# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0f6c7488-d69a-582b-beff-45d939d08594
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-07-17
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 17.07.2023 VBE.2022.402
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2022-402_2023-07-17.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

4. Kammer 

 

 

VBE.2022.402 / ms / nl 
Art. 86 

 

 

Urteil vom 17. Juli 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Roth, Präsident  

Oberrichterin Merkofer  

Oberrichterin Fischer  

Gerichtsschreiber Schweizer          

 

 
   

Beschwerde- 

führer  

 A._____ 

     

 
   

Beschwerde-

gegner  

 AWA - Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Aargau, 

Rain 53, 5000 Aarau   

     

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend AVIG 

(Einspracheentscheid vom 28. September 2022) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Der Beschwerdeführer meldete sich am 21. Februar 2020 beim Regionalen 

Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Q. zur Arbeitsvermittlung an und stellte 

am 22. Februar 2020 bei der Arbeitslosenkasse Antrag auf Arbeitslo-

senentschädigung per 1. März 2020. Mit Verfügung vom 18. August 2022 

stellte der Beschwerdegegner den Beschwerdeführer ab dem 27. Juli 2022 

während 5 Tagen in der Anspruchsberechtigung ein, weil dieser die Wei-

sung vom 26. Juli 2022 nicht befolgt habe. Die vom Beschwerdeführer da-

gegen erhobene Einsprache wies der Beschwerdegegner mit Einsprache-

entscheid vom 28. September 2022 ab.  

 

2. 

2.1. 

Gegen den Einspracheentscheid vom 28. September 2022 erhob der Be-

schwerdeführer mit Eingabe vom 23. Oktober 2022 fristgerecht Besch-

werde und beantragte sinngemäss die Aufhebung des Einspracheent-

scheids vom 28. September 2022 und den Verzicht auf die Einstellung in 

seiner Anspruchsberechtigung. 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 7. November 2022 beantragte der Beschwerde-

gegner die Abweisung der Beschwerde. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Soweit der Beschwerdeführer für "bekannten Fall" die Erstattung von Fahr-

kosten und Unterkunftskosten "in gesetzlichen Rahmen" verlangt, ist darauf 

hinzuweisen, dass der Beschwerdegegner darüber mit Einspracheent-

scheid vom 28. September 2022 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 9-12) 

nicht entschieden hat. Es fehlt damit an einem Anfechtungsgegenstand im 

Sinne von Art. 56 Abs. 1 ATSG, womit auf die Beschwerde in diesem Um-

fang nicht einzutreten ist. 

 

1.2. 

Strittig und zu prüfen ist nachfolgend, ob der Beschwerdegegner den Be-

schwerdeführer mit Einspracheentscheid vom 28. September 2022 

(VB 9 ff.) zu Recht ab dem 27. Juli 2022 für 5 Tage in der Anspruchsbe-

rechtigung eingestellt hat. 

 

 - 3 - 

 

 

 

2. 

2.1. 

Gemäss Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person, die Versiche-

rungsleistungen beanspruchen will, mit Unterstützung des zuständigen Ar-

beitsamtes alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermei-

den oder zu verkürzen. Insbesondere ist sie verpflichtet, Arbeit zu suchen, 

nötigenfalls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes. Sie muss ihre Be-

mühungen nachweisen können. Gemäss Art. 26 Abs. 2 Satz 1 AVIV muss 

die versicherte Person den Nachweis der Arbeitsbemühungen für jede Kon-

trollperiode spätestens am fünften Tag des folgenden Monats oder am ers-

ten auf diesen Tag folgenden Werktag einreichen. Als Kontrollperiode gilt 

jeder Kalendermonat (Art. 27a AVIV). Wird die vorgesehene Frist ohne ent-

schuldbaren Grund verpasst, führt dies direkt zur Nichtbeachtung nachge-

reichter Beweismittel (BGE 139 V 164 E. 3.2 S. 166 f.; Urteil des Bundes-

gerichts 8C_40/2016 vom 21. April 2016 E. 4.2). Nach Art. 17 Abs. 2 AVIG 

muss sich die versicherte Person möglichst frühzeitig, spätestens jedoch 

am ersten Tag, für den sie Arbeitslosenentschädigung beansprucht, per-

sönlich zur Arbeitsvermittlung anmelden und von da an die Kontrollvor-

schriften befolgen. 

 

2.2. 

Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG ist die versicherte Person in der An-

spruchsberechtigung einzustellen, wenn sie die Kontrollvorschriften und 

Weisungen der zuständigen Amtsstelle nicht befolgt. Die Einstellung in der 

Anspruchsberechtigung dient dazu, die Schadenminderungspflicht der ver-

sicherten Personen durchzusetzen. Sie hat die Funktion einer Haftungsbe-

grenzung der Versicherung für Schäden, welche die versicherten Personen 

hätten vermeiden oder vermindern können. Als versicherungsrechtliche 

Sanktion bezweckt sie die angemessene Mitbeteiligung der versicherten 

Person am Schaden, den sie durch ihr Verhalten der Arbeitslosenversiche-

rung in schuldhafter Weise natürlich und adäquat kausal verursacht hat. 

Ein Selbstverschulden der versicherten Person liegt vor, wenn und soweit 

der Eintritt oder das Andauern der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren 

zuzuschreiben ist, sondern in einem nach den persönlichen Umständen 

und Verhältnissen vermeidbaren Verhalten der versicherten Person liegt, 

für das die Versicherung die Haftung nicht übernimmt (THOMAS NUSSBAU-

MER, Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungs-

recht [SBVR], Bd. XIV, Soziale Sicherheit, 3. Aufl. 2016, S. 2511 Rz. 828 

mit Hinweisen). 

 

3. 

Der Beschwerdegegner führte im angefochtenen Einspracheentscheid 

vom 28. September 2022 im Wesentlichen aus, der Beschwerdeführer 

habe die Weisung vom 26. Juli 2022 nicht befolgt. So habe er das Formular 

"Nachweis der persönlichen Arbeitsbemühungen" für den Monat Juli 2022 

erneut nicht vollständig ausgefüllt und ohne die "aufgetragenen Beilagen" 

 - 4 - 

 

 

 

eingereicht. Die nachträglich eingereichten Unterlagen seien nach Ablauf 

der Frist eingereicht worden und könnten daher nicht mehr berücksichtigt 

werden. Einen entschuldbaren Grund könne der Beschwerdeführer nicht 

vorbringen (VB 10). 

 

4. 

4.1. 

Aus den Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer anlässlich des te-

lefonischen Beratungsgesprächs mit der zuständigen RAV-Beraterin vom 

5. Mai 2022 aufgefordert wurde, das Formular betreffend die persönlichen 

Arbeitsbemühungen korrekt einzureichen (vgl. VB II S. 4 f. [Prozessorien-

tiertes Beratungsprotokoll]). Mit schriftlicher Weisung vom 26. Juli 2022 

wurde der Beschwerdeführer angewiesen, ab dem Monat Juli die Bewer-

bungsschreiben und schriftlichen Antworten der Arbeitgebenden einzu-

reichen sowie das Formular "Nachweis der persönlichen Arbeitsbemühun-

gen" vollständig auszufüllen. Die eingeforderten Dokumente müssten bis 

am "5. des Folgemonats" eingetroffen sein. Bei Nichtbefolgen der Weisung 

werde geprüft, ob die Taggeldleistungen gekürzt werden müssten (VB 92). 

 

4.2. 

4.2.1. 

Es steht unbestritten fest, dass der Beschwerdeführer das Formular "Nach-

weis der persönlichen Arbeitsbemühungen" für den Monat Juli 2022 unvoll-

ständig ausgefüllt sowie die verlangten Unterlagen nicht fristgerecht einge-

reicht hat und damit der Weisung vom 26. Juli 2022 nicht nachgekommen 

ist. Zu prüfen ist demnach einzig, ob der Beschwerdeführer einen ent-

schuldbaren Grund (beispielsweise Krankheit oder Unfall) vorbringen kann.  

 

4.2.2. 

Der Beschwerdeführer bringt im Wesentlichen vor, er habe am 26. Juli 

2022 einen Vorstellungstermin in R. wahrgenommen, anlässlich dessen 

man ihm angeboten habe, am 2. Oktober 2022 eine Baustelle zu besichti-

gen und sogar sofort anzufangen zu arbeiten. Er sei dann in R. in ein Hotel 

gegangen und habe vor Ort begonnen, eine Wohnmöglichkeit ab dem Zeit-

punkt der Anstellung zu suchen. Am 29. September 2022 habe er endlich 

die Zusage für ein Zimmer erhalten. Daraufhin sei er sofort nach Hause 

gereist, um sich noch für die Baustellenbesichtigung vom 2. Oktober 2022 

vorzubereiten. Deshalb habe er die geforderten Unterlagen nicht rechtzeitig 

einreichen können.  

 

4.2.3. 

Die Weisung vom 26. Juli 2022 wurde dem Beschwerdeführer am 27. Juli 

2022 zugestellt (vgl. VB 17), womit er über eine Woche Zeit gehabt hätte, 

die geforderten Unterlagen innert Frist bis am 5. August 2022 einzureichen. 

Daran ändern auch seine Arbeitsbemühungen in S. nichts, zumal er ver-

pflichtet gewesen wäre, einen mehrtägigen Auslandsaufenthalt rechtzeitig 

 - 5 - 

 

 

 

zu melden (vgl. ARV 2004 Nr. 19 S. 192, C 242/01 E. 2.1.3). Ausweislich 

der Akten ist weder eine solche Meldung erfolgt, noch hat der Beschwer-

deführer anderweitig auf die Weisung vom 26. Juli 2022 reagiert, womit der 

Beschwerdegegner auch nicht davon ausgehen musste, dass dem Be-

schwerdeführer eine fristgerechte Einreichung der Unterlagen nicht mög-

lich wäre. Weiter befand sich der Beschwerdeführer – entgegen seinen 

Ausführungen in der Beschwerde – spätestens am 4. August 2022 wieder 

an seinem Wohnort in T., verfasste er doch an diesem Tag eine Stellung-

nahme zuhanden des RAV Q. (vgl. VB 87). Der Beschwerdeführer hätte 

demnach auch trotz seines Aufenthalts in S. ohne Weiteres die Frist ein-

halten können, zumal die Übergabe an die Schweizerische Post (vgl. hierzu 

AVIG-Praxis ALE B324) oder der Versand per E-Mail (vgl. hierzu BGE 145 

V 90) am letzten Tag der Frist (5. August 2022) ausreichend gewesen 

wäre. 

 

Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass der Beschwerde-

gegner einen entschuldbaren Grund für das Nichtbefolgen der Weisung 

vom 26. Juli 2022 (VB 92) verneint hat. Die Einstellung in der Anspruchs-

berechtigung erfolgte demnach zu Recht. 

 

5. 

5.1. 

Die Dauer der Einstellung in der Anspruchsberechtigung bemisst sich nach 

dem Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs. 3 Satz 3 AVIG) und beträgt 1 bis 

15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 Tage bei mittelschwerem und 31 bis 

60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 3 AVIV). Gemäss dem 

Einstellraster der AVIG-Praxis Arbeitslosenentschädigung des Staatssek-

retariats für Wirtschaft SECO ALE D79, Ziff. 3.B wird, wer eine Weisung 

des RAV erstmals nicht befolgt, mit 3 bis 10 Einstelltagen sanktioniert. 

 

5.2. 

Der Beschwerdegegner ging davon aus, dass der Beschwerdeführer erst-

mals eine Weisung nicht fristgerecht befolgt habe, und verfügte fünf Ein-

stelltage. Die Dauer der verfügten Einstelltage wird weder vom Beschwer-

deführer beanstandet noch ergeben sich aus dem vorliegenden Sachver-

halt triftige Gründe, um diesbezüglich vom Ermessen der Vorinstanz abzu-

weichen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_342/2017 vom 28. August 

2017 E. 4.2. mit Hinweisen). Damit ist der Einspracheentscheid vom 

28. September 2022 zu bestätigen und die Beschwerde abzuweisen. 

 

6. 

6.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf ein-
zutreten ist. 
 

 - 6 - 

 

 

 

6.2. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG). 
 

6.3. 

Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens 

(Art. 61 lit. g ATSG) und dem Beschwerdegegner aufgrund seiner Stellung 

als Sozialversicherungsträger (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein An-

spruch auf Parteientschädigung zu. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 
 
2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 
 
3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 
 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

  

 - 7 - 

 

 

 

   

Aarau, 17. Juli 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

4. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Roth Schweizer