# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 041f0be8-9edf-53d2-94c7-79ae23ae812e
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-06-11
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 11.06.2021 SK 2020 415
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2020-415_2021-06-11.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 20 415-417

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 11. Juni 2021 

Besetzung Oberrichter Gerber (Präsident i.V.), Oberrichter Vicari, Oberrichter 
Guéra
Gerichtsschreiberin Baronian

Verfahrensbeteiligte A.________
verteidigt durch Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer 1

C.________
verteidigt durch Rechtsanwalt D.________

Beschuldigter/Berufungsführer 2

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Gegenstand Wucher sowie Widerrufsverfahren

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau (Einzelgericht) vom 27.05.2020 (PEN 2020 13/14/15)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau (Einzelgericht; nachfolgend: 
Vorinstanz) vom 27. Mai 2020 (pag. 173 ff.) wurde A.________ (nachfolgend: Be-
schuldigter 1) des Wuchers, begangen am 8. März 2019 in E.________(Ortschaft), 
schuldig erklärt und zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu CHF 110.00, aus-
machend CHF 2'200.00, verurteilt. Der Vollzug der Geldstrafe wurde aufgeschoben 
und die Probezeit auf zwei Jahre festgesetzt. Ferner wurde er zu einer Verbin-
dungsbusse von CHF 550.00 verurteilt sowie zu den anteilsmässigen erstinstanzli-
chen Verfahrenskosten von CHF 1'700.00. Der dem Beschuldigten 1 mit Urteil der 
Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach von 12. Januar 2018 für eine Geldstrafe von 40 
Tagessätzen zu CHF 80.00 gewährte bedingte Vollzug wurde nicht widerrufen. Der 
Beschuldigte 1 wurde verwarnt und die Probezeit von zwei Jahren um ein Jahr ver-
längert. Für das Widerrufsverfahren wurden keine Verfahrenskosten erhoben (pag. 
173 ff.).

Mit gleichem Urteil wurde C.________ (nachfolgend: Beschuldigter 2) des Wu-
chers, begangen am 8. März 2019 in E.________(Ortschaft), schuldig erklärt und 
zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu CHF 110.00, ausmachend CHF 
2'200.00, verurteilt. Der Vollzug der Geldstrafe wurde aufgeschoben und die Pro-
bezeit auf zwei Jahre festgesetzt. Ferner wurde er zu einer Verbindungsbusse von 
CHF 550.00 verurteilt sowie zu den anteilsmässigen erstinstanzlichen Verfahrens-
kosten von CHF 1'700.00 (pag. 174 f.).

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldeten sowohl der Beschuldigte 1, privat verteidigt durch 
Rechtsanwalt B.________, mit Eingabe vom 28. Mai 2020 (eingegangen am 29. 
Mai 2020; pag. 178) als auch der Beschuldigte 2, privat verteidigt durch Rechtsan-
walt D.________, mit Eingabe vom 2. Juni 2020 (eingegangen am 3. Juni 2020; 
pag. 181) form- und fristgerecht Berufung an. Die schriftliche Urteilsbegründung da-
tiert vom 16. September 2020 (pag. 193 ff.) und wurde den Parteien mit Verfügung 
vom 16. September 2020 (pag. 224 f.) zugestellt. Mit Eingabe vom 24. September 
2020 (Beschuldigter 1; pag. 233 ff.) sowie vom 29. September 2020 (Beschuldigter 
2; pag. 237 ff.) erklärten die Beschuldigten sodann form- und fristgerecht die Beru-
fung. Angefochten wurden die Dispositivziffern I, III. 1-3 (Beschuldigter 1) sowie II 
(Beschuldigter 2). Mit Verfügung vom 1. Oktober 2020 gab die Verfahrensleitung 
der Generalstaatsanwaltschaft Gelegenheit, innert Frist Anschlussberufung zu er-
klären oder begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Gleich-
zeitig stellte sie die Durchführung des schriftlichen Verfahrens in Aussicht und for-
derte die Parteien auf, bis am 26. Oktober 2020 zu erklären, ob sie mit der Durch-
führung eines schriftlichen Verfahrens einverstanden sind (pag. 277 f.). Mit Schrei-
ben vom 7. Oktober 2020 verzichtete die Generalstaatsanwaltschaft auf die Teil-
nahme am oberinstanzlichen Verfahren (pag. 280 f.). Mit Eingabe vom 19. Oktober 

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2020 (Beschuldigter 1; eingegangen am 20. Oktober 2020; pag. 282) sowie vom 
27. Oktober 2020 (Beschuldigter 2; eingegangen am 28. Oktober 2020; pag. 284) 
gaben die Beschuldigten ihr Einverständnis zur Durchführung des schriftlichen Ver-
fahrens bekannt. Mit Verfügung vom 28. Oktober 2020 ordnete die Verfahrenslei-
tung die Durchführung des schriftlichen Verfahrens an und forderte die Beschuldig-
ten zur Einreichung einer schriftlichen Berufungsbegründung auf. Gleichzeitig ori-
entierte die Verfahrensleitung die Parteien über die Beweisergänzungen von Amtes 
wegen (siehe Ziff. I.3. nachfolgend; pag. 286 f.). Die Berufungsbegründungen der 
Beschuldigten folgten nach je zweimaliger Fristerstreckung mit Eingaben vom 28. 
Januar 2021 (Beschuldigter 1; eingegangen am 29. Januar 2021; pag. 324 ff.) so-
wie vom 4. Februar 2021 (Beschuldigter 2; eingegangen am 5. Februar 2021, pag. 
344 ff.). Aufgrund des Verzichts der Generalstaatsanwaltschaft auf die Teilnahme 
am oberinstanzlichen Verfahren wurde der Schriftenwechsel mit Verfügung vom 5. 
Februar 2021 als abgeschlossen erachtet (pag. 365 f.).

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Die Verfahrensleitung holte von Amtes wegen mit Verfügung vom 28. Oktober 2020 
(pag. 286 f.) einen aktuellen Strafregisterauszug (pag. 305 und 306) sowie einen 
aktuellen Bericht über die wirtschaftlichen Verhältnisse der beiden Beschuldigten 
ein. Mit Bericht vom 5. November 2020 teilte die Polizei Q.________(Ortschaft) be-
züglich des Beschuldigten 1 mit, dass dieser nicht mehr in G.________(Ortschaft) 
wohnhaft sei und demzufolge nicht persönlich zu seinen wirtschaftlichen Verhält-
nissen habe befragt werden können (pag. 293). Daraufhin wurde ein Betreibungs-
registerauszug sowie eine Auskunft bei der Steuerverwaltung eingeholt (pag. 294 
f.). Der Beschuldigte 2 hingegen konnte zu seinen wirtschaftlichen Verhältnissen 
befragt werden (pag. 298 f.). Zusätzlich wurde ein Betreibungsregisterauszug ein-
geholt und bei der Steuerverwaltung eine Auskunft betreffend das steuerbare Ein-
kommen erhoben (pag. 301 ff.).

4. Oberinstanzliche Anträge der Parteien

Rechtsanwalt B.________ stellte und begründete mit schriftlicher Berufungsbe-
gründung vom 28. Januar 2021 namens und im Auftrag des Beschuldigten 1 fol-
gende Anträge (pag. 325):

1. Die Dispositivziffern I., I.1., I.2., I.3. sowie III.1., III.2., III.3. des Urteils des Regionalgerichts Em-
mental-Oberaargau vom 27. Mai 2020 seien aufzuheben.

2. Der Berufungsführer/Beschuldigte 1 sei vom Vorwurf des Wuchers, angeblich begangen am 8. 
März 2019 in E.________(Ortschaft), von Schuld und Strafe freizusprechen.

3. Der dem Berufungsführer/Beschuldigten 1 mit Urteil der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 
12. Januar 2018 für eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu CHF 80.00 gewährte bedingte Voll-
zug sei weder zu widerrufen noch sei die Probezeit zu verlängern.

4. Sämtliche Untersuchungs-, Anklage-, Verfahrens- und Parteikosten seien vollumfänglich auf die 
Staatskasse zu nehmen und der Verteidiger sei für das erstinstanzliche und das vorliegende 
Verfahren gemäss Kostennoten zu entschädigen und diese Verfahrenskosten seien ebenfalls 
vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen.

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Rechtsanwalt D.________ stellte und begründete mit schriftlicher Berufungsbe-
gründung vom 4. Februar 2021 namens und im Auftrag des Beschuldigten 2 fol-
gende Anträge (pag. 345):

1. In umfassender Gutheissung des angefochtenen Entscheides (Urteilsdispositiv vom 27.05.2020 
Ziff. II 1-3, Urteilsbegründung vom 16.09.2020) sei der Appellant von Schuld und Strafe freizu-
sprechen.

2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates für beide Instanzen. 

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochte-
nen Punkten (Art. 404 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO; SR 
312.0]). Das Urteil der Vorinstanz vom 27. Mai 2020 wurde – abgesehen von Ziff. 
III. 4 betreffend den Beschuldigten 1 (Nicht-Ausscheidung von Verfahrenskosten 
für das Widerrufsverfahren) – vollumfänglich angefochten. Beantragt wird ein voll-
umfänglicher Freispruch für die Beschuldigten. Die Kammer hat das erstinstanzli-
che Urteil damit in allen Teilen zu überprüfen. 

Die Rechtsmittelinstanz verfügt im Berufungsverfahren über volle Kognition (Art. 
398 Abs. 3 StPO). Sie hat das erstinstanzliche Urteil im Rahmen der angefochte-
nen Punkte umfassend zu überprüfen (Art. 398 Abs. 2 StPO). Da lediglich die bei-
den Beschuldigten Berufung eingereicht haben, ist die Kammer an das Verschlech-
terungsverbot (Verbot der sog. «reformatio in peius») nach Art. 391 Abs. 2 StPO 
gebunden und sie darf das erstinstanzliche Urteil nicht zu deren Nachteil abändern.

6. Zulässigkeit der Beweismittel

Die Verteidigung des Beschuldigten 1 bringt in der Berufungsbegründung (pag. 324 
ff.) vor, die Rechnung vom 4. September 2017, welche sich in den Widerrufsakten 
befinde, hätte nicht ins vorliegende Verfahren eingebracht werden dürfen, da diese 
nicht Bestandteil des Verfahrens der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach gegen den 
Beschuldigten wegen Urkundenfälschung gewesen sei. Die Einzelrichterin habe 
den Beschuldigten 1 mit der Rechnung, bei welcher der Zuschlag nur auf der Ar-
beitszeit, nicht aber auf dem Material erhoben worden sei, konfrontiert und habe in 
ihrer Beweiswürdigung auch auf diese Rechnung abgestellt (pag. 207 f., S. 15 f. 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Die Rechnung betreffe allerdings den 
Freispruch wegen Wuchers, der im vorliegenden Verfahren nicht Thema gewesen 
sei. Damit werde auf ein nicht zulässiges Beweismittel abgestellt (pag. 327).

Zur genannten Rechnung vom 4. September 2017 führte die Vorinstanz aus was 
folgt (pag. 207):

In diesem Zusammenhang ist noch auf die sich in den Widerrufsakten befindliche Rechnung der 
«F.________GmbH» vom 04.09.2017 hinzuweisen. Diese Rechnung wurde ebenfalls vom Beschul-
digten 1 erstellt. Damals wurde der Zuschlag lediglich auf der Arbeitszeit und nicht auch noch auf den 
Pauschalen und dem eingesetzten Material erhoben. 

Die Verwendung der Rechnung vom 4. September 2017 durch die Vorinstanz aus 
den Akten der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach ist nicht zu beanstanden. Das 
Dossier ST.2017/2039 umfasst ein Faszikel Nr. 1 Urkundenfälschung und ein Fas-

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zikel Nr. 2 Wucher. Zumal das gesamte Dossier ediert wurde, kann dieses integral 
im Rahmen der Beweiswürdigung mitberücksichtigt werden und nicht bloss soweit 
ein Schuldspruch erfolgt ist, was sich mit Blick auf den Untersuchungsgrundsatz 
sowie gestützt auf Art. 194 Abs. 1 StPO ergibt, wonach die Staatsanwaltschaft und 
die Gerichte Akten anderer Verfahren beiziehen, wenn dies für den Nachweis des 
Sachverhalts oder die Beurteilung der beschuldigten Person erforderlich ist. Das 
besagte Dokument war indes für den erstinstanzlichen Schuldspruch keineswegs 
von weitreichender Bedeutung, was insbesondere dadurch verdeutlicht wird, dass 
die Rechnung in der Beweiswürdigung der Vorinstanz zwar genannt wurde, aller-
dings weder gewürdigt noch zu weiteren Schlüssen führte, die als Grundlage des 
Schuldspruchs dienten. Hinzu kommt, dass der Rechnung auch oberinstanzlich 
keine nennenswerte Bedeutung zukommt.

7. Anklagegrundsatz

7.1 Theoretische Grundlagen

Hält die Staatsanwaltschaft an einem Strafbefehl fest und überweist sie die Ange-
legenheit an das Gericht, so gilt der Strafbefehl als Anklageschrift 
(Art. 356 Abs. 1 StPO). Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift 
den Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 9 und 
Art. 325 StPO; Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 der Schweizerischen Bundesver-
fassung [BV; SR 101]; Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 Bst. a und b der Europäischen Men-
schenrechtskonvention [EMRK; SR 0.101]). Das Gericht ist an den in der Anklage 
wiedergegebenen Sachverhalt gebunden (Immutabilitätsprinzip), nicht aber an 
dessen rechtliche Würdigung durch die Anklagebehörde (vgl. Art. 350 StPO). Die 
Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sach-
verhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver 
Hinsicht genügend konkretisiert sind (Urteil des Bundesgerichts 6B_1023/2019 
vom 5. Februar 2020 E. 2.1.1.). Auch die Tatbeteiligung bzw. der Tatbeitrag muss 
sich zweifelsfrei ergeben (BSK StPO-Niggli/Heimgartner, 2. Auflage 2014, N 47 zu 
Art. 9 StPO m.w.H.). Der Anklagegrundsatz bezweckt zugleich den Schutz der Ver-
teidigungsrechte der beschuldigten Person und dient dem Anspruch auf rechtliches 
Gehör (Informationsfunktion; BGE 141 IV 132 E. 3.4.1; 140 IV 188 E. 1.3; 133 IV 
235 E. 6.2 f.; 126 I 19 E. 2a; je mit Hinweisen). Entscheidend ist, dass die beschul-
digte Person genau weiss, was ihr konkret vorgeworfen wird, damit sie ihre Vertei-
digungsrechte angemessen ausüben kann (Urteile des Bundesgerichts 
6B_1023/2019 vom 5. Februar 2020 E. 2.1.1.; 6B_161/2015 vom 8. Juli 2015 E. 
2.2 sowie 6B_803/2014 vom 15. Januar 2015 E. 1.3). Die gesetzlichen Minimalan-
forderungen an die Formulierung des Sachverhalts in inhaltlicher Hinsicht finden 
sich in Art. 325 Abs. 1 Bst. f StPO. Demnach bezeichnet die Anklageschrift mög-
lichst kurz, aber genau, die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit Be-
schreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung. Danach sind 
die erhobenen Vorwürfe möglichst prägnant – oder im Wortlaut des Gesetzes 
«möglichst kurz, aber genau» – darzustellen. Schliesslich ist die Anklageschrift 
nicht Selbstzweck, sondern dient der Umgrenzung des Prozessgegenstandes und 
der Information der beschuldigten Person, damit diese die Möglichkeit hat, sich zu 
verteidigen. Etwaige Ungenauigkeiten sind daher nicht entscheidend (Urteil des 

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Bundesgerichts 6B_1204/2016 vom 24. Mai 2017 E. 3.3.3 mit Hinweisen u.a. auf 
BGE 141 IV 132 E. 3.4.1 und BGE 140 IV 188 E. 1.3 f.). 

7.2 Betreffend Teilnahmeform

7.2.1 Vorbringen der Verteidigung

Die Verteidigung des Beschuldigten 2 bringt in der Berufungsbegründung (pag. 344 
ff.) vor, dass Mittäterschaft in der Anklage nicht behauptet werde und auch der An-
klageschrift nicht zu entnehmen sei. Da allerdings zwei mögliche Täter angeklagt 
worden seien, hätte mit Bezug auf den Beschuldigten 2 die Teilnahmeform (Mit-
täterschaft/Gehilfenschaft) als Tatbestandsmerkmal in der Anklageschrift enthalten 
sein müssen, was nicht der Fall gewesen sei. Dies sei eine Verletzung des Ankla-
gegrundsatzes (pag. 356). 

7.2.2 Erwägungen der Kammer

Die Rüge ist unbegründet. Es ist zunächst darauf hinzuweisen, dass die Verteidi-
gung des Beschuldigten 2 die Verletzung des Anklagegrundsatzes in Bezug auf die 
angeblich fehlende Aufführung der Teilnahmeform in der Anklage erstmals aus-
drücklich in der Berufungserklärung geltend machte (pag. 356). Die Beschuldigten 
wussten bereits im erstinstanzlichen Verfahren konkret, was ihnen vorgeworfen 
wird. Schliesslich konnten sie – wie bereits die Vorinstanz richtigerweise feststellte 
– zu sämtlichen ihnen vorgeworfenen Punkten Stellung nehmen. Aus der Formulie-
rung des Strafbefehls (pag. 78 und 81) gehen die Tatbeteiligungen der Beschuldig-
ten zudem zweifelsfrei und eindeutig hervor. So wird im Strafbefehl drei Mal aus-
drücklich festgehalten, dass die Handlungen «zusammen mit dem mitbeschuldigten 
Arbeitskollegen» (pag. 78 und 81) vorgenommen wurden, woraus sich das mit-
täterschaftliche Vorgehen zweifelsfrei ergibt. Im Übrigen ist die Anklageschrift bzw. 
der Strafbefehl nicht Selbstzweck (Ziff. 7.1 hiervor). Eine Verletzung des Anklage-
prinzips liegt nicht vor. 

7.3 Betreffend Unerfahrenheit

7.3.1 Vorbringen der Verteidigung

Die Verteidigung des Beschuldigten 2 brachte anlässlich der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung vor, es sei lediglich die Notlage angeklagt und die Ausführungen 
betreffend die Unerfahrenheit seien nicht genügend, weshalb dadurch das Ankla-
geprinzip verletzt sei (pag. 152). Oberinstanzlich wurde die entsprechende Rüge 
zwar nicht erneut vorgebracht, dennoch drängt sich im Hinblick auf die nachfolgen-
den – insbesondere rechtlichen – Ausführungen ein Hinweis auf. 

7.3.2 Erwägungen der Kammer

Die Vorinstanz hat diesbezüglich Folgendes festgehalten (pag. 197): 

Weitergehende Ausführungen betreffend die angebliche Unerfahrenheit der Geschädigten erübrigen 
sich an dieser Stelle, weil das Gericht sich im Rahmen der rechtlichen Würdigung auf die Tatbe-
standsvariante des Ausnützens der Notlage stützt.

Die Ausführungen der Vorinstanz sind zutreffend. Auch oberinstanzlich wird ledig-
lich auf die Zwangslage abgestellt (Ziff. III hiernach). Mithin erübrigen sich weiter-

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gehende Ausführungen bezüglich der Unerfahrenheit bzw. deren Ausführungen im 
angeklagten Sachverhalt. 

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

8. Vorwurf gemäss den Strafbefehlen vom 18. Dezember 2019

Den Beschuldigten wird in den als Anklageschrift geltenden Strafbefehlen folgender 
identischer Sachverhalt vorgeworfen (pag. 78 und 81):

Der Beschuldigte, Angestellter der Firma H.________AG, begab sich aufgrund des vorangehenden 
Anrufs der Geschädigten, anlässlich welchem ihr telefonisch versichert wurde, dass die angerufene 
Firma mit der Firma L.________ zusammenarbeite, zusammen mit dem mitbeschuldigten Arbeitskol-
legen an den Wohnort der Geschädigten und liess sich, noch bevor er irgendwelche Abklärungen be-
züglich Arbeitsaufwand und damit verbundene Kosten getroffen hatte, von der Geschädigten ein vor-
gedrucktes Formular Auftragsbestätigung/Rechnung unterzeichnen. Nach erfolgter Rohrreinigung 
wurde die Geschädigte ohne weitere Informationen über die durchgeführten Arbeiten und die dadurch 
entstehenden Kosten durch den Beschuldigten und seinen mitbeschuldigten Arbeitskollegen aufge-
fordert, den offensichtlich in einem Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung stehenden 
Gesamtrechnungsbetrag von CHF 3'053.30 bar oder per Karte zu bezahlen. Nachträglich aufgrund 
der Rechnung der Firma H.________AG erstellte Offerten von konkurrierenden Rohrreinigungsfirmen 
ergaben einen geschätzten Arbeitsaufwand von CHF 567.30 (L.________AG) bzw. CHF 840.00, exkl. 
MWST (Firma I.________AG). 

Die Geschädigte befand sich am betreffenden Freitagabend dadurch, dass die Waschküche ihrer Lie-
genschaft mit Abwasser überflutet wurde, für das bevorstehende Wochenende weiterhin Regen pro-
gnostiziert war sowie der Tatsache, dass die von der Winterthur Versicherung aufgebotene Rohrreini-
gungsfirma I.________AG eine Auftragsübernahme erst für den darauffolgenden Montag in Aussicht 
stellte, in einer Zwangslage und beglich die Rechnung mit Kreditkarte. Dadurch nützte der Beschul-
digte zusammen mit seinem mitbeschuldigten Arbeitskollegen, die Notlage der Geschädigten und ihre 
Unerfahrenheit im Bereich des Rohrreinigungsgeschäfts aus. 

9. Verweis auf theoretische Grundlagen und Wiedergabe der Beweismittel 

Die Vorinstanz hat die Grundlagen der Beweiswürdigung (pag. 198, S. 6 der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung) sowie die vorhandenen Beweismittel korrekt aufge-
führt und zusammengefasst (pag. 200 f., S. 8 f. der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung). Darauf kann grundsätzlich verwiesen werden. Die Kammer beschränkt 
sich bei der Feststellung des Sachverhalts jeweils darauf, einzig die entscheiden-
den Aussagen und Dokumente wiederzugeben.

10. Oberinstanzliche Vorbringen der Verteidigungen

Die Verteidigung des Beschuldigten 1 macht in sachverhaltlicher Hinsicht in der Be-
rufungsbegründung zusammengefasst geltend was folgt (pag. 324 ff.):

Es sei der Geschädigten ohne Weiteres möglich gewesen, die Waschküche noch-
mals selbst zu reinigen, zumal sie diese bereits mindestens zweimal selbst gerei-
nigt habe und es demnach auch ein weiteres Mal zumutbar gewesen wäre. Sie sei 
somit nicht in der Situation gewesen, in der sie noch am besagten Freitagabend ei-

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nen Notdienst hätte einschalten müssen, um die verstopfte Leitung zu reinigen. 
Ausserdem habe die Geschädigte geäussert, wenn ihr jemand gesagt hätte, dass 
es auf ca. CHF 3'000.00 komme, sie abgewunken hätte. Dies bedeute, dass die 
Geschädigte bei Auftragserteilung die Kosten nicht gekannt habe und damit nicht 
habe wissen können oder gewusst habe, dass sie in ein für sie selbst möglicher-
weise ungünstiges Geschäft einwillige. Zudem zeige die Aussage auf, dass sie sich 
nicht in einer Notlage befunden habe, da sie die Situation lieber bis am Montag hät-
te warten lassen als die Verstopfung für CHF 3'000.00 beheben zu lassen. Zudem 
gäbe es in der näheren Umgebung der Geschädigten über 15 Rohrreinigungsfir-
men, welche hätten angefragt werden können, um das Rohr zeitnah entstopfen zu 
lassen. Die Geschädigte hätte die Möglichkeit gehabt, auch am Freitagabend eine 
andere Firma mit dem Auftrag zu betrauen. Somit habe sie sich zusammengefasst 
nicht in einer Zwangslage befunden. 

Die Vorinstanz gehe zu Unrecht und in Verletzung des Grundsatzes «in dubio pro 
reo» davon aus, dass die Geschädigte davon ausgegangen sei, dass es sich bei 
der Firma, für welche die Beschuldigten gearbeitet hätten, um die Firma 
L.________AG gehandelt habe oder die Arbeitgeberin der Beschuldigten mit der 
Firma L.________AG zusammenarbeiten würde. Die Geschädigte habe ausgesagt, 
dass ihr dies am Telefon von einer Frau gesagt worden sei. Dies sei gerichtlich 
nicht überprüft worden. Auf dem Formular, welches der Geschädigten vorgelegt 
worden sei und welches diese unterzeichnet habe, sei klar und deutlich aufgeführt 
gewesen, dass die Firma H.________AG vor Ort gewesen sei. Zudem sei auch 
das Fahrzeug der Beschuldigten nicht mit L.________ angeschrieben gewesen. 
Aus diesem Grund dürfe nicht davon ausgegangen werden, dass die Geschädigte 
angenommen hätte, dass Mitarbeiter der Firma L.________AG bei ihr vor Ort ge-
arbeitet hätten. 

Die Geschädigte habe vor Ausführung der Arbeiten durch die Beschuldigten gar 
nicht aufgeklärt werden können wie hoch die Kosten genau sein würden, da vor 
Beginn der Arbeiten nicht klar gewesen sei, was alles gemacht werden müsse. Der 
Beschuldigte 1 habe nur gesagt, dass es teuer werden würde und über CHF 
600.00 kosten werde. Den genauen Betrag habe er nicht nennen können. Der Ge-
schädigten sei anhand des Formulars, auf welchem genau aufgelistet sei, was alles 
gemacht worden sei, erklärt worden, welche Arbeiten wieviel kosten. Da nicht klar 
gewesen sei, dass beispielsweise ein Hochdruckreiniger zum Einsatz kommen 
würde, hätte der Geschädigten nicht vorgerechnet werden können, mit welchen 
Kosten genau zu rechnen sei. Dies bedeute, dass weder die Geschädigte noch die 
Beschuldigten im Zeitpunkt des Vertragsschlusses gewusst hätten, wie hoch die 
Rechnung ausfallen würde, da unklar gewesen sei, was alles unternommen wer-
den müsse, um das Rohr zu entstopfen.

Die Vergleichsofferte der I.________AG sei zudem nicht wirklich aussagekräftig, da 
sich die Firma geweigert habe, den Schaden noch am selben Abend zu beheben. 
Bei der Offerte der L.________AG sei zu wenig Fahrzeit eingesetzt sowie nur ein 
Monteur für eine Stunde berechnet worden. Der erstinstanzlich aufgerechnete Be-
trag der Vergleichsofferte der L.________AG von CHF 2'078.60 hätte sich bei un-
vorhersehbaren Vorkommnissen noch erhöhen können.

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In der Regel würden zwei Monteure vor Ort gehen und nur einer trage die Verant-
wortung über den auszuführenden Auftrag, wobei der andere die Anweisungen des 
Verantwortlichen ausführe. Vorliegend sei der Beschuldigte 1 der Verantwortliche 
gewesen. Er habe die Offerte mit der Geschädigten besprochen, gesagt was getan 
werden müsse, die Rechnung ausgestellt sowie unterschrieben und die Zahlung 
einkassiert. Der Beschuldigte 2 habe lediglich die ihm erteilten Aufträge ausgeführt. 
Der Beschuldigte 2 habe keinen Einfluss auf die Offerte und die Rechnung gehabt, 
weswegen er als Täter ausser Betracht falle. 

Die Verteidigung des Beschuldigten 2 bringt im Wesentlichen die gleichen Argu-
mente vor wie die Verteidigung des Beschuldigten 1. Lediglich die zusätzlichen Ar-
gumente berücksichtigend bringt diese vor was folgt (pag. 344 ff.):

Der Beschuldigte 2 sei weder in die Aufklärung über die Kostenhöhe noch in die 
Rechnungsstellung involviert gewesen. Bezüglich der Vergleichsofferten könne 
nicht darauf geschlossen werden, dass die von den Beschuldigten gestellte Rech-
nung wucherisch sei, zumal die Vorinstanz berufsfremd und in der Materie nicht 
sachkundig und deshalb nicht in der Lage sei, aufgrund der Höhe der Forderung 
Wucher schlüssig darzutun. 

Wesentlich sei der zeitliche Ablauf, zumal die Geschädigte die Rechnung nach Be-
endigung der Arbeiten erhalten habe und es ihr freigestanden sei, die Rechnung 
zurückzuweisen. 

11. Unbestrittener Sachverhalt

Es ist unbestritten, dass der Keller von J.________ (nachfolgend: Geschädigte) am 
Freitag, 8. März 2019, durch anhaltenden Regen mit Wasser bzw. Abwasser über-
flutet wurde und die Beschuldigten aufgrund dessen am besagten Abend bei der 
Geschädigten eine Rohrreinigung vornahmen. Die Parteien sind sich ferner einig, 
dass die auf der Rechnung aufgeführten Materialien tatsächlich zum Einsatz ge-
langten und dass die Geschädigte nach Eintreffen der Beschuldigten ein vorge-
drucktes Formular unterzeichnete. Unbestritten ist schliesslich, dass die Geschä-
digte nach Beendigung der Arbeiten einen Rechnungsbetrag von CHF 3’053.30 per 
Kreditkarte ihres Ehemannes beglich bzw. dieser letztlich die Bezahlung mit seiner 
Unterschrift bestätigt hat. 

Die Kanalarbeiten wurden somit von der Geschädigten in Auftrag gegeben, wenn 
gleich nicht verkannt wird, dass die Rechnung schliesslich per Kreditkarte ihres 
Ehemannes beglichen wurde.

12. Bestrittener Sachverhalt

Von den Beschuldigten bestritten und damit im Rahmen der nachfolgenden Be-
weiswürdigung zu prüfen ist vorliegend zunächst, ob die Geschädigte davon aus-
gehen konnte, dass sie es mit der Firma L.________AG zu tun habe bzw. ob ihr 
am Telefon mitgeteilt wurde, die Firma H.________AG arbeite mit der Firma 
L.________AG zusammen. Die Beteiligten sind sich ferner uneins, in welcher Lage 
sich die Geschädigte beim Eintreffen der Beschuldigten befunden hat. Sodann ist 
unklar, ob die Geschädigte vor Ausführung der Arbeiten über die Höhe der zu er-

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wartenden Kosten aufgeklärt wurde. Schliesslich stellt sich die Frage nach dem 
Verhältnis zwischen der Leistung und Gegenleistung sowie ob die eingeholten Ver-
gleichsofferten zur Beurteilung derselben herangezogen werden können. Wie die 
Vorinstanz richtigerweise festgestellt hat, handelt es sich bei den Fragen nach dem 
offenbaren Missverhältnis zwischen der Leistung und Gegenleistung sowie bezüg-
lich des Vorliegens einer Zwangslage um Rechtsfragen (Ziff. III hiernach). 

13. Beweiswürdigung durch die Kammer

13.1 Vorbemerkung

Der Übersicht halber erachtet es die Kammer als angezeigt, die nachfolgende Be-
weiswürdigung nach den von der Vorinstanz vorgegebenen Fragestellungen ge-
gliedert vorzunehmen und die subjektiven sowie objektiven Beweismittel an der 
entsprechenden Stelle zu würdigen. Vorab erscheint allerdings eine allgemeine 
Analyse des Aussageverhaltens der Beteiligten als sinnvoll. 

13.2 Allgemeine Würdigung der Aussagen/Aussagenanalyse

13.2.1 Aussagen der Geschädigten

Bezüglich des Zustandekommens der Aussagen ist zunächst festzuhalten, dass die 
Geschädigte am 12. März 2019, mithin lediglich vier Tage nachdem die Beschul-
digten die Rohrreinigung durchgeführt hatten, anlässlich ihrer Anzeigeerstattung 
erstmals Angaben zum Vorfall machte (pag. 6 ff.). Die Geschädigte wurde in der 
Folge am 17. Dezember 2019 von der Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau 
erstmals parteiöffentlich zur Sache befragt (pag. 36 ff.) und machte schliesslich am 
27. Mai 2020 anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung erneut Aussagen 
zum Vorfall (pag. 137 ff.). 

Die Aussagen der Geschädigten wirken in sich stimmig und nachvollziehbar. Die 
Geschädigte gab den Handlungsablauf konstant und detailliert wieder. So konnte 
sie insbesondere Nebensächlichkeiten schildern und konkrete Gesprächsinhalte 
wiedergeben, wie beispielsweise, dass der Mann von der Versicherung am Telefon 
gesagt habe, sie hätte nasse Wände und sie daraufhin entgegnet habe, dies stim-
me nicht, das Wasser komme von unten (pag. 37., Z. 49 ff.) oder dass sie geweint 
habe, als ihre Tochter zu Besuch gekommen sei (pag. 37, Z. 52 f.). Bezüglich der 
zeitlichen Verhältnisse gelang es der Geschädigten ebenfalls, detaillierte und 
glaubhafte Aussagen zu machen (pag. 37, Z. 52; pag. 28, Z. 57; pag. 38, Z. 62).  
Ferner beschrieb die Geschädigte eigene psychische Vorgänge und Emotionen, 
wonach es ihr komisch vorgekommen sei, zumal sie L.________ in R.________ 
vor sich gehabt habe und die Beschuldigten einen blauen Bus gehabt hätten, der 
nicht angeschrieben gewesen sei (pag. 38, Z. 59 f.) sowie dass es sie beinahe ab 
dem Stuhl gejagt hätte, als sie den Rechnungsbetrag gesehen habe (pag. 38, Z. 63 
f.). Sie sei froh gewesen, als jemand gekommen sei (pag. 138, Z. 10). Auch sei sie 
nachträglich sauer auf sich selbst gewesen (pag. 40, Z. 159 f.). Anlässlich der erst-
instanzlichen Hauptverhandlung gab die Geschädigte in Übereinstimmung mit ihren 
bisherigen Angaben erneut das Gespräch mit der Versicherung zu Protokoll (pag. 
137, Z. 43 ff.) sowie dass sie erstaunt gewesen sei, dass nicht das L.________-
Auto gekommen sei (pag. 138, Z. 10 f.). In Anbetracht der bis zur Hauptverhand-

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lung verstrichenen Zeit gab die Geschädigte auch zu, wenn sie etwas nicht mehr 
wusste, wie beispielsweise, wann die Beschuldigten mit der Arbeit begonnen ha-
ben (pag. 138, Z. 20). Ferner versuchte sie die Beschuldigten nicht übermässig zu 
belasten und gab zu, darauf hingewiesen worden zu sein, dass es teuer werden 
könnte (pag. 138, Z. 44 f.). Des Weiteren gab die Geschädigte zwar zu Protokoll, 
der eine sei nicht ein «Bringer» gewesen (pag. 40, Z. 155), allerdings äusserte sie 
zu keinem Zeitpunkt zur Zahlung unter Druck gesetzt oder gar genötigt worden zu 
sein, was ferner für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen spricht. 

Der von der Geschädigten dargestellte Sachverhalt ergibt ein stimmiges Ganzes, 
wirkt erlebt, ist frei von Widersprüchen und enthält zahlreiche Realkennzeichen. 
Das Aussageverhalten der Geschädigten erwies sich über die verschiedenen Ein-
vernahmen hinweg als konstant. Es ist zudem nicht ersichtlich, weshalb die Aussa-
gen der Geschädigten nicht der Wahrheit entsprechen sollten, zumal ein finanziel-
les Interesse mangels Konstituierung als Privatklägerin ausgeschlossen werden 
kann. Ferner ist keine Aufwiegelung oder sonst wie Einflussnahme im Sinne einer 
falschen Belastung der Beschuldigten durch die L.________AG ersichtlich. Bereits 
an dieser Stelle kann festgehalten werden, dass die Aussagen der Geschädigten 
für sich allein betrachtet stringent, wirklichkeitsnah und glaubhaft sind. Darüber 
hinaus decken sie sich mit den objektiven Beweismitteln (beispielsweise zeitliche 
Angaben auf der Rechnung pag. 38, Z. 57 und 62 sowie Übereinstimmung der 
Aussagen mit dem Wetterbericht pag. 159). 

13.2.2 Aussagen der Beschuldigten 1 und 2

Es gilt vorab darauf hinzuweisen, dass die Beschuldigten im Zeitpunkt des Vorfalls 
bzw. der Ermittlungen in einer Wohngemeinschaft lebten (pag. 51, Z. 24). Gemäss 
Nachtrag vom 31. Oktober 2019 (pag. 34 f.) erschienen die Beschuldigten – in Be-
gleitung ihres damals noch gemeinsamen Anwalts – zur ersten Befragung. Die Be-
schuldigten wurden gleichentags zwischen 09:35–10:10 Uhr (Beschuldigter 1; pag. 
44 ff.) und zwischen 10:37–11:20 Uhr (Beschuldigter 2; pag. 50 ff.) polizeilich be-
fragt. Sie erschienen mithin gemeinsam und in Begleitung des gleichen Anwalts zu 
den Einvernahmen. Es liegen damit weder tatnahe Aussagen noch spontane An-
gaben der Beschuldigten vor. Hinzu kommt, dass zwischen dem Ende der Einver-
nahme des Beschuldigten 1 und dem Beginn der Einvernahme des Beschuldigten 
2 beinahe eine halbe Stunde verstrich, in der sie sich über das laufende Strafver-
fahren und die gemachten Aussagen austauschen konnten. Auf Frage, was für Ar-
beiten am 8. März 2019 bei der Geschädigten ausgeführt worden seien, entgegne-
te der Beschuldigte 2, dass ein Hochdruckreiniger und eine Spirale benutzt worden 
seien und er wisse, wo dies gewesen sei (pag. 51, Z. 47 ff.). Erst im Anschluss 
daran wurde dem Beschuldigten 2 die Rechnung vorgelegt (pag. 51, Z. 52), aus 
welcher sich ergab, um welche Kundin es sich handelte und welche Materialien 
zum Einsatz kamen. Obwohl es verständlich erscheint, sich in der gemeinsamen 
Sache über die gestellten Fragen zu unterhalten, muss dieser Umstand im Rahmen 
der Aussagenanalyse bezüglich der Übereinstimmung der Aussagen der Beschul-
digten berücksichtigt werden. Zu Gunsten der Beschuldigten kann allerdings fest-
gehalten werden, dass in Anbetracht der seit dem Auftrag verstrichenen Zeit und 
der zahlreichen anderen Rohrreinigungen, die sie in der Zwischenzeit wohl vorge-

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nommen haben, nicht derselbe Detaillierungsgrad im Hinblick auf ihr Aussagever-
halten verlangt werden kann. Bei der Geschädigten handelte es sich im Gegensatz 
dazu um ein isoliertes und für sie doch wohl einschneidendes Ereignis, weshalb an 
ihre Aussagen höhere Anforderungen gestellt werden können.

Aussagen des Beschuldigten 1:

Die Aussagen des Beschuldigten 1 sind zum Teil unklar, ungenau und stehen im 
Widerspruch zu den Schilderungen des Beschuldigten 2. So fällt auf, dass der Be-
schuldigte 1 auf Fragen nicht direkt antwortete, sondern zurückhaltend mit Rück-
fragen entgegnete «da fragen sie mich was» (pag. 45, Z. 46) oder «was soll ich da-
zu sagen» (pag 46, Z. 62). Auffällig ist ferner, wie der Beschuldigte 1 versuchte, die 
Schuld von sich zu weisen und seinen Chef für die verlangten Preise verantwortlich 
zu machen. So entgegnete er auf Frage, ob er erklären könne, weshalb die Arbei-
ten so teuer seien – eine Frage, die er angesichts seiner Erfahrung doch mühelos 
müsste beantworten können – dass die Rechnung nicht von ihm erstellt worden 
sei, es sei von seinem Chef (pag. 142, Z. 4 ff.). Auch auf Frage, ob er den Preis 
nicht hinterfragt habe, gab er zu Protokoll, dies sei nicht seine Aufgabe (pag. 142, 
Z. 26 ff.) oder auf Frage, weshalb die Kosten für den Hochdruckreiniger mit CHF 
350.00 derart hoch seien, dass dies die Preisangabe seines Chefs sei (pag. 142, Z. 
31 f.). Auf Frage, weshalb man auf Maschinen- und Materialeinsatz einen Spätzu-
schlag mache, entgegnete er, er könne es nicht sagen, er habe die Rechnung nicht 
erstellt (pag. 143, Z. f.). Dieses karge und zurückhaltende Aussageverhalten spricht 
nicht für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. 

Aussagen des Beschuldigten 2:

Die Aussagen des Beschuldigten 2 wirken abgesprochen und auf die Aussagen 
des Beschuldigten 1 abgestimmt. So antwortete auch der Beschuldigte 2 auf Fra-
ge, ob er erklären könne, weshalb der Einsatz der Spirale derart teuer sei, dass 
man den Chef fragen müsse. Die Preise seien vorgegeben und damit habe er 
nichts zu tun (pag. 145, Z. 37 ff.). Auch auf Frage, weshalb der Hochdruckreiniger 
derart teuer sei, entgegnete er wie der Beschuldigte 1, dass er es nicht sagen kön-
ne. Es sei vom Chef vorgegeben und auch vorgedruckt (pag. 146 Z. 4 ff.). 

In Bezug auf die Erstellung der Rechnung gab der Beschuldigte 2 anlässlich der 
polizeilichen Einvernahme vom 31. Oktober 2019 zu Protokoll, dass er danebenge-
standen sei, als der Beschuldigte 1 die Abrechnung gemacht habe. Er habe die 
Rechnung angeschaut und fände diese ganz normal (pag. 52, Z. 73 ff.). Anlässlich 
der Hauptverhandlung äusserte er sodann, dass er nicht im Haus gewesen sei, 
sondern draussen und die Maschinen eingesammelt habe. Er habe die Rechnung 
selbst nicht geschrieben und könne nichts dazu sagen (pag. 146, Z. 14 ff.). Dieses 
widersprüchliche Aussageverhalten spricht nicht für die Glaubhaftigkeit seiner Aus-
sagen. Auch die übermässige Wahrheitsbeteuerung, wonach es auf jeden Fall 
nicht stimme, dass die Geschädigte vorgängig nicht über den Preis der Rohrreini-
gung informiert worden sei, mutet komisch an (pag. 146, Z. 45 ff.). Schliesslich 
stimmen die Aussagen auch nicht mit den objektiven Beweismitteln überein. Der 
Beschuldigte 2 sagte anlässlich der Hauptverhandlung aus, dass die Kundin teil-
weise selbst schuld sei, dass der Kanal zugegangen sei, da sie Feuchttücher die 

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Toilette heruntergespült hätte. Das ganze Rohr sei komplett voll gewesen mit 
Feuchttüchern (pag. 147, Z. 33 ff.). Auf der Rechnung (pag. 9) findet sich allerdings 
der Vermerk, dass keine Anzeichen eines Selbstverschuldens vorgelegen hätten. 
Die widersprüchlichen und abgesprochenen Aussagen des Beschuldigten 2 zeu-
gen von wenig Glaubhaftigkeit. 

13.3 Konkrete Beweiswürdigung betreffend die einzelnen Beweisfragen

13.3.1 In welcher Situation befand sich die Geschädigte, als sie sich entschied, ei-
nen Sanitär aufzubieten und als die beiden Beschuldigten bei ihr eintrafen 
um die Arbeiten vorzunehmen?

Die Vorinstanz hat die Aussagen der Parteien in Bezug auf die Situation der Ge-
schädigten zutreffend zusammengefasst. Es wird an dieser Stelle vorab darauf 
verweisen (pag. 201 f., S. 9 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

Die Geschädigte gab anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 17. 
Dezember 2019 (pag. 36 ff.) zu Protokoll, das Ganze habe am 7. März 2019 ange-
fangen (pag. 37, Z. 40). Die Waschküche sei am Morgen voll mit Wasser gewesen, 
welches aus dem Senkloch gestiegen sei (pag. 37, Z. 40 f.). Sie habe dies geputzt 
und am Nachmittag – als es erneut geregnet habe – sei der Keller wieder voll ge-
wesen, woraufhin sie die Gemeindeverwaltung angerufen habe (pag. 37, Z. 41 ff.). 
Am Freitag habe es erneut geregnet und sie habe die Waschküche innert kurzer 
Zeit zweimal voll gehabt, woraufhin sie erneut die Gemeindeverwaltung angerufen 
habe (pag. 37, Z. 44 ff.). Zur Begründung führte sie aus, fürs Wochenende sei 
schlechtes Wetter gemeldet gewesen und sie habe das Wochenende nicht in der 
Waschküche verbringen wollen (pag. 37, Z. 45 ff.). Die Gemeindeangestellte habe 
ihr geraten die Versicherung zu kontaktieren, woraufhin die P.________ Versiche-
rung ihr mitgeteilt habe, dass sie jemanden vorbeischicken würden (pag. 37, Z. 47 
ff.). Daraufhin sei sie von einem Herrn angerufen worden, der im Laufe des Ge-
sprächs festgestellt habe, dass er in der Sache nicht zuständig sei. Schliesslich 
habe sie um ca. 16:30 Uhr von der Firma I.________AG einen Anruf erhalten. Die-
se hätte ihr mitgeteilt, es würde erst am darauffolgenden Montag jemand vorbei-
kommen können (pag. 37, Z. 49 ff.). Die Geschädigte führte weiter aus, dass ihre 
Tochter zu Besuch gekommen sei und gesehen habe, wie sie geweint habe. Dar-
aufhin habe ihre Tochter gesagt, sie solle die Firma L.________AG kontaktieren 
(pag. 37, Z. 52 ff.). Auf Frage, weshalb sie sich gerade damals entschlossen habe, 
eine Firma wegen des Problems zu kontaktieren, gab die Geschädigte zu Protokoll, 
es sei nicht lustig, wenn das WC-Papier etc. in der Waschküche herumschwimme 
(pag. 38, Z. 86). Der Wetterbericht sei schlecht gewesen. Sie hätte es nicht so sein 
lassen können (pag. 38, Z. 87). Die Geschädigte gab schliesslich mehrfach zu Pro-
tokoll, dass sie verzweifelt (pag. 40, Z. 160 f.) und froh gewesen sei, dass jemand 
gekommen sei (pag. 138, Z. 10). Sie hätte es nicht sein lassen können (pag. 38, Z. 
87). Es sei wirklich eine Notsituation gewesen (pag. 139, Z. 2).

Der Beschuldigte 1 gab anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung an, ge-
wusst zu haben, dass die Waschküche der Geschädigten bereits vorgängig über-
schwemmt worden war (pag. 141, Z. 22 ff.). Genau könne er sich nicht erinnern, es 

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sei aber auf jeden Fall eine Wasserlache im Keller gewesen (pag. 141, Z. 26 f.). 
Weiter gab er an, den Leuten in Not zu helfen (pag. 144, Z. 3).

Der Beschuldigte 2 führte anlässlich seiner polizeilichen Befragung vom 31. Okto-
ber 2019 (pag 50 ff.) aus, es sei keine normale Verstopfung gewesen. Sie sei wirk-
lich hartnäckig gewesen (pag. 51, Z. 55 f.). Es sei, so glaube er, spätabends gewe-
sen (pag. 52, Z. 63). Auf Frage, ob er gewusst habe, dass der Keller bereits vor-
gängig überschwemmt worden war, gab der Beschuldigte 2 zu Protokoll, die Kun-
din hätte ihnen dies gesagt, woraufhin sie in den Keller gegangen seien, um dies 
anzuschauen (pag. 145, Z. 22 ff.). 

Die Geschädigte hatte bis zum Zeitpunkt, als sie im Internet nach der Firma 
L.________AG recherchierte, somit vier Mal eine Wasserlache in der Waschküche 
vorgefunden, zwei Mal bei der Gemeindeverwaltung angerufen, einmal mit einer 
unzuständigen Stelle telefoniert und schliesslich wurde sie von der Firma 
I.________AG auf den darauffolgenden Montag vertröstet. Währenddessen hatte 
sie die mit Wasser, Abwasser, WC-Papier etc. verschmutzte Waschküche mehr-
fach versucht selbst zu reinigen, wobei diese angesichts des anhaltenden Regens 
immer wieder aufs Neue überschwemmt wurde. Aufgrund der Aussagen der Ge-
schädigten erachtet es die Kammer als nachvollziehbar und glaubhaft, dass sie – 
wie von ihr mehrfach angegeben – am besagten Abend verzweifelt und auf externe 
Hilfe angewiesen war, zumal die Wasserlachen offensichtlich im Zusammenhang 
mit dem andauernden Niederschlag standen und auch am Wochenende erneut 
Regen prognostiziert war. Des Weiteren gaben auch die Beschuldigten zu Proto-
koll, gewusst zu haben, dass die Waschküche der Geschädigten bereits mehrfach 
überschwemmt worden war und dass es sich nicht um eine normale Verstopfung 
gehandelt habe. Zudem gab der Beschuldigte 1 – wenn auch bezugnehmend auf 
seine Arbeitsstelle im Allgemeinen – an, den Leuten in Not zu helfen. Schliesslich 
stimmen die Aussagen der Geschädigten mit den objektiven Beweismitteln überein, 
wonach es am 7. und 8. März 2019 – wie das von der Verteidigung eingereichte 
Wetterarchiv (pag. 159) aufzeigt – tatsächlich zu hohen Niederschlagsmengen ge-
kommen ist. 

Das Argument der Verteidigungen, wonach es der Geschädigten zuzumuten gewe-
sen wäre, die Waschküche erneut zu reinigen (pag. 329), ist nicht zu hören, zumal 
auch nicht abgeschätzt werden konnte, was die andauernden Wasserlachen für 
Schäden in der Waschküche hätten anrichten können. Beide Beschuldigten 
bestätigten anlässlich der Hauptverhandlung gewusst zu haben, dass der Keller 
der Geschädigten vorgängig bereits überschwemmt worden war und dass sich auf 
jeden Fall eine Wasserlache im Keller befunden hatte (pag. 141, Z. 24 ff; pag. 145, 
Z. 22 ff.). Dass die Geschädigte die Befürchtung eines weiteren Schadens (bspw. 
Schädigung der Waschküche, Geräte oder dergleichen) nicht geltend gemacht hat, 
kann ihr – entgegen den Ansichten der Verteidigungen – nicht vorgeworfen wer-
den. Einen solchen Zustand insgesamt über vier Tage zu belassen, was mit Si-
cherheit auch zu einer Geruchsbildung geführt hätte, kann keineswegs als zumut-
bar erachtet werden. Daran ändert auch die Aussage der Geschädigten nichts, wo-
nach sie abgewunken hätte, wenn ihr jemand gesagt hätte, dass es auf CHF 
3'000.00 komme.

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Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Geschädigte aufgrund der mehr-
fachen Überschwemmungen, den erfolglosen Versuchen die Gemeinde dazu zu 
bewegen jemanden zur Rohrreinigung aufzubieten, dem anhaltenden Regen und 
der zeitlichen Verhältnisse (abends kurz vor dem Wochenende) derart verzweifelt 
war, dass sie im Internet nach einer Rohrreinigungsfirma suchte und in der Folge 
an die H.________AG bzw. die Beschuldigten gelangte. 

13.3.2 Ging die Geschädigte davon aus, dass es sich bei den beiden Beschuldigten 
um Mitarbeiter der Firma L.________AG handelt bzw. dass die Arbeitgeberin 
der beiden Beschuldigten mit der L.________AG zusammenarbeitet?

Die diesbezüglichen Aussagen der Geschädigten wurden von der Vorinstanz kor-
rekt zusammengefasst, worauf vorab verwiesen werden kann (pag. 203 f., S. 9 der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 

Die Geschädigte gab anlässlich der Anzeigeerstattung vom 28. März 2019 an, mit-
tels der Suchmaschine «Google» nach der Telefonnummer der L.________AG ge-
sucht zu haben (pag. 7). Zu diesem Zweck habe sie im Suchfeld «L.________» 
eingegeben, woraufhin sie das oberste Suchergebnis angeklickt habe. Dabei habe 
sie übersehen, dass es sich nicht um die Firma L.________AG gehandelt habe, 
sondern um eine andere Firma, welche unter dem Namen K.________ aufgeführt 
gewesen sei. In der Folge habe sie die angegebene Telefonnummer N.________ 
gewählt, woraufhin ihr die Frau am Telefon gesagt hätte, dass sie mit der Firma 
L.________AG zusammenarbeiten würden. Die Geschädigte habe deshalb ange-
nommen, es handle sich um eine Partnerfirma der L.________AG. Anlässlich der 
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 17. Dezember 2019 (pag. 36 ff.) 
bestätigte die Geschädigte ihre Aussagen, wonach sie angerufen und gefragt habe, 
ob sie richtig sei bei der Firma L.________AG (pag. 37, Z. 54 f.). Als die Beschul-
digten ihr ein Blatt zur Unterschrift hingehalten hätten, habe sie nicht genau ge-
schaut, was auf dem Briefkopf gestanden habe (pag. 38, Z. 57 ff.). Es sei ihr ko-
misch vorgekommen, zumal sie L.________ in R.________ vor sich gehabt hätte 
und die Beschuldigten in einem blauen Bus gekommen seien (pag 38, Z. 59 f.). Der 
Bus sei nicht angeschrieben gewesen und sie habe sich das Autokennzeichen no-
tiert (pag. 38, Z. 60 f.). Die Geschädigte verneinte die Frage, ob sie bereits vorgän-
gig mit einer Rohrreinigungsfirma zu tun gehabt habe (pag. 39, Z. 99 f.). 

Die Geschädigte suchte gemäss ihren konstanten, detaillierten und glaubhaften 
Aussagen im Internet gezielt nach der Firma L.________AG. Für die Kammer ist 
deshalb nachvollziehbar, dass sie bei der Eingabe des Namens «L.________» im 
Suchfeld davon ausging, es handle sich beim ersten angezeigten Suchergebnis um 
die von ihr gesuchte Firma. Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass die 
L.________AG seither veranlasst hat, an erster Stelle der Google-Suchergebnisse 
zu erscheinen, wie der Screenshot der Google-Suche belegt (pag. 18). Die Inter-
netausdrucke der Firma L.________AG (pag. 20 ff.) stimmen indes mit den Aussa-
gen der Geschädigten überein. So zeigen die Ausdrucke mehrfach auf, dass bei 
Eingabe des Suchworts «L.________» an erster Stelle jeweils der von der Ge-
schädigten angerufene Klempnerdienst K.________ erschien. Der dazugehörige 
URL «O.________» (pag. 18) ist schliesslich der Firma H.________AG zuzuord-
nen. Aufgrund der glaubhaften Aussagen der Geschädigten – die diesbezüglich im 

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Übrigen unbestritten geblieben sind – sowie deren Übereinstimmung mit den objek-
tiven Beweismitteln, ist erstellt, dass der Geschädigten an erster Stelle der Google-
Suchergebnisse die Seite K.________ angezeigt wurde, hinter der die Firma 
H.________AG steckte.

Aufgrund der übereinstimmenden Wortbestandteile der Namen «L.________AG» 
und K.________ sind Verwechslungen der beiden Firmen bzw. Internetseiten – vor 
allem in der Eile – keineswegs ausgeschlossen. Für die Kammer ist nachvollzieh-
bar und erstellt, dass die Geschädigte aufgrund ihrer Verzweiflung, der gezielten 
Google-Suche nach «L.________», der Bezeichnung K.________ und der Tatsa-
che, dass die Anzeige an erster Stelle der Google-Suchergebnisse auftrat, davon 
ausging, es handle sich bei der angeklickten Seite um die Seite der Firma 
L.________AG. 

Nach der Ansicht der Verteidigungen sei zu Unrecht gerichtlich nicht überprüft wor-
den, ob der Geschädigten am Telefon tatsächlich mitgeteilt worden sei, dass die 
Firma H.________AG mit der Firma L.________AG zusammenarbeite. Den Vertei-
digungen ist insoweit zuzustimmen, als das eine eigentliche Nachfrage bei der Fir-
ma H.________AG nicht stattgefunden hat. Eine solche Nachfrage hätte allerdings 
auch kaum zu verlässlichen Ergebnissen geführt, zumal die Firma H.________AG 
zwischenzeitlich über den Gang des Verfahrens in Kenntnis gesetzt worden war. 
Im Übrigen suchte die Geschädigte offensichtlich explizit nach der Firma 
L.________AG und gab mehrfach übereinstimmend zu Protokoll anlässlich des Te-
lefongesprächs nachgefragt zu haben, ob sie bei der Firma L.________AG richtig 
sei. Es besteht kein Anlass an den diesbezüglichen glaubhaften Aussagen der Ge-
schädigten zu zweifeln, womit weiter erstellt ist, dass der Geschädigten am Telefon 
mitgeteilt wurde, dass die angerufene Firma mit der L.________AG zusammenar-
beite. Ferner kann die Tatsache, dass die Geschädigte nach dem Vorfall mit der 
L.________AG in Kontakt getreten ist, nicht den Schluss zulassen, dass sie von 
dieser zur Anzeigeerstattung angestiftet wurde. 

Die Verteidigungen bringen schliesslich vor, die Geschädigte hätte aufgrund des 
Briefkopfs des Formulars «Rechnung» (pag. 9) sowie des Fahrzeugs der Beschul-
digten nicht annehmen dürfen, dass es sich bei den Beschuldigten um Mitarbeiter 
der Firma L.________AG gehandelt habe. Wie die Geschädigte eindrücklich schil-
derte, habe es sich um eine Notsituation gehandelt und sie sei froh gewesen, dass 
jemand gekommen sei (pag. 138, Z. 10; pag. 139, Z. 2). Die Kammer erachtet es 
als nachvollziehbar, dass die Geschädigte aufgrund der gesamten Umstände nicht 
genau festgestellt hat, was auf dem Briefkopf des Formulars stand. Immerhin hatte 
sie im Internet gezielt nach der Firma L.________AG gesucht und sich darüber 
hinaus auch telefonisch danach erkundigt, ob sie bei der Firma L.________AG 
richtig sei. Auch wenn die Geschädigte indes den Briefkopf zu diesem Zeitpunkt 
festgestellt hätte bedeutet dies nicht, dass sie in Anbetracht der ihr am Telefon ge-
gebenen Informationen nicht trotzdem hätte davon ausgehen können, dass es sich 
bei den Beschuldigten bzw. deren Arbeitgeberin um eine Partnerfirma der 
L.________AG gehandelt hat. Gleich verhält es sich mit ihren Feststellungen be-
züglich des Fahrzeugs der Beschuldigten. Auch diesbezüglich ist die Kammer der 
Überzeugung, dass allfällige Zweifel über die Firma durch die telefonische Bestäti-

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gung der Zusammenarbeit aus dem Weg geräumt wurden. Bei einer tatsächlichen 
Zusammenarbeit mit der Firma L.________AG müsste denn auch nicht davon aus-
gegangen werden, dass ein Fahrzeug der L.________AG erscheint. Es wurde 
schliesslich behauptet, dass es sich um eine Zusammenarbeit handle und nicht, 
dass sie direkt bei der Firma L.________AG gelandet sei. Zudem hat die Geschä-
digte nach eigenen Angaben bisher noch nie mit einer Rohrreinigungsfirma zu tun 
gehabt, womit sie auch nicht zwingend hätte wissen können, mit welchem Fahr-
zeug die Firma L.________AG bei Notfällen tatsächlich ausrücken würde.

Zusammenfassend geht die Kammer aufgrund der glaubhaften – sowie mit den ob-
jektiven Beweismitteln übereinstimmenden – Aussagen der Geschädigten davon 
aus, dass diese aufgrund der Google-Suche nach der Firma L.________AG und 
der ihr telefonisch erteilten Bestätigung der Zusammenarbeit davon ausgegangen 
ist, es mit Mitarbeitern der Firma L.________AG zu tun gehabt zu haben.

13.3.3 Wurde die Geschädigte über die anfallenden Kosten und Arbeiten aufgeklärt 
und wenn ja, wie und zu welchem Zeitpunkt?

Die Vorinstanz fasste die Aussagen der Beteiligten zutreffend zusammen (pag. 204 
ff.) – worauf vorab verwiesen werden kann – und gelangte zu folgendem Beweiser-
gebnis (pag. 206 f.):

Gestützt auf diese Aussagen steht für das Gericht fest, dass die Beschuldigten die Geschädigte je-
denfalls nicht detailliert bzw. konkret über die anfallenden Kosten informiert haben. Dies ergibt sich 
zum einen daraus, dass die Beschuldigten selber ausführen, vor Beginn der Arbeit (zu diesem Zeit-
punkt soll die Aufklärung gemäss ihnen ja stattgefunden haben) sei es noch nicht möglich, genauer zu 
sagen, wie teuer es werden würde. Zum anderen ist es so, dass selbst wenn die Geschädigte vor Un-
terzeichnung das Dokument noch durchgelesen haben sollte, sie keine Ahnung gehabt hätte, was für 
Kosten ungefähr auf sie zukommen würden (vgl. dazu auch die nachfolgenden Ausführungen in 
Ziff. 2.5.4). So ist beispielweise der Hockdruckreiniger handschriftlich ergänzt worden und es war ihr 
unmöglich abzuschätzen, wie viele Meter der Spirale wohl benötigt werden würden (dies konnten ja 
nicht einmal die beiden Beschuldigten). Zudem sind zwar die geltenden Zuschläge aufgeführt, aller-
dings geht aus dem Dokument nicht hervor, dass diese nicht nur auf der Arbeitszeit, sondern auch auf 
dem Material erhoben werden. 

Aufgrund der übereinstimmenden Aussagen der Geschädigten anlässlich der Hauptverhandlung und 
der beiden Beschuldigten geht das Gericht aber davon aus, dass die Beschuldigten gesagt haben, 
dass es teuer werden würde. Der Geschädigten war zu diesem Zeitpunkt deshalb klar, dass die Roh-
rentstopfung viel kosten würde. Die Geschädigte verzichtete indes aufgrund der gesamten Situation 
darauf, konkreter nachzufragen, wie teuer es werden würde. Ob dabei tatsächlich gesagt wurde, dass 
es ab CHF 600.00 aufwärts kosten würde, lässt sich nicht abschliessend feststellen. Aber selbst wenn 
dies der Fall gewesen wäre, könnte – mit Blick auf die Tatsache, dass sich der effektive Rechnungs-
betrag auf mehr als CHF 3'000.00 belief – nicht von einer tatsächlichen Aufklärung durch die Be-
schuldigten ausgegangen werden. 

Die Vorinstanz hat sich nach der Ansicht der Kammer zutreffend mit den Aussagen 
der Beteiligten auseinandergesetzt. Ergänzend ist festzuhalten, dass die Geschä-
digte mehrfach, übereinstimmend und glaubhaft zu Protokoll gab, die Rechnung 
sowie die darin aufgeführten Positionen vorgängig nicht genau gelesen zu haben 
(pag. 38, Z. 57 f.; pag. 138, Z. 35 ff. und 40 f.) und durch die Beschuldigten nicht 

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über die Höhe der zu erwartenden Kosten aufgeklärt worden zu sein (pag. 39, Z. 
122 ff.; pag. 40, Z. 133 ff. und 157 f.; pag. 139, Z. 5 ff.). Schliesslich deutet auch ih-
re Aussage, wonach sie abgewunken hätte, wenn ihr jemand gesagt hätte, dass es 
auf CHF 3'000.00 komme, darauf hin, dass sie eben gerade nicht über die Höhe 
der zu erwartenden Kosten aufgeklärt worden ist, weshalb sie sich bei der Rech-
nungsstellung offensichtlich auch über den hohen Betrag echauffierte.

Der Beschuldigte 1 äusserte anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 31. Ok-
tober 2019 (pag. 44 ff.), die Kundin sei mit den Preisen einverstanden gewesen 
und sei auch nach der Arbeit noch damit einverstanden gewesen. Er hätte ihr un-
gefähr gesagt, wie teuer es werde (pag. 46, Z. 78 ff.). Auf dem Blatt, welches sie 
gelesen und unterschrieben hätte, stehe der Stundenansatz (pag. 46, Z. 80). Er 
hätte von Anfang an erklärt, wie teuer die Reparatur ungefähr werde und sie sei 
damit einverstanden gewesen (pag. 46, Z. 98 f.). Anlässlich der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung führte der Beschuldigte 1 aus, er sage den Kunden immer, was 
es ungefähr kosten werde. Einen genauen Preis könne er nicht machen, er könne 
nur schätzen, was es in einer Stunde ungefähr kosten würde. Dauere es länger, 
könne er nicht sagen, wie viel es koste (pag. 141, Z. 42 ff.). Er habe gesagt, es 
werde ab CHF 600.00 aufwärts kosten (pag. 143, Z. 30) und es werde teuer (pag. 
143, Z. 37 f.). Als der Hochdruckreiniger zum Einsatz gekommen sei, habe er dem 
Ehemann der Geschädigten gesagt, dass es auf jeden Fall über CHF 1'000.00 kos-
ten werde (pag. 143, Z. 32 f.). Der Beschuldigte 1 beteuerte mithin mehrfach, der 
Geschädigten mitgeteilt zu haben, es werde ab CHF 600.00 kosten. In diesem Zu-
sammenhang ist festzuhalten, dass die vom Beschuldigten 1 angeblich mitgeteilte 
Kostenschätzung von CHF 600.00 bereits durch eine Stunde Arbeitszeit mit zwei 
Monteuren inklusive Pauschalen und Zuschlägen überschritten worden wäre. 
Gemäss der Rechnung vom 8. März 2019 (pag. 9) und insbesondere mit Blick auf 
die fest vereinbarten Positionen, ergäbe bereits die einstündige Anwesenheit der 
Beschuldigten – notabene ohne Maschinen- und Materialeinsatz – einen Rech-
nungsbetrag von CHF 630.05 (CHF 290.00 Arbeitszeit + CHF 40.00 Wegpauschale 
+ CHF 20.00 Fahrzeugkostenpauschale + CHF 40.00 Betriebskostenpauschale + 
CHF 195.00 Zuschlag [50% auf CHF 390.00] + CHF 45.05 MWST). 

Der Beschuldigte 2 äusserte anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 31. Ok-
tober 2019 (pag. 50 ff.), sie würden zunächst schauen, was gemacht werden müs-
se und wie teuer es ungefähr werde. Anschliessend würde der Kunde den Vertrag 
unterzeichnen (pag. 51, Z. 57 ff.). Die Kundin sei auf die allenfalls zum Einsatz ge-
langenden Mittel aufmerksam gemacht worden und sei damit einverstanden gewe-
sen. Sie habe die ungefähren Preise gekannt (pag. 52, Z. 93 f.). Die Kundin sei 
über die Zusatzkosten informiert worden und sei damit einverstanden gewesen 
(pag. 52, Z. 105). Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung und auf Fra-
ge, ob er die Zeugin vor Beginn der Arbeiten über die zu erwartenden Kosten auf-
geklärt habe, gab der Beschuldigte 2 an, dies habe der Beschuldigte 1 getan (pag. 
146, Z. 36 ff.). Er habe dies gehört, ab CHF 600.00 aufwärts (pag. 146, Z. 41). Man 
könne nie genau sagen, wie weit man mit der Spirale gehen müsse. Manchmal 
kämen noch andere Maschinen zum Einsatz wie beispielsweise der Hochdruckrei-
niger. Dies könne man im Voraus nicht sagen (pag. 146, Z. 42 f.). Es stimme auf 
jeden Fall nicht, dass die Zeugin vorgängig nicht über den Preis der Rohrreinigung 

19

informiert worden sei (pag. 146 f., Z. 45 ff.). Sie hätten vom Chef die Anweisung, 
die Preise vorher durchzugehen und zu fragen, ob der Kunde dazu bereit sei (pag. 
147, Z. 1 ff.). Dies sei auch vorliegend gemacht worden (pag. 147, Z. 5). Dass es 
so viel geworden ist, hätte man im Voraus nicht sagen können, da die Spirale nicht 
ausgereicht habe und der Hochdruckreiniger habe eingesetzt werden müssen (pag. 
147, Z. 10 ff.).

Komisch mutet in diesem Zusammenhang – vor allem mit Blick auf die seit dem 
Vorfall verstrichene Zeit – an, dass der Beschuldigte 2 sich genau daran erinnern 
will, gehört zu haben, wie der Beschuldigte 1 der Geschädigten mitteilte, es werde 
ab CHF 600.00 aufwärts kosten. Gemäss den Angaben des Beschuldigten 2 würde 
zunächst geschaut werden, was gemacht werden müsse und wie teuer es werde. 
In Anbetracht dessen erscheint es der Kammer noch unwahrscheinlicher, dass da-
nach von einem Rechnungsbetrag ab CHF 600.00 die Rede gewesen sein soll, 
zumal beide Beschuldigten äusserten, dass es sich um eine hartnäckige Verstop-
fung gehandelt habe. Es ist unglaubwürdig, dass sie in diesem Fall vom Minimalbe-
trag von CHF 600.00 ausgegangen wären, welcher keinerlei Materialkosten um-
fasst hätte. 

Es erscheint der Kammer generell fraglich, ob eine Aufklärung hinsichtlich der zu 
erwartenden Kosten – konkret «ab CHF 600.00 aufwärts» – tatsächlich stattgefun-
den hat. Wie die Vorinstanz richtigerweise ausführte, kann diese Frage letztlich of-
fen bleiben, zumal auch bei einer Angabe eines geschätzten Rechnungsbetrags 
von CHF 600.00 und einem effektiv verrechneten Preis von CHF 3053.30 keines-
wegs von einer adäquaten Aufklärung ausgegangen werden kann. Daran vermö-
gen auch die Aussagen des Beschuldigten 1 nichts zu ändern, wonach er dem 
Ehemann mitgeteilt habe, es werde über CHF 1'000.00 kosten. 

Die Aussagen der Beschuldigten wirken abgesprochen und ergeben in Verbindung 
mit der Rechnung (pag. 9) kaum Sinn. Im Ergebnis ist auf die konstanten, detaillier-
ten und glaubhaften Aussagen der Geschädigten abzustellen. Die Kammer geht 
beweiswürdigend davon aus, dass der Geschädigten einzig mitgeteilt wurde, dass 
es teuer werden könnte, ohne dass sie genauer über die anfallenden Material- oder 
Zusatzkosten in Kenntnis gesetzt wurde. 

13.3.4 Wie setzt sich der Rechnungsbetrag zusammen bzw. wie sehen diesbezüg-
lich die eingeholten Offerten der Firmen L.________AG und I.________AG 
aus?

Den Ausführungen bzw. Berechnungen der Verteidigung des Beschuldigten 1 hin-
sichtlich der ausgestellten Rechnung sowie der eingeholten Offerten kann nicht ge-
folgt werden. Die Kammer stimmt allerdings mit der Verteidigung des Beschuldig-
ten 1 überein, soweit die Offerte der Firma I.________AG zwecks direkten Ver-
gleichs aufgrund ihrer fehlenden Bereitschaft, den Auftrag am besagten Freitag-
abend auszuführen, nicht herangezogen werden kann. Die Vorinstanz sowie die 
Verteidigungen haben zwar richtigerweise festgestellt, dass zum Vergleich der 
Rechnung der H.________AG sowie der Offerte der L.________AG die Positionen 
entsprechend aufgerechnet werden müssen, berücksichtigten dabei allerdings die 

20

Zuschläge jeweils nicht und verrechneten nicht die korrekte Anzahl Stunden. Der 
Übersicht halber, sind die einzelnen Positionen direkt miteinander zu vergleichen. 

Der Stundenansatz der H.________AG pro Techniker beträgt CHF 145.00 (exkl. 
50% Zuschlag) und CHF 217.50 (inkl. 50% Zuschlag). Es wurden zwei Stunden 
Arbeitszeit für zwei Monteure, mithin gesamthaft CHF 580.00 (exkl. 50% Zuschlag) 
und CHF 870.00 (inkl. 50% Zuschlag) verrechnet. Die L.________AG veranschlag-
te für die Gesamtarbeitszeit eines Monteurs pro Stunde einen Betrag von CHF 
166.50 (inkl. 50% Zuschlag). Richtigerweise müsste ebenfalls von vier Arbeitsstun-
den ausgegangen werden (2 Monteure für 2 Stunden), wodurch ein Betrag von 
CHF 666.00 (inkl. 50% Zuschlag) resultiert. 

Die Fahrzeugkostenpauschale beträgt bei der Firma H.________AG (pag. 9) 
CHF 20.00 (exkl. 50% Zuschlag) bzw. CHF 30.00 (inkl. 50% Zuschlag). Bei der 
L.________AG wurde ein Betrag von CHF 49.00 für die Fahrzeugkostenpauschale 
veranschlagt (pag. 17). 

Für die An- und Abfahrt verrechnete die Firma H.________AG CHF 40.00 (exkl. 
50% Zuschlag) bzw. CHF 60.00 (inkl. 50% Zuschlag). Zusätzlich wurde eine Be-
triebskostenpauschale von CHF 40.00 (exkl. 50% Zuschlag) bzw. CHF 60.00 (in-
kl. 50% Zuschlag) erhoben. Die Firma L.________AG veranschlagte lediglich eine 
Anfahrtszeit von einer halben Stunde mit einem Monteur im Gesamtbetrag von 
CHF 82.25. Die Verteidigung des Beschuldigten 1 brachte diesbezüglich vor, dass 
die Anfahrtszeit nicht stimmen könne, da gemäss Googlemaps bereits ein Weg von 
Münsingen (Sitz der L.________AG) nach E.________(Ortschaft) 30 Minuten dau-
ere und die Fahrzeit deshalb eine Stunde betragen müsse (pag. 149). Die Kammer 
stimmt der Verteidigung des Beschuldigten 1 in diesem Punkt zu. Richtigerweise 
müssten eine Stunde Fahrzeit mit zwei Monteuren verrechnet werden. Bei der Fir-
ma L.________AG entstünden mithin für die Anfahrtszeit von 60 Minuten für zwei 
Monteure Kosten in der Höhe von CHF 333.00 (inkl. 50% Zuschlag). 

Zum Maschinen- und Materialeinsatz der Firma H.________AG lässt sich fest-
halten, dass dieser je angefangene Stunde verrechnet wurde. Dabei wurde eine 
Stunde für den Fräsmaschineneinsatz zu CHF 50.00 (exkl. 50% Zuschlag) bzw. 
CHF 75.00 (inkl. 50% Zuschlag) sowie eine Stunde für die Verwendung des Hoch-
druckreinigers in der Höhe von CHF 350.00 (exkl. 50% Zuschlag) bzw. CHF 
525.00 (inkl. 50% Zuschlag) verrechnet. Zusätzlich wurden Kosten in der Höhe von 
CHF 810.00 (exkl. 50% Zuschlag) bzw. CHF 1'215.00 (inkl. 50% Zuschlag) für die 
Spirale je Meter erhoben. Mithin muss auch bei der L.________AG eine Stunde für 
die elektromechanische Reinigung zu CHF 114.00 und eine Stunde für das Reini-
gen mit Hochdruck zu CHF 114.00 angerechnet werden. Die Verteidigung brachte 
diesbezüglich vor, man müsse dafür je zwei Stunden veranschlagen, was in Anbe-
tracht dessen, dass die Beschuldigten lediglich zwei Stunden vor Ort waren, falsch 
ist. So hätten sie diesfalls gleichzeitig zwei Stunden elektromechanisch sowie mit 
Hochdruck reinigen müssen, was kaum möglich erscheint. 

Zusammenfassend ergeben sich folgende vergleichbare Beträge:

Firma H.________AG

21

Korrigiert man nun noch den Stundenansatz der L.________AG (CHF 166.50) auf 
denjenigen der Firma H.________AG (CHF 217.50), wie von der Verteidigung vor-
gebracht, ergäbe dies einen Betrag von CHF 1'593.95 (inkl. MWST). 

Somit stehen sich der Betrag von CHF 1'593.95 (L.________AG) sowie CHF 
3’053.30 (H.________AG) gegenüber. Die Rechnung der H.________AG erweist 
sich somit als 91.56% teurer als die bereinigte Vergleichsofferte der 
L.________AG bzw. Letztere um 47.8% günstiger als die Rechnung der 
H.________AG.

13.3.5 Welche Stellung hatten die beiden Beschuldigten in der H.________AG inne 
bzw. was war ihre Rolle anlässlich des Arbeitseinsatzes bei der Geschädig-
ten?

Die Geschädigte gab anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 17. 
Dezember 2019 (pag. 36 ff.) zu Protokoll, als erstes sei ihr ein Blatt hingehalten 
worden zum Unterschreiben (pag. 38, Z. 57). Sie hätten angefangen mit den Arbei-
ten und sie seien zügig fertig gewesen (pag. 38, Z. 60 ff.). Sie seien reingekommen 
und hätten gefragt, ob die Geschädigte in bar oder mit Karte bezahlen wolle (pag. 
38, Z. 62 f.). Sie hätten die Rechnung ausgefüllt, zusammengezählt und hingelegt 
(pag. 40, Z. 158 f.).

Arbeitszeit, 2 Techniker je 2 Stunden: CHF 870.00
An- und Abfahrt: CHF 60.00
Fahrzeugkostenpauschale: CHF 30.00
Betriebskostenpauschale: CHF 60.00
Fräsmaschineneinsatz 1 Stunde: CHF 75.00
Spirale je Meter: CHF 1'215.00
Hochdruckreiniger 1 Stunde: CHF 525.00
7.7% MWST CHF 218.30

Total (inkl. Zuschlag) CHF 3'053.30

Firma L.________AG

Arbeitszeit, 2 Techniker je 2 Stunden: CHF 666.00
An- und Abfahrt: CHF 333.00
Fahrzeugkostenpauschale: CHF 49.00
Elektromechanisch reinigen 1 Stunde: CHF 114.00
Hochdruckreiniger 1 Stunde: CHF 114.00
7.7% MWST CHF 98.25

Total (inkl. Zuschlag) CHF 1'374.25

22

Der Beschuldigte 1 gab anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 31. Oktober 
2019 (pag. 44 ff.) zu Protokoll, er sei mit dem Beschuldigten 2 oder anderen Kolle-
gen unterwegs. Es komme immer auf die Schicht an. Er wisse somit nicht, wie viele 
Leute bei der Firma angestellt seien (pag. 45, Z. 48 ff.). Die Rechnung habe er ge-
schrieben (pag. 46, Z. 62 f.).

Der Beschuldigte 2 gab anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 31. Oktober 
2019 (pag. 50) an, er sei als Monteur bei der Firma H.________AG angestellt (pag. 
51, Z. 39). Über die Strukturen der Firma könne er nichts sagen (pag. 51, Z. 43 f.). 
Sie hätten die Rechnung zusammen angeschaut. Er sei daneben gestanden, als 
der Beschuldigte 1 die Rechnung gemacht habe. Er habe die Rechnung ange-
schaut und würde diese ganz normal finden (pag. 52, Z. 73 ff.). Anlässlich der erst-
instanzlichen Hauptverhandlung gab er schliesslich zu Protokoll, er habe die Rech-
nung nicht selbst geschrieben. Er sei nicht im Haus gewesen, sondern draussen 
und habe die Maschinen eingesammelt (pag. 146, Z. 17 f.). Auf Frage, ob er noch 
nie selbst eine Rechnung geschrieben hätte, gab er zu Protokoll, doch klar, dann 
habe er ebenfalls 50% auf allem berechnet (pag. 146, Z. 20 f.).

Bereits aus den Aussagen der Geschädigten erhellt, dass sie keinen der beiden 
Beschuldigten als Verantwortlichen angesehen hat, bezogen sich ihre Schilderun-
gen doch immer auf beide Beschuldigten gemeinsam (durchwegs Verwendung der 
Mehrzahl «sie» in Bezug auf die Ausführung des Auftrags sowie die Rechnungs-
stellung bzw. Zahlung; pag. 38. Z. 60 und 62 f.; pag. 40 Z. 158 f.). Ferner äusserten 
sowohl der Beschuldigte 1 als auch der Beschuldigte 2 zu keinem Zeitpunkt, dass 
sich der Beschuldigte 1 in einer Verantwortungsfunktion befunden hätte, in der er 
Aufträge erteilt und entschieden hätte, was vor Ort getan werden müsse. Für eine 
untergeordnete Stellung des Beschuldigten 2 bestehen keinerlei Anhaltspunkte, er-
gibt sich doch auch nichts dergleichen aus dem eingereichten Arbeitsvertrag (pag. 
154 ff.). In diesem Zusammenhang ist schliesslich auf die komisch anmutenden, 
widersprüchlichen Aussagen des Beschuldigten 2 hinsichtlich seiner Anwesenheit 
bei der Besprechung der Rechnung sowie bei der Ausführung der Zahlung hinzu-
weisen (pag. 52, Z. 73 ff.; pag. 146, Z. 17 f.). Die Behauptung der Verteidigung des 
Beschuldigten 2, wonach in der Regel zwei Monteure vor Ort gehen würden und 
nur einer davon die Verantwortung über den auszuführenden Auftrag trage (pag. 
356), ist somit als reine Schutzbehauptung zu qualifizieren. 

Gemäss Handelsregisterauszug des Kantons S.________ vom 4. April 2019 (pag. 
13 f.) ist einzig M.________ als einzelzeichnungsberechtigtes Mitglied der Firma 
H.________AG eingetragen. Somit waren weder der Beschuldigte 1 noch der Be-
schuldigte 2 zur Geschäftsführung oder Vertretung der Firma H.________AG be-
fugt. Im Weiteren verdeutlicht der eingereichte Arbeitsvertrag (pag. 154 ff.), dass 
die Beschuldigten in einem Anstellungsverhältnis zur Firma H.________AG stan-
den und einen Grundlohn von CHF 4'000.00 zuzüglich umsatzabhängiger Zulagen 
erhielten. Zu Gunsten der Beschuldigten ist deshalb davon auszugehen, dass sie 
aufgrund ihrer Stellung nicht vom gesamten Gewinn der Firma H.________AG pro-
fitierten.

23

13.4 Beweisergebnis

Die Kammer erachtet folgenden Sachverhalt als erwiesen:

Die Geschädigte versuchte mehrfach ihr Überschwemmungsproblem in der 
Waschküche zu lösen bzw. jemanden zur Rohrreinigung aufzubieten. Nachdem die 
Nachfrage bei der Gemeinde, bei der Versicherung und der Firma I.________AG 
ins Leere führte, war die Geschädigte derart verzweifelt, dass sie im Internet nach 
der Firma L.________AG recherchierte. Die einfache Google-Suche nach der Fir-
ma L.________AG ergab an erster Stelle den Namen K.________ woraufhin die 
Geschädigte die dort aufgeführte Telefonnummer wählte. Am Telefon wollte sich 
die Geschädigte versichern, ob sie bei der Firma L.________AG richtig sei, wor-
aufhin ihr von der Dame am Telefon bestätigt wurde, dass sie mit der Firma 
L.________AG zusammenarbeiten. Als die Beschuldigten bei der Geschädigten 
eintrafen, legten sie ihr zunächst ein mit «Rechnung» betiteltes Formular zur Un-
terzeichnung vor und teilten ihr mit, dass es teuer werden könnte. Den Beschuldig-
ten war bewusst, dass die Waschküche der Geschädigten bereits überschwemmt 
worden war. Die Geschädigte fragte nicht näher nach dem Preis, da sie der Ansicht 
war, die Rohrreinigung ohnehin machen lassen zu müssen und sie froh war, dass 
jemand zu Hilfe gekommen ist. Deshalb wurde in der Folge auch der von den Be-
schuldigten verlangte Betrag von CHF 3'053.30 per Kreditkarte vor Ort bezahlt. 

III. Rechtliche Würdigung

14. Wucher (Art. 157 Abs. 1 StGB)

14.1 Theoretische Ausführungen

Wer die Zwangslage, die Abhängigkeit, die Unerfahrenheit oder die Schwäche im 
Urteilsvermögen einer Person dadurch ausbeutet, dass er sich oder einem anderen 
für eine Leistung Vermögensvorteile gewähren oder versprechen lässt, die zur 
Leistung wirtschaftlich in einem offenbaren Missverhältnis stehen, macht sich des 
Wuchers strafbar (Art. 157 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). Die Arbeitskraft zählt ebenfalls zum 
Vermögen (WEISSENBERGER, in: Basler Kommentar, Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N. 34 
zu Art. 157 StGB). 

Wucher ist demnach die Ausbeutung der qualifizierten Unterlegenheit einer ande-
ren Person zum Abschluss oder Vollzug eines für diese unverhältnismässig nach-
teiligen Geschäfts. Dies bedingt einerseits ein zweiseitiges Rechtsgeschäft sowie 
ein Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung und anderseits, dass der 
Täter bewusst die Schwächesituation des Übervorteilten zur Erlangung übermässi-
ger Vermögensvorteile ausnutzt. Die Bestimmung bezweckt besonders krasse Fäl-
le wirtschaftlicher Ausbeutung zu unterbinden. Geschütztes Rechtsgut ist damit das 
Vermögen. Da die Tatvollendung den Eintritt einer Vermögenseinbusse beim Über-
vorteilten nicht voraussetzt, hat der Wucher den Charakter eines Vermögensge-
fährdungsdelikts. Deshalb ist nicht erforderlich, dass der Übervorteilte den Vertrag 
erfüllt (WEISSENBERGER, a.a.O., N 1 f. zu Art. 157 StGB).

In objektiver Hinsicht setzt der Tatbestand zunächst die Unterlegenheit des Opfers 
voraus. Diese kann in einer Zwangslage, einer Abhängigkeit, Unerfahrenheit oder 

24

einer Schwäche im Urteilsvermögen einer Person bestehen, wobei diese Aufzäh-
lung von Schwächesituationen abschliessend ist. Zumal vorliegend lediglich die 
Schwächesituation der Zwangslage zur Diskussion steht, erübrigen sich weiterge-
hende theoretische Ausführungen in Bezug auf die anderen Formen der Inferiorität. 

Eine Zwangslage liegt vor, wenn der Betroffene nach seinen Verhältnissen auf die 
jeweilige Leistung ernsthaft angewiesen ist oder angewiesen zu sein glaubt. Zudem 
kann er die Leistung aufgrund der konkreten Umstände anderweitig gar nicht oder 
nicht günstiger erlangen. Die Zwangslage muss nicht objektiv gegeben sein, Sub-
jektivität genügt, womit auf die Vorstellung des Betroffenen abzustellen ist. Ferner 
genügt eine bloss vorübergehende Zwangslage, die überdies nicht unverschuldet 
zu sein braucht. Eine Zwangslage liegt beispielsweise vor, wenn der Betroffene das 
Geschäft eingeht, um drohende Gefahren oder erhebliche Nachteile für sich oder 
Dritte abzuwenden (WEISSENBERGER, a.a.O., N 9 ff. zu Art. 157 StGB). 

In objektiver Hinsicht bedingt der Tatbestand weiter ein Wuchergeschäft. Ein Wu-
chergeschäft besteht aus einer Leistung des Täters und einem Vermögensvorteil 
für den Täter, wobei zwischen beiden ein offenbares Missverhältnis bestehen 
muss. Als Leistung gelten sämtliche Zuwendungen des Täters im Rahmen eines 
(vertraglichen) Austauschverhältnisses, wobei der strafrechtliche Vermögensbegriff 
nicht anwendbar ist. Unter den Leistungsbegriff fallen damit auch Dienstleistungen, 
solange diese entgeltlich erfolgen. Als Gegenleistung muss das Opfer dem Täter 
einen vermögenswerten Vorteil gewähren oder versprechen. Hier ist der strafrecht-
liche Vermögensbegriff massgebend. Gemäss dem Gesetzeswortlaut ist es nicht 
erforderlich, dass der Täter selbst vom Vermögensvorteil profitiert; es genügt, wenn 
er zu Gunsten eines Dritten handelt. Er muss jedoch den Vertrag in seinem eige-
nen oder im Namen eines Dritten abschliessen. Tritt er nur als Bote oder Vermittler 
auf, kann er als Teilnehmer strafbar sein (BGE 70 IV 200, E. 2; WEISSENBERGER, 
a.a.O., N 32 ff. zu Art. 157 StGB). Zwischen der Gesamtheit der Leistungen und 
den Vermögensvorteilen muss bei Vertragsschluss (BGE 70 IV 200, E. 3) ein of-
fenbares Missverhältnis bestehen. Ein Missverhältnis zwischen Leistung und Ge-
genleistung ist offenbar, „wenn es in grober Weise gegen die Massstäbe des an-
ständigen Verkehrs verstösst, d.h. wenn die Grenzen dessen, was unter Berück-
sichtigung aller Umstände im Verkehr üblich ist und als angemessen gilt, erheblich 
überschritten sind“ (BGE 92 IV 132 E. 1; Urteile des Bundesgerichts 6B_1070/2014 
vom 14. Juli 2015 E. 2.1; 1B_587/2011 vom 24. November 2011 E. 2.1). Massge-
bend ist der reale Markt- bzw. Verkehrswert unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten 
(WEISSENBERGER, a.a.O., Art. N 36 zu Art. 157 StGB mit Hinweisen). Ein offenba-
res Missverhältnis wurde vom Bundesgericht bei einem Kredit zu einem Jahreszins 
von 60 % und mehr bejaht, auch wenn für den Wucherer aufgrund der finanziellen 
Lage des Bewucherten ein hohes Verlustrisiko besteht (BGE 80 IV 15, E. 2). In an-
deren Bereichen werde man Wucher bei einem Missverhältnis zwischen den Leis-
tungen spätestens ab 25 %, in jedem Fall aber ab 35 % annehmen müssen (WEIS-
SENBERGER, a.a.O., N 38 zu Art. 157 StGB mit Hinweisen). 

Schliesslich muss der Täter in einem Wuchergeschäft das Opfer ausbeuten. Mit 
dem Begriff „ausbeuten“ ist ein Kausal- oder Motivationszusammenhang zwischen 
der Unterlegenheit des Opfers und dem offenbaren Missverhältnis der Leistungen 

25

gemeint. Der Täter muss also die Unterlegenheit des Betroffenen kennen und sie 
bewusst zur Erlangung übermässiger Vermögensvorteile ausnutzen (WEISSENBER-
GER, a.a.O., N 43 zu Art. 157 StGB mit Hinweisen). Das Ausbeuten braucht kein 
besonders anstössiges Verhalten zu sein und ist bereits deshalb zu bejahen, wenn 
der Täter die Schwächesituation bei einem anderen zu seinem Vorteil nutzt, indem 
er sich auf das Geschäft einlässt. Die Einwilligung des Bewucherten in das Ge-
schäft ist für den Wuchertatbestand unerheblich. Unerheblich ist weiter, von wem 
die Initiative für den Abschluss des Geschäfts ausgegangen ist, und dass der Be-
troffene damit einverstanden gewesen ist oder darauf bestanden hat (WEISSEN-
BERGER, a.a.O., N 44 zu Art. 157 StGB mit Hinweisen).

In subjektiver Hinsicht erfordert der Tatbestand Vorsatz, wobei Eventualvorsatz 
genügt. Der Vorsatz muss sich auf die Schwächesituation des Opfers, deren Aus-
nutzung zur Erteilung der weit übersetzten Gegenleistung (Ausbeutung) sowie auf 
das offensichtliche Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung erstre-
cken. Der Täter muss lediglich wissen oder in Kauf nehmen, dass die Vermögens-
vorteile gegenüber der Leistung weit übersetzt sind (WEISSENBERGER, a.a.O., N 49 
ff. zu Art. 157 StGB mit Hinweisen). Nicht erforderlich ist hingegen, dass der Täter 
das bestehende Verhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung als «offenbares 
Missverhältnis» qualifiziert (BGE 80 IV 15, E. 3).

Mit dem zivilrechtlichen Zustandekommen des Vertrags (Vertragsabschluss) ist der 
Tatbestand des Wuchers vollendet, was spätestens dann der Fall ist, wenn sich der 
Täter die Gegenleistung gewähren bzw. versprechen lässt (BGE 86 IV 65 E. 2; 
WEISSENBERGER, a.a.O., N 52 zu Art. 157 StGB).

Weder das StGB noch die StPO enthalten eine Legaldefinition der Täterschaft bzw. 
Mittäterschaft. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gilt als Mittäter, wer 
bei der Entschliessung, Planung oder Ausführung eines Deliktes vorsätzlich und in 
massgebender Weise mit anderen Tätern zusammenwirkt, so dass er als Hauptbe-
teiligter dasteht. Dabei kommt es darauf an, ob der Tatbeitrag (nach den Umstän-
den des konkreten Falles und dem Tatplan) für die Ausführung des Deliktes so we-
sentlich ist, dass sie «mit ihm steht oder fällt». Der Mittäter muss bei der Entsch-
liessung, Planung oder Ausführung der Tat auch tatsächlich mitwirken. Das blosse 
Wollen der Tat, der subjektive Wille allein genügt zur Begründung von Mittäter-
schaft nicht. Daraus folgt aber nicht, dass Mittäter nur ist, wer an der eigentlichen 
Tatausführung beteiligt ist oder sie zu beeinflussen vermag. Tatbestandsmässige 
Ausführungshandlungen sind nicht notwendige Voraussetzung für die Annahme 
von Mittäterschaft (Urteil des Bundesgerichts 6B_688/2019 vom 26. September 
2019 E. 3.2).

14.2 Vorbringen der Verteidigungen

In rechtlicher Hinsicht bringt die Verteidigung des Beschuldigten 1 zusammenge-
fasst Folgendes vor:

Die Geschädigte habe sich nicht in einer misslichen und verzweifelten Lage befun-
den. Aus ihren Schilderungen gehe zudem hervor, dass sie die Waschküche lieber 
noch einmal – oder mehrmals – selbst gereinigt hätte, anstelle CHF 3'000.00 für 
eine Entstopfung zu bezahlen. Für die Annahme einer Zwangssituation reiche ge-

26

rade nicht aus, dass die Geschädigte keine weitere Überschwemmung in ihrer 
Waschküche gewollt hätte, zumal diese nicht ausgeführt hätte, dass sie irgendwel-
che Schäden befürchte. Zudem sei es für die Geschädigte möglich gewesen, den 
Auftrag einer anderen Firma zu erteilen, zumal sie gewusst hätte, dass es sich 
beim Beschuldigten nicht um einen Mitarbeiter der Firma L.________AG gehandelt 
hätte. Es gäbe in der näheren Umgebung der Geschädigten über 15 weitere Rohr-
reinigungsfirmen, die zur Entstopfung des fraglichen Rohrs hätten angefragt wer-
den können. Die Geschädigte habe versucht, die Gemeinde oder die Versicherung 
zu motivieren, eine Rohrreinigungsfirma aufzubieten. Neben dem Beschuldigten sei 
von ihr einzig die Firma I.________AG angefragt worden. Die Verteidigung führt 
weiter aus, dass wenn die Notsituation eine solche gewesen wäre, wie in Art. 157 
StGB verlangt, so hätte die Geschädigte bereits am Freitagmorgen zu Geschäfts-
zeiten selbständig und ohne Zwischenschalten der Gemeinde oder einer Versiche-
rung eine Rohrreinigungsfirma aufgeboten. 

Die Verteidigung macht weiter geltend, dass die Leistung bzw. Rohrreinigung ohne 
Weiteres bei Kontaktieren einer der weiteren fünfzehn Rohrreinigungsfirmen in der 
Umgebung anders und vielleicht auch günstiger hätte erlangt werden können. Der 
Tatbestand des Wuchers sei mangels Vorliegens einer Schwächesituation nicht er-
füllt.

Weiter führt die Verteidigung in Bezug auf das Wuchergeschäft aus, dass es nicht 
möglich gewesen sei, die Kosten, welche die Behebung der Verstopfung auslösen 
würden, zu beziffern, zumal nicht klar gewesen sei, was alles gemacht werden 
müsse, um das Rohr zu entstopfen. Der genaue Rechnungsbetrag sei der Ge-
schädigten bei Unterzeichnung des Auftrags somit nicht bekannt gewesen. Auch 
die Beschuldigten hätten den Rechnungsbetrag bei Vertragsabschluss nicht ge-
kannt, womit sich diese eben gerade nicht einen Vermögensvorteil hätten ge-
währen lassen, der zur Leistung wirtschaftlich in einem offenbaren Missverhältnis 
gestanden hätte. 

Zum Vorliegen eines offenbaren Missverhältnisses bringt die Verteidigung vor, 
dass die angepasste Rechnung der L.________ ca. 32% unter derjenigen des Be-
schuldigten liege und ein Aufschlag von 35% noch nicht als wucherisch gelte. 

Entgegen den Darstellungen der Vorinstanz habe der Beschuldigte nie ausgesagt, 
dass die Geschädigte sich in einer Schwächesituation befunden habe. Zudem habe 
der Beschuldigte bei Vertragsabschluss nicht gewusst, wie hoch die Rechnung für 
die Entstopfung ausfallen würde, womit ihm kein Wissen um ein mögliches Miss-
verhältnis zwischen Leistung und Rechnung unterstellt werden dürfe. 

Abschliessend stellt die Verteidigung fest, dass weder der objektive noch der sub-
jektive Tatbestand des Wuchers erfüllt sei. 

Auch in rechtlicher Hinsicht stimmen die Argumente der Verteidigung des Beschul-
digten 2 im Wesentlichen mit denjenigen des Beschuldigten 1 überein. Erstere hielt 
zudem ergänzend fest (pag. 350 ff.):

In Bezug auf die Anscheinserweckung der Zusammenarbeit mit der Firma 
L.________AG führt die Verteidigung aus, dass auf dem von der Geschädigten un-
terzeichneten Formular klar und deutlich aufgeführt sei, dass die Firma 

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H.________AG vor Ort gewesen sei. Zudem sei das Fahrzeug der Beschuldigten 
nicht mit L.________AG bezeichnet gewesen. Es dürfe nicht einzig aufgrund der 
Ausführungen der Geschädigten und entgegen den Ausführungen der Beschuldig-
ten angenommen werden, die Geschädigte sei tatsächlich der Meinung gewesen, 
dass Mitarbeiter der Firma L.________AG bei ihr vor Ort gearbeitet hätten. 

Bezüglich der Kosten bringt die Verteidigung vor, dass der Beschuldigte 2 weder in 
die Aufklärung über die Kostenhöhe noch in die Rechnungsstellung involviert ge-
wesen sei. Die Verteidigung schliesst sich den Ausführungen der Vorinstanz an, 
wonach diese aufgrund der Aussagen der Geschädigten anlässlich der Hauptver-
handlung und der beiden Beschuldigten davon ausgehe, dass die Beschuldigten 
gesagt hätten, dass es teuer werden würde. Der Geschädigten sei zu diesem Zeit-
punkt deshalb klar gewesen, dass die Rohrentstopfung viel kosten würde. 

Zur Stellung des Beschuldigten 2 führt die Verteidigung aus, dass in der Regel zwei 
Monteure vor Ort gingen, nur einer davon die Verantwortung über den auszu-
führenden Auftrag trage und der andere Anweisungen des Verantwortlichen aus-
führe. Der Beschuldigte 1 sei der Verantwortliche gewesen und habe die Offerte 
mit der Geschädigten besprochen, gesagt was vor Ort getan werden müsse, die 
Rechnung ausgestellt und unterschrieben sowie die Zahlung einkassiert. Der Be-
schuldigte 2 habe lediglich die ihm zugeteilten Aufträge ausgeführt. Der Beschul-
digte 2 habe weder Einfluss auf die Offerte noch auf die Rechnung gehabt, weswe-
gen er zum Vornherein als Täter ausser Betracht falle. 

Es treffe zudem nicht zu, dass die Geschädigte ein vorgedrucktes Formular Auf-
tragsbestätigung/Rechnung unterzeichnet habe. Gemäss den Angaben der Ge-
schädigten sei die Rechnung erst nach Beendigung der Arbeiten ausgefüllt worden. 
Als sie unterschrieben hätte, sei erst das obere auf dem Blatt gestanden, die 
Rechnung sei noch nicht gemacht gewesen. Die Geschädigte habe lediglich den 
Auftrag bestätigt bzw. erteilt. Die Rechnung sei erst nach Ausführung der Arbeiten 
erstellt und bezahlt worden, weshalb der Vorgang zum vornherein nicht als Wucher 
abgehandelt werden könne. 

Abschliessend stellt die Verteidigung fest, dass weder der objektive noch der sub-
jektive Tatbestand des Wuchers erfüllt sei. 

14.3 Erwägungen der Kammer

In objektiver Hinsicht ist erstellt, dass die Geschädigte sich am 8. März 2019, als 
sie die Beschuldigten aufbot eine Rohrreinigung vorzunehmen, subjektiv in einer 
Zwangslage befand (Ziff. 13.3.1 hiervor). Nachdem sie vergeblich versucht hatte 
die Gemeinde zu veranlassen, eine Rohrreinigungsfirma aufzubieten, die Nachfra-
ge bei der Versicherung ins Leere führte und schliesslich die Firma I.________AG 
mitteilte, sie könne erst am darauffolgenden Montag vorbeikommen, stellte die 
Google-Suche nach einem Notfallsanitär für die Geschädigte die letzte Möglichkeit 
dar, um ihr Überschwemmungsproblem am Freitagabend zu lösen. Wie die Vor-
instanz korrekt feststellte, ist für die Begründung der Notlage unerheblich, wie die 
Wettersituation sich nachträglich präsentierte und einzig von Bedeutung, dass die 
Geschädigte aufgrund des zu diesem Zeitpunkt prognostizierten anhaltenden Re-
gens mit einer erneuten Überschwemmung der Waschküche rechnete. In Anbe-

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tracht der vorangehenden Ereignisse ist es indes nachvollziehbar, dass sich die 
Geschädigte zumindest in ihrer Vorstellung – und nur das ist vorliegend von Be-
deutung – in einer Zwangslage befand. Dies wird auch durch die von der Geschä-
digten gemachten Aussagen unterstrichen, wonach sie verzweifelt (pag. 40, Z. 160 
f.) und froh gewesen sei, dass jemand gekommen sei (pag. 138, Z. 10). Sie hätte 
es nicht sein lassen können (pag. 38, Z. 87). Es sei wirklich eine Notsituation ge-
wesen (pag. 139, Z. 2).

Das Beweisverfahren hat ferner ergeben, dass die Geschädigte nicht wusste, dass 
die Beschuldigten bzw. die Firma H.________AG nicht mit der Firma 
L.________AG zusammenarbeiten. Wie die Vorinstanz richtigerweise ausführte, ist 
die Geschädigte beim Eintreffen der Beschuldigten davon ausgegangen, an Rohr-
spezialisten gelangt zu sein, weshalb für sie ohnehin kein Anlass bestanden hätte, 
sich nach anderen Rohrreinigungsfirmen umzusehen. Ausserdem wurden ihr – wie 
die Verteidigungen der Beschuldigten mehrfach vorbrachten – die genauen Kosten 
erst am Ende der Arbeiten mitgeteilt. Sie hätte somit gerade nicht eine andere, 
günstigere Rohrreinigungsfirma in der Umgebung aufbieten können, zumal im Zeit-
punkt der Feststellung der überteuerten Rechnung, die Arbeitsleistung bereits er-
bracht worden war. Es wäre der Geschädigten mithin nicht möglich gewesen, die 
Leistung anderweitig günstiger zu erlangen. Die diesbezüglichen Argumente der 
Verteidigung vermögen eine Verneinung der Zwangslage somit keineswegs zu be-
gründen.

Die Leistung der Geschädigten hatte als Gegenleistung einen geldwerten Vermö-
gensvorteil für die Beschuldigten zur Folge. Wie bereits festgestellt wurde, fallen 
auch Dienstleistungen, wie die vorgenommene Rohrreinigung durch die Beschul-
digten, unter den vom Tatbestand verlangten Leistungsbegriff. Das Beweisverfah-
ren hat zudem gezeigt, dass keiner der Beschuldigten im Geschäft lediglich als Bo-
te oder Vermittler aufgetreten ist, sondern vielmehr beide Beschuldigten zu Guns-
ten und im Interesse ihres Chefs gemeinsam gehandelt haben. 

Der Tatbestand setzt ferner ein offenbares Missverhältnis zwischen Leistung und 
Gegenleistung voraus, welches im Zeitpunkt des Vertragsschlusses bestehen 
muss (vgl. Ziff. 16.2.1 hiervor). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist 
der Tatbestand des Wuchers spätestens dann vollendet, wenn der Täter sich die 
Gegenleistung gewähren bzw. versprechen lässt. Entgegen der Auffassung der 
Verteidigung wurde die Gegenleistung der Geschädigten bereits bei Unterzeich-
nung des ersten Teils des mit «Rechnung» betitelten Formulars versprochen, wes-
halb mit Blick auf den Abschluss des Vertrags auf ebengenannten Zeitpunkt abzu-
stellen ist. Die Geschädigte willigte mit ihrer Unterschrift zudem vorgängig ein, den 
Rechnungsbetrag vor Ort zu begleichen sowie die vorgedruckten Rechnungspositi-
onen als fest vereinbart anzuerkennen. Bezüglich des offenbaren Missverhältnis-
ses hat die Beweiswürdigung ergeben, dass die Differenz zwischen der bereinigten 
Offerte der L.________AG und der Rechnung der H.________AG CHF 1'459.35 
beträgt. Die Rechnung der H.________AG ist damit 91.56% teurer als diejenige 
der L.________AG bzw. Letztere um 47.8% günstiger als die Rechnung der 
H.________AG (vgl. Ziff. 13.3.4. hiervor). Es liegt damit zweifelsfrei ein offenbares 
Missverhältnis zwischen der Leistung und Gegenleistung vor. 

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Schliesslich muss der Täter in einem Wuchergeschäft das Opfer ausbeuten. Die 
Beschuldigten gaben beide zu Protokoll, vorgängig gewusst zu haben, dass die 
Waschküche der Geschädigten bereits mehrmals überschwemmt worden war. In 
Anbetracht dessen, dass die Geschädigte sie am Freitagabend ausserhalb der or-
dentlichen Bürozeiten aufbot, mussten sie davon ausgehen, dass es sich um eine 
dringende Angelegenheit handelte und die Geschädigte auf ihre Hilfe angewiesen 
war. Gemäss den Ausführungen des Beschuldigten helfe er ja den Menschen in 
Not (pag. 144, Z. 3). Die Ausführungen des Beschuldigten 2, wonach die Geschä-
digte mit den Preisen einverstanden gewesen sei, sind nicht von Belang, zumal für 
den Wuchertatbestand unerheblich ist, ob der Bewucherte in das wucherische Ge-
schäft eingewilligt hat. 

In subjektiver Hinsicht ist festzustellen, dass die Beschuldigten zumindest eventua-
lvorsätzlich gehandelt haben. So wussten die Beschuldigten aufgrund der Umstän-
de (Zeitpunkt der Auftragserteilung, vorgefundene Situation in der Waschküche, 
Wetterverhältnisse) um die Schwächesituation der Geschädigten, konnten sie die-
se doch zumindest in der Laiensphäre parallel werten. In Anbetracht ihrer Erfah-
rung war den Beschuldigten bewusst, dass die von ihnen gestellte Rechnung ge-
genüber der erbrachten Leistung inkl. des verwendeten Materials weit übersetzt ist. 
Dass es sich dabei um ein offenbares Missverhältnis zwischen Leistung und Ge-
genleistung handelte, muss von den Beschuldigten nicht als solches erkannt wor-
den sein. Dennoch ist davon auszugehen, dass sie zumindest für möglich gehalten 
haben, dass der verlangte Rechnungsbetrag für die verrichtete Arbeit in grober 
Weise gegen die Massstäbe des anständigen Verkehrs verstösst. 

Die Beweiswürdigung hat ergeben (Ziff. 13.3.5 hiervor), dass sich keiner der Be-
schuldigten bei der Ausführung der Rohrreinigung sowie der anschliessenden 
Rechnungsstellung in einer Verantwortungsfunktion befunden hat. Auch wenn die 
Beschuldigten nicht an sämtlichen Schritten in gleichem Umfang beteiligt waren 
(bspw. Unterzeichnung des als «Rechnung» betitelten Formulars einzig durch den 
Beschuldigten 1), so haben sie beide einen wesentlichen Teil zur Tatbestandserfül-
lung beigetragen. Das gesamte Tatvorgehen bis und mit der Rechnungsstellung 
war Teil des gemeinsamen Plans. Sowohl der Beschuldigte 1 als auch der Be-
schuldigte 2 haben sich objektiv sowie subjektiv als Mittäter an der Tat beteiligt. 

Die Beschuldigten haben demnach sowohl den objektiven als auch den subjektiven 
Tatbestand des Wuchers erfüllt. Es bestehen weder Rechtfertigungs- noch Schuld-
ausschlussgründe. Namentlich kann der Beschuldigte 1 aus der Einstellungsverfü-
gung der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 11. Januar 2018 nichts zu seinen 
Gunsten ableiten, zumal sich die beiden Vorfälle in sachverhaltlicher Hinsicht nicht 
vergleichen lassen. Beim Vorfall vom 4. September 2017 liess sich – im Gegensatz 
zum vorliegenden Sachverhalt – lediglich eine vergleichsweise geringe Differenz 
zwischen der «Ankündigung» der Kosten und dem effektiven Rechnungsbetrag 
feststellen. Aus der Begründung der Einstellungsverfügung vom 11. Januar 2018 
geht zudem hervor, dass der Wuchertatbestand eben gerade «noch» nicht erfüllt 
gewesen ist. Die Einstellungsverfügung – inkl. Begründung – datiert vom 11. Janu-
ar 2018, womit diese dem Beschuldigten 1 weitaus vor dem 8. März 2019 zuge-
gangen ist. Im Zeitpunkt des vorliegend zu beurteilenden Vorfalls war sich damit 

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zumindest der Beschuldigte 1 bewusst, dass sein bisheriges Verhalten den Tatbe-
stand des Wuchers erfüllen könnte bzw., dass die von ihm und seinem Arbeitskol-
legen verlangten Preise überhöht sind. 

Sowohl der Beschuldigte 1 als auch der Beschuldigte 2 sind zusammenfassend 
schuldig zu erklären des Wuchers, begangen am 8. März 2019 in 
E.________(Ortschaft). 

IV. Strafzumessung

15. Theoretische Grundlagen

Die allgemeinen Ausführungen der Vorinstanz zur Strafzumessung sind zutreffend. 
Darauf kann verwiesen werden (pag. 215 f., S. 25 f. der erstinstanzlichen Urteils-
begründung). 

16. Abstrakter und konkreter Strafrahmen

Der Strafrahmen des Wuchertatbestands gemäss Art. 157 Abs. 1 StGB beträgt 
Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe. Der abstrakte Strafrahmen ist 
nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung nur zu verlassen, wenn aussergewöhnli-
che Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im kon-
kreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint (BGE 136 IV 55, E. 5.8). Solche Um-
stände sind vorliegend nicht ersichtlich. Auch der konkrete Strafrahmen beträgt 
damit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe. 

17. Tatkomponenten

17.1 Objektives Tatverschulden

Das vorliegend durch die Beschuldigten verletzte Rechtsgut ist das Vermögen. Das 
Ausmass des Schadens ist im Vergleich zu anderen denkbaren Tatvarianten nicht 
ausserordentlich hoch. Bezüglich der Vorgehensweise sowie der Tatumstände 
lässt sich festhalten, dass die Beschuldigten die Notlage der Geschädigten ausge-
nutzt haben. Da es sich dabei um ein Merkmal des gesetzlichen Tatbestands han-
delt, darf dies im Rahmen der Strafzumessung aufgrund des Doppelverwertungs-
verbots nicht noch einmal berücksichtigt werden. Bezüglich der Verwerflichkeit des 
Handelns ist allerdings anzumerken, dass die Beschuldigten sich über die finanziel-
le Situation der Geschädigten nicht im Klaren waren. Sie konnten mithin nicht ab-
schätzen, was der Betrag von CHF 3'053.30 für die finanziellen Verhältnisse der 
Geschädigten bzw. ihrer Familie bedeutet. Hinzu kommt, dass sie der Geschädig-
ten mit ihrer Vorgehensweise, der vorgängigen Unterzeichnung und Anerkennung 
der fest vereinbarten Rechnungspositionen, kaum eine andere Wahl liessen, als 
sich auf die Begleichung der hohen Rechnung einzulassen. Die Beschuldigten sind 
dabei zielgerichtet vorgegangen und haben zumindest mittelbar durch die ihnen 
gemäss Arbeitsvertrag zusätzlich zum Grundlohn gewährten «umsatzabhängigen 
Zulagen» (pag. 156) von ihrem Handeln profitiert, was sich letztlich anhand der 
ausbezahlten Lohnsummen bestätigt (pag. 294 und 301). In Anbetracht der gesam-

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ten Umstände wiegt das Tatverschulden der Beschuldigten – in Relation zum Straf-
rahmen bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe – sehr leicht. 

17.2 Subjektives Tatverschulden

Für die Beschuldigten spricht, dass ihre Beweggründe und Ziele der Tat nicht aus-
schliesslich egoistischer Art waren und sie gemäss eigenen Aussagen auf Veran-
lassung ihres Chefs handelten. Weiter haben sie zumindest eventualvorsätzlich 
gehandelt. Die Intensität des verbrecherischen Willens ist als leicht zu qualifizieren.

17.3 Fazit Tatkomponenten

Das (Gesamt-)Tatverschulden der Beschuldigten wiegt – in Relation zum weiten 
Strafrahmen bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe – sehr leicht. Für das Tatverschulden 
erscheinen der Kammer je 25 Strafeinheiten als schuldangemessen. 

18. Täterkomponenten

18.1 Beschuldigter 1

Der Beschuldigte 1 ist vorbestraft, allerdings nicht einschlägig (pag. 305). Dennoch 
ist diese Vorstrafe leicht straferhöhend zu berücksichtigen. Bezüglich der persönli-
chen Verhältnisse geht aus den Akten nur sehr wenig hervor. Der Beschuldigte 1 
ist ledig und hat Kinder, für welche allerdings keine Unterstützungspflichten beste-
hen (pag. 114). Soweit ersichtlich ist er noch immer bei der H.________AG ange-
stellt. 

Der Beschuldigte 1 zeigte sich nicht einsichtig. Demgegenüber war er im Laufe des 
Strafverfahrens weitgehend kooperativ. Im Ergebnis ist sein Verhalten nach der Tat 
und im Strafverfahren neutral zu werten. Gleich verhält es sich mit seiner durch-
schnittlichen Strafempfindlichkeit.

18.2 Beschuldigter 2

Der Beschuldigte 2 ist nicht vorbestraft (pag. 306), was sich neutral auswirkt. Be-
züglich der persönlichen Verhältnisse geht aus den Akten ebenfalls nur sehr wenig 
hervor. Der Beschuldigte 2 ist in T.________ geboren, in Deutschland aufgewach-
sen und hat mittlerweile in der Schweiz die Aufenthaltsbewilligung B (pag. 298). Er 
ist ledig und hat keine Kinder. Mangels anderslautender Angaben ist davon auszu-
gehen, dass er noch immer bei der H.________AG angestellt ist. 

Der Beschuldigte 2 zeigte sich zwar nicht einsichtig, dennoch verhielt er sich im 
Laufe des Strafverfahrens kooperativ. Im Ergebnis ist sein Verhalten nach der Tat 
und im Strafverfahren neutral zu werten. Gleich verhält es sich mit seiner durch-
schnittlichen Strafempfindlichkeit.

18.3 Fazit Täterkomponenten

Betreffend den Beschuldigten 1 wäre eine leichte Erhöhung der 25 Strafeinheiten 
angezeigt. Weil vorliegend das Verschlechterungsverbot zu beachten ist, bleibt es 
hinsichtlich des Beschuldigten 1 bei 25 Strafeinheiten. Betreffend den Beschuldig-
ten 2 erachtet die Kammer 25 Strafeinheiten als angemessen. Auch unter Berück-
sichtigung der Täterkomponenten resultiert damit eine verschuldensangemessene 
Strafe von 25 Strafeinheiten je Beschuldigten. 

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19. Strafart 

Vorliegend resultiert eine Strafe von 25 Strafeinheiten. Aufgrund des Verschlechte-
rungsverbots sowie des Grundsatzes der Verhältnismässigkeit ist auf die Strafart 
der Geldstrafe zu erkennen.

20. Tagessatzhöhe

Ein Tagessatz beträgt in der Regel mindestens CHF 30.00 und höchstens CHF 
3'000.00. Das Gericht bestimmt die Höhe des Tagessatzes nach den persönlichen 
und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, namentlich 
nach dem Einkommen und Vermögen, dem Lebensaufwand, allfälliger Familien- 
und Unterstützungspflichten sowie nach dem Existenzminimum (Art. 34 Abs. 2 
StGB).

Die Vorinstanz ging von einem Nettoeinkommen der Beschuldigten in der Höhe 
von je CHF 4’500.00 aus, wobei sie auf die Angaben der Beschuldigten anlässlich 
der erstinstanzlichen Hauptverhandlung abstellte (pag. 220, S. 28 der erstinstanzli-
chen Urteilsbegründung). Die Vorinstanz bestimmte den massgebenden Tagessatz 
nach Abzug eines Pauschalbetrags von 25% auf CHF 110.00 (pag. 220, S. 28 der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 

Die eingeholte Auskunft bei der Steuerverwaltung (pag. 294) zeigt auf, dass sich 
die finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten 1 im Jahr 2019 deutlich besser ge-
stalteten als von ihm angegeben. Gemäss Auskunft über die abgerechnete Quel-
lensteuer des Steuerjahrs 2019 verdiente der Beschuldigte 1 zwischen Mai 2019 
und Dezember 2019 gesamthaft CHF 86'555.00 (Bruttoleistung), was einem mo-
natlichen Durchschnittseinkommen von CHF 10'819.40 (Bruttoleistung) entspricht. 
Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung behauptete der Beschuldigte 1 
allerdings, monatlich zwischen CHF 4'000.00 und CHF 5'000.00 zu verdienen (pag. 
144, Z. 30 f.), was offensichtlich nicht der Wahrheit entsprach. 

Das Erhebungsformular über die wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschuldigten 2 
(pag. 300) sowie die eingeholte Auskunft bei der Steuerverwaltung (pag. 301) zei-
gen auf, dass auch er bezüglich seiner finanziellen Verhältnisse unwahre Angaben 
gemacht hat. Gemäss Auskunft über die abgerechnete Quellensteuer des Steuer-
jahrs 2019 verdiente der Beschuldigte 2 zwischen Mai 2019 und Dezember 2019 
gesamthaft CHF 65'788.00 (Bruttoleistung), was einem monatlichen Durchs