# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4bf04317-75f5-597d-88b7-cb490e84cfeb
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-12-22
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 22.12.2022 SK 2022 130
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2022-130_2022-12-22.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil 
SK 22 130 + 131

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 22. Dezember 2022 

Besetzung Oberrichter Zbinden (Präsident i.V.), 
Oberrichter Vicari, Oberrichter Schlup
Gerichtsschreiberin Bettler

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Gegenstand Diebstahl, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und Tätlichkeit 
sowie Widerrufsverfahren

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau (Einzelgericht) vom 19. Januar 2022 (PEN 21 203)

2

Inhaltsverzeichnis 

I. Formelles..........................................................................................................................3
1. Erstinstanzliches Urteil ..............................................................................................3
2. Berufung....................................................................................................................3
3. Beweisergänzungen..................................................................................................4
4. Anträge des Beschuldigten .......................................................................................4
5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer ..................................................5

II. Sachverhalt, Beweiswürdigung und rechtliche Würdigung ..............................................5
III. Strafzumessung ...............................................................................................................9

6. Konkretes Vorgehen und Strafrahmen......................................................................9
7. Einsatzstrafe: mehrfacher Diebstahl z.N. von C.________.....................................10

7.1 Objektive Tatkomponenten ............................................................................10
7.2 Subjektive Tatkomponenten...........................................................................11
7.3 Verminderte Schuldfähigkeit ..........................................................................11
7.4 Fazit Tatkomponenten / Einsatzstrafe............................................................15

8. Asperation aufgrund der weiteren Schuldsprüche ..................................................15
8.1 mehrfacher Diebstahl .....................................................................................15
8.2 mehrfache Sachbeschädigung.......................................................................16
8.3 mehrfacher Hausfriedensbruch......................................................................17
8.4 Fazit Asperation / Gesamtstrafe aufgrund der Tatkomponenten ...................18

9. Täterkomponenten ..................................................................................................18
9.1 Vorleben und persönliche Verhältnisse..........................................................18
9.2 Vorstrafen sowie Delinquenz trotz laufenden Strafverfahren.........................19
9.3 Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren...............................................19
9.4 Strafempfindlichkeit........................................................................................20
9.5 Fazit Täterkomponenten ................................................................................20

10. Strafmass ................................................................................................................20
11. Strafvollzug..............................................................................................................20

IV.Landesverweisung .........................................................................................................22
12. Theoretische Grundlagen........................................................................................22
13. Subsumtion .............................................................................................................24

13.1 Katalogtat nach Art. 66a Abs. 1 StGB............................................................24
13.2 Härtefallprüfung / Interessenabwägung .........................................................24

14. Dauer der Landesverweisung .................................................................................32
15. Ausschreibung der Landesverweisung im SIS........................................................32

V. Kosten und Entschädigung ............................................................................................34
16. Verfahrenskosten ....................................................................................................34
17. Entschädigung der amtlichen Verteidigung.............................................................35

VI.Verfügungen...................................................................................................................35
VII. Dispositiv .................................................................................................................36

3

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil 

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau (Einzelgericht; nachfolgend: Vor-
instanz) sprach A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) mit Urteil vom 19. Januar 
2022 (pag. 891 ff.) von der Anschuldigung der Sachbeschädigung, angeblich be-
gangen z.N. von D.________, frei, ohne Ausrichtung einer Entschädigung und oh-
ne Ausscheidung von Verfahrenskosten (pag. 892, Ziff. I. erstinstanzliches Urteil).

Hingegen erklärte die Vorinstanz den Beschuldigten des mehrfachen Diebstahls, 
teilweise versucht begangen, der mehrfachen Sachbeschädigung, des mehrfachen 
Hausfriedensbruchs und der Tätlichkeit schuldig. Sie verurteilte ihn zu einer unbe-
dingten Freiheitsstrafe von 11 Monaten, zu einer Übertretungsbusse von 
CHF 300.00 und zu den Verfahrenskosten, insgesamt bestimmt auf 
CHF 20'130.00. Die Untersuchungshaft von 89 Tagen wurde auf die Freiheitsstrafe 
angerechnet und es wurde festgestellt, dass die Strafe vom 29. April 2021 bis 
3. November 2021 vorzeitig angetreten worden ist. Ferner sprach die Vorinstanz 
eine Landesverweisung von 5 Jahren aus und ordnete deren Ausschreibung im 
Schengener Informationssystem (nachfolgend: SIS) an (pag. 892 f. und pag. 895, 
Ziff. II. und Ziff. VI. 3. erstinstanzliches Urteil). 

Der dem Beschuldigten mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 
26. Januar 2021 für eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu CHF 30.00 gewährte 
bedingte Vollzug wurde nicht widerrufen. Die Verfahrenskosten für das Widerrufs-
verfahren von CHF 300.00 wurden dem Beschuldigten auferlegt (pag. 894, Ziff. III. 
erstinstanzliches Urteil).

Im Zivilpunkt verwies die Vorinstanz mehrere Zivilklagen wegen unzureichender 
Begründung/Bezifferung auf den Zivilweg und traf weitere Verfügungen (pag. 895, 
Ziff. V. erstinstanzliches Urteil). 

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte, vertreten durch Rechtsanwältin 
B.________, mit Schreiben vom 24. Januar 2022 form- und fristgerecht die Beru-
fung an (pag. 903). Nach Zustellung der schriftlichen Urteilsbegründung mit Verfü-
gung vom 2. März 2022 (pag. 963 f.) erklärte der Beschuldigte mit Eingabe vom 
23. März 2022 form- und fristgerecht die Berufung, beschränkt auf die Bemessung 
der Strafe, die Nichtgewährung des bedingten Strafvollzugs, die ausgesprochene 
Landesverweisung und deren Ausschreibung im SIS (pag. 974 f.). Die General-
staatsanwaltschaft verzichtete mit Schreiben vom 8. April 2022 auf die Teilnahme 
am oberinstanzlichen Verfahren (pag. 990 f.). Mit Verfügung vom 26. April 2022 
teilte die Verfahrensleitung mit, es sei beabsichtigt, die Straf- und Zivilklägerin 1, 
den Straf- und Zivilkläger 2 und die Zivilklägerinnen 1 bis 3 aus dem Verfahren zu 
entlassen. Sie gab den Parteien Gelegenheit, allfällige Einwände gegen das beab-
sichtigte Vorgehen geltend zu machen (pag. 992 ff.). Mit Schreiben vom 27. April 
2022 teilte der Beschuldigte mit, dass keine Einwände gegen das beabsichtigte 
Vorgehen geltend gemacht würden (pag. 995). Die übrigen Parteien liessen sich 
innert Frist nicht vernehmen. Mit Beschluss vom 24. Mai 2022 wurden die Straf- 

4

und Zivilklägerin 1, der Straf- und Zivilkläger 2 und die Zivilklägerinnen 1 bis 3 aus 
dem oberinstanzlichen Verfahren entlassen (pag. 1007 ff.). 

Die Berufungsverhandlung vor der 1. Strafkammer fand am 22. Dezember 2022 in 
Anwesenheit des Beschuldigten, seiner Verteidigung und eines Übersetzers statt 
(pag. 1224 ff.). 

3. Beweisergänzungen

Von Amtes wegen wurden oberinstanzlich im Sinne einer Beweisergänzung beim 
Staatssekretariat für Migration (nachfolgend: SEM) und beim Amt für Bevölke-
rungsdienste, Migrationsdienst, des Kantons Bern aktualisierte Berichte im Hinblick 
auf die Prüfung der strafrechtlichen Landesverweisung, ein aktueller Leumundsbe-
richt (inkl. Erhebungsformular wirtschaftliche Verhältnisse und Betreibungsregister-
auszug) sowie ein aktueller Strafregisterauszug über den Beschuldigten eingeholt 
(pag. 1011; pag. 1019 ff.; pag. 1035 ff.; pag. 1042 f.; pag. 1044 ff.; pag. 1055 ff.). 

Weiter wurden von Amtes wegen die Akten KES 2014-1110 betreffend den Be-
schuldigten ediert und Auszüge der Akten in Kopie zu den Akten genommen 
(pag. 1059 ff.; pag. 1165 f.). Gestützt auf ein Ersuchen um Einreichung des Asy-
lentscheids liegt sodann ein Schreiben des SEM vom 19. Dezember 2022 samt Ak-
tenstücken aus den Asylakten vor (pag. 1168 f.; pag. 1171 ff.).

Schliesslich wurde der Beschuldigte an der oberinstanzlichen Verhandlung unter 
Beizug eines Übersetzers für Tigrinisch ergänzend einvernommen (pag. 1226 ff.). 

4. Anträge des Beschuldigten

Rechtsanwältin B.________ stellte und begründete an der oberinstanzlichen Ver-
handlung namens des Beschuldigten folgende Anträge (pag. 1238): 
1. In Abänderung von II. Ziff. 1/1 des Urteils des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 

19. Januar 2022 sei der Berufungsführer zu einer Freiheitsstrafe von 9.5 Monaten zu verurteilen, 
unter Gewährung des bedingten Vollzuges und der Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren und 
unter Anrechnung der bis zum Urteilszeitpunkt ausgestandenen Haft von 277 Tagen. 

2. Eventualiter: In Abänderung von II. Ziff. 1/1 des Urteils des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau vom 19. Januar 2022 sei der Beschuldigte zu einer Freiheitsstrafe von 9.5 Monaten 
zu verurteilen, unter Anrechnung der bis zum Urteilszeitpunkt ausgestandenen Haft von 277 Ta-
gen. 

3. Subeventualiter: In Abänderung von II. Ziff. 1/1 des Urteils des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau vom 19. Januar 2022 sei der Beschuldigte zu einer Freiheitsstrafe von 11 Monaten 
zu verurteilen, unter Gewährung des bedingten Vollzuges und der Ansetzung einer Probezeit 
von 2 Jahren und unter Anrechnung der bis zum Urteilszeitpunkt ausgestandenen Haft von 
277 Tagen. 

4. In Abänderung von II. Ziff. 1/3 des Urteils des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 
19. Januar 2022 sei von einer Landesverweisung abzusehen. 

5. In Abänderung von VI. Ziff. 3 des Urteils des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 
19. Januar 2022 sei von der Anordnung der Ausschreibung der Landesverweisung im Schenge-
ner Informationssystem abzusehen. 

6. Die weiteren Verfügungen sind von Amtes wegen zu treffen. 

7. Die Verfahrenskosten seien dem Kanton Bern aufzuerlegen. 

8. Die Honorarnote der amtlichen Verteidigung sei zu genehmigen.

5

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Zufolge der beschränkten Berufung des Beschuldigten hat die Kammer die Straf-
zumessung, die ausgesprochene Landesverweisung und deren Ausschreibung im 
SIS sowie die Kosten und Entschädigungsfolgen zu überprüfen. Praxisgemäss ist 
zudem über das erstellte DNA-Profil und die erhobenen biometrischen erken-
nungsdienstlichen Daten neu zu befinden. Abgesehen davon ist das Urteil des Re-
gionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 19. Januar 2022 in Rechtskraft erwach-
sen. Mangels Abänderungsantrags der Verteidigung ist auch die Verurteilung zu 
einer Übertretungsbusse von CHF 300.00 und die Festsetzung einer Ersatzfrei-
heitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung in Rechtskraft erwachsen (pag. 893, 
Ziff. II. 2. erstinstanzliches Urteil).

Die Kammer verfügt als Berufungsgericht über umfassende Kognition in tatsächli-
cher und rechtlicher Hinsicht (Art. 398 Abs. 2 und 3 der Schweizerischen Strafpro-
zessordnung [StPO; SR 312.0]) und ist aufgrund der alleinigen Berufung des Be-
schuldigten an das Verschlechterungsverbot (Verbot der reformatio in peius) 
gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden, d.h. sie darf das Urteil nicht zu Ungunsten 
des Beschuldigten abändern.

II. Sachverhalt, Beweiswürdigung und rechtliche Würdigung

Der Schuldsprüche wegen mehrfachen Diebstahls, teilweise versucht begangen, 
mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen Hausfriedensbruchs und Tätlichkeit 
sind, wie erwähnt, zufolge der beschränkten Berufung des Beschuldigten in 
Rechtskraft erwachsen (vgl. Ziff. I. 5. vorne). Damit kann für den Sachverhalt, die 
Beweiswürdigung und die rechtliche Würdigung grundsätzlich auf die erstinstanzli-
che Urteilsbegründung verwiesen werden (pag. 921 ff., S. 6 ff. der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung). 

Im Sinne eines Überblickes soll hier nur Folgendes festgehalten werden: 

Der Beschuldigte wurde gemäss Vorakten PEN 15 278 mit Urteil des Regionalge-
richts Bern-Mittelland vom 24. Juli 2015 wegen Raubes, sexueller Nötigung, mehr-
fachen Diebstahls, Nötigung, mehrfachen Hausfriedensbruchs, Gewalt und Dro-
hung gegen Behörden und Beamte, sexueller Belästigung, Tätlichkeiten sowie wei-
teren Übertretungen zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten und ei-
ner Übertretungsbusse von CHF 2'000.00 verurteilt. Der Vollzug der Freiheitsstrafe 
wurde zugunsten einer stationären therapeutischen Massnahme nach Art. 59 des 
Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0) aufgeschoben. Der Be-
schuldigte befand sich ab 7. Mai 2014 zunächst in Haft und ab 6. Mai 2015 formell 
im Massnahmenvollzug (PEN 15 278, Urteil vom 24. Juli 2015). Im nachträglichen 
Verfahren auf Verlängerung der Massnahme im Jahre 2020 kam das Regionalge-
richt Bern-Mittelland zum Schluss, dass die Behandlungsfähig-
keit/Krankheitseinsicht des Beschuldigten trotz getätigter Bemühungen nicht gege-
ben sei und eine Verlängerung der Massnahme unverhältnismässig wäre, weshalb 
der Beschuldigte mit Beschluss vom 3. Juli 2020 nach fünf Jahren aus der statio-
nären Massnahme entlassen wurde (PEN 20 80). Gemäss dem Bericht des Regio-
nalen Sozialdienstes E.________ vom 9. Juni 2021 (pag. 411 ff.) kam es nach der 

6

Entlassung des Beschuldigten zu zahlreichen Wechseln der Wohnsituation (teil-
weise verursacht durch das als unkooperativ bezeichnete Verhalten des Beschul-
digten; pag. 411 f.). Ab Dezember 2020 habe der Beschuldigte abwechselnd bei 
seinem Bruder oder seiner Schwester in Zürich gelebt. Dann sei er ab ca. 20. Ja-
nuar 2021 obdachlos gewesen. Der Umgang mit Geld bereite dem Beschuldigten 
grosse Schwierigkeiten. Nebst der Unterstützung bei der Wohnsituation sei für den 
Beschuldigten auch ein berufliches Setting aufgegleist worden. Er habe das Erst-
gespräch aber nicht wahrgenommen (pag. 412). 

Nur wenige Monate nach seiner Entlassung aus der stationären Massnahme wurde 
der Beschuldigte erneut straffällig. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Emmen-
tal-Oberaargau vom 14. Januar 2021 wurde der Beschuldigte wegen mehrfachen 
geringfügigen Diebstahls, begangen am 28. August 2020, 3. September 2020 und 
19. November 2020, zu einer Busse von CHF 600.00 verurteilt (pag. 200 f.). Ferner 
wurde er mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 26. Januar 
2021 wegen mehrfachen Diebstahls, teilweise geringfügig, Sachbeschädigung und 
Hausfriedensbruchs im November 2020 zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Ta-
gessätzen zu CHF 30.00 und einer Busse von CHF 300.00 verurteilt (pag. 1056 f.). 

In die Zeitspanne ab November 2020 bis Ende Januar 2021 fallen die Delikte, für 
welche die Vorinstanz am 19. Januar 2022 die hier unangefochtenen Schuld-
sprüche ausgefällt hat.  

Ein isoliert wirkender Vorfall geschah am 14. November 2020 in Form einer Sach-
beschädigung zum Nachteil der SBB AG. Der Beschuldigte warf eine Glasflasche 
auf die Eingangsschiebetüre des F.________ in Zürich, wodurch die Glasscheibe 
beschädigt wurde. Das Motiv blieb unklar. Er sei wütend gewesen, komplett be-
trunken. Tatsächlich ergab ein Atemalkoholtest kurz nach der Tat 1.00 mg/l 
(pag. 456 f.; pag. 926 f., S. 11 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

In der Phase der mutmasslichen Obdachlosigkeit im Januar 2021 nächtigte der Be-
schuldigte ohne Einwilligung des Eigentümers zumindest teilweise im Wohnwagen 
von D.________ in G.________(Ort) (vgl. pag. 169 Z. 338 ff.). Im Wohnwagen von 
D.________ fand sich auch Deliktsgut aus verschiedenen Delikten. 

Am Donnerstag 28. Januar 2021 will der Beschuldigte mit dem Zug von Bern her-
gekommen und in H.________ (Ort) ausgestiegen sein, um später via Langenthal 
nach E.________ (Ort) zu gelangen (pag. 136 Z. 41 ff.). Augenzeugen sahen, wie 
der Beschuldigte eine leere Bierflasche gegen das Gemeindehaus H.________ 
(Ort) und weitere leere Bierflaschen auf den Boden warf (pag. 136 Z. 32 ff.) und 
auch, wie er mit einem Stein eine Schaufensterscheibe der I.________ einschlug 
und mittels Durchgreifens Brillen entwendete (pag. 136 Z. 52 f.). Der Beschuldigte 
erklärte, er habe unbedingt eine Brille haben wollen, weil er ohne Brille nicht so gut 
sehen könne (pag. 136 Z. 55). Er wurde anschliessend bei einer Tankstelle ange-
halten, wobei er zwei entwendete Sonnenbrillen bei sich trug. Auf der Polizeiwache 
wurden ein Atemlufttest und ein Drogenschnelltest durchgeführt. Der Atemlufttest 
ergab 0.78 mg/l. Der Drogenschnelltest fiel negativ aus. Nach Abschluss der Ab-
klärungen und Erhebungen brachte die Polizei den Beschuldigten auf dessen 
Wunsch hin nach E.________ (Ort), wo er entlassen wurde (pag. 127). In 

7

E.________ (Ort) kam es um ca. Mitternacht zum Vorfall zum Nachteil von 
J.________. Der Beschuldigte schlug mit einer vor Ort gefundenen Schneeschaufel 
das Küchenfenster der leerstehenden Parterrewohnung ein, angeblich auf der Su-
che nach Zigaretten und Alkohol (pag. 181 Z. 26 ff.) bzw. auch wütend auf die Si-
tuation (pag. 167 Z. 235). Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass sich gestützt auf 
die vorhandenen Beweismittel nicht mit Sicherheit sagen lasse, ob der Beschuldig-
te anschliessend in die Wohnung eingedrungen und dabei auch die Tür des Kühl-
schranks beschädigt habe. Zu seinen Gunsten sei daher nur vom Beschädigen des 
Fensters und demnach von einem Schaden von CHF 600.00 auszugehen 
(pag. 927, S. 12 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Immer noch in derselben 
Nacht, nun am Freitag 29. Januar 2021, ab ca. 00:25 Uhr, brach der Beschuldigte 
ein Fenster auf und drang in den Tankstellenshop von K.________ in L.________ 
(Ort) ein. Diesen verliess er anschliessend wieder und schnitt eine Plane des daran 
angebauten Fumoirs/Wintergartens auf und drang auch dort ein. Der Beschuldigte 
entwendete in den beiden Örtlichkeiten eine Wolldecke, Raucherwaren und Alkohol 
(pag. 473). Die abhanden gekommenen 134 Swisslose konnten hingegen nicht 
dem Beschuldigten angelastet werden (pag. 924 f., S. 9 f. der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung). 

Einen Tag später, am Samstagnachmittag 30. Januar 2021, fiel dem Wohnwagen-
besitzer D.________ auf, dass der Beschuldigte aus dem benachbarten Mehrfami-
lienhaus mit der Familienwohnung von C.________ in G.________(Ort) kam und 
die Jacke sowie die Mütze des Nachbarn trug (pag. 63 ff.). Offenbar war der Be-
schuldigte ohne Schuhe unterwegs (pag. 140 Z. 27). Die beigezogene Polizei stell-
te Deliktsgut sicher (Jacke und Fingerring) und entschied, den Beschuldigten dem 
Notfallpsychiater im Spital M.________ (Ort) vorzuführen. Dieser stellte keine 
Fremd- oder Eigengefährdung fest und entliess den Beschuldigten aus dem Spital. 
In der Folge wurde der Beschuldigte auf der Polizeiwache zum Einschleichdieb-
stahl befragt und anschliessend entlassen (pag. 63 f.). D.________ meldete sich 
aber am selben Abend erneut bei der Polizei und teilte mit, dass der Beschuldigte 
in seinen Wohnwagen eingebrochen sei und ihn beim Anhalteversuch ins Gesicht 
geschlagen habe. Die ausgerückte Polizei fand den Beschuldigten zunächst nicht, 
wurde dann aber von einer Anwohnerin in E.________ (Ort) auf den Beschuldigten 
und ein zu Bruch gegangenes Fenster aufmerksam gemacht. Auf die «Stopp Poli-
zei»-Rufe reagierte der Beschuldigte nicht und rannte davon, konnte dann aber 
trotzdem gestellt werden. Gemäss dem Sammelrapport vom 25. Februar 2021 
(pag. 63 ff.) habe der Beschuldigte ein geöffnetes Taschenmesser in der Hand ge-
halten. Er sei apathisch an der Hauswand gestanden und habe keine Reaktion ge-
zeigt. Der Beschuldigte habe geblutet und habe das Taschenmesser unvermittelt 
über seinen Kopf hinweg in die Luft geworfen. Nach der Anhaltung habe der Be-
schuldigte wirres Zeug geredet und es habe kein normales Gespräch mit ihm ge-
führt werden können (pag. 64). Ein Atemlufttest am gleichen Abend um 23:36 Uhr 
ergab einen Wert von 1.42 Gewichtspromille (pag. 65). Bei der ärztlichen Ab-
klärung der Hafterstehungsfähigkeit vom 31. Januar 2021 (pag. 16 f.) wurde ver-
merkt, dass der Beschuldigte zeitlich und örtlich orientiert gewirkt habe (pag. 17). 
Zusammenfassend ergab sich hinsichtlich der Ereignisse des 30. Januar 2021, 
dass der Beschuldigte 

8

- sich unberechtigterweise im Wohnwagen von D.________ in G.________(Ort) 
aufgehalten und diesen verschmutzt hatte. Aufgrund der ungenügenden Akten-
lage ging die Vorinstanz davon aus, dass sich der Beschuldigte nicht gewaltsam 
Zugang zum Wohnwagen verschafft hatte. Hinsichtlich der geltend gemachten 
Beschädigungen sei lediglich die Verschmutzung des Wohnwagens durch den 
Beschuldigten erstellt, was jedoch für den objektiven Tatbestand einer Sachbe-
schädigung nicht genüge (pag. 928 f. und 934 f.; S. 13 f. und S. 19 f. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung). 

- mehrmals in die Wohnung der Familie C.________ in G.________(Ort) ein-
schlich. Am 30. Januar 2021 wurde er von D.________ angehalten, weil er eine 
Jacke und Mütze von C.________ trug (pag. 63). Im Wohnwagen von 
D.________, der dem Beschuldigten als Nachtlager diente, konnten zudem wei-
tere Gegenstände der Familie C.________ sichergestellt werden, die folglich zu 
einem früheren Zeitpunkt dorthin gebracht worden sein müssen. Wie oft der Be-
schuldigte bei der Familie C.________ eindrang, konnte nicht abschliessend 
beurteilt werden, jedoch mindestens zweimal (pag. 922 f., S. 7 f. der erstinstanz-
lichen Urteilsbegründung).  

- D.________ bei der zweiten Begegnung bzw. dessen Anhalteversuch in 
G.________(Ort) zumindest geohrfeigt hat.

- die Scheibe des N.________ in E.________ (Ort) mit einem Stein einschlug, 
aufgrund des Eintreffens der alarmierten Polizei vor Ort jedoch kein Deliktsgut 
entwenden konnte. 

Auffallend ist beim Vergleich zwischen den Diebstahls- und Sachbeschädigungs-
vorwürfen das klare Missverhältnis zwischen Deliktsbetrag und Sachschadensbe-
trag:

Diebstahl Sachbeschädigung 
SBB AG – CHF 7’915.95

C.________ CHF 459.95 –

I.________ CHF 178.90 CHF 8’142.95

J.________ CHF 600.00

K.________ CHF 322.45 CHF 9’000.00

N.________ – CHF 1’455.00

Total CHF 961.30 CHF 27’113.90

Angesprochen auf die Häufung der Delikte gab der Beschuldigte zu Protokoll, dies 
liege einerseits daran, dass er keine Bleibe habe und andererseits habe er keine 
Kontrolle mehr über sich selber. Er habe Drogen (Haschisch, Marihuana und Ko-
kain) und Alkohol konsumiert (pag. 181 Z. 19 ff.). Er habe zu der Zeit keine Woh-
nung und keine Arbeit gehabt. Deshalb habe er Alkohol getrunken (pag. 183 Z. 104 
f.). Er könne zwar ohne Alkohol überleben, nicht aber ohne Zigaretten. Seine Be-
ziehung zu Alkohol könne aber schon als Sucht bezeichnet werden (pag. 172 Z. 
495 ff.).

9

Soweit mit Blick auf die Strafzumessung und/oder die Frage der Landesverweisung 
weitere Ergänzungen und Präzisierungen notwendig erscheinen, erfolgen diese 
unmittelbar an den entsprechenden Stellen der nachfolgenden Erwägungen der 
Kammer.

III. Strafzumessung 

6. Konkretes Vorgehen und Strafrahmen

Die allgemeinen Ausführungen der Vorinstanz zur Strafzumessung sind zutreffend. 
Darauf kann verwiesen werden (pag. 937 f., S. 22 f. der erstinstanzlichen Urteils-
begründung). 

Bereits an dieser Stelle kann vorweggenommen werden, dass die Kammer für die 
Schuldsprüche wegen mehrfachen Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung und 
mehrfachen Hausfriedensbruchs – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – eine 
Freiheitsstrafe als angemessene und zweckmässige Sanktion erachtet (pag. 938 
ff., S. 23 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Zwar wären für diese Delikte 
theoretisch auch Geldstrafen möglich. Spezialpräventive Argumente sprechen vor-
liegend jedoch gegen das Aussprechen einer Geldstrafe. Der Beschuldigte delin-
quierte trotz einschlägiger Vorstrafe wiederholt und während laufenden Strafverfah-
ren. So wurde er mit Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 24. Juli 2015 
u.a. wegen Raubes, mehrfachen Diebstahls und mehrfachen Hausfriedensbruchs 
zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt, wobei der Vollzug zugunsten ei-
ner stationären therapeutischen Massnahme aufgeschoben wurde (pag. 1055 f.). 
Mit Beschluss vom 3. Juli 2020 wurde der Beschuldigte nach fünf Jahren aus der 
stationären Massnahme entlassen (pag. 1056). Nur wenige Monate nach seiner 
Entlassung wurde der Beschuldigte erneut straffällig. Mit Strafbefehl der Staatsan-
waltschaft Emmental-Oberaargau vom 14. Januar 2021 wurde er wegen mehrfa-
chen geringfügigen Diebstahls, begangen am 28. August 2020, 3. September 2020 
und 19. November 2020, zu einer Busse von CHF 600.00 verurteilt (pag. 200 f.). 
Ferner wurde er mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 26. Ja-
nuar 2021 wegen mehrfachen Diebstahls, teilweise geringfügig, Sachbeschädigung 
und Hausfriedensbruchs im November 2020 zu einer bedingten Geldstrafe von 30 
Tagessätzen zu CHF 30.00 und einer Busse von CHF 300.00 verurteilt (pag. 203 f.; 
pag. 1056 f.). 

Hinzu kommt, dass mit Blick auf die finanzielle Situation des Beschuldigten eine 
Vollstreckungsprognose negativ ausfällt. Der Beschuldigte ist mittellos und lebt von 
Sozialhilfe. Er hat keine finanziellen Mittel, um eine Geldstrafe bezahlen zu können. 
Die Kammer teilt die Auffassung der Vorinstanz, dass nicht ersichtlich ist, wie der 
Beschuldigte diese Mittel innert absehbarer Zeit auf legalem Weg erlangen könnte 
(pag. 939, S. 24 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Unter diesen Umständen 
scheint einzig eine Freiheitsstrafe geeignet, um den Beschuldigten vor weiteren 
Straftaten abzuhalten. Selbst die Verteidigung beantragte sowohl erst- als auch 
oberinstanzlich eine Freiheitsstrafe (pag. 874; pag. 882; pag. 1238).

10

Der Vollständigkeit halber ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass die Übertre-
tungsbusse von CHF 300.00 für die Tätlichkeit in Rechtskraft erwachsen ist (vgl. 
Ziff. I. 5. vorne). 

Entsprechend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist zunächst der Strafrah-
men für die schwerste Straftat zu bestimmen und alsdann die Einsatzstrafe für die 
schwerste Tat innerhalb dieses Strafrahmens festzusetzen (Urteil des Bundesge-
richts 6B_1079/2016 vom 21. März 2017 E. 1.3 mit Hinweisen). Die abstrakt 
schwerste Straftat ist vorliegend der Diebstahl mit einer Strafandrohung von Frei-
heitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe (Art. 139 Ziff. 1 StGB). Damit kom-
men vorliegend sowohl die Vorfälle zum Nachteil C.________, I.________, 
K.________ sowie N.________ als einsatzstrafengebend in Betracht. Die Kammer 
erachtet in Übereinstimmung mit der Vorinstanz und den Parteien den Diebstahl 
zum Nachteil von C.________ als konkret schwerste Straftat, weil der Beschuldigte 
dort mehrfach delinquierte und zur Begehung der Diebstähle überdies in die Fami-
lienwohnung des Geschädigten eindrang (pag. 940, S. 25 der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung; pag. 871; pag. 874). Zu präzisieren ist, dass es nicht den Dieb-
stahl, sondern mindestens zwei Diebstähle zum Nachteil von C.________ gibt, so 
dass man eigentlich einen dieser Diebstähle für die Einsatzstrafe heranziehen und 
den anderen Diebstahl dann asperieren müsste. Ausnahmsweise scheint es aber 
vorliegend geboten, die Diebstahlsvorfälle zum Nachteil von C.________ zwar 
nicht als natürliche Handlungseinheit, jedoch als Tatgruppe abzuhandeln, da eine 
zeitlich-sachliche Trennung der Vorfälle unmöglich erscheint und die (an sich sepa-
rat gefassten) Tatentschlüsse jeweils gleichbleibend auf gleiches/ähnliches De-
liktsgut zielten (Kleidung, Lebensmittel, Raucherwaren, Alkohol).

In einem zweiten Schritt ist die Einsatzstrafe aufgrund der weiteren Schuldsprüche 
in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB angemessen zu erhöhen. Trotz Asperation 
und verminderter Schuldfähigkeit sind vorliegend keine aussergewöhnlichen Um-
stände ersichtlich, die es gebieten würden, den ordentlichen Strafrahmen zu ver-
lassen (vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.8 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 
6B_853/2014 vom 9. Februar 2015 E. 4.2). 

7. Einsatzstrafe: mehrfacher Diebstahl z.N. von C.________ 

7.1 Objektive Tatkomponenten

Der Beschuldigte schlich wiederholt via unverschlossener Eingangstür des Mehr-
familienhauses in die Räumlichkeiten von C.________ und seiner Familie ein und 
entwendete dort diverses Deliktsgut. Einem vergleichsweise geringen Deliktsbetrag 
von insgesamt CHF 459.95 steht eine mindestens zweifache Begehung zum Nach-
teil desselben Geschädigten mit Einschleichen in eine private Wohnung gegenü-
ber. Die Schwere der Verletzung des betroffenen Rechtsguts wiegt – unter Berück-
sichtigung des weiten Strafrahmens von bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe – leicht.

Der Beschuldigte handelte mit einer eher tiefen kriminellen Energie. Sein Vorgehen 
war weder besonders raffiniert noch ging dieses wesentlich über das zur Verwirkli-
chung eines Einschleichdiebstahls Erforderliche hinaus. Die Art und Weise der 
Herbeiführung der Rechtsgutverletzung ist neutral zu werten. 

https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_853%2F2014&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-IV-55%3Ade&number_of_ranks=0#page55

11

7.2 Subjektive Tatkomponenten 

Der Beschuldigte handelte mit direktem Vorsatz, was indes tatbestandsimmanent 
und deshalb neutral zu werten ist. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, beging 
der Beschuldigte die Diebstähle aus reinem Eigennutzen, zur Befriedigung kurzfris-
tiger Grundbedürfnisse (pag. 940, S. 25 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 

Rechtfertigungsgründe sind nicht ersichtlich, erwachsen auch nicht aus der teilwei-
sen Deckung von Grundbedürfnissen, zumal der Beschuldigte während der gesam-
ten Zeit vom Sozialdienst betreut war und Sozialhilfe erhielt. Eine Verschulden-
sminderung unter dem Titel der Vermeidbarkeit ist mithin nicht angezeigt.

Die subjektiven Tatkomponenten wirken sich insgesamt neutral aus.

7.3 Verminderte Schuldfähigkeit

War der Täter zur Zeit der Tat nur teilweise fähig, das Unrecht seiner Tat einzuse-
hen oder gemäss dieser Einsicht zu handeln, so mildert das Gericht die Strafe 
(Art. 19 Abs. 2 StGB). 

Der Schuldvorwurf, der einem vermindert schuldfähigen Täter gemacht werden 
kann, ist verglichen mit einem voll schuldfähigen Täter geringer. Das Schuldprinzip 
verlangt daher, dass die Strafe für eine in verminderter Schuldfähigkeit begangene 
Tat niedriger sein muss, als wenn der Täter – unter sonst gleichen Umständen – 
voll schuldfähig gewesen wäre (BGE 136 IV 55 E. 5.5 mit Hinweis). Der Verminde-
rung der Schuldfähigkeit ist im vollen Ausmass Rechnung zu tragen. Eine lineare 
Reduktion nach einem bestimmten Tarif ist dabei nicht vorzunehmen (BGE 136 IV 
55 E. 5.3 mit Hinweisen). Vielmehr hat das Gericht im Rahmen seines Ermessens-
spielraums zu prüfen, wie sich die festgestellte Einschränkung der Schuldfähigkeit 
unter Würdigung aller Umstände auf die (subjektive) Verschuldensbewertung aus-
wirkt (BGE 136 IV 55 E. 5.6). 

Im Sinne einer groben Faustregel geht die Rechtsprechung davon aus, dass bei 
einer Blutalkoholkonzentration von unter 2 Gewichtspromille (bzw. einer Atemalko-
holkonzentration von unter 1 mg/l) in der Regel keine Beeinträchtigung der Schuld-
fähigkeit gegeben ist und dass bei einer solchen von 3 Promille (bzw. einer Atem-
alkoholkonzentration von 1.5 mg/l) und darüber meist Schuldunfähigkeit vorliegt. 
Bei einer Blutalkoholkonzentration im Bereich zwischen 2 und 3 Promille (bzw. ei-
ner Atemalkoholkonzentration zwischen 1 und 1.5 mg/l) besteht im Regelfall die 
Vermutung für eine Verminderung der Schuldfähigkeit. Diese Vermutung kann je-
doch im Einzelfall durch Gegenindizien umgestossen werden (BGE 122 IV 49 
E. 1b; Urteile des Bundesgerichts 6B_1363/2019 vom 19. November 2020 E. 1.7.2; 
6B_79/2019 vom 5. August 2019 E. 2.3.2; 6B_648/2014 vom 28. Januar 2015 
E. 2.2; je mit Hinweisen). 

Das der seinerzeitigen stationären Massnahme zugrundeliegende forensisch-
psychiatrische Gutachten stammt vom Institut für Rechtsmedizin der Universität 
Bern (nachfolgend: IRM) und datiert vom 30. Dezember 2014 (PEN 15 278, 
pag. 734 ff.). Zum Zeitpunkt der damals zur Beurteilung stehenden Taten habe der 
Beschuldigte sehr wahrscheinlich an einer schweren schizophrenen Erkrankung, 
einer Depression mit psychotischen Symptomen sowie einer schweren Alkoholab-

12

hängigkeit und einem schädlichen Gebrauch von Cannabinoiden gelitten (PEN 15 
278, pag. 788). Der Beschuldigte sei zum Tatzeitpunkt trotz der festgestellten 
Störungen fähig gewesen, das Unrecht seines Tuns einzusehen. Die Steuerungs-
fähigkeit sei allerdings als erheblich reduziert einzuschätzen (PEN 15 278, pag. 
789). 

Im forensisch-psychiatrischen Gutachten vom 20. Dezember 2019 mit Ergän-
zungsbericht vom 3. Februar 2020 (pag. 521 ff.; Teil des erwähnten Verfahrens 
PEN 20 80 betreffend Verlängerung der stationären Massnahme) stellte 
Dr. med. O.________ eine nur unvollständig remittierte paranoide Schizophrenie, 
eine frühere Alkoholabhängigkeit und eine frühere Cannabisabhängigkeit fest. Er-
gänzend sah der Gutachter die Kriterien zur Diagnosestellung einer hyperkineti-
schen Störung sowie einer Störung des Sozialverhaltens in der Kindheit des Be-
schuldigten als erfüllt (pag. 638). 

Gemäss dem Bericht des Notfallpsychiaters vom 1. Februar 2021 (pag. 658 f.) sei 
der Beschuldigte am 30. Januar 2021 von der Polizei zu einer notfallmässigen 
Konsultation gebracht worden. Er sei alkoholisiert (0.5 mg/l) und zudem barfuss bei 
winterlichem Wetter unterwegs gewesen (pag. 658). Der Beschuldigte sei bewusst-
seinsklar und allseits orientiert gewesen. Es gebe keine Hinweise für eine relevante 
psychiatrische Störung. Eine psychiatrische Erkrankung mit eigenständigem 
Krankheitswert sei nicht diagnostiziert worden. Es handle sich eher um eine soziale 
Problematik (pag. 659).

Gemäss dem Bericht des Sozialdienstes E.________ vom 9. Juni 2021 (pag. 411 
ff.) sei der Beschuldigte mehrmals alkoholisiert zu Terminen erschienen, habe dies 
jedoch in Abrede gestellt (pag. 412 f.). Es sei von fehlender Krankheitseinsicht 
auszugehen. Der Beschuldigte habe nach seinem Austritt aus dem Gefängnis die 
Medikation selbständig abgesetzt (pag. 413). 

Gemäss dem Bericht des Forensisch-Psychiatrischen Dienstes der Universität 
Bern (nachfolgend: FPD) vom 3. September 2021 (pag. 662 ff.) habe der Beschul-
digte im Februar 2021 Stimmenhören (teilweise beleidigend, drohend) beschrieben. 
Suizidal sei er zwar nicht, dennoch würden ihn die teilweise drohenden Stimmen 
belasten (pag. 663). Einige Tage später habe das Betreuungspersonal des Regio-
nalgefängnisses Burgdorf berichtet, dass der Beschuldigte durch Selbstgespräche 
und seltsames Verhalten auffalle (pag. 664). Seine schizophrene Erkrankung ver-
laufe offenbar episodisch und er setze die antipsychotische Medikation gegen ärzt-
lichen Rat jeweils wieder ab, sobald es ihm wieder besser gehe (pag. 665).

Gemäss dem Vollzugsbericht des Regionalgefängnisses Burgdorf vom 7. Dezem-
ber 2021 (pag. 794 f.) hätten der Umgang des Beschuldigten mit seinen Medika-
menten und die Einstellung zu seinem Beschwerdebild auf weiten Strecken eine 
Krankheitseinsicht vermissen lassen. Die Medikamente hätten dem Beschuldigten 
während seines Aufenthaltes im Regionalgefängnis Burgdorf unnachlässig unter 
Kontrolle abgegeben werden müssen (pag. 795). 

Die Vorinstanz liess sodann – entgegen dem ausdrücklichen Wunsch des Beschul-
digten – bei Dr. med. O.________ ein aktuelles forensisch-psychiatrisches Gutach-
ten erstellen (pag. 668 f.; pag. 680 f.; pag. 695 ff.). Der Gutachter erwartete in sei-

13

nem Vorbericht vom 10. Oktober 2021 (pag. 722 f.) keine neuen diagnostischen 
Schlussfolgerungen und liess gemäss Aktennotiz vom 19. Oktober 2021 (pag. 724) 
verlauten, die Frage der Schuldfähigkeit sei auch abhängig von der medikamentö-
sen Einstellung des Beschuldigten zu den angeblichen Tatzeitpunkten. Es bestehe 
eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die Schuldfähigkeit beeinträchtigt gewesen 
sei. Jedenfalls sei die Darstellung des Beschuldigten, wonach die vorgeworfenen 
Straftaten nicht in Zusammenhang mit einer psychischen Störung stünden, anzu-
zweifeln (pag. 724). 

Das forensisch-psychiatrische Gutachten von Dr. med. O.________ datiert vom 
10. Januar 2022 (pag. 799 ff.). Im Rahmen der Begutachtung verweigerte der Be-
schuldigte die Zusammenarbeit, weshalb sich der Befund von Dr. med. 
O.________ im Wesentlichen auf bereits früher erstellte Gutachten/Vorgutachten 
sowie Therapieberichte des FPD stützte (vgl. pag. 813; pag. 816; pag. 841). Er 
diagnostizierte beim Beschuldigten eine paranoide Schizophrenie sowie eine Alko-
hol- und Cannabisabhängigkeit, die auch in den mutmasslich tatrelevanten 
Zeiträumen vorgelegen hätten. Der Beschuldigte sei aufgrund der schweren psy-
chischen Störungen – insbesondere aufgrund der paranoiden Schizophrenie – zu 
einer eigenständigen, selbstbestimmten Lebensführung nicht in der Lage gewesen. 
Der Ausprägungsgrad der paranoiden Schizophrenie sei als vergleichsweise 
schwerwiegend zu bezeichnen. Weiter sei der Beschuldigte auch abhängig von 
Suchtstoffen, weshalb diesbezüglich von einer verminderten Kontrollfähigkeit aus-
zugehen sei (pag. 841 f.). Die Frage nach der Schuldfähigkeit lasse sich aus foren-
sisch-psychiatrischer Sicht nicht klären, da der Beschuldigte die gutachterlichen 
Untersuchungen verweigert habe und die Akten keine hinreichenden Informationen 
zur Deliktdynamik, zum Zusammenhang von psychischer Störung, psychischem 
Erleben und mutmasslicher Tatbegehung und damit zur Einschätzung der Frage 
nach der Schuldfähigkeit bieten würden (pag. 842 f.). 

Die Vorinstanz hielt zutreffend fest, dass der Beschuldigte im Tatzeitraum offen-
sichtlich regelmässig und in grösseren Mengen Alkohol konsumierte, wie seine drei 
aktenkundigen Alkoholtests (pag. 65; pag. 127; pag. 456 f.) sowie die zahlreichen 
sichergestellten alkoholischen Getränke im Wohnwagen von D.________ belegen. 
Die Alkoholwerte liegen – mit Ausnahme desjenigen beim Vorfall zum Nachteil der 
SBB AG (1.00 mg/l; pag. 456 f.) – noch unterhalb der vom Bundesgericht festge-
legten Schwelle. Gemäss der Stadtpolizei Zürich habe sich der Beschuldigte bei 
diesem Vorfall nicht besonders auffällig verhalten und habe trotz des hohen Atem-
alkoholtestwerts nicht psychisch beeinträchtigt gewirkt (pag. 456). Der Vorfall sel-
ber wirkt aber aus der Distanz wenig nachvollziehbar. Am 28./29. Januar 2021 war 
der Beschuldigte beim Vorfall zum Nachteil der I.________ klar betrunken. Der 
durchgeführte Atemlufttest ergab 0.78 mg/l (pag. 127). Nur kurze Zeit nach der 
«Ausnüchterungsphase» im Zuge der polizeilichen Anhaltung/Abklärung wirkt die 
Sachbeschädigung zum Nachteil von J.________ dann immer noch sehr eigenartig 
und der in kurzem Abstand folgende, nicht übermässiges Geschick erfordernde 
Einbruch zum Nachteil der K.________ nicht wirklich überlegt. Am Samstagnach-
mittag 30. Januar 2021 (mutmasslicher Tatzeitpunkt eines der Diebstähle zum 
Nachteil von C.________) lag eine Alkoholisierung im Umfang von 0.5 mg/l vor 
(pag. 658). Der Beschuldigte wirkte in der Notfallpsychiatrie bewusstseinsklar und 

14

allseits orientiert, was allerdings angesichts seiner Barfüssigkeit bei winterlichem 
Wetter eher zweifelhaft erscheint bzw. eine Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit 
nicht ausschliesst. Am selben Abend flüchtete der Beschuldigte nach dem versuch-
ten Diebstahl beim N.________ vor der Polizei und kam anschliessend vor einer 
Hauswand zu stehen, wo er apathisch mit einem Messer in der Hand blutend das-
tand und auf die Aufforderungen der Polizei nicht reagierte. Nach seiner Anhaltung 
soll er gegenüber den Polizeibeamten zudem geäussert haben, er wolle mit seinem 
Geist diverse Personen manipulieren (pag. 64). Ein Atemlufttest am gleichen 
Abend ergab einen Wert von 1.42 Gewichtspromille (pag. 65). Für die zweite Be-
gegnung mit D.________ kurz vorher kann auf ähnliche Defizite beim Beschuldig-
ten geschlossen werden. 

Gemäss dem forensisch-psychiatrischen Gutachten von Dr. med. O.________ vom 
10. Januar 2022 leidet der Beschuldigte an einer paranoiden Schizophrenie sowie 
einer Alkohol- und Cannabisabhängigkeit, die auch in den mutmasslich tatrelevan-
ten Zeiträumen vorgelegen hätten (pag. 841). Der Beschuldigte nimmt gemäss ei-
genen Angaben seit 2015 regelmässig «Xeplion», ein Medikament gegen Schizo-
phrenie, via Depotspritze ein (pag. 865 Z. 30 ff.). Aus dem Bericht des FPD vom 
3. September 2021 geht indes hervor, dass der Beschuldigte die antipsychotische 
Depotmedikation mit «Xeplion» bereits 2019 mehrfach verweigert hatte. Er sei En-
de 2019 weiterhin nicht bereit gewesen, die medizinisch indizierte antipsychotische 
Medikation einzunehmen und offenbar sei bis Februar 2021 keine erneute antipsy-
chotische Medikation etabliert worden (pag. 663). Dass es im relevanten Tatzeit-
raum zu einem Unterbruch in der Medikation kam, geht auch aus den Aussagen 
des Beschuldigten selber hervor (vgl. pag. 866 Z. 16 ff.). 

Mit der Vorinstanz ist folglich davon auszugehen, dass die schizophrene Erkran-
kung des Beschuldigten im Tatzeitraum nicht medikamentös behandelt wurde. Fer-
ner ist davon auszugehen, dass die Erkrankung in Kombination mit dem übermäs-
sigen Alkoholkonsum und der fehlenden Medikation Einfluss auf die Schuldfähig-
keit des Beschuldigten hatte (pag. 943, S. 28 der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung). Dies gilt es entsprechend zu berücksichtigen. Dass der Ausprägungsgrad 
der paranoiden Schizophrenie gemäss dem forensisch-psychiatrischen Gutachten 
vom 10. Januar 2022 als schwerwiegend zu bezeichnen ist und im fraglichen Zeit-
raum nicht medikamentös behandelt wurde, führt entgegen der Auffassung der 
Verteidigung (pag. 1235) jedoch nicht zu einer mehr als nur leichten Verminderung 
der Schuldfähigkeit. Die Frage nach der Schuldfähigkeit liess sich aus forensisch-
psychiatrischer Sicht bekanntlich nicht klären (pag.  842 f.). Es handelt sich vorlie-
gend nicht um besonders komplexe Delikte. Ferner ist auch zu berücksichtigen, 
dass der Beschuldigte seit mehreren Jahren an einer schweren Alkoholabhängig-
keit leidet, dabei aber in der jeweiligen Situation immer noch zielgerichtet vorgehen 
konnte und zumindest teilweise trotz erheblicher Alkoholisierung gegen aussen ori-
entiert und unauffällig wirkte. Es ist daher davon auszugehen, dass beim Beschul-
digten im Tatzeitraum eine nennenswerte Alkoholgewöhnung vorlag. 

Nach dem Gesagten geht die Kammer – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – 
von einer leichtgradig verminderten Schuldfähigkeit aus (pag. 943, S. 28 der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung). Diese wird nachfolgend im Anschluss an die Tat-

15

komponenten für sämtliche Schuldsprüche gesamthaft berücksichtigt (vgl. Ziff. III. 
8.4 hinten). 

7.4 Fazit Tatkomponenten / Einsatzstrafe

Das Tatverschulden ist im Verhältnis zum Strafrahmen von bis zu fünf Jahren Frei-
heitsstrafe insgesamt als leicht zu bezeichnen. Unter Berücksichtigung sämtlicher 
Umstände erachtet die Kammer für den Schuldspruch wegen mehrfachen Dieb-
stahls zum Nachteil von C.________ – noch ohne Berücksichtigung der verminder-
ten Schuldfähigkeit – eine Einsatzstrafe von 90 Strafeinheiten als dem Tatver-
schulden des Beschuldigten angemessen. 

8. Asperation aufgrund der weiteren Schuldsprüche

8.1 mehrfacher Diebstahl 

Die Vorinstanz führte zutreffend aus, dass es sich bei den weiteren Diebstählen 
zum Nachteil der I.________, der K.________ sowie des N.________ (Versuch) 
um Einbruchdiebstähle handelt. Der Beschuldigte stieg jeweils in geschlossene La-
dengeschäfte ein und entwendete dort, soweit es nicht beim Versuch blieb, All-
tagsgegenstände sowie Konsumgüter. Dies tat er nach Ladenschluss, mithin 
spätabends oder in der Nacht. Die Diebstähle wurden zum Nachteil von Geschäf-
ten begangen und es wurden keine Rechtsgüter von Privatpersonen verletzt, womit 
das Tatverschulden insgesamt etwas weniger schwer wiegt (pag. 943 f., S. 28 f. 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Betreffend die subjektiven Tatkomponen-
ten sowie die verminderte Schuldfähigkeit kann sinngemäss auf die Ausführungen 
unter Ziff. III. 7.2 f. vorne verwiesen werden.

Die Richtlinien für die Strafzumessung des Verbands Bernischer Richterinnen und 
Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte (Stand per 1. Januar 2021; nachfol-
gend: VBRS-Richtlinien) sehen für folgenden Referenzsachverhalt (Einbruchdieb-
stahl) eine Strafe von 90 Strafeinheiten vor: «Der Täter bricht nachts in ein leer 
stehendes und abgelegenes Geschäft ein und erbeutet CHF 10'000.00, wobei mit-
telgrosser Sachschaden entsteht» (S. 47 VBRS-Richtlinien).

Diebstahl z.N. I.________

Mit einem Deliktsbetrag von CHF 178.90 wurde das mit Art. 139 StGB geschützte 
Rechtsgut des fremden Vermögens vergleichsweise leicht verletzt. 

Der Beschuldigte handelte mit einer eher tiefen kriminellen Energie. Sein Vorgehen 
war weder besonders raffiniert noch von langer Hand geplant, sondern spontan 
bzw. brachial. Soweit sich dies in einer Sachbeschädigung niederschlug (Sach-
schaden von CHF 8’142.95), ist dies nachfolgend über die Strafe für die Sachbe-
schädigung abzugelten. Der Diebstahl erfolgte um ca. 21:15 Uhr mitten in einer 
Ortschaft und in Gegenwart von anderen Personen. 

Die Kammer erachtet für den Schuldspruch wegen Diebstahls zum Nachteil der 
I.________ für sich alleine beurteilt eine Strafe von 30 Strafeinheiten als angemes-
sen. 

16

Diebstahl z.N. K.________

Auch hier liegt ein Fall mit einer relativ geringen Beute (CHF 322.45, ohne Swisslo-
se), aber einem massiven Sachschaden (ca. CHF 9'000.00) vor, der im Vergleich 
zum Diebstahl zum Nachteil der I.________ etwas stärker geahndet werden muss. 
Der Beschuldigte ging bei diesem Diebstahl etwas raffinierter vor als beim Dieb-
stahl zum Nachteil der I.________ oder beim versuchten Diebstahl zum Nachteil 
des N.________. Auch diese Tat war jedoch nicht von langer Hand geplant. Der 
Beschuldigte handelte spontan und aus dem Impuls heraus, sein Bedürfnis nach 
Alkohol und Raucherwaren zu befriedigen. 

Die Kammer erachtet für den Schuldspruch wegen Diebstahls zum Nachteil der 
K.________ für sich alleine beurteilt eine Strafe von 40 Strafeinheiten als ange-
messen. 

Versuchter Diebstahl z.N. N.________

Ähnlich wie bei I.________ ging der Beschuldigte brachial vor, indem er die Schei-
be des Kiosks mit einem Stein aufschlug, um Deliktsgut zu entwenden. Die Kam-
mer erachtet für das hypothetisch vollendete Delikt eine Strafe von 30 Strafeinhei-
ten als dem Tatverschulden des Beschuldigten angemessen. 

Da der tatbestandsmässige Erfolg nicht eingetreten ist, liegt ein Versuch vor. Vor-
liegend ist es jedoch nicht das Verdienst des Beschuldigten, dass es beim Versuch 
geblieben ist. Der Beschuldigte ergriff beim Eintreffen der alarmierten Polizei die 
Flucht, bevor er – wie beabsichtigt – Deliktsgut behändigen konnte. Bei Abzug von 
1/3 für den Versuch resultiert für den Schuldspruch wegen versuchten Diebstahls 
zum Nachteil von N.________ eine Strafe von 20 Strafeinheiten.

Asperation

Die insgesamt 90 Strafeinheiten für den Schuldspruch wegen mehrfachen Dieb-
stahls zum Nachteil der I.________, der K.________ und des N.________ sind mit 
2/3 zu asperieren, ausmachend 60 Strafeinheiten.

8.2 mehrfache Sachbeschädigung

Der Beschuldigte beging im Zusammenhang mit den zwei vollendeten Diebstählen 
zum Nachteil der I.________ und der K.________ sowie des versuchten Diebstahls 
zum Nachteil des N.________ letztlich hemmungslose, brachiale und unverhält-
nismässige Sachbeschädigungen. Die Vorinstanz hielt zutreffend fest, dass der 
Beschuldigte nicht speziell durchdacht vorging und seine Taten nicht weit im Vor-
aus plante. Er agierte spontan und aus dem Impuls heraus, seine grundlegenden 
Bedürfnisse (Essen, Sucht) zu befriedigen (pag. 945, S. 30 der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung). Betreffend die subjektiven Tatkomponenten sowie die vermin-
derte Schuldfähigkeit kann sinngemäss auf die Ausführungen unter Ziff. III. 7.2 f. 
vorne verwiesen werden.

Die VBRS-Richtlinien sehen für folgenden Referenzsachverhalt eine Strafe von 
15 Strafeinheiten vor: «Der Täter zerkratzt den Lack eines fremden Personenwa-
gens. Schaden: knapp über CHF 300.00» (S. 47 VBRS-Richtlinien).

17

Die Kammer erachtet für den Schuldspruch wegen Sachbeschädigung zum Nach-
teil der I.________ (Sachschaden von CHF 8’142.95) 60 Strafeinheiten, der 
K.________ (Sachschaden von CHF 9'000.00) 70 Strafeinheiten und des 
N.________ (Sachschaden von CHF 1’455.00) 40 Strafeinheiten als angemessen. 
Die insgesamt 170 Strafeinheiten sind aufgrund des engen Zusammenhangs mit 
den Diebstählen mit 1/2 zu asperieren, ausmachend 85 Strafeinheiten. 

Von selbständigem Charakter, d.h. unverknüpft mit einem Diebstahlsgeschehen, 
waren die Sachbeschädigungen zum Nachteil der SBB AG und von J.________. 
Für die Sachbeschädigung zum Nachteil der SBB AG mit einem hohen Sachscha-
den von CHF 7’915.95 und ohne irgendwie nachvollziehbarem Motiv erscheinen 
60 Strafeinheiten angemessen, beim Vorfall zum Nachteil von J.________ mit ei-
nem Sachschaden von CHF 600.00 und ebensowenig plausiblem Anlass 30 Stra-
feinheiten. Die insgesamt 90 Strafeinheiten sind mit 2/3 zu asperieren, ausma-
chend 60 Strafeinheiten.

Für den Schuldspruch wegen mehrfacher Sachbeschädigung sind somit insgesamt 
145 Strafeinheiten zu berücksichtigen. 

8.3 mehrfacher Hausfriedensbruch

Der Beschuldigte beging im Zusammenhang mit den Diebstählen mehrere Haus-
friedensbrüche (zum Nachteil von C.________, I.________ und K.________). In 
die Wohnung von C.________ schlich er dabei mindestens zweimal ein. Zudem 
nutzte er den (unbewohnten) Wohnwagen von D.________ mehrfach als Schlaf-
platz. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, ging der Beschuldigte nicht sonder-
lich gewieft vor. Er agierte wiederum spontan und aus dem Impuls heraus, seine 
grundlegenden Bedürfnisse (Essen, Schlaf, Sucht) zu befriedigen. Gleichwohl ver-
schaffte er sich wiederholt Zutritt zur Wohnung von C.________ und zum Wohn-
wagen von D.________, was von einer Gleichgültigkeit gegenüber fremdem Eigen-
tum und einer gewissen kriminellen Energie zeugt (pag. 946, S. 31 der erstinstanz-
lichen Urteilsbegründung). Betreffend die subjektiven Tatkomponenten sowie die 
verminderte Schuldfähigkeit kann sinngemäss auf die Ausführungen unter Ziff. III. 
7.2 f. vorne verwiesen werden.

Vom Tatverschulden her erscheint der Hausfriedensbruch zum Nachteil von 
D.________ am Schwerwiegendsten, gefolgt von jenem zum Nachteil von 
C.________, dann zum Nachteil der K.________ und schliesslich (Eindringen nur 
bzw. immerhin mit der Hand) zum Nachteil der I.________. Die VBRS-Richtlinien 
empfehlen je nach Konstellation (Hausfriedensbruch aus berechtigtem Anlass bis 
zum Eindringen in Anwesenheit des Hausrechtsinhabers) Strafen zwischen 5 – 
40 Strafeinheiten (S. 49 VBRS-Richtlinien).

Die Kammer erachtet für den Schuldspruch wegen Hausfriedensbruchs zum Nach-
teil von D.________ 30 Strafeinheiten, von C.________ 25 Strafeinheiten, der 
K.________ 15 Strafeinheiten und der I.________ 10 Strafeinheiten als angemes-
sen. Aufgrund des engen Zusammenhangs mit dem Diebstahlsgeschehen sind die 
Sanktionen für die Vorfälle zum Nachteil von C.________, K.________ und 
I.________, insgesamt ausmachend 50 Strafeinheiten, mit 1/2 zu asperieren, aus-

18

machend 25 Strafeinheiten. Die 30 Strafeinheiten für den Vorfall zum Nachteil von 
D.________ sind mit 2/3 zu asperieren, ausmachend 20 Strafeinheiten. 

Für den Schuldspruch wegen mehrfachen Hausfriedensbruchs sind somit insge-
samt 45 Strafeinheiten zu berücksichtigen. 

8.4 Fazit Asperation / Gesamtstrafe aufgrund der Tatkomponenten

Die Einsatzstrafe von 90 Strafeinheiten für den mehrfachen Diebstahl zum Nachteil 
von C.________ ist somit aufgrund der weiteren Schuldsprüche wegen mehrfachen 
Diebstahls (60 Strafeinheiten), mehrfacher Sachbeschädigung (145 Strafeinheiten) 
und mehrfachen Hausfriedensbruchs (45 Strafeinheiten) um insgesamt 250 Stra-
feinheiten auf 340 Strafeinheiten zu erhöhen. 

Hiervon sind 70 Strafeinheiten aufgrund der durchschnittlich leichten Verminderung 
der Schuldfähigkeit abzuziehen, was zu einer Sanktion von 270 Strafeinheiten 
führt.

9. Täterkomponenten

9.1 Vorleben und persönliche Verhältnisse 

Betreffend das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten kann 
vorab auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden 
(pag. 947, S. 32 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 

Ergänzend und präzisierend ist auf Folgendes hinzuweisen: Der Beschuldigte wur-
de mit Entscheid der Vorinstanz vom 3. November 2021 per sofort aus der Haft 
(bzw. dem vorzeitigen Strafvollzug) entlassen (pag. 754 ff.). Gleichentags reichte 
die Vorinstanz bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Oberaargau (nach-
folgend: KESB Oberaargau) eine Gefährdungsmeldung ein (pag. 764). Die KESB 
Oberaargau liess den Beschuldigten bei den Universitären Psychiatrischen Diens-
ten Bern (nachfolgend: UPD) ambulant begutachten. Im Gutachten vom 15. Juni 
2022 (pag. 1131 ff.) wurde konstatiert, dass der Beschuldigte in den ersten Mona-
ten des Jahres 2022 jedenfalls teilweise cannabis-positiv gewesen sei und auch 
noch Alkohol konsumiert habe (pag. 1138 f.). Die UPD diagnostizierten eine para-
noide Schizophrenie, episodisch mit stabilem Residuum, sowie ein Abhängigkeits-
syndrom betreffend Alkohol, Cannabinoide und (gegenwärtig abstinent, aber in be-
schützender Umgebung) Kokain (pag. 1144). Mit Entscheid der KESB Oberaargau 
vom 8. September 2022 (pag. 1086 ff.) wurde der Beschuldigte per sofort fürsorge-
risch in der Felberstiftung untergebracht. Weiter ordnete die KESB Oberaargau 
ambulante Massnahmen (ambulante psychiatrische Behandlung und Depotabgabe 
des Antipsychotikums) an (pag. 1094). Die Felberstiftung kündigte dem Beschuldig-
ten am 22. August 2022 den Aufenthalt in ihrer Institution. Als Anschlusslösung 
kam der Beschuldigte am 5. Oktober 2022 in die Villa Vita in Burgdorf (pag. 1061). 
Der Beschuldigte widersetzte sich der fürsorgerischen Unterbringung und bean-
tragte die Errichtung einer Beistandschaft. Das Obergericht wies die Beschwerde 
gegen den Entscheid vom 8. September 2022 am 4. Oktober 2022 ab (pag. 1065 
ff.). Mit Entscheid vom 26. Oktober 2022 passte die KESB Oberaargau die fürsor-
gerische Unterbringung auf die Villa Vita an (pag. 1061 ff.). 

19

Das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten sind neutral zu 
werten. 

9.2 Vorstrafen sowie Delinquenz trotz laufenden Strafverfahren

Eine Erhöhung der Strafe hat jedoch aufgrund der Vorstrafensituation und der wie-
derholten Delinquenz des Beschuldigten während und trotz laufenden Strafverfah-
ren zu erfolgen. 

Gemäss Strafregisterauszug vom 22. November 2022 (pag. 1055 ff.) wurde der 
Beschuldigte mit Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 24. Juli 2015 we-
gen Raubes, sexueller Nötigung, mehrfachen Diebstahls, Nötigung, mehrfachen 
Hausfriedensbruchs, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, sexueller 
Belästigung, Tätlichkeiten sowie weiteren Übertretungen zu einer unbedingten 
Freiheitsstrafe von 24 Monaten und einer Übertretungsbusse von CHF 2'000.00 
verurteilt. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde zugunsten einer stationären thera-
peutischen Massnahme nach Art. 59 StGB aufgeschoben (pag. 1055 f.). Mit Be-
schluss vom 3. Juli 2020 wurde der Beschuldigte nach fünf Jahren aus der statio-
nären Massnahme entlassen (pag. 1056). Nur wenige Monate nach seiner Entlas-
sung wurde der Beschuldigte erneut straffällig. Mit Strafbefehl der Staatsanwalt-
schaft Emmental-Oberaargau vom 14. Januar 2021 wurde er wegen mehrfachen 
geringfügigen Diebstahls, begangen am 28. August 2020, 3. September 2020 und 
19. November 2020, zu einer Busse von CHF 600.00 verurteilt (pag. 200 f.). Ferner 
wurde er mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 26. Januar 
2021 wegen mehrfachen Diebstahls, teilweise geringfügig, Sachbeschädigung und 
Hausfriedensbruchs im November 2020 zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Ta-
gessätzen zu CHF 30.00 und einer Busse von CHF 300.00 verurteilt (pag. 203 f.; 
pag. 1056 f.). 

Zwar ist der Beschuldigte seit den vorliegend zu beurteilenden Delikten – soweit 
ersichtlich – nicht mehr straffällig geworden. Die erwähnten Vorstrafen sind jedoch 
einschlägig und die Delinquenz des Beschuldigten konnte durch die stationäre the-
rapeutische Massnahme nicht gebremst werden. Ungebremst agierte der Beschul-
digte auch in den vorliegend zu beurteilenden Delikten, wenn er kurz nach entspre-
chenden Anhaltungen durch die Polizei gleich weiter delinquierte und damit seine 
Gleichgültigkeit gegenüber behördlichen Massnahmen zeigte. 

Die einschlägigen Vorstrafen und die wiederholte Delinquenz trotz laufenden Straf-
verfahren wirken sich im Umfang von 90 Strafeinheiten deutlich straferhöhend aus. 

9.3 Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren

Der Beschuldigte hat sich im Strafverfahren stets korrekt und soweit möglich auch 
kooperativ verhalten. Ein solches Verhalten darf jedoch erwartet werden und führt 
deshalb gemäss ständiger Praxis nicht zu einer Strafminderung.

Der Beschuldigte ist grundsätzlich geständig. Die Vorinstanz wies allerdings zu 
Recht darauf hin, dass seine Eingeständnisse nicht zu einer wesentlichen Erleich-
terung der Strafuntersuchung führten. Die Beweislage war grösstenteils bereits so 
erdrückend, dass dem Beschuldigten nicht viel mehr als ein Geständnis übrigblieb 
(Anhaltung auf frischer Tat, Videoaufzeichnungen, DNA-Spuren; pag. 947, S. 32 

20

der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Zu Gute zu halten ist dem Beschuldigten 
die nachträglich gezeigte Einsicht und Reue. Anlässlich der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung führte er aus, er habe einen Fehler begangen. Es sei nicht gut 
und eine Schande, Sachen von anderen Leuten zu entwenden (pag. 867 Z. 9, 
Z. 24 f.). 

Die Geständnisbereitschaft und die gezeigte Einsicht und Reue sind im Umfang 
von 30 Strafeinheiten strafmindernd zu berücksichtigen. Ein grösserer Abzug ist in-
dessen nicht angebracht.

9.4 Strafempfindlichkeit

Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts ist eine erhöhte Strafempfind-
lichkeit nur bei aussergewöhnlichen Umständen zu bejahen (Urteile des Bundesge-
richts 6B_216/2017 vom 11. Juli 2017 E. 2.3; 6B_748/2015 vom 29. Oktober 2015 
E. 1.3; 6B_1159/2014 vom 1. Juni 2015 E. 4.4; je mit Hinweisen). Von einer be-
sonderen Strafempfindlichkeit mit entsprechenden Auswirkungen auf die Strafzu-
messung kann beim Beschuldigten selbst unter Berücksichtigung seiner gesund-
heitlichen Situation nicht gesprochen werden. In der Praxis führen gesundheitliche 
Einschränkungen nur im Ausnahmefall zu einer Reduktion der Strafe (vgl. MATHYS, 
Leitfaden Strafzumessung, 2. Aufl. 2019, Rz. 356).

9.5 Fazit Täterkomponenten

Die Täterkomponenten wirken sich insgesamt straferhöhend aus, weshalb die Stra-
fe um 60 Strafeinheiten auf 330 Strafeinheiten zu erhöhen ist (+ 90 Strafeinheiten 
für die Vorstrafen und das wiederholte Delinquieren trotz laufenden Strafverfahren, 
- 30 Strafeinheiten für die Geständnisbereitschaft und die gezeigte Einsicht und 
Reue).

10. Strafmass

Zusammenfassend erachtet die Kammer für die Schuldsprüche wegen mehrfachen 
Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung und mehrfachen Hausfriedensbruchs 
eine Strafe von 330 Strafeinheiten als angemessen. Entsprechend den Ausführun-
gen zur Strafart (vgl. Ziff. III. 6. vorne) ist der Beschuldigte zu einer Freiheitsstrafe 
von 11 Monaten zu verurteilen. 

Die Untersuchungshaft von 89 Tagen ist im Umfang von 89 Tagen auf die Frei-
heitsstrafe anzurechnen und es ist festzustellen, dass die Strafe vom 29. April 2021 
bis 3. November 2021 vorzeitig angetreten worden ist.

11. Strafvollzug

Das Gericht schiebt den Vollzug einer Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren in 
der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den 
Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 
Abs. 1 StGB).

Bei der Prüfung, ob der Verurteilte für ein dauerndes Wohlverhalten Gewähr bietet, 
hat das Gericht eine Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände vorzuneh-
men. In die Beurteilung miteinzubeziehen sind neben den Tatumständen auch das 

21

Vorleben und der Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige Schlüsse auf 
den Charakter des Täters und die Aussichten seiner Bewährung zulassen. Rele-
vante Faktoren sind etwa strafrechtliche Vorbelastung, Sozialisationsbiographie 
und Arbeitsverhalten, das Bestehen sozialer Bindungen, Hinweise auf Suchtge-
fährdungen usw. (BGE 135 IV 180 E. 2.1 = Pra 99 [2010] Nr. 44; 134 IV 1 E. 4.2.1; 
Urteile des Bundesgerichts 6B_485/2022 vom 12. September 2022 E. 6.1.5; 
6B_245/2022 vom 21. Juni 2022 E. 2.1; je mit Hinweisen).

Die Vorinstanz führte aus, der Beschuldigte weise einschlägige Vorstrafen auf und 
habe während laufendem Verfahren weiter delinquiert. Er sei bereits 2015 zu einer 
unbedingten Freiheitsstrafe verurteilt worden, die zugunsten einer stationären  
Massnahme aufgeschoben worden sei. Nur rund sechs Monate nach der Entlas-
sung aus der Massnahme sei der Beschuldigte erneut straffällig und in mehreren 
Verfahren verurteilt worden. Der Beschuldigte sei sodann nicht gut vernetzt, verfü-
ge nur über einige wenige, lockere Bindungen und weise ein hohes Alkoholsucht-
potenzial auf. Mithin fehle ihm ein gefestigter sozialer Empfangsraum und ein Auf-
fangnetz. Es bestehe somit die latente Gefahr erneuter Straffälligkeit. Unter diesen 
Voraussetzungen könne dem Beschuldigten keine gute Prognose gestellt werden. 
Die Strafe sei deshalb unbedingt auszusprechen. Das Argument der Verteidigung, 
wonach die kurzzeitige Rückversetzung in den Vollzug dem Beschuldigten mehr 
schaden als nützen würde, überzeuge nicht. Das Gericht habe lediglich über die 
Legalprognose sowie die Rückfallgefahr zu befinden. Es liege nicht in seiner Kom-
petenz, die Vollzugsmodalitäten zu definieren und auf den Beschuldigten abzu-
stimmen (pag. 948, S. 33 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 

Diesen zutreffenden Ausführungen schliesst sich die Kammer vollumfänglich an. 
Dem Beschuldigten ist zwar zugute zu halten, dass er seit der Entlassung aus der 
Haft (bzw. dem vorzeitigen Strafvollzug) am 3. November 2021 – soweit ersichtlich 
– nicht mehr straffällig geworden ist. Im Vergleich zur Situation im Zeitpunkt der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung liegt nun via KESB Oberaargau ein erweitertes 
zivilrechtliches Setting für den Beschuldigten vor, dem sich der Beschuldigte mehr 
oder weniger stellt. Ohne diese enge Begleitung und selbst innerhalb des Settings 
ist jedoch künftiges Wohlverhalten nicht gesichert. Gemäss dem forensisch-
psychiatrischen Gutachten vom 10. Januar 2022 (pag. 799 ff.) bestünden beim Be-
schuldigten statistisch relevante Risikofaktoren wie Schizophrenie, Substanzpro-
blematik und dissoziale Persönlichkeitszüge. Die Prognosestellung in Bezug auf 
die Gefahr der Begehung neuerlicher Straftaten sei als sehr ungünstig zu beurtei-
len. Es sei mit hoher Wahrscheinlichkeit mit strafbaren Handlungen ähnlich der An-
lassdelikte sowie der Vorstrafen zu rechnen (pag. 844). Unter diesen Umständen 
ist der Einschätzung der Vorinstanz nach wie vor beizupflichten. Es liegt eine 
Schlechtprognose vor und die Strafe ist zu vollziehen, unabhängig von der (ohne-
hin nicht mit Sicherheit prognostizierbaren) Wirkung des Vollzugs einer Reststrafe 
auf den Beschuldigten.

22

IV. Landesverweisung

12. Theoretische Grundlagen 

Gemäss Art. 66a Abs. 1 Bst. d StGB verweist das Gericht den Ausländer, der we-
gen Diebstahl in Verbindung mit Hausfriedensbruch verurteilt wird, unabhängig von 
der Höhe der Strafe für 5-15 Jahre aus der Schweiz. 

Die obligatorische Landesverweisung wegen einer Katalogtat im Sinne von Art. 66a 
Abs. 1 StGB greift grundsätzlich unabhängig von der konkreten Tatschwere 
(BGE 146 IV 105 E. 3.4.1; BGE 144 IV 332 E. 3.1.3). Sie muss entsprechend den 
allgemeinen Regeln des StGB zudem grundsätzlich bei sämtlichen Täterschafts- 
und Teilnahmeformen sowie unabhängig davon ausgesprochen werden, ob es 
beim Versuch geblieben ist und ob die Strafe bedingt, unbedingt oder teilbedingt 
ausfällt (BGE 146 IV 105 E. 3.4.1; BGE 144 IV 168 E. 1.4.1).

Von der Anordnung der Landesverweisung kann nur ausnahmsweise unter den 
kumulativen Voraussetzungen abgesehen werden, dass sie (1.) einen schweren 
persönlichen Härtefall bewirken würde und (2.) die öffentlichen Interessen an der 
Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen des Ausländers am Verbleib 
in der Schweiz nicht überwiegen. Dabei ist der besonderen Situation von 
Ausländern Rechnung zu tragen, die in der Schweiz geboren oder aufgewachsen 
sind (Art. 66a Abs. 2 StGB; sog. Härtefallklausel). Die Härtefallklausel von Art. 66a 
Abs. 2 StGB dient der Umsetzung des Verhältnismässigkeitsprinzips (Art. 5 Abs. 2 
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV; SR 101]; 
BGE 146 IV 105 E. 3.4.2; 144 IV 332 E. 3.1.2 und E. 3.3.1). Sie ist restriktiv 
anzuwenden (BGE 146 IV 105 E. 3.4.2; 144 IV 332 E. 3.3.1 mit Hinweis). Nach der 
bundesgerichtlichen Rechtsprechung lässt sich zur kriteriengeleiteten Prüfung des 
Härtefalls im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB der Kriterienkatalog der Bestimmung 
über den «schwerwiegenden persönlichen Härtefall» in Art. 31 Abs. 1 der 
Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit 
(VZAE; SR 142.201) heranziehen. Zu berücksichtigen sind namentlich der Grad 
der (persönlichen und wirtschaftlichen) Integration, einschliesslich familiäre 
Bindungen des Ausländers in der Schweiz bzw. in der Heimat, die 
Aufenthaltsdauer, der Gesundheitszustand und die Resozialisierungschancen. 
Ebenso ist der Rückfallgefahr und wiederholter Delinquenz Rechnung zu tragen. 
Das Gericht darf auch vor dem Inkrafttreten von Art. 66a StGB begangene 
Straftaten berücksichtigen (BGE 146 IV 105 E. 3.4.1; 144 IV 332 E. 3.3.2; Urteil 
des Bundesgerichts 6B_45/2020 vom 14. März 2022 E. 3.3.2 mit Hinweisen).  

Art. 66d StGB regelt den Vollzug der obligatorischen Landesverweisung. Mögliche 
Vollzugshindernisse im Sinne dieser Bestimmung sind unter 
Verhältnismässigkeitsgesichtspunkten bereits bei der strafgerichtlichen Anordnung 
der Landesverweisung zu berücksichtigen, soweit die Verhältnisse stabil und die 
rechtliche Durchführbarkeit der Landesverweisung definitiv bestimmbar sind 
(Urteile des Bundesgerichts 6B_1368/2020 vom 30. Mai 2022 E. 4.3; 6B_45/2020 
vom 14. März 2022 E. 3.3.3; 6B_105/2021 vom 29. November 2021 E. 3.4.2; 
6B_1077/2020 vom 2. Juni 2021 E. 1.5.6). Es ist dem Non-refoulement-Gebot 
(Art. 25 Abs. 2 BV, Art. 5 Abs. 1 des Asylgesetzes [AsylG; SR 142.31]) und 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_45%2F2020&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F146-IV-105%3Ade&number_of_ranks=0#page105
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_45%2F2020&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-IV-332%3Ade&number_of_ranks=0#page332
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_45%2F2020&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F146-IV-105%3Ade&number_of_ranks=0#page105
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_45%2F2020&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-IV-332%3Ade&number_of_ranks=0#page332
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_45%2F2020&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F146-IV-105%3Ade&number_of_ranks=0#page105
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_45%2F2020&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-IV-332%3Ade&number_of_ranks=0#page332
https://www.swisslex.ch/doc/aol/2eb1c517-0e15-4aac-9541-9af21b2699b0/564c189e-a29d-4671-9de2-ba95ae975807/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/2f996c7a-c8ed-4b07-abbc-866d3c07337d/citeddoc/2d697105-3ca8-4f81-9a87-67df818394df/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/2f996c7a-c8ed-4b07-abbc-866d3c07337d/citeddoc/2d697105-3ca8-4f81-9a87-67df818394df/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/45c218d7-c521-47b8-8f42-65cd0ee2b4f7/citeddoc/073e6384-38d3-40bb-9cbc-f4c94df62102/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/b3c651ea-a391-4b03-bc22-f55616f68031/citeddoc/5c71976e-a35f-4505-8864-ecc39e183d9d/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/lawdoc/e8f08574-029f-4d59-8938-1a2257fed308/source/document-link

23

anderen völkerrechtlich zwingenden Bestimmungen auf der Ebene des Vollzugs 
Rechnung zu tragen (vgl. Art. 66d Abs. 1 StGB; Urteile des Bundesgerichts 
6B_1368/2020 vom 30. Mai 2022 E. 4.3; 6B_45/2020 vom 14. März 2022 
E. 3.3.3; 6B_747/2019 vom 24. Juni 2020 E. 2.1.2). Liegt ein definitives 
Vollzugshindernis vor, so hat der Sachrichter auf die Anordnung der 
Landesverweisung zu verzichten (BGE 147 IV 453 E. 1.4.5; 145 IV 455 E. 9.4; 
Urteil des Bundesgerichts 6B_1368/2020 vom 30. Mai 2022 E. 4.3). Im Übrigen 
sind die Vollzugsbehörden zur Prüfung allfälliger Vollzugshindernisse, welche zum 
Zeitpunkt des Sachurteils noch nicht feststehen, zuständig (Urteile des 
Bundesgerichts 6B_45/2020 vom 14. März 2022 E. 3.3.3; 6B_551/2021 vom 
17. September 2021 E. 3.3.3; 6B_747/2019 vom 24. Juni 2020 E. 2.1.2; 
6B_1024/2019 vom 29. Januar 2020 E. 1.3.5; je mit Hinweisen). 

Der Vollzug der obligatorischen Landesverweisung kann gemäss Art. 66d Abs. 1 
Bst. a erster Teilsatz StGB aufgeschoben werden, wenn der Betroffene ein von der 
Schweiz anerkannter Flüchtling ist und durch die Landesverweisung sein Leben 
oder seine Freiheit wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu 
einer bestimmten sozialen Gruppe oder seiner politischen Anschauungen gefährdet 
wäre; davon ausgenommen ist der Flüchtling, der sich gemäss Art. 5 Abs. 2 AsylG 
nicht auf das Rückschiebungsverbot berufen kann (Art. 66d Abs. 1 Bst. a zweiter 
Teilsatz StGB). Gemäss Art. 66d Abs. 1 Bst. b StGB kann der Vollzug auch 
aufgeschoben werden, wenn andere zwingende Bestimmungen des Völkerrechts 
entgegenstehen (Urteil des Bundesgerichts 6B_45/2020 vom 14. März 2022 
E. 3.3.4).

Das (flüchtlingsrechtliche) Non-refoulement-Gebot i.S.v. Art. 66d Abs. 1 Bst. a 
StGB stellt ein relatives Vollzugshindernis dar, welches an die 
Flüchtlingseigenschaft des Betroffenen anknüpft. Die Ausnahme vom Non-
refoulement-Gebot i.S.v. Art. 66d Abs. 1 Bst. a zweiter Teilsatz StGB ist restriktiv 
anzuwenden. Voraussetzung ist, dass vom Täter für die Allgemeinheit des 
Zufluchtsstaates eine schwerwiegende Gefährdung ausgeht. Das 
(menschenrechtliche) Non-refoulement-Gebot i.S.v. Art. 66d Abs. 1 Bst. b StGB gilt 
absolut, und verhindert, unabhängig eines ausländerrechtlichen Status, der 
begangenen Straftaten oder des Gefährdungspotentials des Betroffenen eine 
Ausschaffung (Urteil des Bundesgerichts 6B_45/2020 vom 14. März 2022 E. 3.3.4 
mit Hinweisen).

Bei anerkannten Flüchtlingen ist die Landesverweisung nur unter den 
Voraussetzungen des Abkommens über die Rechtsstellung der FIüchtlinge 
(FIüchtlingskonvention [FK; SR 0.142.30]) zulässig. Nach Art. 32 Ziff. 1 FK darf ein 
Flüchtling, der sich rechtmässig in der Schweiz aufhält, nur aus Gründen der 
Staatssicherheit oder der öffentlichen Ordnung ausgewiesen werden. Nach der 
ausländerrechtlichen Praxis setzt die Aus- oder Wegweisung eines Flüchtlings eine 
schwerwiegende Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung voraus (vgl. 
Art. 5 Abs. 2 AsylG und Art. 33 Ziff. 2 FK). Diese Voraussetzung ist im Rahmen der 
Interessenabwägung nach Art. 66a Abs. 2 StGB umzusetzen. Es handelt sich um 
eine Mindestanforderung an das dort zu veranschlagende öffentliche Interesse an 
der Landesverweisung. Dieses kann sich nur in der umschriebenen Form gegen 

https://www.swisslex.ch/doc/aol/2eb1c517-0e15-4aac-9541-9af21b2699b0/564c189e-a29d-4671-9de2-ba95ae975807/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/2f996c7a-c8ed-4b07-abbc-866d3c07337d/citeddoc/61473797-9792-4c64-8813-4c8fc01fce41/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/2f996c7a-c8ed-4b07-abbc-866d3c07337d/citeddoc/61473797-9792-4c64-8813-4c8fc01fce41/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/82678a25-84bc-467c-a816-1beedecd00d6/citeddoc/ea5b1aff-976c-429a-b1be-b526f8848d86/source/document-link
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_1368%2F2020+&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F147-IV-453%3Ade&number_of_ranks=0#page453
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_1368%2F2020+&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F145-IV-455%3Ade&number_of_ranks=0#page455

24

private Interessen des anerkannten Flüchtlings am Verbleib in der Schweiz 
durchsetzen. Zudem dürfen Flüchtlinge nicht in einen Staat ausgeschafft werden, in 
dem sie verfolgt werden oder in dem ihnen Folter oder eine andere Art grausamer 
und unmenschlicher Behandlung oder Bestrafung droht (Non-refoulement-Gebot; 
Art. 25 Abs. 2 und 3 BV, Art. 33 Ziff. 1 FK; Urteil des Bundesgerichts 6B_368/2020 
vom 24. November 2021 E. 3.4.2 mit Hinweisen). 

13. Subsumtion 

13.1 Katalogtat nach Art. 66a Abs. 1 StGB

Der Beschuldigte wurde unter anderem wegen Diebstahl in Verbindung mit Haus-
friedensbruch gemäss Art. 139 Ziff. 1 und Art. 186 StGB verurteilt. In Anwendung 
von Art. 66a Abs. 1 Bst. d StGB ist grundsätzlich eine obligatorische Landesver-
weisung auszusprechen. Zu prüfen bleibt, ob beim Beschuldigten aufgrund eines 
schweren persönlichen Härtefalls im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB bzw. seiner 
Flüchtlingseigenschaft ausnahmsweise auf die Landesverweisung zu verzichten ist. 

13.2 Härtefallprüfung / Interessenabwägung

13.2.1 Anwesenheitsdauer und Integration

Gemäss dem Bericht des Amtes für Bevölkerungsdienste, Migrationsdienst, vom 
9. November 2022 reiste der Beschuldigte am 10. Dezember 2009, im Alter von 
22 Jahren, in die Schweiz ein (pag. 1042). Er verbrachte damit weder seine Kind-
heit noch die prägenden Jugendjahre in der Schweiz. Der Beschuldigte ist nun seit 
13 Jahren in der Schweiz. Er befand sich allerdings vom Mai 2015 bis Juli 2020 in 
einer stationären Massnahme, was nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung 
bei der Landesverweisung nicht als reguläre Aufenthaltsdauer angerechnet wird 
(Urteil des Bundesgerichts 6B_1123/2020 vom 2. März 2021 E. 3.3.4 mit Hinwei-
sen). Ebenfalls nicht zu vergessen ist, dass der Beschuldigte weitere rund 9 Mona-
te im Rahmen des vorliegenden Verfahrens in Haft bzw. im vorzeitigen Strafvollzug 
verbrachte. Seine Aufenthaltsdauer zeigt sich nun offenbar in sprachlicher Hinsicht. 
Gemäss dem Leumundsbericht vom 16. November 2022 habe sich der Beschuldig-
te ohne Probleme auf Hochdeutsch verständigen können und keine Übersetzung 
benötigt (pag. 1044; pag. 1047 Z. 1 f.). 

Ansonsten sind beim Beschuldigten keine nennenswerten Integrationsbemühungen 
erkennbar. Der Beschuldigte ist arbeitslos und wird vom Sozialdienst unterstützt 
(pag. 1042 f.). Bisherige kurzzeitige Arbeitseinsätze in der Schweiz ausserhalb des 
Straf- und Massnahmenvollzugs hatten bestenfalls den Charakter eines Prakti-
kums/Beschäftigungsprogramms. Aktuell arbeitet der Beschuldigte in der Stiftung 
P.________ (pag. 1226 Z. 38). Sein Einkommen von CHF 80.00 pro Woche ver-
bessert er gemäss eigenen Angaben mit Betteln auf der Strasse auf, was er indes 
anlässlich der Berufungsverhandlung bestritten hat (pag. 1045; pag. 1048 Z. 58 ff.; 
pag. 1227 Z. 24 ff.). Der Beschuldigte hat Betreibungen in der Höhe von insgesamt 
CHF 5'148.00 und zwei Verlustscheine im Gesamtbetrag von CHF 10'915.40 (pag. 
1053 f.). 

Der Beschuldigte trinkt gemäss eigenen Aussagen oft Alkohol, raucht 20 Zigaretten 
pro Tag, nimmt aber keine Drogen mehr. Früher habe er regelmässig gekifft 

25

(pag. 1046; pag. 1049 Z. 69 ff.). In seiner Freizeit spielt der Beschuldigte Fussball, 
malt, zeichnet und liest Bücher in Tigrinya (pag. 1046). Über tiefgreifende Bezie-
hungen oder Freundschaften scheint der Beschuldigte nicht zu verfügen (vgl. 
pag. 1049 Z. 77 f.; pag. 1228 Z. 9 ff.). Tagesstruktur bietet die Arche im Rahmen 
einer Beschäftigung im Nähatelier (pag. 1046). 

Die Integration des Beschuldigten muss insgesamt als gescheitert bezeichnet wer-
den. 

13.2.2 Familienverhältnisse

Der Beschuldigte ist in Eritrea bei seinen Eltern aufgewachsen. Seine Mutter und 
acht Geschwister leben nach wie vor in Eritrea (pag. 1037; pag. 1045; pag. 1232 
Z. 20). Der Beschuldigte hat regelmässig telefonischen Kontakt mit seiner Familie 
in Eritrea (pag. 1232 Z. 20 ff.). Auch zu einer Schwester, die in Zürich lebt, pflegt 
der Beschuldigte telefonischen Kontakt. Sie berate ihn und helfe ihm (pag. 866 Z. 5 
f.). Zwei weitere Geschwister leben in Libyen und im Kuweit. Über eine eigene Fa-
milie verfügt der Beschuldigte nicht. Er ist ledig und hat keine Kinder (pag. 1037; 
pag. 1228 Z. 11).

13.2.3 Gesundheitszustand des Beschuldigten

Dr. med. O.________ erstellte am 10. Januar 2022 ein forensisch-psychiatrisches 
Gutachten über den Beschuldigten (pag. 799 ff.; vgl. auch Ziff. III. 7.3 vorne). Er 
diagnostizierte beim Beschuldigten eine paranoide Schizophrenie sowie eine Alko-
hol- und Cannabisabhängigkeit (pag. 841), was auch im jüngsten aktenkundigen 
(zivilrechtlichen) Gutachten der UPD vom 15. Juni 2022 bestätigt wird (pag. 1144).

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann die Landesverweisung aus 
der Schweiz für den Betroffenen im Hinblick auf seinen Gesundheitszustand oder 
die Behandlungsmöglichkeiten im Herkunftsland einen schweren persönlichen Här-
tefall gemäss Art. 66a Abs. 2 StGB darstellen oder unverhältnismässig im Sinne 
von Art. 8 Ziff. 2 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei-
heiten (EMRK; SR 0.101) sein (BGE 145 IV 455 E. 9.1 mit Hinweisen). Ein ausser-
gewöhnlicher Fall, in dem eine aufenthaltsbeendende Massnahme unter Verbrin-
gung einer gesundheitlich angeschlagenen Person in ihren Heimatstaat Art. 3 
EMRK verletzt, liegt vor, wenn für diese im Fall der Rückschiebung die konkrete 
Gefahr besteht, dass sie aufgrund fehlender angemessener Behandlungsmöglich-
keiten oder fehlenden Zugangs zu Behandlungen einer ernsthaften, rapiden und ir-
reversiblen Verschlechterung des Gesundheitszustands ausgesetzt wird, die inten-
sives Leiden oder eine wesentliche Verringerung der Lebenserwartung nach sich 
zieht (BGE 146 IV 297 E. 2.2.3 mit Hinweisen).

Der Beschuldigte hat unbestrittenermassen mit psychischen Problemen zu kämp-
fen. Der Ausprägungsgrad seiner paranoiden Schizophrenie ist gemäss dem foren-
sisch-psychiatrischen Gutachten vom 10. Januar 2022 als schwerwiegend zu be-
zeichnen (pag. 841). Der Beschuldigte nimmt gemäss eigenen Aussagen seit 2015 
regelmässig «Xeplion» (pag. 865 Z. 30 ff.). Mit Entscheid vom 8. September 2022 
(pag. 1086 ff.) ordnete die KESB Oberaargau eine ambulante psychiatrische Be-
handlung und die Depotabgabe des Antipsychotikums an (pag. 1094). 

26

Das SEM äusserte sich in seinen Berichten nicht dazu, ob in Eritrea Medikamente 
zur Behandlung einer Schizophrenie verfügbar sind (vgl. pag. 222 ff.; pag. 1019; 
pag. 1035). Die Schweizerische Flüchtlingshilfe sprach in einem Papier vom 3. Juli 
2019 von einer schwierigen Quellenlage. Das eritreische Gesundheitswesen stehe 
im Kontext von Armut. Die Gesundheitsversorgung sei in Bezug auf Gesundheits-
einrichtungen, medizinisches Fachwissen und Ausrüstung begrenzt. Der Zugang 
zu Medikamenten sei mangelhaft und die psychiatrische Grundversorgung nicht 
gewährleistet. Immerhin eine psychiatrische Klinik scheint in Asmara zu existieren 
(vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe, Eritrea: Gesundheitsversorgung, Auskunft der 
SFH-Länderanalyse, Bern 3. Juli 2019, S. 4 ff., S. 11). 

Aus Sicht der Kammer ist unklar, ob in Eritrea adäquate Behandlungsmöglichkeiten 
bestünden und der Beschuldigte Zugang zu solchen Behandlungen hätte. Ohne 
antipsychotische Medikation würde sich die gesundheitliche Situation des Beschul-
digten vermutlich verschlechtern. Beide Fragen können vom Gericht jedoch zum 
heutigen Zeitpunkt und mit zumutbaren Abklärungen nicht definitiv geklärt werden. 

Demgegenüber muss festgehalten werden, dass der Beschuldigte in der Schweiz 
die antipsychotische Depotmedikation mit «Xeplion» bereits 2019 mehrfach ver-
weigert hat. Gemäss dem Bericht des FPD vom 3. September 2021 sei er Ende 
2019 weiterhin nicht bereit gewesen, die medizinisch indizierte antipsychotische 
Medikation einzunehmen und offenbar sei bis Februar 2021 keine erneute antipsy-
chotische Medikation etabliert worden (pag. 663; vgl. auch pag. 413). Auch im fo-
rensisch-psychiatrischen Gutachten vom 10. Januar 2022 wird festgehalten, der 
Beschuldigte habe in der Vergangenheit entsprechende Behandlungen wiederholt 
abgebrochen, die Medikation nach der Entlassung wieder abgesetzt und keine am-
bulanten Behandlungsmöglichkeiten wahrgenommen (pag. 846). Es gab somit be-
reits längere Phasen, in denen der Beschuldigte ohne ambulante psychiatrische 
Behandlung und ohne antipsychotische Medikation war, was jedenfalls in der 
Schweiz aber nicht zu einer für die Gesundheit des Beschuldigten irreversiblen und 
tiefgreifenden, ja lebensgefährdenden Situation geführt hat. Eine konkrete Gefahr, 
dass der Beschuldigte bei einer Landesverweisung aufgrund fehlender angemes-
sener Behandlungsmöglichkeiten oder fehlenden Zugangs zu Behandlungen in 
seinem Heimatland einer ernsthaften, rapiden und irreversiblen Verschlechterung 
des Gesundheitszustands ausgesetzt wird, die intensives Leiden oder eine wesent-
liche Verringerung der Lebenserwartung nach sich zieht, ist von daher nicht anzu-
nehmen. Schizophrenie ist eine chronische Erkrankung, die häufig in Wellen ver-
läuft und bei fehlender/inadäquater Behandlung nicht per se eine unumkehrbare 
oder sogar lebensgefährdende Verschlechterung der Gesundheit beinhaltet. Ferner 
ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte in Eritrea über einen gewissen sozia-
len Empfangsraum verfügt. Wie bereits erwähnt, leben seine Mutter und acht Ge-
schwister in Eritrea. Bei einer Verschlechterung seines Gesundheitszustands 
bestünde somit ein Auffangnetz. Auch die Alkohol- und Cannabisabhängigkeit des 
Beschuldigten steht einer Landesverweisung nicht entgegen. Aufgrund seines Ge-
sundheitszustands ist daher kein schwerer persönlicher Härtefall anzunehmen. 
Gegenteiliges wird auch seitens der Verteidigung nicht geltend gemacht. 

27

13.2.4 Resozialisierungschancen im Heimatland

Der Beschuldigte spricht Tigrinya, eine Landessprache von Eritrea (pag. 1037). Er 
ist 1987 in Eritrea geboren und hat dort seine prägenden Kinder- und Jugendjahre 
verbracht. Seine Mutter und acht Geschwister leben in Eritrea. Der Beschuldigte 
verfügt somit in Eritrea über ein familiäres Netz und ist mit der Sprache, der Kultur 
und den Gepflogenheiten in seinem Heimatland bestens vertraut. Eine Resoziali-
sierung in Eritrea erscheint daher grundsätzlich möglich. Auf die Flüchtlingseigen-
schaft des Beschuldigten ist nachfolgend einzugehen (vgl. Ziff. IV. 13.2.6 hinten). 

13.2.5 Zwischenfazit

In Übereinstimmung mit der Vorinstanz und den Parteien ist ein schwerer persönli-
cher Härtefall zu verneinen (pag. 872; pag. 875; pag. 952 f., S. 37 f. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung). Der Beschuldigte wurde indes als Flüchtling vor-
läufig aufgenommen.

13.2.6 Vollzugshindernisse / Flüchtlingseigenschaft

Gemäss dem Bericht des SEM vom 30. März 2021 habe der Beschuldigte in Eri-
trea elf Jahre lang die Schule besucht und sei dann in den Militärdienst eingezogen 
worden, wie es in Eritrea üblich sei (pag. 222). Er sei am 17. August 2011 in der 
Schweiz als Flüchtling anerkannt worden und habe Asyl erhalten. Das Asyl sei 
2016 rechtskräftig widerrufen worden, nachdem der Beschuldigte straffällig gewor-
den sei. Er habe aber die Flüchtlingseigenschaft behalten (pag. 223). Der Vollzug 
der Wegweisung sei aufgrund des Persönlichkeitsprofils des Beschuldigten (Deser-
tion im Heimatland) als unzulässig befunden worden, weshalb er wegen Unzuläs-
sigkeit des Wegweisungsvollzuges in der Schweiz als Flüchtling vorläufig aufge-
nommen worden sei (pag. 224). Aus Sicht der eritreischen Regierung seien Deser-
teure aus dem Nationaldienst und Dienstverweigerer Verräter an der «nationalen 
Sache». Deserteure hätten bei einer Rückkehr nach Eritrea begründete Furcht vor 
asylbeachtlichen Massnahmen. Das SEM verwies diesbezüglich auf einen Ent-
scheid der Schweizerischen Asylrekurskommission aus dem Jahr 2006. Vor die-
sem stets noch aktuellen Hintergrund sei davon auszugehen, dass der Beschuldig-
te auch im heutigen Zeitpunkt noch begründete Furcht habe, bei einer Rückkehr 
nach Eritrea in flüchtlingsrelevanter Weise verfolgt zu werden. Eine Rückschiebung 
nach Eritrea würde demnach das Non-refoulement-Gebot gemäss Art. 33 Abs. 1 
FK verletzen (pag. 224). Zusammenfassend gebe es Anhaltspunkte dafür, dass 
dem Beschuldigten im Falle einer Rückkehr in seinen Heimatstaat Eritrea mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Be-
handlung drohen könnte, so dass der Vollzug einer allfälligen Wegweisung im jetzi-
gen Zeitpunkt unzulässig sei (pag. 225). 

Mit Schreiben vom 31. Oktober 2022 und 2. November 2022 verwies das SEM auf 
seinen Bericht vom 30. März 2021 (pag. 1019; pag. 1035). Der Beschuldigte verfü-
ge in der Schweiz nach wie vor über Flüchtlingsstatus. Dies aufgrund seiner von 
den Schweizer Asylbehörden als glaubhaft eingestuften Desertion aus dem eritrei-
schen Nationaldienst. Er hätte deshalb bei einer Wegweisung im jetzigen Zeitpunkt 
mit hoher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Be-

28

handlung zu befürchten. Seine Wegweisung sei daher nach wie vor unzulässig 
(pag. 1019). 

Wie die Vorinstanz verkennt auch die Kammer nicht, dass der Beschuldigte in der 
Schweiz vorläufig aufgenommen wurde und nach wie vor über die Flüchtlingsei-
genschaft verfügt. Dieser Umstand steht der Anordnung einer Landesverweisung 
indes nicht per se entgegen (Urteil des Bundesgerichts 6B_45/2020 vom 14. März 
2022 E. 3.4.1 mit Hinweisen). 

Ein Flüchtling kann sich gemäss Art. 5 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 66d Abs. 1 Bst. a 
zweiter Teilsatz StGB nicht auf das Rückschiebungsverbot berufen, wenn 
erhebliche Gründe für die Annahme vorliegen, dass er die Sicherheit der Schweiz 
gefährdet, oder wenn er als gemeingefährlich einzustufen ist, weil er wegen eines 
besonders schweren Verbrechens oder Vergehens rechtskräftig verurteilt worden 
ist (Urteile des Bundesgerichts 6B_45/2020 vom 14. März 2022 E. 3.3.4; 
6B_551/2021 vom 17. September 2021 E. 3.3.2; 6B_1102/2020 vom 20. Mai 2021 
E. 3.4.5). Für den Begriff des besonders schweren Verbrechens oder Vergehens 
sind Art. 65 AsylG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 Bst. b des Bundesgesetzes über die Aus-
länderinnen und Ausländer und über die Integration (Ausländer- und Integrations-
gesetz, AIG; SR 142.20) heranzuziehen. Art. 65 AsylG verweist unter Vorbehalt 
von Art. 5 AsylG zur Weg- oder Ausweisung von Flüchtlingen insbesondere auf Art. 
63 Abs. 1 Bst. b AIG. Nach dieser Bestimmung kann die Niederlassungsbewilligung 
nur widerrufen werden, wenn der Ausländer in schwerwiegender Weise gegen die 
öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat 
oder diese gefährdet oder die innere oder die äussere Sicherheit gefährdet. Wenn 
die ausländische Person durch ihre Handlungen besonders hochwertige Rechts-
güter, wie namentlich die körperliche, psychische und sexuelle Integrität eines 
Menschen verletzt oder gefährdet hat, werden die qualifizierten Voraussetzungen 
erfüllt und verstösst sie gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung in der Regel 
in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der 
Schweiz. Bereits vergleichsweise weniger gravierende Pflichtverletzungen können 
als «schwerwiegend» i.S. von Art. 63 Abs. 1 Bst. b AIG bezeichnet werden, na-
mentlich wenn sich eine ausländische Person von strafrechtlichen Massnahmen 
nicht beeindrucken lässt und damit zeigt, dass sie auch zukünftig weder gewillt 
noch fähig ist, sich an die Rechtsordnung zu halten. Ob der Ausländer willens und 
in der Lage ist, sich in die hier geltende Ordnung einzufügen, kann nur anhand ei-
ner Gesamtbetrachtung seines Verhaltens beurteilt werden (Urteil des Bundesge-
richts 6B_45/2020 vom 14. März 2022 E. 3.3.4 mit Hinweisen). 

Der Beschuldigte wurde mit Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 24. Ju-
li 2015 wegen Raubes, sexueller Nötigung, mehrfachen Diebstahls, Nötigung, 
mehrfachen Hausfriedensbruchs, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Be-
amte, sexueller Belästigung, Tätlichkeiten sowie weiteren Übertretungen u.a. zu ei-
ner Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt, wobei der Vollzug zugunsten einer 
stationären therapeutischen Massnahme aufgeschoben wurde (pag. 1055 f.). Nur 
wenige Monate nach seiner Entlassung aus der stationären Massnahme im Juli 
2020 wurde der Beschuldigte erneut und wiederholt straffällig. Er liess sich weder 
von der seinerzeit angeordneten Untersuchungshaft von 445 Tagen, noch von ei-

29

ner Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten und der fünfjährigen stati-
onären Massnahme beeindrucken und von der Begehung weiterer Straftaten ab-
halten. Ungebremst agierte der Beschuldigte auch in den vorliegend zu beurteilen-
den Delikten, wenn er kurz nach entsprechenden Anhaltungen durch die Polizei 
gleich weiter delinquierte. Dies zeigt, dass der Beschuldigte weder gewillt noch 
fähig ist, sich an die Rechtsordnung zu halten. Zudem fehlt es dem Beschuldigten 
in der Schweiz an einem eigenständigen sozialen Empfangsraum sowie motivie-
renden Faktoren, um sein Leben deliktfrei zu gestalten. Gemäss dem forensisch-
psychiatrischen Gutachten vom 10. Januar 2022 sei mit hoher Wahrscheinlichkeit 
mit strafbaren Handlungen ähnlich der Anlassdelikte sowie der bereits verurteilten 
Vorstrafen zu rechnen (pag. 844). Angesichts der offenkundigen Missachtung der 
Rechtsordnung und der ungünstigen Resozialisierungsaussichten ist prognostisch 
durchaus ein weiteres Abgleiten in gleiche oder schwerere Formen der Delinquenz 
zu befürchten. Eine schwerwiegende Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und 
Ordnung ist zu bejahen. Der Beschuldigte kann sich daher gemäss Art. 5 Abs. 2 
AsylG i.V.m. Art. 66d Abs. 1 Bst. a zweiter Teilsatz StGB nicht auf das 
Rückschiebungsverbot berufen. Die Landesverweisung ist mit Art. 32 Abs. 1 FK 
vereinbar. 

Weiter ist zu prüfen, ob der Beschuldigte bei einer Landesverweisung allenfalls Fol-
ter oder eine andere Art grausame und unmenschliche Behandlung oder Bestra-
fung zu befürchten hat (vgl. Art. 66d Abs. 1 Bst. b StGB). Eritrea gilt grundsätzlich 
nicht als verfolgungssicherer Heimat- oder Herkunftsstaat (vgl. Anhang 2 zur Asyl-
verordnung 1 über Verfahrensfragen [AsylV 1; SR 142.311]). Dabei handelt es sich 
indes um eine generell-abstrakte Normierung, die einer Landesverweisung nach 
Eritrea nicht zwingend entgegensteht. Der Beschuldigte muss sich individuell-
konkret auf eine persönliche Gefährdungssituation berufen (Urteile des Bundesge-
richts 6B_368/2020 vom 24. November 2021 E. 3.4.2; 6B_555/2020 vom 12. Au-
gust 2021 E. 1.4; 6B_1102/2020 vom 20. Mai 2021 E. 3.4.4). 

Diesbezüglich kann zunächst auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz 
verwiesen werden (pag. 956, S. 41 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung): 

Der Beschuldigte selber äusserte während des gesamten Verfahrens nie Ängste oder Befürchtungen 
vor Repressalien in Eritrea. So gab er zunächst bei der Polizei zu Protokoll, er habe in Eritrea viel 
Fussball gespielt in einem Club. Danach habe er aufgehört und sei in die Armee gegangen. Einen Be-
ruf habe er jedoch nicht erlernt. Im Jahre 2007 sei er in der Armee gewesen und 2008 sei er wieder 
zurück und habe wieder Fussball gespielt. In der Armee sei er Soldat gewesen. Dies sei die obligato-
rische Dienstzeit gewesen bzw. bei ihnen sei es obligatorisch: Er habe nicht in die Armee gewollt, je-
doch habe er gehen müssen (pag. 163 Z. 45 ff.). In die Schweiz sei er gekommen, weil er eine spezi-
elle Bewilligung vom Militär erhalten habe, damit er in der Schweiz Fussball spielen und sich frei be-
wegen könne. So sei es ihm möglich gewesen, in die Schweiz zu kommen (pag. 164 Z. 57 ff.). Auf die 
Frage, ob er in Eritrea in Haft kommen würde, sagte der Beschuldigte aus, er wolle darauf nicht ein-
gehen. Wenn es hier in der Schweiz zu einer Haft kommen würde, dann wolle er lieber nach Eritrea 
gehen und die Haft nicht antreten. Lieber möchte er in Eritrea sein Leben weiterführen, als hier eine 
Gefängnisstrafe anzutreten (pag. 172 Z. 486 ff.). Anlässlich der Schlusseinvernahme gab der Be-
schuldigte an, er könne sich nicht mehr daran erinnern, wie er in die Schweiz gekommen sei und er 
wolle auch nicht darüber sprechen. Im Militärdienst sei er ein Jahr lang gewesen. Wie lange er hätte 

30

bleiben müssen, wisse er nicht. Gegangen sei er, weil er es nicht mehr habe ausstehen können. 
Wenn er nach Eritrea zurückkehren würde, wäre dies ein glücklicher Tag. Er wisse, dass ihm dort Gu-
tes wiederfahren würde, aber alles sei ein Gefängnis (pag. 186 Z. 199 ff.). Wenn es so sei, dass sich 
die Gefängnisaufenthalte in der Schweiz häufen, dann sei es für ihn so, dass er wieder in Eritrea sein 
möchte (pag. 187 Z. 253 ff.). An der Hauptverhandlung führte er lediglich aus, er könne eine Landes-
verweisung nicht akzeptieren (pag. 866 Z. 12 f.). Die Aussagen des Beschuldigten sind sicherlich mit 
gewisser Vorsicht zu würdigen, zumal unklar ist, inwieweit er durch allfällige psychische Defizite oder 
den Alkoholkonsum in seiner Denkfähigkeit eingeschränkt war und ist. Sowohl dem Gutachten als 
auch dem Bericht des Sozialdienstes ist diesbezüglich zu entnehmen, dass der Beschuldigte oftmals 
unrealistische Zukunftspläne äusserte (pag. 413; pag. 818). Gleichwohl lassen sich den Ausführungen 
des Beschuldigten keinerlei Anhaltspunkte für eine mögliche Gefährdung in Eritrea entnehmen. Mithin 
geht aus seinen Aussagen nicht einmal hervor, ob er tatsächlich illegal aus Eritrea ausreiste. 

Auch die Verteidigung nannte keine spezifischen Gründe oder Beispiele, die eine konkrete Gefähr-
dung des Beschuldigten hätten begründen können. Vielmehr stützte sie sich auf den Bericht des SEM 
vom 30.03.2021 sowie die darin enthaltene Schlussfolgerung, wonach der Beschuldigte aufgrund er-
folgter Desertion begründete Furcht hat, bei einer Rückkehr nach Eritrea in flüchtlingsrelevanter Wei-
se verfolgt zu werden (pag. 875). 

Auch aus den wechselhaften Ausführungen des Beschuldigten an der Berufungs-
verhandlung lassen sich keine konkreten Anhaltspunkte für eine mögliche Gefähr-
dung in Eritrea entnehmen. Der Beschuldigte schilderte, er habe Eritrea seinerzeit 
verlassen, weil er Angst gehabt habe, verhaftet zu werden. Dies, weil er in Eritrea 
Delikte begangen habe. Es seien die gleichen Delikte gewesen wie in der Schweiz. 
Er habe auch gestohlen. Der Beschuldigte bestätigte, dass er in Eritrea Militär-
dienst absolviert habe. Er sei aber aus dem Militärdienst geflüchtet (pag. 1230 
Z. 16 ff.). Später erklärte er, er habe den Dienst ordentlich beendet, in Absprache 
mit seinen Vorgesetzten. Es habe ihn niemand gedrängt, Eritrea zu verlassen. Er 
habe Militär gemacht, sei Soldat geworden und sei direkt danach in den Sudan ge-
gangen (pag. 1231 Z. 7 ff.). Seither habe er keinen Kontakt zu eritreischen Behör-
den gehabt. Auf Frage, was ihn erwarten würde, wenn er nach Eritrea zurückkeh-
ren müsste, sagte der Beschuldigte «Gefängnis» (pag. 1231 Z. 31 ff.). Auf Frage, 
weshalb er ins Gefängnis müsste, erklärte er, er gehe nicht ins Gefängnis. Seine 
Aussage vorhin sei nicht richtig gewesen. Er müsste in Eritrea nicht ins Gefängnis 
(pag. 1232 Z. 7 ff.).

Hinsichtlich der Rückführung eines Asylbewerbers nach Eritrea legte der Europäi-
sche Gerichtshof für Menschenrechte (nachfolgend: EGMR) gestützt auf Berichte 
der UNO, des Europäischen Unterstützungsbüros für Asylfragen (European asylum 
support office, EASO; heute: European Union Agency for Asylum, EUAA) und nati-
onaler Behörden (wie dem SEM) dar, dass Militärdienstverweigerer und Oppositio-
nelle des Regimes bei einer Rückkehr ins Heimatland unter Umständen Sanktionen 
riskierten, die von einer Inhaftierung unter unmenschlichen Bedingungen oder Fol-
ter begleitet sein könnten. Der EGMR führte indessen auch aus, dass gemäss die-
sen Berichten für eritreische Staatsangehörige neuerdings die Möglichkeit der Re-
gularisation ihrer Situation gegenüber dem Regime bestehe, indem sie eine Abga-
be leisteten und ein Schreiben des Bedauerns unterzeichneten (Urteil des Bundes-
gerichts 6B_1449/2021 vom 21. September 2022 E. 3.4.2 mit Hinweis auf das Ur-

31

teil des EGMR M.O. gegen die Schweiz vom 20. Juni 2017, Nr. 41282/16, § 40, 47 
f. und 70). Das Bundesverwaltungsgericht hat sodann in seiner Rechtsprechung 
zum Ausländerrecht festgehalten, dass sich die Lebensum