# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a8cc805d-7126-58f4-ada3-b6f3de5684f3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.12.2011 C-3788/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-3788-2010_2011-12-29.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung III
C­3788/2010

U r t e i l   v om   2 9 .   D e z embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz),
Richterin Marianne Teuscher, 
Richterin Elena Avenati­Carpani,   
Gerichtsschreiberin Viviane Eggenberger.

Parteien X._______, 
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Justiz BJ, Bundesrain 20, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Sozialhilfe an Schweizer Staatsangehörige im Ausland.

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Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer  ist  1980  in  Frankreich  geboren.  Neben  der 
französischen Staatsbürgerschaft verfügt er – durch Abstammung – auch 
über  das  Schweizer  Bürgerrecht  (A._______).  Bis  1992  lebte  er  in 
Frankreich,  danach  hatte  er  bis  im  Jahre  2001  seinen Wohnsitz  in  der 
Schweiz (Kanton Basel­Stadt), wo er ab 1994 auch die Schule besuchte 
und ab 1998 einer Erwerbstätigkeit nachging. Im März 2004 wurde er auf 
deutschem Staatsgebiet  verhaftet  und  nach  Frankreich  ausgeliefert,  wo 
er  sich  seit  Juni  2004  zur  Verbüssung  einer  gegen  ihn  verhängten 
Freiheitsstrafe im Strafvollzug befindet.

B. 
Am 1. Februar 2010 gelangte der Beschwerdeführer mit einem formellen 
Gesuch  um  Ausrichtung  einer  einmaligen  Unterstützungsleistung  nach 
dem Bundesgesetz vom 21. März 1973 über Sozialhilfe und Darlehen an 
Schweizer  Staatsangehörige  im  Ausland  (BSDA,  SR  852.1)  an  das 
Schweizer Generalkonsulat in Lyon. Die beantragte Sozialhilfeleistung (in 
der  Höhe  von  ca.  350  Euro)  sollte  der  Anschaffung  eines  Computers 
dienen,  mittels  welchem  er  während  der  Dauer  der  von  ihm  zu 
verbüssenden Haftstrafe (mindestens bis im Jahre 2013) ein Fernstudium 
(in Fremdsprachen) absolvieren wollte.

C. 
Mit Verfügung vom 19. April 2010 wies das Bundesamt für Justiz (BJ) das 
Gesuch  des  Beschwerdeführers  ab.  Zur  Begründung  führte  es  aus, 
gemäss  Art. 6  BSDA  würden  Doppelbürger,  deren  ausländisches 
Bürgerrecht  vorherrsche,  in  der Regel  nicht  unterstützt.  Die  Beurteilung 
dieser Frage richte sich nach den in Art. 2 Abs. 1 der Verordnung vom 4. 
November  2009  über  Sozialhilfe  und  Darlehen  an  Schweizer 
Staatsangehörige  im  Ausland  (VSDA,  SR  852.11)  genannten  Kriterien. 
Der  Beschwerdeführer  sei  1980  in  Frankreich  geboren,  weswegen  er 
über  das  französische  Bürgerrecht  verfüge.  Die  schweizerische 
Staatsangehörigkeit  habe  er  durch  Abstammung  mütterlicherseits 
erworben. Ab 1992 habe er seinen Wohnsitz in der Schweiz gehabt, hier 
die  Schulen  besucht  und  im  Anschluss  daran  eine  Erwerbstätigkeit 
aufgenommen. Im Jahre 2001 habe er seinen Wohnsitz nach Frankreich 
verlegt, wo er sich seit 2004 in Haft befinde. Gesamthaft betrachtet habe 
er von seinen 30 Lebensjahren somit lediglich neun Jahre in der Schweiz 
verbracht,  wobei  er  während  der  für  die  Bestimmung  des 

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vorherrschenden  Bürgerrechts  massgeblichen  Lebensphasen  (die  frühe 
Kindheit  und  die  letzten  zehn  Lebensjahre)  in  Frankreich  gelebt  habe. 
Das französische Bürgerrecht sei daher als vorherrschend zu betrachten 
und sein Gesuch dementsprechend abzuweisen.

D. 
Gegen diese Verfügung hat der Beschwerdeführer mit vom 27. April 2010 
datierender Rechtsmitteleingabe  (Eingang  bei  der Schweizer Vertretung 
und  Weiterleitung  an  die  Vorinstanz  am  11. Mai  2010)  beim 
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde  erhoben mit  dem sinngemässen 
Antrag  auf  Aufhebung  sowie  auf  Zusprechung  der  beantragten 
Unterstützungsleistung.  Zur  Begründung  bringt  er  vor,  über  seinen 
Aufenthaltsort  während  der  von  der  Vorinstanz  als  massgeblich 
bezeichneten  Phasen  der  frühen  Kindheit  und  der  letzten  zehn  Jahre 
habe  er  nicht  selbst  entscheiden  können.  Dass  er  sich  seit  2004  in 
Frankreich  "aufhalte",  beruhe  ebenso  wenig  auf  seinem  freien  Willen. 
Könnte er selbst über seinen Aufenthaltsort bestimmen, würde er sofort in 
die Schweiz zurückkehren. Es erweise sich daher als zu schematisch und 
oberflächlich, wenn die Vorinstanz ausschliesslich auf  die Anzahl  der  in 
der  Schweiz  respektive  in  Frankreich  verbrachten  Jahre  abstelle.  Im 
Übrigen  habe  er  im  Jahre  2001  nur  offiziell  seinen  Wohnsitz  nach 
Frankreich  verlegt,  tatsächlich  jedoch  auch  nach  diesem  Zeitpunkt 
weiterhin in Basel (bei seiner dort wohnhaften Mutter) gelebt.

E. 
Die  Vorinstanz  schliesst  in  ihrer  Vernehmlassung  vom  24. Juni  2010 
unter  Erläuterung  der  bereits  erwähnten  Gründe  auf  Abweisung  der 
Beschwerde. Insbesondere hebt sie erneut hervor, der Beschwerdeführer 
habe  von  seinen  rund  30  Lebensjahren  lediglich  etwa  9  Jahre  in  der 
Schweiz, die restlichen 21 Jahre in Frankreich verbracht. Selbst wenn er 
sich  nach  der  Verlegung  seines Wohnsitzes  nach  Frankreich  im  Jahre 
2001  noch  oft  hierzulande  aufgehalten  haben  sollte,  überwiege  der 
Aufenthalt in Frankreich in zeitlicher Hinsicht. Die enge Verbundenheit mit 
der  Schweiz  werde  vom  Beschwerdeführer  kaum  belegt.  Als  junger 
Erwachsener sei er nach Frankreich umgezogen. Besondere persönliche 
oder  verwandtschaftliche  Beziehungen  zu  hierzulande  ansässigen 
Personen  seien  keine  bekannt;  seine  engsten  Verwandten  (Mutter  und 
Geschwister)  lebten  nicht  mehr  in  der  Schweiz.  Zudem  habe  er  das 
Schweizer  Bürgerrecht  automatisch  und  nicht  aufgrund  besonderer 
Bemühungen  erworben.  Aus  diesen  Gründen  sei  das  ausländische 
Bürgerrecht  als  vorherrschend  zu  betrachten.  Ein  Ausnahmefall,  in 

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welchem  ein  Doppelbürger  bzw.  eine  Doppelbürgerin  trotz 
vorherrschendem ausländischem Bürgerrecht unterstützt werden könnte, 
liege  nicht  vor.  Im  Übrigen  sei  das  Gesuch  auch  mit  Blick  auf  das 
Subsidiaritätsprinzip  abzuweisen,  zumal  es  dem  Beschwerdeführer 
möglich  gewesen  sei,  aus  Geldbeträgen,  welche  ihm  monatlich  von 
seiner Mutter überwiesen würden, bereits die Hälfte der für den Kauf des 
PCs notwendigen Summe zusammenzusparen.

F. 
Mit verfahrensleitender Anordnung vom 6. bzw. 15. Juli 2010 wurde dem 
Beschwerdeführer  Gelegenheit  gewährt,  zur  Vernehmlassung  der 
Vorinstanz Stellung zu nehmen. Die hierfür gesetzte Frist blieb ungenutzt.

G. 
Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird  –  soweit  rechtserheblich  –  in  den 
Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  – unter 
Vorbehalt  der  in  Art. 32  VGG  genannten  Ausnahmen –  Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 
20. Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021),  welche  von  einer  der  in 
Art. 33 VGG  aufgeführten  Behörden  erlassen  wurden.  Darunter  fallen 
Verfügungen  des  BJ  betreffend  Sozialhilfeleistungen  an  Schweizer 
Staatsangehörige im Ausland nach Art. 14 Abs. 1 BSDA.

1.2.  Gemäss  Art. 37  VGG  richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  nach  dem  VwVG,  soweit  das  Gesetz  nichts 
anderes bestimmt.

1.3. Der Beschwerdeführer  ist als Adressat der Verfügung vom 19. April 
2010 zur Beschwerde legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist­ 
und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  daher  einzutreten  (vgl. 
Art. 50 und 52 VwVG).

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2. 
Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung 
von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des 
Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des 
rechtserheblichen  Sachverhalts  sowie  – wenn  nicht  eine  kantonale 
Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat –  die  Unangemessenheit 
gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im 
Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist 
gemäss  Art. 62  Abs. 4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht 
gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend 
gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist 
grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 
2011/1 E. 2, BVGE 2007/41 E. 2).

3. 

3.1. Gemäss Art. 1 BSDA gewährt der Bund im Rahmen dieses Gesetzes 
Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern, die sich in einer Notlage 
befinden,  Sozialhilfeleistungen.  "Auslandschweizer"  im  Sinne  dieses 
Gesetzes  sind  Schweizer  Bürgerinnen  und  Bürger,  die  im  Ausland 
Wohnsitz haben oder sich seit mehr als drei Monaten dort aufhalten (vgl. 
Art. 2 BSDA).

Schweizerisch­ausländische  Doppelbürger,  deren  ausländisches 
Bürgerrecht vorherrscht, werden gemäss Art. 6 BSDA in der Regel nicht 
unterstützt.  Für  die  Beurteilung  der  Frage,  welches  Bürgerrecht 
überwiegt,  ist  gemäss Art. 2  Abs. 1  VSDA  vor  allem  auf  die Umstände, 
welche  zum  Erwerb  des  ausländischen  Bürgerrechts  geführt  haben 
(Bst. a), den Aufenthaltsstaat während der Kindheit und Ausbildungszeit 
(Bst. b),  die  Dauer  des  Aufenthalts  im  jetzigen  Aufenthaltsstaat  (Bst. c) 
sowie auf die Beziehung zur Schweiz (Bst. d) abzustellen.

3.2. Sozialhilfeleistungen nach dem BSDA werden gemäss Art. 5 BSDA 
nur  Personen  gewährt,  die  ihren  Lebensunterhalt  nicht  hinreichend  aus 
eigenen  Kräften  und  Mitteln,  Beiträgen  von  privater  Seite  oder 
Hilfeleistungen  des  Aufenthaltsstaates  bestreiten  können.  Diese 
Bestimmung  nennt  mit  der  Bedürftigkeit  somit  eine  weitere 
Voraussetzung für die Ausrichtung von Sozialhilfeleistungen. Gleichzeitig 
findet sich in ihr der Grundsatz der Subsidiarität der Sozialhilfe verankert: 
Auf  solche  Leistungen  besteht  nur  Anspruch,  wenn  sämtliche  anderen 
Möglichkeiten, den Lebensunterhalt zu finanzieren (insbesondere eigene 

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Erwerbstätigkeit,  Vermögensverzehr,  Versicherungsleistungen, 
Verwandtenunterstützung,  Sozialhilfe  des  Aufenthaltsstaats)  erschöpft 
sind (vgl. Ziffer 1.4 der ab 1. Januar 2010 gültigen Richtlinien des BJ zur 
Sozialhilfe  für  Auslandschweizerinnen  und  Auslandschweizer 
[nachfolgend:  Richtlinien],  online  unter:  www.bj.admin.ch  >  Themen  > 
Migration  >  Sozialhilfe  Auslandschweizer  >  Auslandschweizer/in  > 
Richtlinien  für  die  Behandlung  von  Gesuchen  um 
Sozialhilfeunterstützung).

Art. 8  Abs. 1  BSDA  bestimmt,  dass  sich  Art  und  Mass  der  Sozialhilfe 
nach den besonderen Verhältnissen des Aufenthaltsstaates richten, unter 
Berücksichtigung  der  notwendigen  Lebensbedürfnisse  eines  sich  dort 
aufhaltenden Schweizers. Mit Sozialhilfeleistungen nach dem BSDA sind 
folglich  nicht  die  wünschbaren,  sondern  lediglich  die  notwendigen 
Auslagen  zu  finanzieren.  Das  BSDA  bezweckt,  in  Not  geratenen 
Auslandschweizerinnen  und  Auslandschweizern  eine  einfache, 
angemessene  Lebensführung  zu  ermöglichen  (vgl.  die  Botschaft  des 
Bundesrates  vom  6. September  1972  zum  Entwurf  eines 
Bundesgesetzes  über  Fürsorgeleistungen  an  Auslandschweizer,  BBl 
1972 ll 559/560, sowie Ziffer 1.1 Richtlinien).

4. 
Die Vorinstanz vertritt den Standpunkt, das französische Bürgerrecht des 
Beschwerdeführers  erweise  sich  als  vorherrschend,  da  er  die  für  die 
Bestimmung  des  vorherrschenden  Bürgerrechts  massgeblichen 
Lebensphasen (die frühe Kindheit sowie die letzten zehn Lebensjahre) in 
Frankreich  verbracht  habe.  Somit  stehe  ihm  kein  Anspruch  auf 
Unterstützungsleistungen nach dem BSDA zu.

4.1.  Den  vorinstanzlichen  Akten  ist  zu  entnehmen,  dass  der 
Beschwerdeführer  1980  in  Frankreich  geboren  ist  und  die  ersten  zwölf 
Lebensjahre  dort  verbracht  hat.  Ab  1992  hatte  er  seinen  Wohnsitz  in 
Basel, wo er (bis 1996) auch die Schule besuchte. In den Jahren 1998 bis 
2001  ging  er  in  den Kantonen Basel­Stadt  bzw. Basel­Landschaft  einer 
Erwerbstätigkeit nach. Seinen Angaben zufolge verlegte er im November 
2000  bzw.  im  Jahre  2001  –  (wie  er  ausführt)  aus  "administrativen 
Gründen"  –  seinen  Wohnsitz  offiziell  nach  Frankreich,  blieb  jedoch 
weiterhin  (bis  Oktober  2003)  in  Basel  bei  seiner  Mutter  wohnhaft.  Die 
Schweizer  Vertretung  in  Lyon  nannte  als  Datum  seiner  Anmeldung  in 
Mulhouse  den  18. Juli  2001  (vgl.  Formular  für  Doppelbürgerinnen  und 
Doppelbürger  vom 8. März  2010). Offenbar  im März  2004 wurde  er  auf 

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deutschem  Staatsgebiet  verhaftet  und  in  Auslieferungshaft  genommen; 
seit  Juni  2004 befindet  er  sich  zur Verbüssung einer Haftstrafe  in  einer 
französischen  Strafvollzugsanstalt  (verurteilt  wurde  er  offenbar  zu  einer 
Freiheitsstrafe  von  18 Jahren,  wobei  er  frühestens  im  Jahre  2013 
[bedingt] aus dem Strafvollzug entlassen werden könnte). Gemäss seinen 
Angaben  pflegt  der Beschwerdeführer weiterhin  seinen Bekannten­  und 
Freundeskreis  in  Basel,  eine  Brieffreundschaft  mit  einem  Ehepaar  aus 
Neuenburg  und  den  Kontakt  mit  Schweizer  Freunden  vor  Ort.  Er  gab 
auch an, sobald wie möglich ein Gesuch um Überstellung  (zur weiteren 
Verbüssung  der  Haftstrafe  in  der  Schweiz)  stellen  zu  wollen.  Eine 
Schweizer  Identitätskarte  wurde  ihm  1998  in  Basel  ausgestellt,  ein 
Schweizer Pass im Jahre 2002 in Mulhouse; beide sind inzwischen nicht 
mehr gültig. Im Gesuch um Sozialhilfeunterstützung vom 1. Februar 2010 
bezeichnete er Schweizerdeutsch als Muttersprache; als weitere von ihm 
beherrschte  Sprachen  gab  er  Französisch,  Englisch  und  Portugiesisch 
an.  Ein  an  den  "Club  Suisse"  in  Strasbourg  gerichtetes  Schreiben  vom 
9. November  2009  verfasste  er  ebenso  auf  Deutsch  wie  das  dem 
Schweizer Generalkonsulat in Lyon eingereichte Gesuch vom 1. Februar 
2010 und die Rechtsmitteleingabe vom 27. April 2010.

4.2. 

4.2.1.  Von  seiner  Geburt  im  Jahre  1980  bis  im  Jahre  1992  lebte  der 
Beschwerdeführer in Frankreich, danach – bis im Jahre 2001 bzw. 2003 – 
in der Schweiz; seither lebt er wieder in Frankreich. Sein Aufenthaltsort in 
den Jahren 2001 bis Ende 2003 erweist sich als nicht restlos geklärt. Es 
erscheint nicht unplausibel, dass er – wie er geltend macht – auch nach 
bzw.  trotz  seiner  Anmeldung  in  Frankreich  (im  Juli  2001)  bis  Oktober 
2003 in Basel bei seiner Mutter gelebt hat. Dies insbesondere angesichts 
des  Umstands,  dass  seine  Mutter  (den  Angaben  der  Schweizer 
Vertretung  zufolge  [vgl.  Formular  vom  8. März  2010])  erst  seit  dem 
1. Dezember 2003 in Strasbourg angemeldet ist.

Der mittlerweile 31­jährige Beschwerdeführer hat sich somit während der 
ersten zwölf Lebensjahre sowie mittlerweile noch einmal sieben bis zehn 
Jahre  (ab  dem  21.  bzw.  24.  Altersjahr  bis  zum  aktuellen  Zeitpunkt)  in 
Frankreich  aufgehalten.  Während  (mindestens)  neun  bzw.  (höchstens) 
zwölf Jahren (vom 12. bis zum 21. bzw. längstens 24. Altersjahr) hat er in 
der  Schweiz  gelebt.  Damit  verbrachte  er  die  –  rein  numerisch – 
überwiegende Anzahl Lebensjahre in Frankreich.

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4.2.2. Für  die  Beurteilung  der  Frage  der  vorherrschenden  Bürgerrechts 
erweist  sich  die  Intensität  der  Bindung  der  betreffenden  Person  zur 
Schweiz bzw. zum Aufenthaltsstaat als von vorrangiger Bedeutung. Denn 
ratio  legis  von  Art. 6  BSDA  kann  nur  sein,  Doppelbürgerinnen  und 
Doppelbürger,  deren  Beziehung  zum  ausländischen  Staat  enger 
erscheint  als  diejenige  zur  Schweiz,  vom  Bezug  von  Schweizer 
Sozialhilfeleistungen  grundsätzlich  auszuschliessen. Die  in  Art. 2  Abs. 1 
VSDA genannten Kriterien dienen als Parameter bzw. Orientierungshilfen 
im Hinblick auf die Bestimmung der Intensität dieser Bindung (wobei der 
frühen Kindheit  bzw.  den  letzten  zehn  Jahren  insofern  – anders  als  die 
Vorinstanz  in  der  angefochtenen Verfügung ausführt  –  kein besonderes 
Gewicht  zukommt).  Dem  Beschwerdeführer  ist  daher  darin  zu  folgen, 
dass  eine  ausschliesslich  numerische  Betrachtung,  mithin  eine  blosse 
Gegenüberstellung der Anzahl  im einen bzw. anderen Land verbrachten 
Lebensjahre in diesem Zusammenhang zu kurz greift. Hatte eine Person 
aufgrund  der  objektiven  Gegebenheiten  während  des  Aufenthalts  in 
einem  Staat  keine  Gelegenheit,  Beziehungen  zu  dort  ansässigen 
Personen aufzubauen, so relativiert dies die Bedeutung der reinen Dauer 
des Aufenthalts. Den ersten Lebensjahren bzw. der frühesten Kindheit, in 
denen  die  (in  welchem  Land  auch  immer  gelebte)  Beziehung  zu  den 
Eltern  im  Vordergrund  steht,  kann  insofern  nicht  gleichermassen 
Bedeutung  zukommen  wie  der  zweiten  Hälfte  der  Kindheit  und  den 
Jahren der Adoleszenz bzw. des frühen Erwachsenenlebens, in welchen 
der Aufbau eigentlicher bzw. eigener  sozialer Beziehungen und – damit 
einhergehend – auch die Verwurzelung an einem Ort bzw. in einem Land 
erfolgt.

Im  vorliegenden  Fall  kann  daher  der  Dauer  des  Aufenthalts  des 
Beschwerdeführers  in  Frankreich  sowohl  während  der  ersten 
Lebensjahre  als  auch  seit  2004  in  diesem  Kontext  lediglich  eine 
eingeschränkte  Bedeutung  beigemessen  werden.  Die  besonders 
prägenden  Jahre  der  Adoleszenz  (und  Schulzeit)  und  des  frühen 
Erwachsenenlebens (einschliesslich erste Erwerbstätigkeit) verbrachte er 
demgegenüber  in  der  Schweiz.  Es  ist  anzunehmen,  dass  er  sich  in 
diesen  neun  bis  zwölf  Jahren  des  Aufenthalts  hierzulande  ein 
bedeutendes  soziales  Netz  aufgebaut  hat.  Dass  er  auch  seit  seiner 
Inhaftierung in erster Linie seine langjährigen (in der Schweiz geknüpften) 
Freundschaften  pflegt,  erscheint  ebenso wahrscheinlich,  auch wenn mit 
seiner  Mutter  (seit  2003)  und  seinen  Geschwistern  in  der  Tat 
Familienangehörige im grenznahen Frankreich leben.

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Ob  von  einem  Vorherrschen  des  französischen  Bürgerrechts  des 
Beschwerdeführers ausgegangen werden könnte, wie dies die Vorinstanz 
ohne weiteres  tut, erscheint somit  fraglich.  Insbesondere erschiene eine 
stärkere Gewichtung der hierzulande zugebrachten Lebensjahre aufgrund 
der  sozialen  Verankerung  des  Beschwerdeführers  und  der  damit 
einhergehenden engen Beziehung zur Schweiz angebracht.

5. 
Vorliegend  kann  die  Frage  des  vorherrschenden  Bürgerrechts  jedoch 
letztlich offen gelassen werden, da sich weitere für die Zusprechung der 
ersuchten  einmaligen  Unterstützungsleistung  notwendige 
Voraussetzungen als nicht erfüllt erweisen.

Art. 10  Abs. 1  VSDA  ist  zu  entnehmen,  dass  nur  eine  "für  den 
Lebensunterhalt  notwendige  Auslage"  Gegenstand  einer  einmaligen 
Unterstützungsleistung  der  Sozialhilfe  sein  kann,  denn  Zweck  der 
Sozialhilfe  ist  –  wie  dargelegt  (vgl.  E. 3.2)  –  einzig  die  Deckung  des 
Lebensunterhalts bzw. des notwendigen Lebensbedarfs. Die Anschaffung 
eines  Computers  im  Hinblick  auf  die  Absolvierung  eines  Fernstudiums 
während  der  Verbüssung  der  verhängten  Freiheitsstrafe  erscheint  als 
sinnvolle Investition. Doch ist der Beschwerdeführer im Hinblick auf seine 
Existenzsicherung nicht auf einen Computer angewiesen bzw. geht es bei 
dieser Anschaffung nicht um die Deckung des Lebensunterhalts. Dieser 
ist während des Strafvollzugs offenkundig gewährleistet. 

Zudem  ist  vor  dem  Hintergrund  des  Subsidiaritätsprinzips  (vgl.  Art. 5 
BSDA  sowie  E. 3.2)  zu  beachten,  dass  der  Beschwerdeführer  gemäss 
den Abklärungen der Schweizer Vertretung von seiner Mutter monatlich 
mit einem finanziellen Beitrag in der Höhe von 120 Euro unterstützt wird 
(vgl. E­Mail der Vertretung an die Vorinstanz vom 12. Januar 2010). Bis 
zur  Einreichung  seines  Unterstützungsgesuchs  war  es  ihm 
aufgrunddessen  möglich,  die  Hälfte  des  für  die  Anschaffung  des 
Computers  notwendigen  Betrages  zusammenzutragen.  Es  kann  daher 
davon  ausgegangen werden,  dass  es  ihm möglich  sein wird,  auch  den 
verbleibenden Teil des Kaufpreises aus diesen finanziellen Zuwendungen 
aufzubringen.

6. 
Zusammenfassend ergibt sich somit, dass die Vorinstanz die Ausrichtung 
der  beantragten  einmaligen  Unterstützungsleistung  zu  Gunsten  des 
Beschwerdeführers im Ergebnis zu Recht verweigert hat.

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Die angefochtene Verfügung erweist sich damit als bundesrechtskonform. 
Der  rechtserhebliche  Sachverhalt  wurde  richtig  und  vollständig 
festgestellt  und  die  Vorinstanz  hat  auch  ihr  Ermessen  pflichtgemäss 
ausgeübt (vgl. Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist daher abzuweisen.

7. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  würde  der  Beschwerdeführer 
grundsätzlich  kostenpflichtig.  Angesichts  der  besonderen  Umstände  ist 
jedoch  von  der  Auferlegung  von  Verfahrenskosten  abzusehen  (vgl. 
Art. 63  Abs. 1  in  fine  VwVG  i.V.m.  Art. 6  Bst. b  des  Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv S. 11)

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Seite 11

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3. 
Dieses Urteil geht an:

– den  Beschwerdeführer  (durch  Vermittlung  des  Schweizer 
Generalkonsulats in Lyon)

– die Vorinstanz (Akten Ref­Nr. […] retour)
– das Schweizer Generalkonsulat in Lyon

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Ruth Beutler Viviane Eggenberger

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim 
Bundesgericht,  Schweizerhofquai 6,  6004 Luzern,  Beschwerde  in 
öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff. 
und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 
173.110]). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat 
die  Begehren,  deren  Begründung mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die 
Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die 
Beweismittel  sind,  soweit  sie  der  Beschwerdeführer  in  Händen  hat, 
beizulegen (Art. 42 BGG).

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