# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a4c33898-43d9-5d51-9a8c-d7bf5cf2c1c3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.09.2011 E-4409/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4409-2007_2011-09-01.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­4409/2007
E­4410/2007

U r t e i l   v om   1 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz),
Richter Fulvio Haefeli, Richterin Emilia Antonioni,
Gerichtsschreiberin Tu­Binh Truong.

Parteien A._______, geboren am (…),
B._______, geboren am (…),
C._______, geboren am (…),
D._______, geboren am (…),
sowie
E._______, geboren am (…) (E­4410/2007)
Serbien, 
alle vertreten durch Dieter Roth, Rechtsanwalt, 
(…), 
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,  
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügungen des BFM vom 
29. Mai 2007 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Die  Beschwerdeführenden,  eigenen  Angaben  zufolge  ethnische  Roma 
aus  F._______  (Serbien),  haben  in  der  Schweiz  bereits  mehrere 
Asylverfahren durchlaufen.

Am 27. März 2000 reisten die Beschwerdeführenden zusammen mit ihren 
drei gemeinsamen minderjährigen Kindern das erste Mal  in die Schweiz 
ein.  Sie  reichten  gleichentags  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum 
(EVZ)  G._______  ihr  erstes  Asylgesuch  ein,  wobei  sie  als 
fluchtauslösende  Gründe  die  Verweigerung  des  Beschwerdeführers 
wiederum  in  den  Militärdienst  einberufen  zu  werden,  eine  allfällige 
diesbezügliche  Bestrafung  des  Beschwerdeführers  sowie  vereinzelte 
Schikanen,  denen  sie  aufgrund  ihrer  Ethnie  ausgesetzt  seien,  nannten. 
Das  damals  zuständige  Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF;  heute  BFM) 
lehnte  mit  Verfügung  vom  25.  April  2000  das  Asylgesuch  ab  und 
begründete  seinen  Entscheid  im  Wesentlichen  mit  der  fehlenden 
Asylrelevanz  der  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden.  Die  dagegen 
erhobene  Beschwerde  vom  29.  Mai  2000  wurde  von  der  vormals 
zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK),  welche  die 
vorinstanzliche  Argumentation  vollumfänglich  stützte,  mit  Urteil  vom  7. 
Juli 2000 abgewiesen. Auf die am 25. und 30. August 2000 respektive am 
22.  Mai  2001  eingereichten  Fristerstreckungs­  bzw. 
Wiedererwägungsgesuche  hin,  verlängerte  das  BFM  jeweils 
antragsgemäss die Frist zur Ausreise; auf das Wiedererwägungsgesuch 
vom 22. Mai 2001 trat es sodann nicht ein. Die am 14. März 2002 erfolgte 
Abweisung  eines  am  20. Februar  2002  beim  BFF  eingereichten 
Wiedererwägungsgesuches wurde letztinstanzlich von der ARK mit Urteil 
vom 23. April 2002 bestätigt.

Das aufgrund eines zweiten Asylgesuches vom 10. Juli 2002 eingeleitete 
Asylverfahren  wurde  wegen  der  Rückzugserklärung  der 
Beschwerdeführenden  vom  22.  Juli  2002  als  gegenstandslos 
abgeschrieben  und  die  Familie  reiste  am  24.  Juli  2002  kontrolliert  auf 
dem Luftweg nach Belgrad aus. 

Auf  das  am  27.  April  2004  nur  vom  Beschwerdeführer  A._______ 
eingereichte (dritte) Asylgesuch trat das BFF am 12. Mai 2004 nicht ein. 
Eine  dagegen  erhobenen  Beschwerde  lehnte  die  ARK  mit  Urteil  vom 
24. Mai 2004 ab. Er  kehrte eigenen Angaben zufolge Ende Mai 2004  in 
sein Heimatland Serbien zurück.

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B. 
Gemäss  eigenen  Angaben  verliessen  die  Beschwerdeführenden  –  mit 
den drei gemeinsamen Kindern – ihr Heimatland am 21. Juni 2005 erneut 
und gelangten am 23. Juni 2005  in die Schweiz, wo sie gleichentags  im 
Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  H._______  ein  drittes 
respektive  viertes  (A._______)  Asylgesuch  stellten.  Am  8.  Juli  2005 
wurden  der  Beschwerdeführer  und  sein Sohn E._______  sowie  am  13. 
Juli  2005  die  Beschwerdeführerin  B._______  im  Transitzentrum 
J._______  summarisch  befragt.  Am  3.  Mai  2007  wurden  sie – 
einschliesslich  der  (minder)­jährigen  Tochter  D._______  –  in  einer 
direkten  Befragung  des  Bundesamtes  für  Migration  (BFM)  zu  ihren 
Asylgründen angehört.

B.a.  Zur  Begründung  ihres  Gesuches  machten  sie  im  Wesentlichen 
Folgendes geltend: 

Sie  seien  ethnische  Roma  aus  F._______.  Sie  hätten  da  ein  eigenes 
Haus besessen, in dem die ganze Familie gewohnt habe, und auf dessen 
Hof  der  Beschwerdeführer  eine  Autowerkstatt  betrieben  habe.  Es  sei 
ihnen  finanziell  verhältnismässig  "gut"  gegangen.  Wegen  ihrer  Ethnie 
seien sie aber  in Serbien generell  behördlichen und privaten Schikanen 
ausgesetzt  gewesen.  Der  Beschwerdeführer  im  Speziellen  sei  –  seit 
seiner  Rückkehr  aus  der  Schweiz  Ende Mai  2004  –  immer  wieder  von 
einer  Gruppe  von  glatzköpfigen  Personen  –  gemäss  seinen  Angaben 
Mitglieder  der  "serbischen  Mafia"  –  auf  der  Strasse  angehalten, 
beschimpft und geschlagen worden. Schliesslich hätten sie immer wieder 
Geldzahlungen  von  ihm  verlangt,  da  sie  aufgrund  des  Hauses  und  der 
Werkstatt  auf  vermögende  Verhältnisse  der  Beschwerdeführenden 
geschlossen  hätten,  und  grundsätzlich  weil  der  Beschwerdeführer  Rom 
sei.  Der  Beschwerdeführer  habe  die  Zahlungen  jedoch  jeweils  nicht 
geleistet,  da  er  mit  dem  Erwerb  aus  der  Garage  den  gesamten 
Lebensunterhalt  der  Familie  habe  bestreiten  müssen.  Er  habe  diese 
Vorgänge  mehrere  Male  bei  der  Polizei  gemeldet,  diese  hätten  aber 
nichts  unternommen.  Am 1. Mai  2005  sei  er  von  dieser Gruppe wegen 
weiterer  Geldzahlungen  angegangen  worden,  und  sie  hätten  gedroht 
seiner Familie  "etwas anzutun",  sollte  er  nicht  innert Monatsfrist  5000.­­ 
Euro  zahlen.  Weil  der  Beschwerdeführer  Angst  um  die  Kinder  gehabt 
habe, habe er  sie nach K._______ zu  ihren Grosseltern gebracht. Mitte 
Juni  2005  seien  zwei  Männer  –  gemäss  Angaben  der 
Beschwerdeführenden  die  vorgenannten  "Erpresser"  –  während  der 
Abwesenheit  des  Beschwerdeführers  in  das  Haus  eingedrungen  und 
hätten  die  Beschwerdeführerin  B._______  angegriffen,  da  ihr  Ehemann 

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nicht – wie gefordert – Zahlungen geleistet habe; einer der Männer habe 
sie  anschliessend  vergewaltigt.  Am  nächsten  Tag  hätten  sie  diesen 
Vorfall  bei  der  Polizei  gemeldet  und  die  Beschwerdeführerin  habe  sich 
am  darauf  folgenden  Tag  beim  Gynäkologen  untersuchen  lassen. 
Insgesamt  habe  dieses  einschneidende Erlebnis  dazu  geführt,  dass  die 
Beschwerdeführenden Angst gehabt hätten in ihr Haus zurückzukehren – 
zumal  sie  aufgrund  der  vorherigen  Vorsprechen  bei  der  Polizei  den 
Eindruck gewonnen hätten, diese könne oder wolle  ihnen nicht helfen – 
so dass sie den Entschluss gefasst hätten, zu fliehen. 

Die Kinder der Beschwerdeführenden (E._______ und D._______) gaben 
an,  sie  seien  von  ihren  Eltern  über  diese  Geschehen  nicht  konkret 
informiert worden. Sie hätten die letzten 1 – 1½ Monate vor ihrer Ausreise 
aus  Serbien  in  K._______  bei  ihren  Grosseltern  verbracht.  Zu 
persönlichen Schwierigkeiten  in Serbien befragt, gaben sie an, dass sie 
aufgrund  ihrer  ethnischen  Zugehörigkeit  in  der  Schule  schikaniert  und 
benachteiligt  worden  seien.  Auf  eine  Rückkehr  nach  Serbien 
angesprochen,  machte  E._______  ausserdem  geltend,  dass  er  sich  in 
Serbien nicht sicher fühle und dort keine berufliche Zukunft sehe. 

B.b.  Als  Beweismittel  –  für  die  geltend  gemachte  Vergewaltigung – 
reichten die Beschwerdeführenden am 12. Juli 2005 eine Vorladung der 
Polizei  von  F._______  vom  16. Juni  2005  und  einen  Arztbericht  des 
Gynäkologen Dr. L._______ aus F._______ vom 17. Juni 2005 ein.

C. 
Am  19.  Mai  2007  wurden  die  Beschwerdeführenden  für  die  Dauer  des 
Asylverfahrens dem Kanton M._______ zugeteilt.

D. 
Mit Verfügungen vom 29. Mai 2007 (wobei dieses Datum vom BFM wohl 
versehentlich  falsch gesetzt wurde, da der Ausgang der Dokumente auf 
den  25.  Mai  2007  datiert  ist)  –  welche  gleichentags  eröffnet  wurden – 
lehnte  das  BFM  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  ab  und 
ordnete deren Wegweisung und den Vollzug der Wegweisung an.

Zur Begründung  ihrer Abweisung  im Asylpunkt  führte  die Vorinstanz  im 
Wesentlichen  an,  dass  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  in 
Bezug  auf  die  fluchtauslösenden  Gründe  –  die  geltend  gemachte 
Vergewaltigung  der  Beschwerdeführerin  und  die  dieser  vorangegangen 
Erpressungen des Beschwerdeführers durch die "serbische Mafia" – den 
Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  AsylG  insgesamt 
nicht  standhielten,  da  sich  insbesondere  die  Beschwerdeführerin – 

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anlässlich  der  ersten  Anhörung  im  EVZ  und  dann  anlässlich  der 
Bundesanhörung – in zahlreiche Widersprüche verstrickt habe, wobei es 
sich  bei  diesen  nach  Ansicht  der  Vorinstanz  um  diametral 
entgegengesetzte  Aussagen  handle.  Die  eingereichten  Beweismittel 
erachtete  die  Vorinstanz  als  ohne  Beweiswert,  da  erfahrungsgemäss 
solche  Dokumente  im  Herkunftsland  der  Beschwerdeführenden  leicht 
käuflich  erwerbbar  seien  und  diese  orthographische  Mängel  enthalten 
würden, weshalb  von Fälschungen  auszugehen  sei. Die Vorbringen  zur 
Vergewaltigung und zu den Erpressungen wurden deshalb nicht auf  ihre 
Asylrelevanz geprüft. Die weiteren Vorbringen der Beschwerdeführenden 
– allgemeine  Schikanen  durch  unbekannte  Dritte  wegen  ihrer  Ethnie – 
würden  aufgrund  mangelnder  Verfolgungsintensität  und  des 
Vorhandenseins  des  Schutzwillens  und  der  Schutzfähigkeit  des 
serbischen  Staates  sowie  einer  inländischen  Fluchtalternative  den 
Anforderungen  an  die Flüchtlingseigenschaft  gemäss Art.  3 AsylG  nicht 
standhalten.  Den  Wegweisungsvollzug  erachtete  das  Bundesamt  als 
zulässig  und  möglich  sowie  –  unter  Hinweis  auf  die  herrschende 
politische  Situation  in  Serbien  und  auf  das  tragfähige  Beziehungsnetz 
sowie  auf  das  eigene  Haus  und  die  Autowerkstatt  als  sichere 
Einkommensquelle  –  als  zumutbar.  Auf  die  ausführliche  Begründung 
wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

D.a. Die  Vorinstanz  behandelte  das  Asylgesuch  des  mittlerweile  (voll)­
jährigen  E._______  getrennt.  Die  Ablehnung  seines  Asylgesuches 
begründete sie im Wesentlichen wie folgt: Seine Vorbringen – Schikanen 
in  der  Schule  und  berufliche  Perspektivlosigkeit  in  Serbien  aufgrund 
seiner  Ethnie  –  würden  die  asylrelevante  Verfolgungsintensität  nicht 
erreichen  und  würden  folglich  den  Anforderungen  an  die 
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten.

Den  Wegweisungsvollzug  erachtete  das  Bundesamt  als  zulässig  und 
möglich sowie – unter Hinweis einerseits auf die herrschende politische 
Situation in Serbien und anderseits auf die Möglichkeit der gemeinsamen 
Rückkehr mit der Familie – als zumutbar.

E. 
Mit  Eingabe  vom  28.  Juni  2007  (Poststempel)  erhoben  die 
Beschwerdeführenden  durch  ihren  Rechtsvertreter  Beschwerde  gegen 
die Verfügungen des BFM vom 29. Mai 2007.

E.a. Die Beschwerdeführenden beantragten, es seien die Entscheide des 
BFM  vollumfänglich  aufzuheben  und  die  Asylgesuche  der 

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Beschwerdeführenden  seien  gutzuheissen;  eventualiter  seien  die 
Entscheide des BFM aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an 
die  Vorinstanz  zurückzuweisen;  subeventualiter  seien  sie  wegen 
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen. 

Aus  verfahrensrechtlicher  Sicht  beantragten  sie,  dass  ihnen  infolge 
Bedürftigkeit und Nichtaussichtslosigkeit sowie Komplexität des Asyl­ und 
Ausländerrechts  die  unentgeltliche  Rechtspflege  und  die 
Rechtsverbeiständung  zu  gewähren  seien.  Ferner  wurde  beantragt,  es 
sei  ihnen  zu  gestatten  sich  für  die Dauer  des Beschwerdeverfahrens  in 
der Schweiz aufzuhalten und ihnen sei das Replikrecht zu allen allfälligen 
Stellungnahmen des BFM einzuräumen. 

Mit  Hinweis  auf  die  Minderjährigkeit  von  E._______  zur  Zeit  des 
Asylgesuches  und  mit  Bezugnahme  auf  Art.  51  AsylG  wurde  ferner 
beantragt, er sei  in das Asylverfahren seiner Familie mit einzubeziehen. 
Mit eingereichter Beschwerde vom 28. Juni 2007 wurden deshalb beide 
Verfügungen des BFM vom 29. Mai 2007 angefochten. 

Die  Beschwerdeführenden  rügten  "die  unrichtige  Feststellung  des 
rechtserheblichen  Sachverhaltes  sowie  Ermessensfehler  in  der 
Beurteilung  der  Wegweisung"  durch  die  Vorinstanz  (vgl. 
Beschwerdeeingabe  vom  28.  Juni  2007  S.  3).  Ferner  monierten  die 
Beschwerdeführenden,  der  Umstand  allein,  dass  verschiedene 
Dokumente  im Heimatland der Beschwerdeführenden  käuflich erworben 
werden  könnten,  genauso  wenig  wie  einzelne  Grammatik­  oder 
Rechtschreibefehler,  könne  ausreichen,  um  an  der  Echtheit  der 
eingereichten Beweismittel zu zweifeln.  Im Zweifel hätte das Bundesamt 
amtliche  Erkundigungen  vor  Ort  einholen  müssen.  Schliesslich  sei  von 
Amtes  wegen  ein  ärztliches  Gutachten  die  Beschwerdeführerin 
B._______ betreffend anzuordnen und diese erneut zu befragen. 

E.b. Hinsichtlich der Asylvorbringen erkannten die Beschwerdeführenden 
an, dass sich zwischen den Aussagen der Beschwerdeführerin anlässlich 
der  Befragung  im  EVZ  (13.  Juli  2005)  und  anlässlich  der 
Bundesanhörung  (3. Mai  2007)  verschiedene  Widersprüche  ergeben 
hätten.  Indessen würden  sich  die  Aussagen  der  Ehefrau  anlässlich  der 
Erstbefragung  mit  jenen  des  Ehemannes  in  den  wesentlichen  Punkten 
decken.  Im  weiteren  habe  die  Beschwerdeführerin  viele  Einzelheiten 
geschildert.  Die  Beschwerdeführenden  zählten  anschliessend  einige 
Elemente  auf,  welche  für  ihre  Glaubwürdigkeit  sprächen.  Insbesondere 
seien die widersprüchlichen Aussagen der Ehefrau aber auch Folge eines 

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bei ihr durch die Vergewaltigung ausgelösten Traumas. Der Beschwerde 
lagen  ein  entsprechendes Arztzeugnis  von Dr. med. N._______  vom 4. 
Juni  2007  sowie  zwei  Internetausdrucke  von  www.asyl.net  und  der 
Vereinigung  "aufrecht"  zum  Thema  der  posttraumatischen 
Belastungsstörung  bei.  Ferner  wurde  eine  allgemeine 
Verfolgungssituation der Roma in Serbien geltend gemacht: Es gäbe eine 
landesweite Kollektivverfolgung der Roma in Serbien durch sowohl Dritte 
(mit  Hinweis  auf  dokumentierte  brutale  Übergriffe  der  serbischen Mafia 
auf die Roma) als auch den schutzunfähigen und schutzunwilligen Staat 
(mit Hinweis  auf  das unkooperative  und  rassistisch motivierte Verhalten 
der  serbischen  Polizeikräfte).  Folglich  würde  auch  eine  innerstaatliche 
Fluchtalternative  nicht  zur  Verfügung  stehen.  Zum  Beleg  dieser 
Vorbringen  reichten  sie  Berichte  von  "Augenauf"  vom  Dezember  2001 
bzw.  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  vom  März 2004  und  einen 
fremdsprachigen  Zeitungsbericht  (angeblich  entnommen  aus  der 
Zeitschrift "Kurir" vom 29. Januar 2007) ein. 

E.c.  Den  Eventualantrag  auf  vorläufige  Aufnahme  begründeten  die 
Beschwerdeführenden  mit  der  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzuges,  weil  ganz  allgemein  Roma  in  Serbien  in  allen 
Lebensbereichen mit Diskriminierungen zu rechnen hätten. Ferner sei der 
Vollzug der Wegweisung nach Serbien auch aus medizinischen Gründen 
nicht  zumutbar,  namentlich  aufgrund  fehlender  entsprechender 
medizinischer  Behandlungsmöglichkeiten  der  posttraumatischen 
Belastungsstörung der Beschwerdeführerin. 

Auf die ausführliche Begründung wird, soweit entscheidwesentlich, in den 
Erwägungen eingegangen.

F. 
Mit Verfügungen vom 5. Juli 2007 hiess das Bundesverwaltungsgericht in 
beiden  Verfahren  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  gemäss  Art. 65 Abs.  1  VwVG  gut  und  verzichtete  auf  die 
Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  gemäss  Art.  65  Abs.  2  VwVG 
wurde abgewiesen. 

Ferner  wurde  entschieden,  die  beiden  Verfahren  soweit  möglich 
koordiniert zu behandeln. Überdies wurde Frist zum Einreichen aktueller 
und  ausführlicher  medizinischer  Berichte  der  die  Beschwerdeführerin 
B._______ behandelnden Ärzte,  insbesondere Dr. med. O._______ und 

http://www.asyl.net

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Dr.  med.  N._______,  sowie  Berichte  der  behandelnden 
Psychotherapeuten und Psychiater angesetzt. 

G. 
Mit  Eingabe  vom  6.  August  2007  reichte  der  Rechtsvertreter  der 
Beschwerdeführenden Arztberichte von Dr. med. N._______ vom 21. Juli 
2007 sowie Dr. med. O._______ vom 26. Juli 2007 zu den Akten. 

H. 
Mit Vernehmlassungen vom 16. November 2007 schloss die Vorinstanz 
auf  Abweisung  der  Beschwerde.  Die  Beschwerdeschrift  würde  keine 
neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel  enthalten,  welche  eine 
Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könnte. 

Als  reine  Schutzbehauptung  sei  zu  werten,  dass  die  vom  Bundesamt 
aufgezeigten Ungereimtheiten  in den Aussagen der Beschwerdeführerin 
auf  das  Bestehen  einer  dissoziativen  Amnesie  zurückzuführen  sei.  Das 
eingereichte Arztzeugnis sei zu wenig ausführlich und der Umstand, dass 
die  Diagnose  nicht  von  einem  Spezialarzt  für  Psychiatrie  und 
Psychotherapie, sondern von einem Allgemeinarzt gestellt wurde, würde 
die  Aussagekraft  des  Dokuments  zusätzlich  schmälern.  Die  Vorinstanz 
hielt an ihren Erwägungen der Verfügung vom 29. Mai 2007 fest, dass die 
von  der  Beschwerdeführerin  dargelegte  Ursache  nicht  für  die 
diagnostizierte posttraumatische Belastungsstörung – sollte sie in der Tat 
vorliegen – verantwortlich gemacht werden könne. 

Sie  wies  ferner  darauf  hin,  dass  die  ambulante  Betreuung  psychisch 
kranker Menschen generell in Serbien sichergestellt sei. Weiter dürfte das 
familiäre  Beziehungsnetz  der  Behandlung  förderlich  sein,  auf  das  die 
Beschwerdeführerin  in K._______  zurückgreifen  könne,  und  schliesslich 
sei  auch  der  Umstand,  dass  die  Beschwerdeführerin  in  ihrer 
Muttersprache  betreut  werden  könne,  ein  nicht  zu  unterschätzender 
Faktor für die Behandlung. 

I. 
Mit  Replik  vom  20.  Dezember  2007  legten  die  Beschwerdeführenden 
einen Familienausweis  vom 23. November 2007  ins Recht, wonach der 
Beschwerdeführer  A._______  am 23. November  2007 Frau P._______, 
eine  serbische  Staatsangehörige  mit  einer  Niederlassungsbewilligung, 
geheiratet  habe,  wobei  er  sich  vorgängig  von  der  Beschwerdeführerin 
B._______  habe  scheiden  lassen.  Ferner  ersuchten  sie  um  die 
Gewährung  einer  Fristerstreckung  zur  Einreichung  eines  aktuellen 

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Arztberichtes  betreffend  die  Beschwerdeführerin  und wiederholten  ihren 
Antrag,  es  sei  von Amtes wegen ein medizinisches Gutachten erstellen 
zu  lassen.  Im Weiteren  führten sie an, als Roma würden sie  in Serbien 
niemals  in  den  Genuss  der  adäquaten  medizinischen  Behandlung 
kommen können. 

J. 
Mit  Instruktionsverfügung  vom  15.  Januar  2008  wurden  die 
Beschwerdeführenden  aufgefordert,  eine  Kopie  ihres  Scheidungsurteils 
einzureichen;  gleichzeitig  wurde  ihnen  antragsgemäss  die  Frist  für  das 
Einreichen der  in Aussicht gestellten aktuellen ärztlichen Berichte sowie 
von Entbindungserklärungen der ärztlichen Schweigepflicht verlängert.

K. 
Mit Eingabe vom 30. Januar 2008 reichten die Beschwerdeführenden ein 
Arztzeugnis des Psychiaters Dr. Q._______ vom 26. Januar 2008 – die 
Beschwerdeführerin  B._______  betreffend  –  und  eine  Kopie  ihres 
Scheidungsurteils  vom  26.  April  2002  des  Amtsgerichts  in  F._______ 
samt  deutscher  Übersetzung  ein.  Die  Beschwerdeführenden  gaben  an, 
sie hätten sich schon im Jahr 2002 scheiden lassen, hätten sich aber der 
widrigen  politischen  und  gesundheitlichen  Umstände  sowie  des 
Wohlergehens der Kinder wegen wieder  zusammen getan,  bis es Ende 
2007 wieder zur Trennung gekommen sei.

L. 
Mit  Verfügung  vom  22.  Dezember  2010  forderte  das 
Bundesverwaltungsgericht  die  Beschwerdeführenden  auf,  aktuelle 
Informationen  zum  Zivilstand  von  A._______  und  Angaben  zu  seiner 
aktuellen  Ehefrau,  zur  Wohnsituation  der  Familie,  zur  allfälligen 
Arbeitstätigkeit  der  Beschwerdeführenden  sowie  zur  schulischen 
Situation  von  C._______  und  D._______  einzureichen.  Ebenso 
einzureichen  sei  ein  aktueller  Arztbericht  B._______  betreffend  sowie 
eine Erklärung von ihrer Seite über die Entbindung der sie behandelnden 
Ärzte von der Schweigepflicht gegenüber den Asylbehörden.

M. 
Mit Eingabe vom 21. Januar 2011 legten die Beschwerdeführenden durch 
ihren Rechtsvertreter folgende Informationen ins Recht: 

Der  Beschwerdeführer  habe  sich  von  Frau  P._______  vor  dem 
Richteramt  R._______  scheiden  lassen,  da  es  zwischen  ihm  und  der 
Beschwerdeführerin B._______ wieder zu einer Annäherung gekommen 

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sei.  Die  beiden  seien mittlerweile  wieder  ein  Paar.  Für  die  Einreichung 
des Scheidungsurteils wurde  um Fristerstreckung  ersucht.  Die  gesamte 
Familie wohne an der (…) in S._______. Der Beschwerdeführer und der 
Sohn E._______ seien beide selbstständig und unabhängig voneinander 
im  [Beruf]  tätig.  Mit  dem  generierten  Einkommen  finanziere  sich  die 
Familie  ihren  Unterhalt  mittlerweile  selber.  Beigelegt  wurden  die 
Handelsregisterauszüge  beider  Einzelunternehmen  und  die  Bestätigung 
der  Koordinationsstelle  für  soziale  Leistungen  des  Kantons M._______. 
Die  Tochter  C._______  besuche  gegenwärtig  die  [Zahl] 
Primarschulklasse in S._______. Die ältere Tochter D._______ habe eine 
Lehre  im  (Name Geschäft)  in  T._______  angefangen,  diese  jedoch  vor 
kurzem  abgebrochen,  damit  sie  der  mit  dem  Haushalt  überforderten 
Mutter  helfen  könne. Sie  sei  zum Zeitpunkt  der Eingabe  auf  der Suche 
nach  einer  Lehrstelle  in  S._______  gewesen,  damit  sie  ihre  Lehre 
dennoch  abschliessen  könne,  wobei  sie  bereits  zu 
Vorstellungsgesprächen  eingeladen  worden  sei.  Beigelegt  wurden  eine 
Bestätigung von C._______'s Primarschullehrerin, Frau U._______, eine 
Bestätigung  von  Frau  V._______  des  (Name  Geschäft)  sowie  die 
Lehrzeugnisse  der  Tochter  D._______.  Die  Beschwerdeführerin 
B._______ sei seit mehr als 3 Jahren im "(psychiatrische Klinik)" (CCPP) 
in  T._______  in  regelmässiger  Behandlung.  Für  die  Einreichung  eines 
aktuellen Arztberichtes wurde um Fristerstreckung ersucht.

N. 
Mit  Eingabe  vom  26.  Januar  2011  reichten  die  Beschwerdeführenden 
durch  ihren  Rechtsvertreter  das  Scheidungsurteil  des  Richteramtes 
R._______ vom 1. Dezember 2009 ein.

O. 
Die Beschwerdeführenden legten sodann durch ihren Rechtsvertreter, mit 
Eingabe vom 24. Februar 2011, den Arztbericht von Dr. W._______ des 
CCPP vom 23. Februar 2011 ins Recht. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 

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des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerden  sind  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen,  sind  durch  die  angefochtenen  Verfügungen  besonders 
berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung;  sie  sind  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1, 
Art. 50 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich der 
Überschreitung  oder  des  Missbrauchs  des  Ermessens,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Die  Beschwerdeführenden  hatten  in  ihren  Beschwerden  beantragt, 
E._______  sei  gestützt  auf  Art.  51  AsylG  in  das  Asylverfahren  seiner 
Familie  mit  einzubeziehen,  da  er  zum  Zeitpunkt  der  Einreichung  des 
Asylgesuches  minderjährig  gewesen  sei  (vgl.  Prozessgeschichte  Bst. 
E.a). 

Gemäss  Art.  51  Abs.  1  AsylG  werden  Ehegatten  von  Flüchtlingen  und 
deren minderjährige  Kinder  als  Flüchtlinge  anerkannt  und  erhalten  Asyl 
(sofern  keine  besonderen  Umstände  dagegen  sprechen).  Die  Prüfung 
eines solchen – derivativen – Anspruchs setzt indessen die Anerkennung 
der Flüchtlingseigenschaft der Eltern (beziehungsweise Ehegatten) nach 
Art. 3 AsylG voraus. Für die Anerkennung des Familienasyls ist nach der 
Praxis die Minderjährigkeit des Kindes zum Zeitpunkt der Einreise  in die 
Schweiz  entscheidend  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 

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Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1996 Nr. 18 E. 14. e.). 
Folglich ist die Minderjährigkeit von E._______ zur Zeit der Einreise in die 
Schweiz nur relevant, falls seinen Eltern Asyl gewährt wird; sein Einbezug 
in das Asylverfahren seiner Familie kann sich hingegen nicht auf Art. 51 
Abs. 1 AsylG stützen. 

Angesichts  des  engen  persönlichen  Zusammenhanges  der  beiden 
Verfahren  erscheint  dem  Bundesverwaltungsgericht  ihre  Vereinigung 
allerdings  angezeigt.  Es  ergeht  vorliegend  betreffend  beider  Verfahren 
somit ein einziger Entscheid.

4. 
Die  Beschwerdeführenden  rügen  in  formeller  Hinsicht  vorab  eine 
Verletzung  des  Untersuchungsgrundsatzes  durch  das  BFM  sowie  ihres 
rechtlichen Gehörs (vgl. Prozessgeschichte Bst. E). 

4.1.  Im  Verwaltungsverfahren  gelten  der  Untersuchungsgrundsatz  und 
die  Pflicht  zur  vollständigen  und  richtigen  Abklärung  des 
rechtserheblichen  Sachverhalts  (Art. 12  VwVG;  vgl.  auch  Art. 49  Bst. b 
VwVG;  für  das  Asylverfahren  ausserdem  Art. 6  AsylG).  Die  zuständige 
Behörde  ist  demnach  verpflichtet,  den  für  die  Beurteilung  eines 
Asylgesuchs  relevanten  Sachverhalt  von  Amtes  wegen  festzustellen. 
Dieser Grundsatz gilt indes nicht uneingeschränkt, er findet sein Korrelat 
in  der Mitwirkungspflicht  der  asylsuchenden  Person  (Art. 13  VwVG  und 
Art. 8 AsylG). Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, 
Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt dabei, dass die verfügende 
Behörde  die  Vorbringen  des Betroffenen  tatsächlich  hört,  sorgfältig  und 
ernsthaft  prüft  und  in  der  Entscheidfindung  berücksichtigt,  was  sich 
entsprechend  in  der  Entscheidbegründung  niederschlagen  muss 
(EMARK 2004 Nr. 38 E. 6.3 S. 264). Die Begründungsdichte richtet sich 
dabei nach den Verfahrensumständen, dem Verfügungsgegenstand und 
den  Interessen  der  Betroffenen,  wobei  die  bundesgerichtliche 
Rechtsprechung  bei  schwerwiegenden  Eingriffen  in  die  rechtlich 
geschützten  Interessen  der  Betroffenen  –  was  bei  der  Frage  der 
Gewährung  des Asyls  immer  der  Fall  ist  –  eine  sorgfältige Begründung 
verlangt  (vgl.  Entscheide  des  Schweizerischen 
Bundesverwaltungsgerichtes  [BVGE]  2008  Nr.  47  E. 3.2  S.  674  f.; 
EMARK 2006 Nr. 24 E. 5.1 S. 256 f.). Die Abfassung der Begründung soll 
ferner  dem  Betroffenen  ermöglichen,  den  Entscheid  gegebenenfalls 
sachgerecht  anzufechten,  was  nur  der  Fall  ist,  wenn  sich  sowohl  der 
Betroffene  als  auch  die  Rechtsmittelinstanz  über  die  Tragweite  des 
Entscheides ein Bild machen können, wobei sich die verfügende Behörde 

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allerdings nicht ausdrücklich mit  jeder  tatbeständlichen Behauptung und 
jedem  rechtlichen Einwand  auseinander  setzen muss,  sondern  sich  auf 
die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken kann.

4.2.  Soweit  vorliegend  vorgebracht  wird,  die  Vorinstanz  habe  den 
Sachverhalt  unrichtig  festgestellt,  weil  sie  die  geltend  gemachte 
Vergewaltigung  der  Beschwerdeführerin  unter  Ignorierung  der 
Anhaltspunkte,  die  für  die  Richtigkeit  ihrer  Angaben  sprächen,  als 
unglaubhaft erachtet und die von den Beschwerdeführenden am 12. Juli 
2005 offerierten Beweismittel – ein Arztzeugnis und eine Polizeivorladung 
– mit  dem  pauschalen  Hinweis  auf  einen  möglichen  käuflichen  Erwerb 
derartiger  Dokumente  in  deren  Heimatland  und  orthographische  und 
grammatikalische  Mängel  als  Fälschungen  qualifiziert,  ist  festzustellen, 
dass  den  Akten  keine  Hinweise  zu  entnehmen  sind,  wonach  das  BFM 
den  Sachverhalt  ungenügend  festgestellt  beziehungsweise  sich  mit 
diesem nicht auseinandergesetzt hätte. Es hat vielmehr  im Rahmen der 
Glaubhaftigkeitsprüfung  nach  Art.  7  AsylG  sowohl  die  Vorbringen  zur 
Vergewaltigung wie  auch die  eingereichten Beweismittel  geprüft. Hierzu 
ist  festzuhalten,  dass  die  vorgenannten  Beweismittel  im  Original  vom 
BFM  entgegengenommen  und  in  einem  paginierten 
Beweismittelumschlag (vgl. D6/1)  im Dossier abgelegt wurden. Es  findet 
sich  des  Weiteren  eine  handschriftliche  deutsche  Übersetzung  der 
Dokumente  im  Briefumschlag,  welche  zeigt,  dass  die  Vorinstanz  eine – 
wenn  auch  rudimentäre  –  inhaltliche  Prüfung  der  Unterlagen 
vorgenommen  hat.  Schliesslich  ist  sie  der  ihr  obliegenden 
Begründungspflicht  mit  dem  Hinweis  auf  die  festgestellten 
Fälschungsmerkmale nachgekommen. Damit beschlägt die Einschätzung 
der  Vorinstanz  zur  Echtheit  der  Beweismittel  beziehungsweise  der 
Glaubhaftigkeit der angeblichen Vergewaltigung nicht die Abklärung des 
Sachverhalts,  sondern  dessen  rechtliche  Würdigung.  Der  Sachverhalt 
wurde  von  der  Vorinstanz  somit  nicht  ungenügend  festgestellt  und  der 
vorinstanzliche Entscheid konnte von den Beschwerdeführenden sodann 
sachgerecht angefochten werden.

4.3. Zusammenfassend steht fest, dass keine Verletzung des rechtlichen 
Gehörs zu erkennen ist, also kein Verfahrensmangel vorliegt. 

5. 
5.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 

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wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

5.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

5.3. Glaubhaftmachung  im Sinne von Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet –  im 
Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und  lässt 
durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und  Zweifel  an  den  Vorbringen 
des  Gesuchstellers.  Entscheidend  ist,  ob  die  Gründe,  die  für  die 
Richtigkeit  der  gesuchstellerischen  Sachverhaltsdarstellung  sprechen, 
überwiegen  oder  nicht.  Dabei  ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise 
abzustellen  (vgl.  Entscheide  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr.  1  E.  5a).  Eine  wesentliche 
Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist 
eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substantiierte,  im Wesentlichen 
widerspruchsfreie  und  konkrete  Schilderung  der  dargelegten 
Vorkommnisse.  Die  wahrheitsgemässe  Schilderung  einer  tatsächlich 
erlittenen  Verfolgung  ist  gekennzeichnet  durch  Korrektheit,  Originalität, 
hinreichende  Präzision  und  innere  Übereinstimmung.  Unglaubhaft  wird 
eine  Schilderung  von  Erlebnissen  insbesondere  bei  wechselnden, 
widersprüchlichen,  gesteigerten  oder  nachgeschobenen Vorbringen.  Bei 
der  Beurteilung  der  Glaubhaftmachung  geht  es  um  eine 
Gesamtbeurteilung  aller  Elemente  (Übereinstimmung  bezüglich  des 
wesentlichen  Sachverhaltes,  Substantiiertheit  und  Plausibilität  der 
Angaben,  persönliche  Glaubwürdigkeit  usw.),  die  für  oder  gegen  den 
Gesuchsteller  sprechen.  Glaubhaft  ist  eine  Sachverhaltsdarstellung, 
wenn  die  positiven  Elemente  überwiegen.  Für  die  Glaubhaftmachung 
reicht  es  demnach  nicht  aus,  wenn  der  Inhalt  der  Vorbringen  zwar 
möglich  ist,  aber  in Würdigung  der  gesamten  Aspekte  wesentliche  und 
überwiegende  Umstände  gegen  die  vorgebrachte 
Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. EMARK 1996 Nr. 28 E. 3a).

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5.4. Gemäss der Praxis sind Widersprüche nur der Glaubwürdigkeit einer 
Person  abträglich,  wenn  sie  wesentliche  Punkte  der  Asylbegründung 
betreffen, d.h. gravierend sind insbesondere abweichende Darstellungen 
bezüglich  Zeitpunkt,  Umfang  und  Ursache  der  geltend  gemachten 
Verfolgung, mithin  solche die der Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft 
dienen;  eine  untergeordnete  Rolle  spielen  gemäss  der  Rechtsprechung 
deshalb Ungereimtheiten bezüglich Reiseweg und Umstände der Flucht 
(vgl.  hierzu  EMARK  1993  Nr.  6).  Ferner  dürfen  Widersprüche,  die 
zwischen  Befragungen  bei  der  Empfangsstelle  und  beim  Bund 
entstanden  sind,  nur  dann  für  die  Beurteilung  der  Glaubwürdigkeit 
herangezogen  werden,  wenn  klare  Aussagen  diametral  voneinander 
abweichen  oder  wenn  bestimmte  Ereignisse  oder  Befürchtungen,  die 
später  als  zentrale  Asylgründe  genannt  werden,  nicht  bereits  im  EVZ 
zumindest  ansatzweise  erwähnt  werden.  Keine  entscheidrelevante 
Bedeutung haben  in der Empfangsstellenbefragung gemachte Angaben, 
welche  sich  im  Vergleich  zu  späteren  Vorbringen  als  blosse 
Unvollständigkeiten  und  unwesentliche  Abweichungen  erweisen  (vgl. 
EMARK 1993 Nr. 3). 

6. 
6.1.  Die  Vorinstanz  begründete  die  Unglaubhaftigkeit  des  letztlich 
fluchtauslösenden Ereignisses, die geltend gemachte Vergewaltigung der 
Beschwerdeführerin,  im  Wesentlichen  damit,  dass  insbesondere  die 
Aussagen  der  Beschwerdeführerin  widersprüchlich  ausgefallen  seien. 
Dabei  würde  es  sich  nicht  um  kleine  Unterschiede,  die  sich  bei  der 
mehrmaligen  Schilderung  ein  und  desselben  Ereignisses  durchaus 
ergeben könnten, sondern um ganz und gar entgegengesetzte Aussagen 
handeln. Diese würden einerseits den Zeitpunkt der Vergewaltigung – im 
EVZ  habe  sie  ausgesagt,  sie  sei  am  15.  Juni  2005  um  ca.  23  Uhr 
vergewaltigt  worden,  wohingegen  sie  an  der  Bundesanhörung  angab, 
diese  sei  am 17.  Juni  2005 am Nachmittag  geschehen –  anderseits  ihr 
Vorgehen nach der geltend gemachten Vergewaltigung betreffen. Im EVZ 
habe die Beschwerdeführerin angegeben, sie habe sich nach dem Vorfall 
zum Nachbarn  begeben,  um  von  dort  aus  die  Polizei  zu  avisieren.  Die 
Polizei  habe  ihr  sodann mitgeteilt,  sie  solle  zwecks  Anzeigenerstattung 
am  nächsten  Tag  auf  dem Polizeiposten  vorbeikommen.  Anlässlich  der 
Bundesanhörung  habe  die  Beschwerdeführerin  hingegen  zu  Protokoll 
gegeben, sie habe sich noch am selben Tag – vor der Dämmerung – auf 
den Polizeiposten begeben.  Im Widerspruch dazu habe  ihr Ehemann zu 
Protokoll  gegeben,  er  habe  von  zu  Hause  aus  telefonisch  die  Polizei 
avisiert; die Polizei sei am selben Tag zu  ihnen nach Hause gekommen 
und habe ein Protokoll aufgenommen. Die Vorinstanz stellte  ferner  fest, 

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dass  die  Beschwerdeführerin  bei  der  Bundesanhörung  –  bei  der 
Schilderung  des  Ablaufes  der  Vergewaltigung  –  ein  vorgängig  im  EVZ 
erwähntes  Detail  (Verletzung  eines  Angreifers  mit  einem Messer)  nicht 
erwähnt habe. Die Beschwerdeführenden hätten sich auch  in Bezug auf 
ihre daraufhin angetretene Reise nach K._______ widersprochen.

6.2.  Demgegenüber  machen  die  Beschwerdeführenden  auf 
Beschwerdeebene  geltend,  zu  Gunsten  der  Glaubhaftigkeit  ihrer 
Vorbringen  spräche  zum  Einen,  dass  sie  den  Zeitpunkt  der 
Vergewaltigung (am 15. Juni 2005 um ca. 23 Uhr) und deren Meldung bei 
der Polizei  (am nächsten  Tag)  anlässlich  der  ersten Befragung  im EVZ 
wesentlich  übereinstimmend  angegeben  hätten.  Zum  Anderen  spräche 
zu  Gunsten  der  persönlichen  Glaubwürdigkeit  der  Beschwerdeführerin, 
dass  sie  die  Vergewaltigung  jeweils  detailliert  geschildert  habe,  "was 
jemandem bei einer erfundenen Geschichte wohl kaum einfallen würde". 
Die  Bundesanhörung  habe  ferner  rund  zwei  Jahre  nach  der  ersten 
Anhörung  im  EVZ  stattgefunden,  so  dass  Abweichungen  in  den 
Aussagen  aufgrund  des  natürlich  eingeschränkten 
Erinnerungsvermögens  unvermeidlich  seien.  Insbesondere  seien  die 
widersprüchlichen  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  aber  auf  ihre 
psychische  Erkrankung  zurückzuführen,  aufgrund  derer  allfällige 
Wahrnehmungsprobleme  (im EVZ habe sie ausgesagt,  sie sei nach der 
Vergewaltigung  "nicht  gleich  zu  sich  gekommen",  vgl.  D2/10  S.  6) 
und/oder  Realitätsverdrängungen möglich  seien.  Es  sei  erwiesen,  dass 
traumatisierte  Personen  sich  nicht  mehr  konkret  an  den  genauen 
Geschehensablauf und die Umstände des traumatisierenden Ereignisses 
erinnern  könnten.  Bei  der  Beschwerdeführerin  sei  eine  diesbezügliche 
posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) diagnostiziert worden. Diese 
Diagnose und der Umstand, dass sich die Beschwerdeführerin über einen 
so  langen  Zeitraum  in  Therapie  befände,  sprächen  dafür,  dass  sie  die 
geltend  gemachte  Vergewaltigung  erlebt  habe.  In  der  Replik  vom  20. 
Dezember  2007  (vgl.  Prozessgeschichte  Bst. I.)  wiesen  die 
Beschwerdeführenden  zusätzlich  darauf  hin,  dass  verschiedene 
Personen  ein  Ereignis  unterschiedlich  wahrnehmen,  verarbeiten  und 
verbalisieren würden. Es sei daher als  Indiz  für  ihre Glaubwürdigkeit  zu 
werten,  dass  "innerhalb  einer  Familie  nicht  alle  Mitglieder  formelhaft 
dieselben  Angaben  machen,  sondern  die  erlebten  Sachverhalte  so 
wiedergäben, wie  sie  sie  in Erinnerung hätten". Schliesslich würden bei 
der  Protokollierung  und  der  damit  verbundenen  Übersetzung  der 
Originalaussagen gewisse bedeutungsmässige Abweichungen entstehen, 
welche nicht den Beschwerdeführenden angelastet werden dürften. 

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6.3.  Nach  Prüfung  der  Akten  sind  tatsächlich  Ungereimtheiten  in  den 
Aussagen  der  Beschwerdeführenden  festzustellen,  welche  nicht  als 
unwesentlich  bezeichnet  werden  können,  zumal  sie  einen wesentlichen 
Punkt der Asylbegründung, nämlich die fluchtauslösende Vergewaltigung 
betreffen.  Zur  Vermeidung  von  Wiederholungen  ist  dabei  auf  die 
diesbezüglich  zutreffenden Erwägungen  des BFM zu  verweisen  (vgl.  E. 
6.1).  Dabei  vermögen  die  auf  Beschwerdeebene  dagegen  gehaltenen 
Erklärungen  der  Beschwerdeführenden,  Personen  würden  Ereignisse 
unterschiedlich wahrnehmen und verbalisieren, bei Protokollierungen und 
nachfolgender  Übersetzung  fremdsprachiger  Aussagen  könnten 
bedeutungsmässige  Abweichungen  entstehen  sowie  nach  einer  2­
jährigen  Zeitspanne  würden  natürlicherweise  Erinnerungslücken 
auftauchen,  die  diametral  entgegengesetzten  Aussagen  der 
Beschwerdeführerin  nicht  zu  erklären,  zumal  sie  nicht  konkretisiert 
werden. Ferner  vermag auch die eingereichte Polizeivorladung  vom 16. 
Juni  2005  (vgl.  Prozessgeschichte  oben  Bst.  B.b)  nichts  zu  belegen. 
Dieser  ist  lediglich  zu  entnehmen,  dass  in  das  Haus  der 
Beschwerdeführenden  eingedrungen  und  die  Beschwerdeführerin  von 
zwei Unbekannten attackiert worden sei. Eine Vergewaltigung wird nicht 
erwähnt. 

Indessen  spricht  zugunsten  der  Sachverhaltsdarstellung  der 
Beschwerdeführerin,  dass  sie  die  angeblich  erlittene Vergewaltigung  im 
EVZ  in  detaillierter  Weise  geschildert  hat,  was  in  der  Regel  für  die 
Glaubwürdigkeit einer Person spricht (vgl. Ausführungen oben in E. 5.3.). 
Im  Weiteren  ist  den  Arztberichten  von  Dr.  med.  N._______  vom 
21. Juli 2007,  von  Dr.  Q._______  vom  26.  Januar  2008  und  von  Dr. 
W._______  vom  23.  Februar  2011  zu  entnehmen,  dass  die 
Beschwerdeführerin aufgrund der angeblich erlittenen Vergewaltigung an 
einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung leidet. Hierzu muss 
festgehalten werden,  dass Ausführungen der Fachärzte,  soweit  sie  sich 
zur  Ursächlichkeit  der  festgestellten  Krankheitsbilder  äussern, – 
notgedrungen  –  alleine  auf  die  Schilderungen  der  Beschwerdeführerin 
abstützen.  Die  übereinstimmenden  Aussagen  der  Sachverständigen, 
dass die posttraumatische Belastungsstörung von der geltend gemachten 
Vergewaltigung  herrühre,  sind  ein  starkes  Indiz  für  die  Glaubhaftigkeit 
dieses erlittenen Nachteils, zumal auch dem serbischen Arztzeugnis vom 
17.  Juni  2005  Feststellungen  von  Verletzungen  im  Schambereich  der 
Beschwerdeführerin  zu  entnehmen  sind.  Das  Zeugnis  attestiert 
Quetschungen  und  Schwellungen  im  äusseren  vaginalen 
Öffnungsbereich,  welche  gemäss  Angaben  der  Beschwerdeführerin  auf 
nicht­gewollten  Geschlechtsverkehr  zurückzuführen  sei.  Zur 

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Einschätzung  des  BFM,  dieses  sei  angesichts  der  notorischen 
Käuflichkeit  solcher  Dokumente  sowie  orthographischer  und 
grammatikalischer Mängel als offensichtlich gefälscht zu erachten,  ist zu 
bemerken,  dass  Dr.  L._______–  der  im  Ärztezeugnis  genannte 
Gynäkologe  aus  F._______  –  im  Internet  unter  der  im  Zeugnis 
aufgeführten  Adresse  und  Telefonnummer  zu  finden  ist,  er  mithin  zu 
existierten  scheint.  Somit  erachtet  das  Bundesverwaltungsgericht  das 
vorgelegte  Artzeugnis  als  authentisch  und  als  Indiz  dafür,  dass  eine 
Vergewaltigung stattgefunden hat. 

6.4.  Nach  dieser  Gesamtwürdigung  erachtet  das 
Bundesverwaltungsgericht  den  sexuellen  Übergriff  auf  die 
Beschwerdeführerin als glaubhaft gemacht. 

Ob  die  Vergewaltigung  allerdings  im  Zusammenhang  steht  mit  den 
geltend  gemachten  Erpressungen  des  Beschwerdeführers  und,  ob  sie 
sich  tatsächlich  in  der  geschilderten  Weise  ereignet  hat,  kann  letztlich 
offen  bleiben,  denn  die  diesbezüglichen  Vorbringen  der 
Beschwerdeführenden sind – wie nachfolgend aufgezeigt wird – als nicht 
asylrelevant zu erachten. 

7. 
7.1.  Nach  Lehre  und  Praxis  ist  für  die  Anerkennung  der 
Flüchtlingseigenschaft  erforderlich,  dass  die  asylsuchende  Person 
ernsthafte  Nachteile  von  bestimmter  Intensität  erlitten  hat, 
beziehungsweise solche  im Falle einer Rückkehr  in den Heimatstaat mit 
beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  befürchten 
muss.  Die  Nachteile  müssen  der  asylsuchenden  Person  gezielt  und 
aufgrund  bestimmter  Verfolgungsmotive  drohen  oder  zugefügt  worden 
sein  (vgl.  W.  STÖCKLI,  §11  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hug  Yar/Geiser 
(Hrsg.), Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, S. 521 – 588, S. 525 ff.). 
Nach der sogenannten Schutztheorie  (vgl. EMARK 2006 Nr. 18 S. 180) 
kann eine Verfolgungshandlung im Sinne von Art. 3 AsylG von staatlichen 
und  nichtstaatlichen  Akteuren  ausgehen.  Danach  ist  nichtstaatliche 
Verfolgung als Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes zu erachten, wenn 
der Staat  unfähig oder nicht willens  ist, Schutz  vor besagter Verfolgung 
zu  bieten.  Es  ist  dabei  nicht  eine  faktische  Garantie  für  langfristigen 
individuellen  Schutz  der  von  nichtstaatlicher  Verfolgung  bedrohten 
Person  zu  verlangen, weil  es  keinem Staat  gelingen  kann,  die  absolute 
Sicherheit  seiner  Bürgerinnen  und  Bürger  jederzeit  und  überall  zu 
garantieren. Erforderlich ist aber, dass eine funktionierende und effiziente 
Schutzinfrastruktur  zur  Verfügung  steht,  wobei  in  erster  Linie  an 

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polizeiliche Aufgaben wahrnehmende Organe sowie an ein Rechts­ und 
Justizsystem zu denken ist, das eine effektive Strafverfolgung ermöglicht. 
Die  Inanspruchnahme  dieses  Schutzsystems  muss  der  betroffenen 
Person  zudem  objektiv  zugänglich  und  individuell  zumutbar  sein,  was 
jeweils  im  Rahmen  einer  Einzelfallprüfung  unter  Berücksichtigung  des 
länderspezifischen Kontexts zu beurteilen ist (vgl. EMARK 2006 Nr. 18 E. 
10.2 S. 202f.; EMARK 2006 Nr. 32 E. 6.1 S. 340 f.). Die Anerkennung der 
Flüchtlingseigenschaft  setzt  ferner  voraus,  dass  die  betroffene  Person 
einer landesweiten Verfolgung ausgesetzt ist und nicht in einem anderen 
Teil  ihres  Heimatstaates  um  effektiven  Schutz  nachsuchen  kann  (vgl. 
EMARK 2006 Nr. 18 E. 10.3.1. f. S. 203 mit weiteren Hinweisen).

7.2. Da es sich im vorliegenden Fall bei den Verfolgern gemäss Angaben 
der  Beschwerdeführenden  um Mitglieder  der  "serbischen Mafia",  mithin 
um Privatpersonen handelt, kann die asylrechtliche Relevanz der geltend 
gemachten Übergriffe – vorausgesetzt die andern Voraussetzungen von 
Art.  3  AsylG  sind  erfüllt  –  nur  bejaht  werden,  wenn  die  Behörden  im 
entsprechenden  Staat  um  Schutz  ersucht  wurden,  diese  einen  solchen 
allerdings nicht zur Verfügung stellten.

7.2.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  verkennt  nicht,  dass  Roma  in 
Serbien  vereinzelt  unter  diskriminierendem  Verhalten  von 
Behördenmitgliedern  zu  leiden  haben.  Demgegenüber  muss  aber 
beachtet  werden,  dass  der  serbische  Staat  –  wie  von  der  Vorinstanz 
richtig  festgestellt  –  sowohl  über  polizeiliche  Aufgaben  wahrnehmende 
Organe  als  auch  über  ein  Rechts­  und  Justizsystem  verfügt. Weiter  ist 
festzuhalten,  dass  der  Bundesrat  mit  Beschluss  vom  6.  März  2009  (in 
Kraft seit dem 1. April 2009) Serbien zum "safe country" im Sinne von Art. 
6a  Abs.  2  Bst.  a  AsylG  erklärt  hat,  in  welchem  nach  seinen 
Feststellungen  somit  Sicherheit  vor  Verfolgung  besteht.  Die 
vorinstanzliche Feststellung,  die  geltend gemachten Vorfälle  seien auch 
in  Serbien  strafrechtlich  geahndet  und  hätten  auf  Anzeige  hin  auch 
strafrechtlich  verfolgt  werden  können,  ist  zu  bestätigen.  Ebenso  ist  der 
Vorinstanz insoweit zuzustimmen, als bei Unterlassen der Einleitung von 
notwendigen  Untersuchungsmassnahmen  durch  Beamte  grundsätzlich 
die Möglichkeit besteht gegen diese auf dem Rechtsweg vorzugehen. 

7.2.2.  Vorliegend  haben  die  Beschwerdeführenden  zwar  wegen  der 
geltend  gemachten  Vergewaltigung  Anzeige  bei  der  Polizei  erstattet. 
Allerdings  haben  sie  dann  der  Aufforderung,  nochmals  auf  dem 
Polizeiposten  zu  erscheinen,  um  die  Anzeige  zu  konkretisieren,  keine 
Folge geleistet. Auch  soll  sich die Polizei  bei  der  ersten Protokollierung 

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des Vorfalls gemäss den Angaben der Beschwerdeführenden zwar nicht 
unbedingt zuvorkommend verhalten haben (vgl. D19/11 S. 9 und D18/10 
S.  7),  hingegen wurden  keine  gegen  sie  gerichtete Schikanen  oder  gar 
Drohungen  durch  die  Polizei  angeführt.  Es  sind  den  Aussagen  der 
Beschwerdeführenden also keine Hinweise zu entnehmen, dass sie sich 
mit  einer  Strafanzeige  der  konkreten  Gefahr  weiterer  (oder  anderer) 
Verfolgungsmassnahmen  ausgesetzt  hätten.  Folglich  konnten  sie  nicht 
glaubhaft  darlegen,  inwiefern  es  ihnen  nicht  zuzumuten  gewesen wäre, 
das innerstaatliche Schutzsystem in Anspruch zu nehmen. 

7.2.3. Es ist demnach der Vorinstanz zuzustimmen, dass im vorliegenden 
Fall  vom  Schutzwillen  und  der  weitgehenden  Schutzfähigkeit  der 
serbischen Behörden auszugehen ist und die asylrechtliche Relevanz der 
geltend  gemachten  Übergriffe  somit  nicht  bejaht  werden  kann.  Auch 
hinsichtlich  der  von  den  Beschwerdeführenden  geltend  gemachten 
allgemeinen  Schikanen  und  Benachteiligungen  aufgrund  ihrer 
Zugehörigkeit  zur  Ethnie  der  Roma  hat  die  Vorinstanz  zu  Recht 
festgestellt, diese seien mangels Verfolgungsintensität nicht asylrelevant. 
Angesichts  dieser  Sachlage  kann  die  Frage  offen  bleiben,  ob  den 
Beschwerdeführenden  –  wie  von  der  Vorinstanz  erwogen – 
beispielsweise  in  K._______,  dem  Wohnsitz  der  Eltern  der 
Beschwerdeführerin, eine  innerstaatliche Fluchtalternative zur Verfügung 
gestanden hätte. 

7.3.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  es  den 
Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  relevante 
Verfolgung  glaubhaft  zu  machen.  Somit  sind  die  angefochtenen 
Verfügungen vom 29. Mai 2007 insoweit zu bestätigen, als die Vorinstanz 
gestützt  auf  Art.  7  und  Art. 3 AsylG  das  Bestehen  der 
Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführenden  verneint  und  deren 
Asylgesuche abgelehnt hat. 

7.4.  Angesichts  dieser  Sachlage  ist  der  Antrag  der 
Beschwerdeführenden, E._______ sei gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG 
"in das Verfahren seiner Familie mit einzubeziehen" (vgl. dazu E. 3.) als 
gegenstandslos geworden zu erachten. 

8. 
8.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; dabei ist der Grundsatz der Einheit der Familie zu 
berücksichtigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

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Nachdem  die  Ablehnung  des  Asylgesuches  zu  bestätigen  ist  und  die 
Beschwerdeführenden – abgesehen vom bisherigen Asylbewerberstatus 
– keinen  ausländerrechtlichen  Aufenthaltstitel  besitzen  oder 
beanspruchen  können  (Art.  32  Bst.  a  der  Asylverordnung  1  vom  11. 
August  1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV  1,  SR  142.311])  –  dies  gilt 
auch  für  A._______,  der  durch  die  Heirat  mit  P._______  keinen 
gefestigten  Aufenthaltstitel  erwarb  –,  ist  auch  die  Anordnung  der 
Wegweisung rechtmässig erfolgt. 

8.2.  Ist  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  möglich,  nicht  zulässig  oder 
nicht  zumutbar,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis 
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von 
Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG,  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2006 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

8.3.  Der  Vollzug  ist  nicht  möglich,  wenn  die  Ausländerin  oder  der 
Ausländer weder in den Herkunfts­ oder in den Heimatstaat noch in einen 
Drittstaat  ausreisen  oder  dorthin  gebracht  werden  kann.  Er  ist  nicht 
zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer 
Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­, 
Herkunfts­ oder in einen Drittstaat entgegenstehen. Der Vollzug kann für 
Ausländerinnen oder Ausländer unzumutbar sein, wenn sie in Situationen 
wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage im 
Heimat­  oder  Herkunftsstaat  konkret  gefährdet  sind  (Art.  83  Abs.  2  ­  4 
AuG).

8.4. Die erwähnten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug 
der  Wiedererwägung  (Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit,  Unmöglichkeit) 
sind  alternativer Natur:  Sobald  eine  von  ihnen  erfüllt  ist,  ist  der Vollzug 
der  Wegweisung  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere 
Anwesenheit  in  der  Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die 
vorläufige  Aufnahme  zu  regeln  (vgl.  BVGE  2009  Nr.  51  E.  5.4.  mit 
weiteren Hinweisen). Bei der Prüfung der drei genannten Kriterien ist auf 
die im Entscheidzeitpunkt bestehenden Verhältnisse abzustellen (EMARK 
1997 Nr. 27 E. 4 f. S. 211).

8.5. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf 
Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und 
medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete 
Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter Vorbehalt  von Art.  83 Abs.  7 AuG – 

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die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz 
über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl  2002 
3818). Art. 83 Abs. 4 AuG stellt eine Kodifizierung der bisherigen Praxis 
zur konkreten Gefährdung nach Art. 14a Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 
26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAG, 
BS 1 121) dar (vgl. P. BOLZI, in: SPESCHA/THÜR/ZÜND/BOLZLI, Kommentar 
Migrationsrecht,  Zürich  2008,  Nr.  15  zu  Art.  83  AuG,  mit  Hinweisen). 
Dieser Praxis  zufolge wird  aus  humanitären Gründen,  nicht  in Erfüllung 
völkerrechtlicher Pflichten der Schweiz, auf den Vollzug der Wegweisung 
verzichtet,  wenn  die  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  für  die  betroffene 
Person eine konkrete Gefährdung darstellt. Eine solche Gefährdung kann 
angesichts  der  im  Heimatland  herrschenden  allgemeinen  politischen 
Lage,  die  sich  durch  Krieg,  Bürgerkrieg  oder  durch  eine  Situation 
allgemeiner  Gewalt  kennzeichnet,  oder  aufgrund  anderer 
Gefahrenmomente, wie beispielsweise einer notwendigen, aber dort nicht 
durchführbaren medizinischen Behandlung, angenommen werden.

8.6. Angesichts  der  heutigen  Lage  in  Serbien  kann  gemäss  konstanter 
Praxis  nicht  von  einer  Situation  allgemeiner  Gewalt  oder  kriegerischen 
respektive bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen gesprochen werden. Zur 
Lage  der  Roma  in  Serbien  hat  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  im 
Urteil  E­4115/2006  vom  18.  September  2009  ausführlich  geäussert.  Es 
stellte unter anderem fest, aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit seien 
Roma  generell  unterschiedlichsten  Schikanen  und  Diskriminierungen 
ausgesetzt  und  ihre  Lage  in  wirtschaftlicher  und  sozialer  Sicht  sei 
allgemein  schwierig  (vgl.  BVGE  2009  Nr.  51  E.  5.7.2.).  Auch  wenn 
Übergriffe  von  Privatpersonen  auf  Angehörige  der  Roma  und  teilweise 
behördliche  Schikanen  sowie  Diskriminierungen  also  nicht  völlig 
ausgeschlossen  werden  können,  erreichen  diese  hingegen  im 
Allgemeinen  nicht  ein  Ausmass,  welches  den  Wegweisungsvollzug  in 
jedem  Fall  als  unzumutbar  erscheinen  lässt  (vgl.  statt  vieler  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichtes D­5714/2009 vom 13. November 2009).

Die  Rückkehr  der  Beschwerdeführerenden  nach  Serbien  ist  somit 
grundsätzlich als zumutbar zu betrachten. 

8.7. Vor diesem Hintergrund gilt es den Wegweisungsvollzug der Familie 
im  Allgemeinen  und  insbesondere  denjenigen  der  heute  (voll)  und 
(minder) ­jährigen gemeinsamen Kinder näher zu betrachten. 

8.7.1.  Im  Zusammenhang  mit  der  persönlichen  Situation  der 
Beschwerdeführenden  fällt nicht zuletzt deren  lange Anwesenheitsdauer 

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in  der  Schweiz  ins Gewicht.  Die  Beschwerdeführenden  halten  sich  seit 
ihrer zweiten Einreise vom 23. Juni 2005, mithin seit bald 6 Jahren, in der 
Schweiz  auf.  C._______  gelangte  im  Alter  von  (Alter)  Jahren  in  die 
Schweiz  und  ist  heute  fast  (Alter)  Jahre  alt;  ihre  Schwester  D._______ 
war  im  Zeitpunkt  der  zweiten  Einreise  (minder)  ­jährig  und  ihr  Bruder 
E._______  (minder)  ­jährig.  Zuvor  hatte  sich  die  ganze  Familie  aber 
bereits fast zwei Jahre, nämlich vom 27. März 2000 bis 24. Juli 2002 (vgl. 
Prozessgeschichte Bst. A. oben), in der Schweiz aufgehalten.

8.7.2. Sind  von  einem  allfälligen Wegweisungsvollzug  Kinder  betroffen, 
so  bildet  im  Rahmen  der  Zumutbarkeitsprüfung  das  Kindeswohl  einen 
Gesichtspunkt  von gewichtiger Bedeutung. Dies ergibt  sich nicht  zuletzt 
aus einer  völkerrechtskonformen Auslegung  von Art.  83 Abs.  4 AuG  im 
Lichte von Art. 3 Abs. 1 der Konvention vom 20. November 1989 über die 
Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107). Unter dem Aspekt des Kindeswohls 
sind demnach sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die 
im  Hinblick  auf  eine Wegweisung  wesentlich  erscheinen.  In  Bezug  auf 
das  Kindeswohl  können  für  ein  Kind  namentlich  folgende  Kriterien  im 
Rahmen  einer  gesamtheitlichen  Beurteilung  von  Bedeutung  sein:  Alter, 
Reife,  Abhängigkeiten,  Art  (Nähe,  Intensität,  Tragfähigkeit)  seiner 
Beziehungen,  Eigenschaften  seiner  Bezugspersonen  (insbesondere 
Unterstützungsbereitschaft und ­fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich 
Entwicklung  bzw.  Ausbildung,  sowie  der  Grad  der  erfolgten  Integration 
bei  einem  längeren Aufenthalt  in  der Schweiz. Gerade  letzterer Aspekt, 
die Dauer des Aufenthaltes in der Schweiz, ist im Hinblick auf die Prüfung 
der  Chancen  und  Hindernisse  einer  Reintegration  im  Heimatland  bei 
einem Kind als gewichtiger Faktor zu werten, da Kinder nicht ohne guten 
Grund  aus  einem  einmal  vertrauten  Umfeld  herausgerissen  werden 
sollten.  Dabei  ist  aus  entwicklungspsychologischer  Sicht  nicht  nur  das 
unmittelbare persönliche Umfeld des Kindes (d.h. dessen Kernfamilie) zu 
berücksichtigen,  sondern  auch  dessen  übrige  soziale  Einbettung.  Die 
Verwurzelung in der Schweiz kann eine reziproke Wirkung auf die Frage 
der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  haben,  indem  eine  starke 
Integration  in der Schweiz mithin eine Entwurzelung  im Heimatstaat  zur 
Folge  haben  kann,  welche  unter  Umständen  die  Rückkehr  dorthin  als 
unzumutbar erscheinen lässt (vgl. BVGE 2009 Nr. 51 E. 5.6, BVGE 2009 
Nr. 28 E. 9.3.2 S. 367 f., EMARK 2006 Nr. 24 E. 6.2.3, EMARK 2005 Nr. 
6 E. 6 S. 55 ff.).

Das  vorliegend  vom Wegweisungsvollzug  betroffene minderjährige Kind 
C._______  hat  einen  Lebensabschnitt  in  der  Schweiz  verbracht,  der 
seine  Persönlichkeit  nachhaltig  geprägt  haben  dürfte.  Im 

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Bestätigungsschreiben  ihrer  Grundschulerin  Frau  U._______  vom  10. 
Januar  2011  –  wonach  C._______  seit  dem  23.  Januar  2006 
ununterbrochen  die  Primarschulde  in  S._______  besucht  habe  –  wird 
C._______  als  höfliche,  angenehme  und  sorgfältige  Schülerin 
beschrieben.  Sie  partizipiere  am  Unterricht  und  sei  immer  bereit  ihren 
Kammeraden  oder  ihrer  Lehrerin  auszuhelfen.  Dieses 
Bestätigungsschreiben zeigt klar auf, dass die Integration von C._______ 
seit  der  Einreise  im  23.  Juni  2005  stetig  fortgeschritten  ist  und  sich 
unterdessen  eine  Adaptation  an  tragende  Vorstellungen  der 
schweizerischen  Kultur  und  Lebensweise  vollzogen  hat.  Hinweise, 
wonach  ihre  Eltern  eine  derartige  Entwicklung  zu  verhindern  versucht 
hätten, sind nicht aktenkundig. Gerade der Besuch der Schule über einen 
Zeitraum  von  mehreren  Jahren  hinweg,  die  natürliche  Interaktion  mit 
Klassenkameradinnen  und  ­kameraden  sowie  das  sukzessive  Erlernen 
der  französischen  Sprache  dürfte  bei  C._______  eine  weitreichende 
Anpassung an die  schweizerische Lebensweise bewirkt  haben,  so dass 
die  abrupte  und  künstliche  Trennung  vom  gewohnten  Umfeld  sich 
zwangsläufig  als  schwere  Hypothek  für  ihre  individuelle  Entwicklung 
auswirken würde. Auch angesichts  der  kulturellen Differenzen  zwischen 
der  Schweiz  und Serbien wäre  ihre Reintegration  in  Frage  gestellt.  Für 
C._______ dürfte der Umgang mit den in Serbien verbreiteten kulturellen 
Gepflogenheiten  klar  in  den  Hintergrund  getreten  sein.  Es  besteht  bei 
dieser Sachlage für sie die erhebliche Gefahr, dass die mit einem Vollzug 
der  Wegweisung  verbundene  Entwurzelung  aus  dem  gewachsenen 
sozialen  Umfeld  in  der  Schweiz  einerseits  und  die  sich  gleichzeitig 
abzeichnende  Problematik  einer  Reintegration  in  die  ihr  weitgehend 
fremde respektive  fremdgewordene Kultur und Umgebung anderseits zu 
starken Belastungen in ihrer jugendlichen Entwicklung führen würden, die 
mit  dem  Schutzanliegen  des  Kindeswohls  nicht  vereinbar  wären  (vgl. 
BVGE 2009 Nr. 28 E. 9.3.4 S. 368 f., BVGE 2009 Nr. 51 E. 5.6 und 5.8.2, 
EMARK 2005 Nr. 6 E. 7.1 S. 58 f.).

8.7.3. Auf die mittlerweile volljährigen Geschwister von C._______ ist die 
KRK  nicht  anwendbar.  Die  Frage  der  Entwurzelung  kann  sich  aber 
ebenso bei im Verlaufe des Beschwerdeverfahrens volljährig gewordenen 
Beschwerdeführern  stellen  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts 
E­7880/2006  vom  8.  Dezember  2010  E.  6.4.,  E­2236/2008  vom  7. 
September 2010 E. 7.3.1., E­5901/2008 vom 5. August 2010 E. 7.5., D­
4043/2006  vom 3. März  2010 E.  8.2.2.2., D­4571/2006  vom 1.  Februar 
2010  E.  7.2.2.2.  und  E­5066/2006  vom  4.  Dezember  2009  E.  7.7.). 
Abzuwägen sind dabei insbesondere die besonderen Bindungen, welche 
die betreffende Person  im Aufenthaltsstaat eingegangen  ist,  in welchem 

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die  massgebliche  Sozialisation  stattgefunden  und  in  welchem  sie  ihre 
eigene Identität entwickelt hat. Die Gewichtung der Aufenthaltsdauer hat 
sodann  der  Identität  und Prägung  des  Aufenthalts  Rechnung  zu  tragen 
(vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­7880/2006  vom  8. 
Dezember 2010 E. 6.4).

So  gilt  es  einerseits  zu  berücksichtigen,  dass  sie  zur  Zeit  der  ersten 
Einreise  in  die  Schweiz  im  Jahre  2000  noch  minderjährig  waren – 
E._______ war (Alter) und D._______ war (Alter) Jahre alt – und sie sich 
(für  die  Dauer  des  ersten  Asylverfahrens)  in  dieser  für  sie  als  Kinder 
prägenden  Zeit  mehr  als  2  Jahre  in  der  Schweiz  aufgehalten  hatten. 
Während  dieses  Zeitraumes  besuchten  sie  gemäss  Aktenlage 
ordnungsgemäss  den  Primarschulunterricht  an  den  Z._______ 
Stadtschulen  und  erlernten  in  dieser  Zeit  die  deutsche  Sprache  (vgl.  D 
20/6 S. 4). Weiter gilt  es zu berücksichtigen, dass sie seit  ihrer zweiten 
Einreise  in die Schweiz  (Mai 2005) bald sechs Jahre – und damit einen 
erheblichen  Teil  ihrer  Adoleszenz  und  jungen  Erwachsenenlebens  –  in 
der Schweiz verbracht haben. Die Lehrzeugnisse von D._______ und der 
Umstand, dass E._______ selbstständig ein (Unternehmen) betreibt (mit 
dessen  Umsatz  er  zum  Familienunterhalt  beiträgt),  zeugen  von  der 
Tatsache,  dass  beide  in  der  Schweiz  vollumfänglich  integriert  sind.  Sie 
sind beide mittlerweile des Französischen mächtig, wobei bei E._______ 
anzunehmen  ist,  dass  er  die  bereits  erworbenen  Deutschkenntnisse, 
wenn nicht verbessern, so doch zumindest erhalten konnte (vgl. D20/6 S. 
4). Der Umstand, dass die gesamte Familie gemeinsam in der Wohnung 
in  S._______  lebt,  zeugt  davon,  dass  die  beiden  jungen  Erwachsenen 
eine  enge  Beziehung  mit  ihren  Eltern  und  ihrer  jüngeren  Schwester 
pflegen. Dies geht auch aus den Akten hervor (vgl. z.B. die Ausführungen 
im  Arztzeugnis  von  Dr. Q._______  vom  26.  Januar  2008  in  Bezug  auf 
D._______)  bzw.  erklärt  den  Umstand,  dass  D._______  ihre  Lehrstelle 
kürzlich aufgegeben hat, um ihrer mit dem Haushalt überforderten Mutter 
zu  helfen. Gemäss Angaben des Rechtsvertreters  sei  sie  allerdings  auf 
der  Suche  nach  einer  neuen  Lehrstelle  –  in  der Nähe  ihres Wohnortes 
S._______  –  um  die  angefangene  Lehre  beenden  zu  können.  Aus  den 
Akten  geht  indessen  nicht  hervor,  dass  E._______  oder  D._______  in 
den sechs Jahren ihres Aufenthaltes in der Schweiz eine mit den hiesigen 
Bindungen  vergleichbare  Beziehung  mit  Bezugspersonen  ihres 
Heimatlandes haben unterhalten können.

Es ist folglich daraus zu schliessen, dass sie in erheblichem Mass durch 
das hiesige kulturelle und soziale Umfeld geprägt worden sind und – nicht 
anders  als  ihre  jüngere  Schwester  –  die  schweizerische  Lebensweise 

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weitgehend adaptiert  haben. Sie würden heute  im Falle  einer Rückkehr 
somit  aus  einer  Lebensstruktur  herausgerissen,  welche  sich  in 
bedeutender Weise  von derjenigen  in Serbien unterscheiden dürfte  und 
welche  während  der  letzten  Jahre  ihre  Persönlichkeitsentwicklung  und 
ihren Alltag geprägt  hat. Die Verwurzelung  in der Schweiz  kann  folglich 
auch  bei  im  Verlaufe  des  Beschwerdeverfahrens  volljährig  gewordenen 
Beschwerdeführern  eine  reziproke  Wirkung  auf  die  Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzuges  haben,  indem  eine  starke  Integration  in  der 
Schweiz  eine  Entwurzelung  im  Heimatstaat  zur  Folge  haben  kann, 
welche  unter  Umständen  die  Rückkehr  dorthin  als  unzumutbar 
erscheinen  lässt  (vgl.  statt  vieler  BVGE  2009 Nr.  28 E.  9.3.2.).  Zufolge 
ihrer bald sechsjährigen Abwesenheit von ihrem Heimatstaat – zuzüglich 
der vorgängig zwei verbrachten prägenden Kinderjahre  in der Schweiz – 
müssten  sie  im  Falle  einer  erzwungenen  Rückkehr  dorthin  mit 
beträchtlichen Reintegrationsschwierigkeiten rechnen. 

8.7.4. Gemäss Aktenlage sind die Beschwerdeführenden A._______ und 
B._______ schon seit mindestens 1½ Jahren wieder ein Paar und leben 
zusammen mit  ihren gemeinsamen Kindern  in der Familienwohnung. Es 
kann  angesichts  ihrer  Vorgeschichte  –  Ehe,  gemeinsame  Kinder, 
langjähriges  Konkubinat  –  davon  ausgegangen  werden,  dass  sie  nun 
wieder in dauerhafter eheähnlicher Gemeinschaft zusammen leben. 

8.7.5. Gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG ist beim Vollzug einer angeordneten 
Wegweisung der "Grundsatz der Einheit der Familie" zu berücksichtigen. 
In  personeller  Hinsicht  umfasst  der  Begriff  der  Familie  dabei  den 
Ehepartner  und  die  minderjährigen  Kinder,  wobei  der  in  dauerhafter 
eheähnlicher  Gemeinschaft  lebende  Partner  dem  Ehepartner 
gleichzustellen ist (vgl. BVGE 2008 Nr. 47 E. 4.1.1. und EMARK 1993 Nr. 
24).  Unter  dem  Begriff  der  "Einheit  der  Familie"  ist  zu  verstehen,  dass 
Mitglieder  der  Kernfamilie  nicht  voneinander  getrennt  werden,  sondern 
faktisch zusammen leben können, und dass der Familie nach Möglichkeit 
ein einheitlicher Rechtsstatus eingeräumt wird  (vgl. P. ZIMMERMANN, Der 
Grundsatz  der Familieneinheit  im Asylrecht  der Bundesrepublik  und der 
Schweiz, Berlin 1991, S.  94; S. WERENFELS, Der Begriff  des Flüchtlings 
im schweizerischen Asylrecht, Bern u.a. 1987, S. 141, 377). Art. 44 Abs. 
1  AsylG  kommt  in  diesem Zusammenhang  eine  Tragweite  zu,  die  über 
die  aus  Art.  8  EMRK  abgeleiteten  Rechtsansprüche  auf  Erteilung  einer 
Aufenthaltsbewilligung  hinausgeht,  indem  die  vorläufige  Aufnahme  des 
einen Familienmitglieds in der Regel auch zur vorläufigen Aufnahme der 
anderen Familienangehörigen führt (vgl. hierzu EMARK 1998 Nr. 31 E. 8 
c ee S. 258; 1995 Nr. 24 E. 9 S. 229, die sich hierfür freilich noch auf Art. 

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17 Abs. 1 AsylG in der Fassung gemäss Ziff. I des BB vom 22. Juni 1990 
über das Asylverfahren [AS 1990 938], welcher inhaltlich indessen Art. 44 
Abs. 1 AsylG entspricht, beziehen).

Im Rahmen einer Gesamtwürdigung der genannten Aspekte – die  lange 
Anwesenheitsdauer der Familie in der Schweiz; das Kindeswohl in Bezug 
auf  das  minderjährige  Kind;  das  Verbringen  des  Grossteils  der 
Adoleszenz bzw. jungen Erwachsenenlebens in der Schweiz; das wieder 
aufgenommene  Konkubinat  –  und  unter  Berücksichtigung  des 
Grundsatzes  der  Einheit  der  Familie  (vgl.  Art.  44  Abs.  1  AsylG  in  fine; 
EMARK 1998 Nr. 31 E. 8c.ee S. 258, EMARK 1996 Nr. 18 E. 14e S. 189 
f.,  EMARK  1995  Nr.  24  E.  11  S.  230  ff.)  gelangt  das 
Bundesverwaltungsgericht  deshalb  zum  Schluss,  dass  der  Vollzug  der 
Wegweisung gegenüber dem minderjährigen Kind und seinen volljährigen 
Geschwistern sowie ihren Eltern zum heutigen Zeitpunkt als nicht (mehr) 
zumutbar zu erachten ist. 

8.8.  Aus  den  Akten  ergeben  sich  ferner  keine  Hinweise  auf  ein 
unbotmässiges  Verhalten  der  Beschwerdeführenden,  welches  eine 
nähere  Prüfung  unter  dem  Gesichtspunkt  von  Art.  83  Abs.  7  AuG 
bedingen  würde.  Die  Voraussetzungen  für  eine  vorläufige  Aufnahme  in 
der Schweiz gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG sind damit gegeben. 

9. 
Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Beschwerde  gutzuheissen  ist, 
soweit  sie  die  Frage  des  Wegeweisungsvollzuges  betrifft.  Die 
vorinstanzlichen  Verfügungen  vom  29.  Mai  2007  werden  demnach – 
soweit sie die Frage des Wegweisungsvollzuges betreffen – aufgehoben 
und die Vorinstanz wird angewiesen, die Beschwerdeführenden und ihre 
Kinder  wegen  Unzumutbarkeit  des  Wegeweisungsvollzugs  in  der 
Schweiz  vorläufig  aufzunehmen.  Für  den  Rest  wird  die  Beschwerde 
abgewiesen.

10. 
10.1.  Den  Beschwerdeführenden  wurde  mit  Instruktionsverfügung  vom 
5. Juli  2007  die  unentgeltliche  Prozessführung  unter  Vorbehalt  der 
Veränderung  der  finanziellen  Lage  der  Beschwerdeführenden  gewährt. 
Die  Familie  ist  heute  gemäss  Bestätigung  der  Koordinationsstelle  für 
soziale  Leistungen  des  Kanton  M._______  vom  11.  Januar  2011  nicht 
mehr von Sozialhilfe abhängig und gilt deshalb nicht mehr als bedürftig. 
Aufgrund der Veränderung der finanziellen Lage der Familie werden den 

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Beschwerdeführenden  deshalb  Verfahrenskosten  in  der  Höhe  von  Fr. 
300.­­ auferlegt, was dem hälftigen Anteil ihres Unterliegens entspricht. 

10.2.  Nachdem  die  Beschwerdeführenden  teilweise  –  hinsichtlich  der 
Frage  des  Wegweisungsvollzuges  –  mit  ihrer  Beschwerde 
durchgedrungen sind, ist den rechtlich vertretenen Beschwerdeführenden 
für  die  ihnen  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig  hohen 
Kosten eine um die Hälfte reduzierte Parteientschädigung zuzusprechen 
(Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG; Art. 7 ff. VGKE). 

Der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  reichte  mit  Eingabe  vom 
8. April  2011  seine  Kostennote  ein,  gemäss  welcher  er  einen  Aufwand 
von  insgesamt  16.08  Stunden  und  Barauslagen  in  der  Höhe  von 
Fr. 340.80 geltend machte. Der in Rechnung gestellte Aufwand erscheint 
angemessen, weshalb den Beschwerdeführenden unter Berücksichtigung 
der  Bemessungsgrundsätze  nach  Art.  7  ff.  des  Reglements  vom  21. 
Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  und  eines 
Stundenansatzes  von  Fr. 250.­­  eine,  um  die  Hälfte  gekürzte, 
Parteientschädigung von Fr. 2355.­­ (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) 
zuzusprechen ist. 

Das  Bundesamt  wird  somit  angewiesen,  den  Beschwerdeführenden  für 
das  Beschwerdeverfahren  eine  Parteientschädigung  von  Fr.  2355.­­ 
auszurichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  Beschwerde  wird  insoweit  gutgeheissen,  als  die  Anordnung  einer 
vorläufigen Aufnahme beantragt wird. Im Übrigen wird sie abgewiesen. 

2. 
Die  Verfügungen  vom  29.  Mai  2007  werden  betreffend  der 
Dispositivziffern 4 und 5 aufgehoben und das BFM wird angewiesen, die 
Beschwerdeführenden  und  ihre  drei  Kinder  in  der  Schweiz  vorläufig 
aufzunehmen. 

3. 
Die Verfahrenskosten  von Fr.  300.­­ werden  den Beschwerdeführenden 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4. 
Das  BFM  hat  den  Beschwerdeführenden  für  das  Verfahren  vor  der 
Beschwerdeinstanz eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2355.­­ 
zu entrichten.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Muriel Beck Kadima Tu­Binh Truong

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