# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 877c570d-5e65-5035-98fa-4759691d2105
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-02-10
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 10.02.2022 VBE.2019.131
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2019-131_2022-02-10.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

3. Kammer 

 

 

VBE.2019.131 / cj / fi 
Art. 12 

 

 

Urteil vom 10. Februar 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Gössi, Präsidentin  

Oberrichter Kathriner  

Oberrichterin Peterhans  

Gerichtsschreiberin Junghanss          

 

 
   

Beschwerde-

führer  

 A._____   

vertreten durch lic. iur. Michael Ausfeld, Rechtsanwalt, Werdstrasse 36, 

Postfach 9562, 8036 Zürich    

 

     
   

Beschwerde-

gegnerin  

 SVA Aargau, Ergänzungsleistungen, Kyburgerstrasse 15, 5001 Aarau 1   

     

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend ELG 

(Einspracheentscheid vom 31. Januar 2019) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Der 1969 geborene Beschwerdeführer bezieht seit 1. April 1997 eine ganze 

Invalidenrente. Mit Verfügung vom 19. Oktober 2017 setzte die IV-Stelle 

des Kantons Aargau die Rente des Beschwerdeführers auf eine Viertels-

rente herab. Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das Bundesgericht 

letztinstanzlich mit Urteil 8C_833/2018 vom 23. Mai 2019 teilweise gut und 

wies die Sache zur weiteren Abklärung und zu neuer Verfügung an die IV-

Stelle zurück. 

 

1.2. 

In der Zwischenzeit berechnete die Beschwerdegegnerin infolge der He-

rabsetzung der IV-Rente auf eine Viertelsrente den Anspruch des Be-

schwerdeführers auf Ergänzungsleistungen (EL) neu und sprach ihm ab 

1. Dezember 2017 monatliche Ergänzungsleistungen in Höhe von 

Fr. 1'942.00 zu. Mit Verfügung vom 18. Juni 2018 reduzierte die Beschwer-

degegnerin den EL-Anspruch des Beschwerdeführers auf Fr. 569.00 pro 

Monat, da sie ab Juli 2018 ein hypothetisches Erwerbseinkommen in Höhe 

von Fr. 16'480.00 in die Berechnung miteinbezog. Die gegen die Verfügung 

vom 18. Juni 2018 erhobene Einsprache wies die Beschwerdegegnerin mit 

Einspracheentscheid vom 31. Januar 2019 ab. 

 

Da der Beschwerdeführer zwischenzeitlich in den Kanton Q. umgezogen 

war, endete sein Anspruch auf EL-Leistungen durch die Beschwerde-

gegnerin per 31. August 2018. 

 

2. 

2.1. 

Am 12. Februar 2019 erhob der Beschwerdeführer gegen den Einsprache-

entscheid vom 31. Januar 2019 fristgerecht Beschwerde und beantragte 

Folgendes: 

 

"1. Der Einspracheentscheid sei aufzuheben. 
 
2. Eventualiter sei die Sache zu sistieren bis bezüglich der Frage der Be-

rentung eine rechtskräftige Entscheidung vorliegt. 
 
3. Subeventualiter sei die Sache zu neuer Entscheidung und Vornahme 

weiterer Abklärungen an die Verwaltung zurückzuweisen. 
 
4. Dem mittellosen Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Rechtspflege 

zu gewähren und in der Person des Unterzeichneten ein unentgeltlicher 
Rechtsbeistand beizugeben. 

 
5. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Be-

schwerdegegnerin." 

 - 3 - 

 

 

 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 14. März 2019 beantragte die Beschwerdegeg-

nerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 28. Oktober 2019 wurden die 

Akten des invalidenrechtlichen Verfahrens VBE.2017.870 beigezogen und 

das vorliegende Verfahren bis zur rechtskräftigen Beurteilung des An-

spruchs des Beschwerdeführers auf eine IV-Rente sistiert. 

 

2.4. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 12. Mai 2020 wurde das vorlie-

gende Verfahren erneut sistiert, nachdem die Sistierung am 21. April 2020 

irrtümlicherweise aufgehoben worden war, und der Beschwerdeführer 

wurde aufgefordert, das Versicherungsgericht zu informieren, sobald ein 

rechtskräftiger Entscheid betreffend seine IV-Rente vorliege. 

 

2.5. 

Mit Schreiben vom 6. Dezember 2021 reichte der Beschwerdeführer die 

Verfügung der IV-Stelle des Kantons Q. vom 24. November 2021 ein, mit 

der ihm rückwirkend ab 1. Dezember 2017 Anspruch auf eine ganze 

Invalidenrente zugesprochen wurde. Der Beschwerdeführer beantragte die 

Abschreibung des EL-rechtlichen Verfahrens und die Zusprache einer Par-

teientschädigung infolge Obsiegens.  

 

2.6. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 8. Dezember 2021 wurde die 

Sistierung des Verfahrens aufgehoben und der Beschwerdegegnerin Ge-

legenheit zur Stellungnahme gegeben. 

 

2.7. 

Am 10. Dezember 2021 reichte der Beschwerdeführer ein weiteres Doku-

ment zu den Akten. 

 

2.8. 

Mit Schreiben vom 23. Dezember 2021 verurkundete die Beschwerdegeg-

nerin eine Verfügung vom 3. Dezember 2021, in der sie den EL-Anspruch 

des Beschwerdeführers für die Zeit von Dezember 2017 bis August 2018 

unter Berücksichtigung der zugesprochenen ganzen Invalidenrente und 

ohne Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens neu fest-

setzte, und beantragte ebenfalls die Abschreibung des vorliegenden Ver-

fahrens. 

 

  

 - 4 - 

 

 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens ist der Einsprache-

entscheid vom 31. Januar 2019, in dem die Beschwerdegegnerin festhielt, 

dass die IV-Stelle des Kantons Aargau den IV-Grad des Beschwerdefüh-

rers auf 47 % herabgesetzt habe, woraus sich eine verbleibende Leistungs-

fähigkeit von 53 % ergebe. Der Beschwerdeführer gelte somit als Teilinva-

lider, weswegen – da er kein tatsächliches Erwerbseinkommen erziele – 

bei der Berechnung seines EL-Anspruchs zu Recht ein hypothetisches Er-

werbseinkommen gestützt auf Art. 14a Abs. 2 ELV berücksichtigt worden 

sei (Vernehmlassungsbeilagen [VB] 67 ff.). Der Beschwerdeführer macht 

demgegenüber im Wesentlichen geltend, der Entscheid der IV-Stelle Aar-

gau über die Herabsetzung des IV-Grades sei noch nicht in Rechtskraft 

erwachsen. Er sei aus gesundheitlichen Gründen weiterhin nicht erwerbs-

fähig, weswegen ihm kein hypothetisches Erwerbseinkommen angerech-

net werden dürfe (Beschwerde, Ziff. 4 f.; vgl. auch Einsprache vom 2. Juli 

2018, VB 41 ff.).  

 

1.2. 

Mit der – mit Schreiben vom 6. Dezember 2021 dem Versicherungsgericht 

eingereichten – Verfügung der IV-Stelle des Kantons Q. vom 24. November 

2021 wurde dem Beschwerdeführer rückwirkend ab 1. Dezember 2017 die 

frühere ganze Invalidenrente erneut zugesprochen, da aus medizinischer 

Sicht keine verwertbare Restarbeitsfähigkeit vorliege. Gestützt darauf 

berechnete die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 3. Dezember 

2021 den EL-Anspruch des Beschwerdeführers für die Zeit von Dezember 

2017 bis August 2018 unter Berücksichtigung der zugesprochenen ganzen 

Invalidenrente und ohne Anrechnung eines hypothetischen Er-

werbseinkommens ab Juli 2018 neu. Für die Monate Juli und August 2018 

ermittelte sie einen EL-Anspruch von je Fr. 694.00. 

 

2. 

Gemäss Art. 53 Abs. 3 ATSG kann der Versicherungsträger eine Verfü-

gung oder einen Einspracheentscheid, gegen die Beschwerde erhoben 

wurde, so lange wiedererwägen, bis er gegenüber der Beschwerdebehörde 

Stellung nimmt. Hat der Versicherungsträger die Vernehmlassung einge-

reicht, ist ihm für die Folgezeit eine Wiedererwägung untersagt. Einer nach 

diesem Zeitpunkt erlassenen Verfügung kommt immerhin der Charakter 

eines Antrags an das Gericht zu. Die Verfügung selbst wird aber von der 

Rechtsprechung als (teil-)nichtig betrachtet (vgl. SVR 2005 EL Nr. 3 S. 9, 

P 7/02 E. 3.2; siehe ferner UELI KIESER, Kommentar zum Bundesgesetz 

über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2020, 

N. 92 zu Art. 53 ATSG mit Hinweis auf BGE 109 V 234 E. 2 S. 236). Es 

 - 5 - 

 

 

 

bedarf demnach bei Erlass einer Verfügung durch den Versicherungsträger 

nach dem Zeitpunkt der Vernehmlassung eines – auf eine zumindest sum-

marische Prüfung gestützten – materiellen Entscheids des Gerichts (vgl. 

AUGUST MÄCHLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bun-

desgesetz über das Verwaltungsverfahren, 2. Aufl. 2019, N. 16 zu Art. 58 

VwVG). 

 

3. 

Aufgrund der vorerwähnten Aktenlage erweist sich die Neufestsetzung des 

EL-Anspruchs des Beschwerdeführers für die Monate Juli und August 2018 

unter Berücksichtigung der zugesprochenen ganzen Invalidenrente und 

ohne Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens ohne Weite-

res als nachvollziehbar und rechtmässig. Es bestehen damit keine Anhalts-

punkte dafür, dass den übereinstimmenden Parteianträgen nicht entspro-

chen werden könnte. Der EL-Anspruch des Beschwerdeführers für die Mo-

nate Juli und August 2018 beträgt somit je Fr. 694.00. 

 

4. 

4.1. 

Der Beschwerdeführer beantragt ferner, es sei ihm die unentgeltliche 

Rechtspflege zu gewähren und der unterzeichnende Rechtsanwalt als un-

entgeltlicher Rechtsbeistand zuzuweisen (Rechtsbegehren Ziff. 4). Da das 

vorliegende Verfahren kostenlos ist, kann sich das Gesuch einzig auf die 

unentgeltliche Rechtsverbeiständung beziehen. 

 

4.2. 

Der Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, einschliesslich unentgeltli-

che Rechtsverbeiständung, besteht nach ständiger Rechtsprechung des 

Bundesgerichts aufgrund von Art. 29 Abs. 3 BV in jedem staatlichen Ver-

fahren, in welches die gesuchstellende Person einbezogen wird oder des-

sen sie zur Wahrung ihrer Rechte bedarf. Der verfassungsmässige An-

spruch auf unentgeltliche anwaltliche Verbeiständung besteht indessen 

nicht vorbehaltlos. In jedem Falle verlangt ist die Bedürftigkeit des Recht-

suchenden, die Nichtaussichtslosigkeit des verfolgten Verfahrensziels und 

die sachliche Gebotenheit der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im 

konkreten Fall (BGE 132 V 200 E. 4.1 S. 200 f.; 128 I 225 E. 2.5 S. 232 ff.; 

125 V 32 E. 4b S. 35 f.). 

 

4.3. 

Der Beschwerdeführer hat sich über seine Mittellosigkeit ausgewiesen, und 

auch die übrigen Voraussetzungen sind erfüllt. Die unentgeltliche Rechts-

verbeiständung ist daher zu bewilligen und lic. iur. Michael Ausfeld, Rechts-

anwalt, Zürich, zu seinem unentgeltlichen Vertreter zu ernennen. 

 

 - 6 - 

 

 

 

5. 

5.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde gutzuheissen, der angefoch-

tene Einspracheentscheid vom 31. Januar 2019 aufzuheben und der EL-

Anspruch des Beschwerdeführers für die Monate Juli und August 2018 auf 

je Fr. 694.00 festzusetzen. 

 

5.2. 

Das Verfahren ist kostenlos (aArt. 61 lit. a ATSG). 

 

5.3. 

Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz der rich-

terlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG). Diese sind dem 

unentgeltlichen Rechtsvertreter zu bezahlen. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht beschliesst: 

 

Dem Beschwerdeführer wird die unentgeltliche Rechtsverbeiständung be-

willigt, und zu seinem unentgeltlichen Vertreter wird lic. iur. Michael Aus-

feld, Rechtsanwalt, Zürich, ernannt. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspracheentscheid vom 31. Ja-

nuar 2019 aufgehoben und der EL-Anspruch des Beschwerdeführers für 

die Monate Juli und August 2018 auf je Fr. 694.00 festgesetzt. 

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem unentgeltlichen Rechtsver-

treter des Beschwerdeführers die Parteikosten in richterlich festgesetzter 

Höhe von Fr. 2'000.00 zu bezahlen. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

den Beschwerdeführer  (Vertreter; 2-fach)   

die Beschwerdegegnerin    

das Bundesamt für Sozialversicherungen 

 

  

 - 7 - 

 

 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 10. Februar 2022 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

3. Kammer 

Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Gössi Junghanss