# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 11855ec5-da2c-5c8b-8ab7-d6cb4460eb1b
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2004-01-20
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Strafkammer 20.01.2004 BK 2003 66
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_005_BK-2003-66_2004-01-20.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 20. Januar 2004 Schriftlich mitgeteilt am: 
BK 03 66

Entscheid
Beschwerdekammer

Vorsitz Vizepräsident Bochsler
RichterInnen Heinz-Bommer und Burtscher 
Aktuarin Duff Walser

——————

In der strafrechtlichen Beschwerde

der A., Beschwerdeführerin,

gegen

die Anklageverfügung des Kreispräsidenten Küblis vom 2. Dezember 2003, mit-
geteilt am 3. Dezember 2003, in Sachen des B., Beschwerdegegner, gegen die 
Beschwerdeführerin, 

betreffend Ehrverletzung,

hat sich ergeben:

2

A. Am 7. September 2003 reichte B. beim Kreisamt Küblis Klage ge-
gen A. wegen Ehrverletzung im Sinne von Art. 173 ff. ein. Zur Begründung 
machte er geltend, A. habe anlässlich der Gerichtsverhandlung vor Bezirksge-
richt Prättigau/Davos vom 12. Juni 2003 behauptet, sie und ihr Sohn seien von 
ihm misshandelt worden, und er hätte ihre Schwester mit dem Motorrad ermor-
den wollen. In der Folge lud der Kreispräsident die Parteien auf den 24. Oktober 
2003 zur Sühneverhandlung vor. 

B. Nachdem anlässlich der Sühneverhandlung keine Einigung unter 
den Parteien erzielt werden konnte, erliess der Kreispräsident Küblis am 2. De-
zember 2003, mitgeteilt am 3. Dezember 2003, eine Anklageverfügung gegen A. 
wegen Ehrverletzung im Sinne von Art. 173 eventuell Art. 174 StGB. 

C. Gegen diesen Entscheid erhob A. am 15. Dezember 2003 Be-
schwerde bei der Beschwerdekammer des Kantonsgerichts von Graubünden mit 
dem sinngemässen Begehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben.

In seiner Vernehmlassung vom 31. Dezember 2003 beantragt der 
Kreispräsident Küblis die Abweisung der Beschwerde.

Auf die Begründung der Anträge in den Rechtsschriften sowie auf die Er-
wägungen in der angefochtenen Verfügung wird, soweit erforderlich, im folgen-
den eingegangen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung :

1. Gegen Untersuchungshandlungen, gegen Ablehnungs- und Ein-
stellungsverfügungen sowie gegen die im Gesetz irrtümlich nicht erwähnten An-
klageverfügungen des Kreispräsidenten kann bei der Beschwerdekammer des 
Kantonsgerichts von Graubünden Beschwerde nach Art. 138 StPO geführt wer-
den (Art. 168 Abs. 3 StPO; W. Padrutt, Kommentar zur StPO Graubünden, 2. 
Aufl., Chur 1996, S. 424, Ziff. 8.5). Die Beschwerde ist innert zwanzig Tagen, seit 
der Betroffene vom angefochtenen Entscheid Kenntnis erhalten hat, schriftlich 
einzureichen (Art. 139 Abs. 2 StPO). Diesen Anforderungen vermag die vorlie-
gende Beschwerde zu genügen. Auf sie ist daher einzutreten.

3

2. Gemäss Art. 163 Abs. 2 StPO ist im Ehrverletzungsverfahren mit Ein-
leitung der Klage eine Vertröstung von Fr. 60.-- zu leisten. Nach vorschrifts-
gemässer Klageeinreichung führt der Kreispräsident einen Aussöhnungsversuch 
zwischen den Parteien durch (Art. 164 Abs. 1 StPO). Scheitert dieser, so hat der 
Kreispräsident dem Kläger gemäss Art. 165 Abs. 1 StPO Frist zur Ergänzung der 
Klage anzusetzen. Alsdann ist dem Angeschuldigten Gelegenheit einzuräumen, 
zur Klage schriftlich Stellung zu nehmen. Der Kreispräsident erhebt in der Folge 
die von den Parteien beantragten Beweise, soweit sie für die Beurteilung des 
Falles von Bedeutung erscheinen, und ergänzt sie von Amtes wegen durch die 
zur Abklärung des Tatbestandes und der Person des Angeschuldigten erforder-
lichen weiteren Erhebungen (Art. 165 Abs. 2 StPO). Nach Abschluss der Unter-
suchung entscheidet der Kreispräsident schliesslich, ob Anklage zu erheben oder 
die Untersuchung einzustellen ist (Art. 165 Abs. 3 StPO).

Entgegen dem Einwand der Beschwerdeführerin geht aus der angefoch-
tenen Verfügung klar hervor, dass der Kläger anlässlich der Sühneverhandlung 
eine Vertröstung von Fr. 60.-- geleistet hat. Wie im folgenden zu zeigen sein wird, 
hat jedoch der Kreispräsident das Verfahren nicht ordnungsgemäss nach Art. 
165 ff. StPO abgewickelt. Nach dem Scheitern der Aussöhnung hat er am 2. Juli 
2003 eine Anklageverfügung gegen A. erlassen. Dabei hat der Kreispräsident 
nach der Sühneverhandlung auf weitere Beweiserhebungen verzichtet mit der 
Begründung, die ehrverletzenden Äusserungen von A. gegenüber B. seien an 
der Verhandlung vom 12. Juni 2003 geäussert worden, anlässlich derer die Be-
schwerdeführerin vor Schranken des Bezirksgerichts Prättigau/Davos gestanden 
habe. Entgegen den gesetzlichen Bestimmungen hat der Kreispräsident von der 
Fristansetzung zur Klageergänzung sowie von der Einholung einer Stellung-
nahme der Angeschuldigten abgesehen und damit das Verfahren nicht ord-
nungsgemäss durchgeführt. Darüber hinaus erweist sich die angefochtene Ver-
fügung als widersprüchlich. Währenddem der Kreispräsident darin einerseits er-
klärt, dass das Ehrverletzungsverfahren gegen A. bis zum definitiven Urteil der 
Erbschaftsklage von X. gegen Y. aufgeschoben werde, erhebt er im Widerspruch 
dazu Anklage gegen die Beschwerdeführerin wegen Ehrverletzung im Sinne von 
Art. 173 respektive Art. 174  StGB.  

Wurde aber das Verfahren vor dem Kreispräsidenten Küblis nicht vor-
schriftsgemäss durchgeführt und erweist sich die Anklageverfügung in ihrer Aus-
sage als widersprüchlich, so ist die Beschwerde von A. schon aus diesen Grün-
den gutzuheissen und die angefochtene Verfügung aufzuheben. Es erübrigt sich 

4

daher, auf die materiellen Einwände der Beschwerdeführerin weiter einzugehen. 
Ebenso ist im Rechtsmittelverfahren vor der Beschwerdekammer nicht über die 
Frage der Sistierung des gegen A. eingeleiteten Ehrverletzungsverfahrens zu 
entscheiden. Dieser Entscheid liegt vielmehr beim Kreispräsidenten, welcher 
nach dem Gesagten erst dann über die Einstellung des Verfahrens oder die An-
klageerhebung gegen die Beschwerdeführerin zu befinden haben wird, wenn er 
den Parteien gemäss Art. 165 StPO die Möglichkeit eingeräumt hat, in Ergänzung 
der Klage beziehungsweise mittels Stellungnahme neue Beweismittel beizubrin-
gen oder zu beantragen, sowie wenn er die beantragten Beweise soweit nötig 
erhoben und die Untersuchung allenfalls von Amtes wegen ergänzt hat.  

3. Im Ehrverletzungsverfahren erfolgt die Kostenüberbindung gemäss zi-
vilprozessualem Vorbild grundsätzlich nach dem Obsiegen und Unterliegen der 
Parteien (vgl. Art. 167 Abs. 5 StPO). Die Beschwerde von A. ist nach dem Ge-
sagten gutzuheissen. Da jedoch die Aufhebung des angefochtenen Entscheids 
auf einen offensichtlichen Fehler des Kreispräsidenten zurückzuführen ist, er-
scheint es im konkreten Fall unbillig, die Gerichtsgebühr der unterliegenden Par-
tei zu überbinden. In Anbetracht der Tatsache, dass die Vorinstanz klare Verfah-
rensregeln nicht befolgt hat, drängt es sich vielmehr auf, die Kosten des Be-
schwerdeverfahrens dem Kreisamt Küblis aufzuerlegen. 

5

Demnach erkennt die Beschwerdekammer :

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die angefochtene Anklageverfü-
gung aufgehoben.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 400.-- gehen zu Lasten des 
Kreisamtes Küblis.

3. Mitteilung an:

__________

Für die Beschwerdekammer des Kantonsgerichts von Graubünden 
Der Vizepräsident Die Aktuarin