# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f92a0107-9ea8-5063-b2f2-822992f1ab7b
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-02-24
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 24.02.2022 VG.2021.00083 (VG.2022.1119)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2021-00083_2022-02-24.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 24. Februar 2022

  
	
   

  
	
   

  
	
  I. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  Besetzung: Gerichtspräsident
  MLaw Colin Braun, Verwaltungsrichter Ernst Luchsinger, Verwaltungsrichterin
  Katia Weibel und Gerichtsschreiberin MLaw Paula Brändli

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2021.00083

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführerin

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch lic.
    iur. Hansjürg Rhyner, Rechtsanwalt

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    B.______

    	
    Beschwerdegegner

    

  

  
	
   

  
	
  	
     

    	
    vertreten durch Dr.
    iur. Romana Kronenberg Müller,

    
	
     

    	
    Rechtsanwältin

    
	
     

    	
     

    

  

  
	
  	
    2.

    	
    Gemeinde Glarus Süd

    

  

  
	
   

  
	
  	
    3.

    	
    Departement Bau und Umwelt des Kantons
    Glarus

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Baubewilligung

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung:

  
	
  I.

  
	
  1.

  
	
  B.______ ist Eigentümerin
  der Liegenschaft Parz.-Nr. 01 (Grundbuch […]), welche teilweise in der
  Wohnzone […] und teilweise in der Landwirtschaftszone liegt. Am
  5. Februar 2020 reichte sie bei der Gemeinde Glarus Süd ein Gesuch
  für den Bau einer Remise bzw. eines Ziegenstalls auf dem in der Wohnzone
  […] gelegenen Teil der Parz.-Nr. 01 ein, nachdem sie ein bereits
  früher eingereichtes Baugesuch zurückgezogen hatte. Das Bauvorhaben wurde im Amtsblatt vom […] publiziert und lag bis zum […]
  öffentlich bei der Gemeinde Glarus Süd auf. Dagegen erhob unter anderem
  A.______ am 11. März 2020 Einsprache. Am 11. Juni 2020
  erteilte die Gemeinde Glarus Süd die Baubewilligung unter verschiedenen Auflagen
  und wies die dagegen erhobenen Einsprachen ab.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Gegen die Verfügung der
  Gemeinde Glarus Süd vom 11. Juni 2020 erhob A.______ am
  18. August 2020 Beschwerde beim Departement Bau und Umwelt des
  Kantons Glarus (DBU) und beantragte deren Aufhebung. Das DBU wies die
  Beschwerde am 10. September 2021 ab (Disp.-Ziff. 1), auferlegte
  A.______ eine Spruchgebühr in der Höhe von Fr. 1'600.- (Disp.-Ziff. 2 f.) und
  verpflichtete sie, B.______ innert 30 Tagen ab Rechtskraft des
  Entscheids eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 700.-
  (inkl. Mehrwertsteuer und Auslagen) zu bezahlen (Disp.-Ziff. 4).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  A.______ gelangte am 13.
  Oktober 2021 mit Beschwerde ans Verwaltungsgericht und beantragte die
  Aufhebung des Entscheids des DBU vom 10. September 2021. Das
  Baugesuch vom 5. Februar 2020 sei nicht zu bewilligen; alles unter
  Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten von B.______, der Gemeinde Glarus
  Süd sowie des DBU.

  
	
   

  
	
  B.______ beantragte am
  12. November 2021, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten,
  eventualiter sei sie abzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu
  Lasten von A.______. Die Gemeinde Glarus Süd teilte am 18. November 2021
  telefonisch mit, dass sie auf die Einreichung einer Beschwerdeantwort
  verzichte. Das DBU liess sich am 24. November 2021 vernehmen und
  beantragte die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden
  könne; unter Kostenfolge zu Lasten von A.______.

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  1.1 Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 79
  Abs. 1 des Raumentwicklungs- und Baugesetzes vom 2. Mai 2010
  (RBG) i.V.m. Art. 105 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die
  Verwaltungsrechtspflege vom 4. Mai 1986 (VRG) zur Behandlung der
  vorliegenden Beschwerde zuständig. 

  
	
   

  
	
  1.2 Soweit die Beschwerdegegnerin 1 die vorliegende
  Beschwerde als querulatorisch bezeichnet und beantragt, auf diese sei nicht
  einzutreten, ist zunächst Folgendes festzuhalten: Es erscheint durchaus
  denkbar und möglich, dass die Rechtsmittelerhebung durch die
  Beschwerdeführerin in einem nachbarschaftlichen Streit begründet ist.
  Indessen genügt es nicht, lediglich anhand ihres Vorgehens und gestützt auf
  die Rügen der Beschwerdegegnerin 1 auf eine querulatorische Eingabe zu
  schliessen, zumal eine solche nicht offensichtlich ist. Sodann trifft es zwar
  zu, dass die Beschwerdeschrift der Beschwerdeführerin in weiten Teilen mit
  den Eingaben in den vorinstanzlichen Verfahren übereinstimmt. Dennoch setzt
  sie sich, wenn auch nur teilweise und lediglich rudimentär, mit den
  Erwägungen des angefochtenen Entscheids des Beschwerdegegners 3
  auseinander, weshalb nicht unbesehen auf eine mangelhafte Begründungs- oder
  Rügepflicht und ein diesbezügliches Nichteintreten geschlossen werden darf.
  Dies nicht zuletzt, weil das Verwaltungsgericht das Recht von Amtes wegen
  anzuwenden hat (Art. 9 Abs. 1 VRG; vgl. hierzu VGer-Urteil VG.2019.00023
  vom 15. August 2019 E. II/1.3.3). Da auch die übrigen
  Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist entgegen der Ansicht der
  Beschwerdegegnerin 1 auf die Beschwerde somit einzutreten.

  
	
   

  
	
  1.3 Gemäss Art. 107 Abs. 1 VRG können mit der
  Verwaltungsgerichtsbeschwerde die unrichtige oder unvollständige Feststellung
  des rechtserheblichen Sachverhalts (lit. a) und die unrichtige
  Rechtsanwendung einschliesslich eines Missbrauchs des Ermessens (lit. b)
  gerügt werden. Die Unangemessenheit des Entscheids kann gemäss
  abschliessender Aufzählung in Art. 107 Abs. 2 VRG nur ausnahmsweise geltend
  gemacht werden, wobei ein solcher Ausnahmefall nicht vorliegt.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Um ein Baugesuch bewilligen zu können, muss dieses
  zonenkonform sein (Art. 22 Abs. 2 lit. a des Bundesgesetzes
  über die Raumplanung vom 22. Juni 1979 [RPG]). In
  einer Wohnzone bedeutet dies die Widmung der Wohnnutzung, worunter auch eine
  Freizeitbeschäftigung einschliesslich der privaten Tierhaltung fällt. Für die
  Zonenkonformität derselben dürfen jedoch keine übermässigen Immissionen von
  den Tieren ausgehen, wobei auf die konkreten Umstände, die Lage und den
  Charakter der Umgebung abgestellt werden muss. Dagegen sind Gewerbebetriebe
  in der Wohnzone nur zulässig, wenn sie nicht störend sind, sich nahtlos in
  die Wohnumgebung einfügen und eine funktionale Bindung an die Bedürfnisse
  dieser Zone aufweisen. Ob bei einer Tierhaltung eine gewerbliche oder private
  Nutzung vorliegt, hängt von der Zweckbestimmung der Tiere ab (Peter
  Hettich/Lukas Mathis, in Alain Griffel et al. [Hrsg.], Fachhandbuch Öffentliches Baurecht,
  Zürich/Basel/Genf 2016, Rz. 3.19 ff.; Urteil des Verwaltungsgerichts des
  Kantons Zürich VB.2020.00304 vom 12. November 2020 E. 4.1).

  
	
   

  
	
  2.2 Sowohl bei gewerblicher als auch bei privater
  Tierhaltung dürfen keine übermässigen Immissionen entstehen. Zur
  Qualifikation von Lärmimmissionen ist regelmässig auf die Empfindlichkeitsstufen
  der Lärmschutz-Verordnung vom 15. Dezember 1986 (LSV) abzustellen.
  Fehlen konkrete Grenzwerte (Art. 40 LSV), findet Art. 15 des
  Bundesgesetzes über den Umweltschutz vom 7. Oktober 1983 (USG)
  Anwendung. Danach sind sie so festzulegen, dass nach dem Stand der
  Wissenschaft oder der Erfahrung Immissionen unterhalb dieser Werte die
  Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden nicht erheblich stören. Bei
  Geruchsimmissionen liegt Übermässigkeit sodann vor, wenn aufgrund einer
  Erhebung feststeht, dass sie einen wesentlichen Teil der Bevölkerung in ihrem
  Wohlbefinden erheblich stören (Art. 2 Abs. 5 lit. b der
  Luftreinhalte-Verordnung vom 16. Dezember 1985 [LRV]).

  
	
   

  
	
  2.3 Weitere Voraussetzung einer Baubewilligung ist
  gemäss Art. 22 Abs. 2 lit. b RPG, dass das zu bebauende Land
  erschlossen ist. Das bedeutet unter anderem, dass eine für die betreffende
  Nutzung hinreichende Zufahrt besteht (Art. 19 Abs. 1 RPG), welche
  nicht zwingend in Form einer Strasse sein muss. Was als hinreichend gilt,
  hängt von der beanspruchten Nutzung des Grundstücks sowie von den
  massgeblichen (namentlich örtlichen) Umständen des Einzelfalls ab (Bernhard
  Waldmann/Peter Hänni, Handkommentar zum Raumplanungsgesetz, Bern 2006,
  Art. 19 N. 20 f.).

  
	
   

  
	
  2.4 Sodann muss das Bauvorhaben den Grenzabstand nach
  Art. 51 RBG einhalten. Bei eingeschossigen Nebenbauten mit einer
  Grundfläche von maximal 50 Quadratmetern muss dieser mindestens
  1,5 Meter betragen, wenn die Fassadenhöhe im Bereich dieser Grenze nicht
  mehr als 3,3 Meter beträgt (Art. 51 Abs. 4 RBG). Der Begriff
  der Nebenbaute wird in Art. 33 der Bauverordnung vom
  23. Februar 2011 (BauV) insofern konkretisiert, als dass es sich um
  ein freistehendes Gebäude handeln muss und es die im kommunalen Baureglement
  festgelegten Masse nicht überschreiten sowie nur Nebennutzflächen enthalten
  darf. Im Anhang der BauV ist zusätzlich festgehalten, dass zur Definition der
  Nebennutzflächen die SIA Norm 416 heranzuziehen ist. Demgemäss ist die
  Nebennutzfläche derjenige Teil, welcher die Hauptnutzfläche zur Nutzfläche ergänzt.
  Die Hauptnutzfläche dient der Zweckbestimmung und Nutzung des Gebäudes im
  engeren Sinn. Unter Nebennutzfläche sind bei Wohnbauten unter anderem die
  Waschküche, Estrich- und Kellerräume zu verstehen (BGer-Urteil 2C_1033/2020
  vom 9. Dezember 2021 E. 4.6.1). In
  Anhang 2 der Bauordnung […] vom 24. November 2006 (BO […]) wird
  schliesslich statuiert, dass der Grenzabstand von 1,5 Metern bei
  niedrigen Nebenbauten, namentlich bei Bauten, deren
  Gebäudehöhe nicht mehr als 3,3 Meter, deren Firsthöhe oder deren
  Anschluss an den Hauptbau nicht mehr als 5 Meter und deren
  Gebäudegrundfläche nicht mehr als 50 Quadratmeter aufweisen, gilt.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Gemäss Art. 115
  Abs. 2 der Verfassung des Kantons Glarus vom 1. Mai 1988 (KV)
  sind den Gemeinden in den Schranken von Verfassung und Gesetz ihr Bestand und
  das Recht, ihre Angelegenheiten selbständig zu regeln, gewährleistet. Sie
  besorgen alle örtlichen Angelegenheiten, für die weder der Bund noch der
  Kanton ausschliesslich zuständig sind (Art. 119 Abs. 1 KV). Die
  Ortsplanung ist gemäss Art. 15 Abs. 1 RBG Aufgabe der Gemeinde und
  umfasst nach Art. 15 Abs. 2 RBG das kommunale Entwicklungskonzept,
  den kommunalen Richtplan, den Zonenplan und das Baureglement.

  
	
   

  
	
  Bei der Anwendung der
  nutzungsplanerischen Vorschriften kommt der kommunalen Baubehörde ein
  besonderer Ermessensspielraum zu, der im Rechtsmittelverfahren zu beachten
  ist. Die Autonomie der Gemeindebehörde hat dort ihre Grenzen, wo sich eine
  Auslegung mit dem Wortlaut sowie mit dem Sinn und Zweck der Bestimmung nicht
  mehr vereinbaren lässt (Christian Häuptli, in Andreas Baumann et
  al. [Hrsg.], Kommentar zum Baugesetz des Kantons Aargau, Bern 2013,
  § 13 N. 23; VGer-Urteil VG.2021.00025 vom
  25. November 2021 E. II/3.2).

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Die Beschwerdeführerin rügt, das von der Beschwerdegegnerin 1
  eingereichte Baugesuch sei unvollständig. Das Amt für Lebensmittelsicherheit
  und Tiergesundheit des Kantons Graubünden (ALT GR) habe in seiner
  Stellungnahme klar festgehalten, dass Unterlagen zur Beurteilung einer
  gesetzeskonformen Tierhaltung fehlten. Sodann liege keine hobbymässige,
  sondern eine gewerbliche Tierhaltung vor. Dies aufgrund der Anzahl Ziegen
  sowie der Tatsache, dass die Beschwerdegegnerin 1 diese Tiere nicht
  selbst versorgen könne, was nach Art. 42b Abs. 3 der Raumplanungsverordnung
  vom 28. Juni 2000 (RPV) aber Voraussetzung für eine Bewilligung
  sei. Der geplante Stall sei sodann nicht zonenkonform. Gemäss der BO […]
  gelte für die umstrittene Parzelle die Empfindlichkeitsstufe II gemäss
  LSV. Damit sei lediglich nicht störendes Gewerbe oder eine hobbymässige
  Tierhaltung, welche keine unerwünschten Immissionen zeitige, zugelassen. Die
  Haltung von zehn Ziegen sprenge das zu tolerierende Mass und es sei nicht
  dargelegt worden, mit welchen Massnahmen Lärm vermieden würde. Der geplante
  Stall widerspreche ferner den Vorgaben der inneren Verdichtung. Es sei nicht
  ersichtlich, weshalb die klar landwirtschaftliche Baute in der Wohnzone und
  nicht auf dem angrenzenden Teil der streitbetroffenen Parzelle, welcher in
  der Landwirtschaftszone liege, gebaut werde. Die Beschwerdegegnerin 2
  habe sodann ihr Ermessen überschritten, indem sie ohne sachliche Begründung
  entschieden habe, dass in Bezug auf die Nutzung des Bauvorhabens als
  Ziegenstall keine eigene hinreichende Zufahrt erforderlich sei. Sie habe es
  auch unterlassen, hierzu Auflagen zu machen. Schliesslich handle es sich beim
  geplanten Gebäude um ein Hauptgebäude, weshalb ein Grenzabstand von vier
  Metern einzuhalten sei.

  
	
   

  
	
  4.2 Die Beschwerdegegnerin 1 bringt vor, das ALT GR sei
  mit der Bewilligung einverstanden gewesen und es sei nicht von
  unvollständigen Unterlagen auszugehen. Die Beschwerdeführerin begründe die
  fehlende Hobbymässigkeit der Tierhaltung sodann lediglich mit der pauschalen
  Argumentation, dass die Milchproduktion ein lukratives Geschäft sei. Es gebe
  aber keine Hinweise, dass sie, die Beschwerdegegnerin 1, die Tiere
  kommerziell nutze. Vielmehr sei deren Haltung ihr Hobby. Es sei sodann keine
  Voraussetzung, dass die Halter die Tiere selbst versorgten, sondern
  lediglich, dass sie diese selbst betreuten, was vorliegend gegeben sei. Die
  Beschwerdeführerin widerspreche sich darüber hinaus selbst, indem sie die
  Tierhaltung als "Hobby eines Nachbars" bezeichne. Das Bauvorhaben
  sei ferner zonenkonform. Die aus der Tierhaltung entstehenden Belastungen
  seien begrenzt und verträglich. Die Beschwerdeführerin habe die Berechnungen
  zu den Lärm- und Geruchsimmissionen denn auch nie bemängelt. Das Argument der
  inneren Verdichtung sei nicht zu hören, da auf der umstrittenen Parzelle kaum
  genügend Fläche für eine zusätzliche Wohnbaute vorhanden sei. Bezüglich der
  Erschliessung sei im Übrigen keine Ermessensüberschreitung ersichtlich.

  
	
   

  
	
  4.3 Die Beschwerdegegnerin 3 hält fest, die Unterlagen
  zur Prüfung des Baugesuchs seien vollständig gewesen. Das ALT GR habe
  lediglich Auflagen statuiert und den Vorbehalt angebracht, die Stallungen in
  Bezug auf die Einhaltung der Tierschutzvorschriften nach dem Bau zu
  kontrollieren. Sodann gelte zwar die Untersuchungsmaxime. Diese werde jedoch
  insofern eingeschränkt, als dass die Parteien im eigenen Interesse bei der
  Beweisbeschaffung mitwirken und die Behörden nicht von Amtes wegen nach nicht
  aktenkundigen Tatsachen forschen müssten, wenn von der Partei nach den
  Umständen ein entsprechender Beleg erwartet werden dürfe. Sie habe deshalb
  mangels konkreter Hinweise in freier Beweiswürdigung davon ausgehen dürfen,
  dass im vorliegenden Fall nicht von einem Gewerbe, sondern von hobbymässiger
  Tierhaltung auszugehen sei. Die weiteren Ausführungen der Beschwerdeführerin
  bezüglich der Selbstversorgung seien nicht zu hören, da diese Voraussetzung
  nur bei einer landwirtschaftlichen Bewirtschaftung gelte, was bei der
  Beschwerdeführerin nicht der Fall sei. Aus demselben Grund komme der Bau des
  Stalles in der Landwirtschaftszone denn auch nicht in Betracht. Sodann sei
  hobbymässige Tierhaltung in einer Wohnzone grundsätzlich zonenkonform. Die
  Beschwerdegegnerin 2 habe die diesbezüglichen Vorgaben geprüft und sei
  zum Schluss gekommen, dass die Lärm- und Geruchsimmissionen mit vier zusätzlichen
  Ziegen nicht übermässig seien. Sie habe auch geklärt und dargelegt, weshalb
  für die Nutzung des Bauvorhabens als Ziegenstall keine eigene hinreichende
  Zufahrt erforderlich sei. Auf die Rüge des ungenügenden Grenzabstands sei
  schliesslich nicht einzutreten, da die Beschwerdeführerin diesen zwar bei der
  Beschwerdegegnerin 2, jedoch nicht mehr im Beschwerdeverfahren bei der
  Beschwerdegegnerin 3 vorgebracht habe. Damit sei sie der Rügepflicht nur
  ungenügend nachgekommen.

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1 Die Beschwerdeführerin macht zunächst die
  Unvollständigkeit der Baugesuchsunterlagen geltend. Hierzu ist festzuhalten,
  dass das ALT GR dem Bauvorhaben explizit zugestimmt hat. Es erteilte
  lediglich Auflagen und behielt sich vor, im Rahmen des Vollzugs die Baute
  bzw. die Stallung im Hinblick auf die Einhaltung der Tierschutzvorschriften
  zu kontrollieren. Damit war die Stellungnahme aber zweifellos ausreichend für
  die Erteilung der streitbetroffenen Bewilligung und die Baugesuchsunterlagen
  folglich insgesamt vollständig. Einen diesbezüglichen Ermessensmissbrauch
  oder eine willkürliche Rechtsanwendung durch die Beschwerdegegnerin 2
  lässt sich hierbei nicht erkennen.

  
	
   

  
	
  5.2

  
	
  5.2.1 Die Beschwerdeführerin rügt alsdann, mit der
  Tierhaltung der Beschwerdegegnerin 1 liege eine gewerbliche Nutzung und
  nicht mehr nur eine hobbymässige Tierhaltung vor. Dies insbesondere wegen der
  Anzahl der Tiere und weil die Beschwerdegegnerin 1 diese nicht selbst
  versorgen könne.

  
	
   

  
	
  Dem ist zunächst
  entgegenzuhalten, dass sowohl Art. 24e RPG als auch Art. 42b RPV
  lediglich für Bauvorhaben ausserhalb der Bauzone anwendbar sind
  (vgl. Rudolf Muggli, in Heinz Aemisegger et al. [Hrsg.], Praxiskommentar RPG: Bauen ausserhalb der
  Bauzone, Zürich/Basel/Genf 2017, Vorbem. zu den Art. 24 bis 24e und 37a,
  N. 30). Eine solche Konstellation liegt unbestrittenermassen nicht vor,
  weshalb die diesbezügliche Rüge der Beschwerdeführerin ins Leere zielt.
  Fraglich und zu prüfen ist weiter, ob
  der Stall und die damit einhergehende bzw. geplante Tierhaltung zonenkonform
  ist. Hierfür ist zunächst zu klären, ob eine private oder eine gewerbliche
  Tierhaltung vorliegt. Mit der Beschwerdegegnerin 1 und 3 ist dabei darin
  einigzugehen, dass keine Anhaltspunkte für eine gewerbliche Nutzung der Tiere
  ersichtlich sind. Vielmehr erscheint es
  glaubhaft, dass die Beschwerdegegnerin 1 eine Liebhaberei bzw. eine
  hobbymässige Tierhaltung ausübt, woran die pauschalen und unbelegten
  Behauptungen der Beschwerdeführerin nichts zu ändern vermögen. Indessen ist die Tierhaltung nach dem oben
  Dargelegten aber nur dann zonenkonform, wenn daraus keine übermässigen
  Immissionen resultieren, was aufgrund der konkreten Umstände des Einzelfalls
  zu prüfen ist. Dabei ist unter anderem der Charakter der Siedlungsstruktur
  relevant und, weil für Tierimmissionen keine festgelegten Grenzwerte
  bestehen, sind diese nach den allgemeinen Grundsätzen zu beurteilen
  (vgl. vorstehende E. II/2.2).

  
	
   

  
	
  5.2.2 Der zu bebauende Teil der streitbetroffenen
  Parzelle liegt in der Wohnzone 2b. Es handelt sich um ein Gebiet mit
  ländlichem Charakter, welches direkt an die Landwirtschaftszone angrenzt. Die
  Beschwerdegegnerin 1 hielt bereits seit längerem auf der angrenzenden
  Parzelle bis zu sechs Ziegen. Eine Tierhaltung in diesem Umfang wurde ihr
  denn auch rechtskräftig bewilligt. Vor diesem Hintergrund ist somit lediglich
  zu prüfen, ob von der Erhöhung des Bestands um vier weitere Ziegen ein
  unverträglicher Anstieg an Geruchs- oder Lärmimmissionen zu erwarten ist. Mit
  Blick auf die von der Beschwerdegegnerin 1 eingereichten Unterlagen ist
  dies jedoch zu verneinen. Die vier weiteren Tiere verursachen keine
  massgebliche Erhöhung der Lärmimmissionen. Alle Tiere verbringen die Nacht
  innerhalb des Stalls und die Sommermonate an einem anderen Ort. Bezüglich des
  Geruchs ist ebenfalls kein wesentlicher Anstieg von Immissionen zu erwarten,
  zumal die Beschwerdegegnerin 1 die hierbei empfohlenen Mindestabstände
  offensichtlich einhält (vgl. Beschluss des Gemeinderats Glarus Süd vom
  […]). Im Ergebnis ist das Bauvorhaben somit zu Recht als zonenkonform qualifiziert
  worden.

  
	
   

  
	
  5.3 Eine weitere Voraussetzung für die Erteilung einer
  Baubewilligung ist die rechtsgenügliche Erschliessung des zu bebauenden Lands
  (Art. 22 Abs. 2 lit. b RPG). Diese ist erfüllt, wenn eine
  für die betreffende Nutzung hinreichende Zufahrt besteht (Art. 19
  Abs. 1 RPG). Für die vorliegend geplante Nutzung erscheint eine Zufahrt
  im Sinne einer befahrbaren Strasse nicht erforderlich. Der Zugang ist sowohl
  für die Tiere als auch für deren Versorgung sowie das Umsorgen ausreichend,
  was die Beschwerdegegnerin 2 im Rahmen des ihr zustehenden Ermessens
  willkürfrei überprüft hat.

  
	
   

  
	
  5.4 Bei Neubauten muss schliesslich der Grenzabstand
  gemäss Art. 51 RBG eingehalten werden. Aufgrund der Masse des geplanten
  Stalls und der Tatsache, dass er als freistehendes Gebäude geplant ist, ist
  er sowohl nach kommunalem als auch nach kantonalem Recht als Nebenbaute zu
  qualifizieren (Art. 51 Abs. 4 RBG i.V.m. Art. 33 BauV
  i.V.m. Anhang 2 BO […]). Fraglich ist indessen, ob er nur aus Nebennutzflächen
  besteht (Art. 33 BauV). Hierfür ist gemäss dem Anhang der BauV
  grundsätzlich die SIA Norm 416 heranzuziehen. Diese ist jedoch einzig
  für die Berechnung der Gesamtfläche von Wohngebäuden geeignet, bzw. für
  Bauten, bei welchen Wohnflächen (Wohn-/Schlafzimmer) als Hauptnutzungsflächen
  und gleichzeitig auch Nebennutzungsflächen (z.B. Keller/Estrich)
  vorhanden sind. Weil die streitbetroffene Parzelle diese Eigenschaften nicht
  aufweist, erscheint die Anwendung der SIA Norm 416 im vorliegenden Fall
  verfehlt. Hinzu kommt, dass die Grenzabstände gemäss Art. 51 RBG die
  Wahrung der Privatsphäre der Bewohner von Wohngebäuden bezwecken (VGer-Urteil
  VG.2018.00051 vom 23. August 2018 E. 4.2.1; Häuptli, § 47
  N. 11). Entsprechend sind für Wohngebäude und damit Wohnflächen denn
  auch grössere Abstände vorgesehen als für Nebengebäude, in denen sich weit
  weniger häufig Personen aufhalten und dies auch für kürzere Zeit. In diesem
  Lichte ist die SIA Norm 416 somit einzig auf Grundstücke ausgelegt, auf
  denen sowohl ein Hauptgebäude im Sinne eines Wohnhauses als auch Nebengebäude
  (z.B. Garage, Gartenhaus) geplant sind. Dies ist auf der
  streitbetroffenen Parzelle offensichtlich nicht der Fall. Es erscheint
  widersprüchlich und mit dem Zweck von Art. 51 RBG nicht vereinbar, den
  geplanten Stall aufgrund der Unterschreitung des Grenzabstands von vier
  Metern lediglich deshalb nicht zu bewilligen, weil auf dem betroffenen
  Grundstück kein Wohnhauptgebäude steht. Schliesslich wurde der
  Beschwerdegegnerin 1 bereits ihr früheres Baugesuch mit demselben Grenzabstand
  rechtskräftig bewilligt. Es ist nicht ersichtlich, weshalb aufgrund der
  Mehrbelastung durch vier Ziegen nun davon abgewichen werden sollte, zumal bei
  der vorliegenden Beurteilung keine neuen Rechtsgrundlagen Anwendung finden
  und keine diesbezügliche neue Praxis besteht. Beim vorliegend geplanten Stall
  ist demnach von einer Nebenbaute nach Art. 51 Abs. 4 RBG
  auszugehen, womit der Grenzabstand als eingehalten gilt.

  
	
   

  
	
  6.

  
	
  Zusammenfassend ist die
  Erteilung der Baubewilligung durch die Beschwerdegegnerin 2 nicht zu
  beanstanden. Die geplante Baute ist zonenkonform, da von der privaten und
  hobbymässigen Tierhaltung der Beschwerdegegnerin 1 keine übermässigen
  Immissionen zu erwarten sind. Sie ist sodann genügend erschlossen und hält
  den notwendigen Grenzabstand ein. Die Beschwerdegegnerin 2 hat das
  Baugesuch willkürfrei und im Rahmen ihres grossen Ermessens, in welches das
  Gericht nicht ohne Not eingreift, zu Recht bewilligt.

  
	
   

  
	
  Dies führt zur Abweisung
  der Beschwerde.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  1.

  
	
  Nach Art. 134
  Abs. 1 lit. c VRG hat die Partei, welche im Beschwerde-, Klage-
  oder Revisionsverfahren unterliegt, die amtlichen Kosten zu tragen. Die
  Gerichtskosten von pauschal Fr. 1'000.- sind der unterliegenden
  Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Vom bereits geleisteten Kostenvorschuss in
  der Höhe von Fr. 2'000.- sind ihr Fr. 1'000.- zurückzuerstatten.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Soweit an einem
  Beschwerdeverfahren Parteien mit gegensätzlichen Interessen beteiligt sind,
  kann gemäss Art. 138 Abs. 2 VRG der obsiegenden Partei zu Lasten
  jener, die unterliegt, eine angemessene Parteientschädigung zugesprochen
  werden (vgl. Art. 138 Abs. 1 VRG). Ausgangsgemäss steht der
  Beschwerdeführerin keine Parteientschädigung zu. Hingegen ist sie zu
  verpflichten, der Beschwerdegegnerin 1 eine solche von Fr. 1'800.-
  (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird abgewiesen.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtskosten von Fr. 1'000.- werden der Beschwerdeführerin
    auferlegt. Vom bereits geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von
    Fr. 2'000.- werden ihr Fr. 1'000.- zurückerstattet.

    
	
    3.

    	
    Die
    Beschwerdeführerin wird verpflichtet, der Beschwerdegegnerin 1 innert
    30 Tagen nach Rechtskraft dieses Entscheids eine Parteientschädigung
    von Fr. 1'800.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]