# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e683789e-73da-501e-afa8-a5574e2a9737
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-12-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.12.2010 E-8273/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-8273-2010_2010-12-06.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-8273/2010/ame
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  6 .  D e z e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Kurt Gysi, 
mit Zustimmung von Richterin Nina Spaelti Giannakitsas;
Gerichtsschreiber Nicholas Swain

X._______, geboren (...),
Nigeria,
(...)
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;
(Dublin-Verfahren);
Verfügung des BFM vom 16. November 2010 / N (...)

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-8273/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass das BFM mit Verfügung vom 16. November 2010 – eröffnet am 
24.  November  2010  –  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  des 
Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  das  zweite 
Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  vom  19.  September  2010  nicht 
eintrat und die Wegweisung nach Italien verfügte, 

dass das Bundesamt ihn aufforderte, die Schweiz spätestens am Tag 
nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, den Kanton A._______ 
verpflichtete, die Wegweisungsverfügung zu vollziehen, feststellte, eine 
allfällige Beschwerde gegen diese Verfügung habe keine aufschieben-
de Wirkung, und dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten 
gemäss Aktenverzeichnis aushändigte,

dass der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung mit Eingabe vom 
29. November 2010 (Poststempel: 30. November 2010) beim Bundes-
verwaltungsgericht  Beschwerde  erhob  und  in  materieller  Hinsicht 
beantragte, der vorinstanzliche Entscheid sei aufzuheben und die Vor-
instanz anzuweisen, ihr Recht zum Selbsteintritt  auszuüben und sich 
für das vorliegende Verfahren für zuständig zu erklären,

dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte, im Sinne vorsorg-
licher Massnahmen sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen, und die 
Vollzugsbehörden seien anzuweisen, von einer Überstellung nach Itali-
en abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die Beschwer-
de entschieden habe, 

dass er ferner um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie 
um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht,

dass das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug der Wegweisung ge-
stützt auf Art. 56  des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über 
das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  mit  Verfügung  vom 
1. Dezember 2010 vorsorglich aussetzte,

dass die vorinstanzlichen Akten am 2. Dezember 2010 beim Gericht 
eingingen,

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und erwägt, 

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgül-
tig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM ent-
scheidet  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31-33  des  Verwaltungsgerichts-
gesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG), 

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten  ist  (Art. 108  Abs. 2  AsylG  i.V.m. Art.  37  VGG  und  Art. 52 
VwVG), 

dass  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  einzig  zu  prüfen  ist,  ob 
das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch 
des  Beschwerdeführers  zu  Recht  nicht  eingetreten  ist  und  infolge-
dessen die Wegweisung aus der Schweiz zu Recht verfügt hat,

dass  über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters respektive 
einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG), und 
es sich, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb 
der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art.  111a 
Abs. 2 AsylG), 

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel 
verzichtet wurde,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass sich aus den Akten ergibt, dass der Beschwerdeführer sich seit 
dem Jahre 1998 in Italien aufhielt und illegal in die Schweiz eingereist 
ist,

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dass das BFM bei  dieser  Sachlage aufgrund der  gestützt  auf  Art. 9 
Dublin-II-VO (Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 
2003 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des 
Mitgliedstaates,  der  für  die Prüfung eines von einem Drittstaatsange-
hörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrages zuständig ist) er-
folgten Anfrage an Italien vom 13. Oktober 2010 und der ausgebliebe-
nen Antwort,  welche praxisgemäss als  stillschweigende Zustimmung 
gilt,  zu Recht feststellte,  gestützt  auf  Art. 18 Abs. 7 Dublin-II-Verord-
nung sei die Zuständigkeit auf Italien übergegangen,

dass  der  Beschwerdeführer  somit  ohne  Weiteres  in  einen  Drittstaat 
(vorliegend  Italien)  ausreisen  kann,  welcher  für  die  Prüfung  seines 
Asylgesuches staatsvertraglich zuständig ist,

dass  in  der  Beschwerde  nichts  Stichhaltiges  geltend  gemacht  wird, 
das in Bezug auf die Zuständigkeit Italiens für die Durchführung des 
Asylverfahrens zu einer anderen Beurteilung führen könnte,

dass Italien Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die 
Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), der Konvention vom 
4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei-
heiten (EMRK, SR 0.101)  und des Übereinkommens vom 10. Dezem-
ber  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder 
erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist, 

dass keine Hinweise dafür bestehen, dass Italien sich nicht an die sich 
aus diesen Abkommen ergebenden völkerrechtlichen Verpflichtungen, 
insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot  oder  die  einschlägigen 
Normen der EMRK, halten würde,

dass für das Bundesverwaltungsgericht zudem keine Gründe ersicht-
lich  sind,  die  das  BFM  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  der 
Schweiz (Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO) hätten veranlassen sollen,

dass das BFM demzufolge zu Recht in Anwendung von Art.  34 Abs. 2 
Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegwei-
sung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), wobei in 
Verfahren  nach  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  die  Frage  nach  der 
Zulässigkeit  und  Möglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  regelmässig 

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bereits Voraussetzung (und nicht erst Regelfolge) des Nichteintretens-
entscheides ist, und hier nicht mehr zu prüfen ist, 

dass sich die Frage nach der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 
in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht unter dem Aspekt 
von Art. 83 Abs. 1 und 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 
über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]) stellt, son-
dern  ebenfalls  vor  der  Prüfung  des  Nichteintretens  im  Rahmen  der 
Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  (Art.  3  Abs.  2  Dublin-II-Verord-
nung), oder gegebenenfalls bei der Ausübung der sogenannten Huma-
nitären Klausel (Art. 15 Dublin-II-Verordnung),

dass  nach  dem Gesagten  der  vom Bundesamt  verfügte  Vollzug  der 
Wegweisung zu bestätigen ist,

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist,

dass mit dem Entscheid in der Hauptsache ohne vorgängige Instruk-
tion  die  Anträge  auf  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Be-
schwerde sowie auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses hinfällig geworden sind,

dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 
gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist, da die Begehren – wie 
sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu 
bezeichnen  sind,  weshalb  die  kumulativen  Voraussetzungen  für  die 
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege nicht erfüllt sind,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.– 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63 
Abs. 1 und 5 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.– werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM und  die  zu-
ständige kantonale Behörde. 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Kurt Gysi Nicholas Swain

Versand: 

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