# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a4a53b71-e677-5191-bfe7-590152a8324a
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2004-04-23
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Verwaltungsgericht 23.04.2004 B 2003/220
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VG_001_B-2003-220_2004-04-23.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: B 2003/220

Stelle: Verwaltungsgericht

Rubrik: Verwaltungsgericht

Publikationsdatum: 23.04.2004

Entscheiddatum: 23.04.2004

Entscheid Verwaltungsgericht, 23.04.2004
Ausländerrecht. Art. 9 und Art. 29 Abs. 1 BV (SR 101), Art. 17 Abs. 2 Satz 3 
ANAG (SR 142.20) und Art. 8 EMRK (SR 0.101). Aus Gründen des 
Vertrauensschutzes besteht kein Anspruch auf erneuten Nachzug des 
Sohnes aus erster Ehe einer hier niedergelassenen Ausländerin. Sodann 
fehlt der Nachweis, dass die Familiengemeinschaft in der Schweiz aus 
objektiven Gründen erst nach Jahren hergestellt werden konnte 
(Verwaltungsgericht, B 2003/220).

Anwesend: Präsident Dr. U. Cavelti; Verwaltungsrichter Dr. E. Oesch-Frischkopf, lic. 

iur. A. Linder, Dr. B. Heer, lic. iur. A. Rufener; Gerichtsschreiberin lic. iur. R. Haltinner-

Schillig

_______________

In Sachen

J. Z.-J.,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic.iur. Daniel J. Senn,

Museumstrasse 47, 9004 St. Gallen,

gegen

Justiz- und Polizeidepartement des Kantons St. Gallen,

Oberer Graben 32, 9001 St. Gallen,

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Vorinstanz,

betreffend

Familiennachzug von I. J.

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:

A./ J.J., kroatische Staatsangehörige, geboren am 3. Februar 1967, heiratete am 22. 

Februar 1986 in Z., Bosnien-Herzegowina, P.J., geboren am 7. Januar 1965. Am 31. 

Januar 1987 wurde das gemeinsame Kind I.J. geboren. Am 4. Mai 1989 wurde die Ehe 

J.-J. in Z. geschieden. I., der damals gut zwei Jahre alt war, wurde der Mutter zur 

Alleinerziehung zugesprochen.

Am 2. August 1992 reiste J.J. in die Schweiz ein, wo sie im Rahmen der "Aktion 

Bosnien-Herzegowina" eine Kurzaufenthaltsbewilligung erhielt.

Am 1. Dezember 1994 kam in U. A., das gemeinsame Kind von J.J. und W.Z., einem 

Schweizerischen Staatsbürger, geboren am 00. August 0000, zur Welt. Am 3. März 

1995 heirateten J.J. und W.Z.. In der Folge wurde J.Z.-J. eine Aufenthaltsbewilligung 

erteilt.

Am 15. Oktober 1995 stellte J. Z.-J. ein Familiennachzugsgesuch für I.. In der Folge 

wurde ihm eine Aufenthaltsbewilligung zum "Verbleib bei Mutter und Stiefvater" erteilt, 

und er reiste am 28. November 1995 in die Schweiz ein. Ab 1. Januar 1996 besuchte I. 

die Primarschule in J. Am 8. Mai 1996 bestätigte die Primarschulgemeinde, dass I. am 

15. April 1996 aus der Schule ausgetreten sei. Dem Schreiben kann entnommen 

werden, das Kind habe die Osterferien zusammen mit seiner Mutter in Jugoslawien 

verbracht und sei dort angeblich vom leiblichen Vater oder von den Eltern des 

leiblichen Vaters entführt worden. Gemäss Meldung von W.Z. vom 6. Mai 1996 

verbleibe I. bei den Eltern des leiblichen Vaters in Bosnien.

Am 24. März 2000 wurde J.Z.-J. die Niederlassungsbewilligung erteilt. Am 12. August 

2002 reiste I. im Rahmen eines Besuchsaufenthalts in die Schweiz ein, und am 1. 

Oktober 2002 stellte J.Z.-J. das Gesuch um Nachzug ihres Sohnes aus erster Ehe.

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Mit Verfügung vom 5. Juni 2003 lehnte das Ausländeramt das Gesuch um 

Familiennachzug ab und setzte für die Ausreise von I. Frist bis 27. Juni 2003. Zur 

Begründung wurde im wesentlichen ausgeführt, nach den Umständen sei zu 

schliessen, dass nicht das familiäre Zusammenleben im Vordergrund stehe. Es dränge 

sich vielmehr die Folgerung auf, dass dem nachzuziehenden Kind kurz vor Erreichen 

der Mündigkeit der Aufenthalt unter Umgehung der Kontingentierungsvorschriften 

verschafft werden solle.

B./ Gegen die Verweigerung des Familiennachzugs erhob J. Z.-J. am 26. Juni 2003 

durch ihren Rechtsvertreter Rekurs beim Justiz- und Polizeidepartement. Der Rekurs 

wurde am 12. November 2003 abgewiesen, soweit darauf eingetreten wurde. Das 

Ausländeramt wurde eingeladen, für I. eine neue Frist zur Ausreise anzusetzen. Der 

Entscheid wurde im wesentlichen damit begründet, I. habe zum Zeitpunkt, als das 

Gesuch eingereicht worden sei, zu seiner Mutter keine vorrangige familiäre Beziehung 

unterhalten. Vielmehr sei davon auszugehen, dass die Grosseltern väterlicherseits 

zusammen mit dem Betreuungspersonal des Internats, wo er zur Schule gegangen sei, 

seine wichtigsten Bezugspersonen seien.

C./ Mit Eingaben ihres Rechtsvertreters vom 27. November 2003 und 2. Februar 2004 

erhob J.Z.-J. gegen den Entscheid des Justiz- und Polizeidepartements vom 12. 

November 2003 Beschwerde beim Verwaltungsgericht und stellte das 

Rechtsbegehren, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und es sei der Nachzug 

von I. zu bewilligen.

Am 18. Februar 2004 beantragte die Vorinstanz, die Beschwerde sei abzuweisen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:

1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis des 

Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). J.Z.-J. ist zur 

Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 

VRP). Die Beschwerdeerklärung und ihre Ergänzung entsprechen zeitlich, formal und 

inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 

1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).

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Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2./ Die Beschwerdeführerin beruft sich auf Art. 9 und Art. 29 Abs. 1 der 

Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt BV) und rügt, das Ausländeramt habe über das 

Gesuch um Familiennachzug nicht innert angemessener Frist entschieden. Auch wenn 

sie daraus für sich nichts ableiten wolle, habe sie ein Interesse daran, dass das 

behördliche Fehlverhalten festgestellt werde, weil es im Rahmen der 

Verhältnismässigkeitsprüfung von Belang sein könne. Die Beschwerdeführerin macht 

somit sinngemäss geltend, die Dauer der Anwesenheit I.s in der Schweiz sei im 

Zusammenhang mit der Frage zu berücksichtigen, ob die Verweigerung der 

Aufenthaltsbewilligung rechtmässig sei. Dementsprechend wird unter Ziff. 3 c) hienach 

in die Interessenabwägung miteinbezogen, dass der Sohn der Beschwerdeführerin seit 

August 2002 bei ihr in J. lebt.

3./ Nach Art. 17 Abs. 2 Satz 3 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung 

der Ausländer (SR 142.20, abgekürzt ANAG) haben ledige Kinder unter 18 Jahren eines 

niedergelassenen Ausländers Anspruch auf Einbezug in die Niederlassungsbewilligung, 

wenn sie mit ihren Eltern zusammenwohnen. Die Beschwerdeführerin verfügt über die 

Niederlassungsbewilligung. Sodann ist I. auch heute noch nicht 18 Jahre alt (vgl. dazu 

BGE 120 Ib 262 mit Hinweis auf BGE 118 Ib 153 E. 1b). Insoweit sind die 

Voraussetzungen nach Art. 17 Abs. 2 Satz 3 ANAG für den Nachzug erfüllt. Im 

vorliegenden Fall besteht indessen nach der bundesgericht-lichen Rechtsprechung 

kein bedingungsloser Anspruch auf Nachzug. Unterschieden wird zwischen 

zusammenlebenden Eltern und getrennt lebenden Eltern (vgl. BGE 129 II 14 mit 

Hinweis auf BGE 126 II 329 ff.). Hält sich der eine Elternteil in der Schweiz, der andere 

aber im Ausland auf, kann es nicht um die Zusammenführung einer Gesamtfamilie 

gehen. Ein Nachzugsrecht setzt demnach voraus, dass eine vorrangige Bindung des 

Kindes zum in der Schweiz lebenden Elternteil nachgewiesen ist und besonders 

stichhaltige familiäre Gründe, zum Beispiel die Aenderung der 

Betreuungsmöglichkeiten, dieses Vorgehen rechtfertigen (vgl. BGE 129 II 15 mit 

Hinweis auf BGE 126 II 329 E. 2a und 3b). Solche Gründe dürfen nicht leichthin bejaht 

werden. Es gelten hohe Beweisanforderungen (vgl. BGE 129 II 16 mit Hinweis auf BGE 

124 II 361 E. 4c). An den Nachweis der fehlenden Betreuungsmöglichkeit im 

Heimatland sind - zumal es aus inte-grationspolitischer Sicht nicht erwünscht ist, dass 

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Jugendliche erst kurz vor Erreichung der Altersgrenze in die Schweiz geholt werden - 

umso höhere Anforderungen zu stellen, je älter das Kind ist bzw. je grösser die ihm in 

der Schweiz drohenden Integrationsschwierigkeiten sind (vgl. BGE 129 II 16). Nach der 

Rechtsprechung des Bundesgerichts sind bei der Prüfung der Frage, zu wem das 

nachzuziehende Kind die vorrangige familiäre Beziehung aufrechterhalten hat, sodann 

nicht nur die jeweiligen Beziehungen zu den Elternteilen, sondern auch die 

Beziehungen zu weiteren Betreuungspersonen in Betracht zu ziehen. So hat das 

Bundesgericht in einem Fall massgebend darauf abgestellt, dass die nachzuziehenden 

Kinder seit vielen Jahren bei den Grosseltern im Ausland gelebt hatten und von diesen 

erzogen worden waren. In einem andern Fall ist der Nachzug eines Teils der Kinder nur 

deswegen bewilligt worden, weil die Grossmutter, welche die im Kosovo 

zurückgelassenen Kinder seit Jahren betreut hatte, inzwischen verstorben war und 

insofern neue Betreuungsverhältnisse entstanden waren. Ferner hat das Bundesgericht 

darauf hingewiesen, dass es nicht genügt, dass im Verhältnis zwischen Kindern und 

ihren Eltern eine vorrangige Beziehung der Kinder zum in der Schweiz wohnenden 

Elternteil besteht; die Bewilligung des Familiennachzugs setzt zusätzlich voraus, dass 

er sich zu deren Pflege notwendig erweisen muss (vgl. BGE 125 II 588 f. mit 

Hinweisen). Die Verweigerung einer Bewilligung lässt sich sodann nicht beanstanden, 

wenn die Familientrennung von den Betroffenen ursprünglich selbst herbeigeführt 

worden ist, für die Aenderung der bisherigen Verhältnisse keine überwiegenden 

familiären Interessen bestehen bzw. sich ein Wechsel nicht als zwingend erweist und 

die Fortführung der Pflege der bisherigen familiären Beziehungen nicht behördlich 

verhindert wird (vgl. BGE 129 II 15 mit Hinweis auf BGE 124 II 361 E. 3a mit Hinweisen).

Auch Art. 8 Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention (SR 0.101) verschafft 

kein vorbehaltloses Recht auf Nachzug von Kindern, namentlich dann nicht, wenn ein 

Ausländer selbst die Entscheidung getroffen hat, von seiner Familie getrennt in einem 

anderen Land zu leben (vgl. BGE 124 II 366 mit Hinweis auf BGE 122 II 385 E. 4b, 119 

Ib 81 E. 4a und 118 Ib 153 E. 2b).

a) Die Beschwerdeführerin beruft sich auf Art. 9 BV und macht geltend, sie habe aus 

Gründen des Vertrauensschutzes Anspruch darauf, dass der Nachzug von I. bewilligt 

werde. Das Verhalten des Ausländeramtes - lange dauerndes scheinbares Tolerieren 

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des Aufenthalts ihres Sohnes (inkl. Einschulung) - sei insgesamt geeignet gewesen, ein 

schutzwürdiges Vertrauen darauf zu begründen, der Aufenthalt werde erneut bewilligt.

Der in Art. 9 BV verankerte Grundsatz von Treu und Glauben verleiht einer Person 

Anspruch auf Schutz des berechtigten Vertrauens in behördliche Zusicherungen oder 

sonstiges, bestimmte Erwartungen begründendes Verhalten der Behörden (BGE 126 II 

387 mit Hinweisen). Das Bundesgericht hat in seiner Rechtsprechung anerkannt, dass 

sich aus dem erwähnten Grundsatz unter Umständen auch ein Anspruch auf eine 

Aufenthaltsbewilligung ergeben kann, wobei die blosse Erteilung einer Bewilligung für 

sich allein keinen Anspruch auf Erneuerung der Bewilligung begründet (vgl. BGE 126 II 

388; vgl. auch Uebersax/Münch/Geiser/Arnold, Ausländerrecht, Basel, Genf, München 

2002, Rz. 5.146 mit Hinweisen).

Abgesehen davon, dass das erstinstanzliche Verfahren rund acht Monate, somit nicht 

übermässig lange dauerte, durfte die Beschwerdeführerin nicht darauf vertrauen, ihr 

mittlerweile fast sechzehn Jahre alter Sohn aus erster Ehe werde ohne weiteres erneut 

eine Aufenthaltsbewilligung erhalten, weil ihm am 28. November 1995 eine solche zum 

"Verbleib bei Mutter und Stiefvater" erteilt worden ist. Gemäss Schreiben von W.Z. an 

die Primarschulgemeinde J. vom 6. Mai 1996 befand sich I. im Mai 1996 bereits wieder 

bei seinen Grosseltern väterlicherseits in Z.. Sein Aufenthalt in J. war somit von kurzer 

Dauer. Im Anschluss daran hat er sich sodann wiederum während mehr als sechs 

Jahren in seiner Heimat aufgehalten, bis ihn die Beschwerdeführerin im August 2002 

erneut zu sich in die Schweiz holte. An dieser Beurteilung vermag nichts zu ändern, 

dass I. im Jahr 1996 einige wenige Monate in J. zur Schule ging und dass die 

Beschwerdeführerin geltend macht, er sei an Ostern 1996 während ihrer Ferien in der 

Heimat entführt worden. Auch wenn das Ausländeramt duldete, dass sich I. während 

der Dauer des jetzigen Gesuchsverfahrens bei der Beschwerdeführerin und ihrer 

Familie in J. aufhielt, ohne über einen ausländerrechtlichen Status zu verfügen, durfte 

sie in guten Treuen nicht darauf vertrauen, der Nachzug ihres Sohnes aus erster Ehe 

werde automatisch ohne weiteres erneut bewilligt. Die Verfahrensdauer bzw. die Dauer 

der Anwesenheit Is in der Schweiz ist indessen im Zusammenhang mit der Frage zu 

berücksichtigen, ob die Verweigerung der Aufenthaltsbewilligung rechtmässig ist (vgl. 

dazu VerwGE vom 27. Februar 2003 i.S. I.B. mit Hinweis auf Urteil des Bundesgerichts 

vom 28. November 2002, 2A.171/2002).

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b) I. wurde der Beschwerdeführerin mit dem Scheidungsurteil vom 4. Mai 1989 zur 

alleinigen Erziehung zugesprochen. Unbestritten ist sodann, dass sie am 2. August 

1992 ohne ihren Sohn in die Schweiz einreiste. I. hielt sich bis zu seiner 

vorübergehenden Uebersiedlung in die Schweiz Ende November 1995 in seiner Heimat 

auf, wo er nach Angaben der Beschwerdeführerin vorerst von seinem Vater und 

anschliessend von den Grosseltern väterlicherseits betreut wurde. In der Zeit vom 28. 

November 1995 bis Ostern 1996 lebte er sodann mit der Beschwerdeführerin, ihrem 

Ehemann und seinem Halbbruder in J.. Im Anschluss daran hielt sich I. wiederum in 

seiner Heimat auf, bis ihn die Beschwerdeführerin am 12. August 2002 in die Schweiz 

holte. Vorerst kehrte er zu seinen Grosseltern väterlicherseits zurück. Von 1999 bis 

2002 besuchte er nach Angaben der Beschwerdeführerin sodann die Klosterschule in 

M.. In diesem Zusammenhang führt sie aus, sie habe I. im Sommer 2002 in die Schweiz 

geholt, nachdem er die Ausbildung in M. abgeschlossen habe.

aa) Die Beschwerdeführerin behauptet nicht, I. habe seine vorrangige familiäre 

Beziehung zu ihr unterhalten, als sie das Gesuch um Familiennachzug einreichte (vgl. 

dazu VerwGE vom 27. Februar 2003 i.S. I.B.). Sie beruft sich vielmehr darauf, die 

Familiengemeinschaft in der Schweiz habe aus guten Gründen erst nach Jahren 

hergestellt werden können, weil ihr verwehrt worden sei, ihren Sohn, zu dem sie eine 

tiefe emotionale Bindung habe, zu einem früheren Zeitpunkt nachzuziehen. Sie sei 

indessen seit dem Jahr 1992 immer bestrebt gewesen, das Kind bei sich zu haben. Aus 

gegenwärtiger Sicht könne sodann von einer intakten familiären Beziehung gesprochen 

werden.

In diesem Zusammenhang rügt die Beschwerdeführerin vorab, die Vorinstanz gehe 

aktenwidrig davon aus, sie habe I. im Jahr 1992 freiwillig in Bosnien-Herzegowina 

zurückgelassen. Die Trennung sei nachweislich auf das widerrechtliche Verhalten des 

Kindesvaters zurückzuführen und darauf, dass die Kommunikation in vom Bürgerkrieg 

geprägten Verhältnissen erheblich erschwert sei. Sie beruft sich in diesem 

Zusammenhang auf ein Schreiben, das sie am 25. Juni 1993 an den UN High 

Commissioner for Refugees gerichtet hat, auf ein Einladungsgesuch an das Schweizer 

Konsulat in Z. vom 16. Juni 1993 und auf weitere Beweismittel. Die Frage, unter 

welchen Umständen die Beschwerdeführerin im August 1992 Bosnien-Herzegowina 

verlassen hat und ob es ihr entsprechend ihren Angaben zum damaligen Zeitpunkt 

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nicht möglich war, ihren etwas mehr als fünf Jahre alten Sohn mitzunehmen, kann 

indessen offen bleiben, weshalb auf die Abnahme der Beweismittel zu verzichten ist. 

Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin am 15. Oktober 1995, einige Monate 

nach ihrer Heirat mit W.Z., für I. ein Familiennachzugsgesuch gestellt hat und dass er 

kurz darauf, am 28. November 1995, zu ihr, seinem Stiefvater und seinem Halbbruder 

nach J. übersiedelte, wo er eingeschult wurde.

Die Beschwerdeführerin begründet die Tatsache, dass I. nur einige wenige Monate in 

dieser Familiengemeinschaft lebte und anschliessend wieder unter die Obhut seiner 

Grosseltern väterlicherseits in Z. gelangte, damit, seine Rückkehr in die Heimat sei 

gegen ihren Willen erfolgt. Er sei anlässlich eines Ferienaufenthalts, den sie zusammen 

mit ihren Kindern an Ostern 1996 in D. verbracht habe, von seinem leiblichen Vater 

entführt worden, bzw. er habe ihn entführen lassen (vgl. dazu Schreiben von W.Z. an 

die Primarschulgemeinde J. vom 6. Mai 1996 und vom 28. April 2003 an die 

Vorinstanz). Diese Behauptung ist indessen durch nichts belegt. Es fehlen 

insbesondere Angaben über die näheren Umstände, unter denen dieser Vorfall 

stattgefunden hat. Zweifel an der Richtigkeit dieser Behauptung sind deshalb 

angebracht, weil sich P.J. nach einem Schreiben von W.Z. an das Ausländeramt vom 

15. Oktober 1995 als Flüchtling nach Deutschland abgesetzt und seinen Sohn im Stich 

gelassen habe. Nach einem weiteren Schreiben vom 10. November 2002 an das 

Ausländeramt lebt er noch heute dort. Auch hat die Entführung nach den Angaben der 

Beschwerdeführerin nicht in Bosnien-Herzegowina, sondern in Kroatien stattgefunden 

und die Polizei ist nicht eingeschaltet worden. Der Vorinstanz ist weiter beizupflichten, 

dass selbst ein derart aussergewöhnliches Ereignis für sich allein nicht zur Folge hat, 

dass der Nachzug des betroffenen Kindes mehr als sechs Jahre später bewilligt wird. 

Der in der Schweiz lebende Elternteil, der sich auf die zwangsweise Trennung von 

seinem Kind beruft, hat den Nachweis zu erbringen, dass es ihm in der Zwischenzeit 

nicht gelungen ist, das Kind wieder in seine Obhut zu bringen, obschon er dazu alles 

Zumutbare unternommen hat. Andernfalls ist davon auszugehen, dass er in Kauf 

nimmt, dass das Kind in seinem Heimatland aufwächst und zu ihm keine vorrangige 

familiäre Beziehung aufbauen kann.

bb) Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin nach Ostern 1996 keine konkreten 

Schritte in die Wege geleitet hat, um I. mit behördlicher Hilfe in die Schweiz 

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zurückzuholen. Sie begründet dies damit, in Bosnien-Herzegowina gebe es zum Teil 

heute noch keine funktionierende Justiz und Verwaltung. Die Beschwerdeführerin legt 

indessen nicht dar, welche behördliche Unterstützung ihr versagt war. Sodann hätte 

sie, wäre ihr ernsthaft an einer Wiedervereinigung mit ihrem Sohn gelegen, zumindest 

versuchen müssen, ihren Sohn über den UN High Commissioner for Refugees zu sich 

zu holen, wie sie dies im Juni 1993 getan hat. Weiter behauptet die 

Beschwerdeführerin, ihre Rückführungsbemühungen und diejenigen ihres Ehemannes 

seien an der Uneinsichtigkeit des leiblichen Vaters des Kindes bzw. von dessen Eltern 

als Statthalter gescheitert, wobei sie von P.J. massiv und ernsthaft mit dem Tod 

bedroht worden sei. Erst die Pubertät Is und die Betreuungsunfähigkeit der Grosseltern 

väterlicherseits hätten diese Front mit der Zeit aufgeweicht, weshalb sie I. im August 

2002 zu sich habe holen können. Abgesehen davon, dass die Beschwerdeführerin 

keine näheren Ausführungen dazu macht, was sie im Lauf der Jahre konkret 

unternommen hat, um ihren Sohn bei sich aufwachsen zu lassen, steht fest, dass es ihr 

im Jahr 1995 möglich war, I. im Rahmen des Familiennachzugs zu sich in die Schweiz 

zu holen. Sodann hat I. nach den Angaben der Beschwerdeführerin in der Zeit von 

1999 bis August 2002 im Internat der Klosterschule von M. gelebt, wo er eine 

Schulausbildung abgeschlossen hat. Während dieser Zeitspanne hat die 

Beschwerdeführerin, wie sie ausführt, in regelmässigem telefonischem Kontakt zu 

ihrem Sohn gestanden, der die definitive Wiederaufnahme der familiären Beziehung 

vorbereitet habe. Sie bleibt indessen den Nachweis schuldig, warum es ihr dennoch 

nicht möglich gewesen sein soll, ihren Sohn nicht wesentlich früher zu sich zu holen, 

zumal sie geltend macht, I. habe seine Grosseltern väterlicherseits zum Zeitpunkt, als 

das Gesuch abgewiesen worden sei, während rund vier Jahren nicht mehr gesehen, 

und sein Vater in Hamburg lebte. Sodann erscheint es wenig glaubwürdig, dass der 

von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Widerstand des leiblichen Vaters ihres 

Sohnes, der nach ihren Ausführungen Jahre dauerte und äusserst massiv war, mit der 

Pubertät Is plötzlich nachgelassen haben soll. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die 

Beschwerdeführerin ihren Sohn erst in die Schweiz nachziehen wollte, nachdem er 

seine Schulausbildung in der Heimat abgeschlossen hatte. Einem Schreiben des 

Zentrums für Sozialarbeit von Z. vom 10. September 2002 kann denn auch entnommen 

werden, I. werde zur Beschwerdeführerin und seinem Stiefvater "zur Schulung" in die 

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Schweiz geschickt, was darauf schliessen lässt, dass ihm mit der Uebersiedlung nach 

J. in erster Linie eine bessere Zukunftsperspektive verschafft werden soll.

cc) Zusammenfassend ergibt sich somit, dass der Nachweis fehlt, die 

Familiengemeinschaft in der Schweiz habe ein zweites Mal erst hergestellt werden 

können, als I. bereits über fünfzehn Jahre alt war.

c) Zu berücksichtigen ist weiter, dass I. seit August 2002, somit seit rund 21 Monaten, 

bei der Beschwerdeführerin, ihrem Ehemann und seinem Halbbruder in J. lebt, ohne 

indessen über einen ausländerrechtlichen Status zu verfügen. Die Beschwerdeführerin 

macht geltend, die Integration Is sei in der Zwischenzeit praktisch vollzogen, ohne 

indessen nähere Ausführungen dazu zu machen. Einem Schreiben der 

Beschwerdeführerin an die Vorinstanz vom 28. April 2003 kann dazu entnommen 

werden, I. besuche die Integrationsklasse im Berufs- und Weiterbildungszentrum R. 

und einen Deutschkurs in der Klubschule. Auch wenn die Verfahrensdauer von rund 21 

Monaten I. nicht angelastet werden darf, entspricht die Zeitspanne, die er hier 

verbracht hat, nicht derjenigen, die dem Urteil des Bundesgerichts vom 28. November 

2002 i.S. B.-G. (2A.171/2002) zu Grunde liegt, wo die Dauer der Anwesenheit rund 

dreieinhalb Jahre betrug. Hinzu kommt, dass das Gericht der Auffassung der 

Beschwerdeführerin nicht folgen kann, wonach mangelnde Betreuungsmöglichkeiten in 

der Heimat seinen Verbleib bei ihr erforderlich machen. Die Beschwerdeführerin macht 

geltend, entgegen der Auffassung der Vorinstanz seien die Grosseltern väterlicherseits 

unwillig und unfähig, ihren bald siebzehn Jahre alten Enkel zu betreuen. Dies sei auch 

der Grund, weshalb er in eine Klosterschule gekommen sei. I. unterhalte zu seinen 

"bildungsfernen" Grosseltern, die mit seiner Erziehung schon immer überfordert 

gewesen seien und ihn nur betreut hätten, weil sich ihr Sohn nicht um ihn gekümmert 

habe, auch keine vorrangige familiäre Beziehung. Hinzu komme, dass sie alt und 

gesundheitlich angeschlagen seien. Vorerst ist festzuhalten, dass die Beschulung im 

katholischen Internat von M. offensichtlich dem Willen der Beschwerdeführerin 

entsprach, welche nicht wollte, dass I. "im Geiste Mohammeds religiös vergewaltigt 

wird" (vgl. Schreiben von W.Z. an das Ausländeramt vom 15. Oktober 1995). Den Akten 

kann sodann entnommen werden, dass die Grosseltern väterlicherseits kränklich sind 

und die Beschwerdeführerin und ihren Ehemann gebeten haben, I. zu sich zu nehmen. 

Damit ist indessen der Nachweis nicht erbracht, dass sie als Betreuungspersonen für 

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ihren Enkel nicht mehr in Frage kommen, zumal er siebzehn Jahre alt ist und keiner 

intensiven Betreuung mehr bedarf. Vielmehr ergibt sich aus dem erwähnten Schreiben 

des Zentrums für Sozialarbeit von Z., dass der Grossvater I., dessen Vormund er ist, 

nicht aus persönlichen Gründen, sondern zur Ausbildung zur Beschwerdeführerin und 

ihrem Ehemann in die Schweiz schickt. In diesem Zusammenhang fällt weiter nicht ins 

Gewicht, dass die Grosseltern aus Sicht der Beschwerdeführerin intellektuell 

überfordert sind, ihren Enkel zu erziehen. Was die familiäre Beziehung Is zu seinen 

Grosseltern anbetrifft, steht sodann fest, dass er während Jahren von ihnen betreut 

worden ist. Daran vermag die Tatsache nichts zu ändern, dass die Beschwerdeführerin 

geltend macht, dies sei gegen ihren Willen geschehen. Demzufolge ist davon 

auszugehen, dass die Grosseltern I. nach wie vor nahe stehen, auch wenn er einige 

Jahre im Internat verbracht hat, von wo aus auch der neu entstandene Kontakt zur 

Beschwerdeführerin nur auf telefonischem Weg möglich war. Sodann hat die 

Beschwerdeführerin am 10. November 2002 im Rahmen des Rekursverfahrens 

ausgeführt, sie habe I. in M. abgeholt, "in ständigem Kontakt mit seinen Grosseltern in 

Z.". Auch wenn die Beziehung Is zu seinen Grosseltern naturgemäss nicht mehr so eng 

ist wie vor seinem Eintritt in die Klosterschule, vermag die Beschwerdeführerin den 

Nachweis nicht zu erbringen, dass sie nicht mehr in der Lage sind, ihn zu betreuen. Es 

ergibt sich somit, dass keine neuen Betreuungsbedürfnisse entstanden sind. Auch die 

Befürchtung, der Wegzug Is könnte für seinen Halbbruder eine belastende Erfahrung 

sein, macht die Verweigerung des Familiennachzugs nicht unverhältnismässig, sind 

doch Besuche während Ferien möglich. Auch der Umstand, dass I. hier ein besseres 

Leben führen kann, ist in diesem Zusammenhang nicht entscheidend. I. ist mit den 

Verhältnissen in seiner Heimat vertraut, und es ist davon auszugehen, dass er sich 

auch dort weiterbilden und höhere Schulen besuchen kann. Sodann kann die 

Beschwerdeführerin ihren Sohn finanziell unterstützen und den Kontakt zu ihm mit 

gegenseitigen Besuchsaufenthalten pflegen.

d) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht davon ausgegangen ist, 

die Voraussetzungen für den Nachzug Ivans seien nicht erfüllt. Die Beschwerde ist 

demnach abzuweisen.

4./ Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des 

Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine 

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Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 des Gerichtskostentarifs, 

sGS 941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu 

verrechnen.

Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98 Abs. 1 in 

Verbindung mit Art. 98bis VRP).

Demnach hat das Verwaltungsgericht zu Recht erkannt:

1./ Die Beschwerde wird abgewiesen.

2./ Die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 2'000.-- bezahlt die 

Beschwerdeführerin unter Verrechnung des geleisteten Kostenvorschusses in gleicher 

Höhe.

3./ Ausseramtliche Kosten werden nicht entschädigt.

V. R. W.

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

 

Zustellung dieses Entscheides an:

 

lic. iur. Daniel J. Senn, 9004 St. Gallen)

 

am:

 

die Beschwerdeführerin (durch Rechtsanwalt–

die Vorinstanz–

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/13

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St.Galler Gerichte

Rechtsmittelbelehrung:

Soweit eine Verletzung von Bundesrecht bzw. eines Rechtsanspruchs auf Erteilung 

einer Bewilligung geltend gemacht wird (Art. 100 lit. b Ziff. 3 und Art. 104 lit. a und b 

OG), kann gegen diesen Entscheid innert dreissig Tagen seit der Eröffnung 

Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 

14, eingereicht werden.

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	Entscheid Verwaltungsgericht, 23.04.2004
	Ausländerrecht. Art. 9 und Art. 29 Abs. 1 BV (SR 101), Art. 17 Abs. 2 Satz 3 ANAG (SR 142.20) und Art. 8 EMRK (SR 0.101). Aus Gründen des Vertrauensschutzes besteht kein Anspruch auf erneuten Nachzug des Sohnes aus erster Ehe einer hier niedergelassenen Ausländerin. Sodann fehlt der Nachweis, dass die Familiengemeinschaft in der Schweiz aus objektiven Gründen erst nach Jahren hergestellt werden konnte (Verwaltungsgericht, B 2003/220).

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		2025-07-19T17:21:11+0200
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