# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1b510242-1ea1-5c80-aefc-9d941e696c21
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-10-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.10.2011 D-7807/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-7807-2009_2011-10-17.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­7807/2009

U r t e i l   v om   1 7 .   O k t ob e r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz),
Richter Bruno Huber, Richter Hans Schürch,   
Gerichtsschreiber Patrick Weber.

Parteien X. _______, geboren am _______,
Afghanistan,  
vertreten durch lic. iur. Tarig Hassan, _______
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Vollzug der Wegweisung (Beschwerde gegen 
Wiedererwägungsentscheid);
Verfügung des BFM vom 30. November 2009 / _______.

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

I.

dass  der  Beschwerdeführer  am  13.  April  2006  in  der  Schweiz  ein 
Asylgesuch stellte,

dass er zu dessen Begründung im Wesentlichen geltend machte, aus der 
afghanischen Provinz _______ zu stammen und tadschikischer Ethnie zu 
sein,

dass sein Bruder die Taliban unterstützt  habe und die Familie  im Jahre 
1998  aus  Angst  vor  Repressalien  seitens  der  Mujaheddin  nach  Kabul 
geflohen sei,

dass der erwähnte Bruder im Kampf gefallen sei,

dass er  in Kabul wegen der Taliban­Vergangenheit seines Bruders nach 
dem  Machtwechsel  den  Argwohn  eines  einflussreichen  Onkels  – eines 
Vertreters der Mujaheddin – geweckt habe,

dass ihn der besagte Verwandte im Jahre 2001 aufgefordert habe, innert 
einer Woche die vorhandenen Waffen abzugeben,

dass  er  aber  nicht  im  Besitz  von  Waffen  gewesen  und  aus  Angst  vor 
Verfolgung  durch  das  Umfeld  des  Onkels  einige  Tage  später  ausser 
Landes geflohen sei,

dass er sich in der Folge während Jahren im Iran aufgehalten habe,

dass das BFM das Asylgesuch mit Verfügung vom 23. Juni 2006 abwies 
und die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz sowie den 
Wegweisungsvollzug anordnete,

dass  die  Vorinstanz  zur  Begründung  ihres  Entscheids  insbesondere 
ausführte,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  seien  unsubstanziiert 
und mithin nicht glaubhaft,

dass der Wegweisungsvollzug nach Afghanistan zulässig, zumutbar und 
möglich sei,

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dass  er  vor  der  Ausreise  in  Kabul  gelebt  habe  und  sich  dort 
Familienangehörige befänden,

dass er jung und gesund sei und vor Ort im eigenen Geschäft gearbeitet 
habe,

dass  der  Beschwerdeführer  diese  Verfügung  mit  Eingabe  vom  28.  Juli 
2006  bei  der  vormals  zuständigen  Schweizerischen 
Asylrekurskommission (ARK) anfocht,

dass die ARK mit Urteil vom 4. August 2006 auf das Rechtsmittel wegen 
bereits abgelaufener Beschwerdefrist nicht eintrat,

II.

dass  der  Beschwerdeführer  beim  BFM  am  20.  November  2007 
(Poststempel)  ein  erstes  Wiedererwägungsgesuch  stellte  und 
sinngemäss  um  Aufhebung  des  angefochtenen  Entscheids, 
Asylgewährung  und  eventualiter  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme 
ersuchte, 

dass  er  zur  Begründung  vorbrachte,  ein  neues  Beweismittel  (eine 
Vorladung der afghanischen Behörden aus dem Jahre 2001) belege die 
im ordentlichen Verfahren geltend gemachte Verfolgung,

dass  er  das  Dokument  mit  der  Unterstützung  eines  in  Deutschland 
lebenden  Kollegen,  welcher  einen  Beamten  vor  Ort  kenne,  habe 
beschaffen können,

dass  sich  ausserdem  die  Sicherheitslage  in  Kabul  verschlechtert  habe 
und er dort über kein soziales Netz mehr verfüge,

dass  das  BFM  das  Wiedererwägungsgesuch  mit  Verfügung  vom  11. 
Januar 2008 ablehnte,

dass es zur Begründung unter anderem darlegte, der Beschwerdeführer 
mache  mit  dem  eingereichten  Beweismittel  einen  unter 
wiedererwägungsrechtlichen  Aspekten  zu  prüfenden  Revisionsgrund 
gemäss  Art.  66  Abs.  2  Bst.  a  des  Bundesgesetzes  über  das 
Verwaltungsverfahren  vom  20.  Dezember  1968  [VwVG,  SR  172.021]) 
geltend,

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dass das Dokument indes weder als neu noch als erheblich im Sinne der 
zitierten Gesetzesbestimmung zu qualifizieren sei,

dass  für  die  verspätete  Beibringung  des  Beweismittels  keine  plausiblen 
Gründe vorlägen,

dass das Dokument zudem insgesamt als Fälschung zu qualifizieren sei,

dass  sich  die  allgemeine  Sicherheitslage  in  Afghanistan  zwar 
verschlechtert habe, aber insbesondere in Kabul – dem Herkunftsort des 
Beschwerdeführers  –  nicht  eine  konkrete  Gefährdung  der  Bevölkerung 
bestehe,

dass  entsprechend  auch  nicht  von  einer  seit  Erlass  der  angefochtenen 
Verfügung  wesentlich  veränderten  Sachlage  auszugehen  sei,  weshalb 
auch in diesem Lichte besehen kein Wiedererwägungsgrund bestehe,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  4.  Februar  2008  beim 
Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung des angefochtenen Entscheids, 
sinngemäss  die  wiedererwägungsweise  Gewährung  des  Asyls, 
eventualiter  die  vorläufige  Aufnahme  und  in  prozessualer  Hinsicht  die 
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt Entbindung von der 
Vorschusspflicht (Art. 65 Abs. 1 VwVG) beantragte,

dass  er  zur  Begründung  erneut  vorbrachte,  das  Beweismittel  aus  dem 
Jahre  2001  sei  echt  und  belege  die  im  ordentlichen  Verfahren  geltend 
gemachte Verfolgung,

dass  sich  ausserdem  die  Sicherheitslage  in  Kabul  verschlechtert  habe 
und er dort über kein soziales Netz mehr verfüge,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Beschwerde  mit  Urteil  vom      
12. Februar 2009 als offensichtlich unbegründet vollumfänglich abwies, 

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  unter  anderem  festhielt,  das 
eingereichte  Beweismittel,  das  seine  Verfolgung  belegen  solle,  sei 
verspätet und nicht erheblich, 

dass  ausserdem  keine  gegenüber  der  Situation  bei  Eintritt  der 
Rechtskraft  der  ursprünglichen  Verfügung  vom  23.  Juni  2006 
entscheidrelevant veränderte Sachlage aufgrund der Entwicklung vor Ort 
festzustellen sei, 

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dass  der  Beschwerdeführer  vor  der  Ausreise  in  der  Hauptstadt  Kabul 
gelebt  habe  und  seine  Behauptung,  nichts  über  das  aktuelle  Schicksal 
der dort ansässigen Angehörigen zu wissen, nicht glaubhaft wirke,

dass  der  junge  und  offenbar  gesunde  Beschwerdeführer  somit 
grundsätzlich bei  seinen Angehörigen nach wie  vor über genügend und 
gesicherten  Wohnraum  verfügen  dürfte  und  eine  allfällige 
Wiederaufnahme  der  Erwerbstätigkeit  keineswegs  als  ausgeschlossen 
erscheine,  womit  es  ihm  folglich  offenstehe  und  zuzumuten  sei,  sich 
wieder in Kabul niederzulassen,

dass daran auch seine inzwischen langjährige Landesabwesenheit, die er 
selbst zu verantworten habe, nichts zu ändern vermöge,

dass  dem  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  seinen 
Heimatstaat  aufgrund  der  gegenwärtigen  Aktenlage  auch  sonst  keine 
Wegweisungsvollzugshindernisse entgegenstünden,

dass  das  BFM  das  Wiedererwägungsgesuch  nach  dem  Gesagten  zu 
Recht abgewiesen habe, 

III.

dass der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertretung beim BFM am 
20. November 2009 ein zweites Wiedererwägungsgesuch stellte,

dass er die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung vom 23. Juni 2006 
im  Vollzugspunkt,  die  vorläufige  Aufnahme  wegen  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  und  den  Erlass  vorsorglicher  Massnahmen 
beantragte, 

dass er zur Begründung unter Hinweis auf verschiedene Quellen geltend 
machte, die Sicherheitslage in Afghanistan habe sich in den Jahren 2007 
bis 2009 dramatisch verschlechtert, 

dass namentlich auch  in Kabul von einer Verschlimmerung der Lage  im 
Sinne einer konkreten Gefährdung auszugehen sei, 

dass  das  BFM  das  Wiedererwägungsgesuch  mit  Verfügung  vom  30. 
November 2009 abwies und die Rechtskraft und Vollstreckbarkeit seines 
Entscheids vom 23. Juni 2006 feststellte, 

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dass es festhielt, es sei trotz der in Afghanistan allgemein angespannten 
Sicherheitslage  nicht  von  einer  auch  in  Kabul  drohenden  konkreten 
Gefährdung auszugehen, 

dass  dem Beschwerdeführer  eine Rückkehr  dorthin  somit  nach wie  vor 
zuzumuten sei, 

dass es dem Beschwerdeführer eine Gebühr auferlegte,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertretung  vom  
16.  Dezember  2009  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde 
einreichen liess, 

dass  er  die Aufhebung  des  vorinstanzlichen Entscheids,  die Anweisung 
an die Vorinstanz,  ihn wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 
in der Schweiz vorläufig aufzunehmen, eventualiter die Rückweisung der 
Sache  an  das  BFM  zur  Neubeurteilung,  subeventualiter  die  Aufhebung 
der vorinstanzlichen Verfügung im Kostenpunkt, den Erlass vorsorglicher 
Massnahmen  sowie  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege 
(Art. 65  Abs.  1  VwVG)  samt  Entbindung  von  der  Vorschusspflicht 
beantragte, 

dass  er  zur  Begründung  unter  Hinweis  auf  verschiedene  Quellen – 
darunter auch ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts – respektive die 
Eingabe  vom  20.  November  2009  erneut  geltend  machte,  die 
Sicherheitslage in Afghanistan habe sich dramatisch verschlechtert, 

dass diese Einschätzung durch aktuelle Berichte – auch die Hauptstadt 
Kabul  betreffend  –  bestätigt  werde,  was  das  BFM  im  angefochtenen 
Entscheid verkenne, 

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  den  allfälligen  Vollzug  der 
Wegweisung am 17. Dezember 2009 einstweilen aussetzte, 

dass  der  vormalige  Instruktionsrichter  mit  Zwischenverfügung  vom        
21.  Dezember  2009  das Gesuch  um Erlass  vorsorglicher Massnahmen 
guthiess  und  den  Beschwerdeführer  aufforderte,  innert  Frist  entweder 
eine  Bestätigung  für  seine  Bedürftigkeit  nachzureichen  oder  einen 
Kostenvorschuss zu leisten, 

dass der Beschwerdeführer am 30. Dezember 2009 eine entsprechende 
Bestätigung zu den Akten gab, 

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dass  das  BFM  mit  Vernehmlassung  vom  8.  September  2011  die 
Abweisung der Beschwerde beantragte, 

dass der Beschwerdeführer mit Replik vom 28. September 2011 geltend 
machte, nach wie vor keinen Kontakt zu seinen Familienangehörigen zu 
haben, 

dass er nicht aus Kabul stamme und sich erst von 1998 bis zur Ausreise 
im Jahre 2001 dort aufgehalten habe, 

dass er seit der Ausreise keinen Kontakt mehr zur Familie habe, 

dass sich die Sicherheitslage  in Kabul  in den  letzten Wochen nochmals 
verschlechtert habe, 

dass der Eingabe ein Internetartikel zur Situation vor Ort beilag, 

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig 
über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM 
entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes 
vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG 
richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und 
Art. 6 AsylG),

dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist 
(Art. 108  und Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1  und 
Art. 52 VwVG),

dass auf die  frist­ und  formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten 
ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

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dass  auf  ein  Wiedererwägungsgesuch  eingetreten  wird,  wenn  sich  der 
rechtserhebliche  Sachverhalt  seit  dem  ursprünglichen  Entscheid 
beziehungsweise  seit  dem  Urteil  der  mit  Beschwerde  angerufenen 
Rechtsmittelinstanz  in  wesentlicher Weise  verändert  hat  und mithin  die 
ursprüngliche  (fehlerfreie)  Verfügung  an  nachträglich  eingetretene 
Veränderungen der Sachlage anzupassen ist,

dass die Vorinstanz auf die Eingabe vom 16. Dezember 2009 eintrat und 
festhielt,  die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Kabul  sei  für 
den Beschwerdeführer nach wie vor gegeben, 

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  im  zur  Publikation  vorgesehenen 
Urteil  BVGE  E­7625/2008  vom  16.  Juni  2011  zum  Schluss  kommt,  in 
weiten Teilen von Afghanistan herrsche eine Situation allgemeiner Gewalt 
im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  4  des  Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember 
2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG; SR 142.20), 

dass sich die Situation in der Hauptstadt Kabul jedoch anders darstelle, 

dass angesichts des Umstandes, wonach sich dort die Sicherheitslage im 
Verlauf des vergangenen Jahres nicht weiter verschlechtert habe und die 
humanitäre  Situation  im  Vergleich  zu  den  übrigen  Gebieten  etwas 
weniger  dramatisch  sei,  der  Vollzug  der  Wegweisung  im  Sinne  der 
bisherigen Rechtsprechung als zumutbar qualifiziert werden könne, 

dass  demnach  die  bereits  von  der  vormaligen  Beschwerdeinstanz  in 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  (EMARK)  2003  Nr.  10  formulierten  strengen 
Bedingungen  in  jedem  Einzelfall  sorgfältig  geprüft  und  erfüllt  sein 
müssten,  um  einen  Wegweisungsvollzug  nach  Kabul  als  zumutbar  zu 
qualifizieren,

dass  ein  soziales  Netz,  das  sich  im  Hinblick  auf  die  Aufnahme  und 
Wiedereingliederung des Rückkehrers als tragfähig erweise, unabdingbar 
sei, (vgl. a.a.O. E. 9.3 ff.),

dass  an  diesen  Einschätzungen  auch  in  Berücksichtigung  der  jüngsten 
Ereignisse in Kabul festzuhalten ist, 

dass  demnach  die  allgemeine  Sicherheitslage  in  Kabul  für  sich  allein 
besehen grundsätzlich nach wie vor die Bejahung der Zumutbarkeit des 
Wegweisungsvollzugs dorthin nicht ausschliesst,

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dass  im  Rahmen  des  ersten  Wiedererwägungsgesuches  festgestellt 
worden  war,  vorliegend  seien  die  strengen  Bedingungen  für  die 
Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung nach Kabul erfüllt,

dass  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Replik  vom  28.  September  2011 
zwar  geltend  macht,  seit  der  Ausreise  aus  Afghanistan  im  Jahre  2001 
keinen  Kontakt  mehr  zu  seinen  Angehörigen  zu  haben  und  nicht  zu 
wissen,  ob  sie  sich  noch  in  Kabul  oder  überhaupt  in  Afghanistan 
aufhielten, 

dass  dies  jedoch  bereits  im  ersten  Wiedererwägungsverfahren  geltend 
gemacht worden war und die Glaubhaftigkeit dieser Vorbringen bereits im 
Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  12.  Februar  2009  erheblich 
bezweifelt wurde, 

dass  der  Beschwerdeführer  zu  Beginn  des  ordentlichen  Verfahrens  am 
27.  April  2006  nämlich  ausgesagt  habe,  seine  Mutter  lebe  an  der 
angegebenen  Adresse  in  Kabul  und  seine  Schwester  verfüge  in  Kabul 
über eine eigene Adresse,

dass  seine  späteren  Distanzierungen  von  diesen  Angaben  wie 
namentlich  auch  die  Behauptung  in  der  Eingabe  vom  4.  Februar  2008, 
seit 2001 keinen Kontakt mehr zu seiner Mutter zu haben, demnach als 
Konstrukt zu werten seien,

dass  seine  Darlegungen,  in  Afghanistan  über  keine  ihm  wohlgesinnten 
Bezugspersonen  zu  verfügen,  in  dieser  Form  nicht  zu  überzeugen 
vermöchten,

dass an dieser Einschätzung nach wie vor  festzuhalten  ist,  da auch die 
Eingaben im zweiten Wiedererwägungsverfahren mangels Substanz das 
angeblich fehlende soziale Netz vor Ort in keiner Weise als überwiegend 
wahrscheinlich erscheinen lassen,

dass  vielmehr  davon  auszugehen  ist,  die  Schwester  des 
Beschwerdeführers und ihr Ehemann seien weiterhin in Kabul wohnhaft, 

dass  auch  die  Mutter,  mit  der  der  Beschwerdeführer  vor  der  Ausreise 
zusammengelebt habe, nach wie vor in Kabul leben dürfte,

dass  sich  zwar  aus  den  Akten  nur  wenig  über  die  Tragfähigkeit  dieses 
sozialen Netzes ergibt,

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Seite 10

dass  jedoch  der  Beschwerdeführer,  dem  nicht  geglaubt  werden  kann, 
dass  die  Familienangehörigen  nicht  mehr  in  Kabul  leben,  die  Folgen 
seiner  mangelhaften  Mitwirkung  respektive  der  mangelhaften 
Offenlegung  der  tatsächlichen  Situation  zu  tragen  hat,  zumal  es  nicht 
Sache  der  Asylbehörden  sein  kann,  nach  allfälligen 
Wegweisungsvollzugshindernissen  unter  bloss  hypothetischen 
Voraussetzungen zu forschen,

dass der Beschwerdeführer zudem bereits im Jahre 1998 zusammen mit 
seiner Mutter  und  seinem Bruder  bei  seinem Schwager  vorübergehend 
untergekommen ist, 

dass der Beschwerdeführer zwar längere Zeit nicht mehr im Heimatstaat 
gelebt  hat,  angesichts  seiner  Beziehungen,  seiner  guten  Schulbildung, 
seiner  Fremdsprachenkenntnisse  und  seiner  Arbeitserfahrung  –  er  hat 
Kabul bereits ein Geschäft geführt – jedoch davon auszugehen ist, er sei 
in der Lage, sich eine Existenzgrundlage zu schaffen,

dass  im  Übrigen  keine  weiteren  persönlichen  Gründe  ersichtlich  sind, 
aufgrund  derer  geschlossen  werden  könnte,  der  junge  und  offenbar 
gesunde  Beschwerdeführer  gerate  im  Falle  der  Rückkehr  in  eine 
existenzbedrohende  Situation,  weshalb  der  Vollzug  der Wegweisung  in 
Übereinstimmung  mit  der  Vorinstanz  nach  wie  vor  als  zumutbar  (und 
auch als zulässig und möglich) zu bezeichnen ist,

dass  mithin  weder  die  aktuelle  Situation  in  Kabul  noch  persönliche 
Gründe  des  Beschwerdeführers  einen  wiedererwägungsrechtlich 
erheblichen  Sachverhalt  im  Sinne  einer  nachträglichen  Veränderung 
ausmachen, 

dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder 
unangemessen  ist  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  vom            
16. Dezember 2009 – auch betreffend Subeventualantrag – abzuweisen 
ist,

dass  in  Bezug  auf  den  Subeventualantrag  festzustellen  ist,  dass  die 
Vorinstanz angesichts der Abweisung des Wiedererwägungsgesuches zu 
Recht  Kosten  auferlegte,  zumal  im  Verfahren  bei  der  Vorinstanz  auch 
kein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gestellt worden war,

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Seite 11

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  dem 
Beschwerdeführer aufzuerlegen wären (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1­3 des 
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 
vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]),  mit 
Zwischenverfügung  vom  21.  Dezember  2009  jedoch  das  Gesuch  um 
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 
VwVG  unter  Vorbehalt  der  Nachreichung  einer  Fürsorgebestätigung 
gutgeheissen worden war, 

dass  die  Bestätigung  für  die  Bedürftigkeit  am  30.  Dezember  2009 
nachgereicht wurde, weshalb keine Kostenauflage erfolgt.

(Dispositiv nächste Seite)

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Seite 12

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.  
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber

Versand: