# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dd76add2-8d40-50bc-9bbd-5e3684b9b396
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-11-09
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 09.11.2016 200 2016 757
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2016-757_2016-11-09.pdf

## Full Text

200 16 757 IV
GRD/JAP/SEE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 9. November 2016

Verwaltungsrichter Grütter, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Kölliker, Verwaltungsrichter Knapp
Gerichtsschreiber Jakob

A.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 30. Juni 2016

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Nov. 2016, IV/16/757, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1984 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) 
meldete sich am 17. Februar 2014 (richtig wohl: 2015 [vgl. Eingangsstem-
pel]) bei der IV-Stelle Bern (IVB bzw. Beschwerdegegnerin) zum Leis-
tungsbezug an (Akten der IVB, Antwortbeilage [AB] 2). Diese stellte ihr mit 
Vorbescheid vom 6. Mai 2016 (AB 34) mangels eines invalidisierenden 
Gesundheitsschadens die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht. 
Nach erhobenem Einwand (AB 35) verneinte sie mit Verfügung vom 
30. Juni 2016 (AB 37) entsprechend dem Vorbescheid einen Anspruch auf 
Invalidenversicherungsleistungen. 

B.

Mit Eingabe vom 29. August 2016 erhob die Versicherte Beschwerde und 
beantragte sinngemäss, die angefochtene Verfügung sei kostenfällig auf-
zuheben und ihr seien Invalidenversicherungsleistungen zuzusprechen.

In ihrer Beschwerdeantwort vom 11. Oktober 2016 schloss die Beschwer-
degegnerin, unter Verweis auf eine Stellungnahme des Regionalen Ärztli-
chen Dienstes (RAD) vom 30. September 2016 (AB 47), auf Abweisung der 
Beschwerde.

Erwägungen:

1.

1.1 Die angefochtene Verfügung ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 

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6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Verfügun-
gen. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren 
Anträgen nicht durchgedrungen, durch die angefochtene Verfügung berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung, weshalb sie zur 
Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gege-
ben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die 
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über 
Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. 
Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungs-
rechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwer-
de einzutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 30. Juni 2016 
(AB 37). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf Leistungen der Invali-
denversicherung, wobei gestützt auf die geltend gemachte Einschränkung 
der Erwerbstätigkeit (Beschwerde S. 9 N. 22) eine Invalidenrente im Vor-
dergrund steht.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-

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beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar-
beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge-
glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 
teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-
keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).

2.2 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden kön-
nen auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. 
Art. 7 ATSG). Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens 
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Ein-
schränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei 
Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu ver-
werten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitge-
hend objektiv bestimmt (BGE 131 V 49 E. 1.2 S. 50, 130 V 352 E. 2.2.1 
S. 353; SVR 2014 IV Nr. 2 S. 5 E. 3.1). Entscheidend ist, ob und inwiefern 
es der versicherten Person trotz ihres Leidens sozialpraktisch zumutbar ist, 
die Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehen-
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, und ob dies für die Gesell-
schaft tragbar ist. Dies ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab 
zu prüfen (BGE 136 V 279 E. 3.2.1 S. 281). Ausgangspunkt der An-
spruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 6 ff. und insbesondere 
Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Befundlage. Eine Einschränkung 
der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann anspruchserheblich sein, wenn 
sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchtigung ist, die fachärztlich einwand-
frei diagnostiziert worden ist (BGE 141 V 281 E. 2.1 S. 285).

2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze 
Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine 
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali-
ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente 
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine 
Viertelsrente.

2.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 

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und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99). Sache des 
(begutachtenden) Mediziners ist es zunächst, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschrei-
ben, d.h. mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter 
Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erheben 
und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Sachver-
ständige seine genuine Aufgabe, wofür Verwaltung und Gerichte nicht 
kompetent sind. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitli-
chen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson 
hingegen keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr 
nimmt die Arztperson zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, d.h. sie gibt eine 
Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich be-
gründet. Schliesslich sind die ärztlichen Angaben eine wichtige Grundlage 
für die juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Per-
son noch zugemutet werden können. Nötigenfalls sind, in Ergänzung der 
medizinischen Unterlagen, für die Ermittlung des erwerblich nutzbaren 
Leistungsvermögens die Fachpersonen der beruflichen Integration und 
Berufsberatung einzuschalten (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195).

3.

3.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfü-
gung vom 30. Juni 2016 (AB 37) in medizinischer Hinsicht auf eine Akten-
beurteilung des RAD-Arztes Dr. med. B.________ (nach eigenen Angaben 
Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, im Medizinal-
beruferegister jedoch ohne Facharzttitel verzeichnet [vgl. 
<www.medregom.admin.ch>]) vom 28. April 2016 (AB 33). Darin führte er 
die folgenden Diagnosen auf:

Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:

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 Leichte bis mittelschwere depressive Episode mit somatischem 
Syndrom in Form myofaszialer Dysbalancen (ICD-10: F32.11)

Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
 Chronisches oberes zervikogenes Syndrom respektive Schwin-

del und chronische Kopfschmerzen

Er erklärte, die Beschwerdeführerin habe nach einem Verkehrsunfall im 
März 2014 ein zervikogenes Syndrom und im weiteren Verlauf eine de-
pressive Symptomatik mit unterschiedlichem Ausmass im Krankheitsverlauf 
entwickelt. Dies habe ab 3. September 2014 zu einer 100%igen, ab 
29. September 2014 zu einer 80%igen, ab 3. November 2014 zu einer 
60%igen und ab April 2015 zu einer 40%igen Arbeitsunfähigkeit geführt. 
Seit 7. Dezember 2015 betrage die Arbeitsunfähigkeit noch 30 %. Es be-
stehe im Rahmen der depressiven Symptomatik noch eine verminderte 
Aufmerksamkeit und Konzentration sowie eine reduzierte Ausdau-
er/Belastbarkeit in Kombination mit einer erhöhten Ermüdbarkeit. Er stellte 
eine günstige Prognose und attestierte aus objektiv-medizinischer Sicht 
eine ab sofort gültige Arbeitsfähigkeit von 80 % (quantitativ) bzw. 70 % 
(qualitativ).

3.2 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352).

Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt Beweis-
wert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet 
sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverläs-
sigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem An-
stellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf 
mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Gleiches gilt, 
wenn ein frei praktizierender Arzt von einer Versicherung wiederholt für die 

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Erstellung von Gutachten beigezogen wird (SVR 2008 IV Nr. 22 S. 70 
E. 2.4). Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen 
in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen 
lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten 
im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gut-
achters allerdings ein strenger Massstab anzulegen (BGE 125 V 351 E. 3b 
ee S. 354).

3.3 Die RAD-Beurteilung vom 28. April 2016 (AB 33) erfüllt die vorer-
wähnten höchstrichterlichen Beweisanforderungen (vgl. E. 3.2 hiervor) und 
erbringt grundsätzlich vollen Beweis. 

3.3.1 Dass Dr. med. B.________ die Beschwerdeführerin nicht klinisch 
explorierte, ist nicht geeignet, den Beweiswert seiner überzeugenden 
Schlussfolgerungen zu schmälern, konnte er sich aufgrund der vorhande-
nen Unterlagen doch ein gesamthaft lückenloses Bild verschaffen (vgl. 
RKUV 2006 U 578 S. 175 E. 3.4, 1988 U 56 S. 371 E. 5b). Wohl lagen ihm 
zwei erst im Beschwerdeverfahren seitens der Beschwerdeführerin aufge-
legte medizinische Dokumente (Akten der Beschwerdeführerin, Beschwer-
debeilagen [BB] 4 und 7) zunächst nicht vor. Aus diesen Unterlagen erge-
ben sich indes keine wesentlichen neuen Aspekte, zudem nahm der RAD 
am 30. September 2016 dazu eingehend Stellung (AB 47/3 f.). Im Doku-
mentationsbogen für Erstkonsultation nach kranio-zervikalem Beschleuni-
gungstrauma (BB 4) diagnostizierte der am Folgetag nach dem Verkehrs-
unfall vom 10. März 2014 erstkonsultierte Dr. med. C.________, Facharzt 
für Chirurgie und für Allgemeine Innere Medizin FMH, einen Grad I nach 
QTF-Klassifikation (Klassifikation der Québec Task Force). Er stellte keine 
pathologischen Befunde fest, verzichtete auf bildgebende Untersuchungen, 
verordnete nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) sowie Physiotherapie 
(BB 5), bescheinigte keine Arbeitsunfähigkeit und beantwortete die Frage, 
ob die Beschwerdeführerin nach dem Unfallereignis die geplante Tätigkeit 
habe verrichten können mit nein, «weil: Pat. nicht wollte». Im Konsiliarbe-
richt des Spitals D.________ vom 5. November 2015 (BB 7) über die am-
bulante Schmerzsprechstunde vom 20. Oktober 2015 vermerkten PD Dr. 
med. E.________ und Dr. med. F.________, beides Fachärzte für Anäs-
thesiologie, als Diagnosen ein chronisches muskuloskelettales zervikoge-

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nes Schmerzsyndrom mit/bei Zustand nach leichtem HWS-
Beschleunigungstrauma im März 2014 und Heliosis im August 2014 sowie 
eine reaktive depressive Phase seit August 2014. Sie wiesen darauf hin, 
dass die Beschwerdeführerin weiterhin zu 40 % arbeitsunfähig geschrieben 
sei, empfahlen die Weiterführung der Psychotherapie und schlossen die 
Behandlung ab.

In Kenntnis dieser beiden nachgereichten Dokumente bestätigte der RAD-
Arzt Dr. med. I.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trau-
matologie des Bewegungsapparates FMH, in seiner von Dr. med. 
B.________ unterzeichneten Stellungnahme vom 30. September 2016 
(AB 47/3 f.), dass das im Nachgang zum Verkehrsunfall aufgetretene zervi-
kogene Syndrom keinen Einfluss mehr auf die Arbeitsfähigkeit habe. Diese 
Einschätzung leuchtet ein, zumal initial keine Arbeitsunfähigkeit attestiert 
wurde und es sich um einen harmlosen Verkehrsunfall gehandelt hat. Die 
beschwerdeweise geltend gemachte Aufprallgeschwindigkeit von «zirka 50 
Km/h» (Beschwerde S. 3 N. 5) ist ausgeschlossen. Wenngleich weder eine 
unfalltechnische Analyse noch ein biomechanisches Gutachten vorliegt, ist 
angesichts des marginalen Sachschadens (Beschädigung bloss am Heck-
stossfänger des Fahrzeuges der Beschwerdeführerin bzw. kein sichtbarer 
Schaden am auffahrenden Fahrzeug [AB 3]) davon auszugehen, dass kei-
ne hohe kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung (∆-V) vorlag bzw. 
keine grossen Kräfte auf die Beschwerdeführerin gewirkt haben. Überdies 
begab sich die Beschwerdeführerin erst nach einer langen Latenzzeit ab 
20. Juni 2014 in hausärztliche Behandlung bei Dr. med. H.________, 
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, wobei psychische Beschwer-
den im Vordergrund standen (AB 20.2/3). Zwar diagnostizierte der Haus-
arzt später zusätzlich ein chronisches oberes zervikogenes Syndrom mit 
intermittierendem Schwindel und chronischen rezidivierenden Cephalgien, 
ein von ihm veranlasstes MRI der Halswirbelsäule (HWS) ergab indes kei-
nen Nachweis relevanter organischer Läsionen und er erachtete die Be-
schwerden als teilweise somatoform bedingt im Rahmen der Depression 
(AB 10.2/1, 23.2/4). Soweit die Beschwerdeführerin dem Unfallereignis 
bzw. den damit assoziierten Symptomen eine entscheidende Bedeutung 
beimisst (Beschwerde S. 7 N. 17), findet diese Auffassung in den medizini-
schen Akten keinen Rückhalt; sie akzeptierte denn offensichtlich auch, 

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dass die Trägerin der obligatorischen Unfallversicherung am 3. März 2015 
mit der Begründung den Fallabschluss verfügte, der Status quo ante sei 
zwölf Monate nach dem Unfalldatum eingetreten (AB 13).

3.3.2 Die medizinische Aktenlage präsentiert sich insgesamt kohärent 
und widerspruchsfrei, weshalb sich weitere Sachverhaltserhebungen erüb-
rigen und offen bleiben kann, ob Dr. med. B.________ tatsächlich über 
einen entsprechenden Facharzttitel verfügt. Er orientierte sich in seiner 
retrospektiven Einschätzung der Arbeitsunfähigkeitsgrade (AB 33/5) an den 
Angaben des Hausarztes (AB 10.2/1, 10.2/3, 23.1/2, 23.2/4, 24/4). Auch 
die für den Zeitpunkt der Stellungnahme vom 28. April 2016 (AB 33) ange-
nommene medizinisch-theoretische Restarbeitsfähigkeit (80 % Präsenzzeit 
bzw. 70 % Leistungsfähigkeit [das Rendement von 70 % bezieht sich of-
fensichtlich auf ein Vollpensum]) korreliert mit der von Dr. med. 
H.________ zuletzt postulierten und von der ab 2. Dezember 2014 behan-
delnden Dr. med. G.________, seit 2015 Fachärztin für Psychiatrie und 
Psychotherapie FMH, übernommenen (AB 31/3 f. Ziff. 1.6 und 1.9) 
30%igen Arbeitsunfähigkeit (AB 29/2). Des Weiteren ergeben sich in dia-
gnostischer Hinsicht ebenfalls keine wesentlichen Divergenzen. Zwar be-
zeichnete der RAD-Arzt die depressive Episode als leicht bis mittelgradig 
(AB 33), während Dr. med. G.________ sie als mittelschwer wertete 
(AB 23.2/1 Ziff. 2, 31/1 Ziff. 1.1), beide klassifizierten die Diagnose aber mit 
ICD-10: F32.11, womit sie letztlich übereinstimmend von einer (höchstens) 
mittelgradigen Ausprägung ausgingen.

3.4 Nach dem Gesagten hat die Beschwerdegegnerin den medizini-
schen Sachverhalt in Nachachtung der Untersuchungsmaxime (Art. 43 
Abs. 1 ATSG) rechtsgenüglich abgeklärt. Basierend auf der RAD-
Beurteilung (AB 44, 47) ist nach dem massgebenden Beweisgrad der 
überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 138 V 218 E. 6 S. 221) erstellt, 
dass aus medizinischer Sicht trotz der mittelgradigen depressiven Episode 
spätestens ab 7. Dezember 2015 (im ungekündigten Arbeitsverhältnis) eine 
Restarbeits- bzw. Leistungsfähigkeit von 70 % besteht. Dies stimmt auch 
mit dem von der Beschwerdeführerin faktisch präsentierten Leistungsver-
mögen überein, bewältigt sie nach eigenen Angaben doch wieder ein Ar-
beitspensum von 70 % (Beschwerde S. 8 N. 21). Ein rentenbegründender 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Nov. 2016, IV/16/757, Seite 10

Invaliditätsgrad (vgl. Art. 16 ATSG; BGE 128 V 29 E. 1 S. 30, 104 V 135 E. 
2b S. 136; E. 2.3 hiervor) fällt bei dieser Ausgangslage von vornherein aus-
ser Betracht.

Indes liegt der frühestmögliche Rentenbeginn unter Berücksichtigung der 
Karenzfrist (Art. 29 Abs. 1 IVG) sowie des Wartejahres (Art. 28 Abs. 1 lit. c 
IVG) im September 2015, womit aufgrund der damals noch höheren Ar-
beitsunfähigkeit von 40 % ein befristeter Rentenanspruch grundsätzlich 
nicht ausgeschlossen wäre (vgl. Art. 88a Abs. 1 der Verordnung vom 
17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Zudem 
stehen mit Blick auf das unspezifische Rechtsbegehren allenfalls auch wei-
tere Leistungsansprüche in Frage. Allemal gilt es jedoch zu berücksichti-
gen, dass es – auch bei Depressionen – keineswegs allein Sache des Arz-
tes ist, abschliessend und verbindlich zu entscheiden, ob das medizinisch 
festgestellte Leiden zu einer im Sozialversicherungsrecht anerkannten an-
dauernden Arbeitsunfähigkeit führt, zumal zwischen ärztlich gestellter Dia-
gnose und Arbeitsunfähigkeit keine Korrelation besteht und die medizini-
sche Folgenabschätzung notgedrungen eine hohe Variabilität aufweist so-
wie unausweichlich Ermessenzüge trägt (vgl. E. 2.4 hiervor; BGE 140 V 
193 E. 3.1 S. 195; SVR 2014 Nr. 34 S. 124 E. 3.1). Es ist deshalb nachfol-
gend im Rahmen einer rechtlichen Würdigung zu beurteilen, ob unter sozi-
alversicherungsrechtlichen Gesichtspunkten überhaupt ein relevanter Ge-
sundheitsschaden vorliegt bzw. welche Arbeitsleistungen der Beschwerde-
führerin noch zugemutet werden können. 

4.

4.1 Die diagnostizierte depressive Episode ist – ebenso wie eine eigent-
liche depressive Störung – per se nicht als pathogenetisch-ätiologisch un-
klares syndromales Beschwerdebild ohne nachweisbare organische Grund-
lage im Sinne der Rechtsprechung zu qualifizieren (vgl. SVR 2014 IV 
Nr. 12 S. 48 f. E. 3.2 und 4.2.3; Entscheide des Bundesgerichts [BGer] vom 
8. Oktober 2014, 9C_856/2013, E. 3.1, und vom 15. Januar 2013, 
8C_217/2012, E. 5.3.1), womit sich eine Prüfung der Standardindikatoren 
nach Massgabe von BGE 141 V 281 erübrigt. Zwar hat das Bundesgericht 

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offen gelassen, ob die Praxis nach BGE 141 V 281 auf alle psychischen 
Leiden auszudehnen sei (Entscheid des BGer vom 7. Juli 2016, 
8C_676/2015, E. 5.3 [zur Publikation vorgesehen]). So oder anders hat 
BGE 141 V 281 aber an der bundesgerichtlichen Praxis, wonach leichte bis 
höchstens mittelschwere Störungen aus dem depressiven Formenkreis in 
der Regel therapierbar sind und invalidenversicherungsrechtlich zu keiner 
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen, nichts geändert (Entscheid des 
BGer vom 18. November 2015, 9C_125/2015, E. 7.2.1 mit Hinweisen).

4.2 Die mittelgradige depressive Episode ist vorliegend als therapierbar 
einzustufen. Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass die Therapie als 
gescheitert zu betrachten und von einem resistenten Leiden auszugehen 
wäre. Dies hat die Beschwerdegegnerin in allen Teilen zutreffend dargelegt 
(Beschwerdeantwort S. 3 lit. C Ziff. 7). Dr. med. H.________ bezeichnete 
die Prognose bezüglich der depressiven Episode bereits im November 
2014 als günstig und gab an, es sei kein bleibender Nachteil zu erwarten 
(AB 10.2/1 Ziff. 5). Im April 2015 beschrieb er zwar einen zögerlichen Ver-
lauf, er erwartete aber immer noch eine – wenn auch langsame – Besse-
rung der Depression (AB 23.2/4 Ziff. 6). Dr. med. G.________ führte eine 
wöchentliche ambulante Behandlung samt Pharmakotherapie durch und 
formulierte als Behandlungsziel eine Vollremission der depressiven Sym-
ptomatik (AB 23.2/2 Ziff. 5 f., 24/3 Ziff. 5, 31/2 Ziff. 1.4). Die Dres. med. 
E.________ und F.________ erachteten die Weiterführung der psychothe-
rapeutischen Behandlung im November 2015 ebenfalls als indiziert 
(BB 7/1) und die behandelnde Psychiaterin orientierte noch im März 2016 
über eine geplante Steigerung der Medikation unter Beibehaltung des The-
rapiesettings (AB 31/3 Ziff. 1.5). Die insgesamt positive Situation spiegelt 
sich auch im Umstand wieder, dass die Arbeitsfähigkeit im Verlauf tatsäch-
lich stetig gesteigert werden konnte. Dass es der Beschwerdeführerin trotz 
therapeutischer Bemühungen bis zum massgebenden Verfügungszeitpunkt 
(vgl. BGE 131 V 242 E. 2.1 S. 243, 130 V 138 E. 2.1 S. 140) nicht gelungen 
ist, ihre vollständige Arbeitsfähigkeit wieder zu erlangen (Beschwerde S. 5 
N. 11), ändert nichts am nach wie vor bestehenden Therapiepotential. Folg-
lich ist der diagnostizierten mittelschweren Depression eine invalidisierende 
Wirkung abzusprechen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Nov. 2016, IV/16/757, Seite 12

4.3 Bei dieser Ausgangslage kann unter Berücksichtigung der höch-
strichterlichen Praxis (vgl. E. 2.2, 2.4 und 4.1 hiervor) aus rechtlicher Sicht 
nicht auf die Arbeitsunfähigkeitsschätzungen des RAD bzw. der behan-
delnden Ärzte abgestellt werden, wenngleich diese aus rein medizinischer 
Sicht allenfalls zutreffen mögen. Damit ist das Bestehen eines invalidisie-
renden Gesundheitsschadens nicht ausgewiesen, was eine leistungsspezi-
fische Invalidität für jegliche in Frage stehenden Invalidenversicherungsleis-
tungen ausschliesst. Die Beschwerdegegnerin verneinte mit Verfügung 
vom 30. Juni 2016 (AB 37) einen Leistungsanspruch zu Recht; die hierge-
gen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.

5.

5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor 
dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung 
oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach 
dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 
Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen. 

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden entspre-
chend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdeführerin zur Bezah-
lung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss entnommen. 

5.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin 
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Umkehrschluss aus Art. 1 
Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 9. Nov. 2016, IV/16/757, Seite 13

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe entnommen.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4. Zu eröffnen (R):
- A.________
- IV-Stelle Bern 
- Bundesamt für Sozialversicherungen 

Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.