# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b62f5bf7-e200-535f-b865-6cccd0373abb
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2019-08-23
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 23.08.2019 BG.2019.34
**Docket/Reference:** BG.2019.34
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_BG-2019-34_2019-08-23

## Full Text

Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO).;;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO).;;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO).;;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO).

Beschluss vom 23. August 2019 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 

Giorgio Bomio-Giovanascini, Vorsitz, 

Roy Garré und Cornelia Cova,  

Gerichtsschreiberin Inga Leonova  

   
Parteien   

KANTON ZÜRICH, Oberstaatsanwaltschaft des 

Kantons Zürich, 

Gesuchsteller 

 

 gegen 

   

KANTON THURGAU, Generalstaatsanwaltschaft 

des Kantons Thurgau, 

Gesuchsgegner 

 

 

Gegenstand  Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO) 

 
  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BG.2019.34 

 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat (nachfolgend «StA Zürich-Limmat») 

führt gegen A. ein Strafverfahren wegen Körperverletzung. A. wird vorgewor-

fen, am 15. Dezember 2018 B. anlässlich einer tätlichen Auseinanderset-

zung mit einem Taschenmesser Schnitt- bzw. Stichverletzungen am Gesäss, 

am Oberschenkel und an der linken Schulter zugefügt zu haben (Verfahren-

sakten ZH, pag. 1 ff.).  

 

 

B. Die Staatsanwaltschaft Kreuzlingen (nachfolgend «StA Kreuzlingen») führt 

gegen A. ebenfalls ein Strafverfahren wegen Körperverletzung. Ihm wird vor-

geworfen, am 12. Oktober 2018 C. eine Glasflasche gegen die linke Kopf-

seite geschlagen zu haben und ihm dadurch Schnittverletzungen an der lin-

ken Schläfe bzw. zwischen dem linken Auge und der linken Schläfe zugefügt 

zu haben (Verfahrensakten TG, 1 ff.).  

 

 

C. Am 18. April 2019 ersuchte die StA Zürich-Limmat die StA Kreuzlingen um 

Übernahme des bei ihr hängigen Verfahrens gegen A. Mit Schreiben vom 

2. Mai 2019 lehnte die StA Kreuzlingen die Anfrage ab und ersuchte ihrer-

seits die StA Zürich-Limmat um Übernahme des bei ihr hängigen Verfahrens 

mit der Begründung, die A. im Kanton Zürich vorgeworfene Tat könne als 

eventualvorsätzliche versuchte schwere Körperverletzung gewertet werden. 

Die Anfrage der StA Kreuzlingen lehnte die StA Zürich-Limmat am 23. Mai 

2019 ab und ersuchte erneut um Verfahrensübernahme mit dem Argument, 

dass der von der StA Kreuzlingen untersuchte Vorfall ebenfalls als eventual-

vorsätzliche versuchte schwere Körperverletzung qualifiziert werden könne 

und Verfolgungshandlungen im Kanton Thurgau zuerst aufgenommen wor-

den seien. Nachdem die StA Kreuzlingen im Schreiben vom 4. Juni 2019 der 

Argumentation der StA Zürich-Limmat nicht folgte, gelangte die Oberstaats-

anwaltschaft des Kantons Zürich (nachfolgend «OStA ZH») mit Übernahme-

ersuchen vom 7. Juni 2019 an die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons 

Thurgau (nachfolgend «GStA TG»), welches die GStA TG am 10. Juli 2019 

ablehnte (Verfahrensakten ZH, Mäppchen Gerichtsstand A.; Verfahrensak-

ten TG, pag.11 ff.).  

 

 

D. Am 22. Juli 2019 richtete die OStA ZH ein Gesuch um Bestimmung des Ge-

richtsstandes an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts. Darin 

wird beantragt, es seien die Behörden des Kantons Thurgau zur Verfolgung 

- 3 - 

 

 

und Beurteilung der A. zur Last gelegten Straftaten für berechtigt und ver-

pflichtet zu erklären (act. 1). In ihrer Eingabe vom 25. Juli 2019 beantragt die 

GStA TG die Abweisung des Gesuchs (act. 3).  

 

Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genommen.  

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Die Strafbehörden prüfen ihre Zuständigkeit von Amtes wegen und leiten ei-

nen Fall wenn nötig der zuständigen Stelle weiter (Art. 39 Abs. 1 StPO). Er-

scheinen mehrere Strafbehörden als örtlich zuständig, so informieren sich 

die beteiligten Staatsanwaltschaften unverzüglich über die wesentlichen Ele-

mente des Falles und bemühen sich um eine möglichst rasche Einigung 

(Art. 39 Abs. 2 StPO). Können sich die Strafverfolgungsbehörden verschie-

dener Kantone über den Gerichtsstand nicht einigen, so unterbreitet die 

Staatsanwaltschaft des Kantons, der zuerst mit der Sache befasst war, die 

Frage unverzüglich, in jedem Fall vor der Anklageerhebung, der Beschwer-

dekammer des Bundesstrafgerichts zum Entscheid (Art. 40 Abs. 2 StPO 

i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG). Hinsichtlich der Frist, innerhalb welcher die er-

suchende Behörde ihr Gesuch einzureichen hat, ist im Normalfall die Frist 

von zehn Tagen gemäss Art. 396 Abs. 1 StPO analog anzuwenden 

(TPF 2011 94 E. 2.2 S. 96). Die Behörden, welche berechtigt sind, ihren Kan-

ton im Meinungsaustausch und im Verfahren vor der Beschwerdekammer zu 

vertreten, bestimmen sich nach dem jeweiligen kantonalen Recht (Art. 14 

Abs. 4 StPO). 

 

1.2 Die Eintretensvoraussetzungen (durchgeführter Meinungsaustausch zwi-

schen den zuständigen Behörden der Kantone Thurgau und Zürich, Frist und 

Form, vgl. Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2014.7 vom 21. März 

2014 E. 1) sind vorliegend erfüllt. Auf das Gesuch ist somit einzutreten. 

 

 

2. Die Beurteilung der Gerichtsstandsfrage richtet sich nach der aktuellen Ver-

dachtslage. Massgeblich ist nicht, was dem Beschuldigten schlussendlich 

nachgewiesen werden kann, sondern der Tatbestand, der Gegenstand der 

Untersuchung bildet, es sei denn, dieser erweise sich von vornherein als 

haltlos oder sei sicher ausgeschlossen. Der Gerichtsstand bestimmt sich 

also nicht nach dem, was der Täter begangen hat, sondern nach dem, was 

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ihm vorgeworfen wird, das heisst, was aufgrund der Aktenlage überhaupt in 

Frage kommt (Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BG.2016.28 vom 25. Ok-

tober 2016 E. 2.2; BG.2016.6 vom 17. Mai 2016 E. 2.2). Dabei stützt sich die 

Beschwerdekammer auf Fakten, nicht auf Hypothesen (Beschlüsse des 

Bundesstrafgerichts BG.2015.47 vom 1. März 2016, E. 2.3; BG.2015.38 vom 

22. Oktober 2015 E. 2). Es gilt der Grundsatz in dubio pro duriore, wonach 

im Zweifelsfall auf den für den Beschuldigten ungünstigeren Sachverhalt ab-

zustellen bzw. das schwerere Delikt anzunehmen ist (Beschlüsse des Bun-

desstrafgerichts BG.2016.28 vom 25. Oktober 2016 E. 2.2; BG.2016.6 vom 

17. Mai 2016 E. 2.2; BG.2016.10 vom 10. Mai 2016 E. 2.3). 

 

 

3.  

3.1 Umstritten ist im Wesentlichen die rechtliche Qualifikation der beiden dem 

Beschuldigten vorgeworfenen Taten und damit, wo die mit der höheren 

Strafe bedrohte Handlung begangen worden ist. Der Gesuchsgegner wertet 

den Schlag mit der Flasche auf den Kopf als eine einfache Körperverletzung 

mit einem gefährlichen Gegenstand, die Zufügung der Stichwunden mit dem 

Messer hingegen als eine eventualvorsätzliche versuchte schwere Körper-

verletzung, evtl. eventualvorsätzliche versuchte Tötung (act. 3, S. 2 f.). Der 

Gesuchsteller erachtet den Schlag mit der Glasflasche auf den Kopf als eine 

eventualvorsätzliche versuchte schwere Körperverletzung (act. 1, S. 4 ff.). 

 

3.2  

3.2.1 Mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren wird bestraft, wer 

eine schwere Körperverletzung nach Art. 122 StGB begeht. Eine schwere 

Körperverletzung liegt vor, wenn eine vorsätzlich herbeigeführte Körperver-

letzung zu einem Verletzungserfolg in der Form der in Art. 122 StGB um-

schriebenen Alternativen führt, wobei sich der Vorsatz des Täters auf die 

Schwere der Verletzungsfolge beziehen muss. Als Alternativen nennt 

Art. 122 StGB die lebensgefährliche Verletzung, die vorsätzliche Verstüm-

melung des Körpers, eines wichtigen Organes oder Gliedes eines Men-

schen, das Unbrauchbarmachen eines wichtigen Organes oder Gliedes, das 

bleibende Arbeitsunfähig-, Gebrechlich- oder Geisteskrankmachen eines 

Menschen, die arge und bleibende Entstellung des Gesichts eines Men-

schen sowie die vorsätzliche Verursachung einer anderen schweren Schä-

digung des Körpers oder der körperlichen oder geistigen Gesundheit eines 

Menschen.  

3.2.2 Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe wird bestraft, wer vor-

sätzlich einen Menschen in anderer Weise an Körper oder Gesundheit schä-

digt. Der Tatbestand der einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 

Abs. 1 StGB schützt Körper, körperliche Integrität, körperliche und geistige 

- 5 - 

 

 

Gesundheit. Das Bewirken oder Verschlimmern eines krankhaften Zustan-

des oder das Verzögern seiner Heilung ist vom Tatbestand ebenfalls erfasst. 

Dieser wird etwa erfüllt durch Zufügen äusserer oder innerer Verletzungen 

und Schädigungen, wie unkomplizierte, verhältnismässig rasch und prob-

lemlos völlig ausheilende Knochenbrüche oder Hirnerschütterungen, durch 

Schläge, Stösse und dergleichen hervorgerufene Quetschungen, Schürfun-

gen, Kratzwunden, ausser wenn sie keine weitere Folge haben als eine vo-

rübergehende harmlose Störung des Wohlbefindens. Kommt die bloss vo-

rübergehende Störung einem krankhaften Zustand gleich (etwa durch Zufü-

gen von erheblichen Schmerzen, Herbeiführen eines Nervenschocks, Ver-

setzen in einen Rausch- oder Betäubungszustand), ist ebenfalls eine einfa-

che Körperverletzung gegeben (BGE 134 IV 189 E. 1.1; 119 IV 25 E. 2a 

S. 26; 103 IV 65 E. II.2.c).  

3.2.3 Eine qualifizierte einfache Körperverletzung i.S.v. Art. 123 Ziff. 2 StGB 

begeht, wer u.a. einen gefährlichen Gegenstand gebraucht. Die Strafdro-

hung ist die gleiche wie in Art. 123 Ziff. 1 StGB. Im Unterschied zu Art. 123 

Ziff. 1 StGB wird die qualifizierte Tat von Amtes wegen verfolgt. Ob ein Ge-

genstand gefährlich i.S.v. Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB ist, hängt von der kon-

kreten Art seiner Verwendung ab. Gegenstände werden dann als gefährlich 

angesehen, wenn sie so verwendet werden, dass die Gefahr einer schweren 

Gesundheitsschädigung im Sinne von Art. 122 StGB entsteht (BGE 111 IV 

123 E. 4; 101 IV 285; Urteile des Bundesgerichts 6B_181/2017 vom 30. Juni 

2017 E. 2.2; 6B_590/2014 vom 12. März 2015 E. 1.3). Das Bundesgericht 

qualifiziert die Verwendung von leichteren und schwereren Gläsern – und 

folglich auch von Glasflaschen –, als Wurf- oder Schlaginstrument gegen den 

Kopf bzw. das Gesicht einer Person als gefährlichen Gegenstand i.S.v. 

Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB (Urteil des Bundesgerichts 6B_181/2017 vom 

30. Juni 2017 E. 2.4). In BGE 101 IV 285 bejahte das Bundesgericht etwa 

die Frage, ob ein aus ca. vier Metern gegen den Kopf eines Menschen ge-

schleudertes Bierglas ein gefährliches Werkzeug darstellt. Eine einfache 

Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand wurde zudem beim 

Wurf eines rund 10 cm grossen Cocktailglases gegen den Kopf einer Person 

bejaht, wodurch diese am Kopf unter den Haaren eine oberflächliche Verlet-

zung erlitt. Zu berücksichtigen war dabei, dass das Glas im Gesicht des Op-

fers, in unmittelbarer Nähe der Augen, hätte zerbrechen können (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_590/2014 vom 12. März 2015 E. 1.3).  

3.3 Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen 

und Willen ausführt oder wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und 

in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB). Eventualvorsatz ist gegeben, wenn der 

Täter die Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, aber dennoch handelt, 

weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm 

- 6 - 

 

 

abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein. Dass er den Erfolg «billigt», ist 

nicht erforderlich (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3; 133 IV 9 E. 4.1 und 222 E. 5.3, je 

mit Hinweisen).  

 

Ob der Täter die Tatbestandsverwirklichung in diesem Sinne in Kauf genom-

men hat, muss das Gericht bei Fehlen eines Geständnisses des Beschuldig-

ten aufgrund der Umstände entscheiden. Dazu gehören die Grösse des dem 

Täter bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung, die Schwere der 

Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweggründe des Täters und die Art der Tat-

handlung. Je grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung 

ist und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto eher darf ge-

folgert werden, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf ge-

nommen (BGE 135 IV 12 E. 2.3.2; 134 IV 26 E. 3.2.2; 133 IV 9 E. 4.1; je mit 

Hinweisen). Das Gericht darf vom Wissen auf den Willen schliessen, wenn 

sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufdrängte, dass 

die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als In-

kaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3; 134 

IV 26 E. 3.2.2; je mit Hinweisen). Je grösser die Wahrscheinlichkeit der Tat-

bestandsverwirklichung ist und je schwerer die Rechtsgutsverletzung wiegt, 

desto näher liegt die Schlussfolgerung, der Täter habe die Tatbestandsver-

wirklichung in Kauf genommen (BGE 135 IV 12 E. 2.3.2; 133 IV 222 E. 5.3). 

Eventualvorsatz kann indessen auch vorliegen, wenn der Eintritt des tatbe-

standsmässigen Erfolgs nicht in diesem Sinne sehr wahrscheinlich, sondern 

bloss möglich war. Doch darf nicht allein aus dem Wissen des Täters um die 

Möglichkeit des Erfolgseintritts auf dessen Inkaufnahme geschlossen wer-

den. Vielmehr müssen weitere Umstände hinzukommen (BGE 133 IV 9 

E. 4.1 mit Hinweisen). Solche Umstände liegen namentlich vor, wenn der 

Täter das ihm bekannte Risiko nicht kalkulieren und dosieren kann und das 

Opfer keine Abwehrchancen hat (BGE 133 IV 1 E. 4.5; 131 IV 1 E. 2.2). 

 

4.  

4.1 In Bezug auf den Vorfall im Kanton Zürich ist den vorliegenden Akten Fol-

gendes zu entnehmen: Am 15. Dezember 2018 sei es zwischen dem Be-

schuldigten und B. auf dem Kasernenareal in Zürich zu einer tätlichen Aus-

einandersetzung gekommen, anlässlich welcher der Beschuldigte dem Letz-

teren diverse Stichwunden zugefügt haben soll. Die Aussagen der beiden 

Beteiligten widersprechen sich teilweise. Der Beschuldigte gab anlässlich 

der Einvernahmen vom 16. und 17. Dezember 2018 zu Protokoll, dass er 

sich mit B. wiedermal gestritten und er B. mit der Faust ins Gesicht geschla-

gen habe. Auch B. habe ihn ins Gesicht geschlagen und in der Folge ein 

Messer aus seiner Hosentasche genommen und ihn zwei Mal leicht in die 

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- 7 - 

 

 

Hand geschnitten. Er habe am Boden gelegen und habe ebenfalls sein Ta-

schenmesser aus der Hosentasche genommen und B. in den Oberschenkel 

und ins Gesäss gestochen. An Stiche in die Schulter könne er sich nicht er-

innern. Als er auf dem Boden gelegen habe, sei B. auf ihm gewesen und 

habe ihn gewürgt und mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Weiter gab der 

Beschuldigte an, dass sein Taschenmesser einen weissen bzw. silbrigen 

Griff gehabt habe (Verfahrensakten ZH, pag. 13 ff., 21 ff.). Die gemachten 

Aussagen bestätigte der Beschuldigte im Wesentlichen am 12. März 2019 

(Verfahrensakten ZH, pag. 13 ff., 27 ff.). B. gab anlässlich der Befragung 

vom 15. Dezember 2018 an, der Beschuldigte habe angefangen ihn zu 

schlagen und er habe sich verteidigt, woraufhin der Beschuldigte ein Messer 

gezogen habe. Der Griff des Schweizer Taschenmessers sei rot gewesen 

und habe eine Klinge von ca. 6 bis 8 cm aufgewiesen (Verfahrensakten ZH, 

pag. 41 ff.). Anlässlich der Befragung vom 12. März 2019 gab B. jedoch an, 

dass das Messer eine Klinge von 3 bis 4 cm gehabt habe. Er selber habe 

kein Messer gehabt und er habe den Beschuldigten nicht mit einem Messer 

verletzt (Verfahrensakten ZH, pag. 48 ff.). 

 

Gemäss dem Gutachten zur körperlichen Untersuchung vom 8. Februar 

2019 stellte das Forensische Institut Zürich bei B. Stichwunden an der Schul-

ter, am Gesäss und am Oberschenkel fest, wobei sämtliche Wunden maxi-

mal ca. 1,5 cm tief waren und lediglich Verletzungen des Hautmantels sowie 

des darunterliegenden Unterhautfettgewebes aufwiesen. Läsionen grösse-

rer Blutgefässe oder lebenswichtiger Organe wurden keine festgestellt. 

Schliesslich wird im Gutachten festgehalten, dass anhand der festgestellten 

Verletzungen sich keine Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Lebensgefahr 

ergeben hätten (Verfahrensakten ZH, pag. 122 ff.). Anlässlich der Durchsu-

chung der Wohnräume des Beschuldigten stellte die Kantonspolizei Zürich 

sieben Sackmesser sicher, wobei aus dem Durchsuchungs- und Sicherstel-

lungsprotokoll die Länge der Klingen nicht hervorgeht (Verfahrensakten ZH, 

pag. 87, 90 ff.).  

 

4.2 Gestützt auf die bisherigen Ermittlungsergebnisse steht fest, dass es am 

12. Oktober 2018 zwischen dem Beschuldigten und B. infolge eines Streits 

eine tätliche Auseinandersetzung gab, anlässlich welcher der Beschuldigte 

B. keine lebensgefährlichen Stichwunden zugefügt hat. Es ist von einem Ge-

rangel auszugehen, das zunächst mit Fäusten begann und mit dem Einsatz 

zumindest eines Messers endete. Mit welchem Messer diese Verletzungen 

zugefügt worden sind und welche Länge die Klinge des verwendeten Mes-

sers aufwies, stehen zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht abschliessend fest. 

In Anwendung des Grundsatzes in dubio pro duriore ist von einer Klinge mit 

einer maximalen Länge von 8 cm auszugehen. Ein Messer mit einer solche 

- 8 - 

 

 

Klinge ist ohne Weiteres geeignet, die Gefahr einer schweren Gesundheits-

schädigung i.S.v. Art. 122 StGB zu verursachen und ist deshalb als ein ge-

fährlicher Gegenstand i.S.v. Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB zu qualifizieren. Wie 

der Gesuchsgegner richtig ausführt, waren beide Beteiligten alkoholisiert 

und es ist wohl von einer dynamischen Auseinandersetzung auszugehen, 

anlässlich welcher der Beschuldigte B. unter Umständen auch unkontrollierte 

Verletzungen habe zufügen können, die allenfalls als eine schwere Körper-

verletzung i.S.v. Art. 122 StGB hätten qualifiziert werden können. Diese An-

nahmen stellen jedoch nur Hypothesen dar und finden in den vorliegenden 

Akten keine Stütze. Die hier zu beurteilenden Stichwunden weisen eine Tiefe 

von max. 1,5 cm auf und Läsionen grösserer Blutgefässe oder lebenswichti-

ger Organe, und damit auch Anzeichen einer Lebensgefährdung, konnten 

nicht festgestellt werden. Der Gefährlichkeit des bei der Tat verwendeten 

Messers wurde bereits im Rahmen dessen Qualifizierung als ein gefährlicher 

Gegenstand i.S.v. Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB ausreichend Rechnung getra-

gen. Hinzu kommt, dass den vorliegenden Ermittlungsergebnissen keine 

Hinweise zu entnehmen sind, die auf ein vorsätzliches oder eventualvorsätz-

liches Handeln in Bezug auf eine schwere Körperverletzung hindeuten. Ent-

gegen der Ansicht des Gesuchsgegners lassen sich den vorliegenden Akten 

auch keine Hinweise auf eine eventualvorsätzliche versuchte Tötung entneh-

men.   

 

4.3 Die A. vorgeworfene Handlung im Kanton Zürich ist in Anwendung des 

Grundsatzes in dubio pro duriore als eine einfache Körperverletzung mit ei-

nem gefährlichen Gegenstand i.S.v. Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB zu werten.  

 

 

5.  

5.1 Gegen den Beschuldigten wird wegen einer weiteren Körperverletzung er-

mittelt. Gemäss den Ermittlungen des Kantons Thurgau habe der Beschul-

digte im Rahmen einer Auseinandersetzung mit mehreren Personen C. am 

12. Oktober 2018 mit einer Glasflasche auf den Kopf geschlagen. Sämtliche 

Beteiligte seien anlässlich der Tatbestandsaufnahme sichtlich alkoholisiert 

gewesen. Unklar ist, ob es sich bei der Flasche um eine  

1-Liter Wodka-Flasche oder, wie vom Beschuldigten behauptet, um eine 

Bierflasche gehandelt haben soll. Jedenfalls war die Wucht so gross, dass 

die für den Schlag verwendete Flasche zerbrochen ist (Verfahrensakten TG, 

pag. 6 ff., 26 ff.). Die von den Behörden erstellten Fotos der Verletzungen 

von C. an der linken Kopfseite waren bei der Aufnahme bereits verheilt (Ver-

fahrensakten TG, pag. 30).  

 

- 9 - 

 

 

5.2 Der Tathergang wird von den Einvernommenen wie folgt beschrieben:  

 

Anlässlich der Einvernahme vom 2. Januar 2019 gab der Beschuldigte an, 

der Vorfall sei ein Unfall gewesen und dass er und C. immer noch Kollegen 

seien. Sie hätten zwar alkoholische Getränke konsumiert, er habe sich je-

doch normal, nicht betrunken gefühlt. Er habe nicht gesehen, gegen wen er 

die Flasche geschlagen habe. Er habe der Gruppe helfen wollen, mit welcher 

er zuvor unterwegs gewesen sei. Er sei dazu jedoch zu betrunken gewesen 

und habe einfach mit der Flasche gegen jemanden geschlagen, als er noch 

am Boden gelegen habe. Seinen Kollegen C. habe er nicht schlagen wollen. 

Als er auf dem Boden gelegen habe, habe er nicht aufstehen können und 

habe wohl Angst bekommen. D. habe ihn mit der Faust ins Gesicht geschla-

gen, als er auf dem Boden gelegen habe (Verfahrensakten TG, pag. 67 ff.).  

 

C. sagte hingegen am 30. November 2018 aus, dass der Beschuldigte mit 

einem weiteren Ausländer [ein Eritreer] zu ihm rübergekommen sei, als er 

sich zusammen mit E. in einer verbalen Auseinandersetzung mit ca. sechs 

Ausländern befunden habe. Der Kollege des Beschuldigten habe C. aufs 

«gröbste» angepöbelt und er habe ihn weggedrückt. Der Beschuldigte habe 

dann eine 1-Liter Wodka-Falsche genommen und sei mit dieser D. nachge-

rannt. C. habe dies verhindern wollen und sei dem Beschuldigten nachge-

rannt. Als er ihn aufgeholt habe und ihn zur Rede habe stellen wollen, habe 

er sich umgedreht, ihm kurz ins Gesicht geschaut und ihm mit der Flasche 

auf die linke Kopfseite geschlagen. Es habe weder eine Vorwarnung noch 

ein Gespräch gegeben. Der Beschuldigte habe ausgeholt und sofort zuge-

schlagen. C. sei total sprachlos gewesen und habe seine Wunde versorgen 

müssen, namentlich habe er die blutende Wunde ausspülen müssen. Bis zu 

diesem Zeitpunkt habe er mit dem Beschuldigten keinen Streit gehabt und 

er wisse nicht, was sich der Beschuldigte dabei gedacht habe. Sein Verhal-

ten könne er sich nicht erklären. C. gab weiter an, sich vom Schlag mit der 

Flasche eine grössere, offene Wunde an der linken Schläfe sowie eine Hirn-

erschütterung zugezogen zu haben, weswegen er mehrere Tage Kopf-

schmerzen gehabt habe. Zum Arzt sei er nicht gegangen (Verfahrensak-

ten TG, pag. 35 ff.).  

 

D. gab gegenüber der Polizei am 16. Juni 2019 zusammengefasst an, dass 

eine Gruppe junger Männer eine Auseinandersetzung gehabt habe. Ein Kol-

lege von ihm wohne in der Nachbarschaft und habe seine Ruhe haben wol-

len, weshalb er nach draussen gegangen sei, um zu sehen, was dort los sei. 

Plötzlich seien ein paar Asylsuchende hinzugekommen und es habe einen 

Streit mit diesen gegeben. Er habe E. aus dem Tumult nehmen können und 

habe zwei bis drei Schläge auf den Kopf bekommen. Er habe sich wehren 

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müssen, weshalb er einen Asylsuchenden geschlagen habe. Dann seien 

zwei «Weisse» gekommen und hätten den Asylsuchenden zwei Wodka-Fla-

schen gegeben. Eine Flasche habe der Beschuldigte und die andere sein 

Kollege in der Hand gehabt. Beide hätten auf ihn losgehen wollen und er sei 

davongerannt. Er habe dann gehört, dass sein guter Kollege C. dazwischen 

gegangen sei und vom Beschuldigten eine «rüber gezogen» bekommen 

habe. Der andere sei ihm nachgerannt und sei gestürzt. Dabei sei die Fla-

sche in die Brüche gegangen. Kurz darauf sei die Polizei gekommen. Weiter 

gab er an, dass der Beschuldigte eine liebe Person sei, im betrunkenen Zu-

stand jedoch aggressiv werde. Bei der Flasche habe es sich um eine 

0.75 «Troika» Wodka-Flasche gehandelt (Verfahrensakten TG, pag. 42 ff.).  

 

E. gab anlässlich der Einvernahme vom 15. Juni 2019 an, dass er und C. an 

diesem Abend mit unbekannten Albanern Probleme bekommen hätten und 

der Beschuldigte ihnen habe helfen wollen. Plötzlich sei der Beschuldigte 

gegen sie gewesen und habe von einer Person eine 0.75 Liter «Absolut» 

Wodka-Flasche in die Hand bekommen. Mit dieser habe der Beschuldigte 

auf den Kopf von C. geschlagen. Der Beschuldigte sei C. gegenübergestan-

den und habe nicht am Boden gelegen. Er selbst habe sich nicht verteidigen 

müssen und sei überhaupt nicht angegriffen oder bedroht worden. Die 

Stärke, mit welcher der Beschuldigte mit der Flasche zugeschlagen haben 

soll, schätzte er von einer Skala 1-10 auf 6 bis 7. Der Beschuldigte habe 

seitlich ausgeholt und mit Schwung gegen die Schläfe von C. geschlagen, 

sodass die Flasche in die Brüche gegangen sei. Den Zustand des Beschul-

digten beschrieb er als stark angetrunken (Verfahrensakten TG, pag. 48 ff.). 

 

5.3 Das Bundesstrafgericht hatte bereits einen vergleichbaren Gerichtsstands-

fall behandelt und kam im Beschluss BG.2015.11 vom 29. April 2015 unter 

Verweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zum Schluss, dass ein 

Schlag mit einer Glasflasche auf den Kopf eines Menschen stets die Gefahr 

berge, diesen schwer zu verletzen. In der Folge bejahte das Bundesstrafge-

richt bei einem Schlag mit einer Bierflasche in Augennähe die Inkaufnahme 

einer schweren Körperverletzung. Dasselbe gilt im vorliegenden Fall. Ge-

mäss der Fotodokumentation erlitt C. zahlreiche Schnittwunden zwischen 

dem linken Auge und der linken Schläfe, mithin in unmittelbarer Augennähe. 

Die Flasche ist beim Schlag auf seiner linken Kopfhälfte zerbrochen und es 

ist wohl dem Zufall zu verdanken, dass C. an seinem linke Auge keine 

schweren und nachhaltigen Schäden davontrug. Gestützt auf den Grundsatz 

in dubio pro duriore ist von einer 1-Liter Wodka-Flasche auszugehen. Eine 

solche ist im Vergleich zu einer üblicherweise kleineren Bierflasche robuster. 

Der Umstand, dass die konkret verwendete Glasflasche durch den Aufschlag 

auf dem Kopf zerbrochen ist, zeugt von erheblicher Krafteinwirkung auf den 

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Kopf des Geschädigten. Daraus ist auch auf die Inkaufnahme einer schwe-

ren Körperverletzung zu schliessen. Dies umso mehr, als der Schlag auf den 

Kopf laut der Aussage des mit dem Beschuldigten befreundeten Geschädig-

ten völlig unvermittelt und ohne Vorwarnung geschehen sei.  

 

5.4 Gemäss dem Grundsatz in dubio pro duriore erscheint vorliegend die Quali-

fikation der von A. am 12. Oktober 2018 im Kanton Thurgau begangenen Tat 

als versuchte schwere Körperverletzung, die nicht im Rahmen einer Abwehr 

verübt wurde, nicht als von vornherein haltlos.  

 

5.5 Die vom Beschuldigten mit der schwersten Strafe bedrohte Tat wurde mut-

masslich im Kanton Thurgau verübt. Somit ist der Kanton Thurgau gestützt 

auf Art. 34 Abs. 1 StPO auch für die Verfolgung und Beurteilung der im Kan-

ton Zürich A. zur Last gelegten Taten zuständig. Der Vollständigkeit halber 

sei angemerkt, dass selbst bei der Qualifizierung der A. im Kanton Zürich zur 

Last gelegten Tat als eine versuchte schwere Körperverletzung, der Ge-

suchsgegner für die Verfolgung und Beurteilung der Tat als zuständig bliebe. 

Unbestrittenermassen wurden im Kanton Thurgau zuerst Verfolgungshand-

lungen vorgenommen. Das Gesuch ist somit gutzuheissen. 

 

 

6. Nach dem Gesagten ist der Kanton Thurgau berechtigt und verpflichtet, die 

A. zur Last gelegten Straftaten zu verfolgen und zu beurteilen.  

 

 

7. Es sind keine Gerichtskosten zu erheben (vgl. Art. 423 Abs. 1 StPO). 

 

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Strafbehörden des Kantons Thurgau sind berechtigt und verpflichtet, die  

A. zur Last gelegten Straftaten zu verfolgen und zu beurteilen.  

 

2. Es wird keine Gerichtsgebühr erhoben.  

 

 

Bellinzona, 26. August 2019 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich 

- Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Thurgau 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.