# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 02533d78-1eb8-5408-b61a-27ffd78bab25
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-11-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.11.2025 D-4619/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4619-2024_2025-11-28.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4619/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 8 .  N o v e m b e r  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger (Vorsitz), 

Richter Grégory Sauder, Richter Walter Lang,  

Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Syrien, 

vertreten durch Abdelwahab Mohammad, 

Beschwerdeführer, 

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 20. Juni 2024 / N (…). 

 

 

 

D-4619/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer suchte am 27. Juli 2022 in der Schweiz um Asyl 

nach. 

A.b Zur Begründung machte er geltend, er sei syrischer Kurde und stamme 

aus B._______. Im Jahr (…) habe er den Militärdienst angetreten. Nach 

ungefähr zwei Jahren sei er desertiert. Danach habe er sich zunächst in 

Aleppo aufgehalten und sei anschliessend nach B._______ zurückgekehrt. 

Seine Familienangehörigen seien in der Zwischenzeit in die Türkei ausge-

wandert, weshalb auch er in die Türkei gegangen sei, wo er im Jahr (…) 

C._______ geheiratet habe. Nach der Heirat habe er eine Aufenthaltsbe-

willigung erhalten, da seine Ehefrau türkische Staatsangehörige sei. Sie 

hätten zusammen zwei Kinder. Weil seine Grossmutter krank geworden 

sei, sei er in den darauffolgenden Jahren zweimal für längere Zeit nach 

Syrien zurückgekehrt. Letztmals sei er im Februar/März (…) aus Syrien 

ausgereist. Er habe nicht in der Türkei bleiben können, weil Kurden dort 

nicht akzeptiert würden und er befürchte, von den türkischen Behörden 

nach Syrien deportiert zu werden. In Syrien müsse er aufgrund seiner De-

sertion mit der Todesstrafe rechnen. 

A.c Mit Verfügung vom 17. November 2022 verneinte das SEM die Flücht-

lingseigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte das Asylgesuch ab. 

Ausserdem verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz sowie aus dem 

Schengenraum zwecks Rückkehr in den Herkunftsstaat (d.h. Türkei) oder 

zur Weiterreise in ein sich ausserhalb des Schengenraums befindliches 

Land, in welchem er aufgenommen werde, und ordnete den Vollzug der 

Wegweisung an. 

A.d Mit Urteil D-5806/2022 vom 24. Februar 2023 hiess das Bundesver-

waltungsgericht die dagegen erhobene Beschwerde gut, hob die Verfü-

gung vom 17.November 2022 auf und wies die Sache zur Neubeurteilung 

im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurück. 

B.  

B.a Am 9. Mai 2023 führte das SEM mit dem Beschwerdeführer eine er-

gänzende Anhörung durch. Er brachte dabei vor, seiner Familie in der Tür-

kei gehe es aufgrund des Erdbebens nicht so gut. Seine Kinder lebten bei 

seinen Eltern in D._______, in einem Zelt, und seine Ehefrau bei ihrer ei-

genen Familie im Dorf E._______. Er habe in der Türkei nur eine Beschei-

nigung für Flüchtlinge und damit keinen Zugang zur e-Devlet-Plattform 

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gehabt. Er wisse nicht, ob seine Frau ihm einen Familienregisterauszug 

und einen Beleg betreffend seine Aufenthaltsbewilligung aus ihrem e-Dev-

let schicken werde, weil das Verhältnis zu ihr nicht mehr so gut sei. Er habe 

aktuell keinen Kontakt zu ihr, sie habe gesagt, sie wolle die Scheidung. 

Zudem habe er schon nach der ersten Anhörung mit mehreren Rechtsan-

wälten gesprochen. Er bekomme keinen Auszug betreffend seine Aufent-

haltsbewilligung, da er nicht Türke, sondern Syrer sei. Seine Aufenthalts-

bewilligung als Flüchtling habe er vom Roten Kreuz erhalten. Nach der Hei-

rat habe er eine «Karte» bekommen, aber sein Aufenthaltsstatus habe sich 

nicht geändert. Er habe die türkische Staatsangehörigkeit nicht beantragt, 

weil Kurden diese ohnehin nicht erhalten würden, sondern nur Araber. 

Auch weil sein Bruder in der Türkei im Gefängnis sei und er selbst einer 

Partei angehöre, habe er die türkische Staatsangehörigkeit nicht erhalten. 

Zudem habe er die benötigten Papiere aus Syrien nicht beibringen können. 

Seine türkische Aufenthaltsbewilligung habe er auf der Flucht verloren. 

B.b Mit Schreiben vom 5. September 2023 ersuchte das SEM den türki-

schen Generalkonsul in der Schweiz um eine Bestätigung des Aufenthalts-

anspruchs des Beschwerdeführers in der Türkei. Die Anfrage blieb unbe-

antwortet. 

B.c Am 13. September 2023 erfolgte die Zuteilung des Asylgesuches zur 

Behandlung im erweiterten Verfahren. 

B.d Nachdem der Beschwerdeführer vom SEM mit Schreiben vom 7. Feb-

ruar 2024 erneut aufgefordert worden war, einen Familienregisterauszug 

sowie einen Auszug über die Aufenthaltsbewilligung in der Türkei einzu-

reichen, teilte er mit Schreiben vom 27. Februar 2024 mit, die türkischen 

Behörden hätten seiner Mutter die entsprechenden Dokumente nicht aus-

gehändigt, und seine Ehefrau habe die Zustellung des Familienregister-

auszugs aus Protest verweigert. Es sei ihm daher nicht möglich, die ange-

forderten Unterlagen einzureichen. 

B.e Am 7. Mai 2024 wurde der Beschwerdeführer ein weiteres Mal ergän-

zend angehört. Er führte dabei aus, die Probleme mit seiner Ehefrau be-

stünden weiterhin, sie wohne bei ihrer Mutter und habe die Kinder bei sei-

ner Mutter zurückgelassen. Sie antworte nicht auf seine Anrufe. Er habe 

seiner Rechtsvertretung ein Dokument geschickt, welches er mit Hilfe ei-

nes Anwalts erhalten habe. Auf Vorhalt von Screenshots aus seinem Face-

book-Profil erklärte er, das Foto, welches ihn mit einer türkischen Flagge 

zeige, stamme aus der Zeit, in der er in die Türkei eingereist sei. Das 

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Fahrzeug, welches zu sehen sei, gehöre einem Freund, einem Zivilisten, 

und sei kein Militärauto. Seine Mutter zeige auf ihrem Facebook-Profil auch 

nur deshalb türkische Flaggen, weil sie aus B._______ in die Türkei geflo-

hen sei und Angst habe. Er sei nicht türkischer Staatsangehöriger. Er habe 

nur eine Aufenthaltsbewilligung für Flüchtlinge gehabt. Syrer hätten keinen 

Zugang zu e-Devlet erhalten. Da er die Türkei verlassen habe, sei seine 

Bewilligung nicht verlängert worden. Soldaten hätten bei seiner Mutter 

nach ihm gesucht und gefragt, wohin er gegangen sei. Der Ausweis eines 

Cousins sei auch abgelaufen, und dieser sei erwischt und nach Syrien zu-

rückgeschickt worden. 

B.f Mit Eingabe vom 15. Mai 2024 reichte der Beschwerdeführer zwei  

vorübergehende Schutzidentitätszertifikate (seines und dasjenige seines 

Vaters) sowie einen Fahrzeugausweis zu den Akten (Kopien). 

C.  

Mit Verfügung vom 20. Juni 2024 verneinte das SEM die Flüchtlingseigen-

schaft des Beschwerdeführers und lehnte das Asylgesuch ab. Ausserdem 

verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz sowie aus dem Schengen-

raum zwecks Rückkehr in den Herkunftsstaat (d.h. Türkei) oder zur Wei-

terreise in ein sich ausserhalb des Schengenraums befindliches Land, in 

welchem er aufgenommen werde, und ordnete den Vollzug der Wegwei-

sung an. 

Dabei erwog es, der Beschwerdeführer habe ohne nachvollziehbare Be-

gründung weder seine Aufenthaltsbewilligung noch einen Familienregister-

auszug eingereicht und damit die Mitwirkungspflicht verletzt. Er habe nicht 

beweisen können, dass er die türkische Staatsangehörigkeit nicht besitze. 

Gleichzeitig fänden sich auf den Facebook-Profilen von ihm und seiner 

Mutter türkische Flaggen sowie ein Auto, welches mutmasslich vom türki-

schen Militär benutzt werde. Diese Hinweise liessen darauf schliessen, 

dass er mit grösster Wahrscheinlichkeit türkischer Staatsangehöriger sei, 

zumal er mit einer türkischen Staatsangehörigen verheiratet sei und Präsi-

dent Erdogan ausserdem Tausenden von syrischen Personen die türkische 

Staatsangehörigkeit verliehen habe, um Wahlstimmen zu erhalten. Er ma-

che in Bezug auf die Türkei keine asylbeachtliche Verfolgung geltend, und 

als türkischer Staatsangehöriger müsse er keine Rückschiebung nach Sy-

rien befürchten. Die Vorbringen in Bezug auf Syrien müssten damit nicht 

geprüft werden. 

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Seite 5 

D.  

Der Beschwerdeführer focht diese Verfügung mit Beschwerde vom 20. Juli 

2024 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragte, die angefochtene 

Verfügung sei aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft sei festzustellen, 

und es sei ihm Asyl zu gewähren. Eventuell sei infolge Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme anzuordnen, subeventuell 

sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In 

prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung (inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-

ses) und amtliche Verbeiständung. Zudem beantragte er, allfällige Wegwei-

sungs- und Vollzugsmassnahmen seien mittels vorsorglicher Massnahmen 

per sofort auszusetzen, und es sei ihm zu gestatten, sich für die Dauer des 

Verfahrens in der Schweiz aufzuhalten. 

Der Beschwerde lagen eine Kopie der angefochtenen Verfügung, eine Voll-

macht vom 12. Juli 2024 sowie eine Mittellosigkeits- und Unterstützungs-

bestätigung vom 11. Juli 2024 (Kopie) bei.  

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 6. August 2024 stellte die Instruktionsrichterin 

fest, der Beschwerdeführer könne den Abschluss des Verfahrens in der 

Schweiz abwarten. Sie hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses. Ferner wies sie das Gesuch um amtliche Verbeiständung ab 

und lud das SEM zur Einreichung einer Vernehmlassung ein. 

F.  

Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 15. August 2024 vollumfäng-

lich an seiner Verfügung fest. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwer-

deführer am 19. August 2024 zur Kenntnis gebracht. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer  

Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das 

Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt. 

Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung 

von Beschwerden gegen Entscheide des SEM auf dem Gebiet des Asyls 

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und entscheidet in diesem Bereich in der Regel – und so auch vorliegend – 

endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-

rung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte 

Beschwerde (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist 

einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Der Beschwerdeführer beantragt unter anderem die Aufhebung der an-

gefochtenen Verfügung und die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz 

zwecks Neubeurteilung. Er rügt dabei sinngemäss eine Verletzung der Un-

tersuchungspflicht sowie der Prüfungs- und Begründungspflicht und bringt 

dazu im Wesentlichen vor, das SEM habe es unterlassen, die Echtheit der 

eingereichten Beweismittel zu überprüfen, beispielsweise durch eine An-

frage bei den türkischen Behörden oder der türkischen Vertretung in der 

Schweiz. Das SEM habe ferner nicht ausreichend abgeklärt, ob er die tür-

kische Staatsangehörigkeit besitze, sondern dies nur behauptet. 

3.2 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellen die Asylbehörden den 

Sachverhalt von Amtes wegen fest (Untersuchungsgrundsatz). Dabei 

muss die Behörde die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunter-

lagen beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber 

ordnungsgemäss Beweis führen (vgl. auch Art. 30–33 VwVG). Unrichtig ist 

die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und 

aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt 

wurde. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde 

trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen ab-

geklärt hat, oder wenn nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachum-

stände berücksichtigt wurden (vgl. dazu BVGE 2016/2 E. 4.3; ALFRED 

KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI/LIVIO BUNDI, Verwaltungsverfah-

ren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 4. Aufl. 2015, Rz. 456 ff.; 

CHRISTOPH AUER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum 

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Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, 2. Aufl., 2019, Rz. 17 zu 

Art. 12; BENJAMIN SCHINDLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], a.a.O., 

Rz. 29 ff. zu Art. 49). 

Aus dem Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 

VwVG) sowie Art. 35 Abs. 1 VwVG folgt sodann, dass alle erheblichen Par-

teivorbringen zu prüfen und zu würdigen sind. Nach den von Lehre und 

Praxis entwickelten Grundsätzen hat die verfügende Behörde im Rahmen 

der Entscheidbegründung die Überlegungen zu nennen, von denen sie 

sich leiten liess und auf die sich ihr Entscheid stützt. Die Begründung des 

Entscheids muss so abgefasst sein, dass der Betroffene ihn gegebenen-

falls sachgerecht anfechten kann (vgl. dazu BVGE 2016/9 E. 5.1; 2011/37 

E. 5.4.1; BGE 136 I 184 E. 2.2.1;134 I 83 E. 4.1; LORENZ KNEUBÜH-

LER/RAMONA PEDRETTI, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], a.a.O., Rz. 7 ff. zu 

Art. 35; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI/BUNDI, a.a.O., N. 629 ff.). 

3.3 Das SEM hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit der Begrün-

dung abgelehnt, dieser besitze «mit grösster Wahrscheinlichkeit» die türki-

sche Staatsangehörigkeit und werde in der Türkei nicht verfolgt. Dem SEM 

ist insofern beizupflichten, als im Asylrecht der Grundsatz der Subsidiarität 

asylrechtlichen Schutzes gilt, weshalb Asylsuchende, die mehrere Staats-

angehörigkeiten besitzen, nicht auf den Schutz eines Drittstaates angewie-

sen sind, wenn sie in einem der Staaten, dessen Staatsangehörigkeit sie 

besitzen, Schutz vor Verfolgung finden können (vgl. dazu BVGE 2022 VI/I 

E. 6.3, m.w.H.). Die doppelte Staatsangehörigkeit muss dabei jedoch mit 

hinreichender Sicherheit (beispielsweise gestützt auf Identitätspapiere 

oder Bestätigungsschreiben durch eine zuständige Behörde des fraglichen 

Staates) festgestellt und darf nicht bloss als wahrscheinlich erachtet wer-

den. Im vorliegenden Fall mangelt es an einer entsprechenden, hinrei-

chend sicheren Feststellung der türkischen Staatsangehörigkeit des Be-

schwerdeführers. Das SEM stützt seine Schlussfolgerung, der Beschwer-

deführer sei «mit grösster Wahrscheinlichkeit» türkischer Staatsangehöri-

ger, einerseits auf eine angebliche Mitwirkungspflichtverletzung: Der Be-

schwerdeführer habe den türkischen Familienregisterauszug und die türki-

sche Aufenthaltsbewilligung nicht eingereicht und auch nicht bewiesen, 

dass er die türkische Staatsangehörigkeit nicht besitze. Andererseits ver-

weist das SEM auf mehrere Indizien, welche seiner Auffassung nach auf 

die türkische Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers hinweisen (tür-

kische Flaggen auf seinem sowie dem Facebook-Konto seiner Mutter, Fo-

tos eines Autos, welches mutmasslich von Angehörigen des türkischen Mi-

litärs benutzt werde, weshalb zu vermuten sei, dass der Beschwerdeführer 

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für das türkische Militär oder diesem nahestehenden Milizen gekämpft 

habe, der Umstand, dass Tausende Syrer die türkische Staatsangehörig-

keit erhalten haben). Dazu ist vorab festzustellen, dass dem Beschwerde-

führer nicht vorgeworfen werden kann, er habe nicht bewiesen, dass er die 

türkische Staatsangehörigkeit nicht besitze; denn es ist praktisch unmög-

lich, negative Tatsachen zu beweisen, weshalb die Beweislast bei der Par-

tei liegt, welche die Existenz einer Tatsache behauptet. Die erwähnten In-

dizien lassen die türkische Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers 

sodann offensichtlich keineswegs als gesichert erscheinen, und der Um-

stand, dass er die türkische Aufenthaltsbewilligung und den türkischen Fa-

milienregisterauszug nicht eingereicht hat, stellt zwar möglicherweise eine 

Mitwirkungspflichtverletzung dar, aber auch eine allfällige Mitwirkungs-

pflichtverletzung taugt lediglich beziehungsweise bestenfalls als Indiz da-

für, dass der Beschwerdeführer entgegen seinen Beteuerungen die türki-

sche Staatsangehörigkeit besitzt. Schliesslich ist festzustellen, dass das 

türkische Generalkonsulat die Anfrage des SEM nicht beantwortet und da-

mit die vom SEM vermutete türkische Staatsangehörigkeit des Beschwer-

deführers nicht bestätigt hat. Nach dem Gesagten hat das SEM die Ableh-

nung des Asylgesuchs zu Unrecht damit begründet, dass der Beschwerde-

führer (wahrscheinlich) türkischer Staatsangehöriger sei und daher in der 

Türkei Schutz vor Verfolgung finden könne. 

3.4 Da die türkische Staatsangehörigkeit (bzw. Doppelbürgerschaft) des 

Beschwerdeführers nicht mit Sicherheit feststeht, muss für die Behandlung 

seines Asylgesuchs davon ausgegangen werden, dass er nach wie vor die 

(einfache) Staatsangehörigkeit von Syrien besitzt. 

3.5 Wie bereits im Beschwerdeurteil D-5806/2022 vom 24. Februar 2023 

festgehalten wurde, könnte ein Nichteintretensentscheid wegen vorgängi-

gen Aufenthalts in der Türkei gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG, ver-

bunden mit einer Wegweisung in die Türkei, praxisgemäss nur bei Vorlie-

gen einer Rückübernahmezusicherung der türkischen Behörden (welche 

entgegen der vom SEM vertretenen Auffassung theoretisch auch ohne das 

Bestehen eines ratifizierten Rückübernahmeabkommens erlangt werden 

könnte) verfügt werden. Da eine solche nicht vorliegt, hat das SEM zu 

Recht keinen Nichteintretensentscheid erlassen. 

3.6 Allerdings hätte das SEM folglich die Asylgründe des Beschwerdefüh-

rers sowie das Bestehen von allfälligen Vollzugshindernissen in Bezug auf 

seinen (unbestrittenen) Heimatstaat Syrien prüfen müssen, was es jedoch 

in Verletzung der ihm obliegenden Prüfungspflicht (und damit des 

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Seite 9 

Anspruchs auf rechtliches Gehör) unterlassen hat. Der blosse Hinweis auf 

die bereits in der – nota bene durch das Beschwerdeurteil D-5806/2022 

vom 24. Februar 2023 vollumfänglich aufgehobenen – Verfügung vom 

17. November 2022 vorgenommene (rudimentäre) Abhandlung der Asyl-

vorbringen in Bezug auf Syrien (vgl. Ziff. II. 2.2 der angefochtenen Verfü-

gung) stellt offensichtlich keine rechtsgenügliche Begründung dar (vgl. 

dazu auch das Urteil des BVGer D-1554/2024 vom 9. Juli 2024 E. 3.4, 

m.w.H.).  

3.7 Obwohl die Beschwerde grundsätzlich reformatorisch ausgestaltet ist 

(Art. 61 Abs. 1 VwVG), erscheint es aufgrund des Gesagten angebracht, 

die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur neuen Prüfung 

und Entscheidung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzu-

weisen. Eine Heilung der festgestellten Gehörsverletzung ist insbesondere 

deshalb nicht in Betracht zu ziehen, weil dem Beschwerdeführer bei einer 

Heilung durch das Gericht und einem daraufhin allenfalls ergehenden ab-

weisenden Entscheid eine Instanz verlorenginge. 

4.  

Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen, soweit die Aufhebung der an-

gefochtenen Verfügung und die Rückweisung an die Vorinstanz beantragt 

wurde. Die vorinstanzliche Verfügung vom 20. Juni 2024 ist aufzuheben, 

und die Sache ist zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an das 

SEM zurückzuweisen. Bei dieser Sachlage ist auf die übrigen Ausführun-

gen in der Beschwerde nicht näher einzugehen. 

5.  

5.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

5.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Es wurde 

keine Kostennote zu den Akten gereicht, weshalb die notwendigen Partei-

kosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine 

VGKE). Die von der Vorinstanz auszurichtende Parteientschädigung wird 

in Anwendung der genannten Bestimmungen und unter Berücksichtigung 

der massgeblichen Bemessungsfaktoren (Art. 8 ff. VGKE) von Amtes we-

gen auf insgesamt Fr. 600.– festgelegt. 

D-4619/2024 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit damit die Kassation der ange-

fochtenen Verfügung beantragt worden ist. 

2.  

Die vorinstanzliche Verfügung vom 20. Juni 2024 wird aufgehoben und die 

Sache zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zu-

rückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 600.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Jeannine Scherrer-Bänziger Anna Dürmüller Leibundgut 

 

 

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