# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 30cc5642-8e58-59fe-92cb-4a0af68a8258
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-06-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.06.2010 E-6184/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6184-2006_2010-06-25.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-6184/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 5 .  J u n i  2 0 1 0

Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Thomas 
Wespi, Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, 
Gerichtsschreiberin Gabriela Oeler.

A._______,
Sudan,
vertreten durch Laura Rossi, Fürsprecherin, [...],
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
13. November 2006 / N._______

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-6184/2006

Sachverhalt:

A.
Der  Beschwerdeführer,  eigenen  Angaben  zufolge  ein  sudanesischer 
Staatsangehöriger  und  ethnischer  [...]  aus  B._______  (Darfur)  mit 
letztem Aufenthalt in Port Sudan, verliess seinen Heimatstaat angeb-
lich am 18. August  2006 auf  dem Seeweg und gelangte via ein ihm 
unbekanntes Land am 10. September 2006 in die Schweiz. 

Am  10.  September  2006  stellte  er  im  Empfangs-  und  Verfahrens-
zentrum Basel ein Asylgesuch und wurde dort am 12. September 2006 
summarisch dazu befragt. Am 22. September 2006 liess das BFM eine 
Lingua-Analyse  zwecks  Überprüfung  der  Angaben  zur  Herkunft  des 
Beschwerdeführers erstellen. Die Experten kamen dabei zum Schluss, 
dass die Herkunft des Beschwerdeführers aus dem Sudan sowie ein 
längerer Aufenthalt in Libyen den Tatsachen entsprechen dürften. Am 
31. Oktober 2006 hörte das BFM den Beschwerdeführer sodann aus-
führlich zu seinen Asylgründen an.

Anlässlich  der  Befragungen  machte  er  im  Wesentlichen  geltend,  er 
habe sich von 1987 bis ins Jahr 2004 (...) in Libyen aufgehalten. Noch 
in Libyen sei  er  vom Islam zum Christentum konvertiert. Im Februar 
2004 sei er mit einer Freundin, welche (...) Doppelbürgerin sei, nach 
B._______  in  den  Sudan  zurückgekehrt.  Sie  hätten  vorgehabt,  im 
Sudan den Leuten zu helfen und ein Schulgebäude aufzubauen. Weil 
die Lage immer schlechter geworden sei, sei die Freundin jedoch nach 
kurzer Zeit  nach (...)  zurückgekehrt. Bald darauf sei  sein Haus - wie 
auch  die  Häuser  anderer  Dorfbewohner  -  von  Janjaweed-Leuten 
durchsucht  und  viele  seiner  Sachen  seien  beschlagnahmt  worden. 
Auch sei das Haus in Brand gesteckt worden. Er habe sich deswegen 
an die Polizei gewandt. Diese habe ihm gesagt, dass sie ihn in Kürze 
aufgesucht und festgenommen hätten, wenn er nicht selbst gekommen 
wäre. Die Polizei habe ihn nach Kontakten zu Mossad-Leuten und zum 
TV-Sender CNN gefragt. Zirka 45 Tage nach seiner Rückkehr in den 
Sudan sei  er  in ein Gefängnis gebracht  worden, wo er während der 
folgenden  zwei  Jahre  habe  verbleiben  müssen.  Er  sei  beschuldigt 
worden, ein Spion zu sein und ein Zentrum bauen zu wollen, um das 
Christentum  zu  verbreiten.  Er  sei  als  Ungläubiger  betitelt  worden. 
Während  der  Haft  sei  er  beinahe  jeden  Tag verhört  worden. Er  sei 
nach seiner Freundin gefragt worden, welcher sie ebenfalls Spionage 
vorgehalten hätten. Sie hätten wissen wollen, wo sie sei und was sie 

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im Sudan gemacht habe. Bei den Verhören sei er mit Pistolenkolben 
am Kopf geschlagen worden. Auch sei er geohrfeigt und mit Fusstritten 
traktiert worden. Nach etwas mehr als zwei Jahren sei er freigelassen 
worden  beziehungsweise  habe  er  aus  der  Haft  entweichen  können. 
Eines  Tages  sei  nämlich  das  Gefängnis  von  bewaffneten 
Regierungsgegnern angegriffen worden. Die Lage sei ausser Kontrolle 
geraten und es sei  zu einer  Schiesserei  gekommen,  bei  welcher  es 
Tote gegeben habe. Bei dieser Gelegenheit sei ihm und anderen die 
Flucht gelungen, indem sie über Zäune gesprungen seien. Danach sei 
er nicht mehr nach B._______ zurückgekehrt, sondern via C._______ 
nach  Port  Sudan  gegangen,  wo  er  während  fünf  Monaten  bis  zur 
Ausreise verblieben sei. Ein Schulfreund aus C_______ habe ihm in 
dieser  Zeit  beigestanden  und  die  Ausreise  organisiert.  Aus  Furcht 
habe er sich stets drinnen aufgehalten. Am 18. oder 19. August 2006 
habe er den Sudan endgültig verlassen. 

B.
Der  Beschwerdeführer  gab keinerlei  Identitätspapiere  zu den  Akten. 
Mittels schriftlicher Aufforderung wurde er erstmals am 10. September 
2006  aufgefordert,  innert  48  Stunden  gültige  Reisepapiere  zu  den 
Akten zu reichen. 

C.
[Eingereichte  Beweisunterlagen  betreffend  schulische  und  berufliche 
Voraussetzungen]

D.
Das  BFM  stellte  mit  Verfügung  vom  13.  November  2006,  eröffnet 
gleichentags, fest, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den 
Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  und  7 
AsylG nicht  stand. Demzufolge lehnte  das BFM das Asylgesuch ab. 
Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung des Beschwerdeführers aus 
der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Auf die weitere Begründung 
wird,  soweit  für  den Entscheid wesentlich,  in den nachfolgenden Er-
wägungen eingegangen.

E.
Mit  Beschwerde  vom  13.  Dezember  2006  (Poststempel)  an  die 
damalige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) liess  der  Be-
schwerdeführer  beantragen,  die  vorinstanzliche  Verfügung  sei  hin-
sichtlich des angeordneten Wegweisungsvollzugs (Ziffern 3 bis 5 des 
Dispositivs)  aufzuheben.  Es  sei  die  Unzumutbarkeit  des  Weg-

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weisungsvollzugs festzustellen,  und der Beschwerdeführer sei  in  der 
Schweiz  vorläufig  aufzunehmen. In  prozessualer  Hinsicht  wurde  um 
Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  sowie  um Verzicht  auf 
die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. Der Eingabe lag eine 
Fürsorgebestätigung bei.

F.
Die zuständige Instruktionsrichterin verzichtete mit Zwischenverfügung 
vom  19.  Dezember  2006  antragsgemäss  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses  und  teilte  dem  Beschwerdeführer  mit,  über  das 
Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  werde  zu 
einem späteren Zeitpunkt befunden. Sodann hielt sie fest, dass durch 
die  bloss teilweise Anfechtung der  Verfügung die  Fragen des Asyls, 
der  Flüchtlingseigenschaft  und  der  Wegweisung  in  Rechtskraft  er-
wachsen und im Urteil nicht mehr zu prüfen seien.

G.
Mit Vernehmlassung vom 19. März 2007 beantragte die Vorinstanz die 
Abweisung der Beschwerde. Die Vernehmlassung wurde der Rechts-
vertreterin des Beschwerdeführers mit Instruktionsverfügung vom 23. 
März 2007 ohne Replikrecht zur Kenntnis gebracht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  endgültig  über  Be-
schwerden  gegen Verfügungen  des BFM auf  dem Gebiet  des  Asyls 
(Art.  105 AsylG i.V.m. Art.  31 -  33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundes-
gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht übernahm am 1. Januar 2007 die 
Beurteilung  der  am  31.  Dezember  2006  bei  der  ARK  hängig  ge-
wesenen  Rechtsmittel.  Dabei  gelangt  das  neue  Verfahrensrecht  zur 
Anwendung (Art. 53 Abs. 2 VGG).

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1.3 Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  können  die 
Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Fest-
stellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessen-
heit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

2.
Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art.  108 Abs. 1 
AsylG,  Art. 37  VGG i.V.m. Art. 52  VwVG).  Der  Beschwerdeführer  ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 AsylG, Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.

3.
Mit der Beschwerde vom 13. Dezember 2006 wird lediglich der Vollzug 
der  Wegweisung (Dispositivziffern  4  und 5  der  vorinstanzlichen Ver-
fügung)  angefochten.  Somit  ist  die  Verfügung  des  BFM  vom 
13. November  2006, soweit  sie  die Frage des Asyls  und der  Flücht-
lingseigenschaft  betrifft,  in  Rechtskraft  erwachsen.  Auch  die  Weg-
weisung  als  solche  (Dispositivziffer  3)  ist  damit  grundsätzlich  nicht 
mehr  zu  überprüfen,  ist  die  Anordnung  der  Wegweisung  doch  die 
Regelfolge der Abweisung eines Asylgesuches und lässt die Eingabe 
eine  Begründung,  dass  diese  zu  Unrecht  angeordnet  worden  wäre, 
vermissen.  Im  Folgenden  ist  daher  lediglich  zu  untersuchen,  ob  die 
Vorinstanz  den  Wegweisungsvollzug  zu  Recht  als  durchführbar  er-
achtet  hat  oder  ob  allenfalls  an  Stelle  des  Vollzugs  eine  vorläufige 
Aufnahme anzuordnen ist.

4.
4.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des 
Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer [AuG, SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss ständiger  Praxis  des Bundesverwaltungsgerichts  und seiner 
Vorgängerorganisation  ARK der  gleiche  Beweisstandard wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der 
strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu 

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machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, 
Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.148).

4.2 Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Ver-
pflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 
Ausländers  in  den  Heimat-,  Herkunfts-  oder  in  einen  Drittstaat  ent -
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So  darf  keine Person  in  irgendeiner  Form zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus 
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie  
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 
0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des 
Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter  und andere 
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 
(FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei-
heiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmensch-
licher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  unterworfen 
werden.

4.3 Die Vorinstanz wies in  ihrer  angefochtenen Verfügung zutreffend 
darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen 
schützt,  die die Flüchtlingseigenschaft  erfüllen. Da rechtskräftig  fest-
gestellt  ist,  dass  es  dem Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine 
asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft  zu 
machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlings-
rechtlichen  Non-Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren  keine  An-
wendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den 
Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem Aspekt  von Art.  5  AsylG recht-
mässig.

Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des  Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall 
einer  Ausschaffung  in  den  Heimatstaat  dort  mit  beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen 
Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des 

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Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener 
des  UN-Anti-Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine 
konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass 
ihm  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche 
Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR,  [Grosse  Kammer],  Saadi 
gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, 
§§ 124-127,  mit  weiteren  Hinweisen  ).  Auch  die  allgemeine 
Menschenrechtssituation  im  Heimatstaat  (die  Region  Darfur 
ausgenommen;  vgl.  untenstehende  Erwägungen)  lässt  den 
Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig 
erscheinen. Es erscheint  im Weiteren nicht  als  wahrscheinlich,  dass 
der Beschwerdeführer, welcher jedenfalls nicht glaubhaft gemacht hat, 
er  habe  sich  politisch  exponiert,  im  Falle  seiner  Rückkehr  in  den 
Sudan  allein  infolge  seiner  Ethnie  und  seines  Auslandaufenthaltes 
respektive  seiner  Asylgesuchstellung  in  der  Schweiz  in 
menschenrechtswidriger Weise festgehalten und verhört würde (siehe 
diesbezügliche  Behauptungen  in  der  Beschwerdeschrift).  Nach  dem 
Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- 
als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

4.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 
7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum 
Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 
2002, BBl 2002 3818).

4.5  Hinsichtlich der Frage der Zumutbarkeit führte das BFM aus, eine 
Rückführung  des Beschwerdeführers  in  seine  ursprüngliche Heimat-
region  Darfur  sei  aufgrund  der  dort  herrschenden  gegenwärtigen 
Situation nicht zumutbar. Hingegen sei es dem Beschwerdeführer zu-
zumuten,  sich  in  einem  anderen  Teil  des  sudanesischen  Staats-
gebietes niederzulassen,  da dort  keine Situation  allgemeiner  Gewalt 
herrsche und auch keine individuellen Gründe vorlägen, welche gegen 
die Zumutbarkeit eines Wegweisungsvollzugs in eine Region ausser-
halb  von  Darfur  sprächen.  Der  junge,  gesunde  und  kräftige  Be-
schwerdeführer habe vom zweiten bis zum dreizehnten Lebensjahr in 
C._______  und  damit  in  relativer  Nähe  zur  Hauptstadt  gelebt.  Dort  
verfüge  er  über  ein  soziales  Umfeld.  Er  habe  (...)  eine  gute 

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Schulbildung absolviert. [Schulische und berufliche Voraussetzungen]. 
Er  verstehe,  [berufliche Tätigkeit],  und habe Berufserfahrung als  [...]  
sammeln  können.  Angesichts  dieser  Voraussetzungen  bestünden 
keine Hinweise darauf, dass es ihm nicht möglich sein sollte, im Sudan 
eine eigene Existenz aufzubauen. 

4.6 In  der  Beschwerde  wird  unter  Hinweis  auf  ein  Urteil  der  ARK 
(Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurs-
kommission / EMARK 2006 Nr. 25) darauf hingewiesen, dass in Darfur 
einer  der  schlimmsten  Konfliktherde  mit  innen-  wie  auch  aussen-
politischen,  ethnischen  und  wirtschaftlichen  Komponenten  bestehe, 
welcher  weiterhin  unzählige  Opfer  von  Menschenrechtsverletzungen 
fordere. Eine Verbesserung der Lage sei auch nach der im erwähnten 
Urteil vertretenen Auffassung nicht in Sicht. In demselben Urteil habe 
die ARK die Frage, ob eine innerstaatliche Fluchtalternative bestehe, 
verneint.  Die  dabei  wiedergegebenen  Informationen  seien  auch  in 
Bezug auf die Frage, ob eine innerstaatliche Wohnsitzalternative zur 
Verfügung stehe, von Bedeutung. Gemäss einem Bericht des UNHCR 
vom Februar 2006 sowie einem Bericht der UNMIS vom August 2006 
lebten in  Khartoum ungefähr  zwei  Millionen Binnenflüchtlinge. Diese 
seien  im  Sudan  sozial  und  wirtschaftlich  marginalisiert.  Sie  seien 
häufig Opfer von Belästigungen und willkürlicher Gewalt und müssten 
mit  der  Zerstörung  ihrer  Lager,  Zwangsumsiedlungen  und  De-
portationen nach Darfur rechnen. Sie würden oftmals gezwungen, sich 
in Slums und wüstenähnlichen Gebieten niederzulassen, wo es keine 
Infrastruktur  gebe. Die  Behörden  seien  nicht  gewillt,  sie  gegen  Dis-
kriminierungen und weitere Verfolgungshandlungen zu schützen. Das 
UNHCR empfehle deshalb, Personen aus Darfur  zumindest  vorläufig 
aufzunehmen  und  zurzeit  keine  nicht-arabisch-stämmigen  Personen 
aus Darfur gegen ihren Willen in den Sudan auszuweisen. Der Bericht 
von  "Aegis  Trust"  vom  Juni  2006  komme  zum  Schluss,  dass  die 
Lebensbedingungen  für  intern  Vertriebene  in  den  Lagern  und 
Siedlungen  in  und  um  Khartoum  teilweise  schlechter  seien  als  in 
Darfur selbst. In der Beschwerde wird weiter geltend gemacht, es be-
stehe eine grosse Wahrscheinlichkeit, dass der Beschwerdeführer im 
Falle seiner Rückkehr in den Sudan gezwungen würde, sich in einem 
Flüchtlingslager  oder  einer  Siedlung für  intern  Vertriebene niederzu-
lassen.  Ob  diesfalls  überhaupt  die  Möglichkeit  einer  sozialen 
Integration  bestünde,  sei  mehr  als  fraglich.  Der  Beschwerdeführer 
wäre angesichts der gegenwärtigen Lage im Sudan kaum fähig, sich 
eine wirtschaftliche Existenz aufzubauen. Der Umstand, dass der Be-

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schwerdeführer einen Teil seiner Kindheit in der Nähe der Hauptstadt 
verbracht habe, bedeute nicht, dass er dort  über ein tragfähiges Be-
ziehungsnetz  verfüge.  Seine  Familienangehörigen  lebten,  falls  sie 
noch am Leben seien, immer noch in der Region Darfur. Angesichts 
der  zwei  Millionen  Flüchtlinge  in  Khartum  sei  es  trotz  der  Aus-
bildungen des Beschwerdeführers unwahrscheinlich, dass er sich eine 
wirtschaftliche Existenz aufbauen könne. 

4.7 Darfur, die angebliche Geburtsregion des Beschwerdeführers, ist 
seit  mehreren  Jahren  Schauplatz  eines  blutigen  Bürgerkrieges.  Die 
Vorinstanz hat zwar zu Recht festgestellt,  dass in der Region Darfur 
eine Situation allgemeiner Gewalt herrscht und der Vollzug der Weg-
weisung dorthin unzumutbar ist. Ebenso hat  sie aber erwogen, dass 
der  Beschwerdeführer  die  Region  Darfur  bereits  im  Alter  von  zwei 
Jahren  zusammen  mit  seinen  Eltern  verlassen  hat  und  seine 
Sozialisierung einerseits in C._______ (Bundesstaat D._______) und 
andererseits  in  E_______  (Libyen)  erfahren  hat.  Den  einzigen 
längeren  Aufenthalt  im  Raume  Darfur  nach  seiner  Rückkehr  aus 
Libyen,  welchen  er  an  einem  ihm  unbekannten  Ort  im  Gefängnis 
verbracht  haben  will,  vermag  er  nach  Ansicht  des 
Bundesverwaltungsgerichts ebenfalls nicht als überwiegend glaubhaft 
darzustellen. So ist die Schilderung der Ereignisse im Sudan nach der  
angeblichen  Rückkehr  aus  Libyen  derart  vage  und  widersprüchlich 
ausgefallen,  dass  gar  zweifelhaft  ist,  ob der  Beschwerdeführer  nach 
seinem Libyenaufenthalt nochmals in den Sudan zurückgekehrt ist. 

Der Beschwerdeführer vermag einzig aus dem Umstand, dass er die 
beiden ersten Lebensjahre in Darfur verbracht hat, nichts für sich aus 
dem in der Beschwerde angerufenen EMARK-Entscheid zu Darfur und 
der Situation der Darfur-Flüchtlinge abzuleiten. Somit ist in seinem Fall 
nicht  zu  prüfen,  ob  ihm  als  Darfur-Flüchtling  in  Khartoum  eine  in -
ländische  Fluchtalternative  offenstünde.  Das  Aussageverhalten  des 
Beschwerdeführers sowie der Umstand, dass er die ihm vorgehaltenen 
Unzulänglichkeiten  in  seinen  Aussagen  in  der  Beschwerde  unwider-
sprochen gelassen hat, erschweren zwar eine seriöse Prüfung der zu 
erwartenden Rückkehrsituation. Aufgrund der Aktenlage geht das Ge-
richt jedoch davon aus, dass dem Beschwerdeführer eine Rückkehr in 
den  Raum  C._______,  wo  er  einen  Grossteil  seiner  Sozialisierung 
erlebt  und  die  Schulen  besucht  hat  und  wohin  er  nach  seinem 
Libyenaufenthalt  auch  vorerst  zurückgekehrt  sei,  zugemutet  werden 
kann.  Es  darf  angenommen  werden,  dass  er  dort  abgesehen  von 

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seinem Jugendfreund, der ihm zur Ausreise verholfen haben soll, über 
weitere soziale Kontakte verfügt, auf die er zurückgreifen kann, zumal 
er seinerzeit von seiner gesamten Familie dorthin begleitet worden ist. 
In diesem Zusammehang sei erwähnt, dass das Gericht auch nicht als 
glaubhaft  erachtet,  dass der Beschwerdeführer im Sudan über keine 
familiären Kontakte mehr verfügt  (der Beschwerdeführer hat  eigenen 
Angaben zufolge im Heimatland seine Eltern,  deren 14 Geschwister 
sowie  seine  eigenen  [...]  Geschwister  zurückgelassen).  Ungeachtet 
des  Vorhandenseins  eines  familiären  Beziehungsnetzes  darf  jedoch 
bereits  allein  aufgrund  der  persönlichen  Voraussetzungen  des 
Beschwerdeführers ([schulische und berufliche Voraussetzungen] und 
ist  jung,  gesund  und  ledig)  angenommen  werden,  dass  diesem die 
soziale  und  wirtschaftliche  Eingliederung  in  seinem  Heimatland  mit 
hoher Wahrscheinlichkeit  gelingen wird. Nach dem Gesagten erweist 
sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar.

4.8 Schliesslich  obliegt  es  dem Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zu-
ständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  not-
wendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), wes-
halb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

5.
Insgesamt  ist  der  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Vollzug  der  Weg-
weisung  zu  bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  diesen  zu  Recht  als  zu-
lässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine 
Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 
AuG).

6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten dem Be-
schwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs. 1  VwVG). Nachdem aber 
aufgrund der Aktenlage weiterhin von seiner Bedürftigkeit auszugehen 
ist  und  die  Beschwerde  nicht  als  aussichtslos  bezeichnet  werden 
kann, ist in Gutheissung des Gesuchs um Gewährung der unentgelt-
lichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  von  einer 

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Kostenauflage abzusehen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird 
gutgeheissen.  Auf  die  Auferlegung  von  Verfahrenskosten  wird  ver-
zichtet. 

3.
Dieses  Urteil  geht  an  die  Rechtsvertreterin,  das  BFM  und  die 
kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Christa Luterbacher Gabriela Oeler

Versand: 

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