# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e216654b-7afd-57ff-b22b-6c1101054571
**Source:** Wettbewerbskommission ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-05-08
**Language:** de
**Title:** Service Après-Vente für Uhren: Schlussbericht vom 8. Mai 2018
**Docket/Reference:** service_apres_vente_fuer_uhren_schlussbericht_vom_
**URL:** https://www.weko.admin.ch/dam/weko/de/dokumente/2020/schlussbericht_vom_8._mai_2018_zur_vorabklaerung_zum_service_apres_vente_fuer_uhren.pdf.download.pdf/service_apres_vente_fuer_uhren_schlussbericht_vom_8.mai_2018.pdf

## Full Text

Wettbewerbskommission WEKO 
Commission de la concurrence COMCO 
Commissione della concorrenza COMCO 
Competition Commission COMCO 

[Hinweis: Dieses Dokument ist zum Schutz von Amts- und Geschäftsgeheimnissen anonymisiert.] 

Schlussbericht des Sekretariats der WEKO 
vom 8. Mai 2018 

in Sachen Vorabklärung gemäss Art. 26 KG betreffend 

32-0256: Service Après-Vente für Uhren 

wegen allenfalls unzulässigen Wettbewerbsbeschränkungen i.S.v. Art. 5 oder 7 KG 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Inhaltsverzeichnis 

A 

Sachverhalt ................................................................................................................ 4 

A.1  Gegenstand ................................................................................................................. 4 
A.2  Verfahren ..................................................................................................................... 4 
A.3  Marktbefragungen ........................................................................................................ 5 
A.3.1 
Uhrenhersteller ........................................................................................................ 5 
Definition SAV........................................................................................................................ 5 
Ausgestaltung des SAV ......................................................................................................... 6 
[Uhrenhersteller] ...................................................................................................... 6 
A.3.1.1 
[Uhrenhersteller] ...................................................................................................... 7 
A.3.1.2 
[Uhrenhersteller] ...................................................................................................... 8 
A.3.1.3 
[Uhrenhersteller] .................................................................................................... 10 
A.3.1.4 
[Uhrenhersteller] .................................................................................................... 10 
A.3.1.5 
A.3.1.6 
[Uhrenhersteller] .................................................................................................... 12 
A.3.1.7  Übersicht ............................................................................................................... 13 
A.3.2  Marktgegenseite .................................................................................................... 14 
A.3.2.1  Unabhängige Uhrmacherinnen und Uhrmacher .................................................... 14 
A.3.2.2  Wiederverkäufer .................................................................................................... 15 
[Wiederverkäufer] ................................................................................................................ 15 
[Wiederverkäufer]  ............................................................................................................... 16 
[Wiederverkäufer] ................................................................................................................ 16 
[Wiederverkäufer] ................................................................................................................ 17 
[Wiederverkäufer] ................................................................................................................ 17 
[Wiederverkäufer] ................................................................................................................ 18 
[Wiederverkäufer] ................................................................................................................ 18 
[Verband] .............................................................................................................. 19 
A.3.2.3 
A.3.3 
Erkenntnisse der Marktbefragungen ...................................................................... 20 
A.4  Verfahren in der EU ................................................................................................... 21 

B 

Erwägungen ............................................................................................................. 22 

B.1  Geltungsbereich ......................................................................................................... 22 
B.2  Vorbehaltene Vorschriften ......................................................................................... 23 
B.3  Unzulässige Wettbewerbsabreden ............................................................................. 23 
B.3.1  Wettbewerbsabrede .............................................................................................. 23 
Erhebliche Wettbewerbsabreden i.S.v. Art. 5 Abs. 1 KG ....................................... 24 
B.3.2 
B.3.2.1  Unerheblichkeit von rein qualitativem Selektivvertrieb ........................................... 25 
B.3.2.2  Marktabgrenzung .................................................................................................. 30 
B.3.2.2.1.  Markabgrenzungen im Verfahren der EU-Kommission ...................................... 30 
B.3.2.2.2.  Provisorische Marktabgrenzung ........................................................................ 32 
B.3.2.2.3.  Zwischenfazit .................................................................................................... 35 
B.3.2.3  Erheblichkeit – quantitatives Element .................................................................... 35 
B.3.2.4  Keine Unerheblichkeit aufgrund der Marktanteile .................................................. 35 
B.3.2.5  Keine Rechtfertigung ohne Einzelfallprüfung ......................................................... 36 

2 

 
 
 
 
 
 
B.3.2.6  Vorliegen von erheblichen Wettbewerbsabreden i.S.v. Art. 5 Abs. 1 KG ............... 36 
B.3.2.7  Rechtfertigung aus Gründen der wirtschaftlichen Effizienz i.S.v. Art. 5 Abs. 2 KG . 36 
B.3.2.8  Verfahren der EU-Kommission .............................................................................. 37 
B.3.2.9  Zwischenfazit ........................................................................................................ 37 
B.4  Unzulässige Verhaltensweisen marktbeherrschender Unternehmen i.S.v. Art .7 KG? 38 
B.4.1  Marktbeherrschende Stellung ................................................................................ 38 
B.4.2  Missbräuchliche Verhaltensweisen marktbeherrschender Unternehmen ............... 39 
Verfahren der EU-Kommission .............................................................................. 40 
B.4.3 
Zwischenfazit ........................................................................................................ 40 
B.4.4 

C 

Erkenntnisse ............................................................................................................ 41 

3 

 
 
 
 
 
 
  
A 

Sachverhalt 

A.1  Gegenstand 

Beim Sekretariat der Wettbewerbskommission (nachfolgend: Sekretariat) gingen Be-
1. 
schwerden ein, mit denen moniert wurde, dass Nachverkaufsdienstleistungen für Uhren (nach-
folgend: SAV) nicht durch unabhängige Uhrmacherinnen und Uhrmacher vorgenommen wer-
den könnten, da diese nicht mit hierfür erforderlichen Ersatzteilen beliefert würden. Dies habe 
zur Folge, dass die an Uhren erforderlichen Arbeiten von den Uhrenherstellern bzw. von ihnen 
autorisierten Partnern durchgeführt werden müssten, was in preislicher Hinsicht erheblich teu-
rer sei, als wenn dies unabhängige Uhrmacherinnen und Uhrmacher tun würden. Zudem wür-
den letztere davon abgehalten, SAV-Dienstleistungen zu erbringen, den unabhängigen Uhr-
macherinnen und Uhrmacher würde die Existenzgrundlage entzogen.1 

A.2 

Verfahren 

2. 
Das Sekretariat nahm die Beschwerden zur Kenntnis, verzichtete jedoch zunächst auf 
die  Ergreifung  von  Ermittlungsmassnahmen,  weil  die  Untersuchungen  in  Sachen  Swatch 
Group Lieferstopp (32-0224) sowie ETA SA Preiserhöhungen (32-0216) noch hängig waren. 
Nach Abschluss dieser beiden Untersuchungen im Jahr 2013 (Lieferstopp) und 2014 (Preis-
erhöhungen) entschied das Sekretariat, den Beschwerden betreffend den SAV nachzugehen, 
und eröffnete am 24. Oktober 2014 eine Vorabklärung i.S.v. Art. 26 KG2. 

Gleichentags verschickte das Sekretariat Fragebögen an die folgenden Unternehmen 

3. 
bzw. Unternehmensgruppen: […]. 

4. 
Den  genannten  Unternehmen  wurden  verschiedene  Fragen  im  Zusammenhang  mit 
dem SAV gestellt, so namentlich zur Organisation, zur Revision und zu Reparaturen von Uh-
ren. Das Sekretariat beabsichtigte mit den gestellten Fragen herauszufinden, welche Arbeiten 
im Rahmen einer Revision oder einer Reparatur an einer Uhr vorgenommen werden, wer diese 
ausführt und wieviel die entsprechenden Leistungen kosten. Daneben wollte das Sekretariat 
wissen, welche Ersatzteile die befragten Unternehmen selber herstellen, d.h. welche marken-
spezifisch sind, und zu welchen Bedingungen die entsprechenden Teile an Wiederverkäufer 
oder Uhrmacherinnen und Uhrmacher geliefert werden. Daneben wurde insbesondere die Ein-
reichung von Unterlagen (u.a. Vertriebsverträge) verlangt. 

5. 
Die umfangreichen Antworten der Unternehmen wurden vom Sekretariat ausgewertet. 
Dabei stellte sich heraus, dass alleine gestützt auf die Angaben der befragten Unternehmen 
keine zuverlässige Beurteilung der Sachlage vorgenommen werden konnte. Einerseits waren 
die  Antworten  teilweise  unvollständig,  andererseits  fehlten  auch  Angaben  der  Marktgegen-
seite, ohne die eine Verifizierung der Angaben der befragten Unternehmen nicht möglich war. 
Angesichts  dieser  Ausgangslage  entschied  sich  das  Sekretariat  im  Herbst  2017  dazu  eine 
zweite Fragebogenrunde durchzuführen und dabei neben den bereits befragten Unternehmen 
die Marktgegenseite (Wiederverkäufer, [unabhängige] Uhrmacherinnen und Uhrmacher sowie 

1 Daneben beschwerten sich gewisse Konsumentinnen und Konsumenten darüber, dass sie eine klei-
nere Reparatur hätten vornehmen wollen, dass die betreffende Uhrenmarke jedoch auf die Durchfüh-
rung einer umfassenderen Arbeit an der Uhr (namentlich einer Revision) bestanden hätte, was we-
sentlich mehr kosten würde. Dieser Aspekt wurde auch in den Medien thematisiert, bildet jedoch nicht 
Gegenstand der vorliegenden Vorabklärung. Das Sekretariat behält sich jedoch ausdrücklich vor, die-
sen Punkt zu einer späteren Zeit separat aufzugreifen. 
2 Bundesgesetz vom 6.10.1995 über Kartelle und andere Wettbewerbsbeschränkungen (Kartellgesetz, 
KG; SR 251). 

4 

 
 
 
 
 
 
                                                
den [Verband]3) anzuschreiben. Die entsprechenden Antworten gingen zwischen Herbst und 
Ende 2017 beim Sekretariat ein.  

6. 
Bevor die Ergebnisse der Befragungen widergegeben werden, gilt es an dieser Stelle 
darauf hinzuweisen, dass bei der Europäischen Kommission (nachfolgend: EU-Kommission) 
ein  gleichläufiges  Verfahren  anhängig  war,  im  Rahmen  dessen  im  Wesentlichen  dieselben 
Vorwürfe vorgetragen wurden wie in dieser Vorabklärung (vgl. Rz 108 ff.). 

A.3  Marktbefragungen 

7. 
In diesem Abschnitt werden die Ergebnisse der Befragungen dargelegt, wobei der Aus-
gestaltung des SAV der befragten Uhrenhersteller das Hauptaugenmerk gewidmet wird. Zu-
nächst gilt es, kurz auf die Definition des Begriffes «SAV» einzugehen. 

A.3.1  Uhrenhersteller 

Definition SAV 

8. 
Im  Rahmen  der  ersten  Fragebogenrunde  wurden  die  ausgewählten  Uhrenhersteller 
nach ihrem jeweiligen Verständnis des Begriffes «SAV» befragt. Die Antworten zeigten, dass 
die Definitionen der Uhrenhersteller teilweise weit auseinander gingen4, sodass sich das Sek-
retariat zwecks Schaffung einer Beurteilungsgrundlage im Hinblick auf die zweite Fragebogen-
runde  dazu  entschied,  den  befragten  Unternehmen  eine  Definition  der  relevanten  Begriffe 

3 […] (06.06.2018). 
4. […] fasst unter dem Begriff «SAV» die Gesamtheit der Leistungen für Kunden zusammen, die das 
Ziel verfolgen, den Unterhalt, die Revision und die Reparaturen – mit oder ohne Garantie – sicherzu-
stellen. […] versteht unter SAV generell den Customer Service, d.h. den technischen Kundendienst, 
welcher sämtliche Belange der technischen Instandhaltung der Uhr beinhaltet. […] versteht unter SAV 
sämtliche Arbeiten an einer Uhr, die nicht direkt mit dem Verkauf zusammenhängen und die deren 
Unterhalt oder Reparatur sicherstellen. […], zugehörig zu […] versteht unter dem Begriff «SAV» eine 
globale Service-Aktivität, die von der Schweiz aus gesteuert wird. Sie beinhalte spezifisch Reparatu-
ren und Revisionen mit oder ohne Garantielaufzeit für bereits an eine Endkundin oder einen Endkun-
den verkaufte Uhren, sei es über eine […] Boutique oder einen (unabhängigen) Multimarken-Ver-
kaufspunkt. Bei den betroffenen Marken handle es sich um […], […] und […]. […], ebenfalls zugehörig 
zu […] gab im Wesentlichen dasselbe an, weicht in ihrer Antwort jedoch in einem einzigen Punkt ab, 
sie zählt Revisionen offenbar nicht zum SAV. […] zu Folge besteht die Aufgabe des SAV darin, die 
Uhr in einem perfekten Betriebszustand zu halten, sodass sie ein optimales Funktionieren mit der Prä-
zision und der Zuverlässigkeit einer Luxusuhr behält. In diesem Sinne versteht […] unter SAV den Un-
terhalt und die Reparatur und im erweiterten Sinne, auch die Erhaltung einer Uhr im optimalen Zu-
stand zwischen dem Moment, in welchem die Uhr die Fabrik verlässt, bis zum Verkauf an eine 
Endkundin oder einen Endkunden. […] versteht unter SAV alle Dienstleistungen, auf die der Kunde 
Anspruch hat, sobald das Produkt verkauft worden ist. Je nach Wunsch des Kunden handle es sich 
dabei um eine bestimmte Anpassung am Armband oder eine bestimmte Leistung bei der Gravur oder 
auch um eine Revision der Uhr im Rahmen ihrer Wartung (Wartungsservice oder umfassender Ser-
vice). Ausserdem würden darunter Eingriffe bei Uhren fallen, die nicht mehr funktionieren. 

5 

 
 
 
 
 
 
                                                
«SAV»5,  «Revision»6,  «Reparatur»7,  «Andere  Arbeiten»8  und  «SAV-Partner»9  vorzugeben. 
Auf den vom Sekretariat vorgegebenen Definitionen basieren die nachstehenden Ausführun-
gen. 

Ausgestaltung des SAV 

9. 
Nachstehend  werden  die  SAV-Systeme  der  befragten  Uhrenhersteller  beschrieben. 
Dies dient dem Zweck, die Mechanismen rund um den SAV im Bereich Uhren verstehen und 
die damit im Zusammenhang stehenden, kartellrechtlichen Problematiken nachvollziehen zu 
können. 

A.3.1.1  [Uhrenhersteller] 

Zur  [Uhrenhersteller]  gehören  verschiedene  Uhrenmarken  unterschiedlichster  Preis-
10. 
klassen.  Innerhalb  der  [Uhrenhersteller]  gibt  es  daher  eine  Markenhierarchie.  Diese  wider-
spiegle laut […] die technische Komplexität und schlage sich daher auch in der Organisation 
des SAV nieder (höhere Anforderungen für SAV-Anbieter in höheren Segmenten). 

11.  Gemäss […] werden ihre Uhrenmarken in […] verschiedene Segmente eingeordnet: 
[…]. 

[…] hat dem Sekretariat die Verpflichtungserklärungen für autorisierte Service-Anbie-

12. 
ter/-innen für alle Marken eingereicht. 

13. 
SAV-Dienstleistungen werden einerseits von den Uhrenmarken der […] selbst im eige-
nen  Haus  erbracht.  Sie  werden  aber  andererseits  auch  von  autorisierten  Service-Anbietern 
der Marken durchgeführt. Bei diesen handelt es sich um unabhängige Uhrmacherinnen und 
Uhrmacher, die von der […] resp. der jeweiligen Marke zum SAV zugelassen wurden. 

Zulassung zum SAV 

14. 
Jede unabhängige Uhrmacherin und jeder Uhrmacher habe [Uhrenhersteller] zufolge 
grundsätzlich  die  Möglichkeit,  autorisierter  Service-Anbieter  für  die  von  ihr  oder  ihm  ge-
wünschte/n Stufe zu werden, vorausgesetzt, sie oder er erfüllt die hierfür erforderlichen Krite-
rien gemäss Vereinbarung mit der jeweiligen Marke. 

[…]. Zudem können sich die Zulassungskriterien nach Servicestufe zwischen den Mar-

15. 
ken (leicht) unterscheiden. 

16.  Grundsätzlich gibt es drei Stufen von Service-Anbietern, welche sich hinsichtlich der 
Art der durchzuführenden Arbeiten und damit der Anforderungen an die Service-Anbieter von-
einander unterscheiden. […]. 

17. 
Service-Anbieter  müssen  bestimmte  Anforderungen  an  das  Personal  (wie  bspw.  die 
Ausbildung, Berufserfahrung  oder Erfahrung bei Ausführung bestimmter Arbeiten) sowie an 

5 Als SAV definiert das Sekretariat Revisionen von Uhren, Reparaturen von defekten Uhren und an-
dere Arbeiten an einer Uhr, die nach dem Verkauf der Uhr vorgenommen werden. 
6 Unter einer Revision sind Arbeiten an einer Uhr zu verstehen, mit denen eine defekte oder nicht de-
fekte Uhr einer Analyse (Diagnose) unterzogen wird und mit welchen die korrekte Funktionsweise so-
wie die Instandhaltung einer Uhr sichergestellt werden. 
7 Eine Reparatur ist die Behebung eines spezifischen Defekts an einer Uhr, welcher entweder deren 
Funktionsfähigkeit oder die Ästhetik beeinträchtigt oder das Tragen der Uhr verunmöglicht. 
8 Darunter sind Arbeiten zu verstehen, die von den Definitionen der Begriffe «Revision» und «Repara-
tur» nicht erfasst werden und die von einer Konsumentin und einem Konsumenten einzeln nachge-
fragt werden (z.B. Batteriewechsel oder Anpassen des Armbands). 
9 Ein SAV-Partner ist eine rechtlich und wirtschaftlich unabhängige (juristische oder natürliche) Per-
son, die autorisiert ist, SAV-Arbeiten an Uhren durchzuführen. 

6 

 
 
 
 
 
 
                                                
die Ausrüstung (teils markenspezifische Werkzeuge und Geräte) und andere Aspekte wie z.B. 
die Räumlichkeiten, in denen SAV-Arbeiten durchgeführt werden, erfüllen. 

18. 
Anders geregelt sind die Zulassungskriterien für die Marken des Prestige-Segments, 
welche gemäss [Uhrenhersteller] eine deutlich höhere Komplexität in den Konstruktionen der 
Werke wie auch der Gehäuse und Bänder aufweisen würden und die entsprechend höhere 
Anforderungen von den Service-Anbietern erforderten. 

[Aufgaben und Pflichten der zum SAV zugelassenen Unternehmen] 

19. 
Die folgenden Aufgaben sind von den zum SAV autorisierten Service-Anbietern vorzu-
nehmen, die je nach Marke leicht variieren können: […] Technische und ästhetische Endkon-
trolle sowie Gewährung der markenspezifischen Service-Garantie gemäss Weisung des Mar-
kenunternehmens 

Zusätzlich zu diesen Aufgaben obliegen den Servicepartnern andere Pflichten, welche 

20. 
für die meisten Marken auf allen drei Stufen erfüllt sein müssen, so u.a. […]10. 

Lieferung Ersatzteile an unabhängige Uhrmacherinnen und Uhrmacher 

21. 
Ersatzteile für die Erbringung von SAV-Dienstleistungen werden gemäss […] an Ser-
vicepartner entsprechend ihrer Zulassung geliefert. [Uhrenhersteller] […]. Basis des selektiven 
Vertriebssystems für Ersatzteile seien objektive Kriterien im Bereich von Ausrüstung, Ausbil-
dung des technischen Service-Personals und […]. […] führte weiter aus, dass die (Auswahl-
)Kriterien nicht an eine Marken-Vertretung gebunden seien und es allen potenziellen Partnern, 
welche die Kriterien erfüllen, offenstehe, Uhren-Ersatzteile der entsprechenden Marke zu be-
ziehen, solange […]. […]. Die rechtliche Würdigung des SAV-Systems von […] und der ande-
ren im Fokus stehenden Uhrenmarken erfolgt an späterer Stelle (vgl. Rz 126 ff.). 

Austauschbarkeit von Ersatzteilen 

22.  Gehäuse und Zifferblätter seien gemäss […] stets markenspezifisch. […]. Im Vertrieb 
seien  ausserdem  Bänder  für  genormte  Band-Anstösse,  Dichtungen,  Schrauben,  Standard-
Zeiger etc. generisch. 

A.3.1.2  [Uhrenhersteller] 

Zur [Uhrenhersteller] gehören die folgenden Uhrmarken: […]. [Uhrenhersteller] hat die 
23. 
Fragebogen des Sekretariats für all diese Marken beantwortet und die selektiven Vertriebsver-
träge dieser Marken eingereicht.  

In diesen Vertriebsverträgen wird festgehalten, dass es für den SAV eine separate Ver-
24. 
einbarung benötigt. Bis […] hat [Uhrenhersteller] bzw. haben die Uhrenmarken von [Uhrenher-
steller] in der Schweiz keine separaten SAV-Verträge mit Wiederverkäufern oder Uhrmache-
rinnen und Uhrmachern abgeschlossen. Im Jahr […] habe [Uhrenhersteller] beschlossen […], 
ihr SAV-System anzupassen und implementierte ein neues SAV-System. Für jeden schweize-
rischen oder europäischen Partner, der mit Ersatzteilen beliefert werden möchte, ist ein Zulas-
sungsverfahren vorgesehen. [Uhrenhersteller] rechtfertigt dieses System mit der Notwendig-
keit,  die  Qualität  der  Reparaturen  an  den  Uhren  zu  kontrollieren.  [Uhrenhersteller]  gab  an, 
dass sämtliche Uhrenmarken ihrer Gruppe den SAV in einem rein qualitativen selektiven Ver-
triebssystem organisiert hätten mit Ausnahme der Marken […]. 

25. 

[Uhrenhersteller] […]. 

10 Von Reparaturzentren, die lediglich eine Verpflichtungserklärung der Stufen 1 oder 2 unterschrieben 
haben, dürfen nur die für diese Stufe zugelassenen Ersatzteile bezogen werden. 

7 

 
 
 
 
 
 
                                                
26.  Grundsätzlich  werde  der  SAV  gemäss  [Uhrenhersteller]  entweder  über  die  SAV-
Plattform, in der Manufaktur oder durch eine zugelassene Uhrmacherin und einen zugelasse-
nen Uhrmacher durchgeführt. Eine zugelassene Uhrmacherin und ein zugelassener Uhrma-
cher könne gleichzeitig Wiederverkäufer sein, das sei jedoch nicht zwingend erforderlich. 

Zulassung zum SAV 

27. 
Um zum System für den SAV an Uhren der Marken […] zugelassen zu werden, muss 
ein potenzieller SAV-Dienstleister laut [Uhrenhersteller] bestimmte Kriterien erfüllen. Diese be-
treffen u.a. […]. 

[Aufgaben und Pflichten der zum SAV zugelassenen Unternehmen] 

Die Aufgaben der zum SAV zugelassenen Uhrmacherinnen und Uhrmacher werden im 
28. 
von  [Uhrenhersteller]  beigelegten  SAV-Vertrag  der  Marke […]  definiert.  In  Anhang  2  dieses 
Vertrages werden die Reparaturen und Serviceleistungen, die eine zugelassene Uhrmacherin 
und ein zugelassener Uhrmacher durchführen darf, individuell aufgelistet. Auch bei [Uhrenher-
steller] sind die auszuführenden Arbeiten von SAV-Partnern nach deren Komplexität geglie-
dert; […]. 

Zudem  werden  den  Uhrmacherinnen  und  Uhrmachern  mit  diesem  Vertrag  verschie-

29. 
dene Verpflichtungen auferlegt wie bspw. […]. 

Lieferung Ersatzteile an unabhängige Uhrmacherinnen und Uhrmacher 

30. 

[…]. 

31. 
In einigen Uhren der […]-Marken seien gemäss [Uhrenhersteller] Uhrwerke enthalten, 
die  nicht  nur  für  [Uhrenhersteller]-Uhren  gebraucht  werden  könnten  (namentlich  ETA-
Uhrwerke) und die deshalb auch für unabhängige Uhrmacherinnen und unabhängige Uhrma-
cher bei anderen Herstellern (ETA) erhältlich seien. […].  

32. 
Für gewisse Marken und Modelle mache es […] zufolge keinen Sinn, ein solches SAV-
System einzuführen. Es sei ökonomisch gesehen für unabhängige Uhrmacherinnen und Uhr-
macher nicht erstrebenswert, die Investitionen zu tätigen, die notwendig wären, um gewisse 
Uhrenmodelle, die selten verkauft würden und technisch sehr kompliziert seien, reparieren zu 
können, da die Nachfrage nach der Reparatur solcher Modelle sehr gering sei. Gleichzeitig 
wäre es auch für [Uhrenhersteller] eine grosse Belastung, die Zulassung und Ausbildung für 
die Reparatur solcher Uhren zu organisieren. 

Austauschbarkeit von Ersatzteilen 

33.  Gemäss [Uhrenhersteller] müsse man bei den Uhrenbestandteilen unterscheiden zwi-
schen Teilen der Habillage (Verkleidung), die nicht direkt mit dem Uhrwerk verbunden sind, 
und Teilen, die direkt mit dem Uhrwerk verbunden sind. Die Teile, die zur Habillage gehören, 
erhalte man typischerweise nur bei den entsprechenden Marken.  

34. 
Bei den Teilen, die direkt mit dem Uhrwerk verbunden sind, müsse unterschieden wer-
den  zwischen  jenen,  die  von  Dritten  (z.B.  ETA)  und  solchen,  die  intern  hergestellt  werden. 
Solche, die von Dritten hergestellt werden (und nicht schon gezielt für eine bestimmte Marke 
erstellt wurden), könnten allenfalls auch bei Dritten bezogen werden. Bei Teilen, die marken-
intern hergestellt werden, sei die Uhrenmarke in der Regel die einzige Lieferantin. 

A.3.1.3  [Uhrenhersteller] 

Zu [Uhrenhersteller] gehören die folgenden Uhrmarken: […]. Von […] haben alle Un-

35. 
ternehmen einen separaten Fragebogen beantwortet und eingereicht. 

8 

 
 
 
 
 
 
[…] hat im Jahr 2014 einen SAV-Vertrag eingeführt und seitdem […] SAV-Partner zu-
36. 
gelassen.  […].  […]  verfügt  über  keine  schriftlichen  Verträge  für  den  SAV,  arbeitet  eigenen 
Aussagen zufolge mit […] autorisierten SAV-Partnern zusammen. […] verfügt über ein eigenes 
(internes) SAV-Zentrum, arbeitet daneben auch mit […] autorisierten (externen) Servicecen-
tern  zusammen.  Hinzu  kommt,  dass  zugelassene Wiederverkäufer  einen  genügenden  SAV 
erbringen müssen. […] verfügt über schriftliche Verträge betreffend den SAV. […] hat eigenen 
Angaben zufolge keinen SAV-Vertrag eingeführt und beliefert alle unabhängigen Uhrmache-
rinnen und Uhrmacher mit Ersatzteilen.  

37. 
Aufgrund des Umstandes, dass […] zahlreiche SAV-Arbeiten (auch für andere Marken 
von […]) ausgeführt hat, wird illustrativ und stellvertretend für […] für die nachstehenden Aus-
führungen auf die Angaben von […] abgestellt. 

Reparaturen  an  Uhren  von  […]  können  durchgeführt  werden  von  […]  selber,  einem 

38. 
autorisierten Reparaturbetrieb oder einem autorisierten Einzelhändler (Wiederverkäufer). 

Zulassung zum SAV 

39.  Gemäss dem ersten Anhang des SAV-Vertrags von […] muss ein zugelassener Repa-
raturbetrieb (Reparateur) über ein sauberes, isoliertes Atelier verfügen, ein offizielles Uhrma-
cher-Diplom oder genügend Berufserfahrung mit gleichzeitiger Prüfung des Betriebs durch an-
dere  Luxusuhrenmarken  vorweisen  können  und  verschiedenes  (teilweise  spezifisches) 
Equipment haben. 

[Aufgaben und Pflichten der zum SAV zugelassenen Unternehmen] 

40. 

Im SAV-Vertrag von […] werden folgende Verpflichtungen formuliert: 

  Wenn die Uhrmacherin oder der Uhrmacher nicht alle Leistungen, für welche er das 
Produkt erhalten hat, erfüllen kann, schickt er das Produkt in das offizielle Reparatur-
zentrum von […]. 

  Der Reparateur setzt für die Reparaturen nur Arbeitskräfte ein, die den qualitativen 
Kriterien entsprechen, er sorgt für einen schnellen und freundlichen Service und ge-
nügt den hohen qualitativen Anforderungen, die mit der Marke verbunden sind.  

  Für  alle  Uhrmacherinnen  und  Uhrmacher,  die  Uhren  reparieren  wollen,  welche  ein 
intern produziertes Kaliber enthalten, ist eine Ausbildung obligatorisch. Bevor der Re-
parateur diesen Kurs nicht erfolgreich durchlaufen hat, hat er keinen Zugang zu Er-
satzteilen für intern produzierte Uhrwerke. 

  Der  Reparateur  muss  während  der  ganzen  Vertragsdauer  die  vertraglich  vorgege-
bene Ausrüstung und die Werkzeuge in Stand halten. Der Reparateur kauft auf seine 
Rechnung  alle  zusätzlichen Werkzeuge  oder  die  notwendige  Ausrüstung  (wie  vom 
Lieferanten vorgeschrieben). 

Lieferung Ersatzteile an unabhängige Uhrmacherinnen und Uhrmacher 

41. 
Ein SAV-Partner darf nur Ersatzteile der Marke […] kaufen, was er bei […] oder einem 
anderen  zugelassenen Einzelhändler  beziehungsweise  einer  Uhrmacherin  oder  einem  Uhr-
macher  tun  kann,  sofern  sie  ihren  Sitz  in  der  Schweiz  haben.  Zudem  garantiert  der  SAV-
Partner, dass die Ersatzteile von […] nicht mit Dritten getauscht, Dritten zur Verfügung gestellt 
oder ihnen verkauft werden, ausser den Endverbraucherinnen und Endverbraucher oder an-
deren von […] zugelassenen SAV-Partnern. 

9 

 
 
 
 
 
 
Austauschbarkeit von Ersatzteilen 

42. 
[…] hat angegeben, dass gewisse Uhrwerke und generell alle Elemente der Verklei-
dung (das Zifferblatt, der Zeiger, das Gehäuse, das Armband, die Schliesse) marken-spezi-
fisch seien. […] ergänzt, dass dies insbesondere auf die Beifügung der Marke […] und das 
markeneigene Design dieser Elemente zurückzuführen sei. 

A.3.1.4  [Uhrenhersteller] 

43. 

Zu [Uhrenhersteller] […]. 

44. 

SAV-Dienstleistungen werden entweder von […] selber oder von […]. 

[…] vereinbart mit ihren zugelassenen Wiederverkäufern keine spezifischen Verträge 
45. 
zum SAV. […] schliesst mit den Wiederverkäufern selektive Vertriebsverträge betreffend den 
Verkauf von Uhren ab, […]. 

Zulassung zum SAV 

Zugelassen zum Produkteverkauf sind Wiederverkäufer, die den selektiven Vertriebs-

46. 
vertrag unterzeichnet haben. Den für den SAV relevanten Klauseln zufolge muss […]. 

[Aufgaben und Pflichten der zum SAV zugelassenen Unternehmen] 

47. 
Ein zugelassener Wiederverkäufer hat nach dem selektiven Vertriebsvertrag von [Uh-
renhersteller] die folgenden Aufgaben wahrzunehmen bzw. die folgenden Leistungen zu er-
bringen. […]. 

Lieferung Ersatzteile an unabhängige Uhrmacherinnen und Uhrmacher 

In  der Schweiz  liefert […]  Ersatzteile  nur  an […].  Die  von […]  angegebenen Gründe 
48. 
hierfür sind, dass […] es der Schutz der Konsumentin und des Konsumenten erfordere, dass 
der SAV nur Uhrmacherinnen und Uhrmacher anvertraut werde, deren Fähigkeiten strikt kon-
trolliert würden und die über das Werkzeug und die Ausrüstung verfügten, welche für die Vor-
nahme von Interventionen (d.h. Arbeiten an einer Uhr) erforderlich seien. 

Austauschbarkeit von Ersatzteilen 

[…] gibt an, dass mit Ausnahme von Verbrauchsmaterialien wie Dichtungen, Schmier- 
49. 
oder Klebstoffen […]. Deshalb handle es sich bei beinahe sämtlichen Teilen um nicht-substi-
tuierbare, […]-spezifische Teile. 

A.3.1.5  [Uhrenhersteller] 

[Uhrenhersteller] hat mit ihren Wiederverkäufern selektive Vertriebsverträge […] betref-

50. 
fend den Verkauf von Uhren vereinbart. […]. 

SAV-Dienstleistungen für  Produkte  der  Marke [Uhrenhersteller]  werden  durchgeführt 

51. 
von [Uhrenhersteller] selber sowie von zum SAV zugelassenen Wiederverkäufern. 

Zulassung zum SAV 

52. 
[…]. Darin verpflichtet sich ein zugelassener Wiederverkäufer, SAV-Dienstleistungen 
für sämtliche [Uhrenhersteller]-Produkte zu garantieren, seien diese von der Garantie erfasst 
oder nicht und unabhängig vom Ort, wo ein Produkt gekauft wurde. Der zugelassene Wieder-
verkäufer kann die Arbeiten selber vornehmen oder von [Uhrenhersteller] ausführen lassen. 
Der SAV ist in Übereinstimmung mit […] vorzunehmen. 

10 

 
 
 
 
 
 
Der Wiederverkäufer verpflichtet sich zudem, sicherzustellen, dass die Marge auf Re-
53. 
paraturen, die nicht von der Garantie gedeckt sind, nicht exzessiv ist und den Interessen von 
Kundinnen und Kunden Rechnung trägt. 

[Der  Vertrag]  beschreibt  die  von  [Uhrenhersteller],  zugelassenen  Wiederverkäufern 

54. 
und unabhängigen Reparaturzentren11 zu erfüllenden Kriterien. 

55. 
[Uhrenhersteller] gibt an, dass sie die Anzahl der zugelassenen SAV-Zentren für [Uh-
renhersteller]-Uhren  nicht  beschränken  möchte. Entscheidend  sei  einzig,  dass  eine  Uhrma-
cherin und ein Uhrmacher ein Minimum an qualitativen Anforderungen erfülle, namentlich die 
folgenden: 

  Erfolgreiches Absolvieren einer der kostenlosen Ausbildungskurse; 

  Einhalten der Anforderungen an die Sauberkeit und Organisation des Reparaturate-

liers und 

  Aufweisen unverzichtbarer Ausrüstung und Werkzeuge. 

[Aufgaben und Pflichten der zum SAV zugelassenen Unternehmen] 

Die [Aufgaben und Pflichten] sind für zugelassene Wiederverkäufer und zugelassene 

56. 
Uhrmacherinnen und Uhrmacher unterschiedlich. Zugelassene Wiederverkäufer 

 

sollen die Betreuung und die Nachsorge schnell und effizient vornehmen; 

  müssen den Konsumentinnen und Konsumenten eine technische Beratung anbieten; 

 

 

 

 

sollen den empfohlenen Preisen von [Uhrenhersteller] Rechnung tragen12; 

verfügen über Kenntnisse der Produktlinien von [Uhrenhersteller] sowie ihre wesent-
lichen technischen Charakteristiken; 

haben ein gutes Verständnis der wichtigsten SAV-Arbeiten (Interventionen) und 

verfügen über komplette, regelmässig kontrollierte [Uhrenhersteller]-spezifische Ge-
räte. 

57. 

Zugelassene unabhängige Reparaturzentren 

 

 

 

beachten die von den Distributoren13 empfohlenen Reparaturpreise; 

verfügen über einen ausreichenden, qualifizierten Uhrmacher-Service mit kompeten-
ten  und  erfahrenen  Uhrmacherinnen  und  Uhrmachern,  die  einen  technischen 
Erstausbildungskurs und periodische Auffrischungskurse besuchen; 

haben administratives Personal mit guten Kenntnissen der gesamten [Uhrenherstel-
ler]-Kollektion; 

  müssen in einem adäquaten Lokal eingerichtet sein; 

  müssen mit den erforderlichen Apparaten und Werkzeugen ausgerüstet sein und 

 

halten  einen  Lagerbestand  an  Ersatzteilen,  der  den  Bedürfnissen  seiner  Distributi-
onszone entspricht. 

11 […]. 
12 Bei diesen handelt es sich gemäss […] um empfohlene Preise, die Wiederverkäufer könnten einer 
Kundin oder einem Kunden einen anderen (als den empfohlenen) Preis anbieten. Dazu könnten noch 
Transport- und Managementkosten oder Rabatte hinzugerechnet werden. 
13 […]. 

11 

 
 
 
 
 
 
                                                
Lieferung Ersatzteile an unabhängige Uhrmacherinnen und Uhrmacher 

[Uhrenhersteller] liefert Ersatzteile an Uhrmacherinnen und Uhrmacher sowie Wieder-

58. 
verkäufer, wenn sie für den SAV zugelassen sind.  

Austauschbarkeit von Ersatzteilen 

59. 
[Uhrenhersteller] gibt an, dass sämtliche [Teile der Habillage] wie bspw. das Gehäuse 
(inkl. Krone und Drücker), die Lunette (inkl. Schrauben und Federn), das Armband, Zifferblatt 
und der Zeiger [Uhrenhersteller]-spezifisch seien und nicht mit Komponenten anderer Marken 
ersetzt werden könnten. 

60.  Mouvements, die von [Uhrenhersteller] hergestellt sind, könnten ihren Angaben nach 
nicht mit einem Mouvement einer anderen Marke ausgetauscht werden. Mouvements, die von 
einem Lieferanten bezogen wurden, könnten physisch mit einem Mouvement eines ähnlichen 
Kalibertyps  ersetzt  werden.  Allerdings  stünden  einem  solchen  Austausch  zwei  Hindernisse 
entgegen, nämlich die sog. COSC-Zertifizierung14 sowie die für alle COSC-zertifizierten Mou-
vements von […]. 

A.3.1.6  [Uhrenhersteller] 

SAV-Dienstleistungen für Produkte der Marke […] werden durchgeführt von Unterneh-
61. 
men oder Institutionen, die zur [Uhrenhersteller]-Gruppe gehören, unabhängigen, autorisierten 
Wiederverkäufern und unabhängigen zugelassenen Servicecentern. 

In der Schweiz hat [Uhrenhersteller] bis heute […] SAV-Vertrag mit […] abgeschlossen. 

62. 
Der SAV ist […] geregelt.  

Zulassung zum SAV 

63.  Generell hält [Uhrenhersteller] fest, dass nur Uhrmacherinnen und Uhrmacher, welche 
über  eine  spezifische  Ausbildung  verfügen,  SAV-Dienstleistungen  erbringen  dürften.  Deren 
«Interventionsniveau» müsse mindestens dem Kaliber einer Uhr entsprechen, die bearbeitet 
werden soll. Nur wenn eine Uhrmacherin oder ein Uhrmacher über entsprechende Ausbildun-
gen verfüge, werde er für die Bearbeitung einer Uhr zugelassen. 

[Aufgaben und Pflichten der zum SAV zugelassenen Unternehmen] 

Im […] ist festgehalten, dass ein Wiederverkäufer berechtigt ist, den Basis-Kundenser-
64. 
vice  auszuführen  ([…]). Ausgeschlossen  seien gemäss  [Uhrenhersteller] sämtliche  anderen 
Unterhalts- oder Reparaturarbeiten, die der Kompetenz einer Uhrmacherin oder eines Uhrma-
chers bedürften. Der Wiederverkäufer müsse über eine genügende Menge Ersatzteile verfü-
gen, um einen schnellen und effizienten Kundenservice gewährleisten zu können.  

65.  Wiederverkäufer  ohne  zertifizierte  Uhrmacherinnen  und  Uhrmacher  dürften  gemäss 
[Uhrenhersteller]  ausschliesslich  den  Basis-Kundenservice  ausführen.  Seien  weitergehende 
Interventionen an einer Uhr erforderlich, so habe ein Wiederverkäufer […] weiterzuleiten, damit 
diese die erforderlichen SAV-Arbeiten vornehmen könne. 

66. 
Die  Prüfung  der  Kandidaturen  folge  einem  standardisierten  Zulassungsprozess,  der 
auf  qualitativen  Kriterien  beruhe.  Die  Verifikation  beinhalte,  dass  […].  Uhrmacherinnen  und 
Uhrmacher würden eine Basisausbildung sowie regelmässige Folgeausbildungen absolvieren. 
[…]. Auf der Basis des technischen Tests, der Ausbildungen und der Qualität des Ateliers der 

14 […]. 

12 

 
 
 
 
 
 
                                                
Uhrmacherin oder des Uhrmachers bestimme [Uhrenhersteller] den zugelassenen Interventi-
onsgrad für jedes Atelier, was ausschlaggebend dafür sei, welche Produkte dort repariert und 
unterhalten  werden  dürften.  [Uhrenhersteller]  habe  verschiedene  Schwierigkeitsniveaus  für 
die Interventionen definiert, die global gleichermassen angewendet würden. 

Lieferung Ersatzteile an unabhängige Uhrmacherinnen und Uhrmacher 

67. 
[Uhrenhersteller] liefere Ersatzteile, die für einfache Dienste nötig sind, an alle Perso-
nen,  die  eine  Uhrmacherausbildung  haben.  Bei  diesen  Ersatzteilen  handle  es  sich  z.B.  um 
[…], usw. Die anderen Ersatzteile werden von [Uhrenhersteller] nur an die zum SAV zugelas-
senen Wiederverkäufer geliefert. 

[Uhrenhersteller] gibt an, dass es sehr selten sei, dass Wiederverkäufer, die nicht zum 

68. 
SAV zugelassen sind, Ersatzteile nachfragen. 

Austauschbarkeit von Ersatzteilen 

69.  Markenspezifisch und damit nicht substituierbar seien nach Angaben von [Uhrenher-
steller] diejenigen Teile einer mechanischen Uhr oder einer Uhr mit Quarzwerk, die vollständig 
von [Uhrenhersteller] entwickelt und hergestellt wurden oder die von Drittlieferanten bezogen, 
aber von [Uhrenhersteller] spezifiziert wurden. 

A.3.1.7  Übersicht 

Im Sinne einer Übersicht präsentiert sich die Situation betreffend die SAV-Systeme der 

70. 
befragten Uhrenhersteller wie in der nachstehenden Tabelle dargestellt. 

Tabelle 1: Übersicht der SAV-Systeme15 

Selektives VS im Verkauf: 
Selektives VS im SAV: 
Spezieller Vertrag: 

Zulassung zum SAV 
Hersteller (eigenes Zent-
rum): 
Zugel. Wiederverkäufer: 
Zugel. unabh. Uhrmacher: 
Unabhängiger Uhrmacher: 
Teilweise austauschbar: 

Anzahl SAV-Fälle im Jahr 2016 

[…] 

Ja 
Ja 
[…] 

Ja 
Ja 
[…] 
[…] 
[…] 

[…] 

Ja 
Ja 
[…] 

Ja 
Ja 
[…] 
[…] 
[…] 

[…] 

Ja 
Ja 
[…] 

Ja 
Ja 
[…] 
[…] 
[…] 

[…] 

Ja 
Ja 
[…] 

Ja 
Ja 
[…] 
[…] 
[…] 

[…] 

Ja 
Ja 
[…] 

Ja 
Ja 
[…] 
[…] 
[…] 

[…] 

Ja 
Ja 
[…] 

Ja 
Ja 
[…] 
[…] 
[…] 

71. 
Das Sekretariat hat die befragten Uhrenhersteller auch gebeten, die Anzahl erbrachter 
SAV-Dienstleistungen  anzugeben.  Eine  entsprechende  Übersicht gibt  die  nachfolgende Ta-
belle. 

15 Anmerkungen zu den Angaben der [Uhrenhersteller]: […]. 

13 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
                                                
Tabelle 2: Anzahl Revisionen und andere Arbeiten im Jahr 201616 

[Geschäftsgeheimnis] 

72. 
Betrachtet man die Tabelle 2, so fällt auf, dass nicht alle der befragten Unternehmen 
die Fälle nach Revisionen und anderen Arbeiten aufgeteilt haben. Darüber hinaus haben auch 
nicht alle Unternehmen angegeben, in wie vielen Fällen es sich um Garantiearbeiten handelt. 
Mehrere Unternehmen scheinen Reparaturarbeiten im Rahmen von Revisionen durchzufüh-
ren, d.h. Revisionsarbeiten scheinen offenbar in wenigen Fällen von Kundinnen und Kunden 
direkt nachgefragt zu werden (dies sagt bspw. […] und auch […] explizit, (vgl. Fn […] und Rz 
[…]). Hinzu kommt, dass aus den Antworten nicht klar hervorgeht, in welchen Fällen der an-
gegebenen und durchgeführten Revisionen solche auch (objektiv) notwendig waren. 

A.3.2  Marktgegenseite 

73. 
Zwecks Verifizierung der Darstellungen der Uhrenhersteller und um die kartellrechtli-
chen Problematiken, die mit den SAV-Systemen der Uhrenhersteller einhergehen können, ein-
schätzen  zu  können,  werden  in  diesem  Abschnitt  die  Stellungnahmen  der  Marktgegenseite 
dargelegt. Begonnen wird mit den unabhängigen Uhrmacherinnen und Uhrmacher, gefolgt von 
den Wiederverkäufern und abgeschlossen mit dem [Verband]17. 

A.3.2.1  Unabhängige Uhrmacherinnen und Uhrmacher 

Der  Einfachheit  halber werden  die  Stellungnahmen  der  unabhängigen Uhrmacherin-

74. 
nen und Uhrmacher in konsolidierter Form widergegeben. 

75. 
Von den unabhängigen Uhrmacherinnen und Uhrmachern wird zunächst bemängelt, 
dass  von  Uhrenherstellern  für  die  Zulassung  zum  SAV  die  Anschaffung  von  spezifischem 
Werkzeug und Maschinen verlangt werde, was ihrer Ansicht nach nicht zwingend erforderlich 
sei, um SAV-Arbeiten ausführen zu können. Mehrere Uhrmacherinnen und Uhrmacher sagten 
aus, dass zahlreiche Werkzeuge und Maschinen für Werke verschiedener Uhrenhersteller ver-
wendet  werden könnten. Zudem überstiegen die von Uhrenherstellern geforderten Anforde-
rungen an das Atelier in finanzieller Sicht die Möglichkeiten der unabhängigen Uhrmacherin-
nen und Uhrmacher. Kritisiert wurde auch, dass bestimmte Uhrenhersteller von SAV-Partnern 
verlangten, Uhren zu verkaufen; die befragten unabhängigen Uhrmacherinnen und Uhrmacher 
monierten dabei insbesondere den fehlenden Bezug zwischen dem Verkauf von Uhren und 
der  Erbringung  von  SAV-Dienstleistungen  für  solche.  Ins  Feld  geführt  wurde  von  gewissen 
unabhängigen Uhrmacherinnen und Uhrmacher auch, dass der Berufsstand durch die SAV-
Politik der Uhrenhersteller gefährdet sei; ohne Ersatzteile beziehen zu können bestünde für 
unabhängige Uhrmacherinnen und Uhrmacher kein Raum für die Ausübung ihrer beruflichen 
Tätigkeit. 

76.  Was die Nachteile der SAV-Politik der Uhrenhersteller angeht, so sagten mehrere der 
befragten unabhängigen Uhrmacherinnen und Uhrmacher aus, dass die Uhrenhersteller ver-
suchen würden, das Preisniveau für SAV-Dienstleistungen zu erhöhen. Würden unabhängige 
Uhrmacherinnen und Uhrmacher uneingeschränkt mit Ersatzteilen beliefert, wären sie in der 
Lage, SAV-Arbeiten so durchzuführen, wie sie eine Konsumentin oder ein Konsument nach-
frage, wodurch für sie oder ihn keine Kosten für Arbeiten entstünden, die sie oder er gar nicht 
nachfrage. Zudem führten einige Uhrmacherinnen und Uhrmacher als Nachteil an, dass das 
Einschicken, Analysieren, Erstellen eines Kostenvoranschlags, Durchführen der erforderlichen 

16 Anmerkungen zu den Angaben der Hersteller: […].  
17 Der [Verband] steht für die Interessen der unabhängigen Uhrmacherinnen und Uhrmacher ein. 

14 

 
 
 
 
 
 
                                                
Arbeiten an der Uhr und das Retournieren derselben in zeitlicher Hinsicht länger dauere, als 
wenn eine Uhrmacherin oder ein Uhrmacher die Arbeiten selber und direkt ausführen könne. 

A.3.2.2  Wiederverkäufer 

77. 
Die Stellungnahmen der Wiederverkäufer werden separat ausgewiesen, da diese nicht 
nur Uhren verkaufen, sondern auch (bestimmte) SAV-Dienstleistungen für die Uhrenhersteller 
erbringen.  In  diesem  Sinne  sind  die  meisten  der  befragten  Wiederverkäufer  zu  den  SAV-
Systemen der Uhrenhersteller zugelassen.  

[Wiederverkäufer] 

78. 
[Wiederverkäufer] (nachfolgend: […]) äussert […] zum SAV-System der […], welches 
sie als nachvollziehbar und auf vernünftiger Basis abgestützt einschätzt, insbesondere des-
halb, weil sich die vertraglichen Verpflichtungen nicht auf eine Person, sondern auf das Atelier 
und dessen Ausstattung beziehen. Zum umgekehrten Schluss kommt [Wiederverkäufer] hin-
sichtlich der Verpflichtungen, welche die Uhrenhersteller […] auferlegen; die entsprechenden 
Zertifizierungskriterien  müssten  auch  vom  Personal  erfüllt  werden.  [Wiederverkäufer]  führte 
diesbezüglich weiter aus,  dass insbesondere die Vorgaben der […] hinsichtlich spezifischer 
Werkzeuge, Starter-Kits und Schulungen […] angemessen seien und […] Kosten verursachen 
würden. 

79.  Was die Qualifikation von Uhrmacherinnen und Uhrmachern angeht, so gab [Wieder-
verkäufer] an, dass eine Uhrmacherin oder ein Uhrmacher mit abgeschlossener Berufsausbil-
dung grundsätzlich in der Lage sei, SAV-Arbeiten an Uhren durchzuführen. Jedoch könne es 
die Komplexität einer Uhr erfordern, dass eine ausgebildete Uhrmacherin oder ein ausgebil-
deter  Uhrmacher  eine  Markenausbildung  benötige,  um  Uhren  revidieren/reparieren  zu  kön-
nen.  Hinsichtlich  der markenspezifischen Werkzeuge  gab  [Wiederverkäufer]  an,  dass  diese 
nur in seltenen Fällen für mehrere Uhrenmarken verwendbar seien. 

Zu den im Raum stehenden Vorwürfen (nachfolgend: im Raum stehende Vorwürfe)18 
80. 
hielt [Wiederverkäufer] fest, dass sie davon ausgeht, dass es den Markenherstellern darum 
gehe, eine einwandfreie Service-Qualität zu gewährleisten. Dass Qualitätsanforderungen an 
die SAV-Partner gestellt und dass gewisse Unternehmen nicht mehr mit Ersatzteilen beliefert 
würden, sei für [Wiederverkäufer] nachvollziehbar. Doch sollten nach Ansicht von [Wiederver-
käufer] die an SAV-Partner gestellten Anforderungen verhältnismässig bleiben und in dieser 
Hinsicht seien gewisse Uhrenhersteller […]. […]. 

81. 
Zu  den  Vorteilen,  dass eine  Uhrenmarke  SAV-Arbeiten  selber  durchführt,  hielt [Wie-
derverkäufer]  zunächst  fest,  dass  sie  solche  nicht  ausschliessen  könnte.  Nach  Ansicht  von 
[Wiederverkäufer] möchte eine Konsumentin oder ein Konsument, dass seine Uhr kostengüns-
tig und zeitnah repariert werde; Uhrenmarken, welche keine oder nur sehr eingeschränkt Er-
satzteile  an  Retailer  liefern,  würden  eine  zeitnahe  Reparatur […]  verhindern.  Hinzu  komme 
[Wiederverkäufer]  zufolge,  dass  von  […]  Uhrenmarken […]  zu früh eine komplette  Revision 
angeboten werde, obwohl die Konsumentin oder der Konsument dies nicht wünsche. Nach-
vollziehbar sei für [Wiederverkäufer] hingegen, dass Reparaturen an komplizierten Funktionen 
(Tourbillon, Doppelchronograph etc.) nur von den Uhrenmarken ausgeführt werden sollten. 

18 Vgl. PETER SIEGENTHALER, Luxus-Uhr: Wenn Leidenschaft zur Leidenszeit wird, 2015, 
<https://www.swissinfo.ch/ger/wirtschaft/schweizer-markenhersteller-in-der-kritik_luxus-uhr--wenn-lei-
denschaft-zur-leidenszeit-wird/43167248> (06.06.2018). In diesem Artikel ist folgender Satz zu lesen: 
«Viele Uhrenfachgeschäfte erhalten von Schweizer Markenherstellern keine Ersatzteile mehr, weil 
diese den Service an sich reissen und monopolisieren wollen.». 

15 

 
 
 
 
 
 
                                                
[Wiederverkäufer] 19 

82. 
[Wiederverkäufer] hält zur Anzahl durchgeführter Revisionen fest, dass der Anteil Re-
visionen, die von Endkundinnen und Endkunden nachgefragt würden, gemessen an der An-
zahl gesamthaft durchgeführter Reparaturen […] sei. […]. 

83.  Was  die  Zulassungskriterien  für  den  SAV  angeht,  so  werde  (insbesondere  von  den 
Marken […]) oft die Ausrüstung (Werkzeuge) geprüft; […]. [Wiederverkäufer] merkte an, dass 
der Bezug von Ersatzteilen faktisch bislang auch immer möglich gewesen sei für Filialen, die 
noch nicht zertifizierte SAV-Partner […]. Zulassungsverweigerungen für […] würden meistens 
nicht mit der Ausbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern mit der Ausrüstung (Ge-
räten) begründet. 

[Wiederverkäufer] sind keine Alternativen zu den Originalersatzteilen der Uhrenmarken 
84. 
bekannt. Für jede Uhr würden gemäss [Wiederverkäufer] Ersatzteile produziert, die zum spe-
zifischen Produkt passen und für zehn Jahre halten sollten. Mit der Ausnahme von klassischen 
Lederbändern sei es fast unmöglich, andere Ersatzteile als die Originalersatzteile für eine Re-
paratur zu verwenden. 

85. 
Hinsichtlich der zu tätigenden Investitionen erachtet [Wiederverkäufer] diese in Bezug 
auf die Werkzeuge und die Ausbildung als […], bauliche Massnahmen mussten keine vorge-
nommen werden. 

86. 
In puncto Qualifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gab [Wiederverkäufer] an, 
dass bereits eine Verkäuferin oder Verkäufer ohne Uhrmacherausbildung, welche die nötigen 
Schulungskurse  verfolgt  habe,  über  die  Qualifikation  verfüge,  einfache  Uhrmacher-Arbeiten 
auszuführen (Band kürzen, Batterie wechseln, Wasserdichte prüfen etc.). Der Besuch der von 
den  Uhrenherstellern  angebotenen  Kurse  erlaube  es  Mitarbeiterinnen  und  Mitarbeitern,  die 
[…] zu meistern. Grundsätzlich habe eine Uhrmacherin oder ein Uhrmacher mit abgeschlos-
sener Berufsausbildung die Qualifikation, um sämtliche SAV-Arbeiten an Uhren durchzufüh-
ren.  Es  gebe  nur  eine  Ausbildung  zur  Uhrmacherin  oder  zum  Uhrmacher  und  daher  keine 
Unterschiede in den Ausbildungsstandards. 

87. 

[…]. 

88.  Was den Verkauf von Uhren als Zulassungskriterium betrifft, so gab [Wiederverkäufer] 
an, dass beim Verkauf von Uhren einer bestimmten Marke […] fast automatisch zum SAV an 
Uhren dieser Marke autorisiert werde ([…]). […]. Bezogen auf die Kompetenz der Mitarbeite-
rinnen und Mitarbeiter von [Wiederverkäufer] und die Ausrüstung der Filialen sei der Verkauf 
von Uhren einer bestimmten Marke für die Erbringung von einfacheren SAV-Arbeiten an Uhren 
dieser Marke aus Sicht von [Wiederverkäufer] nicht erforderlich. 

89. 
Zu den im Raum stehenden Vorwürfen äusserte sich [Wiederverkäufer] dahingehend, 
dass sie bis anhin keine Schwierigkeiten hatte, Ersatzteile zu beziehen, […]. Eine gute Uhr-
macherin oder ein guter Uhrmacher könne mit den entsprechenden Ersatzteilen die Arbeit in 
der gleichen Qualität wie der Hersteller durchführen. […]. Vorteile sieht [Wiederverkäufer] je-
doch darin, dass ein Hersteller mit dem autorisierten SAV-Partner sicherstellen könne, dass 
SAV-Arbeiten für eine Marke in guter Qualität erledigt werden. […]. 

[Wiederverkäufer] 

90. 
[Wiederverkäufer]  (nachfolgend:  […])  hält  fest,  dass  sich  die  Ersatzteilbeschaffung 
schwierig gestalte. Zur Qualifikation für die Erbringung von SAV-Dienstleistungen sagte [Wie-
derverkäufer] aus, dass ihrer Ansicht nach zusätzlich zur Ausbildung Berufserfahrung erfor-
derlich  sei.  Die  Verknüpfung  des  Verkaufs  von  Uhren  mit  der  Erbringung  von  SAV-

19 […]. 

16 

 
 
 
 
 
 
                                                
Dienstleistungen sei nach Ansicht von [Wiederverkäufer] nicht zwingend nötig, doch schaffe 
diese Kombination Synergien im Verkauf und in der Administration. Zu den im Raum stehen-
den Vorwürfen meinte [Wiederverkäufer], dass die Qualitätssicherung im Bereich SAV wichtig 
sei, um die Werthaltigkeit einer Uhr beizubehalten. 

[Wiederverkäufer] 

91. 
[Wiederverkäufer] (nachfolgend: […]) gab in Bezug auf die Frage, ob es Alternativen 
zu den Originalersatzteilen gäbe, an, dass sie ausschliesslich mit letzteren arbeiten würde. Die 
Investitionen, die mit der Zulassung zur Durchführung von SAV-Arbeiten verbunden sind, hiel-
ten  sich  gemäss  [Wiederverkäufer]  in  Grenzen  und  beschränkten  sich  auf  (Spezial-)Werk-
zeuge und eine Anzahl von Maschinen und Geräte. Die Investitionen in die Ausbildung würden 
sich auf Kurse bei den jeweiligen Marken beziehen.  

92. 
Zur Mindestqualifikation, über die ein SAV-Partner erfolgen muss, meinte [Wiederver-
käufer], dass eine Uhrmacherin oder ein Uhrmacher mit abgeschlossener Berufsausbildung 
grundsätzlich  in  der  Lage  sei,  SAV-Arbeiten  an  Uhren  durchzuführen.  Jedoch  sei  gemäss 
[Wiederverkäufer]  eine markenspezifische Weiterbildung  unabdingbar,  insbesondere für  hö-
here Komplikationen (z.B. Tourbillon oder ähnliche).  

93. 
Auf die Frage, ob ein SAV-Partner Werkzeuge und Maschinen, die er für den SAV an 
Uhren einer bestimmten Marke verwenden muss, auch für Uhren anderer Marken derselben 
Gruppe oder anderer Uhrenhersteller verwenden könne, meinte [Wiederverkäufer], dass dies 
grundsätzlich möglich sei. Doch seien markenspezifische Werkzeuge unabdingbar. 

[Wiederverkäufer] zufolge sei der Verkauf von Uhren einer bestimmten Marke eher kein 
94. 
Kriterium, um für den SAV an Uhren dieser Marke autorisiert zu werden. Entscheidend sei für 
[…] hingegen, dass man auf den jeweiligen Marken die entsprechenden Kurse und marken-
spezifischen Ausbildungen wahrgenommen habe. 

95. 
[Wiederverkäufer] meinte zum Lead im Swissinfo-Artikel (siehe Fn 18), dass der Satz 
«Viele Uhrenfachgeschäfte erhalten von Schweizer Markenherstellern keine Ersatzteile mehr, 
weil diese den Service an sich reissen und monopolisieren wollen.» nicht zutreffe, wenn die 
entsprechenden  Kurse  und  Ausbildungen  vollzogen  und  der  SAV  entsprechend  autorisiert 
worden seien. Es bestehe gemäss [Wiederverkäufer] jedoch ein Trend dahin, dass die Mar-
kenhersteller Arbeiten an Uhren gerne selber durchführen wollten und die Autorisierung relativ 
strikt handhaben würden. [Wiederverkäufer] gab auf die Frage, ob es für Konsumentinnen und 
Konsumenten Vorteile gäbe, dass eine Uhrenmarke SAV-Arbeiten durchführe, an, dass dies 
unter dem Qualitätsaspekt sicher sinnvoll und begründet sein könne. [Wiederverkäufer] sieht 
kürzere Durchlaufzeiten und Lieferfristen für Kundinnen und Kunden (bei gleicher Qualität) als 
Vorteile, dass eine Uhrenmarke SAV-Arbeiten durch (ausgewählte) SAV-Partner durchführen 
lasse. [Wiederverkäufer] schätzt es als möglich ein, dass unabhängige Uhrmacherinnen und 
unabhängige  Uhrmacher  und  Uhrengeschäfte  SAV-Arbeiten  zu  «günstigeren  Konditionen» 
vornehmen könnten. 

[Wiederverkäufer] 

96. 
[Wiederverkäufer] (nachfolgend: […]) gab zunächst zu den im Raum stehenden Vor-
würfen an, dass diese nur bedingt stimmen würden. [Wiederverkäufer] zufolge verhalte es sich 
so, dass wer keine markenspezifischen Schulungen besuche und das markeneigene Werk-
zeug nicht kaufe, keine Ersatzteile bestellen könne. Zur erforderlichen Ausbildung einer Uhr-

17 

 
 
 
 
 
 
macherin und eines Uhrmachers hielt [Wiederverkäufer] fest, dass eine ausgebildete Uhrma-
cherin-Rhabilleuse  und  ein  ausgebildeter  Uhrmacher-Rhabilleur20  in  der  Lage  sei,  SAV-
Arbeiten an Uhren auszuführen, da sie oder er auf Restaurationen und Revisionen spezialisiert 
sei.  Eine  Industrie-Uhrmacherin  oder  ein  Industrie-Uhrmacher  hingegen  nur  bedingt,  da  sie 
oder er auf die Produktion spezialisiert sei. Was die Vorteile für eine Konsumentin oder einen 
Konsumenten angeht, wenn sie oder er eine Uhr zu einem zugelassenen SAV-Partner gibt, 
meinte [Wiederverkäufer], dass dies für internationale Kundinnen und Kunden ein Vorteil sein 
könne, da sie so ihre Uhren weltweit in den jeweiligen Servicecentern abgeben könnten. 

[Wiederverkäufer] 

97. 
Zunächst hielt [Wiederverkäuferin] (nachfolgend: […]) fest, dass sie nur mit Ersatzteilen 
von  Lieferanten  beliefert  werde,  deren  Uhrenmarken  sie  selbst  verkaufe  und  mit  denen  ein 
Vertrag unterzeichnet worden sei. Selbst bei diesen Lieferanten seien die Lieferungen der Er-
satzteile eingeschränkt und würden von den Maschinen abhängen, die [Wiederverkäufer] im 
Atelier hätte. Zu den im Raum stehenden Vorwürfen äusserte sich [Wiederverkäufer] dahinge-
hend, dass die Uhrenhersteller mit der Monopolisierung des SAV die Preise bestimmen könn-
ten  und  keine  Konkurrenz  hätten.  Vorteile  für  eine  Konsumentin  oder  einen  Konsumenten 
gäbe es keine, wenn eine Uhrenmarke SAV-Arbeiten selber durchführe. 

[Wiederverkäufer] 

98. 
Zunächst  führte  [Wiederverkäufer]  (nachfolgend:  […])  aus,  dass  der  Umstand,  dass 
gewisse Uhrenhersteller keine Ersatzteile an unabhängige Uhrmacherinnen und Uhrmacher 
liefern,21, dazu führe, dass diese keine SAV-Dienstleistungen an Uhren vornehmen könnten 
und diese an die Hersteller schicken müssten. Dieser Vorgang (der von der Konsumentin oder 
vom  Konsumenten  nicht  gewünscht  sei)  führe  in  zweierlei  Hinsicht  zu  Problemen:  Erstens 
leide das Image von unabhängigen Uhrmacherinnen und Uhrmachern und Boutiquen darunter 
und zweitens würden die Kosten und die Wartezeit für die Konsumentin und den Konsumenten 
erhöht. Das wichtige Kriterium Ersatzteile zu erhalten sei an eine kommerzielle Partnerschaft 
mit  einer  Uhrenmarke  geknüpft.  In  der  Mehrheit  der  Fälle  erleichtere  die  Vertretung  einer 
Marke  den  Zugang  zu  Ersatzteilen  (Fournituren),  was  nach  Ansicht  von  [Wiederverkäufer] 
gleich in doppelter Hinsicht […] sei: Die Uhrenmarken praktizierten eine […] Vertriebspolitik 
und verwendeten Kriterien wie die geografische Lage, das Image oder die Präsenz oder Nicht-
präsenz anderer Marken beim Verkaufspunkt. Die Vertretung einer Uhrenmarke gehe zudem 
mit Investitionen von CHF […] bis CHF […] Mio. einher. 

[Wiederverkäufer] gab an, dass es Alternativen zu Ersatzteilen gäbe für Teile des Uhr-
99. 
werks; hingegen sei es praktisch ausgeschlossen, Ersatzteile für Manufakturuhrwerke, Teile 
wie die Krone, die Lunette, das Gehäuse oder Zeiger zu erhalten. Ebenso wenig seien Teile 
[Uhrwerken] erhältlich, die das Logo einer Marke enthalten. 

100.  Was die Investitionen angeht, die für die Zulassung zum SAV auf einen potenziellen 
SAV-Partner zukommen, bewegten sich diese laut […] zwischen CHF […] und CHF […]; für 
[…] würden die Investitionen gar CHF […] übersteigen. 

101.  Was  die  berufliche  Qualifikation  angeht,  so  führte  [Wiederverkäufer]  aus,  dass  ihrer 
Ansicht nach eine Grundausbildung (CFC horloger-rhabilleur) sowie eine drei- bis fünfjährige 
Praxiserfahrung in der Industrie oder einer Manufaktur erforderlich sei. Als Uhrmacherin und 
Uhrmacher müsse man sich entscheiden, ob man als Generalistin oder als Generalist oder als 

20 Unter «Rhabillage» ist die Instandstellung zu verstehen, d.h. bei einer Rhabilleuse oder einem Rha-
billeur handelt es sich um eine ausgebildete Uhrmacherin oder um einen ausgebildeten Uhrmacher, 
der auf SAV-Dienstleistungen an Uhren spezialisiert ist. 
21 […] zufolge lieferten u.a. […] und […] Ersatzteile nur an zugelassene Wiederverkäufer. 

18 

 
 
 
 
 
 
                                                
Spezialistin oder Spezialist tätig sein wolle, wobei erstere sich ihrer fachlichen Grenzen be-
wusst sein sollten. 

102.  Hinsichtlich der für die Durchführung von SAV-Dienstleistungen erforderlichen Werk-
zeuge und Maschinen gab [Wiederverkäufer] an, dass bestimmte Werkzeuge und Maschinen, 
welche für die Kontrolle verwendet werden, für sämtliche Marken gebraucht werden könnten. 
Daneben  bestünden  jedoch  Werkzeuge,  die  markenspezifisch  sein  müssten  aufgrund  der 
Form einer Uhr, des Uhrenglases oder des Verschlusses. 

103.  Was die im Raum stehenden Vorwürfe (vgl. Fn 18) angeht, so hielt [Wiederverkäufer] 
fest, dass der Satz die Realität nicht vollständig abbilde. Trotz sämtlicher Umstände seien die 
Uhrenhersteller in erster Linie um das Image ihrer Produkte bemüht und wollten daher sicher-
stellen, dass die Anliegen ihrer Kundinnen und Kunden (Konsumentinnen und Konsumenten) 
innert nützlicher Frist bestmöglich erledigt würden. Jedoch sieht [Wiederverkäufer] keinen Vor-
teil für eine Konsumentin und einen Konsumenten, seine Uhr über den SAV der entsprechen-
den Marke reparieren zu lassen. Ganz im Gegenteil sei das Anvertrauen der Uhr an eine un-
für  eine 
abhängige  Uhrmacherin  oder  einen  unabhängigen  Uhrmacher  vorteilhaft 
Konsumentin oder einen Konsumenten, da die Dienstleistungen kostengünstiger und schneller 
durchgeführt würden. Darüber hinaus könne eine unabhängige Uhrmacherin oder ein unab-
hängiger Uhrmacher auf individuelle Wünsche einer Konsumentin oder eines Konsumenten 
eingehen. Diese Einschätzung gelte gemäss [Wiederverkäufer] für Komplikationen mit einfa-
chen Mechanismen bis hin zu solchen mit einem gewissen Niveau. Als nachvollziehbar stuft 
[Wiederverkäufer] ein, dass Uhrenhersteller den Zugang zu gewissen Ersatzteilen in Abhän-
gigkeit zur Komplexität der Uhrwerke lieferten, allerdings sollte dies anhand objektiver Kriterien 
erfolgen. [Wiederverkäufer] vertritt die Ansicht, dass eine Uhrenmarke ein Beurteilungsraster 
erstellen sollte, mit welchem die Expertise sowie die Maschinen und Werkzeuge einer unab-
hängigen Uhrmacherin oder eines unabhängigen Uhrmachers objektiv und messbar geprüfte 
würden, damit dieser oder diesem die Möglichkeit offenstehe, die Konformität mit den aufge-
stellten Kriterien einrichten zu können. Auf diese Weise wäre eine Uhrmacherin oder ein Uhr-
macher in der Lage frei darüber zu entscheiden, ob sie oder er sich gegenüber einer Marke 
verpflichten wolle.22 

A.3.2.3  [Verband] 

[…]  Situation 

[Verband]  äusserte  sich  zur 

104.  Der 
[…].  Bezüglich  des  SAV-
Reparatursystems […], dass der finanzielle Aufwand für die Ausstattung eines Ateliers im Ver-
hältnis zum Ertrag für ausgeführte Reparaturen zu hoch (zwischen […] und […]) und […] sei. 
In Bezug […] speziell geformten Uhrenböden herstelle, die nur mit den entsprechenden […]-
Werkzeugen geöffnet werden könnten. Da […] diese Werkzeuge nicht ausliefere, werde sich 
eine seriöse Uhrmacherin und ein seriöser Uhrmacher hüten, eine solche Uhr zu öffnen, da 
unweigerlich  Beschädigungen  am  Gehäuse  entstünden.  Eine  zusätzliche  Sicherung,  dass 
[…]-Uhren nur bei […]  selber repariert werden könnten, […], so dass diese in jedem Fall beim 
Entfernen  beschädigt  würden  und  ersetzt  werden  müssten.  Da  […],  seien  die  Besitzer  von 
[…]-Uhren gezwungen, ihre Uhren zur Reparatur an […] zu senden. 

105.  Zur Bedeutung des Umstandes für die Konsumentin und den Konsumenten, dass keine 
Uhren-Ersatzteile ausgeliefert werden, meinte der [Verband], dass die Art und der Umfang der 
an einer Uhr vorzunehmenden Arbeiten eine Frage der Kommunikation sei; die Kundin oder 

22 Zu dieser Aussage von […] gilt es festzuhalten, dass diejenigen Uhrenhersteller, welche den Ver-
kauf von Uhren nicht als Zulassungskriterium für die Zulassung zu den SAV-Systemen voraussetzen, 
angegeben haben, dass sie die entsprechenden Kriterien potenziellen SAV-Partnern zustellen. Somit 
geht das Sekretariat davon aus, dass sich die Aussage von […] wohl auf die SAV-Systeme von Her-
stellern bezieht, welche den Verkauf von Uhren als Zulassungskriterium voraussetzen. 

19 

 
 
 
 
 
 
                                                
der Kunde entscheide, ob sie oder er für einen angemessen tieferen Preis eine Teilreparatur 
wünsche mit entsprechend reduzierter Garantie und kürzerer Reparaturzeit oder doch lieber 
eine komplette Revision mit einem höheren finanziellen Engagement, einer umfassenden Ga-
rantie und, je nach Marke, einer Reparaturzeit von zwei bis drei Wochen bis zu einem halben 
Jahr und mehr. Diese Wahl könne die Konsumentin oder der Konsument jedoch nur vorneh-
men,  wenn  die  Reparatur  vor  Ort  mit  den  entsprechenden  Original-Ersatzteilen  ausgeführt 
werden könne. In den letzten Jahren seien die SAV-Abteilungen der Uhrenfirmen zu logisti-
schen Kompetenzzentren umgebaut worden. […] seien heute Realität und hätten mit der tra-
ditionellen Uhrenreparatur, wie sie in einzelnen traditionellen Uhrenateliers und in hochwerti-
gen Uhren-Manufakturen ausgeführt würden, wenig zu tun. 

106.  Der  [Verband] führte  in  rechtlicher  Hinsicht  aus, dass  die  Schweizer  Uhrenhersteller 
auf  den  Märkten  für  Reparaturdienstleistungen  und  Ersatzteilversorgung  eine  marktbeherr-
schende Stellung einnehmen würden, da zum einen Ersatzteile ausschliesslich von Schweizer 
Uhrenherstellern bezogen werden könnten und zum anderen der Zugang zu diesen Märkten 
erhebliche Investitionen erfordere. Durch die von den Uhrenherstellern eingerichteten selek-
tiven  Reparatursysteme reservierten  sich  die  Hersteller  die  Sekundärmärkte  der  Reparatur-
dienstleistungen und Ersatzteilversorgung für sich selbst, indem sie den unabhängigen Werk-
stätten  den  Zugang  zu  diesen  Märkten  verschliessen  würden.  Die  Systeme  der 
Uhrenhersteller schalteten nach Ansicht des [Verbands] den wirksamen Wettbewerb aus, da 
es  keinen  Wettbewerb  zwischen  den  Uhrenherstellern  und  den  unabhängigen  Ateliers  und 
Werkstätten gebe. Der [Verband] erachtet daher die Voraussetzungen für die Eröffnung einer 
Untersuchung i.S.v. Art. 27 KG als gegeben. 

A.3.3  Erkenntnisse der Marktbefragungen 

107.  Betrachtet man die Stellungnahmen der Uhrenhersteller und der Marktgegenseite, so 
erhellt, dass die Darstellung der erstgenannten im Lichte der Angaben der unabhängigen Uhr-
macherinnen und Uhrmacher, der Wiederverkäufer sowie des [Verband] in bestimmten Punk-
ten  Fragen  aufwerfen.  Namentlich  geht  aus  den  Antworten  der  Befragten  hervor,  dass  die 
Uhrenhersteller im Wesentlichen ihre SAV-Systeme aus Gründen der Qualität eingeführt ha-
ben und entsprechend der (hohen) Qualität der von ihnen produzierten Uhren hohe Anforde-
rungen an den SAV stellen. Dieser Punkt wird von den Wiederverkäufern grundsätzlich nicht 
in Frage gestellt; die unabhängigen Uhrmacherinnen und Uhrmacher als auch der [Verband] 
erachten die SAV-Systeme der Uhrenhersteller dagegen eher als Mittel, mit welchem Konsu-
mentinnen und Konsumenten dazu gezwungen werden sollten, SAV-Arbeiten bei den Herstel-
lern  durchführen  zu  lassen.  Wie  die  SAV-Systeme  der  Uhrenhersteller  in  kartellrechtlicher 
Sicht einzuordnen sind, darauf wird an späterer Stelle eingegangen. Zusammenfassend lässt 
sich Folgendes festhalten: 

Uhrenhersteller 

(i)  Die SAV-Arbeiten werden entweder von den Herstellern selber oder von ihnen autori-
sierten  Servicepartnern  durchgeführt.  Dementsprechend  werden  auch  nur  autorisierte 
Servicepartner mit Ersatzteilen beliefert. 

(ii)  Komplexere Arbeiten (z.B. Arbeiten, welche die Öffnung des Gehäuses erfordern) wer-

den i.d.R. von den Uhrenherstellern selber vorgenommen. 

(iii)  Die Uhrenhersteller argumentieren allesamt damit, dass ihre SAV-Systeme ein bestimm-

tes Qualitätsniveau für SAV-Arbeiten sicherstellen sollten. 

(iv)  Gewisse Uhrenhersteller setzen für die Zulassung zum SAV-System den Produktever-

kauf voraus, so namentlich […]. 

20 

 
 
 
 
 
 
(v)  Ersatzteile  für  Uhren  sind  –  mit  Ausnahme  von  bestimmten  Standard-Uhrwerken  – 

grundsätzlich markenspezifisch und dementsprechend nicht austauschbar. 

Marktgegenseite 

(i) 

Für die Zulassung zum SAV müssen unabhängige Uhrmacherinnen und Uhrmacher In-
vestitionen tätigen, so namentlich hinsichtlich der Anschaffung spezifischer Werkzeuge 
und Maschinen, Schulungen oder punktuell auch in Bezug auf die Räumlichkeiten. 

(ii)  Unabhängige Uhrmacherinnen und Uhrmacher sind in der Lage, auf Konsumentenwün-
sche  spezifisch  einzugehen,  d.h.  diejenigen  Arbeiten  vorzunehmen (und  in  Rechnung 
zu  stellen),  die  von  einer  Kundin  oder  einem  Kunden  nachgefragt  werden.  Der  SAV-
Prozess der Uhrenhersteller ist im Vergleich dazu eher als standardisiert einzustufen. 

(iii)  Da Ersatzteile für Uhren grundsätzlich nicht austauschbar sind, führt der Umstand, dass 
unabhängige  Uhrmacherinnen  und  Uhrmacher  (wenn  sie  nicht  zum  SAV  zugelassen 
sind)  von  bestimmten  Uhrenherstellern  nicht  mit  Ersatzteilen  beliefert  werden,  dazu, 
dass diese somit keine SAV-Arbeiten an entsprechenden Uhren durchführen können. 

(iv) 

Im Allgemeinen stufen die unabhängigen Uhrmacherinnen und Uhrmachern sowie der 
[Verband] die SAV-Systeme der Uhrenhersteller als existenzbedrohend ein. 

A.4 

Verfahren in der EU 

108.  Wie bereits erwähnt wurde, war bei der Europäischen Kommission (nachfolgend: EU-
Kommission) ein gleichläufiges Verfahren hängig. Die Erkenntnisse der EU-Kommission be-
einflussen  nach  Ansicht  des  Sekretariats  die  vorliegende  Vorabklärung  in  einigen  Punkten, 
worauf an den entsprechenden Stellen dieses Berichts eingegangen wird. Der Übersicht hal-
ber wird hier zunächst das Verfahren der EU-Kommission kurz dargestellt.  

109. 
Im Jahr 2004 beschwerte sich der Europäische Uhrmacherverband (Confédération eu-
ropéenne  des  Associations  d’Horlogers-Réparateurs,  nachfolgend:  CEAHR23)  bei  der  EU-
Kommission darüber, dass Hersteller von Prestige-/Luxusuhren24 europäisches Wettbewerbs-
recht verletzten, indem sie sich weigerten, Ersatzteile an unabhängige Reparaturbetriebe zu 
liefern  und  diese  vom  Markt  verdrängen  würden.  Am  10. Juli 2008  entschied  die  EU-
Kommission, auf die Beschwerde mangels unionsweiter Bedeutung nicht einzutreten. Die EU-
Kommission argumentierte, dass die Beschwerde einen Sektor betreffe, der von beschränkter 
ökonomischer Bedeutung sei, die Sache von nationalen Wettbewerbsbehörden und Gerichten 
besser beurteilt werden könnte und dass die Wahrscheinlichkeit, einen Verstoss gegen das 
EU-Wettbewerbsrecht  zu  finden,  als  nicht  sehr  hoch  einzustufen  sei.  Dagegen  erhob  der 
CEAHR Klage beim Gericht der Europäischen Union (nachfolgend: EuG). 

110.  Mit  Urteil  vom 15. Dezember 2010  hob  das  EuG  den  Entscheid  der EU-Kommission 
auf, weil diese in ihrem Entscheid in Bezug auf die Beschwerde des CEAHR Ermessensfehler 
begangen und den Entscheid unzureichend begründet habe. 

111.  Am 1. August 2011 entschied die EU-Kommission, im Nachgang zum EuG-Urteil, ein 
formelles Verfahren zu eröffnen, um die Sachlage zu klären. Am 29. Juli 2014 informierte die 

23 <http://www.ceahr.org/> (06.06.2018). 
24 In der Beschwerde beanstandet wurden die Verhaltensweisen der folgenden Unternehmen: Swatch 
Group, Richemont, LVMH, Rolex, Audemars Piguet und Patek Philippe SA. Gegen diese Unterneh-
men und die folgenden weiteren Unternehmen eröffnete die EU-Kommission ein formelles Verfahren: 
Sowind S.A., PPR, Breitling, Eberhard & Co. S.A., Cronomar S.A. und Diarsa. Vgl. Rückweisungsent-
scheid der EU-Kommission vom 29.07.2014, Rz 1 f. und Rz 8, <http://ec.europa.eu/competition/anti-
trust/cases/dec_docs/39097/39097_3128_4.pdf> (06.06.2018). 

21 

 
 
 
 
 
 
                                                
EU-Kommission die Öffentlichkeit darüber, dass sie das Verfahren eingestellt habe, weil sie 
zum Schluss gekommen sei, dass der Aufwand, den eine genauere Untersuchung erforderlich 
machen würde, in keinem Verhältnis zu der geringen Wahrscheinlichkeit stehe, Verstösse ge-
gen das EU-Kartellrecht nachzuweisen.25 

112.  Am 7. Oktober 2014 hat der CEAHR eine Klage beim EuG gegen den Entscheid der 
EU-Kommission erhoben und rügte die folgenden sechs Punkte: 

Die EU-Kommission habe einen Fehler begangen bei 

(i)  der Beschreibung der Marktmacht der Schweizer Uhrenhersteller; 

(ii)  der Beurteilung eines Missbrauchs durch die Weigerung der Schweizer Uhrenhersteller 

an unabhängige Uhrmacherinnen und Uhrmacher zu liefern; 

(iii)  der Beurteilung der objektiven Rechtfertigung der selektiven Systeme im Bereich SAV und 

(iv)  der Beurteilung des Bestehens einer Absprache oder abgestimmten Verhaltensweise. 

Daneben warf der CEAHR der EU-Kommission vor, einen Verstoss gegen die Begründungs-
pflicht sowie einen Verstoss gegen den Grundsatz der ordnungsgemässen Verwaltung be-
gangen zu haben. 

113.  Mit Urteil vom 23. Oktober 201726 wies das EuG die Klage des CEAHR in sämtlichen 
Punkten ab. 

B 

Erwägungen 

114.  Aufgrund des oben Dargelegten gilt es die Frage zu klären, wie die SAV-Systeme der 
Uhrenhersteller in kartellrechtlicher Sicht einzuordnen sind. In den überaus meisten Fällen 
beruhen die SAV-Systeme auf individuellen (vertraglichen) Vereinbarungen, was eine Sub-
sumtion unter Art. 5 KG nahe legt. Abhängig von der Marktabgrenzung ist indes auch denk-
bar, dass die Verhaltensweisen der Uhrenhersteller im Lichte von Art. 7 KG relevant sein 
könnten. Die folgenden Ausführungen sind daher so gegliedert, dass in einem ersten Schritt 
geprüft wird, ob die SAV-Systeme Wettbewerbsabreden darstellen und gegebenenfalls im 
Anschluss, ob es Anhaltspunkte dafür gibt, dass die Abreden als unzulässig einzustufen 
sind. Schliesslich wird auch die Frage geprüft, ob Anhaltspunkte für das Bestehen allfälliger 
marktbeherrschender Stellungen resp. entsprechend unzulässiger Verhaltensweisen beste-
hen. 

B.1  Geltungsbereich  

115.  Das Kartellgesetz gilt in persönlicher Hinsicht sowohl für Unternehmen des privaten 
wie auch für solche des öffentlichen Rechts (Art. 2 Abs. 1 KG). Als Unternehmen im Sinne 
des Kartellgesetzes gelten sämtliche Nachfrager oder Anbieter von Gütern und Dienstleis-
tungen im Wirtschaftsprozess, unabhängig von ihrer Rechts- oder Organisationsform 
(Art. 2 Abs. 1bis KG). 

25 Vgl. Pressemitteilung der EU-Kommission vom 05.08.2011, <http://europa.eu/rapid/press-re-
lease_IP-11-952_de.htm> (06.06.2018) sowie Web-Statement der EU-Kommission vom 29.07.2014, 
<http://ec.europa.eu/competition/antitrust/cases/dec_docs/39097/39097_3089_3.pdf> (06.06.2018). 
26 <http://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?text=&docid=195810&pageIndex=0&do-
clang=EN&mode=lst&dir=&occ=first&part=1&cid=1237631> (06.06.2018). 

22 

 
 
 
 
 
 
                                                
In sachlicher Hinsicht erstreckt sich das Kartellgesetz auf das Treffen von Kartell- und 

116. 
anderen Wettbewerbsabreden, auf die Ausübung von Marktmacht sowie auf die Beteiligung 
an Unternehmenszusammenschlüssen (Art. 2 Abs. 1 KG). 

117.  Der Geltungsbereich ist in casu gegeben, sodass das Kartellgesetz zur Anwendung 
kommt. Bei den Uhrenherstellern handelt es sich um Unternehmen im Sinne von 
Art. 2 Abs. 1bis KG, sachlich wird geprüft, ob unzulässige Wettbewerbsabreden oder Verhal-
tensweisen marktbeherrschender Unternehmen vorliegen und in örtlicher Hinsicht wirken 
sich die in Rede stehenden Verhaltensweisen der Uhrenhersteller in der Schweiz aus. 

B.2 

Vorbehaltene Vorschriften  

118.  Dem Kartellgesetz sind Vorschriften vorbehalten, die auf einem Markt für bestimmte 
Waren oder Leistungen Wettbewerb nicht zulassen, insbesondere Vorschriften, die eine 
staatliche Markt- oder Preisordnung begründen, und solche, die einzelne Unternehmen zur 
Erfüllung öffentlicher Aufgaben mit besonderen Rechten ausstatten (Art. 3 Abs. 1 KG).27 
Ebenfalls nicht unter das Gesetz fallen Wettbewerbswirkungen, die sich ausschliesslich aus 
der Gesetzgebung über das geistige Eigentum ergeben. Hingegen unterliegen Einfuhrbe-
schränkungen, die sich auf Rechte des geistigen Eigentums stützen, der Beurteilung nach 
diesem Gesetz (Art. 3 Abs. 2 KG). 

In den hier zu beurteilenden Märkten gibt es keine Vorschriften, die Wettbewerb nicht 

119. 
zulassen. 

B.3 

Unzulässige Wettbewerbsabreden 

120.  Nach Art. 5 Abs. 1 KG sind Abreden, die den Wettbewerb auf einem Markt für be-
stimmte Waren oder Leistungen erheblich beeinträchtigen und sich nicht durch Gründe der 
wirtschaftlichen Effizienz rechtfertigen lassen, sowie Abreden, die zur Beseitigung wirksamen 
Wettbewerbs führen, unzulässig. 

Im Folgenden wird geprüft, ob in casu Wettbewerbsabreden vorliegen, welche im er-

121. 
wähnten Sinne als unzulässig einzustufen sind. Namentlich prüft das Sekretariat die  
SAV-Systeme der Uhrenhersteller, welche hauptsächlich Gegenstand der Beschwerden wa-
ren und zur Eröffnung dieser Vorabklärung Anlass gegeben haben. Die folgenden Ausfüh-
rungen sind so gegliedert, dass zunächst geprüft wird, ob in concreto die  
SAV-Systeme als Wettbewerbsabreden zu qualifizieren sind i.S.v. Art. 4 Abs. 1 KG und beja-
hendenfalls im Anschluss, ob es Anhaltspunkte für deren Unzulässigkeit gibt i.S.v. Art. 5 KG. 

B.3.1  Wettbewerbsabrede  

122.  Als Wettbewerbsabreden gelten rechtlich erzwingbare oder nicht erzwingbare Verein-
barungen sowie aufeinander abgestimmte Verhaltensweisen von Unternehmen gleicher oder 
verschiedener Marktstufen, die eine Wettbewerbsbeschränkung bezwecken oder bewirken 
(Art. 4 Abs. 1 KG). 

123.  Eine Wettbewerbsabrede definiert sich daher durch zwei Tatbestandselemente: a) ein 
bewusstes und gewolltes Zusammenwirken der an der Abrede beteiligten Unternehmen und 
b) die Abrede bezweckt oder bewirkt eine Wettbewerbsbeschränkung. 

27 Vgl. dazu ausführlich Urteil des BGer 2C_73/2014 vom 28.01.2015, RPW 2015/1, 131, Sanktions-
verfügung: Hors-Liste Medikamente (Publikumspreisempfehlung betreffend Cialis, Levitra und Viagra). 

23 

 
 
 
 
 
 
                                                
124.  Die Zulassungskriterien für die Erbringung von SAV-Dienstleistungen werden von den 
meisten  Uhrenherstellern  in  (vertriebs-)vertraglichen  Dokumenten  festgehalten,  wobei  man-
che Uhrenhersteller für den SAV separate Dokumente erstellt haben. Für die Zulassung zum 
SAV ist es somit erforderlich, dass Wiederverkäufer, die SAV-Dienstleistungen erbringen wol-
len, vertragliche Verpflichtungen mit den Uhrenherstellern eingehen. 

125.  Bei  diesen  vertraglichen  Verpflichtungen  handelt  es  sich  um  Wettbewerbsabreden 
i.S.v.  Art. 4 Abs. 1 KG.  Das  bewusste  und  gewollte  Zusammenwirken  ist  ohne  Weiteres  zu 
bejahen, da die entsprechenden Verträge rechtlich verbindlich sind. Auch das Kriterium des 
Bezweckens oder Bewirkens einer Wettbewerbsbeschränkung ist nach Ansicht des Sekreta-
riats  zu  bejahen,  denn  mit  den  Zulassungskriterien,  mit  welchen  die  Uhrenhersteller  
SAV-Partner  auswählen,  wird  ein  bestimmter  Teil  der  Reparateure  von  der  Erbringung  von 
entsprechenden Dienstleistungen ausgeschlossen. Wie noch aufgezeigt wird, handelt es sich 
bei  den  SAV-Systemen  der  Uhrenhersteller  um  selektive  Vertriebssysteme  (vgl. Rz 129 ff.). 
Diese können zu einem Verlust an markeninternem Wettbewerb (Intrabrand-Wettbewerb) und 
zu einer Aufweichung des Wettbewerbs sowie zu einer Erleichterung von Kollusion unter An-
bietern oder Abnehmern führen.28 Bei den Abreden handelt es sich um vertikale, da die Uh-
renhersteller und die Wiederverkäufer bzw. Reparateure auf unterschiedlichen Markstufen tä-
tig sind. 

B.3.2  Erhebliche Wettbewerbsabreden i.S.v. Art. 5 Abs. 1 KG 

126.  Vorab ist festzuhalten, dass diese Vorabklärung keine Hinweise zu Tage gefördert 
hat, die auf das Vorliegen vertikaler Abreden über Mindest- oder Festpreise oder Abreden in 
Vertriebsverträgen über die Zuweisung von Gebieten, soweit Verkäufe in diese durch ge-
bietsfremde Vertriebspartner ausgeschlossen werden, i.S.v. Art. 5 Abs. 4 KG hindeuten. Es 
ist nicht vom Vorliegen von Abreden auszugehen, welche nach der bundesgerichtlichen 
Rechtsprechung in Sachen Gaba als grundsätzlich erheblich einzustufen sind.29 

127.  Daher ist zu prüfen, ob die Abreden zwischen den Uhrenherstellern und ihren  
SAV-Partnern als erhebliche Wettbewerbsbeschränkungen i.S.v. Art. 5 Abs. 1 KG zu qualifi-
zieren sind. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung in Sachen Gaba kann die Erheb-
lichkeit einer Wettbewerbsabrede mit quantitativen und mit qualitativen Kriterien bestimmt 
werden, wobei es keineswegs sowohl einer quantitativen als auch qualitativen Erheblichkeit 
bedarf. Ist deshalb das qualitative Element sehr gewichtig, so bedarf es kaum eines quantita-
tiven Elements. Gibt es demgegenüber keine qualitativen Elemente oder nur solche mit ge-
ringem Gewicht, so ist die Erheblichkeitsschwelle (vor allem) durch quantitative Elemente zu 
bestimmen. Quantitative und qualitative Erheblichkeit verhalten sich demnach wie zwei kom-
munizierende Röhren.30 

128.  Vor diesem Hintergrund gilt es in einem ersten Schritt zu prüfen, ob im vorliegenden 
Fall von Abreden auszugehen ist, die gemäss Praxis der Wettbewerbskommission (nachfol-
gend: WEKO) dem Gegenstand nach als qualitativ schwerwiegend einzustufen sind 
(Ziff. 12 Abs. 2  VertBek31). 

129.  Die Betrachtung der Systeme, mit denen die befragten Uhrenhersteller ihren SAV or-
ganisiert haben, zeigt, dass es sich dabei um selektive Vertriebssysteme handelt i.S.v. 
Ziff. 4 Abs. 1 VertBek. Die befragten Uhrenhersteller wählen ihre Partner (Uhrmacherinnen 

28 Leitlinien der Europäischen Kommission für vertikale Beschränkungen, ABl. C 130 vom 19.05.2010 
S. 1 (EU-Vertikalleitlinien), Rz 175. 
29 BGE 143 II 297, E.5.2.5. 
30 BGE 143 II 297, E.5.2.2. 
31 Bekanntmachung der Wettbewerbskommission vom 28. Juni 2010 über die wettbewerbsrechtliche 
Behandlung vertikaler Abreden, Vertikalbekanntmachung, VertBek. 

24 

 
 
 
 
 
 
                                                
und Uhrmacher), welche zur Durchführung von SAV-Arbeiten autorisiert sind, aufgrund fest-
gelegter Merkmale aus. Nur die ausgewählten Partner sind berechtigt, SAV-Arbeiten durch-
zuführen, und nur solche werden mit entsprechend benötigten Ersatzteilen beliefert. Diese 
Teile dürfen den vertraglichen Vereinbarungen zufolge von den zugelassenen Partnern auch 
nicht an nicht zugelassene Uhrmacherinnen und Uhrmacher verkauft werden (vgl. Rz 9 ff.). 
Damit sind die Voraussetzungen für die Qualifikation als selektive Vertriebssysteme gege-
ben. Die vertraglichen Verpflichtungen, welche Partner mit den Uhrenherstellern eingehen 
(müssen), um zum SAV zugelassen zu werden, sind als vertikale Wettbewerbsabreden über 
den selektiven Vertrieb einzustufen. 

130.  Diese Abreden sind indes keinem der in Ziff. 12 Abs. 2 VertBek genannten Typen zu-
zuordnen32, die von der WEKO als dem Gegenstand nach als qualitativ schwerwiegend be-
trachtet werden. Somit kann betreffend das qualitative Element festgehalten werden, dass 
nicht von als «sehr gewichtig» einzustufenden Abreden auszugehen ist. Das qualitative Ele-
ment, das von den hier interessierenden Abreden betroffen ist, ist in der Beschränkung des 
Intrabrand-Wettbewerbs zu sehen; die Erheblichkeitsschwelle ist alleine deswegen nach An-
sicht des Sekretariats nicht als erreicht zu betrachten.  

B.3.2.1  Unerheblichkeit von rein qualitativem Selektivvertrieb 

131.  Die befragten Uhrenhersteller begründeten ihre Vertriebssysteme betreffend den SAV 
vornehmlich damit, dass die Qualität von SAV-Arbeiten gewährleistet werden soll. Daher 
drängt sich die Frage auf, ob die selektiven Vertriebssysteme der Uhrenhersteller als rein 
qualitativ i.S.v. Ziff. 14 VertBek qualifiziert werden können. 

132.  Nach Ziff. 14 VertBek führen Abreden, die einen rein qualitativen Selektivvertrieb zum 
Gegenstand haben, nicht zu einer erheblichen Wettbewerbsbeeinträchtigung, sofern kumula-
tiv die drei folgenden Voraussetzungen gegeben sind: 

-  Die Beschaffenheit des fraglichen Produkts muss einen selektiven Vertrieb erfordern, 

d.h., ein solches Vertriebssystem muss ein Erfordernis zur Wahrung der Qualität und zur 
Gewährleistung des richtigen Gebrauchs des betreffenden Produkts sein; 

- 

die Wiederverkäufer müssen aufgrund objektiver Kriterien qualitativer Art ausgewählt 
werden. Diese sind einheitlich festzulegen, allen potenziellen Wiederverkäufern zur Ver-
fügung zu stellen und unterschiedslos anzuwenden und 

- 

die aufgestellten Kriterien dürfen nicht über das hinausgehen, was erforderlich ist. 

133.  Was diese Kriterien angeht, so gab der überwiegende Teil der befragten Uhrenher-
steller sowohl an, dass der SAV einen selektiven Vertrieb erfordere als auch, dass dieser 
rein qualitativ ausgestaltet sei. 

32 Namentlich liegt keine Konstellation i.S.v. Ziff. 12 (2) Bst. e VertBek vor, da nicht der Anbieter (Uh-
renhersteller) daran gehindert wird, Ersatzteile an Endverbraucher, Reparaturbetriebe oder andere 
Dienstleister zu verkaufen, die der Abnehmer nicht mit der Reparatur oder der Wartung seiner Waren 
betraut hat, sondern liegen Beschränkungen des Verkaufs an nicht zugelassene Händler vor 
(Ziff. 12 (2) Bst. b) (iii) VertBek. 

25 

 
 
 
 
 
 
 
 
                                                
Tabelle 3: Angaben der Uhrenhersteller zu ihren Vertriebssystemen 

Uhrenhersteller 

Rein qualitativ 

Selektiver Ver-
trieb SAV 

Ja 

Nein 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…]33 

[…]34 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…]35 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…]36 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

Illustrativ werden die Begründungen aufgezeigt, welche einige Uhrenhersteller bezüg-

134. 
lich der Notwendigkeit ihrer selektiven Vertriebssysteme für den SAV vorgetragen haben. 

(i) 

 […]  argumentierte  mit  der  Komplexität  mechanischer  […]-Uhren  und  dem  Umstand, 
dass diese aus […]-spezifischen Teilen bestünden, sodass ausschliesslich von […] aus-
gebildete Uhrmacherinnen und Uhrmacher in der Lage seien, die Minimalstandards für 
Revisionen und Reparaturen einzuhalten. Das von […] vorausgesetzte Qualitätsniveau 
könne eine Uhrmacherin und ein Uhrmacher nur dann erreichen, wenn sie oder er […]-
Ausbildungskurse besucht habe und über […]-spezifische Werkzeuge und Ausrüstung 
verfüge. Die Kontrolle des Vertriebs von Ersatzteilen diene dem Schutz der Konsumentin 
oder des Konsumenten vor Fälschungen. 

33 […]. 
34 […].  
35 […]. 
36 […]. 

26 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
                                                
(ii) 

(iii) 

(iv) 

(v) 

 […] führte aus, dass die Einführung eines selektiven Vertriebssystems für den SAV not-
wendig sei, um die Qualität von Uhren ihrer Marke zu bewahren, deren richtiges Funkti-
onieren sicherzustellen, eine erhöhte und einheitliche Qualität von Reparaturdienstleis-
tungen  sicherzustellen  und  Fälschungen  vorzubeugen.  Die  Vielzahl  der  Modelle  und 
Uhrwerks-Kalibern, die von […] entwickelt und hergestellt worden sind, erforderten eine 
spezielle Ausbildung der Servicepartner. 

 […] führte aus, dass das Erfüllen der qualitativen objektiven Kriterien sicherstelle, dass 
das Vertriebsnetz aus qualifizierten und fähigen SAV-Partnern bestehe, die sachgemäss 
SAV-Arbeiten mit der dafür erforderlichen Ausrüstung vornehmen. Damit werde die Qua-
lität der SAV-Arbeiten sichergestellt und eine verbesserte Dienstleistungsqualität für die 
Endkundin und den Endkunden erzielt. Umgekehrt führten bspw. wegen ungenügendem 
Knowhow  oder  technisch  nicht  ausreichendem  Werkzeug  unsachgemäss  instand  ge-
setzte Uhren zu unzufriedenen Kundinnen und Kunden, was der Reputation der Marke 
und  nicht  der  unqualifizierten  Uhrmacherin  oder  dem  unqualifizierten  Uhrmacher 
schade. Die Servicepartner würden aufgrund objektiver Kriterien qualitativer Art ausge-
wählt,  die  einheitlich  ([…])  festgelegt,  sämtlichen  potenziellen  Partnern  zur  Verfügung 
gestellt und unterschiedslos angewendet. 

[…] argumentierte damit, dass ihre Uhren eine kostspielige Investition für Konsumentin-
nen und Konsumenten seien und diese wüssten, dass der SAV ein notwendiges Element 
darstelle,  um  das  langfristig gute  Funktionieren sicherzustellen  sowie  den Wertverlust 
einer Uhr zu begrenzen. Entscheide sich eine Konsumentin und ein Konsument dazu, 
einen Unterhaltsservice oder eine Reparatur an seiner Uhr durchzuführen, erwarte er, 
dass diese Arbeiten verfügbar seien und Servicepartner in der Lage seien, eine Repa-
ratur von Qualität durchzuführen. Daher sei es wichtig, ein selektives Reparatursystem 
zu installieren, mit welchem ein Uhrenhersteller überprüfen könne, dass die Kompeten-
zen,  die  Werkzeuge  vorhanden  und  die  Infrastruktur  von  Reparaturateliers  geeignet 
seien und es erlauben, erforderliche Reparaturen durchzuführen, damit eine Konsumen-
tin oder ein Konsument einen SAV von hoher Qualität erhalte. 

[…] gab an, ein (rein qualitatives) selektives Vertriebssystem für den SAV-Bereich ein-
geführt zu haben, um sicherzustellen, dass die Reparaturarbeiten an Uhren ihrer Marke 
einheitlich und in hoher Qualität ausgeführt werden in Übereinstimmung mit den Merk-
malen  und  der  Reputation  von  […]-Uhren. […]  sei  bemüht,  das  Risiko  zu  minimieren, 
dass  unsachgemässe  oder  schlecht  ausgeführte  Reparaturen  sich  auf das  Image  der 
Marke und die Qualität sowie den Gebrauch auswirken. Kundinnen und Kunden seien 
nicht  in  der  Lage,  die  Qualität  einer  Reparatur  zu  beurteilen  und  könnten  daher  auch 
nicht einschätzen, ob die Fehlfunktion einer Uhr auf eine schlechte Reparatur oder die 
Qualität einer Uhr zurückzuführen sei. 

135.  Diesen Vorbringen der Uhrenhersteller lässt sich die Gemeinsamkeit entnehmen, 
dass für diese ein selektives Vertriebssystem aus Qualitätsgründen erforderlich ist; nament-
lich bedingten SAV-Arbeiten an Uhren eine bestimmte Qualität, was von Konsumentinnen 
und Konsumenten erwartet werde. Mit einem selektiven Vertriebssystem im Bereich von 
SAV-Dienstleistungen könne sichergestellt werden, dass das Markenimage nicht (durch un-
sachgemäss durchgeführte Arbeiten) in Mitleidenschaft gezogen werde. Das Argument der 
Uhrenhersteller, dass mit einem selektiven Vertriebssystem die Qualität des SAV für Uhren 
sichergestellt werden könne, wird von der Marktgegenseite nicht grundsätzlich in Abrede ge-
stellt.  

136.  Hinsichtlich der Auswahl der Wiederverkäufer (SAV-Partner) aufgrund objektiver Kri-
terien qualitativer Art, die einheitlich festzulegen und allen potenziellen Partnern zur Verfü-
gung zu stellen sowie unterschiedslos anzuwenden sind, lieferten die Uhrenhersteller die 
nachfolgend tabellarisch festgehaltenen Informationen. 

27 

 
 
 
 
 
 
Tabelle 4: Angaben der Uhrenhersteller zur Ausgestaltung ihrer Vertriebssysteme 

Uhrenhersteller/-in-
nen 

Objektive Kriterien 
qualitativer Art 

Einheitlich festgelegt  Potenziellen Partnern/-in-

nen zur Verfügung ge-
stellt 

Ja37 

Ja 

Ja 

Ja 

Ja 

Ja 

Ja 

Ja 

Ja 

Ja 

Ja 

Ja 

Ja 

Ja39 

Ja 

Ja 

Ja 

Ja 

Ja 

Ja 

[…] 

[…] 

[…]38 

[…] 

[…]40 

[…] 

[…]41 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…]. 

137.  Bei den von den Uhrenherstellern für die Zulassung zum SAV aufgestellten Selekti-
onskriterien handelt es sich im Wesentlichen um solche betreffend 

 

 

die Ausbildung und Erfahrung des Personals, welches SAV-Arbeiten durchführt; 

die Infrastruktur der Räumlichkeiten, in welchen SAV-Arbeiten durchgeführt werden so-
wie  

  Vorhandensein von geeigneten (markenspezifisch erforderlichen) Werkzeugen und Ma-

schinen. 

138.  Diese Kriterien lassen sich objektiv messen und sind nach Ansicht des Sekretariats in 
den weitaus meisten Fällen auch so formuliert, dass sie für einen potenziellen SAV-Partner 
(Uhrmacherinnen und Uhrmacher) nachvollziehbar sind. Dieser ist somit nach Einschätzung 
des Sekretariats in der Lage zu beurteilen, ob er die Selektionskriterien erfüllt bzw. einzu-
schätzen, welche zusätzlichen Massnahmen er ergreifen müsste, um die Kriterien zu erfül-
len. Einzig bei […] – die über keine schriftlichen Dokumente verfügt –, könnte man sich die 
Frage stellen, ob die Zulassungskriterien als einheitlich festgelegt zu betrachten sind.  

139.  Betrachtet man die vorstehende Tabelle 4, so erhellt, dass – […] – sämtliche anderen 
Uhrenhersteller angaben, dass die […]. Die von den Uhrenherstellern eingereichten Doku-
mente, in welchen die Zulassungskriterien festgehalten sind, zeigen zudem nicht nur, dass 
die Kriterien klar und einheitlich festgehalten sind, sondern lassen auch darauf schliessen, 
dass sie unterschiedslos angewendet werden, da sie mit einer Vielzahl von SAV-Partnern 

37  […]. 
38  […]. 
39  […]. 
40  […]. 
41  […]. 

28 

 
 
 
 
 
 
 
                                                
abgeschlossen werden. In diesem Zusammenhang gilt es hinsichtlich der Vorwürfe unabhän-
giger Uhrmacherinnen und Uhrmacher (vgl. Rz 1 f.) darauf hinzuweisen, dass mehrere anga-
ben, gar nicht erst ein Gesuch um Zulassung zum SAV gestellt zu haben, sondern eher die 
Ansicht vertreten wird, dass die Uhrenhersteller zur Lieferung von Ersatzteilen verpflichtet 
sind bzw. werden sollten. Konkrete Hinweise oder gar Belege, dass unabhängige Uhrmache-
rinnen und Uhrmacher, die zum SAV der Uhrenhersteller zugelassen werden wollten, in dis-
kriminierender Weise abgelehnt wurden, liegen nicht vor bzw. wurden von den sich be-
schwerenden Uhrmacherinnen und Uhrmacher keine vorgelegt.  

140.  Fraglich ist schliesslich, ob die SAV-Systeme der Uhrenhersteller nicht über das hin-
ausgehen, was erforderlich ist. Dafür spricht nach Ansicht des Sekretariats der Umstand, 
dass die Uhrenhersteller allesamt die Sicherstellung der Qualität von SAV-Dienstleistungen 
als Grund für die selektiven Vertriebssysteme genannt haben. Der Zweck (das Erforderliche) 
der selektiven Vertriebssysteme der Uhrenhersteller kann dementsprechend in der Sicher-
stellung der Qualität von SAV-Dienstleistungen gesehen werden. Die von den Uhrenherstel-
lern aufgestellten Zulassungskriterien sind nach Einschätzung des Sekretariats objektiver Art 
und messbar sowie – da sie sich auf die Infrastruktur von Reparaturateliers, Werkzeuge und 
die Qualifikation von Uhrmacherinnen und Uhrmacher beziehen – als geeignet einzustufen, 
den Zweck (der selektiven Vertriebssysteme) zu erfüllen. 

141.  Gegen diese Einschätzung sprechen die Voten der Marktgegenseite, welche u.a. mo-
niert, dass der (finanzielle) Aufwand, der mit der Zulassung zum SAV verbunden ist, zu weit-
gehend sei. Dem kann jedoch entgegengehalten werden, dass selektive Vertriebssysteme 
typischerweise mit (finanziellen) Aufwänden verbunden sind; diese sind nach Ansicht des 
Sekretariats auch nicht offensichtlich als exzessiv einzustufen angesichts der hier in Rede 
stehenden Produkte. Denn gerade Produkte wie Uhren weisen in puncto Markenimage und 
Produktkomplexität Eigenheiten auf, welche erhöhte Anforderungen an die Zulassungskrite-
rien zu einem selektiven Vertriebssystem nahelegen können. Für das Sekretariat scheint es 
daher plausibel zu sein, dass die Beschaffenheit von Uhren (mindestens in bestimmten 
Preissegmenten) einen rein qualitativen Selektivvertrieb erfordern könnte. 

142.  Aus all diesen Gründen geht das Sekretariat davon aus, dass sich die von den Uh-
renherstellern aufgestellten Kriterien innerhalb dessen bewegen, was erforderlich ist, na-
mentlich können sie als erforderlich betrachtet werden, die Qualität von SAV-
Dienstleistungen sicherzustellen. Dies gilt für die SAV-Systeme derjenigen Uhrenhersteller, 
die den Verkauf von Uhren nicht mit dem SAV verknüpfen. Bezüglich dieser kann somit auch 
das dritte Kriterium für die Qualifikation der selektiven Vertriebssysteme der Uhrenhersteller 
als rein qualitative als erfüllt betrachtet werden. Ergänzend anzufügen ist, dass die  
EU-Kommission zum Schluss kam, dass die Beschaffenheit von Uhren (namentlich Uhren in 
oberen Preissegmenten) möglicherweise einen (rein qualitativen) Selektivvertrieb zur Wah-
rung der Qualität erfordern könnte. 

143.  Zu einem anderen Schluss kommt das Sekretariat hinsichtlich der Uhrenhersteller, 
die den Verkauf von Uhren mit dem SAV verknüpfen; diese lassen zum SAV nur Partner zu, 
die gleichzeitig Uhren verkaufen. Dies bedeutet, dass Uhrmacherinnen und Uhrmacher, die 
ausschliesslich zum SAV zugelassen werden möchten (ohne gleichzeitig Uhren zu verkau-
fen), selbst wenn sie die entsprechend aufgestellten Kriterien erfüllen, nicht zu den SAV-
Systemen der genannten Uhrenhersteller zugelassen werden. Die Verknüpfung des Ver-
kaufs mit der Erbringung von SAV-Dienstleistungen ist nach Ansicht des Sekretariats im 
Kontext des SAV kritisch zu betrachten. Hält man sich die Argumentation der betreffenden 
Uhrenhersteller vor Augen, dass der SAV in einem selektiven Vertriebssystem organisiert 
werden müsse, um qualitativ hochwertige SAV-Dienstleistungen sicherzustellen, so scheint 
es folgerichtig, qualitative Selektionskriterien aufzustellen, welche von SAV-Partnern erfüllt 
werden müssen. Weniger nachvollziehbar ist jedoch, weshalb ein SAV-Partner erst Uhren 

29 

 
 
 
 
 
 
verkaufen muss, um überhaupt als SAV-Partner in Frage zu kommen. Im Lichte der proviso-
rischen Marktabgrenzung (vgl. Rz 152 ff.) stuft das Sekretariat den Verkauf von Uhren und 
die Erbringung von SAV-Dienstleistungen als separate Bereiche ein. Die Anforderungen an 
den Verkauf von Uhren weichen nach Ansicht des Sekretariats zwangsläufig von denjenigen, 
welche ein SAV-Dienstleister zu erfüllen hat, ab, da unterschiedliche Ziele verfolgt werden. 
Während der Verkauf von Uhren im Wesentlichen deren Präsentation sowie Werbung und 
Beratung erfordert, betrifft die Erbringung von SAV-Arbeiten hingegen bei Betrachtung der 
entsprechend (von den Uhrenherstellern) aufgestellten Kriterien in erster Linie die fachliche 
Qualifikation, die Infrastruktur (Werkstatt, Atelier) sowie das für Arbeiten zu verwendende 
Werkzeug. Inwiefern der Verkauf von Uhren für die Erbringung von SAV-Dienstleistungen er-
forderlich sein soll, ist für das Sekretariat nicht offensichtlich nachvollziehbar. 

In diesem Lichte deutet vieles darauf hin, dass die von Uhrenherstellern, die den Ver-
144. 
kauf von Uhren mit dem SAV verknüpfen, aufgestellten Kriterien als über das hinausgehend 
eingestuft werden können, was erforderlich ist. Für die abschliessende Beantwortung dieser 
Frage wären nach Ansicht des Sekretariats allerdings weitere Abklärungen erforderlich. So 
wäre insbesondere den betroffenen Uhrenherstellern Gelegenheit zu geben, darzulegen, 
dass die aufgestellten Kriterien nicht über das hinausgehen, was erforderlich ist. Dies wäre 
nach Ansicht des Sekretariats jedoch – wie noch erläutert wird (vgl. Rz 189 ff.) – angesichts 
der besonderen Umstände im vorliegenden Fall nicht verhältnismässig. 

145.  Aufgrund des Umstandes, dass die SAV-Systeme der Uhrenhersteller, welche den 
Verkauf von Uhren mit dem SAV verknüpfen, nicht offensichtlich als rein qualitativer Selektiv-
vertrieb betrachtet werden können, ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung in Sa-
chen Gaba zu prüfen, ob die Erheblichkeitsschwelle mit quantitativen Elementen (namentlich 
der Marktstellung der Uhrenhersteller) bestimmt werden kann.42 Hierfür ist vorab die Markt-
abgrenzung vorzunehmen. 

B.3.2.2  Marktabgrenzung 

146.  Für die Marktabgrenzung im vorliegenden Fall gilt es nach Ansicht des Sekretariats 
zunächst die Marktabgrenzung, welche die EU-Kommission im gleichläufigen Verfahren vor-
genommen hat, zu betrachten. Anzufügen gilt es indes, dass die Betrachtung der Marktab-
grenzung der EU-Kommission nicht bedeutet, dass diese in casu tel quel übernommen wird 
resp. werden muss, sondern das Sekretariat diese als Ausgangspunkt nimmt für seine eige-
nen Überlegungen zur Marktabgrenzung. Nicht auszuschliessen ist daher, dass die hier vor-
genommene Marktabgrenzung von derjenigen der EU-Kommission abweichend ausfallen 
kann, sofern dies die Gegebenheiten des vorliegenden Falles nahelegen. 

B.3.2.2.1.  Markabgrenzungen im Verfahren der EU-Kommission 

Im Verfahren, welches die EU-Kommission im August 2011 eröffnete (vgl. Rz 111 ff.), 

147. 
ging die EU-Kommission von den folgenden Märkten aus43: 

 
 

 

Dem Markt für die Herstellung und den Verkauf von Prestigeuhren (Primärmarkt), 
dem Markt für die Dienstleistungen der Reparatur und Wartung (Sekundärmarkt bzw. 
Anschlussmarkt) und 
dem Markt für Ersatzteile (Sekundärmarkt bzw. Anschlussmarkt). 

148.  Der Primärmarkt umfasst gemäss der EU-Kommission den Verkauf von Uhren, wel-
che die Reparatur und Wartung aus wirtschaftlichen oder technischen Gründen wert sind 

42 BGE 143 II 297, E.5.2.2. 
43 Vgl. EU-Rückweisungsentscheid (Fn 24), Rz 80 ff. 

30 

 
 
 
 
 
 
                                                
(=Prestigeuhren). Die EU-Kommission fokussierte in ihrer Untersuchung auf Uhren mit einem 
Verkaufspreis über EUR 1‘000. In räumlicher Hinsicht grenzte die EU-Kommission diesen 
Markt als zumindest den EWR umfassend ab, da die Transportkosten im Verhältnis zum 
Wert der Prestigeuhren tief seien, die Uhrenhersteller ein gleiches Sortiment anbieten und 
ihre Marketing- und Werbestrategien auf europäischer, wenn nicht weltweiter Ebene durch-
führen und die Uhrenhersteller weltweite selektive Vertriebssysteme betreiben würden.44 

In Bezug auf die Frage, ob der Primärmarkt und die beiden Anschlussmärkte ge-

149. 
trennte Märkte darstellen oder einen Systemmarkt bilden, prüfte die EU-Kommission, ob der 
Wettbewerb im Primärmarkt Preiserhöhungen in den Anschlussmärkten unprofitabel macht. 
Wenn die Käuferinnen und Käufer beim Kauf die über die Lebensdauer der Uhr gesamthaft 
anfallenden Kosten, d.h. den Verkaufspreis und die erwarteten Reparatur- und Wartungskos-
ten, mitberücksichtigen, kann eine Erhöhung der Reparatur- und Wartungspreise unprofita-
bel sein, da informierte Käuferinnen und Käufer aufgrund der Preiserhöhung entscheiden, 
eine Prestigeuhr einer anderen Marke zu kaufen. Die EU-Kommission kam zum Schluss, 
dass Käuferinnen und Käufer von Uhren kaum informierte Kaufentscheidungen treffen, da 

 
 
 

 
 

der Reparaturbedarf unregelmässig und schwierig vorhersagbar sei, 
die Käuferinnen und Käufer die Wartungsarbeiten unterschätzten, 
die über die Lebensdauer der Uhr gesamthaft anfallenden Kosten im Vergleich zum 
Preis der Uhr keine wesentliche Rolle spielten, 
viele Käuferinnen und Käufer preisunempfindlich seien und 
die Preistransparenz bei Reparatur- und Wartungsdienstleistungen nicht hoch sei. 

Deshalb folgerte die EU-Kommission, dass der Primärmarkt (Verkauf von Prestigeuhren) und 
die verbundenen Anschlussmärkte (Reparatur- und Wartungsdienstleistungen, Ersatzteile) 
getrennte Märkte darstellen.45 

150.  Zum Anschlussmarkt für Reparatur- und Wartungsdienstleistungen hielt die EU-
Kommission fest, dass die Substituierbarkeit zwischen Reparaturdienstleistungen verschie-
dener Marken begrenzt sei, da die Reparatur und der Unterhalt von Prestigeuhren oftmals 
markenspezifische Ersatzteile, markenspezifische Reparaturausrüstung und markenspezifi-
sches technisches Wissen benötige. Die Untersuchung weise deshalb darauf hin, dass es 
mehrere getrennte Märkte für Reparatur- und Wartungsdienstleistungen geben könne, wobei 
diese grundsätzlich auf eine bestimmte Uhrenmarke beschränkt seien. In räumlicher Hinsicht 
deute die Untersuchung darauf hin, dass die Märkte für Reparatur- und Wartungsdienstleis-
tungen lokal abzugrenzen seien, da die Nähe der Werkstatt wichtig für die Konsumentin und 
den Konsumenten sei. Die EU-Kommission liess die genaue räumliche Marktabgrenzung je-
doch offen.46 

151.  Betreffend den Anschlussmarkt für Ersatzteile kam die EU-Kommission zum vorläufi-
gen Schluss, dass mehrere getrennte Märkte für Ersatzteile bestehen, wobei diese grund-
sätzlich auf eine bestimmte Uhrenmarke beschränkt seien, da Ersatzteile aufgrund unter-
schiedlicher Grösse und Design nicht zwischen Uhrenmarken austauschbar seien und, 
selbst wenn eine Substitution möglich sei, Konsumentinnen und Konsumenten Originaler-
satzteile vorziehen würden, um den Wert der Prestigeuhr zu erhalten. In räumlicher Hinsicht 
deute die Untersuchung darauf hin, dass die Märkte für Ersatzteile zumindest den EWR um-
fassen, da die Transportkosten tief seien und Ersatzteile zwischen Ländern gehandelt und 

44 Vgl. EU-Rückweisungsentscheid (Fn 24), Rz 81 ff. 
45 Vgl. EU-Rückweisungsentscheid (Fn 24), Rz 86 ff. Im ersten Rückweisungsentscheid vom 
10.07.2008 hielt die EU-Kommission fest, dass der Primärmarkt und die Anschlussmärkte keine sepa-
raten Märkte darstellen. Vgl. EU-Rückweisungsentscheid (Fn 24), Rz 4. 
46 Vgl. EU-Rückweisungsentscheid (Fn 24), Rz 92 ff. 

31 

 
 
 
 
 
 
                                                
versandt würden. Die EU-Kommission liess die genaue räumliche Marktabgrenzung jedoch 
offen.47 

B.3.2.2.2.  Provisorische Marktabgrenzung 

152.  Grundsätzlich ist festzuhalten, dass es sich im Rahmen der vorliegenden Vorabklä-
rung nach Ansicht des Sekretariats nicht aufdrängt, eine abschliessende Marktabgrenzung 
im Bereich SAV vorzunehmen. Dies deshalb, weil der Zweck der vorliegenden Vorabklärung 
darin bestand, die SAV-Systeme zu verstehen und allfällig damit verbundene kartellrechtlich 
relevante Punkte zu identifizieren, um beurteilen zu können, ob eine Untersuchung zu eröff-
nen ist. Die Vornahme einer konkreten Marktabgrenzung wäre im Rahmen eines zu eröff-
nenden Untersuchungsverfahrens vorzunehmen. 

153.  Somit nimmt das Sekretariat nachfolgend eine provisorische Marktabgrenzung vor, 
welche sich jedoch im Wesentlichen auf Aspekte der sachlichen Marktabgrenzung be-
schränkt. In sachlicher Hinsicht umfasst der relevante Markt alle Waren oder Leistungen, die 
von der Marktgegenseite hinsichtlich ihrer Eigenschaften und ihres vorgesehenen Verwen-
dungszwecks als substituierbar angesehen werden (Art. 11 Abs. 3 Bst. a der Verordnung 
über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen vom 17. Juni 1996 [VKU; SR 
251.4], die hier analog anzuwenden ist). 

Uhrenmärkte 

154.  Die Marktgegenseite bildet in Bezug auf Fertiguhren deren Abnehmer, namentlich die 
Konsumenten.48 Ausgehend von der Marktabgrenzung der EU-Kommission stellt sich zu-
nächst die Frage, wie die Marktabgrenzung für den Bereich Herstellung und Verkauf von Uh-
ren vorgenommen werden könnte, namentlich in welche Segmente der Uhrenmarkt aufgeteilt 
werden könnte. Zu dieser Frage hat sich die WEKO bereits in der Untersuchung Swatch 
Group Lieferstopp Gedanken gemacht und ist davon ausgegangen, dass die Marktabgren-
zung auf einer Segmentierung des Uhrenmarktes nach Preisen naheliegend scheint, ohne 
eine abschliessende Marktabgrenzung vorgenommen zu haben.49 Dies entspricht im Grund-
satz der von der EU-Kommission angewandten Marktabgrenzung. 

155.  Auch die Tatsache, dass bspw. […] den SAV bei den unterschiedlichen Marken bzw. 
in ihrer Markenhierarchie unterschiedlich organisiert (vgl. Rz 10 f.), spricht für eine Segmen-
tierung des Uhrenmarktes in verschiedene Segmente nach Preisen. Die wesentlichen Fra-
gen sind, welche Preissegmentierung angebracht ist und ob allenfalls weitere Segmentierun-
gen nach anderen Differenzierungsmerkmalen nötig sind. Grundlegend wäre auch die Frage 
zu klären, auf welche Marken bzw. Segmente vorliegend fokussiert werden soll, denn die 
fünf befragten Unternehmen vertreten insgesamt 35 Uhrenmarken in den unterschiedlichsten 
Preisklassen. 

156.  Für die hier interessierenden Bereiche, nämlich Fertiguhren (sowohl mechanische 
Uhren als auch Quarzuhren50) und SAV gibt es bisher keine gefestigte Praxis zur sachlichen 
Marktabgrenzung. 

157. 
Im Entscheid Swatch Group Lieferstopp wurde der Bereich Uhren von der WEKO 
zwar thematisiert, eine Marktabgrenzung wurde jedoch keine vorgenommen.51 Es wurde 
festgehalten, dass der Markt für Uhren durch eine hohe Produkt- sowie Preisdifferenzierung 

47 Vgl. EU-Rückweisungsentscheid (Fn 24), Rz 95 ff. 
48 RPW 2014/1, 230 Rz 140, Swatch Group Lieferstopp. 
49 Vgl. RPW 2014/1, 231 Rz 145, Swatch Group Lieferstopp. 
50 Die SAV-Systeme der Uhrenhersteller beziehen sich nicht nur auf mechanische Uhren, sondern un-
eingeschränkt auch auf Quarzuhren. 
51 RPW 2014/1, 230 Rz 140 ff., Swatch Group Lieferstopp. 

32 

 
 
 
 
 
 
                                                
gekennzeichnet sei. In Betracht gezogen wurden insbesondere Segmentierungen nach 
Preis, in Damen-/Herrenuhren, swiss made/nicht swiss made Uhren und Quarz-/mechani-
sche Uhren. Eine Segmentierung des Uhrenmarktes in verschiedene Preissegmente er-
schien für die WEKO sinnvoll, weil die meisten Differenzierungsmerkmale von Uhren mit 
dem Preis in Zusammenhang stehen würden. Die Analyse wurde basierend auf den Seg-
mentierungen im Entscheid SUMRA/Distribution de montres52 und des Branchenverbandes 
FH mit folgender Segmentierung vorgenommen: 

 
 

unteres Segment: Preis < ca. 2‘000–3‘000 CHF 
oberes Segment: Preis > ca. 2‘000–3‘000 CHF.53 

In Bezug auf die räumliche Marktabgrenzung wurde festgehalten, dass der relevante 

158. 
Markt – ohne dies untersucht zu haben – international abzugrenzen sei, weil Uhren, insbe-
sondere swiss made Uhren, weltweit beworben und nachgefragt würden.54 

159.  Obschon die Segmentierung nach Preisen zum jetzigen Zeitpunkt nicht eindeutig vor-
genommen werden kann, drängt sich ein Abrücken von den dargelegten Überlegungen der 
WEKO im vorliegenden Fall nach Einschätzung des Sekretariats nicht auf. Daher ist mindes-
tens von einer Segmentierung des Uhrenmarktes nach Preisklassen auszugehen. 

Sekundärmärkte SAV und Ersatzteile 

In Bezug auf die Sekundärmärkte SAV und Ersatzteile kann davon ausgegangen 

160. 
werden, dass die Erbringer von SAV-Dienstleistungen als die Marktgegenseite anzusehen 
sind, weil sie zum SAV zugelassen werden (müssen) und für die Erbringung von SAV-
Dienstleistungen Ersatzteile der Uhrenhersteller nachfragen. Hinsichtlich der (sachlichen) 
Abgrenzung der relevanten Märkte ist nach Ansicht des Sekretariats zu berücksichtigen, 
dass der Uhrenmarkt gemäss der Untersuchung Swatch Group Lieferstopp in Segmente 
nach Preisklassen unterteilt werden kann. Entsprechend ist von mehreren eigenständigen 
SAV-Märkten und Ersatzteilmärkten (allenfalls nach Uhrenmarktsegmenten) auszugehen, 
wie Graphik 1 am Beispiel des SAV veranschaulicht (dies wäre analog für die Ersatzteile an-
zunehmen). 

52 RPW 2001/3, 510 ff., SUMRA/Distribution de montres. 
53 RPW 2014/1, 231 Rz 145 ff., Swatch Group Lieferstopp. 
54 RPW 2014/1, 232 Rz 157, Swatch Group Lieferstopp. 

33 

 
 
 
 
 
 
                                                
Graphik 1: Optionen für die Marktabgrenzung 

Hersteller-/Markenabhängigkeit 

161.  Das Szenario eines hersteller- bzw. markenunabhängigen Sekundärmarkts für SAV 
bzw. Ersatzteile kommt jedoch nur in Frage, wenn die Inputs und Dienstleistungen für den 
SAV verschiedener Hersteller austauschbar sind, was vorliegend nach Ansicht des Sekreta-
riats zu verneinen ist. So bezeichnen die Uhrenhersteller einen grossen Teil der Ersatzteile 
als markenspezifisch. So gibt bspw. […] an, dass beinahe sämtliche Teile nicht-substituier-
bare, […]-spezifische Teile seien (vgl. Rz 49). Vor diesem Hintergrund ist von verschiedenen 
Sekundärmärkten für hersteller- bzw. markenabhängigen SAV bzw. Ersatzteile auszugehen. 

162.  Für die sachliche Marktabgrenzung im vorliegenden Fall könnte grundsätzlich auch 
die sog. Systemmarkttheorie herangezogen werden. Märkte für Produkte, die erst nach dem 
Kauf eines sog. primären Produktes nachgefragt werden, werden als Sekundärmärkte oder 
Anschlussmärkte («aftermarkets») bezeichnet. Ersatzteile und Serviceleistungen sind hierfür 
typische Beispiele. Es stellt sich die Frage, ob Sekundärprodukte einen eigenen relevanten 
Markt oder zusammen mit dem Primärprodukt einen einzigen Markt, einen sog. System-
markt55 darstellen.  

163.  Es sprechen für das Sekretariat einige Punkte gegen das Vorliegen von Systemmärk-
ten, so namentlich die wohl eher lange Lebensdauer von Uhren, welche die disziplinierende 
Wirkung vom Primärmarkt auf den Sekundärmarkt eher gering erscheinen lässt. […]. Auch 

55 Ein Systemprodukt bzw. ein Systemmarkt liegt vor, wenn eine ausreichende disziplinierende Wir-
kung vom Primärmarkt auf den nachgelagerten Sekundärmarkt ausgeht, weil das Verhalten eines Un-
ternehmens auf dem Sekundärmarkt Rückwirkungen auf den eigenen Erfolg im Primärmarkt aufweist. 
Eine solche disziplinierende Wirkung kann entstehen, wenn ein Grossteil der Abnehmer bereits beim 
Erwerb des Primärproduktes die Kosten für die Sekundärprodukte, d.h. somit die über die Lebens-
dauer des Produktes gesamthaft anfallenden Kosten, berücksichtigt und auf dem Primärmarkt selbst 
genügend Wettbewerb besteht. Das Nachfrageverhalten nach (notwendigen) Sekundärprodukten wird 
schon beim Kauf des Primärproduktes von den Nachfragern antizipiert und wird somit quasi Teil des 
Nachfrageverhaltens nach dem Primärprodukt. Aus Nachfragesicht besteht das eigentliche Produkt 
somit aus einem Primärprodukt und (notwendigen) Sekundärprodukten. Es verkommt so zu einem 
Systemprodukt, welches aus ebendiesen besteht. 

34 

 
 
 
 
 
 
 
                                                
[…] hielt fest, dass Konsumentinnen und Konsumenten die Uhren erst dann für eine Revision 
bringen, wenn die Uhr nicht mehr läuft oder einen Schaden erlitten hat. Dies deutet darauf 
hin, dass Konsumentinnen und Konsumenten die Kosten für SAV-Dienstleistungen beim 
Kauf einer Uhr nicht berücksichtigen, weil der Reparatur-/Revisionsfall zum Zeitpunkt des 
Kaufs ausgeblendet resp. als sehr unwahrscheinlich wahrgenommen wird. Das Sekretariat 
schliesst jedoch nicht allgemein aus, dass je nach Segmentierung des Uhrenmarkts, die Sys-
temmarkttheorie zum Tragen kommen könnte. Ein Weiterverfolgen dieser Frage drängt sich 
jedoch für das Sekretariat zum jetzigen Zeitpunkt und im Rahmen dieser Vorabklärung nicht 
auf, da es auf die Erkenntnisse (vgl. Rz 189 ff.) keinen Einfluss hat. 

B.3.2.2.3.  Zwischenfazit 

164.  Gestützt auf den aktuellen Informationsstand geht das Sekretariat in dieser Vorabklä-
rung von den folgenden, vorläufigen Überlegungen aus: 

(1)  Es ist zumindest von einer Segmentierung des Uhrenmarktes nach Preisklassen ge-

mäss der in der Untersuchung Swatch Group Lieferstopp angewendeten (nicht ab-
schliessenden) Marktabgrenzung auszugehen. 

(2)  Es ist von eigenständigen Sekundärmärkten für SAV bzw. Ersatzteile auszugehen.  

(3)  Es ist von einer Hersteller- bzw. Markenabhängigkeit 

(i)  bei den Sekundärmärkten für SAV auszugehen und 
(ii)  bei den Sekundärmärkten für Ersatzteile auszugehen. 

B.3.2.3  Erheblichkeit – quantitatives Element 

165.  Die provisorische Marktabgrenzung führt dazu, dass die Uhrenhersteller in den (nicht 
abschliessend) abgegrenzten Märkten für SAV oder für Ersatzteile bereits deshalb eine 
starke Marktstellung innehaben, weil SAV-Arbeiten oder Ersatzteile nur in begrenztem Mass 
substituierbar sind. Daher geht das Sekretariat davon aus, dass die Marktanteile der Uhren-
hersteller als hoch einzustufen sind. Vor diesem Hintergrund kann die Erheblichkeitsschwelle 
bezüglich der SAV-Systeme der Uhrenhersteller, die den Verkauf von Uhren mit dem SAV 
verknüpfen, als erfüllt betrachtet werden.  

B.3.2.4  Keine Unerheblichkeit aufgrund der Marktanteile 

166.  Die Abreden der Uhrenhersteller, die den Verkauf von Uhren mit dem SAV verknüpfen, 
könnten (einzeln betrachtet) nach der Praxis der WEKO (Ziff. 13 Abs. 1 VertBek) in der Regel 
nicht zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Wettbewerbs führen, sofern kein an der Ab-
rede beteiligtes Unternehmen auf einem von der Abrede betroffenen relevanten Markt einen 
Marktanteil von 15 % überschreitet. Entsprechend der oben dargelegten provisorischen Markt-
abgrenzung (vgl. Rz 152 ff.) geht das davon aus, dass die Marktanteilsschwelle von 15 % als 
überschritten zu betrachten ist. Eine Unerheblichkeit aufgrund der Marktanteile ist daher un-
wahrscheinlich. Dies wird zusätzlich durch den Umstand untermauert, dass die überwiegende 
Mehrheit der hier interessierenden Uhrenhersteller den SAV in einem selektiven Vertriebssys-
tem organisiert hat. Es kann somit unabhängig von den individuellen Marktanteilen vom Vor-
liegen kumulativer Auswirkungen mehrerer, gleichartiger nebeneinander bestehender vertika-
ler Vertriebsnetze ausgegangen werden. Der WEKO-Praxis zu Folge bedeutet dies, dass die 
Marktanteilsschwelle von 15 % auf 5 % herabgesetzt wird (Ziff. 13 Abs. 2 VertBek), sodass die 
Unerheblichkeit aufgrund der Marktanteilsschwelle (noch) unwahrscheinlich(er) scheint. 

35 

 
 
 
 
 
 
B.3.2.5  Keine Rechtfertigung ohne Einzelfallprüfung 

167.  Wiederum ausgehend von der provisorischen Marktabgrenzung kann in Bezug auf die 
Abreden  derjenigen  Uhrenhersteller,  die  den  Verkauf  von  Uhren  mit  dem  SAV  verknüpfen, 
auch die Frage der Rechtfertigung aus Gründen der wirtschaftlichen Effizienz ohne Einzelfall-
prüfung i.S.v. Art. 16 Abs. 2 VertBek verneint werden. Für die WEKO gelten Abreden in der 
Regel ohne Einzelfallprüfung als gerechtfertigt, wenn weder Anbieter noch Abnehmer einen 
Marktanteil von über 30 % aufweisen (Ziff. 16 Abs. 2 VertBek) Dies kommt jedoch nur dann in 
Frage, wenn keine Abrede nach Ziff. 12 Abs. 2 VertBek oder keine Abrede, die sich mit ande-
ren kumulativ auf den Markt auswirkt, vorliegt. Aufgrund der provisorischen Marktabgrenzung 
ist aus denselben Gründen wie bei der Unerheblichkeit aufgrund der Marktanteile die entspre-
chende Schwelle für eine Rechtfertigung ohne Einzelfallprüfung als überschritten zu betrach-
ten. Nach Ansicht des Sekretariats ist es daher unwahrscheinlich, dass eine Rechtfertigung 
ohne Einzelfallprüfung in Betracht käme. 

B.3.2.6  Vorliegen von erheblichen Wettbewerbsabreden i.S.v. Art. 5 Abs. 1 KG 

168. 
In Bezug auf die Wettbewerbsabreden derjenigen Uhrenhersteller, die den Verkauf von 
Uhren mit dem SAV verknüpfen, ist es aufgrund des Vorstehenden nach Einschätzung des 
Sekretariats wahrscheinlich, dass vom Vorliegen erheblicher Wettbewerbsabreden i.S.v. Art. 
5 Abs. 1 KG auszugehen ist. Dieser Konklusion liegt – wovon auch die EU-Kommission aus-
gegangen ist – die Annahme eigenständiger Märkte für hersteller-/markenabhängigen SAV zu 
Grunde, da diesfalls in quantitativer Hinsicht selbst bei geringfügigem qualitativem Gewicht die 
Erheblichkeitsschwelle angesichts der quantitativen Elemente (Marktstellung Uhrenhersteller) 
als erreicht zu betrachten wäre. Zudem kommt weder eine Unerheblichkeit aufgrund der Markt-
anteile, noch eine Rechtfertigung ohne Einzelfallprüfung in Betracht, sodass sich alsdann die 
Frage nach der Rechtfertigung aus Gründen der wirtschaftlichen Effizienz stellt. 

B.3.2.7  Rechtfertigung aus Gründen der wirtschaftlichen Effizienz i.S.v. 

Art. 5 Abs. 2 KG 

169.  Liegt eine den Wettbewerb erheblich beeinträchtigende Abrede vor, ist zu prüfen, ob 
diese gerechtfertigt ist. Dies ist möglich, wenn durch sie die wirtschaftliche Effizienz im Sinne 
von  Art.  5  Abs.  2  KG  gesteigert  wird.  Die  Berücksichtigung  anderer,  nicht-ökonomischer 
Gründe ist den Wettbewerbsbehörden verwehrt – allfällige öffentliche Interessen, die für eine 
ausnahmsweise Zulassung einer an sich kartellrechtlich unzulässigen Abrede sprechen mö-
gen, sind einzig vom Bundesrat zu beurteilen (Art. 8 KG). Wettbewerbsabreden sind gemäss 
Art. 5 Abs. 2 KG durch Gründe der wirtschaftlichen Effizienz gerechtfertigt, wenn sie:  

a)   notwendig sind, um die Herstellungs- oder Vertriebskosten zu senken, Produkte oder Pro-
duktionsverfahren zu verbessern, die Forschung oder die Verbreitung von technischem 
oder beruflichem Wissen zu fördern oder um Ressourcen rationeller zu nutzen; und  

b)   den beteiligten Unternehmen in keinem Fall Möglichkeiten eröffnen, wirksamen Wettbe-

werb zu beseitigen. 

170.  Wie bereits dargelegt wurde (vgl. Rz 135), argumentierten diejenigen Uhrenhersteller, 
die den Verkauf von Uhren mit dem SAV verknüpfen, auch damit, dass ihre selektiven Ver-
triebssysteme für  den  SAV  dazu  dienten,  die Qualität  der  entsprechenden  Dienstleistungen 
sicherzustellen  bzw.  der  Kundin  und  dem  Kunden  qualitativ  hochstehende  SAV-
Dienstleistungen anzubieten bzw. diese zu gewährleisten. Daneben wurde vereinzelt auch das 
Argument vorgetragen, dass mit dem selektiven Vertrieb die Fälschungsbekämpfung verstärkt 
werden könne. 

36 

 
 
 
 
 
 
[…] hielt fest, dass angesichts der Komplexität ihrer mechanischen Uhren und der Tat-
171. 
sache, dass diese aus Teilen, die einer spezifischen Architektur von […] entstammten, zusam-
mengesetzt seien, ausschliesslich von […] ausgebildete Uhrmacherinnen und Uhrmacher in 
der Lage seien, einen qualitativen Minimalstandard für die Revision und die Reparaturen von 
[…]-Uhren zu garantieren. 

[…] führte aus, dass eine Ausbildung nötig sei, um einen «service après-vente» in einer 

172. 
so guten Qualität wie die Uhren selbst zu erbringen.  

[…] erläuterte, dass sie Prestigeuhren mit einer quasi unbegrenzten Lebensdauer her-
173. 
stellen würde. Aus diesem Grund müssten sie sicherstellen, dass ein «service après-vente» 
mit höherem Qualitätsstandard angeboten werde.  

174.  Hält man sich diese Argumente vor Augen, so scheint es nach Ansicht des Sekretariats 
nicht abwegig zu sein, dass die selektiven Vertriebssysteme der Uhrenhersteller, die den Ver-
kauf von Uhren mit dem SAV verknüpfen, für den SAV notwendig sein könnten, die Produkte 
(SAV-Dienstleistungen) bzw. Produktionsverfahren zu verbessern resp. die Qualität des SAV 
auf  einem  bestimmten  (hohen)  Niveau  aufrecht  zu  erhalten.  Offen  ist,  ob  und  wie  besagte 
Uhrenhersteller den Umstand rechtfertigen könnten bzw. würden, dass für die Zulassung zum 
SAV  der  Verkauf  von  Uhren  vorausgesetzt  wird.  Diese  Frage  kann  zum  jetzigen  Zeitpunkt 
nicht (abschliessend) beurteilt werden. 

B.3.2.8  Verfahren der EU-Kommission 

175.  Vergleichend zur Einschätzung des Sekretariats werden nachstehend die wichtigsten 
Erkenntnisse der EU-Kommission herangezogen. In Bezug auf Art. 101 AEUV kam die EU-
Kommission zu den Schlüssen, dass 

 

 

 

 

die Wahrscheinlichkeit, das Vorliegen einer Vereinbarung oder abgestimmten Ver-
haltensweise zwischen den Uhrenherstellern zu beweisen, begrenzt sei,56 

die Gruppenfreistellungsverordnung nicht anwendbar sei, da mehrere getrennte 
Märkte für Reparatur- und Wartungsdienstleistungen sowie für Ersatzteile bestehen 
würden, wobei diese grundsätzlich auf eine bestimmte Uhrenmarke beschränkt 
seien, und die Uhrenhersteller in diesen Märkten wohl einen Marktanteil von über 
30 % halten würden,57 

die selektiven Vertriebssysteme der Uhrenhersteller im Bereich Reparatur auf quali-
tativen Kriterien zu basieren scheinen, die objektiv, verhältnismässig und einheitlich 
festgelegt sind und unterschiedslos angewandt werden, weshalb es nicht wahr-
scheinlich sei, dass diese Systeme unter Art. 101 AEUV fallen würden,58 

die Verpflichtung, welche die Uhrenhersteller den autorisierten Werkstätten auferle-
gen, nämlich die Ersatzteile nicht an unabhängige Werkstätten zu verkaufen, keinen 
Verstoss gegen Art. 101 AEUV darstelle (Art. 4 Bst. b, dritter Spiegelstrich GVO).59 

B.3.2.9  Zwischenfazit 

176.  Das Sekretariat geht gestützt auf Vorstehendes davon aus, dass die SAV-Systeme 
sämtlicher Uhrenhersteller als vertikale Wettbewerbsabreden über den selektiven Vertrieb 
qualifiziert werden können. Die Abreden derjenigen Uhrenhersteller, die den Verkauf nicht 

56 Vgl. EU-Rückweisungsentscheid (Fn 24), Rz 138 ff. 
57 Vgl. EU-Rückweisungsentscheid (Fn 24), Rz 147 ff. 
58 Vgl. EU-Rückweisungsentscheid (Fn 24), Rz 153 ff. 
59 Vgl. EU-Rückweisungsentscheid (Fn 24), Rz 171 ff. 

37 

 
 
 
 
 
 
                                                
mit dem SAV verknüpfen, können als rein qualitativer Selektivvertrieb betrachtet werden, 
was der WEKO-Praxis zu Folge deren Unerheblichkeit bedeutet. Diesbezüglich gilt es aller-
dings einschränkend anzubringen, dass die eben genannte Einschätzung auf der aktuellen 
Erkenntnis fusst, dass keine Hinweise auf das Vorliegen von unzulässigen vertikalen Wettbe-
werbsabreden i.S.v. Art. 5 Abs. 4 KG bestehen. Würden solche vorliegen, wäre die Unerheb-
lichkeit aufgrund eines rein qualitativen Selektivvertriebs hinfällig.  

177.  Die Wettbewerbsabreden derjenigen Uhrenhersteller, welche den Verkauf von Uhren 
mit dem SAV verknüpfen, können aufgrund der starken Marktstellung als den Wettbewerb 
erheblich beeinträchtigend i.S.v. Art. 5 Abs. 1 KG qualifiziert werden. Diesbezüglich ist weder 
die Unerheblichkeit aufgrund der Marktanteile, noch eine Rechtfertigung ohne Einzelfallprü-
fung als wahrscheinlich einzustufen. Nicht ausgeschlossen ist für das Sekretariat, dass eine 
Rechtfertigung aus Gründen der wirtschaftlichen Effizienz i.S.v. Art. 5 Abs. 2 KG möglich ist, 
diese Frage ist derzeit offen und wäre im Rahmen eines zu eröffnenden Untersuchungsver-
fahrens zu klären. 

178.  Wie einleitend zu diesem Abschnitt erwähnt wurde, wäre es nach Ansicht des Sekre-
tariats denkbar, dass die SAV-Systeme der Uhrenhersteller aus kartellrechtlicher Sicht als 
missbräuchliche Verhaltensweisen marktbeherrschender Unternehmen betrachtet werden 
könnten. Zurückzuführen ist diese Überlegung auf die hier vorgenommene provisorische 
Marktabgrenzung, die dazu führt, dass wenn von eigenständigen, markenabhängigen Märk-
ten für den SAV sowie Ersatzteile für Uhren ausgegangen wird, eine Substituierbarkeit nur in 
sehr begrenztem Mass möglich ist, was bedeutet, dass den Uhrenherstellern eine erhebliche 
Marktstellung zukommt. Ob die Uhrenhersteller als marktbeherrschend einzustufen sind und 
gegebenenfalls ihre SAV-Systeme missbräuchlich sein könnten i.S.v. Art. 7 KG, darauf wird 
im Folgenden eingegangen. 

B.4 

Unzulässige Verhaltensweisen marktbeherrschender 
Unternehmen i.S.v. Art .7 KG? 

B.4.1  Marktbeherrschende Stellung 

179.  Gemäss Art. 4 Abs. 2 KG gelten als marktbeherrschende Unternehmen einzelne oder 
mehrere Unternehmen, die auf einem Markt als Anbieter oder Nachfrager in der Lage sind, 
sich von anderen Marktteilnehmen (Mitbewerbern, Anbietern oder Nachfragern) in wesentli-
chem Umfang unabhängig zu verhalten. Das Vorliegen einer marktbeherrschenden Stellung 
ergibt sich aus der Kombination mehrerer Faktoren, die namentlich die Markt- und die Unter-
nehmensstruktur, die Verhaltens- und Wirksamkeitskriterien sowie das Bestehen von allfälli-
gen Marktzutrittsschranken betreffen und die für sich alleine genommen nicht notwendiger-
weise entscheidend wären.60 Gemäss dem Bundesgericht ist ein hoher Marktanteil ein 
starkes Indiz für eine marktbeherrschende Stellung, aber dies allein bedeutet nicht zwangs-
läufig, dass kein wirksamer Wettbewerb bzw. keine gleichwertigen Ausweichmöglichkeiten 
bestehen.61  

180.  Geht man von der oben dargelegten provisorischen Marktabgrenzung (vgl. Rz 152 ff.) 
von eigenständigen Märkten für hersteller-/markenabhängigen SAV aus, bedeutet dies, dass 
nur die Uhrenhersteller selbst sowie von diesen zugelassene Wiederverkäufer /Reparateure 
SAV-Dienstleistungen anbieten können. Alternative Anbieter für SAV-Arbeiten (die nicht zum 
SAV zugelassen sind) wären kaum vorhanden, da Ersatzteile für Revisionen, Reparaturen 

60 EVELYNE CLERC/PRANVERA KËLLEZI, in: Commentaire Romand, Droit de la concurrence, Tercier/Bo-
vet (Hrsg.), 2011, Art. 4 KG N 131. 
61 BGE 130 II 459, E. 5.7.2. 

38 

 
 
 
 
 
 
                                                
oder andere Arbeiten im Wesentlichen markenspezifisch sind und von unabhängigen Uhrma-
cherinnen und Uhrmacher nicht bezogen werden können. Bereits dieser Umstand deutet da-
rauf hin, dass die Uhrenhersteller über eine starke Stellung auf den Märkten für den SAV so-
wie Ersatzteile verfügen. Dies umso mehr, als die Uhrenhersteller alleine darüber 
entscheiden können, welche Uhrmacherinnen und Uhrmacher zu ihren SAV-Systemen zuge-
lassen werden und damit, an wen für den SAV erforderlich Ersatzteile geliefert werden. Das 
Vorliegen einer marktbeherrschenden Stellung der hier interessierenden Uhrenhersteller 
kann somit nicht ausgeschlossen werden. Folglich stellt sich nach Ansicht des Sekretariats 
die Frage, ob die SAV-Systeme der Uhrenhersteller als missbräuchliche Verhaltensweisen 
i.S.v. Art. 7 KG qualifiziert werden könnten. 

B.4.2  Missbräuchliche Verhaltensweisen marktbeherrschender Unternehmen 

181.  Gemäss der Generalklausel von Art. 7 Abs. 1 KG verhalten sich marktbeherrschende 
Unternehmen unzulässig, wenn sie durch den Missbrauch ihrer Stellung auf dem Markt an-
dere Unternehmen in der Aufnahme oder Ausübung des Wettbewerbs behindern oder die 
Marktgegenseite benachteiligen. Es kann zwischen einem sog. Behinderungsmissbrauch 
und einem sog. Benachteiligungs- bzw. Ausbeutungsmissbrauch unterschieden werden. 
Eine klare Zuordnung ist nicht in allen Fällen möglich, da Geschäftspraktiken von marktbe-
herrschenden Unternehmen zugleich behindernd und ausbeutend sein können.62  

182. 
In Art. 7 Abs. 2 KG hat der Gesetzgeber eine nicht abschliessende Liste von Verhal-
tensweisen aufgestellt, die das Verbot von Art. 7 Abs. 1 KG veranschaulichen bzw. konkreti-
sieren soll.63 Die Tatbestände von Art. 7 Abs. 2 KG indizieren jedoch nicht per se eine unzu-
lässige Verhaltensweise; es müssen vielmehr immer die Kriterien der Generalklausel von 
Art. 7 Abs. 1 KG erfüllt sein, damit ein Missbrauch vorliegt.64  

183.  Wie es das Bundesgericht im Fall «Publigroupe»65 festgehalten hat, ist im Einzelfall 
anhand eines dualen Prüfungsmusters zu eruieren, ob ein unzulässiges Verhalten bzw. ein 
Missbrauch vorliegt: In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob eine Verhaltensweise nach 
Art. 7 Abs. 2 KG eine Behinderung bzw. Benachteiligung i.S.v. Art. 7 Abs. 1 KG darstellt. In 
einem zweiten Schritt sind mögliche Rechtfertigungsgründe (sog. legitimate business 
reasons) zu prüfen.  

In Frage könnten bezüglich der SAV-Systeme der Uhrenhersteller verschiedene 

184. 
missbräuchliche Verhaltensweisen kommen, so namentlich die Verweigerung von Ge-
schäftsbeziehungen (Art. 7 Abs. 2 lit. a KG): Die Nicht-Lieferung von Ersatzteilen an Uhrma-
cherinnen und Uhrmacher, die nicht zum SAV-System eines Uhrenherstellers zugelassen 
sind, könnte als Verweigerung von Geschäftsbeziehungen betrachtet werden. Die  
SAV-Systeme könnten dazu führen, dass unabhängige Uhrmacherinnen und Uhrmacher im 
Bereich SAV behindert werden. 

In diesem Zusammenhang gilt es darauf hinzuweisen, dass sämtliche Uhrenhersteller 

185. 
ihre selektiven Vertriebssysteme mit der Sicherstellung der Qualität des SAV begründeten. 
Wie das Sekretariat vorstehend im Kontext mit der Unerheblichkeit von rein qualitativem Se-
lektivvertrieb aufgezeigt hat, kann davon ausgegangen werden, dass die SAV-Systeme der 
Uhrenhersteller, die den Verkauf von Uhren nicht mit dem SAV verknüpfen, die Vorausset-

62 RPW 2010/1, 166 Rz 322, Preispolitik Swisscom ADSL; vgl. auch BGE 139 I 72, E. 10.1.1, Publi-
groupe SA et al./WEKO. 
63 Vgl. RPW 2012/3, 467 Rz 71, Erdgas Zentralschweiz AG; Botschaft KG 1995, BBl 1995 I 468, 570.  
64 Vgl. Botschaft KG 1995, BBl 1995 I 468, 570; RPW 2004/2, 368 Rz 57 Produktebündel „Talk & 
Surf“.  
65 Vgl. EU-Rückweisungsentscheid (Fn 24), Rz 109 ff. 

39 

 
 
 
 
 
 
                                                
zungen von Ziff. 14 VertBek erfüllen und dementsprechend als unerhebliche Wettbewerbs-
abreden einzustufen sind. Für das Sekretariat stellt sich daher die Frage, ob nicht mit dem-
selben Argument allfällige missbräuchliche Verhaltensweisen i.S.v. Art. 7 KG sachlich ge-
rechtfertigt sein könnten. Ähnlich argumentierte auch die EU-Kommission, die zum Schluss 
kam, dass es nicht auszuschliessen sei, dass die von den Uhrenherstellern vorgetragenen 
Rechtfertigungsgründe (u.a. in Bezug auf die selektiven Vertriebssysteme) einen möglichen 
Verstoss gegen Art. 102 AEUV sachlich rechtfertigen könnten. Das Sekretariat erachtet es 
daher als wahrscheinlich, dass die SAV-Systeme derjenigen Uhrenhersteller, die den Ver-
kauf von Uhren nicht mit dem SAV verknüpfen, sachlich gerechtfertigt sein könnten. 

186.  Wie bei der Frage des Vorliegens von Wettbewerbsabreden stellt sich bezüglich der 
SAV-Systeme derjenigen Uhrenhersteller, die den Verkauf von Uhren mit dem SAV verknüp-
fen, die Frage, ob und wie die Verknüpfung des Verkaufs von Uhren mit dem SAV sachlich 
rechtfertigbar wäre bzw. gerechtfertigt würde. Zur Veranschaulichung werden im folgenden 
Abschnitt die wesentlichen Punkte der EU-Kommission zu Art. 102 AEUV widergegeben. 

B.4.3  Verfahren der EU-Kommission 

In Bezug auf den möglichen Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung kam die 

187. 
EU-Kommission zum Schluss, dass 

 

 

 

in diesem Fall kein Szenario vorliege, in welchem ein marktbeherrschendes Unterneh-
men versuche, sich einen nachgelagerten oder benachbarten Markt alleine vorzubehal-
ten, indem es verweigere, seinen Wettbewerbern in diesem nachgelagerten oder be-
nachbarten Markt einen notwendigen Input zu liefern (wie in den von der CEAHR als 
Referenz vorgebrachten Fällen);66 

die Tatsache, dass Uhrenhersteller sich weigern, die Belieferung von unabhängigen 
Werkstätten fortzusetzen, alleine nicht genüge, um einen Missbrauch einer marktbeherr-
schenden Stellung zu beweisen, da Wettbewerb nicht nur zwischen autorisierten und 
nichtautorisierten Werkstätten, sondern zwischen den autorisierten (von den Herstellern 
unabhängigen) Werkstätten stattfinde, zumindest solange als die selektiven Vertriebs-
systeme der Hersteller bestimmte (qualitative) Kriterien erfüllen67 und 

die Weigerung, die unabhängigen Werkstätten mit Ersatzteilen zu beliefern, verbunden 
sei mit der Einführung der selektiven Vertriebssysteme im Bereich Reparatur, für welche 
die Uhrenhersteller Rechtfertigungsgründe vorgebracht hätten, und nicht auszuschlies-
sen sei, dass diese sachlich gerechtfertigt seien,68 weshalb es unwahrscheinlich sei, ei-
nen Verstoss gegen Art. 102 AEUV zu finden. 

B.4.4  Zwischenfazit 

188.  Aus den vorstehend genannten Gründen erachtet es das Sekretariat als wahrschein-
lich, dass die SAV-Systeme derjenigen Uhrenhersteller, die den Verkauf von Uhren nicht mit 
dem SAV verknüpfen, als sachlich gerechtfertigt betrachtet werden könnten. Dies, weil die 
SAV-Systeme als rein qualitativer Selektivvertrieb betrachtet werden können. Zu berücksich-
tigen gilt es auch, dass die EU-Kommission in ihrem Entscheid (weil es sich bei den selek-
tiven Vertriebssystemen um rein qualitative handeln könnte) nicht von einem Verstoss gegen 
Art. 102 AEUV ausgeht, die Wahrscheinlichkeit eines solchen als gering einzustufen sei. Die-
ser Entscheid wurde vom EuG gestützt, die entsprechende, vom 7. Oktober 2014 erhobene 
Klage des CEAHR wurde vollumfänglich abgewiesen. Wie bei den Wettbewerbsabreden ist 

67 Vgl. EU-Rückweisungsentscheid (Fn 24), Rz 117 ff. 
68 Vgl. EU-Rückweisungsentscheid (Fn 24), Rz 130 ff. 

40 

 
 
 
 
 
 
                                                
 
hinsichtlich der SAV-Systeme der Uhrenhersteller, die den Verkauf von Uhren mit dem SAV 
verknüpfen, offen, ob die entsprechenden SAV-Systeme sachlich gerechtfertigt sein könnten. 
Eine sachliche Rechtfertigung scheint zwar grundsätzlich nicht ausgeschlossen, offen ist für 
das Sekretariat jedoch, ob und wie die Voraussetzung des Verkaufs von Uhren für die Er-
bringung von SAV-Dienstleistung erforderlich ist. Diese Frage kann zum jetzigen Zeitpunkt 
nicht beurteilt werden; dies wäre im Rahmen eines zu eröffnenden Untersuchungsverfahrens 
zu klären. 

C 

Erkenntnisse 

189.  Das Sekretariat kommt in der vorliegenden Vorabklärung zu den folgenden Erkennt-
nissen: 

  Die SAV-Systeme der im Rahmen dieser Vorabklärung betrachteten Uhrenhersteller kön-
nen als vertikale Wettbewerbsabreden i.S.v. Art. 4 Abs. 1 KG über den selektiven Vertrieb 
qualifiziert werden. Die Wettbewerbsabreden können nach der WEKO-Praxis als rein qua-
litativer Selektivvertrieb betrachtet und folglich als unerheblich eingestuft werden. Das Ge-
sagte gilt jedoch nicht für diejenigen Uhrenhersteller, welche den Verkauf von Uhren mit 
dem  SAV  verknüpft  haben;  bei  diesen  ist  von  der  Erheblichkeit  im  Sinne  von 
Art. 5 Abs. 1 KG  auszugehen.  Offen  ist,  ob  die  entsprechenden  Uhrenhersteller  die  er-
heblichen  Wettbewerbsabreden  aus  Gründen  der  wirtschaftlichen  Effizienz  i.S.v. 
Art. 5 Abs. 2 KG rechtfertigen könnten. 

  Das Sekretariat erachtet es als nicht unwahrscheinlich, dass die Uhrenhersteller auf den 
provisorisch  abgegrenzten,  eigenständigen  und  markenabhängigen  Märkten  für  SAV-
Dienstleistungen und Ersatzteile als marktbeherrschend eingestuft werden können i.S.v. 
Art. 4 Abs. 2 KG. Die SAV-Systeme der Uhrenhersteller könnten als missbräuchliche Ver-
haltensweisen i.S.v. Art. 7 KG betrachtet werden, namentlich als Verweigerung von Ge-
schäftsbeziehungen i.S.v. Art. 7 Abs. 2 lit. a KG. Hinsichtlich derjenigen Uhrenhersteller, 
welche den Verkauf von Uhren nicht mit dem SAV verknüpfen, stuft es das Sekretariat als 
wahrscheinlich ein, dass allfällige, von den SAV-Systemen ausgehende missbräuchliche 
Verhaltensweisen sachlich gerechtfertigt sein könnten, da vom Vorliegen von rein quali-
tativem Selektivvertrieb ausgegangen werden kann. Dies gilt nicht für die SAV-Systeme 
derjenigen Uhrenhersteller, die den Verkauf von Uhren mit dem SAV verknüpfen. Bei die-
sen  ist  offen,  ob  und  inwiefern  die  Verknüpfung  des  Verkaufs  von  Uhren  mit  dem  SAV 
sachlich gerechtfertigt werden könnte. 

190.  Die zentrale Frage, die sich für das Sekretariat stellt, ist, ob die Eröffnung eines Un-
tersuchungsverfahrens gestützt auf die Erkenntnisse dieser Vorabklärung angezeigt wäre. 
Dabei wäre im Wesentlichen die Frage zu klären, ob Uhrenhersteller, die den Verkauf von 
Uhren mit dem SAV verknüpfen, ihre SAV-Systeme aus Gründen der wirtschaftlichen Effizi-
enz bzw. sachlich rechtfertigen könnten. Aufgrund der Umstände des vorliegenden Falles 
sprechen für das Sekretariat die folgenden Gründe gegen die Eröffnung einer Untersuchung: 

  Die  sich  in  casu  stellenden  (zentralen)  kartellrechtlichen  Fragen  wurden  von  der  

EU-Kommission bereits beurteilt und der entsprechende Entscheid wurde vom EuG ge-
stützt.  Hervorzuheben  ist  dabei,  dass  es  sich  bei  den  SAV-Systemen,  die  im  Rahmen 
dieser Vorabklärung beleuchtet wurden, im Wesentlichen um dieselben handelt, die auch 
von der EU-Kommission beurteilt wurden. Das Sekretariat ist im Rahmen der vorliegenden 
Vorabklärung in den wesentlichen Punkten zu denselben Erkenntnissen gekommen wie 
die  EU-Kommission  in  ihrem  Verfahren.  Die  Eröffnung  eines  Untersuchungsverfahrens 
würde daher dem Entscheid der EU-Kommission zuwiderlaufen, und dies, obschon diese 
Vorabklärung keine Schweiz-spezifischen Unterschiede in Bezug auf den SAV zu Tage 
gefördert hat. 

41 

 
 
 
 
 
 
  Obschon die Frage der Rechtfertigung im Rahmen dieser Vorabklärung nicht eingehend 
geprüft werden kann, trugen die Uhrenhersteller, die den Verkauf von Uhren mit dem SAV 
verknüpfen, Argumente vor, mit welchen die hinter den SAV-Systemen stehende Absicht 
dargelegt  wurde.  Diese  lassen  es  nach  Ansicht  des  Sekretariats  zumindest  nicht  aus-
schliessen, dass die SAV-Systeme besagter Uhrenhersteller rechtfertigbar sein könnten. 

191.  Die Eröffnung einer Untersuchung stuft das Sekretariat aus den eben genannten 
Gründen als nicht verhältnismässig ein, denn: 

  Es  bestehen  in  casu  keine  Anhaltspunkte,  welche  auf  Abreden  i.S.v.  Art.  5  Abs.  4  KG 
hindeuten. Zudem liegen keine nach der Praxis der WEKO als qualitativ schwerwiegend 
zu betrachtende Abreden i.S.v. Ziff. 12 (2) VertBek vor. Dies zeigt in Verbindung mit den 
Schlussfolgerungen der EU-Kommission bzw. des EuG für das Sekretariat, dass eine Un-
tersuchungseröffnung im vorliegenden Fall nicht verhältnismässig wäre. 

  Die Eröffnung einer Untersuchung würde zudem erfolgen, obschon sich bereits jetzt ab-
zeichnen lässt, dass die Uhrenhersteller, die den Verkauf von Uhren mit dem SAV ver-
knüpfen, ihre Systeme rechtfertigen könnten. Nach Einschätzung des Sekretariats würden 
sich besagte Uhrenhersteller darauf konzentrieren, ihre bereits vorgetragenen rechtferti-
genden Argumente weiter zu substantiieren. Bereits das Vorgetragene scheint dem Sek-
retariat  zufolge nicht unplausibel zu sein, weshalb es eine Untersuchungseröffnung zur 
weiteren  Klärung  der  Rechtfertigungsfrage  keine  grundlegend  neuen  Erkenntnisse  zu 
Tage fördern würde. 

  Weiter fällt für das Sekretariat ins Gewicht, dass es unabhängigen Uhrmacherinnen und 
Uhrmachern offensteht, sich für die Zulassung zu den SAV-Systemen derjenigen Uhren-
hersteller, die den Verkauf von Uhren nicht mit dem SAV verknüpfen, zu bewerben. Es 
trifft somit nicht zu, dass unabhängige Uhrmacherinnen und Uhrmacher durch die SAV-
Systeme  der  Uhrenhersteller  vollständig  von  der  Erbringung  von  SAV-Dienstleistungen 
für  Uhren  abgehalten  werden.  Diejenigen  Uhrenhersteller,  die  den  Verkauf  von  Uhren 
nicht mit dem SAV verknüpfen, haben indes (legitime) Kriterien aufgestellt, die es zu er-
füllen gilt. Von einer flächendeckenden Existenzbedrohung unabhängiger Uhrmacherin-
nen und Uhrmacher ist nach Ansicht des Sekretariats nicht auszugehen. 

  Ferner ist anzumerken, dass auch der Aufwand, der einem Unternehmen im Falle einer 
Untersuchung entstehen kann, angesichts der besonderen Umstände des vorliegenden 
Falles, nur schwerlich als verhältnismässig eingestuft werden kann. Ein Untersuchungs-
verfahren ist in zeitlicher und administrativer Hinsicht mit einem nicht unerheblichen Auf-
wand  verbunden,  der  nach  Ansicht  des  Sekretariats  einzig  zur  Klärung  der  Frage  der 
Rechtfertigung, die sich bereits zum jetzigen Zeitpunkt abzeichnet, nicht verhältnismässig 
wäre.  

192.  Das Sekretariat der Wettbewerbskommission, gestützt auf den bekannten Sachver-
halt und die vorangehenden Erwägungen, beschliesst, 

1. 

2. 

3. 

die Vorabklärung ohne Folgen einzustellen; 

teilt den Beteiligten die Einstellung der Vorabklärung mit, 

beschliesst, diesen Schlussbericht zu publizieren. 

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