# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4b7ce17c-5481-5605-8d6d-14ac0c81c88e
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-12-05
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 05.12.2011 SB110435
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB110435_2011-12-05.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 
 

Geschäfts-Nr. SB110435-O/U/eh 

 

Mitwirkend: die Oberrichter Dr. F. Bollinger, Vorsitzender, lic. iur. S. Volken und 

Ersatzoberrichterin lic. iur. M. Bertschi sowie der juristische Sekretär 

lic. iur. T. Walthert 

Urteil vom 5. Dezember 2011 

in Sachen 

 

A._____,  
Geschädigte und Appellantin 

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. X._____,  

 

sowie 

 

Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl,  
vertreten durch Leitende Staatsanwältin Dr. iur. U. Frauenfelder Nohl,  

Anklägerin 

gegen 

 

B._____,  
Angeklagter und Appellat 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____, 

 

betreffend  

mehrfache Vergewaltigung etc. und Widerruf 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung,  
vom 15. November 2010 (DG100382) 

-   2   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl vom 26. Juli 2010 ist  

diesem Urteil beigeheftet (Urk. 32). 

 

Entscheid der Vorinstanz: 

"Das Gericht erkennt: 

1. Der Angeklagte ist schuldig 

− der versuchten Entwendung zum Gebrauch im Sinne von Art. 94 Ziff. 1 Abs. 1 SVG  

in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie  

− der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB. 

2. Der Angeklagte wird freigesprochen vom Vorwurf  

− der mehrfachen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB,  

− der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB sowie 

− der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. 

3. Der Angeklagte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 30.00 

 (wovon allesamt als durch Untersuchungshaft geleistet gelten) als Zusatzstrafe zu der mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland ausgefällten Strafe vom 18. März 2010. 

4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.  

5. Auf das Schadenersatzbegehren und das Genugtuungsbegehren der Geschädigten 

A._____, c/o Rechtsanwältin X._____, … [Adresse], wird nicht eingetreten. 

 

 

 

-   3   - 

7. [recte: 6.] Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 3'500.– ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr. 360.–   Kosten der Kantonspolizei  

Fr.     Kanzleikosten Untersuchung  

Fr. 2'016.15   Auslagen Untersuchung  

Fr.     amtliche Verteidigung 

Fr.     unentgeltliche Geschädigtenvertretung 

Fr. 119.–   ausserkantonale Untersuchungskosten 

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

6. [recte: 7.] Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem  

Angeklagten zu 1/20 auferlegt und im Übrigen auf die Gerichtskasse genommen. Die  

Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Geschädigtenvertreterin werden 

auf die Gerichtskasse genommen. 

7. [recte: 8.] Dem Angeklagten werden Fr. 12'600.– als Schadenersatz und Fr. 15'000.– als 

Genugtuung aus der Gerichtskasse zugesprochen. Im Mehrbetrag werden die 

Schadenersatzansprüche abgewiesen. 

Sodann beschliesst das Gericht: 

1. Die sichergestellten Kleidungsstücke der Geschädigten A._____, c/o Rechtsanwältin 

X._____, … [Adresse] (1 Langarm-Jäckchen, 1 BH, 1 Kapuzenpullover, 1 Jeanshose, 1 

String-Tanga), lagernd beim Forensischen Institut Zürich unter der Referenznummer …, 

werden der Geschädigten nach Rechtskraft des heutigen Entscheides auf erstes Verlangen 

herausgegeben."  

Berufungsanträge: 

a) Des Vertreterin der Geschädigten: 

(schriftlich, Urk. 94 S. 1) 

1. In Aufhebung von Ziff. 2 des Urteils des Bezirksgerichtes Zürich vom 

15. November 2010 sei der Beschuldigte der mehrfachen Vergewalti-

gung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB, der mehrfachen sexuellen 

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Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB sowie der Freiheits-

beraubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig zu  

sprechen. 

2. In Aufhebung/Abänderung von Ziff. 3 und Ziff. 4 des erwähnten Urteils 

sei der Beschuldigte angemessen zu bestrafen. 

3. In Aufhebung von Ziff. 5 des erwähnten Urteils sei der Beschuldigte zu 

verpflichten, der Geschädigten eine Genugtuung von Fr. 20'000.– zu-

züglich Zins zu 5 % seit 6. Mai 2010 zu bezahlen. Sodann sei festzu-

stellen, dass der Beschuldigte gegenüber der Geschädigten grund-

sätzlich schadenersatzpflichtig ist und es sei davon Vormerk zu  

nehmen, dass die spätere Geltendmachung einer Schadenersatz-

forderung vorbehalten bleibt. 

5. [recte: 4.] In Aufhebung von Ziff. 6 des vorinstanzlichen Urteils  

seien die Kosten des Strafverfahrens inklusive diejenigen der unent-

geltlichen Geschädigtenvertretung dem Beschuldigten aufzuerlegen. 

Ziff. 7 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben. 

b) Der Verteidigung des Angeklagten: 

(schriftlich, Urk. 95 S. 1) 

Es sei auf die Berufung der Geschädigten nicht einzutreten. 

Es sei das Urteil der Vorinstanz zu bestätigen. 

Es seien die Kosten des Berufungsverfahrens auf die Staatskasse 

zu nehmen. 

Es seien die Kosten der amtlichen Verteidigung auf die Staatskasse  

zu nehmen. 

 

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Das Gericht erwägt: 

I. Prozessuales 

1. Anwendbares Recht 

Das vorinstanzliche Urteil ist am 15. November 2010 ergangen. Am 1. Januar 

2011 ist die Schweizerische Strafprozessordnung in Kraft getreten. Gemäss 

Art. 453 Abs. 1 StPO werden Rechtsmittel gegen Entscheide, welche vor Inkraft-

treten dieses Gesetzes gefällt wurden, nach bisherigem Recht, von den bisher 

zuständigen Behörden beurteilt. Vorliegend kommt demgemäss das alte kantona-

le Prozessrecht (StPO/ZH und GVG/ZH) zur Anwendung. 

2. Prozessverlauf und Gegenstand des Berufungsverfahrens 

2.1. Die Geschädigte hat gegen das eingangs erwähnte Urteil der Vorinstanz 

vom 15. November 2010 mit Eingabe vom 25. November 2010 Berufung ange-

meldet (Urk. 58) und mit Eingabe vom 26. April 2011 die Beanstandungen  

genannt (Urk. 63). Ihre Berufung richtet sich gegen den Freispruch betreffend 

mehrfache Vergewaltigung, mehrfache sexuelle Nötigung und Freiheitsberaubung 

(Dispositiv-Ziffer 2), die Strafe (Dispositiv-Ziffer 3 und 4), das Nichteintreten auf  

ihre Zivilforderungen (Dispositiv-Ziffer 5) und die Regelung der Kosten- und Ent-

schädigungsfolgen (Dispositiv-Ziffern 6 bis 8).  

2.2. Weitere Berufungen oder Anschlussberufungen wurden nicht erhoben. Im 

Berufungsverfahren wurden keine Beweisanträge gestellt (Urk. 76 und Urk. 78). 

2.3. Mit Eingabe vom 19. Oktober 2011 beantragte die Verteidigung, dem Ange-

klagten sei die Zusicherung abzugeben, dass er im Anschluss an die Berufungs-

verhandlung nicht in Sicherheitshaft versetzt werde oder ihm das Erscheinen zur 

Gerichtsverhandlung freizustellen sei (Urk. 88). Mit Schreiben vom 7. November 

2011 teilte die Verfahrensleitung dem Angeklagten mit, es könne ihm keine  

Zusicherung abgegeben werden, dass er im Falle eines Schuldspruches nicht in 

Sicherheitshaft versetzt würde, und stellte ihm das Erscheinen zur Berufungs-

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verhandlung frei (Urk. 90). Die Verteidigung orientierte daraufhin mit Schreiben 

vom 14. November 2011 die Berufungsinstanz, dass der Angeklagte nicht an der  

Berufungsverhandlung teilnehmen werde (Urk. 91).  

2.4. Anlässlich der Berufungsverhandlung liess die Geschädigte die Berufung 

zusätzlich dahingehend beschränken, als Ziffer 8 des vorinstanzlichen Dispositivs 

nicht mehr angefochten wurde (Urk. 94 S. 1 Ziff. 5 [recte: 4]). Aufgrund des  

vorinstanzlichen Versehens in der Nummerierung des Dispositivs erscheint vor-

erst nicht ganz klar, welche Ziffern im vorinstanzlichen Dispositiv nun tatsächlich 

angefochten wurden. Aus den Ausführungen der Geschädigtenvertreterin in ihren 

Beanstandungen und auch in ihrem Plädoyer anlässlich der Berufungsverhand-

lung geht aber offensichtlich hervor, dass die vorinstanzliche Kostenfestsetzung 

(Dispositiv-Ziffer 7 [recte: 6]) nicht angefochten wurde. Es ist deshalb festzuhal-

ten, dass das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich des Schuldspruches (Dispositiv-

Ziffer 1) und der Kostenfestsetzung (Dispositiv-Ziffer 7 [recte: 6]) rechtskräftig und 

somit nicht mehr Gegenstand des vorliegenden Berufungsverfahrens ist, ebenso 

der Beschluss der Vorinstanz vom 15. November 2010 betreffend Herausgabe 

der sichergestellten Kleidungsstücke der Geschädigten (§ 413 Abs. 3 StPO/ZH). 

3. Prozessuales 

3.1. Die Verteidigung des Angeklagten stellte im Berufungsverfahren den Antrag, 

es sei auf die Berufung der Geschädigten nicht einzutreten, da aufgrund des  

unbekannten Aufenthaltsortes der Geschädigten per 31. Januar 2011 nicht aus-

geschlossen werden könne, dass sie gar nicht mehr am Leben sei oder die Hand-

lungsfähigkeit verloren habe, und zudem zu bezweifeln sei, dass die Vertreterin 

der Geschädigten, als sie die Beanstandungen geschrieben habe, zu jenem Zeit-

punkt auch den Auftrag erhalten habe, diese dem Gericht zu nennen. Es bestehe 

somit heute keine Gewähr, dass die Geschädigte nach wie vor an der Berufung 

gegen das Urteil der Vorinstanz, von dessen Begründung sie übrigens absolut 

keine Kenntnis habe, festhalte. Gerade die Tatsache, dass sie sich ohne neue 

Adressangabe verabschiedet habe, lasse berechtigte Zweifel aufkommen, ob sie 

tatsächlich noch am Verfahren festhalte. Auch die Tatsache, dass sie sich wohl 

seit der Urteilseröffnung nie mehr bei ihrer Vertreterin gemeldet habe, lasse den 

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Schluss zu, dass gar kein Auftragsverhältnis mehr bestehe. Ohne die Sicherheit, 

dass die Vollmacht noch immer Gültigkeit besitze und die Geschädigte tatsächlich 

an der Berufung festhalte, könne das Gericht auf die Berufung nicht eintreten, weil 

eine wesentliche Prozessvoraussetzung fehle (Urk. 95 S. 2). 

3.2. Dem entgegnete die Vertreterin der Geschädigten, dass sie klare Instruktio-

nen von der Geschädigten habe, diese habe das Berufungsverfahren gewünscht. 

Der Umstand, dass die Geschädigte im Hinblick auf die Berufungsverhandlung 

nicht zu kontaktieren gewesen sei, habe nichts damit zu tun, dass sie nicht am 

Berufungsverfahren festhalte. Die Instruktionen seien sehr klar gewesen, weshalb 

sie (die Geschädigtenvertreterin) die Berufung eingereicht und die  

Beanstandungen entsprechend genannt habe. Im Übrigen sei sie als unent-

geltliche Geschädigtenvertreterin bestellt und bis heute noch nicht entlassen  

worden, weshalb sie die Interessen der Geschädigten rechtsgültig vertreten  

könne (Prot. II S. 4 f.). 

3.3. Entgegen der Ansicht der Verteidigung sind vorliegend keine Anhaltspunkte 

ersichtlich, die darauf schliessen liessen, die Geschädigte habe das Mandat  

zwischen ihr und ihrer Vertreterin beenden wollen. Mit der Geschäditevertreterin 

kann aus dem Umstand alleine, dass die Geschädigte zur Zeit nicht über einen 

registrierten Wohnsitz verfügt, nicht geschlossen werden, die Geschädigte wolle 

nicht an der Berufung festhalten. Auch für die übrigen Argumente der Verteidi-

gung des Angeklagten sind keine Anhaltspunkte ersichtlich. Von einem Fehlen  

einer Prozessvoraussetzung kann deshalb nicht gesprochen werden, ent-

sprechend ist die Berufung der Geschädigten zulässig. 

 

II. Sachverhalt 

1. Anklagevorwurf 

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, er habe die Geschädigte A._____ am 6. Mai 

2010 gegen ihren Willen in der Wohnung an der … [Adresse], eingeschlossen, in-

dem er die Wohnungstüre abgeschlossen und den Schlüssel in seiner Hose ver-

steckt habe. Er habe von der Geschädigten Geschlechtsverkehr verlangt. Die Ge-

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schädigte habe dies nicht gewollt, habe um Hilfe geschrien und sich körperlich 

gegen sein Ansinnen zur Wehr gesetzt. Er habe sie geohrfeigt und ihr mit seiner 

Hand den Mund zugehalten. Daraufhin habe die Geschädigte, welche aufgrund 

ihrer körperlichten Unterlegenheit keine Möglichkeit gehabt habe, sich dem An-

sinnen des Angeklagten zu widersetzten, ihren körperlichen Widerstand aufgege-

ben und geduldet, dass er sie vaginal und anal penetriert habe, wobei sie geweint 

und ihn immer wieder gebeten habe, sie gehen zu lassen, sowie gefragt habe, 

weshalb er ihr das antue. Er habe von ihr verlangt, dass sie ihn oral befriedige. 

Nach dem Geschlechtsverkehr habe sie ihn wiederholt gebeten, sie nun gehen zu 

lassen, was er abgelehnt habe. Er habe verlangt, dass sie die Nacht mit ihm ver-

bringe. Nachdem er geschlafen habe und am Morgen aufgewacht sei, habe er 

nochmals mit ihr Geschlechtsverkehr gewollt. Sie habe wiederholte Male gesagt, 

sie wolle das nicht und habe geweint, worauf ihr der Angeklagte gedroht habe, sie 

erneut zu schlagen. Gegen ihren Willen sei er erneut vaginal in sie eingedrungen 

und habe anschliessend verlangt, dass sie ihn oral befriedige. Erneut sei es auch 

zur analen Penetration gekommen. Nach Vollendung des Geschlechtsverkehrs 

habe er die Wohnungstüre geöffnet und sie gehen lassen. 

2. Standpunkt des Angeklagten 

Der Angeklagte anerkennt, dass es zur fraglichen Zeit und am fraglichen Ort in 

zwei Phasen unterbrochen durch eine Schlafphase zu Geschlechtsverkehr  

zwischen ihm und der Geschädigten gekommen ist. Nach seiner Darstellung  

handelte es sich jedoch in beiden Phasen um einvernehmlichen Geschlechts-

verkehr. Er weist sowohl die Vorwürfe betreffend Sexualdelikte als auch den  

Vorwurf der Freiheitsberaubung von sich. 

3. Sachverhaltserstellung 

3.1. Übersicht der Beweismittel 

Für die Erstellung des Sachverhaltes sind die Aussagen der Geschädigten und 

des Angeklagten von zentraler Bedeutung. Sie waren bei den Vorfällen allein. Die 

Zeugen C._____ und D._____ konnten nur darüber Auskunft geben, in welchem 

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Zustand die Geschädigte nach den Vorfällen war und was sie ihnen über die  

Geschehnisse erzählte. 

Als weiteres Beweismittel liegt der ärztliche Befund des …-Spitals … betreffend 

die amtsärztliche Untersuchung der Geschädigten vom 6. Mai 2010 vor (Urk. 

17/3) sowie die nachträglich erstellten Tatortaufnahmen der Kantonspolizei Zürich 

(Urk. 4). 

3.2. Beweiswürdigung 

3.2.1. Allgemeines 

Betreffend die allgemeinen Grundsätze für die Beweiswürdigung kann auf die zu-

treffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 69 S. 19 f.; 

§ 161 GVG/ZH). 

3.2.2. Aussagen des Angeklagten 

a) Glaubwürdigkeit des Angeklagten 

Es spricht nichts gegen die allgemeine Glaubwürdigkeit des Angeklagten. Jedoch 

ist bei der Beweiswürdigung zu beachten, dass er aufgrund seiner Stellung im 

Verfahren ein unmittelbares Interesse am Ausgang des Verfahrens hat.  

Entgegen der Auffassung der Vorinstanz kann dem Angeklagten nicht nach-

gewiesen werden, dass er der Geschädigten bewusst eine falsche Telefon-

nummer gegeben hat, um eine falsche Spur zu legen (Urk. 69 S. 21). Insbesonde-

re sind die Ermittlungsergebnisse betreffend falsche Telefonnummer in den Akten 

nicht dokumentiert, es ist ausserdem nicht ersichtlich, welche Telefonnummer die  

Geschädigte gegenüber der Polizei als die Nummer des Angeklagten angab. Mit 

Bezug auf die Telefonnummer lassen sich keine Rückschlüsse auf die Glaub-

würdigkeit des Angeklagten ziehen. 

 

b) Glaubhaftigkeit der Aussagen 

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Bezüglich der Zusammenfassung der Aussagen des Angeklagten kann auf die 

Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 69 S. 10 ff.; § 161 

GVG/ZH). 

Vorweg ist festzuhalten, dass sich die Aussagen des Angeklagten über weite 

Strecken mit denjenigen der Geschädigten decken. Dies gilt für die Auseinander-

setzung zwischen der Geschädigten und einem Unbekannten an der …-Strasse. 

Dieser soll ihr Fr. 100.– bezahlt haben, um mit ihr Geschlechtsverkehr zu haben, 

was die Geschädigte dann aber nicht wollte. Die Darstellung des Angeklagten 

deckt sich insoweit mit derjenigen der Geschädigten, als er ihr in dieser Situation 

zu Hilfe kam, sie mit ihm in ein Taxi einstieg und freiwillig in die fragliche  

Wohnung an der …-Strasse mitging. Übereinstimmung herrscht auch  

darin, dass es dort zweimal zu Geschlechtsverkehr gekommen ist, wobei der  

Angeklagte (nach seiner Darstellung auch die Geschädigte) dazwischen  

geschlafen hat. Unbestritten ist auch, dass der Angeklagte versuchte, mit der  

Geschädigten anal zu verkehren und die Geschädigte dabei Schmerzen empfand. 

Im Übrigen gehen die beiden Darstellungen weit auseinander. Ganz im Gegen-

satz zur Geschädigten schildert der Angeklagte einvernehmliche sexuelle Hand-

lungen. Nach seiner Darstellung habe es sich um zärtlichen Sex gehandelt (Urk. 7 

S. 6), sei die Geschädigte mit allem einverstanden gewesen und habe sogar aktiv 

bei den sexuellen Handlungen mitgewirkt, ausserdem sei es mehrmals auch zum 

Austausch von Zärtlichkeiten gekommen. Der Angeklagte sagte aus, die Geschä-

digte habe mit einem unbekannten Mann an der …-Strasse gestritten, dieser ha-

be der Geschädigten Fr. 100.– für Sex gegeben. Sie habe das Geld schon aus-

gegeben, habe aber nicht mit jenem Mann mitgehen wollen. Er (Angeklagter) ha-

be ihr den Vorschlag gemacht, dass er dem Unbekannten die Fr. 100.– zurück-

zahle und sie statt dessen mit ihm (Angeklagten) mitkomme. Er habe die 

Fr. 100.– bezahlt und die Geschädigte sei mit ihm mitgegangen. Diese  

Darstellung weist auf eine reine Abmachung betreffend käuflichen Sex hin. Der  

Angeklagte bestätigte auch in der Hafteinvernahme, es sei von Anfang an abge-

macht gewesen, dass er dem Mann Fr. 100.– gebe, sie dafür mit dem Angeklag-

ten mitgehe und mit ihm schlafen werde (Urk. 7 S. 5). Vor diesem Hintergrund ist 

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schwer nachvollziehbar, dass die Geschädigte, welche mit dem Angeklagten mit-

ging, weil er Geld bezahlte und sie aus einer misslichen Situation befreite, nicht 

etwa weil sie Gefallen an ihm fand, ihn am Morgen, als sie sich in der Wohnung 

begegneten, nochmals gestreichelt, umarmt und geküsst haben soll und es 

nochmals zu einvernehmlichem Geschlechtsverkehr gekommen sein soll, wie der 

Angeklagte behauptet (Urk. 6 S. 4). Dass diese Darstellung nicht stimmig ist, fiel 

offenbar auch dem Angeklagten auf, hat er doch in der Hafteinvernahme zuerst 

erklärt, es sei von Anfang an vorgesehen gewesen, dass die Geschädigte mit ihm 

Sex habe (Urk. 7 S. 4 f.). Später in der gleichen Einvernahme sagte er auf die 

Frage, ob die Fr. 100.– eine Vorauszahlung für sexuelle Dienste gewesen sei, es 

sei nicht so, dass man 100 % mit einer sexuellen Beziehung hätte rechnen  

können, er habe das nicht so erwartet (Urk. 7 S. 8). Wenn man für Sex bezahle, 

gehe man mit der Frau mit und das sei nach ca. 20 Minuten beendet, mit der  

Geschädigten sei das anders gewesen. Sie habe gesagt, er könne dem Unbe-

kannten das Geld geben und sie könnten eine gute Zeit miteinander verbringen. 

Es sei eher um geteilte Freude gegangen, um eine schöne gemeinsame Zeit und 

darum, zärtlich zueinander zu sein (Urk. 7 S. 8). Diese Darstellung erscheint als 

nicht glaubhaft. Glaubhaft dagegen ist die Aussage des Angeklagten, wonach die  

Geschädigte ihn vor dem ersten Geschlechtsverkehr fragte, ob er ihr Fr. 240.– 

geben könne, sie habe in diesem Betrag Drogenschulden bei E._____, und er  

(Angeklagter) bejaht und gesagt habe, das sei kein Problem. Diesbezüglich wird 

die Aussage des Angeklagten gestützt durch die Zeugenaussage von C._____, 

auf welche nachfolgend einzugehen ist. Der Angeklagte hat ferner  

zugegeben, der Geschädigten die Fr 240.– nicht bezahlt zu haben, obwohl sie 

ihn, bevor sie weg gegangen sei, gefragt habe, ob er nicht etwas vergessen habe. 

Es ist daher denkbar, dass die Geschädigte in der zweiten Phase beim  

Geschlechtsverkehr mitmachte, weil ihr der Angeklagte die Bezahlung von  

Fr. 240.-- in Aussicht gestellt hatte. Dass die Geschädigte Drogen konsumierte, ist 

unbestritten, demzufolge erscheint es auch als plausibel, dass sie erklärte,  

Drogenschulden zu haben. 

 

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3.2.3  Aussagen der Zeugen C._____ und D._____ 

a) Glaubwürdigkeit der Zeugen 

Betreffend beide Zeugen bestehen keine Zweifel an deren allgemeinen Glaub-

würdigkeit. Beim Zeugen D._____ handelt es sich um den Partner der Geschädig-

ten, der Zeuge C._____ steht in einer freundschaftlichen Beziehung zu ihr: Beide 

Zeugen sind nicht unbeteiligte Dritte, sie könnten daher aufgrund ihrer guten  

Beziehung zur Geschädigten geneigt sein, diese mit ihren Aussagen zu unter-

stützen und die Geschehnisse in einem für sie günstigen Licht erscheinen zu  

lassen. Dies ist bei der Würdigung ihrer Aussagen zu berücksichtigen. Zu beach-

ten ist aber auch, dass sie unter Hinweis auf die strenge Strafandrohung des  

Art. 307 StGB ausgesagt haben. 

b) Glaubhaftigkeit der Aussagen 

ba) Zeuge D._____  

Der Zeuge D._____ hat glaubhaft geschildert, dass die Geschädigte am Mittag 

nach den Vorfällen in schlechter Verfassung gewesen sei. Er erklärte, sie sei "am  

Boden" gewesen, habe geweint, sei aufgelöst gewesen und habe sich geschämt, 

sie habe ihm nicht in die Augen schauen können (Urk. 10 S. 4). Die Geschädigte 

habe keine Verletzungen aufgewiesen, sie habe ihm aber erzählt, sie habe von 

der analen Vergewaltigung einen Riss und das tue ihr weh. Die Geschädigte sei 

vom Angeklagten irgendwie nach Hause gelockt worden, es sei ein abgekartetes 

Spiel gewesen (Urk. 10 S. 4).  

Der Zeuge D._____ schloss aus, dass beim ganzen Vorfall Geld im Spiel gewe-

sen sei: Auf Vorhalt der Aussage des Zeugen C._____, welcher von Fr. 240.–  

gesprochen hat, erklärte der Zeuge D._____, er wisse davon nichts (Urk. 10 S. 7).  

Der Zeuge D._____ bestätigte auch, dass er sich mit der Polizei in Verbindung  

gesetzt habe und die Geschädigte unter dem Vorwand, man gehe beim Ange-

klagten vorbei, mitgenommen und zur Anzeigeerstattung auf die Polizei gebracht 

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habe, ohne ihr dies vorgängig gesagt zu haben. Die Anzeigerstattung erfolgte 

somit auf seine Initiative hin.  

Die Aussagen des Zeugen D._____ sind glaubhaft, sie stimmen betreffend den 

schlechten Zustand der Geschädigten nach den Vorfällen mit den Aussagen des 

Zeugen C._____ überein. Es ist daher als erstellt zu erachten, dass sie sich in ei-

nem schlechten Zustand befand, weinte und sich schämte. Mit der Vertreterin der 

Geschädigten (Urk. 94 S. 10 f.) spricht dieser Zustand der Geschädigten  

gegen die Schilderung des Angeklagten, wonach alles harmonisch und zärtlich 

abgelaufen sei, er und die Geschädigte sich zum Abschied geküsst hätten, als sie 

die Wohnung verlassen habe, und sie ausserdem gesagt habe, sie werde ihn  

anrufen, wenn sie am Abend ausgehe (Urk. 7 S. 4). Mit der Verteidigung des  

Angeklagten (Urk. 95 S. 4) schliesst der schlechte Zustand der Geschädigten 

entgegen der Ansicht ihrer Vertreterin (Urk. 94 S. 10 f.) andererseits aber auch 

nicht aus, dass sie in Geschlechtsverkehr mit dem Angeklagten gegen Entgelt 

einwilligte und sich schlecht fühlte, weil sie von diesem um die Bezahlung  

betrogen wurde und sich ausserdem ihrem Partner gegenüber schämte, dass sie 

sich auf eine entsprechende Abmachung mit dem Angeklagten eingelassen hatte. 

bb) Zeuge C._____ 

Der Zeuge C._____ sagte aus, die Geschädigte sei nach dem Vorfall am frühen 

Vormittag zu ihm in die Wohnung gekommen. Sie habe geweint und habe  

"beschissen" ausgesehen, sie sei total fertig gewesen und sei breitbeinig  

gelaufen. Sie habe an den Handgelenken und an den Oberarmen Hämatome und 

einen Festhaltegriff am Kopf gehabt (Urk. 9 S. 6). Sie habe erzählt, sie sei  

geködert worden, mit nach Hause zu gehen, und sei vergewaltigt worden. Die 

Geschädigte habe ihm nicht im Detail erzählt, wie sie geködert worden sei, sie 

habe aber gesagt, sie sei mit Fr. 240.– geködert worden (Urk. 9 S. 4). Er habe die 

Polizei rufen wollen, sie habe gesagt, sie schäme sich. 

Wie bereits erwähnt stimmen die Aussagen des Zeugen C._____ betreffend den 

schlechten Zustand der Geschädigten mit denjenigen des Zeugen D._____ über-

ein. Die von C._____ geschilderten Hämatome und der Festhaltegriff am Kopf  

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bestanden nicht, wie sich aus der gleichentags durchgeführten ärztlichen Unter-

suchung der Geschädigten ergab. Die Aussage zeigt in diesem Punkt die  

Tendenz des Zeugen C._____ zu Übertreibungen. Eine solche wurde auch vom 

Zeugen D._____ schon beobachtet, er sagte aus, C._____ übertreibe jeweils  

(Urk. 10 S. 4). Abgesehen von dieser Übertreibung erscheinen die Aussagen von 

C._____ jedoch als glaubhaft. 

Auffällig ist die Erwähnung der Köderung mit Fr. 240.– durch den Zeugen  

C._____. Dieser Betrag stimmt mit den Angaben des Angeklagten überein,  

welche dieser in seinem Schreiben vom Mai 2010 an die Staatsanwaltschaft 

machte, und in seiner Einvernahme vom 1. Juli 2010 bestätigte (Urk. 11 S. 7). Der 

Zeuge C._____ konnte von den Aussagen des Angeklagten nichts wissen und hat 

unabhängig davon den Betrag von Fr. 240.– erwähnt. Seine Zeugenaussage be-

treffend Köderung mit Fr. 240.– stützt die These, dass die Geschädigte im  

Hinblick auf die in Aussicht gestellten Fr. 240.– mit dem Angeklagten sexuell  

verkehrte und sich betrogen fühlte, als er ihr das Geld nicht bezahlte. In die  

gleiche Richtung weist die Aussage des Zeugen D._____, wonach die Geschädig-

te vom Angeklagten in die Wohnung gelockt worden sei, es sei ein abgekartetes 

Spiel gewesen. 

3.2.4.  

Aussagen der Geschädigten 

a) Glaubwürdigkeit der Geschädigten 

Es bestehen keine Hinweise, welche an der allgemeinen Glaubwürdigkeit der  

Geschädigten zweifeln liessen. Entsprechend ihrer Stellung im Verfahren hat sie 

jedoch ein eigenes Interesse am Ausgang des Verfahrens im Sinne eines Schuld-

spruches und der Bestrafung des Täters. Ausserdem besteht aufgrund der von ihr 

geltend gemachten Zivilforderungen auch ein materielles Interesse an einem für 

sie günstigen Verfahrensausgang. Diese Interessenlage darf bei der Aussagen-

würdigung nicht ausser Acht gelassen werden. 

 

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b) Glaubhaftigkeit der Aussagen 

Betreffend den Inhalt ihrer Aussagen kann vorab auf die zutreffende Zusammen-

fassung der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 69 S. 4 ff.; § 161 GVG/ZH). 

Die Geschädigte wurde einmal polizeilich und einmal als Zeugin einvernommen. 

Sie hat betreffend die Kernpunkte insofern gleichbleibend ausgesagt, als sie in 

beiden Einvernahmen ausführte, der Angeklagte sei gegen ihren Willen und  

obwohl sie geschrien, sich körperlich zur Wehr gesetzt und geweint habe, vaginal 

und anal in sie eingedrungen und sie habe ihn oral befriedigen müssen. Konstant 

sagte sie aus, dass der Angeklagte sie vor dem ersten Mal geschlagen und dass 

es zwei zeitliche Abschnitte gegeben habe, zwischen welchen der Angeklagte  

geschlafen und sie erfolglos nach dem Wohnungsschlüssel gesucht und versucht 

habe, die Wohnung zu verlassen.  

Ihre Aussagen geben grundsätzlich den Eindruck von real Erlebtem. Dies gilt  

insbesondere bezüglich der Schilderung ihres gefühlsmässigen Erlebens. Sie 

sagte aus, sie habe die ganze Zeit geweint, sie habe dies das Schlimmste  

gefunden, was es überhaupt gebe, sie habe sich extrem geekelt und habe es 

schlimm gefunden, das sie überhaupt nicht feucht gewesen sei, weshalb er die 

ganze Zeit Spucke verwendet habe (Urk. 5 S. 3). 

Wie schon die Vorinstanz zutreffend dargelegt hat, ist aber darauf hinzuweisen, 

dass sich in den Aussagen der Geschädigten in wichtigen Punkten auch Wider-

sprüche finden:  

Auffällig erscheint die Dramatisierung der Schläge. Während sie in der polizei-

lichen Einvernahme aussagte, er habe sie mit der flachen Hand ca. 6 Mal geohr-

feigt (Urk. 5 S. 2), sprach sie in der Zeugeneinvernahme eineinhalb Monate  

später von mindestens zehn Ohrfeigen (Urk. 8 S. 8), die so stark gewesen seien, 

dass sie fast ohnmächtig geworden sei (Urk. 8 S. 22). Bereits die in diesen Aus-

sagen zum Ausdruck kommende Tendenz zur Steigerung der Belastungen lässt 

aufhorchen. 

-   16   - 

Betreffend die Reihenfolge der verschiedenen sexuellen Handlungen gab die  

Geschädigte ebenfalls unterschiedliche Darstellungen ab. In der polizeilichen  

Einvernahme sagte sie aus, der Angeklagte habe zuerst versucht, anal in sie ein-

zudringen, sowohl beim ersten Teil vor dem Einschlafen als auch beim zweiten 

Teil. Ausserdem erklärte sie, der Angeklagte habe ihre Brüste nicht berührt 

(Urk. 5 S. 3). In der Zeugeneinvernahme dagegen schilderte sie, dass der Ange-

klagte in beiden Phasen zuerst vaginal in sie eingedrungen sei (Urk. 8 S. 4, S. 10 

und S. 13) und dass er sie auf die Brüste geküsst habe (Urk. 8 S. 9). Solche  

widersprüchliche Aussagen betreffend das Kerngeschehen, insbesondere den 

Ablauf der Vergewaltigungen, lassen weitere Zweifel am Wahrheitsgehalt der 

Aussagen aufkommen. 

Unterschiedliche Aussagen machte die Geschädigte auch betreffend den Ort, wo 

der Angeklagte den Schlüssel versteckte, nachdem er die Wohnungstüre abge-

schlossen hatte (unbekannter Ort [Urk. 5 S. 1]; Hosensack [Urk. 8 S. 4], wobei sie 

seine Hose nicht mehr gefunden habe [Urk. 8 S. 12]). Dieser Widerspruch liesse 

sich zwar grundsätzlich dadurch auflösen und erklären, dass die Geschädigte erst 

am Morgen gesehen hat, dass der Angeklagte den Schlüssel aus der Hosen-

tasche nahm. Sie selber sagte jedoch aus, als sie gesehen habe, dass er die Türe 

verschlossen habe, habe sie ihm den Schlüssel wegnehmen wollen, er habe den 

Schlüssel in der Hosentasche versteckt und sie auf das Bett gestossen (Urk. 8 

S. 9). Sie muss demgemäss bewusst wahrgenommen haben, dass er den  

Schlüssel in die Hosentasche steckte. Es erscheint ohnehin merkwürdig, dass sie, 

während der Angeklagte schlief, nicht in der Hosentasche nach dem Schlüssel 

suchte, zumal dies der naheliegendste Ort war, den Schlüssel einzustecken. Die 

Geschädigte sagte auch nicht aus, sie oder der Angeklagte hätten, nachdem  

er die Wohnungstüre abgeschlossen und den Schlüssel aus dem Schloss  

genommen habe, irgendwann einmal das Zimmer verlassen, so dass der Ange-

klagte den Schlüssel irgendwo hätte verstecken können, als sie es nicht sah. 

Nach Darstellung der Geschädigten schloss er die Türe erst ab und nahm den  

Schlüssel an sich, als sie gehen wollte und er sie daran hinderte. Er nahm den 

Schlüssel demzufolge in einem Zeitpunkt unmittelbar vor der Vergewaltigung an 

sich, ohne dass er vorher den ganzen Abend Zeit gehabt hätte, den Schlüssel 

-   17   - 

unbeobachtet irgendwo zu verstecken. Auch dafür, dass der Angeklagte seine 

Kleider hätte verstecken können, ohne dass dies die Geschädigte sah, liegen  

keine Anhaltspunkte vor. Ihre Erklärung, dass sie seine Hose nicht gefunden habe 

(Urk. 8 S. 12), erscheint unter diesen Umständen als nicht nachvollziehbar. 

Ferner fällt auf, dass die Geschädigte konstant aussagte, es sei beim Analverkehr 

zu einer Verletzung an ihrem Anus gekommen, sie habe einen Riss erlitten,  

welcher geblutet habe (Urk. 5 S. 4; Urk. 8 S. 14). Diese Aussage findet keine 

Stütze in ärztlichen Befund, welcher aufgrund einer Untersuchung der Geschädig-

ten am Tattag, ca. 17.00 Uhr, abgegeben wurde (Urk. 17/3). Gemäss diesem  

Befund war die Afteröffnung unauffällig (Urk. 17/3 S. 2). 

Die Geschädigte bestritt vehement, dass sie den Angeklagten gefragt habe, ob er 

ihr Fr. 240.– geben könne (Urk. 8 S. 16). Mit der Vorinstanz (Urk. 69 S. 26: § 161 

GVG/ZH) ist darauf hinzuweisen, dass die Geschädigte auf Vorhalt, der  

Angeklagte behaupte, sie habe ihn um Fr. 240.– gebeten, welche sie einem 

E._____ schulde, zuerst mit einer Gegenfrage (Wie bitte?) antwortete. Zutreffend 

hielt die Vorinstanz fest, dass das Stellen von Gegenfragen als Lügensignal gilt. 

Zudem sagte der Zeuge C._____ aus, die Geschädigte habe erzählt, sie sei mit  

Fr. 240.– geködert worden (Urk. 9 S. 4). Der vom Zeugen C._____ erwähnte  

Betrag stimmt mit demjenigen überein, welcher der Angeklagte gegenüber der 

Untersuchungsbehörde angab (Urk. 11 S. 7. Urk. 13/3), und der Zeuge C._____ 

musste diese Angabe von der Geschädigten haben. Der Angeklagte sagte aus, 

die Geschädigte habe ihm vor dem Geschlechtsverkehr gesagt, dass sie einem 

E._____ Geld für 3 Gramm Kokain schulde, sie habe ihn (Angeklagten) gefragt, 

ob er ihr Fr. 240.– geben könne, er habe bejaht (Urk. 11 S. 7). Er habe ihr das 

Geld aber nicht gegeben, denn er habe die Geschichte total vergessen (Urk. 11 

S. 7). Unter diesen Umständen ist das vom Angeklagten angeführte Motiv der 

Geschädigten für eine Falschbelastung, wonach sie sich rächen wolle, weil sie 

das Geld nicht bekommen habe (Urk. 11 S. 8), nicht von der Hand zu weisen. Es 

ist durchaus denkbar, dass die Geschädigte mit dem Angeklagten sexuell ver-

kehrte im Hinblick auf die in Aussicht gestellte Bezahlung von Fr. 240.–, welche 

ausblieb, weshalb die Geschädigte sich betrogen sah und aus Rache den Ange-

-   18   - 

klagten zur Anzeige brachte. Hinsichtlich des Argumentes der Staatsanwaltschaft, 

wonach die Geschädigte nicht die ganze Nacht beim Angeklagten geblieben wä-

re, sondern nach dem ersten Geschlechtsverkehr auf der Bezahlung der Fr. 240.– 

bestanden hätte (Urk. 45 S. 6), ist festzuhalten, dass der Angeklagte bereits  

Fr. 100.– an den unbekannten Mann an der …-Strasse bezahlt hatte, was als Vo-

rauszahlung für den ersten Geschlechtsverkehr gedeutet werden könnte. So lies-

se sich auch erklären, dass die Geschädigte in der Erwartung der Bezahlung wei-

terer Fr. 240.– beim Angeklagten blieb und nochmals mit ihm Geschlechtsverkehr 

hatte. Ausserdem sagte die Geschädigte sowohl dem Zeugen D._____ als auch 

dem Zeugen C._____ gegenüber, dass sie vom Angeklagten in die Wohnung ge-

lockt worden sei, und der Zeuge C._____ erwähnte sogar den Betrag von Fr. 

240.–. 

3.3. Fazit 

Der Vorinstanz ist darin beizupflichten, dass insbesondere in zentralen Punkten 

verschiedene Ungereimtheiten bestehen, aus welchen sich erhebliche nicht bloss 

theoretische Zweifel an der Darstellung der Geschädigten ergeben. Obwohl auch 

die Darstellung des Angeklagten nicht zu überzeugen vermag, ist er dem Grund-

satz in dubio pro reo folgend vom Vorwurf der mehrfachen Vergewaltigung, der 

mehrfachen sexuellen Nötigung und der Freiheitsberaubung freizusprechen. 

 

III. Strafe 

Die von der Vorinstanz für die versuchte Entwendung zum Gebrauch und die 

Sachbeschädigung ausgefällte Strafe von 10 Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 30.– 

wurde nicht angefochten. Sie ist zu bestätigen, ebenso die Gewährung des  

bedingten Strafvollzuges unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren. Es ist 

festzuhalten, dass die Geldstrafe durch Untersuchungshaft geleistet gilt.  

 

-   19   - 

IV. Zivilforderungen 

Infolge Freispruches des Angeklagten betreffend die Vorwürfe zum Nachteil der 

Geschädigten A._____ ist auf die Schadenersatz- und Genugtuungsansprüche 

der Geschädigten A._____ nicht einzutreten. 

 

V. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Regelung der Kosten- und Entschädi-

gungsfolgen zu bestätigen inklusive die dem Angeklagten zugesprochene  

Schadenersatz und Genugtuungsforderung (Dispositiv-Ziffern 6 und 7). 

Die Kosten für das Berufungsverfahren sowie diejenigen der amtlichen Verteidi-

gung und der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung im Berufungsverfahren sind 

auf die Gerichtskasse zu nehmen. 

Von einer Kostenauflage an die Geschädigte gestützt auf § 396a StPO/ZH ist  

abzusehen, da die Geschädigte sich zu ihren Anträgen veranlasst sah. Ausser-

dem ist sie drogensüchtig und Sozialhilfebezügerin, weshalb die Kosten kaum 

einbringlich wären. 

Es wird beschlossen: 

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 4. Abteilung, 

vom 15. November 2010 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist: 

"Das Gericht erkennt: 

1. Der Angeklagte ist schuldig 

− der versuchten Entwendung zum Gebrauch im Sinne von Art. 94 Ziff. 1 Abs. 1 

SVG in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie  

− der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB. 

-   20   - 

2. … .  

3. … . 

4. … .  

5. … . 

7. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 3'500.– ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr. 360.–   Kosten der Kantonspolizei  

Fr.     Kanzleikosten Untersuchung  

Fr. 2'016.15   Auslagen Untersuchung  

Fr.     amtliche Verteidigung 

Fr.     unentgeltliche Geschädigtenvertretung 

Fr. 119.–   ausserkantonale Untersuchungskosten 

 Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

6. … . 

7. … ." 

2. Es wird zudem festgestellt, dass der Beschluss des Bezirksgerichts Zürich, 

4. Abteilung, vom 15. November 2010 in Rechtskraft erwachsen ist. 

3. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.  

Es wird erkannt: 

1. Der Angeklagte B._____ wird freigesprochen vom Vorwurf 

− der mehrfachen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB, 

− der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 

StGB, 

− der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. 

-   21   - 

2. Der Angeklagte wird (betreffend die Verurteilung wegen versuchter Entwen-

dung zum Gebrauch und Sachbeschädigung) bestraft mit einer Geldstrafe 

von 10 Tagessätzen zu Fr. 30.– (welche als durch Untersuchungshaft  

geleistet gelten) als Zusatzstrafe zu der mit Strafbefehl der Staatsanwalt-

schaft See/Oberland ausgefällten Strafe vom 18. März 2010. 

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt. 

4. Auf das Schadenersatzbegehren und das Genugtuungsbegehren der  

Geschädigten A._____ wird nicht eingetreten. 

5. Die erstinstanzliche Kostenregelung (Dispositivziffern 6 und 7) wird bestätigt. 

6. Dem Angeklagten werden Fr. 12'600.– als Schadenersatz und Fr. 15'000.– 

als Genugtuung aus der Gerichtskasse zugesprochen. Im Mehrbetrag wer-

den die Schadenersatzansprüche abgewiesen. 

7. Die Kosten für das Berufungsverfahren sowie die Kosten der amtlichen  

Verteidigung und der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung für das  

Berufungsverfahren werden auf die Gerichtskasse genommen. 

8. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an 

− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden  
des Angeklagten 

− die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl 
− die Vertreterin der Geschädigten im Doppel für sich und zuhanden  

der Geschädigten 

sowie in vollständiger Ausfertigung an 

− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden  
des Angeklagten 

− die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl  
− die Vertreterin der Geschädigten im Doppel für sich und zuhanden  

der Geschädigten 

-   22   - 

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung all-

fälliger Rechtsmittel an 

− die Vorinstanz 
− das Migrationsamt des Kantons Zürich  
− die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A 
− die KOST Zürich mit dem Formular "Löschung des DNA-Profils und 

Vernichtung des ED-Materials" zwecks Bestimmung der Vernichtungs- 
und Löschungsdaten 

 

9. Rechtsmittel: 

Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, vom Empfang der vollständigen, be-
gründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung des 

Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichts-

gesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 

__________________________________ 

OBERGERICHT DES KANTONS ZÜRICH 

I. Strafkammer 

 Der Vorsitzende: Der juristische Sekretär: 

 

 

 Oberrichter Dr. F. Bollinger lic. iur. T. Walthert 

 

	Urteil vom 5. Dezember 2011
	Anklage:
	Entscheid der Vorinstanz:
	"Das Gericht erkennt:
	1. Der Angeklagte ist schuldig
	 der versuchten Entwendung zum Gebrauch im Sinne von Art. 94 Ziff. 1 Abs. 1 SVG  in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie
	 der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB.

	2. Der Angeklagte wird freigesprochen vom Vorwurf
	 der mehrfachen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB,
	 der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB sowie
	 der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.

	3. Der Angeklagte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 30.00  (wovon allesamt als durch Untersuchungshaft geleistet gelten) als Zusatzstrafe zu der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland ausgefällten Strafe vom 18....
	4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
	5. Auf das Schadenersatzbegehren und das Genugtuungsbegehren der Geschädigten A._____, c/o Rechtsanwältin X._____, … [Adresse], wird nicht eingetreten.
	7. [recte: 6.] Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
	6. [recte: 7.] Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem  Angeklagten zu 1/20 auferlegt und im Übrigen auf die Gerichtskasse genommen. Die  Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Geschädigtenvertreterin...
	7. [recte: 8.] Dem Angeklagten werden Fr. 12'600.– als Schadenersatz und Fr. 15'000.– als Genugtuung aus der Gerichtskasse zugesprochen. Im Mehrbetrag werden die Schadenersatzansprüche abgewiesen.
	Sodann beschliesst das Gericht:
	1. Die sichergestellten Kleidungsstücke der Geschädigten A._____, c/o Rechtsanwältin X._____, … [Adresse] (1 Langarm-Jäckchen, 1 BH, 1 Kapuzenpullover, 1 Jeanshose, 1 String-Tanga), lagernd beim Forensischen Institut Zürich unter der Referenznummer …...
	Berufungsanträge:
	1. In Aufhebung von Ziff. 2 des Urteils des Bezirksgerichtes Zürich vom 15. November 2010 sei der Beschuldigte der mehrfachen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB, der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB sowie d...
	2. In Aufhebung/Abänderung von Ziff. 3 und Ziff. 4 des erwähnten Urteils sei der Beschuldigte angemessen zu bestrafen.
	3. In Aufhebung von Ziff. 5 des erwähnten Urteils sei der Beschuldigte zu verpflichten, der Geschädigten eine Genugtuung von Fr. 20'000.– zuzüglich Zins zu 5 % seit 6. Mai 2010 zu bezahlen. Sodann sei festzustellen, dass der Beschuldigte gegenüber der...
	5. [recte: 4.] In Aufhebung von Ziff. 6 des vorinstanzlichen Urteils  seien die Kosten des Strafverfahrens inklusive diejenigen der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung dem Beschuldigten aufzuerlegen. Ziff. 7 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuhe...
	Das Gericht erwägt:
	I.  Prozessuales
	II.  Sachverhalt
	III.  Strafe
	IV.  Zivilforderungen
	V.  Kosten- und Entschädigungsfolgen

	Es wird beschlossen:
	1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 4. Abteilung, vom 15. November 2010 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:
	"Das Gericht erkennt:
	1. Der Angeklagte ist schuldig
	 der versuchten Entwendung zum Gebrauch im Sinne von Art. 94 Ziff. 1 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie
	 der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB.

	2. … .
	3. … .
	4. … .
	5. … .
	7. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
	6. … .
	7. … ."
	2. Es wird zudem festgestellt, dass der Beschluss des Bezirksgerichts Zürich, 4. Abteilung, vom 15. November 2010 in Rechtskraft erwachsen ist.
	3. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.
	Es wird erkannt:
	 der mehrfachen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB,
	 der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB,
	 der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.
	 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden  des Angeklagten
	 die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl
	 die Vertreterin der Geschädigten im Doppel für sich und zuhanden  der Geschädigten
	 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden  des Angeklagten
	 die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl
	 die Vertreterin der Geschädigten im Doppel für sich und zuhanden  der Geschädigten
	 die Vorinstanz
	 das Migrationsamt des Kantons Zürich
	 die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A
	 die KOST Zürich mit dem Formular "Löschung des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks Bestimmung der Vernichtungs- und Löschungsdaten