# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 45127096-40f7-5460-8fed-5daf388f1dde
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-06-27
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 27.06.2019 OG.2019.00046 (OGS.2020.89)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2019-00046_2019-06-27.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Beschluss
  vom 27. Juni 2019

  
	
   

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2019.00046

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  A.______

  
	
  Beschuldigter und

  
	
  Beschwerdeführer

  
	
   

  
	
  vertreten
  durch Rechtsanwalt B.______

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
  Staatsanwaltschaft des Kantons Glarus

  
	
  Anklägerin
  und

  
	
  Beschwerdegegnerin

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  vertreten
  durch den Staatsanwalt

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Verlängerung
  der Untersuchungshaft

  
	
   

  
	
  Anträge
  des Beschwerdeführers (gemäss Eingabe seines Rechtsvertreters
  vom 29. Mai 2019, act. 14):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Die Verfügung des
    Kantonsgerichtspräsidenten vom 21. Mai 2019 sei vollumfänglich
    aufzuheben.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Der Beschwerdeführer sei
    unverzüglich aus der Untersuchungshaft zu entlassen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Eventualiter sei der
    Beschwerdeführer gegen Hinterlegung einer Kaution von CHF 10'000.— aus
    der Untersuchungshaft zu entlassen.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Subeventualiter sei der
    Beschwerdeführer unverzüglich aus der Untersuchungshaft zu entlassen und es
    sei ein Hausarrest in [...] oder am Wohnort des Beschuldigten in [...],
    verbunden mit einem Electronic Monitoring, anzuordnen.

    
	
     

    	
     

    
	
    5.

    	
    Alles unter Kosten- und
    Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin, wobei die
    Entschädigung der amtlichen Verteidigung im Verfahren bei der
    Staatsanwaltschaft zu belassen sei.

    

  

  
	
   

  
	
  Anträge
  der
  Beschwerdegegnerin   (gemäss Eingabe vom 13. Juni 2019, act. 17):

  
	
   

  
	
  1.    Die Beschwerde sei
  abzuweisen und die Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts des Kantons Glarus
  vom 21. Mai 2019 (Verfahren SG.2019.00055) sei zu bestätigen.

  
	
   

  
	
  2.    Die Kosten des
  Beschwerdeverfahrens seien dem Beschuldigten aufzuerlegen.

  
	
   

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
  Das Gericht   zieht in Betracht:

  
	
   

  
	
  I.

  
	
  1. Die
  Staats- und Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus (nachfolgend
  Staatsanwaltschaft genannt) verdächtigt A.______ (nachfolgend Beschuldigter),
  an einer versuchten Tötung (i.S.v. Art. 111 StGB i.V.m.
  Art. 22 Abs. 1 StGB), begangen in [...] am 25. September 2018,
  beteiligt gewesen zu sein. Es bestehe überdies der Verdacht, dass dieses
  Delikt auch im Zusammenhang mit Widerhandlungen gegen das
  Betäubungsmittelgesetz (i.S.v. Art. 19 Abs. 1 BetmG) stehe
  (act. 1). Der Beschuldigte wurde am 15. November 2018
  verhaftet (act. 2/2 SG.2018.00093).

  
	
   

  
	
  2. Auf Antrag der
  Staatsanwaltschaft ordnete das Zwangsmassnahmengericht am
  19. November 2018 gegen den Beschuldigten Untersuchungshaft bis
  einstweilen am 19. Februar 2019 an (act. 9 Disp.-Ziff. 1
  SG.2018.00093). Am 15. Februar 2019 stellte die Staatsanwaltschaft
  ein Haftverlängerungsgesuch (act. 1 SG.2019.00020), welches vom
  Zwangsmassnahmengericht bewilligt wurde; die Untersuchungshaft wurde bis am
  19. Mai 2019 verlängert (act. 8 Disp.-Ziff. 1
  SG.2019.00020). Ein Haftentlassungsgesuch des Beschuldigten vom
  13. März 2019 (act. 2/1 S. 1 SG.2019.00035) wies das
  Zwangsmassnahmengericht mit Verfügung vom 28. März 2019 ab (act. 19
  Disp.-Ziff. 1 SG.2019.00035). Mit Eingabe vom 15. Mai 2019 stellte
  die Staatsanwaltschaft ein Haftverlängerungsgesuch (act. 1) und
  beantragte, die angeordnete Untersuchungshaft um drei Monate zu verlängern.
  Das Zwangsmassnahmengericht verlängerte mit Verfügung vom
  21. Mai 2019 die Untersuchungshaft für den Beschuldigten längstens
  bis am 19. August 2019 (act. 9 Disp.-Ziff. 1). Dagegen liess
  der Beschuldigte am 29. Mai 2019 Beschwerde beim Obergericht erheben
  (act. 14). Die Staatsanwaltschaft beantragt Abweisung der Beschwerde
  (act. 17); die Vorinstanz verzichtet auf eine Stellungnahme
  (act. 23). Die Stellungnahme des Beschuldigten zur Beschwerdeantwort der
  Staatsanwaltschaft datiert vom 19. Juni 2019 (act. 24).

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1. Der angefochtene
  Haftentscheid ist der Beschwerde zugänglich (Art. 393 Abs. 1
  lit. c StPO i.V.m. Art. 222 StPO). Der durch die Haft unmittelbar
  betroffene Beschuldigte ist beschwerdelegitimiert (Art. 382 Abs. 1
  StPO); die Anfechtungsfrist ist eingehalten (Art. 396 Abs. 1 StPO).
  Die übrigen Rechtsmittelvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass.
  Auf die Beschwerde des Beschuldigten ist einzutreten. Mit Beschwerde an das
  Obergericht können in Bezug auf den angefochtenen Entscheid
  Rechtsverletzungen und eine unvollständige oder unrichtige Feststellung des
  Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden (Art. 393 Abs. 2
  StPO).

  
	
   

  
	
  2. Der Beschuldigte
  beantragt den Aktenbeizug sämtlicher durch das Zwangsmassnahmengericht
  beurteilten Verfahren in dieser Sache (act. 14 S. 2). Die
  vorliegende Beschwerde ist gestützt auf Art. 221 Abs. 1 StPO und
  Art. 197 StPO zu beurteilen, weshalb die Akten der bisherigen den
  Beschuldigten betreffenden Haftverfahren (SG.2018.00093 Anordnung Untersuchungshaft,
  SG.2019.00020 Haftverlängerungsgesuch, SG.2019.00035 Haftentlassungsgesuch)
  sowie die Akten des vorinstanzlichen Verfahrens SG.2019.00055 beizuziehen
  sind. Die Aktenführung des vorinstanzlichen Verfahrens (act. 1-13
  SG.2019.00055) erfolgt unter dem Aktenzeichen des vorliegenden
  Beschwerdeverfahrens OG.2019.00046. 

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  1. Gemäss Art. 221
  Abs. 1 StPO ist Untersuchungshaft zulässig, wenn die beschuldigte Person
  eines Verbrechens oder Vergehens dringend verdächtig ist und zudem ernsthaft
  zu befürchten ist, dass sie sich entweder durch Flucht dem Strafverfahren
  oder der zu erwartenden Sanktion entzieht (Fluchtgefahr; lit. a), dass
  sie Personen beeinflusst oder auf Beweismittel einwirkt, um so die
  Wahrheitsfindung zu beeinträchtigen (Kollusionsgefahr; lit. b), oder
  dass sie durch schwere Verbrechen oder Vergehen die Sicherheit anderer
  erheblich gefährdet, nachdem sie bereits früher gleichartige Straftaten
  begangen hat (Wiederholungsgefahr; lit. c). 

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1. Der Haftgrund des
  dringenden Tatverdachts setzt voraus, dass genügend konkrete Anhaltspunkte
  für eine Straftat und eine Beteiligung des Beschuldigten daran vorliegen und
  die Untersuchungsbehörden somit das Bestehen eines dringenden Tatverdachts
  mit vertretbaren Gründen bejahen durften. Im Haftprüfungsverfahren genügt der
  Nachweis von konkreten Verdachtsmomenten, wonach das inkriminierte Verhalten
  mit erheblicher Wahrscheinlichkeit die fraglichen Tatbestandsmerkmale
  erfüllen könnte. Das Beschleunigungsgebot in Haftsachen lässt keinen Raum für
  ausgedehnte Beweismassnahmen (BGE 137 IV 122 E. 3.2.). Am
  Verfahrensanfang sind an den Tatverdacht noch weniger strenge Anforderungen
  zu stellen. Wird die Haft jedoch über einen längeren Zeitraum fortgesetzt,
  ist erforderlich, dass sich der dringende Tatverdacht verdichtet
  Art. 227 StPO (Schmid/Jositsch,
  Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 3. Aufl., N 4 zu Art.
  221). Jedoch sind an die Verdichtung geringere Anforderungen zu
  stellen, wenn der vorbestehende dringende Tatverdacht bereits zu Beginn der
  Strafuntersuchung erdrückend ist. In solchen Fällen genügt es, wenn der
  dringende Tatverdacht im Lauf der Untersuchung weder ausgeräumt noch deutlich
  abgeschwächt wird (BGer 1B_197/2019 E. 2.1. Urteil vom 27. Mai 2019).

  
	
   

  
	
  2.2. Die
  Vorinstanz ordnete im angefochtenen Entscheid die Verlängerung der
  Untersuchungshaft bis zum 19. August 2019 an. Sie erwog, es sei
  unstrittig, dass der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt am Tatort gewesen sei,
  nachdem er zusammen mit D.______ (nachfolgend Geschädigter) dorthin gefahren
  sei. Aufgrund der Schnittverletzungen des Beschuldigten dürfe klar sein, dass
  auch er in den Kampf, bei welchem der Geschädigte mehrfach angeschossen
  worden sei, verwickelt gewesen sei. Es bestehe immer noch der dringende
  Verdacht, dass er zu der betreffenden Gruppierung gehöre. Dafür spreche u.a.
  auch der Umstand, dass der Beschuldigte nach dem Vorfall zusammen mit
  mindestens zwei weiteren Personen den Tatort fluchtartig verlassen habe. Der
  Geschädigte habe ausgesagt, dass der Beschuldigte gewollt habe, dass er [der
  Geschädigte] zum Fabrikareal in [...] fahre (act. 18 S. 3
  SG.2019.00035). Der Beschuldigte habe den Geschädigten in die Falle gelockt.
  Der Geschädigte habe zu Protokoll gegeben, dem Beschuldigten "eine
  geschlagen" zu haben sowie selber mit einem Messer
  hantiert zu haben (act. 2/11 S. 2 f. SG.2018.00093, act. 2/3
  S. 4 SG.2019.00020, act. 18 S. 4 SG.2019.00035), was die
  Schnittverletzungen des Beschuldigten erklären könnte. Es habe bereits in den
  letzten Haftverfahren ein erdrückender Tatverdacht gegen den Beschuldigten
  bestanden, dass er am Angriff auf den Geschädigten beteiligt gewesen sei.
  Dieser erdrückende Tatverdacht würde auch nicht dadurch ausgeräumt, falls der
  Beschuldigte selber nicht auf den Geschädigten geschossen habe. Es bestehe
  nach wie vor ein dringender Tatverdacht im Sinne von Art. 221
  Abs. 1 StPO (act. 9 S. 4 f. Erw. 3.4.).

  
	
   

  
	
  2.3. Hinsichtlich
  des dringenden Tatverdachts trägt der Beschuldigte in seiner Beschwerde
  (act. 14) Folgendes vor: Bis März 2019 sei die Staatsanwaltschaft davon
  ausgegangen, dass er auf den Geschädigten geschossen habe. Aufgrund der
  Aussage des Geschädigten anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom
  20. März 2019 habe sich dieser Anfangsverdacht als falsch erwiesen, denn
  der Geschädigte habe zu Protokoll gegeben, dass er [der Beschuldigte] ihn
  nicht angegriffen habe (act. 14 Rz 2). Es müsse davon ausgegangen
  werden, dass er am Angriff gegen den Geschädigten nicht beteiligt gewesen
  sei. Die Vorinstanz habe dies ignoriert und sich damit auf einen unrichtigen
  Sachverhalt abgestützt. Es gehe nicht an, sich auf die Aussagen des
  Geschädigten zu stützen, diese aber punktuell auszublenden, wenn sie ihn
  entlasteten (act. 14 Rz 3). Seit Mitte Februar 2019 könne die
  Staatsanwaltschaft trotz zahlreicher (zum Teil verdeckter)
  Ermittlungsmassnahmen keine neuen Beweismittel ins Recht legen, welche den
  Tatverdacht verdichteten. Der Tatverdacht habe sich erheblich abgeschwächt.
  Im heutigen Zeitpunkt liege kein dringender Tatverdacht mehr vor (act. 14 Rz
  4).

  
	
  Laut Staatsanwaltschaft sei die
  Kantonspolizei seit Mitte April 2019 damit beschäftigt, die
  Ermittlungsergebnisse zu rapportieren. Dies bedeute, dass mit keinen neuen
  Beweismitteln gerechnet werden könne und die Untersuchungen abgeschlossen
  seien. In einem solchen Zeitpunkt gelte der dringende Tatverdacht nur dann
  als gegeben, wenn eine Verurteilung wahrscheinlich sei, was die Anforderungen
  an den dringenden Tatverdacht massiv erhöhe (act. 14 Rz 5). Zum
  heutigen Zeitpunkt hätte die Staatsanwaltschaft stichfeste Beweise für seinen
  wesentlichen Tatbeitrag vorlegen müssen. Die Aussagen des Geschädigten,
  weshalb er nach [...] gefahren sei und diverse Adressen in seinem
  Navigationssystem gespeichert gewesen seien, seien äusserst widersprüchlich.
  Aufgrund dieser Tatsache werde ihn kaum ein Gericht wegen Mittäterschaft
  verurteilen (act. 14 Rz 6).

  
	
   

  
	
  2.4. Die
  Staatsanwaltschaft verdächtigt den Beschuldigten, am 25. September 2018, ca. 19.00 Uhr,
  in [...] an einer versuchten Tötung zum Nachteil von D.______ beteiligt
  gewesen zu sein. Der Beschuldigte habe den Geschädigten in eine Sackgasse
  gelotst und ihn so in eine Falle gelockt. In der Folge sei es zu einer
  körperlichen Auseinandersetzung gekommen und sei auf den Geschädigten
  mehrfach geschossen worden. Der Beschuldigte gehöre zu jener Gruppierung,
  welche den Geschädigten angegriffen und auf ihn geschossen habe (act. 1
  S. 2). 

  
	
   

  
	
  Der Geschädigte sagte vor der Polizei aus, er habe, bevor er nach [...]
  gefahren sei, am Walensee Kollegen besucht. Dort sei er gefragt worden, ob er
  jemand nach [...] mitnehmen könne. Er habe diese Person [den Beschuldigten]
  nach [...] mitgenommen (act. 2/3 S. 3 f. Fragen 6 ff. SG.2019.00020). Der
  [spätere] Schütze habe ihn mit dem Auto vor dem Bahnübergang [in ...]
  überholt, ihm Handzeichen zum Folgen gegeben und immer wieder den rechten
  Blinker gesetzt, obwohl keine Strasse nach rechts weggegangen sei. Der
  [spätere] Schütze sei also vor ihm gefahren und dann in diese Sackgasse
  eingebogen. Er sei ihm gefolgt und habe neben dessen Fahrzeug versetzt parkiert
  (act. 2/10 S. 3 Frage 47 SG.2018.00093). Er sei aus dem Auto
  ausgestiegen. Der Unbekannte sei vor ihm ausgestiegen. Er sei auf den
  Unbekannten zugegangen. Dann seien Schüsse gefallen. Er habe bemerkt, dass er
  getroffen worden sei. Er habe auch eine Kugel an seiner linken Kopfseite
  vorbeizischen hören. Er sei auf den Unbekannten zugegangen, habe diesen
  geschlagen, worauf sie beide auf den Boden gefallen seien (act. 2/9
  S. 3 f. Fragen 8 und 11 SG.2018.00093). Er habe aber mehrere Stimmen
  gehört, so dass er weitere anwesende Personen am Tatort vermutet habe
  (act. 2/10 S. 2 Frage 40 SG.2018.00093). Beim Kampf mit dem
  Unbekannten seien auch Messer eingesetzt worden (act. 2/11 S. 2 f. Fragen 68
  ff. SG.2018.00093). Er habe seinem Beifahrer (der mit der Glatze [dem
  Beschuldigten]) eine geschlagen. Die anderen seien maskiert gewesen (act. 2/3
  S. 4 Fragen 16-18 SG.2019.00020). 

  
	
   

  
	
  Eine Auskunftsperson berichtete der Polizei, zur Tatzeit ein
  mehrmaliges Zischen gehört und sich deshalb auf den Balkon begeben zu haben.
  Sie habe beobachtet, wie drei Männer auf der Strasse "[...]" in
  Richtung [...] davongerannt seien. Es habe ausgesehen, als ob einer der
  Männer am rechten Arm bzw. an der rechten Hand verletzt gewesen sei. Er habe
  die Männer in einer fremden Sprache reden hören (act. 2/12 S. 2
  Frage 1 und S. 3 f. Fragen 6 und 13 SG.2018.00093). 

  
	
   

  
	
  Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich der Beschuldigte beim
  Kampf mit dem Geschädigten ebenfalls Verletzungen zuzog (act. 1 S. 2
  SG.2018.00093). So seien DNA-Spuren des Beschuldigten im Bereich des Tatortes
  und des Fluchtweges, am vom Geschädigten gelenkten Fahrzeug sowie an dessen
  Jacke anhand von Blutspuren sichergestellt worden (vgl. Kriminaltechnischer
  Bericht vom 14. November 2018 [act. 2/14 SG.2018.00093]). Im Fahrzeug
  des Geschädigten habe sich Bargeld in der Höhe von EUR 15'000.—
  befunden, welches eine hohe Kontamination mit Kokain aufgewiesen habe. Ebenso
  sei das Innere des Fahrzeuges mit Kokain kontaminiert gewesen (act. 1
  S. 2 und act. 2/13 SG.2018.00093). 

  
	
   

  
	
  Der Beschuldigte ist nicht geständig, an den ihm vorgeworfenen Delikten
  beteiligt zu sein und verweigerte in der bisherigen Strafuntersuchung
  weitgehend seine Aussage (act. 2/2, 2/4, 2/5 SG.2018.00093, act. 2/1
  SG.2019.00020, act. 2/2, act. 6/4 und insbesondere act. 18 S. 3
  oben SG.2019.00035). Der Beschuldigte sagte jedoch in seiner Einvernahme vom
  27. Februar 2019 aus, dass er in [...] von E.______ und dessen Frau
  abgeholt worden sei und diese ihn nach [...] gefahren hätten. Zu Hause habe
  er bemerkt, dass sein Daumen nicht mehr funktioniere. Als E.______ das viele
  Blut gesehen habe, sei ihm schlecht geworden. E.______ habe schliesslich
  seinen Sohn angerufen und dieser sei gekommen, um ihn zu verarzten
  (act. 6/4 S. 6 Fragen 66 ff. SG.2019.00035).

  
	
   

  
	
  Aus den Akten geht weiter hervor,
  dass der Geschädigte den Beschuldigten als diejenige Person identifizierte,
  welche er am 25. September 2018 nach [...] fuhr und dass der
  Beschuldigte zum Fabrikareal in [...] gefahren werden wollte. Der Geschädigte
  sagte anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 20. März 2019
  aus, dass der Beschuldigte selber nicht geschossen habe (act. 18
  S. 3 f. Fragen 2 ff. SG.2019.00035). Aus heutiger Sicht muss als
  erstellt gelten, dass der Beschuldigte  in die körperliche Auseinandersetzung
  mit dem Geschädigten derart involviert war, dass auch er schwere Verletzungen
  am Daumen davongetragen hatte (vgl. auch act. 6/4 S. 8 Frage 89
  SG.2019.00035). Davon ist überdies auch aufgrund der am Tatort
  sichergestellten DNA-Spuren des Beschuldigten auszugehen. Damit liegt ein
  geradezu erdrückender Tatverdacht vor, dass der Beschuldigte am Angriff auf
  den Geschädigten beteiligt war. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die
  Vorinstanz den diesbezüglichen Sachverhalt unrichtig festgestellt haben soll.

  
	
  Im bisherigen Verlauf der
  Untersuchung hat sich nichts ergeben, was den äusserst dringenden Tatverdacht
  gegen den Beschuldigten irgendwie entkräften oder auch nur schon relativieren
  würde. Die Aussage des Geschädigten, wonach der Beschuldigte nicht auf ihn
  geschossen habe, ändert nichts am Umstand, dass der Geschädigte damals auf
  Geheiss des Beschuldigten zum Fabrikareal in [...] fuhr und der Beschuldigte
  dort dann in den Kampf mit dem Geschädigten involviert war. Damit ist aus
  heutiger Sicht davon auszugehen, dass der Beschuldigte zusammen mit den
  maskierten Angreifern, welche auf den Geschädigten schossen, kooperierte. 

  
	
   

  
	
  Nach dem Gesagten ist
  festzuhalten, dass sich der bestehende äusserst dringende Tatverdacht gegen
  den Beschuldigten an dem versuchten Tötungsdelikt, begangen am
  25. September 2018, beteiligt zu sein, zwischenzeitlich nicht
  verringert hat. Entgegen der Meinung des Beschuldigten verhält es sich gerade
  nicht so, dass immer neue Verdachtsmomente begründet werden müssten, damit
  ein dringender Tatverdacht Bestand hat. Damit ist mit dem
  Zwangsmassnahmengericht und der Staatsanwaltschaft beim Beschuldigten nach
  wie vor von einem dringenden Tatverdacht im Sinne von Art. 221
  Abs. 1 StPO auszugehen. 

  
	
   

  
	
  3. 

  
	
  3.1. Die
  Vorinstanz erwog weiter, dass der Beschuldigte anlässlich seiner Verhaftung
  am 15. November 2018 beim Eintreffen der Polizei die Flucht habe
  ergreifen wollen und aus dem ersten Stock eines Wohnhauses vom Balkon
  gesprungen sei (act. 2/2 S. 2 SG.2018.00093). Gemäss Rapport der
  Kantonspolizei Zürich vom 10. November 2018 sei dem Beschuldigten
  im Jahr 2016 die italienische Aufenthaltsbewilligung entzogen worden und es
  sei davon auszugehen, dass er seinen Namen absichtlich geändert habe, um das
  bestehende Einreiseverbot zu umgehen (act. 2/8 S. 2 SG.2018.00093).
  Weiter sei bekannt, dass das Heimatland des Beschuldigten, Albanien, seine
  Auslieferung verlangt habe. Daher bestehe – auch mangels Schweizer
  Aufenthaltsbewilligung – die konkrete Gefahr, dass der Beschuldigte im In-
  oder Ausland untertauchen würde, wenn er auf freiem Fuss wäre. Es seien auch
  keine geeigneten Ersatzmassnahmen ersichtlich. Die Flucht lasse sich
  insbesondere durch die von der Verteidigung vorgeschlagene Kaution oder
  elektronische Fussfessel nicht verhindern. Es sei somit von Fluchtgefahr im
  Sinne von Art. 221 Abs. 1 lit. a StPO auszugehen (act. 9 S. 5
  f. Erw. 4).

  
	
   

  
	
  3.2. Der Beschuldigte lässt hinsichtlich der vorinstanzlichen
  Erwägungen zur Fluchtgefahr Folgendes ausführen: Ein paar Wochen vor seiner
  Verhaftung habe ein Nachbar im zweiten Stock so massiv randaliert, dass er
  mehrmals die Polizei angerufen habe, bis diese den Nachbarn
  "abgeholt" habe. Dies zeige eindrücklich, dass er keine
  Berührungsängste mit der Polizei habe. Als die Polizei bei seiner Verhaftung,
  ohne sich erkenntlich zu zeigen, die Wohnungstüre mit einem wahnsinnigen Lärm
  gerammt habe, habe er instinktiv befürchtet, es handle sich um den Nachbarn,
  welcher sich bei ihm für das Polizeiaufgebot habe "revanchieren"
  wollen. Eine ernsthafte Fluchtgefahr sei nicht gegeben (act. 14 Rz 7).

  
	
   

  
	
  3.3. Die Geschichte mit der befürchteten Revanche des Nachbarn muss als
  Schutzbehauptung qualifiziert werden. Der Beschuldigte sagte vor der Polizei
  aus, er habe anlässlich der Festnahme nur "Polizei, Polizei"
  gehört, er habe Angst gehabt und darum habe er so reagiert (act. 2/4 S. 2
  SG.2018.00093). Im Übrigen trägt der Beschuldigte nichts vor, was die
  durchaus zutreffenden Einschätzungen der Vorinstanz hinsichtlich der
  befürchteten Fluchtgefahr zu entkräften vermöchten. Namentlich blendet er
  vollständig aus, dass sein Heimatland, Albanien, seine Auslieferung verlangt,
  Italien ihm die Aufenthaltsbewilligung entzog und er in der Schweiz mehrfach
  gegen das Ausländergesetz verstiess (act. 2/8 SG.2018.00093). Nach dem
  Gesagten ist höchst wahrscheinlich, dass der Beschuldigte im In- oder Ausland
  untertauchen würde, sobald er auf freiem Fuss wäre. Damit ist beim
  Beschuldigten zweifelsfrei von Fluchtgefahr auszugehen.

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1. Nachdem die Vorinstanz das Vorliegen von Fluchtgefahr beim Beschuldigten
  bejahte, verzichtete sie auf die Prüfung der Kollusionsgefahr, was der
  Beschuldigte in seiner Beschwerde und unter Hinweis auf seine Stellungnahme
  im vorinstanzlichen Verfahren beanstandet (act. 14 Rz 8). Im
  vorinstanzlichen Verfahren äusserte sich der Beschuldigte zur
  Kollusionsgefahr wie folgt: Gemäss dem Haftverlängerungsgesuch der
  Staatsanwaltschaft seien sämtliche weiteren beschuldigten Personen, welche in
  Untersuchungshaft genommen worden seien, wieder auf freien Fuss gesetzt
  worden. Dies gelte auch für E.______, welcher gemäss Aussagen seiner Ehefrau
  zwei weitere Personen in [...] abgeholt habe. Für sämtliche freigelassenen
  Personen, welche offenbar von der Staatsanwaltschaft dringend verdächtigt
  würden, am Angriff auf D.______ in irgendeiner Form beteiligt gewesen zu
  sein, sei es nun möglich, sich auch mit den nicht gefassten Angreifern
  abzusprechen. Damit erweise sich die Behauptung der Staatsanwaltschaft, bei
  ihm liege eine konkrete Kollusionsgefahr vor, als nicht realistisch (act. 8
  Rz 4). Nicht zu vergessen sei, dass allfällige Absprachen nach dem
  normalen Lauf der Dinge wohl entweder vor dem Vorfall vom
  25. September 2018 oder in den zwei Monaten danach stattgefunden
  hätten. Es sei nicht ersichtlich, wie er in Freiheit die Arbeit der Untersuchungsbehörden
  erschweren könne. Sämtliche relevanten Einvernahmen seien durchgeführt und
  seine Entlassung habe keinen Einfluss auf die Suche nach den Angreifern
  (act. 8 Rz 5). Für ihn sei es essentiell zu wissen, ob das
  Vorliegen der Kollusionsgefahr verneint werde, da er seit über sechs Monaten
  isoliert lebe. Ohne das Vorliegen der Kollusionsgefahr fehle es an einer
  Basis, das faktische Besuchsverbot für ihn aufrecht zu erhalten. Bislang habe
  er nur zwei Mal seine einjährige Tochter für jeweils 30 Minuten zum Besuch
  empfangen. Auch wenn vorliegend das Besuchsrecht nicht unmittelbares
  Prozessthema sei, seien wegweisende Erläuterungen des Obergerichts für alle
  Beteiligten nützlich, damit ein weiteres gerichtliches Verfahren (wegen der
  Verweigerung der Besuche) verhindert werden könne (act. 14 Rz 8).

  
	
   

  
	
  4.2. Die geltend gemachte Kollusionsgefahr muss Beweismittel in
  der Strafuntersuchung der beschuldigten Person betreffen. Die befürchteten
  Kollusionshandlungen müssen sich also auf die Strafuntersuchung des
  vorliegenden konkreten dringenden Tatverdachts beziehen, um Haft oder
  Ersatzmassnahmen begründen zu können (Gfeller/Bigler/Bonin,
  Untersuchungshaft, Zürich 2017, N 318 f.). Im Übrigen liegt
  Kollusionsgefahr vor, wenn ernsthaft zu befürchten ist, dass der Beschuldigte
  Personen beeinflusst oder auf Beweismittel einwirkt, um so die
  Wahrheitsfindung zu beeinträchtigen (Art. 221 Abs. 1 lit. b
  StPO).

  
	
   

  
	
  4.3. Beim zu klärenden Delikt ist aufgrund der Aussagen des Geschädigten
  und den Beobachtungen einer Auskunftsperson davon auszugehen, dass am Tatort
  mindestens drei (teils maskierte) Personen zum Nachteil des Geschädigten
  agierten. Das Aussageverhalten des Geschädigten scheint durch seine Furcht,
  Opfer einer Racheaktion zu werden, sobald er die Täter identifiziert (vgl.
  act. 2/3 S. 3 unten SG.2019.00020), gelenkt zu sein. Der Beschuldigte
  verweigert die Aussage auf konkrete Fragen zum Delikt konsequent. Im
  jetzigen Untersuchungsstadium geht es nicht nur darum, den Tatbeitrag des
  Beschuldigten zu eruieren, sondern vor allem auch darum, überhaupt erst
  einmal alle weiteren Tatbeteiligten zu ermitteln. Hier ist nicht nur das
  versuchte Tötungsdelikt zu untersuchen, sondern auch aufgrund des mit Kokain
  kontaminierten Fahrzeuges und Bargeldes des Geschädigten bezüglich Widerhandlungen
  gegen das Betäubungsmittelgesetz zu ermitteln. 

  
	
  Der Beschuldigte versuchte
  bereits während der Untersuchungshaft zu kolludieren. So wurde am Morgen des
  25. März 2019 im Gefängnishof ein Kassiber gefunden, bei welchem
  der Beschuldigte eindeutig als Urheber gelten muss (der Beschuldigte war als
  erster im Hof spazieren, unmittelbar danach wurde anlässlich der
  Spazierhofkontrolle der Kassiber gefunden, der Schriftvergleich zwischen den
  zwei gefundenen Dokumenten ist eindeutig und die Zettel waren nicht klamm
  resp. feucht). Der übersetzte Inhalt der Kassiber weist eindeutig auf
  Kollusionshandlungen hin (act. 17 SG.2019.00035). So richtet sich der
  Text auf dem ersten Kassiber an [...]. Es ist davon auszugehen, dass es sich
  hierbei um E.______ handelt, welcher mit Verfügung vom
  9. Februar 2019 des Zwangsmassnahmengerichts für drei Monate in
  Untersuchungshaft versetzt worden war (act. 11 Disp.-Ziff. 1
  SG.2019.00016). Bei E.______ handelt es sich um den Fahrer, welcher den
  Beschuldigten am 25. September 2018 nach dem Vorfall in [...] nach
  [...] fuhr (vgl. Erw. III.2.4. vorstehend). Die Staatsanwaltschaft legt
  zwei weitere Einvernahmen mit der Mutter und der Ehefrau des Beschuldigten
  sowie einen Chatverlauf ins Recht (act. 18/1, 18/2). Daraus geht hervor,
  dass der Bruder des Beschuldigten, [...], vermutlich ebenfalls zur Tatzeit am
  Tatort war. Aufgrund des Aussageverhaltens der Mutter und der Ehefrau des
  Beschuldigten ist auch bei diesen zwei Personen von einer Aussageverweigerung
  hinsichtlich der dem Beschuldigten vorgeworfenen Delikte auszugehen. Da der
  Beschuldigte den Geschädigten zum Fabrikareal lotste, muss aus heutiger Sicht
  als erstellt gelten, dass der Beschuldigte zu der Gruppe der Angreifer
  gehört. Damit besteht beim Beschuldigten die konkrete Gefahr, dass er sich
  mit den weiteren noch nicht identifizierten Tatbeteiligten absprechen oder
  auf Beweismittel einwirken könnte. Es ist beim Beschuldigten zweifelsfrei
  auch von konkreter Kollusionsgefahr auszugehen. 

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1. Nachdem der konkrete dringende Tatverdacht gegen den
  Beschuldigten vorliegt und auch die Haftgründe der Flucht- und der
  Kollusionsgefahr zu bejahen sind, gilt zu prüfen, ob die Untersuchungshaft
  verhältnismässig ist (Art. 197 Abs. 1 lit. c und d StPO) oder ob an Stelle
  der Untersuchungshaft eine oder mehrere mildere Massnahmen (Ersatzmassnahmen)
  treten können, die den gleichen Zweck wie die Haft erfüllen (Art. 237
  Abs. 1 StPO; BGE 140 IV 19 E. 2.1.2).

  
	
  Hinsichtlich der
  Verhältnismässigkeit der Untersuchungshaft erwog die Vorinstanz, die
  wichtigste Erscheinens- bzw. Anwesenheitspflicht einer beschuldigten Person
  bestehe aus der persönlichen Teilnahme an der Hauptverhandlung, wenn sich der
  Tatvorwurf auf ein Verbrechen oder Vergehen beziehe oder die
  Verfahrensleitung die persönliche Teilnahme anordne (vgl. Art. 306
  Abs. 2 StPO; BSK StPO-II-Weber, 2. Aufl., Art. 196 N 11).
  Die Anwesenheit des Beschuldigten im Strafverfahren sowie die anschliessende
  Vollstreckung des Endentscheids stehe zur Zeit im Vordergrund. Die
  Staatsanwaltschaft habe die Anklageerhebung in relativ naher Zukunft in
  Aussicht gestellt und aufgrund der dem Beschuldigten konkret drohenden Strafe
  bestehe keine Gefahr der Überhaft, weshalb die beantragte Verlängerung der
  Untersuchungshaft von drei Monaten angemessen scheine (act. 9 S. 6
  Erw. 5.3.).

  
	
   

  
	
  5.2. Aus Sicht des
  Beschuldigten habe sich in den letzten Monaten nichts mehr ereignet, was die
  Staatsanwaltschaft für den vorliegenden Fall als wesentlich erachtet habe.
  Seit März 2019 seien mit ihm keine weiteren Einvernahmen durchgeführt worden.
  Das Argument, ihn in Untersuchungshaft zu belassen, bis der Rapport der
  Kantonspolizei erstellt sei, greife nicht. Sowohl die Fertigstellung des
  Rapports wie auch die Ausarbeitung der Anklageschrift stünden mit dem
  Haftverfahren nicht im Zusammenhang. Angesichts des dünnen Verdachts und
  einer wahrscheinlichen Freisprechung von den vorgeworfenen Delikten bestehe
  die Gefahr einer Überhaft. Er und sein Verteidiger würden lediglich über
  wenige Aktenstücke verfügen. Sämtliche Einvernahmen mit den anderen
  verhafteten Personen sowie die Ergebnisse der verdeckten Zwangsmassnahmen
  seien unbekannt. Durch diese beschränkte Akteneinsicht werde ihm die
  Möglichkeit genommen, sich effektiv zur Wehr zu setzen. Wenn die Verlängerung
  der Untersuchungshaft tatsächlich ein Thema sein sollte, so seien mindestens
  der Verteidigung sämtliche Akten offen zu legen (act. 14 S. 4 f.
  Rz 8 und act. 8 Rz 12). Das Argument der Vorinstanz, es sei
  der Staatsanwaltschaft Zeit zu lassen, bis die Anklageschrift erstellt sei,
  verletze das Gebot der Verhältnismässigkeit. Im Minimum sei die
  Untersuchungshaft zeitlich zu begrenzen, damit er nicht isoliert in Haft
  sitze, nur weil die Ressourcen der Untersuchungsbehörden nicht ausreichten,
  um das Verfahren mit der notwendigen Priorität zu behandeln. Bei seinen
  Eventualanträgen handle es sich um Ersatzmassnahmen, welche vom Gericht zu
  prüfen seien (act. 14 Rz 9).

  
	
   

  
	
  5.3. Der Ansicht des
  Beschuldigten, es liege gegen ihn lediglich ein dünner Verdacht vor und eine
  Freisprechung sei wahrscheinlich, kann nicht gefolgt werden. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen liegt gegen den
  Beschuldigten ein geradezu erdrückender Tatverdacht vor und es ist nebst dem
  allgemeinen Haftgrund des dringenden Tatverdachtes auch das Vorliegen der
  Flucht- und Kollusionsgefahr zweifelsfrei zu bejahen. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern ein Electronic
  Monitoring, ein Hausarrest oder eine zu hinterlegende Kaution den
  Beschuldigten wirksam davon abhalten könnten, mit mutmasslichen
  Tatbeteiligten dennoch in Kontakt zu treten, um entsprechende
  Kollusionshandlungen vorzunehmen. Es gilt anzumerken, dass nicht einmal das
  strenge Regime der Untersuchungshaft den Beschuldigten davon abhalten konnte,
  konkrete Kollusionshandlungen (mit E.______) vorzunehmen (act. 17 SG.2019.00035
  und Erw. III.4.3. vorstehend). Andere Ersatzmassnahmen sind keine
  ersichtlich. Damit erweist sich die Fortführung der Untersuchungshaft auch
  mit Blick auf die dem Beschuldigten vorgeworfenen Delikte, die Beteiligung
  von mindestens zwei weiteren Personen an der versuchten Tötung vom
  25. September 2018 zum Nachteil von D.______ als verhältnismässig.

  
	
  Der implizite Vorwurf des
  Beschuldigten an die Staatsanwaltschaft, seit März 2019 seien mit ihm keine
  weiteren Einvernahmen mehr durchgeführt worden (vgl. Erw. III.5.2.
  vorstehend), fällt in Anbetracht seiner bisherigen Aussageverweigerung in
  sich zusammen. Aufgrund der dargelegten Umstände (Beschuldigter und auch
  seine Familie verweigern die Aussagen, Geschädigter fürchtet sich vor
  Racheaktionen) und der Beteiligung von weiteren noch nicht identifizierten
  Personen an den dem Beschuldigten vorgeworfenen Delikte ist von einer sehr
  komplexen und umfassenden Strafuntersuchung auszugehen. Es ist Sache der
  Staatsanwaltschaft, diese Untersuchung beförderlich zu behandeln. Zum
  jetzigen Zeitpunkt ist davon abzusehen, der Staatsanwaltschaft Weisungen
  betreffend Akteneinsicht zu erteilen oder eine zeitliche Befristung der
  Untersuchungshaft anzuordnen, zumal die Schwere der dem Beschuldigten
  vorgeworfenen Delikte und die sehr wahrscheinliche diesbezügliche
  Verurteilung auch keine Überhaft nahelegen.

  
	
   

  
	
  6. Damit ist die
  Beschwerde des Beschuldigten gegen den Haftverlängerungsentscheid des
  Zwangsmassnahmengerichts vom 21. Mai 2019 (act. 9) abzuweisen.
  Den vorstehenden Erwägungen gemäss ist die vorinstanzlich angeordnete
  Haftverlängerung rechtskonform. Die Verlängerung um drei Monate ist nach
  heutigem Kenntnisstand und aufgrund der dargelegten Umstände sachgerecht. Im
  Übrigen kann der Beschuldigte jederzeit bei der Staatsanwaltschaft ein
  Entlassungsgesuch stellen (Art. 228 Abs. 1 StPO).

  
	
   

  
	
  IV.

  
	
  1. Die Regelung der
  Kostenfolgen hat im Endentscheid zu erfolgen (Art. 421 Abs. 1
  StPO). Die Gerichtsgebühr für das Beschwerdeverfahren ist zuhanden der das
  Strafverfahren abschliessenden Behörde auf CHF 600.— festzulegen
  (Art. 8 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 6 der Zivil- und
  Strafprozesskostenverordnung [GS III A/5]) und zu den Untersuchungskosten im
  Sinne von Art. 326 Abs. 1 lit. d StPO zu schlagen.
  Parteientschädigungen sind keine zuzusprechen (Art. 423
  Abs. 1 StPO).

  
	
   

  
	
  2. Die Entschädigung des
  amtlichen Verteidigers des Beschuldigten für seine im Beschwerdeverfahren
  getätigten Aufwendungen wird durch die Staatsanwaltschaft oder das urteilende
  Gericht bei Abschluss des Strafverfahrens festzusetzen sein (Art. 135 Abs. 2
  StPO).

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
   

  
	
  Das Gericht   beschliesst:

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Die Beschwerde wird abgewiesen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Die Gerichtsgebühr für das
    Beschwerdeverfahren wird zuhanden der das Strafverfahren abschliessenden
    Behörde auf CHF 600.— festgelegt.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Schriftliche Mitteilung an:

    
	
     

    	
    [...]