# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 89f5d7fa-9ad0-5abf-b1cc-15c32c0d832e
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-01-25
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 25.01.2024 VG.2023.00100 (VG.2024.1326)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2023-00100_2024-01-25.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 25. Januar 2024

  
	
   

  
	
   

  
	
  I. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  Besetzung:
  Gerichtspräsident MLaw Colin Braun, Verwaltungsrichterin Jolanda Hager,
  Ersatzrichter Samuel Bisig und Gerichtsschreiberin MLaw Paula Brändli

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2023.00100

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführer

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten
    durch MLaw Jacques
    Marti, Rechtsanwalt

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Amt für Justizvollzug

    	
    Beschwerdegegner

    

  

  
	
   

  
	
  	
    2.

    	
    Departement Sicherheit und Justiz

    
	
     

    	
    des Kantons Glarus

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Bewährungshilfe

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung:

  
	
  I.

  
	
  1.

  
	
  Das
  Kantonsgericht Glarus verurteilte A.______ am 25. April 2018 der
  mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern, der mehrfachen sexuellen
  Nötigung, der mehrfachen einfachen Körperverletzung, der Widerhandlung gegen
  das Waffengesetz und der groben Verletzung von Verkehrsregeln zu einer
  teilbedingten Freiheitsstrafe von 28 Monaten. Darüber hinaus ordnete es
  ein Tätigkeitsverbot für jegliche Heilbehandlungen an Frauen für fünf Jahre
  und an Kindern für zehn Jahre an. Nachdem A.______ beim Obergericht Glarus
  dagegen erfolgslos Berufung eingelegt und beim Bundesgericht Beschwerde in
  Strafsachen erhoben hatte, wies Letzteres die Sache an das Obergericht zurück
  (vgl. BGer-Urteil 6B_986/2020 vom 6. Januar 2021). Dieses verurteilte
  ihn am 1. März 2021 zu 27 Monaten Freiheitsstrafe und bestätigte
  das Tätigkeitsverbot gemäss dem Urteil des Kantonsgerichts.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Am
  2. August 2023 teilte das Amt für Justizvollzug des Kantons Glarus
  A.______ mit, dass es begleitend zu den Tätigkeitsverboten die Anordnung
  einer Bewährungshilfe in Betracht ziehe. Nachdem Letzterer hierzu am
  10. August 2023 Stellung genommen hatte, ordnete es am 18. August
  2023 für die gesamte Dauer der Tätigkeitsverbote eine Bewährungshilfe an. Die
  hiergegen von A.______ am 31. August 2023 erhobene Beschwerde beim
  Departement Sicherheit und Justiz des Kantons Glarus (DSJ) wies Letzteres am
  5. Oktober 2023 ab.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  A.______
  gelangte mit Beschwerde vom 8. November 2023 ans Verwaltungsgericht und
  beantragte die Aufhebung des Entscheids des DSJ vom 5. Oktober 2023
  sowie der Verfügung des Amts für Justizvollzug vom 18. August 2023;
  unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Amts für Justizvollzug
  und des DSJ. Letzteres schloss am 28. November 2023 auf Abweisung der
  Beschwerde; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten von A.______. Das
  Amt für Justizvollzug beantragte am 30. November 2023 ebenfalls die
  Abweisung der Beschwerde.

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  1.1 Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 32
  Abs. 3b des Gesetzes über die Einführung des Schweizerischen
  Strafgesetzbuchs im Kanton Glarus vom 2. Mai 1965 (EG StGB) und
  Art. 105 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 4.
  Mai 1986 (VRG) zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Da auch
  die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde
  einzutreten.

  
	
   

  
	
  1.2
  Das Verwaltungsgericht überprüft Entscheide
  des zuständigen Departements zwar vollumfänglich, d.h. auch auf Angemessenheit
  hin (Art. 32 Abs. 3b EG StGB). Dennoch kommt der
  Vollzugsbehörde bei der Frage, ob Bewährungshilfe angeordnet werden soll, ein
  weites Ermessen zu (Martino Imperatori, in: Marcel Alexander Niggli/Hans
  Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar Strafrecht, 4. A., Basel 2019,
  Art. 93 N. 9). In dieses greift das
  Verwaltungsgericht nicht ohne Not ein.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1
  Der Beschwerdeführer macht geltend,
  die Anordnung einer Bewährungshilfe für die Durchsetzung des
  Tätigkeitsverbots sei unverhältnismässig. Ihm seien Tätigkeitsverbote
  gegenüber Frauen und Kindern auferlegt worden. Er habe bereits in den
  Gerichtsverfahren erklärt, dass er keine entsprechenden Behandlungen mehr
  durchführen werde. Folglich sei davon auszugehen, dass er die Verbote
  respektieren werde. Die Dauer der Bewährungshilfe gehe sodann über das
  ordentliche Mass hinaus. Darüber hinaus sei deren Umfang nicht aus der
  Verfügung ersichtlich. Gesamthaft stelle die Massnahme eine erhebliche
  Einschränkung seiner persönlichen Freiheit dar. Die Beschwerdegegner hätten
  sich hiermit nicht auseinandergesetzt, sondern lediglich darauf verwiesen,
  dass er, der Beschwerdeführer, nach zwei und fünf Jahren einen Antrag auf
  Aufhebung stellen könne. Da er gleichzeitig als erhöht rückfallgefährdet
  eingestuft worden sei, würden aber zwangsläufig jegliche Gesuche abgelehnt
  und weil das Tätigkeitsverbot lediglich eine passive Auflage darstelle,
  bleibe unklar, weshalb eine Bewährungshilfe überhaupt notwendig sei
  bzw. wie die Durchsetzung des Tätigkeitsverbots überprüft werden könne.
  Er unterliege schliesslich bereits der Strafandrohung bei Zuwiderhandlung,
  was genügend sei. Die angeordnete Bewährungshilfe sei dementsprechend
  aufzuheben.

  
	
   

  
	
  2.2
  Der Beschwerdegegner 1 bringt vor,
  das Obergericht habe neben dem Tätigkeitsverbot von zehn Jahren keine
  Bewährungshilfe angeordnet, obwohl es hierzu verpflichtet gewesen sei. Dies
  könne indessen korrigiert werden, da die neu bestehende Kompetenz der zur
  Anordnung einer Bewährungshilfe gemäss den Übergangsbestimmungen auch bei Tätern
  gelte, die nach bisherigem Recht verurteilt worden seien. Die vorliegend nach
  neuem Recht angeordnete Bewährungshilfe im altrechtlich abgeurteilten Fall
  sei als zusätzliche Auflage somit rechtmässig und mit Blick auf die
  mutmasslich hohe Rückfallgefahr sowie den Interventionsbedarf notwendig.
  Angesichts der langjährigen, massiven Delinquenz des Beschwerdeführers und
  des Fortbestehens seiner deliktfördernden Persönlichkeitsaspekte könne nicht
  davon ausgegangen werden, dass er dem Tätigkeitsverbot ohne Bewährungshilfe
  längerfristig Folge leisten werde. Deren Dauer orientiere sich im
  vorliegenden Fall am rechtskräftig für zehn Jahre ausgesprochenen
  Tätigkeitsverbot. Innerhalb dieser Zeit sei zu eruieren, ob und inwiefern ein
  Betreuungsbedarf bestehe, wobei der Kontakt zur Bewährungshilfe je nach
  Verlauf engmaschiger oder loser ausgestaltet bzw. die Begleitung auch
  vorzeitig eingestellt werden könne. Die Pflicht des Beschwerdeführers zur
  Wahrung von Gesprächsterminen wiege vorliegend weniger schwer als das massive
  Leid der Opfer. Aufgrund der Abhängigkeit zwischen Interventionsbedarf und
  -stärke könne noch nicht gesagt werden, wie die Bewährungshilfe über die
  nächsten Jahre ausgestaltet werden müsse, da dies wesentlich von der
  Entwicklung und der Kooperationsbereitschaft des Beschwerdeführers abhänge.
  Das Tätigkeitsverbot verpflichte zu einem Unterlassen und stelle
  grundsätzlich eine passive Auflage dar. Gleichwohl könne aber eine aktive
  Unterstützung und Begleitung nötig sein. Es sei denkbar, dass es auch in Zukunft
  im Umfeld des Beschwerdeführers zu Situationen komme, in denen er angefragt
  werde, Behandlungen durchzuführen oder er eine Behandlung als opportun
  erachte. Es werde Aufgabe der Bewährungshilfe sein, als Begleitungs- und
  Kontrollorgan zu fungieren, kritische Situation mit dem Beschwerdeführer zu
  reflektieren und mit ihm alternative Freizeitstrategien zu erarbeiten. Sodann
  gehe es vorliegend nicht nur darum, dass er keine bezahlte Tätigkeit als
  Heiler mehr ausübe. Vielmehr solle er dadurch auch im privaten Umfeld von
  solchen Tätigkeiten absehen. Diesbezüglich stellten die Liebesbeziehung und
  das soziale Umfeld wesentliche Komponenten dar und seien von der
  Bewährungshilfe in der deliktpräventiven Arbeit in geeigneter Form
  einzubeziehen. Die Strafandrohung sei mit Blick auf das hohe Risiko für
  weitere Sexualdelikte unzureichend. Dasselbe gelte für die Beschränkung der
  Kontrolle auf die polizeilichen Organe, zumal deren spezialpräventive
  Funktion begrenzt sei.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1
  Hat jemand in Ausübung einer
  beruflichen oder einer organisierten ausserberuflichen Tätigkeit ein
  Verbrechen oder Vergehen begangen, für das er zu einer Freiheitsstrafe von
  über sechs Monaten verurteilt worden ist, und besteht die Gefahr, dass er
  seine Tätigkeit zur Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen missbrauchen
  wird, so kann ihm das Gericht die betreffende oder vergleichbare Tätigkeiten
  für sechs Monate bis zu fünf Jahren ganz oder teilweise verbieten
  (Art. 67 Abs. 1 StGB). Im Fall eines Verbrechens oder Vergehens
  gegen Minderjährige oder andere besonders schutzbedürftige Personen kann das
  Gericht die betreffende Tätigkeit für ein Jahr bis zehn Jahre verbieten
  (Art. 67 Abs. 2 StGB). 

  
	
   

  
	
  3.2
  Das Gericht kann für die Dauer der
  Verbote Bewährungshilfe anordnen (Art. 67 Abs. 6 StGB). Missachtet
  der Verurteilte ein Tätigkeitsverbot oder ein Kontakt- und Rayonverbot oder
  entzieht er sich der damit verbundenen Bewährungshilfe oder ist diese nicht
  durchführbar oder nicht mehr erforderlich, so erstattet die zuständige
  Behörde dem Gericht oder den Vollzugsbehörden Bericht. Das Gericht oder die
  Vollzugsbehörde kann die Bewährungshilfe aufheben oder neu anordnen
  (Art. 67c Abs. 7 StGB). Die Vollzugsbehörde kann für die gesamte
  Dauer des Tätigkeitsverbotes oder des Kontakt- und Rayonverbots Bewährungshilfe
  anordnen (Art. 67c Abs. 7bis StGB). Mit der Bewährungshilfe sollen
  die betreuten Personen vor Rückfälligkeit bewahrt und sozial integriert
  werden. Die für die Bewährungshilfe zuständige Behörde leistet und vermittelt
  die hierfür erforderliche Sozial- und Fachhilfe (Art. 93 Abs. 1
  StGB).

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Zunächst ist
  festzuhalten, dass der Beschwerdegegner 1 Art. 67c Abs. 7bis
  StGB berechtigterweise auf den vorliegenden altrechtlichen Fall angewendet
  hat (Art. 388 Abs. 3 StGB; vgl. Benjamin F. Brägger, in:
  Marcel Alexander Niggli/Hans Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar
  Strafrecht, 4. A., Basel 2019, Art. 388 N. 4 ff.). Diese
  Bestimmung erteilt ihm die Kompetenz zur Anordnung einer Bewährungshilfe,
  legt hierfür jedoch keine weiteren Vorgaben fest. Die Bewährungshilfe bei
  einem Tätigkeitsverbot stellt sodann ein neueres Instrument des Strafvollzugs
  dar, weshalb hierzu noch nicht viele Erfahrungswerte bestehen. Grundsätzlich
  kann jedoch auf die Praxis und die Materialien zur Bewährungshilfe im
  Allgemeinen (Art. 93 StGB) zurückgegriffen werden. Danach soll die
  Bewährungshilfe einerseits nicht an enge Voraussetzungen geknüpft,
  andererseits nur bei nachgewiesenem Bedarf angeordnet werden (Imperatori,
  a.a.O., Art. 93 N. 9). Die Bewährungshilfe soll sodann nicht primär
  eine Kontrollfunktion haben. Vielmehr soll sie die betreuten Personen vor
  Rückfällen schützen. Sie verfolgt spezialpräventive Ziele und leistet
  Unterstützung bei der sozialen Wiederintegration in die Gesellschaft.
  Grundsätzlich dauert sie so lange wie das Verbot anhält. Zu den verbreiteten
  Instrumenten gehören das Gespräch mit der betroffenen Person, das Einholen
  eines Strafregisterauszugs, die Kontrolle von Arbeitsverträgen und weiteren
  Dokumenten, die Selbstdeklaration der betroffenen Person sowie der Einbezug
  des Täterumfelds (vgl. zum Ganzen: Schweizerisches Kompetenzzentrum für
  den Justizvollzug [SKJV], Analyse des Vollzugs der Tätigkeitsverbote und des
  Kontakt- und Rayonverbots nach Art. 67 ff. StGB, 2022,
  S. 13 ff., 41).

  
	
   

  
	
  4.2

  
	
  4.2.1 Der Beschwerdegegner
  1 war zur Anordnung der streitbetroffenen Bewährungshilfe berechtigt, wobei
  bereits das Strafgericht aufgrund des intertemporalen Rechts hierzu
  verpflichtet gewesen wäre (Art. 67 Abs. 7 Satz 2 aStGB in
  der Fassung vom 1. Januar 2015). Zu prüfen bleibt somit, ob die
  Massnahme verhältnismässig ist. Dabei ist zunächst die Notwendigkeit
  derselben und in diesem Rahmen insbesondere die Rückfallgefahr bzw. der
  Eingliederungsbedarf zu beleuchten.

  
	
   

  
	
  4.2.2
  Das Obergericht gab bei der Prüfung
  einer bedingten gegenüber einer unbedingten Strafe eine negative
  Legalprognose ab. Gemäss der Justizvollzuganstalt […] wolle der
  Beschwerdeführer sodann lediglich seine Strafe absitzen und weder eine
  Deliktaufarbeitung noch eine Therapie machen. Er sei gefährlich, verhalte
  sich manipulativ und fühle sich unschuldig bzw. als Opfer. Die
  psychiatrischen Sitzungen bezüglich Vollzugsöffnung hätten abgebrochen werden
  müssen, da er nicht mitgemacht habe. Es wurde jedoch auch festgehalten, dass
  sein Verhalten abgesehen von der fehlenden Kooperation tadellos sei. Er habe
  nicht diszipliniert werden müssen, der Werkmeister sei mit seiner
  Arbeitsleistung zufrieden und er habe sich im Kollektiv gut integrieren
  können. Auch der begleitete Ausgang habe ohne Beanstandungen stattfinden können.

  
	
   

  
	
  4.2.3 Die von der
  Abteilung für forensisch-psychologische Abklärungen der Direktion der Justiz
  und des Innern des Kantons […] am 30. Juni 2021 durchgeführte
  Risikoabklärung ergab die Delikthypothese, wonach der Beschwerdeführer das
  Vertrauen seiner Patientinnen in seine Behandlungsfähigkeit als Handaufleger
  missbraucht habe, indem er Patientinnen manipuliert und ihnen vorgegeben
  habe, dass Geschlechtsverkehr mit ihm eine heilende Wirkung habe. Er habe
  auch das Familiensystem seiner ehemaligen Partnerin, einer vormaligen
  Patientin sowie deren Kinder manipuliert. Er schaffe es offenbar seit knapp
  20 Jahren, wiederholt Menschen dazu zu bringen, ihm zu vertrauen, ihm
  über ihre Ängste und Nöte zu berichten und sich in seine Abhängigkeit zu
  begeben, um sie anschliessend zu missbrauchen. Dies spreche für eine bei ihm
  vorhandene ausgeprägte manipulative Fähigkeit. Da er sämtliche Vorwürfe
  abstreite, lägen keine Angaben über seine Sexualanamnese vor, was zur Klärung
  der Delikthypothese notwendig wäre. Bezüglich Sexualdelikten sei das
  Delinquenzrisiko zum Tatzeitraum im Vergleich zur Normalbevölkerung erhöht
  gewesen. Aktuell sei das Risikopotenzial moderat bis und mit hoch. Sollten
  sich seine Lebensumstände wieder den früheren annähern, sei mit einem
  kurzfristigen Anstieg des Delinquenzrisikos zu rechnen. Die risikorelevante
  Beeinflussbarkeit sei eher ungünstig. Es sei indiziert, im Rahmen von
  sozialarbeiterischen Gesprächen in einem ersten Schritt zu versuchen, seine
  Problemeinsicht und Veränderungsmotivation zu fördern. Aufgrund seines
  bisherigen Verhaltens seien die diesbezüglichen Erfolgschancen aktuell als
  gering einzuschätzen. Sollte dies dennoch gelingen, könnte er in einem
  zweiten Schritt zur Aufnahme einer freiwilligen Psychotherapie motiviert
  werden. Sollte er rückfällig werden, würde dringend eine psychiatrische
  Begutachtung empfohlen. 

  
	
   

  
	
  4.2.4
  Gemäss dem Sozialdienst des Amts
  für Justizvollzug […] übernehme der Beschwerdeführer keine Verantwortung für
  seine Delikte. Er sehe sich nicht als Verursacher, erkenne die Folgen nicht
  an und trage seine Rationalisierungen vehement vor. Gegenwärtig sei keine
  Grundlage für eine deliktspezifische Arbeit gegeben.

  
	
   

  
	
  4.2.5
  Der Beschwerdegegner 1 hielt am
  4. Juli 2022 fest, sämtliche Motivationsversuche für eine Teilnahme an
  Therapiesitzungen seien ins Leere gelaufen. Der Beschwerdeführer negiere und
  bagatellisiere die von ihm begangenen Delikte hartnäckig. Aufgrund fehlender
  Kooperation und der daraus resultierenden Risikoeinschätzung würden
  Vollzugsöffnungen abgelehnt. Am 25. August 2022 berichtete der
  Beschwerdegegner 1 weiter, ohne Tataufarbeitung und Auseinandersetzung
  mit den Delikten und ohne Einsicht des Beschwerdeführers in dessen begangene
  Delikte, namentlich ohne jegliche Veränderungsmotivation, könne von einer
  Minimierung der Rückfallgefahr nicht die Rede sein. Deshalb seien
  Vollzugsöffnungen aktuell unverantwortlich und abzulehnen. Am 30. Juni
  2023 führte der Beschwerdegegner 1 weiter aus, der Beschwerdeführer sei
  nicht einsichtig, dass er nach Beendigung seiner Strafe jährlich bei der
  Vollzugsbehörde für die Abgabe der Selbstdeklaration vorbeikommen müsse. Er
  werde gemäss eigenen Angaben bei seiner kinderlosen Partnerin leben. Diese
  wisse Bescheid und glaube nicht, was in den Akten stehe. Er werde keine Delikte
  mehr begehen, da die Haft keine einfache Zeit gewesen sei. Die im
  Gerichtsurteil aufgeführten Delikte seien ein Komplott seiner Ex-Partnerin.
  Er wolle nach seiner Entlassung die Pensionierung geniessen und werde nicht
  gegen das Tätigkeitsverbot verstossen. Er habe mit seiner Tätigkeit als
  Heiler abgeschlossen und benötige keine Therapie.

  
	
   

  
	
  4.2.6
  Die Abteilung Verwaltungspolizei
  des Kantons Glarus lehnte eine bedingte Entlassung am 15. November 2022
  unter anderem mit der Begründung ab, dass das Vollzugsverhalten des
  Beschwerdeführers zwar als korrekt bezeichnet werden könne, jedoch im
  Widerspruch zur permanenten Verweigerungshaltung stehe, sich mit seinen Taten
  und problematischen Persönlichkeitsmerkmalen auseinanderzusetzen. Damit habe
  er weder den Vollzugsplan eingehalten noch aktiv an der Erreichung der
  Vollzugsziele mitgearbeitet. Die Rückfallgefahr bleibe unverändert auf hohem
  Niveau. An seiner problematischen und uneinsichtigen Einstellung gegenüber
  seinen Taten habe sich seit Eintritt in den Strafvollzug nichts geändert und
  er zeige weder Einsicht in das Unrecht seiner Taten noch übernehme er
  Verantwortung. Alle Therapieversuche seien gescheitert. Der Beschwerdeführer
  zeige kein Interesse an einer Zusammenarbeit mit einer Bewährungshelferin
  oder einem Bewährungshelfer.

  
	
   

  
	
  4.3 Aus den im Recht
  liegenden Akten ergibt sich damit übereinstimmend und ausdrücklich, dass der
  Beschwerdeführer allseitig als rückfallgefährdet einzustufen ist. Die
  Notwendigkeit einer Massnahme im Sinne einer Bewährungshilfe erweist sich
  damit ohne Weiteres als gegeben.

  
	
   

  
	
  4.4 Zusätzlich zur
  Notwendigkeit einer Intervention im Rahmen der streitbetroffenen
  Bewährungshilfe muss die Massnahme zur Verbesserung der Situation und damit
  zur Verminderung der Rückfallgefahr geeignet sein. Die Möglichkeiten der
  Bewährungshilfe erscheinen dabei nicht zuletzt wegen der drohenden
  mangelhaften Kooperationsbereitschaft des Beschwerdeführers zwar
  eingeschränkt. Dies kann jedoch angesichts der allseitig festgehaltenen hohen
  Rückfallgefahr und der Tatsache, dass im vorliegenden Fall von Beginn an
  gerichtlich eine Bewährungshilfe anzuordnen gewesen wäre, nicht dazu führen,
  dass auf eine Bewährungshilfe verzichtet wird. Mit Blick auf die drohende
  fehlende Kooperation ist die vom Beschwerdeführer vorgebrachte
  Selbstdeklaration nämlich als ungenügend einzustufen. Eine Verletzung der
  persönlichen Freiheit des Beschwerdeführers durch die streitbetroffene
  Anordnung ist darüber hinaus nicht ersichtlich und erscheint angesichts der
  eingeschränkten Mittel der Bewährungshilfe auch nicht wahrscheinlich, wobei
  eine derartige Verletzung mit Blick auf das öffentliche Interesse an der
  Verhinderung eines Rückfalls vorliegend denn auch hinzunehmen wäre.
  Schliesslich ist auch die Anordnung der Bewährungshilfe bezüglich der Dauer
  nicht zu beanstanden, zumal das Tätigkeitsverbot zehn Jahre besteht
  (vgl. obenstehende E. II/4.1).

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  Zusammenfassend
  erweist sich die vom Beschwerdegegner 1 angeordnete Bewährungshilfe als
  verhältnis- und insgesamt als rechtmässig, was zur Abweisung der Beschwerde
  führt.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  Nach
  Art. 134 Abs. 1 lit. c VRG hat die Partei, welche im
  Beschwerde-, Klage- oder Revisionsverfahren unterliegt, die amtlichen Kosten
  zu tragen. Die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 1'000.- sind
  ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen und mit dem von ihm bereits
  geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen. Ausgangsgemäss
  steht ihm sodann keine Parteientschädigung zu (Art. 138 Abs. 3
  lit. a VRG e contrario). Eine solche ist schliesslich auch dem
  Beschwerdegegner 2 nicht zuzusprechen, da keine Umstände vorliegen,
  welche ein Abweichen vom Grundsatz, wonach Behörden in der Regel keine
  Parteientschädigung zugesprochen werden (Art. 138 Abs. 4 VRG),
  rechtfertigen würden.

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird abgewiesen.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 1'000.- werden dem Beschwerdeführer
    auferlegt und mit dem von ihm bereits geleisteten Kostenvorschuss in
    gleicher Höhe verrechnet.

    
	
    3.

    	
    Es
    werden keine Parteientschädigung zugesprochen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]