# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8d17e6af-d5bc-5b3c-b652-138790104b4c
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-06-16
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 16.06.2014 SB130460
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB130460_2014-06-16.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 
aa)  

Geschäfts-Nr.: SB130460-O/U/jv 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. P. Marti, Präsident, Oberrichterin lic. iur.  

Ch. von Moos und Oberrichter Dr. iur. D. Schwander sowie  

die Gerichtsschreiberin lic. iur. C. Laufer 

 

Urteil vom 16. Juni 2014 

 

in Sachen 

 

A._____, 
Beschuldigter und I. Berufungskläger 

bis 24. November 2013 amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ 

ab 24. November 2013 amtlich verteidigt durch  

Rechtsanwalt lic. iur. X2._____ 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat, 
vertreten durch Leitenden Staatsanwalt lic. iur. Hans Bebié, 

Anklägerin und II. Berufungsklägerin (Rückzug) sowie Anschlussberufungsklägerin 

betreffend Betrug etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom 
25. September 2013 (DG130079) 

-   2   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom 22. März 2013 

(Urk. 43) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 

Das Gericht erkennt: 

1. Das Verfahren betreffend den Anklagevorwurf der mehrfachen Tätlichkei-

ten für die vor dem 25. September 2010 vorgeworfenen Tätlichkeiten wird 

eingestellt. 

2. Der Beschuldigte ist schuldig 

− des versuchten Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in Verbin-

dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (HD), 

− der mehrfachen Irreführung der Rechtspflege im Sinne von Art. 304 

Ziff. 1 StGB (HD), 

− des gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und  

2 StGB betreffend 1. Oktober 2008 bis 31. Juli 2010 (ND 1), 

− der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB 

betreffend der Lohnabrechnungen und des Arbeitsvertrages (ND 1, 

ND 3),  

− der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB (ND 2), 

− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB in 

Verbindung mit Art. 123 Ziff. 2 Abs. 4 StGB (ND 2), 

− der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbin-

dung mit Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB (ND 2, lit. d bis f), 

− der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB in 

Verbindung mit Art. 126 Abs. 2 lit. b StGB (ND 2) sowie 

-   3   - 

− der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 StGB (ND 2, lit. e). 

3. Vom Vorwurf des gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 

und 2 StGB betreffend 1. Oktober 2010 bis 30. April 2011 (ND 1), der  

Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB betreffend Ausfüllen 

der Einkommens- und Vermögensdeklarationen (ND 1), der mehrfachen 

Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB (ND 2, lit. a), der mehr-

fachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB (ND 2, lit. a), 

der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbindung 

mit Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB (ND 2, lit. b) sowie des Betrugs im Sinne von 

Art. 146 Abs. 1 StGB betreffend ND 3 wird der Beschuldigte freigespro-

chen. 

4. Der Beschuldigte wird bestraft mit 3 Jahren und 9 Monaten Freiheitsstrafe, 

wovon bis und mit heute 571 Tage durch Haft erstanden sind, sowie einer 

Busse von CHF 1'000. 

5. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle 

eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen. 

6. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben. Die Busse ist zu 

bezahlen. 

7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 14. März 

2012 als Beweismittel beschlagnahmten und bei der Kasse der Staats-

anwaltschaft gelagerten Gegenstände (Asservaten Nr. …, …, …, …, …, 

…, …, …, …, …, …, …, …, …, …, …, … sowie Nr. …, …, … und …; 

Sachkaution Nr. …) sowie die sichergestellten und vorsorglich beim Foren-

sischen Institut Zürich gelagerten Gegenstände (Asservaten Nr. … und …) 

werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlan-

gen herausgegeben. 

8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._____ CHF 5'000  

zuzüglich 5 % Zins ab 3. März 2012 als Genugtuung zu bezahlen. Im 

Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

-   4   - 

9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin C._____ Bank Scha-

denersatz in der Höhe von CHF 71'606.95 zu bezahlen. 

10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin D._____ eine Um-

triebsentschädigung in der Höhe von CHF 2'302, zuzüglich Zins zu 5% seit 

27. September 2010, zu bezahlen (Schaden Nr. …). 

11. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 7'500.00 ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr. 1'143.00   Kosten der Kantonspolizei 

Fr. 1'500.00   Gebühr Anklagebehörde 

Fr. 4'307.45   Auslagen Untersuchung  

Fr. 25'643.63   amtliche Verteidigung (Prot. I S. 22) 

Fr. 14'435.43   unentgeltliche Rechtsbeistandschaft (Prot. I. S. 21) 

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

12. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-

nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden zu zwei Dritteln 

dem Beschuldigten auferlegt und zu einem Drittel auf die Staatskasse  

genommen. 

13. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse  

genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung im Umfang von  

zwei Dritteln gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO. Über die Höhe der Kosten der 

amtlichen Verteidigung wird separat entschieden. 

14. Die Kosten der unentgeltlichen Verbeiständung der Privatklägerin B._____ 

werden auf die Staatskasse genommen. Über die Höhe der Kosten der  

unentgeltlichen Verbeiständung wird separat entschieden. 

15. (Mitteilungen) 

16. (Rechtsmittel) 

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Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

 (Urk. 169 S. 1; Prot. II S. 23) 

1. Der Beschuldigte sei des versuchten Betrugs im Sinne von Art. 146 

Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (HD), der mehrfa-

chen Irreführung der Rechtspflege im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 StGB 

(ND 1), des gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 

und 2 StGB betreffend 1. Oktober 2008 bis 31. Juli 2010 (ND 1),  

der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB 

betreffend der Lohnabrechnungen und des Arbeitsvertrags schuldig zu 

sprechen (ND 1, ND 3). 

2. Der Beschuldigte sei der Körperverletzung in Bezug auf das ND 2 lit. f 

schuldig zu sprechen, im Übrigen sei er der Körperverletzung freizu-

sprechen. 

3. Der Beschuldigte sei der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB (ND 2), 

der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB i.V.m. 180 

Abs. 2 lit. a StGB (ND 2 lit. d bis f), der mehrfachen Tätlichkeiten im 

Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 126 Abs. 2 lit. b 

StGB (ND 2) sowie der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 

Ziff. 1 StGB (ND 2 lit. e) freizusprechen. 

4. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 21 Monaten zu  

bestrafen. 

5. Die Genugtuung für die Privatklägerin sei auf Fr. 500.00, zuzüglich  

eines Zinses von 5 % seit dem 3. März 2012, zu reduzieren. 

6. Dem Beschuldigten sei eine Genugtuung von Fr. 35'000.00 zuzüglich 

Zins von 5% seit dem 01.11.2013 für unrechtmässig erstandene  

Überhaft zuzusprechen. 

-   6   - 

7. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens, die Verfahrenskosten und 

die Kosten der amtlichen Verteidigung, seien zur Hälfte auf die Staats-

kasse zu nehmen und zur Hälfte dem Beschuldigten aufzuerlegen,  

wobei die Kosten der amtlichen Verteidigung erst einzuziehen seien, 

wenn er in gute Verhältnisse geraten sollte. 

Die Kosten des zweitinstanzlichen Verfahrens, inklusive der Kosten der 

amtlichen Verteidigung, seien auf die Staatskasse zu nehmen. 

b) Der Staatsanwaltschaft: 

(Urk. 170 S. 1 f.) 

1. Bestätigung der erstinstanzlichen Schuldsprüche gemäss Dispositiv 

Ziffer 2, soweit sie noch nicht in Rechtskraft erwachsen sind. 

2. Der Beschuldigte sei 

− der mehrfachen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 

StGB (ND 2, lit. a) 

− der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 

StGB (ND 2, lit. a) 

− der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in 

Verbindung mit Art. 180 Abs. 2 StGB (ND 2, lit. b) und 

− des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB (ND 3) 

schuldig zu sprechen. 

3. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 7 Jahren und einer 

Busse von Fr. 1'000.– zu bestrafen. 

4. Es sei erstandene Haft anzurechnen. 

5. Es sei eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen bei schuldhafter Nicht-

bezahlung der Busse anzuordnen. 

-   7   - 

6. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin B._____ eine  

angemessene Genugtuung zu bezahlen.  

7. Es seien dem Beschuldigten die Kosten der Untersuchung und des  

gerichtlichen Verfahrens vollumfänglich aufzuerlegen. 

8. Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien auf die Gerichtskasse zu 

nehmen, vorbehältlich einer vollumfänglichen Nachforderung gemäss 

Art. 135 Abs. 4 StPO. 

c) Der Vertreterin der Privatklägerin B._____: 

(Urk. 171 S. 2) 

Verzicht auf Anträge. 

 

Erwägungen: 

I. Prozessgeschichte und Umfang der Berufung 

1. Mit vorinstanzlichem Urteil vom 25. September 2013 wurde das Verfahren 

betreffend den Anklagevorwurf der mehrfachen Tätlichkeiten, soweit diese vor 

dem 25. September 2010 begangen wurden, eingestellt (Dispositivziffer 1). Mit 

Blick auf die übrigen zahlreichen angeklagten Delikte erfolgten teils Schuld-

sprüche (Dispositivziffer 2), teils Freisprüche (Dispositivziffer 3; für Einzelheiten 

siehe das eingangs wiedergegebene vorinstanzliche Dispositiv). Hierfür wurde der 

Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 9 Monaten sowie mit  

einer Busse von Fr. 1'000.– bestraft (Dispositivziffern 4 und 6; unter Anordnung 

einer Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen gemäss Dispositivziffer 5 und Anrech-

nung von 571 Tagen Haft). Weiter wurde der Beschuldigte, soweit vorliegend  

relevant, verpflichtet, der Privatklägerin B._____ eine Genugtuung von  

Fr. 5'000.– zuzüglich 5% Zins ab 3. März 2012 zu bezahlen (Dispositivziffer 8). 

-   8   - 

Die Kosten der Untersuchung sowie des gerichtlichen Verfahrens wurden – mit 

Ausnahme der amtlichen Verteidigung – zu zwei Dritteln dem Beschuldigten auf-

erlegt und zu einem Drittel auf die Staatskasse genommen (Dispositivziffer 12). 

2. Gegen dieses Urteil, das den Parteien am 25. September 2013 mündlich 

eröffnet wurde (Prot. I S. 20), meldeten der Beschuldigte am 26. September 2013 

(Urk. 86) und die Staatsanwaltschaft am 27. September 2013 (Urk. 88) – je innert 

der Frist von Art. 399 Abs. 1 StPO – Berufung an. Am 28. Oktober 2013 wurde 

das begründete Urteil der Staatsanwaltschaft (Urk. 101/1) sowie dem Beschuldig-

ten (Urk. 101/2) zugestellt. Am 4. November 2013 zog die Staatsanwaltschaft ihre 

Berufung zurück (Urk. 106). Die Berufungserklärung des Beschuldigten erfolgte 

am 18. November 2013 und damit innert der zwanzigtägigen Frist von Art. 399 

Abs. 3 StPO (Urk. 109). Mit Präsidialverfügung vom 19. November 2013 

(Urk. 111) wurde die Berufungserklärung des Beschuldigten am 25. November 

2013 der Staatsanwaltschaft zugestellt (Urk. 112 S. 2). Mit Eingabe vom 13. De-

zember 2013 (Poststempel vom 16. Dezember 2013) erhob die Staatsanwalt-

schaft fristgerecht Anschlussberufung (Urk. 119; Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO i.V.m. 

Art. 90 Abs. 2 StPO). Nach Einholung diesbezüglicher Stellungnahmen der Par-

teien wurde der vom Beschuldigten gestellte Beweisantrag (auf Einvernahme der 

Privatklägerin B._____ als Auskunftsperson) mit Präsidialverfügung vom 3. März 

2014 gutgeheissen (Urk. 140). Am 26. März 2014 wurde auf den 12. Juni 2014 

zur Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 147). Anlässlich der Berufungs-

verhandlung wurde die Privatklägerin B._____ als Auskunftsperson einver-

nommen (Urk. 166). Sodann wurden sowohl vom Verteidiger als auch von der 

Vertreterin der Privatklägerin B._____ Beweisergänzungen beantragt (Prot. II 

S. 20 ff.). Darauf wird an gegebener Stelle zurückzukommen sein. 

3. Der Beschuldigte focht in der Berufungserklärung vom 18. November 2013 

die Schuldsprüche gemäss Dispositivziffer 2 Lemma 5-9 an (d.h. betreffend Nöti-

gung, einfache Körperverletzung, mehrfache Drohung, mehrfache Tätlichkeiten 

sowie Freiheitsberaubung; alle im Rahmen von ND 2), bei Lemma 6 (einfache 

Körperverletzung) allerdings mit Ausnahme von ND 2 lit. f (Urk. 109 S. 1). An-

lässlich der Berufungsverhandlung erklärte der Verteidiger, der vorinstanzliche 

-   9   - 

Schuldspruch wegen Körperverletzung gemäss ND 2 lit. f werde lediglich in  

Bezug auf die dem Beschuldigten in der Anklage zur Last gelegten Schläge mit 

der Hand anerkannt. Soweit sich der Schuldspruch auf die ebenfalls in ND 2 lit. f 

behaupteten Schläge mit einem Gürtel beziehe, werde er angefochten (Urk. 169 

S. 15 f.; Prot. II S. 17 und 29). Wie bereits erwähnt, wurde in der Berufungs-

erklärung ausgeführt, der Beschuldigte sei in Bezug auf ND 2 lit. f der Körperver-

letzung schuldig zu sprechen, ohne dass in Bezug auf die einzelnen in der Ankla-

ge genannten Tathandlungen eine Differenzierung erfolgte (Urk. 109 S. 1). Wer 

mit der Berufungserklärung auf Anfechtung von dort nicht eingeschlossenen  

Urteilspunkten verzichtet, kann darauf nicht zurückkommen (Schmid, StPO  

Praxiskommentar, 2. Aufl., Zürich 2013, Art. 404 N 2). Die Beschränkung der  

Berufung ist verbindlich (vgl. Art. 399 Abs. 4 StPO). Dies gilt auch vorliegend. Der 

Beschuldigte hätte in der Berufungserklärung angeben müssen, dass mit der An-

erkennung des vorinstanzlichen Schuldspruchs wegen Körperverletzung gemäss 

ND 2 lit. f nur ein Teil des Anklagesachverhalts anerkannt wird. Dies hat er nicht 

getan, weshalb der erstinstanzliche Schuldspruch wegen einfacher Körperver-

letzung gemäss ND 2 lit. f in Bezug auf alle Schläge in Rechtskraft erwachsen ist. 

Die Staatsanwaltschaft focht im Rahmen ihrer Anschlussberufung sämtliche  

vorinstanzlichen Freisprüche gemäss Dispositivziffer 3 an (Urk. 119 S. 2). Anläss-

lich der Berufungsverhandlung erklärte die Staatsanwaltschaft hinsichtlich ND 1 

den Rückzug der Anschlussberufung in Bezug auf den Freispruch vom Vorwurf 

des gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB be-

treffend 1. Oktober 2010 bis 30. April 2011 sowie vom Vorwurf der Urkundenfäl-

schung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB betreffend Ausfüllen der Einkommens- 

und Vermögensdeklarationen (Prot. II S. 14). Davon ist Vormerk zu nehmen. 

Die Berufung bzw. Anschlussberufung richtet sich sodann gegen die Straf-

zumessung (Dispositivziffern 4 und 5). Weiter fechten der Beschuldigte bzw. die 

Staatsanwaltschaft Dispositivziffer 8 betreffend Genugtuung, die Kostenauflage 

gemäss Dispositivziffer 12 sowie den Umfang des Rückforderungsvorbehalts  

gemäss Dispositivziffer 13 an (für Einzelheiten siehe jeweils vorstehend unter  

Berufungsanträge); im Übrigen ist das vorinstanzliche Dispositiv in Rechtskraft 

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erwachsen (Art. 404 Abs. 1 StPO; vgl. Prot. II S. 13 ff.), was vorab festzustellen 

ist. 

II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung 

1. Abgesehen von einem Betrugsvorwurf (ND 3) gilt es nachfolgend einen 

Komplex von Gewalt- bzw. Sexualdelikten zu beurteilen. Diese Delikte lassen sich 

in zwei Gruppen unterteilen: in drei Seriendelikte sowie in drei Einzelvorfälle.  

Bei den Seriendelikten handelt es sich um folgende: Vergewaltigung/sexuelle  

Nötigung [ca. von Mai 2008 bis ca. anfangs März 2012], Drohungen im  

Zusammenhang mit geäusserter Scheidungsabsicht [ca. von anfangs März 2010 

bis ca. anfangs März 2012] sowie Tätlichkeiten [ca. von Mai 2008 bis ca. anfangs 

März 2012].  

Die drei Einzelvorfälle sind folgende: Drohung mit Messer im Wald [Februar 

2009], Vorfall anlässlich der Rückkehr aus Marokko-Aufenthalt [Februar/März 

2011 (Deliktsmehrheit) sowie der Vorfall in der Nacht vom 2. auf den 3. März 

2012 (eingestandene einfache Körperverletzung in Bezug auf Schläge mit der 

Hand sowie strittige Drohung mit Messer). 

2. Der aus Tunesien stammende Beschuldigte kam erstmals im Jahr 1996 in 

die Schweiz. Er lernte im Jahr 1999 E._____ kennen, welche er im März 2000 in 

F._____ heiratete (ND 2 Urk. 6/1 S. 5 f.; ND 2 Urk. 2/6/3; Urk. 167  

S. 5 f.). Im Jahr 2005 lernte der Beschuldigte die Privatklägerin B._____ (nachfol-

gend: Privatklägerin) kennen, welche aus Marokko stammt. Im selben Jahr heira-

teten der Beschuldigte und die Privatklägerin in Marokko (ND 2 Urk. 4/1 S. 2 Ziff. 

7; ND 2 Urk. 5/4 S. 21; Urk. 167 S. 6 f.). Gemäss den Angaben des  

Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhandlung habe es sich dabei um eine 

islamische Heirat gehandelt. Gesetzlich hätten sie erst zu einem späteren Zeit-

punkt geheiratet (Urk. 167 S. 7). Die Privatklägerin gab demgegenüber an, es sei 

eine offizielle Heirat gewesen (Urk. 166 S. 6). Am tt.mm.2007 wurde der mit der 

Privatklägerin gemeinsame Sohn G._____ in Tunesien geboren. Nach anfängli-

chen Besuchsaufenthalten (erstmals im Sommer 2007) zog die Privatklägerin am 

-   11   - 

10. Mai 2008 mit G._____ definitiv zu dem in der Schweiz lebenden Beschuldig-

ten (ND 2 Urk. 5/3 S. 6 unten; ND 2 Urk. 5/3 S. 6 oben). Sie lebte in der Folge zu-

sammen mit G._____ in der ehelichen Wohnung des Beschuldigten mit E._____. 

Der Beschuldigte führte diesbezüglich aus, es habe sich um eine  

4-Zimmerwohnung gehandelt. Er habe mit E._____ im Schlafzimmer und die Pri-

vatklägerin mit G._____ in einem anderen Zimmer gewohnt. Anfänglich habe es 

gut funktioniert. Mit der Zeit habe es jedoch Probleme gegeben, weshalb E._____ 

ausgezogen sei (Urk. 167 S. 8 f.). Am 2. September 2008 wurde die Ehe zwi-

schen dem Beschuldigten und E._____ geschieden (ND 2 Urk. 6/2). Die (auch in-

time) Beziehung zu ihr hielt der Beschuldigte jedoch auch nach der Scheidung 

aufrecht. Als Grund gab er anlässlich der Berufungsverhandlung an, er liebe 

E._____ immer noch. Er sei deshalb weiterhin mit ihr zusammen gewesen. Sie 

hätten sich nur scheiden lassen, weil sie zusammen keine Kinder hätten bekom-

men können. Er sei von seiner Familie diesbezüglich unter Druck gesetzt worden. 

Es sei nicht so, dass die Privatklägerin lediglich gut genug gewesen sei, um Kin-

der zu bekommen. "Vom Herz her" liebe er aber E._____ (Urk. 167 S. 6 f., 10 und 

34). Am 13. November 2008 heirateten der Beschuldigte und die Privatklägerin in 

Zürich (ND 2 Urk. 5/3 S. 6 unten; ND 2 Urk. 4/1 S. 2 Ziff. 6). Am tt.mm.2008 wur-

de die Tochter H._____ und am tt.mm.2011 die Tochter I._____ geboren (ND 2 

Urk. 4/6 S. 18). Im Jahr 2011 heiratete der Beschuldigte in Tunesien ein weiteres 

Mal (Urk. 78/1). Dabei handelte es sich gemäss den Angaben des Beschuldigten 

um eine offizielle Heirat. Im Dezember 2011 habe er sich von jener Frau in Tune-

sien wieder scheiden lassen. Es sei ein Fehler von ihm gewesen. Er sei nach der 

Scheidung von seiner ersten Frau verloren gewesen und habe eine andere Frau 

gesucht. Er sei nicht mehr glücklich gewesen (Urk. 167 S. 12 f.). Während der 

Ehe zur Privatklägerin pflegte der Beschuldigte parallel weitere intime Beziehun-

gen, wie er auch anlässlich der Berufungsverhandlung einräumte. Es sei deshalb 

auch zu Problemen mit der Privatklägerin gekommen (Urk. 167 S. 13).  

Die Anzeigeerstattung seitens der Privatklägerin erfolgte am 3. März 2012 (dazu 

sogleich unten). Am 23. April 2012 bewilligte der Eheschutzrichter der Privatklä-

gerin das Getrenntleben (ND 1 Urk. 5 S. 24; vgl. auch ND 2 Urk. 4/6 S. 21 oben). 

Gemäss den Angaben des Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhandlung 

-   12   - 

hat die Privatklägerin mittlerweile die Scheidung eingereicht (Urk. 167 S. 4), was 

von ihr bestätigt wurde (Urk. 166 S. 25).  

3. Die Privatklägerin erstattete ihre Anzeige gegen den Beschuldigten im Laufe 

des Samstags 3. März 2012, d.h. am Tag nach dem Vorfall, der in der Nacht  

vom 2. auf den 3. März 2012 stattgefunden haben soll (siehe dazu unten bzw. 

Anklage, S. 11, lit. f). Dieser Vorfall umfasst zwei Anklagevorwürfe: eine einfache 

Körperverletzung sowie eine Drohung. Im Berufungsverfahren hat der Beschuldig-

te den erstinstanzlichen Schuldspruch wegen einfacher Körperverletzung nicht 

angefochten. Er hat anerkannt, die Privatklägerin damals mit der Hand mehrmals 

geschlagen zu haben. Die ihm in der Anklage ebenfalls vorgeworfenen Schläge 

mit der mit einem Gürtel umwickelten Faust hat der Beschuldigte bestritten 

(Urk. 167 S. 15 ff.). Wie bereits dargelegt, ist der erstinstanzliche Schuldspruch 

wegen einfacher Körperverletzung jedoch in Bezug auf alle in Anklageziffer ND 2 

lit. f aufgeführten Schläge in Rechtskraft erwachsen. Unabhängig davon lässt es 

sich vorliegend auch erstellen, dass neben den vom Beschuldigten anerkannten 

Schlägen noch weitere körperlichen Übergriffe gegen die Privatklägerin erfolgt 

sind, wie nachfolgend aufgezeigt wird. Es steht somit fest, dass der Beschuldigte 

die Privatklägerin in der erwähnten Nacht auf den 3. März 2012 mehrfach heftig 

schlug, wodurch sich die Privatklägerin die in der Anklage beschriebenen  

Verletzungen insbesondere im Kopf- bzw. Armbereich zuzog. 

Im Verlaufe des 3. März 2012 begab sich die Privatklägerin – zusammen mit ihren 

drei Kindern sowie einer Bekannten – auf den Detektivposten J._____, wo  

sie aufgrund der Schwere der Vorwürfe an das Haftsachen-Detektivbüro der  

Stadtpolizei weiterverwiesen wurde (ND 2 Urk. 1 S. 5). Dorthin begab sie sich  

anschliessend, wobei sich die erwähnte Bekannte in dieser Zeit um die Kinder der 

Privatklägerin kümmerte. Auf dem Haftsachen-Detektivbüro wurde die Privatklä-

gerin noch am Abend des 3. März 2012 erstmalig einvernommen. Als sich zeigte, 

dass Delikte gegen die sexuelle Integrität Gegenstand der Anzeige bildeten,  

wurde die Einvernahme einstweilen abgebrochen (ND 2 Urk. 5/1 S. 2 Ziff. 8; ND 2 

Urk. 1 S. 6 unten) und etwas später durch eine eigens aufgebotene spezialisierte 

weibliche Befragungsperson fortgesetzt (ND 2 Urk. 5/2).  

-   13   - 

Ebenfalls noch am Abend des 3. März 2012 wurde der Beschuldigte telefonisch 

auf das Haftsachen-Detektivbüro bestellt, wo er verhaftet (HD Urk. 1 S. 5 unten 

sowie S. 6 unten; HD Urk. 36/1) und nach Mitternacht erstmalig einvernommen 

wurde (ND 2 Urk. 4/1 und ND 2 Urk. 4/2).  

Als der Privatklägerin am Tag danach (Sonntag, 4. März 2012, 13:30 Uhr) die er-

gangene Gewaltschutzgesetz-Verfügung an ihrem Wohnort ausgehändigt wurde, 

machte sie gegenüber dem Polizeibeamten spontan weitere ergänzenden Aussa-

gen, welche sinngemäss protokolliert wurden (ND 2 Urk. 2 S. 2 f. und S. 4 unten). 

Einen Tag später, am 5. März 2012, fand die Hafteinvernahme des Beschuldigten 

statt (ND 2 Urk. 4/3). Der Beschuldigte befand sich seit diesem Zeitpunkt in Un-

tersuchungs- bzw. Sicherheitshaft, bis ihm die Vorinstanz am 30. September 2013 

den vorzeitigen Strafantritt bewilligte (Urk. 87). 

4. Die Privatklägerin wurde erneut am 12. April 2012 (ND 2 Urk. 5/3) sowie  

am 31. Mai 2012 (ND 2 Urk. 5/4) einvernommen, der Beschuldigte alsdann am 

12. Juli 2012 (ND 2 Urk. 4/5) sowie schliesslich am 26. Oktober 2012 (ND 2 Urk. 

4/6). In der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 25. September 2013 wurde 

einzig der Beschuldigte einvernommen. Im Rahmen der Berufungsverhandlung 

fand erstmals eine gerichtliche Einvernahme der Privatklägerin statt (Urk. 166). In 

der Untersuchung einvernommen wurde am 21. Februar 2013 im Übrigen auch 

E._____, die Ex-Ehefrau des Beschuldigten (ND 2 Urk. 6/1). 

5. Der Verteidiger des Beschuldigten brachte anlässlich der Berufungsverhand-

lung vor, bei der Beurteilung des Aussageverhaltens der Privatklägerin seien die 

Hintergründe, vor denen die Vorwürfe erfolgt seien, nicht aus den Augen zu  

verlieren. Sie zeigten auf, dass die Privatklägerin ein sehr grosses Eigeninteresse 

daran gehabt habe, den Beschuldigten vor der Strafbehörde schlecht aussehen 

zu lassen. Kurze Zeit, bevor die Privatklägerin den Beschuldigten bei der Polizei 

angezeigt habe, sei es für den Beschuldigten und die Privatklägerin ersichtlich 

gewesen, dass sie – insbesondere aufgrund der Falschangaben gegenüber den 

sozialen Diensten – in rechtlichen Schwierigkeiten steckten und ein strafrechtli-

ches Verfahren gegen sie wahrscheinlich sei. Die massiven Vorwürfe von Seiten 

-   14   - 

der Privatklägerin hätten in der Folge die Ermittlungen betreffend die Vermögens-

delikte verzögert. Im Rahmen ihrer Einvernahmen als beschuldigte Person sei die 

Privatklägerin, wenn es für sie heikel geworden sei, stets auf die häusliche Gewalt 

ausgewichen. Zu beachten sei zudem, dass die Aufenthaltsbewilligung der Privat-

klägerin in der Schweiz an die Ehe mit dem Beschuldigten gekoppelt gewesen 

sei. Bei einer Trennung hätte aufgrund der schlechten Integration der Privatkläge-

rin das Risiko bestanden, dass sie ihre Aufenthaltsbewilligung verloren hätte.  

Diese Gefahr habe umso mehr bestanden, als zusätzlich noch eine strafrechtliche 

Verurteilung im Raum gestanden sei. Der Verlust der Aufenthaltsbewilligung sei  

in solchen Fällen nur durch Auflösung der ehelichen Gemeinschaft auf Grund  

von häuslicher Gewalt oder Ähnlichem abzuwenden. Die Privatklägerin sei weiter 

extrem eifersüchtig gewesen, womit die These eines Racheakts angesichts der 

ausserehelichen Beziehungen des Beschuldigten nicht von der Hand zu weisen 

sei (Urk. 169 S. 2 ff.). 

Die von der Verteidigung aufgeführten Umstände könnten theoretisch einen denk-

baren Beweggrund für eine Falschbelastung darstellen. Ob dies auch vorliegend 

zutrifft, lässt sich weder bestätigen noch ausschliessen. Dagegen spricht jeden-

falls, dass der Anzeigeerstattung ein Vorfall vorausging, bei dem der Beschuldigte 

anerkanntermassen tätlich gegen die Privatklägerin vorging. Geht man von der 

Hypothese aus, dass die gegen den Beschuldigten gerichteten Vorwürfe der  

Privatklägerin zutreffen, erscheint es weiter plausibel, dass die Privatklägerin die-

se in ihren Einvernahmen (auch als beschuldigte Person) zur Sprache brachte. 

Sodann erscheint es nicht angezeigt, allein aufgrund des Umstands, dass die  

Privatklägerin vom Beschuldigten betrogen wurde, annehmen zu wollen, sie wür-

de unzutreffende Angaben zu seinem Nachteil machen. Treffen die Belastungen 

der Privatklägerin zu, versteht es sich zudem von selbst, dass sie dem Beschul-

digten gegenüber negative Gefühle empfindet. Insofern kann auch aus ihren  

Aussagen anlässlich der Berufungsverhandlung, sie habe gegenüber dem Be-

schuldigten Hassgefühle, er sei kein Mensch (Urk. 166 S. 4 f.), kein Motiv für eine 

falsche Anschuldigung abgeleitet werden. Im Übrigen ist ohnehin festzuhalten, 

dass der allgemeinen Glaubwürdigkeit einer einvernommen Person kaum mehr 

relevante Bedeutung zukommt. Weitaus bedeutender für die Wahrheitsfindung als 

-   15   - 

die allgemeine Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage, 

welche durch methodische Analyse ihres Inhalts darauf überprüft wird, ob die auf 

ein bestimmtes Geschehen bezogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben des 

Zeugen entspringen (Urteil des Bundesgerichts 6B_692/2011 vom 9. Februar 

2012 E. 1.4; BGE 133 I 33 E. 4.3). 

Im Folgenden gilt es demnach – unter Einbezug der übrigen Beweislage – im 

Wesentlichen zu prüfen, ob die Aussagen der Privatklägerin einen realen Hinter-

grund haben (d.h. erlebnisbasiert) oder aber nicht (d.h. bewusste oder unbewuss-

te Falschaussagen darstellen). Im Einzelnen ist damit folgende Hypothese zu  

prüfen: Konnte die Privatklägerin – mit ihren gegebenen individuellen Voraus-

setzungen (Aussagekompetenz), unter den konkreten Befragungsumständen  

sowie unter Berücksichtigung potenzieller Dritteinflüsse (insbesondere Fremd- 

oder Autosuggestionen) – diese spezifischen Aussagen machen, ohne die  

beschriebenen Erlebnisse selber erlebt zu haben? Im Auge zu behalten gilt  

es jeweils potenzielle Alternativhypothesen wie namentlich bewusste Falsch-

aussagen (einschliesslich die dazugehörige Motivlage) sowie unbewusste 

Falschaussagen (Irrtum, Auto- sowie Fremdsuggestionen). Von besonderer  

Bedeutung ist jeweils die Entstehung der Aussage, insbesondere die jeweilige 

Erstaussage. In Abweichung von der Chronologie der Anklageschrift werden 

nachfolgend zu nächst die Einzelvorfälle untersucht, und zwar die zeitlich  

jüngsten zuerst. Anschliessend werden die vorgeworfenen Seriendelikte geprüft. 

A. Anklagevorwurf in der Nacht vom 2. auf den 3. März 2012 (ND 2 lit. f) 

1. Den Schuldspruch wegen einfacher Körperverletzung betreffend die Nacht 

vom 2. auf den 3. März 2012 hat der Beschuldigte im Berufungsverfahren nicht 

angefochten, weshalb diese Verurteilung in Rechtskraft erwachsen ist. Dies gilt  

– wie einleitend dargelegt – für sämtliche dem Beschuldigten in der Anklage unter 

ND 2 lit. f vorgeworfenen Schläge. Im Übrigen lässt sich der Sachverhalt in  

diesem Punkt auch erstellen (vgl. nachfolgend Ziff. 3). Es steht somit rechtskräftig 

fest, dass der Beschuldigte die Privatklägerin in der fraglichen Nacht mehrfach 

heftig gegen das Gesicht und gegen den Oberkörper schlug, teils mit der Hand, 

teils mit der mit einem Gürtel umwickelten Faust (Urk. 43 S. 11). 

-   16   - 

2. Vorgeworfen wird dem Beschuldigten im Wesentlichen, er habe die Privat-

klägerin im Kontext der vorgenannten Gewalttätigkeiten zeitlich nacheinander  

mit zwei verschiedenen Küchenmessern (mit einem gezackten ca. 10 cm langen 

sowie mit einem glatt geschliffenen ca. 18 cm langen) bedroht, indem er ihr diese 

Messer „mit der Spitze bzw. der Schneideseite (zunächst) an [...] die rechte (und 

später) an die linke Halsseite hielt“ (Urk. 43 S. 11 unten lit. f [Teil 2]). 

3. Bereits in seiner ersten Einvernahme bestritt der Beschuldigte diesen  

Vorwurf: Unter anderem führte er aus, er habe seine Frau in der fraglichen Nacht 

nicht bzw. überhaupt noch nie mit einem Messer bedroht (ND 2 Urk. 4/1 S. 2  

Ziff. 4 sowie S. 6 Ziff. 26; ferner: ND 2 Urk. 4/3 S. 2). Gleichzeitig führte er aus, er 

habe die Privatklägerin im Übrigen auch nicht geschlagen, er habe sie überhaupt 

noch nie geschlagen (ND 2 Urk. 4/1 S. 6 Ziff. 25) sowie er habe überhaupt noch 

nie eine Frau geschlagen (ND 2 Urk. 4/3 S. 5 ganz oben). In späteren Einver-

nahmen räumte er – bezüglich des Vorwurfs des Schlagens – zwar ein, dass  

ihm die Hand „ausgerutscht“ sei und er der Privatklägerin „drei bis vier Ohrfeigen“ 

verpasst habe, er wies aber gleichzeitig darauf hin, dass die Privatklägerin sich 

die übrigen Verletzungen selbst zugefügt habe.  

Dass seine Erstaussage, wonach er seine Frau bzw. überhaupt noch nie eine 

Frau geschlagen habe, nicht zutraf, räumte der Beschuldigte, wie erwähnt, später 

selbst ein. Rechtskräftig steht mittlerweile auch fest, dass dem Beschuldigten 

nicht einfach die Hand „ausgerutscht“ ist, wie er sich vor der Vorinstanz und im 

Berufungsverfahren ausdrückte (Urk. 75 S. 11 oben; Urk. 167 S. 3, 11 und 16), 

sondern dass er die Privatklägerin mehrfach massiv und nicht nur mittels Ohr-

feigen schlug und sich dadurch der einfachen Körperverletzung schuldig machte. 

Es ist weiter davon auszugehen, dass er die Privatklägerin nicht nur mit der  

blossen Faust, sondern auch mit der gürtelumwickelten Faust schlug. Dies wird 

vom Beschuldigten zwar nach wie vor bestritten. Die Aussagen der Privatklägerin 

fielen in Bezug auf den Vorfall in der Nacht vom 2. auf den 3. März 2012 jedoch 

überzeugend und glaubhaft aus, wie nachfolgend aufgezeigt wird. Dies gilt auch 

für ihre Darstellung, wonach der Beschuldigte sie mit der mit einem Gürtel  

umwickelten Faust geschlagen habe (ND 2 Urk. 5/4 S. 7, 9 und 24). Wie bereits 

-   17   - 

die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat (Urk. 103 S. 92), spricht das vom  

Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich am 25. April 2012 erstellte Gut-

achten nicht gegen die von der Privatklägerin geschilderten körperlichen Über-

griffe. In diesem Gutachten wird vielmehr festgehalten, dass die Verletzungen der 

Lippen- und Wangenschleimhaut infolge Einwirkung einer stumpfen Gewalt (etwa 

durch einen Faustschlag) auf den Mund gegen die oberen Zahnreihen interpretiert  

werden könne. Die Verletzungen an den oberen Gliedmassen seien wund-

morphologisch mit Folgen stumpfer Gewalt vereinbar und die frischen Läsionen 

im Gesicht unter anderem auf eine stumpfe Gewalteinwirkung (etwa durch Faust-

schläge) zurückführbar. Gemäss Gutachten kann aus rechtsmedizinischer Sicht 

nicht von einer Selbstbeibringung der Verletzungen ausgegangen werden. Die 

Entstehung sämtlicher Verletzungen mit dem geltend gemachten Ereignis am 

2./3. März 2012 sei möglich (ND 2 Urk. 11/6 S. 5). Im Berufungsverfahren brachte 

der Verteidiger vor, Faustschläge mit einer Metallschnalle würden normalerweise 

massive Verletzungen nach sich ziehen. Im Gutachten werde die Gewalteinwir-

kung durch Schläge mit einer metallenen Schnalle in keiner Weise bestätigt. Die 

Rede sei vielmehr von "normalen" Schlägen, Fingernagelkratzspuren sowie  

Einpressspuren (Urk. 169 S. 16). Diesem Einwand kann nicht gefolgt werden. 

Dem Beschuldigten wird in der Anklage nicht vorgeworfen, die Privatkläger mit 

der Metallschnalle bzw. dem Dorn des Gürtels geschlagen zu haben. Der Vorwurf 

lautet vielmehr dahingehend, dass er die Privatklägerin mit der mit einem Gürtel 

umwickelten Faust geschlagen habe (Urk. 43 S. 11). Wie bereits dargelegt, steht 

dieser Anklagesachverhalt im Einklang mit der Beurteilung gemäss Gutachten 

des Instituts für Rechtsmedizin. 

Die Schläge mit der mit einem Gürtel umwickelten Faust zeugen von einer  

gewissen Planmässigkeit. Weiter steht fest, dass der Beschuldigte bezüglich  

des Vorwurfs des Schlagens mehrfach (zunächst in der Erstaussage, alsdann in 

modifizierter Form auch noch vor der Vorinstanz und Berufungsinstanz) bewusst 

die Unwahrheit sagte. Selbstverständlich ist nicht bewiesen, dass der Beschuldig-

te auch bezüglich des Vorwurfs der Messerdrohung die Unwahrheit sagte; im-

merhin aber stehen beide Vorwürfe in einem engen zeitlichen und thematischen 

Zusammenhang, da sie das Kerngeschehen der fraglichen Nacht betreffen. Hat 

-   18   - 

der Beschuldigte im Rahmen eines eng zusammenhängenden Kerngeschehens 

nachweislich massiv brachiale Gewalt angewendet und diesbezüglich nachweis-

lich mehrfach die Unwahrheit gesagt (Selbstbeibringung), so darf dieser Umstand 

als belastendes Indiz in die Gesamt-Beweiswürdigung des Vorwurfs der Messer-

drohung miteinfliessen. 

4. Von zentraler Bedeutung ist die Erstaussage der Privatklägerin. Zu Beginn 

der ersten Einvernahme der Privatklägerin (auf dem Haftsachen-Detektivbüro  

der Stadtpolizei) wurde dieser vorgehalten, sie habe sich zuvor bei der Polizei 

(gemeint: in J._____) gemeldet, weil sie gegen ihren Ehemann Anzeige erstatten 

wolle, da dieser sie „geschlagen“ habe; weiter wurde ihr eröffnet, dass sie daher 

im Strafverfahren gegen ihren Ehemann wegen häuslicher Gewalt als geschädig-

te Person befragt werde. Und schliesslich wurde sie gefragt, ob sie dies verstan-

den habe, was die Privatklägerin bejahte (sie wurde also insbesondere nicht  

gebeten, zum vorerwähnten Vorhalt inhaltlich Stellung zu nehmen; ND 2 Urk. 5/1 

S. 1 Ziff. 1). Die im vorerwähnten Vorhalt angesprochene Meldung bei der Polizei 

(in J._____) deckt sich mit dem Vermerk im Polizeirapport, wonach sich die  

Privatklägerin zunächst in J._____ zwecks Anzeigeerstattung gemeldet habe, da 

ihr Mann sie in der vergangenen Nacht „geschlagen“ habe (ND 2 Urk. 1 S. 5  

und dort unter Einleitung, Abs. 1). Demzufolge ist davon auszugehen, dass die 

Privatklägerin gegenüber der Polizei in J._____ lediglich erwähnte, dass ihr Mann 

sie geschlagen habe, nicht jedoch, dass er ihr mit dem Messer gedroht habe. 

Dieser Umstand spricht jedenfalls prima facie gegen die Alternativhypothese,  

wonach der Vorwurf der Messerdrohung eine falsche Anschuldigung darstellt. 

Falsche Anschuldigungen werden typischerweise von Beginn weg gemacht, da 

die zu Unrecht anschuldigende Person geradezu darauf „brennt“, ihre Anschuldi-

gung zu platzieren. Dass nicht sofortige Erwähnen der Messerdrohung lässt sich 

vorliegend dadurch erklären, dass für die Privatklägerin die – im Übrigen auch 

augenfälligen – erlittenen Körperverletzungen im ersten Moment im Vordergrund 

standen.  

Die vorerwähnte Ersteinvernahme wurde unmittelbar nach Beginn wieder abge-

brochen, nachdem die Privatklägerin die Frage, ob es auch zu Straftaten gegen 

-   19   - 

die sexuelle Integrität gekommen sei, bejaht hatte; bei derartigen Delikten sind 

nämlich gemäss interner Polizeiweisung spezialisierte Befragungspersonen  

beizuziehen (ND 2 Urk. 5/1 S. 1 Ziff. 6 und S. 2 Ziff. 8). Eine derartige Befragung 

begann alsdann rund eine Stunde später. Dabei schilderte die Privatklägerin  

zunächst die im Laufe ihrer Beziehung zum Beschuldigten erlittene sexuelle  

Gewalt sowie auch die Gewalttätigkeiten in Form von Schlägen (ND 2 Urk. 5/2  

S. 1 ff. Ziff. 1 ff.), wobei sie schliesslich auf die Schläge der vergangenen Nacht 

zu sprechen kam (ND 2 Urk. 5/2 S. 3 f. Ziff. 17). Daraufhin wurde sie gefragt,  

warum sie die Polizei erst jetzt aufgesucht habe (ND 2 S. 5/2 S. 4 Ziff. 18). Darauf 

antwortete die Privatklägerin (ND 2 S. 5/2 S. 4 Ziff. 18): „Wegen meinen Kindern 

habe ich mir immer wieder gesagt, dass es irgendwann Mal besser wird. Aber 

heute Morgen hat er mich mit dem Messer bedroht, und ich spürte dieses an  

meinem Hals. Jetzt habe ich wirklich grosse Angst vor ihm.“ Die vorerwähnte 

Aussage ist in mehrfacher Hinsicht aufschlussreich: Es handelt sich zunächst 

einmal um die erste Erwähnung der Messerdrohung. Diese erfolgte spontan und 

insbesondere nicht etwa auf die Frage nach allfälligen weiteren Gewalttätigkeiten. 

Sodann erfolgte die Aussage auch nicht zu Beginn der (von einer spezialisierten 

Befragungsperson) fortgesetzten Einvernahme, sondern erst nachdem von länger 

zurückliegenden Gewalttätigkeiten die Rede war. All dies spricht wiederum gegen 

die Alternativhypothese einer Falschaussage. Die Aussage erfolgte als Antwort 

auf die Frage, warum sich die Privatklägerin gerade jetzt zur Anzeige ent-

schlossen habe, wenn doch die Gewalttätigkeiten, wie die Privatklägerin aus-

führte, schon viel länger andauerten. In der Tat war im Lichte des damaligen 

Kenntnisstandes der befragenden Person nicht ohne weiteres einsichtig, warum 

die Anzeige gerade zum damaligen Zeitpunkt erfolgte. Mit der vorstehend  

erwähnten Aussage beantwortete die Privatklägerin die gestellte Frage in einer 

Art und Weise, die im Lichte ihrer übrigen Aussagen nachvollziehbar schlüssig  

erscheint. Dies spricht für den Erlebnisbezug der Aussage. 

Besonderen Realitätsbezug schöpft die Antwort auch daraus, dass darin von  

eigenpsychischem Erleben bzw. einer Änderung der Beziehungsstruktur in Ver-

knüpfung mit verschiedenen Bezugsebenen (Kinder und Beschuldigter) die Rede 

ist. Konkret: „Wegen meinen Kindern [Beziehungsebene 1] habe ich mir immer 

-   20   - 

wieder gesagt, dass es irgendwann mal besser wird [früheres eigenpsychisches 

Erleben]. Aber heute Morgen hat er [Beziehungsebene 2] mich mit dem Messer 

bedroht [...]. Jetzt habe ich wirklich grosse Angst vor ihm [geändertes eigen-

psychisches Erleben bzw. Änderung der Beziehungsstruktur].“ Das weitere  

Aussageelement, wonach sie das Messer an ihrem Hals „gespürt“ habe, enthält 

eine sog. multimodale Wahrnehmung. Dies bedeutet, dass zum blossen Sehen 

und/oder Hören eine weitere Sinneswahrnehmungsmodalität hinzutritt. Eine  

derartige Schilderung spricht ebenfalls für den Erlebnisbezug der Aussage.  

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Ersterwähnung des Vorfalls deutlich 

darauf hindeutet, dass die Aussage erlebnisbasiert ist. Glaubhaft erscheint  

demzufolge auch, dass der Beschuldigte der Privatklägerin das Messer so an den 

Hals hielt, dass das Messer den Hals tatsächlich berührte.  

5. Das Gutachten zur körperlichen Untersuchung der Privatklägerin erwähnt 

unter anderem folgende Befunde (ND 2 Urk. 11/6 S. 4): „Am Hals, rechts, zwei 

annähernd quer zur Halslängsachse und parallel zueinander verlaufende, bis 2 x 

0,2 cm grosse, rote, oberflächliche, strichförmige Hautdefekte. Am Hals, links, ein 

von oben hinten nach vorne unten, leicht s-förmig geschwungen verlaufender und 

durchbrochen erscheinender, 6 x 0,1 cm grosser, strichförmiger, roter Hautdefekt 

[Hervorhebungen hinzugefügt].“ In der vorliegenden Fotodokumentation sind die 

vorerwähnten Halsverletzungen dokumentiert (linke Halsseite: ND 2 Urk. 10/2 

S. 29; die rechte Halsseite wurde nicht eigens fotografiert, auf der Aufnahme auf 

S. 30 erscheint eine – entsprechende dem ärztlichen Befund – geschwungene 

Hautverletzung sichtbar). Das vorerwähnte Gutachten interpretiert diese  

Verletzungen wie folgt (ND 2 Urk. 11/6 S. 5): „Die Verletzungen am Hals sind  

gegebenenfalls mit Folgen einer ‚halbscharfen’ Gewalteinwirkung (z. B. im Sinne 

von Fingernagelkratzspuren) vereinbar, wobei aus rechtsmedizinischer Sicht auch 

durchaus eine scharfe Gewalteinwirkung – unter Verwendung einer die Haut 

oberflächlich einritzenden Messerspitze – in Frage kommt.“ 

Das Gutachten hat, wie erwähnt, ausnahmslos eine Selbstbeibringung der Ver-

letzungen ausgeschlossen. Da eine anderweitige Verursachung der Kratzspuren 

unwahrscheinlich und der Beschuldigte ein Kratzen mittels seiner Fingernägel  

-   21   - 

explizit und insofern glaubhaft bestritten hat (Urk. 75 S. 11 unten), deutet dies da-

rauf hin, dass der Beschuldigte die Kratzspuren mit dem Messer verursacht hat.  

6. Auf die Verletzungen der Privatklägerin angesprochen sagte der Beschuldig-

te, diese habe sich die Kratzer selbst zugefügt, und fügte sogleich hinzu, es sei 

dies eine Gewohnheit nordafrikanischer Frauen; immer wenn diese ‚hässig’ oder 

traurig seien, würden sie sich selber verletzen. Er habe dies selbst einmal in einer 

Fernsehreportage gesehen (ND 2 Urk. 4/6 S. 6 unten und S. 7 oben). Unabhängig 

davon, ob diese generelle Behauptung betreffend das Verhalten nordafrikanischer 

Frauen zutrifft, fällt auf, dass der Beschuldigte direkt im Anschluss an die  

pauschale Erwähnung, wonach sich seine Frau selber gekratzt habe, auf eine 

Fernsehreportage verweist, in welcher er dies selbst einmal gesehen habe. Diese 

unmittelbare Kontextualisierung spricht gegen den Erlebnisbezug der erwähnten 

Aussage: Hätte es sich nämlich tatsächlich so zugetragen, hätte es nahe gelegen, 

dass der Beschuldigte – jedenfalls im ersten Moment – erwähnt hätte, dass sich 

seine Frau jeweils so zu verhalten pflege, zumal sie – nur schon angesichts  

der vom Beschuldigten eingeräumten ausserehelichen Beziehungen – in der  

Vergangenheit mehrfach Anlass hatte, ‚hässig’ bzw. traurig zu sein. Abgesehen 

davon, erscheint es sonderbar, wenn gerade ein Nordafrikaner derart aussagt, 

denn dies legt den Schluss nahe, dass der Beschuldigte – obwohl in Nordafrika 

aufgewachsen – dieses Phänomen nur aus dem Fernsehen kennt. Der pauschal 

vorgebrachte Hinweis auf die Selbstverletzung, direkt gefolgt von einem Hinweis 

auf eine einschlägige Fernsehreportage, wird ausserdem in einer späteren  

Einvernahme stereotyp wiederholt (Urk. 75 S. 11). Auch dies spricht gegen den 

Erlebnisbezug der Aussage. 

Nach dem Gesagten erweisen sich die Aussagen des Beschuldigten zur Ursache 

der Kratzspuren als unglaubhaft bzw. als Hinweise dafür, dass der Beschuldigte 

die Kratzspuren mit dem Messer verursacht hat. 

7. Direkt im Anschluss an die vorstehend ausführlich thematisierte Ersterwäh-

nung der Messerdrohung wurde die Privatklägerin zu diesem Vorfall näher befragt 

(ND 2 Urk. 5/2 Ziff. 19-22 S. 4 f.). Auf die Frage, wie sich der Vorfall abgespielt 

habe, schildert die Privatklägerin, der Beschuldigte sei bei der ersten Drohung 

-   22   - 

hinter ihr gestanden, habe das Messer auf ihre rechte Halsseite gesetzt und ihr 

gedroht, sie zu töten. Unmittelbar nach dieser Schilderung erwähnt sie, „es“ sei 

viel schlimmer geworden, nachdem ihr Mann vor ca. acht Monaten einen gutarti-

gen Gehirntumorvorfall erlitten habe. Dieses zeitweilige Abschweifen von der ge-

stellten Frage nach dem Tathergang ist Ausdruck einer sog. unstrukturierten Aus-

sageweise, welche darauf hindeutet, dass die Aussage erlebnisbasiert ist. Weiter 

fällt auf, dass die Privatklägerin präzise Körperpositionen angibt (Standort des 

Beschuldigten: hinter ihr; bedrohte Halsseite: rechts). Schliesslich erwähnt die 

Privatklägerin, dass der Beschuldigte ihr an der rechten Halsseite eine „Kratz-

wunde“ zugefügt hatte. Nachdem er sie anschliessend etwas in Ruhe gelassen 

habe, sei er wieder gekommen, wobei er etwas in seiner Hand „versteckt“ gehabt 

habe [gemeint: ein Messer]. Hierbei fällt Folgendes auf: Bei der ersten Messer-

drohung näherte sich der Beschuldigte der Privatklägerin offenbar von hinten, 

während er zu Beginn der zweiten Messerdrohung darauf bedacht war, das  

Messer ihr gegenüber zunächst verborgen zu halten. Beide im Detail leicht  

verschiedenen Vorgehensweisen ergeben insofern ein stimmiges Ganzes, als  

sie das Bild eines Täters zeichnen, der – jeweils zu Beginn seiner „Angriffe“ –  

bestrebt war, seinem Opfer nicht offen bzw. mit gezücktem Messer gegenüberzu-

treten. Auch dieser Umstand spricht dafür, dass die Schilderung der Privatklägerin 

erlebnisbasiert ist. Sodann führt die Privatklägerin anschaulich aus, dass der Be-

schuldigte sie an den Haaren gerissen habe, so dass sich ihr Kopf zu seinem 

Knie gebeugt habe, worauf er ihr das Messer an die linke Halsseite gelegt habe, 

so dass sie Verletzungen davon getragen habe. Dabei habe er auf Arabisch „im 

Namen Gottes“ gesagt. Im Zimmer nebenan habe die kleine Tochter geweint und 

sie [die Privatklägerin] habe ihn angefleht, dass er sie zur Tochter gehen lasse, 

was er dann erlaubt und sich in der Folge wieder beruhigt habe. Das Detail mit 

der im Nebenzimmer schreienden Tochter, die getröstet werden musste, und in-

sofern die Tatausführung unterbrach, stellte einerseits eine tatbezogene  

Interaktionsschilderung mit einer Drittperson (Tochter) dar, andererseits liegt  

darin – aus Sicht des Täters – eine Komplikation bei der Tatausführung. Beide  

Merkmale sind für erlebnisbasierte Handlungen typisch. Der Beschuldigte hat das 

ihm vorgehaltene Detail der schreienden Tochter übrigens bestätigt, allerdings 

-   23   - 

präzisiert, dies sei passiert, als sich seine Frau selber geschlagen habe, worauf er 

die Tochter trösten gegangen sei (ND 2 Urk. 4/1 Ziff. 36 S. 7). 

Während die Privatklägerin in der vorstehend thematisierten Ersteinvernahme 

speziell aufgefordert wurde, die Messerdrohungen zu schildern, wurde sie im 

Rahmen einer späteren Einvernahme gebeten, die Ereignisse der fraglichen 

Nacht noch einmal insgesamt zu schildern (ND 2 Urk. 5/4 S. 9 - 11). Alsdann 

schilderte die Privatklägerin die Messerdrohungen eingebettet in die übrigen  

Gewalttätigkeiten jener Nacht. Im Kerngehalt deckt sich diese Schilderung mit der 

vorstehend erwähnten Erstaussage betreffend die Messerdrohungen, ohne dass 

jedoch für bewusste Falschaussagen typische stereotype Wiederholungen bzw. 

exakt analoge Darstellungsweisen ersichtlich wären. Im Gegenteil enthält die 

neuerliche und diesmal in die übrigen Gewalttätigkeiten eingebettete Schilderung 

im Nebengeschehen bzw. in der Darstellungsweise eine natürliche Varianz, die  

– gerade bei Schilderungen von Extremsituationen – gedächtnispsychologisch  

erklärbar ist. Auch die Einbettung der Messerdrohungen in das übrige Gewaltge-

schehen erscheint mit Blick auf die übrige Beweislage logisch-stimmig. Hervorzu-

heben ist in diesem Zusammenhang auch die neuerliche Erwähnung der Episode 

mit dem schreienden Baby, welche anlässlich der zweiten Messerdrohung (an der 

linken Halsseite) dazu geführt habe, dass der Beschuldigte von der Privatklägerin 

abliess. Diesen Punkt ergänzte die Privatklägerin im Sinne einer spontanen Er-

gänzung nachträglich (ND 2 Urk. 5/4 S. 10 ganz unten und S. 11 ganz oben), was 

wiederum auf einen Erlebnisbezug der Aussage hindeutet. Diese zweite Schilde-

rung enthält zudem auch mehrere konkrete direkt tatausführungsspezifische und 

logisch-stimmig erscheinende Gesprächsinteraktionen zwischen der Privatkläge-

rin und dem Beschuldigten (insbesondere: ND 2 Urk. 5/4 S. 9 unten sowie S. 10), 

was ebenfalls auf den Realitätsbezug der Aussage hindeutet.  

Von besonderem Interesse ist weiter die folgende Aussage-Sequenz der Privat-

klägerin: Als der Beschuldigte ihr das Messer an den Hals gehalten und sie  

dieses „richtig gespürt“ habe, habe er „angefangen zu beten, also ob er [...] [sie] 

jetzt dann wie ein Metzger abschlachten würde“ (ND 2 Urk. 5/4 S. 9 unten). Unter 

Konstanz-Gesichtspunkten von Interesse ist hierbei, dass die Privatklägerin  

-   24   - 

bereits in der Erstaussage erwähnt hatte, der Beschuldigte habe genau zu diesem 

Zeitpunkt auf Arabisch „im Namen Gottes“ gesagt (ND 2 Urk. 5/2 Ziff. 22 S. 5 

oben). Das Schlachten von Opfertieren stellt nach islamischer Tradition in der Tat 

eine religiöse Anbetungshandlung dar (Koran, Sure 108,2: „Bete darum zu Dei-

nem Herrn und opfere!“; vgl. www.koransuren.de) und erfolgt durch Schnitt in den 

Hals (gleichzeitiges Durchschneiden der Luft und Speiseröhre). Diese direkt tat-

ausführungsspezifische Schilderung bildet somit ein Erlebnisbezug indizierendes 

originell-aussergewöhnliches Detail, das sich logisch-stimmig in den Gesamtkon-

text einfügt, zumal der Beschuldigte anderorts erwähnte, sein [islamischer] Glau-

be sei „tief“ und er bete fünfmal täglich (ND 2 Urk. 4/1 S. 2 Ziff. 11). Anlässlich der 

Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte zunächst davon abweichend an, er 

bete erst, seit er im Gefängnis sei. Er sei jedoch immer gläubig gewesen 

(Urk. 167 S. 5 und 32). Auf Vorhalt seiner bei der Polizei deponierten Aussage, 

wonach sein Glaube tief sei und er fünf Mal täglich bete, bestätigte er indes, be-

reits früher gebetet zu haben. Dies sei aber nicht regelmässig gewesen. Jetzt ma-

che er es regelmässig und bete jeden Tag (Urk. 167 S. 32). Dieses Aussagever-

halten muss als anpasserisch – und damit wenig glaubhaft – bezeichnet werden. 

Weiter wurde die Privatklägerin Folgendes gefragt: „Sie sagten, sie hätten das 

erste Messer an ihrer Halsseite gespürt?“ Darauf antwortete sie (ND 2 Urk. 5/4 

S. 12 oben): „Ja natürlich, ich hatte an beiden Halsseiten Messerabdrücke, die die 

Polizei danach auch gesehen hat.“ Hierbei handelt es sich um eine dreifache 

Überhang-Antwort, d.h. um eine Antwort, die über die Bejahung des an sich  

suggestiv Gefragten in dreifacher Hinsicht hinausgeht, weshalb die Überhang-

Antworten als suggestionsfrei gelten. Erstens: Sie habe das Messer an beiden 

Halsseiten gespürt. Zweitens: Sie habe es nicht nur gespürt, sondern es habe 

Spuren hinterlassen. Und Drittens: die Polizei habe diese Spuren auch gesehen. 

Schliesslich steht diese Antwort auch im Einklang mit der übrigen Beweislage. 

8. Nach dem Gesagten steht fest, dass der Beschuldigte der Privatklägerin  

– entsprechend der Anklage – die erwähnten Messer jeweils an die beiden  

Halsseiten „hielt“. Das Ritzen des Halses kann dem Beschuldigten allerdings nicht 

zum Vorwurf gemacht werden, da dieser Vorgang in der Anklage nicht enthalten 

-   25   - 

ist. Die Anklage spricht nämlich nur davon, dass der Beschuldigte der Privatkläge-

rin das Messer an den Hals „hielt“. Der angeklagte Sachverhalt bezüglich der 

Messerdrohung ist damit erstellt und anklagegemäss unter Art. 180 Abs. 1 StGB 

i.V.m. Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB zu subsumieren. 

9. Die Vertreterin der Privatklägerin stellte anlässlich der Berufungsverhand-

lung den Antrag, es sei bei der Stadtpolizei Zürich beim Posten J._____ anzufra-

gen, wann die Privatklägerin am 3. März 2012 mit ihren Kindern dort erschienen 

und wie lange sie dort gewesen sei. Damit liesse sich die vom Beschuldigten  

vorgebrachte Darstellung der Ereignisse widerlegen (Prot. II S. 22 und 32).  

Wie vorstehend dargelegt, hat im vorliegenden Anklagepunkt – gestützt auf  

die Aussagen der Privatklägerin und der übrigen Beweise – ein Schuldspruch  

zu erfolgen. Der Beweisantrag der Privatklägerin erweist sich daher als gegen-

standslos. 

B. Anklagevorwürfe betreffend den Vorfall nach der Rückkehr der 

Privatklägerin aus Marokko von ca. Februar/März 2011 (ND 2 lit. e) 

1. Die Anklagevorwürfe gemäss ND 2 lit. e der Anklageschrift bilden einen  

einheitlichen Lebensvorgang, der jedoch nach einzelnen Delikten aufzugliedern 

ist (gemäss Anklage: Tätlichkeiten, Drohung sowie Nötigung). 

2. Der Beschuldigte bestritt die Vorwürfe in der Untersuchung pauschal, ohne 

sich dazu weiter zu äussern (ND 2 Urk. 4/6 S. 14 f.). Auch anlässlich der Beru-

fungsverhandlung nahm er zum Inhalt der Vorwürfe nicht näher Stellung (Urk. 167 

S. 18 ff.). Da sonstige Beweismittel nicht vorliegen bzw. ersichtlich sind, gilt es 

demzufolge die belastenden Aussagen der Privatklägerin einer näheren Prüfung 

zu unterziehen. 

3. Die Privatklägerin erhob ihre diesbezüglichen Vorwürfe anlässlich ihrer Ein-

vernahme vom 12. April 2012 (ND 2 Urk. 5/3 S. 11-13). Diese Einvernahme war 

insgesamt ihre zweite bzw. dritte (je nachdem, ob man die kurz nach Beginn wie-

der abgebrochene allererste Einvernahme mitzählt). Im Laufe dieser Einvernahme 

wurde die Privatklägerin gefragt, ob es noch weitere Vorkommnisse gebe (ND 2 

-   26   - 

Urk. 5/3 S. 11). Alle übrigen angeklagten Sachverhalte hatte die Privatklägerin zu 

diesem Zeitpunkt im Wesentlichen bereits angesprochen. Auf die vorerwähnte  

offene Frage hin schilderte die Privatklägerin den vorliegend angeklagten Vor-

gang spontan und ausführlich, wobei die befragende Person bloss hin und wieder 

eine grundsätzlich völlig offene Zwischenfrage stellt (wie z.B. „Wie ging es dann 

weiter?“ oder „und dann?“). Im Vergleich zu den im vorstehenden Abschnitt unter-

suchten Aussagen der Privatklägerin erscheint die vorliegende Aussage insge-

samt strukturgleich. Dies bedeutet, dass sich beide Aussagen mit Bezug auf die 

Ausdrucks- und Darstellungsweise nicht wesentlich unterscheiden. Gerade der 

Einstieg in die Schilderung deutet stark auf einen Erlebnisbezug hin: Die Privat-

klägerin stellt einen im Lichte der gesamten Schilderung plausiblen Bezug zu ihrer 

eigenen Biographie her, nämlich zu der Schwangerschaftsphase, in der sie sich 

damals befand. Sodann erwähnt sie prä-deliktische Interaktionsschilderungen 

zwischen ihr und dem Beschuldigten, berichtet von ihrem damaligen eigenpsychi-

schen Empfinden, indem sie darauf hinweist, ihr sei es „komisch“ vorgekommen, 

dass der Beschuldigte sie im vierten Monat ihrer Schwangerschaft mit den beiden 

Kindern zu ihren Eltern nach Marokko habe schicken wollen. Daraufhin schildert 

sie eine weitere Interaktion mit dem Beschuldigten, dieser habe sie nämlich in 

Marokko angerufen, und gesagt, er vermisse sie und die Kinder und habe einen 

Gehirntumor (Verknüpfung mit unbestrittener Biographie des Beschuldigten),  

worauf sie mit den Kindern wieder in die Schweiz zurückgekehrt sei. Anlässlich 

der Berufungsverhandlung dementierte der Beschuldigte zunächst, einen Tumor 

gehabt zu haben. Er wisse nicht, woher die Privatklägerin das habe (Urk. 167 

S. 20). In der polizeilichen Einvernahme vom 4. März 2012 hatte der Beschuldigte 

hingegen bestätigt, an einem Gehirntumor zu leiden (ND 2 Urk. 4/1 S. 7). Auf 

Vorhalt dieser Aussagen führte der Beschuldigte anlässlich der Berufungsver-

handlung aus, er habe einen Gehirntumor gehabt, der gutartig gewesen sei. Dies 

sei aber 2004 gewesen (Urk. 167 S. 34). Unabhängig davon ist vorliegend jedoch 

davon auszugehen, dass der Tumor des Beschuldigten in der Beziehung zur  

Privatklägerin zur Sprache kam, nachdem sich der Beschuldigte noch anfangs 

2012 deswegen in Behandlung befand (ND 2 Urk. 4/1 S. 7). 

-   27   - 

Die Privatkläger schildert weiter, gewissermassen zur Begrüssung habe sie der 

Beschuldigte alsdann „derart in den Rücken getreten, dass [...] [sie] ins Schlaf-

zimmer ‚stürzte’.“ Nach Darstellung der Privatklägerin beging der Beschuldigte 

diesen überraschend ungewöhnlichen Gewaltakt, weil er ihr vorwarf, in den Ferien 

fremdgegangen zu sein, da sie einmal das Telefon nicht abgenommen habe (ND 

2 Urk. 5/3 S. 12). Die Erwähnung des (letztlich gutartigen) Tumors taucht übrigens 

auch in der Schilderung der vorstehend abgehandelten Messerdrohung auf (ND 2 

Urk. 5/2 S. 4 Ziff. 22 3. Satz). Bereits in der Einvernahme vom 3. März 2012 führte 

die Privatklägerin nämlich aus, nach diesem (gutartigen) Tumor sei es mit dem 

Beschuldigten viel schlimmer geworden, was mit dem vorliegend zu beurteilenden 

Vorfall insofern eine logisch-stimmige Verflechtung bildet. Die sich unmittelbar an 

das vorstehend Geschilderte anschliessende Aussage-Sequenz (ND 2 Urk. 5/3 

S. 11 unterhalb Protokollnotiz) enthält zudem tatrelevante Gesprächsinteraktionen 

zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten. Sodann berichtet die  

Privatklägerin – ebenfalls mit Bezug auf das Tatgeschehen – differenziert über  

ihre damaligen Empfindungen (sie sei von seiner Reaktion „völlig überrascht“  

gewesen, habe „Angst“ wegen ihrem Bauch gehabt und die Kinder hätten alles 

mitbekommen). All dies deutet auf den Erlebnisbezug ihrer Aussage hin. 

Dass der Beschuldigte von der Privatklägerin einen vaginalen und einen analen 

Abstrich nahm (nachdem er sie unter Gewalt- und Todesdrohung nackt ausgezo-

gen und gefesselt hatte), um herauszufinden, ob sie mit einem anderen Mann  

geschlafen habe (so die Privatklägerin: ND 2 Urk. 5/3 S. 13 ganz oben), erscheint 

insofern besonders plausibel, als der Beschuldigte eine entsprechende Untersu-

chung der Privatklägerin im Rahmen des vorliegenden Verfahrens sogar selbst 

angeregt hat: Am Schluss seiner Ersteinvernahme (also noch bevor er vom  

vorliegend zu beurteilenden Vorwurf Kenntnis hatte) wurde er nämlich gefragt, ob 

er Ergänzungen und/oder Korrekturen anzubringen habe. Daraufhin antwortete er 

(ND 2 Urk. 4/1 Ziff. 46 S. 8): „Ich bestehe darauf, dass bei B._____ ein Vaginalun-

tersuch durchgeführt wird. Dabei soll herausgefunden werden, ob B._____ mit ei-

nem anderen Mann geschlafen hat.“ Mit anderen Worten: Es erscheint höchst 

unwahrscheinlich, dass eine Ehefrau eine derart abstruse Geschichte, wie sie die 

zwangsweise Abstrichentnahme zwecks Aufklärung eines mutmasslichen Ehe-

-   28   - 

bruchs darstellt, als Falschanschuldigung gegen ihren Ehemann vorbringt, der be-

troffene Ehemann aber noch bevor er von diesem Vorwurf Kenntnis hat, im Rah-

men einer aus anderen Grund gegen ihn eingeleiteten Strafuntersuchung exakt 

einen derart abstrusen Vaginalabstrich seiner Frau als Beweismassnahme ver-

langt, um einen angeblich von ihr begangenen Ehebruch aufzuklären. Anlässlich 

der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte diesbezüglich aus, er habe ei-

nen (DNA-)Test verlangt, da ihm vorgeworfen worden sei, die Privatklägerin ver-

gewaltigt zu haben. Mit einem solchen Test hätte bewiesen werden sollen, dass 

er nicht mit der Privatklägerin geschlafen habe (Urk. 167 S. 20 f.). Der Beschul-

digte forderte in der damaligen Einvernahme jedoch eine Vaginaluntersuchung 

und keinen DNA-Test (ND 2 Urk. 4/1 S. 8). Wie sich aus dem Protokoll der Ein-

vernahme ergibt, weist die damalige Forderung des Beschuldigten zudem einen 

direkten Bezug zu dem von ihm suggerierten Ehebruch der Privatklägerin auf, gab 

der Beschuldigte damals doch wie erwähnt an, mit dieser Untersuchung solle 

herausgefunden werden, ob die Privatklägerin mit einem anderen Mann geschla-

fen habe. Er wolle aber nicht, dass sich die Privatklägerin wegen Ehebetrugs 

strafbar mache (ND 2 Urk. 4/1 S. 8 f.). Entgegen seiner Darstellung anlässlich der 

Berufungsverhandlung machte der Beschuldigte somit nicht geltend, es solle mit 

einem solchen Test aufgezeigt werden, dass er nicht der Vergewaltiger sein kön-

ne. 

Bezüglich des Liegenlassens im gefesseltem nacktem Zustand erwähnt die  

Privatklägerin weiter, wie sehr sie damals gefroren habe, bis der Beschuldigte  

„irgendwann, Stunden später“ zusammen mit den von ihm mitgenommenen  

Kindern wieder in die Wohnung zurückkehrte: „Ich dachte noch, ich erfriere“ (ND 2 

Urk. 5/3 S. 13 oben und Mitte). Diese sog. multimodale Sinneswahrnehmung  

(erinnerte Temperaturwahrnehmung), die einen direkten Tatbezug aufweist, ist 

ein weiteres Indiz für den Erlebnisbezug der Aussage. Die Aussage, wonach die 

Privatklägerin dachte, sie erfriere noch, stellt – wörtlich betrachtet – wohl eine 

Übertreibung dar; kontextbezogen kann ihr allerdings keine Übertreibung  

angelastet werden, da es sich insofern um eine umgangssprachlich geläufige  

Redeweise handelt. Bei der Angabe „Stunden später“ ist Vorsicht am Platz. Hier 

könnte es sich um eine Übertreibung oder um eine subjektiv länger empfundene 

-   29   - 

Zeitspanne handeln. Anlässlich ihrer Befragung im Rahmen der Berufungsver-

handlung gab die Privatklägerin diesbezüglich an, der Beschuldigte sei erst zwei 

Stunden später zurückgekommen (Urk. 166 S. 16 f.). Es erscheint vor diesem 

Hintergrund jedenfalls als erstellt, dass die Privatklägerin deutlich länger als nur 

gerade einige wenige Minuten gefesselt in der Wohnung lag.  

4. In der Einvernahme vom 31. Mai 2012 kommt die Privatklägerin noch einmal 

auf den vorliegenden Vorfall zu sprechen (ND 2 Urk. 5/4 S. 16 unten – S. 18 so-

wie S. 23). Ihre erneute Schilderung stimmt im Kern mit der Erstaussage überein, 

widerspiegelt aber gleichzeitig eine natürliche Varianz und ist frei von stereotypen 

Wiederholungen. All dies spricht für ihre Authentizität und gegen die Hypothese 

einer Falschanschuldigung. Erlebnisbasiert wirkt insbesondere auch die präzis-

anschauliche Beschreibung der verwendeten beiden Abstrichbehälter durch die 

Privatklägerin, wobei der Beschuldigte einen für die anale und einen für die vagi-

nale Probe verwendet habe (ND 2 Urk. 5/4 S. 17 unten): „Plastikbehälter, wo am 

Deckel wie eine Art Ohrenstäbchen befestigt war“; ND 2 Urk. 5/4 S. 23 unten: 

„zwei Behälter mit einem roten Deckel“, die er in der Apotheke gekauft habe. Die 

Beschreibung derartiger Behältnisse kann nicht zum frauenspezifischen Allge-

meinwissen gezählt werden, was einen Erlebnisbezug indiziert, ganz abgesehen 

von der Ausgefallenheit der Schilderung an sich. 

5. Zu prüfen ist, ob es denkbar wäre, dass sich das geschilderte Geschehen 

lediglich im Wesentlichen äusserlich so abspielte, wie die Privatklägerin angibt, 

der Beschuldigte sich aber in Tat und Wahrheit viel weniger bzw. gar nicht brutal 

verhielt und sich die Privatklägerin beispielsweise in die Entnahme des Abstriches 

einwilligte und gar nicht gefesselt wurde. Diese Hypothese kann vorliegend indes 

ausgeschlossen werden, da sich zwischen den Gewaltschilderungen und dem 

Rest der Erzählung keinerlei Strukturbrüche feststellen lassen (beispielsweise  

in dem Sinne, dass die Beschreibungen der Gewaltanwendung den Eindruck 

machte, teilweise stereotypem Skriptwissen der Privatklägerin zu entspringen 

bzw. einen geringeren Detaillierungsgrad aufweist). In diese Beurteilung mit-

einfliessen darf im Sinne eines Indizes überdies der mittlerweile rechtskräftige 

-   30   - 

bzw. vorstehend erstellte Umstand, dass der Beschuldigte anlässlich des letzten 

Vorfalls gegenüber der Privatklägerin massiv gewalttätig wurde. 

Nach dem Gesagten erweist sich der Anklagesachverhalt gemäss ND 2 lit. e als 

erstellt.  

6. Anlässlich der Berufungsverhandlung stellte der Verteidiger den Antrag, es 

sei der Film mit dem Titel "Verbotenes Fremdgehen" bzw. "Verbotener Seiten-

sprung" von einem ägyptischen Filmemacher zu den Akten zu nehmen und zu  

visionieren. Zur Begründung wurde ausgeführt, der Beschuldigte sei der Auf-

fassung, dass der Film Vorlage für einen wesentlichen Bestandteil der Anklage 

sei. Dies betreffe insbesondere den Vorfall gemäss Anklage ND 2 lit. d. Im Film 

gebe es zudem eine Szene, wo eine Ehefrau von ihrem Mann gefesselt werde. 

Die Privatklägerin habe den Film mehrfach gesehen. Enthalte dieser Film tatsäch-

lich Szenen, die den Anklagevorwürfen entsprechen würden, sei es naheliegend, 

dass die Privatklägerin ihn gesehen und sich bei ihren Aussagen dabei bedient 

habe. Dies habe Einfluss auf die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen und beschlage 

auch ihre generelle Glaubwürdigkeit (Prot. II S. 20 f. und 27). 

Wie vorstehend bereits dargelegt wurde, sind die Aussagen der Privatklägerin  

betreffend den Vorfall nach ihrer Rückkehr aus Marokko als erlebnisbasiert zu 

qualifizieren. Die Privatklägerin schildert den Ablauf dieses Vorfalls plastisch und 

mit situativ stimmigen Details, was dagegen spricht, dass es sich dabei lediglich 

um die Nacherzählung eines von ihr gesehenen Films handelt. Geht man zudem 

davon aus, dass die Behauptung des Beschuldigten zutrifft, wonach die von der 

Privatklägerin geschilderten Vorfälle aus einem Film stammen, erstaunt es, dass 

er dies erstmals anlässlich der Berufungsverhandlung vorbringt. Zwar können 

Beweisanträge, wie derjenige auf Visionierung eines Films, auch erst im Beru-

fungsverfahren gestellt werden, was umso mehr gilt, wenn zuvor ein Verteidiger-

wechsel stattgefunden hat. Dass der Beschuldigte die Existenz eines solchen 

Films in seinen Befragungen nie erwähnt hat, ist hingegen nicht nachvollziehbar 

und spricht nicht für seine Darstellung. Im Übrigen konnte der Beschuldigte  

anlässlich der Berufungsverhandlung auch keine konkreten Aussagen zum Inhalt 

des Films machen (Urk. 167 S. 2, 18 und 21 f.), weshalb ein Bezug zu den Ankla-

-   31   - 

gevorwürfen nicht ersichtlich ist. Der Beweisantrag des Beschuldigten ist somit 

abzuweisen. Unabhängig davon wäre es angesichts der vom Beschuldigten  

gemachten spärlichen Angaben über den Film ohnehin nicht möglich, diesen  

ausfindig zu machen. 

7. Der Beschuldigte ist in diesem Anklagepunkt – unter Hinweis auf  

die vorinstanzlichen Erwägungen – der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126  

Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 126 Abs. 2 lit. b StGB, der Drohung im Sinne 

von Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB, der  

Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 StGB sowie der Nötigung im  

Sinne von Art. 181 StGB schuldig zu sprechen. 

Der vom Beschuldigten vorgenommene Vaginal- bzw. Analabstrich wäre an sich 

unter den Tatbestand der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB 

zu subsumieren. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung lassen sich  

sexuelle Handlungen nach der Eindeutigkeit ihres Sexualbezugs abgrenzen. Sind 

die Handlungen objektiv eindeutig sexualbezogen, kommt es nicht mehr auf das 

subjektive Empfinden, die Motive oder die Bedeutung, die das Verhalten für den 

Täter oder das Opfer hat, an. Keine sexuellen Handlungen sind dagegen Verhal-

tensweisen, die nach ihrem äusseren Erscheinungsbild keinen unmittelbaren  

sexuellen Bezug aufweisen. Schwierigkeiten bietet die dritte Gruppe der so ge-

nannten ambivalenten Handlungen, die weder äusserlich neutral noch eindeutig 

sexualbezogen erscheinen (Urteil des Bundesgerichts 6B_527/2008 vom 2. De-

zember 2008 E. 3.4; BGE 125 IV 58 E. 3b S. 62 mit Hinweisen). Die vorliegende 

vaginale und anale Abstrichentnahme an der gefesselten Privatklägerin stellt eine 

eindeutig sexualbezogene Handlung dar, so dass es auf die Motive des Beschul-

digten nicht ankommt (ähnlich auch: Urteil des Bundesgerichts 6B_527/2008 vom 

2. Dezember 2008 E. 3.4 betreffend medizinisch nicht indizierte Berührungen  

eines Masseurs im Genitalbereich). Das Verhalten des Beschuldigten erfüllt daher 

grundsätzlich den Tatbestand der sexuellen Nötigung. Nachdem der Beschuldigte 

erstinstanzlich nur wegen Nötigung verurteilt wurde und die Staatsanwaltschaft in 

diesem Punkt keine Anschlussberufung erhoben hat, kann aufgrund des Ver-

schlechterungsverbots gemäss Art. 391 Abs. 2 Satz 1 StPO indes keine härtere 

-   32   - 

rechtliche Qualifikation der Tat erfolgen (vgl. dazu BGE 139 IV 282 E. 2.4; Urteil 

des Bundesgerichts 6B_245/2013 vom 6. Februar 2014 E. 2.1 und 6B_428/2013 

vom 15. April 2014 E. 3.3). Es bleibt damit beim vorinstanzlichen Schuldspruch 

wegen Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB. 

C. Anklagevorwurf betreffend Drohung mit Messer im Wald von ca. Februar 2009 

(ND 2 lit. d) 

1. Der Beschuldigte bestritt den Vorwurf gemäss lit. d der Anklageschrift – mit 

Ausnahme des Vorbringens eines Alibis (ND 2 Urk. 4/6 S. 4, ab „sodann“),  

auf das weiter unten einzugehen sein wird, in der Untersuchung pauschal (ND 2 

Urk. 4/6 S. 13 f.). Dabei blieb er auch in der Berufungsverhandlung (Urk. 167 

S. 22 ff.). Als Beweismittel bestehen lediglich die Aussagen der Privatklägerin  

sowie die allerdings nur ganz kurze Stellungnahme des Beschuldigten dazu. 

2. Die Privatklägerin erwähnte den vorliegend zu prüfenden Vorfall erstmals in 

der Einvernahme vom 12. April 2012 (ND 2 Urk. 5/3 S. 10 f.), d.h. in der gleichen 

Einvernahme, in der sie sich auch erstmalig zum (vorstehend bereits abgehandel-

ten) Vorfall betreffend ihrer Rückkehr von Marokko äusserte (bzw. unmittelbar vor 

der Schilderung des letzteren Vorfalls). Die initiale Frage lautete (ND 2 Urk. 5/3 

S. 10 ganz oben): „Sie gaben an, seit Ende 2008 ging es im ‚gewohnten Stil’  

weiter. Gab es bis zum 3. März 2012 noch irgendwelche Vorkommnisse, die  

wichtig wären, dass ich das weiss?“ Daraufhin berichtet die Privatklägerin frei und 

spontan (ND 2 Urk. 5/3 S. 10 und S. 11 oben), wobei ihre Erzählung praktisch  

nur von völlig offenen Fragen unterbrochen wurde (wie z.B. „und dann?“). In  

der späteren und gleichzeitig letzten Einvernahme wurde der Privatklägerin der 

Entwurf des entsprechenden Anklagesachverhalts vorgehalten, den sie als richtig 

bestätigte (ND 2 Urk. 5/4 S. 4 Abs. 4 bzw. weiter unten [Bestätigung]). 

3. Mit dem Vorwurf konfrontiert, äusserte sich der Beschuldigte wie folgt (ND 2 

Urk. 4/6 S. 4 oben [ab „sodann“]): „Diese Geschichte stimmt nicht. Meine Frau 

sagte u.a. aus, sie sei gegen 01.00 Uhr wieder zu Hause gewesen. Ich habe  

damals aber in einem Billardcenter gearbeitet. Ich habe jeweils bis ca. 24.00 Uhr 

gearbeitet bzw. die Lokalität geschlossen. Bis ich aufgeräumt bzw. geputzt hatte, 

-   33   - 

war es sicherlich ca. 01.00 Uhr bzw. ca. 01.15 Uhr. Sodann brauchte ich noch  

ca. 30 bis 45 Minuten für den Heimweg. Diese Geschichte kann somit auch nicht 

zutreffen.“ 

Die Privatklägerin hat in ihrer Aussage, auf die der Beschuldigte Bezug nimmt, 

nicht gesagt, sie sei um 01.00 Uhr in dem Sinne „wieder zu Hause gewesen“, als 

sich der angeklagte Vorfall im Wald direkt vorher abgespielt hat (so jedenfalls 

könnte man die diesbezügliche Aussage des Beschuldigten verstehen und so 

verstand er sie auch in der Berufungsverhandlung; vgl. Urk. 167 S. 24). Die Pri-

vatklägerin sagte aus, der Beschuldigte habe ihr um 01.00 Uhr gesagt, er wolle 

mit ihr „rausgehen“ (ND 2 Urk. 5/3 S. 10 Mitte). Somit fand der Vorfall gemäss 

Darstellung der Privatklägerin jedenfalls erst nach 01.00 Uhr statt. Unterstellt man 

die Zeitangaben des Beschuldigten als richtig, wäre er immerhin ca. um 02.00 Uhr 

bzw. 02.15 Uhr zu Hause gewesen. Insofern hätte sich die Privatklägerin lediglich 

um rund eine Stunde geirrt, was mit Blick auf die zwischen Vorfall und Aussage 

verstrichenen rund drei Jahre unproblematisch erschiene. Der Beschuldigte gab 

anlässlich der Berufungsverhandlung überdies an, er sei (unter der Woche)  

jeweils um 01.00 Uhr bis 01.30 Uhr nach Hause gekommen (Urk. 167 S. 24), was 

den Aussagen der Privatklägerin entsprechen würde. Im Übrigen steht keinesfalls 

fest, dass der Beschuldigte jeden Tag arbeitete oder das Billardcenter aus-

nahmsweise nicht doch früher verlassen bzw. schliessen konnte. Insofern erweist 

sich das vom Beschuldigten ins Feld geführte Alibi als nicht aussagekräftig.  

Auffallend ist weiter, dass der Beschuldigte im Rahmen seiner Alibi-Aussage  

offenbar bestrebt war, darzulegen, weshalb er – trotz der (unter der Woche  

geltenden) Schliessungszeit des Billardcenters von 24.00 Uhr – erst deutlich nach 

01.00 Uhr nach Hause kam. Er begründet dies damit, dass er täglich rund 1 Stun-

de bzw. 1 Stunde und 15 Minuten habe putzen müssen, was bei einem Billard-

center mit nur gerade sechs Pooltischen (Ordner zu ND 1/3 und dortige ND 7.1  

S. 1 unter Vertragsobjekt) etwas viel erscheint. Sodann gibt er an, für den  

Nachhauseweg von der … [Adresse] (Standort des Billardcenters) an die … [Ad-

resse] (ebenfalls in Zürich …) weitere „ca. 30-45 Minuten“ benötigt zu haben. Die-

se Zeitangabe erscheint ebenfalls überhöht: Gemäss Google Maps kann die Stre-

-   34   - 

cke zu Fuss in 23 Minuten (Distanz 1.9 km) bzw. mit dem Auto (ohne Verkehr) in 

6 Minuten zurückgelegt werden (Distanz 2.6 km). Dass der Beschuldigte in der 

Zeit, in der er im Billardcenter tätig war, über ein Auto (Citroen C 5) verfügte und 

mit diesem nachweislich Einkäufe für das Billardcenter tätigte, hat der Beschuldig-

te in anderem Zusammenhang selbst ausgesagt (ND 1 Urk. 10 S. 20 Ziff. 129), 

wobei das Billardcenter auch über zwei eigene Parkplätze verfügte (Ordner zu ND 

1/3 und dortige ND 7.1 S. 3 Ziff. 7). Anlässlich der Berufungsverhandlung hat der 

Beschuldigte denn auch eingeräumt, für die Strecke vom Billardcenter an seinen 

damaligen Wohnort habe man nicht lange. Mit dem Auto gehe es ca. 10 Minuten, 

zu Fuss 30 Minuten (Urk. 167 S. 23). Immerhin präzisierte er, dass seine Reini-

gungsarbeiten auch das Geschirr und zwei WC's umfasst hätten. 

Das in der Untersuchung gezeigte Bemühen des Beschuldigten, die Zeitspanne 

zwischen der Schliessung des Billardcenters und seiner Ankunft zu Hause auszu-

dehnen, deutet darauf hin, dass er bewusst versucht hat, ein Alibi zu konstruieren 

bzw. dieses auf die Aussage der Privatklägerin abzustimmen. Ein derartiges  

Aussageverhalten ist als Lügensignal zu werten.  

4. Zu Beginn ihrer Erstaussage schildert die Privatklägerin im Wesentlichen 

Folgendes: Sie sei ca. im Februar 2009 mit ihrer Tochter im Kinderwagen am 

…platz beim Einkaufen gewesen, als der Beschuldigte sie angerufen habe, um 

sie zu „kontrollieren“, wie er dies jeweils zu tun pflegte. Als sie später nach Hause 

gekommen sei, habe der Beschuldigte behauptet, er habe anlässlich des vorge-

nannten Telefonats die Tochter seines Bruders K._____ gehört, was ihn zum 

Schluss veranlasste, die Privatklägerin habe sich bei besagtem Bruder befunden. 

Er habe darauf beharrt, dass sie zugebe, bei seinem Bruder gewesen zu sein (ND 

2 Urk. 5/4 S. 10 oben). Bei dieser Schilderung des prä-deliktischen Verhaltens 

fällt die verhältnismässig komplexe räumlich-zeitliche Einordnung auf: Die am 

tt.mm.2008 geborene Tochter H._____ (ND 2 Urk. 5/3 S. 9 ganz oben) war zum 

damaligen Zeitpunkt in der Tat zwei Monate alt. Plausibel ist weiter auch, dass 

sich die Privatklägerin trotz Zeitablauf (rund drei Jahre zwischen Vorfall und Ein-

vernahme) noch daran erinnern konnte, wo sie den (aus ihrer späteren Sicht) fa-

talen Anruf erhielt. Plausibel ist diese an sich ungewöhnliche Erinnerung (an den 

-   35   - 

Ort der Entgegennahme eines drei Jahre zurückliegenden Anrufs), weil unmittel-

bar danach Streit darüber ausbrach, wo sie sich zum Zeitpunkt des Telefonats be-

fand. Anders gesagt: Die Privatklägerin sagt nicht einfach, er habe behauptet, sie 

sei beim Bruder gewesen, sie sei aber jedenfalls nicht dort gewesen, sondern sie 

gibt spontan und spezifisch darüber Auskunft, wo sie zu diesem Zeitpunkt tat-

sächlich war, nämlich am …platz am Einkaufen mit ihrer zwei Monate alten Toch-

ter im Kinderwagen. Verhältnismässig komplex erscheint auch die von der Privat-

klägerin geschilderte damalige Vorstellung des Beschuldigten: Er meinte nämlich 

nicht etwa, seinen Bruder im Hintergrund gehört zu haben, sondern dessen Toch-

ter, woraus er den Schluss zog, dass die Privatklägerin sich bei seinem Bruder 

aufhielt. Diese Beobachtungen deuten darauf hin, dass die Schilderungen der Pri-

vatklägerin erlebnisbasiert sind. Die vorliegende Verdächtigung passt im Übrigen 

logisch-stimmig zu den Verdächtigungen, von denen bereits im Rahmen der vor-

stehenden Sachverhaltserstellungen die Rede war. Zu der von der Privatklägerin 

geschilderten Praxis der Kontrollanrufe des Beschuldigten passt im Übrigen auch 

das eigentümliche Verständnis des Beschuldigten von der Bewegungsfreiheit sei-

ner Ehefrau. Anlässlich seiner Ersteinvernahme wurde er nämlich gefragt (ND 2 

Urk. 4/1 Ziff. 40 S. 7 f.): „Darf sich B._____ jederzeit frei bewegen, d.h. die Woh-

nung frei verlassen und betreten?“ Daraufhin antwortete er: „Ja. Ich gebe ihr das 

Geld, um einzukaufen. Sie geht auch selber. Nur schwere Einkäufe trage ich.“ 

Aus dieser spontanen Antwort erhellt, dass der Beschuldigte geradezu selbstver-

ständlich davon ausgeht, dass sich die Bewegungsfreiheit seiner Ehefrau darin 

erschöpft, einkaufen zu gehen. Im Lichte dieser eigenen Aussage des Beschul-

digten sowie des teilweise dokumentierten SMS-Verkehrs (ND 2 Urk. 4/5 S. 3 Ziff. 

11 Abs. 2 und Ziff. 12) erscheinen im Übrigen auch die folgenden beiden Aussa-

ge-Sequenzen der Privatklägerin als glaubhaft (ND 2 Urk. 5/3 S. 7 Mitte): „Ich darf 

ja nicht einmal ausser Haus gehen, ausser für den Haushalt schnell etwas einkau-

fen. Ich ging zum Beispiel mit meinem Sohn spazieren, da hiess es von ihm 

gleich, ich sei zu spät, wo ich gewesen sei etc. Ich darf niemanden kennenlernen 

und mit niemandem sprechen.“ Und an anderer Stelle (ND 2 Urk. 5/2 S. 5 Ziff. 

24): „[...] in letzter Zeit verbietet mir mein Mann sogar die Wohnung zu verlassen. 

Ich darf nicht einmal mit den Kindern auf den Spielplatz. Ich muss ihm, wenn er in 

-   36   - 

Tunis ist, anrufen, um zu sagen, dass ich aus der Wohnung gehe, da er mich über 

unseren Festanschluss kontrolliert. [...].“ In dieses Bild passt ferner auch die Aus-

sage von L._____, die jeweils nach der Uni im Jahr 2009 im Billardcenter des Be-

schuldigten jobbte und im Rahmen von ND 1 (betreffend Sozialhilfebetrug) ein-

vernommen wurde. Auf die Frage, warum sie sich nicht gut mit dem Beschuldig-

ten verstanden habe, antwortete sie (ND 1 Urk. 7 Ziff. 17 S. 3): „Das ist schwierig, 

er hatte so eine abwertende Haltung gegenüber den Frauen.“ 

Die Art und Weise, wie die Privatklägerin den weiteren Verlauf des Vorfalls schil-

dert, beinhaltet zahlreiche differenzierte Gesprächsinteraktionen und Gefühlslage-

Wiedergaben, was auf einen Erlebnisbezug der Aussage hindeutet (insbesonde-

re: die von ihr geäusserte Angst, ihre Kinder und namentlich ihre zwei Monate alte 

Tochter, allein in der Wohnung zurückzulassen, worauf der Beschuldigte gesagt 

habe, „er wolle nur in der Nähe rausgehen“; die von ihr verspürte Ungewissheit 

darüber, wohin er mit ihr fahren würde; dass ihr während der Fahrt unwohl wurde 

wegen der Kinder; dass sie sich nach Ankunft im dunklen Wald zunächst nicht  

getraute, aus dem Auto zu steigen, worauf er sie hinauszerrte und schliesslich wie 

sie – nach dem Vorfall – bei Rückkehr in die Wohnung erleichtert feststellte, wie 

ihre zwei Monate alte Tochter nach wie vor am Schlafen war; zum Ganzen: ND 2 

Urk. 5/3 S. 10 f.). 

Die Schilderung des deliktischen Kerngeschehens ähnelt – ohne aber stereotyp 

identisch zu sein – den beiden bereits erstellten Drohungen (d.h. die Todes-

drohung gegenüber der schwangeren Privatklägerin nach ihrer Rückkehr von  

Marokko sowie der letzten Messerdrohung vom 3. März 2012). Alle diese  

Drohungen erfolgten nämlich wegen angeblicher Ehebrüche der Privatklägerin 

oder Ähnlichem, wobei – selbst bei einem Abstellen auf die diesbezüglichen  

Ausführungen des Beschuldigten – dessen Verdächtigungen nicht einmal an-

satzweise rational plausibel erscheinen. Diese Ähnlichkeit der drei Drohungen bei 

gleichzeitiger Varianz im Detail spricht für den Erlebnisbezug des vorliegenden 

Vorwurfs bzw. der Vorwürfe betreffend Drohung insgesamt. 

5. In der Einvernahme vom 31. Mai 2012 wurde die Privatklägerin ergänzend 

zum vorliegenden Vorfall befragt. Auch hier erwähnt sie, wie sie das Messer  

-   37   - 

an ihrem Bauch „gespürt“ habe (ND 2 Urk. 5/4 S. 15 ganz oben), was – als multi-

modale Wahrnehmung – Erlebnisbezug indiziert. Anschaulich-konkret sind auch 

ihre Angaben zum Messereinsatz: Er habe ihr das Messer vorgängig nicht  

gezeigt, sondern ihr überraschend an den Bauch gehalten (ND 2 Urk. 5/4 S. 15 

zweite Antwort). Dieses Messereinsatz-Detail (Hervornehmen im Verborgenen 

und direktes Ansetzen) ähnelt überdies dem Beginn des zweiten Messereinsatzes 

vom 3. März 2012 (ND 2 Urk. 5/2 Ziff. 22 S. 4 f.), wovon vorstehend bereits  

die Rede war (siehe dazu oben). Anschaulich-konkret sind auch die Angaben der 

Privatklägerin bezüglich Körperpositionen beim Messereinsatz (ND 2 Urk. 5/4  

S. 15 oben): „Er stand ganz nahe vor mir und hat mich festgehalten. Ich konnte es 

[gemeint: das Messer] nur spüren. [Zwischenfrage weggelassen] Es hatte keine 

Distanz [gemeint: zwischen ihr und dem Beschuldigten], er hat mich von hinten 

mit der Hand an der Hüfte an sich gezogen und mir so das Messer an den Bauch 

gehalten.“ 

Anlässlich der Berufungsverhandlung kam die Privatklägerin ebenfalls auf diesen 

Vorfall zu sprechen (Urk. 166 S. 19). Ihre Schilderung wies im Vergleich zu den 

früheren Einvernahmen weniger Details auf. Im Kern blieben die Aussagen aber 

gleich. Dass die Privatklägerin den Sachverhalt in den jeweiligen Einvernahmen 

nicht auf absolut identische Art und Weise schilderte, spricht im Übrigen dafür, 

dass sie jeweils ihre Erinnerungen an den Vorfall wiedergab und nicht einfach 

Aussagen konstruiert oder auswendig gelernt hat. 

6. In Bezug auf den Beweisantrag des Beschuldigten, es sei der Film mit  

dem Titel "Verbotenes Fremdgehen" bzw. "Verbotener Seitensprung" von einem 

ägyptischen Filmemacher zu den Akten zu nehmen und zu visionieren, kann auf 

die obigen Erwägungen verwiesen werden (Ziff. B.6.). 

7. Nach dem Gesagten erweist sich der Anklagesachverhalt gemäss ND 2 lit. d 

als erstellt. Der Beschuldige ist somit der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 

StGB i.V.m. Art. 180 Abs. 2 lit. a StGB schuldig zu sprechen.  

 

-   38   - 

D. Anklagevorwurf der mehrfachen Vergewaltigung sowie der mehrfachen 

sexuellen Nötigung (ND 2 lit. a) 

1. Der Deliktszeitraum gemäss Anklage ist nicht mehr genau eruierbar, betrifft 

aber jedenfalls den Zeitraum von ca. Mai 2008 bis ca. anfangs März 2012, d.h. 

rund knapp vier Jahre. Gemäss Anklage ereigneten sich die Delikte mehr  

oder weniger regelmässig, d.h. anlässlich von ca. drei bis vier Malen pro Monat, 

insgesamt also maximal ca. 190 Mal. 

2. Es sind keinerlei Spuren dokumentiert, welche auf spezifisch sexualbezoge-

ne Gewalt hindeuten (wie z.B. Verletzungen im Intimbereich). Das dokumentierte 

Spurenbild (insbesondere die ärztliche Begutachtung des Körpers der Privatklä-

gerin) bezieht sich einzig auf den Vorfall vom 2./3. März 2012, anlässlich welchem 

es unbestrittenermassen nicht zu sexuellen Handlungen kam, sowie allenfalls auf 

früher erlittene Verletzungen, wobei es anklagegemäss – auch unabhängig von 

sexuellen Handlungen – regelmässig zu Tätlichkeiten gekommen sein soll (siehe 

zum Ganzen insbesondere: ND 2 Urk. 10/2 S. 22 ff. [Fotografien der Privatkläge-

rin vom 3. März 2012]; ND 2 Urk. 11/6, insb. S. 5 f. [Gutachten zur körperlichen 

Untersuchung]; ND 2 Urk. 12/3 [ärztlicher Befund betreffend Kieferverletzungen]). 

Gegenüber der Gynäkologin, welche die Privatklägerin seit 15. Januar 2010 be-

treut, berichtete die Privatklägerin erstmals am 27. März 2012 von Vorfällen sexu-

eller Gewalt (ND 2 Urk. 12/5 S. 1 und S. 4 unten), mithin also rund drei Wochen 

nach Anzeigeerstattung. Auch die eingereichte gynäkologische Krankengeschich-

te (ND 2 Urk. 12/5) enthält – vor dem Datum der Anzeigeerstattung – keine  

Hinweise auf erlittene sexuelle Gewalt oder sonstiges deliktisches Verhalten  

(allerdings wäre denkbar, jedoch keineswegs zwingend, dass die unter dem  

15. Dezember 2010 vermerkte „Kontaktblutung“ [eine durch Geschlechtsverkehr 

oder mechanische Einwirkung entstandene Blutung im Genitalbereich] auf  

sexuelle Gewalt zurückzuführen ist).  

Krankheitsgeschichtlich dokumentiert ist hingegen die „schwierige häusliche  

Situation“ der Privatklägerin (so der Eintrag vom 29. Oktober 2010), wobei  

namentlich von zu wenig Unterstützung bezüglich Haushalt und Kinder und von 

der ehelichen Untreue des Beschuldigten die Rede ist (von letzterer berichtete die 

-   39   - 

Privatklägerin gemäss Krankheitsgeschichte erstmals am 19. April 2011, also im 

unmittelbaren Vorfeld der Geburt des dritten Kindes, sowie auch am 2. Mai 2011). 

Der Eintrag vom 29. Oktober 2010 nennt überdies einen Verdacht auf eine  

„reaktive Depression“, d.h. eine Depression, deren Ursache in einem belastenden 

Ereignis liegt. 

3. Der Beschuldigte bestreitet die Vergewaltigungsvorwürfe pauschal und 

macht im Wesentlichen geltend, die Privatklägerin bezichtige ihn aus Rache der 

Vergewaltigung, weil er sie mit anderen Frauen betrogen habe (ND Urk. 4/6 S. 17 

ganz oben). Vor Vorinstanz führte er im Wesentlichen aus (Urk. 75 S. 8 f.): die 

Privatklägerin habe Ende 2010 entdeckt, dass er „wieder zu einer anderen Frau“ 

gegangen sei, denn sie habe seine SMS gelesen. Darauf habe die Privatklägerin 

ihm gedroht, ihn umzubringen oder kaputt zu machen, wenn er damit nicht aufhö-

re. Er habe das aber nicht ernst genommen. Im Jahr 2011 habe er in Tunesien, 

wo er sich regelmässig wegen seiner Geschäfte aufhielt, eine Frau kennen-

gelernt. Die Privatklägerin habe dies herausgefunden, als die ganze Familie  

ferienhalber in Tunesien weilte. Im Zuge des daraus entstandenen Streits sei ihm  

die Hand „ausgerutscht“, worauf die Privatklägerin ihn bei der dortigen Polizei zu 

Unrecht beschuldigt habe, er habe sie umbringen wollen. Schliesslich habe die 

Privatklägerin diese Anzeige dann zurückgezogen. Als sie im September 2011 

wieder zurück in die Schweiz kamen, habe er der Privatklägerin versprochen, 

dass er versuche, „mit der anderen Frau abzuschliessen und ein neues Kapitel 

anzufangen.“ Ab zu habe er dann aber SMS von der anderen Frau erhalten und 

die Privatklägerin habe dies gesehen. Im Januar 2012 habe ihm die Privatklägerin 

dann gedroht, er solle aufhören oder sie werde ihn umbringen. Dabei habe sie ein 

Messer in der Hand gehabt. Er habe dies früher nicht erwähnt, da er die Privat-

klägerin habe schützen wollen. 

Insbesondere die vorerwähnte erstmalige Schilderung, seine Frau habe mit einem 

Messer gedroht, erscheint nicht glaubhaft. Denn es ist schwer vorstellbar, warum 

der Beschuldigte die Privatklägerin bis zu diesem Zeitpunkt hin hätte schützen 

wollen, wie er geltend macht, nachdem er bereits in einer früheren Aussage  

erwähnt hatte, die Privatklägerin habe ihm gesagt, sie werde ihn „kaputt machen“. 

-   40   - 

Hätte es eine solche Messerdrohung tatsächlich geben, hätte der Beschuldigte 

dies bereits viel früher erwähnt. Fest steht indes, dass sich das Paar – nach meh-

reren durch die Untreue des Beschuldigten ausgelösten Ehekrisen – Ende 2011 

noch einmal dazu „aufraffte“, ihre Beziehung zu retten (siehe dazu insbesondere 

die „verliebten“ SMS von November 2011: z.B. ND 2 Urk. 4/5 Ziff. 11 und 13 S. 4; 

negativ aber wieder: ND 2 Urk. 4/5 S. 3 Ziff. 14 SMS vom 9. Dezember 2011, 

13:38 Uhr; verliebt aber dann wieder das weitere SMS vom gleichen Tag [zeitlich 

undatiert]). Ca. im Januar 2012 erhielt der Beschuldigte dann aber wiederum SMS 

von anderen Frauen (siehe dazu insbesondere: ND 2 Urk. 4/5 S. 4, Abs. 3 [SMS 

der Privatklägerin an den Beschuldigten vom 16. Februar 2012]; Urk. 75 S. 9  

unterhalb Mitte). Noch am 23. Februar 2012 schrieb die Privatklägerin dem  

Beschuldigten dann wieder per SMS: „Ich liebe Dich, ich vermisse Dich sehr [...].“ 

Am 28. Februar 2012 kurz, bevor der Beschuldigte nach Tunesien abreiste, kam 

es gemäss Angaben der Privatklägerin zu einem neuerlichem Streit, in dessen 

Verlauf der Beschuldigte der Privatklägerin in der Küche die „Altpapiersammlung“ 

ins Gesicht geworfen habe (ND 2 Urk. 5/4 S. 13 unten), was im Gesamtkontext 

sowie aufgrund der Ungewöhnlichkeit dieses Details als glaubhaft erscheint (nicht 

hier zu thematisieren ist die angeblich letzte Vergewaltigung, die laut Privatkläge-

rin in der Nacht zuvor stattgefunden habe; dazu unten). Unmittelbar danach reiste 

der Beschuldigte für einige Tage nach Tunesien ab (ND 2 Urk. 5/4 S. 13 unten; 

ND 2 Urk. 4/1 Ziff. 12 S. 2 f.). Einen Tag später, am 29. Februar 2012, schrieb die 

Privatklägerin dem Beschuldigten (übersetzungsbedingt sinngemäss) per SMS 

nach Tunesien (ND 2 Urk. 5/4 Ziff. 22 S. 6 f.): „Ich möchte mich aus Deinem  

Leben zurückziehen. Ich möchte, dass Du Dich auch aus meinem Leben zurück-

ziehst. Du bedeutest mir nichts mehr. Komm her und wir machen Schluss. Ohne 

Probleme, glaub mir, so ist es besser für uns und für unsere Kinder. Mach mich 

nicht krank, ich mache dich auch nicht krank.“ Im Lichte dieses (übrigens letzten 

dokumentierten) SMS wird augenfällig, weshalb es unmittelbar nach der Rückkehr 

des Beschuldigten aus Tunesien (via Paris) am 2. März 2012 zum Zerwürfnis 

bzw. zum Vorfall mit Messerdrohungen und Körperverletzungen kam. Die zwei 

abweichenden Vorgeschichte-Versionen des Beschuldigten, die sich übrigens 

auch untereinander diametral widersprechen, erweisen sich damit als unwahr: In 

-   41   - 

der ersten Version (ND 2 Urk. 4/1 Ziff. 12 ff. S. 3 ff.) erzählte er im Wesentlichen, 

er habe seine Frau anlässlich seiner Rückkehr aus Tunesien nahezu auf frischer 

Tat bei einem Ehebruch ertappt, worauf er die Beziehung habe beenden wollen. 

In seiner zweiten Version (Urk. 75 S. 10 ganz unten und S. 11 ganz oben) ist  

davon dann aber nicht mehr die Rede. Es habe Streit gegeben, weil er anlässlich 

seiner Rückkehr der Privatklägerin vorgeworfen habe, die Kinder vorübergehend 

alleine in der Wohnung gelassen zu haben. Die Privatklägerin habe ihm dann  

unter anderem vorgeworfen, er sei mit einer anderen Frau zusammen. 

Als Zwischenfazit ist festzuhalten, dass vorliegend eine komplexe Paarbezie-

hungsstruktur besteht. Dies geht insbesondere aus dem bei den Akten liegenden 

SMS- und MMS-Verkehr vom 17. November 2011 bis zum 29. Februar 2012  

hervor (dazu unten ausführlich). Allein schon im Lichte dieser Nachrichten (mit 

teilweise erotischem Inhalt) steht fest, dass es zumindest in dieser Zeitspanne 

noch einvernehmliche sexuelle Kontakte gegeben haben muss. Allerdings 

schliesst dieser einstweilige Befund keineswegs aus, dass es vor oder auch noch 

innerhalb dieser Zeitspanne zu nicht einvernehmlichen sexuellen Handlungen 

kam, zumal die Privatklägerin ausgesagt hat, es sei hin und wieder zu einver-

nehmlichem Sex gekommen (dazu mehr unten). 

4. Wie bereits vorstehend (unter dem Abschnitt betreffend den letzten Vorfall) 

erwähnt, wurde die Privatklägerin eingangs der ersten Einvernahme (vom 3. März 

2012 19:25 Uhr [Beginn]) gefragt, ob es Straftaten gegen ihre sexuelle Integrität 

gebe, was sie bejahte (ND 2 Urk. 5/1 Ziff. 6 S. 1 f.). Unmittelbar im Anschluss  

daran wurde sie gefragt, ob sie darüber sprechen möchte, worauf sie entgegnete 

(ND 2 Urk. 5/1 Ziff. 7 S. 2): „Ja. Ich weiss, dass mein Mann Beziehungen zu  

anderen Frauen hat. Wenn er dann Zuhause mit mir schlafen möchte, weigere  

ich mich. Er wird dann gewalttätig und zwingt mich zum Geschlechtsverkehr. Ich 

werde richtig vergewaltigt. Wenn er fertig ist, gehe ich ins Badezimmer und  

muss mich übergeben. Er hatte nie Mitleid mit mir, nicht einmal während der  

Schwangerschaft.“ Nach dieser Aussage (bzw. einer weiteren Orientierung)  

wurde die Einvernahme einstweilen abgebrochen und ca. 90 Minuten später  

(in Übereinstimmung mit internen Polizeiweisungen) von einer spezialisierten  

-   42   - 

Befragungsperson fortgesetzt, wobei die Privatklägerin aufgefordert wurde, zu  

erläutern, was sie mit „vergewaltigt“ meine, worauf sie – in ähnlichem Sinne wie 

vorher – antwortete (ND 2 Urk. 5/2 Ziff. 1 S. 1): „Ich weiss, dass mein Mann  

mehrere Beziehungen zu verschiedenen Frau pflegt. Es ekelt mich, wenn er mit 

mir schlafen möchte. Aber er zwingt mich immer mit ihm zu schlafen, er reisst 

mich an meinen Haaren oder er droht, dass er sonst meine Kinder aufwecken 

würde. Er macht mir Angst. [...]." 

In ihrer letzten Einvernahme (31. Mai 2012) wurde die Privatklägerin gefragt, ob 

sie während des letzten halben Jahres dem Beschuldigten noch Liebesbeteue-

rungen per SMS geschickt habe (ND 2 Urk. 5/4 S. 23 ganz unten und S. 24 ganz 

oben). Darauf antwortete sie: „Daran kann ich mich nicht erinnern. Die meisten 

SMS waren eigentlich wegen den Kindern und dass er zurückkommen solle, weil 

wir hier ja alleine in der Schweiz waren, und er war in Tunesien. Das waren letzt-

lich hauptsächlich die Inhalte der SMS [Hervorhebungen hinzugefügt].“ Er scheint 

zumindest, dass sich die Privatklägerin etwas „herumdrückt“, möglicherweise weil 

es ihr im Nachhinein auch peinlich ist. Auf die Frage, ob sie auch SMS mit Inhal-

ten wie „ich vermisse dich“ geschickt habe, antwortete sie sonderbarerweise  

(ND 2 Urk. 5/4 S. 24 oben): „Ich habe nur SMS geschickt, die mir die Kinder  

diktiert haben.“ Auf die weitere Frage, ob sie dem Beschuldigten innerhalb des 

letzten Jahres auch MMS-Nachrichten mit erotischem Inhalt geschickt habe,  

antwortete sie (ND 2 Urk. 5/4 S. 24 Mitte): „Nein, ich habe noch nie im Leben so 

etwas getan. Diese, mit der er zusammen war, die machte solche Sachen, das 

habe ich auch gesehen.“ 

Die vom Beschuldigten eingereichten SMS und MMS zeichnen jedoch ein ande-

res Bild: So schrieb die Privatklägerin dem Beschuldigten beispielsweise am 

23. Februar 2012 (ND 2 Urk. 4/5 S. 2 Ziff. 9; weitere Beispiele ebenda, S. 2 ff.): 

„Ich liebe dich, ich vermisse dich sehr. [...].“ Sodann liegen zahlreiche sinngemäss 

transkribierte MMS-Tondateien vor, welche die Privatklägerin dem Beschuldigten 

geschickt hat (und zwar gemäss Darstellung des Beschuldigten im Januar/  

Februar 2012 während seines letzten Tunesienaufenthaltes). Diese Tondateien 

sind explizit erotischen Inhalts (zum Ganzen: ND 2 Urk. 4/5 S. 5 f. Ziff. 19, Ton-

-   43   - 

aufnahmen 1-8). Unter anderem kommt in diesen Aufnahmen zum Ausdruck, wie 

sehr sich die Privatklägerin sexuell nach dem Beschuldigten sehnt (u.a. sechste 

Aufnahme). Auch erwähnt sie, dass er ja in Tunesien genügend Sex habe, sie in 

der Schweiz jedoch nicht (fünfte Aufnahme; ähnlich: vierte Aufnahme). Weiter 

fragt die Privatklägerin, warum er „dies“ gemacht habe, er sei die erste Liebe ihres 

Lebens (siebte Aufnahme). Schliesslich fragt die Privatklägerin, ob er das „letzte 

Mal“ (gemeint: Sex) vergessen hätte; wie es gewesen sei (achte Aufnahme). 

Letztgenannte – im Kontext betrachtet – zweifellos positiv gemeinte Bezugnahme 

auf den letzten gemeinsamen Sexualkontakt erscheint von besonderem Interes-

se, denn gemäss Aussage der Privatklägerin handelte es sich bei diesem letzten 

Sexualkontakt, der unmittelbar vor der Abreise des Beschuldigten stattfand, um 

eine Vergewaltigung (ND 2 Urk. 5/4 S. 6 ganz unten, S. 12 Mitte, S. 13 und S. 14 

ganz oben; ND 2 Urk. 5/2 S. 3 Ziff. 16). Auf die Frage, wann sie zuletzt einver-

nehmlichen Sex gehabt habe, antwortete die Privatklägerin in der Einvernahme 

vom 3. März 2012 (ND 2 Urk. 5/2 S. 5 Ziff. 23): „Ich weiss es nicht mehr, es ist zu 

lange her. [...].“  

Im Lichte der letztgenannten MMS-Nachricht (sowie unter Berücksichtigung der 

übrigen MMS- und SMS-Nachrichten) kann aber als erstellt gelten, dass es sich 

beim letzten Sexualkontakt unmittelbar vor Abreise des Beschuldigten nach  

Tunesien – entgegen den Aussagen der Privatklägerin – nicht um eine Vergewal-

tigung handelte, sondern um einvernehmlichen Sex. Erlebnisbasiert und insofern 

glaubhaft antwortete der Beschuldigte anlässlich seiner Ersteinvernahme auf die 

Frage, wann er zuletzt einvernehmlichen Sex mit der Privatklägerin gehabt habe 

(ND 2 Urk. 5/4 S. 5 Ziff. 20): „Am Sonntag vor einer Woche. Ich war nervös wegen 

der Wohnungssache. B._____ zog sich schön an und wollte mich von meinen 

Problemen ablenken.“ Immerhin erwähnte auch die Privatklägerin, es seien an je-

nem Tag zwei Personen vom M._____-Büro (d.h. von der Wohnbaugenossen-

schaft, in deren Haus sie wohnten) vorbeigekommen (ND 2 Urk. 5/4 S. 13 Mitte). 

Es scheint ihm Übrigen auch tatsächlich vorgekommen zu sein, dass sich die  

Privatklägerin vor dem Sex speziell schön anzog, wie der Beschuldigte aussagte 

(ND 2 Urk. 4/5 S. 5 Ziff. 19, erste MMS-Tonaufnahme). Die vorstehende Widerle-

gung des Vorwurfs der angeblich letzten Vergewaltigung weckt grundsätzlich 

-   44   - 

auch Zweifel am Vorwurf der Vergewaltigungen insgesamt. Allerdings steht auf-

grund der vorerwähnten Widerlegung keineswegs fest, dass es in der fraglichen 

Zeit überhaupt keine Vergewaltigungen gegeben hat. 

Anlässlich ihrer Befragung in der Berufungsverhandlung bestätigte die Privatklä-

gerin, dass sie dem Beschuldigten diese SMS und MMS geschickt habe. Zur  

Erklärung brachte sie vor, die Frau aus Tunesien habe ihm mehrmals solche 

Nachrichten (Liebesnachrichten und solche mit sexuellem Inhalt) gesandt. Der 

Beschuldigte habe immer bestritten, dass er Beziehungen zu anderen Frauen  

gepflegt habe. Sie habe das, was "diese Frau" gesagt habe, nachgesprochen, um 

ihm zu zeigen, dass sie über seine Beziehung Bescheid wisse (Urk. 166 S. 24 

und 26). Diese Begründung vermag nicht zu überzeugen. Dass die Privatklägerin 

anzügliche Nachrichten einer anderen Frau, die der Beschuldigte auf seinem  

Mobiltelefon erhielt, im Detail nachsprach – einschliesslich des Stöhnens – und 

ihm weiterschickte, erscheint lebensfremd und nicht glaubhaft. Gegen diese Dar-

stellung spricht im Übrigen auch der Inhalt bestimmter Nachrichten. So ist nicht 

nachvollziehbar, weshalb "die andere Frau", welche sich unbestrittenermassen  

in Tunesien aufhielt, dem Beschuldigten mitteilen sollte, er habe genug Sex in 

Tunesien, sie aber sei allein und habe nicht genügend Sex (ND 2 Urk. 4/5 S. 6; 

fünfte Aufnahme). Im Übrigen gab die Privatklägerin an, sie habe von den Mittei-

lungen Kenntnis erhalten, wenn der Beschuldigte von Tunesien zurückgekommen 

sei und das Mobiltelefon bei sich gehabt habe (Urk. 166 S. 24). Vor diesem  

Hintergrund ist aber nicht ersichtlich, weshalb sie sich für die Kommunikation mit 

dem Beschuldigten des Telefons bedienen musste, befand er sich zu diesem 

Zeitpunkt ja wieder bei ihr in der Schweiz. 

5. Auf die Frage, wann es erstmals zu einer Vergewaltigung gekommen sei, 

antwortete die Privatklägerin zunächst, dies sei vor ca. drei Jahren gewesen. Sie 

habe sich ihm verweigert, als sie von seiner damaligen Fremdbeziehung erfahren 

habe (ND 2 Urk. 5/2 Ziff. 6 S. 2). In der Zeit davor habe er sie zwar geschlagen, 

nicht jedoch vergewaltigt (ND 2 Urk. 5/2 Ziff. 8 S. 2). In der staatsanwaltschaftli-

chen Einvernahme vom 12. April 2012 kamen zunächst die Körperverletzungen 

zur Sprache (ND 2 Urk. 5/3 S. 4 unten [siehe die dortige zweitunterste Frage und 

-   45   - 

insbesondere deren letzter Satz]). Daraufhin beschrieb die Privatkl