# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0c2d1a1b-8c8b-5f17-b1cc-ad2ea8395bf2
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-05-10
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 5. Kammer 10.05.2016 R 2015 62
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_005_R-2015-62_2016-05-10.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

R 15 62

5. Kammer 

Vorsitz Meisser
RichterIn Audétat, Moser 

Aktuarin ad hoc Meier-Künzle

URTEIL

vom 10. Mai 2016

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

A._____,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Remo Cahenzli, 

Beschwerdeführer

gegen 

Gemeinde X._____,

und

Alpgenossenschaft X._____,

beide vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Josef Brunner, 

Beschwerdegegnerinnen

betreffend Weiderecht

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1. Am 15. April 2015 erliess die Genossenschaftsversammlung der Alpge-

nossenschaft X._____ neue Statuten und ein neues Reglement. Der Ge-

meindevorstand X._____ genehmigte die neuen Statuten mit Entscheid 

vom 27. April 2015.

2. Mit Schreiben vom 28. April 2015 teilte die Alpgenossenschaft dem in 

X._____ wohnhaften Landwirt A._____ mit, dass er gemäss neuem Re-

glement die Alpen der Gemeinde X._____ mit 28.76 Normalstössen be-

stossen könne. 

3. Am 22. Mai 2015 schrieb A._____ der Alpgenossenschaft, die Statuten 

vom 15. April 2015 seien nicht nach Art. 31 des Gemeindegesetzes er-

stellt worden und deshalb ungültig.

4. Der Gemeindevorstand X._____ teilte A._____ am 3. Juni 2015 mit, an 

seiner Sitzung vom 1. Juni 2015 habe er vom Schreiben vom 22. Mai 

2015 Kenntnis genommen. Er habe die Statuten der Alpgenossenschaft 

am 27. April 2015 genehmigt, weshalb es seitens der Gemeinde keine 

Einwände dagegen gebe. 

5. A._____ (nachfolgend Beschwerdeführer) erhob daraufhin am 6. Juli 

2015 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden 

und beantragte, der Entscheid des Vorstandes X._____ vom 1. Juni 2015, 

mitgeteilt am 3. Juni 2015, sei vollumfänglich aufzuheben. Es sei dem 

landwirtschaftlichen Betrieb des Beschwerdeführers ein Weiderecht an 

den Alpweiden der Gemeinde X._____ von 35.29 Normalstössen (NST), 

eventuell nach Ergebnis eines einzuholenden Gerichtsgutachtens, zu er-

teilen. Eventuell sei festzustellen, dass Art. 12 des Reglements der Alp-

genossenschaft X._____ vom 15. April 2015 widerrechtlich sei und es 

seien die Alpgenossenschaft und die Gemeinde richterlich anzuweisen, 

die Weiderechte des Beschwerdeführers inskünftig ausschliesslich nach 

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Art. 31 Abs. 1 GG festzusetzen. Subeventuell sei die Sache an die Ge-

meinde X._____ zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen zurückzu-

weisen. Das Verfahren sei für dringlich zu erklären.

Der angefochtene Entscheid des Gemeindevorstandes X._____ sei im 

Rahmen der Aufsichtspflicht der Gemeinde über eine öffentlich-rechtliche 

Körperschaft mit ausgelagerten Gemeindeaufgaben (Alpgenossenschaft) 

ergangen. In diesem Entscheid sei der Anspruch auf rechtliches Gehör 

verletzt worden, indem sich der Gemeindevorstand nicht ansatzweise ma-

teriell mit den Einwänden des Beschwerdeführers auseinandergesetzt 

habe. Im Ergebnis stelle der Entscheid eine unzulässige formelle und ma-

terielle Rechtsverweigerung dar. 

Von Art. 31 Abs. 1 GG abweichende kommunale Regelungen seien kraft 

übergeordnetem Recht unzulässig, da keine entsprechende Regelungs-

autonomie der Gemeinde bestehe. Weder aus dem Schreiben der Alpge-

nossenschaft X._____ vom 28. April 2015 noch aus dem angefochtenen 

Entscheid gehe hervor, auf welcher Grundlage die Weiderechte des Be-

schwerdeführers mit der Zahl 28.76 NST festgelegt worden seien, ob eine 

Über- oder Unterbestossung vorgelegen habe und ob und wie Art. 12 des 

Reglements angewendet worden sei. Es sei nicht nachvollziehbar, wie die 

Alpgenossenschaft X._____ die Weiderechte des Beschwerdeführers mit 

28.76 NST berechnet habe, d.h. rund 20% weniger als ihm nach Art. 31 

Abs. 1 GG zustünde. Sodann sei nicht nachvollziehbar, wie der feste 

Quotient von 0.924 NST pro Hektare bereinigte Heimfläche gemäss Art. 8 

Abs. 3 des Reglements festgelegt worden sei und ob dieser tatsächlich 

den zwingenden Vorgaben von Art. 31 Abs. 1 GG entspreche. 

6. In der Folge erklärte der Instruktionsrichter das Verfahren am 7. Juli 2015 

für dringlich.

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7. Am 17. August 2015 beantragten die Gemeinde und die Alpgenossen-

schaft X._____ (nachfolgend Beschwerdegegnerinnen), auf die Be-

schwerde sei nicht einzutreten, eventuell sei sie abzuweisen.

Sie führten aus, die Beschwerde richte sich gegen das Schreiben der 

Gemeindeverwaltung X._____ an den Beschwerdeführer vom 3. Juni 

2015. Dieses befasse sich nur kurz mit einer, nicht einmal unterzeichne-

ten Kopie eines Briefes des Beschwerdeführers an die Alpgenossenschaft 

X._____ vom 22. Mai 2015 und halte fest, dass die Gemeinde von den 

dort angebrachten Beanstandungen der Statuten der Alpgenossenschaft 

Kenntnis genommen habe. Dem Beschwerdeführer gehe es im vorliegen-

den Verfahren um die Aufhebung eines einfachen Briefs und um die kon-

krete Einräumung zusätzlicher Weiderechte bzw. die Feststellung der Wi-

derrechtlichkeit eines Artikels im Reglement, was jedoch nie Gegenstand 

eines Beschwerdeverfahrens bei der Gemeinde gewesen sei. 

Art. 12 des Reglements sei inhaltlich vollkommen in Ordnung. Ebenfalls 

korrekt sei die Berechnung der Weiderechte. Der Normalbesatz der zur 

Verfügung stehenden Alpweiden sei proportional zur gesamten landwirt-

schaftlichen Nutzfläche (LN) im Hinblick auf witterungsbedingte Unwäg-

barkeiten um einen angemessenen Toleranzfaktor zu reduzieren, so dass 

jeder Tierbesitzer das Recht habe, nach seiner bereinigten Heimfläche 

0.924 NST – und nicht 1.0 – pro Hektare zu alpen (Art. 8 Reglement). 

Beim Beschwerdeführer bestehe eine anrechenbare LN von 38.2 ha. 

Nachdem sich eine Überbestossung abgezeichnet habe, seien gestützt 

auf Art. 12 des Reglements weitere Korrekturen vorgenommen worden. 

Der Beschwerdeführer habe am Stichtag 1. Juli 2014 8.84 Gross-

vieheinheiten (GVE) in seinem Talbetrieb gehalten, was zu einem weite-

ren Abzug von 7.07  ha führe. Die nun anrechenbare LN von 31.13 ha er-

gebe mit der Verhältniszahl 0.924 multipliziert die zugestandenen 

28.76 NST. Dies widerspreche keineswegs Art. 31 GG. Bei einer Überbe-

stossung sei das Vorgehen gemäss Art. 12 des Reglements zweifellos ei-

ne geeignete Massnahme, da der festgelegte Abzug für Tiere, die über 

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den Sommer im Tal durchgefüttert werden, das Winterungsprinzip nicht 

verletze. Sodann sei ein Konsolidierungszeitraum von 5 Jahren für eine 

gewisse Kontinuität bei der Alpwirtschaft unabdingbar, ansonsten es zu 

Unruhen durch spekulative Veränderungen des Viebestandes bzw. der 

Halterungsgewohnheiten Talbetrieb/Sömmerung kommen könnte.

8. Der Beschwerdeführer hielt am 15. September 2015 replicando an seinen 

Rechtsbegehren fest. Der damals nicht anwaltlich vertretene Beschwer-

deführer habe gegen das Schreiben der Alpgenossenschaft vom 28. April 

2015 am 22. Mai 2015 mit dem an die Alpgenossenschaft X._____ adres-

sierten Schreiben remonstriert. Dabei habe er ausdrücklich geltend ge-

macht, dass das neu erlassene Reglement der Alpgenossenschaft gegen 

das übergeordnete Recht verstosse und beantragt, ihm seien Weiderech-

te gemäss Art. 31 GG zuzusprechen. Da der Vorstand der Alpgenossen-

schaft sich offenbar nicht für die Beurteilung der Eingabe vom 22. Mai 

2015 als zuständig erachtet habe, habe er diese dem Gemeindevorstand 

als gemeindeinterne Beschwerdeinstanz weitergeleitet, wozu er gemäss 

Art. 4 Abs. 3 VRG auch verpflichtet gewesen sei. Der angefochtene Ent-

scheid beziehe sich klar und deutlich auf die Eingabe des Beschwerde-

führers vom 22. Mai 2015. Weiter gehe daraus hervor, dass die Eingabe 

vom 22. Mai 2015 Gegenstand der Gemeindevorstandssitzung vom 

1. Juni 2015 gewesen und materiell behandelt worden sei. Es handle sich 

deshalb beim Schreiben vom 3. Juni 2015 um einen Entscheid im Sinne 

von Art. 49 Abs. 1 lit. a VRG und nicht um einen „einfachen Brief“. An-

sonsten wäre der Gemeindevorstand bis heute nicht seiner gesetzlichen 

Aufgabe als Aufsichtsbehörde über die Alpbewirtschaftung und Be-

schwerdeinstanz nachgekommen. Diesfalls wäre die Beschwerde als 

Rechtsverweigerungsbeschwerde infolge fehlenden Entscheids der Ge-

meinde zu beurteilen. Sodann handle es sich um überspitzten Formalis-

mus, wenn eine fehlende Unterschrift zum Nachteil gereichen würde. 

Selbst wenn die Unterschrift gefehlt hätte, wäre der Gemeindevorstand 

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verpflichtet gewesen, dem nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer 

eine kurze Nachfrist für die gültige Unterzeichnung anzusetzen. Im Rah-

men des gemeindeinternen Beschwerdeverfahrens bestehe allenfalls eine 

Mehrfachbefassung durch B._____, welcher sowohl Präsident der Alpge-

nossenschaft als auch Mitglied des Gemeindevorstandes sei. Sofern der 

Ausstandsgrund von Art. 6a Abs. 1 lit. d bzw. f VRG nicht erfüllt sein soll-

te, so wären in jedem Fall die Mindestgarantien von Art. 29 Abs. 1 BV ver-

letzt, was zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids führe.

9. Am 19. Oktober 2015 hielten die Beschwerdegegnerinnen duplicando an 

ihren Anträgen fest. Schenke eine Behörde einem ihr zugestellten, nicht 

unterzeichneten Schreiben keine Beachtung, sei dies nicht überspitzt 

formalistisch. Die Weiterleitungspflicht bestehe nur im Zusammenhang 

mit förmlichen Eingaben, nicht aber bei gewöhnlichen Korrespondenzen.

10. Mit Schreiben vom 9. Februar 2016 reichte die dazu aufgeforderte Ge-

meinde einen Ausdruck des Schreibens des Beschwerdeführers vom 

22. Mai 2015 zu den Akten. Diese für die Gemeinde bestimmte, nicht un-

terzeichnete Kopie der Korrespondenz sei nur per Mail übermittelt wor-

den, so dass kein Zustellcouvert vorhanden sei. Eine Publikation der Sta-

tuten der Alpgenossenschaft sei nicht erfolgt und sei nicht erforderlich 

gewesen, da alle Genossenschafter mit einem Exemplar bedient worden 

seien.

11. Am 22. Februar 2016 schrieb der Beschwerdeführer, er habe das Schrei-

ben vom 22. Mai 2015 auf dem Postweg der Alpgenossenschaft zuge-

stellt. Dieses sei von der Alpgenossenschaft der Gemeinde auszuhändi-

gen, falls dies nicht schon geschehen sei. Zudem stimme nicht, dass die 

Gemeinde das Schreiben nur per Mail erhalten habe. Der Beschwerde-

führer habe die Ausfertigung für die Gemeinde am 22. Mai 2015 in den 

Briefkasten der Gemeindeverwaltung gelegt, als er das an die Alpgenos-

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senschaft adressierte Originalexemplar der Post übergeben habe. Sollte 

das Originalschreiben nicht ediert werden, sei dies entsprechend zu wür-

digen, das Gericht müsse bei der Beweiswürdigung annehmen, dass die 

unterzeichnete Originalausfertigung des Schreibens existiert habe respek-

tive existiere.

12. Am 4. März 2016 edierten die Beschwerdegegnerinnen das Original des 

Schreibens von 22. Mai 2015 (es trägt keine Unterschrift). Dieses sei der 

Alpgenossenschaft zwar in Papierform zugestellt worden, jedoch nicht un-

terzeichnet. Der Briefumschlag sei nach Entnahme seines Inhalts entsorgt 

worden. Die Gemeinde habe das Schreiben vom 22. Mai 2015 nur per 

Mail erhalten. Das nicht unterzeichnete Originalschreiben habe sie von 

der Alpgenossenschaft erhalten. Die Beweispflicht für die Zustellung der 

Korrespondenz und die Unterzeichnung derselben liege beim Absender 

und nicht beim Empfänger.

13. Am 18. März 2016 schrieb der Beschwerdeführer unter anderem, selbst 

wenn das Schreiben nicht unterzeichnet gewesen wäre, hätte ihm eine 

Nachfrist zur Unterzeichnung eingeräumt werden müssen, was nicht er-

folgt sei. Der Vollzug des Reglements und der Erlass von Verfügungen an 

Genossenschaftsmitglieder sei gemäss Art. 24 Abs. 2 Ziff. 5 der Statuten 

Sache des Genossenschaftsvorstandes. Nachdem die Beschwerdegeg-

nerinnen anerkennten, das Schreiben vom 22. Mai 2015 postalisch zuge-

stellt erhalten zu haben, habe die Alpgenossenschaft den Verlust des 

Briefumschlags zu verantworten. Indem der Genossenschaftsvorstand 

das Couvert entsorgt habe, habe dieser seine Mitwirkungspflicht verletzt 

und die Beweislosigkeit könne nur zulasten der Beschwerdegegnerinnen 

gehen.

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Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften und auf die ange-

fochtene Verfügung wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Er-

wägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Anfechtungsobjekt ist das Schreiben der Gemeinde X._____ vom 3. Juni 

2015, mit welchem die Gemeinde auf die Beschwerde des Beschwerde-

führers antwortete. Beschwerdegegenstand bildet dabei die Frage, ob es 

sich hierbei um einen anfechtbaren Entscheid der Gemeinde handelt und, 

wenn ja, ob dieser zu Recht ergangen ist.

2. a) Ausgangspunkt für das vorliegende Beschwerdeverfahren bildete die Ver-

fügung des Genossenschaftsvorstandes vom 28. April 2015, dem Be-

schwerdeführer für das Jahr 2015 28.76 Normalstösse (NST) zuzuteilen. 

Gemäss Art. 35 Abs. 1 der Genossenschaftsstatuten können Verfügungen 

und Entscheide des Genossenschaftsvorstandes und der Generalver-

sammlung vom Betroffenen innert 20 Tagen mittels Beschwerde beim Ge-

meindevorstand angefochten werden. Gestützt auf Art. 22 Abs. 1 des Ge-

setzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) müssen Ent-

scheide unter anderem eine Belehrung über die Möglichkeit und die Frist 

des ordentlichen Weiterzugs enthalten. Ist eine solche Rechtsmittelbeleh-

rung unterblieben, ist der Weiterzug innert zwei Monaten seit der Mitteilung 

des Entscheids zulässig (Abs. 2). Nachdem die Verfügung des Genossen-

schaftsvorstandes keine Rechtsmittelbelehrung enthielt, galt vorliegend 

nicht die Anfechtungsfrist von 20 Tagen sondern diejenige von 2 Monaten 

seit Mitteilung des Entscheids.

b) Nicht bestritten wird, dass die Alpgenossenschaft resp. deren Vorstand die 

Verfügung vom 28. April 2015 an diesem Tag abgeschickt hat. Bezüglich 

des Datums der Zustellung der Verfügung vom 28. April 2015 gibt es keine 

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Darstellung des Beschwerdeführers, auf welche abgestellt werden könnte. 

Der exakte Zeitpunkt der Zustellung lässt sich vorliegend nicht mehr ermit-

teln. Nachdem der Gemeindevorstand jedoch noch innerhalb der zweimo-

natigen Anfechtungsfrist, welche frühestens am 30. April 2015 zu laufen 

begonnen hat, über die Beschwerde des Beschwerdeführers beraten hatte 

(Sitzung vom 1. Juni 2015), erfolgte die Beschwerde vom 22. Mai 2015 auf 

jeden Fall fristgerecht.

3. Die Zustellung der Beschwerde an die Alpgenossenschaft wird nicht be-

stritten; ebenso wenig deren Weiterleitung an den zuständigen Gemein-

devorstand. Bestritten wird lediglich, dass sie unterzeichnet gewesen ist. 

Sollte auf dem eingereichten Originalexemplar tatsächlich die Unterschrift 

gefehlt haben, hätte der Gemeindevorstand dem Beschwerdeführer eine 

Nachfrist zur Unterzeichnung ansetzen müssen (Art. 33 Abs. 3 VRG; vgl. 

Urteile des Bundesgerichts vom 14. März 2000 1P.679/1999 E.3 und vom 

16. Dezember 2015 6B_218/2015). Der Gemeindevorstand hat nichts 

dergleichen getan, sondern ist auf die Beschwerde trotz angeblich fehlen-

der Unterschrift eingetreten und hat diese sogar beraten. Unter diesen 

Umständen kann sich die Gemeinde nicht auf diesen Formfehler berufen.

4. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerinnen hat damit ein ge-

meindeinternes Beschwerdeverfahren stattgefunden. Mit Beschwerde 

vom 22. Mai 2015 hat der Beschwerdeführer unmissverständlich zum 

Ausdruck gebracht, dass er mit der Zusprechung von 28.76 NST durch 

den Genossenschaftsvorstand nicht einverstanden sei und die erfolgte 

Zuteilung nach dem Reglement respektive den neuen Statuten Art. 31 

des Gemeindegesetzes (GG; BR 175.050) widerspreche. Der Beschwer-

deführer hat seine Rechtsbegehren zwar nicht einzeln aufgezählt, aus der 

ausführlich begründeten Beschwerde ging jedoch klar hervor, was die 

Begehren des Beschwerdeführers in Bezug auf den Zuteilungsentscheid 

der Alpgenossenschaft waren. Nachdem der Beschwerdeführer zu die-

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sem Zeitpunkt auch nicht anwaltlich vertreten war, genügt die Beschwer-

de vom 22. Mai 2015 gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung den 

Anforderungen von Art. 33 Abs. 1 VRG an Rechtsschriften (BGE 137 III 

617 E.6.2). 

5. a) Der Gemeindevorstand ist anlässlich der Sitzung vom 1. Juni 2015 auf die 

Beschwerde eingetreten und hat diese behandelt. Anschliessend hat er 

dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 3. Juni 2015 das Ergebnis 

mitgeteilt. Dieses bezieht sich klar auf die Beschwerde und der Vorstand 

teilt dem Beschwerdeführer das Festhalten an den Statuten und damit 

den abschlägigen Entscheid des Vorstandes mit. Entsprechend seiner 

gesetzlichen Verpflichtung hat der Gemeindevorstand damit über eine 

Beschwerde gegen einen Entscheid einer öffentlich-rechtlichen Körper-

schaft entschieden. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerinnen 

handelt es sich beim Schreiben der Gemeinde deshalb um einen förmli-

chen Entscheid und nicht lediglich um eine formlose Korrespondenz. 

b) Gemäss Art. 22 Abs. 1 VRG sind Entscheide zu begründen und müssen 

ein Dispositiv mit Rechtspruch und Kostenregelung sowie eine Belehrung 

über die Möglichkeit und die Frist des ordentlichen Weiterzugs enthalten. 

Die Begründung eines Entscheides muss so abgefasst sein, dass der Be-

troffene ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Dies ist nur mög-

lich, wenn sowohl er wie auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Trag-

weite des Entscheides ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen 

wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die 

Behörde leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt (BGE 129 I 

232 E.3.2; 126 I 97 E.2b). Zwar darf sich die Behörde auf die für den Ent-

scheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. Es ist insbesondere 

auch nicht nötig, dass sie sich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und 

jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzt, sondern sie kann sich viel-

http://links.weblaw.ch/de/BGE-129-I-232
http://links.weblaw.ch/de/BGE-129-I-232

- 11 -

mehr auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken 

(BGE 126 I 97, E.2b). 

c) Der Entscheid der Gemeinde befasst sich explizit weder mit den Begehren 

des Beschwerdeführers, noch enthält er eine Begründung. Weder wurden 

die zugesprochenen Weiderechte noch die Zulässigkeit der Regelung der 

Bestossung der Alpen in Art. 12 des Reglements respektive deren Über-

einstimmung mit Art. 31 GG überprüft und beurteilt. Sodann beinhaltet der 

Entscheid weder ein Dispositiv, eine Kostenregelung noch eine Rechtsmit-

telbelehrung. Aus dem Entscheid der Gemeinde geht somit nicht hervor, 

inwiefern sich der Gemeindevorstand tatsächlich mit den Begehren des 

Beschwerdeführers auseinandergesetzt hat. Unter diesen Umständen han-

delt es sich vorliegend um eine schwere Verletzung des rechtlichen Gehörs 

und damit um eine Rechtsverweigerung durch die Gemeinde. Tatsächlich 

hat nicht nur die Gemeinde das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers 

verletzt. Bereits die Alpgenossenschaft hat es unterlassen, in ihrer Verfü-

gung vom 28. April 2015 an den Beschwerdeführer angemessen zu erläu-

tern, wie sie die zugewiesenen NST berechnet hat. 

6. a) Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann ein Verfahrensmangel, 

insbesondere eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör, zwar 

geheilt werden, wenn die Kognition der urteilenden Instanz nicht einge-

schränkt ist und den Beschwerdeführern daraus auch kein Nachteil er-

wächst. Eine Heilung ist demgegenüber aber immer dann ausgeschlos-

sen, wenn es sich um eine besonders schwerwiegende Verletzung der 

Parteirechte handelt; zudem soll sie die Ausnahme bleiben (BGE 134 I 

335, E. 3.1; 126 I 72, E.2 mit Hinweisen; PVG 2008 Nr. 1). Verfügungen 

oder Entscheide, die unter Missachtung des rechtlichen Gehörs ergangen 

sind, sind daher grundsätzlich aufzuheben und zur Durchführung eines 

ordnungsgemässen Verwaltungsverfahrens an die Verwaltungsbehörden 

zurückzuweisen (statt vieler: VGU 2008 76 mit weiteren Hinweisen). Nur 

http://links.weblaw.ch/de/BGE-126-I-97

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wenn es sich aus verfahrensökonomischen Gründen geradezu aufdrängt, 

ist die Heilung einer allfälligen Gehörsverletzung im Rechtsmittelverfahren 

nach der zitierten Praxis ausnahmsweise zuzulassen.

b) Zu prüfen bleibt damit, ob der erwähnte Verfahrensmangel (Verletzung des 

Anspruchs auf rechtliches Gehör - Rechtsverweigerung) durch das anste-

hende Gerichtsverfahren (unabhängige Rechtsmittelinstanz) als geheilt be-

trachtet werden kann und somit trotzdem auf die Aufhebung des angefoch-

tenen Entscheids einschliesslich Rückweisung und Neubeurteilung der Sa-

che durch den Gemeindevorstand ausnahmsweise verzichtet werden kann. 

Das Gericht ist hierbei zur Ansicht gelangt, dass eine Heilung der doku-

mentierten Verfahrensversäumnisse bzw. formellen Rechtsverweigerung 

im konkreten Fall nicht möglich ist, da der Beschwerdeführer diesfalls der 

Möglichkeit des kantonalen Weiterzugs beraubt werden würde und es nicht 

angehen kann, dass das Verwaltungsgericht anstelle der kommunalen 

Behörden einen „erstmaligen“ Entscheid fällen soll. In erster Linie hat die 

Alpgenossenschaft die Zuteilung der Normalstösse zu begründen und als-

dann der Gemeindevorstand diesen Entscheid zu überprüfen. 

c) Gemäss Art. 12 des Reglements wurde per Stichtag 1. Juli 2014 die Be-

stossung der Gemeindealpen für die nächsten 5 Jahre berechnet. Nach-

dem die Bestossung der Gemeindealpen mit Stichtag 1. Juli 2014 im Früh-

jahr 2015 erstmals bis 2020 durch die Verfügung der Alpgenossenschaft 

vom 28. April 2015 festgehalten worden ist, besteht weiterhin ein aktuelles 

Interesse des Beschwerdeführers an der Beurteilung seines Weidean-

spruchs auf den X._____ Alpen. Unter diesen Umständen ist die Sache 

entsprechend dem Subeventualbegehren zur tatsächlichen Beurteilung der 

vom Beschwerdeführer aufgeworfenen Fragen der Zulässigkeit der Be-

rechnung der Bestossung an die Gemeinde zurückzuweisen. Eine Aufhe-

bung des Entscheids vom 1. Juni 2015, mitgeteilt am 3. Juni 2015, und ei-

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ne direkte Beurteilung des Weiderechts, wie dies der Beschwerdeführer 

fordert, sind aufgrund der vorliegenden Rechtsverweigerung nicht möglich.

7. Entsprechend den obigen Ausführungen ist vorliegend eine konkrete 

Normenkontrolle, wie sie der Beschwerdeführer in seinem Eventualbe-

gehren fordert, ohne materiellen Entscheid der Vorinstanz durch das Ge-

richt nicht möglich. Nachdem die Gemeinde keinen rechtsgenüglich be-

gründeten Entscheid gefällt hat, kann nicht überprüft werden, ob eine 

Entscheidgrundlage rechtens ist oder nicht. 

8. Die Beschwerde wird demnach teilweise gutgeheissen und die Sache zur 

Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Gemeinde respektive an 

die Alpgenossenschaft zurückgewiesen. Sodann trifft den Beschwerde-

führer an der Rechtsverweigerung und damit an der Unmöglichkeit der di-

rekten Überprüfung der Entscheidgrundlage durch das Gericht keine 

Schuld, so dass ihm trotz nur teilweisem Obsiegen keine Kosten aufzuer-

legen sind. Die Verfahrenskosten gehen demnach zu Lasten der Be-

schwerdegegnerinnen, welche überdies verpflichtet werden, dem Be-

schwerdeführer die durch den Rechtsstreit verursachten notwendigen 

Kosten vollumfänglich zu ersetzen (Art. 78 Abs. 1 VRG). Entsprechend 

der eingereichten Honorarnote vom 18. März 2016 wird die Parteien-

tschädigung auf Fr. 6‘289.90 (inkl. MWST) festgelegt.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen und die Sache zur Neubeur-

teilung im Sinne der Erwägungen an die Gemeinde X._____ zurückge-

wiesen. 

2. Die Gerichtskosten, bestehend

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- aus einer Staatsgebühr von Fr. 1‘000.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 302.--

zusammen Fr. 1'302.--

gehen je hälftig zulasten der Gemeinde X._____ und der Alpgenossen-

schaft X._____. Sie sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses Entschei-

des an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu bezahlen.

3. Die Gemeinde X._____ und die Alpgenossenschaft X._____ haben an 

A._____ eine Parteientschädigung von total Fr. 6‘289.90 (inkl. MWST) zu 

bezahlen.

4. [Rechtsmittelbelehrung]

5. [Mitteilungen]