# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 218e752c-62ec-5008-aae0-f13c4bb7ab6a
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-07-06
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 1. Kammer 06.07.2010 U 2010 2
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_001_U-2010-2_2010-07-06.pdf

## Full Text

U 10 2

1. Kammer 

URTEIL
vom 6. Juli 2010

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Sonderschulung

1. … ist am … 1995 geboren. Er leidet gemäss Dr. med. …, leitender Arzt im 

Departement für Kinder- und Jugendmedizin am Kantonsspital Graubünden, 

an einer therapierefrektären Epilepsie. Er besucht zurzeit die erste Klasse der 

privaten Sekundarschule „…“ (NTC…). Am 31. August 2009 reichte sein 

Rechtsvertreter beim Schulpsychologischen Dienst Graubünden (SpD) einen 

Antrag auf Abklärung der Sonderschulbedürftigkeit im Hinblick auf eine 

Antragstellung im Sinne von Art. 12 Abs. 1 des Gesetzes über die Förderung 

von Menschen mit Behinderungen (Behindertengesetz, BR 440.00) ein. Am 

11. September 2009 teilte der Schulpsychologische Dienst dem Gesuchsteller 

mit, dass eine Abklärung durch Dr. … bereits erfolgt sei und die 

Sonderschulbedürftigkeit als abgeklärt gelte. Am 24. September 2009 stellte 

der Rechtsvertreter beim Schulpsychologischen Dienst das Gesuch um 

Antragstellung an das Amt für Volksschule und Sport (AVS) im Sinne von Art. 

12 Abs. 1 des Behindertengesetzes. Mit Schreiben vom 2. Oktober 2009 kam 

der SpD diesem Begehren nach. Im Antrag an das AVS wurde ausgeführt, 

dass auf Grund der Abklärungen und der Berichterstattung von Dr. … die 

Sonderschulbedürftigkeit von … ausgewiesen sei, weshalb man eine 

Unterstützung im Rahmen einer Sonderschulung empfehle. Als 

Durchführungsort sei die NTC… vorgesehen. Die Beantragung von 

Massnahmen der Sonderschulung in Privatschulen entspreche allerdings 

nicht der bisherigen Praxis des Departementes. Mit Entscheid vom 27. 

November 2009 wies das AVS den Antrag der SpD auf Sonderschulung von 

… in der NTC… ab. In Art. 4 des Behindertengesetzes sei die Privatschule 

als Durchführungsort für eine integrative Sonderschulung nicht aufgeführt. 

Eine Gesetzeslücke könne nicht angenommen werden, da es bei der 

damaligen Ausweitung von Art. 4 des Behindertengesetzes im Rahmen der 

Teilrevision 1999/2000 explizit nur um die Schaffung von gesetzlichen 

Grundlagen für die Integration von Kindern mit Behinderungen in das 

öffentliche Schulsystem gegangen sei. Diese Regelung sei weder 

verfassungs- noch gesetzeswidrig. Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes über 

die Beseitigung von Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen 

(Behindertengleichstellungsgesetz) verlange von den Kantonen, dass 

behinderte Kinder und Jugendliche eine Grundschulung erhielten, die ihren 

Bedürfnissen angepasst sei. Dabei sollten die behinderten Kinder und 

Jugendlichen nach Möglichkeit an der Regelschule teilnehmen können, wobei 

die Regelschule von individualisierten Sonderschulungen begleitet werden 

müsse. Auf Grund der neuen Bundes-NFA seien die Kantone für die gesamte 

Durchführung und Finanzierung der Sonderschule verantwortlich. In diesem 

Zusammenhang sei der Anspruch auf Sonderschulung bis zum vollendeten 

20. Altersjahr ausdrücklich in Art. 62 Abs. 3 BV verankert worden. Diese neue 

Verfassungsnorm steht in engem Zusammenhang mit dem grundrechtlichen 

Anspruch auf ausreichenden Grundschulunterricht (Art. 19 BV) und dem 

Gesetzesauftrag zur Beseitigung von Benachteiligungen von Behinderten 

(Art. 8 Abs. 4 BV). In BGE 130 I 352 E. 3.3 habe das Bundesgericht 

ausgeführt, dass der Anspruch auf Grundschulunterricht gemäss Art. 19 BV 

nur ein angemessenes, erfahrungsgemäss ausreichendes Bildungsangebot 

an öffentlichen Schulen umfasse. Im Kanton Graubünden bestehe für 

schulpflichtige Kinder ein genügendes und angemessenes 

Unterrichtsangebot in der öffentlichen Volksschule, in welcher bei Bedarf auch 

eine integrative Sonderschulung gestützt auf Art. 4 des Behindertengesetzes 

möglich sei. Demgegenüber bestehe kein Anspruch auf eine solche Form der 

Sonderschulung in einer Privatschule. 

2. Dagegen erhob … am 31. Dezember 2009 Beschwerde an das 

Verwaltungsgericht mit dem Antrag, die angefochtene Verfügung aufzuheben 

und das AVS anzuweisen, für den Beschwerdeführer ungeachtet der 

Tatsache, dass er eine Privatschule besuche, die integrative Sonderschulung 

im Sinne des Behindertengesetzes anzuordnen. Ev. sei das AVS anzuweisen, 

die weiteren Möglichkeiten des Behindertengesetzes zugunsten von … 

auszuschöpfen. Das Vorgehen der Behörde sei schleppend gewesen. 

Unbestritten sei vorliegend, dass der Beschwerdeführer  Wohnsitz im Kanton 

habe, dass er sonderschulpflichtig im Sinne des Behindertengesetzes sei und 

dass eine Sonderbeschulung durch eine Heilpädagogin oder einen 

Heilpädagogen des Schulheims … zu erfolgen habe. Klar sei auch, dass er 

selbst nach Einschätzung des SpD und des AVS grundsätzlich Anspruch auf 

schulische Förderungsmassnahmen gemäss Behindertengesetz habe. Der 

Antrag sei nur abgelehnt worden, weil die integrative Sonderschulung in einer 

Privatschule durchgeführt werden sollte. Das AVS habe in der angefochtenen 

Verfügung nur zur Frage der integrativen Sonderschulung Ausführungen 

gemacht und unberücksichtigt gelassen, dass das Behindertengesetz noch 

weitere sonderschulische Förderungsmassnahmen vorsehe. Art. 4 lege fest, 

dass eine Sonderschulung in Heimen, in besonderen Schulabteilungen, in der 

Volksschule, in Familien sowie für pädagogisch-therapeutische Massnahmen 

auch durch Institutionen und Einzelpersonen erfolge. Der Rechtsvertreter der 

Familie … habe in einem Gespräch mit dem AVS (6.11.2009) ausdrücklich 

darauf hingewiesen, dass, falls eine integrative Sonderschulung abgelehnt 

werde, im Weiteren zu prüfen sei, wie der Anspruch von … auf 

sonderschulische Förderungsmassnahmen umgesetzt werden könne. Das 

sei aber nicht geschehen, so dass die angefochtene Verfügung bereits aus 

diesem Grunde aufzuheben sei. Das AVS argumentiere, dass Art. 4 des 

Behindertengesetzes die Privatschule nicht als Durchführungsort für eine 

integrative Sonderschulung aufführe. Das AVS stelle somit den Begriff der 

„Volksschule“ jenem der „öffentlichen Volksschule“ gleich, was falsch sei. Die 

Privatschule sei im Behindertengesetz nicht erwähnt, weil man schlicht daran 

nicht gedacht habe. Im Behindertengesetz sei von „Volksschule“ die Rede, 

nicht von „öffentlicher Volksschule“. Dies zu Recht, weil es für 

Sonderschulmassnahmen keine Rolle spiele, ob die Förderung eines Kindes 

in der öffentlichen Volksschule erfolge oder in einer Privatschule. Die vom 

SpD und vom AVS angesprochene Praxis, wonach eine Sonderschulung in 

Privatschulen bisher nie zuerkannt worden sei, könne mit dem heutigen 

Sonderschulkonzept nicht mehr rechtsgenüglich begründet werden. Früher 

sei eine sonderschulische Förderung nur als solche anerkannt worden, wenn 

förderungsbedürftige Kinder durch Heilpädagogen oder sonstige speziell für 

sonderschulische Massnahmen ausgebildete und vom Kanton anerkannte 

Fachpersonen beschult worden seien. Solche Fachpersonen seien als Lehrer 

nicht in Privatschulen, sondern höchstens an den öffentlichen Volksschulen 

zu finden gewesen. Einzig deshalb seien Sonderschulmassnahmen in 

Privatschulen nicht möglich gewesen. Mit dem Systemwechsel habe der 

Kanton zwischenzeitlich nun Kompetenzzentren mit speziell geschulten 

Fachleuten geschaffen, die die sonderschulischen Förderungsmassnahmen 

zu übernehmen und ihre Leistungen sämtlichen Kindern mit einem 

schulischen Förderungsbedarf zur Verfügung zu stellen hätten. Wenn sich 

das AVS daher auf die bisherige Praxis berufe, lasse sie den inzwischen 

erfolgten Systemwechsel unberücksichtigt. Die zu enge Auslegung des 

Begriffs „Volksschule“ widerspreche dem klaren gesetzlichen Wortlaut und es 

werde damit verhindert, dass bei förderungsbedürftigen Kindern, die eine 

Privatschule besuchten, der gesetzliche Anspruch auf sonderschulische 

Förderungsmassnahmen umgesetzt werden könne. Mit dem Begriff der 

„Volksschule“ seien vielmehr sowohl die öffentliche Volksschule wie auch die 

Privatschule gemeint. Der Verweis auf BGE 130 I 352 gehe an der Sache 

vorbei; es stünden dort andere Fragen zur Diskussion. 

3. Das AVS beantragte in seiner Vernehmlassung die Abweisung der 

Beschwerde. Der Vorwurf der schleppenden Behandlung des Gesuches sei 

unbegründet. Der Einwand, das AVS habe Art. 4 des Behindertengesetzes 

unberücksichtigt gelassen, erweise sich als unbegründet. Das AVS sei mit der 

Umsetzung des Behindertengesetzes beauftragt, so dass anerkannt werden 

müsse, dass das AVS mit den wichtigsten Grundlagen dazu vertraut sei. In 

den Gesprächen mit der Familie … habe das SpD verschiedentlich zum 

Ausdruck gebracht, dass eine sonderschulische Förderung in einem anderen 

Kontext möglich wäre und dass man bereit sei, bei Einverständnis der Eltern 

eine entsprechende Massnahme zu formulieren und zu beantragen. Aufgrund 

der Tatsache, dass die Eltern eine Förderung ihres Sohnes direkt in einer 

Privatschule in Form einer ISS eingeleitet hätten, seien andere 

sonderschulische Massnahmen nicht mehr in Erwägung gezogen worden. 

Der Vorwurf, das AVS interpretiere das Behindertengesetz und das 

Sonderschulkonzept falsch, erweise sich als unbegründet. Das 

Sonderschulkonzept vom März 2007 werde vom AVS, vom EKUD und von 

der Regierung verantwortet. AVS und EKUD seien daher mit den Inhalten des 

Konzeptes bestens vertraut. Dasselbe gelte für die Auslegung der Begriffe 

„Volksschule“ und „öffentliche Volksschule“. Die Annahme des 

Beschwerdeführers, die Nichterwähnung der Privatschulen in Art. 4 des 

Behindertengesetzes bilde eine echte Gesetzeslücke, erweise sich als 

schlicht falsch. Vielmehr habe man die Privatschulen hier ganz bewusst nicht 

erwähnt. Art. 5a des Behindertengesetzes verweise subsidiär auf das Schul- 

und das Kindergartengesetz. Das Schulgesetz gelte nun aber in grossen 

Teilen nicht für Privatschulen. Insbesondere was die Organisation und die 

Finanzierung betreffe, seien die Privatschulen eigenverantwortlich. Sie 

könnten nicht auf die finanzielle Unterstützung durch den Kanton zählen. 

Hinsichtlich der Finanzierung grenze sich die Privatschule somit klar von der 

öffentlichen Schule ab. Gestützt auf Art. 5a des Behindertengesetzes gelte 

dies somit auch für die Sonderschulung, weshalb der Kanton diese 

Sonderschulung in einer Privatschule nicht finanziere.

4. In einem zweiten Schriftenwechsel hielten die Parteien an ihren Standpunkten 

fest und ergänzten ihre Argumentation.

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften wird, 

soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Die Rechtsschriften umfassen zu einem recht grossen Teil Darstellung und 

Begründungen, weshalb das Verfahren schleppend oder eben nicht 

schleppend durchgeführt wurde. Weder der Beschwerdeführer noch die 

Gegenpartei leiten daraus Rechtsfolgen ab. Das Gericht hat deshalb keinen 

Anlass, sich mit dieser Problematik zu befassen.

2. Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer grundsätzlich 

Anspruch auf eine integrative Sonderschulung hat. Strittig und zu prüfen ist 

einzig, ob dieser Anspruch auch dann besteht, wenn der 

Anspruchsberechtigte nicht eine öffentliche, sondern eine private 

Sekundarschule besucht. Das AVS verneint den Anspruch mit der 

Begründung, dass Art. 4 des kantonalen Behindertengesetzes ausdrücklich 

regle, dass die Sonderschulung in Heimen, besonderen Schulabteilungen, in 

der Volksschule, in Familien sowie für pädagogisch-therapeutische 

Massnahmen auch durch Institutionen und Einzelpersonen erfolge. 

Privatschulen seien hier nicht genannt und daher auch nicht 

beitragsberechtigt. Nach Meinung des AVS ist demnach mit dem Begriff der 

„Volksschule“ nur die öffentliche Schule bezeichnet. Im Folgenden ist zu 

prüfen, ob diese Ansicht zutrifft.

3. Zu beachten ist zunächst Art. 62 der Bundesverfassung (BV), der in seinem 

Abs. 3 die Kantone dazu verpflichtet, für eine ausreichende Sonderschulung 

aller behinderten Kinder und Jugendliche bis längstens zum vollendeten 20. 

Altersjahr zu sorgen. Die nachstehend geschilderte Entstehungsgeschichte 

und Bedeutung dieser Verfassungsbestimmung spricht schon gegen die 

Ansicht der Vorinstanz. Die Schulung von Kindern mit besonderen 

Förderbedürfnissen erfolgt in der Schweiz auf drei Arten: in Sonderschulen, 

in besonderen Kleinklassen oder integrativ in Regelklassen unter Beizug 

heilpädagogischer Dienste (vgl. Botsch.  zum Bundesgesetz über die 

Beseitigung von Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen 

[BehiG], 1732). Die Sonderschulung fällt als Teil des Schulwesens gemäss 

Art. 62 Abs. 2 ebenfalls in den Kompetenzbereich der Kantone. Gemäss Art. 

20 BehiG haben die Kantone allerdings von Bundesrechts wegen eine den 

Bedürfnissen von behinderten Kindern und Jugendlichen angepasste 

Grundschulung anzubieten (Abs. 1 vgl. dazu Botsch. BehiG, 1786). Dabei hat 

die Integration in die Regelschule grundsätzlich Vorrang vor der 

Sonderschulung (Abs. 2), und es ist insbesondere für die Vermittlung von 

geeigneten Kommunikationstechniken für wahrnehmungs- und 

artikulationsbehinderte Kinder und Jugendliche zu sorgen (z.B. 

Gebärdensprache, Blindenschrift, Abs. 3). Das Bildungsbedürfnis Behinderter 

ist primärer Massstab für den Anspruch auf Grundschulunterricht. Als Ziel der 

Grundbildung Behinderter sollte angestrebt werden, ihnen wenn möglich den 

Weg zur Berufsbildung zu öffnen (vgl. Ehrenzeller/Schott, St. Galler 

Kommentar zu Art. 62 BV, Rz. 36 mit weiteren Hinweisen). 

Gestützt auf Art. 19 des Invalidenversicherungsgesetzes (IVG) hat die 

Invalidenversicherung bisher individuelle Beiträge an die Sonderschulung in 

Form von Schulgeldern, Kostgeldern und besonderen Entschädigungen für 

zusätzliche pädagogisch-therapeutische Massnahmen und für 

Transportkosten ausgerichtet. Auf diese in den Art. 8 - 11 IVV konkretisierten 

Unterstützungsleistungen bestand ein gesetzlicher Anspruch. Daneben hat 

die IV gemäss Art. 73 IVG auch kollektive Leistungen wie Bau- und 

Betriebsbeiträge zugunsten der Sonderschulen erbracht (Ehrenzeller/Schott, 

a.a.O. Rz. 37).

Im Zuge der Neugestaltung des Finanzausgleiches und der Aufgabenteilung 

zwischen Bund und Kantonen (NFA) wurden neu die Kantone für die gesamte 

Durchführung und Finanzierung der Sonderschulung verantwortlich. Dies 

bedeutet, dass die IV sich aus der Finanzierung der kantonalen und 

kommunalen Sonderschulen gemäss Art. 19 und 73 IVG zurückzog. Um eine 

Verschlechterung der Situation behinderter Kinder und Jugendlicher infolge 

dieser Veränderung der Aufgabenteilung zu verhindern, wurde deren 

Anspruch auf ausreichende Sonderschulung bis zum vollendeten 20. 

Altersjahr ausdrücklich in Art. 62 Abs. 3 BV verankert (vgl. Botsch. NFA 1, 

2415 ff. und 2467). Der verfassungsrechtliche Anspruch tritt somit in gewisser 

Weise an die Stelle der Versicherungsleistungen. Diese Bestimmung ist 

zusammen mit der NFA-Ausführungsgesetzgebung am 1. Januar 2008 in 

Kraft getreten (vgl. die Referendumsvorlage, AS 2007 5779). Auf diesen 

Zeitpunkt sind die Art. 19 und 73 IVG aufgehoben worden (vgl. AS 2007 5808). 

Ergänzend hat die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) die Interkantonale 

Vereinbarung über die Zusammenarbeit im Bereich der Sonderpädagogik 

vom 25. Oktober 2007 verabschiedet und den Kantonen zur Ratifikation 

unterbreitet. Mit dem Konkordat verpflichten sich die Kantone auf 

gemeinsame Grundsätze im Bereich der Sonderpädagogik sowie auf die 

Festlegung des Grundangebots für die Bildung und Betreuung von Kindern 

und Jugendlichen mit besonderem Bildungsbedarf. Die Integration der 

Betroffenen in die Regelschule soll gefördert und es sollen gemeinsame 

Instrumente angewandt werden (vgl. Ehrenzeller/Schott, a.a.O. Rz. 38). Die 

neue Bestimmung von Art. 62 Abs. 3 steht in engem Zusammenhang mit dem 

grundrechtlichen Anspruch auf ausreichenden Grundschulunterricht (Art. 19 

BV) und dem Gesetzgebungsauftrag zur Beseitigung von Benachteiligungen 

Behinderter gemäss Art. 8 Abs. 4 BV (Ehrenzeller/Schott, a.a.O. Rz. 38). 

Art. 62 Abs. 3 gewährt behinderten Kindern und Jugendlichen bis zum 

vollendeten 20. Altersjahr einen unmittelbar durchsetzbaren Rechtsanspruch 

auf ausreichende Sonderschulung gegenüber dem zuständigen Kanton (vgl. 

Botsch. NFA I, 2416 f.). Zur Sonderschulung in Sinne von Art. 62 Abs. 3 

gehören neben den heilpädagogischen Spezialschulen auch die 

heilpädagogische Früherziehung sowie die pädagogisch-therapeutischen 

Massnahmen in Ergänzung zur Regelschule (vgl. Botsch. NFA I, 2467). Der 

verfassungsmässige Anspruch umfasst sowohl die Bereitstellung eines 

angemessenen Unterrichtsangebots als auch die Übernahme der 

entsprechenden Kosten durch das Gemeinwesen (vgl. Ehrenzeller/Schott, 

a.a.O. Rz. 42). Schliesslich ist auf Art 197 Ziff. 2 der Übergangsbestimmungen 

zur BV hinzuweisen. Danach haben die Kantone, bis sie über neue, kantonal 

genehmigte Sonderschulkonzepte verfügen, längstens jedoch während dreier 

Jahre seit Inkrafttreten der NFA, die bisherigen Leistungen der IV an die 

Sonderschulung zu entrichten. Diese beinhalten sowohl die individuellen 

Beiträge gemäss Art. 19 IVG als auch die kollektiven Bau- und 

Betriebsbeiträge nach Art. 73 IVG.

4. Betrachtet man nun Art. 4 des kantonalen Behindertengesetzes im Lichte 

dieser Vorgaben des übergeordneten Verfassungs- und Gesetzesrechtes, 

erhellt ohne weiteres, dass der Anspruch eines behinderten Kindes oder 

Jugendlichen auf integrative Sonderschulung bzw. auf die Finanzierung 

derselben durch den Kanton unabhängig davon besteht, ob der 

Anspruchsberechtigte öffentlichen oder privaten Grundschulunterricht 

geniesst. Zunächst ist zu betonen, dass der verfassungsmässige Anspruch 

eben klarerweise nicht einem Leistungsanbieter, sei es eine Schule oder ein 

Kompetenzzentrum, zusteht, sondern dem behinderten Kind selber. Art. 4 des 

Behindertengesetzes hält denn auch lediglich fest, dass die Sonderschulung 

in Heimen, besonderen Schulabteilungen, in der Volksschule, in Familien 

sowie für pädagogisch-therapeutische Massnahmen auch durch Institutionen 

und Einzelpersonen erfolge. Eine Unterscheidung zwischen öffentlichen und 

privaten Institutionen wird zu Recht nicht getroffen. Entgegen der Ansicht der 

Vorinstanz kann aus dem Begriff der Volksschule nicht abgeleitet werden, 

dass der Anspruch auf Sonderschulung nur in öffentlichen, d.h. durch den 

Staat betriebenen Schulen bestehe. Auch in Privatschulen kann und wird 

Grundschulunterricht erteilt. Damit ist letztlich der Unterricht während der 

obligatorischen Schulzeit gemeint. Soweit Privatschulen im Bereich der 

Grundschulpflicht tätig (und auch staatlich anerkannt) sind, erfüllen sie 

denselben Bildungsauftrag wie die öffentlichen Volksschulen. Dieser 

Betrachtungsweise steht auch das kantonale Gesetz über die Volksschulen 

nicht entgegen. Art. 2 Schulgesetz hält fest, dass Träger der öffentlichen 

Volksschulen die Gemeinden, Gemeindeverbände oder Kreise sind. Laut Art. 

3 Abs. 1 besteht neben der öffentlichen Volksschule die Privatschule als vom 

Staat beaufsichtigte Schule. Für Privatschulen gelten nach Abs. 2 dieser 

Bestimmung mit Ausnahme der Bestimmungen über die Lehrpersonen sowie 

über die Pflichten der Gemeinden und die Finanzierung die Bestimmungen 

dieses Gesetzes sinngemäss. Die Bestimmung über die 

Wählbarkeitsvoraussetzungen der Lehrpersonen gelangt zur Anwendung. 

Staatlich beaufsichtigte Privatschulen, die den obligatorischen 

Grundschulunterricht erteilen, haben nach dem Schulgesetz somit im 

Ergebnis keine andere Funktion im Rahmen der Volksschule als die 

öffentlichen Volksschulen und erfüllen den gleichen Bildungsauftrag. 

Entgegen der Ansicht der Vorinstanz geht es bei Beiträgen an die integrative 

Sonderschulung auch nicht um die Finanzierung eines Schulträgers bzw. 

einer Privatschule. Vielmehr steht der Finanzierungsanspruch einzig dem 

behinderten Kind oder Jugendlichen zu. So geht es insbesondere nicht 

darum, dass etwa eine Privatschule einen Sonderpädagogen anstellen muss, 

der von der öffentlichen Hand bezahlt wird. Vielmehr hat der Kanton ja nach 

seinem gültigen Sonderschulkonzept Kompetenzzentren eingerichtet, welche 

die erforderlichen Fachkräfte den Schulen, seien sie privat oder öffentlich, zur 

Verfügung stellen können. Nach dem Gesagten verstösst die Auffassung der 

Vorinstanz nicht nur gegen das kantonale Recht, sondern erweist sich auch 

als nicht bundesrechtskonform. Durch die Verweigerung der Anordnung 

integrativer Sonderschulung für den Beschwerdeführer hat die Vorinstanz 

auch gegen das Gleichheitsgebot und gegen das Diskriminierungsverbot 

verstossen, ist doch ein vernünftiger Grund dafür, dass nur Schüler einer 

öffentlichen, nicht aber jene einer privaten Schule in den Genuss 

sonderpädagogischer Massnahmen kommen können, nicht ersichtlich. Die 

Beschwerde ist demnach gutzuheissen, die angefochtene Verfügung 

aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, für den Beschwerdeführer - 

ungeachtet der Tatsache, dass er eine Privatschule besucht - die integrative 

Sonderschulung im Sinne des Behindertengesetzes anzuordnen.

5. Bei diesem Ausgang gehen die Verfahrenskosten zulasten des Kantons 

Graubünden (AVS).

Gemäss Art. 78 Abs. 1 VRG wird die unterliegende Partei in der Regel 

verpflichtet, der obsiegenden Partei alle durch den Rechtsstreit verursachten 

notwendigen Kosten zu ersetzen. Der Kanton Graubünden hat daher den 

anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer für die Verfahren vor beiden 

Instanzen aussergerichtlich zu entschädigen. Der mit der eingereichten 

Honorarnote geltend gemachte Betrag von Fr. 8'833.95 inkl. MWST erscheint 

grundsätzlich als ausgewiesen. Darin sind jedoch auch Aufwendungen 

enthalten, die vor Erlass des angefochtenen Entscheides entstanden sind und 

für welche kein Anspruch auf Entschädigung besteht. Der 

Entschädigungsanspruch besteht erst für die Vorbereitung des 

Beschwerdeverfahrens vor der Vorinstanz, gemäss der Honorarnote somit ab 

1.12.2009. Daraus resultiert ein Betrag von Fr. 6'832.60 inkl. MWST.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, die angefochtene Verfügung aufgehoben 

und das Amt für Volksschule und Sport angewiesen, für den 

Beschwerdeführer - ungeachtet der Tatsache, dass er eine Privatschule 

besucht - die integrative Sonderschulung im Sinne des Behindertengesetzes 

anzuordnen.

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 1'500.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 284.--

zusammen Fr. 1'784.--

gehen zulasten des Kantons Graubünden (AVS) und sind innert 30 Tagen seit 

Zustellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons 

Graubünden, Chur, zu bezahlen.

3. Der Kanton Graubünden (AVS) wird verpflichtet, … eine Parteientschädigung 

von Fr. 6'832.60 (inkl. MWST) zu bezahlen.