# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6bbf6f1a-fed5-5386-850b-01d915b053b5
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-08-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.08.2018 D-7230/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-7230-2017_2018-08-12.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-7230/2017 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 2 .  A u g u s t  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richter Simon Thurnheer (Vorsitz), 

Richter Markus König, 

Richter Hans Schürch,   

Gerichtsschreiber Gian-Flurin Steinegger. 

   

Parteien 

 
1. A._______, geboren am (…), 

und sein Sohn,   

2. B._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

beide vertreten durch lic. iur. Ursina Bernhard,  

BAS Beratungsstelle für Asylsuchende der Region Basel,  

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Vollzug der Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 27. November 2017 / N (…). 

 

 

 

D-7230/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführenden verliessen eigenen Angaben zufolge den Hei-

matstaat im November 2015, gelangten am 11. Dezember 2015 in die 

Schweiz, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchten. Nach der Befragung 

zur Person (BzP) im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel vom 

5. Januar 2016 wurden sie am 29. Mai 2017 vom SEM zu ihren Asylgrün-

den angehört. Im Wesentlichen machte Beschwerdeführer 1 bei den Be-

fragungen geltend, dass er, mit Ausnahme eines sechsmonatigen Aufent-

halts in Pakistan im Jahr 2001 und einem zweijährigen arbeitsbedingten 

Aufenthalt in C._______ von 2003 bis 2005 dauernd in Kabul gelebt habe. 

Seit seiner Rückkehr aus C._______ habe er als (…) für die (…) in Kabul 

gearbeitet. Die (…) sei immer wieder ins Visier der Taliban geraten und im 

Jahr 2015 sei in der Nähe der Schule eine Autobombe explodiert, wodurch 

er einen Hörschaden erlitten habe. Beschwerdeführer 2 machte anlässlich 

der Befragungen im Wesentlichen geltend, dass er bis zu deren Schlies-

sung die (…) besucht habe. Weil ihm in der Folge der Unterrichtsbesuch in 

einer (…) verwehrt worden sei, habe er sich fortan zu Hause aufgehalten.  

B.  

Das SEM stellte mit Verfügung vom 27. November 2017 – eröffnet am  

29. November 2017 – fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flücht-

lingseigenschaft nicht und lehnte die Asylgesuche ab. Gleichzeitig verfügte 

es die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegwei-

sung an. 

C.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 21. Dezember 

2017 beantragten die Beschwerdeführenden, die angefochtene Verfügung 

sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, sie wegen Unzumut-

barkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen. In prozessualer 

Hinsicht stellten sie den Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen Rechts-

pflege, um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und auf 

unentgeltliche Verbeiständung durch ihre Rechtsvertreterin.  

Als Beschwerdebeilage reichten die Beschwerdeführenden einen ärztli-

chen Bericht von D._______, (…), vom 15. April 2016, einen (…) von 

E._______, (…), vom 15. August 2016, einen ärztlichen Bericht von 

F._______, (…), vom 30. Oktober 2017, einen ärztlichen Bericht von 

F._______, (…), vom 2. November 2017, einen ärztlichen Bericht von 

G._______, (…), vom 14. Dezember 2017, einen ärztlichen Bericht von 

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Seite 3 

H._______, (…), vom 18. Dezember 2017, einen ärztlichen Krankheitsbe-

richt von I._______, vom 12. Dezember 2017 und ein Familienfoto sowie 

ein Foto der Unterkunft in Kabul zu den Akten.  

D.  

Mit Schreiben vom 22. Dezember 2017 bestätigte das Bundesverwaltungs-

gericht den Beschwerdeführenden den Eingang seiner Beschwerde. 

E. 

Mit Schreiben vom 27. Dezember 2017 reichten die Beschwerdeführenden 

durch ihre Rechtsvertreterin Fürsorgebestätigungen ein. 

F. 

In seiner Vernehmlassung vom 2. März 2018 führte das SEM aus, dass 

aus der Beschwerde hervorgehe, dass die Beschwerdeführenden mit den 

Brüdern von Beschwerdeführer 1 bis zu ihrer Ausreise in regelmässigem 

Kontakt gestanden seien. Indessen sei es aufgrund der Zusammenarbeit 

von Beschwerdeführer 1 mit Ausländern christlichen Glaubens zu Proble-

men mit Familienangehörigen gekommen, nicht jedoch mit seiner Mutter 

und seinen Geschwistern. Der Beschwerdeführer 1 habe sodann zu Pro-

tokoll gegeben, dass es unter Afghanen üblich sei, dass sich Familienmit-

glieder finanziell unterstützten, weshalb seine in Afghanistan zurückgeblie-

bene Kernfamilie von seinen Geschwistern und seiner Mutter unterstützt 

werde. Somit sei entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung 

von einem tragfähigen Beziehungsnetz in der Heimat auszugehen. Zum 

Beschwerdevorbringen, dass die finanziellen Mittel der Familie nicht aus-

gereicht hätten, um allen Kindern einen Schulbesuch zu ermöglichen, gelte 

es festzuhalten, dass Beschwerdeführer 2 anlässlich der Anhörung ausge-

sagt habe, dass alle vier Kinder die Schule besucht hätten. Betreffend die 

von Beschwerdeführer 1 geltend gemachten medizinischen Vorbingen 

müsse darauf hingewiesen werden, dass es sich dabei um die Folgen teils 

weit zurückliegender Ereignisse handle. So seien die Metallsplitter im Kör-

per und die Schmerzen in der Bauchgegend auf die Zeit des Beschwerde-

führers 1 in den Jahren 1989/1990 zurückzuführen. Es sei entgegen der 

Beschwerde nicht ersichtlich, weshalb diese gesundheitlichen Beeinträch-

tigungen, mit denen Beschwerdeführer 1 über Jahrzehnte zu leben und 

arbeiten vermocht habe, auf einmal eine Rückkehr nach Kabul verunmög-

lichen sollten, zumal Beschwerdeführer 1 im Jahr 2012 oder 2013 nach 

einer medizinischen Behandlung in J._______ bereits einmal nach Kabul 

zurückgekehrt sei. Es sei zudem nicht ersichtlich, dass eine fehlende me-

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dizinische Versorgung es Beschwerdeführer 1 verunmöglich hätte, mit er-

höhtem Bluthochdruck und erhöhtem Cholesterinspiegel in Kabul zu leben. 

Nicht zuletzt stehe es Beschwerdeführer 1 offen, medizinische Rückkehr-

hilfe zu beantragen.  

G.  

In ihrer Replik vom 29. März 2018 auf die vorinstanzliche Vernehmlassung 

entgegneten die Beschwerdeführenden, dass die Auslagen für ihre Familie 

in Kabul nicht vom Bruder von Beschwerdeführer 1, sondern aus dem übrig 

gebliebenen Geld aus dem Hausverkauf bezahlt würden, das bald aufge-

braucht sei. Weil der Bruder von Beschwerdeführer 1 derzeit nur unregel-

mässig arbeiten könne, hätten die Beschwerdeführenden im März 2018 

sogar vierhundert Franken nach Kabul geschickt. Zudem habe die Familie 

der Beschwerdeführenden wegen finanzieller Engpässe ihre Wohnung in 

K._______ einstweilen verlassen und lebe nun in einer günstigeren Bleibe 

in L._______. Von einer gesicherten Wohnsituation in Kabul könne somit 

nicht ausgegangen werden. Es stimme zudem nur bedingt, dass die Ge-

schwister von Beschwerdeführer 2 aus ideologischen Gründen nicht die 

(…) in Kabul besucht hätten; finanzielle Probleme hätten ebenfalls eine 

Rolle gespielt. Dass Beschwerdeführer 1 nach seiner medizinischen Be-

handlung in J._______ nach Kabul zurückgekehrt sei, bestätige gerade die 

fehlende medizinische Versorgung in Kabul. Als Alleinversorger seiner 

Frau und seiner vier Kinder habe Beschwerdeführer 1 auch gar keine an-

dere Wahl gehabt, als nach seinem medizinischen Eingriff in J._______ 

wieder nach Kabul zurückzukehren. Zudem sei belegt, dass sich die Si-

cherheitslage in Kabul in den vergangenen Monaten massiv verschlechtert 

habe. Eine Behandlung der gesundheitlichen Beschwerden von Beschwer-

deführer 1 wäre aufgrund des Verlustes seiner Arbeitsstelle in Kabul nicht 

denkbar, weil er sich die benötigten Medikamente gar nicht leisten könnte. 

Überdies habe sich der Beschwerdeführer 1 im März 2018 einer Fussope-

ration unterziehen müssen und Nachbehandlungen seien nicht ausge-

schlossen.  

Als Replikbeilagen reichten die Beschwerdeführenden einen ärztlichen Be-

richt von M._______ und N._______, (…), vom 5. März 2018, einen 

Sprechstundenbericht von O._______, (…), vom 6. März 2018 und einen 

Operationsbericht von P._______ und O._______, (…), vom 22. März 2018 

zu den Akten.  

 

 

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Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten.  

2.  

Die Beschwerdeeingabe der Beschwerdeführenden richtet sich aus-

schliesslich gegen den von der Vorinstanz angeordneten Vollzug der Weg-

weisung. Demnach ist die angefochtene Verfügung des SEM soweit sie die 

Verneinung der Flüchtlingseigenschaft und die Ablehnung des Asylgesu-

ches sowie die Wegweisung als solche (Dispositivziffern 1–3) betrifft, un-

angefochten in Rechtskraft erwachsen. 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

4.  

4.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

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4.2 Bezüglich des Geltendmachens von Wegweisungshindernissen gilt ge-

mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be-

weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu 

beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2). 

4.3  

4.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 

Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen 

Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-

lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK (SR 0.101) 

darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe 

oder Behandlung unterworfen werden. 

4.3.2 Wie die Vorinstanz in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend aus-

führte, schützt das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur 

Personen, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da bei den Beschwerde-

führenden die Flüchtlingseigenschaft rechtskräftig verneint worden ist, 

kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im 

vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der 

Beschwerdeführenden nach Afghanistan ist demnach unter dem Aspekt 

von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

4.3.3 Sodann ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwer-

deführenden für den Fall einer Ausschaffung nach Afghanistan mit beacht-

licher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK verbotenen Strafe oder 

Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europäischen Ge-

richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folter-

ausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr 

(„real risk“) nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer 

Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. 

Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kam-

mer 37201/06, §§ 124-127 m.w.H.). Solches ist nicht geschehen.  

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4.3.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne 

der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen – auch mit Blick auf 

die in der Beschwerdeschrift erneut geltend gemachte Gefährdungssitua-

tion der Beschwerdeführenden – zulässig. 

4.4  

4.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

4.4.2 Das SEM führte in der angefochtenen Verfügung betreffend die Zu-

mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus, eine Rückkehr in die Hauptstadt 

Kabul sei nicht generell unzumutbar, sondern könne unter besonders be-

günstigenden Umständen als zumutbar erkannt werden. Die Beschwerde-

führenden stammten aus Kabul und hätten fast ihr ganzes Leben dort ver-

bracht. Auch die Kernfamilie der Beschwerdeführenden und weitere Ver-

wandte lebten nach wie vor in Kabul. Eigenen Angaben zufolge gehe es 

den Familienangehörigen und Verwandten in Kabul gut. Die Kernfamilie 

lebe von ihren Ersparnissen und werde von Verwandten finanziell unter-

stützt. Die Beschwerdeführenden verfügten zudem über langjährige Be-

rufserfahrung beziehungsweise über eine gute Schulbildung. Demzufolge 

erweise sich der Vollzug der Wegweisung in den Heimatstaat als zumutbar.  

4.4.3 Demgegenüber wird in der Beschwerde vorgebracht, dass Be-

schwerdeführer 1 auf kein berufliches Netzwerk mehr zurückgreifen könne, 

weil die (…) geschlossen worden sei und alle Mitarbeiter das Land verlas-

sen hätten. Beschwerdeführer 2 sei der Unterrichtsbesuch an öffentlichen 

Schulen verweigert worden, da er in der (…) keinen Koranunterricht be-

sucht habe. Zudem habe Beschwerdeführer 1 zur Finanzierung der Flucht 

aus Afghanistan seinen Eigentumsanteil am Haus in Kabul an seine Brüder 

verkauft und ein Familienerbe ausgeschlagen, worauf die Kernfamilie in 

eine bescheidene, schlecht-isolierte 1-Zimmerwohung innerhalb Kabuls 

habe umziehen müssen. Die von Beschwerdeführer 1 erwähnten, vor al-

lem aus diesem Verkauf erfolgten Ersparnisse würden für die Bezahlung 

der Mietkosten verwendet und seien nächstens aufgebraucht. Auch leide 

Beschwerdeführer 1 unter gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Unter die-

sen Umständen sei der Vollzug der Wegweisung nicht zumutbar.  

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4.4.4 Gemäss dem als Referenzurteil publizierten Entscheid des Bundes-

verwaltungsgerichts D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017 ist der Vollzug 

nach Kabul zumutbar, falls besonders begünstigende Faktoren vorliegen 

und die betroffene Person ausnahmsweise nicht in eine existenzbedro-

hende Lage geraten würde (E. 8.4.1). Solche begünstigenden Vorausset-

zungen könnten grundsätzlich namentlich dann gegeben sein, wenn es 

sich bei der rückkehrenden Person um einen jungen, gesunden Mann 

handle, welcher im Heimatland über ein soziales Netz verfüge, das ihn wie-

der aufnehmen könne und tragfähig sei, so dass er sich dort wieder ein-

gliedern könne. Mithin müsse das soziale Netz in der Lage sein, ihm eine 

angemessene Unterkunft, die Grundversorgung und Hilfe zur sozialen und 

wirtschaftlichen Reintegration bieten zu können. Allein lose Kontakte zu 

Verwandten, Bekannten oder Mitgliedern der Kernfamilie würden insbe-

sondere dann kein tragfähiges Netz darstellen, wenn das wirtschaftliche 

Fortkommen und die Unterbringung ungeklärt seien. Zurückhaltung bei der 

Bejahung eines tragfähigen sozialen Beziehungsnetzes sei auch geboten, 

wenn die betroffene Person lediglich im Sinne einer Aufenthaltsalternative 

nach Kabul zurückkehre und dort kaum oder nie gelebt habe. Entscheidre-

levant sei ferner die Berufserfahrung der zurückkehrenden Person respek-

tive die Frage, inwiefern eine wirtschaftliche Wiedereingliederung mit einer 

bezahlten Arbeit im Zusammenspiel mit dem Beziehungsnetz begünstigt 

werden könne.  

4.4.5 Die Beschwerdeführenden stammen aus der Hauptstadt Kabul und 

lebten dort bis zu ihrer Ausreise im Jahr 2015. Die vorstehenden Ausfüh-

rungen sind daher auf sie anwendbar. In Übereinstimmung mit den Erwä-

gungen der Vorinstanz dürften sie auf ein tragfähiges soziales Beziehungs-

netz zurückgreifen können, welches ihnen eine angemessene Unterkunft, 

Grundversorgung sowie Hilfe zur sozialen und wirtschaftlichen Reintegra-

tion bieten kann. In Kabul leben neben weiteren Verwandten die Ehefrau 

(beziehungsweise die Mutter), die Kinder (beziehungsweise die Geschwis-

ter) der Beschwerdeführenden als Kernfamilie und engstes soziales Netz. 

Auf Beschwerdeebene wird nun neu geltend gemacht, dass die Kernfamilie 

unter prekären Umständen, namentlich in einer schlecht isolierten 1-Zim-

merwohnung in K.________ (Kabul) beziehungsweise gemäss Replik in 

L._______ lebe, dass die von Beschwerdeführer 1 erwähnten Ersparnisse 

für die Bezahlung der Mietkosten gebraucht würden und mithin nahezu auf-

gebraucht seien und dass auch die übrigen Verwandten, insbesondere die 

Brüder (beziehungsweise Onkel) der Beschwerdeführenden finanziell nicht 

in der Lage seien die Kernfamilie zu unterstützen, mithin schon deshalb 

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keine besonders begünstigenden Faktoren vorliegen würden. Dieser Auf-

fassung kann indessen nicht gefolgt werden, zumal sich in den Aussagen 

der Beschwerdeführenden nicht die geringsten Hinweise dafür finden las-

sen. So wurde die angeblich prekäre Unterkunftssituation der Kernfamilie 

in Kabul von den Beschwerdeführenden anlässlich der Befragungen mit 

keinem Wort erwähnt. Im Gegenteil führten die Beschwerdeführenden aus, 

dass die Kernfamilie zwar bisweilen unter Angst leide, es ihnen aber gut 

gehe und sie in Kabul ein gutes Leben geführt hätten (vgl. A22/17, F25/26). 

Gleiches gilt für das Vorbringen, dass die Brüder (beziehungsweise Onkel) 

die Kernfamilie aufgrund ihrer finanziellen Situation nicht unterstützen 

könnten und die erwähnten Ersparnisse bald aufgebraucht seien. So hat 

Beschwerdeführer 1 anlässlich der Befragungen ohne Relativierungen 

ausgeführt, dass die Kernfamilie auf die finanzielle Unterstützung seiner 

Brüder und seiner Mutter zählen könne, dies nach den heimatlichen Ge-

pflogenheiten sogar üblich sei (vgl. A22/17, F26). Auch die Beschwerdebe-

hauptung, die Ersparnisse der Kernfamilie seien bald aufgebraucht, findet 

keine Stütze in den Akten, viel mehr ist diesen zu entnehmen, dass es sich 

offensichtlich um eine wirtschaftlich gut situierte Familie handeln muss, zu-

mal Beschwerdeführer 1 eigenen Angaben zufolge gut verdient hat und im 

Stande gewesen ist, zweieinhalbtausend US-Dollar an einen Kommandan-

ten der Taliban und umgerechnet zirka vier-zehntausend Schweizerfranken 

für die Visa zu bezahlen (vgl. A22/17, F29). Die neuen Vorbringen erschei-

nen somit nicht glaubhaft und müssen als nachgeschobene Sachverhalts-

anpassung qualifiziert werden. Die als Beweismittel eingereichten Fotos 

vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern, zumal die Identität der 

abgebildeten Personen in keiner Weise feststeht. Der Zumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs stehen auch keine ökonomischen Gesichtspunkte 

entgegen. Beschwerdeführer 1 verfügt über eine langjährige Berufserfah-

rung als (…). Das auf Beschwerdeebene wiederholt angeführte Argument, 

er habe wegen der Schliessung der (…) sein ganzes berufliches Umfeld 

verloren, liefert mithin kein Indiz gegen seine berufliche Reintegration in 

Kabul, zumal er sich bereits in C._______ (vgl. A22/17, F12), wo er zwei 

Jahre gearbeitet hat und in der Schweiz, wo er zurzeit in der (…) als (…) 

arbeitet (vgl. A22/17, F5), alleine zurecht finden konnte, was ebenfalls für 

seine erneute Integrationsfähigkeit auch in Kabul spricht. Beschwerdefüh-

rer 2 verfügt über eine gute Schulbildung (vgl. A4/10, Ziff. 1.17.04). Sollte 

ihm der Besuch einer staatlichen Schule weiterhin erschwert werden, kann 

er eine Berufsausbildung beginnen, zumal er dazu im geeigneten Alter er-

scheint.  

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Seite 10 

Beschwerdeführer 1 hat auf Beschwerdeebene sodann eine umfangreiche 

medizinische Dokumentation zu den Akten gereicht, aus welcher die fol-

genden Beschwerden beziehungsweise Befunde ersichtlich werden: Per-

sistierende Unterbauchschmerzen (Status nach Unfall vor Jahren mit un-

klarer Bauch-OP), ossivizierte Diskushernie und Spinalkanalstenose (Wir-

belkanalverengung), "metalldichte Struktur von knapp 9 mm Ausdehnung" 

in der Leber, Innenohrschwerhörigkeit nach mehrfachem Explosions-

trauma ("An Taubheit grenzende Hörminderung links sowie mittelgradige 

Schwerhörigkeit rechts"), Tinnitus, gelegentlicher Schwindel, unklare Tho-

raxschmerzen (Verdacht auf Angina Pectoris), leichte Koronarsklerlose 

(Verhärtung der Herzkranzgefässe), Adipositas, fraglicher Diabetes melli-

tus Typ 2, Bluthochdruck, mehrere "metalldichte Fremdkörper" im rechten 

Unterschenkel (Bombensplitter), Hypercholesterinämie, Panikstörung und 

Schmerzen im rechten Sprunggelenk, welches am 22. März 2018 operativ 

behandelt wurde. Es ist vorliegend nicht zu verkennen, dass Beschwerde-

führer 1 unter einer Vielzahl gesundheitlicher Beschwerden leidet. Unter 

Beachtung sämtlicher gestellter Diagnosen gelangt das Gericht jedoch 

zum Schluss, dass eine Überstellung der Beschwerdeführenden nach Af-

ghanistan der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nicht entgegen-

steht. Aus den vorhandenen medizinischen Berichten geht nämlich nicht 

das Bild hervor, dass Beschwerdeführer 1 auf eine engmaschige psychiat-

rische und medizinische Betreuung angewiesen wäre. Die bisherige Be-

handlung von Beschwerdeführer 1 erfolgte – soweit ersichtlich – rein me-

dikamentös. Eine psychotherapeutische Behandlung oder gar eine statio-

näre Einweisung von Beschwerdeführer 1 ist – mit Ausnahme seiner Fuss-

operation – den Akten nicht zu entnehmen. Zudem deutet vieles darauf hin, 

dass die geltend gemachten gesundheitlichen Beeinträchtigungen im We-

sentlichen bereits bestanden, als er noch in seinem Heimatstaat lebte und 

es um Folgen teils weit zurückliegender Ereignisse handelt, was auch die 

Vorinstanz zutreffend erkannt hat. Es ist mithin nicht einzusehen, weshalb 

die gesundheitlichen Schwierigkeiten, mit denen Beschwerdeführer 1 teils 

über Jahre hinweg in Kabul gelebt hat, auf einmal eine Rückkehr nach Ka-

bul verunmöglichen sollten. Insbesondere haben die geltend gemachten 

gesundheitlichen Schwierigkeiten von Beschwerdeführer 1 einer Berufs-

ausübung als (…) in Kabul offenbar nicht entgegengestanden. Der zusam-

menfassende ärztliche Krankheitsbericht von I._______ vom 12. Dezem-

ber 2017 attestiert Beschwerdeführer 1 denn auch explizit eine hundertpro-

zentige Arbeitsfähigkeit als (…). Insgesamt darf somit betreffend den Ge-

sundheitszustand – entgegen den anderslautenden Beschwerdevorbrin-

gen – von einer günstigen Prognose für Beschwerdeführer 1 ausgegangen 

werden, zumal auch von einer grundsätzlichen Behandelbarkeit seiner in 

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Seite 11 

den ärztlichen Berichten als behandlungsbedürftig taxierten gesundheitli-

chen Beschwerden in Afghanistan ausgegangen werden kann. Beschwer-

deführer 1 hat auch die Möglichkeit, einen Medikamentenstock aus der 

Schweiz mitzunehmen, welcher zur Überbrückung in der Anfangszeit aus-

reichen sollte. Ergänzend kann sodann auf die vom Staatssekretariat er-

wähnte Möglichkeit der medizinischen Rückkehrhilfe verwiesen werden 

(Art. 93 Abs. 1 Bst. c AsylG und Art. 73 ff., insbesondere Art. 75 der Asyl-

verordnung 2 über Finanzierungsfragen vom 11. August 1999 [SR 

142.312]). Angesichts der vorstehenden Erwägungen geht das Gericht 

auch davon aus, dass es Beschwerdeführer 1 möglich sein wird, für die 

allenfalls anfallenden finanziellen Kosten einer medizinischen Behandlung 

aufzukommen. Ausgehend von den weiterhin intakten Familienverhältnis-

sen und der zu erwartenden Übernahme von Verantwortung und Sorge 

durch die Mutter, Ehefrau, Kinder und weiteren Verwandten ist das Gericht 

überzeugt, dass dem von diversen Ängsten und psychischen Beschwer-

den geplagten Beschwerdeführer 1 im Kreise seiner Familie in seiner Hei-

mat am besten geholfen werden kann.  

4.4.6 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch 

als zumutbar. 

4.5 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän-

digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen 

Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch 

BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-

lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

4.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 

5.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

6. 

6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer-

deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements 

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vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihre Rechtsbegehren 

jedoch nicht als aussichtslos betrachtet werden können und ihre Bedürftig-

keit ausgewiesen ist, ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen. Das Gesuch 

um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit vorliegen-

dem Urteil gegenstandslos geworden. 

6.2 Demgemäss ist auch das Gesuch um Beiordnung eines amtlichen 

Rechtsbeistandes gestützt auf Art. 110a Abs. 1 AsylG gutzuheissen und  

lic. iur. Ursina Bernhard als amtlicher Rechtsbeistand einzusetzen. Die 

Rechtsvertreterin der Beschwerdeführenden reichte eine Kostennote in der 

Höhe von Fr. 1‘775.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteueranteil) ein. Dieser 

Betrag erscheint angemessen und ist lic. iur. Ursina Bernhard als amtliches 

Honorar zu Lasten des Gerichts auszurichten.  

(Dispositiv nächste Seite) 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Lic. iur. Ursina Bernhard wird als amtlicher Rechtsbeistand eingesetzt. Ihr 

wird zu Lasten der Gerichtskasse ein Honorar von Fr. 1‘775.– entrichtet.  

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän-

dige kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter:   Der Gerichtsschreiber: 

  

Simon Thurnheer   Gian-Flurin Steinegger 

 

 

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