# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4a65b971-dc34-5983-9456-57be6e9d812d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-04-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.04.2017 E-1802/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1802-2017_2017-04-10.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-1802/2017 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 0 .  A p r i l  2 0 1 7  

Besetzung 
 Einzelrichter Daniel Willisegger, 

mit Zustimmung von Richterin Emilia Antonioni Luftensteiner;   

Gerichtsschreiber Michal Koebel. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Pakistan,   

vertreten durch MLaw Michèle Künzi,  

Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 21. Februar 2017 / N (…). 

 

 

 

E-1802/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 4. November 2015 in der Schweiz um 

Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person vom 21. Januar 2016 

machte er im Wesentlichen geltend, er stamme aus Afghanistan, wo sein 

Vater von den Taliban umgebracht und er bedroht worden sei.  

B.  

Am 23. Juni 2016 wurde ein Gespräch zwischen dem Beschwerdeführer 

und einer Sachverständigen von LINGUA durchgeführt. Das am 16. August 

2016 erstellte Gutachten der Fachstelle LINGUA kommt zum Schluss, die 

Sozialisation des Beschwerdeführers habe eindeutig nicht in Afghanistan, 

sondern im Nordwesten Pakistans stattgefunden. Mit Schreiben vom 

1. Februar 2017 brachte das SEM dem Beschwerdeführer den wesentli-

chen Inhalt des Gesprächs zur Kenntnis und gewährte ihm hierzu das 

rechtliche Gehör, welches er nach einer Fristverlängerung mit Schreiben 

vom 14. Februar 2017 beantwortete.  

C.  

Mit Verfügung vom 21. Februar 2017 stellte die Vorinstanz fest, der Be-

schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylge-

such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren 

Vollzug an. 

D.  

Mit Eingabe vom 24. März 2017 reichte der Beschwerdeführer unter Bei-

lage einer Stellungnahme (Soziolinguistische Stellungnahme zum sprach-

lichen Gutachten über die Herkunft des Beschwerdeführers vom 15. März 

2017), einer Schnellrecherche der Schweizerischen Flüchtlingshilfe 

(Schnellrecherche der SFH-Länderanalyse vom 20. März 2017 zu Afgha-

nistan: Währung, Kalendersystem und Schulen in der Provinz Nangarhar) 

sowie zweier Arztberichte (Arztberichte vom 16. März 2017 und 17. Feb-

ruar 2017 [aufgrund einer Selbsteinweisung ausgestellt]) beim Bundesver-

waltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, es sei die angefochtene 

Verfügung aufzuheben und die Sache zwecks Feststellung des Sachver-

halts und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessu-

aler Hinsicht sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, insbe-

sondere die unterzeichnende Juristin als amtliche Rechtsbeiständin beizu-

ordnen sowie auf die Erhebung eines Kostenschusses zu verzichten.  

 

E-1802/2017 

Seite 3 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 

– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der 

Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung le-

gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

2.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht 

(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die 

unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-

halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Zusammenhang mit dem 

Wegweisungsvollzug kann zudem die Unangemessenheit gerügt werden 

(Art. 37 VGG i.V.m. Art. 49 VwVG; vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im 

Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten 

Richterin oder eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weite-

rungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 

und 2 AsylG). 

3.  

3.1 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachweisen oder zumindest glaubhaft 

machen, wer um Asyl nachsucht (Art. 7 AsylG). Glaubhaft gemacht ist die 

Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwie-

gender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbeson-

dere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in 

sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massge-

blich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden 

(Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an 

das Glaubhaftmachen der Vorbringen in einem publizierten Entscheid dar-

gelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden 

(BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3). 

3.2 Asylsuchende sind verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhalts 

mitzuwirken. Sie müssen insbesondere ihre Identität offenlegen sowie Rei-

sepapiere und Identitätsausweise abgeben (Art. 8 AsylG und Art. 2a Asyl-

verordnung 1 über Verfahrensfragen [Asylverordnung 1, AsylV 1, 

E-1802/2017 

Seite 4 

SR 142.311]). Die verwaltungsrechtliche Offizialmaxime findet unter ande-

rem ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG, vgl. 

BVGE 2014/12 E. 6 S. 213 f.). 

4.  

4.1 Das LINGUA-Gutachten vom 16. August 2016 kommt zum Schluss, die 

Sozialisation des Beschwerdeführers habe eindeutig nicht in Afghanistan, 

sondern im Nordwesten Pakistans stattgefunden. So weise das Paschto 

des Beschwerdeführers einen typischen Wortschatz aus dem Nordwesten 

Pakistans auf und nicht aus der angegebenen Region Afghanistans. So-

dann habe er keine Kommunikationsfähigkeiten in Dari nachweisen kön-

nen und habe das afghanische Paschto nicht verstanden. Er habe nicht 

gewusst, dass in allen afghanischen Schulen Dari gelehrt werde. Ferner 

behaupte er, aus Kaga zu stammen, sei aber nicht fähig, die Umgebung 

genauer zu beschreiben. Sodann liege die genannte Schule nicht im ange-

gebenen Bezirk. Zu einzelnen Bezirken der Provinz habe er keine Angaben 

machen können und die angegebenen Autofahrtzeiten seien nicht verein-

bar mit den örtlichen Gegebenheiten. Im Weiteren habe er zum afghani-

schen Neujahrsfest oder zu Bräuchen an religiösen Feiertagen im afghani-

schen Kontext keine weiterführenden Angaben machen können. Zum 

Hochzeitsbrauchtum habe er sich teils falsch, teils oberflächlich geäussert. 

Als typische Kinderspiele habe er sich auf Kricket und Fussball beschränkt, 

die in vielen anderen Nachbarstaaten auch verbreitet seien. Im Weiteren 

sei er mit dem afghanischen Kalendersystem nicht detailliert vertraut und 

sei es ihm nicht gelungen, bestimmte Monate richtig einzuordnen. Zur Aus-

stellung von Dokumenten, zur Bezeichnung von Banknoten oder deren 

Farbe, habe er ebenfalls keine näheren Angaben machen können.  

4.2 Die vorinstanzliche Verfügung kommt im Wesentlichen zum Schluss, 

dass aufgrund der Resultate des LINGUA-Gesprächs sowie unter Berück-

sichtigung des rechtlichen Gehörs weder die behauptete afghanische 

Staatsangehörigkeit und Sozialisation noch die geltend gemachten Asyl-

vorbringen der Wahrheit entsprechen würden. So habe der Beschwerde-

führer – trotz entsprechender Aufforderung – kein Dokument eingereicht, 

das seine behauptete afghanische Staatsangehörigkeit oder Sozialisation 

nachweise. Hinzu komme, dass die sachverständige Person aufgrund 

zweier Analysen (landeskundlich-kulturelle und linguistische Analyse) zum 

Schluss gekommen sei, der Beschwerdeführer sei eindeutig nicht in Afgha-

nistan, sondern im Nordwesten Pakistans sozialisiert worden. So seien be-

reits die Erwartungen an das Sprachverhalten nicht erfüllt worden. Der Be-

schwerdeführer habe das afghanische Paschto nicht verstanden und sein 

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Seite 5 

Paschto weise keine Verbundenheit mit den sprachlichen Gegebenheiten 

Afghanistans auf. Auch habe er – entgegen seinen Behauptungen – keine 

Kommunikationsfähigkeit in Dari. In seiner Stellungnahme vom 14. Februar 

2017 sei es ihm nicht gelungen, die LINGUA-Analyse zu entkräften. Es 

seien dem aufgezeichneten LINGUA-Gespräch auch keine Hinweise auf 

die geltend gemachten Verständigungsprobleme zwischen der Interviewe-

rin und dem Beschwerdeführer zu entnehmen. Schliesslich seien die feh-

lenden länderkundlichen Kenntnisse beziehungsweise Falschaussagen 

nicht mit gesundheitlichen Beschwerden zu entschuldigen; der Tonauf-

zeichnung seien keine entsprechenden Hinweise zu entnehmen.  

4.3 Der Beschwerdeführer stellt dem Gutachten der Fachstelle LINGUA 

auf Beschwerdeebene eine privat erstellte Stellungnahme entgegen (Sozi-

olinguistische Stellungnahme zum sprachlichen Gutachten über die Her-

kunft des Beschwerdeführers vom 15. März 2017). Diese führt im Wesent-

lichen aus, die sprachliche Analyse des SEM sei sorgfältig durchgeführt 

worden, ignoriere indes mehrere wichtige Aspekte der Varationslinguistik. 

Eine eindeutige Zuordnung aufgrund der Sprache sei aufgrund der heuti-

gen Varietätenforschung weitgehend in Frage zu stellen. So seien etwa 

Gebiete der Peripherie naturgemäss stärker geprägt vom Kontakt mit an-

grenzenden Varietäten. Was die anderen Punkte anbelange, so fehle es 

insbesondere am visuellen Element (Körpersprache). Die Gegebenheiten 

der Befragungen seien nicht unproblematisch gewesen, da – beispiels-

weise im Unterschied zu einer normalen Unterhaltung – der Interviewer 

bereits die „richtige“ Antwort kenne. So seien auch die Aussagen beim ers-

ten Interview in Kreuzlingen mit grössten Vorbehalten zu beurteilen, insbe-

sondere weil der Beschwerdeführer an Migräne, Schlaflosigkeit sowie De-

pression leide.  

4.4 Mit Beschwerde wird im Wesentlichen ausgeführt, gemäss Rechtspre-

chung liege eine grobe Mitwirkungspflichtverletzung erst dann vor, wenn 

sie sich auf die Verhinderung einer bestimmten Verfahrenshandlung be-

ziehe. Wobei eine Verunmöglichung einer rein theoretisch denkbaren 

Amtshandlung nicht ausreiche. Die Beweislast für die Identitätstäuschung 

liege bei der Vorinstanz. Im Übrigen müsse auch im Falle grober Mitwir-

kungspflichtverletzung die Flüchtlingseigenschaft zumindest summarisch 

geprüft werden und könne nicht auf eine entsprechende materielle Prüfung 

verzichtet werden. Der Beschwerdeführer habe die Vorinstanz bei keinem 

Verfahrensschritt behindert. Aufgrund seiner eingeschränkten physischen 

und psychischen Verfassung sei er nicht in der Lage gewesen, die während 

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Seite 6 

des Telefongesprächs (LINGUA-Gespräch) gestellten Fragen zu beantwor-

ten. Die Beschwerde stützt sich im Übrigen auf die Stellungnahme vom 

15. März 2017 (E. 4.3) und fügt im Wesentlichen hinzu, es könne durchaus 

möglich sein, dass es in der Provinz mehrere Schulen mit dem entspre-

chenden Namen gebe. Zur falsch angegebenen Autofahrtzeit sei zu be-

merken, dass der Beschwerdeführer vor seiner Flucht noch nie in Kabul 

gewesen sei. Sodann könnten die genannten Kinderspiele nicht gegen ihn 

verwendet werden. Kalender gebe es in Afghanistan drei und der Be-

schwerdeführer sei auch in der Schweiz nicht in der Lage, sich zeitlich zu 

orientieren. Sodann lege der Bericht der SFH ebenfalls offen, dass ein pa-

ralleler Gebrauch von afghanischer und pakistanischer Währung in der 

Provinz bestehe. Die LINGUA-Analyse sei für den Beschwerdeführer in 

vielerlei Hinsicht überfordernd gewesen und es sei unzulässig, daraus eine 

Grundlage für einen negativen Asylentscheid zu konstruieren. Schliesslich 

sei er bemüht, Dokumente zu beschaffen.  

5.  

5.1 Vorab ist darauf hinzuweisen, dass der in Art. 12 VwVG statuierte Un-

tersuchungsgrundsatz, wonach die Behörde den Sachverhalt von Amtes 

wegen feststellt und sich nötigenfalls der gesetzlichen Beweismittel be-

dient, seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden findet 

(Art. 8 AsylG). Dazu gehört, die Identität offenzulegen und vorhandene 

Identitätspapiere abzugeben, an der Feststellung des Sachverhaltes mit-

zuwirken und die Asylgründe darzulegen, allfällige Beweismittel vollständig 

zu bezeichnen und unverzüglich einzureichen sowie bei der Erhebung der 

biometrischen Daten mitzuwirken (vgl. BVGE 2011/28 E. 3.4). Der Be-

schwerdeführer hat weder Reise- noch Identitätspapiere – die geeignet wä-

ren, etwas zur Klärung seiner Identität beziehungsweise Herkunft beizutra-

gen – eingereicht. Die fehlende Beibringung eines Identitätsnachweises 

stellt eine Verletzung der ihm obliegenden Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 

AsylG dar, auf welche die Vorinstanz ihn bereits anlässlich der Befragung 

zur Person im Januar 2016 explizit hinwies (SEM-Akten, A4, S. 2 sowie 

insbesondere zu den Identitätsdokumenten SEM-Akten, A4, S. 6, 

Ziff. 4.07). Aus der zitierten Rechtsprechung kann der Beschwerdeführer 

nichts zu seinen Gunsten ableiten. Aus BVGE 2013/10 will er ableiten, dass 

die Vorinstanz die Beweislast betreffend seine Identität trage. Nach diesem 

Urteil hat indes die Behörde lediglich den Nachweis zu erbringen, dass eine 

asylsuchende Person über ihre Identität getäuscht hat (wobei ausdrücklich 

Herkunftsanalysen der Fachstelle LINGUA als zulässiger „Nachweis“ auf-

geführt werden, BVGE 2013/10 E. 9.1, so bereits Entscheidungen und Mit-

teilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2003/27 

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Seite 7 

E. 4a). Der Nachweis ist erbracht, mithin sind die entsprechenden Rügen 

unbegründet.  

5.2 Was das Gutachten der Fachstelle LINGUA anbelangt, wurde sowohl 

eine landeskundlich-kulturelle als auch eine linguistische Analyse durchge-

führt, wobei die beauftragte Expertin über eine entsprechende Befähigung 

verfügt. Bei einem solchen LINGUA-Gutachten handelt es sich zwar nicht 

um ein Sachverständigengutachten im Sinne von Art. 12 Bst. e VwVG (vgl. 

hierzu Art. 57–61 BZP [SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG), sondern um eine 

schriftliche Auskunft einer Drittperson im Sinne von Art. 12 Bst. c VwVG. 

Das Bundesverwaltungsgericht misst diesen LINGUA-Analysen aber er-

höhten Beweiswert bei, sofern bestimmte Anforderungen an die fachliche 

Qualifikation, Objektivität und Neutralität des Experten sowie die inhaltliche 

Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit gegeben sind, denen eine solche 

Prüfung zu entsprechen hat (so auch bei reinen LINGUA-Alltagswissense-

valuationen, vgl. Urteil des BVGer D-5625/2013 vom 29. September 2014 

E. 4.4.1 f.). Diese Voraussetzungen sind hier erfüllt. Die vorliegend zu be-

urteilende Analyse ist fundiert und mit einer überzeugenden sowie ausge-

wogenen Begründung versehen, die zu keinen Beanstandungen Anlass 

gibt. Zudem bestehen an der fachlichen Qualifikation der Sachverständi-

gen keine Zweifel (SEM-Akten, A14/1). Somit wird dem vorliegenden LIN-

GUA-Gutachten erhöhter Beweiswert beigemessen und von der inhaltli-

chen Richtigkeit und Vollständigkeit ausgegangen. Hingegen kommt einer 

privat erstellten Stellungnahme ein geringerer Beweiswert zu. Die entspre-

chenden Rügen sind nicht begründet. 

6.  

6.1 Die Schlussfolgerungen der Vorinstanz sind weder in tatsächlicher 

noch in rechtlicher Hinsicht zu beanstanden. Die Verfügung ist einlässlich 

begründet und stützt sich auf ein fundiertes LINGUA-Gutachten. Die 

Rechtsmitteleingabe erschöpft sich in pauschaler Kritik, womit es ihr nicht 

gelingt aufzuzeigen, inwiefern die vorinstanzliche Beweiswürdigung Bun-

desrecht verletzen oder zu einer rechtsfehlerhaften Sachverhaltsfeststel-

lung führen soll. Solches ist auch nicht ersichtlich. 

So lassen – was die Beschwerde verkennt – bereits die Aussagen und das 

Verhalten des damals gesunden Beschwerdeführers anlässlich der Befra-

gung zur Person klar darauf schliessen, dass dieser nicht gewillt war, seine 

wahre Identität offenzulegen (SEM-Akten, A4, S. 8, Ziff. 8.02, bis auf Hus-

ten gesund, keine gemeldeten Beschwerden bzw. Arztberichte aus dem 

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Seite 8 

Empfangs- und Verfahrenszentrum aktenkundig). So reichte er, trotz mehr-

maliger und expliziter Aufforderung, weder Reisepapiere noch Identitäts-

ausweise ein und führte stereotyp aus – wie dies viele Asylsuchende tun, 

die nicht gewillt sind ihre wahre Identität offenzulegen –, sein einziges Iden-

titätsdokument auf dem Wasser in Griechenland verloren zu haben (SEM-

Akten, A4, S. 5 f.). Zum Hergang, wie und wo er dieses verlorene Doku-

ment erhalten haben will, gab er realitätsfremd zu Protokoll, er wisse dies 

nicht, weil sein Vater (drei Monate vor der Befragung zur Person) alles er-

ledigt habe (SEM-Akten, A4, S. 5 f., bestätigtes Nichtwissen üblicher Do-

kumentenausstellungen in Afghanistan: LINGUA-Gutachten, SEM-Akten, 

A13, S. 6). In nur fünf Fragen zu seinem Alter, widersprach er sich mehr-

mals und gab ebenfalls stereotyp zu Protokoll, sein Alter von seiner Mutter 

erfahren zu haben; sein genaues Geburtsdatum habe ein Mitreisender 

ausgerechnet (SEM-Akten, A4, S. 2 f.). Ferner konnte er keine vertieften 

Angaben zu seiner letzten Adresse im Heimatstaat machen (SEM-Akten, 

A4, S. 4) und gab an, er habe insgesamt nur drei Verwandte (Mutter, einen 

Bruder, einen Onkel); von denen er nicht wisse, wo sie sich zurzeit befän-

den (SEM-Akten, A4, S. 5). Ein ebenfalls typisches Aussageverhalten von 

Personen, die nicht gewillt sind, ihre Identität offenzulegen oder Rück-

schlüsse auf diese zuzulassen. Ein weiteres Indiz hierfür sind ungenaue 

Angaben zum Reiseweg, was auch beim Beschwerdeführer anlässlich der 

Befragung zur Person zutrifft. So will dieser auf der gesamten Reise von 

seiner angeblichen Heimat Afghanistan bis in die Schweiz nie kontrolliert 

worden sein und gab – obwohl er aufgefordert wurde, die genaue Route 

und die Aufenthaltszeiten anzugeben – ausschliesslich zwei Ortschaften 

der gesamten Reise an: Kabul und Nimruz (SEM-Akten, A4, S. 6). Aufgrund 

der Befragung zur Person bestanden somit bereits erhebliche Zweifel an 

der angegebenen Herkunft des Beschwerdeführers. Die Vorinstanz hat so-

mit zu Recht ein LINGUA-Gutachten eingeholt, welches nicht zu beanstan-

den ist (E. 5.2) und das zum Schluss kommt, dass der Beschwerdeführer 

eindeutig nicht in Afghanistan, sondern im Nordwesten Pakistans soziali-

siert worden ist (SEM-Akten, A13, S. 13). Die Beschwerde übersieht, dass 

der Beschwerdeführer bereits in gesundem Zustand seine wahre Identität 

verschleierte, mithin seine Mitwirkungspflicht verletzte und die Behörden 

vorsätzlich behinderte (insb. betr. Wegweisungsvollzug). Die Beschwerde-

ausführungen sind nicht geeignet, am Beweisergebnis etwas zu ändern. 

Ferner ist das Unwissen des Beschwerdeführers (inklusive mangelnder 

Sprache) zu gross, als dass es auf seine angeblichen Krankheiten zurück-

zuführen wäre. Sodann stellt das 55-minütige LINGUA-Gespräch auf eine 

Vielzahl von Analysepunkten ab. Keine nachvollziehbare Erklärung ist fer-

ner ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer plötzlich – nach weit über 

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Seite 9 

einem Jahr – bemüht sein will, Dokumente einzureichen. Die weiteren 

oberflächlichen Ausführungen auf Beschwerdeebene (Beschwerde und 

Stellungnahme, E. 4.3 f.) und die eingereichten Unterlagen (Schnellrecher-

che der SFH und Arztberichte) sind nicht geeignet, am Beweisergebnis et-

was zu ändern. Im Übrigen erschöpft sich die Beschwerde in Wiederholun-

gen des Standpunktes, den der Beschwerdeführer schon im Rahmen des 

rechtlichen Gehörs zum LINGUA-Gutachten eingenommen hat, der bereits 

in der angefochtenen Verfügung zutreffend berücksichtigt wurde.  

6.2 Der Beschwerdeführer vermag seine behauptete Herkunft und Soziali-

sation nicht nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Mit der 

Vorinstanz ist davon auszugehen, dass er vor der Ankunft in der Schweiz 

nicht in Afghanistan, sondern in Pakistan gelebt hat.  

6.3 Den Asylvorbringen ist damit der Boden entzogen. Bei Personen, die 

ihre Mitwirkungspflicht in grober Wiese verletzen, ist vermutungsweise da-

von auszugehen, dass keine flüchtlingsrelevanten Gründe vorliegen. Vor 

diesem Hintergrund hat die Vorinstanz zu Recht auf eine Prüfung der Asyl-

relevanz verzichtet; mithin geht die entsprechende Rüge ins Leere. Um 

Wiederholungen zu vermeiden, ist auf die zutreffenden Ausführungen der 

Vorinstanz zu verweisen, die folgerichtig das Asylgesuch abgelehnt hat.  

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, regelt die Vorinstanz das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Auslände-

rinnen und Ausländern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

7.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AuG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-

rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin 

oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-

gegenstehen. Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht 

erfüllt, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 

Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der 

Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zu-

lässigkeit des Vollzuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen ver-

fassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 

des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere 

grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 

[FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). 

E-1802/2017 

Seite 10 

Weder aufgrund der Akten noch der Beschwerde ergeben sich konkrete 

Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer für den Fall einer Aus-

schaffung mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder 

Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Der Voll-

zug ist demnach zulässig. 

7.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-

länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf 

Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. 

In Pakistan herrscht keine landesweite Situation allgemeiner Gewalt. Was 

die persönliche Situation des Beschwerdeführers anbelangt, so ist bei Per-

sonen, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen, vermu-

tungsweise davon auszugehen, dass keine Wegweisungsvollzugshinder-

nisse beziehungsweise flüchtlingsrelevante Gründe vorliegen (vgl. 

BVGE 2014/12 E. 5.10, wie vorliegend zum Nordwesten Pakistans, lagen 

auch diesem Urteil Indizien einer anderen, als der angegebenen Herkunft 

vor). Der Beschwerdeführer hat sein Verhalten selbst zu verantworten.  

Was die geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden anbelangt, so 

sind diese unter dem Vorbehalt der Unglaubwürdigkeit des Beschwerde-

führers zu betrachten. Der Arztbericht des Universitätsspitals Bern vom 

17. Februar 2017 wurde aufgrund einer Selbsteinweisung ausgestellt und 

kommt zu einem „zusammenfassend unauffälligen Befund“ (Arztbericht 

vom 17. Februar 2017, S. 2). Die Anamnese und der unauffällige Neuro-

status würden für eine chronische Migräne sprechen (Arztbericht vom 

17. Februar 2017, S. 2 f.). Eine Migräne (auch chronische Migräne) stellt 

indes kein Wegweisungsvollzugshindernis dar. Ferner macht der Be-

schwerdeführer den erhaltenen „Entscheid über die Identitätstäuschung“ 

für seinen angeblich labilen Zustand verantwortlich (Arztbericht vom 

17. Februar 2017, S. 2). Dass ein negativer Asylentscheid als belastend 

empfunden werden kann, liegt in der Natur der Sache. Die Folgen stellen 

indes ebenfalls kein Wegweisungshindernis dar. Bei Suizidalität (vorlie-

gend nicht substantiiert oder ärztlich attestiert) wird nach konstanter Recht-

sprechung des Bundesverwaltungsgerichts von einer zu vollziehenden 

Weg- oder Ausweisung (unter Einhaltung bestimmter Vorkehrungsmass-

nahmen) ebenfalls nicht Abstand genommen (statt vieler: Urteil BVGer  

E-1135/2014 vom 14. April 2014, E-5780/2011 vom 1. Mai 2012). Sodann 

steht es dem Beschwerdeführer frei, vor der Ausreise bei der Vorinstanz 

einen Antrag auf medizinische Rückkehrhilfe zu stellen (vgl. Art. 93 Abs. 1 

E-1802/2017 

Seite 11 

Bst. d AsylG i.V.m. Art. 75 AsylV 2). Der Vollzug der Wegweisung ist zu-

mutbar. 

7.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AuG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeich-

nen, weil es dem Beschwerdeführer obliegt, sich die für eine Rückkehr not-

wendigen Reisedokumente bei der zuständigen Vertretung seines Heimat-

staats zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu BVGE 2008/34 E. 12). 

Der Vollzug der Wegweisung ist möglich. 

7.5 Die Vorinstanz hat den Vollzug demnach zu Recht als zulässig, zumut-

bar und möglich erachtet. Damit fällt die Anordnung einer vorläufigen Auf-

nahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG).  

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist 

(Art. 106 AsylG). Zur Rückweisung besteht kein Anlass. Die Beschwerde 

ist abzuweisen.  

9.  

9.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorstehenden 

Erwägungen ergibt sich, dass seine Begehren als aussichtslos zu gelten 

haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht 

gegeben, weshalb dem Gesuch nicht stattzugeben ist. Aus dem gleichen 

Grund kann auch dem Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung 

nicht stattgegeben werden. 

9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.– 

(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit dem vor-

liegenden Urteil sind die Anträge auf unentgeltliche Prozessführung und 

Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos gewor-

den.  

(Dispositiv nächste Seite)  

E-1802/2017 

Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung wird abgewiesen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Daniel Willisegger Michal Koebel