# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1105abef-1a00-5eec-8bc9-247a687edbda
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-20
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 20.11.2023 SK 2023 361
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2023-361_2023-11-20.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Beschluss
SK 23 361

Hochschulstrasse 17
Postfach
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 20. November 2023

Besetzung Oberrichter Zbinden (Präsident i.V.)
Oberrichter Vicari, Oberrichter Wuillemin
Gerichtsschreiberin Hebeisen

Verfahrensbeteiligte A.________

Verurteilter/Gesuchsteller

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

 

Gegenstand Revisionsgesuch vom 28. Juli 2023 bzw. vom 26. September 
2023 betr. Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland (Kollegial-
gericht) vom 13. Oktober 2022 (PEN 22 219)

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Erwägungen:

I.

1. Mit Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland (Kollegialgericht) vom 13. Oktober 
2022 wurde der Gesuchsteller A.________ (nachfolgend Gesuchsteller) infolge 
Schuldunfähigkeit von den Anschuldigungen der qualifizierten Freiheitsberaubung, 
der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, der mehrfachen Beschimp-
fung, der Tätlichkeiten und der Übertretung des Personenbeförderungsgesetzes 
freigesprochen. Demgegenüber wurde er schuldig erklärt der mehrfachen Übertre-
tung des Betäubungsmittelgesetzes, wobei von einer Bestrafung gestützt auf 
Art. 54 StGB abgesehen wurde. Beim Gesuchsteller wurde eine stationäre thera-
peutische Massnahme gemäss Art. 59 StGB angeordnet und die ausgestandene 
Untersuchungs- und Sicherheitshaft angerechnet (Akten PEN 22 219, pag. 1262 
ff.). Mit Beschluss vom 13. Oktober 2022 ordnete das Regionalgericht Bern-
Mittelland zudem die Fortsetzung der Sicherheitshaft an (Akten PEN 22 219, 
pag. 1268 ff.).

Gegen dieses Urteil meldete Rechtsanwalt B.________ im Namen des Gesuchstel-
lers am 18. Oktober 2022 Berufung an (Akten PEN 22 219, pag. 1275), zog diese 
mit Eingabe vom 7. Dezember 2022 namens des Gesuchstellers jedoch zurück und 
ersuchte das Regionalgericht Bern-Mittelland darum, mit den Strafvollzugsbehör-
den eine rasche Verlegung in eine Anstalt für den Vollzug der therapeutischen 
Massnahme zu veranlassen (Akten PEN 22 219, pag. 1281). Mit Beschluss vom 
4. Januar 2023 schrieb das Obergericht des Kantons Bern das Berufungsverfahren 
infolge Rückzugs der Berufung ab und stellte die Rechtskraft des Urteils des Regi-
onalgerichts Bern-Mittelland vom 13. Oktober 2022 fest (Akten PEN 22 219, un-
paginiert).

2. Mit Schreiben vom 12. April 2023 gelangte der Gesuchsteller an die Regionale 
Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland, welche die Eingabe am 18. April 2023 zustän-
digkeitshalber an das Regionalgericht Bern-Mittelland weiterleitete. Mit Schreiben 
vom 18. April 2023 wandte sich der Gesuchsteller direkt an das Regionalgericht 
Bern-Mittelland und teilte mit, dass er «Einsprache» gegen das ihn betreffende Ur-
teil erhebe. Das Regionalgericht Bern-Mittelland wies den Gesuchsteller mit 
Schreiben vom 25. April 2023 darauf hin, dass das Urteil vom 13. Oktober 2022 in 
Rechtskraft erwachsen sei und machte ihn auf die Möglichkeit eines Revisionsge-
suchs sowie dessen Voraussetzungen aufmerksam. Mit Schreiben vom 7. Juli 
2023 wandte sich der Gesuchsteller erneut an die Regionale Staatsanwaltschaft 
Bern-Mittelland, welche die Eingabe am 14. Juli 2023 wiederum an das Regional-
gericht Bern-Mittelland weiterleitete. Dieses wies den Gesuchsteller mit Schreiben 
vom 24. Juli 2023 erneut auf die Möglichkeit eines Revisionsgesuchs an die Straf-
kammern des Obergerichts des Kantons Bern hin (Akten PEN 22 219, unpaginiert).

3. Mit Eingabe vom 28. Juli 2023, versehen mit der Überschrift «Anfrage für Unter-
stützung für einen Rechtsanwalt/Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 
Rechtspflege und Anfrage für einen Gerichtstermin», wandte sich der Gesuchstel-

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ler an die Strafkammern des Obergerichts des Kantons Bern und führte aus, sein 
Anwalt habe ohne sein Wissen Berufung gegen das Urteil eingelegt und sei danach 
mit einem Formular zum Ankreuzen zu ihm ins Gefängnis gekommen. Dabei sei es 
darum gegangen, ob er [der Gesuchsteller] Berufung einleiten oder in die Klinik ge-
hen wolle. Er habe sich für die Klinik entschieden. Dabei habe er aber nicht ge-
wusst, dass Rechtsanwalt B.________ die Berufung zurückziehe und habe nicht in 
die Massnahme gewollt. Er wolle daher eine Revision gegen den Beschluss sowie 
das Urteil durchführen, da das Strafmass viel zu hoch ausgefallen sei und er keine 
psychiatrische Behandlung benötige, da er keine paranoide schizophrene Person 
sei. Ausserdem beantragte der Gesuchsteller die Beiordnung eines Rechtsanwalts 
(Akten SK 23 361, pag. 3).

4. Mit Schreiben vom 8. August 2023 teilte das Obergericht des Kantons Bern dem 
Gesuchsteller mit, die Beiordnung eines amtlichen Verteidigers sei nur im Rahmen 
eines bereits hängigen Verfahrens möglich, in welchem geprüft werde, ob die Vor-
aussetzungen für die Beiordnung eines solchen gegeben seien. Der Gesuchsteller 
wurde daher aufgefordert, innert Frist mitzuteilen, ob die Eingabe vom 28. Juli 2023 
als Revisionsgesuch zu behandeln sei (Akten SK 23 361, pag. 9 ff.).

5. Nach zweimaliger Fristerstreckung reichte der Gesuchsteller am 26. September 
2023 ein mit «Revisionsgesuch» betiteltes Schreiben ein und verlangte darin unter 
Auflistung zahlreicher Gründe «Anspruch auf das Revisionsgesuch und Freilas-
sungsbegehren» (Akten SK 23 361, pag. 37 ff.).

6. Das Regionalgericht Bern-Mittelland verzichtete mit Schreiben vom 11. Oktober 
2023 auf eine Stellungnahme (Akten SK 23 361, pag. 65). Die Generalstaatsan-
waltschaft beantragte mit begründeter Eingabe vom 25. Oktober 2023 ein Nichtein-
treten auf das Revisionsgesuch (Akten SK 23 361, pag. 69 ff.). 

II.

7. Wer gemäss Art. 410 Abs. 1 StPO durch ein rechtskräftiges Urteil beschwert ist, 
kann die Revision verlangen, wenn neue, vor dem Entscheid eingetretene Tatsa-
chen oder neue Beweismittel vorliegen, die geeignet sind, einen Freispruch, eine 
wesentlich mildere oder wesentlich strengere Bestrafung der verurteilten Person 
oder eine Verurteilung der freigesprochenen Person herbeizuführen (lit. a), wenn 
der Entscheid mit einem späteren Strafentscheid, der den gleichen Sachverhalt be-
trifft, in unverträglichem Widerspruch steht (lit. b) oder sich in einem anderen Straf-
verfahren erweist, dass durch eine strafbare Handlung auf das Ergebnis des Ver-
fahrens eingewirkt worden ist, wobei eine Verurteilung nicht erforderlich ist und der 
Beweis auf andere Weise erbracht werden kann, sofern das Strafverfahren nicht 
durchführbar ist (lit. c). 

Die Revision dient nicht dazu, ein verpasstes Rechtsmittel nachzuholen (vgl. Bot-
schaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, 
BBI 2005 1319 ff. Ziff. 2.9.4). Ebenso wenig darf sie zur Umgehung der Bestim-
mungen über die Rechtsmittelfristen oder die Wiederherstellung dieser Fristen 

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Verwendung finden, indem Tatsachen eingeführt werden, die aus prozessualer 
Nachlässigkeit nicht geltend gemacht wurden (BGE 130 IV 72 E. 2.2 = Pra 94 
(2005) Nr. 35). 

Revisionsgesuche sind schriftlich und begründet beim Berufungsgericht einzurei-
chen. Die angerufenen Revisionsgründe sind zu bezeichnen (Art. 411 Abs. 1 
StPO). Lediglich in den Fällen von Art. 410 Abs. 1 lit. b StPO ist das Revisionsge-
such an eine Frist von 90 Tagen gebunden (Art. 411 Abs. 2 StPO). 

Ist das Gesuch offensichtlich unzulässig oder unbegründet oder wurde es mit den 
gleichen Vorbringen schon früher gestellt und abgelehnt, so tritt das Gericht nicht 
darauf ein (Art. 412 Abs. 2 StPO).

III.

8. Die Eingaben des Gesuchstellers vom 28. Juli 2023 bzw. vom 26. September 2023 
enthalten weder eine Bezeichnung der aufgerufenen Revisionsgründe noch ist den 
Eingaben eine substanzielle Begründung zu entnehmen. Wie die General-
staatsanwaltschaft mit Schreiben vom 25. Oktober 2023 zutreffend vorbrachte, 
beschränkt sich der Gesuchsteller auf appellatorische Kritik am Urteil bzw. am 
Beschluss des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 13. Oktober 2022, indem er 
im Wesentlichen ausführt, das Strafmass sei viel zu hoch ausgefallen und mangels 
paranoider Schizophrenie zu Unrecht eine stationäre therapeutische Massnahme 
angeordnet worden (vgl. Akten SK 23 361, pag. 3 und pag. 37 ff.). Auch wenn es 
sich beim Gesuchsteller um einen juristischen Laien handelt, genügt das 
Revisionsgesuch den gesetzlichen Anforderungen gemäss Art. 411 Abs. 1 StPO 
nicht und erweist sich damit als offensichtlich unbegründet. 

Auf das Revisionsgesuch vom 28. Juli 2023 bzw. vom 26. September 2023 wird 
nicht eingetreten.

IV.

9. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres 
Obsiegens oder Unterliegens. Als unterliegend gilt auch die Partei, auf deren 
Rechtsmittel nicht eingetreten wird (Art. 428 Abs. 1 StPO). 

Die Kosten für das vorliegende Verfahren werden auf CHF 300.00 bestimmt 
(Art. 25 Bst. a des Verfahrenskostendekrets, BSG 161.12). Ausgangsgemäss wer-
den diese dem Gesuchsteller zur Bezahlung auferlegt.

10. Während der Gesuchsteller mit Eingabe vom 28. Juli 2023 noch um Beiordnung 
einer amtlichen Verteidigung ersuchte, nahm er dazu in seinem Schreiben vom 
26. September 2023 nicht mehr Stellung (Akten SK 23 361, pag. 37 ff.).

In analoger Anwendung von Art. 132 ff. StPO ist eine amtliche Verteidigung in ei-
nem Revisionsverfahren anzuordnen, wenn die gesuchstellende Person nicht über 
die erforderlichen Mittel verfügt und die Verteidigung zur Wahrung ihrer Interessen 
geboten ist (Art. 132 Abs. 1 Bst. b StPO). Zur Wahrung der Interessen der gesuch-

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stellenden Person ist die Verteidigung namentlich geboten, wenn es sich nicht um 
eine Bagatelle handelt und das Revisionsgesuch in tatsächlicher oder rechtlicher 
Hinsicht Schwierigkeiten bietet, denen die gesuchstellende Person allein nicht ge-
wachsen wäre (Art. 132 Abs. 2 StPO). Die Verfahrensleitung kann auch die         
Erfolgsaussichten des Wiederaufnahmebegehrens prüfen (vgl. Urteil des Bundes-
gerichts 6B_616/2016 vom 27. Februar 2017 E. 4.3 mit Hinweisen). Das Rechtsmit-
tel darf demnach nicht aussichtslos erscheinen (NIKLAUS RUCKSTUHL, in: Basler 
Kommentar StPO, 3. Aufl. 2023, N 9a zu Art. 132).

Mit Blick auf das Erfordernis, dass das Rechtsmittel nicht aussichtslos sein darf, 
erübrigen sich Ausführungen zur Frage einer amtlichen Verteidigung. Mit dem vor-
liegenden Revisionsgesuch wurden keine nur ansatzweise zulässigen bzw. erheb-
lichen Revisionsgründe vorgebracht, womit das Revisionsgesuch als von vornher-
ein aussichtslos bezeichnet werden muss. Das Gesuch um Beiordnung einer amtli-
chen Verteidigung, soweit überhaupt gestellt, ist demnach abzuweisen.

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Die 1. Strafkammer beschliesst:

1. Auf das Revisionsgesuch vom 28. Juli 2023 bzw. vom 26. September 2023 wird nicht 
eingetreten.

2. Das Gesuch um Beiordnung einer amtlichen Verteidigung wird abgewiesen.

3. Die Verfahrenskosten von CHF 300.00 werden dem Gesuchsteller auferlegt.

4. Zu eröffnen:
- dem Verurteilten/Gesuchsteller  
- der Generalstaatsanwaltschaft

Mitzuteilen:
- dem Regionalgericht Bern-Mittelland

Bern, 20. November 2023 Im Namen der 1. Strafkammer

Der Präsident i.V.:

Oberrichter Zbinden

Die Gerichtsschreiberin:

Hebeisen

i.V. Gerichtsschreiber Weibel

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begründung beim Bundesge-
richt, Av. du Tribunal fédéral 29, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 
90 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforde-
rungen von Art. 42 BGG entsprechen.