# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9926b445-7fc3-51ee-b168-ee95712ed141
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-05-17
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 17.05.2022 SK 2021 259
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2021-259_2022-05-17.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 21 259

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 17. Mai 2022 

Besetzung Oberrichterin Schwendener (Präsidentin i.V.), 
Obergerichtssuppleantin Pfänder Baumann, 
Oberrichterin Falkner
Gerichtsschreiber Jaeger

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Fürsprecher B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

 

und

C.________
vertreten durch Rechtsanwalt D.________

Straf- und Zivilklägerin/Anschlussberufungsführerin

Gegenstand Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Drohung etc.

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Kollegialgericht) vom 10. Dezember 2020 (PEN.________)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 10. Dezember 2020 (pag. 459 ff.) stellte das Regionalgericht Bern-
Mittelland (Kollegialgericht in Dreierbesetzung; nachfolgend: Vorinstanz) das Ver-
fahren gegen A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) wegen Verleumdung, evtl. 
übler Nachrede, Beschimpfung (mehrfach) und Tätlichkeiten (mehrfach), alles an-
geblich begangen z.N. der Straf- und Zivilklägerin (nachfolgend: Privatklägerin) oh-
ne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskos-
ten ein. Weiter wurde der Beschuldigte freigesprochen von der Anschuldigung der 
sexuellen Nötigung, angeblich mehrfach begangen, z.N. der Privatklägerin, ohne 
Ausrichtung einer Entschädigung, unter Auferlegung der anteilsmässigen Verfah-
renskosten (10 %) an den Kanton Bern. Hingegen wurde der Beschuldigte schuldig 
erklärt der sexuellen Nötigung, der Vergewaltigung, der Drohung, der Tätlichkeit 
und des Missbrauchs einer Fernmeldeanlage, alles mehrfach begangen z.N. der 
Privatklägerin. 

In Anwendung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen wurde der Beschuldigte 
zu einer Freiheitsstrafe von 56 Monaten verurteilt, unter Anrechnung eines Tages 
ausgestandener Polizeihaft. Zudem wurde er zu einer Geldstrafe von 120 Tages-
sätzen zu CHF 30.00, ausmachend CHF 3’600.00, unter Gewährung des bedingten 
Vollzuges bei einer Probezeit von drei Jahren, zu einer Übertretungsbusse von 
CHF 1'000.00, unter Festsetzung einer Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen bei 
schuldhafter Nichtbezahlung, sowie zu einer Landesverweisung von 10 Jahren 
verurteilt. Weiter auferlegte die Vorinstanz dem Beschuldigten die Bezahlung der 
Verfahrenskosten im Umfang von CHF 13'346.00.

Nach der Festsetzung der amtlichen Entschädigungen sowie der Rück- und Nach-
zahlungspflichten des Beschuldigten verurteilte ihn die Vorinstanz im Zivilpunkt zur 
Bezahlung einer Genugtuung von CHF 18'000.00 samt Zins an die Privatklägerin, 
ohne Kostenausscheidung. Abschliessend wurde die Ausschreibung der Landes-
verweisung im Schengener Informationssystem (nachfolgend: SIS) angeordnet, die 
Rückgabe zweier Natels an den Beschuldigten verfügt und die nötigen Zustimmun-
gen zur Löschung des DNA-Profils sowie der biometrischen erkennungsdienstli-
chen Daten erteilt. 

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte, amtlich verteidigt durch Rechtsan-
walt E.________, mit Schreiben vom 11. Dezember 2020 fristgerecht die Berufung 
an (pag. 468). Mit Schreiben vom 21. Dezember 2020 brachte Fürsprecher 
B.________ der Vorinstanz unter Beilage einer Anwaltsvollmacht zur Kenntnis, 
dass er die amtliche Verteidigung des Beschuldigten übernehme und an der Beru-
fungsanmeldung festgehalte (pag. 474 f.). Mittels Aktennotiz vom 27. Mai 2021 
wurde festgehalten, dass Rechtsanwalt E.________ mit dem Anwaltswechsel ein-
verstanden sei und seit der Urteilseröffnung keine weiteren Auslagen mehr gehabt 

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habe (pag. 477). Mit Verfügung vom 28. Mai 2021 hiess die Vorinstanz den An-
waltswechsel gut, entliess Rechtsanwalt E.________ aus dem amtlichen Mandat 
und setzte Fürsprecher B.________ als neuen amtlichen Verteidiger des Beschul-
digten ein (pag. 478 ff.). Die schriftliche Urteilsbegründung datiert vom 9. Juni 2021 
und wurde den Parteien mit Verfügung vom gleichen Tag eröffnet (pag. 483 ff.). Mit 
Eingabe vom 6. Juli 2021 erklärte Fürsprecher B.________ namens und im Auftrag 
des Beschuldigten frist- und formgerecht Berufung gegen alle Schuldsprüche, mit 
Ausnahme desjenigen wegen Missbrauchs einer Fernmeldeanlage, gegen die Ver-
urteilung zu einer Landesverweisung, zu den Verfahrenskosten und Rückerstattun-
gen sowie zur Bezahlung einer Genugtuung, wobei die Zivilklage abzuweisen, 
eventuell auf den Zivilweg zu verweisen sei. Soweit der Beschuldigte [vorinstanz-
lich und im Rahmen des beschränkten Berufungsthemas] schuldig gesprochen 
worden sei, würden Freisprüche verlangt, mit den sich daraus ergebenden Konse-
quenzen in Bezug auf die ausgesprochenen Strafen sowie die Kosten- und Ent-
schädigungsfragen (pag. 582 ff.). 

Die Generalstaatsanwaltschaft teilte mit Schreiben vom 27. Juli 2021 mit, auf eine 
Anschlussberufung werde verzichtet und es bestehe kein Grund für ein Nichteintre-
ten auf die Berufung (pag. 699 ff.). 

Rechtsanwalt D.________ erhob mit Schreiben vom 28. Juli 2021 namens und im 
Auftrag der Privatklägerin Anschlussberufung und beantragte zusätzlich zu den be-
reits erfolgten Schuldsprüchen die Verurteilung und angemessene Bestrafung des 
Beschuldigten wegen sexueller Nötigung, mehrfach z.N. der Privatklägerin began-
gen [soweit vorinstanzlich freigesprochen], unter Kosten- und Entschädigungsfolge 
(pag. 702 f.). 

Die Generalstaatsanwaltschaft teilte mit Schreiben vom 4. August 2021 mit, keinen 
Grund für ein Nichteintreten auf die Anschlussberufung der Privatklägerin zu er-
kennen (pag. 711 f.).

Fürsprecher B.________ verzichtete mit Schreiben vom 19. August 2021 auf einen 
Antrag betreffend Nichteintreten auf die Anschlussberufung der Privatklägerin 
(pag. 751). 

Die Berufungsverhandlung vor der 1. Strafkammer fand am 16./17. Mai 2022 statt 
(pag. 776 ff.).

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen 

Mit seiner Berufungserklärung reichte Fürsprecher B.________ diverse Unterlagen 
ein und beantragte, diese zu den Akten zu erkennen. Weiter beantragte er die Be-
fragung des Beschuldigten und der Privatklägerin sowie die Erstellung eines 
Glaubwürdigkeitsgutachtens über die Privatklägerin [recte: Glaubhaftigkeitsgutach-
ten über die Aussagen der Privatklägerin] (pag. 582 ff.). Mit schriftlich begründetem 
Beschluss vom 6. August 2021 hiess die Kammer den Antrag des Beschuldigten 
auf Parteieinvernahmen (unter Konfrontationsvermeidung) gut und erkannte die 
vom Beschuldigten eingereichten Unterlagen zu den Akten. Den Beweisantrag auf 
Erstellung eines Glaubhaftigkeitsgutachtens wies die Kammer hingegen ab 
(pag.  713 ff.).

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Im Hinblick auf die oberinstanzliche Berufungsverhandlung wurden von Amtes we-
gen ein aktueller Strafregisterauszug vom 20. April 2022 (pag. 771) und ein aktuel-
ler Leumundsbericht vom 12. April 2022 samt Erhebungsformular wirtschaftliche 
Verhältnisse (pag. 764 ff.) über den Beschuldigten eingeholt. Das Amt für Bevölke-
rungsdienste, Migrationsdienst, Bereich Zuwanderung und Integration, Dienst Ab-
klärungen und Massnahmen, reichte auf gerichtliche Nachfrage hin mit Schreiben 
vom 8. April 2022 die schriftliche Beantwortung eines Fragenkatalogs im Zusam-
menhang mit der Frage der Landesverweisung samt Aktenauszügen ein 
(pag. 748 ff.). 

Anlässlich der Berufungsverhandlung reichte Fürsprecher B.________ einen Be-
richt von Dr. med. F.________ der G.________ (AG) vom 7. Juli 2016 (pag. 822 f.), 
einen Bericht von Dr. med. H.________ der Kardiologie des I.________ vom 3. 
November 2017 (pag. 824 ff.), einen Arztbericht von Dr. med. J.________ des 
K.________ (AG) vom 25. Juni 2018 (pag. 819 f.) und einen Bericht von Dr. med. 
L.________ der M.________ vom 19. Januar 2022 (pag. 821) zu den Akten. Diese 
wurden anlässlich der Berufungsverhandlung zu den Akten erkannt (pag. 788). 

Der Beschuldigte wurde anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung ergänzend 
zur Person und zur Sache einvernommen (pag. 789 ff.). Die Privatklägerin wurde 
anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung ebenfalls einvernommen 
(pag. 779 ff.). 

4. Anträge der Parteien

Fürsprecher B.________ stellte und begründete anlässlich der oberinstanzlichen 
Hauptverhandlung namens des Beschuldigten folgende Anträge (pag. 827): 

I. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 10. Dezem-
ber 2020 in Rechtskraft erwachsen ist insoweit als das Verfahren im Sinne von Ziffer I des Dis-
positives eingestellt wurde. 

II. Herr A.________ sei freizusprechen von den Vorwürfen der 

1. sexuellen Nötigung gemäss Urteilsdispositiv Ziffern II und III/1; 
2. Vergewaltigung gemäss Urteilsdispositiv Ziffer III/2.1, 2.2. und 2.3;
3. Drohung gemäss Urteilsdispositiv Ziffer III/3.1, 3.2. und 3.3;
4. Tätlichkeiten gemäss Urteilsdispositiv Ziffer III/4.

III. Herr A.________ sei hingegen schuldig zu erklären wegen Missbrauchs einer Fernmeldeanlage 
gemäss Urteilsdispositiv Ziffer III/5 und zu verurteilen zu einer Busse von CHF 200.

IV. Auf eine Landesverweisung sei zu verzichten. 

V. Die Zivilforderung der Privatklägerin sei auf den Zivilweg zu verweisen, eventualiter abzuweisen. 

VI. Die Verfahrenskosten beider Instanzen seien vom Kanton Bern zu tragen

VII. Das Honorar der amtlichen Verteidigung sei gemäss seiner Kostennote festzusetzen. 

VIII. Die beschlagnahmten zwei Natels von Herrn A.________ seien ihm zurückzugeben. 

IX. Es seien weitere Verfügungen betr. Lösung [recte: Löschung] des DNA-Profils und der biometri-
schen erkennungsdienstlichen Daten zu treffen.  

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Rechtsanwalt D.________ stellte und begründete Namens und im Auftrag der 
Straf- und Zivilklägerin folgende Anträge (pag. 828): 

I.

Es sei festzustellen, dass die Ziffern I. (Einstellung wegen Verleumdung, evtl. übler Nachrede, Be-
schimpfung mehrfach und Tätlichkeiten mehrfach) und Ziffer III.5 (Missbrauch einer Fernmeldeanlage 
mehrfach) sowie Ziffer IV des Urteils vom 10.12.2020 im Verfahren PEN.________ in Rechtskraft 
erwachsen ist. 

II.

A.________ [recte: A.________], vgt., sei schuldig zu erklären

1. der sexuellen Nötigung, mehrfach begangen in der Zeit von ca. April/Mai 2016 bis Mai 2018 an 
der N.________ (Ort), zN von C.________ (Fälle 1-8 der AKS); 

2. der Vergewaltigung, mehrfach begangen in der Zeit von ca. April/Mai 2016 bis Mai 2018 an der 
N.________ (Ort) und in O.________ (Ort), zN von C.________; 

3. der Drohung, mehrfach begangen zwischen Ende 2014 und April 2018 an der N.________ (Ort), 
und in O.________ (Ort), evtl. anderswo, zN von C.________; 

4. der Tätlichkeiten, mehrfach begangen vom 11. Dezember 2017 bis 22. August 2018 in 
N.________ (Ort) und O.________ (Ort) zN C.________; 

und in Anwendung der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen angemessen zu bestrafen. 

III.

A.________ [recte: A.________] sei zu verurteilen, C.________ eine Genugtuung in der Höhe von 
CHF 18’000.00 nebst Zins von 5 % seit dem 15. September 2018 sowie die Interventionskosten der 
Privatklägerin im erst- und zweitinstanzlichen Verfahren zu bezahlen. 

IV.

Das Honorar für den amtlichen Rechtsbeistand der Privatklägerin für das zweitinstanzliche Verfahren 
sei gestützt auf die eingereichte Kostennote gerichtlich festzulegen. 

Die Generalstaatsanwaltschaft stellte und begründete folgende Anträge 
(pag. 829 ff.): 

I.

Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland (Einzelge-
richt) vom 10. Dezember 2020 (PEN.________) in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich

1. der Einstellung der Strafverfahren wegen

1.1. Verleumdung, evtl. übler Nachrede, angeblich begangen im März / April 2018 in 
N.________ (Ort) und anderswo z.N. C.________ (Ziff. I.1. des Urteils); 

1.2. Beschimpfung, angeblich mehrfach begangen im März / April 2018 und am 15. Septem-
ber 2018 in N.________ (Ort), O.________ (Ort) und anderswo z.N. C.________ (Ziff. I.2. 
des Urteils); 

1.3. Tätlichkeiten, angeblich mehrfach begangen von März 2017 bis am 10. Dezember 2017 in 
N.________ (Ort) und O.________ (Ort) z.N. C.________ (Ziff. I.3. des Urteils); 

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ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten; 

2. des Schuldspruchs des Missbrauchs einer Fernmeldeanlage, mehrfach begangen vom 
22. Mai 2018 bis am 18. September 2018 in N.________ (Ort) z.N. C.________ (Ziff. III.5. des 
Urteils). 

II.

A.________ [recte: A.________] sei freizusprechen von der Anschuldigung der sexuellen Nöti-
gung, angeblich mehrfach begangen von April / Mai 2016 bis Mai 2018 in N.________ (Ort) z.N. 
C.________ (Ziff. II des Urteils), dies ohne Ausrichtung einer Entschädigung, unter Auferlegung der 
anteilsmässigen Verfahrenskosten und Ausrichtung einer Entschädigung für die amtliche Verteidi-
gung. 

III.

A.________ [recte: A.________] sei schuldig zu erklären: 

1. der sexuellen Nötigung, mehrfach begangen vom April / Mai 2016 bis Mai 2018 in N.________ 
(Ort) z.N. C.________ (Ziff. III.1. des Urteils); 

2. der Vergewaltigung, mehrfach begangen von April / Mai 2016 bis Mai 2018 in N.________ (Ort) 
und O.________ (Ort) z.N. C.________, namentlich wie folgt (Ziff. III.2. des Urteils): 

2.1. Ende 2016 in N.________ (Ort) z.N. C.________; 
2.2. im April / Mai 2017 in N.________ (Ort) z.N. C.________; 
2.3. im Mai / Juni 2017 in O.________ (Ort) z.N. C.________; 

3. der Drohung, mehrfach begangen von Ende 2014 bis am 22. August 2018 in N.________ (Ort) 
und O.________ (Ort) z.N. C.________, namentlich wie folgt (Ziff. III.3 des Urteils):

3.1. im Dezember 2016 / anfangs 2017 in N.________ (Ort) z.N. C.________; 
3.2. ab Ende 2014 bis am 22. August 2018 in N.________ (Ort) und O.________ (Ort) z.N. 

C.________; 
3.3. im März / April 2018 in N.________ (Ort) z.N. C.________; 

4. der Tätlichkeiten, mehrfach begangen am 11. Dezember 2017 bis am 22. August 2018 in 
N.________ (Ort) und O.________ (Ort) z.N. C.________;

und er sei in Anwendung der einschlägigen Bestimmungen 

zu verurteilen: 

1. zu einer Freiheitsstrafe von 56 Monaten unter Anrechnung der ausgestandenen Polizeihaft; 

2. zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total CHF 3'600.00, un-
ter Gewährung des bedingten Vollzugs bei einer Probezeit von drei Jahren; 

3. zu einer Übertretungsbusse von CHF 1'000.00 unter Festsetzung einer Ersatzfreiheitsstrafe 
auf 10 Tage bei schuldhafter Nichtbezahlung. 

4. Es sei eine Landesverweisung von 10 Jahren anzuordnen. 

5. A.________ [recte: A.________] sei zur Bezahlung der auf die Schuldsprüche entfallenden 
erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine Gebühr von CHF 750.00 gemäss 
Art. 21 VKD) zu verurteilen. 

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IV.

Im Weiteren sei zu verfügen: 

1. Es sei die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem anzuord-
nen. 

2. Folgende Gegenstände seien A.________ [recte: A.________] nach Rechtskraft des Urteils 
zurückzugeben: 
- 1 Natel Wiko Lenny 2
- 1 Natel iPhone S1 schwarz

3. Dem zuständigen Bundesamt sei die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils 
(PCN-Nr. P.________) nach Ablauf der gesetzlichen Frist vorzeitig zu erteilen. 

4. Dem für die Führung von AFIS zuständigen Dienst sei die Zustimmung zur Löschung der erho-
benen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten nach Ablauf der gesetzlichen Frist vorzeitig 
zu erteilen. 

5. Das Urteil sei dem Bewährungs- und Vollzugdienst des Kantons Bern, der Koordinationsstelle 
Strafregister und dem Amt für Migration und Personenstand des Kantons Bern schriftlich mitzu-
teilen. 

6. Das Honorar der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten sei zu bestimmen (Art. 135 StPO). 

7. Es seien die weiteren notwendigen Verfügungen zu erlassen. 

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil grundsätzlich nur in den 
angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung 
[StPO; SR 312.0]). 

Der Beschuldigte beschränkte seine Berufung auf den Schuldpunkt, mit Ausnahme 
des Schuldspruchs wegen Missbrauchs einer Fernmeldeanlage, die Strafzumes-
sung, die Landesverweisung samt Ausschreibung im SIS, den Genugtuungsan-
spruch sowie die Kostenfolgen, soweit ihm Verfahrenskosten auferlegt worden wa-
ren resp. soweit er zur Rück- und Nachzahlungspflicht verurteilt worden war. Die 
Privatklägerin ihrerseits beschränkte ihre Anschlussberufung auf den Schuldpunkt, 
namentlich auf den vorinstanzlichen Freispruch wegen sexueller Nötigung. Damit 
sind die Einstellungen betreffend Verleumdung, evtl. übler Nachrede, Beschimp-
fung und Tätlichkeiten ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausschei-
dung von Verfahrenskosten (Ziff. I des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) und der 
Schuldspruch wegen mehrfach begangenen Missbrauchs einer Fernmeldeanlage 
(Ziff. III/5 des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) in Rechtskraft erwachsen. 

Nicht in Rechtskraft erwachsen kann der Entscheid betreffend Entschädigung der 
amtlichen Verteidigung für das erstinstanzliche Verfahren (Ziff. IV des erstinstanzli-
chen Urteilsdispositivs). Auf die Höhe des amtlichen Honorars in erster Instanz ist 
allerdings nur zurückzukommen, sofern die Vorinstanz das ihr bei der Honorarfest-
setzung zustehende Ermessen in unhaltbarer Weise ausgeübt haben sollte (Urteile 
des Bundesgerichts 6B_349/2016 vom 13. Dezember 2016 E. 2.4.2 und 
6B_769/2016 vom 11. Januar 2017 E. 2.3).

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Nicht der Rechtskraft zugänglich und demnach ebenfalls von der Kammer zu über-
prüfen sind die Verfügungen betreffend die DNA (Ziff. VI/3 des erstinstanzlichen Ur-
teilsdispositivs) sowie die biometrischen erkennungsdienstlichen Daten (Ziff. VI/4. 
des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs).

Von der Kammer zu überprüfen sind demnach der Schuldpunkt im Rahmen von 
Ziff. 1, 2, 3 und 5 der Anklageschrift, die Strafzumessung, die Landesverweisung 
samt Ausschreibung im SIS, der Zivilpunkt, die Kostenfolgen sowie die Rückgabe 
der Gegenstände. 

Die Kammer verfügt hinsichtlich der zu überprüfenden Punkte über volle Kognition 
(Art. 398 Abs. 2 StPO) und ist aufgrund der Anschlussberufung – soweit den 
Schuld- und Strafpunkt sowie die Kostenfolgen betreffend – nicht an das Ver-
schlechterungsverbot (Verbot der «reformatio in peius») gemäss Art. 391 Abs. 2 
StPO gebunden, d.h. sie darf das Urteil im Rahmen der Berufungsthemen auch zu 
Ungunsten des Beschuldigten abändern. In Bezug auf die Zivilklage ist eine Ver-
schlechterung zulasten des Beschuldigten jedoch infolge fehlenden (weitergehen-
den) Antrags der Privatklägerin ausgeschlossen (Art. 391 Abs. 1 Bst. b StPO). 

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Tatvorwürfe gemäss AKS

Mit Anklageschrift vom 26. Februar 2020 wurden dem Beschuldigten folgende rele-
vante Sachverhalte vorgeworfen (pag. 363 ff.): 

1. Sexuelle Nötigung

Im Rahmen des einvernehmlichen, vaginalen Geschlechtsverkehrs mit C.________ rieb 
A.________ im N.________ (Ort) erstmals ca. im April / Mai 2016 und in der Folge zu einem un-
bekannten Zeitpunkt im Zeitraum von ca. April / Mai 2016 bis April 2018 weitere dreimal seinen 
Penis an ihrem Hintern resp. Analbereich und drang dann unerwartet anal in sie ein, obwohl er 
wusste, dass C.________ das nicht wollte. A.________ drückte C.________ dabei aufs Bett, 
hielt sie an Handgelenken / Armen und Hüften fest und penetrierte sie bis er zum Orgasmus 
kam, obwohl C.________ sagte, er solle aufhören, schrie und versuchte, A.________ insbeson-
dere mit den Händen wegzustossen und versuchte, von ihm wegzukommen.

Es kam in der Folge bis Mai 2018 zu weiteren ca. drei- bis viermal Analverkehr gegen den Willen 
von C.________. C.________ liess dies über sich ergehen und wehrte sich nicht mehr dagegen, 
weil A.________ ihr während der Beziehung generell und insbesondere auch vor dem Analver-
kehr mehrfach gedroht hatte, er würde sie und ihre Tochter in die Türkei zurückschicken, wenn 
sie nicht mit ihm Analverkehr haben würde. C.________ befand sich infolge dieser und weiterer 
Drohungen sowie wegen wiederholten Tätlichkeiten (vgl. dazu nachfolgend Ziff. 4 und 5) und 
Beschimpfungen (insbesondere sie sei eine Hure) unter Druck und liess den Analverkehr über 
sich ergehen, obwohl sie dies nicht wollte, was A.________ wusste und bewusst ausnutzte. 

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2. Vergewaltigung 

A.________ vollzog in der Zeit von ca. April / Mai 2006 bis Mai 2018 mit C.________ dreimal 
gegen ihren Willen und unter Anwendung von körperlicher Gewalt und trotz Gegenwehr vagina-
len Geschlechtsverkehr, und zwar im Einzelnen wie folgt:

2.1. zu einem unbekannten Zeitpunkt im Zeitraum von ca. April / Mai 2016 bis Mai 2018, even-
tuell ca. im November / Dezember 2016 in N.________ (Ort), N.________ zN von 
C.________ 

A.________ legte sich auf die nackt im Bett liegende C.________, würgte sie und verlang-
te Geschlechtsverkehr C.________ versuchte, sich auf die Seite zu drehen und von ihm 
loszukommen, was ihr aber nicht gelang. A.________ hörte dann mit dem Würgen auf. 
C.________ hielt ihre Beine zusammen, wobei sie aus Angst, dass er sie wieder würgen 
würde, nachliess, sodass er ihre Beine spreizen konnte und vaginal in sie eindrang, obwohl 
er wusste, dass C.________ keinen Geschlechtsverkehr mit ihm wollte. 

2.2. ca. im April / Mai 2017 in N.________ (Ort), N.________ zN von C.________ 

A.________ schleifte C.________ zum Bett. C.________ versuchte, A.________ wegzu-
drängen und zog ihre Beine zusammen, damit er ihr die Hose nicht ausziehen konnte, was 
ihm aber trotzdem gelang. Er legte sich auf sie, hielt ihr mit seiner Hand den Mund zu und 
drang vaginal in sie ein, wobei C.________ schrie, dass sie keinen Sex wolle. Er versuchte 
zudem, C.________ während des Geschlechtsverkehrs zu würgen, evtl. würgte er sie, und 
penetrierte sie bis er zum Orgasmus kam, obwohl er wusste, dass C.________ keinen Ge-
schlechtsverkehr mit ihm wollte.

2.3. ca. im Mai / Juni 2017 in O.________ (Ort) zN von C.________ 

A.________ würgte C.________ im Korridor und liess dann wieder von ihr ab. Er stiess 
C.________, die sich danach auf die Matratze im Wohnzimmer gesetzt hatte, auf die Ma-
tratze, sodass sie darauf lag, zog ihre Hose aus, wobei C.________ versuchte, ihn mit den 
Armen abzuwehren. Aus Angst, dass er sie wieder würgen könnte, wehrte sie sich nicht 
stärker dagegen. Er legte sich auf sie und hielt ihr mit seiner Hand den Mund zu, wobei 
C.________ ihn in die Hand biss, drang vaginal in sie ein und penetrierte sie bis er zum 
Orgasmus kam, obwohl er wusste, dass C.________ keinen Geschlechtsverkehr mit ihm 
wollte.

3. Drohung

3.1. A.________ zog C.________ ca. im Dezember 2006 / anfangs 20017 in N.________ (Ort) 
an den Haaren und hielt ihr ein Messer an den Hals und sagte ihr, er werde sie töten, wo-
durch er sie in Angst und Schrecken versetzte. 

3.2. A.________ sagte C.________ ab ca. Ende 2014 bis am 22. August 2018 in N.________ 
(Ort), O.________ (Ort) und evtl. anderswo mehrfach, er werde sie und ihre Tochter in die 
Türkei zurückschicken resp. dafür sorgen, dass sie abgeschoben würden, wodurch er sie in 
Angst und Schrecken versetzte.

3.3. A.________ schrieb ca. im März / April 2018 in einer Textnachricht an die Mutter von 
C.________, sie solle ihre Mädchen anrufen und sich von ihnen verabschieden, er werde 
in ihre Köpfe schiessen, wodurch er C.________, die vom Inhalt der Nachricht erfuhr, in 
Angst und Schrecken versetzte.

10

[…]

5. Tätlichkeiten

A.________ packte ca. von Mai 2017 bis 22. August 2018 in N.________ (Ort) C.________ an 
den Armen und schüttelte sie und packte sie an den Handgelenken (mehrfach, zum Teil einmal 
in der Woche und zum Teil einmal im Monat), wobei sie an den Armen Blutergüsse erlitt.

7. Allgemeines zur Beweiswürdigung

Hinsichtlich der theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung im Allgemeinen 
(S. 19 f. der vorinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 501 f.) und der Aussagen-
analyse im Speziellen (S. 22 ff. der vorinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 504 
ff.) kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden.

8. Vorhandene Beweismittel

Die Vorinstanz hat die vorhandenen Beweismittel korrekt erfasst und wiedergege-
ben. Auf diese Zusammenfassung kann verwiesen werden (pag. 494-501). 

Ergänzend ist hinzuzufügen, dass der Beschuldigte am 25. Juli 2016 ein Schei-
dungsgesuch beim Regionalgericht Q.________, einreichte (pag. 675), wobei seine 
Ehefrau (die Straf- und Zivilklägerin) mit der Scheidung zu diesem Zeitpunkt nicht 
einverstanden gewesen ist (pag. 676). Das zuständige Gericht teilte dem Beschul-
digten mit Schreiben vom 2. August 2016 mit, eine Scheidung sei im jetzigen Zeit-
punkt nicht möglich, zumal sich die Ehegatten im Scheidungspunkt nicht einig sei-
en und noch keine zwei Jahre getrennt leben würden. Daher werde das Schreiben 
vom 25. Juli 2017 [recte: 2016] retourniert (pag. 677). Mit Klage vom 25. Februar 
2019 reichte der Beschuldigte erneut die Scheidung beim zuständigen Gericht ein 
(pag. 678 ff.). Am 29. August 2019 fand die Einigungsverhandlung der Eheschei-
dung auf Klage in Anwesenheit des Beschuldigten und der Privatklägerin statt, wo-
bei zwischen den Ehegatten eine Scheidungsvereinbarung abgeschlossen und 
folglich die Ehe mit Entscheid vom 29. August 2019 geschieden wurde (pag. 684 
ff.). 

Wie auch bereits die Vorinstanz treffend erkannte, liegen nur wenige objektive Be-
weismittel vor (pag. 503). Das Kerngeschehen der möglicherweise strafbaren Ele-
mente des Ehekonflikts spielte sich hinter verschlossenen Türen ab, so dass der 
Aussagewürdigung der beiden Ehegatten eine massgebliche Bedeutung zukommt. 

11

9. Allgemeines Aussageverhalten 

9.1 Aussagen der Privatklägerin 

9.1.1. Vorinstanzliche Ausführungen

Die Vorinstanz hat sich sorgfältig und im Detail mit dem Aussageverhalten der Pri-
vatklägerin auseinandergesetzt. Sie hat ihre Aussagen einzeln und im Zusammen-
hang mit ihren anderen Aussagen sowie jenen des Beschuldigten, aber auch vor 
dem Hintergrund der objektiven Beweismittel gewürdigt. Sie erachtete die Aussa-
gen der Privatklägerin zusammengefasst aus folgenden Gründen als derart glaub-
haft, dass umfassend auf sie abgestellt werden könne (S. 31 ff. der vorinstanzli-
chen Urteilsbegründung; pag. 513 ff.):   

- In den Aussagen der Privatklägerin würden sich keine inneren Widersprüche 
finden. Sie erkläre nicht einfach pauschal, es sei zu sexuellen Übergriffen und 
weiteren Eingriffen seitens des Beschuldigten gekommen, sondern sie schilde-
re beispielsweise den ersten Analverkehr doch detailliert und gebe auch zu, 
dass es nach dem ersten Mal nicht mehr so schlimm gewesen sei. Sie schilde-
re auch detailliert, wie er ihr den Mund zugehalten habe, als er sie vergewaltigt 
habe, sie an den Haaren gezogen und ihr ein Messer an den Hals gehalten und 
dabei gedroht habe, sie zu töten oder wie der Geschlechtsverkehr abgelaufen 
sei, als er sie in seiner Wohnung resp. in ihrer Wohnung gewürgt habe.

- Ihre Aussagen würden auch durchaus logische, nachvollziehbare Elemente be-
inhalten. So erkläre sie auf die Frage, was passieren würde, wenn sie in die 
Türkei zurückgehen würde, dass sie gehen müsse, um es selber zu sehen. 
Weiter gebe sie an, dass sie nach dem Würgen nicht mehr in der Lage gewe-
sen sei, zu sprechen. Deshalb habe sie sich verbal nicht gewehrt. Und falls sie 
sich nicht hätte scheiden lassen wollen, hätte sie ja keinen Scheidungsantrag 
eingereicht. 

- Die Privatklägerin differenziere auch. So habe sie angegeben, dass der Be-
schuldigte die Drohung, er werde sie und die Tochter in die Türkei zurückschi-
cken, immer wieder geäussert habe, manchmal auch während des Analver-
kehrs, und die Beschimpfungen hätten manchmal nur fünf Minuten gedauert 
und manchmal Stunden oder Monate. Auch habe sie ausgesagt, dass das eine 
Mal, als er sie in der Wohnung gewürgt habe, verglichen mit den anderen Ma-
len schlimmer gewesen sei.

- Ihre Aussagen würden auch verfahrensunabhängige Details enthalten. So habe 
er ihr vor der Vergewaltigung die Hose, das T-Shirt und die Unterhose wegge-
zogen. Den BH habe er nur raufgezogen. Beim Übergriff in ihrer Wohnung sei 
sie mit dem Rücken auf der Matratze gelegen, aber halb auch daneben. Ein 
Teil ihrer Pobacke habe über den Rand der Matratze herausgeschaut; zuvor 
hätten sie noch Kaffee getrunken und die Kaffeetassen seien immer noch auf 
dem Boden gewesen. Weiter gebe sie an, der Zeuge R.________ sei ein ganz 
schlanker. Deshalb habe der Beschuldigte gemeint, sie solle für diesen kochen, 
weil er so mager sei, damit er mal etwas Richtiges essen könne.

12

- Weiter würden ihre Aussagen auch Beschreibungen ihrer Gefühle beinhalten. 
So habe sie das Gefühl gehabt, der Beschuldigte sei das Alleinsein gewohnt 
gewesen und er habe sie als Last empfunden. Er habe sie auch wie eine 
Haushaltshilfe behandelt. Mit dem Konsum von Alkohol habe sie ihre Sorgen 
vergessen können und sich gut gefühlt. Wegen den Drohungen habe sie sich 
sehr unwohl gefühlt. Aber wegen der konservativen Haltung ihrer Familie habe 
sie die Ehe nicht auflösen können. Ihr Vater sei sehr konservativ. Es habe sie 
schon belastet, wenn sie mit Sachen beschuldigt worden sei, die sie gar nicht 
gemacht habe. Wenn sie alkoholisiert gewesen sei, habe ihr der Geschlechts-
verkehr nichts ausgemacht, dann sei er normal, also schön gewesen. Wenn sie 
keinen Alkohol zu sich genommen habe, habe sie sich abgeneigt gefühlt. Wenn 
sie das alles nun wieder erzählen müsse, wühle es sie auf. Sie habe in den 
Analverkehr eingewilligt, weil er ihr und der Tochter immer wieder gedroht ha-
be, sie in die Türkei zu schicken. Nach der Trennung habe sie anfangs schon 
wieder mit ihm zusammen sein wollen, später aber nicht mehr. Der Ausschlag, 
dass sie nicht mehr mit ihm habe zusammenkommen wollen, sei gewesen, weil 
der Beschuldigte ihrem Bruder eine SMS geschickt habe, in der er geschrieben 
habe, er werde sie zurückschicken und der Bruder könne sie dann verkaufen 
und einkassieren. Sie habe sich nach der Vergewaltigung geduscht, weil sie 
sich vor ihm geekelt habe. Sie möchte nur, dass ihre Probleme und ihr Leiden 
aufhören würden; sei es, wenn sie hierbleibe oder in die Türkei müsse. Obwohl 
der Beschuldigte während ihrer Aussage bei der Staatsanwaltschaft nicht an-
wesend gewesen sei, habe sie gesagt, es komme ihr so vor, ob direkt neben ihr 
sei; so nahe bei ihr, dass sie nicht sprechen könne. Sie habe Angst, obwohl er 
nicht bei ihr im Zimmer sei. Nach dem ersten Analverkehr hätten sie ca. einen 
Monat keinen Geschlechtsverkehr gehabt, da sie sehr traurig über den ersten 
Vorfall gewesen sei. Sie könne sich nur noch an die Angst erinnern, als er ihr 
das Messer an den Hals gehalten habe. Wie lange es gedauert habe, könne sie 
nicht sagen. Sie habe Schmerzen gehabt, weil er sie an den Haaren gezogen 
und ihr das Messer an den Hals gehalten habe. Ihre Gefühle hätten sich nicht 
nur in den Aussagen wiedergefunden, sondern sie habe dies auch mit ihren 
Gesten und Äusserungen während der Untersuchung gezeigt. So habe sie mit 
dem Lineal gezeigt, wo genau er ihr das Messer hingehalten habe. Auf die Fra-
ge, wie sie sich gefühlt habe in diesem Moment habe sie erklärt: «Ich hatte 
grosse Angst und wie jetzt musste ich weinen». Er sei daraufhin ins Wohnzim-
mer. Sie sei in der Küche geblieben, habe ihren Kopf auf ihre verschränkten 
Arme gelegt und leise vor sich hin geweint. Nachdem die polizeiliche Einver-
nahme drei Stunden angedauert habe, habe sie erklärt, dass sie nicht mehr 
könne, sie brauche eine Pause. Sie wolle eigentlich gar nicht mehr weiter aus-
sagen, sie sei erschöpft. Es komme ihr direkt vor Augen. Sie erlebe es wieder, 
wenn sie es erzählen müsse. Sie wolle am liebsten drauflos weinen. Wie schon 
in der Untersuchung habe sie wiederholt auch in der Einvernahme während der 
Hauptverhandlung geweint und das Sprechen sei ihr schwergefallen. 

- Sodann stelle sie ihre Vorwürfe räumlich und zeitlich in einen Zusammenhang. 
So habe sie erklärt, die erste Vergewaltigung (gemeint sei der erste Analver-
kehr) sei ein paar Monate vor dem 25. Juli 2016 gewesen, als er dann seinen 

13

Anwalt für die Scheidung aufgesucht habe. Als der Beschuldigte sie vergewal-
tigt und dabei den Mund zugehalten habe, seien sie schon getrennt gewesen, 
das müsse ca. April / Mai 2017 gewesen sein. Der Vorfall mit dem Messer am 
Hals sei im Dezember 2016 oder anfangs 2017 gewesen. Die Tochter habe 
damals schon nicht mehr bei ihnen gewohnt, sie selbst habe aber immer noch 
beim Beschuldigten gewohnt. Es sei ziemlich warm gewesen und sie habe 
nicht viel getragen, als er sie in ihrer Wohnung gewürgt und vergewaltigt habe. 
Es sei im Mai 2017 oder Juni 2017 gewesen.  

- Die Privatklägerin schildere auch Gespräche resp. Interaktionen zwischen ihr 
und dem Beschuldigten, die teilweise sehr spezielle Details beinhalten würden. 
So gebe sie an, dass er behauptet habe, ihre Vagina sei zu gross, was ein Be-
weis sei, dass sie in der Türkei als Hure gearbeitet habe. Er habe ihr auch ge-
sagt, dass er keinen Analverkehr mit ihr machen werde. Als er es dann aber 
doch gemacht habe, habe sie ihm gesagt, dass er ihr weh tue und aus ihr raus-
gehen solle. Er habe o.k. gesagt, aber trotzdem nicht aufgehört, sondern wei-
tergefahren, bis er ejakuliert habe. Er habe gemeint, ihre Vagina sei so gross 
wie ein Kopf, weshalb er lieber Analverkehr mit ihr haben wolle, weil er so mehr 
Lust mit ihr empfinde. Sie habe versucht, ihn zu beruhigen, als er sie am rech-
ten Arm zum Bett gezogen und dann vergewaltigt habe. Sie habe gesagt, dass 
sie es anschliessend noch machen könnten. Aber er habe gesagt, dass es jetzt 
passieren müsse. Sie habe ihn dreimal gefragt, ob sie sich wieder versöhnen 
und wieder in derselben Wohnung leben wollen. Dies habe er nicht gewollt. Er 
habe gewollt, dass sie in zwei verschiedenen Wohnungen leben, aber trotzdem 
noch Sex miteinander hätten. Er habe überhaupt nicht reagiert, als sie ihn ge-
beten habe, mit dem Analverkehr aufzuhören. Er habe einfach weitergemacht 
und gemeint, sie solle locker sein, es würde ihr sonst noch mehr weh machen. 
Während des Geschlechtsverkehrs habe er ihr nie gedroht. Vor dem Ge-
schlechtsverkehr habe er ihr gesagt, sie sei seine Frau und müsse ihn befriedi-
gen. Sie sei seine Ehre. Sie habe ihn gefragt, warum er sie zu würgen versu-
che, wenn sie doch in sein Bett komme und nicht mit anderen Männern schlafe. 

- Sie habe auch spontan ihre Aussagen verbessert, indem sie beispielsweise er-
klärt habe, es stimme nicht, wie es in der Anzeige stehe, dass sie am Anfang 
keinen Geschlechtsverkehr gehabt hätten. Sie hätten einmal pro Woche oder 
sicher alle zehn Tage Geschlechtsverkehr gehabt.  

- Auch habe sie explizit erklärt, wenn sie sich bei etwas nicht sicher gewesen sei 
oder es nicht mehr wisse. So habe sie angegeben, dass sie nicht wisse, warum 
er sie und die Tochter in die Türkei habe zurückschaffen wollen. Er habe sie als 
Hure beschimpft und gesagt, sie verkaufe sich gegen Geld. Momentan komme 
ihr nichts Anderes in den Sinn, womit er sie beschimpft habe. Sie könne sich an 
den Inhalt des Schreibens, dass der Beschuldigte wegen ihrer Ausschaffung an 
den Migrationsdienst geschickt habe, nicht mehr genau erinnern. Sie könne 
sich auch nicht mehr genau erinnern, wie er ihr gedroht habe, sie zu töten. Es 
könne auch mehrmals passiert sein. Sie könne sich nicht mehr an alles erin-
nern, da sie viele Tabletten zu sich genommen habe, um alles zu vergessen. 
Vielleicht habe sie ihn mit den Sätzen, die sie zu ihm gesagt habe, als er ihr 

14

das Messer an den Hals gehalten habe, beruhigt. Sie wisse aber auch nicht, 
wieso er von ihr abgelassen habe. Sie wisse nicht mehr, ob das Würgen bei der 
Vergewaltigung in der Wohnung des Beschuldigten vor oder während dem Ge-
schlechtsverkehr gewesen sei. 

- Sie gebe auch zu, wenn eine Handlung des Beschuldigten für sie nicht erklär-
bar gewesen sei. So habe sie beispielsweise auch nicht verstanden, warum er 
ihr das Messer an den Hals gehalten habe. Sie wisse den Grund auch nicht 
genau, warum er sie an den Armen oder an den Handgelenken gepackt habe. 
Er sei einfach wütend geworden. Sie wisse nicht, warum er ihr damals beim ei-
nen Übergriff in ihrer Wohnung die Hand auf ihren Mund gehalten habe. 

- In ihren ganzen Aussagen habe sie den Beschuldigten aber trotz den erhobe-
nen Vorwürfen nicht übergebührend belastet oder aggraviert. So gebe sie an, 
dass sie an ihn geglaubt und ihn geliebt habe. Die Anfangsmonate ihrer Ehe 
seien sehr schön gewesen. Sie hätten sich nach einem Jahr gefunden und es 
sei alles so eingetroffen, wie sie sich das vorgestellt habe. Es sei eine ganz 
normale Ehe gewesen. Das Sexleben sei am Anfang gut gewesen. Nachdem 
sie zusammen getrunken hätten, sei der Beschuldigte jeweils gut zu ihr gewe-
sen. Er habe sich ihr gegenüber wie ein Engel benommen. Anfangs hätten sie 
auch Geschlechtsverkehr ohne Alkohol gehabt. Es sei alles gut gewesen. Sie 
habe ihn geliebt und es auch genossen. Wenn sie mit dem Sex habe warten 
wollen, sei er nicht immer darauf eingegangen. Er habe versucht, sie zu über-
reden. Dabei sei er zärtlich geworden, habe schöne Wörter zu ihr gesagt und 
sich bei ihr entschuldigt. Er habe ihr gesagt, dass er sie liebe. Wenn er sich ihr 
so angenehm genähert habe, sei sie mit dem Geschlechtsverkehr auch einver-
standen gewesen. Nach dem fünften Mal Analverkehr habe er sich Mühe ge-
geben, sie nicht mehr zu verletzen. Als Grund für das an den Armen und Hand-
gelenken Packen habe er angegeben, dass er zu wenig geschlafen habe oder 
dass seine Zuckerwerte erhöht seien. Nachträglich habe er sich entschuldigt 
und so getan, als sei nichts passiert. Bei der Vergewaltigung, als er sie gewürgt 
habe, habe sie das Bewusstsein nicht verloren. Er habe sie höchstens dreimal 
gewürgt. Bevor sie sich getrennt hätten, habe er die Initiative für den Ge-
schlechtsverkehr ergriffen. Aber im Mai 2018 hätten sie beide Alkohol getrun-
ken und beide miteinander schlafen wollen; dies als eine Art Versöhnung. Im 
Mai 2018 sei er sehr angenehm ihr gegenüber gewesen. Beim zweiten bis vier-
ten Analverkehr habe er versucht, ihr weniger weh zu tun. Er habe mit seinem 
Penis schwächer gestossen. Es habe sehr wenig wehgetan. Dann, als sie ein-
verstanden gewesen sei, habe es nicht wehgetan. Er habe versucht, sie zu er-
würgen, aber sie könne sich erinnern, dass es kurz gewesen sei. Es habe 
nachträglich nicht weh getan. Er sei erst in sie eingedrungen, nachdem er die 
Hände von ihrem Hals weggenommen habe. 

- Die Aussagen der Privatklägerin könnten auch in Einklang mit den objektiven 
Beweismitteln gebracht werden. So habe er das letzte Mal am 18. September 
[2018] angerufen, was mit der ausgewerteten Anrufliste vom iPhone S1 des 
Beschuldigten übereinstimme. 

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Insgesamt hielt die Vorinstanz fest, die Privatklägerin habe auch positive Worte für 
den Beschuldigten und das Zusammenleben gefunden. Sie habe nicht versucht, 
ihn einfach generell im schlechten Licht darzustellen. Es entstehe beim Lesen ihrer 
Aussagen nicht den Eindruck, dass sie sich an ihm rächen wolle, denn dafür seien 
sie eindeutig zu differenziert. 

Die Vorinstanz hat sich weiter mit Unstimmigkeiten im Aussageverhalten sowie mit 
den kritischen Einwänden der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung betreffend 
die Aussagen der Privatklägerin auseinandergesetzt (S. 37 der vorinstanzlichen Ur-
teilsbegründung; pag. 519 ff.):  

- Die Aussagen der Privatklägerin seien nicht frei von Widersprüchen. So habe 
sie beispielsweise bei der Polizei erklärt, dass der Beschuldigte sie beim ersten 
Analverkehr an den Armen und Handgelenken festgehalten habe, während sie 
bei der Staatsanwaltschaft angegeben habe, er habe sie an den Hüften gehal-
ten. Anlässlich der polizeilichen Einvernahme habe sie ausgesagt, beim Anal-
verkehr seien keine Gleitmittel verwendet worden, bei der Staatsanwaltschaft 
habe sie erklärt, dass Cremen benutzt worden seien, wobei sie aber gleich prä-
zisiert habe, dass nur bei den zwei oder drei letzten Malen eine Creme benutzt 
worden sei. Die Vorinstanz erklärte diese Unterschiede damit, dass a) die 
Handlungsabläufe gemäss ihren Aussagen immer ähnlich, d.h. verwechselbar 
abliefen und dass b) das Gedächtnis der Privatklägerin gemäss ärztlichem 
Zeugnis leicht bis mittelgradig reduziert sei. Letzteres bedeute aber nicht auto-
matisch, dass sie nicht in der Lage wäre, sich an das Vorgefallene zu erinnern, 
sondern, dass es durchaus möglich sei, dass es zu Verwechslungen kommen 
könne. Es erkläre auch den Umstand, warum es teilweise nicht immer einfach 
sei, ihren Aussagen, um welchen Vorfall es gerade gehe, zu folgen und dass 
sie sprunghaft vom einen zum anderen wechsle. Dies habe aber keinen Ein-
fluss auf den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen. Im Gegenteil zeige es auf, dass 
sie nicht nur eine erfundene, auswendig gelernte Geschichte erzähle, sondern 
etwas, dass auf ihren eigenen, erlebten Erinnerungen basiere. 

- Das Gleiche gelte für den Umstand, dass ihre Aussagen nicht einfach flüssig 
dahergekommen seien, sondern oft habe nachgefragt werden müssten. So sei 
es für ein Opfer sexueller Gewalt per se nicht einfach, mit fremden Personen 
über das Vorgefallene zu sprechen, geschweige denn für eine Frau aus dem is-
lamischen Kulturkreis, die mit einem sehr konservativen Vater aufgewachsen 
sei. Dies erkläre beispielsweise auch, warum sie die Anzeige nicht früher einge-
reicht habe. Denn es sei klar, dass die Bereitschaft und das Vertrauen, darüber 
zu sprechen, erst wachsen müsse. Bereits im Eheschutzgesuch, welches ihr 
Anwalt am 21. September 2016 eingereicht habe, sei aber schon von Drohun-
gen seitens des Beschuldigten die Rede. Die Vorwürfe in der am 22. Au-
gust 2018 eingereichten Anzeige würden daher nicht einfach aus heiterem 
Himmel kommen. 

- Weiter sei auch kaum vorstellbar, dass die Privatklägerin ihre Betroffenheit und 
ihre Emotionen, die in den Einvernahmen zum Vorschein gekommen seien, 
einfach nur vorgetäuscht habe. Im Gegenteil würden sie authentisch wirken und 
weiter auch im Zusammenhang mit dem Arztbericht aufzeigen, dass sie die Er-

16

eignisse noch bis heute belasten würden. Dass es zudem ein abgekartetes 
Spiel im Sinne von «Ich begebe mich in Behandlung und gehe über die Jahre 
hinweg jede Woche einmal zum Psychologen, mit der Absicht resp. dem Hin-
tergedanken, damit ich dann ein Argument habe, um im späteren Strafverfah-
ren glaubwürdiger zu erscheinen», sei a) ein äusserst abwegiger Gedanken 
und b) es fehle jeglicher Anhaltspunkte dafür. Die Privatklägerin mache dem 
Gericht auch nicht den Eindruck, dass sie in der Lage wäre, ein derart abgekar-
tetes Spiel und eine solche schauspielerische Leistung so über Jahre durchzu-
ziehen zu können. Im Gegenteil sei vielmehr davon auszugehen, dass es gera-
de diese Behandlung gewesen sei, die es ihr schlussendlich ermöglicht habe, 
mit weiteren, aussenstehenden Personen über das Erlebte zu sprechen. 

- Es sei zwar durchaus richtig, dass sie nach der Trennung im Februar 2017 ein 
ambivalentes Verhalten gegenüber dem Beschuldigten an den Tag gelegt ha-
be, indem sie sich auch weiterhin mit ihm getroffen habe, zu ihm nach Hause 
gegangen sei, ihm im Haushalt geholfen habe und sogar noch einvernehmli-
cher Geschlechtsverkehr mit ihm gehabt habe. Ein solches Verhalten sei aber 
bei Opfer längerdauernder sexueller Gewalt, die mit Drohungen und Einschüch-
terungen verbunden gewesen seien, immer wieder zu beobachten. Dass sie 
aber auch dies in ihren Aussagen nicht verschwiegen habe, sei ein weiterer 
Punkt, der für ihre Glaubwürdigkeit spreche. 

- Gemäss den Aussagen des Beschuldigten solle die Privatklägerin das ganze 
«Theater» nur aufführen, damit sie trotz der Trennung von ihm in der Schweiz 
bleiben könne. Dieses Argument gehe in zeitlicher Hinsicht nicht auf. Aus den 
Migrationsakten gehe hervor, dass sie selbst zwar keinen Flüchtlingsstatus ha-
be, das Bundesamt für Migration ihr aber auf Grund der Eheschliessung mit 
dem Beschuldigten (Stichwort: Einheit der Familie) am 3. Dezember 2014 Asyl 
gewährt und sie als Flüchtling anerkannt habe. Nach der Trennung im Februar 
2017 sei der Migrationsdienst des Kantons Bern mit der Frage an das Staats-
sekretariat für Migration (nachfolgend: SEM) gelangt, ob sie weiterhin Anspruch 
auf die Flüchtlingseigenschaft habe. Am 2. Mai 2017 habe das Staatssekretari-
at für Migration festgehalten, dass die (gerichtliche) Trennung nicht zu den Fäl-
len im Asylgesetz und der Flüchtlingskonvention gehöre, nach denen die Aber-
kennung der Flüchtlingseigenschaft und der Widerruf des Asyls vorgenommen 
werden könne. Auf Grund dessen behalte die Privatklägerin auch als getrennte 
Ehegattin die Flüchtlingseigenschaft und ihr Asyl. Damit ein allfälliger Widerruf 
geprüft werde, müsse sie selbständig einen gesetzlich vorgesehenen Wider-
rufsgrund erfüllen. Die Anzeige gegen den Beschuldigten sei aber erst am 
22. August 2018, d.h. über ein Jahr nach diesem Bescheid, eingereicht worden. 
Es dürfte klar sein, dass ihr Vertreter sie vorgängig darüber aufgeklärt habe, 
wie ein Strafverfahren ablaufe und was alles auf sie zukomme. Die Frage, ob 
sich eine Frau – insbesondere mit muslimischem Hintergrund und aufgewach-
sen in einer patriarchalischen Familie – im Wissen darum, dass sie in der 
Schweiz bleiben dürfe, trotzdem freiwillig der Belastung eines Strafverfahrens, 
insbesondere eines solchen im Sexualbereich, aussetze, die genannten Aus-
sagen tätige und sich so wie dargelegt verhalte, wenn die Vorwürfe nicht stim-

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men würden – müsse verneint werden. Der Argumentation des Beschuldigten 
könne demnach nicht gefolgt werden.  

9.1.2. Erwägungen der Kammer

Die Kammer kann sich der Würdigung der Vorinstanz grundsätzlich anschliessen, 
unter folgenden Präzisierungen und Ergänzungen: 

Zur Widerspruchsfreiheit

Die Privatklägerin hat in ihrer ersten Befragung angegeben, in ihrer Wohnung sei 
es nie zu Geschlechtsverkehr gekommen, sie habe erst im Oktober ihre neuen 
Möbel erhalten (pag. 106 Z. 984). Dies steht vermeintlich im Widerspruch von 
Ziff. 2.3 der Anklageschrift, wonach die letzte der drei vorgeworfenen Vergewalti-
gungen im Mai/Juni 2017 in ihrer (neuen) Wohnung stattgefunden hätten. Dieser 
scheinbare Widerspruch lässt sich einfach aufklären. Die Beschuldigte war im Fe-
bruar 2018 kurz ohne Wohnung. Mit anderen Worten hatte sie die Wohnung an der 
O.________(Ort) in O.________ (Ort) (14 Gehminuten vom ehemals ehelichen 
Domizil entfernt), welche sie nach der Trennung Ende Februar 2017 bezogen hat-
te, im Februar 2018 bereits wieder verlassen, weil sie für das Sozialamt zu teuer 
war (kurzzeitig wohnungslos, pag. 13), und konnte dann am 1. April 2018 eine 
Wohnung an der U.________ (Ort) beziehen (pag. 282; 289). In dieser Wohnung 
lebt sie auch heute noch. Die zeitweilig im Strafverfahren benutzte Adresse an der 
V.________ (Ort) ist jene ihres Anwalts, sie hat diese nur als Zustellungsdomizil 
benutzt, weil sie nicht wollte, dass der Beschuldigte ihre neue Adresse kannte 
(bspw. pag. 86). Einzig die drei/vier letzten sexuellen Nötigungen sollen gemäss 
Anklageschrift im April/Mai 2018 stattgefunden haben, jedoch in der Wohnung des 
Beschuldigten. Es ist somit kein Widerspruch, wenn die Beschuldigte im Oktober 
2018 die Frage nach Geschlechtsverkehr in ihrer neuen Wohnung (also an der 
U.________ (Ort)) verneinte.

Die Privatklägerin hat weiter angegeben, sie hätte gar keinen Scheidungsantrag 
eingereicht, wenn sie sich nicht hätte scheiden lassen wollen (pag. 410 Z. 18 f.). 
Gemäss den Akten war es aber nicht sie, sondern der Beschuldigte, welcher die 
Scheidungsklage – sogar zweimal – eingereicht hatte (pag. 675 f. und pag. 678 ff.). 
Die Privatklägerin hat das Eheschutzverfahren am 21. September 2016 eingeleitet 
(pag. 18 ff.) und war mit dem Scheidungswunsch des Beschuldigten gemäss sei-
nen Angaben gegenüber dem zuständigen Scheidungsgericht nicht einverstanden 
(pag. 676). Insofern sind ihre Ausführungen widersprüchlich resp. gibt sie eine Er-
klärung ab, welche aus ihrer Sicht besser zu den Tatvorwürfen passt. Allerdings ist 
unklar, ob sie dies wirklich so gemeint und sich nicht bspw. auf die Trennung statt 
die Scheidung bezogen hat. Es ist nämlich davon auszugehen, dass die Privatklä-
gerin – wie sie an anderer Stelle selber einräumte –  einer Scheidung (nicht Tren-
nung) wegen ihrer Familie resp. ihrem konservativen Vater klar kritisch gegenüber-
stand (pag. 91 Z. 319 f.). Die Straf- und Zivilklägerin war sich jedenfalls bewusst, 
wer welche Rolle im Trennungs- und im Scheidungsverfahren eingenommen hat, 
was ihre Aussage bestätigt, dass sie den Schritt gemacht habe, sich zu trennen 
und der Beschuldigte die Scheidung sofort gewollt und nicht noch zwei Jahre habe 
warten wollen und sie dann zu dem eingewilligt habe, was die Gesetze vorschrei-

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ben würden (pag. 105 Z. 922 ff.). Ihre Aussage erachtet die Kammer in diesem 
Punkt daher nicht von Vornherein als echten Widerspruch. 

Die insgesamt spezielle Art der Privatklägerin auszusagen zeigte sich der Kammer 
besonders klar an der Frage nach ihrem Hirnschlag (pag. 782 Z. 37 ff.). Aus ihren 
Antworten war erkennbar, dass sie teilweise die Fragen entweder nicht richtig ver-
steht oder sie aus Nervosität, evtl. auch wegen kognitiven Einschränkungen nicht 
gerade auf Anhieb richtig beantworten kann. Dies bedeutet aber nicht, dass ihr die 
Fähigkeit abgesprochen werden müsste, tatsächlich Erlebtes auszudrücken. 

Zu den sprunghaften Schilderungen

Nach Ansicht der Kammer konnte die Privatklägerin die einzelnen Vorfälle auch bei 
langen Befragungen erstaunlich gut auseinanderhalten, die einzelnen Elemente 
auch aus dem Zusammenhang gerissen zeitlich und örtlich einordnen und ihnen 
die «richtigen» Details und Gefühle zuordnen. Dabei verfiel sie zu keinem Zeitpunkt 
in eine pauschale Vorwurfshaltung, so dass jeder Vorfall einfach sehr schlimm für 
sie gewesen sein soll, sondern sie differenzierte wiederkehrend präzise, welcher 
Vorfall schlimmer war als die anderen und welcher Geschlechtsverkehr eigentlich 
überhaupt nicht so schlimm – weil praktisch einvernehmlich – war. Sie konnte die 
befragende Person auch entsprechend korrigieren. So konnte sie z.B. die Verwir-
rung um die Abgrenzung der einzelnen Vorfälle auflösen (vgl. pag. 133). Trotz Ähn-
lichkeiten der Tathandlungen brachte sie das Kerngeschehen, was nun genau wo 
und wie geschehen sein soll, selbst bei «gesprungenen» Fragen nicht durcheinan-
der. Dies wäre bei Erfindung der Vorwürfe in Anbetracht der psychischen Verfas-
sung, in welcher die Privatklägerin war, wohl praktisch unmöglich. Das Argument 
der Verteidigung, sie habe sich einfach verschiedene echt erlebte sexuelle Momen-
te mit dem Beschuldigten vor Augen geführt, dann nötigende Elemente «hinzuge-
dichtet» und behauptet, dieser Sex sei gegen ihren Willen geschehen, greift als 
Begründung für den bewahrten zeitlichen und inhaltlichen Überblick der Privatklä-
gerin über alle einzelnen Handlungen nicht. Sie brachte die einzelnen Tathandlun-
gen, die dabei erlebten negativen Gefühle und den Grad ihres eigenen Widerstan-
des trotzt zahlreicher Vorfälle nicht durcheinander, sondern konnte diese – auch 
aus dem chronologischen Zusammenhang gerissen – den verschiedenen Vorfällen 
mit dem Beschuldigten klar zuordnen. 

Zum Detailreichtum resp. der Originalität ihrer Aussagen

Den ersten erzwungenen Analverkehr schilderte die Privatklägerin zwar auf Frage 
hin und nicht in freier Erzählung, aber dennoch in allen Details (pag. 95 Z. 406 ff.). 
Sie erklärt spontan, dass sie seit Jahren an Hämorrhoiden leide (pag. 120 Z. 272) 
und dass ihr (früherer) Ex-Mann sie auch bereits anal genötigt hatte, was der Be-
schuldigte gewusst habe, wie er auch gewusst habe, dass sie das nicht möge 
(pag. 120 Z. 251 ff.). Sie wiederholt zweimal, dass sie nach dem Würgen im Korri-
dor hingekniet sei, um sich zu sammeln. Er sei ins Wohnzimmer gegangen. Er ha-
be irgendetwas getrunken, Kaffee oder Tee (pag. 133 Z. 761 ff.). Dies sind detail-
reiche und originelle Aussagen, welche die Privatklägerin wohl kaum so ausgesagt 
hätte, wäre es nicht so gewesen. Betreffend den Vorfall vom 6./7. Januar 2021 war 
die Privatklägerin zudem sehr präzise in ihrer Aussage (pag. 780 Z. 21 ff.). Sie gab 

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an, dass der Beschuldigte vorbeigekommen sei und mit ihrem Chef durch das Aus-
gabefenster des W.________ in X.________ (Ort) gesprochen habe. Der Betrieb 
sei dann an einen neuen Ort umgezogen und sie habe Aussichten auf Weiterbe-
schäftigung gehabt. Diese Angaben entsprachen der Wahrheit, der Betrieb ver-
zeichnete per März 2021 tatsächlich eine Sitzverlegung nach Y.________ (Ort). 

Zu den Verbesserungen ihrer Aussagen

Weiter hat die Privatklägerin ihre Aussagen spontan verbessert, was ebenfalls für 
deren Glaubhaftigkeit spricht. So hätten die Tätlichkeiten erst 2016 (und nicht be-
reits Ende 2015) begonnen, 2015 sei er nur verbal gegen sie ausfällig gewesen 
(pag. 127 Z. 505 ff.). Es wäre bei solchen Fragen einfach gewesen, sich auf das 
Bejahen zu beschränken. Stattdessen war es ihr wichtig, zeitlich genau zu bleiben, 
auch wenn dies nicht unbedingt ausschlaggebend für den Erfolg ihrer Anzeige sein 
würde. Entgegen der Ansicht der Verteidigung handelt es sich beim Unterschied 
des Beginns der Tätlichkeiten zwischen Anzeige und den weiteren Aussagen nicht 
um einen Widerspruch, sondern zu berücksichtigen hierbei ist, dass die Anzeige 
durch ihre Vertretung eingereicht wurde und die diesbezügliche Konsultation mit 
dem Anwalt ohne Übersetzung stattgefunden hat. Es handelt sich um einen Bericht 
ihres Anwalts und nicht um ihre direkten Aussagen. Ihre diesbezüglichen Aussagen 
sind im weiteren Verfahren konstant geblieben. 

Zur Dauer des Würgens / Übertreibungen

Sodann ist die Privatklägerin entgegen der Ansicht der Verteidigung nicht unglaub-
haft in ihren Aussagen über die Dauer des Würgens. Eine solche Einwirkung kann 
einem Opfer notorischerweise wie eine Ewigkeit vorkommen, ohne dass daraus 
unbedingt sichtbare Hämatome resultieren. Es erscheint auch nachvollziehbar, 
dass die Privatklägerin deswegen nicht zum Arzt ging. Einerseits war der Hausarzt 
ebenfalls Türke, d.h. es bestand aus Sicht der Privatklägerin ein ähnliches kulturel-
les Risiko nicht verstanden zu werden wie in der eigenen Familie, und andererseits 
war der behandelnde Arzt gleichzeitig auch der Hausarzt des Beschuldigten. Wür-
de man mit der Verteidigung davon ausgehen, dass sie den Vorfall mit dem Wür-
gen nur inszeniert hätte, so hätte sie Fotografien vom Hals erstellt, um diese später 
als Beweismittel zu verwenden. Dass sie dies nicht tat, spricht für ihre Glaubhaftig-
keit. So erscheint der Kammer auch die Schilderung, wonach der Beschuldigte ihr 
beim Vorfall in der Nacht mit dem Messer gedroht habe, nicht – wie von der Vertei-
digung vorgebracht – konstruiert. Es gab keinen ähnlichen solchen Vorfall bei den 
weiteren von ihr geschilderten Übergriffen, welchen sie im Rahmen einer Übertrei-
bung hätte gebrauchen können.  

Zur Entlastung des Beschuldigten

Schlussendlich hat die Privatklägerin den Beschuldigten auch mehrfach entlastet, 
was ebenfalls für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen spricht. Sie gab frei zu, dass 
sie die drei letzten Male, als es zu Analverkehr gekommen sei, nichts mehr dage-
gen gehabt habe (pag. 106 Z. 987 ff.). Es habe auch Momente gegeben, wo ihr der 
Geschlechtsverkehr gefallen habe (pag. 118 Z. 189 ff.). Insgesamt stellte sie den 
Beschuldigten auffallend oft auch als sehr gut, liebevoll und angenehm dar. Sie er-
innerte sich an schöne Zeiten mit ihm und versuchte, für seine Ausfälligkeiten auch 

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immer wieder rechtfertigende Erklärungen zu finden. Wie die Vorinstanz ausgeführt 
hat und entgegen der Behauptung der Verteidigung ist bei Opfern sexueller Gewalt 
tatsächlich immer wieder zu beobachten, dass diese in ihrer Abhängigkeit immer 
wieder zu den Tätern zurückkehren und sich damit ambivalent verhalten.  

Zum Widerruf von Flüchtlingseigenschaft und Asyl

Anders als die Vorinstanz ausführte, gibt es keine Hinweise darauf, wann die Pri-
vatklägerin vom Schreiben des Staatssekretariats für Migration vom 2. Mai 2017 
(pag. 270 f.) resp. von der Tatsache, dass die (gerichtliche) Trennung nicht zum 
Widerruf des Asyls führen werde, erfuhr. Es finden sich keine Hinweise darauf, 
dass dieses Schreiben der Privatklägerin zugestellt oder zur Kenntnis gebracht 
worden wäre. Bei objektiver Betrachtung lag indes auch ohne Zustellung dieses 
Schreibens kein Grund für eine falsche Anschuldigung gegen den Beschuldigten 
vor, da es sich um ein gesetzliches Prinzip handelt, welches unabhängig von einer 
entsprechenden Bestätigung durch das SEM gültig ist. 

Weitere Erwägungen zum allgemeinen Aussageverhalten

Die Aussagen der Privatklägerin mögen teilweise karg und ausweichend wirken. So 
wollte sie bspw. keine weiteren Aussagen mehr tätigen, als sie mit den Fragen et-
was in die Enge getrieben wurde (vgl. pag. 100). Einerseits kann dies auf die Über-
setzung zurückgeführt werden. Ein solches Aussageverhalten bei Opfern ist aber 
regelmässig auch Ausdruck emotionaler Belastung und einer beengten Gefühlsla-
ge. Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass sich die Privatklägerin immer noch in Be-
handlung bei einem Psychiater befindet, hauptsächlich wegen der Vorfälle mit dem 
Beschuldigten. Eindrücklich hat sie anlässlich der Berufungsverhandlung auch den 
Besuch des Beschuldigten bei ihrem Arbeitgeber in AA.________ (Ort) am 6. oder 
7. Januar 2021 – und damit nach dem vorinstanzlichen Urteil – geschildert: Auf 
Frage, ob er sie noch einmal kontaktiert habe, gab sie an, er sei das Jahr zuvor bei 
ihrem Arbeitgeber in X.________ (Ort) (W.________) aufgetaucht und habe mit ih-
rem Chef durch das Bedienungsfenster gesprochen. Er habe ihm gesagt, sie sei 
eine schlechte Frau und man solle sie nicht anstellen. Man habe ihr daraufhin auch 
keinen Vertrag ausgestellt. Sie sei danach im betreffenden Monat nicht mehr zur 
Arbeit gegangen, weil sie Angst gehabt habe (pag. 780 Z. 21 ff.). Der Beschuldigte 
stritt diesen Vorfall nicht gänzlich ab, erklärte aber, er habe nicht gewusst, dass sie 
dort arbeite (pag. 800 Z. 21 ff.). Die Privatklägerin hat keinen Grund, einen solchen 
Vorfall zu erfinden. Zudem wäre das Risiko gross, ihrem Vorgesetzten falsche Aus-
sagen in den Mund zu legen, vor allem angesichts der Tatsache, dass eine solche 
Behauptung sehr leicht zu überprüfen ist. 

9.1.3. Fazit

Insgesamt kann auch oberinstanzlich festgehalten werden, dass bei genauer, sorg-
fältiger Analyse der Aussagen der Privatklägerin zahlreiche Wahrheitskriterien als 
erfüllt hervortreten und praktisch keine Lügensignale erkennbar sind. Das hervor-
tretende Missbrauchsgebilde, welches sich über mehrere Monate, gar Jahre er-
streckte, ist zu komplex und zu verflochten, als dass die psychisch angeschlagene 
Privatklägerin dies nachträglich im Detail hätte konstruieren und vor allem auf-
rechterhalten können. Verständlicherweise war für sie eine vom Beschuldigten an-

21

gedrohte Ausschaffung eine Hauptsorge und auch teilweise mitbegründend für ihr 
ambivalentes Verhalten. Sie stand zum Beschuldigten in einem Abhängigkeitsver-
hältnis, nachdem sie alleine mit ihrer Tochter in ein fremdes Land gekommen war, 
in welchem sie nur ihn kannte. Ihre Aussagen sind daher nicht nur im Kerngehalt, 
sondern auch bezüglich des Nebengeschehens als glaubhaft einzustufen. 

9.2 Aussagen des Beschuldigten

9.2.1. Vorinstanzliche Ausführungen

Auch die Aussagen des Beschuldigten hat die Vorinstanz sorgfältig und detailliert 
auseinandergenommen und gewürdigt. Sie hat ihre Schlussfolgerungen auf folgen-
de Erkenntnisse gestützt (pag. 507 ff.): 

- Der Beschuldigte stelle sich durchgehend als Opfer dar und sehe sich gemäss 
eigenen Angaben als äusserst verständnisvollen, hilfsbereiten Menschen.  

- Er habe unter anderem auch eingestanden, dass er den Behörden ein Schrei-
ben geschickt habe, wonach sie die Privatklägerin in die Türkei ausschaffen 
und ihr die Aufenthaltsbewilligung entziehen sollen. Sie sei über dieses Schrei-
ben informiert gewesen. Er habe Rache üben wollen und damit begonnen, als 
er sie verdächtigt habe, ihn betrogen zu haben. Er habe damit erreichen wollen, 
dass sie gestresst sei und ausgeschafft werde. Dies wolle er immer noch. Wei-
ter habe er eingestanden, dass er sie als Hure bezeichnet habe, er die durch 
Rechtsanwalt D.________ eingereichten SMS geschrieben habe, sie nach der 
Trennung angerufen und telefonisch bedroht habe. Diese Aussagen habe er an 
der erstinstanzlichen Hauptverhandlung wieder relativiert, sich plump entschul-
digt oder seine früheren Aussagen alternativ erklärt. So z.B., dass es bei den 
Anrufen um Geld gegangen sei, welches die Schwester der Privatklägerin ihm 
schulde, um dann später anzugeben, er habe die Privatklägerin zum Essen ein-
laden wollen, wobei sich die Frage stelle, warum man jemanden um 05:45:48 
Uhr anrufen müsse, um ihn zum Essen einzuladen. Er habe auch den sexuel-
len Verkehr nicht bestritten, dieser sei jedoch immer mit ihrer Einwilligung er-
folgt.  

- Der Beschuldigte sei aber auch nicht bei der sinngemässen Bestreitung der 
Vorwürfe geblieben, sondern habe zu massiven Gegenvorwürfen/Gegen-
angriffen ausgeholt. So habe er beispielsweise ausgesagt, er habe ihr nie eine 
Ohrfeige verpasst und sei auch nie anderweitig gewalttätig geworden. Er könne 
nicht einmal einem Tier oder einer Pflanze etwas antun. Er habe nie seine 
Hand gegen sie erhoben. Wenn er je ihren Arm gehalten habe, dann nur, um 
zu verhindern, dass sie ihn schlage. Sie habe ihn geschlagen, er sei aber nie 
darauf eingegangen. Weiter sei gemäss seinen Aussagen er es gewesen, der 
sie, ihre Tochter und ihre Schwester finanziell unterstützt habe. Er habe für sie 
viel Geld ausgegeben. Zur Trennung sei es gekommen, weil sie gelogen habe. 
Sie sei Alkoholikerin und schizophren. Er selbst trinke höchstens zwei Gläser, 
sie trinke jeweils eine ganze Falsche leer und rauche zwei Päckli Zigaretten am 
Tag. Sie habe ihn ausgenutzt, um in die Schweiz zu kommen. Sie sei sexbe-
sessen und er habe sexuell das gemacht, was sie von ihm verlangt habe. Es 
habe Tage gegeben, da habe er nicht gewollt, aber sie habe immer gewollt. Sie 

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hätten alle Sexpraktiken gemacht, die man machen könne. Dies sei sie sich 
schon von der Türkei her gewohnt gewesen. Sie sei sehr erfahren gewesen 
und er nehme an, dass sie in der Türkei ein sehr intensives Sexualleben gehabt 
habe. Das merke man, wenn man ihren Analbereich anschaue. Dieser sei er-
weitert gewesen. Sie habe ihn verführt. Sie habe zu 100 % immer mit ihm Ge-
schlechtsverkehr haben wollen. Ihr Gesundheitszustand sei während des Zu-
sammenlebens nicht gut gewesen. In der Türkei sei sie in einer Nervenklink / 
psychiatrischen Klinik gewesen. Eigentlich brauche sie momentan auch eine 
psychiatrische Behandlung in der AB.________. Sie sei von ihm beim Ge-
schlechtsverkehr sicher befriedigt gewesen. Er sei seit fünf Monaten in Behand-
lung, weil sie ihn mit einer Geschlechtskrankheit angesteckt habe. Wenn sie Al-
kohol getrunken habe, sei ihr Wunsch nach Sex intensiver gewesen. Wenn er 
einmal einen Höhepunkt gehabt habe, habe sie mindestens drei Höhepunkte 
gehabt. Sie sei es gewesen, die immer Analsex gewollt habe. Der Wunsch zum 
Geschlechts- und Analverkehr sei immer von ihr aus gekommen. Sie sei sicher 
von Drittpersonen beeinflusst worden, so etwas zu sagen. Sie erfinde Sachen, 
die gar nicht stattgefunden hätten. Als sie betrunken gewesen sei, habe sie ih-
ren Kopf überall angeschlagen. Sie lüge, um ihr eigenes Fehlverhalten zu ver-
tuschen. Sie habe ihn betrogen und vergewaltigt. Sie sei eine sehr gefährliche 
Person und habe einmal das neugeborene Kind einer Kollegin genommen und 
einfach weggeworfen. Nachdem sie geschieden worden seien, habe sie mehr 
als zehn Männer gehabt. Es gehe ihr nur darum, hier bleiben zu können. Sie 
habe ihn immer provoziert mit dem Hintergedanken, dass sie nachher zur Poli-
zei gehen könne und somit das auch ein Vorteil wäre, die Niederlassungsbewil-
ligung nicht zu verlieren. 

Gemäss der Vorinstanz zeige diese Aufzählung, dass der Beschuldigte in sämt-
lichen Einvernahmen versucht habe, den «Spiess» umzudrehen, wobei die Ge-
genvorwürfe pauschal seien, ohne nähere Detailerklärungen. Wäre es wirklich 
geschehen, wäre es ihm gemäss Vorinstanz ein Leichtes gewesen, selbst An-
zeige gegen die Privatklägerin wegen diesen Delikten zu erstatten. Dass er 
dies auch könne, zeige sich in einem Schreiben seines amtlichen Verteidigers 
worin er Strafantrag gegen sie wegen sämtlichen in Frage kommenden Straf-
tatbeständen gestellt habe. Es seien aber nur die Tatbestände der falschen An-
schuldigung, der Irreführung der Rechtspflege, der üblen Nachrede und der 
Verleumdung in diesem Schreiben erwähnt worden. Ein Wort darüber, dass er 
selbst missbraucht worden sei, fehle gänzlich. 

Der Beschuldigte lasse weiter kein gutes Haar an der Privatklägerin. Im Ge-
gensatz dazu sehe er sich selbst gerne als Wohltäter. Ein solches Verhalten 
müsse als dominant, überheblich und arrogant bezeichnet werden. Eine Empa-
thie für die Privatklägerin lasse sich gänzlich missen, wobei er nicht müde wer-
de, in theatralischer Art und Weise zu betonen, was für ein Gutmensch er 
selbst doch sei. So könne er gemäss seinen Aussagen nicht einmal einer 
Ameise etwas antun. Auch könne er nicht einmal eine Rose pflücken. Dass er 
immer wieder versucht habe, sich selbst ins gute Licht zu rücken, zeige auch 
die Aussage anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung, wo er auf 
Nachfrage angegeben habe, keine Schulden zu haben, obwohl auf ihn zu die-

23

sem Zeitpunkt Verlustscheine in der Höhe von CHF 128'128.30 vermerkt gewe-
sen seien. 

- Auffallend sei, dass er in seinen Aussagen nicht nur auf Fragen antworte, son-
dern auch immer wieder entsprechende Gegenfragen gestellt habe. 

- Seine Aussagen würden weiter auch teilweise keinen Sinn ergeben. So gebe er 
an, die Privatklägerin wolle sich immer wieder mit ihm versöhnen und sich nicht 
von ihm scheiden lassen. Es stelle sich bei diesen Aussagen die Frage, warum 
sie dann seine Anrufe ignoriert habe. 

- Sodann habe er falsch ausgesagt, als er angegeben habe, er habe die Privat-
klägerin nach den Möbeln, welche sie gewollt und bei ihm abgeholt habe, nicht 
mehr kontaktiert, was gemäss seinen Aussagen spätestens im Juli 2018 gewe-
sen sein dürfte. Die ermittelten Anrufe würden eindeutig belegen, dass er zwi-
schen dem 15. und 18. September 2018 insgesamt neun Mal versucht habe, 
die Privatklägerin anzurufen.  

Insgesamt bestünden gemäss der Vorinstanz erhebliche Zweifel an den Aussagen 
des Beschuldigten. Es könne daher nur dort auf seine Aussagen abgestellt werden, 
wo sie sich mit den objektiven Beweismitteln decken resp. nicht im Widerspruch zu 
überzeugenderen Aussagen anderer befragten Personen stünden.  

9.2.2. Erwägungen der Kammer

Den Erwägungen der Vorinstanz kann sich die Kammer in allen Punkten anschlies-
sen. Ergänzend ist Folgendes festzuhalten: 

Der Beschuldigte widerspricht sich oft selber, so beispielsweise mit der Aussage, 
wonach er nicht glaube, dass seine Frau der Gedanke an eine Ausschaffung sehr 
beschäftigen würde, da sie eine Person sei, die alles sehr relaxt nehme (pag. 49 
Z. 371 ff.). Demgegenüber sagte er später mehrfach das Gegenteil aus, z.B., dass 
sie ihn angebettelt habe, sie nicht in die Türkei zurückzuschicken (pag. 65 Z. 124). 

Der Beschuldigte beschränkte sich auf sehr auffällige Art und Weise eben gerade 
nicht darauf, die Tatvorwürfe zu bestreiten, im Gegenteil. Er schien die Befragun-
gen als willkommene Bühne zu betrachten, sein tatsächliches Ansinnen weiterzu-
verfolgen, nämlich die Privatklägerin in einer solch auffälligen Manier schlecht zu 
machen, dass – zumindest in seinen Augen – eine Ausschaffung unumgänglich 
würde. Offenbar ging er davon aus, dass er auf Grund der fehlenden objektiven 
Beweismittel im Verfahren die komplette Oberhand innehalte. Dies zeigte sich ein-
drücklich bei der Befragung zur Landesverweisung durch die Staatsanwaltschaft. 
Dabei sah er keine Probleme. Seine Zukunft sei normal und in der Schweiz, er ha-
be gar nichts gemacht. Daher stellte er die Frage, wie man ihn da ausschaffen 
könne. Falls doch, wäre es sein Tod (pag. 83 Z. 769 ff.). Vor der Vorinstanz sagte 
er auf die Frage, was es für ihn bedeuten würde, wenn er die Schweiz verlassen 
müsste, er habe kein Delikt begangen, er würde dies nie machen, er mache nichts, 
was das Gesetz nicht erlaube. Auf erneute Nachfrage führte er aus: «wie gesagt: 
Das Opfer bin ich. Ich habe kein Delikt begangen». Erst auf nochmalige Nachfrage 
gab er dann an: «Ich würde kaputtgehen. Mein Leben wäre kaputt» und «Ich könn-
te nirgendwo hin gehen. Ich habe ja gar keinen Heimatort» (pag. 419 Z. 4 ff.). Aus 

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diesen Antworten geht hervor, dass er sich zu keinem Zeitpunkt mit der Möglichkeit 
auseinandergesetzt hatte, dass er möglicherweise das Land würde verlassen müs-
sen. Er machte sich offensichtlich zu keinem Zeitpunkt Sorgen über die Realisie-
rung eines strafrechtlichen Landesverweises resp. zeigte sich während des gesam-
ten Verfahrens nie aufgebracht darüber, dass die Privatklägerin mit ihren aus sei-
ner Sicht «falschen Anschuldigungen» ihn einem derartigen Risiko aussetzt, wie 
dies ein zu Unrecht Beschuldigter wohl in erster Linie tun würde.  

Ebenfalls auffällig ist, dass der Beschuldigte mit seinen Gegenangriffen gegen die 
Privatklägerin komplett übers Ziel hinausschiesst. Das Bild, welches er von ihr 
zeichnet, zeigt eine kettenrauchende, schizophrene Alkoholikerin, welche komplett 
ehrlos, durchs Band weg verwegen, betrügerisch, hinterhältig, sexbesessen, rück-
sichtslos, egozentrisch, manipulativ und fordernd ist. Er lässt tatsächlich kein einzi-
ges gutes Haar an ihr und geht so weit, dass sie es gewesen sei, welche ihn ver-
gewaltigt habe und nicht umgekehrt. Sogar die Befragung für den aktuellen Be-
richtsrapport vom 12. April 2022 nutzte er, die Privatklägerin in einem völlig ande-
ren Zusammenhang (Fragen nach seinen Arbeitsstellen sowie unter dem Titel 
«Verschiedenes») mit einem Rundumschlag ausufernd durch den Dreck zu ziehen 
(pag. 766). Auch in diesem Zusammenhang fällt auf, dass der Beschuldigte nach 
dem Rundumschlag zwar zu Protokoll gibt, er habe psychische Krankheiten wegen 
seiner letzten Beziehung [mit der Privatklägerin], er leide wegen ihrem Verhalten 
sehr, sei dadurch sehr geprägt, die Lügen und die Schauspielerei vor Gericht hät-
ten ihm zu denken gegeben, sie mache dies aber nur, um ihr Bleiberecht zu si-
chern. Davon, dass ihr Verhalten aber vor allem sein Bleiberecht gefährdet, ist 
nichts zu lesen. Er erwähnt irritierenderweise mit keinem Wort, dass sie mit ihrem 
Verhalten nun auch noch daran Schuld trage, dass er vorinstanzlich des Landes 
verwiesen worden sei. Diese Reaktion von jemandem, der zu Unrecht mit derart 
massiven Vorwürfen konfrontiert sein soll, erscheint höchst ungewöhnlich und be-
fremdlich. 

Er selber hingegen stellt sich – ebenfalls komplett überzeichnet – als durchwegs 
unfehlbar dar. Seine Beteuerungen der eigenen Friedfertigkeit und Gesetzestreue 
(er könne niemandem etwas zuleide tun und habe noch nie in seinem Leben etwas 
gegen das Gesetz gemacht, selbst eine Rose könne er wegen seiner gewaltlosen 
Einstellung nicht pflücken; er könne nicht einmal einer Ameise etwas zu Leide tun; 
mit der Polizei habe er bis anhin nie zu tun gehabt wegen irgendetwas etc. [betref-
fend Polizei insb. pag. 57 Z. 775]) sind in Anbetracht der Akten nahezu grotesk. 
Der Beschuldigte wurde bereits mit Strafbefehl vom 18. Oktober 2012 wegen mehr-
fachen Drohungen und mehrfacher Beschimpfung, begangen über einen Zeitraum 
von fünf Monaten zum Nachteil der Mutter seiner Tochter (pag. 418 Z. 1 f.) zu einer 
bedingten Geldstrafe verurteilt und hatte deswegen mit Sicherheit mit der Polizei zu 
tun. Beim Lesen der SMS des Beschuldigten an und über die Privatklägerin 
(pag. 27 ff. und 104) zeichnet sich ein Bild eines jähzornigen, unkontrollierten, ag-
gressiven, dominanten, verrohten, rachsüchtigen, eifersüchtigen und filterlosen 
Mannes ab, welcher auch vor Kränkungen niedrigster Art nicht zurückschreckt. So 
hat er bspw. geschrieben: «Hoffentlich bekommst Du Krebs. Das ist mein einziger 
Wunsch» (pag. 104 Z. 867 f.). Und dies im Wissen, dass die Privatklägerin im Jahr 
2003 bereits einmal an Gebärmutterkrebs erkrankt war (pag. 106 Z. 994 und 

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pag. 31) und im Jahr 2004 darüber hinaus auch noch einen Hirnschlag mit teilwei-
sem Gedächtnisverlust erlitten hatte (pag. 31; vgl. im Weiteren auch die SMS, in 
denen er droht, die Mutter müsse sich von ihren Mädchen verabschieden, er werde 
ihnen in die Köpfe schiessen [pag. 27 ff.]).  

Abschliessend fällt auf, dass der Beschuldigte zu keinem Zeitpunkt betroffen, 
bestürzt, fassungslos, enttäuscht, traurig, verängstigt oder schockiert über die Vor-
würfe der Privatklägerin reagierte, wie dies von einem Ehemann zu erwarten wäre, 
wenn dessen Ehefrau aus einvernehmlichem Geschlechtsverkehr plötzlich aus 
dem Nichts gegenüber den Behörden Nötigungen und Vergewaltigungen macht. Im 
Gegenteil: Auf die massiven Vergewaltigungs- und Nötigungsvorwürfe reagierte er 
genau gleich, wie auf die vom Grundsatz her eingestandenen und erwiesenen Dro-
hungsvorwürfe. 

Insgesamt kann festgehalten werden, dass sich die Äusserungen des Beschuldig-
ten auf Grund seines generellen Aussageverhaltens als unzuverlässig und zur 
Wahrheitsfindung wenig geeignet erweisen. Wenn gewisse erkennbare Muster vom 
Ansatz her sicher auch kulturell bedingt sein mögen (wie Übertreibungen, um einer 
[wahren] Aussage besonderen Nachdruck zu verleihen, das Rollenverständnis der 
Geschlechter, das Eheverständnis, das Unfehlbarkeitsdogma des Patriarchats, der 
Ehrbegriff etc.), so kann daraus nichts zu Gunsten des Beschuldigten abgeleitet 
werden. Selbst gemessen am herkunftsspezifischen Verhaltensmassstab besticht 
sein Aussageverhalten – aus den von der Vorinstanz und der Kammer erörterten 
Gründen – immer noch als denkbar unzuverlässig. Es liegen zu viele Lügensignale 
und Aktenwidrigkeiten in den Aussagen des Beschuldigten vor, um darauf abstüt-
zen zu können.

9.3 Punktuelle Aussagen, weitere Beweismittel und deren Würdigung

9.3.1 Zur Ausschaffungsangst der Privatklägerin  

Der Beschuldigte machte wiederholt geltend, die Privatklägerin habe die Vorwürfe 
nur erhoben, damit sie nicht in die Türkei zurückkehren müsse. Auch die Privatklä-
gerin selber erwähnte ihre Angst vor der Rückkehr in die Türkei. Sie sagte z.B. aus, 
der erzwungene Analverkehr sei noch sieben bis acht Mal vorgekommen. Einige 
Male sei sie damit einverstanden gewesen, weil der Beschuldigte den Migrations-
behörden geschrieben habe und sie in die Türkei habe schicken wollen (pag. 97 
Z. 501 f.). In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass die Privatklägerin – 
mindestens bis zur Strafanzeige – wohl tatsächlich subjektiv davon ausging, der 
Beschuldigte habe die Macht, sie aus dem Land zu werfen. Sie gab an, sie habe 
ihm fast glauben müssen, sie sei neu in der Schweiz gewesen und habe ihre Rech-
te nicht gekannt. Sie habe in seinem Freundeskreis gefragt, ob es stimme, dass sie 
ausgeschafft werden könne und das sei bejaht worden (pag. 124 Z. 391 ff.). Zwar 
hatte sie angegeben, nach dem Vorfall mit dem Messer (zum Zeitpunkt des Jah-
reswechsels 2016/2017) für eine Beratung mit Übersetzung bei der Opferhilfe ge-
wesen zu sein (pag. 126 Z. 480 ff.). Der Beschuldigte hat bestätigt, dass sie im 
Frauenhaus war (pag. 74 Z. 426 ff.). Sie konnte sich aber weder an den Inhalt des 
Gesprächs, an den Namen der Beraterin, den genauen Ort oder anderes erinnern. 
Sie sagte aus, es sei im AC.________ (Ort) neben einer Tankstelle gewesen (pag. 

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126 Z. 486 f.; [wohl AC.________, neben der S.________-Tankstelle]). Es ist somit 
auch höchst fraglich, ob sie allfällige Informationen zu ihren Fremdenrechten nach 
der Trennung hat aufnehmen und kognitiv verarbeiten können. Das Eheschutzver-
fahren hatte sie am 21. September 2016 in die Wege geleitet, nachdem der Be-
schuldigte am 25. Juli 2016 vergeblich die Scheidung hatte anstreben wollen 
(pag. 675 ff.). Sie scheute sich somit nicht davor, den Schritt vom Beschuldigten 
weg und – zumindest subjektiv empfunden – in einen allfälligen Aufenthaltsstatus-
verlust zu wagen. So ging bspw. auch Rechtsanwalt E.________ am 23. Septem-
ber 2019 noch davon aus, dass für die Privatklägerin Art. 50 Abs. 1 Bst. a des 
Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration 
(AIG; SR 142.20) statt dem Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge 
(Flüchtlingskonvention; SR 0.142.30) einschlägig sei, so dass eine Ausschaffung 
wegen fehlender dreijähriger Ehegemeinschaft zwingend sein würde (pag. 344). 
Das Schreiben des SEM vom 2. Mai 2017, worin nach dem Eheschutzverfahren 
bestätigt wurde, dass die Privatklägerin auch nach ihrer Trennung wegen ihrer 
Flüchtlingseigenschaft und dem gewährten Asyl die Schweiz nicht verlassen müs-
se, war an den Migrationsdienst gerichtet, ohne Kopie an die Privatklägerin 
(pag. 270 f.). Von solchen Schreiben erhalten die Betroffenen in der Regel keine 
Kenntnis, es sei denn, die Akten würden – wie vorliegend – ediert. Der Beschuldig-
te hatte seinem wiederholt geäusserten Unmut über den Verbleib der Privatklägerin 
letztendlich auch mit Brief ans SEM vom 5. Juli 2017 noch bekräftigt, in welchem er 
ausführte, er lebe von seiner Frau seit einem Jahr getrennt, sie wolle die Schweiz 
nicht verlassen und akzeptiere aus diesem Grund die Scheidung nicht. Sie habe 
ihn nur wegen dem Aufenthaltsstatus geheiratet. Er ersuche um Durchführung des 
Scheidungsverfahrens (pag. 272). Ende März 2018 schrieb er zudem an die Frem-
denpolizei des Kantons Bern, seine Frau sei jetzt gerichtlich von ihm getrennt, er 
wolle aufklären: Sie habe ihn ausgenutzt. Bis sie ihren B-Ausweis erhalten habe, 
sei sie respektvoll mit ihm umgegangen, danach habe sie ihn nur noch unterdrückt, 
belästigt, beleidigt und sei ausser Kontrolle geraten. Um ihre Wohnsitzbescheini-
gung verlängern zu können, habe sie Urkundenfälschung begangen und ihn so ge-
sagt als «Monster» dargestellt, damit er der Schuldige sei und sie in der Schweiz 
weiterleben könne. Er bitte um Anerkennung der Trennungsvereinbarung und dar-
um, dass die Fremdenpolizei des Kantons Bern tue, «was nötig ist» (pag. 276). Der 
Beschuldigte ging somit ebenfalls davon aus, dass er – trotz Asyl und Flüchtlings-
status seiner Frau – mit den nötigen Verunglimpfungen ihre Wegweisung erwirken 
könne. Von einem solchen Schreiben hatte die Privatklägerin Kenntnis (pag. 97 Z. 
513 ff.). Sie sagte aus, sie habe das Schreiben im Herbst 2016 gesehen, somit 
kann es sich zwar nicht um eines der beiden obenerwähnten Briefe gehandelt ha-
ben. Sie sagte aber weiter aus, er habe dauernd solche Briefe an irgendjemand 
geschrieben (pag. 97 Z. 525 f.). Sie habe Angst gehabt, dass er sie und ihre Toch-
ter tatsächlich ausschaffen könne. Er habe immer gesagt, dass er es geschafft ha-
be, sie beide hierhin zu bringen und er werde es auch alleine schaffen, sie beide 
wieder zurück zu schicken (pag. 97 Z. 528 ff.). Diese Aussage ist glaubhaft und 
nachvollziehbar, vor allem auch in Anbetracht der bestätigenden Ausführungen ih-
res Psychiaters (pag. 32). Auch wenn das Aufenthaltsrecht der Privatklägerin ob-
jektiv durch Trennung und Scheidung nie ernsthaft gefährdet war, so ist nachvoll-

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ziehbar, dass sie auf Grund ihrer fehlenden Kenntnis der hiesigen Gepflogenheiten, 
der fehlenden Sprachkenntnisse, der mangelhaften Integration, der Schreiben und 
Äusserungen des Beschuldigten sowie der entsprechenden Bestätigungen aus 
seinem Freundeskreis davon ausgegangen ist, er besitze die Macht, den Verlust ih-
rer Aufenthaltsrechte bei den Schweizer Behörden zu erwirken. Insofern liegt auf 
der Hand, dass sie durch seine entsprechenden Drohungen, welche nicht nur ge-
gen sie, sondern auch gegen ihre damals noch minderjährige Tochter gerichtet wa-
ren, in Angst und Schrecken versetzt wurde. Wie bereits ausgeführt gibt es keine 
Hinweise und findet sich nichts in den Akten, wann sie genau davon erfahren hat, 
dass die (gerichtliche) Trennung nicht zu den Fällen im Asylgesetz und der Flücht-
lingskonvention gehöre, nach denen die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft 
und der Widerruf des Asyls vorgenommen werden kann. Es ist nicht erstellt, dass 
sie bei Anzeigeerstattung anwaltlich über ihre Fremdenrechte aufgeklärt worden ist. 
Das Migrationsrecht ist anspruchsvoll, komplex und für Zivil- und Strafrechtsanwäl-
te nicht unbedingt alltäglich. Wie ausgeführt ging selbst der Gegenwalt (Rechtsan-
walt E.________) im vorinstanzlichen Verfahren noch von einer anderen Rechtsla-
ge aus (pag. 344) und Rechtsanwalt D.________ erwähnte ihr nach wie vor beste-
hendes Recht auf Asyl erstmals im Plädoyer vor der Vorinstanz, wonach «ein Blick 
in die Migrationsakten zeige», dass sie nach wie vor Anspruch auf Asyl habe (pag. 
435). Von den Migrationsakten hatte Rechtsanwalt D.________ aber überhaupt 
erst durch die Edition der Staatsanwaltschaft am 11. Oktober 2019 Kenntnis erhal-
ten (pag. 176 ff.). Es ist somit gestützt auf die glaubhaften Aussagen der Privatklä-
gerin davon auszugehen, dass sie trotz anwaltlicher Beratung seit 2016 davon 
ausging, der Beschuldigte habe die Macht sie zurückzuschaffen.

Auch wenn sie subjektiv nach wie vor von der Allmacht ihres Ehemannes ausge-
gangen sein mag, ist in Anbetracht ihres glaubhaften Aussageverhaltens unwahr-
scheinlich, dass sie die komplexen, über eine lange Zeitdauer anhaltenden Ereig-
nisse erfunden und aufrechterhalten hat.

9.3.2 Zum letzten Treffen zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten und zu 
den Tätlichkeiten vor der Anzeige im Jahr 2018 (Packen an den Armen und Hand-
gelenken)   

Die Privatklägerin sagte bei der Polizei aus, sie habe den Beschuldigten seit Ende 
April [2018] nicht mehr gesehen (pag. 87 Z. 43 und pag. 105 Z. 901). Auf An-
schlussfrage ergänzte sie, (auch) im Juli 2018 habe sie ihn nicht gesehen. Sie ha-
be damals gearbeitet und habe ihn nicht gesehen (pag. 107 Z. 1011 ff.). Anlässlich 
der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft gab sie dann an, der letzte Ge-
schlechtsverkehr sei im Mai 2018 gewesen. Der Beschuldigte sei ihr gegenüber 
sehr angenehm gewesen (pag. 118 Z. 195 ff.). Anlässlich der vorinstanzlichen Ein-
vernahme sagte sie aus, sie habe im August 2018 nicht beim Beschuldigten über-
nachtet oder sei sonst bei ihm gewesen, denn sie habe seit anfangs Mai 2018 kei-
nen Kontakt mehr zu ihm gehabt. Dies wegen den E-Mails, die er ihrem Bruder ge-
schrieben habe. Sie habe im Juli dann auch mit ihrer Arbeit bei der Bäckerei be-
gonnen und früh mit der Arbeit beginnen müssen. Deshalb habe sie auch gar kei-
nen Kontakt zu anderen haben können (pag. 409 Z. 28 ff.). Im Mai [2018] hätten sie 
Schluss gemacht und seither hätten sie sich nicht mehr gesehen. Sie habe damals 

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in AA.________ (Ort) gearbeitet und nicht in AD.________ (Ort) (pag. 410 Z. 1 ff.). 
Anlässlich der Berufungsverhandlung gab sie an, dass sie sich im Mai nicht mehr 
getroffen hätten. Es sei wohl in den ersten beiden Aprilwochen gewesen, als sie 
sich das letzte Mal gesehen hätten (pag. 783 Z. 16 ff. und pag. 784 Z. 19 ff.). Der 
genaue Termin des letzten Treffens kann nicht als erstellt gelten. Gestützt auf die-
se Aussagen und im Zweifel für den Beschuldigten geht die Kammer davon aus, 
dass der letzte Kontakt spätestens Ende April 2018 stattfand. Nach diesem Zeit-
punkt kann es zu keinen weiteren sexuellen Handlungen gekommen sein.  

Gemäss den Aussagen der Privatklägerin hörten das an den Armen- und Handge-
lenke Packen auf, sobald ihr eine Wohnung zugesagt wurde (pag. 100 Z. 657 f.). 
Die Privatklägerin bezog die Wohnung an der O.________ in O.________ (Ort) 
nach der Trennung am 22. Februar 2017 (pag. 13). Damit nimmt die Kammer 
ebenfalls im Zweifel für den Beschuldigten an, dieser habe sie ab dem 22. Februar 
2017 nicht mehr an den Armen und Handgelenken gepackt oder sie geschüttelt. 

9.3.3 Zu den SMS-Nachrichten an den Bruder resp. die Mutter der Privatklägerin 
(pag. 27 ff.)

Der Beschuldigte gab anlässlich der Einvernahme bei der Polizei am 19. Septem-
ber 2018 an, er habe SMS-Nachrichten an den Bruder und die Mutter der Privat-
klägerin geschrieben. Er gab weiter an, die von Rechtsanwalt D.________ einge-
reichten SMS würden von ihm stammen und insbesondere in Bezug auf die SMS 
Nr. 5, bei welcher davon die Rede sei, dass der Bruder sich von seiner Schwester 
verabschieden solle, gab er an, die Übersetzung stehe unterhalb und es stehe ja 
nichts Schlechtes. Später gab er dann an, dass er sich nicht erinnern könne, dies 
geschrieben zu haben (pag. 57). An der vorinstanzlichen Einvernahme sagte der 
Beschuldigte aus, die Nachrichten seien nicht an die Mutter, sondern an den Bru-
der gerichtet gewesen. Der Bruder der Privatklägerin habe ihm damals gedroht und 
er habe ihm gedroht. Der Bruder habe ihn verflucht, er werde ihn wie ein Paket 
hierherkommen lassen und habe ihn mit den Kindern bedroht. Er selber töte nicht. 
Er sei kein Moslem, welcher töte. Auf weitere Nachfrage gab er zu Protokoll, man 
sage in der türkischen Kultur, man schiesse den Töchtern in den Kopf, was in der 
Schweiz dem Ausdruck, jemand sei ein Arschloch, entspreche (pag. 426 Z. 17 ff.). 
Anlässlich der Berufungsverhandlung gab er dann auf einmal an, dass die Über-
setzungen falsch seien, zudem habe er nicht alles geschrieben. Die Privatklägerin 
habe das Passwort seines Handys gekannt und habe so ihren Kolleginnen und Kol-
legen und ihrer Familie von seinem Handy aus geschrieben. 90 % der SMS habe 
sie geschrieben und 10 % er. Bei der polizeilichen Einvernahme vom 19. Septem-
ber 2018 habe er die Aussagen nicht gelesen und einfach unterzeichnet. Die Ein-
vernahme habe so lange gedauert und um 19.00 Uhr habe er dann einfach alles 
unterzeichnet, aber nicht gelesen. Auf weitere Nachfrage gab er an, keine SMS 
versandt zu haben. Die Privatklägerin habe gesoffen und diese versandt (pag. 796 
Z. 14 ff.) 

Die Ausführungen des Beschuldigten, wonach er diese SMS nicht geschrieben ha-
be, stellen nach Ansicht der Kammer reine Schutzbehauptungen dar. Der Beschul-
digte hätte anlässlich der Einvernahme bei der Polizei nicht bestätigt, dass diese 
SMS von ihm stammen, wenn er sie nicht geschrieben hätte (pag. 56 Z. 711 ff.). 

29

Die SMS wurden dem Beschuldigten im Original in Türkisch mit Deutscher Über-
setzung vorgehalten. Er hat sich entgegen seinen Aussagen zu diesen SMS zwi-
schen 11.40 Uhr und 12.05 Uhr geäussert und jede einzelne SMS gelesen. Er in-
sistierte, er müsse sie alle durchlesen und bestätigte nach Bestätigung der einzel-
nen SMS auch noch einmal, dass alle SMS von ihm seien (pag. 56 Z. 731). Weiter 
spielte er den Inhalt der SMS Nr. 5 herunter, indem er anlässlich der Einvernahme 
vom 19. September 2018 aussagte, es stehe eigentlich nichts Schlechtes darin 
(pag. 57 Z. 740) und vor dem Regionalgericht, der Inhalt sei vergleichbar mit der 
Bezeichnung Arschloch in der Schweiz (pag. 426 Z. 17 ff.). Auch war der Beschul-
digte entgegen seinen Aussagen anwaltlich vertreten. Hätten die türkischen Texte 
nicht der deutschen Übersetzung entsprochen, hätte der Beschuldigte und/oder 
seine Verteidigung interveniert. Der Beschuldigte verwies nach dem Lesen der tür-
kischen Fassung gar auf die deutsche Übersetzung (pag. 57 Z. 743). Wäre er 
tatsächlich – wie er angegeben hat – nicht mehr fähig gewesen, der Einvernahme 
am 19. September 2018 körperlich oder kognitiv zu folgen, hätte er dies selber oder 
mittels seiner Verteidigung einbringen können. Dass er dies erst anlässlich der Be-
rufungsverhandlung vorbrachte, ist reine Schutzbehauptung. Zusammengefasst 
geht die Kammer davon aus, dass der Beschuldigte es war, der die SMS an den 
Bruder und die Mutter der Privatklägerin schrieb. 

9.3.4 Zur Eifersucht des Beschuldigten

Der Beschuldigte hat offensichtlich ein massives Eifersuchtsproblem. Seine irratio-
nale Eifersucht in Kombination mit seiner Definition von Ehre vermag im gesamten 
Tatgeschehen vieles zu erklären und in ein stimmiges Licht zu rücken. Tatsächlich 
irritiert auf den ersten Blick die extreme Ambivalenz, nicht nur der Privatklägerin 
gegenüber dem Beschuldigten, sondern auch umgekehrt. In den Augen des Be-
schuldigten hatte eine Ehefrau selbst nach der Trennung gewisse Pflichten 
(vgl. z.B. pag. 43 Z. 80 ff.). Sie verblieb seine «Ehre». Der Beschuldigte hat mehr-
fach ausgesagt, er habe sich von der Privatklägerin finanziell und fremdenrechtlich 
ausgenutzt gefühlt (z.B. pag. 43 Z. 82, pag. 45 Z. 153 ff., pag. 65 Z. 112 f.). Diese 
Frustration über empfundene Ausnutzung und Untreue führte zu Abneigung und 
Demütigung. Dies erklärt auch seine ambivalente Haltung ihr gegenüber: einerseits 
will er sie «beherrschen» (auch sexuell) und sie an ihre sonstigen ehelichen Pflich-
ten erinnern (Haushaltsführung), solange sie noch mit ihm verheiratet ist, anderer-
seits verabscheut er sie und wird von Rachegedanken derart überrannt, dass er al-
les dafür tut, ihr zu schaden, d.h., sie in die Türkei abzuschieben. Auf Seiten der 
Privatklägerin liegen die Gründe für die Ambivalenz auf der Hand: Sie ist die mona-
telangen Demütigungen und die Übergriffe zwar endgültig leid, kommt aber aus ei-
ner Kultur, in welcher den Frauen beigebracht wird, das passende Gegenstück zur 
Erwartungshaltung des Mannes an sie zu bilden: Die Ehe muss um jeden Preis 
«gerettet» werden, bei allen Emanzipationsgelüsten dringt doch immer wieder die 
antrainierte Unterordnungshaltung durch, Angst vor der Hilflosigkeit in einem 
«fremden» Land ohne den angetrauten Patriarchen. Dadurch lässt sich erklären, 
weshalb die Privatklägerin sich mit ihm mehrmals wieder zu versöhnen sucht, ihm 
den Haushalt macht und sich auch nach der Trennung wieder der Gefahr sexueller 
Gewalt aussetzt. Dies anfangs wohl in der Hoffnung, dass man sich versöhnen 
könnte und es vielleicht wieder einmal schön würde, er schöne Worte benützen 

30

würde und der Sex normal wäre und später dann aus purer Angst vor den Konse-
quenzen nach Verweigerung.  

9.3.5 Zu den Aussagen der Zeugen AH.________ (pag. 137.1 ff.), AI.________ 
(pag. 137.7 ff.) und R.________ (pag. 137.15 ff.)

Es kann auf die zutreffenden Zusammenfassungen und Erwägungen der Vorin-
stanz verwiesen werden (pag. 522 ff.). Diese Zeugen bringen keine relevanten Er-
kenntnisse, soweit die Beweiskraft ihrer Aussagen infolge der freundschaftlichen 
Verbundenheit mit dem Beschuldigten überhaupt durchzudringen vermögen. Ihre 
Aussagen stehen zudem auch nicht wesentlich im Widerspruch zu den bisher ge-
wonnenen Erkenntnissen. 

9.3.6 Arztbericht Dr. med. AJ.________ betreffend die Privatklägerin vom 20. Juli 2018 
(pag. 30 f.) und E-Mail vom 3. Dezember 2020 (pag. 446)

Dr. med. AJ.________ betreut die Privatklägerin gemäss Bericht vom 20. Juli 2018 
(pag. 30 f.) seit dem 16. Juni 2017, nach Zuweisung durch den Hausarzt (mit Bitte 
um dringende Behandlung) wegen zunehmender Verschlechterung ihres psychi-
schen Zustandes. Die genannte Verschlechterung fällt in die Zeit nach der gericht-
lichen und örtlichen Trennung (22. Februar 2017), der drei Vergewaltigungs- und 
der drei weiteren sexuellen Nötigungsvorwürfe. Auch die Tätlichkeiten liefen da-
mals – jedenfalls gemäss Anklageschrift – bereits und die Drohungen ebenfalls. 
Der Vorinstanz kann gefolgt werden, wenn sie angesichts der Therapieinhalte (seit 
Sommer 2017 Aufarbeitung massiver Gewalterlebnisse durch den Ehemann, To-
desangst) und der Diagnosen (PTBS, schwergradige depressive Episode ohne 
psychotische Symptome, generalisierte Angststörung) annahm, dass es der Privat-
klägerin wohl gerade wegen der angefangenen Psychotherapie (erst, aber immer-
hin) ein Jahr später gelang, das Erlebte zur Anklage zu bringen. Bezeichnend ist, 
dass der Psychiater Dr. med. AJ.________ weder eine Schizophrenie noch eine 
wahnhafte Persönlichkeitsstörung oder sonstige wahnhafte Grundzüge diagnosti-
zierte, wie dies der Beschuldigte vorbrachte. Dr. AJ.________ bestätigte mit E-Mail 
vom 3. Dezember 2020, dass die Privatklägerin immer noch bei ihm in ambulanter 
psychiatrischer/psychologischer Betreuung sei, mit gleichbleibender Diagnose und 
Therapiethema. Sie werde auf Grund des schweren Verlaufs noch mehrere Jahre 
therapiert werden müssen, aktuell wöchentlich (pag. 446). Insofern sind die ent-
sprechenden Behauptungen des Beschuldigten unglaubhaft und stellen für die 
Kammer unbegründete Gegenanschuldigungen und damit deutliche Lügensignale 
dar.

9.3.7 Arztzeugnis Dr. med. AK.________ vom 10. November 2016 (pag. 674) und Arzt-
bericht Dr. med. AK.________ vom 13. Februar 2020 (pag. 358 f.) über den Be-
schuldigten

Das Arztzeugnis vom 10. November 2016 vermag in Bezug auf die Tatvorwürfe 
weder Belastendes noch Entlastendes zu bestätigen (pag. 674). Im Arztbericht vom 
13. Februar 2020 (pag. 358 f.) bestätigt Dr. med. AK.________ – wohl auf aus-
drückliche Frage nach dem Gewaltpotential – er habe keine Anzeichen beim Be-
schuldigten gefunden, dass er nicht in der Lage wäre, seine Emotionen und Hand-
lungen zu steuern. Objektiv und in den von ihm geführten psychologischen Tests 

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gebe es keine Hinweise über Akzentuierung seiner Persönlichkeitsmerkmale von 
Instabilität bezüglich der eigenen Identität, impulsiven Handlungen, Neigungen zu 
Ausbrüchen von Gewalt mit Selbst- und Fremdbeschädigung. Dieser Betrachtung 
an die Verteidigung gerichtet, welche auf Grund der zielgerichteten Beurteilung be-
reits Fragezeichen aufwirft, sind die höchst aggressiven, gewaltzeichnenden und 
unkontrollierten SMS des Beschuldigten entgegenzuhalten (pag. 27 ff.). Wohl mag 
beim Beschuldigten psychiatrisch keine gewaltinhärente Diagnose gestellt worden 
sein, allgemeine und sexuelle Dominanzausbrüche im Rahmen einer spannungs-
geladenen Trennungsgeschichte müssen aber auch nicht auf eine Persönlich-
keitsstörung oder ein Krankheitsbild zurückgehen. Das von der Straf- und Privat-
klägerin Erlebte lässt sich mit dieser «Beurteilung» immer noch vereinbaren.

9.4 Fazit

Die Kammer erachtet somit in Übereinstimmung mit der Vorinstanz den Sachver-
halt gemäss Anklageschrift als erstellt, mit Ausnahme der angeklagten Tätlichkei-
ten soweit den Zeitraum ab 22. Februar 2017 betreffend. 

III. Rechtliche Würdigung

Grundsätzlich kann betreffen die rechtliche Würdigung auf die zutreffenden Aus-
führungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 526 ff.). 

10. Sexuelle Nötigung nach Art. 189 Abs. 1 StGB

10.1 Allgemeines zu Art. 189 Abs. 1 StGB

Eine sexuelle Nötigung nach Art. 189 Abs. 1 StGB begeht, wer eine Person zur 
Duldung einer beischlafsähnlichen oder einer anderen sexuellen Handlung nötigt, 
namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck 
setzt oder zum Widerstand unfähig macht. Wer unter den genannten Umständen 
eine Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt, macht sich 
der Vergewaltigung nach Art. 190 Abs. 1 StGB schuldig. 

Die Vorinstanz hat die massgebende Lehre und Rechtsprechung zu dieser Be-
stimmung zutreffend zusammengefasst. Auf diese kann verwiesen werden 
(pag. 526 ff.).

10.2 Subsumtion und Fazit der ersten vier angeklagten Vorfälle (Ziff. 1 Abs. 1 der An-
klageschrift; pag. 363)

Der Beschuldigte hat gemäss Beweisergebnis an der Privatklägerin wiederholt ge-
gen ihren Willen den Analverkehr vollzogen. Die hier zu beurteilenden Tathandlun-
gen verwirklichte der Beschuldigte durch Gewalt gegenüber der Privatklägerin. 
Diese wehrte sich körperlich sowie verbal und versuchte, seine Hände wegzustos-
sen. Der Beschuldigte drückte sie aber auf das Bett und hielt sie während dem 
Analverkehr an den Handgelenken, Hüften oder Armen fest. Wie bereits die Vorin-
stanz feststellte (pag. 530), war sie dem Beschuldigten unter Berücksichtigung ihrer 
körperlichen Konstitution physisch klarerweise unterlegen und hatte keine reale 
Chance zu einer Gegenwehr. In objektiver Hinsicht erfüllen somit die ersten vier 
angeklagten Vorfälle mit Analverkehr den Tatbestand von Art. 189 Abs. 1 StGB. 

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Wie bereits die Vorinstanz zutreffenderweise ausführte (pag. 530), erachtet die 
Kammer als erstellt, dass die Privatklägerin mit dem Analverkehr nicht einverstan-
den war. Aufgrund ihres Widerstandes, ihrer Gegenwehr und ihren verbalen Äusse-
rungen war dem Beschuldigten dies auch klar. Trotz dieser klar geäusserten Ab-
lehnung vollzog er den jeweiligen Analverkehr an ihr. Damit ist auch der subjektive 
Tatbestand von Art. 189 Abs. 1 StGB erfüllt. 

Rechtfertigungs- und / oder Schuldausschlussgründe sind keine ersichtlich. 

Der Beschuldigte hat sich in den ersten vier Fällen gemäss Anklageschrift wegen 
sexueller Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB, mehrfach begangen von April / 
Mai 2016 bis Mai 2018 in N.________ (Ort) z.N. der Privatklägerin strafbar ge-
macht. 

10.3 Vorwürfe gemäss Anklageschrift Ziff. 1 Abs. 2 (pag. 363 f.), drei letzte Vorfälle 
Mai 2018

Es ist festzuhalten, dass sich aus der Anklageschrift ein anderer angeklagter Zeit-
raum für die drei letzten Vorfälle ergibt, als im vorinstanzlichen Urteil erwähnt. Die 
Anklageschrift klagt unter Ziff. 1 Abs. 2 für die ersten vier Vorfälle einen explizit ab-
gegrenzten Zeitraum von (erstmals) April/Mai 2016 (und dann dreimal an unbe-
kannten Zeitpunkten) bis April 2018 an (pag. 363 f.). Im zweiten Abschnitt erwähnt 
sie keinen spezifischen Zeitraum mehr, eröffnet den Absatz aber mit «Es kam in 
der Folge zu weiteren ca. drei bis viermal Analverkehr…». Das heisst, diese zweite 
Phase begann gemäss Anklageschrift frühestens nach Abschluss der ersten, also 
Mai 2018. Das Ende wird durch den Gesamtzeitraum für alle Delikte begrenzt 
(April/Mai 2016 bis Mai 2018). Somit ist der angeklagte Zeitraum für die letzten drei 
Vorfälle von anfangs Mai 2018 bis Ende Mai 2018. Zu diesem Zeitpunkt fand aber 
– wie sachverhaltlich festgestellt – kein Kontakt zwischen der Privatklägerin und 
dem Beschuldigten mehr statt. Im Mai 2018 kann es damit nicht zu weiteren sexu-
ellen Handlungen gekommen sein. Daher ist der Beschuldigte von diesen Anschul-
digungen freizusprechen. 

11. Vergewaltigung nach Art. 190 Abs. 1 StGB

11.1 Allgemeines zu Art. 190 Abs. 1 StGB

Wer eine Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt, na-
mentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck setzt 
oder zum Widerstand unfähig macht, erfüllt den Tatbestand von Art. 190 Abs. 1 
StGB. Es kann auf die weiteren theoretischen Ausführungen der Vorinstanz ver-
wiesen werden (pag. 531 f.). 

11.2 Subsumtion und Fazit

Der Beschuldigte hat wiederholt und gegen den Willen der Privatklägerin mit ihr 
den vaginalen Geschlechtsverkehr vollzogen. Wie auch bei den sexuellen Hand-
lungen nach Art. 189 Abs. 1 StGB hiervor ausgeführt, hat der Beschuldigte Gewalt 
angewendet, indem die Privatklägerin versuchte, sich körperlich und verbal dem 
Vorhaben zu entziehen, der Beschuldigte sie aber würgte und ihr teilweise den 
Mund zuhielt, während er den vaginalen Geschlechtsverkehr an ihr vollzog. Damit 

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sind bei den drei angeklagten Vorfällen mit vaginalem Geschlechtsverkehr die Tat-
bestandselemente von Art. 190 Abs. 1 StGB erfüllt.  

Subjektiv musste dem Beschuldigte aufgrund der physischen und verbalen Ge-
genwehr der Privatklägerin bewusst gewesen sein, dass sie damit nicht einver-
standen war. Trotzdem vollzog er den vaginalen Geschlechtsverkehr an ihr. Damit 
ist auch der subjektive Tatbe