# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bf20559a-1d8e-5679-9f9a-087b2244cdb2
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-06-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.06.2021 E-6506/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6506-2019_2021-06-28.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
   
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-6506/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 8 .  J u n i  2 0 2 1   

Besetzung 
 Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), 

Richter Simon Thurnheer, Richterin Barbara Balmelli,   

Gerichtsschreiberin Susanne Bolz. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,  

vertreten durch lic. iur. Monika Böckle,  

HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende, 

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 6. November 2019 / N (…). 

 

 

 

E-6506/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Aus den Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer sowie gemein-

sam mit ihm seine Schwester B._______, geboren am 1. Januar 1996, und 

die Schwester C._______, geboren 1. Januar 1989, deren Ehemann 

D._______ und deren zwei Kinder, am 3. März 2017 in Griechenland Asyl-

gesuche gestellt hatten. 

Der Beschwerdeführer reiste am 20. August 2017 in die Schweiz ein und 

stellte hier gleichentags ein Asylgesuch.  

Am 11. September 2017 reiste die Schwester C._______ in die Schweiz 

ein und ersuchte ebenfalls um Asyl (Verfahren N […]). Ihr Ehemann und 

die beiden Kinder waren in Griechenland verblieben; ihnen wurde die Ein-

reise im Rahmen eines Dublin-Verfahrens (take charge gestützt auf die Hu-

manitäre Ermessensklausel) bewilligt und sie ersuchten am 2. August 2018 

um Asyl (ebenfalls Verfahren N […]). 

Auch der Schwester B._______ wurde im Rahmen eines Dublin-Verfah-

rens (take charge) die Einreise in die Schweiz bewilligt; sie reiste ebenfalls 

am 2. August 2018 in die Schweiz ein und ersuchte hier um Asyl (Verfahren  

N […]). 

A.b Der Beschwerdeführer machte geltend, er sei minderjährig; er sei am 

(…) 2001 geboren und demnach bei Einreichung des Asylgesuchs (…) alt. 

Seine Tazkara befinde sich noch bei der Schwester in Griechenland.  

Am 28. August 2017 wurde eine Knochenaltersanalyse nach Greulich/Pyle 

(radiologische Untersuchung des Handgelenks) durchgeführt; gemäss 

dem Untersuchungsbericht zeigte der Beschwerdeführer ein Knochenalter 

von 19 Jahren oder mehr (vgl. Akten SEM A10/2). 

Am 4. September 2017 fand im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) 

E._______ die Befragung zur Person (BzP) statt; dabei wurde dem Be-

schwerdeführer auch das rechtliche Gehör zu den Ergebnissen der Kno-

chenaltersanalyse und zu den gegen die Glaubhaftigkeit des angeblichen 

minderjährigen Alters sprechenden Elementen gewährt (vgl. Akten SEM 

A11/19). Das SEM erachtete den Beschwerdeführer in der Folge als voll-

jährig und setzte sein Geburtsdatum im Zentralen Migrationsinformations-

system ZEMIS (unter Bestreitungsvermerk) auf den (…) fest. 

E-6506/2019 

Seite 3 

A.c Mit Eingabe vom 22. Dezember 2017 wurde die Tazkara des Be-

schwerdeführers im Original eingereicht. 

Diese ist am 9. Juli 2011 in Kabul ausgestellt worden; es wird festgehalten, 

im Jahr 1390 (d.h. 2011/2012) sei der Beschwerdeführer gemäss seinem 

Aussehen (…) Jahre alt gewesen. 

A.d Die einlässliche Anhörung zu den Asylgründen fand am 4. Oktober 

2018 statt. 

A.e Der Beschwerdeführer machte geltend, seine Familie – die Eltern, die 

ältere Schwester B._______ und die beiden jüngeren Schwestern 

F._______ und G._______ (bzw. H._______) – hätten in Kabul gelebt. Sie 

seien Tadschiken sunnitischen Glaubens. Der Vater habe einen Schreine-

reibetrieb gehabt. Er selbst habe insgesamt während acht Jahren die 

Schule besucht und während anderthalb bis zwei Jahren im Betrieb des 

Vaters gearbeitet. Die Schwester C._______ mit ihrer eigenen Familie 

(Ehemann und Kinder) habe demgegenüber seit Jahren im Iran gelebt. 

Sie hätten im Jahr 2015 Probleme bekommen, nachdem ein einflussreicher 

Mann die Schwester B._______ habe heiraten wollen, die Familie dies 

aber verweigert habe. Es habe sich um eine Person aus Regierungskrei-

sen beziehungsweise um einen Kommandanten gehandelt, der bereits ver-

heiratet gewesen sei und Kinder gehabt habe und viel älter als B._______ 

gewesen sei; den Namen des Mannes wisse er nicht respektive habe er 

vergessen. Nachdem die Familie den Heiratsantrag abgelehnt habe, sei 

der Mann eines Abends zu ihnen nach Hause gekommen und habe 

B._______ mit Gewalt mitnehmen wollen; mit seiner Hilfe habe sich 

B._______ ins Nachbarhaus flüchten können. Der einflussreiche Mann 

habe den Vater mit verbundenen Augen zu sich nach Hause verbracht; dort 

sei der Vater eine Nacht lang festgehalten und geschlagen worden; er habe 

danach für ein paar Tage im Spital behandelt werden müssen. Der Vater 

habe bei der Polizei Anzeige erstattet; die Behörden hätten aber nicht ge-

holfen. Die ganze Familie sei bedroht worden; es sei sogar eine Handgra-

nate in ihren Hof geworfen worden. Sie seien damals nicht zu Hause ge-

wesen; nach diesem Vorfall hätten sie Kabul verlassen, seien mit dem Bus 

nach Herat gefahren und von dort aus mit Hilfe von Schleppern über Pa-

kistan in den Iran gereist. Sie hätten zur Schwester C._______ gehen wol-

len, die aber aufgrund von Problemen in der Familie ihres Ehemannes zu 

jenem Zeitpunkt nach Afghanistan zurückgekehrt sei; sie hätten in 

C._______ Wohnung bleiben können, bis sie und ihre Familie ebenfalls 

E-6506/2019 

Seite 4 

wieder nach Teheran zurückgekehrt seien und sich ihrer weiteren Reise – 

über die Türkei nach Griechenland – angeschlossen hätten. An der ira-

nisch-türkischen Grenze seien die Eltern und die beiden jüngeren Schwes-

tern aufgehalten worden; der Beschwerdeführer, die Schwester B._______ 

und die Familie der Schwester C._______ hätten es nach Griechenland 

geschafft. 

Die Eltern seien mit F._______ und G._______ nach Afghanistan zurück-

gekehrt. Sie lebten heute teils in Herat, teils in Mazar-i-Sharif, je nachdem, 

wo sie Arbeit finden könnten. 

B.  

Mit Verfügung vom 6. November 2019, eröffnet am 7. November 2019, 

stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus 

der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. 

C.  

Gegen diese Verfügung liess der Beschwerdeführer durch seine Vertreterin 

mit Eingabe vom 9. Dezember 2019 Beschwerde erheben. Er beantragt 

die Aufhebung der Verfügung, die Anerkennung seiner Flüchtlingseigen-

schaft und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei der Vollzug der Weg-

weisung wegen Unzumutbarkeit auszusetzen und eine vorläufige Auf-

nahme anzuordnen. 

In prozessualer Hinsicht wird die Gewährung der unentgeltlichen Rechts-

pflege samt Beiordnung der Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeistän-

din und der Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses beantragt. 

Mit Eingabe vom 12. Dezember 2019 wurde eine Fürsorgebestätigung 

nachgereicht. 

D.  

Das SEM lehnte mit ebenfalls vom 6. November 2019 datierender Verfü-

gung auch das Asylgesuch der Schwester B._______ ab und verfügte die 

Wegweisung und den Wegweisungsvollzug. Die Schwester des Beschwer-

deführers erhob am 9. Dezember 2019 ebenfalls Beschwerde gegen diese 

Verfügung; sie wird im Beschwerdeverfahren von der gleichen Rechtsver-

treterin vertreten wie ihr Bruder (Verfahren E-6519/2019). 

E.  

Die Instruktionsrichterin bestätigte am 12. Dezember 2019 den Eingang 

E-6506/2019 

Seite 5 

der Beschwerde und hielt fest, der Beschwerdeführer könne den Entscheid 

in der Schweiz abwarten. 

Mit Instruktionsverfügung vom 13. Dezember 2019 wurde das Gesuch um 

Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gutgeheissen, auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses verzichtet und die Rechtsvertreterin als 

amtliche Rechtsbeiständin eingesetzt. Die Vorinstanz wurde zur Vernehm-

lassung eingeladen. 

Die Instruktionsrichterin hielt ferner fest, das Verfahren des Beschwerde-

führers werde angesichts des sachlichen Zusammenhangs (Geltendma-

chung eines parallelen Sachverhalts) mit dem Verfahren E-6519/2019 der 

Schwester koordiniert. 

F.  

Mit Vernehmlassung vom 16. Dezember 2019 schloss das SEM ohne wei-

tere Erwägungen auf Abweisung der Beschwerde. 

Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 18. Dezember 

2019 zur Kenntnis zugestellt. 

G.  

Die Asylgesuche der Schwester C._______, ihres Ehemannes D._______ 

und deren Kinder wurden mit Verfügung des SEM vom 6. November 2019 

abgewiesen; das SEM verfügte die Wegweisung, ordnete aber aufgrund 

der derzeitigen Unzumutbarkeit des Vollzugs die vorläufige Aufnahme der 

Familie an (Verfahren N […]). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in 

Rechtskraft.  

E-6506/2019 

Seite 6 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel, so auch vorliegend, endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt.  108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Das Bundesverwaltungsgericht hat vorliegend die Akten der Schwester 

B._______ (N […]) beigezogen. Die Verfahren des Beschwerdeführers und 

seiner Schwester B._______ werden angesichts der Parallelen im geltend 

gemachten Sachverhalt koordiniert geführt; auch im Verfahren von 

B._______ (E-6519/2019) ergeht mit heutigem Datum ein Urteil, und es ist 

dasselbe Spruchgremium zuständig wie im vorliegenden Verfahren.  

 

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Seite 7 

Zudem hat das Gericht die Akten der Schwester C._______, ihres Ehe-

mannes D._______ und deren Kinder (N […]) konsultiert. Nachdem 

C._______ und ihre Familie zur Zeit der vorliegend geltend gemachten Er-

eignisse in Teheran gelebt haben, gehen daraus keine relevanten Erkennt-

nisse für das vorliegende Verfahren hervor. 

 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Zur Begründung seiner Verfügung hielt das SEM zunächst fest, der Be-

schwerdeführer habe sein Vorbringen, er sei am 1. Januar 2001 geboren 

und bei seiner Einreise in die Schweiz wie auch zum Zeitpunkt des Erge-

hens der Verfügung des SEM noch minderjährig gewesen, nicht glaubhaft 

gemacht; diesbezüglich würde ihm die Beweislast obliegen. Das SEM gehe 

von seiner Volljährigkeit im Zeitpunkt der Einreichung des Asylgesuchs aus 

und trage das entsprechende Geburtsdatum, mit Bestreitungsvermerk, im 

ZEMIS ein.  

5.2 Die Asylvorbringen des Beschwerdeführers würdigte das SEM als nicht 

glaubhaft gemacht. In zentralen Punkten seien seine Schilderungen wider-

sprüchlich, diffus und unstimmig ausgefallen. So erscheine zunächst zwei-

felhaft, dass er über den Mann, der angeblich die Schwester habe heiraten 

wollen und die Flucht der ganzen Familie verursacht habe, praktisch nichts 

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Seite 8 

wisse, und namentlich dessen Namen nicht gekannt habe beziehungs-

weise, in Widerspruch hierzu, zwar gekannt, dann aber vergessen habe. 

Ausser mit der Angabe, der Mann habe gefährlich ausgesehen, habe er ihn 

nicht beschreiben können. Es sei auch nicht nachvollziehbar, wie er, ohne 

den Namen und die Herkunft des Mannes zu kennen, hätte wissen können, 

dass dieser derart einflussreiche Beziehungen in der Regierung gehabt 

habe. 

Unstimmig sei sodann, dass der Beschwerdeführer den Vorfall mit der 

Handgranate, die kurz vor der Ausreise in ihren Hof geworfen worden sei, 

zwar in der BzP genannt, in der Anhörung dann aber nicht mehr spontan 

erwähnt habe; auch auf die Frage hin, ob im Zusammenhang mit den Prob-

lemen mit diesem Mann Waffen im Spiel gewesen seien, habe er den Vor-

fall nicht erwähnt, sondern diesen erst auf konkreten Vorhalt hin bestätigt. 

Ferner sei es als wenig plausibel einzuschätzen, dass der «Verehrer» der 

Schwester und dessen Gefolgsleute, nach dem vergeblichen Versuch, die 

Schwester zu entführen, zwar den Vater mitgenommen sowie eine Nacht 

lang festgehalten und misshandelt, diesen dann aber ohne Auflagen und 

ohne ein konkretes Heiratsversprechen zu erlangen, freigelassen hätten. 

In zahlreichen Punkten weiche die Darstellung des Beschwerdeführers 

schliesslich von jener seiner Schwester ab. So sei der Abend, als die 

Schwester sich beim Nachbarn habe verstecken müssen, widersprüchlich 

geschildert worden. Der Beschwerdeführer habe die Schwester «über die 

Mauer» zum Nachbarn «geworfen», während die Schwester angab, sie sei 

«durch ein kleines Fenster» aufs Grundstück des Nachbarn geschubst 

worden. Den Aussagen des Beschwerdeführers, der Vater sei beim «Ver-

ehrer» zu Hause misshandelt worden und habe sich danach einige Tage in 

Spitalpflege begeben müssen, stünden die Aussagen der Schwester ge-

genüber, die Misshandlungen hätten sich auf der Polizeistation ereignet, 

und der Vater sei nur ambulant behandelt worden. Widersprüchlich seien 

auch die Angaben, der Vater habe alleine Anzeige erstattet, beziehungs-

weise die Schwester habe ihn dabei begleitet. 

5.3 Darüber hinaus würden die Vorbringen, selbst wenn sie geglaubt wer-

den könnten, den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht genü-

gen. Die geltend gemachte Bedrohungslage knüpfe einzig am Umstand an, 

dass die Eltern den Heiratsantrag des «Verehrers» der Schwester abge-

lehnt hätten; ein Verfolgungsmotiv gemäss Art. 3 AsylG sei indessen nicht 

gegeben. Ausserdem hätte in Afghanistan – so beispielsweise in Herat, wo 

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Seite 9 

heute die Eltern und die jüngeren Schwestern des Beschwerdeführers leb-

ten – eine innerstaatliche Aufenthaltsalternative (recte: innerstaatliche 

Fluchtalternative) bestanden. 

6.  

In der Beschwerde wird an der Glaubhaftigkeit der vorgebrachten Asyl-

gründe festgehalten. Die Vorinstanz argumentiere im Wesentlichen mit der 

fehlenden Plausibilität der Vorbringen; mit dieser Argumentation müsse 

aber gerade im Hinblick auf Geschehnisse in anderen Kulturkreisen sehr 

zurückhaltend umgegangen werden, wie dies auch das Bundesverwal-

tungsgericht festhalte (unter Verweis auf den Entscheid D-2124/2014 vom 

15. Januar 2016). Dass der «Verehrer» der Schwester zwar um deren 

Hand angehalten, seine Identität aber nicht offengelegt habe und daher 

habe unbekannt bleiben können, sei im Kontext des Bürgerkriegslandes 

Afghanistan durchaus denkbar. Auch dass der Vater wieder freigelassen 

worden sei, ohne von ihm ein Heiratsversprechen zu erwirken, sei nicht 

abwegig; offenbar habe der Verfolger den Vater anfänglich einfach ein-

schüchtern wollen. 

Betreffend die Erwägung, dass der Beschwerdeführer den Vorfall mit der 

Handgranate in der Anhörung nicht spontan genannt habe, müsse sodann 

berücksichtigt werden, dass die Familie zum fraglichen Zeitpunkt nicht im 

Haus gewesen sei; dies relativiere die erinnerungswürdige Tragweite des 

Ereignisses. Dass man unter dem Begriff einer «Waffe» an eine Handgra-

nate denken sollte, sei ebenfalls nicht zwingend; die Assoziation würde 

sich eher zum Begriff des «Spengkörpers» aufdrängen. 

Was die vom SEM festgestellten Widersprüche in den Aussagen betreffe, 

sei auf die Schwierigkeiten in der Verständigung mit dem Beschwerdefüh-

rer hinzuweisen, weil dieser stark stottere. Er sei in den Befragungen un-

zureichend verstanden worden, und die «unterstellten» Widersprüche dürf-

ten nicht berücksichtigt werden. Ohnehin spreche es eher für die Authenti-

zität der Vorbringen, dass die Geschwister nicht identische Aussagen ge-

macht hätten, wie dies bei einer erfundenen und abgesprochenen Ge-

schichte erwartet würde.  

Was die Einschätzung der Vorinstanz betreffe, es fehle an einem asylrele-

vanten Verfolgungsmotiv, sei auch diese unzutreffend. Der Beschwerde-

führer habe eine Reflexverfolgung wegen seiner Schwester geltend ge-

macht; diese ihrerseits sei aus geschlechtsspezifischen – mithin relevanten 

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Seite 10 

– Gründen geflüchtet, wobei der afghanische Staat schutzunwillig sei; eine 

Fluchtalternative in Afghanistan bestehe nicht. 

7.  

Vorab sind die Erwägungen des SEM zu bestätigen, dass der Beschwer-

deführer sein behauptetes Geburtsdatum und seine angebliche Minderjäh-

rigkeit bei der Gesuchseinreichung nicht glaubhaft gemacht hat. 

Das SEM hielt diesbezüglich fest, nachdem die eingereichte Tazkara ledig-

lich ein auf dem damaligen Aussehen beruhendes Alter festhalte und es 

sich ohnehin nicht um ein fälschungssicheres Dokument handle, komme 

diesem Identitätspapier lediglich ein herabgesetzter Beweiswert zu. Die 

Knochenaltersanalyse könne, angesichts der statistischen Streubreite zwi-

schen dem Knochenalter und dem tatsächlichen chronologischen Alter, 

vorliegend keine beweiskräftigen Erkenntnisse liefern; auch aus dem 

äusseren Erscheinungsbild des Beschwerdeführers lasse sich kein Rück-

schluss auf seine Volljährigkeit oder Minderjährigkeit ziehen. Hingegen 

würden seine Aussagen in verschiedenen Punkten Unstimmigkeiten ent-

halten, die am geltend gemachten Alter zweifeln liessen. Namentlich sei 

nicht nachvollziehbar, dass er sein Geburtsjahr angeblich lediglich im eu-

ropäischen, nicht aber im afghanischen Kalender nennen könne; unge-

reimt sei ferner, dass er behauptet habe, er kenne den genauen Tag und 

Monat seines Geburtstages, weil dies so in der Tazkara stehe, während 

dort gerade nichts Entsprechendes festgehalten werde. In Widerspruch 

zum angeblichen Geburtsjahr würden ferner die Angaben stehen, er sei bei 

der Ausreise aus Afghanistan im Jahr 2015 angeblich (…) Jahre bezie-

hungsweise (…) oder (…) Jahre alt gewesen. 

Diesen (mit konkreten Aktenstellen belegten) Überlegungen des SEM wird 

in der Beschwerde nichts entgegengestellt. Die Erwägungen sind ausführ-

lich und überzeugend begründet und erweisen sich als praxiskonform. 

Dass das SEM den Beschwerdeführer als Volljährigen behandelt hat, und 

dass demnach auf die Beiordnung einer Vertrauensperson verzichtet 

wurde, ist nicht zu beanstanden. 

8.  

Nach Durchsicht der Akten teilt das Gericht sodann die Einschätzung der 

Vorinstanz, dass die dargelegten Asylgründe nicht glaubhaft geworden 

sind. 

E-6506/2019 

Seite 11 

8.1 Vorab ist festzuhalten, dass sowohl in der BzP wie in der Anhörung an 

verschiedenen Stellen vermerkt wurde, der Beschwerdeführer stottere (vgl. 

A11 S. 3, 5, 16; A27 F 2 f., 16, 77). Auch die Hilfswerksvertretung merkte 

an, der Beschwerdeführer habe teilweise stark gestottert und bei vielen 

Fragen unsicher gewirkt; dies könne durchaus zu Unklarheiten, Missver-

ständnissen oder «falschen» Wörtern führen (vgl. A27 S. 23). 

Eine Durchsicht der Protokolle lässt allerdings nicht den Eindruck entste-

hen, es habe wegen des Stotterns des Beschwerdeführers Verständi-

gungsschwierigkeiten gegeben; die befragenden Personen trugen dem 

Problem in angemessener Weise Rechnung; bei Bedarf wurden Nachfra-

gen gestellt. Die Widersprüche und Ungereimtheiten in den Aussagen des 

Beschwerdeführers (vgl. die nachfolgenden Erwägungen) lassen sich denn 

auch nicht als Missverständnisse oder das Benutzen «falscher» Wörter er-

klären; das Gericht schliesst sich der in der Beschwerde vertretenen An-

sicht, Widersprüche in den Aussagen dürften wegen des Stotterns des Be-

schwerdeführers nicht beachtet werden, nicht an. 

Der Beschwerdeführer wurde während der Anhörung auf die Widersprüche 

in seinen eigenen Aussagen wie auch auf die Unterschiede zwischen sei-

nen Angaben und jenen seiner Schwester B._______ angesprochen (vgl. 

A27 F151 ff.); auch seine Schwester erhielt in ihrer Anhörung die Gelegen-

heit zur entsprechenden Stellungnahme (vgl. N […], A15 F149 ff.). Beide 

nahmen Bezug darauf, der Beschwerdeführer sei bei den fraglichen Ereig-

nissen noch «sehr klein» beziehungsweise «jung» gewesen vgl. (A27 

F 177; N […], A15 F159, 163); die Schwester nahm auch Bezug auf das 

Stottern des Beschwerdeführers (vgl. N […], A15 F155). Diese Erklärungen 

vermögen nicht zu überzeugen, ist doch davon auszugehen, dass der Be-

schwerdeführer im Jahr 2015, als sich die zu schildernden Ereignisse zu-

getragen haben, (…) Jahre alt war. 

Soweit der Beschwerdeführer im Übrigen zu Protokoll gab, sein Stottern 

habe in seinem elften Lebensjahr begonnen, weil er viel Angst gehabt habe 

wegen den Schwierigkeiten und Problemen, die seine Familie gehabt habe 

(A11 S. 5), ist auf die anderweitigen Aussagen hinzuweisen, dass die Fa-

milie – abgesehen vom Problem im Jahr 2015 mit dem Mann, der 

B._______ habe heiraten wollen – mit Behörden, Organisationen oder Pri-

vatpersonen nie Probleme gehabt habe, dass niemand sich politisch oder 

religiös speziell engagiert habe, und dass die Behelligungen durch jenen 

«Verehrer» von B._______ ihr einziges Problem gewesen seien (vgl. A11 

S. 14; A27 F96 ff.; N […], A8 S. 9, 10; A15 F118). 

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Seite 12 

8.2 Zunächst ist festzuhalten, dass die Schilderungen des Beschwerdefüh-

rers ausserordentlich vage, einsilbig und unsubstanziiert sind. In freier 

Schilderung der Ereignisse, die ihn zur Flucht veranlasst hätten, be-

schränkte er sich auf die Darlegung eines einzigen Satzes in der BzP res-

pektive von zwei Sätzen in der Anhörung (vgl. A11 S. 13; A27 F88; vgl. 

auch F90 und 91 f.); auch bei den Nachfragen blieben die Angaben letztlich 

in weiten Zügen gehaltlos und unbsubstanziiert. Zwar ist zu beachten, dass 

die BzP erst zwei Jahre, die Anhörung drei Jahre nach den Ereignissen 

stattfand; andererseits waren Vorfälle zu schildern, bei denen der Be-

schwerdeführer selber anwesend gewesen war, die er als (…)-Jähriger er-

lebt hatte und die von einer Tragweite gewesen waren, dass hätte erwartet 

werden dürfen, er könne diese lebendig sowie detailliert darlegen. 

Sehr unsubstanziiert bleib namentlich die Beschreibung jenes Mannes, der 

den Heiratsantrag gestellt und die Familie bedroht habe. Der Beschwerde-

führer gab lediglich zu Protokoll, der Mann habe «gefährlich» ausgesehen 

(vgl. A27 F171). Den Namen wusste er nicht, da der Mann sich nie nament-

lich vorgestellt habe (vgl. A27 F103 f.); in der BzP hatte der Beschwerde-

führer indes noch zu Protokoll gegeben, er habe den Namen des Mannes 

gewusst, jetzt aber grad vergessen (A11 S. 14). Der Mann sei alt gewesen, 

habe Frau und Kinder gehabt, sei Kommandant beziehungsweise Mitar-

beiter einer Regierungsbehörde sowie mächtig und einflussreich gewesen 

(vgl. A11 S. 13 f.; A27 F91, 101 ff., 117, 169 ff.); weitere Informationen ver-

mochte der Beschwerdeführer nicht anzugeben. 

Auch die Schwester des Beschwerdeführers blieb in ihrer Beschreibung 

des «Verehrers» unsubstantiiert. Sie wusste zwar, dass dieser ursprünglich 

aus Panjsher gewesen sei; auch sie kannte aber keine Namen, beschrieb 

ihn als alt, mächtig und gefährlich; er habe Militärkleider getragen, bei der 

Regierung gearbeitet respektive sei Kommandant gewesen und habe in 

der Polizeistation in der Nähe ihrer Schule gearbeitet (vgl. N […], A8 S. 8 

f.; A15 F 50 S. 7, F59, 70, 103 f.). 

Nicht nachvollziehbar ist, wie eine Anzeige gegen diesen namentlich nicht 

bekannten Mann hätte deponiert werden sollen, wobei die Polizei dem Va-

ter geraten haben soll, der Mann sei mächtig und die ganze Regierung 

stehe hinter ihm, weshalb es das Beste sei, den Heiratsantrag anzuneh-

men (vgl. A27 F 118; N […], A8 S. 9, A15 F50 S. 7 und F104). 

E-6506/2019 

Seite 13 

8.3 Der Beschwerdeführer und seine Schwester schilderten zwar im Kern 

übereinstimmend den Grund, weshalb die Familie Afghanistan habe ver-

lassen müssen, nachdem ein mächtiger, einflussreicher Mann für die 

Schwester B._______ einen Heiratsantrag gemacht habe, den die Familie 

abgelehnt habe, und in der Folge mit der Entführung B._______ gedroht 

und der Vater für eine Nacht mitgenommen und zusammengeschlagen 

worden sei. 

In einigen zentralen Punkten bestehen aber auffällige Widersprüche oder 

logische Inkonsistenzen. 

8.3.1 So sind beispielsweise die Angaben nicht konsistent, wie oft der 

Mann die Familie zu Hause aufgesucht habe. Einerseits gab der Beschwer-

deführer an, der Mann sei mehrmals gekommen; etwa drei- oder viermal 

habe er die Familie aufgesucht und um die Hand von B._______ angehal-

ten; er sei zusammen mit drei Frauen gekommen (vgl. A27 F104 f., 122). 

Die Schwester ihrerseits sprach von lediglich zwei Besuchen für die Braut-

werbung, wobei beim ersten Besuch nur die Frauen gekommen seien und 

der Mann selber erst beim zweiten Mal mit dabei gewesen sei; beim dritten 

Besuch habe man sie entführen wollen und den Vater mitgenommen; beim 

vierten Besuch sei in der Abwesenheit der Familie die Handgranate gewor-

fen worden (vgl. N […] A8 S. 9, A15 F50 S. 6 f., F 65, 109 f.); die Schwester 

sprach im Übrigen von nur zwei Frauen in Begleitung des Mannes (vgl. 

N […] A15 F 109 f.). 

Der Beschwerdeführer bezeichnete jenen Besuch, als der Mann die 

Schwester habe entführen wollen und schliesslich den Vater mitgenommen 

habe, in der Anhörung als den letzten Besuch (vgl. A27 F101, 122). Den 

letzten Vorfall – als eine Handgranate in den Hof geworfen worden sei – 

vergass der Beschwerdeführer in diesem Kontext in der Anhörung zu er-

wähnen (vgl. A27 F126 ff., 153), während er dies in der BzP noch vorge-

tragen hatte (vgl. A11 S. 14; die als «Granatapfel» protokollierte Stelle soll 

wohl richti-gerweise «Handgranate» bedeuten). 

8.3.2 Weiter wird in den Aussagen des Beschwerdeführers wie auch seiner 

Schwester der Ablauf jenes Abends, als man B._______ mit Gewalt habe 

mitnehmen wollen, diese sich beim Nachbarn versteckt habe und an-

schliessend der Vater mitgenommen worden sei, letztlich logisch nicht 

nachvollziehbar und plausibel geschildert; zudem ergeben sich verschie-

dene Widersprüche. 

E-6506/2019 

Seite 14 

Den Schilderungen zufolge sei die Familie beim Abendessen gewesen, als 

die Autos des «Verehrers» und seiner Gefolgschaft vorgefahren seien; 

B._______ und der Beschwerdeführer seien in ein anderes Zimmer gegan-

gen, und die Eltern hätten den Mann empfangen und mit ihm geredet; er 

habe gedroht, entweder werde jetzt dem Heiratsantrag zugestimmt oder er 

entführe die Tochter (vgl. A27 F108, 109, 112; N […], A15 F50 S. 7, 76 f.). 

Anderen Aussagen zufolge sei der Mann selber draussen geblieben und 

habe nur die Frauen ins Haus geschickt; diese hätten den Eltern den Mund 

zuhalten sollen, damit die Nachbarn nicht alarmiert würden, und hätten 

B._______ herausschicken sollen (vgl. N […], A8 S. 8). 

Nicht nachvollziehbar ist, dass der Vater angeblich – ohne dass der gefähr-

liche Besucher das gemerkt hätte; diesem habe man gesagt, die Tochter 

sei nicht zu Hause – im Nebenzimmer die Tochter habe anweisen können, 

sich zu verstecken, und den Bruder angewiesen habe, ihr dabei zu helfen 

(vgl. A27 F108, 113; N 703 908, A15 F50 S. 7, F 77, 79). Unplausibel ist 

insbesondere, dass B._______ dann durchs Fenster in der Mauer (oder 

über die Mauer) ins Nachbarhaus gelangen konnte, dass die Besucher – 

die angeblich auch bewaffnet waren – aber weder im Nebenzimmer noch 

im Haus der Nachbarn nach ihr suchten, sondern stattdessen angeblich 

den Vater mitnahmen, um von ihm unter Schlägen zu erfahren, wo die Ge-

suchte sei (vgl. A27 F114, 124, 152, N […], A8 S. 8 f., A15 F50 S. 7, F 84, 

86). 

8.3.3 Widersprüchlich schilderten der Beschwerdeführer und seine 

Schwester sodann die Umstände der Festnahme des Vaters. Übereinstim-

mend sind die Angaben, der Vater sei mitgenommen und für eine Nacht 

festgehalten und geschlagen worden, weil man von ihm habe erfahren wol-

len, wo B._______ sei (vgl. A27 F101, 105, 121; N […], A8 S. 8, 9, A15 

F 50 S. 7, F89, 91, 113). An einer Stelle sagte allerdings die Schwester, der 

Vater sei erst morgens früh mitgenommen und zur Polizeistation gebracht 

worden (vgl. N […], A8 S. 9). 

Unvereinbar sind die Aussagen, der Vater sei mit verbundenen Augen zum 

Brautwerber nach Hause gebracht worden (vgl. A27 F 105), beziehungs-

weise er sei zur Polizeistation respektive Kommandantenstelle gebracht 

worden; dort sei er mit verbundenen Augen geschlagen worden, so dass 

er nicht wisse, wer ihn geschlagen habe (vgl. N […], A15 F 50 S. 7, F 88, 

157). Anschliessend habe der Vater in Spitalpflege gebracht werden müs-

sen, wo er ein paar Tage geblieben (vgl. A27 F 121, 128), beziehungsweise 

wo er nur ambulant behandelt worden sei (vgl. N […], A15 F 114 f., 159). 

E-6506/2019 

Seite 15 

8.3.4 Ebenfalls ungereimt sind die Aussagen des Beschwerdeführers und 

seiner Schwester dazu, dass die Familie gegen den "Verehrer" Anzeige 

eingereicht habe. Während der Beschwerdeführer zu Protokoll gab, der 

Vater sei allein zur Polizeistation gegangen, um die Anzeige einzureichen 

(vgl. A 27 F. 116 f., 178 ff.), machte die Schwester demgegenüber geltend, 

sie habe den Vater dabei begleitet (vgl. N […], A8 S. 9, A15 F 162 f.). Die 

Anzeige habe man nach jenem Abend, als der Verfolger versucht habe, 

B._______ zu entführen, und danach den Vater mitgenommen habe, und 

nach dem Vorfall mit der Handgranate einreichen wollen; der «Quartierfüh-

rer» aus der Nachbarschaft habe zur Anzeige geraten (vgl. N […], A15 F 

50 S. 7), respektive die Anzeige habe man eingereicht, schon bevor der 

Vater mitgenommen und geschlagen worden sei; nach dem Vorfall mit der 

Handgranate habe der Quartiervorsteher dazu geraten, die Gegend zu ver-

lassen (vgl. N […], A15 F 96 f., 160). 

Als sich der Vorfall mit der Handgranate ereignete, habe sich die Familie 

den übereinstimmenden Angaben zufolge für zwei Nächte bei einem 

Freund des Vaters in Kabul aufgehalten; danach hätten sie Kabul verlassen 

und seien mit dem Bus nach Herat gelangt. Nicht übereinstimmend sind 

die Aussagen, man habe sich dann zunächst einen Monat lang bei einem 

Freund des Vaters in Herat aufgehalten (vgl. N […], A8 S. 9), beziehungs-

weise man sei von Herat aus mit Hilfe von Schleppern weiter über Pakistan 

in den Iran gereist; in Herat haben man sich lediglich zwei bis drei Tage 

beziehungsweise nur einen halben oder einen Tag aufgehalten (vgl. A11 S. 

11, A 27 F131); die gesamte Reise von Kabul bis in den Iran habe 13 Tage 

gedauert (vgl. N […], A15 F 133). 

8.4 In einer Gesamtbetrachtung sind die Vorbringen – bei denen eine rela-

tiv einheitliche, abgeschlossene Abfolge von Ereignissen, die sich zeitlich 

über einen nicht langen Zeitraum abgespielt haben, zu schildern waren –

als nicht glaubhaft gemacht einzuschätzen. Zwar stimmen etliche Aussa-

gen überein und hat insbesondere die Schwester des Beschwerdeführers 

ausführliche Angaben gemacht, die durchaus Realkennzeichen aufweisen; 

andererseits liegen aber gravierende Ungereimtheiten, Widersprüche und 

logisch nicht konsistente Darstellungen vor, die letztlich gegen die Glaub-

haftigkeit der Angaben den Ausschlag geben. 

Das SEM ist nach dem Gesagten zu Recht zur Einschätzung gelangt, die 

Flüchtlingseigenschaft sei nicht glaubhaft gemacht worden, und hat das 

Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 

E-6506/2019 

Seite 16 

9.  

9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

9.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

10.  

10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

10.2 Die Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung 

(Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit, Unmöglichkeit) sind praxisgemäss alter-

nativer Natur. Ist eine von ihnen erfüllt, erweist sich der Vollzug der Weg-

weisung als undurchführbar und die weitere Anwesenheit in der Schweiz 

ist gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln 

(vgl. etwa BVGE 2011/7 E. 8).  

Die nachfolgenden Erwägungen konzentrieren sich auf den Aspekt der Zu-

mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Angesichts des Verfahrensaus-

gangs können Erwägungen zu den Aspekten der Zulässigkeit und der Mög-

lichkeit des Vollzugs unterbleiben. 

11.  

11.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

E-6506/2019 

Seite 17 

11.2 Das SEM würdigte den Wegweisungsvollzug als zumutbar. Es nahm 

dabei Bezug auf das Referenzurteil des Gerichts D-5800/2016 vom 13. Ok-

tober 2017. Das SEM ging davon aus, eine Rückkehr des Beschwerdefüh-

rers nach Kabul müsse zwar heute, angesichts des mittlerweile ungenü-

genden sozialen Beziehungsnetzes in dieser Stadt, als unzumutbar gelten. 

Hingegen bestehe für den Beschwerdeführer eine zumutbare innerstaatli-

che Aufenthaltsalternative namentlich in den Städten Herat oder Mazar-i-

Sharif, wo seine Eltern und die beiden jüngeren Schwestern lebten, wo der 

Vater arbeite und den Unterhalt der Familie bestreiten könne. Es dürfe ein 

tragfähiges soziales Netz im Heimatland und eine gesicherte Grundversor-

gung und Wohnsituation bejaht werden, zumal der Beschwerdeführer jung 

und bei guter Gesundheit sei. 

11.3 Das SEM ging mithin davon aus, ein Vollzug der Wegweisung komme 

zwar nach Kabul, wo der Beschwerdeführer geboren und aufgewachsen 

ist, nicht mehr in Frage, hingegen könne eine zumutbare innerstaatliche 

Aufenthaltsalternative für die Städte Herat oder Mazar-i-Sharif bejaht wer-

den. In der Beschwerde wird das Bestehen einer zumutbaren Aufenthalts-

alternative bestritten. Dass für den Beschwerdeführer begünstigende, für 

die Zumutbarkeit des Vollzugs sprechende Umstände bestünden, treffe 

nicht zu. Die Eltern lebten gerade nicht in günstigen Verhältnissen in Af-

ghanistan, sondern müssten zwischen Herat und Mazar-i-Sharif hin- und 

herpendeln, um ein Auskommen und Sicherheit zu finden 

11.4  

11.4.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil D-5800/2016 

vom 13. Oktober 2017 eine Aktualisierung der Beurteilung der Lage in Af-

ghanistan sowie in Kabul im Besonderen im Zusammenhang mit der Frage 

der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorgenommen. Dabei hat es 

festgestellt, dass sich die Sicherheitslage gegenüber der letzten Beurtei-

lung im Jahre 2011 (vgl. BVGE 2011/17) in allen Regionen deutlich ver-

schlechtert hat. Das Gericht kam zum Schluss, dass in weiten Teilen Af-

ghanistans unverändert eine derart schlechte Sicherheitslage und derart 

schwierige humanitäre Bedingungen bestünden, dass die Situation als 

existenzbedrohend im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG zu qualifizieren und der 

Wegweisungsvollzug nach wie vor als unzumutbar zu beurteilen sei (vgl. 

a.a.O., E. 7.6). Inwiefern sich die Lageeinschätzung und Zumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs nach Herat und Mazar-i-Sharif verändert hatte, 

wurde im besagten Urteil offengelassen (vgl. a.a.O. E. 9).  

E-6506/2019 

Seite 18 

In einem weiteren Referenzurteil, D-4287/2017 vom 8. Februar 2019, ak-

tualisierte das Gericht die Lagebeurteilung betreffend die Stadt Mazar-i-

Sharif. Im Urteil wird festgestellt, Mazar-i-Sharif sei basierend auf Lagein-

formationen bis zum Jahre 2016 zu den sichersten Städten Afghanistans 

gezählt worden. Nach einer eingehenden Prüfung und unter Berücksichti-

gung verschiedener sicherheitsrelevanter Ereignisse sowie der humanitä-

ren Situation kam das Gericht zum Schluss, dass sich die Sicherheitslage 

auch in der Stadt Mazar-i-Sharif in den letzten Jahren verschlechtert habe, 

während sich im Bereich der humanitären Situation Verbesserungen und 

Rückschläge wohl etwa die Waage halten dürften. Im Vergleich zu anderen 

Regionen und Städten Afghanistans zähle die Stadt Mazar-i-Sharif immer 

noch zu den stabileren und ruhigeren Orten. Folglich rechtfertige es sich 

insgesamt nicht, aktuell eine generelle Unzumutbarkeit der Rückkehr dort-

hin anzunehmen. Vielmehr sei daran festzuhalten, dass bei Vorliegen be-

günstigender Umstände weiterhin von der Zumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs in die Stadt Mazar-i-Sharif auszugehen sei. Allerdings sei 

mit Nachdruck daran zu erinnern, dass nicht jeder noch so schwache Be-

zugspunkt zu Mazar-i-Sharif für die Annahme begünstigender Umstände 

genüge. Vielmehr sei eine Gesamtbeurteilung der verschiedenen Fakto-

ren, wie sie bereits in BVGE 2011/49 erwähnt worden seien, vorzunehmen. 

Diese gesamthafte Betrachtung müsse zum Schluss führen, im konkreten 

Einzelfall seien begünstigende Voraussetzungen für eine Rückkehr nach 

Mazar-i-Sharif gegeben. 

11.4.2 Im Urteil BVGE 2011/7 hat das Bundesverwaltungsgericht darge-

legt, wann vom Vorliegen begünstigender Faktoren auszugehen ist 

(E. 9.9.2). Solche können grundsätzlich namentlich dann gegeben sein, 

wenn es sich beim Rückkehrer um einen jungen, gesunden Mann handelt. 

Ebenso ist entscheidrelevant, über welche Berufserfahrung die rückkeh-

rende Person verfügt beziehungsweise inwiefern eine wirtschaftliche Wie-

dereingliederung mit einer bezahlten Arbeit im Zusammenspiel mit einem 

tragfähigen Beziehungsnetz begünstigend wirken kann. Unabdingbar ist in 

jedem Fall ausserdem ein soziales Netz, das sich im Hinblick auf die Auf-

nahme und Wiedereingliederung des Rückkehrenden als tragfähig erweist. 

Dieses soziale Netz muss dem Rückkehrenden insbesondere eine ange-

messene Unterkunft, Grundversorgung sowie Hilfe zur sozialen und wirt-

schaftlichen Reintegration bieten können. Bei Personen, bei welchen der 

Ort der Rückkehr lediglich eine Aufenthaltsalternative darstellt und die so-

mit kaum oder nie dort gelebt haben, bedarf eine Bejahung eines solchen 

tragfähigen sozialen Netzes zudem grösserer Zurückhaltung. 

E-6506/2019 

Seite 19 

11.4.3 Diese Anforderungen, um begünstigende Umstände bejahen zu 

können, wurden auch in den Referenzurteilen betreffend Kabul (D-

5800/2016) und Mazar-i-Sharif (D-4287/2017) bekräftigt. 

11.4.4 Mit Urteil D-4705/2016 vom 14. Juni 2021, welches zur Publikation 

als Referenzurteil bestimmt ist, hat das Bundesverwaltungsgericht seine 

zuletzt im Urteil BVGE 2011/38 festgehaltene Lageeinschätzung zur Situ-

ation in Herat aktualisiert (vgl. ebenda, E. 10). Nach den Erkenntnissen des 

Gerichts hat sich sowohl die Sicherheitslage wie auch die sozio- 

ökonomische Situation in der Stadt Herat in den letzten Jahren deutlich 

verschlechtert. Rückkehrende geraten vor diesem Hintergrund rasch in 

eine existenzbedrohende Situation. Der Vollzug der Wegweisung ist daher 

als unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG zu qualifizieren, ausser die 

Person fände in Herat besonders begünstigende Umstände vor, aufgrund 

derer ausnahmsweise von der Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung 

ausgegangen werden kann. Ob im Einzelfall vom Vorliegen besonders be-

günstigender Faktoren ausgegangen werden kann, ist anhand der in 

BVGE 2011/7 niedergelegten Grundsätze sowie der Praxis zu Kabul (vgl. 

Referenzurteil des BVGer D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017 E. 8.4) zu 

ermitteln. 

11.4.5 In Bezug auf den vorliegenden Einzelfall ist festzuhalten, dass der 

den Beschwerdeführer in Herat keine besonders begünstigenden Um-

stände vorfinden wird. 

Zwar geht aus den Aussagen des Beschwerdeführers und seiner Schwes-

ter hervor, dass die Eltern und die jüngeren Schwestern seit ihrer Rückkehr 

nach Afghanistan im Jahr 2015, sich – zumindest teilweise – in Herat auf-

halten. Der Beschwerdeführer gab an, seine Eltern würden zwischen Herat 

und Mazar-i-Sharif hin- und herpendeln sie würden sich jeweils dort auf-

halten, wo es zurzeit sicherer sei und wo es Arbeit gebe; der Vater arbeite 

weiterhin als Schreiner; manchmal schicke auch die Stiefmutter der Mutter 

aus dem Ausland etwas Geld (vgl. A27 F13, 16, 25 f., 141 ff., 174). Seine 

Schwester gab zu Protokoll, die Eltern hätten zunächst «irgendwo auf der 

Strecke Richtung Mazar» beziehungsweise in Mazar-i-Sharif gelebt (vgl. N 

[…], A8 S. 5; A15 F105); das Geschäft sei aber dort nicht so gut gelaufen, 

und sie seien dann nach Herat gezogen; der Vater arbeite dort als Schrei-

ner, es gehe der Familie gut, und sie könne ihren Unterhalt verdienen (vgl. 

N […], A15 F19, 21, 105).  

E-6506/2019 

Seite 20 

Weitere konkrete Einzelheiten sind allerdings nicht aktenkundig; die Vor-

instanz hat weder zum konkreten Aufenthaltsort der Eltern noch zu deren 

aktuellen sozialen Verhältnissen nähere Abklärungen getroffen; es liegen 

einzig die zitierten Aussagen des Beschwerdeführers und seiner Schwes-

ter vor. Betreffend den Beschwerdeführer kann sodann zwar festgehalten 

werden, dass er offenbar keine gesundheitlichen Probleme hat; er verfügt 

über eine Schulbildung von acht Jahren und habe während anderthalb bis 

zwei Jahren im damaligen Schreinerbetrieb seines Vaters gearbeitet; aller-

dings verliess er Afghanistan bereits im Alter von (…) Jahren; weitere Be-

rufserfahrungen oder -ausbildungen besitzt er nicht. Nachdem der Be-

schwerdeführer selber nie in Herat gelebt hat, hat er dort – abgesehen von 

seinen Eltern – keine tragfähigen sozialen Anknüpfungspunkte; die konkre-

ten Lebensumstände der Eltern, die Wohnsituation der Familie und die be-

rufliche Situation des Vaters, der als Schreiner arbeite, sein eigenes Ge-

schäft aber in Kabul zurückgelassen hatte, sind nicht weiter geklärt. Ange-

sichts der unklar bleibenden konkreten sozialen Verhältnisse der offenbar 

irgendwo in Herat (oder Mazar-i-Sharif) lebenden Angehörigen kann nach 

Auffassung des Gerichts jedenfalls von besonders begünstigenden Um-

ständen in Herat, die einen Wegweisungsvollzug dorthin zumutbar erschei-

nen liessen, nicht gesprochen werden. 

11.4.6 Das selbe muss für Mazar-i-Sharif festgestellt werden, wo die Eltern 

offenbar früher während zwei Jahren gelebt hätten (so die Angaben der 

Schwester des Beschwerdeführers, vgl. N […], A8 S. 5; A15 F105) bezie-

hungsweise wo die Eltern abwechslungsweise – zwischen Herat und Ma-

zar-i-Sharif hin- und herpendelnd – leben würden (so die Angaben des Be-

schwerdeführers, vgl. A27 F 13, 16, 25 f., 141 ff., 174). 

Was schliesslich Kabul betrifft, wo der Beschwerdeführer geboren und auf-

gewachsen ist, hat die Vorinstanz festgestellt, von einem genügenden so-

zialen Beziehungsnetz könne mittlerweile nicht mehr ausgegangen wer-

den. 

11.5 Der Wegweisungsvollzug ist nach dem Gesagten zum heutigen 

Zeitpunkt unzumutbar. Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung 

zu Unrecht den Wegweisungsvollzug angeordnet. 

12.  

Damit ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und die Verfügung vom 

6. November 2019 ist im Wegweisungsvollzugspunkt aufzuheben. Die Vor-

instanz ist anzuweisen, den Beschwerdeführer wegen Unzumutbarkeit des 

E-6506/2019 

Seite 21 

Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufzunehmen, nachdem 

den Akten keine Hinweise auf Ausschlussgründe gemäss Art. 83 Abs. 7 

AIG zu entnehmen sind. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen. 

13.  

13.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die (reduzierten) Verfah-

renskosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 

Mit Verfügung vom 13. Dezember 2019 wurde allerdings das Gesuch um 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung bewilligt; gemäss Akten ist 

der Beschwerdeführer auch heute weiterhin bedürftig. Es sind daher keine 

Verfahrenskosten zu erheben.  

13.2 Teilweise obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteient-

schädigung für die ihnen erwachsenen notwendigen und verhältnismässig 

hohen Kosten (Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7-13 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der Beschwerdeführer ist mit 

seinem Begehren betreffend Wegweisungsvollzug durchgedrungen, wes-

halb das Bundesverwaltungsgericht praxisgemäss von einem hälftigen Ob-

siegen ausgeht. Mit der Beschwerde reichte die Rechtsvertreterin eine 

Kostennote ein, in welcher ein Arbeitsaufwand von vier Stunden ausgewie-

sen wird, welcher angemessen erscheint. Der ausgewiesene Stundenan-

satz der Rechtsvertreterin von Fr. 200.– ist für die Berechnung der Partei-

entschädigung reglementskonform (vgl. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Ferner wer-

den Dolmetscherkosten von Fr. 50.– ausgewiesen, die ebenfalls angemes-

sen erscheinen. Zu kürzen sind demgegenüber die für Porti, Telefon-/Fax-

gebühren und Kopien offenbar im Sinn einer Pauschale geltend gemach-

ten Fr. 100.–, die nicht näher belegt werden; es ist insgesamt von Auslagen 

im Gesamtbetrag von Fr. 90.– auszugehen. Die von der Vorinstanz auszu-

richtende hälftige Parteientschädigung beläuft sich damit auf Fr. 445.– (in-

klusive Auslagen). 

13.3 Mit der oben genannten Verfügung wurde dem Beschwerdeführer zu-

dem die amtliche Rechtsverbeiständung gewährt. Soweit er im vorliegen-

den Verfahren (ebenfalls hälftig) unterliegt, ist der Rechtsbeiständin durch 

die Gerichtskasse ein Honorar auszurichten. Unter Berücksichtigung des 

massgebenden Stundenansatzes von Fr. 150.– (vgl. Verfügung vom 

13. Dezember 2019) und der Bemessungsfaktoren (Art. 12 i.V.m. Art. 8-11 

VGKE) ist der amtlichen Rechtsbeiständin zulasten der Gerichtskasse ein 

amtliches Honorar von Fr. 345.– (inklusive Auslagen) zu entrichten.  

E-6506/2019 

Seite 22 

 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird betreffend Vollzug der Wegweisung gutgeheissen 

und die Dispositivziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfügung vom 6. No-

vember 2019 werden aufgehoben. Das SEM wird angewiesen, den Be-

schwerdeführer in der Schweiz vorläufig aufzunehmen.  

2.  

Betreffend Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft, Asylgewährung und 

Anordnung der Wegweisung wird die Beschwerde abgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädi-

gung von Fr. 445.– auszurichten. 

5.  

Der amtlichen Rechtsbeiständin wird vom Bundesverwaltungsgericht ein 

amtliches Honorar in Höhe von Fr. 345.– zugesprochen.  

6.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Christa Luterbacher Susanne Bolz 

 

E-6506/2019 

Seite 23 

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