# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4811b015-1ed8-58d9-8c07-5ccba17bf2d7
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-06-19
**Language:** de
**Title:** Grenzabstand. Massgebliche Fassade für die Berechnung des Grenzabstands bei Erkern.
**Docket/Reference:** BRGE I Nr. 0073/2020
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/2022-30.pdf

## Full Text

BRGE I Nr. 0073/2020 vom 19. Juni 2020 in BEZ 2022 Nr. 30 

(Bestätigt mit VB.2020.00561 vom 13. Januar 2022 und BGr 1C_170/2022 vom 
12. September 2022.) 

Gemäss  dem  bewilligten  Projekt  war  der  Ersatzneubau  von  zwei 
Mehrfamilienhäusern sowie die Erstellung einer Unterniveaugarage geplant. Die 
beiden  Gebäude  sollten  in  einem  Abstand  von  7 m  zu  einander  auf  einer 
rechtwinklig zur Strasse stehenden Achse zu liegen kommen. 

Aus den Erwägungen: 

4.2  (…)  Gemäss  § 27  Abs. 2  ABV  kann  die  Bau-  und  Zonenordnung 
bestimmen,  dass  die 
für  den  Mehrlängenzuschlag  massgeblichen 
Fassadenlängen  von  benachbarten  Hauptgebäuden  zusammengerechnet 
werden,  wenn  der  Gebäudeabstand  ein  bestimmtes  Mass  unterschreitet.  In 
Umsetzung  dieser  Kompetenznorm  statuiert  Art.  14  Abs. 3  BZO,  dass  eine 
entsprechende  Zusammenrechnung  erfolgt,  wenn  der  Gebäudeabstand  7  m 
unterschreitet. 

Gemäss  §  260  Abs.  3  PBG,  der  sich  gemäss  dem  Randtitel  sowohl  auf 
Grenz-  als  auch  auf  Gebäudeabstände  bezieht,  dürfen  einzelne  Vorsprünge 
höchstens  2  m  in  den  Abstandsbereich  hineinragen,  Erker,  Balkone  und 
dergleichen 
jedoch  höchstens  auf  einem  Drittel  der  betreffenden 
Fassadenlänge.  Als  Erker  gilt  ein  der  Fassade  oder  Ecke  eines  Gebäudes 
vorgelagerter,  geschlossener,  überdachter,  über  ein  oder  mehrere  Geschosse 
reichender  Ausbau,  der  nicht  vom  Boden  aufsteigt  (Christoph  Fritzsche/Peter 
Bösch/Thomas Wipf/Daniel Kunz, Zürcher Planungs- und Baurecht, 6. A., 2019, 
S. 1086). 

4.3.1  Die  geplanten  Gebäude  stehen  zueinander  in  einem  Abstand  von 
genau  7  m.  Haus  A  weist  im  ersten  bis  dritten  Obergeschoss  auf  der 
südöstlichen, dem Haus B zugewandten Fassade einen Vorsprung auf, der als 
Erker zu qualifizieren ist. 

Das  Kriterium,  bei  dessen  Vorliegen  die  Fassadenlängen  benachbarter 
Hauptgebäude zusammenzurechnen sind, bildet gemäss § 27 Abs. 2 ABV und 
Art.  14  Abs.  3  BZO  die  Unterschreitung  eines  bestimmten  Masses  des 
Gebäudeabstands.  Für  den  Eintritt  der  in  den  genannten  Bestimmungen 
erwähnten Rechtsfolge ist demnach nicht entscheidend, wie die Fassadenlänge 
der  jeweiligen  Hauptgebäude  zu  bestimmen  ist,  sondern  es  kommt  einzig 
darauf  an,  in  welcher  Weise  der  Abstand  zwischen  zwei  Gebäuden  ermittelt 
wird.  Es  gelangt  daher  §  260  PBG  zur  Anwendung,  dessen  Abs.  1  sich 
entnehmen  lässt,  dass  für den  Gebäudeabstand  die  Entfernung  zwischen  den 
Fassaden  zweier  Gebäude  massgebend  ist.  Wenn  Abs.  3  dieser  Bestimmung 
darüber  hinaus  festhält,  dass  einzelne  Vorsprünge  in  den  Abstandsbereich 
hineinragen dürfen, so kommt darin die Sichtweise zum Ausdruck, dass auch in 
einer  solchen  Konstellation  der  massgebliche  Abstand  (aufgrund  dessen  sich 
überhaupt  erst  ein  Abstandsbereich  bestimmen  lässt)  von  der  hinter  dem 
Vorsprung  gelegenen  Fassade  aus  gemessen  wird.  Soweit  der  vorliegend 

 
 
 
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interessierende  Erker von  Haus  A  das  Drittelsmass  nicht  überschreitet,  fällt  er 
daher im Sinne  der Abstandsprivilegierung  gemäss §  260 Abs.  3 PBG bei der 
Bestimmung  des  Gebäudeabstands  zwischen  Haus  A  und  Haus  B  ausser 
Betracht. 

Dieses  Verständnis  wird  durch 

folgende  Überlegung  bestätigt:  Die 
Einführung von § 27 Abs. 2 ABV stand in direktem Zusammenhang mit der kurz 
zuvor erfolgten Statuierung von § 270 Abs. 3 PBG und der damit geschaffenen 
Möglichkeit,  mittels  Näherbaurecht  neben  dem  Grenz-,  auch  den 
Gebäudeabstand zu unterschreiten (vgl. zu letzterem VB.2009 00342, E. 2.6 = 
BEZ  2010  Nr.  14).  §  27  Abs.  2  ABV  wurde  geschaffen,  um  der  nachteiligen 
Wirkung von Näherbaurechten entgegenzutreten, da letztere Gebäudegruppen 
mit  stark  verringerten  Gebäudeabständen  ermöglichen  (Maja  Schüpbach 
Schmid, Das Näherbaurecht in der zürcherischen baurechtlichen Praxis, 2001, 
S.  86  f.).  Da  sich  abstandsprivilegierte  Vorsprünge  auf  die  Frage,  ob  zwei 
Gebäude  zueinander 
jedoch  gar  nicht 
auswirken, so dass sie eine Problematik betreffen, die unabhängig von der neu 
geschaffenen Möglichkeit einer Unterschreitung des Gebäudeabstands besteht, 
legt  es  die  Stossrichtung  von  § 27  Abs.  2  ABV  nahe,  bei  dessen  Anwendung 
entsprechende Vorsprünge ausser Betracht zu lassen. 

in  einem  Unterabstand  stehen, 

Zu keinem anderen Ergebnis kann schliesslich die seitens der Rekurrentin 
behauptete faktische Riegelbildung führen. Zunächst besteht kein Anlass daran 
zu zweifeln, dass die klare Begrifflichkeit der fraglichen Bestimmungen, die den 
„Gebäudeabstand“  als  massgeblich  erklären,  deren  wahren  Sinn  wiedergibt. 
Damit  verbietet  sich  eine  korrigierende  Auslegung,  die  sich  einzig  auf  einen 
entsprechenden Gesetzeszweck abstützen würde. Die letztlich angesprochene 
Frage der Erscheinung der projektierten Gebäude ist vielmehr nach Massgabe 
des die Einordnung betreffenden § 238 PBG zu lösen. (…)