# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6ca4429d-d55c-5c8f-b9c1-e861347aa4c4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-12-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.12.2023 F-1466/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-1466-2023_2023-12-04.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-1466/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  4 .  D e z e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richter Sebastian Kempe (Vorsitz), 

Richterin Aileen Truttmann, 

Richter Daniele Cattaneo,    

Gerichtsschreiberin Caroline Rausch. 
 

 
 

Parteien 
 1. A._______, 

2. B._______, 

3. C._______, 

4. D._______,   

5. E._______, 

6. F._______, 

alle vertreten durch Lea Hungerbühler, Rechtsanwältin,  

und Elena Liechti, AsyLex,  

Beschwerdeführende,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Nationales Visum (aus humanitären Gründen);  

Verfügung des SEM vom 20. Februar 2023. 

 

 

F-1466/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Am 31. August 2022 beantragten die Beschwerdeführenden bei der 

Schweizerischen Botschaft in Teheran die Ausstellung von humanitären 

Visa.  

B.  

Mit Formularverfügungen vom 9. November 2022 verweigerte die Schwei-

zerische Botschaft die Ausstellung der Visa.  

C.  

Die Vorinstanz wies die dagegen erhobene Einsprache am 20. Februar 

2023 ab.  

D.  

Mit Rechtsmitteleingabe vom 15. März 2023 gelangten die Beschwerde-

führenden an das Bundesverwaltungsgericht und beantragten die Aufhe-

bung der angefochtenen Verfügung und die Erteilung von humanitären 

Visa. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu-

rückzuweisen. Ferner sei ihnen die unentgeltliche Prozessführung zu ge-

währen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten.  

E.  

Am 30. März 2023 hiess das Bundesverwaltungsgericht das Gesuch um 

unentgeltliche Prozessführung gut.  

F.  

In ihrer Vernehmlassung vom 9. Mai 2023 beantragte die Vorinstanz die 

Abweisung der Beschwerde.  

G.  

In der Replik vom 4. Juni 2023 hielten die Beschwerdeführenden an ihren 

Begehren fest.   

H.  

Per 1. Juli 2023 hat der vorsitzende Richter das vorliegende Verfahren aus 

organisatorischen Gründen vom vormaligen Instruktionsrichter übernom-

men.  

 

F-1466/2023 

Seite 3 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Einspracheentscheide des SEM betreffend humanitäre Visa sind mit 

Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 112 Abs. 1 

AIG [SR 142.20] i.V.m. Art. 31 ff. VGG). Das Bundesverwaltungsgericht 

entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das 

VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG).  

1.3 Die Beschwerdeführenden sind als Verfügungsadressaten, die ein 

schutzwürdiges Interesse an der Änderung oder Aufhebung der angefoch-

tenen Verfügung haben, zur Beschwerde legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1 

VwVG). Auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen (Rechtsmittelfrist 

[Art. 50 Abs. 1 VwVG] und Form der Beschwerde [Art. 52 Abs. 1 VwVG]) 

sind erfüllt. Auf die Beschwerde ist einzutreten.  

2.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung 

von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-

messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-

lichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Be-

schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden 

(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht 

von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begrün-

dung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus 

anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. 

Massgeblich ist grundsätzlich die Sachlage im Zeitpunkt seines Entscheids 

(vgl. BVGE 2014/1 E. 2).  

3.  

3.1 Als Staatsangehörige Afghanistans unterliegen die Beschwerdeführen-

den der Visumspflicht gemäss Art. 9 der Verordnung vom 15. August 2018 

über die Einreise und die Visumerteilung (VEV, SR 142.204). Mit ihren Ge-

suchen beabsichtigen sie einen längerfristigen Aufenthalt, weshalb diese 

nicht nach den Regeln zur Erteilung von Schengen-Visa, sondern nach den 

Bestimmungen des nationalen Rechts zu prüfen sind 

(vgl. BVGE 2018 VII/5 E. 3.5 und E. 3.6.1).  

3.2 Gemäss Art. 4 Abs. 2 VEV kann in Abweichung von den allgemeinen 

Einreisevoraussetzungen (vgl. Art. 4 Abs. 1 VEV) in begründeten Fällen 

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Seite 4 

aus humanitären Gründen ein Visum für einen längerfristigen Aufenthalt 

erteilt werden. Ein solcher Fall liegt insbesondere vor, wenn die betreffende 

Person im Herkunftsstaat unmittelbar, ernsthaft und konkret an Leib und 

Leben gefährdet ist. Praxisgemäss werden humanitäre Visa nur unter sehr 

restriktiven Bedingungen ausgestellt (vgl. BVGE 2015/5 E. 4.1.3). Diese 

werden dann als erfüllt angesehen, wenn bei einer Person aufgrund der 

konkreten Umstände davon ausgegangen werden muss, dass sie sich im 

Heimat- oder Herkunftsstaat in einer besonderen Notsituation befindet, die 

ein behördliches Eingreifen zwingend erforderlich macht und es rechtfer-

tigt, ihr – im Gegensatz zu anderen Personen in derselben Lage – ein Ein-

reisevisum zu erteilen. Dies kann etwa bei akuten kriegerischen Ereignis-

sen gegeben sein; oder aufgrund einer konkreten individuellen Gefähr-

dung, die sie mehr als alle anderen Personen betrifft. Befindet sich die be-

troffene Person bereits in einem Drittstaat (BVGE 2018 VII/5 E. 3.6.3) oder 

ist sie nach einem Aufenthalt in einem solchen freiwillig in ihr Heimat- oder 

Herkunftsland zurückgekehrt (vgl. Urteil des BVGer F-4658/2017 vom 

7. Dezember 2018 E. 4.3) und hat sie die Möglichkeit, sich erneut in den 

Drittstaat zu begeben, ist in der Regel davon auszugehen, dass keine Ge-

fährdung mehr besteht. Das Visumsgesuch ist unter Berücksichtigung der 

aktuellen Gefährdung, der persönlichen Umstände der betroffenen Person 

und der Lage im Heimat- oder Herkunftsland sorgfältig zu prüfen. Dabei 

können auch weitere Kriterien wie das Vorliegen von Bindungen zur 

Schweiz und die hier bestehenden Integrationsaussichten oder die Un-

möglichkeit, in einem anderen Land um Schutz nachzusuchen, berücksich-

tigt werden (vgl. BVGE 2018 VII/5 E. 3.6.3; Urteil des BVGer F-4658/2017 

vom 7. Dezember 2018 E. 3.2 f.).  

3.3 Hinsichtlich der Voraussetzungen für die Erteilung eines humanitären 

Visums gemäss Art. 4 Abs. 2 VEV gilt ein gegenüber dem Asylverfahren 

erhöhtes Beweismass. Die Gefährdung im Sinne von Art. 4 Abs. 2 VEV 

muss offensichtlich sein; eine blosse Glaubhaftmachung genügt nicht 

(vgl. BVGE 2018 VII/5 E. 3.6.3; Urteile des BVGer F-4626/2021 vom 

13. April 2023 E. 3.3; F-4827/2021 vom 13. März 2023; F-596/2022 vom 

22. August 2022 E. 5.3 m.H.). 

4.  

4.1 Die Beschwerdeführenden rügen, dass die Vorinstanz den rechtser-

heblichen Sachverhalt in Bezug auf ihre Gefährdungslage in Afghanistan 

und das Risiko einer Rückschiebung von Iran nach Afghanistan nicht kor-

rekt erstellt habe. 

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Seite 5 

4.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes 

wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e jener 

Bestimmung aufgelisteten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz fin-

det seine Grenze in der Mitwirkungspflicht der Parteien (Art. 13 VwVG). Die 

unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-

verhalts kann nach Art. 49 Bst. b VwVG gerügt werden. Unrichtig ist die 

Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-

ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-

den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid wesentli-

chen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. BVGE 2014/2 E. 5.1).  

4.3 Die Vorinstanz hat den rechtserheblichen Sachverhalt in Bezug auf die 

Gefährdungslage der Beschwerdeführenden in Afghanistan hinreichend 

abgeklärt. Sie hat sich unter Bezugnahme auf die Schilderungen der Be-

schwerdeführenden und die Verfahrensakten mit deren konkreter individu-

eller Situation und der Gefährdungslage in ihrer Heimat auseinanderge-

setzt. Es ist nicht ersichtlich und geht auch aus den diesbezüglichen Be-

schwerdevorbringen (insb. Beschwerderandziffer 35) nicht im Einzelnen 

hervor, in welcher Hinsicht hier noch konkrete weitere Abklärungen hätten 

vorgenommen werden müssen. Es liegt bezüglich der Gefährdung der Be-

schwerdeführenden in Afghanistan keine unrichtige oder unvollständige 

Sachverhaltsermittlung vor.  

4.4 Ob die Vorinstanz den rechtserheblichen Sachverhalt hinsichtlich der 

Rückschiebungsgefahr von Iran nach Afghanistan richtig abgeklärt hat, 

kann für das vorliegende Urteil offenbleiben (vgl. E. 6.6).  

4.5 Soweit die Beschwerdeführenden die von der Vorinstanz vorgenom-

mene Würdigung ihrer Aussagen und Beweismittel nicht teilen, stellt dies 

sodann keinen formellen Mangel dar, sondern betrifft die materielle Beur-

teilung (vgl. E. 5 f.). 

4.6 Die formellen Rügen erweisen sich somit, soweit darauf einzugehen 

ist, als unbegründet. Es besteht keine Veranlassung, die Sache zur weite-

ren Sachverhaltsabklärung und zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz 

zurückzuweisen. Das diesbezügliche Eventualbegehren ist abzuweisen.  

5.  

Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids im Wesentlichen 

aus, es sei bei den Beschwerdeführenden keine unmittelbare und ernst-

hafte Notlage in Afghanistan (oder in Iran) ersichtlich, die ihr Leib und 

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Seite 6 

Leben konkret gefährde und damit ein behördliches Eingreifen zwingend 

erforderlich erscheinen lasse. Die Beschwerdeführenden bestritten dies in 

ihrer Beschwerde, wobei auf ihre konkreten Vorbringen noch einzugehen 

sein wird.  

Nachfolgend ist vorab zu prüfen, ob die Beschwerdeführenden jeweils über 

ein Profil verfügen, mit dem sie in ihrem Heimatland Afghanistan einer un-

mittelbaren und konkreten individuellen Gefährdung ausgesetzt wären, die 

sich von anderen Personen massgeblich abhebt. 

6.  

6.1 In Bezug auf den Beschwerdeführer 1 ist unbestritten, dass er von 1997 

bis 2021 für das Verteidigungsministerium der afghanischen Regierung als 

Polizist und Soldat gearbeitet hat. Er wurde (…)  zum Major mit Schwer-

punkt (…) befördert. In den letzten Jahren war er hauptsächlich dafür ver-

antwortlich, (…). Er führte auch Feldmissionen durch.  

6.2 Der Beschwerdeführer 1 weist als Angehöriger der bisherigen Sicher-

heitskräfte ein erhöhtes abstraktes Risikoprofil auf (vgl. dazu SEM, Focus 

Afghanistan – Verfolgung durch Taliban: Potentielle Risikoprofile, 15. Feb-

ruar 2022, Bern, S. 14; ˂ www.sem.admin.ch ˃ Internationales & Rückkehr 

˃ Herkunftsländerinformationen ˃ Asien und Nahost ˃, abgerufen am 

31.10.2023 [SEM, Risikoprofile]). Damit gehört er einer Personengruppe 

an, bei der gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts davon auszu-

gehen ist, dass sie in Afghanistan einem erhöhten Verfolgungsrisiko aus-

gesetzt ist, und für welche sich die Gefährdungslage seit der im August 

2021 erfolgten Übernahme der Kontrolle über das gesamte Staatsgebiet 

durch die Taliban und dem inzwischen vollständigen Abzug der amerikani-

schen und anderen ausländischen Streitkräfte erheblich akzentuiert hat 

(vgl. Urteil des BVGer F-437/2022 vom  23. Januar 2023 E. 6.2 m.w.H.). 

Zudem ist er gemäss Aktenlage Angehöriger der ethnischen Minderheit 

Hazara, was sein vorhandenes Risikoprofil verschärft (vgl. SEM, Risikopro-

file, S. 31 ff.).  

6.3  

6.3.1 In Bezug auf seine konkrete individuelle Gefährdung machte der Be-

schwerdeführer 1 eine Hausdurchsuchung durch die Taliban geltend. Am 

(…) seien mitten in der Nacht Angehörige der Taliban vor dem Haus der 

Beschwerdeführenden aufgetaucht, um sie festzunehmen. Dabei hätten er 

und seine Familie durch die Rückseite des Hauses fliehen können. Sie 

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hätten sich bei Verwandten versteckt, um schliesslich am 2. Mai 2023 die 

Grenze zu Iran zu überqueren.  

Die geltend gemachte Hausdurchsuchung fügt sich in das im Bericht der 

Vorinstanz beschriebene Bild der Vorgehensweise der Taliban ein (vgl. 

dazu SEM, Risikoprofile, S. 14 f.). Zudem dürfte es für die Taliban ein Leich-

tes sein, den Beschwerdeführer 1 als ehemaligen Armeeangehörigen zu 

identifizieren, da diese in einer biometrischen Datenbank registriert sind 

(vgl. SEM, Risikoprofile, S. 48 f.). Die Aussagen des Beschwerdeführers 1 

sind konsistent und zeitlich logisch. Sie erweisen sich insbesondere im Hin-

blick auf sein hohes abstraktes Risikoprofil als glaubhaft. 

Daraus folgt – für sich allein genommen – indes noch nicht, dass der Be-

schwerdeführer 1 als konkrete Einzelperson in Afghanistan einer unmittel-

baren ernsthaften Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt wäre. Seine Ge-

fährdung unterscheidet sich durch den als Hausdurchsuchung geschilder-

ten Vorfall nicht massgeblich von der anderer Personen, die sich in dersel-

ben Lage befinden, insbesondere von ehemaligen Angehörigen der Armee 

und der Sicherheitskräfte. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auch 

darauf, dass die Taliban nicht die Kapazität haben, alle ehemaligen Ange-

hörigen der Sicherheitskräfte systematisch zu verfolgen (vgl. SEM, Risi-

koprofile, S. 15 f.).  

6.3.2 Des Weiteren brachte er vor, aus einer Familie zu stammen, die sich 

aktiv gegen die Herrschaft der Taliban gewehrt habe. Sein Vater sei (…) 

durch die Taliban zu Tode gefoltert und sein Bruder (…) aufgrund seiner 

Tätigkeit als Übersetzer für das amerikanische Militär von den Taliban ver-

folgt worden und deshalb im selben Jahr aus Afghanistan geflüchtet.  

 

Soweit der Beschwerdeführer 1 sinngemäss eine Reflexverfolgung auf-

grund seiner Familienangehörigen geltend machte, ist festzuhalten, dass 

die zehn Jahre zurückliegenden Vorkommnisse zum Beleg einer konkreten 

individuellen Gefährdung des Beschwerdeführers 1 nur wenig beizutragen 

vermögen. 

6.3.3 Zur Verfolgung seiner Person wies der Beschwerdeführer 1 zudem 

darauf hin, dass Angehörige der Taliban, die er verhaften liess, nun frei 

seien und sich an ihm rächen wollten. Zusätzlich machte er geltend, schon 

vor der Kontrollübernahme der Taliban durch sie gesucht worden zu sein, 

da er gegen sie gekämpft habe. Diese Vorbringen belegt der Beschwerde-

führer 1 einerseits durch ein afghanisches Urteil (…). Aus diesem ist 

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Seite 8 

ersichtlich, dass zwei Personen verurteilt wurden, weil sie unkontrollierten 

Kraftstoff in ein Einsatzfahrzeug getankt hatten. Andererseits reichte er ein 

Dokument ein, welches die Durchführung einer Vernehmlassung in Bezug 

auf 3000 verschwundene Gewehre festhält. Aus diesen Unterlagen geht 

jedoch weder hervor, dass die beteiligten Personen aufgrund des Be-

schwerdeführers 1 im Gefängnis (gewesen) wären, noch, dass diese den 

Taliban angehörten oder freigelassen worden wären und sich nun an ihm 

rächen wollten. Es ergibt sich daraus folglich kein Hinweis auf eine kon-

krete Gefährdung des Beschwerdeführers 1. 

6.3.4 Des Weiteren machte er geltend, dass bereits im April 2022 viele sei-

ner ehemaligen Arbeitskollegen und Angestellten vom Geheimdienst der 

Taliban als Armeeangehörige identifiziert und getötet worden seien. Zudem 

würden die Dorfvorsteher mit der Taliban kooperieren und ihnen Listen 

ehemaliger Regierungsmitarbeiter aushändigen. Diese Angaben des Be-

schwerdeführers 1 dienen zum Beleg der allgemeinen Gefährdungssitua-

tion in Afghanistan für ehemalige Angehörige der Sicherheitskräfte. Zum 

Beweis seiner konkreten individuellen Gefährdung vermögen sie indes 

nicht in entscheiderheblicher Weise beizutragen.  

6.3.5 Nach dem Gesagten ist in Gesamtwürdigung der Umstände nicht von 

einer unmittelbaren ernsthaften Gefährdung des Beschwerdeführers 1 als 

konkrete Einzelperson auszugehen, die ein behördliches Eingreifen – im 

Gegensatz zu anderen Personen in derselben Lage, insbesondere ehema-

ligen Angehörigen der Armee und Sicherheitskräfte – zwingend erforderlich 

machen würde. Der Beschwerdeführer 1 verfügt zwar über ein hohes abs-

traktes Risikoprofil, aufgrund dessen er bei einer Rückkehr nach Afghanis-

tan einer gewissen Grundgefahr ausgesetzt wäre. Die vorgebrachten Vor-

fälle und weiteren Umstände vermögen indes keine individuelle und kon-

krete Gefährdung rechtsgenügenden Ausmasses zu begründen. Mithin ist 

hinsichtlich des Beschwerdeführers 1 eine besondere Notsituation im 

Sinne von Art. 4 Abs. 2 VEV zu verneinen.  

6.4 Daran vermag auch der Hinweis auf seine Zugehörigkeit zur Ethnie der 

Hazara nichts zu ändern, zumal der Beschwerdeführer 1 diesbezüglich 

eine konkrete Gefährdung weder geltend macht noch nachweist. Es ist 

zwar nicht in Abrede zu stellen, dass sich die Situation der Hazara in Af-

ghanistan seit der Machtübernahme der Taliban schwierig gestalten kann. 

Gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist indessen 

nach wie vor nicht von einer Kollektivverfolgung der Hazara in Afghanistan 

auszugehen (vgl. Urteil des BVGer F-4178/2022 vom 25. August 2023 

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Seite 9 

E. 8.6 m.H.). Die blosse Zugehörigkeit zur Ethnie der Hazara ist daher auch 

unter Berücksichtigung der aktuellen Machtverhältnisse in Afghanistan 

nicht ausreichend, um ein konkretes Verfolgungsinteresse der Taliban an 

seiner Person herzuleiten. Umso weniger vermag sie eine unmittelbare, 

ernsthafte und konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 4 Abs. 2 VEV zu 

begründen (vgl. Urteil des BVGer F-997/2022 vom 18. Oktober 2023 E. 

6.5).  

7.  

Die Beschwerdeführenden 2-6 machen sinngemäss eine Reflexverfolgung 

aufgrund ihrer Verwandtschaft zum Beschwerdeführer 1 geltend. Aufgrund 

der beim Beschwerdeführer 1 nicht vorliegenden Gefährdungssituation im 

Sinne von Art. 4 Abs. 2 VEV, ist diese von vornherein auch bei den Be-

schwerdeführenden 2-6 zu verneinen. Zumal anderweitige Gefährdungs-

gründe weder vorgebracht werden noch aus den Akten ersichtlich sind. Na-

mentlich der Umstand, dass die Beschwerdeführerinnen 2–4 weiblichen 

Geschlechts sind, genügt für sich allein genommen und mangels diesbe-

züglicher Vorbringen oder aktenmässiger Anhaltspunkte nicht, um vom of-

fensichtlichen Vorliegen einer Gefährdung im Sinne von Art. 4 Abs. 2 VEV 

auszugehen. Dies gilt eingedenk der aktuellen Praxis des SEM zur Berück-

sichtigung des Geschlechts im Rahmen des Asylrechts. 

8.  

Unter diesen Umständen kann offenbleiben, inwieweit für die Beschwerde-

führenden das Risiko besteht, vom Iran nach Afghanistan zurückgeschafft 

zu werden. 

9.  

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden die 

Voraussetzungen für die Ausstellung eines humanitären Visums nach 

Art. 4 Abs. 2 VEV zwecks Einreise in die Schweiz nicht erfüllen. Die Vor-

instanz verweigerte ihnen zu Recht die nachgesuchten Visa. Die Be-

schwerde ist abzuweisen. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den unterliegenden 

Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das mit der 

Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der Rechtspflege wurde je-

doch mit Zwischenverfügung 30. März 2023 gutgeheissen. Es sind ihnen 

daher keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. Eine Parteientschädigung fällt 

ausgangsgemäss ausser Betracht (Art. 64 Abs. 1 VwVG).  

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Seite 10 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.    

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  

3.  

Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.  

4.   

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden und die Vorinstanz.  

 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Sebastian Kempe Caroline Rausch