# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a456d1e9-b572-5888-9a4b-c24d5bc93152
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-10-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.10.2011 E-958/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-958-2011_2011-10-24.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­958/2011

U r t e i l   v om   2 4 .   O k t ob e r   2 0 1 1

Besetzung Richter Markus König,
mit Zustimmung von Richter Pietro Angeli­Busi;
Gerichtsschreiberin Karin Maeder­Steiner.

Parteien A._______,
B._______,
Eritrea,  
vertreten durch lic. iur. Patricia Müller, 
Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende (…),
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Familienzusammenführung;
Verfügung des BFM vom 6. Januar 2011 / N (…).

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  der  Beschwerdeführer  am  7.  September  2008  in  der  Schweiz  um 
Asyl nachsuchte, das BFM mit Verfügung vom 24. November 2009 seine 
Flüchtlingseigenschaft anerkannte und ihm in der Schweiz Asyl gewährte,

dass mit separater Verfügung vom 24. November 2009 festgestellt wurde, 
die  Lebenspartnerin  des  Beschwerdeführers  erfülle  die 
Flüchtlingseigenschaft nicht originär, werde aber in der Schweiz derivativ 
als  Flüchtling  anerkannt,  zumal  sie  mit  diesem  in  einer  dauernden 
eheähnlichen Gemeinschaft lebe,

dass  mit  derselben  Verfügung  auch  der  gemeinsame  Sohn  in  der 
Schweiz (derivativ) als Flüchtling anerkannt wurde,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  3.  Dezember  2010  beim 
BFM ein Gesuch um Familienzusammenführung  für seine am (…) 2005 
geborene und in Eritrea lebende Tochter (aus einer anderen Beziehung) 
einreichte,

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  6.  Januar  2011  die  Einreise  der 
Tochter  in die Schweiz nicht bewilligte und das Gesuch um Gewährung 
von Familienasyl ablehnte,

dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 8. Februar 2011 beim 
Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhoben,  die  Aufhebung  der 
vorinstanzlichen Verfügung und die Bewilligung der Einreise der Tochter 
in die Schweiz beantragten,

dass  sie  in  prozessrechtlicher  Hinsicht  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinn  von  Art.  65  des  Bundesgesetzes 
vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 
172.021)  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses 
ersuchten,

dass sie zusammen mit  ihrer Beschwerde mehrere Beweismittel  zu den 
Akten reichten,

dass  am  (…)  2011  das  zweite Kind  des Beschwerdeführers  und  seiner 
heutigen Lebenspartnerin zur Welt kam und vom BFM am 1. September 
2011 derivativ als Flüchtling anerkannt wurde,

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dass  der  zuständige  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts 
mit Zwischenverfügung vom 9. August 2011 die Beschwerdebegehren als 
aussichtslos  bezeichnete,  das  Gesuch  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen Rechtspflege  abwies  und  die  Beschwerdeführenden  zur 
Bezahlung eines Kostenvorschusses innert Frist aufforderte,

dass  die  Beschwerdeführenden  innert  Frist  den  Kostenvorschuss 
leisteten,

und das Bundesverwaltungsgericht erwägt,

dass es – vorbehältlich des Vorliegens eines Auslieferungsersuchens des 
Staats,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht – 
endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM 
entscheidet  (Art.  105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 
142.31]  i.V.m. Art. 31­34 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 
2005  [VGG,  SR  173.32];  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]) ,

dass  die  Beschwerdeführenden  durch  die  angefochtene  Verfügung 
besonders  berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren 
Aufhebung beziehungsweise Änderung haben und daher zur Einreichung 
der  Beschwerde  legitimiert  sind  (Art.  6  AsylG  i.V.m.  Art.  48  Abs.  1 
VwVG),

dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten  ist  (Art.  108 Abs.  1 AsylG  sowie Art.  6 AsylG  i.V.m. Art.  52 
VwVG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 
einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es 
sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt, 
weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist 
(Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen 
Schriftenwechsel verzichtet wurde,

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dass Ehegatten, eingetragene Partnerinnen und Partner von Flüchtlingen 
und  ihre  minderjährigen  Kinder  als  Flüchtlinge  anerkannt  werden  und 
Asyl  erhalten,  sofern  keine  besonderen  Umstände  dagegen  sprechen 
(Art. 51 Abs. 1 AsylG),

dass  den  vorgenannten  Personen  die  Einreise  auf  Gesuch  hin  zu 
bewilligen ist, falls sie sich noch im Ausland befinden (Art. 51 Abs. 1 und 
4 AsylG),

dass  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  darlegt,  weshalb  es 
vorliegend die Voraussetzungen von Art. 51 Abs. 4 AsylG als nicht erfüllt 
erachtet,

dass Art. 51 Abs. 4 AsylG bedinge, dass der Flüchtling vor der Ausreise 
in einem gemeinsamen Haushalt mit dem Mitglied seiner Familie gelebt 
habe, für das die Familienzusammenführung verlangt werde und dass die 
Familienangehörigen durch die Flucht getrennt worden seien,

dass  eine  Trennung  durch  die  Flucht  eine  Familienverbindung 
voraussetze, die bereits vor der Flucht bestanden haben müsse,

dass  den  Akten  zu  entnehmen  sei,  dass  es  sich  bei  der 
Beschwerdeführerin  um  eine  Tochter  aus  einer  früheren  Beziehung 
handle und die Tochter bei ihrer Mutter in Eritrea lebe,

dass  der  Beschwerdeführer  seit  dem  Jahr  2007  mit  seiner  heuten 
Lebensgefährtin  zusammenlebe  und  mit  dieser  eine  neue  Familie 
gegründet habe,

dass er Eritrea zusammen mit ihr verlassen und in der Schweiz um Asyl 
nachgesucht habe,

dass  somit  nicht  davon  gesprochen  werden  könne,  die 
Familienangehörigen  in  Eritrea  seien  durch  die  Flucht  vom 
Beschwerdeführer getrennt worden,

dass  das  Verhalten  des  Beschwerdeführers  in  den  letzten  Jahren 
vielmehr  darauf  schliessen  lasse,  er  habe  sich  für  die  neue 
Familiengemeinschaft entschieden,

dass ausserdem besondere Umstände im Sinn von Art. 51 Abs. 1 AsylG 
vorlägen und es nicht dem Kindeswohl entsprechen würde, die Tochter, 
die  praktisch  ohne  ihren  Vater  aufgewachsen  sei,  aus  dem  familiären 

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Umfeld,  in  dem  sie  in  den  letzten  Jahren  eingebettet  gewesen  sei, 
herauszureissen,

dass  an  dieser Einschätzung  auch  die Tatsache nichts  ändere,  das  die 
Mutter  eine  –  auf  ihre  Authentizität  nicht  überprüfbare  –  Erklärung 
unterzeichnet habe, wonach sie nichts dagegen habe, wenn ihre Tochter 
in die Schweiz käme,

dass  somit  auch  besondere  Umstände  gegen  die  Gewährung  von 
Familienasyl gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG sprechen würden,

dass ausserdem aufgrund der Akten keine Asylgründe im Sinn von Art. 3 
AsylG zu erkennen seien,

dass  es  sich  nach  dem  Gesagten  nicht  rechtfertige,  der 
Beschwerdeführerin Asyl zu gewähren und demzufolge die Einreise nicht 
zu bewilligen und das Gesuch um Familienasyl abzuweisen sei,

dass zur Vermeidung von Wiederholungen vorab auf die praxiskonformen 
und  überzeugenden  Ausführungen  des  BFM  in  der  angefochtenen 
Verfügung verwiesen werden kann,

dass  insbesondere  in  der  angefochtenen  Verfügung  namentlich 
nachvollziehbar  dargelegt  wird,  dass  die  Trennung  des 
Beschwerdeführers  und  seiner  Tochter  gemäss  Akten  nicht  durch  die 
Flucht  erfolgt  und  deshalb  die  in  Art.  51  Abs.  4  AsylG  erwähnte 
Grundvoraussetzung  für  eine  flüchtlingsrechtliche  Familienvereinigung 
nicht erfüllt ist,

dass die vorliegenden Akten die Richtigkeit dieser Erwägung bestätigen 
und ihnen auch in der Beschwerde inhaltlich nicht widersprochen wird,

dass die verschiedenen eingereichten Stellungnahmen der Angehörigen 
der  Beschwerdeführenden  in  Eritrea  und  der  Schweiz  einen  teilweise 
widersprüchlichen und zweckgerichteten Eindruck hinterlassen,

dass den Bestätigungen auch bei angenommener Richtigkeit ihres Inhalts 
nicht zu entnehmen wäre, dass die Betreuung der Beschwerdeführerin in 
Eritrea  –  momentan  angeblich  durch  die  Grossmutter  und  den 
Grossvater,  der  auf  der  eingereichten  Fotografie  übrigens  nicht  einen 
"betagten"  Eindruck  erweckt  (vgl.  Beschwerde  S.  4)  –  zurzeit  nicht 
sichergestellt wäre,

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dass  die  Vorbringen  in  der  Beschwerde,  soweit  sie  auf  die 
vorinstanzlichen Erwägungen eingehen, an diesen Feststellungen nichts 
zu ändern vermögen, 

dass es den Beschwerdeführenden demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder 
unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen 
ist,

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens dessen Kosten von Fr. 600.‒  
(Art.  1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG), 
mit  dem  am  22.  August  2011  in  gleicher  Höhe  geleisteten 
Kostenvorschuss zu verrechnen und damit bereits beglichen sind.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.‒  werden  den  Beschwerdeführenden 
auferlegt  und  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss 
verrechnet.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
kantonale Migrationsbehörde.

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Markus König Karin Maeder­Steiner

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