# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ca0dc8bb-1e4c-5e1e-a084-ccc7b4728912
**Source:** Nidwalden (NW)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-08-16
**Language:** de
**Title:** Nidwalden Gerichte 16.08.2021 25030
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/NW_Gerichte/NW_OG_001_25030_2021-08-16.pdf

## Full Text

GERICHTE     OBERGERICHT  Marktgasse 4, 6371 Stans, 041 618 79 70, www.nw.ch 

 

 
SA 20 5   Beschwerde beim BGer hängig 

 

 

Urteil vom 9./17. Dezember 2020 

Strafabteilung 

 

 

 

Besetzung Präsidentin Livia Zimmermann, Vorsitz, 

 Oberrichter Paul Achermann, 

 Oberrichterin Rahel Jacob, 

 Oberrichter Armin Murer, 

 Oberrichter Albert Odermatt, 

Gerichtsschreiberin Mirdita Kelmendi. 

 

 

 

Verfahrensbeteiligte A.__,  

vertreten durch MLaw Simon Brun, Rechtsanwalt,  

Brun & Forrer, Ankerstrasse 61, Postfach, 8021 Zürich 1, 

Berufungsklägerin / Beschuldigte 1, 

 

und 

 

B.__, 

vertreten durch lic. iur. Arno Thürig, Rechtsanwalt, 

Hirschmattstrasse 30, Postfach 4213, 6002 Luzern, 

Berufungskläger / Beschuldigter 2, 

 

 

gegen 

 

 

 Staatsanwaltschaft Nidwalden,  

Abt. II, Wirtschaftsdelikte, 

Kreuzstrasse 2, Postfach 1242, 6371 Stans, 

Berufungsbeklagte 1 / Anklägerin, 

 

 

sowie 

 

  

2│80 

C.__, 

Berufungsbeklagter 2 / Privatkläger 1, 

 

 

und  

 

 

D.__, 

vertreten durch lic. iur. Peter Kriesi, Rechtsanwalt, 

Tschümperlin Lötscher Schwarz AG,  

Löwenstrasse 3, 6006 Luzern, 

Berufungsbeklagte 3 / Privatklägerin 2, 

 

 

und 

 

 

E.__, 

vertreten durch lic. iur. Andreas Leuch, Rechtsanwalt, 

Bretschger Leuch Rechtsanwälte,  

Kuttelgasse 8, Postfach 2610, 8022 Zürich, 

Berufungsbeklagte 4 / Privatklägerin 3. 

 

 

 

Gegenstand Mehrfache Verfügung über mit Beschlag belegte Vermö-

genswerte (Art. 169 StGB), mehrfacher Missbrauch von 

Lohnabzügen (Art. 159 StGB), mehrfache qualifizierte un-

getreue Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 

StGB), Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 StGB) 

 Berufungen der beiden Beschuldigten gegen das Urteil des 

Kantonsgerichts Nidwalden, Strafabteilung/Kollegialgericht, 

vom 19. Februar 2020 (SK 19 1). 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3│80 

Sachverhalt: 

A.   

Mit Urteil vom 19. Februar 2020 erkannte das Kantonsgericht Nidwalden, Strafabteilung/Kol-

legialgericht, was folgt (Wortlaut gemäss der begründeten Fassung): 

« 1.  

 1.1 A.__ wird der mehrfachen Verfügung über mit Beschlag belegte Vermögenswerte nach Art. 169 StGB 
schuldig gesprochen. 

 1.2 B.__ wird  

  - der mehrfachen Verfügung über mit Beschlag belegte Vermögenswerte nach Art. 169 StGB, 

  - der mehrfachen qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung nach Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB
 und 

  - der mehrfachen Urkundenfälschung nach Art. 251 Ziff. 1 StGB 

  schuldig gesprochen. 

 2. 

 2.1 A.__ wird in Anwendung von Art. 40 StGB, Art. 43 StGB, Art. 44 StGB, Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 
StGB, Art. 51 StGB, Art. 169 StGB bestraft mit einer Freiheitstrafe von 16 Monaten, davon 10 Monate 
bedingt bei einer Probezeit von 3 Jahren und 6 Monate unbedingt vollziehbar, unter Anrechnung der 
ausgestandenen Untersuchungshaft von 5 Tagen. 

 2.2 B.__ wird in Anwendung von Art. 40 StGB, Art. 40 StGB, Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 169 
StGB, Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB, Art. 251 Ziff. 1 StGB bestraft mit einer Freiheitstrafe von 34 Monaten, 
unbedingt vollziehbar. 

 3. 

 3.1 Das beschlagnahmte und bei der Kantonspolizei Nidwalden im Tresor aufbewahrte Bargeld in der Höhe 
von Fr. 1'630.00 (HD-Nr. Cl, A4, H3, H4), EUR 825.00 (HD-Nr. Cl, H1, A4, H3, H4) und USD 261.00 
(HD-Nr. D1) wird nach Art. 268 Abs. 1 lit. a StPO zur Deckung der Verfahrenskosten gemäss Ziff. 8 
verwendet. 

 3.2 Die nachfolgend aufgeführten, beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Nidwalden im Tresor auf-
bewahrten Gegenstände der Asservate-Nr. 2799 werden nach Art. 268 Abs. 1 lit. a StPO verwertet und 
der Erlös zur Deckung der Verfahrenskosten gemäss Ziff. 8 verwendet:  

  - HD-Nr. D2:  Uhr, goldig Swarovski  

- HD-Nr. D3:  Fingerring, silber 

- HD-Nr. D4:  Fingerring, goldig mit Einfassung 

- HD-Nr. D5:  Armband, silber mit Lederband 

- HD-Nr. D6:  Armband, silber mit Perlen 

- HD-Nr. D7:  Perlenkette, weiss (klein) 

- HD-Nr. D8:  Perlenkette, weiss mit Goldring (gross) 

- HD-Nr. D9:  Perlenkette, weiss mit Goldring (gross) 

- HD-Nr. D10:  3 Ohrringe Swarovski 

- HD-Nr. D11:  Kristallblume Swarovski 

4│80 

- HD-Nr. D12:  Manschettenknöpfe Montegrappa 

- HD-Nr. D13:  Armbanduhr Perigham 

- HD-Nr. D14:  2 Armbanduhren Christina und Lorus 

- HD-Nr. D15:  Armbanduhr Hindenberg 

- HD-Nr. D16: Armbanduhr Roebelin und Graf 

- HD-Nr. D17: Armbanduhr Citizen 

- HD-Nr. D18: Armbanduhr Maurice Lacroix 

- HD-Nr. E1:  4 Armbanduhren, 3 Tissot und 1 Bering 

 3.3 Die Gerichtskasse Nidwalden wird angewiesen, nach Rechtskraft des Urteils die beschlagnahmten Bar-
schaften gemäss Ziff. 3.1 und Gegenstände gemäss Ziff. 3.2 bis zur Deckung der Verfahrenskosten nach 
Art. 422 ff. StPO gemäss Ziff. 8 zu verwenden bzw. zu verwerten. Mit der Durchführung der Verwertung 
der Vermögenswerte kann das Betreibungs- und Konkursamt Nidwalden beauftragt werden. 

 4. Der beschlagnahmte und bei der Kantonspolizei Nidwalden im Tresor aufbewahrte Bartschlüssel, silber 
STUV Germany (Asservate-Nr. 2799; HD-Nr. 11) ist auf Verlangen hin innert 30 Tagen nach Rechtskraft 
des Urteils an A.__ und/oder B.__ auszuhändigen, ansonsten er von der Kantonspolizei Nidwalden zu 
vernichten ist. 

 5. Die auf dem Datenträger "IT Forensik / EDV-Daten B.__" vorhandenen Daten sind nach Rechtskraft des 
Urteils durch die Kantonspolizei Nidwalden zu löschen und der leere Datenträger wird der Kantonspolizei 
Nidwalden überlassen. 

 6.  

 6.1 Die am 8. April 2019 durch die Staatsanwaltschaft Nidwalden verfügte erkennungsdienstliche Erfassung 
von A.__ wird fünf Jahre nach Ablauf der Probezeit gelöscht (Art. 17 Abs. 1 lit. c Verordnung über die 
Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstlicher Daten; SR 361.3) 

 6.2 Die am 8. April 2019 durch die Staatsanwaltschaft Nidwalden verfügte erkennungsdienstliche Erfassung 
von B.__ wird von Amtes wegen 20 Jahre nach Entlassung aus der Freiheitsstrafe gelöscht (Art. 17 Abs. 
4 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstlicher Daten). 

 7. Die Zivilforderung der Privatklägerin 3 wird abgewiesen. 

 8.  

 8.1 Die Verfahrenskosten setzen sich nach Massgabe von Art. 422 StPO sowie Art. 1, Art. 2, Art. 9 Ziff. 2 
und Art. 10 Ziff. 3, Art. 25, Art. 29 PKoG (Prozesskostengesetz, NG 261.2) wie folgt zusammen: 

Ermittlungs- und Untersuchungskosten 
(Gebühren und Auslagen) Fr. 16'626.25 

Gerichtsgebühr (inkl. Auslagen) Fr. 9'000.00 

Total Verfahrenskosten Fr. 25'626.25 

  Die Beschuldigten haben die Verfahrenskosten vollumfänglich zu tragen (Art. 426 Abs. 1 StPO). Sie 
werden der Beschuldigten 1 zu 2/5, d.h. in der Höhe von Fr. 10'250.50 und dem Beschuldigten 2 zu 3/5, 
d.h. in der Höhe von Fr. 15'375.75 auferlegt (Art. 418 Abs. 2 StPO). 

  Die Beschuldigten haben nach erfolgter Verwertung gemäss Ziff. 3.3 ihren Anteil an den Verfahrenskos-
ten, sofern diese durch den Verwertungserlös nicht gedeckt werden konnten, durch einen von der Ge-
richtskasse Nidwalden zugesendeten Einzahlungsschein zu bezahlen. 

5│80 

 8.2 Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden in Anwendung von Art. 135 StPO in Verbindung mit 
Art. 39 PKoG von der urteilenden Instanz festgesetzt und vorerst vom Kanton bezahlt. 

 8.2.1 Die Honorarnote vom 19. Februar 2020 des amtlichen Verteidigers der Beschuldigten 1, Rechtsanwalt 
MLaw Simon Brun, wird im Umfang von Fr. 16'432.00 (Honorar Fr. 15'114.00, Auslagen Fr. 143.20, 7.7% 
Mehrwertsteuer Fr. 1'174.80) richterlich genehmigt. 

  Die Gerichtskasse Nidwalden wird angewiesen, Rechtsanwalt MLaw Simon Brun, Brun & Forrer, An-
kerstrasse 61, Postfach, 8021 Zürich 1, eine Entschädigung von Fr. 16'432.00 zu bezahlen. 

  Die Beschuldigte ist zur Rückzahlung der Kosten der amtlichen Verteidigung an den Kanton verpflichtet, 
sobald es seine [recte: ihre] wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Der 
Anspruch des Kantons verjährt in 10 Jahren nach Rechtskraft des Entscheides (Art. 135 Abs. 5 StPO). 

 8.2.2 Die Honorarnoten vom 20. August 2019/19. Februar 2020 des amtlichen Verteidigers des Beschuldigten 
2, Rechtsanwalt lic. iur. Arno Thürig, wird im Umfang von Fr. 14'270.25 (Honorar Fr. 13'108.00, Auslagen 
Fr. 142.00, 7.7% Mehrwertsteuer Fr. 1'020.25) richterlich genehmigt. 

  Die Gerichtskasse Nidwalden wird angewiesen, Rechtsanwalt lic. iur. Arno Thürig, Hirschmattstrasse 
30, Postfach 4213, 6002 Luzern, eine Entschädigung von Fr. 14'270.25 zu bezahlen. 

  Der Beschuldigte ist zur Rückzahlung der Kosten der amtlichen Verteidigung an den Kanton verpflichtet, 
sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Der Anspruch des 
Kantons verjährt in 10 Jahren nach Rechtskraft des Entscheides (Art. 135 Abs. 5 StPO). 

 9. Die Beschuldigten haben die Privatkläger in solidarischer Haftbarkeit wie folgt zu entschädigen 
(Art. 433 StPO): 

 9.1 Der Privatkläger 1 ist in der Höhe von Fr. 550.00 zu entschädigen. 

 9.2 Die Privatklägerin 2 ist mit Fr. 4'028.70 zu entschädigen. 

 9.3 Die Privatklägerin 3 ist mit Fr. 3'662.30 (inkl. MwSt.) zu entschädigen. 

 10. [Zustellung].» 

Das Urteilsdispositiv wurde den Parteien am 21. Februar 2020 versandt. Mit je separaten Ein-

gaben vom 24. Februar 2020 meldeten die Beschuldigten die Berufung an. Die begründete 

Fassung des Urteils wurde am 29. April 2020 versandt. 

 

B.  

Mit Berufungserklärung vom 8. Mai 2020 liess der Beschuldigte 2 (Berufungskläger) die voll-

umfängliche Anfechtung des vorinstanzlichen Urteils erklären und folgende Anträge stellen 

(amtl. Bel. 1): 

« 1. Ziffer 1.2 des Urteilsdispositives sei aufzuheben. Der Beschuldigte sei von Schuld frei zu sprechen.  

 2. Ziffer 2.2 des Urteilsdispositives sei aufzuheben. Der Beschuldigte sei von Strafe frei zu sprechen. 

 3. Ziffer 3 des Urteilsdispositives sei aufzuheben. Das beschlagnahmte Bargeld sowie die diversen Uhren 
und Schmuckstücke seien dem Beschuldigten heraus zu geben.  

6│80 

 4. Ziffer 8.1 des Urteilsdispositives sei aufzuheben. Die Kosten der Untersuchung des gerichtlichen Ver-
fahrens seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen.  

 5. Ziffer 9 des Urteilsdispositives sei aufzuheben. Es sei von einer solidarischen Haftbarkeit des Beschul-
digten für Entschädigungen an die Privatkläger 1 bis 3 abzusehen.» 

 

C.  

Mit Berufungserklärung vom 18. Mai 2020 liess die Beschuldigte 1 (Berufungsklägerin) eben-

falls die vollumfängliche Anfechtung des vorinstanzlichen Urteils erklären und folgende An-

träge stellen (amtl. Bel. 2):  

« 1. Meine Mandantin sei von Schuld und Strafe freizusprechen. 

 2. Die Zivilansprüche der Privatklägerschaft seien vollumfänglich abzuweisen, soweit darauf einzutreten 
ist. 

 3. Es seien folgende beschlagnahmten Gegenstände und Vermögenswerte meiner Mandantin auf erstes 
Verlangen herauszugeben: HD-Nr. D1 bis 11, D14, D17, D18, C1, H1, H3 und H4.  

 4. Die gesamten Verfahrenskosten, inkl. Kosten für die amtliche Verteidigung, seien auf die Staatskasse 
zu nehmen. 

 5. Meiner Mandantin sei eine Entschädigung für die Kosten der erbetenen Verteidigung vom 21. November 
2018 bis zur Einsetzung als amtlicher Verteidiger auszusprechen.» 

 

D.   

Mit prozessleitender Verfügung vom 22. Mai 2020 wurden die Berufungserklärungen der Be-

schuldigten der Staatsanwaltschaft Nidwalden sowie den Privatklägern 1 bis 3 zugestellt und 

ihnen Gelegenheit gegeben, um innert Frist Anschlussberufung zu erheben oder begründet 

ein Nichteintreten zu beantragen (amtl. Bel. 3).  

Die Staatsanwaltschaft teilte mit Schreiben vom 2. Juni 2020 mit, dass sie weder ein Nichtein-

treten auf die Berufungen beantrage noch Anschlussberufung erkläre (amtl. Bel. 7). Die Pri-

vatkläger 1 bis 3 liessen sich innert Frist nicht vernehmen.  

 

E.   

Mit prozessleitender Verfügung vom 16. September 2020 wurde zur mündlichen Berufungs-

verhandlung auf Mittwoch, 9. Dezember 2020, 13.30 Uhr, sowie Donnerstag, 10. Dezember 

2020, 8.30 Uhr, vorgeladen und den Parteien die Zusammensetzung des Gerichts mitgeteilt 

(amtl. Bel. 8). Die beiden Berufungskläger und die Staatsanwaltschaft wurden zu persönlichem 

Erscheinen verpflichtet. Den Privatklägern 1 bis 3 wurde die persönliche Teilnahme an der 

Berufungsverhandlung freigestellt. 

 

7│80 

F.  

Mit Eingabe vom 14. Oktober 2020 beantragte der Verteidiger des Berufungsklägers, seinem 

Mandanten für die beiden Verhandlungstage, inkl. An- und Abreisetage, sowie für die Woche 

davor zwecks Vorbereitung der Verhandlung das freie Geleit zu gewähren (amtl. Bel. 10). Mit 

Entscheid vom 16. Oktober 2020 wurde der Antrag auf freies Geleit mit schriftlicher Begrün-

dung abgewiesen (amtl. Bel. 11). 

 

G.  

Mit Verfügung vom 2. November 2020 wurden die Verteidiger der Berufungskläger sodann 

unter Fristansetzung aufgefordert, dem Gericht jeweils mitzuteilen, ob ihre Mandantschaft an 

der Berufungsverhandlung persönlich teilzunehmen gedenke (amtl. Bel. 12). 

Der Verteidiger des Berufungsklägers teilte dem Gericht mit Eingabe vom 12. November 2020 

mit, dass sein Klient an der Berufungsverhandlung nicht teilnehmen werde (amtl. Bel. 14). 

Der Verteidiger der Berufungsklägerin beantragte mit Eingabe vom 17. November 2020, seine 

Mandantin aus gesundheitlichen Gründen vom persönlichen Erscheinen an der Berufungsver-

handlung zu dispensieren (amtl. Bel. 15). Mit Verfügung vom 19. November 2020 wurde dem 

Dispensationsgesuch entsprochen und die Berufungsklägerin vom persönlichen Erscheinen 

an der Berufungsverhandlung dispensiert (amtl. Bel. 17). 

 

H.  

Im Hinblick auf die Berufungsverhandlung wurde betreffend die beiden Beschuldigten von Am-

tes wegen ein aktueller Strafregisterauszug eingeholt (amtl. Bel. 18f.). 

 

I.  

a)  

Die Berufungsverhandlung fand am 9. Dezember 2020 statt. Parteiseits anwesend waren die 

Verteidiger der beiden Berufungskläger und die Staatsanwaltschaft. Die Verhandlung wurde 

zusätzlich zum schriftlichen Protokoll akustisch aufgezeichnet. Die digitale Tonaufnahme so-

wie das schriftliche Verhandlungsprotokoll liegen den Akten bei.  

 

  

8│80 

b)  

Anlässlich der Berufungsverhandlung liess die Berufungsklägerin durch ihren Verteidiger die 

in der Berufungserklärung vom 18. Mai 2020 gestellten Anträge gemäss Ziffern 1, 3, 4 und 5 

bestätigen und begründen (vgl. lit. C hiervor). Den in Ziffer 2 gestellten Antrag betreffend Zivil-

forderung zog sie hingegen zurück.  

 

c)  

Der Berufungskläger liess durch seinen Verteidiger in Modizifierung der Berufungserklärung 

vom 8. Mai 2020 neu folgende Anträge stellen und begründen: 

« 1. Der Beschuldigte sei betreffend Verfügung über mit Beschlag belegte Vermögenswerte gemäss 
Art. 169 StGB für die Periode 2013 frei zu sprechen.  

 2. Das Urteil der Vorinstanz vom 19.02.20 sei betreffend die weiteren Schuldsprüche zu bestätigen. 

 3. Der Beschuldigte sei mit 20 Monaten Freiheitsstrafe zu bestrafen, unbedingt vollziehbar. 

 4. Sämtliche Forderungen der Privatkläger seien auf den Zivilweg zu verweisen. 

 5. Unter gesetzlicher Kostenfolge.» 

 

d)  

Die Staatsanwaltschaft schloss in ihrem Plädoyer auf Abweisung der Berufungen und bean-

tragte die vollumfängliche Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.  

 

J.  

Die Strafabteilung des Obergerichts Nidwalden hat die vorliegende Strafsache anlässlich ihrer 

Sitzung vom 17. Dezember 2020 abschliessend beraten und beurteilt. Das unbegründete Ur-

teilsdispositiv wurde am 23. Dezember 2020 an die Parteien versandt. Auf die Parteivorbringen 

wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen. 

 

 

 

  

9│80 

Erwägungen: 

I. Formelles 

 Eintretensvoraussetzungen 

Angefochten ist das Urteil SK 19 1 des Kantonsgerichts Nidwalden, Strafabteilung/Kollegial-

gericht, vom 19. Februar 2020 betreffend mehrfache Verfügung über mit Beschlag belegte 

Vermögenswerte (Art. 169 StGB), mehrfachen Missbrauch von Lohnabzügen (Art. 159 StGB), 

mehrfache qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB) sowie 

Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 StGB). Gegen erstinstanzliche Urteile, mit denen das Ver-

fahren ganz oder teilweise abgeschlossen wird, ist das Rechtsmittel der Berufung zulässig 

(Art. 398 Abs. 1 StPO). Zuständig für deren Beurteilung ist die Strafabteilung des Obergerichts 

Nidwalden, welche in Fünferbesetzung entscheidet (Art. 29 i.V.m. Art. 22 Ziff. 3 GerG 

[NG 261.1]). Die örtliche und sachliche Zuständigkeit des Obergerichts ist somit gegeben. Als 

beschuldigte und erstinstanzlich verurteilte Personen verfügen die Berufungskläger zudem 

über ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des Entscheides im 

Sinne von Art. 382 Abs. 1 StPO und sind damit zur Berufung legitimiert.  

Die Berufung ist dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils 

schriftlich oder mündlich zu Protokoll anzumelden (Art. 399 Abs. 1 StPO). Die Partei, die Be-

rufung angemeldet hat, hat sodann innert 20 Tagen seit Zustellung des begründeten Urteils 

dem Berufungsgericht eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen (Art. 399 Abs. 3 

StPO). Das schriftliche Urteilsdispositiv wurde am 21. Februar 2020 an die Parteien versandt, 

woraufhin die Berufungskläger jeweils mit Eingabe vom 24. Februar 2020 und somit innert 

Frist Berufung anmeldeten. Die Mitteilung des schriftlich begründeten Urteils erfolgte alsdann 

am 30. April 2020 zuhanden des Berufungsklägers und am 4. Mai 2020 zuhanden der Beru-

fungsklägerin. In der Folge reichten der Berufungskläger mit Eingabe vom 8. Mai 2020 und die 

Berufungsklägerin mit Eingabe vom 18. Mai 2020 fristgerecht die schriftlichen Berufungserklä-

rungen ein. Die Berufungen wurden somit form- und fristgerecht erhoben.  

Auf die beiden Berufungen ist demnach einzutreten. 

 
 
 
  

10│80 

 Kognition des Berufungsgerichts 

Mit der Berufung können Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch 

des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (Art. 398 Abs. 3 lit. a StPO), die 

unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) sowie Unangemessenheit 

(lit. c) gerügt werden. Mithin verfügt das Berufungsgericht über volle Kognition und kann das 

erstinstanzliche Urteil im Rahmen der angefochtenen Punkte umfassend überprüfen (Art. 398 

Abs. 2 StPO; Art. 404 Abs. 1 StPO). Dabei ist es naheliegend, dass weitere nicht angefochtene 

Punkte in die Überprüfung des Urteils einzubeziehen sind, wenn eine enge Konnexität mit den 

angefochtenen Punkten besteht. Auch wenn das Berufungsgericht nur die angefochtenen 

Punkte neu beurteilt, fällt es am Ende ein insgesamt neues Urteil (Art. 408 StPO; BGE 141 IV 

244 E. 1.3.3 m.w.H.). Da vorliegend allerdings nur die beiden Beschuldigten Berufung erhoben 

haben, darf das vorinstanzliche Urteil nicht zu deren Nachteil abgeändert werden. Es gilt das 

Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO (auch „Verbot der reformatio in peius“). 

 Begründungspflicht 

Mit Blick auf die Prozessökonomie erlaubt es Art. 82 Abs. 4 StPO den Rechtsmittelinstanzen 

für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des in Frage stehenden Sachverhaltes auf die 

Begründung der Vorinstanz zu verweisen, wenn sie dieser beipflichten. Hingegen ist auf neue 

tatsächliche Vorbringen und rechtliche Argumente einzugehen, die erst im Rechtsmittelverfah-

ren vorgetragen werden (BRÜHSCHWEILER, Kommentar zur StPO, Donatsch/Hansjakob/Lieber 

[Hrsg.], 3. Aufl. 2020, N. 9 zu Art. 82 StPO). 

II. Prozessuales 

 Teilrechtskraft 

1.1 

Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung (Art. 402 StPO). E contra-

rio erwachsen die nicht von der Berufung erfassten Punkte in Rechtskraft (SCHMID / JOSITSCH, 

StPO-Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, N. 1 zu Art. 402 StPO; vgl. auch Art. 437 StPO). Vor-

liegend blieben die Dispositivziffern 4, 5 und 7 des vorinstanzlichen Urteils unangefochten und 

sind somit in Rechtskraft erwachsen. Dies ist vorzumerken. 

  

11│80 

1.2 

Im Urteilsdispositiv, welches im Anschluss an die Urteilsfällung vom 17. Dezember 2020 ver-

sandt wurde, wurde in Ziffer 1 die Rechtskraft der vorstehend erwähnten vorinstanzlichen Dis-

positivziffern 4, 5 und 7 festgestellt. Dabei wurde die Dispositivziffer 7 irrtümlicherweise wie 

folgt zitiert: 

«Die Zivilforderung der Privatklägerin wird abgewiesen.» 

Wie dem vorinstanzlichen Urteilsdispositiv vom 19. Februar 2020 entnommen werden kann, 

lautete die korrekte Formulierung von Dispositivziffer 7 allerdings folgendermassen: 

«Die Zivilforderung der Privatklägerin 3 wird abgewiesen.» 

Es liegt somit ein offensichtliches Versehen vor, welches in Anwendung von Art. 83 Abs. 1 

StPO im Rahmen des vorliegenden Urteilsdispositivs entsprechend zu berichtigen ist.  

2. Anklagegrundsatz 

2.1 

Die Berufungsklägerin rügt in formeller Hinsicht eine Verletzung des Anklageprinzips betref-

fend den ihr zur Last gelegten Vorwurf der mehrfachen eigenmächtigen Verfügung über mit 

Beschlag belegte Vermögenswerte. Insbesondere moniert sie, dass eine angebliche Mittäter-

schaft ihrerseits in Bezug auf keinen der drei angeklagten Sachverhalte rechtsgenügend an-

geklagt worden sei. Das Anklageprinzip verlange, dass in der Anklage die tatsächlichen Um-

stände angeführt werden, welche nach Ansicht der Staatsanwaltschaft den rechtlichen 

Schluss zuliessen, die Beschuldigte sei Mittäterin. Den Anklagesachverhalten der beiden An-

klageschriften liessen sich solche tatsächlichen Umstände jedoch nicht entnehmen. Ebenso 

wenig gehe daraus hervor, welche Handlungen ihr konkret vorgeworfen würden. Die umschrie-

benen Handlungen seien nämlich allesamt durch den Berufungskläger und nicht durch sie 

vorgenommen worden. Worin ihr angeblicher Tatbeitrag bestanden haben solle, sei den An-

klageschriften hingegen nicht zu entnehmen. 

 

2.2 

Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des Gerichtsver-

fahrens (Art. 9 und Art. 325 StPO; Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 

lit. a und b EMRK). Das Gericht ist an den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt ge-

bunden, nicht aber an dessen rechtliche Würdigung durch die Anklagebehörde (vgl. Art. 350 

12│80 

StPO). Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sach-

verhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht 

genügend konkretisiert sind (vgl. Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO). Das Anklageprinzip bezweckt 

zugleich den Schutz der Verteidigungsrechte der beschuldigten Person und dient dem An-

spruch auf rechtliches Gehör (BGE 143 IV 63 E. 2.2; 141 IV 132 E. 3.4.1). Die beschuldigte 

Person muss aus der Anklage ersehen können, wessen sie angeklagt ist. Das bedingt eine 

zureichende Umschreibung der Tat. Entscheidend ist, dass der Betroffene genau weiss, wel-

cher konkreter Handlungen er beschuldigt und wie sein Verhalten rechtlich qualifiziert wird, 

damit er sich in seiner Verteidigung richtig vorbereiten kann. Er darf nicht Gefahr laufen, erst 

an der Gerichtsverhandlung mit neuen Anschuldigungen konfrontiert zu werden (BGE 143 IV 

63 E. 2.2 mit Hinweisen).  

 

2.3 

Entgegen der Auffassung der Berufungsklägerin genügt sowohl die Anklageschrift vom 17. Ja-

nuar 2019 (STA-Nr. A2N 16 10000) als auch jene vom 7. August 2019 (STA-Nr. A2N 18 1900) 

den vorstehend dargelegten Anforderungen. In beiden Anklageschriften wird den Beschuldig-

ten in Bezug auf den Tatbestand der eigenmächtigen Verfügung über mit Beschlag belegte 

Vermögenswerte explizit Mittäterschaft vorgeworfen (vgl. erste Anklageschrift Ziff. 4.1 und 4.2; 

zweite Anklageschrift Ziff. 3.1 und 3.2). Namentlich hätten die Beschuldigten aufgrund gemein-

samer Entschlussfassung und Planung sowie durch massgebliches, arbeitsteiliges Zusam-

menwirken bei der Tatausführung gehandelt, wobei sie mit den Tathandlungen des jeweils 

anderen einverstanden gewesen seien (erste Anklageschrift Ziff. 2.1 und 2.2; zweite Anklage-

schrift Ziff. 1). Das Vorgehen der beiden Beschuldigten wird in der Folge eingehend beschrie-

ben, angefangen bei der gegenüber der Berufungsklägerin jeweils verfügten Lohn- bzw. Ver-

dienstpfändung, über die pflichtwidrige Nichtablieferung der gepfändeten Vermögenswerte bis 

hin zur gemeinsamen zweckwidrigen Verwendung dieser Vermögenswerte für eigene private 

Bedürfnisse (erste Anklageschrift S. 3 ff., S. 5 f.; zweite Anklageschrift S. 2 ff.). Die den Ankla-

gen zugrundeliegenden Sachverhalte sind folglich klar umrissen und schildern die wesentli-

chen Umstände, unter denen die den Beschuldigten vorgeworfenen strafbaren Handlungen 

begangen worden sein sollen. Insbesondere wird konkret umschrieben, wer der beiden Be-

schuldigten, welche Tathandlungen begangen hat bzw. inwieweit sie mittäterschaftlich zusam-

mengewirkt haben. Die Folge der Mittäterschaft besteht denn auch gerade darin, dass jedem 

Mittäter die gesamte Handlung zugerechnet wird (Urteile des Bundesgerichts 6B_371/2020 

vom 10. September 2020 E. 2.3; 6B_648/2019 vom 28. August 2019 E. 1.4; 6B_557/2012 vom 

13│80 

7. Mai 2013 E. 2.7). Vor diesem Hintergrund bestehen keine Zweifel darüber, welches Verhal-

ten der Berufungsklägerin im Rahmen der jeweiligen Anklageschrift zur Last gelegt wird. Die 

Anklageschriften umschreiben die Anklagevorwürfe hinreichend bestimmt, so dass für die Be-

rufungsklägerin – insbesondere auch mit Blick auf die vorgeworfene Mittäterschaft – klar er-

kennbar war, welcher konkreter Handlungen sie beschuldigt und wie ihr Verhalten rechtlich 

qualifiziert wird. Die Frage, ob die den Anklagen zugrundeliegenden Tatbestandselemente 

auch beweismässig erstellt werden können und für die Anwendung der angerufenen Strafnor-

men ausreichend sind, ist hingegen nicht unter dem Aspekt des Anklagegrundsatzes zu prü-

fen, sondern bildet Gegenstand der Beweiswürdigung sowie der rechtlichen Würdigung. Die 

Rüge der Verletzung des Anklagegrundsatzes ist somit unbegründet.  

III. Übersicht 

1. Anklagevorwürfe 

1.1 Anklageschrift vom 17. Januar 2019 (STA-Nr. A2N 16 10000) 

Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten in der Anklageschrift vom 17. Januar 2019 im 

Wesentlichen vor, sie hätten gemeinsam im Zeitraum von März 2013 bis ca. Juni 2013 bzw. 

von Juli 2013 bis ca. Dezember 2013 über mit Beschlag belegte Vermögenswerte verfügt (Art. 

169 StGB). Namentlich hätten die Beschuldigten dem Betreibungsamt Nidwalden im Rahmen 

der gegen die Beschuldigte 1 verfügten Einkommenspfändung vom 26. Februar 2013 keine 

das Existenzminimum übersteigenden Lohnanteile abgeliefert, obwohl die Beschuldigte 1 als 

angestellte Ärztin ein hohes Einkommen erzielt habe. 

Dem Beschuldigten 2 wird zudem mehrfache qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung zur 

Last gelegt (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB). Konkret wird ihm vorgeworfen, während seiner Tä-

tigkeit als faktischer Geschäftsführer der F.__ AG in Liq. pflichtwidrig über das Vermögen der 

Gesellschaft verfügt zu haben, indem er damit geschäftsmässig nicht begründete, mithin pri-

vate Aufwendungen bezahlt habe, die mit dem Verwaltungsrat und Alleinaktionär der F.__ AG 

in Liq., G.__, nicht abgesprochen gewesen seien.  

 

1.2 Anklageschrift vom 7. August 2019 (STA-Nr. A2N 18 1900) 

In der Anklageschrift vom 7. August 2019 wird den Beschuldigten vorgeworfen, im Zeitraum 

von Februar 2016 bis Februar 2017 wiederum gemeinsam über mit Beschlag belegte Vermö-

genswerte verfügt zu haben (Art. 169 StGB). Sie hätten dem Betreibungsamt Nidwalden im 

Rahmen der gegen die Beschuldigte 1 verfügten Einkommenspfändung vom 16. Februar 2016 

14│80 

keine das Existenzminimum übersteigenden Lohnanteile abgeliefert, obschon sie als Ärztin 

ein hohes Einkommen erzielt habe. 

Dem Beschuldigten 2 wird zudem mehrfache Urkundenfälschung vorgeworfen (Art. 251 Ziff. 1 

StGB). In den Jahren 2016 und 2017 habe er als Geschäftsführer der H.__ GmbH Überwei-

sungen im Gesamtbetrag von Fr. 100‘000.– zugunsten der Beschuldigten 1 tatsachenwidrig 

als „Verbindlichkeiten gg. GmbH-Gesellschafter“ im Buchhaltungsprogramm und Kontojournal 

verbucht, obschon es sich dabei um Personalaufwand gehandelt habe, der als solcher hätte 

verbucht werden müssen. Die Beschuldigte 1 sei in diesen Jahren nämlich nicht mehr Gesell-

schafterin der H.__ GmbH gewesen. 

2. Erwägungen der Vorinstanz 

Die Vorinstanz gelangte nach eingehender Würdigung der Beweislage zum Schluss, der Sach-

verhalt gemäss Anklageschrift vom 17. Januar 2019 sei im Wesentlichen erstellt. Auch in Be-

zug auf die zweite Anklageschrift vom 7. August 2019 erachtete die Vorinstanz den angeklag-

ten Sachverhalt als erstellt.  

In rechtlicher Hinsicht erwog die Vorinstanz, die Beschuldigten hätten durch ihr Verhalten in 

Bezug auf die Einkommenspfändungen vom 26. Februar 2013 bzw. 16. Februar 2016 den 

Tatbestand der Verfügung über mit Beschlag belegte Vermögenswerte nach Art. 169 StGB 

mehrfach in mittäterschaftlichem Zusammenwirken erfüllt und sprach die Beschuldigten an-

klagegemäss schuldig. Das weitere dem Beschuldigten 2 als Alleintäter zur Last gelegte Ver-

halten würdigte die Vorinstanz in rechtlicher Hinsicht als mehrfache qualifizierte ungetreue 

Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB sowie mehrfache Urkundenfäl-

schung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB und sprach den Beschuldigten 2 auch in diesen 

Punkten anklagegemäss schuldig. 

3. Grundsätzlicher Standpunkt der Beschuldigten  

3.1 Standpunkt der Beschuldigten 1 

Die Beschuldigte 1 stellt die angeklagten Sachverhalte nicht grundsätzlich in Abrede. Sie wen-

det jedoch bezüglich beider Anklagen primär ein, es fehle sowohl in tatsächlicher als auch in 

rechtlicher Hinsicht an einer Mittäterschaft ihrerseits. Die in den Anklagen jeweils umschriebe-

nen Tathandlungen seien ausschliesslich vom Beschuldigten 2 ausgeführt worden. Worin ihr 

wesentlicher Tatbeitrag bestanden habe und inwiefern sie in massgebender Weise bei der 

Tatausführung mitgewirkt haben solle, sei hingegen weder erstellt noch ersichtlich. In Bezug 

auf die zweite Anklageschrift vom 7. August 2019 bringt die Beschuldigte 1 zudem vor, dass 

15│80 

es ihr hinsichtlich der darin umschriebenen Tathandlungen am Vorsatz fehle, da sie von der 

am 16. Februar 2016 verfügten Verdienstpfändung keine Kenntnis gehabt habe. Dementspre-

chend habe sie zu keinem Zeitpunkt gewusst oder in Kauf genommen, dass sie im tatrelevan-

ten Zeitraum über mit Beschlag belegte Vermögenswerte verfügt habe. Sie beantragt daher 

einen vollumfänglichen Freispruch hinsichtlich beider Anklagen.  

 

3.2 Standpunkt des Beschuldigten 2 

Anlässlich der Berufungsverhandlung liess der Beschuldigte 2 durch seinen Verteidiger ein 

vollumfängliches Geständnis ablegen und erklären, dass er sämtliche ihm vorgeworfenen 

Sachverhalte ausdrücklich anerkenne. Namentlich in Bezug auf die Handlungen betreffend 

den Vorwurf von Art. 169 StGB bringt er vor, das monierte Vorgehen sei von ihm alleine ge-

plant und ausgeführt worden, wobei seine Ehefrau und Mitbeschuldigte passiv gewesen sei 

und ihm vollumfänglich vertraut habe. Er lege Wert auf die Feststellung, dass er sich als Ge-

schäftsführer um sämtliche geschäftlichen Angelegenheiten gekümmert habe, derweil seine 

Ehefrau sich einzig auf das Medizinische konzentriert habe. Es sei ihm ein Anliegen, dass 

diese Triage bei der Beurteilung der Mittäterschaft zugunsten seiner Ehefrau eingehend be-

rücksichtigt werde. 

In rechtlicher Hinsicht bestreitet der Beschuldigte 2, dass er mit seinen Handlungen im Jahr 

2013 den Tatbestand der Verfügung über mit Beschlag belegte Vermögenswerte gemäss 

Art. 169 StGB erfüllt habe und beantragt einen Freispruch diesbezüglich; in den übrigen An-

klagepunkten beantragt er einen Schuldspruch im Sinne der Anklage. 

IV. Sachverhalt und rechtliche Würdigung 

1. Vorbemerkungen 

Die Vorinstanz hat die massgeblichen theoretischen Grundlagen zur Beweiswürdigung sowie 

zum Grundsatz "in dubio pro reo" zutreffend dargelegt. Auf diese Ausführungen kann verwie-

sen werden (vorinstanzliches Urteil E. II.1 S. 18 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend ist festzu-

halten, dass der Grundsatz "in dubio pro reo" als Beweiswürdigungsregel besagt, dass ein 

Gericht nicht von einem für die beschuldigte Person ungünstigen Sachverhalt ausgehen darf, 

wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat 

(Art. 10 StPO). Bestehen unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, geht das Gericht von der für die beschuldigte Person günsti-

geren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Bloss abstrakte und theoretische Zweifel sind hin-

16│80 

gegen nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht ver-

langt werden kann (BGE 138 V 74 E. 7; 124 IV 86 E. 2a; Urteile des Bundesgerichts 

6B_253/2016 vom 29. März 2017 E. 1.3.2; 6B_913/2015 vom 19. Mai 2016 E. 1.3.2). Für eine 

Verurteilung muss es deshalb genügen, wenn das Beweisergebnis über jeden vernünftigen 

Zweifel erhaben ist (vgl. ausführlich: TOPHINKE, in: Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, 

N. 82 ff. zu Art. 10 StPO). 

Die Vorinstanz hat sich sodann mit jedem Sachverhaltsabschnitt der Anklageschrift ausführlich 

auseinandergesetzt. Dabei hat sie vorab die zur Beurteilung des anklagten Sachverhalts zur 

Verfügung stehenden relevanten Beweismittel vollständig aufgezählt und diese im Rahmen 

des angefochtenen Urteils detailliert und korrekt wiedergegeben. Auf diese ausführlichen Er-

wägungen wird im Folgenden in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO jeweils verwiesen wer-

den, weshalb darauf verzichtet werden kann, diese im Detail zu wiederholen. Auf die Beweis-

mittel wird allerdings, soweit notwendig, im betreffenden Sachverhaltsabschnitt Bezug genom-

men. Ebenfalls sind allfällige Ergänzungen oder Korrekturen zu den einzelnen Anklagepunk-

ten im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen anzubringen.  

Auf die Vorbringen der Beschuldigten wird ebenfalls im Zuge der nachstehenden Erwägungen 

einzugehen sein. In diesem Zusammenhang ist an dieser Stelle festzuhalten, dass sich das 

Gericht nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und jedes einzelne 

Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss. Vielmehr kann es sich auf die für den Entscheid 

wesentlichen und massgeblichen Punkte beschränken (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1). 

2. Verfügung über mit Beschlag belegte Vermögenswerte nach Art. 169 StGB 

Anklageschrift vom 17. Januar 2019; STA-Nr. A2N 16 10000 

2.1 Anklagevorwurf 

2.1.1 Vorbemerkung  

Im Rahmen der Anklageschrift vom 17. Januar 2019 wird den Beschuldigten in zwei Tatkom-

plexen vorgeworfen, über mit Beschlag belegte Vermögenswerte verfügt zu haben. Der eine 

Tatkomplex betrifft deren Handlungen im Zeitraum von März 2013 bis ca. Juni 2013 im Zu-

sammenhang mit der F.__ AG in Liq.; der andere jene im Zeitraum von Juli 2013 bis ca. De-

zember 2013 im Zusammenhang mit der H.__ GmbH.  

 

17│80 

2.1.2 Handlungen im Zeitraum von März 2013 bis ca. Juni 2013  

Die Beschuldigte 1 sei im tatrelevanten Zeitraum als angestellte Ärztin bei der F.__ AG in Liq. 

tätig gewesen, während der Beschuldigte 2 als faktischer Geschäftsführer der Gesellschaft für 

die administrativen Belange und insbesondere das Lohnwesen zuständig gewesen sei. Zu 

Beginn des Jahres 2013 habe die Beschuldigte 1 im Rahmen ihrer Anstellung monatlich netto 

Fr. 12'168.– verdient, was ihr der Beschuldigte 2 in den Monaten Januar und Februar 2013 

auch entsprechend ausbezahlt habe. 

Am 26. Februar 2013 habe das Betreibungsamt Nidwalden eine Lohnpfändung gegen die Be-

schuldigte 1 verfügt. Gepfändet worden sei ihr das betreibungsrechtliche Existenzminimum 

von monatlich Fr. 4'840.20 bzw. Fr. 3'120.10 ab Juli 2013 übersteigende Einkommen. Beide 

Beschuldigten hätten Kenntnis davon gehabt. Dementsprechend hätten die Beschuldigte 1 als 

Schuldnerin der betriebenen Forderung und der Beschuldigte 2 als faktischer Geschäftsführer 

der F.__ AG in Liq. der verfügten Lohnpfändung nachkommen müssen. Namentlich hätte der 

Beschuldigte 2 den gepfändeten Lohn der Beschuldigten 1 zurückbehalten und dem Betrei-

bungsamt abliefern müssen bzw. hätten die Beschuldigten nicht über die gepfändeten Vermö-

genswerte verfügen dürfen. Statt diesen Pflichten nachzukommen, hätten die Beschuldigten 

die gepfändeten Lohnquoten für die Monate März bis Juni 2013 in mittäterschaftlichem Zu-

sammenwirken zweckwidrig für ihre eigenen privaten Bedürfnisse verwendet. Der Beschul-

digte 2 habe im Pfändungsprotokoll vom 26. Februar 2013 zudem wahrheitswidrig angegeben, 

die Beschuldigte 1 verfüge über ein monatliches Einkommen von bloss Fr. 6'003.70, während 

er ihr in Tat und Wahrheit für den Monat Februar 2013 einen Nettomonatslohn von Fr. 12'168.– 

überwiesen habe. Diese falsche Angabe gegenüber dem Betreibungsamt habe der Beschul-

digte 2 durch Auflegung fingierter Lohnabrechnungen untermauert. In den Folgemonaten hät-

ten die Beschuldigten die effektive Vergütung zugunsten der Beschuldigten 1 alsdann insoweit 

kaschiert, als sie deren Lohn dem Schein nach zunächst für den Monat März 2013 auf netto 

Fr. 6'003.70 und anschliessend ab April 2013 auf Fr. 4'058.80 herabgesetzt hätten. Effektiv 

hätten sich die Beschuldigten in den Monaten März bis Juni 2013 jedoch vom Geschäftskonto 

der F.__ AG in Liq. weitere Zahlungen als Gegenleistung für die Tätigkeit der Beschuldigten 1 

als Ärztin bei der F.__ AG in Liq. auszahlen lassen, kaschiert als Überweisungen auf das Konto 

des Beschuldigten 2.  

Konkret habe der Beschuldigte 2 für den Monat März 2013 einen Nettolohn von insgesamt 

Fr. 13'918.70 an die Beschuldigte 1 ausbezahlt. Dabei hätte er über Fr. 9'078.60 (Fr. 13'918.70 

abzgl. des betreibungsrechtlichen Existenzminimum) nicht verfügen dürfen, sondern diesen 

Betrag zurückbehalten und an das Betreibungsamt weiterleiten müssen. In den Monaten April 

18│80 

und Mai 2013 habe der Beschuldigte 2 sodann einen monatlichen Nettolohn von Fr. 11'973.80 

an die Beschuldigte 1 ausbezahlt. Dabei hätte er über den Betrag von jeweils Fr. 7'133.70 

(Fr. 11'973.80 abzgl. des betreibungsrechtlichen Existenzminimum) nicht verfügen dürfen, 

sondern diesen zurückbehalten und an das Betreibungsamt weiterleiten müssen. Insgesamt 

habe der Beschuldigte 2 trotz der bestehenden Lohnpfändung zu Unrecht Fr. 23'346.– an bzw. 

zugunsten der Beschuldigten 1 ausbezahlt, woraufhin beide widerrechtlich darüber verfügt 

hätten. Die gepfändeten Quoten hätten sie für ihre eigenen privaten Bedürfnisse verwendet, 

namentlich zur Deckung laufender privater Kosten. Dadurch hätten die Beschuldigten zum 

Nachteil des Pfändungsgläubigers bzw. des Privatklägers 1 die Vollstreckung der Lohnpfän-

dung vom 26. Februar 2013 verhindert. 

 

2.1.3 Handlungen im Zeitraum von Juli 2013 bis ca. Dezember 2013  

Am 21. Juni 2013 habe die Beschuldigte 1 treuhänderisch für ihren Schwager und Bruder des 

Beschuldigten 2, I.__, die H.__ GmbH gegründet, mit Sitz in den Geschäftsräumlichkeiten der 

Arztpraxis der F.__ AG in Liq. in Z.__. Die Beschuldigte 1 habe sich als Geschäftsführerin im 

Handelsregister eintragen lassen, habe jedoch als blosse Strohfrau agiert, ohne selbst für die 

eigentliche Geschäftsführung besorgt zu sein. Dafür sei ab Gründung der Gesellschaft viel-

mehr der Beschuldigte 2 zuständig gewesen. Nach ihrer Gründung habe sich die H.__ GmbH, 

handelnd durch die Beschuldigten, sodann den Betrieb der Arztpraxis angemasst. Namentlich 

habe die Beschuldigte 1 ihre ärztlichen Dienstleistungen nicht mehr namens der F.__ AG in 

Liq., sondern nunmehr namens der H.__ GmbH erbracht. Von letzterer habe sie ab Juli 2013 

denn auch ein Salär in Höhe von monatlich Fr. 11'581.72 netto bezogen.  

Den Beschuldigten sei bewusst gewesen, dass die Lohnpfändung vom 26. Februar 2013 wei-

terhin in Kraft gewesen sei, zumal sie die gepfändeten Lohnquoten bei der F.__ AG in Liq. 

doch nachweislich nicht abgezogen und an das Betreibungsamt überwiesen hätten, sondern 

für ihre eigenen Bedürfnisse ausgegeben hätten. Der Beschuldigte 2 als faktischer Geschäfts-

führer der H.__ GmbH und die Beschuldigte 1 als deren formelle Geschäftsführerin und 

Schuldnerin der betriebenen Forderung wären verpflichtet gewesen, der verfügten Lohnpfän-

dung nachzukommen. Sie hätten über die gepfändeten Lohnanteile nicht verfügen dürfen, 

sondern sicherstellen müssen, dass die Beträge zurückbehalten und dem Betreibungsamt ab-

geliefert werden. Dessen ungeachtet hätten die Beschuldigten die gepfändeten Lohnquoten 

der Monate Juli bis Dezember 2013 zweckwidrig für ihre eigenen privaten Bedürfnisse ausge-

geben. 

19│80 

In Kenntnis der Lohnpfändung habe der Beschuldigte 2 in den Monaten Juli bis Dezember 

2013 zugunsten der Beschuldigten 1 jeweils bloss netto Fr. 2'358.80 (nach Abzug von jeweils 

Fr. 1'700.– für deren Anteil an der Miete für die gemeinsame Privatwohnung) überwiesen. Dies 

entweder auf deren Konto bei der Postfinance oder auf sein eigenes Konto bei der UBS. Al-

lerdings habe das betreibungsrechtliche Existenzminimum ab Juli 2013 nur noch Fr. 3'120.10 

betragen, womit die Beschuldigten zwischen Juli und Dezember 2013 in jedem Fall über Fr. 

938.70 (Fr. 4'058.80 abzgl. betreibungsrechtliches Existenzminimum) monatlich rechtswidrig 

verfügt hätten. Die Differenz zwischen den überwiesenen Beträgen und dem vertraglichen 

Lohnanspruch der Beschuldigten 1 von monatlich netto Fr. 11'581.70 habe ihr der Beschul-

digte 2 auf andere Weise ausbezahlt. Die gepfändeten Quoten hätten die Beschuldigten als-

dann zweckwidrig zusammen für ihre eigenen privaten Bedürfnisse verwendet, namentlich zur 

Deckung laufender privater Kosten. Alternativ hätten die Beschuldigten die gepfändeten Be-

träge zwar pflichtgemäss zurückbehalten, diese jedoch nicht dem Betreibungsamt abgeliefert, 

sondern zweckentfremdet, indem sie die gepfändeten Vermögenswerte gemeinsam für sons-

tige betriebliche Aufwände der H.__ GmbH genutzt hätten. Insgesamt hätten die Beschuldig-

ten dem Betreibungsamt Fr. 8'461.62 pro Monat nicht abgeliefert, sondern in rechtswidriger 

Weise darüber verfügt. Die hinterzogenen Beträge beliefen sich im entsprechenden Zeitraum 

auf insgesamt Fr. 50'769.72. Dadurch hätten die Beschuldigten zum Nachteil des Pfändungs-

gläubigers bzw. des Privatklägers 1 die Vollstreckung der Lohnpfändung vom 26. Februar 

2013 verhindert. 

2.2 Sachverhalt und Beweiswürdigung 

2.2.1 Beweiswürdigung 

Die Vorinstanz hat vorab sämtliche vorhandenen Beweismittel einlässlich wiedergegeben und 

erläutert. Sie hat sich zudem eingehend mit den vorhandenen Beweisen und Indizien und ins-

besondere mit den teilweise sowohl in sich selbst als auch im Verhältnis zueinander wider-

sprüchlichen Aussagen der beiden Beschuldigten auseinandergesetzt und diese zutreffend 

gewürdigt (vorinstanzliches Urteil E. II.3.3-II.3.6 S. 22-49; E. II.4.2-II.4.6 S. 50-61). Die ent-

sprechenden Erwägungen der Vorinstanz sind im Wesentlichen unbestritten geblieben. Soweit 

nachfolgend keine abweichenden Ausführungen erfolgen, kann grundsätzlich darauf verwie-

sen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Im Folgenden wird die vorinstanzliche Beweiswürdigung 

daher lediglich hinsichtlich derjenigen Entscheidgrundlagen zusammengefasst und geprüft, 

welche für das vorliegende Berufungsverfahren relevant sind.  

20│80 

2.2.2 Sachverhaltserstellung betreffend den Zeitraum März 2013 bis Juni 2013 

2.2.2.1 Die F.__ AG in Liq. – Stellung und Funktion der Beschuldigten  

In tatsächlicher Hinsicht steht fest, dass die Beschuldigte 1 vom 10. April 2012 bis 30. Juni 

2013 als angestellte Ärztin in einem Arbeitsverhältnis zur F.__ AG in Liq. stand. Im Rahmen 

ihrer Anstellung bezog sie jedenfalls bis Februar 2013 ein monatliches Nettogehalt von 

Fr. 12‘168.–. Der Beschuldigte 2 war im selben Zeitraum als faktischer Geschäftsführer der 

F.__ AG in Liq. für die administrativen Belange der Gesellschaft und insbesondere das Lohn-

wesen zuständig. Für seine Tätigkeit als Geschäftsführer bezog der Beschuldigte 2 vereinba-

rungsgemäss keinen Lohn.  

 

2.2.2.2 Pfändungsvollzug vom 26. Februar 2013 

Die Beschuldigte bestreitet den der Anklageschrift vom 17. Januar 2019 zugrundeliegenden 

Pfändungsablauf nicht. Entsprechend ist unbestritten und durch die Akten des Betreibungs-

amtes belegt, dass am 26. Februar 2013 auf Begehren des Privatklägers 1 für dessen Forde-

rung eine Lohnpfändung gegen die Beschuldigte 1 vollzogen wurde (STA-Nr. A2N 16 10000 

act. 11.1.1.0005 ff.; 0025 f.). Die Beschuldigte 1 liess sich anlässlich des Pfändungsvollzugs 

vom Beschuldigten 2 vertreten (STA-Nr. A2N 16 10000 act. 11.1.1.0001). Nicht bestritten und 

aktenkundig ist zudem, dass gegenüber dem Betreibungsamt ein Nettoeinkommen der Be-

schuldigten 1 im Betrag von Fr. 6'003.70 für die Monate Januar 2013 bis März 2013 deklariert 

wurde. Für die Monate ab April 2013 wurde sodann ein Lohnanspruch von monatlich 

Fr. 4'058.80 netto angegeben (STA-Nr. A2N 16 10000 act. 11.1.1.0014 ff.). 

Gemäss Pfändungsprotokoll vom 26. Februar 2013 wurde das monatliche Einkommen der Be-

schuldigten 1 ab sofort für die Dauer von längstens einem Jahr gepfändet, soweit es das fest-

gelegte Existenzminimum von Fr. 4‘840.10 überstieg; per Juli 2013 wurde das monatliche Exis-

tenzminimum sodann auf Fr. 3‘124.10 reduziert (STA-Nr. A2N 16 10000 act. 11.1.1.0002, 0015 

f.; 3.1.0003 f.). Das errechnete Existenzminimum ist unbestritten geblieben und nicht zu bean-

standen. Dem Pfändungsprotokoll ist des Weiteren zu entnehmen, dass die Beschuldigten un-

ter anderem ausdrücklich auf die Straffolgen von Art. 169 StGB aufmerksam gemacht wurden. 

Ferner wurde die Lohnpfändung der F.__ AG in Liq. als Arbeitgeber der Beschuldigten 1 glei-

chentags mit Schreiben vom 26. Februar 2013 angezeigt (STA-Nr. A2N 16 10000 act. 

11.1.1.0037). 

 

21│80 

2.2.2.3 Lohnzahlungen zugunsten der Beschuldigten 1  

Fest steht, dass die Beschuldigte 1 als angestellte Ärztin der F.__ AG in Liq. jedenfalls bis 

Februar 2013 ein monatliches Nettogehalt von Fr. 12'168.– bezogen hat. Der Lohn wurde ihr 

vom Beschuldigten 2 jeweils am 25. eines Monats auf ihr Privatkonto bei der UBS ausbezahlt 

(STA-Nr. A2N 16 10000 act. 8.2.1.0047, 0050, 0051, 0053, 0056, 0058; 8.2.2.0018, 0022, 

0025, 0029, 0033, 0036, 0041). Die dem Betreibungsamt eingereichten Lohnabrechnungen 

für die Monate Januar und Februar 2013, welche ein monatliches Nettogehalt von Fr. 6'003.70 

auswiesen, sind somit offensichtlich und unbestrittenermassen tatsachenwidrig. In der Ankla-

geschrift wird von einem tatsächlichen Nettolohn der Beschuldigten 1 von Fr. 13'918.70 für 

den Monat März 2013 und je Fr. 11'973.80 für die Monate April und Mai 2013 ausgegangen. 

Für den Monat Juni 2013 sind der Anklageschrift keine Berechnungen zum Lohn der Beschul-

digten 1 zu entnehmen. Die im Juni 2013 zugunsten der Beschuldigten 1 getätigten Zahlungen 

wurden stattdessen bei den Lohnberechnungen für den Monat Mai 2013 berücksichtigt. Die 

Vorinstanz errechnete in Abweichung zur Anklageschrift für die Monate März bis Juni 2013 

einen durchschnittlichen Nettolohn der Beschuldigten 1 von Fr. 12‘509.60 pro Monat. Im Fol-

genden ist daher zu prüfen, welchen monatlichen Nettolohn die Beschuldigte 1 im fraglichen 

Zeitraum tatsächlich erzielte.  

Anerkanntermassen überwies der Beschuldigte 2 die Lohnzahlungen zugunsten der Beschul-

digten 1 ab März 2013 nicht mehr auf ihr Privatkonto bei der UBS, sondern nunmehr auf ihr 

Konto bei der Postfinance oder auf sein eigenes Privatkonto bei der UBS. Dass es sich bei 

den jeweiligen Zahlungen um Lohnzahlungen zugunsten der Beschuldigten 1 handelt, ist auf-

grund der jeweiligen Buchungsmitteilung erwiesen und zudem unbestritten. Die Beschuldigten 

verfügten dementsprechend auch über umfassende Vollmachten und Zugriffsberechtigungen 

für die Bankkonten des jeweils anderen. Unbestritten blieb weiter, dass die jeweiligen Lohn-

zahlungen an die Beschuldigte 1 abzüglich ihres Mietzinsanteils in Höhe von Fr. 1'700.– er-

folgten. Dazu ist anzumerken, dass der Mietzins für die Privatwohnung der Beschuldigten ge-

samthaft Fr. 3'070.– betragen hat und bis zur verfügten Lohnpfändung stets in voller Höhe von 

der Beschuldigten 1 bezahlt wurde. Wurde der Mietzins bis Ende März 2013 noch vollumfäng-

lich vom Privatkonto der Beschuldigten 1 bezahlt, erfolgte dessen Bezahlung für die Monate 

April bis Juni 2013 ausschliesslich über das Geschäftskonto der F.__ AG in Liq. (STA-Nr. A2N 

16 10000 act. 8.2.0081, 0083, 0086). Vor diesem Hintergrund ist der Beschuldigten 1 nicht 

lediglich der Anteil von Fr. 1'700.–, sondern der gesamte Mietzins im Betrag von Fr. 3'070.– 

als Lohnbestandteil anzurechnen. Zumal dem Beschuldigten 2 unbestrittenermassen kein 

Lohnanspruch gegenüber der F.__ AG in Liq. zustand, mit welchem er seinen vorgeblichen 

22│80 

Anteil am Mietzins hätte bezahlen können. Unter Berücksichtigung dieser Ausführungen und 

der vorliegenden Aktenlage wurden im Zeitraum von März bis Juni 2013 folgende Lohnzah-

lungen zugunsten der Beschuldigten 1 getätigt:  

März 2013  

Zahlungsauftrag vom 25.03.2013 "GEHALT AX"  
STA-Nr. A2N 16 10000 act. 8.2.0038 

Fr.   4'303.70 

April 2013 
 

Zahlungsauftrag vom 02.04.2013 "MIETE Y.__"  
STA-Nr. A2N 16 10000 act. 8.2.0042 

Fr.   3'070.00 
 

Zahlungsauftrag vom 25.04.2013 "GEHALT AX"  
STA-Nr. A2N 16 10000 act. 8.2.0044 

Fr.   2'358.80 

Mai 2013 
 

Zahlungsauftrag vom 02.05.2013 "MIETE Y.__"  
STA-Nr. A2N 16 10000 act. 8.2.0044 

Fr.   3'070.00 

Zahlungsauftrag vom 25.05.2013 "GEHALT AX"  
STA-Nr. A2N 16 10000 act. 8.2.0045 

Fr.   2'358.80 

Zahlungsauftrag vom 29.05.2013 "REST 01+02 AX"  
STA-Nr. A2N 16 10000 act. 8.2.0046; 8.2.3.0055 

Fr. 15'830.00 

Juni 2013  

Zahlungsauftrag vom 03.06.2013 "MIETE Y.__"  
STA-Nr. A2N 16 10000 act. 8.2.0047 

Fr.   3'070.00 

Zahlungsauftrag vom 19.06.2013 "AX 3+4.13"  
STA-Nr. A2N 16 10000 act. 8.2.0046; 8.2.3.0058 

Fr.   7'915.00 

Zahlungsauftrag vom 26.06.2013 "GEHALT AX"  
STA-Nr. A2N 16 10000 act. 8.2.0049 

Fr.   2'358.80 

 

Demnach hat die Beschuldigte 1 im anklagerelevanten Zeitraum einen Lohn von insgesamt 

Fr. 44'335.10 für ihre Tätigkeit als Ärztin erhalten – dies in Abweichung zur Vorinstanz, welche 

von einer Lohnsumme von Fr. 50‘058.30 ausging. Daraus resultiert ein durchschnittliches Mo-

natseinkommen von Fr. 11‘083.80 für die Monate März bis Juni 2013, mithin ein Einkommen, 

welches das festgelegte Existenzminimum von Fr. 4‘840.10 deutlich übersteigt. 

 

2.2.2.4 Lohnpfändungsquote 

Bei einem durchschnittlichen Monatslohn von Fr. 11‘083.30 und einem betreibungsrechtlichen 

Existenzminimum von Fr. 4‘840.10, resultiert eine pfändbare Quote von Fr. 6‘243.20. Dieser 

Betrag hätte im Zeitraum von März bis Juni 2013 monatlich an das Betreibungsamt abgeliefert 

werden müssen. Dem Betreibungsamt wurde jedoch lediglich am 16. April 2016 ein Betrag 

von Fr. 1‘179.60 überwiesen (STA-Nr. A2N 16 10000 act. 11.1.1.0111). Nach Abzug dieses 

23│80 

Betrages verbleibt somit eine Lohnpfändungsquote von total Fr. 23‘793.20, die dem Betrei-

bungsamt nicht abgeliefert wurde. 

 

2.2.2.5 Verwendung des Einkommens 

Laut Anklage hätten die Beschuldigten die gepfändete Lohnquote für ihre eigenen privaten 

Bedürfnisse verwendet, namentlich zur Deckung laufender privater Kosten. Aufgrund der 

durch die Vorinstanz sehr einlässlich und nachvollziehbar dargelegten Beweismittel, ein-

schliesslich Auflistung der massgebenden Kontobewegungen, und in Übereinstimmung mit 

dem Geständnis des Beschuldigten 2 kann dieser Sachverhalt ohne Weiteres als erstellt be-

trachtet werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Nachfolgend ein Überblick: 

Wie bereits erwähnt, wurden die Lohnzahlungen zugunsten der Beschuldigten 1 bis Ende Feb-

ruar 2013 auf ihr Privatkonto bei der UBS überwiesen. Von diesem Konto wurden noch bis 

März 2013 die laufenden Kosten der Beschuldigten wie namentlich der Mietzins für die Privat-

wohnung, die Krankenkassenprämien, diverse weitere Versicherungsleistungen, Steuerbe-

träge, Kreditkartenrechnungen der Beschuldigten 1 sowie ein monatlicher Unterhaltsbeitrag 

für deren Tochter bezahlt. Ab März 2013 wurde der Beschuldigten 1 lediglich noch jener Lohn-

anteil auf ihr Privatkonto bei der Postfinance überwiesen, welcher unter dem betreibungsrecht-

lichen Existenzminimum von Fr. 4‘840.10 liegt. Den entsprechenden Kontoauszügen ist zu 

entnehmen, dass ab diesem Konto von da an lediglich Bargeldbezüge getätigt wurden. Wie 

im angefochtenen Urteil nachvollziehbar und korrekt dargelegt wird, betrugen die monatlichen 

Kontobelastungen der Beschuldigten 1 im Zeitraum September 2012 bis Februar 2013 im 

Durchschnitt Fr. 17‘911.23 und reduzierten sich sodann im März 2013 auf Fr. 8‘395.91, im 

April 2013 auf Fr. 5‘904.15, im Mai 2013 auf Fr. 1‘594.90 und im Juni 2013 schliesslich auf Fr. 

1‘872.90. Sämtliche Rechnungen, welche zuvor über das Konto der Beschuldigten 1 beglichen 

wurden, wurden ab April 2013 nunmehr entweder dem Geschäftskonto der F.__ AG in Liq. 

oder dem Privatkonto des Beschuldigten 2 belastet. Zur detaillierten Auflistung dieser Konto-

belastungen sei auf das vorinstanzliche Urteil verwiesen (vorinstanzliches Urteil E. II.3.5.1-

II.3.5.3 S. 36-43; E. II.3.6.2 S. 45-47).  

Mit der Vorinstanz ist somit festzuhalten, dass die Beschuldigten ihren Lebensunterhalt in ge-

meinsamer Verstrickung bestritten und dafür die auf das Konto des Beschuldigten 2 überwie-

senen Lohnzahlungen zugunsten der Beschuldigten 1 verwendet haben. So wurden laufende 

Kosten wie namentlich Krankenkassenprämien, Kreditkartenrechnungen der Beschuldigten 1 

oder Unterhaltszahlungen an deren Tochter, welche zuvor allesamt von der Beschuldigten 1 

bezahlt wurden, ab April 2013 über das Konto des Beschuldigten 2 beglichen. Mithin hat die 

24│80 

Beschuldigte 1 ihren Lebensunterhalt nachweislich über das Privatkonto des Beschuldigten 2 

bestritten und zur Deckung ihrer privaten Ausgaben folglich auch jene Vermögenswerte ver-

wendet, die ihr als Einkommen auf das Konto des Beschuldigten 2 ausbezahlt wurden. Dass 

auch die vorstehend festgestellte Lohnpfändungsquote in Höhe von Fr. 23‘793.20 für private 

Ausgaben verwendet wurde, belegen die Kontostände der Beschuldigten per Ende Juni 2013. 

So wies der Kontostand der Beschuldigten 1 noch einen Betrag von Fr. 3‘574.60 auf und jener 

des Beschuldigten 2 noch einen solchen von Fr. 5‘900.63. Damit haben die Beschuldigten die 

auf ihre Konten vergüteten Überweisungen fast komplett aufgebraucht und für eigene private 

Bedürfnisse ausgegeben. Vor diesem Hintergrund lassen sich entgegen der Auffassung der 

Beschuldigten 1 auch die Kriterien der Mittäterschaft gemäss Anklagesachverhalt rechtsgenü-

gend erstellen.  

 

2.2.2.6 Fazit 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Anklagesachverhalt betreffend den Zeitraum von 

März 2013 bis Juni 2013 mit den vorstehend erwähnten Abweichungen als erstellt gelten kann. 

2.2.3 Sachverhaltserstellung betreffend den Zeitraum Juli 2013 bis Dezember 2013 

2.2.3.1 Die H.__ GmbH – Stellung und Funktion der Beschuldigten 

Erstellt und unbestritten ist, dass die Beschuldigte 1 die H.__ GmbH am 21. Juni 2013 treu-

händerisch für ihren Schwager und Bruder des Beschuldigten 2, I.__, gegründet hat und sich 

zu diesem Zweck als einzige Gesellschafterin und Geschäftsführerin im Handelsregister ein-

tragen liess (UID-Nr. CHE-456.536.705; STA-Nr. A2N 16 10000 act. 11.1.1.0084 f., 0095 ff.). 

Sie agierte dabei als sog. Strohfrau, da sie lediglich formell als Geschäftsführerin eingetragen 

war, ohne jedoch selbst für die eigentliche Geschäftsführung besorgt zu sein. Dies übernahm 

ab Gründung der Gesellschaft der Beschuldigte 2. In seiner Funktion als faktischer Geschäfts-

führer der H.__ GmbH war er für sämtliche administrativen Belange der Gesellschaft und ins-

besondere das Lohnwesen zuständig. Die Beschuldigte 1 hingegen war im tatrelevanten Zeit-

raum vom 1. Juli 2013 bis 31. Dezember 2013 als Ärztin für die H.__ GmbH tätig.  

Unbestritten und mittels Handelsregisterauszug belegt ist im Weiteren, dass die H.__ GmbH 

ab ihrer Gründung über dieselbe Domiziladresse verfügte wie die F.__ AG in Liq. und ihren 

Sitz anschliessend am 21. November 2013 an einen neuen Standort verlegte (STA-Nr. A2N 

16 10000 act. 5.1.3.0001). Im Zeitraum von Juli bis November 2013 erbrachte die Beschuldigte 

1 ihre ärztlichen Dienstleistungen für die H.__ GmbH demnach in den Praxisräumlichkeiten 

der F.__ AG in Liq., bis sie schliesslich von dieser aus deren Räumlichkeiten verwiesen wur-

den.  

25│80 

2.2.3.2 Pfändungsvollzug vom 26. Februar 2013 

Wie erwähnt, vollzog das Betreibungsamt am 26. Februar 2013 eine Lohnpfändung gegen die 

Beschuldigte 1 und verfügte für die Dauer eines Jahres die Pfändung ihres monatlichen Ein-

kommens, soweit es das festgelegte Existenzminimum überstieg. Gemäss Pfändungsprotokoll 

vom 26. Februar 2013 wurde ihr ab Juli 2013 ein Existenzminimum von Fr. 3'124.10 angerech-

net (STA-Nr. A2N 16 10000 act. 11.1.1.0002, 0015 f.; 3.1.0003 f.). Das Betreibungsamt passte 

die Lohnpfändungsanzeige zuhanden der F.__ AG in Liq. als Arbeitgeber der Beschuldigten 1 

mit Schreiben vom 5. Juli 2013 dementsprechend an (STA-Nr. A2N 16 10000 act. 

11.1.1.0002). Mit Schreiben vom 4. Dezember 2013 teilte G.__, Verwaltungsrat und Alleinak-

tionär der F.__ AG in Liq., dem Betreibungsamt schliesslich mit, dass die Beschuldigte 1 seit 

dem 1. Juli 2013 nicht mehr für die F.__ AG in Liq. tätig sei, sondern nunmehr für die H.__ 

GmbH arbeite (STA-Nr. A2N 16 10000 act. 3.1.0009). Die Beschuldigten hatten das Betrei-

bungsamt über den Stellenwechsel der Beschuldigten 1 nicht in Kenntnis gesetzt (STA-Nr. 

A2N 16 10000 act. 3.1.0002).  

 

2.2.3.3 Einkommen der Beschuldigten 1 

Anerkanntermassen zahlte der Beschuldigte 2 der Beschuldigten 1 einen monatlichen Netto-

lohn von Fr. 11‘581.72 aus (vgl. vorinstanzliches Urteil E. II.4.6.4 S. 60). Gemäss Geschäfts-

kontoauszügen der H.__ GmbH wurde der Beschuldigten 1 jeweils ein Lohnanteil in Höhe von 

Fr. 2‘358.80 im Monat Juli 2013 auf ihr Konto bei der Postfinance ausbezahlt und in den Mo-

naten August bis Dezember 2013 auf das Privatkonto des Beschuldigten 2 (STA-Nr. A2N 16 

10000 act. 8.2.4.0052, 0054, 0056, 0059, 0062, 0063). Wie der Restbetrag des Lohnes aus-

bezahlt wurde, kann aufgrund der nicht mehr nachvollziehbaren Banküberweisungen vom Ge-

schäftskonto der H.__ GmbH hingegen nicht abschliessend ermittelt werden. Erstellt und un-

bestritten ist jedoch, dass der Beschuldigten 1 tatsächlich ein Lohn von Fr. 11‘581.72 ausbe-

zahlt wurde.  

 

2.2.3.4 Lohnpfändungsquote 

Bei einem durchschnittlichen Monatslohn von Fr. 11'581.72 und einem betreibungsrechtlichen 

Existenzminimum von Fr. 3'124.10, resultiert für den Zeitraum von Juli 2013 bis Dezember 

2013 eine pfändbare Quote von Fr. 8'457.62 pro Monat. Die gepfändete Lohnquote wurde dem 

Betreibungsamt jedoch nicht abgeliefert, womit per 31. Dezember 2013 ein Ausstand von 

Fr. 50'745.72 bestand. Da die in Betreibung gesetzte Forderung des Privatklägers 1 in der 

Folge nicht beglichen werden konnte, wurde ihm schliesslich ein Verlustschein in Höhe von 

Fr. 25‘144.63 ausgestellt (STA-Nr. A2N 16 10000 act. 11.1.1.0070). 

26│80 

2.2.3.5 Verwendung des Einkommens 

Fest steht, dass die Beschuldigte 1 im Zeitraum von Juli bis Dezember 2013 einen monatlichen 

Nettolohn von Fr. 11‘581.72 als Ärztin der H.__ GmbH verdiente. Weiter ist erstellt und blieb 

unbestritten, dass jener Anteil des Lohnes nach Abzug des festgelegten Existenzminimums 

nicht ans Betreibungsamt abgeliefert wurde, diese Vermögenswerte mithin anderweitig ver-

wendet wurden. Die Anklageschrift wirft den Beschuldigten diesbezüglich vor, die pfändbaren 

Lohnquoten gemeinsam für eigene private Bedürfnisse verwendet zu haben. Nähere Ausfüh-

rungen dazu sind der Anklageschrift nicht zu entnehmen. Nach Würdigung der vorliegenden 

Beweise ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zunächst festzuhalten, dass die Beschul-

digte 1 im tatrelevanten Zeitraum tatsächlich einen Lohn von Fr. 11‘581.72 für ihre Tätigkeit 

als Ärztin bei der H.__ GmbH ausbezahlt erhielt. Der Lohnanteil von Fr. 2‘358.80 wurde ihr im 

Monat Juli 2013 auf ihr Konto bei der Postfinance ausbezahlt und in den Monaten August bis 

Dezember 2013 auf das Privatkonto des Beschuldigten 2. Wie der Restbetrag des Lohnes 

ausbezahlt wurde, lässt sich, wie erwähnt (E. IV.2.2.3.3), anhand der Aktenlage nicht mehr 

feststellen. Es stellt sich daher die Frage, ob vorliegend in tatsächlicher Hinsicht erstellt werden 

kann, dass beide Beschuldigten über die pfändbaren Lohnquoten verfügt haben. 

In Bezug auf die Beschuldigte 1 ist festzuhalten, dass sie Schuldnerin der betriebenen Forde-

rung war und sich die verfügte Lohnpfändung ausdrücklich gegen sie richtete. Als Schuldnerin 

war sie verpflichtet, sämtliches Einkommen, welches das festgelegte Existenzminimum von 

Fr. 3'124.10 überstieg, zuhanden des Betreibungsamtes abzuliefern. Sie kannte ihre Pflicht 

zur Ablieferung der gepfändeten Lohnquoten und wusste auch, dass die am 26. Februar 2013 

gegen sie verfügte Lohnpfändung im Zeitpunkt ihres Stellenwechsels zur H.__ GmbH weiter-

hin in Kraft war. Diesbezüglich kann auf die zutreffenden und unbestrittenen gebliebenen Aus-

führungen der Vorinstanz verwiesen werden (vorinstanzliches Urteil E. II.4.6.3 S. 58 f.; 

III.2.2.1.1-2.2.1.2 S. 115-117; Art. 82 Abs. 4 StPO). Sie war im tatrelevanten Zeitraum zudem 

formelle Geschäftsführerin der H.__ GmbH, womit ihr als verantwortlichem Organ die Kenntnis 

über sämtliche Vorgänge die Gesellschaft betreffend anzurechnen ist. Vor diesem Hintergrund 

ist als erstellt zu erachten, dass die Beschuldigte 1 tatsächlich einen weit über dem festgeleg-

ten Existenzminimum liegenden Lohn ausbezahlt erhielt, die gepfändeten Lohnquoten dem 

Betreibungsamt jedoch bewusst nicht ablieferte, sondern stattdessen für anderweitige Bedürf-

nisse verwendete. Dies stellt die Beschuldigte 1 im Rahmen des vorliegenden Berufungsver-

fahrens denn auch nicht substantiiert in Abrede, womit sowohl ihr Tatbeitrag als auch ihre 

Tatherrschaft in tatsächlicher Hinsicht erstellt sind.  

27│80 

Der Beschuldigte 2 hat zwar sämtliche ihm vorgeworfenen Sachverhalte eingeräumt und damit 

unter anderem anerkannt, die pfändbaren Lohnquoten für eigene Bedürfnisse verwendet zu 

haben. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass das Geständnis nur ein Beweismittel unter meh-

reren ist und wie andere Beweismittel auch, der freien Beweiswürdigung des Gerichts unter-

liegt (Art. 10 StPO). Es kann daher nicht unbesehen darauf abgestellt werden, insbesondere, 

wenn sich aufgrund der übrigen Beweislage Zweifel ergeben und der Eindruck entsteht, das 

Geständnis diene primär dazu, die Beschuldigte 1 zu entlasten. Wie erwähnt, steht vorliegend 

zunächst fest, dass vom Lohnanspruch, welcher der Beschuldigten 1 gegenüber der H.__ 

GmbH zustand, ein Anteil von Fr. 2‘358.80 auf das Konto des Beschuldigten 2 ausbezahlt 

wurde. Soweit der Beschuldigte 2 diesen Lohnanteil zur Deckung laufender privater Kosten 

verwendete, verfügte er zwar über einen zugunsten der Beschuldigten 1 ausbezahlten Lohn-

betrag; dieser Betrag lag jedoch unter dem festgelegten Existenzminimum und war daher vom 

Pfändungsbeschlag nicht erfasst. Indem der Beschuldigte 2 diesen Lohnanteil zur Deckung 

privater Kosten verwendete, verfügte er mithin nicht über die pfändbaren Lohnquoten. Hin-

sichtlich der Annahme, der Beschuldigte 2 habe den Restanteil des zugunsten der Beschul-

digten 1 ausbezahlten Lohnes ebenfalls für eigene Bedürfnisse verwendet, sind zudem Zweifel 

möglich. Wie ausgeführt, lässt sich anhand der Aktenlage nicht mehr feststellen, wie der Rest-

betrag des Lohnanspruchs zugunsten der Beschuldigten 1 ausbezahlt wurde. Aus den Konto-

auszügen des Beschuldigten 2 geht zwar hervor, dass viele Ausgaben über dessen Konto 

getätigt wurden (vgl. Auflistung in vorinstanzlichem Urteil E. II.4.2.2). Allerdings ist den Auszü-

gen auch zu entnehmen, dass auf dessen Konto diverse Gutschriften von verschiedenen Zah-

lungsabsendern eingingen. Als Gutschriften finden sich auf seinem Konto unter anderem re-

gelmässige Zahlungen der H.__ GmbH in Höhe von Fr. 5‘000.– mit dem Buchungstext „B.__ 

[…] VERGUETUNG 5.000“, diverse als „UMBUCHUNG“ bezeichnete Gutschriften in Höhe von 

Fr. 6‘052.27, Fr. 4‘214.91 oder Fr. 2‘500.– oder auch als „DARLEHEN“ bzw. als „DARLE-

HENSRUECKZAHLUNG“ bezeichnete Gutschriften in Höhe von Fr. 50‘000.– bzw. Fr. 7‘000.– 

(vgl. STA-Nr. A2N 1610000 act. 8.2.3.0062, 0064-0066, 0069f., 0072f., 0078). Dazu kommen 

noch diverse private Aufwendungen, welche der Beschuldigte 2 noch über die F.__ AG in Liq. 

bezahlte (vgl. E. IV.2). Ob einige dieser Gutschriften allenfalls Teil des Lohnanspruchs dar-

stellten, welcher der Beschuldigten 1 gegenüber der H.__ GmbH zustand, lässt sich auf dieser 

Grundlage nicht zweifelsfrei feststellen. Kommt hinzu, dass sich die Belastungen auf dem 

Konto des Beschuldigten 2 in ihrer Höhe weit über dem festgestellten Lohnanspruch der Be-

schuldigten 1 bewegten, womit sich der naheliegende Schluss aufdrängt, der Beschuldigte 2 

habe unabhängig vom Lohn der Beschuldigten 1 über weitere finanzielle Mittel aus anderen 

Quellen verfügt. Ob dies zu Recht geschah oder nicht, ist vorliegend nicht von Bedeutung und 

28│80 

kann daher offen bleiben. Mit Blick auf das dargelegte strafprozessuale Beweismass (vgl. E. 

IV.1.) kann jedenfalls nicht ohne jeden Zweifel als erstellt gelten, dass der Beschuldigte 2 tat-

sächlich den über dem festgelegten Existenzminimum liegenden Lohnanteil der Beschuldigten 

1 zur Deckung privater Bedürfnisse verwendet hat. Demzufolge kann der angeklagte Sachver-

halt in diesem Punkt nicht als rechtsgenügend erstellt erachtet werden. 

 

2.2.3.6 Fazit 

Zusammenfassend kann der Anklagesachverhalt betreffend den Zeitraum von Juli 2013 bis 

Dezember 2013 mit den vorstehend erwähnten Abweichungen als erstellt gelten. 

2.3 Rechtliche Würdigung 

2.3.1 Der Tatbestand von Art. 169 StGB 

Die Vorinstanz hat die wesentlichen rechtlichen Grundlagen zum Tatbestand der Verfügung 

über mit Beschlag belegte Vermögenswerte im Sinne von Art. 169 StGB sowie zur Mittäter-

schaft korrekt dargelegt. Es kann darauf verwiesen werden (vorinstanzliches Urteil E. III.2.1 S. 

106 ff.). Als Ergänzung ist Folgendes festzuhalten: 

Gemäss Art. 96 Abs. 1 SchKG darf der Schuldner bei Straffolge (Art. 169 StGB) ohne Bewilli-

gung des Betreibungsamtes nicht über die gepfändeten Vermögensstücke verfügen. Der pfän-

dende Beamte macht ihn darauf und auf die Straffolge ausdrücklich aufmerksam.  

Nach Art. 169 StGB macht sich unter anderem strafbar, wer eigenmächtig zum Schaden der 

Gläubiger über einen amtlich gepfändeten Vermögenswert verfügt. Nach ständiger Rechtspre-

chung des Bundesgerichts sind unter Vermögenswerten auch Rechte und andere Forderun-

gen zu verstehen, namentlich der Anspruch auf Lohn und anderes Arbeitseinkommen, unab-

hängig davon, ob der Verdienst aus unselbständiger oder selbständiger Erwerbstätigkeit 

stammt. Art. 169 StGB erfasst auch den gepfändeten Anspruch auf Lohn, der noch nicht ver-

dient ist und ebenso den gepfändeten künftigen Verdienst aus selbständiger Tätigkeit (MAR-

TINA A. MICHAEL, Verfügung über mit Beschlag belegte Vermögenswerte nach Art. 169 StGB, 

Diss. Zürich 2009, S. 46 ff. mit Hinweisen).  

Zwischen der Pfändung eines aus selbständiger Erwerbstätigkeit herrührenden Verdienstes 

und der Pfändung eines durch eine unselbständige Erwerbstätigkeit verdienten Lohnes be-

steht hinsichtlich der rechtlichen Natur des Pfändungsobjektes kein Unterschied. In beiden 

Fällen handelt es sich beim Pfändungsobjekt um Forderungen, welche dem Schuldner aus 

seiner Erwerbstätigkeit zustehen. Der Unterschied offenbart sich erst im Vollzug: Bei der un-

29│80 

selbständigen Erwerbstätigkeit besitzt der Schuldner eine Forderung aus Arbeitsvertrag ge-

genüber dem jeweiligen Arbeitgeber (WINKLER, in: Schulthess-Kommentar SchKG, Kostkie-

wicz/Vock [Hrsg.], N. 2 ff. zu Art. 93 SchKG). Wird eine Lohnpfändung verfügt, so wird die 

Lohnforderung dem Arbeitgeber als Drittschuldner angezeigt und der pfändbare Lohnanteil bei 

diesem eingezogen (vgl. Art. 99 SchKG). Im Rahmen einer selbständigen Erwerbstätigkeit 

besitzt der Schuldner hingegen in der Regel eine Mehrzahl von Forderungen gegenüber ver-

schiedenen Kunden. Aufgrund des unbestimmten Kreises von Drittschuldnern ist bei der Ver-

dienstpfändung mithin nur das Surrogat dieser Forderungen in Form des Nettoverdienstes 

beim Schuldner selbst greifbar (VONDER MÜHLL, in: Basler Kommentar SchKG I, N. 52 zu Art. 

93 SchKG). Bei der Verdienstpfändung obliegt die Pflicht zur Ablieferung der gepfändeten 

Quoten folglich – anders als bei der Lohnpfändung – nicht dem Arbeitgeber, sondern dem 

Selbständigerwerbenden selbst.  

Des Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass für die Annahme der Mittäterschaft im Sinne der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung zwei Voraussetzungen erfüllt sein müssen: Zum einen 

müssen die Tatbeteiligten aufgrund eines gemeinsamen Tatentschlusses handeln. Zum ande-

ren muss jeder Mittäter einen Tatbeitrag erbringen, der für die Ausführung des Delikts so we-

sentlich ist, dass sie mit ihm steht oder fällt bzw. er als Hauptbeteiligter dasteht. Das blosse 

Wollen der Tat, der subjektive Wille allein genügt zur Begründung der Mittäterschaft nicht. Der 

Mittäter muss vielmehr bei der Entschliessung, Planung oder Ausführung der Tat auch tat-

sächlich mitwirken (BGE 135 IV 152 E. 2.3.1; 130 IV 58 E. 9.2.1). 

2.3.2 Tatrelevanter Zeitraum von März 2013 bis Juni 2013 

Fest steht, dass gegen die Beschuldigte 1 am 26. Februar 2013 eine Lohnpfändung verfügt 

wurde, wonach sämtliches Einkommen, welches das festgelegte Existenzminimum von 

Fr. 4‘840.10 übersteigt, dem Betreibungsamt abzuliefern sei (STA-Nr. A2N 16 10000 act. 

11.1.1.0025). Diese Lohnpfändung wurde ihrem Arbeitgeber, der F.__ AG in Liq., als Dritt-

schuldner der gepfändeten Lohnforderung mit Schreiben vom 26. Februar 2013 im Sinne von 

Art. 99 SchKG angezeigt. Demgemäss wurde die F.__ AG in Liq. aufgefordert, die gepfände-

ten Lohnquoten monatlich an das Betreibungsamt abzuliefern. Zugleich wurde sie gestützt auf 

Art. 99 SchKG darauf hingewiesen, dass die gepfändeten Beträge rechtsgültig nur noch an 

das Betreibungsamt geleistet werden können (STA-Nr. A2N 16 10000 act. 11.1.1.0037). Auch 

die Beschuldigte 1 als Schuldnerin wurde ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass jede 

vom Betreibungsamt nicht bewilligte Verfügung über die gepfändeten Vermögenswerte straf-

bar sei. Der Beschuldigte 2 hat das Pfändungsprotokoll namens der Beschuldigten 1 unter-

schrieben und damit bestätigt, vom Strafhinweis Kenntnis genommen zu haben (STA-Nr. A2N 

30│80 

16 10000 act. 11.1.1.0014-16). Ungeachtet dessen, bezahlte der Beschuldigte 2 als faktischer 

Geschäftsführer der F.__ AG in Liq. der Beschuldigten 1 Lohnbeträge aus, die weit über dem 

festgelegten Existenzminimum lagen. Insgesamt verblieb nach Abzug des zuhanden des Be-

treibungsamtes überwiesenen Betrages von Fr. 1‘179.60 eine Lohnquote von total 

Fr. 23‘793.20, die dem Betreibungsamt nicht abgeliefert wurde (STA-Nr. A2N 16 10000 act. 

11.1.1.0111). 

Wie der Beschuldigte 2 jedoch zu Recht einwendet, besteht die Besonderheit einer Lohnpfän-

dung darin, dass Gegenstand der Pfändung nicht etwa der vom Lohn abzuziehende Geldbe-

trag als solcher bildet, sondern ausschliesslich der das Existenzminimum übersteigende Teil 

der Lohnforderung. Massgebendes Pfändungsobjekt war also nicht das Geld per se bzw. der 

Lohn als solcher vor der Auszahlung, sondern vielmehr die der Beschuldigten 1 gegenüber 

ihrem Arbeitgeber zustehende Forderung auf den betreffenden Anteil am Lohn (BBl 1991 II 

969 S. 1068; BGE 86 IV 170 S. 172 ff.; Urteil des Bundesgerichts 6B_483/2008 vom 12. No-

vember 2008 E. 2.4; HAGENSTEIN, in: Basler Kommentar StGB II, 4. Aufl. 2014, N. 43 zu Art. 

169; STRATENWERTH/JENNY/BOMMER, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I, 7. Aufl. 

2010, § 23 N. 43). Wird eine Lohnpfändung verfügt, so wird diese dem Arbeitgeber als Dritt-

schuldner der gepfändeten Lohnforderung nach Art. 99 SchKG angezeigt und die gepfändeten 

Beträge direkt bei ihm eingezogen. Mit der Anzeige nach Art. 99 SchKG wird der Arbeitgeber 

dementsprechend über die Höhe der verfügten Lohnpfändung informiert und angewiesen, dem 

Betreibungsamt die gepfändeten Lohnquoten monatlich abzuliefern. Dies, mit dem Hinweis, 

dass die gepfändeten Beträge rechtsgültig nur an das Betreibungsamt geleistet werden kön-

nen (vgl. Art. 99 SchKG). Mithin kann ein Arbeitgeber, dem eine Lohnpfändung angezeigt wor-

den ist, mit befreiender Wirkung nur an das Betreibungsamt leisten. Bezahlt der Arbeitgeber 

dem Schuldner ungeachtet dessen den gesamten Lohn aus, so hat dies folglich keine Auswir-

kungen auf den Bestand der gepfändeten Lohnforderung. Diese bleibt als alleiniges Pfän-

dungsobjekt vielmehr solange bestehen, als sie nicht getilgt ist. Durch die Auszahlung an den 

Schuldner riskiert der Arbeitgeber mithin, doppelt bezahlen zu müssen (BGE 86 IV 170 S. 172 

ff.; Urteil des Bundesgerichts 6B_483/2008 vom 12. November 2008 E. 2.4; PHILIPP KUNZ, 

Strafbar aus Nichts? Zur Strafbarkeit der Nichtablieferung gepfändeter Einkommensquoten, 

in: Insolvenz- und Wirtschaftsstrafrecht 3/2001, S. 101 f.; LEBRECHT, in: Basler Kommentar 

SchKG I, N. 10 zu Art. 99 SchKG). Vorliegend wurde der F.__ AG in Liq. als Arbeitgeber der 

Beschuldigten 1 die gegen sie verfügte Lohnpfändung im Sinne von Art. 99 SchKG angezeigt. 

Damit konnten die gepfändeten Lohnbeträge mit befreiender Wirkung nur noch an das Betrei-

bungsamt geleistet werden. Indem der Beschuldigte 2 als faktischer Geschäftsführer der F.__ 

31│80 

AG in Liq. der Beschuldigten 1 ungeachtet der Pfändungsanzeige weiterhin den gesamten 

Lohn ausbezahlte, wurde die gepfändete Forderung demnach nicht getilgt; der mit Beschlag 

belegte Teil der Lohnforderung blieb als alleiniges Pfändungsobjekt vielmehr bestehen, da der 

Arbeitgeber aufgrund der erfolgten Pfändungsanzeige nach Art. 99 SchKG gültig nur noch an 

das Betreibungsamt leisten konnte. Dem Betreibungsamt bzw. dem Pfändungsgläubiger blieb 

es demzufolge weiterhin unbenommen, die betreffende Forderung gegenüber dem Arbeitge-

ber der Beschuldigten 1 geltend zu machen (vgl. Art. 131 SchKG; SCHLEGEL/ZOPFI, in: 

Schulthess-Kommentar SchKG, Kostkiewicz/Vock [Hrsg.], N. 9 f. zu Art. 99 SchKG). 

Im Sinne dieser Erwägungen ist festzuhalten, dass der Beschuldigte 2 als faktischer Ge-

schäftsführer der F.__ AG in Liq. den gepfändeten Anteil der Lohnforderung mit Blick auf Art. 

99 SchKG rechtsgültig nur an das Betreibungsamt leisten konnte. Die Überweisung des ge-

samten Lohnes zuhanden der Beschuldigten 1 hatte folglich keine Auswirkung auf den Be-

stand der gepfändeten Lohnforderung und stellte daher keine Verfügung über mit Beschlag 

belegte Vermögenswerte im Sinne von Art. 169 StGB dar. Aus dem vorstehend Dargelegten 

erhellt nämlich, dass diesfalls die gepfändete Forderung vielmehr bestehen bleibt, da der Ar-

beitgeber nicht mit befreiender Wirkung an den Arbeitnehmer leisten kann (vgl. KUNZ, a.a.O., 

S. 103 f.). Aus demselben Grund erfüllt auch das anderweitige Verwenden der zu viel ausbe-

zahlten Gelder durch den Beschuldigten 2 den Tatbestand von Art. 169 StGB nicht. Er ist 

daher vom Vorwurf der Verfügung über mit Beschlag belegte Vermögenswerte nach Art. 169 

StGB freizusprechen. 

In Bezug auf die Beschuldigte 1 gilt es hingegen festzuhalten, dass sie als Arbeitnehmerin und 

Betreibungsschuldnerin durch die Pfändungsanzeige an den Arbeitgeber nicht von ihrer Pflicht 

zur Ablieferung der gepfändeten Lohnquoten entbunden wird (vgl. HAGENSTEIN, a.a.O., N. 10 

zu Art. 169 StGB; Urteil des Bundesgerichts 6P.67/2004 vom 6. August 2014 E. 6; RS 1985 

Nr. 874). Auch wenn ihr folglich – in Missachtung der Pfändungsanzeige – der gesamte Lohn 

ausbezahlt wurde, wäre sie demnach verpflichtet gewesen, die gepfändeten Beträge dem Be-

treibungsamt weiterzuleiten. Indem sie im Zeitraum von März 2013 bis Juni 2013 die pfändbare 

Quote von insgesamt Fr. 23'793.20 (vgl. E. IV.2.2.2.4) nicht an das Betreibungsamt ablieferte, 

sondern diese stattdessen anderweitig verwendete, verfügte sie folglich eigenmächtig über die 

gepfändeten Beträge und schädigte damit ihren Gläubiger. Die Beschuldigte 1 wusste um die 

am 26. Februar 2013 gegen sie verfügte Lohnpfändung und kannte demnach auch ihre Pflicht 

zur Ablieferung der gepfändeten Lohnquoten. Ungeachtet dessen, bezog sie weiterhin ihren 

vollen Lohn und lebte ihren hohen Lebensstandard weiter, als ob nie eine Lohnpfändung ver-

fügt worden wäre. Die Beschuldigte 1 wusste auch, dass die Nichtablieferung der gepfändeten 

32│80 

Beträge zum Nachteil ihres Gläubigers wenigstens vorübergehend – entgegen dem Willen des 

Betreibungsamtes – die Verwertung der gepfändeten Vermögenswerte verunmöglichen wür-

den und damit das Betreibungsverfahren zu dessen Nachteil erheblich beeinträchtigt bzw. 

deutlich verzögert würde; diesen Erfolg hat sie zumindest gewollt. Dies, obwohl sie in Anbe-

tracht ihres hohen Einkommens ohne Weiteres in der Lage gewesen wäre, der verfügten Lohn-

pfändung nachzukommen. Stattdessen entschied sie sich, die gepfändeten Vermögenswerte 

nicht an das Betreibungsamt abzuliefern, sondern diese entgegen dessen Willen anderweitig 

zu verwenden, namentlich um ihren gewohnten, hohen Lebensstandard aufrechtzuerhalten. 

Ihre Handlungsweise richtete sich folglich ganz bewusst gegen die Interessen ihres Gläubi-

gers. Die Beschuldigte 1 verfügte demnach wissentlich und willentlich, mithin vorsätzlich, über 

die mit Beschlag belegten Vermögenswerte. Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die Be-

schuldigte 1 den Tatbestand von Art. 169 StGB in objektiver und subjektiver Hinsicht verwirk-

licht hat. Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe sind keine ersichtlich. Sie ist folglich 

der Verfügung über mit Beschlag belegte Vermögenswerte im Sinne von Art. 169 StGB schul-

dig zu sprechen. 

2.3.3 Tatrelevanter Zeitraum von Juli 2013 bis Dezember 2013 

2.3.3.1 Die Beschuldigte 1 

Gemäss erstelltem Sachverhalt war die Beschuldigte 1 ab Juli 2013 bei der H.__ GmbH als 

Ärztin angestellt. Obwohl die am 26. Februar 2013 gegen sie verfügte Lohnpfändung weiterhin 

in Kraft war, hat es die Beschuldigte 1 unterlassen, das Betreibungsamt über ihren Stellen-

wechsel in Kenntnis zu setzen. Dementsprechend konnte dem neuen Arbeitgeber der Be-

schuldigten 1 denn auch nicht angezeigt werden, dass die gepfändeten Lohnquoten rechts-

gültig nur an das Betreibungsamt geleistet werden können (Art. 99 SchKG). Konnte die Lohn-

pfändung dem Arbeitgeber noch nicht angezeigt werden, so geht die gepfändete Forderung 

mit ihrer Bezahlung an den Arbeitnehmer unter und an Stelle der Forderung tritt das ausbe-

zahlte Geld (BGE 86 IV 170 S. 173 f.; KUNZ, S. 103). Infolge Tilgung der gepfändeten Lohn-

forderung durch Bezahlung wäre die Beschuldigte 1 als Betreibungsschuldnerin demnach ver-

pflichtet gewesen, dem Betreibungsamt den ihr ausbezahlten Lohn abzuliefern, sobald sie in 

dessen Besitz gelangt. Mit dem Stellenwechsel während der Dauer der Lohnpfändung ging 

die Lohnpfändung nämlich nicht unter, sondern beschlug ohne Weiteres auch den Lohn aus 

dem neuen Arbeitsverhältnis (BGE 140 V 441 E. 3.5; 107 III 78 E. 3; 93 III 33 E. 1). 

Wie bereits festgestellt wurde (vgl. E. IV.2.2.3.3), bezog die Beschuldigte 1 im tatrelevanten 

Zeitraum einen monatlichen Lohn von Fr. 11‘581.72. Der Lohnanteil von Fr. 2‘358.80 wurde 

ihr im Monat Juli 2013 auf ihr Konto bei der Postfinance ausbezahlt und in den Monaten August 

33│80 

bis Dezember 2013 auf das Privatkonto des Beschuldigten 2. Wie der Restbetrag des Lohnes 

ausbezahlt wurde, lässt sich aufgrund der Aktenlage zwar nicht nachvollziehen, ist vorliegend 

jedoch unerheblich. Relevant ist lediglich, dass sie den Lohn von Fr. 11‘581.72 effektiv erzielte. 

Abzüglich des ab Juli 2013 geltenden Existenzminimums von Fr. 3‘124.10 ergibt dies eine 

pfändbare Quote von Fr. 8'457.62 pro Monat. Dieser Betrag war während der fraglichen Pfän-

dungsperiode mit Beschlag belegt und war der Verfügungsbefugnis der Beschuldigten 1 ent-

zogen bzw. hätte dem Betreibungsamt abgeliefert werden müssen. Indem die Beschuldigte 1 

als Schuldnerin der betriebenen Forderung die pfändbaren Quoten nicht an das Betreibungs-

amt ablieferte, sondern anderweitig verwendete, verfügte sie folglich eigenmächtig über mit 

Beschlag belegte Vermögenswerte. Entgegen den Ausführungen der Beschuldigten 1 spielt 

es dabei keine Rolle, wie und wofür sie diese Vermögenswerte genau verwendete. Wesentlich 

ist einzig, dass sie effektiv einen weit über dem festgelegten Existenzminimum liegenden Lohn 

erzielte, die gepfändeten Lohnquoten dem Betreibungsamt jedoch nicht zukommen liess und 

damit ihren Gläubiger, den Privatkläger 1, schädigte. Dem Privatkläger wurde schliesslich ein 

Verlustschein in Höhe von Fr. 25‘144.63 ausgestellt (STA-Nr. A2N 16 10000 act. 11.1.1.0070). 

Die Beschuldigte 1 kannte ihre Pflicht zur Ablieferung der gepfändeten Lohnquoten und wusste 

auch, dass die am 26. Februar 2013 gegen sie verfügte Lohnpfändung im Zeitpunkt ihres Stel-

lenwechsels noch in Kraft war. Diesbezüglich kann auf die zutreffenden und unbestrittenen 

gebliebenen Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (vorinstanzliches Urteil E. 

II.4.6.3 S. 58 f.; III.2.2.1.1-2.2.1.2 S. 115-117; Art. 82 Abs. 4 StPO). Die Beschuldigte 1 wusste 

auch, dass die Nichtablieferung der gepfändeten Lohnquoten zum Nachteil des Gläubigers 

bzw. des Privatklägers 1 wenigstens vorübergehend – gegen den Willen des Betreibungsam-

tes – die Verwertung der gepfändeten Vermögenswerte verunmöglichen würden und damit 

das Betreibungsverfahren zu dessen Nachteil erheblich beeinträchtigt bzw. deutlich verzögert 

würde; diesen Erfolg hat sie zumindest gewollt. Sie wäre in Anbetracht ihres hohen Einkom-

mens ohne Weiteres in der Lage gewesen, der verfügten Lohnpfändung nachzukommen. Un-

geachtet dessen, entschied sich die Beschuldigte 1 die gepfändeten Vermögenswerte nicht 

an das Betreibungsamt abzuliefern, sondern diese stattdessen entgegen dessen Willen an-

derweitig zu verwenden, namentlich um ihren gewohnten, hohen Lebensstandard aufrechtzu-

erhalten. Ihre Handlungsweise richtete sich folglich ganz bewusst gegen die Interessen ihres 

Gläubigers. Die Beschuldigte 1 verfügte demnach wissentlich und willentlich, mithin vorsätz-

lich, über die mit Beschlag belegten Vermögenswerte.  

34│80 

Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die Beschuldigte 1 den Tatbestand von Art. 169 StGB 

in objektiver und subjektiver Hinsicht verwirklicht hat. Rechtfertigungs- oder Schuldausschluss-

gründe sind keine ersichtlich. Die Beschuldigte 1 ist daher der Verfügung über mit Beschlag 

belegte Vermögenswerte im Sinne von Art. 169 StGB schuldig zu sprechen.  

2.3.3.2 Der Beschuldigte 2 

Gemäss Anklageschrift sei der Beschuldigte 2 als faktischer Geschäftsführer der H.__ GmbH 

verpflichtet gewesen, der gegen die Beschuldigte 1 verfügten Lohnpfändung nachzukommen. 

Er hätte insbesondere sicherstellen müssen, dass die gepfändeten Lohnquoten nicht an die 

Beschuldigte 1 ausbezahlt werden, sondern die Beträge zurückbehalten und dem Betrei-

bungsamt überwiesen werden. Dessen ungeachtet, hätten die Beschuldigten die gepfändeten 

Lohnquoten der Monate Juli bis Dezember 2013 zweckwidrig, namentlich für eigene private 

Bedürfnisse ausgegeben. Damit werden dem Beschuldigten 2 folgende Verfehlungen zur Last 

gelegt: Zum einen die Nichtablieferung der gepfändeten Lohnquoten zuhanden des Betrei-

bungsamtes in seiner Funktion als faktischer Geschäftsführer der H.__ GmbH; zum anderen 

das Ausgeben der gepfändeten Lohnquoten für private Bedürfnisse gemeinsam mit seiner 

Ehefrau, der Beschuldigten 1. 

Die Vorinstanz hat zutreffend darauf hingewiesen, dass der sog. Verstrickungsbruch nach Art. 

169 StGB von jedermann begangen werden kann, d.h. sowohl vom Schuldner, wie auch von 

den Gläubigern oder Dritten (HAGENSTEIN, a.a.O., N. 2 zu Art. 169). Damit kommt der Beschul-

digte 2 als Dritter ebenfalls als Täter in Frage. Kritisch zu hinterfragen ist jedoch, ob der Be-

schuldigte 2 durch die ihm anklagegemäss vorgeworfenen Verfügungshandlungen tatbe-

standsmässig im Sinne von Art. 169 StGB handelte. Im Zentrum der Verfügungshandlung 

muss nämlich immer der verstrickte Vermögenswert selbst stehen. Diese Voraussetzung hat 

das Bundesgericht insbesondere für Lohnpfändungen hervorgehoben, indem es betont hat, 

dass die Lohnforderung und nicht der Lohn als solcher vor Auszahlung gepfändet sei (BGE 86 

IV 170 S. 173; Urteil des Bundesgerichts 6B_483/2008 vom 12. November 2008 E. 2.4.2; HA-

GENSTEIN, a.a.O., N. 43 zu Art. 169 StGB m.w.H.; STRATENWERTH/JENNY/ BOMMER, a.a.O., 

§ 23 N. 43). Wie vorstehend dargelegt (vgl. E. IV.2.3.2), ersetzt allerdings bei Tilgung der ge-

pfändeten Forderung durch rechtsgültige Bezahlung der eingehende Geldbetrag die unterge-

gangene Forderung als Pfändungsobjekt. Der an Stelle der gepfändeten Forderung tretende 

Geldbetrag ist vom Schuldner dem Betreibungsamt abzuliefern, sobald er in dessen Besitz 

gelangt (vgl. BGE 86 IV 170 S. 174).  

In vorliegendem Fall hat es die Beschuldigte 1 unterlassen, dem Betreibungsamt ihren Stel-

lenwechsel per Juli 2013 bekannt zu geben, weshalb ihrem neuen Arbeitgeber, der H.__ 

35│80 

GmbH, die verfügte Lohnpfändung nicht im Sinne von Art. 99 SchKG angezeigt werden 

konnte. Die gepfändete Lohnforderung ging folglich mit ihrer Bezahlung an die Beschuldigte 1 

als Arbeitnehmerin unter. Infolge Tilgung der gepfändeten Lohnforderung durch Bezahlung 

trat das der Beschuldigten 1 ausbezahlte Geld an die Stelle der untergegangenen Forderung 

und ersetzte diese als Pfändungsobjekt. Die Beschuldigte 1 als Schuldnerin war mithin ver-

pflichtet, den eingehenden Geldbetrag im Umfang der festgelegten Lohnpfändungsquote dem 

Betreibungsamt abzuliefern, sobald sie in dessen Besitz gelangt. Der Beschuldigte 2 hingegen 

verfügte durch das Überweisen der gesamten Lohnsumme zuhanden der Beschuldigten 1 

über deren Lohn vor Auszahlung und somit nicht über den verstrickten Vermögenswert selbst, 

sondern über Gelder, die wirtschaftlich betrachtet der H.__ GmbH gehören. Die Verfügungs-

handlungen der Beschuldigten betrafen folglich unterschiedliche Vermögenswerte, weshalb 

der Beschuldigte 2 durch die Überweisung des gesamten Lohnes zuhanden der Beschuldigten 

1 nicht über den mit Beschlag belegten Vermögenswert verfügte. Darüber hinaus war der Be-

schuldigte 2 als faktischer Geschäftsführer der H.__ GmbH denn auch nicht verpflichtet, der 

gegen die Beschuldigte 1 verfügten Lohnpfändung nachzukommen. Er bedurfte keiner be-

hördlichen Ermächtigung durch das Betreibungsamt, um die Lohnzahlungen zugunsten der 

Beschuldigten 1 vorzunehmen. Damit handelte er auch nicht eigenmächtig im Sinne von Art. 

169 StGB.  

Als weitere Tathandlung wird dem Beschuldigten 2 vorgeworfen, den zuhanden der Beschul-

digten 1 überwiesenen Lohn gemeinsam mit dieser für eigene private Bedürfnisse ausgegeben 

und damit über einen mit Beschlag belegten Vermögenswert verfügt zu haben. Wie bereits 

ausgeführt, bezog die Beschuldigte 1 im tatrelevanten Zeitraum einen monatlichen Lohn von 

Fr. 11‘581.72. Davon wurde lediglich ein Anteil von Fr. 2'358.80 auf das Privatkonto des Be-

schuldigten 2 überwiesen. Wie der Restbetrag des Lohnes ausbezahlt wurde, lässt sich an-

hand der Aktenlage hingegen nicht mehr nachvollziehen. Soweit der Beschuldigte 2 den Lohn-

anteil von Fr. 2'358.80 zur Deckung laufender privater Kosten verwendete, verfügte er zwar 

über einen zugunsten der Beschuldigten 1 ausbezahlten Lohnbetrag; dieser Betrag lag jedoch 

unter dem festgelegten Existenzminimum und war daher vom Pfändungsbeschlag nicht er-

fasst. Durch Verwendung dieses Lohnanteils zur Deckung privater Kosten verfügte der Be-

schuldigte 2 mithin nicht über einen mit Beschlag belegten Vermögenswert. Ob der Beschul-

digte 2 gemeinsam mit der Beschuldigten 1 auch über den das Existenzminimum übersteigen-

den Lohnanteil verfügt hat, lässt sich hingegen weder anhand des angeklagten Sachverhaltes 

noch anhand der vorliegenden Aktenlage mit der erforderlichen Sicherheit belegen (vgl. E. 

IV.2.2.3.5). Seine Kontobewegungen legen vielmehr den Schluss nahe, dass der Beschuldigte 

36│80 

2 unabhängig vom Lohnanspruch der Beschuldigten 1 über weitere finanzielle Mittel und Ver-

mögenswerte aus anderen Quellen verfügte und sich allenfalls daraus unrechtmässig berei-

cherte (vgl. E. IV.2.2.3.5). Wie der Beschuldigte 2 zu Recht vorbringt, würden die entsprechen-

den Tathandlungen wohl eher den Tatbestand der qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesor-

gung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB erfüllen. Aufgrund des Verbotes der reformatio 

in peius sowie des Anklagegrundsatzes (Art. 10 StPO) erübrigen sich indes diesbezügliche 

Weiterungen. Mit Blick auf den vorliegend zu beurteilenden Anklagevorwurf kann jedenfalls 

nicht ohne jeden Zweifel als erstellt gelten, dass der Beschuldigte 2 tatsächlich über die ge-

pfändeten Lohnanteile der Beschuldigten 1 und damit über jene Vermögenswerte verfügt hat, 

die mit Beschlag belegt waren. Unter diesen Umständen verbietet der Grundsatz „in dubio pro 

reo“ die Annahme einer strafbaren Handlung im Sinne von Art. 169 StGB zulasten des Be-

schuldigten 2. 

Nach dem Gesagten ist nicht ersichtlich, durch welche Tathandlungen der Beschuldigte 2 ei-

nen derart wesentlichen Tatbeitrag zur Ausführung des Delikts erbracht hat, dass sie mit ihm 

steht oder fällt bzw. er als Hauptbeteiligter dasteht. Es darf in diesem Zusammenhang denn 

auch nicht übersehen werden, dass die Beschuldigte 1 den Deliktstatbestand von Art. 169 

StGB ganz in eigener Person verwirklicht hat. Aufgrund der vorliegenden Beweislage ist zwar 

davon auszugehen, dass der Beschuldigte 2 die Tatausführung ebenso gewollt hat. Einzig 

damit lässt sich jedoch noch keine Mittäterschaft begründen. Erforderlich ist vielmehr, dass er 

in massgebender Weise auch tatsächlich mitgewirkt hat und damit einen strafrechtlich rele-

vanten, kausalen Tatbeitrag hinsichtlich der Verfügung über mit Beschlag belegte Vermögens-

werte geleistet hat. Da sich ein solcher Tatbeitrag anhand der in der Anklageschrift umschrie-

benen Tatumstände nicht ausmachen lässt, kann der Beschuldigte 2 vorliegend nicht als Mit-

täter im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung qualifiziert werden. Er ist daher vom 

Vorwurf der Verfügung über mit Beschlag belegte Vermögenswerte nach Art. 169 StGB frei-

zusprechen. 

3. Qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung nach Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB 

Anklageschrift vom 17. Januar 2019; STA-Nr. A2N 16 10000 

3.1 Anklagevorwurf 

Unter dem Titel der mehrfachen qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung wird dem Be-

schuldigten 2 zusammengefasst vorgeworfen, zwischen Mai 2012 und Oktober 2013 als fak-

tischer Geschäftsführer der F.__ AG in Liq. pflichtwidrig über das Vermögen der Gesellschaft 

verfügt zu haben, indem er daraus geschäftsmässig nicht begründete, mithin private Aufwen-

dungen habe bezahlen lassen, die mit dem Alleinaktionär und Verwaltungsrat der F.__ AG in 

37│80 

Liq. nicht abgesprochen gewesen seien. Auf diese Weise habe er der Gesellschaft einen 

Schaden in Höhe von insgesamt Fr. 68‘738.75 und EUR 6‘003.99 zugefügt, mit der Absicht 

sich, die Beschuldigte 1 oder Dritte unrechtmässig zu bereichern.  

Hinsichtlich der einzelnen Transaktionen, welche dem Beschuldigten 2 in diesem Zusammen-

hang konkret zur Last gelegt werden, sei auf die entsprechende Auflistung in der Anklage-

schrift vom 17. Januar 2019 Ziff. 3.1.2.1-3.1.2.6 verwiesen. 

3.2 Sachverhalt und Beweiswürdigung 

Der Beschuldigte 2 hat den vorstehend dargelegten Anklagesachverhalt vollumfänglich aner-

kannt. Gestützt auf die vorliegende Beweislage (vgl. vorinstanzliches Urteil E. II.6.3-6.6 S. 81-

95) sowie die Anerkennung durch den Beschuldigten kann somit festgehalten werden, dass 

der Sachverhalt gemäss Anklageschrift rechtsgenügend erstellt ist.  

Soweit die Vorinstanz unter dem Titel Anwaltskosten über den angeklagten Sachverhalt hin-

aus noch zwei weitere Transaktionen in Höhe von Fr. 3‘493.80 sowie Fr. 1‘325.80 berücksich-

tigt (vgl. vorinstanzliches Urteil E. II.6.6.2.6 S. 94 f.), ist darauf hinzuweisen, dass diese Trans-

aktionen in der Anklageschrift weder betragsmässig erwähnt noch umschrieben werden. In 

Nachachtung des Anklageprinzips haben die genannten Transaktionen vorliegend ausser 

Acht zu bleiben. Im Übrigen kann auf die Sachverhaltserstellung durch die Vorinstanz verwie-

sen werden (vorinstanzliches Urteil E. II.6.3-6.6 S. 81-95; Art. 82 Abs. 4 StPO). Anklagege-

mäss ist folglich von einem Deliktsbetrag von total Fr. 68‘738.75 und EUR 6‘003.99 auszuge-

hen.  

3.3 Rechtliche Würdigung 

Hinsichtlich der rechtlichen Würdigung des angeklagten Sachverhaltes kann vollumfänglich 

auf die korrekten und zu Recht unbestritten gebliebenen Erwägungen der Vorinstanz verwie-

sen werden (vorinstanzliches Urteil E. III.3 S. 120-124). Der Beschuldigte 2 ist demnach der 

mehrfachen qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 

schuldig zu sprechen. 

38│80 

4. Verfügung über mit Beschlag belegte Vermögenswerte nach Art. 169 StGB 

Anklageschrift vom 7. August 2019; STA-Nr. A2N 18 1900 

4.1 Anklagevorwurf 

Am 16. Februar 2016 habe das Betreibungsamt Nidwalden eine Erwerbspfändung gegen die 

Beschuldigte 1 verfügt, wobei das ihr Existenzminimum von Fr. 3‘516.60 übersteigende Ein-

kommen ab sofort für die Dauer eines Jahres gepfändet worden sei. Auf Beschwerde der Be-

schuldigten 1 hin sei die Erwerbspfändung rückwirkend auf maximal Fr. 6‘810.60 monatlich 

herabgesetzt worden. Folglich habe die Beschuldigte 1 (wie auch der Beschuldigte 2 oder 

andere Dritte) im tatrelevanten Zeitraum nicht über die das Existenzminimum übersteigenden 

Einkünfte verfügen dürfen, und zwar bis zu einem Maximalbetrag von Fr. 6‘810.60 pro Monat. 

Gemäss Anklage hätten die Beschuldigten dem Betreibungsamt vorgespielt, der Erwerbspfän-

dung nachzukommen, indem der Beschuldigte 2 ab dem Geschäftskonto der H.__ GmbH für 

die Monate Februar bis September 2016 geringe Beträge von je Fr. 203.70 bzw. insgesamt 

Fr. 1‘629.60 an das Betreibungsamt überwiesen habe. Effektiv hätten die Beschuldigten je-

doch zwischen Februar 2016 und Februar 2017 gemeinsam über gepfändete Vermögenswerte 

im Umfang von insgesamt Fr. 71‘990.93 verfügt. 

Erstens hätten die Beschuldigten der Beschuldigten 1 einen Nettolohn ausbezahlt, welcher 

das Existenzminimum überstiegen habe. Sie hätten im Rahmen der genannten Überweisun-

gen an das Betreibungsamt ein vorgeblich durch I.__, jedoch effektiv durch den Beschuldigten 

2 erstelltes und unterzeichnetes Begleitschreiben vom 4. April und 30. Juni 2016 eingereicht 

und darin gegenüber dem Betreibungsamt angegeben, dass die Beschuldigte 1 bloss netto Fr. 

2‘367.35 und der Beschuldigte 2 Fr. 915.12 verdiene. Das Einkommen der Beschuldigten 1 

habe jedoch nicht den Tatsachen entsprochen, sondern vielmehr Fr. 3‘960.28 betragen. Dies 

ergebe sich aus dem Verwendungszweck der Lohnüberweisungen, wonach die Beschuldigten 

von einem gemeinsamen Nettoeinkommen von Fr. 4‘875.40 („GEHALT BX+AX“) ausgegan-

gen seien. In diesem Betrag sei auch der Mietzinsanteil der Beschuldigten 1 in Höhe von Fr. 

1‘700.– enthalten. Nach Abzug des Einkommens des Beschuldigten 2 ergebe sich damit ein 

Nettoeinkommen der Beschuldigten 1 in Höhe von Fr. 3‘960.28. Angesichts des vom Betrei-

bungsamt festgelegten Existenzminimums von Fr. 3‘516.60 habe der Beschuldigte 2 der Be-

schuldigten 1 ab dem Geschäftskonto der H.__ GmbH in den Monaten Februar 2016 bis Ja-

nuar 2017 jeweils Fr. 443.68 zu viel überwiesen bzw. dieser Betrag sei zur Bezahlung der 

privaten Mietzinse verwendet worden. Hinzu komme die als „Nachzahlung 2016“ bezeichnete 

Überweisung an die Beschuldigte 1 vom 8. Dezember 2016 in Höhe von Fr. 646.97. Insgesamt 

39│80 

hätten die Beschuldigten damit rechtswidrig über Fr. 5‘971.13 verfügt. Sie hätten diese Be-

träge im Wissen um die Pfändung für die Beschuldigte 1 bzw. für ihre gemeinsamen persönli-

chen Bedürfnisse verwendet.  

Zweitens habe der Beschuldigte 2 in den Monaten Februar 2016 bis Januar 2017 ab dem 

Geschäftskonto der H.__ GmbH insgesamt Fr. 100‘000.– in Tranchen zu Fr. 5‘000.– und 

Fr. 10‘000.– auf das private Kreditkartenkonto der Beschuldigten 1 überwiesen. Als Verwen-

dungszweck dieser Überweisungen sei jeweils „VISA-SPESEN-PAUSCHALE [...] A.__“ ange-

geben worden. Effektiv habe es sich dabei jedoch um geldwerte Leistungen für die Tätigkeit 

der Beschuldigten 1 als Ärztin der H.__ GmbH gehandelt, über welche die Beschuldigten auf-

grund der Erwerbspfändung nicht hätten verfügen dürfen. Die ihrem Kreditkartenkonto gutge-

schriebenen Vermögenswerte habe die Beschuldigte 1 alsdann zweckwidrig für ihre eigenen 

privaten Bedürfnisse verwendet.  

Drittens habe die Beschuldigte 1 im Wissen um die Pfändung private Anwaltskosten durch die 

H.__ GmbH, ausgeführt durch den Beschuldigten 2, bezahlen lassen. Der Beschuldigte 2 habe 

am 17. Juni und 1. Juli 2016 Anwaltskosten in Höhe von insgesamt Fr. 21‘600.– für die Be-

schuldigte 1 bezahlt. Bei diesen Zahlungen habe es sich um Schuldübernahmen durch die 

H.__ GmbH gehandelt, welche als Leistungen an Lohn statt für die Tätigkeit der Beschuldigten 

1 als Ärztin zu qualifizieren seien.  

4.2 Sachverhalt und Beweiswürdigung 

4.2.1 Beweiswürdigung 

Die Vorinstanz hat vorab die vorhandenen Beweismittel ausführlich und korrekt dargelegt (vo-

rinstanzliches Urteil E. II.5.2-II.5.5 S. 63-73), weshalb in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO 

darauf verwiesen werden kann. Darüber hinaus hat der Beschuldigte 2 den angeklagten Sach-

verhalt vollumfänglich anerkannt. Sein Geständnis steht im Einklang mit der vorliegenden Be-

weislage, so dass der vorstehend dargelegte Anklagesachverhalt in Bezug auf die ihm vorge-

worfenen Handlungen mit der Vorinstanz als rechtsgenügend erstellt zu erachten ist. Diesbe-

züglich kann ebenfalls auf die entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden 

(vorinstanzliches Urteil E. II.5.6 S. 73-79). Im Folgenden werden daher lediglich die relevan-

testen Entscheidgrundlagen zusammengefasst bzw. präzisiert und die von der Beschuldigten 

1 ausdrücklich bestrittenen Sachverhaltselemente einer vertieften Prüfung unterzogen. 

 

40│80 

4.2.2 Sachverhaltserstellung betreffend den Zeitraum Februar 2016 bis Februar 2017 

4.2.2.1 Die H.__ GmbH – Stellung und Funktion der Beschuldigten 

Es wurde bereits dargelegt, dass die Beschuldigte 1 am 21. Juni 2013 die H.__ GmbH treu-

händerisch für ihren Schwager, I.__, gegründet hat und aus diesem Grund als einzige Gesell-

schafterin und Geschäftsführerin im Handelsregister eingetragen war (vgl. E. III.2.2.4.1). Wie 

dem entsprechenden Handelsregisterauszu