# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 18ef7ab4-becc-5840-8ed1-726a69ef6a99
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-07-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.07.2009 D-4087/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4087-2009_2009-07-31.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-4087/2009
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 1 .  J u l i  2 0 0 9

Einzelrichter Robert Galliker, 
mit Zustimmung von Richter Walter Stöckli;
Gerichtsschreiber Matthias Jaggi.

A._______, geboren (...),
Afghanistan,
vertreten durch lic. iur. Anita Biedermann, 
Bündner Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende, (...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Kantonswechsel; 
Verfügung des BFM vom 22. Mai 2009 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-4087/2009

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer stellte am 23. August 2008 in der Schweiz ein 
Asylgesuch und wurde am 26. August 2008 im Empfangs- und Verfah-
renszentrum (EVZ) B._______ befragt  sowie am 5. September 2008 
am selben Ort angehört. 

B.
Mit Zuweisungsentscheid vom 16. September 2008 wies das BFM den 
Beschwerdeführer gestützt auf Art. 27 des Asylgesetzes vom 26. Juni 
1998 (AsylG, SR 142.31) und Art. 21 sowie 22 der Asylverordnung 1 
vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR  142.311) 
dem  Kanton  C._______  zu,  mit  der  Begründung,  dass  aus  den 
Abklärungen  im  Empfangs-  oder  Transitzentrum  und  nach  erfolgter 
Rechtsbelehrung keine spezifischen schützenswerten Interessen des 
Beschwerdeführers ersichtlich seien, die für eine Zuweisung in einen 
bestimmten Kanton sprächen.

C.
Am 3. Oktober 2008 traf eine auf den Namen des Beschwerdeführers 
ausgestellte  afghanische  Identitätskarte  (Taskira)  bei  der  Vorinstanz 
ein. 

D.
Mit Verfügung vom 23. Oktober 2008 - eröffnet am 28. Oktober 2008 - 
stellte  das BFM fest,  der  Beschwerdeführer erfülle  die  Flüchtlingsei-
genschaft  nicht,  und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte 
es die Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug. Mit Eingabe 
vom 21. November 2008 (Poststempel: 24. November 2008) liess der 
Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin gegen den Entscheid 
der Vorinstanz Beschwerde erheben, die zurzeit  beim Bundesverwal-
tungsgericht hängig ist. 

E.
Im Februar  2009 reisten die  Mutter,  die  vier  Geschwister  sowie  der 
Stiefvater des Beschwerdeführers in die Schweiz ein und stellten ein 
Asylgesuch. Sie wurden für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton 
D._______zugewiesen. 

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D-4087/2009

F.
Mit Schreiben vom 30. April 2009 an das BFM (mit Kopie an das Amt 
für  Migration  des  Kantons  D._______)  liess  der  Beschwerdeführer 
durch  seine  Rechtsvertreterin  einen  Kantonswechsel  in  den  Kanton 
D._______  beantragen.  Zur  Begründung  machte  er  geltend,  dass 
seine ganze Familie dem Kanton D._______ zugewiesen worden sei. 
Da er noch minderjährig sei - geboren am (...) - bestehe aufgrund der 
Gewährleistung der Familieneinheit ein Anspruch, dass er demselben 
Kanton wie seine Kernfamilie zugewiesen werde. Aufgrund der sechs-
monatigen Trennung von seiner Familie sowie der in dieser Zeit herr-
schenden Ungewissheit über das Schicksal seiner Familie sei er psy-
chisch noch immer  angeschlagen,  so  dass  sich  ein  Wechsel  in  den 
Kanton D._______ positiv  auf  seinen Gesundheitszustand auswirken 
könne.

G.
Mit Schreiben vom 5. Mai 2009 teilte das Amt für Migration des Kan-
tons  D._______  dem  BFM  mit,  dass  dem  Kantonswechsel  des 
Beschwerdeführers  mangels  Erfüllung  der  Voraussetzungen  nicht 
zugestimmt werde könne, weshalb das Gesuch abzulehnen sei. 

H.
Mit Schreiben vom 13. Mai 2009 teilte das BFM dem Beschwerdefüh-
rer  mit,  dass  die  von  ihm angegebenen  Gründe  für  einen  Kantons-
wechsel nicht den in Art. 22 Abs. 2 AsylV 1 aufgezählten Vorausset-
zungen  wie  Einheit  der  Familie  oder  schwerwiegende  Gefährdung 
entsprechen  würden.  Sein  Gesuch  werde  an  die  zuständigen 
Behörden der Kantone C._______ und D._______ weitergeleitet.

I.
Mit Schreiben vom 18. Mai 2009 hielt das Amt für Migration des Kan-
tons  D._______  daran  fest,  dass  dem  Kantonswechsel  des 
Beschwerdeführers nicht zugestimmt werden könne. 

J.
Mit Verfügung vom 22. Mai 2009 - eröffnet am 26. Mai 2009 - wies das 
BFM das Gesuch um Kantonswechsel des Beschwerdeführers vom 30. 
April  2009  ab.  Im  Wesentlichen  wurde  geltend  gemacht,  im 
vorliegenden Fall  bestehe kein Anspruch auf  Einheit  der Familie,  da 
nicht die Familieneinheit aus Art. 1a Bst. e AsylV 1 betroffen sei, weil 
der  Begriff  der  Familie  im Sinne dieser  Bestimmung nur  Ehepartner 
sowie eingetragene Partner und deren minderjährige Kinder umfasse. 

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Der Beschwerdeführer habe einen Ausweis abgegeben, aus dem das 
Geburtsdatum 1988 hervorgehe.

K.
Mit Beschwerde vom 25. Juni 2009 (Poststempel) an das Bundesver-
waltungsgericht liess der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertre-
terin beantragen, der Entscheid des BFM vom 22. Mai 2009 sei aufzu-
heben und es sei ihm der Kantonswechsel in den Kanton D._______ 
zu gewähren. Gleichzeitig  wurde um Gewährung der unentgeltlichen 
Rechtspflege  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kos-
tenvorschusses  ersucht.  Zur  Begründung  wurde  im  Wesentlichen 
geltend  gemacht,  dass  zwischen  ihm und  seiner  Familie  eine  enge 
Beziehung  und  ein  beachtliches  Abhängigkeitsverhältnis  vorhanden 
sei. Er habe in Afghanistan immer mit seiner Mutter beziehungsweise 
mit seinen Geschwistern zusammen gelebt. Nach seiner Ausreise aus 
Afghanistan sei er immer in Sorge bezüglich seiner Familienmitglieder 
gewesen. Er sei deshalb sehr erleichtert gewesen, als sie ebenfalls in 
der  Schweiz  eingetroffen  seien,  und  habe  den  sofortigen  Wunsch 
verspürt,  mit  ihnen zusammen zu sein. Zudem sei  er  gesundheitlich 
angeschlagen  und  psychisch  labil,  weshalb  er  auf  ein  familiäres 
Umfeld angewiesen sei, das in stütze und umsorge. Bezüglich seines 
Alters verwies der Beschwerdeführer auf die Ausführungen in der von 
ihm  am  21.  November  2008  beim  Bundesverwaltungsgericht  einge-
reichten Beschwerde. Gemäss diesen sei er noch nicht volljährig, was 
bedeute,  dass  er  Anspruch  auf  den  gleichen  Wohnsitz  wie  seine 
Kernfamilie habe.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgeset-
zes vom 20. Dezember 1968 über  das Verwaltungsverfahren (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem 

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Bereich endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 

1.2 Bei der vorliegend zu beurteilenden Verfügung des BFM vom 22. 
Mai 2009 geht es um einen Neuentscheid bezüglich der Zuteilung des 
Beschwerdeführers an einen Kanton gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG, der 
durch dessen Gesuch um Kantonswechsel vom 30. April 2009 initiiert 
wurde. Es handelt es sich dabei um eine selbständig beim Bundesver-
waltungsgericht  anfechtbare  Zwischenverfügung  (Art. 107  Abs. 1 
AsylG), dessen asylrechtliche Abteilungen zuständig sind (vgl. Art. 23 
Abs. 4  i.V.m. Ziff. 4  des  Anhangs  des  Geschäftsreglements  vom 17. 
April 2008 für das Bundesverwaltungsgericht (VGR, SR 173.320.1).

1.3 Der Zuweisungsentscheid nach Art. 27 Abs. 3 AsylG kann nur mit 
der Begründung angefochten werden, er verletze den Grundsatz der 
Einheit der Familie (Art. 27 Abs. 3 Satz 3 AsylG; vgl. dazu auch BVGE 
2008/47  E.  1.3.3).  Vorliegend  hat  der  Beschwerdeführer  den  neuen 
Zuweisungsentscheid der Vorinstanz vom 22. Mai 2009 einerseits mit 
der  Begründung  angefochten,  er  sei  noch  minderjährig,  weshalb  er 
Anspruch  auf  den  gleichen  Wohnsitz  wie  seine  Kernfamilie  habe. 
Andererseits  hat  er  geltend  gemacht,  zwischen  ihm  und  seiner  im 
Kanton D._______ wohnhaften Familie bestehe eine enge Beziehung 
sowie  ein  Abhängigkeitsverhältnis,  weshalb  auch deshalb  vorliegend 
der  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie  verletzt  sei.  Daher  ist  die 
eingereichte Beschwerde zulässig.

1.4 Gemäss Art. 108 Abs. 1 AsylG (in  Kraft  seit  1. Januar 2008; AS 
2007 5573) ist die Beschwerde innerhalb von 30 Tagen, die Beschwer-
de gegen Zwischenverfügungen innerhalb von zehn Tagen seit Eröff-
nung der Verfügung einzureichen. Da es sich bei der vorliegend ange-
fochtenen Verfügung vom 22. Mai  2009 um eine Zwischenverfügung 
handelt, wäre grundsätzlich von einer 10-tägigen Beschwerdefrist aus-
zugehen. Die Beschwerde vom 25. Juni 2009 erwiese sich demnach 
als  verspätet. Die Vorinstanz führte  allerdings in  der  Rechtsmittelbe-
lehrung ihrer Verfügung eine 30-tägige statt der 10-tägigen Beschwer-
defrist  an.  Da  einer  Partei  aus  einer  mangelhaften  Eröffnung, 
beispielsweise  in  Form  einer  unzutreffenden  Rechtsmittelbelehrung, 
kein Nachteil erwachsen darf (Art. 38 VwVG), ist die Beschwerde vom 
25. Juni 2009 als rechtzeitig innerhalb der 30-tägigen Frist eingereicht 
zu betrachten.

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1.5 Die Beschwerde ist auch formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und 
hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei-
se Änderung. Der Beschwerdeführer ist daher zur Einreichung der Be-
schwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 48  Abs. 1  und  52 
VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e 
AsylG). Wie  nachstehend aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um 
eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch-
führung des Schriftenwechsels verzichtet.

4.  
4.1 Gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG weist das BFM die Asylsuchenden 
den Kantonen zu und trägt dabei den schützenswerten Interessen der 
Asylsuchenden sowie der Kantone Rechnung. Gemäss Art. 22 Abs. 1 
AsylV 1 berücksichtigt das BFM dabei bereits in der Schweiz lebende 
Familienangehörige und die Staatsangehörigkeit Asylsuchender sowie 
besonders  betreuungsintensive  Fälle.  Die  Verteilung  erfolgt  nach  ei-
nem  Schlüssel  gemäss  Art. 21  AsylV 1.  Nach  Art. 22  Abs. 2  Asyl 1 
wird ein Kantonswechsel vom BFM nur bei Zustimmung beider Kanto-
ne,  bei  Anspruch auf  Einheit  der  Familie  oder  bei  schwerwiegender 
Gefährdung  der  asylsuchenden  Person  oder  anderer  Personen  ver-
fügt.

Wie  bereits  erwähnt,  kann  der  Zuweisungsentscheid  der  Vorinstanz 
gemäss  Art.  27  Abs.  3  AsylG  nur  mit  der  Begründung  angefochten 
werden, er verletzte den Grundsatz der Einheit der Familie. Der Begriff 
der Familieneinheit orientiert sich dabei am grundsätzlich im Asylrecht 
geltenden  Familienbegriff,  wonach  gemäss  Art. 1a  Bst. e  AsylV 1  in 
erster Linie Ehegatten und deren minderjährige Kinder, mithin also die 

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Kernfamilie, als Familie zu verstehen sind, wobei eingetragene Partne-
rinnen und Partner sowie die in dauernder eheähnlicher Gemeinschaft 
lebenden Personen den Ehegatten gleichgestellt sind. Über die Kern-
familie  hinausgehend  umfasst  der  Familienbegriff  gemäss  Art. 51 
Abs. 2  AsylG  i.V.m.  Art. 38  AsylV 1  auch  andere  nahe  Angehörige, 
wenn sie eine Behinderung haben oder aus einem anderen Grund auf 
die Hilfe einer Person, die in der Schweiz lebt, angewiesen sind (vgl. 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurs-
kommission  [EMARK]  1995  Nr. 24).  Nach  der  Rechtsprechung  der 
ARK ist darunter - im Rahmen des Familienasyls - eine Person zu ver-
stehen, welche der Unterstützung bedarf, die durch ein in der Schweiz 
lebendes  (asylberechtigtes)  Familienmitglied  und  nicht  durch  die 
Schweizer Behörden oder durch Dritte zu erbringen ist. Dazu wird ein 
besonderes  Engagement  des in  der  Schweiz lebenden Angehörigen 
verlangt,  indem dieser  seine verwandte  Person nicht  bloss finanziell 
oder moralisch unterstützt,  sondern  sich persönlich um sie kümmert 
(vgl. EMARK  2000  Nr. 21  E. 6c  S. 200 f.;  EMARK  2001  Nr. 24  E. 3 
S. 191 f.).

Im Urteil BVGE 2008/47 vom 10. November 2008 kam das Bundesver-
waltungsgericht zum Ergebnis, dass die Berufung auf den Grundsatz 
der Einheit der Familie im Sinne von Art. 27 Abs. 3 letzter Satz AsylG 
entweder  die  Anwesenheit  eines  Angehörigen  der  Kernfamilie  der 
asylsuchenden Person oder, wenn dies nicht der Fall ist, ein Abhängig-
keitsverhältnis gemäss Rechtsprechung zu Art. 8 der Konvention vom 
4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei-
heiten (EMRK, SR 0.101) beziehungsweise Art. 51 Abs. 2 AsylG vor-
aussetzt. Diesbezüglich hielt das Gericht fest, dass der Schutzbereich 
von Art. 51 Abs. 1 und 2 AsylG grundsätzlich demjenigen entspricht, 
den die bundesgerichtliche Praxis im Zusammenhang mit Art. 8 EMRK 
umschreibt (a.a.O., insbesondere E. 4.1. mit weiteren Hinweisen).

5.  
5.1 Auch wenn der Wunsch des Beschwerdeführers, bei seiner Familie 
zu  leben,  verständlich  ist,  lässt  sich  aus dem vorliegend massgebli-
chen Art. 27 Abs. 3 AsylG kein Rechtsanspruch auf Zuteilung zu einem 
bestimmten Kanton ableiten. 

5.2 Zum einen ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die von 
ihm geltend gemachte Minderjährigkeit glaubhaft zu machen, weshalb 
er sich auch nicht auf den Schutz der Kernfamilie berufen kann. Gegen 

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die vorgebrachte Minderjährigkeit spricht insbesondere der Umstand, 
dass gemäss seinen eigenen Aussagen anlässlich der Befragung vom 
26. August 2008 seine Identitätskarte angebe, er sei zwanzig Jahre alt 
(act.  A  1/12,  S.  9).  Die  Behauptung  des  Beschwerdeführers  in  der 
(Asyl-)Beschwerde  vom  21.  November  2008,  wonach  sein  Vater 
gezwungen gewesen sei, ihn auf der Identitätskarte drei Jahre älter zu 
machen, da er in der Schule einmal zwei Klassen habe überspringen 
können,  ist  unglaubhaft.  Gegen  die  behauptete  Minderjährigkeit  des 
Beschwerdeführers  spricht  überdies  die  Tatsache,  dass  er  bei  der 
Befragung damit einverstanden war, dass sein Alter so registriert wird, 
wie es aus seiner Identitätskarte ersichtlich ist (act. A 1/12, S. 9). Zwar 
machte der Beschwerdeführer in der Beschwerde vom 21. November 
2008  diesbezüglich  geltend,  der  bei  der  Befragung  anwesende Dol-
metscher habe sich nicht  korrekt  verhalten,  da er  keine vollständige 
Rückübersetzung vorgenommen habe, weshalb er - der Beschwerde-
führer - keine Möglichkeit gehabt habe, seine unbedachte Einwilligung 
betreffend seines Alters zu korrigieren. Dazu ist festzuhalten, dass der 
Beschwerdeführer nach der wörtlichen Rückübersetzung des Kurzbe-
fragungsprotokolls  vom  26.  August  2008  unterschriftlich  bestätigte, 
dass dieses Protokoll seinen Aussagen und der Wahrheit entspreche, 
weswegen  er  sich  bei  seinen  Vorbringen,  wie  sie  in  das  Kurzbefra-
gungsprotokoll  Eingang  gefunden  haben,  behaften  lassen  muss, 
zumal er den Dolmetscher in seiner Muttersprache Dari  gut verstan-
den haben will (act. A 1/12, S. 10).

Im Weiteren  spricht  gegen  die  Minderjährigkeit  des  Beschwerdefüh-
rers, dass dieser anlässlich der Befragung geltend machte, dass er ab 
dem sechszehnten  Altersjahr  während  zweier  Jahre  in  Kabul  gelebt 
habe (act. A 1/12, S. 1 f.),  weshalb davon auszugehen ist,  dass der 
Beschwerdeführer mindestens achtzehn Jahre alt war, als er Afghanis-
tan im Juni 2008 verliess. 

Gegen die Glaubhaftigkeit der geltend gemachte Minderjährigkeit des 
Beschwerdeführers spricht schliesslich auch der Umstand, dass er im 
Laufe des Asylverfahrens bezüglich seines Alters unterschiedliche An-
gaben gemacht hat. So gab er auf dem Personalblatt an, er sei am (...) 
geboren worden,  wohingegen er  bei  der  Befragung ausführte,  seine 
Mutter habe ihm gesagt, er sei am (...) geboren worden (act. A 1/12, S. 
9).

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Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es aufgrund des soeben Aus-
geführten dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, seine Minderjäh-
rigkeit glaubhaft zu machen, weshalb die Vorinstanz zu Recht von sei-
ner  Volljährigkeit  ausgegangen  ist.  Bei  dieser  Sachlage  erübrigt  es 
sich,  auf  weitere  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  in  Bezug  auf 
seine Minderjährigkeit einzugehen.

5.3 Der Beschwerdeführer kann sich auch nicht auf den weiteren Fa-
milienbegriff im Sinne von Art. 51 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 38 AsylV 1 
berufen.  Ein  Abhängigkeitsverhältnis  kann  vorliegend  nicht  bejaht 
werden, obwohl ein solches vom Beschwerdeführer vorgebracht wird. 
Zur  Bejahung eines Abhängigkeitsverhältnisses genügt  es  insbeson-
dere  nicht,  dass  der  Beschwerdeführer  in  Afghanistan  immer  mit 
seiner  Mutter  beziehungsweise  mit  seinen  Geschwistern  zusammen 
gelebt  haben  will.  Schliesslich  macht  der  Beschwerdeführer  im 
Weiteren geltend, er sei  gesundheitlich angeschlagen und psychisch 
labil,  weshalb  er  auf  ein  familiäres  Umfeld  angewiesen  sei,  das  in 
stütze  und  umsorge.  Diesbezüglich  ist  festzuhalten,  dass  es  der 
Beschwerdeführer versäumt hat,  diese behaupteten gesundheitlichen 
Probleme  mit  einem  ärztlichen  Zeugnis  zu  belegen,  obwohl  das 
aufgrund der gesetzlich verankerten Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 
Abs. 1 AsylG seine Aufgabe gewesen wäre. Da er seiner für ihn ohne 
Weiteres zumutbaren Mitwirkung nicht  nachgekommen ist,  ist  vorlie-
gend  davon  auszugehen,  dass  er  keine  nennenswerten  gesund-
heitlichen  Probleme  hat.  Der  Vollständigkeit  halber  ist  festzuhalten, 
dass die vom Beschwerdeführer geltend gemachten gesundheitlichen 
Probleme - selbst wenn sie vorliegend würden - ohnehin nicht dazu zu 
führen würden, dass er notwendigerweise auf die physische Anwesen-
heit seiner Familie angewiesen ist und dauernd in Abhängigkeit und in 
Gemeinschaft  mit  ihnen  leben  müsste  (vgl.  EMARK 2000  Nr. 21  E. 
6c.cc S. 201). Schliesslich ist festzustellen, dass es dem Beschwerde-
führer  auch  ohne  Kantonswechsel  ohne  Weiteres  möglich  ist,  per 
Telefon  oder  gelegentlichen  Besuchen  regen  Kontakt  mit  seiner 
Familie zu pflegen. Vor diesem Hintergrund ist der Beschwerdeführer 
auch nicht "aus einem anderen Grund" im Sinne von Art. 38 AsylV 1 
auf die Hilfe eines anderen nahen Angehörigen (sprich seiner Mutter 
und seiner Geschwister) angewiesen.

6.
Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass die Kantonszuweisung des 
Beschwerdeführers  den  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie  im Sinne 

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von Art. 27 Abs. 3 AsylG nicht verletzt,  sich die angefochtene Verfü-
gung als rechtmässig erweist und die Beschwerde demnach abzuwei-
sen ist.

7.
Mit  vorliegendem Entscheid in der Hauptsache wird das Gesuch um 
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos.

8.
Gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  wird  die  Partei,  die  nicht  über  die 
erforderlichen  Mittel  verfügt,  auf  Antrag  von  der  Bezahlung  der 
Verfahrenskosten  befreit,  sofern  ihr  Begehren  nicht  aussichtslos 
erscheint. Aus den vorstehend erwähnten Gründen waren dem im vor-
liegenden Verfahren gestellten Begehren keine ernsthaften Erfolgsaus-
sichten  beschieden,  weshalb  das  Gesuch  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG 
unabhängig von der Frage der prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen 
ist.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  von  Fr. 
600.--  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  5 
VwVG,  Art.  1-3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die 
Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht 
[VGKE, SR 173.320.2]). In Anbetracht der besonderen Umstände des 
vorliegenden Falles ist jedoch in Anwendung von Art. 6 Bst. b VGKE 
auf die Auferlegung von Verfahrenskosten zu verzichten. 

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
abgewiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  zu  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- (...)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Robert Galliker Matthias Jaggi

Versand:

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