# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e013820b-7218-57e0-a284-90b072ed7d7c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-09-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.09.2021 E-3717/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3717-2020_2021-09-27.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
   
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3717/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 7 .  S e p t e m b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), 

Richterin Mia Fuchs, Richter Grégory Sauder,   

Gerichtsschreiberin Tina Zumbühl. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Syrien,  

vertreten durch MLaw Olivia Eugster,  

HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende (…),  

(…),  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 19. Juni 2020 / N (…). 

 

 

 

E-3717/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin verliess Syrien eigenen Angaben zufolge im Jahr 

2014 und sei in den Libanon gereist. Sie habe sich bis 2018 im Libanon 

aufgehalten und sei danach über den Nordirak nochmals nach Syrien zu-

rückgekehrt. Nach zwei bis drei Monaten sei ihr die Ausreise in die Türkei 

gelungen. Über Griechenland und weitere Länder sei sie am 23. Dezember 

2019 in die Schweiz gelangt, wo sie am 24. Dezember 2019 im Bundesas-

ylzentrum (BAZ) (…) um Asyl nachsuchte.  

B.  

Gemäss einem eingereichten ärztlichen Bericht wurde die Beschwerdefüh-

rerin am 27. Dezember 2019 in einem Krankenhaus in (…) aufgrund einer 

Episode von Zittern behandelt. 

C.  

Am 8. Januar 2020 reichte das HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren 

(…) eine Mandatsanzeige unter Beilegung einer Vollmacht ein. 

D.  

Am 9. Januar 2020 fand eine Personalienaufnahme und am 15. Januar 

2020 ein Dublingespräch gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 

statt, bei welchen sie summarisch zu ihrer Person, ihrem Reiseweg und 

ihrem Gesundheitszustand befragt wurde.  

E.  

Die Beschwerdeführerin reichte einen provisorischen Untersuchungsbe-

richt vom 19. Januar 2020 des Spitals (…) ein, aus welchem im Wesentli-

chen hervorgeht, dass sie an einem grippalen Infekt und an einer Blasen-

entzündung gelitten habe. 

F.  

Mit Schreiben vom 21. Januar 2020 ersuchte der Vater der Beschwerde-

führerin, wohnhaft im Kanton (…), um Zuweisung seiner Tochter ebenfalls 

in den Kanton (…). Er sei auf medizinische Hilfe angewiesen und seine 

Tochter könne ihn im Alltag unterstützen. 

G.  

Am 27. Januar 2020 fand eine Befragung nach Art. 26 Abs. 3 AsylG 

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Seite 3 

(SR 142.31) statt. Im Anschluss an die Befragung wurde der Beschwerde-

führerin das rechtliche Gehör zum Schreiben ihres Vaters betreffend die 

Kantonszuweisung gewährt. 

H.  

Am 20. Februar 2020 fand eine Anhörung gemäss Art. 29 AsylG statt. Da-

bei machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen folgenden Sachver-

halt geltend: 

Sie stamme aus (…) und sei mit ihren Eltern und sechs Geschwistern im 

Dorf (…) aufgewachsen. Sie sei neun Jahre zur Schule gegangen und 

habe in der Folge einen Kurs für (…) besucht. Nach dem Abschluss habe 

sie als (…) in einem (…) gearbeitet. Später sei sie während etwa fünf Mo-

naten in einer Firma für (…) tätig gewesen. Danach habe sie morgens in 

einem (…) gearbeitet und nachmittags eine Fachhochschule besucht. 

Nach Ausbruch des Bürgerkrieges habe sie an etwa zwölf Demonstratio-

nen, gemeinsam mit ihrem Bruder B._______, teilgenommen. B._______ 

sei einer der ersten gewesen, der an den Demonstrationen im Dorf teilge-

nommen habe. Er sei Teil einer Gruppierung von jungen Leuten gewesen, 

welche die Demonstrationen organsiert hätten, und er habe die Rolle eines 

Koordinators innegehabt. Ihre letzte Demonstrationsteilnahme sei im Juni 

2012 erfolgt. Bei einem Bombenangriff auf ihr Dorf im Juli oder August 2012 

sei sie verwundet worden. Sie sei durch einen Bombensplitter am Bein ver-

letzt worden und habe Verbrennungen am Körper davongetragen. Ihr Vater 

habe sie in ein Privatspital nach (…) bringen wollen. Sie seien jedoch an 

einem Checkpoint angehalten worden und man habe, nachdem man die 

Identitätskarte des Vaters überprüft habe, sie aufgefordert in ein Militärspi-

tal zu gehen. Sie seien von einem Soldaten begleitet worden. Im Militärspi-

tal angekommen, habe ein Dabet (General) sie gefragt, ob sie an Demonst-

rationen teilgenommen habe. Statt sie umfassend zu behandeln, sei sie 

gefoltert worden. Man habe ihr Zitronensäure auf die Wunden am Rücken 

geleert. Sie sei auch angefasst worden und man habe ihr mit Vergewalti-

gung gedroht. Sie sei mehrfach nach ihren Brüdern und den Demonstrati-

onen gefragt worden und man habe von ihr Informationen haben wollen. 

Sie habe jedoch keine konkreten Informationen über die Demonstrationen 

geben können, weshalb sie weiterhin misshandelt worden sei. Ihr Vater 

habe für die Baath Partei in der Administration gearbeitet und eine gewisse 

Stellung innerhalb der Partei gehabt. So sei es ihm gelungen, sie im Mili-

tärspital kurz zu besuchen, und er habe ihre Freilassung zu bewirken ver-

sucht. Nach etwa zwei Wochen habe sie das Spital verlassen können, es 

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Seite 4 

sei ihr jedoch sehr schlecht gegangen. Ihr Vater habe sie zu einem Kolle-

gen gebracht, und sie sei dort von einem befreundeten Arzt behandelt wor-

den. Ihr Vater habe in der Zwischenzeit versucht herauszufinden, ob ihr 

Name auf einer behördlichen Liste veröffentlicht worden sei, habe jedoch 

unterschiedliche Informationen erhalten. Ihr Vater habe schliesslich ihre 

Ausreise organisiert und habe an der Grenze viel Geld bezahlt, damit man 

sie in den Libanon ausreisen lasse. Sie sei etwa im April 2013 in den Liba-

non gereist. Ungefähr zwei Monate später sei ihre Familie ebenfalls aus-

gereist. 

Sie reichte eine Identitätskarte im Original, Kopien ihres Passes und ihres 

Familienbüchleins ein. 

I.  

Mit Verfügung vom 25. Februar 2020 teilte das SEM der Beschwerdefüh-

rerin mit, dass weitere Abklärungen nötig seien und ihr Asylgesuch gemäss 

Art. 26d AsylG im erweiterten Verfahren behandelt werde. Gleichzeitig 

wurde sie dem Kanton St. Gallen zugewiesen. 

J.  

Am 27. Februar 2020 informierte die damalige Rechtsvertretung das SEM, 

dass das Mandatsverhältnis beendet sei. 

K.  

Am 21. April 2020 reichte die HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsu-

chende (…) eine Mandatsanzeige und ein Akteneinsichtsgesuch ein. 

L.  

Mit Schreiben vom 23. April 2020 informierte das SEM die neu mandatierte 

Rechtsvertretung, dass die Untersuchungen zu den Asylvorbringen noch 

nicht abgeschlossen seien, und die beantragte Akteneinsicht derzeit nicht 

gewährt werden könne. 

M.  

Am 4. Juni 2020 fand eine ergänzende Anhörung im erweiterten Verfahren 

statt, in welcher die Beschwerdeführerin nochmals ausführlich zu ihren 

Asylgründen befragt wurde (siehe Zusammenfassung der Asylgründe 

Sachverhalt Bst. H). Zudem wurde ihr das rechtliche Gehör zu abweichen-

den Aussagen ihres Vaters, welche er im Verlauf seines Asylverfahrens  

(N […]) gemacht hatte, gegeben. 

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Seite 5 

N.  

Mit Verfügung vom 19. Juni 2020, eröffnet am 22. Juni 2020, verneinte das 

SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin, lehnte ihr Asylge-

such ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an, schob den Voll-

zug der Wegweisung infolge Unzumutbarkeit indessen auf und ordnete 

eine vorläufige Aufnahme an. Es begründete die Verfügung im Wesentli-

chen mit der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen. 

O.  

Die Beschwerdeführerin focht diese Verfügung mit Beschwerde vom 

22. Juli 2020 (Poststempel) an und beantragte, die angefochtene Verfü-

gung sei aufzuheben, es sei ihre Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und 

ihr Asyl zu gewähren, eventualiter sei ihre Flüchtlingseigenschaft anzuer-

kennen und sie sei infolge Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vor-

läufig aufzunehmen, subeventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zu-

rückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei die unentgeltliche 

Rechtspflege zu gewähren und ihr ein amtlicher Rechtsbeistand zu bestel-

len. 

Sie legte eine Fürsorgebestätigung, einen Arztbericht aus dem Libanon, 

eine Medikamentenliste aus dem Libanon, eine Echtheitsbestätigung für 

den Arztbericht und die Medikamentenliste sowie ein syrisches Gerichts-

dokument ins Recht. 

P.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

23. Juli 2020 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG). 

Q.  

Am 24. Juli 2020 bestätigte das Gericht den Eingang der Beschwerde. 

R.  

Mit Zwischenverfügung vom 27. Juli 2020 hielt die Instruktionsrichterin fest, 

dass die Beschwerdeführerin aufgrund der vom SEM angeordneten vor-

läufigen Aufnahme über eine Berechtigung zum Aufenthalt in der Schweiz 

verfüge und somit in jedem Fall den Ausgang des Verfahrens in der 

Schweiz abwarten könne. Gleichzeitig hiess sie das Gesuch um unentgelt-

liche Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses. Die Beschwerdeführerin wurde aufgefordert, eine Rechtsver-

tretung zu bezeichnen, welche amtlich beigeordnet werden soll. 

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Seite 6 

S.  

Am 7. August 2020 reichte die rubrizierte Rechtsvertreterin unter Vorlegung 

einer Vollmacht eine Mandatsanzeige ein und ersuchte um Beiordnung als 

amtliche Rechtsbeiständin. 

T.  

Mit Verfügung vom 11. August 2020 setzte die Instruktionsrichterin MLaw 

Olivia Eugster antragsgemäss als amtliche Rechtsbeiständin ein und for-

derte die Beschwerdeführerin auf, die Beschwerdebeilagen 3 bis 6 in eine 

Amtssprache übersetzen zu lassen. 

U.  

Am 25. August 2020 ersuchte die Beschwerdeführerin um Übersetzung der 

Dokumente von Amtes wegen, da sie fürsorgeabhängig sei und somit über 

keine finanziellen Mittel verfüge. 

V.  

Am 27. August 2020 teilte die Instruktionsrichterin der Beschwerdeführerin 

mit, dass die Beschwerdebeilagen 3 bis 6 von Amtes wegen durch das Ge-

richt übersetzt würden. 

W.  

Mit Schreiben vom 23. September 2020 erhielt die Beschwerdeführerin die 

Übersetzungen der Beschwerdebeilagen 3 bis 6 zur Vervollständigung ih-

rer Akten. 

X.  

Am 29. September 2020 wurde das SEM eingeladen, sich zur Beschwerde 

vernehmen zu lassen. 

Y.  

Am 9. Oktober 2020 reichte die Vorinstanz eine Vernehmlassung ein. 

Z.  

Am 27. Oktober 2020 replizierte die Beschwerdeführerin und reichte medi-

zinische Unterlagen betreffend ihren Vater ein. 

AA.  

Unter Beilegung eines Arztberichtes informierte die Beschwerdeführerin 

das Gericht am 13. Juli 2021, dass sie seit März 2021 nach einem Suizid-

versuch in regelmässiger psychologischer Behandlung stehe. 

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Seite 7 

BB.  

Am 3. August 2021 reichte die Beschwerdeführerin einen Austrittsbericht, 

datierend auf den 31. März 2021, der Klinik (…) ein. Aus dem Bericht geht 

hervor, dass sie vom 5. März 2021 bis am 15. März 2021 nach einem Sui-

zidversuch stationär in der Klinik untergebracht war. 

CC.  

Die erstinstanzlichen Verfahrensakten des Vaters der Beschwerdeführerin, 

(…) (N […]), wurden im vorliegenden Beschwerdeverfahren beigezogen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung; sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 

Art. 108 Abs. 2 AsylG Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

1.4 Das Gericht hat die Verfahrensakten des Vaters der Beschwerdeführe-

rin (N […]) beigezogen. Diesbezüglich ist ihr im Rahmen ihrer ergänzenden 

Anhörung das rechtliche Gehör gewährt worden (vgl. A37 F 105 ff.).  

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2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden 

(Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge-

fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, 

die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifi-

schen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Das SEM führte in seiner Verfügung aus, dass man die Schilderungen 

der Beschwerdeführerin hinsichtlich der Erzählqualität gewichtet habe. Da-

bei habe man festgestellt, dass ihre Berichte einerseits lange und ausführ-

lich ausgefallen seien. Andererseits würden sie eine hohe Linearität auf-

weisen und sie habe sich auf die Abfolge der geltend gemachten Gescheh-

nisse fokussiert. Dabei falle auf, dass ihre Aussagen zwar viele Details ent-

halten würden, diese aber insbesondere im Zusammenhang mit der Bom-

benexplosion zu Hause, dem Transport ins Spital, der Behandlung der Ver-

brennungen und ihrem Aufenthalt in einem Spital stehen würden. Diese 

Geschehnisse zweifle das SEM nicht an und es verkenne nicht, dass sie 

Opfer von Verbrennungen geworden sei. Ihre eigentlichen Vorfluchtgründe, 

die Begegnungen mit dem Dabet und dem Musaa’id (Bezeichnung für ei-

nen syrischen Militärgrad), würden indes mehrheitlich auf Dialogen grün-

den. Sie würden insofern einen vergleichsweise kleinen Raum in den Er-

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zählungen einnehmen, obwohl sie rund zwei Wochen in einem Spital fest-

gehalten worden sei. Eigene Gedankengänge, Schilderungen von uner-

warteten Ereignissen oder besonders prägende Beschreibungen bezüglich 

der Peiniger fehlten jedoch. Aufgrund dessen könne zwar noch nicht auf 

die Unglaubhaftigkeit der Vorbringen geschlossen worden. Es habe sich im 

Weiteren aber auch die Frage nach der Plausibilität der Vorbringen gestellt. 

In der Befragung zur Person und der ersten Anhörung habe sie nicht er-

wähnt, dass sie bereits vor August / September 2012 durch die syrischen 

Behörden kontaktiert worden sei. Dies erstaune, da sie gemäss ihren Aus-

sagen im Militärspital mit ihren Demonstrationsteilnahmen konfrontiert wor-

den sei. Es sei somit fraglich, wieso sie nicht schon eher aufgesucht und 

zu ihren Teilnahmen an den Kundgebungen, zu den Organisatoren und zu 

ihren Brüdern einvernommen worden sei. Stattdessen sei sie in einer zu-

fälligen Personenkontrolle, bei welcher der Ausweis ihres Vaters kontrolliert 

worden sei, erstmals in konkrete Schwierigkeiten geraten. Es sei merkwür-

dig, dass ihr Vater nicht einvernommen worden sei, obwohl zu erwarten 

gewesen wäre, dass die Behörden auch ihn zu den politischen Aktivitäten 

seiner Kinder befragt hätten. Zudem falle im Vergleich mit ihren anderen 

Schilderungen auf, dass ihre Aussagen in Zusammenhang mit der Freilas-

sung aus dem Militärspital ungemein kurz und unverbindlich ausgefallen 

seien. Ein Strukturbruch in ihrer Erzählung sei offensichtlich. Allgemein sei 

schwer nachvollziehbar, dass sie während zwei Wochen dermassen 

schlimm behandelt worden sei, ihr Vater sie aber schliesslich wegen seiner 

Stellung in der Baath-Partei habe besuchen und freikaufen können. Be-

zeichnenderweise seien die beiden Schilderungen des kurzen Treffens mit 

ihrem Vater im Militärspital in der Anhörung und der ergänzenden Anhörung 

unterschiedlich ausgefallen. Erschwerend komme hinzu, dass ihr Vater in 

seinem Asylverfahren die vorgebrachten Vorkommnisse mit keinem Wort 

erwähnt habe. Er habe zu Protokoll gegeben, dass niemand aus der Fami-

lie politisch aktiv gewesen sei. Er habe die Ausreise der Familie aus Syrien 

lediglich mit dem Krieg und mit der behördlichen Suche nach seinen Söh-

nen C._______ und B._______ aufgrund des Militär- und Reservedienstes 

begründet. B._______ sei deswegen bereits inhaftiert worden. Zudem 

habe es auch in den Aussagen des Vaters Ungereimtheiten betreffend 

seine Ausreisegründe gegeben. Er habe auch erst in seiner zweiten Anhö-

rung erwähnt, Mitglied bei der Baath-Partei gewesen zu sein. Auch ihre 

Mutter habe in ihrem Schreiben an die Schweizer Botschaft in Beirut die 

geltend gemachten Vorbringen der Beschwerdeführerin nicht erwähnt. Die 

Beschwerdeführerin habe nur die Probleme der Brüder B._______ und 

C._______ sowie ihres Schwagers dargelegt. Sie sei in der ergänzenden 

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Seite 10 

Anhörung auf die Unstimmigkeiten angesprochen worden, habe diesen je-

doch nichts Substantielles entgegenhalten können. Es müsse davon aus-

gegangen werden, dass ihre Eltern die politischen Tätigkeiten von ihr und 

ihren Brüdern sowie die davon abgeleiteten Schwierigkeiten zumindest an-

satzweise erwähnt hätten. Dies umso mehr, als sich die Mutter ein Visum 

für die Schweiz erhofft habe. Es wäre zu erwarten gewesen, dass die Mut-

ter, unabhängig davon, ob die Beschwerdeführerin sich zu diesem Zeit-

punkt noch im Libanon befunden habe, ihre Probleme ebenfalls aufgeführt 

hätte, da dadurch die Chancen für eine Visaausstellung tendenziell gestie-

gen wären. Hinzukommend habe die Beschwerdeführerin eine Vorladung 

der syrischen Behörden aufgrund ihrer Demonstrationsteilnahme und die 

Drohbriefe erst anlässlich der ergänzenden Anhörung erwähnt. Ihr Erklä-

rungsversuch, sie habe sich an der Anhörung zuvor auf die Geschehnisse 

im Militärspital konzentriert, könne nicht gehört werden. Sie sei nämlich ex-

plizit gefragt worden, ob sie alles habe erwähnen können, was sie für das 

Asylgesuch als wichtig erachte. In der Erstbefragung sei ihr bereits die 

Frage gestellt worden, weshalb sie sich bedroht gefühlt habe. Sie habe 

daraufhin weder die Drohbriefe noch eine Vorladung genannt. Auch ihr Va-

ter habe diese in seinem Verfahren nicht erwähnt. Es könne schliesslich 

offen blieben, ob sie an Demonstrationen teilgenommen habe, zumal sie 

nicht zufriedenstellend habe ausführen können, inwiefern sie dabei identi-

fiziert worden sei. Die Ereignisse im Militärspital, die Drohbriefe und die 

Vorladung seien nicht glaubhaft gemacht, weshalb deren Asylrelevanz 

nicht zu prüfen sei. Im Übrigen sei anzumerken, dass sie auch keine Nach-

teile von den wenigen Teilnahmen an Kundgebungen im Libanon ableiten 

könne respektive solche nicht geltend gemacht habe. Es bestünden inso-

fern auch keine subjektiven Nachfluchtgründe. 

4.2 Die Beschwerdeführerin führte in ihrer (Laien)Beschwerde erneut aus, 

sie und ihre Brüder hätten an Demonstrationen teilgenommen, weswegen 

sie in Syrien verfolgt werde. In Bezug auf die Verletzungen durch den Bom-

benangriff führte sie aus, dass sie an der Anhörung über sieben Seiten lang 

detailliert über ihren Spitalaufenthalt gesprochen habe. Man habe sie ge-

foltert, da man von ihr Informationen habe erlangen wollen. Sie fürchte sich 

nun, dass sie wegen ihrer politischen Ansichten und derjenigen ihrer Fami-

lie bei einer Rückkehr nach Syrien erneut gefoltert werde. Auch ihr Vater 

sei in der Vergangenheit bereits festgenommen und gefoltert worden. Hin-

sichtlich der vom SEM festgestellten unplausiblen Freilassung aus dem 

Spital sei anzumerken, dass ihr Vater zwar Mitglied der Partei gewesen, 

aber bloss in der Administration tätig gewesen sei, weswegen er sie nicht 

eigenmächtig aus dem Spital habe holen können. Er habe zuerst mit dem 

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Seite 11 

Verantwortlichen des Spitals sprechen müssen und habe alles Mögliche 

versucht, damit sie freigelassen werde. Zum Vorwurf, dass ihr Vater die 

politischen Tätigkeiten der Familienmitglieder in seinem Asylverfahren 

nicht erwähnt habe, sei anzumerken, dass sie bereits gesagt habe, dass 

ihr Vater bei der Anhörung angeschlagen gewesen sei, da er drei Tage zu-

vor eine Operation gehabt habe. Er sei noch sehr schwach gewesen und 

habe Psychopharmaka eingenommen. Der Vater sei selbst gefoltert wor-

den und habe vermutlich nichts über ihre Folter und die Androhung von 

sexueller Gewalt gesagt, da er sich kulturell bedingt wohl geschämt habe. 

Ihre Mutter habe sie zudem in ihrem Schreiben an die Schweizer Botschaft 

nicht erwähnt, da sie (die Beschwerdeführerin) zu diesem Zeitpunkt bereits 

nicht mehr im Libanon gewesen sei und es somit auch keine Rolle gespielt 

habe, was sie in Syrien erlebt habe. Die Vorladung und die Drohbriefe habe 

sie zudem nicht von Anfang an erwähnt, da man sie jeweils nach den Asyl-

gründen gefragt habe, und diese nicht die Gründe für ihre Ausreise gewe-

sen seien. Sie habe in der Zwischenzeit medizinische Unterlagen aus dem 

Libanon beschaffen können, welche ihre Verbrennungen bestätigen wür-

den. Zudem habe sie eine Bestätigung, dass sie und ihr Bruder B._______ 

in Syrien gesucht würden, von einem syrischen Anwalt erhalten. 

4.3 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM fest, dass die eingereichten 

medizinischen Unterlagen die Verletzungen und die Behandlung bestäti-

gen würden. Diese seien vom SEM auch nicht angezweifelt worden. In Be-

zug auf die eingereichte Vorladung, welche teilweise unleserliche Textstel-

len enthalte, sei darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin diese 

erstmals in der dritten Befragung des SEM erwähnt habe. Das Dokument 

datiere vom Jahr 2013 und die Beschwerdeführerin und ihr Bruder 

B._______ seien gemäss handschriftlicher Notiz des syrischen Anwalts zu 

drei Jahren Haft verurteilt worden. Erstaunlich sei jedoch, dass sie bei der 

Personalienaufnahme verneint habe, einen Rechtsvertreter im Heimatstaat 

zu haben. Andererseits sei auffällig, dass sie das Urteil bis anhin nicht er-

wähnt habe. Wäre sie tatsächlich zu drei Jahren Haft verurteilt worden, 

wäre zu erwarten gewesen, dass sie dies angegeben hätte. Weiter sei auf-

fallend, dass der Anwalt zwar ein Urteil erwähne, dieses jedoch nicht bei-

gelegt habe. Somit könne die Anmerkung zum angeblichen Urteil von einer 

beliebigen Person angebracht worden sein. Zudem handle es sich bei der 

Vorladung um eine Kopie. Entsprechende Dokumente seien in Syrien leicht 

fälschbar und käuflich erhältlich. Aufgrund der aufgeführten Ungereimthei-

ten sei die nachgereichte Vorladung in Kopie nicht geeignet, die Vorbringen 

der Beschwerdeführerin zu stützen. Erschwerend komme hinzu, dass die 

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Seite 12 

Aussagen der Beschwerdeführerin von den Aussagen ihres Vaters abwei-

chen würden. So habe er die Frage, ob Familienangehörige politisch aktiv 

seien, verneint. Er habe einzig eine behördliche Suche nach C._______ 

aufgrund des Militärdienstes zu Protokoll gegeben. Dass die Beschwerde-

führerin ebenfalls in den Fokus der syrischen Behörden geraten sei, habe 

er nicht erwähnt. Ihr Vater habe im Verlauf seines Verfahrens angegeben, 

politisch aktiv gewesen zu sein. Sein Gesuch sei aber mit der Begründung, 

die Vorbringen seien widersprüchlich und nicht hinreichend begründet, ab-

gelehnt worden und die Verfügung sei inzwischen in Rechtskraft erwach-

sen. Es seien deshalb keine Gründe erkennbar, weshalb die Beschwerde-

führerin in den Fokus der syrischen Behörden hätte geraten sollen. 

Schliesslich sei anzumerken, dass die Angabe der Beschwerdeführerin, ihr 

Vater sei 11 Stunden angehört worden, übertrieben sei. Seinem Anhö-

rungsprotokoll sei zu entnehmen, dass die Anhörung um 10 Uhr angefan-

gen habe und inklusive 70 Minuten Pausen um 16 Uhr fertig gewesen sei. 

4.4 Die Beschwerdeführerin replizierte, sie habe die Vorladung und die 

Drohbriefe erst in der dritten Befragung erwähnt, da diese für sie nicht die 

Hauptgründe gewesen seien, Syrien zu verlassen. Sie sei insbesondere 

aufgrund ihres politischen Engagements und aufgrund der erlittenen, un-

menschlichen Behandlung im Militärspital aus Syrien geflohen. Über diese 

Gründe habe sie detailliert berichtet. Gemäss handschriftlicher Notiz des 

syrischen Anwalts seien sie und ihr Bruder B._______ zu je drei Jahren 

Haft verurteilt worden. Der Anwalt sei von ihrem Onkel in Syrien beauftragt 

worden. Sie sei nicht direkt involviert gewesen, weshalb sie die Frage nach 

einer Rechtsvertretung im Heimatland an der Personalienaufnahme ver-

neint habe. Die Vorladung sei bis anhin von den Schweizer Behörden nicht 

auf Fälschungsmerkmale überprüft worden. Es lasse sich zwar nicht be-

streiten, dass Dokumente in Syrien gekauft werden könnten. Indes ent-

spreche es keiner seriösen Beweiswürdigung, ein Dokument einzig mit der 

Begründung, syrische Dokumente seien käuflich erhältlich, für beweisun-

tauglich zu erklären. So könne die Beweistauglichkeit jedes Dokuments – 

möge es noch so echt sein – mit dieser Begründung in Frage gestellt wer-

den. Zu den abweichenden Aussagen ihres Vaters sei zu betonen, dass er 

gesundheitlich angeschlagen sei, wie aus den beigelegten medizinischen 

Unterlagen entnommen werden könne. Aufgrund der im Heimatsaat erleb-

ten Traumata nehme er regelmässig Psychopharmaka ein und befinde sich 

in engmaschiger ärztlicher Betreuung. Seit der in Syrien erlebten Folter 

falle es ihm schwer, über die Probleme der Familie zu sprechen. Er habe 

wohl auch nicht von ihrer Folter und der Androhung von sexueller Gewalt 

gesprochen, da er sich dafür geschämt habe. Als Vater und Mann schäme 

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Seite 13 

er sich, dass seiner Tochter mit sexuellem Missbrauch gedroht worden sei. 

Aufgrund des erlittenen Traumas und der Scham vermeide er es, über die 

Probleme seiner Familienmitglieder zu sprechen. 

5.  

5.1 Das SEM hat in seiner Verfügung die Bombenexplosion, den Transport 

in ein Spital, die Behandlung der Verbrennungen und den Aufenthalt im 

Spital nicht angezweifelt. Die Begegnungen mit dem Dabet und dem 

Musaa’id hat es indes als unglaubhaft befunden. Nach Durchsicht der An-

hörungsprotokolle stellt das Gericht fest, dass die Beschwerdeführerin äus-

serst ausführlich über ihre Asylgründe berichtet hat und diese insgesamt 

als glaubhaft zu befinden sind. 

5.2 Entgegen der Ansicht des SEM sind in den Schilderungen der Be-

schwerdeführerin keine auffallenden Strukturbrüche erkennbar. Die Erzähl-

dichte ist bezüglich verschiedener Themen, über welche sie berichtet, kon-

sistent. Beispielweise hat sie über ihren Aufenthalt im Nordirak und die be-

absichtigte Weiterreise (SEM Akte A25, F16) genau so detailliert berichtet 

wie über die Bombenexplosion, bei welcher sie verwundet wurde (a.a.O., 

F48, Absätze 1 und 2), und den darauffolgenden Aufenthalt im Militärspital, 

während welchem sie gefoltert wurde (a.a.O., F48, Absätze 2-10, F50-

F56). Die Argumentation des SEM, man halte den Aufenthalt im Spital für 

glaubhaft, nicht jedoch die Gespräche mit dem Dabet, wird den Ausführun-

gen der Beschwerdeführerin nicht gerecht. Ihre Aussagen über die Be-

handlung im Spital und die Begegnungen mit dem Dabet lassen sich nicht 

klar trennen. Sie berichtete über mehrere Seiten über die Behandlung, die 

ihr im Militärspital widerfahren ist, und ihren Aussagen sind zahlreiche Re-

alkennzeichen sowohl in Bezug auf das Spital an sich als auch in Bezug 

auf die spezifische (Folter)Behandlung zu entnehmen. Ihre Erzählungen 

lassen nicht vermuten, dass sie sich abwechslungsweise auf reale und 

dann wieder auf erfundene Elemente stützen würde. Neben einem quanti-

tativen Detailreichtum sind auch viele qualitative Aussagen ersichtlich, wel-

che den Eindruck vermitteln, dass die Beschwerdeführerin sich auf reale 

Erinnerungen stützt. Beispielsweise gab sie an, der Dabet habe anstelle 

des Arztes den Verband auf ihrem Rücken weggenommen und es habe 

sich angefühlt, als wäre ein Stück Fleisch von ihrem Körper mit dem Ver-

band weggekommen (SEM Akte A25, F48, S.10, Absatz 1). Sie erwähnt 

auch, ihr Rücken habe die Metallkante des Bettes berührt (a.a.O., Ab-

satz 2). Oder sie bemerkte, dass der Dabet gelacht habe, als er mit einem 

Metallstück Haut von ihrem Rücken genommen habe (a.a.O., F52). Sie gab 

beispielsweise auch an, dass sich ein Arzt für das Verhalten des Dabet 

E-3717/2020 

Seite 14 

geschämt habe und nicht habe glauben können, wie man sie behandle 

(SEM Akte A37, F40). Ebenso erzählt sie aussergewöhnliche Einzelheiten, 

wie dass man nicht nur auf ihren offenen Rücken Zitronensalz gerieben 

habe, sondern dies auch in ihre Hausschuhe hineingetan habe, die sie 

dann wieder habe tragen müssen (SEM Akte A25, F48 S. 10). Auch Ne-

bensächlichkeiten, wie dass sie dank eines schwarzen Vorhangs nicht ge-

sehen habe, wie andere Leute gefoltert worden seien (a.a.O., F54), oder 

dass der Dabet einen in eine Folie verpackten Notizzettel bei sich gehabt 

habe, mit Informationen über sie und ihre Familie (a.a.O.), finden sich in 

ihren Aussagen und lassen auf eine erlebnisbasierte Erzählung schliessen. 

Sie gab ferner an, dass es sich nach einer Weile im Spital angefühlt habe, 

als käme etwas aus ihrem Körper heraus, sie habe es jedoch nicht mit ihren 

Händen berühren können, da ihre Hände gefesselt worden seien (a.a.O., 

F56). Sie nahm damit zu einem späteren Zeitpunkt auf eine frühere Aus-

sage Bezug, dass man sie mit einer Handschelle an ihr Bett gefesselt habe 

(a.a.O., F54). Ausserdem kann die Ansicht des SEM nicht geteilt werden, 

dass sie über die Begegnungen mit dem Dabet vergleichsweise weniger 

berichtet hätte. Sie gab mehrfach Dialoge mit dem Dabet wieder und führte 

substantiiert aus, wie er sie gequält habe (SEM Akten A25, F48, S. 9 und 

10, F50, F54, F56; A37, F19-F23). Dem SEM ist zwar insofern beizustim-

men, dass die Erzählungen über ihre Freilassung aus dem Militärspital ver-

gleichsweise kurz ausgefallen sind (SEM Akten A25, F56, S.14, Absätze 2 

und 3; A37, F53). Sie gab jedoch sowohl an der Anhörung als auch an der 

ergänzenden Anhörung Einzelheiten an, wie dass der Krankenpfleger ei-

nen Sack mit Kleidern dabeigehabt habe, sie sich aber zunächst geweigert 

habe, sich vor ihm anzuziehen (SEM Akten A25, F56, S.13 Absatz 4; A37, 

F53). Daneben blieben auch die Aussagen über die Reaktionen und Hand-

lungen des Vaters eher vage. Beispielsweise fielen ihre Ausführungen über 

den Moment, als sie am Checkpoint längere Zeit hätten warten müssen, 

bis sie hätten weiterfahren dürfen, vergleichsweise oberflächlich aus. In 

Anbetracht der dramatischen Situation, in welcher sich der Vater befunden 

hat – mit der schwer verletzten Tochter im Auto, wo er eine halbe bis eine 

dreiviertel Stunde am Checkpoint warten musste (SEM Akte A25, F48) – 

wären emotionalere Ausführungen zu erwarten gewesen. Andererseits 

kann von der Beschwerdeführerin nicht erwartet werden, dass sie über die 

(zugeschriebene) Gefühlslage und die Handlungen des Vaters ebenso de-

tailliert wie über ihre eigenen Erlebnisse berichtet. 

5.3 Das SEM führt ferner als Unglaubhaftigkeitselement auf, dass die 

Schilderungen über die Begegnungen mit dem Dabet und dem Musaa’id 

mehrheitlich auf Dialogen gründen und einen vergleichsweise kleinen 

E-3717/2020 

Seite 15 

Raum einnehmen würden. Inwiefern die Wiedergabe von Dialogen gegen 

die Glaubhaftigkeit der Vorbringen sprechen soll, erschliesst sich dem Ge-

richt jedoch nicht. Es ist anzumerken, dass die Beschwerdeführerin auch 

bezüglich ihres Aufenthalts in Erbil mehrfach Dialoge wiedergibt und es 

sich dabei um Schilderungen handelt, welche nicht in Frage gestellt wer-

den (SEM Akte A25, F16). Insgesamt scheint es ihrem Erzählstil geschul-

det, dass sie viele Dialoge wiedergibt. 

5.4 Es bleibt zwar anzumerken, dass die Beschwerdeführerin die Folter in 

dem Militärspital in der ersten Befragung vom 27. Januar 2020 nicht konk-

ret erwähnt hat. An verschiedenen Stellen im Protokoll lässt sich indes ein 

Bezug auf die in der nächsten Anhörung im Detail geschilderte Folter er-

kennen. Sie hat in der Erstbefragung ihre Asylgründe summarisch darge-

legt und dabei die Demonstrationsteilnahmen, die Arbeit ihres Vaters sowie 

die Tätigkeit ihres Bruders für die Revolutions-Koordination genannt. Ihr 

Hauptgrund sei gewesen, dass sie nach allem, was man ihr angetan habe, 

Angst vor einer Vergewaltigung gehabt habe, da man ihr das angedroht 

habe (SEM Akte […]/10 [nachfolgend A22], F41). Danach wurde sie ge-

fragt, ob das alle Asylgründe gewesen seien. Sie bejahte die Frage und 

führte aus, es habe keine Sicherheit mehr gegeben und sie seien alle be-

droht worden (a.a.O., F42). Später wurde sie gefragt, inwiefern sie durch 

die Zusammenarbeit des Bruders mit der Revolutions-Koordination per-

sönlich bedroht worden sei. Hierzu gab sie an, man habe Druck auf ihre 

Familie ausgeübt und man habe ihr und ihren Brüdern wehgetan, um an 

den Bruder B._______ zu gelangen, sie hätten es jedoch nicht geschafft 

(a.a.O., F52). In der Folge wurde sie gefragt, ob sie in einem Frauenteam 

angehört werden wolle. Sie erklärte, dass es zu Belästigungen und War-

nungen gekommen sei, aber eine Vergewaltigung nicht passiert sei (a.a.O., 

F53). Es spiele für sie keine Rolle, ob Männer bei der Befragung dabei 

seien. Sie habe sich auch von männlichen Ärzten behandeln lassen und 

sie hätten ihren Rücken gesehen (a.a.O., F54). Danach führte sie aus, bei 

Ankunft im Spital habe es ihr geholfen, dass ihr Vater bei der Baath-Partei 

gewesen sei, ansonsten man ihr vielleicht etwas angetan hätte. Es habe 

sie aber nicht davon abgehalten, sie zu bedrohen. Falls man sie nochmal 

in dem Spital sehe, werde man sie vergewaltigen (a.a.O., F55). Sie spricht 

die Misshandlungen somit nicht konkret aus, was sich jedoch auf die trau-

matischen Erlebnisse zurückführen lassen dürfte. Immerhin sind Belästi-

gungen aufgrund des Bruders ansatzweise aus dem Protokoll erkennbar. 

5.5 In Bezug auf die erst im Beschwerdeverfahren eingereichte Vorladung 

(Beschwerdebeilage 6) und die Drohbriefe bleibt anzumerken, dass die 

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Seite 16 

Drohbriefe offenbar den Vater betroffen haben (SEM Akte A37, F26, F89), 

weshalb der Beschwerdeführerin nicht zum Vorwurf gemacht werden kann, 

dass sie diese erst in der ergänzenden Anhörung erwähnt hat. Zudem gab 

sie an, dass man ihr nicht immer von den Drohbriefen erzählt habe, um ihr 

keine Angst zu machen (a.a.O., F114). In der Anhörung vom 20. Februar 

2020 lag der Fokus der Befragung sodann bei den Vorkommnissen im Mi-

litärspital (SEM Akte A25), welche für die Beschwerdeführerin bezüglich ih-

rer Asylgründe auch im Vordergrund standen. Dasselbe gilt für die nachge-

reichte Vorladung. Es ist nachvollziehbar, dass die erlittenen Folterungen 

für die Beschwerdeführerin den zentralen Ausreisegrund gebildet haben 

und im Fokus standen. 

5.6 Als weiteres Element, welches gegen die Glaubhaftigkeit der Vorbrin-

gen spreche, führt das SEM diverse Widersprüche, insbesondere auch im 

Vergleich zu den Aussagen des Vaters der Beschwerdeführerin auf. Es fällt 

tatsächlich auf, dass der Vater der Beschwerdeführerin ihre Probleme im 

Militärspital in seinem Asylverfahren nicht genannt hat (N […], SEM Akten 

[…]-15/21 [nachfolgend A15]; […]-17/18 [nachfolgend A17]). Die Be-

schwerdeführerin führte hierzu aus, dass das Thema für den Vater mit 

Scham behaftet sei und er selbst auch ein Trauma habe, weshalb er ge-

wisse Themen vermeide (vgl. Replik vom 27. Oktober 2020). Der Vater 

wurde in seinem Verfahren nicht konkret auf die Tochter angesprochen und 

persönliche Nachteile hat er aus ihrem Aufenthalt im Militärspital nicht er-

litten. Es handelte sich somit für ihn nicht um sein wesentliches Asylvorbin-

gen. Unter Berücksichtigung eines allfälligen Traumas und eines Verdrän-

gungsmechanismus des Vaters erscheint der Umstand, dass der Vater die 

Misshandlungen der Beschwerdeführerin im Spital nicht erwähnt hat, nicht 

als derart gravierend, als dass deswegen die glaubhaft geschilderten Vor-

bringen der Beschwerdeführerin in Frage zu stellen wären. 

5.7 Einen Widerspruch erblickt das SEM auch darin, dass der Vater in sei-

nem Asylverfahren angegeben habe, niemand aus seiner Familie sei poli-

tisch aktiv gewesen. Demonstrationsteilnahmen seiner Kinder erwähnte er 

nicht (N […], SEM Akte A15, F83). Die Beschwerdeführerin gab hingegen 

an, sie selbst habe an etwa 12 Demonstrationen teilgenommen, sei aber 

im Spital insbesondere nach den Aktivitäten ihres Bruders B._______ und 

allgemein über die Organisatoren der Demonstrationen befragt worden. 

Die unterschiedlichen Angaben kann sich die Beschwerdeführerin auf 

Nachfrage des SEM nicht genau erklären, vermutet jedoch, der Vater habe 

gemeint, dass seine Kinder in keiner Partei aktiv gewesen seien. Zudem 

verweist sie auf seine erlittene Folter und dass er seither Angst habe, über 

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Seite 17 

seine Familie zu sprechen (SEM Akte A37, F105). Auch wenn tatsächlich 

zu erwarten gewesen wäre, dass der Vater die Demonstrationsteilnahmen 

genannt hätte, wird aus seinen Akten deutlich, dass andere Probleme für 

ihn im Vordergrund gestanden haben. Zudem kann auch das Argument, 

der Vater habe die Frage mehr im Sinne einer institutionalisierten Aktivität 

der Kinder in einer Partei verstanden, als Erklärung dienen. 

5.8 Sodann ist für das Gericht auch erklärbar, dass die Mutter der Be-

schwerdeführerin in ihrem Schreiben an die Schweizer Botschaft betref-

fend ein Gesuch um ein humanitäres Visum die Probleme der Beschwer-

deführerin nicht genannt hat (N […], SEM Akte […]-6 [nachfolgend A6], Be-

weismittel 12). Die Mutter hat sich in dem Gesuch auf die Probleme der 

Personen konzentriert, welche in ihrem Gesuch eingeschlossen waren, na-

mentlich die Brüder C._______ und B._______ sowie einen Schwager. So 

hat die Mutter auch die Haft ihres Mannes beziehungsweise des Vaters der 

Beschwerdeführerin nicht genannt. Zudem handelt es sich bei der Eingabe 

der Mutter lediglich um ein vierseitiges Schreiben, und es fand keine ei-

gentliche Befragung der Mutter statt, welche allenfalls Aufschluss über die 

Probleme aller Familienangehöriger hätte geben können.  

5.9 Die bisher aufgeführten Widersprüche zwischen dem Vater (und der 

Mutter) und der Beschwerdeführerin erachtet das Gericht als vernachläs-

sigbar. Einzig der Umstand, dass die Beschwerdeführerin und ihr Vater un-

terschiedliche Angaben zu den Gründen der behördlichen Suche nach den 

Brüdern C._______ und B._______ sowie zu erfolgten Inhaftierungen der 

Brüder gemacht haben, lässt beim Gericht Zweifel über die Darstellung der 

Vorkommnisse durch die Beschwerdeführerin aufkommen. Der Vater gab 

an, seine Söhne würden aufgrund des Militär- und Reservedienstes von 

den syrischen Behörden gesucht (N […], SEM Akte A15, F53). Er sei be-

fragt worden, damit er Informationen über seine Söhne preisgeben würde 

und er habe angegeben, die Söhne seien im Libanon (a.a.O., F54). Als der 

Vater vom SEM gefragt wurde, ob andere Familienangehörige Probleme 

aufgrund der Nichtbefolgung der Aufgebote gehabt hätten, nannte der Va-

ter die Probleme der Beschwerdeführerin wiederum nicht (a.a.O., F73). Der 

Vater führte ferner aus, der Sohn B._______ sei einmal für 20-30 Tage be-

ziehungsweise für drei bis vier Monate inhaftiert worden (a.a.O., F73-F75). 

Auch C._______ sei etwa einen Monat lang in Haft gewesen (a.a.O., 

F139). Der Vater hat in seinem Verfahren dazu Gerichtsdokumente einge-

reicht, aus welchen hervorgeht, dass seine Söhne B._______ und 

C._______ am (…) März 2012 inhaftiert worden seien. Nachdem sie dem 

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Seite 18 

Friedensrichter vorgeführt und befragt worden seien, habe man sie or-

dentlich entlassen. Die Dokumente sind auf den (…) November 2012 da-

tiert (N […], SEM Akte A6, Beweismittel 7, 9 und 14; N […] A15 F15). Auch 

die Mutter der Beschwerdeführerin hat angegeben, ihre beiden Söhne 

C._______ und B._______ seien inhaftiert worden. Demonstrationsteilnah-

men erwähnt sie nicht, sondern führt aus, die Brüder würden in Syrien auf-

grund des Militär- und Reservedienstes gesucht (N 718 275, SEM Akte A6, 

Beweismittel 12). Die Beschwerdeführerin hat wiederum angegeben, 

B._______ sei nie inhaftiert gewesen. Er sei lediglich einmal aufgrund ei-

nes Streits mit einem Freund zu einem Verhör vorgeladen worden (SEM 

Akte A37, F102). B._______ werde in Syrien aufgrund seiner Aktivitäten an 

den Demonstrationen gesucht. Gegen C._______ gebe es aber keine Be-

weise (a.a.O., F104). Darauf angesprochen, dass gemäss dem Schreiben 

der Mutter an die Schweizer Botschaft und den damit eingereichten Unter-

lagen die Brüder im Jahr 2012 inhaftiert gewesen seien, gab sie an, sie sei 

im Jahr 2012 oft bei Freundinnen in (…) aufgrund des Maturaexamens ge-

wesen und habe vielleicht deswegen nichts von den Verhaftungen mitbe-

kommen (a.a.O., F111). Zudem habe B._______ oft ausserhalb übernach-

tet (a.a.O., S. 20, Anmerkung zu F113). Es ergeben sich somit Widersprü-

che in Bezug auf die Aussagen der Eltern sowie in Bezug auf die durch den 

Vater eingereichten Dokumente. Es gilt jedoch festzuhalten, dass die Aus-

sagen des Vaters vom SEM teilweise als unglaubhaft erachtet wurden und 

der Vater sich selbst auch in Bezug auf seine Söhne und deren Inhaftie-

rungen widersprochen hat (N […], SEM Akte […]-24/10). Es fragt sich so-

mit, inwiefern diese Aussagen nun beigezogen werden können, nachdem 

sie ohnehin mit Zweifeln behaftet gewesen sind. Andererseits handelt es 

sich um Details, welche nicht die Beschwerdeführerin persönlich betroffen 

haben; die wesentlichen Eckpunkte (Suche nach den Brüdern, Inhaftie-

rung) werden sowohl von der Beschwerdeführerin als auch ihrem Vater ge-

nannt. 

Insgesamt erachtet das Gericht die Ungereimtheiten, welche sich nach Bei-

zug der erstinstanzlichen Verfahrensakten des Vaters der Beschwerdefüh-

rerin ergeben, als teilweise erklärbar und insgesamt als nicht derart gravie-

rend, als dass die glaubhaft gewordenen Aussagen der Beschwerdeführe-

rin deswegen grundsätzlich in Frage zu stellen wären. 

5.10 Hinzukommend erscheinen die Aussagen der Beschwerdeführerin 

auch im länderspezifischen Kontext plausibel. Verschiedene Quellen bele-

gen, dass es in syrischen Militärspitälern zu Folterungen und Misshandlun-

gen gekommen ist. Auch das Unbehagen des einen Arztes, welches die 

E-3717/2020 

Seite 19 

Beschwerdeführerin anspricht (SEM Akte A37, F40), passt in den Kontext, 

in welchem sich medizinisches Personal in Syrien befindet (vgl. Amnesty 

International, Health Crisis, Syrian Government targets the Wounded and 

Health Workers, Oktober 2011, https://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/fi-

les/resources/Full_Report_2706.pdf, abgerufen am 30. August 2021).  

5.11 Insgesamt ist festzustellen, dass nach einer Abwägung aller Ele-

mente, welche für oder gegen die Glaubhaftigkeit der Vorbringen der Be-

schwerdeführerin sprechen, das Gericht zum Schluss kommt, dass insge-

samt die positiven Elemente überwiegen. Einige der Aussagen bleiben 

zwar mit Zweifeln behaftet, im Rahmen einer Gesamtwürdigung ist jedoch 

mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Be-

schwerdeführerin im Militärspital, wie von ihr dargestellt, gefoltert wurde. 

6.  

Im Folgenden bleibt zu prüfen, ob die als überwiegend glaubhaft befunde-

nen Vorbringen, namentlich die Folter und Misshandlungen im Militärspital, 

flüchtlingsrechtlich relevant im Sinne des Asylgesetzes sind. 

6.1 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-

chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile 

von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürch-

ten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive 

durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zu-

gefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. 

BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37).  

Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage 

nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begrün-

deten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylent-

scheids ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfol-

gungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation 

im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zu-

gunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berück-

sichtigen (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/51 E. 6.1, 2011/50 E. 3.1.1 und 

3.1.2, jeweils m.w.H.).  

6.2 Die Beschwerdeführerin hat mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

glaubhaft gemacht, dass sie in einem Militärspital gefoltert und misshandelt 

E-3717/2020 

Seite 20 

wurde, anstatt dass ihre Verbrennungen ordentlich behandelt worden wä-

ren. Ihr wurden somit von staatlichen Organen erhebliche Nachteile im 

Sinne des Art. 3 AsylG zugefügt. Ein sachlicher und zeitlicher Kausalzu-

sammenhang zwischen der erlittenen Verfolgung und der Flucht ist gege-

ben, da sie einige Monate danach Syrien verlassen hat. Die erlittenen Be-

nachteiligungen weisen ausserdem ein asylrelevantes Motiv auf. Die Über-

griffe waren politisch motiviert und hatten im Sinne einer Reflexverfolgung 

zum Zweck, Informationen über den Bruder der Beschwerdeführerin sowie 

Informationen über Demonstrationsteilnehmer und die Organisatoren der 

Demonstrationen im Dorf zu erhalten. Eine innerstaatliche Fluchtalterna-

tive kann vorliegend im syrischen Kontext verneint werden. Demnach ist 

davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt ihrer Aus-

reise einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt war. 

6.3 Praxisgemäss besteht die Regelvermutung, dass von erlittener, mit der 

Ausreise in Kausalzusammenhang stehender Vorverfolgung ohne weiteres 

auf das Bestehen einer begründeten Furcht vor weiterer, zukünftiger Ver-

folgung zu schliessen ist (vgl. BVGE 2009/51 E. 4.2.5 m.w.H.). Vorliegend 

besteht kein Grund, von dieser Regelvermutung abzuweichen, zumal sich 

die Situation im Heimatland der Beschwerdeführerin und insbesondere 

auch in (…) seit ihrer Ausreise nicht in einem entscheidrelevanten Aus-

mass verändert respektive verbessert hat. 

6.4 Zusammenfassend erfüllt die Beschwerdeführerin die Voraussetzun-

gen der Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG. Aus den Akten ergeben 

sich keine Anhaltspunkte für eine Asylunwürdigkeit im Sinne von Art. 53 

AsylG. Der Beschwerdeführerin ist somit Asyl zu gewähren. 

7.  

Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen und die angefochtene Verfü-

gung vom 19. Juni 2020 ist aufzuheben. Die Beschwerdeführerin ist ge-

stützt auf Art. 3 AsylG als Flüchtling anzuerkennen und das SEM ist anzu-

weisen, ihr Asyl zu gewähren. 

8.  

8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Damit wird die mit Zwischenverfügung vom 

27. Juli 2020 gewährte unentgeltliche Prozessführung nachträglich gegen-

standslos. 

E-3717/2020 

Seite 21 

8.2 Der vertretenen Beschwerdeführerin ist in Anwendung von Art. 64 

VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, 

SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr notwendigerweise erwach-

senen Parteikosten zuzusprechen.  

Die Kostennote vom 13. Juli 2021 weist einen Aufwand von 3.5 Stunden 

bei einem Stundenansatz von Fr. 200.– (ohne Mehrwertsteuer) sowie eine 

Auslagenpauschale von Fr. 50.– auf. Der verlangte Stundenansatz von 

Fr. 200.– ist reglementskonform (vgl. Art. 10 VGKE). Die angeführte Ausla-

genpauschale ist praxisgemäss nicht zu vergüten; das Gericht erachtet 

Auslagen in Höhe von Fr. 20.– als angemessen. Die von der Vorinstanz 

auszurichtende Parteientschädigung ist demnach insgesamt auf Fr. 720.– 

(inkl. Auslagen) festzusetzen. 

8.3 Der Anspruch auf amtliches Honorar der als amtliche Rechtsbeiständin 

im Sinne von Art. 102m AsylG eingesetzten Rechtsvertreterin wird damit 

gegenstandslos. 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-3717/2020 

Seite 22 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen 

2.  

Die Verfügung des SEM vom 19. Juni 2020 wird aufgehoben, die Be-

schwerdeführerin wird als Flüchtling anerkannt und das SEM wird ange-

wiesen, ihr Asyl zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 720.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Christa Luterbacher Tina Zumbühl 

 

 

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