# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 40e9374e-5cee-5127-9849-c3680f5a5ce5
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-06-12
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 12.06.2013 S 2012 57
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2012-57_2013-06-12.pdf

## Full Text

S 12 57

3. Kammer als Versicherungsgericht

URTEIL
12. Juni 2013

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Versicherungsleistungen nach IVG

1. … meldete sich am 29. November 2005 bei der IV-Stelle des Kantons 

Graubünden (IV-Stelle) zum Bezug von Leistungen. Sie gab an, sie habe von 

März 2003 bis Juli 2005 in einem Teilzeitpensum als Verkäuferin bei der … 

gearbeitet, seither sei sie arbeitslos. Sie leide unter einer Fibromyalgie und sei 

deswegen von Januar bis Juli 2005 zu 100% arbeitsunfähig gewesen, seit Juli 

2005 zu 50%. Die IV-Stelle veranlasste eine psychiatrisch-rheumatologische 

Abklärung. In ihrem Gutachten vom 23. Juni 2006 kamen die Dres. med. … und 

… zum Schluss, die Arbeitsfähigkeit sei auf der psychisch-geistigen und der 

sozialen Ebene nicht eingeschränkt; auf der körperlichen Ebene bestehe infolge 

eines Fibromyalgiesyndroms, eines chronischen Lumbovertebralsyndroms und 

eines femoropatellaren Schmerzsyndroms seit dem 10. Januar 2005 eine 

100%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Verkäuferin und eine 

50 bis 60%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit. Die von der IV-

Stelle veranlasste Haushaltabklärung ergab eine Behinderung von 24.9% 

(Bericht vom 16. Januar 2007). Am 30. April 2007 erliess die IV-Stelle drei 

separate Verfügungen, in welchen sie einen Invaliditätsgrad von 19.56% 

festlegte und den Anspruch auf Invalidenrente verneinte, die Kostengutsprache 

für Umschulung verneinte und Leistungen der IV-Arbeitsvermittlung zusprach. 

Diese Verfügungen erwuchsen unangefochten in Rechtskraft. Mit Schreiben 

vom 3. Januar 2008 teilte die IV-Stelle mit, die Arbeitsvermittlung sei erfolgreich 

abgeschlossen worden.

2. Am 14. Juli 2011 beantragte sie erneut Leistungen der Invalidenversicherung. 

Sie gab an, sie leide unter chronischen Schmerzen und unter einer Depression 

und sei seit Sommer 2008 nicht mehr arbeitstätig. In der Folge holte die IV-

Stelle Berichte der behandelnden Ärzte ein. Der Hausarzt Dr. med. …, Facharzt 

FMH Allgemeinmedizin, diagnostizierte in seinem Bericht vom 5. August 2011 

ein chronisches, therapieresistentes, schweres, generalisiertes myofasziales 

und myoskelettales Schmerzsyndrom. In ihren bisherigen Tätigkeiten als 

Verkäuferin, als Hilfsarbeiterin und als Zimmermädchen sei sie zu 100 % 

arbeitsunfähig. Dr. med. …, die behandelnde Fachärztin für Psychiatrie und 

Psychotherapie, diagnostizierte in ihrem Bericht vom 25. August 2011 eine 

rezidivierende depressive Episode seit zwei bis drei Jahren im Zusammenhang 

mit andauernder Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom. 

Zur Arbeitsfähigkeit gab sie an, eventuell wäre bei einer psychischen 

Stabilisierung in einer behinderungsangepassten Tätigkeit ein 

Beschäftigungsgrad von 20 bis 40% möglich. 

3. Am 5. Dezember 2011 fand eine rheumatologische Untersuchung durch den 

Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) statt. Mit Bericht vom 13. Dezember 2011 

führte Dr. med. … dazu aus, in Übereinstimmung mit der Einschätzung der 

Klinik … (wo sie 2008 und 2010 jeweils für einige Wochen stationär zur 

Rehabilitation aufhielt) sei in einer leidensadaptierten Tätigkeit von einer vollen 

Arbeitsfähigkeit auszugehen. Adaptiert seien leichte körperliche Tätigkeiten mit 

Wechselbelastung und ohne Zwangshaltungen im Bereiche des 

Bewegungsapparats. Am 5. Dezember 2011 fand auch eine psychiatrische 

RAD Untersuchung statt; mit Bericht vom 19. Dezember 2011 diagnostizierte 

Dr. med. … eine leichte depressive Episode. Die Patientin sei aus 

psychiatrischer Sicht in einer adaptierten Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig. Die 

Explorandin sei nicht geeignet für Tätigkeiten, die unter hohem zeitlichem Druck 

ausgeübt werden müssten und für Tätigkeiten, welche mit hoher emotionaler 

Belastung einhergingen. Gestützt auf ein Konsensgespräch vom 9. Januar 

2012 hielten die Dres. med. … und … in der Konsensbeurteilung vom 10. 

Januar 2012 unverändert an ihren Einschätzungen fest. Mit RAD 

Abschlussbericht vom 19. Januar 2012 gab Dr. med. … an, bei der Prüfung des 

Rentenanspruchs sei gestützt auf die Einschätzung der Dres. med. … und … 

von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit auszugehen.

4. Mit Vorbescheid vom 22. Februar 2012 teilte die IV-Stelle … mit, sie 

beabsichtige, den Anspruch auf Invalidenrente zu verneinen. Und mit 

Vorbescheid vom 23. Februar 2012 informierte sie darüber, dass 

voraussichtlich keine Kostengutsprache für eine Umschulung erteilt werde. Am 

12. März 2012 erhob … Einwand gegen den Vorbescheid bezüglich IV-Rente. 

Sie machte geltend, es sei nicht auf die Einschätzung von Dr. med. … 

abzustellen. Sie reichte einen Bericht vom 9. März 2012 ein, in welchem Dr. 

med. …, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und seit kurzem infolge 

mehrmonatiger Abwesenheit von Dr. med. … behandelnder Arzt von …, 

ausführte, er sei in keiner Weise einverstanden mit den Berichten des RAD. Die 

Patientin leide, wie bereits Dr. med. … richtig geschrieben habe, unter einer 

andauernden Persönlichkeitsänderung nach chronischem Schmerzsyndrom, 

einer chronischen mittleren bis schweren Depression und einer Fibromyalgie. 

Sie sei zu 100% arbeitsunfähig. Am 23. März 2012 nahm Dr. med. … Stellung 

zum Bericht von Dr. med. … und gab an, dessen Vorbringen könnten die 

Einschätzung des RAD nicht in Zweifel ziehen.

5. Mit Verfügung vom 12. April 2012 verneinte die IV-Stelle den Anspruch von … 

auf eine IV-Rente. Aus ärztlicher Sicht sei ihr die Ausübung einer adaptierten 

Tätigkeit zu 100% zumutbar. Gestützt auf die LSE ergebe sich so bei einem 

Arbeitspensum von 61% ein Invalideneinkommen von Fr. 32'170.05. Angesichts 

des  Valideneinkommens von Fr. 30'708.55 resultiere für den Bereich der 

Erwerbstätigkeit ein Teilinvaliditätsgrad von 0%. Auf eine erneute 

Haushaltabklärung habe sie verzichtet, da deren Ergebnis keine 

anspruchsbeeinflussende Änderung ergeben würde. Stelle man auf die 

Einschränkung von 24.9% gemäss der Haushaltabklärung von 2007 ab, ergebe 

sich für den Bereich Haushalt ein Teilinvaliditätsgrad von 9.71%, so dass 

insgesamt kein rentenbegründender Invaliditätsgrad vorliege.

6. Mit Verfügung vom 13. April 2012 verneinte die IV-Stelle den Anspruch von … 

auf berufliche Massnahmen.

7. Am 10. Mai 2012 beanstandete … die rentenablehnende Verfügung vom 12. 

April 2012 bei der IV-Stelle, welche die Angelegenheit ans Verwaltungsgericht 

weiterleitete. Auf Aufforderung der Instruktionsrichterin ergänzte … ihre 

Beschwerde am 23. Mai 2012. Sie beantragte sinngemäss die Aufhebung der 

angefochtenen Verfügung und die Zusprechung einer Invalidenrente. Sie 

machte geltend, sie fühle sich durch die RAD Ärzte in keiner Weise ernst 

genommen, geschweige denn menschlich behandelt. In den Berichten der RAD 

Ärzte seien viele Befunde zu ihren Ungunsten verdreht worden. Sie stützte sich 

auf einen Bericht von Dr. med. … vom 7. Mai 2012, in welchem dieser die 

Ausführungen des RAD Psychiaters Dr. med. … kritisierte.

8. Die IV-Stelle beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 5. Juli 2012 die 

Abweisung der Beschwerde. Sie verwies auf die angefochtene Verfügung und 

machte geltend, sie habe zu Recht auf die Konsensbeurteilung der RAD Ärzte 

Dres. med. … und … abgestellt. Es seien keine Hinweise aktenkundig, dass 

diese Ärzte die Beschwerdeführerin nicht ernst genommen oder nicht 

menschlich behandelt hätten. Eine Verdrehung von Befunden sei ebenfalls 

nicht ersichtlich, und die Stellungnahme von Dr. med. … überzeuge nicht.

9. Mit Schreiben vom 22. Juli 2012 nahm Dr. med. … Stellung. Er führte aus, es 

sei ungerecht, dass den Gutachtern mehr Gewicht gegeben werde als den 

behandelnden Ärzten. Anders als die Gutachter sei er als Konsiliararzt finanziell 

unabhängig. Bei der Beschwerdeführerin würden einerseits vorhandene 

Befunde bagatellisiert oder gar verleugnet und andererseits werde anhand der 

gemachten Befunde die Arbeitsfähigkeit viel zu hoch eingeschätzt. Die 

Beschwerdeführerin sei zu mindestens 80% arbeitsunfähig, höchstens in einem 

geschützten Rahmen sei sie bei besserer psychischer Verfassung zu maximal 

40% arbeitsfähig. Am 11. August 2012 bestätigte die Beschwerdeführerin mit 

ihrer Unterschrift ihr Einverständnis mit den Ausführungen von Dr. med. ... 

10. Mit Schreiben vom 23. August 2012 verzichtete die IV-Stelle auf eine Duplik.

Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften und in der 

angefochtenen Verfügung wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen 

eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Anfechtungsobjekt ist die Verfügung vom 12. April 2012, mit welcher die IV-

Stelle den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine IV-Rente verneinte. Nicht 

angefochten und damit rechtskräftig ist die Verfügung vom 13. April 2012 

betreffend berufliche Massnahmen. Streitig und zu prüfen ist, ob die 

Beschwerdeführerin ab dem 1. Januar 2012 Anspruch auf eine Rente hat. 

Massgebend ist dabei der Sachverhalt zur Zeit des Erlasses der angefochtene 

Verfügung am 12. April 2012 (BGE 130 V 138 E.2.1, 121 V 366 E.1b). 

2. a) Als Invalidität gilt gemäss Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil 

des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) und Art. 4 des 

Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) die durch 

einen körperlichen oder geistigen Gesundheitsschaden verursachte, 

voraussichtlich bleibende oder längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit. 

Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG hat eine Versicherte Anspruch auf eine ganze 

Rente, wenn sie zu mindestens 70% invalid ist, auf eine Dreiviertelsrente wenn 

sie zu mindestens 60% invalid ist, auf eine halbe Rente, wenn sie zu 

mindestens 50% invalid ist und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 

40% invalid ist. 

b) Für die Ermittlung des Invaliditätsgrades sieht Art. 28a IVG drei verschiedene 

Methoden vor, die Methode des Einkommensvergleichs für Erwerbstätige, die 

Methode des Betätigungsvergleichs für Nichterwerbstätige und die gemischte 

Methode für Teilerwerbstätige. Für die Wahl der Methode ist entscheidend, 

welchen Status die Versicherte bei sonst gleichen Verhältnissen im 

Gesundheitsfall hypothetisch hätte (BGE 133 V 477 E.6.3). Im vorliegenden Fall 

nimmt die IV-Stelle an, die Beschwerdeführerin wäre ohne 

Gesundheitsschaden zu 61% erwerbstätig und zu 39% im Haushalt tätig. Diese 

Annahme stützt sich auf das aktenkundige Arbeitsverhalten der 

Beschwerdeführerin vor dem Eintritt des Gesundheitsschadens und wird von 

der Beschwerdeführerin nicht bestritten. Die IV-Stelle hat den Invaliditätsgrad 

somit zu Recht mit der gemischten Methode gemäss Art. 28a Abs. 3 IVG 

ermittelt. Nach dieser Methode ist je ein Teilinvaliditätsgrad für die Bereiche 

Erwerbstätigkeit und Haushalt zu ermitteln, und dann sind diese beiden 

Teilinvaliditätsgrade zu gewichten und zu addieren. 

3. a) Der Teilinvaliditätsgrad für den Bereich der Erwerbstätigkeit bemisst sich 

gemäss Art. 28a Abs. 3 IVG nach Art. 16 ATSG. Danach wird für die 

Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die 

Versicherte nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der 

medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch 

eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen 

könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, 

das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 

(Valideneinkommen).

b) Das Valideneinkommen wurde im vorliegenden Fall nach dem vor Eintritt des 

Gesundheitsschadens als Verkäuferin erzielten Einkommen bemessen und für 

das Jahr 2012 auf Fr. 30'708.55 festgelegt. Das ist korrekt und wird von der 

Beschwerdeführerin nicht beanstandet.

c) Für die Bestimmung Invalideneinkommens, das heisst des trotz 

Gesundheitsschädigung zumutbarerweise noch realisierbaren Einkommens, ist 

nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation 

auszugehen, in welcher die Versicherte konkret steht  (BGE 126 V 75 E.3b/aa). 

Ist wie im vorliegenden Fall kein solches tatsächlich erzieltes 

Erwerbseinkommen gegeben, so ist ein hypothetisches Invalideneinkommen 

festzulegen. Dabei ist die Frage entscheidend, welche Arbeitsleistungen der 

Versicherten in welchem Umfang noch zugemutet werden können, 

beziehungsweise wie gross die Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten 

Tätigkeit ist. Diese Frage kann nur gestützt auf medizinische Experten 

beantwortet werden, welche zu beurteilen haben, inwiefern eine Versicherte in 

ihren wesentlichen körperlichen und geistigen Funktionen durch ihr Leiden 

eingeschränkt ist (BGE 132 V 93 E.4). Hinsichtlich des Beweiswertes eines 

Arztberichtes ist dabei entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange 

umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten 

Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in 

der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der 

medizinischen Situation einleuchtet, und ob die Schlussfolgerungen des 

Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a). 

4. a) Im vorliegenden Fall stehen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit aus 

somatischen und psychischen Gründen in Frage. Im Folgenden werden 

zunächst die somatischen Aspekte überprüft. Diesbezüglich liegen folgende 

ärztliche Einschätzungen vor:
• Dr. med. …, FMH Innere Medizin, speziell Rheumatologie, 23. Juni 2006

Diagnosen: Fibromyalgiesyndrom, chronisches Lumbovertebralsyndrom, femoropatellares 

Schmerzsyndrom beidseits

Arbeitsfähigkeit: „Durch die Gesamtheit ihrer Beschwerden ist die Patientin in ihrer 

körperlichen Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Insbesondere das repetitive 

Vornüberbeugen, das Heben von Lasten über 10 kg sowie repetitive monotone 

Handarbeiten und das Verbleiben in stehender Position am gleichen Ort über längere Zeit 

sind der Patientin nur in beschränktem Masse zumutbar. In einer adäquaten, also leichten 

Tätigkeit, sollte eine 50 bis 60%ige Arbeitsfähigkeit erreicht werden können“ (Beilagen der 

Beschwerdegegnerin Nr. 20 S. 6 [IV-act. 20-6]).

• Klinik …, 21. August 2008

Diagnose: chronisches generalisiertes myofasciales Schmerzsyndrom

Arbeitsfähigkeit: „Aus rheumatologischer Sicht ist der Patientin eine leichte, 

wechselbelastende Tätigkeit ganztags zumutbar (IV-act. 63-6 ff.).

• Klinik …, 21. Dezember 2010

Diagnose: unspezifisches generalisiertes myofasziales Schmerzsyndrom (IV-act. 63-20)

• Dr. med. …, Hausarzt, Facharzt FMH Allgemeinmedizin, 5. August 2011

Diagnose: chronisches, therapieresistentes, schweres, generalisiertes myofasziales und 

myoskelettales Schmerzsyndrom 

Arbeitsfähigkeit: Die Patientin sei als Verkäuferin, Hilfsarbeiterin und Zimmermädchen zu 

100% arbeitsunfähig. Jegliche Tätigkeit, welche den Bewegungsapparat beziehungsweise 

die Gelenke belaste, löse extrem starke Schmerzen aus (IV-act. 63-2 ff.).

• Dr. med. …, RAD, FMH Rheumatologie, Innere Medizin, Physikalische Medizin und 

Rehabilitation, 13. Dezember 2011

Diagnose: unspezifisches generalisiertes myofasziales Schmerzsyndrom

Arbeitsfähigkeit: „In Übereinstimmung mit der Einschätzung der Klinik … ist in einer 

leidensadaptierten Tätigkeit (aus heutiger Sicht) von einer vollen Arbeitsfähigkeit 

auszugehen. Adaptiert sind leichte körperliche Tätigkeiten mit Wechselbelastung und ohne 

Zwangshaltungen im Bereiche des Bewegungsapparats“ (IV-act. 70).

b) Die IV-Stelle hat auf die Einschätzung von Dr. med. … vom RAD (IV-act. 70) 

abgestellt, wonach in einer adaptierten Tätigkeit aus somatischer Sicht eine 

100%ige Arbeitsfähigkeit besteht. Dies ist nicht zu beanstanden. Gemäss Art. 

59 Abs. 2bis IVG und Art. 49 der Verordnung über die Invalidenversicherung 

(IVV; SR 831.201) stehen die regionalen ärztlichen Dienste den IV-Stellen zur 

Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur 

Verfügung. Sie können bei Bedarf selber ärztliche Untersuchungen von 

Versicherten durchführen und sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im 

Einzelfall unabhängig. Auch auf Stellungnahmen der RAD Ärzte kann indessen 

nur abgestellt werden, wenn sie den allgemeinen beweisrechtlichen 

Anforderungen an einen ärztlichen Bericht genügen (Urteil des Bundesgerichts 

9C_323/2009 vom 14. Juli 2009 E.4.3.1). Der Bericht von Dr. med. … genügt 

diesen Anforderungen; er nimmt umfassend Stellung zur Frage der 

Arbeitsfähigkeit, beruht auf einer fachärztlichen Untersuchung, berücksichtigt 

die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden, wurde in Kenntnis 

sämtlicher relevanter Vorakten abgegeben, leuchtet in der Darlegung der 

medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 

Situation ein, und die Schlussfolgerung ist nachvollziehbar begründet (BGE 134 

V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a). Sodann deckt sich die Einschätzung von Dr. 

med. … sowohl in Bezug auf die Diagnose als auch in Bezug auf die 

Arbeitsfähigkeit mit der Einschätzung der Klink ... Zu der abweichenden 

Einschätzung von Dr. med. … (IV-act. 20-6) nimmt Dr. med. … in 

nachvollziehbarer Weise Stellung (IV-act. 70-5). Er führt aus, bei der 

Beschwerdeführerin finde sich eine weitgehend generalisierte Druckdolenz 

verschiedener muskulärer, faszialer sowie artikulärer Strukturen, was die 

Diagnose eines Fibromyalgiesyndroms durch Dr. med. … als ungenau 

erscheinen lasse. Der von Dr. med. … gestellten Diagnose eines Lumbover-

tebralsyndroms könne er ebenfalls nicht folgen. Zwar hätten sich auch bei 

seiner Untersuchung die bereits früher beschriebenen leichten statischen 

Veränderungen der Wirbelsäule gezeigt, die Schmerzproblematik im Bereich 

der Lendenwirbelsäule sei aber bei normaler Beweglichkeit der gesamten 

Wirbelsäule primär im Zusammenhang mit dem unspezifischen generalisierten 

Schmerzsyndrom zu sehen und nicht als Ausdruck einer lokalen Pathologie. 

Schliesslich gibt Dr. med. … an, die aktuellen objektivierbaren Befunde seien im 

Wesentlichen gleich wie bei der Untersuchung durch Dr. med. … im Jahr 2006; 

der gleiche medizinische Sachverhalt werde somit von ihm und Dr. med. … 

unterschiedlich beurteilt. 

c) Die Beschwerdeführerin macht geltend, auf den Bericht von Dr. med. … könne 

nicht abgestellt werden, weil dieser sie anlässlich der Untersuchung nicht ernst 

genommen geschweige denn menschlich behandelt und in seinem Bericht viele 

Befunde zu ihren Ungunsten verdreht habe. Dem kann nicht gefolgt werden. In 

den Akten finden sich keinerlei Hinweise dafür, dass Dr. med. … sich anlässlich 

der Untersuchung nicht korrekt und professionell verhalten hätte. Wäre dies der 

Fall gewesen, so wäre zu erwarten gewesen, dass sich die Beschwerdeführerin 

sofort oder zumindest mit dem Einwand vom 12. März 2012 (IV-act. 76-1) 

darüber beschwert hätte. Dies hat sie nicht getan. Inwieweit im Bericht von Dr. 

med. … Befunde verdreht sein sollten, ist nicht ersichtlich und wird von der 

Beschwerdeführerin auch nicht konkret dargetan. Ihre Kritik bezieht sich denn 

auch in erster Linie auf den psychiatrischen Bericht von Dr. med. … (dazu 

unten E.5b). 

d) Somit kann festgehalten werden, dass die IV-Stelle aus somatischer Sicht zu 

Recht gestützt auf den Bericht des RAD-Arztes Dr. med. … (IV-act. 70) eine 

100%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit angenommen hat.

5. a) Zu den Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit aus psychischen Gründen liegen 

folgende ärztliche Einschätzungen vor:
• Dr. med. …, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, 23. Juni 2006

„Bei dieser Versicherten sind von der Seite meines Fachgebietes klinisch keine 

Auffälligkeiten nachzuweisen.“ (IV-act. 19)

• Klinik …, 21. Dezember 2010 (nach stationärem Rehabilitationsaufenthalt)

Diagnose: leichte depressive Episode (IV-act. 63-20)

• Dr. med. …, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, 25. August 2011

Diagnosen: rezidivierende depressive Episode (F32.1) seit zwei bis drei Jahren im 

Zusammenhang mit andauernder Persönlichkeitsänderung bei chronischem 

Schmerzsyndrom (F62.8)

Arbeitsfähigkeit: Eventuell wäre bei einer psychischen Stabilisierung in einer 

behinderungsangepassten Tätigkeit ein Beschäftigungsgrad von 20 bis 40% möglich (IV-

act. 66-3).

• Dr. med. …, RAD, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, 19. Dezember 2011 
Diagnose: leichte depressive Episode (F32.0)

Arbeitsfähigkeit: Die Patientin sei aus psychiatrischer Sicht in einer adaptierten Tätigkeit zu 

100% arbeitsfähig. Sie sei nicht geeignet für Tätigkeiten, die unter hohem zeitlichem Druck 

ausgeübt werden müssten und für Tätigkeiten, welche mit hoher emotionaler Belastung 

einhergingen (IV-act. 71).

• Dr. med. …, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, 9. März 2012

Diagnosen: andauernde Persönlichkeitsänderung nach chronischem Schmerzsyndrom 

(F62.8), chronische mittelgradige bis schwere Depression (F33.11)

Arbeitsfähigkeit: die Patientin sei zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 76-4).

b) Die IV-Stelle hat auf die Einschätzung von Dr. med. … vom RAD abgestellt, 

wonach in einer adaptierten Tätigkeit aus psychischer Sicht eine 100%ige 

Arbeitsfähigkeit besteht. Wie bereits dargelegt kommt Berichten von RAD-

Ärzten ein voller Beweiswert zu, wenn sie den allgemeinen beweisrechtlichen 

Anforderungen an einen ärztlichen Bericht genügen (vgl. vorne E.4b). Der 

Bericht von Dr. med. … vermag diese Anforderungen, wie nachstehend im 

Detail gezeigt wird, zu erfüllen. Er nimmt umfassend Stellung zur Frage der 

Arbeitsfähigkeit und umschreibt klar, unter welchen Voraussetzungen eine 

Tätigkeit für die Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht adaptiert ist. 

Sodann hat Dr. med. … eine 90-minütige Untersuchung mit sorgfältiger 

Anamnese durchgeführt und die geklagten Beschwerden berücksichtigt 

(insbesondere Schmerzen, schwierige Lebenssituation, frustrierende erfolglose 

Arbeitssuche, mangelnde Lebensfreude, Müdigkeit, zunehmende Ängstlichkeit, 

Resignation, ab und zu Suizidgedanken, belastende Erlebnisse in der Kindheit). 

Dr. med. … hat auch die Vorakten berücksichtigt und deren wesentliche 

Aspekte in seinem Bericht zusammengefasst. Sodann hat er seine 

Schlussfolgerung nachvollziehbar begründet. Genauer zu überprüfen bleibt 

angesichts der abweichenden Einschätzungen von Dr. med. … und Dr. med. … 

die Frage, ob der Bericht von Dr. med. … in der Beurteilung der medizinischen 

Situation einleuchtet.

aa) Dr. med. … beanstandet in seiner Stellungnahme vom 9. März 2012 (IV-act. 76-

4 ff.), wenn man den Bericht von Dr. med. … lese, habe man das Gefühl, dass 

es sich bei der Beschwerdeführerin um eine „ganz normale Frau“ handle, die 

ihren alltäglichen Verpflichtungen nachkomme, ihre Hobbys pflege und 

dummerweise einfach keine Anstellung finde. Die Realität sei aber die, dass die 

Beschwerdeführerin ihren Verpflichtungen kaum nachkommen könne, 

andauernd auf Tätigkeiten, die sie gerne ausüben würde, wie etwa 

Gartenarbeit, verzichten müsse und seit acht Jahren aus gesundheitlichen 

Gründen keiner Arbeit habe nachgehen können. Damit verkennt Dr. med. …, 

dass die Aufgabe von Dr. med. … im Rahmen der RAD-Abklärung darin 

bestand, die Situation der Beschwerdeführerin aus rein psychiatrischer Sicht zu 

beurteilen. Die Beurteilung der körperlichen Problematik war die Aufgabe von 

Dr. med. …, welcher zum Schluss gelangte, dass nur noch leichte körperliche 

Tätigkeiten mit Wechselbelastung und ohne Zwangshaltungen zumutbar seien 

(IV-act. 70-6). Dies wiederum deckt sich mit Dr. med. … Vorbringen, wonach 

körperlich belastende Tätigkeiten, wie eben zum Beispiel Gartenarbeit, nicht 

mehr möglich seien.

bb) Nach Auffassung von Dr. med. … hätte Dr. med. … angesichts der von der 

Beschwerdeführerin gezeigten Symptome „Gefühl der Wertlosigkeit“, 

„Schlafstörungen“ und „Suizidgedanken“ nicht auf eine leichte, sondern auf eine 

schwere Depression schliessen müssen. Dr. med. … hält dem in seiner 

Stellungnahme vom 23. Mai 2012 (IV-act. 78-13) entgegen, er habe die 

Diagnose lege artis anhand der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 

herausgegebenen Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) und 

den dazugehörigen Leitlinien (DILLING/MOMBOUR/SCHMIDT, Internationale 

Klassifikation psychischer Störungen -  Klinisch-diagnostische Leitlinien, 7. 

Auflage, 2010) gestellt. Nach den genannten Leitlinien gibt es bei einer 

Depression drei Kernsymptome und sieben andere häufige Symptome:

Kernsymptome:

1. Gedrückte Stimmung

2. Interessenverlust, Freudlosigkeit

3. Verminderung des Antriebs, erhöhte Ermüdbarkeit 

Andere häufige Symptome

1. Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit

2. Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen

3. Schuldgefühle und Gefühle der Wertlosigkeit

4. Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven

5. Suizidgedanken

6. Schlafstörungen

7. Verminderter Appetit

Eine depressive Episode ist nach den Leitlinien als leicht zu qualifizieren, wenn 

zwei der Kernsymptome und mindestens zwei der übrigen Symptome vorliegen. 

Bei einer mittelgradigen depressiven Episode müssen zwei der Kernsymptome 

und mindestens 3, besser 4 der übrigen Symptome vorliegen, wobei einige in 

ihrem Schweregrad besonders ausgeprägt sein müssen. Bei einer schweren 

depressiven Episode sind schliesslich alle drei Kernsymptome und mindestens 

vier andere Symptome gefordert, einige davon besonders ausgeprägt. In 

Anwendung dieses Kriterienkatalogs führte Dr. med. … in seinem Bericht vom 

19. Dezember 2011 (IV-act. 71-6) aus, eine gedrückte Grundstimmung liege bei 

der Beschwerdeführerin nicht vor, ebenso wenig zeige der Tagesverlauf einen 

ausgeprägten Interessenverlust; im Gegenteil habe die Beschwerdeführerin 

diverse Interessen und Hobbys, denen sie nachgehe. Ein gewisser Verlust an 

Freude werde berichtet und wirke im Sinne einer Resignation beziehungsweise 

einer Verbitterung. Die Beschwerdeführerin berichte zwar über häufige und 

anhaltende Müdigkeit, eine erhebliche Aktivitätseinschränkung werde anhand 

des geschilderten Tagesablaufes aber nicht spürbar, so dass eine höhergradige 

Verminderung des Antriebs nicht festgehalten werden könne. An weiteren 

Symptomen lägen vor: Ein vermindertes Selbstwertgefühl, das Gefühl von 

Wertlosigkeit, Suizidgedanken und Schlafstörungen. Kein Symptom sei 

besonders ausgeprägt. Dr. med. … schloss somit zu Recht auf eine leichte 

depressive Episode. Er lieferte zudem eine nachvollziehbare Begründung dafür, 

weshalb seine Beurteilung von derjenigen von Dr. med. … (IV-act. 66) 

abweiche und weshalb seiner Ansicht nach keine rezidivierende Störung und 

keine mittelgradige Depression vorlägen. Dr. med. … wies darauf hin, dass eine 

leichte depressive Episode gemäss ICD-10 F32.0 vorliege, wenn die Betroffene 

unter den Symptomen leide und Schwierigkeiten habe, ihre alltäglichen 

Aktivitäten fortzusetzen, diese aber nicht vollständig aufgebe, was bei der 

Beschwerdeführerin der Fall sei. Diese Einschätzung erscheint nachvollziehbar, 

wenn man den von der Beschwerdeführerin gegenüber Dr. med. … detailliert 

geschilderten Tagesablauf betrachtet (Aufstehen ca. um 7.00 Uhr, Kaffee, 

Einheizen des Kachelofens, Morgentoilette, kurzer Spaziergang mit dem Hund, 

ca. zweistündiger Spaziergang alleine, leichte Haushaltarbeiten, Zeitung lesen, 

Mittagessen, Abwasch, Spaziergang mit dem Hund, Waschen/Bügeln oder 

Nähen, ca. einstündiger Spaziergang, Tiere füttern, Kreuzworträtsel mit dem 

Ehemann, Einheizen des Kachelofens, Nachtessen [vom Ehemann zubereitet], 

Abwasch, Fernsehen, zu Bett gehen um ca. 22 Uhr). Entgegen der Ansicht von 

Dr. med. … erweist sich die von Dr. med. … vorgenommene Einschätzung der 

medizinischen Situation in Bezug auf die Depression somit als begründet und 

einleuchtend.

cc) Dr. med. … (IV-act. 76-9) und Dr. med. … (IV-act. 66) diagnostizierten nebst 

der depressiven Störung eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach 

chronischem Schmerzsyndrom gemäss ICD-10 F62.80. Dr. med. … 

diagnostizierte diese Störung nicht. In seiner Stellungnahme vom 9. März 2012 

(IV-act. 76-4 ff.) kritisierte Dr. med. …, Dr. med. … versuche diese Diagnose 

herunterzuspielen, indem er sie als vage bezeichne und angebe, es fehlten 

klare Kriterien. Dr. med. … fehle ein Grundverständnis für diese Kategorie der 

psychiatrischen Diagnosen. Psychiatrische Diagnosen seien beschreibende 

Diagnosen, die oft einen Symptomenkomplex aufzählten, wobei aber nicht jeder 

Punkt erfüllt sein müsse. Dr. med. … verneine bei der Beschwerdeführerin 

sämtliche Symptome einer andauernden Persönlichkeitsänderung kategorisch. 

Dies sei falsch, träfen doch alle zu. Dr. med. … entgegnete in seiner 

Stellungnahme vom 23. März 2012 (IV-act. 78-13), er versuche nichts 

herunterzuspielen sondern weise zu Recht darauf hin, dass in der ICD-10 zu 

der Diagnose der andauernden Persönlichkeitsänderung bei chronischem 

Schmerzsyndrom (F62.80) keine Kriterien aufgeführt seien, so dass diejenigen 

von F62.0 (andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung) und 

F62.1 (Andauernde Persönlichkeitsänderung nach psychischer Krankheit) 
heranzuziehen seien. Dem kann gefolgt werden. Auch in der Beurteilung der 

einzelnen Kriterien kann Dr. med. … gefolgt werden. In seiner Stellungnahme 

vom 23. März 2012 (IV-act. 78-14) führt er aus, die Beschwerdeführerin drücke 

keine feindliche oder misstrauische Haltung der Welt gegenüber aus, sie suche 

aktiv Sozialkontakte in der Aquafit-Gruppe und in der Fibromyalgie-

Selbsthilfegruppe, ein sozialer Rückzug bestehe nicht. Ein Gefühl der Leere 

berichte sie nicht. Die Resignation könne indessen als Hoffnungslosigkeit 

gedeutet werden. Ein chronisches Gefühl von Nervosität wie bei ständigem 

Bedrohtsein berichte sie nicht und lasse sie, psychomotorisch unauffällig, auch 

nicht erkennen. Auch ein Gefühl der Entfremdung berichte sie nicht. Eine 

hochgradige Abhängigkeit sowie Anspruchs- und Erwartungshaltung gegenüber 

anderen erkenne er klar nicht; finanziell möge eine Abhängigkeit vom Ehemann 

bestehen, eine krankhafte emotionale Abhängigkeit und eine Anspruchshaltung 

bestünden aber nicht. Sodann liege keine Überzeugung vor, durch die 

Krankheit verändert oder stigmatisiert zu sein, die dazu geführt hätte, dass die 

Beschwerdeführerin nicht mehr fähig wäre, enge und vertrauensvolle 

Beziehungen aufzunehmen oder beizubehalten; das Kriterium der sozialen 

Isolation sei nicht erfüllt, bestehe doch eine enge und vertrauensvolle 

Beziehung zum Ehemann. Der Tagesablauf lasse sodann keine Passivität, 

verminderte Interessen oder Vernachlässigung von Freizeitbeschäftigungen 

erkennen. Schliesslich sei auch das Kriterium der dysphorischen oder labilen 

Stimmung nicht erfüllt; die Episoden dysphorischer Stimmung seien der 

depressiven Störung zuzuordnen, beruhten also im Sinne von ICD-10 F62.1 

„auf dem Vorliegen einer gegenwärtigen psychischen Störung oder einer 

vorausgegangenen psychischen Störung mit affektiven Residualsymptomen.“ 

Diese Ausführungen von Dr. med. … beruhen auf sorgfältigen Erhebungen und 

sind konsistent. Die Kritik von Dr. med. … vermag keine Zweifel an ihrer 

Glaubhaftigkeit hervorzurufen. Somit ergibt sich, dass die IV-Stelle zu Recht auf 

die Einschätzung von Dr. med. … abgestellt hat und somit auch zu Recht davon 

ausgegangen ist, dass die Beschwerdeführerin nicht unter einer andauernden 

Persönlichkeitsänderung nach chronischem Schmerzsyndrom leidet.

dd) Dr. med. … wirft Dr. med. … eine negative Einstellung gegenüber der 

Beschwerdeführerin vor. Er versucht, dies anhand eines Beispiels aufzuzeigen. 

Dr. med. … gebe in ihrem Bericht (IV-act. 66) auf die Frage, in welchem 

Umfang eine behinderungsangepasste Tätigkeit möglich sei, folgendes an: 

„Eventuell bei psychischer Stabilisierung ein Beschäftigungsgrad von 20 bis 

40% in behinderungsgeeigneter Tätigkeit als Verkäuferin (z.B. 

Kräuterherstellung und online Vertrieb).“ Dr. med. … verdrehe dies in seinem 

Bericht (IV-act. 71-5) zu folgender Aussage:“ Dr. med. … beschreibt, eine 

Rückkehr in den Arbeitsprozess würde die Versicherte psychisch stabilisieren“. 

Die Kritik von Dr. med. … ist unbegründet. Er lässt unbeachtet, dass Dr. med. 

… nebst der zitierten Aussage weitere Aussagen zum Thema Arbeit machte, 

nämlich folgende (IV-act. 66-2 Punkt 1.4 Rubrik Prognose): „Die früher 

lebenstüchtige Patientin möchte gerne in den Arbeitsprozess zurückkehren. 

Eine Reintegration, auch stundenweise, würde ihre psychische Situation enorm 

stabilisieren. Aufgrund der somatischen Problematik ist jedoch die Rückkehr in 

eine volle Erwerbstätigkeit eher unwahrscheinlich.“ Damit ergibt sich, dass Dr. 

med. … die Aussagen von Dr. med. … korrekt wiedergegeben und keine 

Fakten verdreht hat. Der Bericht von Dr. med. … erscheint denn auch als 

Ganzes überzeugend und schlüssig, Anzeichen für mangelnde Objektivität sind 

nicht ersichtlich. Und entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin finden sich 

in den Akten auch keinerlei Hinweise dafür, dass Dr. med. … sich anlässlich der 

Untersuchung nicht korrekt und professionell verhalten hätte. Wie bereits in 

Bezug auf Dr. med. … ausgeführt (vgl. vorne E.4c), wäre bei einer unfairen 

oder gar unmenschlichen Behandlung durch den Gutachter zu erwarten 

gewesen, dass sich die Beschwerdeführerin sofort oder zumindest mit dem 

Einwand vom 12. März 2012 (IV-act. 76-1) darüber beschwert hätte. Dies hat 

sie nicht getan. Und auch in ihrer Beschwerde konkretisiert sie ihren Vorwurf 

nicht, sondern verweist lediglich auf die fachliche Kritik von Dr. med. …, welche, 

wie gezeigt, nicht begründet ist.

ee) Dr. med. … attestierte der Beschwerdeführerin aus psychiatrischer  Sicht eine 

100%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 71). Dies steht auf den ersten Blick im 

Widerspruch zu der Einschätzung der behandelnden Fachärztin, Dr. med. … 

(IV-act. 66), welche angibt, bei psychischer Stabilisierung sei eventuell ein 

Beschäftigungsgrad von 20 bis 40% möglich. Dieser Widerspruch beeinträchtigt 

die Beweiskraft des Berichts von Dr. med. … bei genauerer Betrachtung 

indessen nicht. Analysiert man den Bericht von Dr. med. …, so zeigt sich, dass 

in verschiedenen Punkten psychische und somatische Faktoren berücksichtigt 

wurden. So gab Dr. med. … zum Beispiel eine Arbeitsunfähigkeit von 100% in 

der bisherigen Tätigkeit als Verkäuferin in der … an und nannte als Grund 

„Schmerzen und Erschöpfung“. Bei der Prognose gab sie an, eine Reintegration 

in den Arbeitsprozess würde die psychische Situation stabilisieren, die 

Rückkehr in eine volle Arbeitstätigkeit sei aber aufgrund der somatischen 

Problematik eher unwahrscheinlich. Es liegt deshalb der Schluss nahe, dass Dr. 

med. … auch bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit 

somatische Faktoren miteinbezogen hat. Dr. med. … hingegen hat sich als 

Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH im Rahmen der 

bidisziplinären RAD-Untersuchung auf die psychischen Aspekte beschränkt und 

die Beurteilung der somatischen Faktoren dem Rheumatologen Dr. med. … 

überlassen.

c) Somit kann festgehalten werden, dass der Bericht von Dr. med. … in der 

Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und auch die übrigen 

beweisrechtlichen Anforderungen erfüllt. Die Kritik von Dr. med. … und die 

teilweise abweichende Beurteilung von Dr. med. … vermögen keine 

begründeten Zweifel am Bericht von Dr. med. … zu wecken und 

beeinträchtigen seine volle Beweiskraft nicht. Die IV-Stelle hat deshalb zu 

Recht davon ausgegangen, die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit 

liege im hier relevanten Zeitraum ab dem 1. Januar 2012 aus psychischer Sicht 

bei 100%.

6. a) Die IV-Stelle hat das hypothetische Invalideneinkommen mangels eines von der 

Beschwerdeführerin nach dem Eintritt des Gesundheitsschadens tatsächlich 

erzielten Einkommens gestützt auf die Schweizerische Lohnstrukturerhebung 

(LSE) bemessen (BGE 126 V 75 E.3b/bb). Dies ist korrekt. Die 

Beschwerdeführerin macht dagegen geltend, sie sei schon seit Jahren 

vergeblich auf der Suche nach einem passenden Arbeitsplatz. Es gebe in der 

Realität kaum einen Arbeitsplatz, der angesichts ihrer Einschränkungen für sie 

passen würde. Dabei verkennt sie, dass bei der Festlegung eines 

hypothetischen Invalideneinkommens nicht darauf abzustellen ist, ob eine 

invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt 

werden könnte, sondern einzig darauf, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft 

noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem 

Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (Urteil des Eidgenössischen 

Versicherungsgerichts I 405/04 vom 14. Februar 2005 E.3.3). So geht es beim 

als ausgeglichen unterstellten Arbeitsmarkt denn nicht um reale, geschweige 

denn offene Stellen, sondern um gesundheitlich zumutbare 

Beschäftigungsmöglichkeiten, welche der Arbeitsmarkt von seiner Struktur her, 

jedoch abstrahiert von den konjunkturellen Verhältnissen, umfasst. Mit dem 

Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarkts wird nicht - im Sinne eines Vorwurfes 

an die Versicherte - unterstellt, sie könnte ein entsprechendes Einkommen 

erzielen, wenn sie nur wollte. Vielmehr dient der Begriff des ausgeglichenen 

Arbeitsmarkts einzig zur Abgrenzung der Leistungsansprüche von Invaliden- 

und Arbeitslosenversicherung (Urteil des Eidgenössischen 

Versicherungsgerichts I 758/02 vom 16. Juli 2003 E.3.3). Im vorliegenden Fall 

stehen der Beschwerdeführerin - trotz ihrer gesundheitlichen Einschränkungen - 

auf dem hypothetischen, ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend leichte Hilfs-, 

Kontroll- und Überwachungstätigkeiten offen.

b) Nach der Praxis des Bundesgerichts können persönliche und berufliche 

Merkmale einer versicherten Person (wie Alter, Dauer der 

Betriebszugehörigkeit, Nationalität/Aufenthaltskategorie oder 

Beschäftigungsgrad) einen auf höchstens 25 % begrenzten Leidensabzug von 

dem nach den LSE-Tabellenlöhnen zu ermittelnden Invalideneinkommen 

rechtfertigen. Dies gilt, soweit anzunehmen ist, dass die trotz des 

Gesundheitsschadens verbleibende Leistungsfähigkeit der versicherten Person 

infolge eines oder mehrerer dieser Merkmale auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt 

nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen verwertet werden kann (BGE 134 

V 322 E.5.2). Zwar ist nicht automatisch und in jedem Fall, doch aber in aller 

Regel bei eingeschränkter Arbeitsfähigkeit und/oder behinderungsbedingten 

zusätzlichen Limitierungen ein Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen (BGE 

126 V 75 E.5a/bb). Der Leidensabzug darf 25% nicht überschreiten, sollte 

allerdings auch nicht unter 10% zu liegen kommen, weil er ansonsten nicht 

mehr materialisierbar und gerichtlich überprüfbar ist (vgl. Urteil des 

Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden S 11 10 vom 31. Mai 2011 E.4a; 

ULRICH MEYER, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 2. Aufl., 

Zürich 2010, Art. 28a S. 314). Im vorliegenden Fall hat die IV-Stelle einen 

Leidensabzug in der Höhe von 5% vorgenommen. In Würdigung der konkreten 

Umstände (Teilzeitarbeit, Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit in körperlicher 

und psychischer Hinsicht) und in Anbetracht der Tatsache, wonach 

grundsätzlich keine Leidensabzüge unter 10% zu gewähren sind, ist fraglich, ob 

der vorgenommene Leidensabzug von 5% nicht zu tief ist. Diese Frage kann 

aber offen bleiben, da vorliegend selbst bei einem Leidensabzug von 10% ein 

nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad resultieren würde.

c) Ausgehend von einem Lohn gemäss LSE von Fr. 4'225.-- pro Monat  (Niveau 4, 

einfache und repetitive Tätigkeiten), umgerechnet auf die übliche 

durchschnittliche Arbeitszeit von 41.6 Wochenstunden, unter Berücksichtigung 

der Lohnentwicklung, bei einem für die Beschwerdeführerin angenommenen 

Arbeitspensum von 61% und einem Leidensabzug von 5% errechnete die IV-

Stelle ein Invalideneinkommen von Fr. 31‘170.05 (bei einem Leidensabzug von 

10% ergäbe sich ein Invalideneinkommen von Fr. 29‘529.50).

7. Bei einem Valideneinkommen von Fr. 30'798.55 (vgl. vorne E.3b) und einem 

Invalideneinkommen von Fr. 31‘170.05 errechnete die IV-Stelle einen 

Teilinvaliditätsgrad 0% für den mit 61% zu gewichtenden Bereich der 

Erwerbstätigkeit (bei einem Leidensabzug von 10% ergäbe sich ein 

Teilinvaliditätsgrad von 3.84%).

8. Für die Bemessung des Teilinvaliditätsgrades für den Bereich des Haushalts 

stellte die IV-Stelle im Sinne der Verfahrensökonomie zu Recht auf die 

Haushaltabklärung vom 16. Januar 2007 ab. Angesichts der Gewichtung des 

Haushalts von nur 39% und angesichts des Teilinvaliditätsgrads von 0% 

(beziehungsweise von 3.84% bei einem Leidensabzug von 10%) im 

Erwerbsbereich ergäbe sich nämlich selbst dann, wenn die Einschränkungen 

für die Haushalttätigkeit seit 2007 deutlich zugenommen hätten - was 

angesichts der im Dezember 2011 attestierten 100%igen Arbeitsfähigkeit für 

leichte wechselbelastende Tätigkeiten und angesichts des gegenüber Dr. med. 

… geschilderten Tagesablaufs nicht anzunehmen ist -  insgesamt kein 

rentenbegründender Invaliditätsgrad. Diesbezüglich erhebt die 

Beschwerdeführerin denn auch keine Einwände.

9. Zusammenfassend ergibt sich, dass die IV-Stelle den RAD-Berichten der Dres. 

med. … und … zu Recht volle Beweiskraft beigemessen hat und gestützt 

darauf von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit 

ausgegangen ist, mit der Folge, dass sich ein deutlich unter 40% liegender und 

damit rentenausschliessender Invaliditätsgrad ergeben hat. Die angefochtene 

Verfügung erweist sich deshalb als rechtmässig und die Beschwerde ist 

abzuweisen.

10. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten 

um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem 

kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- 

bis Fr. 1000.-- festgelegt. Vorliegend werden die Kosten auf Fr. 700.-- 

festgesetzt. Diese Kosten hat die unterliegende Beschwerdeführerin zu 

übernehmen (Art. 73 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die 

Verwaltungsrechtspflege; VRG; BR 370.100). Die obsiegende IV-Stelle hat 

keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG e contrario).

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten von Fr. 700.-- gehen zulasten der Beschwerdeführerin und sind 

innert 30 Tagen seit Zustellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des 

Kantons Graubünden, Chur, zu bezahlen.