gewesen wäre. Mit den geplanten Massnahmen ist 

damit auch nicht etwa eine Kontrolle aufgrund dieser Meldung gemeint, wie 

die Beschuldigte es geltend zu machen versucht, sondern offensichtlich der 

bereits zum Zeitpunkt des E-Mails vom 16. August 2023 (act. 18) beabsich-

tigte und schliesslich am 23. August 2023 angezeigte Erlass eines Tierhal-

teverbots (vgl. dazu Verfügung vom 15. Mai 2024 [Tierhalteverbot], S. 2).  

 

Es ist somit ohne Weiteres davon auszugehen, dass mit dem "Verfahren" 

bzw. dem "Tierschutzverfahren" das bereits gegen die Beschwerdeführerin 

in Bearbeitung gestandene Verfahren gemeint war. 

 

3.4.3.2. 

In Bezug auf das Tatbestandselement der Offenbarung kann der Staatsan-

waltschaft Lenzburg-Aarau zudem nicht gefolgt werden, wenn sie ausführt, 

dass die von der Beschuldigten den Meldepersonen offenbarten Informati-

onen nicht nur einem eng begrenzten Personenkreis bekannt gewesen, 

sondern aufgrund der jahrelangen medialen Berichterstattung sowie ge-

machten Feststellungen der Bevölkerung öffentlich zugänglich gemacht 

worden seien. Die von der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau erwähnten 

Berichterstattungen bezogen sich auf jeweils abgeurteilte Verfahren gegen 

die Beschwerdeführerin und sind, wie die Beschwerdeführerin zu Recht 

vorbringt, vergangenheitsgerichtet. Dass der kantonale Veterinärdienst im 

August/September 2023 ein Verfahren (mit angezeigtem Erlass eines Tier-

halteverbots nur wenige Tage nach der Tierschutzmeldung von C._____) 

gegen die Beschwerdeführerin geführt hat, war keine allgemein bekannte 

Tatsache, über welche zu jenem Zeitpunkt aktuell berichtet worden ist. 

Auch die Melderin C._____, welche (erst) seit Anfang Juni 2023 Nachbarin 

 - 12 - 

 

 

der Beschwerdeführerin ist, erwähnte lediglich ihr aus Erzählungen be-

kannte frühere Angriffe von Hunden der Beschwerdeführerin (vgl. ihre E-

Mail vom 16. August 2023), nicht jedoch Kenntnis von laufenden Tier-

schutzverfahren gegen die Beschwerdeführerin oder aktuell geplante Mas-

snahmen zu haben. 

 

3.4.4. 

Die von der Beschuldigten den Meldepersonen weitergegebenen Informa-

tionen (gegen die Beschwerdeführerin laufe bereits ein Tierschutzverfah-

ren bzw. der kantonale Veterinärdienst stehe bereits in einem Verfahren 

mit ihr) stellen Geheimnisse i.S.v. Art. 320 StGB dar (vgl. Urteil des Bun-

desgerichts 6B_825/2019, 6B_845/2019 vom 6. Mai 2021 E. 5.3.3 [hin-

sichtlich der Tatsache, dass gegen eine Person ein Ermittlungs- oder Un-

tersuchungsverfahren laufe]). Nichts anderes hat für die Tatsache zu gel-

ten, dass (in einem laufenden Verfahren) Massnahmen (gegen die Be-

schwerdeführerin) geplant seien. 

 

Die Beschuldigte hat über diese Informationen nur aufgrund ihrer amtlichen 

Stellung und Tätigkeit verfügt. Auch wenn sie nicht Mitglied einer Strafbe-

hörde (und insofern nicht an die Geheimhaltungspflicht gemäss 

Art. 73 StPO gebunden) ist und sich auch aus dem VRPG keine Geheim-

haltungspflicht ergibt (vgl. demgegenüber § 57 Abs. 1 VRPG e contrario, 

wonach Verfahren vor einer Verwaltungsbehörde nicht öffentlich sind), 

ergibt sich eine Verpflichtung zur Geheimhaltung aus der besonderen Stel-

lung der Beschuldigten als Behördenmitglied. Einer besonderen ausser-

strafrechtlichen Grundlage in dem für die Ausübung des Amtes massge-

benden Gesetz bedarf es nicht (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 

6B_825/2019, 6B_845/2019 vom 6. Mai 2021 E. 5.2.1 mit Verweis auf 

BGE 142 IV 65 E. 5.2). Nachdem eine Orientierungsmöglichkeit entspre-

chend Art. 74 StPO für kantonale Veterinärdienstbehörden nicht vorgese-

hen ist (§ 4 IDAG ist vorliegend nicht einschlägig, vgl. E. 3.3.3.4), ist die 

Beschuldigte betreffend hängige Verfahren gegen bestimmte oder be-

stimmbare Personen zur Verschwiegenheit verpflichtet. 

 

Schliesslich ist der Beschwerdeführerin ein Geheimhaltungsinteresse zu-

zugestehen. 

 

Zusammenfassend hat die Beschuldigte mit ihren E-Mails an die Meldeper-

sonen Geheimnisse i.S.v. Art. 320 Ziff. 1 StGB offenbart, welche sie auf-

grund ihrer amtlichen Stellung wahrgenommen hat. 

 

3.5. 

3.5.1. 

In subjektiver wendet sich die Beschwerdeführerin gegen die Einschätzung 

der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau, dass die Beschuldigte höchstens 

fahrlässig gehandelt habe, weil sie in ihrer E-Mail an den Melder D._____ 

 - 13 - 

 

 

ausdrücklich darauf hingewiesen habe, keine weiteren Auskünfte erteilen 

zu können. Nach Auffassung der Beschwerdeführerin habe die Beschul-

digte klar gewusst, dass sie der Geheimhaltungspflicht unterstehe, was sie 

auch in den fraglichen E-Mails zum Ausdruck gebracht habe.  

 

3.5.2. 

Die Beschuldigte gab anlässlich ihrer Einvernahme mehrfach an, es sei 

gängige Praxis, über laufende Verfahren – nicht aber über deren Inhalt – 

zu informieren (Einvernahmeprotokoll der Beschuldigten vom 2. Juli 2024, 

Fragen 30, 32, 34, 35, act. 45 f.). Die Beschuldigte informierte die Melde-

personen demnach bewusst i.S.v. Art. 12 Abs. 2 StGB, dass bereits ein 

Verfahren gegen die Beschwerdeführerin lief bzw. Massnahmen geplant 

seien. Der Umstand, dass sie aussagte, keine inhaltlichen Sachen verraten 

zu haben (Einvernahmeprotokoll der Beschuldigten vom 2. Juli 2024, 

Frage 35, act. 46) bzw. in ihrer E-Mail vom 22. September 2023 angab, 

keine weitere Auskunft zum Fall geben zu dürfen (act. 22), ändert an der 

Tatbestandsmässigkeit (Vorsatz) nichts.  

 

Wahrscheinlich erscheint allerdings, dass die Beschuldigte sich hinsichtlich 

dessen, was unter die Geheimhaltungspflicht fällt, in einem Irrtum befand, 

wobei es sich hierbei nicht um einen Irrtum über die Rechtswidrigkeit i.S.v. 

Art. 21 StGB, sondern um einen Irrtum über ein rechtlich normiertes Ele-

ment des Sachverhalts und damit um einen Sachverhaltsirrtum i.S.v. 

Art. 13 Abs. 1 StGB handelte, der bei Bejahung zu einer fehlenden Vorsätz-

lichkeit führt (BGE 129 IV 238 E. 3.1; STEFAN TRECHSEL/BIJAN FATEH-MO-

GHADAM, in: Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 4. Aufl. 

2021, N. 5 zu Art. 13 StGB; MARCEL ALEXANDER NIGGLI/STEFAN MAEDER, 

in: Basler Kommentar, Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N. 8 und 11 zu 

Art. 13 StGB). Das Vorliegen eines solchen Irrtums drängt sich vorliegend 

aufgrund des bisherigen Ergebnisses der Untersuchung auf, da sich die 

Beschuldigte mehrfach auf das Öffentlichkeitsprinzip berief (vgl. Einvernah-

meprotokoll der Beschuldigten vom 2. Juli 2024, Frage 35, act. 46; E-Mail 

an den Melder D._____ vom 22. September 2023, act. 22) und zudem fest-

hielt, dass es gängige Praxis ihres Amts sei, dass sie diese Auskunft gäben 

(vgl. Einvernahmeprotokoll der Beschuldigten vom 2. Juli 2024, Frage 34, 

act. 46). Gerade die Aussage, wonach das Amt derartige Auskünfte gäbe, 

belegt zum einen, dass sie sich des Amtsgeheimnisses im Grundsatz sehr 

wohl bewusst ist und dieses auch pflichtgemäss ausüben will sowie zum 

andern, dass sie (und das Amt) offensichtlich von einem falschen Verständ-

nis des Öffentlichkeitsprinzips ausgehen. Die entsprechenden Aussagen 

zum Verständnis des Amtsgeheimnisses sind zudem glaubhaft, hat sie 

dem Melder D._____ auf seine Nachfrage doch mitgeteilt, dass sie ihm lei-

der keine weitere Auskunft zum Fall geben dürfe (act. 22). Auch weil die 

Beschuldigte die erteilten Auskünfte mehrfach damit begründete, dass sie 

die Meldepersonen als Zeugen (im laufenden Verfahren) habe befragen 

wollen und diese doch wissen müssten, weshalb sie als Zeugen fungieren 

 - 14 - 

 

 

sollten (vgl. Einvernahmeprotokoll der Beschuldigten vom 2. Juli 2024, Fra-

gen 30, 32, 35, act. 45 f.), was mit Blick auf den E-Mailverlauf ebenfalls 

glaubhaft erscheint, spricht dafür, dass die Beschuldigte sich wegen des 

Öffentlichkeitsprinzips zur Auskunft, dass ein Verfahren laufe, als berech-

tigt erachtete, wenngleich sie die Meldepersonen nicht als Zeugen, sondern 

lediglich als Drittpersonen hätte befragen dürfen (§ 24 Abs. 1 lit a bzw. 

Abs. 2 VRPG). Dasselbe gilt im Übrigen hinsichtlich der Information über 

die "geplanten Massnahmen", welcher Aussage hinsichtlich des Geheim-

nischarakters sowieso keine selbständige Bedeutung zukommt.  

 

Nach dem Gesagten kann vorliegend ein Sachverhaltsirrtum auch im Lichte 

des Grundsatzes in dubio pro duriore angenommen werden. Selbst wenn 

die Beschuldigte diesen Irrtum bei pflichtgemässer Vorsicht hätte vermei-

den können, wäre sie in Beachtung von Art. 13 Abs. 2 StGB nur strafbar, 

wenn die fahrlässige Begehung der Tat mit Strafe bedroht ist, was bei 

Art. 320 Ziff. 1 StGB aber gerade nicht der Fall ist. 

 

4. 

Damit kann gesagt werden, dass ein Freispruch der Beschuldigten deutlich 

wahrscheinlicher erscheint als eine Verurteilung und die Führung eines 

Strafverfahrens geradezu aussichtslos erscheint. Die Staatsanwaltschaft 

Lenzburg-Aarau hat das Strafverfahren gegen die Beschuldigte demnach 

im Ergebnis zu Recht gestützt auf Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO nicht an die 

Hand genommen. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen. 

 

5. 

5.1. 

Bei diesem Ausgang sind die Kosten des Beschwerdeverfahrens der Be-

schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO) und im Umfang von 

Fr. 1'000.00 mit der von ihr geleisteten Kostensicherheit zu verrechnen. 

Eine Entschädigung ist ihr nicht auszurichten. 

 

5.2. 

Der nicht anwaltlich verteidigten Beschuldigten ist kein entschädigungs-

pflichtiger Aufwand entstanden.  

 

 
   

Die Beschwerdekammer entscheidet: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestehend aus einer Gerichtsge-

bühr von Fr. 1'000.00 und den Auslagen von Fr. 99.00, zusammen 

Fr. 1'099.00, werden der Beschwerdeführerin auferlegt und mit der von ihr 

 - 15 - 

 

 

geleisteten Sicherheit von Fr. 1'000.00 verrechnet, so dass sie noch 

Fr. 99.00 zu bezahlen hat. 

 

 
   

Zustellung an: 

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-

lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-

schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. Dieselbe Beschwerde 

kann erhoben werden gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide, wenn 

diese einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können oder wenn die Gutheis-

sung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeuten-

den Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde 

(Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 93, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde- 

legitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 

 

 
   

Aarau, 8. Mai 2025 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Beschwerdekammer in Strafsachen 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Richli Groebli Arioli