# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8a0db45d-f35e-50b3-800b-59a9c1b9e0d7
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2007-04-25
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Kantonsgericht Strafkammer und Anklagekammer 25.04.2007 ST.2006.92
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_KG_001_ST-2006-92_2007-04-25.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: ST.2006.92

Stelle: Kantonsgericht

Rubrik: Strafkammer und Anklagekammer

Publikationsdatum: 25.04.2007

Entscheiddatum: 25.04.2007

Entscheid Kantonsgericht, 25.04.2007
Art. 56 ff. StGB Massnahmen (sexuelle Nötigung und Exhibitionismus) 
(Kantonsgericht, Strafkammer, 25. April 2007, ST.2006.92).

Zum Sachverhalt:

 

1. Der Angeklagte war am 20. Mai 2005, kurz vor Mitternacht, in … zuerst zwei jungen 

Frauen mit entblösstem Penis, den er mit einer Hand hielt, gefolgt und hat wenige 

Minuten später eine andere junge Frau an der …strasse in … zu Boden gestossen, sie 

mit einem geöffneten Taschenmesser bedroht, sich auf sie gesetzt und ihr den Mund 

zugehalten sowie über der Kleidung an der Brust, am Gesäss und der Scheide 

angefasst. Als zwei Anwohner riefen, er solle von der jungen Frau ablassen, die Polizei 

sei bereits verständigt, entfernte er sich. Der Angeklagte wurde noch in der gleichen 

Nacht verhaftet und hat die Taten zugegeben. Die Schuldsprüche betreffend sexuelle 

Nötigung und Exhibitionismus sind nicht angefochten.

2. Der Angeklagte wurde vom Kreisgericht mit Urteil vom 14. Juni 2006 der sexuellen 

Nötigung und des Exhibitionismus schuldig erklärt und zu einer Gefängnisstrafe von 

zwei Jahren verurteilt. Die Untersuchungshaft von 82 Tagen wurde an die 

Freiheitsstrafe angerechnet. Das Gericht ordnete eine vollzugsbegleitende ambulante 

psychotherapeutische Behandlung an und erklärte eine am 7. Mai 2003 mit bedingtem 

Vollzug ausgesprochene Einschliessungsstrafe von 15 Wochen zwar als vollziehbar, 

schob dann aber den Vollzug wieder zugunsten der während dem Strafvollzug 

angeordneten psychotherapeutischen Behandlung auf. Gegen diese Form und 

Anordnung der Massnahmen (ambulante, vollzugsbegleitende Psychotherapie 

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einerseits und Strafvollzugsaufschub zugunsten der ambulanten Psychotherapie 

anderseits) richtet sich die Berufung der Staatsanwaltschaft in erster Linie. Der 

Schuldspruch wie auch die Strafe von zwei Jahren Gefängnis sind nicht angefochten 

worden und damit in Rechtskraft erwachsen.

3. Das Kreisgericht hat die Feststellungen und Aussagen der Gutachterinnen unter 

Bezugnahme auf ein kurzes E-Mail der Therapeuten vom Psychiatrisch-

Psychologischen Dienst stark relativiert und daraus eigene, für den Angeklagten 

wesentlich günstigere Schlussfolgerungen als die Fachpersonen gezogen. Das 

Kreisgericht ist so zum Schluss gelangt, der Angeklagte habe dank des 

Gefängnisaufenthaltes den notwendigen Leidensdruck aufbauen können, womit er nun 

über das erforderliche Mass an Therapiebereitschaft verfüge. Aufgrund der 

Therapiebereitschaft und der persönlichen Reifung mit dem zunehmenden Alter sei 

auch die fachpsychologisch begründete Gefährlichkeit und starke Rückfallgefährdung 

nicht mehr zutreffend, zumal der Angeklagte, wie der Eindruck an Schranken vermittelt 

habe, aus dem Freiheitsentzug eine positive Lehre ziehe.

 

Aus den Erwägungen:

1. Am 1. Januar 2007 ist der revidierte Allgemeine Teil des Strafgesetzbuches in Kraft 

getreten. Die neuen Bestimmungen sind im vorliegenden Fall anwendbar, sofern sie für 

den Angeklagten das mildere Recht darstellen (Art. 2 Abs. 2 StGB), da die 

Berufungsinstanz mit voller Kognition neu urteilt. Ob eine neue gesetzliche Regelung 

milder ist als die bisherige, ist nach der Praxis nicht durch einen abstrakten Vergleich 

der Normen zu entscheiden, sondern danach, nach welchem der beiden Rechte der 

Täter für die gerade zu beurteilende Tat besser wegkommt, unter Berücksichtigung 

nicht nur der verwirkten Strafe, sondern auch etwa der Möglichkeiten des bedingten 

Strafvollzuges (vgl. STRATENWERTH/WOHLERS, Schweizerisches Strafgesetzbuch, 

Handkommentar, Bern 2007, N 3 zu Art. 2 StGB). Obwohl nicht unbestritten, ging die 

Praxis bisher in Bezug auf Massnahmen von der unbedingten Geltung des neuen 

Gesetzes auch in Bezug auf altrechtliche Taten aus, und zwar auch dann, wenn das 

neue Recht nicht milder war. Das neue Recht scheint prima vista die Kritiker der 

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bisherigen Praxis zu bestätigen, denn Art. 1 des revidierten StGB hält fest, dass nicht 

nur eine Strafe, sondern auch eine Massnahme nur wegen einer Tat verhängt werden 

darf, die das Gesetz ausdrücklich unter Strafe stellt. Die bundesrätliche Botschaft leitet 

daraus ab, dass das Rückwirkungsverbot auch für alle freiheitsentziehenden und -

beschränkenden Massnahmen bestimmend sei, da diese schwere Eingriffe in die 

Persönlichkeit des Täters zur Folge haben können. Allerdings bleibt eine Hintertür 

offen, weil auf den Gesetzgeber verwiesen wird, der bei neuen Massnahmen die 

notwendigen Übergangsbestimmungen selber vorsehe. Davon hat der Gesetzgeber bei 

der vorliegenden Revision bereits ein erstes Mal Gebrauch gemacht, indem gemäss 

den Schlussbestimmungen Ziff. 2 Abs. 1 die Bestimmungen des neuen Rechts über die 

Massnahmen (Art. 56 – 65 StGB) auch auf die Täter anwendbar sind, die vor deren 

Inkrafttreten eine Tat begangen haben oder beurteilt worden sind. Gerechtfertigt wird 

die neue Regelung mit dem Hinweis, dass das neue Massnahmerecht in den meisten 

Fällen gleichwertig oder milder sei, was namentlich bei therapeutischen Massnahmen 

(Art. 59 StGB) regelmässig der Fall sein wird. Aber selbst im Bereich der Verwahrung 

wird dies zutreffen, da neu die Untherapierbarkeit Verwahrungsvoraussetzung ist, 

während nach bisherigem Recht auch therapierbare Straftäter, so sie denn 

gemeingefährlich waren und nicht sofort auf die Therapie ansprachen, nach Art. 43 Ziff. 

1 Abs. 2 aStGB verwahrt werden konnten. Im neuen Recht muss für diese Tätergruppe 

eine Erfolg versprechende Therapie fehlen, damit die Verwahrung in Betracht gezogen 

werden kann (Art. 64 Abs. 1 lit. b StGB). Günstiger für den Betroffenen sind aber auch 

die Bestimmungen von Art. 64 Abs. 3 und 65 Abs. 1 StGB und die gesicherte 

therapeutische Behandlung geht der Verwahrung auch dann vor, wenn der Täter ein 

besonders schweres Delikt im Sinne einer Anlasstat des Verwahrungstatbestandes 

(Art. 64 Abs. 1 StGB) begangen hat. "Nach Inkrafttreten des neuen Rechts dürfte 

deshalb ein Täter, der die Voraussetzungen für die Verhängung einer Massnahme an 

geistig Abnormen nach bisherigem Recht erfüllt, jedoch infolge seines 

Geisteszustandes die öffentliche Sicherheit in schwerwiegender Weise gefährdet, nicht 

mehr verwahrt werden, sondern es wäre auf ihn die stationäre therapeutische 

Massnahme nach Art. 59 anwendbar" (vgl. FRANZ RIKLIN, Revision des Allgemeinen 

Teils des Strafgesetzbuches: Fragen des Übergangsrechts, in: AJP 12/2006 S. 1471 ff., 

insb. S. 1476/77).

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2. Nach dem Gutachten besteht beim Angeklagten eine erhebliche narzisstische 

Persönlichkeitsstörung mit kombinierter Paraphilie (= sexuelle Deviation), nach 

Auffassung der Fachpersonen des PPD eine dissoziale Persönlichkeitsstörung sowie 

eine multiple Störung der Sexualpräferenz. Der von der Verteidigung konsultierte 

Privatgutachter diagnostiziert zudem noch Hirnfunktionsstörungen, denen aber bisher 

für den therapeutischen Prozess keine relevante Bedeutung zukommt. 

Übereinstimmend kommen alle mit dem Angeklagten befassten Fachpersonen zum 

Ergebnis, dass die festgestellten Störungen mit den verübten Delikten in einem 

ursächlichen Zusammenhang stehen und grundsätzlich eine therapeutische 

Behandlung erforderten. Die Gutachterinnen weisen darauf hin, dass narzisstische 

Persönlichkeitsstörungen grundsätzlich schwer therapierbar sind, was sich in gleichem 

Masse auch von dissozialen Persönlichkeitsstörungen sagen lässt. Denn gemeinsam 

ist allen Persönlichkeitsstörungen, dass die therapeutische Arbeit oft Jahre dauert (was 

auch aus dem Bericht des PPD hervorgeht) und häufig nicht erfolgreich ist. Von daher 

ist es nicht weiter entscheidend, ob die beim Angeklagten diagnostizierte Störung den 

dissozialen Persönlichkeitsstörungen nach ICD-10 Gruppe F60.2 oder den sonstigen 

spezifischen Persönlichkeitsstörungen (zu denen die narzisstische gehört) nach ICD-10 

Gruppe F60.8 zugeordnet wird. Nach dem Gutachten war sodann aus damaliger Sicht 

(das Gutachten wurde im Herbst 2005 erstellt) von einer hohen 

Rückfallswahrscheinlichkeit für Sexualdelikte, insbesondere exhibitionistische 

Handlungen und sexuelle Gewalttaten, auch während der Behandlungszeit, und damit 

von einer hohen Gefährlichkeit für Dritte, auszugehen. An dieser Einschätzung hat sich 

auch heute, 1 ½ Jahre später, im Grundsatz nur wenig geändert. Nach dem Bericht des 

PPD "repräsentiert das 'strukturelle Rückfallrisiko' eine langfristig bestehende, basale 

Grunddisposition des Täters, erneut mit dem Zieldelikt (versuchte sexuelle Nötigung) in 

Erscheinung zu treten …und besteht bei Herrn …….. eine deutliche 'strukturelle 

Rückfallgefahr', …weshalb ohne Therapie oder andere risikolenkende Massnahmen …

langfristige Rückfallfreiheit eher unwahrscheinlich, Rückfälligkeit dagegen 

wahrscheinlicher" sei. Die Durchführung der langfristig erforderlichen Therapie in 

Freiheit sei dabei "therapeutisch nicht angezeigt und legalprognostisch noch nicht zu 

verantworten".

Bei dieser Ausgangslage - Straftaten des Angeklagten, die mit seiner beeinträchtigten 

geistigen Gesundheit (Persönlichkeitsstörung/multiple Störung der Sexualpräferenz) in 

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Zusammenhang stehen; Erfordernis einer psychotherapeutischen Behandlung; 

Gefährdung der öffentlichen Sicherheit, die allein durch eine Strafe nicht 

ausgeschlossen werden kann - ist eine Massnahme anzuordnen (Art. 56 StGB), was im 

Berufungsverfahren auch von der Verteidigung nicht mehr in Frage gestellt wird. In 

Betracht kommen dabei stationäre therapeutische Massnahmen (Art. 59 StGB) oder die 

Verwahrung (Art. 64 StGB). Keine Alternative ist eine ambulante Massnahme nach Art. 

63 StGB, da die Freiheitsstrafe von zwei Jahren - selbst unter Einbezug der 

Einschliessungsstrafe von 15 Wochen - nicht verhindern könnte, dass der Angeklagte 

sehr rasch aus dem Strafvollzug, in dem er sich seit dem 11. August 2005 befindet, 

entlassen werden müsste, was aber angesichts der derzeit bestehenden Gefährlichkeit 

für Dritte nicht in Frage kommen kann.

3. Eine stationäre therapeutische Behandlung kann das Gericht anordnen, wenn der 

Täter psychisch schwer gestört ist und ein Verbrechen oder Vergehen begangen hat, 

das mit seiner psychischen Störung in Zusammenhang steht und zu erwarten ist, 

dadurch lasse sich der Gefahr weiterer mit seiner psychischen Störung in 

Zusammenhang stehender Taten begegnen (Art. 59 Abs. 1 StGB). Hat der Täter eine in 

Art. 64 Abs. 1 StGB aufgezählte Anlasstat begangen und besteht aufgrund einer 

anhaltenden oder langandauernden psychischen Störung von erheblicher Schwere eine 

ernsthafte Rückfallsgefahr, so ist der Täter zu verwahren, wenn die Anordnung einer 

Massnahme nach Art. 59 StGB keinen Erfolg verspricht.

Dass der Angeklagte psychisch schwer gestört ist, dass seine Taten mit seiner 

psychischen Störung in direktem und ursächlichem Zusammenhang stehen und dass 

er auch erheblich rückfallgefährdet ist, steht ausser Frage und wird von keiner Seite 

angezweifelt. Unbestritten ist grundsätzlich auch, dass der Angeklagte 

therapiebedürftig ist. Die Staatsanwaltschaft hegt jedoch Zweifel an der Ernsthaftigkeit 

der Behandlungsaussichten und wirft die grundsätzliche Frage auf, ob angesichts der 

gesamten in den Akten vorliegenden Äusserungen der Fachleute davon ausgegangen 

werden könne, eine therapeutische Massnahme verspreche Erfolg (vgl. den Wortlaut in 

Art. 64 Abs. 2 lit. b StGB). Schon unter dem bisherigen Recht war bei der Anordnung 

von Massnahmen dem Grundsatz der Subsidiarität Rechnung zu tragen: Stehen 

mehrere geeignete Massnahmen zur Wahl, hat jene den Vorrang, die am wenigsten in 

die Rechte des Betroffenen eingreift. Dabei ist eine bessernde einer bloss sichernden 

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Massnahme im Allgemeinen vorzuziehen (vgl. dazu BGE 125 IV 123 mit weiteren 

Verweisen). Das neue Recht hat diesen Grundsatz ins Gesetz aufgenommen (Art. 56 

Abs. 2 StGB). Diesen Grundsatz der Subsidiarität gilt es vor Augen zu halten, wenn auf 

so unsicheren Grundlagen wie einer Prognose über die Behandelbarkeit eines 

Betroffenen der weitreichende und einschneidende Entscheid getroffen werden muss, 

ob ein Täter verwahrt werden soll. Vordringliches Anliegen der Strafgesetzgebung ist 

es, ein möglichst straffreies Verhalten und die Resozialisierung des Betroffenen zu 

erreichen; weder Aufgabe noch Ziel des Strafgesetzes ist es demgegenüber, die 

geistige Gesundheit der Straftäter zu fördern (BGE 124 IV 250 ff.). Die ärztliche 

Behandlung oder die Therapie stellt somit lediglich ein Mittel dar, mit welchem das Ziel, 

die Verminderung oder Verhinderung künftiger Straftaten erreicht werden soll (BGE 124 

IV 251). Vom Sachverständigen kann daher weder die verbindliche und sichere 

Prognose über den konkreten Verlauf der Therapie und schon gar nicht über einen 

konkreten künftigen Behandlungserfolg abverlangt werden. Es geht im Zeitpunkt der 

Entscheidfällung über die Alternative stationäre therapeutische Massnahme nach Art. 

59 StGB oder Verwahrung nach Art. 64 StGB daher um die Beurteilung der (1) 

allgemeinen Therapiemöglichkeiten, d.h. der Frage, ob es für die vorliegende Störung 

überhaupt eine wirksame Therapie gibt, sodann der (2) tatsächlichen 

Therapiemöglichkeit, mithin der Vollzugssituation, und schliesslich der (3) Motivation 

des Betroffenen für eine Therapie (vgl. dazu M. HEER, Einige Schwerpunkte des neuen 

Massnahmerechts, in: ZStrR, Bd. 121 S. 376 ff., insb. S. 402 - 405). Wenn die 

Staatsanwaltschaft in ihrer Stellungnahme vom 26. Februar 2007 (act. B/19 S. 2) die 

Begriffe "Aussicht" und "Erfolg versprechen" so sehr in den Vordergrund rückt und 

bemängelt, dass die Therapeuten nur von "berechtigten Chancen" und von "der 

Möglichkeit einer massgeblichen Reduzierung des Rückfallrisikos" sprächen, so 

scheint sie damit die Anforderungen zu hoch anzusetzen und insbesondere den 

Gedanken der Subsidiarität ausser Acht zu lassen. Denn Erfolg versprechen heisst 

eben gerade nicht Erfolg garantieren und eine "Aussicht" im Rechtssinne ist immer 

etwas Ungewisses, wobei eine Aussicht zutreffender Weise mehr oder weniger 

begründet sein kann. Den von der Staatsanwaltschaft zu Recht ins Feld geführten 

Bedenken angesichts des (gegenwärtig) recht hohen Rückfallrisikos ist nicht bei der 

Beurteilung der Behandlungsaussichten und der Frage nach dem möglichen Erfolg 

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einer Massnahme, sondern bei der Prüfung der Durchführbarkeit, also der 

Vollzugssituation, Rechnung zu tragen.

Die Gutachterinnen haben sich ganz klar für die Durchführung einer Therapie 

ausgesprochen (Gutachten Doss. F act. 16 S. 51 "…erfordern eine 

psychotherapeutische Behandlung"; S. 52 "…ist eine hochfrequente ambulante 

psychotherapeutische Behandlung indiziert"; S. 55 "…die primär psychotherapeutisch 

zu behandeln sind"), aber ebenso klar grosse Fragezeichen hinter die Erfolgsaussichten 

einer solchen Behandlung gesetzt (Gutachten S. 51 "…ist die Wahrscheinlichkeit, dass 

es …zu einer Verbesserung der Legalprognose kommt, als gering einzuschätzen"; S. 

53 "…Die Beeinflussbarkeit muss ….als gering eingeschätzt werden"; S. 54 " …ist die 

Wahrscheinlichkeit, dass …zu einer Verbesserung der Legalprognose beiträgt, als sehr 

gering zu beurteilen"). Andererseits haben sie aber auch die Möglichkeit einer 

relevanten Verbesserung der Situation offen gelassen bzw. als reale Möglichkeit 

vorausgesehen, dann nämlich, wenn es "dem Exploranden gelingen sollte, eine 

tragfähige therapeutische Beziehung aufzubauen" (Gutachten S. 53). Genau diese 

Voraussetzung scheint eingetroffen zu sein, wie aus dem Bericht des PPD (act. B/14 S. 

3 oben) hervorgeht: "Dadurch, dass Herr …… einen vertrauensvollen therapeutischen 

Kontakt zur Referentin aufbauen konnte, war es ihm relativ schnell möglich, 

deliktspezifische Zusammenhänge ansatzweise zu erkennen. Im Rahmen der 

Bearbeitung des 'Deliktkreises' konnte er tatauslösende Bedingungen in der 

Vordeliktsphase benennen, ….". Kann also bereits aufgrund des Gutachtens die 

Therapiemöglichkeit nicht mit so hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, 

dass nur die Verwahrung nach Art. 64 StGB in Frage käme (anders noch nach altem 

Recht, wonach bei den vorliegenden Voraussetzungen die Verwahrung nach Art. 43 

Ziff. 1 Abs. 2 aStGB zwingend anzuordnen gewesen wäre), so ist die Situation durch 

den bisherigen Verlauf des Aufenthalts in der Strafanstalt Pöschwies für den 

Angeklagten nochmals wesentlich günstiger geworden. Was zunächst die 

Therapiemöglichkeit betrifft, so scheint diese Voraussetzung erfüllt: Der Angeklagte ist 

seit dem 30. November 2005 in der Strafanstalt Pöschwies und wird dort seit April 

2006 vom PPD betreut. Nach einer prolongierten Therapieabklärung befindet er sich 

seit Juli 2006 in einer deliktorientiert ausgerichteten gesprächspsychotherapeutischen 

Behandlung. Ab Februar 2007 nimmt er an einem zeitlich begrenzten 

Gruppenprogramm teil, das sich als Vorbereitung für nachfolgende deliktorientierte 

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psychotherapeutische Gruppenbehandlungs-Programme versteht. Als 

Zwischenergebnis ist daher festzuhalten, dass die Strafanstalt Pöschwies und 

insbesondere der PPD über grundsätzlich taugliche Therapieangebote für Täter mit den 

psychischen Störungen, wie sie der Angeklagte aufweist (Persönlichkeitsstörungen, 

multiple Störungen der Sexualpräferenz), verfügt. Der Angeklagte hat während seines 

bisherigen Aufenthaltes in der Pöschwies und seines Einbezugs in das deliktspezifische 

Therapieprogramm auch erste - wenn auch möglicherweise zaghafte - Erfolge 

aufzuweisen. Er ist heute immerhin in der Lage, deliktspezifische Zusammenhänge 

ansatzweise zu erkennen sowie tatauslösende Bedingungen in der Vordeliktsphase zu 

benennen und in einen direkten Zusammenhang mit seinen Delikten zu stellen. Sodann 

ist ihm - was sehr wichtig erscheint - seine deutliche Rückfallgefahr präsenter 

geworden und hat er die Notwendigkeit erkannt und gleichzeitig die Bereitschaft 

gezeigt, sich einer langfristigen psychotherapeutischen Behandlung im geschützten 

Rahmen zu unterziehen (act. B/14 S. 3). Dass bis zum angestrebten Ziel noch ein 

weiter Weg ist und nicht mit Bestimmtheit gesagt werden kann, dass das Ziel letztlich 

auch erreicht wird, kann die Anordnung einer Massnahme nicht ausschliessen. Die mit 

der Therapie beim PPD befassten Fachpersonen bescheinigen "Herrn ……. eine 

erfolgversprechende therapeutische Startphase und sehen berechtigte Chancen, mit 

der aus unserer Sicht notwendigen therapeutischen Behandlung zu einer 

massgeblichen Reduzierung des Rückfallrisikos beitragen zu können" (act. B/14 S. 4). 

Sie bescheinigen sodann dem Angeklagten eine hohe Therapiemotivation und sehen in 

seiner persönlichen Konstitution (Der Pivatgutachter spricht von einer 

Hirnfunktionsstörung) keine Faktoren, die eine Behandlung verunmöglichen oder 

gravierend einschränken würden. Dass sich die Fachpersonen in ihrem Bericht 

vorsichtig äussern und die Erfolgsaussichten mit der bei jeder Prognosestellung 

gebotenen Zurückhaltung einschätzen, kann nicht damit kommentiert werden, das sei 

"angesichts des vom Verurteilten ausgehenden hohen Risikos für gewichtige 

Rechtsgüter doch eher vage" (Stellungnahme der Staatsanwaltschaft zum Bericht in 

act. B/19 S. 2). Vorliegend geht es nicht um die Frage einer vollzugsbegleitenden 

ambulanten Massnahme in einer offenen Vollzugsanstalt, sondern um die Anordnung 

einer stationär durchzuführenden Psychotherapie in einem speziellen, 

deliktsorientierten Therapieprogramm in der Strafanstalt Pöschwies, wo der Angeklagte 

auch bei Anordnung einer Verwahrung gemäss Art. 64 StGB (was der 

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Staatsanwaltschaft offenbar sachgerechter erschiene) verbleiben würde. Die deutliche 

strukturelle Rückfallsgefahr wie auch der lange Zeithorizont der Massnahme - beides 

ist im Bericht des PPD klar ausgesprochen (act. B/14 S. 3 unten) - bilden daher kein 

Hindernis für die Anordnung einer stationären Massnahme. Im Übrigen bietet das 

Gesetz (Art. 62 - 62d StGB) wirksame Möglichkeiten, auf Veränderungen in der Person 

des Angeklagten zu reagieren und die Massnahme anzupassen, abzubrechen oder im 

äussersten Fall gar nachträglich eine Verwahrung anzuordnen (Art. 62c Abs. 4 StGB). 

Im heutigen Zeitpunkt besteht jedoch keine begründete Veranlassung, vom 

Subsidiaritätsprinzip abweichend eine Verwahrung anstelle einer stationären 

therapeutischen Massnahme anzuordnen. Mit STRATENWERTH/WOLFERS (a.a.O., N 

6 zu Art. 64 StGB) ist festzustellen, dass die zusätzliche Bestimmung, wonach eine 

stationäre therapeutische Massnahme nach Art. 59 StGB keinen Erfolg verspricht und 

daher eine Verwahrung anzuordnen ist, in der Regel nur dann als erfüllt gelten kann, 

wenn ein seriöser Behandlungsversuch zuvor schon unternommen worden und 

gescheitert ist.

Zusammenfassend wird entsprechend diesen Erwägungen eine stationäre 

therapeutische Behandlung gemäss Art. 59 StGB angeordnet.

4. Bei dieser Sachlage ist auch Ziffer 3 des angefochtenen Urteils aufzuheben, soweit 

der Vollzug der mit Urteil des Bezirksgerichts … vom 7. Mai 2003 bedingt ausgefällten 

Einschliessungsstrafe von 15 Wochen zu Gunsten der ambulanten 

psychotherapeutischen Behandlung aufgeschoben wurde. Die Einschliessungsstrafe 

wird vollziehbar erklärt.

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