# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8804a742-f7e2-5af3-888c-8826fdf4dddc
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-03-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.03.2024 F-1440/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-1440-2024_2024-03-12.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-1440/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 2 .  M ä r z  2 0 2 4  

Besetzung 
 Einzelrichterin Susanne Genner, 

mit Zustimmung von Richterin Roswitha Petry;   

Gerichtsschreiberin Selina Schmid. 
 

 
 

Parteien 
 A._______, geboren am (…), Iran, 

Beschwerdeführer,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Ver-

fahren); Verfügung des SEM vom 26. Februar 2024. 

 

 

 

F-1440/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer ersuchte am (…). Dezember 2023 in der Schweiz 

um Asyl. Ein Abgleich der Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerab-

druck-Datenbank (Eurodac) ergab, dass er am (…). Oktober 2023 in 

Deutschland um Asyl ersucht hatte. 

B.  

Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer am 17. Januar 2024 das recht-

liche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglich-

keit der Überstellung nach Deutschland, dessen Zuständigkeit für die Be-

handlung des Asylgesuchs grundsätzlich in Frage komme.  

C.  

Die deutschen Behörden hiessen das Gesuch des SEM vom 17. Januar 

2024 um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 

Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments 

und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfah-

ren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von ei-

nem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat ge-

stellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: 

Dublin-III-VO) am 18. Januar 2024 gut. 

D.  

Mit Verfügung vom 26. Februar 2024 (eröffnet am 27. Februar 2024) trat 

die Vorinstanz auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ord-

nete seine Wegweisung nach Deutschland an und forderte ihn auf, die 

Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzei-

tig verfügte sie die Aushändigung der editionspflichtigen Akten und stellte 

fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine auf-

schiebende Wirkung zu. 

E.  

Mit undatierter Rechtsmitteleingabe (Poststempel vom 5. März 2024) ge-

langte der Beschwerdeführer an das Bundesverwaltungsgericht und bean-

tragte sinngemäss, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die 

Vorinstanz sei anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten und das Asyl-

verfahren in der Schweiz durchzuführen.  

  

F-1440/2024 

Seite 3 

F.  

Am 6. März 2024 ordnete die Instruktionsrichterin einen superprovisori-

schen Vollzugsstopp an. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG (SR 142.31) nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und 

Art. 6 AsylG). 

1.2 Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die übri-

gen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs. 1 VwVG], Frist 

[Art. 108 Abs. 3 AsylG] und Form [Art. 52 Abs. 1 VwVG]) sind erfüllt. Auf 

die Beschwerde ist einzutreten.  

2.  

2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb 

sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines 

zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e 

AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-

scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

3.  

3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-

gen Mitgliedstaats wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals 

ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des 

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Seite 4 

Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich 

keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr 

statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1). 

3.3 Der zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, einen Antragsteller, der 

während der Prüfung seines Antrags in einem anderen Mitgliedstaat einen 

Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet eines anderen Mitglied-

staats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Massgabe der Artikel 23, 24, 25 

und 29 wieder aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO). 

4.  

Nachdem die deutschen Behörden innert der in Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-

VO festgelegten Frist dem Aufnahmegesuch der Vorinstanz zugestimmt 

haben, ist die Zuständigkeit Deutschlands grundsätzlich gegeben. 

5.  

Der Beschwerdeführer macht zu Recht nicht geltend, dass das Asylverfah-

ren in Deutschland systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 

2 Dublin-III-VO aufweisen würde.   

6.  

6.1 Der Beschwerdeführer bringt vor, sein Bruder lebe bereits in der 

Schweiz und könne ihn finanziell unterstützen und auf ihn achten. In der 

Schweiz habe er eine Unterstützung, die es ihm ermögliche, seinen Le-

bensunterhalt eigenständig zu bestreiten, sobald er die deutsche Sprache 

erlernt und eine Arbeit gefunden habe. Im vorinstanzlichen Verfahren hatte 

er zudem vorgebracht, zwischen ihm und seinem Bruder liege aufgrund 

seiner psychischen Probleme ein Abhängigkeitsverhältnis vor. Damit be-

hauptete er sinngemäss ein Abhängigkeitsverhältnis im Sinne von Art. 16 

Abs. 1 Dublin-III-VO und eine daraus abzuleitende Zuständigkeit der 

Schweiz. 

6.2 Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO setzt voraus, dass zwischen dem Antrag-

steller und seinen Kindern, Geschwistern oder Elternteilen ein Abhängig-

keitsverhältnis wegen Schwangerschaft, eines neugeborenen Kindes, 

schwerer Krankheit, ernsthafter Behinderung oder hohen Alters besteht. 

Das die Zuständigkeit begründende Abhängigkeitsverhältnis bleibt dabei 

auf Ausnahmesituationen besonderer Hilfsbedürftigkeit beschränkt (Urteil 

des BVGer F-5442/2023 vom 19. Oktober 2023 E. 7.2; vgl. auch FILZWIE-

SER/SPRUNG, Dublin III-Verordnung, 2014, K3 zu Art. 16). 

F-1440/2024 

Seite 5 

6.3 Die Vorinstanz verneinte die Zuständigkeit der Schweiz gestützt auf 

diese Bestimmung mit der Begründung, es lägen keine Anhaltspunkte für 

ein Abhängigkeitsverhältnis vor. Nachdem der Beschwerdeführer diese Er-

wägung unkommentiert lässt und nicht darlegt, inwiefern er von seinem 

Bruder abhängig sein soll, fällt eine Zuständigkeit gemäss Art. 16 Abs. 1 

Dublin-III-VO ausser Betracht. 

6.4 Es ist zwar durchaus nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer bei 

seinem Bruder in der Schweiz leben möchte. Indessen räumt ihm die Dub-

lin-III-VO kein Recht ein, den seinen Antrag prüfenden Staat selber aus-

wählen zu können (Urteil des BVGer F-3834/2022 vom 14. September 

2022 E. 3.3; BVGE 2010/45 E. 8.3 [noch mit Bezug auf die Dublin-II-VO]).  

7.  

7.1 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht ist zwingend auszuüben, wenn die Überstellung 

der betroffenen Person in den an sich zuständigen Mitgliedstaat zu einer 

Verletzung völkerrechtlicher Verpflichtungen der Schweiz führen würde 

(BVGE 2015/9 E. 8.2.1). Gemäss Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 

vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) kann zudem das SEM das 

Asylgesuch «aus humanitären Gründen» auch dann behandeln, wenn da-

für gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Bei dieser Ent-

scheidung kommt dem SEM Ermessen zu; das Bundesverwaltungsgericht 

darf sein eigenes Ermessen nicht an dessen Stelle setzen (BVGE 2015/9 

E. 7.6 und E. 8.1 in fine). 

7.2 Es liegen keine Anhaltspunkte vor, wonach die Gesundheit des Be-

schwerdeführers bei einer Überstellung nach Deutschland ernsthaft ge-

fährdet würde. Zwar ist belegt, dass er sich in psychologischer Behandlung 

befindet. Gemäss Arztbericht vom 30. Januar 2024 von Dr. med. 

B._______, Ärztezentrum C._______, besteht ein Verdacht auf eine An-

passungsstörung mit depressiver Reaktion. Die ihm verschriebenen 

Psychopharmaka hat der Beschwerdeführer jedoch – gemäss E-Mail-Aus-

kunft des BAZ D._______ vom 26. Februar 2024 – bisher nicht bezogen. 

Es ist somit nicht davon auszugehen, dass ernsthafte gesundheitliche 

Probleme bestehen. Die vom Beschwerdeführer einzig im vorinstanzlichen 

Verfahren geltend gemachten psychischen Beschwerden in Form von 

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Seite 6 

Schlaflosigkeit und Albträumen dürften – sofern überhaupt nötig – einer 

Behandlung in Deutschland zugänglich sein.  

7.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, seine Freundin lebe in der 

Schweiz. Da er diese Beziehung weder belegt, noch sich zu deren Art, In-

tensität und Dauer äussert, kann nicht vom Vorliegen einer gefestigten Be-

ziehung gemäss der Definition von Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO ausgegangen 

werden. Es liegt keine schützenswerte Beziehung im Sinne von Art. 8 

EMRK vor, weshalb der Beschwerdeführer aus der – behaupteten – Exis-

tenz seiner Freundin nichts zu seinen Gunsten ableiten kann. 

7.4 Es bestehen auch keine Gründe für die Annahme, Deutschland werde 

den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in 

ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus 

einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr 

laufen würden, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. 

Daran ändert auch nichts, dass der Beschwerdeführer im Rahmen des vor-

instanzlichen Verfahrens vorbrachte, die Behörden hätten ihm mit der Ab-

schiebung nach Polen gedroht. 

Die Vorinstanz hat somit das Selbsteintrittsrecht von Art. 17 Dublin-III-VO 

sowie Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 zu Recht nicht ausgeübt. Weder ist die 

Schweiz völkerrechtlich verpflichtet, auf das Asylgesuch einzutreten, noch 

sind humanitäre Gründe ersichtlich, welche einen Selbsteintritt nahelegen 

würden. 

8.  

Die Vorinstanz ist zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf 

das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten und hat die Weg-

weisung nach Deutschland angeordnet. 

9.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Mit dem vorliegen-

den Urteil fällt der am 6. März 2024 angeordnete Vollzugsstopp dahin. 

10.  

Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

(Dispositiv nächste Seite) 

 

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Seite 7 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Versand des vorliegenden 

Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Vorinstanz und die kan-

tonale Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Susanne Genner Selina Schmid 

 

 

Versand: