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**Case Identifier:** a5072568-50dc-5861-9bff-d2931023b59a
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-02-18
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 5. Kammer 18.02.2014 R 2013 184
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_005_R-2013-184_2014-02-18.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT
DES KANTONS GRAUBÜNDEN

R 13 184 und 185

5. Kammer 

bestehend aus

Präsident Meisser als Vorsitzender, Verwaltungsrichter Audétat und 

Verwaltungsrichterin Moser, Aktuarin ad hoc Meier-Künzle

URTEIL
vom 18. Februar 2014

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

A._____, 
Beschwerdeführer R 13 184

und

B._____, 
Beschwerdeführerin R 13 185

gegen 

Gemeinde X._____, 
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Peder Cathomen, 

Beschwerdegegnerin 1
und

C._____ AG, 
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Benno Burtscher, 

Beschwerdegegnerin 2

betreffend Annullierung der Baubewilligung

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1. Am 26. September, mitgeteilt am 3. Oktober 2012, wies der Gemeinde-

vorstand X._____ die von B._____ und A._____ gegen das Baugesuch 

der C._____ AG auf Parzelle Nr. 1361 betreffend Neubau eines Mehrfa-

milienhauses erhobenen Einsprachen ab und erteilte gleichentags die 

Baubewilligung. Die dagegen beim Verwaltungsgericht des Kantons 

Graubünden erhobene Beschwerde wies dieses mit Urteil vom 4., mitge-

teilt am 5. Dezember 2012, ab (Verfahren R 12 141 und 142). Gleichen-

tags wies das Verwaltungsgericht auch die von D._____ und E._____ ge-

gen das gleiche Bauprojekt gerichtete Beschwerde ab (Verfahren R 12 

144), alles im selben Urteil. Am 28. Mai 2013 bestätigte das Bundesge-

richt, dass gegen diese Urteile beim Bundesgericht kein Rechtsmittelver-

fahren eröffnet worden sei.

2. Am 19. respektive am 21. Juni 2013 beantragten B._____ und A._____ 

bei der Gemeinde X._____ die Annullierung der Baubewilligung. Sie sei 

gemäss Art. 197 Ziff. 8 BV nichtig, weil die diesbezügliche Beschwerde-

frist erst am 4. Januar 2013 ausgelaufen sei.

3. Der Gemeindevorstand wies dieses Gesuch am 22. Juli 2013 ab. Baube-

willigungen, die nach dem 11. März 2012 und vor dem 1. Januar 2013 er-

teilt worden seien, seien anfechtbar. Massgebend sei, dass die Bewilli-

gung 2012 erteilt, der entsprechende Entscheid des Verwaltungsgerichtes 

2012 gefällt und kein Rechtsmittel dagegen erhoben worden sei. Mit der 

Mitteilung des Verwaltungsgerichtsentscheides sei nur die formelle 

Rechtskraft noch nicht eingetreten gewesen. Durch den Verzicht auf die 

Einlegung eines Rechtsmittels hätten sie darauf verzichtet, den Eintritt der 

Rechtskraft zu verhindern. Da sich weder die Rechts- noch die Sachlage 

geändert hätten, liege auch kein Grund vor, einen Widerruf vorzunehmen. 

Geändert habe sich nur die Rechtsprechung in der Auslegung von 

Art. 75b BV.

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4. Nachdem die Eingaben von B._____ und A._____ (nachfolgend Be-

schwerdeführer) vom 19. August 2013 vom Verwaltungsgericht des Kan-

tons Graubünden beanstandet worden waren, reichten sie innert gesetz-

ter Frist am 30. August 2013 zwei gleich lautende, ergänzte Beschwerden 

ein. Sie beantragten, es sei festzustellen, dass die Baubewilligung vom 

2. September 2012 nichtig sei. Eventualiter sei diese zu widerrufen und 

subeventualiter sei die Streitsache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz 

zurückzuweisen. Prozessualiter beantragten sie den Beizug der Verfah-

rensakten der Vorinstanz und diejenigen der verwaltungsgerichtlichen 

Verfahren R 12 141, 142 sowie 144. 

Das Bundesgericht habe am 22. Mai 2012 (recte: 2013) entschieden, 

dass Art. 75b Abs. 1 BV ab dem 11. März 2012 anwendbar sei. Das Bun-

desgerichtsurteil habe zur Folge, dass Baubewilligungen für Zweitwoh-

nungen, die zwischen den 11. März und dem 31. Dezember 2012 in den 

betroffenen Gemeinden erstinstanzlich erteilt worden seien, anfechtbar 

seien. Ab dem 1. Januar 2013 erteilte Baubewilligungen seien von Anfang 

an nichtig. Das Bundesgericht habe im Urteil vom 22. Mai 2013 geäus-

sert, Baubewilligungen, die vor dem 11. März 2012 erstinstanzlich erteilt 

worden seien, fielen nicht unter die neuen Verfassungsbestimmungen 

und blieben gültig, unabhängig vom Zeitpunkt, an welchem sie rechtskräf-

tig geworden seien. Das Bundesgericht habe somit entschieden, dass 

diesbezüglich die formelle Rechtskraft für die Gültigkeit der Baubewilli-

gung keine Bedeutung habe. E contrario könne daraus geschlossen wer-

den, dass die formelle Rechtskraft für Baubewilligungen, welche nach 

dem 11. März erteilt worden seien, von Bedeutung sein könnte. Zumin-

dest sei nicht auszuschliessen, dass zwischen dem 11. März 2012 und 

dem 1. Januar 2013 erteilte Baubewilligungen, welche erst nach dem 

1. Januar 2013 in formelle Rechtskraft erwüchsen, ebenfalls nichtig seien.

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Die beanstandete Baubewilligung betreffe ein Mehrfamilienhaus mit 

Zweitwohnungen. Der Standort X._____ habe einen Zweitwohnungsanteil 

von über 70 %. Gegen die erteilte Baubewilligung sei Beschwerde erho-

ben worden. Das Verwaltungsgericht habe die Beschwerde mit Urteil vom 

4. Dezember 2012 abgewiesen. Die Rechtskraft trete erst mit dem unbe-

nutzten Ablauf der 30-tägigen Rechtsmittelfrist ein. Diese sei also erst 

nach dem 1. Januar 2013 abgelaufen, weshalb die Baubewilligung nichtig 

sei. Aufgrund dessen hätten sie auch keine Beschwerde ans Bundesge-

richt erhoben. Die Verfügung sei demnach fehlerhaft. Hätte die Vorinstanz 

oder später das Verwaltungsgericht die neuen Bestimmungen der Bun-

desverfassung richtig angewendet, wäre die Baubewilligung zu verwei-

gern gewesen. Somit stelle sich die Frage, ob die Baubewilligung auf ei-

ner falschen und aus heutiger Sicht nicht schützenswerten Grundlage ba-

siere und somit widerrufen werden müsse. Dem könnte einzig das be-

rechtige Vertrauen der C._____ AG in die Rechtmässigkeit staatlicher 

Verwaltungsakte entgegenstehen. Das öffentliche Interesse an der An-

wendung des neuen Rechts und der Umsetzung der neuen Bundesauf-

gaben sei höher zu gewichten, als allfällig der C._____ AG zu entschädi-

gender Planungsaufwand. Der Widerruf der ursprünglichen Verfügung sei 

damit rechtmässig. Indem die Vorinstanz den Widerruf ohne Angaben von 

Erwägungen verweigert habe, habe sie das rechtliche Gehör verletzt. 

Schon deshalb sei der angefochtene Entscheid aufzuheben.

5. Am 23. September 2013 beantragte die Gemeinde X._____ (nachfolgend 

Beschwerdegegnerin 1) die Abweisung der Beschwerde. Der Gemeinde-

vorstand habe zu den Vorbringen der Beschwerdeführer Stellung bezo-

gen und unter Hinweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung die 

gegenteilige Auffassung dargetan. Mit dieser Begründung sei das rechtli-

che Gehör gewahrt worden. 

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Art. 197 Ziff. 9 Abs. 2 der Bundesverfassung knüpfe für die Frage, ab 

welchem Zeitpunkt Baubewilligungen für Zweitwohnungen nichtig oder 

eben anfechtbar seien, an den Zeitpunkt der Erteilung der Baubewilligung 

an. Massgebend sei, wenn kein Rechtsmittel ergriffen und allenfalls die 

aufschiebende Wirkung erteilt werde, der Zeitpunkt der Beurteilung durch 

die Baubehörde und nicht die formelle Rechtskraft des Entscheides. 

Art. 91 Abs. 1 KRG halte fest, dass mit der Bautätigkeit nach Mitteilung 

des Baubescheides begonnen werden könne, wenn in einem Rechtsmit-

telverfahren nichts anderes angeordnet worden sei. Damit sei unerheb-

lich, dass gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts noch eine Beschwer-

defrist gelaufen sei. Keine höhere Instanz habe aufschiebende Wirkung 

erteilt, zudem sei der Baubescheid bereits 2012 gefällt und mitgeteilt wor-

den. Werde keine Beschwerde erhoben und werde keine aufschiebende 

Wirkung erteilt, seien die mit dem verwaltungsgerichtlichen Entscheid zu-

gestandenen Rechte sofort ausübbar. Die Baubewilligung falle somit nicht 

unter den Anwendungsbereich von Art. 197 Ziff. 9 Abs. 2 BV. Dies besa-

ge auch VGU R 13 163.

Eine Verwaltungsbehörde sei zur Wiedererwägung eines Entscheides nur 

verpflichtet, wenn Gründe für einen Widerruf glaubhaft gemacht würden 

(Art. 24 VRG). Es müssten sich die Sach- oder Rechtslage gegenüber der 

ursprünglichen Entscheidungsgrundlage geändert haben und es dürften 

nicht überwiegende öffentliche oder private Interessen dem Widerruf ent-

gegenstehen (Art. 25 VRG). Seit dem 26. September/3. Oktober 2012 

hätten sich weder die Sach- noch die Rechtslage geändert. Das Projekt 

sei nicht geändert worden und die Art. 75b und Art. 197 Ziff. 9 Abs. 2 BV 

hätten keine Änderung erfahren. Ebenso wenig habe eine Rechtsmittelin-

stanz den Baubewilligungs- und Einspracheentscheid aufgehoben oder 

geändert. Das Bundesgericht habe zwar die Auslegung von Art. 75b BV 

und der Übergangsbestimmung klargestellt, was aber keine Änderung der 

Rechtslage bedeute. Da das Verwaltungsgericht noch 2012 über die Be-

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schwerde in dieser Angelegenheit entschieden habe und der Entscheid 

nicht angefochten worden sei, habe der Gemeindevorstand das Wieder-

erwägungsgesuch mangels Änderung der Sach- und Rechtslage, ohne in 

Willkür zu verfallen, abweisen können. 

6. Am 8. Oktober 2013 legte der Instruktionsrichter die Beschwerdeverfah-

ren von B._____ (VGU R 13 185) und A._____ (VGU R 13 184) zusam-

men. 

7. Die C._____ AG (nachfolgend Beschwerdegegnerin 2) beantragte in ihrer 

Vernehmlassung vom 28. Oktober 2013 die Abweisung der Beschwerden. 

Die Beschwerdeführer hätten zwar beim Verwaltungsgericht gegen die 

Baubewilligung Beschwerde geführt, sie hätten indessen das verwal-

tungsgerichtliche Urteil vom 4. Dezember 2012 nicht beim Bundesgericht 

angefochten. Die Bewilligung sei somit rechtskräftig und könne aus-

genützt werden. Für die Frage nach der Nichtigkeit sei entscheidend, 

wann die Baubewilligung durch die Baubehörde erteilt worden sei. Sei 

kein Rechtsmittel ergriffen oder keine aufschiebende Wirkung erteilt wor-

den, sei die Baubewilligung ab dem Zeitpunkt des Entscheides der Bau-

behörde und nicht ab dem Zeitpunkt des Ablaufs der Rechtsmittelfrist gül-

tig. Dies entspreche auch Art. 91 Abs. 1 KRG.

Weil sich die Sach- und Rechtslage seit dem Entscheid der Baubehörde 

vom 26. September 2012 nicht geändert habe, sei auch der Widerruf zu 

Recht verweigert worden. Die Baubehörde habe sich im angefochtenen 

Entscheid mit allen Kritikpunkten auseinandergesetzt und ihren Entscheid 

nachvollziehbar begründet. Mit den ausführlichen Beschwerdeschriften 

bestätigten die Beschwerdeführer, dass sie sich ein Bild über die Tragwei-

te der angefochtenen Entscheide hätten machen können und auch über 

die Gründe, gemäss welchen die Baubehörde ihre Wiedererwägungsge-

suche abgelehnt habe. Das rechtliche Gehör sei nicht verletzt. 

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8. Die Beschwerdeführer verzichteten auf einen weiteren Schriftenwechsel.

Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften und auf den ange-

fochtenen Entscheid wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Er-

wägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Anfechtungsobjekt ist der Entscheid der Beschwerdegegnerin 1 vom 

22. Juli 2013 mit welchem das Gesuch der Beschwerdeführer um Annul-

lierung der Baubewilligung vom 26. September 2012 abgewiesen wurde. 

Gegenstand der Beschwerde ist die Frage, ob die Baubewilligung vom 

26. September 2012 nichtig war oder hätte widerrufen werden müssen.

2. a) Vorab ist die Rüge der Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör 

zu prüfen, da dieses Recht formeller Natur ist. Die Verletzung des Gehör-

sanspruchs führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der 

Sache selbst zur Aufhebung des angefochtenen Entscheides (BGE 132 V 

387 E.5.1).

b) Aus Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV, SR 101) folgt ein Mindes-

tanspruch auf Begründung eines hoheitlichen Aktes. Die Begründungs-

pflicht für kantonale Behörden ergibt sich aus dem kantonalen Verfah-

rensrecht, vorliegend aus Art. 22 Abs. 1 des Verwaltungsrechtspflegege-

setzes (VRG, BR 370.100), welcher ausdrücklich festhält, dass Entschei-

de zu begründen seien. Der Sinn und Zweck der Begründungspflicht liegt 

darin, dass der Bürger wissen soll, warum eine Behörde entgegen seinem 

Antrag entschieden hat. Die Begründung eines Entscheides muss des-

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halb so abgefasst sein, dass der Betroffene ihn gegebenenfalls sachge-

recht anfechten kann. Dies ist nur möglich, wenn sowohl er wie auch die 

Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheides ein Bild ma-

chen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegun-

gen genannt werden, von denen sich die Behörde leiten liess und auf 

welche sich ihr Entscheid stützt (BGE 129 I 232 E.3.2; 126 I 97, E.2b). 

Zwar darf sich die Behörde auf die für den Entscheid wesentlichen Ge-

sichtspunkte beschränken. Es ist insbesondere auch nicht nötig, dass sie 

sich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Ein-

wand auseinandersetzt, sondern sie kann sich vielmehr auf die für den 

Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 I 97 

E.2b). Ob die Begründung rechtlich zutreffend und haltbar ist, ist wieder-

um keine Frage des formellen Anspruches auf rechtliches Gehör, sondern 

der materiellen Beurteilung der Streitfrage.

c) Die Beschwerdegegnerin 1 hat zu den Vorbringen der Beschwerdeführer 

Stellung genommen. Sie hat eine mögliche Nichtigkeit der Baubewilligung 

geprüft und festgestellt, zwischen dem 11. März 2012 und dem 1. Januar 

2013 erteilte Baubewilligungen seien wohl anfechtbar, jedoch nicht nich-

tig. Sowohl die Gemeindevorstandsbeschlüsse als auch die Verwaltungs-

gerichtsentscheide seien im Jahr 2012 gefällt worden. Nachdem die Be-

schwerdeführer auf die Einlegung eines Rechtsmittels verzichteten, hät-

ten sie es unterlassen den Eintritt der Rechtskraft zu verhindern. Bezüg-

lich eines möglichen Widerrufs resp. einer möglichen Wiedererwägung 

führte die Beschwerdegegnerin 1 aus, da sich weder die Rechts- noch die 

Sachlage geändert hätten, liege kein Grund vor, eine Wiedererwägung 

der Baubewilligung vorzunehmen. Es habe sich lediglich die Rechtspre-

chung in der Auslegung von Art. 75b BV geändert. Die Beschwerdegeg-

nerin 1 hat somit zu sämtlichen Vorbringen der Beschwerdeführer Stel-

lung genommen und ihren Entscheid nachvollziehbar begründet. Wie die 

http://links.weblaw.ch/de/BGE-129-I-232

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Beschwerdeschriften vom 30. August 2013 zeigen, waren die Beschwer-

deführer sodann in der Lage, die Argumentation der Beschwerdegegne-

rin 1 anzufechten. Das rechtliche Gehör wurde damit nicht verletzt. 

3. Die Beschwerdeführer sind der Meinung, die Baubewilligung vom 

26. September, mitgeteilt am 3. Oktober 2012, sei erst im Januar 2013 in 

Rechtskraft erwachsen und deshalb aufgrund von Art. 75b in Verbindung 

mit Art. 197 Ziff. 9 BV nichtig. Diese Auffassung widerspricht indessen 

klarer bundesgerichtlicher Rechtsprechung. Das Bundesgericht hat in 

seinem Urteil 1C_614/2012 vom 22. Mai 2013 in E.7 betont, dass diese 

Bestimmungen auf den Zeitpunkt der Erteilung der Baubewilligung abstel-

len. Massgebender Zeitpunkt für die Beurteilung der Nichtigkeit resp. An-

fechtbarkeit der Baubewilligung ist damit die Bewilligungserteilung durch 

die Gemeinde. Das Bundesgericht qualifizierte Baubewilligungen für 

Zweitwohnung in den betroffenen Gemeinden, die nach dem 11. März 

2012, aber vor dem 1. Januar 2013 erstinstanzlich erteilt und nicht im 

Rechtsmittelverfahren erheblich modifiziert wurden, als anfechtbar. Dem-

gegenüber sind nach dem 1. Januar 2013 erstinstanzlich erteilte (oder im 

Rechtsmittelverfahren erheblich modifizierte) Baubewilligungen gemäss 

Art. 197 Ziff. 9 Abs. 2 BV nichtig. Die fragliche Baubewilligung wurde nach 

dem vorgesagten am 26. Oktober/3. Oktober 2012 erstinstanzlich erteilt. 

Sie ist im Rechtsmittelverfahren nicht modifiziert worden, so dass sich le-

diglich anfechtbar war und nicht nichtig ist. Der Hauptantrag der Be-

schwerdeführer ist demnach abzuweisen.

4. a) Die an die Gemeinde gerichteten Begehren vom 19. resp. 21. Juni 2013 

der Beschwerdeführer sind entweder als Gesuch um Wiedererwägung 

der Baubewilligung gemäss Art. 24 VRG oder als Gesuch um Widerruf 

der Baubewilligung gemäss Art. 25 VRG zu beurteilen. Die beiden Institu-

te unterscheiden sich im Kanton Graubünden darin, dass eine Wiederer-

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wägung nur beim Vorliegen nicht rechtskräftiger Verfügungen, ein Wider-

ruf dagegen nur beim Vorliegen rechtskräftiger Verfügungen verlangt 

werden kann (Art. 24 und 25 VRG, vgl. auch Urteil des Bundesverwal-

tungsgerichts A-8636/2007 vom 23. Juni 2008 E.4).

b) Die Baubewilligung vom 26. September/3. Oktober 2012 wurde mittels 

Beschwerden beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden ange-

fochten. Das Verwaltungsgericht hat die Beschwerden am 4. Dezember 

2012 abgewiesen (Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons 

Graubünden R 13 141, 142 und 144). Das Bundesgericht hat am 28. Mai 

2013 bestätigt, dass gegen diese Urteile kein Rechtsmittelverfahren vor 

Bundesgericht eröffnet worden sei. Die Entscheide sind demnach – nicht 

mehr im Jahr 2012, immerhin aber im Jahr 2013 – in Rechtskraft erwach-

sen. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin 1 kommt damit die 

Wiedererwägung gemäss Art. 24 VRG vorliegend nicht zur Anwendung, 

sondern es ist ein Widerruf gemäss Art. 25 VRG zu prüfen.

c) Art. 25 VRG schreibt vor, dass die Verwaltungsbehörde einen rechtskräf-

tigen Entscheid von Amtes wegen oder auf Gesuch hin ändern oder auf-

heben kann, wenn a) sich die Sach- oder Rechtslage gegenüber der ur-

sprünglichen Entscheidungsgrundlage geändert hat und b) nicht überwie-

gende öffentliche oder private Interessen dem Widerruf entgegenstehen. 

Art. 25 VRG ermöglicht jedoch explizit nur den Verwaltungsbehörden, ei-

nen Widerruf vorzunehmen, demgegenüber das Verwaltungsgericht hier-

für nicht zuständig ist. Auf den Eventualantrag der Beschwerdeführer 

kann deshalb nicht eingetreten werden. 

Der Widerruf von Verfügungen, über die ein Gericht materiell entschieden 

hat, ist ohnehin grundsätzlich unzulässig. Ein solches Verfahren kann un-

ter Vorbehalt der Revision gemäss Art. 67 VRG nicht wieder aufgenom-

men werden. Eine Revision der verwaltungsgerichtlichen Urteile R 13 141 

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und 142 vom 4. Dezember 2012 ist aber nicht Gegenstand des vorliegen-

den Verfahrens. 

d) Eine Ausnahme von diesem Grundsatz der Unwiderrufbarkeit gerichtlich 

beurteilter Verfügungen ist jedoch dann möglich, wenn ein gerichtliches 

Urteil einen Dauerzustand schafft. Diesfalls kann es der Verwaltung nicht 

unter allen Umständen verwehrt sein, gestützt auf veränderte Verhältnis-

se oder neue Erkenntnisse eine Verfügung zu treffen, die im Ergebnis das 

gefällte Urteil aufhebt, ohne das eigentliche Revisionsgründe gemäss 

Art. 67 VRG vorliegen (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-

2302/2011 vom 15. Juni 2011 E.4.2.3 und A-8636/2007 vom 23. Juni 

2008 E.4). Nachdem eine Bauherrschaft bei der Baubewilligung 

grundsätzlich nur einen einmaligen Gebrauch dieser Befugnis macht, 

wurde vorliegend durch die Urteile des Verwaltungsgerichts kein Dauer-

zustand in diesem Sinne geschaffen (WIEDERKEHR/RICHLI, Praxis des all-

gemeinen Verwaltungsrechts, Bd. I, Bern 2012, Rz. 2742 f.). Ein Widerruf 

gemäss Ausnahmeregelung ist ebenfalls nicht möglich.

e) Selbst wenn man davon ausginge, die Urteile des Verwaltungsgerichts 

hätten einen Dauerzustand geschaffen und es wäre damit für die Bau-

behörde der Beschwerdegegnerin 1 grundsätzlich möglich gewesen, die 

Baubewilligung zu widerrufen, würden die Voraussetzungen für einen Wi-

derruf nicht vorliegen. Wie die Beschwerdegegnerinnen richtig darlegen, 

hat sich vorliegend die Sach- und/oder Rechtslage gegenüber der Ent-

scheidungsgrundlage nicht geändert, einzig die Auslegung der massge-

blichen Verfassungsbestimmungen Art. 75b und Art. 197 Ziff. 9 Abs. 2 

BV. Eine geänderte Gerichts- oder Verwaltungspraxis ist aber grundsätz-

lich kein Anlass für einen Widerruf (WIDERKEHR/RICHTLI, a.a.O., 

Rz. 2685 f.). Ein Widerruf wäre demnach bereits wegen fehlender Vor-

aussetzungen nicht vorzunehmen gewesen. 

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f) Die Beschwerdegegnerin 1 hat demzufolge den Widerrufsgesuchen der 

Beschwerdeführer zu Recht nicht stattgegeben. Folglich ist auch das 

Subeventualbegehren der Beschwerdeführer um Rückweisung und Neu-

beurteilung durch die Vorinstanz abzuweisen.

5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Baubewilligung vom 

26. September/3. Oktober 2012 nicht nichtig und durch die Beschwerde-

gegnerin 1 zu Recht nicht widerrufen worden ist. Ein Widerruf durch das 

Verwaltungsgericht ist mangels Zuständigkeit ausgeschlossen, zudem 

würde es von vornherein an den Voraussetzungen für einen Widerruf 

mangeln. Die Beschwerden R 13 184 und 185 sind folglich abzuweisen, 

soweit darauf eingetreten werden kann.

6. Bei diesem Ausgang rechtfertigt es sich, den Beschwerdeführern die Ver-

fahrenskosten gestützt auf Art. 73 VRG je zur Hälfte aufzuerlegen. Nach 

Art. 78 Abs. 1 VRG wird die unterliegende Partei in der Regel verpflichtet, 

der obsiegenden Partei die durch den Rechtsstreit verursachten notwen-

digen Kosten zu ersetzen. Bund, Kanton und Gemeinden sowie mit öf-

fentlich-rechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen wird gemäss 

Art. 78 Abs. 2 VRG in der Regel keine Parteientschädigung zugespro-

chen, wenn sie in ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegen. Davon abzu-

weichen besteht vorliegend kein Anlass. Demgegenüber ist die anwaltli-

che vertretene Beschwerdegegnerin 2 aussergerichtlich zu entschädigen. 

Der Anwalt der obsiegenden Beschwerdegegnerin 2 hat mit Honorarnote 

vom 7. November 2013 bei einem Arbeitsaufwand von 5.75 h eine Ent-

schädigung von total Fr. 1‘599.05 (inkl. 8 % MWST) geltend gemacht. Die 

Beschwerdeführer werden demnach verpflichtet, der Beschwerdegegne-

rin 2 je Fr. 799.53 zu bezahlen. 

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Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerden werden abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 2‘000.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 344.--

zusammen Fr. 2'344.--

gehen je hälftig zulasten von B._____ und A._____ und sind innert 30 Ta-

gen seit Zustellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des Kan-

tons Graubünden, Chur, zu bezahlen.

3. B._____ und A._____ haben die C._____ AG mit Fr. 1‘599.05 zu ent-

schädigen, d.h. je Fr. 799.53 zu bezahlen. 

4. [Rechtsmittelbelehrung]

5. [Mitteilungen]