# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3e73446e-1d0e-52a2-80d8-e76949b77083
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2016-10-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.10.2016 D-4675/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4675-2015_2016-10-03.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
  
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4675/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 .  O k t o b e r  2 0 1 6  

Besetzung 
 Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richterin Esther Marti, Richterin Daniela Brüschweiler,  

Gerichtsschreiberin Susanne Bolz. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Bangladesch,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 3. Juli 2015 / N (…). 

 

 

 

D-4675/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer stammt aus B._______, Distrikt C._______, Bang-

ladesch. Nach eigenen Angaben lebte er seit seinem Schulabschluss im 

Jahr 2012 in Dhaka. Am 13. Mai 2013 verliess der damals Minderjährige 

sein Heimatland und flog über D._______ zunächst nach Rom. Von dort 

habe ihn ein Auto nach Como und am 23. Mai 2015 weiter in die Schweiz 

gebracht, wo er gleichentags ein Asylgesuch im Empfangs- und Verfahren-

szentrum (EVZ) E._______ einreichte. Am 5. Juni 2013 fand im EVZ 

E._______ seine Befragung zur Person (BzP) statt. Am 22. April 2014 

wurde er vertieft zu seinen Asylgründen angehört. Für die Dauer des Asyl-

verfahrens wurde er am 5. Juni 2013 dem Kanton F._______ als unbeglei-

teter, minderjähriger Asylsuchender zugeteilt. Mit dem Gesuch reichte der 

Beschwerdeführer keine identitätsbelegenden Papiere ein. 

B.  

Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte der Beschwerdeführer vor, er 

stamme aus einer christlichen Familie und gehöre schon seit seiner Kind-

heit dem [Christliche Jugendbewegung] an. Nach seinem High School Ab-

schluss sei er im Juni 2012 nach Dhaka gezogen, wo er im christlichen 

Studentenwohnheim "[Name]" gewohnt habe. Ein älterer Freund, den er 

beim [Christliche Jugendbewegung] kennengelernt hatte, habe einen Blog 

gehabt, in dem er über die schwierige Situation der Christen in Bangla-

desch und über die Diskriminierung von religiösen Minderheiten durch die 

Muslime berichtet habe. Der Freund habe die Texte geschrieben und er 

selbst habe für den Blog fotografiert, sie seien ein Team gewesen. Blogger 

seien in Bangladesch sehr gefährdet. Die islamistische Gruppierung "Hef-

azat-e-Islam" habe ihn und seine Freunde [im Jahr 2013] überfallen und 

ein Molotow-Cocktail auf sie geworfen. Zwei seiner Freunde seien schwer 

verletzt worden. Er selbst sei an der Schulter verletzt worden. Sie hätten 

alle im Krankenhaus behandelt werden müssen. Am 5. Mai 2013 habe es 

grosse Unruhen in Dhaka gegeben. Er habe für den Blog fotografiert. Seit 

er am Blog mitgearbeitet habe, sei er unter Beobachtung gestanden. Auch 

seine Familie habe verschiedentlich Probleme gehabt. Muslime aus dem 

Nachbardorf hätten gedroht, ihnen das Haus und das Grundstück in 

B._______ wegzunehmen. Bereits im Juni 2010 sei sein älterer Bruder 

nach einem Cricket-Finale von Moslems angegriffen worden. Der Bruder 

habe sich kritisch über Moslems geäussert, was ein Cousin seinen musli-

mischen Kollegen verraten habe. Der Bruder sei deshalb verprügelt wor-

den. 

D-4675/2015 

Seite 3 

C.  

Am 23. Dezember 2013 reichte die Vertrauensperson des Beschwerdefüh-

rers in seinem Namen dessen Geburtsurkunde, ein Referenzschreiben des 

[christliche Jugendbewegung], verschiedene Zeugnisse und Diplome be-

treffend die studentischen Aktivitäten im Rahmen des [christliche Jugend-

bewegung] sowie Ausdrucke mit Fotos, welche der Beschwerdeführer für 

den Blog gemacht habe und einen Memory-Stick mit weiteren Fotos und 

Videoaufnahmen zu den Akten. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass 

der Beschwerdeführer am unter der Adresse (…) registrierten Blog beteiligt 

gewesen sei. Der Blog sei Teil einer Bewegung, welche einerseits die Auf-

arbeitung der Vorkommnisse von 1971 behandle, sich andererseits aber 

auch für die Modernisierung des Landes einsetze. Die Anliegen vermisch-

ten sich und auch die Behörden hätten willkürliche Vorwürfe zu den Hand-

lungsmotiven der einzelnen Blogger gemacht.  

D.  

In der Anhörung vom 22. April 2014 führte der Beschwerdeführer aus, er 

sei Teil der Protestbewegung gegen die Islamisten gewesen. Es habe am 

5. Februar 2013 begonnen. Er habe mit seinem Freund G._______ für den 

Blog gearbeitet. Sie hätten Fotos und Beiträge gegen die Islamisten ins 

Netz gestellt. Sein Bild sei auch im Internet gewesen, jetzt jedoch nicht 

mehr. [Im Jahr 2013] sei er mit zwei Kollegen vom Hostel zu einem Laden 

gegangen, auf dem Weg hätten Unbekannte ein Molotow-Cocktail auf sie 

geworfen. Er habe den Arm ausgekugelt und sei am Bein verletzt worden 

und fast taub geworden. Er und seine Freunde seien ins Krankenhaus ge-

bracht worden. Danach sei er aus Angst nicht mehr ins Hostel zurückge-

kehrt, sondern habe bei seinem Onkel gewohnt, dieser habe viele Verbin-

dungen, da er für internationale Organisationen tätig gewesen sei. Zur Po-

lizei habe er nicht gehen können, diese sei ohnmächtig und er wisse auch 

nicht, wen er hätte anzeigen sollen. Von seinem Freund G._______ habe 

er erfahren, dass sein Name auf einer Liste der Islamisten stehe, er werde 

beschuldigt, ein Atheist zu sein und man fordere seinen Tod. Obwohl seine 

Fotos nach dem Vorfall [im Jahr 2013] im Internet gelöscht worden seien, 

ebenso wie die namentlichen Verweise auf ihn als Fotografen, sei sein 

Name bereits bekannt und registriert gewesen und er habe grosse Angst, 

dass er – wie bereits viele Blogger – ermordet oder einfach verschwinden 

würde. Auch seine Eltern und Verwandten im Dorf hätten Probleme bekom-

men. Er vermute, ein Cousin väterlicherseits habe ihn verraten, da man mit 

ihm im Streit um ein Stück Land liege. Zwar verstünden seine Eltern wenig 

vom Bloggen, aber es sei bekannt gewesen, dass er bei einem Blog mit-

gemacht habe. Die Islamisten seien gegen die Christen und wollten ihre 

http://our71.wordpress.com/

D-4675/2015 

Seite 4 

Rechte beschneiden. Die Minderheiten in Bangladesch seien sehr bedroht. 

Viele lebten in ständiger Angst, Christen würden sich nicht mehr in die Kir-

che trauen. Sein Freund G._______ habe das Land verlassen wollen. 

Seine Eltern hätten auch ihm dazu geraten. Es sei schwierig gewesen, ein 

Visum zu erhalten, am 13. Mai 2013 habe es endlich geklappt. Sein Onkel 

habe das Visum, einen Schlepper und die ganze Reise organisiert.  

E.  

Am 23. April 2014 forderte das BFM den Beschwerdeführer auf, sich innert 

Frist bei G._______ zu erkundigen, ob noch Kopien oder Ausdrucke der 

inzwischen gelöschten Blogseiten vorhanden seien, auf denen der Be-

schwerdeführer gezeigt oder namentlich genannt werde.  

F.  

Am 12. Mai 2014 reichte der Rechtsvertreter zwei Ausdrucke von Blogsei-

ten ein, auf denen der Beschwerdeführer als Fotograf genannt wurde. Des 

Weiteren reichte er Fotos ein, die den Beschwerdeführer gemeinsam mit 

G._______ bei christlichen Jugendveranstaltungen in Dhaka zeigten. Am 

14. Mai 2014 leitete der Rechtsvertreter die elektronischen Links an die 

Vorinstanz weiter.  

G.  

Am 20. Februar 2015 richtete der Beschwerdeführer ein Schreiben an das 

SEM und führte aus, er wolle am 11. August 2015 eine Lehrstelle (…) an-

treten und ersuchte darum, rechtzeitig den für eine Ausbildung nötigen Auf-

enthaltsstatus zu erhalten. Zum Beleg seiner beruflichen Fortschritte legte 

er verschiedene Zeugnisse und Bestätigungen vor.  

H.  

In gleicher Sache wandte sich der Beschwerdeführer am 22. Mai 2015 er-

neut an die Vorinstanz. Er reichte einen CNN-Artikel über gefährdete Blog-

ger in Bangladesch ein sowie Belege für seine Schnupperlehre (…) und 

ersuchte um einen baldigen Entscheid. 

I.  

Am 3. Juli 2015 lehnte das SEM das Asylgesuch ab, verfügte die Wegwei-

sung aus der Schweiz und beauftragte den Kanton F._______ mit dem 

Vollzug. Zur Begründung führte die Vorinstanz auf, zwar seien die Prob-

leme von Bloggern in Bangladesch bekannt, jedoch verfüge der Beschwer-

deführer nicht über ein entsprechendes Profil. Er habe nie selbst etwas 

D-4675/2015 

Seite 5 

geschrieben sondern nur seine Fotos von diversen Ereignissen weiterge-

geben. Es lägen keine Hinweise auf eine gezielt gegen ihn gerichtete Ver-

folgung vor. Der Angriff, bei dem er verletzt worden sei, sei von Unbekann-

ten verübt worden und könnte auch im Zusammenhang mit der tags zuvor 

stattfindenden Demonstration stehen und nicht gezielt gegen ihn erfolgt 

sein. Bei dem Umstand, dass sein Name angeblich auf einer Liste des Hef-

azat-e Islam stehe, handle es sich um reine Mutmassung aufgrund der 

Aussage seines Freundes G._______. Tatsächlich existiere eine Liste von 

Bloggern, jedoch sei diese gemäss öffentlich zugänglichen Quellen nicht 

von dieser Gruppierung erstellt worden. Schliesslich falle auch auf, dass er 

seine Aktivitäten für den Blog in der Erstbefragung aktiver dargestellt habe 

als in der Anhörung. Betreffend die Vorbringen hinsichtlich der Probleme 

der Familie sei festzuhalten, dass diese keine Asylrelevanz zu entfalten 

vermöchten, es seien private Probleme. Es sei ausserdem darauf hinzu-

weisen, dass es ihm jederzeit möglich sei, Schutz der staatlichen Behörden 

zu erhalten. Nach Länderinformationen hätten diese nach den Ermordun-

gen der Blogger jeweils Ermittlungen aufgenommen. Die Vorbringen erfüll-

ten die Anforderungen von Art. 3 AsylG damit nicht. Da in Bangladesch 

keine Situation allgemeiner Gewalt herrsche und der Beschwerdeführer 

auch keine individuellen Gründe gegen den Vollzug der Wegweisung vor-

bringen könne, sei dieser zulässig, zumutbar und möglich. Der Entscheid 

wurde am 7. Juli 2015 eröffnet. 

J.  

Am 29. Juli 2015 focht der Beschwerdeführer diesen Entscheid an und er-

suchte sinngemäss um dessen Aufhebung und die Gewährung von Asyl. 

Zum Beweis seiner Vorbringen reichte er weitere Ausdrucke aus dem Blog 

seines Freundes mit Fotos ein, auf denen man ihn selbst beim Fotografie-

ren sieht sowie die Internet-Adressen des Blogs. Er erwähnte auch, dass 

seinem Freund G._______ inzwischen in [europäisches Land] Asyl ge-

währt worden sei. 

K.  

Mit Zwischenverfügung vom 12. August 2015 setzte das Bundesverwal-

tungsgericht dem Beschwerdeführer Frist zur Bezahlung eines Kostenvor-

schusses. Dieser wurde am 26. August 2015 einbezahlt. 

L.  

In seiner Stellungnahme vom 15. September 2015 hielt das SEM an der 

Abweisung fest. Die eingereichten Links seien bereits im Entscheid vom 

D-4675/2015 

Seite 6 

3. Juli 2015 berücksichtigt worden, ebenso wie die Beiträge über die Ge-

fährdung von Bloggern in Bangladesch. Auch der Umstand, dass 

G._______ in [europäisches Land] Asyl erhalten habe, ändere nichts an 

der Einschätzung, dass der Beschwerdeführer kein Profil habe, welches 

ihn im Heimatland gefährde.  

M.  

In der Replik vom 30. September 2015 führte der Beschwerdeführer aus, 

es sei naiv zu glauben, dass die Morde an Bloggern in Bangladesch nichts 

mit ihm zu tun hätten. Die Blogger-Szene sei klein und jeder, der an Aktivi-

täten gegen die Islamisten Teil habe, gelte als Gegner des Islams und sei 

gefährdet. Die Hefazat-e Islam sehe es geradezu als ihre Pflicht an, kriti-

sche Personen umzubringen. Der Beschwerdeführer verwies diesbezüg-

lich auf einen Bericht der BBC von Anfang August 2015. Die Regierung 

unternehme nichts zum Schutz Andersdenkender, sie stehe unter Druck 

der Islamisten. Der Umstand, dass der Freund G._______ in [europäisches 

Land] Asyl erhalten habe, sei auch für sein Verfahren relevant, da sie den 

Blog gemeinsam geführt hätten. G._______ habe geschrieben und er 

selbst habe Fotos geliefert. In der Blogger-Szene seien sie als Duo bekannt 

gewesen. Der Beschwerdeführer verwies auch auf sein kirchliches Enga-

gement und reichte weitere Foto-Ausdrucke ein, welche ihn bei christlichen 

Veranstaltungen zusammen mit G._______ zeigten. 

N.  

Am 8. März 2016 wandte sich der Beschwerdeführer an das Bundesver-

waltungsgericht und wies auf seine Integrationsbemühungen und seinen 

Wunsch, eine Lehre als (…) zu absolvieren, hin. Er bat um eine möglichst 

schnelle Gutheissung seiner Beschwerde.  

O.  

Am 9. Juni 2016 wandte sich der Beschwerdeführer an das Bundesverwal-

tungsgericht und verwies auf weitere Übergriffe gegen Minderheiten, Akti-

visten und andere, welche sich den militanten Islamisten und dem soge-

nannten Islamischen Staat (IS) in den Weg stellten. Er reichte zum Beleg 

Zeitungs- und Internetberichte ein sowie die Kopie einer ihn betreffenden 

Bestätigung des Pfarrers der (…) Kirchgemeinde in H._______, vom 7. Ap-

ril 2016, in der bestätigt wird, dass der Beschwerdeführer Mitglied der 

Kirchgemeinde sei und sich nichts habe zu Schulden kommen lassen. Der 

Beschwerdeführer bekräftigte erneut, er sei als Blogger, kirchlicher Aktivist 

und als Christ allgemein in Bangladesch sehr gefährdet.  

  

D-4675/2015 

Seite 7 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die 

Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von 

bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche mit beacht- 

licher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, so-

fern ihr die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 

AsylG aufgezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, beziehungs-

weise zugefügt zu werden drohen. Die erlittene Verfolgung oder die be-

gründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung muss zudem sachlich und zeit-

lich kausal für die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und 

D-4675/2015 

Seite 8 

grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein. Zu-

dem muss feststehen, dass die von einer Verfolgung bedrohte Person über 

keine innerstaatliche Fluchtalternative verfügt (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 

S. 141 ff., BVGE 2011/51 E. 6 S. 1016 f., BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37, je mit 

weiteren Hinweisen). 

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer trägt vor, er sei als Beteiligter an einem islam-

kritischen Blog gefährdet. Die Bloggerszene in Bangladesch sei klein und 

man kenne ihn. Nach Auskunft seines Freundes G._______, der inzwi-

schen in [europäisches Land] Asyl erhalten habe, stehe sein Name auf ei-

ner Liste der Islamisten, die ihm nach dem Leben trachteten. Es sei be-

kannt, dass er Fotos für den Blog seines Freundes gemacht habe, diese 

seien mit dem Vermerk seines Namens im Internet veröffentlicht worden. 

Erst [im Jahr 2013] habe man diese gelöscht, nachdem er überfallen wor-

den sei. Er gehöre zur christlichen Minderheit in Bangladesch und habe 

sich seit seiner Kindheit in einem christlichen Jugendverband engagiert. Er 

sei bereits einmal von den Islamisten überfallen und verletzt worden, diese 

betrachteten ihn als Feind des Islams und wollten ihn umbringen. An die 

Behörden könne er sich nicht wenden, diese vermöchten die Blogger nicht 

zu schützen. Die Islamisten übten Druck auf die Behörden aus.  

4.2 Die Vorinstanz lehnte das Asylgesuch ab, weil sie die Vorbringen nicht 

für asylbeachtlich erachtete. Nach ihrer Auffassung erfüllt der Beschwer-

deführer nicht das Profil eines gefährdeten Bloggers weil er nie selbst ge-

schrieben, sondern lediglich Fotos geliefert habe. Das SEM hielt auch das 

Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach er auf einer Todesliste der  

Islamisten figuriere, für reine Spekulation, die er nicht zu belegen vermocht 

habe. Deshalb – und da ferner die geschilderten Vorbringen im Zusam-

menhang mit den Problemen seiner Familie ebenfalls nicht asylrelevant 

seien – drohe ihm keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG.  

5.  

Wie nachfolgend im Einzelnen begründet, macht der Beschwerdeführer zu 

Recht eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 

AsylG geltend. Seine Gefährdung beruht auf dem Umstand, dass er sich 

durch die Mitarbeit am Blog seines Freundes vor seiner Ausreise aus Bang-

ladesch exponiert hatte und angesichts der aktuellen Umstände in seinem 

Heimatland mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit zu befürchten ist, dass er 

in den Fokus von islamistischen Organisationen geraten ist, die in den letz-

ten Jahren wiederholt und grausam gegen Mitglieder der Bloggerszene 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2013/11
http://links.weblaw.ch/BVGE-2011/51
http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/4

D-4675/2015 

Seite 9 

vorgegangen sind. Ein weiteres Gefährdungsmerkmal liegt im Umstand, 

dass der Beschwerdeführer Angehöriger der christlichen Minderheit in 

Bangladesch ist und sich im christlichen Jugendverband engagierte. 

5.1 Blogger, die sich negativ gegenüber dem Islam oder anderen religiösen 

Gruppen äussern, sind in Bangladesch gefährdet (vgl. zum Ganzen den 

Bericht des New York Times Magazine, The Imperiled Bloggers of Bangla-

desh, vom 29.12.2015, www.newyorker.com/magazine/2015/12/21/the-hit-

list, abgerufen am 13.09.2016). Amnesty International berichtete in seinem 

Jahresbericht 2015, dass im Berichtszeitraum neun säkulare Blogger an-

gegriffen wurden, fünf davon erlagen ihren Verletzungen (vgl. Amnesty In-

ternational, Amnesty International Report 2015/16 – The State of the Wor-

ld's Human Rights – Bangladesh, 24.02.2016, https://www.amne-

sty.org/download/Documents/POL1025522016ENGLISH.PDF, abgerufen 

am 13.09.2016). Die Morde erfolgten jeweils nach dem gleichen Muster, 

die Opfer wurden in der Öffentlichkeit mit Macheten oder ähnlichen Waffen 

angegriffen und „zu Tode gehackt“ (vgl. British Broadcasting Corporation 

[BBC] News, Bangladesh bloggers: Clear pattern to killings, 12.05.2015, 

www.bbc.com/news/world-asia-32708975, abgerufen am 13.09.2016). 

Die Bedrohung der Blogger-Szene in Bangladesch ist noch immer anhal-

tend. Am 17. April 2016 berichtete Spiegel-online über die Ermordung des 

Online-Aktivisten Nazimuddin Sama, der auf dem Heimweg von der Uni-

versität mit Macheten umgebracht wurde (vgl. Spiegel Online, Bangla-

desch: Angreifer töten Blogger mit Macheten, vom 07.04.2016, www.spie-

gel.de/politik/ausland/bangladesch-blogger-in-dhaka-mit-macheten-er-

mordet-a-1085944.html., abgerufen am 10.05.2016). Am 25. April 2016 

wurden zwei weitere Menschen zu Tode gehackt, darunter der Herausge-

ber eines Schwulen-und-Lesben-Magazins (vgl. Spiegel Online, Bangla-

desch: Homosexuellen-Aktivist getötet, 25.04.2016, www.spiegel.de/pano-

rama/justiz/bangladesch-homosexuellen-aktivist-zu-tode-gehackt-a-108-

9200.html, abgerufen am 10.05.2016).  

5.2 In Bangladesch formierte sich anfangs der 2000er Jahre eine Blog-

gerszene, die sich zunächst in Chatforen für Menschenrechte, Demokratie 

und Gleichberechtigung engagierte und später auf der Website „Mukto-

Mona“ (Bengalisch für ‘‘Freidenker“), die von Avijit Roy, einem U.S.-Bürger 

bangladeschischer Abstammung, gegründet wurde. Avijit Roy wurde im 

Februar 2015 auf offener Strasse erstochen, als er in der Universität von 

Dhaka sein neues Buch vorstellen wollte. Der Einfluss der Blogger war zu-

nächst gering, stieg jedoch beträchtlich an, als es drei Jahre später möglich 

http://www.bbc.com/news/world-asia-32708975
http://www.spiegel.de/politik/ausland/bangladesch-blogger-in-dhaka-mit-macheten-ermordet-a-1085944.html
http://www.spiegel.de/politik/ausland/bangladesch-blogger-in-dhaka-mit-macheten-ermordet-a-1085944.html
http://www.spiegel.de/politik/ausland/bangladesch-blogger-in-dhaka-mit-macheten-ermordet-a-1085944.html
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/bangladesch-homosexuellen-aktivist-zu-tode-gehackt-a-108-9200.html
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/bangladesch-homosexuellen-aktivist-zu-tode-gehackt-a-108-9200.html
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/bangladesch-homosexuellen-aktivist-zu-tode-gehackt-a-108-9200.html

D-4675/2015 

Seite 10 

wurde, in Bengali zu schreiben und der Zugang zum Internet erleichtert 

wurde. In der Blogosphäre von Bangladesch stehen sich inzwischen mili-

tante Atheisten und islamische Fundamentalisten gegenüber. Berichten zu-

folge werden in den Blogs häufig auch Morddrohungen ausgesprochen 

(vgl. Agence France Press, Bangladesh arrests three atheist bloggers, 

02.04.2013, www.globalpost.com/dispatch/news/afp/130402/-bangladesh-

arrests-three-atheist-bloggers, abgerufen am 10.05.2016). Die meisten  

säkularen Blogger sehen sich mit der (inzwischen) verbotenen Partei Ja-

maat-e-Islami konfrontiert, deren Mitglieder neu als Hefazat-e-Islam auftre-

ten (vgl.: New York Times Magazine, The Imperiled Bloggers of Bangla-

desh, a.a.O.). Die Morde an Bloggern in Bangladesch stehen im Zusam-

menhang mit Demonstrationen und Protesten in der Hauptstadt Dhaka im 

Februar 2013, deren Auslöser die Verurteilung von muslimischen Kriegs-

verbrechern des Unabhängigkeitskrieges von 1971 war, die nach Meinung 

vieler zu milde ausgefallen war. Berichten zufolge war das Urteil gegen ei-

nen Kriegsverbrecher von 1971 jedoch nicht der alleinige Grund für die 

Demonstrationen in Dhaka. Quellen berichten, dass bangladeschische on-

line-Aktivisten massgeblich an der sogenannten Shahbag-Bewegung be-

teiligt waren (vgl. dazu auch die Darstellung im Referenzurteil des Bundes-

verwaltungsgerichts D-3778/2013 vom 16. Juli 2015, E. 8.4.2, 8.4.3). Die 

Blogger der Internetplattform „Freidenker“ hätten Hunderttausende, vor al-

lem junge Menschen mobilisiert, die unzufrieden mit der Regierung und 

ihren mangelnden Perspektiven in Bangladesch gewesen seien. Das Tri-

bunal für die Kriegsverbrecher von 1971 habe für sie ein Ventil bedeutet. 

Tagelang hätten sie die Hauptstadt lahm gelegt (vgl. Deutschlandfunk, Blu-

tiger Kulturkampf in Bangladesch, 24.11.2015, www.deutschland-

funk.de/islamisten-gegen-blogger-blutiger-kulturkampf-inbangladesch.-

724.de.html?dram:article_id-=337803, abgerufen am 29.03.2016). Zehn 

Tage nach dem Shahbag-Protest wurde der Blogger und Aktivist Ahmed 

Rajib Haider auf offener Strasse ermordet. Ein weiterer Blogger, Asif Mo-

hiuddin, war im Januar 2013 mit Messern angegriffen worden (vgl. Free-

dom House, Freedom on the Net 2015 – Bangladesh, 02.11.2015, 

https://freedomhouse.org/report/freedom-net/2015/bangladesh, abgerufen 

am 13.09.2016). 

Beobachter sehen die seit Jahren andauernde politische Krise in Bangla-

desch als eine der Ursachen für die zunehmende Radikalisierung der  

Opposition. Experten führen die wachsende Bedrohung der säkulären 

Blogger durch radikale Islamisten auf die seit Jahren anwachsende Radi-

kalisierung der Gesellschaft zurück. Islamistischer Extremismus trete in 

http://www.globalpost.com/dispatch/news/afp/130402/-bangladesh-arrests-three-atheist-bloggers
http://www.globalpost.com/dispatch/news/afp/130402/-bangladesh-arrests-three-atheist-bloggers

D-4675/2015 

Seite 11 

Bangladesch seit den frühen 1990er Jahren auf, als bengalische Mud-

jaheddin-Kämpfer aus Afghanistan zurückgekehrt seien. Auch seien bang-

ladeschische Gastarbeiter in den Golf-Staaten mit radikal-islamischem  

Gedankengut in Berührung gekommen. Privat finanzierte Koranschulen 

seien Brutstätten des Islamismus und würden von atheistischen und säku-

lar eingestellten Bloggern scharf kritisiert (vgl. Vice News, Trapped 

Between Murder and Repression: Life as an Atheist Blogger in Bangla-

desh, 09.12.2015, https://news.vice.com/article/trapped-between-murder-

and-repression-life-as-an-atheist-blogger-in-bangladesh, abgerufen am 

13.09.2016). Die Jamestown Foundation unterscheidet in ihrem Beitrag zur 

islamistischen Gruppe Ansarullah Bangla Team, welche die Verantwortung 

für die Attacken auf Blogger übernimmt, zwei Islamisierungswellen. Neben 

der Rückkehr von bengalischen Dschihadisten aus Irak und Afghanistan 

zwischen 1999-2005, habe die Einrichtung des Tribunals für die Kriegsver-

brecher von 1971 seit 2010 durch die regierende Awami League der Radi-

kalisierung Vorschub geleistet (vgl. Jamestown Foundation, A Profile of 

Bangladesh’s Ansarullah Bangla Team, 07.08.2015, www.jamestown.org/-

programs/tm/single/?tx_ttnews[tt_news]=44262&c-Hash=2fd840f4f3-adf3-

e2434d9d312ff1ed7d, abgerufen am 13.09.2016). Die BBC machte in ih-

rem Bericht vom August 2015 darauf aufmerksam, dass die Blogger von 

den Islamisten als Atheisten verurteilt würden, was jedoch nur auf einige 

zutreffe. Andere würden die Religion nicht in Frage stellen, setzten sich 

jedoch für eine Trennung von Religion und Staat ein (vgl. British Broadcas-

ting Corporation [BBC], 'Nowhere is safe': Behind the Bangladesh blogger 

murders, 07.08.2015, www.bbc.com/news/blogs-trending-33822674, ab-

gerufen am 13.09.2016).  

5.3 Als Reaktion auf die Shabhag-Proteste organisierte die radikal islami-

sche Gruppierung Hefazat-e-Islam für den 5. und 6. April 2013 mit ihren 

Anhängern einen „Langen Marsch” von den Städten Chittagong, Sylhet 

und Rajshahi in die Hauptstadt Dhaka, um ihren 13-Punkte Plan mit For-

derungen zu propagieren, darunter die Todesstrafe für die Herabsetzung 

des Islams (vgl. Deutsche Welle, Bangladesh tense ahead of Islamist 

march, 5.4.2013, www.dw.com/en/bangladesh-tense-ahead-of-islamist-

march/a-16723915, abgerufen am 13.09.2016). Im Zuge dieses „Long 

Marches“ kam es zu Ausschreitungen zwischen den Anhängern von Hef-

azat und den Aktivisten der Awami League, mit Verletzten und einem  

Todesopfer (vgl. Dhaka Tribune, Hefazat-e-Islam clash with opponents, 

7.04.2013, www.dhakatribune.-com/bangladesh/2013/apr/07/hefazat-e-is-

lam-clash-opponents, abgerufen am 17.05.2016).  

http://www.dhakatribune.-com/bangladesh/2013/apr/07/hefazat-e-islam-clash-opponents
http://www.dhakatribune.-com/bangladesh/2013/apr/07/hefazat-e-islam-clash-opponents

D-4675/2015 

Seite 12 

5.4 Der Beschwerdeführer brachte vor, am 7. April 2013 auf dem Weg vom 

[Wohnheim] zu einem Laden überfallen worden zu sein. Unbekannte hät-

ten ein Molotow-Cocktail auf ihn und seine Freunde geworfen. Sie seien 

verletzt worden und hätten im Spital behandelt werden müssen. Er habe 

die Schulter gebrochen, beziehungsweise ausgerenkt (vgl. act. A16/18, 

F. 32, sowie Fotoausdruck auf dem Datenträger, Beweismittel 9, vom 

22. April 2014). Er vermute Anhänger des Hefazat-e-Islam seien hinter die-

sem Überfall gestanden. Es sei aber nur ein unbedeutender Angriff gewe-

sen, daher sei darüber nicht berichtet worden. Aus Angst habe man auch 

im Blog nicht darüber geschrieben. Er sei aus Furcht auch nicht ins Hostel 

zurückgekehrt, sondern habe sich bei seinem Onkel aufgehalten  

(vgl. ebenda, F. 72 – 77). Er habe den Vorfall nicht bei der Polizei ange-

zeigt, weil die Polizei bereits vier Blogger festgenommen hatte, die etwas 

gegen den Islam geschrieben hatten (vgl. ebenda, F. 102 – 104). Er habe 

auch nicht gewusst, gegen wen er hätte Anzeige erstatten sollen, die Poli-

zei habe auch keine Macht gegen diese Leute (ebenda, F. 128).  

5.5 Am 5. Mai 2013 fand ein weiterer „Long March“ statt, in dem rund 

200'000 Anhänger der Hefazat-e-Islam-Bewegung über die großen Zu-

fahrtstraßen in die Hauptstadt Dhaka eingezogen. Sie planten das Zentrum 

der Metropole zu besetzen und den Alltag lahmzulegen, um die Erfüllung 

ihrer 13 Forderungen zu erzwingen. Zu diesen zählten die Einführung der 

Todesstrafe für Gotteslästerung, die Wiedereinführung der Bezugnahme 

auf Allah in der Verfassung und eine strikte Geschlechtertrennung sowie 

das Ende der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Ferner for-

derte Hefazat-e-Islam verpflichtenden islamischen Religionsunterricht und 

die Beschränkung der Aktivitäten christlicher Missionare. Vor der grössten 

Moschee des Landes kam es zu Strassenschlachten mit der Polizei, bei 

denen hunderte Menschen verletzt wurden und mindestens 22 Menschen 

ums Leben kamen. Hefazat-Funktionäre drohten der Regierung in Reden 

mit einem Umsturzversuch, falls ihre Forderungen nicht erfüllt würden 

(vgl. Tagesanzeiger, Tote bei Protesten für Blasphemiegesetz, 6.5.2013, 

www.tagesanzeiger.ch/ausland/asien-und-ozeanien/p-Tote-bei-Protesten-

fuer-Blasphemiegesetzp/story/20693706; Die Welt, Atheisten sollen hän-

gen – Islamisten laufen Amok, 6.5.2013, www.welt.de/politik/ausland/ar-

ticle115933954/Atheisten-sollen-haengen-Islamisten-laufen-Amok.html, 

abgerufen am 13.05.2016). Der Beschwerdeführer hat am 22. April 2014 

einen Datenträger eingereicht, auf dem sich Fotos, aufgenommen am 

5. Mai 2013 mit einem (…) Handy, befinden sowie Videos die ebenfalls vom 

gleichen Tag und demselben Handy stammen. Es finden sich auf dem Da-

tenträger noch weitere Fotos von einer anderen Kamera (Nikon), welche 

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/asien-und-ozeanien/p-Tote-bei-Protesten-fuer-Blasphemiegesetzp/story/20693706
http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/asien-und-ozeanien/p-Tote-bei-Protesten-fuer-Blasphemiegesetzp/story/20693706

D-4675/2015 

Seite 13 

den Beschwerdeführer selbst am 5. Mai 2013 zeigen. Das Gericht hält es 

für erstellt, dass der Beschwerdeführer bei den Protesten am 5. Mai 2013 

in Dhaka vor Ort war und das Geschehen gefilmt und fotografiert hat. Kurze 

Zeit später hat er das Land verlassen.  

5.6 Das SEM hat in seinem Entscheid die Gefährdung von Bloggern in 

Bangladesch nicht in Frage gestellt, es erachtete jedoch das Profil des Be-

schwerdeführers für nicht exponiert genug, und bezweifelte daher, dass er 

in den Fokus der Islamisten geraten sei und ihm eine asylbeachtliche Ver-

folgung drohen könnte. Grundsätzlich zweifelte die Vorinstanz die Vorbrin-

gen des Beschwerdeführers aber nicht an, verwies allerdings darauf, dass 

er zunächst in der BzP seinen Beitrag am Blog als gewichtiger dargestellt 

habe als nachher in der Anhörung. Auch sprach die Vorinstanz dem Angriff 

auf den Beschwerdeführer am 7. April 2013 die Zielgerichtetheit ab, da die-

ser durch Unbekannte erfolgt sei. Schliesslich scheint die Vorinstanz davon 

auszugehen, dass der Beschwerdeführer sich die Existenz einer Todesliste 

von Bloggern für seine Vorbringen zu Nutze habe machen wollen, da im 

Entscheid ausgeführt wird, die Liste sei nicht von der Organisation erstellt 

worden, welche der Beschwerdeführer als Urheberschaft genannt habe 

und es sei eine reine Mutmassung, dass er selbst auf dieser Liste stehe.  

5.7 Nach Auffassung des Gerichts hat der Beschwerdeführer glaubhaft 

vorgetragen, für den islamkritischen Blog seines älteren Freundes 

G._______ fotografiert zu haben (vgl. act. A16/18, F. 51-62). Er konnte 

seine Aktivitäten im Laufe des Verfahrens durch die Vorlage von Ausdru-

cken des Blogs und die Vorlage von Videos belegen. Es finden sich im 

Blogarchiv noch immer vereinzelte Hinweise auf sein Mittun, selbst wenn 

– wie von ihm behauptet – davon auszugehen ist, dass die Hinweise auf 

seine Urheberschaft an den Fotos im Blog gelöscht wurden, nachdem er 

am 7. April 2013 überfallen worden war (vgl. act. A 16/18, F. 75, 107/108, 

130). Mindestens an einer Stelle im Blog-Archiv wird sein Name noch im-

mer als Quelle genannt, auf mehreren Fotos des Blogs ist er zu sehen und 

damit auch zu identifizieren. Am Ende dieser englischsprachigen Archiv-

Seite im [Blog] findet sich zudem ein Kommentar vom 20. Juli 2015, in dem 

den Bloggern gedroht wird: (…) (vgl. Ausdruck des Blogarchivs, abgerufen 

am 17.05.2016). Der Freund des Beschwerdeführers, G._______, zeichnet 

für verschiedenste Blogeinträge verantwortlich. Auf einer seiner Seiten fin-

det sich auch ein englischsprachiger Kommentar des Beschwerdeführers, 

unter dem Namen I._______ vom 5. Mai 2014. Auch die Aufnahmen auf 

dem eingereichten Datenträger zeigen, dass er bei Protesten vor Ort war, 

D-4675/2015 

Seite 14 

fotografierte, filmte und selbst fotografiert wurde. Aus Sicht des Bundesver-

waltungsgerichts ist der Beschwerdeführer damit identifizierbar geworden. 

Der Umstand, dass auch noch zwei Jahre nach der Ausreise des Be-

schwerdeführers aus Bangladesch ein Drohkommentar auf der Blog-Seite 

gepostet wurde, auf der sich seine Namensreferenz und sein Foto befin-

den, zeugt davon, dass sich die Situation nicht beruhigt hat und er nach 

wie vor gefährdet ist. Selbst wenn der Beschwerdeführer kein besonders 

prominent hervorstechendes Mitglied der Blogger-Szene war und ist, so ist 

jedenfalls festzuhalten, dass sich im Internet noch immer Spuren auf seine 

Aktivitäten finden lassen und seine kritische Haltung ersichtlich wird, was 

angesichts der radikalisierten Stimmung gegen Personen, welche von den 

Islamisten als Gegner erachtet werden, durchaus genügender Anlass sein 

dürfte für weitere Übergriffe.  

5.8 Als Christ und Mitarbeiter an einem islamkritischen Blog erfüllt der Be-

schwerdeführer das Profil einer Person, welche von den Islamisten als 

Gegner betrachtet wird, weil er eine andere religiöse und politische Welt-

anschauung vertritt. Der Beschwerdeführer war seit früher Jugend ein ak-

tives Mitglied der christlichen Jugendbewegung und hat belegen können, 

dass er an zahlreichen kirchlichen Jungenaktivitäten aktiv teilgenommen 

hat. Der Umstand, dass er auf dem Weg von seinem [Wohnheim] überfal-

len wurde, zeigt mindestens, dass die Islamisten den Bewohnern des 

[Wohnheims] feindlich gesonnen sind und es kann auch nicht ausgeschlos-

sen werden, dass die Angreifer gezielt ihn treffen wollten. Dass der Be-

schwerdeführer seine Angreifer, welche den Molotow-Cocktail warfen, 

nicht kannte, bedeutet – entgegen der Argumentation der Vorinstanz – mit-

nichten, dass der Angriff nicht zielgerichtet gegen ihn erfolgt ist. Der Be-

schwerdeführer hat den Überfall hinreichend detailliert und nachvollziehbar 

beschrieben und seine Verletzung (…) mit einem Foto belegt. Dass er in 

der BzP zunächst von vier Personen, welchen der Überfall gegolten habe, 

später in der Anhörung jedoch nur von drei Personen gesprochen hat (vgl. 

A16/18, F. 138 – 140), vermag die grundsätzliche Glaubhaftigkeit seiner 

Ausführungen nicht zu erschüttern.  

5.9 Die Vorinstanz bezweifelte ferner, dass der Name des Beschwerdefüh-

rers auf einer Liste der Islamisten stehen könne. Der Beschwerdeführer 

hatte vorgebracht, diese Information durch seinen Freund G._______ er-

halten zu haben. Gemäss Berichten existieren Listen von Bloggern, welche 

von islamistischen Gruppen erstellt wurden. Die BBC berichtete nach dem 

Mord am Blogger Niloy Neel im August 2015 über eine entsprechende Liste 

D-4675/2015 

Seite 15 

von 84 atheistischen Bloggern, die im Jahr 2013 ursprünglich von islamis-

tischen Gruppierungen erstellt worden sei, um sie an die Regierung wei-

terzugeben, mit der Aufforderung, die Blogger wegen Blasphemie anzukla-

gen (vgl. BBC, Bangladesh blogger Niloy Neel hacked to death in Dhaka, 

07.08.2015, www.bbc.com/news/world-asia-33819032, abgerufen am 

13.09.2016). Die Liste wurde anonym auch an viele Zeitungen verschickt. 

Laut dem Beitrag im New Yorker Magazine vom Dezember 2015 standen 

vier der sechs im Jahr 2015 ermordeten Blogger auf der Liste, deren Her-

kunft unklar sei. The New Yorker berichtete im September 2015 über eine 

weitere Todesliste, eine sogenannte "Hitlist", der verbotenen Gruppe Ansa-

rullah Bangla Team (ABT), auf der 20 Blogger und Autoren aufgeführt seien 

– einige davon hätten sich bereits ausserhalb Bangladeschs befunden (vgl. 

The New Yorker, The Hit List – The Islamist war on secular bloggers in 

Bangladesh, 21.12.2015,www.newyorker.com/magazine-/2015/12/21/the-

hit-list, abgerufen am 13.09.2016). Das sich zu den Anschlägen auf Blog-

ger bekennende Ansarullah Bangla Team, eine Al Kaida nahe stehende, 

islamistische Online-Gemeinschaft, formierte sich nach der Verhaftung von 

fünf Studenten im März 2013, welche für den Tod von Ahmed Rajib Haider 

verantwortlich gemacht worden waren und propagiert den bewaffneten 

Jihad (vgl. Bangladesh Institute of Peace and Security Studies (BIPPS), 

Splinter Terrorist Groups: Emerging Trends of Terrorism in Bangladesh, 

September 2013, www.isn.ethz.ch/Digital-Library/Publications/De-

tail/?lng=en&id=-171215, abgerufen am 13.09.2016). Das ABT forderte 

Premierministerin Sheikh Hasina auf, den Bloggern die bangladeschische 

Staatsangehörigkeit zu entziehen, ansonsten sie umgebracht werden 

müssten (vgl. The Guardian, Militant group publishes global hitlist of blog-

gers, activists and writers, 23.09.2015, www.theguardian.com-

/world/2015/sep/23/militant-group-publishes-hit-list-of-bloggers-activists-

and-writers, abgerufen am 13.09.2016). Gemäss Reporters Without Bor-

ders (RSF) sei das verbindende Element der Opfer ihre Ablehnung von 

religiösem Extremismus. Reporters Without Borders [RSF], Bloggers on 

hit-list posted by supposed Islamist group in Bangladesh,19.11.2014, 

https://rsf.org/en/news/bloggers-hit-list-posted-suppos-ed-islamist-group-

bangladesh, abgerufen am 13.09.2016).  

Da die Listen nicht zugänglich sind, kann nicht geklärt werden, ob der 

Name des Beschwerdeführers tatsächlich auf einer solchen Liste steht. 

Selbst wenn sein Name nicht auf einer Liste stünde, wäre dies kein Garant 

für seine Sicherheit, beziehungsweise dafür, dass ihm keine Verfolgung 

droht. Nach Angaben eines geflüchteten Bloggers wurden auch Blogger 

umgebracht, deren Namen nicht auf der Liste gestanden hätten (vgl. 

http://www.isn.ethz.ch/Digital-Library/Publications/Detail/?lng=en&id=-171215
http://www.isn.ethz.ch/Digital-Library/Publications/Detail/?lng=en&id=-171215

D-4675/2015 

Seite 16 

Sampsonia Way, The Freedom Chat Transcripts: An Interview with Bang-

ladeshi blogger Siddhartha Dhar, 9.10.2015, www.sampsoniaway.org/inter-

views/2015/10/09/the-freedom-chat-transcripts-an-interview-with-bangla-

deshi-blogger-siddhartha-dhar/, abgerufen am 13.09.2016). Letztlich kann 

diese Frage offen bleiben, da der Beschwerdeführer aus anderen Gründen 

(vgl. E. 5.3 – 5.6) das Profil einer Person aufweist, die sich vor Verfolgung 

durch islamistische Kräfte in Bangladesch fürchten muss. Bereits einmal 

wurde der Beschwerdeführer Opfer eines Angriffs, dieser ist ein Indiz für 

eine ihm drohende zukünftige asylbeachtliche Verfolgung im Fall der Rück-

kehr nach Bangladesch, zumal seine Beteiligung am Blog seines Freundes 

G._______ noch immer im Internet nachvollzogen werden kann und sich 

auf der Blog-Seite noch immer relativ aktuelle Hass-Reaktionen finden, die 

lange nach der Ausreise gepostet worden sind. 

5.10 Die Vorinstanz erachtet den Umstand, dass der Beschwerdeführer 

den Übergriff [im Jahr 2013] nicht der Polizei gemeldet habe, als Indiz für 

die mangelnde Asylrelevanz seines Vorbringens. Diese Einschätzung ver-

mag das Bundesverwaltungsgericht nicht zu teilen. Angesichts der Quel-

lenlage zur Situation von Bloggern und Online-Aktivisten in Bangladesch 

spricht sein Verhalten nicht für eine mangelnde Asylrelevanz sondern nur 

dafür, dass er sich den Sicherheitsbehörden nicht anvertrauen wollte, weil 

er diesen misstraute (vgl. auch E 5.7). 

In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass sich Berichten zufolge nur 

wenige Blogger überhaupt an die Polizei wenden. Der bangladeschische 

Blogger Ratan Kumar Samadder machte auf Dissident Blog darauf auf-

merksam, dass die meisten Blogger Drohungen nicht der Polizei meldeten, 

weil sie Übergriffe fürchteten: "Most of the Bangladeshi bloggers are not 

willing to go to the police because they fear harassment by them." (vgl. The 

Dissident Blog, 84 bloggers on the death list, 17.12.2016, www.dissi-

dentblog.org/en/articles/84-bloggers-death-list, abgerufen am 

13.09.2016). Dieses Verhalten ist laut internationalen Berichten auf das 

sehr ambivalente Verhältnis von Regierung und Behörden zur Blog-

gerszene zurückzuführen und den Umstand, dass kritische Blogger in der 

Vergangenheit von den Behörden belangt wurden. Menschenrechtsorgan-

isationen machten im Dezember 2015 gegenüber dem UN Human Rights 

Committee auf die Lage von Bloggern in Bangladesch folgendermassen 

aufmerksam: "Professional and freelance journalists and bloggers in Bang-

ladesh face imminent risks from the government and from private attacks, 

particularly if they attempt to investigate stories or publish material that is 

seen as critical of the government or the religious majority. Reporters and 

D-4675/2015 

Seite 17 

journalists covering the elections irregularities in 2015 were subject to har-

assment and attacks by ruling party supporters. In addition, several jour-

nalists have been arrested throughout 2015 on trumped up charges after 

having published material critical of the government. Five bloggers were 

brutally murdered between February and October 2015, ostensibly for their 

publications in support of atheism, and none of the perpetrators have been 

brought to justice. The government has yet to properly investigate these 

murders, and has even legitimised the attacks by publicly reminding blog-

gers that “hurting religious belief” is a criminal offence in Bangladesh” 

(vgl. International Federation for Human Rights [FIDH]/ World Organisation 

Against Torture [OMCT]/ World Coalition Against the Death Penalty 

[WCADP]/ Asian Federation Against Involuntary Disappearances [AFAD]/ 

Asian Legal Resource Centre [ALRC]/ Odhikar, ICCPR List of Issues Sub-

mission; Joint NGO Submission to the UN Human Rights Committee prior 

to the Adoption of the List of Issues for the review of Bangladesh, 

17.12.2015, http://tbinternet.ohchr.org/Treaties/CCPR-/Shared%20Docu-

ments/BGD/INT_CCPR-_NGO-_BGD_-227-20_E.pdf, abgerufen am 

13.09.2016). Bei dieser Ausgangssituation ist es nachvollziehbar, dass der 

Beschwerdeführer den Angriff nicht der Polizei gemeldet hat, insbeson-

dere, da er selbst einer religiösen Minderheit angehört. Er hat auch vorge-

bracht, mit der Polizei vorher keinen Kontakt gehabt zu haben, da er nur 

fotografiert habe (vgl. act. A16/18, F. 101). Er befürchtete, dass er durch 

die Anzeige erst recht selbst Probleme bekommen könnte, weil die Behör-

den dann auf ihn aufmerksam geworden wären (vgl. ebenda, F. 103 – 104). 

5.11 Berichten zufolge ist die Meinungsfreiheit in Bangladesch stark einge-

schränkt. In diesem Zusammenhang ist auf den in Bangladesch seit 2006 

geltenden Information and Communication Technology Act (ICT) zu ver-

weisen, welcher nach dem Shahbag-Protest gegen online-Aktivisten zur 

Anwendung kam. Das New York Times Magazine etwa berichtete, dass die 

Hefazat-e-Islam die Regierung zur Verhaftung des Blogger Asif Mohiuddin 

auf Grundlage des ICT drängte. Die Bertelsmann Stiftung macht in ihrem 

Transformation Index auf den Rückgriff der Behörden auf den ICT und ein 

im März 2013 gegründetes Komitee zur Überwachung von online-Inhalten 

aufmerksam. Blogger müssen daher auch Verurteilungen nach dem ICT 

befürchten, sofern sie sich kritisch gegenüber Staat und Religion äussern. 

Das Gesetz räumt den Strafverfolgungsorganen weitreichende Befugnisse 

ein, unter anderem zur Verhaftung ohne Haftbefehl und die Möglichkeit zu 

ausgedehnter Untersuchungshaft. Das Gesetz kam erstmals im März 2013 

zur Anwendung und sein Strafmass wurde nach den Shahbag-Protesten 

sogar verschärft. Blogger wurden auf Grundlage des ICT zu mehrjährigen 

D-4675/2015 

Seite 18 

Haftstrafen verurteilt, weil sie den Islam kritisierten, einige auch, weil sie 

die Regierung kritisierten oder sich despektierlich über die Premierministe-

rin äusserten (vgl. RATAN KUMAR SAMADDER, 84 bloggers on the death list, 

The Dissident Blog, 17.12.2015, www.dissidentblog.org/en/articles/84-

bloggers-death-list; Freedom House, Freedom on the Net 2015 – Bangla-

desh, 02.11.2015, https://freedomhouse.org/report/freedom-net/2015-

/bangladesh, siehe dazu auch: Bertelsmann Stiftung, BTI 2016 – Bangla-

desh Country Report, 2016, www.btiproject.org/fileadmin/files/BTI/Down-

loads/Reports/2016/pdf-/BTI_2016_Bangladesh.pdf, beides abgerufen am 

13.09.2016).  

5.12 Im Zusammenhang mit der Schutzwilligkeit und Schutzfähigkeit des 

bangladeschischen Staates gegenüber Bloggern wird in Quellen auch auf 

das Verhältnis der Blogger zur Polizei aufmerksam gemacht. Wie unter 

E. 5.9 und 5.10 erläutert, melden Blogger Drohungen oft nicht der Polizei 

aus Angst vor Repressionen im Zusammenhang mit dem ICT Act. Vice 

News berichtete im Dezember 2015, dass die regierende Awami League 

die Blogger dazu aufgerufen hatte, die Religion nicht zu kritisieren (Vice 

News, Trapped Between Murder and Repression: Life as an Atheist Blog-

ger in Bangladesh, 09.12.2015, https://news.vice.com/article/trapped-

between-murder-and-repression-life-as-an-atheistblogger-in-bangladesh, 

abgerufen am 13.09.2016). Der nach Deutschland geflüchtete Blogger Asif 

Mohiuddin stellte in einem Spiegel-Interview fest, dass es zwar zu Fest-

nahmen und Verurteilungen wegen Übergriffen auf Blogger gekommen sei, 

die Regierung es jedoch versäume, die Imame und islamistischen Autori-

täten zur Verantwortung zu ziehen, welche die Morde in Auftrag gäben. Mit 

diesen wollten sich in Bangladesch nicht die Polizei und erst recht nicht die 

Regierung anlegen, da man befürchte, Wählerstimmen im islamistischen 

Lager zu verlieren (vgl. LAURA BACKES, Mit Worten gegen Macheten, Uni-

Spiegel 1/2016, 13.02.2016, www.spiegel.de/spiegel/unispiegel/d-

142417424-.html, abgerufen am 13.09.2016). Die Behörden in Dhaka wur-

den kritisiert, zu wenig zum Schutz der Blogger zu unternehmen und diese 

im Gegenteil zur Selbstzensur und Mässigung anzuhalten (vgl. Human 

Rights Watch, Bangladesh: Stop Promoting Self-Censorship, 11.08.2015,  

www.hrw.org/news/2015/08/11/bangladesh-stop-promoting-self-censor-

ship, abgerufen am 13.09.2016). Bei dieser Ausgangslage ist wenig wahr-

scheinlich, dass die Sicherheitsbehörden Bangladeschs Schritte unterneh-

men würden, um den Beschwerdeführer effektiv vor Übergriffen durch is-

lamistische Fundamentalisten zu schützen. In diesem Zusammenhang fällt 

auch ins Gewicht, dass er Angehöriger der christlichen Minderheit ist. Es 

http://www.spiegel.de/spiegel/unispiegel/d-142417424-.html
http://www.spiegel.de/spiegel/unispiegel/d-142417424-.html
http://www.hrw.org/news/2015/08/11/bangladesh-stop-promoting-self-censor-ship
http://www.hrw.org/news/2015/08/11/bangladesh-stop-promoting-self-censor-ship

D-4675/2015 

Seite 19 

ist auch nicht ausgeschlossen, dass der Beschwerdeführer selbst straf-

rechtliche Konsequenzen zu befürchten hätte. Berichten zufolge wurden 

einige der Blogger auf der „Hit List“ von den Behörden gezwungen, ihre 

Identität preiszugeben und sind nach der Publikation der Liste verhaftet 

worden (Sampsonia Way, The Freedom Chat Transcripts: An Interview with 

Bangladeshi Blogger Siddhartha Dhar, 09.10.2015, www.sampsonia-

way.org/interviews/2015/10/09-/the-freedom-chat-transcripts-aninterview-

with-bangladeshi-blogger-siddhartha-dhar/, abgerufen am 13.09.2016). 

Laut Angaben des geflüchteten Bloggers Asif Mohiuddin gegenüber der 

Nachrichtenplattform Deutsche Welle, hat die Mordserie dazu geführt, dass 

atheistische Blogger aus Bangladesch geflohen sind oder eine Flucht in 

Betracht ziehen (Deutsche Welle, Bloggen unter Lebensgefahr, 

26.02.2016, www.dw.com/de/bloggen-unterlebensgefahr/a-19077314, ab-

gerufen am 13.09.2016). Von der Schutzwilligkeit und Schutzfähigkeit der 

Behörden Bangladeschs ist daher im vorliegenden Fall nicht auszugehen.  

5.13 Aus Sicht des Gerichts steht dem Beschwerdeführer in Bangladesch 

auch keine interne Fluchtalternative offen. Zwar wurden die meisten Blog-

ger in der Hauptstadt Dhaka ermordet, wo auch der Beschwerdeführer sei-

nen letzten Wohnsitz hatte. Der Beschwerdeführer brachte vor, die Hef-

azat-Leute hätten ihn nur in Dhaka gekannt (vgl. act. A16/18, F. 118). Ein 

Blogger wurde jedoch auch in Sylhet, einer Stadt im Nordosten Bangla-

deschs ermordet (vgl. BBC, Bangladesh blogger: Friend of murdered Ana-

nta Bijoy Das tells of fear, 12.05.2015, www.bbc.com/news/election-2015-

32706293, abgerufen am 13.09.2016). Schliesslich hat der Beschwerde-

führer auch darauf hingewiesen, dass seine gesamte Familie am selben 

Wohnort lebe, wo auch er sein soziales Netz habe (vgl. act. A16/18, F. 137), 

und dass auch dort bekannt sei, dass er an einem Blog mitgearbeitet habe 

(vgl. ebenda F. 136). 

5.14 Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass der Be-

schwerdeführer zu Recht eine begründete Furcht vor zielgerichteter zu-

künftiger Verfolgung im Sinne des Art. 3 Abs. 1 AsylG geltend gemacht hat. 

Als Angehöriger der christlichen Minderheit und Fotograf für einen Blog vor 

seiner Ausreise im Frühjahr 2013 ist er mit der notwendigen hohen Wahr-

scheinlichkeit konkret gefährdet, Opfer gezielter politisch und religiös mo-

tivierter Verfolgung durch radikale Islamisten zu werden und ernsthaften 

Nachteilen ausgesetzt zu sein. Staatlicher Schutz steht dem Beschwerde-

führerin in Bangladesch nicht zur Verfügung, und es eröffnet sich auch 

keine interne Schutzalternative in einem anderen Landesteil.  

http://www.bbc.com/news/election-2015-32706293
http://www.bbc.com/news/election-2015-32706293

D-4675/2015 

Seite 20 

Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die Voraussetzungen von Art. 3 

AsylG gegeben sind und der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft 

erfüllt. Den Akten sind keinerlei Hinweise auf das Vorliegen von Asylaus-

schlussgründen im Sinne von Art. 53 AsylG zu entnehmen. Die Be-

schwerde ist daher gutzuheissen, die angefochtene Verfügung der  

Vorinstanz aufzuheben und diese anzuweisen, dem Beschwerdeführer in 

der Schweiz Asyl zu gewähren. 

6.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 

Abs. 1 und 2 VwVG). Der am 12. August 2015 erhobene Kostenvorschuss 

wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 

7.  

Dem Beschwerdeführer wäre angesichts seines Obsiegens in Anwendung 

von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

(VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm notwendigerweise 

erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Da er jedoch nicht vertreten ist, 

geht das Gericht davon aus, dass ihm keine verhältnismässig hohen Kos-

ten entstanden sind, weshalb keine Parteientschädigung zu entrichten ist.  

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-4675/2015 

Seite 21 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführer als Flüchtling anzuer-

kennen und ihm Asyl zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. Der erhobene Kostenvor-

schuss im Betrag von Fr. 600.– wird dem Beschwerdeführer zurückerstat-

tet. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Contessina Theis Susanne Bolz 

 

 

Versand: