# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8ef822e1-fef7-50a1-b68a-e9dd7aa366ce
**Source:** Solothurn (SO)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-02
**Language:** de
**Title:** Solothurn Versicherungsgericht 02.03.2022 VSBES.2020.87
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SO_Omni/SO_VSG_001_VSBES-2020-87_2022-03-02.html

## Full Text

Urteil vom 2. März 2022 

Es wirken mit:

Präsident Flückiger 

Oberrichter Marti

Oberrichter von Felten

Gerichtsschreiber Isch

In Sachen

A.___ vertreten durch Rechtsanwalt Peter Kaufmann, hier
vertreten durch Rechtsanwältin Sabina Eichel

Beschwerdeführer 

 

gegen

 

IV-Stelle Solothurn, Allmendweg 6, 4528 Zuchwil, 

Beschwerdegegnerin 

 

betreffend       Invalidenrente
(Verfügung vom 24. März 2020)

 

zieht das
Versicherungsgericht in Erwägung:

I.     
 

 

1.

1.1     Der 1968 geborene A.___
(nachfolgend: Beschwerdeführer) meldete sich am 24. März 2009 unter
Hinweis auf einen Sehnenabriss am Oberarm erstmals zum Bezug von Leistungen bei
der IV-Stelle des Kantons Solothurn (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) an
(IV-Nr. [Akten der IV-Stelle] 2). Im Austrittsbericht des B.___ vom 26.
November 2008 (IV-Nr. 7.3, S. 4) wurde in diesem Zusammenhang unter anderem
eine traumatische Supraspinatussehnenruptur rechts diagnostiziert. Mit Verfügung
vom 3. September 2009 (IV-Nr. 18) verneinte die Beschwerdegegnerin den Anspruch
des Beschwerdeführers auf berufliche Massnahmen und eine Invalidenrente. 

 

1.2     Am 18. März 2011 meldete sich
der Beschwerdeführer erneut zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung
an (IV-Nr. 20). Als gesundheitliche Beeinträchtigung gab er
Bandscheibenvorfälle, Rücken, Knie, Schulter, Tinnitus sowie eine chronische
Nebenhöhlenentzündung an. Mit Verfügung vom 16. Juni 2011 (IV-Nr. 32)
verneinte die Beschwerdegegnerin einen Anspruch des Beschwerdeführers auf
berufliche Massnahmen und eine Invalidenrente. Zur Begründung wurde
festgehalten, gemäss den Abklärungen bestehe bei adaptierter Belastung in der
bisherigen Tätigkeit in der eigenen Firma keine erhebliche Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit. Auch Verweistätigkeiten mit geringer Rückenbelastung wären zu
100 % zumutbar. Betriebsinterne Prüfungen bezüglich strategischer
Umgestaltung der Arbeitsaufgaben seien im Gange. Sollten diese scheitern und
eine andere Erwerbstätigkeit in Betracht gezogen werden müssen, so könne
allenfalls ein neues Gesuch für berufliche Massnahmen eingereicht werden.
Aktuell seien berufliche Massnahmen nicht notwendig. Diese Verfügung erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.

 

1.3     Am 21. Januar 2016 meldete sich
der Beschwerdeführer wiederum zum Bezug von Leistungen bei der
Invalidenversicherung an. Er gab an, er leide an Knie-, Schulter-, Nasen-,
Ohren- und Rückenbeschwerden (IV-Nr. 33.1). Mit Vorbescheid vom 29. Januar
2016 (IV-Nr. 34) teilte ihm die Beschwerdegegnerin mit, sie werde vor-aussichtlich
nicht auf das neue Leistungsbegehren eintreten. Nachdem der Beschwerdeführer dagegen
Einwände erhoben und weitere Unterlagen eingereicht hatte (IV-Nr. 35, 41),
veranlasste die Beschwerdegegnerin jedoch berufliche Massnahmen und holte
schliesslich bei der Begutachtungsstelle C.___ ein polydisziplinäres Gutachten
in den Fachrichtungen Allgemeine Innere Medizin, Orthopädie, Psychiatrie,
Neurologie sowie Neuropsychologie ein. Das Gutachten wurde am 28. Juli
2018 erstattet (IV-Nr. 161.2). In der Folge reichte der Beschwerdeführer einen
Bericht über eine ambulante Beurteilung durch Dr. med. D.___, Fachärztin
für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 30. Oktober 2018 ein (IV-Nr. 188).
Die Beschwerdegegnerin holte daraufhin eine ergänzende Stellungnahme der
Begutachtungsstelle C.___ vom 5. Februar 2019 (IV-Nr. 195) ein. Anschliessend
stellte sie dem Beschwerdeführer – nach Einholung einer Stellungnahme von Dr.
med. E.___, Praktische Ärztin, vom Regionalen Ärztlichen Dienst der IV (RAD)
vom 15. Februar 2019 (IV-Nr. 198) – mit Vorbescheid vom 20. Mai 2019
(IV-Nr. 199) in Aussicht, sie werde einen Anspruch auf weitere berufliche Massnahmen
und eine Invalidenrente verneinen. Der Beschwerdeführer liess dagegen am 12.
Juni 2019 Einwände erheben (IV-Nr. 204) und einen Bericht von Prof. Dr. med. F.___,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, spez. Alterspsychiatrie und
Alterspsychotherapie, vom 30. Mai 2019 (IV-Nr. 204 S. 11 ff.)
sowie einen Arbeitsvertrag vom 30. April 2019 (IV-Nr. 204 S. 14)
einreichen. In der Folge wurden unter anderem Berichte des B.___, Memory
Clinic, vom 13. Juni 2019 über eine Neurologische und Neuropsychologische
Untersuchung sowie eine MR-Untersuchung des Neurocraniums vom 13. Juni
2019 (IV-Nr. 207 S. 5 ff.) und von Dr. med. G.___, Facharzt für Pneumologie und
Innere Medizin FMH, vom 11. Oktober 2019 über eine pneumologische und
schlafmedizinische Verlaufskontrolle (IV-Nr. 207 S. 3 f.) zu den Akten gegeben.
Die Beschwerdegegnerin holte daraufhin eine Stellungnahme der RAD-Ärztin
Dr. med. H.___ vom 13. Januar 2020 ein (IV-Nr. 209). Anschliessend
entschied sie mit Verfügung vom 24. März 2020 im Sinne des Vorbescheids und
lehnte es ab, weitere Leistungen in Form von beruflichen Massnahmen oder einer
Invalidenrente zu erbringen (IV-Nr. 213; Aktenseiten [A.S.] 1 ff.). 

 

2.       Dagegen lässt der
Beschwerdeführer mit Schreiben vom 7. Mai 2020 (A.S. 6 ff.) beim
Versicherungsgericht des Kantons Solothurn Beschwerde erheben und folgende
Rechtsbegehren stellen: 

 

1.    Die angefochtene Verfügung vom 24. März
2020 sei aufzuheben und es sei dem Beschwerdeführer eine Invalidenrente
auszurichten.

2.    Eventualiter sei die Verfügung vom 24.
März 2020 aufzuheben und es sei über die gesetzlichen Ansprüche des
Beschwerdeführers nach Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen und
Einholung eines verwaltungsexternen Obergutachtens neu zu befinden.

- unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen -

 

Mit der Beschwerdeschrift werden ein
Austrittsbericht der I.___ vom 25. April 2020 und ein Verlaufsbericht der
Psychiaterin Prof. Dr. med. F.___, vom 29. April 2020 eingereicht. 

 

3.       Mit Eingabe vom 9. Juli 2020
(A.S. 28 f.) lässt der Beschwerdeführer einen Austrittsbericht der Klinik J.___,
Schlafmedizin, vom 18. Juni 2020 auflegen.

 

4.       Die Beschwerdegegnerin
verzichtet am 9. Juli 2020 auf das Einreichen einer Beschwerdeantwort und
schliesst auf Abweisung der Beschwerde (A.S. 30). 

 

5.       Im weiteren Verlauf holt das
Versicherungsgericht von Amtes wegen Unterlagen der K.___ über die dort – während
des Aufenthalts in der I.___ – durchgeführte neuropsychologische Abklärung ein.
Der Bericht über die dortige testdiagnostische Untersuchung (A.S. 43 f.) wird
den Parteien mit prozessleitender Verfügung vom 8. Dezember 2020 zur Kenntnis
zugestellt (A.S. 45).

 

6.       Mit Verfügung vom 24. März 2021
(A.S. 54) wird bei Dr. med. L.___ (Innere Medizin, Fallführung), Dr. med. M.___
(Psychiatrie), M. Sc. N.___ und Prof. O.___ (Neuropsychologie), Dr. med. P.___
(Schlafmedizin) und Prof. Q.___ (Hals-Nasen-Ohren; HNO), alle von der R.___
Begutachtung, ein polydisziplinäres Gutachten veranlasst. Das Gutachten ergeht
am 14. Dezember 2021 (A.S. 59 ff.).

 

7.       Mit Stellungnahmen vom 18.
Januar 2022 und 7. Februar 2022 lassen sich die Parteien dazu abschliessend
vernehmen.

 

8.       Auf die Ausführungen der
Parteien in ihren Rechtsschriften wird im Folgenden, soweit erforderlich,
eingegangen.

 

II.

 

1.       Die Sachurteilsvoraussetzungen
(Einhaltung von Frist und Form, örtliche und sachliche Zuständigkeit des
angerufenen Gerichts) sind erfüllt. Auf die Beschwerde ist einzutreten.

 

2.

2.1     Anspruch auf eine Rente haben
nach Art. 28 Abs. 1 IVG jene Versicherten, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können
(lit. a), und die zusätzlich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind
und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG)
sind (lit. b und c). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine
ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf
eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine
Viertelsrente.

 

2.2     Für die Bestimmung des
Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Art. 16 ATSG). 

 

3.

3.1     Wurde eine Rente wegen eines
fehlenden oder zu geringen Invaliditätsgrades bereits einmal verweigert bzw.
aufgehoben, so wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die versicherte
Person glaubhaft macht, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch
erheblichen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 3 und 4 IVV). 

 

3.2     Tritt die Verwaltung – wie im
vorliegenden Fall – auf eine Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell
abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft
gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist;
sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs.
1 ATSG vorzugehen. Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der
früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie
das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zusätzlich noch zu prüfen, ob die
festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine rentenbegründende Invalidität
zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche
materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 133 V 108, 117 V 198 E. 3a,
109 V 115 E. 2b).

 

Ob eine anspruchsbegründende Änderung in
den für den Invaliditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt
sich im Neuanmeldungsverfahren – analog zur Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1
ATSG, s. BGE 105 V 30 – durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt
der Ablehnungsverfügung bestanden hat, mit demjenigen zur Zeit der streitigen
neuen Verfügung (BGE 130 V 73 E. 3.1 mit Hinweisen; AHI 1999 S. 84 E.
1b).

 

4.

4.1     Um den Invaliditätsgrad bemessen
zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf
Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im
Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung
der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden
können (BGE 132 V 99 f. E. 4, 125 V 261 E. 4). 

 

Demgegenüber fällt es nicht in den
Aufgabenbereich des Arztes oder der Ärztin, sich zur Höhe einer allfälligen
Rente zu äussern, da der Begriff der rentenanspruchsbegründenden Invalidität
nicht nur von medizinischen, sondern auch von erwerblichen Faktoren bestimmt
wird (vgl. Art. 16 ATSG).

 

4.2     Der Beweiswert eines ärztlichen
Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend
ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in
der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet
sind (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352). Einem durch den Versicherungsträger im
Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung
entsprechenden Gutachten externer Spezialärzte ist nach der Rechtsprechung
voller Beweiswert zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 135 V 365 E. 4.4 S. 469 f. mit
Hinweis). 

 

4.3     Rechtsprechungsgemäss bildet der
Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung – vorliegend 24. März 2020 – in
tatbeständlicher Hinsicht grundsätzlich die Grenze der richterlichen
Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2, 105 V 161 f. E. 2d).

 

5.       

5.1     Der Beschwerdeführer bringt vor, die Gutachter der C.___ hätten
in der interdisziplinären Beurteilung ausgeführt, er könne sowohl im
Bettenfachgeschäft als auch als Angestellter bei der Firma S.___ 8,5 Stunden
pro Tag arbeiten; möglich seien leichte bis mittelschwere körperliche Arbeiten.
Dabei sei unter anderem auch davon ausgegangen worden, dass im
Bettenfachgeschäft nur in geringem Umfang schwere Arbeiten anfielen (vgl. interdisziplinäre
Begutachtung, S. 7). Dies entspreche jedoch so nicht den Tatsachen. Laut
der Beurteilung des ehemaligen Arbeitgebers seien die im Rahmen der dortigen
Tätigkeit ausgeführten Arbeiten zu 90 % handwerklicher und nur zu
10 % administrativer Art. Zu den konkreten Aufgaben des Beschwerdeführers
hätten unter anderem die Vornahme von Reparaturen, die Annahme und
Kommissionierung von Waren, die Vornahme von Umzügen mit schweren Lasten, die
Spezialanfertigung von Bettgestellen sowie das Be- und Entladen von Fahrzeugen
gehört. Daher könne entgegen der gutachterlichen Annahme gerade nicht davon
ausgegangen werden, dass dem Beschwerdeführer eine berufliche Tätigkeit in
seinem angestammten Beruf uneingeschränkt möglich sei. In Kenntnis der
tatsächlichen Tätigkeit im Bettenfachgeschäft sei evident, dass der
Beschwerdeführer diese nicht mehr ausüben könne. Im Weiteren sei selbst für die
physisch einfachere Tätigkeit bei der Firma S.___ keine volle
Leistungsfähigkeit gegeben. Dies bestätige auch die Arbeitgeberin, wie deren
Schreiben vom 23. Oktober 2018 entnommen werden könne. Daher könnten die
hiervon abweichenden gutachterlichen Feststellungen nicht nachvollzogen werden.
Auch könne nicht nachvollzogen werden, weshalb sich die Leistungseinschränkung
von 15 % nur auf die bisherige Tätigkeit im Bettenfachgeschäft und nicht auch
auf eine Tätigkeit in einer angepassten Tätigkeit beziehen solle. Vor dem
Hintergrund, dass es sich bei der Einschränkung um eine solche im kognitiven
Bereich (vermindertes Kurzzeitgedächtnis, Verlangsamung der Auffassung bei
komplexeren Aufgabenstellungen, schnelle Ermüdbarkeit, schlechte Konzentration,
verminderte Lernfähigkeit) handle, müsse vielmehr davon ausgegangen werden,
dass diese sich gerade bei kognitiv anstrengenden Arbeiten wie beispielweise
administrativen Tätigkeiten oder Büroarbeiten mehr auswirke als bei rein
körperlichen oder mechanischen Verrichtungen. Insofern könnten auch hier die
gutachterlichen Feststellungen nicht nachvollzogen werden. Zudem würden die
Voraussetzungen einer angepassten Tätigkeit von den Gutachtern unterschiedlich
definiert. So gehe der neuropsychologische Gutachter davon aus, dass eine
angepasste Tätigkeit kürzere, konzentrativ weniger anspruchsvolle Aufgaben mit
verlängerter Bearbeitungszeit, klaren Instruktionen und dem Einsatz von
Checklisten umfasse (vgl. neuropsychologisches Teilgutachten, S. 10). Er
stelle weiter fest, dass Einschränkungen auch in der angestammten Tätigkeit
bestünden, äussere sich jedoch nicht abschliessend zu der Frage, ob die
tatsächliche Tätigkeit des Beschwerdeführers bei S.___ diesen Vorgaben
entspreche und daher als angepasste Tätigkeit qualifiziert werden müsse, oder
ob auch hier ein weiterer Abzug vorgenommen werden müsse. Auch die
interdisziplinäre Beurteilung nehme insoweit keinen Abzug vor. Daher müsse hier
von einer unzureichenden Ermittlung des Sachverhalts ausgegangen werden. Gegen
eine volle Leistungsfähigkeit in einer vermeintlich angepassten Tätigkeit wie
derjenigen bei der S.___ AG spreche auch, dass die Arbeitgeberin ebenfalls auf
eine stark reduzierte Leistungsfähigkeit, eine schnelle Ermüdbarkeit sowie eine
Unkonzentriertheit hinweise. Zudem seien die Hörbeeinträchtigungen des
Beschwerdeführers nicht ausreichend gewürdigt worden. Insbesondere höre er
gerade bei Umgebungsgeräuschen sehr wenig und leide unter dem Tinnitus, der das
Hören zusätzlich erschwere. Vom Hörgeräteakustiker sei ihm Anfang 2020 eine
Hörleistung trotz Hörgeräteversorgung von allenfalls noch 65 % bescheinigt
worden. Dennoch sei keine Erkrankung auf allgemeinmedizinisch-internistischem
Gebiet diagnostiziert und es sei die Hörminderung nicht als Diagnose mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beschrieben worden, obwohl beispielsweise der
neuropsychologische Gutachter in der klinischen Beobachtung ein auffälliges
Instruktionsverständnis sowie als dessen Ursache die Hörschwierigkeiten
beschreibe (vgl. neuropsychologisches Teilgutachten, S. 7). Auch beim
Jobcoaching seien mehrfach Verständigungsprobleme sowie Schwierigkeiten beim
Verstehen aufgrund der Hörbehinderung beklagt worden (vgl. Bericht T.___ vom
14. Dezember 2018). Insofern müsse von tatsächlich nachteiligen Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Vonseiten des Hörgeräteakustikers
sei zudem bestätigt worden, dass die Hightech-Hörgeräte an ihre Grenzen
stiessen und hier auch bei einer Anpassung der Einstellungen keine Besserung mehr
erwartet werden könne. Sodann sei dem Beschwerdeführer von der IV mit
Mitteilung vom 29. Mai 2019 nun auch eine Kostengutsprache für ein
Spezialtelefon erteilt worden, was ebenfalls darauf hindeute, dass es tatsächlich
durch die Hörminderung negative Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gebe. Sodann
sei der Schlafapnoe und der damit verbundenen Müdigkeit keine ausreichende
Beachtung geschenkt worden. Insofern müsse ebenfalls von unzureichenden
gutachterlichen Feststellungen ausgegangen werden. Des Weiteren bestünden hinsichtlich
des psychiatrischen Teilgutachtens erhebliche Bedenken, was die Schlüssigkeit
der darin enthaltenen Feststellungen betreffe. Insbesondere erscheine die
Angabe von Dr. med. U.___, wonach das Medikament Tramadol deutlich unterdosiert
sei, nicht haltbar. Dr. med. D.___ habe hierzu ausgeführt, dass der
Medikamentenspiegel auch von der Metabolisierung abhänge, die individuell
unterschiedlich ausgeprägt sein könne, wobei nie abgeklärt worden sei, welcher
Metabolisierungstyp der Beschwerdeführer sei, sodass vorliegend keine sicheren
Rückschlüsse aus der Medikamentenkonzentration gezogen werden könnten. Auch die
gutachterliche Ablehnung einer psychiatrischen Diagnose und der Verweis auf
rein psychologische Faktoren bei andernorts klassifizierten Krankheiten (ICD-10
F54) sowie der Ausschluss des Vorliegens einer somatoformen Schmerzstörung
überzeugten in dieser Form nicht. Insbesondere sei von Dr. med. U.___ hier kein
Bezug zur vorliegenden ADHS hergestellt und vielmehr eine mögliche Aggravation
angenommen worden. Nach den Angaben von Dr. med. D.___ könnten jedoch gerade
auch eine gestörte Körperwahrnehmung sowie ein Überspielen der Schmerzen, das
wie eine Simulation wirke, ein Ausdruck der bestehenden ADHS-Erkrankung sein.
Damit müsse davon ausgegangen werden, dass beim Beschwerdeführer als
psychiatrische Diagnose eine ADHS festgestellt werden könne. Insofern seien die
hiervon abweichenden, gutachterlichen Feststellungen nicht nachvollziehbar.
Zudem sei im Mai 2019 von der behandelnden Psychiaterin, Prof. Dr. med. F.___,
die Diagnose einer mittelschweren depressiven Episode ohne somatische Symptome
gestellt worden. Auch diese Diagnose könne nicht mit den blanden Diagnosen des
Gutachters in Einklang gebracht werden und lasse deutliche Zweifel an der
Richtigkeit und Vollständigkeit der gutachterlichen Feststellungen aufkommen.
Hierzu müsse betont werden, dass sich der Beschwerdeführer vom 7. Januar bis
zum 18. April 2020 in stationärer Behandlung in der I.___ befunden habe. Es sei
dort die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom, einer chronischen Schmerzstörung
sowie einer ADHS im Erwachsenenalter gestellt worden. Zudem sei die
Verdachtsdiagnose einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung erhoben worden.
Da die Diagnose durch eine ausführliche Testung erstellt und erhärtet worden
sei, könnten die hiervon abweichenden gutachterlichen Feststellungen, die das
Vorliegen einer ADHS verneinten, nicht nachvollzogen werden. Im aktuellen
Austrittsbericht der Klinik J.___ vom 18. Juni 2020 werde als Diagnose
ebenfalls eine schwere ADHS festgehalten, die nach den vorgenommenen
Abklärungen auch als Ursache der Schlafproblematik und der daraus
resultierenden erheblichen Störung der psychomotorischen Vigilanz angesehen
werden müsse. Auch dieser Befund bzw. diese gesundheitliche Entwicklung hätte
bei Verfügungserlass noch berücksichtigt werden müssen, da sie bereits vor
Verfügungserlass eingetreten sei. Durch die Beschwerdegegnerin seien der
stationäre Aufenthalt jedoch nicht berücksichtigt und auch auf das
Wiedererwägungsgesuch des Beschwerdeführers hin die angegriffene Verfügung
nicht aufgehoben worden. Zudem sei im psychiatrischen Teilgutachten die
Diagnose einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung nicht bestätigt und keine
psychiatrische Diagnose mit Krankheitswert gestellt worden. Diese Einschätzung
stehe im diametralen Gegensatz zur Einschätzung der behandelnden Ärzte, die den
Beschwerdeführer seit Jahren behandelten und aus vielen Therapiesitzungen kennten.
Von der behandelnden Psychiaterin seien hierzu nochmals ausführliche Testungen
vorgenommen worden, die die Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung
mit histrionischen, ängstlich-vermeidenden und abhängigen sowie
perfektionistischen Zügen im Ergebnis bestätigt hätten. Somit stehe das
psychiatrische Teilgutachten auch im Widerspruch zu diesen Befunden und
Ergebnissen der Testung. Zudem müsse auch nach Vornahme einer
Indikatorenprüfung von einem invalidisierenden Gesundheitsschaden ausgegangen
werden. Wenn der RAD sodann in seiner Stellungnahme vom 13. Januar 2020 davon
ausgehe, dass das Tramal abgesetzt worden sei und eine Schmerzbehandlung nur
noch mittels Novalgin vorgenommen werde, so sei dies ebenfalls falsch.
Tatsächlich nehme der Beschwerdeführer täglich 6 – 8 x Novalgin ein und Tramal
ebenfalls, jedoch nur bei Bedarf. Allein mit Novalgin könne nur eine
Schmerzreduktion auf VAS 4-5 erreicht werden, jedoch keine vollständige
Schmerzfreiheit. Die Umstellung von Tramal weg auf Novalgin sei vor allem mit
Blick auf die unter Medikation mit Tramal nicht mehr vorhandene Fahrfähigkeit
vorgenommen worden. Des Weiteren hätte bei Vornahme eines Einkommensvergleichs
angesichts der gutachterlich bestätigten Einschränkungen und des reduzierten
Zumutbarkeitsprofils ein leidensbedingter Abzug vorgenommen werden müssen. Nach
der hierzu ergangenen Rechtsprechung sei ein Abzug vom Tabellenlohn
insbesondere bei einem vorgerückten Alter des Arbeitnehmers, einer bisherigen
beruflichen Tätigkeit einzig im erlernten Berufsbereich sowie einer reduzierten
Leistungsfähigkeit vorzunehmen (vgl. Urt. 9C_236/2014 vom 29. September
2014). Dafür spreche auch, dass der Beschwerdeführer im Vorbescheid nach TA1,
Kompetenzniveau 3, eingeordnet worden sei, so dass vorliegend von ihm in seinem
angestammten Beruf nicht nur einfache Tätigkeiten körperlicher und
handwerklicher Art, sondern darüber hinausgehende Arbeiten im Bürobereich bzw.
komplexe praktische Tätigkeiten, welche ein grosses Wissen in einem
Spezialgebiet voraussetzten, erwartet worden seien. Insofern erschliesse sich
erst recht nicht, weshalb bei derart komplexen Aufgabenstellungen keine
kognitive Leistungseinschränkung bestehen solle und weshalb es sich bei der
Tätigkeit des Beschwerdeführers vor der oben genannten Beschreibung seiner
Leistungsfähigkeit überhaupt um eine angepasste Tätigkeit handeln solle.
Tatsächlich entspreche die mit komplexen Strukturen und Aufgabenstellungen
verbundene Tätigkeit gerade nicht dem erstellten Zumutbarkeitsprofil, das
ausweislich des neuropsychologischen Gutachtens kürzere, konzentrativ weniger
anspruchsvolle Aufgaben mit verlängerter Bearbeitungszeit, klaren Instruktionen
und dem Einsatz von Checklisten umfassen müsse. Insofern erscheine die Vornahme
eines leidensbedingen Abzugs zwingend notwendig. Es sei von der Rechtsprechung
bereits allein für die Notwendigkeit einer Wechselbelastung ein Abzug von 10 %
vorgenommen worden (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Dezember 2010,
8C_548/2010), ohne dass hier auch bereits eine reduzierte kognitive
Leistungsfähigkeit allgemein sowie die Notwendigkeit von leichten Arbeiten in
rückenschonender Haltung berücksichtigt worden seien. Hinzu komme, dass der
Beschwerdeführer derzeit bereits 51 Jahre alt sei, sodass angesichts des
fortgeschrittenen Alters hier ein höherer als nur 10%iger Abzug gerechtfertigt
erscheine. Sofern ein Einkommensvergleich vorgenommen werde, hätte dann zur
Ermittlung des Invalideneinkommens nicht auf das bisherige Einkommen, sondern
auf die Werte nach LSE abgestellt werden müssen. Tatsächlich müsse nach obigen
Darstellungen davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer in seiner
angestammten Tätigkeit nicht mehr tätig sein könne und daher in einer
angepassten Tätigkeit allenfalls nach LSE 2014 TA1 Total Männer
Kompetenzniveau 1 ein Einkommen von allenfalls CHF 66‘791.00
(CHF 5‘340.00 / Monat hochgerechnet auf 41,7 h Woche)
erzielen könnte. Da der Beschwerdeführer zudem seine Teilzeitstelle bei der V.___
wieder verloren habe, hätte auf die Tabellenwerte nach LSE abgestellt und dabei
dann auf die Monatslöhne gemäss LSE-Tabelle TA1, «Total Privater Sektor»,
abgestützt werden müssen (vgl. Urteil 8C_458/2017 vom 6. August 2018 E. 6.2.3).
Von der Rechtsprechung sei dabei auch bereits entschieden worden, dass bei
versicherten Personen, die nach Eintritt eines Gesundheitsschadens lediglich
noch leichte und intellektuell nicht anspruchsvolle Arbeiten verrichten
könnten, vom Totalwert im niedrigsten (und am schlechtesten bezahlten)
Anforderungsniveau 4 auszugehen sei (vgl. Urteil 8C_18712015 vom 20. Mai
2015). Stelle man das Valideneinkommen von CHF 90‘010.00 dem so
ermittelten Invalideneinkommen von CHF 66‘791.00 gegenüber und nehme hierbei
noch einen leidensbedingten Abzug von 20 % vor, so ergebe sich allenfalls
ausgehend selbst von einer 100%igen Leistungsfähigkeit in einer angepassten
Tätigkeit ein Invalideneinkommen von CHF 53‘432.80, eine
Einkommensdifferenz von CHF 36‘577.20 und ein IV-Grad von 41 %. Nehme man
hingegen eine nur 50%ige Leistungsfähigkeit auch in einer angepassten Tätigkeit
an, wie dies oben postuliert werde, so ergebe sich sogar eine
Einkommensdifferenz von CHF 63‘293.60 und ein IV-Grad von 70 %.

 

Demgegenüber vertritt die
Beschwerdegegnerin die Ansicht, die medizinischen Abklärungen hätten ergeben,
dass der Beschwerdeführer in einer körperlich geeigneten Tätigkeit eine
uneingeschränkte Arbeits- und Leistungsfähigkeit aufweise. Es wäre ihm somit
möglich und zumutbar, weiterhin ein Renten ausschliessendes Einkommen zu
erwirtschaften, würden die Gutachter doch davon sprechen, dass bei
uneingeschränkt möglicher Arbeitszeitpräsenz eine Leistungsfähigkeit von 85 %
sogar in seiner angestammten Tätigkeit bestehe. Damit entspreche der
Invaliditätsgrad maximal dieser Einschränkung von 15 %. Es könne somit auf
einen eigentlichen Einkommensvergleich verzichtet werden. Da der
Invaliditätsgrad unter 40 % liege, bestehe kein Anspruch auf eine
Invalidenrente. Berufliche Massnahmen seien nicht (mehr) angezeigt. Mit Blick
auf die RAD-Stellungnahme vom 13. Januar 2020 verfange die Kritik des
Beschwerdeführers am Administrativgutachten nicht. Hinsichtlich Anamnese,
Befund und Berücksichtigung der geklagten Beschwerden sowie hinsichtlich der
Begründung der daraus gezogenen Schlussfolgerungen gebe dieser gutachterliche
Bericht hinreichend Auskunft. Widersprüche zwischen den erhobenen Befunden und
den daraus gezogenen Schlussfolgerungen seien nicht erkennbar. Zudem seien die
darin enthaltenen Feststellungen und Beurteilungen einsichtig und verständlich
gemacht worden. Auf den Bericht könne folglich in Übereinstimmung mit dem RAD
abgestellt werden (BGE 125 V 351 E. 3a). Der Beschwerdeführer sei in seiner
angestammten Tätigkeit zu 85 % arbeitsfähig. In dieser Konstellation stelle
sich die Frage nach einem allfälligen Tabellenlohnabzug nicht (mehr). Weitere
berufliche Massnahmen seien nicht zielführend, da sich der Beschwerdeführer
nicht im von Seiten der Gutachter attestierten Ausmass arbeitsfähig fühle. In
diesem Zusammenhang sei darauf zu verweisen, dass er sich eine weitere Erhöhung
seines Pensums beim Trainingsarbeitsplatz nicht zugetraut habe, weshalb diese
Eingliederungsmassnahme habe beendet werden müssen. Auch bei einer
Erwerbseinbusse von 20 % wäre zufolge (teilweise) fehlender subjektiver
Eingliederungsbereitschaft kein Anspruch auf weitere berufliche
Eingliederungsmassnahmen ableitbar, zumal der Beschwerdeführer während einer
angemessen Zeit durch die berufliche Eingliederung unterstützt worden sei. Bei
der Stellensuche sei zudem keine besondere Unterstützung durch die
Invalidenversicherung erforderlich, was sich auch daran zeige, dass er
selbständig eine Teilzeitanstellung habe finden können.

 

6.       Streitig und zu prüfen ist
somit, ob es die Beschwerdegegnerin mit der angefochtenen Verfügung vom
24. März 2020 zu Recht abgelehnt hat, dem Beschwerdeführer eine
Invalidenrente zuzusprechen. Aufgrund der gestellten Rechtsbegehren hat die in
der Verfügung vom 24. März 2020 ebenfalls enthaltene Verweigerung weiterer beruflicher
Massnahmen als nicht angefochten zu gelten. Ob eine anspruchsbegründende
Änderung in den für den Invaliditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten ist,
beurteilt sich im Neuanmeldungsverfahren – analog zur Rentenrevision nach
Art. 17 Abs. 1 ATSG (BGE 105 V 29 S. 30) – durch Vergleich des
Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der letzten Ablehnungsverfügung – vorliegend
am 16. Juni 2011 – bestanden hat, mit demjenigen zur Zeit der streitigen neuen
Verfügung vom 24. März 2020 (BGE 130 V 71 E. 3.1 S. 73, mit Hinweisen;
Urteil des Bundesgerichts 8C_819/2013 vom 4. Februar 2014 E. 2).

 

6.1     Im Zeitpunkt der in Rechtskraft
erwachsenen ursprünglichen Verfügung vom 16. Juni 2011 erfolgte die Verneinung
des Rentenanspruchs durch die Beschwerdegegnerin nicht aufgrund einer
Sachverhaltswürdigung der medizinischen Unterlagen, sondern aufgrund der
Erhebungen aus dem Intake-Gespräch vom 12. April 2011 (IV-Nr. 27), wonach der
Beschwerdeführer bei seiner damaligen Arbeitgeberin, W.___, in einer
angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig und auch arbeitstätig sei. Es ist
somit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer im Verfügungszeitpunkt mit den damals bereits bestehenden
gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu 100 % arbeitsfähig und eingegliedert
war. 

 

6.2     Bei Erlass der vorliegend
angefochtenen Verfügung vom 24. März 2020 präsentierte sich der medizinische
Sachverhalt im Wesentlichen wie folgt:

 

6.2.1  Im Bericht betreffend Arthro-MRI
des Schultergelenks links vom 3. August 2012 (IV-Nr. 33.2, S. 10) wurde zur
Beurteilung ausgeführt: 

·        
Ausgedehnte
transmurale Ruptur der Supraspinatussehne, unmittelbar am Ansatz im ventralen
Bereich und reichend bis ca. 1,0 cm medial davon im mittleren und dorsalen
Bereich von sagittal betrachtet. Verdacht auf eine breite ansatznahe
Unterflächenläsion des Infraspinatussehne sowie eine kleine Partialruptur der
kranialen Komponente der Subscapularissehne.

·        
Verdacht auf eine
höhergradige Ruptur des Ligamentum coracohumerale. Bizepssehne unauffällig.

·        
Keine fettige
Degeneration / Atrophie der gesamten Rotatoren-Muskulatur.

 

6.2.2  Im Bericht betreffend MRI der LWS
vom 8. April 2015 (IV-Nr. 33.2, S. 12) wurde folgender Befund festgehalten:
«Multisegmentale Unregelmässigkeiten der Abschlussplatten wie beim abgelaufenen
Morbus Scheuermann; Streckfehlhaltung der Lendenwirbelsäule mit dem Eindruck
auf begleitender linkskonvexer Beugung des thorakolumbalen Übergangs;
aktivierte Osteochondrose auf Höhe von LWK 4/5 mit begleitender minimaler
dorsaler Diskusvorwölbung etwas linksseitig betont. Begleitend Facettengelenk
mit linksseitiger Betonung, konsekutive Tangierung und Verdacht auf Irritation
der linken L5-Nervenurzel im intraspinalen Verlauf.
Facettengelenkshypertrophie. Keine Spinalkanaleinengung oder Nervenwurzelirritation.
Aktivierte Osteochondrose auf Höhe von LWK5 / SWK1 mit begleitender links
mediolateraler dorsaler Diskusvorwölbung, zusätzlich ergebe sich der Eindruck
auf vermehrte Venarbungen im linken Recessus lateralis mit konsekutiver
Komprimierung der linken S1-Nervenwurzel im intraspinalen Verlauf.
Facettengelenkshypertrophie; linksseitige Laminektomie von LWK5. Interspinosum
Interponat auf Höhe von LWK5 / SWK1.»

 

6.2.3  Im Bericht des B.___ vom 27.
Januar 2016 (IV-Nr. 35, S. 4) wurde folgende Diagnose gestellt: 

 

-      
Deutliche Degeneration L4 –
S1 mit rezessaler und foraminaler Stenose L5/S1 links bei Zustand nach
Dekompression und interspinöser Distraktionsoperation vor einigen Jahren

Die Röntgenuntersuchung sowie auch die
MRT-Untersuchung, welche in der Zwischenzeit durchgeführt worden seien, zeigten
die oben genannte Situation mit insgesamt recht guter Korrelation mit den
Beschwerden des Beschwerdeführers. Die interspinöse Distraktion funktioniere in
dieser Form nicht mehr, die Dornfortsätze seien arrodiert und das Implantat sei
in die Dornfortsätze eingesunken, eine relevante Distraktion sei hier nicht
mehr zu verzeichnen. Als Nebenprodukt dieser OP-Methode sei es jetzt zu einer
Hyperpression im interspinösen Bereich L4/5 gekommen, dies könnte man hier als
Morbus Baastrup werten und sei ebenfalls für Schmerzen in Reklination gut
erklärt. Die ausstrahlenden Schmerzen in das linke Bein seien aufgrund der
erheblichen rezessalen und foraminalen Stenose auf der linken Seite in der
Etage L5/S1 erklärt, hier sei einerseits eine Hypertrophie des Facettengelenkes
vorliegend, auf der anderen Seite auch eine Diskusprotrusion. Es gebe
eigentlich keine anderen Möglichkeiten mehr als die operative Indikation, in
diesem Falle müsse eine Zwei-Etagen-Fusion L4 – S1 durchgeführt werden.

 

6.2.4  Im Bericht des X.___ Allergologisch-Immunologische
Poliklinik, vom 28. November 2016 (IV-Nr. 79, S. 8) wurden folgende Diagnosen
gestellt:

 

1.    Chronisch polypöse Rhinosinupathie mit / bei

-      
United airways Syndrom
(Asthma)

-      
7-malige NNH-Operation
erstmals 1997, letztes Mal 2007

-      
persistierende Anosmie

-      
keine Sensibilisierung auf
ubiquitäre Aeroallergene

-      
Immundefektsyndrom,
wahrscheinlich, unklarer Denomination

2.    Immundefektsyndrom wahrscheinlich mit / bei

-      
unklarer Denomination

-      
selektier IgG-Antikörpermangel
gegen Pneumokokken-Polysaccharide

-      
Verminderung der Memory
B-Zellen im peripheren Blut

-      
IgG3 Subklassenmangel

3.    Asthma bronchiale mit / bei

-      
nicht-allergischer Genese

-      
United airways Syndrom bei
chronischer Rhinosinupathie

4.    Subtotale Diskektomie L5/S1,
Segmentaufrichtung und Abstützung mit Synfix cage unter interkorporeller
Spondylodese 13.05.2016 mit / bei

1.    chronisch rezidivierende lumbale / lumboischialgeforme
Schmerzen

2.    Dekompression und interspinöse
Abstützung L5/S1 2010

5.    Leichte, normochrome, normozytäre Anämie

 

Wahrscheinlich sei die Ursache der seit
Jahren-bestehenden, chronischen Rhinosinupathie multifaktoriell. Eine Atopie
bestehe wahrscheinlich keine. Hingegen könne basierend auf die immunologischen
Untersuchungen eine gewisse Immun-Dysbalance konstatiert werden, welche sich hauptsächlich
auf dem Niveau der Antikörper abspiele. Quantitativ, abgesehen von einer
leichten Verminderung der IgG3-Subklasse, lägen die restlichen
Immunglobulin-Werte durchwegs im Referenzbereich. Dass aber eine Dysbalance,
respektive Immunschwäche bestehe, werde ferner durch die Verminderung der
Memory-B-Zellen im peripheren Blut angedeutet. Wichtig aber sei, dass das
Asthma adäquat behandelt werde.

 

6.2.5  Im Bericht des Y.___ über die
Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) vom 18. August 2017
(IV-Nr. 95) wurde ausgeführt, die Tätigkeit als Schreiner / Monteur sei nicht
zumutbar. Die Anforderungen seien zu hoch. Es bestünden die folgenden
speziellen Einschränkungen: Heben: Boden zu Taillenhöhe max.17,5 kg,
Taillenhöhe zu Kopfhöhe max. 12,5 kg, Horizontal max. 25,5 kg,
Knien manchmal, vorgeneigt Stehen manchmal, Sitzen lang manchmal. Zumutbar
seien leichte bis mittelschwere Arbeiten. Spezielle Einschränkungen: Heben
Boden zu Taillenhöhe max. 17,5 kg, Heben Taillen-zu Kopfhöhe max. 12,5 kg,
Heben horizontal max. 25,5 kg, Tragen rechts max. 15 kg, Tragen links
max. 12,5 kg, Tragen vorne 20 kg. Folgende Anforderung seien manchmal
zumutbar: Arbeit über Schulterhöhe, vorgeneigt Stehen, Rotation im Stehen und
Sitzen, wiederholte Kniebeugen, Sitzen lang, Stehen an Ort, Gehen, Stossen,
Leiter steigen. Da eine Rückkehr an die bisherige Arbeit nicht mehr möglich
sei, werde die Versicherung feststellen, ab wann die faktische Arbeitslosigkeit
gelte. Eine mittelschwere Tätigkeit wäre ab sofort möglich.

 

6.2.6  Der behandelnde Psychiater Dr.
med. Z.___ stellte in seinem Bericht vom 28. August 2017 (IV-Nr. 144, S. 6)
folgende Diagnosen:

 

1.    Exazerbation einer narzisstischen
Neurose (F48) mit Insuffizienzgefühlen und schweren psychosozialen Belastungen
mit als Folge:

2.    Ängstlich-depressiver Störung mit
Insuffizienzgefühlen

3.    Vd. a. leichte ADHS, stabilisiert unter
Psychotherapie

4.    Schwere psychosoziale Belastungen durch
den Verlust des eigenen Geschäftes, bzw. Arbeitsplatzes mit schwieriger
Stellensuche, bzw. Wiedereingliederung durch die IV

5.    Schwere psychosoziale Belastungen durch
chronisch verlaufende somatische Erkrankung (objektivierbares chronisches
Rückenleiden mehrfach operiert) mit körperlichen erheblichen Einschränkungen,
therapieresistenten Schmerzen und ungewisser Prognose

6.    Schwere familiäre Konflikte und
Belastungen aktuell und in der Biographie

 

Beim Beschwerdeführer habe sich eine
schwere innere Problematik, wie schon erwähnt in der Form von Insuffizienzgefühlen
und damit kompensatorisch hohen Idealvorstellungen an sich selbst, aufgrund der
narzisstischen Neurose gezeigt. Die schweren psychosozialen Belastungen
(Verlust des eigenen Geschäftes, bzw. des Arbeitsplatzes mit schwieriger
Stellensuche, bzw. Wiedereingliederung durch die IV; objektivierbares
chronisches Rückenleiden mehrfach operiert mit körperlichen Einschränkungen,
therapieresistenten Schmerzen und ungewisser Prognose) hätten bei ihm jeweils
grosse Kränkungen ausgelöst. Diese führten immer wieder zu Krisensituationen
mit Zukunftsängsten und Depressionen. Dabei falle es ihm besonders schwer,
seine körperliche Leistungsfähigkeit eingeschränkt zu sehen, da er zuvor
Spitzenleistungen im Beruf vollbracht gehabt habe, die nun nicht mehr möglich
seien. Diese Krisensituationen müssten immer wieder durch engmaschige
psychotherapeutische Interventionen aufgefangen werden, da der Beschwerdeführer
in solchen Phasen in grösste Selbstzweifel gerate mit der Gefahr von
selbstgefährlichen Handlungen.

 

6.2.7  Im Bericht der Orthopädie AA.___
vom 4. Dezember 2017 (IV-Nr. 106, S. 5) wurden folgende Diagnosen gestellt:

 

-      
Lumboischialgien beidseits

-      
Status nach ALIF L5/S1 vom
13. Mai 2016

-      
Status nach Débridement
eines oberflächlichen Wundinfekts vom 25. Mai 2016

-      
Status nach Dekompression
und interspinöser Abstützung L5/S1 2010

 

Vom 28. Juni 2016 bis 13. September 2016
habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Der Beschwerdeführer leide
aktuell unter Lumboischialgien, welche in beide Beine ausstrahlten. Dies sei
bereits von längerer Dauer und aktuell sei er deshalb auch in der IV-Abklärung.
Er habe Schmerzen, welche von der Lendenwirbelsäule nach gluteal und in die
dorsalen Oberschenkel bis auf Höhe der Knie ausstrahlten. Intermittierend
verspüre er zudem Kribbelparästhesien. Nachts wache er manchmal von einer
einschiessenden Schmerzsymptomatik auf. Aktuell sei er im AB.___ in Behandlung
und nehme eine Medikation mit Tramal ein. Dies helfe ihm, das Schmerzniveau zu
halten. Liegende Position helfe ihm am meisten, ansonsten sei eine
alternierende Tätigkeit mit Sitzen und Stehen von Vorteil. Eine Infiltration
der Facettengelenke im Juni 2017 habe ihm geholfen, er verspüre nun besonders
links aber wieder eine Zunahme der Schmerzhaftigkeit. Er präsentiere sich mit
Lumboischialgien beidseits von längerer Dauer. Klinisch und MR-tomographisch
zeige sich kein neuer Befund bei bereits vorhandenen Degeneration des
Anschlusssegmentes L4/5 und eine bekannte, nicht progrediente Discushernie
L4/5. Die Schmerzsymptomatik könne teilweise durch die Degeneration der
Anschlusssegmente erklärt werden, jedoch bestehe sicherlich auch eine
chronifizierende Komponente. Eine operative Therapiemöglichkeit bei dieser
Symptomatik sehe man aktuell nicht. Es werde weiterhin eine leichte bis
mittelschwere Tätigkeit empfohlen (Heben ca. 15 kg). Es sollten hier
alternierende Tätigkeiten mit Sitzen und Stehen durchgeführt werden. Förderlich
wäre dabei sicherlich eine Umgestaltung des Arbeitsplatzes. Es könnte dadurch
die Arbeitsfähigkeit erhöht werden.

 

6.2.8  Im Gutachten der
Begutachtungsstelle C.___ vom 28. Juli 2018 (Fachrichtungen: Orthopädie,
Psychiatrie, Neurologie, Allgemeine Medizin, Neuropsychologie;
IV-Nr. 161.2) wurden folgende Diagnosen gestellt:

 

Diagnosen mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit:

-      
Chronisch wiederkehrende
lumbale und lumboischialgiforme Schmerzen bei Status nach Dekompression und
interspinöser Abstützung L5/S1 2010 (AC.___) und bei Status nach subtotaler
Diskektomie L5/S1 mit Segmentaufrichtung und Abstützung mit Synfix- Cage unter
interkorporeller Spondylodese mit InductOs am 13. Mai 2016 mit Status nach
postoperativem Bauchwandabszess mit operativer Abszessdrainage und Sanierung am
25. Mai 2016, bei aktuell im MRI der LWS vom 27. April 2018 aktivierter
Osteochondrose LKW4/5, Diskopathie mit links mediolateraler nach kaudal
luxierender Bandscheibenhernie LWK4/5 mit möglicher Reizung der linken
rezessalen L5-Wurzel und der linken foraminalen L4-Wurzel bei funktioneller
Belastung und mit Verdacht auf residuelle winzige Bandscheibenhernie LWK5/SWK1
bei Status nach Cage-Einlage mit möglicher Reizung der linken rezessalen
S1-Wurzel.

-      
Neuropsychologisch leichte
kognitive Einschränkungen von Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Exekutivfunktionen
multifaktorieller Genese, subjektiv bestehend, psychiatrisch, neurologisch,
orthopädisch und internistisch nicht bzw. schwer nachvollziehbar

 

Diagnosen ohne Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit:

-      
Wiederkehrende
Schulterschmerzen rechts bei Status nach arthroskopischen Operationen 2008 und
2012, mit aktuell klinisch vollumfänglich unauffälligem Befund

-      
Wiederkehrende
Kniegelenksschmerzen rechts bei Status nach, im Alter von fünf Jahren
konservativ behandelter, Schien- und Wadenbeinfraktur rechts und Status nach im
Dezember 1981 operativ behandelter Patellafraktur rechts

-      
Knick-Senk-Spreizfuss
beidseits

-      
Leichtes Schlafapnoesyndrom
– nicht arbeitsrelevant

-      
Inkonsistentes Verhalten
mit Pseudo-Kamptokormie und in Art und Ausprägung nicht nachvollziehbaren
Angaben zu Müdigkeit und kognitiven Störungen 

-      
Psychologische Faktoren
oder Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten Krankheiten (F54)

 

Zur Beurteilung der Zumutbarkeit und
Arbeitsfähigkeit hielten die Gutachter fest, wirbelsäulenbelastende Tätigkeiten
seien dem Versicherten nicht mehr zumutbar. Möglich sei in Betrachtung des
Wirbelleidens eine leicht bis mittelschwere körperliche Arbeit.
Wirbelsäulenhaltungsmonotonien und lange statische Belastungen der Wirbelsäule,
insbesondere Belastungen der Wirbelsäule ausserhalb der Körperachse, seien
ungünstig. Aufgrund der rechtsseitigen Schulterbefunde seien dem Versicherten
schultergelenkbelastende Arbeiten und hier insbesondere mehr als gelegentliche
Arbeiten in Abduktion oder Anteversion der rechten Schulter über 90° nicht mehr
zumutbar. Betreffend das rechte Kniegelenk seien dem Versicherten Tätigkeiten
mit endgradiger Beugung im Gelenk und Tätigkeiten im Knien nicht mehr zumutbar.
Zudem seien überwiegend im Stehen und Gehen zu erbringende Tätigkeiten,
häufiges Stehen und Gehen im unebenen Gelände und das Steigen auf Leitern und
Gerüste sowie häufiges Treppensteigen nicht mehr zu empfehlen. Festzustellen
seien leichte kognitive Einschränkungen, welche geringe Beeinträchtigungen
bedingten: Der Beschwerdeführer habe etwas mehr Mühe als durchschnittlich, eine
übliche Menge an Informationen (z.B. Instruktionen) für eine kurze Zeit im
Gedächtnis zu halten, eine übliche Menge an neuen Informationen zu lernen, zu behalten,
frei zu erinnern und wiederzuerkennen. Bei konzentrativ anspruchsvolleren
Aufgaben sei er etwas langsamer. Er entwickle etwas weniger eigene Ideen, lasse
sich durch widersprüchliche Informationen etwas stärker stören. Er ermüde
subjektiv rasch. Diese leichten Einschränkungen könnten in der Tätigkeit
lediglich eine leichte Minderung der Arbeitsfähigkeit (im Sinne von
Leistungsminderung bei ganztägiger Präsenz) um maximal 15 % erklären.
Medizinisch zumutbar seien jedoch eher kürzere, konzentrativ weniger
anspruchsvolle Aufgaben oder aber etwas mehr Zeit für deren Bearbeitung.
Anzunehmen seien längere Lernzeiten und etwas längere Einarbeitungszeiten.
Notwendig seien klare Instruktionen. Checklisten könnten hilfreich sein. Bei
solchen Tätigkeiten bestünden auch unter Berücksichtigung der kognitiven
Störungen keine Einschränkungen der quantitativen Arbeitsfähigkeit (sowohl
hinsichtlich Leistungsfähigkeit als auch betreffend Arbeitspräsenzfähigkeit). Unter
Zugrundelegung der Mini-ICF-APP mit 13 zu beurteilenden Fähigkeiten ergebe sich
beim Versicherten keine Fähigkeitsstörung. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit in
der bisherigen Tätigkeit führten die Gutachter aus, der Versicherte könne
sowohl selbständig erwerbend im Bettenfachgeschäft als auch als Angestellter
bei S.___ in einer Bürotätigkeit, wie nun zuletzt, 8,5 Stunden pro Tag arbeiten.
Seine Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit bezogen auf ein 100%-Pensum
sei dabei reduziert um den Anteil der anfallenden schweren körperlichen Arbeit.
In geringem Umfang seien im Bettenfachgeschäft schwere Arbeit angefallen, bei S.___
im Büro fielen keine schweren Tätigkeiten an. Die neuropsychologisch
festzustellenden leichten kognitiven Einschränkungen multi-faktorieller Genese
bedingten eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit des Versicherten in der
angestammten Tätigkeit um maximal 15 %. Gesamtwertend addierten sich die
Einschränkung keine schwere körperliche Arbeit mehr verrichten zu sollen und
das Bestehen der leichten kognitiven Einschränkungen prozentual nicht, sondern
würden einander beinhalten. Somit sei bei uneingeschränkt möglicher
Arbeitszeitpräsenz eine Leistungsfähigkeit von 85 % in der Tätigkeit eines
selbständigen Kaufmanns eines Bettenfachgeschäfts gegeben. Uneingeschränkt
seien Arbeitszeitpräsenz und Leistungsfähigkeit für die gegenwärtig ausgeübte
Tätigkeit des Versicherten bei S.___. In einer ideal dem Leiden angepassten
Tätigkeit bestehe für den Versicherten keine Einschränkung der möglichen
täglichen Arbeitszeitpräsenz und keine Einschränkung der Leistungsfähigkeit.
Die Teilarbeitsunfähigkeiten hinsichtlich des Unvermögens, schwere körperliche
Arbeit zu verrichten, und der leichten kognitiven Einschränkungen addierten
sich nicht. Während der im Rahmen des Betreibens des Bettenfachgeschäfts
anfallenden schweren körperlichen Tätigkeiten kämen die leichten kognitiven Einschränkungen
des Versicherten nicht zum Tragen. Neben der von orthopädischer Seite zu
konstatierenden Einschränkung des Versicherten hinsichtlich schwerer
körperlicher Arbeit seien aber nur leichte kognitive Einschränkungen bei dem
Versicherten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit festzustellen. Weitere Arbeitsunfähigkeit begründende Diagnosen
würden von keiner der am Gutachten beteiligten Fachdisziplinen gestellt.

 

6.2.9  In ihrem Bericht vom 30. Oktober
2018 (IV-Nr. 188, S. 2) hielt Dr. med. D.___, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, fest, da der Psychiater des Beschwerdeführers ferienabwesend
gewesen sei, habe sie den Beschwerdeführer insgesamt zwei Stunden explorativ
befragt und zuvor das Gutachten gelesen. Die im C.___-Gutachten aus
neuropsychologischer Sicht erhärteten Hinweise, dass der Beschwerdeführer an
einer ADHS leide (ev. Folge seiner Frühgeburt), würden deutlich sichtbar in
seinem Umgang mit Stress. Dieses doch augenfällige Verhalten habe er möglicherweise,
als er noch im Familienbetrieb tätig gewesen sei, zu kompensieren vermocht,
indem ihm die anderen Mitglieder entgegengekommen seien. Die aktuelle Belastung
sei eine andere und nicht mehr kompensierbar. Da seien die Schmerzen, die
Schmerzmedikation, die chronische Entzündung, das schwere, offensichtlich nicht
adäquat behandelte Schlaf-Apnoe-Syndrom, das wiederum die zur Verfügung
stehenden Medikamente einschränke. Zuletzt die Interaktion von sedierenden
Medikamenten mit der noch diagnostizierbaren ADHS. Dadurch werde die
Belastbarkeit / Ausdauer / Konzentration / Fahrtüchtigkeit
nochmals reduziert. Bezüglich des Medikaments Tramadol, welches ein Opioid sei,
sei festzuhalten, dass Personen mit einer bestimmten genetischen Variante eine
schnelle Metabolisierung der Prodrug in Drug hätten, sodass die
Opioidkonzentration schnell im Blut ansteige und auch schnell wieder abflaue.
Bei den Slow - Metabolisierern sei alles umgekehrt. Die Metabolisierungsrate
sei beim Beschwerdeführer nie abgeklärt worden. Die Gesundheitsstörung an der
LWS sei stark beeinträchtigend und umfasse neben den Schmerzen auch die
Nebenwirkungen der Opioide und von anderen Schmerzmitteln, sowie den Umgang
mit und die Auswirkungen auf dem Boden der erwähnten kognitiven Beeinträchtigungen
durch die ADHS-Symptomatik (Exekutivfunktionen). Alles in allem summiere sich
das zu einer psychischen Belastung. Schwierigkeiten bei Einschränkungen der
Exekutivfunktionen ergäben sich beim Beschwerdeführer in / bei
Flexibilität, Selbstregulierung (Umgang mit Stress), Planung,
Entscheidungsfindung. Dadurch komme es zu einem unorganisierten Verhalten oder
kompensatorisch zu einer Überkompensation, rigidem unangepasstem Verhalten mit
Beharren, das nur schwer an die Umgebungssituation angepasst werden könne.
Bekannt seien ferner Stimmungsschwankungen (Suizidalität etc. im Gutachten
erwähnt). Im Gutachten werde eine psychiatrische Erkrankung im Sinne einer
somatoformen Schmerzstörung ausgeschlossen. Hier fehle der Bezug auf die
veränderten Exekutivfunktionen im Rahmen der angenommenen ADHS. Genau hier
würden sie vorausgesetzt, wo sie fehlten. Die schwere Tagesmüdigkeit könnte
verschiedene Ursachen haben: Bei ADHS sei dies typisch, Kurzschlaf, weiter,
weitermachen. Hinzu kämen die latenten Infektionsherde (Nase, Rücken), sowie
das schwere Schlaf-Apnoe-Syndrom. Die Pseudo-Kamptokormie sei eine
Körperhaltung. Hier werde eine Simulation unterstellt, deren medizinische
Ursache nicht vorhanden sei (Parkinson). Inwieweit der gesamte Umgang mit
Schmerzen etc. auch hier eine Entsprechung haben könnte, würde sie, Dr.
med. D.___, nicht prinzipiell ausschliessen, da bei ADHS auch die Körperwahrnehmung,
Motorik etc. (Basalganglien) veränderte Aktivität zeigten. Bekannt sei, dass
ADHS-Patienten zwischenzeitlich Schmerzen vollständig überspielten. Das möge
dann wirken, wie wenn er simulieren würde. Die chronische Vereiterung der
Nebenhöhlen bis in die Stirne mit Polypenbildung habe eine ursächliche
Wirkung auf die Schlafstörung und das Apnoe-Syndrom. Die Schlafstörungen wegen
der Schmerzen, die beeinträchtigte Ausdauer / Geduld, die chronische
Infektion, der enorm laute Tinnitus. Der Beschwerdeführer benötige eine extreme
Aufmerksamkeit um zu verstehen, was gehört werde, und spreche laut. Er sehe
sich genötigt, mit lautem Radio zu schlafen, um das hochfrequente
Tinnitusgeräusch zu übertönen. All das schlage sich neben der Schlafstörung auf
eine fehlende Vitalität tagsüber. Zusammenfassend seien die ADHS-Symptome beim
Beschwerdeführer heute noch diagnostizierbar. 

 

6.2.10  In seiner Stellungnahme vom 5.
Februar 2019 (IV-Nr. 195) führte der Psychiater Dr. med. AD.___, C.___, aus,
beim Beschwerdeführer seien verschiedene Auffälligkeiten zu bemerken. Es hätten
Diskrepanzen zwischen dem Ausmass der geschilderten Beschwerden und der
bisherigen Inanspruchnahme von Behandlungen bestanden. Bei dem Versicherten sei
ein nur geringer Leidensdruck trotz intensiver geschilderter Beschwerden
erkennbar gewesen. Schilderung intensiver Schmerzen bis zu VAS 10, aber vage
und diffus beschriebene Beschwerden, Vermeidung inhaltlicher Festlegung. Die
Modulierbarbarkeit der Beschwerden durch Ruhe, Aktivität, Tageszeit,
Medikation, Behandlung und Ablenkung habe gefehlt. Die Angaben zum
Krankheitsverlauf und den bisherigen Behandlungen seien unpräzise gewesen; es
sei ein fast unmittelbarer Zusammenhang mit der beruflichen Aufgabe des Bruders
aufgefallen. Eigene Massnahmen zu Krankheitsbewältigung hätten kaum vernommen
werden können. Es sei aber ein appellativer, demonstrativer Beschwerdevortrag
aufgefallen. Beim Versicherten könne keine relevante, versicherungsmedizinisch
bedeutsame eigenständige psychiatrische Diagnose gestellt werden. Die Gutachter
gingen von der ICD-10 Diagnose F54 aus. Auch hätten sich keine Hinweise auf
eine somatoforme Störung ergeben, wie schon aus den Vorbefunden hervorgegangen
sei. Neuropsychologisch sei im interdisziplinären Gutachten zwar eine leichte,
jedoch für die Arbeitsfähigkeit kaum relevante kognitive Einschränkung
festgestellt worden. Eine ADHS möge beim Versicherten in der Kindheit
vorgelegen haben, gegenwärtig habe eine ADHS jedoch nicht bestätigt werden
können. Die diesbezüglichen Äusserungen der Psychiaterin Frau D.___ müssten somit
als nicht valide angesehen werden. Auch die fachfremde Aussage der
Psychiaterin, es läge ein schweres Schlafapnoe-Syndrom vor, sei unrichtig.
Gemäss polysomnographischer Untersuchung vom 5. und 6. Juni 2018 habe
allenfalls ein leichtes Schlafapnoe-Syndrom nachgewiesen werden können, dies
ohne klinische Relevanz. Trotz der Angabe von täglich regelmässiger
Tramadoleinnahme gegen Schmerzen seien keine detektierbaren Medikamentenspiegel
im Serum nachweisbar gewesen. Zusammenfassend könne speziell dem ärztlichen
Bericht der Psychiaterin Frau D.___ fachlich und versicherungsmedizinisch nicht
gefolgt werden. Eine versicherungsmedizinische Neubeurteilung könne somit trotz
Vorlage eines neuen psychiatrischen Berichtes nicht erfolgen, vielmehr müsse
davon ausgegangen werden, dass die Ärztin über den aktuellen Zustand des
Versicherten nicht hinreichend informiert sei oder die aktuellen Befunde nicht
zur Kenntnis nehme.

 

6.2.11  Prof. Dr. med. F.___, Fachärztin
für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, diagnostizierte in ihrem Bericht vom
30. Mai 2019 (IV-Nr. 204) eine depressive Episode, aktuell mittelschwer ohne
somatische Symptome (F32.19), sowie einen Verdacht auf eine narzisstische
Persönlichkeitsstörung. Zur Begründung führte Prof. Dr. med. F.___ aus,
insgesamt ergäben sich vielfältige Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung mit
Beginn in der frühen Jugend. Der Beschwerdeführer sei selbstunsicher und
impulsiv, versuche es allen recht zu machen und erkenne seine Leistungsgrenzen
nicht. Sein clowneskes Auftreten bestehe seit der Schulzeit; sein Jähzorn
belaste die Beziehungen. Dies habe somatische Folgen im Bereich der Wirbelsäule
sowie nach Hörstürzen in einem Tinnitus und einer Hörminderung gehabt. Wie der
behandelnde Psychiater sehe sie, Prof. Dr. med. F.___, Hinweise für eine
narzisstische Persönlichkeitsstörung mit Krankheitswert. Zudem weise der
Beschwerdeführer aktuell eine depressive Episode auf. Für eine ADHS finde sich
jetzt im Erwachsenenalter kein sicherer Hinweis. Bei komorbider
Persönlichkeitsstörung sei diese Diagnose auch in der Kindheit fraglich. Medikamentös
werde er aktuell mit 900 mg Johanniskraut sowie Schmerzmedikamenten
behandelt. In Anbetracht der Symptomlast empfehle sie, Prof. Dr. med. F.___,
den Wechsel auf ein synthetisches Antidepressivum.

 

6.2.12  Im Bericht der Memory Clinic des
B.___ vom 13. Juni 2019 (IV-Nr. 206), unterzeichnet von einer Neurologin und
einer Neuropsychologin, wurden folgende Diagnosen gestellt: 

1.      Leichte bis mittelschwere
neuropsychologische Störung

-      
ätiologisch nicht geklärt,
DD teilweise im Rahmen Diagnose 2

-      
neuropsychologische
Untersuchung vom 29. April 2019 und 23. Mai 2019: leicht bis mittelgradige
Einbussen im Bereich der Aufmerksamkeit, in der
Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit, im verbalen Gedächtnis und in den
Exekutivfunktionen sowie leichte Einschränkungen im Benennen

-      
MRI Hirn 13. Juni 2019: vaskuläre
Enzephalopathie (Fazekas Score 1 bis beginnend 2). Keine umschriebene Atrophie.
Normale Gefässdarstellung.

-      
laborchemische Diagnostik:
Dyslipidämie

2.      Verdacht auf depressive Stimmungslage (F
33.2)

-       
DD teilweise schmerzbedingt
bei chronischen lumbovertebralen Schmerzen

3.      Chronifizierte lumbovertebrale Schmerzen

-       
St.n.
Discushernienoperation 2010

-       
St.n. lumbosacraler
Versteifungsoperation LWK 5/ SWK 1 Mai 2016

 

Im direkten Kontakt könne bei
unauffälliger Kommunikation kein schwerwiegendes sprachliches Defizit
festgestellt werden. Die detaillierte neuropsychologische Untersuchung zeige diesbezüglich
und betreffend die Anamnese leichte bis mittelgradige Einbussen im Bereich der
Aufmerksamkeit, in der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit, im verbalen
Gedächtnis und in den Exekutivfunktionen sowie leichte Einschränkungen im
Benennen. Das Bild entspreche einer leichten bis mittelschweren
neuropsychologischen Störung. Die Ätiologie sei nicht ganz klar und
höchstwahrscheinlich multifaktoriell. Einen wesentlichen Beitrag dürfte die
affektive Symptomatik leisten. Laut anamnestischen Angaben über Schwierigkeiten
mit Lernen in der Schule bei Frühgeburt sowie Wiederholen des Kindergartens und
der ersten Klasse dürfte ein Teil der Beschwerden bereits prämorbid bestanden
haben. Weiter dürften sich die Schmerzproblematik sowie die verminderte
Schlafqualität (Atemprobleme, Durchschlafstörung) zusätzlich negativ auf die
Hirnleistung auswirken. Im Vergleich mit dem neuropsychologischen Teilgutachten
vom 6. Juli 2018 zeigten sich teilweise ähnliche Resultate (verbales
Gedächtnis, Arbeitsgedächtnis), andere Leistungen seien jedoch aktuell deutlich
schlechter (Aufmerksamkeitsfunktionen, Exekutivfunktionen). Eine mögliche
Erklärung für die Diskrepanz wäre, dass der zweite Termin der aktuellen Testung
an einem Nachmittag durchgeführt worden sei, wo eine deutlich verminderte
Belastbarkeit und rasche Ermüdung aufgefallen seien. Die ergänzend diagnostisch
durchgeführte MRI-Untersuchung des Hirns ergebe keinen richtungsweisenden
Befund. Die dargestellte leichtgradige DD vaskuläre Leukencephalopathie könne
nicht als läsiogene Ursache der festgestellten Beschwerden betrachtet werden.
Zusammengefasst zeigten sich in den erhobenen Untersuchungen objektivierbare
Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen, eine leichtgradige DD vaskulär
mikroangiopathisch bedingte Leukencephalopathie (bei vaskulären Risikofaktoren
einer neu festgestellten Dyslipidämie und eines Zustandes nach Nikotinkonsum)
sowie klinisch deutliche Hinweise auf eine depressive Episode mit
symptomführender Adynamie und Antriebslosigkeit sowie genannten subjektiven
kognitiven Störungen. Aufgrund der erhobenen Befunde sei symptomführend von
einer kognitiven Störung im Rahmen einer psychoreaktiven Genese, DD bei
manifester Depression auszugehen. Ein läsiogener und somit auch kausaler
Zusammenhang der Beschwerden und der objektivierten kognitiven Einschränkung
mit der dargestellten diskreten Leukencephalopathie sei nicht herzustellen. Gegebenenfalls
wäre diagnostisch eine erneute Abklärung im Hinblick auf das bekannte Schlaf
Apnoe Syndrom hinsichtlich weiterer therapeutischer Optionen zielführend.

 

6.2.13  Dr. med. G.___, Facharzt für
Pneumologie FMH, führte in seinem Bericht vom 11. Oktober 2019 (IV-Nr. 207, S.
3) aus, nach Durchsicht der vom Beschwerdeführer mitgebrachten und der
vorliegenden Akten komme er zum Schluss, dass die Diagnoseliste und die
Reihenfolge der Diagnoseprioritäten nicht mehr aktuell seien. Er komme zu
folgenden Diagnosen:

 

1.     
ME/CFS
(Myalgische Enzephalomyelitis / Chronic Fatigue Syndrom)
ICD-10-R53.82, ICD10-G93.3

-    
13. Juni 2019 MRI Hirn
Neurologie KSO: Vaskuläre Enzephalopathie (Fazekas Score 1 bis 2)

-    
FSS (Fatigue Severity
Score: 7/7 Punkte (maximale Punktezahl)

-    
Hypersomnie; Nicht
erholsamer Schlaf

-    
Mittelschweres Rückenlage
assoziiertes symptomatisches OSAHS ED 2006 (obstruktives
Schlafapnoe-Hypopnoe-Syndrom)

-    
14. September 2019 AHI
Rückenlage 14,9/h, ODI 21,2/h

-    
Sozial extrem störende
Rhonchopathie

-    
Paradoxe thorakoabdominale
Atembewegungen

-    
09/2019 Beginn
CPAP-Therapie

2.      Nicht allergisches eosinophiles Asthma
bronchiale 2008 (Morbus Widal)

-    
Ungenügend kontrolliert
(Asthma-Kontrolltest 19/25 Punkte)

-    
Chronische polypöse Rhinosinusitis
mit / bei Nasennebenhöhlen-Operationen (Total 7) 1995 – 2007

-    
Persistierende komplette
Anosmie

-    
09/2018 Methacholintest:
Schwere unspezifische bronchiale Hyperreagibilität

-    
09/2018 eNO 43 ppb
(leichtgradige untere eosinophile Atemwegsentzündung)

3.      Infektanfälligkeit (Immundefekt-Syndrom)
(CVID?) X.___, Immunologie, Professor Arthur Helbling

-    
Normochrome normozytäre
Anämie

4.      Mittel- bis hochgradige
Schallempfindungsschwerhörigkeit beidseits 07/2018

-    
Hörgeräteversorgung

5.      Schweres schmerzhaftes Panvertebralsyndrom
(Beginn nach Sepsis 05/2016)

-    
11. Oktober 2018
DEXA-untersuchung: Kein Hinweis für Osteoporose oder Osteopenie

-    
05/2016 Sepsis mit/bei

6.      Postoperativer Bauchwandabszess durch
Streptococcus dysgalactiae mit/bei

1.   Status nach Diskektomie L5/S1 und Segmentaufrichtung
mit Abstützung am 13. Mai 2016 (fecit: Professor Dr. AE.___ 13. Mai 2016) AA.___

2.   25. Mai 2016 Operative Abszessdrainage
und Sanierung

7.      NSAR-Intoleranz; Klinisch Verdacht auf
Histaminintoleranz (Hartkäse, Wein, Senf, Essig, Gewürze) / mit / bei
Verdacht auf Morbus Widal

 

Aufgrund der Untersuchungen ergänzt mit
Fragebogen und der Durchsicht der vom Beschwerdeführer mitgebrachten IV-Begutachtungsakten
komme er, Dr. med. G.___, zum Schluss, dass beim Beschwerdeführer für die
Bestätigung der Diagnose 1 die wichtigste Untersuchung, nämlich eine
Polysomnographie in einem Schlafkompetenzzentrum mit interdisziplinärer
Beurteilung, fehle. Erfahrungsgemäss handle es sich bei dem Chronic Fatigue
Syndrom um eine Ausschlussdiagnose und ein sehr komplexes Krankheitsbild.
Typisch sei ein akuter postinfektiöser Beginn, wie dieser beim Beschwerdeführer
nach septischem Krankheitsbild infolge Bauchabszess und Immundefektsyndrom,
erfolgt sei. Patienten die von Diagnose 1 (CFS) betroffen seien, würden mit
einer 50%igen Wahrscheinlichkeit ihre Berufsfähigkeit (Arbeitsfähigkeit)
verlieren und in einem geringen Teil könne eine teilweise Arbeitsfähigkeit von
50 % oder weniger wieder erreicht werden. Empfohlenes Procedere: Weiterabklärung
der Diagnose 1 (CFS) in einem schlafmedizinischen interdisziplinär geführten
Kompetenzzentrum, zum Beispiel Klinik J.___, Prof. AF.___, oder X.___.

 

6.2.14  In ihrer Stellungnahme vom 13.
Januar 2020 (IV-Nr. 209) hielt Dr. med. H.___, Fachärztin für Neurologie FMH,
RAD, fest, psychiatrischerseits würden neu eine mittelgradige depressive
Episode ohne somatisches Syndrom (F32.0) und eine krankheitswertige
narzisstische Persönlichkeitsstörung (F61) diagnostiziert. Weder die Diagnose
einer mittelgradigen depressiven Episode noch die Diagnose
Persönlichkeitsstörung seien aus den klinischen Befunden im Bericht von Prof.
Dr. med. F.___ nachvollziehbar. Die beobachteten, objektiven Befunde von Prof.
Dr. med. F.___ korrelierten mit der gutachterlichen Beschreibung eines
narzisstisch geprägten, exaltiert histrionisch wirkenden Exploranden. Die
depressiven Symptome fänden sich nur in den subjektiven Angaben. Beide
Diagnosen (Depression und Persönlichkeitsstörung) seien vom psychiatrischen
Gutachter 2018 explizit verneint worden. Vom Pneumologen werde die
Erschöpfbarkeit im Rahmen einer Myalgischen Encephalopathie (ME) bzw. Chronic
Fatigue Syndrom (CFS) gesehen. Die vermehrte Tagesmüdigkeit und Erschöpfbarkeit
und die kognitiven Einbussen seien Gegenstand der gutachterlichen Abklärungen
gewesen. Im Rahmen der neurologischen Beurteilung sei deshalb eine Polygraphie
(Schlafabklärung) und eine neuropsychologische Abklärung durchgeführt worden.
Die Polygraphie habe den Befund eines leichten obstruktiven Schlafapnoe
Syndroms ergeben, die Neuropsychologie habe leichte, unspezifische
neurokognitive Einbussen gezeigt. Vergleiche man die Anamnese des Versicherten
bezügliche dieser Beschwerden anlässlich der Begutachtung mit seinen Angaben in
der aktuellen neuropsychologischen Abklärung, sei keine relevante Zunahme
erkennbar. Für die Beurteilung der Auswirkung dieser Symptome auf die
Arbeitsfähigkeit sei nicht die diagnostische Zuordnung entscheidend, sondern
die funktionellen Einschränkungen, die sich daraus ergäben. Diese seien im
Gutachten exploriert worden und in die Beurteilung eingeflossen. Die
neurokognitiven Befunde hätten sich in der neuropsychologischen Testung
gegenüber den Vorbefunden leicht verschlechtert. Wie die beurteilende
Neurologin ausführe, sei von einer kognitiven Störung im Rahmen einer
psychoreaktiven Genese auszugehen. Ein läsiogener und somit auch kausaler
Zusammenhang der Beschwerden und der objektivierten kognitiven Einschränkung
mit der dargestellten diskreten Leukencephalopathie sei nicht herzustellen.
Unter Berücksichtigung der gutachterlichen Beurteilung der Konsistenz und
Validität der Beschwerdepräsentation durch den Versicherten sei die durch die
neuen Abklärungsberichte geltend gemachte Verschlechterung des
Gesundheitszustandes nicht ausgewiesen. Die psychiatrische Beurteilung durch Prof.
Dr. med. F.___ sei nicht schlüssig. Der Pneumologe interpretiere die
vorbestehenden Beschwerden unter einem neuen diagnostischen Begriff, äussere
sich aber weder zur funktionellen Auswirkung noch zur Arbeitsfähigkeit. Gegen
eine relevante Verschlechterung des Gesundheitszustandes spreche auch, dass die
vorgeschlagene Anpassung der medikamentösen Behandlung der «Depression» nicht
erfolgt sei. Weder im Bericht der Memoryclinic noch im Bericht des Pneumologen
fänden sich Hinweise auf eine Therapieumstellung der Antidepressiva. Die
Schmerzmedikation sei angepasst worden, indem das Tramal (Opiod) durch Novalgin
bei Bedarf ersetzt worden sei. Das wiederum spreche für einen geringeren
Leidensdruck, wirke Novalgin doch deutlich weniger stark.

 

6.2.15  Im Austrittsbericht der I.___
vom 25. April 2020 (IV-Nr. 221, S. 25), in welcher der Beschwerdeführer vom 7.
Januar bis 18. April 2020 hospitalisiert war, wurden folgende Diagnosen gestellt:

 

-      
Rezidivierende depressive
Störung, mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11)

-      
Chronische Schmerzstörung
mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)

-      
ADHS im Erwachsenenalter
(ICD-10 F90.0)

-      
vorbeschrieben: Vd. a. narzisstische
Persönlichkeitsstörung (ICD 10 F60.8) DD Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
narzisstischen und dependenten Anteilen

 

Somatische Diagnosen

-      
Myalgische
Enzephalomyelitis / Chronic-Fatigue-Syndrom (ICD10 R53.82, ICD10
G93.3)

-      
Obstruktives Schlafapnoe-Hypopnoe-Syndrom,
09/2019 Beginn CP-Therapie

-      
Nichtallergisches
eosinophiles Asthma bronchiale 2008 (Morbus Widal)

-      
Persistierende komplette
Anosmie

-      
Infektanfälligkeit
(Immundefekt-Syndrom)

-      
Mittel- bis hochgradige
Schallempfindlichkeit / Schwerhörigkeit bds. 07/2018

·          
Hörgerätversorgung

-      
Schweres schmerzhaftes
Panvertebral-Syndrom (Beginn nach Sepsis 05/2016)

·          
St. n. Diskektomie
L5/S1 und Segmentaufrichtung mit Abstützung am 13. Mai 2016

-      
Postoperativer
Bauchwandabszess durch Streptococcus dysgalactiae bei:

·          
25. Mai 2016
operative Abszessdrainage und Sanierung

-      
NSRA-Intoleranz: Klinisch
Vd. a. Histamin-Indoleranz (Hartkäse, Wein, Senf, Essig, Gewürze)

 

Der Beschwerdeführer habe zu Beginn eine
ausgeprägt depressive Symptomatik gezeigt, habe von einer anhaltenden und als
sehr belastend empfundenen psychophysischen Erschöpfung berichtet, einer
durchgehend bestehenden Schmerzproblematik und diversen somatischen
Beschwerden. Diagnostisch habe er dabei die ICD-10 Kriterien für eine
rezidivierende depressive Störung, sowie die einer chronischen Schmerzstörung
mit somatischen und psychischen Faktoren erfüllt. Er habe sich durch die stationäre
Aufnahme sehr entlastet gefühlt und durchgehend sehr motiviert und engagiert an
einem individuell angepassten und multimodalen Therapieprogramm teilgenommen. Im
Behandlungsverlauf hätten sich wiederholt Hinweise auf eine ADHS im
Erwachsenenalter ergeben, weswegen eine ausführliche neuropsychologische
Abklärung initiiert worden sei. Im Rahmen der neuropsychologischen Testung habe
die Diagnose bestätigt werden können, wodurch sich der Beschwerdeführer
zusätzlich etwas entlastet gefühlt habe. Medikamentös sei zur Reduktion der
ADHS-assoziierten Symptome (innere Unruhe, Anspannung, leichte Ablenkbarkeit,
Konzentrationsstörungen, etc.) zunächst eine versuchsweise Einstellung auf
Ritalin erfolgt, auf das der Beschwerdeführer gut reagiert habe. Anschliessend sei
eine Umstellung auf Focalin XR erfolgt, das wegen insuffizienter Wirkung im
weiteren Verlauf erfolgreich auf Elvanse umgestellt worden sei. Darunter sei es
zu einer deutlichen Reduktion der starken inneren Unruhe und Anspannung
gekommen, Konzentration und Aufmerksamkeit hätten sich gebessert und die Stresstoleranz
habe leicht gesteigert werden können. Insgesamt sei es zu einer deutlichen
Zustandsstabilisierung gekommen, vor allem in Bezug auf die psychischen
Beschwerden. Im Bereich der somatischen Beschwerden habe eine leichte
Verbesserung erzielt werden können und der Beschwerdeführer habe die Klinik in
gebessertem Zustand verlassen können. Der Beschwerdeführer sei ab
20. April 2020 bis 3. Mai 2020 zu 80 % arbeitsunfähig, die
weitere Beurteilung erfolge durch den zuständigen Nachbehandler. Angesichts des
komplexen und bereits langjährigen psychosomatischen Krankheitsbilds erachte
man zumindest eine IV-Teilberentung als sinnvoll. Eine schrittweise
Wiedereingliederung am Arbeitsmarkt mit Unterstützung der IV, z. Bsp. im Sinne
eines Belastbarkeitstrainings und einer ausführlichen Arbeitsabklärung wäre
angesichts der hohen Arbeitsmotivation auf Seiten des Beschwerdeführers in
Betracht zu ziehen. Wobei bei etwaigen Wiedereingliederungsmassnahmen auf eine
angepasste Tätigkeit und die mit dem ADHS-bedingten Einschränkungen geachtet
werden sollte.

 

6.2.16  In ihrem Bericht vom 29. April
2020 (IV-Nr. 221, S. 31) stellte die Psychiaterin Prof. Dr. med. F.___ folgende
Diagnosen: 

 

-      
Rezidivierende depressive
Störung, ggw. mittelgradige Episode (F33.1). 

-      
Kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit histrionischen, ängstlich-vermeidenden, abhängigen
und perfektionistischen Anteilen (F61.0). Diagnose anhand PSSI sowie
SKID-II-Screening und Interview

-      
V.a. ADHS im
Erwachsenenalter (F90.0). Durchgeführte Testungen: ADHS-SB und WURS-K

-      
Chronische Schmerzstörung
mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41)

 

Zum Therapieverlauf und zur
diagnostischen Beurteilung seit August 2019 führte Prof. Dr. med. F.___ aus, es
hätten sich rasch interaktionelle Auffälligkeiten, wie bspw. dependente und
histrionische Persönlichkeitszüge gezeigt, so dass im weiteren Verlauf eine
ausführlichere Persönlichkeitsdiagnostik mittels SKID-II Screening und
Interview durchgeführt worden sei. Im Zuge dessen hätten sich für die
ängstlich-vermeidende (5/7, Cutoff 4), die anankastische (5/8, Cutoff 4) und
die histrionische Persönlichkeitsstörung (5/8, Cutoff 5) Werte über dem Cutoff
ergeben, womit das Vorliegen einer kombinierten Persönlichkeitsstörung
bestätigt werden könne. Für die dependente Persönlichkeitsstörung habe sich ein
erhöhter Wert knapp unter dem Cutoff (4/8, Cutoff 5) ergeben. Das Vorliegen
einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung habe entgegen dem ersten klinischen
Eindruck entsprechend SKID-II und auch PSSI nicht bestätigt werden können,
wobei hier auch der Effekt der sozialen Erwünschtheit eine Rolle spielen könne.
Bezüglich der depressiven Symptomatik habe sich erst im Verlauf der Behandlung
und mit zunehmendem Vertrauen die tatsächliche Ausprägung hinsichtlich
Schweregrad gezeigt, die im Herbst 2019 zwischen mittelgradig bis schwer
einzustufen gewesen sei (2 – 3 Hauptsymptome, 3 – 4 Nebensymptome,
schwankend). Aufgrund seiner ausgeprägten Selbstunsicherheit auf persönlichkeitsstruktureller
Ebene (ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung) neige der Beschwerdeführer
dazu, sich seinem Gegenüber im Gespräch anzupassen, unterzuordnen und mit
freundlicher Zustimmung zu reagieren, um sich vor Ablehnung und Beschämung zu
schützen, wodurch Unstimmigkeiten entstehen könnten, wie sie auch im polydisziplinären
Gutachten vom 28. Juli 2018 beschrieben würden. Auch seine vermutlich
ADHS-bedingten Konzentrationsprobleme könnten diesen Eindruck noch verstärken.
Zusätzlich falle es dem Beschwerdeführer schwer, sich für sich einzusetzen oder
einer von aussen an ihn herangetragenen Einschätzung direkt zu widersprechen,
da er sich im Grunde für minderwertig und intellektuell unterlegen halte. Eine
Leitemotion, vor allem auch mit Blick auf sein gefühltes Versagen in
beruflicher Hinsicht sei Scham. Aus diesem Grund versuche er auch die Schwere
seiner Depressivität zu überspielen. Im Sinne der für histrionische
Persönlichkeiten typischen Spielebene zeige er sich «schillernd, unterhaltsam,
dramatisch», mit dem Ziel, sich dadurch weniger unbedeutend und leer zu fühlen.
Dies könne allerdings nicht im Sinne einer bewussten Täuschung gewertet werden,
sondern sei als automatisierter Schutzmechanismus zu sehen. Bezüglich der
aktuellen Arbeitsfähigkeit und weiteren Prognose lasse sich folgendes
festhalten: Der Beschwerdeführer habe berichtet, durch den Klinikaufenthalt
zwar zeitweise entlastet worden zu sein und bezüglich seiner Selbstfürsorge und
Abgrenzungsfähigkeit Fortschritte gemacht zu haben, die auch seine Frau bemerkt
habe. Allerdings sei er nach Rückkehr in das heimische Umfeld bei fehlender
klar vorgegebener Tagesstruktur sehr rasch wieder in Überforderung geraten, so
dass er direkt am Samstag nach Austritt einen ersten Zusammenbruch gehabt habe.
Er merke, dass ihn spontane Änderungen im Tagesablauf, die flexibles Reagieren
erforderten, völlig aus der Bahn würfen und er dann gereizt und affektlabil
reagiere. Um eine bessere Einschätzung vornehmen zu können, sei am 27. April
2020 der Mini ICF-APP durchgeführt worden. Daraus hätten sich zumindest in 5
Bereichen mittelgradige-schwere und in 3 Bereichen leichte Fähigkeitsstörungen
ergeben. Kurzfristig gehe man aktuell von einer weiteren Übergangsphase der
Gewöhnung in den Alltag aus (zumindest Mai 2020, gegebenenfalls länger), in der
der Beschwerdeführer weiterhin zu 80 % krankgeschrieben bleibe. Im weiteren
Verlauf könne hoffentlich wieder eine 50 % Arbeitsfähigkeit erreicht werden,
wobei dies zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht beurteilbar sei.

 

6.2.17  Im Austrittsbericht
Schlafmedizin der Klinik J.___ vom 18. Juni 2020 (Beschwerdebeilage 6) wurden
folgende Diagnosen gestellt: 

1.      Schwere ADHS

-       
Klinisch-somnologisch: Ein-
und Durchschlafstörungen, nicht erholsamer Schlaf, erhöhte Tagesmüdigkeit sowie
exzessive Tagesschläfrigkeit (FSS 6.8/7Pkt, ESS 18/24Pkt.)

-       
Polysomnograhie unter CPAP
4-14 cmH2O und Lisdexamphetamin vom 15. / 16. Juni 2020:
verkürzte Einschlaflatenz (7min zu N1), Schlaffragmentierung, zahlreiche kurzen
Wachphasen, gehäuften Schlafstadienwechseln, niedrignormaler REM-Anteil, PLM
9.5/h, LM-l 37.4/h

-       
Tagesvigilanztests:
MSLT(16. Juni 2020) unter Lisdexamfetamin; mittlere Einschlaflatenz 9 Min. MSLT
(17. Juni 2020) nativ: mittlere Einschlaflatenz 6 Min., keine SOREM. MWT (18.
Juni 2020) mit Lisdexamfetamin: eingeschränkte Fähigkeit in monotonen
Situationen wach zu bleiben mit Einschlafen in 3/4 Durchgängen, Einschlaflatenz
13 Mm, keine SOREMs.

-       
Therapeutisch: St. n.
frustranem Versuch mit Methylphenidat, aktuell unter Lisdexamfetamin 50mg
unzureichend kontrolliert

 

Weitere Diagnosen

2.      Leichtes, in Rückenlage mittelschweres
OSAHS (obstruktives Schlafapnoe- Hypopnoe-Syndrom)

-    
14. September 2019 AHI
Rückenlage 14.9/h, ODI 21.2/h

-    
Polysomnographisch 06/2020
unter CPAP: AHI 8.4lh, Hypopnoe Index 5.4/h, nSaO2 88 %, mSa0294 %,

-    
unter CPAP (4-14 cmH2O)
Therapie

3.      Nicht allergisches Asthma bronchiale
2008

-    
ungenügend kontrolliert

4.      Chronische polypöse Rhinosinusitis
mit/bei

-    
Nasennebenhölen-Operationen

5.      Persistierende komplette Anosmie

-    
09/2018: Metacholintest:
Schwere unspezifische bronchiale Hyperreagibilität

-    
09/2018 eNO 43 ppb
(leichtgradige untere eosinophile Atemwegsentzündung)

6.      lnfektanfälligkeit (Immundefekt Syndrom)

-    
normochrome, normozytere
Anämie

7.      Mittel bis hochgradige
Schallempfindungsschwerhörigkeit bds 07/2018

-    
Hörgeräteversorgung

8.      Schweres schmerzhaftes
Panvertebralissyndrom

-    
11. Oktober 2018: DEXA
Untersuchung: Kein Hinweis für Osteoporose oder Osteopenie

9.      Postoperativer Bauchwandabszess durch S.
dysgalactiae mit

10.   St n. Diskektomie L5/SI und Segmentaufrichtung
mit Abszessdrainage und Sanierung NSAR Intoleranz

11.   Klinisch Vd. a. Histaminintoleranz mit
Vd.a. Morbus Widal

 

Erst kürzlich sei die Diagnose einer
ADHS gestellt worden. Diesbezüglich bestehe eine Fixmedikation mit
Lisdexamphetamin (Elvanse) mit zwar Besserung der Konzentration, aber keinerlei
Effekt auf die exzessive Tagesschläfrigkeit. Darüber hinaus leide der
Beschwerdeführer unter chronischen Rückenschmerzen, welche jedoch nicht als
Hauptgrund der Durchschlafstörung angeführt würden. Polysomnographisch habe man
einen deutlich fragmentierten Schlaf mit häufigen Schlafstadienwechseln und
zahlreichen kurzen Wachphasen mit spontaner Hyperarousability unter
suffizienter Therapie der vorbekannten Schlafapnoe gefunden. Der hohe
Schlafdruck zu Beginn der Nacht werde mit einer verkürzten Einschlaflatenz
manifest. Im MSLT ohne Lisdexamfetamin habe eine mittelschwere (knapp noch
nicht schwere) objektive Einschlafneigung mit einer mittleren Einschlaflatenz
von 6min, passend zu den Schilderungen des Beschwerdeführers, imponiert. Unter
Einnahme des Präparates habe eine Verbesserung, aber keine Normalisierung
(mittlere Einschlaflatenz von 9min) objektiviert werden können. Trotz Einnahme
des Präparates sei jedoch objektiv die Fähigkeit, in monotonen Situationen wach
zu bleiben, eingeschränkt, was sich ebenfalls mit den Schilderungen des Beschwerdeführers
decke. Im PVT habe trotz ADHS-Medikation eine erhebliche Störung der
psychomotorischen Vigilanz nachgewiesen werden können. Gesamthaft seien die
Befunde passend zu den Auswirkungen einer schweren ADHS auf den Nachtschlaf und
die Vigilanz untertags, dies trotz ausgebauter Therapie mit einem hochpotenten
ADHS-Präparat. Die vorzeitige Erschöpfbarkeit sei durch die begleitende Hypakusis
verstärkt, da der Beschwerdeführer bei ohnehin eingeschränkter Aufmerksamkeitsfähigkeit
eine zusätzliche Aufmerksamkeits- und Konzentrationsanstrengung zum akustischen
Verständnis von Sprache / verbaler Kommunikation aufbringen müsse.

 

7.       Die Beschwerdegegnerin stützt sich im angefochtenen
Entscheid im Wesentlichen auf das polydisziplinäre Gutachten der C.___ vom 28.
Juli 2018 (IV-Nr. 161.2), weshalb vorweg dessen Beweiswert zu prüfen ist.

 

7.1     Dem orthopädischen Teilgutachten
(IV-Nr. 161.4) liegt eine umfangreiche Befund- und Anamneseerhebung zugrunde.
Die sich darauf abstützenden Diagnosestellung (siehe dazu E. II 6.2.8 hiervor) und
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vermögen zu überzeugen: Der Leidensdruck des Versicherten
hinsichtlich seiner Lendenwirbelsäule erscheine gering, auch wenn der
Versicherte teilweise anderes berichte. Er berichte von geringen
Schmerzintensitäten, von niederfrequenter konservativer Behandlung und die Menge
des eingenommenen Tramadol sei unklar. Am aktuellen Arbeitsplatz sei der
Versicherte zufrieden. Es handle sich um eine Bürotätigkeit. Er versuche sein
Pensum auf 50 % zu steigern. Medizintheoretisch orthopädisch wäre eine
Steigerung dieses Pensums auf 100 % ohne weiteres möglich. Aus orthopädischer
Sicht seien dem Beschwerdeführer 8,5 Stunden pro Tag sowohl selbständig
erwerbend im Bettenfachgeschäft als auch als Angestellter bei S.___ in einer
Bürotätigkeit zumutbar. Die Arbeitsfähigkeit als selbständig erwerbender im
Bettenfachgeschäft sei reduziert um den Anteil der anfallenden schweren
körperlichen Arbeit. Die vom Versicherten berichteten Einschränkungen des
Aktivitätenniveaus insbesondere im Haushalt seien angesichts der zu
objektivierenden orthopädischen Befunde nicht nachvollziehbar. Diskrepant seien
die von dem Versicherten bei der detaillierten Anamneseerhebung geschilderten
Schmerzintensitäten und der nachträglich von ihm diesbezüglich eingereichte
schriftliche Bericht. Diskrepant seien auch die Angaben des Versicherten über
die eingenommene Menge des Tramadol und der diesbezüglich im Labor bestimmte
Spiegel. Bestünden die Schmerzen in den von dem Versicherten schriftlich
berichteten Intensitäten, so wäre anzunehmen, dass er ein Mehr an ärztlicher
Hilfe suchen und mehr an Analgetika einnehmen würde. Wirbelsäulenbelastende
Tätigkeiten seien dem Versicherten nicht mehr möglich. Aus orthopädischer Sicht
sei in Betrachtung des Wirbelleidens eine leichte bis mittelschwere körperliche
Arbeit im Wechselrhythmus zumutbar. Dabei überschritten die Einschränkungen
betreffs Fähigkeiten, Ressourcen und Belastungen der Wirbelsäule, die
orthopädisch festzustellen seien, die Einschränkungen auf neurologischem Gebiet
nicht. Aufgrund der rechtsseitigen Schulterbefunde seien dem Versicherten schultergelenkbelastende
Arbeiten und hier insbesondere mehr als gelegentliche Arbeiten in Abduktion
oder Anteversion der rechten Schulter über 90° nicht mehr zumutbar. Betreffend
das rechte Kniegelenk seien dem Versicherten insbesondere Tätigkeiten mit
endgradiger Beugung des rechten Kniegelenkes und Tätigkeiten im Knien nicht
mehr zumutbar. Zudem seien überwiegend im Stehen und Gehen zu erbringende
Tätigkeiten, häufiges Stehen und Gehen im unebenen Gelände und das Steigen auf
Leitern und Gerüste sowie häufiges Treppensteigen nicht mehr zu empfehlen. Keine
Funktionseinschränkungen von versicherungsmedizinischer Relevanz bedingten die
Befunde an den Füssen. Negative Wechselwirkungen zwischen den Diagnosen auf orthopädischem
Fachgebiet bestünden nicht. Idealerweise arbeite der Versicherte in einer
körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeit in temperierten Räumen. Die
gegenwärtig ausgeübte Bürotätigkeit erscheine dabei als dem Leiden ideal
angepasst. In angepasster Tätigkeit könne der Versicherte 8,5 Stunden pro Tag
mit einer Leistung von 100 % arbeiten. Diese Einschätzung gelte auch
retrospektiv, abgesehen von Zeiten gänzlicher Arbeitsunfähigkeit jeweils acht
Wochen nach den zwei Schulter-Operationen und der Lendenwirbelsäulen-Operation
2010 sowie zwölf Wochen nach der Lendenwirbelsäulen-Operation vom 13. Mai 2016.

 

Es könne somit auf das beweiswertige
orthopädische Teilgutachten der C.___ abgestellt werden.

 

7.2     Im neurologischen Teilgutachten
(IV-Nr. 161.6) begründete der Gutachter nachvollziehbar die von ihm gestellten
Diagnosen sowie seine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit: Für die Diagnose
«Chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom» spreche, dass aus rein
neurologischer Sicht keine radikulären Störungsmuster festgestellt werden
könnten, es seien keine sensomotorischen Defizite oder Reflexdifferenzen
ableitbar und diesbezüglich seien die radiologischen Befunde nicht verdächtig.
So hätten auch im neurologischen Bericht vom 12. Juli 2017 von Dr. med. AG.___
keine Paresen sowie keine radikulär oder spinal anmutenden
Sensibilitätsstörungen objektiviert werden können. Es sei eine
spondylovertebrale Genese der Rückenschmerzen vermutet worden. Auch seien in
der nachfolgenden elektrophysiologischen Diagnostik normale Befunde der
untersuchten peripheren Nerven erhoben worden. Es müsse diesbezüglich auf das
orthopädische Fachgebiet verwiesen werden, ob hier eine Begründung für dieses
teilweise bizarr wirkende und für übliche Rückenschmerzpatienten in keiner
Weise übliche Haltungsbild erklärend sei. Neurologisch sei dieses nicht
erklärbar, im Übrigen auch nicht durch alternative Diagnosen wie beispielsweise
eine Kamptokormie eines Parkinson-Patienten. In der aktuellen Bildgebung (MRI
der LWS und ISG vom 27. April 2018) seien keine radikulären
Nervenwurzelreizungen beschrieben worden. Es verbleibe der Eindruck für den
Untersucher, dass hier eher symbolträchtig ein Krankenrollenverhalten
präsentiert werde, so erscheine ein Krankheitsgewinn inklusive sogar auch unter
Einbezug der fürsorglichen Ehefrau zumindest gut denkbar. Entsprechende gewisse
Persönlichkeitszüge fielen zumindest für den Untersucher auf, ohne dass aber
tiefergreifende depressive oder andere relevante psychische Störungsmuster
erkennbar wären. Diesbezüglich werde aber auch auf das psychiatrische Gutachten
verwiesen. Was das Schlafapnoe- / Hypopnoe-Syndrom anbelange, sei
eine ergänzende Durchführung einer ambulanten Polysomnographie veranlasst
worden. Die Aufzeichnung habe von 22:51 h bis 06.05 h gedauert.
Aufgezeichnet worden seien der Atemfluss, das Schnarchen, die O2-Sättigung, die
Pulsfrequenz, die Körperlage, die thorakale und abdominale Atmung. Es sei ein
leichtes Schlafapnoe- / Hypopnoe-Syndrom vom obstruktiven Typ mit
z.T. paradoxer thorakoabdominaler Atembewegung (O2-Entsättigungs-Index 12,3/h,
Apnoe- / Hypopnoe-Index (AHI) 14,4/h) festgestellt worden. Während
der ganzen Nacht werde unregelmässiges, zum Teil auch kontinuierliches
Schnarchen registriert. Die Apnoen und Hypopnoen bestünden vermehrt in
Rückenlage. Es bestehe vorwiegend nur ein Hypopnoe-Syndrom. Die schlafbezogenen
Atemstörungen seien mit leichten O2-Entsättigungen und mit leichten
Pulsschwankungen verbunden. Bei fortbestehender Symptomatik einer
schlafbezogenen Atemstörung und bei vermehrter Tagesschläfrigkeit / Tagesmüdigkeit
könne eine Therapie mit CPAP versucht werden. Selbst bei Annahme dieses
leichten Schlafapnoesyndroms sei eine wesentliche Tagesmüdigkeit eher nicht
anzunehmen. Zudem sei im Rahmen der neurologischen Untersuchung ein
REY-Memory-Test (Symptomvalidierungs-Test) durchgeführt worden. Hierbei werde
der versicherten Person eine nur scheinbar schwierige Gedächtnisaufgabe
gestellt, wobei jeder nicht schwerstbehinderte, schreib- und lesefähige Proband
mindestens 60 % der Zeichen erinnere und korrekt reproduziere. Die
versicherte Person habe im ersten Durchgang 12 der 15 zuvor gezeigten Zeichen
reproduziert. Dieser Befund erscheine unauffällig. Dass Opiate, hier Tramadol 3 x 50 mg,
eine solche schwere Tagesmüdigkeit verursachen sollten, wie der Versicherte es
subjektiv angebe, dies obwohl zwischenzeitlich ein dreiviertel Jahr bereits die
Therapie durchgeführt werde und entsprechende Adaptationsprozesse bereits
längst stattgefunden hätten, sei ebenfalls nicht nachvollziehbar. Mindestens
könne keine Ausprägung begründet werden, dass hieraus gleich eine relevante
Arbeitsunfähigkeit in so hohem Masse wie angegeben erklärbar wäre. Zudem sei
gemäss den aktuellen Laborergebnissen Tramadol im Serum nur in unterdosierten,
geringen Mengen nachweisbar. Auch die Angabe zu der Schmerzausprägung könne
nicht hinreichend nachvollzogen werden, sei im Ausdrucksverhalten – ausser dem
Präsentieren einer nicht nachvollziehbaren vorgebeugten Haltung – nicht durch
vegetative Zeichen begleitet. Zudem seien die subjektiv beschriebenen
kognitiven Störungen im klinischen Eindruck nicht relevant. Auch wenn solche
leichtgradig im neuropsychologischen Gutachten feststellbar seien, so dürften
diese zumindest teilweise schon vorbestehend vermutet werden. Zudem könnten in
Gesamtschau die vom Versicherten so erheblich angegebenen Einschränkungen nicht
nachvollzogen werden, obwohl der Versicherte in der neuropsychologischen
Untersuchung keine dezidierten Hinweise auf eine bewusste Präsentation von Minderleistungen
gezeigt habe. Die subjektiven Angaben zu seinen die Arbeitsfähigkeit so
deutlich einschränkenden kognitiven Funktionen könnten aber in Gesamtschau aus
neurologischer Sicht auch unter Einbezug der neuropsychologischen Befunde nicht
nachvollzogen werden. Vielmehr seien doch mehrfach nichtauthentisch
erscheinende Verhaltensweisen auffällig (Pseudo-Akamptokormie ohne
neurologische Erklärung). Es seien aber externale Anreize zu berücksichtigen.
Das permanente vorübergeneigte Halten sowohl beim Gehen als auch im Stand sei
für den Untersucher in keiner Weise nachvollziehbar, löse sich zudem bei
klinischer Untersuchung auf. So könne der Versicherte sich sehr wohl gerade auf
die Liege ablegen, sowohl in Rückenlage wie auch in Bauchlage. Auch sei die paravertebrale
Muskulatur in Bauchlage geprüft und lumbal nicht erkennbar wesentlich
verhärtet, was insgesamt also gegen eine entsprechende relevante fokale Schmerzproblematik
spreche. Betrachte man die verfügbare Bildgebung, so ergebe diese keine
diesbezügliche wesentliche Pathologie, welche ein solches Verhalten und
insbesondere Körperhaltung erklären könnte. Dass «vier oder fünf Wirbelkörper
instabil seien», sei aus der radiologischen Befundlage in keiner Weise
nachvollziehbar. Hier werde eine Pathologisierung betrieben, die offensichtlich
im Rahmen eines zu vermutenden Krankenrollenverhaltens mit verzerrender
Darstellung und Präsentation benutzt werde. Das Fähigkeitsprofil aus rein
neurologischer Sicht sei nicht über den Umfang auf orthopädischem Fachbereich
hinausgehend vermindert. Die Arbeitsfähigkeit könne somit aus rein
neurologischer Sicht theoretisch medizinisch nicht als eingeschränkt bewertet
werden, dies auch retrospektiv geltend. 

 

Auf das beweiswertige neurologische
Teilgutachten der C.___ kann ebenfalls abgestellt werden.

 

7.3     Im internistischen Teilgutachten
(IV-Nr. 161.7) wurde keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt, was gestützt auf die von der Gutachterin erhobenen Befunde
nachvollziehbar erscheint. Dementsprechend ergab sich aus internistischer Sicht
keine Einschränkung der Leistungsfähigkeit.

 

7.4     Im neuropsychologischen
Teilgutachten (IV-Nr. 161.8) wird ausgeführt, verglichen mit Gleichaltrigen
seien beim Beschwerdeführer testdiagnostisch kognitive Minderleistungen in
folgenden Bereichen objektiviert worden: Aufmerksamkeit: visuell-räumliche
Aufmerksamkeit; Verbales Neugedächtnis: Merkspanne, Lernen, retroaktive
Interferenz, freier verzögerter Abruf, Wiedererkennen; Nonverbales
Neugedächtnis: Lernen; Exekutivfunktionen: Arbeitsgedächtnis, Ideenproduktion,
Interferenzkontrolle. In der klinischen Beobachtung zeigten sich folgende
Auffälligkeiten: Das Instruktionsverständnis sei wegen Hörproblemen leicht
reduziert. Der Versicherte bitte aber ohne Aufforderung um Wiederholung, wenn
er etwas nicht sicher gehört habe, die Aufmerksamkeit sei schwankend, leicht
erhöhte Ablenkbarkeit. Schmerzverhalten: 09:40, 10:20, 11:50: stehe auf, gehe
umher (strecke sich). 11:45: gebe an, Kopfschmerzen zu haben. Unauffällig seien
die Pünktlichkeit, das Erscheinungsbild, die Orientierung, die Spontansprache,
das Verhalten, die Kontaktaufnahme, das Vorgehen, das Arbeitstempo, die
Affektivität, das Störungsbewusstsein sowie die Anstrengungsbereitschaft
gewesen. Keine Anzeichen von übermässiger Ermüdbarkeit. Die objektivierten
Defizite, zusammen mit den klinischen Auffälligkeiten, seien als leichte
neuropsychologische Einschränkungen zu werten. Eine eindeutige ätiologische
Zuordnung sei aus neuropsychologischer Sicht nicht möglich, es sei von einer
multifaktoriellen Genese mit schon immer bestehenden Anteilen auszugehen: Der
Versicherte habe angegeben, dass er schon während der Lehre als langsam, dafür
genau arbeitend eingeschätzt worden sei. Weiter sei festzuhalten, dass der
Versicherte möglicherweise in seiner Kindheit eine ADHS gehabt haben möge. Er
beschreibe auch heute noch Symptome, die damit im Prinzip vereinbar wären. Eine
adulte ADHS sei aber nicht zu diagnostizieren: Weder die klinischen Auffälligkeiten,
noch die insgesamt unauffällige berufliche Karriere, noch die subjektiven,
mehrheitlich in den letzten Jahren aufgetretenen Beschwerden, sprächen dafür.
Auch fänden sich in den Akten keine diesbezüglichen Beobachtungen. Selbst wenn
er an einer sehr leichten Form gelitten hätte, hätte diese Störung bis jetzt
offensichtlich keine unüberwindbaren Auswirkungen gehabt. Zudem leide der
Versicherte an einer leichten Schlafapnoe. Eine solche verursache regelhaft auch
kognitive Einschränkungen. Die Stärke, z.B. der Gedächtniseinschränkung, überrasche
jedoch. Er berichte von Schmerzen, was dazu beitragen könne, dass er bei
anspruchsvolleren längeren Tests (Aufmerksamkeit, Gedächtnis) den Kopf nicht
ganz bei der Sache gehabt habe. Er nehme regelmässig Schmerzmedikamente ein,
was auch Auswirkungen auf die kognitiven Funktionen haben könne. Im Laborbefund
vom 4. Juni 2018 sei das Tramal aber deutlich unterdosiert. Das Ganze bette
sich in den Kontext von psychischen Faktoren im Rahmen der somatischen Probleme
ein, wie der psychiatrische Gutachter ausführe. Einen relevanten Einfluss der
Hörbeeinträchtigung schliesse man aus. Der Beschwerdeführer habe spontan
nachgefragt, wenn er etwas nicht verstanden habe, und die Einschränkungen beträfen
nicht nur sprachliche, sondern auch nichtsprachliche Bereiche. Es liege keine
eigenständige psychische Störung vor, wie eine erhebliche affektive oder
Angststörung. Es gebe keine Hinweise auf übermässige Müdigkeit (ausser gegen
Schluss der Untersuchung, als aber keine z.B. zeitkritischen Verfahren mehr
eingesetzt worden seien), oder übermässige Schmerzen, die die Resultate negativ
hätten beeinflussen können. Sodann gebe es keine Hinweise auf eine bewusste,
grobe Verfälschung der Befunde. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit entsprächen
sie der tatsächlichen Leistungsfähigkeit. Weder ein gut standardisierter
Performanzvalidierungstest (Schmand & Undeboom, 2005, Green, 2003), noch
eingebettete Faktoren seien auffällig gewesen. Der klinische Eindruck und die
objektivierten Befunde seien in sich stimmig. Es gebe zwischen und auch
innerhalb der Tests keine relevanten Inkonsistenzen. Unter Anwendung des
Entscheidungsalgorithmus' von Slick, Sherman und Iverson (1999) lägen somit
keine Hinweise auf Verdeutlichung, Aggravation oder gar Simulation vor. Es
könnten lediglich die leichten kognitiven Einschränkungen festgestellt werden,
welche eine geringe Beeinträchtigung erklärten: Der Beschwerdeführer habe etwas
mehr Mühe, eine übliche Menge an Informationen (z.B. Instruktionen) für eine
kurze Zeit im Gedächtnis zu behalten, eine übliche Menge an neuen Informationen
zu lernen, zu behalten, frei zu erinnern, wiederzuerkennen. Bei konzentrativ
anspruchsvolleren Aufgaben sei er etwas langsamer. Er entwickle etwas weniger
eigene Ideen, lasse sich durch widersprüchliche Informationen etwas stärker
stören. Er ermüde subjektiv rasch. Diese leichten Einschränkungen könnten in
der angestammten Tätigkeit lediglich eine leichte Minderung der
Arbeitsfähigkeit (im Sinne der Leistungsminderung bei ganztägiger Präsenz) um
maximal 15 % erklären. Medizinisch zumutbar seien jedoch eher kürzere,
konzentrativ weniger anspruchsvolle Aufgaben oder aber etwas mehr Zeit für
deren Bearbeitung. Längere Lernzeiten, etwas längere Einarbeitungszeiten. Klare
Instruktionen. Checklisten könnten hilfreich sein. Bei solchen Tätigkeiten bestehe
auch unter Berücksichtigung der kognitiven Störungen keine Einschränkung der
quantitativen Arbeitsfähigkeit (sowohl hinsichtlich Leistungsfähigkeit als auch
Arbeitspräsenzfähigkeit).

 

Die vorgehenden Ausführungen aus dem
neuropsychologischen Teilgutachten erscheinen grundsätzlich nachvollziehbar.
Jedoch führen die nach der Begutachtung ergangenen Arztberichte dazu, dass es
unter anderem einer erneuten neuropsychologischen Begutachtung bedarf, wie in
E. 7.5 (zweiter Abschnitt) hiernach darzulegen ist.

 

7.5     Im psychiatrischen Teilgutachten
(IV-Nr. 161.5) führte der Gutachter aus, es sei die Diagnose «Psychologische
Faktoren oder Verhaltensfaktoren bei anderenorts klassifizierten Krankheiten
(F54)» zu stellen. 2010 und 2016 sei der Beschwerdeführer an der Bandscheibe
operiert worden. Eine MRI-Untersuchung habe eine Diskopathie mit links medio-lateraler
nach kaudal luxierender Bandscheibenhernie LWK 4/5 und mögliche Reizung der
linken rezessalen S1-Wurzel ergeben. Dennoch sei die Symptomatik, vor allem der
geklagte Dauerschmerz und die z.B. heute eingenommene Zwangshaltung, nicht
allein aus organischen Ursachen heraus erklärbar. Eine eigenständige
psychiatrische Erkrankung sei heute trotz ambulanter psychiatrischer Behandlung
nicht zu eruieren gewesen. Trotz der exzessiv vorgetragenen Schmerzsymptomatik
sei der Versicherte gut in den Tagesablauf integriert. Er habe sich selbst
einen Büroarbeitsplatz gesucht. Sein gebräuntes Hautkolorit rühre von einer
kürzlich unternommenen Karibikkreuzfahrt her. Er würde am liebsten sein altes
Geschäft wieder führen, da er erfahren habe, dass der Nachfolger bei Weitem
nicht so viel Engagement wie er selbst und sein Bruder an den Tag lege. Die psychische
Diagnose führe somit zu keinerlei Einschränkungen im Lebensalltag. Eigentlich
könne auch darüber diskutiert werden, ob denn überhaupt eine seelische
Erkrankung vorliege oder ob es sich nicht um eine kompensierbare organische
Erkrankung mit gezielter Selbstlimitierung handle. Für diese Einschätzung würde
z.B. die Fähigkeit sprechen, gerade unlängst eine Karibikkreuzfahrt angetreten
zu haben. Gerade für einen Aufenthalt auf See dürfte sich die Einnahme von
Tramadol als nicht ganz unproblematisch erweisen. Der gemessene Blutspiegel
zeige hier jedoch eine deutliche Unterdosierung an, was sein Wohlbefinden auf
See erkläre, seinen Beschwerdevortrag aber relativiere. Sein auffälliges
Verhalten in der Untersuchungssituation habe ausserdem einen nicht unerheblichen
demonstrativen Charakter gehabt. Unter zugrunde Legung der Mini-ICF-App mit 13
zu beurteilenden Fähigkeiten ergebe sich bei dem Versicherten keine
Fähigkeitsstörung. Aus psychiatrischer Sicht könne er sowohl in der letzten
Tätigkeit als selbstständiger Kaufmann eines Bettengeschäftes voll tätig sein,
als auch in seiner jetzt ausgeübten Bürotätigkeit. Aufgrund der organischen
Einschränkung wären schwere körperliche Tätigkeiten jedoch nicht indiziert.
Hier werde auf die somatischen Gutachten verwiesen.

 

Auf das psychiatrische Teilgutachten der
C.___ kann aus mehreren Gründen nicht abgestellt werden: So setzte sich der
psychiatrische Gutachter kaum mit den entgegenstehenden Arztberichten und den
anderen möglichen Diagnosen auseinander – insbesondere auch nicht mit der ADHS,
auch wenn dieses vorher wohl nur als Verdachtsdiagnose und erst nach Erlass des
Gutachtens als «definitive» Diagnose gestellt wurde. Auch die gutachterliche
Stellungnahme von Dr. med.