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**Case Identifier:** 6721c542-79ed-512b-8fca-10033f0f4b72
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-10-21
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 21.10.2025 SST.2025.101
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2025-101_2025-10-21.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2025.101 
(ST.2024.192; StA.2022.9559) 

 

 

Urteil vom 21. Oktober 2025 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident 

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin M. Stierli 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Baden, 

Mellingerstrasse 207, 5405 Baden 

 

Privatklägerin 1  A._____, 

[…] 

 

Privatkläger 2  B._____, 

[…] 

 

Privatkläger 3  C._____, 

[…] 

 

Privatklägerin 4  D._____, 

[…] 

 

Privatkläger 5  E._____, 

[…] 

 

alle Privatkläger vertreten durch Rechtsanwalt Volker Pribnow,  

[…] 

 

  
    

Beschuldigter   F._____,  

geboren am tt.mm.1951, von Gossau ZH, 

[…] 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Alexander Schawalder,  

[…] 

  

 
 

Gegenstand  Vorsätzliche Tötung, qualifiziert grobe Verkehrsregelverletzung 
 

 

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft Baden erhob am 22. August 2024 Anklage gegen 

den Beschuldigten wegen (eventual)vorsätzlicher, eventualiter fahrlässiger 

Tötung, sowie qualifiziert grober Verletzung der Verkehrsregeln. 

 

2. 

Mit Urteil vom 28. Januar 2025 sprach das Bezirksgericht Baden den 

Beschuldigten der (eventual)vorsätzlichen Tötung sowie der qualifiziert 

groben Verletzung der Verkehrsregeln schuldig und verurteilte ihn zu einer 

Freiheitsstrafe von 5 ½ Jahren. 

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 8. April 2025 beantragte der Beschuldigte, er 

sei von Schuld und Strafe freizusprechen. Eventualiter sei er der fahrlässi-

gen Tötung sowie der (fahrlässigen) groben Verletzung der Verkehrsregeln 

schuldig zu sprechen und mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 

Monaten zu bestrafen. Zudem stellte er den Beweisantrag, es sei ein 

augenärztliches oder polydisziplinäres Gutachten zur Einschränkung der 

Seh- bzw. Wahrnehmungsfähigkeit eines Kataraktlinsenträgers durch LED-

Rückleuchten eines vorausfahrenden Fahrzeugs einzuholen sowie seine 

Ehefrau G._____ zu befragen. 

 

3.2. 

Mit Anschlussberufungserklärung vom 20. Mai 2025 beantragte die Staats-

anwaltschaft, der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 6 ½ Jahren 

zu bestrafen. 

 

3.3. 

Die Berufungsverhandlung fand am 21. Oktober 2025 statt. Der Beschul-

digte ergänzte seine Berufungsanträge dahingehend als die Entschädi-

gung des amtlichen Verteidigers für das erstinstanzliche Verfahren um 

Fr. 476.25 zu erhöhen sei. Zudem stellte er einen neuen Beweisantrag. Die 

Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft sei abzuweisen. Die Staats-

anwaltschaft hielt an ihren Anschlussberufungsanträgen fest und 

beantragte die Abweisung der Berufung des Beschuldigten. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Der Beschuldigte beantragt einen vollumfänglichen Freispruch, womit das 

vorinstanzliche Urteil vollständig angefochten und entsprechend zu 

überprüfen ist (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

 - 3 - 

 

 

 

2. 

2.1. 

Dem Beschuldigten wird in der Hauptanklage zusammengefasst vorge-

worfen, er habe am 26. November 2022 um ca. 23:45 Uhr mit seinem 

Personenwagen Toyota Land Cruiser, AG aaa, ausserorts auf der Land-

strasse in Remetschwil trotz massiv eingeschränkter Sicht wegen sehr 

dichten Nebels und Dunkelheit ein Überholmanöver auf der Gegen-

fahrbahn vorgenommen und sei dabei frontal mit dem korrekt fahrenden 

Motorradfahrer H._____ kollidiert, der infolgedessen auf der Unfallstelle 

verstorben sei. Der Beschuldigte habe das Überholmanöver wissentlich 

und willentlich vorgenommen, habe wissen müssen, dass er ein 

entgegenkommendes Fahrzeug nicht bzw. nicht rechtzeitig sehen würde 

und eine Frontalkollision mit Schwerverletzten oder Toten unvermeidbar 

sei, und habe dies in Kauf genommen. Durch sein Verhalten habe er nebst 

dem bei der Kollision verstorbenen H._____ auch seine Beifahrerin und die 

Insassen des vorausfahrenden Personenwagens konkret gefährdet. 

 

2.2. 

Die Vorinstanz hat den Sachverhalt als erstellt erachtet und den 

Beschuldigten der vorsätzlichen Tötung gemäss Art. 111 StGB sowie der 

qualifiziert groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Abs. 3 

SVG schuldig gesprochen. 

 

Der Beschuldigte beantragt, er sei von Schuld und Strafe freizusprechen, 

eventualiter der fahrlässigen Tötung gemäss Art. 117 StGB sowie der 

(fahrlässigen) groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 90 

Abs. 2 SVG schuldig zu sprechen. Er macht im Wesentlichen geltend, er 

sei davon ausgegangen, dass die gesamte Strecke bis nach Künten frei 

sei. Er habe in Künten ein Licht gesehen und aufgrund der LED-Nebel-

rückleuchten des vor ihm fahrenden Fahrzeugs sowie seiner künstlichen 

Augenlinsen (Intraokularlinsen) den Nebel nicht gesehen, sondern nur 

schwarz gesehen. Er habe sich in einem Sachverhaltsirrtum befunden, den 

er auch bei pflichtgemässer Vorsicht nicht hätte vermeiden können 

(Plädoyer Berufungsverhandlung; Berufungserklärung S. 3 ff.). 

 

2.3. 

2.3.1. 

Der vorsätzlichen Tötung gemäss Art. 111 StGB macht sich strafbar, wer 

vorsätzlich einen Menschen tötet, ohne dass eine der besonderen 

Voraussetzungen der Art. 112 ff. StGB zutrifft. 

 

Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen 

und Willen ausführt (Art. 12 Abs. 2 Satz 1 StGB). Vorsätzlich handelt 

bereits, wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt 

(Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB, Eventualvorsatz). Nach ständiger Recht-

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sprechung ist Eventualvorsatz gegeben, wenn der Täter den Eintritt des 

Erfolgs bzw. die Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, aber dennoch 

handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt und 

sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein. Ob der Täter die 

Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen hat, muss das Gericht bei 

Fehlen eines Geständnisses des Beschuldigten aufgrund der Umstände 

entscheiden. Dazu gehören die Grösse des dem Täter bekannten Risikos 

der Tatbestandsverwirklichung, die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung, 

die Beweggründe des Täters und die Art der Tathandlung. Je grösser die 

Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist und je schwerer die 

Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto näher liegt die Schlussfolgerung, der 

Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen. Das Gericht 

darf vom Wissen des Täters auf den Willen schliessen, wenn sich dem 

Täter der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die 

Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als 

Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann (BGE 147 IV 439 E. 7.3.1; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_195/2024 vom 13. Juni 2025 E. 2.2, je mit 

Hinweisen).  

 

Da ein Fahrzeuglenker durch sein gewagtes Fahrverhalten meistens selbst 

zum Opfer zu werden droht, darf nicht leichthin angenommen werden, er 

habe sich gegen das geschützte Rechtsgut entschieden und nicht im Sinne 

der bewussten Fahrlässigkeit auf einen guten Ausgang vertraut (BGE 130 

IV 58 E. 9.1). Im Strassenverkehr kann daher nicht ohne Weiteres aus der 

hohen Wahrscheinlichkeit des Eintritts des tatbestandsmässigen Erfolgs 

auf dessen Inkaufnahme geschlossen werden. Eventualvorsatz in Bezug 

auf Verletzungs- und Todesfolgen ist bei Unfällen im Strassenverkehr 

daher nur mit Zurückhaltung und in krassen Fällen anzunehmen, in denen 

sich aus dem gesamten Geschehen ergibt, dass der Fahrzeuglenker sich 

gegen das geschützte Rechtsgut entschieden hat (BGE 133 IV 9 E. 4.4). 

 

2.3.2. 

Der qualifiziert groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 90 

Abs. 3 SVG macht sich strafbar, wer durch vorsätzliche Verletzung 

elementarer Verkehrsregeln das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwer-

verletzten oder Todesopfern eingeht, u.a. namentlich durch waghalsiges 

Überholen. 

 

Überholen ist gemäss Art. 35 Abs. 2 SVG nur gestattet, wenn der nötige 

Raum übersichtlich und frei ist und der Gegenverkehr nicht behindert wird. 

Der Überholende muss von Anfang an die Gewissheit haben, sein 

Überholmanöver sicher und ohne Gefährdung Dritter abschliessen zu 

können. Nicht nur die für den Überholvorgang benötigte Strecke muss 

übersichtlich und frei sein, sondern zusätzlich jene, die ein entgegen-

kommendes Fahrzeug bis zu jenem Zeitpunkt zurücklegt, an dem der 

Überholende die linke Strassenseite freigegeben haben wird (BGE 121 IV 

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235 E. 1b). Das Überholen – insbesondere auf Strassen mit Gegenverkehr 

– gehört zu den gefährlichsten Fahrmanövern (BGE 129 IV 155 E. 3.2.1). 

Entsprechend handelt es sich bei den Verkehrsregeln zum Überholen um 

elementare Verkehrsvorschriften im Sinne von Art. 90 Abs. 3 SVG. 

Waghalsig meint in diesem Zusammenhang nicht nur gewagt, sondern 

geradezu unsinnig. Infrage kommen dabei in erster Linie Überholmanöver, 

die ohne ausreichende Sicht oder bei nahendem Gegenverkehr erfolgen 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_1399/2016 vom 3. Oktober 2017 E. 1.3.3 

mit Hinweisen). 

 

Der subjektive Tatbestand von Art. 90 Abs. 3 SVG erfordert Vorsatz 

bezüglich der Verletzung einer elementaren Verkehrsregel und der 

Risikoverwirklichung, wobei Eventualvorsatz genügt. 

 

2.4. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und unbestritten geblieben, dass der 

Beschuldigte am 26. November 2022 um ca. 23:45 Uhr mit seinem Toyota 

Land Cruiser, AG aaa, ausserorts auf der Landstrasse in Remetschwil beim 

Ortsausgang von Busslingen auf 75 bis 81 km/h beschleunigt und zum 

Überholen des vor ihm mit einer Geschwindigkeit von ca. 30 bis 40 km/h 

fahrenden Personenwagens von I._____ angesetzt hat, worauf er ungefähr 

auf gleicher Höhe zum Fahrzeug von I._____ auf der Gegenfahrbahn mit 

dem mit einer Geschwindigkeit von 35 bis 42 km/h auf seinem Motorrad 

entgegenkommenden H._____ kollidiert ist und H._____ an den durch die 

Kollision erlittenen Verletzungen auf der Unfallstelle verstorben ist. 

 

2.5. 

Gestützt auf die Aussagen der Zeugen und des Beschuldigten sowie die 

Aufnahmen von der Unfallstelle ist für das Obergericht erstellt, dass die 

Sicht durch dichten Nebel und Dunkelheit massiv eingeschränkt und es 

dadurch unmöglich war, die für ein Überholen nötige Strecke zu 

überblicken und rechtzeitig auf Gegenverkehr zu reagieren, als der 

Beschuldigte sein Überholmanöver vorgenommen hat. 

 

Der Unfall hat sich nachts um ca. 23:45 Uhr auf einem unbeleuchteten 

Strassenabschnitt ereignet (Untersuchungsakten [UA] act. 197). Die 

Zeugen I._____ und J._____, die sich im Fahrzeug vor dem Beschuldigten 

befunden haben, haben übereinstimmend und glaubhaft ausgesagt, dass 

zum Unfallzeitpunkt dichter Nebel («stockdicht», «sehr dick», «dickster 

Nebel», 7 bis 8 auf einer Skala von 1 bis 10; UA act. 510, 519; Protokoll 

der Berufungsverhandlung S. 4, 9) geherrscht und die Sichtdistanz etwa 30 

Meter betragen habe (UA act. 508, 521; Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 12). I._____ hat anlässlich seiner Einvernahme 

vom 29. November 2022 geschildert, er habe, nachdem er nach dem 

Kreisel in Oberrohrdorf in dichten Nebel gefahren sei, die automatischen 

Fernlichter seines Fahrzeugs ausgeschaltet und stattdessen die Nebel-

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leuchten vorne und hinten eingeschaltet, weil es wegen des Nebels 

«zurückgeblendet» habe. Er sei dann konzentriert und mit angepasster 

Geschwindigkeit nach Busslingen hinuntergefahren, wobei das hinter ihm 

fahrende Fahrzeug [des Beschuldigten] ihm zweimal eine Lichthupe 

gegeben habe. Nach dem Kreisel in Busslingen sei er, «so gut wie man im 

dicken Nebel fahren könne», in Richtung Künten gefahren und habe erneut 

ausprobiert, ob sich mit dem Fernlicht die Sicht verbessere, was nicht der 

Fall gewesen sei, weshalb er weiter mit Abblend- und Nebellicht gefahren 

sei. Er habe gewusst, dass sich ausgangs Busslingen eine Verkehrsinsel 

in der Strassenmitte befinde und habe darauf gewartet, um zu wissen, wo 

auf der Strecke er ungefähr sei. Er habe sich nicht auf seine Geschwindig-

keit geachtet, sondern sei so gefahren, wie es im dicken Nebel gegangen 

sei. Geschätzt seien es 30 bis 40 km/h gewesen. Die Sicht habe etwa 30 

Meter betragen. Als er auf der geraden Strecke gewesen sei, habe er dann 

im Seitenspiegel gesehen, dass das Auto ihn überhole. Gleichzeitig, 

innerhalb einer gefühlten Sekunde, habe er höchstens 10 Meter vor sich 

das viereckige Licht des Motorrads wahrgenommen und dann habe es 

einen Knall gegeben (UA act. 508 ff.). Anlässlich der Berufungs-

verhandlung hat I._____ den Hergang übereinstimmend geschildert. Er hat 

ausgesagt, dass etwa auf halber Strecke zwischen Oberrohrdorf und 

Busslingen dichter Nebel aufgetreten sei und er aufgrund dessen die 

Nebelleuchten vorne und hinten eingeschaltet habe und mit geschätzt 30 

km/h gefahren sei. Das Auto hinter ihm habe zweimal die Lichthupe betätigt 

und er habe sich gefragt, weshalb. Vielleicht sei er diesem zu langsam 

gefahren, aber er sei so schnell gefahren, wie man gekonnt habe. Nach 

dem Kreisel in Busslingen habe man im Nebel nur noch den Strich am 

rechten Strassenrand gesehen. Er habe das Volllicht eingeschaltet, um zu 

schauen, ob sich seine Sicht dadurch verbessere, aber es habe geblendet, 

weshalb er das Volllicht wieder ausgeschaltet habe. Er habe gewusst, dass 

man nach dem Mittelstreifen ab der Ende-Tempo-50-Tafel dann schneller 

fahren könnte, aber er habe nicht schneller fahren können. Er sei auf den 

rechten Strassenrand konzentriert gewesen und habe dann realisiert, dass 

das hinter ihm fahrende Auto ihn überhole. Fast gleichzeitig, innerhalb von 

ein oder zwei Sekunden, habe er vorne ein viereckiges Licht gesehen und 

dann habe es neben ihm einen lauten Knall gegeben (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 3 ff.). J._____, die sich auf dem Beifahrersitz 

befunden hat, hat ebenfalls ausgesagt, der dichte Nebel habe zwischen 

Oberrohrdorf und Busslingen begonnen. Ihr Ehemann habe kurz nach dem 

Kreisel in Busslingen das Volllicht eingeschaltet und wieder ausgeschaltet, 

weil es geblendet habe und sie noch weniger als mit den Nebelleuchten 

gesehen hätten. Kurz darauf habe es «geklöpft». Bei Nebel schaue sie 

jeweils auf den rechten Strassenrand. Sie sei deshalb auf den weissen 

Streifen am Rand konzentriert gewesen und habe weder das überholende 

Fahrzeug noch das Motorrad vor der Kollision wahrgenommen. Die 

Sichtdistanz schätzte sie auf die Länge ihres Grundstücks, ca. 25 bis 30 

Meter (UA act. 519 ff.; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 9 ff.). 

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Anhand der von I._____ und J._____ geschilderten Massnahmen (deutlich 

reduzierte Geschwindigkeit, Nebellampen, Versuche mit Volllicht, Orientie-

rung mit Strasseninsel und Bodenmarkierung) sowie des Umstands, dass 

sie das Licht des entgegenkommenden Motorrads erst wenige Meter vor 

der Kollision bzw. gar nicht wahrgenommen haben, erweisen sich ihre 

Angaben zur eingeschränkten Sicht ohne Weiteres als schlüssig. Die durch 

den Nebel massiv eingeschränkte Sicht wird auch durch die Aussagen des 

Polizisten K._____, der mit seinem Kollegen nur wenige Minuten nach dem 

Unfall, um 23:52 Uhr, am Unfallort eingetroffen war (UA act. 218), bestätigt. 

Er hat anlässlich seiner Einvernahme als Zeuge vor Vorinstanz ausgesagt, 

auf der Fahrt vom Posten in Niederrohrdorf bis zum Unfallort sei es 

durchgehend extrem neblig gewesen. Die Sichtverhältnisse seien sehr 

schlecht gewesen und sie seien innerorts auf der Landstrasse in 

Remetschwil höchstens mit 60 km/h gefahren, obwohl sie in solchen 

Notfällen normalerweise schneller fahren würden. Mehr sei einfach nicht 

gegangen, da es ansonsten zu gefährlich gewesen wäre. Lichter habe man 

auf eine Distanz von etwa 100 Meter gesehen, unbeleuchtete Dinge 

geschätzt auf etwa 30 bis 35 Meter (Gerichtsakten [GA] act. 53 f.). Der 

dichte Nebel ist zudem auch durch die Dashcam-Aufnahmen der um 23:56 

Uhr bzw. 23:57 Uhr am Unfallort eingetroffenen zweiten und dritten 

Polizeipatrouille (UA act. 259 ff.) und die zwischen 00:05 Uhr und 00:10 Uhr 

aufgenommenen Fotos der Unfallstelle (UA act. 210 ff.) dokumentiert. 

Weiter haben sowohl der Beschuldigte als auch seine als Zeugin befragte 

Ehefrau, G._____, die sich beim Unfall auf dem Beifahrersitz des Toyota 

Land Cruiser befand, zwar behauptet, es habe keinen oder nur wenig Nebel 

gehabt bzw. sie hätten keinen Nebel wahrgenommen (UA act. 420, 438 f., 

480, 484, 530 f.; GA act. 69; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 16, 19, 

26, 28), jedoch ebenfalls ausgesagt, sie hätten das Licht des Motorrads 

erst unmittelbar vor der Kollision, «innerhalb der Sekunde, als es knallte» 

(UA act. 532, vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 16) bzw. etwa 10 

Meter vor sich und Millisekunden vor dem Knall (UA act. 417, 422, 435 f., 

481, 490; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 26), gesehen. Da sich der 

mit Abblendlicht entgegenkommende Motorradfahrer (UA act. 215, 246, 

320) gemäss dem verkehrstechnischen Gutachten von L._____ der 

M._____ AG vom 14. Februar 2023 beim Beginn des Überholmanövers 

des Beschuldigten nicht mehr in der leichten Senke der ansonsten geraden 

und übersichtlichen Strasse (vgl. UA act. 308 ff.) befunden haben kann und 

daher unter normalen Sichtverhältnissen für den Beschuldigten hätte 

sichtbar sein müssen (UA act. 321 Ziff. 4.1.6), lassen die Aussagen des 

Beschuldigten und seiner Ehefrau, wonach sie das Licht des Motorrads erst 

unmittelbar vor der Kollision wahrgenommen haben, ebenfalls keinen 

anderen Schluss zu, als dass die Sicht zum Zeitpunkt des Überholmanö-

vers massiv eingeschränkt war. 

 

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2.6. 

Der Beschuldigte hat ausgesagt, auf seiner Fahrt habe es vom Achenberg 

hinunter in Richtung Endingen ein wenig Nebel gehabt und das Höhtal 

hinunter nach Ennetbaden habe man dann eine klare Sicht auf Baden 

gehabt (UA act. 406, 416; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 25 f.). In 

Oberrohrdorf beim Kreisel hinunter nach Busslingen, als er das Auto des 

Ehepaars I. und J._____ vor sich gehabt habe, sei «vielleicht ein wenig 

Nebel» vorhanden gewesen (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 26; 

«ganz schwacher Nebel» UA act. 484; «auf der Skala eine 2» UA act. 417; 

vgl. GA act. 68). Das vor ihm fahrende Auto habe die Nebelleuchten 

eingeschaltet und die hinteren Nebelleuchten hätten so stark geblendet, 

dass er zweimal die Lichthupe betätigt habe, weil er gedacht habe, dass 

der Fahrer die Nebelleuchten dann ausschalte. Sie seien aber nicht 

ausgeschaltet worden und er sei ihm mit mehr Abstand hinterhergefahren 

(UA act. 417, 480; GA act. 68; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 26). 

Durch den Wald hinunter, wo es «sowieso nicht gross Nebel» habe 

(Protokoll der Berufungsverhandlung S. 26) bzw. «praktisch keinen Nebel» 

gehabt habe (UA act. 480), habe man [wegen der hinteren Nebelleuchte] 

die Bremslichter kaum gesehen, als das vorausfahrende Fahrzeug 

gebremst habe. Beim Kreisel in Busslingen hätten die Strassenlaternen 

geleuchtet. Er habe «nicht bewusst» (Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 26) bzw. beim Verlassen des Kreisverkehrs «ganz leicht» (GA act. 69) 

Nebel gesehen. Nach dem Kreisel sei das Auto vor ihm sehr langsam 

gefahren (UA act. 480; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 26), aber 

Nebel habe er «praktisch nicht» gesehen (UA act. 480). Der Strasse 

entlang habe er drei bis fünf (UA act. 480; GA act. 70) bzw. vier bis fünf 

(UA act. 407, 412) Randleitpfosten gesehen. Nach der Rechtskurve bei der 

Ende-Tempo-50-Tafel habe es «ganz wenig Nebel» gehabt (UA act. 484). 

Er habe dann in Künten ein weisses Licht gesehen und sonst sei alles 

dunkel gewesen, weshalb er das Gefühl gehabt habe, die Strasse sei frei 

(UA act. 406, 417, 421, 480; GA act. 70; Protokoll der Berufungsverhand-

lung S. 26). Er habe daraufhin beschleunigt und als er ungefähr auf der 

Höhe des anderen Fahrzeugs gewesen sei, habe er ca. 10 Meter vor sich 

das Licht des Motorradfahrers gesehen und es sei zur Kollision gekommen 

(UA act. 407 f., 417, 422, 480 f.; GA act. 71 f.; Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 26). Anlässlich der Berufungsverhandlung führte der 

Beschuldigte aus, er wisse nun, dass die – durch seine Kataraktoperation 

noch verstärkte – Blendung durch die hellen LED-Nebelrückleuchten des 

vorausfahrenden Audis des Ehepaars I. und J._____ eine Verwirrung des 

Gehirns verursacht habe, sodass er den Nebel nicht gesehen, sondern nur 

schwarz gesehen habe (vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 28 ff.). 

 

Dem Beschuldigten kann nicht gefolgt werden, wenn er ausführt, er habe 

den Nebel aufgrund einer Sinnestäuschung, angeblich verursacht durch 

die LED-Nebelrückleuchten des bis zum Überholmanöver vor ihm 

fahrenden Fahrzeugs, nicht wahrgenommen. Es ist ausgeschlossen, dass 

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der Beschuldigte den dichten Nebel überhaupt nicht bemerkt haben könnte. 

Der Beschuldigte hatte gemäss seinen Aussagen auf seiner Fahrt bereits 

vom Achenberg hinunter (UA act. 406, 416; Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 25 f.) sowie auch in Oberrohrdorf (Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 26; UA act. 417, 484), als das Fahrzeug des Ehepaars I. 

und J._____ vor ihm hergefahren ist, Nebel bemerkt. Das vor ihm fahrende 

Fahrzeug hat darauf zwischen Oberrohrdorf und Busslingen die Nebel-

leuchten eingeschaltet und ist mit deutlich reduziertem Tempo gefahren, 

was für den Beschuldigten bereits ein klares Zeichen für weiterbestehen-

den Nebel gewesen sein musste. Spätestens aber, als das vor ihm 

fahrende Fahrzeug auch auf sein zweimaliges Lichthupen hin seine 

Beleuchtung und Fahrweise nicht verändert hat und mit eingeschalteten 

Nebelleuchten und deutlich reduziertem Tempo weitergefahren ist, musste 

für ihn erkennbar sein, dass es sich dabei nicht um ein Versehen handelt 

und Nebel herrscht, zumal er in einem Gebiet unterwegs war, in dem in 

dieser Jahreszeit und zu dieser Uhrzeit mit Nebel zu rechnen war 

(vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 12), was dem ortskundigen 

Beschuldigten (UA act. 406; GA act. 67; vgl. Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 32) bekannt sein musste. Zudem geht aus seinen früheren 

Aussagen hervor, dass er auch noch nach dem Kreisel in Busslingen, also 

kurz vor seinem Überholmanöver, Nebel – wenn zufolge ihm auch nur ganz 

wenig – wahrgenommen hat (UA act. 484). Würden die LED-Nebelrück-

leuchten des vorausfahrenden Fahrzeugs – wie vom Beschuldigten 

behauptet – bewirken, dass er in der Nacht alles nur noch schwarz sehe, 

erscheint es nicht schlüssig, dass der Beschuldigte bis kurz vor dem 

Überholmanöver, als er den Nebelrückleuchten des Fahrzeugs des 

Ehepaars I. und J._____ bereits eine Weile ausgesetzt war, dennoch Nebel 

gesehen hat, zumal die Sinnestäuschung dem Beschuldigten zufolge 

bereits nach wenigen Sekunden eintrete (Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 30). Weiter lässt sich auch nicht schlüssig erklären, wie der 

Beschuldigte, wenn er anstatt des dichten Nebels nur schwarz gesehen 

hat, dennoch nach eigenen Angaben ein Licht in einer Entfernung von mehr 

als 1.5 Kilometern (vgl. UA act. 311) und drei bis fünf Randleitpfosten 

gesehen haben will, trotzdem jedoch das Licht des entgegenkommenden 

Motorradfahrers erst unmittelbar vor der Kollision gesehen hat. Damit und 

vor dem Hintergrund, dass die Sichtweite aufgrund des dichten Nebels 

lediglich ca. 30 Meter betragen hat (siehe E. 2.5) sind die Aussagen des 

Beschuldigten, wonach er drei bis fünf Randleitpfosten sowie ein Licht in 

Künten gesehen habe und den Nebel nicht gesehen habe, als 

Schutzbehauptungen zu werten. Wie viele Randleitpfosten bei Nacht, 

klarer Sicht und Abblendlicht von einem Fahrer gesehen werden können, 

ist sodann unerheblich, weshalb der Beweisantrag des Beschuldigten 

hinsichtlich einer solchen Abklärung abzuweisen ist (Art. 139 Abs. 2 StPO). 

 

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2.7. 

Selbst wenn der Beschuldigte den Nebel nicht als solchen wahrgenommen 

hätte, wäre die Sicht zum Zeitpunkt des Überholmanövers für ihn erkennbar 

ungenügend gewesen:  

 

Der Beschuldigte hat ausgesagt, er kenne die Strecke und wisse, dass man 

ab dem Signal «Ende 50» bis nach Künten sehe. Er habe in Künten ein 

Licht gesehen und sei «der Meinung» gewesen bzw. habe «das Gefühl» 

gehabt, die Strasse bis nach Künten sei frei (UA act. 406 f., 417, 440, 480, 

484, GA act. 70; vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 26 ff.). 

Zwischen Busslingen und Künten sei es stockdunkel gewesen (UA act. 420 

f., 480; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 28). Wenn er kein Licht 

sehe, müsse die Strasse ja frei sein (UA act. 406, 440). Er hätte nicht 

versucht zu überholen, wenn er die Strasse nicht gekannt und gewusst 

hätte, dass diese gerade nach Künten verlaufe, denn er überhole in der 

Nacht nicht, wenn er nicht wisse, wohin die Strasse gehe (UA act. 485). 

Wenn es dunkel sei, dann sehe man keine Strasse. Aber wenn man wisse, 

dass die Strasse gerade verlaufe und auf der anderen Seite der Strasse 

ein Licht sei, dann könne – ausser vielleicht einem Reh oder so etwas, was 

nicht beleuchtet sei – nichts im Weg sein (UA act. 485). Dass er den 

Motorradfahrer nicht gesehen habe, könne er sich höchstens damit 

erklären, dass das Licht des Motorrads nicht kräftig gewesen oder 

zwischen dem Licht in Künten und seinem Standort eine Nebelbank 

gewesen sei (UA act. 410, 424). Er habe aber kein Fernlicht machen 

können, denn sonst hätte er den Lenker vor ihm geblendet (UA act. 410, 

417, 480). Am liebsten wäre ihm gewesen, wenn er kurz nach vorne hätte 

aufblenden können, damit er gesehen hätte, ob wirklich alles frei sei. Dann 

hätte er auch Nebel gesehen, wenn es solchen gegeben hätte oder hätte 

auch sonst etwas gesehen, denn wenn man Volllicht geben könne, sei es 

nicht dunkel (UA act. 494; vgl. GA act. 71). 

 

Aus den Aussagen des Beschuldigten geht hervor, dass ihm bewusst 

gewesen ist, dass er die vor ihm liegende Strecke nicht genügend über-

blicken bzw. sogar gar nicht sehen konnte, als er zum Überholen des 

vorausfahrenden Fahrzeugs angesetzt hat. Er hat den Strassenverlauf 

nicht gesehen, sondern sich einzig auf sein Erfahrungswissen, dass die 

Strasse gerade verlaufe, verlassen. Ob die Einschränkung seiner Sicht auf 

den dichten Nebel oder – wie vom Beschuldigten behauptet – auf seine 

künstlichen Augenlinsen zurückzuführen ist, ist letztlich nicht von 

Bedeutung, weshalb sich ein Gutachten dazu erübrigt (Art. 139 Abs. 2 

StPO). Gemäss dem Beschuldigten habe die Einwirkung der LED-

Nebelleuchten des Fahrzeugs von I._____ auf seine künstlichen 

Augenlinsen bewirkt, dass er den Nebel nicht gesehen und die Umgebung 

als schwarz wahrgenommen habe (Berufungserklärung Ziff. 1.3.3; 

Plädoyer Berufungsverhandlung S. 2). Auch bei der Wahrnehmung einer 

schwarzen Umgebung anstatt des grauen Nebels, wäre die Sicht zum 

 - 11 - 

 

 

Zeitpunkt des Überholens für ihn erkennbar ungenügend gewesen, betrug 

die Sichtweite doch bloss ca. 30 Meter (siehe E. 2.5). Dasselbe gilt, soweit 

der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung erstmals vorge-

bracht hat, nach dem Kreisel in Busslingen sei die Sicht auf den weiteren 

Strassenverlauf durch das Fahrzeug des Ehepaars I. und J._____ versperrt 

gewesen (Plädoyer Berufungsverhandlung S. 13). Mithin hat der Beschul-

digte so oder anders «blind» überholt und sich somit bewusst dafür 

entschieden, nicht zu wissen, ob die zum Überholen notwendige Strecke 

frei ist. Entgegen seinem Vorbringen kann er sich daher nicht auf einen 

Sachverhaltsirrtum im Sinne von Art. 13 StGB berufen, denn wer um das 

Nichtwissen eines Sachverhalts weiss, kann sich nicht darauf berufen, dass 

dessen Verwirklichung nicht antizipierbar war, und kann sich dem-

entsprechend auch nicht darüber irren («Wer weiss, dass er nichts weiss, 

irrt nicht»; BGE 135 IV 12 E. 2.3.1). 

 

Weil der Beschuldigte sich nicht vergewissert hat und sich aufgrund des 

dichten Nebels offensichtlich auch nicht vergewissern konnte, ob die zum 

Überholen benötigte Strecke frei ist, musste er damit rechnen, dass sich 

Verkehrsteilnehmer auf der Gegenfahrbahn befinden. Seine Aussage, 

wonach er davon ausgegangen sei, die Strecke sei frei, kann anhand der 

fehlenden Sicht nur als unbegründete Hoffnung gewertet werden. Er 

gestand denn auch ein, dass er etwas Unbeleuchtetes auf der Fahrbahn 

nicht gesehen hätte (UA act. 485; GA act. 71). Aufgrund der massiv 

eingeschränkten Sicht und der Beschleunigung seines Fahrzeugs auf 75 

bis 81 km/h musste ihm bereits aus der allgemeinen Lebenserfahrung, 

insbesondere aber vor dem Hintergrund seiner langjährigen Erfahrung als 

Auto- und Motorradfahrer (UA act. 479, 493) und seiner 37-jährigen 

Berufstätigkeit als TCS Patrouilleur und Instruktor (UA act. 479; Protokoll 

der Berufungsverhandlung S. 23), im Rahmen der er zwischen 1.5 und 2 

Millionen Kilometer gefahren sei (UA act. 491; GA act. 66; Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 23) und zahlreiche Crash-Tests gesehen habe 

(UA act. 423; GA act. 73), bewusst sein, dass weder er noch ein entgegen-

kommendes Fahrzeug rechtzeitig abbremsen oder ausweichen könnten 

und es im Falle von Gegenverkehr unweigerlich zu einer Frontalkollision 

kommen würde, die tödliche Folgen haben könnte. Bei einer Sichtweite von 

30 Metern lag bei den von den Beteiligten gefahrenen Geschwindigkeiten 

zwischen dem Erkennen des entgegenkommenden Verkehrsteilnehmers 

bis zur Kollision maximal rund eine Sekunde (vgl. UA act. 322 f.) und es ist 

gestützt auf die Aussagen des Beschuldigten und das verkehrstechnische 

Gutachten denn auch davon auszugehen, dass der Beschuldigte das 

entgegenkommende Motorrad erst derart spät erkannt hat, dass er sich 

zum Zeitpunkt der Kollision noch in der Reaktionsphase (1.04 Sekunden) 

befand, also noch nicht einmal das Bremspedal oder Lenkrad als Reaktion 

betätigen konnte (UA act. 317, 324, 345). Entsprechend hatte auch der 

entgegenkommende H._____ beim Erkennen des Fahrzeugs des 

Beschuldigten keine Möglichkeit mehr, die tödliche Kollision noch 

 - 12 - 

 

 

abzuwenden. Dem Beschuldigten waren die möglichen Konsequenzen 

einer Frontalkollision bekannt. Er hat anlässlich der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung ausgesagt, er kenne die zahlreichen Videos des ADAC 

und TCS darüber, wie ein solcher Unfall ablaufe, und als es «geklöpft» 

habe, habe er einfach gehofft, dass der Motorradfahrer noch lebe. Bei 

solchen Unfällen sei aber unwahrscheinlich, dass er nicht querschnitt-

gelähmt oder tot sei (GA act. 73 f.). Der Beschuldigte ist beim zum Unfall 

führenden Überholmanöver somit ein äusserst hohes Risiko eingegangen, 

das für ihn erkennbar in keiner Hinsicht mehr kalkulierbar oder dosierbar 

war. Der Eintritt einer Frontalkollision mit möglicher Todesfolge stand und 

fiel einzig mit dem Auftreten von Gegenverkehr und lag nicht mehr in den 

Händen des Beschuldigten, sondern hing lediglich vom Zufall ab. Unter 

diesen Umständen konnte der Beschuldigte nicht ernsthaft darauf 

vertrauen, der als möglich erkannte Erfolg werde nicht eintreten. 

 

2.8. 

Indem der Beschuldigte im dichten Nebel praktisch ohne Sicht auf die vor 

ihm liegende Strecke zu einem Überholvorgang auf der Gegenfahrbahn – 

einem der gefährlichsten Fahrmanöver – angesetzt hat, hat er die 

elementare Verkehrsregel gemäss Art. 35 Abs. 2 SVG, wonach das 

Überholen nur gestattet ist, wenn der nötige Raum übersichtlich und frei ist, 

in besonders krasser Art und Weise verletzt. Hinzu kommt, dass der 

Beschuldigte seine Geschwindigkeit – im Gegensatz zu den übrigen 

beteiligten Lenkern, die mit einer Geschwindigkeit von ca. 30 bis 40 km/h 

bzw. 35 bis 42 km/h gefahren sind – mit der Beschleunigung seines 

Fahrzeugs auf 75 bis 81 km/h in keiner Weise den prekären Sichtver-

hältnissen angepasst hat und deshalb vor der Kollision mit dem entgegen-

kommenden Motorrad nicht einmal mehr die Bremse betätigen konnte (UA 

act. 317), womit er auch die Verkehrsregel gemäss Art. 32 Abs. 1 SVG 

i.V.m. Art. 4 Abs. 1 VRV, wonach die Geschwindigkeit namentlich den 

Sichtverhältnissen angepasst werden muss und der Fahrzeugführer nur so 

schnell fahren darf, dass er innerhalb der überblickbaren Strecke halten 

kann, äusserst grob verletzt hat. Die Sorgfaltspflichtverletzung des 

Beschuldigten ist folglich gravierend. 

 

2.9. 

Der Beschuldigte hat die gravierende Sorgfaltspflichtverletzung und das 

äusserst hohe Risiko einer tödlichen Frontalkollision aus nichtigen Gründen 

auf sich genommen. Er hat ausgesagt, er habe schon seit Eingangs 

Oberrohrdorf ein Fahrzeug vor sich gehabt, das auf der ganzen Fahrzeug-

breite blendende Rückleuchten gehabt habe (UA act. 405, 417). Er habe 

sich gefragt, ob es nötig sei, dass das Licht über die ganze Breite gehe (UA 

act. 420). Als sie von Oberrohrdorf den Berg hinuntergefahren seien, habe 

der Lenker dieses Fahrzeugs dann auch noch die Nebelleuchten 

eingeschaltet, welche ihn noch mehr geblendet hätten. Wenn die dritte 

Bremsleuchte oben nicht noch geleuchtet hätte, hätte er kaum gesehen, 

 - 13 - 

 

 

wann der Lenker gebremst habe (UA act. 405, 417, 480; Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 26). In seiner Sicht sei er dadurch nicht wirklich 

eingeschränkt gewesen. Es habe einfach gestört, wenn die Nebelschluss-

leuchte geleuchtet habe (UA act. 437). Er habe dem Lenker dann zweimal 

eine Lichthupe gegeben, damit dieser merke, dass er die Nebellampe 

ausschalten solle. Dieser habe sie aber nicht ausgeschaltet und sei 

weitergefahren (UA act. 417, 480; GA act. 68; Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 26). Beim Kreisel in Busslingen habe er zu seiner Frau 

gesagt: «Der hätte mit seiner Blenderei auch geradeausfahren können.» 

Der Fahrzeuglenker sei jedoch auch in Richtung Künten abgebogen (UA 

act. 406). Er habe sich kurz überlegt, ob er über Stetten nach Hause fahren 

soll, denn das sei nicht viel weiter. Er habe es aber leider nicht gemacht 

und sei ebenfalls in Richtung Künten gefahren (UA act. 480; GA act. 68; 

Protokoll der Berufungsverhandlung S. 29, 37). Zudem habe er sich 

überlegt, anzuhalten, um das andere Fahrzeug wegfahren zu lassen. Dies 

sei dort aber gefährlich gewesen und es habe nur eine kleine Einfahrt 

gehabt, wo man hätte einbiegen und kurz warten können (GA act. 68 f.). 

Nach dem Kreisel sei er wieder etwas näher am vorausfahrenden Fahrzeug 

gewesen, denn dieses sei sehr langsam gefahren (UA act. 480; 

vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 26). Er habe sich entschieden, 

das Fahrzeug zu überholen, weil ihn die Nebelschlusslichter des Fahrzeugs 

geblendet hätten und das Fahrzeug zu langsam gefahren sei. Unter 

Zeitdruck habe er aber überhaupt nicht gestanden (UA act. 407, 485 f.; 

vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 28). Wenn es keinen Nebel 

habe und eine Geschwindigkeit von 80 km/h gelte, dann fahre man nicht 

35 bis 40 km/h (UA act. 486). Wenn es dunkel sei bei Nacht, könne man 

theoretisch 80 km/h fahren (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 30). 

Aus den Aussagen ist ersichtlich, dass sich der Beschuldigte für das 

gefährliche Überholmanöver entschieden hat, weil er sich schlicht am 

rechtmässigen Verhalten von I._____, der aufgrund des dichten Nebels mit 

einer angepassten Geschwindigkeit und aktivierten Nebellichtern gefahren 

ist, gestört und darauf bestanden hat, auf der ihm bestens bekannten 

Ausserortsstrecke die – unter den gegebenen Verhältnissen nicht zulässige 

– Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h auszufahren. Stattdessen wäre es 

ihm ohne Weiteres möglich gewesen, dem von I._____ gelenkten Fahrzeug 

während der letzten wenigen Minuten der Fahrt bis zum Erreichen seines 

Wohnorts in angemessener Geschwindigkeit und – zur Reduktion der 

wahrgenommenen Blendung – grösserem Abstand zu folgen, oder die von 

ihm selbst erwogenen zusätzlichen Alternativen des kurzen Umwegs über 

Stetten oder des kurzen Abwartens in einer Einfahrt, wahrzunehmen. Dass 

sich der Beschuldigte trotzdem und aus nichtigen Gründen für sein 

hochriskantes Überholmanöver entschieden hat, lässt auf eine Gleich-

gültigkeit gegenüber den möglichen Folgen seines Verhaltens und damit 

gegenüber dem Leben der anderen Verkehrsteilnehmer schliessen.  

 

 - 14 - 

 

 

2.10. 

Zusammengefasst hat der Beschuldigte sein Fahrzeug bei dichtem Nebel, 

Dunkelheit und einer Sichtweite von ca. 30 Metern im Wissen um die 

ungenügende Sicht und das dementsprechend äusserst hohe Risiko einer 

Frontalkollision mit möglichen Todesfolgen auf 75 bis 81 km/h beschleunigt 

und auf der Gegenfahrbahn zum Überholen des vor ihm fahrenden 

Fahrzeugs angesetzt, womit er die ihm im Strassenverkehr obliegenden 

Sorgfaltspflichten gravierend verletzt hat. Mit seinem praktisch «im 

Blindflug» und mit einer Geschwindigkeit von 75 bis 81 km/h vorgenomme-

nen Überholmanöver liess er es geradezu darauf ankommen, ob sich die 

für möglich gehaltene tödliche Frontalkollision verwirklicht, hing dies doch 

einzig vom Auftreten von Gegenverkehr und damit vom Zufall ab. Das 

Eingehen dieses Risikos war einzig dem nichtigen Grund geschuldet, dass 

der Beschuldigte sich an den Nebelleuchten und der den Sichtverhältnis-

sen angepassten Geschwindigkeit des vor ihm fahrenden Fahrzeugs 

gestört hat, womit der Beschuldigte eine Gleichgültigkeit gegenüber dem 

Leben der anderen Verkehrsteilnehmer offenbart hat. Unter Würdigung der 

gesamten Umstände hat sich der Beschuldigte mit seiner Fahrweise für die 

mögliche Rechtsgutverletzung entschieden. Die Wahrscheinlichkeit des 

Erfolgseintritts musste sich ihm als so gross aufdrängen, dass der 

Entscheid, das vor ihm fahrende Fahrzeug trotz ungenügender Sicht zu 

überholen, statt diesem während weniger Minuten in einer den Sicht-

verhältnissen angepassten Geschwindigkeit weiter zu folgen, nicht anders 

denn als Inkaufnahme des als möglich erkannten Erfolgs einer tödlichen 

Frontalkollision ausgelegt werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_411/2012 vom 8. April 2013 E. 1.4). Der Beschuldigte hat den Tod von 

H._____ somit eventualvorsätzlich verursacht. Rechtfertigungs- oder 

Schuldausschlussgründe liegen nicht vor (siehe vorstehende E. 2.7 zum 

behaupteten Sachverhaltsirrtum). Der Beschuldigte ist folglich der 

vorsätzlichen Tötung gemäss Art. 111 StGB schuldig zu sprechen. 

 

2.11. 

Nach dem Gesagten ist das Überholmanöver des Beschuldigten als 

waghalsig im Sinne von Art. 90 Abs. 3 SVG zu qualifizieren. Der Beschul-

digte hat durch das Überholen ohne genügende Sicht und mit einer den 

Sichtverhältnissen nicht angepassten Geschwindigkeit von 75 bis 81 km/h 

elementare Verkehrsregeln verletzt und die besonders naheliegende 

Gefahr eines Unfalls mit Todesopfern oder Schwerverletzten geschaffen. 

Der Beschuldigte hat wissentlich und willentlich trotz massiv eingeschränk-

ter Sicht überholt und eine tödliche Frontalkollision und darin eingeschlos-

sen folglich auch das in Art. 90 Abs. 3 SVG geforderte hohe Risiko eines 

Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern in Kauf genommen, womit 

der Tatbestand der qualifiziert groben Verletzung der Verkehrsregeln 

gemäss Art. 90 Abs. 3 SVG erfüllt ist. 

 

 - 15 - 

 

 

Zwischen dem Tatbestand der qualifiziert groben Verletzung der Verkehrs-

regeln gemäss Art. 90 Abs. 3 SVG und der vorsätzlichen Tötung gemäss 

Art. 111 StGB besteht echte Konkurrenz, wenn neben der getöteten Person 

weitere Personen gefährdet wurden, wobei eine erhöhte abstrakte Gefähr-

dung genügt (Urteil des Bundesgerichts 6B_567/2017 vom 22. Mai 2018 

E. 3.1). I._____ und J._____ haben sich zum Zeitpunkt der Kollision mit 

ihrem Fahrzeug ungefähr auf gleicher Höhe zum Fahrzeug des Beschuldig-

ten befunden und waren aufgrund dieser unmittelbaren Nähe einem hohen 

Risiko ausgesetzt, zum Beispiel durch kollisionsbedingt umgelenkte Fahr-

zeuge, weggeschleuderte Teile oder ein eigenes abruptes Lenkmanöver 

infolge Erschreckens in den Unfall involviert und schwer verletzt oder 

getötet zu werden. Zudem gefährdete der Beschuldigte auch seine Ehefrau 

G._____, die sich als Beifahrerin im Unfallfahrzeug befunden hat. Nachdem 

neben dem getöteten H._____ weitere Personen durch das Überhol-

manöver des Beschuldigten konkret gefährdet wurden, besteht echte 

Konkurrenz gegenüber dem Tatbestand der vorsätzlichen Tötung, weshalb 

der Beschuldigte auch der qualifiziert groben Verletzung der Verkehrs-

regeln gemäss Art. 90 Abs. 3 SVG schuldig zu sprechen ist. 

 

3. 

3.1. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.). Darauf kann 

verwiesen werden. 

 

3.2. 

Bei der Wahl der Sanktionsart sind neben dem Verschulden unter Beach-

tung des Prinzips der Verhältnismässigkeit als wichtige Kriterien die Zweck-

mässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter 

und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen 

(BGE 147 IV 241 E. 3; BGE 134 IV 97 E. 4.2; BGE 134 IV 82 E. 4.1). 

 

Die vorsätzliche Tötung gemäss Art. 111 StGB wird, wenn – wie vorliegend 

(siehe dazu unten) – kein den ordentlichen Strafrahmen unterschreitender 

Strafminderungsgrund vorliegt, von Gesetzes wegen mit Freiheitsstrafe 

nicht unter fünf Jahren bestraft.  

 

Der Tatbestand der qualifiziert groben Verletzung der Verkehrsregeln 

gemäss Art. 90 Abs. 3 SVG sieht eine Freiheitsstrafe von einem bis zu vier 

Jahren vor. Ist der Täter innerhalb der letzten zehn Jahre vor der Tat nicht 

wegen eines Verbrechens oder Vergehens im Strassenverkehr mit ernstli-

cher Gefahr für die Sicherheit anderer, respektive mit Verletzung oder 

Tötung anderer verurteilt worden, kann er bei Widerhandlungen gemäss 

Art. 90 Abs. 3 SVG mit Freiheitsstrafe bis zu vier Jahren oder Geldstrafe 

bestraft werden (Art. 90 Abs. 3ter SVG). Diese Bestimmung ist zwar erst seit 

 - 16 - 

 

 

1. Oktober 2023 in Kraft, findet vorliegend aber als milderes Recht Anwen-

dung (Art. 102 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 2 Abs. 2 StGB). Der Beschuldigte ist 

nicht vorbestraft (vgl. aktueller Strafregisterauszug), weshalb der Straf-

rahmen für die qualifiziert grobe Verletzung der Verkehrsregeln von einer 

Geldstrafe bis zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren reicht. Wie zu zeigen 

sein wird, erweist sich für die qualifiziert grobe Verletzung der Verkehrs-

regeln jedoch nur eine Freiheitsstrafe als dem Verschulden des 

Beschuldigten angemessen. 

 

3.3. 

3.3.1. 

Die Einsatzstrafe ist für die schwerste Straftat festzusetzen. Es handelt sich 

dabei aufgrund des abstrakten Strafrahmens um die (eventual-)vorsätzli-

che Tötung gemäss Art. 111 StGB. 

 

Die Vernichtung menschlichen Lebens ist immer von einer extremen 

Schwere. Sie ist der (eventual-)vorsätzlichen Tötung immanent und wird 

bereits im Strafrahmen (Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren) berücksich-

tigt. Allein der Umstand, dass der Beschuldigte das höchste Rechtsgut 

eines Menschen, das Leben, verletzt hat, rechtfertigt somit nicht per se die 

Ausfällung der Maximalstrafe. Die Rechtsgutverletzung als solche ist 

unergiebig, wenn es um eine Tötung geht, da der Erfolgsunwert nicht 

abgestuft werden kann. Die objektive Tatschwere bestimmt sich deshalb 

vielmehr anhand des Tathergangs und der Tatumstände. Bei Totschlag 

(Art. 113 StGB) und bei Mord (Art. 112 StGB) kennzeichnen subjektive 

Elemente (eine entschuldbare heftige Gemütsbewegung oder eine grosse 

seelische Belastung resp. eine besondere Skrupellosigkeit) den privilegier-

ten resp. qualifizierten Tatbestand. Subjektive Merkmale wie Motive, 

Beweggründe und Absichten des Täters sind implizit aber auch beim hier 

einschlägigen Grundtatbestand des Art. 111 StGB massgeblich, wenn es 

um die Festlegung des (objektiven) Schweregrades geht. Dieser bestimmt 

sich mit anderen Worten anhand aller Tatkomponenten, welche einem 

gesetzlichen Tatbestandsmerkmal zuzuordnen sind (Urteile des Bundes-

gerichts 7B_193/2022 vom 6. Dezember 2023 E. 3.2, 6B_1038/2017 vom 

31. Juli 2018 E. 2.6.1). 

 

Die Beschuldigte hat den Tod von H._____ verursacht, indem er sein 

Fahrzeug trotz dichten Nebels, Dunkelheit und einer Sichtweite von ca. 30 

Metern auf 75 bis 81 km/h beschleunigt und auf der Gegenfahrbahn zum 

Überholen des vor ihm fahrenden Personenwagens angesetzt hat, worauf 

es zur Frontalkollision mit dem korrekt fahrenden H._____ auf seinem 

Motorrad gekommen ist. Mit seiner Fahrweise hat der Beschuldigte 

elementare Verkehrsregeln in besonders krasser Art und Weise verletzt 

und ist ein äusserst hohes Risiko eingegangen, da es lediglich vom Zufall 

abhängig war, ob es zu einer möglicherweise tödlichen Frontalkollision 

kommen würde. Der Beschuldigte hat mit einer Gleichgültigkeit gegenüber 

 - 17 - 

 

 

dem Leben der anderen Verkehrsteilnehmer gehandelt, da er das risiko-

reiche Überholmanöver einzig aus dem Grund vorgenommen hat, dass er 

sich an den Nebelleuchten und der den Sichtverhältnissen angepassten 

Geschwindigkeit des Fahrzeugs vor ihm gestört hat. Die Art und Weise 

sowie das Motiv der Tatbegehung sind damit jedoch nicht wesentlich über 

die bei Strassenverkehrsunfällen zur Annahme eines eventualvorsätzli-

chen Handelns erforderlichen Umstände (krasse Fälle, BGE 133 IV 9 

E. 4.4) hinausgegangen, womit diese vorliegend neutral zu werten sind 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_567/2017 vom 22. Mai 2018 E. 4.3). 

 

Der Beschuldigte hat den Tod von H._____ in Kauf genommen, sein Wille 

war jedoch nicht direkt darauf gerichtet, diesen zu töten. Das eventual-

vorsätzliche Handeln des Beschuldigten wiegt verschuldensmässig 

weniger schwer als direktvorsätzliches Handeln (BGE 136 IV 55 E. 5.6), 

weshalb dieses verschuldensmindernd zu berücksichtigen ist. 

 

Verschuldenserhöhend wirkt sich indessen das hohe Mass an Entschei-

dungsfreiheit aus, über das der Beschuldigte im Tatzeitpunkt verfügte. Der 

Beschuldigte hätte sich ohne Weiteres an die Verkehrsregeln halten und 

dem mit einer den eingeschränkten Sichtverhältnissen angepassten 

Geschwindigkeit von 30 bis 40 km/h vor ihm fahrenden Personenwagen für 

die nur noch kurze Reststrecke bis zu seinem Wohnort hinterherfahren 

können, anstatt zu einem waghalsigen Überholmanöver anzusetzen, zumal 

er unter keinerlei Zeitdruck gestanden hat (UA act. 407, 485). Der 

Beschuldigte gab an, er sei durch die Nebelschlussleuchten des Fahrzeugs 

vor ihm geblendet worden. Diese Blendung, die gemäss seinen Aussagen 

seine Sicht aber ohnehin nicht eingeschränkt hat (UA act. 437), hätte er 

jedoch ganz einfach durch einen grösseren Abstand zum vorausfahrenden 

Fahrzeug verhindern oder verringern können, womit seine Entscheidungs-

freiheit dadurch nicht eingeschränkt war. Je leichter es aber für ihn 

gewesen wäre, die aus Gründen der allgemeinen Verkehrssicherheit und 

zum Schutz der Verkehrsteilnehmer aufgestellten Normen des Strassen-

verkehrsrechts und damit auch das Leben von H._____ zu respektieren, 

desto schwerer wiegt die Entscheidung dagegen und damit einhergehend 

das Verschulden (vgl. BGE 127 IV 101 E. 2a; BGE 117 IV 112 E. 1; Urteil 

des Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3). 

 

Insgesamt ist unter Berücksichtigung des breiten Spektrums möglicher 

(eventual-)vorsätzlicher Tötungen von einem Verschulden, das von der 

Schwere her rechtfertigt, eine Strafe im unteren Bereich des Strafrahmens 

von 5 bis 20 Jahren festzusetzen, und einer dafür angemessenen Einsatz-

strafe von 6 Jahren auszugehen. 

 

 - 18 - 

 

 

3.3.2. 

Die Einsatzstrafe ist für die qualifiziert grobe Verletzung der Verkehrsregeln 

gemäss Art. 90 Abs. 3 SVG in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB 

angemessen zu erhöhen. 

 

Geschütztes Rechtsgut beim Tatbestand der qualifiziert groben Verletzung 

der Verkehrsregeln ist die Verkehrssicherheit sowie Leib und Leben der 

Verkehrsteilnehmer. Art. 90 Abs. 3 SVG setzt keine konkrete Gefährdung 

des Lebens voraus, jedoch eine gegenüber Art. 90 Abs. 2 SVG gesteigerte, 

sozusagen qualifiziert erhöhte abstrakte Gefahr. Der Tatbestand von 

Art. 90 Abs. 3 SVG normiert somit ein abstraktes Gefährdungsdelikt, wobei 

das Gefährdungselement der Intensität und dem Ausmass des Risikos 

nach qualifiziert wird und ein Erfolgseintritt naheliegen muss. 

 

Der Beschuldigte hat eines der gefährlichsten Fahrmanöver im Strassen-

verkehr, das Überholen auf der Gegenfahrbahn, bei einer durch dichten 

Nebel und Dunkelheit massiv eingeschränkten Sichtweite von ca. 30 

Metern und mit einer den Sichtverhältnissen nicht angepassten Geschwin-

digkeit von 75 bis 81 km/h ausgeführt, wodurch er elementare Verkehrs-

regeln in objektiv krasser Weise missachtet (siehe E. 2.8) und es einzig 

dem Zufall überlassen hat, ob es zu einem schweren Verkehrsunfall durch 

eine Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug kommen würde 

(siehe E. 2.7). Die vom Beschuldigten geschaffene ausserordentlich hohe 

abstrakte Gefahr hat sich verwirklicht und er ist frontal mit dem entgegen-

kommenden Motorradfahrer H._____ kollidiert. Dadurch bestand auch eine 

naheliegende Gefahr, dass I._____ und J._____, die sich zum Zeitpunkt 

der Kollision mit ihrem Fahrzeug ungefähr auf gleicher Höhe zum Fahrzeug 

des Beschuldigten befunden haben, und die Ehefrau des Beschuldigten auf 

dem Beifahrersitz des Unfallfahrzeugs schwer verletzt oder getötet werden. 

Neben H._____, dessen Gefährdung und Tötung bereits durch die Strafe 

für die eventualvorsätzliche Tötung abgegolten und daher vorliegend nicht 

zu berücksichtigen ist, hat der Beschuldigte durch sein waghalsiges 

Überholmanöver drei weitere Personen konkret gefährdet, womit die 

Gefährdung der geschützten Rechtsgüter erheblich über die vom 

Tatbestand von Art. 90 Abs. 3 SVG bereits vorausgesetzte qualifiziert 

erhöhte abstrakte Gefahr hinausgegangen ist. 

 

Verschuldensmindernd ist zu berücksichtigen, dass dem Beschuldigten 

lediglich eventualvorsätzliches Handeln anzulasten ist, was verschuldens-

mässig weniger schwer wiegt als direktvorsätzliches Handeln (BGE 136 IV 

55 E. 5.6). Verschuldenserhöhend ist hingegen das hohe Mass an Ent-

scheidungsfreiheit, über das der Beschuldigte verfügt hat, zu berücksichti-

gen. Es wird dazu auf das vorstehend in E. 3.3.1 Gesagte verwiesen. 

 

Insgesamt ist unter Berücksichtigung des Strafrahmens von bis zu 4 Jahren 

Freiheitsstrafe und der davon erfassten qualifiziert groben Verkehrsregel-

 - 19 - 

 

 

verletzungen von einem mittelschweren bis schweren Verschulden und 

einer dafür angemessenen Freiheitsstrafe von 2 ½ Jahren auszugehen. Im 

Rahmen der Asperation ist zu beachten, dass der Beschuldigte durch 

dieselbe Handlung den Tatbestand der (eventual-)vorsätzlichen Tötung 

und der qualifiziert groben Verletzung der Verkehrsregeln erfüllt hat, womit 

der mit der qualifiziert groben Verletzung der Verkehrsregeln einher-

gehende Gesamtschuldbeitrag aufgrund des sehr engen Zusammenhangs 

entsprechend geringer zu veranschlagen ist. Der sehr enge Zusammen-

hang zur (eventual-)vorsätzlichen Tötung führt jedoch nicht dazu, dass der 

qualifiziert groben Verletzung der Verkehrsregeln im Rahmen der Straf-

zumessung keine Bedeutung mehr zukommen würde, denn es ist nicht 

einerlei, ob der Beschuldigte nebst dem getöteten H._____ zusätzlich 

weitere Personen (konkret) gefährdet hat. Insgesamt erweist sich eine 

Erhöhung der Einsatzstrafe in Anwendung des Asperationsprinzips um 1 

Jahr auf 7 Jahre Freiheitsstrafe als angemessen. 

 

3.4. 

In Bezug auf die Täterkomponente ergibt sich Folgendes: 

 

Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft (siehe aktueller Strafregisterauszug) 

und verfügte bis zum Unfall über einen ungetrübten automobilistischen 

Leumund (UA act. 16), was grundsätzlich als Normalfall zu gelten hat und 

neutral zu würdigen ist. Unter besonderen Umständen kann die Vorstrafen-

losigkeit allerdings ausnahmsweise in die Gesamtbeurteilung der Täter-

persönlichkeit einbezogen werden und sich strafmindernd auswirken, wenn 

die Straffreiheit auf eine aussergewöhnliche Gesetzestreue hinweist. Zu 

denken ist beispielsweise an einen Berufschauffeur, der sich als Ersttäter 

wegen eines Strassenverkehrsdeliktes strafrechtlich zu verantworten hat, 

obschon er seit vielen Jahren täglich mit seinem Fahrzeug unterwegs ist 

(BGE 136 IV 1 E. 2.6.4). Der heute 74-jährige Beschuldigte verfügt seit 

1970 über einen Führerausweis der Kategorie B (UA act. 198). Er war vor 

seiner Pensionierung 37 Jahre lang als TCS Patrouilleur und Instruktor tätig 

(UA act. 479; GA act. 65) und damit den Grossteil seines Erwerbslebens 

berufsmässig zum Zweck der Pannenhilfe im Strassenverkehr unterwegs, 

wobei er gemäss seinen Angaben dabei zwischen 1.5 und 2 Millionen 

Kilometer gefahren sei (UA act. 491; GA act. 66; Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 23). Sein reiner strafrechtlicher und automobilistischer 

Leumund weist vor diesem Hintergrund auf eine aussergewöhnliche 

bisherige Gesetzestreue hin und ist ausnahmsweise leicht strafmindernd 

zu berücksichtigen. 

 

Der Beschuldigte hat nach dem Unfall sofort den Notruf gewählt, den vom 

Aufprall weggeschleuderten H._____ im Nebel und der Dunkelheit gesucht, 

ist bis zum Eintreffen der Rettungskräfte bei diesem geblieben und war 

darum besorgt, dass dieser aufgrund möglicher Halswirbelverletzungen 

vorsichtig auf den Rücken gedreht würde (UA act. 202, 408; Protokoll der 

 - 20 - 

 

 

Berufungsverhandlung S. 27, 34). Damit hat er seinen Willen kundgetan 

H._____ zu retten und insofern Reue in Bezug auf die von ihm verursachte 

Unfallfolge gezeigt. Eine tätige Reue im Sinne von Art. 48 lit. d StGB liegt 

jedoch entgegen dem Vorbringen des Beschuldigten nicht vor. Denn dafür 

wird nach der Rechtsprechung verlangt, dass der Täter Einschränkungen 

auf sich nimmt und alles daran setzt, das geschehene Unrecht wieder gut 

zu machen sowie die Schwere seiner Verfehlung einsieht und die Tat 

gesteht (BGE 107 IV 98 E. 1; Urteil des Bundesgerichts 6B_156/2023 vom 

3. April 2023 E. 1.3.1 [nicht publ. in BGE 149 IV 161]). Neben dem Fehlen 

einer vollständigen Einsicht (siehe nachfolgend) hat der Beschuldigte durch 

sein Verhalten auch keine Einschränkungen auf sich genommen. Vielmehr 

ist vor dem Hintergrund, dass der Beschuldigte den Tod von H._____ nicht 

gewollt, sondern «lediglich» in Kauf genommen hat, zu erwarten, dass er 

diesem Nothilfe leistet. Der Beschuldigte hat von Anfang an eingestanden, 

den Unfall durch sein Überholmanöver verursacht zu haben. Ein Leugnen 

wäre aufgrund der erdrückenden Beweislage jedoch zwecklos gewesen, 

womit die Strafverfolgung dadurch nicht wesentlich erleichtert worden ist. 

Der Beschuldigte hat sich im Rahmen seiner Einvernahmen im 

Vorverfahren, vor Vorinstanz und in der Berufungsverhandlung (UA 

act. 425, 441, 483; GA act. 82; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 44) 

sowie mit einer E-Mail (Beilage zur Hauptverhandlung vom 28. Januar 

2025) bei der Familie von H._____ entschuldigt und glaubhaft geschildert, 

dass ihn die Schuld am Unfall nach wie vor stark belaste und in der Nacht 

wachhalte und dass er Suizidgedanken gehabt habe (GA act. 64, 74; UA 

act. 491; vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 25). Er hat jedoch 

stets bestritten, dass die Sichtverhältnisse schlecht waren bzw. dass er die 

schlechten Sichtverhältnisse wahrgenommen hat (vgl. GA act. 69; 

Protokoll der Berufungsverhandlung S. 28 f.), womit nicht von einer vollen 

Einsicht des Beschuldigten in seine Verfehlung ausgegangen werden 

kann. Davon zeugen auch gewisse Aussagen des Beschuldigten, in denen 

er sich selbst als Opfer darstellt. So schrieb er beispielsweise in der E-Mail 

an die Familie von H._____, dass sein Traum, mit dem Wohnwagen auf 

Reisen zu gehen, durch den Unfall «jäh zerstört» worden sei, u.a. weil das 

Zugfahrzeug, sein eigenes Auto, durch den Unfall unbrauchbar geworden 

sei (Beilage zur Hauptverhandlung vom 28. Januar 2025) oder störte sich 

daran, dass sein auffälliges Auto, das jeder im Dorf kenne, in der 

Pressemitteilung der Polizei erkennbar gewesen sei, weshalb er von 

anderen Personen auf den Unfall angesprochen worden sei (UA act. 425). 

Eine erhebliche Strafminderung, wie sie bei einem von Anfang an 

vollumfänglich geständigen und einsichtigen Straftäter möglich ist, kommt 

vorliegend somit nicht in Frage. 

 

Der heute 74-jährige Beschuldigte ist Rentner und lebt in stabilen familiären 

und finanziellen Verhältnissen (vgl. Beilage 11 zur Berufungsverhandlung). 

Er ist seit 44 Jahren mit seiner Ehefrau verheiratet und wohnt mit ihr 

zusammen in einer Wohnung in Q._____. Das Ehepaar hat einen 

 - 21 - 

 

 

erwachsenen Sohn, der ebenfalls in Q._____ lebt (GA act. 65; UA act. 19 

ff.; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 22). Aufgrund einer langjährigen 

Diabetes-Erkrankung nimmt der Beschuldigte täglich Medikamente und hat 

dreimonatliche Kontrolltermine bei seinem Hausarzt. Ansonsten ist er 

gesund (UA act. 19, 23, 30, 409; Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 25). Die Verbüssung einer Freiheitsstrafe ist für jede sozial integrierte 

Person mit einer gewissen Härte verbunden. Eine erhöhte Straf-

empfindlichkeit ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung daher 

nur bei aussergewöhnlichen Umständen zu bejahen (vgl. statt vieler: Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1176/2023 vom 12. Juni 2025 E. 1.3.3 mit 

Hinweisen). Das fortgeschrittene Alter des Beschuldigten ist bei der 

Beurteilung der Täterkomponenten zu berücksichtigen, vermag für sich 

allein jedoch keine besondere Strafempfindlichkeit zu begründen (vgl. Urteil 

des Bundesgerichts 7B_240/2022 vom 1. Februar 2024 E. 5.2.2 f.). Da der 

Beschuldigte durch seine Diabetes-Erkrankung im Alltag nicht schwer 

eingeschränkt ist, jedoch mit einer allenfalls etwas verkürzten Lebens-

erwartung rechnen muss, rechtfertigt sich in einer Gesamtbetrachtung die 

Annahme einer leicht erhöhten Strafempfindlichkeit. 

 

Insgesamt erscheint es angemessen, die Täterkomponente im Umfang von 

6 Monaten strafmindernd zu berücksichtigen, woraus sich eine dem 

Verschulden und den persönlichen Verhältnissen angemessene Freiheits-

strafe von 6 ½ Jahren ergibt. 

 

Entgegen dem Vorbringen des Beschuldigten liegt kein Strafmilderungs-

grund infolge langen Zeitablaufs im Sinne von Art. 48 lit. e StGB vor. Dieser 

Strafmilderungsgrund kommt nach der bundesgerichtlichen Rechtspre-

chung zur Anwendung, wenn zwei Drittel der Verjährungsfrist verstrichen 

sind (BGE 140 IV 145 E. 3.1). Die Verjährungsfrist beträgt sowohl für die 

(eventual-)vorsätzliche Tötung gemäss Art. 111 StGB als auch für die 

qualifiziert grobe Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Abs. 3 

SVG 15 Jahre (Art. 97 Abs. 1 lit. b StGB). Seit der Tat vom 26. November 

2022 sind etwas weniger als drei Jahre vergangen, womit ein Zeitablauf 

von zwei Dritteln der Verjährungsfrist, also von zehn Jahren, in weiter Ferne 

liegt. Auch eine Verletzung des Beschleunigungsgebots ist im gesamten 

Verfahren nicht auszumachen. 

 

3.5. 

Bei einer Freiheitsstrafe von 6 ½ Jahren kommt weder ein bedingter noch 

ein teilbedingter Strafvollzug in Frage (vgl. Art. 42 f. StGB). Die Freiheits-

strafe ist zu vollziehen. 

 

3.6. 

Zusammenfassend ist der Beschuldigte somit zu einer unbedingten 

Freiheitsstrafe von 6 ½ Jahren zu verurteilen. 

 

 - 22 - 

 

 

4. 

Die Vorinstanz hat die Rückgabe des beschlagnahmten Motorrads Kawa-

saki, AG bbb, sowie des beschlagnahmten Personenwagens Toyota Land 

Cruiser, AG aaa, nach Rechtskraft des Urteils an die Berechtigten 

angeordnet, was im Berufungsverfahren unangefochten geblieben ist. 

Dazu ist präzisierend festzuhalten, dass es sich bei den Berechtigten 

hinsichtlich des Motorrads Kawasaki um die Erben von H._____ und 

hinsichtlich des Personenwagens Toyota Land Cruiser um den Beschuldig-

ten und seine Ehefrau G._____ handelt (vgl. UA act. 198 f.). 

 

5. 

5.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei 

im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon 

ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge gutgeheis-

sen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_1145/2022 vom 13. Oktober 

2023 E. 3.2.1). 

 

Der Beschuldigte, der mit Berufung einen Freispruch von Schuld und Strafe 

beantragt hat, unterliegt vollumfänglich. Die Staatsanwaltschaft, die mit 

Anschlussberufung eine höhere Freiheitsstrafe von 6 ½ Jahren beantragt 

hat, obsiegt vollumfänglich. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die 

obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 (§ 15 GebührD) zzgl. 

den Auslagen für die im Berufungsverfahren bis zur Abholung der 

Fahrzeuge anfallenden Standplatzkosten vollumfänglich dem Beschul-

digten aufzuerlegen. Vom Zeitpunkt des vorinstanzlichen Urteils bis zum 

26. September 2025 sind Standplatzkosten in Höhe von Fr. 2'594.40 

aufgelaufen, womit dem Beschuldigten die bisher bekannten Verfahrens-

kosten in Höhe von Fr. 6'594.40 aufzuerlegen sind. Die weiteren ab dem 

27. September 2025 bis zur Abholung der Fahrzeuge im Berufungs-

verfahren auflaufenden Standplatzkosten, die dem Beschuldigten ebenfalls 

vollumfänglich auferlegt werden, sind noch nicht bekannt und werden 

separat in Rechnung gestellt. 

 

5.2. 

Die Privatkläger A._____, B._____, C._____, D._____ und E._____ haben 

sich nicht aktiv mit Anträgen am Berufungsverfahren beteiligt und daher 

keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m. 

Art. 433 Abs. 1 StPO e contrario). 

 

5.3. 

Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten ist für das obergerichtliche 

Verfahren gestützt auf die anlässlich der Berufungsverhandlung einge-

reichte Kostennote (angepasst an die Dauer der Berufungsverhandlung) 

 - 23 - 

 

 

mit gerundet Fr. 9'040.00 aus der Staatskasse zu entschädigen (Art. 135 

Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 3bis AnwT; § 13 AnwT). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

6. 

6.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person 

die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. Da der Beschuldigte 

hinsichtlich sämtlicher Anklagepunkte schuldig gesprochen wird, sind ihm 

die vorinstanzlichen Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 39'045.80 (inkl. 

Anklagegebühr von Fr. 2'150.00) vollumfänglich aufzuerlegen. 

 

6.2. 

Den Privatklägern A._____, B._____, C._____, D._____ und E._____ ist 

für das erstinstanzliche Verfahren keine Parteientschädigung 

zuzusprechen, nachdem sie eine solche weder beantragt noch beziffert 

haben (Art. 433 Abs. 2 StPO). 

 

6.3. 

Entgegen dem anlässlich der Berufungsverhandlung im Namen des Be-

schuldigten gestellten Antrag ist auf die Höhe der dem amtlichen Verteidi-

ger des Beschuldigten für das erstinstanzliche Verfahren zugesprochenen 

Entschädigung von Fr. 17'095.50 nicht zurückzukommen, da diese im 

Berufungsverfahren unangefochten geblieben ist (vgl. Urteil des Bundes-

gerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019 E. 2). Zum einen ist eine 

Ausdehnung der Berufungsanträge auf die mit Berufungserklärung nicht 

angefochtene Höhe der Entschädigung der amtlichen Verteidigung nicht 

möglich. Zum anderen ist der Beschuldigte durch eine allenfalls zu tief 

festgesetzte Entschädigung nicht in seinen eigenen rechtlich geschützten 

Rechten betroffen und deshalb auch nicht legitimiert, diesen Punkt 

anzufechten. Der amtliche Verteidiger hätte dies im eigenen Namen tun 

müssen (Art. 135 Abs. 3 StPO; Urteil des Bundesgerichts 6B_532/2022 

vom 20. März 2023 E. 2.1 mit Hinweisen). Dem auf Beschwerde in einem 

konkreten Fall hin ergangenen Urteil des Bundesgerichts 6B_168/2024 

vom 27. März 2025 E. 2.4.2 kann hinsichtlich nicht angefochtener 

Entschädigungen keine Wirkung zukommen, zumal es sich nicht um ein 

Normenkontrollverfahren gehandelt hat. 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

 - 24 - 

 

 

7. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 Abs. 1 

StPO, Art. 81 StPO). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- der vorsätzlichen Tötung gemäss Art. 111 StGB; 

- der qualifiziert groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 90 

Abs. 3 SVG. 

 

2. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss den in Ziff. 1 genannten Gesetzes-

bestimmungen sowie in Anwendung von Art. 102 Abs. 1 SVG, Art. 47 

StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB und Art. 40 StGB 

 

zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 6 ½ Jahren 

 

verurteilt. 

 

3. 

3.1. 

Das beschlagnahmte Motorrad Kawasaki wird den Erben von H._____ auf 

Verlangen innert 30 Tagen nach Rechtskraft des Urteils ausgehändigt. 

Nach unbenutztem Ablauf dieser Frist trifft die Staatsanwaltschaft die 

sachgemässen Verfügungen. 

 

3.2. 

Der beschlagnahmte Personenwagen Toyota Land Cruiser wird dem 

Beschuldigten auf Verlangen innert 30 Tagen nach Rechtskraft des Urteils 

ausgehändigt. Nach unbenutztem Ablauf dieser Frist trifft die Staatsanwalt-

schaft die sachgemässen Verfügungen. 

 

4. 

4.1. 

Die bisher aufgelaufenen obergerichtlichen Verfahrenskosten von 

Fr. 6'594.40 (inkl. Standplatzkosten bis 26. September 2025) werden dem 

Beschuldigten auferlegt. 

 

Die ab dem 27. September 2025 bis zur Abholung der in Ziff. 3 genannten 

Fahrzeuge anfallenden Standplatzkosten werden dem Beschuldigten 

auferlegt und separat in Rechnung gestellt. 

 

 - 25 - 

 

 

4.2. 

Die Privatkläger A._____, B._____, C._____, D._____ und E._____ haben 

ihre Parteikosten für das Berufungsverfahren selbst zu tragen. 

 

4.3. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des 

Beschuldigten für das obergerichtliche Verfahren eine Entschädigung von 

Fr. 9'040.00 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

5. 

5.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 39'045.80 (inkl. Anklage-

gebühr von Fr. 2'150.00) werden dem Beschuldigten auferlegt. 

 

5.2. 

Die Privatkläger A._____, B._____, C._____, D._____ und E._____ haben 

ihre erstinstanzlichen Parteikosten selbst zu tragen. 

 

5.3. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten für 

das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 17'095.50 

auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der vollstän-

digen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das Schweizerische 

Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 

Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

 - 26 - 

 

 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde-

legitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 21. Oktober 2025 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Six     M. Stierli