# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 83be9c3b-b19d-591f-97d5-a84aa8080397
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-02-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.02.2023 E-2596/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2596-2022_2023-02-20.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2596/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 0 .  F e b r u a r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichter Lorenz Noli, 

mit Zustimmung von Richter David R. Wenger,    

Gerichtsschreiber Daniel Merkli. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther,  

Rechtsanwalt, Advokatur Kanonengasse, (…),  

Beschwerdeführerin,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 12. Mai 2022 / N (…). 

 

 

 

E-2596/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin und ihre Eltern (für die minderjährigen Kinder) 

stellten am 20. Februar 2020 Asylgesuche in Griechenland. Letztere reis-

sen in der Folge illegal in die Schweiz, wo sie am 6. Juli 2021 um Asyl nach-

suchten. Diese Asylgesuche wurden mit Entscheid des SEM vom 17. Sep-

tember 2021 abgelehnt und es wurde die vorläufige Aufnahme in der 

Schweiz angeordnet. Am 27. Oktober 2021 stimmte das SEM einem Über-

nahmeersuchen Griechenlands für die Beschwerdeführerin und deren El-

tern zu, worauf diese in die Schweiz reisten und am 3. März 2022 um Asyl 

nachsuchten. Sie wurden dem Bundesasylzentrum der Region Ostschweiz 

zugewiesen.  

B.  

Im Rahmen der Anhörung vom 3. Mai 2022 machte die Beschwerdeführe-

rin zur Begründung ihres Asylgesuches im Wesentlichen geltend, sie sei 

afghanische Staatsangehörige und ethnische Hazara. Ihre Eltern stamm-

ten aus der Provinz B._______ und hätten zuletzt in C._______ gelebt, wo 

sie das erste Lebensjahr verbracht habe. Ungefähr 2003 sei ihre Familie 

wegen familiären Schwierigkeiten (Problemen mit den Brüdern der Mutter) 

in den Iran gereist, wo sie, die Beschwerdeführerin, in der Nähe von 

D._______ aufgewachsen sei. Ihre Familie habe im Iran über keinen lega-

len Aufenthaltsstatus verfügt, weshalb sie die Schule nicht habe besuchen 

können und nur privat unterrichtet worden sei. Sie habe sich um den Haus-

halt, die gesundheitlich angeschlagenen Eltern und ihre jüngeren Ge-

schwister gekümmert. Der drohende Arbeitsplatzverlust des Vaters und der 

irreguläre Aufenthaltsstatus im Iran hätten schliesslich 2019 zum Ent-

schluss geführt, mit finanzieller Hilfe ihrer bereits seit sieben Jahren in 

Schweden lebenden Brüder nach Europa zu gelangen.  

Einige Jahre vor der Ausreise habe sie im Iran eine Aramäerin kennenge-

lernt, die ihr den christlichen Gott nähergebracht habe. In Griechenland 

habe sie erneut Christen kennengelernt, an deren Treffen teilgenommen 

und sich schliesslich am 22. Februar 2022 taufen lassen. Von ihrem Glau-

benswechsel habe sie nur ihre Schwester, die in der Schweiz lebe, und ihre 

in Schweden lebende Schwester wissen lassen. Sie könne aufgrund ihrer 

christlichen Religionszugehörigkeit aus Furcht vor der Familie ihrer Mutter 

und den Taliban nicht nach Afghanistan zurückkehren, zumal sie der Ethnie 

der Hazara angehöre, welche in Afghanistan systematisch unterdrückt und 

umgebracht werden würden.  

E-2596/2022 

Seite 3 

 

C.  

Zum Nachweis ihrer Identität und zur Bestätigung der geltend gemachten 

Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin eine von der afghanischen Bot-

schaft in Griechenland ausgestellte Takzira und eine Taufbestätigung in 

Griechenland ein.  

D.  

Am 10. Mai 2022 wurde der Rechtsvertretung der Entscheidentwurf zur 

Stellungnahme zugestellt. Diese erfolgte mit Eingabe vom 11. Mai 2022. 

E.  

Mit Entscheid vom 12. Mai 2022 wies das SEM das Asylgesuch der Be-

schwerdeführerin vom 3. März 2022 ab und ordnete die Wegweisung aus 

der Schweiz an, schob jedoch den Vollzug der Wegweisung zu Gunsten 

einer vorläufigen Aufnahme auf. 

F.  

Mit Eingabe ihrer Rechtsvertretung vom 13. Juni 2022 erhob die Beschwer-

deführerin gegen diesen Entscheid Beschwerde. Sie beantragte die Aufhe-

bung der angefochtenen Verfügung in den Dispositivziffern 1-3, die Fest-

stellung der Flüchtlingseigenschaft und die Feststellung der Unzulässigkeit 

des Wegweisungsvollzugs. Eventualiter sei die Sache zur rechtsgenügli-

chen Sachverhaltsfeststellung sowie zur neuen Entscheidung an die Vo-

rinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde unter 

Verzicht auf das Erheben eines Kostenvorschusses um Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung und der amtlichen Rechtsverbeiständung 

in der Person der Rechtsvertretung ersucht. 

G.  

Mit Schreiben vom 14. Juni 2022 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht 

den Eingang der Beschwerde. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Nach Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-

den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Be-

E-2596/2022 

Seite 4 

hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwal-

tungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von 

Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich zu-

ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet 

auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist zur Ein-

reichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E.5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zu-

ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer 

zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vor-

liegend, wie nachstehend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb das 

Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

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Seite 5 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Das SEM hielt in der angefochtenen Verfügung vorgängig fest, dass 

Asylgründe stets in Bezug auf den Heimatstaat einer Person zu prüfen 

seien (Art. 1 lit. A Ziff. 2 Genfer Flüchtlingskonventioni.V .m. Art. 1 Abs. 2 

Protokoll über die Rechtsstellung von Flüchtlingen). Flüchtlinge seien zwar 

gemäss Wortlaut von Art. 3 AsyIG «Personen, die in ihrem Heimatstaat o-

der im Land, in dem sie zuletzt wohnten» verfolgt würden oder eine be-

gründete Furcht vor einer solchen Verfolgung hätten. Der Zusatz «im Land, 

in dem sie zuletzt wohnten» gelte allerdings nur für staatenlose Personen, 

zu denen die Beschwerdeführerin nicht gehöre. 

5.1.1 Die Beschwerdeführerin mache geltend, im Iran gelebt zu haben, seit 

sie ein Kleinkind gewesen sei, selber keine Schule besucht zu haben und 

wegen der schlechten sozialen und wirtschaftlichen Situation als Afghanin 

im Iran, der mangelnden gesundheitlichen Versorgung ihrer Eltern und we-

gen des ungesicherten Aufenthaltstitels ihrer Familie 2019 ausgereist zu 

sein.  

5.1.2 Die genannten Vorbringen bezüglich dem Iran seien einzig dann ge-

eignet, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, wenn diese auch im Hei-

matstaat zu einer Verfolgungssituation führten, was vorliegend nicht der 

Fall sei. Daher könne darauf verzichtet werden, das von der Beschwerde-

führerin im Iran Erlebte inhaltlich zu thematisieren und einer Glaubhaftig-

keitsprüfung zu unterziehen. Im Weiteren diene das Asylrecht nicht dazu, 

in der Vergangenheit erlittenes Unrecht wiedergutzumachen. Aus diesen 

Gründen seien die geltend gemachten Vorbringen nicht asylrelevant. 

5.2 Hinsichtlich des Heimatstaates Afghanistan habe die Beschwerdefüh-

rerin in individueller Hinsicht geltend gemacht, bei einer allfälligen Rück-

kehr nach Afghanistan Furcht vor der Familie ihrer Mutter zu haben, die 

«kein Erbarmen mit ihr zeigen werde, wenn sie sie ausfindig machen 

würde». 

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Seite 6 

Wie im Asylentscheid der Eltern ausgeführt, überwiegten die Zweifel an der 

Glaubhaftigkeit des angeblichen Vorfalls in C._______. Bei dem Vorfall in 

C._______, der sich vor knapp zwanzig Jahren abgespielt und der gemäss 

den Angaben der Eltern (vgl. SEM-Dossier […], A31, F42-F58) dazu ge-

führt habe, dass die Familie Afghanistan verlassen habe, sei zudem frag-

lich, ob er überhaupt noch Aktualität und flüchtlingsrechtliche Relevanz zu 

entfalten vermöge. Der Vater habe in der Anhörung auf Nachfrage ange-

geben, dass es in den Folgejahren in Iran zu keinen diesbezüglichen Kon-

takten oder Bedrohungen seitens der Familie der Mutter gekommen sei 

(vgl. […], A31, F42-F43). Deshalb und zumal die Beschwerdeführerin Af-

ghanistan im Alter von ungefähr einem Jahr verlassen habe, sei ihre sub-

jektive Furcht, dort im heutigen Zeitpunkt durch die Familie ihrer Mutter 

ausfindig gemacht zu werden, anhand objektiver Kriterien unbegründet. 

5.3 Was die Zugehörigkeit der Beschwerdeführerin zur Ethnie der Hazara 

betreffe, sei festzuhalten, dass Angehörige der vorwiegend schiitischen 

Hazara seit Jahrzehnten aus ethnischen und religiösen Gründen einer ge-

wissen Diskriminierung durch die restliche Bevölkerung ausgesetzt seien. 

Insbesondere die Taliban-Kämpfer betrachteten die Hazara aufgrund ihrer 

schiitischen Konfession oft als ungläubig und darum minderwertig. Hazara 

würden immer wieder Diskriminierungen erfahren, sei es zum Beispiel in 

Form von schärferen Kontrollen in Städten und an Checkpoints oder auch 

im Zugang zu offiziellen Stellen. Es gebe aber keine Berichte, wonach die 

Taliban Hazara ausschliesslich aus ethnischen bzw. konfessionellen Grün-

den festnehmen oder töten würden. 

 

5.4 Schliesslich habe die Beschwerdeführerin geltend gemacht,  

bei einer allfälligen Rückkehr nach Afghanistan zu befürchten, dass sie von 

ihrem «neuen christlichen Glauben erzählen würde und von den mit ihm 

verbundenen schönen Sachen, was zu einer Gefahr für sie werden könne 

(vgl. A18 F42, F47-F60).  

5.4.1 Grundsätzlich werde nicht bezweifelt, dass die Erzählungen vom 

christlichen Gott auf die Beschwerdeführerin eine Anziehung gehabt habe 

und dass sie sich kurz vor der Reise in die Schweiz in Griechenland haben 

taufen lassen. Ihre Glaubensausübung sei jedoch gegen aussen hin nicht 

auffällig. Auf Nachfrage habe sie angegeben, lediglich zwei Schwestern 

von Ihrem Glaubenswechsel erzählt zu haben. Weiter wisse in der Schweiz 

lediglich eine Person eines Hilfswerks davon, die konvertierte Personen 

betreue (vgl. A18 F47). Weiter habe die Beschwerdeführerin ausgesagt, 

dass sie Angst habe, ihren Eltern von der Konversion zu erzählen, da diese 

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Seite 7 

den Kontakt mit ihr abgebrochen hätte (vgl. A18 F47-F51, F59). Nichts 

deute darauf hin, dass jemand in Afghanistan Kenntnis von ihrem Glau-

benswechsel habe (vgl. A18 F47, F56). In ihrem Heimatstaat sei auch 

nichts Konkretes vorgefallen, was darauf hinweise könnte, dass sie bei ei-

ner allfälligen Rückkehr Verfolgung befürchten müsse. Bei dieser Sachlage 

seien auch diese Vorbringen mangels begründeter Furcht vor künftiger 

Verfolgung nicht asylrelevant. 

5.4.2 In ihrer Stellungnahme zum Entscheidentwurf vom 11. Mai 2022 habe 

die Rechtsvertretung geltend gemacht, die Beschwerdeführerin habe im 

Rahmen der Besprechung des Entscheidentwurfs mitgeteilt, ihre neue Re-

ligion sehr zu lieben und bei einer allfälligen Rückkehr nach Afghanistan 

ihren Glauben an Jesus Christus auszuüben und sich für dessen Verbrei-

tung einsetzen zu wollen. Weil dies von der afghanischen Gesellschaft 

nicht akzeptiert werde würde, wäre ihr Leben bei einer Rückkehr gefährdet. 

Dasselbe gelte im Iran. Sie sei deshalb mit einer vorläufigen Aufnahme 

nicht zufrieden und beantrage die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft.  

5.4.3 Hierzu sei festzuhalten, dass die Glaubensausübung der Beschwer-

deführerin gegen aussen nicht auffällig sei und nichts darauf hindeute, 

dass jemand in Afghanistan Kenntnis von der Konversion habe. Im Weite-

ren sei im Heimatstaat und im Iran nichts Konkretes vorgefallen, was da-

rauf hinweisen könnte, dass die Beschwerdeführerin bei einer allfälligen 

Rückkehr eine individuelle und gezielte Verfolgung im Sinne von Art. 3 

AsyIG befürchten müsse.   

6.  

6.1 In der Beschwerde wurde hinsichtlich des Sachverhalts (und im Wider-

spruch zu den bisherigen Aussagen) erstmals geltend gemacht, nachdem 

ihr strenggläubiger Vater bemerkt habe, dass sie bei islamischen Bräuchen 

wie beispielsweise dem Beten oder Fasten nicht mehr teilgenommen habe, 

habe sie deswegen mit ihm gestritten. Obwohl er aufgrund seiner prekären 

gesundheitlichen Lage sehr auf die Hilfe der Beschwerdeführerin angewie-

sen gewesen sei, habe sie das Elternhaus wegen dem genannten Konflikt 

verlassen und eine Zeit bei einer Kollegin leben müssen. Nach ihrer Rück-

kehr habe sie wieder bei den religiösen Veranstaltungen teilgenommen, 

um den Schein zu wahren. Erst in Griechenland habe sie sich wieder dem 

Christentum zuwenden können und an christlichen Treffen teilgenommen. 

Sie habe sich als Freiwillige in verschiedenen Menschenrechtsorganisati-

onen eingesetzt (vgl. Zertifikat Freiwilligeneinsatz) und dabei stets auch ei-

nen Diskurs über das Christentum gepflegt. In der Zwischenzeit habe sie 

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wöchentlichen Austausch mit Konvertiten im Iran. Mit Blick auf das gesund-

heitliche Wohl ihrer Eltern habe sie sich dazu entscheiden müssen, diesen 

nichts von ihrer Konversion zu sagen, nehme aber nicht mehr an islami-

schen Gebeten teil, war ihr grosse Schwierigkeiten bereitet habe. In die-

sem Zusammenhang sei insbesondere auf einen Vorfall in Griechenland 

hinzuweisen, den die Beschwerdeführerin bereits am Ende der Anhörung 

vom 3. Mai 2022 als Antwort auf F63 angedeutet habe, wobei ihr vom SEM 

nicht Gelegenheit gegeben worden sei, sich näher dazu zu äussern.  

Im Camp in Griechenland habe sich nämlich ein belastender Vorfall mit 

einem paschtunischen Übersetzer ereignet. Dieser habe für seine Hilfe für 

die gesundheitlich angeschlagenen Eltern eine (sexuelle) Gegenleistung 

von ihr verlangt, der sie sich verweigert habe, worauf dieser damit gedroht 

habe, sein Wissen über ihre Zuwendung zum christlichen Glauben ande-

ren Personen mitzuteilen, sollte sie sich ihm weiterhin verweigern. Die mit 

der Beschwerde eingereichten Screenshots des Whats-Apps-Chatverlaufs 

bewiesen die Äusserungen und Drohungen des Paschtunen.  

Auch in der Asylunterkunft in Altstetten habe sich ein Vorfall ereignet. Ihre 

muslimischen Zimmernachbarn hätten bemerkt, dass sie nicht an den Ge-

beten teilgenommen habe und ihr deswegen Vorwürfe gemacht, worauf die 

Situation eskaliert sei. Der muslimische Seelsorger in der Asylunterkunft 

sei Zeuge des Vorfalls geworden und habe versichert, eine entsprechende 

Bestätigung auszustellen.  

Ansonsten könne die Beschwerdeführerin im vertrauten Rahmen von 

E._______ ihren christlichen Glauben leben. Auch verfolge sie missionari-

sche Tätigkeiten. 

6.2 Die Vorinstanz habe in Bezug auf ihre Glaubensausübung den rechts-

erheblichen Sachverhalt unvollständig festgestellt. So habe die Beschwer-

deführerin keine Möglichkeit erhalten, sich zum genannten Vorfall mit dem 

Paschtunen in Griechenland zu äussern. Im Weiteren habe das SEM die 

öffentlichen religiösen Tätigkeiten der Beschwerdeführerin in der Schweiz 

nicht berücksichtigt.  

6.3 Hinsichtlich der Rechtsprechung zur Situation von christlichen Konver-

titen in Afghanistan sei festzuhalten, dass der Europäische Gerichtshof in 

seinem jüngsten Urteil vom 26. April 2022 i.S. M.A.M. c. Suisse erklärt 

habe, dass bereits die Tatsache, dass der Beschwerdeführer bei einer 

Rückführung nach Pakistan nicht mehr in der Lage wäre, offen und frei als 

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Seite 9 

Christ zu leben, eine Verletzung von Art. 9 EMRK darstelle. Diese Feststel-

lung des Gerichtshofs lasse sich auf die Situation von christlichen Konver-

titen in Afghanistan übertragen. Von der Beschwerdeführerin könne nicht 

verlangt werden, dass sie ihre innere Überzeugung und Religion lebens-

länglich unterdrücke oder verheimliche.  

6.4 Der Auffassung des SEM, wonach die Religionsausübung der Be-

schwerdeführerin nach aussen nicht auffällig sei und nur wenige Personen 

von ihrer Konversion Kenntnis hätten (Geschwister, Person eines Hilfs-

werks), müsse entgegengehalten werden, dass die Beschwerdeführerin 

am 2. Mai 2022 mehrere Beweise via dem HEKS-Whatsapp-Chat an ihre 

Rechtsvertretung weitergeleitet habe. Es sei unklar, weshalb diese, obwohl 

von grosser Wesentlichkeit, nicht an das SEM weitergeleitet worden seien 

(vgl. mit der Beschwerde eingereichten Screenshot vom 2. Mai 2022 

HEKS-Chat und Bestätigungsschreiben E._______ vom 8. März 2022). 

Der Präsident des E._______ bestätige unter anderem, dass die Be-

schwerdeführerin persischsprachige Menschen zu christlichen Treffen ein-

lade. Die aktive missionarische Tätigkeit der Beschwerdeführerin in der 

Schweiz sei vom SEM in seinem Entscheid nicht berücksichtigt worden. 

6.5 In einem jüngeren Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts werde 

unter anderem festgehalten, dass bereits das öffentliche Bekanntwerden 

eines Glaubensabfalls oder einer Konversion für die Annahme drohender 

ernsthafter Nachteile genüge. Die Situation von Konvertiten in Afghanistan 

werde in der aktuell geltenden Praxis des Bundesverwaltungsgerichts als 

sehr kritisch eingestuft. 

6.6 Als Fazit könne festgehalten werden, dass der Beschwerdeführerin als 

christlicher Konvertit und Angehörige einer religiösen Minderheit, welche 

der afghanischen Gesellschaftsordnung nicht entspreche, bei einer allfälli-

gen Rückkehr nach Afghanistan Verfolgung aus religiösen Motiven drohe. 

Angesichts der Wiedereinführung des islamischen Emirats durch die Tali-

ban sei davon auszugehen, dass sich die Gefährdungslage für Personen, 

die sich vom Islam abgewendet hätten, akzentuiert habe. Die Beschwer-

deführerin habe im Rahmen der Anhörung die Absicht bekundet, auch in 

Zukunft offen über das Christentum zu sprechen, was die Gefahr in sich 

berge, dass andere von ihrem Glauben Kenntnis erlangten. Für die Be-

schwerdeführerin würde es eine psychische Belastung bedeuten, nach Af-

ghanistan zurückzukehren und alle religiösen Handlungen des Islams vor-

nehmen zu müssen, um nicht aufzufallen. Diese unerträgliche Situation 

stelle einen ernsthaften Nachteil im Sinne von Art. 3 AsylG dar.  

E-2596/2022 

Seite 10 

7.  

7.1 In der Beschwerde wurde in formeller Hinsicht geltend gemacht, die 

Vorinstanz habe in Bezug auf die Glaubensausübung den rechtserhebli-

chen Sachverhalt unvollständig festgestellt. So habe die Beschwerdefüh-

rerin keine Möglichkeit erhalten, sich zum genannten Vorfall mit dem 

Paschtunen in Griechenland zu äussern. Diesen Vorfall habe die Be-

schwerdeführerin bereits am Ende der Anhörung vom 3. Mai 2022 als Ant-

wort auf F63 angedeutet, wobei ihr vom SEM nicht Gelegenheit gegeben 

worden sei, sich näher dazu zu äussern. Im Weiteren habe das SEM die 

öffentlichen religiösen Tätigkeiten der Beschwerdeführerin in der Schweiz 

nicht berücksichtigt.  

Hierzu ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Anhö-

rung bestätigte, alles gesagt zu haben, das für die Beurteilung ihres Asyl-

gesuches wesentlich sei (vgl. F62). Zwar gab sie auf Nachfrage an, «von 

einem Vorfall in Griechenland noch nicht erzählt zu haben» (vgl. F63), wo-

rauf das SEM festhielt, dass sie dies an dieser Stelle nicht auszuführen 

brauche (F64). Jedoch trifft es nicht zu, dass die Beschwerdeführerin im 

weiteren Verlauf der Anhörung nicht mehr Gelegenheit gehabt hätte, die-

sen Vorfall zu erzählen, zumal die anwesende Rechtsvertretung ausdrück-

lich danach gefragt wurde, ob es aus deren Sicht Fragen oder Themenbe-

reiche gebe, die noch nicht angesprochen worden und die für die Sachver-

haltsfeststellung wesentlich seien, was diese ausdrücklich verneinte. 

Schliesslich hätte die Rechtsvertretung die weitere Gelegenheit gehabt, im 

Rahmen des rechtlichen Gehörs zum Entscheidentwurf das genannte Vor-

bringen geltend zu machen, was ebenfalls unterlassen wurde. 

Bei dieser Sachlage ist nicht von einer unvollständigen Sachverhaltsfest-

stellung durch das SEM auszugehen. Die diesbezügliche Rüge erweist 

sich als unzutreffend.  

7.2 In materieller Hinsicht ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass die Vor-

bringen hinsichtlich der Vorkommnisse und der Situation im Drittstaat Iran 

nur dann asylrechtlich relevant wären, wenn diese auch in ihrem Heimat-

staat Afghanistan zu einer Verfolgungssituation führen könnten, was vor-

liegend nicht der Fall ist. Hinsichtlich des Vorbringens, bei einer allfälligen 

Rückkehr nach Afghanistan Furcht vor der Familie ihrer Mutter zu haben, 

die «kein Erbarmen mit ihr zeigen werde, wenn sie sie ausfindig machen 

würde» ist auf die Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen, wonach der 

im Verfahren der Eltern ([…]) geltend gemachte Vorfall in C._______, der 

sich knapp vor zwanzig Jahren ereignet und zur Ausreise aus  Afghanistan 

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Seite 11 

geführt haben soll, als nicht glaubhaft und mangels Aktualität als nicht asyl-

relevant zu erachten sei. Hierzu kann zur Vermeidung von Wiederholungen 

vollständig auf die angefochtene Verfügung verwiesen werden.  

7.3 Ebenso sind die Ausführungen der Vorinstanz zur allgemeinen Situa-

tion von Hazara in Afghanistan zu bestätigen. Es ist zwar nicht in Abrede 

zu stellen, dass sich die Situation der Hazara in Afghanistan nach der 

Machtübernahme der Taliban schwierig präsentieren kann. Gemäss der 

Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist indessen nach wie vor 

nicht von einer Kollektivverfolgung von Hazara in Afghanistan auszugehen 

(vgl. Urteil des BVGer E-1060/2022 vom 22. März 2022 E. 6.2.1). Die 

blosse Zugehörigkeit zur Ethnie der Hazara ist daher auch unter Berück-

sichtigung der aktuellen Machtverhältnisse in Afghanistan nicht ausrei-

chend, um zur Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft zu führen. Aus dem 

allgemein gehaltenen Hinweis, es bestehe seitens der Taliban eine lange 

Feindseligkeit gegen die Hazara und die schiitischen Konfessionen, wes-

halb sie Probleme mit den Hazara hätten und einen Vorwand suchen wür-

den, lässt sich auch kein konkretes Verfolgungsinteresse der Taliban an 

seiner Person herleiten. Ebenso lassen die Ausführungen auf Beschwer-

deebene nicht auf eine Verfolgungsfurcht aufgrund der Ethnie schliessen. 

7.4 Bei dieser Sachlage ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin im 

Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Afghanistan (als auch aus dem Iran) die 

Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt hat.  

7.5 Schliesslich machte die Beschwerdeführerin geltend, auf der Reise in 

die Schweiz in Griechenland zum christlichen Glauben konvertiert zu sein 

und deswegen bei einer allfälligen Rückkehr nach Afghanistan Verfolgung 

durch die Taliban zu befürchten.  

7.5.1 Personen, die erst wegen ihrer Ausreise oder ihrem Verhalten da-

nach solchen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind respektive begrün-

dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, sind nach 

Art. 54 AsylG zwar als Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen, aber wegen so-

genannter subjektiver Nachfluchtgründe von der Asylgewährung auszu-

schliessen. Anspruch auf Asyl nach schweizerischem Recht hat demnach 

nur, wer im Zeitpunkt der Ausreise ernsthaften Nachteilen im Sinne von 

Art. 3 AsylG ausgesetzt war (Vorfluchtgründe) oder aufgrund von äusse-

ren, nach der Ausreise eingetretenen Umständen, auf die er keinen Ein-

fluss nehmen konnte, bei einer Rückkehr ins Heimatland solche ernsthaf-

ten Nachteile befürchten müsste (sogenannte objektive Nachfluchtgründe). 

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Seite 12 

7.5.2 Die Situation von Konvertiten in Afghanistan wird in der aktuell gel-

tenden Praxis als kritisch eingestuft (vgl. Referenzurteil D-4952/2014, 

E.7.5). So können zwar gemäss der afghanischen Verfassung Gläubige 

anderer Religionen als des Islams ihren Glauben innerhalb der gesetzli-

chen Grenzen frei ausüben. Jedoch bezeichnet die afghanische Verfas-

sung den Islam gleichzeitig explizit als offizielle Staatsreligion und be-

stimmt, dass keine andere Religion den Grundsätzen und Regeln des Is-

lams zuwiderlaufen dürfe. Die afghanische Bevölkerung ist denn auch 

überwiegend islamisch und die Gesellschaft ist sehr konservativ einge-

stellt. Die Gerichte haben sich an die Hanafi-Rechtslehre der Scharia zu 

halten, wenn weder das Strafgesetz noch die Verfassung zu einem be-

stimmten Verbrechen eine Norm enthält. Zwar wird der Glaubensabfall im 

afghanischen Strafgesetzbuch nicht als Straftat definiert, fällt jedoch nach 

afghanischer Rechtsauffassung unter die nicht weiter definierten «unge-

heuerlichen Straftaten», die laut Strafgesetzbuch nach der Hanafi-Rechts-

lehre bestraft werden. Gemäss dieser Hanafi-Rechtslehre würden Frauen 

lebenslang respektive bis zum Widerruf des Glaubensabfalls oder einer 

Konversion in Haft genommen und Männer enthauptet werden. Wird die 

Todesstrafe nicht verhängt, sind die daneben vorgesehenen strafrechtli-

chen sowie auch gesellschaftlichen Konsequenzen aber äusserst hart. 

Praxisgemäss genügt damit bereits das öffentliche Bekanntwerden eines 

Glaubensabfalls oder einer Konversion für ernsthafte Nachteile, missiona-

rische Tätigkeiten sind demgegenüber nicht zentral. Die soziale Kontrolle 

und der soziale Druck in Afghanistan sind dabei gross. Es ist im Weiteren 

jeweils im Einzelfall zu prüfen, inwieweit von einer Person vernünftiger-

weise erwartet werden könne, die drohende Verfolgung durch das eigene 

(diskrete) Verhalten abzuwenden oder ob solches für sie zu einem uner-

träglichen psychischen Druck führen würde. 

7.5.3 Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich nach der Machtüber-

nahme der Taliban im August 2021 stark verschlechtert (vgl. Urteil des 

BVGer E-4649/2021 vom 15. November 2021 E. 7.4.1 und 7.4.2). Bei der 

Beurteilung der Sicherheitslage lassen sich Gruppen von Personen defi-

nieren, die aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten Verfolgungsrisiko 

ausgesetzt sind. Dazu gehören unter anderem westlich orientierte oder der 

afghanischen Gesellschaftsordnung aus anderen Gründen nicht entspre-

chende Personen (vgl. Urteil E-4649/2021 E. 7.4.1). Schon vor der Macht-

übernahme der Taliban wurde Apostasie mit der Todesstrafe geahndet (Re-

ferenzurteil D-4952/2014 vom 23. August 2017 E. 7.5.2).  Das Bundesver-

waltungsgericht kam bereits damals zum Schluss, dass Personen, deren 

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Seite 13 

Apostasie öffentlich bekannt werde, objektiv begründete Furcht vor Nach-

teilen im Sinne von Art. 3 AsylG hätten. Viele der im Referenzurteil getroffe-

nen Feststellungen lassen sich angesichts der erfolgten (dramatischen) 

Entwicklungen mit der Machtübernahme durch die Taliban im Heimatstaat 

des Beschwerdeführers offensichtlich nicht ohne Weiteres auf die aktuelle 

Situation in Afghanistan übertragen (vgl. Urteil des BVGer E‑4262/2021 

vom 8. November 2021 E. 6.3 m.w.H.). Angesichts der Wiedereinführung 

des Islamischen Emirats durch die Taliban sowie der damit verbundenen 

Durchsetzung des islamischen Rechts, der Scharia, ist davon auszugehen, 

dass sich die Gefährdungslage für Personen, die sich vom Islam abgewen-

det haben, akzentuiert hat (vgl. European Asylum Support Office [EASO], 

Afghanistan, Country Focus, Country of Origin Information Re-

port,01.2022). 

7.5.4 Eine lediglich formelle Konversion ohne Hinweise auf die innere 

Überzeugung reicht für deren Glaubhaftmachung in der Regel nicht aus 

(vgl. Urteil des BVGer D-4952/2014 vom 23. August 2017 E. 6.2 [als Refe-

renzurteil publiziert]).  

7.5.5 Das Gericht geht mit der Vorinstanz einig, wonach keine Zweifel da-

ran bestehen, dass die Beschwerdeführerin (formell) konvertiert ist und 

heute noch als Mitglied der E._______ christliche Veranstaltungen be-

sucht. Demgegenüber sind jedoch sehr wohl Vorbehalte hinsichtlich des 

Ausmasses der inneren Überzeugung anzubringen. Zum einen ergeben 

sich aus den Angaben der Beschwerdeführerin keine klaren Beweggründe 

für die Konversion. Ihre entsprechenden Schilderungen lassen keinen Ent-

wicklungsprozess und auch keine innere Auseinandersetzung erkennen, 

die einer Konversion gemeinhin vorangehen. Zum anderen fällt in den 

Schilderungen der Beschwerdeführerin deutlich auf, dass sie praktisch 

keine vertieften Kenntnisse des Christentums aufweist. Beispielhaft kann 

hierzu auf ihre Ausführungen zu den Fragen 53 - 55 angeführt werden. Ihre 

diesbezüglichen Angaben erschöpfen sich in sehr simpel gehalten Allge-

meinplätzen, die weder eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem christ-

lichen Glauben, noch eine wirklich fassbare innere Hinwendung zum Chris-

tentum erkennen lässt. Weiter kommt auch erschwerend hinzu, dass auch 

einzelne diesbezügliche Aussagen offen widersprüchlich ausgefallen sind. 

So schilderte sie beispielsweise die angebliche Hinwendung zum Christen-

tum einmal als «langen Prozess» (vgl. F50), ein anderes Mal brachte sie 

vor, sehr selten überhaupt zu einer christlichen Klasse in Griechenland ge-

gangen zu sein (vgl. F51). Insgesamt kann man sich in casu nicht dem 

E-2596/2022 

Seite 14 

Eindruck erwehren, als sei die (formelle) Konversion eher migrationsrecht-

lich zweckorientiert erfolgt, denn als Ausdruck einer wirklichen tiefen inne-

ren Überzeugung. Aufgrund der fraglichen inneren Überzeugung erscheint 

daher auch das Ausmass des psychischen Druckes, dem die Beschwerde-

führerin bei einer allfälligen Verheimlichung ihres christlichen Glaubens bei 

einer (angesichts ihrer vorläufigen Aufnahme ohnehin rein hypothetischen) 

Rückkehr ausgesetzt wäre, als sehr gering. Die nachfolgend zu erörternde 

objektive Situation der Beschwerdeführerin liesse indessen eine zurück-

haltendende Ausübung ihres Glaubens zu. 

7.5.6 Die Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid zutreffend festgehal-

ten, dass nichts darauf hindeute, dass jemand in Afghanistan Kenntnis vom 

Glaubenswechsel der Beschwerdeführerin habe, gab die Beschwerdefüh-

rerin doch an, lediglich zwei in Schweden beziehungsweise in der Schweiz 

lebenden Schwestern und einem Hilfswerkvertreter, der konvertierte Per-

sonen betreue, davon erzählt zu haben. Im Weiteren hielt das SEM ebenso 

zutreffend fest, dass die Glaubensausübung gegen aussen hin nicht auf-

fällig sei. An dieser Einschätzung ändert das auf Beschwerdeebene einge-

reichte Bestätigungsschreiben des Präsidenten des E._______ vom  

8. März 2022, worin dieser unter anderem bloss festhält, dass die Be-

schwerdeführerin persischsprachige Menschen zu christlichen Treffen ein-

lade, nichts. Dasselbe gilt für das ohne plausiblen Grund erstmals auf Be-

schwerdeebene geltend gemachte und damit als nachgeschoben zu er-

achtende Vorbringen, in Griechenland von einem paschtunischen Überset-

zer, der damit gedroht habe, sein Wissen über ihre Zuwendung zum christ-

lichen Glauben anderen Personen mitzuteilen, sollte sie sich ihm weiterhin 

verweigern, belästigt worden zu sein. Vor dem Hintergrund der Unglaub-

haftigkeit der Vorbringen und der leichten Fälschbarkeit ist die Beweiskraft  

der mit der Beschwerde eingereichten Screenshots des angeblichen 

Whats-Apps-Chatverlaufs zwischen der Beschwerdeführerin und des ge-

nannten Paschtunen als offensichtlich gering zu erachten, weshalb in anti-

zipierter Beweiswürdigung der Antrag auf Übersetzung desselben mangels 

Notwendigkeit abzuweisen ist.  

7.5.7 Das Gericht geht somit auch in Berücksichtigung der aktuellen Ereig-

nisse nicht davon aus, dass die Beschwerdeführerin bei einer allfälligen 

(rein hypothetischen) Rückkehr nach Afghanistan seitens ihrer Familie, der 

afghanischen Behörden oder der Taliban eine asylrelevante Verfolgung zu 

befürchten hätte oder durch eine zurückhaltende Ausübung ihres Glaubens 

unerträglichem psychischen Druck ausgesetzt wäre. Es liegen damit keine 

subjektiven Nachfluchtgründe vor. 

E-2596/2022 

Seite 15 

7.6 Die Beschwerdeführer konnte damit weder Vorfluchtgründe noch sub-

jektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 7 AsylG glaubhaft machen. Die 

Vorinstanz hat die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin damit zu 

Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 

8.  

Lehnt die Vorinstanz das Asylgesuch ab oder tritt sie darauf nicht ein, so 

verfügt sie in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrecht-

liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer 

solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet 

(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

Die Beschwerdeführerin wurde von der Vorinstanz mit Verfügung vom 

12. Mai 2022 wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der 

Schweiz vorläufig aufgenommen. Da die Wegweisungsvollzugshinder-

nisse alternativer Natur sind (vgl. statt vieler BVGE 2011/7 E. 8 m.w.H.), 

sind die Zulässigkeit und die Möglichkeit des Vollzugs nicht mehr zu prüfen. 

Auf den Antrag auf Feststellung der Unzulässigkeit des Wegweisungsvoll-

zugs ist nicht einzutreten.  

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

11.  

Da die Beschwerde im Zeitpunkt ihrer Einreichung als aussichtslos er-

schien, sin die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-

rung und der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung abzuweisen. Bei die-

sem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1–3 des 

Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 

vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) der Beschwer-

deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-2596/2022 

Seite 16 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird, soweit darauf eingetreten wird, abgewiesen.  

2.  

Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der 

unentgeltlichen Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 750.– werden der Beschwerde-

führerin auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Versand des vor-

liegenden Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Lorenz Noli Daniel Merkli 

 

 

Versand: