# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 61e7767b-3ad3-59d3-9740-00f26ac98ad3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-06-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.06.2021 E-2084/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2084-2021_2021-06-22.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2084/2021, E-2085/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 2 .  J u n i  2 0 2 1  

Besetzung 
 Einzelrichter David R. Wenger, 

mit Zustimmung Richter Gérard Scherrer, 

Gerichtsschreiberin Anja Hasler. 

   

Parteien 

 
1. A._______, geboren am (…),  

(E-2084/2021 / N […]), 

dessen Ehefrau 

2. B._______, geboren am (…), 

und deren Kind 

C._______, geboren am (…), 

(E-2085/2021 / N […]), 

alle Albanien, 

alle vertreten durch Laura Aeberli, Advokatur Aeberli,  

(…), 

Beschwerdeführer, 

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 31. März 2021 / N (…), 

N (…). 

 

 

E-2084/2021, E-2085/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführer ersuchten am 4. November 2019 gemeinsam in der 

Schweiz um Asyl. Am 11. November 2019 fanden die Personalienaufnah-

men statt. Die Erstbefragung des Beschwerdeführers fand am 9. Januar 

2020 und die ergänzende Anhörung am 24. Februar 2020 statt. Die Be-

schwerdeführerin wurde am 25. Februar 2020 zu ihren Asylgründen ange-

hört. Mit Zwischenverfügungen vom 27. Februar 2020 wurden die Be-

schwerdeführer dem erweiterten Verfahren zugeteilt. Zur Begründung ihrer 

Asylgesuche führten sie im Wesentlichen aus, sie seien albanische Staats-

angehörige. Die Beschwerdeführerin stamme aus dem Bezirk D._______, 

Albanien, und der Beschwerdeführer aus E._______ im Bezirk F._______, 

Albanien. Nachdem der Beschwerdeführer 1998 jemanden erschossen 

habe, sei er in den Kosovo geflohen, wo er zehn Jahre lang gelebt habe. 

Nach seiner Rückkehr nach Albanien sei er 2009 wegen vorsätzlicher Tö-

tung zu acht Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Beschwerdeführerin 

habe seine Schwester gekannt und diese bei Besuchen im Gefängnis be-

gleitet. So hätten sich die Beschwerdeführer kennengelernt und seien ein 

Paar geworden. Nach der Freilassung des Beschwerdeführers 2013 seien 

beide aufgrund der drohenden Blutrache von Seiten der Familie des Getö-

teten im August 2013 nach Schweden gereist, wo sie ein Asylgesuch ge-

stellt hätten und die gemeinsame Tochter zur Welt gekommen sei. Weil das 

Gesuch abgelehnt worden sei, sei die Familie in den Kosovo gereist. Sie 

hätten sich dort nicht sicher gefühlt und seien deshalb 2016 nach Frank-

reich gegangen. Der Schwager des Beschwerdeführers sei von der Opfer-

familie angegriffen worden, um Informationen über dessen Aufenthaltsort 

zu erhalten. Nachdem das Asylgesuch in Frankreich ebenfalls abgelehnt 

worden sei, seien sie Mitte 2019 nach Albanien zurückgekehrt und hätten 

in einer Wohnung in G._______ gelebt. Zehn Tage nach der Ankunft hätten 

sie die Anwesenheit unbekannter Personen festgestellt. Eine Anzeige bei 

der Polizei sei erfolglos geblieben. Sie hätten Angst bekommen und seien 

nach H._______, Albanien, gezogen. Wenige Tage später habe jemand 

Feuer an der Haustüre der Wohnung in G._______ gelegt. Bereits während 

der Haftzeit habe der Beschwerdeführer mehrfach unter Vermittlung von 

Verwandten, Dorfältesten und Behördenmitgliedern versucht, Friedensver-

handlungen mit der Opferfamilie in die Wege zu leiten, welche jeweils ab-

gelehnt worden seien. Zuletzt habe ein staatlich anerkannter Vermittler ver-

geblich im (…) 2019 in Begleitung von anderen wichtigen Persönlichkeiten 

versucht, das Gespräch mit der Opferfamilie zu suchen. Am 31. Oktober 

E-2084/2021, E-2085/2021 

Seite 3 

2019 seien die Beschwerdeführer mit der gemeinsamen Tochter in die 

Schweiz gereist. 

Die Beschwerdeführerin und der Beschwerdeführer reichten ihre Pässe, 

die Geburtsurkunden und die Familienbüchlein sowie den Pass und die 

Geburtsurkunde der Tochter – alle im Original – ein. Die Beschwerdefüh-

rerin reichte zudem ihre Identitätskarte im Original zu den Akten. 

Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer fol-

gende Beweismittel zu den Akten: 

 Dokumente betreffend (…) Brüder, die in I._______ den Flücht-

lingsstatus erhalten hätten 

 Urteil des Regionalgerichts von J._______ vom 7. April 2009 (inklu-

sive Übersetzung, Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung und Be-

sitz von Schusswaffen) 

 Befehl zur vorzeitigen Haftentlassung des Gerichts K._______ vom 

5. Juni 2013 (inklusive Übersetzung) 

 Auszug aus dem albanischen Vorstrafenregister vom 4. Februar 

2016 (inklusive Übersetzung) 

 Bericht der Polizei vom 5. Mai 2017 betreffend bewaffneten Angriffs 

gegen den Schwager, Einstellung des Verfahrens (inklusive Über-

setzung) 

 Erklärung des Schwagers vor Versöhnungsorganisation und Be-

richt zu den vergeblichen Vermittlungsversuchen (inklusive Über-

setzung) 

 Anzeige bei der Polizei G._______ vom 29. September 2019 be-

züglich der Präsenz von unbekannten Personen im Quartier (inklu-

sive Übersetzung) 

 Polizeibericht vom 4. Oktober 2019 betreffend den Brandanschlag 

auf das Haus in G._______ (inklusive Übersetzung) 

 Unterlagen vom 4. Oktober 2019 hinsichtlich der Übermittlung von 

Akten an die Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit dem 

Brandanschlag auf das Haus in G._______ (inklusive Übersetzung) 

E-2084/2021, E-2085/2021 

Seite 4 

 5 Zeitungsauschnitte zu Fällen von Blutrache in Albanien (ohne per-

sönlichen Bezug) 

 Fotos des Cousins mit Verletzungen und Kopie des Passes 

 zwei Gutachten des Versöhnungskomitees von Herrn L._______ 

vom 3. März 2020 und vom 15. Mai 2020 mit der Bestätigung von 

sechs erfolglosen Versöhnungsversuchen im Zeitraum zwischen 

2008 und 2013 (inklusive Übersetzung) 

 diverse Dokumente hinsichtlich der Einsetzung des Versöhnungs-

komitees (inklusive Übersetzung) 

 zwei Schreiben des Anwalts in Albanien vom 25. Januar 2021 be-

treffend Aufforderung der Staatsanwaltschaft und der Polizeibe-

hörde von G._______, Auskünfte über den Stand der Ermittlungen 

im Zusammenhang mit den vorgenommenen Anzeigen zu erteilen 

(inklusive Übersetzung) 

 mehrere Unterlagen betreffend den Gesundheitszustand, nament-

lich die Vornahme eines operativen Eingriffs (…), ein kardiologi-

sches Leiden, die psychische Betreuung 

B.  

Am 27. August 2020 stellte das SEM eine Anfrage an die Schweizerische 

Botschaft in Tirana, Albanien. Mit Schreiben vom 13. Januar 2021 ge-

währte das SEM den Beschwerdeführern das rechtliche Gehör zur Bot-

schaftsabklärung in Albanien vom 6. Oktober 2020 und zu den erhaltenen 

Schreiben der Polizei sowie des Staatsanwaltes in J._______, Albanien, 

vom 22. September 2020. Die Beschwerdeführer nahmen mit Schreiben 

vom 25. Februar 2021 dazu Stellung. 

C.  

Mit separaten Entscheiden vom 31. März 2021 (eröffnet am 1. April 2021) 

verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführer und 

der gemeinsamen Tochter, lehnte die Asylgesuche ab und verfügte die 

Wegweisungen aus der Schweiz. Es stellte fest, der Beschwerdeführer sei 

wegen Unzulässigkeit und die Beschwerdeführerinnen wegen Unzumut-

barkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen. 

  

E-2084/2021, E-2085/2021 

Seite 5 

D.  

Mit Eingaben vom 3. Mai 2021 erhoben die Beschwerdeführer gegen diese 

Verfügungen Beschwerde. Sie beantragen die Vereinigung der beiden Be-

schwerdeverfahren aus Kosten- und Effizienzgründen, die Aufhebung der 

Verfügungen (Ziffern 1-3 der Dispositive), die Feststellung der Flüchtlings-

eigenschaft und die Gewährung von Asyl. In prozessualer Hinsicht wurde 

jeweils um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt Verzicht 

auf das Erheben eines Kostenvorschusses sowie um Beiordnung der rubri-

zierten Rechtsvertreterin als unentgeltliche Rechtsbeiständin ersucht. 

Der Beschwerde lagen die Honorarnote und die Vollmacht bei. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 

– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerde-

führer sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerdeführung legitimiert 

(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist 

einzutreten (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

1.2 Die Beschwerdeführer stellen Antrag auf Vereinigung der Beschwerde-

verfahren E-2084/2021 und E-2085/2021, dem hiermit aufgrund des engen 

sachlichen Zusammenhangs der Vorbringen entsprochen wird. 

2.  

2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

2.2 Der Wegweisungsvollzug wurde zugunsten der vorläufigen Aufnahme 

aufgeschoben und bildet deshalb nicht Gegenstand des Beschwerdever-

fahrens. 

2.3 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-

cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-

weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie 

nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Ur-

teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

E-2084/2021, E-2085/2021 

Seite 6 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

3.  

Der Antrag der Beschwerdeführer, wonach die Gehörsverletzung im Ent-

scheid über die Kostenverteilung berücksichtigt werden solle, ist nicht nä-

her begründet und wird hiermit abgewiesen. Es ist zwar ein bedauerlicher 

Umstand, dass jeweils die zweiten Seiten der vorinstanzlichen Verfügun-

gen fehlten und diese den Beschwerdeführern nachgereicht werden muss-

ten. Sie erwähnten in der Beschwerde jedoch selber, die Gehörsverletzung 

sei damit geheilt. Im Übrigen handelte es sich bei den fehlenden Seiten 

jeweils um die Zusammenfassung der Sachverhalte, welche sich auch aus 

den Protokollen ergeben und den Beschwerdeführern zugänglich waren. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 Abs. 3 und Art. 3 AsylG). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz kommt in den angefochtenen Verfügungen im Wesent-

lichen zum Schluss, die Verfolgung durch die Familie des Getöteten gründe 

in der Rache. Nach konstanter bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtspre-

chung mangle es bei privaten Familienfehden am Erfordernis der flücht-

lingsrechtlich relevanten Verfolgungsmotivation. Es liege keine Verfol-

gungsabsicht nach einem der unter Art. 3 AsylG in abschliessender Weise 

E-2084/2021, E-2085/2021 

Seite 7 

aufgeführten Gründe vor. In Betracht käme allenfalls der Aspekt der Zuge-

hörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe. Vorliegend würden sich die 

Drohungen allerdings gegen den Beschwerdeführer als Individuum richten 

und nicht als Mitglied seiner Familie und demnach komme der Gruppenas-

pekt nicht zum Tragen. Es handle sich vielmehr um eine Situation einer 

klassischen Vergeltungsandrohung gegen den Urheber einer vorangegan-

genen Tat. Somit könne grundsätzlich die Annahme einer flüchtlingsrecht-

lich relevanten Drohung ausgeschlossen werden. Die eingereichten Unter-

lagen und die im Rahmen des rechtlichen Gehörs aufgeworfenen Fragen 

seien nicht in der Lage, die vorangegangenen Schlussfolgerungen hin-

sichtlich der Frage der Flüchtlingseigenschaft anderweitig zu beeinflussen. 

Sie würden hingegen bei der Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvoll-

zugs berücksichtigt werden. Die Bedrohung durch Familienmitglieder der 

vom Beschwerdeführer getöteten Person sei asylrechtlich nicht relevant 

und das Vorbringen halte den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft 

gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. 

5.2 Auf Beschwerdeebene führen die Beschwerdeführer aus, dass ihnen 

in formeller Hinsicht die Asylentscheide erst mit E-Mails der Vorinstanz vom 

26. April 2021 vollständig eröffnet worden seien. In den ursprünglich zuge-

stellten Asylentscheiden habe jeweils die zweite Seite der Verfügungen ge-

fehlt. Diese seien erst nach dem dritten Akteneinsichtsgesuch nachgereicht 

worden. Im Hinblick auf den Anspruch auf rechtliches Gehör sowie das Be-

schwerderecht der Beschwerdeführer erscheine das Verhalten der Vor-

instanz problematisch. Die Beschwerdefrist sei aus Sicht der Rechtsvertre-

tung erst mit der Zustellung der vollständigen Entscheide ausgelöst wor-

den. Diese Frage spiele vorliegend jedoch keine Rolle, da die Beschwerde 

in jedem Fall fristgerecht erhoben worden sei. Durch das Nachreichen der 

fehlenden Seiten sei auch die Gehörsverletzung geheilt worden. Die Be-

schwerdeführer bitten das Gericht jedoch, die Gehörsverletzung im Ent-

scheid über die Kostenverteilung zu berücksichtigen, soweit die Be-

schwerde abgewiesen werden sollte. Es sei eine Beschwerdeschrift für 

beide Beschwerdeführer eingereicht worden, da die Fälle auf dem gleichen 

Sachverhalt beruhten und sich rechtlich die gleichen Fragen stellten. In 

diesem Sinne würden die Beschwerdeführer aus Kosten- und Effizienz-

gründen die Vereinigung der beiden Beschwerdeverfahren beantragen. 

Unbestritten sei, dass dem Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in den 

Heimatstaat Verfolgungsmassnahmen durch die Familie des Getöteten 

und damit eine Verletzung von Art. 3 EMRK drohen würde. Dieser Ent-

scheid sei beachtlich, gelte Albanien laut Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG i.V.m. 

E-2084/2021, E-2085/2021 

Seite 8 

Anhang 2 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, 

SR 142.311) als verfolgungssicherer Heimat- beziehungsweise Herkunfts-

staat. Es stelle sich folglich die Frage, warum der funktionierende Rechts-

staat Albanien gerade dem Beschwerdeführer den Schutz verweigere, 

wenn alle anderen Bürgerinnen und Bürger laut Schweizer Behörden in 

Albanien Schutz erhielten. Es sei nicht nur zu prüfen, ob sich die privaten 

Verfolger auf ein flüchtlingsrechtlich relevantes Motiv stützten, sondern 

auch, ob die Schutzunwilligkeit des albanischen Staates durch ein solches 

begründet sei. Die Blutrache sei gemäss albanischem Gesetz verboten. 

Der albanische Staat unternehme jedoch nicht genug, um Personen, die in 

Blutfehden involviert seien, zu beschützen und Täter strafrechtlich zu ver-

folgen. Auch die Präventivmassnahmen seien ungenügend. Die Tatsache, 

dass die betroffenen Personen isoliert leben würden, um sich selbst zu 

schützen, beweise, dass effektiver und genügender Schutz durch den 

Staat fehle. Polizei und Richterschaft blieben entweder passiv, um sich kei-

ner Gefahr auszusetzen oder seien selber in Blutfehden involviert. Eine 

Einmischung in Familienfehden sei für Polizistinnen und Polizisten sehr ge-

fährlich, weshalb die Polizei selten etwas gegen Blutfehden unternehme. 

Es handle sich um ein Kollektiv von Personen, das sich durch ihre Opfer-

eigenschaft mit einem gemeinsamen sozialen Merkmal auszeichne. Sie 

würden sozial gemieden, ausgegrenzt und in absolute Isolation gezwun-

gen. Die Eigenschaft als Opfer von Blutrache biete Anknüpfungspunkt und 

Anlass für eine sachlich nicht gerechtfertigte Diskriminierung betreffend die 

Schutzwilligkeit des albanischen Staates, wodurch für die Betroffenen eine 

Gefahr für Leib und Leben und ein unerträglicher psychischer Druck infolge 

der jahrelangen Isolation entstehe. Die Diskriminierung erfolge aufgrund 

eines «Anders-Seins» – nämlich der Opfereigenschaft in einer Blutrache – 

und nicht aufgrund einer vorangegangenen Tat. Der fehlende Schutzwille 

des albanischen Staates sei Ausdruck des geächteten gesellschaftlichen 

Status der betroffenen Personen. Betroffene beziehungsweise Opfer von 

Blutrache müssten als bestimmte soziale Gruppe im Sinne von Art. 3 Abs. 1 

AsylG qualifiziert werden. Das Verfolgungsmotiv der Zugehörigkeit zu einer 

bestimmten sozialen Gruppe sei folglich zu bejahen. Der Beschwerdefüh-

rer beziehungsweise seine Angehörigen würden seit mehr als zwanzig 

Jahren versuchen, eine Konfliktlösung mit der Opferfamilie des Getöteten 

zu erreichen. Diese verweigere jegliche Versöhnung und beharre darauf, 

den Tod zu sühnen. Von den albanischen Behörden würde der Schutz ver-

weigert werden. Die Polizei stelle sich auf den Standpunkt, dass sie gegen 

die Verfolgungsmassnahmen nichts ausrichten könne und unterlasse jeg-

liche Hilfeleistung. Der albanische Staat sei gegenüber den Beschwerde-

führern als Opfer von Blutrache schutzunwillig. 

E-2084/2021, E-2085/2021 

Seite 9 

Alle nahen männlichen Familienmitglieder des Beschwerdeführers hätten 

das Heimatland verlassen müssen. (…) Brüder seien in I._______ und 

M._______ als Flüchtlinge anerkannt worden. Es sei stossend, wenn den 

Beschwerdeführern nicht der gleiche Schutz zuteilwerde. Der Beschwer-

deführer sei als Flüchtling anzuerkennen und es sei ihm Asyl zu gewähren. 

Der Brandanschlag auf das Wohnhaus zeige, dass auch die Beschwerde-

führerin und die gemeinsame Tochter im Visier der Familie des Getöteten 

seien. Sie erfüllten die Flüchtlingseigenschaft demzufolge bereits in eige-

ner Person und es sei ihnen Asyl zu gewähren. 

6.  

6.1 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist in Übereinstimmung mit 

der Vorinstanz festzustellen, dass die Asylvorbringen der Beschwerdefüh-

rer den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG 

nicht standzuhalten vermögen, weshalb auf die Erwägungen der Vor-

instanz zu verweisen ist. Die Beschwerdevorbringen sind nicht geeignet, 

zu einer von der Vorinstanz abweichenden Betrachtungsweise zu gelan-

gen. 

6.2 Das Verfolgungsmotiv «Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen 

Gruppe» bezieht sich auf Personen, die ein Kollektiv bilden, das sich durch 

ein gemeinsames soziales Merkmal auszeichnet, welches Anknüpfungs-

punkt und Anlass für sachlich nicht gerechtfertigte Verfolgungsmassnah-

men bildet. Die Beschwerdeführer versuchen, von Blutrache bedrohte Per-

sonen als bestimmte soziale Gruppe im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG zu 

qualifizieren, indem diese Eigenschaft Anknüpfungspunkt und Anlass für 

eine sachlich nicht gerechtfertigte Diskriminierung durch den albanischen 

Staat biete. Albanien zählt zu den verfolgungssicheren Staaten (sog. Safe 

Country) im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG (vgl. dazu Anhang 2 der 

AsylV 1). Insofern gilt die Regelvermutung, dass eine flüchtlingsrechtlich 

bedeutsame staatliche Verfolgung nicht stattfindet und der behördliche 

Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung gewährleistet ist. Es handelt sich da-

bei um eine relative Verfolgungssicherheit, weshalb im Einzelfall aufgrund 

konkreter und substantiierter Hinweise diese Regelvermutung umgestos-

sen werden kann. Es besteht damit keine systematische Verweigerung des 

Schutzes der von Blutrache bedrohten Personen durch die albanischen 

Behörden. So wurde auch in zahlreichen bundesverwaltungsgerichtlichen 

Urteilen die Schutzfähigkeit und -willigkeit des albanischen Staates bei von 

Blutrache bedrohten Personen bejaht (Urteile des BVGer E-4982/2020 

vom 15. Januar 2021 E. 5.1 und E-4687/2019 vom 7. Oktober 2019 E. 4.1). 

E-2084/2021, E-2085/2021 

Seite 10 

Gemäss vorinstanzlicher Verfügung gelang es den Beschwerdeführern je-

doch, diese Regelvermutung umzustossen, indem sie ausnahmsweise hät-

ten glaubhaft machen können die albanischen Behörden würden ihnen den 

nötigen Schutz nicht gewähren. In der Tat ist kein Staat in der Lage, die 

Sicherheit der Bürger und Bürgerinnen im Falle von Übergriffen durch Dritt-

personen vollumfänglich zu gewährleisten. Aus dem Umstand, dass den 

Beschwerdeführern vorliegend die nötige Hilfe von den albanischen Behör-

den nicht zukam, kann jedoch nicht geschlossen werden, dass das Ersu-

chen um staatlichen Schutz von vornherein ein nutzloses Unterfangen ist 

oder der albanische Staat seiner Schutzpflicht grundsätzlich nicht nach-

kommt. Ferner sind weder den Akten noch den eingereichten Beweismit-

teln Anhaltspunkte für die Annahme zu entnehmen, dass der albanische 

Staat in diskriminierender Weise allen von Blutrache bedrohten Personen 

die Hilfe verweigert. Das Vorhandensein des flüchtlingsrechtlich relevanten 

Verfolgungsmotivs der «Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen 

Gruppe» ist folglich zu verneinen. Dass in den Asylverfahren der Brüder 

des Beschwerdeführers in anderen Staaten aufgrund der drohenden Blut-

rache die Flüchtlingseigenschaft bejaht wurde, vermag daran nichts zu än-

dern. Die Beschwerdeführer können daraus nichts für ihre Asylgesuche in 

der Schweiz ableiten. 

Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz der den Be-

schwerdeführern bei einer Rückkehr in den Heimatstaat drohenden kon-

kreten Gefahr einer – zwar nicht flüchtlingsrechtlich, aber menschenrecht-

lich – durch Art. 3 EMRK verbotenen Strafe oder Behandlung durch die 

Anordnung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzulässigkeit beziehungs-

weise bei den Beschwerdeführerinnen wegen Unzumutbarkeit des Weg-

weisungsvollzugs Rechnung getragen hat. 

6.3 Den Beschwerdeführern ist es unter Hinweis auf die vorstehenden Er-

wägungen insgesamt nicht gelungen, eine im Sinne von Art. 3 AsylG rele-

vante Verfolgungsgefahr nachzuweisen. Es erübrigt sich, auf die weiteren 

Ausführungen in der Beschwerdeeingabe im Einzelnen einzugehen, weil 

sie an der vorgenommenen Würdigung des Sachverhalts nichts zu ändern 

vermögen. Die Vorinstanz hat die Asylgesuche zu Recht abgelehnt. 

6.4 Lehnt die Vorinstanz das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, 

so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

E-2084/2021, E-2085/2021 

Seite 11 

6.5 Die Beschwerdeführer verfügen insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisungen wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9). 

6.6 Die Vorinstanz hat in ihren Verfügungen vom 31. März 2021 die vorläu-

fige Aufnahme der Beschwerdeführer in der Schweiz angeordnet, weshalb 

sich weitere Ausführungen zum Wegweisungsvollzug – wie bereits in E. 2.2 

erwähnt – erübrigen. 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtenen Verfügungen 

Bundesrecht nicht verletzen, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellen (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

8.  

8.1 Die gestellten Begehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb die 

Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und Beiordnung einer amtli-

chen Rechtsbeiständin ungeachtet einer allfälligen prozessualen Bedürf-

tigkeit abzuweisen sind (Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG). 

8.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.– 

(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) 

den Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 

8.3 Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

ist mit vorliegendem Urteil gegenstandslos geworden. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-2084/2021, E-2085/2021 

Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und Beiordnung einer 

amtlichen Rechtsbeiständin werden abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführern aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

David R. Wenger Anja Hasler 

 

 

Versand: