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**Case Identifier:** 6790b23a-3af2-5ec7-b328-36789d324edc
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-06-22
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 22.06.2023 VBE.2023.56
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-56_2023-06-22.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

1. Kammer 

 

 

VBE.2023.56 / pm / BR 
Art. 59 

 

Urteil vom 22. Juni 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Kathriner, Präsident  

Oberrichter Roth  

Oberrichterin Gössi  

Gerichtsschreiber Meier 

 

 
   

Beschwerde- 

führer  

 A._____,  

vertreten durch lic. iur. Urs Hochstrasser, Rechtsanwalt, Rain 41, 

Postfach, 5001 Aarau 1 

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 Zürich Versicherungs- Gesellschaft AG, Scanning GIC, Postfach, 

8085 Zürich 

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend UVG 

(Einspracheentscheid vom 21. Dezember 2022) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Der 1987 geborene Beschwerdeführer war als professioneller Eishockey-

spieler tätig, als er am 17. Oktober 2015 bei einem Eishockeyspiel eine 

commotio cerebri sowie eine commotio labyrinthi links erlitt. Die Beschwer-

degegnerin richtete in der Folge vorübergehende Leistungen (Tag-

geld/Heilbehandlung) aus. Mit Verfügung vom 26. Juli 2021 stellte sie die 

Heilbehandlungsleistungen per 25. Mai 2018 und die Taggeldleistungen 

per 30. April 2019 ein. Des Weiteren sprach sie dem Beschwerdeführer 

eine Integritätsentschädigung bei einer Integritätseinbusse von 20 % zu 

und verneinte einen Anspruch auf eine Invalidenrente. Die dagegen erho-

bene Einsprache wies sie mit Einspracheentscheid vom 21. Dezember 

2022 ab. 

 

2. 

2.1. 

Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 31. Januar 2023 

fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Rechtsbegehren: 

 

"1. Dem Beschwerdeführer seien die gesetzlichen Leistungen auszurich-
ten. 

 
 2. Dem Beschwerdeführer sei eine Rente von mindestens 50% auszu-

sprechen. 
 
 3. Dem Beschwerdeführer seien Langfrist-Heilbehandlungsleistungen zu-

zusprechen. 
 
 4. Eventualiter seien weiterführende Taggeldleistungen bis zur Zusprache 

der Rentenberechtigung zu prüfen und auszurichten. 
 
 5. Eventualiter sei eine gerichtliche Begutachtung anzuordnen. 
 
 6. Es sei ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen. 
 
 7. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwer-

degegnerin." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 15. Februar 2023 beantragte die Beschwerde-

gegnerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit Replik vom 3. März 2023 hielt der Beschwerdeführer an den in seiner 

Beschwerde gestellten Anträgen fest. 

 

 

 

 - 3 - 

 

 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist die Rechtmässigkeit des Einspracheentscheides 

vom 21. Dezember 2022 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 77). 

 

2. 

2.1. 

Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst 

voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden 

(Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. 

Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um-

stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als einge-

treten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit ein-

getreten gedacht werden kann. Die Anerkennung der Leistungspflicht 

durch den Unfallversicherer ist in rechtlicher Hinsicht von Belang. Ist die 

Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge-

wiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des Unfallversi-

cherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache 

des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und aus-

schliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn 

entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem 

Unfall bestanden hat (status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er 

sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustan-

des auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (status quo sine), 

erreicht ist. 

 

2.2. 

Der Unfallversicherer hat Heilbehandlung und Taggeldleistungen nur so-

lange zu gewähren, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung eine 

namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann. 

Trifft dies nicht mehr zu, ist der Fall unter Einstellung der vorübergehenden 

Leistungen mit gleichzeitiger Prüfung des Anspruchs auf eine Invaliden-

rente und auf eine Integritätsentschädigung abzuschliessen (vgl. auch: 

BGE 134 V 109 E. 3 ff. S. 112 ff., 133 V 64 E. 6.6.2; RKUV 2006 U 571 

S. 82). 

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen Einspracheent-

scheid in medizinischer Hinsicht auf das neuropsychologische Konsilium 

von lic. phil. B., Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, vom 18. Juni 

2021. Diese führte zusammengefasst aus, es liege eine leichte neuropsy-

chologische Funktionsstörung vor, die als Folge wiederholt erlittener Con-

cussions bis 2015 persistieren würde (ICD-10 F07.8). Sodann ging sie von 

einem Integritätsschaden von 20 % aus (VB 45 S. 8 ff.). 

 - 4 - 

 

 

 

 

4. 

4.1. 

Nach dem Untersuchungsgrundsatz haben Versicherungsträger und So-

zialversicherungsgericht von sich aus und ohne Bindung an die Parteibe-

gehren für die richtige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen 

Sachverhaltes zu sorgen (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG; BGE 133 

V 196 E. 1.4 S. 200; 132 V 93 E. 5.2.8 S. 105; 130 V 64 E. 5.2.5 S. 68 f.; 

125 V 193 E. 2 S. 195; 122 V 157 E. 1a S. 158). Der Sachverhalt muss mit 

dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit festgestellt wer-

den (BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125 mit Hinweis auf BGE 129 V 177 E. 3.1 

S. 181). 

 

4.2. 

Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im 

Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche (und 

gegebenenfalls auch andere Fachleute) zur Verfügung zu stellen haben. 

Aufgabe des Arztes ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu 

Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei-

ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztli-

chen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel-

che Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können 

(BGE 132 V 93 E. 4 S. 99 f. mit Hinweisen). Des Weiteren ist der Beweis 

des natürlichen Kausalzusammenhangs bzw. dessen Wegfallens in erster 

Linie mit den Angaben medizinischer Fachpersonen zu führen (Urteil des 

Bundesgerichts 8C_287/2020 vom 27. April 2021 E. 3.1) und auch die 

Schätzung des Integritätsschadens ist eine ärztliche Aufgabe (PHILIPP 

PORTWICH, Die Integritätsentschädigung für psychische Unfallfolgen nach 

dem schweizerischen Bundesgesetz über die Unfallversicherung: Grundla-

gen und Hinweise für die gutachterliche Praxis, SZS 53/2009 S. 344). 

 

4.3. 

Die Beschwerdegegnerin hielt nach Lage der Akten zunächst eine bidiszip-

linäre Begutachtung (zur Klärung des Rentenanspruchs) für notwendig 

(vgl. E-Mail der Beschwerdegegnerin vom 15. April 2020 in VB 19). In der 

Folge liess sie den Beschwerdeführer jedoch lediglich neuropsychologisch 

abklären. Eine neuropsychologische Abklärung stellt indes bloss eine Zu-

satzuntersuchung dar; es ist grundsätzlich Aufgabe des psychiatrischen  

  

 - 5 - 

 

 

 

oder allenfalls des neurologischen Facharztes, die Arbeitsfähigkeit unter 

Berücksichtigung allfälliger neuropsychologischer Defizite einzuschätzen 

(vgl. statt vieler Urteil des Bundesgerichts 8C_380/2022 vom 27. Dezember 

2022 E. 10.2.1 mit Hinweisen). Das Einholen einer medizinischen, fachärzt-

lichen Beurteilung unterliess die Beschwerdegegnerin ohne nachvollzieh-

baren Grund. Somit ist eine Beurteilung der Leistungspflicht der Beschwer-

degegnerin im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 17. Oktober 2015 

gestützt auf die vorliegende Aktenlage nicht zuverlässig möglich. 

 

4.4. 

Des Weiteren ist die Beschwerdegegnerin auf ihre Aktenführungspflicht 

hinzuweisen (vgl. diesbezüglich Urteile des Bundesgerichts 8C_545/2021 

vom 4. Mai 2022 E. 5.2.2 f.; 8C_370/2010 vom 7. Februar 2021 E. 3). Den 

Akten ist lediglich eine unvollständig ausgefüllte, nicht unterschriebene 

Schadenmeldung vom 6. November 2018 (betreffend das vorliegend frag-

liche Ereignis vom 17. Oktober 2015) zu entnehmen (VB 3). Der Hergang 

des Ereignisses wurde weder in der Schadenmeldung dargestellt, noch 

sind diesbezüglich andere Unterlagen oder Abklärungen aktenkundig. Wei-

tere Abklärungen sowie Unterlagen im Hinblick auf die Einstellung der vo-

rübergehenden Leistungen sind den vorliegenden Akten ebenfalls nicht zu 

entnehmen. Ferner bestehen Anhaltspunkte, wonach bereits im Januar 

2016 eine neuropsychologische Beurteilung eingeholt wurde (vgl. VB 24, 

45 S. 2), welche in den Akten ebenfalls fehlt. Aktenkundig ist sodann zwar 

ein Verlaufsbericht der Klinik C. vom 20. September 2018 (VB 15). Weitere 

Berichte der Klinik betreffend vorhergehende Konsultationen sowie auch 

der in den Vorakten der Beurteilung von lic. phil. B. vom 18. Juni 2021 ge-

nannte Bericht von Dr. med. D. sind in den Akten ebenfalls nicht vorhan-

den. Die Aktoren 1 und 2 fehlen im Dossier schliesslich gänzlich. Sollten 

dem Versicherungsgericht in einem allfälligen weiteren Beschwerdeverfah-

ren erneut derart ungenügende Akten eingereicht werden, wird der allfällig 

dadurch verursachte Mehraufwand zu einer Kostenauflage führen. 

 

4.5. 

Die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese – 

in Nachachtung der Aktenführungspflicht – umfassende Abklärungen tätige 

und hernach über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu be-

finde. 

 

5. 

5.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, 

dass der angefochtene Einspracheentscheid vom 21. Dezember 2022 auf-

zuheben und die Sache zur weiteren Abklärung und zur Neuverfügung an 

die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.  

 

 - 6 - 

 

 

 

5.2. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG). 

 

5.3. 

Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz der rich-

terlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG), denn die Rück-

weisung der Sache an die Verwaltung zwecks Vornahme ergänzender Ab-

klärungen gilt als anspruchsbegründendes Obsiegen (BGE 132 V 215 

E. 6.1 S. 235 mit Hinweisen).  

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der Einspracheentscheid 

vom 21. Dezember 2022 aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklä-

rung im Sinne der Erwägungen und Neuverfügung an die Beschwerdegeg-

nerin zurückgewiesen. 

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer die Par-

teikosten in richterlich festgesetzter Höhe von Fr. 2'750.00 zu bezahlen. 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6,  

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 - 7 - 

 

 

 

   

Aarau, 22. Juni 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

1. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Kathriner Meier