# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8f258e64-5012-58cf-8836-e5dce05625ec
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2008-06-25
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 25.06.2008 IV 2007/89
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2007-89_2008-06-25.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2007/89

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 23.06.2020

Entscheiddatum: 25.06.2008

Entscheid Versicherungsgericht, 25.06.2008
Art. 43 ATSG. Abklärung des Sachverhalts mittels medizinischer Gutachten. 
Anforderungen an ein Gutachten, wenn abweichende Arztberichte vorliegen 
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 25. Juni 
2008, IV 2007/89).

Präsident Franz Schlauri, Versicherungsrichterin Monika Gehrer-Hug, 

Versicherungsrichter Martin Rutishauser; Gerichtsschreiber Ralph Jöhl

Entscheid vom 25. Juni 2008

in Sachen

C.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, Rosenbergstrasse 51, Postfach 1121, 

9001 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

Rente

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

 Sachverhalt:

A.   

C.___ meldete sich am 13. November 2005 zum Bezug von IV-Leistungen an. Dr. med. 

A.___ gab im Gesuchsformular an, er behandle die Versicherte seit dem 5. März 2004. 

Es bestünden zahlreiche Krankheiten und Unfallfolgen. Die Versicherte sei mit diversen 

Analgetika, Antiphlogistika, Psychopharmaka und Physiotherapie behandelt worden. 

Die Klinik Valens hatte der SWICA als Krankentaggeldversicherer am 10. Mai 2005 

berichtet, die Versicherte sei aktuell durch einen chronischen muskuloskelettalen 

Schmerzzustand beeinträchtigt. Formal könne die Diagnose eines sekundären 

Fibromyalgiesyndroms bei Schilddrüsenfunktionsstörung gestellt werden. Daneben 

leide die Versicherte an einer klassischen Migräne und an einer medikamentös sehr 

schwierig einzustellenden Hypertonie. Psychosomatisch fänden sich wesentliche 

Elemente einer depressiven Symptomatik, aber auch Hinweise auf eine 

posttraumatische Belastungsstörung sowie bei psychotischen Symptomen Hinweise 

auf eine Krankheit aus dem Formenkreis der Schizophrenie. Trotz der psychischen und 

somatischen Beschwerden habe sich die Versicherte im Rahmen der Belastungstests 

bis zur ergonomischen Limite belasten lassen. Sie sei leistungsbereit und konsistent 

gewesen. Die Dekonditionierung habe während den Belastungstests zu einer starken 

Erhöhung der Herzfrequenz geführt. Eine stationäre multimodale Behandlung sei 

indiziert. Momentan bestehe aus rheumatologischer und psychiatrischer Sicht eine 

vollständige Arbeitsunfähigkeit. Vom 20. Juni bis 21. Juli 2005 hatte sich die 

Versicherte zur stationären Therapie in der Klinik Valens aufgehalten. Die Klinik hatte in 

ihrem Bericht vom 20. Juli 2005 an Dr. med. A.___ ausgeführt, die Versicherte habe ein 

multimodal gestaltetes Behandlungsprogramm für Schmerzkranke absolviert. Sie leide 

an einer posttraumatischen Belastungsstörung, an einer sonstigen nichtorganischen 

psychotischen Störung (V.a. paranoide halluzinatorische Schizophrenie), an einem 

generalisierten Schmerzsyndrom und an arterieller Hypertonie. Ziel des stationären 

Aufenthalts sei vor allem eine korrekte Diagnosefindung und eine Optimierung der 

Therapie gewesen. Wegen der wahnhaften Symptomatik sei eine antipsychotische 

Medikation begonnen und im Verlauf langsam aufdosiert worden. Da die Versicherte 

grosse Ängste verbalisiert habe, sei vorübergehend ein Medikament zur Anxiolyse 

verordnet worden. In bezug auf das generalisierte Schmerzsyndrom sei die Versicherte 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

intensiv rehabilitiert worden. Durch die Tagesstrukturierung und die medikamentöse 

Therapie habe sich das Zustandsbild zunehmend stabilisiert. Die wahnhafte 

Symptomatik sei sowohl qualitativ als auch quantitativ als deutlich regredient erlebt 

worden. Die Versicherte sei bis auf weiteres zu 100% arbeitsunfähig.

B.  

Dr. med. A.___ berichtete der IV-Stelle am 2. Dezember 2005, die Versicherte leide an 

einem Schilddrüsenleiden, an einer Migränekrankheit, an arterieller Hypertonie, an 

einem spondylogenen Schmerzsyndrom, an einem Rheumaleiden, an psychisch-

psychotischen Verhaltensstörungen, an einer unfallbedingten Fussverletzung links und 

- ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit - an vegetativen Störungen und an einer 

Adipositas. Seit dem 15. Dezember 2004 bestehe eine andauernde vollständige 

Arbeitsunfähigkeit. Dr. med. B.___ von der Klinik Valens berichtete der IV-Stelle am 19. 

Dezember 2005, aktuell bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Aufgrund des 

generalisierten Schmerzsyndroms mit psychischer Komorbidität, namentlich mit 

posttraumatischer Belastungsstörung und psychotischer Störung, sei nicht mit einer 

wesentlichen Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu rechnen. Bei gutem Verlauf könnte 

allenfalls noch eine geringe Restarbeitsfähigkeit erreicht werden. Die Versicherte 

benötige eine intensive psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung, 

gegebenenfalls in einem teilstationären Rahmen. Man empfehle eine ergänzende 

psychiatrische Abklärung. Dr. med. D.___ vom RAD Ostschweiz empfahl am 7. Februar 

2006 eine polydisziplinäre Begutachtung, weil die diagnostische Einschätzung 

insbesondere beim psychischen Gesundheitsschaden nicht plausibel nachvollziehbar 

sei. Die IV-Stelle beauftragte am 17. April 2006 das ABI Ärztliche Begutachtungsinstitut 

GmbH in Basel mit einer interdisziplinären Abklärung. Der behandelnde Psychiater Dr. 

med. E.___ berichtete der IV-Stelle am 18. April 2006, die Versicherte leide an einer 

nicht näher bezeichneten paranoiden Psychose, an einer posttraumatischen 

Belastungsstörung, an einem chronischen Schmerzsyndrom und an arterieller 

Hypertonie. Seit dem 14. Juni 2004 bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Die 

Versicherte sei als Kriegsflüchtling in die Schweiz gekommen. Auf sehr frustrierende 

Kriegserlebnisse (Tötung von verschiedenen Verwandten, selbst erlebte 

Todesdrohungen von Seiten serbischer Soldaten) habe sie mit Angst und 

Niedergeschlagenheit reagiert. Sie sei die ganze Zeit psychomotorisch unruhig und 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

sehr angespannt gewesen, habe ständig an Ängsten gelitten und sei nicht in der Lage 

gewesen, diese Probleme zu bewältigen. Besonders belastend seien die Stimmen 

gewesen, die sie zeitweise gehört habe, und das Erlebnis, dass sich die Menschen in 

ihrer Umgebung und sie selbst sich körperlich verändert hätten. Es seien 

Halluzinationen, nämlich eine Depersonalisation (z.B. im Spiegel sich verändert erleben) 

und eine Derealisation (Veränderungen anderer Personen und der Welt), aufgetreten. 

Die medikamentöse Behandlung (Antidepressiva, Antipsychotika, Anxiolytika) sei 

erfolglos geblieben. Mit einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit sei nicht zu rechnen. In 

einem geschützten Umfeld wäre eine Arbeit an zwei bis drei Halbtagen pro Woche 

sinnvoll. Dabei dürfte es sich aber nicht um eine leistungsorientierte Arbeit handeln. Es 

liege eine Komorbidität (psychische Vulnerabilität mit psychotischen Symptomen, sehr 

ausgeprägte posttraumatische Belastungsstörung) vor. Die IV-Stelle übermittelte 

diesen Bericht auch dem ABI.

C.  

C.a Der rheumatologische Sachverständige des ABI berichtete im Gutachten vom 

15. Juni 2006, die Versicherte leide an einem therapieresistenten und insgesamt 

progredienten Schmerzsyndrom in multiplen Bereichen des Bewegungsapparates. 

Betroffen sei die gesamte Wirbelsäule einschliesslich der angrenzenden Muskulatur 

und einschliesslich sämtlicher Extremitäten mit Betonung aller Gelenke beider Hände. 

Bei der klinischen Untersuchung seien aber sämtliche Spontanbewegungen durchwegs 

normal und unbehindert ausgeführt worden. Die Versicherte habe aus der Rückenlage 

problemlos und ohne Beachtung der Rückendisziplin sowie ohne Unterstützung durch 

die Arme aufsitzen können. Die neurologische Untersuchung habe keine Hinweise für 

eine zerviko- oder lumboradikuläre Symptomatik ergeben. In allen Abschnitten der 

Wirbelsäule hätten sich nur leichtgradige Bewegungseinschränkungen gefunden. Die 

Bewegungsprüfungen seien von allseitigen Endphasenschmerzen begleitet gewesen. 

Es hätten ganz umfangreiche Druckdolenzen multipler muskuloskelettaler Strukturen 

mit Betonung der Muskulatur im Nacken-/Schultergürtel sowie im Lenden-/

Beckengürtelbereich bestanden. Alle Gelenke in allen Fingern beidseits, alle 

Tenderpoints der Fibromyalgie und auch multiple sogenannte Kontrollpunkte seien 

druckdolent gewesen. Es hätten sich aber keine Zeichen einer entzündlichen Affektion 

des Bewegungsapparates ergeben. Aus rheumatologischer Sicht liege ein 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

multilokuläres Schmerzsyndrom vor, das zu einer sekundären physischen 

Dekonditionierung geführt habe. Die Klassifikationskriterien einer Fibromyalgie seien 

zwar grundsätzlich erfüllt, aber angesichts der ganz diffusen muskuloskelettalen 

Druckdolenzen ohne Bevorzugung der typischen Tenderpoints stehe diagnostisch 

nicht die Fibromyalgie im Vordergrund. Die subjektiv hochgradige 

Beschwerdeintensität finde kein adäquates klinisches Korrelat. Die physische 

Dekonditionierung habe eine mässiggradige Einschränkung der Belastbarkeit zur 

Folge. Aus rein somatischer Sicht könnte dieser Zustand aber durch ein adäquates 

Rehabilitationsprogramm gut beeinflusst werden. Für eine körperlich leichte Tätigkeit 

bei nur leichter Rückenbelastung sowie der Möglichkeit zu Wechselpositionen sei die 

Arbeitsfähigkeit aus rheumatologischer Sicht nicht eingeschränkt. Die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung (Arbeitsunfähigkeit 100%) der Klinik Valens in deren Bericht 

vom 10. Mai 2005 lasse sich weder mit dem dort angegebenen rheumatologischen 

Status noch mit dem aktuellen Abklärungsergebnis in Übereinstimmung bringen.

C.b Der psychiatrische Sachverständige des ABI berichtete, die Versicherte habe im 

Jahr 1992 erlebt, wie Flugzeuge im Tiefflug über ihr Gebiet geflogen seien. Sie habe 

auch Granateinschläge gehört. Drei ihrer Cousins seien im Krieg getötet worden. Bei 

der Ausreise sei sie mit dem Tod bedroht worden. Ein hinzukommender Offizier habe 

sie dann aber in ein Taxi gesteckt und sie habe ohne Schwierigkeiten ausreisen 

können. Die Kontrolle habe weniger als eine Stunde gedauert. 1997 nach der Geburt 

des dritten Kindes habe die Versicherte vorübergehend unter einer akuten 

psychotischen Störung gelitten. Sie habe erlebt, wie sich Gesichter zu Fratzen verzerrt 

hätten. Diese Störung habe sich nach der Einnahme von Medikamenten 

zurückgebildet. Im Jahr 2004 habe die Versicherte aufgrund der Situation am 

Arbeitsplatz (jähzorniger Chef) wieder vorübergehend psychotische Erlebnisse gehabt. 

Es liege eine Schmerzverarbeitungsstörung vor, denn es fehle eine schwere 

psychosoziale oder emotionale Belastungssituation. Als Folge der Krankheit werde die 

Versicherte bei der Haushaltsbesorgung unterstützt und sie habe subjektiv eine 

Rechtfertigung dafür, dass sie nicht mehr erwerbstätig sei. Dies sei als sekundärer 

Krankheitsgewinn zu werten. Bei der verzerrten Wahrnehmung der Realität (Gesichter 

als Fratzen) handle es sich um eine vorübergehende psychotische Störung. Derartige 

Störungen hätten eine gute Prognose, da sie sich mit Neuroleptika erfolgreich 

behandeln liessen. Die Störungen seien zweimal aufgetreten. Die Grundsymptome 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

einer schizophrenen Krankheit fehlten. Es seien auch keine Denkstörungen vorhanden. 

Im affektiven Bereich sei die Versicherte unauffällig, es bestünden keine 

Affektverflachung, kein Interessensverlust, keine allgemeinen 

Persönlichkeitsveränderung und keine Konzentrations- oder Antriebsstörungen. Eine 

posttraumatische Belastungsstörung liege nicht vor, denn die Versicherte sei nicht 

direkt in das Kriegsgeschehen verwickelt gewesen. Sie habe einzig während einer 

Stunde Angst gehabt, als sie sich einer Ausreisekontrolle habe unterziehen müssen. Sie 

habe also keine schwerwiegende Bedrohung und auch kein Ereignis katastrophalen 

Ausmasses erlebt. Aus psychiatrischer Sicht sei die Versicherte zu 80% arbeitsfähig. 

Dies sei durch die vorübergehende psychotische Störung und die leichte Angststörung 

bedingt. Weil die Versicherte unter Belastung dazu neige, psychotisch zu reagieren, sei 

die Belastungsfähigkeit vermindert. Die Schmerzverarbeitungsstörung schränke die 

Arbeitsfähigkeit nicht ein. Es sei der Versicherten zumutbar, zu 80% zu arbeiten. Die 

Versicherte nehme das Neuroleptikum und das Antidepressivum unterdosiert bzw. 

unregelmässig ein. Das sei ein weiterer Hinweis darauf, dass sie nicht an einer 

schweren Depression oder an einer Psychose leide. Entgegen der Auffassung von Dr. 

med. E.___ leide die Versicherte nicht an einer paranoiden Psychose, sondern in 

Belastungssituationen unter vorübergehenden kurzfristigen psychotischen Erlebnissen. 

Es bestehe also keine Veränderung der Persönlichkeit. Die vorübergehende 

psychotische Störung habe eine gute Prognose. Da ein Erlebnis katastrophalen 

Ausmasses fehle, könne entgegen der Auffassung von Dr. med. E.___ keine 

posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert werden.

C.c Die Gesamtdiagnose lautete: multilokuläres Schmerzsyndrom des 

Bewegungsapparates (zervikal- und lumbalbetontes Panvertebralsyndrom, 

myofasziales Schmerzsyndrom im Nacken-Schultergürtel- sowie im Lenden-

Beckengürtelbereich, sekundäre physische Dekonditionierung), akute vorübergehende 

psychotische Störung, Angststörung sowie - ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit - 

Schmerzverarbeitungsstörung, knotige Struma mit anamnestisch subklinischer 

Hypothyreose, arterielle Hypertonie mit anamnestisch beginnender hypertensiver 

Herzkrankheit und St. n. Distorsion des linken OSG. Die Konsensfindung unter den 

beteiligten Sachverständigen ergab, dass die Versicherte in einer leichten, 

rückenschonenden und in wechselnder Haltung auszuübenden Erwerbstätigkeit zu 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

80% arbeitsfähig war. Die Reduktion um 20% war durch die psychische Erkrankung 

bedingt.

D.  

Mit einem Vorbescheid vom 14. November 2006 teilte die IV-Stelle der Versicherten 

mit, dass sie das Leistungsbegehren abweisen werde, weil der Invaliditätsgrad lediglich 

28% betrage. Die Versicherte wandte am 4. Januar 2007 ein, sie sei zu 100% 

arbeitsunfähig. Die entsprechende Einschätzung durch die Klinik Valens im Bericht 

über den stationären Aufenthalt im Sommer 2005 sei überzeugend. Die Ärzte der Klinik 

Valens hätten nämlich einen Monat Zeit gehabt, um sich vom Gesundheitszustand ein 

Bild zu machen. Demgegenüber hätten sich die Sachverständigen des ABI weniger als 

einen Tag mit ihr befasst. Aus diesem Grund vermöge die Arbeitsfähigkeitsschätzung 

des ABI nicht zu überzeugen. Im übrigen fehlten das rheumatologische und das 

psychiatrische Teilgutachten in den Akten. Mit einer Verfügung vom 24. Januar 2007 

wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren der Versicherten ab. Sie begründete dies mit 

einem von ihr ermittelten Invaliditätsgrad von 28%. Zu den Einwänden zum 

Vorbescheid führte sie aus, es seien keine neuen medizinischen Erkenntnisse vorgelegt 

worden, weshalb auf das ABI-Gutachten abgestellt werden müsse. Das ABI bestätigte 

der IV-Stelle am 13. Februar 2007, dass es das rheumatologische und das 

psychiatrische Teilgutachten vollständig in das Gutachten integriert habe. Es legte eine 

von den beiden Sachverständigen nachvisierte Kopie des Gutachtens bei.

E.  

Die Versicherte erhob am 21. Februar 2007 Beschwerde gegen die 

Abweisungsverfügung. Sie beantragte die Zusprache einer ganzen Invalidenrente ab 

wann rechtens, allerspätestens ab Dezember 2005, eventualiter die Rückweisung 

zwecks Vornahme weiterer Abklärungen und anschliessender Neuverfügung. In ihrer 

Beschwerdebegründung vom 28. Februar 2007 führte sie insbesondere aus, die Klinik 

Valens habe in ihrem Bericht über den stationären Aufenthalt angegeben, dass eine 

Prognose bezüglich Besserung der Arbeitsfähigkeit und Wiedereingliederung in den 

Arbeitsprozess noch nicht möglich sei. Um später eine Prognose abgeben zu können, 

sei kein Gutachten des ABI erforderlich gewesen. Es hätte genügt, wenn sich die IV-

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Stelle nach einer gewissen Zeit betreffend den Gesundheitszustand der Versicherten 

bei der Klinik Valens informiert hätte. Der RAD-Arzt habe nicht begründet, weshalb die 

Diagnose der Klinik Valens nicht plausibel sein solle. Dass die IV-Stelle eine zweite 

Begutachtung angeordnet habe, lasse vermuten, dass sie ein für sie günstigeres 

Abklärungsergebnis habe erlangen wollen. Dass sie keine Kritik am ABI-Gutachten 

zulasse, sei deshalb nicht überraschend. Es sei aber nicht zulässig, ohne vernünftigen 

Grund zusätzliche Begutachtungen anzuordnen und diese dann kritiklos zu 

übernehmen. Die Untersuchung durch die Sachverständigen des ABI habe sich auf 

einen Tag beschränkt, die Klinik Valens hingegen habe sie einen Monat lang 

beobachten können. Das Bild, das sich die Sachverständigen des ABI hätten machen 

können, sei deshalb im Vergleich zu demjenigen, das die Klinik Valens erhalten habe, 

nur sehr rudimentär. Deshalb sei dem Gutachten der Klinik Valens der Vorzug zu 

geben. Mit der Klinik Valens und mit Dr. med. E.___ sei davon auszugehen, dass sie zu 

100% arbeitsunfähig sei.

F.   

Die IV-Stelle beantragte am 11. April 2007 die Abweisung der Beschwerde. Sie machte 

geltend, der Begutachtungsauftrag an das ABI sei durch die unklaren psychiatrischen 

Diagnosen gerechtfertigt gewesen. Das Gutachten des ABI sei umfassend, beruhe auf 

allseitigen Untersuchungen, sei in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, leuchte in 

der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der 

medizinischen Situation ein und die Schlussfolgerung sei nachvollziehbar. Es setze sich 

mit den vorhandenen Arztberichten auseinander und begründe, weshalb die dort 

angegebenen Diagnosen nicht zuträfen. Die Berichte behandelnder Ärzte seien im 

übrigen mit Vorbehalt zu würdigen. Schliesslich sei das ABI-Gutachten aktueller.

G.   

Die Versicherte reichte mit ihrer Replik vom 31. Mai 2007 einen Bericht der 

psychiatrischen Klinik Wil vom 29. Mai 2007 über eine seit dem 3. April 2007 

andauernde stationäre Behandlung ein. In diesem Bericht war ausgeführt worden, die 

Versicherte leide an einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung mit 

psychotischem Erleben, Albträumen und Flashbacks, an einem V.a. paranoide 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Schizophrenie, an einer somatoformen Schmerzstörung und an arterieller Hypertonie. 

Beim Eintritt in die Klinik sei die Versicherte stark ausgeprägt ängstlich, hoffnungslos, 

deprimiert, ratlos und deutlich innerlich unruhig gewesen. Im Verlauf der stationären 

Behandlung sei die Sprache der Versicherten vor allem aufgrund des Vertrauens, das 

die Versicherte in das Behandlungsteam entwickelt habe, verständlicher geworden. Die 

Versicherte habe zunehmend das Bedürfnis entwickelt, über schwere traumatisierende 

Situationen in ihrem Herkunftsland zu sprechen. Sie habe angegeben, sie sei im Alter 

von sechzehn Jahren vergewaltigt worden. Während des Krieges sei sie von zwei 

Männern des serbischen Militärs vergewaltigt worden. Die beiden hätten ihr gedroht, 

einen der Söhne, der damals noch ein Baby gewesen sei, umzubringen, wenn sie 

schreie. Ein anderes einschneidendes Erlebnis sei gewesen, dass sie mit den Kindern 

einen Cousin im Spital besucht habe. Plötzlich sei serbisches Militär eingedrungen und 

habe herumgeschossen. Sie habe zwar mit den Kindern flüchten können, aber von 

ihrem Cousin habe sie nie mehr etwas gehört. Sie habe in die Schweiz flüchten wollen. 

Bei der Ausweiskontrolle sei sie mit dem Tod bedroht worden. Die Männer hätten 

geschrien, dass die Moslems alle sterben müssten. Sie hätten einem der Kinder ein 

Messer an den Hals gesetzt. Ein hinzukommender Offizier habe sie dann in ein Taxi 

gesteckt, worauf sie ohne weitere Schwierigkeiten habe ausreisen können. Nach der 

Geburt des dritten Kindes im Jahr 1996 habe sie vorübergehend an einer 

psychotischen Episode gelitten. Gesichter hätten sich zu Fratzen verzerrt und sie habe 

kaum mehr gewagt, ihren kleinen Sohn anzusehen. Sie habe keinen sexuellen Kontakt 

mehr zu ihrem Ehemann, vor Berührungen schrecke sie zurück. Als Küchenangestellte 

in einem Restaurant habe sie einen jähzornigen Chef gehabt. Dieser habe bei ihr 

Angstattacken ausgelöst. Deshalb sei es zu einem neuerlichen psychotischen Erleben 

gekommen. Bezogen auf die aktuelle Situation hatten die Ärzte der psychiatrischen 

Klinik Wil angegeben, es sei weiterhin eine stationäre psychiatrische integrierte 

Behandlung notwendig. Nach einer weiteren Stabilisierung werde eine ambulante 

Traumatherapie beginnen. Es liege eine schwerste posttraumatische 

Belastungsstörung mit psychotischem Erleben vor. Dieses Krankheitsbild führe 

eindeutig zu einer 100%igen Invalidisierung. Die Versicherte führte dazu in ihrer Replik 

aus, die Annahme der Sachverständigen des ABI, es liege keine posttraumatische 

Belastungsstörung vor, sei widerlegt. Dasselbe gelte auch für die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung im ABI-Gutachten.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

H. Die IV-Stelle verzichtete am 5. Juni 2007 auf eine Duplik.

Erwägungen:

1.   

Der Grad der für den Rentenanspruch massgebenden Invalidität ist gemäss Art. 16 

ATSG durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln, bei dem das Einkommen, das 

die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der 

notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener 

Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung 

gesetzt wird zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden 

wäre (Valideneinkommen). Ausschlaggebendes Element des Einkommensvergleiches 

ist in aller Regel der Grad der verbliebenen Arbeitsfähigkeit. Die vorliegenden ärztlichen 

Arbeitsfähigkeitsschätzungen weichen stark voneinander ab. Im Gutachten des ABI 

wird eine Arbeitsfähigkeit von 80% für eine adaptierte Tätigkeit angegeben, während 

die behandelnden Psychiater von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit der 

Beschwerdeführerin ausgehen. Die Beschwerdegegnerin macht unter Berufung auf die 

höchstrichterliche Rechtsprechung geltend, das ABI-Gutachten belege mit dem 

erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit einen 

Arbeitsfähigkeitsgrad der Beschwerdeführerin von 80%, denn es erfülle alle 

Anforderungen, die an einen Arztbericht zu stellen seien. Es sei nämlich für die 

streitigen Belange umfassend, beruhe auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtige 

die geklagten Beschwerden, sei in Kenntnis der medizinischen Zusammenhänge 

abgegeben worden, leuchte in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und sei 

in seinen Schlussfolgerungen begründet (vgl. etwa BGE 122 V 160). Da abweichende 

Arbeitsfähigkeitsschätzungen vorliegen, kann das Erfüllen dieser Anforderungen durch 

das ABI-Gutachten allein nicht ausreichen, um die Arbeitsfähigkeitsschätzung des ABI 

als überwiegend wahrscheinlich erscheinen zu lassen. In einem solchen Fall müssen 

nicht nur die angeführten Anforderungen erfüllt sein, sondern das ABI-Gutachten 

müsste es zusätzlich erlauben, die anderen, abweichenden 

Arbeitsfähigkeitsschätzungen mit dem Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit als falsch zu qualifizieren. Nur dann wäre es zulässig, die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung im ABI-Gutachten als überwiegend wahrscheinlich zu 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

betrachten. Vermag das ABI-Gutachten die abweichenden 

Arbeitsfähigkeitsschätzungen anderer Ärzte nicht zu widerlegen, kann es den 

behaupteten Arbeitsfähigkeitsgrad von 80% nicht nachweisen, auch wenn es all die 

oben angeführten Anforderungen an ein medizinisches Gutachten erfüllt. Sollte auch 

keiner der anderen Arztberichte diese Anforderungen erfüllen und gleichzeitig die 

Unrichtigkeit der Arbeitsfähigkeitsschätzung des ABI mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit nachweisen, erwiese sich der Sachverhalt als unzureichend 

abgeklärt.

2.   

2.1  Dr. med. B.___ hat in einer dem Bericht der Klinik Valens vom 19. Dezember 2005 

an die Beschwerdegegnerin beigelegten Zusammenfassung der Krankengeschichte 

vom 10. August 2005 das Ergebnis der rheumatologischen und neurologischen 

Untersuchung geschildert. Die erhobenen Befunde entsprechen weitgehend 

denjenigen des rheumatologischen Sachverständigen des ABI. Insbesondere hat auch 

Dr. med. B.___ darauf hingewiesen, dass zwar sämtliche Fibromyalgie-Tenderpoints, 

aber auch sämtliche Kontrollpunkte druckdolent gewesen seien. Daraus hat sie, wie 

auch der rheumatologische Sachverständige des ABI, den Schluss gezogen, dass 

keine Fibromyalgie vorliege. Auch die gestützt auf die rheumatologischen und 

neurologischen Untersuchungen von Dr. med. B.___ und vom Sachverständigen des 

ABI gestellten Diagnosen stimmen inhaltlich überein. Dr. med. B.___ hat sich zwar nicht 

ausdrücklich zur Frage geäussert, ob die somatische Gesundheitsbeeinträchtigung für 

sich allein in einer adaptierten Erwerbstätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hätte. 

Aber ihre Aussage, dass eine intensive psychiatrisch-psychotherapeutische 

Behandlung geeignet wäre, die Beeinträchtigung in der Arbeitsfähigkeit zu reduzieren, 

muss so interpretiert werden, dass Dr. med. B.___ die Ursache der Arbeitsunfähigkeit 

(in einer adaptierten Erwerbstätigkeit) nur in der Beeinträchtigung der psychischen 

Gesundheit gesehen hat. Es ist also davon auszugehen, dass in bezug auf die Folgen 

der Beeinträchtigung der körperlichen Gesundheit für die Arbeitsfähigkeit 

Übereinstimmung unter den Ärzten besteht: Die Beeinträchtigung der körperlichen 

Gesundheit allein bewirkt keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, sie reduziert nur 

die Zahl der für die Beschwerdeführerin noch in Frage kommenden Erwerbstätigkeiten, 

weil nur noch eine adaptierte Arbeit in Frage kommt.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

2.2  Der Widerspruch zwischen den verschiedenen ärztlichen 

Arbeitsfähigkeitsschätzungen besteht also nur in bezug auf die Konsequenzen der 

Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit für die Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin. Nicht nur die Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit differieren, 

sondern auch die Diagnosen. Dr. med. B.___ hat im Bericht der Klinik Valens vom 19. 

Dezember 2005 eine posttraumatische Belastungsstörung und eine sonstige 

nichtorganische psychotische Störung mit Verdacht auf eine paranoide 

halluzinatorische Schizophrenie angegeben. Der behandelnde Psychiater Dr. med. 

E.___ hat in seinem Bericht vom 18. April 2006 eine nicht weiter bezeichnete paranoide 

Psychose und eine posttraumatische Belastungsstörung genannt. Allerdings hat er 

ebenso wie Dr. med. B.___ jene Ereignisse im Leben der Beschwerdeführerin nicht 

genannt, die ihn veranlasst hatten, die Diagnose einer posttraumatischen 

Belastungsstörung zu stellen. Er hat aber festgehalten, dass oft Halluzinationen und 

Phänomene der Depersonalisation und der Derealisation aufgetreten seien, welche die 

Beschwerdeführerin in Panik versetzt hätten. Er hat auch ausgesagt, dass diese 

Beeinträchtigungen auf die medikamentöse Behandlung nicht angesprochen hätten. 

Der psychiatrische Sachverständige des ABI hat eine in weiten Teilen abweichende 

Diagnose gestellt. Er ist zwar auch von einer psychotischen Störung ausgegangen, 

aber er hat diese Störung als vorübergehend betrachtet. Daneben hat er eine 

Angststörung und eine für die Arbeitsfähigkeit irrelevante Schmerzverarbeitungsstörung 

angegeben. Er hat das Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung verneint, 

da die Beschwerdeführerin weder eine schwerwiegende Bedrohung noch ein Ereignis 

katastrophalen Ausmasses erlebt habe. Der psychiatrische Sachverständige hat aber 

auch keine Zeichen einer schizophrenen Erkrankung festgestellt. Die Differenzen in den 

Diagnosen korrespondieren mit der Differenz in den Arbeitsfähigkeitsschätzungen.

2.3  Nun hat eine langdauernde stationäre Behandlung der Beschwerdeführerin in der 

psychiatrischen Klinik Wil aber die von Dr. med. B.___ und von Dr. med. E.___ 

angegebenen Diagnosen bestätigt. Die psychiatrische Klinik Wil hat gemäss ihrem 

Bericht vom 29. Mai 2007 neben der bereits von allen anderen Ärzten festgestellten 

somatoformen Schmerzstörung eine schwere posttraumatische Belastungsstörung (mit 

psychotischem Erleben, Albträumen und Flashbacks) und einen Verdacht auf eine 

paranoide Schizophrenie diagnostiziert. Die von der Beschwerdeführerin nach 

längerem Klinikaufenthalt schliesslich geschilderten Erlebnisse weisen jenen Charakter 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

auf, der die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung zulässt. Ausserdem 

sind während des Klinikaufenthalts Symptome entdeckt worden, die auf eine 

schizophrene Erkrankung hindeuten, und es steht fest, dass das Auftreten 

psychotischer Symptome entgegen der Annahme des psychiatrischen 

Sachverständigen des ABI nicht durch eine medikamentöse Therapie ohne weiteres hat 

verhindert werden können. Es ist anzunehmen, dass die Beschwerdeführerin anlässlich 

der Exploration durch den psychiatrischen Sachverständigen des ABI mangels eines 

ausreichenden Vertrauensverhältnisses gar nicht in der Lage gewesen ist, über ihre 

einschneidenden Erlebnisse vollständig und im Detail Auskunft zu geben. Erst nach 

einer längeren stationären Behandlung in der psychiatrischen Klinik Wil ist ihr dies 

möglich geworden. Selbst wenn der psychiatrische Sachverständige des ABI vermutet 

hätte, dass die Beschwerdeführerin nur sehr unvollständig Auskunft gab, wäre er also 

nicht in der Lage gewesen, mehr zu erfahren. Da weder der behandelnde Psychiater 

noch die Klinik entsprechende Angaben gemacht hatten, bestand allerdings für den 

psychiatrischen Sachverständigen des ABI gar keine Veranlassung, besonderes 

Augenmerk auf eine vollständige Erhebung der persönlichen Anamnese zu richten, d.h. 

die Beschwerdeführerin zu drängen, mehr von ihrer Vergangenheit zu erzählen. Seine 

Diagnosestellung und damit auch seine Arbeitsfähigkeitsschätzung beruhen also auf 

einer unvollständig erhobenen persönlichen Anamnese. Das bedeutet, dass die 

psychiatrische Klinik Wil in ihrem Bericht vom 29. Mai 2007 "objektiv feststellbare 

Gesichtspunkte" vorgebracht hat, "welche im Rahmen der psychiatrischen 

Begutachtung unerkannt geblieben und die geeignet sind, zu einer abweichenden 

Beurteilung zu führen" (Bundesgerichtsurteil vom 13. März 2006, I 676/05, Erw. 2.4). 

Das Gutachten des ABI vom 15. Juni 2006 vermag deshalb den angegebenen 

Arbeitsfähigkeitsgrad von 80% in einer adaptierten Tätigkeit nicht mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit zu belegen. Sein psychiatrischer Teil weist einen Mangel auf, der 

zwar nicht hat vermieden werden können, der aber trotzdem bewirkt, dass die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht überzeugt.

2.4  Damit stellt sich die Frage, ob die - in bezug auf die Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin übereinstimmenden - Berichte der Klinik Valens, des 

behandelnden Psychiaters Dr. med. E.___ und der psychiatrischen Klinik Wil geeignet 

sind, mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit eine 

dauernde vollständige Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin aus psychischen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Gründen zu belegen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es sich bei diesen Berichten 

entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin nicht um Gutachten im Rechtssinn 

handelt (was erklärt, weshalb die Beschwerdegegnerin befugt war, eine Begutachtung 

anzuordnen, ohne "Gutachter-Shopping" zu betreiben, d.h. so lange immer neue 

Gutachten in Auftrag zu geben, bis endlich ein ihr genehmes Ergebnis vorliegt). Es 

fehlte den entsprechenden Ärzten nämlich die unbedingt notwendige Unabhängigkeit 

und Unvoreingenommenheit. Sie alle standen zur Beschwerdeführerin in einem 

Auftragsverhältnis, das sie zur Behandlung verpflichtete. Das bedeutet, dass sie in der 

Berichterstattung an die Beschwerdegegnerin zum vornherein nicht so unabhängig 

sein konnten, wie es die Sachverständigen des ABI waren. Es fehlte ihnen aber auch 

die nötige Unvoreingenommenheit, denn sie waren einzig damit betraut, die 

Beschwerdeführerin zu behandeln. Das lässt vermuten, dass auch die 

Arbeitsfähigkeitsschätzungen ausschliesslich aus dem Blickwinkel der Schaffung 

bester Heilungsvoraussetzungen (Befreiung vom Zwang, einer Erwerbstätigkeit 

nachzugehen zu müssen) abgegeben worden sind und dass zudem - sicherlich 

unbewusst - der Versuch gemacht worden ist, der Beschwerdeführerin auch im 

Hinblick auf ihre wirtschaftlichen Umstände soweit als möglich zu helfen, um so zu 

verhindern, dass ein finanzieller Engpass den Heilungsprozess nachteilig beeinflussen 

würde. Dies schliesst es trotz der weitgehenden Übereinstimmung der Angaben der 

behandelnden Ärzte aus, eine Arbeitsunfähigkeit von 100% als überwiegend 

wahrscheinlich nachgewiesen zu betrachten. Die Überprüfung dieser Angaben durch 

einen unabhängigen Sachverständigen ist unerlässlich. Die angefochtene Abweisung 

des Rentenbegehrens beruht deshalb auf einem in (objektiver, d.h. unbewusster) 

Verletzung der Untersuchungspflicht unvollständig erhobenen Sachverhalt. Sie ist als 

rechtswidrig aufzuheben. Die Beschwerdegegnerin wird die Sachverhaltskenntnis 

durch eine erneute Begutachtung insbesondere in psychiatrischer Hinsicht ergänzen 

müssen. Sollten die zusätzlichen medizinischen Abklärungen einen 

Arbeitsunfähigkeitsgrad für eine adaptierte Tätigkeit aufzeigen, der einen 

rentenbegründenden Invaliditätsgrad liefern könnte, wie die Beschwerdegegnerin vor 

der verfügungsweisen Zusprache einer Invalidenrente prüfen, ob eine berufliche 

Eingliederung der Beschwerdeführerin in Frage kommt und gegebenenfalls ob eine 

solche Massnahme geeignet ist, die drohende Invalidität zu vermeiden oder wenigstens 

zu vermindern.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3.   

Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen, 

die Verfügung vom 25. Januar 2007 ist aufzuheben und die Sache zur weiteren 

Abklärung und zur anschliessenden neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin 

zurückzuweisen. In bezug auf das Begehren der Beschwerdeführerin um eine 

Parteientschädigung ist praxisgemäss (vgl. etwa ZAK 1987 S. 266 Erw. 5a) von einem 

vollumfänglichen Obsiegen auszugehen. Die Parteientschädigung bemisst sich nach 

der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g 

ATSG). Unter Berücksichtigung dieser Kriterien erweist sich eine Entschädigung von Fr. 

3500.- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Das 

Beschwerdeverfahren in IV-Sachen ist kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr beträgt Fr. 

200.- bis Fr. 1000.-. Sie bemisst sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1

IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint als angemessen. Diese ist von der 

unterliegenden Beschwerdegegnerin zu entrichten. Dementsprechend ist der 

Beschwerdeführerin der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.- zurückzuerstatten.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG

entschieden:

1.  In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 25. Januar 2007 

aufgehoben und die Sache wird zur weiteren Abklärung und zur neuen Verfügung im 

Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2.  Die Beschwerdegegnerin bezahlt eine Gerichtsgebühr von Fr 600.-; der 

Kostenvorschuss von Fr 600.- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet.

3.  Die Beschwerdegegnerin bezahlt der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung 

von Fr. 3500.-.

bis

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 25.06.2008
	Art. 43 ATSG. Abklärung des Sachverhalts mittels medizinischer Gutachten. Anforderungen an ein Gutachten, wenn abweichende Arztberichte vorliegen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 25. Juni 2008, IV 2007/89).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T15:35:50+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen