# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1214bb74-3f19-5ade-ac9c-ff22a346a2d3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-01-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.01.2023 D-374/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-374-2020_2023-01-16.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-374/2020 

law/bah 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 6 .  J a n u a r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richterin Chiara Piras, Richter Daniele Cattaneo, 

Gerichtsschreiber Christoph Basler. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

seine Ehefrau 

B._______, geboren am (…), 

und ihre Kinder 

C._______, geboren am (…), 

D._______, geboren am (…), 

Sri Lanka, 

alle vertreten durch MLaw Linda Spähni, 

Freiplatzaktion Basel, Asyl und Integration, 

(…), 

Beschwerdeführende,  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 19. Dezember 2019 / N (…). 

 

 

D-374/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die Beschwerdeführenden, Tamilen mit letztem Aufenthalt in 

E._______, F._______ (Bezirk G._______, Nordprovinz), verliessen Sri 

Lanka eigenen Angaben gemäss im März 2015 und reisten nach 

H._______, wo sie Asylgesuche stellten. Nachdem diese abgelehnt wor-

den waren, verliessen sie H._______ am 28. September 2016 und gelang-

ten am 6. Oktober 2016 in die Schweiz, wo sie gleichentags um Asyl nach-

suchten. 

A.b Das SEM führte mit den Beschwerdeführenden am 19. Oktober 2016 

die Befragungen zur Person (BzP) durch. 

Dabei erklärte der Beschwerdeführer, gegenüber ihrem Haus habe sich ein 

Camp der sri-lankischen Armee befunden. Eines Tages habe ein Soldat 

beobachtet, wie seine Frau geduscht habe. Als er dies bemerkt habe, habe 

er den Soldaten geschlagen. Es seien Nachbarn hinzugekommen, die den 

Soldaten ebenfalls geschlagen hätten. Die Dorfbewohner hätten gefordert, 

dass das Camp geschlossen werde. Sie hätten Anzeige erstattet und über 

den Vorfall sei in der Zeitung berichtet worden. Er sei zusammen mit zwei 

oder drei Kollegen vom sri-lankischen Geheimdienst dazu befragt worden. 

Das Camp sei im (…) geschlossen worden. Im März 2014 sei er von der 

Armee bei einem «round-up» festgenommen und auf den Polizeiposten 

gebracht worden. Mit Hilfe eines Anwalts sei er am selben Nachmittag frei-

gelassen worden. Danach sei er von Soldaten und von Leuten der EPDP 

(Eelam People’s Democratic Party) bedroht worden. Im Januar 2014 habe 

er erstmals Todesdrohungen erhalten. Auf Nachfrage gab der Beschwer-

deführer an, sein Vater und er hätten Kontakt zu den LTTE (Liberation Ti-

gers of Tamil Eelam) gehabt. Sie hätten (…) für die LTTE Waffen versteckt 

und den LTTE-Leuten zu essen gegeben. Er habe ihnen auch beim Bun-

kerbau geholfen. Weil er gesucht worden sei, sei er nach I._______ 

(J._______) gereist, wo er gearbeitet habe. Im Januar 2013 sei er nach Sri 

Lanka zurückgekehrt; er sei damals vom Geheimdienst befragt worden. 

Vor dem Abschluss der BzP wies der Beschwerdeführer darauf hin, dass 

sein Vater vom Geheimdienst mitgenommen worden sei. Bevor er nach 

Hause zurückgekehrt sei, sei er während eines Monats in Spitalpflege ge-

wesen. Seit sechs Monaten sei er halbseitig gelähmt. 

Die Beschwerdeführerin gab an, sie habe wegen ihres Ehemannes Prob-

leme gehabt. Sri-lankische Soldaten, Polizisten und Geheimdienstleute 

seien immer wieder zu ihnen gekommen, hätten sie befragt und ihren Mann 

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Seite 3 

sechs- bis siebenmal (letztmals Mitte 2014) mitgenommen. Sie sei gefragt 

worden, ob sie im Vanni-Gebiet gelebt habe und bei den LTTE gewesen 

sei. Im Januar 2015 hätten sich Angehörige des CID (Criminal Investigation 

Department) bei jemandem im Dorf nach ihrem Mann erkundigt. 

Vor Abschluss der BzP wurde den Beschwerdeführenden das rechtliche 

Gehör zu einer allfälligen Zuständigkeit H._______ oder K._______ für die 

Durchführung ihres Asyl- und Wegweisungsverfahrens gewährt. 

B.  

B.a Mit Verfügung vom 7. November 2016 trat das SEM auf die Asylgesu-

che der Beschwerdeführenden nicht ein und wies sie in den für sie zustän-

digen Dublin-Mitgliedstaat (H._______) weg. 

B.b Das Bundesverwaltungsgericht wies eine gegen diesen Entscheid ge-

richtete Beschwerde vom 24. November 2016 mit Urteil D-7285/2016 vom 

1. Dezember 2016 ab. 

C.  

C.a Das SEM hob mit Entscheid vom 7. Juni 2017 seine Verfügung vom 

7. November 2016 auf und nahm das nationale Asylverfahren wieder auf. 

C.b Am (…) kam der Sohn der Beschwerdeführenden, L._______, zur 

Welt. 

C.c Das SEM hörte den Beschwerdeführer am 23. Mai 2019 zu seinen 

Asylgründen an. Er machte im Wesentlichen geltend, er habe in H._______ 

am (…) 2016 an einer Demonstration teilgenommen; ein Informant namens 

M._______ habe dies den heimatlichen Behörden gemeldet. Sein Vater sei 

deshalb von EPDP-Mitgliedern für eine Befragung mitgenommen worden. 

Er glaube, sein Vater sei gefoltert worden. Er (der Beschwerdeführer) habe 

Sri Lanka im Jahr 2001 verlassen müssen, weil die Behörden (…) Waffen 

gefunden hätten. Seine Familie habe LTTE-Mitglieder verköstigt und be-

herbergt, sie habe aber nicht gewusst, dass jemand Waffen bei ihr ver-

steckt habe. Die Behörden hätten seinen Vater und ihn beschuldigt, die 

Waffen versteckt zu haben. In der Hoffnung, keine weiteren Probleme zu 

haben, sei er 2013 von I._______ nach Sri Lanka zurückgekehrt. 

M._______ habe damals von ihnen Geld verlangt, das sie ihm gegeben 

hätten. Im weiteren Verlauf der Anhörung sagte der Beschwerdeführer, 

N._______ und drei andere Personen hätten gedroht, sie würden ihn für 

Befragungen mitnehmen; sie hätten Geld verlangt, das er bezahlt habe. 

Der Schwiegersohn von N._______ führe nun (…), ohne dafür Miete zu 

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bezahlen. Im Jahr 2013 habe er (…) und ab Februar 2014 habe er als (…) 

O._______ gearbeitet. Da gegenüber ihrem Haus ein Armeecamp gewe-

sen sei, sei es vorgekommen, dass die Soldaten ihnen zugeschaut hätten, 

wenn sie gebadet hätten. Eines Tages habe er einen Schrei gehört und sei 

zu seiner Frau gerannt, die auf dem Boden gelegen sei. Er habe befürchtet, 

dass ein Soldat, der sie umarmt habe, sie vergewaltigen werde. Er habe 

den Soldaten geschlagen und ein Nachbar, der dazu gekommen sei, habe 

es ihm gleichgetan. Es sei ein Kommandant gekommen, der gefragt habe, 

weshalb sie den Soldaten geschlagen hätten. M._______ sei als Überset-

zer beigezogen worden. Der Kommandant habe gesagt, er werde 

P._______ und die anderen Soldaten zu einem anderen Camp transferie-

ren. Danach sei es einen Monat lang ruhig gewesen. Am (…) 2014 hätten 

die Soldaten mit Taschenlampen ihr Haus und ihr Nachbarhaus «kontrol-

liert». Dann hätten sie Steine herübergeworfen. Ihre Nachbarn und sie 

seien auf die Strasse gegangen. Sie hätten vorbeikommende Polizisten in-

formiert, seien von diesen aber nicht ernst genommen worden. Sie seien 

von den Soldaten bedroht worden, als die Polizisten noch zugegen gewe-

sen seien. Sie hätten verlangt, dass das Camp geschlossen werde. Er sei 

mit einem Nachbarn zur Polizeistation in Q._______ gefahren und habe 

vergeblich versucht, Anzeige zu erstatten. Er habe in dieser Nacht Zei-

tungsleuten ein Interview gegeben. Am Morgen des (…) 2014 seien Leute 

des Militär- und des Polizeigeheimdienstes sowie des TID (Terrorism In-

vestigation Division) gekommen, welche die Bewohner des Dorfes befragt 

hätten. Sie hätten ihn und fünf weitere Personen befragt und gesagt, es sei 

ein Fehler gewesen, ein Interview zu geben und Anzeige zu erstatten. Nach 

der Befragung hätten sie gesagt, sie würden das Camp «entfernen». Um 

weitere Probleme zu vermeiden, seien seine Frau und er zu seinem Eltern-

haus gegangen. Dann habe er begonnen, für (…) zu arbeiten. In einer 

Nacht seien Soldaten in ihr Haus eingedrungen, die versucht hätten, seine 

schwangere Ehefrau mitzunehmen. Sie habe dabei ihr Baby verloren. Die 

Soldaten hätten ihn mitgenommen und gefragt, wieso er Soldaten ange-

griffen habe. Sie hätten ihn verprügelt, getreten und mit einer Bierflasche 

in sein Handgelenk gestochen. Er habe das Bewusstsein verloren. Als er 

zu sich gekommen sei, sei er auf der Polizeistation gewesen. Sein Onkel 

habe einen Anwalt kontaktiert, der seine Freilassung erwirkt habe. Er sei in 

ein Spital gebracht worden, in dem er fünf Tage lang gewesen sei. Kurze 

Zeit später habe er seine Arbeit wiederaufgenommen. Der Soldat 

R._______ habe ihn in seiner Abwesenheit mit drei weiteren Soldaten ge-

sucht; da er nicht zu Hause gewesen sei, hätten sie das Haus durchsucht. 

Seine Eltern hätten ihm geraten, wegzugehen. Er habe einige Kleidungs-

stücke mitgenommen und sei nach S._______ gegangen. Seine Mutter 

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habe ihn angerufen und ihm gesagt, er sei erneut gesucht worden. Danach 

sei er zu einer Tante nach Colombo gegangen, wo seine Ausreise vorbe-

reitet worden sei. Als er bereits in H._______ gewesen sei, habe er von 

seiner Mutter erfahren, dass er zu Hause gesucht worden sei, wobei man 

seinen Reisepass beschlagnahmt habe, mit dem er nach I._______ und 

wieder zurück nach Sri Lanka gereist sei. Zur Stützung seiner Vorbringen 

reichte der Beschwerdeführer mehrere Beweismittel ein (vgl. SEM-act. A40 

Ziff. 1 bis 6; Beweismittelumschlag). 

C.d Am 17. Juni 2019 gingen beim SEM ein Schreiben von O._______ 

vom 28. Mai 2019 und eine Bestätigung des (…) vom 5. Juni 2019 ein. 

C.e Das SEM hörte die Beschwerdeführerin am 21. Juni 2019 zu ihren 

Asylgründen an. Sie machte im Wesentlichen geltend, ihr Bruder sei für 

kurze Zeit LTTE-Mitglied gewesen und habe Sri Lanka 1990 verlassen 

müssen. Ihr Vater habe die LTTE finanziell unterstützt und ein Schwager 

ihres Vaters habe bei den LTTE eine wichtige Position bekleidet. Im (…) 

2013 habe sie geheiratet. Am frühen Morgen des (…) 2013 sei sie von ei-

nem Soldaten namens R._______ von hinten umarmt worden, als sie am 

Baden gewesen sei. Sie habe ihn zu Boden ge-stossen und zu schreien 

begonnen. Ihr Ehemann sei gekommen und habe den Soldaten geschla-

gen. Sie sei ins Haus hineingegangen; Nachbarn seien herbeigeeilt und 

hätten den Soldaten auch geschlagen. Nach kurzer Zeit sei ihre Schwie-

germutter gekommen und habe sie mit zu sich nach Hause genommen. 

Sie sei drei Tage dortgeblieben, danach habe ihr Ehemann sie jeweils zu 

seinen Eltern gebracht, wenn er zur Arbeit gegangen sei. Das Schlimmste 

sei gewesen, dass man nach diesem Vorfall schlecht über sie gesprochen 

habe. Sie habe zweimal versucht, sich das Leben zu nehmen. Ihr Mann 

habe ihr gesagt, R._______ sei zu einem anderen Camp transferiert wor-

den, wonach sie zurückgekehrt seien. Nach diesem Vorfall sei ihr Hof im-

mer wieder mit Taschenlampen kontrolliert worden. Soldaten hätten Steine 

in ihre Richtung geworfen (Nachbarn hätten ähnliche Probleme gehabt); 

über die Vorfälle sei im (…) 2014 in den Zeitungen berichtet worden. Sie 

hätten verlangt, dass das Armeecamp entfernt werde. Ihr Mann und wei-

tere Männer seien am (…) 2014 von Leuten des Geheimdienstes befragt 

worden. Man habe ihn gefragt, wer Informationen an die Zeitungen weiter-

geleitet und ob er den Soldaten geschlagen habe. Danach seien sie zu 

ihren Schwiegereltern gegangen. Als sie dort gewesen seien, sei ihr Ehe-

mann ([…] 2014) in einem «round up» mitgenommen worden. Als sie zu 

Hause gewesen seien, seien plötzlich Armeeangehörige hineingekommen. 

Man habe ihrem Mann die Hände gefesselt. Sie sei in den Bauch getreten 

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Seite 6 

worden und habe ihr Baby verloren. Ihr Mann sei mitgenommen worden; 

sie hätten einen Anwalt kontaktiert und gegen 18 Uhr sei er freigelassen 

worden. Er habe gesagt, er sei gefoltert worden, und sie hätten an seinem 

Unterarm eine Schnittwunde gesehen. Sie hätten nicht versucht, die Vor-

fälle dieses Tages anzuzeigen. Ende (…) 2015 sei ihr Mann von vier Per-

sonen – einer davon sei R._______ gewesen – gesucht worden; sie hätten 

den Hof und das Haus kontrolliert. Zwei Männer seien hineingekommen 

und hätten sie mit einem Gewehr bedroht. Da ihr Mann nicht zu Hause 

gewesen sei, seien sie wütend geworden und hätten gedroht, ihn umzu-

bringen. Kurze Zeit später sei ihr Mann mit seinem Arbeitgeber nach Hause 

gekommen. Ein Onkel habe sie zu ihrem Vater gebracht. Schon am folgen-

den Tag seien sie bei ihrer Schwiegermutter gesucht worden. Später sei 

entschieden worden, dass sie ausreisen müssten. Sie seien nach Colombo 

gegangen und hätten erfahren, dass sie erneut bei ihren Schwiegereltern 

gesucht worden seien. 

C.f Am 7. Oktober 2019 teilten die Beschwerdeführenden mit, dass der Be-

schwerdeführer aufgrund psychischer Erkrankung zweimal in stationärer 

und einmal in teilstationärer Behandlung gewesen sei. Derzeit werde er im 

(…) alle ein bis zwei Wochen ambulant therapiert. Beigelegt wurde ein Arzt-

bericht der (…) vom 25. September 2019. 

D.  

Mit am folgenden Tag eröffneter Verfügung vom 19. Dezember 2019 stellte 

das SEM fest, die Beschwerdeführenden und ihre Kinder erfüllten die 

Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte ihre Asylgesuche ab. Zugleich ver-

fügte es ihre Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der 

Wegweisung an. 

E.  

Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 20. Januar 2020 liessen die Be-

schwerdeführenden gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsge-

richt Beschwerde erheben. In dieser wurde beantragt, es sei der Entscheid 

der Vorinstanz aufzuheben und es sei den Beschwerdeführenden hierzu-

lande Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die 

Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen, und als Folge da-

von sei ihnen die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Es sei ihnen die un-

entgeltliche Rechtspflege zu gewähren, auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses sei zu verzichten und ihre Rechtsvertreterin sei ihnen als amtli-

che Rechtsbeiständin beizuordnen. Weiter wurde beantragt, es sei festzu-

stellen, dass die Beschwerde aufschiebende Wirkung habe. Der Eingabe 

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Seite 7 

lagen ein Bericht über Sri Lanka vom 16. Januar 2020 und eine Kostennote 

bei. 

F.  

Der Instruktionsrichter hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-

chen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Instruktionsverfügung 

vom 29. Januar 2020 gut, unter dem Vorbehalt, dass eine Fürsorgebestä-

tigung nachgereicht werde. Er forderte die Beschwerdeführenden auf, bis 

zum 13. Februar 2020 eine Fürsorgebestätigung nachzureichen oder ei-

nen Kostenvorschuss von Fr. 750.– zugunsten der Gerichtskasse zu über-

weisen. Bei ungenutzter Frist werde auf die Beschwerde nicht eingetreten. 

Er teilte mit, über das Gesuch um amtliche Verbeiständung werde zu einem 

späteren Zeitpunkt befunden und setzte zur Einreichung eines in Aussicht 

gestellten Beweismittels Frist bis zum 13. Februar 2020. 

G.  

Mit Schreiben vom 11. Februar 2020 liessen die Beschwerdeführenden 

eine Fürsorgebestätigung vom 9. Januar 2020 und zwei den Beschwerde-

führer betreffende ärztliche Berichte der (…) vom 25. September 2019 und 

11. Februar 2020 einreichen. 

H.  

Der Instruktionsrichter hiess das Gesuch um Gewährung der amtlichen 

Rechtsverbeiständung mit Instruktionsverfügung vom 26. Februar 2020 

gut und ordnete den Beschwerdeführenden in der Person von MLaw Cora 

Dubach eine amtliche Rechtsbeiständin bei. Die Akten übermittelte er zur 

Vernehmlassung an das SEM. 

I.  

In seiner Vernehmlassung vom 12. März 2020 hielt das SEM an seinem 

Standpunkt fest. 

J.  

Mit Eingabe ihrer Rechtsbeiständin vom 30. März 2020 nahmen die Be-

schwerdeführenden zur Vernehmlassung des SEM Stellung. Der Eingabe 

lagen eine CD mit vier Filmsequenzen, zwei Fotografien und eine Kopie 

der Identitätskarte der Mutter des Beschwerdeführers sowie einen bereits 

eingereichten Zeitungsartikel (neu mit Deckblatt) bei. 

K.  

Der Instruktionsrichter übermittelte die Akten am 12. November 2020 zu 

einem weiteren Schriftenwechsel an das SEM. 

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Seite 8 

L.  

Das SEM hielt in seiner zweiten Vernehmlassung vom 25. November 2020 

an seinem Standpunkt fest. 

M.  

Mit Eingabe ihrer Rechtsbeiständin vom 14. Dezember 2020 nahmen die 

Beschwerdeführenden zur zweiten Vernehmlassung Stellung. 

N.  

Die bisherige Rechtsbeiständin ersuchte das Bundesverwaltungsgericht 

mit Eingabe vom 12. Mai 2022 darum, sie aus ihrem amtlichen Mandat zu 

entlassen und MLaw Linda Spähni von der Freiplatzaktion als neue amtli-

che Rechtsbeiständin einzusetzen. 

O.  

Der Instruktionsrichter entliess MLaw Cora Dubach mit Instruktionsverfü-

gung vom 10. Juni 2022 per 15. Juni 2022 aus ihrem amtlichen Mandat 

und gab den Beschwerdeführenden ab dem 16. Juni 2022 MLaw Linda 

Spähni als amtliche Rechtsbeiständin bei. 

P.  

Mit Zwischenverfügung vom 31. August 2022 forderte der Instruktionsrich-

ter die Beschwerdeführenden – soweit sie sich in ärztlicher Behandlung 

befinden sollten – auf, bis zum 30. September 2022 aktuelle ärztliche (Ver-

laufs-)Berichte sowie Erklärungen über die Entbindung der behandelnden 

Ärzte und Ärztinnen von der ärztlichen Schweigepflicht gegenüber den 

Asylbehörden einzureichen. 

Q.  

Die Beschwerdeführenden übermittelten mit Eingabe vom 29. September 

2022 fünf Arztberichte (vom 14. April 2018, 8. September 2021, 12. Sep-

tember 2022, 19. September 2022 und 25. September 2022), zwei Entbin-

dungserklärungen von der ärztlichen Schweigepflicht vom 28. September 

2022 und ein Themenpapier der SFH-Länderanalyse vom 13. Juli 2022. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

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Seite 9 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor. 

1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.3 Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teil-

genommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 

und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs-

weise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legiti-

miert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die 

frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

D-374/2020 

Seite 10 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Das SEM führt zur Begründung seines Entscheides aus, aus den Vor-

bringen des Beschwerdeführers würden sich keine Anhaltspunkte ergeben, 

wonach er oder jemand anderer aus seiner Kernfamilie bei den LTTE ge-

wesen wären. Bei der Anhörung habe er ausgesagt, zwei Mitglieder der 

EPDP hätten (…) durchsucht und dabei Waffen gefunden, mit denen weder 

sein Vater noch er etwas zu tun gehabt hätten. Bei der BzP habe er ange-

geben, sein Vater und er hätten (…) Waffen der LTTE versteckt gehabt. 

Damit seien nicht nur die Angaben zu den Umständen der mutmasslichen 

behördlichen Verfolgung, sondern auch die Angaben zu den Verfolgern 

selbst verschieden ausgefallen. In der BzP habe er angegeben, nach der 

Rückkehr von I._______ sei er zu Hause von Mitgliedern des sri-lankischen 

Geheimdienstes befragt worden. Bei der Anhörung habe er erklärt, er sei 

in diesem Zusammenhang mit den Mitgliedern der EPDP in Kontakt gewe-

sen. Die unterschiedlichen Angaben habe er damit erklärt, dass die Mitglie-

der der EPDP aufgrund ihrer Nähe zu den Behörden auch Geheimdienst 

genannt würden, was nicht zu überzeugen vermöge. Während der Anhö-

rung habe er das Vermögen seiner Familie als Motiv für die Nachstellungen 

genannt. Demnach bestehe die starke Vermutung, dass allfällige Nachstel-

lungen Dritter auf monetären Interessen fussten und somit asylrechtlich ir-

relevant wären. Weshalb die Behörden gerade ihn, der sich von 2001 bis 

2013 gar nicht in Sri Lanka aufgehalten habe, einer Verbindung zu den 

LTTE hätten verdächtigen sollen, sei schleierhaft geblieben. Da er gesagt 

habe, er sei mit seinem eigenen Pass legal ein- und wieder ausgereist, 

sehe sich das SEM in seiner Einschätzung bestärkt, dass er nicht im Visier 

der heimatlichen Behörden gestanden sei. 

Die von der Beschwerdeführerin gemachten Vorbringen zum angeblichen 

Ereignis, bei dem ihr von einem Soldaten nachgestellt worden sei, diver-

gierten mit den beigebrachten Beweismitteln und den Zeitungsartikeln. Die 

Beschwerdeführerin habe gesagt, sie sei beim Baden von einem Soldaten 

namens M._______ beobachtet worden, worauf ihr Ehemann diesen ge-

schlagen habe. Danach seien sie von den Soldaten des nahegelegenen 

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Seite 11 

Camps mit Kontrollen und Steinwürfen schikaniert worden. Der Beschwer-

deführer habe die Vorfälle bei der Polizei angezeigt und der Presse dazu 

ein Interview gegeben. Infolge dieser Vorfälle sei er von genanntem Solda-

ten respektive den Behörden bis zur Ausreise verfolgt worden. Den einge-

reichten Zeitungsartikeln sei kein Interview mit dem Beschwerdeführer und 

kein Hinweis auf den vorgebrachten Übergriff auf die Beschwerdeführerin 

zu entnehmen. Er habe das Interview auf frühestens (…) 2014 datiert; der 

Artikel datiere aber vom (…) 2014. Den Presseberichten seien keine An-

haltspunkte zu entnehmen, die mit ihm in Verbindung zu bringen wären. 

Das Militärlager im Heimatdorf sei geschlossen worden, wozu beigetragen 

habe, dass sich die Dorfbewohner bei der Polizei zur Wehr gesetzt hätten. 

Es werde nicht gänzlich in Abrede gestellt, dass die Beschwerdeführenden 

von den Schikanen der Soldaten betroffen gewesen sein könnten. Aus den 

Darlegungen und den Beweismitteln ergäben sich keine konkreten An-

haltspunkte dafür, dass sie gezielt Opfer von durch die SLA ausgehenden 

asylrelevanten Nachteilen geworden seien. Die Beschwerdeführerin habe 

selbst gesagt, es sei wiederholt dazu gekommen, dass Dorfbewohnerinnen 

von Soldaten beim Baden beobachtet worden seien. Die geltend gemach-

ten Vorbringen könnten auch bei Wahrunterstellung mangels Gezieltheit 

und mangels Intensität keine Asylrelevanz entfalten. 

Weiter hielt die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer habe gesagt, er sei 

im (…) 2014 bei einem «round up» festgenommen worden, wobei es sich 

um eine Verfolgungsmassnahme der Behörden respektive des Soldaten 

namens M._______ gehandelt habe. Die Beschwerdeführerin habe erklärt, 

eine Festnahme ohne Grund sei nicht möglich gewesen, weshalb die Be-

hörden ihrem Ehemann eine Verbindung ins Vanni respektive zu den LTTE 

unterstellt hätten. Der Beschwerdeführer habe erklärt, das «round up» 

habe im Zusammenhang mit einer Schiesserei in T._______ stattgefunden. 

Angesichts der inkonsistenten Herleitung kämen erste Vorbehalte auf. Die 

Schilderungen des Beschwerdeführers zur auf die Festnahme folgenden 

Mitnahme in einen unterirdischen Raum und der dort folgenden Befragung 

müssten als unsubstanziiert, wenig erlebnisnah und teilweise widersprüch-

lich beurteilt werden. In der BzP habe er angegeben, er sei auf die lokale 

Polizeistation mitgenommen worden, wogegen er in der Anhörung geschil-

dert habe, man habe ihn zu einem Pavillon respektive einem unterirdischen 

Raum gebracht. Auf die unterschiedlichen Angaben hingewiesen, habe er 

erklärt, er sei in Ohnmacht gefallen und auf der lokalen Polizeistation zu 

sich gekommen. Seine Erklärung, man habe ihn in den Raum geführt und 

ihm dann die Augen verbunden, mute realitätsfremd an. 

D-374/2020 

Seite 12 

Der vom Beschwerdeführer ins Feld geführte Verrat durch den Soldaten 

M._______ sei ferner nicht plausibel. Wie dieser über seine Anzeige bezie-

hungsweise das Interview im Heimatdorf hätte Bescheid wissen können, 

obwohl die Vorgänge in den Zeitungsartikeln nicht wiedergegeben worden 

seien, bleibe schleierhaft. Dem eingereichten Artikel sei zu entnehmen, 

dass beim «round up» an die 300 Personen festgenommen worden seien. 

Es sei nicht vorstellbar, dass es sich dabei um eine gegen den Beschwer-

deführer gerichtete Massnahme gehandelt habe. Dass er mit Hilfe des An-

walts bereits einen halben Tag nach der Festnahme freigelassen worden 

sei, stütze die Einschätzung des SEM, dass er nicht Opfer von gezielt ge-

gen ihn gerichteten Verfolgungsmassnahmen gewesen sei. 

Weder aus den Angaben der Beschwerdeführenden noch aus den einge-

reichten Beweismitteln sei ersichtlich, wie M._______ von den Aktivitäten 

beziehungsweise einer Demonstrationsteilnahme des Beschwerdeführers 

in H._______ erfahren haben sollte. Die Ausführungen bezögen sich auf 

subjektive Befürchtungen und Hörensagen Dritter. Angesichts dessen, 

dass er weiteres exilpolitisches Engagement verneint habe, sei festzustel-

len, dass die einmalige Demonstrationsteilnahme nicht geeignet sei, ein 

asylrelevantes Profil zu begründen. 

Insgesamt sei der Eindruck entstanden, dass die Beschwerdeführenden 

sich auf konstruierte Vorbringen abstützten und ihre Vorbringen in allge-

mein bekannte Tatsachen aus ihrem Heimatland einbetteten, ohne je in der 

genannten Weise und mit den geltend gemachten Folgen davon betroffen 

gewesen zu sein. 

Nach Sri Lanka Zurückkehrende, die illegal ausgereist seien und über 

keine gültigen Identitätspapiere verfügten, im Ausland ein Asylverfahren 

durchlaufen hätten oder behördlich gesucht würden, würden am Flughafen 

zu ihrem Hintergrund befragt. Diese Befragung allein und das allfällige Er-

öffnen eines Strafverfahrens wegen illegaler Ausreise stellten keine rele-

vanten Verfolgungsmassnahmen dar. Auch die möglichen Kontrollmass-

nahmen am Herkunftsort nähmen grundsätzlich kein asylrelevantes Aus-

mass an. Allfällige im Zeitpunkt der Ausreise bestehende Risikofaktoren 

hätten kein Verfolgungsinteresse der sri-lankischen Behörden ausgelöst. 

Es sei nicht ersichtlich, weshalb die Beschwerdeführenden nunmehr in den 

Fokus der Behörden geraten sollten. Es bestehe kein begründeter Anlass 

zur Annahme, sie würden bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtli-

cher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfol-

gungsmassnahmen ausgesetzt. 

D-374/2020 

Seite 13 

4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, der Bruder der Beschwerde-

führerin sei bei den LTTE gewesen und habe für diese auch nach seiner 

Ausreise noch Geld gesammelt. Ihre Verwandten väterlicherseits hätten 

ebenfalls Kontakte zu den LTTE gehabt. Ihr Vater habe zwischen 1980 und 

1990 Geld und Gold für die LTTE gesammelt. Der Beschwerdeführer und 

sein Vater hätten die LTTE mit kleineren Hilfeleistungen unterstützt. Die 

Familie sei seit längerem von Mitgliedern der EPDP erpresst worden. Es 

sei bekannt, dass die bewaffneten Flügel dieser Partei im Osten Sri Lankas 

mit den sri-lankischen Sicherheitskräften zusammenarbeiteten. Die para-

militärischen Gruppen hätten die Aufgabe, das Entstehen politischen Wi-

derstandes gegen die Regierung zu verhindern; sie agierten vermehrt wie 

kriminelle Banden. Eines Tages hätten Leute der EPDP (…) durchsucht, 

wobei sie Waffen gefunden hätten. Der Beschwerdeführer wisse nicht, ob 

sie tatsächlich Waffen gefunden oder diese selbst dort deponiert hätten, 

um den Druck auf die Familie zu erhöhen. Da die Schutzgeldsummen zu 

hoch geworden seien, habe die Familie (…) nicht mehr selbst betreiben 

können. Dieser sei vom Schwiegersohn eines EPDP-Mitglieds namens 

N._______ übernommen worden, ohne dass er etwas dafür bezahlt habe. 

Weil die EPDP den Beschwerdeführer immer wieder bedroht und erpresst 

habe, habe er sich zur Ausreise entschlossen. Auch sein Bruder habe das 

Land wegen der Repression durch die EPDP verlassen. 

Trotz der Landesabwesenheit des Beschwerdeführers von 2001 bis 2013 

sei er nach seiner Rückkehr von der EPDP befragt worden und habe erneut 

Schutzgeld zahlen müssen. Im (…) 2013 habe er geheiratet und sich in 

E._______ niedergelassen. In diesem Dorf habe es einen Spion des Re-

gimes namens M._______ gegeben, der die Bevölkerung überwacht und 

Behörden mit Informationen versorgt habe. Der Beschwerdeführer ver-

mute, dass M._______ über seine exilpolitischen Aktivitäten informiert wor-

den sei, was zur Verhaftung und Folterung seines Vaters geführt habe. 

Am Morgen des (…) 2013 sei ein Soldat aus dem nahe gelegenen Camp 

zum Brunnen, in dem die Beschwerdeführerin sich gewaschen habe, ge-

kommen und habe versucht, sie zu vergewaltigen. Er habe sie von hinten 

umarmt, sie sei zu Boden gefallen und habe geschrien. Der Beschwerde-

führer sei gekommen und habe den Soldaten geschlagen. Ein Nachbar sei 

zu Hilfe geeilt und ein Kommandant sei erschienen. Da dies nicht der erste 

Übergriff dieser Art gewesen sei, sei die Empörung der Bevölkerung gross 

gewesen. Auf den Strassen sei gegen das Armeecamp demonstriert wor-

den, was auch medial aufgegriffen worden sei. Der Beschwerdeführer 

D-374/2020 

Seite 14 

habe den Zeitungen Auskunft erteilt und darum gebeten, dass er nicht na-

mentlich erwähnt werde. Den Vorfall habe er etwas milder geschildert, um 

das Ansehen seiner Frau zu wahren. Da Vergewaltigungsopfer im tamili-

schen Kulturkreis diskriminiert und ausgegrenzt würden, sei die Hemm-

schwelle, eine Tat anzuzeigen, heraufgesetzt. Dies fördere die Straflosig-

keit von Tätern und erschwere es Opfern, über den Übergriff zu sprechen. 

Aus diesem Grund sei in den Zeitungen davon berichtet worden, dass ein 

Soldat einer Frau beim Baden «zugeschaut» habe, obwohl es sich um eine 

versuchte Vergewaltigung gehandelt habe. Das Camp sei im Jahr 2013 

geräumt worden, was ein Erfolg für die Dorfbevölkerung gewesen sei; die 

Armeepräsenz in der Region habe aber nicht abgenommen. 

Am (…) 2014 sei der Beschwerdeführer mit anderen Personen verhaftet 

und zu den Zeitungsberichten befragt worden. Sie seien von M._______ 

als Gegner des Armeecamps identifiziert worden. Der Beschwerdeführer 

sei vier Stunden lang über sein ganzes Leben befragt worden. Die Be-

schwerdeführerin sei nach dem Vorfall geächtet worden und man habe ihr 

unterstellt, sie sei vergewaltigt worden. Sie sei ohnehin schon einge-

schüchtert gewesen und habe das Haus kaum noch verlassen. Da sie 

durch die Situation sehr belastet gewesen sei, habe sie sich zweimal zu 

Erhängen versucht. Ein dritter Versuch sei gescheitert, da ihr Vater ange-

rufen und ihr gut zugeredet habe. Weil es im Vanni-Gebiet zu einer Schies-

serei gekommen sei, habe im (…) 2014 in der Nähe ein «round up» statt-

gefunden. Obwohl E._______ nicht in der Zone gelegen habe, in der die 

verdächtigten Personen vermutet worden seien, sei der Beschwerdeführer 

verhaftet worden. Die Soldaten, die ihn festgenommen hätten, seien zuvor 

im benachbarten Camp stationiert gewesen. Vermutlich hätten sie sich rä-

chen wollen. Zuerst hätten sie die Beschwerdeführerin in ihrem Jeep mit-

nehmen wollen; beim entstandenen Handgemenge sei sie von den Solda-

ten in den Bauch getreten worden, wobei sie ihr Baby verloren habe. Die 

Soldaten hätten die Hände des Beschwerdeführers gefesselt und ihn mit-

genommen. Er sei zu einem Pavillon gebracht und dort in einen unterir-

disch gelegenen Raum geführt worden. Anfänglich seien seine Augen nicht 

verbunden gewesen, danach habe man sie verbunden und ihn malträtiert. 

Man habe ihn mit einer Bierflasche verletzt und ihn einzig gefragt, weshalb 

er früher einen Soldaten angegriffen habe. Er sei so massiv gefoltert wor-

den, dass er um sein Leben gefürchtet habe. Er glaube, er habe die 

Stimme des Kommandanten erkannt. Man habe ihm gesagt, man werde 

vor seinen Augen seine Ehefrau vergewaltigen und ihn dann töten. Irgend-

wann habe er das Bewusstsein verloren; er sei auf einer Polizeistation zu 

D-374/2020 

Seite 15 

sich gekommen. Ein zwischenzeitlich kontaktierter Anwalt habe die Frei-

lassung des Beschwerdeführers erwirken können. Aufgrund seiner Verlet-

zungen sei er während fünf Tagen in einem Spital behandelt worden. Da-

nach habe er seine Tätigkeit als (…) eingestellt. Er habe eine Stelle als (…) 

gefunden, was es ihm ermöglicht habe, nicht mehr zu Hause zu wohnen. 

Die Beschwerdeführerin habe bei ihrem Schwiegervater gelebt. Mehrmals 

seien Armeeangehörige gekommen, die nach ihrem Ehemann gefragt und 

das Haus durchsucht hätten. Auch Mitglieder der EPDP seien gekommen 

und hätten die Familie bedroht. M._______ haben den Vater bedroht und 

gesagt, die Armee wolle den Beschwerdeführer erschiessen. Die Behörden 

hätten die Beschwerdeführerin gefragt, ob sie im Vanni-Gebiet gelebt habe, 

und ihr eine LTTE-Verbindung unterstellt. Im Januar 2015 seien vier Sol-

daten auf zwei Motorrädern gekommen. Zwei Personen seien ins Haus ge-

kommen, einer von ihnen sei der Soldat gewesen, der sie habe vergewal-

tigen wollen. Sie hätten die Beschwerdeführerin mit dem Gewehr bedroht 

und das Haus durchsucht. Sie seien wütend gewesen und hätten gesagt, 

sie würden ihren Ehemann erschiessen, falls sie ihn fänden. Nachdem die 

Beschwerdeführenden erfahren hätten, dass sie in ihrer Abwesenheit bei 

der Familie des Beschwerdeführers erneut gesucht worden seien, sei klar-

geworden, dass sie ausreisen müssten. In H._______ habe der Beschwer-

deführer am (…) 2015 (recte: 2016) an einer Demonstration für die Aufklä-

rung der Kriegsverbrechen in Sri Lanka teilgenommen. Kurz darauf seien 

Fotografien, auf denen er bei der Teilnahme an der Demonstration abge-

bildet sei, auf (…) abgebildet worden. Sein Vater sei von Leuten der EPDP 

festgenommen, in ihr Camp gebracht und dort befragt und gefoltert wor-

den. Kurze Zeit später habe er einen Schlaganfall erlitten. Der Soldat, der 

die Beschwerdeführerin beim Baden angegriffen habe, sei nach ihrer Aus-

reise befördert worden. 

Die Beschwerdeführerin leide an Bluthochdruck und Diabetes. Sie berichte 

von Migräneanfällen und von Vergesslichkeit, habe sich aber nicht in me-

dizinische Behandlung begeben. Der Beschwerdeführer leide unter einer 

mittelgradigen Depression und es sei eine Posttraumatische Belastungs-

störung (PTBS) diagnostiziert worden. Er hege Suizidgedanken und leide 

unter Albträumen. Am rechten Unterarm habe er eine Narbe, die von der 

Folterung mit der Scherbe herrühre. 

Es sei nicht legitim, widersprüchliche Angaben zwischen der BzP und der 

vertieften Anhörung derart stark zu gewichten, wie es das SEM vorliegend 

D-374/2020 

Seite 16 

getan habe. Dies lasse sich sowohl der Praxis des Bundesverwaltungsge-

richts als auch derjenigen des Europäischen Gerichtshofs für Menschen-

rechte (EGMR) entnehmen. Bei der BzP habe der Verdacht bestanden, es 

handle sich um einen Dublin-Fall, weshalb die Gesuchsgründe zweitrangig 

behandelt worden seien. Die Beschwerdeführenden hätten kaum Gelegen-

heit gehabt, ihre Verfolgung darzulegen und seien vom Dolmetscher stän-

dig unterbrochen und darauf hingewiesen worden, dass die Schweiz wahr-

scheinlich nicht zuständig für ihr Asylgesuch sei. Im Bericht der Hilfswerk-

vertretung werde festgehalten, dass die Beschwerdeführenden die Ereig-

nisse übereinstimmend geschildert hätten. Es werde auch dort der Schluss 

gezogen, dass die meisten Widersprüche damit zu tun hätten, dass der 

(bei der BzP eingesetzte) Dolmetscher ein Mann gewesen sei, weshalb die 

Beschwerdeführerin alle frauenspezifischen Verfolgungen nicht erwähnt 

habe. Die ungenauen Datumsangaben seien durch die Unterbrechungen 

erklärbar. Der Beschwerdeführer sei bei der BzP ständig unterbrochen wor-

den und habe keine Zeit erhalten, sich genau auszudrücken, was die Un-

klarheiten bezüglich seiner Unterstützung der LTTE erkläre. Die Feststel-

lung des SEM, er habe widersprüchlich ausgesagt, dass er nach seiner 

Rückkehr aus I._______ von Mitgliedern des Geheimdienstes beziehungs-

weise der EPDP befragt worden sei, könne angesichts der unklaren quasi-

staatlichen Rolle der EPDP nicht als wirklicher Widerspruch gewertet wer-

den. Dass er die EPDP sowohl als Geheimdienst als auch als EPDP be-

zeichne, rühre daher, dass diese Gruppen ineinander verschmelzen wür-

den. Seine Reise nach I._______ sei von einem Agenten organisiert wor-

den und er wisse nicht, ob Bestechungsgelder bezahlt worden seien. 

Selbst wenn er damals legal aus- und wieder eingereist sei, habe sich spä-

ter eine staatliche Verfolgung manifestiert, weshalb dieses Argument des 

SEM nichts zur Sache tue. Hinsichtlich des Interviews, das der Beschwer-

deführer erwähnt habe, sei es eine stilistische Frage, ob eine Information 

in Form eines Interviews oder als Fliesstext in den Medien publiziert werde. 

Er habe gewünscht, nicht namentlich erwähnt zu werden. Es gelte nicht zu 

bestreiten, dass er zum Vorfall mit dem Soldaten den Medien Auskunft er-

teilt habe. Das SEM sei einem Missverständnis unterlegen, indem es an-

gegeben habe, der Soldat, der die Beschwerdeführerin habe vergewaltigen 

wollen, habe M._______ geheissen. M._______ sei ein Spitzel, der ein Ge-

schäft betreibe, der Täter heisse R._______. Das SEM könnte ver-

schiedentlich Aussagen zu M._______ dem falschen Ereignis zugeordnet 

haben. Das SEM möchte auch die Gründe des «round up» widersprüchlich 

verstehen, obwohl die Beschwerdeführenden mehrmals die komplexe Si-

tuation erklärt hätten. Das «round up» sei nicht inszeniert worden, um Ra-

D-374/2020 

Seite 17 

che am Beschwerdeführer zu nehmen, vielmehr sei es als Anlass genom-

men worden, ihn zu verhaften und Rache zu üben. Die Schilderungen 

seien nicht widersprüchlich ausgefallen. Der Beschwerdeführer gehe da-

von aus, man habe ihm die Augen verbunden, bevor er geschlagen und 

gefoltert worden sei, damit er später nicht gegen die Täter aussagen 

könne. Dass er den Polizeiposten als zweiten Ort der «round up-Verhaf-

tung» genannt habe, sei nachvollziehbar. Diese beiden Elemente könnten 

seine detailreiche Schilderung gerade nicht in Zweifel ziehen lassen. Viel-

mehr sei ein Hinweis auf eine tatsächlich erlebte Verfolgung zu sehen, weil 

die Verhaftung nicht stereotyp abgelaufen sei und nicht an einem stereoty-

pen Ort stattgefunden habe. Es sei nicht denkbar, dass er eine Kricket-

Ausrüstung erwähnt hätte, die sich dort befunden habe, wenn er ein erfun-

denes Ereignis geschildert hätte. Auch, dass er den Biergeruch oder die 

Stimmen, die er mit verbundenen Augen wahrgenommen habe, erwähnt 

habe, seien Hinweise auf selbst Erlebtes. Angesichts seiner Vorgeschichte 

und im Hinblick auf die aktuelle Lage in Sri Lanka sei verständlich, dass er 

sich nicht an die Behörden gewandt habe. Es falle auf, dass beide Be-

schwerdeführenden eine emotionale Betroffenheit bezüglich einschneiden-

der Erlebnisse gezeigt hätten. Sie hätten sich in den vier Befragungen we-

nig widersprochen und hätten Details zu den gleichen Ereignissen hervor-

gehoben. Dies sei natürlich, weil sie die jeweiligen Ereignisse individuell 

aus ihrer Perspektive erlebt hätten. Es sei davon auszugehen, dass sie die 

erlittene Verfolgung glaubhaft gemacht hätten. 

Der Beschwerdeführer sei unterschiedlicher staatlicher Repression ausge-

setzt gewesen, die mit seiner ethnischen Herkunft in Verbindung gestan-

den sei. Er habe davon ausgehen müssen, dass die Verfolgung auf Ge-

heiss des Staates oder mit dessen Kenntnis durchgeführt worden sei. An-

fangs sei die Familie von der EPDP um Schutzgeld erpresst worden, nach 

dem wohl fingierten Waffenfund habe er nach I._______ ausreisen müs-

sen. Direkt nach seiner Rückkehr habe die EPDP ihre Repression fortge-

setzt. Durch seine Heirat und den Umzug habe er sich der EPDP zeitweise 

entziehen können. Damit habe aber die Repression durch die im benach-

barten Camp stationierten Soldaten begonnen. Nach dem Angriff auf die 

Beschwerdeführerin und die Abwehr durch den Beschwerdeführer sei die 

persönliche Rachenahme durch den Täter hinzugekommen. Dieses Verfol-

gungsmotiv sei in Zusammenhang mit dem geschlechtsspezifischen Ver-

folgungsmotiv gestanden. Nach der Berichterstattung in den Medien und 

der Ausbreitung des Protests habe die Verfolgung eine politische Dimen-

sion angenommen. Dass das politische Engagement des Beschwerdefüh-

D-374/2020 

Seite 18 

rers nicht geduldet worden sei, habe Ausdruck in der gegen ihn ausgespro-

chenen Morddrohung gefunden. Die erlebte Folter und die ausgespro-

chene Todesdrohung, die versuchte Vergewaltigung und die angedrohte 

erneute Vergewaltigung sowie das Erwirken einer Fehlgeburt seien für sich 

genommen intensiv genug, um das geforderte Mass an die Intensität der 

Verfolgung zu erreichen. Es sei davon auszugehen, dass die Beschwerde-

führenden auch künftig verfolgt würden. Die Suche nach dem Beschwer-

deführer habe auch nach seiner Freilassung angedauert. Der Hinweis des 

SEM, auch andere Frauen seien Opfer sexueller Übergriffe durch Soldaten 

geworden, vermöge die Gezieltheit der Verfolgung nicht in Frage zu stellen. 

Es gelte hervorzuheben, dass die Beschwerdeführerin Opfer eines Verge-

waltigungsversuchs geworden sei. Das SEM habe den Vorfall in nicht halt-

barer Weise «beim Baden zuschauen» genannt, was den Schilderungen 

der Beschwerdeführerin nicht gerecht werde. Dass der Beschwerdeführer 

beim «round up» gezielt wegen seines Widerstands gegen das Armee-

camp gefoltert worden sei, könne nicht von der Hand gewiesen werden. Er 

sei nicht Opfer einer allgemeinen Kontrolle, sondern gezielt verhaftet und 

verfolgt worden. Die Motivation für die Verfolgung der Beschwerdeführen-

den sei nicht allein finanzieller Natur gewesen. Die Repression habe stark 

zugenommen, als sich politischer Widerstand gegen das Armeecamp for-

miert und der Beschwerdeführer die Medien informiert habe. Die Involvie-

rung verschiedener Gruppierungen und die Überlagerungen verschiedener 

Motive erschwerten es, klar festlegen zu können, welches Verfolgungsmo-

tiv neben finanziellen Interessen und der persönlichen Rache durch den 

Soldaten bestehe. 

Die Beschwerdeführenden erfüllten mehrere der vom Bundesverwaltungs-

gericht definierten Risikofaktoren. Der Beschwerdeführer sei bereits inhaf-

tiert und gefoltert worden und der Waffenfund (…) lege eine Verbindung zu 

den LTTE nahe. Auch sein exilpolitisches Engagement sei nicht unerkannt 

geblieben. Seine Landesabwesenheit schärfe sein politisches Profil. Durch 

die ausgesprochenen Drohungen seien die Leben der Beschwerdeführen-

den in Gefahr und ihnen drohe zumindest Folter und Haft. Der Beschwer-

deführer habe sichtbare Narben, die ihn bei einer Rückschaffung als Opfer 

von Folter erkennbar machten. Den Beschwerdeführenden drohe künftig 

eine asylrelevante Verfolgung. Diese Annahme werde durch den Regie-

rungswechsel und die damit einhergehende Zunahme an Repression be-

stätigt. 

D-374/2020 

Seite 19 

4.3 Das SEM führt in seiner Vernehmlassung vom 12. März 2020 aus, es 

werde in der Beschwerde zu Recht moniert, dass der Soldat, der die Be-

schwerdeführerin beim Baden von hinten umarmt habe, R._______ und 

nicht M._______ gewesen sei. Der angefochtenen Verfügung seien keine 

Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass es bezüglich der Rolle von 

M._______ zu einer Fehldeutung gekommen sei. Die Beschwerdeführerin 

sei in einem Frauenteam angehört worden und habe somit die Möglichkeit 

gehabt, sich zu den Vorfällen im gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen zu 

äussern. Sie habe nicht geltend gemacht, vom genannten Soldaten verge-

waltigt worden zu sein. Bei der BzP habe sie diesbezügliche Vorbringen 

unerwähnt gelassen und vorgebracht, sie sei aufgrund der behördlichen 

Nachstellungen im Zusammenhang mit ihrem Ehemann ausgereist. Der 

Beschwerdeführer habe den Übergriff bei der BzP erwähnt, jedoch erklärt, 

seine Frau sei beim Duschen beobachtet worden. Den Übergriff habe er 

nie als Vergewaltigung bezeichnet; er habe gesagt, aufgrund der Umar-

mung durch den Soldaten habe er eine solche befürchtet. Auch bei Wahr-

unterstellung handle es sich beim genannten Vorfall um einen lokal be-

grenzten und isolierten Akt sexueller Gewalt und nicht um systematische 

Übergriffe auf die Beschwerdeführerin. Sie sei von ihrem Ehemann und 

von Dorfbewohnern verteidigt worden. Den Aussagen des Beschwerdefüh-

rers gemäss seien der Übergriff angezeigt und das Militärlager geschlos-

sen worden. An anderer Stelle habe er darauf verwiesen, dass die Solda-

ten den Frauen des Dorfes beim Baden zugeschaut hätten, weshalb sie 

transferiert worden seien und das Lager im Dorf geschlossen worden sei. 

Den Darlegungen seien keine konkreten Anhaltspunkte dafür zu entneh-

men, dass der sexuelle Übergriff respektive die Vergewaltigung der Be-

schwerdeführerin durch einen Soldaten gezielt und aus einem asylbeacht-

lichen Motiv zugefügt worden sein könnte. Die Beschwerdeführenden hät-

ten vorgebracht, dass nicht der sexuelle Übergriff an sich, sondern die mut-

masslich daraus folgenden behördlichen Nachstellungen zur Ausreise ge-

führt hätten. 

Hinsichtlich des psychischen Leidens des Beschwerdeführers sei darauf 

hinzuweisen, dass die genaue Ursache eines solchen durch ein ärztliches 

Zeugnis kaum je schlüssig nachgewiesen werden könne. An der sachli-

chen Richtigkeit der Diagnose eines ärztlichen Berichts sei nicht zu zwei-

feln. Hingegen vermöge beispielsweise die Diagnose einer PTBS für sich 

allein gesehen die behauptete Verhaftung nicht zu belegen. Somit vermöge 

eine solche Diagnose keine zuverlässige Auskunft über die Ursache der 

der PTBS zugrundeliegenden Traumatisierung zu geben. Ebenso wenig 

vermöge eine Diagnose wie PTBS eine Erklärung für die Ungereimtheiten 

D-374/2020 

Seite 20 

und Widersprüche in den Aussagen zu liefern. Diese bezögen sich auf ver-

schiedenste Elemente und Aspekte der Vorbringen. Zudem seien die Un-

glaubhaftigkeitselemente zu umfassend und liessen sich auch nicht allein 

durch verdrängte oder vergessene Sachverhaltsumstände beziehungs-

weise Hemmungen in den Schilderungen erklären. 

4.4 In der Replik vom 30. März 2020 wird entgegnet, in der Beschwerde 

sei keine Vergewaltigung geltend gemacht worden. Vielmehr sei es um 

eine versuchte Vergewaltigung gegangen. Es sei nicht ersichtlich, an wel-

cher Stelle der Beschwerdeführer von einer Vergewaltigung gesprochen 

habe. An jeder Stelle sei von einer versuchten Vergewaltigung und der spä-

teren Ächtung der Beschwerdeführerin wegen einer ihr unterstellten Ver-

gewaltigung die Rede. In diesem Sinne seien die Ausführungen des SEM 

nicht nachvollziehbar. Es entstehe der Eindruck, als würde eine Verwechs-

lung vorliegen oder als hätte das SEM sich nicht ausführlich mit den ge-

machten Aussagen in der Beschwerde auseinandergesetzt. Es sei fraglich, 

inwiefern die Aussagen in der Vernehmlassung zu beachten seien, wenn 

sie offensichtlich nicht mit den gemachten Eingaben und Aussagen korre-

lierten. Auch die angeführten Widersprüche zu den Beschreibungen der 

Inhaftierung im März 2014 seien gesucht und ohne Basis im Protokoll. Es 

sei nicht ersichtlich, in welcher Situation der Beschwerdeführer angegeben 

haben solle, seine Hände seien freigemacht worden. Das SEM scheine 

dies lediglich daraus zu schliessen, dass er an den Handgelenken verletzt 

worden sei, was nicht bedeuten müsse, dass er vorher freigebunden wor-

den sei. 

Auf einer beigelegten CD seien vier Videosequenzen enthalten, die einen 

Besuch eines uniformierten Soldaten bei der Mutter des Beschwerdefüh-

rers zeigten. Das Gespräch drehe sich anfänglich um eine Person, deren 

Name nicht genannt werde. Erst später erschliesse sich, dass der Soldat 

mit «er» den Beschwerdeführer meine. Damals seien vier Soldaten gekom-

men, einer von ihnen habe die Mutter befragt. Der Onkel des Beschwerde-

führers habe diesen Besuch heimlich filmen können. Die Aufzeichnungen 

stammten vom 16. Februar 2020. Als Beweis dafür, dass es sich bei der 

befragten Person um seine Mutter handle, reiche der Beschwerdeführer 

zwei Hochzeitfotos ein, auf denen seine Mutter, seine Ehefrau und er ab-

gebildet seien. Als weiteren Beweis lege er die Kopie der Identitätskarte 

seiner Mutter bei. 

D-374/2020 

Seite 21 

4.5 In seiner zweiten Vernehmlassung vom 25. November 2020 führt das 

SEM aus, die eingereichten Videosequenzen seien unscharf und die ge-

zeigten Personen seien schwer erkennbar. Die Sequenzen wiesen keine 

Angaben zum Datum, zum Ort und zum Zeitpunkt der Aufnahme auf. Es 

sei nicht belegbar, dass sich das Treffen im Februar 2020 ereignet habe. 

In welchem Kontext es dazu gekommen sei, sei nicht nachvollziehbar. Es 

erschliesse sich nicht, weshalb die sri-lankische Armee sich gerade im Feb-

ruar 2020 nach dem Verbleib des im Jahr 2015 ausgereisten Beschwerde-

führers hätte erkundigen sollen. Ferner überrasche, dass er keine behörd-

lichen Behelligungen bezüglich seines Bruders vorgebracht habe, der 2014 

von U._______ ins Vanni-Gebiet zurückgekehrt sei. 

4.6 In der Stellungnahme vom 14. Dezember 2020 wird entgegnet, das Fil-

men von Behördenbesuchen sei sehr riskant. Der Filmende habe sich 

mehrfach zurückgezogen und dann erneut gefilmt, was realitätsnahen Um-

ständen entspreche. Anhand des Dialoges sei klar, dass es sich um ein 

bewaffnetes Mitglied des Militärs und um die Mutter des Beschwerdefüh-

rers handle. Dass in zwei Filmen der Name des Beschwerdeführers falle, 

sei Beleg dafür, dass sich das Mitglied der sri-lankischen Armee für ihn 

interessiere. Auch wenn das Datum des Vorfalls nicht belegt sei, könne das 

SEM die restlichen Umstände nicht mit einfachen Behauptungen bezwei-

feln. Das SEM missachte mit seiner Einschätzung die Übersetzung der 

Filme. Es sei klar, dass die Soldaten den Beschwerdeführer suchten. Der 

Grund des behördlichen Besuchs bei der Mutter sei belegt. Bereits in der 

Beschwerde sei geltend gemacht worden, dass der Beschwerdeführer zu 

Hause gesucht werde, weshalb sich das Interesse an ihm im Februar 2020 

nicht plötzlich manifestiert habe. Aus dem Umstand, dass nun Beweise vor-

lägen, könne nicht geschlossen werden, dass es sich dabei um die erste 

Behelligung gehandelt habe. 

5.  

5.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-

haftmachen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Ent-

scheiden dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 23. Februar 

2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.). 

5.2  

5.2.1 Bei der BzP machte der Beschwerdeführer geltend, sein Vater und er 

hätten Kontakt zu den LTTE gehabt. Sie hätten (…) Waffen der LTTE ver-

D-374/2020 

Seite 22 

steckt und er (der Beschwerdeführer) habe ihnen beim Bunkerbau gehol-

fen. Er sei deshalb gesucht worden und 2001 nach I._______ gereist. Nach 

seiner Rückkehr in die Heimat im Januar 2013 sei er vom Geheimdienst 

befragt worden, danach habe er wegen dieser Angelegenheit keine Prob-

leme mehr gehabt (vgl. SEM-act. A5/11 S. 7). Im Rahmen der Anhörung 

sagte er aus, er habe nach I._______ ausreisen müssen, weil die Behör-

den Waffen (…) gefunden hätten, der von den Waffen nichts gewusst habe. 

Zwei Tage nach seiner Rückkehr aus I._______ seien vier Leute der EPDP, 

unter ihnen N._______, zu ihm gekommen. Die Männer hätten gedroht, sie 

nähmen ihn erneut für Befragungen mit; er habe ihnen beziehungsweise 

N._______ Geld bezahlt und danach in diesem Zusammenhang keine 

Probleme mehr gehabt (vgl. SEM-act. A39/24 S. 9 f.). 

5.2.2 Das SEM stellte in der angefochtenen Verfügung zu Recht fest, dass 

die Angaben des Beschwerdeführers zu diesem Sachverhaltselement von-

einander abweichen. Die Aussagen bei der BzP lassen darauf schliessen, 

dass sein Vater und er wissentlich Waffen versteckt hätten, während er bei 

der Anhörung vorbrachte, sie hätten nicht gewusst, dass sich (…) Waffen 

befunden hätten. Ebenso stimmen die Aussagen zur Frage, wer ihn nach 

seiner Rückkehr aus I._______ aufgesucht beziehungsweise befragt habe, 

nicht überein. Seine Erklärung bei der Anhörung, sie bezeichneten die Mit-

glieder der EPDP auch als Geheimdienstleute, vermag nicht zu überzeu-

gen, da ihm bewusst war, dass es sich bei der EPDP um eine paramilitäri-

sche Gruppierung und nicht um eine staatliche Behörde handelt (vgl. SEM-

act. A39/24 S. 7). In anderem Zusammenhang war er zudem in der Lage, 

die tätig gewordenen Behörden genau zu bezeichnen (vgl. SEM-act. 

A39/24 S. 10). Das SEM erblickte in der Angabe des Beschwerdeführers, 

er sei im Jahr 2001 mit seinem eigenen Reisepass auf dem Luftweg nach 

I._______ gereist und von dort im Jahr 2013 mit demselben Pass nach Sri 

Lanka zurückgeflogen (vgl. SEM-act. A5/11 S. 6 und A39/24 S. 10), zu 

Recht ein Indiz dafür, dass er seitens der heimatlichen Behörden nicht 

ernsthaft verdächtigt wurde, in Kontakt mit den LTTE gestanden zu sein. 

Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung handelt es sich 

bei den Ausführungen des SEM, der Beschwerdeführer sei legal nach 

I._______ und zurück in die Heimat gereist, nicht um eine Vermutung, son-

dern um die Wiedergabe seiner Aussagen (vgl. SEM-act. A39/24 S. 9 f.). 

Da der Beschwerdeführer übereinstimmend angab, er habe nach seiner 

Rückkehr aus I._______ im Januar 2013 bis zu seiner (erneuten) Ausreise 

aus Sri-Lanka im März 2015 wegen des zeitlich lang zurückliegenden 

«Waffenfundes» keine weiteren Probleme gehabt, erübrigen sich weitere 

Erörterungen dazu. 

D-374/2020 

Seite 23 

5.3  

5.3.1 Bei der BzP gab der Beschwerdeführer an, ein Soldat habe eines 

Morgens beobachtet, wie seine Ehefrau geduscht habe. Er habe dies ge-

sehen und den Soldaten geschlagen. Nachbarn seien hinzugekommen 

und hätten auch auf den Soldaten eingeschlagen. Wegen dieses Vorfalls 

hätten die Bewohner des Ortes gefordert, dass das Armeecamp geschlos-

sen werde. Über den Vorfall sei in der Zeitung berichtet worden und sie 

hätten bei der Polizei Anzeige erstattet. Er und zwei oder drei Kollegen 

seien dazu vom Geheimdienst verhört worden. Das Camp sei im (…) 2013 

geschlossen worden (vgl. SEM-act. A5/11 S. 7). Bei der Anhörung brachte 

er vor, seine Ehefrau sei an einem Freitagmorgen sehr früh am Baden ge-

wesen. Er habe einen Hilferuf gehört und sei zu ihr gerannt. Sie sei am 

Boden gelegen und von einem Soldaten umarmt worden. Ein hinzu gekom-

mener Nachbar und er hätten den Soldaten geschlagen. Als ein Komman-

dant gekommen sei, habe dieser gefragt, weshalb sie den Soldaten schla-

gen würden. Der Kommandant habe gesagt, er werde die Soldaten in ein 

anderes Camp schicken. Danach hätten sie einen Monat lang Ruhe ge-

habt. Am (…) 2014 – später sagte der Beschwerdeführer, es sei am (…) 

2014 gewesen – hätten sie gegen 19.30 Uhr erneut Probleme gehabt. Die 

Soldaten hätten ihr Haus mit Taschenlampen «kontrolliert» und Steine in 

ihre Richtung geworfen. Ihre Nachbarn und sie seien auf die Strasse ge-

gangen. Um 20 Uhr seien Polizisten gekommen, die sie nicht ernst genom-

men hätten, als sie um Hilfe gebeten hätten. In deren Anwesenheit seien 

sie von den Soldaten bedroht worden. Sie hätten von den Soldaten ver-

langt, dass sie das Camp verliessen, was diese getan hätten. Zusammen 

mit einem Nachbarn sei er zur Polizeistation gegangen, um Anzeige zu er-

statten. Die Polizisten hätten sich geweigert, die Anzeige entgegenzuneh-

men. Am folgenden Morgen seien Leute der Geheimdienste und des TID 

(Terrorism Investigation Division) gekommen, die fünf Personen und ihn 

hätten befragen wollen. Nach den Befragungen sei ihnen mitgeteilt wor-

den, das Camp werde geschlossen (vgl. SEM-act. A39/24 S. 6 f. und 

S. 13). 

Die Beschwerdeführerin erklärte bei der Anhörung, sie sei an einem Frei-

tagmorgen (später präzisierte sie, es sei am […] 2013 gewesen) früh von 

einem Soldaten von hinten umarmt und an den Brüsten angefasst worden. 

Sie habe den Mann zu Boden gestossen und zu schreien begonnen. Ihr 

Mann sei gekommen und habe den Mann geschlagen. Sie sei ins Haus 

gegangen und dortgeblieben. Kurz danach sei ihre Schwiegermutter ge-

kommen, die sie in ihr Haus mitgenommen habe. In den Zeitungen sei be-

D-374/2020 

Seite 24 

richtet worden, dass ein Mann einer Frau Probleme bereitet habe. Nach-

dem ihr Ehemann gesagt habe, der Soldat, der sie belästigt habe, sei trans-

feriert worden, sei sie nach Hause zurückgekehrt. Danach sei ihr Hof mit 

Taschenlampen «kontrolliert» worden und die Soldaten hätten Steine ge-

gen ihr Haus geworfen. Ihre Nachbarn hätten ähnliche Probleme gehabt 

und es sei verlangt worden, dass das Armeecamp entfernt werde (vgl. 

SEM-act. A43/20 S. 7 ff.). Ihr Ehemann sei am (…) 2014 von Geheim-

dienstleuten befragt worden, die behauptet hätten, er habe Kontakt mit den 

Journalisten aufgenommen (vgl. SEM-act. A43/20 S. 10 f.). 

5.3.2 Die Aussagen der Beschwerdeführenden weichen in einigen, we-

sentlichen Punkten voneinander ab. Der Beschwerdeführer brachte bei der 

BzP vor, ein Soldat habe seiner Frau beim Duschen zugeschaut, während 

er im Verlauf der Anhörung geltend machte, dieser habe seine Frau um-

armt, als er hinzugekommen sei. Die Beschwerdeführerin gab hingegen 

an, sie habe den Soldaten zu Boden gestossen und zu schreien begonnen; 

dann sei ihr Mann gekommen. Bei der BzP brachte er vor, die Dorfbewoh-

ner hätten wegen dieses Vorfalls die Schliessung des Armeecamps ver-

langt, das im (…) 2013 geschlossen worden sei, während er bei der Anhö-

rung geltend machte, die lokale Bevölkerung habe im (…) 2014 verlangt, 

dass das Camp geschlossen werde. Während der BzP sagte er, sie hätten 

wegen des Vorfalls, bei dem seine Ehefrau vom Soldaten umarmt worden 

sei, bei der Polizei Anzeige erstattet, im Rahmen der Anhörung erwähnte 

er dies nicht. Hingegen gab er an, die Polizisten hätten sich geweigert, eine 

Anzeige entgegenzunehmen, die ein Nachbar und er aufgrund der Vorfälle, 

die sich etwa einen Monat später zugetragen hätten, hätten erstatten wol-

len. Die Beschwerdeführerin erwähnte bei der BzP auch nicht ansatzweise, 

dass sie persönlich von den Ereignissen, die sie bei der Anhörung ins Zent-

rum ihrer Vorbringen rückte, betroffen gewesen sei. 

5.4  

5.4.1 Der Beschwerdeführer machte in der Anhörung geltend, er sei am 

frühen Morgen des (…) 2014 von Geräuschen geweckt worden. Es seien 

Männer hineingekommen, die versucht hätten, seine Frau mitzunehmen. 

Als sie sich zur Wehr gesetzt habe – sie habe die Männer von sich wegge-

drückt –, habe sie ihr Baby verloren. Bei der Rückübersetzung gab er hin-

gegen an, die Soldaten hätten versucht, ihn mitzunehmen, als seine Frau 

schwanger gewesen sei. Als sie versucht hätten, ihn zu tragen, habe sie 

die Soldaten stoppen und diese von sich wegdrücken wollen. Er sei von 

den Männern – es seien Soldaten gewesen, die früher im gegenüber ihrem 

Haus gelegenen Camp stationiert gewesen seien – mitgenommen worden 

D-374/2020 

Seite 25 

(vgl. SEM-act. A39/24 S. 8 und S. 22). Kurz nach seiner Festnahme sei er 

an den Händen gefesselt worden. Sie hätten ihn zu einem Pavillon ge-

bracht, in dem es einen Kellerraum gegeben habe. Bevor man ihm, mit 

dem Tuch, mit dem seine Hände gefesselt worden seien, die Augen ver-

bunden habe, habe er Bierflaschen in den Händen der Soldaten gesehen. 

Auf der einen Seite des Raums habe er Wickets und Bats vom Kricket und 

in einer Ecke Kricket-Bälle gesehen. Im Raum hätten sich mehrere Perso-

nen befunden; aufgrund ihres Akzentes gehe er davon aus, dass es sich 

um Soldaten gehandelt habe. Zudem habe er die Stimme des Armeekom-

mandanten erkannt (vgl. SEM-act. A39/24 S. 15 f.). Die Männer hätten ihn 

immer wieder gefragt, weshalb er Soldaten angegriffen habe. Er sei mit 

Füssen getreten und verprügelt worden. Dann sei er mit einer Bierflasche 

am linken Handgelenk «gestochen» worden. Er sei ohnmächtig geworden 

und auf der Polizeistation von Q._______ wieder zu sich gekommen. Mit 

Hilfe eines Anwalts sei er freigekommen. Er habe starke Schmerzen an der 

linken Hand und der Nase gehabt, da ihm diese gebrochen worden sei. 

Sein Onkel habe ihn direkt zum (…) gebracht, wo er fünf Tage lang geblie-

ben sei (vgl. SEM-act. A39/24 S. 8).  

5.4.2 Abweichend von dieser Schilderung gab der Beschwerdeführer bei 

der BzP an, er sei im (…) 2014 bei einem «round up» von Soldaten auf den 

lokalen Polizeiposten gebracht worden. Dank eines Anwalts sei er am frü-

hen Abend desselben Tages freigekommen (vgl. SEM-act. A5/11 S. 7). 

Weshalb er die am schwersten wiegenden Misshandlungen, die einen 

mehrtägigen Spitalaufenthalt nach sich gezogen hätten, nicht erwähnte, ist 

nicht nachvollziehbar, zumal er Gelegenheit erhielt, Gründe, die gegen 

eine Rückkehr nach Sri Lanka sprächen, beziehungsweise Zusatzbemer-

kungen anzubringen (vgl. SEM-act. A5/11 S. 7 f.). Zum Vorfall vom (…) 

2014 sagte er bei der Anhörung zuerst, die Soldaten, die in sein Haus ein-

gedrungen seien, hätten versucht, seine Frau mitzunehmen. Sie habe 

diese von sich weggedrückt, als sie versucht hätten, sie zu tragen. Bei der 

Rückübersetzung änderte er seine Angaben dahingehend, dass die Solda-

ten ihn hätten wegtragen wollen, was seine Ehefrau habe verhindern wol-

len. Die Beschwerdeführerin schilderte, Armeeangehörige seien plötzlich 

hineingekommen. Ihrem Mann seien die Hände auf den Rücken gelegt und 

gefesselt worden. Sie habe die Männer gebeten, ihn in Ruhe zu lassen, 

und sei mit Füssen in den Bauch getreten worden. Die Beschwerdeführerin 

machte im Gegensatz zu ihrem Ehemann zu keinem Zeitpunkt geltend, 

dass die Soldaten versucht hätten, sie mitzunehmen. In der Beschwerde 

wiederum wird angegeben, die Soldaten hätten vorerst die Beschwerde-

führerin mitnehmen wollen. Beim entstandenen Handgemenge sei sie in 

D-374/2020 

Seite 26 

den Bauch getreten worden. Nach dem Handgemenge hätten die Behör-

den entschieden, anstelle der Beschwerdeführerin ihren Ehemann mitzu-

nehmen (vgl. Beschwerde Ziff. 27). Die Angaben der Beschwerdeführen-

den sind somit nicht gleichbleibend, sondern widersprüchlich. 

Entgegen der in der Stellungnahme vom 30. März 2020 vertretenen Auf-

fassung, sagte der Beschwerdeführer bei der Anhörung aus, seine Hände 

seien «befreit» worden, als er zum Raum, in dem er misshandelt worden 

sei, gebracht worden sei. Mit dem gleichen Tuch seien seine Augen ver-

bunden worden. Er vermute, dass man seine Augen verbunden habe, weil 

er von Personen attackiert worden sei, die er gut gekannt habe (vgl. SEM-

act. A39/24 S. 16). Diese Angaben vermögen nicht zu überzeugen, gab der 

Beschwerdeführer doch an anderer Stelle an, er habe die die Soldaten, die 

ihn mitgenommen hätten, gekannt (vgl. SEM-act. A39/24 S. 8). 

5.4.3 Die Aussagen des Beschwerdeführers, er sei verletzt worden, lassen 

sich insofern objektivieren, als er beim SEM am 14. Juni 2019 (Poststem-

pel) eine Bestätigung der (…) vom 5. Juni 2019 einreichte. Gemäss dieser 

Bestätigung war er vom 22. bis zum 26. März 2014 hospitalisiert. Er sei 

aufgrund von Verletzungen an der Hand und im Gesicht vom Chirurgen Dr. 

V._______ behandelt worden. Das vom Beschwerdeführer genannte (…) 

gehört zur Gruppe der (…), bei welcher der in der Bestätigung erwähnte 

Dr. V._______ heute noch tätig ist (Webseite (…) besucht am 5. Dezember 

2022). Gestützt werden die Aussagen des Beschwerdeführers auch im an 

die (…) gerichteten ärztlichen Bericht der Psychiatrie W._______ (Erwach-

senenpsychiatrie) vom 24. April 2017, in dem eine Narbe von einer Schnitt-

verletzung am «Carpus palmar links» und eine von einem Faustschlag 

stammende Narbe an der linken Nasenwurzel erwähnt werden. Bei wel-

cher Gelegenheit der Beschwerdeführer sich die genannten Verletzungen 

zugezogen hatte, kann den Beweismitteln nicht entnommen werden. 

5.5  

5.5.1 Den von den Beschwerdeführenden eingereichten Zeitungsartikeln 

vom (…) 2014 ist zu entnehmen, dass es im Dorf, in dem sie lebten, Prob-

leme mit den dort stationierten Soldaten gab. Den Übersetzungen gemäss 

hätten Soldaten Steine in Richtung der Häuser der Dorfbewohner gewor-

fen. Sie hätten gedroht, die Einwohner zu töten. Aufgrund der Vorfälle sei 

das Camp geschlossen worden (vgl. SEM-act. A39/24 S. 12). In der Ein-

gabe vom 11. Februar 2020 wird darauf hingewiesen, dass in den Zei-

tungsberichten festgehalten werde, Soldaten hätten Frauen beim «Wa-

D-374/2020 

Seite 27 

schen» zugeschaut. In der Stellungnahme vom 30. März 2020 wird ausge-

führt, dem Bericht in der Zeitung «(…)» vom (…) 2014 sei zu entnehmen, 

dass Militärangehörige einer Frau beim Baden in einem Brunnen zuge-

schaut hätten. Dies sei öfters vorgekommen. Zudem werde über Behelli-

gungen mit Taschenlampen und nächtlichem Steinewerfen sowie über die 

Räumung des Militärcamps berichtet. Die Bewohner seien fotografiert wor-

den und hätten bei der Polizeistation in Q._______ Anzeige erstattet. In 

einem Bericht vom (…) 2014 werde hervorgehoben, dass im Zusammen-

hang mit den Beschwerden gegen Soldaten Bewohner befragt worden 

seien. 

Dem Artikel aus der Zeitung «(…)» vom (…) 2014 kann entnommen wer-

den, dass am Vortag in Q._______ im Rahmen von durchgeführten Raz-

zien drei junge Männer befragt worden seien. Ebenso wird berichtet, dass 

von der Armee bei den Razzien mehr als 300 tamilische Männer festge-

nommen und befragt worden seien. Ein Parlamentarier der TNA (Tamil Na-

tional Alliance) habe mitgeteilt, dass die Armee den Verdacht gehabt habe, 

eine Person, die in eine Schiesserei verwickelt gewesen sei, verstecke sich 

in Q._______. 

5.5.2 Die vorstehend wiedergegebene Berichterstattung stimmt in mehre-

ren Punkten mit den Angaben überein, welche die Beschwerdeführenden 

im Rahmen ihrer Befragungen machten. Da sie eigenen Angaben gemäss 

im Dorf beziehungsweise in der Gegend wohnten, in dem/der sich die ge-

schilderten Vorfälle zutrugen, ist davon auszugehen, dass sie über diese 

informiert waren, zumal in mehreren Zeitungen darüber berichtet wurde. 

Inwieweit die Beschwerdeführenden in die geschilderten Ereignisse per-

sönlich involviert waren, lässt sich den eingereichten Berichten nicht ent-

nehmen, weshalb sie nicht als gewichtiges Indiz für die Glaubhaftigkeit der 

geltend gemachten Übergriffe auf den Beschwerdeführer beziehungsweise 

den versuchten sexuellen Übergriff auf die Beschwerdeführerin gewertet 

werden können. 

5.5.3 Der Beschwerdeführer gab beim SEM ein Schreiben des sri-lanki-

schen Rechtsanwalts X._______ vom 27. April 2016 ab. Die in schlechtem 

Englisch verfassten Angaben decken sich in mehreren Punkten nicht mit 

seinen Angaben. Gemäss dem Anwalt sei am (…) 2014 ein «round up» 

durchgeführt worden, von dem auch das Dorf Y._______ betroffen gewe-

sen sei. Die Beschwerdeführenden sagten aus, die Umgebung ihres Dor-

fes sei vom «round up» nicht betroffen gewesen. Der Anwalt gibt an, der 

Beschwerdeführer sei an diesem Tag von der Armee festgenommen und 

D-374/2020 

Seite 28 

in der Folge gedemütigt und misshandelt worden. Mithilfe von Herrn 

Z._______ sei er nach einer gewissen Zeit unter Auflagen freigelassen 

worden. Der Beschwerdeführer gab nie an, dass er unter Auflagen freige-

lassen worden sei. Den Angaben des Anwalts ist zu entnehmen, dass der 

Beschwerdeführer sich nach diesem Vorfall einige Zeit versteckt habe, was 

er selbst nicht geltend machte. Des Weiteren führt der Anwalt aus, der Be-

schwerdeführer sei zusammen mit seinen Eltern zum Armeecamp gegan-

gen, was dieser nie vorbrachte. Angesichts dieser Ungereimtheiten kann 

dem Schreiben von Rechtsanwalt X._______ kein Beweiswert zuerkannt 

werden. 

5.6 In Anbetracht der Aktenlage gelangt das Bundesverwaltungsgericht 

zum Schluss, dass es den Beschwerdeführenden aufgrund der zahlreichen 

Ungereimtheiten und Widersprüche in ihren Aussagen, die mehrere we-

sentliche Aspekte ihrer Vorbringen betreffen, nicht gelungen ist, eine ihnen 

im Zeitpunkt ihrer Ausreise drohende Verfolgung aus asylrechtlich relevan-

ten Gründen nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. Angesichts der ein-

gereichten Beweismittel und ihrer Aussagen ist zwar davon auszugehen, 

dass es im Dorf, in dem sie vor ihrer Ausreise aus Sri Lanka lebten, zu 

Spannungen mit in einem Camp stationierten Soldaten kam, sie aber von 

diesen nicht in der von ihnen genannten Art und Weise betroffen waren. 

Das Gericht schliesst nicht aus, dass die Beschwerdeführerin wie auch an-

dere im Dorf lebende Frauen von einem oder mehreren Soldaten beim sich 

waschen beobachtet wurde, und dass der Beschwerdeführer von den sri-

lankischen Behörden wie auch andere Dorfbewohner im Zusammenhang 

mit Problemen, die sich aufgrund des Verhaltens von im Camp stationier-

ten Soldaten ergaben, befragt wurde, erachtet aber die geltend gemachten 

darüber hinausgehenden Nachstellungen seitens Behördenmitgliedern als 

überwiegend unwahrscheinlich und damit unglaubhaft. Aufgrund der Nar-

ben des Beschwerdeführers und der eingereichten Bestätigung der (…) ist 

zwar davon auszugehen, dass er sich im Gesicht und am Handgelenk Ver-

letzungen zuzog, die ärztlich versorgt wurden, indessen sind die von ihm 

geschilderten Umstände, die zu den Verletzungen geführt haben sollen, 

überwiegend unglaubhaft. Das Gericht kommt demnach in Einklang mit 

dem SEM zum Schluss, dass die Vorbringen der Beschwerdeführenden, 

sie seien von sri-lankischen Armeeangehörigen gezielt verfolgt und miss-

handelt worden, den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 

AsylG nicht standhalten. 

 

D-374/2020 

Seite 29 

5.7  

5.7.1 Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens reichten die Beschwerdefüh-

renden eine CD ein, auf der ein Besuch mehrerer Soldaten bei der Mutter 

des Beschwerdeführers aufgezeichnet ist. Gemäss den Ausführungen in 

der Eingabe vom 30. März 2020 hätten die Soldaten seine Mutter am 

16. Februar 2020 «besucht», als der Onkel des Beschwerdeführers anwe-

send gewesen sei, der das Vorgefallene mit seinem Handy habe aufzeich-

nen können. 

5.7.2 Gemäss der in der Eingabe vom 30. März 2020 wiedergegebenen 

Übersetzung des während des «Besuchs» der Soldaten Gesprochenen, 

habe ein Soldat der Mutter des Beschwerdeführers auf Singhalesisch ge-

sagt, er sei schon mehrmals gekommen, aber «er» sei nie dagewesen. 

Danach habe er gefragt, ob die Mutter Singhalesisch verstehe, was sie 

verneint habe. Der Soldat habe ihr vorgehalten, er habe bereits mehrmals 

gefragt, wo «er» sei, wobei sie immer geantwortet habe, sie wisse es nicht. 

Sie habe erklärt, dass im November 2010 bereits Beamte des TID nach 

ihm gesucht hätten. Im weiteren Verlauf des Gesprächs habe der Soldat 

gesagt, er müsse «ihn» persönlich etwas fragen und es bringe nichts, wenn 

er mit ihr (der Mutter) spreche. Schliesslich habe er gefragt, wo A._______ 

sei, und angekündigt, er werde wiederkommen, um mit ihm zu sprechen. 

Zu einem sich ausserhalb des Hauses befindlichen anderen Soldaten habe 

er gesagt, A._______ sei nicht da und seine Mutter wisse nicht, wo er sei. 

5.7.3 Davon ausgehend, dass der Soldat die Mutter des Beschwerdefüh-

rers bereits vor dem auf der CD aufgezeichneten «Besuch» – der Zeitpunkt 

der Aufzeichnung ist nicht belegt – mehrmals aufgesucht haben soll, er-

scheint nicht nachvollziehbar, dass er diese einleitend fragte, ob sie Sin-

ghalesisch verstehe. Hätte er bereits mehrmals bei ihr vorgesprochen, 

müsste er gewusst haben, ob sie Singhalesisch versteht oder nicht. Dies 

umso mehr, als er sich daran erinnerte, bereits mehrmals mit ihr gespro-

chen zu haben und auch von ihren Aussagen Kenntnis hatte. Angesichts 

des Vorbringens, dieser Soldat habe die Mutter des Beschwerdeführers 

bereits mehrmals aufgesucht, kann ebenso wenig nachvollzogen werden, 

weshalb sie ihm im Februar 2020 gesagt haben sollte, dass im November 

2010 Beamte des CID nach ihm gesucht hätten. Der Beschwerdeführer 

hielt sich gemäss seinen Angaben im November 2010 in I._______ auf und 

kehrte im Januar 2013 nach Sri Lanka zurück. Es ist zu bezweifeln, dass 

seine Mutter im Februar 2020 auf Anhieb in der Lage gewesen sein sollte, 

einen über neun Jahre zurückliegenden Besuch des TID zeitlich genau 

D-374/2020 

Seite 30 

festzulegen. Zudem erscheint merkwürdig, dass sie sich nach mehrmali-

gem Besuch eines Soldaten auf eine angeblich weit zurückliegende Suche 

nach ihrem Sohn durch das TID bezieht. 

Der Beschwerdeführer machte bei der Anhörung geltend, er habe am (…) 

2016 in H._______ an einer Demonstration teilgenommen, was den sri-

lankischen Behörden nicht verborgen geblieben sei (vgl. Bst. C.c). Ange-

sichts dieses Vorbringens ist zu bezweifeln, dass er von der Armee mehr-

mals und über Jahre hinweg zu Hause «gesucht» worden sein soll. Wäre 

er nach Sri Lanka zurückgekehrt, wäre dies den heimatlichen Behörden mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht verborgen geblieben, denn aus 

dem Ausland nach Sri Lanka zurückkehrende Bürger werden kontrolliert 

und einer Sicherheitsprüfung unterzogen. Den heimatlichen Behörden 

hätte somit bewusst sein müssen, dass eine Suche nach dem Beschwer-

deführer bei seinen Eltern kaum erfolgversprechend wäre. 

Des Weiteren kann aufgrund der Umstände der Vorsprache des Soldaten 

nicht davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer von der sri-

lankischen Armee gesucht wird. Wäre eine Armee-Patrouille zu seinen El-

tern gekommen, um ihn festzunehmen und ihm etwas anzutun, hätte der 

mit der Mutter sprechende Soldat sich wohl nicht mit ihrer Angabe, ihr Sohn 

sei nicht zugegen, zufriedengegeben. Wären die Soldaten in Verfolgungs-

absicht gekommen und davon ausgegangen, der Beschwerdeführer 

könnte sich (wieder) in Sri Lanka aufhalten, hätten sie zumindest das Haus 

der Eltern durchsucht, um sich zu vergewissern, dass die Angabe seiner 

Mutter zutreffend war. Der Ablauf des Gesprächs zwischen dem Soldaten 

und der Mutter deutet indessen darauf hin, dass dieser mit dem Beschwer-

deführer etwas besprechen wollte, das nicht in Verbindung mit einem offi-

ziellen Auftrag stand. 

5.7.4 Aufgrund des vorstehend Gesagten gelangt das Bundesverwaltungs-

gericht zum Schluss, dass die Beschwerdeführenden auch mit den auf der 

CD eingereichten Videosequenzen nicht glaubhaft machen können, dass 

der Beschwerdeführer in Sri Lanka von der Armee aus asylrechtlich be-

achtlichen Gründen gesucht wird. 

6.  

6.1 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die 

Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG und Art. 1A des Abkom-

mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

D-374/2020 

Seite 31 

SR 0.142.30), wenn sie mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in abseh-

barer Zukunft mit gutem Grund Nachteile von bestimmter Intensität be-

fürchten muss, die ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive 

zugefügt zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreichenden staat-

lichen Schutz erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f.; 2008/4 E. 5.2, 

jeweils m.w.H.). Ob eine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung vor-

liegt, ist aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu beurteilen. Es 

müssen hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhan-

den sein, die bei jedem Menschen in der gleichen Lage Furcht vor Verfol-

gung hervorrufen würden. Die objektive Betrachtungsweise ist durch das 

vom Betroffenen bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in ver-

gleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungsmass-

nahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere (sub-

jektive) Furcht (vgl. BVGE 2011/50 E. 3.1.1; 2011/51 E. 6; 2008/4 E. 5.2, je 

m.w.H). 

6.2 Wie vorstehend ausgeführt (vgl. E. 5.6 und 5.7), geht das Bundesver-

waltungsgericht nicht davon aus, dass die Beschwerdeführenden vor ihrer 

Ausreise aus Sri Lanka asylrechtlich relevanten Verfolgungsmassnahmen 

ausgesetzt waren oder solche in begründeter Weise zu befürchten hatten. 

Die vom Gericht als nicht abwegig erachteten Belästigungen (Beobachtung 

der Beschwerdeführerin beim sich waschen, Steine auf ihr Grundstück 

werfen und schikanöse Kontrollen durch Soldaten) und Befragungen im 

Zusammenhang mit den Vorgängen um das lokale Armeecamp, von denen 

mehrere Bewohner ihres Wohnortes betroffen waren, erreichten nicht die 

geforderte Intensität, um als ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG 

eingestuft zu werden. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer sich der-

art verletzte, dass er ärztlich versorgt werden musste, wird vom Gericht 

nicht verkannt, es ist jedoch davon auszugehen, dass er sich die Verlet-

zungen bei einer anderen als der von ihm vorgebrachten Gelegenheit zu-

zog und die diesbezüglichen Umstände keinen asylrechtlich relevanten 

Hintergrund haben. 

6.3 Hinsichtlich der veränderten Lage in Sri Lanka seit dem Regierungs-

wechsel vom November 2019 – die Beschwerdeführenden verliessen ihr 

Heimatland im März 2015 – ist festzuhalten, dass das Bundesverwaltungs-

gericht fortwährend Lagebeurteilungen vornimmt, die den Veränderungen 

Rechnung tragen und bei der Entscheidfindung berücksichtigt werden. Ge-

mäss den Erkenntnissen des Gerichts ist bei Personen mit einem bestimm-

ten Risikoprofil, die bei einer Heimreise von Verfolgungsmassnahmen be-

D-374/2020 

Seite 32 

droht sein könnten beziehungsweise in Sri Lanka bereits solchen ausge-

setzt waren, von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage aus-

zugehen (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 

m.w.H.). Im heutigen Zeitpunkt besteht indessen kein Grund zur Annahme, 

dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kol-

lektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt sind. Das Risikoprofil der Be-

schwerdeführenden hat sich nach der genannten Präsidentschaftswahl 

aus Sicht des Gerichts nicht wesentlich verändert und diese sowie die da-

ran anknüpfenden Ereignisse vermögen im Hinblick auf sie keine objekti-

ven Nachfluchtgründe zu begründen (vgl. dazu BVGE 2010/44 E. 3.5; Ur-

teile des BVGer E-1156/2020 vom 20. März 2020 E. 6.2, E-6426/2019 vom 

8. November 2021 E. 6.6). Ranil Wickremesinghe wurde am 20. Juli 2022 

zum Nachfolger des abgetretenen Gotabaya Rajapaksa als neuer Staats-

präsident gewählt, was vorerst nichts an der bisherigen Lageeinschätzung 

ändert, ist dieser doch Teil der alten politischen Elite (vgl. Urteile des BVGer  

E-2912/2020 vom 10. August 2022, D-2061/2020 vom 5. August 2022 

E. 7.3.9, D-2995/2022 vom 21. Juli 2022 E. 13). 

6.4 Da es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine ihnen zum 

Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Sri Lanka drohende beziehungsweise zuvor 

erlittene asylrechtlich relevante Verfolgung glaubhaft zu machen, bleibt zu 

prüfen, ob ihnen bei einer Rückkehr in ihr Heimatland im heutigen Zeitpunkt 

ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen. 

6.4.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 

vom 15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei 

einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Ge-

fahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind. Zur Beurteilung des Risi-

kos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaf-

tung und Folter zu werden, wurden verschiedene Risikofaktoren identifi-

ziert. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene Ver-

bindung zu den LTTE, ein Eintrag in der «Stop-List» und die Teilnahme an 

exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden als stark risikobegrün-

dende Faktoren eingestuft, da sie unter den im Entscheid dargelegten Um-

ständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung einer begründe-

ten Furcht führen könnten. Demgegenüber stellen das Fehlen ordentlicher 

Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka, Narben und eine ge-

wisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land schwach risikobegrün-

dende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden, die diese weitreichenden 

Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene kleine Gruppe tatsächlich mit 

beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinn von Art. 3 

D-374/2020 

Seite 33 

AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-lankischen Behörden be-

strebt sei, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen, und so 

den sri-lankischen Einheitsstaat gefährde. Mit Blick auf die dargelegten Ri-

sikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkehrer gefährdet, deren Namen 

in der am Flughafen in Colombo abrufbaren «Stop-List» vermerkt seien 

und deren Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung beziehungsweise einen 

Strafregistereintrag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder ver-

muteten Verbindung zu den LTTE enthalte. Entsprechendes gelte für sri-

lankische Staatsangehörige, die sich im Ausland regimekritisch betätigt 

hätten (vgl. a.a.O. E. 8.5.5). 

6.4.2 Die Vorbringen der Beschwerdeführenden wurden als teilweise un-

glaubhaft und im Übrigen als asylrechtlich irrelevant qualifiziert. Abgesehen 

von den nicht übereinstimmenden Angaben, die der Beschwerdeführer hin-

sichtlich des Vorbringens, (…) seien von den LTTE deponierte Waffen ge-

funden worden und seine Familie habe die LTTE mit Esswaren versorgt 

beziehungsweise er habe beim Bunkerbau geholfen, machte, gab er nicht 

an, er sei nach seiner Rückkehr aus J._______ im Jahr 2013 diesbezüglich 

Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt worden. Er brachte zwar vor, man 

habe von ihm Geld verlangt, machte aber nicht geltend, dass von einer 

staatlichen Behörde gegen ihn ermittelt worden sei, weil der Verdacht im 

Raum gestanden sei, er habe Verbindungen zu den LTTE und sei an gegen 

den Staat gerichteten Umtrieben beteiligt. Aufgrund des Persönlichkeits-

profils der Beschwerdeführenden ist davon auszugehen, dass beide nicht 

im Verdacht stehen, an Handlungen beteiligt zu sein, die darauf abzielen, 

den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen. Daran würde 

auch die einmalige Teilnahme des Beschwerdeführers an einer in 

H._______ durchgeführten Demonstration nichts ändern, da er nicht gel-

tend machte, im Exil in tragender Weise an der Durchführung regimekriti-

scher Aktivitäten beteiligt gewesen zu sein. Die Beschwerdeführenden ha-

ben weder gegenüber dem SEM noch während des Beschwerdeverfah-

rens vorgebracht und belegt, dass sie sich in der Schweiz exilpolitisch be-

tätigt haben beziehungsweise betätigen, weshalb den Akten nach wie vor 

keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme zu entnehmen sind, die 

sri-lankischen Behörden würden davon ausgehen, sie wären heute be-

strebt, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen. 

6.4.3 Die bei den Beschwerdeführenden auszumachenden schwach risi-

kobegründenden Faktoren (angebliches Fehlen von Reisepapieren, mehr-

jähriger Aufenthalt in Europa, Narben des Beschwerdeführers) sind vorlie-

gend nicht geeignet, um davon auszugehen, sie würden bei einer Rückkehr 

D-374/2020 

Seite 34 

nach Sri Lanka verdächtigt, Verbindungen zu den LTTE gehabt zu haben 

beziehungsweise solche immer noch zu haben. Es ist davon auszugehen, 

dass sie im Rahmen der routinemässigen Überprüfungen am Flughafen 

von Colombo und in der Heimatregion keinen ernsthaften Nachteilen aus-

gesetzt werden. 

6.5 Aus einer aufgrund der konkreten Aktenlage gewonnenen Gesamtsicht 

erscheint nicht überwiegend wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführen-

den bei einer Rückkehr nach Sri Lanka einem erhöhten Verfolgungsrisiko 

ausgesetzt wären und ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 

AsylG zu befürchten hätten. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführun-

gen in den Beschwerdeeingaben und die eingereichten Beweismittel im 

Einzelnen einzugehen, weil sie an der Würdigung des vorliegenden Sach-

verhalts nichts zu ändern vermögen. Das SEM hat demnach zu Recht fest-

gestellt, dass die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht 

erfüllen, und die Asylgesuche abgelehnt. 

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine 

ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 

Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu 

Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

D-374/2020 

Seite 35 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

8.3  

8.3.1 Das SEM wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, 

dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen 

schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den Beschwerdefüh-

renden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nach-

zuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte 

Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine An-

wendung finden. Ihre Rückkehr nach Sri Lanka ist demnach unter dem As-

pekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

8.3.2 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdefüh-

renden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer 

Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 

einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-

lung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des UN-

Anti-Folterausschusses müssten sie eine konkrete Gefahr («real risk») 

nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschie-

bung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des 

EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, 

§§ 124–127 m.w.H.). 

8.3.3 Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine 

EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europä-

ischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst (vgl. 

D-374/2020 

Seite 36 

EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013,Be-

schwerde Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien, Urteil vom 31. Mai 

2011, Beschwerde Nr. 41178/08; T.N. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Ja-

nuar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P.K. gegen Dänemark, Urteil vom 

20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08; N.A. gegen Grossbritannien, 

Urteil vom 17.  Juli 2008, Beschwerde Nr. 25904/07; Rechtsprechung be-

stätigt in J.G. gegen Polen, Entscheidung vom 11. Juli 2017, Beschwerde 

Nr. 44114/14). Dabei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht in genereller 

Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine un-

menschliche Behandlung. Vielmehr müssten im Rahmen der Beurteilung, 

ob der oder die Betroffene ernsthafte Gründe für die Befürchtung habe, die 

Behörden hätten an seiner/ihrer Festnahme und Befragung ein Interesse, 

verschiedene Aspekte – die im Wesentlichen durch die im Referenzurteil 

E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 identifizierten Risikofaktoren abgedeckt 

sind (vgl. EGMR, T.N. gegen Dänemark, a.a.O., § 94; EGMR, E.G. gegen 

Grossbritannien, a.a.O., § 13 und 69) – in Betracht gezogen werden. Dabei 

sei dem Umstand gebührend Beachtung zu tragen, dass diese einzelnen 

Aspekte, auch wenn sie für sich alleine betrachtet möglicherweise kein 

«real risk» darstellen, diese Schwelle bei einer kumulativen Würdigung er-

reichen könnten. 

8.3.4 Da die Beschwerdeführenden nicht glaubhaft gemacht haben, sie 

müssten in begründeter Weise befürchten, bei einer Rückkehr nach Sri 

Lanka die Aufmerksamkeit der heimatlichen Behörden in einem flüchtlings-

rechtlich relevanten Ausmass auf sich zu ziehen, bestehen keine Anhalts-

punkte dafür, ihnen drohte dort eine menschenrechtswidrige Behandlung. 

8.3.5 Das Bundesverwaltungsgericht sieht in Anbetracht der vorliegenden 

Aktenlage keinen Grund zur Annahme, die jüngsten politischen Entwick-

lungen in Sri Lanka wirkten sich konkret auf die Lage der Beschwerdefüh-

renden aus. Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt 

den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als generell unzu-

lässig erscheinen und die Beschwerdeführenden machten keine individu-

ellen Vorbringen glaubhaft, die eine Unzulässigkeit des Wegweisungsvoll-

zugs begründen könnten. 

8.3.6 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit sowohl im Sinn der 

asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig. 

 

D-374/2020 

Seite 37 

8.4  

8.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

8.4.2 Das SEM führt in der angefochtenen Verfügung aus, in Sri Lanka 

herrsche keine Situation wie Krieg, Bürgerkrieg oder allgemeine Gewalt, 

die Rückkehrende generell gefährden würde. Die Beschwerdeführenden 

hätten über 30 Jahre in der Nordprovinz gelebt. In Sri Lanka lebten ihre 

Eltern, eine Schwester und ein Bruder des Beschwerdeführers. Der Be-

schwerdeführer habe elf Jahre lang die Schule besucht und verschiedene 

Arbeitserfahrungen gesammelt. Dem eingereichten Arztbericht vom 

25. September 2019 sei zu entnehmen, dass er an einer mittleren depres-

siven Episode leide und der Verdacht auf eine PTBS bestehe. Im Bezirk 

Jaffna sei die Behandlung dieser Beschwerden in diversen Gesundheits-

einrichtungen möglich. In staatlichen Spitälern sei sie kostenlos. Somit 

gebe es keinen Grund zur Annahme, die Rückkehr führe zu einer raschen 

und lebensgefährdenden Beeinträchtigung seines Gesundheitszustands, 

weshalb nicht vom Vorliegen einer medizinischen Notlage im Sinne von 

Art. 83 Abs. 4 AIG auszugehen sei. Der Beschwerdeführer habe wiederholt 

angegeben, seine Familie sei wohlhabend. Zwei seiner Geschwister be-

fänden sich im Ausland. Es sei davon auszugehen, dass die Beschwerde-

führenden sich bei einer Rückkehr auf den allfällig benötigten sozialen und 

wirtschaftlichen Rückhalt der Familie stützen könnten. Ausserdem stehe es 

ihnen frei, bei der kantonalen Rückkehrberatungsstelle medizinische Rück-

kehrhilfe zu beantragen (Art. 93 AsylG). 

8.4.3 In der Beschwerde wird geltend gemacht, angesichts der schweren 

Traumatisierung beider Eheleute sei davon auszugehen, dass mit ihrer 

Retraumatisierung zu rechnen und von einer Verschlechterung ihrer Situa-

tion auszugehen sei. Das Risiko eines Suizids würde sich durch eine Rück-

schaffung drastisch erhöhen. In der Eingabe vom 11. Februar 2020 wird 

darauf hingewiesen, dass der negative Asylentscheid dem Beschwerde-

führer durch die ihn behandelnde Ärztin eröffnet worden sei. Seine gesund-

heitliche Situation habe sich seitdem merklich verschlechtert. Seine psy-

chische Verfassung sei auf die traumatischen Ereignisse in Sri Lanka zu-

rückzuführen. 

D-374/2020 

Seite 38 

8.4.4 In der Eingabe vom 29. September 2022 wird unter Hinweis auf die 

eingereichten ärztlichen Berichte darauf hingewiesen, dass die Beschwer-

deführerin unter anderem an einem metabolischen Syndrom mit arterieller 

Hypertonie und einem Diabetes mellitus leide. Sie bedürfe mehrerer Medi-

kamente und die Therapie müsse lebenslang weitergeführt werden. Beim 

Aussetzen von Kontrollen und medikamentöser Therapie wäre mit Kompli-

kationen durch den Diabetes zu rechnen. Der Beschwerdeführer leide an 

einer PTBS sowie einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig 

mittelgradige Episode. Aufgrund der Unterbrechung der Therapie während 

der Corona-Pandemie habe die depressive Symptomatik zugenommen. 

Zurzeit sei er auf drei Medikamente angewiesen. In den vergangenen Jah-

ren sei er aufgrund eines Suizidversuchs und von Suizidgedanken mehr-

mals in stationärer und teilstationärer Behandlung gewesen. Bei einer all-

fälligen Unterbrechung der Behandlung müsse mit einer Verschlechterung 

der bestehenden Symptomatik und bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit 

einer erneuten suizidalen Krise gerechnet werden. 

Sri Lanka befinde sich derzeit in einer schlimmen Wirtschaftskrise, die ver-

heerende Folgen für die Zivilbevölkerung habe. Gemäss dem sri-lanki-

schen Präsidenten werde sich die Situation noch weiter verschlechtern. Die 

besorgniserregende Gesundheitsversorgung sei für die Beschwerdefüh-

renden relevant. Gemäss Angaben der UNO habe sich die Wirtschaftskrise 

insbesondere auf den Zugang zu den Gesundheitsdiensten ausgewirkt. Sri 

Lanka sei fast vollständig auf den Import von Medikamenten angewiesen, 

aber nicht mehr in der Lage, diese zu beschaffen. Gemäss SFH seien im 

Juni 2022 fast 200 unentbehrliche Medikamente nicht mehr vorrätig gewe-

sen. Für die kommenden zwei bis drei Monate sei ein Mangel an weiteren 

163 kritischen Medikamenten vorausgesagt worden. Insbesondere fehlten 

Antidepressiva. Die Patienten müssten selbst versuchen, Medikamente zu 

beschaffen, was lange Reisewege mit sich bringen könne, die sich viele 

Menschen nicht leisten könnten. Auch die Preise für die noch vorhandenen 

Medikamente seien in die Höhe gestiegen. Die Beschwerdeführenden 

könnten das Geld für die Transportkosten und die überteuerten Medika-

mente nicht aufbringen, auch wenn diese noch erhältlich wären. Dem Kon-

zept der kostenlosen Gesundheitsversorgung werde in Sri Lanka nicht 

mehr nachgekommen. Wichtige Medikamente für die Behandlung endokri-

ner Erkrankungen fehlten, in Spitälern und Apotheken mangle es insbeson-

dere an Diabetes-Medikamenten und Insulin. Die Gesundheitsversorgung 

habe sich für Menschen mit psychischen Problemen weiter verschlechtert. 

Die meisten Medikamente seien fast aufgebraucht und die fehlenden oder 

teuren Transportmöglichkeiten bereiteten sowohl Patienten, als auch dem 

D-374/2020 

Seite 39 

Gesundheitspersonal Schwierigkeiten. Für die Patienten sei es kaum mehr 

möglich, in die psychiatrischen Ambulanzen zu kommen und die mobilen 

psychiatrischen Dienste seien wegen Treibstoffmangels lahmgelegt wor-

den. Mit einer baldigen und dauerhaften Verbesserung der Gesundheits-

versorgung sei nicht zu rechnen. Bei einer allfälligen Rückführung der Be-

schwerdeführenden sei weder die medikamentöse Versorgung noch eine 

ausreichende ärztliche beziehungsweise psychiatrische Betreuung ge-

währleistet. Eine Rückkehr würde zu einer massiven Verschlechterung ih-

res Gesundheitszustands führen und könnte sie in eine lebensbedrohliche 

Situation bringen. 

8.5  

8.5.1 Der Vollzug der Wegweisung in die Nordprovinz ist gemäss Praxis 

des Bundesverwaltungsgerichts zumutbar, wenn das Vorliegen der indivi-

duellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen 

familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine ge-

sicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Refe-

renzurteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.2). 

8.5.2 In Sri Lanka herrscht weder Krieg noch Bürgerkrieg noch eine Situa-

tion allgemeiner Gewalt. In den beiden Referenzurteilen E-1866/2015 vom 

15. Juli 2016 und D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 hat das Bundesver-

waltungsgericht eine Einschätzung der Lage in Sri Lanka vorgenommen. 

Dabei stellte es fest, dass der Wegweisungsvollzug sowohl in die Nordpro-

vinz als auch in die Ostprovinz unter Einschluss des sogenannten Vanni-

Gebiets zumutbar ist, wenn das Vorliegen von individuellen Zumutbar-

keitskriterien bejaht werden kann. Zu den individuellen Zumutbarkeitskrite-

rien gehören insbesondere das Vorhandensein eines tragfähigen familiä-

ren oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte 

Einkommens- und Wohnsituation (vgl. Referenzurteil des BVGer  

E-1866/2015 E. 13.2 ff. und Urteil des BVGer D-3619/2016 vom 16. Okto-

ber 2017 E. 9.5). An diesen Leitlinien ändern weder die Situation nach dem 

Machtwechsel im Jahr 2019 noch die aktuelle Lage in Sri Lanka etwas. Am 

20. Juli 2022 wurde Ranil Wickremesinghe als Nachfolger