# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3c30aaff-aae0-5385-9eaf-9ad8bd04df40
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2004-05-04
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Steuerrekurskommission 04.05.2004 JAAC 68.123
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_015_JAAC-68-123--_2004-05-04.pdf

## Full Text

JAAC 68.123

Entscheid der Eidgenössischen Steuerrekurskommission
vom 4. Mai 2004 [SRK 2004-058]

Retard injustifié à statuer sur une réclamation en matière de taxe sur la
valeur ajoutée.

Art. 70 al. 1 PA. Art. 29 al. 1 Cst.

- Le retard injustifié constitue une forme affaiblie du déni de justice
formel, dans laquelle l’autorité laisse certes entendre qu’elle va prendre
en main l’affaire, mais tarde exagérément à s’en occuper.

- Un retard peut le cas échéant se justifier lorsque la charge de travail
a augmenté dans une proportion extraordinaire et imprévisible. Il
convient de se demander, dans chaque cas d’espèce, si la durée de la
procédure en cause respecte ou non le droit du citoyen à voir sa cause
jugée dans un délai raisonnable. Sont notamment déterminants la
nature de la procédure, la complexité de la matière et le comportement
des parties.

- Il est de notoriété judiciaire que l’entrée en vigueur de la LTVA a
occasionné pour l’Administration fédérale des contributions (AFC) une
surcharge administrative sortant clairement de l’ordinaire. Un retard
peut en principe se justifier dans ce contexte.

- En l’occurrence, 14 mois se sont écoulés entre la réclamation et le
recours pour retard injustifié. La problématique à trancher ne peut pas
d’emblée être qualifiée de simple ou d’insignifiante sous l’angle financier
et la recourante a en outre, par son comportement, rendu nécessaires
d’ultérieurs éclaircissements juridiques. Dans ces circonstances, on
ne peut pas reprocher à l’AFC d’avoir tardé exagérément à rendre une
décision.

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Rechtsverzögerungsbeschwerde betreffend eine Einsprache im
Mehrwertsteuerbereich.

Art. 70 Abs. 1 VwVG. Art. 29 Abs. 1 BV.

- Die Rechtsverzögerung gilt als abgeschwächte Form der
Rechtsverweigerung, indem die Behörde zwar zu erkennen gibt, dass
sie sich mit der Sache befassen will, die Behandlung aber über Gebühr
verzögert.

- Eine Verzögerung kann sich allenfalls dann rechtfertigen, wenn die
Geschäftslast in aussergewöhnlichem und nicht voraussehbarem
Masse angestiegen ist. Es ist am konkreten Einzelfall zu prüfen, ob
sich die gegebene Verfahrensdauer mit dem Anspruch des Bürgers
auf Rechtsschutz innert angemessener Frist verträgt oder nicht.
Massgeblich sind namentlich die Art des Verfahrens, die Schwierigkeit
der Materie und das Verhalten der Beteiligten.

- Es ist gerichtsnotorisch, dass die Eidgenössische Steuerverwaltung
(ESTV) durch die Einführung des MWSTG ausserordentlich grossem
administrativem Aufwand ausgesetzt ist. Eine Verspätung kann sich
grundsätzlich aus diesem Zusammenhang rechtfertigen.

- Im vorliegenden Fall sind zwischen der Einsprache und der
Rechtsverzögerungsbeschwerde 14 Monate verstrichen. Die zu
beurteilende Problematik kann nicht von vornherein als leicht oder
finanziell unbedeutend bezeichnet werden und die Beschwerdeführerin
hat durch ihr Verhalten zudem nachträglich weitere rechtliche
Abklärungen provoziert. Der ESTV kann unter diesen Umständen nicht
vorgeworfen werden, den Entscheid über Gebühr verzögert zu haben.

Ricorso per ritardo ingiustificato inerente un reclamo nell’ambito
dell’imposta sul valore aggiunto.

Art. 70 cpv. 1 PA. Art. 29 cpv. 1 Cost.

- Il ritardo ingiustificato costituisce una forma più debole della
denegata giustizia, nella quale l’autorità lascia intendere che tratterà
il caso ma ritarda eccessivamente ad occuparsene.

- Un ritardo può essere giustificato se il carico di lavoro è aumentato
in modo straordinario ed imprevedibile. Nel caso concreto occorre
valutare se la durata della procedura è conciliabile oppure no con
il diritto del cittadino di ottenere una decisione entro un termine
adeguato. Sono decisivi in particolare il tipo di procedura, la difficoltà
della materia ed il comportamento delle parti.

- Alle autorità giudiziarie è noto che l’introduzione della LIVA
ha comportato un carico amministrativo straordinario per
l’Amministrazione federale delle contribuzioni (AFC). In linea di
principio, tale situazione può giustificare un ritardo.

- Nella fattispecie sono trascorsi 14 mesi fra il reclamo e il ricorso per
ritardo ingiustificato. La problematica da giudicare non può essere
definita a priori facile o finanziariamente poco significativa e inoltre il

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comportamento della ricorrente ha reso necessari ulteriori chiarimenti
giuridici. Tenuto conto di queste circostanze, non si può rimproverare
all’AFC di avere emanato la decisione con eccessivo ritardo.

Nach Einsicht in (Zusammenfassung des Sachverhalts):

- den Entscheid der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) vom
9. Dezember 2002 in Sachen X. AG betreffend Mehrwertsteuer bzw.
Vorsteuerabzug für das 1. Quartal 2002;

- die Einsprache der X. AG vom 3. Januar 2003 gegen den Entscheid der ESTV
vom 9. Dezember 2002;

- das Schreiben der X. AG an die ESTV vom 2. Juli 2003;

- das Schreiben der ESTV an die X. AG vom 8. Juli 2003;

- die Rechtsverzögerungsbeschwerde der X. AG (Beschwerdeführerin) vom
10. März 2004 an die Eidgenössische Steuerrekurskommission (SRK) mit den
Begehren, die ESTV sei anzuweisen, bezüglich der Einsprache vom 3. Januar
2003 unverzüglich einen beschwerdefähigen Entscheid zu erlassen und
eventualiter eine angemessene Frist für den Erlass des Einspracheentscheids
festzusetzen;

in Erwägung, dass:

- die SRK zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig ist
(vgl. Entscheide der SRK vom 5. Februar 2001 i.S. L. [SRK 2000-018]; vom
20. Oktober 2000 i.S. E. [SRK 1999-120], jeweils E. 1a und b; und vom 11. Juli
1997 i.S. V. [SRK 1996-049]); sich das Verfahren nach dem Bundesgesetz über
das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 bestimmt (VwVG, SR
172.021; Art. 71a Abs. 2 VwVG);

- nach Art. 70 Abs. 1 VwVG eine Partei jederzeit gegen die Behörde, die eine
Verfügung unrechtmässig verweigert oder verzögert, Beschwerde wegen
Rechtsverweigerung oder Rechtsverzögerung führen kann; im Gegensatz
zur Aufsichtsbeschwerde es sich dabei nicht um einen blossen Rechtsbehelf,
sondern um ein förmliches Rechtsmittel handelt, auf dessen Erledigung der
Beschwerdeführer Anspruch hat; eine Verfügung als Beschwerdeobjekt
hier nicht notwendig ist; jedoch erforderlich ist, dass die Rechtsuchenden
vorgängig ein Begehren um Erlass einer Verfügung stellen bzw. bei
Verzögerung dieses wiederholen, bevor sie die Beschwerde einreichen
(André Moser, in: Moser/Uebersax, Prozessieren vor eidgenössischen
Rekurskommissionen, Basel und Frankfurt a. M. 1998, Rz. 5.1, mit weiteren
Hinweisen); auf die Rechtsverzögerungsbeschwerde vom 10. März 2004
demzufolge einzutreten ist;

- die Behörde das Recht verweigert, welche es ausdrücklich ablehnt oder
stillschweigend unterlässt, eine Entscheidung zu treffen, obwohl sie
dazu verpflichtet ist; ein solches Verhalten in der Rechtsprechung als
formelle Rechtsverweigerung (im engeren Sinn) bezeichnet wird; die
Rechtsverzögerung als abgeschwächte Form der Rechtsverweigerung gilt,
indem die Behörde zwar zu erkennen gibt, dass sie sich mit der Sache befassen

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will, die Behandlung aber über Gebühr verzögert; in diesem Sinne Art. 29
Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom
18. April 1999 (BV, SR 101) auch verletzt ist, wenn die zuständige Behörde
sich zwar bereit zeigt, einen Entscheid zu treffen, diesen aber nicht binnen
der Frist fasst, die nach der Natur der Sache und nach der Gesamtheit
der übrigen Umstände als angemessen erscheint; ein Verschulden der
Behörde nicht vorausgesetzt ist; auch wenn die Verzögerung auf objektive
Umstände wie ungenügende Stellenzahl oder Überlastung zurückzuführen
ist, sie gegen Art. 29 Abs. 1 BV verstossen kann (Moser, a.a.O., Rz. 5.4 ff., mit
weiteren Hinweisen; Alfred Kölz/Isabelle Häner, Verwaltungsverfahren
und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. 253 ff.
Rz. 718 ff.); eine Verzögerung sich im Sinne einer Bejahung besonderer
Umstände allenfalls dann rechtfertigen kann, wenn die Geschäftslast in
aussergewöhnlichem und nicht voraussehbarem Masse angestiegen ist;
ob sich die gegebene Verfahrensdauer mit dem Anspruch des Bürgers auf
Rechtsschutz innert angemessener Frist verträgt oder nicht, am konkreten
Einzelfall zu prüfen ist; massgeblich namentlich die Art des Verfahrens ist, die
Schwierigkeit der Materie und das Verhalten der Beteiligten (Moser, a.a.O.,
Rz. 5.6, mit Hinweis; vgl. auch Entscheide der SRK vom 5. Februar 2001 und
vom 20. Oktober 2000, a.a.O., jeweils E. 2a);

- eine Rechtsverweigerungsbeschwerde bzw. Rechtsverzögerungsbeschwerde
in der Regel nur zur Feststellung eines Verfahrensverstosses führen kann; die
Gutheissung einer Rechtsverzögerungs- oder Rechtsverweigerungsbeschwerde
zur Rückweisung an die Vorinstanz führt (Art. 70 Abs. 2 VwVG); die säumige
Behörde in der Regel angewiesen wird, umgehend zu entscheiden (Entscheide
der SRK vom 5. Februar 2001 und vom 20. Oktober 2000, a.a.O., jeweils E. 2b;
Moser, a.a.O., Rz. 5.7, mit weiteren Hinweisen);

- es gerichtsnotorisch ist, dass die ESTV durch die Einführung des
Bundesgesetzes vom 2. September 1999 über die Mehrwertsteuer (MWSTG,
SR 641.20) ausserordentlich grossem administrativem Aufwand ausgesetzt
ist und eine Verspätung sich grundsätzlich aus diesem Zusammenhang
rechtfertigen kann (vgl. Entscheide der SRK vom 5. Februar 2001, a.a.O., E. 4b;
vom 10. Dezember 1998 i.S. T. [SRK 1998-149] E. 3b betreffend Verspätungen,
die sich aus dem Übergang vom System der Warenumsatzsteuer zum System
der Mehrwertsteuer ergeben haben, wobei ähnliche [wenn auch nicht
identische] Überlegungen auch für die Einführung des MWSTG noch gültig
sind; Entscheid der SRK vom 12. Januar 2004 i.S. S. [SRK 2003-172]);

- im vorliegenden Fall die Beschwerdeführerin bei der SRK am 10. März 2004
eine Rechtsverzögerungsbeschwerde eingereicht hat, um die ESTV im Falle
der Gutheissung anweisen zu lassen, umgehend einen beschwerdefähigen
Entscheid zu erlassen bzw. eventualiter eine angemessene Frist für den Erlass
des Einspracheentscheids festzusetzen; soweit ersichtlich, die Verwaltung den
von der Beschwerdeführerin anbegehrten Entscheid bis zum heutigen Tag
nicht erlassen hat;

- die ESTV den Entscheid zur Festsetzung der Steuerforderung am 9. Dezember
2002 ausfällte; die Beschwerdeführerin am 3. Januar 2003 gegen diesen
Entscheid Einsprache erheben liess; die Vertreterin der Beschwerdeführerin
sich mit Schreiben vom 2. Juli 2003 bei der ESTV erkundigte, bis wann
mit einem Entscheid in der Sache gerechnet werden könne; die ESTV mit

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Schreiben vom 8. Juli 2003 die Beschwerdeführerin darüber informierte,
dass aufgrund der zahlreichen Einspracheverfahren und dem Umstand,
dass die Anzahl der zu führenden Beschwerdeverfahren nicht bekannt sei,
es nicht möglich sei mitzuteilen, bis wann der Einspracheentscheid gefällt
werden könne, das Einspracheverfahren aber so rasch als möglich an die
Hand genommen werde;

- die ESTV in ihrer Vernehmlassung vom 24. März 2004 insbesondere
ausführt, dass eine Dauer von 14 Monaten zum Erlass eines Entscheides im
vorliegenden Fall nicht ungebührlich lange sei, die Höhe des Streitwertes
und die nicht alltägliche Problematik der Lizenzverträge sowie das
Vorgehen und Verhalten der Beschwerdeführerin eine eingehende Prüfung
des Falles rechtfertigen würde, was die notwendige Zeit erfordere; die
Beschwerdeführerin mit ihrem Verhalten die rechtlichen Abklärungen
und Beurteilungen schwieriger gemacht habe, so mit einer nachträglich
eingereichten Sistierungsvereinbarung; die ESTV geltend macht, dass die
Beschwerdeführerin kein dringliches aktuelles Interesse an einer möglichst
raschen Klärung der Situation habe; im Übrigen im Sinne einer rechtsgleichen
Behandlung anderer Steuerpflichtiger darauf zu verzichten sei, der ESTV eine
Frist anzusetzen;

- aus den Akten nicht ersichtlich ist, dass die ESTV es ablehnt, einen Entscheid
zu fällen, sie vielmehr das Gegenteil bekundet hat; folglich kein Fall der
Rechtsverweigerung, sondern allenfalls der Rechtsverzögerung vorliegen
kann;

- zwischen der Einsprache vom 3. Januar 2003 und der vorliegenden
Rechtsverzögerungsbeschwerde vom 10. März 2004 14 Monate verstrichen
sind; die vorliegend zu Grunde liegende Problematik nicht von vornherein
als leicht oder finanziell unbedeutend bezeichnet werden kann; die
Beschwerdeführerin durch ihr Verhalten zudem nachträglich weitere
rechtliche Abklärungen provoziert hat; der ESTV unter den vorliegenden
Umständen nicht vorgeworfen werden kann, den Entscheid über Gebühr
verzögert zu haben; der ESTV keine Rechtsverzögerung zur Last gelegt
werden kann, so dass ihr auch keine Frist für den Erlass eines entsprechenden
Entscheides anzusetzen ist;

- die Beschwerde sich demnach als unbegründet erweist und abzuweisen
ist; bei diesem Verfahrensausgang die Kosten der unterliegenden
Beschwerdeführerin aufzuerlegen wären, unter den gegebenen Umständen
es sich jedoch rechtfertigt, für dieses Verfahren keine Verfahrenskosten zu
erheben (Art. 63 Abs. 1 VwVG in fine in Verbindung mit Art. 4a Bst. b der
Verordnung vom 10. September 1969 über Kosten und Entschädigungen
im Verwaltungsverfahren, SR 172.041.0; vgl. auch Entscheide der SRK
vom 5. Februar 2001 und vom 20. Oktober 2000, a.a.O., jeweils E. 3d);
eine Parteientschädigung der unterliegenden Beschwerdeführerin nicht
zugesprochen werden kann (Art. 64 Abs. 1 VwVG).

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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 68.123 - Entscheid der Eidgenössischen Steuerrekurskommission vom 4. Mai 2004

[SRK 2004-058]

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 2004
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Anno

Band 68
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Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert.

Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale.

Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.

	Entscheid der Eidgenössischen Steuerrekurskommission vom 4. Mai 2004 [SRK 2004-058]