# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 33f0d8a6-e543-52cd-a3a8-4bc1004ebddc
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-31
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 31.03.2022 SBK.2022.47
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SBK-2022-47_2022-03-31.pdf

## Full Text

Obergericht 

Beschwerdekammer in Strafsachen 

 

 

SBK.2022.47 / va  
(ST.2021.107; STA.2018.5883)  

Art. 110 

 

 

Entscheid vom 31. März 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichter Richli, Präsident  

Oberrichter Marbet  

Oberrichterin Massari 

Gerichtsschreiberin Boog Klingler 

 

 
   

Beschwerde-

führer  

 A._____, […] 

verteidigt durch Rechtsanwalt Peter Stein,  

[…]   

 

 
    

Beschwerde-

gegnerin  

 Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau,  

Seetalplatz, Bahnhofstrasse 4, 5600 Lenzburg 1  

 

  

Zivil- und 

Strafkläger 1 

 B._____, […] 

vertreten durch Rechtsanwalt Marc Dübendorfer,  

[…]   

 

Zivil- und 

Strafkläger 2 

 C._____, […] 

Beistand: D._____, […] 

vertreten durch Rechtsanwalt Volker Pribnow,  

[…]    

 

 
   

Anfechtungs-

gegenstand 

 Verfügung des Präsidenten des Bezirksgerichts Aarau vom 17. Januar 

2022 betreffend Rückzug der Einsprache und Rechtskraft des Strafbefehls 

 

in der Strafsache gegen A._____ 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 11. Mai 2021 

wurde A. (Beschwerdeführer) wegen mehrfacher Verleumdung und mehr-

facher Verletzung des Berufsgeheimnisses zu einer bedingten Geldstrafe 

von 60 Tagessätzen à Fr. 570.00, Probezeit 2 Jahre, sowie zu einer Busse 

von Fr. 6'800.00 (ev. 12 Tage Ersatzfreiheitsstrafe) verurteilt.  

 

1.2. 

Mit Eingabe vom 20. Mai 2021 erhob der Beschwerdeführer Einsprache 

gegen diesen Strafbefehl.  

 

1.3. 

Am 2. Juli 2021 überwies die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau den 

Strafbefehl zur Durchführung des Hauptverfahrens an das Bezirksgericht 

Aarau. 

 

2. 

2.1. 

Mit Eingabe vom 6. August 2021 gab der Beschwerdeführer bekannt, dass 

er aufgrund einer gravierenden Erkrankung und deren Folgen bzw. den 

Folgen der Behandlung massiv in seiner Verhandlungsfähigkeit einge-

schränkt sei, und ersuchte um Sistierung des Verfahrens bis zum Ab-

schluss der Behandlung.  

 

2.2. 

Mit Verfügung vom 2. September 2021 wies der Präsident des Bezirksge-

richts Aarau den Antrag des Beschwerdeführers auf Verfahrenssistierung 

ab.  

 

2.3. 

Mit Eingabe vom 13. September 2021 wies der Beschwerdeführer darauf 

hin, dass er aufgrund der Behandlung seiner Erkrankung über kein funkti-

onierendes Immunsystem verfüge, weshalb er bei einer Verhandlung in na-

her Zukunft in einem separaten Raum untergebracht werden müsse und 

die Befragung per Übertragung durchzuführen sei.  

 

2.4. 

Am 21. Oktober 2021 wurde der Beschwerdeführer unter Hinweis auf die 

Erscheinungspflicht und Säumnisfolgen zur Hauptverhandlung vom 17. Ja-

nuar 2022 vor dem Präsidenten des Bezirksgerichts Aarau vorgeladen.  

 

 - 3 - 

 

 

 

2.5. 

Mit Eingabe vom 4. Januar 2022 ersuchte der Beschwerdeführer im Zu-

sammenhang mit seinem Verteidigerwechsel und der vom neuen Verteidi-

ger benötigten Einarbeitungszeit um Verschiebung der Hauptverhandlung.  

 

2.6. 

Mit Verfügung vom 10. Januar 2022 wies der Präsident des Bezirksgerichts 

Aarau das Gesuch um Verschiebung der Hauptverhandlung ab.  

 

2.7. 

Mit Eingabe vom 13. Januar 2022 stellte der Beschwerdeführer erneut ein 

Gesuch um Verschiebung der Hauptverhandlung und führte als Begrün-

dung an, dass er trotz dreifacher Impfung keine Antikörper gegen das 

Coronavirus habe aufbauen können, weshalb die Durchführung der Ver-

handlung für ihn angesichts der "Omikron-Welle" lebensgefährdend sei. 

Zudem teilte er die Beendigung des Mandats durch seinen (neuen) Vertei-

diger mangels Möglichkeit zur Einarbeitung mit. Er legte seiner Eingabe ein 

ärztliches Attest vom 12. Januar 2022 bei. 

 

2.8. 

Mit Verfügung vom 13. Januar 2022 wies der Präsident des Bezirksgerichts 

Aarau das Gesuch um Verschiebung der Verhandlung ab und hielt fest, 

dass sich der Beschwerdeführer während der gesamten Verhandlung al-

leine in einem separaten, desinfizierten Raum aufhalten und via technische 

Hilfsmittel an der Verhandlung teilnehmen könne. Er werde gebeten, sich 

um 14.05 Uhr draussen vor dem Gerichtsgebäude einzufinden und werde 

durch das Gericht in die entsprechenden Räumlichkeiten geleitet.  

 

2.9. 

Am 17. Januar 2022 fand die Hauptverhandlung statt. Der Beschwerdefüh-

rer blieb der Verhandlung fern.  

 

2.10. 

Mit Verfügung vom 17. Januar 2022 schrieb der Präsident des Bezirksge-

richts Aarau das Verfahren ST.2021.107 infolge Rückzugs der Einsprache 

als erledigt von der Kontrolle ab und stellte fest, dass der Strafbefehl 

ST.2018.5883 der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 11. Mai 2021 

in Rechtskraft erwachsen sei.  

 

3. 

3.1. 

Mit Eingabe vom 11. Februar 2022 erhob der Beschwerdeführer Be-

schwerde gegen diese ihm am 2. Februar 2022 zugestellte Verfügung und 

stellte die folgende Anträge: 

 

 

 - 4 - 

 

 

 

" 1. 

Es sei festzustellen, dass die Einsprache gegen den Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 11. Mai 2021 nicht als zurück-

gezogen gilt. 

 

2.  

Die Verfügung des Präsidiums des Bezirksgerichtes Aarau vom 17. Ja-

nuar 2022 sei aufzuheben.  

 

3. 

Das Präsidium des Bezirksgerichtes Aarau sei anzuweisen, die Haupt-

verhandlung im Verfahren ST.2021.107 (STA-Nr. STA1 

ST.2018.58839) neu anzusetzen und durchzuführen. 

 

4. 

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 7.7% MWST) zu 

Lasten des Staates." 

 

Zudem stellte er folgende prozessualen Anträge: 

 

" 1. 

Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu gewähren. 

 

2. 

Es seien die Strafakten ST.2021.107 beizuziehen."  

 

3.2. 

Mit Verfügung vom 14. Februar 2022 erteilte der Verfahrensleiter der Be-

schwerde die aufschiebende Wirkung.  

 

3.3. 

Mit Eingabe vom 15. Februar 2022 erstattete die Staatsanwaltschaft Lenz-

burg-Aarau die Beschwerdeantwort und beantragte die kostenfällige Ab-

weisung der Beschwerde.  

 

3.4. 

Mit Eingabe vom 17. Februar 2022 teilte der Zivil- und Strafkläger 1 mit, 

sich nicht aktiv am Beschwerdeverfahren zu beteiligen, bat jedoch unter 

Verweis auf die drohende Verjährung beim Ehrverletzungsdelikt um einen 

raschen Entscheid.  

 

3.5. 

Mit Eingabe vom 28. Februar 2022 reichte der Beschwerdeführer eine Stel-

lungnahme ein.  

 

 

  

 - 5 - 

 

 

 

   

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1. 

Verfügungen erstinstanzlicher Gerichte sind - mit Ausnahme verfahrenslei-

tender Entscheide - gemäss Art. 393 Abs. 1 lit. b StPO mit Beschwerde 

anfechtbar. Vorliegend angefochten ist eine das erstinstanzliche Verfahren 

abschliessende Verfügung (vgl. Art. 80 Abs. 1 StPO) des Präsidenten des 

Bezirksgerichts Aarau. Es liegen keine Beschwerdeausschlussgründe 

i.S.v. Art. 394 StPO vor. Die Beschwerde ist damit zulässig. 

 

Der Beschwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung in seinen 

rechtlich geschützten Interessen betroffen (Art. 382 Abs. 1 StPO). Auf die 

form- und fristgerecht erhobene Beschwerde ist damit einzutreten (Art. 396 

Abs. 1 StPO).  

 

2. 

2.1. 

Der Präsident des Bezirksgerichts Aarau begründet die angefochtene Ver-

fügung damit, dass der Beschwerdeführer unentschuldigt nicht zur Haupt-

verhandlung erschienen sei und sich auch nicht habe vertreten lassen, wo-

mit er bewusst auf den ihm zustehenden Rechtsschutz verzichtet habe und 

die Einsprache gegen den Strafbefehl gemäss Art. 356 Abs. 4 StPO als 

zurückgezogen gelte.  

 

2.2. 

In der Beschwerde wird im Wesentlichen vorgebracht, dass der Beschwer-

deführer mit Verschiebungsgesuch vom 13. Januar 2022 darauf hingewie-

sen habe, dass er an einer Blutkrebserkrankung leide und unter onkolo-

gisch-medikamentöser Therapie stehe. Er habe ein ärztliches Attest beige-

legt, gemäss welchem er trotz dreifacher Covid-Impfung keine Antikörper 

habe aufbauen können, weshalb die Durchführung der Verhandlung für ihn 

in Anbetracht der täglich massiv steigenden Ansteckungszahlen im Zuge 

der Omikron-Welle lebensgefährdend sei. Das Verschiebungsgesuch des 

Beschwerdeführers vom 13. Januar 2022 sei ohne jede fachärztliche oder 

amtsärztliche Prüfung abgewiesen worden. Damit habe der Präsident des 

Bezirksgerichts Aarau sein Ermessen überschritten und habe ermessens-

missbräuchlich und willkürlich gehandelt. Die Frage einer lebensgefährli-

chen Exposition erfordere medizinisches Fachwissen. Es sei notorisch, 

dass Ansteckungen nicht nur durch persönliche Kontakte möglich seien, 

sondern insbesondere auch durch infektiöse Aerosole in Innenräumen. Zu-

dem sei das Ansteckungsrisiko in Innenräumen wesentlich höher als in 

Aussenbereichen. Durch das Zurverfügungstellen eines separaten Raums 

und die Befragung durch Videoübertragung habe der bestehenden Gefahr 

damit nicht genügend begegnet werden können. Eine Verschiebung der 

Verhandlung um einige Wochen bis zum Abflachen der Ansteckungszahlen 

hätte keinerlei Nachteile für die betroffenen Parteien mit sich geführt. Die 

 - 6 - 

 

 

 

Güterabwägung falle fraglos zugunsten des Schutzes des eigenen Lebens 

aus, weshalb der Beschwerdeführer nicht unentschuldigt der Hauptver-

handlung ferngeblieben sei. Die Nichtteilnahme sei vielmehr das einzige 

mögliche und adäquate Mittel gewesen, um der konkreten Lebensgefahr 

zu begegnen. Daraus auf ein Desinteresse am weiteren Gang des Straf-

verfahrens zu schliessen, gehe fehl und sei nicht haltbar. Gemäss bundes-

gerichtlicher Rechtsprechung sei eine mittels ärztlichem Attest belegte Ver-

hinderung nicht rechtsmissbräuchlich, da der Verhinderungsgrund offen-

sichtlich ohne Verschulden eingetreten sei.  

 

Eventualiter wird angeführt, dass der Beschwerdeführer aufgrund des Ver-

schiebungsgesuchs vom 13. Januar 2022 und des als Beilage eingereich-

ten Arztzeugnisses von der Teilnahme an der Hauptverhandlung hätte dis-

pensiert werden müssen. Der angefochtene Entscheid hätte sich nicht nur 

mit Art. 114 Abs. 1 StPO (Verhandlungsfähigkeit) befassen müssen, son-

dern auch mit Art. 336 Abs. 3 StPO (Dispens von der Hauptverhandlung) 

und hätte darlegen müssen, weshalb die Anwesenheit des im Zeitpunkt der 

Verhandlung vom 17. Januar 2022 nicht mehr anwaltlich vertretenen Be-

schwerdeführers trotz der geltend gemachten akuten Gesundheitsgefähr-

dung zwingend erforderlich sei.  

 

Der Beschwerdeführer habe zu keinem Zeitpunkt angedeutet oder zum 

Ausdruck gebracht, dass er am Fortgang des Verfahrens desinteressiert 

sei. Es sei offensichtlich darum gegangen, das Verfahren gemäss Art. 356 

Abs. 4 StPO abschreiben zu können, was sich als überspitzt formalistisch 

erweise, weil die Voraussetzungen für einen Dispens von der Hauptver-

handlung fraglos gegeben gewesen wären und Ausführung im angefochte-

nen Entscheid hierzu gänzlich fehlen würden.  

 

2.3. 

Die Staatsanwaltschaft Aarau-Lenzburg wies darauf hin, dass für den Be-

schwerdeführer (entsprechend den Ausführungen im ärztlichen Attest vom 

12. Januar 2022) ein separater Raum reserviert worden sei, damit er – wie 

von ihm beantragt – mittels technischer Übertragung und ohne Kontakt zu 

den weiteren Teilnehmern - an der Verhandlung hätte teilnehmen können. 

Mit Verfügung vom 13. Januar 2022 sei das Verschiebungsgesuch des Be-

schwerdeführers abgelehnt worden, unter Mitteilung des vorgesehenen 

Ablaufs mit Aufenthalt in einem separaten Raum. Der Beschwerdeführer 

habe diese Verfügung im Wissen um die Folgen bei unentschuldigtem 

Nichterscheinen nicht angefochten.  

 

Im Übrigen liege der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau ein durch den Be-

schuldigten ausgestelltes Arztzeugnis vom 21. Januar 2022 vor, welches 

nahelege, dass der Beschuldigte kurz nach der Verhandlung vom 17. Ja-

nuar 2022 wieder ärztlich tätig gewesen sei und Personen habe untersu-

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chen können. Er sei damit sehr wohl physisch in der Lage gewesen, in ei-

nem separaten Raum an der Verhandlung vom 17. Januar 2022 teilzuneh-

men.  

 

2.4. 

Hierzu führte der Beschwerdeführer aus, dass er seine letzte Operation am 

1. November 2021 durchgeführt habe. Die letzte Sprechstunde habe er un-

ter erweiterten Sicherheitsmassnahmen wie 4 Meter Distanz, FFP 2 Maske 

und permanent offener Terrassentüre am 15. Dezember 2021 abgehalten. 

Als sich die sehr ansteckende Omikron-Variante durchgesetzt habe, habe 

er die Sprechstundentätigkeit aufgegeben und nur noch Online-Konsultati-

onen für den bestehenden Kundenstamm angeboten. In diesem Rahmen 

habe er auch am 21. Januar 2022 das von der Staatsanwaltschaft Lenz-

burg-Aarau genannte Arbeitsunfähigkeitszeugnis für einen Patienten aus-

gestellt.  

 

Es sei ihm zwar ein Spezialraum mit Videoschaltung angeboten worden, er 

habe aber in keiner Weise sichergehen können, dass die Durchlüftung si-

chergestellt bzw. der Raum frei von Aerosolen gewesen sei. Man könne 

ihm eine schwere psychische Überlastungssymptomatik vorhalten. Er habe 

jedoch aufgrund seiner medizinischen Situation einfach Angst um sein Le-

ben.  

 

3. 

3.1. 

Mit der angefochtenen Verfügung hat die Vorinstanz das Verfahren gestützt 

auf Art. 356 Abs. 4 StPO als durch Rückzug der Einsprache erledigt abge-

schrieben. Gemäss dieser Bestimmung gilt die Einsprache einer Person als 

zurückgezogen, wenn diese der Hauptverhandlung unentschuldigt fern-

bleibt und sich auch nicht vertreten lässt.  

 

Das Bundesgericht hat dazu in konstanter Rechtsprechung festgehalten, 

ein konkludenter Rückzug der Einsprache dürfe nur angenommen werden, 

wenn sich aus dem gesamten Verhalten des Betroffenen der Schluss auf-

dränge, er verzichte mit seinem Desinteresse am weiteren Gang des Ver-

fahrens bewusst auf den ihm zustehenden Rechtsschutz. Der an das un-

entschuldigte Fernbleiben geknüpfte (fingierte) Rückzug der Einsprache 

setzt deshalb voraus, dass sich der Beschuldigte der Konsequenzen seiner 

Unterlassung bewusst ist und er in Kenntnis der massgebenden Rechts-

lage auf die ihm zustehenden Rechte verzichtet. Zu verlangen ist, dass der 

Betroffene hinreichend über die Folgen des unentschuldigten Fernbleibens 

in einer ihm verständlichen Weise belehrt wird. Die Rückzugsfiktion kann 

sodann nur zum Tragen kommen, wenn aus dem unentschuldigten Fern-

bleiben nach dem Grundsatz von Treu und Glauben auf ein Desinteresse 

am weiteren Gang des Strafverfahrens geschlossen werden kann (BGE 

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140 IV 82 E. 2.3; BGE 140 IV 86 E. 2.6; BGE 142 IV 158 E. 3.1 und 3.3; 

BGE 146 IV 30 E. 1.1.1). 

 

3.2. 

3.2.1. 

Dem Beschwerdeführer werden mit den Tatvorwürfen der mehrfachen Ver-

leumdung gemäss Art. 174 Ziff. 1 StGB und der mehrfachen Verletzung 

des Berufsgeheimnisses gemäss Art. 321 Ziff. 1 StGB Vergehen vorgewor-

fen. Es bestand damit eine Pflicht zur persönlichen Teilnahme an der 

Hauptverhandlung (Art. 336 Abs. 1 lit. a StPO).  

 

3.2.2. 

Die Vorladung zur Hauptverhandlung wurde dem Beschwerdeführer ge-

mäss der angefochtenen Verfügung am 23. Oktober 2021 zugestellt (un-

bestritten, Zustellnachweis nicht in den Akten). Die Vorladung enthielt An-

gaben zur Erscheinungspflicht und den Säumnisfolgen. Insbesondere 

wurde darauf hingewiesen, dass der Vorladung gemäss Art. 205 Abs. 1 

StPO Folge zu leisten sei, eine Verhinderung schriftlich begründet und so-

weit möglich belegt mitzuteilen sei (Art. 205 Abs. 2 StPO) und bei Fernblei-

ben der Einsprache erhebenden Person trotz Vorladung die Einsprache als 

zurückgezogen gelte (Art. 356 Abs. 4 StPO).  

 

3.2.3. 

Der Beschwerdeführer ersuchte mit Eingabe vom 13. Januar 2022 um Ver-

schiebung der Hauptverhandlung und führte zur Begründung an, dass er 

aufgrund seiner Blutkrebserkrankung und der onkologisch-medikamentö-

sen Therapie trotz dreifacher Impfung keine Antikörper gegen das Corona-

virus habe aufbauen können. Er legte seiner Eingabe ein ärztliches Attest 

vom 12. Januar 2022 bei, nach welchem die Teilnahme an einer Gerichts-

verhandlung in einem engen Saal mit vielen Leuten ohne die entspre-

chende Lüftungstechnik für ihn lebensgefährdend sei.  

 

Mit Verfügung vom 13. Januar 2022 wies der Präsident des Bezirksgerichts 

Aarau das Gesuch um Verschiebung der Verhandlung ab und hielt fest, 

dass der Beschuldigte sich während der gesamten Verhandlung alleine in 

einem separaten, desinfizierten Raum aufhalten und via technische Hilfs-

mittel an der Verhandlung teilnehmen könne. Er werde gebeten, sich um 

14.05 Uhr vor dem Gerichtsgebäude einzufinden. Dort werde er durch das 

Gericht in Empfang genommen und in die entsprechenden Räumlichkeiten 

geleitet.  

 

Der Beschuldigte erschien am 17. Januar 2022 trotz der mit Verfügung vom 

13. Januar 2022 bekräftigten Erscheinungspflicht und ohne Reaktion hie-

rauf nicht zur Hauptverhandlung (Protokoll vom 17. Januar 2022). Sein 

Nichterscheinen ist damit als unentschuldigt i.S.v. Art. 356 Abs. 4 StPO zu 

bezeichnen. 

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Die mit Verfügung vom 13. Januar 2022 angesichts der Erkrankung des 

Beschwerdeführers festgelegten Schutzmassnahmen entsprechen dem 

Ersuchen des Beschwerdeführers vom 13. September 2021, ihn bei einer 

Verhandlung angesichts seines fehlenden Immunsystems in einem sepa-

raten Raum unterzubringen und die Befragung per Übertragung durchzu-

führen, und begegnen damit angemessen der im ärztlichem Attest vom 

12. Januar 2022 geschilderten Lebensgefahr bei Aufenthalt in einem en-

gen, nicht durchlüfteten Saal mit vielen Leuten. Dass der Beschwerdeführer 

trotz dieser (den ärztlichen Vorgaben Rechnung tragenden) Massnahmen 

nicht zur Hauptverhandlung erschien, ohne etwa zuvor seine gemäss den 

Ausführungen in der Beschwerde bestehenden Ängste betreffend Aerosole 

kundzutun und sich beispielsweise über die konkreten Lüftungsmöglichkei-

ten zu erkundigen, kann nach Treu und Glauben nicht anders als ein Ver-

zicht auf den weiteren Fortgang des Verfahrens gewertet werden.  

 

3.2.4. 

Zum Einwand des Beschwerdeführers, der Präsident des Bezirksgerichts 

Aarau hätte ihn von der Teilnahme an der Hauptverhandlung dispensieren 

müssen, ist festzuhalten, dass die Dispensation von der Erscheinungs-

pflicht gemäss Art. 336 Abs. 3 StPO ein entsprechendes Gesuch der be-

schuldigten Person voraussetzt. Der Beschwerdeführer ersuchte jedoch 

einzig (mit jeweils unterschiedlicher Begründung) um Sistierung des Ver-

fahrens (Eingabe vom 6. August 2021) bzw. um Verschiebung der Haupt-

verhandlung (Eingaben vom 4. Januar 2022 und 13. Januar 2022), nicht 

jedoch um Dispensation. Gründe, aufgrund welcher seine Eingabe vom 

13. Januar 2022 als Dispensationsgesuch hätte entgegengenommen wer-

den müssen, sind nicht ersichtlich, zumal der Beschuldigte auch bei dieser 

Eingabe anwaltlich vertreten war und die Eingabe keinerlei Ausführungen 

dazu enthielt, dass er auf eine Anwesenheit bei der Verhandlung verzichten 

wolle bzw. inwiefern (wie in Art. 336 Abs. 3 StPO vorausgesetzt) seine An-

wesenheit nicht erforderlich sei. Auch nach Abweisung des Verschiebungs-

gesuchs mit Verfügung vom 13. Januar 2022 ging kein weiteres Gesuch 

des Beschwerdeführers um Dispensation von der Erscheinungspflicht ein. 

Vielmehr liess er sich (wie in E. 3.2.3 dargelegt) nicht mehr vernehmen und 

erschien nicht zur Hauptverhandlung. Es ist daher nicht zu beanstanden, 

dass die Dispensation des Beschwerdeführers nicht geprüft wurde. 

 

3.3. 

Zusammenfassend ist die Verfügung des Präsidenten des Bezirksgerichts 

Aarau vom 17. Januar 2022 nicht zu beanstanden, womit die Beschwerde 

abzuweisen ist. 

 

4. 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem vollständig un-

terliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). 

  

 - 10 - 

 

 

 

   

Die Beschwerdekammer entscheidet: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestehend aus einer Gerichtsge-

bühr von Fr. 800.00 und den Auslagen von Fr. 80.00, zusammen 

Fr. 880.00, werden dem Beschwerdeführer auferlegt.  

 

 
   

Zustellung an: 

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-

lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-

schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. Dieselbe Beschwerde 

kann erhoben werden gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide, wenn 

diese einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können oder wenn die Gutheis-

sung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeuten-

den Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde 

(Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 93, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde- 

legitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 

  

 - 11 - 

 

 

 

   

Aarau, 31. März 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Beschwerdekammer in Strafsachen 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Richli Boog Klingler