# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 84a58611-5b49-5d90-9628-e6aade13dd1f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-08-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.08.2011 E-4547/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4547-2007_2011-08-29.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­4547/2007

U r t e i l   v om   2 9 .   Augus t   2 0 1 1

Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Martin Zoller, 
Richter Walter Stöckli,   
Gerichtsschreiber Tobias Meyer.

Parteien A._______, geboren am (…), Kosovo, 
vertreten durch Thomas Biedermann, Rechtsanwalt, (…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Aufhebung der vorläufigen Aufnahme; Verfügung des BFM 
vom 18. Juni 2007 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer  –  ein  ehemaliger  Staatsangehöriger  der 
damaligen Republik  Serbien  und Montenegro  –  stammt  aus B._______ 
im  heutigen Kosovo. Er  reichte  am 12. September  2002  zusammen mit 
seiner Ehefrau und ihrem ersten Kind in der Schweiz ein Asylgesuch ein.

B. 
Mit  Verfügung  vom  30. Juli  2003  stellte  das  damalige  Bundesamt  für 
Flüchtlinge  (BFF;  heute  Bundesamt  für  Migration,  BFM)  fest,  dass  der 
Beschwerdeführer  und  seine  Familie  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht 
erfüllten,  lehnte  ihre Asylgesuche ab und  verfügte  die Wegweisung aus 
der Schweiz. Gleichzeitig ordnete das BFF die vorläufige Aufnahme des 
Beschwerdeführers  und  seiner  Familie  an,  da  ein  Vollzug  der 
Wegweisung  nicht  zumutbar  sei.  Diese  Verfügung  erwuchs 
unangefochten in  Rechtskraft.

In der Verfügung nannte das BFM die Gründe für die Unzumutbarkeit des 
Wegweisungsvollzugs nicht. Es brachte bezüglich der Glaubhaftigkeit der 
Aussagen  des  Beschwerdeführers  Vorbehalte  an,  führte  diese  jedoch 
aufgrund  der  fehlenden  Asylrelevanz  der  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers nicht aus.

C. 
Am  (…)  wurde  das  zweite  Kind  des  Beschwerdeführers  und  seiner 
Ehefrau  geboren. Mit  Schreiben  vom  (…)  2005  teilte  das  BFM mit,  die 
vorläufige Aufnahme gelte auch für das neu geborene Kind.

D. 
Mit  Schreiben  vom  8. November  2006  bat  das  BFM  den 
Beschwerdeführer,  einen  Bericht  des  ihn  behandelnden  Spezialarztes 
einzureichen,  damit  das  Bundesamt  sich  ein  Bild  von  seinem 
Gesundheitszustand machen könne.

Mit Eingabe vom 24. Dezember 2006  reichte der behandelnde Arzt  des 
Spitals  (…)  einen  ärztlichen  Bericht  zum  gesundheitlichen  Zustand  des 
Beschwerdeführers  ein.  Auf  den  Inhalt  dieses  Berichts  wird,  soweit 
relevant, in den Erwägungen eingegangen.

E. 
Im  Hinblick  auf  eine  mögliche  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme 

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beauftragte  das  BFM  am  19. Januar  2007  das  Schweizerische 
Verbindungsbüro  in  Pristina,  Kosovo,  mit  Abklärungen  bezüglich  des 
Beziehungsnetzes  des  Beschwerdeführers  und  seiner  Familie  in 
B._______,  sowie  bezüglich  des  vorhandenen  Wohnraumes  und  der 
wirtschaftlichen Verhältnisse  der Eltern  des Beschwerdeführers  und  der 
Eltern  seiner  Ehefrau.  Zudem  ersuchte  es  um  Informationen  zur 
Möglichkeit,  die  medizinische  Behandlung  des  Beschwerdeführers  im 
lokalen Gesundheitszentrum in B._______ weiterzuführen.

Das Schweizerische Verbindungsbüro in Pristina sandte dem BFM in der 
Folge per E­Mail zwei Berichte mit Datum vom 2. Februar 2007 und vom 
6. Februar  2007.  Der  erste  Bericht  enthält  die  Aktennummer  B6/2,  der 
zweite  enthält  keine  Aktennummer.  Auf  den  Inhalt  der  Berichte  wird 
soweit relevant in den Erwägungen eingegangen.

F. 
Mit  Schreiben  vom  6. Februar  2007  teilte  das  BFM  dem 
Beschwerdeführer  und  seiner  Familie  mit,  es  erwäge,  die  vorläufige 
Aufnahme  in Anwendung  von Art. 14b Abs. 2  des  damals  noch  in Kraft 
stehenden  Bundesgesetzes  vom  26. März  1931  über  Aufenthalt  und 
Niederlassung  der  Ausländer  (ANAG,  BS  1  121)  aufzuheben.  Am  15. 
Februar  2007  stellte  das  BFM  das  selbe  Schreiben  dem  damaligen 
Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  zu.  Zur  Begründung  führte  das 
BFM  an,  der  Beschwerdeführer  habe  die  schweizerischen  Behörden 
bezüglich seiner ethnischen Zugehörigkeit getäuscht, da er nicht, wie  im 
Asylverfahren  behauptet,  ein  Angehöriger  der  Ashkali  sei,  sondern  wie 
die  Botschaftsabklärung  des  BFM  unterdessen  ergeben  habe,  der 
albanischen Mehrheit angehöre. Zudem verfügten seine Verwandten über 
genügend  Wohnraum  und  es  bestehe  grundsätzlich  die  Möglichkeit, 
seine  psychische  Erkrankung  in  B._______  zu  behandeln.  Deshalb 
erachte  das  BFM  die  Rückkehr  der  Familie  nach  B._______  als 
zumutbar.  Das  BFM  setzte  dem  Beschwerdeführer  im  Sinne  der 
Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  Frist  an  zur  Einreichung  einer 
schriftlichen Stellungnahme. Gleichzeitig  übermittelte  es  ihm eine Kopie 
des  Berichts  des  Schweizerischen  Verbindungsbüros  in  Pristina  vom 
2. Februar  2007  (Akte  B6/2),  nicht  jedoch  des  Berichts  vom  6. Februar 
2007 (ohne Aktennummer).

G. 
Der heutige Rechtsvertreter des Beschwerdeführers machte das BFM mit 
Schreiben  vom  23. März  2007  auf  das  neue  Vertretungsverhältnis 

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aufmerksam  und  verlangte  die  sofortige  Zustellung  der  Akten.  Mit 
Schreiben  vom  27. März  2007  gewährte  das  BFM  dem Rechtsvertreter 
Einsicht  in die zur Edition freigegebenen Aktenstücke des BFM­Dossiers 
bezüglich der Aufhebung der vorläufigen Aufnahme.

H. 
Mit Eingabe  vom 11. Mai  2007 nahm der Beschwerdeführer  fristgerecht 
Stellung zur beabsichtigten Aufhebung seiner vorläufigen Aufnahme und 
beantragte, diese sei zu verlängern. Zudem beantragte er, dass ihm sein 
Rechtsvertreter  als  amtlicher  Beistand  beigeordnet  werde.  Auf  die 
weiteren  Vorbringen  wird  soweit  relevant  in  den  Erwägungen 
eingegangen.

I. 
Das  Verfahren  bezüglich  der  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  der 
Ehefrau  und  der  gemeinsamen  Kinder  war  in  der  Zwischenzeit  vom 
Verfahren des Beschwerdeführers getrennt worden, da die Eheleute sich 
getrennt  hatten.  Mit  Schreiben  vom  15. Juni  2007  teilte  das  BFM  der 
Ehefrau  des  Beschwerdeführers  mit,  dass  es  die  Aufhebung  der 
vorläufigen Aufnahme für sie und ihre beiden Kinder momentan als nicht 
gerechtfertigt  erachte.  Deshalb  bleibe  deren  vorläufige  Aufnahme 
bestehen.

J. 
Mit Verfügung vom 18. Juni 2007 hob das BFM die vorläufige Aufnahme 
des Beschwerdeführers auf,  forderte  ihn auf, die Schweiz  innert Frist zu 
verlassen,  beauftragte  den  zuständigen  Kanton  mit  dem  Vollzug  der 
Wegweisung und entzog einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende 
Wirkung.

Zur  Begründung  führte  das  BFM  im  Wesentlichen  aus,  der 
Beschwerdeführer  habe  während  des  Asylverfahrens  die 
schweizerischen  Behörden  über  seine  Identität  getäuscht  und  sei 
vorläufig aufgenommen worden. Es sei nun jedoch aktenkundig, dass er 
keiner Minderheit  angehöre  und  der Vollzug  der Wegweisung  sei  damit 
grundsätzlich  zumutbar,  zulässig  und  möglich.  Abklärungen  im 
Heimatstaat des Beschwerdeführers hätten zudem ergeben, dass er auf 
ein  familiäres  Beziehungsnetz  zurückgreifen  könne,  dass  Wohnraum 
vorhanden  sei  und  dass  seine  Familie  für  kosovarische  Verhältnisse 
finanziell gut dastehe. Seine psychische Krankheit könne im Heimatstaat 
grundsätzlich  behandelt  werden.  Das Medikament,  das  er  benötige,  sei 

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zwar nicht in der Form erhältlich, in der es ihm zur Zeit verabreicht werde, 
aber in Tablettenform. Da es der Familie offensichtlich finanziell gut gehe, 
werde  sie  für  die  Kosten  des  Medikamentes,  das  kostenpflichtig  durch 
private Strukturen beschafft werden müsse, aufkommen können.

K. 
Mit  Eingabe  vom  3. Juli  2007  (Poststempel:  4.  Juli  2007)  reichte  der 
Beschwerdeführer  über  seinen  Rechtsvertreter  Beschwerde  beim 
Bundesverwaltungsgericht  ein  und  beantragte  die  Verlängerung  seiner 
vorläufigen Aufnahme. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die 
Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde,  die 
Gewährung  der  unentgeltlichen Prozessführung  und  der  unentgeltlichen 
Rechtsverbeiständung  sowie  Einräumung  einer  Nachfrist  zur 
einlässlichen  Beschwerdebegründung  nach  der  Zustellung  der  Akten 
durch  die  Vorinstanz.  Zudem  beantragte  er  die  Beiordnung  eines 
amtlichen Rechtsbeistandes  für  das  erstinstanzliche  Verfahren  vor  dem 
BFF.

Zur Begründung brachte der Beschwerdeführer  im Wesentlichen vor,  er 
leide unter einer schwerwiegenden psychischen Erkrankung und sei seit 
Jahren  in  intensiver  medizinischer  Behandlung.  Bei  einem  Unter­ 
respektive  Abbruch  der  Behandlung  wäre  seine  physische  und 
psychische  Integrität  erheblich  gefährdet.  Eine  fach­  und  sachgerechte 
Behandlung  im  Kosovo  sei  nicht  sichergestellt,  da  mindestens  ein 
Medikament, das er brauche, im Kosovo nicht in der verabreichten Form 
erhältlich sei. Zudem sei seine Familie entgegen den Aussagen des BFM 
finanziell  nicht  in  der  Lage,  die  notwendigen Medikamente  –  sollten  sie 
denn  überhaupt  erhältlich  sein  –  auf  eigene  Kosten  zu  beschaffen. 
Deshalb sei seine Rückkehr in den Kosovo nicht zumutbar. Daran ändere 
auch  nichts,  dass  er  im  Asylverfahren  angeblich  falsche  Angaben  zu 
seiner  Identität  gemacht  habe.  Er  sei  sich  noch  heute  nicht  bewusst, 
vorsätzlich  ausgesagt  zu  haben,  er  gehöre  der  Ashkali­Minderheit  an. 
Sollte  eine  solche  Aussage  erfolgt  sein,  sei  dies  nicht  in  der  Absicht 
geschehen, die Behörden zu täuschen, sondern liege wohl eher in seiner 
psychischen  Krankheit  begründet.  Zudem  verletze  die  Verfügung  des 
BFM das Grundrecht auf Einheit  der Familie. Er  lebe zurzeit  von seiner 
Ehefrau  und  seinen  Kindern  getrennt,  habe  aber  ein  Besuchsrecht 
gegenüber  seinen  Kindern.  Da  seiner  Ehefrau  und  seinen  Kindern  die 
vorläufige  Aufnahme  weiterhin  gewährt  werde,  würde  ihm  mit  der 
Aufhebung  seiner  vorläufigen  Aufnahme  die  Ausübung  eines 
Familienlebens verunmöglicht.

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L. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  12. Juli  2007  hiess  die  zuständige 
Instruktionsrichterin  des  Bundesverwaltungsgerichts  das  Gesuch  um 
Wiederherstellung  der  aufschiebenden Wirkung  gut  und  stellte  fest,  der 
Beschwerdeführer könne den Ausgang des Beschwerdeverfahrens in der 
Schweiz abwarten. Gleichzeitig wurden die Gesuche um Gewährung der 
unentgeltlichen  Prozessführung  und  der  unentgeltlichen 
Rechtsverbeiständung  vor  Bundesverwaltungsgericht  gutgeheissen,  und 
dem  Beschwerdeführer  wurde  eine  Nachfrist  zur  Einreichung  einer 
Beschwerdeergänzung gewährt.

M. 
Mit  Eingabe  vom  27. Juli  2007  reichte  der  Beschwerdeführer  eine 
Beschwerdeergänzung  ein  und  brachte  vor,  den Akten  des BFM  könne 
nicht  entnommen  werden,  dass  er  im  Jahr  2003  aufgrund  der 
fälschlicherweise behaupteten Zugehörigkeit zu einer Minderheit vorläufig 
aufgenommen  worden  sei.  Vielmehr  sei  er  vorläufig  aufgenommen 
worden,  weil  seine medizinische  Behandlung  in  Serbien  (Kosovo)  nicht 
sichergestellt  gewesen  sei.  Daran  habe  sich  in  der  Zwischenzeit  nichts 
geändert.

Der Beschwerdeführer rügte zudem, dass das BFM ihm zwei Aktenstücke 
nicht  zugestellt  habe,  die  möglicherweise  für  die  Begründung  der 
Beschwerde wichtig seien (Aktenstücke A21/5 und A22/4). Das BFM sei 
aufzufordern, diese Aktenstücke zur Einsichtnahme herauszugeben.

Mit Schreiben vom 27. Juli 2007 – das sich offenbar mit der Eingabe des 
Beschwerdeführers  vom gleichen Datum gekreuzt  hatte  – überliess das 
BFM dem Beschwerdeführer eine Kopie der Akte A21/5 und stellte  fest, 
dass es sich bei der Akte A22/4 um ein  internes Dokument handle, das 
ihm nicht zugestellt werden könne.

N. 
Mit Zwischenverfügung vom 15. August 2007 lud die Instruktionsrichterin 
die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein.

Mit Schreiben vom 16. August 2007 nahm die Vorinstanz zur Beschwerde 
Stellung und beantragte deren Abweisung. Sie  führte  insbesondere aus, 
der Beschwerdeführer könne aus dem Recht auf Familieneinheit und aus 
dem  Recht,  Kontakt  zu  seinen  Kindern  zu  pflegen,  nichts  zu  seinen 

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Gunsten ableiten. Er  könne die Beziehung  zu  seinen Kindern auch aus 
dem Ausland pflegen.

O. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  29. August  2007  wurde  dem 
Beschwerdeführer  Gelegenheit  zur  Stellungnahme  zur  Vernehmlassung 
der Vorinstanz eingeräumt.

Mit  Eingabe  vom  10. September  2007  nahm  der  Beschwerdeführer 
diesbezüglich  Stellung  und  stellte  fest,  es  bestehe  immer  noch  die 
Möglichkeit,  dass  er  und  seine  Ehefrau  sich  wieder  annähern  könnten. 
Zudem könne er den Kontakt zu seinen Kindern aus dem Ausland nicht 
aufrecht  erhalten  und  es  sei  nicht  nachvollziehbar,  weshalb  er  die 
Schweiz verlassen müsse, wenn seine Familie hier  lebe, er einer Arbeit 
nachgehe, sich strafrechtlich nichts habe zuschulden kommen lassen und 
erst  noch  unter  einer  Krankheit  leide,  deren  Behandlung  in  seinem 
Heimatland nicht sichergestellt sei.

P. 
Mit  Eingabe  vom  26. September  2007  gab  der  Beschwerdeführer  eine 
Aufstellung  der  ihm  bis  Ende  Oktober  2007  bei  seinen  Kindern 
zustehenden Besuchszeiten zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des Bundesverwaltungsgerichtes. Es  ist keine Ausnahme betreffend das 
Sachgebiet  gegeben  (Art. 32  VGG).  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist 
daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und 
entscheidet auf dem Gebiet des Ausländerrechts betreffend die vorläufige 
Aufnahme  endgültig  (Art.  83  Bst.  c  Ziff.  3  des  Bundesgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

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1.2.  Die  Beschwerde  ist  form­  und  fristgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtenen  Verfügung  besonders 
berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde 
legitimiert (Art. 112 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 
über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]   i.V.m. Art. 37 
VGG, Art. 48 Abs. 1, Art. 50 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes 
und  die Unangemessenheit  gerügt werden  (Art.  112 Abs.  1  AuG  i.V.m. 
Art. 49 VwVG).

3. 

3.1. Im vorliegenden Verfahren ist zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht 
die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers aufhob und den Vollzug 
der Wegweisung anordnete.

3.2.  Mit  Inkrafttreten  des  AuG  am  1.  Januar  2008  wurde  das  ANAG 
aufgehoben und abgelöst (vgl. Art. 125 AuG i.V.m. Ziffer I des Anhangs 2 
zum  AuG).  Die  übergangsrechtliche  Bestimmung  von  Art. 126a  Abs.  4 
AuG sieht vor, dass für Personen, die im Zeitpunkt des Inkrafttretens der 
Änderung des AsylG  vom 16. Dezember  2005  sowie  des AuG vorläufig 
aufgenommen sind, das neue Recht gilt. Diese spezielle Regel geht der 
allgemeinen Regel von Art. 126 Abs. 1 AuG vor.

3.3.  Der  Beschwerdeführer  wurde  unter  altem  Recht  vorläufig 
aufgenommen.  Aufgrund  der  übergangsrechtlichen  Regelung  von  
Art. 126a  Abs.  4  AuG  ist  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren 
betreffend Aufhebung der vorläufigen Aufnahme  jedoch zu prüfen, ob 
die  Voraussetzungen  für  die  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme 
nach neuem Recht – mithin nach Art. 84 Abs. 1­3 AuG – vorliegen.

4. 

In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ist  vorab  festzustellen,  dass  das  BFM 
dem  Beschwerdeführer  die  Einsicht  in  mehrere  Akten  verweigerte.  Die 
Frage der Akteneinsicht und einer eventuellen Verletzung des rechtlichen 

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Gehörs  betrifft  den  zweiten  Bericht  des  Schweizerischen 
Verbindungsbüros  in Pristina  vom 6. Februar  2007  (ohne Aktennummer 
und nicht ins Aktenverzeichnis aufgenommen) sowie die Akten A22/4 und 
B21/3 (beide vom BFM als interne Akten bezeichnet). Es ist zu prüfen, ob 
das  BFM  die  in  Frage  stehenden Dokument  zu  Recht  nicht  editiert  hat 
oder ob es damit eine Verletzung des rechtlichen Gehörs begangen hat.

4.1. Der Anspruch  auf  Akteneinsicht  ist  sowohl  für  das Asylverfahren 
als  auch  für  ausländerrechtliche  Verfahren  bundesrechtlich  in 
Art. 26 ff.  VwVG  geregelt.  Gewisse  Mindestrechte  im  Bereich  der 
Akteneinsicht  sind  zudem  Ausfluss  des  in  Art.  29  Abs.  2  der 
Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 
18. April  1999  (BV,  SR  101)  garantierten  Anspruchs  auf  rechtliches 
Gehör. Gemäss Art.  26  Abs.  1  Bst.  b  VwVG  hat  die  Partei  oder  ihre 
Vertretung das Recht,  in alle als Beweismittel dienenden Aktenstücke 
Einsicht  zu  erhalten.  Die  Behörde  darf  die  Einsichtnahme  in  solche 
Aktenstücke  nur  dann  verweigern,  wenn  überwiegende  öffentliche 
beziehungsweise  private  Interessen  oder  ein  laufendes 
Untersuchungsverfahren die Geheimhaltung erfordern (Art. 27 VwVG). 
Wird einer Partei die Akteneinsicht verweigert, so darf die Behörde auf 
das  entsprechende  Dokument  nur  dann  zum  Nachteil  der  Partei 
abstellen, wenn  ihr  der wesentliche  Inhalt  bekannt  gegeben wird  und 
sie die Gelegenheit erhält, sich zu äussern und Gegenbeweismittel zu 
bezeichnen  (Art.  28  VwVG).  Kein  Anspruch  auf  Einsicht  besteht  in 
verwaltungsinterne  Akten,  das  heisst  in  Unterlagen,  denen  für  die 
Behandlung eines Falles kein Beweischarakter zukommt, sondern die 
ausschliesslich der verwaltungsinternen Meinungsbildung dienen (BGE 
115  V  297  E. 2g/aa).  Zur  Bestimmung  des  Umfangs  des 
Akteneinsichtsrechts  kommt  es  im  Einzelfall  auf  die  objektive 
Bedeutung  eines  Aktenstückes  für  die  verfügungswesentliche 
Sachverhaltsfeststellung  an  und  nicht  auf  die  Einstufung  durch  die 
Verwaltung  als  internes  Papier.  Keine  internen  Akten  sind 
insbesondere  verwaltungsintern  erstellte  Berichte  und  Gutachten  zu 
streitigen Sachverhaltsfragen. Anders verhält es sich nur bei Berichten 
verwaltungsinterner Fachstellen, die sich darauf beschränken, an sich 
feststehende Tatsachen sachverständig zu würdigen (BGE 115 V 297 
E. 2g/bb).

4.2.  Der  zweite  Bericht  des  Schweizerischen  Verbindungsbüros  in 
Pristina  vom  6. Februar  2007,  der  die  im  Bericht  vom  2.  Februar  2007 
gemachten Angaben bezüglich der Behandelbarkeit der gesundheitlichen 

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Leiden  des  Beschwerdeführers  im  Kosovo  konkretisiert,  und  der  keine 
Aktennummer trägt und nicht ins Aktenverzeichnis aufgenommen wurde, 
wurde  dem  Beschwerdeführer  –  respektive  seinem  Rechtsvertreter – 
offensichtlich nie zugestellt. Dies geht aus den Ausführungen auf Seite 4 
der  Beschwerdeeingabe  hervor,  wo  der  Beschwerdeführer  rügt,  der 
Migrationsattachée  habe  die  in  seinem  Bericht  vom  2. Februar  2007  in 
Aussicht  gestellten  Abklärungen  bezüglich  der  konkreten 
Behandlungsmöglichkeiten  nicht  vorgenommen.  Offensichtlich  hatte 
weder der Beschwerdeführer noch sein Rechtsvertreter Kenntnis von der 
Existenz  dieses  Berichts.  Dies  obwohl  der  Rechtsvertreter  des 
Beschwerdeführers mit Schreiben vom 23. März 2007 beim BFM um die 
Zustellung  der  Akten  ersuchte.  Das  BFM  sandte  ihm  in  der  Folge  am 
27. März 2007 eine Kopie des Aktenverzeichnisses und der zur Einsicht 
freigegebenen Akten  (vgl. B19/1). Der  in Frage  stehende Bericht wurde 
im entsprechenden Schreiben des BFM nicht  erwähnt. Nach Erlass  der 
hier angefochtenen Verfügung ersuchte der Rechtsvertreter das BFM am 
21. Juni  2007  um  Zustellung  des  gesamten  Dossiers  des 
Beschwerdeführers.  Auch  in  der  diesbezüglichen  Gewährung  der 
Akteneinsicht durch das BFM vom 10. Juli 2007 (vgl. B26/2) ist der zweite 
Bericht  des  Schweizerischen  Verbindungsbüros  in  Pristina  vom 
6. Februar 2007 nicht erwähnt. Es ist damit davon auszugehen, dass das 
BFM  dem  Beschwerdeführer  nicht  nur  die  Einsicht  in  diese  Akte  ohne 
Begründung verweigerte, sondern auch deren Existenz verschwieg.

Die  Abklärungsergebnisse  von  Schweizerischen  Vertretungen  –  und 
gemäss  Urteil  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
(Entscheidungen und Mitteilungen  [EMARK] 1994 Nr. 1 E. 3c) auch der 
Fragenkatalog  der  Vorinstanz  –  unterliegen  als  entscheidwesentliche 
Aktenstücke dem Grundsatz des Einsichtsrechtes. Da der Einsichtnahme 
in den ersten Bericht des Schweizerischen Verbindungsbüros  in Pristina 
offenbar  keine  überwiegenden  öffentlichen  oder  privaten  Interessen 
entgegenstanden  –  dieser  wurde  dem  Beschwerdeführer  am  27.  März 
2007  in Kopie zustellt  –,  ist davon auszugehen, dass dies auch  für den 
zweiten Bericht  gilt,  weshalb  das BFM  verpflichtet  gewesen wäre,  auch 
diesen Bericht dem Beschwerdeführer zur Einsichtnahme vorzulegen. Die 
Verweigerung  der  Einsicht  stellt  damit  eine  Verletzung  des  Rechts  auf 
Akteneinsicht und des Anspruchs auf rechtliches Gehör dar.

4.3.  Die  Akte  A22/4  bezeichnete  das  BFM  mit  Schreiben  an  den 
Beschwerdeführer  vom  27. Juli  2007  (B28/1)  als  internes  Dokument,  in 
das  ihm keine Einsicht gewährt werden könne. Diesbezüglich stellte der 

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Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht den Antrag, das BFM 
sei  aufzufordern,  ihm  diese  Akte  zur  Einsichtnahme  herauszugeben 
(Beschwerde  vom  3. Juli  2007  und  Beschwerdeergänzung  vom  27. Juli 
2007).

Die  Akte  A22/4  wird  im  Aktenverzeichnis  als  "Interner  Antrag  an 
Medizinalgruppe" bezeichnet und als  "interne Akte" qualifiziert.  Inhaltlich 
handelt  es  sich  um  eine  Zusammenfassung  der  (bekannten  und 
unbestrittenen)  medizinischen  Geschichte  des  Beschwerdeführers  und 
dessen aktuellen gesundheitlichen Zustandes sowie um einen Antrag zur 
Lösung des Falles der Sektionsleitung an die Leitung der Hauptabteilung 
Asylverfahren  im damaligen BFF. Damit handelt es sich bei dieser Akte 
eindeutig  um  eine  interne  Akte  im  Sinne  der  Rechtsprechung  des 
Bundesgerichts (BGE 115 V 297 E. 2g und BGE 104 Ia 69 E. 3b S. 70 f.). 
Das BFM hat die Einsichtnahme in diese Akte somit zu Recht verweigert.

4.4.  Bei  der  Akte  B21/3  handelt  es  sich  um  eine  Auskunft  der  BFM­
internen Fachstelle MILA (Migrations­ und Länderanalysen) zur Frage der 
Verfügbarkeit des Medikamentes (…) im Kosovo. Auch dieses Dokument 
wurde  vom BFM als  "interne Akte"  ins Aktenverzeichnis  aufgenommen; 
entsprechend  wurde  dem  Beschwerdeführer  die  Einsichtnahme 
verweigert. 

Dieses Dokument kann jedoch nicht als internes Dokument im Sinne der 
bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  bezeichnet  werden.  In  dem 
Dokument  werden  nicht  an  sich  feststehende  Tatsachen  gewürdigt, 
sondern  es  wird  im  Gegenteil  ein  streitiger  Sachverhalt  abgeklärt.  Der 
Beschwerdeführer  hatte  in  seinem Schreiben  vom 11. Mai  2007 an das 
BFM behauptet, das Medikament (...) sei  im Kosovo nicht erhältlich. Die 
Fachstelle MILA kam hingegen zu einem anderen Schluss. Damit handelt 
es  sich  eindeutig  um  Abklärungen  bezüglich  eines  streitigen 
Sachverhaltes  und  nicht  um  ein  Dokument,  das  ausschliesslich  der 
internen  Willensbildung  diente.  Das  BFM  bezeichnete  das  Dokument 
damit zu Unrecht als interne Akte. Da auch keine überwiegenden privaten 
oder  öffentlichen  Interessen  an  der  Geheimhaltung  dieses  Dokuments 
ersichtlich  sind,  hätte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  das  Dokument 
nach Massgabe von Art. 28 VwVG zur Einsichtnahme zukommen lassen 
müssen.

4.5. Das BFM hat damit mit der Verweigerung der Einsichtnahme in den 
Bericht des Schweizerischen Verbindungsbüros vom 6. Februar 2007 und 

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in die Auskunft der internen Fachstelle MILA (Akte B21/3) den Anspruch 
auf rechtliches Gehör des Beschwerdeführers verletzt.

Nach  dem  Grundsatzentscheid  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  ist  der  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  formeller 
Natur,  weshalb  seine  Verletzung  grundsätzlich  die  Aufhebung  der 
angefochtenen  Verfügung  zur  Folge  hat,  unabhängig  davon,  ob  die 
Verletzung einen Einfluss auf das Ergebnis hatte (EMARK 1994 Nr. 1 E. 
6b). Die Frage, ob die Verletzung des rechtlichen Gehörs durch das BFM 
im  vorliegenden  Fall  auf  Beschwerdestufe  geheilt  werden  kann  (zur 
Möglichkeit  der  Heilung  innerhalb  bestimmter  Schranken  vgl.  EMARK 
1994 Nr. 1 E. 6b bzw. BVGE 2009/54 E. 2.5, BVGE 2008/47 E. 3.3.4, je 
mit weiteren Hinweisen), kann jedoch offen bleiben, da die Beschwerde, 
wie im Folgenden darzulegen ist, aus anderen Gründen gutzuheissen ist.

Dessen  ungeachtet  werden  die  beiden  zu  Unrecht  nicht  offen  gelegten 
Dokumente  (2. Botschaftsbericht  vom  6. Februar  2006  und  Akte  B21/3 
nach Massgabe von Art. 28 VwVG) zusammen mit diesem Urteil in Kopie 
dem  Beschwerdeführer  zugestellt,  womit  seinem  Anspruch  auf 
Akteneinsicht nachgekommen wird.

5. 
Die  vorläufige  Aufnahme  ist  eine  Ersatzmassnahme  für  den  nicht 
durchführbaren Vollzug der Wegweisung. Gemäss Art. 83 Abs. 1 AuG ist 
die vorläufige Aufnahme zu verfügen, wenn der Vollzug der Wegweisung 
nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist.

Gemäss  Art.  84  Abs.  1  AuG  überprüft  das  BFM  periodisch,  ob  die 
Voraussetzungen  für  die  vorläufige Aufnahme noch  gegeben  sind. Sind 
die  Voraussetzungen  nicht  mehr  gegeben,  hebt  es  die  vorläufige 
Aufnahme auf und ordnet den Vollzug der Wegweisung an (Art. 84 Abs. 2 
AuG). Die Voraussetzungen für die vorläufige Aufnahme sind nicht mehr 
gegeben, wenn der Vollzug der rechtskräftig angeordneten Wegweisung 
zulässig  ist und es der ausländischen Person zumutbar und möglich  ist, 
sich  rechtmässig  in  ihren  Heimat­,  in  den  Herkunftsstaat  oder  in  einen 
Drittstaat zu begeben (Art. 83 Abs. 2­4 AuG).

6. 
Mit Verfügung vom 30. Juli 2003 stellte das BFF  rechtskräftig  fest, dass 
der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfülle.  Daher 
findet das  in Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die 

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Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30)  und  Art.  5  AsylG 
verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Refoulementverbots  im 
vorliegenden Verfahren keine Anwendung. Sodann ergeben sich aus den 
Ausführungen  des  Beschwerdeführers  und  den  übrigen  Akten  keine 
glaubhaften  Hinweise  auf  eine menschenrechtswidrige  Behandlung,  die 
ihm  im  Kosovo  drohen  könnte,  so  dass  auch  das  menschenrechtliche 
Refoulementverbot  nicht  tangiert  ist  (Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und 
Grundfreiheiten [EMRK, SR 0.101]). 

Der Vollzug der Wegweisung ist damit zulässig.

7. 
Gemäss  Art.  83  Abs.  4  AuG  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht 
zumutbar,  wenn  die  beschwerdeführende Person  bei  einer Rückkehr  in 
ihren  Heimatstaat  einer  konkreten  Gefährdung  ausgesetzt  wäre.  Diese 
Bestimmung  wird  vor  allem  bei  Gewaltflüchtlingen  angewendet,  die 
wegen der Folgen von Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner 
Gewalt  nicht  in  ihren  Heimatstaat  zurückkehren  können,  obwohl  ihre 
Rückschaffung  völkerrechtlich  zulässig  wäre.  Im  Weiteren  findet  die 
Bestimmung  auch  auf  andere  Personen  Anwendung,  die  nach  ihrer 
Rückkehr einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die absolut 
notwendige medizinische Versorgung nicht erhalten könnten oder wegen 
der  im  Heimatstaat  herrschenden  Verhältnisse  mit  grosser 
Wahrscheinlichkeit  in  völliger  Armut  leben  müssten  und  damit  dem 
Hunger  und  einer  ernsthaften  Verschlechterung  ihres 
Gesundheitszustands,  der  Invalidität  oder  sogar  dem  Tod  ausgeliefert 
wären  (vgl.  BVGE  2009/52  E. 10.1,  BVGE  2009/51  E. 5.5).  Wird  eine 
konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 
AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.

Im Kosovo herrscht zur Zeit weder Krieg oder Bürgerkrieg noch liegt eine 
Situation allgemeiner Gewalt vor. Zudem hat die Schweiz den Kosovo am 
27. Februar 2008 als von Serbien unabhängigen Staat anerkannt und am 
1. April  2009  als  verfolgungssicheren  Staat  (sog.  "Safe  Country") 
bezeichnet.  Angesichts  dieser  Entwicklungen  lässt  die  allgemeine  Lage 
im  Kosovo  nicht  auf  eine  Gefährdung  des  Beschwerdeführers  im  Falle 
einer Wegweisung schliessen.

8. 

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8.1.  Das  BFM  stützt  sich  in  seiner  Verfügung  vom  18. Juni  2007  zur 
Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  auf  zwei 
Argumente:  Erstens  wirft  es  dem  Beschwerdeführer  vor,  er  habe  die 
Behörden  im  Asylverfahren  getäuscht,  indem  er  angegeben  habe,  er 
gehöre  der  Minderheit  der  Ashkali  an,  obwohl  er  in  Wirklichkeit 
albanischer  Ethnie  sei.  Zweitens  zieht  das  BFM  in  Erwägung,  die 
psychischen  Probleme  des  Beschwerdeführers  seien  auch  in  seinem 
Heimatstaat  behandelbar.  Da  er  dort  auch  über  ein  Beziehungsnetz 
verfüge, sei ihm die Rückkehr insgesamt zumutbar.

8.2.  Aus  den  Akten  des  Dossiers  des  BFF  respektive  des  BFM  geht 
hervor,  dass  der  Beschwerdeführer  bezüglich  seiner  Zugehörigkeit  zu 
einer ethnischen Minderheit im Kosovo tatsächlich die Unwahrheit gesagt 
hat.  Der  Beschwerdeführer  hat  in  der  summarischen  Befragung  zur 
Person  vom  16. September  2002  seine  Volkszugehörigkeit  als 
"Ashkali/Aegypter/Majup" – sein Vater sei Majup und seine Mutter Gorani 
– und  in  der  Anhörung  vom  30. Dezember  2002  als  "Ashkali­Majup" 
angegeben.  Der  Beschwerdeführer  bestreitet  weder,  diese  Angaben 
gemacht zu haben, noch dass er in Tat und Wahrheit Albaner ist. Er stellt 
sich  jedoch  auf  den  Standpunkt,  seine  damaligen  Aussagen  seien  auf 
seine psychischen Probleme zurückzuführen und er habe nie die Absicht 
gehabt,  die  schweizerischen Behörden zu  täuschen. Dieser Einwand  ist 
jedoch  gänzlich  unglaubhaft,  da  nicht  auszumachen  ist,  inwiefern  seine 
psychischen Probleme einen Einfluss auf seine Aussagen gehabt hätten 
und er die entsprechenden Angaben zu zwei verschiedenen Zeitpunkten 
gemacht hat.

8.3. Gleichzeitig  ist  jedoch  festzustellen,  dass  aus  der  Verfügung  vom 
30. Juli  2003  zur  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  des 
Beschwerdeführers nicht geschlossen werden kann, das BFF habe sich 
bei  der  Feststellung  der  Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  auf 
die Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zu einer Minderheit abgestützt. 
Die Verfügung nennt keine Gründe  für die Unzumutbarkeit. Die gemäss 
den Akten vom BFF unmittelbar vor Erlass der Verfügung durchgeführten 
Abklärungen  deuten  daraufhin,  dass  die  vorläufige  Aufnahme 
hauptsächlich auf dem gesundheitlichen Zustand des Beschwerdeführers 
gründete  (Akte  A21/5,  Ärztlicher  Bericht  vom  11. Juli  2003  und  interne 
Akte A22/4,  Interner  Antrag  an Medizinalgruppe  vom 18. Juli  2003).  An 
dieser  Einschätzung  ändert  auch  nichts,  dass  der  Beschwerdeführer  in 
seiner  Anhörung  mit  Fragen  zu  seiner  angeblichen  Volkszugehörigkeit 
konfrontiert  worden  war,  die  er  nur  oberflächlich  beantworten  konnte 

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(Akte  A10/15  S. 8 f.),  und  dass  das  BFF  in  seiner  Verfügung  zur 
Anordnung der vorläufigen Aufnahme die Glaubhaftigkeit der Vorbringen 
der Beschwerdeführers ausdrücklich offen liess.

8.4.  Damit  ist  davon  auszugehen,  dass  die  Volkszugehörigkeit  des 
Beschwerdeführers  bei  der  Feststellung  der  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  des  Beschwerdeführers  und  der  Anordnung  der 
vorläufigen  Aufnahme  höchstens  eine  untergeordnete  Rolle  spielte  und 
damit  auch  bei  der  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  nicht 
entscheidend  sein  kann.  Der  Umstand,  dass  der  Beschwerdeführer  die 
schweizerischen  Behörden  diesbezüglich  getäuscht  hat,  genügt  zudem 
nicht, um die Aufhebung der vorläufigen Aufnahme zu rechtfertigen. Der 
gesundheitliche  Zustand  des  Beschwerdeführers  lässt  den  Vollzug  der 
Wegweisung  –   wie  zu  zeigen  sein  wird  –  auch  heute  als  unzumutbar 
erscheinen.

8.5.  Unabhängig  davon,  ob  das  BFF  sich  bei  der  Anordnung  der 
vorläufigen Aufnahme auf die Volkszugehörigkeit des Beschwerdeführers 
gestützt hatte oder nicht,  ist  für das vorliegende Verfahren  festzustellen, 
dass  der Beschwerdeführer  keiner Minderheit,  sondern  der  albanischen 
Mehrheit im Kosovo angehört. Dies ist bei der Beantwortung der Frage zu 
berücksichtigen,  ob  der  Beschwerdeführer  im  Kosovo  Zugang  zu  einer 
angemessenen  medizinischen  Versorgung  hat,  da  Minderheiten  in 
diesem  Bereich  offenbar  mit  verschiedenen  Diskriminierungen  zu 
kämpfen haben, denen die albanische Mehrheit nicht ausgesetzt ist.

9. 
Als  zweite  Begründung  zur  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  des 
Beschwerdeführers führt das BFM an, dass dessen psychische Probleme 
auch im Kosovo behandelt werden können.

9.1.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  erweist  sich  aus  medizinischen 
Gründen  als  unzumutbar,  wenn  die  betroffene  Person  aufgrund  einer 
medizinischen Notlage im Heimat­ oder Herkunftsstaat konkret gefährdet 
ist  (Art. 83  Abs. 4  AuG).  Dies  ist  der  Fall,  wenn  die  medizinischen 
Behandlungsmöglichkeiten  fehlen,  die  für  ein menschenwürdiges  Leben 
im  konkreten  Fall  absolut  notwendig  sind.  Es  genügt  damit  nicht, 
festzustellen, dass die in der Schweiz genossene Behandlung im Heimat­ 
oder  Herkunftsstaat  nicht  weitergeführt  werden  kann.  Notwendig  ist 
vielmehr,  dass  die  Gesundheit  der  betroffenen  Person  ohne  eine 
angemessene  Behandlung  sich  schnell  bis  zu  einem  Punkt 

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verschlechtern  würde,  wo  das  Leben  der  Person  in  Gefahr  oder  die 
physische  Integrität ernstlich und dauerhaft beeinträchtigt wäre  (EMARK 
2003 Nr. 24 E. 5b S. 157 f.). Da es sich bei Art. 83 Abs. 4 AuG um eine 
"Kann"­Bestimmung  handelt,  kommt  der  verfügenden  Behörde  bei  der 
Beurteilung jedes Einzelfalles ein Ermessensspielraum zu (EMARK 2001 
Nr.  16  E.  6b.aa).  Liegen  jedoch  die  Voraussetzungen  einer 
Unzumutbarkeit  aus  medizinischen  Gründen  vor,  muss  eine  vorläufige 
Aufnahme  angeordnet  werden.  Führt  der  Gesundheitszustand  der 
betroffenen  Person  alleine  nicht  zur  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs,  so  bilden  die  gesundheitlichen  Probleme  ein 
Beurteilungselement, das in die Interessenabwägung einbezogen werden 
muss und zusammen mit weiteren Aspekten  im konkreten Einzelfall  zur 
Feststellung der Unzumutbarkeit führen kann (EMARK 2003 Nr. 24 E. 5b 
S. 158).

9.1.1.  Das  BFM  stützte  seine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  in 
seiner  Verfügung  vom  30. Juli  2003  offensichtlich  auf  einen  ärztlichen 
Bericht  des  behandelnden  Oberarztes  des  (…)  vom  11. Juli  2003.  Das 
BFM ging zwar in seiner Verfügung vom 30. Juli 2003 zur Anordnung der 
vorläufigen  Aufnahme  nicht  auf  den  Gesundheitszustand  des 
Beschwerdeführers ein. Da der ärztliche Bericht  jedoch nur 15 Tage vor 
Erlass  der  Verfügung  beim  BFM  einging  (am  15. Juli  2003;  vgl.  A21/5) 
und  der  angenommene  Antrag  auf  vorläufige  Aufnahme  vom  18. Juli 
2003  (internes  Dokument  A22/4)  eindeutig  auf  diesen  medizinischen 
Befund  abstellte,  kann  davon  ausgegangen  werden,  dass  auch  die 
Verfügung  des  BFM  vom  30. Juli  2003  hauptsächlich  durch  diesen 
Bericht motiviert war.

9.1.2. Der behandelnde Arzt  stellte  in diesem Bericht  vom 11. Juli  2003 
fest, der Beschwerdeführer  leide seit er erwachsen sei an Grössenideen 
und  psychotischen  Dekompensationen.  Im  März  und  April  2003  hätten 
die  Symptome  stark  zugenommen  mit  Religionswahn  und  agitiert 
paranoid­psychotischem Zustandsbild. Der Beschwerdeführer sei deshalb 
vom 21. April 2003 bis zum 12. Mai 2003 per ärztlichem fürsorgerischem 
Freiheitsentzug  (FFE)  im Psychiatriezentrum  (...)  hospitalisiert  gewesen. 
Seither  sei  er  in  ambulanter  Behandlung.  Unter  der  Medikation  hätten 
sich  die  Beschwerden  deutlich  gebessert,  so  dass  zum  Zeitpunkt  des 
Berichts  keine  psychotischen  Symptome  festzustellen  gewesen  seien. 
Der  Bericht  diagnostizierte  eine  akute,  vorwiegend  wahnhafte 
psychotische  Störung  (ICD­10:  F23.3).  Die  Behandlung  bestand  zu 
diesem Zeitpunkt gemäss dem Bericht in ambulanter Psychotherapie und 

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Pharmakotherapie,  die  "voraussichtlich  bis  längerfristig"  notwendig  sein 
werde.  Ohne  Behandlung  bestehe  ein  Risiko  unkontrollierbarer 
psychotischer  Exacerbation  mit  Entwicklung  von  Selbst­  und 
Fremdgefährdung, stationären Aufenthalten und zunehmendem sozialem 
Abstieg.  Bei  Fortführung  der  Behandlung  sei  die  Prognose  eindeutig 
besser.  Bei  grossen  psychischen Belastungen  könnten  jedoch  trotzdem 
weitere Dekompensationen eintreten. 

9.1.3. Der zweite ärztliche Bericht des gleichen Oberarztes des (…) vom 
24. Dezember 2006 (B3/3) stellte fest, dass seit dem Sommer 2003 unter 
anderem  mit  einer  regelmässigen  Medikamentenabgabe  mittels 
Injektionen  bei  schwankendem  Verlauf  eine  leichte  Verbesserung  des 
Gesundheitszustandes  des  Beschwerdeführers  erreicht  werden  konnte. 
Bei  grösseren  psychischen  Belastungen  komme  es  aber  trotzdem 
entsprechend  der  Grundkrankheit  zu  Dekompensationen.  So  sei  der 
Beschwerdeführer  im  Dezember  2004  erneut  für  zwei  Wochen  in  eine 
psychiatrische  Klinik  eingewiesen  worden.  Durch  eine  Erhöhung  der 
Medikamentendosis  und  eine  Optimierung  der  ambulanten  Betreuung 
durch Psychiater und Psychiatriepfleger sei eine weitere Hospitalisierung 
seither  nicht  mehr  nötig  gewesen.  Die  psychotischen  Symptome  seien 
unter  dem  Medikament  (...)  zurzeit  remittiert.  Wiederum  wurde  eine 
intermittierende akute, vorwiegend wahnhafte psychotische Störung (ICD­
10:  F23.3)  sowie  zusätzlich  ein  Verdacht  auf  posttraumatische 
Belastungsstörung  (ICD­10:  F43.1)  diagnostiziert.  Die  gegenwärtige 
integrierte  psychiatrische  Behandlung  (bestehend  aus 
verhaltenstherapeutisch/systemischer  Gesprächstherapie  und 
neuroleptischer parenteraler Dauermedikation) müsse "voraussichtlich bis 
dauernd"  weitergeführt  werden.  Zusätzlich  seien  bei  ambulant  nicht 
auffangbaren  Krankheitsschüben  auch  in  Zukunft  Hospitalisationen 
notwendig.  Ohne  Behandlung müsse mit  einer  Erhöhung  der  Frequenz 
und  Akuität  von  psychischen,  vor  allem  psychotischen 
Dekompensationen,  möglicherweise  mit  Selbst­  und/oder 
Fremdgefährdung  und  eventuell  mit  längerfristigen  Hospitalisationen 
gerechnet werden. 

9.1.4. Ein Vergleich der erwähnten ärztlichen Berichte zeigt, dass sich der 
Gesundheitszustand  des  Beschwerdeführers  seit  der  Anordnung  der 
vorläufigen Aufnahme  im Jahre 2003 nicht wesentlich verändert hat. Es 
ist  davon  auszugehen,  dass  der Beschwerdeführer  für  den Rest  seines 
Lebens auf verhaltenstherapeutische Gesprächstherapie und Medikation 
angewiesen  sein  wird.  Auch  das  BFM  bestreitet  dies  in  der 

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angefochtenen Verfügung nicht. Ebenso unbestritten  ist, dass bei einem 
Abbruch  der  gegenwärtigen  Behandlung  mit  vermehrten  und  stärkeren 
psychotischen  Dekompensationen  sowie  Selbst­  und  Fremdgefährdung 
gerechnet werden muss. Diese könnten zudem erneut zur Notwendigkeit 
längerfristiger  Hospitalisationen  des  Beschwerdeführer  führen. 
Entsprechend  ist  davon  auszugehen,  dass  sich  die  medizinische 
Situation,  auf  die  sich  das  BFM  bei  der  Anordnung  der  vorläufigen 
Aufnahme  gestützt  hatte,  seither  nicht  verbessert  hat.  Der 
Wegweisungsvollzug  ist  deshalb  nur  zumutbar  und  die  Aufhebung  der 
vorläufigen  Aufnahme  nur  gerechtfertigt,  wenn  unterdessen  eine 
angemessene  therapeutische  und  medizinische  Behandlung  des 
Beschwerdeführers im Kosovo gewährleistet ist.

9.2.  In  einer  Eingabe  an  das  BFM  vom  11. Mai  2007  führte  der 
Beschwerdeführer  aus,  Abklärungen  des  behandelnden  Arztes  hätten 
ergeben,  dass  die  dem  Beschwerdeführer  zu  verabreichenden 
Medikamente im Kosovo nicht erhältlich seien. Zum Beispiel sei gemäss 
Auskunft  der  Produzentin  ([…]  AG,  […])  das  Medikament  (...),  das  der 
Beschwerdeführer  alle  zwei  Wochen  intravenös  erhalte,  in  Serbien  (zu 
dem der Kosovo zu diesem Zeitpunkt noch gehörte) nicht im Handel. Es 
sei der Produzentin zudem nicht bekannt, ob es in Serbien Medikamente 
mit  ähnlicher  Wirkung  gebe  und  ob  diese  gegebenenfalls  zu 
erschwinglichen  Preisen  erhältlich  seien.  Da  die  Behandlung  des 
Beschwerdeführers  in  seiner  Heimat  damit  nicht  möglich  sei,  sei  die 
vorläufige Aufnahme nicht aufzuheben.

9.2.1.  Die  beiden  erwähnten  ärztlichen  Berichte  weisen  bezüglich  der 
Behandlung  des  Beschwerdeführer  im  Kosovo  darauf  hin,  dass  die 
medizinischen  und  insbesondere  die  gesprächstherapeutischen 
Möglichkeiten  im  Kosovo  deutlich  eingeschränkt  seien.  Zudem  sei  das 
Gefühl  von  Sicherheit  für  die  Therapie  von  paranoid­psychotischen 
Krankheitsbildern  sehr wichtig. Der Beschwerdeführer  fühle  sich aber  in 
seinem  Heimatsstaat  verfolgt,  womit  eine  Behandlung  dort  wohl  kaum 
möglich  sei.  Da  die  Behandlung  des  Beschwerdeführers  seit  seiner 
vorläufigen Aufnahme verfeinert und teilweise intensiviert worden sei, sei 
sogar anzunehmen, dass die Diskrepanz zu einer möglichen Behandlung 
im Kosovo seither noch zugenommen habe.

9.2.2.  Das  BFM  führte  in  der  angefochtenen  Verfügung  vom  18. Juni 
2007  an,  die  psychische  Krankheit  des  Beschwerdeführers  könne  im 
Heimatstaat  grundsätzlich  behandelt  werden.  Das  Medikament,  das  er 

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benötige, sei zwar nicht in der Form erhältlich, in der es ihm zurzeit in der 
Schweiz verabreicht werde; es sei jedoch in Tablettenform erhältlich (…). 
Da  es  der  Familie  des  Beschwerdeführers  im  Kosovo  offensichtlich 
finanziell  gut  gehe,  werde  sie  für  die  Kosten  dieses  Medikamentes 
aufkommen  können.  Zudem  könne  das  Medikament  in  der  ersten  Zeit 
nach  der  Rückkehr  über  die  medizinische  Rückkehrhilfe  finanziert 
werden.  Die  Ausführungen  zur  Erhältlichkeit  des  Medikamentes  (...)  im 
Kosovo stützten sich dabei offenbar auf die Auskunft der damaligen BFM­
internen  Fachstelle  für  Migrations­  und  Länderanalysen  MILA  (dem 
Beschwerdeführer  nicht  zugestellte,  vom  BFM  zu  Unrecht  [siehe  oben 
E. 4.4]  als  interne  Akte  bezeichnete  Akte  B21/3).  Diese  enthält  auch 
Angaben zu den Preisen des Medikamentes im Kosovo und die Auskunft, 
das  Medikament  sei  nicht  über  die  staatlichen  Strukturen  erhältlich, 
sondern müsse kostenpflichtig über private Strukturen beschafft werden.

9.2.3. In seiner Beschwerde brachte der Beschwerdeführer diesbezüglich 
vor,  bei  einem  Unter­  respektive  Abbruch  der  seit  Jahren  intensiven 
medizinischen Behandlung sei seine physische und psychische Integrität 
erheblich  gefährdet. Den Akten  könne nicht  entnommen werden, woher 
das BFM die  Information habe, dass das Medikament  (...)  im Kosovo  in 
Tablettenform  erhältlich  sei.  Zudem  könne  der  Verfügung  nicht 
entnommen werden, wie  teuer das Medikament sei und wo es erhältlich 
sei. Die Familie  des Beschwerdeführers  sei  finanziell  nicht  in  der  Lage, 
die  erforderlichen  Medikamente,  sofern  sie  denn  überhaupt  erhältlich 
wären, zu beschaffen. Die Abklärungen des BFM seien unvollständig, da 
die  konkreten  Behandlungsmöglichkeiten  des  Beschwerdeführer  nicht 
abgeklärt worden seien,  sondern   nur allgemein  festgestellt worden sei, 
im Kosovo gebe es die Möglichkeit für psychiatrische Behandlungen.

10. 
Das  Bundesverwaltungsgericht  stellt  fest,  dass  im  vorliegenden  Fall 
weder  die  Möglichkeit  regelmässiger  Gesprächstherapie  noch  der 
konkrete  Zugang  zu  angemessenen  Medikamenten  im  Kosovo 
gewährleistet ist.

10.1. Gemäss den Abklärungen des Schweizerischen Verbindungsbüros 
in  Pristina  können  im  regionalen  Gesundheitszentrum  in  B._______ 
Gesprächstherapien  durchgeführt  werden  und  im  Falle  einer 
psychotischen  Krise  könnte  der  Beschwerdeführer  in  die  psychiatrische 
Abteilung  des  Spitals  von  B._______  aufgenommen  werden.  Das 
Verbindungsbüro  fügt  jedoch  an,  gemäss  ihren  Abklärungen  sei  keiner 

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der Spezialisten in B._______ ein guter Psychotherapeut (vom BFM nicht 
ins  Aktenverzeichnis  aufgenommener  Bericht  des  Schweizerischen 
Verbindungsbüros  in Pristina  vom 6. Februar 2007). Dieser Befund wird 
durch einen Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe  (SFH) gestützt, 
der festhält, eine Psychotherapie sei in keiner medizinischen Institution in 
B._______ möglich, da die Ärzte keine psychiatrische Ausbildung hätten 
und die Nachfrage zu gross sei (GRÉGOIRE SINGER, Kosovo: Update, Zur 
Lage der medizinischen Versorgung, 1. September 2010, S. 14). Obwohl 
der Beschwerdeführer der albanischen Mehrheit im Kosovo angehört und 
damit  in  Bezug  auf  den  Zugang  zum Gesundheitssystem  nicht mit  den 
Benachteiligungen  rechnen  muss,  denen  offenbar  Angehörige  von 
Minderheiten  im Kosovo ausgesetzt sind,  ist damit  festzuhalten, dass er 
im Kosovo nicht mit einer seiner psychischen Gesundheit angemessenen 
therapeutischen Behandlung rechnen kann.

10.2. Bezüglich  des Medikamentes  (...),  das  der  Beschwerdeführer  14­
täglich  intravenös  verabreicht  bekommt,  ist  unbestritten,  dass  dieses  in 
dieser Form im Kosovo nicht erhältlich ist. Gemäss den Abklärungen der 
damaligen Stelle  für Migrations­ und Länderanalysen MILA des BFM  ist 
jedoch  das  Medikament  (…)  in  Tablettenform  erhältlich.  Dieses  müsse 
allerdings  über  private  Strukturen  und  auf  eigene  Kosten  beschafft 
werden.  Das  Medikament  koste  je  nach  Grösse  der  Packung  und 
Konzentration der Tabletten zwischen 5 Euro für 20 Tabletten à 1 mg und 
40 Euro für 60 Tabletten à 3 mg.

Die Familie des Beschwerdeführers im Kosovo lebt von der Rente seines 
Vaters, die monatlich 40 Euro beträgt. Die Aussage des Schweizerischen 
Verbindungsbüros  in Pristina, das Haus der Familie sei gut eingerichtet, 
weshalb  von  einem  zusätzlichen  Einkommen  auszugehen  sei,  ist  eine 
reine  Vermutung  und  deshalb  nicht  zu  beachten.  Zudem  verbringt  der 
Vater  des  Beschwerdeführers  zwei  Wochen  pro  Monat  im  Spital,  was 
auch mit  Auslagen  verbunden  sein  dürfte.  Unter  diesen  Umständen  ist 
offensichtlich, dass die Familie nicht über das Geld für die Medikamente 
des Beschwerdeführers verfügt. Selbst  im unwahrscheinlichen Fall, dass 
der  Beschwerdeführer  nach  seiner  Rückkehr  eine  Arbeitsstelle  finden 
würde, wäre  kaum genug Geld  für  die medikamentöse Behandlung des 
Beschwerdeführers  vorhanden.  Zudem  ist  unklar,  wo  das  Medikament 
konkret  beschafft werden könnte;  das BFM äussert  sich nicht  dazu und 
der Bericht  der SFH stellt  fest,  in der  (privaten) Apotheke  in B._______ 
seien  nur  die  gängigsten  Medikamente  erhältlich  (GRÉGOIRE  SINGER, 
a.a.O., S. 14).

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10.3.  Damit  ist  festzustellen,  dass  eine  adäquate  medizinische 
Behandlung  des  Beschwerdeführers  in  seinem  Heimatstaat  nicht 
gewährleistet  ist.  Folge  eines  Wegweisungsvollzugs  des 
Beschwerdeführers  in  den  Kosovo  wäre  deshalb  faktisch  ein  Abbruch 
sowohl  der  Gesprächstherapie  als  auch  der  medikamentösen 
Behandlung  und  in  der  Folge  ein  konkretes  Risiko  von  vermehrten 
psychotischen Krisen sowie von Selbst­ und Fremdgefährdung. Dass es 
sich  dabei  nicht  um  eine  abstrakte,  sondern  eine  konkrete  Gefahr 
handelt,  zeigen  die  beiden  stationären  Klinikaufenthalte  des 
Beschwerdeführers. Der Vollzug der Wegweisung ist damit zum heutigen 
Zeitpunkt  nicht  zumutbar,  da  die  konkrete  Gefahr  einer  ernsthaften 
Verschlechterung  des  Gesundheitszustandes  des  Beschwerdeführer 
besteht. Daran ändert auch nichts, dass der Beschwerdeführer in seinem 
Heimatstaat  über  ein  soziales  Beziehungsnetz  verfügt  und  bei  seiner 
Familie  wohnen  könnte.  Die  Folgen  der  fehlenden  medizinischen 
Behandlung  sind  im  vorliegenden  Fall  so  gravierend,  dass  sie  ohne 
Weiteres  zur  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  führen.  Hinzu 
kommt,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  bei  einem  Vollzug  der 
Wegweisung  nicht  mögliche  wäre,  das  Besuchsrecht  für  seine  beiden 
minderjährigen Kinder, die seit der Trennung und Scheidung von seiner 
Ehefrau bei  ihrer Mutter  leben, auszuüben und er aller Voraussicht nach 
den Kontakt zu ihnen vollständig verlieren würde.

11. 
Zusammenfassend  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  im  Sinne 
von Art.  83  Abs.  4  AuG weiterhin  als  unzumutbar.  Es  liegt  zudem  kein 
Grund nach Art. 83 Abs. 7 Bst. a  oder  b AuG  für  einen Ausschluss  von 
der vorläufigen Aufnahme vor. Die Voraussetzungen  für die Beendigung 
der mit Verfügung des BFM vom 30. Juli 2003 angeordneten vorläufigen 
Aufnahme sind demnach nicht erfüllt. Die Beschwerde  ist gutzuheissen, 
die Verfügung des BFM vom 18. Juni 2007 ist aufzuheben und das BFM 
ist  anzuweisen,  die  vorläufige  Aufnahme  des  Beschwerdeführers 
weiterzuführen.

12. 
Der Beschwerdeführer  rügte  in  seiner Beschwerde, das BFM habe sein 
Gesuch um "Erteilung des Rechts zur unentgeltlichen Prozessführung i.S. 
der  Beiordnung  eines  amtlichen  Anwaltes",  das  er  in  der  Eingabe  vom 
11. Mai  2007  gestellt  habe,  nicht  behandelt  und  habe  damit  eine 
Rechtsverweigerung begangen.

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12.1. Das BFM ging in seiner Verfügung vom 18. Juni 2007 nicht auf das 
genannte  Rechtsbegehren  des  Beschwerdeführers  ein,  weder  im 
Dispositiv  noch  in  den Erwägungen. Die diesbezügliche Beschwerde  ist 
deshalb als Rechtsverweigerungsbeschwerde zu behandeln (vgl. Art. 46a 
VwVG).

12.2.  Gemäss  Rechtsprechung  gelten  die  vom  Bundesgericht 
entwickelten  Kriterien  über  die  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtsverbeiständung  gemäss  Art. 65  Abs. 2  VwVG  im  nichtstreitigen 
Verwaltungsverfahren grundsätzlich auch  für das Asylverfahren vor dem 
BFM  (EMARK  2001  Nr. 11  E. 4­6  S. 80  ff.;  Rechtsprechung  vom 
Bundesverwaltungsgericht  u.a.  übernommen  in:  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts D­120/2009  vom 4. Juli  2011 und Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  D­7328/2006  vom  8.  April  2008  E.  9.2). 
Dabei  kann  sich  die  Notwendigkeit  einer  anwaltlichen  Verbeiständung 
dann  ergeben,  wenn  sich  komplexe  Sachverhalts­  und  Rechtsfragen 
stellen,  die  nach  dem  Beizug  eines  professionellen  Rechtsvertreters 
verlangen.

12.3. Das BFM hat in der vorliegend angefochtenen Verfügung nicht über 
das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung 
entschieden  und  das  Gesuch  auch  in  den  Erwägungen  nicht  erwähnt. 
Damit  hat  es  die  Verfahrensrechte  des  Beschwerdeführers  verletzt  und 
gegen  das  Verbot  der  Rechtsverweigerung  verstossen.  Das  BFM  ist 
deshalb  anzuweisen,  im  Anschluss  an  das  vorliegende 
Beschwerdeverfahren  über  das  Gesuch  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung zu befinden.

13. 
Obsiegende Parteien  haben Anspruch  auf  eine Parteientschädigung  für 
die  ihnen erwachsenen notwendigen Kosten  (Art.  64 Abs.  1 VwVG und 
Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 11. Dezember 2006 über die Kosten 
und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]).  Der  für  das  Verfahren  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht mandatierte Rechtsvertreter liess dem Gericht 
mit Eingaben vom 12. Juli 2011 und vom 15. Juli 2011 eine Honorarnote 
zukommen. Diese weist für einen Aufwand von 18.25 Stunden zu einem 
Stundenansatz  von  Fr. 250.–  ein  Honorar  von  Fr.  4562.50  aus,  sowie 
Auslagen  und  Mehrwertsteuer  in  der  Höhe  von  Fr. 257.60 
beziehungsweise  Fr.  374.45:  insgesamt  Fr.  5194.55.  Davon  zu 
subtrahieren  sind  Aufwand  und  Auslagen,  die  nicht  das 

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Beschwerdeverfahren,  sondern  das  Verfahren  vor  dem  BFM  betreffen 
(bis zum Datum der angefochtenen Verfügung): Fr. 687.35 Aufwand, Fr. 
187.60  Auslagen  und  Nachnahmegebühren  und  Fr. 58.85 
Mehrwertsteuer. Zusammenfassend hat das BFM dem Beschwerdeführer 
für das Beschwerdeverfahren eine Parteientschädigung  in der Höhe von 
Fr. 4260.75 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu entrichten. Damit  ist 
das  Honorar  für  die  unentgeltliche  Rechtsverbeiständung  im 
Beschwerdeverfahren abgegolten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Der Antrag auf Akteneinsicht wird bezüglich der zweiten 
Botschaftsantwort vom 6. Februar 2006 und der Akte B21/3 gutgeheissen 
und im Übrigen abgewiesen.

2. 
Die Beschwerde wird gutgeheissen; die Verfügung des BFM vom 18. Juni 
2007 wird aufgehoben.

3. 
Das BFM wird angewiesen, die am 30. Juli 2003 angeordnete vorläufige 
Aufnahme weiterzuführen.

4. 
Das BFM wird angewiesen, über das Gesuch des Beschwerdeführers um 
Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes für das 
erstinstanzliche Verfahren zu befinden.

5. 
Das  BFM  hat  dem  Beschwerdeführer  für  das  Verfahren  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 
4260.75 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu entrichten.

6. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Christa Luterbacher Tobias Meyer

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