# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** abbfae8e-3c4b-5a0e-b3bd-02c7de1296df
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240049-O1
**Docket/Reference:** SB240049-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240049-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240049-O/U/sm

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, Oberrichter lic. iur. Hoffmann 

und Oberrichter lic. iur. Weder sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw Boese

Urteil vom 6. Dezember 2024

in Sachen

A._____, 

Beschuldigter und Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Fürsprecher X1._____, 

gegen

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend versuchte vorsätzliche Tötung

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dielsdorf, II. Abteilung, vom 

27. Juli 2023 (DG230004)

-  2  -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 28. März 

2023 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 24).

Urteil der Vorinstanz:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig der versuchten vorsätzlichen Tötung 

im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.

2.

Der Beschuldigte A._____ wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 6 Jah-

ren, wovon bis und mit heute 146 Tage durch Haft erstanden sind.

3.

4.

Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.

Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 

27. März 2023 beschlagnahmte Springmesser (Asservate-Nr. A15'522'755) 

wird nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils definitiv eingezogen und ver-

nichtet.

5.

Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 

vom 27. März 2023 beschlagnahmten Gegenstände: 







1 Paar Stiefel, Lewis (Asservate-Nr. A015'522'802);

1 Langarmhemd, schwarz/weiss fein gemustert, Esperanza (Asservate-

Nr. A015'522'813);

1 Jeanshose, dunkelblau, SIKSILK mit braunem Ledergurt (Asservate-

Nr. A015'522'824);

werden dem Beschuldigten oder den von ihm bevollmächtigten Personen 

nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen von der Lager-

behörde (Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, Güterstrasse 33, 8004 

Zürich) herausgegeben, soweit die Herausgabe nicht bereits erfolgt ist. Ver-

langt der Beschuldigte die Herausgabe nicht innert einer Frist von 30 Tagen 

nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils, werden die Asservate der Lagerbe-

hörde zur gutscheinenden Verwertung bzw. zur Vernichtung überlassen. Die 

-  3  -

Lagerbehörde wird angewiesen, diese Anordnung innert 30 Tagen zu voll-

ziehen und zu dokumentieren.

6.

Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 

vom 27. März 2023 beschlagnahmten Gegenstände:













1 Langarmshirt, schwarz mit weissem Markenlogo auf der linken Brust, 

SIKSILK (Asservate-Nr. A015'555'187);

1 Jeanshose, blau, mit Lochdefekten, SIKSILK (Asservate-

Nr. A015'555'201); 

Persönliche Effekten, Schlüssel / Schachten [recte Schachtel] Zigaret-

tenstummel / Feuerzeug (Asservate-Nr. A015'555'223);

1 Paar Turnschuhe, weiss/schwarz/türkis, Nike (Asservate-

Nr. A015'555'245);

1 Paar Knöchelsocken, weiss (Asservate-Nr. A015'555'256);

1 Boxershorts, schwarz, Angel Litrico (Asservate-Nr. A015'555'267);

werden nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils der Lagerbehörde zur gut-

scheinenden Verwertung bzw. zur Vernichtung überlassen. Die Lagerbe-

hörde wird angewiesen, diese Anordnung innert 30 Tagen zu vollziehen und 

zu dokumentieren.

7.

Die gemäss Spurenberichten des FOR vom 10. November 2021 und vom 

13. Dezember 2021 aufgelisteten Sicherstellungen, Asservate, Spuren und 

Spurenträger (Referenznummer K211031-024 / 81396045) können nach 

rechtskräftiger Erledigung dieses Verfahrens vernichtet werden.

8.

Die Entschädigung von Rechtsanwältin M.A. HSG in Law and Economics 

X2._____ für die amtliche Verteidigung des Beschuldigten wird auf 

Fr. 34'553.80 festgesetzt, nämlich Fr. 32'083.40 für den Aufwand und die 

Barauslagen, zuzüglich 7.7% Mehrwertsteuer von Fr. 2'470.40. 

-  4  -

9.

Die Entschädigung von Rechtsanwältin M.A. HSG in Law Y._____ für die 

unentgeltliche Vertretung des Privatklägers (bis zum 1. November 2022) 

wird auf Fr. 5'366.50 (inkl. 7.7% Mehrwertsteuer) festgesetzt.

10. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

6'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:

4'800.00   Gebühr für das Vorverfahren 

4'658.85   Auslagen (Gutachten)

131.50   Entschädigung Zeuge 

5'366.50

Entschädigung unentgeltl. Rechtsvertretung des Ge-
schädigten

34'553.80   amtliche Verteidigung 

55'510.65   Total

11. Die Kosten und Gebühren des Vorverfahrens und des gerichtlichen Verfah-

rens werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Vertei-

digung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung des Geschädigten werden 

einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Vorbehalten bleibt die Ver-

pflichtung des Beschuldigten, dem Kanton diese Entschädigungen zurückzu-

zahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 

Abs. 4 StPO und Art. 426 Abs. 4 StPO).

Berufungsanträge:

a)

Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 64 S. 20)

1.

A._____ sei vom Vorwurf der versuchten eventualvorsätzlichen Tötung 

freizusprechen.

2.

Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens seien zur Hälfte auf die 

Staatskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung des 

erstinstanzlichen Verfahrens seien definitiv auf die Staatskasse zu neh-

men. Von einem Rückforderungsvorbehalt sei abzusehen.

-  5  -

3.

Die Kosten des Berufungsverfahrens, inkl. der amtlichen Verteidigung, 

seien definitiv auf die Staatskasse zu nehmen.

b)

Der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich:

(schriftlich, Urk. 58)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––

Erwägungen:

I. Verfahrensgang

1.

Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksge-

richts Dielsdorf, II. Abteilung, vom 27. Juli 2023 liess der Beschuldigte mit Ein-

gabe vom 4. August 2023 rechtzeitig Berufung anmelden (Urk. 44). Am 31. Ja-

nuar 2024 wurde den Parteien die begründete Urteilsausfertigung zugestellt 

(Urk. 52/1+2), worauf die amtliche Verteidigung des Beschuldigten am 20. Fe-

bruar 2024 fristgerecht die Berufungserklärung erstattete (Urk. 55).

2.

Am 22. Februar 2024 wurde der Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, um zu 

erklären, ob sie Anschlussberufung erhebe oder ein Nichteintreten auf die Beru-

fung des Beschuldigten beantrage (Urk. 56). Mit Eingabe vom 18. März 2024 ver-

zichtete die Staatsanwaltschaft auf die Erhebung einer Anschlussberufung und 

beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils, was dem Beschuldigten 

zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 58 f.).

3.

Am 10. Mai 2024 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 6. Dezember 

2024 vorgeladen (Urk. 60). Zum Verhandlungstermin erschien der Beschuldigte 

persönlich in Begleitung seines amtlichen Verteidigers Fürsprecher X1._____ 

(Prot. II S. 3). Die Staatsanwaltschaft war auf entsprechendes Gesuch hin von der 

-  6  -

Teilnahme an der Berufungsverhandlung dispensiert worden (Urk. 58). Das Beru-

fungsurteil erging im Anschluss an die Verhandlung und wurde den Erschienenen 

mündlich eröffnet sowie im Dispositiv übergeben (Prot. II S. 26 ff.; Urk. 66). Der 

Staatsanwaltschaft wurde es hernach schriftlich zugestellt (Urk. 71).

II. Prozessuales

1.

Anwendbares Recht

Am 1. Januar 2024 sind die infolge einer Teilrevision der Strafprozessordnung ge-

änderten Bestimmungen in Kraft getreten. Gemäss Art. 453 Abs. 1 StPO (unver-

ändert belassen) werden Rechtsmittel gegen Entscheide, die vor Inkrafttreten der 

neuen Bestimmungen gefällt wurden, nach bisherigem Recht beurteilt. Da der an-

gefochtene Entscheid am 27. Juli 2023 und damit vor Inkrafttreten der Teilrevision 

erging, richtet sich das vorliegende Berufungsverfahren nach der bisherigen Straf-

prozessordnung.

2.

Gegenstand des Berufungsverfahrens

2.1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-

schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dement-

sprechend gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche 

Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Dabei ist es na-

heliegend, dass weitere, nicht angefochtene Punkte in die Überprüfung des Ur-

teils einzubeziehen sind, wenn eine enge Konnexität mit den angefochtenen 

Punkten besteht. Bei Anfechtung des Schuldspruchs mit Antrag auf Freispruch 

gelten für den Fall der Gutheissung automatisch auch damit zusammenhängende 

Folgepunkte des Urteils, wie zum Beispiel Nebenfolgen von Entscheiden über 

Einziehungen, Zivilpunkte sowie Kosten- und Entschädigungsregelungen, als an-

gefochten. Bestätigt das Berufungsgericht den Schuldspruch, sind die weiteren, 

nicht angefochtenen Urteilspunkte bei einer Beschränkung der Berufung nicht zu 

überprüfen (BGE 147 IV 93 E. 1.5.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_1320/2020 

vom 12. Januar 2022 E. 2.2 [nicht publ. in BGE 148 IV 22]; vgl. auch JOSITSCH/ 

SCHMID, Praxiskommentar StPO, 4. Auflage, Zürich/St. Gallen 2023, N 18 zu 

-  7  -

Art. 399 StPO; HUG/SCHEIDEGGER in: Donatsch/Lieber/Summers/ Wohlers [Hrsg.], 

Schulthess Kommentar StPO, 3. Auflage, Zürich 2020, N 19 und 20 zu Art. 399 

StPO). 

2.2. Der Beschuldigte verlangt mit seiner Berufung einen vollumfänglichen Frei-

spruch vom angeklagten Tatvorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung (Dispo-

sitivziffer 1). Als Folge davon ficht er auch die mit dem Schuldspruch untrennbar 

zusammenhängenden Folgepunkte des vorinstanzlichen Urteils an. Konkret bean-

tragt er die Aufhebung bzw. Abänderung der Dispositivziffern 2 und 3 (Strafe und 

Vollzug) sowie 11 (Kostenauflage; Urk. 55 S. 2; Urk. 64 S. 20). In diesem Umfang 

steht das vorinstanzliche Urteil zur Disposition. Da einzig der Beschuldigte Beru-

fung erklärt hat und keine Anschlussberufung erhoben wurde, kommt das Ver-

schlechterungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO zur Anwendung.

2.3. Die Einziehung des Springmessers gemäss Dispositivziffer 4 des vorin-

stanzlichen Urteils ficht der Beschuldigte dagegen explizit nicht an. Unerwähnt 

lässt er sodann die Entscheide der Vorinstanz über weitere beschlagnahmte Ge-

genstände und Spurenmaterial (Dispositivziffern 5 bis 7) sowie über die Festset-

zung der entstandenen Verfahrenskosten (Dispositivziffern 8 bis 10), welche ihn 

nicht beschweren (Urk. 55 S. 2; Urk. 64 S. 20). Insofern ist davon auszugehen, 

dass auch diese Urteilspunkte unangefochten sind. Es ist somit vorab mittels Be-

schluss festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich der vorgenann-

ten Dispositivziffern 4 bis 7 und 8 bis 10 in Rechtskraft erwachsen ist. 

3.

Beweisanträge des Beschuldigten

3.1. Anlässlich der Berufungsverhandlung liess der Beschuldigte folgende Be-

weisanträge stellen (Prot. II S. 5 und S. 19 ff.; vgl. bereits Urk. 62):



Es sei der Tathergang im Rahmen einer Tatrekonstruktion am Tatort, 

d.h. im Toilettenraum des Clubs "B._____", im Einzelnen nachzustel-

len; 

-  8  -





Es sei ein biomechanisches Gutachten einzuholen zum Ablauf, wie der 

Beschuldigte zunächst in die gegen ihn gerichtete Klinge gegriffen und 

in der Folge das Messer selbst in die Hand bekommen habe;

Es sei ein biomechanisches Gutachten einzuholen zur Frage, ob die 

Stichverletzung, welche der Geschädigte erlitten habe, nur durch ein 

aktives Zustechen des Beschuldigten habe entstehen können oder 

auch dadurch, dass sich der Geschädigte auf den Beschuldigten zube-

wegt habe und dabei in die nach vorne gerichtete Klinge hineingelau-

fen sei, ohne dass der Beschuldigte selbst eine Stichbewegung ausge-

führt habe;



Es sei eine Konfrontationseinvernahme mit allen fünf Personen durch-

zuführen, die an der tätlichen Auseinandersetzung im Toilettenraum 

des Clubs "B._____" beteiligt gewesen seien.

3.2. Mit Bezug auf den letztgenannten Beweisantrag ist festzuhalten, dass 

C._____, D._____, E._____, F._____ und G._____ anlässlich ihrer staatsanwalt-

schaftlichen Einvernahmen in Anwesenheit des Beschuldigten befragt wurden 

und sich einlässlich zum Tatgeschehen bzw. ihren diesbezüglichen Wahrnehmun-

gen äusserten. In der Folge erhielt der Beschuldigte Gelegenheit, Fragen an die 

einvernommenen Personen zu stellen (D1 Urk. 3/2/3; D1 Urk. 5/1/4+6+8+10), wo-

mit sein Konfrontationsrecht gewahrt wurde. Vor diesem Hintergrund ist die 

Durchführung einer Konfrontationseinvernahme mit sämtlichen Personen, die ne-

ben dem Beschuldigten und dem Geschädigten H._____ an der in Frage stehen-

den Auseinandersetzung beteiligt waren, nicht nötig. Dass die Aussagen der be-

fragten Personen teilweise erheblich divergieren und auch mit Bezug auf Ele-

mente des Kerngeschehens widersprüchlich erscheinen, ist im Rahmen der Be-

weiswürdigung zu berücksichtigen und vermag die Durchführung einer Konfronta-

tionseinvernahme ebenfalls nicht zu rechtfertigen. Der entsprechende Beweisan-

trag des Beschuldigten ist daher abzuweisen.

3.3. Ob die Abnahme der weiteren beantragten Beweismittel für die Beurteilung 

des angeklagten Tatvorwurfs notwendig ist resp. einen wesentlichen Erkenntnis-

gewinn verspricht, lässt sich an dieser Stelle nicht isoliert prüfen. Auf die Bewei-

-  9  -

santräge des Beschuldigten betreffend Vornahme einer Tatrekonstruktion und 

Einholung von biomechanischen Gutachten ist daher bei der Beweiswürdigung 

(E. III.13.4.3.) einzugehen.

4.

Prozessuale Rügen des Beschuldigten 

4.1.

In prozessualer Hinsicht lässt der Beschuldigte geltend machen, dass 

weder er noch seine Verteidigung an den polizeilichen Einvernahmen hätten 

teilnehmen können, die am 31. Oktober 2021 unmittelbar nach dem Geschehen 

mit dem Geschädigten und weiteren involvierten Personen (C._____, D._____, 

E._____, F._____ und G._____) durchgeführt worden seien. Da die 

Strafuntersuchung zu diesem Zeitpunkt gestützt auf Art. 309 Abs. 1 lit. c StPO 

bereits eröffnet gewesen sei, hätten er resp. seine Verteidigung ein Recht auf 

Teilnahme an den erwähnten Einvernahmen gehabt. Aufgrund der Verletzung 

seines Teilnahmerechts seien die damals deponierten Aussagen nicht verwertbar 

(Urk. 64 S. 5 ff.; vgl. bereits Urk. 55 S. 1 f.).

4.2.

Im Zentrum dieser prozessualen Rüge des Beschuldigten steht die 

Verletzung seines Teilnahmerechts. Art. 147 Abs. 1 Satz 1 StGB normiert den 

Grundsatz der Parteiöffentlichkeit der Beweiserhebungen im Untersuchungs- und 

Hauptverfahren und bestimmt, dass die Parteien das Recht haben, bei Beweiser-

hebungen durch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend zu sein und 

den einvernommenen Personen Fragen zu stellen. Beweise, die in Verletzung 

dieser Bestimmung erhoben wurden, dürfen nicht zulasten der Partei verwendet 

werden, die nicht anwesend war (Art. 147 Abs. 4 StPO).

4.3.

Für die Anwendbarkeit von Art. 147 Abs. 1 StPO ist entscheidend, ob im 

Sinne von Art. 309 Abs. 1 StPO eine Untersuchung eröffnet wurde. Dies hat u.a. 

dann zu erfolgen, wenn die Staatsanwaltschaft seitens der Polizei über schwere 

Straftaten oder andere schwerwiegende Ereignisse informiert wird (Art. 309 

Abs. 1 lit. c StPO). Der Zeitpunkt der Untersuchungseröffnung ist in der Strafpro-

zessordnung nicht näher geregelt. Im Regelfall wird darüber entschieden, wenn 

die Ermittlungsakten bei der Staatsanwaltschaft eingehen (JOSITSCH/SCHMID, Pra-

xiskommentar StPO, 4. Auflage, Zürich/St. Gallen 2023, N 12 zu Art. 309). Das 

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Vorliegen einer formellen Eröffnungsverfügung ist für die Frage, ab welchem Zeit-

punkt eine Untersuchung geführt wird, nicht massgeblich (vgl. Art. 309 Abs. 3 

StPO). Vielmehr gehen Lehre und Praxis von einem materiellen Begriff der Eröff-

nung aus und stellen auf den Zeitpunkt ab, wann eine Untersuchung hätte eröff-

net werden müssen (Urteil des Bundesgerichts 6B_563/2021 vom 22. Dezember 

2022 E. 2.3.2; VOGELSANG, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommen-

tar StPO, 3. Auflage, Basel 2023, N 6 zu Art. 309 StPO; je mit Hinweisen). Ge-

mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist jedenfalls dann von der Eröffnung 

einer Untersuchung auszugehen, sobald sich die Staatsanwaltschaft mit dem 

Straffall zu befassen beginnt und erste Untersuchungshandlungen vornimmt resp. 

Zwangsmassnahmen anordnet (BGE 143 IV 397 E. 3.4.2; 141 IV 20 E. 1.1.4; Ur-

teil des Bundesgerichts 6B_441/2021 vom 25. August 2022 E. 1.3.1; je mit Hin-

weisen). Insofern ist ein Tätigwerden bzw. aktives Handeln der 

Staatsanwaltschaft vorauszusetzen.

In Konstellationen nach Art. 309 Abs. 1 lit. c StPO ist für die Prüfung der Frage, 

wann eine Strafuntersuchung als eröffnet gilt, auch Art. 219 Abs. 1 und 2 StPO zu 

berücksichtigen, nach welcher Bestimmung die Polizei nach einer Festnahme 

unverzüglich die Staatsanwaltschaft informiert, anschliessend die festgenommene 

Person zu dem gegen sie bestehenden Verdacht befragt und unverzüglich 

geeignete Abklärungen trifft, um den Tatverdacht zu erhärten oder zu entkräften. 

Bei den im Gesetz erwähnten Abklärungen handelt es sich primär um die 

Erhebung von sofort greifbaren Beweismitteln, wie etwa die kurze Befragung von 

Tat- oder Alibizeugen (KESHELAVA/BREITENFELD, in: Niggli/Heer/ Wiprächtiger 

[Hrsg.], Basler Kommentar StPO, 3. Auflage, Basel 2023, N 17 zu Art. 219 StPO 

mit Hinweisen).

4.4. Aus dem Polizeirapport vom 31. Oktober 2021 geht hervor, dass die 

Einsatzzentrale der Kantonspolizei Zürich um ca. 03:00 Uhr aufgeboten wurde 

wegen einer tätlichen Auseinandersetzung im Club "B._____" unter Einsatz eines 

Messers. In der Folge rückten diverse Polizeibeamte an den Tatort aus, wo zwei 

tatverdächtige Personen, der Beschuldigte und C._____, festgenommen wurden 

(D1 Urk. 1/1 S. 3 ff.; D1 Urk. 14/1; D1 Urk. 15/1). Über das Geschehen im Club 

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"B._____" und die Verhaftung von zwei Tatverdächtigen wurde die 

Staatsanwaltschaft telefonisch orientiert (D1 Urk. 1/1 S. 5). In der Folge tätigte die 

Polizei diverse Abklärungen, wobei auch der Geschädigte und weitere in das 

Tatgeschehen involvierte Personen (F._____, E._____ und G._____) befragt 

wurden (D1 Urk. 4/1; D1 Urk. 5/2+3+5+7). Gleichentags übermittelte die Polizei 

ihren Rapport mit sämtlichen Einvernahmeprotokollen und weiteren Beilagen an 

die Staatsanwaltschaft (D1 Urk. 1/1 S. 7 f.), worauf diese über die Eröffnung einer 

Untersuchung zu entscheiden hatte. Aus dem Umstand, dass die 

Staatsanwaltschaft hernach verschiedene Zwangsmassnahmen anordnete (D1 

Urk. 8/1; D1 Urk. 14/5+7; D1 Urk. 15/5+8) bzw. bereits mündlich angeordnete 

Zwangsmassnahmen schriftlich bestätigte (D1 Urk. 6/2/1, vgl. auch D1 Urk. 1/1 

S. 6), ergibt sich, dass sie sich mit dem Fall zu befassen begann, womit die 

vorliegende Strafuntersuchung (materiell) eröffnet wurde. Die am 31. Oktober 

2021 durchgeführten Einvernahmen erfolgten noch vor diesem Zeitpunkt, als sich 

das Verfahren noch im Stadium der polizeilichen Ermittlungen gemäss Art. 306 

StPO befand.

4.5. Vor Eröffnung einer Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft besteht 

der Anspruch auf Parteiöffentlichkeit nicht. Bei Beweiserhebungen durch die Poli-

zei, etwa bei polizeilichen Einvernahmen von Auskunftspersonen gestützt auf 

Art. 306 Abs. 2 lit. b StPO, sind die Parteien mit anderen Worten nicht zur Teil-

nahme berechtigt (Urteil des Bundesgerichts 6B_506/2024 vom 11. September 

2024 E. 1.2.2 mit zahlreichen Hinweisen). Insofern ist die Durchführung von poli-

zeilichen Einvernahmen mit dem Geschädigten, mit C._____, F._____, E._____ 

und G._____ am 31. Oktober 2021 ohne die Teilnahme des Beschuldigten resp. 

seiner Verteidigung nicht zu beanstanden. Bei den Einvernahmen, welche die 

Staatsanwaltschaft in der Folge mit den vorgenannten Personen durchführte, 

konnten der Beschuldigte und seine Verteidigung ausnahmslos teilnehmen. Eine 

Verletzung des Teilnahmerechts nach Art. 147 Abs. 1 StPO ist folglich nicht aus-

zumachen.

Etwas anderes gilt mit Bezug auf die polizeiliche Einvernahme von D._____, wel-

che am 2. November 2021 stattfand (D1 Urk. 5/9). Zu diesem Zeitpunkt war die 

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Strafuntersuchung bereits eröffnet, weshalb eine formelle polizeiliche Einver-

nahme zur Sache nur bei entsprechender Delegation der Staatsanwaltschaft und 

unter Wahrung des Teilnahmerechts des Beschuldigten zulässig gewesen wäre 

(vgl. Art. 312 Abs. 1 und 2 StPO; BGE 150 IV 345 E. 1.6.3.1; 143 IV 397 E. 3.3.2 

und E. 3.4.2; je mit Hinweisen). Die Aussagen von D._____ anlässlich seiner poli-

zeilichen Einvernahme vom 2. November 2021 dürfen folglich nicht zulasten des 

Beschuldigten verwertet werden, da dieser am Einvernahmetermin nicht teilneh-

men konnte (Art. 147 Abs. 4 StPO). Es ist allerdings nicht ersichtlich, inwiefern die 

Schilderungen von D._____ über die eigenen Zugeständnisse des Beschuldigten 

hinausgehen und diesen belasten würden. Anlässlich der staatsanwaltschaftli-

chen Einvernahme von D._____ waren der Beschuldigte und seine Verteidigung 

zugegen. 

4.6. Vor Vorinstanz liess der Beschuldigte sodann rügen, dass der Geschädigte 

anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 14. Dezember 2021 

seine belastenden Aussagen in seinem und dem Beisein seiner Verteidigung 

nicht wiederholt habe. Folglich habe er keine Gelegenheit gehabt, Ergänzungsfra-

gen an den Geschädigten zu stellen, zumal es nicht angehen könne, dass er 

resp. seine Verteidigung die belastenden und infolge einer Verletzung des Teil-

nahmerechts unverwertbaren Aussagen des Geschädigten aus der polizeilichen 

Einvernahme vom 31. Oktober 2021 im Einzelnen vorhalten müsse (Urk. 39 

S. 1 f.). 

4.7. Diese prozessuale Rüge des Beschuldigten betrifft sein Konfrontations-

recht nach Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK. Daraus ergibt sich, dass eine belastende Zeu-

genaussage grundsätzlich nur verwertbar ist, wenn der Beschuldigte wenigstens 

einmal während des Verfahrens angemessene und hinreichende Gelegenheit 

hatte, das Zeugnis in Zweifel zu ziehen und Fragen an den Belastungszeugen zu 

stellen. Dies gilt auch für die Einvernahme von Auskunftspersonen. Die Ausübung 

des Konfrontationsrechts setzt in aller Regel voraus, dass sich der Einvernom-

mene in Anwesenheit des Beschuldigten (nochmals) zur Sache äussert 

(BGE 150 IV 345 E. 1.6.3.2). Die Frage, ob bei widersprüchlichen Aussagen oder 

späteren Erinnerungslücken auf die ersten, in Abwesenheit des Beschuldigten er-

-  13  -

folgten Aussagen abgestellt werden kann, betrifft nicht die Verwertbarkeit, son-

dern die Würdigung der Beweise. Beschränkt sich die Wiederholung der Einver-

nahme aber im Wesentlichen auf eine formale Bestätigung der früheren Aussa-

gen, wird es dem Beschuldigten verunmöglicht, seine Verteidigungsrechte wirk-

sam wahrzunehmen. Umso mehr ist von einer Nichtverwertbarkeit der ersten Ein-

vernahme auszugehen, wenn eine (Auskunfts-) Person in einer späteren Konfron-

tationseinvernahme von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch macht (Ur-

teil des Bundesgerichts 6B_14/2021 vom 28. Juli 2021 E. 1.3.4 mit zahlreichen 

Hinweisen). 

4.8.

Im vorliegenden Fall hat der Geschädigte anlässlich seiner staatsanwalt-

schaftlichen Einvernahme vom 14. Dezember 2021 in Gegenwart des Beschuldig-

ten und seiner damaligen Verteidigung weder die Aussage verweigert, noch hat er 

pauschal auf seine früheren Aussagen verwiesen. Vielmehr äusserte er sich ein-

lässlich zum verfahrensgegenständlichen Tatgeschehen (D1 Urk. 4/2). Damit ist 

das Konfrontationsrecht des Beschuldigten ohne Weiteres gewahrt und die Aus-

sagen des Geschädigten anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Einvernahme 

vom 14. Dezember 2021 uneingeschränkt verwertbar. Dass der Geschädigte den 

Beschuldigen in dessen Beisein nicht bzw. nicht direkt belastete, ist im Rahmen 

der Beweiswürdigung zu berücksichtigen.

4.9. Nur der Vollständigkeit halber ist für den Fall, dass eine Verletzung des 

Teilnahme- und/oder Konfrontationsrechts des Beschuldigten vorläge, auf das 

ausdrückliche Verwertungsverbot gemäss Art. 147 Abs. 4 StPO (wenn auch nur 

zulasten des Beschuldigten) hinzuweisen, was gestützt auf Art. 141 Abs. 1 (letzter 

Satz) StPO eine ausnahmsweise Verwertung gemäss Art. 141 Abs. 2 StPO aus-

schliessen würde. Insofern geht die Vorinstanz fehl, wenn sie sich zwar einge-

hend damit auseinandersetzt, ob das eingeklagte Delikt schwer genug sei, um un-

ter Art. 141 Abs. 2 StPO zu fallen (was vorliegend an sich klar ist; Urk. 53 S. 7 f.), 

jedoch nicht darauf eingeht, weshalb Art. 141 Abs. 2 StPO angesichts des klaren 

Verwertungsverbots von Art. 147 Abs. 4 StPO und der vorangehenden Bestim-

mung gemäss Art. 141 Abs. 1 (letzter Satz) StPO überhaupt anwendbar sein 

sollte.

-  14  -

Allerdings liesse sich der angeklagte Sachverhalt selbst im Falle der Unverwert-

barkeit von Aussagen des Geschädigten und weiteren involvierten Personen 

rechtsgenügend erstellen, nachdem der Beschuldigte seine Täterschaft bei seiner 

Befragung anlässlich der Berufungsverhandlung im Grunde eingestand und sich 

darauf beschränkte, eine Notwehrsituation geltend zu machen und den Tatvorwurf 

in subjektiver Hinsicht zu bestreiten. Darauf wird nachfolgend einzugehen sein.

III. Sachverhalt 

1.

Tatvorwurf

Der Anklage liegt im Wesentlichen der folgende Sachverhalt zugrunde: Im Club 

"B._____" in I._____ sei es in den frühen Morgenstunden des 31. Oktober 2021 

zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen gekommen. Die Auseinan-

dersetzung sei zunächst verbal gewesen. Später sei es zu gegenseitigem Schub-

sen gekommen. In dieses hätten sich der Geschädigte H._____ und der Beschul-

digte eingemischt, zunächst um zu schlichten. In der Folge habe eine unbekannte 

Person ein Klappmesser hervor genommen. Dieses habe der Beschuldigte be-

händigt und H._____ bewusst und gewollt in den Bauch gerammt. Dadurch habe 

der Geschädigte eine Stichverletzung erlitten, welche mit an Sicherheit grenzen-

der Wahrscheinlichkeit zu Lebensgefahr bis hin zum Tod geführt hätte, wäre der 

Geschädigte nicht sofort notfallmässig operiert worden. Der Beschuldigte habe 

gewusst, dass ein kräftiger Messerstich in den Bauch zu lebensgefährlichen Ver-

letzungen bis hin zum Tod des Geschädigten führen könne, was er bei seinem 

Tun aber zumindest in Kauf genommen habe (Urk. 24 S. 2 f.).

2.

Standpunkt des Beschuldigten / Zu erstellender Sachverhalt

2.1. Bei seiner Befragung anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigte der 

Beschuldigte, dass er versucht habe, eine verbale Auseinandersetzung zwischen 

einem seiner Kollegen (C._____) und einer anderen Person (E._____) zu schlich-

ten. Er machte jedoch geltend, bei diesem Vorhaben angegriffen worden zu sein, 

indem eine letztlich unbekannte Person ein Klappmesser hervorgenommen und 

gegen ihn gerichtet habe. Als er das Messer habe entwenden können und in der 

-  15  -

eigenen Hand gehalten habe, sei H._____ auf ihn zugekommen, was bei ihm 

grosse Angst ausgelöst habe. Der Beschuldigte zeigte sich sodann geständig, 

dass er es gewesen sei, der dem Geschädigten die Stichverletzung zugefügt 

habe. Es sei durch seine Hand passiert, dass der Geschädigte mit dem Messer 

verletzt worden sei (vgl. dazu E. III.5.3.). Nachfolgend wird zu prüfen sein, ob sich 

diese Zugeständnisse des Beschuldigten hinsichtlich des äusseren Tathergangs 

und seiner Täterschaft mit dem übrigen Beweisergebnis decken. Sodann wird der 

Frage nachzugehen sein, ob sich der Beschuldigte tatsächlich einem unmittelbar 

bevorstehenden Angriff ausgesetzt sah und den Geschädigten in Reaktion darauf 

mit dem (fremden) Klappmesser verletzte.

2.2. Die Verletzungen von H._____ ergeben sich aus den medizinischen Be-

richten sowie dem Gutachten zur körperlichen Untersuchung (D1 Urk. 6/1/3; 

D1 Urk. 7/2+4). Sie wurden vom Beschuldigten weder angezweifelt noch bestrit-

ten und sind daher anklagegemäss erstellt. Sodann wurde nicht bestritten und be-

stehen auch keine rechtserheblichen Zweifel daran, dass die erstellten Verletzun-

gen als unmittelbare Folge eines Messereinsatzes im Verlauf der in Frage stehen-

den Auseinandersetzung entstanden.

2.3. Der Beschuldigte stellte anlässlich der Berufungsverhandlung in Abrede, 

dass er den Messerstich wissentlich und willentlich ausgeführt habe, sondern 

machte geltend, dass er nicht bewusst zugestochen habe und niemanden habe 

verletzen wollen (vgl. dazu E. III.5.3.). Folglich wird nachfolgend zu prüfen sein, 

ob sich der angeklagte Sachverhalt in subjektiver Hinsicht rechtsgenügend erstel-

len lässt.

3.

Grundsätze der Beweiswürdigung

3.1. Die Grundsätze der Beweiswürdigung, wie sie die Vorinstanz dargelegt 

hat, brauchen nicht wiederholt zu werden (Urk. 53 S. 10-13; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

Ergänzend ist auszuführen, was folgt:

3.2. Bei der Würdigung von Aussagen ist insgesamt die Antwort auf die Frage 

entscheidend, ob die einvernommene Person ihre Aussagen vernünftigerweise so 

-  16  -

hätte deponieren können, wenn sie das Berichtete nicht erlebt hätte. Das Vorhan-

densein von Realitätskriterien bedeutet noch nicht, dass eine Aussage wahr ist. 

Vielmehr muss eine Kompetenzanalyse ergeben, dass eine Person nicht in der 

Lage wäre, den dargelegten Sachverhalt zu erfinden (HERMANUTZ/LITZCKE/ 

KROLL/ADLER, Polizeiliche Vernehmung und Glaubhaftigkeit, 4. Auflage, 2018, 

S. 9 f.; vgl. auch BENDER/HÄCKER/SCHWARZ, Tatsachenfeststellung vor Gericht, 

5. Auflage, 2021, S. 78 Rz 332 - 334). Insbesondere bei überschaubaren Sach-

verhalten und wenigen Aussagen ist ein glaubhaftes Lügen durchaus möglich. 

Ausserdem kann insbesondere ein kurzes, wahrheitswidriges Kerngeschehen 

nahtlos in ein wahres Peripheriegeschehen eingebettet sein.

3.3.

Ferner fehlt der Würdigung von Aussagen ohne Kenntnis und Reflexion 

möglicher Motive (zur Lüge) ein wesentlicher Baustein. Je wahrscheinlicher es er-

scheint, dass die Aussageperson zu einer Lüge motiviert sein könnte, desto ein-

deutiger müssten die Ergebnisse der Beweisaufnahme und der Aussageanalyse 

sein, damit man sich trotzdem von der Wahrheit der Angaben überzeugt zeigen 

kann (vgl. BENDER/HÄCKER/SCHWARZ, a.a.O., S. 70-72 Rz 292 und 298 sowie 

S. 132 Rz 550 f.). So lässt die Vorinstanz denn auch zu Recht die Motivlage des 

Beschuldigten in ihre Erwägungen einfliessen (Urk. 53 S. 12), lässt aber ausser 

Acht, dass sämtliche Aussagepersonen ein Motiv zur Lüge haben könnten. Ferner 

scheint sie die Betrachtung der Motivlage mit der Würdigung der Aussagen zu 

vermischen (Urk. 53 S. 12 f.). Beide Aspekte fliessen zwar in die Gesamtwürdi-

gung der Aussagen ein, jedoch erst im Ergebnis. Die Aussageanalyse erfolgt un-

abhängig von der Motivations- und Kompetenzanalyse. Insofern ist bei der Aussa-

geanalyse wichtig, dass an alle Aussagen dieselben Massstäbe angelegt werden 

und nicht ein bestimmtes Aussageverhalten des Beschuldigten als Warnsignal 

aufgefasst wird, während genau dasselbe Aussageverhalten bei einem Belas-

tungszeugen als Realitätsmerkmal gewertet wird.

3.4. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass der blosse Ausschluss einer be-

stimmten Sachverhaltsvariante (z.B. aufgrund der Einstufung der Aussagen des 

Beschuldigten als unglaubhaft) grundsätzlich keine geeignete Grundlage für die 

persönliche Gewissheit des Gerichts ist. Eine Erklärungshypothese kann erst dann 

-  17  -

als eine sicher richtige Beschreibung der zugrunde liegenden Realität akzeptiert 

werden, wenn sie allein in der Lage ist, eine restlose und annehmbare Erklärung 

des vorliegenden Informationsmaterials zu bieten (BENDER/HÄCKER/SCHWARZ, 

a.a.O., S. 140 Rz 581).

4.

Motivlagen

4.1. Wie vorstehend dargelegt wurde, haben nebst dem Beschuldigten 

(D1 Urk. 3/1/1-4) auch der Geschädigte H._____ (D1 Urk. 4/1+2), C._____ (D1 

Urk. 3/2/1-3), E._____ (D1 Urk. 5/5+6), F._____ (D1 Urk. 5/2+4) und G._____ (D1 

Urk. 5/7+8) verwertbare Aussagen gemacht.

Mit Bezug auf die Aussagen von D._____ (D1 Urk. 5/9+10) ist zu berücksichtigen, 

dass diejenigen, welche er anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme vom 2. 

November 2021 deponierte, nicht zulasten des Beschuldigten verwertet werden 

dürfen.

4.2.

Zum Verhältnis der vorgenannten Personen untereinander ist anzumerken, 

dass der Auseinandersetzung, welche letztlich zur Verletzung des Geschädigten 

H._____ führte, kein Streit allein zwischen ihm und dem Beschuldigten zugrunde 

lag. Vielmehr handelte es sich um eine Auseinandersetzung zwischen zwei Grup-

pen, wobei der Geschädigte H._____ und der Beschuldigte unterschiedlichen 

Gruppen angehörten.

Zur Gruppe von H._____ gehörten E._____, F._____ (D1 Urk. 5/2 F/A 4 S. 1) und 

G._____ (D1 Urk. 5/7 F/A 8 - 15 S.  1 f.).

Zur Gruppe des Beschuldigten gehörten C._____ und D._____ (vgl. D1 Urk. 5/9 

F/A 15 - 30 S. 2 - 4).

4.3. Angesichts dieser Situation sind hinsichtlich der Motivlagen mögliche grup-

peninterne (teils auch verwandtschaftlich bedingte) Loyalitäten in Betracht zu zie-

hen. Zudem kann die unübersichtliche Lage unter Einbezug diverser Personen 

eine Rolle spielen. Vor diesem Hintergrund haben alle Aussagenden unabhängig 

vom vorliegend relevanten Kerngeschehen ein Interesse, sich bezüglich der 

-  18  -

darum herum stattgefundenen Auseinandersetzung bzw. Schlägerei in einem gu-

ten Licht darzustellen, ihre eigene Rolle herunterzuspielen und über (angebliches 

oder tatsächliches) Fehlverhalten möglicher Kontrahenten zu berichten, worauf 

auch die Verteidigung zu Recht hinweist (Urk. 64 S. 7 und S. 10). Festzuhalten ist 

mithin, dass es vorliegend keine auch nur halbwegs neutralen Zeugen gibt. Wäre 

der Beschuldigte nicht der Täter, hätte er ferner ein starkes Motiv, sich selber zu 

schützen. Schliesslich sind Absprachen nicht ausgeschlossen, erscheinen aber 

angesichts des konkreten Aussageverhaltens der einzelnen Aussagepersonen, 

der schnell vor Ort erschienenen Polizei und der Hospitalisierung des Geschädig-

ten H._____ eher unwahrscheinlich.

Immerhin ist kein Motiv ersichtlich, innerhalb der jeweils gegnerischen Gruppe 

spezifische Personen der eingeklagten, zweifelsfrei von jemandem begangenen 

Handlung falsch zu beschuldigen.

5.

Aussagen des Beschuldigten

5.1. Hinsichtlich der Aussagen, die der Beschuldigte im Verlauf der Untersu-

chung und vor Vorinstanz deponierte, kann im Wesentlichen auf die zutreffende 

Zusammenfassung im angefochtenen Urteil verwiesen werden (Urk. 53 S. 17 f.; 

Art. 82 Abs. 4 StPO). Der Beschuldigte verweigerte demnach weitgehend die Aus-

sage, gab aber in der der Hafteinvernahme vom 1. November 2021 doch zu Proto-

koll, C._____ sei sein Kollege. Dieser habe nichts gemacht, sondern sei mit dem 

"Grossen" Kopf an Kopf gestanden. Der "Kleine", der verletzt worden sei, habe 

C._____ angreifen wollen. Aber C._____ habe nichts gemacht (D1 Urk. 3/1/2 F/A 

12 f. S. 2 f.). Der Beschuldigte bestätigte ausserdem, Verletzungen davon getra-

gen zu haben (D1 Urk. 3/1/2 F/A 16 f. S. 3). Anlässlich der erstinstanzlichen 

Hauptverhandlung sagte der Beschuldigte hingegen lediglich aus, er habe kein 

Messer benutzt und auch nicht zugestochen. Er wisse nicht, wer H._____ verletzt 

habe (Urk. 36 S. 10).

5.2. Die Vorinstanz erwog zu den vorstehenden Aussagen nachvollziehbar, 

dass der Eindruck entstehe, der Beschuldigte wolle C._____ schützen (Urk. 53 

S. 19), gab er doch fast nur zu Fragen nach einem allfälligen Tatbeitrag seines 

-  19  -

Kollegen Auskunft. Letztlich weisen die im Vorverfahren und anlässlich der erstin-

stanzlichen Hauptverhandlung deponierten Aussagen des Beschuldigten jedoch 

inhaltlich zu wenig Substanz auf, um einer Würdigung unterzogen werden zu kön-

nen. Ferner macht die Vorinstanz zutreffend darauf aufmerksam, dass das 

Schweigen bzw. Verweigern von Aussagen des Beschuldigten nicht als Indiz für 

seine Schuld gewertet werden darf (Urk. 53 S. 19). 

5.3. Bei seiner Befragung anlässlich der Berufungsverhandlung äusserte sich 

der Beschuldigte erstmals einlässlich zur Sache und führte zusammengefasst 

aus, er sei in der Nacht vom 30. auf den 31. Oktober 2021 zusammen mit 

C._____ und D._____ in den Ausgang gegangen. Bereits beim Reingehen in den 

Club "B._____" sei es zu Diskussionen zwischen C._____ und E._____ gekom-

men. E._____ sei sehr aggressiv gewesen und C._____ habe mitgemacht. Auch 

später auf der Tanzfläche sei es zu mehreren "Kopf an Kopf"-Situationen gekom-

men, wobei er (der Beschuldigte) jeweils dazwischen gegangen sei und versucht 

habe, die beiden Kontrahenten zu beruhigen. Irgendwann seien die gegnerischen 

Gruppen im Toilettenraum aufeinandergetroffen, wo es zu einer erneuten Diskus-

sion zwischen C._____ und E._____ gekommen sei, bei welcher sie sich Kopf an 

Kopf gegenübergestanden seien. In der Folge hätten sich die weiteren Personen 

aus den beiden gegnerischen Gruppen um die zwei Kontrahenten versammelt, 

sodass sie alle miteinander in einem Kreis eng beieinander gestanden seien 

(Prot. II S. 11 ff.). Er habe dann C._____ und E._____ ein weiteres Mal auseinan-

dernehmen wollen, als plötzlich das Messer ins Spiel gekommen sei. Es sei so 

schnell gegangen, nur wenige Sekunden. Er wisse daher nicht, woher das Messer 

gekommen sei. Jemand habe es einfach ausgepackt (Prot. II S. 10 und S. 13 f.). 

Auf die Frage, ob das Messer gegen ihn gerichtet gewesen sei, antwortete der 

Beschuldigte, es sei einfach auf ihn zugekommen, wie bei einem Angriff. Aus der 

Reaktion heraus habe er danach gegriffen. Mit seiner ganzen Kraft habe er in die 

Klinge gefasst und das Messer gepackt, wobei er sich eine Schnittverletzung an 

seiner rechten Hand zugezogen habe (Prot. II S. 10 f., 14 und S. 17 f.). Dann sei 

H._____ auf ihn zugekommen. In jenem Moment habe er grosse Angst gehabt. 

Das Messer habe er weiterhin in der Hand gehalten (Prot. II S. 11, 14 ff. und S. 17 

f.). Danach gefragt, was in der Folge passiert sei, führte der Beschuldigte aus, 

-  20  -

dass er nicht wisse, wie es in der damaligen Situation zur Stichverletzung des Ge-

schädigten gekommen sei. Er habe nicht mitbekommen, dass H._____ durch ei-

nen Messerstich in den Bauch verletzt worden sei. Erst im Nachhinein, nachdem 

sie beide umgefallen und auf dem nassen Boden gelegen seien, habe er die Ver-

letzung von H._____ bemerkt. Auf die Frage, ob er mit dem Messer zugestochen 

habe, antwortete der Beschuldigte mit: "Nein, ich habe nicht zugestochen". 

Gleichzeitig räumte er ein: "Es ist durch meine Hand passiert", wobei er betonte, 

dass er es nicht bewusst gemacht habe. Er habe niemanden verletzen wollen 

(Prot. II S. 10 f. und S. 14 f.). Er vermute, dass der Geschädigte quasi in die 

Klinge hineingelaufen sei, als er sich auf ihn (den Beschuldigten) zubewegt habe 

(Prot. II S. 18 f.). Dem Beschuldigten wurde sodann vorgehalten, dass er das 

Messer offenbar habe umkehren müssen, um H._____ damit eine Stichverletzung 

zufügen zu können, nachdem er es zuvor an der Klinge ergriffen hatte. Dazu 

konnte er allerdings keine Angaben machen (Prot. II S. 17 ff.). Auf weitere Nach-

frage erklärte der Beschuldigte schliesslich, dass er nicht wisse, ob der Geschä-

digte eine Waffe gehabt habe (Prot. II S. 15).

5.4. Einleitend ist festzuhalten, dass eine Analyse der oben zusammengefass-

ten Schilderungen hinsichtlich ihrer Konstanz kaum möglich ist, weil der Beschul-

digte sowohl in der Untersuchung als auch vor Vorinstanz weitgehend die Aussa-

gen zur Sache verweigerte. Immerhin kann festgehalten werden, dass er (wie be-

reits in der Hafteinvernahme) beschrieb, sein Kollege C._____ und E._____ seien 

sich Kopf an Kopf gegenübergestanden. Zudem wiederholte er, dass er eine 

Schnittverletzung an seiner rechten Hand erlitten habe, was auch durch die Fest-

stellungen im Gutachten zu seiner körperlichen Untersuchung belegt ist 

(D1 Urk. 6/1/2 S. 3 f.). Widersprüchlich erscheinen die Aussagen des Beschuldig-

ten dagegen mit Bezug auf die Frage, wer vom Geschädigten attackiert worden 

sei. Während er in seiner Hafteinvernahme noch ausführte, der "Kleine", der ver-

letzt worden sei, habe seinen Kollegen C._____ angreifen wollen, erklärte er an-

lässlich der Berufungsverhandlung, der Geschädigte sei auf ihn (den Beschuldig-

ten) losgegangen. Dieser vermeintliche Widerspruch wird allerdings durch die 

glaubhaften Schilderungen von C._____ weitgehend aufgelöst (vgl. dazu nachfol-

gend E. III.7.3. f.). Die Aussagen des Beschuldigten anlässlich der Berufungsver-

-  21  -

handlung werden auch in weiteren Punkten durch die Schilderungen von anderen, 

in das Tatgeschehen involvierten Personen gestützt. Darauf wird im Rahmen der 

Gesamtwürdigung näher einzugehen sein (E. III.13.2. ff.).

5.5. Vor einer näheren Analyse hinsichtlich des Inhalts ist in Erinnerung zu ru-

fen, dass der Beschuldigte die unter E. III.5.3. zusammengefassten Aussagen 

mehr als drei Jahre nach dem angeklagten Tatgeschehen im Club "B._____" de-

ponierte. Es ist daher nicht auszuschliessen, dass sich der lange Zeitablauf auf 

die Genauigkeit und Verlässlichkeit seiner Erinnerungen ausgewirkt haben 

könnte. Dafür spricht, dass die Beschreibung des Tathergangs nicht besonders 

detailliert ausfiel, sondern bloss vage und oberflächlich blieb. Allein gestützt auf 

die Aussagen des Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhandlung lässt sich 

das dynamische Kerngeschehen im Toilettenraum kaum nachvollziehen. Hinzu 

kommt, dass die Schilderungen des Beschuldigten lückenhaft erscheinen. Gerade 

zu ganz entscheidenden Elementen des Geschehensablaufs konnte er keine bzw. 

keine nachvollziehbaren Angaben machen, etwa 

-

-

-

zur Person, welche plötzlich das Klappmesser hervorgenommen hatte,

zur Frage, wie er das Messer an seinem Griff zu fassen bekam, nachdem 

er es zuvor mit seiner rechten Hand an der Klinge gepackt hatte,

zur Frage, wie es zur Stichverletzung des Geschädigten gekommen war. 

Diese Lücken und Ungereimtheiten in den Aussagen des Beschuldigten bzw. 

seine fehlenden Angaben zu ganz zentralen Elementen des Geschehensablaufs 

lassen sich nicht ohne Weiteres auf fehlende Erinnerungen nach langem Zeitab-

lauf zurückführen. Auch der Umstand, dass es sich um ein dynamisches Gesche-

hen handelte, welches sich innert weniger Minuten oder gar Sekunden abspielte, 

kann nicht als nachvollziehbare Erklärung herbeigezogen werden, zumal der Be-

schuldigte nicht zu Ereignissen ausserhalb seines Wahrnehmungsbereichs be-

fragt wurde, sondern zu solchen, die ihn unmittelbar selbst betrafen. Folglich ist 

nicht auszuschliessen, dass er in diesen Punkten keine Aussagen machen wollte, 

um sich oder eine andere Person nicht (weiter) zu belasten.

-  22  -

5.6.

Insgesamt wirken die Aussagen, die der Beschuldigte bei seiner Befragung 

anlässlich der Berufungsverhandlung deponierte, zwar weitgehend glaubhaft. Auf-

grund des langen Zeitablaufs seit des angeklagten Tatgeschehens und der auffäl-

ligen Lücken und Ungereimtheiten zu zentralen Elementen erscheinen sie jedoch 

nicht gleichermassen verlässlich wie die Aussagen von anderen, im Verlauf die-

ses Verfahrens befragten Personen. Folglich sind sie nur mit entsprechender Zu-

rückhaltung in die Gesamtwürdigung miteinzubeziehen.

6.

Aussagen des Geschädigten H._____

6.1. Auch bezüglich der Aussagen des Geschädigten kann auf die Zusammen-

fassung im angefochtenen Urteil verwiesen werden (Urk. 53 S. 19 - 23; Art. 82 

Abs. 4 StPO).

6.2. Die Vorinstanz erwog richtig, dass der Geschädigte lebensnahe, nachvoll-

ziehbare und nüchterne Aussagen ohne erkennbare Übertreibungen oder innere 

Widersprüche gemacht habe (Urk. 53 S. 23). Seine Aussagen waren auch diffe-

renziert und relativ detailliert. So konnte er den Moment, in welchem er mit dem 

Messer gestochen wurde, genau beschreiben (D1 Urk. 4/1 F/A 26 S. 3). Weiter 

konnte er das Kerngeschehen ohne erkennbaren Strukturbruch in das Vorgesche-

hen einordnen (vgl. D1 Urk. 4/1 F/A 13 S. 2) und gab zu, wenn er sich an Einzel-

heiten nicht mehr erinnern konnte (vgl. z.B. D1 Urk. 4/1 F/A 30 S. 3). Soweit 

H._____ in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 14. Dezember 2021 

geltend machte, er sei zum Zeitpunkt seiner polizeilichen Befragung nicht bei vol-

lem Bewusstsein gewesen, als er gesagt habe, den Angreifer gesehen zu haben 

(D1 Urk. 4/2 F/A 49 S. 8), so überzeugt dieses Vorbringen insofern nicht, als 

seine Aussagen bei der Polizei in keiner Weise wirr, pauschal oder von grossen 

Erinnerungslücken geprägt sind. Das gilt umso mehr, als der Geschädigte bei der 

Polizei nicht einfach die erstbeste Person der gegnerischen Gruppe beschuldigte, 

sondern zunächst festhielt, dass das erste Bild den "Albaner" zeige, der mit 

E._____ gestritten habe. Erst auf Vorhalt eines zweiten Bildes identifizierte er den 

Angreifer (D1 Urk. 4/1 F/A 17 und 18, S. 2).

-  23  -

6.3. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme schilderte H._____ 

das Geschehen im Vorfeld des Messerangriffs im Wesentlichen gleich, wobei die 

Beschreibung des Streits des "Albaners" mit G._____ und E._____ ausführlicher 

ausfiel als zuvor, was jedoch nicht in Widerspruch steht zu seinen Aussagen an-

lässlich der polizeilichen Befragung und auch nicht aggravierend wirkt. Aufgrund 

minimer Abweichungen und entsprechend verschiedener Formulierungen erschei-

nen die Aussagen des Geschädigten auch nicht auswendig gelernt oder sonst 

künstlich memoriert (so wurde z.B. "Ich habe den Albaner weggezogen und bin 

mit E._____ weggelaufen" zu "Ich stellte mich dann dazwischen und wollte die 

beiden trennen"; D1 Urk. 4/1 F/A 13 S. 2 und D1 Urk. 4/2 F/A 11 S. 4). Sodann 

zog auch die Vorinstanz zu Recht in Betracht, dass H._____ den Beschuldigten 

anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme nicht mehr direkt belastete. 

Dennoch fiel nach seiner Darstellung das Auftauchen des Beschuldigten während 

des handgreiflichen Streits mehr oder weniger mit dem Angriff auf ihn (H._____) 

zusammen (Urk. 53 S. 24; D1 Urk. 4/2 F/A 11 S. 4). Diese angebliche Koinzidenz 

wiederholte der Geschädigte auffälligerweise auch später in der staatsanwalt-

schaftlichen Einvernahme mehrfach deutlich (D1 Urk. 4/2 F/A 40 S. 7, F/A 63 

[zweiter Vorhalt] S. 10 und F/A 65 S. 11).

Die Aussagen von H._____ dazu, wer wo stand, erscheinen auf den ersten Blick 

nicht vollständig deckungsgleich, was angesichts eines sehr dynamischen Tatge-

schehens aber auch nicht erstaunt. Entscheidend ist, dass sie sich nicht gegen-

seitig ausschliessen. In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme sagte er u.a. 

aus, der Beschuldigte sei rechts neben ihm gestanden (D1 Urk. 4/2 F/A 64 S. 11). 

Ein relevanter Widerspruch zu seiner früheren Aussage bei der Polizei, der Täter 

sei frontal auf ihn zugekommen (D1 Urk. 4/1 F/A 26 S. 3), ergibt sich daraus nicht. 

Bei der Staatsanwaltschaft deponierte der Geschädigte nicht, wie weit rechts der 

Beschuldigte neben ihm gestanden sei. Zudem handelte es sich – wie erwähnt – 

um ein dynamisches Geschehen, bei dem alle Beteiligten in Bewegung waren. Es 

ist ohne Weiteres vereinbar, dass der Beschuldigte zunächst etwas rechts von 

H._____ stand, um ihn hernach frontal anzugreifen.

-  24  -

Hier fällt im Übrigen bezogen auf die Aussage von H._____ in der staatsanwalt-

schaftlichen Einvernahme auf, dass er trotz fehlender direkter Belastung des Be-

schuldigten nebst der Beschreibung, wer von ihm aus gesehen wo gestanden sei, 

ausdrücklich noch einmal den Beschuldigten erwähnte und deponierte, dieser sei 

neben ihm gestanden. Trotz des dynamischen Geschehens und wohl auch Ge-

rangels erwähnte der Geschädigte einzig mit Bezug auf den Beschuldigten, dass 

dieser neben ihm gewesen sei, nur um gleich anschliessend wieder auf das Mes-

ser zu sprechen zu kommen (D1 Urk. 4/2 F/A 64 S. 11).

6.4.

Insgesamt wirken die Aussagen von H._____ auch und insbesondere hin-

sichtlich der Identifikation des Beschuldigten als Angreifer glaubhaft, obwohl auf-

fällt, dass sie wie der Bericht einer aussenstehenden Person wirken. Sie geben 

kaum innere Vorgänge wieder ("[…] war ich fassungslos" ist weitgehend die ein-

zige Aussage dieser Art; D1 Urk. 4/2 F/A 41 und F/A 44 S. 7), was angesichts der 

aufgeheizten Stimmung und des Umstands, dass der Geschädigte knapp dem 

Tod entgangen war, seltsam anmutet. Allerdings ist diesem Umstand auch nicht 

zu viel Gewicht beizumessen, da dem Grundsatz nach feststeht, dass er tatsäch-

lich lebensbedrohlich verletzt wurde und im Verlauf der Untersuchung nur die Tä-

terschaft umstritten war.

7.

Aussagen von C._____

7.1. Die Aussagen von C._____ werden im angefochtenen Urteil vollständig 

und zutreffend zusammengefasst, worauf verwiesen werden kann (Urk. 53 S. 24 - 

28; Art. 82 Abs. 4 StPO).

7.2. Entgegen der Würdigung durch die Vorinstanz können die Schilderungen 

von C._____ nicht einfach als unglaubhaft qualifiziert werden. Insbesondere ist in 

den von der Vorinstanz genannten, angeblich unterschiedlichen Aussagen dazu, 

dass ihm ein Messer gegen den Bauch gehalten worden sei, keine relevante In-

konsistenz zu erkennen. Vielmehr könnte man daraus – abermals entgegen der 

vorinstanzlichen Auffassung – zum Schluss gelangen, dass die Aussagen von 

C._____ gerade nicht einstudiert wirken (vgl. dazu die entsprechenden Erwägun-

gen der Vorinstanz gemäss Urk. 53 S. 28 unten und S. 29).

-  25  -

7.3. Bei der Polizei führte C._____ zunächst nachvollziehbar aus, wie es zum 

Streit gekommen sei und gab zu, dass er sich durch die Frage, was "Sepotaqi" 

heisse, beleidigt und provoziert gefühlt habe (D1 Urk. 3/2/1 F/A 5 - 11 S. 1 f.). Das 

darauf folgende Geschehen schilderte er durchaus detailliert und in den grossen 

Linien übereinstimmend mit den anderen Aussagepersonen, z.B. dass er 

(C._____) v.a. mit dem "Grossen" (E._____) aneinander geraten sei.

Weiter beschrieb er relativ spezifisch, dass er gesehen habe, dass der Beschul-

digte und ein "anderer" sich festgehalten hätten. Er (C._____) habe die beiden 

trennen wollen und dabei plötzlich gesehen, dass der "andere" ein Messer in der 

Hand gehabt habe. Dieses habe der "andere" ihm (C._____) gegen den Bauch 

gehalten, worauf der Beschuldigte in das Messer gegriffen habe. In diesem Zu-

sammenhang räumte C._____ ein, dass er nicht wisse, wer das Messer gehalten 

habe, obwohl er naheliegenderweise z.B. den "Grossen" oder den "Orangen" 

hätte beschuldigen können, deren Täterschaft er aber explizit ausschloss (D1 

Urk. 3/2/1 F/A 12 f. S. 3).

Anzumerken ist, dass C._____, wenn er den Beschuldigten hätte schützen wol-

len, kaum Zeit gehabt hätte, sich mit ihm abzusprechen. So wurde er unmittelbar 

nach dem Vorfall noch am Tatort verhaftet (D1 Urk. 14/1). Dasselbe gilt für den 

Beschuldigten (D1 Urk. 15/1). Daher würde C._____ bei einer erfundenen Ge-

schichte zum Schutz des Beschuldigten Gefahr laufen, sich in Widerspruch zu 

dessen Aussagen zu setzen. 

7.4. Anlässlich der Hafteinvernahme am Folgetag bestätigte C._____ im We-

sentlichen seine ersten Aussagen. Er machte detaillierte und nachvollziehbare 

Angaben, wobei er entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen nicht einfach die-

selben Formulierungen verwendete wie bei der Polizei. Ausserdem nannte er ein-

zelne originelle Details (z.B. dass der "Grosse" zweimal in die Luft geschlagen 

habe) und konnte teilweise wiedergeben, was zwischen den involvierten Perso-

nen gesprochen worden sein soll. Er gab ferner zu, wenn er sich einer Sache 

nicht mehr sicher war (D1 Urk. 3/2/2 F/A 6 f. S. 3 f.). Seine Aussagen anlässlich 

der Hafteinvernahme sind ferner konsistent mit denjenigen bei der Polizei. So-

dann ist kaum davon auszugehen, dass C._____ zu Protokoll gegeben hätte, an 

-  26  -

der Auseinandersetzung um das Messer seien nur der Beschuldigte und "er" 

(mutmasslich H._____) beteiligt gewesen (D1 Urk. 3/2/2 F/A 8 S. 4), wenn er den 

Beschuldigten hätte schützen wollen, insbesondere nachdem feststand, dass "er" 

hernach schwer verletzt war.

Sonderbar ist indes die Ergänzung, der "andere" (mutmasslich H._____) habe 

den Beschuldigten in den Schwitzkasten genommen, worauf er (C._____) ver-

sucht habe, die beiden zu trennen (D1 Urk. 3/2/2 F/A 26 S. 7). Diese Schilderung 

ist schwerlich damit in Einklang zu bringen, dass sich die beiden Kontrahenten 

nach der Darstellung von C._____ anlässlich der polizeilichen Einvernahme zu-

nächst festgehalten hätten und er (C._____) danach mit einem Messer bedroht 

worden sei. Solches erscheint zwar nicht unmöglich. Doch wenn zwischen dem 

Festhalten und der Drohung mit dem Messer noch ein Schwitzkasten vorgekom-

men wäre, dann wäre es naheliegend gewesen, dass dieser bereits im Verlauf 

der ersten Befragung erwähnt worden wäre.

7.5.

In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 23. Dezember 2021 be-

stätigte C._____ – teils nur noch in geraffter Fassung – im Wesentlichen seine 

bisherigen Depositionen (D1 Urk. 3/2/3 F/A 8 S. 3), wobei er abermals andere 

Worte verwendete und das, was zwischen den Beteiligten angeblich gesprochen 

wurde, leicht abweichend bzw. ergänzend schilderte, was eher gegen eine aus-

wendig gelernte Version spricht. Sodann ist es entgegen der Ansicht der Vor-in-

stanz (Urk. 53 S. 29) durchaus nachvollziehbar, dass sich C._____ fast zwei Mo-

nate nach einem derart dynamischen Geschehen nicht mehr erinnern konnte, wer 

wo stand (Urk. 3/2/3 F/A 9 - 11 S. 3 f.). Auch die Ungenauigkeit gegenüber seinen 

Aussagen anlässlich der Hafteinvernahme bezüglich der Frage, wie viele Perso-

nen am Gerangel beteiligt gewesen seien, stellt in diesem Lichte betrachtet kei-

nen Widerspruch dar. Auf diesen Punkt angesprochen gab C._____ nachvollzieh-

bar zu Protokoll, es sei einfach ein Gerangel gewesen und die räumlichen Ver-

hältnisse seien eng gewesen. Er bestätigte aber ausdrücklich, dass der Beschul-

digte mit "dem anderen" beschäftigt gewesen sei und er (C._____) sie habe tren-

nen wollen (D1 Urk. 3/2/3 F/A 23 - 25). Von C._____ wurde somit konsistent und 

klar deponiert (was zum Teil auch unbestritten ist), dass es zwar zu einem grös-

-  27  -

seren Gerangel mit mehreren Personen gekommen sei, es aber innerhalb dieses 

grösseren Gerangels eine Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und 

H._____ gegeben habe, in welche nur diese zwei Personen direkt involviert gewe-

sen seien. Insofern geht die Frage anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einver-

nahme, warum C._____ die Beteiligung anderer nicht zuvor erwähnt habe, an der 

Sache vorbei, was dessen hilflose Antwort darauf erklärt (D1 Urk. 3/2/3 F/A 27 f. 

S. 5 f.).

7.6. Gesamthaft betrachtet erscheinen die Aussagen von C._____ glaubhaft. 

Es fällt allerdings auf, dass sie – wie bei H._____ – kaum Emotionen oder innere 

Vorgänge enthalten, was auch die Vorinstanz zu Recht erwog (Urk. 53 S. 29), je-

doch bei der Würdigung der Aussagen von H._____ unverständlicherweise nicht 

in Betracht zog.

8.

Aussagen von D._____

8.1.

Im vorinstanzlichen Urteil werden die Aussagen von D._____ zutreffend 

zusammengefasst, worauf verwiesen werden kann (Urk. 53 S. 30 - 35; Art. 82 

Abs. 4 StPO).

8.2. Auch D._____ schilderte das Geschehen anlässlich seiner polizeilichen 

Einvernahme vom 2. November 2021 relativ detailliert und plausibel. Zudem war 

er in der Lage, einzelne Gesprächsfetzen wiederzugeben und legte jeweils offen, 

wenn er etwas nur vom Hörensagen wahrgenommen hatte ("Der Grosse soll ihm 

gesagt haben, dass er auf seine Box-Lizenz warte"; D1 Urk. 5/9 F/A 51 S. 6). Fer-

ner fielen seine Aussagen differenziert aus, wenn er hinsichtlich der gegnerischen 

Gruppe einzelne Mitglieder als aggressiv, andere aber als zurückhaltend be-

schrieb. Ausserdem bestätigte er, dass C._____ zumindest zu einem guten Teil 

der Auseinandersetzung mit dem "Grossen" zu tun gehabt habe (D1 Urk. 5/9 F/A 

51 - 53 S. 6 f.). Im Übrigen schilderte er im Ergebnis ein verworrenes Geschehen, 

das einem dynamischen Ablauf entsprechen dürfte. Von seinen Aussagen ausge-

hend scheint er den Geschädigten H._____ als "Schlitzauge" bezeichnet zu ha-

ben, da er erklärte, dass ein Security-Mitarbeiter das "Schlitzauge" nach aussen 

getragen habe. In diesem Kontext fällt auf, dass er ebenso aussagte, kurz davor 

-  28  -

sei der Beschuldigte H._____ gegenüber gestanden (D1 Urk. 5/9 F/A 53 S. 7 un-

ten und S. 8).

8.3.

In der staatsanwaltschaftlichen Zeugeneinvernahme bestätigte D._____ im 

Wesentlichen seine zuvor gemachten Aussagen und konnte das Tatgeschehen 

wiederum relativ detailliert und im Wesentlichen konsistent beschreiben. Nicht ge-

folgt werden kann der Vorinstanz, wenn sie dafür hält, seine Aussagen seien 

übersteigert und wie aus einem Actionfilm, da er ausgesagt habe, C._____ und 

der Beschuldigte seien auf die Pissoirs geflogen (Urk. 53 S. 35). Darin ist nur eine 

andere Formulierung seiner Aussage bei der Polizei zu erblicken, wonach 

"C'._____" auf das Pissoir gefallen sei (D1 Urk. 5/9 F/A 53 S. 7). Zutreffend ist je-

doch, dass D._____ zum eigentlichen Kerngeschehen direkt nichts beitragen 

konnte oder wollte. Immerhin geht aus seinen Aussagen auch wieder hervor, dass 

C._____ v.a. mit dem "Grossen" beschäftigt gewesen sei (vgl. z.B. D1 Urk. 5/10 

F/A 16 S. 5). Auf Nachfrage bestätigte er schliesslich, dass sich der Beschuldigte 

und H._____ gegen Ende der Auseinandersetzung geschlagen hätten (auch 

wenn schwer vorstellbar ist, wie der Beschuldigte dies aus dem Schwitzkasten 

heraus hätte tun können; D1 Urk. 5/10 F/A 38 S. 8).

8.4.

Insgesamt erscheinen auch die Aussagen des Zeugen D._____ grundsätz-

lich glaubhaft.

9.

Aussagen von F._____

9.1. Hinsichtlich der Zusammenfassung der relevanten Aussagen von F._____ 

kann auf die Erwägungen im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 53 

S. 35 - 41; Art. 82 Abs. 4 StPO).

9.2.

F._____ erläuterte bei der Polizei relativ detailliert, was geschehen sei, be-

vor er im Club "B._____" angekommen sei. Hernach scheinen seine Aussagen 

zunächst jedoch relativ knapp und zusammenhanglos. Zwar gab er in Teilen Ge-

spräche wieder, es ist jedoch nicht erkennbar, in welchem Kontext diese stehen 

(D1 Urk. 5/2 F/A 5 - 10). Auffällig ist auch, dass er relativ früh erwähnte, der 

"Türke" habe ein Messer gehabt, ohne zu erläutern, in welchem Zusammenhang 

-  29  -

er davon erfahren habe. Ferner bestätigte er, dass E._____ und der "Albaner" an-

einander geraten seien (D1 Urk. 5/2 F/A 8 und 10 S. 2). Sodann mutet es speziell 

an, wenn F._____ hinsichtlich des Kerngeschehens, das er selbst beobachtet ha-

ben will, ausführte, H._____ "sprang dann aber auf ihn, um sich zu schützen" (D1 

Urk. 5/2 F/A 14 S. 3). Sodann sagte er wenig nachvollziehbar aus, H._____ habe 

gar nichts gemacht und habe das wiedergutmachen wollen. Auf die Frage, was 

der Geschädigte denn habe wiedergutmachen wollen, wusste F._____ keine 

schlüssige Antwort (D1 Urk. 5/2 F/A 17 - 19 S. 3). Weiter will F._____ den Ge-

schädigten vor dem Beschuldigten gewarnt und Letzteren aufgefordert haben, 

das Messer wegzulegen. Sodann will auch er einen Schwitzkasten beobachtet 

haben, wobei jedoch der Beschuldigte H._____ derart festgehalten habe (und 

nicht umgekehrt; D1 Urk. 5/2 F/A 20 S. 3). Auf Nachfrage gab F._____ an, beim 

"Albaner" kein Messer gesehen zu haben (D1 Urk. 5/2 F/A 23 S. 4). Dieser sei mit 

E._____ beschäftigt gewesen. Der "Türke" dagegen habe sich alleine um 

H._____ gekümmert (D1 Urk. 5/2 F/A 33 S. 5).

Nur nebenbei (da nicht unmittelbar das Kerngeschehen betreffend) ist zu erwäh-

nen, wie harmlos er das Verhalten von E._____ im Vergleich zu den Schilderun-

gen anderer darstellte (vgl. z.B. D1 Urk. 5/2 F/A 16 S. 3). Umgekehrt bezeichnete 

er den "Albaner" aus der gegnerischen Gruppe als voll komisch. Er glaube, dieser 

habe Drogen genommen. Auch der "Türke" sei so drauf gewesen. Er glaube, die-

ser habe ebenfalls Drogen genommen (D1 Urk. 5/2 F/A 36 S. 5). Der "Albaner" 

sei sinngemäss an allem Schuld. Er selber (F._____) sei jedoch zu allen wie ein 

Bruder gewesen (D1 Urk. 5/2 F/A 40 f. S. 6). Dieses Aussageverhalten deutet auf 

sehr parteiisch gefärbte Schilderungen hin.

9.3. Die Schilderungen von F._____ anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen 

Einvernahme fielen im freien Bericht weiterhin eher blass aus, bestätigten aber, 

dass der "Albaner" v.a. mit E._____ gestritten habe. Auch sonst wiederholte er im 

Wesentlichen seine bisher gemachten Aussagen (D1 Urk. 5/4 F/A 10 - 15 S. 3 - 

5). Insofern sagte er konsistent aus und gab durchaus auch zu, etwas nicht zu 

wissen oder nicht gesehen zu haben. Ausserdem korrigierte er sich, wenn ihm an 

anderer Stelle wieder etwas in den Sinn kam (vgl. z.B. D1 Urk. 5/4 F/A 36 f. S. 7). 

-  30  -

Insofern fielen seine Aussagen differenziert aus. Differenziert und zurückhaltend 

erscheint auch seine (allerdings erst auf Vorhalt deponierte) Äusserung, der Be-

schuldigte bzw. der "mit dem Messer" habe am Anfang auch keinen Stress gewollt 

und den "Albaner" von E._____ immer weggenommen (D1 Urk. 5/4 F/A 40 S. 8 

und F/A 49 S. 9).

9.4.

Insgesamt wirken die Aussagen von F._____ nicht a priori unglaubhaft, 

weisen aber mehr Warnsignale auf als andere Depositionen. Mit der entsprechen-

den Zurückhaltung können sie aber dennoch in die gesamte Beweiswürdigung 

einfliessen.

10.

Aussagen von E._____

10.1. Auf die vollständige und zutreffende Zusammenfassung der Aussagen von 

E._____ im vorinstanzlichen Urteil kann ohne Weiteres verwiesen werden 

(Urk. 53 S. 42 - 45; Art. 82 Abs. 4 StPO).

10.2. Auch hinsichtlich der Aussagewürdigung kann im Wesentlichen auf die Er-

wägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 53 S. 45 f.; Art. 82 Abs. 4 

StPO). Massgeblich ist, dass E._____ zum eigentlichen Kerngeschehen keine 

Aussagen machte. Sofern er aber die Schilderungen anderer Aussagepersonen 

bestätigte, kann dies zumindest als gewichtiges Indiz für deren Wahrheitsgehalt in 

die Gesamtwürdigung miteinfliessen. Das betrifft einerseits den Umstand, dass er 

(E._____) weitgehend mit C._____ beschäftigt gewesen sei, andererseits aber 

auch die Tatsache, dass auch D._____ bei dieser Auseinandersetzung zugegen 

gewesen sei.

11.

Aussagen von G._____

Hinsichtlich der Aussagen von G._____ kann mit der Vorinstanz im Ergebnis ge-

schlossen werden, dass diese nichts zur Klärung des relevanten Sachverhaltes 

beitragen (Urk. 53 S. 47) und daher bei der Gesamtwürdigung nicht miteinzube-

ziehen sind. Insofern ist nicht relevant, ob er tatsächlich nichts gesehen hatte oder 

bloss keine Aussagen machen wollte.

-  31  -

12.

Objektive Beweise

12.1. Mit Bezug auf die vorliegenden objektiven Beweismittel kann vollumfäng-

lich auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 53 

S. 14 - 17; Art. 82 Abs. 4 StPO). Die von H._____ erlittenen Verletzungen wurden 

denn auch nicht bestritten oder angezweifelt. Bestritten wurde auch nicht, dass 

sie ihm während der in Frage stehenden Auseinandersetzung durch den Einsatz 

eines Messers zugefügt wurden (vgl. dazu bereits vorne E. III.2.2.).

12.2. Sodann kann der Beschuldigte aufgrund der auf der Tatwaffe sichergestell-

ten DNA-Spuren als Täter nicht ausgeschlossen werden. Es steht fest, dass er 

mit der Tatwaffe in Berührung kam, wobei nebst den Spuren von H._____ auch 

noch solche von mindestens einer weiteren, unbekannten Person festgestellt wur-

den (D1 Urk. 8/10 S. 2).

12.3. Schliesslich wies der Beschuldigte an der Innenfläche seiner rechten Hand 

eine Schnittverletzung auf (vgl. im Detail hierzu Urk. 53 S. 15 mit Hinweisen auf 

D1 Urk. 6/1/2 S. 3 f. und D1 Urk. 8/8).

13.

Gesamtwürdigung

13.1. Vorbemerkungen

13.1.1.  Zunächst ist in Erinnerung zu rufen, dass keine der Aussagepersonen 

neutral und ohne Eigeninteressen ausgesagt haben dürfte. Das kann sich beson-

ders (aber nicht nur) in Auslassungen oder Bagatellisierungen hinsichtlich des ei-

genen Verhaltens oder des Verhaltens von nahestehenden Personen äussern, 

was nicht zwingend zu augenfälligen Warnsignalen innerhalb der Aussageanalyse 

führen muss.

13.1.2.  Weiter ist in Erinnerung zu rufen, dass es sich um ein unübersichtliches, 

sehr dynamisches und mutmasslich auch schnell ablaufendes Geschehen auf teil-

weise engem Raum handelte. Ungenaue Wahrnehmungen und/oder Wiederga-

ben von Wahrnehmungen, Verwechslungen sowie Erinnerungsfehler sind nicht 

ungewöhnlich, sodass selbst Personen, die nach bestem Wissen und Gewissen 

bemüht waren, die Wahrheit zu sagen, unterschiedliche Abläufe geschildert ha-

-  32  -

ben könnten. Insofern ist es ohne Weiteres möglich, dass mehrere glaubhaft ge-

schilderte Versionen vorliegen, die einander widersprechen. In solchen Konstella-

tionen ist in Nachachtung des Grundsatzes in dubio pro reo (Art. 10 Abs. 3 StPO) 

von derjenigen Version auszugehen, die für den Beschuldigten am günstigsten 

ist. Das muss jedoch – wie vorliegend – nicht zwingend zu einem Freispruch füh-

ren.

13.1.3.  Vorliegend sagten verschiedene Personen zum Peripherie- sowie zum 

Kerngeschehen vergleichsweise ähnlich glaubhaft aus. Dennoch divergieren die 

Aussagen teilweise erheblich. Einige Widersprüche lassen sich durch Missver-

ständnisse erklären (z.B. hinsichtlich der mutmasslich nicht beabsichtigten Belei-

digung von C._____), andere sind hingegen nur schwer nachvollziehbar (z.B. be-

treffend den Schwitzkasten, der teils gar nicht beobachtet wurde, teils zwar ge-

schildert wurde, jedoch bei drei Aussagepersonen in drei Versionen mit je unter-

schiedlichen Beteiligten).

Es gibt jedoch einige Elemente, die in allen Aussagen, die sich auf das Kernge-

schehen beziehen, übereinstimmen; und das trotz unterschiedlichem Aussagever-

halten und unterschiedlicher Interessenlage. Diese übereinstimmenden Schilde-

rungen ergeben trotz einiger Unsicherheiten zusammen genommen doch ein kla-

res Bild. Dieses wird nachstehend aufzuzeigen sein.

13.2.

Täterschaft des Beschuldigten

13.2.1.  Bei seiner Befragung anlässlich der Berufungsverhandlung räumte der 

Beschuldigte ein, dass er es gewesen sei, der dem Geschädigten die Stichverlet-

zung zugefügt habe. Dieses Zugeständnis deckt sich mit dem übrigen Beweiser-

gebnis. So kann auf der Grundlage des als gesichert zu betrachtenden Sachver-

haltes zunächst Folgendes unterstellt werden:

-

Der Täter war kein Dritter, der mit dem Streit der beiden Gruppen nichts zu 

tun hatte. Dafür gibt es keine Indizien und es wäre nicht planbar gewesen, 

sich den handgreiflichen Streit ad hoc zunutze zu machen, zumal im inneren 

-  33  -

Kern der Streitigkeit nur die Angehörigen der beiden Gruppen involviert wa-

ren.

-

Der Täter stammte nicht aus der Gruppe, der H._____ angehörte. Auch 

dazu gibt es keinerlei Hinweise. Entsprechende Motive sind nicht erkennbar 

und wurden von niemandem thematisiert. Zudem gilt auch hier, dass der 

Streit spontan entbrannte. Rein theoretisch ist zwar das Begleichen einer of-

fenen Rechnung innerhalb derselben Gruppe möglich. Allerdings erscheint 

diese Variante in der Tat nur theoretisch. Ausserdem ist sie unter Berück-

sichtigung sämtlicher Aussagen auszuschliessen (vgl. nachstehend).

Aufgrund dieser Überlegungen kommen ausschliesslich C._____, D._____ oder 

der Beschuldigte als Täter in Frage.

13.2.2.  Die beiden Erstgenannten (C._____ und D._____) können allerdings mit 

hinreichender Sicherheit als mögliche Täter ausgeschlossen werden. Gestützt auf 

die massgeblichen Aussagen von Personen aus beiden Lagern kann nämlich als 

gesichert angesehen werden, was folgt:

-

C._____ war in erster Linie mit E._____ beschäftigt und nicht mit H._____. 

Zudem berichtete niemand über eine direkte Involvierung von C._____ in die 

Auseinandersetzung mit H._____. Teilweise wurde eine solche sogar aus-

drücklich in Abrede gestellt, insbesondere von H._____ selber.

-

-

D._____ wurde ebenfalls von niemandem in einer Situation beobachtet, die 

seine Täterschaft nahe legen würde.

Sämtliche Beteiligten, die hierzu Aussagen machten, bestätigten (wenn auch 

unterschiedlich deutlich), dass es der Beschuldigte war, der unmittelbar vor 

und nach der Verwundung von H._____ als Einziger in dessen unmittelbarer 

Nähe war, mit ihm zuvor stritt bzw. kämpfte oder ihn im Schwitzkasten hatte.

13.2.3.  Bei gesamthafter Betrachtung verbleiben somit keine Zweifel daran, dass 

es der Beschuldige war, der den Geschädigten H._____ mit dem Messer ver-

letzte, zumal jede andere (auch nur theoretische) Täterschaft ausgeschlossen 

werden kann. Zudem wird dieses Resultat durch die sichergestellten DNA-Spuren 

-  34  -

auf dem Klappmesser plausibilisiert (vgl. D1 Urk. 8/10 S. 2). Auf das Geständnis 

des Beschuldigten hinsichtlich seiner Täterschaft kann folglich abgestellt werden. 

Im Übrigen ist der objektive Sachverhalt anerkannt und durch die erhobenen Be-

weise anklagegemäss erstellt (vgl. E. III.2.1. f.). 

13.3. Konkreter Ablauf

13.3.1.  Einleitend ist festzuhalten, dass sich die folgenden Erwägungen auf die 

Situation beziehen, als der Beschuldigte und H._____ im Toilettenraum miteinan-

der stritten bzw. in ein Gerangel verwickelt waren. Gestützt auf die übereinstim-

menden Aussagen des Beschuldigten und von C._____ ist eine Sachverhaltsvari-

ante denkbar, nach welcher der Beschuldigte das Messer zunächst nicht selbst in 

der Hand hielt, sondern eine andere Person dieses im Verlauf der tätlichen Aus-

einandersetzung hervornahm und aufklappte. Davon ist zugunsten des Beschul-

digten auszugehen (vgl. Art. 10 Abs. 3 StPO), wobei allerdings unklar bleibt, ob es 

der Geschädigte oder ein Angehöriger seiner Gruppe war, der das Messer behän-

digte. Entgegen den anderslautenden Vorbringen der amtlichen Verteidigung (vgl. 

Prot. II S. 20 f.) ist dieser Frage jedoch mangels Relevanz nicht weiter nachzuge-

hen. Weiter kann dem Beschuldigten nicht widerlegt werden, dass die Messer-

klinge zu einem gewissen Zeitpunkt gegen ihn gerichtet war und er sich infolge-

dessen bedroht fühlte bzw. mit einem unmittelbar bevorstehenden Angriff rech-

nete. Seine entsprechende Darstellung wird vielmehr durch die glaubhaften Aus-

sagen seines Kollegen C._____ gestützt, der ausführte, er habe den Beschuldig-

ten und einen "anderen" miteinander rangeln gesehen. Als er sich auf die beiden 

zubewegt habe, um sie zu trennen, habe er plötzlich gesehen, dass der "andere" 

ein Messer in der Hand gehalten habe (D1 Urk. 3/2/1 F/A 12 S. 3; D1 Urk. 3/2/2 

F/A 6 S. 4; D1 Urk. 3/2/3 F/A 8 S. 3). Zugunsten des Beschuldigten ist folglich da-

von auszugehen, dass das Messer bereits im Einsatz war, als lediglich der "an-

dere" und er in eine Auseinandersetzung miteinander verwickelt waren.

Den Aussagen von C._____ lässt sich sodann entnehmen, dass der "andere" das 

Messer auch gegen seinen Bauch gerichtet habe bzw. er (C._____) es zumindest 

so empfunden habe, als wolle der "andere" in seine Richtung zustechen (D1 

Urk. 3/2/1 F/A 12 S. 3; D1 Urk. 3/2/2 F/A 6 S. 4; D1 Urk. 3/2/3 F/A 8 S. 3, F/A 12 

-  35  -

und 16 S. 4). Auch der Beschuldigte erklärte anlässlich seiner polizeilichen Ein-

vernahme, der "Kleine", der Verletzte, habe C._____ angreifen wollen (D1 

Urk. 3/1/2 F/A 12 f. S. 2 f.), wobei er jedoch nicht präzisierte, ob der "Kleine" ein 

Messer in der Hand gehalten habe. Im weiteren Verlauf des Verfahrens erwähnte 

der Beschuldigte eine Angriffssituation mit Bezug auf seinen Kollegen nicht mehr. 

Angesichts des aufgeheizten, dynamischen und schnell ablaufenden Tatgesche-

hens ist es nicht auszuschliessen, dass die Messerklinge (auch) einmal gegen 

C._____ gerichtet war oder der Beschuldigte einen drohenden Messerangriff ge-

gen seinen Kollegen zumindest aus seiner Perspektive wahrzunehmen glaubte. 

Eine solche Sachverhaltsvariante würde sich auf die rechtliche Würdigung aller-

dings nicht wesentlich auswirken, weshalb darauf nicht näher einzugehen ist. 

13.3.2.  C._____ und der Beschuldigte schilderten sodann übereinstimmend, dass 

Letzterer sofort in die Klinge gegriffen habe, als er das Messer erblickt habe, und 

dieses seinem Kontrahenten habe abringen können. Diese Schilderungen lassen 

sich ohne Weiteres mit den Feststellungen im Gutachten zur körperlichen Unter-

suchung des Beschuldigten in Einklang bringen (D1 Urk. 6/1/2 S. 4), weshalb zu 

seinen Gunsten davon auszugehen ist, dass er sich die Schnittverletzung an der 

Innenseite seiner rechten Hand dadurch zuzog, dass er in die gegen ihn gerich-

tete Messerklinge fasste. Diese Reaktion spricht ebenfalls dafür, dass der Be-

schuldigte befürchtete, sein Kontrahent werde ihn mit dem Messer verletzen. 

13.3.3.  In der Folge setzte der Beschuldigte das unmittelbar zuvor abgerungene 

Messer zugestandenermassen gegen den Geschädigten ein und fügte diesem die 

dokumentierten und anklagegemäss erstellten Verletzungen zu. 

13.4. Subjektiver Sachverhalt

13.4.1.  Anlässlich der Berufungsverhandlung machte der Beschuldigte wiederholt 

geltend, er habe nicht bewusst zugestochen und niemanden verletzen wollen 

(Prot. II S. 10 f. und S. 14 f.; vgl. auch Urk. 36 S. 10). Dazu ist Folgendes auszu-

führen: Wenn der Beschuldigte – wie vorstehend dargelegt wurde – mit der rech-

ten Hand in die gegen ihn gerichtete Klinge griff, um seinem Kontrahenten das 

Messer abringen zu können, so musste er danach einen Griffwechsel vornehmen, 

-  36  -

um das Messer anschliessend mit der linken Hand und mit nach vorne bzw. von 

ihm weg gerichteter Klinge gegen den Geschädigten einzusetzen (der Beschul-

digte ist gemäss eigenen Angaben Linkshänder; Prot. II S. 11). Dieser Vorgang 

musste ganz bewusst erfolgt sein. Zur selben Einschätzung gelangt man, wenn 

man gestützt auf die Aussagen von C._____ davon ausgeht, dass der Beschul-

digte das Messer zunächst fallen liess, nachdem er es seinem Kontrahenten hatte 

wegnehmen können (D1 Urk. 3/2/1 F/A 12 S. 3; D1 Urk. 3/2/2 F/A 6 S. 4; 

D1 Urk. 3/2/3 F/A 8 S. 3 und F/A 32 S. 6), woran sich der Beschuldigte allerdings 

nicht erinnern konnte (Prot. II S. 18). Diese Sachverhaltsvariante würde bedingen, 

dass der Beschuldigte das auf den Boden gefallene Messer wieder aufheben und 

in die Hand nehmen musste, was ebenfalls eine ganz bewusste Handlung dar-

stellt. Daraus lässt sich schliessen, dass der Beschuldigte den Geschädigten 

auch bewusst und willentlich mit dem Messer in den Bauch stach, insbesondere 

wenn gemäss den vorstehenden Erwägungen davon auszugehen ist, dass er sich 

unmittelbar zuvor einem bevorstehenden Angriff mit einem Messer ausgesetzt 

sah bzw. einen solchen befürchtete. Von einer unbewussten und reflexartigen 

Beibringung der Stichverletzung ist dagegen nicht auszugehen.

13.4.2.  Weiter ist festzuhalten, dass sich aus der Lokalisation der Stichverletzung 

(Höhe Bauchnabel) ergibt, dass der Messerstich ausgeführt worden sein musste, 

als der Beschuldigte und der Geschädigte einander gegenüberstanden. Dies 

schliesst eine unbewusste Beibringung beim gemeinsamen Sturz auf den Boden 

aus. Auch die vom Beschuldigten vertretene Hypothese, wonach der Geschädigte 

versehentlich von selbst in die Messerklinge gelaufen sei (vgl. Prot. II S. 18 f.; 

Urk. 64 S. 18 f.), erscheint unplausibel. So sagte der Beschuldigte nicht aus, dass 

er das Messer mit der ausgeklappten Klinge zwecks Drohung bzw. zur Schaffung 

von Distanz vor sich gehalten habe. Dies wurde auch von sonst niemandem be-

obachtet. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte die räumlichen Verhältnisse im 

Toilettenraum als eng beschrieb und festhielt, es seien alle Personen aus den 

zwei gegnerischen Gruppen nahe beieinander gestanden. Vor diesem Hinter-

grund und angesichts der vagen, ausweichenden und wenig nachvollziehbaren 

Aussagen des Beschuldigten zur Frage, wie sich der Geschädigte auf ihn zube-

wegt haben soll (Prot. II S. 14 ff.), ist nicht davon auszugehen, dass die Stichver-

-  37  -

letzung auf diese Weise entstand. Nimmt man sodann an, dass es der Geschä-

digte war, der das Messer im Verlauf der Auseinandersetzung hervorgenommen 

und aufgeklappt hatte, so ist kaum davon auszugehen bzw. zu erwarten, dass er 

sich – nachdem der Beschuldigte ihm das Messer abringen konnte – mit ganzer 

Kraft auf seinen Kontrahenten stürzte, im Wissen darum, dass dieser nun ein 

Messer in der Hand hält. Letztlich ist darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte 

auch in der von ihm vertretenen Hypothese einen gewissen Gegendruck hätte ge-

ben müssen mit der Hand, in welcher er das Messer (notabene mit nach vorne 

gerichteter Klinge) hielt, was ausreichen würde für die Annahme, dass er die 

Stichverletzung des Geschädigten wissentlich und willentlich herbeiführte. Der an-

geklagte Sachverhalt lässt sich folglich insofern rechtsgenügend erstellen.

13.4.3.  Bei diesem Ergebnis der Beweiswürdigung ist nicht zu erwarten, dass die 

vom Beschuldigten beantragten Beweisergänzungen (vgl. vorne E. II.3.1.) zu 

neuen Erkenntnissen führen könnten, welche geeignet wären, die bereits gebil-

dete Überzeugung des Gerichts umzustossen bzw. zu ändern. Die Beweisanträge 

des Beschuldigten auf Nachstellung des Tathergangs im Rahmen einer Tatrekon-

struktion und auf Einholung von biomechanischen Gutachten zu Fragen im Zu-

sammenhang mit der Behändigung des Klappmessers durch den Beschuldigten 

und der Zufügung der Stichverletzung sind daher abzuweisen.

13.4.4.  Wie bereits die Vorinstanz zutreffend erkannt hat (Urk. 53 S. 56), gehört 

es zum Allgemeinwissen und bedarf keiner besonderen Intelligenz, um zu erken-

nen, dass ein Messerstich in den Bauch eines anderen Menschen zu Verletzun-

gen an lebenswichtigen Organen und/oder grossen Blutgefässen führen und letzt-

lich tödlich enden kann. Der Beschuldigte macht denn auch zu Recht nicht gel-

tend, dies sei ihm nicht bewusst gewesen. 

13.4.5.  Den Messerstich führte der Beschuldigte im Verlauf einer dynamischen 

und nach seiner Darstellung schnell ablaufenden Auseinandersetzung mit dem 

Geschädigten auf engem Raum aus. Unter Verweis auf die vorstehenden Erwä-

gungen ist davon auszugehen, dass er das Messer im Sinne einer unmittelbaren 

und bewussten Reaktion in den Bauch des Geschädigten stiess, nachdem er da-

mit bedroht worden war, in die gegen ihn gerichtete Klinge gegriffen hatte und das 

-  38  -

Messer auf diese Weise seinem Kontrahenten hatte entwenden können. In einer 

solchen Situation ist eine gezielt ungefährliche Führung des Klappmessers kaum 

möglich. Die Dynamik der Auseinandersetzung brachte es vielmehr mit sich, dass 

der Beschuldigte den gegen die Bauchregion geführten Messerstich weder be-

züglich der Einstichstelle noch bezüglich der Wucht kontrollieren bzw. dosieren 

konnte. Damit setzte er den Geschädigten einem hohen und ihm durchaus be-

wussten Risiko einer lebensgefährlichen oder tödlichen Verletzung aus. Dem Be-

schuldigten kann zwar nicht unterstellt werden, dass er den Geschädigten tat-

sächlich lebensgefährlich verletzen oder dessen Tod herbeiführen wollte. Den-

noch musste sich dem Beschuldigten die Möglichkeit einer tödlichen Verletzung 

des Geschädigten als derart wahrscheinlich aufdrängen, dass sein Handeln nicht 

anders als Inkaufnahme dieses Erfolgs ausgelegt werden kann. Auch das Bun-

desgericht hat wiederholt festgehalten, dass bei einem gegen den Bauch geführ-

ten Messerstich ohne Weiteres darauf geschlossen werden darf, dass der Täter 

den Tod seines Opfers in Kauf genommen hat (Urteil des Bundesgerichts 

6B_774/2020 vom 28. Juli 2021 E. 2.5 mit zahlreichen Hinweisen). Der ange-

klagte Sachverhalt ist somit auch in subjektiver Hinsicht erstellt.

IV. Rechtliche Würdigung

1.

Die Vorinstanz hat das angeklagte Verhalten des Beschuldigten zutreffend 

als versuchte vorsätzliche Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit 

Art. 22 Abs. 1 StGB gewürdigt. Auf ihre ausführlichen und überzeugenden Erwä-

gungen kann vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 53 S. 54 ff.; Art. 82 Abs. 4 

StPO). Es besteht kein Anlass zu Ergänzungen. 

2.

Wird jemand ohne Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem Angriff be-

droht, so ist der Angegriffene und jeder andere berechtigt, den Angriff in einer den 

Umständen angemessenen Weise abzuwehren (Art. 15 StGB; "rechtfertigende 

Notwehr"). Art. 16 StGB regelt die "entschuldbare Notwehr": Überschreitet der Ab-

wehrende die Grenzen der Notwehr nach Art. 15 StGB, so mildert das Gericht die 

Strafe (Abs. 1). Überschreitet der Abwehrende die Grenzen der Notwehr in ent-

-  39  -

schuldbarer Aufregung oder Bestürzung über den Angriff, so handelt er nicht 

schuldhaft (Abs. 2).

2.1. Notwehr setzt nach Art. 15 StGB unter anderem voraus, dass jemand an-

gegriffen wird oder unmittelbar mit einem Angriff bedroht ist. Diese Voraussetzung 

ist erfüllt, wenn ein Angriff unmittelbar bevorsteht oder schon begonnen hat, fehlt 

dagegen, wenn er bereits vorbei oder noch nicht zu erwarten ist. Der Angegriffene 

braucht freilich nicht zu warten, bis es zu spät ist, sich zu wehren. Dennoch ver-

langt die Unmittelbarkeit der Bedrohung, dass jedenfalls Anzeichen einer Gefahr 

vorhanden sind, die eine Verteidigung nahelegen. Solche Anzeichen liegen z.B. 

dann vor, wenn der Angreifer eine drohende Haltung einnimmt, sich zum Kampf 

vorbereitet oder Bewegungen macht, die in diesem Sinne gedeutet werden kön-

nen. Erforderlich ist zudem, dass die Tat zum Zwecke der Verteidigung erfolgt. 

Handlungen, die nicht zur Abwehr eines Angriffes unternommen werden, sondern 

blosser Rache oder Vergeltung entspringen, fallen nicht unter den Begriff der Not-

wehr. Dasselbe gilt für Handlungen, die darauf gerichtet sind, einem zwar mögli-

chen, aber noch unsicheren Angriff vorzubeugen, den potenziellen Gegner mithin 

"vorsorglich" kampfunfähig zu machen. Rechtmässiges Handeln setzt demnach 

voraus, dass sich der Täter der Notwehrlage bewusst war und mit dem Willen zur 

Verteidigung handelte (zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 7B_13/2021 vom 

5. Februar 2024 E. 3.3.1 mit Hinweisen).

Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen hat als erstellt zu gelten, dass der Be-

schuldigte und H._____ im Toilettenraum miteinander stritten bzw. in ein Geran-

gel verwickelt waren. Im Verlauf dieser tätlichen Auseinandersetzung nahm der 

Geschädigte oder eine andere Person aus seiner Gruppe plötzlich ein Messer 

hervor, klappte dieses auf und richtete die Klinge gegen den in jenem Moment un-

bewaffneten Beschuldigten. Die räumlichen Verhältnisse waren eng und die Be-

teiligten aus den zwei gegnerischen Gruppen standen nahe beieinander, sodass 

kaum Ausweichmöglichkeiten bestanden. Es ist nachvollziehbar, dass sich der 

Beschuldigte in dieser Situation bedroht fühlte bzw. mit einem unmittelbar bevor-

stehenden Angriff rechnete. Daran ändert nichts, dass er sich zusammen mit sei-

nen zwei Kollegen, C._____ und D._____, im Toilettenraum befand. So ist in Erin-

-  40  -

nerung zu rufen, dass es sich um ein unübersichtliches, sehr dynamisches und 

mutmasslich auch schnell ablaufendes Geschehen handelte. C._____ war zudem 

hauptsächlich in eine Konfrontation mit E._____ verwickelt. Der Beschuldigte 

stand dem Geschädigten somit in jenem Moment, als das aufgeklappte Messer 

gegen ihn gerichtet wurde, faktisch alleine resp. in Unterzahl gegenüber und 

konnte nicht darauf vertrauen, dass seine Kollegen rechtzeitig von sich aus be-

merken würden, dass er Unterstützung benötigte. Es bestanden somit konkrete 

Anzeichen für einen unmittelbar bevorstehenden Angriff gegen seine körperliche 

Integrität, die eine Verteidigung nahelegten. Dass das angeklagte Verhalten des 

Beschuldigten darauf ausgerichtet war, einem bloss möglichen und somit noch 

unsicheren Angriff zuvorzukommen, kann unter den gesamten Umständen nicht 

mehr angenommen werden. Eine Notwehrlage des Beschuldigten ist deshalb zu 

bejahen.

2.2. Die Abwehr in einer Notwehrsituation muss nach der Gesamtheit der Um-

stände als verhältnismässig erscheinen, wobei insbesondere der Schwere des 

Angriffs, der Art des Abwehrmittels und dessen tatsächlicher Verwendung sowie 

der durch den Angriff und die Abwehr bedrohten Rechtsgüter Rechnung zu tragen 

ist. Bei der Verwendung von gefährlichen Gegenständen zur Abwehr (Messer, 

Schusswaffen etc.) ist besondere Zurückhaltung geboten, da deren Einsatz stets 

die Gefahr schwerer oder gar tödlicher Verletzungen mit sich bringt. Angemessen 

ist die Abwehr, wenn der Angriff nicht mit weniger gefährlichen und zumutbaren 

Mitteln hätte abgewendet werden können, der Angreifer womöglich gewarnt 

wurde und der Abwehrende vor der Benutzung des gefährlichen Gegenstands 

das Nötige zur Vermeidung einer übermässigen Schädigung vorzukehren ver-

suchte (Urteil des Bundesgerichts 7B_13/2021 vom 5. Februar 2024 E. 3.3.3 mit 

Hinweisen).

Vorstehend wurde erstellt, dass der Beschuldigte sofort mit der rechten Hand in 

die Klinge griff, als er das gegen ihn gerichtete Messer erblickte, und dieses sei-

nem Angreifer abringen konnte. Damit hatte er die Gefahr eines Messerangriffs 

zumindest vorerst gebannt und vom Geschädigten bzw. den weiteren Angehöri-

gen der gegnerischen Gruppe nur noch körperliche Gewalt zu befürchten. Den-

-  41  -

noch nahm er das Messer hernach am Griff und mit nach vorne gerichteter Klinge 

in die linke Hand und stach damit unvermittelt und ohne vorherige Warnung auf 

der Höhe des Nabels in den Bauch des Geschädigten, der im Moment dieser Ab-

wehrhandlung unbewaffnet war. Selbst wenn es zutreffen sollte, dass der Ge-

schädigte erneut auf den Beschuldigten losgehen wollte, hätte Letzterer mittels 

Drohgebärden bzw. Zeigen des Messers eine Warnung aussprechen und dadurch 

Distanz schaffen können. Ebenso hätte er sich handgreiflich wehren können. In-

dem der Beschuldigte das Klappmesser unvermittelt und aus nächster Nähe mit 

einer Stichbewegung gegen den Bauch des Geschädigten führte, setzte er sich in 

krass unverhältnismässiger Weise zur Wehr. Seine Reaktion auf die Notwehrsi-

tuation ist daher als Notwehrexzess im Sinne von Art. 16 Abs. 1 StGB zu qualifi-

zieren.

2.3. Ein Notwehrexzess ist entschuldbar, wenn es dem Täter aufgrund der Auf-

regung oder Bestürzung über den Angriff nicht möglich war, besonnen und ver-

antwortlich zu reagieren. Wird das Notwehrrecht erheblich überschritten, muss die 

Aufregung oder Bestürzung des Täters über den Angriff schwerwiegend gewesen 

sein, um annehmen zu können, eine besonnene und verantwortliche Reaktion, 

namentlich mit milderen Mitteln, wäre diesem nicht möglich gewesen. Das Gericht 

hat einen umso strengeren Massstab anzulegen, je mehr die Reaktion des Täters 

den Angreifer verletzt oder gefährdet (Urteil des Bundesgerichts 7B_13/2021 vom 

5. Februar 2024 E. 3.5.2 mit Hinweisen). 

Es ist nachvollziehbar, dass der Beschuldigte durch den plötzlichen Einsatz eines 

Klappmessers im Verlauf seines Streits bzw. Gerangels mit dem Geschädigten 

überrascht wurde (vgl. Prot. II S. 14 f. und S. 25). Dennoch erreicht seine Überra-

schung bzw. Bestürzung nicht die von Art. 16 Abs. 2 StGB geforderte Intensität 

und erscheint auch nicht entschuldbar, ganz besonders unter Berücksichtigung 

der konkreten Umstände, welche zur verfahrensgegenständlichen Auseinander-

setzung im Toilettenraum führten. So war es im Verlauf des Abends bereits auf 

der Tanzfläche und im Fumoir des Clubs "B._____" zu mehreren Diskussionen 

zwischen C._____ und E._____ gekommen. Als die beiden Kontrahenten und ihre 

jeweiligen Kollegen (zu denen auch der Beschuldigte und der Geschädigte gehör-

-  42  -

ten) im Toilettenraum ein weiteres Mal aufeinandertrafen, eskalierte die Situation 

und es blieb nicht mehr nur bei Diskussionen, sondern kam auch zu Schubse-

reien. Unter dem Eindruck der aggressiven und gewaltbereiten Stimmung unter 

den Angehörigen der zwei gegnerischen Gruppen, welche sich über den Verlauf 

des Abends hinweg stetig gesteigert hatte, musste der Beschuldigte zumindest 

mit der Möglichkeit rechnen, dass es zu gegenseitigen Aggressionen kommen 

könnte, welche auch gegen ihn gerichtet sein könnten, zumal er gemäss eigenen 

Aussagen immer wieder versucht hatte, schlichtend einzugreifen. Ausserdem war 

die Gefahr, gestochen zu werden, zum Tatzeitpunkt bereits gebannt. Nach dem 

Erwogenen erscheint die Aufregung bzw. Bestürzung des Beschuldigten über den 

Umstand, dass er sich einem unmittelbar bevorstehenden Angriff mit einem 

Klappmesser ausgesetzt sah, nicht als derart schwerwiegend, um annehmen zu 

können, eine besonnene und verantwortliche Reaktion wäre ihm nicht möglich ge-

wesen. Unter Hinweis auf die vorstehenden Erwägungen wäre vom Beschuldigten 

vielmehr zu erwarten gewesen, dass er trotz seiner Emotionen von einem soforti-

gen Zustechen abgesehen und das Messer nur drohend vorgehalten bzw. seinen 

Gegner gewarnt hätte. Naheliegend wäre auch gewesen, wenn er sich handgreif-

lich gewehrt hätte. Von einem entschuldbaren Notwehrexzess im Sinne von Art. 

16 Abs. 2 StGB ist deshalb nicht auszugehen.

3.

Im Ergebnis ist der Beschuldigte der versuchten vorsätzlichen Tötung im 

Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und Art. 16 Abs. 1 

StGB schuldig zu sprechen.

V. Strafzumessung und Vollzug

1.

Strafrahmen / Allgemeine Strafzumessungsregeln

1.1. Die Vorinstanz hat den ordentlichen Strafrahmen für das zu sanktionie-

rende Delikt korrekt mit mindestens 5 bis zu 20 Jahren Freiheitsstrafe abgesteckt 

(Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 40 Abs. 2 StGB) und die allgemeinen Straf-

zumessungsregeln zutreffend dargelegt. Dies muss nicht wiederholt werden 

(Urk. 53 S. 57 - 61).

-  43  -

1.2. Ergänzend und leicht korrigierend ist auszuführen, dass Art. 111 StGB das 

Leben eines Menschen schützt, mithin das höchste aller Rechtsgüter. Der mit der 

Tötung als solcher verbundene Unrechtsgehalt kann jedoch – anders als etwa bei 

einer Körperverletzung – nicht abgestuft werden, so dass aus der Rechtsgutver-

letzung allein nichts für die Strafzumessung abgeleitet werden kann (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1038/2017 vom 31. Juli 2018 E. 2.6.1). Die objektive 

Tatschwere bestimmt sich damit zunächst anhand des äusseren Tathergangs und 

der Tatumstände, inklusive der unmittelbaren Vorbereitungshandlungen sowie 

des unmittelbaren Nachtatverhaltens. Eine Bewertung des objektiven Tatverschul-

dens rein anhand der äusseren, aus jeglichem Kontext gelösten Geschehnisse – 

gleichsam aus der Sicht eines unwissenden Beobachters – wäre indessen mit der 

tatbeständlichen Struktur der Tötungsdelikte nicht vereinbar. Bei Totschlag 

(Art. 113 StGB) und bei Mord (Art. 112 StGB) kennzeichnen gerade auch subjek-

tive Elemente (eine entschuldbare heftige Gemütsbewegung oder eine grosse 

seelische Belastung bzw. eine besondere Skrupellosigkeit) den privilegierten bzw. 

den qualifizierten Tatbestand. Subjektive Merkmale wie Motive, Beweggründe und 

Absichten des Täters sind deshalb implizit auch beim hier einschlägigen Grundtat-

bestand des Art. 111 StGB massgeblich, wenn es um die Festlegung der objekti-

ven Tatschwere geht. Diese bestimmt sich mit anderen Worten anhand aller Tat-

komponenten, welche einem gesetzlichen Tatbestandsmerkmal – namentlich mit 

Blick auf eine mögliche Privilegierung (Art. 113 StGB) oder Qualifikation (Art. 112 

StGB) – zuzuordnen sind. Solche bereits für die rechtliche Würdigung relevanten 

subjektiven Merkmale sind nach der Konzeption der Tötungstatbestände deshalb 

von Beginn weg – trotz ihrer an sich subjektiven Qualität – also ausnahmsweise 

bereits unter dem Titel der objektiven Tatschwere zu berücksichtigen (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1038/2017 vom 31. Juli 2018 E. 2.6.1; Urteil des Obergerichts 

des Kantons Zürich vom 8. September 2020, Geschäfts-Nr. SB190588, E. IV.4.1). 

Darin liegt im Übrigen kein Verstoss gegen das Doppelverwertungsverbot. Um-

stände, welche bei einem Schuldspruch wegen Totschlags (Art. 113 StGB) oder 

Mordes (Art. 112 StGB) für die privilegierte bzw. qualifizierte Tatbestandsvariante 

und den damit einhergehenden veränderten Strafrahmen begründend waren, dür-

fen zwar nicht zusätzlich verschuldens- bzw. straferhöhend oder -mindernd veran-

schlagt werden. Innerhalb des durch den qualifizierten oder privilegierten Tatbe-

-  44  -

stand gesetzten Strafrahmens spiegelt sich das konkrete Ausmass der betreffen-

den Faktoren aber in der – quantifizierenden – Strafzumessung wieder (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1038/2017 vom 31. Juli 2018 E. 2.6.1). Solche Faktoren, die 

für oder gegen eine Privilegierung bzw. Qualifikation sprechen, können bei der 

Strafzumessung sodann umso mehr berücksichtigt werden, wenn wie hier ein 

Schuldspruch im Sinne des Grundtatbestands (Art. 111 StGB) ergeht, da sie nicht 

bereits zu einer Veränderung des Strafrahmens geführt haben.

1.3. Hinsichtlich der Berücksichtigung des Versuchs führt die Vorinstanz zu 

Recht aus, dass das Ausmass der gesetzlich vorgesehenen Strafreduktion (vgl. 

Art. 22 Abs. 1 StGB) von der Nähe des tatbestandsmässigen Erfolgs und von der 

Schwere der tatsächlichen Folgen der Tat abhängt. Die Reduktion der Strafe hat 

mit anderen Worten umso geringer auszufallen, je näher der tatbestandsmässige 

Erfolg und je schwerwiegender die tatsächlichen Folgen der Tat waren (BGE 121 

IV 49 E. 1.b; Urk. 53 S. 61). Relevant ist auch, ob der Beschuldigte seine Tat zu 

Ende geführt hat.

1.4.

Für die Überschreitung der Grenzen der Notwehr im Sinne von Art. 16 

Abs. 1 StGB wird ebenfalls eine Strafreduktion vorzunehmen sein.

2.

Einsatzstrafe

2.1. Die von der Vorinstanz aufgeführten Aspekte, welche unter dem Titel der 

objektiven Tatschwere behandelt wurden, wirken eher wie solche, die bei der Be-

urteilung des Versuchs von Bedeutung sein könnten und nicht für die Gewichtung 

der Tatschwere der vorsätzlichen Tötung (Urk. 53 S. 59). Entsprechend ist zu er-

gänzen, dass der Beschuldigte zwar nur einmal zustach und die zu beurteilende 

Tat insofern schnell ausführte. Sein Vorgehen war aber von grosser Brutalität ge-

prägt, wovon die erlittenen Verletzungen des Geschädigten zeugen. Der Todes-

eintritt hätte sich fraglos über längere Zeit hingezogen und wäre mit erheblichen 

Schmerzen verbunden gewesen. Verschuldenserhöhend ist sodann zu gewich-

ten, dass der Beschuldigte unvermittelt und ohne Vorwarnung im Rahmen eines 

dynamischen Geschehens zustach. Der Geschädigte war im Moment des Mes-

serangriffs unbewaffnet, was das Vorgehen des Beschuldigten zusätzlich verwerf-

-  45  -

lich erscheinen lässt. Dennoch ist zu berücksichtigen, dass der Geschädigte 

durch den Einsatz eines gefährlichen Klappmessers nicht völlig überrascht wurde, 

zumal er selber oder ein Angehöriger seiner Gruppe dieses im Rahmen seines 

Streits bzw. Gerangels mit dem Beschuldigten hervorgenommen und aufgeklappt 

hatte. Unter Berücksichtigung der grossen Bandbreite von Handlungen, die unter 

den Tatbestand von Art. 111 StGB fallen können, sind nach dem Erwogenen auch 

weitaus schwerwiegendere Vorgehensweisen vorstellbar. 

2.2. Mit der Vorinstanz ist verschuldensmindernd anzunehmen, dass die Tat 

nicht geplant war und aus einer aufgeheizten Stimmung heraus entstanden war. 

Sodann ist nicht ganz auszuschliessen, dass der Geschädigte H._____ für die Es-

kalation der tätlichen Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten mitverantwort-

lich war. Erschwerend zu veranschlagen ist dagegen mit der Vorinstanz der nich-

tige Anlass der Tat (Urk. 53 S. 60). Dass der Beschuldigte "bloss" eventualvor-

sätzlich handelte, vermag sich nicht merklich auf die Gewichtung der Tatschwere 

auszuwirken, da er die Möglichkeit einer tödlichen Verletzung des Geschädigten 

unter den gegebenen Umständen als derart wahrscheinlich voraussehen musste, 

dass sein Handeln eher an der Grenze zum direkten Vorsatz erscheint.

2.3. Unter Einbezug dieser Erwägungen liegt das Verschulden leicht unterhalb 

der Mitte des ordentlichen Strafrahmens für eine vollendete Tötung und kann ent-

gegen der Vorinstanz nicht als leicht bezeichnet werden (vgl. Urk. 53 S. 61). Bei 

einem vollendeten Delikt wäre die Einsatzstrafe bei 10 Jahren Freiheitsstrafe an-

zusiedeln.

3.

Strafmilderung zufolge Versuchs und zufolge Notwehrexzesses

3.1. Da es bloss bei einem Versuch blieb, ist die Einsatzstrafe zu mildern. Aller-

dings liegen hinsichtlich der relevanten Faktoren, aufgrund welcher das Ausmass 

der Strafreduktion zu bestimmen ist, kaum mildernde Umstände vor:

-

-

Die konkreten Tatfolgen waren erheblich. Zur Bannung der Lebensgefahr 

war eine Notoperation von H._____ notwendig (D1 Urk. 6/1/3 S. 5).

Der Erfolgseintritt lag nahe (D1 Urk. 6/1/3 S. 5 letzter Absatz).

-  46  -

-

Der Beschuldigte unternahm nichts, dass die Tat im Versuchsstadium ste-

cken blieb, sondern führte seine Handlung vollständig aus.

Bei dieser Betrachtungsweise erscheint die vorgenommene Strafreduktion der 

Vorinstanz im Umfang von ca. 20 % im Ergebnis richtig (Urk. 53 S. 62). Unter Be-

rücksichtigung des Versuchs ist die Einsatzstrafe folglich bei 8 Jahren Freiheits-

strafe festzusetzen.

3.2. Eine weitere Strafreduktion ist dafür vorzunehmen, dass sich der Beschul-

digte bei Verübung der Tat in einer Notwehrsituation befand, welche ihn zum Ein-

satz des Messers gegen den Geschädigten veranlasste. Dennoch ist zu berück-

sichtigen, dass der Beschuldigte seinem Angreifer das Messer mit einem Griff in 

die Klinge abringen konnte. Damit hatte er die Gefahr eines Messerangriffs zu-

mindest vorerst gebannt und vom Geschädigten bzw. den weiteren Angehörigen 

der gegnerischen Gruppe nur noch körperliche Gewalt zu befürchten. Dennoch 

stach er damit unvermittelt und ohne vorherige Warnung in den Bauch des Ge-

schädigten, der im Moment dieser Abwehrhandlung unbewaffnet war. Mit dieser 

Reaktion setzte sich der Beschuldigte in krass unverhältnismässiger Weise zur 

Wehr, selbst wenn es zutreffen sollte, dass der Geschädigte erneut auf ihn losge-

hen wollte. Vom Beschuldigten wäre besondere Zurückhaltung zu erwarten gewe-

sen, da er zu seiner Verteidigung ein Klappmesser und damit einen gefährlichen 

Gegenstand einsetzte, welcher die Gefahr schwerer oder sogar tödlicher Verlet-

zungen mit sich brachte. Aufgrund der massiven Überschreitung der Grenzen der 

Notwehr ist lediglich eine geringe Strafreduktion im Umfang von rund 10 % ange-

zeigt, woraus eine Einsatzstrafe von 7 Jahren Freiheitsstrafe resultiert. 

4.

Täterkomponente

4.1. Hinsichtlich der Lebensgeschichte des Beschuldigten kann auf die vorin-

stanzlichen Erwägungen verwiesen werden (Urk. 53 S. 62 f.; vgl. auch Prot. II 

S. 6 f.). Demgemäss wurde er in einem Grenzort von Iran und Irak geboren und 

wuchs anschliessend in der Türkei auf. Dort besuchte er die Schule bis zur 

4. Klasse. Aus familiären Gründen entschied sich seine Familie, aus der Türkei in 

die Schweiz zu migrieren. Hier absolvierte der Beschuldigte die restliche Schulzeit 

-  47  -

und schloss nach der Oberstufe eine Lehre als Coiffeur ab. Im Alter von 17 oder 

18 Jahren wurde ihm die Schweizer Staatsangehörigkeit erteilt. Die Eltern des Be-

schuldigten, eine Schwester und seine drei älteren Brüder leben ebenfalls in der 

Schweiz. Im Iran lebt eine weitere Schwester des Beschuldigten – zu ihr pflegt er 

ebenfalls Kontakt. Der Beschuldigte spricht Türkisch, Kurdisch, Persisch und 

Deutsch. 

Zu seinen persönlichen Verhältnissen aktualisierte der Beschuldigte anlässlich 

der Berufungsverhandlung, dass er nunmehr verheiratet sei mit J._____. Sie ist 

die Mutter seines Sohnes, der im Jahr 2021 geboren wurde. Der Beschuldigte 

gab weiter an, dass er noch immer im Coiffeursalon seines Bruders arbeite und 

eine Weiterbildung abgeschlossen habe, welche ihn zur Ausbildung von Lehrlin-

gen befähige. Bei einem seiner Brüder sei er im Betrag von etwa Fr. 18'000.– ver-

schuldet. Diesbezüglich leiste er monatliche Abzahlungen von Fr. 200.– bis 

Fr. 500.–. Über Vermögen verfüge er nicht (Prot. II S. 7 f.; vgl. auch Prot. II S. 24).

Das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten sind mit der 

Vorinstanz als neutral zu werten und haben daher keinen Einfluss auf das Straf-

mass.

4.2. Hinsichtlich der erwirkten Vorstrafe des Beschuldigten, welche bereits 

7 Jahre zurückliegt, kann den Erwägungen der Vorinstanz ebenfalls gefolgt wer-

den, wonach diese – insbesondere mit Rücksicht auf die heute zu beurteilende 

Tat – dermassen in den Hintergrund tritt, dass sich eine Straferhöhung nicht 

rechtfertigt (Urk. 53 S. 63).

4.3. Dass sich der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung gestän-

dig zeigte und zugab, dass er dem Geschädigten die Stichverletzung zugefügt 

habe, vermag sich nicht merklich strafmindernd auszuwirken. So stellte der Be-

schuldigte den subjektiven Sachverhalt in Abrede und machte (eventualiter) eine 

rechtfertigende oder zumindest entschuldbare Notwehr geltend. Das späte Teilge-

ständnis anlässlich der Berufungsverhandlung führte somit nicht zu einer wesent-

lichen Erleichterung des Verfahrens. Dem Beschuldigten ist jedoch zugute zu hal-

ten, dass er sich bei H._____ entschuldigte und diesem als Wiedergutmachung 

-  48  -

einen Betrag von Fr. 18'000.– bezahlte, womit eine Aussöhnung stattfand. Dies 

geht aus einer undatierten Erklärung des Geschädigten hervor, die der amtliche 

Verteidiger im Verlauf des Berufungsverfahrens zu den Akten reichte (Urk. 61 f.). 

Dem positiven Nachtatverhalten des Beschuldigten ist mit einer Strafreduktion im 

Umfang von einem Jahr Freiheitsstrafe Rechnung zu tragen.

5.

Fazit Strafzumessung / Vollzug

5.1.

Im Ergebnis ist die von der Vorinstanz ausgefällte Freiheitsstrafe von 

6 Jahren zu bestätigen. Da die Dauer der Freiheitsstrafe 3 Jahre übersteigt, 

kommt der (teilweise) Aufschub des Strafvollzugs nicht in Betracht (vgl. Art. 42 

Abs. 1 und Art. 43 Abs. 1 StGB). Die Freiheitsstrafe ist daher zu vollziehen. 

5.2. Der Anrechnung der erstandenen Haft von 146 Tagen steht nichts im 

Wege (Art. 51 StGB; D1 Urk. 15/1+16). 

VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Beschuldigte für die Untersu-

chung und das gerichtliche Verfahren beider Instanzen kostenpflichtig. Die erstin-

stanzliche Kostenauflage gemäss Dispositivziffer 11 ist daher zu bestätigen 

(Art. 428 Abs. 3 StPO in Verbindung mit Art. 426 Abs. 1 StPO). Sodann sind dem 

Beschuldigten die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen sei-

ner amtlichen Verteidigung, vollumfänglich aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). 

Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind unter Vorbehalt der Rückzahlungs-

pflicht des Beschuldigten nach Art. 135 Abs. 4 StPO auf die Gerichtskasse zu neh-

men.

2.

Die amtliche Verteidigung macht für das Berufungsverfahren Aufwendun-

gen und Barauslagen von insgesamt Fr. 9'082.40 geltend (Urk. 65). Die verlangte 

Entschädigung erweist sich der Schwierigkeit und Bedeutung des vorliegenden 

Falls sowie dem notwendigen Zeitaufwand für die gehörige Verteidigung des Be-

schuldigten angemessen. Unter Hinzurechnung von rund 4 ½ Stunden für die 

Dauer der Berufungsverhandlung (vgl. Prot. II S. 3 und S. 28) und eine Nachbe-

sprechung des Berufungsurteils mit dem Beschuldigten, ist der amtlichen Verteidi-

-  49  -

gung eine Entschädigung von gerundet Fr. 10'500.– (inkl. Mehrwertsteuer) zuzu-

sprechen.

Es wird beschlossen:

1.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Dielsdorf, II. Abtei-

lung, vom 27. Juli 2023 bezüglich der Dispositivziffern 4 bis 7 (Entscheide 

über beschlagnahmte Gegenstände und Spurenmaterial) sowie 8 bis 

10 (Kostenfestsetzung) in Rechtskraft erwachsen ist.

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig der versuchten vorsätzlichen Tötung 

im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und Art. 

16 Abs. 1 StGB.

2.

Der Beschuldigte wird bestraft mit 6 Jahren Freiheitsstrafe, wovon 146 Tage 

3.

4.

5.

durch Haft erstanden sind.

Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.

Die erstinstanzliche Kostenauflage (Dispositivziffer 11) wird bestätigt.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

4'000.– ; die weiteren Kosten betragen:

10'500.–   amtliche Verteidigung (inkl. 8,1 % MWST).

6.

Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtli-

chen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der 

amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen. Die Rück-

zahlungspflicht des Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vor-

behalten.

7. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an

-  50  -





die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten (übergeben)

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 

sowie in vollständiger Ausfertigung an





die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an











die Vorinstanz

das Amt für Justizvollzug und Wiedereingliederung des Kantons Zürich, 
Abteilung Bewährungs- und Vollzugsdienste

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung 
des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks Löschung 
des DNA-Profils 

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A

die K._____ AG, … [Adresse] (im Dispositiv und unter Hinweis auf die 
Dossier-Nr. 22.21.3258 - br).

8. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsa-

chen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der I. strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsge-

setzes.

-  51  -

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer

Der Präsident:

Die Gerichtsschreiberin:

Oberrichter lic. iur. Spiess

MLaw Boese