# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d802a668-c9bd-529d-9419-bf3a06eca5ff
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-09-22
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 22.09.2011 SB110304
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB110304_2011-09-22.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 
 

Geschäfts-Nr. SB110304-O/U/eh 
 

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. P. Marti, Vorsitzender, lic. iur. M. Langmeier 

und Ersatzoberrichterin lic. iur. R. Affolter sowie die juristische  

Sekretärin lic. iur. C. Semadeni 
 

Urteil vom 22. September 2011 

in Sachen 

A._____,  
Angeklagter und Appellant 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____  
 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis,  
vertreten durch Leitende Staatsanwältin lic. iur. C. Wiederkehr,  

Anklägerin und Appellatin sowie Anschlussappellantin 

 

sowie 

B._____,  
Geschädigter  

 

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____  

betreffend 

mehrfache Gefährdung des Lebens etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 2. Abteilung, vom  
10. November 2010 (DG100422) 

-   2   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 20. August 2010 

ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 20). 

Entscheid der Vorinstanz: 
(Urk. 58 S. 42 ff.) 

"Das Gericht erkennt:  

1. Der Angeklagte A._____ ist schuldig 

− der mehrfachen Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB sowie  

− des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB.  

2. Der Angeklagte wird freigesprochen vom Vorwurf der Nötigung im Sinne von  

 Art. 181 StGB. 

3. Der Angeklagte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu Fr. 50.–, 

wovon 108 Tagessätze als durch Untersuchungshaft geleistet gelten. 

4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre fest-

gesetzt. 

5. Der Angeklagte wird verpflichtet, dem Geschädigten B._____ eine Genugtuung von 

Fr. 500.– zuzüglich 5 % Zins ab 29. September 2008 zu bezahlen. Im Mehrbetrag 

wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

6. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 4'500.-- ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr. 750.--   Kosten der Kantonspolizei  

Fr.     Kanzleikosten Untersuchung  

Fr. 1'210.35   Auslagen Untersuchung  

Fr.     amtliche Verteidigung Untersuchung 

Fr. 14'201.20   amtliche Verteidigung  

Fr. 1'808.40   unentgeltliche Geschädigtenvertretung 
 

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

-   3   - 

7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem  

Angeklagten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unent-

geltlichen Geschädigtenvertretung werden auf die Gerichtskasse genommen.  

8. (Mitteilung) 

9. (Rechtsmittel)  

Sodann beschliesst das Gericht: 

1. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 14. Juli 2010  

beschlagnahmte Schlachtmesser "Victorinox" Nr. ... (Sachkaution Nr. ...) wird einge-

zogen und der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen. 

2. (Mitteilung) 

3. (Rechtsmittel)" 

 

Berufungsanträge: 
(Prot. II S. 3 f.) 

a) der Verteidigung des Angeklagten: 

 (schriftlich; Urk. 52 S. 2) 

 1. Der Beschuldigte sei von sämtlichen Vorwürfen freizusprechen; 

 2. Dem Beschuldigten sei eine Schadenersatz- und Genugtuungszahlung 

in der Höhe von CHF 35'800.00 zuzusprechen;  

 3. Die Zivilforderung des Geschädigten sei vollumfänglich abzuweisen;  

 4. Eventualiter sei der Beschuldigte teilweise freizusprechen und die  

Strafe entsprechend herabzusetzen; 

 5. Subeventualiter sei die von der Vorinstanz ausgesprochene Strafe  

lediglich angemessen herabzusetzen; 

 6. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen gemäss dem Ausgang 

des Verfahrens. 

-   4   - 

b) der Geschädigtenvertretung: 

 (schriftlich; Urk. 68 S. 1) 

 1. Es sei der Appellant im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen und 

angemessen zu bestrafen. 

 2. Die dem Geschädigten von der Vorinstanz mit Urteil vom 10. Novem-

ber 2010 zugesprochene Genugtuungssumme nebst Zins sei zu  

bestätigen.  

 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Angeklagten. 

c) der Anklagebehörde: 

 (schriftlich; Urk. 56) 

 1. Der Angeklagte sei im Sinne des vorinstanzlichen Urteiles schuldig zu 

sprechen.  

 2. Er sei zu einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten sowie einer Busse von 

Fr. 2'000.– zu verurteilen. 

 3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei bei einer Probezeit von 3 Jahren 

aufzuschieben. 

 

Das Gericht erwägt: 

I. Sachverhalt 

1. Am 29. September 2008, ca. 00.10 Uhr, ereignete sich auf dem Parkplatz 

beim Tramdepot C._____ an der D._____-Strasse ... in Zürich … eine tätliche 

Auseinandersetzung zwischen zwei … [Volk] Gruppen. Folgende 14 Personen 

waren daran beteiligt:  

 

-   5   - 

Gruppe des Angeklagten (fuhr im BMW zur C._____) 

• E._____      ('E1._____') Lenker des BMW 

• A._____      ('A1._____') Beifahrer, Angeklagter 

• F._____      ('F1._____') Mitfahrer hinten links 

• G._____      ('G1._____') Mitfahrer hinten Mitte 

• H._____      ('H1._____') Mitfahrer hinten rechts 

Gegnerische Gruppe (befand sich bei der C._____ oder in der Nähe) 

• B._____      ('B1._____') Geschädigter 

• I._____      ('I1._____') 

• J._____ 

• K._____      ('K1._____' / 'K2._____') 

• L._____      ('L1._____') 

• M._____ 

• N._____ 

• O._____ alias 
O1._____      ('O2._____') 

• P._____      ('P1._____') zweiter Verletzter 

2. Bei dieser tätlichen Auseinandersetzung schlugen die Beteiligten gegen-

seitig u.a. mit Eisenstangen aufeinander ein. Seitens der Gruppe des Angeklagten 

wurden mit dem von F._____ ('F1._____') mitgeführten Gewehr Schüsse abge-

geben und mit dem vom Angeklagten mitgeführten Messer wurde herumgefuch-

telt. Im Laufe dieser Auseinandersetzung erlitt P._____ eine durch einen  

unbekannten scharfen und spitzen Gegenstand verursachte schwere Stichverlet-

zung am Hals nebst Bruch des Kehlkopfskeletts und einer Rissquetschwunde  

über dem linken Auge (Urk. 10/8). Beim Geschädigten B._____ ('B1._____') re-

sultierten zwei Wunden am rechten Oberarm (Schuss- oder Stichverletzung; Urk. 

11/3). Die ausgerückte Stadtpolizei Zürich konnte mehrere Tatverdächtige  

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teilweise noch vor Ort und in der Tatnacht festnehmen. Der Angeklagte wurde 

rund einen Tag später, am 30. September 2008 10.00 Uhr, an seinem Wohnort in 

… verhaftet. 

II. Verfahrensgang  

1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil des Bezirks-

gerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 10. November 2010 wurde der Angeklagte der 

mehrfachen Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB sowie des Rauf-

handels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen (Dispositivziffer 

1). Vom Vorwurf der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB sprach die Vorinstanz 

den Angeklagten frei (Dispositivziffer 2). Der Angeklagte wurde bestraft mit einer 

Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu Fr. 50.--, davon sind 108 Tagessätze bereits 

durch Untersuchungshaft geleistet (Dispositivziffer 3). Der Vollzug der Geldstrafe 

wurde aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt (Dispositivziffer 4).  

Zudem verpflichtete die Vorinstanz den Angeklagten, dem Geschädigten  

B._____ ('B1._____') eine Genugtuung von Fr. 500.-- zuzüglich 5 % Zins ab  

29. September 2008 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wies die Vorinstanz das Genug-

tuungsbegehren ab (Dispositivziffer 5).  

Mit Beschluss vom gleichen Tag wurde das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft 

Limmattal / Albis vom 14. Juli 2010 beschlagnahmte Schlachtmesser "Victorinox" 

Nr. ... (Sachkaution Nr. ...) eingezogen und der Lagerbehörde zur gutscheinenden 

Verwendung überlassen (Beschluss Dispositivziffer 1).  

2. Gegen diesen Entscheid liess der Angeklagte mit Schreiben vom  

11. November 2010 (Poststempel vom gleichen Tag) durch seinen amtlichen Ver-

teidiger rechtzeitig Berufung anmelden (Urk. 40). Mit Eingabe vom 9. März 2011 

(Poststempel 9. März 2011) reichte der Verteidiger fristgerecht die Beanstandun-

gen ein (Urk. 50/2; Urk. 52). Die Staatsanwaltschaft hat ebenfalls innert Frist mit 

Eingabe vom 24. März 2011 (Poststempel 25. März 2011) Anschlussberufung  

erhoben (Urk. 53; Urk. 55/3; Urk. 56). Beweisergänzungsanträge wurden im  

Berufungsverfahren nicht gestellt (Urk. 62; Urk. 64/1).  

-   7   - 

III. Prozessuales 

1.  Anwendbares Prozessrecht 

Auf den 1. Januar 2011 ist die Schweizerische Strafprozessordnung in Kraft  

getreten (StPO; SR 312.0). Ist ein Entscheid vor Inkrafttreten dieses Gesetzes  

gefällt worden, so werden Rechtsmittel dagegen nach bisherigem Recht, von den 

bisher zuständigen Behörden, beurteilt (Art. 453 Abs. 1 StPO). Das angefochtene 

Urteil datiert vom 10. November 2010 und damit vor dem 1. Januar 2011. Dem-

nach sind vorliegend als Prozessrecht die Zürcher Strafprozessordnung 

(StPO/ZH; LS 321) sowie das Zürcher Gerichtsverfassungsgesetz (GVG/ZH; 

LS 211.1) anwendbar. 

2. Gegenstand der Berufung 

Der Angeklagte beantragt im Hauptstandpunkt Freispruch von sämtlichen Vor-

würfen (Urk. 52 S. 2; vgl. hierzu auch Prot. II S. 5 f.). Damit ficht er den  

erstinstanzlichen Entscheid weitgehend an. Nicht angefochten sind der Teil-

freispruch vom Vorwurf der Nötigung (Urteil Dispositivziffer 2), die Kostenfest-

setzung (Urteil Dispositivziffer 6) und die Einziehung (Beschluss Dispositiv- 

ziffer 1). Vom Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnungen ist vorab Vormerk zu 

nehmen (§ 413 StPO/ZH; BGE 6B_321/2009 E. 1.2). 

IV. Schuldpunkt und rechtliche Würdigung 

1. Anklagevorwurf 

Dem Angeklagten wird zusammengefasst das Folgende vorgeworfen (Urk. 20):  

1.1 Er habe sich am Sonntagabend, 28. September 2008, in Zürich mit seinen 

Kollegen E._____ ('E1._____'), F._____ ('F1._____'), G._____ ('G1._____') und 

H._____ ('H1._____') getroffen und mit ihnen gemeinsam verschiedene Restau-

rants aufgesucht und Alkohol konsumiert. Um ca. 23.30 Uhr habe E._____  

('E1._____') einen Telefonanruf von B._____ ('B1._____') erhalten mit der Auffor-

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derung, sich bei der Tramhaltestelle C._____ an der D._____-Strasse ... in Zürich 

zu treffen, um ein Problem, welches zwischen ihnen aufgrund einer früheren 

Schlägerei bestand, zu bereinigen. Der Angeklagte und seine vier Begleiter seien 

dieser Aufforderung gefolgt und hätten sich gemeinsam mit dem Fahrzeug von  

E._____ ('E1._____') von der …-Strasse an die C._____ begeben.  

Der Angeklagte und seine Begleiter hätten von E._____ ('E1._____') gewusst,  

dass B._____ ('B1._____') E._____ ('E1._____') zu einer Schlägerei aufforderte 

und damit gerechnet, dass sich vor Ort viele Personen aus der Gruppe von  

B._____ ('B1._____') zu dessen Verstärkung aufhalten werden und dass es zu 

einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen den beiden sich feindlich  

gesinnten Gruppen kommen könnte. F._____ ('F1._____') habe vor der Fahrt an 

die C._____ ein Gewehr aus dem Kofferraum behändigt und unterwegs auf dem 

Rücksitz Munition in das Gewehr eingeführt. Der Angeklagte als Beifahrer habe  

ein Schlachtmesser der Marke "Victorinox" mit einer Klingenlänge von ca. 31 cm 

und einer Klingenbreite von max. 5 cm mit sich geführt.  

1.2 Beim Tramdepot C._____ seien sie bereits von B._____ ('B1._____') und  

ca. 10 weiteren Personen erwartet worden. E._____ ('E1._____') und B._____ 

('B1._____') hätten sich gegenseitig zu schlagen begonnen. Daraufhin seien auch  

der Angeklagte, F._____ ('F1._____') und H._____ ('H1._____') aus dem Auto 

ausgestiegen und hätten sich in die Auseinandersetzung eingemischt. Es sei zu  

einer wechselseitigen tätlichen Auseinandersetzung gekommen, wobei die Betei-

ligten gegenseitig u.a. mit Eisenstangen aufeinander eingeschlagen hätten. Sei-

tens der Gruppe des Angeklagten seien aus dem von F._____ ('F1._____')  

mitgeführten Gewehr Schüsse abgegeben und es sei mit dem vom Angeklagten 

mitgeführten Messer herumgefuchtelt worden. Das führte bei B._____  

('B1._____') und bei P._____ zu den erwähnten Verletzungen.  

1.3 Gemäss Anklage hat sich der Angeklagte wissentlich und willentlich aktiv an 

der tätlichen Auseinandersetzung zwischen den beiden Gruppen beteiligt. Seine 

Beteiligung sei deutlich über eine blosse Abwehr hinausgegangen. Zunächst habe  

er zusammen mit den weiteren Personen zugeschaut, wie sich E._____ 

('E1._____') mit B._____ ('B1._____') geschlagen habe. Dann aber habe er sich  

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am gegenseitig aufeinander Losgehen und Einschlagen beteiligt, wobei auch er  

Schläge im Gesicht und Schürfwunden am linken Arm einstecken musste, habe 

sich zurück zum Auto begeben und daraus auf der Beifahrerseite das von ihm 

mitgeführte Schlachtmesser behändigt. Mit diesem in der Hand sei er zur Perso-

nengruppe zurückgekehrt und habe sich in Richtung von B._____ ('B1._____') 

begeben. Als sich ca. sechs bis sieben Leute aus der gegnerischen Gruppe ihm 

in den Weg gestellt hätten, um ihn aufzuhalten, habe er seinen Arm ca. auf Höhe 

seiner Schultern ausgestreckt und begonnen, mit dem langen Messer in der Hand 

vor diesen Leuten herumzufuchteln. Mit einem Abstand zu diesen Personen von 

ca. einem Meter habe er mit dem Messer in nächster Nähe, ca. auf Hals- bzw. 

Kopfhöhe dieser Personen, mehrere schnelle horizontale Hin- und Herbewegun-

gen ausgeführt. 

Um nicht verletzt zu werden, seien diese Leute zurückgewichen, was der  

Angeklagte gewollt habe. Mit seinen Bewegungen habe der Angeklagte diesen 

Personen schwere Messerverletzungen angedroht, sofern sie nicht aus dem Weg 

gehen und ungehinderten Zugang auf B._____ ('B1._____') ermöglichen würden.  

Nach Zurückweichen der Leute aufgrund seiner Drohgebärden habe der Ange-

klagte gegenüber B._____ ('B1._____') aus ca. einem Meter Distanz wiederum 

mit seinem Messer ca. auf dessen Hals- bzw. Kopfhöhe mehrere horizontale 

Schneidebewegungen in der Luft durchgeführt mit dem Zweck, dem Gegner 

Angst einzujagen und ihn zum Weggehen zu bewegen. Der um sein Leben fürch-

tende und mit seinem Arm Hals und Kopf schützende B._____ ('B1._____') sei 

zurückgewichen, um nicht vom Messer verletzt zu werden. Mit diesem Verhalten 

habe der Angeklagte eine konkrete unmittelbare Gefahr für Leib und Leben dieser 

Personen geschaffen. Schliesslich sei es den Leuten aus der Gruppe von 

B._____ ('B1._____') gelungen, dem Angeklagten das Messer abzunehmen, wo-

rauf dieser vom Tatort geflüchtet sei.  

2. Standpunkt des Angeklagten 

Der Angeklagte anerkannte im Laufe des Verfahrens seine Beteiligung an der tät-

lichen Auseinandersetzung sowie dass er mit seinem Schlachtmesser herumge-

fuchtelt und in unmittelbarer Nähe von mehreren gegnerischen Personen horizon-

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tale Schnittbewegungen ausführte, so dass diese zurückwichen. Er stellt sich je-

doch einerseits auf den Standpunkt, er habe vorgängig nicht gewusst und auch 

nicht damit rechnen müssen, dass es zu einer Auseinandersetzung kommen wür-

de. Zweck des Treffens sei gewesen, mit den Leuten zu reden (Urk. 3/1 S. 2 f.; 

Urk. 35 S. 6 und 8; Prot. II S. 13). 

Zudem habe er nur Abwehrbewegungen gemacht, da er angegriffen worden sei, 

nachdem er nur habe schlichten wollen. Das Messer habe er erst aus dem Auto 

geholt und benutzt, als er durch Angreifer der gegnerischen Gruppe verprügelt 

worden sei, um diese (ihn zum Auto verfolgenden Personen) zurückzutreiben und 

sich so den einzigen Fluchtweg zu ermöglichen (Urk. 3/1 - 3/4; Urk. 33 S. 5;  

Urk. 35 S. 8 ff.; Prot. II S. 18 ff.). Mit andern Worten beruft er sich auf eine  

Notwehrsituation (Urk. 35 S. 8 ff.; Urk. 52 S. 3 und 5 f.; Prot. II S. 25 f.).  

3. Grundsätze der Beweiswürdigung 

3.1 Insoweit der Angeklagte das ihm vorgeworfene Handeln nach wie vor  

bestreitet, ist zu prüfen, ob der bestrittene Sachverhalt aufgrund der Unter-

suchungsakten, namentlich der eigenen Aussagen des Angeklagten und jener der 

weiteren Beteiligten sowie der vor Gericht vorgebrachten Argumente rechts-

genügend erstellt werden kann. 

3.2 Gemäss dem in Art. 8 und 32 Abs. 1 BV sowie Art. 6 Ziff. 2 EMRK veranker-

ten Grundsatz "in dubio pro reo" (im Zweifel für den Angeklagten) ist bis zum  

gesetzlichen Nachweis seiner Schuld zu vermuten, dass der wegen einer straf-

baren Handlung Angeklagte unschuldig ist (BGE 127 I 40, 120 Ia 31, E. 2b; BGE 

6S.363/2006 vom 28. Dezember 2006, E. 4; Pra 2002 Nr. 2 S. 4 f. und  

Nr. 180 S. 957 f.). Als Beweislastregel bedeutet die Maxime, dass es Sache der 

Anklagebehörde ist, die Schuld des Angeklagten zu beweisen, und nicht dieser 

seine Unschuld nachweisen muss (Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, 4. Aufl., 

Zürich 2004, N 599; BGE 127 I 40). Der Grundsatz "in dubio pro reo" ist verletzt, 

wenn der Strafrichter einen Angeklagten (einzig) mit der Begründung verurteilt, er 

habe seine Unschuld nicht nachgewiesen (BGE 127 I 38, E. 2a mit Hinweis). Als 

Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime, dass sich der Strafrichter nicht von 

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der Existenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhaltes überzeugt  

erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung erhebliche und nicht zu unter-

drückende Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (BGE 

6P.155/2006 und 6S.363/2006 vom 28. Dezember 2006, E. 4.1). In diesem Fall ist 

der Angeklagte freizusprechen (statt vieler: Corboz, "in dubio pro reo", in ZBJV 

1993 S. 419 f.). Die Überzeugung des Richters muss auf einem verstandes-

gemäss einleuchtenden Schluss beruhen und für den unbefangenen Beobachter 

nachvollziehbar sein (Hauser / Schweri / Hartmann, Schweizerisches Straf-

prozessrecht, 6. Aufl., Basel, 2005, Rz 11 S. 247). Soweit ein direkter Beweis 

nicht möglich ist, ist der Nachweis der Tat mit Indizien zu führen, wobei die  

Gesamtheit der einzelnen Indizien, deren "Mosaik" zu würdigen ist (Arzt, In dubio 

contra, in Zeitschrift für Strafrecht 115, S. 197; Pra 2002 Nr. 180 S. 962 f.,  

Ziff. 3.4.). 

Ein Schuldspruch darf demnach nur dann erfolgen, wenn die Schuld des Ange-

klagten mit hinreichender Sicherheit erwiesen ist, das heisst Beweise dafür vor-

liegen, dass der Angeklagte mit seinem Verhalten objektiv und subjektiv den ihm 

zur Last gelegten Straftatbestand verwirklicht hat. Dabei kann nicht verlangt  

werden, dass die Tatschuld gleichsam mathematisch sicher und unter allen  

Aspekten unwiderlegbar feststehe (Niklaus Schmid, a.a.O., N 288). Es liegt in der 

Natur der Sache, dass mit menschlichen Erkenntnismitteln keine absolute Sicher-

heit in der Beweisführung erreicht werden kann; daher muss es genügen, wenn 

vernünftige Zweifel an der Schuld des Angeklagten ausgeschlossen werden  

können, der Richter subjektiv mit Gewissheit von der Schuld des Angeklagten 

überzeugt ist (Kassationsgerichtsentscheid vom 26. Juni 2003 Nr. 2002/387S,  

E. 2.2.1 samt Hinweisen). Hingegen darf ein Schuldspruch nie auf blosser Wahr-

scheinlichkeit beruhen. Aufgabe des Richters ist es, seinem Gewissen verpflichtet 

in objektiver Würdigung des gesamten Beweisergebnisses zu prüfen, ob er von 

einem bestimmten Sachverhalt überzeugt ist und an sich mögliche Zweifel an 

dessen Richtigkeit zu überwinden vermag (§ 284 StPO/ZH; ZR 72 Nr. 80;  

Guldener, Beweiswürdigung und Beweislast, S. 7; BGE 124 IV 88, 120 Ia 31 E. 

2c). Bloss abstrakte oder theoretische Zweifel dürfen dabei nicht massgebend 

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sein, weil solche immer möglich sind (Hauser / Schweri / Hartmann, a.a.O., Rz 12  

S. 247).  

Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, so sind diese frei 

zu würdigen. Es ist anhand sämtlicher Umstände, die sich aus den Akten und den 

Verhandlungen ergeben, zu untersuchen, welche Sachdarstellung überzeugend 

ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt der Aussagen ankommt, ver-

bunden mit der Art und Weise, wie die Angaben erfolgen. Bei der Würdigung von 

Aussagen darf nicht einfach auf die Persönlichkeit oder allgemeine Glaubwürdig-

keit von Aussagenden abgestellt werden. Massgebend ist vielmehr die Glaub-

haftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussagen. Diese sind einer  

kritischen Würdigung zu unterziehen, wobei auf das Vorhandensein von so  

genannten Realitätskriterien grosses Gewicht zu legen ist (R. Bender, Die  

häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, in SJZ 81 [1985] 

S. 53 ff.; Bender / Nack / Treuer, Tatsachenfeststellungen vor Gericht, Band I, 

Glaubwürdigkeits- und Beweislehre, 3. Aufl., München 2007, S. 68 ff.). 

3.3 Glaubwürdigkeit  

Beim Abwägen von Aussagen ist zwischen der Glaubwürdigkeit einer Person und 

der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen zu unterscheiden. Die Glaubwürdigkeit liefert 

die Grundlage dafür, ob einer Person getraut werden kann. Sie ergibt sich aus der 

prozessualen Stellung einer Person sowie aus ihren persönlichen Beziehungen 

und Bindungen zu den übrigen Prozessbeteiligten. Die in erster Linie wichtige 

Glaubhaftigkeit der Aussagen ist massgebend für die Beantwortung der Frage, ob 

sich der Sachverhalt im Wesentlichen so ereignet hat, wie er im Prozess einge-

klagt ist.  

3.3.1  Zu den Aussagen des Angeklagten ist vorerst festzuhalten, dass ein  

Beschuldigter im Strafprozess Objekt und Subjekt zugleich ist (Schmid, a.a.O., 

N 613, N 469 ff.). Seine Doppelstellung bedeutet konkret, dass sich einerseits das 

Strafverfahren gegen ihn richtet, andererseits seine Aussagen als Beweismittel für 

und gegen ihn verwendet werden können. Eine Pflicht, durch aktives Verhalten 

die Untersuchung zu fördern und so zu seiner eigenen Überführung beizutragen, 

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trifft den Beschuldigten nicht (Schmid, a.a.O., N 472 ff.). So ist ein Beschuldigter 

im Rahmen der Selbstbegünstigung grundsätzlich nicht zur wahrheitsgemässen 

Aussage verpflichtet, was einleuchtet. Vielmehr hat er ein – durchaus legitimes – 

Interesse daran, die Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzustellen. 

Die Aussagen des Angeklagten sind daher mit einer gewissen Vorsicht zu  

würdigen, zumal er bei einem Schuldspruch neben strafrechtlichen Konsequen-

zen auch mit zivilrechtlichen Forderungen des Geschädigten konfrontiert wäre. 

3.3.2  Was die übrigen Verfahrensbeteiligten betrifft (vgl. die Einvernahmen in 

Urk. 4/1 - 4/34 und Urk. 5/1 sowie die Konfrontationseinvernahmen in Urk. 6/1-

10), hat sich die Vorinstanz einlässlich und zutreffend zu deren Glaubwürdigkeit 

und ergänzend zur Verwertbarkeit der Aussagen geäussert (Urk. 58 S. 7-9).  

Kurz zusammengefasst wurden sämtliche Beteiligte ebenfalls als Angeschuldigte 

befragt, mit Ausnahme von P._____ ('P1._____'), der nie angeschuldigt wurde 

und Auskunftsperson blieb. Bei dessen Aussagen ist das Risiko, sich auf Kosten 

anderer zu entlasten, weniger gross. Die Aussagen der Mitangeschuldigten sind 

jedoch ebenso mit Vorsicht zu würdigen wie jene des Angeklagten, hat doch jeder 

einzelne primär ein Interesse daran, sich selber in ein günstiges Licht zu rücken. 

Damit einher geht das Interesse, die ganze eigene Gruppe zu schonen und zu 

entlasten und entsprechend die Gefahr, die gegnerische Gruppe zu Unrecht oder 

übermässig zu belasten. Soweit der Angeklagte durch Begleiter der gegnerischen 

Gruppe belastet wird, ist daher besondere Vorsicht geboten. Belastende Aus-

sagen von seinen eigenen Begleitern sind weniger heikel; es bleibt aber immerhin 

das theoretische Risiko, dass auch diese Leute ihren eigenen Tatbeitrag auf  

Kosten des Angeklagten günstiger darstellen könnten. Bei B._____ ('B1._____') 

als Geschädigtem ist zudem ein finanzielles Interesse am Verfahrensausgang 

wegen des gestellten Genugtuungsbegehrens zu berücksichtigen.  

Die Aussagen des Geschädigten B._____ ('B1._____') sowie der weiteren Betei-

ligten L._____ ('L1._____') und G._____ ('G1._____') können ohne Einschrän-

kung als Beweismittel verwertet werden, da der Angeklagte diesen in je einer 

Konfrontationseinvernahme gegenübergestellt wurde. Auf sämtliche anderen  

Aussagen darf nur abgestellt werden, soweit sie den Angeklagten nicht belasten 

-   14   - 

(vgl. § 15 StPO/ZH). Im Folgenden sind die Aussagen des Angeklagten sowie die  

voll verwertbaren Aussagen der drei genannten Personen zu würdigen. Aber auch 

die Aussagen der weiteren Personen - insbesondere der Personen, die mit dem 

Angeklagten und E._____ im Auto sassen - sind darauf zu prüfen, ob sie den An-

geklagten entlasten. 

3.4 Aussagen der Beteiligten 

Im angefochtenen Urteil sind die Aussagen aller 14 an der tätlichen Auseinander-

setzung Beteiligten in den massgeblichen Aspekten sorgfältig dargestellt, worauf 

zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen und unter Vorbehalt von Abweichun-

gen in den nachstehenden Erwägungen vorab verwiesen werden kann (Urk. 58 

S. 10-26; § 161 GVG/ZH).  

4. Würdigung der Geschehnisse im Vorfeld der Auseinandersetzung 

4.1 Schon die eigenen, teilweise widersprüchlichen, unlogischen und realitäts-

fremden Erklärungen des Angeklagten zum Zweck der gemeinsamen Autofahrt 

der fünf Personen an den Ort des Treffens und zum Grund seiner Bewaffnung 

deuten darauf, dass der Angeklagte sehr wohl mit einer gewaltsamen Auseinan-

dersetzung der beiden verfeindeten Personengruppen rechnete bzw. rechnen 

musste.  

4.1.1  Zum einen kontrastiert seine Behauptung, es sei beim Treffen nur darum 

gegangen, zu reden (Urk. 3/1 S. 2 f.; Urk. 3/3 S. 4), mit dem Wissen des Ange-

klagten, dass es Probleme gab zwischen E._____ ('E1._____') und B._____  

('B1._____'). E._____ ('E1._____') sei nach dessen Telefonanruf sehr wütend auf 

B._____ ('B1._____') gewesen wegen früherer Probleme. Weil E._____  

('E1._____') so hässig gewesen sei, habe man annehmen müssen, dass es Prob-

leme gebe (Urk. 3/3 S. 4; Urk. 35 S. 5 f.). B._____ ('B1._____') mache immer  

Probleme (Urk. 3/1 S. 7). Den Schlussvorhalt - er und seine Begleiter hätten von 

E._____ ('E1._____') gewusst, dass B._____ ('B1._____') E._____ ('E1._____') 

zu einer Schlägerei aufforderte und dass es zu einer gewalttätigen Auseinander-

setzung kommen könnte bzw. dass es um eine Problembereinigung zwischen  

-   15   - 

diesen beiden Kontrahenten aufgrund einer früheren Schlägerei ging - anerkannte 

der Angeklagte vorbehaltlos (Urk. 3/4 S. 10 und 13). Wenn der Angeklagte bei  

dieser von ihm selber gezeichneten Ausgangslage umgekehrt wiederholt den 

Unwissenden mimte und jeglichen Gedanken an die Möglichkeit einer Schlägerei  

negierte (Urk. 3/4 S. 5; Urk. 6/1 S. 11; Urk. 35 S. 6 und 8; Prot. II S. 13 ff.), ist das 

völlig unglaubhaft.  

4.1.2  Es ist ferner nicht einzusehen, weshalb es seitens des Angeklagten eines 

Aufmarsches von fünf Personen bedurfte, wenn E._____ ('E1._____') und 

B._____ ('B1._____') einzig beabsichtigen, ein früheres Problem nur kurz und  

verbal zu bereinigen (Urk. 33 S. 3 f.). Für den Angeklagten gilt das umso mehr,  

als er damals eigentlich nur noch eines wollte: nach Hause, weil er völlig  

betrunken und hundemüde war und am folgenden Morgen arbeiten musste  

(Urk. 3/1 S. 3 und 7; Urk. 35 S. 6; Urk. 33 S. 3; Prot. II S. 13 f.). Dass er dennoch 

mitging, nachdem E._____ ('E1._____') gesagt habe: "Gehen wir zuerst dorthin,  

anschliessend kannst du nach Hause gehen" (vgl. Urk. 35 S. 6; ähnlich Urk. 3/1 

S. 3), spricht für gezieltes Begleiten von E._____ ('E1._____') zum fraglichen  

Treffen im Hinblick auf eine mögliche Eskalation. Von Druckausübung durch  

E._____ ('E1._____') (nicht locker lassen) und daraufhin widerwilligem Mitgehen  

des Angeklagten - so der Verteidiger (Urk. 33 S. 4) - findet sich in den eigenen  

Ausführungen des Angeklagten nichts. Der kollektive Aufmarsch deutet  

unübersehbar auf eine handgreifliche Austragung des Problems.  

4.1.3  Hinzu kommt die zunächst schwammige Darstellung zur Präsenz des  

Messers und sodann die nicht nachvollziehbare Erklärung des Angeklagten zur 

Frage, weshalb er ein Messer mit sich führte. Anfangs wollte er sich nicht daran 

erinnern, woher er das Messer hatte. Entweder im Auto oder sonst wo habe es 

ein Messer gehabt. Er wisse nicht was für ein Messer, es sei Nacht gewesen und 

er habe Bier getrunken. Er wisse nicht, woher es stamme; ein so grosses Messer 

habe er nicht (Urk. 3/1 S. 4 f.). Erst im Laufe des Verfahrens gab er zögerlich zu, 

dass es sich um sein Messer handelte (Urk. 3/3 S. 2 f.). Er habe dieses aus  

seinem Zimmer. Auf die Frage, wie das Messer von seinem Zimmer an den Tatort 

gelangt sei, erklärte der Angeklagte, er sei diesbezüglich immer noch am  

-   16   - 

Studieren. Möglich sei, dass er es in seine Jacke gesteckt habe, als er Geld in 

seinem Zimmer geholt habe, bevor er ins "Q._____" gegangen sei. Das Messer 

trage er ab und zu bei sich, wenn er in ein … Restaurant gehe, weil er im Jahr 

2008 an der …-Strasse einmal von 5 bis 6 … [Angehörige des Volkes U._____] 

und 2 …[Angehörige des Staates V._____] angegriffen worden sei. Dennoch 

nahm er das Messer am fraglichen Abend aber nicht mit ins … Restaurant 

"Q._____". Er habe das Messer aus der Jacke genommen und im Auto beim Bei-

fahrersitz auf den Boden gelegt, weil es "chli schwer" gewesen sei. Er sei ja  

auch mit E._____ ('E1._____') dorthin gefahren (Urk. 3/3 S. 5). In den späteren 

Einvernahmen schilderte er das Geschehen dann einigermassen gleichbleibend 

(Urk. 3/4 S. 5 f.), wobei er vor Vorinstanz abweichend angab, das Messer im  

"Q._____" offen in einer inneren Tasche seiner Jacke mitgetragen zu haben (Urk. 

35 S. 6 f.). Heute wiederum wich er von dieser Version ab. Zwar bestätigte der 

Angeklagte, das Messer aus Angst von zuhause mitgenommen zu haben - trans-

portiert habe er es mit offener Klinge in der Jacke -, allerdings vermochte er sich  

nicht mehr daran erinnern, ob er das Messer in das Restaurant hineingenommen, 

oder ob er es im Auto gelassen habe (Prot. II S. 14 f.).  

Es ist der Vorinstanz beizupflichten, wenn sie diese Schilderungen als schlicht zu 

grotesk bezeichnete, um dem Angeklagten das behauptete Nichtwissen um eine 

bevorstehende feindselige Begegnung abzunehmen (Urk. 58 S. 26 und 28). In der 

Tat führt kein halbwegs verständiger Mensch rein präventiv ein scharfes 

Schlachtmesser (Gesamtlänge 45.5 cm, Klingenlänge ca. 30 cm) offen in der  

Innentasche seiner Jacke mit sich, um sich vor möglichen Angriffen zu schützen. 

Einerseits lässt sich ein Messer von dieser Grösse kaum in einer Innentasche 

verstauen und - abgesehen von der Tatsache, dass man sich so dauernd die  

eigenen Kleider zerschneiden würde - setzt man sich überdies der Gefahr der 

Selbstverletzung aus. Anderseits hat der Angeklagte aber selber das Messer als 

etwas schwer bezeichnet und es - gemäss anderer Variante - deshalb im Auto  

zurückgelassen, obwohl er sich angeblich gerade im fraglichen Lokal besonders 

fürchtete. Es leuchtet im Übrigen nicht ein, weshalb er einen für ihn derartigen Ort 

des Grauens nach dem früheren Negativerlebnis nicht einfach mied, statt ein  

Fleischermesser zum Eigenschutz mitzunehmen. Abgesehen davon ist es  

-   17   - 

unlogisch und reicht bei der ins Feld geführten Angst nicht aus, nur ab und zu ein 

Messer mitzunehmen.  

4.1.4  Auffällig ist weiter eine Diskrepanz zwischen den Aussagen des Angeklag-

ten und jenen seiner eigenen Gruppenmitglieder: Auf Vorhalt von deren Aus-

sagen, wonach er während der Autofahrt vom "Q._____" zur C._____ ausgestie-

gen und beim …platz wieder zugestiegen sei (Urk. 4/10 S. 10; Urk. 4/17 S. 4; Urk. 

4/19 S. 9; Urk. 6/3 S. 2), erklärte der Angeklagte, er glaube nicht, dass dies so 

gewesen sei. Er wisse es aber nicht mehr (Urk. 3/3 S. 3). Er bestritt, im Wissen 

darum, dass es eine Auseinandersetzung geben würde, während der Hinfahrt zur  

C._____ aus dem Auto gestiegen zu sein, um zu Hause sein Messer zu holen.  

E._____ ('E1._____') kenne diese Leute sehr gut und habe nur hinfahren wollen, 

um zu reden (Urk. 3/3 S. 2 ff. und 7). Heute bestritt der Angeklagte dezidiert,  

auf dem Weg zur C._____ noch einmal ausgestiegen zu sein, um das Messer zu 

holen (Prot. II S. 16). Obwohl vieles darauf hindeutet, dass der Angeklagte das  

Messer effektiv während der Fahrt geholt hat, kann dies letztlich offen bleiben.  

Aufgrund der gesamten Umstände ist jedenfalls mit der Vorinstanz der Schluss zu 

ziehen, dass der Angeklagte sein Schlachtmesser nicht als Selbstverteidigungs-,  

sondern vielmehr als Angriffswaffe mitgeführt hat. Dies wiederum ist ein deutlicher 

Hinweis darauf, dass er sehr wohl davon ausging, dass es bei der C._____ zu  

Feindseligkeiten kommen würde, als sie zu fünft dorthin fuhren (vgl. auch folgen-

de Erwägung 4.2).  

4.2 Dass eine gewalttätige Auseinandersetzung in der Luft lag, war dem Ange-

klagten aber auch angesichts des Verhaltens seiner Begleiter klar. Die Bitte von  

E._____ ('E1._____'), der Angeklagte solle zur C._____ mitkommen, lässt sich 

vor dem geschilderten Hintergrund nur auf eine Weise deuten, nämlich, dass eine  

Abrechnung bevorstand. Dies obschon auch E._____ ('E1._____') stets davon  

sprach, er habe mit dem Geschädigten B._____ ('B1._____') lediglich reden wol-

len. Schon die telefonische Kommunikation zwischen den beiden Widersachern 

war laut deren Schilderungen ziemlich unfreundlich verlaufen. An dieser Stelle ist  

einerseits auf Urk. 4/1 S. 6 und Urk. 4/17 S. 2 zu verweisen, wonach B._____ 

('B1._____') wegen einer früheren Schlägerei nervös und aggressiv gewesen sei  

-   18   - 

und ihm gedroht habe, ihn zu schlagen bzw. umzubringen, wenn er nicht zum 

Treffen erscheine; anderseits u.a. auf Urk. 4/18 S. 2 ff., wonach E._____  

('E1._____') wütend gewesen sei. Damit bestand bereits aufgrund des vorange-

henden Telefongesprächs eine erheblich aufgeheizte Stimmung, was - wie bereits 

dargelegt - auch der Angeklagte realisiert hatte, ebenso wie F._____ ('F1._____')  

(vgl. Urk. 4/19 S. 3). Entsprechend erwartete E._____ ('E1._____') Probleme mit 

dem Geschädigten B._____ ('B1._____') und umgekehrt. Auch laut den Aussagen  

von H._____ ('H1._____') und F._____ ('F1._____') ging man davon aus, dass es 

bei der C._____ zu einer Schlägerei kommen würde (Urk. 4/14 S. 1 f.; Urk. 4/12 

S. 5 f.; Urk. 4/19 S. 4). Wie schon die Vorinstanz korrekt feststellte, entlasten die 

Ausführungen von E._____ ('E1._____'), H._____ ('H1._____') und F._____ 

('F1._____') den Angeklagten nicht. Die Aussage von G._____ ('G1._____') ist 

sodann klar belastend, legte er doch dar, der Angeklagte sei bereits sehr aggres-

siv gewesen, als der Geschädigte B._____ ('B1._____') E._____ ('E1._____') an-

gerufen und ihn zur C._____ bestellt habe. Der Angeklagte habe unbedingt  

mitgehen und das Problem lösen wollen (Urk. 4/28 S. 4; Bestätigung in der Kon-

frontationseinvernahme mit dem Angeklagten, Urk. 6/3 S. 2). Die Version des An-

geklagten, wonach er nicht mit einer tätlichen Auseinandersetzung  

rechnete, hält somit auch vor den Aussagen seiner Begleiter nicht stand. Vor  

diesem Hintergrund ist auch unglaubhaft, dass der Angeklagte weder gesehen 

haben will, wie F._____ ('F1._____') vor der Fahrt das Gewehr aus dem Koffer-

raum mit ins Wageninnere nahm und noch gesehen oder gehört haben will, wie 

F._____ ('F1._____') während der Fahrt damit manipulierte (Urk. 4/19 S. 3, 5-7; 

Urk. 4/31 S. 2; Urk. 4/10 S. 9 f.; Urk. 6/3 S. 2; Urk. 35 S. 8; Prot. II S. 17). Ins glei-

che Kapitel unglaubhafter Darstellung gehört nebenbei erwähnt die Verneinung 

des Angeklagten, bei der gewaltsamen Auseinandersetzung Schüsse vernommen  

zu haben. Einerseits lagen auf dem Parkplatz im Bereich des BMW sowie auf 

dem Rücksitz des BMW u.a. mehrere Patronen bzw. -hülsen des sichergestellten  

Gewehrs (Urk. 1/1 S. 11 f.; Urk. 1/4, Fotos; Urk. 7/2 S. 8). Zudem hatten praktisch 

alle Beteiligten von einem oder mehreren Schüssen berichtet, namentlich auch  

der Geschädigte B._____ ('B1._____') sowie L._____ ('L1._____') und G._____ 

('G1._____'), deren Aussagen uneingeschränkt verwertbar sind.  

-   19   - 

4.3 Mit der Vorinstanz (vgl. Urk. 58 S. 27 f.) ist der Schluss zu ziehen, dass der 

Angeklagte von Beginn an keineswegs annahm, man werde dem Geschädigten 

B._____ ('B1._____') einen Höflichkeitsbesuch abstatten und bloss Worte austau-

schen. Vielmehr war ihm schon vor der Fahrt zur C._____ klar, dass das Treffen 

mit dem Geschädigten B._____ ('B1._____') sehr rasch eskalieren könnte, was 

dann ja auch geschah. Selbst die Verteidigung des Angeklagten geht davon aus, 

dass mit einer Schlägerei gerechnet wurde (Prot. II S. 25). Folglich hatte er sein 

Fleischermesser nicht (nur) wegen einer früheren Attacke gegen seine Person 

und der Furcht vor Wiederholung dabei, sondern (auch und hauptsächlich) im 

Hinblick auf eine mögliche gewaltsame Auseinandersetzung unter sich feindlich 

gesinnten Gruppen sowie in der Bereitschaft, das Messer auch einzusetzen.  

4.4 Diese Ausgangslage besagt allerdings noch nichts darüber, ob sich der  

Angeklagte beim Einsatz seines Messers in einer Notwehrsituation befand oder 

nicht. Für eine allfällige Notwehrsituation ist es aber in der Regel durchaus  

relevant, ob es sich beim Angegriffenen um einen arglosen Unbeteiligten  

handelte, der vom drohenden gewaltsam ausgetragenen Konflikt nichts wusste 

und nur schlichten wollte (wie sich der Angeklagte darstellt), oder um jemanden, 

der im Wissen um die äusserst angespannte Situation bereits kampfbereit und 

bewaffnet mit mehreren Personen zum Ort des Geschehens hinfuhr.  

5. Würdigung des Tatablaufs und Frage der Notwehr 

5.1 Die Schilderungen des Angeklagten zur geltend gemachten Notwehr-

situation erweisen sich weitgehend als (in sich) widersprüchlich, inkonsistent, aus-

weichend, unpräzis, detailarm und damit als unglaubhaft (vgl. Urk. 3/1-3/4;  

Urk. 6/1-6/3; Urk. 35).  

5.1.1  So führte er anlässlich der ersten Einvernahme am 30. September 2008 

aus, bei der C._____ sei es gleich "losgegangen". Er habe viele Leute gesehen 

und E._____ ('E1._____') habe auf dem Boden gelegen. Er habe ihm helfen  

wollen und sei ausgestiegen. Sodann seien die Personen auf ihn losgekommen.  

Im Auto oder sonst irgendwo habe es ein Messer gehabt, an welches er sich  

wegen seines Alkoholpegels nicht genau erinnern könne. Er habe das Messer 

-   20   - 

genommen und mit diesem Hin- und Herbewegungen gemacht, nachdem er ge-

schlagen worden sei. Die Personen hätten in der Folge Platz gemacht, so dass er  

habe weggehen können. Zwei weitere, mit einer Stange bewaffnete Personen  

hätten ihm befohlen, das Messer wegzuwerfen. Dies habe er getan und sei nach 

Hause gerannt (Urk. 3/1 S. 4 f.). Sinngemäss erklärte er, er habe nicht ohne das  

Messer fliehen können, weil viele Leute wie im Kreis um das Auto gestanden hät-

ten. Auf Frage, wer genau ihn angegriffen habe, brachte er vor, der Geschädigte  

B._____ ('B1._____') sei zuerst gekommen und habe blöde Sprüche gemacht.  

Von hinten habe ihn auch einer geschlagen. Nach ca. 2 Minuten habe er das 

Messer genommen, damit herumgefuchtelt und danach wegrennen können (Urk. 

3/1 S. 7 f.).  

Analysiert man diese Ausführungen, bleibt schleierhaft, wer den Angeklagten 

wann genau und auf welche Weise angegriffen haben soll. Dabei wäre zu  

erwarten, dass die Erinnerungen anlässlich der ersten Einvernahme so nah am 

Tatgeschehen noch besonders frisch sind und die Angaben entsprechend präzis 

ausfallen, zumal der Angeklagte sich anlässlich der Befragung gesund fühlte und 

bis wenige Stunden zuvor geschlafen hatte (Urk. 3/1 S. 8; Urk. 16/1 S. 1 f.;  

vgl. auch Urk. 3/2 S. 5). Eine Bedrohung mit einer (Eisen)Stange und damit eine 

Notwehrsituation machte der Angeklagte jedenfalls erst für die Phase geltend, als 

er bereits mit dem Messer bewaffnet war und mit diesem vor den andern herum-

fuchtelte, so dass die Eisenstange der Gegner als deren Verteidigungsmittel zu 

taxieren ist. Die Änderungen und Dramatisierungen in späteren Einvernahmen - 

auch diese in sich uneinheitlich - erscheinen als Schutzbehauptungen. Blöde 

Sprüche sind nicht mit einem Angriff gleichzusetzen, und das behauptete  

Schlagen von hinten entbehrt jeder näheren Umschreibung. Mit dem Argument, 

viele Leute hätten gewissermassen das Auto umzingelt - G._____ ('G1._____'), 

der während des ganzen Geschehens unbestrittenermassen hinten im Auto sass, 

beobachtete übrigens nichts dergleichen, ebenso wenig die weiteren Beteiligten -,  

setzte sich der Angeklagte zudem in krassen Widerspruch zu seiner Version an-

lässlich der Schlusseinvernahme, welche schon an dieser Stelle dazulegen ist 

(vgl. Urk. 3/4; ähnlich vor Vorinstanz, Urk. 35). Danach rannte er - nachdem er  

von mehreren Leuten mit diversen Gegenständen attackiert worden sei - blitz-

-   21   - 

schnell 10 bis 20 Meter zum Auto zurück, um zu seinem eigenen Schutz das  

Messer zu holen. Die Leute seien ihm bis zum Auto gefolgt. Das sei der einzige 

Weg gewesen, um von dort wegzukommen. Als er das Messer behändigt habe,  

seien die Leute in unmittelbarer Nähe gewesen. Er könne die Frage nach deren 

Distanz zu ihm nicht genauer beantworten. Nach dem Herumfuchteln hätten die 

Gegner etwas Platz gemacht und er habe die Möglichkeit gehabt, nach Hause zu  

gehen (Urk. 3/4 S. 6 f.). Heute bestätigt der Angeklagte diese Version des Ge-

schehens (Prot. II S. 18 ff. und S. 24). Wären die Gegner, der ersten Befragung 

folgend, tatsächlich um das Auto gestanden, hätte der Angeklagte zuerst den 

feindlichen Wall durchbrechen müssen, um zum Fahrzeug und damit zu seinem 

Messer zu gelangen, welches auf dem Boden neben dem Beifahrersitz deponiert  

war; ein hochriskantes und geradezu lebensfremdes Unterfangen. Wäre er indes-

sen, entsprechend der Schlusseinvernahme und der heutigen Aussage, von meh-

reren Opponenten verfolgt worden, hätte er sich zweifellos in äusserster  

Bedrängnis, wenn nicht gar fast hoffnungsloser Situation befunden. Es ist nicht 

einzusehen, weshalb der Angeklagte den gefährlichen Ort nicht einfach verliess,  

ohne das Messer zu holen und so seine Haut zu retten, was einzig der Vernunft 

entsprochen hätte, anstatt sich selber zu bewaffnen und ins Wespennest zurück-

zukehren. Realistischerweise hätten ihn seine Gegner in beiden Szenarien wohl  

auch nicht einfach das Messer aus dem Auto nehmen lassen, sondern hätten dies 

mit allen Mitteln zu vereiteln versucht. Zudem wusste der Angeklagte nicht einmal,  

ob er die Autotüre zuerst öffnen musste oder nicht, um an das Messer zu kom-

men. Er konnte sich seinen Aussagen zufolge aufgrund seiner Trunkenheit wie 

erwähnt nicht genau daran erinnern, ob es im Auto oder sonst irgendwo ein  

Messer gehabt habe. So oder so musste der Angeklagte aber zumindest bis zum 

Stillstand abbremsen und sich bücken: ein völlig unsinniges Verhalten, wenn ei-

nem mehrere bewaffnete Feinde derart dicht auf den Fersen sind. An Schnellig-

keit für eine direkte Flucht aus dem anfänglichen Getümmel fehlte es dem Ange-

klagten gemäss eigener Angabe jedenfalls nicht (Urk. 3/4 S. 7). Auch verfügte er  

über gute Ortskenntnis, wohnte, arbeitete und verbrachte er seine Freizeit doch 

schon seit 18 Jahren in der näheren Umgebung (Urk. 17/6 S. 2; Urk. 17/7 S. 3; 

vgl. auch Urk. 3/1 S. 2, 3 f.). Seine später nachgeschobene Begründung gegen 

-   22   - 

eine sofortige Flucht vom Tatort - nämlich es sei überall blockiert resp. gesperrt  

gewesen, es habe überall Zäune gehabt, das Messer im Auto zu holen sei der 

einzige Weg für ihn gewesen zu flüchten (Urk. 3/4 S. 12; auch Urk. 35 S. 9 f.) -  

steht nicht nur im Gegensatz zu diversen eigenen Aussagen, sondern ist auch ak-

tenwidrig. Die zahlreichen Fotos und die Skizze vom Tatort zeigen zwar einige der 

hierorts üblichen, niedrigen und mobilen Bauabschrankungen mit den rot-weissen  

Brettern, doch war der Parkplatz keineswegs rundum abgesperrt. Es waren längst  

nicht alle Parkfelder belegt und der BMW, mit welchem die Fünfergruppe um den 

Angeklagten zum Tatort gelangt war, stand ausserhalb der Parkfelder, mithin  

nicht am Rand und weitgehend frei, wenn auch im hinteren Teil des Parkplatzes 

(Urk. 1/3 S. 12 und a.E.; Urk. 1/4; Urk. 5/1 a.E.). Ein so hingestelltes Fahrzeug  

deutet überdies auf eine Eile des Lenkers bzw. der Insassen. Der damals noch  

nicht vierzig Jahre alte, gesunde, flinke und ortskundige Angeklagte wäre zweifel-

los und ohne Probleme in der Lage gewesen, sich zu Fuss in mehr als eine Rich-

tung vom Tatort zu entfernen, wenn er gewollt hätte. Zumindest kann ihm als Bei-

fahrer nicht entgangen sein, wo sich die Einfahrt zum Parkplatz befand. Dass die-

se durch Gegner versperrt gewesen wäre, behauptete der Angeklagte in der  

Untersuchung nicht. Erst an der Hauptverhandlung vor Vorinstanz schob er auf 

Bemerkung des Vorsitzenden, ob er die Örtlichkeit nicht auf dem gleichen Weg 

hätte verlassen können, nach, es hätten sich dort mehr als 15 Personen befunden 

(Urk. 35 S. 9) - eine schlicht übersteigerte Schutzbehauptung. Anlässlich der Be-

rufungsverhandlung machte die Verteidigung geltend, die Staatsanwaltschaft ha-

be es unterlassen, eine genaue Aufzeichnung der Abschrankungen zu machen,  

sowie auch die Beteiligten hinsichtlich ihrer jeweiligen Positionen zu konfrontieren 

(Prot. II S. 25 f. unten). Dem ist beizupflichten, doch scheint der Verteidiger die 

skizzierte Aktenlage zum Tatort zu verkennen, wenn er vorträgt, rund um den 

Parkplatz habe sich eine Baustelle befunden, infolge welcher sich sowohl hinter 

dem parkierten Auto als auch auf beiden Seiten Abschrankungen befunden hätten  

und der Parkplatz somit nur nach einer Seite offen gewesen sei (Urk. 33 S. 4):  

Das mag für Fahrzeuge gelten, nicht aber für wendige Fussgänger wie den Ange-

klagten. Rätselhaft bleibt schliesslich die Zeitangabe des Angeklagten in dieser 

ersten Befragung: Wer von mehreren Personen angegriffen wird, lässt nicht ca. 2 

-   23   - 

Minuten verstreichen, bis er zur eigenen Verteidigung schreitet. All diese Überle-

gungen gelten analog auch für die Würdigung der weiteren Befragungen.  

Dass der Angeklagte im Zeitpunkt der Behändigung des Messers angegriffen 

worden ist und das Messer einzig zur Abwehr dieses Angriffs einsetzte, lässt sich 

der ersten Einvernahme nach dem Gesagten nicht entnehmen.  

5.1.2  Anlässlich der Hafteinvernahme vom 1. Oktober 2008 (Urk. 3/2) gab der 

Angeklagte zu Protokoll, mehrere Personen hätten bei E._____ ('E1._____'), der 

auf dem Boden gelegen sei, gestanden. Als er aus dem Auto ausgestiegen sei 

um zu helfen, seien mehrere Leute auf ihn zugekommen und hätten gegen sein 

Gesicht, seinen Hals und gegen seinen linken Arm geschlagen. Er sei von zwei 

Leuten mehrmals mit einer Eisenstange geschlagen worden. Es sei dunkel gewe-

sen, er habe die Gesichter nicht erkannt und die Stangen nicht genau gesehen. 

Darauf habe er sich zum Auto zurück begeben, sein Messer  

geholt und mit diesem horizontale Bewegungen gemacht, so dass die Leute weg-

gegangen seien und er auch habe weggehen können. Es seien noch zwei  

Männer mit einer Eisenstange dort gewesen, die ihm befohlen hätten, das Messer 

fallen zu lassen, was er dann getan habe (Urk. 3/2 S. 2 f.).  

In dieser Befragung argumentierte der Angeklagte zwar nunmehr, Schläge mit  

einer Eisenstange kassiert zu haben, bevor er sein Messer im Auto holte. Es geht 

daraus aber nicht hervor, dass er stattdessen nicht hätte fliehen (oder sich - als 

weitere Alternative - im Auto einschliessen) können, zumal er selber ausführte, er 

habe einfach weggehen wollen (Urk. 3/2 S. 3; auch Urk. 6/1 S. 13 und Urk. 6/2 

S. 8). Die Darstellung des Angeklagten ist ungereimt und überzeugt nicht. Kein 

halbwegs vernünftiger, angeblich nur als Helfer und Streitschlichter auftretender  

Mensch, der von einer mit Eisenstangen und andern Gegenständen bewehrten 

Übermacht unvermittelt und gnadenlos traktiert und verletzt wird (vgl. auch  

Urk. 3/4 S. 6 f.), dreht der feindlichen Rotte den Rücken, um im weiter weg-

stehenden Auto ein dort deponiertes Schlachtmesser zu holen und sich damit nun 

selber in gewaltsamer Weise in den Streit einzumischen.  

-   24   - 

5.1.3  In der delegierten Einvernahme vom 20. November 2008 (Urk. 3/3) hielt der 

Angeklagte daran fest, zuerst geschlagen worden zu sein und dann das Messer 

im Auto ergriffen und die Hin- und Herbewegungen gemacht zu haben (Urk. 3/3 

S. 5). Nach diesem Herumfuchteln seien zwei Personen mit langen Metallstangen 

auf ihn zugekommen. Er sei ca. 50 m weggerannt. Die Personen hätten ihn auf-

gefordert, das Messer fallen zu lassen, was er getan habe und dann weggerannt 

sei (Urk. 3/3 S. 7).   

Auch nach diesen Depositionen bleibt im Raum, weshalb der Angeklagte zuerst 

das Messer holte und damit herumfuchtelte, anstatt direkt zu fliehen. Eine Flucht 

über Dutzende von Metern mit dem aktenkundig grossen Fleischermesser in  

der Hand entbehrt sodann jeder Realität. Dass er das Messer dann - bereits in  

ca. 50 Metern Distanz zum Tatort bzw. den Gegnern und auf Aufforderung dieser 

mit Eisenstangen bewaffneten Gegner - einfach fallen liess, ist nicht minder  

fragwürdig. Daran ändert der Umstand nichts, dass das Messer von der Polizei in 

ca. 20 Metern Entfernung vom BMW praktisch unter einem andern parkierten  

PW gefunden wurde (Urk. 1/3 S. 12; Urk. 1/4). Das Messer kann am Tatort - sei 

es vom Angeklagten selber oder einer Person aus der gegnerischen Gruppe, die 

dem Angeklagten das Messer entriss bzw. zu entreissen versuchte, wie mehrere 

Beteiligte ausführten, so etwa auch L._____ ('L1._____') in Urk. 4/15 S. 14 sowie  

6/2 S. 7 und B._____ ('B1._____') in Urk. 4/29 S. 4 - in jene Richtung geworfen  

und/oder infolge des Entreissversuches auf dem Asphalt dorthin gerutscht sein 

(vgl. Urk. 3/4 S. 8).  

5.1.4  In der Schlusseinvernahme vom 20. August 2010 (Urk. 3/4) erfolgten dann 

die schon weitgehend bekannten Schilderungen, welche im Wesentlichen  

auch den heutigen entsprechen: Als er geschlagen worden sei, habe er sich in  

ca. 10 bis 20 Metern Entfernung vom Auto befunden. Ob er die Autotür habe  

öffnen müssen, um das Messer vom Boden der Beifahrerseite zu nehmen, wisse 

er nicht mehr. Während er das Messer aus dem Auto geholt habe, seien seine 

Angreifer ihm nachgerannt. Er sei "blitzschnell" zum Auto gegangen und habe das 

Messer aus dem Auto behändigt. Auf Frage, in welcher Entfernung die Angreifer 

gewesen seien, als er das Messer behändigt habe, erklärte der Angeklagte, diese 

-   25   - 

seien in unmittelbarer Nähe gewesen. Er habe das Messer zu seinem eigenen 

Schutz geholt. Die Leute seien ihm bis zum Auto gefolgt. Mit dem Messer habe er 

herumgefuchtelt, woraufhin die Gegner Platz gemacht hätten und er habe nach 

Hause gehen können (Urk. 3/4 S. 6 f.). Auf Frage, warum der Angeklagte nicht 

einfach geflohen sei, anstatt das Messer im Auto zu holen, gab er an, dies sei 

nicht möglich gewesen, weil alle Fluchtwege blockiert gewesen seien. Auch habe 

er sich nicht zusammen mit dem im Auto wartenden G._____ ('G1._____') ein-

schliessen wollen, aus Angst, die Gegner würden das Auto kaputt  

machen und ihn verletzen (Urk. 3/4 S. 13). Er sei beim Angriff der Gegner schwer 

verletzt worden, an der Hand und an der Wange (Urk. 3/4 S. 7).  

Indem der Angeklagte auch heute wieder geltend machte (Prot. II S. 24 f.), er  

habe blitzschnell von seinen Angreifern wegrennen können, widerspricht er sich 

selber, nämlich seiner Aussage, das Messer zu behändigen sei seine einzige 

Chance gewesen, sich einen Fluchtweg zu verschaffen; er hätte offensichtlich  

einfach blitzschnell wegrennen können. Das Messer war folglich nicht nötig, um 

sich selbst in Sicherheit zu bringen. Vielmehr eilte er retour zum Wagen, um sich 

mit einem Schlachtmesser bewaffnet zurück in den Kampf zu begeben.  

Neu in dieser Einvernahme berief sich der Angeklagte auf total blockierte Flucht-

wege durch Bauabschrankungen, was ihm, wie gesehen, nicht abzunehmen ist. 

Die Frontscheibe des BMW wurde durch die Gegner zwar dann beschädigt, doch 

blieb G._____ ('G1._____'), der sich ununterbrochen im Fahrzeug aufhielt, von 

der Auseinandersetzung untangiert und auch unverletzt. Ein Rückzug ins Fahr-

zeug wäre als Alternative denkbar und jedenfalls sicherer gewesen als Herum-

fuchteln mit dem Schlachtmesser in unmittelbarer Nähe mehrerer  

Personen. Im Übrigen kann dazu auf die Ausführungen zur ersten Befragung 

verwiesen werden. Die geltend gemachten Verletzungen (auch Urk. 6/1 S. 9 und 

12: nunmehr am linken Unterarm und in der Gegend des linken Schlüsselbeins) 

bilden keinen Beweis dafür, dass sie schon beim behaupteten Vermittlungs-

versuch passiert wären. Der Angeklagte kann sie ebenso gut erlitten haben, als er 

- ausgerüstet mit dem Messer - die Kampfszene aktiv mitprägte. Wie sich dem 

Verhaftsrapport vom 30. September 2008 entnehmen lässt, wies der Angeklagte 

-   26   - 

Schürfungen und Prellungen im Gesicht und am linken Arm auf (Urk. 16/1 S. 4). 

Von "schweren Verletzungen" kann mitnichten die Rede sein.  

5.1.5  In den drei Konfrontationseinvernahmen (Urk. 6/1-3) brachte der Angeklag-

te nichts von Bedeutung vor, was er nicht schon in früheren Einvernahmen  

erwähnt hatte. Ebenso wiederholte er an der vorinstanzlichen Hauptverhandlung 

im Wesentlichen seine früher gemachten Aussagen (Urk. 35). Als einziges Novum 

anzusehen ist seine Antwort auf die Frage des Vorsitzenden, wie er jeweils sein 

Schlachtmesser mit sich herumgetragen habe: Er habe es jeweils offen in der  

Innentasche seiner Jacke getragen (Urk. 35 S. 6). Darauf wurde bereits bei der 

Würdigung der ersten Aussage des Angeklagten eingegangen (siehe vorstehende 

Erwägung 5.1.1). Zudem schwächte er - wohl ungewollt - seine Notwehrbehaup-

tung ab, indem er ausführte, er habe das Messer aus dem Auto geholt, bevor die 

Leute zu ihm gekommen seien (Urk. 35 S. 9). 

5.1.6  Zusammenfassend lässt sich bereits aus den Aussagen des Angeklagten 

und deren Würdigung keine Notwehrsituation erkennen. Die Depositionen des 

Angeklagten sind alles andere als einheitlich, die präsentierten Varianten vielmehr 

weitgehend widersprüchlich und in manchen Punkten auch reichlich überspannt 

und nicht nachvollziehbar. Daran ändert nichts, dass er an einigen Darstellungen 

konstant festhielt. Darüber hinaus ist dem Angeklagten die Notwehr-Geschichte 

umso weniger zu glauben, als er im Wissen um die Konfliktsituation sowie persön-

lich bewaffnet, kampfbereit und mit vier weiteren Kollegen zum vereinbarten 

Treffpunkt zog, sich also von Anfang im Klaren war, dass es mit hoher Wahr-

scheinlichkeit zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung kommen würde  

(Erwägung 4 hiervor). Dass er vor Ort zunächst ohne Messer ausstieg und dieses 

erst nachher holte, tangiert weder sein Wissen um die Wahrscheinlichkeit einer 

Eskalation noch seine offensichtliche Kampfbereitschaft.  

5.2 Die Vorinstanz hat sodann zutreffend aufgezeigt, dass der Angeklagte wie 

auch weitere als Hauptakteure agierende Beteiligte sehr dazu neigten, sich selber 

als Helfer und Schlichter hinzustellen, die nichts gemacht bzw. lediglich in Not-

wehr gehandelt haben (Urk. 58 S. 28 ff.). Dass die aufeinander geprallten  

-   27   - 

Gruppen nicht nur aus Schlichtern und Verteidigern bestanden haben können, 

zeigt indessen das Resultat von zwei im Spital gelandeten Personen.  

Die höchst selektive und einseitige Wahrnehmung zum Tatgeschehen namentlich 

durch E._____ ('E1._____') und den Angeklagten sowie - etwas weniger ausge-

prägt bzw. im Verfahrensverlauf relativierend - durch F._____ ('F1._____') und  

H._____ ('H1._____'), mit verschiedensten Schuldzuweisungen an die Gegner  

unter Schonung der eigenen Begleiter und sich selbst, geht klar an der Realität  

vorbei. Dazu zählt zum Beispiel das durch den Angeklagten behauptete unvermit-

telte Losschlagen der Feinde gegen Personen seiner Gruppe einschliesslich ihn 

selber mit Eisenstangen und der Schlag der Gegner auf die Windschutzscheibe  

von E._____s ('E1._____') BMW, während er anderseits F._____s ('F1._____')  

Gewehr weder gesehen noch Schüsse wahrgenommen haben will (vgl. Urk. 58 S. 

28).  

Umgekehrt stellten auch Personen der gegnerischen Gruppe übertriebene  

Behauptungen in den Raum, auf die nicht abgestellt werden kann, so der  

Geschädigte B._____ ('B1._____') bezüglich Messereinsatz durch den Angeklag-

ten, während er keinen seiner eigenen Begleiter mit einer Eisenstange gesehen 

haben will (vgl. Urk. 58 S. 30).  

5.2.1  Es ist der Vorinstanz unter Verweis auf ihre Erwägungen zuzustimmen, 

wenn sie in den Depositionen von E._____ ('E1._____'), F._____ ('F1._____'),  

H._____ ('H1._____') und B._____ ('B1._____') weder Entlastungen des  

Angeklagten ausmachen konnte noch bezüglich der voll verwertbaren, aber 

höchst widersprüchlichen und zum Teil unsinnigen Aussagen des Geschädigten  

B._____ ('B1._____') brauchbare Belastungen fand, soweit es um die Frage der  

Notwehr geht (vgl. Urk. 58 S. 13 ff., 18 f. und 29 ff.). Zu ergänzen ist insbesonde-

re, dass F._____ ('F1._____') zwar mutmasste, die Männer mit den Eisenstangen  

seien - nebst ihm - auch auf den Angeklagten losgegangen. Gesehen habe er das  

aber nicht (Urk. 4/19 S. 12; 4/31 S. 4). Die Aussage taugt daher nicht als Stütze 

für den Standpunkt des Angeklagten.  

-   28   - 

5.2.2  Der Verteidiger wirft in diesem Zusammenhang unter Bezugnahme auf das 

angefochtene Urteil ein, H._____ ('H1._____') habe betreffend die Notwehr-

situation gesehen und glaubwürdig ausgesagt, dass der Angeklagte mit einer  

Eisenstange geschlagen worden sei (Urk. 52 S. 5 f.; Urk. 58 S. 15, 31). Es trifft 

zu, dass H._____ ('H1._____') in der delegierten Einvernahme vom 23. Oktober 

2008 ausführte, gesehen zu haben, wie O1._____ ('O2._____') mit einer Eisen-

stange auf den Angeklagten A._____ ('A1._____') losgegangen sei (Urk. 4/14 S. 2 

f.). Auch steht fest, dass der Angeklagte aus dem gesamten Ereignis Verletzun-

gen davon trug. Damit ist aber nichts zum Zeitpunkt der genannten Attacke ge-

sagt, dazu äusserte sich H._____ ('H1._____') nicht. Die Attacke kann ebenso gut 

erfolgt sein, nachdem der Angeklagte das Messer geholt hatte. Die fragliche Ein-

vernahme deutet sogar sehr in diese Richtung, betätigte H._____ ('H1._____')  

doch unmittelbar darauf, 'A1._____' sei der mit dem Messer, er habe damit etwas 

herumgespielt (Urk. 4/14 S. 3). Jedenfalls kann der Aussage von H._____  

('H1._____') nicht entnommen werden, dass der Angeklagte mit einer Eisenstan-

ge angegriffen wurde, bevor bzw. während er das Messer holte. Folglich lässt sich 

eine Notwehrsituation gestützt auf die Ausführungen von H._____ ('H1._____') 

nicht erstellen.  

5.2.3  Wie der Verteidiger selber bemerkt, vermag auch L._____ ('L1._____') die 

Situation nicht zu Gunsten des Angeklagten zu erhellen: Er wusste nicht, weshalb 

der Angeklagte das Messer aus dem Auto holte. Ebenso wenig hatte er gesehen, 

ob der Angeklagte vorher angegriffen worden war. Namentlich konnte er nicht sa-

gen, ob jemand mit einer Eisenstange auf den Angeklagten losgegangen war, 

denn er stand - bei einer Entfernung von ca. 6 Metern - zu weit weg (Urk. 6/2 S. 3; 

Urk. 52 S. 5 f.). Wenn im angefochtenen Urteil der Schluss gezogen wird, aus 

diesen Schilderungen gehe nicht hervor, dass der Angeklagte sich in einer Not-

wehrsituation befunden habe, ist das folgerichtig. Irgendwelche weitere Aussagen 

dieses Beteiligten, die den Angeklagten entlasten könnten, finden sich nicht und 

werden von der Verteidigung auch nicht geltend gemacht.  

5.2.4  Auch bei genauer Betrachtung der Aussagen von G._____ ('G1._____'), 

der sich während der ganzen Auseinandersetzung im Auto aufhielt, bleibt nicht 

-   29   - 

weniger im Dunkeln, wo eine Notwehrsituation des Angeklagten liegen sollte. 

Gemäss diesem Beteiligten aus der Gruppe des Angeklagten hatte es viele Leute 

vor Ort, die miteinander stritten. Dass der bei diesen Leuten stehende  

Angeklagte angegriffen wurde, bevor er im Auto das Messer holte, sah  

G._____ ('G1._____') nicht (Urk. 4/28 S. 3). Anlässlich der Konfrontationseinver-

nahme führte er zunächst aus, alle hätten auf den Angeklagten losgehen wollen, 

weshalb dieser zum Auto zurückgekommen sei und das Messer geholt habe (Urk. 

6/3 S. 2). Wenige Antworten später wurde aus dem Losgehen Wollen ein tatsäch-

licher Angriff. Auf Nachfrage räumte er jedoch ein, die Situation vom Auto aus 

nicht richtig gesehen zu haben, aber er habe genau gewusst, dass alle auf den 

Angeklagten hätten losgehen wollen. Auf die weitere Frage, ob er selber habe 

beobachten können, dass Leute auf den Angeklagten losgegangen seien, er mö-

ge dies genau beschreiben, krebste G._____ ('G1._____') wieder zurück: Wie ge-

sagt habe er nicht genau geschaut. Der Angeklagte sei eben alleine gewesen und 

alle hätten auf ihn losgehen wollen, sonst habe er nichts gesehen. Er habe keine 

Ahnung, was die alle gemacht hätten (Urk. 6/3 S. 3). Schläge zum Nachteil des  

Angeklagten konnte G._____ ('G1._____') ebenfalls keine wahrnehmen, nur Fle-

cken nach dem Vorfall, am …platz (Urk. 6/3 S. 4). Abschliessend erklärte er, der 

Angeklagte sei alleine gewesen und alle hätten zu ihm gehen wollen, nachdem er  

das Messer im Auto geholt habe. Dieser habe einfach damit herumgefuchtelt, um 

sich selber zu schützen (Urk. 6/3 S. 5). 

Von einer Notwehrsituation des Angeklagten kann bei keiner dieser Varianten  

die Rede sein. Hätte G._____ ('G1._____') den Angeklagten entlastende Vorgän-

ge beobachtet, hätte er diese zweifellos - schon bei der ersten Einvernahme und 

erst recht bei der Konfrontation mit dem Angeklagten - zu dessen Gunsten  

beschrieben, schliesslich gehören sie derselben Gruppe an. Der abschliessende 

Hinweis auf blossen Selbstschutz nachdem der Angeklagte das Messer geholt 

habe, ist wohl rhetorischer Natur und bleibt bedeutungslos. Zutreffend beurteilte 

selbst der Verteidiger die Schilderungen von G._____ ('G1._____') skeptisch und 

bezeichnete sie als "nicht vollständig und bis ins Detail glaubwürdig" (Urk. 52 S. 

6). 

-   30   - 

5.2.5  Es ist nicht erkennbar und wird von der Verteidigung auch nicht behauptet, 

dass die Aussagen weiterer Beteiligter den Angeklagten entlastende Momente 

enthalten würden. Eine Analyse von deren Befragungen kann daher unterbleiben.  

5.3 Zusammenfassend hat die Vorinstanz zu Recht eine Notwehrsituation des 

Angeklagten verneint, als er das Messer holte und mit diesem herumfuchtelte. 

Damit ist davon auszugehen, dass sich die Ereignisse am 29. September 2008, 

ca. 00.10 Uhr so zugetragen haben wie eingeklagt. Der eingeklagte Sachverhalt 

ist daher auch in den strittigen Teilen rechtsgenügend erstellt und der nach-

folgenden rechtlichen Würdigung zugrunde zu legen.  

6.  Rechtliche Würdigung 

Die Vorinstanz würdigt das eingeklagte Verhalten des Angeklagten als mehrfache 

Gefährdung des Lebens und als Raufhandel. Der Verteidiger stellt beides in  

Abrede (Urk. 52 S. 7 ff.; Prot. II S. 25 f.). 

6.1 Gefährdung des Lebens gemäss Art. 129 StGB 

6.1.1  Objektiver Tatbestand 

Der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB macht sich schuldig, wer 

einen Menschen in skrupelloser Weise in Lebensgefahr bringt. Der Erfolg besteht 

in einer konkreten, unmittelbaren Gefahr für das Leben, nicht bloss der Gesund-

heit (vgl. Stefan Trechsel / Thomas Fingerhuth, Schweizerisches Strafgesetzbuch, 

Praxiskommentar, Zürich/St.Gallen 2008, Art. 129 N 2 mit Hinweisen). Dass nur 

die Gefährdung des Lebens, nicht aber die der Gesundheit mit Strafe bedroht ist, 

ergibt sich nicht nur aus dem klaren Gesetzeswortlaut, sondern auch aus der  

Entstehungsgeschichte (BSK StGB II - Peter Aebersold, 2. Aufl., Basel 2007,  

Art. 129 N 10). 

Lebensgefahr ist ein Zustand, bei dem nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge 

die Verletzung des geschützten Rechtsgutes als drohendes Ereignis bevorsteht. 

Die Gefahr muss konkret sein; der Schadenseintritt darf deshalb nicht nur eine 

abstrakte Möglichkeit darstellen. Vielmehr muss im Einzelfall eine ernstliche 

Wahrscheinlichkeit  vorliegen (BSK StGB II - Peter Aebersold, Art. 129 N 9).  

-   31   - 

Die Lebensgefährdung ist somit ein Zustand, aufgrund dessen nach dem gewöhn-

lichen Lauf der Dinge die Wahrscheinlichkeit oder nahe Möglichkeit der Ver-

letzung des geschützten Rechtsgutes besteht, wobei nicht eine mathematische 

Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 Prozent vorausgesetzt ist.  

Art. 129 StGB verlangt eine unmittelbare Lebensgefahr. Unmittelbarkeit liegt vor, 

wenn die Verwirklichung der Gefahr wahrscheinlich ist und wenn die unver-

mittelte, akute Gefahr direkt dem Verhalten des Täters zuzuschreiben ist und 

nicht etwa aussenstehenden Ereignissen oder Handlungen von Drittpersonen  

(Urteil des Bundesgerichtes 6S.467/2005 vom 7. Juni 2006 E.2 samt Verweisen). 

Dabei sind auch die besondere Situation des Täters und seine Fähigkeiten zu  

berücksichtigen sowie die Möglichkeiten des Opfers, einer gefährlichen Situation 

zu begegnen. Unmittelbare Gefahr ist nicht erst dann gegeben, wenn die  

Wahrscheinlichkeit des Todes grösser ist als die Wahrscheinlichkeit seiner  

Vermeidung, sondern schon dann, wenn überhaupt eine nahe Möglichkeit der  

Tötung vorliegt, über die wissentlich sich hinwegzusetzen als gewissenlos  

erscheint (BSK StGB II - Peter Aebersold, Art. 129 N 15 f.). Massgeblich ist nach 

der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, dass nach dem gewöhnlichen Lauf der 

Dinge die nahe Möglichkeit des Todeseintritts besteht (BSK StGB II - Peter  

Aebersold, Art. 129 N 17; Urteil des Bundesgerichts 6S.164/2005 vom  

20. Dezember 2005). Bei der Bedrohung mit einem gezackten Brotmesser, das 

der Täter seiner Ehefrau und seiner 8-jährigen Tochter an den Hals hielt, waren 

seine hochgradige Erregung und seine zitternden Hände entscheidend, die zu  

einer fahrigen Bewegung und in der Folge zu einer Verletzung der Hals-

schlagader hätten führen können, womit eine unmittelbare Lebensgefährdung ge-

geben war (BSK StGB II - Peter Aebersold, Art. 129 N 16 mit Hinweis auf Urteil 

des Bundesgerichts 6S.454/2004 vom 21. März 2006). Auch bei wiederholtem 

Würgen unmittelbar neben der Halsschlagader lag die Gefahr eines plötzlichen 

Todeseintritts nahe (BSK StGB II - Peter Aebersold, Art. 129 N 23 mit Hinweis). 

Unmittelbar ist die Gefahr, wenn sich aus dem Verhalten des Täters direkt die 

Wahrscheinlichkeit oder nahe Möglichkeit der Todesfolge ergibt (BGE 133 IV 1 E. 

5.1; Entscheid des Bundesgerichts 6B_816/2008 vom 4. Dezember 2008, E. 5.3). 

http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=Drohung+mit+Messer&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-IV-1%3Ade&number_of_ranks=0#page1

-   32   - 

6.1.2  Subjektiver Tatbestand 

In der bis zum 31. Dezember 1989 geltenden Fassung setzte Art. 129 Abs. 1 

StGB in subjektiver Hinsicht voraus, dass der Täter die unmittelbare Lebens-

gefahr "wissentlich" herbeiführte, was nach der Rechtsprechung des Kassations-

hofs zu bejahen war, wenn der Täter die Gefahr kannte und trotzdem handelte 

(BGE 106 IV 12 E. 2b). Dabei musste er sich bewusst sein, dass sein Handeln die 

Gefährdung notwendig zur Folge hat. Eventualvorsatz genügte nicht (BGE 94 IV 

60 E. 3b). Wie sich aus den Gesetzesmaterialien zweifelsfrei ergibt, sollte durch 

den Verzicht auf den Begriff "wissentlich" in der neuen Fassung von Art. 129 

StGB keine Änderung der Rechtslage herbeigeführt werden. So hielt der Bundes-

rat fest, der Begriff sei entbehrlich und könne gestrichen werden. Dass ein even-

tualvorsätzliches Verhalten den Tatbestand nicht erfüllen könne, ergebe sich  

bereits daraus, dass der Täter eine "unmittelbare" Lebensgefahr schaffen müsse 

(Botschaft, BBl 1985 II 1037; AB 1989 N 685). Somit rechtfertigt es sich, auch 

nach der revidierten Fassung am Erfordernis des direkten Vorsatzes in Bezug auf 

die Herbeiführung der Lebensgefahr festzuhalten. Ein solcher ist nach der Recht-

sprechung gegeben, wenn der Täter den deliktischen Erfolg, mag ihm dieser auch 

gleichgültig oder sogar unerwünscht sein, als notwendige Folge oder als Mittel zur 

Erreichung des verfolgten Zwecks in seinen Entschluss miteinbezogen hat. Er 

braucht nicht das vom Täter erstrebte Ziel zu sein; es genügt, dass er mitgewollt 

ist (BGE 119 IV 193 E. 2b, cc). Wer trotz der erkannten Lebensgefahr handelt, 

aber hofft, die Gefahr werde sich nicht realisieren, erfüllt den Tatbestand von 

Art. 129 StGB (Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung, Davos 1999, S. 113). Dem-

gegenüber liegt Eventualvorsatz vor, wenn der Täter den Eintritt des Erfolgs bzw. 

die Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, aber dennoch handelt, weil er den 

Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt (BGE 125 IV 242 E. 3c mit  

Hinweisen; Entscheid des Bundesgerichtes 6S.426/2003 vom 1. März 2004; BGE 

133 IV 3; BGE 133 IV 15 ff.). Der Gefährdungsvorsatz gemäss Art. 129 StGB  

unterscheidet sich dadurch vom dolus eventualis auf Tötung, dass der Täter  

darauf vertraut, der Tod des Opfers werde nicht eintreten (BSK StGB II - Peter 

Aebersold, Art. 129 N 28).  

-   33   - 

Das Gesetz verlangt zudem, dass der Täter in skrupelloser Weise handelt. Diese 

Voraussetzung ist nach gefestigter Rechtsprechung des Bundesgerichtes erfüllt, 

wenn die Möglichkeit des Todeseintrittes derart wahrscheinlich ist, dass sich  

wissentlich darüber hinwegzusetzen als skrupellos erscheint. Gemeint ist ein  

qualifizierter Grad der Vorwerfbarkeit, das heisst eine besondere Hemmungs- o-

der Rücksichtslosigkeit in der Situation (Entscheid des Bundesgerichtes 

6S.702/2001 vom 7. November 2002 mit Hinweisen; Stefan Trechsel / Thomas 

Fingerhuth, Art. 129 N 5; Stratenwerth/Jenny, Schweizerisches Strafrecht, BT I, 

6. Aufl., Bern 2003, § 4 N 13). Nach den Erläuterungen des Bundesrates in seiner 

Botschaft zur Änderung des Strafgesetzbuches soll mit dem Hinweis auf die 

Skrupellosigkeit die Anwendbarkeit des Tatbestandes auf Täter beschränkt  

werden, die jegliche Rücksicht auf das Leben anderer Menschen vermissen  

lassen und durch mutwilliges Handeln Leben gefährden. Nach Auffassung des 

Bundesrates soll die Vorschrift etwa auf einen Schuss anwendbar sein, der aus 

der Nähe auf einen Menschen abgegeben wird und diesen nur knapp verfehlt, auf 

eine Situation also, in der das Leben eines Mitmenschen massiv gefährdet wird, 

dem Täter jedoch kein Tötungsvorsatz nachgewiesen werden kann (Botschaft 

über die Änderung des Schweizerischen Strafgesetzbuches vom 26. Juni 1985, 

BBl 1985 II S. 1037). Skrupellos ist mithin eine Handlung, wenn sie vom Stand-

punkt der Ethik aus allgemein missbilligt werden muss und mit dem öffentlichen 

Gewissen nicht zu vereinbaren ist, das heisst den anerkannten Grundsätzen von 

Sitte und Moral zuwiderläuft. Zu berücksichtigen sind die Tatmittel, die Tatmotive 

sowie die konkrete Tatsituation. Skrupellosigkeit liegt umso näher, je grösser die 

Gefahr ist, die der Täter herbeiführt und je weniger seine Beweggründe zu billigen 

oder auch nur zu verstehen sind (BSK StGB II - Peter Aebersold, Art. 129 N 33 

mit Hinweisen; Entscheid des Bundesgerichtes 6S.734/1999 vom 10. April 2001, 

E. 2b). Skrupellos ist – zusammengefasst – ein in schwerem Grade vorwerfbares, 

ein rücksichts- oder hemmungsloses Verhalten.  

6.1.3  Objektiver Tatbestand (unmittelbare Lebensgefahr) im vorliegenden Fall 

6.1.3.1  Gemäss erstelltem Anklagesachverhalt hat der Angeklagte mit seinem 

Schlachtmesser der Marke "Victorinox", Klingenlänge von ca. 31 cm und Klingen-

-   34   - 

breite von max. ca. 5 cm, gegenüber ca. sechs bis sieben Personen aus der  

gegnerischen Gruppe mit gestrecktem Arm ca. auf Höhe seiner Schultern herum-

gefuchtelt. Dabei stand er in einem Abstand von ca. einem Meter gegenüber  

diesen Leuten und führte mit dem Messer in nächster Nähe, ca. auf Hals- bzw. 

Kopfhöhe der Personen, mehrere schnelle horizontale Hin- und Herbewegungen 

aus. Diese sahen sich gezwungen zurückzuweichen, um nicht erwischt und ver-

letzt zu werden. Dann begab er sich zu B._____ ('B1._____') und führte, ebenfalls 

stehend und aus einer Distanz von ca. einem Meter, wiederum mit seinem Mes-

ser ca. auf Hals- bzw. Kopfhöhe von B._____ ('B1._____') mehrere horizontale 

Schneidebewegungen in der Luft durch, worauf letzterer seinen Arm schützend 

vor seinen Hals und Kopf hielt und sich aus Furcht vor Verletzung  zum Zurück-

weichen gezwungen sah (Urk. 20 S. 3 f.).  

 

6.1.3.2  Den eigenen Aussagen des Angeklagten ist zu entnehmen, dass er  

mehrere horizontale Schneidebewegungen ohne Unterbrüche ausgeführt hat 

(Urk. 3/4 S. 8; Prot. II S. 18 ff.). Es habe sich um schnelle Bewegungen gehan-

delt, mit gerade nach vorne gestrecktem Arm. Er habe eben einen langen Arm. Er 

hat durchwegs eingestanden, dass es möglich wäre, dass er auf diese Weise  

jemanden am Hals verletzt habe, er wisse es aber nicht. Ihm sei klar, dass an  

einer entsprechenden Verletzung jemand sterben könne, das habe er sicher nicht 

gewollt (Urk. 3/2 S. 3; Urk. 3/4 S. 8 f.; Urk. 6/1 S. 10 betreffend den Geschädigten 

B._____ ('B1._____'); Urk. 6/2 S. 8). Er sei etwas betrunken gewesen und habe 

einfach weggehen wollen, weil er sich von den Leuten in eine Ecke gedrängt  

gefühlt habe (Urk. 3/2 S. 3). Seinen Abstand zu den bedrohten Personen schätzte 

der Angeklagte zunächst auf ca. 1.5 Meter (Urk. 3/2 S. 3), in der Folge auf einen  

Meter (Urk. 3/4 S. 11 und 13; Urk. 6/1 S. 13). Heute konnte er sich nicht mehr da-

ran erinnern (Prot. II S. 20). Er bestätigte jedoch die Aussagen von G._____ 

('G1._____') in der Konfrontationseinvernahme ausdrücklich als richtig, nament-

lich dass er in einem Abstand von ca. einem Meter auf Kopfhöhe vor mehreren 

Personen mit dem Messer herumgefuchtelt habe (Urk. 6/3 S. 7). 

-   35   - 

6.1.3.3  L._____ ('L1._____') beschrieb den Angeklagten als wütend, nachdem er 

das Messer aus dem Auto geholt hatte (Urk. 6/2 S. 3 und 6). Den Abstand  

zwischen dem fuchtelnden Angeklagten und den Leuten schätzte er auf 0.7 bzw. 

1.5 Meter, jenen zwischen dem Angeklagten und dem Geschädigten B._____ 

('B1._____') auf 0.5 Meter (Urk. 4/15 S. 6 f.; Urk. 6/2 S. 4 und 9). Auch er sprach  

von einem ausgestreckten oder vielleicht ein bisschen gebogenen Arm des Ange-

klagten und mehreren schnellen horizontalen Hin- und Herbewegungen knapp auf 

Schulterhöhe des Angeklagten. Dadurch hätte der Angeklagte jemanden berüh-

ren können, wenn die Leute nicht ausgewichen wären (Urk. 4/15 S. 6 f.; Urk. 4/25 

S. 2; Urk. 6/2 S. 4 f.). Hinsichtlich des Geschädigten B._____ ('B1._____') fügte 

L._____ ('L1._____') in der Konfrontationseinvernahme sogar an, dieser sei  

getroffen worden, obwohl er immer nach hinten ausgewichen sei (vgl. Urk. 6/2 S. 

4 f.). Bei den Schneidebewegungen habe der Angeklagte Schimpfwörter im Stil 

wie "Arschloch" gesagt (Urk. 6/2 S. 6 und 8).  

6.1.3.4  Gemäss G._____ ('G1._____') fluchte der Angeklagte umher und sagte  

beim Behändigen des Messers im Auto, wenn ihn jemand berühre, dann schlitze 

er ihn mit dem Messer auf (Urk. 6/3 S. 4). Der Angeklagte sei schon aggressiv  

gewesen. Er habe sicher zuviel Alkohol getrunken. Es sei klar, dass man aggres-

siv werde, wenn man zuviel Alkohol trinke (Urk. 4/28 S. 4; Urk. 6/3 S. 6). Konstant 

nannte er Messerbewegungen durch den Angeklagten ca. auf Kopfhöhe der  

Gegner bei ca. einem Meter Abstand zu diesen (Urk. 4/10 S. 12 und 17; Urk. 4/28 

S. 4; Urk. 6/3 S. 5) und dass der Angeklagte dadurch eine Person hätte verletzen 

können (Urk. 6/3 S. 8).    

6.1.3.5  Laut dem Geschädigten B._____ ('B1._____') stand der Angeklagte  

ca. 80 cm von ihm entfernt, als er die horizontalen Schnittbewegungen mit dem 

Messer in dessen Richtung auf Höhe zwischen dessen Brust und Kinn - womit im 

Ergebnis der Halsbereich angesprochen ist - machte (Urk. 6/1 S. 6). Er sei davon  

ausgegangen, der Angeklagte wolle ihn am Hals schneiden und habe sich des-

halb mit dem Arm geschützt (Urk. 6/1 S. 11). Die Halshöhe wurde vom Angeklag-

ten nicht in Abrede gestellt, und er bestätigte gleichzeitig, dass er gegen alle vor 

ihm stehenden Personen so vorgegangen sei. Es sei zwar dunkel gewesen und 

-   36   - 

er habe die Anzahl nicht genau gesehen, doch seien es etwa sechs bis sieben 

Leute gewesen (Urk. 6/1 S. 10).  

6.1.3.6  Bei gesamthafter Würdigung all dieser Umstände kommt man im Einklang 
mit der ersten Instanz zweifelsfrei zum Schluss, dass der Angeklagte mit seinem 

Verhalten für mehrere Personen eine äussert gefährliche Situation schuf, in  

welcher klar die ernstliche Wahrscheinlichkeit bzw. nahe Möglichkeit einer Tötung 

bestand. Damit ist eine konkrete, unmittelbare Lebensgefahr zu bejahen.  

Zum einen handelt es sich schon bei seinem Messer um ein scharfes Schlacht-

messer von rund 45 cm Gesamtlänge bzw. ca. 31 cm Klingenlänge (Urk. 1/5), mit 

andern Worten um einen Gegenstand oder besser eine Waffe, die zur Verur-

sachung schwerster Verletzungen geeignet ist. Die konkrete Art und Weise der 

Verwendung dieses Messers durch den Angeklagten untermauert die akute  

Lebensgefahr für die Betroffenen: Wütend, aggressiv, alkoholisiert und infolge all 

dessen kaum kontrolliert sowie wegen der nächtlichen Stunde relativ im Dunkeln 

fuchtelte der Angeklagte in Hals- bzw. Kopfhöhe einer grösseren Zahl von sehr 

nahe bei ihm stehenden Personen damit herum. Auch einige der anderen  

Personen waren alkoholisiert und die Gemüter der aufeinander prallenden, sich 

feindlich gesinnten Gruppen allgemein erhitzt. Die wechselseitige tätliche  

Auseinandersetzung war geprägt von vielen Personen in grosser Dynamik und 

einer emotional geladenen Stimmung - ein unberechenbarer, pulsierender  

Haufen. In einer solchen Situation sind unbedachte Bewegungen sämtlicher  

Beteiligter mitnichten auszuschliessen. Unter Berücksichtigung der Armlänge  

eines ca. 180 Zentimeter grossen Mannes (vgl. Urk. 3/2 S. 3; Urk. 16/1 S. 1) ist 

unverkennbar, dass der Angeklagte - ausgehend von einem Meter Abstand - den 

bedrohten Personen mit dem Messer ziemlich nahe, praktisch hautnah, ge-

kommen sein muss. Das Risiko einer tödlichen Verletzung eines Kontrahenten, 

namentlich durch Verletzung der Halsschlagader oder der Luftröhre, springt unter 

solchen Umständen ins Auge, auch wenn der Angeklagte dies nicht wollte.  

6.1.3.7  Schon vor Vorinstanz versuchte der Verteidiger, aus der Physis eine  

"logische und natürliche Höhe" abzuleiten, nämlich knapp Brusthöhe, auf welcher 

das Messer sich bei den bedrohten Personen befunden habe, weshalb eine  

-   37   - 

konkrete Lebensgefahr ausgeschlossen sei. Auch aufgrund der Grösse und damit 

der Schwere des Messers könne ausgeschlossen werden, dass der Angeklagte 

dieses über Schulterhöhe gehalten habe. Schon auf Schulterhöhe herum- 

zufuchteln brauche Kraft und entspreche absolut nicht einer natürlichen  

Bewegung. Bei lediglich Herumfuchteln mit dem Messer auf höchstens Brusthöhe 

sei eine konkrete Lebensgefahr - vereinzelte, absolut ungewöhnliche Fälle nicht  

beachtend - ausgeschlossen, da nur mit Stichbewegungen entsprechend tiefe 

und tödliche Wunden zugefügt werden könnten (Urk. 33 S. 10). Mit zutreffender 

Begründung, auf die zur Ergänzung der vorliegenden Erwägungen verwiesen 

werden kann, hat das Bezirksgericht solch allgemeine Einschätzungen über die 

Anatomie des Menschen als für den vorliegenden Fall unmassgeblich verworfen 

(Urk. 58 S. 34 f.; § 161 GVG/ZH).  

Im Berufungsverfahren greift der Verteidiger diese Argumentation erneut auf 

(Urk. 52 S. 7 ff.). Es kann ihm nicht gefolgt werden und weitere Ausführungen  

dazu können unterbleiben, zumal der Anspruch auf rechtliches Gehör nicht  

verlangt, dass sich das Gericht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behaup-

tung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss (Urteil des  

Bundesgerichts 6B_402/2010 Urteil vom 27. August 2010, E. 2.2). In Anbetracht 

der eindeutigen und weitgehend übereinstimmenden Schilderungen des  

Angeklagten sowie der Beteiligten L._____ ('L1._____'), G._____ ('G1._____') 

und B._____ ('B1._____') - deren Aussagen wie gesehen uneingeschränkt  

verwertbar sind - zur konkreten Art und Weise des Messereinsatzes durch den 

Angeklagten (vgl. obige Erwägungen 6.1.3.2 - 6.1.3.5) zielen diese reichlich spe-

kulativen Darlegungen der Verteidigung klar ins Leere. Dass die Schneidebewe-

gungen des Angeklagten in unmittelbarer Nähe der Gegner und auf deren Hals-

höhe und damit auch nahe der Halsschlagader bzw. der Luftröhre erfolgten, ist 

danach als erwiesen anzusehen.   

6.1.3.8  Der objektive Tatbestand der Lebensgefährdung ist somit erfüllt.   

6.1.4  Subjektiver Tatbestand (Vorsatz und Skrupellosigkeit) im vorliegenden Fall 

-   38   - 

6.1.4.1  Auch wenn der Angeklagte niemanden verletzen oder gar töten wollte 

(Urk. 3/2 S. 3), sondern den Kontrahenten nur androhte, sie zu verletzen, wenn 

sie nicht zurückweichen (Urk. 3/4 S. 9 sowie sinngemäss Urk. 3/4 S. 7 f. und  

Urk. 35 S. 9 f.), schliesst das keineswegs aus, dass ihm die geschaffene Lebens-

gefahr bewusst war und er sie auch herbeiführen wollte. Beides trifft hier zu: Auf 

die Frage ob er wisse, was er mit einer solchen Messerbewegung gegen den Hals 

einer Person bewirken könne, erklärte der Angeklagte anlässlich der Hafteinver-

nahme vom 1. Oktober 2008, das sei schwer, es könne alles passieren. Es könne 

jemand sterben oder schwer verletzt werden (Urk. 3/2 S. 3). Das bestätigte er in 

der Schlusseinvernahme vom 20. August 2010 ausdrücklich und betreffend aller 

nah bei ihm gestandenen Leute (Urk. 3/4 S. 9 und S. 11-13). Auch heute führt er 

aus, er hätte jemanden verletzen können, habe das aber nicht gewollt. Zudem 

habe er keine bösen Absichten gehabt (Prot. II S. 21). Aufgrund all dieser ihm  

bekannten Umstände drängt sich vorliegend der Schluss auf das sichere Wissen 

des Angeklagten um die durch sein Verhalten bewirkte unmittelbare Lebensgefahr 

für die in seiner nächsten Nähe stehenden Personen auf. Der Angeklagte war 

sich mithin im klaren, dass seine Messerbewegungen einen Unfall mit Todes-

folgen provozieren könnten. Wer derart auf andere Personen losgeht, benützt 

sein Schlachtmesser als todbringende Waffe. Der Angeklagte führte die Lebens-

gefahr wissentlich herbei und handelte demzufolge mit direktem Vorsatz. Indem 

der Angeklagte trotz der erkannten Lebensgefahr für all diese Leute handelte,  

erfüllte er insoweit den Tatbestand von Art. 129 StGB. Daran ändert nichts,  

dass er gehofft oder darauf vertraut haben mag, die Gefahr werde sich nicht  

realisieren.  

6.1.4.2  Der Angeklagte befand sich nicht in einer Notwehrsituation. Sein Ent-

schluss, das Schlachtmesser aus dem Auto zu holen, es gegen die feindlich  

gesinnte Gruppe einzusetzen und sich damit aktiv in der beschriebenen Art und 

Weise an der Auseinandersetzung zu beteiligen, anstatt sich vom Schauplatz zu 

entfernen, ist unverständlich und verantwortungslos. Das Vorgehen lässt jeglichen 

Respekt vor dem Leben anderer Menschen vermissen. Solches Verhalten ist als 

besonders verwerflich und rücksichtslos zu qualifizieren; es lässt sich mit den  

anerkannten Grundsätzen von Moral und Sitte in keiner Weise vereinbaren. Sein 

-   39   - 

Verhalten ist im Ergebnis durchaus vergleichbar mit dem oben (Erwägung 6.1.1) 

erwähnten Fall des hochgradig erregten Täters, der mit zitternden Händen seiner 

Ehefrau und seiner 8-jährigen Tochter ein gezacktes Brotmesser an den Hals ge-

halten hat. Dort hätte eine fahrige Bewegung zu einer Verletzung der Halsschlag-

ader führen können, beim wütenden und aggressiven sowie unter Alkoholisierung 

stehenden und in ziemlicher Dunkelheit agierenden Angeklagten die weitgehend 

fehlende Kontrolle über die genaue Zielrichtung seines Schlachtmessers bei den 

schnellen Hin- und Herbewegungen auf Hals- und Kopfhöhe. In der  

jeweils konkreten Situation bestand die unmittelbare Lebensgefahr sowohl für die 

Kontrahenten des mit dem Schlachtmesser herumfuchtelnden Angeklagten als 

auch für Ehefrau und Tochter des Brotmesser-Täters. Dass - von der Ausgangs-

lage her - im einen Fall nicht bewaffnete und wohl körperlich unterlegene  

Personen (im Sinne einer Individualbedrohung), im andern Fall teilweise  

auch bewaffnete und körperlich ebenbürtige Leute (im Sinne einer Massen-

auseinandersetzung) einander gegenüber gestanden sein mögen, ändert an der 

in beiden konkreten Konstellationen zu bejahenden akuten Gefahrensituation 

nichts.  

Wie bereits vor Vorinstanz will der Verteidiger die Skrupellosigkeit unabhängig 

von Notwehrsituation und Motiv verneinen, weil sie aufgrund der Tatsituation 

(Auseinandersetzung zwischen betrunkenen, teilweise mit Eisenstangen bewaff-

neten Männern, numerische Überzahl der Gegner bei körperlicher Ebenbürtigkeit) 

ausgeschlossen sei (Urk. 33 S. 12; Urk. 52 S. 10 f.). Auch diese Argumentation ist 

mit der Vorinstanz als verfehlt zu bezeichnen (vgl. 58 S. 35). Man kann nicht zu 

fünft und bewaffnet zu einem Treffen fahren, von welchem alle Beteiligten  

annehmen, dass es in eine Schlägerei ausarten werde, und dann eben diese 

Schlägerei als Argument dafür benutzen, dass man angesichts der Umstände 

doch aus verständlichen und zu billigenden Gründen gehandelt habe. Auch war 

der Angeklagte aufgrund seiner eigenen und der Schilderungen Dritter nicht  

derart betrunken, dass sein Zustand an der Skrupellosigkeit seines Verhaltens 

etwas ändern könnte. Auch aus Sicht eines Betrunkenen ist der Einsatz eines 

Messers gegen Menschen verwerflich. Eine allenfalls verminderte Schuldfähigkeit 

-   40   - 

beeinflusst das Tatbestandsmerkmal der Skrupellosigkeit nicht, sondern ist bei 

der Strafzumessung zu berücksichtigen (nachfolgende Erwägung V.). 

6.1.4.3  Das Tatbestandsmerkmal der Skrupellosigkeit ist somit ebenfalls  

gegeben und der subjektive Tatbestand von Art. 129 StGB auch in diesem Aspekt 

erfüllt. 

6.1.5  Der Verteidiger des Angeklagten (Urk. 52 S. 5 f.) und sinngemäss auch der 

Angeklagte selbst machen eine Notwehrsituation geltend (Prot. II S. 19). 

6.1.5.1  Wird jemand ohne Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem Angriff 

bedroht, so ist der angegriffene und jeder andere berechtigt, den Angriff in einer 

den Umständen angemessenen Weise abzuwehren (Art. 15 StGB). Überschreitet 

der Abwehrende die Grenzen der Notwehr, so mildert das Gericht die Strafe 

(Art. 16 Abs. 1 StGB). Überschreitet er die Grenzen der Notwehr in entschuld-

barer Aufregung oder Bestürzung über den Angriff, so handelt er nicht schuldhaft 

(Art. 16 Abs. 2 StGB).  

Das Notwehrrecht ist im Gegensatz zum Notstand nicht subsidiär - der Ange-

griffene braucht weder zu fliehen noch sonstwie dem Angriff auszuweichen.  

Notwehr ist aber erst dann zulässig, wenn der Angriff unmittelbar droht, und nur 

solange, wie er andauert. Die Unmittelbarkeit verlangt dabei, dass Anzeichen  

einer Gefahr vorhanden sind, die eine Verteidigung nahelegen, wie zum Beispiel 

dann, wenn der Angreifer eine drohende Haltung einnimmt, sich zum Kampfe 

vorbereitet oder Bewegungen macht, die in diesem Sinne gedeutet werden  

können (Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Kurzkommentar des Schweizeri-

schen Strafgesetzbuches, Zürich 2010, 18. Aufl., N 2 ff. Art. 15 mit Verweis u.a 

auf BGE 102 IV 230). Noch keine Notwehrlage besteht für eine Einzelperson, 

welche sich in einer Gruppe befindet, der eine andere Gruppe mit aggressiver 

Haltung gegenübersteht (BGE 104 IV 237). 

Auf Notwehr kann sich nur berufen, wer angegriffen wird und diesen Angriff oder 

den Angriff auf einen anderen abwehren will. Subjektiv ist dabei vorausgesetzt, 

dass der Täter die Handlung, die zu einem deliktischen Erfolg führt, bewusst und 

-   41   - 

gewollt zum Zweck der Abwehr eines Angriffs vorgenommen hat. Verfolgt er mit 

seiner Handlung demgegenüber das Ziel, seinen Gegner zu eliminieren oder zu 

verletzen, kann er sich weder auf Notwehr noch auf Notstand berufen. Wenn jede 

tatbestandsmässige Handlung, die von einem Angriff des Gegners begleitet wird, 

von vorneherein als rechtmässige Verteidigung anerkannt würde, könnten in 

"Wildwest-Manier" geführte Auseinandersetzungen zu persönlichen Racheakten 

benutzt und strafwürdige Angriffshandlungen als rechtsmässige Verteidigung  

getarnt werden (so das Bundesgericht im Entscheid vom 13.7.2001 6S.255/2001). 

Für die Annahme einer Notwehrsituation ist zudem erforderlich, dass die Hand-

lungen zur Abwehr eines Angriffes unternommen werden und nicht blosser Rache 

oder Vergeltung entspringen. Auch Handlungen, die darauf gerichtet sind, einen 

zwar möglichen aber noch unsicheren Angriff abzuwehren, einem Gegner also 

nach dem Grundsatz, dass Angriff die beste Verteidigung ist, zuvorzukommen 

und ihn kampfunfähig zu machen, fallen nicht unter den Begriff der Notwehr (BGE 

93 IV 83 und dortige Zitate). 

6.1.5.2  Unter vorstehend Ziff. 5.1.6 sowie 5.3 wurde das Vorliegen einer Not-

wehrsituation verneint. Schliesslich kann auch offen bleiben, ob der Angeklagte 

mit Eisenstangen angegriffen wurde, noch bevor er das Messer behändigte, oder 

ob der Angriff mit den Eisenstangen erfolgte, nachdem der Angeklagte mit dem 

Schlachtmesser auf die gegnerische Gruppe traf. Der Angeklagte fand sich - mit 

einem Schlachtmesser ausgerüstet - in der C._____ im Wissen darum ein, dass 

es voraussichtlich bzw. mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer tätlichen Auseinan-

dersetzung kommen wird. Selbst wenn der Angriff mit den Eisenstangen  

zuerst erfolgte, hatte der Angeklagte genügend Zeit, das Messer im Auto zu holen 

und nun bewaffnet in den Kampf zurück zukehren. Dies nicht etwa in der Absicht, 

sich lediglich zu verteidigen oder den Angriff abzuwehren, sondern einzig in der 

Absicht, an der Auseinandersetzung teilzunehmen. In diesem Zusammenhang ist 

festzuhalten, dass derjenige, der sich in eine Schlägerei einlässt, die er fast  

gesucht oder zumindest in Kauf genommen hat, nicht zu einem gefährlichen  

Gegenstand greifen darf, nur um die Oberhand zu gewinnen (vgl. sinngemäss 

Hans Dubs in ZStrR 1973/89 S. 350 lit. c). Wer sich mit einer solchen Intention 

-   42   - 

auf einen Streit einlässt - insbesondere im Wissen darum, dass die Waffe in  

greifbarer Nähe ist - kann sich in Nachachtung der vorerwähnten bundes 

gerichtlichen Rechtsprechung nicht auf Notwehr berufen.  

6.1.6  Soweit sich der Verteidiger zudem auf einen Rechtfertigungsgrund der weit-

reichenden Einwilligung der übrigen Beteiligten in das adäquate Risiko beruft 

(Urk. 33 S. 13; Urk. 52 S. 6 f.), hat sich die Vorinstanz zu Recht nicht näher mit 

diesem sehr weit her geholten Argument befasst (Urk. 38 S. 35 f.). Wer sich an 

einer Massenauseinandersetzung beteiligt, muss nicht damit rechnen und nimmt 

ebenso wenig in Kauf, durch skrupelloses Handeln in seinem Leben gefährdet zu 

werden. Das ist auch dann nicht der Fall, wenn sich vor Ort herausstellt, dass an 

der fraglichen Auseinandersetzung Eisenstangen, eine Schusswaffe und Messer 

zum Einsatz kommen. Die Lehre vom erlaubten Risiko und stillschweigender Ein-

willigung des Verletzten bei regelkonformem Verhalten, wie sie bei körper-

kontaktintensiven Mannschaftssportarten wie etwa dem Eishockey zum Tragen 

kommen kann (vgl. BGE 134 IV 26 E. 3.2.5 mit zahlreichen Hinweisen auf die  

Literatur; BSK StGB II - Peter Aebersold, Art. 129 N 40), ist in keiner Weise und 

auch nicht sinngemäss auf die vorliegend zu beurteilende Auseinandersetzung 

anwendbar.  

6.1.7  Der Angeklagte ist demnach in Bestätigung des angefochtenen Urteils der 

mehrfachen Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB schuldig zu 

sprechen. 

6.2 Raufhandel gemäss Art. 133 Abs. 1 StGB 

Nach Art. 133 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer sich an einem Raufhandel  

beteiligt, der den Tod oder die Körperverletzung eines Menschen zur Folge hat. 

6.2.1  Ein Raufhandel ist eine tätliche Auseinandersetzung, meist in Form einer 

Schlägerei, mit mindestens drei Beteiligten. Vorliegend waren deutlich mehr als 

drei Personen involviert. Für eine Beteiligung an einem Raufhandel genügt grund-

sätzlich jede Tathandlung, es genügt sogar rein unterstützendes Verhalten für  

einen Kämpfenden etwa durch Anfeuerungen oder Ratschläge (BSK StGB II -  

-   43   - 

Peter Aebersold, Art. 133 N 8). Mit seinen Messerbewegungen in unmittelbarer 

Nähe von mehreren Personen hat sich der Angeklagte beteiligt. Er hat dadurch 

die Auseinandersetzung direkt mit eigenem Handeln gefördert und in deren Inten-

sität gesteigert. Der objektive Tatbestand ist damit erfüllt (Stratenwerth/Wohlers, 

Schweizerisches Strafgesetzbuch Handkommentar, Bern 2007, Art. 133 N 2;  

vgl. auch BGE 137 IV 1 E. 4.2). 

6.2.2  Auch die objektive Strafbarkeitsbestimmung von Art. 133 Abs. 1 StGB - Tod 

oder Körperverletzung eines Menschen - ist gegeben, da der Geschädigte  

B._____ ('B1._____') und P._____ (P1._____') im Laufe der Auseinandersetzung 

verletzt wurden.  

6.2.3  Die Anwendung von Art. 133 Abs. 2 StGB fällt ausser Betracht. Der  

Angeklagte hat keineswegs nur abgewehrt oder die Streitenden geschieden  

(vgl. auch BGE 137 IV 1 E. 4.2.2 mit Hinweisen).  

6.2.4  In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz erforderlich, wobei Eventualvorsatz  

genügt. Dieser muss sich allein auf die Beteiligung an einem Raufhandel, nicht 

aber auf die Todes- oder Körperverletzungsfolge, erstrecken (Straten-

werth/Wohlers, Schweizerisches Strafgesetzbuch Handkommentar, Bern 2007, 

Art. 133 N  3 f.; BGE 137 IV 1 E. 4.2.3). Auch der Vorsatz ist gemäss erstelltem 

Anklagesachverhalt zu bejahen. Der Angeklagte hat sich bewusst und gezielt mit 

dem im Auto behändigten Messer zur gegnerischen Personengruppe sowie zum 

Geschädigten B._____ ('B1._____'), mithin an den Ort der tätlichen Auseinander-

setzung, zurückbegeben.  

6.2.5  In Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils ist der Angeklagte somit auch 

des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.  

V. Sanktion 

1. Festsetzung des Strafrahmens 

-   44   - 

1.1 Der Strafrahmen für Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB 

reicht von 1 bis höchstens 360 Tagessätzen Geldstrafe oder von sechs Monaten 

bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe (Art. 34 Abs. 1 StGB; Art. 40 StGB). Raufhandel 

gemäss Art. 133 Abs. 1 StGB wird mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu 

drei Jahren geahndet.  

1.2 Hat der Täter, wie hier der Angeklagte, mehrere Straftatbestände erfüllt, ist 

für die Strafzumessung von der Tat mit der höchsten Strafdrohung auszugehen 

und die Dauer der für sie auszufällenden Strafe angemessen, jedoch nicht um 

mehr als die Hälfte, zu erhöhen. Dabei ist der Richter an das gesetzliche Höchst-

mass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB).  

1.3 Die Deliktsmehrheit kann sich grundsätzlich gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB 

strafschärfend auswirken und vorliegend den oberen ordentlichen Strafrahmen 

theoretisch auf bis zu 7 ½ Jahre Freiheitsstrafe öffnen. In den meisten Fällen sind 

Strafschärfungs- und Strafmilderungsgründe indes innerhalb des ordentlichen 

Strafrahmens zu berücksichtigen. Nur in Ausnahmefällen kann dies dazu führen, 

dass der ordentliche Strafrahmen verlassen werden muss. Dies ist insbesondere 

der Fall, wenn die Strafe sich ohne Berücksichtigung der Strafmilderungs- bzw. 

Strafschärfungsgründe ohnehin am unteren oder oberen Rand des ordentlichen 

Strafrahmens bewegen würde bzw. deren Ausmass besonders stark ins Gewicht 

fällt (Donatsch / Flachsmann / Hug / Weder, Schweizerisches Strafgesetzbuch, 

Kommentar, 18. Aufl., Zürich 2010, N 4 zu Art. 48a i.V.m. N 6 zu Art. 49). Das trifft 

vorliegend nicht zu und es besteht somit kein Anlass, den ordentlichen Straf-

rahmen – der hier von Geldstrafe bis fünf Jahre Freiheitsstrafe reicht – zu ver-

lassen. 

1.4 Als Strafmilderungsgrund kommt hier grundsätzlich reduzierte Schuldfähig-

keit in Betracht, da der Angeklagte gemäss eigener Darstellung und der Hinweise 

mehrerer Beteiligter in der Tatnacht alkoholisiert war. Dieser Umstand ist bei der 

nachfolgenden Strafzumessung strafmindernd zu berücksichtigen. Verschuldens-

minderungsgründe gemäss Art. 48 StGB liegen keine vor.  

-   45   - 

1.4.1  Die Vorinstanz ist von einer leichten Beeinträchtigung der Steuerungsfähig-

keit bei der Tatbegehung ausgegangen, da die Menge des konsumierten Alkohols 

nicht mehr eruiert werden könne. Sie hat die Alkoholisierung des Angeklagten 

leicht strafmindernd gewertet (Urk. 58 S. 38 f.).  

Der Verteidiger nimmt eine Blutalkoholkonzentration des Angeklagten zur Tatzeit 

von rund 3 Gewichtspromillen an. Er plädiert auf eine erhebliche Verminderung 

der Schuldfähigkeit wenn nicht gar eine gänzliche Schuldunfähigkeit (Urk. 33 

S. 16 und 24). Aus den Befragungen der Beteiligten gehe hervor, dass der Ange-

klagte erheblich betrunken gewesen sei. Es sei von mehreren grossen Flaschen 

Bier gesprochen worden; realistisch sei eine gesamte Konsummenge von  

mindestens 2, höchstens 3,5 Litern Bier. Unter Berufung auf beigelegte Promille-

Berechnungen verlangt er eine starke Strafmilderung (Urk. 52 S. 13; Urk. 52A/3). 

Insbesondere könne es nicht zum Nachteil des Angeklagten gereichen, wenn die 

Untersuchungsbehörde es gänzlich unterlassen habe, bezüglich der konsumier-

ten Alkoholmenge und damit der Zurechnungsfähigkeit (bzw. Schuldfähigkeit) 

entsprechende Abklärungen zu machen (Urk. 52 S. 13).  

1.4.2  Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes fällt bei einer Blutalkohol-

konzentration von über 2 Gewichtspromillen eine Verminderung der Zurechnungs-

fähigkeit - nach aktueller Terminologie Schuldfähigkeit (Art. 19 StGB) - in Betracht 

(vgl. BGE 122 IV 49 E. 1b unter Hinweis auf BGE 119 IV 292 E. 2d). Der Blut-

alkoholkonzentration kommt bei der Beurteilung der Zurechnungsfähigkeit  

allerdings nicht alleinige Bedeutung zu. Sie ist bloss eine grobe Orientierungshilfe 

(BGE 122 IV 49 E. 1b unter Hinweis auf BGE 119 IV 120 E. 2b). Stets sind  

Gewöhnung, Persönlichkeit und Tatsituation in die Beurteilung einzubeziehen 

(Entscheide des Bundesgerichtes 6B_725/2009 vom 26. November 2009 E. 2.2 

und 6S.119/2004 vom 5. Juli 2004 E. 2.4). Bei einer Blutalkoholkonzentration  

zwischen 2 und 3 Promillen kann - gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung - 

im Regelfall von einer verminderten Zurechnungs- beziehungsweise Schuldfähig-

keit ausgegangen werden. Es besteht in diesem Bereich mit anderen Worten eine 

Vermutung der verminderten Zurechnungs- beziehungsweise Schuldfähigkeit. 

Diese Vermutung kann jedoch im Einzelfall durch Gegenindizien umgestossen 

-   46   - 

werden. Der Blutalkoholkonzentration kommt bei der Beurteilung der Zurech-

nungsfähigkeit mithin keine vorrangige Bedeutung zu (Entscheid des Bundesge-

richtes 6S.497/2002 vom 2. Mai 2003 E. 2.2.1). Konkrete Feststellungen über die 

Alkoholisierung oder Nüchternheit haben prinzipiell Vorrang gegenüber Blutalko-

holwerten. Ausschlaggebend für die Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit ist der 

psycho-pathologische Zustand (der Rausch) und nicht dessen Ursache, die  

Alkoholisierung, welche sich in der Blutalkoholkonzentration widerspiegelt. Von 

einer aufgehobenen Steuerungsfähigkeit kann beispielsweise aus psychiatrischer 

Sicht erst ausgegangen werden, wenn sich psychotische Störungen des  

Realitätsbezugs feststellen lassen. Dies ist der Fall bei Störungen der Orientie-

rung mit Situations- und Personenverkennung sowie bei Zuständen, die von Hal-

luzinationen oder Wahnvorstellungen determiniert sind, wie beispielsweise Fehlen 

der Ansprechbarkeit oder fehlende Reagibilität auf Aussenreize (Entscheid des 

Bundesgerichtes 6B_725/