# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7a2dcfcf-322d-5a7f-bb2a-78f5c64021f5
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Praxis des Kantonsgerichts 00.00.0000 PKG 2005 9
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_001_PKG-2005-9_0000-00-00.pdf

## Full Text

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II. Urteile des Kantonsgerichts- 
ausschusses
a) Zivilrechtliche Beschwerden

9 – Verschollenerklärung (Art. 35 ff. ZGB); örtliche Zustän- 
digkeit (Art. 13 GestG). Zum Begriff des letzten bekann- ten 
Wohnsitzes der verschwundenen Person.

Aus dem Sachverhalt:
Der die Schweizer Staatsbürgerschaft besitzende A. wurde am

23. April 1959 in B. (D) geboren. Am 4. Mai 1984 heiratete er in C. die polni- 
sche Staatsangehörige Z., geboren am 12. November 1963. Die Ehe blieb 
kinderlos. Die Eheleute lebten zunächst in Polen und sodann in St. Gallen.

Anfangs November 1990 zog A. nach F.. Dort liess er sich am 4. No- 
vember 1990 bei der Einwohnerkontrolle der Stadt F. registrieren. Am 7. No- 
vember 1991 meldete er sich bei der städtischen Einwohnerkontrolle ab und 
verliess die Schweiz nach eigenen Angaben in Richtung Polen. Nach Auffas- 
sung der Kantonspolizei Graubünden soll sich A. in der Folge in Polen sowie 
in Deutschland aufgehalten haben.

Am 16. Februar 1997 kehrte A. von einer Bergtour auf dem Morte- 
ratsch-Gletscher, den er im Alleingang begehen wollte, nicht mehr zurück. 
Die von den zuständigen Stellen eingeleiteten Suchbemühungen blieben er- 
folglos. Die Leiche von A. konnte nie gefunden werden.

Mit Gesuch vom 8. Juli 2005 liess Z. beim Bezirksgericht Plessur die 
Durchführung eines Verschollenheitsverfahrens beantragen. Mit Urteil vom
23. August 2005 verneinte das Bezirksgericht seine örtliche Zuständigkeit 
zur Behandlung des Gesuchs. Das Kantonsgericht hob dieses Urteil auf Be- 
schwerde hin auf und wies die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz 
zurück.

Aus den Erwägungen:
2. a) Ist der Tod einer Person höchst wahrscheinlich, weil sie in ho- 

her Todesgefahr verschwunden oder seit langem nachrichtlos abwesend ist, 
so kann sie das Gericht gemäss Art. 35 des Schweizerischen Zivilgesetzbu- 
ches (ZGB; SR 210) auf das Gesuch derer, die aus ihrem Tode Rechte ablei- 
ten, für verschollen erklären. Das Gesuch kann nach Ablauf von mindestens 
einem Jahr seit dem Zeitpunkt der Todesgefahr oder von fünf Jahren seit der 
letzten Nachricht angebracht werden (vgl.Art. 36 Abs. 1 ZGB). Örtlich zwin- 
gend zuständig für Begehren um Verschollenerklärung ist nach Art. 13

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GestG das Gericht am letzten bekannten Wohnsitz der verschwundenen 
Person. Gemäss Art. 3 Abs. 2 GestG bestimmt sich der Wohnsitz nach dem 
Zivilgesetzbuch, wobei Art. 24 ZGB über den fiktiven Wohnsitz nicht 
anwendbar ist. Der Ausschluss von Art. 24 ZGB durch Art. 3 Abs. 2 Satz 2 
GestG greift aber materiell nicht, denn der letzte bekannte Wohnsitz gemäss 
Art. 13 GestG ist identisch mit dem fortgesetzten Wohnsitz nach Art. 24 
ZGB (vgl. Christian Schuhmacher in: Karl Spühler/Luca Tenchio/Dominik 
Infanger (Hrsg.), Kommentar zum Schweizerischen Zivilprozessrecht, Bun- 
desgesetz über den Gerichtsstand in Zivilsachen (GestG), Basel/Genf/Mün- 
chen 2001, N 9 zu Art. 13 GestG (zit. BSK)). Die sachliche Zuständigkeit er- 
gibt sich aus Art. 6 des Einführungsgesetzes zum Schweizerischen Zivilge- 
setzbuch des Kantons Graubünden (EGzZGB; BR 210.100), wonach das 
Bezirksgericht für die Durchführung des Verschollenheitsverfahrens gemäss 
Art. 35 ZGB zuständig ist.

b) Nach Art. 23 Abs. 1 ZGB befindet sich der Wohnsitz einer Person
an dem Orte, wo sie sich mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält, 
wobei niemand an mehreren Orten zugleich seinen Wohnsitz haben kann 
(Abs. 2). Art. 23 Abs. 1 ZGB stellt somit zwei Kriterien auf, die kumulativ 
erfüllt sein müssen. Objektives Merkmal ist dabei der tatsächliche (physi- 
sche) Aufenthalt an einem bestimmten Ort. Subjektives Merkmal ist die 
Absicht des dauernden Verbleibens. Die subjektive Absicht ist allerdings nur 
insoweit von Belang, als sie sich in objektiv erkennbaren Umständen äus- 
sert. Massgebend ist somit der Ort, wo sich der Mittelpunkt der Lebens- 
interessen befindet, folglich also am Wohnort, wo man schläft, die Freizeit 
verbringt und wo sich die persönlichen Effekten befinden. Entscheidend ist 
mit anderen Worten, ob die Person den Ort, an dem sie weilt, in einer für 
Dritte erkennbaren Weise zum Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen gemacht 
hat oder zu machen beabsichtigt, wobei die Absicht des dauernden Aufent- 
halts zwingend zum Zeitpunkt der Wohnsitzbegründung bestanden haben 
muss und deren dauerhafter Charakter muss nach aussen hin erkennbar sein 
(vgl. dazu Felix Dasser in: Thomas Müller/Markus Wirth (Hrsg.), Gerichts- 
standsgesetz, Kommentar zum Bundesgesetz über den Gerichtsstand in 
Zivilsachen, Zürich 2001, N. 25 zu Art. 3 GestG (zit. Komm. GestG); Daniel 
Staehelin in: Heinrich Honsell/Nedim Peter Vogt/Thomas Geiser, Basler 
Kommentar zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch, Zivilgesetzbuch I, Art. 
1 – 456 ZGB, 2. Aufl., Basel/Genf/München 2002, N 5 ff. zu Art. 23 ZGB; 
BSK-Dominik Infanger, N 12 ff. zu Art. 3 GestG). Auch ein von vornherein 
bloss vorübergehender Aufenthalt kann einen Wohnsitz begründen (vgl. 
BGE 69 II 280 E. 2). Mit anderen Worten ist somit die Frage, ob der Auf- 
enthalt an einem Ort erst während kurzer Zeit angedauert hat oder ob er 
allenfalls zeitweilig unterbrochen wurde nicht von Belang, solange sich 
manifestiert, dass nicht bloss ein vorübergehender Aufenthalt beabsichtigt

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ist (vgl. Bernhard Berger in: Franz Kellerhals/Nicolas von Werdt/Andreas 
Güngerich (Hrsg.), Gerichtsstandsgesetz, Kommentar zum Bundesgesetz 
über den Gerichtsstand in Zivilsachen, 2. Aufl., Bern 2005, N 19 zu Art. 3 
GestG).

c) Wie bereits ausgeführt ist gemäss Art. 13 GestG für Begehren um 
Verschollenerklärung zwingend das Gericht am letzten bekannten Wohnsitz 
der verschwundenen Person zuständig. Ein Wohnsitz hat erst dann als letz- 
ter bekannter zu gelten, wenn mit den im Verkehr üblichen und zumutbaren 
Mitteln kein späterer Wohnsitz nachgewiesen werden kann (vgl. BSK-Chri- 
stian Schuhmacher, N 11 zu Art. 13 GestG). In seltenen Fällen kann fest- 
stehen, dass die Person einen späteren Wohnsitz begründet hat, ohne dass 
bekannt wäre, wo dieser liegt. Kann der letzte Wohnsitz einer vermissten 
Person nicht nachgewiesen werden, so ist in analoger Anwendung von Art. 4 
GestG das Gericht am letzten bekannten gewöhnlichen Aufenthaltsort der 
verschwundenen Person für das Verschollenheitsverfahren zuständig (vgl. 
BSK-Christian Schuhmacher, N 10 zu Art. 13 GestG). Dieser sog. Aufent- 
haltsgerichtsstand kommt aber aufgrund der Besonderheiten des Verschol- 
lenheitsverfahrens nur eingeschränkt zur Anwendung. Das Gericht am letz- 
ten gewöhnlichen Aufenthalt einer verschwundenen Person steht nur dann 
zur Verfügung, wenn der Vermisste nie über einen nachweisbaren Wohnsitz 
verfügt hat. Ebenso kommt der subsidiäre Gerichtsstand nicht zur Anwen- 
dung, wenn ein Wohnsitz aufgegeben und noch kein neuer begründet wurde. 
Die Anwendbarkeit des Aufenthaltsgerichtsstandes auch im Falle der Wohn- 
sitzaufgabe hätte zudem vorab in Fällen lange andauernder Abwesenheit 
regelmässig den Verlust des Wohnsitzforums zur Folge und würde den 
Kläger beziehungsweise den Gesuchsteller vor die schwierige Aufgabe stel- 
len, einen letzten Aufenthaltsort nachweisen zu müssen. Eine Anhebung des 
Verschollenheitsverfahrens am letzten Aufenthaltsort kann somit nur dann 
stattfinden, wenn ein nachweisbarer Wohnsitz nie bestanden hat; mit ande- 
ren Worten ist der letzte Wohnsitz des Vermissten massgebend (vgl. dazu 
Dimitri Santoro, Komm. GestG, N 19 ff. zu Art. 13 GestG).

d) Das Bundesgesetz über das Internationale Privatrecht (IPRG;
SR 291) sieht in Art. 41 Abs. 1 für die Verschollenerklärung eine Zuständig- 
keit der schweizerischen Gerichte oder Behörden am letzten bekannten 
Wohnsitz der verschwundenen Person vor. Die Regelung des IPRG deckt 
sich so mit der Bestimmung von Art. 13 GestG. Art. 41 Abs. 1 IPRG setzt 
aber voraus, dass es sich bei der Verschollenerklärung um eine Person aus- 
ländischer Staatsangehörigkeit handelt; andernfalls fehlt es am notwendigen 
internationalen Bezug. Art. 41 Abs. 2 IPRG begründet alternativ die 
Zuständigkeit der schweizerischen Gerichte und Behörden, wenn für die 
Verschollenerklärung ein schützenswertes Interesse besteht. Auch hier ist 
der erforderliche internationale Bezug nur gegeben, wenn es sich um eine

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Person ausländischer Staatsangehörigkeit handelt oder wenn der letzte 
bekannte Wohnsitz der Person im Ausland lag (vgl. BSK-Christian Schuh- 
macher, N 14 f. zu Art. 13 GestG; Dimitri Santoro, Komm. GestG, N 25 zu 
Art. 13 GestG).

3. a) Vorliegend kann festgehalten werden, dass der vermisste A. 
Schweizer Bürger ist. Das IPRG kann somit gemäss obigen Ausführungen 
nicht zur Begründung der fehlenden Zuständigkeit beigezogen werden. Die 
diesbezüglichen Ausführungen der Vorinstanz in Ziffer 2 auf Seite 6 sind 
somit obsolet. Nebenbei bemerkt kommt auch das Übereinkommen über 
die gerichtliche Zuständigkeit und die Vollstreckbarkeit gerichtlicher Ent- 
scheidungen in Zivil- und Handelssachen (Lugano-Übereinkommen (LugÜ; 
SR 0.275.11) nicht zur Anwendung, da die Verschollenerklärung eine Frage 
des Personenstandes betrifft (vgl. Art. 1 Abs. 2 Ziffer 1 LugÜ).

b) Weiter steht fest, dass der Verschollene anfangs November 1990 
von St. Gallen nach F. gezogen ist und an der D.-Strasse eine Wohnung 
bezogen hat. Zudem liess er sich am 4. November 1990 bei der Einwohner- 
kontrolle der Stadt F. registrieren. Daraus ergibt sich, dass der Verschollene 
damals beabsichtigte, sich für einen unbestimmten Zeitraum in F. aufzuhal- 
ten. Es ist somit unbestritten, dass der letzte bekannte Wohnsitz des Ver- 
schollenen in F. war, bevor er sich am 7. November 1991 wieder bei der Ein- 
wohnerkontrolle abmeldete. Die Vorinstanz stellt nun die Vermutung auf, 
dass nicht zu erwarten sei, dass nach einer Preisgabe eines früheren Lebens- 
mittelpunktes keine neue Wohnsitzbegründung an einem anderen Ort statt- 
gefunden haben soll, weil ein längerdauerndes Verbleiben ohne Wohnsitz- 
begründung nicht zu erwarten sei. Die Vorinstanz spekuliert dabei letztlich 
aufgrund der Abmeldung des Verschollenen in Richtung Polen und nimmt 
aufgrund der Aussagen seiner Mutter E. und der Beschwerdeführerin an, 
dass A. zumindest zeitweilig Aufenthalt in Polen hatte oder dort sogar einen 
neuen Wohnsitz begründet hatte. Dem kann nicht gefolgt werden. Wie 
bereits ausgeführt, ist der letzte bekannte Wohnsitz gemäss Art. 13 GestG 
mit dem fortgesetzten Wohnsitz identisch (vgl. vorne E. 2. a)) und ein allfäl- 
liger Aufenthaltsgerichtsstand kommt bei einer Wohnsitzaufgabe nicht zum 
Zuge. Ein solcher kommt nur in Frage, wenn kein bekannter früherer Wohn- 
sitz vorhanden ist oder nachgewiesen werden kann. Vorliegend ist aber ein 
früherer Wohnsitz von A. bekannt, womit die Voraussetzung für die An- 
nahme eines Aufenthaltsgerichtsstandes ausgeschlossen ist.Auch wenn nicht 
mit eindeutiger Sicherheit ein späterer (fester) Aufenthaltsort geschweige 
denn ein neuer Wohnsitz des Verschollenen festgestellt werden kann, so 
muss für eine Verneinung der örtlichen Zuständigkeit der Vorinstanz aber 
mit Sicherheit nachgewiesen werden, dass A. in Polen (oder sonst irgendwo) 
einen neuen Wohnsitz begründet hat. Aus den Akten geht hervor, dass A. 
aber weder in der Schweiz noch in Polen die Absicht des dauernden Ver-

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bleibens beziehungsweise die Absicht, hier oder dort einen Wohnsitz zu be- 
gründen, äusserte. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass er zeitweise 
bei der Mutter der Beschwerdeführerin in Polen lebte. Auch spricht die Tat- 
sache, dass A. seinen Lebensunterhalt als reisender Geigenspieler verdiente, 
gegen die Begründung eines neuen Wohnsitzes an einem anderen Ort. So   
gab auch die Mutter des Verschollenen an, ihr Sohn pendle schon seit 10 Jah- 
ren zwischen der Schweiz und Polen hin und her (vgl. act. II/3, S. 4). Daher 
reicht die von der Vorinstanz aufgestellte Vermutung der Begründung eines 
neuen Wohnsitzes durch A. zur Verneinung der örtlichen  Zuständigkeit  
nicht aus. Die Frage der örtlichen Zuständigkeit ist gemäss Art. 34 GestG 
eine von Amtes wegen zu prüfende Sachurteilsvoraussetzung. Die Vor- 
instanz muss zur Erstellung des massgebenden Sachverhaltes in Bezug auf 
den letzten Wohnsitz von A.  allenfalls  weitere  Abklärungen  vornehmen. 
Sie kann sich bei ihrer Beurteilung nicht allein auf die Aussagen der 
Gesuchstellerin beziehungsweise Beschwerdeführerin Z.  und  der  Mutter  
des Verschollenen stützen. Ein letzter bekannter Wohnsitz hat grundsätzlich 
erst dann als ein solcher zu gelten, wenn kein späterer Wohnsitz mit Sicher- 
heit nachgewiesen werden kann. Allerdings hat die Vorinstanz nicht in 
beliebige Richtungen Nachforschungen nach einem allfälligen späteren 
Wohnsitz von A. anzustellen. Weitere Recherchen müssten sich aufgrund 
klarer Indizien rechtfertigen. Kommt das Bezirksgericht zum Schluss, dass 
solche fehlen, so ist F. als letzter Wohnsitz anzunehmen, womit die Zustän- 
digkeit des angerufenen Gerichts gegeben wäre.

Die Beschwerde erweist sich somit in diesem Punkt als begründet
und ist gutzuheissen. Die Sache wird zur Neubeurteilung im Sinne der 
Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen, zumal diese auch gemäss 
Art. 6 Abs. 1 EGzZGB zur Verschollenerklärung sachlich zuständig wäre, 
falls kein anderer letzter bekannter Wohnsitz als F. festgestellt werden 
könnte.
ZB 05 49 Urteil vom 15. November 2005