# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9df0fd16-bc06-5624-b2b2-0120be3cd455
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-07-10
**Language:** de
**Title:** Abschluss Gymnasium und postmaturitäre Wirtschaftsausbildung (PWA) entspricht erstmaliger beruflicher Ausbildung, diese konnte ohne invaliditätsbedingte Mehrkosten abgeschlossen werden, Mehrkosten der anschliessenden (gescheiterten) Studien sind nicht von der IV zu übernehmen
**Docket/Reference:** IV.2024.00390
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2024.00390.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2024.00390
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Senn
Sozialversicherungsrichterin Slavik
Gerichtsschreiberin Lanzicher
Urteil
vom
10. Juli 2025
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch den Vater
Y.___
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1993, absolvierte
nach Abschluss des Gymnasiums
am 6. Juli 2013
eine zweijährige
postmaturitäre
Wirtschaftsausbildung
(
J.___
)
und erlangte am 2
1.
August 2015 den Titel «Wirtschaftsfachfrau Kaderschule
Z.___
» (Urk. 13/114/3
-6
). Am
8.
Januar 2021 meldete sie sich unter Angabe von seit 2015 bestehenden starken Kopfschmerzen und Konzentrationsproblemen im Zusammen
hang mit der Behandlung mit Psychopharmaka bei der Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 13/5). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und berufliche Abklärungen und teilte der Versicherten mit Verfügung vom 1
4.
Juni 2021 (Urk. 13/23) mit, dass gesundheitsbedingt zurzeit keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien und ihr Rentenanspruch geprüft werde. Im Rahmen weiterer Abklärungen liess
s
ie die Versicherte durch
Dr.
med.
A.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psycho
therapie, und
lic.
phil.
B.___
, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, begut
achten (psychiatrisches Gutachten vom 1
2.
Juni 2023,
Urk.
13/105/1-57; neuro
psycho
logisches Gutachten vom 6. Juni 2023, Urk. 13/105/58-79). Mit Ver
fügung vom
6.
Juni 2024 (Urk. 2) verneinte sie wie am 22. November 2023 (Urk. 13/123) vorbeschieden einen Anspruch auf berufliche Massnahmen.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 2
2.
Juni 2024 Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte im Wesentlichen, es sei festzustellen, dass ein Anspruch auf eine erstmalige berufliche Ausbildung im Rahmen eines Studiums bestehe. Weiter beantragte sie, die
Vorinstanz
sei zu verpflichten, den Eintritt des Versicherungsfalles für alle in Frage kommenden Leistungen einzeln festzulegen sowie rechtskonforme und vollständige Abklärungen zu tätigen, dies im Hinblick auf das weitere Verfahren und insbesondere auf eine mögliche spätere Invaliditätsbemes
sung/Rentenprüfung. Mit Beschwerdeantwort vom 16. September 2024 schloss die
IV-Stelle
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 12). Mit Replik vom
1
4.
Oktober 2024 (Urk. 17) nahm die Beschwerdeführerin dazu Stellung (Urk. 12). Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 7. November 2024 auf Duplik (
Urk.
19). Mit Eingabe
n
vom 2
3.
Mai 2025 (
Urk.
21)
und 30. Juni 2025 (Urk. 22)
liess sich die Beschwerdeführerin erneut vernehmen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Infolge einer Reorganisation
wurden die IV. und V. Kammer des Sozialversicherungs
gerichts per 3
0.
Juni 2025 aufgelöst und das vorliegende Ver
fahren von der V. an die III. Kammer überwiesen.
1.
2
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten. Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 202
2.
Entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Grundsätzen (vgl. BGE 144 V 210 E. 4.3.1) ist nach der bis zum 31. Dezember 2021 geltenden Rechtslage zu beurteilen, ob bis zu diesem Zeitpunkt ein
Leistungs
anspruch e
ntstanden ist. Steht ein erst nach dem 1. Januar 2022 entstan
dener
Leistungsanspruch
zur Diskussion, findet darauf das seit diesem Zeitpunkt geltende Recht Anwendung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_452/2023 vom 24. Januar 2024 E. 3.2.1 mit Hinweisen).
Auf Grund der im
Januar 2021
anhängig gemachten Anmeldung bei der Invaliden
versicherung ist die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesene Rechtslage massgebend, die im Folgenden
soweit nichts anderes
vermerkt ist
jeweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet wird.
1.
3
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige beruf
liche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.4
Nach Art. 4 Abs.
2 IVG gilt die Invalidität als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruches auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat. Dieser Zeitpunkt ist objektiv aufgrund des Gesundheits
zustandes festzustellen; zufällige externe Faktoren sind unerheblich (
BGE 112 V 275 E. 1b
). Er beurteilt sich auch nicht nach dem
Zeitpunkt, in dem eine Anmel
dung eingereicht oder von dem an eine Leistung gefordert wird
,
und stimmt nicht notwendigerweise mit dem Zeitpunkt überein, in welchem die versicherte Person erstmals Kenntnis davon bekommt, dass der Gesundheitsschaden Anspruch auf Versicherungsleistu
ngen geben kann (BGE 126 V 5 E.
2b mi
t Hinweisen; AHI 2002 S. 147 E. 3a). Aus Art.
4
Abs.
2 IVG ergibt sich, dass der Eintritt der Invali
dität für die einzelnen Leistungen der Invalidenversicherung autonom zu bestim
men ist (sog. leistungsspezifische Invalidität). Dabei sind die rechtlichen Vorga
ben zu ber
ücksichtigen, die sich aus Art.
4 Abs
. 1 IVG (in Verbindung mit Art.
8 ATSG) ergeben. Folglich begründet der Gesundheitsschaden für jede Leistungsart innerhalb der Eingliederungsmassnahmen je einen
eigenen Versicherungsfall (BGE
112 V 275; vgl.
auch BGE 137 V 417 E. 2.2.3, 126 V 241 E. 4
).
1.5
Nach Art. 16 Abs. 1 IVG haben Versicherte, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung in wesentli
chem Umfang zusätzliche Kosten entstehen, Anspruch auf Ersatz dieser Kosten, sofern die Ausbildung den Fähigkeiten der versicherten Person entspricht. Als erstmalige berufliche Ausbildung gilt gemäss Art. 5 Abs. 1 IVV die berufliche Grundbildung nach dem Berufsbildungsgesetz (BBG) sowie, nach Abschluss der Volks- oder Sonderschule, der Besuch einer Mittel-, Fach- oder Hochschule und die berufliche Vorbereitung auf eine Hilfsarbeit oder auf die Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte.
1.6
Als invalid im Sinne von Art. 16 IVG gilt, wer aus gesundheitlichen Gründen bei einer seinen Fähigkeiten entsprechenden Ausbildung erhebliche Mehrkosten auf sich nehmen muss. Bezüglich psychischer Beeinträchtigungen sind die von der Rechtsprechung zum invalidisierenden geistigen oder psychischen Gesundheits
schaden (Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 7 und 8 Abs. 1 ATSG) entwi
ckelten Grundsätze auch im Bereich des Art. 16 IVG massgeblich; dabei ist jedoch nicht die Erwerbstätigkeit, sondern der beabsichtigte Ausbildungsgang mit seinen spezifischen Anforderungen Bezugspunkt (BGE 114 V 29 E. 1b in
fine
mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts I 159/05 vom 16. März 2006 E. 3.2.2). Sodann ist es unerheblich, ob die versicherte Person bei Erlass der Verwaltungsverfügung an einem invalidisierenden Gesundheitsschaden leidet. Denn es kommt im Rahmen von Art. 4 Abs. 1 IVG (in Verbindung mit Art. 7 und 8 Abs. 1 ATSG), von seinem ausdrücklichen Wortlaut wie von der Systematik der Invalidenver
sicherung als
final konzipierte Erwerbsausfallversicherung (AHI 1999 S. 79) her, nicht auf die Gleichzeitigkeit (
Kontemporalität
), sondern auf die Kausalität von Gesundheitsschaden und Erwerbsunfähigkeit an (BGE 126 V 461 E. 2 in
fine
, AHI 2003 S. 158 E. 2).
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 9C_16/2025 vom 24. April 2025 E. 4.3.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte in der angefochtenen Verfügung vom
6.
Juni 2024 (Urk. 2) einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung im Rahmen der erstmaligen Ausbildung. Zur Begründung führte sie an, dass die absol
vierte
postmaturitäre
Wirtschaftsausbildung mit dem Diplom als Wirtschafts
fachfrau Kaderschule Z
.___
bereits als erstmalige berufliche Ausbil
dung im Sinne des IVG gelte und die erworbenen Fähigkeiten dem angepassten Belastungsprofil entsprechen würden (vgl. auch Urk. 12
Ziff.
4). Auch wenn gegen Ende dieser Ausbildung ein erster Klinikaufenthalt im Rahmen einer für
sorgerischen Unterbringung aufgrund einer ersten psychotischen Phase erfolgt sei, habe dies den Abschluss nicht mehr beeinflusst. Es seien während dieser Aus
bildung keine invaliditätsbedingten Mehrkosten aufgetreten, weshalb auch kein Anspruch auf die Übernahme derselben bestehe.
Selbst
wenn
das nun aufgenom
mene betriebswirtschaftliche Studium an der
Z.___
Fachhochschule
als erstma
lige berufliche Ausbildung qualifiziert würde, fehlte es auch hier (noch) an invaliditäts
bedingten Mehrkosten. Diese würden erst anfallen, wenn das Studium aufgrund der gesundheitlichen Einschränkung länger dauern würde. Diese Kosten würden erst ab dem Zeitpunkt, ab welchem die Beschwerdeführerin das Studium im Gesundheitsfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit abgeschlossen hätte, bis zum tatsächlichen Studienabschluss anfallen.
Im Laufe des Verfahrens ergänzte
die Beschwerdegegnerin
, der Versicherungsfall für die erstmalige berufliche Ausbildung könne nicht eintreten, da es im Juni 2015 erstmals zu einer psychotischen Phase gekommen sei, zu welchem Zeitpunkt
die Beschwerdeführerin ihre
J.___
-Ausbildung bereits erfolgreich abgeschlossen habe, ohne dass invaliditätsbedingte Mehrkosten entstanden seien (
Urk.
12 S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin hielt in ihrer Beschwerde vom 2
2.
Juni 2024 (Urk. 1) dafür, dass die
postmaturitäre
Wirtschaftsausbildung keine zureichende erstmalige Ausbildung darstelle. Diese sei lediglich eine Zwischenstation gewesen. Ihr Ziel sei immer ein Studium gewesen, was die abgebrochenen Studiengänge ein
drücklich zeigten (Medizinstudium 2016-2018, BWL-Studium 2018-2022, erneu
ter Versuch eines Medizinstudiums 2018-2019). Wie bei einer versicherten Per
son, welche eine Lehre invaliditätsbedingt abbrechen müsse, seien auch bei ihr die Mehrkosten der erstmaligen Ausbildung bis zum Hochschulabschluss zu über
nehmen. Weiter führte sie an, dass die Beschwerdegegnerin bei der Leistungsbe
urteilung nicht berücksichtigt habe, dass bei ihr schon seit 2006 gesundheitliche Probleme aufgetreten seien und erst jetzt durch eine medikamentöse Behandlung eine Remission [der Schizophrenie] habe erreicht werden können. Die Beschwerde
gegnerin habe mangelhafte Abklärungen getroffen und den Eintritt des Versicherungsfalls nicht sorgfältig geprüft.
Mit Replik vom 1
4.
Oktober 2024 (Urk. 17) führte die Beschwerdeführerin aus, dass ihr aufgrund der Studienwechsel eine wesentliche Verzögerung und damit behinderungsbedingte Mehrkosten entstanden seien. Spätestens ab dem Zeit
punkt, in welchem die Ausbildung ohne Invalidität vollendet gewesen wäre, bestehe Anspruch auf ein Taggeld der Invalidenversicherung. Aber schon die Studien
gebühren und die Fahrkosten seien als Minimum im Rahmen der behinderungs
bedingten Mehrkosten zu prüfen.
Am 2
3.
Mai 2025 (Urk. 21) liess die Beschwerdeführerin mitteilen, dass sie bei der Beschwerdegegnerin erneut um Unterstützung ersucht habe. Da sie sich gezwun
gen gesehen habe, für die Finanzierung ihres Studiums und ihrer Lebens
haltungskosten mehr zu arbeiten, habe sie das Assessment nicht bestanden.
Sie wolle arbeiten und ihre Lebenshaltungskosten selbst verdienen, brauche dazu aber
eine adäquate Wiedereingliederung mit nachfolgender betreuter Ausbildung
. Mit Eingabe vom 3
0.
Juni 2025 (
Urk.
22) ergänzte sie, sie sei von ihrer Arbeits
stelle im zweiten Arbeitsmarkt freigestellt worden, die von ihrem ehemalig behan
delnden Psychiater eingereichte Meldung bei der
Kindes- und Erwachsenen
schutzbehörde
(
KESB
)
habe zudem zu einer Begleitbeistandschaft geführt. Die Beiständin könne jedoch nichts bewirken, da die Beschwerde
gegnerin ihre Unterstützung wegen des
hängigen
Verfahrens verweigere.
3.
3.1
Im Austrittsbericht des
C.___
vom 2
2.
Juni 2015, wo die Beschwerde
führerin vom 1
5.
bis 2
2.
Juni 2015 im Rahmen einer fürsorgerischen Unterbringung
(FU)
stationär behandelt wurde, stellten Oberärztin med.
pract
.
D.___
und Stationsarzt med.
pract
.
E.___
folgende Diagnosen
(Urk. 13/26/1
2)
:
-
a
kute
schizophreniforme
psychotische Störung
-
D
ifferentialdiagnose
:
a
kute polymorphe psychotische Störung
-
Differentialdiagnose:
Beginn einer paranoiden Schizophrenie
Dazu führten sie aus,
die Beschwerdeführerin sei ihnen notfallmässig per FU zugewiesen worden, nachdem sie barfuss und leicht bekleidet von zuhause weg
gelaufen und am Bahnhof
F.___
von der Polizei aufgefunden worden sei. Auf der Polizeistation habe sie dem SOS-Arzt gegenüber angegeben, dass es ihr psychisch schlecht gehe und sie Gedankenkreisen habe. Sie mache aktuell ein Praktikum bei der
G.___
und fühle sich dort gemobbt. Daran sei sie selber schuld, weil sie Fehler gemacht habe. Zudem würden im Internet Sachen über sie geschrieben. Bei Eintritt sei ein geordnetes Gespräch mit ihr nicht mög
lich gewesen, da sie immer wieder keine Antwort gegeben und im formalen Gedanken
gang blockiert
geschienen habe
. Fremdanamnestisch sei durch die Eltern zu erfahren gewesen, dass die Beschwerdeführerin seit ca. drei Tagen darüber berichte, dass sie einen Fehler gemacht habe und dass sie per Kurzmit
teilungen auf dem Handy gemobbt werde. Die Eltern hätten aber alle Nachrichten durchgelesen und keine dieser Art gefunden. Klinisch habe die Beschwerde
führerin im Verlauf ein psychotisch anmutendes Zustandsbild mit Vergiftungs
wahn, Todesangst und formalgedanklichen Auffälligkeiten (lange Antwortlatenz im Gespräch, Manieriertheit, leichte Ablenkbarkeit) gezeigt. Affektiv sei sie schlecht spürbar gewesen und habe ausgeprägte Schwingungen mit plötzlichen Weinanfällen gezeigt. Diagnostisch lasse sich aufgrund der kurzen Beobach
tungszeit und des nur schwer herstellbaren Rapportes keine genaue Zuordnung zu einem Krankheitsbild treffen. Medikamentös hätten sie die Einstellung auf Olanzapin 10 mg/d versucht, was die Beschwerdeführerin jedoch mehrheitlich abgelehnt habe, ohne jemals eine genauere Begründung zu geben. Da sie sich im Verlauf absprachefähig gezeigt habe und sie
sich
sowie ihre Eltern eine ambu
lante Weiterbetreuung gewünscht hätten, hätten sie die Beschwerdeführerin
ent
lassen
, da keine Anhaltspunkte für eine Aufrechterhaltung der
FU
bestand
en habe
.
3.2
Dr.
A.___
und
lic.
phil.
B.___
stellten in ihrem
psychiatrisch-neuropsycholo
gischen
Gutachten vom
1
2.
Juni 2023
(
Urk.
13/105
)
keine Diagnosen ohne und
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S.
46
):
-
paranoide Schizophrenie episodisch gegenwärtig weitgehend remittiert unter Medikation
-
l
eichte neurokognitive Störung
Dazu hielten sie fest, zum heutigen Zeitpunkt finde sich keine akute paranoid-psychotische Symptomatik, weshalb unter der Medikation von einer Remission ausgegangen werden könne. Ein leichtes Residuum stelle die begrenzte Belast
barkeit dar. Hier handle es sich möglicherweise auch um den Rest einer Nega
tivsymptomatik
(S. 46).
Seit 2015 nach der Erstmanifestation einer psychotischen Symptomatik befinde
sich die
Beschwerdeführerin
in psychotherapeutischer und z
um
T
eil
psychiatrischer
Behandlung. Stationär
sei
sie zweimalig im
C.___
hospitalisiert
gewesen
,
einmalig in der psychiatrischen Abteilung des Spitals
H.___
sowie in der
P
sychiatrie
I.___
(
I
.___
)
. Während den akuten psychotischen Zuständen
sei sie
teilweise
zwangsmediziert
worden
. Es
sei ihr
in der Folge
zum Teil s
chwer
gefallen
,
neuroleptische
Medikamente ein
zunehmen. Zudem
sei
sie fixiert
gewesen
auf die
Vorstellung, dass es bei ihr zu einer rein substanzinduzierten psychotischen
Entwicklung gekommen
sei
. Mitt
lerweile ha
be
sich die Situation diesbezüglich
etwas entspannt. Auch
nehme
die
Beschwerdeführerin
nun regelmässig Risperidon ein,
in einer relativ niedrigen Dosierung. Darunter
sei
es allerdings zu einer
Stabilisation gekommen, was die psychotische Symptomatik
betreffe
.
Seit längerem
sei bei ihr
eine erhebliche Redu
zierung der Leistungsfähigkeit dokumentiert. Die gegenwärtige 100%
ige
Arbeits
tätigkeit
müsse
aus
fachärztlicher Sicht als zu hoch eingeschätzt werden. Eine Fortsetzung der
gegenwärtigen ambulanten psychiatrischen Behandlung
sei
absolut indiziert. Die
Beschwerdeführerin
zeig
e
eine überdurchschnittliche Intelligenz,
sei
in ihrer
Persönlichkeit differenziert und zeig
e
ein hohes Mass an Selbs
treflexion. Sie
sei
zudem hoch motiviert, ihre gesundheitliche Situation zu verbessern. Es besteh
e
noch eine gewisse Gefahr, dass
sie
sich überschätz
e
und
über
forder
e
.
Belastungen
beständen
gemäss Mini-ICF-APP in mittelgradigem Aus
mass in der
Planung und Strukturierung von Aufgaben, der Anwendung fachli
cher
Kompetenzen sowie in der Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit (S. 49).
Die Tätigkeit als Studentin (Besuch von Vorlesungen
,
Nachbereitung,
Lernen, Arbeits
gruppen) wäre maximal zu
acht
Stunden möglich
, wobei
dabei
sowohl aus psychiatrischer als auch aus neuropsychologischer Sicht die Leistungsfähigkeit
um 40
%
eingeschränkt
sei
. Die Arbeitsfähigkeit insgesamt
betrage
60
%
(S. 50).
Die retrospektive Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
sei
stets schwierig.
Im Rahmen der ersten psychotischen Krise 2015
sei
eine Arbeitsfähigkeit
nicht
vorhanden
gewesen
. In der Folge
sei
es der
Beschwerdeführerin gelungen
,
den Nume
rus
clausus zu bestehen und sie
habe
2016 das Medizinstudium aufnehmen
kön
nen
.
Es
hätten
sich aber alsbald Einschränkungen
gezeigt
. So habe sie den Lern
stoff
nicht gut aufnehmen können und sei nebst Kopfschmerzen psychisch stark
belastet gewesen. Es
sei
daher anzunehmen, dass eine Arbeitsfähigkeit zu
diesem Zeitpunkt nicht gegeben
gewesen sei
. Auch in der Folge mit den weiteren
Hospi
talisationen
sei eine Arbeitsfähigkeit kaum gegeben gewesen. Sicherlich habe seit 2015 bis heute zu keinem Zeitpunkt eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestanden. Die gegenwärtig festgehaltene 60%ige Arbeitsfähigkeit bestehe seit Anfang 2023 (S. 51).
Aus neuropsychologischer und psychiatrischer Sicht müsste es sich bei einer der Behinderung optimal angepassten Tätigkeit angesichts des ermittelten Defizit
profils im aktuellen Zustand um eine gut strukturierte Tätigkeit handeln in einer ruhigen Umgebung mit wenig Zeitdruck. In einer solchen Tätigkeit sei
eine Präsenz
von 6 Stunden pro Tag möglich
, auch hier besteh
e
eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit von ca. 10
%
(S. 51).
In einer angepassten Tätigkeit habe seit 2015 bis heute zu keinem Zeitpunkt eine 100%
ige
Arbeitsfähigkeit bestanden. Die gegenwärtig festgehaltene 60%
ige
Arbeitsfähigkeit besteh
e
seit Anfang 2023 (S. 52).
4.
4.1
Vorab ist das Vorbringen der Beschwerdeführerin, wonach die Beschwerde
gegnerin ihren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt habe, zu prüfen. Diesbe
züglich machte sie geltend, di
e Begründung im angefochtenen Entscheid sei unvoll
ständig und die Beschwerdegegnerin
sei
ihrer Verpflichtung, auf alle Einwen
dungen einzugehen, nicht nachgekommen. Die Verfügung sei bereits auf
grund dieser nicht wieder gut zu machender Formfehler aufzuheben (
Urk.
1 S.
8).
4.2
Gemäss
Art. 29 Abs. 2
der Bundesverfassung (
BV
)
haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer einzelnen Person ein
greift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass eines solchen Ent
scheids zur Sache zu
äussern
, erhebliche Beweise
beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu
äussern
, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflus
sen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (BGE 144 I 11 E. 5.3, 143 V 71 E. 4.1, je
m.w.H
.).
Nach der Rechtsprechung kann eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu
äussern
, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann. Unter dieser Voraussetzung ist darüber hinaus – im Sinne einer Heilung des Mangels – selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des Gehörs von einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 142 II 218 E. 2.8.1, 137 I 195 E. 2.3.2, je
m.w.H
.).
4.3
Eine schwerwiegende Verletzung des
rechtlichen
Gehörs ist vorliegend nicht aus
zumachen, hat sich die Beschwerdegegnerin doch im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) und in ihrer Beschwerdeantwort (
Urk.
12)
hinreichend mit den Vorbrin
gen de
r
Beschwerdeführer
in
auseinandergesetzt und ihre wesentlichen Überle
gungen genannt
. D
er Anspruch auf rechtliches Gehör bedeutet
nicht, dass
sie
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss
(
vgl.
Urteil des Bundes
gerichts 8C_730/2020 vom
2.
Februar 2021 E. 4.1
m.w.H
.)
. Es genügt, wenn der Entscheid sachgerecht angefochten werden kann
, was der Beschwerdeführerin vorliegend offensichtlich möglich war. Selbst wenn von einer Gehörsverletzung auszugehen wäre,
rechtfertigt es sich aus prozessökonomischen Gründen, von einer Rückweisung der Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zur Gehörsge
währung abzusehen
, nachdem die Beschwerdeführerin sich im vorliegenden Verfahren umfassend äussern
konnte
und
eine Rückweisung
ihren
Interessen an einer beförderlichen Beurteilung
der
Beschwerde
zuwiderlaufen würde
. Im Übrigen handelt
es sich beim hiesigen Gericht um eine Beschwerdeinstanz mit voller Kog
nition, mithin um eine Instanz, welche Sachverhalt und Rechtslage frei über
prüfen kann
(vgl.
§
18a des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
,
GSVGer
), weshalb
selbst
eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise
im vorliegenden Verfahren geheilt werden könnte
(vgl. vorstehend E.
4
.2).
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin schloss am
6.
Juli 2013 erfolgreich die Maturitätsschule ab. Anschliessend
absolvierte
sie eine zweijährige
postmaturitä
r
e
Wirtschaftsaus
bildung
(
J.___
)
mit integriertem Praktikum
bei der
G.___
und
erlangte
am 21. August 2015
den
Titel Wirtschaftsfachfrau Kaderschule Z
.___
(
Urk.
13/114/3-6
und
Urk.
13/117/6-7
).
Bei der Kaderschule
Z.___
handelt es sich um eine nicht gewinnorientierte Stiftung. Das von
dieser
angebotene
J.___
-Wirtschaftsprogramm
ermöglicht Maturandinnen und Maturanden mit oder ohne Hochschulerfahrung einen branchenunabhängigen Einstieg in die
kaufmännische
Praxis
, wobei ein sechsmonatiger Schulteil und ein 18-monatiges Praktikum bei einer von über 50 Deutschschweizer Firmen unter anderem aus der Banken-, Treuhand-, Versicherungs- und Wirtschaftsprüfungsbranche zu absolvieren ist
.
Unter erstmaliger beruflicher Ausbildung
im Sinne von
Art.
16
Abs.
1 IVG
ist nach der Rechtsprechung eine gezielte und planmässige Förderung in beruflicher Hinsicht zu verstehen, mit anderen Worten der Erwerb oder die Vermittlung spezi
fischer beruflicher Kenntnisse (Urteil des Bundesgerichts I 529/01 vom 1
9.
März 2002 E. 1b
m.w.H
.)
. Spezifische berufliche Kenntnisse im kaufmän
nischen Bereich können
im Rahmen
der
J.___
ohne Weiteres
erlangt werden
. So ist auch dem Praktikumszeugnis der
G.___
zu entnehmen, dass die Beschwerde
führerin in der Lage war, die im Schulteil erworbenen kaufmän
nischen Fähigkeiten erfolgreich in
die
Praxis umzusetzen (
Urk.
13/117/6-7)
, wobei ihr die Unterzeichnenden ein sehr gutes Zeugnis ausstellten und ihren Austritt bedauerten.
D
ass es sich beim
J.___
-
Abschluss nicht um einen eidgenössisch anerkannten Titel handelt, ändert
demnach
nichts
daran, dass die Beschwerde
führerin
mit ihrer Ausbildung
spezifische berufliche Kenntnisse erlangt hat
und
mit dem Abschluss grundsätzlich
in der Lage
ist
, Stellen in verschiedenen Berei
chen
(beispielsweise Versicherungen oder Verwaltung)
anzunehmen und
selbstän
dig
ihren Lebensunterhalt zu bestreiten; ein
eidgenössisch anerkannter Titel oder gar ein
universitärer
oder Fachhochschulab
schluss sind dazu nicht notwendig.
In diesem Zusammenhang ist denn auch darauf
hinzuweisen, dass eine versicherte Person lediglich Anspruch auf eine gute, nicht aber auf die bestmög
liche Eingliederung hat (BGE 124 V 108 E. 2a), ebenso darauf,
dass
gemäss
Art.
5
Abs.
1 IVV nach
dem
Abschluss der Volksschule bereits die offensichtlich weniger qualifizierte berufliche Vorbereitung auf eine Hilfsarbeit als erstmalige berufliche Ausbildung
gilt
, ein eidgenössisch anerkannter Titel entsprechend nicht erforder
lich ist
.
Gemäss
Angaben der Kaderschule Z
.___
sind nur 5
%
der
J.___
-Absolventen nicht erwerbstätig
(vgl. auch
Urk.
13/133 S. 6)
. Den Tatbeweis, dass
die
J.___
einen
angemessenen Einstieg ins Erwerbsleben ermöglicht
,
erbrachte die Beschwerde
führerin mit ihrer beruflichen Aktivität nach Abschluss der Ausbil
dung
denn auch
selbst
(vgl. dazu
Urk.
13/115/1 und
Urk.
13/143)
,
fiel es ihr doch nach eigenen Angaben nie schwer, eine neue
Stelle
zu finden,
sondern
diese zu halten
(
Urk.
13/133/5)
, was mit Blick auf ihre psychischen Beschwerden nach
vollziehbar ist.
N
icht von Belang
ist
, weshalb
sie
sich zur Absolvierung der
J.___
entschlossen hat und ob es stets ihre Absicht war, anschliessend ein Studium
abzuschliessen
(vgl. dazu
Urk.
1 S. 6
-7
).
Denn die
J.___
bot ihr die Möglichkeit, adäquate berufliche Kenntnisse zu erwerben und sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten. Es
erübrigt sich, auf ihren Vergleich mit der invaliditätsbedingt abgebro
chenen Lehre weiter einzugehen (vgl.
Urk.
1 S. 6-7),
kam es bei ihr doch unbestritten weder während des Gymnasiums noch der
J.___
zu einem Abbruch der Ausbildung.
Soweit die Beschwerdeführerin gestützt auf
Art.
16 Abs. 1 IVG einen Anspruch auf eine erstmalige berufliche Ausbildung im Rahmen eines Stu
diums geltend macht
e
, ist
ihr Gesuch
nach dem Gesagten abzuweisen.
5
.2
Dass die Beschwerdeführerin nach dem Eintritt der Invalidität eine ungeeignete und auf die Dauer unzumutbare Erwerbstätigkeit aufgenommen hätte und deshalb eine berufliche Neuausbildung im Sinne von
Art.
16
Abs.
2
lit
. b IVG erforderlich wäre, wird weder geltend gemacht noch ist dies ersichtlich. Vielmehr handelt es sich bei der der Beschwerdeführerin
mit
der
J.___
möglichen kaufmän
nischen Tätigkeit um eine
Arbeit, welche
dem
gemäss
psychiatrisch-neuropsychologischen Gutachten von Dr.
A.___
und
lic.
phil.
B.___
zumut
baren
Belastungsprofil
(vgl. vorstehend E. 3.2) entspricht
.
5.3
Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdeführerin gestützt auf
Art.
16
Abs.
2
lit
. c IVG Anspruch auf Übernahme der invaliditätsbedingten Mehrkosten eines Studiums
im Sinne einer beruflichen Weiterausbildung hat.
Gemäss
Art.
16
Abs.
2
lit
.
c IVG
besteht Anspruch auf Übernahme der Mehrkosten
einer
berufliche
n
Weiteraus
bildung im bisherigen oder in einem anderen Berufsfeld, sofern
diese
geeignet und angemessen ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann.
Unter diesem Titel umfassen die Mehrkosten jedoch lediglich diejenigen Transportkosten, welche
pro
invaliditätsbedingt zusätzlich erforderlichem Studienjahr
jeweils Fr. 400.-- übersteigen (vgl. dazu Art. 5
bis
IVV),
nachdem für Massnahmen nach Art. 16 Abs. 2
lit
. c IVG kein Anspruch auf ein Taggeld besteht (Art. 22 Abs. 5 IVG).
Vorliegend ist aufgrund der Akten und insbesondere gestützt auf das unbestritten beweiskräftige psychiatrisch-neuropsychologische Gutachten von Dr.
A.___
und
lic.
phil.
B.___
(vgl. vorstehend E. 3.2) ausgewiesen, dass die Beschwerde
führerin aufgrund ihrer paranoiden Schizophrenie erheblich in ihrer Arbeitsfä
higkeit eingeschränkt
ist. Die Gutachter wiesen auf eine begrenzte Krankheitsein
sicht hin und darauf, dass die Beschwerdeführerin ihre Belastbarkeit überschätzt und sich überfordert. Entsprechend erachteten sie
deren
100%ige Arbeitstätigkeit als zu hoch (
Urk.
13/105 S. 45 und S. 49)
.
Nachvollziehbar dazu ist den Akten zu entnehmen,
dass die Beschwerdeführerin trotz überdurchsc
h
nittlicher Intelligenz
alle aufgenommenen Studi
en
nach einiger Zeit infolge Überforderung wieder abbre
chen musste (2016-2018 Medizinstudium, 2018-2022 BWL-Studium, 2018
2019 Medizinstudium, 2023-2025 Betriebswirtschaftliche Fachhochschule;
Urk.
1 S. 4 und
Urk.
21)
. Aus neuropsychologisch-psychiatrischer Sicht ist ihr lediglich eine gut strukturierte Tätigkeit in einer ruhigen Umgebung mit wenig Zeitdruck in einem 60
%
-Pensum möglich.
Ein Medizin- oder Betriebswirtschaftsstudium entspricht diesem Belastungsprofil offensichtlich nicht
, was die
regelmässige Dekom
pensation der Beschwerdeführerin jeweils einige Zeit nach Studienbeginn
eindrücklich
gezeigt hat.
Damit ist erstellt, dass
d
ie von
ihr
gewählte
Weiteraus
bildung
in Form eines anspruchsvollen Studiums
aufgrund ihrer gesundheitlichen Einschränkungen nicht
für sie
geeignet
ist
.
Im Übrigen entsprächen auch
die möglichen Tätigkeiten in den
sich nach Abschluss
eines Medizin- oder Betriebswirt
schaftsstudiums
bietenden
Berufsfeldern
nicht dem zumutbaren Belastungs
profil
.
Damit sind
die Voraussetzungen für die Übernahme der mit einer beruflichen Weiterausbildung verbundenen Mehrkosten nicht erfüllt.
5
.
4
Soweit die Beschwerdeführerin vorbrachte, bereits während des Gymnasiums an behandlungsbedürftigen psychischen Beschwerden gelitten zu haben
(vgl.
Urk.
1 S. 3)
, mag dies zwar zutreffen, ist für vorliegendes Verfahren aber nicht von Belang. Denn trotz ihrer psychischen Beschwerden war sie in der Lage, ihre
schu
lische
Ausbildung mit einem Maturitätszeugnis erfolgreich abzuschliessen, ohne dass invaliditätsbedingte Mehrkosten entstanden sind. Dasselbe gilt für den Abschluss der
J.___
.
Beschwerden mögen mit anderen Worten bereits dann vorhanden gewesen sein, diese haben sich
jedoch
nicht auf die Ausbildungsfähigkeit der Beschwerdeführerin ausgewirkt und sind deshalb für das vorliegende Verfah
ren unbeachtlich.
Dass die Beschwerdegegnerin sich nicht explizit zum Eintritt des Versicherungsfalls geäussert und darauf verzichtet hat,
Arztberichte für die Zeit vor dem erstmaligen Auftreten der paranoid-psychotischen Symptomatik
im Juni 2015
einzuholen, ist entsprechend nicht zu beanstanden
, ist doch in der Invalidenversicherung der Eintritt der Invalidität nicht losgelöst, sondern immer im Zusammenhang mit einem in Frage stehenden Leistungsanspruch zu prüfen (
sog. leistungsspezifische Invalidität, vgl.
E. 1.
4
und E. 1.6
)
. Die Aktenlage erweist sich für das vorliegende Verfahren als vollständig und die Abklärungen als rechtskonform getätigt
. Vo
n einer vorsätzlichen Amtspflichtverletzung
der Beschwerde
gegnerin
wegen verweigerter Abklärungen kann
entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin (
Urk.
1 S. 4
-5
und S. 8
)
nicht die Rede sein
, weshalb sich Weiterungen zu ihren diesbezüglichen Ausführungen erübrigen
. Der Antrag der Beschwerdeführerin, wonach die Beschwerdegegnerin zu verpflichten sei, den Eintritt des Versicherungsfalls für alle in Frage kommenden Leistungen einzeln festzulegen, ist somit abzuweisen
, da dies für das vorliegende Verfahren nicht erforderlich ist
. Soweit die Beschwerdeführerin zudem beantragte, die Beschwerde
gegnerin sei zu verpflichten, im Hinblick auf eine spätere Rentenprü
fung
bzw. Invaliditätsbemessung
rechtskonforme und vollständige Abklärungen zu tätigen
und auf ein
Valideneinkommen
nach Abschluss eines Studiums abzu
stellen
, ist darauf von Vornherein nicht einzutreten, nachdem allfällige Renten
leistungen nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens sind.
Die Beschwerde ist zusammengefasst abzuweisen, soweit darauf eingetreten wird.
5
.
5
Mit Eingabe
n
vom 2
3.
Mai
bzw. 3
0.
Juni
2025
(
Urk.
21-22)
wies die Beschwerde
führerin darauf hin,
dass sie infolge Überlastung das Assessment
des Studiums
nicht bestanden habe
und von
ihre
r
Stelle im zweiten Arbeitsmarkt
freigestellt worden sei, weshalb sie
eine adäquate Wiedereingliederung
benötige
.
Dies
ist von der Beschwerdegegnerin im Rahmen einer Neuanmeldung
für
Eingliederungs
leistungen
zu prüfen
, weshalb die
Sache nach Eintritt der Rechtskraft
des vorlie
genden
Entscheids an
s
ie überwi
e
sen
wird
.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen
, soweit darauf eingetreten wird
.
Die Akten werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids an die
Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle
, zur
Prüfung der Neuanmel
dung vo
m
2
3.
Mai 2025
überwiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr. 800.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt. Rechnung
und Einzahlungsschein werden der Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Y.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Beilage
je
einer Kopie
von
Urk.
21
und
Urk.
22
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubLanzicher