# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b6cae981-d663-57a1-a0c9-0813ca9541b3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-11-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.11.2022 D-6178/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6178-2020_2022-11-15.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-6178/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 5 .  N o v e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richterin Chiara Piras (Vorsitz), 

Richter Daniele Cattaneo,  

Richter Walter Lang,    

Gerichtsschreiberin Martina von Wattenwyl. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

B._______, geboren am (…), 

C._______, geboren am (…), 

D._______, geboren am (…), 

E._______, geboren am (…),  

Afghanistan,   

alle vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt,  

(…),  

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 29. Oktober 2020 / N (…). 

 

D-6178/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

I.  

A.  

A.a Eigenen Angaben zufolge verliessen A._______ (nachfolgend: die Be-

schwerdeführerin) mit ihren Kindern D._______, C._______, B._______ 

(nachfolgend: die Tochter) sowie ihrem volljährigen Sohn F._______ (N 

[…], D-6010/2020 [nachfolgend: der Sohn]), mit letztem Wohnsitz in 

G._______ in der Provinz Balgh, im Jahr 2016 ihr Heimatland.  

 

A.b Am 29. Juni 2017 reisten die Beschwerdeführenden im Rahmen eines 

Dublin-Überstellungsverfahrens von Griechenland in die Schweiz ein und 

stellten gleichentags ein Asylgesuch.  

 

Den Asylgesuchen wurden folgende Beweismittel beigelegt: 

 

- Tazkira der Beschwerdeführenden sowie des Ehemannes der Be-

schwerdeführerin; 

- Ausweis der Beschwerdeführerin als «Civic Educator» gültig vom 

22. Juni 2013 bis 26. September 2013; 

- Kopie eines gefälschten Diploms der Universität H._______ der Be-

schwerdeführerin; 

- Undatiertes Zertifikat der «(…), Mazar-e-Sharif» den Ehemann der Be-

schwerdeführerin betreffend; 

- Je eine Bankkarte des Ehemanns und der Beschwerdeführerin;  

- Therapiebericht vom 24. Juni 2019 die Beschwerdeführerin betreffend; 

- Griechischer Arztbericht die Tochter betreffend. 

 

A.c Am 5. Juli 2017 fand die Befragung zur Person (BzP) der Beschwer-

deführerin statt. 

 

B.  

Am 2. September 2017 wurde der Sohn E._______ geboren.  

C.  

C.a Am 27. Mai 2019 wurden die Beschwerdeführerin und die Tochter zu 

den Asylgründen befragt.  

C.b Zur Begründung ihres Asylgesuchs brachte die Beschwerdeführerin im 

Wesentlichen vor, sie sei im Iran aufgewachsen und habe nach der Ehe-

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Seite 3 

schliessung im Jahr 1998 mit ihrem Ehemann und den gemeinsamen Kin-

dern in I._______ gelebt. Da ihr Ehemann über keine Aufenthaltsbewilli-

gung im Iran verfügt habe, sei er nach Afghanistan ausgeschafft worden. 

Sie und ihre drei Kinder seien nachgezogen und hätten danach alle in 

G._______ im vom Schwiegervater vererbten Haus gewohnt. 2013 habe 

sie während drei Monaten eine Arbeit bei einem unabhängigen staatlichen 

Wahlkommittee gefunden, wobei sie sich vorwiegend um die lokale Wahl-

propaganda gekümmert sowie insbesondere versucht habe, Frauen zu 

Wahlgängen zu ermutigen. Ihre Einsatzorte seien in G._______ und der 

nahen Umgebung gewesen. Zudem habe sie während längerer Zeit bei 

(…), einem deutschen Büro, welches ein Alphabetisierungsprogramm für 

Frauen angeboten habe, gearbeitet und habe Lehrerinnen ausgebildet. Ihr 

Ehemann habe 2014 eine Anstellung als (…) für das amerikanische Institut 

«(…)» der amerikanischen Armee am (…) von Mazar-e-Sharif gefunden. 

Wegen der langen Anreise zum Arbeitsplatz sei er nur an den Wochenen-

den nach Hause gekommen und habe ansonsten in Mazar-e-Sharif über-

nachtet. Einmal habe er erwähnt, telefonisch bedroht worden zu sein, wo-

bei man ihm vorgeworfen habe, mit den Ungläubigen zusammenzuarbei-

ten. Er habe sich jedoch nicht weiter um diese Drohung respektive Drohun-

gen gekümmert, sondern habe weitergearbeitet. Ungefähr zwei Monate 

später (im Jahr 2015) sei er jedoch an einem Wochenende nicht wie üblich 

nach Hause gekommen. Sie habe erfolglos versucht, ihn auf seinem Mo-

biltelefon zu erreichen, dieses sei jedoch ausgeschaltet gewesen. Da sie 

sich grosse Sorgen um ihren Ehemann, nicht zuletzt wegen des Drohanru-

fes, gemacht habe, seien sie und ihr Sohn noch am selben Abend nach 

Mazar-e-Sharif gereist, um ihn zu suchen. Nachdem sie im Gasthaus, in 

welchem er sich jeweils während der Woche aufgehalten habe, übernach-

tet hätten, sei am nächsten Tag respektive am selben Tag ein Anruf auf 

dem Telefon ihres Sohnes eingegangen. Der unbekannte Anrufer habe er-

klärt, dass sein Vater respektive ihr Ehemann entführt und anschliessend 

umgebracht worden sei. Weiter sei ihr angedroht worden, sie werde als 

Nächste getötet, weil sie, wie er, mit den Ungläubigen zusammenarbeite. 

Da sie davon ausgegangen sei, dass die Polizei ihr nicht helfen werde, 

hätten sie und ihr Sohn zuerst beschlossen, sich an die zuständige Tele-

fonfirma zu wenden, um mit der angerufenen Telefonnummer den Namen 

des Anrufers respektive den letzten Standort ihres Ehemannes ausfindig 

machen zu können. Da dies jedoch zu lange gedauert hätte und sie um ihr 

Leben gefürchtet habe, seien sie stattdessen nach G._______ zurückge-

fahren, um ihre drei jüngeren Kinder zu holen und über Kabul aus dem 

Land zu fliehen. Ungefähr Ende 2018 habe sie durch einen Verwandten 

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Seite 4 

erfahren, dass einige vermummte Motorradfahrer zu ihnen ins Dorf gekom-

men seien und die Nachbarn über sie und ihre Familie ausgefragt hätten. 

Zudem hätten dieselben Leute die Leiche ihres Ehemannes gebracht.   

Die Tochter bestätigte im Wesentlichen die vorgebrachten Fluchtgründe 

der Beschwerdeführerin. 

D.  

D.a Mit Verfügung vom 28. August 2019 stellte die Vorinstanz fest, die Be-

schwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte 

ihre Asylgesuche ab. Der Vollzug der Wegweisung wurde zugunsten einer 

vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit aufgeschoben.  

D.b Die dagegen erhobene Beschwerde wurde mit Urteil des Bundesver-

waltungsgerichts D-5079/2019 vom 5. März 2020 gutgeheissen, die ange-

fochtene Verfügung aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen 

zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen.  

 

II.  

E.  

Mit Schreiben der Vorinstanz vom 3. Juli 2020 wurde die Beschwerdefüh-

rerin aufgefordert, zu ihrem Gesundheitszustand einen Arztbericht einzu-

reichen, welcher – datiert vom 11. August 2020 und ausgestellt von der (…) 

Gesundheitszentren AG – am 13. August 2020 bei der Vorinstanz einging.  

F. 

Am 14. Oktober 2020 wurde die Beschwerdeführerin ergänzend angehört. 

G.  

Mit Verfügung vom 29. Oktober 2020 – eröffnet am 30. Oktober 2020 – 

stellte das SEM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingsei-

genschaft nicht und lehnte ihre Asylgesuche ab. Die am 28. August 2019 

angeordnete vorläufige Aufnahme bestünde weiterhin bis zu deren Aufhe-

bung oder deren Erlöschen.  

H.  

Mit Schreiben vom 13. November 2020 der kantonalen Migrationsbehörde 

wurde dem SEM zur Kenntnis gebracht, dass mit von der Beschwerdefüh-

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Seite 5 

rerin unterzeichneten Bestätigung vom 19. Februar 2020 diese der Abmel-

dung ihres Sohnes E._______ per 15. Oktober 2019 nach (…) mit seinem 

Vater zugestimmt habe.  

I.  

Die Beschwerdeführenden fochten mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 

30. November 2020 die vorinstanzliche Verfügung vom 29. Oktober 2020 

beim Bundesverwaltungsgericht an und beantragten, die Verfügung sei in 

den Dispositivziffern 1 und 2 aufzuheben, sie seien als Flüchtlinge anzuer-

kennen und ihnen sei Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersuch-

ten sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Ver-

zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Weiter beantragten sie 

die Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbei-

stand. Zudem sei das Beschwerdeverfahren koordiniert mit demjenigen 

des (volljährigen) Sohnes zu behandeln.  

Der Beschwerde wurde am 11. Dezember 2020 eine Fürsorgebestätigung 

vom 4. Dezember 2020 beigelegt.  

J.  

Mit Zwischenverfügung vom 17. Dezember 2020 hiess die damalige In-

struktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung gut und erhob keinen Kostenvorschuss. Rechtsanwalt lic. iur. 

Urs Ebnöther wurde antragsgemäss als amtlicher Rechtsbeistand beige-

ordnet und das Gesuch um koordinierte Behandlung mit dem Verfahren  

D-6010/2020 wurde gutgeheissen. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz ein-

geladen, eine Vernehmlassung einzureichen.  

K. 

Die Vorinstanz hielt mit ihrer Vernehmlassung vom 24. Dezember 2020, 

welche den Beschwerdeführenden am 5. Januar 2021 zur Kenntnis ge-

bracht wurde, vollumfänglich an ihren Erwägungen fest. 

L.  

Aus organisatorischen Gründen wurde das vorliegende Verfahren auf die 

im Rubrum aufgeführte vorsitzende Richterin umgeteilt.  

 

 

 

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Seite 6 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-

desverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwal-

tungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesge-

setzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, 

SR 172.021). Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist 

daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachge-

biet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das 

Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vor-

liegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgül-

tig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor 

welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 Asylge-

setz vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31], Art. 83 Bst. d Ziff. 1 Bundes-

gesetz vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [BGG, SR 173.110]). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101). In Anwendung der Übergangsbestimmungen gilt für das 

vorliegende Verfahren das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-

stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 

2.  

2.1 Gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG ist zur Beschwerde berechtigt, wer vor 

der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen hat (Bst. a), durch die ange-

fochtene Verfügung besonders berührt ist (Bst. b) und ein schutzwürdiges 

Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Bst. c). Die drei genann-

ten Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein. Die Beschwerdelegiti-

mation ist eine Sachurteilsvoraussetzung und von Amtes wegen zu prüfen. 

Bei fehlender Legitimation ist auf die Beschwerde nicht einzutreten. 

2.2 Fraglich ist vorliegend die Legitimationsvoraussetzung des aktuellen 

und praktischen Rechtsschutzinteresses für den Sohn der Beschwerdefüh-

rerin E._______, geboren am 2. September 2017 (vgl. dazu ISABELLE 

HÄNER, in Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], VwVG Kommentar, 2. Aufl., Zü-

rich/St. Gallen 2019; Rz. 22 zu Art. 48 VwVG). 

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Seite 7 

2.3  Nach Aktenlage hat sich der Sohn der Beschwerdeführerin per 15. Ok-

tober 2019 – und somit vor Einreichung der vorliegenden Beschwerde – 

mit seinem Vater ins Ausland (mutmasslich nach […]) abgemeldet. Die Be-

schwerdeführerin gab an, keinen Kontakt mehr zu diesem zu haben und 

hat die Abmeldung mit Bestätigung vom 19. Februar 2020 gebilligt. Durch 

dieses Verhalten hat die Beschwerdeführerin hinreichend deutlich signali-

siert, an der Fortführung des Asylverfahrens ihres minderjährigen Sohnes 

kein Interesse zu haben. Der Beschwerdeführer E._______ hatte demnach 

im Zeitpunkt der Einreichung der Beschwerde kein aktuelles schutzwürdi-

ges Interesse an der Aufhebung beziehungsweise Änderung der angefoch-

tenen Verfügung. Es fehlt somit an einer erforderlichen Eintretensvoraus-

setzung (aktuelles Rechtsschutzinteresse gemäss Art. 48 Abs. 1 Bst. c 

VwVG), weshalb in Bezug auf den Beschwerdeführer E._______ auf die 

Beschwerde nicht einzutreten ist. 

2.4 Im Übrigen ist die Beschwerde frist- und formgerecht eingereicht wor-

den. Die übrigen Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vor-

instanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders 

berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-

ziehungsweise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde 

legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 

Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit – unter dem soeben ausge-

führten Vorbehalt – einzutreten. 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

4.  

Das vorliegende Verfahren wird mit demjenigen des volljährigen Sohnes 

der Beschwerdeführerin (N […]) koordiniert beurteilt (vgl. Bst. J).  

5.  

Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Fragen 

nach der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und der Wegweisung. Der Weg-

weisungsvollzug ist nicht zu prüfen, nachdem die Vorinstanz die Beschwer-

deführerenden wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig 

aufgenommen hat. 

  

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Seite 8 

6.  

6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken.  

6.2 Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffe-

nen Person auch auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Re-

flexverfolgung vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der 

Reflexverfolgung betroffene Person ernsthaften Nachteilen im Sinne von 

Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nachteile 

mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründet 

befürchten muss (zum Begriff der Reflexverfolgung vgl. BVGE 2007/19 

E. 3.3 m.w.H.). Die erlittene Verfolgung beziehungsweise die begründete 

Furcht vor zukünftiger (Reflex-)Verfolgung muss ferner sachlich und zeit-

lich kausal für die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und 

grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein. 

6.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

7.  

7.1 Die Vorinstanz erläuterte im Zusammenhang mit der von der Be-

schwerdeführerin geltend gemachten Vergesslichkeit im Hinblick auf die 

Glaubhaftigkeitsprüfung, dass aus den eingereichten Therapieberichten 

nicht hervorgehe, dass weiterführende Untersuchungen oder Tests hierzu 

durchgeführt worden seien. Auch nehme sie keine Medikamente ein, wel-

che eine solche Vergesslichkeit begründen könnten. Sodann gehe aus den 

verschiedenen Arztberichten hervor, dass die diagnostizierte (…), verbun-

den mit einer (…) (…) auch aufgrund der schwierigen Lebensumstände, 

insbesondere wegen der zahlreichen Umzüge zwischen Afghanistan und 

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dem Iran sowie der allgemeinen Sicherheitssituation in Afghanistan ge-

schuldet seien. Ausserdem sei anlässlich der Anhörungen nicht der Ein-

druck einer stark erhöhten Vergesslichkeit entstanden, zumal sie zahlrei-

che Elemente ihrer Biographie äusserst präzise habe darlegen können. 

Weder im Zusammenhang mit ihrem neuen Ehemann respektive Ex-Ehe-

mann, ihren Wohnorten, den Aufenthaltsorten ihrer Verwandten im Ausland 

noch zu ihrem persönlichen Lebenslauf habe es Anzeichen für fehlendes 

Erinnerungsvermögen gegeben. Aufgrund dieser beispielhaften Aufzäh-

lung von präzisen Angaben sei ihre geltend gemachte generelle Vergess-

lichkeit aufgrund (…) in Frage zu stellen. Des Weiteren sei es im Verlauf 

des Asylverfahrens und aufgrund der Aussagen ihres Sohnes zu den we-

sentlichen Vorbringen zu erheblichen Widersprüchen gekommen, welche 

kaum auf Vergesslichkeit zurückgeführt werden könnten. So sei etwa ein 

Widerspruch entstanden, indem sie während der ersten Anhörung erklärte, 

anlässlich der Suche nach ihrem Ehemann in Mazar-e-Sharif übernachtet 

zu haben, wohingegen sie in der ergänzenden Anhörung angegeben habe, 

nie dort übernachtet zu haben. Ausserdem habe ihr Sohn angegeben, so-

gar mehrmals in Mazar-e-Sharif übernachtet zu haben. Auch die Reihen-

folge, nach welcher und wo sie ihren Ehemann gesucht habe, variiere. Zu-

dem habe ihr Sohn während seiner ergänzenden Anhörung angegeben, 

den entscheidenden Drohanruf bereits zu Hause und nicht – wie von der 

Beschwerdeführerin dargelegt – erst in Mazar-e-Sharif erhalten zu haben. 

Auf die Widersprüche zu den Schilderungen ihres Sohnes angesprochen, 

habe sie diese lediglich mit dem jungen Alter des Sohnes zu erklären ver-

sucht. Dabei könne auch von einem Jugendlichen oder jungen Erwachse-

nen erwartet werden, selber Erlebtes der Realität entsprechend zu schil-

dern. Auch bei diesen Erklärungsversuchen müsse von einer Schutzbe-

hauptung ausgegangen werden.  

 

Des Weiteren fehle es ihren Schilderungen zu den zentralen Fluchtmotiven 

an Substanz, zeitlich-örtlichen Verknüpfungen, Detailreichtum und Real-

kennzeichen. Insgesamt sei der Eindruck entstanden, dass es sich bei ih-

ren Schilderungen um konstruierte Vorbringen handle. So wäre zu erwar-

ten gewesen, dass die Beschwerdeführerin etwa hätte wissen müssen, 

wann und um welche Tageszeit sie mit ihrem Sohn nach Mazar-e-Sharif 

aufgebrochen sei, um ihren Mann zu suchen, zu welcher Tageszeit sie im 

Hotel angekommen sei, wann der Drohanruf gekommen sei und an wel-

chem Ort sie sich aufgehalten habe. Ferner habe sie lediglich in verallge-

meinernder Weise vom Drohanruf und von der Suche nach ihrem Ehe-

mann erzählt, ohne ins Detail zu gehen. Es sei zudem nicht nachvollzieh-

bar, dass sie sich einerseits an die Telekommunikationsfirma habe wenden 

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wollen, anderseits überlegt habe, die Polizei zu informieren, obwohl sie 

gleichzeitig zum Schluss gekommen sei, dass die afghanische Polizei oh-

nehin nichts unternehmen werde. Auch ihre Aussage, die Täter über die 

Telekommunikationsfirma ausfindig machen zu wollen, um jedoch hinzuzu-

fügen, dafür nicht genügend Zeit gehabt zu haben, erscheine nicht nach-

vollziehbar. Dabei hätte sie von Anfang an wissen müssen, dass ihr die Zeit 

für eine entsprechende Nachforschung fehlen würde. Insgesamt entstehe 

der Eindruck eines Erzählkonstrukts.  

 

Desgleichen würden die Ausführungen des Sohnes der Beschwerdeführe-

rin nichts an der Einschätzung zu ändern vermögen, zumal dessen Schil-

derungen ebenfalls als unglaubhaft qualifiziert worden seien. Ferner seien 

auch die Ausführungen der Tochter nicht hilfreich, um die Fluchtgeschichte 

glaubhaft erscheinen zu lassen, zumal diese erklärt habe, von den Vorfäl-

len erst nach der Flucht, in Griechenland, erfahren zu haben. Zwar habe 

sie protokollieren lassen, dass sie gehört habe, wie ihre Eltern über Prob-

leme mit den Taliban gesprochen hätten, bei dieser Aussage könne es sich 

jedoch um eine Behauptung handeln. Auch habe sie sich nicht daran erin-

nern können, wie lange sie bei den Nachbarn gewesen sei, als ihre Mutter 

(die Beschwerdeführerin) auf der Suche nach dem Vater respektive Ehe-

mann gewesen sei oder mit welchem Fahrzeug sie in den Iran gereist 

seien.  

 

Abschliessend lasse sich nicht eruieren, wodurch genau die Beschwerde-

führerin traumatisiert worden sei, zumal Traumatisierungen auch gänzlich 

andere als die vorgebrachten Asylgründe haben könnten. Durch die Arzt-

berichte lasse sich ihre Fluchtgeschichte nicht belegen. Überdies sei im 

Arztbericht aufgeführt, dass der Grund für die (…) unter anderem in der 

Aufenthaltsentscheidung des SEM, der COVID-19-Pandemie sowie der 

Tatsache, dass sie ihren Kindern keine sichere Zukunft bieten könne, lie-

gen würde.  

 

7.2 Die Beschwerdeführerin monierte einleitend, die Vorinstanz stelle zwar 

die diagnostizierte (…) und (…) nicht infrage, berücksichtige jedoch ihre 

Vergesslichkeit im Kontext mit der Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen nicht. 

Ihr Krankheitsbild lasse sich mit ihrem Aussageverhalten in Übereinstim-

mung bringen. Angesichts der zahlreichen traumatischen Erlebnisse wür-

den plausible, nachvollziehbare Gründe vorliegen, welche die Ursache für 

Vergesslichkeit darstellen könnten. Mehrfach habe sie bei den Anhörungen 

Mühe mit der zeitlichen Einordnung und dem genauen Ablauf der Ereig-

nisse bekundet und ergänzt, ständig Alltagstermine zu vergessen. Auch 

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aus dem Unterschriftenblatt der Hilfswerksvertretung (HWV) gehe hervor, 

dass sie traumatisiert sei. Sowohl in wesentlichen als auch in nebensäch-

lichen Punkten habe sie Details oder die chronologische Reihenfolge der 

Ereignisse erwähnt, wie etwa, dass sie bereits in der BzP die Telekommu-

nikationsfirma Roshan und den kandaharischen Akzent des Anrufers er-

wähnt habe. Insgesamt gehe aus den betreffenden Protokollstellen hervor, 

wie sich ihr (…) Gesundheitszustand nach einem Anruf ihrer Verwandten 

weiter verschlechtert habe. Ihre Ehrlichkeit in Bezug auf dieses Nichtwis-

sen lasse ihre Schilderungen glaubhaft erscheinen. Die Widersprüche dürf-

ten nicht zu schwer zu Ungunsten der Beschwerdeführenden gewertet wer-

den.  

 

Auch würden ihre Aussagen mit denjenigen ihrer beiden Kinder überein-

stimmen und ergäben ein kohärentes sowie schlüssiges Gesamtbild des 

Fluchtgeschehens, jeweils aus subjektiver Sicht dargelegt. Besonders er-

wähnenswert sei, dass ihr volljähriger Sohn bereits ein Jahr vor der BzP 

respektive der Einreise (der Beschwerdeführerin) dieselben Details in des-

sen Anhörung erwähnt habe. Zudem könne einer der beiden angeblichen 

Widersprüche, nämlich, ob sie in Mazar-e-Sharif übernachtet hätten, ent-

kräftet werden, denn die Aussage der Beschwerdeführerin, sich nur in ei-

nem Hotel ausgeruht zu haben, ohne dort übernachtet zu haben, ergebe 

durchaus Sinn. Zur angeblich widersprüchlichen Schilderung der Abfolge 

der Ereignisse sei festzuhalten, dass sich aus dem Protokoll der zweiten 

Anhörung keine klare Reihenfolge der Ereignisse ergebe. Die ansonsten 

durchgehende Übereinstimmung der Aussagen aller drei Familienmitglie-

der – und insbesondere derer der Tochter – über einen Zeitraum von ins-

gesamt vier Jahren sei massgebend zu Gunsten der Glaubhaftigkeit zu 

werten. Zusätzlich müsse der grosse zeitliche Abstand zwischen den ver-

schiedenen Befragungen berücksichtigt werden.  

Der Vorhalt der Vorinstanz hinsichtlich der mangelnden Substantiierung 

der Fluchtvorbringen überzeuge nicht. So habe sie verschiedene Details, 

welche von der Vorinstanz jedoch nicht beachtet worden seien, bereits in 

der BzP erwähnt und ihre Erinnerungslücken im Verlauf der Anhörungen 

offen und glaubhaft kontextualisiert. Ferner sei zu beachten, dass sie ihre 

Fluchtgründe anlässlich zwei Anhörungen in freier Rede über eine Seite 

hinweg ausführlich dargelegt sowie zahlreiche Details und Nebensächlich-

keiten erwähnt habe. Sodann würden die mit Realkennzeichen und Ge-

fühlsbeschreibungen versehenen Schilderungen der Tochter die Vorbrin-

gen der Beschwerdeführerin untermauern.  

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Seite 12 

Hinsichtlich der fehlenden Plausibilität sei festzustellen, dass gemäss bun-

desverwaltungsgerichtlicher Praxis bei der Berücksichtigung der Plausibi-

lität grosse Vorsicht angezeigt sei und sich in erster Linie auf naturwissen-

schaftliche, physikalische und biologische Tatsachen, denn auf Verhaltens-

weisen zu beschränken habe. Die Erklärung, sie habe es von Anfang un-

terlassen, eine entsprechende Abklärung bei der Polizei einzuleiten, wobei 

sie bereits zu Beginn hätte wissen müssen, dass sie für die entsprechen-

den Abklärungen bei der Telekommunikationsfirma nicht genügend Zeit ge-

habt habe, überzeuge im Kontext der Plausibilität nicht. Vielmehr spreche 

die Überlegung der Beschwerdeführerin, dass die afghanische Polizei un-

zuverlässig sei und teilweise mit den Taliban kooperiere, im kulturellen 

Kontext von Afghanistan gerade für die Glaubhaftigkeit und sei mit den An-

forderungen an die Plausibilität nicht vereinbar. Sodann sei zu bemerken, 

dass auch die HWV auf ihrem Unterschriftenblatt die spürbare emotionale 

Belastung sowie die Schwierigkeit der Beschwerdeführerin, sich an ge-

naue zeitliche Abläufe zu erinnern, vermerkt habe. 

Schliesslich seien die glaubhaft dargelegten Fluchtgründe der Beschwer-

deführerin asylrechtlich relevant. Der Ehemann respektive Vater der Be-

schwerdeführenden sei wegen seiner Tätigkeit für die Amerikaner von den 

Taliban entführt und umgebracht worden, und es seien spezifische Drohun-

gen insbesondere gegen die Beschwerdeführerin ausgesprochen worden, 

welche selber auch in einem politisch sensiblen Bereich – namentlich im 

Bereich des women empowerement – für eine ausländische Organisation 

der Entwicklungszusammenarbeit tätig gewesen sei.  

8.  

8.1 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Entscheid damit, dass 

die vorgebrachten Fluchtgründe der Beschwerdeführerin den Anforderun-

gen an die Glaubhaftigkeit im Sinne von Art. 7 AsylG wegen fehlender Sub-

stantiierung sowie den vorhandenen Widersprüchen nicht genügten. 

8.2 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend 

substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in 

vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich 

sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder 

der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl-

suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere 

dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, 

wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im 

D-6178/2020 

Seite 13 

Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet 

nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-

wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz 

zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus 

Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch-

stellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Ge-

richt von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für 

wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma-

chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen 

zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche 

und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar-

stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob 

die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, 

überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-

len (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 

8.3 Entgegen der Behauptung im Rahmen des Beschwerdeverfahrens 

konnten die Beschwerdeführenden nicht glaubhaft darlegen, sie würden im 

Fall einer Rückkehr nach Afghanistan Gefahr laufen, aufgrund ihres Profils 

von den Taliban behelligt zu werden. Hierzu ist einleitend festzuhalten, 

dass zwar Ereignisse, welche bereits längere Zeit zurückliegen, nicht im-

mer in allen Details wiedergegeben werden können. Jedoch ist davon aus-

zugehen, dass autobiographische und lebensprägende Situationen – unter 

welche eine Flucht aus dem Heimatland unbestrittenermassen einzuord-

nen sein dürfte – auch nach mehreren Jahren in den zentralen Eckpunkten 

grossmehrheitlich widerspruchsfrei wiedergegeben werden können. Diese 

aussagepsychologische Erkenntnis trifft grundsätzlich auch auf Personen 

mit diagnostizierter PTBS zu (vgl. REVITAL LUDEWIG/DAPHNA TAVOR/SONJA 

BAUMER, Wie können aussagepsychologische Erkenntnisse Richtern, 

Staatsanwälten und Anwälten helfen?, in: Aktuelle Juristische Praxis [AJP] 

2011, S. 1415-1435 und RENATE VOLBERT, in: Aussagepsychologie für die 

Rechtspraxis «Zwischen Wahrheit und Lüge», Ludewig/Baumer/Tavor 

[Hrsg.], 1. Auflage, 2017; S. 400-412). Demensprechend kann von der Be-

schwerdeführerin auch vor dem Hintergrund ihrer (…) Erkrankung erwartet 

werden, sich in nachvollziehbarer und widerspruchsfreier Weise zu ihren 

Fluchtgründen zu äussern. Ihre geltend gemachte Vergesslichkeit wird 

durch die verschiedenen, teilweise sehr lange zurückliegenden geschilder-

ten, Einzelheiten, an welche sie sich hat erinnern können, zusätzlich rela-

tiviert. 

D-6178/2020 

Seite 14 

8.4 Bei der Durchsicht der Akten fällt zunächst auf, dass die Ausführungen 

der Beschwerdeführerin in ihrer Erzähldichte je nach Ereignis variieren. So 

gab sie etwa ausführlich Auskunft über ihre verschiedenen Wohnorte und 

die Situation des Ehemannes nach der Rückkehr vom Iran nach Afghanis-

tan, über ihre eigene Tätigkeit bei der Wahlkommission und, wie ihr Ehe-

mann jeweils an den Wochenenden von Mazar-e-Sharif nach Hause ge-

kommen sei und vorgängig telefoniert habe. Ebenso konnte sie sich daran 

erinnern, dass ihre iranischen Aufenthaltsdokumente blau gewesen seien 

(vgl. SEM-Akte A36/21, F11, F15-27, F54, F63, F77, F86; SEM-Akte A54/

15, F55, F52). Demgegenüber wirken ihre Darstellungen zu den eigentli-

chen Fluchtgründen (die Suche nach dem Ehemann an verschiedenen Lo-

kalitäten in Mazar-e-Sharif, der Drohanruf und die anschliessende Flucht) 

äusserst knapp und in wiederkehrenden Worten erzählt. Auch wenn sie er-

wähnte, dass der Anrufer einen kandaharischen Akzent gehabt habe und 

sie gemeinsam mit ihrem Sohn den Anrufer gehört hätten, weil das Mobil-

telefon auf Lautsprechermodus gestellt gewesen sei, vermochte sie bei-

spielsweise nicht die gegen sie gerichtete Drohungen des unbekannten 

Anrufers zu präzisieren und führte lediglich an zwei Stellen in praktisch 

denselben Worten aus, dass ihr Mann entführt und getötet worden sei und 

sie jetzt an der Reihe sei und solche Sachen (vgl. SEM-Akte A36/21, F77, 

F100). Ihren Antworten zu den zentralen Fluchtvorbringen fehlt es insge-

samt ebenfalls an einer persönlich gefärbten Note und eigenen Überlegun-

gen, was den Eindruck eines Erzählkonstrukts entstehen lässt.  

8.5 Weitere Zweifel am Wahrheitsgehalt der Fluchtgeschichte ergeben sich 

durch die entstandenen widersprüchlichen Angaben zum Handlungsab-

lauf. In der Anhörung führte die Beschwerdeführerin hinsichtlich des zent-

ralen Geschehens aus, sie sei am Tag nach dem Nichterscheinen ihres 

Ehemannes zusammen mit ihrem ältesten Sohn nach Mazar-e-Sharif ge-

fahren, wo sie zuerst das Gasthaus, wo der Vermisste jeweils wochentags 

übernachtet habe, aufgesucht hätten. Danach sei der Sohn zum (…) ge-

fahren. Nach einer Übernachtung in einem Gasthaus habe sie am nächs-

ten Nachmittag den Drohanruf erhalten, weshalb sie mit ihrem Sohn zur 

Telekommunikationsfirma Roshan gefahren sei. Ob sie am selben Abend 

oder am nächsten Morgen nach Mazar-e-Sharif gefahren sei, konnte sie 

sich nicht mehr erinnern, jedoch gehe sie davon aus, sie seien noch am 

selben Abend dorthin aufgebrochen (vgl. SEM-Akte A36/21, F77, F86-91, 

F94-96). In der ergänzenden Anhörung schilderte sie den Sachverhalt in 

einer anderen Abfolge: In Mazar-e-Sharif angekommen, seien sie und der 

Sohn zuerst zum (…) und danach ins Gasthaus gefahren, wo sie den Anruf 

erhalten hätten. Am selben Tag seien sie, ohne jedoch dort zu übernachten, 

D-6178/2020 

Seite 15 

nach G._______ zurückgekehrt (vgl. SEM-Akte A54/15, F52-71, F76-77). 

Obwohl sich aus der Frage 64 der ergänzenden Anhörung interpretieren 

liesse, dass die Beschwerdeführerin und ihr Sohn in einem Gasthaus über-

nachtet hätten, würde diese Sichtweise im Widerspruch zu ihrer Schilde-

rung in der BzP stehen, wonach sie einmal ausführte, am selben Tag wie-

der nach Hause gefahren respektive dort mehrere Nächte übernachtet zu 

haben (vgl. SEM-Akte A12/17, F2.01, F5.01f.). Sodann ist weiter festzu-

stellen, dass sich ebenso wesentliche Widersprüche zu den Schilderungen 

des Sohnes ergeben haben. Dieser behauptete anlässlich seiner ergän-

zenden Anhörung, dass sie erst nach dem Anruf, welchen sie zu Hause in 

G._______ entgegengenommen hätten, nach Mazar-e-Sharif gefahren 

seien. Ferner führte die Beschwerdeführerin in der Anhörung aus, ihr Sohn 

sei alleine zum (…), wo der Ehemann gearbeitet habe, gefahren, wohinge-

gen sie in der ergänzenden Anhörung erklärte, gemeinsam mit dem Sohn 

dorthin gefahren zu sein. Mit diesen Ungereimtheiten konfrontiert, konnte 

sie keine überzeugende Erklärung geben (vgl. SEM-Akte 54/15, F80-85). 

Es kann – auch unter Berücksichtigung ihres gesundheitlichen Zustandes 

und trotz des ungefähr vier Jahre zurückliegenden Ereignisses – erwartet 

werden, dass die Beschwerdeführerin sich daran erinnern kann, ob sie nun 

in Mazar-e-Sharif übernachtete und ob der Sohn alleine oder in ihrer Be-

gleitung zum (…) gefahren ist. Überdies erstaunt es und wirkt abgespro-

chen, dass sowohl die Beschwerdeführerin als auch ihr Sohn einerseits 

während der Anhörung übereinstimmend darlegten, mehrmals in Mazar-e-

Sharif übernachtet zu haben, um dann an den ergänzenden Anhörungen 

entsprechend auszuführen, nicht dort übernachtet zu haben.   

8.6 Schliesslich ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin in der BzP 

und in der Anhörung kongruent und explizit nur einem vorangehenden Dro-

hanruf zuhanden ihres Ehemannes vor dessen Entführung erwähnte. In 

der ergänzenden Anhörung liess sie hingegen protokollieren, dass ihr Ehe-

mann zuvor bereits mehrere Drohanrufe erhalten habe (vgl. SEM-Akte 

A36/21, F75, F78-82, F86; SEM-Akte A54/15, F46, F51f.). Diese nachträg-

liche Steigerung des betreffenden Vorbringens trägt ebenso wenig zur 

Glaubhaftigkeit ihrer Schilderungen bei wie der Therapiebericht vom 

11. August 2020, worin sogar von jahrelangen Morddrohungen und Bedro-

hungen des Sohnes die Rede ist.  

8.7 In Anbetracht der vorangehenden Erwägungen kann auch dem geltend 

gemachten Vorfall im Dorf der Beschwerdeführenden 2018, gemäss wel-

chem die Beschwerdeführerin von einem Verwandten erfahren haben soll, 

D-6178/2020 

Seite 16 

dass vermummte Personen auf Motorrädern nach ihrem Verbleib und dem-

jenigen ihrer Familienangehörigen gefragt und angeblich zu diesem Anlass 

auch die Leiche des Ehemannes vorbeigebracht hätten, nicht geglaubt 

werden (vgl. SEM-Akte 36/21, F128, F133; SEM-Akte A54/15, F86).  

8.8 Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass die ge-

suchsbegründenden Vorbringen der Beschwerdeführenden nicht den An-

forderungen an die Glaubhaftigkeit im Sinne von Art. 7 AsylG genügen. 

9.  

9.1 Weiter ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer vorma-

ligen Tätigkeiten bei der lokalen afghanischen Wahlkommission sowie für 

das deutsche Alphabetisierungsprogramm (…) in den Fokus der Taliban 

geraten könnte.  

 

9.2 Gemäss langjähriger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts 

lassen sich bei der Beurteilung der Sicherheitslage in Afghanistan Gruppen 

von Personen definieren, die aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten 

Verfolgungsrisiko ausgesetzt sind. Dazu gehören unter anderem Perso-

nen, welche der afghanischen Regierung oder der internationalen Gemein-

schaft inklusive den internationalen Militärkräften nahestehen oder als Un-

terstützer derselben wahrgenommen werden sowie westlich orientierte 

oder der afghanischen Gesellschaft aus anderen Gründen nicht entspre-

chende Personen (vgl. hierzu Referenzurteil des BVGer D-5800/2016 vom 

13. Oktober 2017 sowie statt vieler Urteil des BVGer E-1775/2016 vom 

3. Dezember 2018 E. 6.2 m.w.H.). Demgemäss betrachten die Taliban An-

gehörige der afghanischen Sicherheitskräfte als Feinde ihrer Sache, wes-

halb ihnen Nachteile angedroht werden, welche bisweilen auch vollzogen 

werden. Indessen handelt es sich dabei um Personen, welche sich in be-

sonderer Weise exponiert haben, so dass sie den Taliban aufgefallen sind 

(vgl. Urteil des BVGer D-6581/2018 vom 27. Februar 2019 E. 5.3.1). Zwar 

kann die aktuelle Lage in Afghanistan nicht abschliessend beurteilt werden, 

sie hat sich jedoch nach der Machtergreifung der Taliban im August 2021 

zweifellos noch akzentuiert, weshalb diese Rechtsprechung weiterhin Gül-

tigkeit hat (vgl. Urteile des BVGer E-5120/2021 vom 21. Juli 2022 E. 6.3.2, 

D-2161/2021 vom 12. Januar 2022 E. 7.3 und E-4649/2021 vom 15. No-

vember 2021 E. 7.4.2; vgl. ferner European Union Agency for Asylum 

[EASO], Afghanistan Country focus – Country of Origin Information Report 

vom Januar 2022, S. 48 ff., <https://coi.euaa.europa.eu/administration/ea

so/PLib/2022_01_EASO_COI_Report_Afghanistan_Country_focus.pdf> 

und Update der Schweizerischen Flüchtlingshilfe [SFH] -Länderanalyse 

D-6178/2020 

Seite 17 

vom 31. Oktober 2021, Afghanistan: Gefährdungsprofile, S. 16 ff., 

<https://www.fluechtlingshilfe.ch/fileadmin/user_upload/Publikatio-

nen/Herkunftslaenderberichte/Mittlerer_Osten_-_Zentralasien/Afghanis-

tan/211031_AFG_Update_Gefaehrdungsprofile.pdf>, beide letztmals ab-

gerufen am 2. November 2022). 

 

Sodann kann gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-

richts die familiäre Zugehörigkeit zu einer Person, welche einem erhöhten 

Verfolgungsrisiko im Sinne der obenstehenden Erwägungen ausgesetzt 

ist, zu einer Reflexverfolgung führen (vgl. Urteile des BVGer D-5120/2021 

vom 21. Juli 2022 E.6.3.4, D-1728/2022 vom 10. Mai 2022 E. 7.3 und 

D-2161/2021 vom 12. Januar 2022 E. 7.4). Dies gilt insbesondere in Bezug 

auf (ehemalige) Angehörige der Polizei und der Sicherheitskräfte, Regie-

rungsbeamte oder der Regierung nahestehende Personen (vgl. SFH, 

a.a.O., S. 13 f. sowie Human Rights Watch [HRW], "No Forgiveness for 

People Like You": Executions and Enforced Disappearances in Afghanis-

tan under the Taliban, 30. November 2021, <www.hrw.org/report/2021/11/

30/no-forgiveness-people-you/executions-and-enforced-disappearances-

afghanistan>, beide letztmals abgerufen am 2. November 2022). Eine Ein-

schätzung hat jedoch im jeweiligen Einzelfall zu erfolgen. 

9.3 Die Beschwerdeführerin machte geltend, für eine afghanische lokale 

Wahlkommission sowie für ein deutsches Alphabetisierungsprogramm ge-

arbeitet zu haben, womit sie potentiell zu den Risikogruppen gehören 

könnte, für welche sich die Gefährdungslage seit der im August 2021 er-

folgten Übernahme der Kontrolle über das gesamte Staatsgebiets durch 

die Taliban und dem inzwischen erfolgten vollständigen Abzug der ameri-

kanischen und ausländischen Streitkräfte verschärft hat (vgl. zu den Risi-

kogruppen Urteil D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017 [als Referenzurteil 

publiziert]; D-2161/2021 vom 12. Januar 2022 E. 7.2ff.; D-1728/2022 vom 

10. Mai 2022 E. 7.3f.). Aus den eingereichten Beweismitteln ergibt sich, 

dass die Beschwerdeführerin offiziell von 22. Juni 2013 bis 26. September 

2013 bei der Wahlkommission arbeitete. Als Mitarbeiterin der staatlichen 

Kommission sei sie zuständig gewesen, die Bevölkerung während rund 

drei Monaten über die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen zu infor-

mieren. Sie habe mit Frauen gesprochen, diese über Wahlen aufgeklärt 

und habe sie ermutigt, bei den Wahlen teilzunehmen. Sie habe dabei nicht 

gesagt, für welche Personen gewählt werden solle, sondern nur für die 

Wahlen mobilisiert (vgl. SEM-Akte A36/21, F54-62). Zudem sei sie als Aus-

bildnerin bei der deutschen Organisation (…) tätig gewesen und habe 

diese Arbeit zwei Mal wöchentlich während je zwei Stunden ausgeübt. Es 

D-6178/2020 

Seite 18 

liegen keine Belege dieser Organisation vor, während welchem Zeitraum 

sie dort gearbeitet hat (vgl. SEM-Akte A36/21, F63-72). Überdies machte 

sie auch nicht geltend, dass sie deshalb jemals persönlich bedroht worden 

wäre oder ihr aus diesen Tätigkeiten ernsthafte Nachteile entstanden wä-

ren (vgl. SEM-Akten A36/21, F62-67, F72; A54/15, F33-42). Vor dem Hin-

tergrund ihrer eher niederschwelligen sowie kaum exponierten Tätigkeiten 

erscheint es kaum wahrscheinlich, dass die Taliban – auch zum heutigen 

Zeitpunkt und somit rund mindestens sieben beziehungsweise neun Jahre 

nach ihrer letztmaligen Aktivität – Kenntnis von ihrer Tätigkeit bei der af-

ghanischen Regierung sowie einer ausländischen Organisation haben und 

sie deswegen in deren Fokus geraten könnte.  

10.  

10.1 Schliesslich ist vorliegend zu prüfen, ob wegen der Arbeit ihres Ehe-

mannes beziehungsweise ihres Vaters bei einer amerikanischen Einrich-

tung für die Beschwerdeführenden eine objektiv begründete Furcht vor ei-

ner Verfolgung respektive Reflexverfolgung vorliegt oder vorliegen könnte. 

 

10.2 Der Ehemann beziehungsweise Vater der Beschwerdeführenden war 

ihren Angaben zufolge bei der (…) als (…) am (…) in Mazar-e-Sharif tätig 

gewesen (siehe auch das undatierte Zertifikat der «(…), Mazar-e-Sharif»). 

Grundsätzlich ist nicht auszuschliessen, dass er potentiell zu den oben er-

wähnten Risikogruppen gehören könnte (vgl. E. 9.2 hiervor.). Jedoch 

kommt das Gericht zum Schluss, dass bei den Tätigkeiten von einem eher 

niederschwelligen Profil auszugehen ist, da dieser – gemäss Schilderun-

gen der Beschwerdeführerin lediglich während ungefähr eines Jahres – 

sowie als Handwerker gearbeitet hat und sich somit kaum exponiert haben 

dürfte (vgl. SEM-Akte A36/21, F45). Zudem ist es auch vorliegend fraglich, 

ob die Taliban zum heutigen Zeitpunkt und damit über sieben Jahre nach 

dessen Tätigkeit am (…) in Mazar-e-Sharif überhaupt Kenntnis von der Tä-

tigkeit des Betroffenen haben. Überdies kann auch angesichts der Tatsa-

che, dass die geltend gemachte Entführung sowie die anschliessende Tö-

tung des Ehemannes respektive des Vaters durch die Taliban den Anforde-

rungen an Art. 7 AsylG nicht genügen, auch nicht davon ausgegangen wer-

den, dass die Beschwerdeführerin durch diese kurz vor der Ausreise (tele-

fonisch) bedroht worden respektive in deren Fokus geraten wäre.  

 

11.  

Das Gericht kommt nach den vorangehenden Erwägungen zum Schluss, 

dass die geltend gemachte Entführung und Tötung des Ehemannes res-

D-6178/2020 

Seite 19 

pektive Vaters der Beschwerdeführenden sowie die vorgebrachten Dro-

hungen der Beschwerdeführerin durch die Taliban den Anforderungen an 

Art. 7 AsylG nicht zu genügen vermögen. Auch ist weder ein Risikoprofil 

noch eine begründete Furcht vor einer Reflexverfolgung im Sinne von 

Art. 3 AsylG ersichtlich, zumal keine konkreten Indizien oder Anhaltspunkte 

dafür bestehen, dass sich eine solche mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 

und in absehbarer Zukunft verwirklichen könnte. Dementsprechend ist 

auch nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden in Afgha-

nistan eine Verfolgung respektive eine Reflexverfolgung zu befürchten hät-

ten. Die Vorinstanz hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Beschwer-

deführenden verneint und ihre Asylgesuche abgelehnt.  

12.  

12.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 Satz 1 AsylG). 

12.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrecht-

liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer 

solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

12.3 Abschliessend ist festzuhalten, dass sich aus den vorstehenden Er-

wägungen nicht etwa der Schluss ergibt, die Beschwerdeführenden seien 

zum heutigen Zeitpunkt angesichts der Entwicklung in Afghanistan nicht 

gefährdet. Jedoch ist eine solche Gefährdungslage unter dem Aspekt von 

Art. 83 Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Aus-

länderinnen und Ausländer und über die Integration (AIG, SR 142.20) ein-

zuordnen, wonach der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumut-

bar sein kann, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Si-

tuationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer 

Notlage konkret gefährdet sind. Der generellen Gefährdung aufgrund der 

aktuellen Situation in Afghanistan im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG wurde 

bereits durch die Vorinstanz mit der am 28. August 2019 erfolgten Anord-

nung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungs-

vollzugs Rechnung getragen. Praxisgemäss erübrigen sich somit weitere 

Ausführungen zur Zulässigkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs 

(vgl. BVGE 2011/7 E. 8; 2009/51 E. 5.4).  

D-6178/2020 

Seite 20 

13.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und der rechtserhebliche Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt wurde (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist 

deshalb abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 

14.  

14.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer-

deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem jedoch das mit 

der Beschwerde eingegangene Gesuch um Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung mit Verfügung vom 17. Dezember 2020 gutgeheis-

sen wurde, sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

 

14.2 Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote zu den Akten gereicht. Der 

notwendige Vertretungsaufwand lässt sich aufgrund der Akten jedoch zu-

verlässig abschätzen, weshalb auf die Einholung einer solchen verzichtet 

werden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu 

ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) ist dem Rechtsbeistand 

ein amtliches Honorar in der Höhe von Fr. 1’920.– auszurichten. 

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-6178/2020 

Seite 21 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dem amtlichen Rechtsbeistand wird vom Bundesverwaltungsgericht ein 

Honorar in der Höhe von Fr. 1’920.– zulasten der Gerichtskasse zugespro-

chen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän-

dige kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Chiara Piras Martina von Wattenwyl 

 

 

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