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**Case Identifier:** c72eee3d-ba21-54aa-a508-9b044c0fcadd
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-24
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 24.03.2022 VBE.2021.482
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2021-482_2022-03-24.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

2. Kammer 

 

 

VBE.2021.482 / lf / ce       
Art. 32 

 

 

Urteil vom 24. März 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Peterhans, Präsidentin 

Oberrichterin Schircks Denzler 

Oberrichterin Gössi 

Gerichtsschreiberin Fricker 

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____   

vertreten durch Dr. iur. Alex Hediger, Advokat, Freie Strasse 82, Postfach, 

4051 Basel 

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau 

 

 
   

Beigeladene   B._____   

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 29. September 2021) 
 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die 1974 geborene Beschwerdeführerin, zuletzt tätig gewesen als Betriebs-

mitarbeiterin, meldete sich am 25. August 2019 wegen Rückenbeschwer-

den bei der Beschwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen (berufliche 

Integration, Rente) der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) an. Die 

Beschwerdegegnerin tätigte berufliche und medizinische Abklärungen, 

holte die Akten der Krankentaggeldversicherung sowie eine Stellungnahme 

des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) ein und liess die Beschwerde-

führerin im Rahmen des Vorbescheidverfahrens nach Eingang des von der 

Krankentaggeldversicherung in Auftrag gegebenen Gutachtens (Gutachten 

von Dr. med. C., Facharzt für Rheumatologie sowie für Physikalische Me-

dizin und Rehabilitation, Rheumazentrum D., vom 16. September 2020) po-

lydisziplinär begutachten (Gutachten der Aerztliches Begutachtungsinstitut 

GmbH, Basel [ABI], vom 23. August 2021). Mit Verfügung vom 29. Septem-

ber 2021 wies die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren der Be-

schwerdeführerin ab. 

 

2. 

2.1. 

Gegen die Verfügung vom 29. September 2021 erhob die Beschwerdefüh-

rerin mit Eingabe vom 1. November 2021 fristgerecht Beschwerde und 

stellte folgende Rechtsbegehren: 

 

"1. Es sei die Verfügung der Beschwerdebeklagten vom 29. September 
2021 aufzuheben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Feb-
ruar 2020 eine ganze Rente basierend auf einem mindestens 70%-igen 
Invaliditätsgrad auszurichten. 

 
2. Es sei der Beschwerdeführerin für die o/e-Kosten des vorliegenden 

Verfahrens der Kostenerlass mit dem unterzeichneten Anwalt als un-
entgeltlichem Rechtsbeistand zu bewilligen. 

 
3. Unter o/e-Kostenfolge." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 11. November 2021 beantragte die Beschwerde-

gegnerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 12. November 2021 wurde die 

berufliche Vorsorgeeinrichtung der Beschwerdeführerin im Verfahren bei-

geladen und ihr Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Diese verzich-

tete mit Eingabe vom 9. Dezember 2021 auf eine Stellungnahme. 

 

 - 3 - 

 

 

 

2.4. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 2. Dezember 2021 wurde der 

Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt und zu ihrem 

unentgeltlichen Vertreter Dr. iur. Alex Hediger, Advokat, Basel, ernannt. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Vorab ist bezüglich der beantragten Zusprache beruflicher Eingliederungs-

massnahmen (vgl. Beschwerde S. 6) auf Folgendes hinzuweisen: Im ver-

waltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur 

Rechtsverhältnisse zu überprüfen und zu beurteilen, zu denen die zustän-

dige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfügung 

– Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung den beschwer-

deweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an 

einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvorausset-

zung, wenn und insoweit keine Verfügung ergangen ist (BGE 131 V 164 

E. 2.1 S. 164 f.; vgl. auch BGE 135 V 148 E. 5.2 S. 150 und 135 V 141 

E. 1.4 S. 144 ff. sowie 132 V 393 E. 2.1 S. 396).  

 

Die Beschwerdegegnerin hat mit der hier angefochtenen Verfügung vom 

29. September 2021 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 86) einzig einen Inva-

lidenrentenanspruch der Beschwerdeführerin verneint, sich aber nicht zu 

allfälligen Eingliederungsmassnahmen geäussert. Soweit die Beschwerde-

führerin in ihrer Beschwerde Eingliederungsmassnahmen beantragt (vgl. 

Beschwerde S. 6), fehlt es demnach am Anfechtungsgegenstand. Auf die 

Beschwerde ist daher in diesem Umfang nicht einzutreten. Bei diesem Er-

gebnis ist zudem darauf hinzuweisen, dass der Grundsatz "Eingliederung 

vor Rente" im Falle eines rentenausschliessenden Invaliditätsgrades einem 

Entscheid über den Invalidenrentenanspruch noch vor Prüfung des An-

spruchs auf berufliche Massnahmen nicht entgegensteht (Urteil des Bun-

desgerichts 9C_207/2018 vom 16. April 2018 E. 3.2.4). 

 

2. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren 

der Beschwerdeführerin zu Recht mit Verfügung vom 29. September 2021 

(VB 86) abgewiesen hat. 

 

3. 

In der angefochtenen Verfügung vom 29. September 2021 (VB 86) stützte 

sich die Beschwerdegegnerin insbesondere auf das ABI-Gutachten der 

Dres. med. E., Facharzt für Neurologie, F., Facharzt für Orthopädische Chi-

rurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, G., Fachärztin für 

Psychiatrie und Psychotherapie, sowie von Prof. Dr. med. H., Facharzt für 

 - 4 - 

 

 

 

Allgemeine Innere Medizin, vom 23. August 2021. Darin wurden interdis-

ziplinär die nachfolgenden Diagnosen gestellt (VB 83 S. 8 f.): 

 

"a) Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 
- Chronisches lumbales und intermittierendes panvertebrales 

Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.80/Z98.8) 
(…) 

 
b) Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 
1. Rezidivierende Panuveitis Auge links unklarer Ätiologie, ED 04/2016 

(ICD-10 H44.1) 
(…) 

 
2. Latente Tuberkulose, ED 12/2016 
(…)". 

 

In der angestammten Tätigkeit bestehe – aus interdisziplinärer Sicht – in 

einem ganztägigen Pensum aufgrund eines erhöhten Pausenbedarfs eine 

80%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit. In einer körperlich leichten Tätig-

keit, mit immer wieder sitzenden Verrichtungen, ohne längeres Stehen und 

Gehen sowie ohne Heben und Tragen von Lasten über zehn Kilogramm 

bestehe eine 100%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Im zeitlichen Ver-

lauf könne nach aufgehobener Arbeitsfähigkeit ab März 2019 die aktuelle 

Arbeitsfähigkeit in angestammter und angepasster Tätigkeit ab Januar 

2020 angenommen werden (VB 83 S. 10 f.).  

 

4. 

4.1. 

4.1.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situ-

ation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet 

sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

4.1.2. 

Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-

ten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender 

Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Be-

richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb-

nissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerken-

nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper-

tise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353). 

 

 - 5 - 

 

 

 

4.2. 

Das ABI-Gutachten vom 23. August 2021 wird den von der Rechtspre-

chung formulierten Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische 

Stellungnahme (vgl. E. 4.1. hiervor) gerecht. Das Gutachten ist in Kenntnis 

der Vorakten (Anamnese) erstellt worden (vgl. VB 83 S. 15 ff., 47 f.), gibt 

die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin ausführlich wieder (vgl. 

VB 83 S. 23 ff., 29 ff., 37 ff., 48 f.), beruht auf allseitigen Untersuchungen 

der beteiligten Fachdisziplinen (vgl. VB 83 S. 25 f., 32 f., 39 ff., 49 f.) und 

die Gutachter setzten sich im Anschluss an die Herleitung der Diagnosen 

eingehend mit den subjektiven Beschwerdeangaben bzw. den medizini-

schen Akten auseinander (vgl. VB 83 S. 9 ff., 26 ff., 33 ff., 42 ff., 50 ff.). Das 

Gutachten ist in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und 

der medizinischen Situation nachvollziehbar und damit grundsätzlich ge-

eignet, den Beweis für den anspruchserheblichen medizinischen Sachver-

halt zu erbringen. 

 

4.3. 

Die Beschwerdeführerin bringt demgegenüber im Wesentlichen vor, das 

ABI-Gutachten vom 24. August 2021 könne nicht als schlüssig bezeichnet 

werden. Gestützt auf das von der Krankentaggeldversicherung in Auftrag 

gegebene Gutachten von Dr. med. C. vom 16. September 2020 sei von ei-

ner 100%igen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten und einer 30%igen 

Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auszugehen (vgl. Be-

schwerde S. 4). Das ABI-Gutachten setze sich mit dieser völlig divergieren-

den Einschätzung nicht auseinander. Der behandelnde Arzt Dr. med. I., 

Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Q., schätze die verbleibende Rest-

arbeitsfähigkeit zudem gleich ein wie Dr. med. C. Überdies sei die Beurtei-

lung der Belastbarkeit nur im Rahmen einer Eingliederung in einem ge-

schützten Umfeld möglich (vgl. Beschwerde S. 5 f.; Beschwerdebeilage 

[BB] 5). 

 

Soweit die Beschwerdeführerin auf die Einschätzung ihres behandelnden 

(Haus-)Arztes verweist, ist darauf hinzuweisen, dass es die unterschiedli-

che Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes 

einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizini-

schen Experten andererseits (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175) nicht zulässt, ein 

Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum 

Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu 

anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in 

denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandeln-

den Ärzte wichtige Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung 

unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. statt vieler: Urteil des Bun-

desgerichts 9C_425/2019 vom 10. September 2019 E. 3.4 mit Hinweisen). 

Dies ist vorliegend nicht der Fall. Dr. med. I. hält in seinem Schreiben vom 

21. Oktober 2021 zuhanden des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin 

 - 6 - 

 

 

 

fest, die beiden Gutachten (ABI, Dr. med. C.) kämen bei "mehr oder weni-

ger identischen Untersuchungsresultaten zu einem anderen Schluss be-

züglich Arbeitsfähigkeit", wobei das rheumatologische Gutachten von 

Dr. med. C. auch seiner Einschätzung entspreche (BB 5). Beim von der 

Krankentaggeldversicherung eingeholten rheumatologischen Gutachten 

vom 16. September 2020 (vgl. VB 68 S. 5 ff.) handelt es sich nicht um ein 

von einem Sozialversicherungsträger nach Art. 44 ATSG eingeholtes Gut-

achten. Bei solchen Gutachten – vergleichbar mit Beurteilungen versiche-

rungsinterner medizinischer Fachpersonen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.4 

S. 469 f.; 122 V 157 E. 1d S. 162 f.) – reichen bereits geringe Zweifel an 

der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit aus, damit sie nicht als beweiskräftig 

gelten (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_580/2018 vom 14. November 

2018 E. 4.1 und 8C_682/2017 vom 14. Februar 2018 E. 5, je mit Hinwei-

sen). Dieses Gutachten lag den ABI-Gutachtern vor (VB 83 S. 18). Der or-

thopädische Gutachter Dr. med. F. hielt diesbezüglich fest, im rheumatolo-

gischen Gutachten habe Dr. med. C. keine klinische Untersuchung doku-

mentiert; dessen Einschätzung einer qualitativ und quantitativ hochgradig 

eingeschränkten Arbeitsfähigkeit könne aufgrund der "heutigen" Untersu-

chung aus rein orthopädischer Sicht keinesfalls gefolgt werden (VB 83 

S. 44). Damit bestehen bereits zumindest geringe Zweifel an der Einschät-

zung von Dr. med. C. Soweit die Beschwerdeführerin zudem vorbringt, der 

neurologische Gutachter Dr. med. E. habe sich überhaupt nicht mit dem 

Gutachten von Dr. med. C. auseinandergesetzt (vgl. Beschwerde S. 5), ist 

festzuhalten, dass dieses Gutachten auch dem neurologischen ABI-Gut-

achter vorgelegen hatte (VB 83 S. 47 i.V.m. VB 83 S. 18). Entscheidend ist, 

dass die Gutachter über das vollständige medizinische Dossier verfügen 

und ihre Beurteilung in Kenntnis der Unterlagen abgegeben haben (vgl. Ur-

teile des Bundesgerichts 9C_651/2017 vom 19. Juni 2018 E. 4.4; 

9C_212/2015 vom 9. Juni 2015 E. 4). Es bedarf keiner ausdrücklichen Stel-

lungnahme zu jeder einzelnen abweichenden Meinung, sondern es wird 

von medizinischen Experten eine in Kenntnis der Aktenlage gebildete ei-

genständige Beurteilung erwartet (vgl. SVR 2009 UV Nr. 29 S. 101, 

8C_669/2008 vom 25. Februar 2009 E. 3). Dies wurde im ABI-Gutachten 

vorgenommen. Die ABI-Gutachter kamen in Kenntnis der Vorakten sowie 

der erfolgten Bildgebungen, nach Auseinandersetzung mit den bereits er-

gangenen medizinischen Einschätzungen, in Würdigung der Ergebnisse 

der klinischen Untersuchungen und unter eingehender Berücksichtigung 

der von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden zu ihrer nachvoll-

ziehbar begründeten gutachterlichen Einschätzung. Sie hielten in der inter-

disziplinären Gesamtbeurteilung fest, anlässlich der Exploration habe sich 

eine Diskrepanz zwischen dem Ausmass der subjektiv geklagten Be-

schwerden und den objektivierbaren Befunden von Seiten des Bewegungs-

apparates gezeigt. Nachvollziehbar sei ein gewisser Leidensdruck nach 

zweimalig lumbalem Wirbelsäuleneingriff und bei einem organischen Kern 

der Rückenproblematik aufgrund der radiologisch dokumentierten Dis-

kushernie LWK4/5 mit möglicher Affektion der Nervenwurzel L5 rechts und 

 - 7 - 

 

 

 

deutlichen Spondylarthrosen LWK3/4/5/SWK1, doch müssten die deutli-

chen Inkonsistenzen mit zeitweise fehlender Schmerzangabe und bei feh-

lender psychiatrischer Komorbidität als deutliche nicht-organische Be-

schwerdekomponente im Sinne einer Schmerzausweitung interpretiert 

werden (VB 83 S. 9 f.). Eine mangelnde gutachterliche Auseinanderset-

zung ist damit insgesamt nicht ersichtlich. 

 

Bei der vom ABI-Gutachten abweichenden Arbeitsfähigkeitseinschätzung 

von Dr. med. C. ist damit lediglich von einer unterschiedlichen Beurteilung 

des gleichen medizinischen Sachverhaltes auszugehen (Urteil des Bun-

desgerichts 8C_618/2014 vom 19. Dezember 2014 E. 2.1 mit Hinweisen), 

was angesichts der umfassenden gutachterlichen Abklärungen und den 

(ABI-)gutachterlich begründeten Zweifeln an der Einschätzung von 

Dr. med. C. kein Abweichen vom ABI-Gutachten rechtfertigt. Hinsichtlich 

der vom rheumatologischen Gutachten übernommenen Einschätzung des 

Hausarztes ist sodann der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass 

behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrau-

ensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen 

(BGE 125 V 351 E. 3a/cc S. 353 mit weiteren Hinweisen) und Dr. med. I. 

bezüglich der vorherrschenden orthopädischen Problematik (VB 83 S. 11) 

keine fachärztliche Kompetenz zukommt. 

 

4.4. 

Zusammenfassend sind weder den Ausführungen der Beschwerdeführerin 

(vgl. Rügeprinzip, BGE 119 V 347 E. 1a S. 349 f. mit Hinweis auf BGE 110 

V 48 E. 4a S. 53) noch den Akten konkrete Hinweise zu entnehmen, welche 

am ABI-Gutachten vom 23. August 2021 Zweifel zu begründen vermöchten 

(Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit; BGE 134 V 109 

E. 9.5, mit Hinweis auf BGE 129 V 177 E. 3.1). Der medizinische Sachver-

halt erweist sich vor diesem Hintergrund als vollständig abgeklärt, weshalb 

auf weitere Abklärungen (vgl. Beschwerde S. 5 f.) in antizipierter Beweis-

würdigung zu verzichten ist, da von diesen keine weiteren Erkenntnisse zu 

erwarten sind (BGE 127 V 491 E. 1b S. 494 mit Hinweisen).  

 

Gestützt auf das ABI-Gutachten vom 23. August 2021 ist demnach bei der 

Beschwerdeführerin seit Januar 2020 von einer 80%igen Arbeits- und Leis-

tungsfähigkeit in der angestammten und einer 100%igen Arbeits- und Leis-

tungsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auszugehen (vgl. E. 3. hier-

vor). 

 

5. 

Hinsichtlich der erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitsschadens 

wurde die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Invaliditätsgrader-

mittlung (VB 86 S. 1 f.) von der rechtskundig vertretenen Beschwerdefüh-

rerin – nach Lage der Akten im Ergebnis zu Recht – nicht beanstandet (vgl. 

 - 8 - 

 

 

 

Rügeprinzip; E. 4.4. hiervor), so dass sich diesbezügliche Weiterungen er-

übrigen. Die Beschwerdegegnerin hat das Rentenbegehren der Beschwer-

deführerin folglich mit Verfügung vom 29. September 2021 (VB 86) zu 

Recht abgewiesen. 

 

6. 

6.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf ein-

zutreten ist. 

 

6.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Da dieser die unentgeltliche 

Rechtspflege bewilligt wurde, sind die Kosten einstweilen lediglich vorzu-

merken. 

 

6.3. 

Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens 

(Art. 61 lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung 

als Sozialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein An-

spruch auf Parteientschädigung zu. Dem unentgeltlichen Rechtsvertreter 

wird das angemessene Honorar nach Eintritt der Rechtskraft des versiche-

rungsgerichtlichen Urteils aus der Obergerichtskasse zu vergüten sein 

(§ 34 Abs. 3 VRPG i.V.m. Art. 122 Abs. 1 lit. a ZPO). 

 

6.4. 

Es wird ausdrücklich auf Art. 123 ZPO verwiesen, wonach eine Partei, der 

die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung der vor-

gemerkten Gerichtskosten sowie der dem Rechtsvertreter ausgerichteten 

Entschädigung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. 

 

  

 - 9 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.00 werden der Beschwerde-

führerin auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege 

werden sie einstweilen vorgemerkt. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

4. 

Das Honorar des unentgeltlichen Rechtsvertreters wird richterlich auf 

Fr. 3'300.00 festgesetzt. 

 

Die Obergerichtskasse wird gestützt auf § 12 Anwaltstarif angewiesen, 

dem unentgeltlichen Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin Dr. iur. Alex 

Hediger, Advokat, Basel, nach Eintritt der Rechtskraft das Honorar von 

Fr. 3'300.00 auszurichten. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

die Beschwerdeführerin (Vertreter; 2-fach) 

die Beschwerdegegnerin 

die Beigeladene 

das Bundesamt für Sozialversicherungen 

 

Mitteilung nach Rechtskraft an: 

die Obergerichtskasse 

 

  

 - 10 - 

 

 

 

   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6,  

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 24. März 2022 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Peterhans Fricker