# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c3bb20de-fc83-5940-81a8-0df67b677595
**Source:** Uri (UR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-06-16
**Language:** de
**Title:** Uri Obergericht sonstige 16.06.2023 2023_OG VP 23 5_Unentgeltiche Rechtspflege
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/UR_Gerichte/UR_OG_999_2023-OG-VP-23-5-Unen_2023-06-16.pdf

## Full Text

1 
 

 

 

 

 OBERGERICHT 

 Präsidium Verwaltungsrechtliche Abteilung  

__________________________ 

OG VP 23 5 

 

 

 

Entsc heid  vom 16.  Juni  2023  

 

__________________________ 

Besetzung 

 

 

Präsidentin Agnes H. Planzer Stüssi, Vorsitz 

Gerichtsschreiberin Claudia Schlüssel 

__________________________ 

Verfahrensbeteiligte 

 

 

A.____ 

vertreten durch RA lic. iur. Marco Unternährer,  

Sempacherstrasse 6, Postfach 2070, 6002 Luzern 

Gesuchsteller 

 

 

 

__________________________ 

Gegenstand 

 

Unentgeltliche Rechtspflege im Verfahren  

OG V 23 19 (Hilflosenentschädigung [IVG]) 

(Verfügung vom 10.05.2023) 

  
 

  

 

 

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Prozessgeschichte: 

A. 

Die IV-Stelle Uri lehnte mit Verfügung vom 10. Mai 2023 einen Anspruch auf Hilflosenentschädigung 

ab.  

B. 

Dagegen erhob A.____ am 24. Mai 2023 Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Obergericht des Kan-

tons Uri (Verwaltungsrechtliche Abteilung) und beantragte die Aufhebung der Verfügung der IV-Stelle 

Uri sowie die Zusprechung einer Hilflosenentschädigung mindestens leichten Grades.  

C. 

Mit in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde enthaltenem Gesuch beantragt A.____ die Gewährung der 

unentgeltlichen Rechtspflege und die Beigabe von RA lic. iur. Marco Unternährer, Luzern, als unent-

geltlichen Rechtsbeistand.  

D. 

Das eingereichte Gesuch wurde mit verfahrensleitender Verfügung vom 25. Mai 2023 in das Ge-

schäftsprotokoll des Obergerichtes des Kantons Uri (Präsidium Verwaltungsrechtliche Abteilung) auf-

genommen.  

 

Erwägungen: 

1.  

Nach Art. 29 Abs. 3 Bundesverfassung (BV, SR 101) V hat jede Person, die nicht über die erforderlichen 

Mittel verfügt, Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos 

erscheint. Soweit es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, hat sie ausserdem Anspruch auf unent-

geltlichen Rechtsbeistand. Art. 61 lit. f Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche-

rungsrechts (ATSG, SR 830.1) bestimmt, dass das Recht, sich verbeiständen zu lassen, gewährleistet 

sein muss. Der Beschwerde führenden Person wird ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt, wo 

die Verhältnisse es rechtfertigen. Gemäss Art. 36 Abs. 1 VRPV kann die Behörde – soweit die Umstände 

es erfordern – einem bedürftigen Beteiligten auf Antrag die unentgeltliche Rechtspflege bewilligen, 

sofern das Verfahren nicht aussichtslos oder mutwillig erscheint. Diese Bewilligung entbindet davon, 

die amtlichen Kosten zu tragen und einen Kostenvorschuss zu leisten. Gemäss Art. 36 Abs. 2 VRPV kann 

die Behörde einem Beteiligten auch einen für ihn unentgeltlichen, im Kanton praktizierenden Anwalt 

beigeben. Sowohl Art. 61 lit. f ATSG als auch Art. 36 VRPV gewährleisten keine über Art. 29 Abs. 3 BV 

 

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hinausgehenden Rechte (Entscheid Obergericht des Kantons Uri vom 01.04.2005, OG V 04 41, S. 2 mit 

Hinweisen; Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., Zürich 2020, Art. 61 Rz. 183 ff.). Es kann deshalb auf 

die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu Art. 29 Abs. 3 BV abgestellt werden.  

2.  

Eine Person ist bedürftig, wenn sie nicht in der Lage ist, für die Prozesskosten aufzukommen, ohne dass 

sie Mittel beanspruchen müsste, die zur Deckung des Grundbetrages für sie und ihre Familie notwen-

dig sind (BGE 128 I 225 E. 2.5.1). Die prozessuale Bedürftigkeit beurteilt sich nach der gesamten wirt-

schaftlichen Situation der Rechtsuchenden im Zeitpunkt der Entscheidung über das Gesuch um unent-

geltliche Rechtspflege. Dazu gehören einerseits sämtliche finanziellen Verpflichtungen, anderseits die 

Einkommens- und Vermögensverhältnisse (BGer 8C_542/2019 vom 04.12.2019 E. 8.1.2). Für die Be-

rechnung des verwaltungsprozessualen Notbedarfs ist vom betreibungsrechtlichen Existenzminimum 

bei Lohn- und Verdienstpfändung auszugehen. Als Grundlage dienen die Richtlinien der Konferenz der 

Betreibungs- und Konkursbeamten der Schweiz vom 1. Juli 2009 für die Berechnung des Existenzmini-

mums (Notbedarf) nach Art. 93 SchKG. Hinzuzurechnen ist der verwaltungsprozessuale Zuschlag im 

Umfang von 20 Prozent des monatlichen Grundbetrages (vergleiche Entscheid Obergerichtspräsidium 

des Kantons Uri vom 27.08.1996, OGP-Z-3/96, E. 3, publ. in Rechenschaftsbericht über die Rechtspflege 

des Kantons Uri in den Jahren 1994 und 1995, Nr. 3 S. 21).  

3.  

Der Gesuchsteller macht geltend, er sei aus finanziellen Gründen nicht in der Lage, für die Kosten des 

Beschwerdeverfahrens aufzukommen.  

3.1  Der Gesuchsteller bezahlt monatlich CHF 1'176.00 für die Wohnungsmiete und CHF 345.10 für die 

(obligatorische) Krankenpflegeversicherung. Weiter können ihm Sozialbeiträge (CHF 44.00), Hausrat- 

und Haftpflichtversicherung (CHF 19.50) sowie Mietkautionsversicherung (CHF 4.40) als Auslagen an-

gerechnet werden. An Einnahmen sind ihm die Invalidenrente (CHF 1'960.00), Ergänzungsleistungen 

(CHF 936.00) sowie Prämienverbilligung (CHF 350.20) anzurechnen.  

3.2  Die finanzielle Lage des Gesuchstellers präsentiert sich demnach wie folgt:  

  Verwaltungsprozessualer Notbedarf 

  1. monatlicher Grundbetrag 

   - für Alleinstehende CHF  1'200.00 

   - 20% verwaltungsprozessualer Zuschlag CHF 240.00 

   Total monatlicher Grundbetrag CHF  1’440.00

   

 

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  2. Zuschläge zum monatlichen Grundbedarf 

   - Wohnungsmiete (inkl. Nebenkosten) CHF  1'176.00 

   - Mieterkautionskonto CHF  4.40 

   - Krankenkasse CHF  345.10 

   - Hausrat- und Haftpflichtversicherung CHF  19.50 

   - Sozialbeiträge CHF  44.00 

   Total Zuschläge CHF 1'589.00 

 

   Total verwaltungsprozessualer Notbedarf CHF  3'029.00 

 

  Einkommen 

   - Renten (IV-Rente: 1'960 + EL: 936) CHF 2'896.00 

   - Prämienverbilligung CHF  350.20 

 

   Total Einkommen CHF 3'246.20 
 

3.3  Da das Einkommen des Gesuchstellers monatlich um CHF 217.20 über dem verwaltungsprozessu-

alen Notbedarf liegt, ist es ihm möglich, die Kosten des vorliegenden Beschwerdeverfahrens (Gerichts-

gebühr und Barauslagen total höchstens CHF 1'000.00) und die Anwaltskosten (praxisgemässe Ent-

schädigung für eine Verwaltungsgerichtsbeschwerde mittlerer Komplexität in tatsächlicher und recht-

licher Hinsicht: CHF 2'750.00) innert weniger als 24 Monate und auch die anfallenden Gerichts- und 

Anwaltskostenvorschüsse innert absehbarer Zeit zu tilgen (Entscheid Obergerichtspräsidium des Kan-

tons Uri vom 27.08.1996, OGP-Z-3/96, a.a.O.; vergleiche BGer 5P.180/2004 vom 04.06.2004 E. 2.2; ZR 

2010 Nr. 3 E. II/5).  

4.  

Da nach dem Gesagten die Bedürftigkeit nicht ausgewiesen ist, erübrigt sich eine Prüfung der weiteren 

Voraussetzungen der Nicht-Aussichtslosigkeit des Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahrens sowie 

der sachlichen Gebotenheit der Rechtsverbeiständung. Das Gesuch um Bewilligung der unentgeltli-

chen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung ist abzuweisen. Der Gesuchsteller hat im Verfahren OG 

V 23 19 gemäss separater Verfügung einen Gerichtskostenvorschuss von CHF 850.00 zu leisten, zahlbar 

in 5 Raten à CHF 170.00 (Art. 64 i.V.m. Art. 35 und Art. 36 Abs. 1 VRPV).  

  

 

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Das Abteilungspräsidium erkennt: 

1. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung im Ver-

waltungsgerichtsbeschwerdeverfahren OG V 23 19 betreffend Hilflosenentschädigung nach IVG 

(Verfügung IV-Stelle Uri vom 10.05.2023) wird abgewiesen.  

2. Der Gesuchsteller hat im Verfahren OG V 23 19 gemäss separater Verfügung einen Gerichtskos-

tenvorschuss von CHF 850.00 zu leisten, zahlbar in 5 Raten à CHF 170.00.  

3. Die Rechtsmittelbelehrung ergibt sich aus dem Anhang.  

4. Mitteilung an: 

 - Gesuchsteller 

 - IV-Stelle Uri (zur Kenntnisnahme) 

 

Altdorf, 16. Juni 2023 

 

 

OBERGERICHT DES KANTONS URI 

Präsidium Verwaltungsrechtliche Abteilung  

Die Präsidentin Die Gerichtsschreiberin 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid kann Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundes-

gericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, in der in Art. 42 Bundesgerichtsgesetz vorgeschriebenen 

Weise schriftlich einzureichen. Die Beschwerdelegitimation und die zulässigen Beschwerdegründe 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsgesetzes. 

 

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