# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5b10e74c-baa3-5efe-8668-41bbb3619be8
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-05-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.05.2010 E-1316/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1316-2010_2010-05-20.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-1316/2010/ame
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 0 .  M a i  2 0 1 0

Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), 
Richter Daniele Cattaneo, Richterin Gabriela Freihofer, 
Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe.

A._______, geboren (...) c/o Schweizer Botschaft in 
Colombo, Sri Lanka,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 1. Februar 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-1316/2010

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer, ein Angehöriger tamilischer Ethnie und katho-
lischen  Glaubens  aus  B._______  (Nordprovinz),  reichte  am  22. Juli 
2009 – eingegangen am 27. Juli 2009 – bei der Schweizer Botschaft in 
Colombo ein Asylgesuch ein.

Dabei reichte er eine undatierte ärztliche Überweisung des C._______ 
Hospital in D._______ und eine Bestätigung des Transfers vom 18. Au-
gust 2008 vom erwähnten Spital ins E._______ Hospital zu den Akten.

B.
Mit  Schreiben  vom  6. August  2009  forderte  die  Botschaft  den  Be-
schwerdeführer  auf,  zu  darin  aufgelisteten  Fragen  detailliert  und 
schriftlich  Auskunft  zu  geben  und  diesbezügliche  Beweismittel  (inkl. 
Identitätspapiere)  einzureichen  sowie  bei  Bedarf  ins  Englische  zu 
übersetzen.

C.
Mit  Eingabe  vom  11. August  2009  ergänzte  der  Beschwerdeführer 
seine bisherigen Vorbringen und umschrieb seine Situation in Colom-
bo – wo er versteckt lebe – aufgrund des bestehenden Verhaftungsri-
sikos als  sehr  gefährlich. Darüber hinaus benötige er  eine weiterge-
hende  Behandlung  für  seine  Verletzung  (...).  Diese  könne  er  in 
Colombo nicht erbitten, da die Behörden ihn sonst ergreifen würden.

Als Beleg für seine Identität  reichte er in englischer Sprache je eine 
Kopie  seines  Fahrausweises,  seines  Geburtsscheines  und  seiner 
Ehebestätigung ein. Im Weiteren liegen allem Anschein nach die Ge-
burtsscheine seiner beiden Kinder in tamilischer oder singhalesischer 
Sprache bei.

D.
In einem weiteren Schreiben vom 22. Oktober 2009 betonte der Be-
schwerdeführer  ein  weiteres  Mal  seine  Hoffnung,  in  der  Schweiz 
Schutz finden zu können.

E.
Mit Schreiben vom 28. Oktober 2009 wurde der Beschwerdeführer von 
der Schweizer Botschaft  zu einem Interview eingeladen, welches am 

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16. November  2009 durchgeführt  wurde. Anlässlich  dieser  Anhörung 
gab der Beschwerdeführer ergänzende Angaben betreffend Persona-
lien,  Familie,  Schulbildung  und  Berufstätigkeit  zu  Protokoll.  Zur  Be-
gründung  seines  Asylgesuchs  machte  er  im  Wesentlichen  geltend, 
dass die LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) Menschen zu einem 
militärischen Training rekrutiert habe, welches er indes nicht vollzogen 
habe, da er verheiratet sei. Ausser gewissen Diensten, die er für die 
LTTE als  Mitglied  der  Gewerkschaft  der  Tuktukfahrer  erbracht  habe 
(z.B. mit  einem Lautsprecher  auf  dem Tuktuk  durch  die  Dörfer  oder 
einzelne  LTTE-Kader  an  einen  bestimmten  Ort  zu  fahren),  habe  er 
persönlich keine Verbindung zu dieser Befreiungsfront gehabt. Daher 
unterliege er  auch keinem Schutz  seitens dieser  Gruppierung. Ende 
2005 seien mehrmals Unbekannte in sein Haus gekommen und hätten 
ihn und seine Familie bedroht, da sie ihn als LTTE-Anhänger verdäch-
tigt hätten. Daraufhin sei er mit seiner Familie F._______ geflohen. Die 
Kinder seien indes krank geworden, weswegen seine Mutter diese im 
Jahr 2006 zu sich wieder nach G._______ genommen habe.

Auf der weiteren Flucht sei der Beschwerdeführer während eines Luft-
Bombardements von Bombensplittern (...)  verletzt  worden. Daraufhin 
sei  er  längere  Zeit  in  verschiedenen  Spitälern  zur  Behandlung 
gewesen. Seit seiner Entlassung aus dem Spital in E._______ sei er 
zusammen  mit  seiner  Ehefrau  weiter  vertrieben  worden.  Durch  die 
Massen von schutzsuchenden Personen sei er am 15. Mai 2009 von 
seiner Frau getrennt worden. Er selber habe sich auf den Weg nach 
H._______ gemacht. Am J._______ Checkpoint habe  die Armee ihn 
jedoch aufgegriffen und wegen seiner (...)verletzung zu einer Gruppe 
von LTTE-verdächtigen Personen in D._______ transportiert. Dort sei 
er  vom  Criminal  Investigation  Departement  (CID)  verhört  und 
aufgefordert  worden,  LTTE-Mitglieder  zu  identifizieren;   dem  sei  er 
indes  nicht  nachgekommen. Später  habe  der  Beschwerdeführer  von 
einem  tamilischen  CID-Mitarbeiter  für  LKR 20'000  und  (...)  seine 
Freiheit  zurück  gekauft.  Daraufhin  sei  er  zu  seiner  Cousine  nach 
I._______  gegangen,  wo  seine  Mutter  mit  seinen  Kindern  auf  ihn 
gewartet hätten. Später seien sie zusammen weitergeflüchtet und am 
5. Juni  2009 nach Colombo gelangt. Seine Ehefrau,  welche bis zum 
2. November  2009  im  erwähnten  IDP  Camp  gelebt  habe,  sei  in-
zwischen wieder in G._______.

In Colombo sei er wegen der Angst, aufgrund seiner (...)verletzung als 
LTTE-Anhänger  verhaftet  zu  werden,  nicht  registriert.  Er  wohne  mit 

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seinen Kindern, die eine Klosterschule besuchen würden, und seiner 
Mutter bei Tamilen, welche ursprünglich auch aus seinem Heimatdorf 
stammen würden. Die meiste Zeit verbringe er versteckt im Haus; vier 
bis fünf Mal habe er (...) Gelegenheitsarbeiten übernommen.

Zu  seiner  Familie  befragt,  gab  der  Beschwerdeführer  zu  Protokoll, 
dass sein älterer Bruder im Jahr (...) von der LTTE rekrutiert und noch 
im gleichen  Jahr  verletzt  worden sei.  Danach sei  er  –  seit  der  Ver-
letzung  (...)  –  von  der  LTTE auf  seine  technischen  Fähigkeiten  hin 
umgeschult worden. Heute lebe er zusammen mit seiner Ehefrau und 
seinen  zwei  Kindern  in  einem  Lager.  Ein  weiterer  Bruder  des 
Beschwerdeführers habe keine Beziehungen zur LTTE; dieser sei ein 
Student  gewesen. Ferner  hätten eine Schwester  seiner  Ehefrau und 
ihr Ehemann der LTTE angehört; beiden würden heute in einem Lager 
leben.

F.
Mit  Schreiben vom 17. November 2009 überwies die Schweizer Bot-
schaft die Akten dem BFM zur Entscheidung.

G.
Mit einem Schreiben vom 18. Januar 2010 informierte der Beschwer-
deführer, dass seine sich in G._______ aufhaltende Ehefrau von den 
Militärbehörden  mehrere  Male  in  K._______  über  seine  Person  und 
seine  Verbindungen  zur  LTTE  befragt  worden  sei.  Aufgrund  dieser 
neuen  Bedrohung  sei  sie  nach  D._______  entwichen,  wo  sie  indes 
unter  einem  grossen  Risiko  leben  würde.  Sie  habe  dem 
Beschwerdeführer  nahe  gelegt,  nicht  zurückzukehren,  da  einige 
Rückkehrer angegriffen worden seien.

H.
Mit Verfügung vom 1. Februar 2010 wies das BFM das Asylgesuch ab 
und verweigerte dem Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz.

Zur  Begründung wurde im Wesentlichen festgehalten,  dass  im Rah-
men von Krieg oder Situationen allgemeiner Gewalt erlittene Nachteile 
– soweit  nicht  absichtlich und gezielt  gegen eine Person gerichtet  – 
keine Verfolgung im Sinne von Art. 3  des Asylgesetzes vom 26. Juni 
1998  (AsylG,  SR  142.31)  darstellen  würden.  Die  erlittenen 
Verletzungen  des  Beschwerdeführers  (...)  seien  nicht  gezielt  gegen 
seine Person gerichtet gewesen. Vielmehr sei er ein zufälliges Opfer 

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der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der LTTE und der 
srilankischen Regierung.

Ferner  kam  das  BFM  im  Rahmen  einer  Gesamtwürdigung  zum 
Schluss, dass es bei  objektivierter  Betrachtungsweise nicht  überwie-
gend wahrscheinlich erscheine, dass der Beschwerdeführer in abseh-
barer Zeit  von einschneidenden Verfolgungsmassnahmen seitens der 
Behörden betroffen sein werde. Diese Feststellung wurde im Wesent-
lichen damit begründet, dass seit der Zerschlagung der LTTE in erster 
Linie Personen gesucht würden, welche in Führungsfunktionen oder in 
Kampfeinheiten tätig gewesen seien.

I.
Der  Entscheid  des  BFM  wurde  dem  Beschwerdeführer  mit  einem 
Schreiben – datiert vom 10. Februar 2010 – der Schweizer Botschaft 
in Colombo übermittelt.

J.
Mit  auf  den  19. Februar  2010  datierten  Eingabe  reichte  der  Be-
schwerdeführer  in  der  Schweiz  beim Bundesverwaltungsgericht  eine 
Beschwerde ein und beantragte sinngemäss die Aufhebung der  Ver-
fügung des BFM vom 1. Februar 2010 und die Bewilligung der Einreise 
in  die Schweiz sowie die Gewährung von Asyl. Er  führte  dabei  aus, 
dass die Suche nach LTTE-Mitgliedern weiterhin anhalte und dass die 
geltenden  Notvorschriften  sowie  das  Anti-Terrorismusgesetz  –  sinn-
gemäss – willkürliche Festnahmen durch die Regierung nach wie vor 
erlauben würden. Nur durch grosses Glück sei der Beschwerdeführer 
bis anhin nicht von der srilankischen Armee festgenommen worden.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht 
Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundesgesetzes 
vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine Aus-
nahme, was das Sachgebiet betrifft, ist nicht gegeben (Art. 32 VGG). 
Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung 
der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  in  diesem  Bereich 
endgültig (Art. 105 AsylG, Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsge-
setzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 

1.2 Die angefochtene Verfügung vom 1. Februar 2010 wurde durch die 
schweizerische Vertretung in  Colombo am 10. Februar  2010 an den 
Beschwerdeführer weitergeleitet. Die Beschwerdeeingabe datiert vom 
19. Februar 2010 und wahrt die Frist (Eingang Bundesverwaltungsge-
richt: 4. März 2010). Die Beschwerde ist folglich frist- und formgerecht 
eingereicht  (Art. 108  Abs. 1  AsylG,  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 52 
VwVG). Der Beschwerdeführer ist  durch die angefochtene Verfügung 
besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren 
Aufhebung beziehungsweise  Änderung; er  ist  daher  zur  Einreichung 
der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 48  Abs. 1 
VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art.  106  Abs.  1 
AsylG).

2.
Gemäss Art. 19 Abs. 1 AsylG kann ein Asylgesuch bei einer Schwei-
zerischen  Vertretung  im Ausland  gestellt  werden. Diese  führt  in  der 
Regel  mit  der  asylsuchenden Person eine Befragung durch. Ist  dies 
nicht möglich, ist die Person aufzufordern, ihre Asylgründe schriftlich 
festzulegen (Art. 10  der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über 
Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Die Schweizerische Vertre-
tung  überweist  das  Gesuch  sowie  einen  ergänzenden  Bericht  dem 
BFM, welches die  Einreise in  die Schweiz zur  Abklärung des Sach-

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verhalts bewilligt, wenn der schutzsuchenden Person nicht zugemutet 
werden kann,  im Wohnsitz-  oder  Aufenthaltsstaat  zu bleiben oder  in 
ein anderes Land auszureisen (Art. 20 Abs. 1 und 2 AsylG).

Das Bundesamt kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, 
wenn  die  asylsuchende  Person  keine  Verfolgung  glaubhaft  machen 
kann (Art. 3  und 7  AsylG)  oder  ihr  die  Aufnahme in  einen Drittstaat 
zugemutet werden kann (Art. 52 Abs. 2 AsylG).

Gestützt auf Art. 20 Abs. 3 AsylG kann das EJPD schweizerische Ver-
tretungen ermächtigen, Asylsuchenden die Einreise zu bewilligen, die 
glaubhaft machen, dass eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben 
oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG beste-
he.  Die  Voraussetzungen  für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung 
sind  grundsätzlich  restriktiv  umschrieben.  Den  Asylbehörden  kommt 
dabei  ein  weiter  Ermessensspielraum  zu.  Neben  der  erforderlichen 
Gefährdung  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  sind  namentlich  die  Bezie-
hungsnähe zur Schweiz und zu anderen Staaten, die Möglichkeit und 
objektive  Zumutbarkeit  einer  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die 
voraussichtlichen  Eingliederungs-  und  Assimilationsmöglichkeiten  in 
Betracht  zu  ziehen.  Ausschlaggebend  ist  mit  anderen  Worten  die 
Schutzbedürftigkeit der betreffenden Person, das heisst die Beantwor-
tung  der  Fragen,  ob  eine  Gefährdung  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG 
glaubhaft  erscheint und der Verbleib am Aufenthaltsort  für die Dauer 
der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann, beziehungsweise 
ob  der  betreffenden Person  –  ohne nähere  Prüfung  einer  allfälligen 
Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG – zuzumuten ist, sich in einem 
anderen  Staat  um Aufnahme  zu  bemühen  (vgl.  dazu  die  in  diesem 
Zusammenhang  nach  wie  vor  massgeblichen  Entscheidungen  und 
Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 
1997 Nr. 15 E. 2.e-g S. 130 f., EMARK 2004 Nr. 20 E. 3b S. 130 f. und 
Nr. 21 E. 2 S. 136 f., EMARK 2005 Nr. 19 E. 4 S. 174 ff.).

3.
3.1 Das BFM führte  zur  Begründung seiner  abweisenden Verfügung 
vom 1. Februar 2010 Folgendes aus:

Die  im  Mai  2008  anlässlich  eines  Bombenangriffs  der  srilankischen 
Armee  erlittene  schwere  Verletzung  (...)  sei  nicht  die  Folge  einer 
gezielt  gegen  die  Person  des  Beschwerdeführers  gerichteten  Mass-
nahme der Behörden. Vielmehr sei  der Beschwerdeführer ein zufälli-

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ges Opfer der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen der LTTE 
und  der  srilankischen  Regierung.  Daher  kämen  diesen  Vorbringen 
keine einreiserelevante Bedeutung zu.

Die  Befürchtung,  einer  künftigen  Verfolgungsmassnahme ausgesetzt 
zu sein, sei nur einreisebeachtlich, wenn begründeter Anlass zur An-
nahme bestehe, dass sich die Verfolgung mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit  und in absehbarer Zukunft  verwirklichen werde. Die Herkunft 
des  Beschwerdeführers  aus  G._______  sowie  die  Verletzung  (...) 
führten das Bundesamt in einer Gesamtwürdigung zum Schluss, dass 
es bei einer objektivierten Betrachtungsweise nicht überwiegend wahr-
scheinlich sei, dass der Beschwerdeführer in absehbarer Zukunft von 
einschneidenden Verfolgungsmassnahmen seitens  der  Behörden be-
troffen sei.

Die  Vorinstanz  schloss  zwar  nicht  aus,  dass  der  Beschwerdeführer 
angesichts seiner Verletzung von der Armee angehalten und verhört 
werden könnte. Doch könne aus den Spitalbelegen hergeleitet werden, 
dass er sich die Verletzung nicht im Rahmen von Kämpfen zugezogen 
habe. Im Weiteren weise der Beschwerdeführer angesichts der für die 
LTTE ausgeführten Aufträge kein Profil auf, bei welchem heute in Sri 
Lanka von einer akuten Gefährdung auszugehen sei.  Die Suche der 
Behörden nach (ehemaligen) Angehörigen der LTTE richte sich näm-
lich  in  erster  Linie  gegen  Personen,  die  in  Führungsfunktionen 
und/oder Kampfeinheiten der LTTE tätig gewesen seien. Daher sei der 
Beschwerdeführer auf den Schutz der Schweiz nicht angewiesen.

3.2 In  der  Beschwerdeschrift  vom  19. Februar  2010  hielt  der  Be-
schwerdeführer  der  vorinstanzlichen  Argumentation  sinngemäss  und 
im Wesentlichen entgegen,  dass aufgrund der  Suche nach den Mit-
gliedern der LTTE derzeit viele unschuldige Personen des nördlichen 
Gebietes  festgenommen und verhört  würden. Auch sei  er  als  tamili-
scher  Tuktukfahrer  aus  G._______  des  LTTE-Trainings  verdächtig. 
Zudem sei er aufgrund seiner Verletzung schon einmal in L._______ 
verhört  und  nur  durch  viel  Glück  nicht  festgehalten  worden.  In 
Colombo  habe  er  Angst,  sich  frei  zu  bewegen,  denn  die 
Notvorschriften  und  das  Anti-Terrorismusgesetz  –  aufgrund  dessen 
man verdächtige Menschen nach Boossa sende – seien immer noch in 
Kraft.

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4.
4.1 Nach der  Prüfung der  Akten gelangt  das  Bundesverwaltungsge-
richt zum Schluss, dass die Vorinstanz im Ergebnis richtig feststellte, 
dass der Beschwerdeführer nicht schutzbedürftig im Sinne des Asyl-
gesetzes  ist,  weshalb  es  zu  Recht  das  Asylgesuch  abwies  und  die 
Einreise verweigerte.

4.2 Der  Beschwerdeführer begründete  seine  Schutzbedürftigkeit 
damit,  dass er  einerseits aufgrund seiner Herkunft  aus der Nordpro-
vinz  –  er  stamme  ursprünglich  aus  M._______  und  habe  später  in 
G._______ gelebt – und anderseits als Folge seiner (...)  begründete 
Furcht habe, Opfer einer gezielten Verfolgungshandlung im Sinne von 
Art. 3 AsylG durch die srilankische Armee zu werden.

4.3 Bewaffnete Konflikte haben leidvolle Auswirkungen, insbesondere 
auf weite Teile der Zivilbevölkerung, die vor den Kriegsfolgen ausser 
Landes oder in andere Landesregionen flüchten. Diese Personen sind 
in der Regel indes nicht gezielt verfolgt. Individuell gezielte Nachteile 
im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  sind  erst  dann  anzunehmen,  wenn  die 
schutzsuchende Person nicht lediglich den gleichen Risiken und Ein-
schränkungen  wie  die  gesamte  Bevölkerung  ihres  Heimatstaates 
ausgesetzt ist,  und somit von den Ereignissen nicht lediglich  "reflex-
artig", im Sinne ungezielter "Nebenfolgen" eines Krieges, betroffen ist 
(vgl. EMARK 1998 Nr. 17 E. 4c.bb S. 153).

Die Sicherheitslage in Sri Lanka ist tatsächlich auch nach Beendigung 
des jahrelang andauernden bewaffneten  Konfliktes  zwischen der  Sri 
Lankan Army und der LTTE weiterhin sehr kritisch. "Gewalttaten und 
Menschenrechtsverletzungen [...]  werden nach wie vor überall  in  Sri 
Lanka  von  verschiedenen  Akteuren  begangen"  (vgl.  UNHCR-Richtli-
nien zur Feststellung des internationalen Schutzbedarfs sri-lankischer 
Asylsuchender [zusammenfassende Übersetzung], Juli 2009, S. 2 ff.). 
"Viele Tamilen sind Problemen hinsichtlich einer vermeintlichen politi-
schen  Überzeugung  oder  angeblicher  politischen  Aktivitäten  ausge-
setzt", die ihnen aus verschiedenen Gründen "unterstellt werden" (vgl. 
UNHCR-Richtlinien a.a.O., S. 5). "Ein Grossteil der aus Sri Lanka be-
richteten Menschenrechtsverletzungen betrifft  Tamilen  aus  dem Nor-
den" (vgl. UNHCR-Richtlinien a.a.O., S. 6). UNHCR nennt als Katego-
rien von Tamilen aus dem Norden,  bei  denen am ehesten eine Ver-
bindung zu der LTTE vermutet wird, junge Männer, von der LTTE aus-
gebildete  männliche  und  weibliche  Tamilen  sowie  Menschen  tamili-

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scher Ethnie, die keine ordnungsgemässen Personenstandsdokumen-
te aufweisen können, die über Kontakte zu den politischen Eliten ver-
fügen oder die im Norden geboren sind und in Colombo wohnen (vgl. 
UNHCR-Richtlinien a.a.O., S. 7; zur Situation im Grossraum Colombo 
vgl.  ferner  [BVGE]  Entscheide  des  Schweizerischen  Bundesverwal-
tungsgerichts 2008/2 E. 7.3).

Zusammenfassend ist  festzustellen,  dass  nicht  nur  Personen,  die  in 
Führungsfunktionen  tätig  waren  und/oder  an  Kampfhandlungen  teil-
genommen haben,  staatlicher Willkür  ausgesetzt  sein können. Es ist 
jedoch davon auszugehen, dass diese – wie vom BFM angenommen – 
tatsächlich am ehesten im Visier der Regierung sein dürften.

4.4 Der Beschwerdeführer ist wie andere Tamilen einem erhöhten Ri-
siko von willkürlichen und missbräuchlichen Massnahmen wie Sicher-
heitskontrollen,  Einschränkungen der  Bewegungsfreiheit,  Hausdurch-
suchungen  oder  Leibesvisitationen  ausgesetzt.  Indes  gehört  er  als 
Familienvater  nicht  zur  Gruppe  der  jungen  und  ledigen  tamilischen 
Männer mit  erhöhtem Risiko. Er hat darüber hinaus  Dokumente über 
seine  Identität  und  diejenigen  seiner  Kinder  vorzuweisen  (Geburts-
scheine).  Es  ist  zudem  nach  seinen  Aussagen  vom  16. November 
2009 davon auszugehen, dass er – abgesehen von seinem Bruder, der 
heute im Rollstuhl lebt, und dessen Familie sowie seiner Schwägerin 
und  ihrer  Familie  –  keine  Verbindung  zu  den  politischen  Eliten  der 
LTTE hat. Der Beschwerdeführer hat ferner persönlich zum Ausdruck 
gebracht,  nie  selber  politisch  tätig  gewesen  zu  sein.  Eine  Mitglied-
schaft  bei  der LTTE kann ihm aufgrund des Gesagten nicht nachge-
wiesen werden. 

Weiter kann aufgrund des Umstands, dass der Beschwerdeführer sich 
nach einem Verhör durch Angehörige der CID in D._______ für LKR 
20'000  und  (...)  habe  freikaufen  können  und  von  dort  weggefahren 
worden  sei,  angenommen  werden,  dass  die  srilankische  Armee  bei 
der Person des Beschwerdeführers nicht von einem Mitglied der LTTE 
ausgegangen  ist.  Nach  LTTE-Mitgliedern  befragt,  hat  er  –  unter 
Bedrohung – ferner keine solchen identifiziert.

Der  Beschwerdeführer  macht  neben seiner  Herkunft  seine Handver-
letzung geltend,  welche auf  eine Beteiligung am Krieg hindeute und 
ihn somit einer angeblichen LTTE-Mitgliedschaft  verdächtigen würde. 
Dieser Ansicht ist zu erwidern, dass bei einer möglichen Kontrolle eine 

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Spitalbehandlung in  D._______ der  Verletzung durch  Bombensplitter 
durch  die  diesbezüglichen  Belege  zu  erhärten  ist,  was  gegen  eine 
vermutete  Beteiligung  an  Kampfhandlungen  der  LTTE  vorgebracht 
werden kann.

Das  Bundesverwaltungsgerichts  stellt  darüber  hinaus  fest,  dass  der 
Beschwerdeführer einen sicheren Unterschlupf in Colombo bei Tamilen 
aus demselben Dorf gefunden hat und dass die Kinder in einer Klos-
terschule  unterrichtet  werden. Zudem besteht  die  Möglichkeit,  durch 
Gelegenheitsarbeiten ein kleines Einkommen zu verdienen. Nicht re-
gistrierte Tamilen laufen in Colombo zwar Gefahr, an den Checkpoints 
verhaftet zu werden, wenn die Anwesenheit nicht gerechtfertigt werden 
kann (vgl. BVGE 2008/2, E. 7.3 S. 18). Dieses Risiko kann durch eine 
Registrierung des Beschwerdeführers (und seiner Kinder) jedoch ent-
schärft werden. Es ist zwar dem Beschwerdeführer zuzustimmen, dass 
eine Vorsprache auf dem Polizeiposten zur Registrierung der Familie 
das Risiko birgt,  verhaftet zu werden. Doch kann er sich mindestens 
mit seinen Papieren ausweisen und verfügt nicht über das Profil jener 
Personen, an denen die Regierung das grösste Interesse haben dürfte 
(Führungspersonen und/oder Teilnahme an Kampfhandlungen).

4.5 Schliesslich ist anzufügen, dass der Beschwerdeführer in seinem 
Gesuch  keine  besonders  nahen  oder  aktuellen  Beziehungen  zur 
Schweiz geltend gemacht hat. Demnach wäre es ihm zuzumuten,  in 
einem anderen Land um Asylgewährung nachzusuchen (Art. 52 Abs. 2 
AsylG). So existieren viele Länder, die geografisch und kulturell näher 
liegen und die grundsätzlich zur Schutzgewährung in der Lage sind. 
Es bestehen keine aktenkundigen Anhaltspunkte, die darauf  schlies-
sen liessen, es sei ihm praktisch unmöglich oder objektiv unzumutbar, 
sich in einen anderen Staat in der Region zu begeben. Dies gilt umso 
mehr, als es sich beim Beschwerdeführer offensichtlich nicht um eine 
landesweit  bekannte  Persönlichkeit  handelt,  die  aufgrund  einer  be-
sonders exponierten Stellung bei einer Wegreise ins nahe Ausland al-
lenfalls befürchten müsste, verfolgt zu werden.

4.6 Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer 
keine aktuelle Gefährdung beziehungsweise keine konkreten Hinweise 
auf  eine unmittelbare künftige Verfolgung darzulegen vermochte. Die 
vom Beschwerdeführer  wenig substanziiert  geltend gemachte Furcht 
scheint ferner nicht derart zu sein, dass ihm der Verbleib im Heimat-
land nicht zugemutet werden könnte (Art. 20 Abs. 2 AsylG). Insgesamt 

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sind  daher  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  nicht  als 
einreiserelevante Gefährdung zu werten. Unter diesen Umständen hat 
die Vorinstanz dem Beschwerdeführer zu Recht die Erteilung der Ein-
reisebewilligung verweigert und das Asylgesuch abgewiesen.

5.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

6.
Bei diesem Ausgang wären die Verfahrenskosten von Fr. 600.- grund-
sätzlich dem Beschwerdeführer  aufzuerlegen (Art. 63  Abs. 1 VwVG). 
Aus verwaltungsökonomischen Gründen und in Anwendung von Art. 6 
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschä-
digungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR 173.320.2) 
ist  allerdings auf  die  Erhebung von diesen Verfahrenskosten  zu ver-
zichten.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 12

E-1316/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3.
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
Botschaft in Colombo.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe

Versand:

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