# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 725aedd0-d187-5bd9-84ca-22ba81a22892
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-05-04
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 04.05.2022 IV 2019/219
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2019-219_2022-05-04.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/20

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2019/219

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 10.08.2022

Entscheiddatum: 04.05.2022

Entscheid Versicherungsgericht, 04.05.2022
Art. 28 IVG. Rentenanspruch. Beweiskraft des psychiatrischen 
Gerichtsgutachtens bejaht. Gestützt auf die darin enthaltene 
Arbeitsfähigkeitsschätzung besteht ein befristeter Anspruch auf eine halbe 
Rente mit anschliessendem unbefristetem Anspruch auf eine Viertelsrente 
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 4. Mai 
2022, IV 2019/219).

Entscheid vom 4. Mai 2022

Besetzung

Präsidentin Marie Löhrer, Versicherungsrichterinnen Christiane Gallati Schneider und 

Michaela Machleidt Lehmann; Gerichtsschreiber Philipp Geertsen

Geschäftsnr.

IV 2019/219

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Martin Boltshauser, c/o Procap Schweiz, 

Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten,

gegen

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/20

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.  

A.___ wurde vom 7. Dezember 2015 bis 21. Januar 2016 in der Tagesklinik am 

Psychiatrischen Zentrum B.___ wegen einer mittelgradigen depressiven Episode ohne 

somatisches Syndrom (ICD-10: F32.10) und eines Verdachts auf eine emotional 

instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline Typ (ICD-10: F60.31) behandelt 

(Austrittsbericht vom 20. Mai 2016, IV-act. 12-3 ff). Sie meldete sich am 10. August 

2016 zum Bezug von Leistungen bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1). 

Der behandelnde Dipl. Psych. C.___, Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, 

berichtete am 31. August 2016, die Versicherte leide an einer komplexen 

posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10: F43.1), DD: Verdacht auf emotional 

instabile Persönlichkeitsstörung: Borderline Typ (ICD-10: F60.31), und an einer 

rezidivierenden mittelgradigen depressiven Störung, gegenwärtig teilremittiert (ICD-10: 

F33.1). Die jahrelang durch die Adoptivmutter ausgeübte körperliche Gewalt führe zu 

akuten panischen Zuständen und psychosomatischen Reaktionen im Sinn eines 

posttraumatischen Wiedererlebens. Diese würden zum wiederholten Mal den Einstieg 

in die Arbeitswelt verhindern. Auslöser seien meist erlebte Zurückweisungen, vor allem 

von nahen weiblichen Personen im privaten Bereich oder von weiblichen Vorgesetzten 

im Arbeitsbereich. Kennzeichnend seien ausserdem wiederkehrende depressive 

Episoden als Folge langer erlebter Belastung (IV-act. 12).

A.a. 

Die RAD-Ärztin med. pract. D.___, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, 

vertrat in der Stellungnahme vom 19. September 2016 die Ansicht, medizinisch-

theoretisch sei bei der Versicherten ein Eingliederungspotential erkennbar bzw. es 

könne eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 50 % steigerbar auf ein volles Pensum 

A.b. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/20

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

angenommen werden. Bei der Stellensuche benötige die Versicherte Hilfe und 

Unterstützung. Für sie geeignet seien Tätigkeiten mit begrenzter Arbeitsverdichtung, 

festgelegtem Verantwortungsbereich, überschaubaren Abläufen und eindeutigen 

Kommunikationsregeln (IV-act. 16). Da die Versicherte am 3. Oktober 2016 angab, eine 

tagesklinische Behandlung in der Psychiatrischen Klinik E.___ aufgenommen zu haben 

(IV-act. 21), wies die IV-Stelle das Gesuch um berufliche Eingliederungsmassnahmen 

mit Mitteilung vom 3. Oktober 2016 ab (IV-act. 22).

Der seit 29. August 2016 behandelnde Dr. med. F.___, Facharzt für Psychiatrie und 

Psychotherapie, führte im Bericht vom 1. Dezember 2016 aus, bei der Versicherten 

bestehe seit Jahren eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1). Er 

empfahl zur Erreichung einer 60 bis 80%igen Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf 

als G.___ eine stufenweise Wiedereingliederung mit einem anfänglichen Pensum von 

50 % (IV-act. 26). Im Austrittsbericht vom 14. Dezember 2016 führte der in der 

Tagesklinik an der Psychiatrischen Klinik E.___ behandelnde Dr. med. H.___, Facharzt 

für Psychiatrie und Psychotherapie, bezüglich der vom 26. September bis 9. Dezember 

2016 erfolgten Behandlung der Versicherten aus, der Behandlungsverlauf sei 

gekennzeichnet gewesen durch eine ausgeprägte Diskrepanz zwischen den sehr 

hohen eigenen Ansprüchen und der bestehenden Realität im Sinn tatsächlich 

vorhandener Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit mit daraus resultierender massiver 

Überforderung, die sich in Form immer wieder erfolgender Absenzen gezeigt hätten. 

Weder eine therapeutische Beziehung im Einzelkontakt noch der Beginn der geplanten 

Gruppentherapien seien möglich gewesen. Dr. H.___ diagnostizierte eine kombinierte 

Persönlichkeitsstörung (mit ängstlich-abhängigen und impulsiven Zügen; ICD-10: 

F61.0) sowie eine mittelgradige depressive Episode ohne somatisches Syndrom 

(ICD-10: F32.10) und bescheinigte der Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit 

(IV-act. 33).

A.c. 

Dr. F.___ berichtete am 30. März 2017, die Versicherte hätte Mitte Februar 2017 

eine 50%ige Erwerbstätigkeit als Verkäuferin in einem Süsswarengeschäft 

aufgenommen. Nach gutem Beginn hätten eine zunehmende Instabilität mit Zunahme 

der Symptomatik der posttraumatischen Belastungsstörung und zwischenmenschliche 

Probleme zur Überforderung mit anschliessender Kündigung der Anstellung durch die 

Versicherte geführt. Er empfahl im Rahmen eines Arbeitsversuchs eine 

A.d. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/20

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

niederschwellige Belastungserprobung im gelernten Beruf als G.___ (beginnend mit 

20 bis 30 %; IV-act. 41). Gestützt auf die gemeinsame Zielvereinbarung vom 13. bzw. 

21. Juni 2017 (IV-act. 52) erteilte die IV-Stelle am 27. Juni 2017 eine Kostengutsprache 

für ein Aufbautraining vom 12. Juni bis 11. Dezember 2017 in einem Hotelbetrieb (IV-

act. 54, zum Taggeldanspruch während des Aufbautrainings siehe IV-act. 55). Im 

Zwischenbericht vom 2. August 2017 führten die mit der Integrationsmassnahme 

betrauten Personen aus, die Versicherte führe ihre Aufgaben mit Freude aus und 

schätze einen angenehmen Umgang. Sie verstehe sich mit der Mehrheit der Personen, 

die sie umgeben würden, unterhalte sich mit allen und pflege neue Kontakte. Eine 

Person habe sie an ihre persönlichen Grenzen gebracht. Die Versicherte habe die 

Situation und Auswirkungen zu Beginn reflektieren sowie eigene Interpretationen und 

Tatsachen unterscheiden können. Innerhalb von wenigen Tagen habe diese 

Wahrnehmung abgenommen. Es sei zu Schuldzuweisungen gekommen. Die 

Versicherte habe erkannt, dass sie diese Situation an ihre Grenzen bringe. Sie habe 

das so kommunizieren können und selber einen Lösungsvorschlag gebracht (IV-

act. 62). Am 30. Oktober 2017 hielt die Beraterin Berufliche Integration der IV-Stelle 

fest, während der letzten Wochen habe sich der Gesundheitszustand der Versicherten 

verschlechtert. Sie weise immer wieder Absenzen auf. Am 19. Oktober 2017 sei sie 

zum letzten Mal zur Arbeit erschienen. Seither sei sie krankgeschrieben, weshalb die 

Massnahme per 20. Oktober 2017 abgebrochen werde (IV-act. 74; zum Abbruch der 

beruflichen Massnahmen siehe auch die Mitteilung vom 30. Oktober 2017, IV-act. 75, 

sowie den Schlussbericht über die Integrationsmassnahme vom 3. November 2017, IV-

act. 79).

Dr. F.___ gab im Verlaufsbericht vom 2. November 2017 an, es hätte sich ein stark 

wechselhafter Verlauf des Gesundheitszustands der Versicherten gezeigt. Bis auf 

weiteres (d.h. Monate und Jahre) sei selbst eine niederprozentige Arbeitsfähigkeit im 

ersten Arbeitsmarkt nicht gegeben (IV-act. 76). Mit Mitteilung vom 5. Dezember 2017 

wies die IV-Stelle das Gesuch um weitere berufliche Massnahmen ab, da der 

Versicherten solche wegen ihres Gesundheitszustands nicht möglich seien (IV-act. 83).

A.e. 

In der Stellungnahme vom 2. März 2018 empfahl die RAD-Ärztin D.___ eine 

vertiefte medizinische Abklärung der Versicherten. Es sei nicht ganz klar, ob die vom 

behandelnden Psychiater bescheinigte Arbeitsunfähigkeit krankheitsbedingt erklärt 

A.f. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/20

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

werden könne oder ob auch motivationale Gründe eine gewisse Rolle spielen würden 

(IV-act. 88).

Der seit November 2016 behandelnde Dr. med. I.___, Facharzt für 

Allgemeinmedizin, bescheinigte der Versicherten sowohl bezogen auf die bisherige 

Tätigkeit als auch eine «einfachste Tätigkeit» eine Arbeitsfähigkeit von ca. 2 bis 

4 Stunden täglich. Sie sei überhaupt nicht belastbar. Zudem bestehe eine «allgemeine 

Intelligenzminderung» (IV-act. 93).

A.g. 

Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte am 9. Juli 2018 durch Prof. Dr. med. 

J.___, Facharzt u.a. für Psychiatrie und Psychotherapie, psychiatrisch begutachtet. Er 

stellte folgende «Psychiatrische Diagnosen mit / ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit»: 

eine paranoide Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.0); eine rezidivierende depressive 

Störung, gegenwärtig remittiert, im Verlauf bis mittelgradig (ICD-10: F33.4/F33.1); eine 

Panikstörung (ICD-10: F41.0) sowie Probleme durch negative Kindheitserlebnisse 

(ICD-10: Z61). Zur Arbeitsfähigkeit führte er aus, gesamthaft gesehen hätten die 

«handicapierenden» Fähigkeitsstörungen im beruflichen Kontext einen vorwiegend 

qualitativen Charakter. In allen Tätigkeiten, in denen zwischenmenschliche Kontakte 

gefordert seien, sei die Versicherte stark «gehandicapiert» (so sei z.B. der Pflegeberuf 

oder der Beruf der Kindererzieherin denkbar ungeeignet), während eine weitgehende 

Einsetzbarkeit in Tätigkeiten vorliege, die mit geringen oder sehr oberflächlichen 

zwischenmenschlichen Kontakten auskommen würden (z.B. Kurierfahrerin). Selbst im 

erlernten Beruf könne unter bestimmten Bedingungen eine Arbeitsfähigkeit gegeben 

sein, wenn die Versicherte ein wohlwollendes Arbeitsumfeld mit geringer hierarchischer 

Strukturierung und nur sporadischen / oberflächlichen Kundenkontakten antreffe. Das 

Störungsbild liege seit der Kindheit / Jugendzeit vor und sei unter der Akkumulation 

erschwerender Umweltfaktoren im beruflichen Kontext apparent mit dem Antritt der 

ersten Arbeitsstelle auf dem erlernten Beruf der G.___ im Oktober 2015. Seither 

bestünden die Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit. Er empfehle eine Intensivierung 

der Behandlung auf einer Abteilung einer psychiatrischen Einrichtung mit 

störungsspezifischem Behandlungskonzept für Persönlichkeitsstörungen mit hernach 

tagesklinischer und ambulanter Weiterführung der Behandlung. Aus medizinischer 

Sicht sei eine derartige Behandlung der Versicherten zumutbar, die im (teil-)stationären 

Setting ca. 3 Monate umfassen werde und eine insgesamt einjährig ambulante 

A.h. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/20

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Nachbehandlungszeit erfordere. Es sei zu erwarten, dass sich unter einer derartigen 

störungsspezifischen Behandlung die Auswirkungen der Störung zurückbilden würden. 

Es bestehe bei den insgesamt guten Voraussetzungen berechtigter Grund zur 

Annahme, dass eine 80%ige bis 100%ige Arbeitsfähigkeit hierunter innerhalb eines 

Jahres in zuletzt ausgeübter und in leidensangepasster Tätigkeit zu erzielen sein werde. 

In allen Tätigkeiten, in denen zwischenmenschliche Kontakte gefordert seien, bestehe 

eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Für Tätigkeiten, die mit geringen oder sehr 

oberflächlichen zwischenmenschlichen Kontakten verbunden seien, verfüge die 

Versicherte über eine 80%ige Arbeitsfähigkeit. Die Einschränkung des Rendements in 

adaptierten Tätigkeiten beruhe auf der verminderten Belastbarkeit und 

Durchhaltefähigkeit. Die zumutbare Arbeitsfähigkeit hänge im angestammten Beruf 

dabei sehr von den konkreten Arbeitsbedingungen ab. Umso selbstbestimmter die 

Versicherte arbeiten könne und je weniger zwischenmenschliche Kontakte «angetroffen 

werden», desto höher werde die Arbeitsfähigkeit (bis 80 % bezogen auf ein 

Vollpensum). Unter ungünstigen Bedingungen liege die Arbeitsfähigkeit bei 20 %. 

Motivationale «krankheitsferne» Auswirkungen könne er nicht erkennen (Gutachten 

vom 11. Juli 2018, IV-act. 99, insbesondere IV-act. 99-75, IV-act. 99-78 und IV-

act. 99-81 f.).

Die RAD-Ärztin D.___ führte zur gutachterlichen Beurteilung aus, dass sie die 

versicherungsmedizinischen Anforderungen erfülle. Sie empfahl, das Gutachten 

Dr. F.___ zuzustellen und ihn verschiedene Fragen beantworten zu lassen 

(Stellungnahme vom 20. Juli 2018, IV-act. 105). In der Antwort vom 7. August 2018 

führte dieser aus, dass er die diagnostische Einschätzung von Prof. J.___ nicht teile. Zu 

den gutachterlich vorgeschlagenen Therapien bemerkte er, dass diese nicht zielführend 

seien. Nur wenn die Alltagsfähigkeit eingeschränkt sei, sollte eine Intensivierung 

stattfinden. In der Regel benötige es langjährige Behandlungen, d.h. die Annahme, 

dass sich durch eine Intensivierung eine schnellere Besserung im Hinblick auf die 

Arbeitsfähigkeit ergebe, werde sich nicht erfüllen. Die von Prof. J.___ bezogen auf 

leidensangepasste Tätigkeiten bescheinigte 80%ige Arbeitsfähigkeit hielt er nicht für 

nachvollziehbar (IV-act. 101). Die IV-Stelle konfrontierte daraufhin Prof. J.___ mit der 

Einschätzung von Dr. F.___ (Schreiben vom 4. September 2018, IV-act. 102). Jener 

führte in der Stellungnahme vom 11. Oktober 2018 aus, aus dem «problematischen 

A.i. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/20

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Verhalten [der Versicherten] im Arbeitstraining kann logischerweise nicht darauf 

geschlossen werden, dass nur eine AF auf dem 2. AM vorliegt, dann wäre Simulation 

Tür und Tor geöffnet». Er gehe davon aus, dass das verbliebene positive Leistungsbild 

der Versicherten allenfalls einem Nischenarbeitsplatz im ersten Arbeitsmarkt 

entspreche. Prof. J.___ betonte, dass er über keine berufsberatende Ausbildung 

verfüge und damit keine Präjudizierung vornehmen wolle. Zum Bericht von Dr. F.___ 

müsse er «als Faktum» anmerken, dass die Arbeitsfähigkeit unter dessen Therapie 

kontinuierlich abgenommen habe. Er könne verstehen, dass der Kollege an seinen 

Diagnosen festhalten und «gerne die Versicherte noch lange Zeit weiterbehandeln 

möchte». Jedoch sei es die originäre gutachterliche Aufgabe, die Diagnosen und die 

Behandlung kritisch zu hinterfragen. Prof. J.___ sah keinen Grund, seine Beurteilung 

«zu Lasten einer eminenzbasierten Meinung» zu ändern (IV-act. 103). Das 

Antwortschreiben von Prof. J.___ bezeichnete die RAD-Ärztin D.___ aus 

versicherungsmedizinischer Sicht als «unbefriedigend». Eine Intensivierung der 

Behandlung könne nachvollzogen werden, aber eine stationäre Massnahme bei der 

Diagnose einer Persönlichkeitsstörung «grundsätzlich eher» nicht, ausser die 

Versicherte sei zum Beispiel depressiv dekompensiert (Stellungnahme vom 

8. November 2018, IV-act. 105).

Aus berufsspezifischer Sicht gelangte die IV-Stelle zur Auffassung, dass das 

gutachterlich beschriebene Anforderungsprofil objektiv betrachtet in einer geeigneten 

Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt realisierbar sei.  Es spreche nichts dagegen, 

dass die Versicherte zum Beispiel als Kurierfahrerin im attestierten Umfang von 80 % 

tätig sein könne. Hier gebe es in der Regel männliche Vorgesetzte und der 

zwischenmenschliche Kontakt sei oberflächlich. In der Stellensuche sei die Versicherte 

aus der Sicht der Eingliederungsberatung eingeschränkt (Besprechungsprotokoll vom 

12. März 2019, IV-act. 107; zur Einschränkung in der Stellensuche bzw. zum 

Schreibfehler im Protokoll vom 12. März 2019 siehe IV-act. 108-1 unten).

A.j. 

Auf der Grundlage einer 80%igen Restarbeitsfähigkeit für leidensangepasste 

Tätigkeiten ermittelte die IV-Stelle einen 16%igen Invaliditätsgrad und stellte der 

Versicherten mit Vorbescheid vom 12. März 2019 die Abweisung des Rentengesuchs in 

Aussicht (Vorbescheid vom 12. März 2019, IV-act. 111). Dagegen erhob die Versicherte 

am 12. April 2019 Einwand, bemängelte die gutachterliche Beurteilung u.a. hinsichtlich 

A.k. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/20

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

B.  

der diagnostischen Schlussfolgerungen und wies darauf hin, dass sie seit Anfang 

dieser Woche im Rahmen von 50 % beim K.___ arbeite (IV-act. 116). Die RAD-Ärztin 

D.___ äusserte sich am 24. Juni 2019 zum Einwand. Es sei eine akademische Frage, 

um welche diagnostische Klassifikation es sich handle. Prof. J.___ und Dr. F.___ hätten 

ähnliche Symptome beschrieben, diesen aber unterschiedliche Diagnosen zugeordnet. 

Aus der Sicht des RAD sei die gutachterliche Beurteilung nachvollziehbar und es könne 

weiterhin darauf abgestellt werden. Weitere medizinische Abklärungen würden sich 

erübrigen (IV-act. 118). Am 28. Juni 2019 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des 

Rentengesuchs (IV-act. 119).

Gegen die Verfügung vom 28. Juni 2019 richtet sich die vorliegende Beschwerde 

vom 30. August 2019. Die Beschwerdeführerin beantragt darin deren Aufhebung und 

die Rückweisung der Sache zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin; 

alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur Begründung bringt sie im 

Wesentlichen vor, dass die gutachterliche Beurteilung mangelhaft sei. Zudem sei der 

Gutachter wirtschaftlich von der Beschwerdegegnerin abhängig. Die 

Beschwerdeführerin bestreitet, im ersten Arbeitsmarkt noch über eine Arbeitsfähigkeit 

zu verfügen. Zudem nenne der Gutachter als Voraussetzung für die von ihm 

bescheinigte Arbeitsfähigkeit die erfolgreiche Durchführung der von ihm empfohlenen 

Therapie. Somit stehe fest, dass ihre Arbeitsfähigkeit noch gar nicht abschliessend 

geklärt sei (act. G 1).

B.a. 

Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 24. Oktober 

2019 die Abweisung der Beschwerde. Sie hält die gutachterliche Beurteilung des 

Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit für beweiskräftig. Die in der Abteilung 

Berufliche Integration tätige Spezialistin habe die Verwertbarkeit der 

Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin schlüssig bejaht (act. G 3).

B.b. 

Am 30. Oktober 2019 bewilligt die Präsidentin das Gesuch der 

Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den 

Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das 

Verfahren vor Versicherungsgericht (act. G 4).

B.c. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/20

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

In der Replik vom 20. November 2019 hält die Beschwerdeführerin unverändert an 

der Beschwerde fest (act. G 6).

B.d. 

Die Beschwerdegegnerin verzichtet stillschweigend auf eine Duplik (act. G 8).B.e. 

Nach der Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Parteien (siehe Schreiben des 

Versicherungsgerichts vom 7. Juli 2021; act. G 10) beauftragt das Versicherungsgericht 

am 28. Juli 2021 Dr. med. L.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, asim 

Begutachtung, mit der Erstattung eines psychiatrischen Gerichtsgutachtens (act. G 15).

B.f. 

Am 17. Januar 2022 erstattet Dr. L.___ das psychiatrische Gerichtsgutachten. Er 

diagnostiziert als Krankheiten, die einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten, eine 

kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61.0), eine rezidivierende depressive 

Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F33.4), und eine Essstörung. Sowohl für die 

angestammte Tätigkeit als G.___ als auch eine andere optimal leidensangepasste 

Tätigkeit bescheinigt Dr. L.___ der Beschwerdeführerin in einem optimal angepassten 

Arbeitsumfeld (mit wohlwollender Führung und weitgehender Vermeidung von 

interpersonellen Konflikten sowie Möglichkeit der Berücksichtigung phasenweiser 

Einschränkung der Durchhaltefähigkeit aufgrund der rezidivierend depressiven Störung) 

eine 60%ige Arbeitsfähigkeit. Dabei lässt er die Frage offen, ob dieses Profil nur im 

geschützten Arbeitsmarkt erreicht werden könne. Die Beeinträchtigung der 

Arbeitsfähigkeit bestehe spätestens seit dem Beginn der tagesklinischen Behandlung 

vom 7. Dezember 2015. Während der tagesklinischen Behandlungen vom 7. Dezember 

2015 bis 21. Januar 2016 und vom 26. September bis 9. Dezember 2016 habe eine 

vollständige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen. Bis Ende 2018 habe aufgrund der 

zusätzlichen Beeinträchtigungen durch das depressive Leiden eine 50%ige 

Arbeitsfähigkeit bestanden. Seit Januar 2019 sei von einer 60%igen Arbeitsfähigkeit 

auszugehen (act. G 23, insbesondere S. 19 und S. 25 ff.).

B.g. 

Am 26. Januar 2022 äussert sich die Beschwerdegegnerin zum 

Gerichtsgutachten. Ohne fremdanamnestische Angaben lägen nur die subjektiven 

Aussagen der Beschwerdeführerin vor. Das Einholen von fremdanamnestischen 

Angaben sei verweigert worden. Eine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit 

durch den Gerichtsgutachter sei somit nicht möglich, was den Beweiswert seiner 

B.h. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/20

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Beurteilung schmälere. Des Weiteren führe der Gerichtsgutachter aus, dass er die 

motivationale Komponente nicht vom Krankheitswert trennen könne. Aus der Sicht der 

Beschwerdegegnerin könne daher zur Bestimmung der Arbeitsfähigkeit nicht auf die 

Erfahrungen abgestellt werden, die sich aus der Integrationsmassnahme beim K.___ 

ergeben hätten. Der Gerichtsgutachter könne die Arbeitsfähigkeit somit nicht «final» 

quantifizieren und die Persönlichkeitsstörung nicht näher spezifizieren. Auf dem ersten 

Arbeitsmarkt würden Nischenarbeitsplätze existieren, die den qualitativen 

Anforderungen für eine leidensangepasste Tätigkeit entsprechen würden (act. G 25).

Mit der Stellungnahme vom 10. März 2022 lässt die Beschwerdeführerin einen 

Bericht des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes der Luzerner Psychiatrie vom 

28. November 2006 über die vom 9. Dezember 2004 bis 25. Januar 2006 dauernde 

Abklärung und Behandlung einreichen (act. G 29.1). Damit würden sich ihre 

Schilderungen plausibilisieren und objektivieren lassen. Entgegen der Sichtweise der 

Beschwerdegegnerin habe der Gerichtsgutachter sehr wohl fremdanamnestische 

Angaben einbezogen. Bezüglich einer möglichen Kontaktaufnahme des 

Gerichtsgutachters mit ihrem Partner liege offenbar ein Missverständnis vor. Sie habe 

das Gutachtensinstitut telefonisch orientiert, dass ihr Partner bereit wäre, Auskunft zu 

erteilen, und sie einen entsprechenden Telefontermin benötige. Danach habe sie nichts 

mehr vom Gutachtensinstitut gehört. Die Beschwerdeführerin beantragt, dass der 

Gerichtsgutachter zusätzliche fremdanamnestische Angaben bei ihrem Partner einhole. 

Ausserdem macht sie geltend, dass die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit auf dem 

ersten Arbeitsmarkt nicht realistisch sei (act. G 29).

B.i. 

Die Beschwerdegegnerin beantragt in ihrer weiteren Eingabe vom 18. März 2022, 

dass der Gerichtsgutachter weitere fremdanamnestische Informationen einhole und 

zum von der Beschwerdeführerin eingereichten Bericht vom 28. November 2006 

Stellung nehme (act. G 31).

B.j. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/20

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Erwägungen

1.

Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch 

der Beschwerdeführerin.

Am 1. Januar 2022 trat das revidierte Bundesgesetz über die Invalidenversicherung 

(IVG; SR 831.20) in Kraft. Die vorliegend angefochtene Verfügung erging vor dem 

1. Januar 2022. Nach den allgemeinen Grundsätzen des intertemporalen Rechts und 

des zeitlich massgebenden Sachverhalts (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1) sind 

daher die Bestimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung über die 

Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) sowie des Bundesgesetz über den 

Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in der bis 

31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung anwendbar (Urteil des Bundesgerichts 

vom 23. Februar 2022, 8C_455/2021, E. 2).

1.1. 

Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre 

Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch 

zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern 

können (lit. a); während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 

mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu 

mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 ATSG die 

voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise 

Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der 

körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer 

Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der 

Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt 

(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind 

ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. 

Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht 

überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Eine rentenbegründende Invalidität im Sinn von 

Art. 8 Abs. 1 ATSG liegt bereits dann vor, wenn die Erfordernisse von Art. 28 Abs. 1 

lit. b und lit. c IVG erfüllt sind. Ein dauerhafter Abschluss der medizinischen 

Behandlung bzw. der medizinischen Eingliederung ist für die Entstehung des 

Rentenanspruchs nicht vorausgesetzt (Entscheide des Versicherungsgerichts vom 

23. September 2019, IV 2016/328, E. 2.2, und vom 5. November 2020, IV 2018/360, 

E. 4.2).

1.2. 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=01.01.2022&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=weiv+ivg&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-V-210%3Ade&number_of_ranks=0#page210

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/20

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn 

die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn 

sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % 

besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von 

mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.

1.3. 

Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 

ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Dieser legt fest, dass für die Bestimmung des 

Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der 

Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 

Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen) in Beziehung gesetzt wird zum 

Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 

(Valideneinkommen).

1.4. 

Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im 

Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die medizinische und 

gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der 

medizinischen Sachverständigen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und 

dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die 

versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die 

Auskünfte medizinischer Sachverständiger eine wichtige Grundlage für die Beurteilung 

der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden 

können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und 

Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien 

Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das 

Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche 

Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des 

Beweiswertes eines medizinischen Berichts ist entscheidend, ob der Bericht für die 

streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten 

Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden 

ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der 

medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen 

Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Bezüglich 

Gerichtsgutachten gilt es nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts allerdings zu 

beachten, dass das Gericht «nicht ohne zwingende Gründe» von den Einschätzungen 

der medizinischen Sachverständigen abweichen dürfe. Auch der Europäische 

Gerichtshof für Menschenrechte hat diesbezüglich erwogen, der Meinung der von 

1.5. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/20

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

2.

Zunächst ist zu prüfen, ob der Sachverhalt mit dem Gerichtsgutachten von Dr. L.___ 

vom 17. Januar 2022 nunmehr spruchreif abgeklärt ist (zu den Mängeln des 

Administrativgutachtens von Prof. J.___ siehe act. G 10).

einem Gericht ernannten Sachverständigen komme bei der Beweiswürdigung 

vermutungsweise hohes Gewicht zu (BGE 135 V 469 f. E. 4.4 mit Hinweisen).

Die Beschwerdegegnerin bemängelt am Gerichtsgutachten, dass nur die 

subjektiven Aussagen der Beschwerdeführerin berücksichtigt worden seien und keine 

fremdanamnestischen Angaben vorgelegen hätten (act. G 25).

2.1. 

Vorab gilt es zu beachten, dass im Rahmen einer psychiatrischen Begutachtung 

die klinische Untersuchung in Kenntnis der Anamnese entscheidend ist. Eine 

Fremdanamnese und (schriftliche oder mündliche) Auskünfte der behandelnden 

medizinischen Fachpersonen sind häufig wünschenswert, aber nicht zwingend 

erforderlich. Anfragen bei behandelnden medizinischen Fachpersonen sind u.a. 

wertvoll, wenn sie erweiterte Auskünfte über Persönlichkeit und Compliance der zu 

explorierenden versicherten Person erwarten lassen. Die Notwendigkeit der Einholung 

solcher Fremdanamnesen ist in erster Linie eine Frage des medizinischen Ermessens. 

Auch aus den Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten der 

Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie vom 16. Juni 2016 

ergibt sich in dieser Hinsicht nichts anderes (siehe zum Ganzen Urteil des 

Bundesgerichts vom 14. Oktober 2019, 8C_318/2019, E. 4.2.2.1 mit Hinweisen).

2.1.1. 

Die Kritik der Beschwerdegegnerin erweist sich schon deshalb als unzutreffend, 

als der Gerichtsgutachter bei seiner Beurteilung verschiedene Drittangaben (u.a. 

Berichte über die Integrationsmassnahmen und Arbeitsprogramme, siehe etwa act. 

G 23, S. 20, S. 28 unten und S. 29) berücksichtigte (insbesondere auch bei der 

Konsistenzprüfung, act. G 23, S. 24, und bei der Motivation, S. 30 Mitte) und teilweise 

selbst einholte (zu den von ihm eingeholten, detailliert wiedergegebenen telefonischen 

Auskünften von [ehemals] behandelnden Psychiatern siehe act. G 23, S. 18).

2.1.2. 

Von Bedeutung ist ausserdem, dass der Gerichtsgutachter sorgfältig und 

einlässlich begründete, weshalb eine weitergehende Fremdanamnese vorliegend 

verzichtbar war (act. G 23, S. 22 und S. 23 Mitte). Der von ihm vertretene Standpunkt, 

mit der eigenen Untersuchung sowie den Akten, den fremdanamnestischen Angaben 

früherer Behandler und den Erfahrungen aus der Integrationsmassnahme und der 

2.1.3. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/20

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Beschäftigung im K.___ könne dennoch gemäss gutachterlicher Bewertung mit sehr 

hoher Sicherheit gefolgert werden, dass die Diagnosekriterien für die spezifische 

Persönlichkeitsstörung erfüllt seien (act. G 23, S. 22 oben), leuchtet deshalb ein. 

Zudem berücksichtigte er auch die objektiven Befunde, die Folge von 

Selbstverletzungen seien und für eine emotionale Instabilität sprechen würden (act. 

G 23, S. 23 oben). Die Beschwerdegegnerin zeigt denn auch nicht konkret auf, 

inwiefern die gerichtsgutachterlichen Schlussfolgerungen und 

Arbeitsfähigkeitsschätzung auf einer diesbezüglich unzureichenden Grundlage beruhen 

sollen.

Gegen die Notwendigkeit weiterer fremdanamnestischer Angaben spricht 

schliesslich auch, dass die vom Gerichtsgutachter berücksichtigten 

eigenanamnestischen Hinweise auf frühere Verhaltensauffälligkeiten (act. G 23, S. 22), 

die er im Rahmen der Begutachtung nicht (restlos) zu klären vermocht habe (act. G 23, 

S. 24 Mitte), ihre Bestätigung im nachträglich eingereichten, die schweren 

Verhaltensprobleme der Beschwerdeführerin beurteilenden Bericht des Kinder- und 

Jugendpsychiatrischen Dienstes, Luzerner Psychiatrie, vom 28. November 2006 finden, 

worin eine Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und 

Sozialverhalten (ICD-10: F43.25) diagnostiziert worden war (act. G 29.1).

2.1.4. 

Entgegen der Sichtweise der Beschwerdegegnerin (act. G 25) kann keine Rede 

davon sein, dass der objektive Befund während der Exploration durch den 

Gerichtsgutachter überwiegend unauffällig gewesen sei. So erhob er Störungen im 

Beziehungsverhalten, im Gefühlsleben und im Schlafverhalten (act. G 23, S. 16). Er 

berücksichtigte zudem Auffälligkeiten auf der Persönlichkeitsachse (act. G 23, S. 17 

Mitte). Auffälligkeiten im Interaktionsverhalten konnten auch während der 

Begutachtung beobachtet werden (act. G 23, S. 21). Die Folgen von 

Selbstverletzungshandlungen wurden bereits erwähnt (siehe vorstehende E. 2.1.3 

sowie act. G 23, S. 13 unten und S. 16 oben).

2.2. 

Des Weiteren bringt die Beschwerdegegnerin vor, der Gerichtsgutachter habe die 

motivationale Komponente nicht vom Krankheitswert trennen können (act. G 25). 

Dieser Betrachtungsweise kann nicht gefolgt werden. Der Gerichtsgutachter legte im 

Rahmen einer sämtliche Anforderungen an beweiskräftige Gutachten erfüllenden 

Gerichtsexpertise (siehe nachstehende E. 2.5) überzeugend dar, welche 

krankheitsbedingten Störungen bestehen (siehe etwa die einlässliche Darstellung der 

Funktionsstörungen in act. G 23, S. 25 ff.). Daran ändert nichts, dass er im Rahmen der 

ausführlichen Beurteilung der Konsistenz u.a. anmerkte, es bleibe unklar, welche 

Motivation bei der Beschwerdeführerin vorliege, fremdanamnestische Angaben im 

2.3. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/20

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

privaten Bereich zu verunmöglichen (act. G 23, S. 24; siehe auch zur nicht 

abschliessenden Klärung der Mitbeteiligung motivationaler Gründe act. G 23, S. 29 

oben). Das Kenntlichmachen der Unsicherheit bei der Einschätzung dieses Aspekts 

spricht vielmehr für die Sorgfältigkeit des Gerichtsgutachtens. Hinzu kommt, dass der 

Gerichtsgutachter lediglich keine Beurteilung abzugeben vermochte, welche das 

Beweismass der an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit erreichen würde. So 

führte er aus, dass er im Gegensatz zu Prof. J.___, der keine motivationalen 

krankheitsfernen Auswirkungen zu erkennen vermocht habe, die Abgrenzung von 

krankheitsbedingten und motivationalen Faktoren «nicht in dieser Bestimmtheit 

beantworten» könne. Dennoch schloss er sich der Beurteilung des Vorgutachters 

jedenfalls insoweit an, als er aufgrund der Unterlagen ebenfalls eine 

Persönlichkeitsstörung von Krankheitswert, welche die Arbeitsfähigkeit einschränke, 

abzugrenzen vermochte. Lediglich den Anteil motivationaler Aspekte vermochte er 

«nicht mit Sicherheit» zu beurteilen (act. G 23, S. 30). Im Sozialversicherungsrecht ist 

allerdings nicht der Sicherheitsbeweis, sondern der Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit massgebend (siehe etwa Urteil des Bundesgerichts vom 26. Juni 

2018, 8C_909/2017, E. 9).

Schliesslich bemängelt die Beschwerdegegnerin, der Gerichtsgutachter habe die 

Arbeitsfähigkeit nicht final quantifiziert und die Persönlichkeitsstörung nicht näher 

spezifiziert (act. G 25). Dieses Vorbringen vermag keinen Mangel am Gerichtsgutachten 

zu begründen. Zunächst bleibt unklar, was die Beschwerdegegnerin mit der 

Bezeichnung «nicht final quantifiziert» zum Ausdruck bringen bzw. was genau sie damit 

kritisieren möchte. Das Gerichtsgutachten enthält eine plausible und abschliessende 

quantitative Einschätzung der Arbeitsfähigkeit und des Arbeitsfähigkeitsverlaufs bis zur 

gutachterlichen Untersuchung (act. G 23, S. 27 f.; siehe auch nachstehende E. 2.5), 

ohne eine Sicherheit vorzugeben (siehe hierzu act. G 23, S. 27 oben), die es bei der 

Beurteilung von Persönlichkeitsstörungen von der Natur der Sache her nicht geben 

kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 19. November 2007, I 961/06, E. 3.1). Die 

Beschwerdegegnerin benennt denn auch daran keine konkreten Lücken oder 

Vagheiten. Da es sich bei der Frage nach der Verwertbarkeit einer Restarbeitsfähigkeit 

auf dem ersten Arbeitsmarkt ohnehin nicht um eine in den medizinischen Sachverstand 

fallende Thematik handelt (siehe etwa Urteil des Bundesgerichts vom 6. Mai 2020, 

8C_30/2020, E. 4.2 mit Hinweis u.a. auf BGE 140 V 195 f. E. 3.2), vermögen die 

diesbezüglich mit Vorbehalten versehenen Ausführungen des Gerichtsgutachters (act. 

G 23, S. 27 Mitte) von vorneherein keinen wesentlichen Mangel an der 

gerichtsgutachterlichen Beurteilung des Krankheitsbilds und der dadurch verursachten 

Funktionsstörungen zu begründen. Der Gerichtsgutachter erfasste das Störungsbild als 

2.4. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/20

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3.

In einem weiteren Schritt ist die zwischen den Parteien umstrittene Frage zu prüfen, ob 

die vom Gerichtsgutachter bescheinigten Restarbeitsfähigkeiten auf dem ersten 

Arbeitsmarkt überhaupt verwertbar sind.

kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61.0). Es ist weder ersichtlich noch von 

der Beschwerdegegnerin konkret dargelegt worden, inwiefern diese Diagnose nicht 

hinreichend bestimmt wäre, bzw. worin der von ihr geltend gemachte 

Spezifikationsbedarf bestehen könnte.

Bei der Würdigung der gerichtsgutachterlichen Beurteilung fällt ins Gewicht, dass 

sie auf eigenständigen, eingehenden Abklärungen beruht und für die streitigen Belange 

umfassend ist. Die medizinischen Vorakten wurden verwertet und diskutiert. Die von 

der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden wurden berücksichtigt und – u.a. im 

Rahmen einer Konsistenz- und Ressourcenprüfung – gewürdigt. Es bestehen keine 

Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht oder unzutreffend 

berücksichtigt worden wären. Gestützt auf die gerichtsgutachterliche Beurteilung ist 

mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von folgenden Arbeitsunfähigkeiten bezogen auf 

leidensangepasste Tätigkeiten auszugehen: 50%ige Arbeitsunfähigkeit seit Dezember 

2015 bis 31. Dezember 2018 aufgrund der Persönlichkeitsstörung und der damals 

zusätzlichen Beeinträchtigung aufgrund des depressiven Leidens sowie ab 1. Januar 

2019 (infolge Wegfalls der depressiv bedingten Beeinträchtigung) 40%ige 

Arbeitsunfähigkeit. Daneben wurde für die Dauer der tagesklinischen Behandlungen 

jeweils eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt, die aber für den Rentenanspruch 

nicht relevant ist, da sie die Zeit vor dem frühest möglichen Rentenbeginn beschlägt 

und ferner jeweils weniger als 3 Monate angedauert hatte (act. G 23, S. 28). Vor diesem 

Hintergrund erübrigen sich weitere Abklärungen, wie sie von den Parteien beantragt 

werden (act. G 29, S. 2, und act. G 31).

2.5. 

Der für die Bestimmung der Invalidität massgebende ausgeglichene Arbeitsmarkt 

umfasst verschiedenste Tätigkeiten, was die beruflichen und intellektuellen 

Voraussetzungen wie auch den körperlichen Einsatz anbelangt. Dabei ist nicht von 

realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten auszugehen, sondern nur von Tätigkeiten, die 

unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des 

Einzelfalles zumutbar sind. An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und 

Verdienstaussichten sind jedoch keine übermässigen Anforderungen zu stellen. Der 

ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also 

Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen gesundheitlich beeinträchtigte Personen mit 

3.1. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 17/20

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

4.

einem sozialen Entgegenkommen des Arbeitgebers bzw. der Arbeitgeberin rechnen 

können (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Mai 2020, 8C_30/2020, E. 5.3. mit 

Hinweisen).

Der Gerichtsgutachter führte bezüglich der qualitativen Anforderungen an eine 

leidensangepasste Tätigkeit aus, dass die Beschwerdeführerin an einem Arbeitsplatz 

eine wohlwollende Führung benötige und der Arbeitsplatz so ausgestaltet sein müsse, 

dass interpersonelle Konflikte weitgehend vermieden werden könnten. Weiter müsse 

am Arbeitsplatz dem Umstand Rechnung getragen werden, dass es aufgrund der 

rezidivierenden depressiven Störung, die aktuell nicht phasenprophylaktisch 

medikamentös behandelt werde, zu phasenweisen Einschränkungen der 

Durchhaltefähigkeit kommen könne (act. G 23, S. 27). Die Durchhaltefähigkeit ist aktuell 

nicht beeinträchtigt (act. G 23, S. 26 Mitte; zur Durchhaltefähigkeit im Rahmen der 

Integrationsmassnahmen siehe auch act. G 23, S. 24 unten). Die gerichtsgutachterlich 

festgestellten qualitativen Einschränkungen begründen nicht die Annahme, dass der 

ausgeglichene Arbeitsmarkt keine entsprechenden leidensangepassten 

(Nischen-)Arbeitsplätze beinhalten würde. Dabei erscheint mit Blick auf das Vermeiden 

von interpersonellen Konflikten auch die frühere berufsspezifische Einschätzung, dass 

auf dem ersten Arbeitsmarkt Stellen mit geringen und sehr oberflächlichen 

zwischenmenschlichen Kontakten bestehen (IV-act. 107), plausibel. Das Bundesgericht 

erkannte bei vergleichbaren qualitativen Anforderungen an einen Arbeitsplatz 

(wohlwollende Umgebung mit nicht allzu grossem Leistungsdruck) und bei einem 

vergleichbaren Leidensbild (u.a. kombinierte Persönlichkeitsstörung mittelgradigen 

Ausmasses), dass von einer wirtschaftlich verwertbaren Restarbeitsfähigkeit 

ausgegangen werden könne (Urteil des Bundesgerichts vom 23. September 2021, 

8C_170/2021, E. 5.1.2.1, worin zusätzlich zu den genannten qualitativen 

Anforderungen auch ein Ausschluss von Teamarbeit und Kundenkontakt zu beurteilen 

war; siehe auch Urteil des Bundesgerichts vom 6. Mai 2020, 8C_30/2020, E. 5.3). Unter 

diesen Umständen ist auch im Fall der Beschwerdeführerin mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass ihre Restarbeitsfähigkeit von 50 % bzw. 

60 % (siehe vorstehende E. 2.5) auf dem ausgeglichenen ersten Arbeitsmarkt 

verwertbar ist, zumal sie auch – bei Beachtung der qualitativen Einschränkungen – in 

der angestammten Tätigkeit als G.___ verwertet werden könnte (act. G 23, S. 25 oben 

und S. 27, Antwort zur 3. Fragestellung). Es steht der Beschwerdeführerin im Übrigen 

frei, sich bei der Beschwerdegegnerin zur Prüfung von weiteren beruflichen 

Massnahmen, insbesondere Arbeitsvermittlung, zu melden.

3.2. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 18/20

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Zu prüfen bleiben die aufgrund der gerichtsgutachterlich bescheinigten 

Arbeitsunfähigkeiten im Rahmen eines Einkommensvergleichs resultierenden 

Invaliditätsgrade. Ein allfälliger Anspruch auf eine Rente entsteht in Nachachtung von 

Art. 29 Abs. 1 IVG vorliegend am 1. Februar 2017 (6 Monate nach der Anmeldung vom 

10. August 2016, IV-act. 1).

Aus dem individuellen Konto der Beschwerdeführerin geht hervor, dass die 

Beschwerdeführerin erheblich schwankende Einkommen erzielte und im Erwerbsleben 

nie konstant Fuss zu fassen vermochte. So erzielte sie einerseits im Jahr 2012 ein 

Einkommen von insgesamt Fr. 83'568.-- (Fr. 76'626.-- + Fr. 6'942.--), andererseits 

wurden in den übrigen Jahren bei weitem tiefere Verdienste im individuellen Konto 

eingetragen (IV-act. 8). Vor diesem Hintergrund vermögen die im individuellen Konto 

ausgewiesenen Einkommen keine verlässliche Grundlage für die Bestimmung des 

Valideneinkommens zu bilden. Auch für die Bestimmung des Invalideneinkommens 

kann aus den tatsächlichen Verhältnissen nichts Zuverlässiges abgeleitet werden. 

Insgesamt erscheint es daher sachgerecht, dass der Invaliditätsgrad im Rahmen eines 

Prozentvergleichs ermittelt wird (Urteil des Bundesgerichts vom 9. Juli 2012, 

9C_406/2011, E. 6.4; siehe zum Prozentvergleich etwa Urteil des Bundesgerichts vom 

6. April 2016, 8C_628/2015, E. 5.3.1 mit Hinweisen), zumal die Verwertung der 

Restarbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit nicht ausgeschlossen ist (siehe 

vorstehende E. 3.2 am Schluss).

4.1. 

Zu klären ist damit noch die Frage nach der Gewährung und allfälligen Höhe eines 

Tabellenlohnabzugs. Die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne 

herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen 

des konkreten Einzelfalles ab (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, 

Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), welche nach 

pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Der höchstzulässige Abzug 

beträgt 25 % (BGE 126 V 75).

4.2. 

Die krankheitsbedingt zu beachtenden qualitativen Einschränkungen der Arbeits­

fähigkeit (siehe vorstehende E. 3.2) der Beschwerdeführerin schränken das Spektrum 

der möglichen Tätigkeiten stark ein. Insbesondere bezieht sich das Wohlwollen seitens 

der vorgesetzten Person auf verschiedene Defizite, die für eine Tätigkeit wesentlich 

sind (Einhaltung von Regeln und Routinen bei Druck beeinträchtigt, act. G 23, S. 25 

unten; geringe Introspektionsfähigkeit und dadurch Beeinträchtigung der Flexibilität 

und Umstellungsfähigkeit; schwankende Entscheidungs-, Urteils- und 

Durchhaltefähigkeit, act. G 23, S. 26 Mitte; schwankende Beeinträchtigung der 

Kontaktfähigkeit zu Dritten und beeinträchtigte Gruppenfähigkeit, act. G 23, S. 26 

4.3. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 19/20

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

5.  

unten). Dieses Wohlwollen und die Gewährleistung eines leidensangepassten 

Arbeitsprofils ist für den Arbeitgeber bzw. die vorgesetzte Person mit einem 

anspruchsvollen permanenten Beobachtungs- und Handlungsprozess verbunden, der 

aus ökonomischer Sicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit einen erheblich 

lohnwirksamen Nachteil begründet. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung erblickt 

denn auch zu Recht in der Notwendigkeit eines wohlwollenden Arbeitsklimas einen 

Abzugsgrund (Urteil des Bundesgerichts vom 22. Juni 2018, 9C_363/2017, E. 3.1 und 

E. 4.3). Vorliegend erscheint insgesamt ein Abzug von 10 % angemessen.

Für die Dauer ab dem frühest möglichen Rentenbeginn am 1. Februar 2017 bis 

zum 31. Dezember 2018 ist von einer 50%igen Restarbeitsfähigkeit auszugehen. Damit 

beträgt der Invaliditätsgrad 55 % (50 % + [50 % x 10 %]). Die gesundheitliche 

Verbesserung beginnt am 1. Januar 2019 und die dreimonatige Übergangsfrist von 

Art. 88a Abs. 1 IVV endet am 31. März 2019. Deshalb hat die Beschwerdeführerin bis 

zum 31. März 2019 Anspruch auf eine halbe Rente. Hernach, ab 1. April 2019, führt die 

(verbesserte) Restarbeitsfähigkeit von 60 % bzw. die 40%ige Arbeitsunfähigkeit zu 

einem 46%igen Invaliditätsgrad ([40 % + [60 % x 10 %]) bzw. begründet einen 

Anspruch auf eine Viertelsrente.

4.4. 

Gemäss vorstehenden Erwägungen ist die angefochtene Verfügung vom 28. Juni 

2019 aufzuheben und der Beschwerdeführerin ab 1. Februar 2017 bis 31. März 2019 

eine halbe und ab 1. April 2019 eine Viertelsrente zuzusprechen. Zur Festsetzung und 

Ausrichtung der Rentenleistungen ist die Sache an die Beschwerdegegnerin 

zurückzuweisen.

5.1. 

Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 

Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- 

erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit mit Rücksicht auf das 

erforderliche Gerichtsgutachten und den weiteren Schriftenwechsel als angemessen. 

Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der 

Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Daran ändert nichts, dass die Beschwerdeführerin 

(sinngemäss) die Ausrichtung einer ganzen Rente infolge Unverwertbarkeit der 

Restarbeitsfähigkeit (act. G 29, Rz 4) beantragte (vgl. betreffend quantitative 

Überklagung das Urteil des Bundesgerichts vom 7. Januar 2016, 9C_288/2015, E. 4.2).

5.2. 

bis

Die Kosten des psychiatrischen Gerichtsgutachtens von insgesamt Fr. 4'641.40 

(act. G 23.1) hat die Beschwerdegegnerin vollumfänglich zu tragen (Entscheid des 

5.3. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 20/20

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 28. Juni 2019 

aufgehoben und der Beschwerdeführerin ab 1. Februar 2017 bis 31. März 2019 eine 

halbe und ab 1. April 2019 eine Viertelsrente zugesprochen. Zur Festsetzung und 

Ausrichtung der Rentenleistungen im Sinn der Erwägungen wird die Sache an die 

Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2. Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von Fr. 1'000.-- zu bezahlen.

3. Die Beschwerdegegnerin hat die Kosten des Gerichtsgutachtens von insgesamt 

Fr. 4'641.40 zu bezahlen.

4. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung 

von Fr. 5'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 6. September 2016, IV 2013/259, 

E. 5.4.1 ff.; BGE 143 V 269).

Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei 

Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom 

Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der 

Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In 

der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach 

Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis 

Fr. 15'000.--. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat keine Honorarnote 

eingereicht. Der Bedeutung und dem Aufwand der Streitsache angemessen erscheint 

unter Berücksichtigung des durch das Gerichtsgutachten entstandenen Mehraufwands 

eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 5'500.-- (inklusive Barauslagen und 

Mehrwertsteuer). Bei diesem Ausgang erübrigt sich die Festsetzung einer 

Entschädigung aus der gewährten unentgeltlichen Rechtsverbeiständung.

5.4. 

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 04.05.2022
	Art. 28 IVG. Rentenanspruch. Beweiskraft des psychiatrischen Gerichtsgutachtens bejaht. Gestützt auf die darin enthaltene Arbeitsfähigkeitsschätzung besteht ein befristeter Anspruch auf eine halbe Rente mit anschliessendem unbefristetem Anspruch auf eine Viertelsrente (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 4. Mai 2022, IV 2019/219).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T01:47:24+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen