# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2e74ce1a-8342-5ea8-a020-99f3b25c90a6
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.09.2011 BVGE 2011/37
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2011-37_2011-09-19.pdf

## Full Text

Nichteintreten auf Asylgesuch 2011/37 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 805 

 

37 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung IV 
i. S. A. gegen Bundesamt für Migration 
D–812/2009 vom 19. September 2011 

Asylverfahren. Entschuldbare Gründe für das Nichteinreichen von 

Reise- oder Identitätspapieren innerhalb von 48 Stunden nach Ein-

reichung des Gesuchs. Aktenführungspflicht. Rechtliches Gehör zum 

Ergebnis einer Dokumentenprüfung. Begründungspflicht. 

Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG. Art. 29 Abs. 2 BV. Art. 26, Art. 27, 

Art. 28, Art. 29, Art. 30 Abs. 1 und Art. 35 VwVG. 

1. Glaubhaft, dass die asylsuchende Person im Zeitpunkt der Ein-
reise in die Schweiz keine authentischen Reise- oder Identitäts-

papiere auf sich getragen hat, die sie innerhalb von 48 Stunden 

seit Einreichung des Asylgesuchs hätte abgeben können (E. 3–

5.3.3).  

2. Die in einer Aktennotiz festgehaltenen Erkenntnisse zur Authen-
tizität einer Identitätskarte unterliegen dem Akteneinsichtsrecht; 

sie sind aufgrund der Aktenführungspflicht vom Bundesamt für 

Migration (BFM) so zu dokumentieren, dass nachvollzogen wer-

den kann, wie es zu seinen Informationen gelangt ist und auf-

grund welcher Erkenntnisse auf bestimmte Fälschungsmerkmale 

geschlossen wird (E. 5.4.3).  

3. Das BFM ist verpflichtet, der asylsuchenden Person vor seinem 
Entscheid Gelegenheit einzuräumen, zu den in einer Aktennotiz 

festgehaltenen Fälschungsmerkmalen ihrer Identitätskarte Stel-

lung nehmen zu können, wenn es sich in seiner Verfügung auf die 

Aktennotiz stützt (E. 5.4.4). 

4. Das BFM hat in der Verfügung die Gründe, aufgrund derer es 
eine Identitätskarte als nicht authentisch erachtet, nachvollzieh-

bar darzulegen (E. 5.4.5). 

 

 

2011/37 Nichteintreten auf Asylgesuch 

 

 

806 BVGE / ATAF / DTAF 

 

Procédure d'asile. Motifs excusant la non-remise des documents de 

voyage ou pièces d'identité dans le délai de 48 heures après le dépôt 

de la demande d'asile. Obligation de constituer un dossier complet. 

Droit d'être entendu sur le résultat de l'examen de documents. 

Devoir de motivation. 

Art. 32 al. 2 let. a LAsi. Art. 29 al. 2 Cst. Art. 26, art. 27, art. 28, 

art. 29, art. 30 al. 1 et art. 35 PA. 

1. Il est vraisemblable que le requérant d'asile n'ait pas détenu, au 
moment de son entrée en Suisse, des documents de voyage ou 

pièces d'identité authentiques pouvant être remis dans les 

48 heures qui ont suivi sa demande d'asile (consid. 3–5.3.3). 

2. Les constatations relatives à l'authenticité d'une carte d'identité, 
consignées dans une note de dossier, sont soumises au droit d'ac-

cès au dossier; en raison des obligations incombant à l'Office fé-

déral des migrations (ODM) concernant la gestion du dossier, ces 

constatations doivent être consignées de manière à ce que l'on 

puisse reconnaître comment l'Office a obtenu ses informations et 

sur la base de quelles constatations il a conclu à l'existence d'in-

dices de falsification (consid. 5.4.3). 

3. Avant de prendre sa décision, l'ODM est tenu de donner au re-
quérant l'occasion de prendre position sur les indices de falsifi-

cation de sa carte d'identité consignés dans une note du dossier, 

s'il fonde sa décision sur cette note (consid. 5.4.4). 

4. Dans sa décision, l'ODM doit exposer de manière compréhensible 
les motifs pour lesquels il estime que la carte d'identité n'est pas 

authentique (consid. 5.4.5).  

Procedura d'asilo. Motivi scusabili per la mancata consegna di docu-

menti di viaggio o d'identità entro 48 ore dalla presentazione della 

domanda. Obbligo di gestione degli atti. Diritto di audizione 

sull'esito dell'esame di documenti. Obbligo di motivare. 

Art. 32 cpv. 2 lett. a LAsi. Art. 29 cpv. 2 Cost. Art. 26, art. 27, art. 28, 

art. 29, art. 30 cpv. 1 e art. 35 PA. 

1. Verosimiglianza del mancato possesso da parte del richiedente al 
momento dell'entrata in Svizzera di documenti di viaggio o 

d'identità autentici da consegnare entro 48 ore dalla presen-

tazione della domanda d'asilo (consid. 3–5.3.3).  

Nichteintreten auf Asylgesuch 2011/37 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 807 

 

2. Le risultanze annotate in un nota nell'incartamento, concernenti 
l'autenticità di una carta d'identità, soggiacciono al diritto di 

consultazione degli atti; in virtù dell'obbligo di gestione degli atti 

imposto all'Ufficio federale della migrazione (UFM), devono es-

sere documentati in modo tale da poter capire quali riscontri 

fanno concludere all'esistenza di determinati indizi di falsifica-

zione (consid. 5.4.3).  

3. Se intende fondarsi su una nota per la propria decisione, prima 
di decidere l'UFM è tenuto a concedere al richiedente l'oppor-

tunità di esprimersi in merito agli indizi di falsificazione rilevati 

sulla sua carta d'identità e riportati in tale nota (consid. 5.4.4). 

4. Nella propria decisione l'UFM deve esporre in modo intelligibile i 
motivi che lo portano a considerare non autentica una carta 

d'identità (consid. 5.4.5).  

 

Der Beschwerdeführer reiste am 7. Dezember 2008 in die Schweiz ein 

und suchte am selben Tag um Asyl nach. Da er keine Ausweispapiere 

vorlegte, wurde er dort mit einem Informationsblatt, dessen Inhalt er mit 

seiner Unterschrift verstanden zu haben bestätigte, zur Herausgabe von 

allenfalls anderswo aufbewahrten Identitätsdokumenten innerhalb von 

48 Stunden aufgefordert. 

Am 6. Januar 2009 reichte der Beschwerdeführer durch die Thurgauer 

Rechtsberatungsstelle seine Identitätskarte inklusive Briefumschlag beim 

BFM ein. 

Mit Verfügung vom 30. Januar 2009 trat das Bundesamt für Migration 

(BFM) in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Art. 32 Abs. 3 des 

Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch 

nicht ein. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und 

forderte den Beschwerdeführer – unter Androhung von Zwangsmitteln 

im Unterlassungsfall – auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt der Rechts-

kraft der Verfügung zu verlassen. Die eingereichte Identitätskarte zog das 

BFM ein.  

Mit Eingabe vom 9. Februar 2009 erhob der Beschwerdeführer gegen 

diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean-

tragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und das Verfahren 

zwecks materieller Prüfung an die Vorinstanz zurückzuweisen.  

2011/37 Nichteintreten auf Asylgesuch 

 

 

808 BVGE / ATAF / DTAF 

 

Das BFM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 25. März 2009 die 

Abweisung der Beschwerde. 

Mit Eingabe vom 9. April 2009 reichte der Beschwerdeführer einen Fa-

milienausweis, ein Farbfoto und eine Postquittung sowie einen von ihm 

verfassten Brief in kurdischer Sprache inklusive dem Aramex-Umschlag 

ein. Im Begleitschreiben führte der Beschwerdeführer aus, dass die Post-

quittung (Stempel vom 19. Februar 2009) für ein Schreiben aus seiner 

Heimat sei, welches weitere wichtige Dokumente beinhalte. Leider sei es 

von der irakischen Post nach Schweden geschickt worden und er wisse 

nicht, wann es zurückkomme. 

Das Bundesverwaltungsgericht heisst die Beschwerde gut. 

Aus den Erwägungen: 

3. Gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch 
nicht eingetreten, wenn Asylsuchende den Behörden nicht innerhalb von 

48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs Reise- oder Identitätspapiere 

abgeben. Keine Anwendung findet diese Bestimmung, wenn Asylsu-

chende glaubhaft machen können, dass sie aus entschuldbaren Gründen 

nicht in der Lage sind, innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung des 

Gesuchs Reise- oder Identitätspapiere abzugeben (Art. 32 Abs. 3 Bst. a 

AsylG), wenn aufgrund der Anhörung sowie gestützt auf Art. 3 und 

Art. 7 AsylG die Flüchtlingseigenschaft festgestellt wird (Art. 32 Abs. 3 

Bst. b AsylG) oder wenn sich aufgrund der Anhörung erweist, dass 

zusätzliche Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft oder 

eines Wegweisungsvollzugshindernisses nötig sind (Art. 32 Abs. 3 Bst. c 

AsylG). 

4.   
4.1 Das BFM trat auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit 
der Begründung nicht ein, der Beschwerdeführer habe den Asylbehörden 

innerhalb der eingeräumten Frist von 48 Stunden keine Reise- oder Iden-

titätspapiere abgegeben. Zur Frage, ob der Beschwerdeführer entschuld-

bare Gründe im Sinne von Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG glaubhaft machen 

kann, führte das BFM aus, dass grundsätzlich davon auszugehen sei, dass 

der (…)-jährige Beschwerdeführer über einen relevanten Identitätsaus-

weis verfüge. Er habe im Verlauf des Asylverfahrens eine irakische Iden-

titätskarte eingereicht, ausgestellt in Y. am (…). Auf dieser fehlten aber 

die für solche Dokumente üblichen Sicherheitsmerkmale; im Weiteren 

Nichteintreten auf Asylgesuch 2011/37 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 809 

 

sei « ein behördlicher Einträge [sic]» nicht in jener Art vorgenommen 

worden, in welcher er in echten irakischen Identitätskarten vorgenommen 

werde. Das eingereichte Dokument sei aufgrund dieser Unstimmigkeiten 

nicht authentisch. Im Weiteren habe der Beschwerdeführer erklärt, er sei 

mit einem echten Pass aus dem Irak ausgereist, habe diesen aber in der 

Türkei weggeworfen, was nicht nachvollziehbar sei, zumal dem Be-

schwerdeführer hätte bewusst sein müssen, dass er sich im Rahmen 

seines bevorstehenden Asylverfahrens auszuweisen habe. Aufgrund 

dieser Unstimmigkeiten sei davon auszugehen, dass der Beschwerde-

führer über einen relevanten Identitätsausweis verfüge, aber davon ab-

sehe, diesen dem BFM abzugeben.  

4.2 Der Beschwerdeführer macht demgegenüber geltend, es sei auf-
grund der Akten offensichtlich, dass er aus X. komme, weshalb der Voll-

zug der Wegweisung nicht zumutbar sei. Dass im vorliegenden Fall ein 

Nichteintretensentscheid nicht gerechtfertigt sei, sei zudem vom an der 

Anhörung anwesenden Hilfswerkvertreter festgehalten worden. In der 

Annahme, die dem BFM zugestellte Identitätskarte sei genügend, habe er 

bis zum Entscheid des BFM weitere Bemühungen zum Erhalt von ande-

ren Identitätsdokumenten unterlassen. Nun habe er zwecks Erhalts seines 

Soyat Kayit – ein Dokument, welches sämtliche Identitätsmerkmale des 

Inhabers beinhalte und aufgrund derer dann die Identitätskarte ausgestellt 

werde – mit seiner Familie Kontakt aufgenommen. Die Familie habe in 

der Zwischenzeit bei den lokalen Behörden das genannte Dokument im 

Original erhalten können. Der Umstand, dass er in der Annahme, bei 

seiner Identitätskarte handle es sich um ein ausreichendes Identitäts-

dokument, keine weiteren Schritte zum Erhalt weiterer Dokumente unter-

nommen habe, und er mit seiner Familie zwecks Erhalt eines Soyat Kayit 

erst in Kontakt getreten sei, nachdem er mit Erhalt des angefochtenen 

Entscheides erfahren habe, dass das BFM seine Identitätskarte als nicht 

authentisch einstufe, sei entschuldbar. 

5.   
5.1 Der Beschwerdeführer hat bei der Einreichung seines Asylge-
suchs im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen am 

7. Dezember 2008 keine Reise- oder Identitätspapiere abgegeben. Auch 

in den folgenden 48 Stunden hat er kein entsprechendes Dokument ein-

gereicht. Damit ist die Nichtabgabe von Reise- und Identitätspapieren 

innert 48 Stunden ab Einreichung des Asylgesuchs als Grundtatbestand 

für die Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG gegeben. 

2011/37 Nichteintreten auf Asylgesuch 

 

 

810 BVGE / ATAF / DTAF 

 

5.2 Bei der Befragung im EVZ am 11. Dezember 2008 gab der 
Beschwerdeführer betreffend Besitz von Ausweispapieren an, er habe 

einen regulären Pass besessen, der Anfang Oktober 2008 in Bagdad aus-

gestellt worden sei und noch bis Oktober 2016 gültig wäre. Er sei mit 

diesem Pass, welcher mit einem Touristenvisum versehen gewesen sei, 

welches ihm Anfang November 2008 von der türkischen Vertretung in X. 

ausgestellt worden sei, in die Türkei gereist. Dort habe ihn der Schlepper 

aufgefordert, den Pass wegzuwerfen. Er habe zudem im Sommer 2006 

eine Identitätskarte in Y. ausstellen lassen, welche er bei der Mutter im 

Irak zurückgelassen habe. Einen Nationalitätenausweis habe er nie ge-

habt. Auf die Frage, warum er der Aufforderung Identitätsdokumente ab-

zugeben, nicht nachgekommen sei, erklärte er, er habe seit er in der 

Schweiz sei, keinen Kontakt mit seiner Mutter gehabt, da er kein Geld 

gehabt habe, um sie anzurufen. In der Türkei habe er noch Kontakt mit 

ihr gehabt. Er habe aber zur Kenntnis genommen, dass er Ausweispa-

piere beschaffen solle. Als er sieben Tage nach der Befragung im EVZ 

und elf Tage nach der Einreise anlässlich der Anhörung am 18. Dezember 

2008 erneut gefragt wurde, ob er Dokumente oder Ausweispapiere abzu-

geben habe, verneinte der Beschwerdeführer die Frage, fügte jedoch an, 

seine Angehörigen hätten seine Identitätskarte geschickt, er habe diese 

aber noch nicht erhalten. Am 6. Januar 2009 stellte der Beschwerdeführer 

die Identitätskarte dem BFM über die Thurgauer Rechtsberatungsstelle 

zu. 

5.3   
5.3.1 Entschuldbare Gründe im Sinne von Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG 
liegen grundsätzlich dann vor, wenn dem Umstand, dass die asylsuchen-

de Person nicht in der Lage ist, innerhalb von 48 Stunden Reise- oder 

Identitätspapiere abzugeben, nicht die Absicht zugrunde liegt, den Auf-

enthalt in der Schweiz unrechtmässig zu verlängern. Vermag die asylsu-

chende Person glaubhaft darzutun, dass sie beispielsweise deshalb nicht 

in der Lage ist, Reise- oder Identitätspapiere innerhalb von 48 Stunden 

seit Einreichung des Gesuchs abzugeben, weil sie ihre Reise- oder Iden-

titätspapiere im Heimatstaat zurückgelassen hat, und bemüht sie sich um-

gehend und ernsthaft um deren Beschaffung innert angemessener Frist, 

ist die Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG ausgeschlossen (vgl. 

BVGE 2010/2 E. 5.6 und E. 6). 

5.3.2 Der Beschwerdeführer vermochte anlässlich der Befragung im 
EVZ seinen Reiseweg, welcher ihn vom Irak in die Türkei und schliess-

lich ab Istanbul in einem LKW in die Schweiz führte, anschaulich und 

Nichteintreten auf Asylgesuch 2011/37 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 811 

 

plausibel zu beschreiben. Das BFM unterstellt zwar, es sei nicht nach-

vollziehbar, dass der Beschwerdeführer seinen Pass in der Türkei wegge-

worfen habe, da ihm bewusst gewesen sein musste, dass er sich im Rah-

men seines bevorstehenden Asylverfahrens auszuweisen haben würde. Es 

ist jedoch eine Tatsache, dass Schlepper ihre « Kundschaft » häufig dazu 

drängen, Identitätspapiere zu entsorgen oder dieser die vorhandenen 

Reisepapiere abnehmen. Vor diesem Hintergrund ist die Darstellung des 

Beschwerdeführers, wonach er seinen Pass in der Türkei weggeworfen 

habe, nachdem ihn der Schlepper dazu aufgefordert habe, durchaus nicht 

realitätsfremd. Realistischerweise muss zudem angenommen werden, 

dass der Beschwerdeführer in einem Abhängigkeitsverhältnis zum 

Schlepper stand, und er – um seine Weiterreise nicht zu gefährden – in 

seiner Entscheidung, den Anweisungen des Schleppers Folge zu leisten 

oder nicht, nicht frei war. Es ist deshalb nachvollziehbar und insofern 

entschuldbar, wenn er der Aufforderung des Schleppers, den Pass weg-

zuwerfen, nachgekommen ist. Ferner ist davon auszugehen, dass die vom 

Beschwerdeführer zurückgelegte Reise ab der Türkei ohne Reisepapiere 

– insbesondere mit Hilfe von Schleppern – tatsächlich in der von ihm 

beschriebenen Art und Weise zurückgelegt werden kann, ohne dabei kon-

trolliert zu werden. Hierfür spricht insbesondere auch, dass er von keiner 

europäischen Behörde angehalten und daktyloskopiert worden ist. Auf-

grund der Angaben des Beschwerdeführers ist deshalb entgegen der Auf-

fassung des BFM davon auszugehen, dass er zum Zeitpunkt der Einreise 

in die Schweiz tatsächlich keine authentischen Reise- oder Identitäts-

papiere mehr auf sich getragen hat, die er innerhalb von 48 Stunden seit 

Einreichung des Asylgesuchs hätte abgeben können. 

5.3.3 Anlässlich der Befragung im EVZ am 11. Dezember 2008 nahm 
der Beschwerdeführer zur Kenntnis, dass er Ausweispapiere beschaffen 

soll. An der Anhörung am 18. Dezember 2008 erklärte er, er habe mit 

seiner Mutter darüber gesprochen. Sie habe die Identitätskarte ab-

geschickt. Er habe sie aber noch nicht erhalten. Gemäss dem beim BFM 

eingereichten Briefumschlag wurde die Identitätskarte umgehend, das 

heisst vier Tage nach der Anhörung (Poststempel vom 22. Dezember 

2008), in W. der Post übergeben und ins EVZ geschickt. Diese Identitäts-

karte beurteilte das BFM in der angefochtenen Verfügung als nicht 

authentisch. 

 

 

2011/37 Nichteintreten auf Asylgesuch 

 

 

812 BVGE / ATAF / DTAF 

 

5.4   
5.4.1 Das rechtliche Gehör, welches in Art. 29 Abs. 2 der Bundesver-
fassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, 

SR 101) verankert und in den Art. 29 ff. des Verwaltungsverfahrens-

gesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) für das Verwal-

tungsverfahren konkretisiert wird, dient einerseits der Aufklärung des 

Sachverhalts, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwir-

kungsrecht der Parteien dar. Gemäss Art. 30 Abs. 1 VwVG hört die 

Behörde die Parteien an, bevor sie verfügt. Der Anspruch auf vorgängige 

Anhörung beinhaltet insbesondere, dass die Behörde sich beim Erlass 

ihrer Verfügung nicht auf Tatsachen abstützen darf, zu denen sich die von 

der Verfügung betroffene Person nicht vorgängig äussern und diesbe-

züglich Beweis führen konnte.  

Eng mit dem Äusserungsrecht ist der verfahrensrechtliche Anspruch auf 

Akteneinsicht (Art. 26 VwVG) verbunden. In jedem Verfahren können 

sich die Betroffenen nur dann wirksam zur Sache äussern und geeignet 

Beweise führen beziehungsweise Beweismittel bezeichnen, wenn ihnen 

die Möglichkeit eingeräumt wird, die Unterlagen einzusehen, auf welche 

sich die Behörde stützt. Vom Akteneinsichtsrecht ausgeschlossen sind 

verwaltungsinterne Unterlagen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen 

der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 1 E. 3a 

S. 8 f.). Gilt es den Umfang des Akteneinsichtsrechts zu bestimmen, 

kommt es jedoch auf die im konkreten Fall objektive Bedeutung eines 

Aktenstückes für die entscheidwesentliche Sachverhaltsfeststellung an 

und nicht auf die Einstufung des Beweismittels durch die Behörden als 

internes oder gar geheimes Papier. Keine internen Akten sind daher zum 

Beispiel verwaltungsintern erstellte Berichte und Gutachten zu streitigen 

Sachverhaltsfragen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör beinhaltet auch, 

dass die Behörden alles in den Akten festzuhalten haben, was zur Sache 

gehört und entscheidwesentlich sein kann. Daraus resultiert die Pflicht, 

Abklärungen, Befragungen, Zeugeneinvernahmen und Verhandlungen zu 

protokollieren, diese zu den Akten zu nehmen und aufzubewahren (BGE 

130 II 473 E. 4.2). Die Aktenführung hat geordnet, übersichtlich und 

vollständig zu sein und es muss ersichtlich sein, wer sie erstellt hat und 

wie sie zustande gekommen sind (vgl. MARC HÄUSLER/RETO FERRARI-

VISCA, Das Recht auf Akteneinsicht im Verwaltungs- und Verwaltungs-

justizverfahren, in: Jusletter 8. August 2011, S. 4 f.; RENÉ RHINOW/HEIN-

RICH KOLLER/CHRISTINA KISS/DANIELA THURNHERR/DENISE BRÜHL-

MOSER, Öffentliches Prozessrecht. Grundlagen und Bundesrechtspflege, 

2. Aufl., Basel 2010, Rz. 339 ff.). Das Recht auf Akteneinsicht kann im 

Nichteintreten auf Asylgesuch 2011/37 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 813 

 

Übrigen eingeschränkt werden, wenn ein überwiegendes Interesse an 

deren Geheimhaltung vorhanden ist. Dies muss indes aufgrund einer 

konkreten, sorgfältigen und umfassenden Abwägung der entgegenstehen-

den Interessen beurteilt werden, wobei der Grundsatz der Verhältnismäs-

sigkeit zu beachten ist. Je stärker das Verfahrensergebnis von der Stel-

lungnahme der Betroffenen zum konkreten Dokument abhängt und je 

stärker auf ein Dokument bei der Entscheidfindung (zum Nachteil der 

Betroffenen) abgestellt wird, desto intensiver ist dem Akteneinsichtsrecht 

Rechnung zu tragen (vgl. Art. 27 und Art. 28 VwVG sowie zum Ganzen 

HÄUSLER/FERRARI-VISCA, a. a. O., S. 2 mit weiteren Hinweisen).  

Aus dem Grundsatz des rechtlichen Gehörs ergibt sich schliesslich, dass 

die Abfassung der Begründung dem Betroffenen ermöglichen soll, den 

Entscheid sachgerecht anfechten zu können, was nur der Fall ist, wenn 

sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die 

Tragweite des Entscheides ein Bild machen können. Die Begründungs-

dichte richtet sich dabei nach dem Verfügungsgegenstand, den Verfah-

rensumständen und den Interessen des Betroffenen, wobei bei schwer-

wiegenden Eingriffen in die rechtlich geschützten Interessen des 

Betroffenen – und um solche geht es bei der Frage des Eintretens auf ein 

Asylgesuch – eine sorgfältige Begründung verlangt wird (BVGE 2008/47 

E. 3.2 S. 674 f.; EMARK 2006 Nr. 24 E. 5.1. S. 256).  

5.4.2 Das BFM stellte in der angefochtenen Verfügung fest, die an-
geblich am (…) in Y. ausgestellte Identitätskarte sei aufgrund von Un-

stimmigkeiten nicht authentisch und zog diese ein. Es führt in seiner 

Begründung aus, auf der eingereichten Identitätskarte würden die für sol-

che Dokumente üblichen Sicherheitsmerkmale fehlen und « ein behördli-

cher Einträge » sei nicht in jener Art vorgenommen worden, in welcher 

er in echten irakischen Identitätskarten vorgenommen werde. In der 

Begründung lässt es jedoch offen, um was für einen Eintrag es sich 

handeln und inwiefern dieser falsch sein soll. Aufgrund der Schreibweise 

« ein behördlicher Einträge » wird nicht einmal klar, ob nach Ansicht des 

BFM bloss ein oder aber mehrere inkorrekte Einträge vorhanden sein 

sollen.  

5.4.3 Aus den Akten geht hervor, dass die durch die Thurgauer 
Rechtsberatungsstelle am 6. Januar 2009 inklusive Briefumschlag über-

mittelte Identitätskarte des Beschwerdeführers am 7. Januar 2009 beim 

BFM einging. Ferner ist den Akten zu entnehmen, dass am 28. Januar 

2009 – mithin zwei Tage vor Versand der angefochtenen Verfügung – 

von einem Mitarbeiter des BFM eine Aktennotiz verfasst wurde, worin 

2011/37 Nichteintreten auf Asylgesuch 

 

 

814 BVGE / ATAF / DTAF 

 

dieser festhielt, dass die eingereichte Identitätskarte, welche angeblich 

am (…) in Y. ausgestellt worden sei, aufgrund dreier unstimmiger Merk-

male offensichtlich nicht echt sei. Die Aktennotiz wird im Aktenver-

zeichnis als « interne Akte » mit dem Vermerk « nicht zur Edition » 

bezeichnet. Das BFM stützte sich in der Verfügung offenbar auf die in 

der Aktennotiz betreffend die Identitätskarte des Beschwerdeführers 

enthaltenen Informationen. Aufgrund der Bedeutung des Inhalts für den 

Entscheid, auf das Asylgesuch wegen fehlender Identitätspapiere nicht 

einzutreten, kann es sich bei der Aktennotiz nicht, wie im Aktenverzeich-

nis vermerkt, um eine « interne Akte » handeln. Die in der Notiz enthal-

tenen Informationen sind für den Entscheid von solcher Relevanz, dass 

diese vorbehältlich von Geheimhaltungsinteressen dem Akteneinsichts-

recht unterstehen. Aufgrund der Aktenführungspflicht wäre das BFM 

zudem gehalten gewesen, die Abklärungen zur Authentizität der Identi-

tätskarte in den Akten so zu dokumentieren, dass jederzeit nachvollzogen 

werden kann, wie das BFM zu seinen diesbezüglichen Erkenntnissen 

gelangt ist. Aus der Aktennotiz geht indessen nicht hervor, wie der Mit-

arbeiter des BFM an die von ihm festgehaltenen Informationen gelangt 

ist und aufgrund welcher Erkenntnisse diese ihrerseits zustande gekom-

men sind. Da dies aus der Aktennotiz nicht hervorgeht, hat das BFM die 

Aktenführungspflicht verletzt. 

5.4.4 Darüber hinaus hat es das BFM unterlassen, dem Beschwerde-
führer vor dem Erlass der Verfügung Gelegenheit zu geben, sich zu den 

in der Aktennotiz festgehaltenen Fälschungsmerkmalen seiner Identitäts-

karte zu äussern. Der Umstand, dass bei einer vollständigen Offenlegung 

aller Einzelheiten von behördlichen Fälschungserkenntnissen gewisser 

Dokumente deren missbräuchliche Verwendung durch den Gesuchsteller 

oder Dritte zu befürchten ist, kann zwar rechtfertigen, die Einsicht in ein 

Aktenstück ganz oder teilweise zu verweigern (vgl. EMARK 1994 Nr. 1 

E. 4c). Da das BFM in seiner Verfügung jedoch zum Nachteil des 

Beschwerdeführers gestützt auf die in der Aktennotiz enthaltenen Infor-

mationen davon ausgeht, die eingereichte Identitätskarte sei nicht au-

thentisch, wäre es gemäss Art. 28 VwVG gehalten gewesen, den Be-

schwerdeführer über die festgestellten Fälschungsmerkmale in einer Art 

und Weise in Kenntnis zu setzen, welche es ihm ermöglicht, vor Erlass 

der Verfügung konkrete Einwände gegen die vom BFM in Bezug auf die 

Identitätskarte gewonnenen Erkenntnisse und die daraus gezogenen 

Schlussfolgerungen anzubringen. Indem das BFM dies unterlassen hat, 

hat es den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör ge-

mäss Art. 30 Abs. 1 und Art. 28 VwVG verletzt.  

Nichteintreten auf Asylgesuch 2011/37 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 815 

 

5.4.5 Wie bereits festgehalten (vgl. E. 5.4.2 f.), wird in den Akten des 
BFM nicht dokumentiert, wie der Mitarbeiter an die von ihm in der Ak-

tennotiz festgehaltenen Informationen betreffend die Identitätskarte des 

Beschwerdeführers gelangt ist und aufgrund welcher Erkenntnisse diese 

ihrerseits zustande gekommen sind. Auch in der angefochtenen Verfü-

gung schweigt sich das BFM diesbezüglich aus. Die Begründung der 

Verfügung lässt deshalb – auch für das Bundesverwaltungsgericht – nicht 

hinreichend nachvollziehbar erkennen, aus welchen Gründen das BFM 

zur Feststellung gelangt ist, die Identitätskarte sei nicht authentisch. Bei 

den vom BFM in der Verfügung bezüglich der Identitätskarte festgestell-

ten Unstimmigkeiten handelt es sich daher letztlich um nicht nachvoll-

ziehbare Behauptungen, zumal auch offen gelassen wird, welcher be-

hördliche Eintrag auf der Identitätskarte nicht korrekt vorgenommen 

worden sein soll. Das BFM hat insofern auch die ihm obliegende 

Begründungspflicht verletzt.  

5.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass das BFM den Anspruch 
des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör mehrfach verletzt hat, 

indem es ihm nicht zur Kenntnis brachte, dass und weshalb es seine Iden-

titätskarte als nicht authentisch erachtet und ihm keine Gelegenheit bot, 

sich vorgängig dazu zu äussern, und indem es seiner Aktenführungs- und 

Begründungspflicht nicht hinreichend nachgekommen ist (vgl. Art. 28, 

Art. 29, Art. 30 Abs. 1 und Art. 35 VwVG).