# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 535a602a-636e-5860-b2e8-c53a2a789c0b
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-05-24
**Language:** de
**Title:** Biotop in der Landwirtschaftszone. Weiher. Ausnahmebewilligung. Froschimmissionen.
**Docket/Reference:** BRGE III Nrn. 0077-0078/2017
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_iii_nrn._0077_und_0078-2017_vom_24._mai_2017.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 

3. Abteilung 

G.-Nrn. 
BRGE III Nrn. 

R3.2016.00004 und R3.2016.00214 
0077/2017 und 0078/2017 

Entscheid vom 24. Mai 2017 

Mitwirkende 

Abteilungspräsident  Felix  Müller,  Baurichterin  Monika  Spring-Gross,  Bau-
richter Walter Linsi, Gerichtsschreiber Robert Durisch     

in Sachen 

Rekurrenten 

R3.2016.00004 und R3.2016.00214 
1.  E. B., [….] 

R3.2016.00004 
2.  M. B., [….] 

gegen 

Rekursgegnerinnen 

1.  Baukommission X, [….]  
2.  Baudirektion Kanton Zürich, Walchetor, Walcheplatz 2, Postfach, 

8090 Zürich  

3.  Politische Gemeinde X, [….] 

betreffend 

R3.2016.00004 
Baukommissionsbeschluss  vom  17.  November  2015  und  Verfügung  der 
Baudirektion Kanton Zürich  

R3.2016.00214 
Baukommissionsbeschluss  vom  21.  Juni  2016  und  Verfügung  der  Baudi-
rektion Kanton Zürich  
______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A. 

Mit  Verfügung  vom  4. Dezember  2015  bewilligte  die  Baudirektion  Kanton 

Zürich der Politischen Gemeinde X (im Folgenden die Bauherrschaft) unter 

Nebenbestimmungen  die  Errichtung  von  zwei  Weihern  mit  umliegender 

Blumenwiese  in  der  Landwirtschaftszone.  Die  beiden  Weiher  sind  in  der 

ehemaligen Kiesgrube H und in E [….] geplant. Die raumplanungs- und bo-

denrechtliche Bewilligung  der  Baudirektion wurde  zusammen  mit der Bau-

bewilligung der Baukommission X vom 17. November 2015 eröffnet.  

Gegen  diese  Entscheide  erhoben  E.  B.  und  M.  B.  mit  Eingabe  vom 

8. Januar 2016 beim Baurekursgericht des Kantons Zürich Rekurs (Verfah-

ren  G.-Nr. R3.2016.00004).  Die  Rekurrenten  beantragten  die  Aufhebung 

der Bewilligungen für den Bau des Weihers  E unter Kosten- und Entschä-

digungsfolgen zulasten der Rekursgegnerinnen.  

Die  Baudirektion  und  die  Bauherrschaft  beantragten  mit  Eingaben  vom 

12. Februar 2016 und 25. Februar 2016 die Abweisung des Rekurses unter 

Kostenfolge  zulasten der Rekurrenten;  die  Bauherrschaft  verlangte  zudem 

die Zusprechung einer Parteientschädigung. Die Baukommission verzichte-

te auf eine Vernehmlassung.  

Hierauf liessen sich die Rekurrenten mit Replik vom 22. März 2016 und die 

Bauherrschaft  mit  Duplik  vom  13. April  2016  vernehmen,  beide  Parteien 

hielten dabei an ihren Anträgen fest. Die Baudirektion sah von einer weite-

ren Stellungnahme ab.  

Am  23. Mai 2016 führte  die 3. Abteilung  des  Baurekursgerichts  im  Beisein 

der  Parteien  auf  den  Lokalen  einen  Augenschein  durch.  Gleichentags 

reichten die Rekurrenten dem Baurekursgericht eine Stellungnahme ein.  

In der Folge holte die Baukommission den Bericht eines Sachverständigen 

zum  Weiher  E  ein.  Dieser  erging  mit  Datum  vom  2. Juni  2016  und  wurde 

den Rekurrenten zur Stellungnahme zugestellt. Diese erfolgte mit Eingabe 

vom 12. September 2016.  

R3.2016.00004 

Seite 2 

 
 
B.  

Mit Beschluss vom 21. Juni 2016 widerrief die Baukommission X ihren Ent-

scheid  vom  17. November  2015.  Zugleich  bewilligte  sie  den  Bau  der  zwei 

geplanten Weiher von neuem.  

Dagegen erhob E. B. mit Eingabe vom 1. August 2016 erneut Rekurs (Ver-

fahren  G.-Nr. R3.2016.00214).  Er  beantragte  wiederum,  für  den  Weiher  E 

sei keine Bewilligung zu sprechen.  

Mit Vernehmlassung vom 15. August 2016 verlangte die Bauherrschaft die 

Abweisung des Rekurses, worauf keine weiteren Stellungnahmen erfolgten.  

C.  

Auf  die  Eingaben  der  Parteien  und  die  anlässlich  des  Lokaltermins  ge-

machten  Feststellungen  wird,  soweit  für  den  Rekursentscheid  erforderlich, 

in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen.  

Es kommt in Betracht: 

1. 

Die  Rekursverfahren  G.-Nrn. R3.2016.00004  und  R3.2016.00214  beschla-

gen das gleiche Bauvorhaben und sind deshalb zu vereinigen.  

2.  

Mit  Beschluss  vom  21. Juni 2016 hat  die  Baukommission  ihre  am 17.  No-

vember  2015  erteilte  –  erste  –  Baubewilligung  für  die  Weiher  widerrufen. 

Das  Rekursverfahren  ist  somit  teilweise  (in  Bezug  auf  die  im  Verfahren 

G.-Nr. R3.2016.00004  angefochtene  und  alsdann  durch  den  Beschluss 

vom  21. Juni  2016  ersetzte  kommunale  Bewilligung)  gegenstandslos  ge-

worden und insoweit als erledigt abzuschreiben.  

R3.2016.00004 

Seite 3 

 
 
3.  

Die  strittigen  Anordnungen,  die  in  Anwendung  des  Bundesgesetzes  über 

die  Raumplanung  (RPG)  und  des  Planungs-  und  Baugesetzes  (PBG)  er-

gangen  sind,  können  beim  Baurekursgericht  angefochten  werden  (§ 329 

Abs. 1 PBG).  

Die  Rekurrenten  machen  geltend,  dass  die  angefochtenen  Bewilligungen 

gegen  verschiedene  Bestimmungen  der  erwähnten  Erlasse  und  des  Bun-

desgesetzes über den Umweltschutz (USG) verstossen. Ihre Parzellen [….] 

grenzen an die Bauparzellen, auf denen der Weiher E geplant ist. Derselbe 

soll in einer Entfernung von gegen 65 m von den Wohnhäusern der Rekur-

renten erstellt werden. Von deren Liegenschaften aus besteht Sichtverbin-

dung auf das Bauvorhaben. Eine hinreichend enge nachbarliche Raumbe-

ziehung,  die  zum  Rekurs  berechtigt,  ist  demzufolge  gegeben  (vgl.  § 338a 

PBG).  

Da  auch  die  übrigen  Prozessvoraussetzungen  erfüllt  sind,  ist  auf  den  Re-

kurs einzutreten.  

4.  

Umstritten ist der Bau des Weihers E [….]. Der 20 m lange und 7,5 m breite 
Weiher soll eine Fläche von rund 135 m2 und eine Wassertiefe von höchs-
tens  0,75 m  aufweisen.  Um  den  Weiher  herum  ist  eine  165 m2  grosse 
Feuchtwiese  vorgesehen.  Für  das  Bauvorhaben  werden  insgesamt  75 m3 
Oberboden  und  46,5 m3  Unterboden  abgegraben.  Der  ausgehobene 
Oberboden  wird  grösstenteils  im  Süden  der  Feuchtwiese  aufgetragen,  wo 
anschliessend  auf  einer  Fläche  von  gegen  400 m2  eine  Blumenwiese  an-
gesät  wird.  Der  abgegrabene  Unterboden  wird  einesteils  für  den  Bau  vor 

Ort  verwendet  und  andernteils  abgeführt.  Die  Abdichtung  des Weihers  er-

folgt mit Lehm. Zudem hält sich die Bauherrschaft offen, eine Drainage auf-

zuheben, um die Zufuhr von Wasser in den Weiher zu erhöhen.  

Die Bauparzelle befindet sich inmitten der Landwirtschaftszone.  

5.  

Die  Vorinstanzen  haben  ihre  angefochtenen  Entscheide  wie  folgt  begrün-
det:  

R3.2016.00004 

Seite 4 

 
 
Die Weiher H und E dienten dem Naturschutz und dem ökologischen Aus-

gleich im Rahmen der Landumlegung. Sie eigneten sich insbesondere zur 

Schaffung  von  Laichgewässern  für  Amphibien.  Der  nahe Wald  sei  ein  Le-

bensraum für Grasfrösche, Erdkröten und Bergmolche. Nach dem Überwin-

tern  im  Wald  wanderten  die  Amphibien  im  Frühjahr  in  grosser  Zahl  zu  ei-

nem Weiher in U. Um dorthin zu gelangen, müssten sie die stark befahrene 

R.-strasse  überqueren,  was  vielen  nur  gelänge,  wenn  sie  am  Froschzaun 

abgefangen  und  dann  von  Freiwilligen  über die  Strasse  getragen  würden. 

Mit der Errichtung der geplanten Weiher würden in extensiv genutzter Um-

gebung  zwei  neue  Laichstandorte  geschaffen,  zu  denen  die  Frösche  und 

Kröten  ohne  Erschwernis  selbständig  gelangten.  Das  Bauvorhaben  bilde 

daher  eine  wichtige  Massnahme  zur  Erhaltung  dieser  geschützten  Tiere. 

Zudem unterstützten die Weiher den ökologischen Ausgleich, der obligato-

rischen Bestandteil der Landumlegung bilde, die vor dem Abschluss stehe. 

Die Standorte der Weiher seien nach Abwägung aller Interessen von Fach-

leuten  bestimmt  worden.  Durch  das  Bauvorhaben  werde  der  Lebensraum 

für Tiere und Pflanzen [….] vernetzt und ökologisch aufgewertet. Der Wei-

her E stehe sodann in Einklang mit dem regionalen Vernetzungsprojekt des 

Naturnetzes  Pfannenstil,  das  für  diesen  Standort  die  Schaffung  eines 

Feuchtgebietes  vorsehe.  Die  Anlage  sei  deshalb  standortgebunden,  wes-

halb  der Erteilung  einer  Ausnahmebewilligung  gemäss  Art. 24  RPG  nichts 

im Wege stehe.  

6.  

Die Rekurrenten sind dagegen der Auffassung, dass die Ausnahmebewilli-

gung zu Unrecht erteilt worden sei. So sei der Standort  E für das Anlegen 

eines  Feuchtgebiets  nicht  geeignet,  umso  mehr  als  der  Strassenschmutz 

des  Flurwegs  den  Weiher  stark  verunreinigen  werde.  An  der  künstlichen 

Wasserstelle  werde  sich  sodann  eine  Mücken-  und  Fliegenplage  ausbrei-

ten, die auch die Liegenschaften der Rekurrenten in Mitleidenschaft ziehen 

werde. Auch passten der Weiher samt Magerwiese und die bereits vorhan-

denen Obstbäume nicht zueinander. Zudem sei mit erheblichem Lärm von 

quakenden  Fröschen  und  der  Störung  der  Nachtruhe  zu  rechnen.  Durch 

das  Bauvorhaben  gingen  schliesslich  geschützte  Fruchtfolgeflächen  (FFF) 

verlustig,  wobei  die  Kompensation  der  eingebüssten  Fläche  zu  Unrecht 

aufgeschoben worden sei.  

R3.2016.00004 

Seite 5 

 
 
7.1.  

Bauten und Anlagen, die  zur landwirtschaftlichen Bewirtschaftung oder für 

den  produzierenden  Gartenbau  nötig  sind,  sind  gemäss  Art. 16a  Abs. 1 

RPG  in  der  Landwirtschaftszone  zonenkonform.  Das  Bauvorhaben  erfüllt 

diese  Kriterien  unbestrittenermassen  nicht.  Die  Baudirektion  geht  demge-

genüber davon  aus,  dass  die  umstrittene  Anlage  die  Voraussetzungen  für 

eine  Ausnahmebewilligung  nach  Art. 24  RPG  erfüllt.  Gemäss  dieser  Vor-

schrift  werden  Bauten  und  Anlagen  ausserhalb  der  Bauzonen  ausnahms-

weise  bewilligt,  wenn  ihr  Zweck  einen  Standort  ausserhalb  der  Bauzonen 

erfordert  (lit. a)  und  keine  überwiegenden  Interessen  entgegenstehen 

(lit. b).  

7.2.  

Das Gebiet E ist Teil einer grossen zusammenhängenden Landwirtschafts-

zone [….]. In südlicher und östlicher Richtung folgt Wald, der den Dorfbach 

sowie den A.- und R.-bach säumt. Die Waldung A. stösst im Norden an die 

R.-strasse an, bei der es sich um eine stark befahrene Hauptverkehrsstras-

se handelt. In diesem Bereich führt in der Jahreszeit, in der die Amphibien 

vom  Wald  aus  zum  Laichen  den Weiher  bei  Unterhalden  aufsuchen,  eine 

Amphibienzugstelle  über  die  Strasse  (vgl.  im  geografischen  Informations-

system des Kantons Zürich [GIS] die Karte "Amphibienzugstellen"). An der 

fraglichen Zugstelle  [….] sind auf der jahreszeitlichen Wanderung der Am-

phibien  in  den  Jahren  2014  und  2015  insgesamt  760  bzw.  582 Tiere  ge-

zählt worden (Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der 

Schweiz  [karch],  http://www.karch.ch).  Mit  den  geplanten  Weihern  beab-

sichtigt die Bauherrschaft, zwei neue Laichgewässer für Amphibien anzule-

gen, die von den geschützten Tieren ohne Gefahren des Strassenverkehrs 

aufgesucht  werden  können.  Das  Vorhaben  ist  somit  auf  einen  Standort 

ausserhalb  der Bauzonen angewiesen,  da  sich  diese  weitab  vom Lebens-

raum der hiesigen Amphibien befinden.  

Die Standortgebundenheit des Bauvorhabens wird insofern denn auch nicht 

in Abrede gestellt.  

7.3.  

Demgegenüber  ziehen  die  Rekurrenten  die  Eignung  des  vorgesehenen 

Standorts in Zweifel. Dieser sei weder für das Anlegen eines Feuchtgebiets 
noch  für  das  Ansäen  einer  Magerwiese  geeignet.  Zwar  sei  weiter  im  Nor-

R3.2016.00004 

Seite 6 

 
 
den  ein  Potenzial  für  ein  Feuchtgebiet  auszumachen,  nicht  aber  an  der 

vorgesehenen Stelle. Dort bestehe auch kein Potenzial für eine Magerwie-

se, die ohnehin nicht zum Teich und zu den Hochstammobstbäumen pas-

se,  die  unlängst  weiter  westlich  auf  der Bauparzelle  gepflanzt  worden  sei-

en.  

Der  umstrittene  Standort  war  früher  Teil  eines  Rieds,  das  in  den  Jahren 

1944 und 1945 im Laufe der Bodenmelioration durch den Einbau von Drai-

nagen  entwässert  wurde.  Das  Gebiet  ist  nach  wie  vor  durch  Fremdnässe 

gekennzeichnet. Als Folge davon ist die landwirtschaftliche Bewirtschaftung 

des Bodens durch Grund- und Hangwasser eingeschränkt (vgl. im GIS die 

"Landwirtschaftliche  Nutzungseignungskarte",  die  auf  dem  Lokal  den  limi-

tierenden Standortfaktor F für Fremdnässe ausweist). Die Bodenfläche, die 

für  den  Weiher,  die  Feucht-  und  die  Blumenwiese  vorgesehen  ist,  weist 

hingegen ein Potenzial zur Ergänzung von Feuchtgebieten auf (vgl. im GIS 

die  Karte  "Lebensraum-Potenziale  [Feuchtgebiete,  Mager-,  Trockenwie-

sen]").  Der  Standort  ist  deshalb  durchaus  geeignet,  um  einen  neuen  Le-

bensraum  für  Amphibien  und  für  die  Vegetation  einer  Feuchtwiese  zu 

schaffen. Daran ändert der Umstand nichts, dass etwa 160 m weiter östlich 

an  der  E.-strasse ein noch  grösseres  Potenzial  für Feuchtgebiete besteht, 

denn  jener  Standort,  der  sich  inmitten  der  landwirtschaftlichen  Nutzfläche 

befindet, stellt aufgrund seiner Nähe zum Weiher Grube H die angestrebte 

Vernetzung der Feuchtgebiete nur unzureichend sicher. Die Lage und Be-

schaffenheit der vorgesehenen Lokalität ist demzufolge nicht zu beanstan-

den.  

Magerwiesen  wachsen  auf  nährstoffarmen,  sogenannt  mageren  Böden, 

derweil  an  nährstoffreichen  Standorten  andere  Arten  von  Blumenwiesen 

gedeihen.  So  sind  auf  sonnigen  und  nährstoffreichen  Standorten  Fromen-

talwiesen  verbreitet,  während  auf  feuchten,  nährstoffreichen  Orten  bei-

spielsweise  Kohldistel-Wiesenfuchsschwanz-Wiesen  vorkommen.  Im  Sü-

den  des  Weihers  und  der  Feuchtwiese  eine  Magerwiese  anzulegen  –

 wovon  die  Rekurrenten  fälschlicherweise  auszugehen  scheinen  –,  wäre 

vorliegend  schon  deshalb  nicht  sinnvoll,  weil  an  jener  Stelle  der  Oberbo-

den,  der  beim  Bau  der  Anlage  abgetragen  wird,  ausgebracht  werden  soll. 

Es  ist  denn  auch  keine  Magerwiese,  sondern  eine  standortgerechte  Blu-

menwiese  geplant, die  sich mit  der  lokalen Bodenfeuchtigkeit  verträgt  (G.-

Nr. R3.2016.00004  act. 16  S. 2  und  G.-Nr. R3.2016.00214  act. 7.12  S. 1 
unten).  

R3.2016.00004 

Seite 7 

 
 
Davon abgesehen wird das ehemalige Ried, auf dem sich heute teils kahle 

landwirtschaftliche  Nutzflächen  befinden,  durch  das  Anlegen  des  Weihers 

sowie der Feucht- und Blumenwiese landschaftlich aufgewertet. Eine man-

gelhafte Einordnung des Vorhabens fällt deswegen ausser Betracht (Art. 3 

Abs. 2 lit. b RPG und § 238 PBG).  

7.4.  

Die  Rekurrenten  befürchten  eine  Mücken-  und  Fliegenplage  und  wenden 

zudem ein, dass der auf dem angrenzenden Kiesweg aufgewirbelte Staub 

den Weiher verschmutze werde.  

Die Benützung des Flurwegs durch landwirtschaftliches Gerät dürfte nur an 

ausgeprägt  trockenen  Tagen  grösseren  Staub  aufwirbeln.  Selbst  dann  ist 

nicht damit zu rechnen, dass der Weiher verstaubt und nicht funktionstüch-

tig bleibt.  

Mückenplagen  entwickeln  sich  insbesondere  nach  einem  feuchten  und 

nassen Frühjahr ohne Frosteinbruch, wenn in der Folge keine Trockenheit, 

sondern  immer  wieder  Regen  einsetzt.  Im  Falle  einer  solchen  Plage  sind 

die  Rekurrenten  in  erster  Linie  den  Stechmücken  ausgesetzt,  die  sich  auf 

der  eigenen  Liegenschaft  in  Pfützen  und  anderen  Wasseransammlungen 

ausbreiten.  Die  Insekten  am  Weiher  wiederum  werden  durch  Fressfeinde 

dezimiert, die mit dem Bauvorhaben gezielt gefördert werden.  

Den Rügen ist deshalb keine Folge zu geben.  

7.5.  

Weiter  bringen  die  Rekurrenten  vor, dass beim Weiher quakende  Frösche 

die Nachtruhe stören werden. Die Anlage sei mit den Lärmschutzvorschrif-

ten unvereinbar.  

In  der  Schweiz  kommen  lediglich  drei  Arten  von  Fröschen  vor,  die  derart 

laut quaken, dass sie als Lärmbelästigung wahrgenommen werden können. 

Dazu  zählen  der Wasserfrosch  –  auch  Grünfrosch  genannt  – und die  bei-

den  Kategorien  von  Laubfröschen.  Laubfrösche  sind  allerdings  selten  und 

verursachen  deshalb  kaum  je  Probleme.  Der  Wasserfrosch  hingegen  be-

siedelt  regelmässig  die  in  Wohngebieten  verbreiteten  Teiche,  was  zu 

Lärmemissionen führen kann. Während der Fortpflanzungszeit, die von Ap-
ril bis Juni dauert, quakt der Wasserfrosch regelmässig. Bei warmem Wet-

R3.2016.00004 

Seite 8 

 
 
ter wird tags und nachts gequakt. Die Männchen stimulieren sich dabei ge-

genseitig.  Je  mehr  Frösche  vorhanden  sind,  desto  intensiver  fällt  das  Ge-

quake aus. Andere Frösche und Kröten quaken auch, die Rufe sind jedoch 

meist leise und werden nicht als Belästigung wahrgenommen. Ist der Wei-

her  im  Frühling  noch  voller  aktiver  Erdkröten  und  Grasfrösche,  so  ver-

stummt  der  Lärm  zudem  im  Sommer,  umso  mehr  als  diese  Froscharten 

nach  dem  Laichen  wieder 

ihre  üblichen  Lebensräume  aufsuchen 

(http://www.karch.ch).  

Ein  Hauptzweck  des  umstrittenen  Weihers  besteht  darin,  die  beiden  Am-

phibienarten Erdkröte und Grasfrosch zu fördern. An der Amphibienzugstel-

le  R.-strasse –  U.  werden  alljährlich  viele  Dutzende  dieser  Tiere  gezählt. 

Seit  Beginn  der  Zählungen  in  den  1980er  Jahren  wurde  demgegenüber 

noch  nie  ein  Wasserfrosch  gesichtet.  Sodann  verläuft  im  Südwesten  des 

Weihers die Forchautostrasse A52, die eine Wanderbarriere für Amphibien 

darstellt.  Im  Weiher  E  werden  sich  daher,  wenn  überhaupt,  kaum  zahlrei-

che Wasserfrösche einfinden. Ausserdem sind die Wohnhäuser der Rekur-

renten über 60 m von der geplanten Anlage entfernt und, wie sich am Au-

genschein gezeigt hat, durch Nebengebäude vom Weiher abgeschirmt. Es 

ist  deshalb  davon auszugehen, dass  die  von  den  Amphibien  verursachten 

Lärmimmissionen  die  Rekurrenten  in  ihrem  Wohlbefinden  nicht  erheblich 

stören werden (vgl. Art. 25 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 15 USG).  

Demzufolge bestand für die Vorinstanzen zu Recht kein Anlass zur Anord-

nung von lärmschutzrechtlichen Emissionsbegrenzungen (vgl. Art. 7 Abs. 1 

der Lärmschutz-Verordnung).  

7.6.  

Die Rekurrenten beanstanden die Zerstörung  von FFF und halten die auf-

geschobene  Kompensation  der  verlorengehenden 

landwirtschaftlichen 

Nutzfläche für unzulässig.  

Die  Inanspruchnahme  von  FFF  ist  nicht  von  vornherein  ausgeschlossen, 

setzt  aber  eine  umfassende  Abwägung  aller  Interessen  voraus.  Verlangt 

wird  die  Prüfung  von  Alternativen  ohne  oder  mit  weniger  Beanspruchung 

von FFF einschliesslich der Möglichkeiten zur Kompensation. Zudem muss 

sichergestellt sein, dass der im Sachplan des Bundes festgelegte kantonale 

am  Mindestumfang 

Anteil 
(BGr 1C_429/2015 vom 28. September 2016, E. 6.2).  

der  FFF 

dauernd 

erhalten 

bleibt 

R3.2016.00004 

Seite 9 

 
 
Durch den Bau des umstrittenen Weihers gehen 300 m2 FFF verloren. Ein 
alternativer  Standort,  der  keine  oder  weniger  FFF  konsumieren  würde, 

steht  nicht  zur  Verfügung,  weil  im  gesamten  Gebiet  E  Fruchtfolgeflächen 

ausgeschieden  sind  (vgl.  im  GIS  die  Karte  "Fruchtfolgeflächen  FFF").  Die 

verlustig  gehende  Fläche  ist  der  Nutzungseignungsklasse 6  zugeteilt,  wo-

nach  Futterbau  bevorzugt,  Ackerbau  hingegen  nur  stark  eingeschränkt 

möglich  ist  (vgl.  im  GIS  die  "Landwirtschaftliche  Nutzungseignungskarte"). 

Als  Folge  davon  beschränkt  sich  der  Verlust  auf  bedingte  FFF.  Der  be-

troffene  Boden  ist  ausserdem  bereits  anthropogen,  das  heisst  in  seinem 

Aufbau  durch  menschliches  Zutun  massgeblich  verändert  worden  (vgl.  im 

GIS  die  "Hinweiskarte  anthropogene  Böden").  Nichtsdestotrotz  hat  die 

Baudirektion  die  vollständige  Kompensation  der  eingebüssten  Fläche  ver-

fügt,  wobei mit  der Erfüllung  der Auflage  zugewartet  werden  kann,  bis  die 
Summe der auszugleichenden Fläche 5'000 m2 beträgt. Mit Schreiben vom 
21. März  2014  hat  die  Bauherrschaft  ausdrücklich  bestätigt,  dieser  Ver-

pflichtung beizeiten nachzukommen (G.-Nr. R3.2016.00214 act. 7.1). Unter 

diesen Umständen ist das öffentliche Interesse am Erhalt der in Frage ste-

henden FFF erheblich zu relativieren.  

Demgegenüber bildet das Bauvorhaben ein bedeutendes Element zur För-

derung  des  Biotopverbunds  im  fraglichen  Raum  [….]. Weiher  und  Feucht-

wiese dienen insbesondere als wichtiger Trittstein für Amphibien und ande-

re  Wasserlebewesen  (G.-Nr. R3.2016.00214  act. 7.12).  Der  angestrebten 

ökologischen  Vernetzung  und  landschaftlichen  Aufwertung  ist  auch  mit 

Blick  auf  die  gerade  erfolgte  Landumlegung  erhebliche  Bedeutung  zuzu-

messen.  Es  besteht  folglich  ein  überwiegendes  öffentliches  Interesse  an 

der Verwirklichung des Bauvorhabens.  

Im Weiteren beträgt der Anteil des Kantons Zürich am Mindestumfang der 

FFF gemäss Sachplan des Bundes vom 8. April 1992 44'000 ha. Das Amt 

für  Raumentwicklung  (ARE)  geht  in  seinem  Prüfbericht  zum  kantonalen 

Richtplan  vom  15. April  2015  davon  aus,  dass  im  Kanton  Zürich  derzeit 

44'500 ha  FFF  sichergestellt  sind.  Damit  ist  der  kantonale  Mindestanteil, 

wenn  auch  knapp, eingehalten.  In  dieser Situation  liegt  es  gemäss  Recht-

sprechung des Bundesgerichts im Ermessen des Kantons, ob und wie ver-

lustig  gehende  FFF  auf  seinem  Gebiet  zu  kompensieren  sind 

(BGr 1C_429/2015, E. 6.3).  

Die Rüge ist daher unberechtigt.  

R3.2016.00004 

Seite 10 

 
 
7.7.  

Demnach  stehen  dem  standortgebundenen  Bauvorhaben  keine  überwie-

genden  Interessen  entgegen.  Die  angefochtenen  Bewilligungen  sind  infol-

gedessen nicht zu beanstanden. 

[….] 

R3.2016.00004 

Seite 11