# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 53e49a67-7f5e-5e28-b001-d593d74da4ce
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-03-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.03.2022 D-969/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-969-2022_2022-03-16.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-969/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 6 .  M ä r z  2 0 2 2  

Besetzung 
 Einzelrichterin Jeannine Scherrer-Bänziger, 

mit Zustimmung von Richter Lorenz Noli;   

Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Somalia,   

vertreten durch Karin Fischli, 

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 28. Januar 2022 / N (…). 

 

 

 

D-969/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die Beschwerdeführerin suchte am 18. Oktober 2021 im Bundesasyl-

zentrum (BAZ) Region B._______ um Asyl nach. Am 22. Oktober 2021 be-

auftragte sie die Mitarbeitenden des Rechtsschutzes für Asylsuchende im 

BAZ Region B._______ mit der Rechtsvertretung im Asylverfahren. Die 

Personalienaufnahme (PA) erfolgte am 26. Oktober 2021, und am 4. No-

vember 2021 fand das persönliche Dublin-Gespräch statt.  

A.b Mit Eingabe vom 7. Dezember 2021 reichte die Beschwerdeführerin 

zwei ärztliche Konsultationsberichte Berichte vom 16. und 24. November 

2021 sowie ein ärztliches Überweisungsschreiben vom 24. November 

2021 zu den Akten. 

A.c Am 19. Januar 2022 hörte das SEM die Beschwerdeführerin ausführ-

lich zu ihren Asylgründen an. Dabei machte die Beschwerdeführerin gel-

tend, sie stamme aus dem Dorf C._______ (Region D._______). Im Alter 

von acht Jahren sei sie von mehreren Männern auf einem Weideplatz ver-

gewaltigt worden. Im Jahr (…) habe sie auf Geheiss ihres Vaters einen 

älteren Mann geheiratet und in der Folge drei Kinder geboren. Der Mann 

habe sie öfters geschlagen. Im Jahr (…) sei er verstorben, worauf sie mit 

den Kindern zum Vater zurückgekehrt sei. Dann sei sie eine Liebesbezie-

hung zu E._______ eingegangen, welchen sie schon seit Kindertagen ge-

kannt habe. Am (…) hätten sie ohne Wissen und in Abwesenheit ihres Va-

ters heimlich geheiratet. Später sei sie schwanger geworden und habe sich 

einer Freundin anvertraut. Diese habe es möglicherweise ihrem Mann wei-

tererzählt; jedenfalls sei sie (Beschwerdeführerin) daraufhin (ungefähr im 

Oktober […]) von Angehörigen der Al Shabab-Miliz aufgesucht und gefragt 

worden, ob sie mit einem unehelichen Kind schwanger sei. Sie habe ver-

neint und erklärt, sie habe ein zweites Mal geheiratet und das Kind stamme 

von E._______. Auf Nachfrage der Al Shabab habe E._______ die Heirat 

jedoch abgestritten, und der Imam, welcher sie getraut habe, sowie die 

beiden Trauzeugen seien nicht auffindbar gewesen, respektive der Imam 

habe die Trauung ebenfalls geleugnet. Die Al Shabab hätten ihr daraufhin 

gedroht, sie werde nach der Geburt des Kindes gesteinigt. Aus diesem 

Grund habe sie ihr Herkunftsdorf ungefähr Anfang des Jahres (…) verlas-

sen und sei nach F._______ zu Bekannten ihres Vaters gegangen. Dort 

habe sie kurz darauf eine Totgeburt erlitten. Die Al Shabab hätten sie in 

F._______ aufgespürt und zweimal telefonisch bedroht. Dies habe ihr 

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Seite 3 

Angst gemacht und auch ihre Gastfamilie verunsichert. Daher sei sie am 

(…) aus Somalia ausgereist. 

B.  

Die Vorinstanz unterbreitete der Beschwerdeführerin am 26. Januar 2022 

einen ablehnenden Entscheidentwurf zur Stellungnahme. Die Beschwer-

deführerin äusserte sich dazu mit Schreiben vom selben Datum. 

C.  

Mit Verfügung vom 28. Januar 2022 – gleichentags eröffnet – verneinte das 

SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin, lehnte das Asyl-

gesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Gleichzeitig 

ordnete es infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläu-

fige Aufnahme an, wies die Beschwerdeführerin dem Kanton G._______ 

zu und beauftragte diesen mit der Umsetzung der vorläufigen Aufnahme. 

D.  

Die Beschwerdeführerin focht diesen Entscheid mit Beschwerde vom 

28. Februar 2022 (Datum Postaufgabe) beim Bundesverwaltungsgericht 

an. Dabei wurde beantragt, die Dispositivziffern 1–3 der angefochtenen 

Verfügung seien aufzuheben, und die Vorinstanz sei – eventuell unter vor-

gängiger Anhörung der Beschwerdeführerin durch das Gericht – anzuwei-

sen, sie als Flüchtling anzuerkennen und ihr Asyl zu gewähren. Subeven-

tuell seien die Dispositivziffern 1–3 sowie 6 aufzuheben, und die Sache sei 

zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts an die Vorinstanz zurück-

zuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführerin um 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (inklusive Verzicht auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses). 

Der Beschwerde lagen die angefochtene Verfügung (inkl. Empfangsbestä-

tigung), die Vollmacht vom 22. Oktober 2021 sowie ein ärztlicher Konsul-

tationsbericht vom 2. Februar 2022 (alles in Kopie) bei.  

E.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 1. März 2022 den Eingang 

der Beschwerde. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Gericht gleichen-

tags in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG [SR 142.31). 

  

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Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet des Asyls 

in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden ge-

gen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 

VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde-

führung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht 

eingereichte Beschwerde (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 der 

Verordnung vom 1. April 2020 über Massnahmen im Asylbereich im Zu-

sammenhang mit dem Coronavirus [COVID-19-Verordnung Asyl, 

SR 142.318] sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5).  

3.  

3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-

cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-

weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie 

nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Ur-

teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

Die Beschwerdeführerin beantragt eventualiter, die angefochtene Verfü-

gung sei zu kassieren. Sie bringt in diesem Zusammenhang vor, die  

Vorinstanz verweise in ihrer Verfügung auf vermeintlich ungeklärte Fragen. 

Falls das angerufene Gericht die Zweifel des SEM teile oder hinsichtlich 

der Vorbringen der Beschwerdeführerin offene Fragen habe, sei die Be-

schwerdeführerin vom Gericht anzuhören respektive sei die Sache zur voll-

ständigen Sachverhaltsabklärung sowie zur neuen Entscheidung an das 

SEM zurückzuweisen (vgl. Ziff. 3 und 4 der Rechtsbegehren sowie Ziff. II.4 

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der Beschwerdebegründung). Diesbezüglich ist Folgendes festzustellen: 

Das SEM hat die Asylvorbringen der Beschwerdeführerin teilweise als un-

substanziiert erachtet. Diese Schlussfolgerung weist indessen nicht auf ei-

nen unzureichend abgeklärten Sachverhalt hin, sondern ist das Ergebnis 

der rechtlichen Würdigung der Aussagen der Beschwerdeführerin. Ob 

diese Würdigung zutreffend ist, ist eine materiell-rechtliche Frage. In der 

Beschwerde wird nicht konkret dargelegt, inwiefern das SEM den Sachver-

halt unvollständig festgestellt habe. Nach Auffassung des Gerichts besteht 

kein Bedarf für zusätzliche Abklärungen; der rechtserhebliche Sachverhalt 

ist als hinreichend erstellt zu erachten. Demnach ist sowohl der Antrag, die 

Beschwerdeführerin sei durch das Gericht anzuhören, als auch der Kassa-

tionsantrag abzuweisen.  

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politi-

schen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder 

begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).  

5.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-

haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und 

folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen). 

  

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Seite 6 

6.  

6.1 Das SEM führte zur Begründung seines ablehnenden Asylentscheids 

aus, die Vorbringen der Beschwerdeführerin betreffend die geltend ge-

machte Verfolgung durch die Al Shabab aufgrund ihrer zweiten Heirat und 

Schwangerschaft seien teilweise unsubstanziiert und widersprüchlich aus-

gefallen. So habe sie insbesondere keine detaillierten Angaben zu 

E._______ machen können, ihren letzten Tag im Dorf wenig anschaulich 

geschildert, die Einstellung ihres Vaters zu einer erneuten Heirat respektive 

ihre Gründe für die angebliche heimliche Heirat unterschiedlich dargelegt 

und hinsichtlich der Frage, ob die Al Shabab den Imam sowie die beiden 

Trauzeugen habe ausfindig machen können, widersprüchliche Angaben 

gemacht. Diese Vorbringen seien daher nicht glaubhaft. Ihre früheren Er-

lebnisse (die Vergewaltigung sowie die erste Ehe) seien flüchtlingsrechtlich 

nicht relevant. Die Ausführungen in der Stellungnahme zum Entscheident-

wurf vermöchten an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Demnach sei 

die Flüchtlingseigenschaft zu verneinen und das Asylgesuch abzulehnen. 

6.2 In der Beschwerde wird (in materieller Hinsicht) vorgebracht, das SEM 

habe die Aussagen der Beschwerdeführerin zu Unrecht als unglaubhaft er-

achtet. Sie habe durchaus detaillierte Angaben zu E._______ gemacht. 

Insbesondere habe sie seinen vollen Namen genannt und die heimlichen 

Treffen mit ihm sowie ihre ihn betreffenden Gefühle beschrieben. Sie habe 

zudem in der Anhörung erklärt, sie spreche nicht gerne über ihn, da er sie 

enttäuscht habe. Ferner habe sie aufforderungsgemäss ihren letzten Tag 

im Dorf beschrieben und detaillierte Angaben zu ihrer Flucht gemacht. Es 

sei ihr aber schwergefallen, über die Trennung von den Kindern zu spre-

chen. Die Haltung ihres Vaters habe sie nicht widersprüchlich geschildert, 

vielmehr habe sie ihre Aussagen auf Nachfrage hin mehrmals präzisiert. 

Auch hinsichtlich der Suche der Al Shabab nach den Trauzeugen habe sie 

sich nicht widersprochen, sondern ihre Antwort konkretisiert. Massgeblich 

sei, dass keiner der drei Männer habe bestätigen können, dass die Heirat 

stattgefunden habe. Das SEM habe ferner die vorhandenen Realkennzei-

chen nicht berücksichtigt. Sie habe das Datum der Heirat und den Namen 

des Imams und der beiden Zeugen genannt. Die Ereignisse nach der 

Hochzeit habe sie chronologisch und mit genauen zeitlichen Angaben dar-

gelegt. Insbesondere habe sie auch die Besuche durch die Al Shabab ein-

drücklich und detailliert geschildert, habe während der Anhörung Emotio-

nen gezeigt und oftmals die direkte Rede verwendet. Insgesamt überwieg-

ten die positiven Glaubhaftigkeitselemente, weshalb die Asylvorbringen als 

glaubhaft zu erachten seien. Es handle sich um eine geschlechtsspezifi-

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sche, asylrelevante Verfolgung. Der somalische Staat sei weder schutzwil-

lig noch schutzfähig. Daher erfülle die Beschwerdeführerin die Flüchtlings-

eigenschaft.  

7.  

7.1 Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, sie sei als Kind von mehreren 

Männern vergewaltigt worden und im Jahr (…) von ihrem Vater genötigt 

worden, einen älteren Mann zu heiraten, ist festzustellen, dass diese Er-

eignisse in keinem zeitlichen und sachlichen Zusammenhang zur Ausreise 

der Beschwerdeführerin aus Somalia im Dezember (…) stehen und bereits 

aus diesem Grund – und ungeachtet der Frage der Glaubhaftigkeit – nicht 

asylrelevant sind.  

7.2 Die Beschwerdeführerin macht sodann eine Verfolgung durch die 

Al Shabab geltend und begründet deren angebliches Verfolgungsinteresse 

mit ihrer heimlichen Heirat mit E._______ und der darauffolgenden 

Schwangerschaft. Diesbezüglich hat die Beschwerdeführerin indessen un-

glaubhafte Aussagen gemacht. 

7.2.1 Auf die Frage nach dem Grund für die heimliche Heirat erklärte die 

Beschwerdeführerin zunächst, ihr Vater habe nicht gewollt, dass sie so 

schnell wieder heirate, sondern habe gewünscht, dass sie ihre Kinder 

grossziehe. Daher habe sie heimlich geheiratet (vgl. A26 F86). Im weiteren 

Verlauf der Anhörung brachte sie vor, sie habe Angst gehabt, von ihrem 

Vater erneut zwangsverheiratet zu werden, daher habe sie heimlich den 

Mann, den sie geliebt habe, geheiratet (vgl. A26 F98). Wenig später 

machte sie geltend, ihr Vater habe nicht gewollt, dass sie einen jungen 

Mann heirate (vgl. A26 F99). Entgegen dem Einwand in der Beschwerde 

handelt es sich bei den zitierten Aussagen der Beschwerdeführerin zum 

Motiv für die angebliche heimliche Heirat nicht um Präzisierungen, sondern 

um drei unterschiedliche Begründungen respektive Antworten. Dieses in-

konsistente Aussageverhalten spricht gegen die Glaubhaftigkeit der an-

geblichen Heirat. Zudem vermögen alle drei Versionen nicht plausibel zu 

machen, weshalb die Beschwerdeführerin – trotz ihres Wissens um die 

Gültigkeitsprobleme bei einer Heirat in Abwesenheit des Vaters (vgl. A26 

F100 f.) – überhaupt heimlich geheiratet hat beziehungsweise warum sie 

nicht zumindest zuerst ihren Vater gefragt hat, ob er einverstanden wäre, 

wenn sie E._______ heiraten würde. Die Beschwerdeführerin machte fer-

ner geltend, die heimliche Trauung habe unweit von ihrem Elternhaus statt-

gefunden, und es existiere kein Eheschein (vgl. A26 F91 und F81). Diese 

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Aussagen sind realitätsfremd und sprechen ebenfalls gegen die Glaubhaf-

tigkeit der angeblichen heimlichen Heirat. Heimliche Trauungen in Somalia 

müssen nämlich, um gültig zu sein, praxisgemäss ungefähr 90 km vom 

Wohnort der Brautleute stattfinden; eine heimliche Trauung am Wohnort 

des Paares ist daher undenkbar. Ausserdem wird auch bei heimlichen 

Trauungen ein Heiratszertifikat ausgestellt (vgl. dazu Landinfo, Report So-

malia: Marriage and Divorce, 14. Juni 2018, S. 11 Ziff. 4.5 [https://land-

info.no/wp-content/uploads/2018/09/Report-Somalia-Marriage-and-

divorce-14062018-2.pdf]). Die Beschwerdeführerin hat sodann im Zusam-

menhang mit der angeblichen Suche der Al Shabab nach Zeugen für die 

Trauung nicht – wie dies in der Beschwerde geltend gemacht wird – einan-

der konkretisierende, sondern, wie dies bereits vom SEM zu Recht festge-

stellt worden ist, widersprüchliche Aussagen gemacht, indem sie zuerst an-

gab, die Al Shabab hätten die drei Männer nicht gefunden (vgl. A26 F107 

f.), auf Nachfrage hin dagegen erklärte, der Imam sei gefunden worden und 

habe die Trauung geleugnet, und die beiden anderen (die Trauzeugen) 

seien nicht gefunden worden (vgl. A26 F111 f.). Es ist ausserdem unplau-

sibel, dass E._______ den Al Shabab gesagt habe, er kenne die Beschwer-

deführerin nicht (vgl. A26 F107), da E._______ offenbar in der Nähe der 

Beschwerdeführerin aufgewachsen ist (vgl. A26 F85 f.) und somit kaum 

hätte abstreiten können, sie nicht zumindest zu kennen. Aufgrund der Ak-

tenlage erscheint es zwar durchaus denkbar, dass die Beschwerdeführerin 

in ihrem Dorf einen Mann namens E._______ näher gekannt hat. Hingegen 

ist die geltend gemachte heimliche Heirat mit E._______ im Jahr (…) nach 

dem Gesagten als unglaubhaft zu erachten. Der in der Beschwerde her-

vorgehobene, aber letztlich triviale Umstand, dass die Beschwerdeführerin 

das Datum der Heirat sowie die Namen des Imams und der Trauzeugen 

genannt habe, ändert daran nichts. Bezeichnenderweise erwähnte die Be-

schwerdeführerin E._______ denn auch mit keinem Wort, als sie in der PA 

nach ihrem Zivilstand und dem Namen ihres Partners gefragt wurde, son-

dern gab dort lediglich an, sie sei verwitwet, und ihr Partner habe 

H._______ geheissen (vgl. A10 Ziff. 1.14). Angesichts der Unglaubhaf-

tigkeit der geltend gemachten heimlichen Heirat mit E._______ kann ferner 

auch nicht geglaubt werden, dass die Beschwerdeführerin in der Folge von 

E._______ schwanger wurde, zumal auch diesbezüglich Ungereimtheiten 

bestehen. So machte die Beschwerdeführerin nämlich geltend, sie sei 

schwanger geworden, nachdem sie «einige Monate» mit E._______ zu-

sammen gewesen sei (vgl. A26 F103). Gleichzeitig erklärte sie jedoch, sie 

habe am (…) geheiratet und sei im Mai (…) schwanger geworden (vgl. A26 

F102 f.), womit sie nicht bloss «einige Monate», sondern über ein Jahr 

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nach der heimlichen Heirat schwanger geworden wäre. Die Beschwerde-

führerin brachte im Weiteren vor, sie habe nach dem angeblichen Besuch 

durch die Al Shabab im Oktober (…) nie mehr – auch nicht nach der an-

geblichen Totgeburt – mit E._______ gesprochen (vgl. A26 F118), was als 

unplausibel zu erachten ist. Auffallend ist zudem, dass sich in den akten-

kundigen Arztberichten, in welchen bei der Beschwerdeführerin unter an-

derem psychische Probleme diagnostiziert werden, keine Hinweise auf die 

Schwangerschaft und die angebliche Totgeburt im Jahr (…) finden, son-

dern darin nur die Kinder der Beschwerdeführerin aus ihrer Ehe mit 

H._______ erwähnt werden.  

7.2.2 Nach dem Gesagten ist nicht glaubhaft, dass die Beschwerdeführerin 

heimlich E._______ geheiratet hat und von ihm schwanger geworden ist. 

Schon deshalb kann somit auch nicht geglaubt werden, dass sie aus die-

sen Gründen von den Al Shabab verfolgt worden ist. Der Eindruck der Un-

glaubhaftigkeit der angeblichen Verfolgung wird im Übrigen bestärkt durch 

den Umstand, dass die Beschwerdeführerin nicht schlüssig darlegen 

konnte, wie sie überhaupt in den Fokus der Al Shabab gelangt und wie es 

den Al Shabab gelungen sein soll, sie auch in F._______ ausfindig zu ma-

chen. Sie machte dazu nur sehr vage Angaben und brachte vor, wahr-

scheinlich habe die Freundin, welcher sie von der Schwangerschaft erzählt 

habe, dies ihrem Mann weitergesagt (vgl. A26 F81), und sie sei in 

F._______ telefonisch bedroht worden, wisse aber nicht, wie die Al Shabab 

sie dort aufgespürt hätten (vgl. A26 F121 ff.). Der in der Beschwerde ver-

tretenen Auffassung, die Beschwerdeführerin habe die Besuche der Al 

Shabab eindrücklich geschildert, was für die Glaubhaftigkeit der Asylvor-

bringen spreche, kann sodann ebenfalls nicht gefolgt werden. Die entspre-

chenden Schilderungen (vgl. A26 F106 f.) sind vielmehr äusserst nüchtern 

und substanzarm ausgefallen und wirken keineswegs erlebnisbasiert.  

7.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass keine konkreten Hinweise 

dafür vorliegen, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt ihrer Ausreise 

aus Somalia einer asylbeachtlichen Verfolgung oder einer entsprechenden 

Verfolgungsgefahr ausgesetzt war oder im Falle ihrer Rückkehr ernsthafte 

Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu gewärtigen hätte. Demnach 

hat die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das 

Asylgesuch abgelehnt.  

  

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Seite 10 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

8.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 

(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

Da die Vorinstanz in ihrer Verfügung vom 28. Januar 2022 infolge Unzu-

mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme der Be-

schwerdeführerin angeordnet hat, erübrigen sich praxisgemäss weitere 

Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegwei-

sungsvollzugs.  

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

und vollständig feststellt (Art.106 Abs.1 AsylG). Die Beschwerde ist daher 

abzuweisen. 

11.  

11.1 Das Beschwerdeverfahren ist mit dem vorliegenden, direkten Ent-

scheid in der Hauptsache abgeschlossen, weshalb der Antrag, es sei von 

der Erhebung eines Kostenvorschusses abzusehen, gegenstandslos ge-

worden ist. 

11.2 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist 

ungeachtet der geltend gemachten prozessualen Bedürftigkeit abzuwei-

sen, da sich die Beschwerdebegehren entsprechend den vorstehenden Er-

wägungen von Vornherein als aussichtslos erwiesen haben. 

11.3 Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 750.– der 

Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reg-

lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).  

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Jeannine Scherrer-Bänziger Anna Dürmüller Leibundgut 

 

 

Versand: