# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5a536fa8-c927-5c81-88dc-ffde05df55ac
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-01-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.01.2022 F-17/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-17-2022_2022-01-11.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-17/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  11 .  J a n u a r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Einzelrichterin Susanne Genner, 

mit Zustimmung von Richterin Daniela Brüschweiler;   

Gerichtsschreiberin Fabienne Hasler. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei,   

vertreten durch lic. iur. Nesrin Ulu, 

Verein MOR Recht, (…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 

(Dublin-Verfahren); 

Verfügung des SEM vom 23. Dezember 2021 / N (…). 

 

 

 

F-17/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer (geb. […], türkischer Staatsangehöriger) ersuchte 

am 27. Oktober 2021 in der Schweiz um Asyl. Ein Abgleich mit der europä-

ischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) ergab keinen 

Treffer. Anlässlich der Eintrittskontrolle trug er nebst seinen türkischen Aus-

weispapieren einen polnischen Aufenthaltstitel auf sich. 

B.  

Die Vorinstanz gewährte dem Beschwerdeführer am 11. November 2021 

das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der 

Möglichkeit einer Überstellung nach Polen. Er erklärte, im Jahr 2018 sei 

ihm ein Visum für Polen ausgestellt worden, das bis zum 23. März 2019 

gültig gewesen sei. Danach habe er von Polen im Jahr 2019 sowie Ende 

2020 jeweils eine befristete Aufenthaltsbewilligung als Student erhalten. 

Am 15. Dezember 2020 sei diese Bewilligung aber erloschen. Da sein tür-

kischer Pass inzwischen annulliert worden sei und weil er bei einer Einreise 

in die Türkei womöglich verhaftet worden wäre, habe er nicht in sein Hei-

matland zurückkehren können. Deshalb sei er bis April 2021 in Polen ge-

blieben. Danach sei er per Flugzeug in die Schweiz eingereist, weil hier 

seine Eltern und sein Bruder leben würden. Er wolle nicht nach Polen zu-

rückgehen. Der polnische Präsident habe klar gesagt, dass er in Polen 

keine Moslems und Personen aus dem «näheren Osten» haben wolle. Es 

bestehe das Risiko, dass Polen Informationen über ungewollte Gruppie-

rungen an die Türkei weiterleite oder einzelne Migranten sogar in die Türkei 

zurückschicke. In der Türkei seien viele Personen inhaftiert, die einer Grup-

pierung angehörten, die nicht geduldet werde. 

Zu seinem Gesundheitszustand befragt gab der Beschwerdeführer an, er 

sei gesund. 

C.  

Das SEM ersuchte die polnischen Behörden am 29. November 2021 um 

Übernahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 12 Abs. 4 der Verord-

nung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 

des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-

rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-

nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). Die polni-

schen Behörden hiessen das Gesuch am 8. Dezember 2021 gut. 

F-17/2022 

Seite 3 

D.  

Mit Verfügung vom 23. Dezember 2021 (eröffnet am 27. Dezember 2021) 

trat die Vorinstanz auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, 

ordnete dessen Wegweisung nach Polen an und forderte ihn auf, die 

Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzei-

tig verfügte sie die Aushändigung der editionspflichtigen Akten und stellte 

fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine auf-

schiebende Wirkung zu. 

E.  

Am 3. Januar 2022 gelangte der Beschwerdeführer an das Bundesverwal-

tungsgericht mit den Anträgen, die angefochtene Verfügung sei aufzuhe-

ben und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten. 

Eventualiter sei die Sache zwecks Neubeurteilung an die Vorinstanz zu-

rückzuweisen. Ferner ersuchte er um Erteilung der aufschiebenden Wir-

kung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und 

Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. 

F.  

Am 4. Januar 2022 ordnete die Instruktionsrichterin einen superprovisori-

schen Vollzugsstopp an. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.2. Gemäss Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungs-

gericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zu-

ständig und entscheidet über diese in der Regel – wie auch vorliegend – 

endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist zur Be-

schwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-

gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG 

und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

2.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

F-17/2022 

Seite 4 

2.2. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb 

sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines 

zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e 

AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-

scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

3.  

3.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

3.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-

gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals 

ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des 

Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich 

keine (neue) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr 

statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1). 

3.3. Besitzt ein Antragsteller einen gültigen Aufenthaltstitel, so ist gemäss 

Art. 12 Abs. 1 Dublin-III-VO derjenige Mitgliedstaat für die Prüfung des An-

trags auf internationalen Schutz zuständig, der den Aufenthaltstitel ausge-

stellt hat. Dasselbe gilt, wenn der Aufenthaltstitel seit weniger als zwei Jah-

ren abgelaufen ist, sofern der Antragsteller das Hoheitsgebiet der Mitglied-

staaten nicht verlassen hat (Art. 12 Abs. 4 Dublin-III-VO). 

3.4. Der Beschwerdeführer hatte vor seiner Einreise in die Schweiz in kei-

nem Drittstaat ein Asylgesuch gestellt. Indessen verfügte er zuvor über ei-

nen befristeten Aufenthaltstitel in Polen. Aus den Akten ist ersichtlich, dass 

er im September 2018 zunächst ein Visum für die Einreise nach Polen er-

halten hat. Im März 2019 und im Jahr 2020 (genaues Datum ist unleserlich) 

verlängerte Polen sodann seine befristeten Aufenthaltsbewilligungen je-

weils. Gemäss Angaben des Beschwerdeführers wurde sein Antrag auf 

Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung im Dezember 2020 mit der Be-

gründung abgelehnt, er verfüge nicht über ausreichend finanzielle Mittel für 

die Fortsetzung seines Studiums. Allerdings stimmten die polnischen Be-

hörden dem Übernahmeersuchen der Vorinstanz vom 29. November 2021 

gestützt auf Art. 12 Abs. 1 Dublin-III-VO zu und verwiesen dabei explizit 

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Seite 5 

auf eine «Polish residence card no RP […] valid till 06.01.2022». Demnach 

ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seines 

Asylgesuchs in der Schweiz über einen gültigen Aufenthaltstitel in Polen 

verfügt hat, weshalb die Zuständigkeit Polens grundsätzlich gegeben ist. 

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass dieser Aufenthaltstitel inzwi-

schen abgelaufen ist. Die Ausführungen des Beschwerdeführers, wonach 

die Erteilung oder Verlängerung eines Visums zum Zweck des Studiums 

nicht unter die Definition des Begriffs «Aufenthaltstitel» gemäss Art. 2 Bst. 

l der Dublin-III-VO falle, sind nicht einschlägig. Selbst die Behauptung, 

dass sich der Beschwerdeführer angeblich länger als sechs Monate in der 

Schweiz aufgehalten hat, vermag an der grundsätzlichen Zuständigkeit Po-

lens gemäss Art. 12 Abs. 1 Dublin-III-VO nichts zu ändern. 

3.5. Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller an den zunächst als 

zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche 

Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-

bedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische 

Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder 

entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU–Grund-

rechtecharta mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mit-

gliedstaat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um fest-

zustellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden 

kann. Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund 

der Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten 

Mitgliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen werden, so 

wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat der zuständige Mitglied-

staat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 

3.6. Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der 

Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkreti-

siert. Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch «aus hu-

manitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-

VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche 

Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE 

2015/9 E. 8.2.1). 

  

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Seite 6 

4.  

Vorab ist festzuhalten, dass es keine hinreichenden Gründe für die An-

nahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für asylsu-

chende Personen in Polen hätten Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 

2 zweiter und dritter Satz Dublin-III-VO, die eine Gefahr einer unmenschli-

chen Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grundrechtecharta und 

Art. 3 EMRK mit sich bringen würden. Polen ist Signatarstaat der EMRK, 

des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere 

grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 

(FoK, SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der 

FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen entsprechen-

den völkerrechtlichen Verpflichtungen nach. Es darf somit davon ausge-

gangen werden, dass dieser Staat die Rechte, die sich für Schutzsuchende 

aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 

2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuer-

kennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrens-

richtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Nor-

men für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantra-

gen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben, anerkennt und schützt. Die Anwen-

dung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist somit nicht gerechtfertigt. 

5.  

Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht das Selbsteintritts-

recht gemäss Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO sowie Art. 29a Abs. 3 AsylV nicht 

ausgeübt hat. 

5.1. Der Beschwerdeführer führt aus, er könne nicht nach Polen zurück-

kehren, da er dort nicht mehr sicher sei. Er komme aus einer Familie, die 

sich in der Hizmet-Bewegung engagiere. Diese werde in der Türkei als zur 

Terrororganisation FETÖ/PDY gehörend eingestuft. Dementsprechend 

würden sein Vater und sein Onkel politisch verfolgt. Sein Vater sei zudem 

im Jahr (…) verhaftet worden. Er – der Beschwerdeführer – selbst sei im 

Sommer (…) als Minderjähriger bei seiner Einreise in die Türkei am Flug-

hafen festgenommen und stundenlang von der Polizei befragt worden. An-

schliessend sei ihm sein Reisepass weggenommen worden. Die Zugehö-

rigkeit zu einer Gruppierung, die für den türkischen Staat als bewaffnete 

Terrororganisation gelte, führe dazu, dass er sein Studium in Polen nicht 

mehr fortführen könne. Die Universität B._______ sei mehrmals in den pol-

nischen und türkischen Medien als eine der Universitäten bezeichnet wor-

den, die zur Gülen-Bewegung gehörten. Er gehe davon aus, dass die pol-

nische Migrationsbehörde in Verbindung zum türkischen Staat stehe und 

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gezwungen worden sei, ihn aufgrund seiner politischen Aktivitäten vom 

Studium auszuschliessen. Gleichzeitig sei in der Türkei aber sein Pass an-

nulliert worden und es laufe ein Strafverfahren gegen ihn, weshalb er nicht 

dorthin zurückkehren könne. Die Wahrscheinlichkeit, dass Polen ihn aber 

in die Türkei zurückschicke, sei gross. Dort wäre er erneut unmenschlicher 

Behandlung durch die Polizei ausgesetzt. Zudem habe die Fremdenfeind-

lichkeit gegen die Muslime in Polen enorm zugenommen. Dies spüre er im 

Alltag. Er sei ausserdem homosexuell. Sein muslimischer Glaube und der 

gesellschaftliche Druck in der Türkei habe es ihm verunmöglicht, seine se-

xuelle Identität frei zu wählen. Erst in Polen habe er sich mit seiner Homo-

sexualität auseinandersetzen können. Nichtsdestotrotz würden auch in Po-

len Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsi-

dentität verfolgt, verletzt oder sogar getötet. Die Zugehörigkeit zu einer 

LGBT-Gruppe sei gefährlicher als in jedem anderen europäischen Land. Er 

könne in Polen nicht um Asyl ersuchen, weil er dort wegen seines Glau-

bens, seiner politischen Aktivitäten und sexueller Orientierung verfolgt 

werde. 

5.2. Zunächst ist anzumerken, dass die Ausführungen des Beschwerde-

führers in Bezug auf seine behauptete politische Verfolgung und das gegen 

ihn laufende Strafverfahren in der Türkei für das vorliegende Verfahren 

nicht von Belang sind. Die Argumente, die gegen eine allfällige Rückwei-

sung in die Türkei sprechen, kann der Beschwerdeführer – sofern er in Po-

len ein Asylgesuch stellt – im polnischen Asylverfahren vorbringen. Vorlie-

gend geht es um die Frage, ob aus völkerrechtlicher Sicht Anlass besteht, 

im konkreten Fall von einer Wegweisung nach Polen abzusehen.  

Es sind keine Gründe für die Annahme ersichtlich, Polen werde im Fall des 

Beschwerdeführers den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und 

ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder 

seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder 

in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwun-

gen zu werden. Die Behauptung, die polnischen Behörden würden mit dem 

türkischen Staat kooperieren und deshalb dem Beschwerdeführer die Fort-

setzung seines Studiums bewusst verunmöglichen, ist darüber hinaus we-

der belegt noch glaubhaft. Dies umso weniger, als der Beschwerdeführer 

entgegen seinen Behauptungen bis vor kurzem über einen gültigen polni-

schen Aufenthaltstitel verfügt hat. Auch mit dem Vorbringen der angebli-

chen Fremdenfeindlichkeit gegenüber Muslimen und Homosexuellen ver-

mag er nicht darzutun, dass die ihn bei einer Rückführung zu erwartenden 

Bedingungen in Polen derart schlecht seien, dass sie zu einer Verletzung 

von Art. 3 EMRK führen könnten. Der Beschwerdeführer, der sich seit (…) 

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Seite 8 

2018 freiwillig und zu Studienzwecken in Polen aufgehalten hat, führt über-

dies selbst aus, dass er sich in Polen zum ersten Mal mit seiner sexuellen 

Identität auseinandersetzen konnte. Sollte er tatsächlich Grund zur Be-

fürchtung haben, in Polen wegen seiner Religion oder sexuellen Orientie-

rung von Drittpersonen behelligt zu werden, so stünde es ihm frei, dagegen 

die Hilfe staatlicher Organe in Anspruch zu nehmen. Der Beschwerdefüh-

rer hat kein konkretes und ernsthaftes Risiko dargetan, dass die polnischen 

Behörden in seinem Fall den erwähnten völkerrechtlichen Verpflichtungen 

nicht nachkommen würden.  

5.3. Auch in humanitärer Hinsicht erscheint ein Selbsteintritt nicht ange-

zeigt. Der Beschwerdeführer gibt lediglich pauschal an, dass er aufgrund 

der komplizierten Vorgeschichte und der Erlebnisse psychische Probleme 

habe, die er in Polen nicht habe behandeln lassen. Schliesslich vermag 

auch der behauptete Aufenthalt des Vaters und des Bruders des (volljähri-

gen) Beschwerdeführers nicht zum Selbsteintritt zu führen. 

5.4. Zusammenfassend ist die Schweiz weder völkerrechtlich verpflichtet, 

auf das Asylgesuch einzutreten, noch liegen humanitäre Gründe vor, wel-

che einen Selbsteintritt nahelegen würden. 

5.5. Bei dieser Ausgangslage besteht kein Anlass, die Sache zwecks Neu-

beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, dies umso weniger, als der 

entsprechende Antrag nicht weiter begründet wird.  

6.  

Die Vorinstanz ist demnach zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten und 

hat seine Wegweisung nach Polen angeordnet. 

7.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Mit dem vorliegen-

den Urteil fällt der am 4. Januar 2022 angeordnete Vollzugsstopp dahin. 

Das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ist gegenstandslos 

geworden. 

8.  

8.1. Die gestellten Begehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb das 

Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ungeachtet einer allfälligen pro-

zessualen Bedürftigkeit abzuweisen ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG). 

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Seite 9 

8.2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-

deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.- 

festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-

ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abge-

wiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.- werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Susanne Genner Fabienne Hasler 

 

 

Versand: