# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 848a7412-c845-502f-a976-05bf6f17c399
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-10-28
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 28.10.2021 VG.2021.00024 (VG.2021.1090)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2021-00024_2021-10-28.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 28. Oktober 2021

  
	
   

  
	
   

  
	
  I. Kammer

  
	
   

   

  Besetzung: Gerichtspräsident MLaw Colin Braun,
  Verwaltungsrichter Michael Schlegel, Verwaltungsrichterin Jolanda Hager und Gerichtsschreiberin
  i.V. MLaw Leonora Muji

   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2021.00024

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführer

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch Rechtsanwalt MLaw Rajeevan
    Linganathan

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Abteilung Migration des Kantons Glarus

    	
    Beschwerdegegner

    

  

  
	
   

  
	
  	
    2.

    	
    Departement Sicherheit und Justiz

    des Kantons Glarus

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Familiennachzug

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung:

  
	
  I.

  
	
  1.

  
	
  1.1 Der am […] geborene A.______, Staatsangehöriger des
  Landes B.______, heiratete am 17. September 2001 die ebenfalls aus dem
  Land B.______ stammende C.______. Aus der Ehe gingen zwei gemeinsame Kinder, D.______,
  geboren am […], sowie E.______, geboren am […], hervor.

  
	
   

  
	
  1.2 Am 18. Juni 2007 reiste A.______ in die
  Schweiz ein und stellte am gleichen Tag ein Asylgesuch, worauf er am
  31. August 2009 vorläufig aufgenommen wurde. Mit Schreiben vom 31.
  Juli 2013 erkundigte sich A.______ bei der Abteilung Migration des Kantons
  Glarus, ob seine Ehefrau und die gemeinsamen Kinder in die Schweiz nachziehen
  könnten. In der Folge kam es zu keiner förmlichen Erledigung seines Gesuchs.
  Am 20. Dezember 2016 hiess das Staatssekretariat für Migration
  (SEM) das von A.______ gestellte Härtefallgesuch gut und erteilte ihm die
  Aufenthaltsbewilligung B.

  
	
   

  
	
  1.3 Zusammen mit dem Antrag auf Erteilung eines Visums
  für den langfristigen Aufenthalt (Visum D) ersuchte A.______ bei der
  Schweizerischen Botschaft im Land B.______ am 20. Juli 2017 um
  Familiennachzug für seine Ehefrau sowie die gemeinsamen Kinder. In der Folge
  stellte er bei der Abteilung Migration am 19. Dezember 2017 ebenfalls
  ein Gesuch um Familiennachzug. Mit Verfügung vom 26. Juni 2019 lehnte
  Letztere das Gesuch ab. Die von ihm dagegen erhobene Beschwerde hiess das
  Departement Sicherheit und Justiz (DSJ) am 16. Februar 2021 teilweise
  gut und bewilligte den Nachzug der Ehefrau und der Tochter von A.______,
  nicht aber denjenigen seines Sohnes.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Mit Beschwerde vom 22. März 2021 gelangte
  A.______ ans Verwaltungsgericht und beantragte die teilweise Aufhebung der
  Disp.-Ziff. 1 des Entscheids vom 16. Februar 2021. Das Gesuch um
  Familiennachzug für den Sohn D.______ sei gutzuheissen und ihm sei die
  Aufenthaltsbewilligung B zu erteilen. Sodann seien die vorinstanzlichen
  Verfahrenskosten neu anzusetzen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Das
  DSJ schloss am 29. April 2021 auf Abweisung der Beschwerde; unter
  Kostenfolge zu Lasten von A.______. Die Abteilung Migration liess sich am
  5. Mai 2021 vernehmen und beantragte ebenfalls die Abweisung der
  Beschwerde; unter Kostenfolge zu Lasten von A.______.

  
	
   

  
	
  2.2 Am 21. Mai 2021 reichte A.______ unaufgefordert
  eine Stellungnahme ein. Das DSJ verzichtete am 22. Juni 2021 auf die
  Einreichung einer weiteren Stellungnahme. Die Abteilung Migration liess sich
  innert Frist nicht vernehmen.

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  Das Verwaltungsgericht ist
  gemäss Art. 16 des Einführungsgesetzes zum Bundesgesetz über die
  Ausländerinnen und Ausländer und zum Asylgesetz vom 4. Mai 2008
  (EG AuG) i.V.m. Art. 105 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die
  Verwaltungsrechtspflege vom 4. Mai 1986 (VRG) zur Behandlung der vorliegenden
  Beschwerde zuständig. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt
  sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Mit der
  Verwaltungsgerichtsbeschwerde können die unrichtige oder unvollständige
  Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die unrichtige
  Rechtsanwendung einschliesslich eines Missbrauchs des Ermessens geltend
  gemacht werden (Art. 107 Abs. 1 VRG). Die Unangemessenheit des
  Entscheids kann nur ausnahmsweise geltend gemacht werden (vgl. Art. 107
  Abs. 2 VRG). Ein solcher Ausnahmetatbestand liegt nicht vor.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Der Beschwerdeführer bringt vor, er habe sein erstes
  Gesuch bereits am 31. Juni 2013 eingereicht. Die
  Beschwerdegegnerin 1 sei allerdings untätig geblieben und eine
  materielle Behandlung sei nicht erfolgt. Zu diesem Zeitpunkt sei sein Sohn
  zehn Jahre alt gewesen, womit sich die Rechtslage anders gestaltet hätte.
  Sodann habe er darauf vertrauen dürfen, dass die Beschwerdegegnerin 1
  das Gesuch ordnungsgemäss an die Hand nehme. Er habe deshalb in guten Treuen
  zugewartet und sich auf seine wirtschaftliche Integration konzentriert. Indem
  ihm daraus nun ein rechtlicher Nachteil erwachse, liege eine formelle
  Rechtsverweigerung bzw. eine Verletzung des Vertrauensschutzes vor.
  Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegner habe er sodann auch das zweite
  Gesuch um Familiennachzug fristgerecht eingereicht. Dieses habe er bereits am
  3. Juni 2017 (recte: 3. Juli 2017), als sein Sohn 15-jährig
  gewesen sei, bei der Beschwerdegegnerin 1 anhängig gemacht. Als
  Rechtsunkundiger habe er in guten Treuen davon ausgehen dürfen, dass sein
  Gesuch mit Stempeleingang vom 3. Juni 2017 (recte: 3. Juli 2017)
  entsprechend bearbeitet werde. Darüber hinaus hätten die Beschwerdegegner
  Art. 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention vom 4. November
  1950 (EMRK) verletzt, indem sie keine umfassende Interessenabwägung
  vorgenommen hätten. Weder seien die persönlichen intakten Bindungen der
  Familie berücksichtigt worden noch sei der kombinierte Schutzbereich des
  Privat- und Familienlebens geprüft worden. Die Ablehnung des Gesuchs und
  damit die Trennung der Familie aufgrund der um acht Tage nicht eingehaltenen
  Frist sei ferner überspitzt formalistisch und stelle eine unverhältnismässige
  Härte dar. Schliesslich sei das Kindeswohl stark gefährdet, zumal durch die
  partielle Gutheissung des Gesuchs die Familieneinheit aufgelöst werde. Im
  Übrigen hätte der Sohn als einziges Familienmitglied in seinem Heimatland zu
  verbleiben, wodurch die engen familiären Bindungen nicht mehr gepflegt werden
  könnten.

  
	
   

  
	
  3.2 Die Beschwerdegegnerin 1 führt in der Verfügung vom
  26. Juni 2019 aus, der Beschwerdeführer habe sich am 31. Juli 2013
  erkundigt, ob er seine Ehefrau und die zwei Kinder in die Schweiz nachziehen
  könne. Sie habe den Beschwerdeführer mit Schreiben vom 23. September 2013
  aufgefordert, sich bei ihr zu melden, damit über den Familiennachzug
  gesprochen werden könne. Der Beschwerdeführer habe daraufhin keine weiteren
  Handlungen unternommen. Sodann sei am 3. Juli 2017 das Gesuch um
  Familiennachzug eingegangen, wobei der Beschwerdeführer dieses erst am
  28. Dezember 2017 komplettiert habe. Da der Beschwerdeführer die
  rechtliche Möglichkeit zum Familiennachzug besessen habe und diese bei der
  Nachzugsfrist anzurechnen sei, sei die Frist für den Familiennachzug
  abgelaufen. Ungeachtet dessen habe sich der Beschwerdeführer seit seiner
  Einreise in die Schweiz aber weder bemüht seine Familie zusammenzuführen noch
  habe er wichtige Gründe für das Vorliegen eines nicht fristgerechten
  Familiennachzugs geltend gemacht. Vielmehr sei er während der prägenden
  Kindsjahre abwesend gewesen. Es sei deshalb fraglich, wie sich dieses
  Verhältnis in einer völlig ungewohnten Umgebung entwickeln würde. Vorliegend
  bestünden Zweifel, ob die Wiederaufnahme der ehelichen Gemeinschaft sowie des
  Familienlebens nach so vielen Jahren des Getrenntlebens überhaupt möglich
  sei. Darüber hinaus verfüge der Beschwerdeführer nicht über die nötigen
  finanziellen Mittel, um den Lebensbedarf der Familie zu decken. Die Lage im
  Land B.______ habe sich zudem deutlich gebessert, weshalb ihm zuzumuten sei,
  sein Ehe- und Familienleben in seinem Heimatland fortzuführen.

  
	
   

  
	
  3.3 Der Beschwerdegegner 2 macht geltend, die
  Beschwerdegegnerin 1 habe nach Erhalt des ersten Gesuchs am 31. Juli
  2013 den Beschwerdeführer umgehend um Vereinbarung eines Gesprächstermins
  ersucht. Letzterer habe sich in der Folge aber nicht mit der
  Beschwerdegegnerin 1 in Verbindung gesetzt. Daher sei nicht ersichtlich,
  worin eine Vertrauensgrundlage bestehe. Weiter habe der Beschwerdeführer
  nicht geltend gemacht, mit der Beschwerdegegnerin 1 einen
  Gesprächstermin vereinbart oder die zur Prüfung des Gesuchs erforderlichen
  Unterlagen eingereicht zu haben. Eine materielle Abwicklung des Gesuchs vom
  31. Juli 2013 habe gar nicht erfolgen können. Bei den am 3. Juli
  2017 eingereichten Unterlagen habe es sich sodann lediglich um Visumsgesuche
  der Familienangehörigen gehandelt. Ein den gesetzlichen Anforderungen
  entsprechendes Gesuch habe der Beschwerdeführer erst am 28. Dezember 2017
  eingereicht. Damit erweise sich das Gesuch für dessen Sohn als verspätet.
  Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers sei zudem eine umfassende
  Interessenabwägung vorgenommen worden. Darin sei auch der Umstand, dass die
  Frist nur um einen kurzen Zeitraum verpasst worden sei, im Rahmen einer
  Gesamtwürdigung berücksichtigt worden. Da der Beschwerdeführer keine
  wichtigen Gründe für sein Zuwarten habe nennen können, bestehe kein
  zureichender Grund, um von der Nachzugsfrist abzuweichen. Eine formalistisch
  überspitzte Haltung liege nicht vor. Schliesslich habe der Beschwerdeführer
  nicht dargelegt, inwiefern der inzwischen 18 Jahre alte Sohn nicht in
  der Lage sei, für sich allein zu sorgen bzw. weshalb Verwandte oder
  Bekannte eine allenfalls noch beschränkt erforderliche Betreuung nicht
  übernehmen könnten. Der Beschwerdeführer habe den Nachweis fehlender
  Betreuungsmöglichkeiten in seinem Heimatland nicht erbringen können, weshalb
  er seiner Mitwirkungspflicht nicht rechtsgenüglich nachgekommen sei.

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Am 1. Januar 2019 hat das Bundesgesetz über die
  Ausländerinnen und Ausländer vom 16. Dezember 2005 (AuG) eine
  Teilrevision erfahren und wurde in das Bundesgesetz über die
  Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration (AIG) umbenannt. Da
  vorliegend Bundesrecht anzuwenden ist und der Gesetzgeber keine besonderen
  Übergangsbestimmungen erlassen hat, ist Art. 126 Abs. 1 AIG einschlägig.
  Danach bleibt auf Gesuche, die vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes
  eingereicht worden sind, das bisherige Recht anwendbar (vgl. BGer-Urteil
  2C_332/2018 vom 17. Januar 2019 E. 1.1.2, 2C_167/2018 vom
  9. August 2018 E. 2, 2C_903/2010 vom 6. Juni 2011
  E. 3.1). Da der Beschwerdeführer sein Gesuch um Familiennachzug
  spätestens am 28. Dezember 2017 eingereicht hat, ist das AuG in der
  bis am 31. Dezember 2018 geltenden Fassung anwendbar.

  
	
   

  
	
  4.2 

  
	
  4.2.1 Art. 85 Abs. 7 AuG sieht vor, dass Ehegatten
  und ledige Kinder unter 18 Jahren von vorläufig aufgenommenen Personen und
  vorläufig aufgenommenen Flüchtlingen frühestens drei Jahre nach Anordnung der
  vorläufigen Aufnahme nachgezogen und in diese eingeschlossen werden können,
  wenn sie mit diesen zusammenwohnen (lit. a); eine bedarfsgerechte
  Wohnung vorhanden ist (lit. b); und die Familie nicht auf Sozialhilfe
  angewiesen ist (lit. c).

  
	
   

  
	
  4.2.2 Sind die zeitlichen Voraussetzungen für den
  Familiennachzug nach Art. 85 Abs. 7 AuG erfüllt, muss das
  Gesuch um Einbezug in die vorläufige Aufnahme innerhalb von fünf Jahren
  eingereicht werden. Das Gesuch für den Nachzug von Kindern über zwölf Jahren
  muss innerhalb von zwölf Monaten nach diesem Zeitpunkt eingereicht werden.
  Entsteht das Familienverhältnis erst nach Ablauf der gesetzlichen Frist von
  Art. 85 Abs. 7 AuG, beginnen diese Fristen zu diesem späteren
  Zeitpunkt zu laufen (Art. 74 Abs. 3 der Verordnung über Zulassung,
  Aufenthalt und Erwerbstätigkeit vom 24. Oktober 2007 [VZAE], in der bis
  am 31. Dezember 2018 gültigen Fassung).

  
	
   

  
	
  4.3

  
	
  4.3.1 Gemäss Art.
  44 AuG kann ausländischen Ehegatten und ledigen Kindern unter
  18 Jahren von Personen mit Aufenthaltsbewilligung eine
  Aufenthaltsbewilligung erteilt werden, wenn sie mit diesen zusammenwohnen
  (lit. a); eine bedarfsgerechte Wohnung vorhanden ist (lit. b); und
  sie nicht auf Sozialhilfe angewiesen sind (lit. c).

  
	
   

  
	
  4.3.2 Der
  Nachzug von Kindern von Personen mit Aufenthaltsbewilligung muss innerhalb
  von fünf Jahren geltend gemacht werden; jener von Kindern über zwölf Jahren
  innerhalb von zwölf Monaten (vgl. Art. 47
  Abs. 1 AuG, Art. 73 VZAE). Die Nachzugsfristen beginnen gemäss
  Art. 47 Abs. 3 lit. b AuG und Art. 73 Abs. 2 VZAE mit der Erteilung
  der Aufenthaltsbewilligung oder der Entstehung des Familienverhältnisses zu
  laufen. Ausserhalb dieser Nachzugsfristen ist der Familiennachzug bloss
  möglich, wenn hierfür wichtige familiäre Gründe sprechen (Art. 47 Abs. 4
  AuG, Art. 75 VZAE).

  
	
   

  
	
  4.3.3 Die Fristenregelung nach Art. 47 AuG bzw.
  Art. 73 VZAE bezweckt, die Integration der Kinder zu erleichtern, indem
  diese durch einen frühzeitigen Nachzug unter anderem auch eine möglichst
  umfassende Schulbildung in der Schweiz geniessen können. Zudem geht es darum,
  Nachzugsgesuchen entgegenzuwirken, die rechtsmissbräuchlich erst kurz vor
  Erreichen des erwerbstätigen Alters gestellt werden und bei denen die
  erleichterte Zulassung zur Erwerbstätigkeit und nicht (mehr) die Bildung einer
  echten Familiengemeinschaft im Vordergrund steht. Die Bewilligung des
  Nachzugs nach Ablauf der Fristen hat nach dem Willen des Gesetzgebers die
  Ausnahme zu bleiben; dabei ist Art. 47 Abs. 4 Satz 1 AuG bzw. Art. 75 VZAE
  jeweils aber dennoch so zu handhaben, dass der Anspruch auf Schutz des
  Familienlebens nach Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
  vom 18. April 1999 (BV) nicht verletzt wird (BGer-Urteil
  2C_467/2016 vom 13. Februar 2017 E. 3.1.2; Botschaft des Bundesrats
  zum AuG vom 8. März 2020, BBl 2002 3710 ff., 3754 f.).

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1

  
	
  5.1.1 Die Rechtshängigkeit tritt mit der Einreichung des
  Gesuchs ein (vgl. Martin Bertschi/Kaspar Plüss, in Alain Griffel
  [Hrsg.], Kommentar VRG, 3. A., Zürich/Basel/Genf 2014, Vorbemerkungen
  zu §§ 4-31 N. 28), wobei mit Einreichung der Zeitpunkt der
  Postaufgabe bzw. Übergabe für den Beginn der Rechtshängigkeit massgebend
  ist (vgl. analog dazu Botschaft des Bundesrats zur Schweizerischen
  Zivilprozessordnung [ZPO] vom 28. Juni 2006, BBl 2006 7221 ff.,
  7277). Ferner gilt im rechtshängigen Verfahren Amtsbetrieb. Die
  Leitung der Prozessabwicklung obliegt der Behörde. Diese muss von sich aus
  alles Erforderliche vorkehren, um das vom Grundsatz der Rechtsanwendung von
  Amtes wegen und vom Untersuchungsgrundsatz beherrschte Verfahren der
  Erledigung zuzuführen (Reto Feller, in Ruth
  Herzog/Michel Daum [Hrsg.], Kommentar zum bernischen VRPG, 2. A.,
  Bern 2020, Art. 16 N. 10).

  
	
   

  
	
  5.1.2 Am 31. Juli 2013 stellte der
  Beschwerdeführer als vorläufig aufgenommene Person bei der
  Beschwerdegegnerin 1 ein Gesuch um Familiennachzug für seine Ehefrau und
  die beiden gemeinsamen Kinder, wobei er nicht das dafür vorgesehene kantonale
  Formular "Gesuch Familiennachzug" verwendete. Es ist unbestritten,
  dass es sich bei dieser Eingabe um ein Gesuch um Familiennachzug handelte,
  welches nach Ablauf der in Art. 85 Abs. 7 AuG vorgesehen
  dreijährigen Karenzfrist und unter Einhaltung der fünfjährigen Frist nach
  Art. 74 Abs. 3 VZAE erfolgte.

  
	
   

  
	
  5.1.3 Das
  Familiennachzugsgesuch des Beschwerdeführers datiert vom 31. Juli 2013.
  Aus den im Recht liegenden Akten geht nicht hervor, ob das Gesuch postalisch
  zugestellt oder direkt der Beschwerdegegnerin 1 übergeben worden war. Der Umstand allein, dass es vom 31. Juli 2013
  datiert, vermag nicht zu belegen, dass es tatsächlich an diesem Tag
  unterschrieben und gleichentags bei der Beschwerdegegnerin 1 eingereicht
  worden war. Daher hat es als am 5. August 2013 eingereicht zu
  gelten, was dem Zeitpunkt entspricht, in welchem der Eingang mittels
  Eingangsstempel quittiert wurde. Davon, dass mit der Einreichung des
  Familiennachzuggesuchs das Verfahren rechtshängig wurde, scheinen sodann auch
  die Beschwerdegegner auszugehen. Die Beschwerdegegnerin 1 reagierte denn
  auch mit der Gesprächseinladung vom 23. September 2013 und bezeichnete
  die Eingabe ausdrücklich als Antrag Familiennachzug vom 31. Juli 2013. 

  
	
   

  
	
  5.2 Die Beschwerdegegnerin 1 führt aus, der
  Beschwerdeführer sei ihrer Aufforderung nicht nachgekommen, sich mit ihr in
  Verbindung zu setzen. Ebenfalls seien weitere Handlungen des
  Beschwerdeführers für die kommenden Jahre ausgeblieben. Dass der
  Beschwerdeführer nach dem Schreiben vom 23. September 2013 kein
  Gesprächstermin mit der Beschwerdegegnerin 1 vereinbart und ihr die zur
  Prüfung des Gesuchs erforderlichen Unterlagen nicht vor dem Jahr 2017
  eingereicht hat, wird vom Beschwerdeführer nicht bestritten. Der
  Beschwerdeführer hat somit weder im Zeitpunkt der Gesuchstellung am
  31. Juli 2013 noch nach der Gesprächseinladung vom 23. September
  2013 die zur Prüfung des Gesuchs erforderlichen Unterlagen zeitnah
  eingereicht. Indem der Beschwerdeführer die notwendigen Unterlagen für die
  Beurteilung seines Gesuchs nicht innert angemessener Frist einreichte, ist er
  seiner Mitwirkungspflicht im Sinne von Art. 90 lit. b AuG nur
  unzureichend nachgekommen.

  
	
   

  
	
  Zu berücksichtigen ist
  allerdings, dass gerade in ausländerrechtlichen Verfahren häufig Personen
  involviert sind, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Daher hat die
  verfahrensleitende Behörde ihren Aufklärungs- und Fürsorgepflichten in besonderem Mass
  nachzukommen (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern Nr. 100.2020.141U
  vom 15. September 2021 E. 4.5.2). Die behördliche Aufklärungspflicht ist
  mit der Mitwirkungspflicht der Partei eng verbunden. Die Behörde hat
  darüber aufzuklären, worin die Mitwirkungspflicht besteht, welche Tragweite ihr
  zukommt und insbesondere welche Beweismittel beizubringen sind (vgl. BGE 132 II 113 E. 3.2; Feller, Art. 16 N. 9). Sie hat eine
  rechtsunkundige, anwaltlich nicht vertretene Partei, die einen
  Verfahrensfehler begeht oder im Begriff ist, dies zu tun, von Amtes wegen darauf
  aufmerksam zu machen. Voraussetzung ist, dass der Fehler leicht erkennbar ist
  und rechtzeitig behoben werden kann (vgl. BGE 124 II 265
  E. 4a). Bei formellen Mängeln, wie bei der Einreichung von ungenügenden
  Beweismitteln, ist die Eingabe zur Verbesserung innert kurzer Nachfrist
  zurückzuweisen (BGer-Urteil 2P.9/2005 vom 1. Februar 2005 E. 2.2.2).
  Vor diesem Hintergrund wäre die Beschwerdegegnerin 1 verpflichtet
  gewesen, den anwaltlich nicht vertretenen Beschwerdeführer darüber
  aufzuklären, welche Beilagen für das Familiennachzugsgesuch einzureichen
  sind. Daneben hätte sie ihm zur Verbesserung seines Gesuchs eine kurze
  Nachfrist ansetzen müssen (vgl. Art. 28 Abs. 4 VRG).

  
	
   

  
	
  5.3

  
	
  5.3.1 Die Behörden sind gemäss Art. 29 BV zur
  beförderlichen Behandlung von Gesuchen verpflichtet. Besonders beschleunigt
  zu behandeln sind namentlich Gesuche, die die Familienzusammenführung und
  damit die Verwirklichung des Rechts auf Familienleben betreffen. Auch bei
  Nachzugsgesuchen, die Kinderbelange berühren, wird der Wille des Gesetzgebers
  durch eine verzögerte Behandlung vereitelt: Die integrationspolitisch
  motivierten Nachzugsfristen machen keinen Sinn, wenn die zuständigen Behörden
  entsprechende Gesuche nicht vorrangig behandeln. Selbstverständlich sind
  solche Gesuche aus den dargelegten Gründen auch im Rechtsmittelverfahren
  prioritär zu behandeln (vgl. Marc
  Spescha, in Marc Spescha et al. [Hrsg.], Migrationsrecht,
  5. A., Zürich 2019, Art. 90 N. 3).

  
	
   

  
	
  5.3.2 Der Beschwerdegegner 2 führt aus, es sei zu
  keiner förmlichen Erledigung des Gesuchs gekommen. Dem kann gefolgt werden,
  da das Verfahren weder mit einem Nichteintretensentscheid noch mit einer
  materiellen Erledigung zum Abschluss gebracht wurde. Der Beschwerdeführer
  wendet daher zu Recht ein, das vor der Beschwerdegegnerin 1 eingeleitete
  Verfahren sei noch nicht abgeschlossen. Sodann macht der
  Beschwerdegegner 2 weiter geltend, der Beschwerdeführer sei als
  vorläufig aufgenommene Person nicht anspruchsberechtigt gewesen, einer
  Erwerbstätigkeit nachzugehen (vgl. Art. 85 Abs. 6 AuG). Eine
  Erwerbstätigkeit sei allerdings entscheidend, damit die Voraussetzungen für
  den Familiennachzug, wie die bedarfsgerechte Wohnung und der fehlende
  Sozialhilfebezug, geschaffen würden. Der Beschwerdeführer habe daher im
  Ergebnis ein erfolgloses Gesuch gestellt.

  
	
   

  
	
  Obwohl der Beschwerdegegner 2 damit zu erkennen gibt,
  dass das Familiennachzugsgesuch mangels finanzieller Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
  nicht gutgeheissen worden wäre und die zur Prüfung des Gesuchs erforderlichen
  Unterlagen fehlten (vgl. E. II/5.2 vorne), erliess die
  Beschwerdegegnerin 1 dennoch weder eine anfechtbare Verfügung noch
  setzte sie dem Beschwerdeführer eine Frist, um die benötigten Unterlagen
  einzureichen (vgl. BGer-Urteil 2C_870/2019 vom 3. März 2020
  E. 4.2). Vor dem Hintergrund, dass Gesuche um Familienzusammenführung
  beschleunigt zu behandeln sind, wäre die Beschwerdegegnerin 1 gehalten
  gewesen, das vom Beschwerdeführer rechtzeitig eingereichte Gesuch möglichst
  rasch zu behandeln. Die Beschwerdegegnerin 1 konnte sich entgegen den
  Ausführungen des Beschwerdegegners 2 zumindest nicht damit begnügen,
  aufgrund der mangelnden Bemühungen des Beschwerdeführers ein fehlendes
  Interesse an der Weiterverfolgung des Gesuchs anzunehmen und das Gesuch
  unbehandelt zu lassen. Daraus folgt, dass mangels eines rechtsgenüglichen Verfahrensabschlusses
  durch die Beschwerdegegnerin 1 das Gesuch im Zeitpunkt, als der Beschwerdeführer
  sein zweites Familiennachzugsgesuch stellte, immer noch anhängig war
  (vgl. BGer-Urteil 2C_870/2019 vom 3. März 2020
  E. 4.2 ff.). Im Übrigen ergibt sich weder aus den Akten noch wird
  geltend gemacht, dass das erste Nachzugsgesuch zurückgezogen worden wäre.
  Somit kann im Ergebnis offenbleiben, wann das zweite Nachzugsgesuch effektiv
  gestellt wurde, da einzig massgebend ist, dass die Beschwerdegegnerin 1
  ihren prozessualen Pflichten nicht rechtsgenüglich nachgekommen ist und damit
  Art. 29 BV verletzt hat.

  
	
   

  
	
  5.4 Die Bewilligung des Familiennachzugs liegt
  trotz des Statuswechsels des Beschwerdeführers von der vorläufigen Aufnahme
  zur Aufenthaltsbewilligung weiterhin im pflichtgemässem Ermessen der
  Behörden. Weder Art. 85 Abs. 7 AuG noch
  Art. 44 AuG räumen dem Beschwerdeführer einen Nachzugsanspruch ein
  (vgl. BGE 137 I 284 E. 1.2 und E. 2.3.2,
  BVGer-Urteil F-2043/2015 vom 26. Juli 2017 E. 4). In Anbetracht
  dessen, dass sich der Wortlaut von Art. 85 Abs. 7 AuG (von der
  dreijährigen Wartefrist für vorläufig Aufgenommene abgesehen) mit demjenigen des
  Familiennachzugs für Ehegatten und Kinder von Personen mit Aufenthaltsbewilligung
  nach Art. 44 AuG deckt (BVGer-Urteil F-2043/2015 vom 26. Juli 2017 E. 4)
  und die materiellen Voraussetzungen identisch sind (vgl. BVGer-Urteil E-7013/2013
  vom 27. März 2014 E. 4.1), rechtfertigt es sich, die bei der
  Beschwerdegegnerin 1 spätestens am 28. Dezember 2017 eingegangenen
  Gesuchunterlagen im weiterhin hängigen Verfahren als innert Frist eingereicht
  zu betrachten. Zu beachten ist allerdings, dass sich zwischenzeitlich der
  Status des Beschwerdeführers verändert hat und demnach nicht mehr die
  vorläufige Aufnahme, sondern die Aufenthaltsbewilligung für den Sohn des
  Beschwerdeführers zu prüfen ist.

  
	
   

  
	
  6. 

  
	
  6.1 Das in Art. 85 Abs. 7 lit. c und Art. 44 lit.
  c AuG statuierte Erfordernis der Sozialhilfeunabhängigkeit der Familie dient
  der Entlastung der Sozialhilfe und der öffentlichen Finanzen. Es ist als
  Voraussetzung des Familiennachzugs konventionsrechtlich anerkannt. Finanzielle
  Gründe stehen der Familienzusammenführung dann entgegen, wenn die Gefahr
  einer fortgesetzten und erheblichen Fürsorgeabhängigkeit besteht. Dabei ist
  von den Verhältnissen im Zeitpunkt des Entscheids über das
  Nachzugsgesuch auszugehen, die wahrscheinliche finanzielle Entwicklung
  aber auf längere Sicht mit zu berücksichtigen. In die Beurteilung
  miteinzubeziehen ist nicht nur das Einkommen des hier
  anwesenheitsberechtigten Familienangehörigen, sondern die finanziellen
  Möglichkeiten aller Familienmitglieder. Das Einkommen der Angehörigen, die an die
  Lebenshaltungskosten der Familie beitragen sollen und können, ist daran zu
  messen, ob und in welchem Umfang sich dieses grundsätzlich als tatsächlich
  realisierbar erweist. In diesem Sinn müssen die Erwerbsmöglichkeiten und das
  damit verbundene Einkommen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf mehr als
  nur kurze Frist hin gesichert erscheinen (BGer-Urteil 2C_835/2018 vom
  8. April 2019 E. 4.3, mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  6.2 Der Beschwerdegegner 2 ging von einem verfügbaren
  monatlichen Netto-Haupterwerbseinkommen des Beschwerdeführers von Fr. 3'815.-
  aus. Daneben berücksichtigte er den Nebenerwerb des Beschwerdeführers in der
  Höhe von Fr. 1'091.- sowie das monatliche Nettoeinkommen der Ehefrau von
  Fr. 384.-. Zusätzlich stellte er in der Einkommensberechnung auf die
  Kinderzulagen von Fr. 200.- für die Tochter ab. Dem anrechenbaren
  Erwerbseinkommen der Familie von insgesamt Fr. 5’490.- stellte der
  Beschwerdegegner 2 einen monatlichen Bedarf von Fr. 4’422.-
  gegenüber, wobei er zur Ermittlung des Letzteren auf die Richtsätze der
  Vereinigung der Fremdenpolizeichefs der Ostschweiz und des Fürstentums
  Liechtensteins (VOF) zurückgriff. Dabei berücksichtigte er neben dem
  Grundbedarf einer dreiköpfigen Familie von Fr. 1’884.-, dem Ergänzungsbedarf
  für den Lebensunterhalt von Fr. 609.-, der effektiven Wohnungsmiete in
  der Höhe von Fr. 620.-, den Prämien für die obligatorische Krankenkasse
  von Fr. 564.- und einem Zwölftel der Jahresfranchise in der Höhe von
  Fr. 416.70 auch die Erwerbsunkosten von Fr. 328.- (www.vkm-asm.ch).
  Dadurch resultierte ein Bedarf von insgesamt Fr. 4’422.- und ein
  Überschuss von Fr. 1’068.-.

  
	
   

  
	
  Diesbezüglich ist
  festzuhalten, dass der Beschwerdegegner 2 die Bedarfsberechnung für
  einen Familiennachzug der Ehefrau und der Tochter des Beschwerdeführers
  vorgenommen hat. Er ging bei seinem Entscheid zu Unrecht noch davon aus, dass
  der Familiennachzug für den Sohn aufgrund verspäteter Gesucheinreichung nicht
  bewilligungsfähig sei. Demgemäss bleibt zu prüfen, ob das anrechenbare
  Erwerbseinkommen den zu ermittelten monatlichen Bedarf der gesamten Familie
  decken kann.

  
	
   

  
	
  6.3 Gemäss Auskunft der Sozialen Dienste vom
  13. September 2018 bezog der Beschwerdeführer bislang keine Sozialhilfe.
  Er konnte mit seinen seit seiner Einreise in die Schweiz angetretenen Stellen
  ein existenzsicherndes Einkommen erwirtschaften. Der Beschwerdeführer ist als
  Küchenhilfe in […] tätig. Überdies arbeitet er im Nebenerwerb als
  Betriebsmitarbeiter/Chauffeur bei der F.______GmbH in […]. Gemäss Teilzeitarbeitsvertrag
  beträgt die wöchentliche Arbeitszeit acht bis zwölf Stunden. Hierbei ist
  strittig, in welchem Umfang die Nebenerwerbstätigkeit des Beschwerdeführers
  im Rahmen der Einkommensberechnung zu berücksichtigen ist. Während die
  Beschwerdegegnerin 1 von einem Nettoerwerbseinkommen von Fr. 700.-
  und der Beschwerdegegner 2 von Fr. 1'091.- ausgingen, bezifferte
  der Beschwerdeführer sein Nettoeinkommen auf Fr. 1'293.-. Da Art. 2
  des Bundesgesetzes über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel vom 13. März
  1964 (ArG) vorliegend nicht anwendbar ist und die vorerwähnten Betriebe dem
  ArG unterstehen, ist nicht zu beanstanden, dass der Beschwerdegegner 2
  in Anwendung von Art. 9 Abs. 1 lit. b ArG die
  Nebenbeschäftigung des Beschwerdeführers unter die wöchentliche
  Höchstarbeitszeit stellte. Unter dem ArG sind Mehrfachbeschäftigungen
  grundsätzlich zulässig. Dadurch dürfen aber die arbeitsgesetzlichen
  Vorschriften nicht verletzt werden. Die Höchstarbeitszeit von 50 Stunden
  ist unter Beachtung aller Beschäftigungsverhältnisse insgesamt einzuhalten
  (vgl. BGer-Urteil 8C_68/2010 vom 12. Mai 2010 E. 8.3.1;
  Merkblatt Mehrfachbeschäftigung beim gleichen bzw. bei mehreren
  Arbeitgebern des Staatssekretariats für Wirtschaft [SECO], November 2009, aktualisiert
  im Januar 2016). Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit des
  Beschwerdeführers als gastgewerblicher Mitarbeiter beträgt höchstens
  42 Stunden (vgl. Art. 15 Ziff. 1 des
  Landes-Gesamtarbeitsvertrags [L-GAV], mit Bundesratsbeschluss vom 19. November
  1998 allgemeinverbindlich erklärt). Dies ist grundsätzlich auch den Akten zu
  entnehmen, weshalb dem Beschwerdegegner 2 darin zu folgen ist, dass er
  bei einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit von 50 Stunden lediglich acht
  Stunden für die Nebenerwerbstätigkeit des Beschwerdeführers berücksichtigt
  hat.

  
	
   

  
	
  6.4 Gemäss Teilzeitarbeitsvertrag ist ein Stundenlohn
  von Fr. 37.05 brutto vereinbart. Darin sind Ferien- und
  Feiertagsentschädigungen mitenthalten. Unter Berücksichtigung der zulässigen
  monatlichen Arbeitszeit von 32 Stunden ([Höchstarbeitszeit von
  50 Stunden - Haupttätigkeit von 42 Stunden] x 4) für die
  Nebenerwerbstätigkeit würde ein Einkommen von monatlich Fr. 1'185.60
  resultieren. Da die F.______GmbH dem Beschwerdeführer jedoch einen
  Stundenlohn von Fr. 33.50 (zuzüglich Ferien- und Feiertagsentschädigung)
  über längere Zeit bezahlte, ist für die Einkommensberechnung auf das
  tatsächlich realisierte Einkommen abzustellen. Somit resultiert unter
  Einrechnung der Ferien- und Feiertagsentschädigungen ein Bruttoeinkommen von Fr. 1'198.80
  (32 x Fr. 33.50 + [8.33 % von Fr. 33.50]
  + [3.5 % von Fr. 33.50]). Das Nettoeinkommen ergibt sich
  sodann unter Abzug der Lohnbeiträge (AHV 5.125 %, ALV 1.1 %,
  NBUV 1.11 % und KTG 0.48 %), jedoch ohne den
  Quellensteuerabzug, weshalb dem Beschwerdeführer aus dieser
  Nebenerwerbstätigkeit ein monatliches Nettoeinkommen von gerundet
  Fr. 1'103.- anzurechnen ist.

  
	
   

  
	
  6.5

  
	
  6.5.1 Bei der Prüfung der erforderlichen finanziellen
  Mittel einer Familie mit vier Personen sind sodann die Richtlinien des VOF
  heranzuziehen. Die Berechnung des Beschwerdegegners 2 ist mit Ausnahme
  des Nebenerwerbs und der Bedarfsberechnung, welche die Kosten einer
  dreiköpfigen Familie ermittelte, nicht zu beanstanden. Demnach ist von einem verfügbaren
  monatlichen Netto-Haupterwerbseinkommen des Beschwerdeführers von
  Fr. 3'815.- auszugehen. Daneben ist sein Nebenerwerb in der Höhe von
  Fr. 1'103.- sowie das monatliche Nettoeinkommen der Ehefrau von
  Fr. 384.- zu berücksichtigen. Überdies sind auf der Einkommensseite die
  Kinder- und Ausbildungszulagen von Fr. 450.- hinzurechnen. Dies führt zu
  einem anrechenbaren Erwerbseinkommen der Familie von insgesamt
  Fr. 5’752.-.

  
	
   

  
	
  6.5.2 Dem Erwerbseinkommen ist sodann der monatliche
  Bedarf der Familie gegenüberzustellen. Neben dem Grundbedarf einer vierköpfigen
  Familie von Fr. 2'167.- sind der Ergänzungsbedarf für den
  Lebensunterhalt von Fr. 767.-, die effektive Wohnungsmiete in der Höhe
  von Fr. 620.-, die Prämien für die obligatorische Krankenkasse von
  Fr. 657.- und ein Zwölftel der Jahresfranchise von Fr. 416.70
  (Jahresfranchise der Eltern je Fr. 2'500.-, Jahresfranchise der beiden
  Kinder je Fr. 0.-) wie auch die Erwerbsunkosten von Fr. 328.-
  hinzuzurechnen. Unter Abzug des Bedarfs resultiert ein Überschuss von
  Fr. 796.-, sodass der Beschwerdeführer gegenwärtig über ausreichend
  finanzielle Mittel verfügt, um den Lebensbedarf seiner gesamten Familie zu
  decken.

  
	
   

  
	
  7.

  
	
  Zusammenfassend reichte
  der Beschwerdeführer sein Gesuch um Nachzug seiner Ehefrau, seinem Sohn und
  seiner Tochter rechtzeitig bei der Beschwerdegegnerin 1 ein. Überdies
  ist das Erfordernis des Zusammenwohnens in einer bedarfsgerechten Wohnung und
  die finanzielle Sicherheit gegeben. Die Voraussetzungen von Art. 85
  Abs. 7 AuG sind somit erfüllt.

  
	
   

  
	
  Dies führt zur Gutheissung
  der Beschwerde. Disp.-Ziff. 1 des Entscheids des
  Beschwerdegegners 2 vom 16. Februar 2021 ist dahingehend
  abzuändern, als dass das Gesuch um Familiennachzug für die Ehefrau C.______,
  die Tochter E.______ und den Sohn D.______ zu bewilligen ist.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  1.

  
	
  Nach Art. 134 Abs. 1 lit.
  c VRG hat die Partei, welche im Beschwerde-, Klage- oder Revisionsverfahren
  unterliegt, die amtlichen Kosten zu tragen. Ausgangsgemäss sind die amtlichen
  Kosten des Beschwerdeverfahrens vor dem Beschwerdegegner 2 in der Höhe
  von Fr. 500.- auf die Staatskasse zu nehmen und dem Beschwerdeführer ist
  der von ihm bereits geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-
  zurückzuerstatten.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Die Gerichtskosten des
  vorliegenden Verfahrens sind ausgangsgemäss auf die Staatskasse zu nehmen
  (Art. 134 Abs. 1 lit. c VRG i.V.m. Art. 135 Abs. 1 VRG). Der
  bereits geleistete Kostenvorschuss des Beschwerdeführers in der Höhe von
  Fr. 1'500.- ist ihm zurückzuerstatten. Überdies hat er ausgangsgemäss
  Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten des Beschwerdegegners 2
  (Art. 138 Abs. 2 lit. a VRG). Diese ist auf pauschal
  Fr. 1'800.- (inkl. Mehrwertsteuer) festzusetzen.

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird gutgeheissen. Disp.-Ziff. 1 des Entscheids des
    Beschwerdegegners 2 vom 16. Februar 2021 wird dahingehend abgeändert,
    als dass das Gesuch um Familiennachzug für die Ehefrau C.______, die
    Tochter E.______ und den Sohn D.______ bewilligt wird.

    
	
    2.

    	
    Die amtlichen
    Kosten des Beschwerdeverfahrens vor dem Beschwerdegegner 2 in der Höhe
    von Fr. 500.- werden auf die Staatskasse genommen. Dem
    Beschwerdeführer wird der von ihm bereits geleistete Kostenvorschuss in der
    Höhe von Fr. 800.- zurückerstattet.

    
	
    3.

    	
    Die
    Gerichtskosten des vorliegenden Verfahrens werden auf die Staatskasse
    genommen. Dem Beschwerdeführer wird der von ihm bereits geleistete
    Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'500.- zurückerstattet.

    
	
    4.

    	
    Der
    Beschwerdegegner 2 wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer für das
    Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren innert 30 Tagen nach
    Rechtskraft dieses Entscheids eine Parteientschädigung in der Höhe von
    Fr. 1'800.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

    
	
    5.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]