# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** df579f72-0d21-5f10-98df-749f427dcdac
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-11-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.11.2011 E-1833/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1833-2010_2011-11-16.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­1833/2010

U r t e i l   v om   1 6 .   No v embe r   2 0 1 1  

Besetzung Richter Kurt Gysi (Vorsitz),
Richterin Muriel Beck Kadima, Richter François Badoud,   
Gerichtsschreiber Nicholas Swain.

Parteien A._______, geboren am (…),
Irak,  
vertreten durch Ruth Dönni, Rechtsanwältin, 
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 19. Februar 2010 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer  verliess  nach  eigenen  Angaben  den  Irak  am 
10. Dezember  2007  und  reiste  am  20.  Dezember  2007  in  die  Schweiz 
ein, wo er am 21. Dezember 2007 im Empfangs­ und Verfahrenszentrum 
B._______  um Asyl  ersuchte.  Nach  der  Kurzbefragung  vom  16. Januar 
2008  wurde  er  für  die  Dauer  des  Verfahrens  dem  Kanton  C._______ 
zugeteilt. Am 27. April 2009  fand eine direkte Anhörung durch das BFM 
statt.

B. 
Der  Beschwerdeführer  brachte  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im 
Wesentlichen vor, er sei kurdischer Ethnie und sei in D._______ geboren, 
wo  er  bis  zur  Ausreise  im  Quartier  E._______  gelebt  habe.  Seine 
Muttersprache  sei  Kurdisch  und  er  verfüge  auch  über  bescheidene 
Kenntnisse des Arabischen. Sein Bruder habe als Dolmetscher  für  eine 
amerikanische  oder  kanadische  Organisation  gearbeitet  und  sei  Ende 
2005  nach  F._______  ausgereist.  In  den  Jahren  2005  und  2006  habe 
seine Familie mehrere vermutlich von arabischen Terroristen stammende 
Drohbriefe erhalten,  in welchen sie mit  dem Tod bedroht worden seien, 
falls sie nicht ihr Haus und ihr Geschäft verlassen würden. Sein Vater sei 
am  20.  Dezember  2006  bei  einem  Bombenanschlag  auf  den  Markt 
G._______  im  Quartier  H._______,  wo  er  gearbeitet  habe,  getötet 
worden.  Seine  Mutter  sei  im  September  2007  an  den  Folgen  eines 
Schlaganfalls verstorben.  Im Weiteren seien zwei seiner Freunde  in den 
Jahren  2005  respektive  2006  bei  Bombenanschlägen  ums  Leben 
gekommen (Akten BFM A1 S. 5), respektive von Terroristen entführt und 
umgebracht worden (A18 S. 7ff.). Nach dem Tod des ersten Freundes im 
Jahre  2005  sei  er  aus  Sicherheitsgründen  nicht  mehr  zur  Schule 
gegangen.  Er  habe  sich  schliesslich  aus  Angst,  ebenfalls  zum  Opfer 
eines Anschlags oder Übergriffs der Terroristen zu werden sowie weil er 
in  seinem  Heimatland  keine  Familienangehörigen  mehr  habe,  zur 
Ausreise entschlossen. Ein Freund  seines Vaters,  bei welchem er nach 
dem Tod seiner Mutter gelebt habe, habe seine Reise organisiert. Er sei 
versteckt  im Laderaum von LKWs über die Türkei und vermutlich  Italien 
illegal  und ohne kontrolliert worden zu sein  in die Schweiz gelangt. Der 
Beschwerdeführer  reichte  zur  Stützung  seiner  Vorbringen  seine 
Identitätskarte,  einen  Todesschein  seines  Vaters  sowie  zwei 
Familienfotos ein.  

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C. 
Ein  vom  BFM  beauftragter  Experte  kam  in  einer  Herkunftsanalyse 
(LINGUA­Analyse)  vom  17.  August  2009  zum  Schluss,  dass  die 
Sprachkenntnisse  des  Beschwerdeführers  sowie  sein  geographisches 
und  kulturelles  Wissen  darauf  schliessen  liessen,  er  sei  in  einem 
kurdischen Milieu  im Irak sozialisiert worden,  jedoch nicht  in D._______. 
Aufgrund des von ihm gesprochenen Dialekts sei von einer Sozialisation 
in der Provinz Dohuk auszugehen.  

D. 
Am  5. November  2009  unterzog  das  BFM  die  vom  Beschwerdeführer 
eingereichte irakische Identitätskarte einer  internen Dokumentenanalyse. 
Dabei  stellte  das  BFM  fest,  dass  dieses  Dokument  objektive 
Fälschungsmerkmale aufweise.

E. 
Mit  Verfügung  vom  6.  November  2009  wurde  dem  Beschwerdeführer 
Gelegenheit  zur  Stellungnahme  zu  den  Ergebnissen  der  LINGUA­
Analyse sowie der Dokumentenprüfung gegeben.

F. 
Mit  Eingabe  vom  13.  November  2009  zeigte  die  Rechtsvertreterin  des 
Beschwerdeführers  unter  Beilage  einer  Vollmacht  die  Übernahme  des 
Vertretungsmandats  an  und  ersuchte  um  Erstreckung  der  Frist  zur 
Stellungnahme  sowie  um  Gewährung  der  Einsicht  in  die  vollständigen 
Verfahrensakten.

G. 
Mit Verfügung vom 18. November 2009 hiess das BFM das Gesuch um 
Fristerstreckung  gut,  lehnte  hingegen  das  Begehren  um  Akteneinsicht 
unter  Hinweis  auf  das  noch  nicht  abgeschlossene 
Untersuchungsverfahren ab.

H. 
Mit  Eingabe  seiner  Vertreterin  vom  3.  Dezember  2009  hielt  der 
Beschwerdeführer  an  der  behaupteten  Herkunft  aus  D._______  sowie 
daran,  dass  die  eingereichte  Identitätskarte  von  der  zuständigen 
Amtsstelle  ausgestellt  worden  sei,  fest.  Zur  Begründung  brachte  er 
namentlich  vor,  die  Folgerungen  des  Gutachters  seien  in  Anbetracht 
seines  jugendlichen  Alters  im  Zeitpunkt  der  Flucht  sowie  seines 
kurdischen  Umfelds  in  der  Heimat  nicht  haltbar.  Zudem  sei  nicht 

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erkennbar,  ob  der  Experte  einen  angemessenen  Bezug  zu  seinem 
Herkunftsort E._______ habe. Es werde daher,  falls das Bundesamt an 
seinem Abklärungsergebnis festhalte, beantragt, dass eine neue Analyse 
durch  einen  entsprechend  qualifizierten  Sachverständigen  durchgeführt 
werde. 

I. 
Mit  Schreiben  vom  10.  Februar  2010  gewährte  das  Bundesamt  dem 
Beschwerdeführer  unter Bezugnahme auf  das entsprechende Begehren 
in  der  Eingabe  vom  13.  November  2010  (recte:  2009)  Einsicht  in  die 
Verfahrensakten.

J. 
Mit  Verfügung  vom  19.  Februar  2010  stellte  das  BFM  fest,  dass  der 
Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfülle,  lehnte  sein 
Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den 
Vollzug an. Ferner wurde die Einziehung der  Identitätskarte  angeordnet 
und  der  Antrag  auf  ein  erneutes Herkunftsgutachten  abgelehnt.  Auf  die 
detaillierte  Begründung  wird  –  soweit  entscheidwesentlich  –  in  den 
Erwägungen eingegangen.

K. 
Mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom  23.  März  2010  erhob  der 
Beschwerdeführer  Beschwerde  gegen  diese Verfügung  und  beantragte, 
diese  sei  aufzuheben  und  die  Vorinstanz  anzuweisen,  ihm  die 
Flüchtlingseigenschaft  zuzusprechen  und  das  Asyl  zu  gewähren. 
Eventualiter  sei  die  Unzumutbarkeit  und  Unzulässigkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  festzustellen und  ihm die vorläufige Aufnahme zu 
gewähren, subeventualiter die Sache zur weiteren Sachverhaltsabklärung 
an die Vorinstanz  zurückzuweisen.  In  formeller Hinsicht  ersuchte  er  um 
Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  Verbeiständung 
gemäss  Art.  65  Abs.  1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  sowie  um 
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zur Stützung seiner 
Vorbringen  reichte der Beschwerdeführer einen Geburtsschein  in Kopie, 
inklusive  Übersetzung,  sowie  einen  Arbeitsvertrag  und  eine 
Fürsorgebestätigung der I._______ vom 22. März 2010 zu den Akten. 

L. 
Mit Zwischenverfügung  vom 26. März 2010 hiess der  Instruktionsrichter 
das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gut und verzichtete auf die 

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Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Hingegen  wurde  das  Gesuch  um 
unentgeltliche Verbeiständung abgewiesen. Ferner wurde die Vorinstanz 
zur Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen.

M. 
In  ihrer Vernehmlassung vom 1. April  2010 hielt  die Vorinstanz an  ihrer 
Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.

N. 
Die  vorinstanzliche  Vernehmlassung  wurde  dem  Beschwerdeführer  mit 
Zwischenverfügung vom 13. April 2010 zur Stellungnahme zugestellt. 

O. 
Mit Eingabe  vom 10. Mai  2010  reichte  der Beschwerdeführer  innert  auf 
Gesuch  hin  mit  Sendung  vom  28.  April  2010  erstreckter  Frist  eine 
Stellungnahme ein.

P. 
Am 22. Dezember 2010 stellte das Zivilstandsamt J._______ gestützt auf 
Art. 10 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG, SR 142.31) 
zu  Handen  des  BFM  folgende  Identitätsdokumente  des 
Beschwerdeführers sicher: Geburtsschein, ausgestellt am 16. September 
2009,  Nationalitätenausweis,  ausgestellt  am  7.  Januar  2007, 
Zivilregisterauszug,  ausgestellt  am  1.  Februar  2010,  Identitätskarte  in 
Kopie. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 

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Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 

3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

4. 

4.1. Zur Begründung seiner Verfügung stellte das Bundesamt  fest, dass 
sich die vom Beschwerdeführer eingereichte Identitätskarte als Fälschung 
erwiesen  habe.  Zudem  sei  der  begutachtende  Experte  zum  Schluss 

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gekommen,  er  sei  nicht,  wie  von  ihm  behauptet,  in  der  Region 
D._______,  sondern  im  kurdischen  Nordirak  sozialisiert  worden.  Die 
Erklärungen  des  Beschwerdeführers  in  seiner  diesbezüglichen 
Stellungnahme  vermöchten  nicht  zu  überzeugen.  Auch  von  einer 
jugendlichen  Person  könnten  gewisse  Kenntnisse  von  deren  Heimatort 
erwartet  werden.  Zudem  vermöge  er  das  eindeutige  Ergebnis  der 
Sprachanalyse nicht  zu widerlegen. Die eingereichten Fotos  seien nicht 
geeignet,  seine  Herkunft  zu  beweisen.  Dem  Todesschein  des  Vaters, 
welcher  in D._______ ausgestellt worden sein  solle,  komme wegen der 
leichten  Beschaffbarkeit  derartiger  Dokument  im  Heimatstaat  des 
Beschwerdeführers  nur  ein  sehr  geringer  Beweiswert  zu.  Aus  diesen 
Gründen  sei  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  entgegen 
seiner  Behauptung  nicht  in  D._______  sondern  im  Nordirak 
aufgewachsen  sei.  Damit  sei  seinen  Asylvorbringen  jegliche  Grundlage 
entzogen  und  seine  Vorbringen  seien  als  tatsachenwidrig  zu  bewerten. 
Die  am  Sachverständigen  geäusserte  Kritik  könne  nicht  gehört  werden 
und  der  Antrag  auf  ein  erneutes  Gutachten  durch  eine  anderen 
Sachverständigen sei demnach abzuweisen. Im Übrigen sei festzustellen, 
dass  er  zu  wesentlichen  Punkten  widersprüchliche  Angaben  gemacht 
habe,  so  zur  Frage,  ob  er  im  Irak  noch  Verwandte  habe  und  zu  den 
Umständen  des  Todes  seiner  beiden  Freunde.  Die  seiner  Familie 
angeblich  zugestellten  Drohbriefe  habe  er  zudem  anlässlich  der 
Empfangsstellenbefragung  nicht  erwähnt,  obwohl  es  sich  um  ein 
wesentliches Vorbringen handle. Die Vorbringen des Beschwerdeführers 
vermöchten  demnach  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftmachung 
gemäss Art. 7 AsylG nicht zu genügen. Im Weiteren würden sich aus den 
Akten keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass ihm im Heimatstaat eine 
gemäss Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der 
Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  verbotene 
Strafe  oder  Behandlung  drohe  und  der  Wegweisungsvollzug  in  die 
nordirakischen Provinzen Dohuk, Erbil und Suleymania sei grundsätzlich 
als  zumutbar  zu  erachten.  Eine  Prüfung  der  individuellen  Situation  des 
Beschwerdeführers  sei  nicht  möglich,  da  er  seine  wahre  Herkunft  zu 
verschleiern versuche.

4.2.  Zur  Begründung  seiner  Beschwerde  rügte  der  Beschwerdeführer, 
das Bundesamt habe  falsche Anforderungen an die Glaubhaftmachtung 
gestellt.  Es  habe  die  Pflicht,  auch  die  für  seine  Glaubwürdigkeit 
sprechenden  Umstände  zu  würdigen,  verletzt,  indem  es  nur  diejenigen 
Elemente  berücksichtigt  habe,  welche  aus  seiner  Sicht  gegen  die 
Glaubhaftigkeit  seiner  Aussagen  sprechen  würden.  Es  werde  daran 

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festgehalten,  dass  die  eingereichte  Identitätskarte  von  der  zuständigen 
Amtsstelle ausgestellt worden sei. Auch wenn es sich bei dieser um eine 
Fälschung handle, könne demnach daraus nicht auf die Unglaubhaftigkeit 
seiner  Vorbringen  geschlossen  werden.  Seine  Herkunft  aus  D._______ 
sei auch aus dem Todesschein seines Vaters und dem zwischenzeitlich 
beschafften  Geburtsschein  ersichtlich.  Es  gehe  nicht  an,  dem 
Todesschein  keinen  massgeblichen  Beweiswert  beizumessen. 
Hinsichtlich  der  ihm  von  der  Vorinstanz  vorgeworfenen  mangelhaften 
Kenntnisse  seines  Herkunftsorts  D._______  sowie  der  Analyse  seiner 
Sprachkenntnisse werde auf die Ausführungen in der Stellungnahme vom 
3.  Dezember  2009  verwiesen.  Sollte  weiterhin  an  seiner  Herkunft  aus 
E._______ gezweifelt werden, werde die Rückweisung der Sache an die 
Vorinstanz zur Durchführung einer Sprachanalyse mit einem qualifizierten 
Sachverständigen beantragt, zumal  in der angefochtenen Verfügung die 
Kritik  am  Verfasser  der  ersten  Analyse  ohne  Angabe  von  Gründen 
zurückgewiesen  worden  sei.  Hinsichtlich  der  ihm  vorgeworfenen 
Widersprüche sei  zu berücksichtigen, dass es sich um solche zwischen 
seinen  Aussagen  bei  der  ersten  Befragung  an  der  Empfangsstelle  und 
bei der Anhörung durch das BFM handle. Die erste Befragung sei aber 
nur  summarisch  gewesen  und  zudem  habe  er  den  Dolmetscher  nur 
schlecht  verstanden,  da  er  einen  anderen  Dialekt  gesprochen  und  nur 
gemurmelt habe. Dies habe er bereits anlässlich der Anhörung durch das 
BFM  zu  Protokoll  gegeben,  weshalb  dies  nicht  als  nachgeschobene 
Schutzbehauptung qualifiziert werden könne. Zu beachten sei schliesslich 
auch,  dass  er  bei  der  ersten  Befragung  erst  (…)­jährig  gewesen  und 
durch die  vorangegangenen Erlebnisse  verunsichert  gewesen sei. Dass 
er die Drohbriefe bei der Empfangsstellenbefragung nicht erwähnt habe, 
sei  in  Anbetracht  dieser Umstände  nachvollziehbar.  Im Weiteren werde 
auf seine Ausführungen zu den Widersprüchen anlässlich der Anhörung 
durch das BFM verwiesen. Seine Ausführungen seien demnach entgegen 
der Auffassung der Vorinstanz als glaubhaft zu erachten und es sei vom 
Bestehen  einer  asylrelevanten  Verfolgung  auszugehen.  Sollte  die 
Asylrelevanz  seiner  Vorbringen  verneint  werden,  sei  ihm  diesbezüglich 
das  rechtliche  Gehör  zu  gewähren.  Im  Weiteren  sei  der  Vollzug  der 
Wegweisung  als  unzumutbar  zu  erachten.  Nachdem  seine  Eltern 
verstorben  seien,  wäre  er  im  Irak  auf  sich  alleine  gestellt  und  er  wäre, 
zumal  in  Anbetracht  der  nach  wie  vor  unsicheren  Lage  in  seinem 
Heimatland, nicht in der Lage, sich eine Existenz aufzubauen.         

5. 

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5.1.  Grundsätzlich  sind  die  Vorbringen  eines  Gesuchstellers  dann 
glaubhaft,  wenn  sie  genügend  substanziiert,  in  sich  schlüssig  und 
plausibel sind; sie dürfen sich nicht  in vagen Schilderungen erschöpfen, 
in  wesentlichen  Punkten  nicht  widersprüchlich  sein  oder  der  inneren 
Logik  entbehren  und  auch  nicht  den  Tatsachen  oder  der  allgemeinen 
Erfahrung  widersprechen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr.  1  E.  5  S.  4 
ff.).  An  die  Glaubhaftmachung  dürfen  nicht  zu  strenge  Anforderungen 
gestellt  werden  und  die  Argumentation  der  Behörden  darf  sich  nicht  in 
blossen  Gegenbehauptungen  oder  allgemeinen  Vermutungen 
erschöpfen.  Angesichts  des  reduzierten  Beweismasses  der 
Glaubhaftmachung  besteht  durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und 
Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob eine 
Gesamtwürdigung  aller  Vorbringen  ergibt,  dass  die  Gründe,  die  für  die 
Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  des  Gesuchstellers  sprechen 
überwiegen oder nicht (vgl. EMARK 2004 Nr. 1 E 5 S. 4 ff., mit weiteren 
Hinweisen, EMARK 1993 Nr. 21 S. 134 ff., EMARK 1993 Nr. 11 S. 67 ff.).

5.2.  Das  Bundesverwaltungsgericht  anerkennt  LINGUA­Analysen  des 
BFM nicht als Sachverständigengutachten (Art. 12 Bst. e VwVG; Art. 57 
ff.  des  Bundesgesetzes  vom  4.  Dezember  1947  über  den 
Bundeszivilprozess  [BZP,  SR  273]  i.V.m.  Art.  19  VwVG),  sondern  als 
schriftliche Auskünfte einer Drittperson (Art. 12 Bst. c VwVG; Art. 49 BZP 
i.V.m.  Art.  19  VwVG),  misst  ihnen  indessen  −  sofern  bestimmte 
Anforderungen an die  fachliche Qualifikation, Objektivität und Neutralität 
des  Experten  wie  auch  an  die  inhaltliche  Schlüssigkeit  und 
Nachvollziehbarkeit  der  Analyse  erfüllt  sind  −  erhöhten  Beweiswert  zu 
(vgl.  EMARK  2003  Nr.  14  E.  7,  EMARK  1998  Nr. 34).  Demnach  sind 
LINGUA­Analysen  grundsätzlich  geeignet,  den  Nachweis  einer 
Herkunftstäuschung zu erbringen (vgl. EMARK 1999 Nr. 19 E. 3d).

Die  LINGUA­Analyse  vom  26.  Juni  2009  (Telefongespräch)  respektive 
17. August  2009  (Analyse)  ist  fundiert,  sehr  differenziert  und  in  allen 
Teilen  der  Begründung  überzeugend  ausgefallen.  Sie  gibt  zu  keinen 
Beanstandungen  Anlass.  Der  eingesetzte  Gutachter  verfügt  gemäss 
Aktenlage  über  vertiefte  Kenntnisse  von  Syrien  und  Kurdistan,  hat 
analyserelevante  Kenntnisse  der  kurdischen  und  arabischen  Sprachen 
und hat  insgesamt 48 Jahre  in der zu analysierenden Region verbracht. 
Zudem  verfügt  er  über  eine  universitäre  Ausbildung  in  Linguistik.  Es 
liegen demnach entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers keine 
Gründe vor, an der Qualifikation des Gutachters insbesondere hinsichtlich 

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der Analyse seiner sprachlichen Sozialisation zu zweifeln. Der Antrag auf 
Durchführung einer neuen Sprachanalyse durch einen anderen Gutachter 
ist  somit  abzuweisen.  Der  Beschwerdeführer  vermochte  der  vom 
Gutachter  getroffenen  Einschätzung  weder  im  Rahmen  des  rechtlichen 
Gehörs  zum  Ergebnis  der  Analyse  noch  in  seiner  Beschwerdeeingabe 
stichhaltige  Argumente  entgegenzuhalten.  Insbesondere  wären  auch 
unter  Berücksichtigung  seines  jungen  Alters  grundlegende  Kenntnisse 
der  geographischen  Gegebenheiten  und  Lebens­  und 
Sprachgewohnheiten  seiner  angeblichen Herkunftsregion D._______  zu 
erwarten, zumal er nach seiner Darstellung während acht Jahren dort die 
Schule  besuchte  und  soziale  Kontakte  auch  ausserhalb  seiner  Familie 
pflegte. 

Der Einsicht in den Wortlaut einer LINGUA­Analyse stehen überwiegende 
öffentliche Geheimhaltungsinteressen entgegen (vgl. EMARK 1998 Nr. 34 
E.  9  b). Das BFM hat  in  seiner Verfügung  vom 6. November  2009, mit 
welcher  dem  Beschwerdeführer  Gelegenheit  zur  Stellungnahme  zum 
Abklärungsergebnis  gewährt  wurde,  den  wesentlichen  Inhalt  des 
Gutachtens  vom  17.  August  2009  in  hinreichendem  Umfang 
wiedergegeben und damit den Grundsätzen des rechtlichen Gehörs und 
des  fairen  Prozesses  Genüge  getan  (EMARK  2003  Nr.  14  E.  9).  Der 
Antrag des Beschwerdeführers auf Offenlegung, welche seiner Angaben 
zu  den  von  ihm  erwähnten  Schulen  sowie  zur  irakischen  Währung 
unzutreffend seien, ist demnach abzuweisen.

Nach dem Gesagten hat sich die Vorinstanz zu Recht auf das Ergebnis 
der  LINGUA­Analyse  abgestützt,  wonach  der  Beschwerdeführer 
entgegen  seinen  Angaben  nicht  in  D._______  sondern 
höchstwahrscheinlich in der Provinz Dohuk sozialisiert wurde. 

5.3. Das Ergebnis der Herkunfts­Analyse wird dadurch erhärtet, dass eine 
von der Vorinstanz durchgeführte Prüfung der vom Beschwerdeführer zu 
den Akten gereichten Identitätskarte ergeben hat, dass es sich dabei um 
eine Fälschung handelt. Der Beschwerdeführer hat diese Bewertung nicht 
grundsätzlich bestritten, hält aber daran fest, das Dokument legal bei der 
zuständigen  Behörde  in  D._______  erworben  zu  haben.  Dies  erscheint 
jedoch angesichts der zahlreichen und erheblichen Fälschungsmerkmale 
als unglaubhaft und es kann diesem Dokument demnach in Bezug auf die 
Herkunft des Beschwerdeführers kein Beweiswert zuerkannt werden. 

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Im Weiteren weicht das auf dem Todesschein angegebene Geburtsdatum 
des  Vaters  des  Beschwerdeführers  ([…])  eklatant  von  dessen 
diesbezüglichen  Angaben  anlässlich  der  Befragungen  ab,  aus  welchen 
sich  ein  Alter  des  Vaters  im  Todeszeitpunkt  von  etwa  (…)  oder  (…) 
Jahren errechnen lässt (vgl. A1, S. 2, A18 S. 11). Zudem handelt es sich 
bei  dem  verwendeten  Formular  lediglich  um  eine  Kopie  schlechter 
Qualität.  Ebenso  weicht  das  im  Geburtsschein  des  Beschwerdeführers 
angegebene  Alter  seiner  Eltern  ([…]  respektive  […]  Jahre)  sowohl  von 
seinen  protokollierten,  oben  genannten  Angaben  als  auch  von  dem  im 
Todesschein angegebenen Alter des Vaters ab Zudem wird  lediglich die 
Geburtsprovinz (K._______ beziehungsweise L._______), nicht aber der 
Geburtsort  oder  der  Bezirk  angegeben.  Demnach  sind  auch  an  der 
Authentizität dieser Dokumente erhebliche Zweifel berechtigt. 

In  Bezug  auf  die  weiteren  Dokumente  (Nationalitätenausweis, 
Zivilregisterauszug)  ist zu berücksichtigen, dass nach Erkenntnissen der 
schweizerischen  Asylbehörden  im  Irak  alle  Arten  von  Dokumenten 
einfach auf illegale Weise zu beschaffen sind, weshalb ihnen generell nur 
ein  reduzierter Beweiswert beizumessen  ist. Diese Dokument vermögen 
daher  die  dargelegten  erheblichen  Anhaltspunkte  für  die 
Unglaubhaftigkeit  der  Angaben  des  Beschwerdeführers  zu  seiner 
Herkunft nicht auszuräumen.

5.4.  In  Anbetracht  dieser  Umstände  sowie  des  klaren  Ergebnisses  der 
LINGUA­Analyse  gelangt  das  Gericht  in  Übereinstimmung  mit  der 
Vorinstanz  zum  Schluss,  dass  der  Beschwerdeführer  seine  angebliche 
Herkunft  aus  E._______  bei  D._______  nicht  glaubhaft  gemacht  hat. 
Demzufolge  ist der von  ihm vorgebrachten Gefährdung durch arabische 
Terroristen  in  seinem  angeblichen  Herkunftsort  jede  glaubhafte 
Grundlage entzogen.

5.5. Diese Einschätzung wird dadurch gestützt, dass die Asylvorbringen 
des Beschwerdeführers in wesentlichen Punkten Widersprüche enthalten 
beziehungsweise sie erst bei der Anhörung durch das BFM vorgebracht 
wurden  und  daher  als  nachgeschoben  zu  qualifizieren  sind.  Es  kann 
hierzu auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung 
verwiesen  werden.  Der  Beschwerdeführer  vermochte  diese 
Ungereimtheiten weder anlässlich des Vorhalts in der Anhörung vom 27. 
April  2009 noch  in der Beschwerdeeingabe überzeugend auszuräumen. 
Das  Argument,  er  habe  den Dolmetscher  anlässlich  der  Kurzbefragung 
vom 16. Januar 2008 schlecht verstanden, kann nicht gehört werden. Die 

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Befragung  fand  in  Kurmanji­Kurdisch  statt,  der  Muttersprache  des 
Beschwerdeführers.  Zudem  ergeben  sich  aus  dem  Protokoll  keine 
Hinweise  auf  Missverständnisse  und  der  Beschwerdeführer  hat  am 
Schluss der Befragung ausdrücklich bestätigt,  dass er den Dolmetscher 
gut verstanden habe.

5.6. Zusammenfassend  ist  festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer 
nicht  gelungen  ist,  eine  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  asylrelevante 
Verfolgungsgefahr nachzuweisen oder glaubhaft darzutun. Die Vorinstanz 
hat sein Asylgesuch demzufolge zu Recht abgelehnt.

6. 

6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1  AsylG;  EMARK  2001  Nr. 21;  BVGE  2009/50  E.  9  S.  733  mit 
weiteren Hinweisen ).

7. 

7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 
Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

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7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 
den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83 
Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter 
oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung 
unterworfen werden.

7.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement 
nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 
Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5 
AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden 
Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des 
Beschwerdeführers in den Irak ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 
AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 
noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer 
Ausschaffung  in  den  Irak  dort mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer 
nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung 
ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für 
Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses 
müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk") 
nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm  im  Fall  einer 
Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde 
(vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom 
28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren 

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Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Nordirak, 
wo der Beschwerdeführer höchstwahrscheinlich herkommt (vgl. E. 7.4.2), 
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht 
als  unzulässig  erscheinen  (vgl.  BVGE  2008/4  E.  6.2  ff.).  Nach  dem 
Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl­ als 
auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

7.4. 

7.4.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von 
Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.

7.4.2.  Wie  oben  ausgeführt,  ist  von  einer  Herkunft  des 
Beschwerdeführers aus der Provinz Dohuk im Nordirak auszugehen. 

7.4.3.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  aufgrund  einer  umfassenden 
Beurteilung  der  aktuellen  Situation  in  den  nordirakischen  Provinzen 
Dohuk, Suleimaniya und Erbil zum Schluss gekommen, dass in den drei 
kurdischen  Provinzen  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt  herrscht,  und 
die  dortige  politische  Lage  nicht  dermassen  angespannt  ist,  dass  eine 
Rückführung dorthin  als  generell  unzumutbar  betrachtet werden müsste 
(vgl.  BVGE 2008/5).  Zudem  ist  die Region mit Direktflügen  aus Europa 
und aus den Nachbarstaaten erreichbar. Damit entfällt  das Element der 
unzumutbaren  Rückreise  via  Bagdad  und  anschliessend  auf  dem 
Landweg  durch  den  von  Gewalt  heimgesuchten  Zentralirak. 
Zusammenfassend wurde im erwähnten Entscheid festgehalten, dass die 
Anordnung  des  Wegweisungsvollzugs  in  der  Regel  für  alleinstehende, 
gesunde und junge kurdische Männer, die ursprünglich aus einer der drei 
Provinzen  stammen  oder  eine  längere  Zeit  dort  gelebt  haben  und  dort 
nach  wie  vor  über  ein  soziales  Netz  oder  Parteibeziehungen  verfügen, 
zumutbar  ist.  Für  alleinstehende  Frauen  und  für  Familien  mit  Kindern, 
sowie  für  Kranke  und Betagte  ist  bei  der  Feststellung  der  Zumutbarkeit 
des  Wegweisungsvollzugs  dagegen  grosse  Zurückhaltung  angebracht 
(vgl.  BVGE  2008/5  E.  7.5  und  insbesondere  E.  7.5.8  S.  65  ff.).  Die 

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Sicherheitslage in den drei kurdischen Provinzen hat sich seit Publikation 
des  erwähnten  Urteils  nicht  verschlechtert.  In  der  überwiegenden 
Mehrheit  der  Berichte  von  Regierungs­  und 
Nichtregierungsorganisationen  sowie  des  UN­Sicherheitsrats  wird  eine 
insgesamt stabile Situation beschrieben (vgl. statt vieler Quellen: Amt des 
Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen [UNHCR], Note on 
the Continued Applicability of the April 2009 UNHCR Eligibility Guidelines 
for Assessing the International Protection Needs of Iraqi Asylum­Seekers, 
Juli 2010, S. 2 f.).

7.4.4.  Beim  Beschwerdeführer  handelt  es  sich  um  einen  jungen, 
alleinstehenden und gemäss Aktenlage gesunden Mann. Er verfügt über 
eine  grundlegende  Schulbildung.  Gemäss  Aktenlage  hat  er  in  der 
Schweiz  während  rund  zwei  Monaten  in  einem  Gastgewerbebetrieb 
gearbeitet, hat aber darüber hinaus keine berufliche Erfahrung. 

Gemäss seinen Angaben hat der Beschwerdeführer  im  Irak, abgesehen 
von seiner Grossmutter mütterlicherseits, welche in einem Irrenhaus lebe, 
keine  näheren  Familienangehörigen.  In  M._______  und  N._______ 
würden mehrere Cousins seines Vaters leben, zu welchen er aber keinen 
Kontakt  pflege.  Ebenso  habe  er  keinen  Kontakt  zu  seinem  nach 
F._______  emigrierten  Bruder.  Nachdem  erstellt  ist,  dass  der 
Beschwerdeführer  unwahre  Angaben  zu  seinem  Herkunftsort  gemacht 
hat, und seine Identität angesichts der gefälschten beziehungsweise nicht 
beweiskräftigen  eingereichten  Identitätsdokumente  nicht  erstellt  ist,  sind 
allerdings  auch  Zweifel  an  seinen  Aussagen  zu  seinem  Familiennetz 
berechtigt.  Insbesondere  erscheint  wenig  plausibel,  dass  beide  Eltern 
Einzelkinder gewesen sein sollen, und er daher keine Onkel und Tanten 
habe.  Zudem  sind  die  vom  Zivilstandsamt  J._______  zu  Handen  des 
BFM  am  22. Dezember  2010  sichergestellten Dokumente  zum Teil  erst 
nach  der  Einreise  des  Beschwerdeführers  in  die  Schweiz  ausgestellt 
worden  (Geburtsschein  vom  16. September  2009,  Zivilregisterauszug 
vom  1.  Februar  2010)  und  sind  ihm  augenscheinlich  im  Jahre  2010 
zugestellt  worden.  Auch  wenn  es  sich  bei  diesen  Dokumenten  mit 
überwiegender Wahrscheinlichkeit um Fälschungen handelt (vgl. E. 5.3), 
ist  davon auszugehen,  dass  sie  im  Irak  erstellt wurden. Demnach  kann 
der Schluss gezogen werden, dass der Beschwerdeführer zumindest bis 
ins Jahr 2010 über eine Bezugsperson in seinem Herkunftsland verfügte, 
welche diese Dokumente beschaffte und sie ihm zustellte. Dies steht aber 
im Gegensatz zu seiner Behauptung anlässlich der Anhörung durch das 
BFM vom 27. April 2009, seine  letzte Bezugsperson  im Irak, ein Freund 

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seines  Vaters,  welcher  seine  Ausreise  organisiert  habe,  sei  im  Januar 
2009 in die Türkei ausgereist (A18 S. 16). 

Unter  diesen  Umständen  ist  entgegen  der  Aussagen  des 
Beschwerdeführers  davon  auszugehen,  dass  er  in  seiner Herkunftsland 
über  ein  tragfähiges  soziales  Netz  verfügt.  Im  Übrigen  ist  darauf 
hinzuweisen,  dass  wirtschaftliche  Schwierigkeiten,  von  welchen  die  vor 
Ort  ansässige  Bevölkerung  generell  betroffen  ist,  wie  beispielsweise 
Wohnungsnot  oder  ein  schwieriger  Arbeitsmarkt,  für  sich  allein 
praxisgemäss  keine  konkrete  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  4 
AuG  darstellen  (vgl.  EMARK  2003  Nr.  24  E.  5e  S.  159  mit  weiteren 
Hinweisen).

7.4.5.  Nach  dem  Gesagten  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung 
auch als zumutbar.

7.5.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG 
und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug 
der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2 
AuG).

7.6. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu 
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten 
fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83 
Abs. 1 – 4 AuG).

8. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

9. 
Bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens wären  dem Beschwerdeführer  die 
Verfahrenskosten aufzuerlegen  (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da  indessen mit 
Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts  vom 26. März 2010 
das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen 
Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  gutgeheissen  wurde  und 
keine  Anhaltspunkte  dafür  bestehen,  dass  sich  seine  finanzielle  Lage 

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seither  massgeblich  verändert  hätte,  wird  auf  die  Auferlegung  von 
Verfahrenskosten verzichtet.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

3. 
Dieses Urteil  geht an die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers, das 
BFM und die zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Kurt Gysi Nicholas Swain

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