# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b5f429cf-01c9-564c-9755-42db8e94efe3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-07-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.07.2020 E-347/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-347-2018_2020-07-27.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-347/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 7 .  J u l i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richterin Esther Marti (Vorsitz), 

Richterin Christa Luterbacher, Richterin Roswitha Petry,    

Gerichtsschreiber Tobias Grasdorf. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Sri Lanka,   

vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt,  

Advokaturbüro,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 13. Dezember 2017 / N (…). 

 

 

 

E-347/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A._______ (Beschwerdeführer), ein sri-lankischer Staatsangehöriger tami-

lischer Ethnie, ersuchte am 4. März 2015 in der Schweiz um Asyl. 

B.  

Das Staatssekretariat für Migration (SEM, Vorinstanz) befragte den Be-

schwerdeführer am 13. März 2015 summarisch (Protokoll in SEM-Akte A3) 

und hörte ihn am 19. August 2015 ausführlich zu seinen Asylgründen an 

(Protokoll in SEM-Akte A12). 

C.  

Mit Verfügung vom 13. Dezember 2017 stellte die Vorinstanz fest, der Be-

schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte sein 

Asylgesuch ab. Zudem wies sie ihn aus der Schweiz weg, setzte ihm Frist 

zur Ausreise an und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug 

der Wegweisung. 

D.  

Am 15. Januar 2018 reichte der Beschwerdeführer beim Bundesverwal-

tungsgericht Beschwerde ein. Dabei beantragt er: 

«1. Das Bundesverwaltungsgericht habe nach dem Eingang der vorliegenden 

Verwaltungsbeschwerde unverzüglich darzulegen, welche Gerichtspersonen 

mit der Behandlung der vorliegenden Sache betraut werden. Gleichzeitig hat 

das BVGer zu bestätigen, dass diese Gerichtspersonen tatsächlich zufällig 

ausgewählt wurden. 

2. Das SEM sei anzuweisen, sämtliche nicht öffentlich zugänglichen Quellen 

des Lagebildes des SEM vom 16. August 2016 zu Sri Lanka dem unterzeich-

neten Anwalt offen zu legen. Es handelt sich um Quellen welche in den Fuss-

noten 42, 43, 47, 48, 50, 51, 53, 57, 74, 75, 76, 82, 87, 91, 92, 108, 110, 111, 

112, 114, 115, 119, 120, 122, 123, 125, 150, 151, 160, 170, 173, 174, 175, 

183, 187, 213, 214, 215, 225, 226, 227, 229, 237, 238, 239, 240, 241, 243, 

245, 248, 249, 252, 254, 255, 259, 260, 261, 262, 266, 267, 268, 269, 270, 

275, 278, 279, 282, 283, 284, 285, 286, 287, 288, 290, 291, 293, 294 und 298 

erwähnt werden. Nachdem Einsicht in die in diesen Fussnoten referenzierten, 

nicht öffentlich zugänglichen, Quellen gewährt wurde, muss eine angemes-

sene Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung angesetzt werden. 

3. Eventuell sei die Verfügung des SEM vom 13. Dezember 2017 wegen der 

Verletzung des Anspruches auf das rechtliche Gehör aufzuheben und die Sa-

che sei an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

E-347/2018 

Seite 3 

4. Eventuell sei die Verfügung des SEM vom 13. Dezember 2017 wegen der 

Verletzung der Begründungspflicht aufzuheben und die Sache sei an die 

Vorinstanz zurückzuweisen. 

5. Eventuell sei die Verfügung des SEM vom 13. Dezember 2017 aufzuheben 

und die Sache sei zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtser-

heblichen Sachverhaltes und zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuwei-

sen. 

6. Eventuell sei die Verfügung des SEM vom 13. Dezember 2017 aufzuheben 

und es sei die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen. Es 

sei ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. 

7. Eventuell sei die Verfügung des SEM vom 13. Dezember 2017 betreffend 

die Ziffern 4 und 5 aufzuheben und es sei die Unzulässigkeit oder zumindest 

die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges festzustellen.» 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 29. Januar 2018 teilte das Bundesverwal-

tungsgericht dem Beschwerdeführer den für das Verfahren – unter Vorbe-

halt allfälliger Wechsel bei Abwesenheiten – eingesetzten Spruchkörper 

mit. Gleichzeitig wurde der Beschwerdeführer unter Androhung des Nicht-

eintretens im Unterlassungsfall aufgefordert, bis zum 13. Februar 2018 ei-

nen Kostenvorschuss von Fr. 750.– zu bezahlen.  

F.  

Am 13. Februar 2018 bezahlte der Beschwerdeführer den Kostenvor-

schuss. 

G.  

Mit Verfügung vom 28. März 2018 zog die Vorinstanz die angefochtene 

Verfügung im Rahmen der Vernehmlassung teilweise in Wiedererwägung. 

Sie hob die angefochtene Verfügung betreffend Nichterfüllung der Flücht-

lingseigenschaft, Fristansetzung zur Ausreise und Vollzug der Wegwei-

sung auf. Gleichzeitig stellte sie die Flüchtlingseigenschaft des Beschwer-

deführers fest und verfügte seine vorläufige Aufnahme wegen Unzulässig-

keit des Wegweisungsvollzugs. Die Vorinstanz anerkannte die Flüchtlings-

eigenschaft des Beschwerdeführers aufgrund seiner politischen Aktivitäten 

nach der Flucht aus Sri Lanka und führte aus, da es sich dabei um subjek-

tive Nachfluchtgründe handle, sei dem Beschwerdeführer kein Asyl zu ge-

währen. 

H.  

In seiner Stellungnahme vom 19. April 2018 hielt der Beschwerdeführer an 

E-347/2018 

Seite 4 

seiner Beschwerde fest. Er führte dabei – wie bereits in der Beschwerde – 

aus, er sei bereits vor seiner Flucht aus Sri Lanka einer flüchtlingsrechtlich 

relevanten Verfolgung ausgesetzt gewesen. Da er deshalb die Flüchtlings-

eigenschaft unabhängig von seinen exilpolitischen Aktivitäten erfülle, sei 

ihm Asyl zu gewähren. 

I.  

Am 13. Mai 2020 reichte der Beschwerdeführer eine weitere Eingabe zu 

den Akten, in der er Ausführungen zur Beschwerde machte und weitere 

Beweismittel einreichte. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 

2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. 

Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG 

[in der Fassung vom 1. Januar 2018], Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 

VwVG). Da auch der Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet wurde, ist auf 

die Beschwerde einzutreten. 

E-347/2018 

Seite 5 

2.  

Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Soweit das Ausländerrecht anzuwenden 

ist, kann zudem die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 112 Abs. 1 AIG 

[SR 142.20] i.V.m. Art. 49 VwVG). 

3.  

3.1 Nachdem die Vorinstanz mit Verfügung vom 28. März 2018 die Flücht-

lingseigenschaft des Beschwerdeführers anerkannte und ihn aufgrund der 

Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz auf-

nahm (vgl. Sachverhalt Bst. G), ist vorliegend nur noch die Frage der Asyl-

gewährung streitig und zu beurteilen. Soweit die Beschwerde hingegen die 

Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung der vorläufigen 

Aufnahme betrifft, ist sie gegenstandslos geworden. 

3.2 Die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers wurde aufgrund 

seiner politischen Aktivitäten in der Schweiz nach seiner Ausreise aus 

Sri Lanka anerkannt. Da solche exilpolitischen Aktivitäten subjektive Nach-

fluchtgründe darstellen, führen sie gemäss Art. 54 AsylG entgegen der all-

gemeinen Regel von Art. 49 AsylG nicht zur Asylgewährung. Erfüllt der Be-

schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft jedoch auch unabhängig von 

seinen exilpolitischen Aktivitäten, ist ihm Asyl zu gewähren (vgl. BVGE 

2009/28 E. 7.1 m.w.H.). Es ist deshalb vorliegend zu prüfen, ob der Be-

schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka auch unabhängig von 

seinen exilpolitischen Aktivitäten einer flüchtlingsrechtlich relevanten Ge-

fahr ausgesetzt wäre.  

4.  

4.1 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die 

Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG und Art. 1A des Abkom-

mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 

0.142.30), wenn sie mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer 

Zukunft mit gutem Grund Nachteile von bestimmter Intensität befürchten 

muss, die ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive zugefügt 

zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreichenden staatlichen 

Schutz erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f.; 2008/4 E. 5.2, jeweils 

m.w.H.). Die in Art. 3 Abs. 1 AsylG erwähnten fünf Verfolgungsmotive sind 

über die sprachlich allenfalls engere Bedeutung ihrer Begrifflichkeit hinaus 

E-347/2018 

Seite 6 

so zu verstehen, dass die Verfolgung wegen äusserer oder innerer Merk-

male, die untrennbar mit der Person oder Persönlichkeit des Opfers ver-

bunden sind, erfolgt ist beziehungsweise droht (vgl. BVGE 2014/27 E. 6.3). 

Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die An-

erkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be-

troffene Person in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat keinen ausreichen-

den Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2; 2008/4 E. 5.2). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Die Flüchtlingseigenschaft ist glaubhaft 

gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahr-

scheinlichkeit für gegeben hält (Art. 7 Abs. 1 und 2 AsylG). Glaubhaftma-

chung bedeutet im Gegensatz zum strikten Beweis ein reduziertes Beweis-

mass und lässt Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbrin-

gen. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht 

von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr 

hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Demgegenüber reicht es für 

die Glaubhaftmachung nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar 

möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und 

überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung 

sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die 

Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, 

überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-

len (BVGE 2015/3 E. 6.5.1). Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, 

die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüch-

lich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf ge-

fälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 Abs. 3 

AsylG). 

Die Glaubhaftigkeit von Aussagen asylsuchender Personen kann im Rah-

men eines inhaltsorientierten Ansatzes aufgrund sogenannter Realkenn-

zeichen beurteilt werden. Die Realkennzeichen ermöglichen eine Differen-

zierung zwischen erlebnisbasierten und erfundenen respektive verfälsch-

ten Aussagen. Je mehr Realkennzeichen eine Aussage enthält, desto grös-

ser ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Aussage auf eigenem Erleben be-

ruht. Dabei sind immer die Fähigkeiten der aussagenden Person und die 

Komplexität des vorgebrachten Geschehens zu berücksichtigen. Zu den 

Realkennzeichen gehören insbesondere die logische Konsistenz, die un-

geordnete, aber inhaltlich letztlich stimmige Darstellung, der quantitative 

Detailreichtum, raum-zeitliche Verknüpfungen, die Wiedergabe von Ge-

E-347/2018 

Seite 7 

sprächen, ausgefallene Einzelheiten, spontane Verbesserungen der eige-

nen Aussagen, das Eingeständnis von Erinnerungslücken sowie die Schil-

derung von Interaktionen, Komplikationen, Nebensächlichkeiten, unver-

standenen Handlungselementen und eigenen psychischen Vorgängen 

(vgl. ANGELIKA BIRCK, Traumatisierte Flüchtlinge, Wie glaubhaft sind ihre 

Aussagen?, Heidelberg 2002, S. 82 ff. und S. 139 ff.; REVITAL 

LUDEWIG/DAPHNA TAVOR/SONJA BAUMER, Wie können aussagepsychologi-

sche Erkenntnisse Richtern, Staatsanwälten und Anwälten helfen?, in: 

AJP 11/2011, S. 1423 ff.; vgl. auch BGE 129 I 49 E. 5, BGE 133 I 33 E. 4.3 

sowie BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1 und 2012/5 E. 2.2, jeweils 

m.w.H.). 

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer führt aus, er habe den Beruf eines (…) erlernt 

und von 1997 bis 2005 in B._______, in Sri Lankas Nordprovinz, ein 

(…)geschäft geführt. 2002 sei die LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) 

in diese Region gekommen. Er habe in dieser Zeit (…)aufträge für die LTTE 

ausgeführt, insbesondere habe er (…) für Feiern gemacht. Die LTTE habe 

die Mehrheit ihrer diesbezüglichen Aufträge an ihn vergeben, so dass er 

für die Arbeit manchmal andere (…) habe beiziehen müssen. Er sei zudem 

Sekretär der Vereinigung der (…) gewesen, die unter der Schirmherrschaft 

der LTTE gestanden sei. Als Sekretär habe er auch in offizieller Funktion 

am Heldentag teilgenommen. Er habe eine Rede gehalten, geholfen die 

Plätze zu schmücken und die Leute, die gekommen seien, an ihren Platz 

gewiesen. Er sei nicht Mitglied der LTTE gewesen, aber Sympathisant.  

Sein Bruder C._______ sei 2002 Mitglied der LTTE geworden. Er habe in 

der Verwaltung der LTTE gearbeitet, in der Kultur. Im Mai 2009, nach dem 

Krieg, sei er verschwunden, seither wüssten sie nichts von ihm. Sein Vater 

und sein Bruder C._______ hätten als Lohnarbeiter für die LTTE gearbei-

tet. C._______ habe für die LTTE auf den Märkten Steuern eingezogen.  

2005 habe die LTTE die Region verlassen und die Armee sei nach 

B._______ gekommen, weshalb er sich dort nicht mehr sicher gefühlt 

habe. Die Armee habe begonnen, Personen zu töten, die der LTTE gehol-

fen hätten. Die Armee habe auch versucht, ihn zu töten. Als sie Ende No-

vember 2005, zwei oder drei Tage nach dem Heldentag, zu ihm ins Ge-

schäft gekommen seien, sei er nicht da gewesen. Sie hätten seine Ange-

stellten mit Waffen bedroht, nach ihm gefragt und ihnen gesagt, er müsse 

sich bei der Armee melden. Deshalb habe er sein Geschäft geschlossen 

und sei ins Vannigebiet gegangen. Seither habe er noch Kontakte zur LTTE 

E-347/2018 

Seite 8 

gehabt, habe aber nicht mehr viel für sie gemacht, nur noch an Heldenta-

gen und kulturellen Aufführungen geholfen. 

Im (…) 2006 sei er nach B._______ zurückgekehrt, habe sich dort jedoch 

versteckt gehalten und als Tagelöhner (…) gearbeitet. (…) sei er nach Co-

lombo gegangen, weil er nicht in der Region habe bleiben können und 

Angst gehabt habe. In Colombo habe er als (…) gearbeitet und manchmal 

auch als (…). 2010 sei er wiederum nach B._______ zurückgekehrt, weil 

der Krieg vorbei gewesen sei und er gehofft habe, er werde keine Probleme 

mehr haben. Dort habe er wiederum als (…) gearbeitet. (…) seien er und 

seine Mutter zum CID (Criminal Investigation Department) gegangen, um 

eine Vermisstenanzeige für seinen Bruder zu machen. Sie hätten ihn in 

allen Lagern gesucht und die Armee sei mehrmals bei ihnen vorbeigekom-

men und habe nach Informationen bezüglich des Bruders gefragt. Im (…) 

2012 habe ihn die Armee vorgeladen, um ihn zu befragen. Er sei daraufhin 

mit seiner Frau und seiner Mutter zum Lager gegangen. Seine Frau und 

seine Mutter seien wieder nach Hause geschickt worden, er habe bleiben 

müssen. Die Armee habe ein Dossier über ihn und seine Familie gehabt, 

zu seinen Aktivitäten für die LTTE und zu den Aktivitäten seines Vaters. Sie 

hätten auch einen Film gehabt, auf dem er zu sehen gewesen sei. Er sei 

befragt und geschlagen worden. Von den Schlägen habe er heute noch 

Narben. Sie hätten ihm gesagt, nach seinem Bruder müsse nicht gesucht 

werden, da er bei der LTTE gewesen sei. Sie hätten ihm auch vorgeworfen, 

der LTTE geholfen zu haben. Am Abend hätten sie ihn freigelassen. Er 

habe das Gefühl gehabt, sie hätten ihn danach überwachen lassen. 2013 

sei er verdächtigt worden, am Heldentag, den man nicht habe feiern dürfen, 

die Glocken des Tempels geläutet und darin Laternen angezündet zu ha-

ben. Er habe das bestritten. Aber danach seien die Sicherheitskräfte oft zu 

ihm nach Hause gekommen. Immer wenn etwas passiert sei, hätten sie 

gedacht, er sei dafür verantwortlich. Später sei er einmal bei einer verbo-

tenen Demonstration, bei welcher der britische Premierminister auf die ver-

schwundenen Personen aufmerksam habe gemacht werden sollen, gefilmt 

worden, diesen Film habe die Armee ihm gezeigt. Zu beiden Ereignissen 

sei er von den Sicherheitskräften befragt worden. Einmal habe ihn die Ar-

mee davor gewarnt, an einer anderen Demonstration teilzunehmen. Am 

(…) 2014 sei er mit seinem Motorrad zu einem Restaurant gegangen. Als 

er abgestiegen sei, hätten sie ihn gepackt und mitgenommen. Sie hätten 

ihn mit einer Pistole bedroht und ihn in einen etwa zwei Kilometer entfern-

ten Wald gebracht, wo sie ihn geschlagen und mit dem Tod bedroht hätten. 

Sie hätten ihm vorgeworfen, er versuche, die Bewegung wiederzubeleben 

E-347/2018 

Seite 9 

und ihm gedroht, wenn noch einmal etwas passiere, würden sie seine Fa-

milie töten. Er habe die Täter nicht erkannt. Irgendwann sei er in Ohnmacht 

gefallen. Als er wieder zu sich gekommen sei, hätten sie ihn zu seinem 

Haus gebracht.  

Am nächsten Tag sei er nach Colombo geflüchtet. Für das Neujahr hätten 

seine Frau und die Kinder ihn in Colombo besucht. Nach ihrer Rückkehr 

sei die Armee zu ihnen gekommen und habe nach ihm gefragt. Dabei hät-

ten sie seine Frau umgestossen und diese habe sich am Arm verletzt. Im 

(…) 2015 sei er schliesslich aus Sri Lanka ausgereist. Nach seiner Aus-

reise sei das Militär im (…) 2015 zu seiner Mutter gekommen und habe sie 

gefragt, wo er und sein jüngerer Bruder sich aufhalten würden. Seit seiner 

Ausreise wohne sein jüngerer Bruder nicht mehr zuhause, da sie nun nach 

ihm suchen würden. 

5.2 Die Vorinstanz führt aus, die Ausführungen des Beschwerdeführers 

seien schwankend und enthielten Ungereimtheiten, weshalb seine Aussa-

gen nicht glaubhaft seien. Die Nachteile, denen er zwischen 2005 und 2012 

in Sri Lanka ausgesetzt gewesen sei, seien zum Zeitpunkt der Ausreise 

2015 schon zu weit zurückgelegen, um als Grund für die Ausreise in Frage 

zu kommen. Deshalb liege keine aktuelle Verfolgungsgefahr vor. Eine 

kurze Befragung durch die Behörden 2013 sei zudem nicht genügend in-

tensiv, um asylrechtlich relevant zu sein. Den Akten sei auch zu entneh-

men, dass er keine relevanten Aktivitäten für die LTTE unternommen habe. 

Er habe keine asylrelevante Verfolgung vor seiner Ausreise glaubhaft ma-

chen können und es gebe keine Gründe, wieso die Behörden ihn bei einer 

Rückkehr nach Sri Lanka ins Fadenkreuz nehmen sollten. 

6.  

6.1 Als Grundlage für die Prüfung, ob der Beschwerdeführer auch unab-

hängig von seinen exilpolitischen Aktivitäten die Flüchtlingseigenschaft er-

füllt (vgl. E. 3), ist vorab der diesbezüglich rechtserhebliche Sachverhalt 

festzustellen, wozu in erster Linie die Glaubhaftigkeit der Vorbringen des 

Beschwerdeführers zu beurteilen ist.  

6.2  

6.2.1 Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung mehrere Argu-

mente an, aufgrund derer sie die Vorbringen des Beschwerdeführers als 

unglaubhaft ansieht. Diese sind auf ihre Stichhaltigkeit zu prüfen. 

E-347/2018 

Seite 10 

6.2.2 Die Vorinstanz verweist erstens auf angebliche Widersprüche zwi-

schen den Aussagen des Beschwerdeführers in der summarischen Befra-

gung und in der Anhörung. So habe er in der Befragung ausgesagt, Mit-

glieder des CID seien in sein Geschäft gekommen und hätten versucht, auf 

ihn zu schiessen, während er in der Anhörung gesagt habe, er sei zu die-

sem Zeitpunkt nicht im Geschäft gewesen.  

Ein Widerspruch ist in diesen Aussagen jedoch nicht auszumachen. In der 

Befragung hatte der Beschwerdeführer ausgesagt, «ils ont essayé de tirer 

sur moi» (SEM-Akte A3 Ziff. 7.01), was insbesondere angesichts der in der 

Befragung verlangten Kürze der Aussagen durchaus mit seiner Aussage in 

der Anhörung – die Mitglieder des CID seien in sein Geschäft gekommen 

um ihn zu töten, er sei zu dem Zeitpunkt aber nicht im Geschäft gewesen 

und sie hätten seine Angestellten mit Waffen bedroht (SEM-Akte A12 F144 

und 149) – vereinbar ist. Aus dem gleichen Grund ebenso wenig stichhaltig 

ist der von der Vorinstanz angeführte angebliche Widerspruch, der Be-

schwerdeführer habe in der Befragung nicht erwähnt, dass er von (…) in 

Colombo gelebt habe. Der Beschwerdeführer nennt in der Anhörung sei-

nen Wohnort in Colombo und äussert sich dazu, bei wem er wohnte und 

wie er seinen Lebensunterhalt verdiente (SEM-Akte A12 F70 f. und 

F100 ff.), was diese Aussage durchaus glaubhaft erscheinen lässt. Weitere 

Widersprüche führt die Vorinstanz nicht an. 

6.2.3 Zweitens führt die Vorinstanz an, wenn die Armee wirklich wie be-

hauptet einen Film und Dokumente gehabt hätte, welche die Aktivitäten 

des Beschwerdeführers für die LTTE bewiesen, dann hätte sie ihn bei der 

Befragung im Jahr 2012 nicht am gleichen Abend wieder gehen lassen und 

es wären drastischere Massnahmen gegen ihn ergriffen worden. Auch 

dass er sein Dorf nicht bereits damals verlassen habe, spreche gegen 

seine Vorbringen.  

Es erscheint jedoch entgegen der Ansicht der Vorinstanz durchaus vorstell-

bar, dass die Armee den Beschwerdeführer vor allem einschüchtern und 

ihm klarmachen wollte, dass er unter Beobachtung stehe. Entsprechend 

spricht dieser Umstand nicht ohne Weiteres gegen die Glaubhaftigkeit der 

entsprechenden Aussagen des Beschwerdeführers. Auch dass der Be-

schwerdeführer damals (noch) nicht floh, vermag seine Aussage nicht 

ernsthaft in Zweifel zu ziehen. 

6.2.4 Drittens bringt die Vorinstanz vor, die Aussagen des Beschwerdefüh-

rers dazu, dass die Behörden oft zu ihm nach Hause gekommen seien, 

E-347/2018 

Seite 11 

seien wenig detailliert und inkonsistent. So habe er nicht sagen, können, 

wann sie das letzte Mal gekommen seien.  

Die Vorinstanz stellte dem Beschwerdeführer an der Anhörung jedoch 

keine weiteren Fragen zu diesen Besuchen, weshalb ihm die fehlenden 

Details nur bedingt vorgeworfen werden können. Zudem nennt die 

Vorinstanz in der Verfügung keine konkreten Ungereimtheiten, sondern be-

lässt es bei einer pauschalen Behauptung. Dass der Beschwerdeführer 

nicht genau angeben konnte, wann die Sicherheitskräfte das letzte Mal bei 

ihm gewesen seien, hat für sich allein genommen angesichts der zahlrei-

chen Besuche wenig Gewicht.  

Zudem führt die Vorinstanz aus, die Besuche der Behörden seien eher im 

Zusammenhang mit dem Verschwinden des Bruders gestanden als mit den 

Aktivitäten des Beschwerdeführers. Dieses Argument beschlägt jedoch 

nicht die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers, sondern 

deren flüchtlingsrechtliche Relevanz. Die Vorinstanz verkennt damit zu-

dem, dass auch die Suche nach dem verschwundenen Bruder durchaus 

eine flüchtlingsrechtlich relevante Komponente darstellen kann. 

6.2.5 Viertens führt die Vorinstanz aus, der Beschwerdeführer habe in der 

summarischen Befragung erwähnt, er sei im (…) 2014 vom CID ver-

schleppt worden; diesen Vorfall erwähne er in der Anhörung hingegen nicht 

mehr.  

Es ist korrekt, dass der Beschwerdeführer in der Befragung auf die Frage, 

wann er 2014 entführt worden sei, «(…) 2014» sagt (SEM-Akte A3 

Ziff. 7.02). Im vorangehenden freien Bericht nennt er jedoch den (…) 2014 

und erwähnt eine Entführung im (…) 2014 nicht (SEM-Akte A3 Ziff. 7.01). 

Aufgrund dieser Umstände erscheint es zumindest möglich, dass es sich 

dabei um ein Missverständnis handelt. Gewichtige Zweifel daran, dass die 

Aussagen des Beschwerdeführers bezüglich des Ereignisses vom (…) 

2014 glaubhaft sind, lassen sich daraus jedenfalls nicht ableiten, zumal die 

Vorinstanz dem Beschwerdeführer nicht die Gelegenheit bot, sich dazu zu 

äussern. 

6.2.6 Fünftens führt die Vorinstanz an, es sei nicht logisch, dass die Täter 

den Beschwerdeführer beim Vorfall vom (…) 2014 nicht getötet hätten, ob-

wohl sie den Befehl dazu gehabt hätten.  

E-347/2018 

Seite 12 

Dieses Argument der Vorinstanz ist nicht haltbar. Es erscheint ohne Weite-

res nachvollziehbar, dass die Angreifer den Beschwerdeführer in erster Li-

nie mit der Drohung einschüchtern wollten, sie hätten den Befehl ihn zu 

töten, und ihn glauben machen wollten, er sei dieses eine Mal noch davon-

gekommen. Die Ausführungen, welche die Vorinstanz darüber hinaus zum 

Vorfall vom (…) 2014 macht – es sei unklar, ob es sich wirklich um staatli-

che Täter gehandelt habe – beschlagen wiederum nicht die Glaubhaftigkeit 

der Aussagen, sondern deren flüchtlingsrechtliche Relevanz. 

6.2.7 Sechstens sprechen die kleinen Unregelmässigkeiten in den Aussa-

gen des Beschwerdeführers aus der Befragung und der Anhörung dazu, 

wann er nach seiner Abreise aus B._______ im (…) 2014 wieviel Zeit in 

D._______ verbracht habe, entgegen den Ausführungen der Vorinstanz 

nicht massgeblich für eine Unglaubhaftigkeit der Vorbringen des Be-

schwerdeführers.  

6.2.8 Siebtens widerspricht schliesslich die Aussage der Vorinstanz, es sei 

nicht mit der geltend gemachten Situation zu vereinbaren, dass der Be-

schwerdeführer sich im (…) 2014 einen Pass habe ausstellen lassen, dann 

aber nicht damit ausgereist sei, den Aussagen des Beschwerdeführers, der 

in der Befragung lediglich angab, er habe seinen Pass im (…) 2014 einem 

Schlepper gegeben (SEM-Akt A3 Ziff. 4.02). 

6.3 Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass die von der Vorinstanz 

gegen die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers vorge-

brachten Argumente nicht zu überzeugen vermögen. 

6.4 Das Gericht stellt demgegenüber fest, dass die Aussagen des Be-

schwerdeführers ein in sich stimmiges Bild ergeben, weitgehend konsistent 

sind und praktisch keine Widersprüche aufweisen. Obwohl seine Aussagen 

einen relativ langen Zeitraum seines Lebens (die 12 Jahre von 2002 bis 

2014) und mehrere Ortswechsel betreffen, erzählt er seine Geschichte in 

sich stimmig, wenn auch teilweise ungeordnet (vgl. z.B. seine Aussagen zu 

den beiden Ereignissen im Jahr 2013 in SEM-Akte A12 F175-189 und 199), 

was aber als Realkennzeichen für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen 

spricht. Der Beschwerdeführer antwortet zwar oft eher kurz auf die gestell-

ten Fragen, nennt jedoch auf Nachfrage durchaus weitere Einzelheiten 

(vgl. z.B. SEM-Akte A12 F168 ff. oder F182 und F183 f.). Zudem stellt er 

Ereignisse unaufgefordert in einen zeitlichen Zusammenhang zu anderen 

Ereignissen (z.B. in SEM-Akte A12 F145). Die vom Beschwerdeführer im 

Zusammenhang mit der Befragung durch das CID 2012 gezeigten 

E-347/2018 

Seite 13 

(SEM-Akte A12 F169) und auch durch Fotos belegten Narben können zwar 

nicht belegen, dass er geschlagen wurde, stellen aber doch ein Indiz für 

die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen dar. Auch zu den beiden Vorfällen im 

Jahr 2013 macht der Beschwerdeführer ausführliche und nachvollziehbare 

Aussagen (SEM-Akte A12 F175) und insbesondere den Vorfall vom (…) 

2014 schildert er eingehend und mit verschiedenen Details (SEM-Akte A12 

F190 ff.). Schliesslich kann das Vorbringen des Beschwerdeführers, er sei 

im Zusammenhang mit einer Demonstration anlässlich eines Besuchs des 

damaligen britischen Premierministers David Cameron in Schwierigkeiten 

geraten, mit tatsächlichen Ereignissen in Übereinstimmung gebracht wer-

den. So sagt der Beschwerdeführer aus, der Besuch des Premierministers 

habe ungefähr zwei Wochen vor dem Heldentag stattgefunden (SEM-Akte 

A12 F199). Tatsächlich besuchte der Premierminister im Rahmen einer 

Reise nach Sri Lanka am 15. November 2013 Jaffna, wobei es zu De-

monstrationen kam, die von den Sicherheitskräften zurückgehalten wurden 

(vgl. Nick Robinson, BBC, Cameron in Northern Sri Lanka, 15. November 

2013, <https://www.bbc.com/news/uk-politics-24954387>, abgerufen am 

12.06.2020). Der Heldentag findet am 27. November statt, was mit den 

Aussagen des Beschwerdeführers ebenfalls übereinstimmt. 

6.5 Das Bundesverwaltungsgericht kommt damit zum Schluss, dass die 

Ausführungen des Beschwerdeführers grundsätzlich glaubhaft sind. Ent-

sprechend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den rechtserheblichen 

Sachverhalt nicht richtig festgestellt hat. Ihre Prüfung der Glaubhaftigkeit 

der Aussagen des Beschwerdeführers entsprach in keiner Weise den ein-

schlägigen Standards (vgl. E. 4.2). Zudem vermischte sie teilweise Fragen 

der Glaubhaftigkeit und der Asylrelevanz, weshalb die Prüfung der Vo-

rinstanz nicht geeignet war, den Sachverhalt richtig festzustellen. 

Für die Prüfung der flüchtlingsrechtlichen Relevanz ist deshalb auf den 

Sachverhalt abzustellen, wie ihn der Beschwerdeführer schildert (E. 5.1). 

Insbesondere ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer am (…) 

2014 von den Sicherheitsbehörden entführt, bedroht, befragt und geschla-

gen wurde. Entgegen den Schlussfolgerungen der Vorinstanz in der ange-

fochtenen Verfügung ist davon auszugehen, dass die Täter Teil der sri-lan-

kischen Sicherheitskräfte waren. Der Beschwerdeführer sagt zwar aus, er 

habe die Täter nicht gekannt (SEM-Akte A12 F190 ff.). Da die Täter ihm 

vorwarfen, er unterstütze die Wiederbelebung der Bewegung, sowie auf-

grund der früheren Bedrohungen durch die Sicherheitskräfte, erscheint die 

E-347/2018 

Seite 14 

Schlussfolgerung, dass es sich dabei um Sicherheitskräfte handelte, je-

doch gerechtfertigt. Hinweise auf eine andere Täterschaft liegen zudem 

keine vor. 

Der rechtserhebliche Sachverhalt ist damit rechtskonform festgestellt. Die 

weiteren Beweisanträge des Beschwerdeführers sind in antizipierter Be-

weiswürdigung abzuweisen. 

7.  

7.1 Für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft massbeglich ist die Si-

tuation im Zeitpunkt des Entscheides, wobei allerdings erlittene Verfolgung 

oder im Zeitpunkt der Ausreise bestehende begründete Furcht vor Verfol-

gung auf eine andauernde Gefährdung hinweisen kann. Veränderungen 

der Situation zwischen Ausreise und Asylentscheid sind zu Gunsten und 

zu Lasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 

2010/57 E. 2 und 2010/9 E. 5.2; 2007/31 E. 5.3 f.). Dabei ist auch zu be-

achten, dass eine Person, die bereits einmal staatlicher Verfolgung ausge-

setzt war, objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht hat 

als eine Person, bei der dies nicht der Fall ist (vgl. BVGE 2011/50 E. 3.1.1 

und 2010/57 E. 2). Zu prüfen ist entsprechend, ob der Beschwerdeführer 

auch heute noch bei einer Rückkehr nach Sri Lanka – unabhängig von sei-

nen exilpolitischen Aktivitäten (vgl. E. 3) – einer flüchtlingsrechtlich relevan-

ten Gefahr ausgesetzt wäre. 

7.2 Der Beschwerdeführer hat glaubhaft dargelegt, dass er vor seiner Aus-

reise aufgrund seiner Tätigkeiten für die LTTE und des Umstands, dass er 

nach seinem verschwundenen Bruder gesucht hatte, mehrmals von den 

sri-lankischen Sicherheitskräften festgenommen, verhört und gefoltert 

wurde. Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz in der angefochtenen 

Verfügung stellen auch die Besuche der Sicherheitskräfte aufgrund der Su-

che des Beschwerdeführers nach seinem Bruder durchaus ein Merkmal 

der Gefährdung des Beschwerdeführers dar, auch wenn sie einzeln be-

trachtet nicht von einer hohen Intensität waren. Diese ihm gezielt zugefüg-

ten Verfolgungsmassnahmen können damit insgesamt hinsichtlich des Mo-

tivs, der Intensität sowie der betroffenen Rechtsgüter als flüchtlingsrecht-

lich relevante Verfolgung qualifiziert zu werden.  

Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfü-

gung ist auch davon auszugehen, dass diese Verfolgungsmassnahmen 

zeitlich und sachlich kausal für die Ausreise des Beschwerdeführers waren. 

E-347/2018 

Seite 15 

Gemäss den glaubhaften Ausführungen des Beschwerdeführers war die-

ser auch nach dem Ende des Bürgerkrieges 2009 und insbesondere ab 

2012 Verfolgungshandlungen der sri-lankischen Sicherheitskräfte ausge-

setzt. So wurde er im (…) 2012 befragt und geschlagen und in der Folge 

mehrmals verdächtigt, die tamilische Bewegung zu unterstützen. Dass un-

ter diesen Umständen das Ereignis vom (…) 2014 dazu führte, dass er 

beschloss, Sri Lanka aus Angst um seine Sicherheit zu verlassen, er-

scheint nachvollziehbar.  

Demnach ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt 

seiner Ausreise einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung ausgesetzt 

war. 

7.3  

7.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht nahm im Referenzurteil E-1866/2015 

vom 15. Juli 2016 eine aktuelle Analyse der Situation von Rückkehrenden 

nach Sri Lanka vor und stellte fest, dass aus Europa respektive der 

Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer 

ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien 

(Referenzurteil E-1866/2015 E. 8.3). Das Gericht orientiert sich deshalb bei 

der Beurteilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nach-

teile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risi-

kofaktoren. Stark risikobegründend sind dabei die folgenden Faktoren: tat-

sächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene Verbindungen zur 

LTTE; die Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen; so-

wie das Vorliegen früherer Verhaftungen durch die sri-lankischen Behör-

den, üblicherweise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermu-

teten Verbindung zur LTTE (Referenzurteil E-1866/2015 E. 8.4.1–8.4.3). 

Schwach risikobegründende Faktoren sind zudem bei Personen auszu-

machen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere nach Sri Lanka ein-

reisen wollen, zwangsweise zurückgeführt werden oder die über die Inter-

nationale Organisation für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren. 

Schliesslich stellen auch gut sichtbare Narben einen schwach risikobe-

gründenden Faktor dar (Referenzurteil E-1866/2015 E. 8.4.4 und 8.4.5). Es 

ist im Einzelfall abzuwägen, ob die konkret glaubhaft gemachten Risikofak-

toren eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Per-

son darstellen. Dabei ist zu beachten, dass insbesondere jene Rückkehre-

rinnen und Rückkehrer eine begründete Furcht vor einer flüchtlingsrecht-

lich relevanten Verfolgung haben, denen von den sri-lankischen Behörden 

ein Bestreben unterstellt wird, den tamilischen Separatismus wiederaufle-

ben lassen zu wollen (Referenzurteil E-1866/2015 E. 8.5.1).  

E-347/2018 

Seite 16 

7.3.2 Beim Beschwerdeführer sind mehrere der genannten Risikofaktoren 

gegeben: Von (…) war er als Inhaber eines (…)geschäfts wirtschaftlich eng 

mit der LTTE verbunden, indem er einen Grossteil der Aufträge der LTTE 

für (…) übernahm. Zudem war er als Sekretär der lokalen Vereinigung der 

(…), die unter der Schirmherrschaft der LTTE stand, auch in einem gewis-

sen Sinne politisch mit der LTTE verbunden. In dieser Funktion war er auch 

an der Organisation von Heldentagen beteiligt. Entgegen der Einschätzung 

der Vorinstanz handelt es sich dabei um bedeutsame Aktivitäten für die 

LTTE. Dass er nicht Mitglied der LTTE war, sondern sich nur als Sympathi-

sant bezeichnet, ändert nichts daran, dass diese Vergangenheit für ihn 

heute noch eine Gefährdung darstellt. Dass der Beschwerdeführer nach 

dem Abrücken der LTTE und der Ankunft der staatlichen Sicherheitskräfte 

regelmässig verdächtigt wurde, Unruhe zu stiften und an der Wiederbele-

bung der tamilischen Bewegung beteiligt zu sein, lässt auf eine andau-

ernde Gefährdung schliessen, ebenso wie die mehrmaligen Befragungen, 

teilweise unter Schlägen und mit Todesdrohungen, durch Sicherheitskräfte. 

Zusätzliche Risikofaktoren stellen die Umstände dar, dass ein Bruder des 

Beschwerdeführers als Mitglied der LTTE am Ende des Krieges ver-

schwand und sich der Beschwerdeführer aktiv nach dessen Verbleib er-

kundigte, sowie die sichtbaren Narben des Beschwerdeführers. Dass der 

Beschwerdeführer heute noch bedroht ist, lässt schliesslich auch der Um-

stand vermuten, dass sich die Sicherheitskräfte auch nach seiner Flucht 

aus Sri Lanka weiterhin nach ihm erkundigten.  

Der Beschwerdeführer verfügt demnach über ein Profil, aufgrund dessen 

gemäss Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 für ihn ein erhöhtes 

Risiko besteht, im Falle einer Rückkehr in die Heimat erneut ins Visier der 

sri-lankischen Behörden zu geraten und zum Opfer flüchtlingsrechtlich re-

levanter Verfolgung durch diese zu werden. Schliesslich steht ihm keine 

innerstaatliche Fluchtalternative offen, da er vom sri-lankischen Staat ver-

folgt wird, welcher seit Ende des Krieges Zugriff auf das gesamte Staats-

gebiet hat. Vor diesem Hintergrund ist die begründete subjektive Furcht 

des Beschwerdeführers im vorliegenden Einzelfall auch objektiv als nach-

vollziehbar zu bezeichnen.  

8.  

8.1 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer die 

Flüchtlingseigenschaft nicht nur aufgrund seiner exilpolitischen Tätigkeiten 

erfüllt, sondern auch – und unabhängig davon – aufgrund seiner Aktivitäten 

vor seiner Ausreise aus Sri Lanka. Da keine Hinweise auf eine Asylunwür-

digkeit vorliegen, ist ihm Asyl zu gewähren. 

E-347/2018 

Seite 17 

8.2 Den Rügen des Beschwerdeführers bezüglich Verletzung des An-

spruchs auf rechtliches Gehör muss bei diesem Ausgang des Verfahrens 

nicht weiter nachgegangen werden. 

8.3 Der Antrag auf Einsicht in die nicht öffentlichen Quellen des Lagebildes 

vom 16. August 2016 ist abzuweisen (vgl. Urteil des BVGer E-626/2018 

vom 9. Juli 2018 E. 5). 

9.  

Die Beschwerde ist nach dem Gesagten gutzuheissen, soweit sie nicht ge-

genstandslos geworden ist. Die angefochtene Verfügung ist aufzuheben 

und die Vorinstanz anzuweisen, dem Beschwerdeführer in der Schweiz 

Asyl zu gewähren. 

10.  

Es verbleibt der Entscheid über die Kosten und Entschädigungen. Die Be-

schwerde ist betreffend Flüchtlingseigenschaft und Wegweisungsvollzug 

gegenstandlos geworden, weil das SEM die angefochtene Verfügung im 

Rahmen der Vernehmlassung aufgehoben hat. Dies ist als Obsiegen zu 

werten (vgl. Art. 5 und Art. 15 des Reglements vom 21. Februar 2008 über 

die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). Die Beschwerde ist betreffend Ablehnung des 

Asylgesuchs und Wegweisung gutzuheissen. Damit ist von einem vollstän-

digen Obsiegen des Beschwerdeführers auszugehen. 

10.1 Bei diesem Verfahrensausgang sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 

Abs. 1 und 2 VwVG). Der vom Beschwerdeführer bezahlte Kostenvor-

schuss von Fr. 750.– ist zurückzuerstatten. 

10.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 VGKE eine Entschädi-

gung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspre-

chen.  

Es wurde keine Kostennote eingereicht. Der Rechtsvertreter führte in sei-

ner Eingabe vom 19. April 2018 lediglich aus, im Falle einer Abweisung der 

Beschwerde sei zu beachten, dass ihm für das teilweise Obsiegen (auf-

grund der teilweisen Wiedererwägung) eine Parteientschädigung auszu-

richten sei. Diese sei bei einem Aufwand von 18 Stunden auf 1'800.– fest-

zusetzen. Nach dem Gesagten würde daraus für das vollständige Obsie-

gen eine Parteientschädigung von Fr. 3'600.- resultieren. Die Angaben des 

Rechtsvertreters sind jedoch aufgrund der fehlenden Aufschlüsselung des 

E-347/2018 

Seite 18 

Aufwands und der Kosten nicht nachvollziehbar, jedenfalls aber nicht an-

gemessen. Unter Berücksichtigung des Umstands, dass ein grosser Teil 

der Beschwerde und der Beweismittel lediglich allgemeine Ausführungen 

ohne konkreten Bezug zum Beschwerdeführer enthalten und damit als 

nicht notwendig im Sinne von Art. 64 Abs.1 VwVG zu bezeichnen sind, ist 

dem Beschwerdeführer gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemes-

sungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) zulasten der Vorinstanz eine Parteient-

schädigung von insgesamt Fr. 2'000.– (inkl. Auslagen) zuzusprechen. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-347/2018 

Seite 19 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit sie nicht gegenstandslos ist. 

Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben und die Vorinstanz wird an-

gewiesen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. Der bezahlte Kostenvor-

schuss von Fr. 750.– wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 

3.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 2'000.– auszurichten. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Esther Marti Tobias Grasdorf 

 

 

Versand: