# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3054536f-d2af-5113-a3f9-88b0ba1f477a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-10-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.10.2008 D-6539/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6539-2007_2008-10-31.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6539/2007
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 1 .  O k t o b e r  2 0 0 8

Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), Richter Gérard Scherrer, 
Richter Vito Valenti, 
Gerichtsschreiber Gert Winter.

A._______, geb. (...),
dessen Ehefrau B._______, geb. (...),
und deren Kinder
C._______, geboren (...),
D._______, geboren (...),
E._______, geboren (...),
F._______, geboren (...),
Eritrea,
vertreten durch lic. iur. Daniel Habte, 
(...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), vormals Bundesamt 
für Flüchtlinge (BFF),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Wiedererwägung / 2. Asylgesuch; Verfügungen des BFM 
vom 16. Juli und 30. August 2007 / N .

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-6539/2007

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass die  Beschwerdeführer  am 24. August  1999 in  der  Schweiz  um 
Asyl nachsuchten,

dass  das  BFF  mit  Verfügung  vom 10.  Mai  2002  feststellte,  die  Be-
schwerdeführer  erfüllten die Flüchtlingseigenschaft  nicht,  die Asylge-
suche  ablehnte  und  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  deren 
Vollzug anordnete,

dass  die  Beschwerdeführer  diesen  Entscheid  mit  Beschwerde  vom 
10. Juni  2002  bei  der  damals  zuständigen  Schweizerischen  Asylre-
kurskommission (ARK) vollumfänglich anfochten,

dass das BFF mit Verfügung vom 25. August 2004 die Ziffern 4 und 5 
des angefochtenen Entscheiddispositivs aufhob und den Beschwerde-
führern aufgrund des Vorliegens einer schwerwiegenden persönlichen 
Notlage  wiedererwägungsweise  die  vorläufige  Aufnahme  in  der 
Schweiz gewährte,

dass die Beschwerdeführer auf  entsprechende Anfrage der ARK am 
Antrag auf Asyl festhielten,

dass die ARK in der Folge mit Urteil  vom 5. November 2004 die Be-
schwerde abwies, soweit sie nicht als gegenstandslos geworden abge-
schrieben wurde,

dass die Beschwerdeführer mit Eingabe vom 6. Juli 2007 ein „Wieder-
erwägungsgesuch“ zu den Akten reichen liessen, worin sie um Fest-
stellung der Flüchtlingseigenschaft, um Gewährung von Asyl, um un-
entgeltliche Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung eines 
Gebührenvorschusses ersuchen liessen,

dass sie sich zur Begründung ihres Wiedererwägungsgesuchs im We-
sentlichen auf objektive Nachfluchtgründe berufen,

dass das BFM mit Zwischenverfügung vom 16. Juli 2007 das Gesuch 
um Kostenbefreiung abwies und die Beschwerdeführer aufforderte, bis 
zum 30. Juli 2007 einen Gebührenvorschuss von Fr. 1'200.-- zu leisten, 
verbunden  mit  der  Androhung,  im  Unterlassungsfall  werde  auf  das 
Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten,

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dass das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Urteil  vom 24. August  2007 
auf eine gegen diese Zwischenverfügung erhobene Beschwerde infol-
ge Unzulässigkeit nicht eintrat,

dass der mit Zwischenverfügung vom 16. Juli 2007 erhobene Gebüh-
renvorschuss nicht  geleistet  wurde, weshalb das BFM mit  Verfügung 
vom 30. August 2007 auf das Wiedererwägungsgesuch nicht eintrat,

dass die Beschwerdeführer mit Eingabe vom 27. September 2007 Be-
schwerde erheben und die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügun-
gen vom 16. Juli  2007 und 30. August 2007 sowie Rückweisung der 
Sache  zur  Prüfung  des Wiedererwägungsgesuchs  an  die  Vorinstanz 
beantragen liessen,

dass sie in prozessualer Hinsicht die Gewährung der unentgeltlichen 
Prozessführung und den Verzicht auf  die Erhebung eines Kostenvor-
schusses beantragten,

dass  der  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  mit  Zwi-
schenverfügung vom 3. Oktober 2007 die Gesuche um Gewährung der 
unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundes-
gesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021)  sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses abwies und die Beschwerdeführer aufforderte, bis zum 
18. Oktober 2007 einen Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- zu Gunsten 
der Gerichtskasse zu überweisen,

dass der einverlangte Kostenvorschuss am 15. Oktober 2007 geleistet 
wurde,

dass  das  Bundesamt  in  seiner  Vernehmlassung  vom 28.  November 
2007 die Abweisung der Beschwerde beantragte und zur Begründung 
im Wesentlichen ausführte, selbst wenn wider Erwarten davon auszu-
gehen wäre, es handle sich bei der Eingabe vom 6. Juli 2007 um ein 
zweites Asylgesuch, ändere dies nichts an der Tatsache, dass die gel-
tend gemachten Gründe nicht zur Zuerkennung der Flüchtlingseigen-
schaft und zur Gewährung von Asyl führen und am Ergebnis der kla-
ren Aussichtslosigkeit nichts ändern könnten,

dass in diesem Zusammenhang auf die summarische, aber stichhalti-
ge Begründung in der Zwischenverfügung vom 16. Juli 2007 verwiesen 

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werde,  welcher  in  der  vorliegenden  Beschwerdeschrift  nichts 
Überzeugendes entgegengehalten werde,

dass  gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005 (VGG, SR 173.32) das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-
den  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG  beurteilt,  sofern  keine 
Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt,

dass als Vorinstanzen die in Art. 33 und 34 VGG genannten Behörden 
gelten,

dass Verfügungen des BFM im Bereich des Asyls vor Bundesverwal-
tungsgericht  anfechtbar  sind,  welches  endgültig  darüber  entscheidet 
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  in  der  Rechtsschrift  vom 27. September  2007  sinngemäss  die 
Feststellung von Nachfluchtgründen beantragt wird,

dass aus den Ausführungen in der Begründung der Rechtsschrift vom 
27. September 2007 unmissverständlich die Absicht der Beschwerde-
führer hervorgeht, die Schweizer Behörden - noch immer oder erneut - 
um Schutz vor Verfolgung zu ersuchen (vgl. Entscheidungen und Mit-
teilungen der ARK [EMARK] 1998 Nr. 1 E. 6.c.bb S. 13),

dass ein weiteres Gesuch um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft 
nach  erfolglosem  Durchlaufen  eines  Asylverfahrens  aber  als  neues 
Asylgesuch zu behandeln ist, solange darin nicht zur Hauptsache Re-
visionsgründe  geltend  gemacht  werden  (vgl.  EMARK  2006  Nr. 20 
E. 2.3. S. 214),

dass die Beschwerdeführer unbestrittenermassen in der Schweiz be-
reits ein Asylverfahren erfolglos durchlaufen haben,

dass die Rechtsschrift  vom 27. September 2007 nicht darauf abzielt, 
die bezüglich Nichtzuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und Ableh-
nung des Asylgesuchs in Rechtskraft erwachsene Verfügung des BFM 
vom 10. Mai 2002 als von Anfang an fehlerhaft erscheinen zu lassen,

dass vielmehr darin aufzuzeigen versucht wird, dass sich seit Eintritt 
der Rechtskraft jener Verfügung die Situation der Beschwerdeführer in 

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einer Weise verändert  hat  (objektive Nachfluchtgründe),  welche nun-
mehr die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft rechtfertigen soll,

dass mithin keine Revisionsgründe angerufen werden,

dass es sich infolge dessen bei der als "Wiedererwägungsgesuch" be-
zeichneten Rechtsschrift  vom 6. Juli  2007  nicht  um ein  Gesuch  um 
Wiedererwägung der  Verfügung  vom 10. Mai  2002,  sondern  um ein 
neues Asylgesuch handelt,

dass sich die Beschwerdeführer demzufolge wiederum im Asylverfah-
ren befinden,  während dessen gesamter Dauer sie  sich gestützt  auf 
Art. 42 Abs. 1 AsylG in der Schweiz aufhalten können,

dass unter den gesamten Umständen nicht davon ausgegangen wer-
den kann, das BFM habe die Eingabe vom 6. Juli 2007 versehentlich 
als  Wiedererwägungsgesuch behandelt,  sondern  vielmehr  angenom-
men werden muss, das Bundesamt nehme die Verletzung von Verfah-
rensvorschriften im vorliegenden Fall in Kauf,

dass unter diesen Umständen der festgestellte Verfahrensmangel nicht 
als  durch  das  vorliegende  Beschwerdeverfahren  geheilt  betrachtet 
werden kann, 

dass die Beschwerde demnach gutzuheissen, die angefochtene Verfü-
gung vom 30. August 2007 aufzuheben und die Sache zur Neubeurtei-
lung im Sinne der vorstehenden Erwägungen an das BFM zurückzu-
weisen ist,

dass mit der Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 30. August 
2007 die Zwischenverfügung vom 16. Juli 2007 gleichfalls aufzuheben 
ist,

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Beschwerdeverfahrens  keine  Verfah-
renskosten aufzuerlegen sind (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG) und der am 
15. Oktober 2007 geleistete Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- zurück-
zuerstatten ist,

dass den Beschwerdeführern angesichts des Obsiegens im Beschwer-
deverfahren in  Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG eine Parteient-
schädigung für die ihnen erwachsenen notwendigen Vertretungskosten 
zuzusprechen ist  (vgl. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar  2008 

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über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge-
richt [VGKE, SR 173.320.2]), die vorliegend aufgrund der Akten zuver-
lässig abgeschätzt werden können und auf Fr. 500.– (inklusive Mehr-
wertsteuer  und  Auslagen)  festzusetzen sind  (Art.  14  Abs. 2  VGKE), 
weshalb  auf  die  Einforderung  einer  Kostennote  verzichtet  werden 
kann.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die Verfügungen des BFM vom 16. Juli und 30. August 2007 werden 
vollumfänglich aufgehoben und die Sache zur Neubeurteilung im Sin-
ne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen.

3.
Die Beschwerdeführer können den Ausgang des Asylverfahrens in der 
Schweiz abwarten.

4.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben, und der am 15. Oktober 
2007  geleistete  Kostenvorschuss  von  Fr.  1'200.--  wird  den 
Beschwerdeführern zurückerstattet.

5.
Das  BFM wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführern  eine  Parteient-
schädigung von Fr. 500.-- (inkl. MwST und Auslagen) auszurichten.

6.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter der Beschwerdeführer (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-

ten Ref.-Nr. N  (per Kurier; in Kopie)
- (...) (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Fulvio Haefeli Gert Winter

Versand:

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