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**Case Identifier:** ad5a1055-5af3-577f-ad43-bda6b9261ddf
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-01-18
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 18.01.2022 VBE.2020.106
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2020-106_2022-01-18.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

2. Kammer 

 

 

VBE.2020.106 / za / ce       
Art. 7 

 

 

Urteil vom 18. Januar 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Peterhans, Präsidentin  

Oberrichterin Gössi  

Oberrichterin Schircks Denzler  

Gerichtsschreiber Zürcher          

 

 
   

Beschwerde- 

führer  

 A._____   

vertreten durch Dr. iur. Volker Pribnow, Rechtsanwalt,  

Stadtturmstrasse 10, Postfach, 5401 Baden    

 

     
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 Zürich Versicherungs- Gesellschaft AG, Litigation, Postfach,  

8085 Zürich Versicherung   

 

     
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend UVG 

(Einspracheentscheid vom 30. Januar 2019 [recte 2020]) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Der 1963 geborene Beschwerdeführer war bei der Beschwerdegegnerin 

gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am 29. Mai 2015 als In-

struktor bei einem Motorrad-Fahrtraining von einem teilnehmenden Motor-

radfahrer frontal angefahren wurde und dadurch auf den Hinterkopf und 

Rücken fiel, wobei er sich ein Polytrauma (leichtes Schädel-Hirn-Trauma, 

Rissquetschwunde occipital, stumpfes Thorax trauma, Processus spinosus 

Fraktur BWK II – VIII, Décollement mit Hämatom zwischen der autochtho-

nen Rückenmuskulatur und Faszie, Extremitätentrauma) zuzog. Die Be-

schwerdegegnerin erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen 

(Heilbehandlung und Taggelder). Gestützt auf das von ihr in Auftrag gege-

bene polydisziplinäre Gutachten der B. Klinik vom 21. November 2017 

stellte sie mit Verfügung vom 12. März 2019 beziehungsweise nach durch-

geführtem Einspracheverfahren mit Einspracheentscheid vom 30. Januar 

"2019" (recte 2020) die Leistungen für Heilbehandlungen und Taggelder 

per 6. Dezember 2017 ein. Hingegen sprach sie dem Beschwerdeführer 

wegen einer Integritätseinbusse von 5 % eine Entschädigung von 

Fr. 6'300.00 zu. 

 

2. 

2.1. 

Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 2. März 2020 frist-

gerecht Beschwerde und stellte folgende Anträge: 

 

" 1. 
Der Einspracheentscheid vom 30. Januar 2020 sei aufzuheben, und es 
seien dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistungen aus der obliga-
torischen Unfallversicherung gemäss UVG zuzusprechen, namentlich 
Taggeld und die Übernahme der Heilungskosten sowie eine Invalidenrente 
und eine Integritätsentschädigung. 
 
2. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegne-
rin." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 30. März 2020 beantragte die Beschwerdegeg-

nerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

In der Replik vom 14. April 2020 hielt der Beschwerdeführer an seinen 

Rechtsbegehren fest und beantragte ergänzend, es sei ihm unabhängig 

vom Ausgang des Verfahrens aufgrund der Verletzung der Aktenführungs-

pflicht durch die Beschwerdegegnerin eine zusätzliche Parteientschädi-

gung von wenigstens Fr. 2'000.00 zuzusprechen.  

 - 3 - 

 

 

 

2.4. 

Die Beschwerdegegnerin bestätigte mit Duplik vom 13. Mai 2020 ihre An-

träge. 

 

2.5. 

Mit Verfügung vom 10. Juni 2020 hielt die Instruktionsrichterin fest, das von 

der Beschwerdegegnerin eingereichte Aktendossier erfülle die bundesge-

richtlichen Grundsätze der Aktenführungspflicht (Erfordernis der Paginie-

rung der Akten sowie chronologische Auflistung der Akten) offenkundig 

nicht, weshalb das mangelhafte Dossier retourniert und die Beschwerde-

gegnerin aufgefordert werde, umgehend, spätestens innert 10 Tagen, ein 

ordentlich geführtes Aktendossier einzureichen.  

 

2.6. 

Der Beschwerdeführer informierte mit Eingabe vom 17. Juni 2020 über eine 

bevorstehende polydisziplinäre Begutachtung durch die SVA Aargau, IV-

Stelle, und beantragte die Sistierung des Verfahrens bis zum Vorliegen des 

Gutachtens. Nach Stellungnahme der Beschwerdegegnerin vom 23. Juni 

2020 sistierte die Instruktionsrichterin das Verfahren mit Verfügung vom 

1. Juli 2020 bis zum Vorliegen des von der IV-Stelle Aargau angeordneten 

Gutachtens. 

 

2.7. 

Mit Eingabe vom 12. April 2021 reichte der Beschwerdeführer das polydis-

ziplinäre Gutachten des Zentrums für Medizinische Begutachtung (ZMB), 

Basel, vom 18. Februar 2021 zu den Akten. Die Instruktionsrichterin hob in 

der Folge mit Verfügung vom 13. April 2021 die Sistierung des Verfahrens 

auf und stellte das ZMB-Gutachten den Parteien zur Kenntnisnahme und 

allfälligen Stellungnahme zu. 

 

2.8. 

Am 30. April 2021 nahm die Beschwerdegegnerin zum Gutachten Stellung 

und hielt an ihren Anträgen fest. 

 

2.9. 

Der Beschwerdeführer beantragte in seiner Eingabe vom 4. Mai 2021, es 

sei für die Festlegung der unfallbedingten Leistungen der Beschwerdegeg-

nerin auf die Ergebnisse des Gutachtens des ZMB abzustellen. 

 

2.10. 

Mit Eingabe vom 7. September 2021 legte der Beschwerdeführer den Vor-

bescheid der IV-Stelle vom 31. August 2021 (IV-Grad: 68 %) ins Recht. 

 

 - 4 - 

 

 

 

2.11. 

Die Instruktionsrichterin zog mit Verfügung vom 10. September 2021 bei 

der IV-Stelle die IV-Akten bei. Dem leistete die IV-Stelle mit Schreiben vom 

15. September 2021 Folge. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Leistungen für 

Heilbehandlungen und Taggelder mit Einspracheentscheid vom 30. Januar 

2020 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 59) zu Recht per 6. Dezember 2017 

eingestellt hat und in diesem Zusammenhang insbesondere, ob die vom 

Beschwerdeführer für den Zeitraum nach dem 6. Dezember 2017 geltend 

gemachten Beschwerden noch auf den Unfall vom 29. Mai 2015 zurückzu-

führen sind. 

 

2. 

2.1. 

Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, 

dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krank-

heit, Invalidität, Tod) ein natürlicher und ein adäquater Kausalzusammen-

hang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs 

sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg 

nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur 

gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann (BGE 129 V 177 E. 3.1 

S. 181 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f. und 129 V 

402 E. 4.3.1 S. 406). Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis sodann als 

adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnli-

chen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich 

geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der 

Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt er-

scheint (BGE 129 V 177 E. 3.2 S. 181; 129 V 402 E. 2.2 S. 405; 125 V 456 

E. 5a S. 461 f.). 

 

2.2. 

Im Sozialversicherungsrecht spielt die Adäquanz als rechtliche Eingren-

zung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden 

Haftung des Unfallversicherers im Bereich organisch objektiv ausgewiese-

ner Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitge-

hend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 112 mit 

Hinweis auf BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103). Objektivierbar sind Ergeb-

nisse, die reproduzierbar und von der Person des Untersuchenden und den 

Angaben des Patienten unabhängig sind. Organisch objektiv ausgewie-

sene Unfallfolgen liegen vor, wenn die erhobenen Befunde mit apparati-

ven/bildgebenden Abklärungen bestätigt werden (vgl. BGE 134 V 109 E. 9 

 - 5 - 

 

 

 

S. 122, 117 V 359 E. 5d/aa S. 363; SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 mit Hinwei-

sen, U 479/05 E. 5.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_806/2007 vom 7. Au-

gust 2008 E. 8.2 mit weiteren Hinweisen).  

 

Anders verhält es sich bei natürlich unfallkausalen, aber organisch nicht 

objektiv ausgewiesenen Beschwerden. Hier ist bei der Beurteilung der Adä-

quanz vom augenfälligen Geschehensablauf auszugehen, und es sind je 

nachdem weitere unfallbezogene Kriterien einzubeziehen (BGE 134 V 109 

E. 2.1 S. 112 mit Hinweis unter anderem auf BGE 115 V 133 E. 6 

S. 138 ff.).  

 

2.3. 

Der Versicherungsträger und das Gericht (vgl. Art. 61 lit. c in fine ATSG) 

haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisre-

geln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des 

Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die strei-

tigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch 

die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten 

(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen 

Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein-

leuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind 

(BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).  

 

3. 

3.1. 

Die Beschwerdegegnerin stützte sich in ihrem Einspracheentscheid vom 

30. Januar 2020 im Wesentlichen auf das Gutachten der B. Klinik vom 21. 

November 2017, aus welchem unter anderem die Diagnosen St. n. Poly-

trauma infolge Unfall vom 29. Mai 2015, chronische Spannungstypkopf-

schmerzen (DD: Kopfschmerz bei Schmerzmittelübergebrauch), neuropsy-

chologische Untersuchung mit nicht validen Ergebnissen und Zeichen einer 

nicht-authentischen Beschwerde-/Symptom- und Leistungsdarstellung, 

keine psychopathologische Störung und Spondylolisthesis Meyerding Grad 

I L5 auf S1 ohne assoziierte neurologische Reiz- oder Ausfallsymptomatik 

hervorgehen (VB 6 S. 79 f.). Aus neurologischer Sicht fänden sich keine 

Hinweise auf eine durch den Unfall vom 29. Mai 2015 bedingte bleibende 

Schädigung des zentralen oder peripheren Nervensystems. Eine leichte 

traumatische Hirnverletzung sei zwar anzunehmen, eine daraus resultie-

rende bleibende Hirnschädigung mit daraus folgenden chronischen kogni-

tiven Einschränkungen hingegen nicht. Des Weiteren könne ein chroni-

scher Spannungstypkopfschmerz diagnostiziert werden, jedoch weder ein 

posttraumatischer Kopfschmerz noch eine HWS Distorsion (VB 6 S. 69). In 

psychiatrischer Hinsicht bestehe keine krankheitswertige Störung. Allen-

falls habe vorübergehend eine Anpassungsstörung bestanden, am ehesten 

habe aber lediglich eine adäquate psychische Reaktion des Beschwerde-

führers auf den Unfall stattgefunden (VB 6 S. 77). In der neurologischen 

 - 6 - 

 

 

 

Beurteilung würden die auffälligen Ergebnisse der standardisierten Symp-

tomvalidierung und die Inkonsistenzen in den Testergebnissen wie auch im 

Vergleich mit den neuropsychologischen Vorbefunden eine nicht-authenti-

sche Beschwerde-/Symptom- und Leistungsdarstellung nahelegen. Das im 

Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung ermittelte kognitive 

Leistungsprofil besitze somit keine valide Aussagekraft. Die subjektiv be-

schriebenen kognitiven Einschränkungen seit dem Unfall seien untypisch 

für die Folge einer milden traumatischen Hirnverletzung. Für den natürli-

chen Verlauf und nun gut zwei Jahre nach dem erlittenen Unfall wäre zu 

erwarten gewesen, dass die kognitiven Beschwerden rückgängig seien 

bzw. sich vollständig erholt hätten. Negative Störwirkungen und Interferen-

zen durch psychologisch-affektive Phänomene seien zwar prinzipiell mög-

lich, könnten aber nicht die auffälligen Leistungen in den Symptomvalidie-

rungsverfahren erklären. Weder eine depressive Störung noch Schmerz-

beschwerden könnten die Leistungen (z.B. im TOMM) derart negativ be-

einflussen (VB 6 S. 74). Die Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit sei 

längstens während sechs Monaten nach dem Unfallereignis eingeschränkt 

gewesen. Seither beständen keine unfallbedingten Einschränkungen mehr 

in der angestammten Tätigkeit als Geschäftsleiter (VB 6 S. 83 f.). Der In-

tegritätsschaden betrage 5 % (VB 6 S. 86). An dieser Einschätzung hielten 

die Gutachter mit ergänzenden Stellungnahmen vom 23. Februar 2018 

(VB 4 ZM 58) sowie vom 14. Mai 2018 (VB 4 ZM 56) fest. 

 

3.2. 

Das Gutachten der B. Klinik wurde der IV-Stelle zugestellt, nachdem diese 

die Akten der Unfallversicherung angefordert hatte. Die IV-Stelle legte das 

Gutachten in der Folge der RAD-Ärztin Dr. med. C., Fachärztin für Ortho-

pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, zur Be-

urteilung vor. Diese kam mit Stellungnahme vom 14. Oktober 2019 zum 

Schluss, auf das Gutachten der B. Klinik könne abgestützt werden. Die 

Gutachter setzten sich mit den divergierenden Meinungen auseinander, so 

mit (den Angaben) der versicherten Person selbst wie auch den Vorunter-

suchungen der behandelnden Ärzte. Die Beschwerden am rechten Hand-

gelenk sowie die Processus spinosi-Fraktur BKW II – VIII ständen mit über-

wiegender Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit dem Unfallereignis 

vom 29. Mai 2015. Die Kopfschmerzen und die angegebenen kognitiven 

Beschwerden seien nicht unfallkausal (IV-Akten, act. 49 S. 6). 

 

3.3. 

Der Beschwerdeführer reichte im IV-Verfahren im Rahmen der Einwände 

zum Vorbescheid der IV-Stelle vom 21. Oktober 2019 eine Stellungnahme 

des Kantonsspitals D. vom 14. Mai 2019 zum Gutachten der B. Klinik ins 

Recht. Darin wurde festgehalten, dass sich bei den (eigenen) Untersuchun-

gen weder im Gespräch, auf Verhaltensebene oder im Rahmen der neu-

ropsychologischen Untersuchungen Inkonsistenzen gezeigt hätten, welche 

 - 7 - 

 

 

 

auf eine negative Antwortverzerrung hätten hinweisen können. Entspre-

chend hätten sich keine Hinweise auf eine willentliche Täuschung durch 

den Beschwerdeführer im Rahmen sämtlicher neuropsychologischer Un-

tersuchungen im D. ergeben (IV-Akten, act. 54 S. 9). Sowohl die subjektiv 

beschriebenen als auch testspezifisch erhobenen Beschwerden und Be-

funde zu den Untersuchungszeitpunkten August und Oktober 2015 hätten 

sich passend mit den zu erwartenden Folgen der leichten traumatischen 

Hirnverletzung zu diesem Zeitpunkt gezeigt, wobei bereits in der Beurtei-

lung von Oktober 2015 auf einen langsamen Verlauf verwiesen worden sei. 

Eine ausschliessliche Kausalität auf das Schädelhirntrauma zurückzufüh-

render kognitiver Beschwerden und Befunde sei bereits in der Untersu-

chung Juli 2016 nicht mehr getätigt und die Abnahme der Leistung sei äti-

ologisch auf eine affektiv-pathologische Komponente zurückgeführt wor-

den. In der letzten Untersuchung von April 2017 sei eine Kausalität nicht 

mehr beschrieben worden (IV-Akten, act. 54 S. 10). Die im Teilgutachten 

des B.-Gutachtens beschriebenen und im Rahmen der dortigen gutachter-

lichen Untersuchung erhobenen Inkonsistenzen seien "konsistent" und leg-

ten "zumindest eine Tendenz zu einer nicht optimalen Leistungsbereit-

schaft nahe". Eine Quantifizierung der kognitiven Einschränkungen zum 

damaligen Zeitpunkt sei "entsprechend nachvollziehbar nicht möglich" ge-

wesen (IV-Akten, act. 54 S. 12). 

 

3.4. 

Dr. med. C. erachtete in der Folge aufgrund einiger Differenzen im neu-

ropsychologischen Teilgutachten der B. Klinik sowie den neuropsychologi-

schen Verlaufsuntersuchungen des D. eine erneute polydisziplinäre Begut-

achtung für angezeigt (IV-Akten, act. 64 S. 3). 

 

3.5. 

3.5.1. 

Gemäss der sodann erfolgten Begutachtung durch das ZMB bzw. dem da-

raus resultierenden Gutachten vom 18. Februar 2021 liege beim Beschwer-

deführer als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittel-

schwere neuropsychologische Störung, multifaktoriell bedingt, DD (initial) 

organisches Psychosyndrom bei Status nach Schädelhirntrauma mit leich-

ter traumatischer Hirnverletzung vom 29. Mai 2015 / (im Verlauf) reaktiv bei 

Unfallfehlverarbeitung und depressiver Entwicklung; aktuell mittelgradige 

depressive Störung vor (IV-Akten, act. 89.1 S. 12). In der angestammten 

wie in einer angepassten Tätigkeit bestehe ab einem Jahr nach Unfall eine 

40%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit, welche in der sich überlagernden 

Summe der psychiatrischen und neuropsychologischen Einschränkungen 

begründet sei (IV-Akten, act. 89.1 S. 18 f.).  

 

 - 8 - 

 

 

 

3.5.2. 

In neurologischer Hinsicht beständen keine Zweifel an einer stattgehabten 

milden traumatischen Hirnschädigung. Die Schwere des Schädelhirntrau-

mas sei jedoch am untersten Ende des Spektrums anzusiedeln. In diesem 

milden Bereich könne nach allgemeiner Erfahrung davon ausgegangen 

werden, dass längerfristig keine Residuen persistierten, insbesondere nicht 

ein organisches Psychosyndrom. Bei Persistenz von Beschwerden sei von 

einer Überlagerung durch Interferenzfaktoren auszugehen, so auch beim 

Beschwerdeführer, wobei in erster Linie psychische Beschwerden und in 

zweiter Linie Schmerzen zu nennen seien (IV-Akten, act. 89.5 S. 8 f.).  

 

3.5.3. 

Die aktuelle neuropsychologische Testung lasse zwar eine gewisse Rest-

symptomatik des leichten Schädelhirntraumas auf die aktuelle kognitive 

Leistungsfähigkeit im Rahmen der aktuellen Forschungsergebnisse nicht 

ausschliessen. Das Ausmass der aktuell objektivierten kognitiven Störun-

gen spreche jedoch klar für eine psychische Überlagerung. Ausserdem sei 

auch der Verlauf (erst stetige Verbesserung der kognitiven Defizite bis auf 

ein gewisses Niveau, danach Verschlechterung) keinesfalls mit dem leich-

ten Schädelhirntrauma in Verbindung zu bringen, sondern sei erst im Rah-

men der hinzugekommenen psychischen Beschwerden zu erklären (IV-Ak-

ten, act. 89.1 S. 11). 

 

3.5.4. 

Die im Gutachten der B. Klinik erzielten neuropsychologischen Testergeb-

nisse liessen den damaligen Verdacht auf eine Symptomverdeutlichung / 

Aggravation als nachvollziehbar erscheinen. Die berichteten Inkonsisten-

zen seien aber kritisch zu hinterfragen. Zum Beispiel die im B.-Gutachten 

bemängelte Punktwertabweichung des Gesamt-IQs von 82 im Vergleich 

zum "Allgemeinen Fähigkeitsindex" von 99 sei bei Betroffenen mit neu-

ropsychologischen Beeinträchtigungen sowie Depressionen geradezu zu 

erwarten. Sodann seien Inkonsistenzen zwischen Ergebnissen von Tests 

beschrieben, die nur schwierig miteinander zu vergleichen seien (z.B. TMT 

A vs. ZST oder SYS, da der TMT A automatisiert erfolge, während bei den 

anderen ein visueller Abgleich zu erfolgen habe). Andere beschriebene In-

konsistenzen seien zwar nachvollziehbar (z.B. starke schwankende Reak-

tionszeiten bei computergestützten Aufmerksamkeitsübungen). In der ak-

tuellen Untersuchung habe der Beschwerdeführer aber ein komplett kon-

sistentes und relativ stabiles kognitives Leistungsprofil gezeigt (IV-Akten, 

act. 89.7 S. 18 f.). Betreffend das depressive Leiden habe der Beschwer-

deführer bereits im Zeitpunkt der gutachterlichen Untersuchung durch die 

B. Klinik einen BDI II-Wert von 22 erreicht, was auf eine mittelschwere Aus-

prägung depressiver Symptome hinweise. Damals sei aufgrund seiner An-

gaben über eine unauffällige Stimmungslage aber davon ausgegangen 

worden, dass dieser hohe Punktewert im Rahmen einer Übertreibung der 

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Beschwerden erklärt werden könne. Retrospektiv sei aufgrund der aktuel-

len Befunde jedoch davon auszugehen, dass der Versicherte eher beste-

hende depressive Symptome im Gespräch bagatellisiert habe. Gemäss 

psychiatrischem Teilgutachten werde denn auch von einer hohen Abwehr 

ausgegangen und "vor der Angst", sich mit sich selbst auseinanderzuset-

zen (IV-Akten, act. 89.6 S. 10; 89.7 S. 19 f.).  

 

4. 

In einer Gesamtschau der dargelegten medizinischen Berichte erhellt, dass 

der Beschwerdeführer anlässlich des Unfallereignisses vom 29. Mai 2015 

mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein Schädelhirntrauma im milden 

Bereich erlitten hat, welches anfangs zu zum Trauma adäquaten neuropsy-

chologischen Einschränkungen führte. Die behandelnden Ärzte des D. und 

die ZMB-Gutachter gingen in der Folge übereinstimmend davon aus, dass 

es spätestens rund ein Jahr nach dem Unfallereignis zu einer (vollumfäng-

lichen) Ablösung der traumatisch-organischen Unfallfolgen durch eine psy-

chische Überlagerung gekommen war, welche in der Folge zu einer Ver-

schlechterung der neuropsychologischen Befunde führte und gemäss D. 

spätestens seit April 2017 hauptverantwortlich für die neuropsychologi-

schen Beschwerden war bzw. ab diesem Zeitpunkt keine Kausalität zwi-

schen dem Schädelhirntrauma und der kognitiven Leistungseinschränkung 

bestand. Zum gleichen Ergebnis (Fehlen von unfallkausalen kognitiven Be-

schwerden im Zeitpunkt der Begutachtungen im Juli / August 2017 [VB 6 

S. 2] bzw. sechs Monate nach dem Unfallereignis [vgl. E. 3.1.]) gelangen 

grundsätzlich auch die Gutachter der B. Klinik, wenn auch mit der Begrün-

dung, das mit der neuropsychologischen Untersuchung ermittelte kognitive 

Leistungsprofil besitze keine valide Aussagekraft, weshalb keine (und da-

mit auch keine unfallkausalen) neuropsychologischen Defizite bei der Be-

urteilung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt wurden.  

 

Als Zwischenergebnis ist daher festzuhalten, dass allfällige seit der Leis-

tungseinstellung per 7. Dezember 2017 noch bestandenen kognitiven Ein-

schränkungen auf einer nicht-organischen Grundlage beruhten. 

 

5. 

5.1. 

Es ist somit zu prüfen, ob die gemäss den Berichten des D. sowie dem 

ZMB-Gutachten bestehenden Beschwerden in einem adäquaten Kausal-

zusammenhang zum Unfallereignis vom 29. Mai 2015 stehen. Hierzu ist 

vorab festzuhalten, dass die im Rahmen der neuropsychologischen Tes-

tung durch die Gutachter der B. Klinik festgehaltenen, gewissen Inkonsis-

tenzen im Antwortverhalten des Beschwerdeführers zwar als möglich er-

scheinen. Gemäss den nachvollziehbaren Ausführungen des D. vom 14. 

Mai 2019 sowie im ZMB-Gutachten vom 18. Februar 2021 bestehen jedoch 

Zweifel daran, ob die Interpretation der Inkonsistenzen den Schluss einer 

 - 10 - 

 

 

 

fehlenden Validität der Untersuchungsergebnisse zulässt. Unbesehen des-

sen erachteten die behandelnden Ärzte des D. sowie insbesondere die 

ZMB-Gutachter zumindest die während ihrer eigenen Untersuchungen er-

hobenen Befunde als konsistent und valide. Mangels anderslautender Hin-

weise ist auf die daraus resultierenden Einschätzungen (Arbeitsfähigkeit 

von 50 % gemäss Bericht des D. vom 14. Juli 2017 aus rein neurologisch-

, neuropsychologischer Sicht [VB 7 ZM 43]; Arbeitsfähigkeit von 40 % ge-

mäss ZMB-Gutachten unter zusätzlicher Berücksichtigung der psychischen 

Diagnose [vgl. E. 3.5.1. hiervor]) abzustellen.  

 

5.2. 

Bei der Beurteilung der Adäquanz von organisch nicht (hinreichend) nach-

weisbaren Unfallfolgeschäden ist rechtsprechungsgemäss (BGE 127 V 

102 E. 5b/bb S. 103 mit Hinweisen) wie folgt zu differenzieren: Es ist zu-

nächst abzuklären, ob die versicherte Person beim Unfall ein Schleuder-

trauma der Halswirbelsäule, eine dem Schleudertrauma äquivalente Ver-

letzung oder ein Schädelhirntrauma erlitten hat. Ist dies nicht der Fall, ge-

langt die Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140 zur An-

wendung (Psycho-Praxis). Ergeben die Abklärungen, dass die versicherte 

Person eine der soeben erwähnten Verletzungen erlitten hat, muss beurteilt 

werden, ob die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung 

gehörenden Beeinträchtigungen (vgl. dazu: BGE 119 V 335 E. 1 S. 338) 

zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber 

ganz in den Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die Adäquanzbeurtei-

lung ebenfalls die in BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140 für Unfälle mit psychi-

schen Folgeschäden aufgestellten Grundsätze massgebend; andernfalls 

erfolgt die Beurteilung der Adäquanz gemäss den in BGE 117 V 359 E. 6a 

S. 366 und 117 V 369 E. 4b S. 382 festgelegten, mit BGE 134 V 109 

E. 10.2 f. S. 127 ff. modifizierten Kriterien (vgl. BGE 123 V 98 E. 2a S. 99 

mit Hinweisen).  

 

5.3. 

Gemäss Austrittsbericht des D. vom 9. Juni 2015 wurde beim Beschwer-

deführer nach dem Unfall unter anderem ein leichtes Schädelhirntrauma 

diagnostiziert (VB 7 ZM 1). Praxisgemäss genügt ein Schädelhirntrauma, 

welches höchstens den Schweregrad einer Commotio cerebri (leichtes 

Schädelhirntrauma, Gehirnerschütterung) – nicht im Grenzbereich zu einer 

Contusio cerebri – erreicht, grundsätzlich nicht für die Anwendung der 

Schleudertrauma-Praxis (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_632/2018 vom 

10. Mai 2019 E. 7.2.2). Selbst wenn jedoch vorliegend von einem Schleu-

dertrauma von ausreichender Schwere ausgegangen würde, wäre gemäss 

den überzeugenden Ausführungen in den Berichten des D. sowie des ZMB-

Gutachtens von einer relativ rasch nach dem Unfall eingetretenen psychi-

schen Überlagerung der kognitiven Störungen auszugehen (vgl. IV-Akten, 

act. 89.1 S. 11). So habe zwar initial ein organisches Psychosyndrom bei 

Status nach Schädelhirntrauma mit leichter traumatischer Hirnverletzung 

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vorgelegen. Dieses habe sich allerdings im Verlauf gewandelt und präsen-

tiere sich nun als reaktiv bei Unfallfehlverarbeitung und depressiver Ent-

wicklung (aktuell mittelgradige depressive Episode; vgl. IV-Akten, act. 89.1 

S. 12). Folglich haben die physischen Beschwerden der leichten traumati-

schen Hirnverletzung gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle ge-

spielt und sind im Verlauf relativ rasch ganz in den Hintergrund getreten, 

weshalb die Adäquanzprüfung in jedem Fall nach der Rechtsprechung der 

psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 133; sog. Psycho-Praxis) zu erfolgen 

hat.  

 

6. 

6.1. 

Voraussetzung für die Bejahung eines adäquaten Kausalzusammenhangs 

ist im Rahmen der Psycho-Praxis grundsätzlich, dass dem Unfallereignis 

für die Entstehung der psychisch bedingten Erwerbsunfähigkeit eine mass-

gebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn es objektiv eine 

gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht 

fällt (BGE 115 V 133 E. 7 S. 141). Für die Beurteilung dieser Frage ist an 

das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei – ausgehend vom augenfälligen 

Geschehensablauf – eine Katalogisierung der Unfälle in leichte (banale), 

im mittleren Bereich liegende und schwere Unfälle vorzunehmen ist. Bei 

leichten Unfällen kann der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Un-

fall und psychischen Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres 

verneint (BGE 115 V 133 E. 6a S. 139) und bei schweren Unfällen bejaht 

werden (BGE 115 V 133 E. 6b S. 140). Bei Unfällen aus dem mittleren Be-

reich lässt sich die Frage nicht auf Grund des Unfalls allein beantworten. 

Weitere objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall 

im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Fol-

gen davon erscheinen, sind in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Als 

wichtigste Kriterien sind zu nennen (vgl. BGE 129 V 177 E. 4.1 S. 183 f. mit 

Hinweis unter anderem auf BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140; vgl. auch 

BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126 f.): 

  

- besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit 

des Unfalls 

- die Schwere oder besondere Art der erlittenen (somatischen) Verletzungen 

und insbesondere deren erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlent-

wicklungen auszulösen 

- ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung 

- (körperliche) Dauerschmerzen 

- ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert 

- schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen 

- Grad und Dauer der (physisch) bedingten Arbeitsunfähigkeit 

 

Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist 

jedoch nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen 

kann für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen 

 - 12 - 

 

 

 

Unfall und psychisch bedingter Erwerbsunfähigkeit neben dem Unfall allen-

falls ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es 

sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittle-

ren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall 

zu qualifizieren ist. Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein ein-

ziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt 

ist. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes Gewicht zu, so müssen 

mehrere unfallbezogene Kriterien herangezogen werden. Dies gilt umso 

mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich um einen Unfall im mittleren 

Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen 

ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder 

auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann 

(vgl. BGE 115 V 133 E. 6b/bb S. 140 f.). Sofern keines der Kriterien in be-

sonders ausgeprägter oder auffallender Weise gegeben ist, bedarf es für 

die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs demnach bei einem 

mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Fällen des Nach-

weises von vier Kriterien. Demgegenüber müssen bei einem Unfall im ei-

gentlich mittleren Bereich drei Kriterien ausreichen (vgl. Urteile des Bun-

desgerichts 8C_897/2009 vom 29. Januar 2010 E. 4.5; 8C_476/2010 vom 

7. September 2010 E. 2.4 mit Hinweisen). 

 

6.2. 

6.2.1. 

Die Unfallschwere ist im Rahmen einer objektivierten Betrachtungsweise 

auf Grund des augenfälligen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwi-

ckelnden Kräften zu beurteilen. Nicht relevant sind die Kriterien, welche bei 

der Prüfung der Adäquanz bei mittelschweren Unfällen Beachtung finden; 

dies gilt etwa für die – ein eigenes Kriterium bildenden – Verletzungen, wel-

che sich die versicherte Person zuzog, aber auch für – unter dem Gesichts-

punkt der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Ein-

drücklichkeit des Unfalls zu prüfende – äussere Umstände, wie eine allfäl-

lige Dunkelheit im Unfallzeitpunkt oder Verletzungs- respektive gar Todes-

folgen, die der Unfall für andere Personen nach sich zog (Urteil des Bun-

desgerichts 8C_66/2010 vom 6. September 2010 E. 4.1 mit Hinweis unter 

anderem auf SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26, U 2/07 E. 5.3.1). 

6.2.2. 

Der Beschwerdeführer wurde als Instruktor bei einem Motorrad-Fahrtrai-

ning von einem teilnehmenden Motorradfahrer frontal angefahren, wonach 

er auf den Hinterkopf und Rücken fiel, ohne dabei jedoch eigentlich weg-

geschleudert worden zu sein (VB 3; VB 5 Z 19; VB 7 ZM 1). Bei diesem 

Unfallhergang handelt es sich grundsätzlich um einen einem Sturzereignis 

mit Kopfanprall ähnlichen Unfallhergang, welcher regelmässig den mittel-

schweren im Grenzbereich zu den leichten Unfällen zugeordnet wird (vgl. 

Urteile des Bundesgerichts 8C_414/2017 vom 26. Februar 2018 [Fahrrad-

sturz auf Eis mit Kopfaufprall]; 8C_436/2015 vom 2. September 2015 [Sturz 

auf Glatteis auf den Hinterkopf]; Urteil des Eidg. Versicherungsgerichts 

 - 13 - 

 

 

 

U 299/03 vom 20. April 2004 [Sturz auf Hinterkopf beim Eislaufen]). Ob die 

Beteiligung eines Fahrzeuges als erschwerender Umstand und dadurch 

der Unfall als mittelschweres Ereignis im engeren Sinn zu qualifizieren ist 

(vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_546/2013 vom 24. September 

2013, wo ein Ereignis, bei dem eine Person auf dem Fussgängerstreifen 

von einem mit einer Geschwindigkeit von ca. 40 bis 50 km/h fahrenden Per-

sonenwagen frontal erfasst wurde und verletzt auf der Strasse liegen blieb, 

als mittelschwer im mittleren Bereich beurteilt wurde), kann im Hinblick auf 

die nachfolgende Prüfung der einzelnen Kriterien offen gelassen werden.  

 

6.2.3. 

Bei einem Unfall, der höchstens als mittelschwer im eigentliche Sinne zu 

qualifizieren ist, müssten für die Bejahung der Adäquanz mindestens drei 

Adäquanzkriterien oder eines in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sein 

(vgl. E. 6.1.). 

 

6.3. 

6.3.1. 

Ob besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Ein-

drücklichkeit des Unfalls vorliegen, beurteilt sich objektiv und nicht aufgrund 

des subjektiven Empfindens der versicherten Person. Zu beachten ist da-

bei, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrück-

lichkeit eigen ist, welche somit noch nicht für die Bejahung des Kriteriums 

ausreichen kann. Es wird nur das Unfallgeschehen an sich, nicht die dabei 

erlittene Verletzung betrachtet. Bei einer Frontalkollision zwischen einem 

Motorradfahrer und einem Personenwagen (Urteil des Bundesgerichts 

8C_627/2019 vom 10. März 2020), bei einer Versicherten, die als Fussgän-

gerin von einem Auto angefahren wurde, sich den Kopf heftig an der Wind-

schutzscheibe anschlug und auf die Strasse geworfen wurde (Urteil des 

Bundesgerichts 8C_990/2008 vom 24. September 2008 E. 6.6.1), sowie 

bei einem Verkehrsunfall, bei dem eine Versicherte auf dem Fussgänger-

streifen von einem mit einer Geschwindigkeit von ca. 40 bis 50 km/h fah-

renden Personenwagen frontal erfasst wurde und verletzt auf der Strasse 

liegen blieb (Urteil des Bundesgerichts 8C_546/2013 vom 24. September 

2013 E. 3.2), verneinte das Bundesgericht das Kriterium besonders drama-

tischer Begleitumstände oder besonderer Eindrücklichkeit des Unfalls. Im 

Vergleich zum zu beurteilenden Unfallereignis, bei dem der Beschwerde-

führer durch einen Motorradfahrer frontal angefahren wurde und dabei auf 

den Rücken und den Hinterkopf stürzte, erscheint die Bejahung besonderer 

Begleitumstände oder einer besonderen Eindrücklichkeit ebenfalls nicht 

angezeigt. Umso weniger, als sich der Beschwerdeführer an das eigentli-

che Unfallereignis nicht mehr erinnern kann (IV-Akten, act. 89.5 S. 3).  

 

6.3.2. 

Das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung 

somatischer Beschwerden ist nicht allein nach einem zeitlichen Massstab 

 - 14 - 

 

 

 

zu beurteilen. Von Bedeutung sind vielmehr auch Art und Intensität der Be-

handlung sowie der Umstand, inwieweit noch eine Besserung des Gesund-

heitszustandes zu erwarten ist. Es muss, gesamthaft betrachtet, eine kon-

tinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des 

Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung von ungewöhnlich 

langer Dauer gegeben sein (Urteil des Bundesgerichts 8C_860/2015 vom 

30. Juni 2016 E. 4.4). Die Behandlung der am 29. Mai 2015 erlittenen Ver-

letzungen (Polytrauma) erfolgte konservativ (VB 7 ZM 1). Bereits ab Ende 

Oktober 2015, und damit rund ein halbes Jahr nach Unfallereignis, sind – 

mit Ausnahme einer gastroenterologischen Untersuchung – einzig noch 

neuropsychologische Abklärungen dokumentiert (vgl. IV-Akten, act. 89.2 

S. 4 ff.), welche gemäss dem hiervor Dargelegten spätestens nach einem 

Jahr nicht mehr als organischen Ursprungs zu qualifizieren waren (vgl. Ur-

teil des Bundesgerichts 8C_647/2018 vom 16. Januar 2019 E. 5.3, wonach 

einer Abklärung der organisch nicht fassbaren Beschwerdesymptomatik 

nicht die Qualität einer regelmässigen, zielgerichteten Behandlung zu-

kommt). Der Beschwerdeführer gab diesbezüglich an, er suche den Haus-

arzt nach Bedarf auf, regelmässige Konsultationen bei anderen Ärzten fän-

den nicht statt. Einmal pro Woche absolviere er Physiotherapie und gehe 

alle zwei Wochen zu einer Masseurin (IV-Akten, act. 89.3 S. 6).  

 

Die somatisch bedingte Behandlungsdauer erscheint – auch mangels an-

derer Hinweise – als den erlittenen Verletzungen entsprechend. Insgesamt 

ist das Kriterium daher nicht erfüllt, zumal die bis zum Fallabschluss erfolg-

ten medikamentösen und manualtherapeutischen Behandlungen sowie die 

ärztlichen Kontrolluntersuchungen nicht berücksichtigt werden können 

(vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_632/2018 vom 10. Mai 2019 E. 10.1; 

8C_123/2018 vom 18. September 2018 E. 5.2.3).  

 

6.3.3. 

Bezüglich des Kriteriums der körperlichen Dauerschmerzen ist massge-

bend, ob über den gesamten Zeitraum andauernde Beschwerden vorlagen 

(Urteil des Bundesgerichts 8C_123/2018 vom 18. September 2018 

E. 5.2.2.1). Der Beschwerdeführer selbst gab an, dass er zwar seit dem 

Unfall Schmerzen in der BWS sowie oft Kopfschmerzen habe, die körperli-

chen Unfallfolgen jedoch erträglich seien und sich nicht einschränkend auf 

die Arbeitsfähigkeit auswirken würden. Problematisch sei die kognitive Be-

einträchtigung (IV-Akten, act. 89.3 S. 1), welche mangels organischen Kor-

relats aber ausser Acht zu bleiben hat (vgl. Urteile des Bundesgerichts 

8C_632/2018 vom 10. Mai 2019 E. 10.2, 8C_123/2018 vom 18. September 

2018 E. 5.2.2.1, 8C_236/2016 vom 11. August 2016 E. 6.2.4 und 

8C_825/2008 vom 9. April 2009 E. 4.6). In der Gesamtschau sowie dem 

Umstand, dass der Beschwerdeführer die Beschwerden als erträglich be-

schreibt (vgl. IV-Akten, act. 89.3 S. 1), ist das Kriterium der körperlichen 

Dauerschmerzen nicht erfüllt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_468/2008 

vom 25. September 2008 E. 6.3.3). 

https://www.koordination.ch/fileadmin/files/urteile/8c15/8c_860_2015.pdf
https://www.koordination.ch/fileadmin/files/urteile/8c15/8c_860_2015.pdf

 - 15 - 

 

 

 

 

6.3.4. 

Eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich ver-

schlimmert hat, ist weder ersichtlich noch wird sie behauptet. Somit ist auch 

dieses Kriterium zu verneinen. 

 

6.3.5. 

Um auf einen schwierigen Heilungsverlauf oder erhebliche Komplikatio-

nen schliessen zu können, bedarf es besonderer Gründe, welche die Ge-

nesung bis zum Fallabschluss beeinträchtigt oder verzögert haben (Urteil 

des Bundesgerichts 8C_123/2018 vom 18. September 2018 E. 5.2.2.2). 

Aus den Akten gehen keine Hinweise auf einen ungewöhnlichen Verlauf 

der Rekonvaleszenz der somatischen Beschwerden hervor. Vielmehr 

scheint dieser angesichts der erlittenen Verletzungen im Bereich des Übli-

chen gelegen zu haben. Das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs 

und der erheblichen Komplikationen ist folglich zu verneinen. 

 

6.3.6. 

Bei fünf zu verneinenden Kriterien kann offen gelassen werden, ob die rest-

lichen zwei Kriterien (Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzun-

gen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlent-

wicklungen auszulösen sowie Grad und Dauer der physischen Arbeitsun-

fähigkeit) erfüllt sind, zumal keines in ausgeprägter Weise erfüllt ist (so ist 

insbesondere das erlittene Schädelhirntrauma als leicht zu beurteilen [vgl. 

E. 3.1., 3.3., 3.5.2.], was gegen eine Eignung zur Auslösung von psychi-

schen Fehlentwicklungen in ausgeprägter Weise spricht). Folglich ist der 

adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 

29. Mai 2015 und den über den 7. Dezember 2017 hinaus bestehenden 

Beschwerden zu verneinen (BGE 137 V 64 E. 5.2 S. 69; 136 I 229 E. 5.3 

S. 236; Urteil des Bundesgerichts 8C_280/2015 vom 8. August 2015 

E. 2.3). 

7. 

Die Leistungseinstellung durch die Beschwerdegegnerin per 6. Dezember 

2017 sowie die Verneinung des Anspruchs auf eine Invalidenrente der Un-

fallversicherung erfolgten somit mangels über den 7. Dezember 2017 hin-

aus bestehender unfallkausaler Beschwerden mit Auswirkung auf die Ar-

beitsfähigkeit zu Recht. Der Einspracheentscheid vom 30. Januar 2020 er-

weist sich damit als im Ergebnis korrekt, weshalb die dagegen erhobene 

Beschwerde abzuweisen ist. 

 

8. 

8.1. 

Das Verfahren ist in der Regel kostenlos. Einer Partei, die sich mutwillig 

oder leichtsinnig verhält, können jedoch eine Spruchgebühr und die Ver-

fahrenskosten auferlegt werden (Art. 61 lit. fbis ATSG; UELI KIESER, Kom-

 - 16 - 

 

 

 

mentar zum Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche-

rungsrechts, 4. Aufl. 2020, N. 75 zu Art. 61 ATSG). Insbesondere kann ge-

mäss § 31 Abs. 4 Satz 1 VRPG Zusatzaufwand, der durch das Verhalten 

einer Partei entstanden ist, dieser auferlegt werden. Die Ausnahme von der 

Kostenlosigkeit kann auch zulasten des Versicherungsträgers erfolgen 

(KIESER, a.a.O., N. 77 zu Art. 61 ATSG). Wie bereits mit instruktionsrichter-

licher Verfügung vom 10. Juni 2020 festgehalten, erfüllte das von der Be-

schwerdegegnerin am 24. April 2020 eingegangene Dossier die bundesge-

richtlichen Anforderungen an die Aktenführungspflicht nicht und auch die 

mit Schreiben vom 23. Juni 2020 eingereichten Akten waren noch teilweise 

mangelhaft (nicht durchgehend chronologisch). Der dadurch verursachte 

Mehraufwand wurde durch die Beschwerdegegnerin verursacht, weshalb 

ihr, wie mit Verfügung vom 10. Juni 2020 angedroht, Verfahrenskosten auf-

zuerlegen und diese auf Fr. 500.00 festzusetzen sind. 

 

8.2. 

8.2.1. 

Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens 

(Art. 61 lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung 

als Sozialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143) grundsätzlich kein An-

spruch auf Parteientschädigung zu. 

 

8.2.2. 

Der Beschwerdeführer beantragte mit Eingabe vom 14. April 2020 auf-

grund der mangelhaften Aktenführung durch die Beschwerdegegnerin eine 

Parteientschädigung von "wenigstens CHF 2'000.00", da dies zu einem er-

heblichen Mehraufwand geführt habe (vgl. Eingabe vom 14. April 2020, 

S. 2). 

 

8.2.3. 

Ausnahmsweise entsteht ein Anspruch auf Ersatz von Kosten auch dann, 

wenn die Partei nicht obsiegt. So hat eine Partei unabhängig von ihrem 

allfälligen Prozesserfolg die von ihr unnötigerweise verursachten oder ver-

schuldeten Kosten selber zu tragen (KIESER, a.a.O., N. 226 zu Art. 61 

ATSG). Durch die von der Beschwerdegegnerin verschuldete mangelhafte 

Aktenführung ist dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer ein erheb-

licher Mehraufwand bei der Beschwerdeerhebung wie auch bei der Prüfung 

der Vernehmlassung entstanden. Diese in unnötiger Weise und in Verlet-

zung ihrer gesetzlichen Pflichten durch die Beschwerdegegnerin verur-

sachten Parteikosten sind durch diese zu tragen und auf Fr. 500.00 festzu-

legen. Diese Entschädigung erscheint insgesamt als angemessen, zumal 

der Beschwerdeführer respektive dessen Rechtsvertreter keine Kosten-

note mit einer verständlichen Zusammenfassung einzelner Aufwandpositi-

onen eingereicht hat, welche dem Gericht ein Aufschlüsseln der notwendi-

gen oder nicht mehr durch die Entschädigung erfassten Arbeiten erlauben 

 - 17 - 

 

 

 

würde (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_98/2017 vom 27. Oktober 2017 

E. 7.2). 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Der Beschwerdegegnerin werden Verfahrenskosten von Fr. 500.00 aufer-

legt. 

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer die richterlich festge-

setzten Parteikosten von Fr. 500.00 zu bezahlen.  

 

 
 

   

Zustellung an: 

den Beschwerdeführer (Vertreter; 2-fach)   

die Beschwerdegegnerin    

das Bundesamt für Gesundheit 

 

  

 - 18 - 

 

 

 

   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6,  

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 18. Januar 2022 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Peterhans Zürcher