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**Case Identifier:** 0fda44ac-a14a-547f-a768-89cf4c127990
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-09-18
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 18.09.2024 CA.2024.22
**Docket/Reference:** CA.2024.22
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_CA-2024-22_2024-09-18

## Full Text

Berufung (vollumfänglich) von A. vom 19. Juni 2024 und Anschlussberufung (teilweise) der Bundesanwaltschaft vom 4. Juli 2024 gegen das Urteil der Strafkammer des Bundesstrafgerichts SK.2023.48 vom 20. März 2024
Aufhebung der stationären Suchtbehandlung und Anordnung einer anderen stationären therapeutischen Massnahme gemäss Art. 62c Abs. 6 StGB (selbständiges nachträgliches Verfahren nach Art. 363 ff. StPO)
;;Berufung (vollumfänglich) von A. vom 19. Juni 2024 und Anschlussberufung (teilweise) der Bundesanwaltschaft vom 4. Juli 2024 gegen das Urteil der Strafkammer des Bundesstrafgerichts SK.2023.48 vom 20. März 2024
Aufhebung der stationären Suchtbehandlung und Anordnung einer anderen stationären therapeutischen Massnahme gemäss Art. 62c Abs. 6 StGB (selbständiges nachträgliches Verfahren nach Art. 363 ff. StPO)
;;Berufung (vollumfänglich) von A. vom 19. Juni 2024 und Anschlussberufung (teilweise) der Bundesanwaltschaft vom 4. Juli 2024 gegen das Urteil der Strafkammer des Bundesstrafgerichts SK.2023.48 vom 20. März 2024
Aufhebung der stationären Suchtbehandlung und Anordnung einer anderen stationären therapeutischen Massnahme gemäss Art. 62c Abs. 6 StGB (selbständiges nachträgliches Verfahren nach Art. 363 ff. StPO)
;;Berufung (vollumfänglich) von A. vom 19. Juni 2024 und Anschlussberufung (teilweise) der Bundesanwaltschaft vom 4. Juli 2024 gegen das Urteil der Strafkammer des Bundesstrafgerichts SK.2023.48 vom 20. März 2024
Aufhebung der stationären Suchtbehandlung und Anordnung einer anderen stationären therapeutischen Massnahme gemäss Art. 62c Abs. 6 StGB (selbständiges nachträgliches Verfahren nach Art. 363 ff. StPO)

Urteil vom 18. September 2024 
Berufungskammer 

Besetzung  Richterin Andrea Blum, Vorsitzende 

Richter Thomas Frischknecht und Olivier Thormann 

Gerichtsschreiber Franz Aschwanden  

Parteien  A., amtlich vertreten durch Rechtsanwältin Angela 

Agostino-Passerini, 

Berufungsführer / Anschlussberufungsgegner  

gegen 

  

BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch Staatsanwalt 

des Bundes Johannes Rinnerthaler, 

Anschlussberufungsführerin / Berufungsgegnerin /  

Anklagebehörde  

Gegenstand 

 

Berufung (vollumfänglich) von A. vom 19. Juni 2024 und 

Anschlussberufung (teilweise) der Bundesanwaltschaft 

vom 4. Juli 2024 gegen das Urteil der Strafkammer des 

Bundesstrafgerichts SK.2023.48 vom 20. März 2024 

 

Aufhebung der stationären Suchtbehandlung und An-

ordnung einer anderen stationären therapeutischen Mass-

nahme gemäss Art. 62c Abs. 6 StGB (selbständiges 

nachträgliches Verfahren nach Art. 363 ff. StPO) 

 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

Geschäftsnummer:  CA.2024.22 

- 2 - 

Sachverhalt: 

A. Erstinstanzliches (Haupt-)Verfahren SK.2020.56 / Urteil vom 5. März 2021 

A.1 Mit Urteil der Strafkammer des Bundesstrafgerichts (nachfolgend: Strafkammer) 

SK.2020.56 vom 5. März 2021 wurde A. (nachfolgend: Berufungsführer) von den 

Vorwürfen des versuchten Herstellens von Sprengstoffen (Art. 226 i.V.m. Art. 22 

Abs. 1 StGB) und des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen (Art. 292 

StGB) freigesprochen, der strafbaren Vorbereitungshandlungen (Art. 260bis Abs. 1 

lit. e StGB) und der Widerhandlung gegen das Waffengesetz (Art. 33 Abs. 1 lit. a 

i.V.m. Art. 4 Abs. 1 lit. c WG) schuldig gesprochen und mit einer Freiheitsstrafe 

von 16 Monaten (unter Anrechnung von Untersuchungs- / Sicherheitshaft / Ersatz-

massnahmen im Umfang von total 348 Tagen) bestraft. Zudem wurde eine Mass-

nahme i.S.v. Art. 60 StGB (stationäre Suchttherapie) angeordnet (SK.2020.56 

pag. 6.720.006 ff.; 6.930.001 ff.). 

A.2 Der Berufungsführer hatte sich im Vorfeld seit dem 11. Februar 2020 bis am 

5. März 2021 in Untersuchungs- bzw. Sicherheitshaft befunden, wobei die Haft 

vom 28. Mai bis 10. Oktober 2020 durch Ersatzmassnahmen, d.h. ambulante 

sowie stationäre Behandlungen, substituiert worden war. Die Sicherheitshaft war 

zuvor letztmals auf Antrag der Strafkammer mit Entscheid des Zwangsmassnah-

mengerichts des Kantons Bern vom 19. Februar 2021 bis zum Zeitpunkt des erst-

instanzlichen Urteils bzw. längstens bis 12. März 2021 verlängert worden 

(SK.2020.56 pag. 6.231.7.063 ff.). Mit Beschluss SN.2021.6 vom 5. März 2021 

ordnete die Strafkammer infolge Ausführungsgefahr nach Art. 221 Abs. 2 StPO 

die Fortsetzung der Sicherheitshaft bis zum 4. Juni 2021 an (SK.2020.56 

pag. 6.720.1.003; 6.912.2.001 ff.). Auf Gesuch des Berufungsführers bewilligte 

die Strafkammer mit Verfügung SN.2021.7 vom 22. März 2021 sodann den vorzei-

tigen Massnahmenantritt gemäss Art. 60 StGB (SK.2020.56 pag. 6.912.1.001 ff.). 

B. Berufungsverfahren CA.2021.7 / Urteil vom 7. September 2021 

 Mit Urteil CA.2021.7 vom 7. September 2021 sprach die Berufungskammer des 

Bundesstrafgerichts (nachfolgend: Berufungskammer) in Bestätigung des vor-

instanzlichen Urteils den Berufungsführer der strafbaren Vorbereitungshandlungen 

(Art. 260bis Abs. 1 lit. e StGB) und der Widerhandlung gegen das Waffengesetz 

(Art. 33 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 4 Abs. 1 lit. c WG) schuldig und von den weiteren 

Anklagevorwürfen frei (CA.2021.7 pag. 11.100.001 bis -075). Der Berufungsfüh-

rer wurde zu einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten verurteilt, wobei die ausge-

standene Untersuchungs- und Sicherheitshaft von 440 Tagen und die Ersatz-

massnahmen von 135 Tagen gesamthaft im Umfang von 534 Tagen auf die 

Strafe angerechnet wurden. Wie schon die Vorinstanz ordnete auch die Beru-

fungskammer eine stationäre Suchtbehandlung i.S.v. Art. 60 StGB an und schob 

- 3 - 

den Vollzug der Freiheitsstrafe zugunsten der Massnahme auf. Als Vollzugskan-

ton wurde wiederum der Kanton Basel-Stadt bestimmt (CA.2021.7 pag. 

11.100.072). 

C. Bundesgerichtliches Verfahren 6B_188/2022 / Urteil vom 17. August 2022 

Das Bundesgericht wies die vom Berufungsführer gegen das Urteil der Beru-

fungskammer erhobene Beschwerde mit Urteil 6B_188/2022 vom 17. August 

2022 ab, soweit es darauf eintrat (CA.2021.7 pag. 11.200.054 ff.). Das Urteil der 

Berufungskammer CA.2021.7 vom 7. September 2021 wurde dadurch rechts-

kräftig. 

D. Antrag des Amts für Justizvollzug des Kantons Basel-Stadt auf Aufhebung 

der stationären Suchtbehandlung und Anordnung einer anderen stationä-

ren therapeutischen Massnahme gemäss Art. 62c Abs. 6 StGB 

D.1 Mit Eingabe an die Strafkammer vom 7. November 2023 beantragte das Amt für 

Justizvollzug des Kantons Basel-Stadt (nachfolgend: AJV) gestützt auf ein Gut-

achten und im Sinne von Art. 62c Abs. 6 StGB i.V.m. Art. 363 Abs. 1 sowie 

Art. 364 Abs. 1 StPO die Aufhebung der mit Urteil der Berufungskammer 

CA.2021.7 vom 7. September 2021 angeordneten stationären Suchtbehandlung 

gemäss Art. 60 StGB und stattdessen die Anordnung einer anderen stationären 

therapeutischen Massnahme (Therapie für schwere psychische Störungen) nach 

Art. 59 StGB (SK.2023.48 pag. 3.100.011 ff.). 

D.2 Die Strafkammer leitete den Antrag des AJV in der Folge an die Berufungskam-

mer weiter (SK.2023.48 pag. 3.100.004). 

D.3 Die Berufungskammer stellte mit Beschluss CA.2023.24 vom 4. Dezember 2023 

die Zuständigkeit der Strafkammer für die Beurteilung des Antrags fest und über-

mittelte diesen zuständigkeitshalber zurück an die Strafkammer (SK.2023.48 

pag. 3.100.001 ff.). 

E. Selbständiges nachträgliches Verfahren (Art. 363 ff. StPO) / erstinstanzliches 

Urteil der Strafkammer SK.2023.48 vom 20. März 2024 

E.1 Mit Urteil SK.2023.48 vom 20. März 2024 hob die Strafkammer die mit Urteil der 

Berufungskammer CA.2021.7 vom 7. September 2021 angeordnete stationäre 

Suchtbehandlung gemäss Art. 60 StGB in Anwendung von Art. 62c Abs. 6 StGB 

auf. An deren Stelle ordnete sie eine stationäre therapeutische Massnahme zur 

Behandlung von schweren psychischen Störungen gemäss Art. 59 StGB an und 

befristete die Massnahme auf zwei Jahre. Als Vollzugskanton wurde wiederum 

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der Kanton Basel-Stadt bestimmt (SK.2023.48 pag. 3.930.001 ff.). Das Urteils-

dispositiv SK.2023.48 wurde am 20. März 2024 an die Parteien versandt 

(SK.2023.48 pag. 3.930.001 ff.). Der Versand des begründeten Urteils SK.2023.48 

erfolgte am 12. Juni 2024 (SK.2023.48 pag. 3.930.006 ff., -044; CA.2024.22 pag. 

1.100.043 ff.). 

E.2 Gegen das Urteil der Strafkammer SK.2023.48 vom 20. März 2024 meldete der 

Berufungsführer am 25. März 2024 Berufung an (SK.2023.48 pag. 3.940.001; 

CA.2024.22 pag. 1.100.046). 

F. Anordnung von Sicherheitshaft / Beschluss der Strafkammer SN.2024.1 

vom 20. März 2024 

 Gleichzeitig mit dem Urteil ordnete die Strafkammer gegen den Berufungsführer 

mit Beschluss SN.2024.1 vom 20. März 2024 Sicherheitshaft bis zum 19. Juni 

2024 an (SK.2023.48 pag. 3.912.2.001 ff.; -009). 

G. Beschwerde gegen den Beschluss SN.2024.1 / Beschluss der Beschwerde-

kammer BH.2024.5 vom 22. Mai 2024 

G.1  Den Beschluss bezüglich Sicherheitshaft SN.2024.1 vom 20. März 2024 focht 

der Berufungsführer mit Eingabe vom 2. April 2024 bei der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts (nachfolgend: Beschwerdekammer) mit Beschwerde an 

(BH.2024.5 act. 1). Er beantragte die Aufhebung des Beschlusses der Strafkam-

mer, seine umgehende Entlassung aus der Sicherheitshaft, eventualiter unter 

Auferlegung von Ersatzmassnahmen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen 

zulasten der Bundesanwaltschaft (nachfolgend: BA) als Beschwerdegegnerin 

(BH.2024.5 act. 1 S. 2). 

G.2  Mit Beschluss BH.2024.5 vom 22. Mai 2024, gleichentags an die Parteien ver-

sandt, wies die Beschwerdekammer die Beschwerde gegen den Beschluss 

SN.2024.1 ab. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

und Rechtsvertretung wurde ausgangsgemäss abgewiesen und die Gerichtsge-

bühr von Fr. 1'000.-- dem Berufungsführer auferlegt (BH.2024.5 act. 15). Der Be-

schluss BH.2024.5 vom 22. Mai 2024 erwuchs unangefochten in Rechtskraft. 

H. Berufungsverfahren CA.2024.22 / beigeordnetes Haftverfahren CN.2024.16 

im Rahmen des selbständigen nachträglichen Verfahrens (Art. 363 ff. StPO) 

H.1 Mit Übermittlung der Urteilsbegründung sowie der vollständigen Verfahrensakten 

SK.2023.48 (vgl. oben Sachverhalt [SV] lit. E und F) an die Berufungskammer 

per 12. Juni 2024 (CA.2024.22 pag. 1.100.003 ff.; -047 f.) ging die Rechtshän-

gigkeit auf Letztere über. Die Rechtshängigkeit betraf systematisch auch das bei-

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geordnete Haftverfahren CN.2024.16, in dem über die Fortführung der mit Be-

schluss der Strafkammer SN.2024.1 vom 20. März 2024 angeordneten Sicher-

heitshaft (vgl. oben SV lit. F und G) zu entscheiden war. 

H.2 Im Rahmen des vorliegenden Berufungsverfahrens CA.2024.22 wurden von 

Amtes wegen sämtliche Akten des erstinstanzlichen Verfahrens SK.2023.48 / 

Haftverfahrens SN.2024.1 (oben SV lit. D - F), des vormaligen Hauptverfahrens 

CA.2021.7 (vgl. oben SV lit. A - C) sowie des Beschwerdeverfahrens BN.2024.5 

(oben SV lit. G) beigezogen. 

H.3 Mit Verfügung der Vorsitzenden CN.2024.16 vom 12. Juni 2024 wurde die Si-

cherheitshaft bis zum definitiven Entscheid des Gerichts provisorisch verlängert, 

den Verfahrensparteien die beabsichtigte Aufrechterhaltung der Sicherheitshaft 

in Aussicht gestellt und ihnen entsprechend Gelegenheit zur Stellungnahme ge-

währt (CA.2024.22 pag. 8.100.001 f.). 

 Die BA beantragte mit Eingabe vom 14. Juni 2024 die Belassung des Berufungs-

führers in Sicherheitshaft bis zum Abschluss des Berufungsverfahrens CA.2024.22 

bzw. bis zum Antritt der stationären therapeutischen Massnahme gemäss Art. 59 

StGB (CA.2024.22 pag. 8.100.003 f.). 

 Mit Eingabe vom 19. Juni 2024 beantragte der Berufungsführer (1.) seine umge-

hende Entlassung in Freiheit, (2.) eventualiter seine Entlassung aus der Sicher-

heitshaft unter Auflagen; (3.) unter Kosten- und Entschädigungsfolge 

(CA.2024.22 pag. 8.100.005 ff.). 

 Mit Verfügung der Vorsitzenden CN.2024.16 vom 24. Juni 2024 wurde der Beru-

fungsführer zur Sicherung des Massnahmenvollzugs einstweilen, voraussichtlich 

bis zum Eintritt der Rechtskraft des Urteils der Berufungskammer CA.2024.22 

bzw. bis zum allfälligen Antritt einer stationären therapeutischen Massnahme ge-

mäss Art. 59 StGB, in Sicherheitshaft behalten (CA.2024.22 pag. 8.101.009 ff.). 

H.4 Der Berufungsführer erklärte mit Eingabe vom 19. Juli 2024 gegen das Urteil der 

Strafkammer SK.2023.48 vom 20. März 2024 Berufung, mit folgenden Anträgen 

(CA.2024.22 pag. 1.100.049 ff.): 

 1. Es sei das Urteil des Bundesstrafgerichts vom 20. März 2024 vollumfänglich auf-

zuheben.  

 2.  Es sei die mit Urteil der Berufungskammer des Bundesstrafgerichts CA.2021.7 

vom 7. September 2021 angeordnete stationäre Suchtbehandlung gemäss Art. 60 

StGB (Urteils-Dispositiv Ziff. lll. 4) ersatzlos aufzuheben.  

 3.  Eventualiter sei der Berufungskläger bedingt aus der zuvor erwähnten stationären 

Suchtbehandlung zu entlassen, wobei ihm die allenfalls als notwendig erachteten 

Auflagen zu erteilen sind.  

 4.  Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge.  

- 6 - 

Zudem ersuchte der Berufungsführer für das Berufungsverfahren um Einsetzung 

von Rechtsanwältin Agostino-Passerini als amtliche Verteidigerin. 

H.5 Mit Schreiben vom 20. Juni 2024 wurde die Berufungserklärung vom 19. Juni 

2024 an die BA übermittelt, mit Einladung zur Beantragung des Nichteintretens 

und / oder zur Erklärung der Anschlussberufung. Rechtsanwältin Angela 

Agostino-Passerini wurde für das Berufungsverfahren CA.2024.22 zur unentgelt-

lichen (amtlichen) Rechtsbeiständin bzw. -vertreterin des Berufungsführers er-

nannt (CA.2024.22 pag. 1.400.001 f.). 

H.6 Mit Eingabe vom 4. Juli 2024 (CA.2024.22 pag. 1.400.003 ff.) erklärte die BA 

Anschlussberufung gegen das Urteil der Strafkammer SK.2023.48 vom 20. März 

2024, mit folgenden Anträgen: 

 1. Über A. sei in Bestätigung des Urteils der Strafkammer vom 20. März 2024 eine 
stationäre therapeutische Massnahme nach Art. 59 StGB anzuordnen. 

 2.  Die stationäre therapeutische Massnahme gemäss Art. 59 StGB sei nicht zu be-

fristen. 

 3. Die Verfahrenskosten des erstinstanzlichen sowie des Berufungsverfahrens seien 

A. aufzuerlegen. 

 4.  Advokatin Angela Agostino-Passerini sei für die amtliche Verteidigung von A. für 

das erstinstanzliche Verfahren in der Höhe von CHF 9’079.45 (inkl. MWST) und 

für das Berufungsverfahren in gerichtlich zu bestimmender Höhe aus der Kasse 

der Eidgenossenschaft zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO). 

  A. habe der Eidgenossenschaft für die Entschädigung der amtlichen Verteidigung 

für das erstinstanzliche sowie das Berufungsverfahren Ersatz zu leisten, sobald es 

seine wirtschaftlichen VerhäItnisse erlauben. 

 5.  Der Kanton Basel-Stadt sei als Vollzugskanton zu bestimmen (Art. 74 Abs. 2 

StBOG i.V.m. Art. 31 Abs. 1 StPO). 

H.7 Mit Eingabe vom 5. August 2024 beantragte der Berufungsführer das Nichtein-

treten auf die Anschlussberufung der BA vom 4. Juli 2024 (CA.2024.22 pag. 

1.400.007 ff.). Mit Stellungnahme vom 13. August 2024 beantragte die BA das 

Eintreten auf die eigene Anschlussberufung bzw. die Abweisung des Antrags des 

Berufungsführers (CA.2024.22 pag. 1.400.0011 ff.). Mit Replik vom 29. August 

2024 hielt der Berufungsführer an seinem Nichteintretensantrag bezüglich der 

Anschlussberufung der BA fest (CA.2024.22 pag. 1.400.0016 ff.). 

H.8 Mit Eingabe vom 30. Juli 2024 beantragten die Psychiatrischen Dienste UU. dem 

AJV die Aufnahme des Berufungsführers in eine Therapie. Sinngemäss wurde 

insbesondere ausgeführt, dass der Berufungsführer zu einer störungs- und / oder 

deliktspräventiven Therapie derzeit nicht bereit sei, wegen seines grossen Miss-

trauens gegenüber staatlichen Institutionen, aber auch aufgrund der Annahme, 

dass eine solche Therapieaufnahme einem Eingeständnis gleichkäme, «krank» 

- 7 - 

zu sein. Vorrangig müsste Zeit in den Beziehungsaufbau investiert werden. Da-

her werde das AJV bzw. der Kostenträger um Kostengutsprache für eine Thera-

pieaufnahme im stützenden Rahmen ersucht (CA.2024.22 pag. 2.202.020 f.). 

Das AJV leitete den Antrag der Psychiatrischen Dienste UU. vom 30. Juli 2024 

am 6. August 2024 zuständigkeitshalber an die Berufungskammer weiter 

(CA.2024.22 pag. 2.202.019 ff.). Mit Schreiben vom 7. August 2024 lud das Ge-

richt die BA, den Berufungsführer, die Abteilung Urteilsvollzug der BA, die Gut-

achterin Dr. med. JJ. sowie das AJV zur Stellungnahme zum Antrag der Psychi-

atrischen Dienste UU. vom 30. Juli 2024 ein (CA.2024.22 pag. 2.300.004 f.). In 

der Folge reichten die Genannten (ausser Dr. JJ.) je Stellungnahmen ein 

(CA.2024.22 pag. 2.101.001 f.; 2.102.005 ff.; 2.202.022; 2.203.001 f.). Mit Schrei-

ben vom 2. September 2024 ersuchte die Vorsitzende die Psychiatrischen 

Dienste UU., die beantragte Therapie mit dem Berufungsführer durchzuführen 

(CA.2024.22 pag. 2.204.001 f.). 

H.9 Mit Verfügung vom 16. August 2024 (CA.2024.22 pag. 4.200.001 f.) wurde die 

Erhebung folgender Beweise angeordnet: aktueller Auszug aus dem Schweize-

rischen Strafregister (CA.2024.22 pag. 4.401.003 ff.); aktueller Betreibungsregis-

terauszug (CA.2024.22 pag. 4.401.011 ff.); letzte Steuererklärung und letzte 

Steuerveranlagungsverfügung (definitiv; CA.2024.22 pag. 4.401.016 ff.); ausge-

fülltes Formular «Persönliche und finanzielle Situation» (CAR pag. 4.200.004 ff.) 

sowie Führungs- bzw. Vollzugsbericht der Justizvollzugsanstalt (nachfolgend: 

JVA) VV. (CA.2024.22 pag. 6.100.009 ff.). Die Parteien erhielten Gelegenheit, 

bis 29. August 2024 weitere Beweisanträge zu stellen und zu begründen. 

H.10 Berufungsverhandlung CA.2024.22 vom 13. September 2024 

H.10.1 Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 13. September 2024, welche in An-

wesenheit des Berufungsführers, seiner amtlichen Rechtsvertretung und der BA 

stattfand (CA.2024.22 pag. 5.100.001 ff.), wurde der Antrag des Berufungsfüh-

rers bezüglich Nichteintretens auf die Anschlussberufung der BA abgewiesen 

(vgl. oben SV lit. H.7; CA.2024.22 pag. 5.100.003 ff.). Zudem beantragte der Be-

rufungsführer die Berichtigung des Protokolls der erstinstanzlichen Verhandlung 

SK.2023.48. Dieser Antrag wurde einerseits abgewiesen, und andererseits hatte 

er sich nach Auffassung der Berufungskammer erübrigt (CA.2024.22 pag. 5.100.006). 

H.10.2 Von Amtes wegen wurden sodann der Berufungsführer (CA.2024.22 pag. 

5.300.001 ff.) und die sachverständige Gutachterin Dr. JJ. (CA.2024.22 pag. 

5.300.024 ff.) einvernommen.  

H.10.3 Im Rahmen des Parteivortrags stellte der Berufungsführer folgende Anträge 

(CA.2024.22 pag. 5.100.024): 

- 8 - 

 (1) Es sei das Urteil des Bundesstrafgerichts vom 20. März 2024 vollumfänglich aufzu-

heben. 

 (2) Es sei die mit Urteil der Berufungskammmer des Bundesstrafgerichts CA.2021.7 

vom 7. September 2021 angeordnete stationäre Suchtbehandlung gemäss Art. 60 

StGB, Urteilsdispositivziffer III. 4, ersatzlos aufzuheben, respektive sei keine statio-

näre Massnahme nach Art. 59 StGB anzuordnen. 

 (3) Eventualiter sei eine bedingte Entlassung, allenfalls unter Auflagen, anzuordnen. 

Diesbezüglich könnte auch eine Verlängerung dieser Suchtbehandlung durch das 

Gericht um 1 Jahr noch angeordnet werden, wenn das Gericht das als notwendig 

erachtet. 

 (4) Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. 

 (5) Das amtliche Honorar sei gemäss der eingereichten Honorarnote zuzusprechen, 

zuzüglich Dauer der heutigen Verhandlung. 

H.10.4 Die BA stellte im Rahmen des Parteivortrags folgende Anträge (CA.2024.22 pag. 

5.200.007 f.): 

 1. Über A. sei in Bestätigung des Urteils der Strafkammer des Bundesstrafgerichts 

SK.2023.48 vom 20. März 2024 eine stationäre therapeutische Massnahme nach 

Art. 59 StGB anzuordnen. 

 2.  Die stationäre therapeutische Massnahme gemäss Art. 59 StGB sei nicht zu be-

fristen. 

 3.  Es sei festzustellen, dass die Fünfjahresfrist gemäss Art. 59 Abs. 4 Satz 1 StGB 

ab Rechtskraft und Vollstreckbarkeit des Entscheids, in welchem die Massnahme 

angeordnet wurde, zu laufen beginnt. 

 4.  Die Verfahrenskosten des erstinstanzlichen Verfahrens sowie des Berufungsver-

fahrens seien A. aufzuerlegen. 

 5.  Advokatin Angela Agostino-Passerini sei für die amtliche Verteidigung von A. für 

das erstinstanzliche Verfahren in der Höhe von CHF 9’079.45 (inkl. MWST) und 

für das Berufungsverfahren (inkl. Sicherheitshaft im Berufungsverfahren) in ge-

richtlich zu bestimmender Höhe aus der Kasse der Eidgenossenschaft zu entschä-

digen (Art. 135 Abs. 1 StPO). 

  A. habe der Eidgenossenschaft für die Entschädigung der amtlichen Verteidigung 

für das erstinstanzliche Verfahren sowie das Berufungsverfahren Ersatz zu leisten, 

sobald es seine wirtschaftlichen VerhäItnisse erlauben. 

 6.  Der Kanton Basel-Stadt sei als Vollzugskanton zu bestimmen (Art. 74 Abs. 2 

StBOG i.V.m. Art. 31 Abs. 1 StPO). 

H.10.5 Die Parteien verzichteten im Sinne von Art. 84 Abs. 3 StPO auf die mündliche 

Urteilseröffnung (CA.2024.22 pag. 5.100.027). Das Urteilsdispositiv vom 18. 

September 2024 wurde am 20. September 2024, inkl. Kurzbegründung, an die 

Parteien sowie an das AJV versandt (CA.2024.22 pag. 9.100.001 ff., -005 f.). 

- 9 - 

H.11 Auf die Ausführungen der Parteien, der Gutachterin Dr. JJ. sowie weiterer Per-

sonen, Institutionen bzw. Behörden wird – soweit erforderlich – in den Erwägun-

gen eingegangen. 

 

 

Die Berufungskammer erwägt: 

I. Formelle Erwägungen 

1. Fristen / Eintreten 

1.1 Fristen 

 Die Berufungsanmeldung und -erklärung des Berufungsführers sowie die An-

schlussberufungserklärung der BA erfolgten jeweils unter Fristenwahrung (Art. 399 

Abs. 1 - 3, Art. 401 Abs. 1 StPO; oben SV lit. E.2, H.4, H.6). 

1.2 Antrag des Berufungsführers auf Nichteintreten auf die Anschlussberufung  

 Mit Eingabe vom 5. August 2024 beantragte der Berufungsführer das Nichtein-

treten auf die Anschlussberufung der BA vom 4. Juli 2024. Mit Stellungnahme 

vom 13. August 2024 hielt die BA an ihrem Eintretensantrag fest. Mit Replik vom 

29. August 2024 hielt der Berufungsführer an seinem Nichteintretensantrag   fest 

(vgl. oben SV lit. H.7). Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 13. September 

2024 trat die Berufungskammer auf die Anschlussberufung der BA vom 4. Juli 

2024 infolge Erfüllung sämtlicher Prozessvoraussetzungen ein (CA.2024.22 pag. 

5.100.003 ff.; oben SV lit. H.10.1). 

2. Verfahrensgegenstand und Kognition / kein Verbot der reformatio in peius 

in Bezug auf die von der BA angefochtenen Aspekte 

2.1 Die Berufung und die Anschlussberufung richten sich je gegen das Urteil der 

Strafkammer SK.2023.48 vom 20. März 2024. Der Berufungsführer hat seine Be-

rufung nicht beschränkt (CAR pag. 1.100.049; vgl. oben SV lit. H.4). Der Beru-

fungsführer beantragt indes nicht spezifisch die Aufhebung von Dispositivziffer 5 

des vorinstanzlichen Urteils (Entschädigung der amtlichen Rechtsbeiständin An-

gela Agostino-Passerini mit Fr. 9'079.45 inkl. MWSt). Mangels Anfechtung durch 

die BA hat diese Entschädigung als nicht angefochten und somit als rechtskräftig 

zu gelten. Die BA beantragt betreffend diese Dispositivziffer im abweichenden 

Sinne einzig, dass der Berufungsführer der Eidgenossenschaft für die Entschä-

- 10 - 

digung der amtlichen Verteidigung für das erstinstanzliche sowie das Berufungs-

verfahren Ersatz zu leisten habe, sobald es seine wirtschaftlichen VerhäItnisse 

erlauben (CAR pag. 1.400.004 Ziffer 4 Abs. 2; Art. 135 Abs. 4 StPO). 

2.2 Das in Art. 391 Abs. 2 StPO verankerte Prinzip des Verbots der reformatio in 

peius (Verschlechterungsverbot [vgl. BGE 139 IV 282 E. 2.3.1]) greift zugunsten 

der beschuldigten Person, wenn das Rechtsmittel nur zu deren Gunsten ergriffen 

wurde. Vorliegend hat die BA das Urteil der Vorinstanz mit Anschlussberufung 

angefochten. Gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO e contrario ist die gerichtliche Über-

prüfungsbefugnis betreffend die von der BA angefochtenen Aspekte des vor-

instanzlichen Urteils (vgl. CAR pag. 1.400.004 Ziffern 2, 3 und 4 Abs. 2; oben SV 

lit. H.6 und H.10.4) somit nicht beschränkt. 

II. Materielle Erwägungen 

1. Ursprüngliches Urteil der Berufungskammer CA.2021.7 vom 7. September 2021 

1.1  Das Dispositiv des ursprünglichen Urteils der Berufungskammer CA.2021.7 vom 

7. September 2021 wurde in zusammengefasster Form bereits oben (SV lit. B) 

wiedergegeben.  

1.2 Die Berufungskammer erachtete es in diesem Zusammenhang als erstellt, dass 

der Berufungsführer am 11. Februar 2020 von U. aus unterwegs nach Z. zu sei-

nen Kindern gewesen sei, die er als einer Sekte zugehörig betrachtet habe, wo-

bei er befürchtet habe, dass seine Kinder Misshandlungen ausgesetzt seien. Er 

habe die folgenden, im Zeitraum von ca. Mitte Januar bis 11. Februar 2020 zum 

Teil selbst angefertigten, zum Teil gekauften oder sich bereits im seinem Besitz 

befindlichen bzw. bereitgestellten Gegenstände mit sich geführt: Vier unkonven-

tionelle Spreng- oder Brandvorrichtungen (USBV), zwei geschliffene Dolche, ei-

nen Nothammer / Glasbrecher, ein Küchenmesser / Rüstmesser, einen Feldste-

cher, ein Kunststoffseil, sieben Kunststoffkabelbinder, eine Stirnlampe, ein No-

tizbuch und diverse handschriftliche (undatierte) Notizen, darunter ein Dokument 

mit dem Titel «Testament», welche einen (in-)direkten Bezug zu seinen Kindern 

bzw. seiner geschiedenen Ehefrau aufgewiesen hätten. Der Berufungsführer 

habe vorgehabt, seine Kinder gewaltsam zu befreien (vgl. Urteil CA.2021.7 E. II. 

2.5 - 2.7.12 [CA.2021.7 pag. 11.100.023-039]) (Urteil CA.2021.7 E. II. 5.4.3). Beim 

Berufungsführer seien gemäss schlüssigem Gutachten von Dr. med. AA. die Vo-

raussetzungen für eine stationäre Massnahme i.S.v. Art. 60 StGB gegeben. An-

dere Massnahmen seien nicht oder nicht in gleichem Masse zu dessen Behand-

lung geeignet (Urteil CA.2021.7 E. II. 5.5). 

- 11 - 

1.3 Aufgrund der Abweisung der Beschwerde des Berufungsführers gegen das Urteil 

CA.2021.7 durch das Bundesgericht wurde das Urteil CA.2021.7 rechtskräftig 

(vgl. oben SV lit. C). 

2. Antrag des Amts für Justizvollzug des Kantons Basel-Stadt auf Aufhebung 

der stationären Suchtbehandlung und Anordnung einer anderen stationä-

ren therapeutischen Massnahme gemäss Art. 62c Abs. 6 StGB 

2.1 Der formelle Antrag des AJV auf Aufhebung der stationären Suchtbehandlung 

und Anordnung einer anderen stationären therapeutischen Massnahme gemäss 

Art. 62c Abs. 6 StGB vom 7. November 2023 wurde bereits oben (SV lit. D.1) 

zusammengefasst. 

2.2 Zum bisherigen Verlauf des Massnahmenvollzugs führte das AJV aus, dass das 

Massnahmenzentrum KK. am 4. November 2021 und die Klinik II. am 14. April 

2022 eine Aufnahme des Berufungsführers zum Vollzug der angeordneten stati-

onären Suchtbehandlung abgelehnt hätten. Am 30. November 2022 habe das 

AJV den Berufungsführer in die suchttherapeutische Einrichtung LL. eingewie-

sen. Am 11. März 2023 sei er aus dem LL. geflüchtet und gleichentags in U. 

intoxikiert (Alkohol und Heroin) in lebensbedrohlichem Zustand aufgefunden wor-

den. Er habe diesen Vorfall nur dank sofortiger Reanimation überlebt. Nach einer 

notfallmässigen Behandlung im Universitätsspital U. sei er am 11. März 2023 

zwecks Time-outs im Untersuchungsgefängnis Basel-Stadt untergebracht und 

am 28. März 2023 in den LL. zurückversetzt worden. Am 1. April 2023 sei er 

erneut aus dem LL. geflüchtet. Nach seiner Festnahme am 3. April 2023 sei seine 

Platzierung im Untersuchungsgefängnis Basel-Stadt und am 11. April 2023 seine 

Versetzung in das Gefängnis BB. erfolgt. Am 15. Mai 2023 habe die Leitung des 

LL. über den Massnahmenverlauf berichtet und am 21. Juni 2023 habe das AJV 

den Berufungsführer in die JVA VV. versetzt. Im Auftrag des AJV habe Dr. med. 

JJ. am 8. September 2023 ein psychiatrisches Gutachten über den Berufungs-

führer erstellt, worin sie sich für einen Wechsel zu einer Massnahme nach Art. 59 

StGB ausgesprochen habe. Gemäss dem AJV habe der bisherige Massnahmen-

verlauf gezeigt, dass die mit Urteil CA.2021.7 angeordnete stationäre Suchtbe-

handlung (Art. 60 StGB) angesichts der beim Berufungsführer diagnostizierten 

Störungen völlig unzureichend und aussichtslos sei. Er sei auf das Setting einer 

stationären Massnahme nach Art. 59 StGB (Therapie für schwere psychische Stö-

rung) angewiesen, um sein Zustandsbild langfristig zu stabilisieren und damit das 

Rückfallrisiko zu minimieren. Zudem wies das AJV darauf hin, dass die Höchst-

dauer der mit Urteil der Berufungskammer vom 7. September 2021 angeordne-

ten Massnahme am 23. März 2024 erreicht sein werde (SK.2023.48 

pag. 3.100.017). 

- 12 - 

2.3 Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung SK.2023.48 vom 26. Februar 

2024 verwies das AJV grundsätzlich auf die Ausführungen in seinem Antrag vom 

7. November 2023. Ergänzend wurde ausgeführt, dass es beim Vollzug der 

Massnahme nach Art. 60 StGB wiederholt zu Schwierigkeiten gekommen sei. 

Verschiedene Vollzugseinrichtungen hätten eine Aufnahme des Berufungsfüh-

rers abgelehnt, u.a. wegen fehlender Störungseinsicht und therapieunwilliger Hal-

tung, Unschuldsbeteuerungen, Bagatellisierung der Suchtproblematik, Negierung 

der gutachterlich gestellten Diagnosen sowie immer wieder durchbrechender Im-

pulsivität verbunden mit fortgesetzter Delinquenz und massiven Regelverstössen 

in der Vorgeschichte. Der LL. habe sich nach einem positiv verlaufenen Scree-

ning am 24. Oktober 2022 dennoch bereit erklärt, den Berufungsführer per 30. 

November 2022 in diese offen geführte Vollzugseinrichtung aufzunehmen. In der 

Folge sei es jedoch zu weiteren Regelverstössen gekommen (mehrere positive 

Alkoholproben, zweimalige Flucht aus dem LL.). Nach der Platzierung im Ge-

fängnis BB. bzw. in der JVA VV. sei versucht worden, eine vollzugsbegleitende 

ambulante Therapie durchzuführen, die im Januar 2024 jedoch habe abgebro-

chen werden müssen. Die Erfolgsaussichten bei einer Weiterführung der Sucht-

behandlung und damit eine Reduktion der Rückfallgefahr seien äusserst gering. 

Die stationäre Suchtbehandlung sei daher als gescheitert zu betrachten, da nicht 

zielführend, um der Massnahmenbedürftigkeit des Berufungsführers hinreichend 

Rechnung zu tragen. Für die Behandlung seiner Suchterkrankung sowie seiner 

schweren psychischen Störung sei er anstelle der Suchtbehandlung auf das Set-

ting einer stationären Massnahme nach Art. 59 StGB angewiesen. Das AJV 

schliesse sich den schlüssigen gutachterlichen Ausführungen an und beabsich-

tige bei Anordnung einer stationären therapeutischen Massnahme, den Beru-

fungsführer in einer geeigneten Einrichtung, wie dem Massnahmenzentrum KK., 

unterzubringen. Im Verlauf der Behandlung wären sodann die gutachterlichen 

Empfehlungen umzusetzen: Weiterführung der substitutionsgestützten Suchtbe-

handlung; Überprüfung der medikamentösen Einstellung mit einem Neurolepti-

kum; Vorbereitung des sozialen Empfangsraums mit der Etablierung und Erpro-

bung eines Settings, in dem der Berufungsführer langfristig leben könne. Nur mit 

der Etablierung eines solchen Settings könne der Gefahr weiterer Delikte wie der 

Anlasstaten begegnet und so das Rückfallrisiko für einschlägige Straftaten ge-

senkt werden. Dem Vorwurf des Berufungsführers, dass erst nach zwei Jahren 

eine Aufnahme in eine Institution erfolgt sei, begegnete das AJV mit der fehlen-

den Behandlungsbereitschaft des Berufungsführers (vgl. TPF 2023.48 pag. 

3.721.031-038; 3.720.014 f.). 

 

 

- 13 - 

3. Selbständiges nachträgliches Verfahren (Art. 363 ff. StPO) / erstinstanzliches 

Urteil der Strafkammer SK.2023.48 vom 20. März 2024 

3.1 Mit Urteil SK.2023.48 vom 20. März 2024 hob die Strafkammer die mit Urteil der 

Berufungskammer CA.2021.7 vom 7. September 2021 angeordnete stationäre 

Suchtbehandlung gemäss Art. 60 StGB in Anwendung von Art. 62c Abs. 6 StGB 

auf, ordnete an deren Stelle eine stationäre therapeutische Massnahme zur Be-

handlung von schweren psychischen Störungen gemäss Art. 59 StGB an und 

befristete die Massnahme auf zwei Jahre (oben SV lit. E.1). 

3.2 Die Vorinstanz begründete ihr Urteil zusammengefasst wie folgt: Die vom Vor-

gutachter AA. empfohlene Abstinenztherapie (BA pag. 11-01-0099) sei nicht ziel-

führend. Deshalb habe Gutachterin JJ. eine Weiterführung der Suchtbehandlung 

im Rahmen der stationären Behandlung der psychischen Störung nach Art. 59 

StGB als vordringlich erachtet, im Rahmen welcher zunächst die substitutions-

gestützte Suchtbehandlung weiterzuführen sei. Sie habe mithin nur das Thera-

pieziel in Frage gestellt, nicht die Therapie als solche. Es existiere demnach eine 

geeignete Behandlung, durch welche das Rückfallrisiko des Berufungsführers 

vermindert werde. Eine grundsätzliche Behandlungsbereitschaft sei vorhanden. 

Die stationäre therapeutische Massnahme sei geeignet, der Gefahr künftiger 

Straftaten des Berufungsführers zu begegnen (Art. 59 Abs. 1 lit. b StGB). Eine 

Strafe allein sei nicht geeignet, dieser Gefahr zu begegnen (Art. 56 Abs. 1 lit. a 

StGB). Auch ein Behandlungsbedürfnis des Berufungsführers i.S.v. Art. 56 Abs. 1 

lit. b StGB sei zu bejahen. Gemäss den Ausführungen der Gutachterin bestehe 

mit dem Massnahmenzentrum KK. eine geeignete Einrichtung für die stationäre 

therapeutische Behandlung des Berufungsführers nach Art. 59 StGB, wobei be-

gleitend auch eine Suchtbehandlung durchzuführen bzw. die in der aktuellen 

Massnahme begonnene Suchtbehandlung mit verändertem Therapieziel (substi-

tutionsgestützte Suchtbehandlung ohne Ziel einer absoluten Abstinenz) fortzu-

setzen wäre. Wie aus dem Gutachten von JJ. – aber auch bereits aus dem Gut-

achten von Dr. AA. (BA pag. 11-01-0102) – hinreichend hervorgehe, vermöchte 

eine ambulante Behandlung die Gefahr künftiger schwerer Straftaten nicht zu 

bannen. Eine Dauer der stationären therapeutischen Massnahme von zwei Jah-

ren sei verhältnismässig. Die Voraussetzungen von Art. 59 Abs. 1 i.V.m. Art. 56 

Abs. 1 und 2 StGB für die Anordnung einer stationären therapeutischen Mass-

nahme seien erfüllt. (vgl. Urteil SK.2023.48 E. 3 - 5). 

4. Standpunkt des Berufungsführers  

4.1 Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 13. September 2024 trug der Beru-

fungsführer zu den Aussagen von Dr. JJ. vor Berufungsinstanz insbesondere 

Folgendes vor: Gemäss Gutachten ergäben sich Hinweise, die auf einen Wahn 

- 14 - 

schliessen liessen, u.a. aus den Aussagen der Exfrau des Berufungsführers, wo-

nach dieser immer wieder Stimmen gehört hätte. Der Vorgutachter habe diese 

Information jedoch explizit ausgeklammert, da von einer Drittperson kommend. 

Dieser Auffassung des Erstgutachters sei zu folgen (CA.2024.22 pag. 5.100.011 

Abs. 4). Auch Gutachterin JJ. räume die Möglichkeit ein, dass wahrscheinlich 

nichts passieren würde, wenn der Berufungsführer z.B. nach Z. fahren würde. 

Von einer an Sicherheit grenzenden Rückfallwahrscheinlichkeit bzw. einer über-

mässig hohen Wahrscheinlichkeit eines erheblichen Gewaltdelikts könne nicht 

gesprochen werden (pag. 5.100.012 Abs. 2). Gutachterin JJ. bleibe in der Prog-

nose bezüglich Gewaltverbrechen ausweichend und vage, mache jedoch betref-

fend kleinere Vergehen im Zusammenhang mit Drogenkonsum klare Angaben 

(pag. 5.100.012 f.). Eine derart engmaschige Kontrolle des Berufungsführers sei 

unverhältnismässig, wenn es nur darum gehe, Wahnvorstellungen frühzeitig zu 

erkennen. Gemäss Dr. JJ. seien wahnhafte Punkte nur punktuell in Zusammen-

hang mit Betäubungsmittelkonsum aufgetreten, ein stabiles Anhalten über vier 

Wochen sei nirgends ersichtlich (pag. 5.100.013 Abs. 2). Wo sie Quetiapin zur 

neuroleptischen Stabilisierung empfehle sei zu erwähnen, dass entgegen ihrer 

Auffassung die Besserung unabhängig von der Einnahme von Quetiapin erfolgt 

sei (pag. 5.100.013 Abs. 3; pag. 5.100.022 Abs. 2 f.). Es gehe nicht an, das nicht 

ganz ordentlich aufgeräumte Gefängniszimmer des Berufungsführers auf eine 

psychische Störung zurückzuführen (pag. 5.100.013 Abs. 4). Dr. JJ.s Annahme, 

dass die zwanzigfache Einweisung in die Psychiatrie auf eine Selbst- oder 

Fremdgefährdung hindeute, greife zu kurz, da er sich jeweils selber freiwillig ein-

weisen lassen habe. Er bestreite nicht, ein Suchtproblem zu haben. Er habe sel-

ber festgestellt, dass es ohne Substitution nicht gehe, ansonsten der Suchtdruck 

zu gross werde (pag. 5.100.013 f.). Er bestreite das Vorliegen eines rechtlich 

relevanten Rückfallrisikos. Die Suchtmittelproblematik reiche dafür nicht aus. Im-

merhin sei er bezüglich der Ursprungstat gar nie ins Versuchsstadium eingetre-

ten (pag. 5.100.014 Abs. 3; pag. 5.100.023 Abs. 1). Es würde auch kein Urteil zu 

dem von ihm selbst eingebrachten Raubversuch existieren, weshalb eine Einord-

nung in die Risikogruppe des VRAG nicht rechtens sei (pag. 5.100.014 Abs. 4 

und 5; -020 Abs. 2). Gemäss Dr. JJ. wäre es unmöglich, das Therapieziel zu 

erreichen, wenn der Berufungsführer über mehrere Monate hinweg nur im am-

bulanten, nicht aber im stationären Rahmen therapiewillig sei (pag. 5.100.015 

Abs. 3; pag. 5.100.022 Abs. 4). Als forensische Gutachterin unterliege Dr. JJ. mit 

nur einer Nichtempfehlung einer Massnahme im Zeitraum von 20 Jahren dem 

confirmation bias, obwohl sie um diesen Ankereffekt wisse (pag. 5.100.015 Abs. 4). 

4.2 Betreffend die Erwägungen im angefochtenen vorinstanzlichen Urteil SK.2023.48 

brachte der Berufungsführer zusammengefasst folgende Argumente vor:  

- 15 - 

4.2.1 Zu E. 4.2.2: Entgegen der Auffassung der Vorinstanz komme eine gerichtliche 

Verlängerung der Suchttherapie auch dann in Frage, wenn kein entsprechender 

Antrag der Vollzugsbehörde vorliege, eine andere, mildere Massnahme jedoch 

möglich, zielführend und verhältnismässig sei (mit Verweis auf BGE 141 IV 49 

E. 2.5). Die Vollzugsbehörde habe es in unrechtmässiger Weise unterlassen, die 

Massnahme wegen Aussichtslosigkeit aufzuheben, auch wegen unbenutzten 

Zeitablaufs (CA.2024.22 pag. 5.100.016 Abs. 1 und 2). 

4.2.2 Zu E. 4.4.3.5:  Art. 60 StGB sei lex specialis zu Art. 59 (mit Verweis auf Basler 

Kommentar, HEER, Art. 60 StGB N. 17; vgl. BGE 102 IV 234). Wenn Art. 59 StGB 

im Rahmen der echten Konkurrenz bereits verdrängt worden sei, könne nicht 

wieder auf diesen zurückgegriffen werden, um eine Verlängerung der 

Suchttherapie zu bewirken. Der Berufungsführer habe innert drei Jahren nur 

knapp vier Monate Therapie erhalten. In Anbetracht dieses langen Freiheits-

entzugs sei es nicht angezeigt, alles mal durchzuprobieren. Gemäss den 

Ausführungen von Dr. JJ. würde keine griffige Diagnose für die Annahme einer 

schweren psychischen Störung vorliegen. Es sei nicht einmal klar, ob eine 

schizotype oder eine schizophrene Störung vorliege. Auf die ausführlich vorgetra-

gene Kritik der Verteidigung sei die Vorinstanz nicht eingegangen, womit sie 

seinen Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt habe. Schliesslich sei 

zwischenzeitlich bekannt, dass die damalige Angst des Berufungsführers um 

seine Töchter in der Schule G. auf dem Y. nicht unbegründet gewesen sei (pag. 

5.100.017-019). 

4.2.3 Zu E. 4.4.4:  Es stelle sich die Frage, ob ein Zusammenhang zwischen der psy-

chischen Störung und der Anlasstat auch ohne Suchtproblematik bestehe. Diese 

Frage sei von der Gutachterin nicht beantwortet worden (pag. 5.100.019 Abs. 2 

und 3; pag. 5.100.021 Abs. 3). 

4.2.4 Zu E. 4.4.5.1 - 4.4.6.5:  Zum Rückfallrisiko bzw. zur Legalprognose sei zu erwäh-

nen, dass die statistische Erfassung im VRAG zusammen mit Gewaltverbrechern 

(z.B. Sexualstraftätern) dazu führe, dass bei ihm unrechtmässig von einer zu ho-

hen Rückfallwahrscheinlichkeit ausgegangen werde. Er konsumiere immerhin 

seit seinem 20. Lebensjahr (also seit 40 Jahren) Drogen und habe seither kein 

Gewaltdelikt begangen (pag. 5.100.019 f.; pag. 5.100.023 Abs. 1). Auch sein fort-

geschrittenes Alter spreche gegen eine erhöhte Rückfallwahrscheinlichkeit (pag. 

5.100.020 f.). Selbst Gutachterin JJ. sei der Meinung, dass er von der Fixierung 

auf die Töchter abgelassen habe. Ein engmaschiges Setting könne auch 

ambulant erfolgen (pag. 5.100.021 Abs. 2; pag. 5.100.022 Abs. 6), oder via 

Ersatzmassnahmen, z.B. im Rahmen von electronic monitoring oder bedingter 

Entlassung. Seine diesbezügliche Bereitschaft sei vorhanden (pag. 5.100.021 f. 

je Abs. 4 und 5). 

- 16 - 

4.2.5 Zu E. 4.6: Im Hinblick auf die Verhältnismässigkeit falle eine Massnahme nach 

Art. 59 StGB bei erwarteten Delikten von geringem Gewicht nicht in Betracht (mit 

Verweis auf Urteil BGer 6B_45/2018 vom 8. März 2018, E. 1.4). Es gebe keine 

Hinweise auf entsprechende Gewaltdelikte, noch nicht einmal Beschimpfungen 

und Bedrohungen – solche hätten auch im LL. bzw. anlässlich seines 

Entweichens nicht stattgefunden. Er sei nicht in Richtung seiner Töchter gefahren 

und habe keine Gewalttaten verübt. Er habe sich zwar selbst in eine lebens-

gefährliche Situation gebracht. Die stationäre Massnahme sei allerdings nicht 

dazu da, um ihn vor sich selber zu schützen (pag. 5.100.022 Abs. 4 und 5; 

CA.2024.22 pag. 5.300.011 Rz. 15 - 23; pag. 5.300.012 Rz. 39 f.; pag. 5.300.013 

Rz. 20 f.). Ihm würden bei  einer stationären Massnahme nach Art. 59 StGB  die 

Mitinsassen (welche Kinder misshandelt hätten) Sorge bereiten (pag. 5.300.013 

Rz. 23 ff.; pag. 5.300.014 Rz. 1 ff.). Er wolle sich für seine Resozialisierung bzw. 

Reintegration in die Gesellschaft einsetzen, aktiv sein und einen Beitrag leisten 

(vgl. pag. 5.300.016 Rz. 37 ff.; pag. 5.300.017 Rz. 1 f.). 

5. Standpunkt der Bundesanwaltschaft 

 Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 13. September 2024 trug die BA zu-

sammengefasst insbesondere Folgendes vor: 

5.1  Der Berufungsführer sei zur Herabsetzung der Rückfallgefahr und zwecks Reso-

zialisierung – wie gemäss vorinstanzlichem Urteil angeordnet – auf eine statio-

näre therapeutische Massnahme nach Art. 59 StGB angewiesen. Diesbezüglich 

werde primär auf die Ausführungen anlässlich der vorinstanzlichen Verhandlung 

vom 26. Februar 2024, auf das Gutachten von Dr. JJ., deren Ausführungen im 

Rahmen der vorinstanzlichen Einvernahme und das vorinstanzliche Urteil verwiesen. 

Der Wechsel der Massnahme gemäss Art. 62c Abs. 6 StGB sei notwendig, da die 

stationäre therapeutische Massnahme nach Art. 59 StGB im Interesse der De-

liktsprävention besser geeignet sei (mit Verweis auf Urteil BGer 6B_58/2014 E. 1.4) 

als die stationäre Suchtbehandlung gemäss Art. 60 StGB. Es lägen sämtliche 

Voraussetzungen (Anlasstat in Zusammenhang mit schwerer psychischer Stö-

rung des Berufungsführers, Erforderlichkeit, Geeignetheit und Verhältnismässig-

keit, sachverständiges Gutachten, geeignete Einrichtung) für die Anordnung ei-

ner stationären therapeutischen Massnahme i.S.v. Art. 59 StGB vor (CA.2024.22 

pag. 5.200.001 f.; 5.100.024 Ziffer 1). 

5.2  Die Vorinstanz habe sich nur am Rande mit dem Verhältnismässigkeitsprinzip 

befasst und die Befristung auf zwei Jahre zu wenig beleuchtet, zumal diese im 

untersten Bereich liege, welcher im Gutachten JJ. als realistisch bezeichnet 

werde. Die Sicherheitsbelange der Allgemeinheit und der Freiheitsanspruch des 

Berufungsführers seien durch die Vorinstanz nicht, bzw. zu wenig, gegeneinan-

- 17 - 

der abgewogen worden (vgl. pag. 5.200.003 f.; 5.100.024 Ziffer 2). Der Beru-

fungsführer signalisiere zwar – insbesondere aufgrund der Aufnahme der Thera-

pie im stützenden Rahmen – seine Therapiewilligkeit, allerdings seien bis heute 

namhafte Fortschritte ausgeblieben. Die JVA VV. attestiere dem Berufungsführer 

ein durchzogenes Vollzugsverhalten. Bei einer Befristung auf zwei Jahre wäre 

bereits nach kurzer Zeit wieder eine Versetzung in Sicherheitshaft zu erwarten, 

wodurch Therapiezweck und Therapiefortschritte nachhaltig gefährdet wären 

(vgl. pag. 5.200.004 f.).  

5.3 Dr. JJ. sehe einen Zeitraum von 2 - 3 Jahren ab Therapieaufnahme als zwar 

anspruchsvoll, aber auch realistisch an. Die BA werde eine frühere Entlassung 

aus der stationären therapeutischen Massnahme in diesem Zeitraum sehr be-

grüssen. Die bisherige Geschichte des Berufungsführers habe aber leider auch 

aufgezeigt, dass Rückfälle in alte Muster bei Lockerungen häufig vorkämen. Ge-

mäss Dr. JJ. seien ein Wohnsetting und eine unterstützende Struktur sehr wich-

tig. Die Gefahr des unkontrollierten Substanzkonsums sei, trotz Einnahme von 

Methadon, nach wie vor akut, und wie Dr. JJ. ebenfalls ausgeführt habe, könnten 

dadurch Wahnideen wieder befeuert werden. Auch wenn die Töchter des Beru-

fungsführers mittlerweile nicht mehr im Y. lebten, könnte es trotzdem wieder zur 

Fixierung auf gewisse Gedanken kommen (vgl. pag. 5.200.005; 5.100.024 f. Zif-

fer 3). Insofern sei die Anordnung einer unbefristeten Massnahme nach Art. 59 

StGB dem Therapiezweck am dienlichsten, mit der Aussicht auf Einleitung der 

weiteren Schritte von Amtes wegen bei Erreichung des Therapieziels. Eine Be-

fristung auf den tiefsten von Dr. JJ. genannten Zeitrahmen von 2 Jahren würde 

das Therapieziel wohl gefährden (vgl. pag. 5.200.005 ff.; 5.100.025 Ziffer 4). 

6. Prozessuales und Rechtliches zu selbständigen nachträglichen Verfahren 

(Art. 363 ff. StPO) / Aufhebung von Massnahmen (Art. 62c StGB) / stationä-

ren therapeutischen Massnahmen nach Art. 59 bzw. 60 StGB 

6.1 Die prozessualen bzw. rechtlichen Aspekte von selbständigen nachträglichen 

Verfahren (Art. 363 ff. StPO), der Aufhebung von Massnahmen (Art. 62c StGB) 

bzw. von stationären therapeutischen Massnahmen nach Art. 59 bzw. 60 StGB 

(inkl. Fragen der Beweiswürdigung) hat bereits die Vorinstanz ausführlich erläu-

tert, inkl. Verweise auf Rechtsprechung und Lehre (vgl. Urteil SK.2023.48 E. 1 

und 2). Zudem wurden die rechtlichen Aspekte von Art. 59 und 60 StGB auch im 

ursprünglichen Urteil der Berufungskammer CA.2021.7 (E. II. 5.2 - 5.2.7) bereits 

erläutert. Darauf kann – insbesondere aus prozessökonomischen Gründen bzw. 

zur Vermeidung von Wiederholungen – grundsätzlich je verwiesen werden (Art. 82 

Abs. 4 StPO). 

6.2 Entgegen der Auffassung der Vorinstanz (Urteil SK.2023.48 E. 4.2.2) – und in 

Übereinstimmung mit den Ausführungen des Berufungsführers (oben E. II. 4.2.1) 

- 18 - 

– stellt eine Verlängerung der Suchttherapie um ein weiteres Jahr i.S.v. Art. 60 

Abs. 4 Satz 2 StGB allerdings grundsätzlich auch dann eine zu prüfende Mög-

lichkeit dar, wenn die Vollzugsbehörde nur die Anordnung einer stationären the-

rapeutischen Massnahme zur Behandlung von psychischen Störungen gemäss 

Art. 59 StGB beantragt hat (vgl. BGE 141 IV 49 E. 2.5). Abgesehen von der er-

wähnten bundesgerichtlichen Rechtsprechung ergibt sich dies auch aus dem 

Prinzip der Verhältnismässigkeit (Art. 5 Abs. 2 und Art. 36 Abs. 3 BV), das grund-

sätzlich in der ganzen Rechtsordnung zur Geltung kommen muss (vgl. Art. 35 

Abs. 1 und 2 BV), sowie aus dem Grundsatz «in majore minus inest» («im Grös-

seren ist immer zugleich das Kleinere enthalten», vgl. LIEBS, Lateinische Rechts-

regeln und Rechtssprichwörter, 5. Aufl. 1991, S. 92 N. 64, S. 94 N. 86 m.w.H.). 

7. Angeordnete Massnahme nach Art. 60 StGB: Vorgutachten von Dr. AA. vom 

27. Juni 2020 / Erwägungen im ursprünglichen Urteil der Berufungskammer 

CA.2021.7 vom 7. September 2021 zum Vorgutachten 

7.1 Vorgutachten von Dr. med. AA. vom 27. Juni 2020 

 Die BA beauftragte am 9. April 2020 Dr. AA. im Hinblick auf die gerichtliche Be-

urteilung im ursprünglichen Verfahren mit der Erstellung eines psychiatrischen 

Gutachtens über den Berufungsführer zur Frage einer Massnahme nach Art. 59 

- 61 und 63 StGB. Dieses Vorgutachten wurde am 27. Juni 2020 erstattet (BA 

pag. 11-01-0021 ff.). Zusammengefasst wird darin Folgendes festgehalten: 

7.1.1 Der Berufungsführer sei wegen seiner Suchtkrankheit (Konsum von Haschisch, 

Heroin, Benzodiazepin, Kokain und Alkohol) schon von 2008 bis 2014 behandelt 

worden. Ein erster Kontakt mit Haschisch sei bereits mit zwölf Jahren erfolgt. 

Dank Behandlung habe der Berufungsführer zwar während mehrerer Jahre abs-

tinent gelebt. Zum (erneuten) Absturz in die Sucht sei es im Zusammenhang mit 

der Trennung von seiner Ehefrau 2005 und den als deprimierend empfundenen 

Lebensverhältnissen gekommen. Die Suchtbehandlungen liessen auf eine chro-

nische Suchtkrankheit schliessen (vgl. BA pag. 11-01-0093 f.). 

7.1.2 Wegen psychopathologischer Auffälligkeiten sei eine konstante schizotype Per-

sönlichkeitsstörung gemäss ICD F21 attestiert worden (früher auch als Border-

line- oder Grenzschizophrenie bezeichnet; BA pag. 11-01-0096). Polytoxikoma-

nie und schizotype Störung würden grundsätzlich ungünstige Prognosen beinhal-

ten. (Zitat) «Sucht neigt zu Rückfällen». Suchtmittel wirkten enthemmend und 

könnten auch Delikte aus unkontrollierten Impulsen heraus begünstigen. Deshalb 

sei damit zu rechnen, dass der Berufungsführer immer wieder Taten von jener Art 

begehen könnte, für die er bisher schon verurteilt worden sei (Sachbeschädigun-

gen, Drohungen etc.). Die Legalprognose sei daher ungünstig. Zudem sei bei 

- 19 - 

ihm eine Gewaltneigung bzw. Affinität zu Gewaltsymbolen und -mitteln festzustel-

len (BA pag. 11-01-0098). Die Kombination von Affinität zu Waffen und explosi-

ven Stoffen, der erwähnten Manifestationen von Gewalt in Form von Drohungen 

und der Verzweiflung und feindseligen Gefühle gegenüber Ex-Ehefrau und Be-

hörden gebe Anlass, an die Möglichkeit von Gewaltdelikten zu denken. Es sei 

auf unberechenbare Auswirkungen des Drogenkonsums hinzuweisen. Eine Ge-

fahr für gewaltbezogene Delikte sei erst gebannt, wenn die Konfliktspannung ge-

genüber der Ex-Ehefrau und das Problem des Besuchsrechts (gegenüber seinen 

Kindern) befriedigend gelöst werden könnten (BA pag. 11-01-0099). 

7.1.3 Die im Strafverfahren als Ersatzmassnahme angeordnete ambulante psychiatri-

sche Behandlung mit Abstinenzkontrolle sei gescheitert, da der Berufungsführer 

Abstinenzauflagen nicht eingehalten und Behandlungstermine verpasst habe 

und positiv auf Alkohol getestet worden sei. Angebracht sei daher eine stationäre 

Behandlung gemäss Art. 59 StGB, falls die Schizotypie als Hauptkrankheit be-

trachtet werde, oder Art. 60 StGB, falls die Suchtkrankheit das grössere Problem 

sei. Eine Behandlung nach Art. 60 StGB sei zweckmässiger; in einer Behandlungs-

einrichtung, die nicht auf Suchttherapie spezialisiert sei, erfolge diese nicht intensiv 

genug. Hingegen könne durch begleitende Gesprächstherapie die Schizotypie auch 

in einer Suchtstation behandelt werden. Zweck der Behandlung müsste sein, län-

gerfristig auf eine Abstinenz hinzuarbeiten, nach anfänglicher körperlicher Ent-

wöhnung durch eine psychische Entwöhnungstherapie (BA pag. 11-01-0099 f.).  

7.2 Erwägungen im ursprünglichen Urteil der Berufungskammer CA.2021.7 vom 

7. September 2021 zum Vorgutachten 

Die Berufungskammer folgte mit Urteil CA.2021.7 der Auffassung des Vorgutach-

ters AA. Sie bejahte das Vorliegen sowohl einer Polytoxikomanie als auch einer 

schweren psychischen Störung sowie einen Zusammenhang derselben mit der 

Anlasstat. Es bestehe die Gefahr, dass der Berufungsführer, falls er unter stärke-

rem Einfluss der schizotypen Störung und unter zusätzlicher Einwirkung von Dro-

gen stehe, sich zu einem schwereren Verbrechen hinreissen lassen könnte – ins-

besondere auch aufgrund der für den Berufungsführer deprimierenden familiären 

Situation (vgl. E. II. 5.3.5; 5.4.4). Eine Behandlung nach Art. 60 StGB (Suchtthera-

pie) sei zweckmässiger als eine solche nach Art. 59 StGB (betreffend schwere 

psychische Störung), weil in einer Behandlungseinrichtung, die nicht auf Suchtthe-

rapie spezialisiert sei, diese nicht intensiv genug erfolge (vgl. E. II. 5.3.4; BA pag. 

11-01-0099 f.). Die Behandlungsbedürftigkeit und damit die Erforderlichkeit der 

Massnahme seien klar ausgewiesen. Der Berufungsführer sei trotz seiner ableh-

nenden Haltung auf professionelle Hilfe angewiesen und nicht in der Lage, aus 

eigener Kraft von den abhängig machenden Suchtstoffen wegzukommen oder zu-

- 20 - 

mindest mit ihnen umzugehen. Mit der Klinik II. gebe es auch eine geeignete An-

stalt (vgl. E. II. 5.4.5 - 8). Andere Massnahmen seien zur Behandlung des Beru-

fungsführers nicht oder nicht in gleichem Masse geeignet (E. II. 5.5). 

8. Psychiatrisches Gutachten und Aussagen von Dr. med. JJ. betreffend Auf-

hebung der stationären Suchtbehandlung und Anordnung einer anderen 

stationären therapeutischen Massnahme (Art. 62c Abs. 6 i.V.m. Art. 59 StGB) 

 Im Auftrag des AJV (SV000674 ff.) erstellte Dr. JJ. am 8. September 2023 ein 

psychiatrisches Gutachten über den Berufungsführer sowie dessen Massnah-

menbedürftigkeit bzw. den Massnahmenverlauf (SV000732 ff.). Dieses lautet im 

Wesentlichen wie folgt (inkl. mündliche Ergänzungen anlässlich der erstinstanz-

lichen sowie der zweitinstanzlichen Gerichtsverhandlung; CAR pag. 5.300.025 ff.; 

SK pag. 3.771.002 ff.). 

8.1 Vorliegen einer schweren psychischen Störung (Art. 59 Abs. 1 StGB) 

8.1.1 Gutachterin JJ. diagnostiziert beim Berufungsführer eine Abhängigkeit von mul-

tiplen Substanzen (lCD-10 F19.2, insbesondere Opiate, Heroin, Kokain, Canna-

bis) sowie eine Alkoholabhängigkeit (lCD-10 F10.2). Je nach Verfügbarkeit kon-

sumiere er verschiedene Substanzen (u.a. auch schon jeglichen verfügbaren Al-

kohol in Form von After Shave oder Desinfektionsmittel). Die Abhängigkeit von 

Substanzen bestehe schon seit seinem 20. Lebensjahr. Zwischenzeitlich habe er 

auch drogenfrei gelebt, namentlich während seiner Ehe in der sektenähnlichen 

Gemeinschaft Y. Nach der Trennung von seiner Frau und insbesondere den Kin-

dern habe er wieder mit dem Substanzkonsum begonnen. Derzeit werde der Be-

rufungsführer offenbar wieder ärztlich überwacht mit Methadon substituiert (lCD-

10 F11.22). Dem Vorgutachter sei zuzustimmen, dass ausser der Suchterkran-

kung eine schwere psychische Störung vorliege. Dabei werde jedoch die diag-

nostische Einschätzung durch den langjährigen Substanzkonsum erschwert. Die 

vorliegenden wahnhaften Symptome (z.B. Verstopfen eines Abflusses mit Klei-

dungsstücken, um zu verhindern, dass ein Kannibale herauskomme) könnten 

auch substanzinduziert sein. Die Diagnose einer schizotypen Störung (lCD-10 

F21) gemäss Vorgutachter sei denkbar. Differentialdiagnostisch müsse jedoch 

auch eine blande verlaufende paranoide Schizophrenie (lCD-10 F20.0) diskutiert 

werden (SV000781). 

8.1.2 Anlässlich der Berufungsverhandlung präzisierte Gutachterin JJ. ihre Diagnose 

wie folgt:  Man wisse nicht genau, ob der Wahngedanke des aus der Kanalisation 

aufsteigenden Kannibalen oder das «Stimmen Hören» tatsächlich über vier Wo-

chen angehalten hätten. Deshalb habe sie differentialdiagnostisch nach wie vor 

auch die schizotype Störung aufgeführt. Sie finde das in den Akten immer wieder 

in verschiedenen Zeiträumen – so habe die Ex-Frau vom «Stimmen Hören» beim 

- 21 - 

Berufungsführer berichtet. Sie habe also Hinweise, dass es im Längsschnitt im-

mer wieder solche doch deutlichen, auch erstrangigen Symptome gegeben habe. 

Der Berufungsführer mache einen stabileren Eindruck als noch vor einem Jahr, 

was sicher auch an der relativ guten Abstinenz oder der stabilen Einstellung mit 

Methadon liege (CA.2024.22 pag. 5.300.027 Rz. 41 f.; -029 Rz. 3 ff.).  

8.2 Zusammenhang zwischen der Anlasstat und der schweren psychischen 

Störung (Art. 59 Abs. 1 lit. a StGB) 

 Dr. JJ. bestätigte einen Zusammenhang zwischen der Anlasstat und der schwe-

ren psychischen Störung (SV000770 f., -779; -782; vgl. oben E. II. 8.1.1 ff.). Unter 

Hinweis auf die im Gutachten unter Ziffer 5.2.3 (recte: 6.2.3) diskutierte Delikthy-

pothese sei wichtig zu erwähnen, dass der problematische familiäre Kontext und 

die beiden diagnostizierten Störungen nicht losgelöst voneinander betrachtet 

werden könnten. Damit korrespondiere, dass letztere nicht unabhängig vonei-

nander behandelt werden könnten bzw. sollten, womit den beiden Störungen 

eine nicht voneinander trennbare Ursächlichkeit attestiert werde (SV000740, -

782). Ausgehend von einem realen Kern (d.h. tatsächlich erfolgter Übergriff auf 

ein Kind in der religiösen Gemeinschaft), scheine sich das beim Berufungsführer 

so verselbständigt zu haben, dass er sehr stark geplagt gewesen sei von den 

Ängsten, dass seine Töchter dort Misshandlungen erfahren würden oder in Zu-

kunft noch erfahren könnten. Er habe sich von diesen Ängsten nicht mehr wirklich 

distanzieren können, sodass diese eine Wahnentwicklung angenommen hätten. 

Man sehe solche Entwicklungen bei schizophrenen wie auch schizotypen Ver-

läufen, aber natürlich auch als Folge von Substanzkonsum (vgl. SK.2023.48 pag. 

3.771.007 m.w.H.). 

8.3 Rückfallrisiko / Legalprognose (Art. 59 Abs. 1 lit. a; Art. 62c Abs. 6 StGB) 

8.3.1 Unter Anwendung der Methode des Violence Risk Appraisal Guide-Revised 

(nachfolgend: VRAG-R), sowie des HCR-20 (SV000774 ff.) kommt Gutachterin 

JJ. zu folgender Risikoeinschätzung: Mit 18 Punkten auf der VRAG-R- Skala sei 

das Rückfallrisiko für Gewalttaten verglichen mit dem Durchschnitt der Gruppe 

hoch (58 % innerhalb von fünf Jahren; 78 % innerhalb von 12 Jahren) Die Eintei-

lung in die VRAG-R-Kategorie erfolge einzig aufgrund des vom Berufungsführer 

in der Jugend begangenen Raubüberfalls, welcher ihr nur aus dessen Schilde-

rung (nicht aber dem Strafregister) bekannt sei. Das Hauptgewicht liege auf der 

HCR-20-Methode (CA.2024.22 pag. 5.300.042 Rz. 27 ff.; Gutachten S. 49; 

SV000780; TPF 2023.48 pag. 3.771.008 ff. m.w.H.). 

8.3.2 Zu den Vorbereitungshandlungen für eine Entführung bzw. Freiheitsberaubung 

(vgl. Urteil CA.2021.7 vom 7. September 2021) sei es sehr wahrscheinlich ge-

- 22 - 

kommen, weil den Berufungsführer paranoide Ängste um das Wohlergehen sei-

ner Töchter (zu denen er keinen persönlichen Kontakt mehr habe pflegen dürfen) 

geplagt hätten. Aufgrund der schizotypen bzw. schizophrenen Störung, vermut-

lich zusätzlich verstärkt durch den übermässigen Konsum verschiedener psycho-

troper Substanzen, habe er wegen der Belastung durch die Trennung die Idee 

entwickelt, dass die Töchter misshandelt werden könnten. Diese Ängste hätten 

jedoch einen «realen Kern» gehabt, da in der Vergangenheit in der religiösen 

Gemeinschaft ein Kind geschlagen und eine Lehrperson deshalb verurteilt wor-

den sei. Die Intensität, mit der der Berufungsführer sich mit diesen Gedanken 

beschäftigt habe, sowie die Inhalte – gemäss eigener Angabe habe er im Vorfeld 

mehrmals Anzeige wegen Vergewaltigung einer seiner Töchter erstattet – seien 

aber krankhaft übersteigert gewesen. Er habe sich legitimiert gefühlt, die Entfüh-

rung bzw. Freiheitsberaubung der Töchter zu planen, da er sie habe schützen 

wollen. Der weitgehend unkontrollierte Substanzkonsum habe die paranoide Idee 

verstärkt und seine Fähigkeiten vermindert, das Vorhaben kritisch zu überdenken 

und die Folgen seines Tathandelns rational abzuwägen (vgl. SV000779 f.). 

8.3.3 Gemäss Gutachterin JJ. sei der Berufungsführer seit seiner Kindheit durch Re-

gelverletzungen aufgefallen (u.a. Raubüberfall mit Luftdruckpistole in der Ju-

gend). Seine Gleichgültigkeit gegenüber gesetzlichen Regeln und sozialen Nor-

men stehe vermutlich mit Persönlichkeitsänderungen als Folge der langjährigen 

Sucht in Zusammenhang, werde aber möglicherweise durch die schizotype bzw. 

schizophrene Störung zusätzlich verstärkt. Daher sei das Risiko hoch, dass der 

Berufungsführer auch zukünftig mit Delikten in Erscheinung treten werde (insbe-

sondere Strassenverkehrsdelikte, Delikte wie Sachbeschädigung oder Drohung, 

die in Zusammenhang mit Intoxikationszuständen stünden). Das Risiko für 

schwere tätliche Gewalt sei im Vergleich dazu geringer und in erster Linie in Zu-

sammenhang mit wahnhaften DenkinhaIten vorstellbar. Der Berufungsführer 

habe die Absicht geäussert, sich von den Töchtern fernzuhalten. In einem offe-

nen Setting könne das Risiko jedoch mittel- und langfristig wieder ansteigen, so-

fern er in einen unkontrollierten Substanzkonsum zurückfallen würde (SV000780 f.; 

-788 ff.). 

8.3.4 Anlässlich der Berufungsverhandlung präzisierte Dr. JJ. ihre gutachterlichen 

Ausführungen zum Rückfallrisiko / zur Legalprognose wie folgt:  

 Die vier Konsumrückfälle (Kokain, Alkohol, THC) im hoch strukturierten Setting 

der JVA VV. würden auf ein sehr hohes Konsumrückfallrisiko hindeuten – umso 

mehr, wenn er in ein offenes Wohnheim in Basel-Stadt wechsle, wo er auch die 

Szene kenne (CA.2024.22 pag. 5.300.026 Rz. 28 - 37). Bezüglich des Risikos 

für schwere tätliche Gewalt könne die realistische/konkrete Gefahr für einschlä-

gige Delikte (Vorbereitungshandlungen zu Freiheitsberaubung/Entführung) nicht 

- 23 - 

beziffert werden. Den Berufungsführer beschäftige diese vermeintliche Unge-

rechtigkeit gegen die Kinder bzw. deren schlimme Behandlung. Wenn diese In-

halte wieder akuter würden, würde das ihn umtreiben. Unter Drogeneinfluss wür-

den solche Wahnideen möglicherweise wieder auftreten. Die Töchter seien mitt-

lerweile erwachsen und nicht mehr in der Wohngemeinschaft Y. in Z. wohnhaft. 

Vielleicht mache er etwas anderes, als nach Z. zu fahren, vielleicht mache er 

auch nichts – das sei schwierig zu beurteilen und hänge von situativen Faktoren 

und dem Substanzkonsum ab (gewisse Substanzen könnten dies befeuern). Die 

Wahrscheinlichkeit, dass es zu solchen Handlungen kommen könnte, sei jedoch 

deutlich weniger hoch als die Wahrscheinlichkeit, dass er intoxikiert und ohne 

Führerschein Auto fahre (CA.2024.22 pag. 5.300.029 f. Rz. 11 – 36, 38 ff., -034 ff.).  

8.4 Verbesserung der Legalprognose durch neue Massnahme (Art. 62c Abs. 6 

i.V.m. Art. 59 Abs. 1 lit. b StGB) 

8.4.1 Gemäss Gutachterin JJ. sei die Substanzabhängigkeit mittels psycho- und phar-

makotherapeutischer Therapie behandelbar. Die Wahrscheinlichkeit und die 

Schwere von Alkoholrückfälligkeit könne mit Anti-Craving-Medikamenten (z.B. 

Acamprosat) vermindert werden. Die Substitutionstherapie einer Opiatabhängig-

keit (z.B. mit Methadon) senke insbesondere das Rückfallrisiko für Delikte. Der 

Therapiebericht von Dr. MM., NN., vom 19. Oktober 2022 (siehe Gutachten S. 

19 f.) zeige auf, dass sich das Zustandsbild zeitgleich zur Abgabe des Neurolep-

tikums Quetiapin stabilisiert habe und die Gedanken an das Wohlergehen der 

Töchter allmählich in den Hintergrund getreten seien. Es gebe wissenschaftliche 

Evidenz, dass die störungsspezifische Behandlung einer schizophrenen Störung 

das Rückfallrisiko vermindere (SV000783 f.). 

8.4.2 Der bisherige Massnahmenverlauf (schwere Konsumrückfälle im offenen Set-

ting) habe gezeigt, dass die vom Vorgutachter empfohlene abstinenzorientierte 

Behandlung keine Aussicht auf Erfolg habe. Inzwischen scheine sich das Zu-

standsbild des Berufungsführers – nach Wiederbeginn der Methadonsubstitution, 

Minimierung des Beikonsums durch das geschlossene Setting und neurolepti-

sche Medikation – wieder etwas stabilisiert zu haben. Angesichts seines Alters, 

seiner – mit Unterbrechungen – seit mehr als 40 Jahren bestehenden schweren 

Suchterkrankung und der komorbiden psychischen Störung sei ein realistisches 

Therapieziel zu formulieren, im Sinne einer substitutionsgestützten Suchtbe-

handlung mit dem Ziel, das Ausmass von unkontrolliertem Beikonsum auch unter 

offenen Bedingungen zu minimieren bzw. zu kontrollieren. Eine neuroleptische 

Einstellung sei dringend angezeigt. Der Verlauf seit Einstellung auf Quetiapin 

spreche dafür, dass die deliktsrelevanten paranoiden Befürchtungen dadurch 

deutlich in den Hintergrund getreten seien. Absehbar sei, dass der Berufungs-

führer dauerhaft auf stützende Strukturen wie ein geeignetes Wohnsetting, gege-

- 24 - 

benenfalls Tagesstruktur sowie Sucht- und (forensisch-)psychiatrische Behand-

lung angewiesen sein werde. Es wäre sinnvoll und nötig, ihn zunächst in einem 

Massnahmenzentrum zu behandeln, in dem die substitutionsgestützte Suchtbe-

handlung weitergeführt werde (z.B. Massnahmenzentrum KK.). Begleitend wäre 

die aktuelle Einstellung auf Quetiapin zu überprüfen und allenfalls zu optimieren. 

Danach solle ein sozialer Empfangsraum vorbereitet werden (geeignetes Wohn-

heim, Tagesstruktur, Anbindung an eine Substitutionsabgabestelle / forensisch-

psychiatrische Behandlung; SV000784 f.). Angesichts der chronischen psychi-

schen Störungen sei eine Heilung nicht zu erwarten (SV000787). Dies alles spre-

che für eine Massnahme nach Art. 59 StGB. Gründe, die eine weitere Behand-

lung grundsätzlich aussichtslos erscheinen liessen, seien nicht ersichtlich 

(SV000790). 

8.4.3 Anlässlich der Berufungsverhandlung präzisierte Dr. JJ. ihre gutachterlichen 

Feststellungen wie folgt: Der Berufungsführer mache einen stabileren Eindruck 

als anlässlich der Begutachtung vor ca. einem Jahr, wohl auch aufgrund der Abs-

tinenz bzw. Methadonsubstitution (CA.2024.22 pag. 5.300.029 Rz. 3 - 9). Es sei 

schwierig, ein Setting zu finden, wo die anspruchsvolle Aufgabe des Übergangs-

managements durchgeführt werden könnte, weil es da darum gehe, das Statio-

näre und das Ambulante zu verzahnen. Eine ambulante therapeutische Beglei-

tung in Freiheit würde jedoch nicht ausreichen. Zur Erreichung des Therapieziels 

sei die Kooperation des Berufungsführers unerlässlich (CA.2024.22 pag. 

5.300.031 f., -036 ff., -039 f.; vgl. auch SK.2023.48 pag. 3.771.012 und -015 f.). 

Man erkenne beim Berufungsführer ein hohes Autonomiebedürfnis – er wünsche 

den Übertritt in ein betreutes Wohnheim in U. Diese Vorstellung sei adäquat. Zur 

Vermeidung künftiger (auch leichter) Delinquenz sei von zentraler Bedeutung, für 

ihn stabile Strukturen, Rahmenbedingungen bzw. ein Setting (Empfangsraum) 

zu schaffen. Dies impliziere beispielsweise einen Platz in einem betreuten Wohn-

heim (wie er es früher gehabt habe), eine optimale Einstellung von Neuroleptika, 

das regelmässige Absolvieren einer Psychotherapie sowie die Anmeldung in ei-

nem Programm zur Substitution der Betäubungsmittelsucht (z.B. via Methadon). 

Ihres Erachtens würde es im Rahmen der stationären Massnahme nach Art. 59 

StGB zusammengefasst nicht darum gehen, an den Störungsbildern zu arbeiten, 

sondern die Expertise dieser Institutionen zu nutzen, um Lockerungsschritte zu 

erproben und dieses Setting von geeigneten tragenden Strukturen vorzubereiten, 

wofür ihres Erachtens zwei bis drei Jahre benötigt würden (vgl. CA.2024.22 pag. 

5.300.043; SK.2023.48 pag. 3.771.12). 

 

  

- 25 - 

9. Würdigung / Fazit 

9.1 Einleitende Anmerkungen zum Gutachten von Dr. JJ. 

 Das nach Art. 56 Abs. 3 StGB für die allfällige Anordnung einer (anderen) statio-

nären Massnahme eingeholte Gutachten wurde von Dr. med. JJ., einer hierfür 

ausreichend qualifizierten Fachperson erstellt. Diese hat sich im Gutachten ge-

mäss Art. 56 Abs. 3 StPO über a) die Notwendigkeit und die Erfolgsaussichten 

einer Behandlung des Täters; b) die Art und die Wahrscheinlichkeit weiterer mög-

licher Straftaten; und c) die Möglichkeiten des Vollzugs der Massnahme geäus-

sert. Die (weiteren) einzelnen Voraussetzungen für die von der BA bzw. dem AJV 

beantragte Aufhebung der stationären Suchtbehandlung und Anordnung einer 

anderen stationären therapeutischen Massnahme (zur Behandlung von psychi-

schen Störungen) i.S.v. Art. 62c Abs. 6 i.V.m. Art. 59 StGB werden nachfolgend 

gewürdigt (E. II. 9.2 ff.). 

9.2 Zum Vorliegen einer schweren psychischen Störung (Art. 59 Abs. 1 StGB) 

 Die Ausführungen der Gutachterin JJ. zum Vorliegen einer psychischen Störung 

im psychiatrischen Sinne erscheinen teilweise unbestimmt bzw. vage. Ihres Er-

achtens sei die vom Vorgutachter erstellte Diagnose einer schizotypen Störung 

(lCD-10 F21)«denkbar», wobei differentialdiagnostisch auch eine blande verlau-

fende paranoide Schizophrenie (lCD-10 F20.0) diskutiert werden müsse (oben 

E. II. 8.1.6; SV000781). Es sei allerdings «weit überwiegend wahrscheinlich», 

dass neben der schweren Suchterkrankung eine andere psychische Störung vor-

liege, am ehesten eine schizotype oder schizophrene Störung, wobei beide Mög-

lichkeiten schwere psychische Störungen darstellten (E. II. 8.1.5; SV000772 f; E. 

II. 8.1.7; CA.2024.22 pag. 5.300.033 Rz. 33 ff. m.w.H.; vgl. auch SK.2023.48 pag. 

3.771.005 f.). Im Übrigen bestätigt sie die vorgutachterliche Diagnose einer Ab-

hängigkeit von multiplen Substanzen (lCD-10 F19.2, insbesondere Opiate, Ko-

kain, Cannabis) sowie einer Alkoholabhängigkeit (lCD-10 F10.2) (E. II. 8.1.6; 

SV000781). Aufgrund der mehreren Störungen ist insgesamt juristisch von einer 

schweren psychischen Störung gemäss Art. 59 Abs. 1 StGB auszugehen. 

9.3 Zum Zusammenhang zwischen der Anlasstat und der schweren psychi-

schen Störung (Art. 59 Abs. 1 lit. a StGB) 

 Die entsprechenden Ausführungen der Gutachterin sind klar und nachvollzieh-

bar. Demgemäss ist davon auszugehen, dass zwischen der Anlasstat (strafbare 

Vorbereitungshandlungen i.S.v. Art. 260bis Abs. 1 lit. e StGB) und der schweren 

(schizotypen oder schizophrenen) psychischen Störung der erforderliche Zusam-

menhang im juristischen Sinne (Art. 59 Abs. 1 lit. a StGB) besteht (E. II. 8.2 - 

8.2.2). 

- 26 - 

9.4 Zum Rückfallrisiko bzw. zur Legalprognose (Art. 59 Abs. 1 lit. a; Art. 62c 

Abs. 6 StGB) 

9.4.1 Gutachterlich wird beim Berufungsführer hinsichtlich der Suchtproblematik und 

der schweren psychischen Störung das Risiko von SVG-Delikten, Sachbeschä-

digung oder Drohung in Zusammenhang mit Intoxikationszuständen als hoch ein-

geschätzt, das Rückfallrisiko für schwere Gewaltdelikte  im Vergleich dazu jedoch 

als geringer und auf wahnhafte Denkinhalte, primär bezogen auf die familiäre 

Thematik (Sorge um das körperliche und seelische Wohl der beiden Töchter in 

der Sektengemeinschaft Y.) beschränkt (vgl. oben E. II. 8.3). Die mittlerweile er-

wachsenen Töchter des Berufungsführers leben allerdings nicht mehr in der Ge-

meinschaft Y., weshalb sich der Kontext im Hinblick auf die Anlasstat gänzlich 

verändert hat und eine erneute Delinquenz in diesem Rahmen aus Sicht der Be-

rufungskammer unwahrscheinlich erscheint. Die Töchter haben explizit und auch 

an den Berufungsführer adressiert vorgebracht, keinen Kontakt zu ihm zu wün-

schen. Dr. JJ. führt in diesem Zusammenhang insbesondere aus, auch diese 

«anderen Sachen» [d.h. Wahnvorstellungen mit dem Kannibalen] seien nicht 

ausgestaltet gewesen [d.h. dass nicht klar sei, ob diese Wahnvorstellungen min-

destens vier Wochen gedauert hätten], möglicherweise drogeninduziert – sie 

könne es nicht mit Sicherheit sagen. Die Gutachterin konnte die realistische Ge-

fahr, dass der Berufungsführer wieder einschlägige Delikte (Vorbereitungshand-

lungen zu Freiheitsberaubung / Entführung, bzw. Durchführung des Delikts) bege-

hen könnte, obwohl seine Töchter mittlerweile erwachsen, berufstätig und aus-

serhalb der Wohngemeinschaft in Z. wohnhaft seien, nicht konkret beziffern. 

Dass er in den Zustand zurückkomme, dass ihn diese Thematik so stark beschäf-

tige und die Handlungsschwelle überschritten werde, sei gemäss Gutachterin si-

cher deutlich weniger wahrscheinlich, als dass er intoxikiert Auto fahre, ohne ei-

nen Führerschein zu haben. Worin das hohe Risiko gemäss VRAG-R wirklich 

bestehe, sei nicht bezifferbar. Vielleicht mache der Berufungsführer etwas Ande-

res (als nach Z. zu fahren, um dann zu merken, dass seine Töchter und Ex-Frau 

nicht dort seien), oder vielleicht auch nichts – das könne nicht mit Sicherheit ge-

sagt werden. Dass er auch gegen Behörden oder andere Involvierte in dieser 

ganzen Geschichte schwer tätlich bzw. gewalttätig werden könnte, sei sehr spe-

kulativ (vgl. E. II. 8.3). 

9.4.2 Bereits aufgrund dieser Ausführungen hat die Berufungskammer grosse Zweifel, 

dass ein hinreichendes Rückfallrisiko vorliegt, das eine stationäre Massnahme 

nach Art. 59 StGB rechtfertigen würde. Dabei ist auch zu beachten, dass der Be-

rufungsführer – wie sich anhand seiner Biographie zeigt – trotz zahlreicher Vor-

strafen (CA.2024.22 pag. 4.401.003 ff.) und trotz langjährig bestehender schwerer 

psychischer Störung und Polytoxikomanie – kein Gewalttäter im klassischen Sinne 

- 27 - 

ist. Was die Anlasstat betrifft, hat er sich in einer sehr spezifischen, persönlich tra-

gischen Situation, die inzwischen in dieser Form nicht mehr besteht, der strafbaren 

Vorbereitungshandlungen nach Art. 260bis Abs. 1 lit. e StGB schuldig gemacht, 

weil er insbesondere um die körperliche Integrität seiner Töchter fürchtete. Die 

Anlasstat war somit nicht besonders schwerwiegend, sondern wies in dogmati-

scher Hinsicht eine gewisse Nähe zu einem untauglichen Versuch auf. Im Übri-

gen ist es notorisch, dass einer der wichtigsten grundsätzlichen Faktoren für die 

Abnahme von Gewaltbereitschaft bzw. -delikten das zunehmende Alter einer 

Person ist. Der Berufungsführer ist inzwischen 60 Jahre alt. Sein Gesundheits-

zustand ist zudem deutlich fragiler als bei einer durchschnittlichen männlichen 

Person seines Alters. 

9.4.3 Gutachterin JJ. bejahte zudem, dass die Einordnung des Berufungsführers im 

VRAG-R einzig aufgrund eines von ihm angeblich begangenen Raubes erfolge, 

und dass dieses angebliche Raubdelikt ihr nur aus dessen Schilderungen be-

kannt sei. Sofern dies eine Wahnvorstellung gewesen wäre, sei das VRAG-R 

nicht anwendbar (vgl. CA.2024.22 pag. 5.300.042 Rz. 27 ff.). Die Berufungskam-

mer kann auch aufgrund fehlender stichhaltiger Beweise (Strafregistereintrag, 

etc.) indes nicht eindeutig davon ausgehen, dass der vom Berufungsführer ge-

schilderte Raubüberfall mit Luftdruckpistole, den er als junger Mann begangen 

haben soll, tatsächlich stattgefunden hat (CA.2024.22 pag. 4.401.003 ff.). Auch im 

ursprünglichen Urteil der Berufungskammer CA.2021.7 vom 7. September 2021 

wurde eine entsprechende [angebliche] Gewalttat des Berufungsführers nicht 

thematisiert (vgl. dort insbesondere E. II. 4.7.4, 5.3 und 5.4). 

9.5 Geeignetheit der neuen Massnahme, der Gefahr weiterer mit dem Zustand 

des Täters in Zusammenhang stehender Verbrechen und Vergehen offen-

sichtlich besser zu begegnen (Art. 62c Abs. 6 i.V.m. Art. 59 Abs. 1 lit. b StGB) 

9.5.1 Gemäss Gutachterin existiert wissenschaftliche Evidenz, dass die störungsspe-

zifische Behandlung einer schizophrenen Störung das Rückfallrisiko vermindere 

(SV000783 f.). Der bisherige Massnahmenverlauf habe gezeigt, dass eine absti-

nenzorientierte Behandlung keine Aussicht auf Erfolg habe (SV000787). Das 

vom Vorgutachter empfohlene Therapieziel der Abstinenz sei angesichts der 

schweren und langjährigen Suchterkrankung völlig unrealistisch und falsch 

(SV000773 f.). Der bisherige Massnahmenverlauf spreche dafür, dass eine allei-

nige Suchtmassnahme zu kurz greife und dass die schwere psychische Störung 

mitbehandelt werden müsse (mindestens durch eine optimale neuroleptische 

Einstellung), um das Zustandsbild des Berufungsführers langfristig zu stabilisieren 

und damit das Rückfallrisiko zu vermindern. Dies spreche für eine Massnahme 

nach Art. 59 StGB. Gründe, die eine weitere Behandlung grundsätzlich aussichts-

los erscheinen liessen, sehe sie nicht. Wichtig sei aber, ein realistisches Thera-

pieziel zu formulieren und zu verfolgen (SV000790; vgl. oben E. II. 8.4.1 - 8.4.3). 

- 28 - 

9.5.2 Die Kritik von Dr. JJ. an dem vom Vorgutachter empfohlenen Therapieziel einer 

Abstinenz, bzw. am bisherigen Verlauf der Massnahme nach Art. 60 StGB, ist 

nachvollziehbar. Diese Kritik alleine lässt jedoch nicht erwarten, dass sich mit 

einer neuen Massnahme (nach Art. 59 StGB) der Gefahr weiterer mit dem Zu-

stand des Täters in Zusammenhang stehender Verbrechen und Vergehen i.S.v. 

Art. 62c Abs. 6 StGB offensichtlich besser begegnen lässt. Eine Suchtbehand-

lung nach Art. 60 StGB – ebenso wie deren Verlängerung um ein weiteres Jahr 

gemäss Art. 60 Abs. 4 StGB – kann nämlich grundsätzlich auch auf ein anderes 

(Therapie-)Ziel als eine (totale) Abstinenz ausgerichtet sein. Zum Beispiel auf die 

Aufgleisung des von Dr. JJ. selbst empfohlenen Settings für den Berufungsführer 

(vgl. dazu unten E. II. 10). 

9.5.3 Gegen die Erwartung, dass sich mit der neuen Massnahme (nach Art. 59 StGB) 

der Gefahr weiterer mit dem Zustand des Täters in Zusammenhang stehender 

Verbrechen und Vergehen offensichtlich besser begegnen lässt, spricht insbe-

sondere auch der explizite und konstante Widerstand des Berufungsführers ge-

gen eine solche Massnahme im geschlossenen Rahmen (vgl. oben E. II. 4.1 und 

4.3; CA.2024.22 pag. 5.300.013 f.). Auch Gutachterin JJ. betonte, dass es unmög-

lich sei, das Therapieziel zu erreichen, wenn der Berufungsführer eine Koopera-

tion in einer Massnahmenbehandlung nach Art. 59 StGB über Monate verweigere 

(vgl. E. II. 8.4.3). Gemäss diesen Ausführungen bestehen bei der Berufungskam-

mer auch erhebliche Zweifel, dass sich mit der neuen Massnahme (nach Art. 59 

StGB) der Gefahr weiterer mit dem Zustand des Berufungsführers in Zusammen-

hang stehender Verbrechen und Vergehen offensichtlich besser begegnen liesse. 

 Andererseits machte der Berufungsführer nachvollziehbar und glaubhaft geltend, 

dass ihm viel daran liege, sich zu resozialisieren bzw. in die Gesellschaft zu rein-

tegrieren (vgl. E. II. 4.2.4 f.; CA.2024.22 pag. 5.300.017 f.). Es wird davon ausge-

gangen, dass er durchaus motiviert ist, sich – z.B. im Rahmen der von ihm even-

tualiter beantragten Verlängerung der Suchtbehandlung nach Art. 60 Abs. 4 

StGB – hierfür zu engagieren. Diese intrinsische Motivation des Berufungsfüh-

rers stellt in einer Gesamtbetrachtung einen wesentlichen Faktor bei der Beurtei-

lung des Falles dar. Gemäss Gutachterin JJ. liegt beim Berufungsführer immerhin 

eine basale Problemeinsicht vor (vgl. SK.2023.48 pag. 3.771.11; SV000773 f.). 

 

 

 

- 29 - 

9.6 Zur Verhältnismässigkeit der Anordnung einer stationären therapeutischen 

Massnahme (zur Behandlung von psychischen Störungen) i.S.v. Art. 62c 

Abs. 6 i.V.m. Art. 59 StGB 

9.6.1 Rechtliche Grundlagen zur Einschränkung von Grundrechten, insbeson-

dere zum Aspekt der Verhältnismässigkeit; gesetzliche Konkretisierung in 

Art. 56 und 56a StGB 

9.6.1.1 Staatliches Handeln muss im öffentlichen Interesse liegen und verhältnismässig 

sein (Art. 5 Abs. 2 BV). Gemäss Art. 36 Abs. 1 BV bedürfen Einschränkungen 

von Grundrechten einer gesetzlichen Grundlage. Schwerwiegende Einschrän-

kungen müssen im Gesetz selbst vorgesehen sein. Ausgenommen sind Fälle 

ernster, unmittelbarer und nicht anders abwendbarer Gefahr. (Abs. 2) Einschrän-

kungen von Grundrechten müssen durch ein öffentliches Interesse oder durch 

den Schutz von Grundrechten Dritter gerechtfertigt sein. (Abs. 3) Einschränkun-

gen von Grundrechten müssen verhältnismässig sein. (Abs. 4) Der Kerngehalt 

der Grundrechte ist unantastbar. 

9.6.1.2 Das Gebot der Verhältnismässigkeit verlangt, dass eine behördliche Massnahme 

für das Erreichen des im öffentlichen (oder privaten) Interesse liegenden Zieles 

geeignet und erforderlich ist und sich für die Betroffenen in Anbetracht der 

Schwere der Grundrechtseinschränkung als zumutbar und verhältnismässig er-

weist. Erforderlich ist eine vernünftige Zweck-Mittel-Relation. Eine Massnahme 

ist unverhältnismässig, wenn das Ziel mit einem weniger schweren Grundrechts-

eingriff erreicht werden kann (BGE 132 I 49, 62 E. 7.2; vgl. EPINEY, Basler Kom-

mentar, 2015, Art. 36 BV N. 29 - 60; SCHWEIZER/KREBS, Die schweizerische Bun-

desverfassung, St. Galler Kommentar, 4. Aufl. 2023, Art. 36 BV N. 22 - 59; BIAG-

GINI, Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Kommentar, 

2. Auf. 2017, Art. 36 BV N. 9 ff. und N. 23 ff.). 

9.6.1.3 In Art. 56 (insbesondere Abs. 1 - 3 und 5) sowie Art. 56a (Abs. 1) StGB sind die 

erwähnten, in der Bundesverfassung enthaltenen Grundsätze zur Einschränkung 

von Grundrechten (oben E. II. 9.6.1.1 f.), soweit es die Anordnung von Massnah-

men betrifft, weitgehend auf Gesetzesstufe konkretisiert worden. 

9.6.2 Konkrete Prüfung der Einschränkung von Grundrechten, insbesondere der 

Verhältnismässigkeit, im vorliegenden Fall 

9.6.2.1 Eine ausreichende gesetzliche Grundlage (Art. 36 Abs. 1 Satz 1 BV) für den Ein-

griff in das Grundrecht des Berufungsführers auf persönliche Freiheit bzw. Be-

wegungsfreiheit (Art. 10 Abs. 2 BV) ist vorliegend in Form von Art. 62c Abs. 6 

i.V.m. Art. 59 StGB grundsätzlich gegeben (vgl. auch Art. 56 Abs. 1 lit. c StGB). 

- 30 - 

Auf die vom Berufungsführer erwähnte Thematik, wonach Art. 60 StGB lex spe-

cialis zu Art. 59 StGB sei, bzw. Art. 59 StGB verdränge (vgl. oben E. II. 4.2.2), 

muss vorliegend nicht näher oder abschliessend eingegangen werden, da eine 

Massnahme nach Art. 59 StGB – wie nachfolgend auszuführen ist – auch aus 

anderen Gründen nicht anzuordnen ist. 

9.6.2.2 Zu prüfen ist sodann, ob der Grundrechtseingriff konkret geeignet wäre, ein legi-

times Ziel – vorliegend die Wahrung der öffentlichen Sicherheit (entspricht dem 

öffentlichen Interesse i.S.v. Art. 36 Abs. 2 BV) sowie der Sicherheit der Familie 

des Berufungsführers, insbesondere seiner Kinder (entspricht dem Schutz von 

Grundrechten Dritter gemäss Art. 36 Abs. 2 BV) – zu erreichen. Zwar wird der 

Täter, solange die Gefahr besteht, dass er flieht oder weitere Straftaten begeht, 

in einer geschlossenen Einrichtung behandelt. Er kann auch in einer Strafanstalt 

nach Artikel 76 Absatz 2 StGB behandelt werden, sofern die nötige therapeuti-

sche Behandlung durch Fachpersonal gewährleistet ist (Art. 59 Abs. 3 StGB). 

Dadurch wäre an sich sichergestellt, dass das erwähnte legitime Ziel während 

der Behandlung in einer geschlossenen Einrichtung erreicht wird. Eine solche 

isolierte Betrachtungsweise würde jedoch zu kurz greifen, wenn dabei ausge-

blendet wird, ob die Behandlung von psychischen Störungen in einem derartigen 

Setting konkret Erfolg verspricht (vgl. dazu auch die in Art. 56 Abs. 3 lit. a StGB 

erwähnten «Erfolgsaussichten einer Behandlung des Täters», zu denen sich eine 

sachverständige Begutachtung zu äussern hat). Eine Massnahme nach Art. 59 

StGB hat – soweit möglich – insbesondere auch darauf abzuzielen, dass der Ge-

fahr weiterer mit der psychischen Störung in Zusammenhang stehender Taten 

(Art. 59 Abs.  lit. b StGB) im Hinblick auf ein späteres Leben des Täters in Freiheit 

begegnet werden kann. Wie erwähnt (oben E. II. 9.5.3), lässt der Berufungsführer 

indes einen expliziten und konstanten Widerstand gegen eine Massnahme nach 

Art. 59 StGB erkennen. Gemäss Gutachterin sei die Erreichung des Therapie-

ziels bei Verweigerung der Kooperation der massnahmenbedürftigen Person un-

möglich (vgl. E. II. 8.4.3, 9.5.3). Angesichts dieser Konstellation wäre der bean-

tragte Grundrechtseingriff, gesamthaft betrachtet, nur beschränkt geeignet, das 

legitime Ziel zu erreichen. Im Hinblick auf ein späteres Leben des Berufungsfüh-

rers in Freiheit wäre der Grundrechtseingriff für die erwähnte Zielerreichung wohl 

eher ungeeignet oder gar kontraproduktiv. Die sich in diesem Zusammenhang 

stellende Frage, ob sich für den bereits von mehreren Massnahmenzentren ab-

gelehnten Berufungsführer tatsächlich eine geeignete Einrichtung i.S.v. Art. 59 

Abs. 2 (bzw. Abs. 3) StGB finden liesse (vgl. Art. 56 Abs. 3 lit. c und Abs. 5 

StGB), kann im Ergebnis offenbleiben. 

9.6.2.3 Der Grundrechtseingriff ist zudem (insbesondere in räumlicher, zeitlicher und 

personeller Hinsicht) nicht erforderlich, um das erwähnte Ziel zu erreichen. Dies 

einerseits, weil die Wahrung der öffentlichen Sicherheit sowie der Sicherheit der 

- 31 - 

Familie des Berufungsführers wegen des inzwischen völlig veränderten Kontexts 

im Hinblick auf die Anlasstat deutlich weniger im Vordergrund steht als noch zum 

Zeitpunkt des ursprünglichen Urteils der Berufungskammer CA.2021.7 vom 7. 

September 2021. Die mittlerweile erwachsenen Töchter des Berufungsführers 

leben nicht mehr in der Gemeinschaft Y., weshalb eine erneute Delinquenz in 

diesem Rahmen unwahrscheinlich erscheint (oben E. II. 9.4.1). Zugleich kann – 

damit im Zusammenhang stehend – im Rahmen einer Verlängerung der statio-

nären Suchtbehandlung nach Art. 60 Abs. 4 StGB eine Kombination von Vorkeh-

rungen getroffen werden, welche als geeignetes milderes Mittel im Vergleich zu 

einer Massnahme nach Art. 59 StGB den öffentlichen Interessen und den Inte-

ressen der Familie des Berufungsführers ausreichend Rechnung trägt (vgl. Art. 36 

Abs. 2 und 3 BV; unten E. II. 10).  

9.6.2.4 a) Als weiterer Aspekt ist die Verhältnismässigkeit im engeren Sinne (Zumutbar-

keit) zu prüfen (vgl. oben E. II. 9.6.1.2). In Bezug auf den vorliegend relevanten 

Zusammenhang ist dieser Aspekt sinngemäss in Art. 56 Abs. 2 StGB gesetzlich 

konkretisiert worden. 

 b) Mit dem ursprünglichen Urteil der Berufungskammer CA.2021.7 vom 7. Sep-

tember 2021 wurde der Berufungsführer mit einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten 

bestraft. Die ausgestandene Untersuchungs- und Sicherheitshaft von 440 Tagen 

und die Ersatzmassnahmen von 135 Tagen wurden gesamthaft im Umfang von 

534 Tagen auf die Strafe angerechnet. Über den Berufungsführer wurde eine 

Massnahme i.S.v. Art. 60 StGB angeordnet. Der Vollzug der Freiheitsstrafe 

wurde zugunsten der Massnahme aufgeschoben. 

 c) Der Berufungsführer befindet sich bereits seit mehreren Jahren im Freiheits-

entzug. Während der über drei Jahre, die seit dem vorzeitigen Antritt der Mass-

nahme nach Art. 60 StGB (vgl. oben SV lit. A.2; Verfügung der Strafkammer 

SN.2021.7 vom 22. März 2021; SK.2020.56 pag. 6.912.1.001 ff.) vergangen sind, 

konnten indes nur rund vier Monate für eine eigentliche Therapie eingesetzt wer-

den (vgl. oben E. II. 4.2.2). Wie erwähnt (E. II. 9.4.2), bestehen grosse Zweifel am 

Vorliegen eines rechtlich relevanten Rückfallrisikos, das eine stationäre Mass-

nahme nach Art. 59 StGB rechtfertigen würde – u.a. auch unter dem Gesichts-

punkt, dass es sich beim Berufungsführer nicht um einen eigentlichen bzw. klas-

sischen Gewalttäter handelt. 

 d) Die Anordnung einer (neuen) stationären therapeutischen Massnahme nach 

Art. 62c Abs. 6 i.V.m. Art. 59 StGB (gemäss Antrag der BA unbefristet, aber auch 

bei Anordnung einer kürzeren bzw. zeitlich beschränkten Massnahme nach Art. 59 

StGB, wie dies die Vorinstanz getan hat) stellt zweifellos einen erheblichen res-

pektive schweren Grundrechtseingriff dar. Dies gilt erst recht unter Berücksichti-

gung, dass eine derartige Massnahme, bei gegebenen Voraussetzungen gemäss 

- 32 - 

Art. 59 Abs. 4 StGB, grundsätzlich immer wieder – jeweils um höchstens fünf 

Jahre – verlängert werden kann. 

 e) Insgesamt erscheint die Anordnung einer (neuen) stationären therapeutischen 

Massnahme nach Art. 62c Abs. 6 i.V.m. 59 StGB für den Berufungsführer aus 

grundrechtlicher Perspektive unzumutbar. Eine vernünftige Zweck-Mittel-Rela-

tion ist nicht gegeben. Das Ziel (Wahrung der öffentlichen Sicherheit und der Si-

cherheit der Familie des Berufungsführers) kann mit einem weniger schweren 

Grundrechtseingriff bzw. einem milderen Mittel erreicht werden, namentlich im 

Rahmen einer massgeschneiderten Verlängerung der stationären Suchtbehand-

lung nach Art. 60 Abs. 4 StGB (vgl. unten E. II. 10). In diesem Sinne ist auch die 

erwähnte, gesetzlich konkretisierte Voraussetzung für die Anordnung einer Mass-

nahme gemäss Art. 56 Abs. 2 StGB (vgl. oben E. II. 9.6.2.4 lit. a) nicht erfüllt. 

9.6.3 Zusammenfassend ergibt die Prüfung der Verhältnismässigkeit gemäss Art. 10 

Abs. 2 BV, dass die von der BA bzw. dem AJV beantragte Aufhebung der statio-

nären Suchtbehandlung und Anordnung einer anderen (unbefristeten) stationä-

ren therapeutischen Massnahme (zur Behandlung von psychischen Störungen) 

i.S.v. Art. 62c Abs. 6 i.V.m. Art. 59 StGB unverhältnismässig wäre. Sie ist weder 

erforderlich noch zumutbar und nur beschränkt geeignet (vgl. Art. 5 Abs. 2, Art. 36 

Abs. 2 und 3 BV). Auch im Hinblick auf die in Art. 56 (insbesondere Abs. 1 - 3 

und 5) StGB konkretisierten Voraussetzungen der verfassungsmässigen Vorga-

ben für Grundrechtseingriffe bzw. für die Anordnung von Massnahmen resultiert 

im Wesentlichen dasselbe Ergebnis (vgl. oben E. II. 9.6.2.2 - 9.6.2.4). 

9.7 Fazit 

9.7.1 Zusammenfassend ist zur vorgenommenen Würdigung (oben E. II. 9 - 9.6.3) fest-

zuhalten, dass beim Berufungsführer eine schwere psychische Störung (schizo-

typer oder schizophrener Art) sowie eine Polytoxikomanie vorliegt (E. II. 9.2). Es 

ist davon auszugehen, dass zwischen der Anlasstat (strafbare Vorbereitungshand-

lungen i.S.v. Art. 260bis Abs. 1 lit. e StGB) und der schweren psychischen Störung 

der erforderliche Zusammenhang (Art. 59 Abs. 1 lit. a StGB) besteht (E. II. 9.3). 

Die Berufungskammer hat indes grosse Zweifel am Vorliegen eines rechtlich re-

levanten Rückfallrisikos, das eine stationäre Massnahme nach Art. 59 StGB recht-

fertigen würde (E. II. 9.4). Es bestehen auch erhebliche Zweifel, dass sich mit der 

neuen Massnahme i.S.v. Art. 62c Abs. 6 i.V.m. Art. 59 Abs. 1 lit. b StGB der 

Gefahr weiterer mit dem Zustand des Berufungsführers in Zusammenhang ste-

hender Verbrechen und Vergehen offensichtlich besser begegnen liesse (E. II. 

9.5). Die Anordnung einer anderen (unbefristeten, oder befristeten) stationären 

therapeutischen Massnahme (zur Behandlung von psychischen Störungen) i.S.v. 

Art. 62c Abs. 6 i.V.m. Art. 59 StGB wäre zudem unverhältnismässig; sie ist für 

- 33 - 

den Berufungsführer weder erforderlich noch zumutbar und nur beschränkt ge-

eignet (E. II. 9.6; vgl. Art. 5 Abs. 2, Art. 36 Abs. 2 und 3 BV sowie Art. 56 Abs. 1 

- 3 und 5 StGB). 

 Unter diesen Gesichtspunkten ist der Antrag der BA bzw. des AJV auf Aufhebung 

der stationären Suchtbehandlung und Anordnung einer anderen (unbefristeten) 

stationären therapeutischen Massnahme (zur Behandlung von psychischen Stö-

rungen) i.S.v. Art. 62c Abs. 6 i.V.m. Art. 59 StGB abzuweisen. Gemäss den obi-

gen Ausführungen fällt auch die Anordnung einer entsprechenden befristeten 

stationären therapeutischen Massnahme (zur Behandlung von psychischen Stö-

rungen) i.S.v. Art. 62c Abs. 6 i.V.m. Art. 59 StGB ausser Betracht. 

9.7.2 Zum (Haupt-)Antrag des Berufungsführers (ersatzlose Aufhebung der stationä-

ren Suchtbehandlung nach Art. 60 StGB [Dispositivziffer III. 4; oben SV lit. H.4 

Ziffer 2; lit. H.10.3 Ziffer 2]) sowie zu seinem Eventualantrag (bedingte Entlas-

sung, allenfalls unter Auflagen [oben SV lit. H.4 Ziffer 3; lit. H.10.3 Ziffer 3) ist 

Folgendes festzuhalten: 

 Eine umgehende und unvorbereitete Entlassung des Berufungsführers in Freiheit 

würde sich negativ und kontraproduktiv auf das Rückfallrisiko, und ergänzend 

auch unter dem Gesichtspunkt der potenziell erheblichen Selbstgefährdung aus-

wirken – hat er als Mittelloser in seinem Herkunftsort in U. aktuell und per sofort 

doch weder eine Wohnung, einen Freundeskreis, noch einen Psychiater / Arzt 

oder Zugang zu Betäubungsmittelsubstitution. Auch mit der Erteilung von Aufla-

gen könnte dieser vielschichtigen Problematik nicht ausreichend Rechnung ge-

tragen werden. Der erwähnte Haupt- wie auch der Eventualantrag des Beru-

fungsführers werden entsprechend abgewiesen. 

9.7.3 Nachfolgend (E. II. 10) ist der Subeventualanatrag des Berufungsführers (Ver-

längerung der angeordneten Massnahme [Suchtbehandlung] nach Art. 60 Abs. 4 

StGB) zu prüfen (oben SV lit. H.4 Ziffer 3; lit. H.10.3 Ziffer 3). 

10. Verlängerung der Massnahme nach Art. 60 Abs. 4 StGB 

10.1 Gutachterin JJ. erachtet aufgrund des jahrelangen Substanzkonsums des Beru-

fungsführers eine totale Abstinenz als unrealistisch und befürwortet vielmehr eine 

kontrollierte, überwachte Substitution. Zur Vermeidung künftiger (auch leichter) 

Delinquenz des Berufungsführers sei von zentraler Bedeutung, ihm stabile Struk-

turen, Rahmenbedingungen bzw. ein Setting (Empfangsraum) aufzubauen. Dies 

impliziere beispielsweise einen Platz in einem betreuten Wohnheim (wie er es 

früher gehabt habe), eine optimale Einstellung von Neuroleptika, das regelmäs-

sige Absolvieren einer Psychotherapie sowie die Anmeldung in einem Substitu-

tionsprogramm (Methadon). Es gehe nicht primär darum, an den Störungsbildern 

- 34 - 

zu arbeiten, sondern die Expertise entsprechender Institutionen zu nutzen, um 

Lockerungsschritte zu erproben und dieses Setting von geeigneten tragenden 

Strukturen vorzubereiten (vgl. oben insbesondere E. II. 8.4; 9.5). Die Berufungs-

kammer stimmt mit der Gutachterin insofern überein, als die Aufgleisung des ge-

nannten Settings zur langfristigen Stabilisierung und zur Verhinderung künftiger 

Delinquenz zentral ist. Vor allem aus Verhältnismässigkeitsüberlegungen muss 

für die Vollzugsbehörde eine Frist von rund sechs Monaten (seit dem vorliegen-

den Urteilsdatum) aber ausreichen, um für den Berufungsführer das angemes-

sene Setting aufzugleisen. 

10.2 Im Rahmen der zur Verfügung stehenden rechtlichen Möglichkeiten und unter 

Berücksichtigung des Prinzips der Verhältnismässigkeit ist deshalb die bisher 

durchgeführte stationäre Massnahme nach Art. 60 StGB im Hinblick auf eine op-

timale Vorbereitung des Berufungsführers auf ein Leben in Freiheit in stützenden 

Strukturen – wie vom Berufungsführer selber subeventualiter beantragt – im 

Sinne von Art. 60 Abs. 4 StGB um ein Jahr zu verlängern. Die entsprechende 

Maximaldauer ist mithin am 23. März 2025 erreicht (vgl. dazu oben E. II. 2.2 in 

fine / SK.2023.48 pag. 3.100.017, sowie das vorinstanzliche Urteil SK.2023.48 E. 

4.2.2 Abs. 1, S. 15); zu diesem Zeitpunkt muss eine Entlassung (gegebenenfalls 

bereits früher bedingt und mit Auflagen) erfolgen bzw. erfolgt sein. Die Vollzugs-

behörde, d.h. das AJV (vgl. unten E. II. 11) hat in diesem Sinne in den verbleiben-

den Monaten die Aufgleisung des gutachterlich empfohlenen Settings für den Be-

rufungsführer zu veranlassen (vgl. dazu auch nachfolgend E. II. 10.3 Abs. 1 bzw. 

den entsprechenden Hinweis «im Sinne der Erwägungen» in Dispositivziffer II. 1 

Abs. 1 des vorliegenden Urteils, der sich insbesondere auf die hier stehende E. II. 

10.2 bezieht). Dies impliziert gemäss den obigen Ausführungen mindestens fol-

gende Komponenten: 

• Aufnahme in ein betreutes Wohnheim; 

• Prüfung der Anordnung einer Beistandschaft via KESB; 

• Aufgleisung einer ärztlichen Betreuung und ambulanten Psychotherapie; 

• Anmeldung in einem Substitutionsprogramm (Methadon, etc.); 

• Prüfung allfälliger weiterer geeigneter Begleitmassnahmen. 

10.3 Zusammenfassend ist die mit Urteil der Berufungskammer des Bundesstrafge-

richts CA.2021.7 vom 7. September 2021 angeordnete stationäre Suchtbehand-

lung gemäss Art. 60 StGB (Urteils-Dispositiv Ziffer III. 4), im Sinne der Erwägun-

gen, in Anwendung von Art. 60 Abs. 4 StGB um ein weiteres Jahr bis am 23. 

März 2025 zu verlängern. 

- 35 - 

 Die nach Ablauf der dreijährigen stationären Suchtbehandlung gemäss Art. 60 

StGB im selbständigen nachträglichen Verfahren nach Art. 363 ff. StPO ausge-

standene Sicherheitshaft (bis zum vorliegenden Urteil: 179 Tage) ist auf den Voll-

zug der in Anwendung von Art. 60 Abs. 4 StGB um ein weiteres Jahr verlängerten 

stationären Suchtbehandlung anzurechnen. 

11. Vollzugskanton 

Der Kanton Basel-Stadt ist als Vollzugskanton zu bestimmen (Art. 74 Abs. 1 lit. c 

und Abs. 2 StBOG i.v.m. Art. 31 Abs. 1 StPO). 

12. Verfahrenskosten 

12.1 Anträge 

12.1.1 Der Berufungsführer stellt diesbezüglich die Anträge (Ziffer 4) «Alles unter Kos-

ten- und Entschädigungsfolge» sowie (Ziffer 5) «Das amtliche Honorar sei ge-

mäss der eingereichten Honorarnote zuzusprechen, zuzüglich Dauer der heutigen 

Verhandlung» (vgl. oben SV lit. H.10.3). 

12.1.2 Die BA beantragt die Auferlegung der erst- und zweitinstanzlichen Verfahrens-

kosten an den Berufungsführer sowie die Entschädigung von dessen amtlicher 

Rechtsvertretung erstinstanzlich im Umfang von Fr. 9'079.45 (inkl. MWST) bzw. 

zweitinstanzlich nach Ermessen des Gerichts, unter Vorbehalt der Rückzah-

lungspflicht (vgl. oben SV lit. H.10.4): 

12.2 Gesetzliche Grundlagen 

12.2.1 Gemäss Art. 416 StPO gelten die Bestimmungen des 10. Titels der StPO («Ver-

fahrenskosten, Entschädigung und Genugtuung») für alle Verfahren nach die-

sem Gesetz, somit auch für Verfahren bei selbstständigen nachträglichen Ent-

scheiden des Gerichts i.S.v. Art. 363 ff. StPO. 

12.2.2  Die Verfahrenskosten werden vom Bund oder dem Kanton getragen, der das 

Verfahren geführt hat; abweichende Bestimmungen dieses Gesetzes bleiben 

vorbehalten (Art. 423 Abs. 1 StPO). Die beschuldigte Person trägt die Verfah-

renskosten, wenn sie verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 Satz 1 StPO). Wird das Ver-

fahren eingestellt oder die beschuldigte Person freigesprochen, so können ihr die 

Verfahrenskosten ganz oder teilweise auferlegt werden, wenn sie rechtswidrig 

und schuldhaft die Einleitung des Verfahrens bewirkt oder dessen Durchführung 

erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO). Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens 

tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Als un-

terliegend gilt auch die Partei, auf deren Rechtsmittel nicht eingetreten wird oder 

- 36 - 

die das Rechtsmittel zurückzieht (Art. 428 Abs. 1 StPO). Fällt die Rechtsmittel-

instanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie darin auch über die von 

der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO). 

12.2.3  Das Bundesstrafgericht regelt durch Reglement (a) die Berechnung der Verfah-

renskosten, (b) die Gebühren, (c) die Entschädigungen an Parteien, die amtliche 

Verteidigung, den unentgeltlichen Rechtsbeistand, Sachverständige sowie Zeu-

ginnen und Zeugen (Art. 73 Abs. 1 StBOG). Die Gebühr richtet sich nach Umfang 

und Schwierigkeit der Sache, Art der Prozessführung und finanzieller Lage der 

Parteien sowie nach dem Kanzleiaufwand (Art. 73 Abs. 2 StBOG; vgl. Art. 5 Reg-

lement des Bundesstrafgerichts über die Kosten, Gebühren und Entschädigun-

gen in Bundesstrafverfahren [BStKR, SR 173.713.162]). Es gilt ein Gebühren-

rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 100'000.-- für jedes der folgenden Verfahren: (a) 

Vorverfahren, (b) erstinstanzliches Verfahren, (c) Rechtsmittelverfahren (Art. 73 

Abs. 3 StBOG; vgl. Art. 6 - 7bis BStKR). 

12.2.4 Art. 422 StPO statuiert, dass die Verfahrenskosten sich aus den Gebühren zur 

Deckung des Aufwands und den Auslagen im konkreten Straffall zusammenset-

zen (Abs. 1). Auslagen sind namentlich: a. Kosten für die amtliche Verteidigung 

und unentgeltliche Verbeiständung; b. Kosten für Übersetzungen; c. Kosten für 

Gutachten; d. Kosten für die Mitwirkung anderer Behörden; e. Post-, Telefon- und 

ähnliche Spesen (Abs. 2). 

 Gemäss Art. 1 BStKR umfassen die Verfahrenskosten die Gebühren und Ausla-

gen (Abs. 1).  Die Gebühren sind für die Verfahrenshandlungen geschuldet, die 

im Vorverfahren von der BKP und von der BA, im erstinstanzlichen Hauptverfah-

ren von der Strafkammer, im Berufungsverfahren und im Revisionsverfahren von 

der Berufungskammer und in Beschwerdeverfahren gemäss Artikel 37 StBOG 

von der Beschwerdekammer durchgeführt oder angeordnet worden sind (Abs. 2). 

Die Auslagen umfassen die vom Bund vorausbezahlten Beträge, namentlich die 

Kosten für die amtliche Verteidigung und die unentgeltliche Verbeiständung, 

Übersetzungen, Gutachten, Mitwirkung anderer Behörden, Porti, Telefonspesen 

und andere entsprechende Kosten (Abs. 3). Die Auslagen werden entsprechend 

den dem Bund verrechneten oder von ihm bezahlten Beträgen festgelegt (Art. 9 

Abs. 1 BStKR). 

12.2.5 Gemäss Art. 135 StPO wird die amtliche Verteidigung nach dem Anwaltstarif des 

Bundes oder desjenigen Kantons entschädigt, in dem das Strafverfahren geführt 

wird (Abs. 1). Die Staatsanwaltschaft oder das urteilende Gericht legen die Ent-

schädigung am Ende des Verfahrens fest (Abs. 2 Satz 1). 

 Wie erwähnt, gehören die Kosten für die amtliche Verteidigung und unentgeltli-

che Verbeiständung zu den Verfahrenskosten (vgl. Art. 422 Abs. 2 lit. a StPO). 

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 Die Anwaltskosten umfassen das Honorar und die notwendigen Auslagen, na-

mentlich für Reise, Verpflegung und Unterkunft sowie Porti und Telefonspesen 

(Art. 11 Abs. 1 BStKR). Das Honorar wird nach dem notwendigen und ausgewie-

senen Zeitaufwand bemessen. Der Stundenansatz beträgt mindestens Fr. 200.-- 

und höchstens Fr. 300.-- (Art. 12 Abs. 1 BStKR). Reicht die Anwältin oder der 

Anwalt die Kostennote nicht bis zum Abschluss der Parteiverhandlungen oder 

innerhalb der von der Verfahrensleitung angesetzten Frist oder, im Verfahren vor 

der Beschwerdekammer, spätestens mit der einzigen oder letzten Eingabe ein, 

so setzt das Gericht das Honorar nach Ermessen fest (Art. 12 Abs. 2 BStKR). 

Bei Fällen im ordentlichen Schwierigkeitsbereich, d.h. für Verfahren ohne hohe 

sachliche oder rechtliche Komplexität, beträgt der Stundenansatz gemäss stän-

diger Praxis der Berufungskammer sowie der Strafkammer Fr. 230.-- für Arbeits-

zeit und Fr. 200.-- für Reise- und Wartezeit (Beschluss der Beschwerdekammer 

des BStGer BK.2011.21 vom 24. April 2012 E. 2.1; Urteil der Strafkammer des 

BStGer SN.2