# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5a9f9fdc-3803-5638-a763-64bfc4f53ea6
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-01-20
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 20.01.2022 VBE.2021.422
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2021-422_2022-01-20.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

1. Kammer 

 

 

VBE.2021.422 / lb / fi  

Art. 6 

 

Urteil vom 20. Januar 2022 
 
 

Besetzung  Oberrichter Kathriner, Präsident  

Oberrichterin Vasvary  

Oberrichterin Fischer  

Gerichtsschreiber Birgelen  

 

 
   

Beschwerdefüh-

rer  

 A._____   

vertreten durch MLaw Andreas Hübscher, Rechtsanwalt, Zür-

cherstrasse 8, 5620 Bremgarten AG   

 

     
   

Beschwerdegeg-

nerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau   

 

     
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügungen vom 18. und 31. August 2021) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Der 1990 geborene Beschwerdeführer wurde erstmals am 7. August 2008 

– unter Angabe einer ADS und einer hyperkinetischen Störung des Sozial-

verhaltens – bei der Beschwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen der 

Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) angemeldet. Nach mehrfacher 

Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) sowie einschlä-

gigen Abklärungen trat die Beschwerdegegnerin mit Verfügungen vom 

30. April 2010 (berufliche Massnahme) und vom 25. Juni 2010 (Rente) auf 

die Leistungsbegehren des Beschwerdeführers nicht ein. Beide Verfügun-

gen erwuchsen unangefochten in Rechtskraft. 

 

1.2. 

Am 1. Februar 2012 meldete sich der Beschwerdeführer erneut zum Leis-

tungsbezug an. Die Beschwerdegegnerin gewährte ihm in der Folge wie-

derholt berufliche Eingliederungsmassnahmen (Berufsberatung, Arbeits-

training, berufliche Abklärung, Schnupperlehre, berufliche Eingliederung, 

Jobcoaching, Aufbautraining). Am 15. Oktober 2018 verfügte die Be-

schwerdegegnerin die Abweisung des Gesuchs des Beschwerdeführers 

um Übernahme der behinderungsbedingten Mehrkosten im Rahmen der 

erstmaligen beruflichen Ausbildung von August 2014 bis Juni 2015. Eine 

hiergegen gerichtete Beschwerde wies das hiesige Versicherungsgericht 

mit Urteil VBE.2018.894 vom 11. September 2019 ab. 

 

1.3. 

Die Beschwerdegegnerin schloss am 20. Januar 2020 den Eingliederungs-

prozess aufgrund einer fehlenden Eingliederbarkeit des Beschwerdefüh-

rers (formlos) ab und leitete die Rentenprüfung ein. Nach Rücksprache mit 

dem RAD sprach sie – nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren – dem 

Beschwerdeführer mit Verfügungen vom 18. August 2021 sowie vom 

31. August 2021 ab 1. August 2012 eine ganze Invalidenrente zu. 

 

2. 

2.1. 

Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 23. September 

2021 fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Anträge: 

 

"1. Die Verfügungen vom 18. August 2021 und vom 31. August 2021 seien 
aufzuheben, es sei festzustellen, dass die Verfügung vom 25. Juni 
2010 in Wiedererwägung zu ziehen ist, und die Angelegenheit sei zur 
neuen Entscheidung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 

 2. Eventualiter seien die Verfügungen vom 18. August 2021 und vom 
31. August 2021 aufzuheben, es sei festzustellen, dass die Verfügung 
vom 25. Juni 2010 in Revision zu ziehen ist, und die Angelegenheit sei 
zur neuen Entscheidung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 

 - 3 - 

 

 

 

 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich gesetzlicher Mehr-
wertsteuer zu Lasten der Beschwerdegegnerin." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 18. Oktober 2021 beantragte die Beschwerde-

gegnerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Beschwerdegegnerin führte in ihrer Verfügung vom 18. August 2021 

aus, ihre Abklärungen hätten ergeben, dass der Beschwerdeführer auf-

grund seines Krankheitsbildes im ersten Arbeitsmarkt nicht mehr arbeitsfä-

hig sei. Da er aufgrund seiner Invalidität keine zureichenden beruflichen 

Kenntnisse habe erwerben können, entspreche sein Valideneinkommen 

dem bei Geburts- und Frühinvaliden nach Alter abgestuften Prozentsatz 

des durchschnittlichen Einkommens aller Arbeitnehmer/innen gemäss der 

Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik. Bei fehlendem 

Invalideneinkommen resultiere somit aus einer Gegenüberstellung der bei-

den Vergleichseinkommen ein Invaliditätsgrad von 100 %. Nachdem seine 

Anmeldung zum Leistungsbezug (erst) am 7. Februar 2012 bei ihr einge-

gangen sei, habe er ab 1. August 2012 Anspruch auf eine ganze Invaliden-

rente. Dieser Rentenanspruch bestehe auch nach (erfolglosem) Abschluss 

der beruflichen Eingliederungsmassnahmen im Februar 2020 weiter. Ent-

gegen der Auffassung des Beschwerdeführers könne ihre (erste) Renten-

verfügung vom 25. Juni 2010 nicht als unrichtig bezeichnet werden und 

diese sei daher nicht in Wiedererwägung zu ziehen. Ebenso wenig seien 

diesbezüglich die Voraussetzungen für eine prozessuale Revision erfüllt 

(vgl. Vernehmlassungsbeilage [VB] 386 S. 4 f.). 

 

Der Beschwerdeführer macht zusammengefasst geltend, die Beschwerde-

gegnerin hätte die (erste) Rentenverfügung vom 25. Juni 2010 in Wieder-

erwägung ziehen müssen, da diese zweifellos unrichtig gewesen sei. Eine 

Berichtigung derselben sei von erheblicher Bedeutung, stehe doch ein (zu-

sätzlicher) Rentenanspruch für den Zeitraum zwischen dem 1. Februar 

2009 (sechs Monate nach der erstmaligen Anmeldung vom 7. August 

2008) und dem 31. Juli 2012 zur Diskussion. Wäre die Verfügung vom 

25. Juni 2010 nicht zweifellos unrichtig, wäre sie in Revision zu ziehen, 

liege doch mit dem RAD-Bericht vom 21. September 2020 eine erhebliche 

neue Tatsache vor. Die angefochtenen Verfügungen seien demnach auf-

zuheben, es sei gerichtlich festzustellen, dass die Verfügung vom 25. Juni 

2010 in Wiedererwägung bzw. in Revision zu ziehen sei, und es sei die 

Angelegenheit zur neuen Entscheidung an die Beschwerdegegnerin zu-

rückzuweisen (vgl. Beschwerde S. 2 ff.). 

 

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2. 

2.1. 

Gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG (Wiedererwägung) kann die Verwaltung auf 

eine formell rechtskräftige Verfügung zugunsten oder zuungunsten der ver-

sicherten Person zurückkommen, soweit die Verfügung nicht Gegenstand 

materieller gerichtlicher Beurteilung geworden ist, sie zweifellos unrichtig 

ist und ihre Berichtigung als von erheblicher Bedeutung erscheint. Die Wie-

dererwägung liegt im pflichtgemässen Ermessen der Verwaltung; die Ver-

waltung kann dazu vom Gericht nicht verhalten werden (MEYER/REICH-

MUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 

Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 3. Aufl. 2014, N. 74 f. 

zu Art. 30-31 IVG; vgl. BGE 133 V 50 E. 4.1 S. 52 mit Hinweis auf BGE 127 

V 466 E. 2c S. 469). Eine Anfechtung ist ausgeschlossen, soweit der Ver-

sicherungsträger auf ein Wiedererwägungsgesuch gar nicht eintritt (Urteil 

des Bundesgerichts 9C_70/2021 vom 12. April 2021 E. 4.2 mit Hinweisen). 

Tritt er demgegenüber auf ein entsprechendes Begehren ein und lehnt in 

der Folge eine Wiedererwägung (aus materiellen Gründen) ab, stellt dieser 

Entscheid einen der gerichtlichen Überprüfung unterstehenden Anfech-

tungsgegenstand dar. Thema eines solchen Beschwerdeverfahrens bildet 

indessen einzig die Frage, ob der Versicherungsträger zu Recht die ur-

sprüngliche Verfügung nicht als zweifellos unrichtig und/oder deren Korrek-

tur als von erheblicher Bedeutung qualifiziert hat (vgl. UELI KIESER, ATSG-

Kommentar, 4. Aufl. 2020, N. 84 ff. zu Art. 53 ATSG mit Hinweisen; 

THOMAS FLÜCKIGER, in: Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozialver-

sicherungsrechts, 2020, N. 91 f. zu Art. 53 ATSG mit Hinweisen). 

 

Der Beschwerdeführer ersuchte die Beschwerdegegnerin mit Einwand-

schreiben vom 24. Februar 2021, die Verfügung vom 25. Juni 2010 in Wie-

dererwägung, eventualiter in Revision zu ziehen und ihm gestützt auf seine 

(erstmalige) Anmeldung vom 7. August 2008 bereits mit Wirkung ab dem 

1. Februar 2009 eine ganze Rente zu gewähren (vgl. VB 366 S. 1 f.). Die 

Beschwerdegegnerin hielt alsdann in ihrer Verfügung vom 18. August 2021 

fest, dass sie mit ihrer (Renten-)Verfügung vom 25. Juni 2010 nicht auf das 

(erstmalige) Gesuch des Beschwerdeführers eingetreten sei, da damals 

dessen fortgesetzter Drogenkonsum eine genaue Einschätzung der Ar-

beitsunfähigkeit nicht zugelassen habe. "Der Sachverhalt für Wiedererwä-

gung [sei] nicht gegeben, da die Verfügung vom 25.06.2010 nicht als un-

richtig bezeichnet werden [könne]" (vgl. VB 386 S. 5). Die Ausführungen 

der Beschwerdegegnerin lassen somit darauf schliessen, dass sie auf das 

Wiedererwägungsgesuch des Beschwerdeführers eingetreten ist, dieses 

jedoch nach erfolgter Prüfung der materiellen Wiedererwägungsgründe 

(Verneinung einer zweifellosen Unrichtigkeit der Verfügung vom 25. Juni 

2010) im Ergebnis abgewiesen hat. Es liegt mithin in dieser Hinsicht ein 

(taugliches) Anfechtungsobjekt vor. 

 

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2.2. 

Mit der rückwirkenden Zusprechung einer Invalidenrente wird ein Rechts-

verhältnis im anfechtungs- und streitgegenständlichen Sinne geregelt. 

Durch eine blosse Teilanfechtung der Leistungszusprache wird die richter-

liche Überprüfungsbefugnis jedoch nicht in dem Sinne eingeschränkt, als 

dass unbestritten gebliebene Bezugszeiten von der Beurteilung ausge-

klammert blieben (BGE 125 V 413 E. 2d S. 417 f. mit Hinweisen; vgl. auch 

BGE 135 V 148 E. 5.2 S. 150 und 132 V 393 E. 2.1 S. 396). 

 

Zwischen den Parteien ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine 

ganze Rente ab 1. August 2012 unumstritten (vgl. Verfügung vom 18. Au-

gust 2021; VB 386 S. 4). Da der Beschwerdeführer die von der Beschwer-

degegnerin nicht vorgenommene Wiedererwägung bzw. Revision der (ers-

ten) Rentenverfügung vom 25. Juni 2010 beanstandet, um – nach erfolgter 

Aufhebung der angefochtenen Verfügungen vom 18. und 31. August 2021 

und Rückweisung der Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Beschwer-

degegnerin – eine Rente bereits ab dem 1. Februar 2009 statt erst ab dem 

1. August 2012 zu erwirken, ist der Rentenanspruch ab dem 1. August 

2012 indessen auch gerichtlich zu überprüfen (BGE 125 V 413 E. 3b 

S. 419 f. mit Hinweisen). 

 

3. 

3.1. 

Die Wiedererwägung dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen 

Rechtsanwendung, unter Einschluss unrichtiger Feststellung im Sinne der 

Würdigung des Sachverhalts (BGE 144 I 103 E. 2.2 S. 105 f.; vgl. auch KIE-

SER, a.a.O., N. 46 zu Art. 53 ATSG mit Hinweis auf BGE 127 V 10 E. 4b 

S. 14). Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran 

möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger 

Schluss – derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung – möglich. Das Er-

fordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt, wenn die ge-

setzeswidrige Leistungszusprechung oder -verweigerung aufgrund fal-

scher oder unzutreffender Rechtsregeln erlassen wurde oder wenn mass-

gebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden (BGE 140 

V 77 E. 3.1 S. 79 und 138 V 324 E. 3.3 S. 328; vgl. auch BGE 125 V 383 

E. 6a S. 393). Anders verhält es sich, wenn der Wiedererwägungsgrund im 

Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt, deren Beurteilung in 

Bezug auf gewisse Schritte und Elemente (z.B. Invaliditätsbemessung, Ein-

schätzungen der Arbeitsunfähigkeit, Beweiswürdigungen, Zumutbarkeits-

fragen) notwendigerweise Ermessenszüge aufweist. Erscheint die Beurtei-

lung solcher Anspruchsvoraussetzungen vor dem Hintergrund der Sach- 

und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszu-

sprechung oder -verweigerung darbot, als vertretbar, scheidet die An-

nahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (vgl. Urteil des Bundesge-

richts 8C_525/2017 vom 30. August 2018 E. 7.1 mit Verweis unter ande-

rem auf SVR 2017 UV Nr. 16 S. 53, 8C_425/2016 E. 2.2 und SVR 2014 IV 

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Nr. 10 S. 39, 9C_125/2013 E. 4.1). Für die Beurteilung massgebend ist die 

Sach- und Rechtslage – einschliesslich der damaligen Rechtspraxis – bei 

Erlass der Verfügung (vgl. BGE 140 V 77 E. 3.1 S. 79, 138 V 147 E. 2.1 

S. 149 und 138 V 324 E. 3.3 S. 328). Hierbei vermag eine Praxisänderung 

kaum je die frühere Praxis als zweifellos unrichtig erscheinen zu lassen 

(BGE 125 V 383 E. 3 S. 389 f.; vgl. auch BGE 135 V 201 und 135 V 215). 

 

3.2. 

Die Beschwerdegegnerin verfügte am 25. Juni 2010, dass auf das Renten-

begehren des Beschwerdeführers vom 7. August 2008 "zum heutigen Zeit-

punkt" nicht eingetreten werde. Der Beschwerdeführer könne jedoch ein 

neues Gesuch mit medizinischer Bestätigung der Drogenabstinenz einrei-

chen, "sollte die Arbeitsfähigkeit – nach Durchführung des Entzugs – doch 

noch eingeschränkt sein". Zur Begründung führte sie aus, ihre Abklärungen 

hätten ergeben, dass zwar eine krankheitswertige psychiatrische Proble-

matik bestehe. Diese werde jedoch wesentlich durch einen invalidenversi-

cherungsrechtlich irrelevanten fortgesetzten Drogenkonsum überlagert, so 

dass eine exakte Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit und damit der Vor-

aussetzungen für einen Rentenanspruch nicht möglich sei. Ausserdem be-

stehe eine Neigung zur Delinquenz, welche nicht auf einer mangelnden Zu-

rechnungsfähigkeit beruhe und ebenfalls "ausserhalb des IV-Zuständig-

keitsbereiches" liege. Sie empfehle dem Beschwerdeführer, zuerst sein 

Suchtverhalten "mit geeigneten Entzugsmassnahmen zu heilen". Ein sol-

cher Entzug stelle eine ihm im Rahmen der Schadensminderungspflicht zu-

mutbare Massnahme der Selbsteingliederung dar (vgl. VB 59). 

 

3.3. 

3.3.1. 

Der Erlass einer Nichteintretensverfügung wegen Verletzung der Aus-

kunfts- oder Mitwirkungspflicht setzt einerseits die vorgängige Durchfüh-

rung eines Mahn- und Bedenkzeitverfahrens und andererseits die Unent-

schuldbarkeit der Verletzung der Auskunfts- oder Mitwirkungspflicht vo-

raus. Bei einem Mahn- und Bedenkzeitverfahren hat der Versicherungsträ-

ger die versicherte Person schriftlich zu mahnen bzw. aufzufordern ihrer 

Mitwirkungspflicht nachzukommen, sie auf die Rechtsfolgen ihrer allfälligen 

Widersetzlichkeit hinzuweisen sowie eine angemessene Bedenkfrist einzu-

räumen (vgl. Art. 43 Abs. 3 ATSG). Eine Verfügung ergeht erst nach unbe-

nutztem Ablauf der angesetzten Bedenkzeit (vgl. URS MÜLLER, Das Verwal-

tungsverfahren in der Invalidenversicherung, 2010, S. 219). Ein blosser 

Hinweis auf die Möglichkeit einer späteren Neuanmeldung in der (Nichtein-

tretens-)Verfügung vermag die Durchführung eines Mahn- und Bedenkzeit-

verfahrens nicht zu ersetzen (vgl. BGE 122 V 218 E. 4b S. 220). 

 

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3.3.2. 

Mit Vorbescheid vom 14. Mai 2010, welcher inhaltlich mit der Verfügung 

vom 25. Juni 2010 übereinstimmt, stellte die Beschwerdegegnerin dem Be-

schwerdeführer ein Nichteintreten auf sein Leistungsbegehren in Aussicht 

und empfahl ihm, zuerst sein Suchtverhalten mit geeigneten Entzugsmass-

nahmen zu überwinden (vgl. VB 58). Zwar wurde der Beschwerdeführer 

damit schriftlich auf seine Mitwirkungspflicht – die Durchführung eines Ent-

zuges – hingewiesen. Indessen wurde er dazu nicht ausdrücklich aufgefor-

dert, sondern eine Mitwirkung lediglich "empfohlen". Überdies wurde ihm 

auch keine Bedenkfrist eingeräumt. Dem Vorbescheid fehlt es somit an ei-

nem Mahncharakter und die in Aussicht gestellte Nichteintretensverfügung 

kann nicht die Folge einer allfälligen Verweigerung der Mitwirkungspflicht 

sein. Der Nichteintretensverfügung vom 25. Juni 2010 ist mithin  

– wie der Beschwerdeführer zu Recht festhält (vgl. Beschwerde S. 4) – kein 

Mahn- und Bedenkzeitverfahren vorausgegangen, zumal auch der Hinweis 

sowohl im Vorbescheid als auch in der Verfügung, dass sich der Beschwer-

deführer nach einem allfälligen Entzug wieder neu anmelden könne, ein 

solches nicht zu ersetzen vermag. Die Nichteintretensverfügung vom 

25. Juni 2010 erweist sich demnach bereits aus diesem Grund als zweifel-

los unrichtig im wiedererwägungsrechtlichen Sinne. 

 

3.4. 

3.4.1. 

Die bis zum Leitentscheid BGE 145 V 215 geltende Rechtsprechung des 

Bundesgerichts zu den primären Suchterkrankungen bejahte grundsätzlich 

die Möglichkeit der Anordnung einer Entzugsbehandlung unter dem Titel 

der Abklärungsmassnahmen, wo es darum ging, die erwerblichen Auswir-

kungen einer – invaliditätsfremden – primären Abhängigkeit von denjeni-

gen eines invalidisierenden Gesundheitsschadens abzugrenzen. Hingegen 

kam eine Behandlungsmassnahme bei – invalidenversicherungsrechtlich 

beachtlicher – sekundärer Abhängigkeit (nur) unter dem Titel der Schaden-

minderungspflicht in Frage (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_309/2019 

vom 7. November 2019 E. 4.2.2 mit unter anderem Verweis auf Urteil des 

Bundesgerichts 9C_370/2013 vom 22. November 2013 E. 4.2.1). 

 

3.4.2. 

RAD-Ärztin med. pract. B. hielt in ihrer Aktenbeurteilung vom 27. April 2010 

fest, dass beim Beschwerdeführer eine Störung des Sozialverhaltens (ICD-

10 F91.3), eine Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung (ICD-10 

F90.0) sowie eine Abhängigkeit von multiplen psychotropen Substanzen 

(ICD-10 F19.25) vorlägen. Es bestehe zwar eine krankheitswertige psychi-

atrische Problematik, diese werde aber "wesentlich" durch invalidenversi-

cherungsrechtlich irrelevante Komponenten, nämlich den fortgesetzten 

Drogenkonsum sowie eine nicht auf einer fehlenden Zurechnungsfähigkeit 

beruhende Delinquenzneigung, überlagert. Aufgrund dessen unangepass-

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ten Verhaltens, der mangelnden Gruppenfähigkeit, der ungenügenden Mit-

wirkung bei Eingliederungsmassnahmen und der fehlenden Drogenabsti-

nenz sowie bei weiterhin nicht auszuschliessender Gewalttätigkeit und De-

linquenz sei der Beschwerdeführer "auch zum heutigen Zeitpunkt nicht 

massnahmefähig". Aus psychiatrischer Sicht seien ihm jedoch die Willens-

anstrengung zur Mitwirkung und Drogenabstinenz sowie eine angemes-

sene Therapie der Gesundheitsstörung "uneingeschränkt zumutbar". Sollte 

er eine mindestens dreimonatige Drogenabstinenz und ausreichende Ko-

operation belegen und ausserdem auf freiwilliger Basis unter Beistand-

schaft gestellt werden, könne der Anspruch nochmals geprüft werden, 

wozu jedoch weitere Unterlagen der behandelnden Psychiaterin einzufor-

dern wären (vgl. VB 55 S. 2 f.). 

 

3.4.3. 

Med. pract. B. äusserte sich in ihrer Stellungnahme vom 27. April 2010 ein-

zig zur Weiterführung allfälliger beruflicher Eingliederungsmassnahmen, 

nicht jedoch zur – mit Blick auf die Beurteilung eines allfälligen Rentenan-

spruchs massgebenden – Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers. Die von 

der Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung vom 25. Juni 2010 gezogene 

Schlussfolgerung, wonach aufgrund der Überlagerung der (als krankheits-

wertig qualifizierten) psychischen Symptomatik durch einen invalidenversi-

cherungsrechtlich unbeachtlichen Drogenkonsum "eine exakte Einschät-

zung der Arbeitsunfähigkeit nicht möglich [sei]" (vgl. VB 59 S. 1), findet so-

mit in der RAD-Beurteilung vom 27. April 2010 keine (medizinische) Grund-

lage. 

 

Darüber hinaus führte Dr. med. C., Facharzt für Psychiatrie und Psycho-

therapie, Psychiatrische Klinik D., in einem kurz zuvor auf Ersuchen von 

med. pract. B. (vgl. VB 45 S. 3) erstellten versicherungspsychiatrischen Er-

gänzungsgutachten vom 29. März 2010 aus, dass es aufgrund des Aus-

masses der beim Beschwerdeführer diagnostizierten Störung des Sozial-

verhaltens (ICD-10 F91.3) und der bisherigen Erfahrungen wenig wahr-

scheinlich sei, dass dieser in der freien Wirtschaft eine Ausbildung oder 

eine Arbeitstätigkeit während längerer Zeit durchstehen könnte. Was die 

ebenfalls gestellte Diagnose einer Abhängigkeit von multiplen psychotro-

pen Substanzen (ICD-10 F19.25) anbelange, bestehe zurzeit keine Ein-

schränkung der Arbeitsfähigkeit und der derzeitige geringe und gelegentli-

che Drogenkonsum stehe in Zusammenhang mit der Störung des Sozial-

verhaltens und nicht mit der Sucht bzw. Abhängigkeit (vgl. VB 52 S. 3 f.). 

Auch der behandelnde Psychiater Dr. med. E., Facharzt für Psychiatrie und 

Psychotherapie, Q., hatte in seinem Bericht vom 28. August 2008 darauf 

hingewiesen, dass die Substanzabhängigkeiten "auf jeden Fall" eine "se-

kundäre gescheiterte Selbstbehandlungsstrategie" der ihnen zugrundelie-

genden psychischen Störungen (posttraumatische Belastungsstörung, 

ADHS, Persönlichkeitsstörungen) darstellten (vgl. VB 14 S. 7). Selbst 

 - 9 - 

 

 

 

med. pract. B. hatte in einer früheren Einschätzung die Drogenabhängig-

keit noch als sekundäre Störung bezeichnet (vgl. Stellungnahme vom 

13. Mai 2009; VB 29 S. 5). Zum gleichen Ergebnis kam schliesslich auch 

RAD-Ärztin med. pract. F., Praktische Ärztin, in ihrer Stellungnahme vom 

21. September 2020, in der sie festhielt, dass bereits gestützt auf die 

frühere psychiatrische Begutachtung zuhanden der Jugendanwaltschaft 

"die Substanzabhängigkeit im Zusammenhang mit der Störung des Sozial-

verhaltens gewertet" worden sei (vgl. VB 360 S. 2). Die (spätere) Beurtei-

lung der Suchtabhängigkeit des Beschwerdeführers als "invaliditätsfremd" 

durch med. pract. B. ist somit weder schlüssig noch nachvollziehbar. Bei 

einer sekundären Suchterkrankung wäre indessen bereits unter der alten 

Rechtsprechung die Durchführung einer Entzugsbehandlung einzig unter 

dem Titel der Schadensminderungspflicht, nicht aber im Rahmen der Ab-

klärung des medizinischen Sachverhalts in Frage gekommen (vgl. E. 3.4.1. 

hiervor). Soweit die Beschwerdegegnerin mithin dazumal zwecks materiel-

ler Prüfung eines allfälligen Rentenanspruchs tatsächlich weiteren Abklä-

rungsbedarf sah – wozu nach damaligem Stand der Akten nicht ohne wei-

teres Veranlassung bestand –, hätte sie in Beachtung des Untersuchungs-

grundsatzes (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG; E. 4.3.1. 

nachfolgend) weitere Erhebungen anstellen müssen. Indem sie dies unter-

liess und stattdessen mit ihrer Nichteintretensverfügung vom 25. Juni 2010 

das Rentenprüfungsverfahren vorzeitig abschloss, erweist sich besagte 

Verfügung auch aus diesem Grund als nicht rechtskonform und zweifellos 

unrichtig im wiedererwägungsrechtlichen Sinne. 

 

3.5. 

Eine allgemein gültige betragliche Grenze für die Voraussetzung der Er-

heblichkeit der Berichtigung lässt sich nicht festlegen. Massgebend sind die 

gesamten Umstände des Einzelfalles. Bei periodischen Dauerleistungen, 

mithin bei Renten, ist die Berichtigung regelmässig von erheblicher Bedeu-

tung (Urteil des Bundesgerichts 8C_18/2017 vom 4. Mai 2017 E. 3.2.2; KIE-

SER, a.a.O., N. 65 ff. zu Art. 53 ATSG). Nachdem ein Rentenanspruch (zu-

sätzlich) für den Zeitraum zwischen dem 1. Februar 2009 (sechs Monate 

nach der erstmaligen Anmeldung vom 7. August 2008 [VB 11.1]; vgl. 

Art. 29 Abs. 1 und Abs. 3 IVG) und dem 31. Juli 2012 in Frage steht, ist 

eine Berichtigung der Verfügung vom 25. Juni 2010 von erheblicher Bedeu-

tung. 

 

3.6. 

Gestützt auf vorstehende Erwägungen ergibt sich, dass sich die Verfügung 

vom 25. Juni 2010, mit welcher die Beschwerdegegnerin auf das Renten-

begehren des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist, als zweifellos un-

richtig und eine Berichtigung als von erheblicher Bedeutung erweist, womit 

ein Wiedererwägungsgrund zu bejahen ist. Bei diesem Ergebnis kann of-

fenbleiben, ob – wie vom Beschwerdeführer eventualiter geltend gemacht 

 - 10 - 

 

 

 

(vgl. Beschwerde S. 6) – (auch) die Voraussetzungen einer Revision im 

Sinne von Art. 53 Abs. 1 ATSG erfüllt wären. 

 

4. 

4.1. 

Die Beurteilung, ob ein psychisches Leiden eine rentenbegründende Invali-

dität zu bewirken vermag, ist anhand der mit BGE 141 V 281 zur Prüfung 

der invalidenversicherungsrechtlichen Relevanz psychischer Beschwerden 

neu eingeführten Indikatoren zu prüfen (vgl. BGE 143 V 409 und 143 

V 418). Mit BGE 145 V 215 änderte das Bundesgericht seine Rechtspre-

chung ausserdem dahingehend, dass nun auch eine primäre Abhängigkeit 

von psychotropen Substanzen grundsätzlich als invalidisierender Gesund-

heitsschaden in Frage kommt, dessen Auswirkungen nach dem strukturier-

ten Beweisverfahren gemäss BGE 141 V 281 zu beurteilen sind (a.a.O., 

E. 5 f. S. 221 ff.; vgl. auch SUSANNE BOLLINGER, Der Gesundheitsschaden 

im Sozialversicherungsrecht, in: Sachenrecht, Obligationenrecht und mehr 

[…], 2019, S. 284 ff.). Eine neue Rechtsprechung ist im Grundsatz sofort 

und überall anwendbar und gilt nicht nur für künftige, sondern für alle im 

Zeitpunkt der Änderung hängigen Fälle (vgl. etwa Urteil des Bundesge-

richts 8C_313/2018 vom 10. August 2018 E. 8 mit Hinweis). 

 

4.2. 

RAD-Ärztin med. pract. F. ging in ihrer Stellungnahme vom 21. September 

2020 von folgenden "relevanten" Diagnosen aus: 

 

"- Emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typus (ICD-
10 F60.30) 

 - V.a. kombinierte Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen 
(ICD-10 F92) 

 - Posttraumatische Belastungsstörung (nach sexuellem Missbrauch so-
wie schwerer Traumatisierung in Kleinkindphase durch gewalttätigen 
Vater (ICD-10 F43.1) 

 - ADHS vom gemischten (unaufmerksamen/hyperaktiven) Typ (ICD-10 
F90.0) 

 - Kokainabhängigkeit, episodischer Substanzgebrauch (ICD-10 F14.26) 

 - Alkoholabhängigkeit, aktiver Gebrauch (ICD-10 F10.24) 

 - Cannabisabhängigkeit, aktiver Substanzgebrauch (ICD-10 F12.24)" 

 

Med. pract. F. führte aus, dass beim Beschwerdeführer eine komplexe psy-

chische Störungsproblematik bestehe, welche sich bereits schwerwiegend 

auf die Entwicklung ausgewirkt habe und die berufliche Ausbildung trotz 

wiederholter jahrelanger Versuche habe scheitern lassen. Die Substanzab-

hängigkeit sei im Zusammenhang mit der Störung des Sozialverhaltens 

und des ADHS zu werten. Alle bisherigen Abstinenzversuche seien ge-

scheitert. Der mehrjährige "frustrane" Verlauf der beruflichen Eingliederung 

bestätige die bereits 2012 im Rahmen der Begutachtung zuhanden der Ju-

 - 11 - 

 

 

 

gendstaatsanwalt gestellte ungünstige Prognose, wonach eine Ausbil-

dungs- und Arbeitsfähigkeit ausserhalb des geschützten Rahmens "eher" 

nicht gegeben sei. Aktuell sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in jeg-

licher Tätigkeit ausserhalb des geschützten Rahmens auszugehen, wobei 

diese Beurteilung "spätestens nach dem Abbruch der Ausbildung im 

2. Lehrjahr (Juni 2016)" gelte. Der Beschwerdeführer verfüge zwar an sich 

über Ressourcen, um eine erstmalige berufliche Ausbildung zu absolvie-

ren. Diese könnten aber wegen den erheblichen Funktionseinschränkun-

gen insbesondere im Bereich des Verhaltens und der Sozialkompetenzen 

nicht verwertet werden. Es seien zunächst eine weitere Stabilisierung der 

psychischen Situation und eine Behandlung der Suchtproblematik und ge-

gebenenfalls des Verhaltens notwendig. Das Eingliederungs- resp. Ausbil-

dungspotential sei in ca. drei Jahren erneut zu überprüfen (vgl. VB 360 

S. 2). 

 

4.3. 

4.3.1. 

Nach dem Untersuchungsgrundsatz haben Versicherungsträger und Sozi-

alversicherungsgericht von sich aus und ohne Bindung an die Parteibegeh-

ren für die richtige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen 

Sachverhaltes zu sorgen (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG; BGE 133 

V 196 E. 1.4 S. 200). Der Sachverhalt muss mit dem Beweisgrad der über-

wiegenden Wahrscheinlichkeit festgestellt werden (BGE 134 V 109 E. 9.5 

S. 125 mit Hinweis). 

 

4.3.2. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet 

und ob die Schlussfolgerung des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 

E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). Auch wenn die Rechtsprechung 

den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen stets 

Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen praxisgemäss nicht dieselbe Be-

weiskraft wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG 

vom Versicherungsträger in Auftrag gegebenen Gutachten zu (BGE 125 

V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c S. 160 ff.). Soll ein Versicherungs-

fall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so 

sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen 

auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ver-

sicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklä-

rungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f. und 122 V 157 E. 1d 

S. 162 f.). 

 

 - 12 - 

 

 

 

4.4. 

RAD-Ärztin med. pract. F. hielt in ihrer Stellungnahme vom 21. September 

2020 lediglich fest, dass der Beschwerdeführer "aktuell" und "spätestens 

ab dem Abbruch der Ausbildung im 2. Lehrjahr (Juni 2016)" in jeglicher Tä-

tigkeit vollständig arbeitsunfähig (gewesen) sei (vgl. VB 360 S. 2). Damit 

nahm sie jedoch für den Zeitraum vor Juni 2016 keine abschliessende und 

verbindliche (retrospektive) Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vor. Eine sol-

che wäre umso mehr angezeigt gewesen, als etwa die behandelnde Psy-

chiaterin Dr. med. G., Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Q., – 

entgegen der Einschätzung einer 100-prozentigen Arbeitsunfähigkeit durch 

med. pract. F. "spätestens" ab Juni 2016 – den Beschwerdeführer nach 

dessen erneuten Anmeldung zum Leistungsbezug anfangs Februar 2012 

(vgl. VB 68) zunächst noch wiederholt als zu 100 % arbeitsfähig einstufte 

(vgl. Verlaufsberichte vom 21. Mai 2012 [VB 78 S. 2] sowie vom 13. Feb-

ruar 2015 [VB 184 S. 2]), RAD-Arzt Dr. med. H., Facharzt für Kinder- und 

Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, in einer Stellungnahme vom 

24. Juli 2014 zum damaligen Zeitpunkt "die Belastbarkeit bzw. Arbeitsfä-

higkeit nicht ausreichend genau beziffern" konnte (vgl. VB 173 S. 4) und 

der Beschwerdeführer zumindest vorübergehend drogen- und alkoholabs-

tinent war (vgl. Bericht des Kantonsspitals I. vom 24. Februar 2016; 

VB 236). Ausserdem äusserte sich med. pract. F. überhaupt nicht zur Ar-

beitsfähigkeit des Beschwerdeführers im Zeitraum zwischen dem 1. Feb-

ruar 2009 und dem 31. Juli 2012 (vgl. VB 360 S. 2; E. 3.5. hiervor). 

Schliesslich ist ihrer versicherungsmedizinischen Einschätzung nichts zu 

den Indikatoren zu entnehmen. Diese entspricht damit nicht den aktuellen 

Vorgaben der Rechtsprechung (vgl. E. 4.1. hiervor). Auch den weiteren me-

dizinischen Akten lassen sich keine zureichenden Erhebungen entnehmen, 

die eine rechtsprechungskonforme Prüfung der Indikatoren ermöglichten. 

Die sachverhaltlichen Abklärungen der Beschwerdegegnerin erweisen sich 

demnach mit Blick auf die diesbezüglichen Vorgaben der Rechtsprechung 

(vgl. E. 4.3. hiervor) als unzureichend. 

 

5. 

Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung vom 

18. August 2021 zu Unrecht ihre Nichteintretensverfügung vom 25. Juni 

2010 nicht in Wiedererwägung gezogen (vgl. E. 3.6. hiervor). Darüber hin-

aus erweist sich der rechtserhebliche Sachverhalt als unvollständig und im 

Lichte der Untersuchungsmaxime (vgl. E. 4.3.1. hiervor) als nicht rechts-

genüglich abgeklärt (vgl. E. 4.4. hiervor), so dass eine (abschliessende) 

Beurteilung des Rentenanspruchs des Beschwerdeführers aktuell nicht 

möglich ist. In Übereinstimmung mit der bundesgerichtlichen Rechtspre-

chung ist die Sache demnach – entsprechend dem Antrag des Beschwer-

deführers (vgl. Beschwerde S. 2) – zur Vornahme ergänzender Abklärun-

gen im Sinne der Erwägungen und anschliessenden Neuverfügung an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (BGE 139 V 99 E. 1.1 S. 100; 137 

V 210 E. 4.4.1.4 S. 264 f.). 

 - 13 - 

 

 

 

 

6. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, 

dass die angefochtenen Verfügungen vom 18. August 2021 sowie vom 

31. August 2021 aufzuheben sind und die Sache zur weiteren Abklärung 

und zur Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. 

 

7. 

7.1. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 

 

7.2. 

Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz der rich-

terlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG), denn die Rück-

weisung der Sache an die Verwaltung zwecks Vornahme ergänzender Ab-

klärungen gilt als anspruchsbegründendes Obsiegen (BGE 132 V 215 

E. 6.1 S. 235 mit Hinweisen). 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In Gutheissung der Beschwerde werden die Verfügungen vom 18. August 

2021 sowie vom 31. August 2021 aufgehoben und wird die Sache zur wei-

teren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zur Neuverfügung an die 

Beschwerdegegnerin zurückgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdegegnerin auf-

erlegt. 

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer die Par-

teikosten in richterlich festgesetzter Höhe von Fr. 2'450.00 zu bezahlen. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

den Beschwerdeführer (Vertreter; 2-fach) 

die Beschwerdegegnerin 

das Bundesamt für Sozialversicherungen 
 

 

 - 14 - 

 

 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 20. Januar 2022 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

1. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Kathriner Birgelen