# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5346ce1b-14ed-5906-ad8c-752352227d60
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-01-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.01.2015 E-6604/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6604-2014_2015-01-22.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-6604/2014 

 

 

  U r t e i l  v o m  2 2 .  J a n u a r  2 0 1 5  

Besetzung 

 
Einzelrichter Daniel Willisegger, 

mit Zustimmung von Richter Markus König;   

Gerichtsschreiberin Barbara Balmelli. 

   Parteien 
 

A._______, geboren am (…), 

Staat unbekannt, angeblich Volksrepublik China (Tibet) 

vertreten durch lic. iur. Martina Culic, Rechtsanwältin, 

(…),  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM;  

vormals Bundesamt für Migration, BFM),  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des BFM vom 10. Oktober 2014 / N (…). 

 

 

E-6604/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin reichte zusammen mit ihrem Bruder am 2. Juni 

2014 im Empfangs- und Verfahrenszentrum Basel ein Asylgesuch ein, wo 

man sie am 23. Juni 2014 summarisch zur Person befragte. Die Vor-in-

stanz hörte sie am 30. Juni 2014 vertieft zu den Asylgründen an. Im Rah-

men der Befragung zur Person wurde ihr das rechtliche Gehör bezüglich 

der Änderung seiner Staatsangehörigkeit von "China (Volksrepublik)" auf 

"Staat unbekannt" gewährt. Sie machte im Wesentlichen geltend, ethni-

sche Tibeterin zu sein und die chinesische Staatsangehörigkeit zu besit-

zen. Sie sei in B._______, Gemeinde C._______, Bezirk D._______, Prä-

fektur E._______ in der autonomen Region Tibet geboren worden und 

habe dort bis zu ihrer Ausreise gelebt. Sie sei nie zur Schule gegangen, 

sondern habe den Eltern bei der Haus- und Feldarbeit mitgeholfen und 

würde daher auch kein Chinesisch sprechen. Der Vater der Beschwerde-

führerin sei als Händler unterwegs gewesen und mehrere Male nach Nepal 

gereist, von wo er politische Schriften und Bilder des Dalai Lamas mitge-

bracht und in seinem Dorf verteilt habe. Ihr Bruder habe ihm dabei, sowie 

beim Verstecken des Materials, geholfen. Im Jahr 2012 sei der Vater ver-

haftet worden. Darauf sei ihr und dem Bruder von ihrer Mutter und einem 

Freund des Vaters gesagt worden, dass nun auch sie in Gefahr seien und 

das Land verlassen sollten. Daher sei sie nach ca. zehn Tagen zusammen 

mit dem Freund des Vaters, der in Nepal lebe, nach Nepal ausgereist. Dort 

habe sie ein Jahr und zwei bis fünf Monate gelebt, bevor sie Ende Mai 2014 

Nepal verlassen habe und in die Schweiz gereist sei, wo sie am 2. Juni 

2014 angekommen sei. Die Beschwerdeführerin reichte keine Reise- oder 

Identitätspapiere zu den Akten.  

B.  

Mit Verfügung vom 10. Oktober 2014 – eröffnet am 14. Oktober 2014 – 

verneinte die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft, lehnte das Asylgesuch 

ab, verfügte die Wegweisung – mit Ausschluss in die Volksrepublik China 

– und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegwei-

sung. 

C.  

Mit Eingabe vom 12. November 2014 reichte die Beschwerdeführerin Be-

schwerde ein und beantragte, die Verfügung sei aufzuheben, sie sei als 

Flüchtling zu anerkennen und das Asylgesuch sei gutzuheissen. Eventua-

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liter sei sie vorläufig aufzunehmen und subeventualiter sei die Angelegen-

heit zu weitergehenden Abklärungen des Sachverhalts an die Vorinstanz 

zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht beantragte sie, ihr sei die unent-

geltliche Prozessführung sowie die amtliche Verbeiständung zu gewähren 

und es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 

– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Die 

Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung 

legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 

2.  

 

2.1 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung 

auf Verletzung von Bundesrecht sowie unrichtige und unvollständige Fest-

stellung des rechtserheblichen Sachverhalts hin (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im 

Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten 

Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) und mit summarischer Begründung zu be-

handeln (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

3.  

 

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-

bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-

chischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 

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Seite 4 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss gemäss Art. 7 AsylG die Flüchtlingsei-

genschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Abs. 1). Glaub-

haft gemacht ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhan-

densein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält (Abs. 2). 

Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu 

wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht 

entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismit-

tel abgestützt werden (Abs. 3). 

3.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-

haftmachen der Vorbringen in einem Entscheid dargelegt und folgt dabei 

ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2010/57 

E. 2.2 und 2.3). 

4.  

 

4.1 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung ausgeführt, dass 

aufgrund von Zweifeln an der geltend gemachten Herkunft sowohl anläss-

lich der Befragung zur Person als auch in der Anhörung neben den Asyl-

vorbringen auch das Alltagswissen und das geographische Wissen der Be-

schwerdeführerin über deren angeblichen Heimatort geprüft worden seien. 

Zusammenfassend kommt sie zum Schluss, die Vorbringen der Beschwer-

deführerin würden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 

7 AsylG nicht standhalten.  

4.2  

4.2.1 In der Tat weisen die Angaben der Beschwerdeführerin in den ge-

nannten Bereichen diverse Wissensdefizite auf, welche sie in der Rechts-

mitteleingabe nicht erklären kann. Auch wenn sie ihr Heimatdorf kaum je 

verlassen hätte, wäre zu erwarten gewesen, dass sie zumindest den Ge-

meindehauptort oder ein paar weitere Gemeinden im Bezirk mit Namen 

nennen kann. Zudem bleibt ihre Beschreibung des Heimatdorfes sehr all-

gemein, wie die Vorinstanz korrekt feststellt. Und dass die Beschwerdefüh-

rerin – als in China lebende Tibeterin – auch nicht weiss, wie Tibet von den 

Chinesen genannt wird, lässt die Zweifel an der von ihr behaupteten Her-

kunft zu Recht erhärten. Gegen diese vorinstanzlichen Einwände bringt die 

Beschwerdeführerin in der Rechtsmitteleingabe nichts Stichhaltiges vor. 

Dass sie etwa über die Flucht aus Tibet, die Dauer des Reisewegs und die 

passierten Orte keinerlei detaillierte Angaben machen konnte, wird in der 

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Rechtsmitteleingabe sogar eingestanden. Um Wiederholungen zu vermei-

den, sei hierzu und auch bezüglich anderer Unstimmigkeiten und Wider-

sprüche im Zusammenhang mit der Ausreise auf die ausführlichen vo-

rinstanzlichen Analysen verwiesen. Dasselbe, was die Ungereimtheiten im 

Zusammenhang mit der Verhaftung des Vaters angeht, welche in der 

Rechtsmitteleingabe ebenfalls unerklärt geblieben sind. Auch hier kann 

also auf die detaillierten Darlegungen der Vorinstanz verwiesen werden.  

4.2.2 Im Übrigen geht die Rüge, die Vorinstanz habe ungenaue Fragen ge-

stellt und müsse sich nicht über unsubstantiierte Antworten wundern, fehl. 

Die Beschwerdeführerin hat in keinem Fall dargelegt, welche Fragen und 

inwiefern diese ungenau gestellt gewesen sein sollen. Sie hat in diesem 

Zusammenhang auch nicht aufgezeigt, inwiefern die Vorinstanz – wie in 

der Rechtsmitteleingabe behauptet – in rechtserheblicher Weise den Sach-

verhalt nicht richtig respektive fehlerhaft festgestellt haben soll, weshalb 

eine Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz ge-

boten wäre. Solches ist aus den erstellten Akten auch nicht zu erkennen. 

Der entsprechende Antrag ist abzulehnen. Die Bezugnahme auf das Urteil 

des BVGer D-5625/2013 vom 29. September 2014 geht insofern fehl, als 

sich dieses auf eine per Telefongespräch ausgefertigte Herkunftsanalyse 

bezieht, was im vorliegenden Fall nicht gegeben ist. Auffällig ist zudem, 

dass die Beschwerdeführerin und ihr Bruder – welche gemeinsam ausge-

reist sind und ein Asylgesuch eingereicht haben – insbesondere bei der 

Befragung zur Person wiederholt mit identischen Formulierungen geant-

wortet haben, die den deutlichen Eindruck einer Wiedergabe gemeinsam 

auswendig gelernter Antworten hinterlassen.  

4.2.3 Weiter scheitert der Versuch, den Vorbringen der Beschwerdeführe-

rin mittels einer nachträglich von ihr abgefassten Beschreibung ihres Le-

bensalltags Glaubhaftigkeit zu verschaffen. Der im Rahmen des Rechts-

mittelverfahrens eingereichte Brief der Beschwerdeführerin über ihr All-

tagsleben in Tibet könnte ohne weiteres auch durch fremde Hilfe einer orts-

kundigen Person entstanden sein und beweist somit nichts. Zudem ist es 

mit der Vorinstanz tatsächlich schwer nachvollziehbar, wie es der Be-

schwerdeführerin möglich sein konnte, nur innert etwas mehr als einem 

Jahr ohne Vorkenntnisse und Vorbildung ausgesprochen gut Lesen und 

Schreiben gelernt zu haben. Gleichfalls irrelevant als Beweismittel ist die 

in der Rechtsmitteleingabe eingereichte Herkunftsbestätigung durch die Ti-

betan Community in Switzerland & Liechtenstein. Aus dem Schreiben geht 

nicht hervor, aufgrund welcher Nachforschungen dieser Verein die Anga-

ben der Beschwerdeführerin vorbehaltlos bestätigen kann. Ebenfalls ohne 

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Beweiswert sind die eingereichten Fotographien, die keinerlei Anhalts-

punkte aufweisen, welche die Vorbringen der Beschwerdeführerin stützen 

könnten. Sie könnten überall aufgenommen worden sein, auch in Nepal 

oder Indien. Im Übrigen weisen sie Spuren auf, die den Eindruck einer ge-

zielten manuellen Bearbeitung, offenbar mit dem Zweck des Herbeiführens 

eines älteren Erscheinungsbildes, erwecken.  

4.2.4 Die Vorinstanz ist offenbar ohne weiteres von der Minderjährigkeit der 

Beschwerdeführerin ausgegangen und es wurde ihr eine Vertrauensper-

son gemäss Art. 17 Abs. 3 AsylG beigeordnet. Angesichts der schwer nach-

vollziehbaren Aussagen der Beschwerdeführerin zu Altersfragen (vgl. ins-

besondere Akten Vorinstanz A4/13, S. 3), des Fehlens jeglicher Identitäts-

dokumente ohne überzeugende Begründung, der unglaubhaften Asylvor-

bringen und der offenkundig falschen Angaben zur Herkunft zieht das Bun-

desverwaltungsgericht sowohl das angegebene Lebensalter (aktuell: 17 

Jahre und 3 Monate) als auch die behauptete Minderjährigkeit der Be-

schwerdeführerin in Zweifel. Letztlich braucht aber die Frage im Rahmen 

des vorliegenden Beschwerdeverfahrens, wie sich aus den obigen Erwä-

gungen ergibt, nicht abschliessend beantwortet zu werden. 

4.3  

4.3.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes 

wegen fest und bedient sich nötigenfalls der gesetzlichen Beweismittel 

(Bstn. a–e). Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze indessen an 

der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). 

Dazu gehört, die Identität offenzulegen und vorhandene Identitätspapiere 

abzugeben, an der Feststellung des Sachverhaltes mitzuwirken und in der 

Anhörung die Asylgründe darzulegen, allfällige Beweismittel vollständig zu 

bezeichnen und unverzüglich einzureichen sowie bei der Erhebung der bi-

ometrischen Daten mitzuwirken (vgl. BVGE 2011/28 E. 3.4). 

4.3.2 Zunächst ist festzuhalten, dass die Identität der Beschwerdeführerin 

nicht feststeht; diesbezüglich ist mit der Vorinstanz einig zu gehen. Die Be-

schwerdeführerin hat im vorinstanzlichen Verfahren trotz ausdrücklicher 

Aufforderung weder Ausweispapiere noch irgendwelche Beweismittel, die 

geeignet wären, etwas zur Klärung ihrer Identität und ihres Herkunftslan-

des beizutragen, eingereicht. Auch auf Beschwerdeebene ist sie diesbe-

züglich untätig geblieben und hat sich nicht darum bemüht, Papiere beizu-

bringen. Dies stellt eine Verletzung der ihr obliegenden Mitwirkungspflicht 

gemäss Art. 8 AsylG dar, auf welche sie die Vorinstanz bereits anlässlich 

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der Befragung (Akten Vorinstanz, A4/13 S. 2 und 7) und später erneut bei 

der Anhörung (Akten Vorinstanz, A9/16 S. 2) hingewiesen hatte. Anlässlich 

der Befragung hat sie das Fehlen der Ausweise damit begründet, weder je 

eine Identitätskarte noch einen Pass besessen zu haben. Die vorinstanzli-

che Frage nach einem Familienbüchlein beantwortete sie mit Kopfschüt-

teln, derweil ihr Bruder in der Befragung auf die Existenz eines solchen 

hindeutete auf die Aufforderung durch die Vor-instanz, bei seiner Mutter per 

Telefon eine Kopie des Familienbüchleins zu besorgen, ausweichend rea-

gierte.   

Der Vorinstanz ist zuzustimmen, dass überwiegende Zweifel an der von 

der Beschwerdeführerin geltend gemachten Herkunft bestehen. Diese wer-

den dadurch erhärtet, dass die Beschwerdeführerin in ihrer Rechtsmitte-

leingabe auf die in der angefochtenen Verfügung aufgezählten, zahlreichen 

Unstimmigkeiten mit keinem Wort eingegangen ist, sondern mittels einer 

nachträglich eingereichten Alltagsbeschreibung lediglich ihre Herkunft aus 

dem behaupteten Gebiet beteuert. Hierzu sei auf die Erwägung 4.2 verwie-

sen.    

4.3.3 Es ist also mit der Vorinstanz festzustellen, dass weder die Identität 

noch die Staatsangehörigkeit beziehungsweise das Herkunftsland der Be-

schwerdeführerin geklärt ist. Ihr Verhalten stellt sodann auch eine Verlet-

zung der ihr obliegenden Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG) dar. Durch die 

Verletzung dieser Pflicht verunmöglicht sie die Abklärung, welchen effekti-

ven Status sie im Staat ihres vormaligen Aufenthalts hatte. Die Folgen die-

ses Verhaltens hat sie selber zu verantworten. Ferner ist bei Personen ti-

betischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen, 

vermutungsweise davon auszugehen, dass keine flüchtlings- oder wegwei-

sungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Auf-

enthaltsort bestehen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-

2981/2012 vom 20. Mai 2014 E. 5.10 und 6.).  

4.4 Die Beschwerdeführerin macht unter Hinweis auf EMARK 2006 Nr. 1 

geltend, durch ihre Flucht erfülle sie aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe 

die Flüchtlingseigenschaft. Wie vorstehend dargelegt, vermag die Be-

schwerdeführerin weder ihre Fluchtgründe, Staatsangehörigkeit, Herkunft 

noch ihre legale oder illegale Ausreise glaubhaft zu machen. Bei dieser 

Sachlage ist auch das Vorliegen von subjektiven Nachfluchtgründen ge-

mäss Art. 54 AsylG zu verneinen. 

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Seite 8 

4.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin keine 

Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG in Bezug auf die Volksrepublik China 

nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen vermag. Die Vor-in-

stanz hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch 

abgelehnt.  

5.  

Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Bundesamt in der Regel die Wegwei-

sung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylgesuch 

ablehnt oder darauf nicht eintritt. Die Beschwerdeführerin verfügt weder 

über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen An-

spruch auf Erteilung einer solchen (Art. 44 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9). Die 

Wegweisung ist nicht zu beanstanden. 

6.  

6.1 Bezüglich des Wegweisungsvollzugs führt die Vorinstanz aus, da die 

von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Staatsangehörigkeit nicht 

glaubhaft sei, müsse diese als unbekannt gelten. Ein Vollzug der Wegwei-

sung in die Volksrepublik China wurde im vorinstanzlichen Entscheid aus-

drücklich ausgeschlossen (vgl. Ziff. 5 des Dispositivs der Verfügung vom 

10. Oktober 2014). Das Gericht folgt der Vorinstanz sowohl in diesem 

Punkt als auch hinsichtlich der weiteren diesbezüglichen Erwägungen. 

Zwecks Vermeidung von Wiederholungen kann auf den Entscheid des 

Bundesamtes verwiesen werden. 

6.2 Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungsvoll-

zugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen, aber die Untersuchungspflicht 

findet, wie bereits vorstehend in den Erwägungen 4.3.1 bis 4.3.3 ausge-

führt, ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der Beschwerdeführerin. Es 

ist nicht Sache der Behörden, bei fehlenden, womöglich gezielt vorenthal-

tenen Hinweisen nach etwaigen Wegweisungsvollzugshindernissen in hy-

pothetischen Herkunftsländern zu forschen. Vermutungsweise ist vorlie-

gend davon auszugehen, einer Wegweisung stünden keine Vollzugshin-

dernisse im gesetzlichen Sinne entgegen, was insbesondere für Nepal und 

Indien gilt, welche gemäss Vorinstanz als mögliche Herkunftsstaaten in 

Frage kommen.  

Mit dem Vorenthalten von Informationen und dem Fehlen jeglicher Bemü-

hungen, Ausweispapiere und Beweismittel zu beschaffen, die ihre Identität, 

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Seite 9 

Herkunft und seine Vorbringen beweisen könnten, ist die Beschwerdefüh-

rerin selber dafür verantwortlich, weshalb sich zuerst die Vorinstanz und 

nun auch das Gericht mit den Fragen der Wegweisung und deren Vollzugs 

nur in grundsätzlicher Hinsicht beziehungsweise gemäss den vorstehen-

den Ausführungen befasst. Sie entzieht mit ihrem Verhalten dem Gericht 

die für genauere Abklärungen erforderliche Grundlage, und es ist nicht Sa-

che des Gerichts, sich in Mutmassungen und Spekulationen zu ergehen. 

Was ihre Minderjährigkeit angeht, so hat die Vorinstanz zutreffend ausge-

führt, dass sie in Begleitung ihres Bruders in ihren Herkunftsstaat wird zu-

rückreisen können und somit nicht unbegleitet reisen muss. Die Be-

schwerde des Bruders beim Bundesverwaltungsgericht wird zu demselben 

Zeitpunkt wie diejenige der Beschwerdeführerin entschieden werden. 

6.3 Es obliegt der Beschwerdeführerin, sich die für eine Rückkehr allenfalls 

benötigten Reisedokumente bei der Vertretung seines Heimatlandes zu 

beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug 

der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist. Damit fällt die Anord-

nung einer vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG).  

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist 

(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 

8.  

8.1 Die Beschwerdeführerin beantragt die Gewährung sowohl der unent-

geltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG als auch der unent-

geltlichen amtlichen Verbeiständung im Sinne von Art. 110a Abs. 1 und 3 

AsylG. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass ihr Be-

gehren als aussichtslos zu gelten hat. Damit ist eine der kumulativ zu er-

füllenden Voraussetzungen zum Erlass der Verfahrenskosten nicht gege-

ben, weshalb den Gesuchen nicht stattzugeben ist.  

8.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600.– (Art. 

1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschä-

digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) der 

Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der Antrag auf 

Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ist damit gegen-

standslos geworden. 

(Dispositiv nächste Seite) 

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Seite 10 

  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden der Beschwerdeführerin aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Daniel Willisegger Barbara Balmelli 

 

 

Versand: