# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e09c5c1b-fcfe-5c1b-98e1-609500fd35ae
**Source:** Schaffhausen (SH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-07-02
**Language:** de
**Title:** Schaffhausen Obergericht 02.07.2013 40/2013/15A
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SH_OG/SH_OG_001_40-2013-15A_2013-07-02.pdf

## Full Text

2013 

 

1 

 

Art. 172 Ziff. 3 und Art. 174 Abs. 1 SchKG; Art. 108 ZPO. Neue 

Tatsachen im Beschwerdeverfahren gegen die Konkurseröffnung 

(Tilgung der Schuld) (OGE 40/2013/15/A vom 2. Juli 2013) 

 

Keine Veröffentlichung im Amtsbericht 

 

 Weist der Schuldner im Beschwerdeverfahren nach, dass er die 

offene Schuld bereits vor der Konkurseröffnung bezahlt hat, prüft die 

Beschwerdeinstanz die Zahlungsfähigkeit des Schuldners nicht (E. 2).  

 Kostenpflicht des Beschwerdeführers trotz Obsiegen (E. 3). 

 

 Der Einzelrichter am Kantonsgericht Schaffhausen eröffnete den 

Konkurs über das Vermögen des Schuldners M. Dagegen erhob dieser 

Beschwerde ans Obergericht mit dem Antrag auf Aufhebung der 

Konkurseröffnung. Er machte geltend und wies nach, dass er die offene 

Schuld nebst Zinsen und Kosten bereits vor der Konkurseröffnung bezahlt 

habe, ohne dass er dies dem Konkursgericht jedoch zur Kenntnis gebracht 

hatte. Das Obergericht hiess die Beschwerde gut, auferlegte aber die 

Kosten dem Beschwerdeführer. 

 

Aus den Erwägungen: 

 

 2.–  a)  Die Parteien können mit der Beschwerde neue Tatsachen 

geltend machen, wenn diese vor dem erstinstanzlichen Entscheid 

eingetreten sind (Art. 174 Abs. 1 Satz 2 SchKG
1
). Dazu gehört 

insbesondere die Tatsache, dass die Forderung der Gläubigerin schon vor 

der Konkurseröffnung nebst Zinsen und Kosten bezahlt wurde, was nach 

Art. 172 Ziff. 3 SchKG zur Abweisung des Konkursbegehrens geführt 

                                              
1
  Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs vom 11. April 1889 (SchKG, 

SR 281.1). 

 

2013 

 

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hätte, wenn die Zahlung dem Konkursgericht bekannt gewesen wäre.
2
 

Diese Tatsache ist von Amtes wegen zu berücksichtigen.
3
 

 Tilgung gemäss Art. 172 Ziff. 3 SchKG bedeutet neben der Zahlung 

der Schuld und der Zinsen auch die Begleichung sämtlicher Kosten. Beruft 

sich die betriebene Partei erst nach Eröffnung des Konkurses auf Tilgung, 

muss sie nachweisen, dass sie neben den Kosten des Konkursgerichts und 

einer allfälligen Parteientschädigung an die Gläubigerin im Konkurs-

eröffnungsverfahren insbesondere auch die Kosten des Konkursamts 

bezahlt oder sichergestellt hat.
4
 Da das Konkursamt nach Eröffnung des 

Konkursverfahrens durch das Konkursgericht sofort tätig zu werden hat, 

entstehen ihm damit Kosten, für welche die betreibende Gläubigerin mit 

dem geleisteten Vorschuss haftet (Art. 169 SchKG). Von einer Tilgung der 

Schuld, einschliesslich der Zinsen und Kosten kann demnach nur dann 

ausgegangen werden, wenn auch sichergestellt ist, dass die Gläubigerin 

den ganzen Vorschuss zurückerhält.
5
 

 b)  Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er die von der 

Beschwerdegegnerin in Betreibung gesetzte Schuld einschliesslich Zinsen 

und Kosten im Gesamtbetrag von Fr. 2'054.40 bereits vor der Konkurs-

eröffnung bezahlt habe. Er weist nach, dass er den Gesamtbetrag am 

16. Mai 2013 … zu Gunsten des Betreibungsamts Schaffhausen angewie-

sen habe, mithin vor der Konkurseröffnung am Dienstag, den 28. Mai 

2013. … Die Beschwerdegegnerin erklärte, dass die in Betreibung gesetzte 

Schuld einschliesslich Zinsen und Kosten vom Beschwerdeführer be-

glichen worden sei. Vom Betreibungs- und Konkursamt Schaffhausen 

wurde bestätigt, dass der Betrag von Fr. 2'054.– am 17. Mai 2013 

eingegangen ist. 

 Der Beschwerdeführer macht damit eine neue konkurshindernde 

Tatsache im Sinne von Art. 174 Abs. 1 Satz 2 i.V.m. Art. 172 Ziff. 3 

SchKG geltend, d.h. eine Tatsache, die bereits vor dem erstinstanzlichen 

                                              
2
  Vgl. OGer ZH PS120203-O/U vom 12. November 2012, E. 2.1; vgl. auch Roger Giroud, 

Basler Kommentar, Bundesgesetz über Schuldbetreibungs und Konkurs II, 2. A., Basel 

2010, Art. 174 SchKG N. 21, S. 1616. 
3
  Amonn/Walther, Grundriss des Schuldbetreibungs- und Konkursrechts, 8. A., Bern 2008, 

§ 36 N. 56 ff., S. 334. 
4
  Diggelmann/Müller, in: Daniel Hunkeler (Hrsg.), SchKG Kurzkommentar, Basel 2009, 

Art. 174 N. 10, S. 742. 
5
  Vgl. OGer ZH PS120203-O/U vom 12. November 2012, E. 2.1 m.H.; Giroud, Art. 174 

SchKG N. 21 f., S. 1616. 

2013 

 

3 

 

Entscheid eingetreten ist.
6
 Den Kostenvorschuss für das Beschwerde-

verfahren und die aufgelaufenen Kosten des Konkursamts hat der Be-

schwerdeführer fristgerecht bezahlt.  

 Nach der Praxis des Obergerichts des Kantons Schaffhausen wird 

von der Prüfung der Zahlungsfähigkeit nach Art. 174 Abs. 2 SchKG 

abgesehen, wenn der Konkurs gestützt auf neue Tatsachen nach Art. 174 

Abs. 1 SchKG aufgehoben wird, namentlich wenn der Schuldner nach-

weist, dass er die Schuld einschliesslich Zinsen und Kosten bereits vor der 

Konkurseröffnung getilgt hat.
7
 Die Beschwerde gegen die Konkurs-

verfügung des Einzelrichters des Kantonsgerichts ist demnach gutzuheis-

sen und die Konkurseröffnung aufzuheben.
8
  

 3.–  Bei einem reformatorischen Entscheid urteilt die Beschwerde-

instanz sowohl über die Prozesskosten des Beschwerdeverfahrens als auch 

über diejenigen des erstinstanzlichen Verfahrens.
9
 

 Die Prozesskosten sind in der Regel der unterliegenden Partei auf-

zuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Unnötige Prozesskosten hat zu bezahlen, 

wer sie verursacht hat (Art. 108 ZPO).  

 Der Beschwerdeführer informierte den Einzelrichter am Kantons-

gericht nicht über die Tilgung der Forderung. Er reagierte weder auf die 

Vorladung betreffend Konkurseröffnung noch reichte er – trotz ausdrück-

licher Aufforderung – einen Beleg über die Tilgung der Forderung ein. Die 

Verfügung des Einzelrichters erging damit aufgrund der damals 

ersichtlichen Verhältnisse zu Recht. Den erforderlichen Beleg über die 

Zahlung der Schuld legte der Beschwerdeführer erst dem Obergericht vor. 

Die demnach unnötig verursachten Kosten beider Instanzen sind dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen.  

 

                                              
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  Giroud, Art. 174 N. 19, S. 1616, und N. 26, S. 1617; Art. 172 N. 10, S. 1597. 

7
  OGE 40/2012/33 vom 9. November 2012; zur gleichlautenden Praxis im Kanton Zürich s. 

OGer ZH PS120203-O/U vom 12. November 2012.  
8
  Art. 327 Abs. 3 lit. b der Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 

(Zivilprozessordnung, ZPO, SR 272). 
9
  Freiburghaus/Afheldt in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger (Hrsg.), Kommentar zur 

Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zürich/Basel/Genf 2010, Art. 327 N. 24, S. 2122; 

Peter Volkart in: Brunner/Gasser/Schwander (Hrsg.), Kommentar zur Schweizerischen 

Zivilprozessordnung, Zürich/St. Gallen 2011, Art. 327 N. 12, S. 1838.