# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1e2a61b6-1920-5802-8781-9d16785e0a7d
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** DG240039-K2
**Docket/Reference:** DG240039-K2
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/DG240039-K2.pdf

## Full Text

Bezirksgericht Winterthur

Geschäfts-Nr.: DG240039-K/Ubegr/aa

Mitwirkend: Vizepräsidentin lic. iur. C. Schibli Arn als Vorsitzende, Bezirksrichte-

rin MLaw U. Geilinger, Ersatzrichterin MLaw N. Seebacher sowie

Gerichtsschreiberin MLaw N. Marti

Urteil vom 11. Juni 2025
(begründete Fassung)

Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl, 

Anklägerin

in Sachen

gegen

A._____, 

Beschuldigter

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____,

betreffend versuchte Tötung etc.

Privatklägerin

B._____ AG, 

 
- 2 -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 21. Oktober 2024 

(act. 17/11) ist diesem Urteil beigeheftet.

An der Hauptverhandlung anwesende Parteien:

Staatsanwalt lic. iur. C._____ für die Anklagebehörde sowie der Beschuldigte in 

Begleitung seiner amtlichen Verteidigung, Rechtsanwalt Dr. iur. X._____.

I.

Der Anklagebehörde: (act. 38, S. 1)

Anträge:

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

Der Beschuldigte sei im Sinne der Anklageschrift der Staatsanwalt-
schaft wegen versuchter vorsätzlicher Tötung im Sinne von Art. 111 in 
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und der Sachbeschädigung im 
Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.

Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren zu bestra-
fen.

Die erstandene Haft sei auf die ausgefällte Freiheitsstrafe anzurech-
nen.

Es sei eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 63 Abs. 1 StGB 
während des Vollzuges der Freiheitsstrafe anzuordnen.

Die sichergestellten Sportschuhe (A017'682'676 und A017'682'687), 
die Herrenhose (A017'682'698), das Shirt (A017'682'701), der Militäri-
sche Leistungsausweis lautend auf A._____ (A017'686'225) und das 
Dienstbüchlein Militär lautend auf A._____ (A017'686'214) seien dem 
Beschuldigten herauszugeben.

Das Sturmgewehr 90, Nr. …, Kaliber 5.56 mm GP 90 (A017'690'470), 
das Bajonett zu Stgw 90, aus Kellerabteil A._____ (A017'691'655), die 
Ladehilfe zum genannten Stgw 90 (A017'682'847) und das Zubehör zu 
Stgw 90 mit 17 Patronen geladen inkl. Patrone aus Patronenlager 
(A017'690'867) seien dem Eidgenössischen Departement für Verteidi-
gung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), Schweizer Armee, heraus-
zugeben.

Die übrigen Sicherstellungen, über die noch nicht entschieden wurde 
(mit Ausnahme des bereits zurückgegebenen Mobiltelefons 
A017'682'836), seien zu vernichten.

Über die Zivilforderung der Geschädigten B._____ AG im Betrage von 
Fr. 5'475.25 sei zu entscheiden.

- 3 -

9.

Die Kosten des Verfahrens inkl. Gebühr für das Vorverfahren im Betrag 
von Fr. 21'470.91 seien dem Beschuldigten aufzuerlegen.

II.

Der amtlichen Verteidigung: (act. 39, S. 1)

1.

2.

3.

4.

5.

6.

A._____ sei vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung i.S.v. 
Art. 111 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB freizusprechen.

Das Verfahren gegen A._____ betreffend Sachbeschädigung i.S.v. 
Art. 144 Abs. 1 StGB sei einzustellen.

Von der Anordnung einer ambulanten Massnahme i.S.v. Art. 63 StGB 
sei abzusehen.

Die Kosten für das Vorverfahren und das erstinstanzliche Gerichtsver-
fahren seien auf die Staatskasse zu nehmen.

A._____ sei eine angemessene Genugtuung auszurichten.

Die mit der Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts des Bezirks 
Winterthur vom 24. April 2025 verlängerten Ersatzmassnahmen seien 
aufzuheben.

III. Des Beschuldigten: (sinngemäss)



Entscheid gemäss den Anträgen der amtlichen Verteidigung.

IV. Der Privatklägerschaft: (act. 17/5)



Schadenersatz in der Höhe von CHF 5'475.25.

- 4 -

Erwägungen:

I.

Prozessgeschichte

1.

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 21. Oktober 2024 

(act. 17/11)  ging  am  24. Oktober  2024  samt  Akten  beim  hiesigen  Bezirksgericht 

ein. Nach Prüfung der Anklageschrift, der Akten und der Prozessvoraussetzungen 

gemäss  Art. 329  StPO  durch  die  Verfahrensleitung  am  25. Oktober  2024  (Prot. 

S. 2) wurde den Verfahrensbeteiligten mit Verfügung vom selben Tag (act. 18) Frist 

angesetzt, um Beweisanträge für die Hauptverhandlung zu stellen und zu begrün-

den. Zugleich wurde der Privatklägerschaft Frist angesetzt, um ihre Forderung zu 

beziffern, zu begründen und zu belegen. Innert (erstreckter) Frist (vgl. act. 21) gin-

gen weder Beweisanträge noch Eingaben der Privatklägerschaft ein.

2.

Mit Verfügungen vom 4. November 2024 (act. 20) respektive 24. April 2025 

(act. 28a) verlängerte das Zwangsmassnahmengericht des Bezirksgerichts Winter-

thur die gegen den Beschuldigten angeordneten Ersatzmassnahmen (Kontaktver-

bot,  ärztliche  Behandlung,  Verbot  zum  Besitz  oder  Tragen  von  Waffen)  bis  zum 

4. Mai  2025  respektive  bis  zum  24. Oktober  2025,  längstens  aber  bis  zum  Ab-

schluss der Hauptverhandlung bzw. Urteilseröffnung.

3.

Zur Hauptverhandlung am 11. Juni 2025 erschienen nach ordnungsgemäs-

ser Vorladung der Beschuldigte persönlich in Begleitung seiner amtlichen Verteidi-

gung, Rechtsanwalt Dr. iur. X._____, sowie Staatsanwalt lic. iur. C._____ für die 

Anklagebehörde (act. 24 f.; Prot. S. 5). 

II.

Prozessuales

1.

Konstituierung als Privatklägerschaft

1.1. Als Privatklägerschaft gilt die geschädigte Person, die ausdrücklich erklärt, 

sich am Strafverfahren als Straf- oder Zivilklägerin zu beteiligten (Art. 118 Abs. 1 

StPO), wobei die Erklärung gegenüber der Strafverfolgungsbehörde spätestens bis 

- 5 -

zum Abschluss des Vorverfahrens abzugeben ist (Art. 118 Abs. 3 StPO). Der Straf-

antrag ist dieser Erklärung gleichgestellt (Art. 118 Abs. 2 StPO).

1.2. Die B._____ AG (nachfolgend: die Privatklägerin) stellte am 16. August 2023 

Strafantrag wegen Sachbeschädigung (act. 8/2). Ausserdem konstituierte sie sich 

am 8. August 2024 gegenüber der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl mittels Formular 

als  Zivilklägerin  und  forderte  Schadenersatz  in  der  Höhe  von  CHF 5'475.25 

(act. 17/5).

2.

Antragsdelikt

2.1.

Ist eine Tat nur auf Antrag strafbar, so kann jede Person, die durch sie ver-

letzt worden ist, die Bestrafung des Täters beantragen (Art. 30 Abs. 1 StGB). Das 

Antragsrecht erlischt nach Ablauf von drei Monaten. Die Frist beginnt mit dem Tag, 

an welchem der antragsberechtigten Person der Täter bekannt wird (Art. 31 StGB).

2.2. Bei der von der Staatsanwaltschaft eingeklagten Sachbeschädigung im Sin-

ne von Art. 144 Abs. 1 StGB handelt es sich um ein Antragsdelikt. Gemäss Ankla-

gesachverhalt  erfolgte  die  Sachbeschädigung  am  15. August  2023  (act. 17/11 

S. 2 f.),  am  16. August  2023  stellte  die  Privatklägerin  diesbezüglich  Strafantrag 

(act. 8/2). Die Antragsfrist wurde somit eingehalten.

2.3. Die antragsberechtigte Person kann ihren Strafantrag zurückziehen, solan-

ge das Urteil der zweiten kantonalen Instanz noch nicht eröffnet ist (Art. 33 Abs. 1 

StGB). Entgegen der amtlichen Verteidigung (act. 39 Rz. 76) liegt dem Gericht im 

Urteilszeitpunkt kein Rückzug des Strafantrags vor (vgl. auch Prot. S. 38). Ein all-

fälliger  Rückzug  wurde  von  der  Privatklägerin  auch  bloss  unter  Bedingungen  in 

Aussicht gestellt (vgl. act. 40), diese Bedingungen wurden bis zum Urteilszeitpunkt 

nicht erfüllt (Prot. S. 38). Es liegt somit ein gültiger Strafantrag vor. Dementspre-

chend ist die Prozessvoraussetzung erfüllt und auf die Anklage bezüglich Sachbe-

schädigung ist einzutreten.

- 6 -

3.

Beweisanträge

3.1. Anlässlich der Hauptverhandlung stellte die amtliche Verteidigung zwei Be-

weisanträge. Erstens sei bei Prof. D._____ ein Ergänzungsgutachten beziehungs-

weise eine ergänzende gutachterliche Stellungnahme zur Frage einzuholen, ob bei 

A._____ im Zeitpunkt der Hauptverhandlung eine schwere psychische Störung vor-

liege. Zweitens sei vor dem gerichtlichen Entscheid über die Anordnung einer am-

bulanten Massnahme beim psychiatrisch-psychologischen Dienst (PPD) eine Stel-

lungnahme bezüglich der diagnostischen Einordnung, der Art der Behandlung und 

der Kooperation von A._____ einzuholen (Prot. S. 30 f.).

3.2.

In den Akten liegt ein Bericht des psychiatrisch-psychologischen Dienstes 

(PPD) vom 23. April 2025, welcher feststellt, dass aufgrund des noch nicht konso-

lidierten Fallkonzeptes keine näheren Angaben zu den Fragestellungen gemacht 

werden könnten (act. 30 S. 2). Am 23. April 2025 lag somit nichts Aussagekräftiges 

vor. Das Gericht hat keinerlei Anhaltspunkte, dass innerhalb eines guten Monats 

seit diesen Feststellungen massgebliche Änderungen eingetreten wären, aufgrund 

derer  ein  weiteres  Ergänzungsgutachten  oder  eine  weitere  Stellungnahme  des 

PPD  zusätzliche  Erkenntnisse  brächten.  Die  Beweisanträge  sind  somit  abzuleh-

nen.

4.

Verletzung des Anklageprinzips

4.1. Die  Anklageschrift  hat  gemäss  Art. 325  Abs. 1  lit. f  StPO  möglichst  kurz, 

aber genau die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten zu bezeichnen, mit 

Beschreibung  von  Ort,  Datum,  Zeit,  Art  und  Folgen  der  Tatausführung.  Art. 325 

Abs. 1 lit. f StPO geht dabei von einer auf das absolut Wesentliche beschränkten 

Tatumschreibung  aus  (PK  StPO-JOSITSCH/SCHMID,  Art. 325  N 7).  Nach  dem  in 

Art. 9 Abs. 1 und Art. 325 StPO festgeschriebenen Anklagegrundsatz bestimmt die 

Anklageschrift den Gegenstand des Gerichtsverfahrens, womit ihr sogenannte Um-

grenzungsfunktion zukommt (Urteil BGer 6B_566/2021 vom 16. November 2022, 

E. 2.1,  m. w. H.).  Das  Anklageprinzip  hat  zugleich  den  Schutz  der  Verteidigungs-

rechte  der  beschuldigten  Person  und  die  Garantie  des  rechtlichen  Gehörs  zum 

Zweck,  was  als  sogenannte  Informationsfunktion  der  Anklageschrift  bezeichnet 

- 7 -

wird (BGE 144 I 234 E. 5.6.1, m. w. H.). Das Anklageprinzip gilt als verletzt, wenn 

die  angeklagte  Person  für  Taten  verurteilt  wird,  bezüglich  welcher  die  Anklage-

schrift den inhaltlichen Anforderungen nicht genügt, oder wenn das Gericht mit sei-

nem  Schuldspruch  über  den  angeklagten  Sachverhalt  hinausgeht  (Urteil  BGer 

6B.709/2021 vom 12. Mai 2022, E. 1.2, m. w. H.).

4.2. Die  amtliche  Verteidigung  macht  im  Rahmen  ihres  Plädoyers  eine  Verlet-

zung des Anklageprinzips geltend und rügt insbesondere, die Staatsanwaltschaft 

behaupte in der Anklage, "einige Querschläger" seien in der Wohnung gelandet, 

führe jedoch mit keinem Wort aus, wo in der Wohnung diese gelandet sein sollen. 

Sie unterlasse es somit, die Folgen der Tatausführung genügend konkret zu um-

schreiben, weshalb ein Schuldspruch wegen versuchter vorsätzlicher Tötung nicht 

ergehen könne (act. 39 Rz. 6).

4.2.1.  Art  und  Folgen  der  Tatausführung sind  in  der  Anklageschrift  grundsätzlich 

nur  soweit  zu  umschreiben,  als  der  nach  Ansicht  der  Staatsanwaltschaft  erfüllte 

Tatbestand die entsprechenden Elemente in der Sachverhaltsdarstellung erfordert. 

Bei Tatbeständen, die keinen Erfolg im technischen Sinne beinhalten, sind etwa die 

Folgen  nur  insoweit  in  der  Anklage  anzuführen,  als  sie  die  sachverhaltsmässige 

Grundlage für die Subsumtion von (privilegierten oder qualifizierten) Tatbestands-

merkmalen bilden (BSK StPO-HEIMGARTNER/NIGGLI, Art. 325 N 21).

4.2.2.  Der Tatbestand der vorsätzlichen Tötung ist ein Erfolgsdelikt und erfordert 

demzufolge  die  Umschreibung  der  Tatfolgen  in  Bezug  auf  den  Taterfolg,  d. h.  in 

Bezug auf die Tötung. Da vorliegend die versuchte Tatbegehung angeklagt ist, er-

übrigen sich Ausführungen bezüglich des Taterfolgs. Wo "einige Querschläger" ge-

landet sind, ist kein Tatbestandselement, und es sind dementsprechend keine dies-

bezüglichen Ausführungen in der Anklageschrift erforderlich. Ob "einige Querschlä-

ger" in der Wohnung von E._____ gelandet sind, ist eine Frage der Sachverhalts-

erstellung (s. E. III. A. 5. ff.).

4.3. Des Weiteren moniert die amtliche Verteidigung, die Staatsanwaltschaft um-

schreibe den Sachverhalt in subjektiver Hinsicht nicht genügend konkret, sie unter-

lasse es, in der Anklage die tatsächlichen Elemente bzw. die äusseren Umstände 

- 8 -

anzugeben,  welche  nach  ihrer  Ansicht  auf  Eventualvorsatz  schliessen  liessen 

(act. 39 Rz. 7 ff.).

4.3.1.  Beim subjektiven Tatbestand und hier primär beim Vorsatz genügt gemäss 

Lehre  und  Praxis  das  Anführen  desselben,  ohne  dass  eine  Unterscheidung  zwi-

schen  direktem  Vorsatz  oder  Eventualvorsatz  nötig  wäre  (PK  StPO-JOSITSCH/ 

SCHMID, Art. 325 N 9). Wenn der betreffende Tatbestand nur vorsätzlich begangen 

werden kann, genügt hinsichtlich der Vorsatzelemente somit grundsätzlich der Hin-

weis  auf  den  gesetzlichen  Straftatbestand  im  Anschluss  an  die  Darstellung  des 

Sachverhalts als zureichende Umschreibung der subjektiven Merkmale. Nach lang-

jähriger Rechtsprechung muss jedoch klar sein, ob dem Beschuldigten Fahrlässig-

keit oder vorsätzliche Begehung vorgeworfen wird, denn beide Varianten verlangen 

durchaus ein unterschiedliches Vorgehen der Verteidigung (BGE 120 IV 348 E. 3c, 

m. w. H.; Urteil BGer 6B_638/2019 vom 17. Oktober 2019, E. 1.4.2, m. w. H.). 

4.3.2.  Die  Staatsanwaltschaft  wirft  dem  Beschuldigten  in  der  Anklageschrift  eine 

versuchte eventualvorsätzliche Tötung vor. Eine versuchte Tatbegehung ist nur mit 

(Eventual-)Vorsatz möglich, Fahrlässigkeit scheidet in dieser Konstellation im Vorn-

hinein  aus  (vgl.  Art. 12  Abs. 1  StGB).  Demzufolge  sind  in  der  Anklageschrift  alle 

notwendigen  Elemente  umschrieben,  um  dem  Beschuldigten  klar  aufzuzeigen, 

dass ihm Eventualvorsatz – und nicht Fahrlässigkeit – vorgeworfen wird. Ob der 

subjektive  Tatbestand  erfüllt  ist,  ist  eine  Frage  der  rechtlichen  Würdigung  (s. 

E. IV. A. 2.).

4.4. Eine Verletzung des Anklageprinzips liegt somit nicht vor.

5.

Verwertbarkeit

5.1. Die amtliche Verteidigung bringt in ihrem Plädoyer weiter vor, die anlässlich 

der Hausdurchsuchungen vom 15. und 16. August 2023 sichergestellten Gegen-

stände seien unverwertbar, da der Hausdurchsuchungs- und Durchsuchungsbefehl 

der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 17. August 2023 (act. 9/4) nicht 

unterzeichnet sei (act. 39 Rz.13 ff.).

- 9 -

5.2. Da  der  Hausdurchsuchungs-  und  Durchsuchungsbefehl  der  Staatsanwalt-

schaft Winterthur/Unterland vom 17. August 2023, welcher als act. 9/4 in den Akten 

liegt, nachweislich unterzeichnet ist, erübrigen sich Ausführungen zu diesem Ein-

wand der amtlichen Verteidigung. 

6.

Fazit

Auch die weiteren prozessualen Voraussetzungen sind gegeben und auf die vor-

liegende Anklage ist einzutreten.

III.

Sachverhalt

Versuchte vorsätzliche Tötung (Art. 111 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB)

Anklagevorwurf

A.

1.

1.1. Die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl wirft dem Beschuldigten in der Anklage-

schrift vor, dieser habe am 15. August 2023, um ca. 18.35 Uhr, mehrmals mit einem 

Sturmgewehr  im  Treppenhaus  auf  die  Wohnungstür  von  E._____  geschossen. 

Weiter geht die Anklage davon aus, dass die Geschosse zumindest teilweise die 

Tür  durchdrungen  und  die  gegenüberliegende  Wand  beschädigt  haben.  Einige 

Querschläger seien in der Wohnung gelandet, einer sei durch die Tür, die Küche 

und hinten in die Fensterscheibe gegangen. Sodann sei auch der Türrahmen im 

Wohnzimmer durch Schüsse beschädigt worden.

1.2.

In Bezug auf den subjektiven Sachverhalt legt die Staatsanwaltschaft dem 

Beschuldigten keinen direkten Vorsatz zur Last. Vielmehr wirft sie ihm vor, er habe 

bei der Schussabgabe bewusst in Kauf genommen, dass sich E._____ oder auch 

Drittpersonen  in  der  Wohnung  befinden  und  durch  die  Schüsse  tödlich  getroffen 

eventualiter  schwer  verletzt  würden,  was  durchaus  hätte  eintreten  können 

(act. 17/11 S. 2).

- 10 -

2.

Darstellung des Beschuldigten

2.1. Der Beschuldigte bestreitet hinsichtlich des subjektiven Sachverhalts, dass 

er in Kauf genommen habe, E._____ oder Drittpersonen zu töten oder schwer zu 

verletzen (s. dazu E. III. A. 5.3.).

2.2. Den  objektiven  Sachverhalt  hingegen  anerkennt  der  Beschuldigte  im  We-

sentlichen (act. 2/6 F/A 5; Prot. S. 20 ff.). Der Beschuldige bestreitet diesbezüglich 

jedoch, auf die Wohnungstür von E._____ geschossen zu haben und präzisiert, auf 

das Türschloss gezielt zu haben (act. 2/6 F/A 35; F/A 81; Prot. S. 21 ff.). Der amtli-

che Verteidiger schliesst sich dieser Darstellung an (act. 39 Rz. 25 ff.; Rz. 38). Wei-

ter bestreiten sowohl der Beschuldigte als auch der amtliche Verteidiger, dass ei-

nige Querschläger in der Wohnung von E._____ gelandet seien (act. 2/7 F/A 21; 

Prot. S. 22; act. 39 Rz. 28 ff.). Ausserdem bestreitet der Beschuldigte einige der in 

der Anklageschrift aufgeführten Schäden bzw. macht geltend, diese seien nicht be-

legt  (act. 2/7  F/A 9 ff.;  F/A 21;  Prot. S. 22).  Diese  Einwände  betreffen  allerdings 

grösstenteils die Sachbeschädigung.

2.3. Bezüglich  des  objektiven  Sachverhalts  ist  festzuhalten,  dass  die  Sachver-

haltsdarstellung der Staatsanwaltschaft erst mit den Schüssen auf die Tür beginnt. 

Der Beschuldigte schildert den objektiven Sachverhalt demgegenüber so, dass er 

zunächst an die Tür von E._____ geklopft und dort geklingelt habe und dass er – 

als niemand geöffnet habe – wieder nach oben in seine Wohnung gegangen sei, 

um  das  Sturmgewehr  zu  holen  (s.  dazu  E. III. A. 5.2.).  Weil  diese  Sachverhalts-

schilderung des Beschuldigten Rückschlüsse auf seine subjektiven Beweggründe 

zulässt, ist in einem ersten Schritt der objektive Sachverhalt zu erstellen, auch wenn 

dieser in Bezug auf den in der Anklage aufgeführten Sachverhalt im Wesentlichen 

unbestritten ist.

3.

Allgemeines zur Sachverhaltserstellung

3.1. Das  Gericht  legt  seinem  Urteil  denjenigen  Sachverhalt  zugrunde,  den  es 

nach  seiner  freien,  aus  der  Hauptverhandlung  und  den  Untersuchungsakten  ge-

schöpften  Überzeugung  als  verwirklicht  erachtet  (Art. 10  Abs. 2  StPO).  Gemäss 

- 11 -

diesem Grundsatz der freien richterlichen Beweiswürdigung entscheidet das Ge-

richt, ob es die eingeklagten Tatsachen für erwiesen hält. In einem Strafprozess 

sind an den Beweis von Täterschaft und Schuld besonders hohe Anforderungen zu 

stellen. Ein Schuldspruch darf nur dann erfolgen, wenn die Schuld des Beschuldig-

ten mit hinreichender Sicherheit erstellt ist, mit anderen Worten, wenn Beweise da-

für  vorliegen,  dass  der  Beschuldigte  mit  seinem  Verhalten  objektiv  und  subjektiv 

den  ihm  zu  Last  gelegten  Straftatbestand  verwirklicht  hat.  Verbleiben  auch  nach 

erfolgter Beweiswürdigung unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächli-

chen Voraussetzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für die 

beschuldigte Person günstigeren Sachlage aus und hat diese bei misslungenem 

Schuldbeweis nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" freizusprechen. Allfällige ab-

strakte theoretische Zweifel sind nicht massgebend, weil solche immer möglich sind 

und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss ausreichen, wenn 

vernünftige Zweifel an der Schuld des Beschuldigten ausgeschlossen werden kön-

nen (vgl. Art. 10 Abs. 3 StPO; BGE 124 IV 86 E. 2.a.; BSK StPO-TOPHINKE, Art. 10 

N 81 f.; SK StPO-WOHLERS, Art. 10 N 11 ff.).

3.2. Stützt sich die Beweisführung im Wesentlichen auf die Aussagen von Betei-

ligten, so sind auch diese gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO frei zu würdigen. Es ist an-

hand sämtlicher Umstände, die sich aus dem gesamten Verfahren ergeben, zu un-

tersuchen, welche Sachdarstellung überzeugend ist. Dabei kommt es vorwiegend 

auf den inneren Gehalt der Aussagen an, verbunden mit der Art und Weise, wie die 

Angaben erfolgen. Bei der Würdigung der Aussagen ist im Besonderen zwischen 

der allgemeinen Glaubwürdigkeit einer Person und der konkreten Glaubhaftigkeit 

ihrer Aussagen zu unterscheiden. Während Erstere die Grundlage dafür liefert, ob 

einer  Person  grundsätzlich  getraut  werden  kann,  ist  Letztere  für  die  im  Prozess 

massgebende Entscheidung bedeutungsvoll, ob sich der Sachverhalt zur Hauptsa-

che so zugetragen hat oder nicht. Der allgemeinen Glaubwürdigkeit im Sinne einer 

dauerhaften personalen Eigenschaft einer Person kommt eher eine untergeordnete 

Bedeutung zu. Nach stetiger Lehre und Rechtsprechung ist vielmehr die Glaubhaf-

- 12 -

tigkeit der konkreten Aussage massgebend (BGE 147 IV 534 E. 2.3.3; Urteil BGer 

6B_692/2011 vom 9. Februar 2012, E. 1.4; BGE 133 I 33 E. 4.3, je m. w. H.).

4.

Beweismittel

4.1. Neben dem Beschuldigten (act. 2/1-8) wurden E._____ (act. 3/1-2) und drei 

Zeugen (act. 4/1-6) – allesamt Nachbarn – einvernommen.

4.2. Als objektive Beweismittel liegen die Fotodokumentation Tatort der Kantons-

polizei  Zürich  mit  einzelnen  Tatortfotos  (act. 1/3)  sowie  die  Tatortfotos  des  FOR 

(act. 36) vor.

4.3. Auf diese Beweismittel ist nachstehend detailliert einzugehen und sie sind 

entsprechend zu würdigen.

5.

Aussagen des Beschuldigten

5.1. Der  Beschuldigte  verweigerte  in  den  ersten  beiden  Einvernahmen  vom 

16. August 2023 (act. 2/1) und 17. August 2023 (act. 2/2) sowie an den ergänzen-

den Befragungen nach den Zeugeneinvernahmen (act. 2/3-5) die Aussage. Anläss-

lich  der  staatsanwaltschaftlichen  Einvernahmen  vom  5. März  2024  (act. 2/6), 

15. Mai 2024 (act. 2/7) und 11. Juli 2024 (act. 2/8) sowie anlässlich der Hauptver-

handlung vom 11. Juni 2025 (Prot. S. 14 ff.) äusserte er sich zum Tatablauf, zum 

Motiv und zur Frage, ob er in Kauf genommen habe, dass E._____ zu Hause sein 

könnte. Weitere Aussagen bezüglich Tatablauf machte der Beschuldigten zudem 

in der – unter Hinweis auf das Aussageverweigerungsrecht durchgeführten – Haf-

teinvernahme durch das Zwangsmassnahmengericht des Bezirksgerichts Winter-

thur  vom  17. April  2024  (act. 11/47).  Dem  Ergänzungsgutachten  von  Prof. 

Dr. med.  D._____ vom 4. Juli 2024 (act. 12/23) – auch dieses wurde unter Hinweis 

auf das Aussageverweigerungsrecht ausgearbeitet – sind ebenfalls Aussagen des 

Beschuldigten zum Tatablauf zu entnehmen.

5.2. Bezüglich Ablauf der Tat und Motiv gab der Beschuldigte in der staatsan-

waltschaftlichen Einvernahme vom 5. März 2024 an, er habe in die Wohnung von 

E._____ reingewollt, um dessen Wohnung zu verwüsten (act. 2/6 F/A 6; F/A 39), 

- 13 -

dies deshalb, weil er sich von E._____ belästigt gefühlt habe, insbesondere durch 

Lärm (Schreianfälle und Musik; act. 2/6 F/A 7; F/A 13 f.). Er habe E._____ am Tat-

tag nicht gesehen, aber die ganze Wut über diesen sei an jenem Tag halt einfach 

ausgebrochen  (act. 2/6  F/A 28 ff.).  Auf  entsprechende  Frage  hin  führte  der  Be-

schuldigte aus, er habe bei E._____ geklingelt, bevor er geschossen habe (act. 2/6 

F/A 31). Er habe dies mehrmals getan und auch zwei bis vier Mal geklopft (act. 2/6 

F/A 82 ff.).

Ausführlicher äusserte sich der Beschuldigte zum Tatablauf erstmals am 17. April 

2024 vor dem Zwangsmassnahmengericht. Er führte aus, er sei hinuntergegange-

nen mit dem Gedanken, dass er E._____ ansprechen wolle, habe geklingelt und 

geklopft. Nach dem Klopfen sei er auf die Idee gekommen, welche Zeit es sei und 

dass es noch zu früh sei, dass E._____ zu Hause sein könnte. Es sei nichts von 

ihm zu hören gewesen und da sei ihm klar geworden, dass dieser nicht zu Hause 

sei. Danach sei er zurück in die Wohnung und habe das Sturmgewehr geholt. Das 

Sturmgewehr habe er mitgenommen, weil er einen Wutausbruch gehabt habe und 

die Tür habe aufmachen wollen, um die Wohnung zu verwüsten. Ausgelöst worden 

sei diese Wut durch die Tatsache, dass es immer wieder Störungen aus der Woh-

nung von E._____ gegeben habe, Geschrei und so (act. 11/47 S. 1 f.).

Anlässlich der Hauptverhandlung vom 11. Juni 2025 gab der Beschuldigte zu Pro-

tokoll, er sei am Tattag, dem 15. August 2023, irgendwann nach dem Mittag nach 

Hause gekommen. Nachher sei er in seiner Wohnung gewesen, und dann irgend-

wann habe er ein bisschen überlegt und sich gedacht, er müsse E._____ eigentlich 

mal sagen, dass dieser mit der Lärmbelästigung und so aufhören könnte. Dann sei 

er zu ihm runtergegangen, habe geklingelt und geklopft. Er habe E._____ "zusam-

menscheissen" wollen. Dieser sei nicht zuhause gewesen. Dann habe er das Ge-

fühl gehabt, er müsse seine Tür aufschiessen und seine Wohnung verwüsten (Prot. 

S. 18 f.). Auf Nachfrage gab der Beschuldigte an, in diesem Moment "hässig" ge-

wesen  zu  sein  (Prot. S. 19).  Als  nach  seinem  Klingeln  niemand  die  Tür  geöffnet 

habe, sei er noch wütender geworden. Und dann habe er gedacht, wenn E._____ 

nicht da sei, nehme er halt dessen Wohnung auseinander. Er sei hochgegangen, 

habe  den  einzigen  Gegenstand  geholt,  mit  welchem  man  eine  Tür  aufmachen 

- 14 -

könne, was per Zufall seine Dienstwaffe gewesen sei. Er sei runtergegangen, habe 

das Schloss aufgeschossen und nachher mit dem Fuss die Tür aufgekickt (Prot. 

S. 20). Dies alles sei relativ schnell gegangen, er sei hochgegangen, habe die Tür 

aufgemacht, sei reingegangen, habe das Gewehr genommen und sei runter. Und 

dann habe er die Tür, das Schloss, aufgeschossen (Prot. S. 21). Es sei ihm darum 

gegangen, die Tür aufzubrechen und die Wohnung auseinanderzunehmen. Nach 

der Schussabgabe habe er die Tür aufgekickt, sei kurz reingegangen, habe den 

Schaden angeschaut und habe dann gedacht, was das für ein Bullshit sei, den er 

jetzt gerade gemacht habe. Und dann sei er hochgegangen. Er sei ungefähr ein bis 

zwei Sekunden in der Wohnung von E._____ gewesen (Prot. S. 22). 

Aus dem Ergänzungsgutachten ergibt sich zudem, dass der Beschuldigte Folgen-

des zum Tatablauf ausgeführt hat: "Zunächst sei er runtergelaufen und habe an der 

Wohnung des Herrn E._____ geläutet und geklopft. Er habe ihn auf sein Verhalten 

ansprechen  wollen,  eventuell  hätte  er  ihn  angeschrien.  Es  sei  aber  niemand  zu 

Hause gewesen. Er habe aus der Wohnung keine Geräusche gehört. Dann sei er 

wieder hoch, die Wut sei jedoch nicht abgeklungen. Das Gefühl, 'ich muss seine 

Tür aufhebeln und die Wohnung auseinandernehmen', sei aufgekommen. Er habe 

sein Gewehr genommen und die Tür aufgebrochen. Als er einen Schritt in die Woh-

nung  gemacht  habe,  habe  er  'gesehen,  was  ich  für  einen  Schaden  angerichtet 

habe, gesehen, dass es falsch war'. In dieser Situation sei die Wut weg gewesen, 

er sei wieder normal gewesen. Daraufhin sei er wieder in die Wohnung, habe das 

Gewehr aufs Bett gelegt und sei aus dem Haus gegangen. Er habe spazieren, sich 

abregen wollen. Vor der Haustür sei er von der Polizei verhaftet worden" (act. 12/23 

S. 11). Bezüglich Motiv ist dem Ergänzungsgutachten zu entnehmen, dass der Be-

schuldigte der Ansicht war, der Nachbar habe Freude daran, andere zu belästigen. 

Dieser schreie vor dem Haus und in seiner Wohnung rum. Es sei "ein Groll, eine 

Wut" im Beschuldigten hochgekommen und dieser habe das Gefühl gehabt, dass 

er dem Nachbarn unbedingt sagen müsse, dass das so nicht gehe. Ihm sei das 

"alternativlos"  erschienen.  Der  Beschuldigte  sei  deswegen  in  einer  besonderen 

Verfassung gewesen, ihm sei "kein vergleichbarer Lebenszustand" bekannt gewe-

sen. Die Wut habe sich weiter zugespitzt, "wie wenn man einen Hund ständig mit 

einem Stecken reizt. Da ist es mir ausgebrochen" (act. 12/23 S. 10 f.).

- 15 -

5.3.

Zum subjektiven Sachverhalt respektive zur Frage, ob er in Kauf genommen 

habe,  dass  sich  E._____  oder  Dritte  in  der  Wohnung  befinden  und  durch  die 

Schüsse tödlich getroffen oder schwer verletzt werden könnten, führte der Beschul-

digte in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 5. März 2024 aus, E._____ 

sei  nicht  zu  Hause  gewesen.  Wenn  er  zu  Hause  gewesen  wäre,  hätte  man  ihn 

gehört. So viel er, der Beschuldigte, wisse, lebe E._____ alleine. Es sei auch keine 

Wohnung, um zu zweit darin zu wohnen (act. 2/6 F/A 26 f.). Die Frage, ob er davon 

ausgegangen sei, dass der Beschuldigte zu Hause sei, verneinte er und ergänzte, 

er habe gewusst, dass dieser nicht zu Hause sei (act. 2/6 F/A 78). Auf die Frage, 

ob  er  gewusst  habe,  wann  E._____  jeweils  nach  Hause  komme,  antwortete  der 

Beschuldigte, er habe gewusst, dass er ihm mehrfach über den Weg gelaufen sei, 

also zwei Mal in der Woche, und da sei er selbst immer vom Einkaufen heimge-

kommen  und  das  sei  immer  so  gegen  19.30  oder  20.00 Uhr  gewesen  (act. 2/6 

F/A 25). In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 15. Mai 2024 sagte der 

Beschuldigte  aus,  er  habe  niemanden  umbringen  wollen.  Er  habe  E._____  nicht 

töten  wollen,  er  habe  auch  nicht  in  Kauf  genommen,  dass  jemand  umgebracht 

werde  (act. 2/7  F/A 15).  Konfrontiert  mit  den  Erwägungen  des  Zwangsmassnah-

mengerichts führte der Beschuldigte aus, er habe sich erkundigt, und es habe sich 

gezeigt, dass E._____ nicht da gewesen sei. Es sei nicht möglich gewesen, dass 

jemand in der Wohnung gewesen sei. Das Verhältnis zwischen den Leuten, die dort 

wohnten, sei als offen beschrieben worden. Man grüsse sich und habe ein norma-

les Verhältnis. Es habe also keinen Grund für E._____ gegeben, nicht aufzuma-

chen. Er selbst hätte mitbekommen, wenn jemand in der Zeit, in der er hochgegan-

gen und wieder runtergekommen sei, durch die Haupteingangstür reingekommen 

wäre,  weil  diese  Tür  stark  halle  (act. 2/7  F/A 17).  Man  habe  auch  gewusst,  das 

E._____ keinen Besuch habe (act. 2/7 F/A 20).

In der Hauptverhandlung vom 11. Juni 2025 wiederholte der Beschuldigte, E._____ 

habe  alleine  gewohnt  (Prot.  S. 16;  S. 25)  und  nie  Besuch  gehabt  (Prot.  S. 18; 

S. 25). E._____ sei normalerweise um halb acht/acht Uhr nach Hause gekommen 

(Prot. S. 17). Er, der Beschuldigte, habe gewusst, dass zum Tatzeitpunkt niemand 

in der Wohnung von E._____ gewesen sei (Prot. S. 24), dies einerseits weil man 

gehört habe, wenn dieser zu Hause sei, es laufe Musik, sobald dieser zu Hause sei 

- 16 -

(Prot.  S. 23).  Auch  falls  E._____  zum  Tatzeitpunkt  unter  der  Dusche  gestanden 

hätte,  hätte  man  dies  aufgrund  der  Ringhörigkeit  des  Gebäudes  gehört  (Prot. 

S. 24).  Andererseits  habe  er  gewusst,  dass  niemand  zu  Hause  sei,  weil  er  sich 

erkundigt habe, ob E._____ zu Hause sei, er habe geklingelt und geklopft (Prot. 

S. 19; S. 23 f.) und hingehört (Prot. S. 24). Auf entsprechende Nachfrage gab der 

Beschuldigte an, es habe auch nicht sein können, dass E._____ die Tür bewusst 

nicht geöffnet habe, weil dieser bemerkt habe könnte, dass der Beschuldigte wü-

tend war. Er habe ja nicht herumgeschrien oder sonst irgendwie (Prot. S. 24). Wei-

ter führte der Beschuldigte aus, nachdem er geklingelt habe, die Waffe geholt und 

wieder runtergekommen sei, habe er nicht nochmals geklingelt. Dies, weil er ge-

wusst habe, dass niemand zu Hause sei. Es habe auch nicht sein können, dass 

E._____ zwischenzeitlich nach Hause gekommen wäre, da die Zeit dazu zu kurz 

gewesen sei (Prot. S. 24 f.).

Zusammenfassend stellt sich der Beschuldigte auf den Standpunkt, nicht in Kauf 

genommen zu haben, dass sich E._____ oder Drittpersonen in der Wohnung be-

finden und durch die Schüsse tödlich getroffen und eventuell sogar schwer verletzt 

werden könnten, da er sich erkundigt habe, ob jemand dort sei und weil niemand 

dort gewesen sei (Prot. S. 23).

6.

Weitere Beweismittel

6.1. Aussagen Dritter

6.1.1.  Neben dem Beschuldigten wurden E._____ (act. 3/1-2) sowie zwei weitere 

Zeugen und eine Zeugin (act. 4/1-6) einvernommen. Letztere konnten die Tat be-

obachten  und  sind  allesamt  Nachbarn,  die  zum  Tatzeitpunkt  in  demselben  Ge-

bäude wohnten wie der Beschuldigte und E._____. Die Zeugen können allerdings 

nur Aussagen in Bezug auf den in der Anklage enthaltenen Sachverhaltsabschnitt 

machen, da sie alle erst aufgrund der ersten Schüsse auf die Situation aufmerksam 

geworden zu sein scheinen. So sagte der Zeuge F._____ aus, er habe nach dem 

Abendessen gegen 18.30 Uhr drei- bis viermal einen lauten Knall gehört. Daraufhin 

sei er zu seinem Türspion gegangen und habe im Flur weisen Nebel/Rauch wahr-

- 17 -

genommen (act. 4/1 F/A 3; F/A 19; act. 4/4 F/A 13). Die Zeugin G._____ gab eben-

falls an, dreimal ein lautes Knallen gehört zu  haben. Sie sei dann zum Türspion 

ihrer Wohnung gegangen und habe beobachten können, wie ein Mann mit einer 

Waffe auf die Tür ihres Nachbars schiesse und gegen diese trete (act. 4/2 F/A 1; 

act. 4/5  F/A 10).  Der  Zeuge  H._____  hörte  ebenfalls  einen  respektive  mehrere 

Knalle aus dem Treppenhaus und ist dadurch auf den Vorfall aufmerksam gewor-

den. Im Gegensatz zu den anderen beiden Zeugen hat er sich nicht sofort in Si-

cherheit  gebracht,  sondern  das  Geschehen  durch  den  Türspion  weiter  verfolgt 

(act. 4/3 F/A 1; act. 4/6 F/A 9). So sagte er aus, er habe beobachtet, wie eine männ-

liche Person mehrmals mit dem Sturmgewehr auf eine Tür geschossen habe. Die-

ser habe dann mehrmals in die Tür gekickt, sei mit Anlauf dagegen gesprungen 

und habe auch mit der Waffe probiert, die Tür aufzubrechen, er sei dann irgend-

wann auch in die Wohnung gekommen. Der Mann sei dann in diese Wohnung ge-

gangen und sei nach weniger als einer Minute (2. Einvernahme: "nach Sekunden") 

wieder aus der Wohnung gekommen (act. 4/3 F/A 1; act. 4/6 F/A 12 ff.). Bezüglich 

der möglichen Anwesenheit von (Dritt-)Personen in der Wohnung von E._____ gab 

die Zeugin G._____ an, E._____ sei jeweils "sicher nicht" vor 18.00 Uhr zu Hause 

und er sei alleine in der Wohnung (act. 4/5 F/A 21; F/A 15). Die übrigen Zeugen 

wurden zu diesen Punkten nicht befragt.

6.1.2.  E._____  selbst  war  im  Tatzeitpunkt  nicht  zu  Hause  (act. 3/1  F/A  18 f.; 

act. 3/2  F/A 14)  und  kann  somit  keine  Angaben  zum  Tatablauf  machen.  In  der 

staatsanwaltschaftlichen  Einvernahme  als  Zeuge  vom  5. Oktober  2023  sagte  er 

aus, er wohne alleine, verlasse die Wohnung um ca. 5.00 Uhr und komme erst spät 

nach  Hause  (act. 3/1  F/A 12;  F/A 16),  er  komme  so  ca.  zwischen  17.30 Uhr  und 

19.30 Uhr nach Hause, an jenem Abend sei er später gekommen (act. 3/2 F/A 16), 

Mitbewohner habe er keine (act. 3/2 F/A 28).

Bezüglich der Folgen der Schüsse gibt E._____ an, es habe Einschusslöcher im 

Türklinkenbereich  gegeben  sowie  im  Gemäuer  um  die  Tür  herum,  links  der  Tür. 

Weiter habe es in der Wohnung ein paar Querschläger gegeben, wobei einer in die 

Fensterscheibe gegangen sei. Ein Schuss sei durch die Tür, die Küche und dann 

hinten in die Fensterscheibe, es habe dort ein Einschussloch in der ersten Scheibe 

- 18 -

der Doppelverglasung.  Der Türrahmen  im Wohnzimmer sei  ebenfalls  beschädigt 

(act. 3/2 F/A 9 f.).

6.2. Objektive Beweismittel

6.2.1.  Bezüglich der abgegebenen Schüsse ist festzuhalten, dass sich der Fotodo-

kumentation Tatort der Kantonspolizei Zürich entnehmen lässt, dass alle Schüsse 

auf  das  Türschloss  abgegeben  wurden  (act. 1/3,  insb.  Foto 2  und  Legende  zu 

Foto 3). Aus den Fotos des FOR ist ebenfalls ersichtlich, dass alle Schüsse auf das 

Türschloss abgegeben wurden (act. 36, insb. S. 33; S. 36 oben; S. 39 unten; S. 42 

unten; S. 44 oben).

6.2.2.  Hinsichtlich der in der Anklageschrift erwähnten und vom Beschuldigten be-

strittenen Querschläger und Einschusslöcher ist festzustellen, dass sowohl aus der 

Fotodokumentation Tatort wie auch aus den Fotos des FOR hervorgeht, dass die 

Wand  hinter  der  Wohnungstür  beschädigt  wurde  (act. 1/3  Foto 3;  act. 36,  insb. 

S. 34 unten; S. 35; S. 38; S. 41 oben; S. 44). Durch die Vergrösserungsmöglichkeit 

der digitalen Fotos des FOR dürfte auch ein Einschussloch in der Scheibe der Kü-

che von E._____ ersichtlich sein (act. 36 S. 38).

7.

Beweiswürdigung

7.1. Aussagen des Beschuldigten

7.1.1.  Die Aussagen des Beschuldigten sind nicht von Vornherein unglaubhaft. So 

hat er den Tatablauf zwar erst spät aber doch mehrmals übereinstimmend geschil-

dert.  Zudem  hat  er  sowohl  seine  inneren  Beweggründe  als  auch  die  eigentliche 

Handlung nachvollziehbar und plastisch dargelegt. Zu berücksichtigen ist hier ins-

besondere, dass das Gutachten dem Beschuldigten attestiert, dass dieser sich zum 

Tatzeitpunkt in einem psychischen Ausnahmezustand – ausgehend von den Aus-

sagen des Beschuldigten im Zustand einer Anpassungsstörung bzw. ausgehend 

von der Einschätzung des Gutachters im Zustand einer psychotischen Symptoma-

tik  (act. 12/23  S. 24;  S. 38)  –  befunden  hat.  Angesichts  dessen  scheint  es  nicht 

widersprüchlich, dass sich die Wut des Beschuldigten zu einem Zeitpunkt entladen 

- 19 -

hat, als E._____ den ganzen Tag über nicht zu Hause gewesen war und deshalb 

unmittelbar  vor  der  Tat  keinen  Lärm  gemacht  haben  konnte.  Vielmehr  passt  die 

dem Beschuldigten im Gutachten attestierte bzw. vom Beschuldigten selbst auch 

geschilderte psychische Verfassung im Tatzeitpunkt zur Schilderung des Beschul-

digten, wonach die Wut auf den Nachbarn an diesem Tag immer grösser geworden 

sei, er sich mit anderen Worten immer mehr in diese Wut hineingesteigert hat, bis 

ihm die Konfrontation "alternativlos" schien, wie er beim Gutachter sagte (act. 12/23 

S. 10). Diesbezüglich ist auf die Schilderung des Beschuldigten beim Gutachter zu 

verweisen,  wo  er  insbesondere  seine  Motivation  nachvollziehbar  darlegt  (vgl. 

act. 12/23 S. 10 f.). 

Die Aussagen des Beschuldigten, wonach er nicht auf die gesamte Wohnungstür, 

sondern auf das Türschloss gezielt und mit den Schüssen auf das Türschloss das 

Öffnen der Tür bezweckt habe, werden durch die Tatortfotos (act. 1/3, insb. Foto 2 

und Legende zu Foto 3; act. 36, insb. S. 33; S. 36 oben; S. 39 unten; S. 42 unten; 

S. 44 oben) und die Aussagen des Zeugen H._____ (act. 4/3 F/A 1; act. 4/6 F/A 12 

ff.) bestätigt.

7.1.2.  Zwar  liegen  auch  einzelne  Aussagen  des  Beschuldigten  vor,  die  weniger 

überzeugen, weil sie den Anschein machen, dass er damit auf Fragen des Staats-

anwaltes reagiert. Zu nennen ist hier etwa seine Aussage vor dem Zwangsmass-

nahmengericht vom 17. April 2025, wonach er nach dem Klopfen die Idee gehabt 

habe, welche Zeit es sei, und dass es noch zu früh sei, damit E._____ zu Hause 

sein  könne  (act. 11/47  S. 2).  Hier  scheint  der  Beschuldigte  auf  den  Vorhalt  des 

Staatsanwaltes vom 5. März 2024 zu reagieren, wonach E._____ selbst ausgesagt 

habe, er komme ca. zwischen 17.30 Uhr und 19.30 Uhr nach Hause (vgl. act. 2/6 

F/A 25).

7.1.3.  Dennoch sind die Aussagen des Beschuldigten insgesamt und insbesondere 

in Bezug auf die Frage, ob er vor der Abgabe der Schüsse an die Tür geklopft und 

geklingelt habe, als glaubhaft einzustufen. Kommt hinzu, dass keinerlei Beweismit-

tel vorliegen, die das Gegenteil belegen würden. Weder gibt es objektive Beweis-

mittel, die geeignet wären, das Klopfen und Klingeln des Beschuldigten vor der Ab-

gabe der Schüsse zu be- oder widerlegen, noch sind den Aussagen von E._____ 

- 20 -

oder der Zeugen Anhaltspunkte diesbezüglich zu entnehmen. Namentlich äussern 

sich die Zeugen nicht dazu, ob der Beschuldigte vorgängig an der Tür von E._____ 

geklopft und geläutet habe.

7.2. Aussagen Dritter

7.2.1.  Es  gibt  keine  Anhaltspunkte  dafür,  dass  die  Aussagen  der  Zeugen  nicht 

glaubhaft sein könnten. Die Aussagen des Zeugen H._____ stützen die Aussagen 

des Beschuldigten, wonach er mit den Schüssen auf das Türschloss die Tür habe 

öffnen wollen und die Wohnung von E._____ auch betreten habe. Die Aussagen 

der Zeugin G._____ stützen die Aussage des Beschuldigten, wonach dieser nicht 

damit rechnen musste, dass sich in der Wohnung von E._____ jemand aufhält. Im 

Weiteren  können  die  Zeugen  bloss  Aussagen  in  Bezug  auf  den  in  der  Anklage-

schrift enthaltenen und weitgehend unbestrittenen Sachverhaltsabschnitt machen.

7.2.2.  Auch in Bezug auf die Aussagen von E._____ spricht nichts gegen deren 

Glaubhaftigkeit. Seine Aussagen betreffend Einschusslöcher und Schäden in der 

Wohnung  (act. 3/2  F/A 9 f.)  werden  durch  die  objektiven  Beweismittel  gestützt 

(act. 1/3 Foto 3; act. 36, insb. S. 34 unten; S. 35; S. 38; S. 41 oben; S. 44). Ebenso 

dürfte seine Aussage, es gebe ein Einschussloch in der ersten Scheibe der Dop-

pelverglasung in der Küche durch die Fotos des FOR (act. 36 S. 38) gestützt wer-

den.

8.

Fazit zur Beweiswürdigung

8.1. Dass  der  Beschuldigte  mit  seinem  Sturmgewehr  mehrmals  auf  die  Woh-

nungstür von E._____ geschossen hat, ist unbestritten. Der Anklagesachverhalt ist 

aufgrund der Tatortfotos und in Einklang mit den Aussagen des Beschuldigten in-

sofern zu präzisieren, als die Schüsse nicht "wild" auf die gesamte Wohnungstür, 

sondern gezielt auf das Türschloss abgegeben wurden.

8.2. Ebenfalls  unbestritten  ist,  dass  mehrere  Schüsse  in  der  Wohnung  von 

E._____ gelandet sind und dort Schäden angerichtet haben. Aufgrund der Tatort-

fotos ist erstellt, dass Schüsse in der Wand hinter der Tür gelandet sind. Nicht als 

- 21 -

entscheidend, aber ebenfalls als erstellt, erachtet das Gericht, dass zumindest ein 

Schuss die Scheibe in der Küche von E._____ getroffen hat. Ob diese in die Woh-

nung gelangten Schüsse gemäss Anklageschrift und der anlässlich der Hauptver-

handlung erfolgten Ausführungen durch die Staatsanwaltschaft (Prot. S. 35) als "ei-

nige  Querschläger"  bezeichnet  werden  können,  ist  letztlich  eine  Definitionsfrage 

und kann offen bleiben. Erstellt ist, dass Schüsse in die Wohnung gelangt sind und 

dort Schäden angerichtet haben.

8.3. Die Aussagen des Beschuldigten, wonach er vor der Abgabe der Schüsse 

mehrmals an der Wohnungstür von E._____ geklopft und geläutet habe, sind glaub-

haft und nicht widerlegbar. Diese Darstellung des dem Anklagesachverhalt voran-

gehenden Geschehens wird von der Staatsanwaltschaft im Übrigen auch nicht be-

stritten. Die Staatsanwaltschaft führt auch keine objektiven Umstände an, warum 

jemand hätte anwesend sein sollen. In Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro 

reo" ist somit von der Sachverhaltsdarstellung des Beschuldigten auszugehen, wo-

nach er vor der Abgabe der Schüsse mehrmals an der Wohnungstür von E._____ 

geklopft und geläutet habe.

8.4. Des Weiteren liegen auch keine objektiven Gründe dafür vor, dass der Be-

schuldigte  damit  rechnen  musste,  dass  sich  Drittpersonen  in  der  Wohnung  von 

E._____ aufhalten könnten. Dieser Sachverhaltsabschnitt ist nicht erstellbar.

8.5.

Zusammengefasst  geht  das  Gericht  von  folgendem  Sachverhalt  aus:  Der 

Beschuldigte klopfte und läutete am Abend des 15. August 2023 mehrmals an der 

Wohnungstür  von  E._____,  begab  sich  danach  in  seine  eigene  Wohnung,  holte 

sein  Sturmgewehr,  begab  sich  abermals  zur  Wohnung  von  E._____  und  schoss 

mehrmals  mit  dem  Sturmgewehr  auf  das  Türschloss.  Dabei  gelangten  mehrere 

Schüsse in die Wohnung von E._____ und richteten dort Schäden an, zumindest 

ein Schuss traf die Fensterscheibe in der Küche.

8.6. Ob  sich  gestützt  auf  den  vorstehend  erstellten  Sachverhalt  auch  erstellen 

lässt, dass der Beschuldigte – anklagegemäss – mit den Schussabgaben bewusst 

in Kauf genommen hat, dass sich E._____ oder auch Drittpersonen in der Wohnung 

befinden und diese durch die Schüsse tödlich getroffen eventualiter schwer verletzt 

- 22 -

werden könnten, ist praxisgemäss unter der rechtlichen Würdigung des subjektiven 

Sachverhaltes zu prüfen.

B.

1.

Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 StGB)

Die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl wirft dem Beschuldigten in der Anklage-

schrift vor, durch die Schüsse mit dem Sturmgewehr zum Nachteil der Privatkläge-

rin die Wohnungstür, den Türrahmen, die Türleibung und eine Innenwand, einen 

Türrahmen und ein Fenster der Wohnung des Mieters E._____ beschädigt zu ha-

ben (act. 17/11 S. 3).

2.

Der Beschuldigte anerkennt den angeklagten Sachverhalt im Wesentlichen 

(act. 2/6 F/A 5; act. 2/7 F/A 9 ff.; Prot. S. 20 ff.). Er anerkennt insbesondere, dass 

er einen Schaden verursacht hat (Prot. S. 27) und diesen verursachen wollte (Prot. 

S. 19; S. 25). Er stellt allerdings den Umfang der Sachbeschädigung respektive ein-

zelne Schäden in Frage (act. 2/7 F/A 9 ff.; F/A 21; Prot. S. 22). Der amtliche Ver-

teidiger schliesst sich dieser Darstellung an (act. 39 Rz. 25 ff.; Rz. 38).

Die Fotodokumentation Tatort der Kantonspolizei Zürich mit einzelnen Tatortfotos 

(act. 1/3 Foto 2 und 3) sowie die Tatortfotos des FOR (act. 36 S. 33 ff.) belegen die 

Schäden an der Wohnungstür, am Türrahmen, an der Türleibung und einer Innen-

wand sowie – wie unter E. III. A. 6.2.2. ausgeführt – am Fenster in der Küche.

3.

Der eingeklagte Sachverhalt ist somit rechtsgenügend erstellt. Der Umfang 

des Schadens ist eine Frage, die unter dem Titel Zivilansprüche erörtert wird (s. 

E. VII.).

IV.

Rechtliche Würdigung

Versuchte vorsätzliche Tötung (Art. 111 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB)

Objektiver Tatbestand

A.

1.

1.1. Eine vorsätzliche Tötung im Sinne von Art. 111 StGB begeht, wer vorsätzlich 

einen Menschen tötet, ohne dass die besonderen Voraussetzungen der Art. 112 ff. 

- 23 -

StGB  erfüllt  wären.  Da  es  sich  bei  der  vorsätzlichen  Tötung  um  ein  Verbrechen 

handelt, ist auch der Versuch strafbar (vgl. Art. 22 Abs. 1 StGB). Das Gesetz enthält 

keine  eigentliche  Definition  des  Versuchs.  Nach  der  bundesgerichtlichen  Recht-

sprechung  liegt  ein  Versuch  vor,  wenn  der  Täter  sämtliche  subjektiven  Tatbe-

standsmerkmale erfüllt und seine Tatentschlossenheit manifestiert hat, ohne dass 

alle objektiven Tatbestandsmerkmale verwirklicht wären (BGE 131 IV 100 E. 7.2.1; 

BGE 120 IV 199 E. 3e; s. auch BGE 128 IV 18 E. 3b; BGE 122 IV 246 E. 3). Zum 

Versuch gehört folglich der Entschluss des Täters, eine Straftat zu begehen, und 

die Umsetzung dieses Tatentschlusses in eine Handlung. Der Täter muss mit der 

Ausführung der Tat (mindestens) begonnen haben. Das Vorliegen eines Versuchs 

ist  danach  zwar  nach  objektivem  Massstab,  aber  auf  subjektiver  Beurteilungs-

grundlage festzustellen (BGE 140 IV 150 E. 3.4).

1.2. Vorliegend ist erstellt, dass der Beschuldigte mit einem Sturmgewehr Schüs-

se auf das Türschloss der Wohnungstür von E._____ abgegeben hat und mehrere 

Geschosse die Tür durchdrungen haben und ins Rauminnere gelangt sind, wobei 

niemand  verletzt  wurde.  Der  objektive  Tatbestand  der  vorsätzlichen  Tötung  ist 

dementsprechend nicht erfüllt. Es stellt sich deshalb die Frage, ob der Beschuldigte 

subjektiv den Tatbestand von Art. 111 StGB dennoch erfüllt hat und er deshalb an-

klagegemäss wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu verurteilen ist.

2.

Subjektiver Tatbestand

2.1. Die Staatsanwaltschaft legt dem Beschuldigten keine direkte Tötungsabsicht 

und damit keinen direkten Vorsatz zur Last. Vielmehr wirft sie dem Beschuldigten 

vor, er habe bewusst in Kauf genommen, dass sich E._____ oder auch Drittperso-

nen in der Wohnung befinden und diese durch die Schüsse tödlich hätten getroffen 

eventualiter schwer verletzt werden können. Die Staatsanwaltschaft geht somit von 

Eventualvorsatz aus.

2.2. Vorsätzlich  begeht  ein  Verbrechen  oder  Vergehen  gemäss  Art. 12  Abs. 2 

StGB, wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt. Vorsätzlich handelt bereits, wer 

die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt. Diese Bestimmung 

erfasst somit auch den Eventualvorsatz (BGE 133 IV 1 E. 4.1). Gemäss bundesge-

- 24 -

richtlicher  Rechtsprechung  liegt  Eventualvorsatz  vor,  wenn  der  Täter  den  Eintritt 

des Erfolgs beziehungsweise die Verwirklichung des Tatbestands für möglich hält, 

aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, 

sich  mit  ihm  abfindet,  mag  er  ihm  auch  unerwünscht  sein  (BGE 131 IV 1  E. 2.2, 

m. w. H.). Die Abgrenzung zwischen Eventualvorsatz und bewusster Fahrlässigkeit 

kann im Einzelfall schwierig sein. Sowohl der eventualvorsätzlich als auch der be-

wusst fahrlässig handelnde Täter weiss um die Möglichkeit des Erfolgseintritts be-

ziehungsweise um das Risiko der Tatbestandsverwirklichung. Hinsichtlich der Wis-

sensseite stimmen somit beide Erscheinungsformen des subjektiven Tatbestands 

überein. Unterschiede bestehen jedoch beim Willensmoment. Der bewusst fahrläs-

sig handelnde Täter vertraut (aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit) darauf, dass der 

von ihm als möglich vorausgesehene Erfolg nicht eintreten, das Risiko der Tatbe-

standserfüllung  sich  mithin  nicht  verwirklichen  werde.  Demgegenüber  nimmt  der 

eventualvorsätzlich handelnde Täter den Eintritt des als möglich erkannten Erfolgs 

ernst, rechnet mit ihm und findet sich mit ihm ab. Wer den Erfolg dergestalt in Kauf 

nimmt, "will" ihn im Sinne von Art. 12 Abs. 2 StGB. Nicht erforderlich ist, dass der 

Täter  den  Erfolg  "billigt"  (eingehend  dazu  BGE 96 IV 99  S. 101;  BGE 130 IV 58 

E. 8.3, m. w. H.). 

Ob der Täter die Tatbestandsverwirklichung in diesem Sinne in Kauf genommen 

hat, muss das Gericht – bei Fehlen eines Geständnisses des Beschuldigten – auf-

grund  der  Umstände  entscheiden.  Dazu  gehören  die  Grösse  des  dem  Täter  be-

kannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung, die Schwere der Sorgfaltspflicht-

verletzung, die Beweggründe des Täters und die Art der Tathandlung. Je grösser 

die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist und je schwerer die Sorg-

faltspflichtverletzung wiegt, desto näher liegt die Schlussfolgerung, der Täter habe 

die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen. Das Gericht darf vom Wissen 

des Täters auf den Willen schliessen, wenn sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs 

als  so  wahrscheinlich  aufdrängte,  dass  die  Bereitschaft,  ihn  als  Folge  hinzuneh-

men, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann 

(BGE 133 IV 1 E. 4.1; BGE 130 IV 58 E. 8.4; BGE 125 IV 242 E. 3.c, je m. w. H.). 

Eventualvorsatz kann indessen auch vorliegen, wenn der Eintritt des tatbestands-

mässigen Erfolgs nicht in diesem Sinne sehr wahrscheinlich, sondern bloss möglich 

- 25 -

war. Doch darf nicht allein aus dem Wissen des Beschuldigten um die Möglichkeit 

des Erfolgseintritts auf dessen Inkaufnahme geschlossen werden. Vielmehr müs-

sen weitere Umstände hinzukommen (BGE 133 IV 1 E. 4.1; BGE 131 IV 1 E. 2.2; 

BGE 125 IV 242 E. 3. f).

2.3. Vorliegend führt der Beschuldigte übereinstimmend mit der amtlichen Ver-

teidigung  aus,  er  habe  zuerst  an  die  Tür  geklopft  und  geklingelt.  Danach  sei  er 

davon  ausgegangen  respektive  habe  gewusst,  dass  E._____  nicht  zuhause  sei 

(act. 2/6 F/A 26; F/A 78; act. 2/7 F/A 17; Prot. S. 24; act. 39 Rz. 38 ff.). Es gibt keine 

Umstände, die vorliegend nahelegen würden, dass der Beschuldigte – entgegen 

seinen Aussagen – dennoch damit rechnete, dass E._____ doch zu Hause gewe-

sen ist oder sein könnte. Dass der Beschuldigte nur auf das Schloss geschossen 

hat, stützt vielmehr seine Aussage, wonach er in die Wohnung wollte. 

Die Staatsanwaltschaft führt keine objektiven Umstände an, warum der Beschul-

digte davon hätte ausgehen müssen, dass sich in der Wohnung von E._____ je-

mand aufhalten könnte. Hypothetische Überlegungen dazu, wonach es etwa hätte 

sein können, dass E._____ die Tür nicht öffnete, weil er keinen Besuch wollte oder 

in jenem Zeitraum hätte nach Hause gekommen sein können, in welchem der Be-

schuldigte oben in seiner eigenen Wohnung das Sturmgewehr holte, oder dass eine 

nicht weiter umschrieben Drittperson sich hätte in der Wohnung aufhalten können, 

zielen sodann nicht auf das tatsächliche Wissen des Beschuldigten ab.

2.4.

In Anwendung des strafprozessualen Grundsatzes "in dubio pro reo" geht 

das Gericht daher davon aus, dass der Beschuldigte in der festen Überzeugung 

auf das Türschloss von E._____ geschossen hat, es befinde sich niemand in der 

Wohnung. Nach Erschöpfung aller Erkenntnisquellen verbleiben somit erhebliche 

und  nicht  überwindbare  Zweifel  daran,  dass  der  Beschuldigte  den  Tod  oder 

schwere Verletzungen von E._____ oder von Drittpersonen in Kauf genommen hat. 

Dem Beschuldigten kann nicht nachgewiesen werden, dass er den Erfolg – sprich 

die  Tötung  von  E._____  oder  Dritter  –  für  möglich  gehalten  hat.  Damit  scheidet 

(Eventual-)Vorsatz aus. Die fahrlässige Begehung eines Versuchs ist nicht möglich 

(vgl. Art. 12 Abs. 1 StGB).

- 26 -

3.

Fazit

Der subjektive Tatbestand der vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB ist 

nicht erfüllt. Der Beschuldigte ist von diesem Vorwurf freizusprechen.

B.

Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 StGB)

1.

Tatbestandsmässigkeit

Die rechtliche Würdigung der Staatsanwaltschaft in Bezug auf die Sachbeschädi-

gung ist ohne Weiteres zutreffend und weitgehend unbestritten (vgl. E. III. B.). Der 

Beschuldigte  gab  die  Schüsse  insbesondere  vorsätzlich  ab.  Der  Tatbestand  der 

Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB ist somit in objektiver und 

subjektiver Hinsicht erfüllt.

2.

Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründe

2.1. Rechtfertigungsgründe (Art. 14, 15 und 17 StGB) sind vorliegend keine er-

sichtlich und wurden auch von keiner Partei geltend gemacht. 

2.2.

In Bezug auf den Schuldpunkt macht der amtliche Verteidiger eine Schuld-

unfähigkeit des Beschuldigten geltend (act. 39 Rz. 65 ff.). Die Staatsanwaltschaft 

äussert  sich  nicht  eingehend  zu  dieser  Frage  respektive  verweist  auf  das  unter 

act. 12/23 in den Akten liegende Gutachten (vgl. act. 38 S. 8). Zu prüfen ist daher, 

ob der Beschuldigte im Zeitpunkt der Tat schuldunfähig im Sinne von Art. 19 StGB 

war.

2.2.1. Gemäss Art. 19 Abs. 1 StGB ist der Täter nicht strafbar, sofern er zur Zeit 

der  Tat  nicht  fähig  war,  das  Unrecht  seiner  Tat  einzusehen  oder  gemäss  dieser 

Einsicht zu handeln. Vermindert schuldfähig im Sinne von Art. 19 Abs. 1 StGB ist 

ein Täter, wenn er zur Zeit der Tat nur teilweise fähig war, das Unrecht seiner Tat 

einzusehen oder gemäss dieser Einsicht zu handeln. Diesfalls mildert das Gericht 

die Strafe. Vorbehalten sind Massnahmen nach den Artikeln 59 – 61, 63, 64, 67, 

67b und 67e StGB.

- 27 -

2.2.2. Die Staatsanwaltschaft beauftragte Prof. Dr. med.  D._____ am 20. Oktober 

2023 mit der Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens (act. 12/4), welches die-

ser am 29. April 2024 erstattete (act. 12/17). Dieses Gutachten basiert auf Akten, 

da  der  Beschuldigte  an  der  Begutachtung  nicht  mitwirkte  (act. 12/17  S. 16).  Am 

24. Mai  2024  beauftragte  die  Staatsanwaltschaft  Prof.  Dr. med.  D._____  mit  der 

Erstellung eines Ergänzungsgutachtens (act. 12/18), welches am 4. Juli 2024 er-

stattet wurde (act. 12/23).

2.2.3. Prof. Dr. med. D._____ kommt in seinem Gutachten vom 29. April 2024 zum 

Befund, dass sich aufgrund der Aktenlage der hochgradige Verdacht auf eine kurz 

andauernde  psychotische  Störung  im  Sinne  einer  akuten  polymorphen  psychoti-

schen  Störung  bzw.  eine  Anpassungsstörung  oder  depressive  Episode  ergebe. 

Sollte der Beschuldigte im Tatzeitpunkt an einer psychotischen Symptomatik gelit-

ten  haben,  wäre  von  einer  Aufhebung  der  Steuerungskräfte  auszugehen 

(act. 12/17 S. 30 f.). Für das Delikt vom 15. August 2023 hätte diese Störung die 

Aufhebung der motivationalen Steuerungsfähigkeit zur Folge, wodurch die Schuld-

fähigkeit aus psychiatrischer Sicht aufgehoben wäre (act. 12/17 S. 26 f.). Sollte der 

Beschuldigte  allerdings  aufgrund  einer  depressiven  Symptomatik  ohne  psychoti-

sche Verkennung von E._____ agiert haben, wäre von einer mittel- bis schweren 

Verminderung der Schuldfähigkeit auszugehen (act. 12/17 S. 27; S. 31). Der Gut-

achter hält im Weiteren fest, dass sich aufgrund des Umstands, dass keine Unter-

suchung des Beschuldigten möglich gewesen sei, Beurteilungsunsicherheiten er-

gäben.  Diese  Unsicherheiten  beträfen  unter  anderem  die  Ausführungen  zur 

Schuldfähigkeit (act. 12/17 S. 33).

Auch nach der Untersuchung des Beschuldigten geht der Gutachter in seinem Er-

gänzungsgutachten vom 4. Juli 2024 weiterhin von zwei diagnostischen Optionen 

mit  unterschiedlichen  Auswirkungen  auf  die  Schuldfähigkeit  aus:  Gehe  man  von 

einer psychotischen Erkrankung aus, komme für das Delikt vom 15. August 2023 

eine aufgehobene Schuldfähigkeit infolge einer aufgehobenen Steuerungsfähigkeit 

in Betracht; folge man den Angaben des Beschuldigten zu seiner tatzeitaktuellen 

Verfassung,  komme  eine  mittelgradige  Verminderung  der  Schuldfähigkeit  infolge 

- 28 -

einer  Anpassungsstörung  bzw.  depressiven  Episode  in  Betracht  (act. 12/23 

S. 32 f.; S. 34; S. 38).

2.2.4. Der Gutachter legt sich somit bezüglich Schuldfähigkeit des Beschuldigten 

weder im Gutachten vom 29. April 2024 (act. 12/17) noch im Ergänzungsgutachten 

vom 4. Juli 2024 (act. 12/23) fest, geht jedoch zumindest von einer mittelgradigen 

Verminderung der Schuldfähigkeit aus (act. 12/23 S. 33; S. 38).

2.2.5. Das Gutachten ist insgesamt und auch in Bezug auf die aufgezeigten dia-

gnostischen Optionen schlüssig und wird hinsichtlich der Ausführungen zur Schuld-

fähigkeit  weder  seitens  der  amtlichen  Verteidigung  (act. 39  Rz. 65 ff.)  noch  der 

Staatsanwaltschaft (act. 38 S. 8) in Frage gestellt. Es besteht daher keinerlei An-

lass, von den Feststellungen des Gutachters abzuweichen.

2.3. Bestehen Zweifel, ob noch Reste von Schuldfähigkeit vorhanden waren, und 

lassen sie sich in der richterlichen Überzeugungsbildung nicht beseitigen, so hat in 

Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro reo" ein Freispruch zu ergehen; die An-

nahme bloss verminderter Schuldfähigkeit ist in diesem Fall unzulässig (BSK StGB-

BOMMER/DITTMANN,  Art. 9  N 51;  PK  StGB-TRECHSEL/FATEH-MOGHADAM,  Art. 19 

N 11;  MAUSBACH/STRAUB,  in:  Graf  (Hrsg.),  StGB  Annotierter  Kommentar,  Bern 

2020, Art. 19 N 17).

2.4. Es  ist  somit  nach  dem  Grundsatz  "im  Zweifel  für  den  Beschuldigten"  von 

Schuldunfähigkeit in Sinne von Art. 19 Abs. 1 StGB auszugehen.

3.

Fazit

Der Beschuldigte hat zwar den objektiven und subjektiven Tatbestand der Sachbe-

schädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB erfüllt, dies jedoch im Zustand der 

nicht  selbstverschuldeten  Schuldunfähigkeit.  Er  ist  somit  nicht  strafbar  (Art. 19 

Abs. 1 StGB).

- 29 -

V.

Anordnung einer Massnahme

1.

Anträge der Parteien

1.1. Die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl stellt den Antrag, es sei eine ambulante 

Massnahme  im  Sinne  von  Art. 63  Abs. 1  StGB  während  des  Vollzuges  der  Frei-

heitsstrafe anzuordnen (act. 38 S. 1).

1.2. Die amtliche Verteidigung beantragt, von der Anordnung einer ambulanten 

Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB abzusehen (act. 39 S. 1; Rz. 78 ff.). Im Fol-

genden ist daher zu prüfen, ob die Voraussetzungen für die Anordnung einer am-

bulanten Massnahme gemäss Art. 63 StGB erfüllt sind.

2.

Voraussetzungen

2.1.

Ist der Täter psychisch schwer gestört, ist er von Suchtstoffen oder in ande-

rer Weise abhängig, so kann das Gericht anordnen, dass er nicht stationär, sondern 

ambulant behandelt wird, wenn der Täter eine mit Strafe bedrohte Tat verübt, die 

mit seinem Zustand in Zusammenhang steht, und wenn zu erwarten ist, dadurch 

lasse sich der Gefahr weiterer mit dem Zustand des Täters in Zusammenhang ste-

hender Taten begegnen (Art. 63 Abs. 1 StGB).

2.2. Die Anordnung einer Massnahme setzt nach Art. 56 Abs. 1 StGB ausserdem 

voraus, dass eine Strafe allein nicht geeignet ist, der Gefahr weiterer Straftaten des 

Täters zu begegnen (lit. a), dass ein Behandlungsbedürfnis des Täters besteht oder 

die öffentliche Sicherheit dies erfordert (lit. b) und dass der mit ihr verbundene Ein-

griff in die Persönlichkeitsrechte des Täter im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit 

und Schwere weiterer Straftaten nicht unverhältnismässig ist (Art. 56 Abs. 2 StGB). 

Zudem  ist  ein  Mindestmass  an  Kooperationsbereitschaft  des  Betroffenen  für  die 

Zweckmässigkeit einer Massnahme erforderlich (BGE 123 IV 113 E. 4.c.dd). Hin-

gegen hindert die Schuldunfähigkeit die Anordnung einer Massnahme nicht (Art. 19 

Abs. 3 StGB).

- 30 -

3.

Sachverständige Begutachtung

3.1. Beim  Entscheid  über  die  Anordnung  einer  ambulanten  Behandlung  muss 

sich  das  Gericht  auf  eine  sachverständige  Begutachtung  stützen.  Diese  hat  sich 

über die Notwendigkeit und die Erfolgsaussichten einer Behandlung des Täters, die 

Art und Wahrscheinlichkeit weiterer möglicher Straftaten und die Möglichkeiten des 

Vollzugs  der  Massnahme  zu  äussern  (Art. 56  Abs. 3  StGB).  Das  Gericht  ist  ent-

sprechend dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung nicht an die Schlussfolge-

rungen im Gutachten gebunden. Es darf jedoch in Fachfragen nicht ohne triftige 

Gründe vom Gutachten abweichen. Das Abstellen auf nicht schlüssige Gutachten 

kann gegen Art. 9 BV verstossen, wenn gewichtige, zuverlässig begründete Tatsa-

chen  oder  Indizien  die  Überzeugungskraft  des  Gutachtens  ernstlich  erschüttern 

(BGE 141 IV 369 E. 6.1; BGE 129 I 49 E. 4).

3.2. Der  gutachterliche  Befund  muss  einen  abnormen  Zustand  klar  festhalten. 

Dies schliesst jedoch nicht aus, dass lediglich die Wahl zwischen verschiedenen 

möglichen, konkreten Zuordnungen noch offen ist. Zugeständnisse an die Exaktheit 

der  Diagnose  sind  nur  in  besonderen  Ausnahmefällen  akzeptabel  (BSK  StGB-

HEER/HABERMEYER, Art. 59 N 9).

3.3. Die Verweigerung der persönlichen Untersuchung durch die zu begutach-

tende Person gilt als Verzicht auf eine Mitwirkung bei der Beweisaufnahme. Der 

Beschuldigte, der sich weigert, an der Begutachtung teilzunehmen, trägt trotz des 

im  Gesetz  verankerten  Begutachtungsobligatoriums  letztlich  die  Konsequenzen 

seiner fehlenden Mitwirkung, zumal er gegen seinen Willen nicht zur Teilnahme an 

der Begutachtung gezwungen werden kann. Ob sich ein Aktengutachten in einem 

Fall mangelnder Mitwirkung durch den Beschuldigten verantworten lässt, ist durch 

den angefragten Sachverständigen zu beurteilen, wobei sich der Sachverständige 

im  Gutachten  diesfalls  dazu  äussern  muss,  ob  eine  konkrete  Fragestellung  gar 

nicht, nur in allgemeiner Form oder ohne Einschränkungen beantwortbar ist (Urteil 

BGer 6B_576/2024 vom 11. Dezember 2024, E. 5.4.2).

3.4. Vorliegend liegt ein Gutachten von Prof. Dr. med. D._____, Direktor der Kli-

nik für Forensische Psychiatrie, Facharzt Forensische Psychiatrie und Psychothe-

- 31 -

rapie FMH, vom 29. April 2024 (act. 12/17) sowie ein Ergänzungsgutachten des-

selben Gutachters vom 4. Juli 2024 (act. 12/23) vor. Zudem liegt eine therapeuti-

sche  Stellungnahme  zur  Ersatzmassnahme  des  psychiatrisch-psychologischen 

Dienstes  des  Justizvollzug  und  Wiedereingliederung  (nachfolgend  PPD)  vom 

23. April 2025 in den Akten (act. 30).

3.5. Bei der ersten Begutachtung durch Prof. Dr. med. D._____ wirkte der Be-

schuldigte nicht mit (act. 12/17 S. 16). Das Gutachten vom 29. April 2024 stellt folg-

lich  ein  reines  Aktengutachten  dar,  worauf  der  Gutachter  mehrfach  hinweist 

(act. 12/17 S. 21; S. 33). Sodann hält der Gutachter fest, dass sich vor dem Hinter-

grund, dass es sich um ein reines Aktengutachten handle Beurteilungsunsicherhei-

ten  hinsichtlich  der  genauen  diagnostischen  Einordnung,  der  Ausführungen  zur 

Schuldfähigkeit  und  insbesondere  der  kriminalprognostischen  Schlüsse  ergäben 

(act. 12/17 S. 33). 

3.6.

Im  Rahmen  des  Ergänzungsgutachtens  vom  4. Juli  2024  fanden  drei  Ge-

spräche zwischen dem Beschuldigten und dem Gutachter statt, wobei der Beschul-

digte  ein  sehr  vorsichtiges  Gesprächsverhalten  gezeigt  und  eine  Tendenz  habe, 

Fragen  hinsichtlich  ihrer  möglichen  Bedeutung  zu  hinterfragen,  dann  möglichst 

knapp zu beantworten, um Missverständnissen vorzubeugen bzw. Anhaltspunkte 

für eine psychische Störung zu zerstreuen (act. 12/23 S. 17).

3.7. Sowohl das Gutachten vom 29. April 2024 wie auch das Ergänzungsgutach-

ten vom 4. Juli 2024 erfüllen die vorstehend genannten Anforderungen an Gutach-

ten. Beide Gutachten äussern sich – sofern möglich – über die Notwendigkeit und 

die  Erfolgsaussichten  einer  Behandlung  des  Beschuldigten,  die  Art  und  Wahr-

scheinlichkeit weiterer möglicher Straftaten und die Möglichkeiten des Vollzugs der 

Massnahme. Wo solche Angaben aufgrund der mangelnden oder zurückhaltenden 

Mitwirkung  des  Beschuldigten  nicht  möglich  sind,  zeigen  die  Gutachten  allfällige 

dadurch entstehende offene Fragen auf.

3.8.

In  der  therapeutischen  Stellungnahme  zur  Ersatzmassnahme  des  PPD 

(Psychiatrisch-Psychologischer  Dienst)  vom  23. April  2025  wurde  festgehalten, 

dass sich der Beschuldigte teilweise (inhaltsabhängig) offen und gesprächsbereit 

- 32 -

zeige, wobei grundsätzlich mit einem zurückhaltenden Antwortverhalten. Themen 

wie  die  Auseinandersetzung  mit  der  tatzeitnahen  Situation,  Umgang  mit  Belas-

tungserleben,  aktuellen  Lebensführung  und  Zukunftsaussichten,  diagnostische 

Einschätzung und Ressourcenaktivierung hätten ansatzweise bis teils vertiefter be-

sprochen  werden  können.  Aufgrund  des  noch  nicht  konsolidierten  Fallkonzeptes 

könnten  derzeit  keine  näheren  Angaben  zu  möglichen  Risikoeigenschaften  oder 

einer spezifischen Legalprognose gemacht werden (act. 30 S. 1 f.)

3.9.

Im  Aktengutachten  vom  29. April  2024  diagnostizierte  Prof.  Dr. med. 

D._____  beim  Beschuldigten  den  hochgradigen  Verdacht  auf  eine  akute,  poly-

morph psychotische Episode (IDC-10: F23), differentialprognostisch wurden eine 

Anpassungsstörung  mit  gemischter  Störung  von  Gefühlen  und  Sozialverhalten 

(ICD-10: F43.25) oder eine depressive Episode (IDC-10: F32) in Erwägung gezo-

gen (act. 12/17 S. 21; S. 30). Aufgrund der mangelnden Mitwirkung des Beschul-

digten bestünden hinsichtlich der genauen Diagnose jedoch Unsicherheiten. Aus-

serdem komme in Betracht, dass der Beschuldigte gegenüber den vorgängig invol-

vierten  Ärzten  bemüht  gewesen  sei,  Krankheitssymptome  zu  dissimulieren  bzw. 

keine Einblicke in sein Denken zu gewähren, was wiederum für akute psychotische 

Störungsbilder nicht ungewöhnlich sei (act. 12/17 S. 26). Aufgrund dieser Dissimu-

lationsneigungen bestünden hinsichtlich der diagnostischen Überlegungen und der 

Ausführungen zur Schuldfähigkeit (vgl. dazu E. IV. B. 2.2. ff.) unterschiedliche Op-

tionen: Es bestehe zum Einen die Möglichkeit einer psychotischen Erkrankung im 

Tatzeitpunkt  –  entsprechend  wäre  die  Schuldfähigkeit  aus  psychiatrischer  Sicht 

aufgehoben (act. 12/17 S. 26). Andererseits komme auch eine Anpassungsstörung 

bzw. depressive Symptomatik – und damit eine Verminderung der Schuldfähigkeit 

– in Betracht (act. 12/17 S. 27). In einer Gesamtschau sei das Vorliegen einer psy-

chischen Störung hoch wahrscheinlich bzw. das Fehlen einer tatbegünstigenden 

Störung unwahrscheinlich. 

Der Gutachter hält weiter fest, mittels VRAG (Violence Risk Appraisal Guide) lasse 

sich beim Beschuldigten ein allenfalls durchschnittliches Rückfallrisiko feststellen. 

Allerdings bestünden hinsichtlich der aktuellen Verfassung und hinsichtlich der Ri-

siko-Items viele offene Fragen (act. 12/17 S. 28). Eine individualprognostische Aus-

- 33 -

sage zu treffen, sei schwierig, da der Beschuldigte mit dem Gutachter weder über 

seine Tatmotivation noch über seine aktuellen Einstellungen, Behandlungsbereit-

schaft und Zukunftspläne gesprochen habe (act. 12/17 S. 31). Daher liessen sich 

auch keine Aussagen dazu tätigen, ob eine medikamentöse Behandlung indiziert 

sei.  Auch  eine  ambulante  Behandlung  setze  voraus,  dass  der  Beschuldigte  eine 

Bereitschaft zeige, an dieser aktiv mitzuwirken. Ob diese vorliege, könne der Gut-

achter nicht beurteilen (act. 12/17 S. 32).

3.10.

Im Ergänzungsgutachten vom 4. Juli 2024 bestätigt Prof. Dr. med. D._____ 

die  Diagnose  der  akuten,  polymorph  psychotischen  Episode  (ICD-10:  F23)  bzw. 

der Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten 

(ICD-10: F43.25) – im Gegensatz zum Aktengutachten geht der Gutachter nun aber 

von einer Anpassungsstörung aus und erst differentialdiagnostisch von einer aku-

ten, polymorph psychotischen Episode (act. 12/23 S. 24). Nicht bestätigt wurde die 

allfällige Diagnose einer depressiven Episode (act. 12/23 S. 31). Auffällig sei das 

stete Bemühen des Beschuldigten, den Verdacht auf eine psychische Störung zu 

zerstreuen. Fragen zu den Geschehnissen im Vorfeld des Delikts bzw. am Tattag 

seien vom Beschuldigten oftmals nur kurz und ausweichend bzw. vage beantwortet 

worden. Der Beschuldigte sei bemüht gewesen, seine tatzeitnahe Verfassung mög-

lichst  unauffällig  darzustellen,  was  als  Dissimulationsneigung  aufgefasst  werden 

könne (act. 12/23 S. 26; S. 30). Die im ersten Gutachten dargelegten Möglichkeiten 

bezüglich der exakten Diagnose konnten im Ergänzungsgutachten insofern präzi-

siert  werden,  als  anhand  der  Akten  zwar  eine  psychotische  Symptomatik  in  Be-

tracht komme, die Angaben des Beschuldigten und die Akteninhalte jedoch vorwie-

gend  für  eine  Anpassungsstörung  sprächen  (act. 12/23  S. 32).  In  Bezug  auf  die 

unterschiedlichen  Auswirkungen  der  Diagnosen  auf  die  Schuldfähigkeit  bestätigt 

der  Gutachter  seine  Ausführungen  aus  dem  Aktengutachten  (vgl.  dazu 

E. IV. B. 2.2. ff.).  Der  Gutachter  hält  sodann  im  Rahmen  der  kriminalprognosti-

schen  Risikomerkmale  nach  HCR-20  fest,  dass  beide  möglichen  Diagnosen  als 

schwerwiegende psychische Störungen (Item H6) zu qualifizieren seien (act. 12/23 

S. 23).

- 34 -

Hinsichtlich der kurzfristigen Kriminalprognose des Beschuldigten habe festgestellt 

werden  können,  dass  der  Beschuldigte  ein  unterdurchschnittliches  statistisches 

Rückfallrisiko aufweise (act. 12/23 S. 34). Es stelle sich aber die Frage, ob die Re-

mission der psychischen und somatischen Symptomatik belastungsstabil sei. Für 

die Identifikation möglicher Befundverschlechterungen und damit für die mittelfris-

tige und insbesondere die langfristige individuelle Kriminalprognose seien die Mög-

lichkeiten des Risikomanagements bzw. die bestehenden Therapieoptionen rele-

vant.  In  diesem  Zusammenhang  hält  der  Gutachter  auch  fest,  dass  ein  weiteres 

Monitoring,  optimalerweise  durch  eine  psychiatrische  oder  psychotherapeutisch 

ausgebildete Fachperson sinnvoll sei, um den Verlauf zu beobachten und bei er-

neuten  Symptomakzentuierungen  adäquate  Behandlungsmassnahmen  einleiten 

zu können (act. 12/23 S. 35).

3.11.

Insgesamt ist aufgrund der gutachterlichen Ausführungen davon auszuge-

hen, dass beim Beschuldigten im Tatzeitpunkt eine psychische Störung mit rele-

vantem Krankheitswert vorgelegen hat, wobei zwei Diagnosen möglich sind. Diese 

allfällige mangelhafte Exaktheit der psychiatrischen Diagnose ist auf den Umstand 

zurückzuführen, dass die Mitwirkung des Beschuldigten in Form von ehrlicher Be-

antwortung  von  Fragen,  der  Bereitstellung  von  Informationen  sowie  der  Offenle-

gung von relevanten Aspekten der eigenen Lebensgeschichte und des aktuellen 

Zustandes im ersten Gutachten gänzlich fehlte und im zweiten Gutachten nur mit 

Zurückhaltung stattfand. Ein solch zurückhaltendes Antwortverhalten konnte denn 

auch durch den PPD festgestellt werden. Letztlich hat folglich der Beschuldigte ge-

mäss  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  die  Konsequenzen  seiner  fehlenden 

bzw.  zurückhaltenden  Mitwirkung  zu  tragen,  womit  die  ungenaue  Diagnose  hin-

sichtlich  des  exakten  Krankheitsbildes  hinzunehmen  ist.  Schliesslich  vermag  der 

Umstand, dass der Gutachter zwei mögliche Befunde in Betracht zieht, die Glaub-

würdigkeit und Schlüssigkeit der Gutachten nicht zu mindern, zumal der Erkennt-

nisprozess des Gutachters nachvollziehbar beschrieben ist.

- 35 -

4.

Schwere psychische Störung und damit zusammenhängende Anlasstat

4.1. Voraussetzung der ambulanten Massnahme ist, dass die Anlasstat mit Stra-

fe bedroht ist und in einem Zusammenhang mit dem psychischen Zustand des Be-

schuldigten  steht.  Die  psychische  Störung  muss  schwerer  Natur  sein  (Art. 63 

Abs. 1 StGB).

4.2. Die durch den Beschuldigten begangene Sachbeschädigung im Sinne von 

Art. 144  Abs. 1  StGB  stellt  eine  taugliche  Anlasstat  im  Sinne  von  Art. 63  Abs. 1 

StGB dar, welche in direktem Zusammenhang mit der schweren psychischen Stö-

rung des Beschuldigten steht (act. 12/23 S. 28). Sodann sind beide möglichen Dia-

gnosen entsprechend den beiden Gutachten als schwere psychische Störung zu 

qualifizieren (act. 12/23 S. 23; vgl. dazu E. V. 3.10.).

5.

Behandlungsbedürftigkeit oder Behandlungserfordernis

5.1.

Für die Anordnung einer ambulanten Massnahme muss ein Täter weiter be-

handlungsbedürftig  sein  oder  die  öffentliche  Sicherheit  dies  erfordern  (Art. 56 

Abs. 1 lit. b StGB).

5.2. Beiden Gutachten ist zu entnehmen, dass sich zwar eine Befundberuhigung 

beim Beschuldigten eingestellt hat, jedoch erhebliche Unsicherheit darin besteht, 

ob diese belastungsstabil ist (act. 12/17 S. 31; act. 12/23 S. 35). Diese Unsicherheit 

hat  sich  dadurch  verstärkt,  dass  der  Beschuldigte  auch  anlässlich  der  Hauptver-

handlung nicht darlegen konnte, in der bisherigen ambulanten Behandlung ein Ri-

sikomanagement etabliert zu haben, auf welches er in ähnlichen Belastungssitua-

tion zurückgreifen könnte (vgl. Prot. S. 28). Der Beschuldigte konnte anlässlich der 

Hauptverhandlung  nicht  beschreiben,  um  welche  Themen  es  bei  den  Sitzungen 

beim PPD ging und was konkret bearbeitet wurde. Vielmehr verwies er auf die zu-

ständige Psychologin, M. Sc. I._____, sie könne eine bessere Antwort geben, um 

was es wirklich gegangen sei. Auf die Frage, welche Themen bearbeitet worden 

seien, antwortete der Beschuldigte lediglich "Allgemeine" (Prot. S. 28). Somit zeigte 

der Beschuldigte auch anlässlich der Hauptverhandlung ein derart zurückhaltendes 

Antwortverhalten und mangelnde Krankheitseinsicht (vgl. Prot. S. 10 f.; S. 26), dass 

- 36 -

nicht davon ausgegangen werden kann, dass der Beschuldigte einen belastungs-

stabilen  Umgang  mit  seiner  psychischen  Störung  erarbeiten  konnte.  Der  Fortbe-

stand der psychischen Störung im Urteilszeitpunkt ist daher zu bejahen.

Sowohl  die  in  Frage  kommende  Anpassungsstörung  als  auch  die  differentialpro-

gnostisch  in  Betracht  kommende  psychotische  Störung  können  psychotherapeu-

tisch, allenfalls medikamentös, behandelt werden (act. 12/23 S. 39). Sodann emp-

fiehlt der Gutachter eine langfristige Verlaufsbeobachtung, um die Belastbarkeit der 

Befundberuhigung  des  Beschuldigten  zu  beobachten  und  zu  besprechen 

(act. 12/23 S. 35). Die ambulante Behandlung dient sodann auch dem Beschuldig-

ten, eine verlässliches Risikomanagement zu etablieren und allfällige Belastungs-

situationen rechtzeitig aufzufangen.

5.3. Schliesslich erfordert auch die öffentlich Sicherheit die ambulante Behand-

lung des Beschuldigten. Der Beschuldigte scheint bisher kein Risikomanagement 

etabliert zu haben, auf welches er in Belastungssituationen zurückgreifen könnte. 

Insbesondere  in  Anbetracht  der  exzessiven  Tatausführung,  nämlich  der  Abgabe 

von unzähligen Schüssen auf die Wohnungstür eines Nachbarn in einem Mehrfa-

milienhaus aus nicht ersichtlichem äusserem Anlass, ist die Anordnung einer am-

bulanten Behandlung des Beschuldigten gerechtfertigt.

6.

Subsidiarität

Eine Massnahme ist nur anzuordnen, wenn eine Strafe allein nicht geeignet ist, der 

Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu begegnen (Art. 56 Abs. 1 lit. a StGB). Ab-

gesehen davon, dass der Beschuldigte aufgrund von Schuldunfähigkeit nicht straf-

bar ist, wäre eine reine Strafe vor dem Hintergrund der notwendigen langfristigen 

Verlaufsbeobachtung und der Etablierung eines verlässlichen Risikomanagements 

nicht ausreichend, um die mittel- und langfristige Rückfallgefahr zu minimieren.

7.

Therapiewilligkeit

7.1. Die Anordnung einer Massnahme nach Art. 56 StGB bedarf zudem einer ge-

wissen  Therapiewilligkeit  des  Beschuldigten.  An  die  Therapiewilligkeit  sind  nicht 

- 37 -

allzu  strenge  Anforderungen  zu  stellen,  da  die  fehlende  Motivation  regelmässig 

zum Krankheitsbild gehört. Die Therapiemotivation wird häufig erst im Rahmen der 

Behandlung  erarbeitet,  weshalb  lediglich  ein  Mindestmass  an  Kooperation  oder 

eine  gewisse  Motivierbarkeit  vorausgesetzt  wird  (BSK  StGB-HEER/HABERMEYER, 

Art. 59 N 78 ff.).

7.2. Der Beschuldigte ist gemäss Ergänzungsgutachten vom 4. Juli 2024 bereit, 

therapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen, obwohl er den Sinn einer 

solchen Behandlung  bezweifle.  Es  gebe  Anhaltspunkte dafür, dass der Beschul-

digte  an  Informationen  über  den  Zusammenhang  von  Belastungen  und  psychi-

schen Störungen interessiert sei. Der Gutachter geht davon aus, dass es Zeit brau-

chen werde, bis der Beschuldigte im Rahmen einer Anschlussbehandlung ein trag-

fähiges  Vertrauensverhältnis  aufbauen  könne  (act. 12/23  S. 36).  Anlässlich  der 

Hauptverhandlung gab der Beschuldigte an, nicht unbedingt bereit zu sein, weiter-

hin eine gerichtlich angeordnete ambulante Behandlung zu absolvieren. Wenn das 

Gericht eine solche anordnen würde, würde er jedoch daran teilnehmen müssen 

(Prot. S. 28 f.).

7.3. Vorliegend ist davon auszugehen, dass die fehlende Motivation und Krank-

heitseinsicht Teil des Krankheitsbildes der psychischen Störung des Beschuldigten 

sind. Da sich der Beschuldigte gegenüber dem Gutachter grundsätzlich bereit er-

klärte,  therapeutische  Unterstützung  in  Anspruch  zu  nehmen  und  ein  minimales 

Interesse für seine Erkrankung aufbrachte, ist das Vorliegen der allgemeinen The-

rapiewilligkeit grundsätzlich zu bejahen.

8.

Verhältnismässigkeit

Zu prüfen ist schliesslich, ob eine anzuordnende Massnahme dem Grundsatz der 

Verhältnismässigkeit  gerecht  wird  (Art. 56  Abs. 2  StGB).  Der  Grundsatz  besteht 

aus drei Teilaspekten, nämlich der Eignung, der Erforderlichkeit und der vernünfti-

gen Zweck-Mittel Relation (Verhältnismässigkeit im engeren Sinn) der Massnahme 

(SCHWARZENEGGER/HUG/JOSITSCH, Strafrecht II, Strafen und Massnahmen, 9. Aufl., 

Zürich/Basel/Genf 2007, S. 153 f.).

- 38 -

8.1. Eignung

8.1.1. Gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. b StGB muss die ambulante Massnahme geeignet 

sein, die Gefahr der Verübung weiterer Taten zu verhindern oder zu vermindern. 

Mit  anderen  Worten  muss  sie  geeignet  sein,  die  Legalprognose  der  betroffenen 

Person zu verbessern (BSK StGB I-HEER, Art. 56 N 35). Der Gutachter muss sich 

in diesem Zusammenhang hinsichtlich des Rückfallrisikos äussern.

8.1.2. Das Ergänzungsgutachten vom 4. Juli 2024 äussert sich lediglich zum kurz-

fristigen  Rückfallrisiko  des  Beschuldigten,  welches  als  gering  einzuschätzen  ist. 

Hinsichtlich der mittel- und langfristigen individuellen Kriminalprognose stelle sich 

aber die Frage, ob die Remission der psychischen und somatischen Symptomatik 

belastungsstabil sei. Für die Identifikation möglicher Befundverschlechterungen sei 

die Etablierung eines Risikomanagements entscheidend (act. 12/23 S. 35). Ein sol-

ches Risikomanagement konnte vom Beschuldigten bislang nicht sinnvoll erarbeitet 

bzw. dargelegt werden. Die ambulante Behandlung ist geeignet, ein Risikomana-

gement mit dem und für den Beschuldigten zu erarbeiten, wodurch sich die lang-

fristige Legalprognose des Beschuldigten verbessern dürfte.

8.2. Erforderlichkeit

8.2.1. Weiter muss die Massnahme erforderlich sein. Sie hat zu unterbleiben, wenn 

eine gleich geeignete, aber mildere Massnahme für den angestrebten Erfolg aus-

reichen  würde.  Dieses  Kriterium  trägt  dem  Aspekt  des  Verhältnisses  zwischen 

Strafe  und  Massnahme  bzw.  Subsidiarität  von  Massnahmen  Rechnung  (BSK 

StGB-HEER, Art. 56 N 30 ff.).

8.2.2. Die Erforderlichkeit der ambulanten Behandlung ist aufgrund der mangeln-

den Krankheitseinsicht des Beschuldigten ebenfalls gegeben. Eine mildere Mass-

nahme, die denselben Erfolg erzielen könnte, ist nicht ersichtlich.

8.3. Verhältnismässigkeit im engeren Sinn

8.3.1. Schliesslich muss zwischen dem Eingriff und dem angestrebten Zweck eine 

vernünftige Relation bestehen. Dies hat zur Folge, dass die betroffenen Interessen 

- 39 -

gegeneinander abgewogen werden müssen. Bei einer Prüfung des Zweck-Mittel-

Verhältnisses  fallen  im  Rahmen  der  Gesamtwürdigung  auf  der  einen  Seite  die 

Schwere des Eingriffs in die Freiheitsrechte des Täters in Betracht. Auf der anderen 

Seite sind das Behandlungsbedürfnis sowie die Schwere und die Wahrscheinlich-

keit künftiger Straftaten relevant (BGE 142 IV 105 E. 5.4). Den Gefahren, die von 

einem Täter zu befürchten sind, müssen bei einer Interessenabwägung grössere 

Bedeutung  zukommen  als  der  Schwere  des  mit  einer  Massnahme  verbundenen 

Eingriffs (Urteil BGer 6B_473/2014 vom 20. November 2014, E. 1.6.2; Urteil BGer 

6B_596/2011 vom 19. Januar 2012, E. 3.2.3; BSK StGB-HEER, Art. 56 StGB N 36).

8.3.2. Vor dem Hintergrund der Schwere der Tat und der gewaltbereiten und ex-

zessiven Tatausführung mittels Schusswaffe, welche einer ambulanten Massnah-

me – und somit einem verhältnismässig leichten Eingriff in die Freiheitsrechte des 

Beschuldigten  –  gegenübersteht,  erweist  sich  Letztere  auch  im  Hinblick  auf  die 

Zweck-Mittel-Relation als verhältnismässig.

8.4.

Zusammengefasst ist die Anordnung einer ambulanten Massnahme geeig-

net und erforderlich, zudem sind die Interessen der öffentlichen Sicherheit höher 

zu gewichten als der Eingriff in die Freiheit des Beschuldigten. Die Anordnung einer 

ambulanten Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB ist daher verhältnismässig.

9.

Fazit

Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist eine ambulante Massnahme gestützt 

auf Art. 63 StGB anzuordnen.

VI.

Genugtuung

1.

Die amtliche Verteidigung beantragt eine Genugtuung von Fr. 66'600.– für 

zu  Unrecht  erlittenen  Freiheitsentzug  gemäss  Art. 429  Abs. 1  lit. c  StPO  (act. 39 

Rz. 106 ff.).

2.

Gestützt  auf  Art. 429  Abs. 1  lit. c  StPO  hat  die  beschuldigte  Person  An-

spruch  auf  Genugtuung  für  besonders  schwere  Verletzungen  ihrer  persönlichen 

- 40 -

Verhältnisse, insbesondere bei Freiheitsentzug, wenn sie ganz oder teilweise frei-

gesprochen  oder  das  Verfahren  gegen  sie  eingestellt  wird.  Gestützt  auf  Art. 431 

Abs. 2 StPO besteht der Anspruch im Falle von Untersuchungs- und Sicherheits-

haft, wenn die zulässige Haftdauer überschritten ist und der übermässige Freiheits-

entzug nicht an die wegen anderer Straftaten ausgesprochenen Sanktionen ange-

rechnet werden kann.

3.

Sowohl der Anspruch nach Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO wie auch jener nach 

Art. 431  Abs. 2  StPO  setzen  eine  Haftanordnung  unter  Einhaltung  der  formellen 

und  materiellen  Vorgaben  voraus.  Die  Bestimmungen  grenzen  sich  jedoch  nach 

ihrem klaren Gesetzeswortlaut durch die Verfahrensfolgen ab. So kommt Art. 431 

Abs. 2 StPO im Gegensatz zu Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO immer im Zusammenhang 

mit einer ausgesprochenen Sanktion zur Anwendung. Stellt das Gericht fest, dass 

der Beschuldigte ein Delikt im Zustand der nicht selbst verschuldeten Schuldunfä-

higkeit verübt hat und ordnet es eine Massnahme an, rechnet es dem Beschuldig-

ten  damit  die  Verwirklichung  von  tatbestandsmässig-rechtswidrigem  Unrecht  zu 

und auferlegt ihm eine Sanktion in Form einer ambulanten Massnahme. Hinsicht-

lich  der  im  Zusammenhang  mit  diesem  Delikt  angeordneten  Untersuchungshaft 

liegt folglich kein Anwendungsfall von Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO vor. Es ist indes 

zu prüfen, ob eine Genugtuung gestützt auf Art. 431 Abs. 2 StPO zuzusprechen ist 

(Urteil BGer 6B_375/2018 vom 12. August 2019, E. 2.4).

4.

Bei  Überhaft  im  Sinne  von  Art. 431  Abs. 2  StPO  ist  nicht  die  Haft  per  se, 

sondern  die  Haftlänge  ungerechtfertigt.  Sie  wird  erst  im  Nachhinein  übermässig, 

das heisst nach Fällung des Urteils. Gemäss der Grundregel von Art. 431 Abs. 2 

StPO ist Überhaft demgemäss nur zu entschädigen, wenn sie nicht an die wegen 

anderer Straftaten ausgesprochenen Sanktionen angerechnet werden kann (Urteil 

BGer 6B_375/2018 vom 12. August 2019, E. 2.5, m. w. H.).

5.

Die Frage der Anrechnung von Untersuchungs- bzw. Sicherheitshaft an (frei-

heitsentziehende) Massnahmen im Sinne von Art. 56 ff. StGB ist im Gesetz nicht 

geregelt. Nach der mit dem Grundsatzentscheid BGE 141 IV 236 begründeten bun-

desgerichtlichen Praxis sind Untersuchungs- und Sicherheitshaft grundsätzlich an 

freiheitsentziehende Massnahmen gemäss Art. 56 ff. StGB anzurechnen, konkret 

- 41 -

an stationäre therapeutische Massnahmen im Sinne von Art. 59 StGB. Dass es sich 

bei  der  Anrechnung  nach  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  im  Ergebnis  um 

eine Anrechnung pro forma – d. h. ohne tatsächliche Verkürzung des Massnahme-

vollzuges – handelt, ist nach dem Bundesgericht hinzunehmen. Es weist in diesem 

Zusammenhang explizit darauf hin, dass ohne entsprechende Anrechnung bei An-

ordnung  einer  Massnahme  und  Absehen  von  Strafe  wegen  unverschuldeter 

Schuldunfähigkeit ansonsten stets die gesamte Untersuchungs- bzw. Sicherheits-

haft als Überhaft entschädigt werden müsste, so dass die Kantone zunächst die 

Kosten der strafprozessualen Inhaftierung sowie des Massnahmevollzuges zu be-

zahlen und anschliessend Entschädigung und Genugtuung für die gesamte Unter-

suchungs-  und  Sicherheitshaft  unter  dem  Titel  Überhaft  gemäss  Art. 431  Abs. 2 

StPO  zu  leisten  hätten,  was  nicht  die  Meinung  des  Gesetzgebers  gewesen  sein 

könne (Urteil BGer 6B_375/2018 vom 12. August 2019, E. 2.6, m. w. H.).

6.

Ambulante  Massnahmen  sind  nach  der  bundesgerichtlichen  Rechtspre-

chung  –  je  nach  konkreter  Ausgestaltung  und  soweit  ihnen  freiheitsentziehende 

Wirkung zukommt – unter die freiheitsentziehenden Massnahmen zu subsumieren. 

Untersuchungs- und Sicherheitshaft, welche während des Strafverfahrens verbüsst 

wurde, das zum Massnahmeentscheid führte, ist damit auf eine ambulante Mass-

nahme nach Art. 63 StGB anzurechnen, soweit Letzterer im Einzelfalle freiheitsent-

ziehende  Wirkung  zukommt  (Urteil  BGer  6B_375/2018  vom  12. August  2019, 

E. 2.7, m. w. H.).

7.

Die ambulante Massnahme ist in dem Masse anrechenbar, wie eine tatsäch-

liche Beschränkung der persönlichen Freiheit vorliegt. Von Bedeutung ist hierfür im 

Wesentlichen, mit welchem Zeit- und Kostenaufwand die Massnahme für den Be-

troffenen verbunden war. Wegen der grundsätzlichen Verschiedenheit von ambu-

lanter Massnahme und Strafvollzug kommt in der Regel nur eine beschränkte An-

rechnung der ambulanten Behandlung in Frage. Dem Gericht steht beim Entscheid, 

ob und in welchem Umfang die Behandlung anzurechnen ist, ein erheblicher Er-

messensspielraum  zu  (Urteil  BGer  6B_375/2018  vom  12. August  2019,  E. 2.8.2, 

m. w. H., u. a. auf BGE 124 IV 1 E. 2.b).

- 42 -

8.

Bezogen  auf  den  Entschädigungsanspruch,  der  der  beschuldigten  Person 

infolge Überhaft zusteht, bedeutet dies, dass eine Genugtuung nur in Frage kom-

men  kann,  wenn  sich  ex  post  zeigen  sollte,  dass  das  Gesamtmass  des  mit  der 

ambulanten Behandlung einhergehenden Freiheitsentzugs von der Dauer her im 

Einzelfall kürzer ist als die erstandene Untersuchungs- bzw. Sicherheitshaft (Urteil 

BGer 6B_375/2018 vom 12. August 2019, E. 2.8).

9.

Vorliegend wird eine ambulante Massnahme nach Art. 63 StGB angeordnet. 

Ob und in welchem Masse der ambulanten Massnahme freiheitsentziehende Wir-

kung zukommt, welche eine Anrechnung an die vom Beschuldigten verbüsste Un-

tersuchungshaft  zulässt, lässt sich erst  nach deren  Beendigung  bzw.  Aufhebung 

endgültig feststellen. Folglich ist über einen allfälligen Genugtuungsanspruch des 

Beschuldigten nach Ablauf der ambulanten Massnahme zu entscheiden. Auf das 

entsprechende  Rechtsbegehren  kann  demgemäss  zum  jetzigen  Zeitpunkt  nicht 

eingetreten werden. Der Beschuldigte hat eine allfällige Genugtuungsforderung im 

selbständigen nachträglichen Verfahren nach Art. 363 ff. StPO geltend zu machen.

VII.

Zivilansprüche

1.

Eine geschädigte Person kann zivilrechtliche Ansprüche aus der Straftat ent-

weder selbständig auf dem Wege des Zivilprozesses oder adhäsionsweise durch 

schriftliches oder mündliches Begehren an das für den Entscheid über die Anklage 

zuständige Strafgericht geltend machen (Art. 118 i. V. m Art. 122 Abs. 1 StPO). Die 

geschädigte Person hat sich dafür als Privatklägerin zu konstituieren und dabei Zi-

vilklage  zu  erheben  (Art. 118  Abs. 1  und  Art. 119  Abs. 2  StPO).  Die  geltend  ge-

machte  Forderung  ist  nach  Möglichkeit  in  der  Konstituierungserklärung  nach 

Art. 119  StPO  zu  beziffern  und,  unter  Angabe  der  angerufenen  Beweismittel, 

schriftlich zu begründen (Art. 123 Abs. 1 StPO).

2.

Die Geschädigte B._____ AG konstituierte sich am 8. August 2024 als Pri-

vatklägerin und stellte finanzielle Ansprüche, namentlich eine Schadenersatzforde-

rung von Fr 5'475.25, unter Beilage einer Rechnung, aus welcher lediglich ein Pau-

- 43 -

schalbetrag ersichtlich ist, nicht aber, welche Arbeiten konkret ausgeführt wurden 

(act. 17/5).

3.

Es  wird  vorgemerkt,  dass  der  Beschuldigte  die  von  der  Privatklägerin  ge-

stellte Forderung im Umfang von Fr. 3'475.25 anerkannt hat (act. 40; Prot. S. 27; 

S. 34). Mangels Substantiierung ist die Privatklägerin im Mehrbetrag auf den Zivil-

weg zu verweisen.

VIII.

Beschlagnahmte Gegenstände

1.

Die Staatsanwaltschaft beantragte anlässlich der Hauptverhandlung, die si-

chergestellten  Sportschuhe  (A017'682'676  und  A017'682'687),  die  Herrnhose 

(A017'682'698),  das  Shirt  (A017'682'701),  der  militärische  Leistungsausweis  lau-

tend  auf  A._____  (A017'686'225)  und  das  Dienstbüchlein  Militär  lautend  auf 

A._____  (A017'686'214)  seien  dem  Beschuldigten  herauszugeben.  Ferner  seien 

das Sturmgewehr 90, Nr. …, Kaliber 5.56 mm GP 90 (A017'690'470), das Bajonett 

zu Stgw 90, aus Kellerabteil A._____ (A017'691'655), die Ladehilfe zum genannten 

Stgw 90 (A017'682'847) und das Zubehör zu Stgw 90 mit 17 Patronen geladen inkl. 

Patrone aus Patronenlager (A017'690'867) dem Eidgenössischen Departement für 

Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), Schweizer Armee, herauszu-

geben. Die übrigen Sicherstellungen, über die noch nicht entschieden wurde (mit 

Ausnahme  des  bereits  zurückgegebenen  Mobiltelefons  A017'682'836),  seien  zu 

vernichten  (act. 38  S. 1 f.).  Der  Beschuldigte  bzw.  dessen  amtliche  Verteidigung 

stellte bezüglich den sichergestellten Gegenständen keine Anträge.

2.

Gemäss  Art. 263  Abs. 1  StPO  i. V. m.  Art. 198  Abs. 1  lit. a  StPO  kann  die 

Staatsanwaltschaft Gegenstände und Vermögenswerte, die als Beweismittel oder 

zur Sicherstellung von Verfahrenskosten, Geldstrafen, Bussen und Entschädigun-

gen gebraucht werden oder zur Einziehung in Frage kommen, in Beschlag nehmen 

oder  auf  andere  Weise  der  Verfügung  ihres  Inhabers  entziehen.  Über  beschlag-

nahmte  Gegenstände  und  Vermögenswerte  wird  bei  Abschluss  des  Verfahrens 

entschieden (Art. 267 Abs. 3 StPO).

- 44 -

3.

Anlässlich  der  vorliegenden  Strafuntersuchung  wurden  von  der  Untersu-

chungsbehörde folgende Gegenstände sichergestellt und sodann bei der Kantons-

polizei  Zürich,  Asservatetriage,  unter  der  Geschäftsnummer  86017825  gelagert 

(act. 9/7):  die  Sportschuhe  (A017'682'676  und  A017'682'687),  die  Herrenhose 

(A017'682'698),  das  Shirt  (A017'682'701),  der  Militärische  Leistungsausweis  lau-

tend auf A._____ (A017'686'225), das Dienstbüchlein Militär lautend auf A._____ 

(A017'686'214),  Sichergestellte  Schusswaffen/Munition/-teile 

(A017'682'847), 

Sturmgewehr (A017'690'470), Zubehör für Waffe (A017'690'867), Beschussmate-

rial 

(A017'698'316),  Hülse 

(A017'690'925),  Hülse 

(A017'690'936),  Hülse 

(A017'691'133),  Hülse 

(A017'691'155),  Hülse 

(A017'691'166),  Patrone 

(A017'691'188),  Etikette/Aufkleber  (A017'691'199),  Hülse  (A017'691'213),  Hülse 

(A017'691'224),  Sichergestellte  Schusswaffen/Munition/-teile 

(A017'691'235), 

Hülse  (A017'691'246),  Hülse  (A017'691'257),  Hülse  (A017'691'279),  Hülse 

(A017'691'280),  Hülse 

(A017'691'291),  Hülse 

(A017'691'315),  Hülse 

(A017'691'326),  Hülse 

(A017'691'337),  Hülse 

(A017'691'348),  Hülse 

(A017'691'359),  Hülse 

(A017'  691'360),  Patrone 

(A017'691'371),  Hülse 

(A017'691'393), Sichergestellte Schusswaffen/Munition/-teile (A017'691'417), Hül-

se  (A017'691'428),  Hülse  (A017'691'440),  Patrone  (A017'691'451),  Patrone 

(A017'691'495),  Verpackungsbehälter  (A017'691'644),  Bajonett  (A017'691'655), 

Patrone (A017'691'973), Patrone (A017'691'984).

3.1

Das sichergestellte Mobiltelefon (A017'682'836) wurde dem Beschuldigten 

mit  Herausgabeverfügung  der  Staatsanwaltschaft  Zürich-Sihl  vom  6. September 

2024 bereits ausgehändigt (act. 9/10).

3.2

Die  Sportschuhe  (A017'682'676  und  A017'682'687),  die  Herrenhose 

(A017'682'698),  das  Shirt  (A017'682'701),  der  Militärische  Leistungsausweis  lau-

tend  auf  A._____  (A017'686'225)  und  das  Dienstbüchlein  Militär  lautend  auf 

A._____ (A017'686'214) wurden dem Beschuldigten zu Handen seiner Effekten im 

Gefängnis ebenfalls  bereits  herausgegeben  (act. 9/6).  Sollten  sie  ihm  noch  nicht 

übergeben worden sein, sind sie ihm herauszugeben.

3.3 Mit Schreiben vom 8. Januar 2024 und mit 2. Aufforderung vom 26. Februar 

2024 wurde der Beschuldigte vom Armeelogistikcenter Hinwil aufgefordert, seine 

- 45 -

persönliche Ausrüstung in einer Retablierungsstelle zurückzugeben. In der Folge 

erliess das Armeelogistikcenter Hinwil den Verfügungsantrag Rückgabe der militä-

rischen  Ausrüstung  vom  25. März  2024,  wonach  unter  anderem  das  Sturmge-

wehr 90 mit Putzzeug sowie das Bajonett 90 mit Scheide zurückgefordert werden 

(act. 9/8).  Entsprechend  sind  die  beim  Beschuldigten  sichergestellten  Gegen-

stände, welche Eigentum der Schweizer Armee sind, gemäss Antrag der Staatsan-

waltschaft an die Schweizer Armee herauszugeben. Es sind dies die folgenden As-

servate:

















































Sichergestellte Schusswaffen/Munition/-teile (Asservat 
Nr. A017'682'847),

Sturmgewehr (Asservat Nr. A017'690'470),

Zubehör für Waffe (Asservat Nr. A017'690'867),

Beschussmaterial (Asservat Nr. A017'698'316),

Hülse (Asservat Nr. A017'690'925),

Hülse (Asservat Nr. A017'690'936),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'133),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'155),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'166),

Patrone (Asservat Nr. A017'691'188),

Etikette/Aufkleber (Asservat Nr. A017'691'199),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'213),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'224),

Sichergestellte Schusswaffen/Munition/-teile (Asservat 
Nr. A017'691'235),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'246),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'257),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'279),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'280),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'291),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'315),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'326),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'337),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'348),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'359),

- 46 -

























Hülse (Asservat Nr. A017' 691'360),

Patrone (Asservat Nr. A017'691'371),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'393),

Sichergestellte Schusswaffen/Munition/-teile (Asservat 
Nr. A017'691'417),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'428),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'440),

Patrone (Asservat Nr. A017'691'451),

Patrone (Asservat Nr. A017'691'495),

Verpackungsbehälter (Asservat Nr. A017'691'644),

Bajonett (Asservat Nr. A017'691'655),

Patrone (Asservat Nr. A017'691'973),

Patrone (Asservat Nr. A017'691'984).

Zuständig für die Retablierung von Gegenständen der Schweizer Armee ist gemäss 

telefonischer Auskunft der Chef Persönliche Ausrüstung, J._____, Logistikbasis der 

Armee, Armeelogistikcenter Hinwil (act. 34), weshalb sämtliche genannten Gegen-

stände an ihn herauszugeben sind.

3.4

Die übrigen unter der Polis-Geschäfts-Nr. 8601825 sichergestellten Gegen-

stände,  Spuren  und  Spurenträger  sind  aufgrund  mangelnder  Beschlagnahme-

gründe  sowie  mangels  Ansprucherhebung  durch  den  Beschuldigten  dem  Antrag 

der Staatsanwaltschaft entsprechend der jeweiligen Lagebehörde zur Vernichtung 

zu überlassen.

IX.

Kosten und Entschädigungen

1.

Verfahrenskosten

1.1. Die  Verfahrenskosten  setzen  sich  zusammen  aus  den  Gebühren  für  das 

Vorverfahren samt Auslagen, den Kosten des gerichtlichen Verfahrens sowie na-

mentlich  der  Entschädigung  für  die  amtliche  Verteidigung  (Art. 422  Abs. 2  lit. a 

i. V. m. Art. 135 StPO).

- 47 -

1.2. Die Entscheidgebühr ist in Anwendung von § 2 Abs. 1 lit. b – d i. V. m. § 14 

Abs. 1 und 2 GebV OG auf Fr. 4'200.– festzusetzen. Die Kosten des Vorverfahrens 

(inkl.  Gutachten,  Beschwerdeverfahren  UB240024-O  und  Zeugenentschädigung) 

betragen Fr. 30'783.91 (act. 17/9; act. 27).

1.3.

Für die amtliche Verteidigung macht Rechtsanwalt Dr. iur. X._____ in seiner 

Honorarnote (act. 41) eine Entschädigung von Fr. 36'105.30 (inkl. MWST und Bar-

auslagen)  geltend.  Darin  sind  geschätzte  sechs  Stunden  Zeitaufwand  für  die 

Hauptverhandlung (inkl. Hin- und Rückfahrt, Studium Urteil, Nachbearbeitung und 

Korrespondenz  mit  dem  Klienten)  enthalten.  Aufgrund  der  effektiven  Dauer  der 

Hauptverhandlung wurde das Honorar um eine halbe Stunde (Fr. 118.91) erhöht. 

Im  Übrigen  sind  Zeitaufwand  und  Barauslagen  ausgewiesen  und  erscheinen  mit 

Blick auf §§ 2, 16 und 17 AnwGebV angemessen. Demgemäss ist Rechtsanwalt 

Dr. iur. X._____ für seine Aufwendungen als amtliche Verteidigung des Beschul-

digten mit Fr. 36'224.20 (inkl. Auslagen für Beschwerdeverfahren, inkl. MWST und 

Barauslagen) zu entschädigen.

2.

Kostenauflage

2.1. Wird das Verfahren gegen die beschuldigte Person eingestellt oder wird sie 

freigesprochen,  so  wird  sie  grundsätzlich  von  der  Kostentragung  befreit  (BSK 

StPO II-DOMEISEN,  Art. 426  N 22).  Kosten  können  ihr  ausnahmsweise  auferlegt 

werden, wenn die beschuldigte Person die Einleitung der Untersuchung durch ein 

verwerfliches oder leichtfertiges Benehmen verursacht oder ihre Durchführung er-

schwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO).

2.2. Schuldunfähigen beschuldigten Personen können Kosten nur auferlegt wer-

den,  wenn  dies  nach  den  gesamten  Umständen  billig  erscheint  (Art. 419  StPO). 

Eine Auferlegung der Kosten für die beschuldigte Person hat nicht schon dann zu 

erfolgen, wenn der schuldunfähige Beschuldigte über die erforderlichen Mittel zur 

Bezahlung der Kosten verfügt, sondern deren wirtschaftlichen Verhältnisse müssen 

derart gut sein, dass eine Kostenübernahme durch den Staat stossend erscheint 

(BSK StPO II-DOMEISEN, Art. 419 N 7).

- 48 -

2.3. Vorliegend wird der Beschuldigte von der versuchten vorsätzlichen Tötung 

im Sinne von Art. 111 i. V. m Art. 22 Abs. 1 StGB freigesprochen. Hinsichtlich der 

Sachbeschädigung  wird  festgestellt,  dass  der  Beschuldigte  den  Tatbestand  der 

Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1StGB im Zustand nicht selbst ver-

schuldeter Schuldunfähigkeit erfüllt hat.

2.4. Es ist nicht ersichtlich, dass der Verurteilte die Untersuchung durch verwerf-

liches oder leichtfertiges Benehmen verursacht oder diese erschwert hätte. Insbe-

sondere kann dem Beschuldigten die anfängliche Aussageverweigerung dem Gut-

achter gegenüber in Ausübung seines Aussageverweigerungsrechts im Sinne von 

Art. 113 Abs. 1 StPO im Kostenpunkt nicht zum Nachteil gereichen. Sodann hat der 

Beschuldigte die Schuldunfähigkeit nicht selbst verschuldet. Schliesslich sind die 

wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschuldigten nicht derart gut, dass eine Kosten-

übernahme durch den Staat stossend erscheint.

2.5. Entsprechend ist der Beschuldigte von der Kostentragung befreit, weshalb 

sämtliche Kosten definitiv auf die Staatskasse zu nehmen sind.

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ wird vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen 

Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB 

freigesprochen.

2.

Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte den Tatbestand der Sachbeschä-

digung im Sinne von Art. 144 Abs. 1StGB im Zustand nicht selbst verschul-

deter Schuldunfähigkeit erfüllt hat.

3.

Aufgrund der nicht selbst verschuldeten Schuldunfähigkeit wird von einer 

Strafe abgesehen.

4.

Es wird eine ambulante Behandlung des Beschuldigten im Sinne von Art. 63 

StGB (Behandlung psychischer Störungen) angeordnet.

- 49 -

5.

Auf die Genugtuungsforderung des Beschuldigten im geltend gemachten 

Umfang von Fr. 66'600.– für den erstandenen Freiheitsentzug von 333 Ta-

gen wird derzeit nicht eingetreten. Darüber ist nach Ablauf der ambulanten 

Massnahme zu entscheiden.

Der Beschuldigte hat eine allfällige Genugtuungsforderung im selbständigen 

nachträglichen Verfahren nach Art. 363 ff. StPO geltend zu machen. 

6.

Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte die Schadenersatzforderung der 

Privatklägerin B._____ AG im Betrag von Fr. 3'475.25 anerkannt hat. Im 

Mehrbetrag wird die Privatklägerin auf den Weg des Zivilprozesses verwie-

sen.

7.

Folgende aus dem Besitz des Beschuldigten sichergestellten Gegenstände 

werden dem Beschuldigten herausgegeben, sofern nicht bereits ausgehän-

digt:











die Sportschuhe (A017'682'676 und A017'682'687), 

die Herrenhose (A017'682'698),

das Shirt (A017'682'701), 

der Militärische Leistungsausweis lautend auf A._____ 
(A017'686'225)

das Dienstbüchlein Militär, lautend auf A._____ (A017'686'214).

8.

Folgende aus dem Besitz des Beschuldigten sichergestellten und bei der 

Asservate-Triage der Kantonspolizei Zürich unter der Polis-Geschäfts-

Nr. 86017825 aufbewahrten Gegenstände werden nach Eintritt der Rechts-

kraft dieses Entscheids an die Schweizer Armee herausgegeben:















Sichergestellte Schusswaffen/Munition/-teile (Asservat 
Nr. A017'682'847),

Sturmgewehr (Asservat Nr. A017'690'470),

Zubehör für Waffe (Asservat Nr. A017'690'867),

Beschussmaterial (Asservat Nr. A017'698'316),

Hülse (Asservat Nr. A017'690'925),

Hülse (Asservat Nr. A017'690'936),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'133),

- 50 -

Hülse (Asservat Nr. A017'691'155),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'166),

Patrone (Asservat Nr. A017'691'188),

Etikette/Aufkleber (Asservat Nr. A017'691'199),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'213),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'224),

Sichergestellte Schusswaffen/Munition/-teile (Asservat 
Nr. A017'691'235),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'246),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'257),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'279),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'280),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'291),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'315),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'326),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'337),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'348),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'359),

Hülse (Asservat Nr. A017' 691'360),

Patrone (Asservat Nr. A017'691'371),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'393),

Sichergestellte Schusswaffen/Munition/-teile (Asservat 
Nr. A017'691'417),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'428),

Hülse (Asservat Nr. A017'691'440),

Patrone (Asservat Nr. A017'691'451),

Patrone (Asservat Nr. A017'691'495),

Verpackungsbehälter (Asservat Nr. A017'691'644),

Bajonett (Asservat Nr. A017'691'655),

Patrone (Asservat Nr. A017'691'973),

Patrone (Asservat Nr. A017'691'984).



























































Die Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, wird beauftragt, dem Chef 

pers. Ausrüstung der Armee, J._____, innert 30 Tagen nach Eintritt der 

- 51 -

Rechtskraft dieses Entscheids die vorgenannten Gegenstände zukommen 

zu lassen und den Vollzug dieser Anweisung zu dokumentieren.

9.

Die übrigen unter der Polis-Geschäfts-Nr. 86017825 sichergestellten Gegen-

stände, Spuren und Spurenträger werden eingezogen und der jeweiligen La-

gerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zur Vernichtung über-

lassen.

10. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

4'200.00 ; die weiteren Kosten betragen:

5'000.00   Gebühr für das Vorverfahren;

23'881.41   Auslagen (Gutachten);

1'400.00   Beschwerdeverfahren OG III. StrK UB240024-O;

502.50   Entschädigung Zeugen;

36'224.20

  Kosten amtliche Verteidigung (inkl. Auslagen für Be-
schwerdeverfahren, inkl. MWST und Barauslagen);

71'208.11   Total

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.

Verlangt keine der Parteien eine Begründung des Urteils, ermässigt sich die 

Entscheidgebühr auf zwei Drittel.

11. Die Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 10 werden definitiv auf die Gerichts-

kasse genommen. 

12. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung an









die amtliche Verteidigung, im Doppel für sich und zuhanden des Be-
schuldigten (übergeben);

die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl, im Doppel (übergeben);

die Privatklägerin (als Gerichtsurkunde);

die Bezirksgerichtskasse Winterthur (überbracht);

sowie nach Eintritt der Rechtskraft an



Justizvollzug und Wiedereingliederung, Bewährungs- und Vollzugs-
dienste, mit Vermerk der Rechtskraft, im Doppel und unter Beilage der 

- 52 -

Akten für 10 Tage zur Einsicht sowie unter Beilage des Formulars "Lö-
schung des DNA-Profils und ED-Materials", Postfach, 8090 Zürich (per 
Einschreiben, gegen Empfangsschein);

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A (per E-Mail an 
vostra-pdf@ji.zh.ch);

die Kantonspolizei Zürich, KDM-ZD-A, hinsichtlich Dispositiv-Ziffern 7-9 
(per E-Mail an asservate@kapo.zh.ch);

das Forensische Institut Zürich, hinsichtlich Dispositiv-Ziffer 9 (per E-
Mail an for_dispo@for-zh.ch);

J._____, Logistikbasis der Armee, Armeelogistikcenter Hinwil/PA, Ue-
berlandstr. 17, 8340 Hinwil, hinsichtlich Dispositiv-Ziffer 8 (per Ein-
schreiben, gegen Empfangsschein);

die Kantonspolizei Zürich, KDM-ZD-DP, mit separatem Schreiben ge-
mäss § 54a PolG (per Einschreiben, gegen Empfangsschein).











13. Gegen dieses Urteil kann innert 10 Tagen von der Eröffnung an beim Be-

zirksgericht Winterthur, Lindstrasse 10, 8400 Winterthur, mündlich oder 

schriftlich Berufung angemeldet werden.

Ein vollständig begründetes Urteil wird nur zugestellt, wenn dies ein Verfah-

rensbeteiligter binnen 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils verlangt oder 

wenn ein Rechtsmittel gegen den Entscheid eingelegt worden ist.

Mit der Berufung kann das Urteil in allen Punkten umfassend angefochten 

werden. Mit der Berufung können gerügt werden:

Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung des Ermessens, 

Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung, die unvollständige und unrich-

tige Feststellung des Sachverhaltes oder Unangemessenheit.

Die Berufung erhebende Partei hat binnen 20 Tagen nach Zustellung des 

begründeten Entscheids dem Obergericht des Kantons Zürich, Strafkammer, 

Postfach, 8021 Zürich, eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. 

Sie hat darin anzugeben, ob sie das Urteil vollumfänglich oder nur in Teilen 

anficht, welche Abänderungen des erstinstanzlichen Urteils sie verlangt. 

Werden nur Teile des Urteils angefochten, ist verbindlich anzugeben, auf 

welche sich die Berufung beschränkt.

- 53 -

Bei offensichtlich verspäteten Berufungsanmeldungen oder Berufungserklä-

rungen wird auf die Berufung ohne Weiterungen nicht eingetreten.

Winterthur, 11. Juni 2025

BEZIRKSGERICHT WINTERTHUR

Die Vizepräsidentin:

Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. C. Schibli Arn

MLaw N. Marti