# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5e867aba-6d63-52bd-982d-6157ea4020e2
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-09-23
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 23.09.2016 OG.2015.00006 (OGS.2017.36)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2015-00006_2016-09-23.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil
  und Beschluss vom 23. September 2016

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2015.00006

  
	
   

  
	
   

  
	
  A.______

  
	
  Beschuldigter,

  
	
  Berufungskläger und

  
	
  Anschlussberufungsbeklagter

  
	
   

  
	
  verteidigt
  durch B.______ 

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
  1.  Staats-
  und Jugendanwaltschaft 

  
	
  Anklägerin und 

  
	
  Berufungsbeklagte

  
	
   

  
	
  2.  C.______

  
	
  Privatkläger,

  
	
  Berufungsbeklagter und

  
	
  Anschlussberufungskläger

  
	
   

  
	
  vertreten
  durch D.______

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
  fahrlässige
  Körperverletzung

  
	
   

  
	
  Anträge
  des Beschuldigten, Berufungsklägers und Anschlussberufungsbeklagten
  (gemäss Berufungserklärung vom 15. Januar 2015 [act. 27] sowie
  den Ausführungen der Substitutin des Verteidigers an der Verhandlung vom
  23. Oktober 2015 [act. 47-49], sinngemäss):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Es sei das Urteil der
    Strafgerichtskommission des Kantonsgerichts Glarus vom 15. Oktober
    2014 im Verfahren SG.2014.00061 vollumfänglich aufzuheben.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Es sei der Beschuldigte vom
    Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125
    Abs. 1 StGB freizusprechen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Die Zivilforderungen des
    Privatklägers seien auf den Zivilweg zu verweisen.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Es sei ein unfallanalytisches
    Gutachten einzuholen, insbesondere betreffend die Lichtverhältnisse am
    Unfallort, die genaue Lage der Unfallstelle sowie der Fahrgeschwindigkeit
    des Privatklägers zum Zeitpunkt des Aufpralls.

    
	
     

    	
     

    
	
    5.

    	
    Es sei ein Augenschein an der
    Unfallstelle bei gleichgelagerten Verhältnissen wie am Unfalltag
    durchzuführen.

    
	
     

    	
     

    
	
    6.

    	
    Alles unter Kosten- und
    Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates.

    

  

  
	
   

  
	
  Anträge
  des Privatklägers, Berufungsbeklagten 2 und Anschlussberufungsklägers (gemäss
  Anschlussberufungserklärung vom 10. Februar 2015 [act. 32] sowie
  den Ausführungen seiner Rechtsvertreterin an der Verhandlung vom
  23. Oktober 2015 [act. 47-48, 50], sinngemäss):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Es sei Dispositiv Ziff. 4
    des Urteils der Strafgerichtskommission des Kantonsgerichts Glarus vom
    15. Oktober 2014 im Verfahren SG.2014.00061 aufzuheben.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Der Beschuldigte sei zu
    verpflichten, dem Privatkläger, Berufungsbeklagten 2 und
    Anschlussberufungskläger eine Genugtuung nach Ermessen des Gerichts,
    mindestens aber von CHF 10‘000.– zu bezahlen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Alles unter Kosten- und
    Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschuldigten.

    

  

  
	
   

  
	
  Anträge der Anklägerin, Berufungsbeklagten 1
  und Anschlussberufungsklägerin (gemäss Eingaben vom 9. Februar
  2015 [act. 31] und vom 14. September 2015 [act. 37], sinngemäss):

  
	
   

  
	
  Es sei
  die Berufung des Beschuldigten abzuweisen und das angefochtene Urteil
  vollumfänglich zu bestätigen.

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
   

  
	
  I.

  Prozessverlauf und Gegenstand der Berufung

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Dem vorliegenden Berufungs-
    bzw. Anschlussberufungsverfahren liegt ein Verkehrsunfallereignis vom
    25. Oktober 2013 in Schwanden (Glarus Süd) zugrunde, bei welchem sich
    der Privatkläger C.______ verletzte. Die Staatsanwaltschaft des Kantons
    Glarus erliess deswegen gegen A.______ am 15. April 2014 bzw.
    28. April 2014 (Rektifikat) einen Strafbefehl (act. 1/I/031 und
    act. 1/I/032 = act. 2) wegen fahrlässiger Körperverletzung im
    Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB. Da A.______ gegen diesen
    Strafbefehl rechtzeitig (vgl. act. 1/I/033 i.V.m. act. 1/III/001)
    Einsprache erhob (act. 1/III/001), überwies die Staatsanwaltschaft die
    Sache am 22. Juli 2014 der Strafgerichtskommission des Kantonsgerichts
    des Kantons Glarus zur Durchführung des Hauptverfahrens (vgl. act. 3).

    
	
    2.

    	
    Die Strafgerichtskommission
    sprach A.______ mit Urteil vom 15. Oktober 2014 (act. 16 =
    act. 23) der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs.
    1 StGB schuldig. Sie bestrafte ihn mit einer bedingten Geldstrafe von
    20 Tagessätzen zu je CHF 70.– und setzte die Probezeit auf zwei
    Jahre fest. Zudem wurde A.______ mit einer Busse von CHF 500.– belegt
    und verpflichtet, C.______ CHF 3‘000.– als Schadenersatz sowie
    CHF 1‘500.– als Genugtuung zu bezahlen.

    
	
    3.

    	
    Dieses vorinstanzliche Urteil
    wurde den Parteien am 14. November 2014 in unbegründeter Fassung
    (act. 16) zugestellt (act. 17-18, 20, 22). Mit Eingabe vom
    24. November 2014 (act. 22) meldete A.______
    rechtzeitig Berufung an. Das begründete Urteil (act. 23) wurde ihm am 30. Dezember
    2014 zugestellt (act. 26). Mit Eingabe vom 15. Januar 2015
    (act. 27) reichte A.______ innert Frist die Berufungserklärung ein.
    Daraufhin erhoben die Staatsanwaltschaft wie auch der Privatkläger C.______
    fristgerecht Anschlussberufung (vgl. act. 29-32), wobei Erstere ihre
    Anschlussberufung (act. 31) mit Schreiben vom 14. September 2015
    (act. 37) wieder zurückzog. In ihren Berufungs- bzw.
    Anschlussberufungserklärungen respektive anlässlich der am 23. Oktober
    2015 abgehaltenen Berufungsverhandlung (act. 38; act. 47-50)
    liessen die Parteien die eingangs erwähnten Anträge stellen. Vorgängig zur
    Berufungsverhandlung führte das Gericht in Anwesenheit der Parteien am
    Abend des 20. Oktober 2015 an der Unfallstelle in Schwanden einen Augenschein
    durch (vgl. act. 35, 38, 44).

    
	
    4.

    	
    Im Nachgang zur
    Berufungsverhandlung zog das Gericht zwecks Ergänzung der Beweise die Akten
    des bei der […], dem Unfallversicherer des Privatklägers C.______,
    laufenden Verfahrens bei (act. 54-58). Diese Akten wurden den Parteien
    zwecks Gewährung des rechtlichen Gehörs (vgl. Art. 3 Abs. 2
    lit. c StPO; hierzu auch Heimgartner/Niggli, BSK-StPO, Art. 349
    N 1; Schmid, Handbuch StPO, N 1339) am 4. November 2015
    zugeschickt (act. 59). A.______ liess sich hierzu mit Eingabe vom
    12. November 2015 (act. 64), der Privatkläger C.______ mit
    ebensolcher vom 16. November 2015 (act. 65) vernehmen. Diese
    Schriftsätze wurden den Parteien mit Schreiben vom 20. November 2015
    (act. 67) je wechselseitig zur Kenntnisnahme zugestellt
    (act. 68 f.).

    

  

  
	
  II.

  Anklagevorwurf und vorinstanzlicher Entscheid

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Dem Beschuldigten A.______ wird
    im – zufolge Einsprache als Anklageschrift geltenden (Art. 356
    Abs. 1 Satz 2 StPO) – Strafbefehl vom 15. bzw. 28. April
    2014 (act. 1/I/031 bzw. act. 2) Folgendes vorgeworfen: Er sei am
    25. Oktober 2013 um 20:45 Uhr mit dem Personenwagen GL […] auf
    der Hauptstrasse von Glarus in Richtung Schwanden gefahren und habe eingangs
    Schwanden beabsichtigt, nach links in die Sernftalstrasse abzubiegen. Dabei
    habe er den entgegenkommenden und vortrittsberechtigten Motorradfahrer
    C.______ übersehen, welcher höchstwahrscheinlich ohne Licht unterwegs
    gewesen sei. In der Folge sei es zu einer seitlichen Kollision zwischen dem
    Motorrad und dem Personenwagen gekommen, bei welcher sich der Geschädigte
    erhebliche Beinverletzungen zugezogen habe.

    
	
    2.

    	
    Die Vorinstanz erwog im
    angefochtenen Urteil vom 15. Oktober 2014 (act. 23
    E. II.12., III.4.) zusammengefasst, aus der bei den Akten liegenden
    Fotodokumentation ergebe sich, dass der Privatkläger auf einem – auch ohne
    eingeschaltetes Frontlicht – genügend beleuchteten Strassenabschnitt
    gefahren sei. Dementsprechend, so die Vorinstanz weiter, hätte der Beschuldigte
    den Privatkläger bei pflichtgemässer Aufmerksamkeit sehen und diesem den
    Vortritt lassen müssen. Darauf habe der Privatkläger vertrauen dürfen, insbesondere
    nachdem der Beschuldigte vor dem Abbiegen seine Fahrt wesentlich
    verlangsamt habe. Somit habe sich der Beschuldigte der fahrlässigen Körperverletzung
    im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB schuldig gemacht.

    
	
    3.

    	
    Der Beschuldigte bestreitet
    diese vorinstanzlichen Erwägungen. Er macht (auch) berufungsweise im
    Wesentlichen geltend (vgl. u.a. act. 49, insbesondere S. 4
    unten), ihm könne kein pflichtwidriges Verhalten vorgeworfen werden. Daher
    sei er vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von
    Art. 125 Abs. 1 StGB freizusprechen. Der Privatkläger (vgl. u.a.
    act. 50 Rz. 12) und die Anklägerin (vgl. act. 37) schliessen
    sich demgegenüber weitgehend den Ausführungen der Vorinstanz an und halten
    den Beschuldigten diesbezüglich für schuldig.

    

  

  
	
  III.

  Prozessuales

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Beim von der Anklägerin dem
    Beschuldigten vorgeworfenen Tatbestand der fahrlässigen einfachen
    Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB (vgl.
    act. 2) handelt es sich um ein Antragsdelikt. Der als Prozessvoraussetzung
    erforderliche Strafantrag des Privatklägers C.______ wurde rechtzeitig
    gestellt (vgl. act. 1/I/005 i.V.m. act. 1/I/001 sowie Art. 30
    Abs. 3 StGB und Art. 31 StGB; entgegen der Angabe im Strafbefehl
    [act. 2] wurde der Strafantrag nicht vom gesetzlichen Vertreter von
    C.______, sondern von diesem selbst unterzeichnet, vgl. act. 1/I/005
    i.V.m. act. 1/I/003 S. 1 und S. 7). Mit seinem Strafantrag
    hat sich C.______ als Privatkläger konstituiert und hat im vorliegenden Strafverfahren
    Parteistellung (Art. 118 Abs. 1 und 2 i.V.m. Art. 104
    Abs. 1 lit. b StPO).

    
	
    2.

    	
    a) Der in Art. 9 StPO
    normierte Anklagegrundsatz verlangt, dass der in der Anklageschrift bzw. im
    nach erfolgter Einsprache als Anklageschrift geltenden (Art. 356
    Abs. 1 Satz 2 StPO) Strafbefehl umschriebene Sachverhalt nicht
    nur die Subsumtion aller Merkmale des objektiven, sondern darüber hinaus
    auch die Subsumtion aller Merkmale des subjektiven Tatbestands ermöglichen
    muss. Bei Fahrlässigkeitsdelikten sind in der Anklageschrift zum einen das
    Verhalten, aus dem sich die Pflichtwidrigkeit ergeben soll zu bezeichnen,
    und zum anderen alle Umstände anzuführen, aus denen sich die
    Pflichtwidrigkeit des vorgeworfenen Verhaltens sowie die Vorhersehbarkeit
    und Vermeidbarkeit des eingetretenen Erfolges ergeben soll (zum Ganzen:
    Wohlers, ZK-StPO, Art. 9 N 13 m.w.H.). 

    
	
     

    	
    Das Gericht kann bei
    mangelhaften Anklageschriften bzw. Strafbefehlen nicht eigenmächtig
    Korrekturen an diesen vornehmen, ist es doch nicht Anklagebehörde, sondern
    hat den ihm unterbreiteten Anklagesachverhalt rechtlich zu würdigen (BGer
    6B_633/2015 vom 12. Januar 2016, E. 1.4.1.; OG ZH SB130197 vom
    2. Oktober 2014, E. 3.2.2). Gemäss der auch im Berufungsverfahren
    geltenden (Art. 379 StPO; Schmid, PK-StPO, Art. 329 N 10;
    BGer 6B_777/2011 vom 10. April 2012, E. 2) Bestimmung von
    Art. 329 Abs. 2 StPO hat das Gericht vielmehr im Falle von
    Mängeln der Anklageschrift die Anklage erforderlichenfalls bzw. wenn die
    Prüfung der Anklage ergibt, dass zurzeit kein Urteil ergehen kann, zur
    Ergänzung oder Berichtigung an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen. Eine
    Rückweisung soll demnach nur dann erfolgen, wenn seitens des Gerichts die
    Überzeugung besteht, dass eine ergänzte Anklage später – zumindest mit
    einiger Wahrscheinlichkeit – zu einer Verurteilung führen wird. Gelangt das
    Gericht nach antizipierter Würdigung zum Schluss, dass sich die in der
    Anklageschrift fehlenden Sachverhaltsaspekte ohnehin nicht erstellen
    liessen bzw. dass diese in Bezug auf die rechtliche Qualifikation des
    Anklagevorwurfs nichts zu ändern vermöchten, ist von einer Rückweisung der
    Anklage abzusehen (zum Ganzen: OG ZH SB120447 vom 12. November 2013,
    E. 1.5 m.w.H.; Schröder, BJM 2015, S. 91 ff.).

    
	
     

    	
    b) Im zufolge Einsprache als
    Anklageschrift geltenden Strafbefehl vom 28. April 2014 (act. 2
    S. 1) heisst es in Bezug auf die für die Beurteilung des gegen den
    Beschuldigten erhobenen Fahrlässigkeitsvorwurfs relevanten Umstände des
    Verkehrsunfalls lediglich, der Privatkläger sei höchstwahrscheinlich ohne
    Licht unterwegs gewesen. Weitere Angaben, welche für eine Subsumtion unter
    den Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125
    Abs. 1 StGB (Beurteilung der Sorgfaltswidrigkeit) unabdingbar sind
    (vgl. hinten, E. V.2.), so insbesondere Angaben zu den Sichtverhältnissen
    bzw. zur Sichtbarkeit des Privatklägers, finden sich in der Anklageschrift
    keine. Eine Rückweisung der mangelhaften Anklageschrift zur Ergänzung an
    die Anklägerin (Art. 329 Abs. 2 StPO i.V.m. Art. 379 StPO) kann indes
    unterbleiben, da – wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen – aufgrund der
    verfügbaren und bei den Akten liegenden Beweismittel sich ohnehin nicht
    erstellen lässt, dass der entgegenkommende Privatkläger vor dem
    Unfallereignis für den Beschuldigten gut sichtbar war, bzw. da dem Gericht
    diesbezüglich aufgrund der nachfolgenden Erwägungen (insbesondere der am
    Augenschein gewonnenen Eindrücke) so oder anders erhebliche, nicht zu
    unterdrückende Zweifel verblieben. Ausserdem waren die Sichtverhältnisse
    bzw. die Sichtbarkeit des Privatklägers bereits Thema der vorinstanzlichen
    Hauptverhandlung (vgl. act. 13 S. 2 f., 5, 7) und aufgrund
    der Erwägungen im angefochtenen vorinstanzlichen Urteil (vgl. act. 23
    E. II.12.) auch des Berufungsverfahrens, sodass sich der Beschuldigte
    auch in dieser Hinsicht wirksam zu verteidigen vermochte (vgl. denn auch
    z.B. dessen diesbezügliche Ausführungen in act. 49).

    

  

  
	
  IV.

  Sachverhalt

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    a) Der Beschuldigte anerkennt
    den im Strafbefehl (act. 2) wiedergegeben Sachverhalt insoweit, als er
    bestätigte, am 25. Oktober 2013 abends mit dem Personenwagen GL […]
    von Glarus auf der Hauptstrasse in Richtung Schwanden unterwegs gewesen zu
    sein und eingangs Schwanden in die Sernftalstrasse abgebogen zu haben.
    Ebenso stellt er nicht in Abrede, dass er bei diesem Abbiegevorgang
    grundsätzlich vortrittsbelastet war und sich eine Kollision mit dem
    entgegenkommenden Privatkläger ereignete, durch welche Letzterer verletzt
    wurde (vgl. u.a. act. 1/I/002, 1/III/001, 13 S. 2, 49 S. 2).

    
	
     

    	
    b) Umstritten ist demgegenüber,
    welche Umstände anlässlich dieses Unfall-ereignisses herrschten und ob der
    Beschuldigte mangelnde Aufmerksamkeit zeigte. Nachfolgend ist daher
    aufgrund der vorhandenen Beweismittel zu prüfen, welcher Sachverhalt in
    Bezug auf diese Umstände als erstellt betrachtet werden kann.

    
	
     

    	
    c) Zu ebendiesen Beweismitteln
    fällt vorweg auf, dass der Privatkläger erstmals erst am 12. Januar
    2014, mithin erst rund zweieinhalb Monate nach dem am 25. Oktober 2013
    geschehenen Unfall polizeilich befragt wurde (vgl. act. 1/I/003),
    obwohl sich dieser vom 19. November 2013 bis am 1. Dezember 2013
    nicht mehr im Kantonsspital Graubünden, sondern auf der
    Rehabilitationsabteilung des Kantonsspitals Glarus sowie ab dem
    21. Dezember 2013 überhaupt nicht mehr in Spitalpflege befand (vgl. act. 1/I/014
    und act. 58/1-2, 5, 11-15, 28; vgl. hierzu auch die Vorbringen der
    Verteidigung in act. 11 S. 3 Rz. 2). Diese Einvernahme
    erfolgte zudem – gleich wie die spätere staatsanwaltliche Einvernahme vom
    8. Juli 2014 (act. 1/IV/002; hier wurde der Privatkläger überdies
    fälschlicherweise anstatt als Auskunftsperson [vgl. Art. 178
    lit. a StPO i.V.m. act. 1/I/005] als Zeuge einvernommen) – nicht
    in Gegenwart des Beschuldigten. Es ist aus den Akten auch nicht
    ersichtlich, dass der Beschuldigte über das Stattfinden dieser Einvernahmen
    informiert wurde (insbesondere fehlen Vorladungskopien und diesbezügliche
    Zustellnachweise). Angesichts dessen, dass – wie nachfolgend erwogen wird –
    ohnehin ein Freispruch des Beschuldigten zu ergehen hat, braucht indes auf
    diese möglichen Verletzungen der Teilnahmerechte des Beschuldigten (vgl.
    Art. 147 StPO) nicht weiter eingegangen zu werden.

    
	
    2.

    	
    Das Gericht legt seinem Urteil
    denjenigen Sachverhalt zugrunde, den es nach seiner freien, aus dem
    Augenschein, der Hauptverhandlung und den Untersuchungsakten geschöpften
    Überzeugung als verwirklicht erachtet (Art. 10 Abs. 2 StPO). Eine
    strafrechtliche Verurteilung kann nur erfolgen, wenn die Schuld des
    Beschuldigten mit hinreichender Sicherheit erwiesen ist. Es darf namentlich
    kein vernünftiger Zweifel darüber bestehen, dass sich der dem Beschuldigten
    in der Anklageschrift vorgeworfene Tatbestand tatsächlich verwirklicht hat.
    Wenn sich das Gericht nach Erschöpfung aller Erkenntnisquellen weder von
    der Existenz noch von der Nichtexistenz der beweisbedürftigen Tatsachen zu
    überzeugen vermag, kommt der den Beschuldigten begünstigende Grundsatz
    "in dubio pro reo" zur Anwendung. Hat das Gericht also erhebliche
    und nicht zu unterdrückende Zweifel (d.h. solche, die sich nach der
    objektiven Sachlage aufdrängen), so muss es den Beschuldigten freisprechen
    (Art. 10 Abs. 3 StPO; zum Ganzen u.a.: BGE 127 I 38 E. 2a;
    Schmid, Handbuch StPO, N 227 f.; OG ZH SB140270 vom
    28. November 2014 E. III.3.2).

    
	
    3.

    	
    a) Zunächst ist unstrittig und
    erstellt, dass zum Zeitpunkt des anklagegegenständlichen Unfallereignisses
    weder die Fahrtüchtigkeit des Beschuldigten noch jene des Privatklägers
    eingeschränkt war. Vielmehr fielen bei beiden Personen entsprechende
    Alkohol- bzw. Drogentests negativ aus (vgl. act. 1/I/006-013). Die Kantonspolizei hat sodann die
    involvierten Fahrzeuge des Beschuldigten und des Privatklägers wie auch
    deren Fahrberechtigungen anlässlich ihrer Kontrolle auf der Unfallstelle
    für in Ordnung befunden (1/I/001 S. 3, 4 und 5). Insbesondere ist davon
    auszugehen, dass in diesem Polizeirapport erwähnt worden wäre, falls die
    Reifen des Motorrads – wie von der Verteidigung mit nicht näher
    spezifiziertem Verweis auf bei den Akten liegende Fotoaufnahmen gerügt
    (act. 47 S. 4; act. 49 S. 2 f.) – tatsächlich übermässig
    abgefahren gewesen wären. Ein Mangel bezüglich dieser Reifen ist daher
    nicht erstellt. Schliesslich ist im Polizeirapport vom 6. Februar 2014
    (act. 1/I/001 S. 4) erwähnt, dass der Privatkläger seit dem 11. Juni 2013 im Besitz eines
    Führerausweises der Kategorie A1 war, mithin berechtigt war, sein Motorrad
    CH-Racing CH 50, welches unter die Kategorie Motorrad bis 50 cm3 bzw.
    max.4 kW fällt, zu lenken (Art. 3 Abs. 2 VZV und Art. 6
    Abs. 1 lit. c Ziff. 1 VZV).

    
	
     

    	
    b) Weiter ist allseits
    unstrittig, dass der Privatkläger anlässlich des Unfall-ereignisses
    schwarze Kleidung getragen hat (act. 1/I/002
    S. 3; act. 13 S. 2; act. 50 Rz. 2, 9) und
    sein Motorrad schwarz mit wenigen gelben Verzierungen ist
    (act. 1/I/001 S. 4; act. 1/I/002
    S. 3; act. 1/I/017 S. 4). Aufgrund von Fotoaufnahmen
    der Kantonspolizei Glarus ist ferner erstellt, dass der Schutzhelm des
    Privatklägers weiss mit einigen schwarzen Verzierungen ist (act. 43, Fotos
    Nr. 4847 und 4848). Diesbezüglich hat somit der Beschuldigte
    anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung nicht richtig ausgesagt
    (vgl. act. 13 S. 2:
    dunkler Schutzhelm). Dies allein ist jedoch seiner Glaubwürdigkeit bzw. der
    Glaubhaftigkeit seiner Aussagen nicht abträglich, da es sich um ein Detail
    handelt und der Schutzhelm nach dem Unfall in beträchtlicher Distanz
    entfernt vom Kollisionsort lag (vgl.
    act. 43 v.a. Fotos-Nr. 4847 und 4848 sowie hinten,
    E. IV.7f), d.h. wohl ausserhalb des Bereichs, auf welchen der Beschuldigte
    nach dem Unfall seine Wahrnehmung hauptsächlich gerichtet hatte. Ausserdem war bei dieser vorinstanzlichen
    Befragung seit dem Unfall bereits längere Zeit verstrichen.

    
	
     

    	
    c) Als Uhrzeit, zu welcher der Unfall stattfand, wird im Strafbefehl (act. 2)
    20:45 Uhr genannt (vgl. auch Polizeirapport [act. 1/I/001 S. 1]). Dies deckt sich mit der Schilderung
    der Auskunftsperson F.______ (act. 1/I/004 S. 2), wonach er im
    Zeitraum zwischen 20:30 Uhr bis 21:00 Uhr in Schwanden auf der Hauptstrasse
    ein in Fahrtrichtung Glarus fahrendes Motorrad gesehen habe, bei welchem
    vorne kein Licht geleuchtet habe. Weiter ist im Einsatzprotokoll des
    Rettungsdiensts (act. 1/I/015) als Alarmzeit 20:56 Uhr vermerkt und im
    Polizeirapport heisst es, die Meldung durch den Sanitätsnotruf an die Polizei
    sei um 20:50 Uhr erfolgt (act. 1/I/001 S. 5). Es ist daher als
    erstellt zu betrachten, dass der Unfall – wie im als Anklageschrift
    geltenden Strafbefehl festgehalten – am 25. Oktober 2013 um zirka
    20:45 Uhr geschah. Bei der Zeitangabe 21:40 Uhr des Polizeibeamten im Protokoll zur Einvernahme des
    Beschuldigten vom 25. Oktober
    2013 (act. 1/I/002 S. 2) und in den Aufträgen zur Blut- und
    Urinentnahme (act. 1/I/006, 010, 011) dürfte es sich hingegen um ein
    Versehen handeln.

    
	
    4.

    	
    a) Gemäss Strafbefehl (act. 2) war der Privatkläger „höchst
    wahrscheinlich ohne Licht unterwegs“. Gemeint ist damit, dass beim Motorrad
    des Privatklägers bei der Unfallfahrt die Frontbeleuchtung nicht in Betrieb
    war. Dass hingegen das Rücklicht ordnungsgemäss funktionierte, wurde von
    keiner Seite in Abrede gestellt und ist gutachterlich belegt (act. 1/I/018
    S. 8; vgl. auch
    act. 1/I/001 S. 2 und 4 sowie act. 1/I/017, wo stets nur von
    nicht funktionierender Frontbeleuchtung die Rede ist, sowie als weiteres Indiz die Aussagen der
    Auskunftsperson F.______ in act. 1/I/004 S. 2). 

    
	
     

    	
    b) Der Privatkläger erklärte in seiner polizeilichen Einvernahme vom
    12. Januar 2014 (act. 1/I/003 S. 5), die (Front-)
    Beleuchtung an seinem Motorrad habe funktioniert, als er zu Hause
    losgefahren sei. Ob diese später funktioniert habe, wisse er nicht. Er habe
    aber nicht bemerkt, dass sie nicht mehr funktioniert hätte. Bei seiner
    Befragung durch die Staatsanwaltschaft am 8. Juli 2014 (act. 1/IV/002
    S. 3) gab er wiederum an, das (Front-) Licht an seinem Motorrad sei
    eingeschaltet gewesen und habe bei seiner Fahrt gebrannt.

    
	
     

    	
    c) Demgegenüber machte der Beschuldigte bereits unmittelbar
    nach dem Unfall gegenüber der Polizei geltend, er sei sich „ganz sicher“,
    dass der Privatkläger ohne Licht (gemeint wohl: ohne Frontbeleuchtung)
    herangefahren sei (act. 1/I/002
    S. 2 f.). Auch in den folgenden staatsanwaltlichen bzw. vorinstanzlichen
    Einvernahmen (act. 1/IV/001;
    act. 13 S. 3) bestätigte er diese Angabe. Anzeichen (wie z.B.
    Lügensignale), aufgrund welcher diese stets gleichbleibenden Aussagen als
    unglaubhaft zu werten wären, bestehen keine.

    
	
     

    	
    d) Sodann liegen Aussagen eines F.______ vor, welche dieser am 7. November
    2013 als Auskunftsperson gegenüber der Polizei machte. F.______ gab an
    (act. 1/I/004 S. 2 f.), er habe zwischen zirka 20:30 Uhr bis
    21:00 Uhr auf der Hauptstrasse in Schwanden auf Höhe der Doppelturnhalle
    ein in Richtung Glarus fahrendes Motorrad mit heulendem Motor wahrgenommen.
    Dabei sei ihm aufgefallen, dass dieses vorne kein Licht, weder Stand- noch
    Abblendlicht, gehabt habe. Die Aussagen von F.______ weisen einige Anhaltspunkte
    auf, welche die Beschreibung als realitätsgetreu bzw. glaubhaft erscheinen
    lassen, so z.B. seine Gefühlsäusserung, wonach er für sich gedacht habe,
    der Fahrer habe auch noch Mut, in der Nacht ohne Licht zu fahren
    (act. 1/I/004 S. 2) und das stellenweise vorsichtige Berichten
    (klare Deklaration, dass er nicht mehr wisse, welche Witterung geherrscht
    habe und dass es ihm zufolge Dunkelheit unmöglich ist, das Motorrad zu
    beschreiben, act. 1/I/004 S. 2 f.). Die Verteidigung weist
    sodann zutreffend darauf hin (act. 13 S. 6), dass zur Tages- und
    Jahreszeit des Unfalls auf der Hauptstrasse in Schwanden gewöhnlich nicht
    überaus viele Motorräder unterwegs sein dürften, womit – trotz mehrerer auf
    der Hauptstrasse ab Höhe Doppelturnhalle bis zur Unfallstelle bestehender
    Abzweigungsmöglichkeiten (so der Privatkläger in act. 50 Rz. 11)
    – der Schluss naheliegt, es könnte sich beim von F.______ gesehenen
    Motorradfahrer um den Beschuldigten handeln.

    
	
     

    	
    e) Zusätzlich zu diesen glaubhaften Angaben von F.______ und zu den
    konstanten Aussagen des Beschuldigten liegt ein Untersuchungsbericht des Forensisch-Naturwissenschaftlichen
    Diensts der Kantonspolizei St. Gallen vom 29. November 2013
    (act. 1/I/018) vor. Darin konstatiert dieser (act. 1/I/018
    S. 8), das Motorrad sei mit eingeschaltetem Licht gefahren (gemeint
    wohl: Lichtschalter auf „Ein“, vgl. auch Polizeirapport [1/I/001
    S. 5], Untersuchungsantrag
    [act. 1/I/016 S. 2] und Fotodokumentation
    [act. 1/I/017 S. 5]) und beide linke Richtungsanzeiger und das Rücklicht seien zum
    Zeitpunkt des Unfalls in Betrieb gewesen. Bei der Frontbeleuchtung habe die
    wissenschaftliche Untersuchung einen widersprüchlichen Befund ergeben.
    Seitens des Forensisch-Naturwissenschaftlichen Diensts könne deshalb weder
    ausgeschlossen noch bestätigt werden, dass zum Unfallzeitpunkt irgendein
    Licht der Frontbeleuchtung geleuchtet habe.

    
	
     

    	
    f) Aufgrund dieser Beweislage bestehen zumindest erhebliche,
    unüberwindliche Zweifel, dass beim Motorrad des Privatklägers in der
    unmittelbaren Zeitspanne um den Unfall die Frontbeleuchtung in Betrieb war.
    Daher muss im Folgenden in dubio pro reo (Art. 10 Abs. 3 StPO;
    vgl. vorne, E. IV.2.) mit der Vorinstanz (act. 23 E. II.11.)
    davon ausgegangen werden, dass diese Frontbeleuchtung um die Unfallzeit
    nicht funktionierte bzw. nicht leuchtete (so in einer ähnlichen
    Fallkonstellation auch OG ZH SB130514 vom 13. März 2014
    E. 3.4.1.). Dies, zumal der Privatkläger im Zusammenhang mit dem
    anklagegegenständlichen Ereignis durch die Jugendanwaltschaft mit
    Strafbefehl vom 25. Februar 2014 (act. 1/I/029) rechtskräftig
    (vgl. act. 47 S. 7 oben) wegen Fahrens ohne Licht bei beleuchteter Strasse nachts resp. mit defekten
    Frontlichtern im Sinne von Art. 41 Abs. 1 SVG,
    Art. 30 Abs. 1 VRV i.V.m. Art. 90 Abs. 1 SVG schuldig
    gesprochen und mit einem Verweis bestraft wurde. 

    
	
    5.

    	
    a) Im Bereich des Unfallorts
    galt am 25. Oktober 2013 – wie noch heute – eine signalisierte
    Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h (act. 1/I/001 S. 1; OG GL,
    OG.2015.00045 vom 27. Mai 2016 E. III.B.). Der Privatkläger gab
    an, dort auf seinem Motorrad mit einer Geschwindigkeit von zirka 70 km/h
    gefahren zu sein (act. 1/I/003
    S. 3; act. 1/IV/002 S. 3). Der Beschuldigte seinerseits
    führte aus, er glaube, das Motorrad sei „eher schnell“ gefahren
    (act. 1/I/002 S. 3).

    
	
     

    	
    b) Da keine weiteren Beweise zur vom Privatkläger gefahrenen Geschwindigkeit
    vorliegen, ist davon auszugehen, dass dieser auf der geraden Strecke (vgl. act. 1/I/001 S. 1;
    act. 1/I/017 S. 3 oben) unmittelbar vor dem Unfallereignis mit einer Geschwindigkeit von
    zirka 70 km/h fuhr (zur Frage, ob der Privatkläger vor der Kollision
    gebremst hat, vgl. hinten, E. IV.7e).

    
	
    6.

    	
    a) Zu den zum Unfallzeitpunkt
    herrschenden äusseren Bedingungen ist dem Polizeirapport vom 6. Februar 2014 (act. 1/I/001 S. 1)
    und der polizeilichen Fotodokumentation (act. 1/I/017) zu entnehmen,
    dass die Strasse trocken war und nächtliche Lichtverhältnisse herrschten,
    der Strasse entlang aber die in einem längeren Bereich in regelmässigen
    Abständen installierte (vgl.
    act. 1/I/017 S. 2 f. sowie den
    Planausschnitt der Technischen Betriebe Glarus Süd betreffend öffentliche
    Beleuchtung, act. 41) Strassenbeleuchtung (Natriumdampflampen,
    100 Watt, vgl. act. 41) funktionierte (vgl. auch die Aussage
    des Privatklägers in act. 1/I/003
    S. 4).

    
	
     

    	
    b) Umstritten ist, wie gut die
    Strasse im Bereich des Unfallorts (Hauptstrasse in Schwanden auf Höhe des
    Gebäudes der Fridolin Druck und Medien Walter Feldmann AG [nachfolgend:
    „Fridolin-Gebäude“]) zum Zeitpunkt des Vorfalls aufgrund dieser
    Strassenbeleuchtung ausgeleuchtet war. Der Beschuldigte gab anlässlich
    mehrerer Befragungen an, es sei trotz Vorhandenseins einer
    Strassenbeleuchtung dunkel gewesen und er habe niemanden kommen sehen,
    sondern der Privatkläger sei mit seinem Motorrad plötzlich aus dem Dunkeln
    erschienen (vgl. act. 1/I/002 S. 2 ff.; act. 13 S. 2 f; act. 47
    S. 2; vgl. auch die Ausführungen seiner Verteidigung in act. 13
    S. 5). Demgegenüber hält der Rechtsbeistand des Privatklägers
    dafür, im Bereich der Unfallstelle habe eine ausserordentlich gute Beleuchtung
    bestanden, womit keine Rede davon sein könne, dass es dunkel gewesen sei
    (vgl. act. 13 S. 4; act. 50
    Rz. 2, 6, 12).

    
	
     

    	
    c) Das Obergericht führte am 20. Oktober 2015 abends ab 20:30
    Uhr im Bereich der Unfallstelle einen Augenschein durch. Dieser wurde so
    terminiert und organisiert, dass in jeder Hinsicht möglichst authentische
    Verhältnisse wie seinerzeit am Unfalltag (25. Oktober 2013 um zirka
    20:45 Uhr) herrschten. Die Kantonspolizei sperrte Teile der Haupt- und der
    Sernftalstrasse mehrmals kurzzeitig für den normalen Verkehr und es wurde
    ein dunkel gekleideter Motorradfahrer mit einem dunklen Motorrad einige
    Male ohne eingeschaltete Frontbeleuchtung und mit einer Geschwindigkeit von
    jeweils 70 km/h von Schwanden her auf der Hauptstrasse an der Unfallstelle
    vorbei in Richtung Mitlödi fahren gelassen. Während dieser Fahrten
    postierten sich die Mitglieder des Gerichts sowie die Parteien an
    verschiedenen Stellen im Bereich der Abzweigung Hauptstrasse/Sernftalstrasse,
    so unter anderem auch in einem in Fahrtrichtung Schwanden auf der
    Einspurstrecke zur Sernftalstrasse unmittelbar vor der Abzweigung mit
    eingeschaltetem Abblendlicht abgestellten Polizeifahrzeug (Personenwagen;
    vgl. zum Ganzen: act. 35, 38, 41-42, 44, 46).

    
	
     

    	
    d) Was die Lichtverhältnisse anbelangt, stellte das Obergericht an
    diesem Augenschein erstens fest, dass die Dämmerung bereits deutlich
    fortgeschritten und es entsprechend dunkel war. Zweitens fiel dem
    Obergericht auf, dass trotz Betriebs der bereits beschriebenen (vorne,
    E. IV.5a), in regelmässigen Abständen angebrachten Strassenbeleuchtung
    ein ungefähr 20-25 Meter langer Bereich der
    Hauptstrasse, nämlich eine auf Höhe des nördlichen Endes des Fridolin-Gebäudes
    (d.h. zirka 30 Meter [nördliches Ende] bis zirka 55 Meter
    [südliches Ende] vom südlichen Ende der Einspurstrecke entfernt) liegende
    Fläche auf der Fahrspur in Richtung Glarus (vgl. nachfolgende Skizze) –vor
    allem je weiter man hin zur Strassenseite blickt, an welcher das
    Fridolin-Gebäude liegt –, recht dunkel war bzw. als in deutlich schlechterem
    Masse ausgeleuchtet erschien als die übrigen Teile der Hauptstrasse, insbesondere
    als der unmittelbare Bereich der Verzweigung und als der Bereich weiter
    südlich nach dem Werkhof gegen Schwanden hin. Eine mögliche Erklärung
    für das Bestehen dieses dunklen Bereichs liegt dabei darin, dass ungefähr
    an dieser Stelle der Hauptstrasse die Strassenseite ändert, an welcher die
    Strassenbeleuchtung angebracht ist (von Schwanden her kommend Beleuchtung
    zunächst am rechten Strassenrand, danach ab den überdachten Parkplätzen
    nördlich des Werkhofs von Schwanden her gesehen am linken Strassenrand,
    vgl. act. 1/I/017 S. 2 und S. 3 oben; sowie act. 41)
    und dass die Strassenbeleuchtung im Bereich der überdachten Parkplätze nördlich
    des Werkhofs im Vergleich zu den übrigen Strassenleuchten um mehrere Meter
    zurückversetzt ist (vgl. Planausschnitt der Technischen
    Betriebe Glarus Süd betreffend öffentliche Beleuchtung, act. 41,
    Position der Leuchte Nr. 406 im Vergleich zu den Positionen der
    Leuchten Nr. 403-405 sowie act. 1/I/017 S. 2 und
    S. 3 oben). Ohne nennenswerten Einfluss auf diesen
    dunklen Bereich blieben dabei am Augenschein die am Fridolin-Gebäude
    angebrachte Beleuchtung der Firmentafel (vgl. act. 1/I/017 S. 3
    oben) wie auch die Beleuchtung des unmittelbar bei der Einmündung der
    Sernftalstrasse in die Hauptstrasse liegenden Fussgängerstreifens (vgl.
    act. 1/I/017 S. 2 und act. 41 Lampe Nr. 407), dies
    wohl, weil sich diese beiden Lichtquellen weiter nördlich als der
    ausgemachte dunkle Bereich befinden.

    

  

  
	
   

  
	
   

   

   

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

   

   

   

   

  
	
   

  
	
  	
     

    	
    e) Dieser am
    Augenschein – übrigens nicht nur vom Gericht, sondern auch von der Verteidigung
    (vgl. act. 49 S. 2) – gewonnene Eindruck, dass in
    Fahrtrichtung Glarus im Bereich des Fridolin-Gebäudes entgegen den von der
    Vorinstanz allein gestützt auf die bei den Akten liegenden Fotoaufnahmen
    angestellten, entsprechenden Erwägungen (act. 23 E. II.12.) eine
    schlecht ausgeleuchtete Fläche besteht, geht zumindest
    andeutungsweise auch aus einigen bei den Akten liegenden Fotoaufnahmen
    hervor (vgl. act. 1/I/017 S. 3 oben sowie
    act. 43 Fotos Nr. 4796, 4798, 4824, 4834 und 4835). Aus diesen Aufnahmen
    ist der soeben geschilderte Verlauf der Strassenbeleuchtung ersichtlich
    und lässt sich der genannte dunkle Bereich ebenfalls erahnen. Allerdings
    ist in all den genannten Fotos auf der Hauptstrasse ein Polizeifahrzeug mit
    eingeschalteter weisser Front- und oranger Dachbeleuchtung zu sehen, was
    die Aussagekraft dieser Aufnahmen in Bezug auf die Frage der zum Zeitpunkt
    des Unfalls herrschenden Lichtverhältnisse deutlich schmälert. Allgemein
    ist sodann hinsichtlich dieser Fotoaufnahmen zu beachten, dass diese allesamt nicht unmittelbar zum
    Zeitpunkt des Unfalls (zirka 20:45 Uhr, vgl. vorne, E. IV.3c) erstellt
    wurden, sondern einige Zeit später (vgl. die bei Einlegen der Foto-CD
    [act. 43] im Explorer erscheinenden Angaben unter „Änderungsdatum“,
    wobei unklar bleibt, ob es sich dabei um den Zeitpunkt der Erstellung der
    Aufnahmen oder um jenen der Bearbeitung [auf CD brennen] derselben
    handelt). Wahrscheinlich war es somit zu dieser Zeit dunkler als anlässlich
    des Unfalls. Dennoch geben die Aufnahmen einen gewissen Aufschluss
    zumindest über das Verhältnis bzw. die Lage dunklerer und hellerer Stellen
    auf der Hauptstrasse, auch wenn Fotoaufnahmen selbstredend möglicherweise
    ein Bild vermitteln, welches nicht vollständig den in
    der Realität herrschenden Verhältnissen entspricht.

    
	
     

    	
    f) Die
    Rechtsvertretung des Privatklägers machte in der
    Berufungsverhandlung vom 23.
    Oktober 2015 (act. 50 Rz. 2, 6, 12) geltend, dass es am konkreten
    Unfalldatum, d.h. am 25. Oktober 2013 um zirka 20:45 Uhr, insgesamt
    heller gewesen sei als am Abend des Augenscheins (20. Oktober 2015 von
    20:30 Uhr bis 21:00 Uhr), weil damals der Mond sichtbar gewesen sei. Allerdings
    finden sich in den Akten nirgendwo Anhaltspunkte, aufgrund derer sich
    ermitteln liesse, welcher Einfluss damals vom Mond auf die bei der
    fraglichen Strassenverzweigung herrschenden Lichtverhältnisse ausging. Dies
    lässt sich heute auch sonst nicht mehr verlässlich bzw. auf objektivierte
    Weise rekonstruieren. Deshalb und zumal zweifelhaft ist, ob der Mond zur
    Zeit des Unfalls in Schwanden überhaupt bereits aufgegangen war (vgl.
    www.mondverlauf.de [Eingabe: Schwanden und Unfalldatum 25. Oktober
    2013], wonach der Mondaufgang damals dort erst um 23:16 Uhr erfolgte), muss
    in dubio pro reo davon ausgegangen werden (Art. 10 Abs. 3 StPO),
    dass allfälliger Mondschein höchstens marginalen Einfluss auf die Lichtverhältnisse
    am Unfallort bzw. zur Unfallzeit hatte. Dies, zumal auf den bei den Akten
    liegenden Fotoaufnahmen (act. 1/I/017; act. 43) kein Mondeinfluss
    erkennbar ist, obwohl diese wie soeben erwähnt einige Zeit nach dem Unfall
    erstellt wurden und daher auf diesen zufolge weiter fortgeschrittener Dämmerung
    ein Mondeinfluss eher besser als zum Unfallzeitpunkt sichtbar sein sollte.
    Insgesamt ist somit punkto Lichtverhältnisse mangels anderer
    Beweismittel primär auf die beim Augenschein gewonnenen, vorne wiedergegebenen
    Eindrücke der Gerichtsmitglieder, insbesondere deren Feststellung des
    beschriebenen (E. IV.6d-e), ausgeprägten dunklen Bereichs abzustellen.

    
	
     

    	
    g) Im
    Übrigen fiel den Gerichtsmitgliedern, als sie sich anlässlich des Augenscheins
    im am südlichen Ende des Einspurstreifens abgestellten Polizeifahrzeug
    befanden, auf, dass das herannahende Motorrad im Innern des Polizeifahrzeugs
    bei ausgeschalteter Radio- bzw. Musikanlage nur leise hörbar und zudem das
    Sichtfeld etwas eingeschränkt bzw. jedenfalls nicht derart umfassend war,
    wie dies gewisse Fotoaufnahmen suggerieren (vgl. z.B. act. 43 Fotos Nr. 4796, 4798, 4824, 4834 und 4835).
    Selbstverständlich ist hierbei zu berücksichtigen, dass es sich bei den
    beiden Unfallfahrzeugen des Privatklägers und des Beschuldigten um andere
    Modelle mit unter anderem möglicherweise andersartigen Lärmdämmungs- und
    Sichtwinkel-Eigenschaften als die beim Augenschein verwendeten Fahrzeuge
    handelt. Dennoch sind die soeben genannten Umstände mangels anderer
    diesbezüglicher Sachverhaltserhebungen bei der nachfolgenden Würdigung
    jedenfalls untergeordnet auch mit zu berücksichtigen (Art. 10
    Abs. 3 StPO). Dies mitunter, weil der Beschuldigte – der nach eigenen
    Aussagen beim Autofahren ab und zu Radio höre, nicht aber telefoniere und
    am Unfallabend nicht einmal ein Mobiltelefon dabeigehabt habe (act. 13 S. 3) –
    ebenfalls angab, er habe vom
    herannahenden Motorrad nichts gehört (act. 13 S. 3), was nach dem
    Gesagten jedenfalls nicht völlig unglaubhaft ist.

    
	
    7.

    	
    a) In Bezug auf
    den Beginn des vom Beschuldigten ausgeführten Abbiegevorgangs in die
    Sernftalstrasse stimmen die Angaben der Beteiligten untereinander sowie mit
    den weiteren Akten überein (Fahrt von Mitlödi herkommend auf der
    Hauptstrasse und dann Einbiegen in die Einspurstrecke vor der Verzweigung;
    vgl. u.a. act. 1/I/002 S. 2 und act. 1/I/003 S. 3). Laut
    seinen eigenen Aussagen hat der Beschuldigte beim Einspuren den linken
    Richtungsanzeiger betätigt (act. 1/I/002 S. 2) und Gegenteiliges
    lässt sich mangels Zeugen (vgl. act. 1/I/002 S. 3 und
    act. 1/I/001 S. 5, wo als Auskunftsperson einzig F.______ [vgl.
    E. IV.4d] genannt wird) nicht (mehr) erstellen, womit dies in dubio
    pro reo (Art. 10 Abs. 3 StPO) als erstellt zu betrachten ist. Aus
    denselben Gründen ist mangels anderslautender Beweismittel davon
    auszugehen, dass der Beschuldigte mit Abblendlicht und nicht mit Fernlicht
    unterwegs war, zumal der Bereich der fraglichen Verzweigung mit einer
    Strassenbeleuchtung versehen ist (vgl. E. IV.6a). Weiter sagten sowohl
    der Beschuldigte als auch der Privatkläger aus, dass Ersterer vor dem
    Linksabbiegen am südlichen Ende der Einspurstrecke angehalten habe (vgl.
    u.a. act. 1/I/002 S. 2 und act. 1/I/003 S. 3; die
    Rechtsvertretung des Privatklägers zitiert diesen in act. 13
    S. 4 unrichtig, wenn sie ausführt, gemäss ihm sei der Beschuldigte mit
    20-30 km/h auf der Einspurstrecke gefahren und ohne anzuhalten abgebogen;
    vielmehr gab auch der Privatkläger an, der Beschuldigte habe sein Fahrzeug
    beim Einspuren angehalten [so explizit in act. 1/I/003 S. 3] und
    bezog sich die vom Privatkläger geäusserte Geschwindigkeitsangabe auf den
    Kollisionszeitpunkt [vgl. act1/I/003 S. 3 und act. 1/IV/002
    S. 3]). Wenngleich dies nicht mittels weiterer
    Beweismittel untermauert ist und ein Anhalten auf der Einspurstrecke dann,
    wenn man keinen Gegenverkehr erblickt, nicht als zwingend geboten erscheint
    (vgl. hinten, E. V.2b), ist somit aufgrund der insoweit übereinstimmenden
    Aussagen des Beschuldigten und des Privatklägers sowie in dubio pro reo
    (Art. 10 Abs. 3 StPO) als erstellt zu betrachten, dass dieser vor
    dem anklagegegenständlichen Linksabbiegen am südlichen Ende des
    Einspurstreifens zumindest kurz anhielt. Dafür spricht auch, dass gemäss
    Untersuchungen des kriminaltechnischen Diensts der Kantonspolizei im
    Bereich der Verzweigung weder Brems- noch Pneuabdruckspuren festgestellt
    werden konnten (act. 1/I/017 S. 3). Derartige Spuren wären
    hingegen wohl eher zu verzeichnen gewesen, wenn der Beschuldigte bei seinem
    Abbiegmanöver keinen solchen Halt eingelegt hätte, wäre er doch auf diese
    Weise mit einer höheren Geschwindigkeit über die Verzweigung gefahren und
    zum Kollisionspunkt gelangt (ähnlich auch die Verteidigung in act. 13
    S. 6).

    
	
     

    	
    b) Den weiteren
    Verlauf seiner Fahrt nach dem Halt auf der Einspurstrecke schildert der
    Beschuldigte wie folgt
    (act. 1/I/002 S. 2 f.; act. 13 S. 2 f.;
    act. 47 S. 2): Am südlichen Ende der
    Einspurstrecke stehend habe er ein erstes Mal zur Gegenfahrbahn geschaut
    und geprüft, ob ihm kein anderer Verkehrsteilnehmer entgegenkomme. Nachdem
    er niemanden gesehen habe, sei er angerollt. Als er angefahren sei, habe es
    auch bereits „geklöpft“. Aus dem Dunklen sei ein Motorrad ohne Licht von Schwanden her in Richtung
    Mitlödi gekommen. Zum Reagieren sei es aber schon zu spät gewesen. Er habe
    den Motorradfahrer erst kurz vor der Kollision bemerkt, als dieser bereits
    sehr nahe bei ihm gewesen sei und daher sei es trotz sofortigem Stopp zur
    Kollision gekommen. An dieser Schilderung fällt zwar
    die Aussage auf, wonach er erstmals erst am Ende der Einspurstrecke stehend
    zur Gegenfahrbahn geschaut habe, blickt man doch üblicherweise bereits
    während der Fahrt auf der Einspurstrecke ein erstes Mal zumindest flüchtig
    dorthin. Mangels anderer Beweise zum Einspurverhalten des Beschuldigten ist
    indes dennoch von dessen Version des Ablaufs auszugehen, zumal er abgesehen
    von diesem Sachverhaltselement zum weiteren Verlauf seiner Fahrt nach dem
    Halt auf der Einspurstrecke detaillierte und damit glaubhafte Aussagen
    machte. Zudem ist mangels anderweitiger Anhaltspunkte und in dubio
    pro reo (Art. 10 Abs. 3 StPO) davon auszugehen, dass er bei
    seinem Halt auf der Einspurstrecke vor dem Losfahren pflichtgemäss (vgl.
    hinten, E. V.1b-c) auch noch zur Sernftalstrasse hinblickte, um zu
    prüfen, ob dieser Bereich frei von Verkehr und insbesondere von die Strasse
    querenden Fussgängern ist (Fussgängerstreifen auf der Sernftalstrasse in
    unmittelbarer Nähe der Verzweigung, vgl. E. IV.6d). Der
    Privatkläger seinerseits gibt – weniger detailliert, aber insoweit konstant
    – an (act. 1/I/003 S. 3; act. 1/IV/002 S. 3): er habe gesehen wie der
    Personenwagen von Mitlödi hergekommen sei und eingespurt habe, um in
    Richtung Feuerwehrstützpunkt Kärpf zu fahren. Dann sei dieser beim Abbiegen
    in ihn hineingefahren.

    
	
     

    	
    c) Zur
    Geschwindigkeit des Beschuldigten zum Zeitpunkt der Kollision finden sich
    unterschiedliche Schilderungen der Beteiligten. Der Beschuldigte erklärte
    zunächst in seiner polizeilichen Einvernahme vom 25. Oktober 2013, er
    sei angefahren und da habe es auch bereits „geklöpft“ (act. 1/I/002
    S. 3). In der staatsanwaltlichen Einvernahme vom 27. Juni 2014
    (act. 1/IV/001 S. 2) gab er dann an, der Motorradfahrer sei in ihn hineingefahren,
    während er stillgestanden sei. Anlässlich der Hauptverhandlung vor
    Vorinstanz vom 15. Oktober 2014 (act. 13 S. 2 f.) führte er
    aus, er sei angefahren, habe eine Geschwindigkeit von nicht einmal 10 km/h
    gehabt und bei der Kollision noch gebremst, aber es sei zu spät gewesen.
    Der Motorradfahrer sei nicht ausgewichen. Der Privatkläger führte in seiner
    polizeilichen Einvernahme vom 12. Januar 2014
    (act. 1/I/003 S. 3) ebenfalls aus, der Personenwagen des Beschuldigten sei bei
    der Kollision nicht schnell gefahren, vielleicht mit 20 km/h. Er habe
    noch versucht, nach rechts zu fahren, um die Kollision zu vermeiden, was
    aber nicht gelungen sei. Gebremst habe er nicht, da er zum Reagieren keine Zeit
    mehr gehabt habe. Vor der Staatsanwaltschaft hielt der Privatkläger daran
    fest (act. 1/IV/002 S. 3), dass der Personenwagen noch gefahren
    sei, als es zur Kollision kam, und zwar mit einer Geschwindigkeit von zirka
    20 bis 30 km/h. Er habe noch auszuweichen und zu bremsen versucht. Trotzdem
    sei das Auto hinten links in ihn hineingefahren.

    
	
     

    	
    d) Davon
    ausgehend, dass der Beschuldigte am südlichen Ende der Ein-spurstrecke
    einen Kontrollhalt tätigte (vgl. soeben, E. IV.7a) und da der Kollisionspunkt
    nur zirka fünf bis sechs Meter von dieser Stelle entfernt liegt (vgl. u.a.
    act. 1/I/017 S. 2 und S. 3 unten [Endlage minus kurzer
    Anhalteweg]) sowie weil das Motorrad in geringer Distanz (zirka drei bis
    vier Meter) zum Personenwagen zu liegen gekommen ist (vgl. u.a. act. 1/I/017
    S. 3), erscheint es als sehr wahrscheinlich, dass der Personenwagen
    des Beschuldigten zum Zeitpunkt der Kollision lediglich mit geringer
    Geschwindigkeit unterwegs war, wie dies auch der Privatkläger zumindest
    anlässlich seiner ersten Einvernahme bestätigte (act. 1/I/003
    S. 3; vgl. auch die bei den Akten liegende E-Mail von X.______
    vom 15. Juli 2014 [act. 1/III/004], wonach anzunehmen sei, dass
    der eben erst wieder angefahrene Personenwagen schneller zum Stillstand
    gekommen sei als das – mit einer Geschwindigkeit von rund 70 km/h
    herannahende [vgl. oben, E. IV.5b] – Motorrad, er aber nicht beurteilen
    könne, ob der Personenwagen zum Unfallzeitpunkt komplett stillgestanden
    sei). Allein der Umstand, dass am Personenwagen des Beschuldigten doch
    erhebliche Schäden zu verzeichnen sind ((vgl.
    act. 1/I/017 S. 3 und act. 43, u.a. Fotos Nr. 4803-4806
    und 4809-4811), vermag an dieser Schlussfolgerung nichts zu ändern
    und kann auch auf die bei der Kollision vorherrschende Dynamik (vgl. die
    vorinstanzliche Vermutung [act. 23 E. II.12.], wonach ein
    Grossteil der Bewegungsenergie in der Kollision aufgegangen sein könnte)
    zurückzuführen sein. Im Übrigen ist es aufgrund des
    Schadensbilds (vgl. nachfolgend E. IV.7f) und der Aussagen des
    Privatklägers nicht plausibel, dass der Privatkläger in den Personenwagen
    des Beschuldigten hineinfuhr, wie Letzterer vor der Staatsanwaltschaft
    behauptete (act. 1/IV/001 S. 2). Wäre der Personenwagen nämlich
    tatsächlich bereits stillgestanden, mithin das Motorrad des Privatklägers
    in diesen geprallt, so fänden sich kaum auf der in Fahrtrichtung linken
    Seite des Personenwagens derart ausgeprägte Schäden wie die eingetretenen
    (vgl. act. 1/I/017 S. 3; act. 43 Fotos Nr. 4803-4806
    und 4809-4811). Vielmehr wären diesfalls Schäden auf der anderen Wagenseite
    bzw. weitergehende Schäden als die Eingetretenen im Frontbereich zu erwarten
    gewesen (so zutreffend auch der Privatkläger in act. 50 Rz. 10).

    
	
     

    	
    e) Ebenfalls kann
    als erstellt gelten, dass der Privatkläger mit seinem Motorrad vor der
    Kollision nicht bremste bzw. dass er dies zwar noch versuchte, es aber
    bereits zu spät war (vgl. dessen glaubhafte Aussagen in act. 1/I/003
    S. 4 und act. 1/IV/002 S. 3 sowie die polizeiliche
    Fotodokumentation, act. 1/I/017 S. 3, wonach weder Brems- noch
    Pneuabdruckspuren festgestellt werden konnten).

    
	
     

    	
    f) Schliesslich
    ist auf die Aspekte Endlage der Fahrzeuge und Schadensbild einzugehen. Aus
    der polizeilichen Fotodokumentation (act. 1/I/017) sowie aus den
    weiteren seitens der Polizei eingereichten Fotoaufnahmen (act. 43) ist
    ersichtlich, dass der Personenwagen des Beschuldigten in einem seitlichen
    Abstand von zirka drei bis vier Metern von der Hauptstrasse auf der in
    diese einmündenden Sernftalstrasse zum Stehen kam. Beim Personenwagen des Beschuldigten
    sind auf der in Fahrtrichtung linken Seite im vorderen Bereich sowie an der
    Front und an der Motorhaube erhebliche Schäden eingetreten (vgl.
    act. 1/I/001 S. 3 unten, act. 1/I/017 S. 3 sowie
    act. 43 u.a. Fotos Nr. 4803-4806 und 4809-4811).

    
	
     

    	
    Das Motorrad des
    Privatklägers lag zirka drei bis vier Meter nord-/nordöstlich des
    Personenwagens ebenfalls bereits deutlich im Bereich der Sernftalstrasse
    (vgl. u.a. act. 1/I/017 S. 2 f. sowie diverse Fotos in
    act. 43). Bei dieser Faktenlage erscheint die Aussage des
    Privatklägers (act. 1/I/003
    S. 4 und act. 1/IV/002 S. 3), wonach er
    noch versucht habe, nach rechts auszuweichen, um die Kollision zu
    vermeiden, als glaubhaft (so auch die Rechtsvertretung des Privatklägers in
    act. 13 S. 4 unten; vgl. ferner die vorinstanzlichen Erwägungen
    in act. 23 E. II.12.), wenngleich denkbar ist, dass auch die bei
    der Kollision wirkenden Kräfte zur seitlichen Verschiebung der Fahrzeuge
    weg von der Hauptstrasse auf die Sernftalstrasse beigetragen haben (unglaubhaft
    ist demgegenüber die Aussage des Beschuldigten an der vorinstanzlichen
    Hauptverhandlung [act. 13 S. 3], dass der Motorradfahrer nicht
    ausgewichen sei). Gemäss Polizeirapport (act. 1/I/001 S. 4 unten)
    erlitt das Motorrad Totalschaden und aus den in den Akten liegenden Fotoaufnahmen
    (act. 1/I/017 S. 4 ff.; act. 43 Fotos
    Nr. 4809-4816, 4827-4829, 4861-4870) ist ersichtlich, dass vor allem
    die linke Seite des Motorrads, primär im hinteren Bereich, beschädigt
    wurde.

    
	
     

    	
    Dieses beim
    Motorrad und beim Personenwagen vorliegende Schadensbild deutet darauf hin,
    dass das Motorrad seitlich und eher im hinteren Bereich vom
    Personenwagen getroffen wurde (vgl. auch den Polizeirapport vom 6. Februar 2014 [act. 1/I/001
    S. 2], in welchem aus der Perspektive des Personenwagens des
    Beschuldigten von einer „frontalen/seitlichen“ Kollision die Rede ist), als es sich
    schon fast nicht mehr im Abbiegebereich des Personenwagens befand (ebenso
    die Vorinstanz in act. 23 E. II.12.).

    
	
     

    	
    Zur Endlage des
    Privatklägers selbst finden sich in den Akten einzig eine Notiz im Polizeirapport,
    wonach der verletzte Privatkläger in Rücklage auf dem Trottoir gelegen sei
    (act. 1/I/001 S. 5 oben), nicht aber weitere Beweismittel.
    Insbesondere sind auf den bei den Akten liegenden Fotoaufnahmen
    (act. 43) keine entsprechenden Strassenmarkierungen auszumachen (vgl.
    z.B. act. 43 Fotos-Nr. 4841-4846, wo zwar Markierungen zu den
    Positionen der Fahrzeuge, nicht aber solche zur Lage des verletzten
    Privatklägers erkennbar sind). Weiter ist festzuhalten, dass der linke
    Turnschuh des Privatklägers am Fussraster seines Motorrads eingeklemmt
    wurde (act. 1/I/017 S. 4). Sodann hat der
    Privatkläger bei der Kollision seinen Schutzhelm verloren und dieser kam in
    erheblicher Entfernung von der Unfallstelle nördlich der Verzweigung
    Hauptstrasse/Sernftalstrasse im Wiesland zu liegen (siehe act. 43
    Fotos Nr. 4847-4848 sowie die Aussagen des Beschuldigten in act. 1/I/002 S. 3 und act. 13 S. 2 f., dass der Schutzhelm weit „weggeflogen“
    sei, obwohl der Privatkläger diesen bei seiner Fahrt getragen habe). Der Beschuldigte
    gab hierzu anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung an
    (act. 13 S. 2 f.), der Privatkläger habe – von ihm darauf
    angesprochen – gesagt, er habe den Schutzhelm wohl nicht richtig aufgehabt.
    Es ist zwar bemerkenswert, dass das Motorrad, welches immerhin mit einer
    Geschwindigkeit von rund 70 km/h unterwegs war (vgl. vorne, E. IV.5b),
    wie soeben erwähnt nahe beim Personenwagen zu liegen kam und zugleich der
    Schutzhelm des Privatklägers weit wegkatapultiert wurde. Letztlich sind die
    genauen Gründe für diese Unfallendlage der involvierten Fahrzeuge, des
    Privatklägers selbst und von dessen Schutzhelm jedoch für die
    Beurteilung der Strafbarkeit des Beschuldigten nicht von Relevanz (vgl.
    hinten, E. V.), weshalb diese Thematik hier nicht vertieft zu werden braucht.

    
	
    8.

    	
    a) Der Beschuldigte beantragt
    im Berufungsverfahren (act. 27 S. 2 f.; act. 47
    S. 2) die Einholung eines unfallanalytischen Gutachtens „insbesondere
    betreffend eine Lichtanalyse am Unfallort, der Eruierung der genauen Unfallstelle
    sowie einer Einschätzung der Fahrgeschwindigkeit des Privatklägers zum
    Zeitpunkt des Aufpralls“.

    
	
     

    	
    b) Was die Lichtverhältnisse am
    Unfallabend anbelangt, wurden seitens des Obergerichts mit der Anfrage an
    die Technischen Betriebe Glarus Süd vom 20. Oktober 2015 (vgl. act. 41)
    sowie mit dem Augenschein (vgl. act. 35, 38, 41-44, 46) weitere
    Erkundigungen getätigt, aufgrund welcher sich dieser Aspekt vorliegend
    hinreichend verlässlich beurteilen lässt (vgl. vorne, E. IV.6b-f). In
    Bezug auf die Fahrgeschwindigkeit des Privatklägers ist aufgrund der
    Tatsache, dass an der Unfallstelle keinerlei Brems- und/oder Pneuabdruckspuren
    festgestellt werden konnten (act. 1/I/017 S. 3), nicht davon auszugehen,
    dass ein Gutachten erkenntnisbringend sein könnte (so übrigens vor
    Vorinstanz auch der Beschuldigte: act. 11 S. 1 unten). Die
    Eruierung der genauen Kollisionsstelle schliesslich ist vorliegend, wo es
    um die Frage allfälliger Sorgfaltspflichtverletzungen des Beschuldigten
    geht, nicht entscheidrelevant (vgl. die nachstehenden Erwägungen sowie BGer
    6S.686/2001 vom 18. Februar 2002). Nach dem Gesagten ist daher der
    Beweisantrag des Beschuldigten um Einholung eines unfallanalytischen Gutachtens
    abzuweisen (Art. 318 Abs. 2 StPO analog).

    
	
    9.

    	
    Zusammenfassend ist nach
    Würdigung sämtlicher in Betracht fallender Beweismittel folgender
    Sachverhalt erstellt:

    
	
     

    	
    Der Beschuldigte fuhr am Abend
    des 25. Oktober 2013 mit seinem Personenwagen von Glarus her auf der
    Hauptstrasse in Richtung Schwanden und beabsichtigte eingangs Schwanden
    nach links in die Sernftalstrasse, auf welcher sich unmittelbar nach der
    Verzweigung ein Fussgängerstreifen befindet, abzubiegen. Hierfür befuhr er
    um zirka 20:45 Uhr mit Abblendlicht sowie den linken Richtungsanzeiger
    betätigend die vor der Verzweigung bestehende Einspurstrecke und hielt vor
    dem Linksabbiegen an deren südlichem Ende an. In diesem Moment schaute er
    ein erstes Mal zur Gegenfahrbahn und prüfte, ob ihm kein anderer
    Verkehrsteilnehmer entgegenkommt sowie ob die Abbiegestrecke frei von Verkehr
    und Fussgängern ist. Da er auf der Gegenfahrbahn und im Bereich seines
    beabsichtigten Abbiegewegs niemanden sah, fuhr er wieder an, worauf es zur
    Kollision mit dem Privatkläger, einem entgegenkommenden vortrittsberechtigten
    Motorradfahrer, kam.

    
	
     

    	
    Dieser war von Schwanden her auf
    der unmittelbar vor der Verzweigung gerade verlaufenden Hauptstrasse mit
    einer Geschwindigkeit von zirka 70 km/h (entsprechend der dort
    signalisierten Höchstgeschwindigkeit) unterwegs in Richtung Glarus, wobei
    dessen Frontbeleuchtung um die Unfallzeit nicht funktionierte bzw. nicht
    leuchtete. Er trug schwarze Kleidung, sein Motorrad war schwarz mit wenigen
    gelben Verzierungen und sein Schutzhelm weiss mit einigen schwarzen
    Verzierungen. Der Personenwagen des Beschuldigten fuhr zum Zeitpunkt der
    Kollision infolge erst gerade erfolgten Anrollens nach dem auf der
    Einspurstrecke getätigten Halt lediglich mit geringer Geschwindigkeit.

    
	
     

    	
    Der Privatkläger versuchte noch
    zu bremsen, was nicht mehr gelang, und nach rechts auszuweichen, um eine
    Kollision zu vermeiden. Dennoch wurde das Motorrad vom
    Personenwagen seitlich und eher im hinteren Bereich getroffen, als es sich
    schon fast nicht mehr im Abbiegebereich des Personenwagens befand. Auf der
    Unfallstelle wurden weder Pneuabdruck- noch Bremsspuren festgestellt. Der Personenwagen des Beschuldigten kam in einem seitlichen Abstand
    von zirka drei bis vier Metern von der Hauptstrasse auf der einmündenden
    Sernftalstrasse zum Stehen. Er wurde auf der in Fahrtrichtung linken Seite
    im vorderen Bereich sowie an der Front und an der Motorhaube erheblich
    beschädigt. Das Motorrad des Privatklägers lag zirka drei bis vier Meter
    nord-/nordöstlich des Personenwagens ebenfalls bereits deutlich im Bereich
    der Sernftalstrasse. Es erlitt Totalschaden, wobei vor allem die linke
    Seite des Motorrads, primär im hinteren Bereich, beschädigt wurde. Der Privatkläger lag nach der Kollision mit
    erheblichen Beinverletzungen in Rücklage auf dem Trottoir, wobei sein linker
    Turnschuh am Fussraster seines Motorrads eingeklemmt blieb. Sodann wurde bei der Kollision der Schutzhelm des Privatklägers weggeschleudert
    und dieser kam in erheblicher Entfernung von der Unfallstelle nördlich der
    Verzweigung Hauptstrasse/Sernftalstrasse im Wiesland zu liegen.

    
	
     

    	
    Weder die Fahrtüchtigkeit des
    Beschuldigten noch jene des Privatklägers war zum Zeitpunkt des Unfalls
    eingeschränkt, sie besassen die erforderlichen Fahrberechtigungen und deren
    Fahrzeuge wiesen keine Mängel auf.

    
	
     

    	
    Die Strassen waren damals
    trocken und die Dämmerung jedenfalls bereits deutlich fortgeschritten,
    sodass nächtliche Lichtverhältnisse herrschten. Der Hauptstrasse entlang
    funktionierte aber die bei der Verzweigung in einem längeren Bereich in regelmässigen
    Abständen installierte und mit 100 Watt-Natriumdampflampen ausgestattete
    Strassenbeleuchtung. Trotz Betriebs dieser Strassenbeleuchtung ist südlich
    der Verzweigung Hauptstrasse/Sernftalstrasse, beginnend ungefähr auf Höhe
    des nördlichen Endes des Fridolin-Gebäudes (d.h. rund in 30 Metern
    Entfernung vom südlichen Ende der Einspurstrecke), ein ungefähr 20 bis 25
    Meter langer, auf der Fahrspur in Richtung Glarus liegender Bereich der
    Hauptstrasse – insbesondere je weiter man hin zur Strassenseite blickt, an
    welcher sich das Fridolin-Gebäude befindet – deutlich schlechter
    ausgeleuchtet als die übrigen Teile der Hauptstrasse und der Verzweigung.

    
	
     

    	
    Diesen Sachverhalt gilt es im
    Folgenden rechtlich zu würdigen.

    

  

  
	
  V.

  Rechtliche Würdigung

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Gemäss Art. 125
    Abs. 1 StGB wird auf Antrag bestraft, wer fahrlässig einen Menschen am
    Körper oder an der Gesundheit schädigt. Der objektive Tatbestand der
    einfachen Körperverletzung im Sinne dieser Bestimmung ist vorliegend
    unstrittig erfüllt, nachdem aus den bei den Akten liegenden medizinischen
    Berichten ersichtlich ist, dass der Privatkläger erhebliche Beinverletzungen
    erlitt, was wie erwähnt (vorne, E. IV.1a) auch vom Beschuldigten anerkannt
    wird. Zu prüfen ist somit, ob auch der subjektive Tatbestand der fahrlässigen
    Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB erfüllt ist.

    
	
    2.

    	
    a) Fahrlässig begeht der Täter
    ein Verbrechen oder Vergehen, wenn die Tat darauf zurückzuführen ist, dass
    er die Folgen seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht
    bedacht oder darauf nicht Rücksicht genommen hat. Pflichtwidrig ist die
    Unvorsichtigkeit, wenn der Täter die Vorsicht nicht beachtet, zu der er
    nach den Umständen und nach seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet
    ist (Art. 12 Abs. 3 StGB). Ein Schuldspruch wegen eines
    Fahrlässigkeitsdelikts setzt somit voraus, dass der Täter den Erfolg durch
    Verletzung einer Sorgfaltspflicht verursacht hat. Sorgfaltswidrig ist die
    Handlungsweise, wenn der Täter zum Zeitpunkt der Tat auf Grund der Umstände
    sowie seiner Kenntnisse und Fähigkeiten die damit bewirkte Gefährdung der
    Rechtsgüter des Opfers hätte erkennen können und müssen und wenn er
    zugleich die Grenzen des erlaubten Risikos überschritten hat. Wo besondere
    Normen ein bestimmtes Verhalten gebieten, bestimmt sich das Mass der dabei
    zu beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach diesen Vorschriften. Fehlen
    solche, kann auf analoge Regeln privater oder halbprivater Vereinigungen
    abgestellt werden, sofern diese allgemein anerkannt sind. Dies schliesst
    nicht aus, dass der Vorwurf der Fahrlässigkeit auch auf allgemeine
    Rechtsgrundsätze wie etwa den allgemeinen Gefahrensatz gestützt werden
    kann. Die Vorsicht, zu der ein Täter verpflichtet ist, wird letztlich durch
    die konkreten Umstände und seine persönlichen Verhältnisse bestimmt (zum
    Ganzen statt vieler: BGE 135 IV 56 E. 2., 2.1.; BGer 6S.686/2001 vom
    18. Februar 2002 E. 2a je m.w.H.).

    
	
     

    	
    b) Der Umfang der
    Sorgfaltspflichten eines nach links abbiegenden Automobilisten richtet sich
    nach den Bestimmungen des Strassenverkehrsgesetzes (SVG) und der
    Verkehrsregelnverordnung (VRV). Gemäss diesen Erlassen hat derjenige, der nach
    links abbiegen will, gegen die Strassenmitte zu halten, d.h. einzuspuren,
    und vor dem Abbiegen dem entgegenkommenden Fahrzeugen den Vortritt zu
    lassen (Art. 36 Abs. 1 und 3 SVG). Weiter dürfen beim Einspuren der für den
    Gegenverkehr bestimmte Raum nicht beansprucht (Art. 13 Abs. 2 VRV), die
    Kurve nicht geschnitten (Art. 13 Abs. 4 VRV) und die vortrittsberechtigten
    entgegenkommenden Fahrzeuge in ihrer Fahrt nicht behindert werden (Art. 14
    Abs. 1 VRV). Der Vortrittsbelastete hat seine Geschwindigkeit frühzeitig zu
    mässigen und, wenn er warten muss, vor Beginn der Verzweigung zu halten
    (Art. 14 Abs. 1 VRV; zum Ganzen: BGer 6B_438/2015 vom 28. Oktober 2015
    E. 1.3.3.; BGer 6S.686/2001 vom 18. Februar 2002 E. 2a). Zu
    beachten ist auch die Grundregel von Art. 26 Abs. 1 SVG, wonach sich
    jedermann im Verkehr so verhalten muss, dass er andere in der
    ordnungsgemässen Benützung der Strasse weder behindert noch gefährdet. Abs.
    2 dieser Bestimmung auferlegt den Verkehrsteilnehmern sodann eine Pflicht
    zu besonderer Vorsicht unter anderem für denjenigen Fall, dass Anzeichen
    dafür bestehen, wonach sich ein Strassenbenützer nicht richtig verhalten
    könnte. Einem Verkehrsteilnehmer ist dann ein Verstoss gegen Art. 26 Abs. 2
    SVG vorzuwerfen, wenn er bei Einhaltung der erforderlichen Aufmerksamkeit
    den sich verkehrswidrig verhaltenden Strassenbenützer hätte wahrnehmen
    müssen und durch ein Brems- oder Ausweichmanöver eine Kollision hätte
    vermeiden können. Dabei richtet sich das Mass der Sorgfalt bzw.
    Aufmerksamkeit nach den gesamten Umständen, namentlich der Verkehrsdichte,
    den örtlichen Verhältnissen, der Zeit, der Sicht und den voraussehbaren
    Gefahrenquellen (OG ZH, SB130514 vom 13. März 2014 E. 3.5.; BGE
    129 IV 282 E. 2.2.1, BGE 127 II 302 E. 3c; BGer 6S.686/2001 vom
    18. Februar 2002 E. 2c je m.w.H.). Aus der soeben erwähnten
    Grundregel von Art. 26 Abs. 1 SVG wird auch der Vertrauensgrundsatz
    abgeleitet. Demgemäss darf jeder Strassenbenützer darauf vertrauen, dass
    sich die anderen Verkehrsteilnehmer ordnungsgemäss verhalten. Ein solches
    Vertrauen ist jedoch dann nicht gerechtfertigt, wenn Anzeichen dafür
    bestehen, dass sich ein Strassenbenützer nicht richtig verhalten wird oder
    wenn ein Fehlverhalten eines anderen Verkehrsteilnehmers auf Grund einer
    unklaren Verkehrssituation nach der allgemeinen Erfahrung unmittelbar in
    die Nähe rückt. Das bedeutet indessen nicht, dass derjenige, der in
    erkennbarer Weise gegen Verkehrsregeln verstösst, von anderen Verkehrsteilnehmern
    erwarten darf, dass sie die damit geschaffene Gefahr durch eine erhöhte
    Vorsicht ausgleichen. Umgekehrt kann sich aber auf den Vertrauensgrundsatz
    nur berufen, wer sich selbst verkehrsregelkonform verhalten hat (BGer
    6B_168/2015 vom 21. Mai 2015 E. 1.5.; BGer 6S.686/2001 vom
    18. Februar 2002 E. 2c m.w.H.).

    
	
     

    	
    c) Das Bundesgericht hat zudem
    in Fällen, in welchen es um Unfälle auf Strassenverzweigungen bzw.
    diesbezügliche Vorwürfe von Sorgfaltspflichtsverletzungen ging, unter
    anderem folgende Grundsätze entwickelt (vgl. ferner die Hinweise in OG ZH,
    SB130514 vom 13. März 2014 E. 3.6.):

    
	
     

    	
    Mit ihren Blicken haben
    Fahrzeuglenker die ganze Strassenbreite zu erfassen und nicht allein das,
    was sich unmittelbar vor ihnen auf ihrer Fahrbahnhälfte ereignet.
    Allerdings wird nicht verlangt, die Aufmerksamkeit auf eine Stelle ausserhalb
    des zu erwartenden Verkehrsgeschehens zu richten (BGE 116 IV 230 E. 2). In
    erster Linie muss der Automobilist somit auf die zu erwartenden Gefahren
    achten und daneben höchstens sekundär auf ungewöhnliche und abwegige
    Verhaltensweisen anderer Verkehrsteilnehmer (BGE 122 IV 225 E.
    2c). In einer Situation, in der ein Fahrzeuglenker seine Aufmerksamkeit
    gleichzeitig auf verschiedene Stellen richten muss, kann von ihm nicht verlangt
    werden, dass er an einem Ort etwas erkennt, was nur schwer sichtbar ist
    (BGer 6S.686/2001 vom 18. Februar 2002 E. 2c). Schliesslich ist
    es nicht zulässig, eine Sorgfaltswidrigkeit daraus abzuleiten, dass
    rückblickend gesehen bei optimalem Verhalten möglicherweise der Fehler
    eines anderen Verkehrsteilnehmers früher hätte erkannt werden können. Nach
    dem Bundesgericht kann man nicht verlangen, dass im Strassenverkehr
    jedermann zu jeder Zeit ein Höchstmass an Aufmerksamkeit und Umsicht
    erbringt (BGE 122 IV 225 E. 2c
    a.E. m.w.H.).

    
	
    3.

    	
    Aus den nachfolgenden
    Erwägungen wird deutlich, dass dem Beschuldigten – entgegen der Ansicht der
    Vorinstanz (act. 23 E. II.12 und III.) und des Privatklägers
    (vgl. z.B. act. 50 Rz. 12) – in Bezug auf das anklagegegenständliche
    Unfallereignis aufgrund des erstellten Sachverhalts weder eine Unaufmerksamkeit
    noch ein anderweitiges pflichtwidriges Verhalten vorgeworfen werden kann:

    
	
    4.

    	
    Wie schon im Rahmen der
    Sachverhaltserstellung (vorne, E. IV.3-9) zum Ausdruck kam, war die
    Erkennbarkeit des auf seinem Motorrad von Schwanden herkommenden
    Privatklägers für den Beschuldigten aus mehreren Gründen eingeschränkt. 

    
	
     

    	
    a) So war gemäss den
    vorstehenden Erwägungen die Dämmerung zum Zeitpunkt des Unfalls jedenfalls
    bereits deutlich fortgeschritten und der Privatkläger war – mit Ausnahme
    des Schutzhelms – dunkel gekleidet auf seinem überwiegend schwarzen
    Motorrad, bei welchem die Frontbeleuchtung nicht funktionierte, unterwegs.
    Aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung ist bekannt und auch das
    Bundesgericht hat wiederholt darauf hingewiesen, dass die Sicht bei Dämmerung
    sogar ungünstiger und schwieriger ist als bei voller Nacht, weil wegen der
    herabgesetzten Helligkeit die Kontraste verflachen und vor allem
    dunkelfarbige Objekte dann nur schwer erkennbar sind (BGer 6S.686/2001 vom
    18. Februar 2002 E. 2c m. H. auf BGE 97 IV 165 E. 2b).

    
	
     

    	
    b) Dieser Erkennbarkeit des
    Privatklägers aus Sicht des Beschuldigten ist überdies abträglich, dass ein
    rund 30 bis 55 Meter vor dem südlichen Ende der Einspurstrecke liegender
    Bereich der Fahrbahn des entgegenkommenden Privatklägers durch die im
    Gebiet der Unfallstelle vorhandene Strassenbeleuchtung nur schlecht
    ausgeleuchtet wurde, mithin dort ein eigentlicher „dunkler Bereich“ bestand
    (vgl. vorne, E. IV.6d-e).

    
	
     

    	
    c) Hinzu kommt die angesichts
    der am gerichtlichen Augenschein gewonnen Eindrücke durchaus realistische
    Möglichkeit, dass entgegenkommende Motorfahrzeuge wie z.B. das Motorrad des
    Privatklägers im Innern des Fahrzeugs des Beschuldigten nur in sehr
    beschränktem Masse hörbar sind. Insbesondere ist zu bezweifeln, dass für
    den in seinem Personenwagen sitzenden Beschuldigten das mit einer
    Geschwindigkeit von 70 km/h herannahende Motorrad des Privatklägers
    bereits in derart weiter Entfernung hörbar war, um noch rechtzeitig vor dem
    Einbiegen auf den Bereich der Gegenfahrbahn bremsen bzw. den Vortritt
    gewähren zu können. Weiter ist nach dem Augenschein nicht völlig undenkbar,
    dass im am südlichen Ende der Einspurstrecke angehaltenen Personenwagen
    auch der Sichtwinkel (z.B. aufgrund der sogenannten A-Säulen [Verbindung Motorhaube-Frontscheibe-Fahrzeugdach])
    eingeschränkt war. Ganz generell ist sodann zu bemerken, dass – wie anlässlich
    des gerichtlichen Augenscheins zu erkennen war – bei einer vom Privatkläger
    unmittelbar vor der Kollision gefahrenen Geschwindigkeit von 70 km/h
    dessen Anfahrt auf die Verzweigung innert sehr kurzer Zeit stattfand (vgl.
    hierzu auch sogleich, E. V.5.).

    
	
     

    	
    d) Bereits im Lichte dieser
    Umstände ist aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung zu folgern, dass der
    mit seinem Motorrad herannahende Privatkläger für den Beschuldigten nicht
    bzw. nur schwer erkennbar war. Wenn der Privatkläger ausführt (act. 50
    Rz. 9), anlässlich des obergerichtlichen Augenscheins sei der ohne
    Licht fahrende und komplett schwarz gekleidete Motorradfahrer aus dem auf
    der Einspurstrecke stehenden Personenwagen sichtbar gewesen, so ist hierzu
    anzumerken, dass er nicht angibt, zu welchem Zeitpunkt bzw. an welcher
    Stelle er seiner Auffassung nach sichtbar war und dass alle Beteiligten
    anlässlich des Augenscheins wussten, dass ein Motorradfahrer ohne Licht
    entgegenkommen wird, mithin speziell gefasst und konzentriert waren, womit
    sich insofern ein verzerrter Eindruck ergibt (so auch die Verteidigung in
    act. 49 S. 2). Insgesamt verbleiben daher bereits aufgrund der
    bis hierhin angestellten Erwägungen entgegen der Auffassung des Privatklägers
    (vgl. z.B. act. 13 S. 4, 7; act. 47 S. 6; act. 50
    Rz. 9, 12 f.) erhebliche Zweifel, dass dieser für den
    Beschuldigten im relevanten Moment derart genügend sichtbar war, dass er
    ihn hätte sehen können. 

    
	
    5.

    	
    Diese soeben gewonnene
    Erkenntnis wird weiter aufgrund folgender Weg-Zeit-Rechnung untermauert:
    Wie vorne erwogen, richtete der von Mitlödi herkommende und vor dem
    Fridolin-Gebäude links einspurende Beschuldigte vor seinem Abbiegemanöver
    in die Sernftalstrasse seinen Blick erstmals bewusst auf die Gegenfahrbahn,
    als er am südlichen Ende der Einspurstrecke anhielt (vgl. vorne,
    E. IV.7b). Ausserdem blickte er in diesem Moment noch zur
    Sernftalstrasse und zum dortigen Fussgängerstreifen, um zu prüfen, ob dort
    die Fahrbahn für seine Abbiegefahrt frei ist. Diese Blicke nehmen nach der
    allgemeinen Lebenserfahrung durchaus zumindest rund zwei Sekunden Zeit in Anspruch.
    In einer solchen Zeitspanne von zwei Sekunden legte der vor dem
    Unfallereignis auf der Hauptstrasse im Bereich des Fridolin-Gebäudes mit
    einer Geschwindigkeit von 70 km/h in Richtung Glarus fahrende Privatkläger
    eine Distanz von rund 38.9 Metern zurück (70 km/h : 3.6 = 19.45 m/s x
    2 s = 38.9 m; vgl. Giger, Komm. SVG, Art. 32 N 5 ff.). Die
    Distanz zwischen dem südlichen Ende der Einspurstrecke und dem nördlichen
    Ende des auf der Fahrbahn in Richtung Mitlödi/Glarus auf der Höhe des
    Fridolin-Gebäudes ausgemachten, schlecht ausgeleuchteten Bereichs beträgt
    rund 30 Meter, jene zu dessen südlichem Ende rund 55 Meter (vgl.
    vorne, E. IV.6d-e). Es ist nach diesen Berechnungen bzw.
    Feststellungen somit durchaus möglich und plausibel, dass sich der
    Privatkläger genau dann auf diesem anlässlich des Augenscheins
    festgestellten, schlecht ausgeleuchteten Bereich der Hauptstrasse befand,
    als der Beschuldigte auf der Einspurstrecke stehend seine Kontrollblicke in
    Richtung Gegenfahrbahn und Sernftalstrasse tätigte, und dass der
    Beschuldigte den Privatkläger aus diesem Grund nicht herannahen sah. Erst
    in einem Bereich von rund 30 Metern Entfernung zum südlichen Ende der
    Einspurstrecke können – insbesondere aufgrund der Erkenntnisse aus dem
    Augenschein und entgegen dem Privatkläger (act. 47 S. 6), gemäss
    welchem er bzw. sein Motorrad auf der gesamten Strecke von nördlich des
    Werkhofs bis zur Verzweigung Hauptstrasse/Sernftalstrasse einsehbar gewesen
    seien – die Lichtverhältnisse als derart hinreichend gut bezeichnet werden,
    dass vom Beschuldigten verlangt werden kann, dass er den Privatkläger hätte
    sehen müssen. Angesichts dessen, dass der herannahende Privatkläger aber
    mit einer Geschwindigkeit von 70 km/h bzw. 19.45 m/s fuhr, und unter
    Zubilligung einer zumindest minimalen Reaktionszeit blieb dem Beschuldigten
    indes ab diesem Moment, ab dem er den Motorradfahrer sehen konnte, zu wenig
    Zeit, um den Verkehrsunfall noch durch eine entsprechende Reaktion
    (Bremsen, Ausweichen) zu vermeiden. Dies, zumal er während des gesamten Abbiegevorgangs
    nicht nur die Gegenfahrbahn, sondern auch die Abbiegestrecke (Beginn der
    Sernftalstrasse samt Fussgängerstreifen) zu überblicken hatte (vgl. hierzu
    vorne, E. V.2c und sogleich, E. V.6.). Dem Beschuldigten kann
    somit unter den gegebenen Umständen (insbesondere Fahren des Privatklägers
    ohne funktionierendes Vorderlicht und schlechte Lichtverhältnisse auf
    Teilen der Fahrbahn des Privatklägers) weder eine Unaufmerksamkeit noch ein
    anderweitiges pflichtwidriges Verhalten vorgeworfen werden. Dies nicht
    zuletzt, da – wie aus der obenstehenden Sachverhaltserstellung deutlich
    wurde – für den Beschuldigten keine Anzeichen dafür bestanden, dass ihm ein
    Motorradfahrer ohne funktionierendes Vorderlicht entgegenkommen könnte. Er
    musste somit nach dem vorne erwähnten Vertrauensgrundsatz entgegen der Auffassung
    des Privatklägers (u.a. act. 47 S. 6, wonach es zum alltäglichen
    Wissen gehöre, dass Leute ohne Licht unterwegs sein können) nicht mit dem
    ihm vorschriftswidrig (Art. 41 Abs. 1 SVG; Art. 30 Abs. 1 VRV; vgl. auch
    act. 1/I/029) entgegenkommenden Privatkläger rechnen (BGer 6S.686/2001
    vom 18. Februar 2002 E. 2c).

    
	
    6.

    	
    Zu beachten ist sodann wie
    bereits angetönt, dass der Beschuldigte anlässlich seines Abbiegemanövers
    von der Hauptstrasse in die Sernftalstrasse seine Aufmerksamkeit nicht nur
    auf die Gegenfahrbahn, sondern auch auf die Einspurstrecke bzw. die
    Einfahrt in die Sernftalstrasse samt dortigem Fussgängerstreifen, mithin
    gleichzeitig auf verschiedene Stellen richten musste und mangels anderer
    Anhaltspunkte in dubio pro reo davon auszugehen ist, dass er dies auch tat
    (vgl. vorne, E. IV.7b). Nach dem Bundesgericht kann in einer solchen
    Situation vom abbiegenden Beschuldigten nicht verlangt werden, dass er an
    einem Ort etwas erkennt, was nur schwer sichtbar ist (BGer 6S.686/2001 vom
    18. Februar 2002 E. 2c m.w.H.). Die Verteidigung des Beschuldigten
    (act. 49 S. 3) weist in diesem Zusammenhang zutreffend darauf
    hin, dass sich ein „durchschnittlich besonnener Strassenbenützer“ bei Dunkelheit
    bei seinem Abbiegemanöver in Bezug auf das Vortrittsrecht primär an
    beleuchteten Fahrzeugen orientiert und dass der Entscheid, Vortritt zu gewähren
    oder loszufahren in der Regel innert kurzer Zeit getroffen wird. Insofern
    ist die Haltung des Privatklägers (act. 47 S. 6, 8; act. 50
    S. 4), der Beschuldigte habe die ihm obliegende Sorgfaltspflicht verletzt,
    weil er als Einspurender nicht seine gesamte Aufmerksamkeit auf die
    Hauptstrasse in Richtung Schwanden gerichtet habe, nicht zutreffend. Vielmehr
    ist – wie vorne erwogen (E. IV.7b) – davon auszugehen, dass der Beschuldigte
    am südlichen Ende der Einspurstrecke stehend zur Gegenfahrbahn blickte,
    dort aber aufgrund der Umstände (insbesondere Fahren des Privatklägers ohne
    funktionierendes Vorderlicht und schlechte Lichtverhältnisse auf Teilen der
    Fahrbahn des Privatklägers, vgl. E. V.4.) nur Dunkelheit und kein
    Licht sah und deshalb davon ausging, dass kein Gegenverkehr naht, welchem
    er Vortritt zu gewähren hätte, worauf er seine Aufmerksamkeit auch der
    Abbiegestrecke und der Sernftalstrasse zuwandte, zumal dort unmittelbar
    nach der Einmündung ein Fussgängerstreifen folgt. Bei diesem Handeln des
    Beschuldigten kann ihm aufgrund der soeben sowie vorne (E. V.2c)
    erwähnten bundesgerichtlichen Rechtsprechung keine Sorgfaltswidrigkeit vorgeworfen
    werden.

    
	
    7.

    	
    Zusammenfassend bestehen im
    vorliegenden Fall keine Anhaltspunkte für eine mangelnde Aufmerksamkeit
    oder für ein anderes pflichtwidriges Verhalten des Beschuldigten. Im
    Gegenteil ist dieser gehörig aufmerksam respektive durchaus vorsichtig
    gefahren, indem er rechtzeitig den linken Richtungsanzeiger stellte, die
    Einspurstrecke befuhr, an deren südlichem Ende gänzlich anhielt, zur
    Gegenfahrbahn sowie zum Abbiegeweg bzw. zur Sernftalstrasse hinblickte und
    in der Folge mit geringer Geschwindigkeit sein Abbiegemanöver begann. Der
    Beschuldigte vermochte den ihm ohne funktionierendes Vorderlicht mit einem
    überwiegend schwarzen Motorrad entgegenkommenden, dunkel gekleideten
    Privatkläger bei der gebotenen Aufmerksamkeit nicht rechtzeitig zu erkennen.
    Dem Beschuldigten ist somit weder eine Sorgfaltspflichtverletzung noch
    sonst ein strafbares Verhalten am fraglichen Verkehrsunfall, der beim
    Privatkläger zu erheblichen Verletzungen führte, vorzuwerfen. Er ist
    demnach in Gutheissung der Berufung vom Vorwurf der fahrlässigen
    Körperverletzung im Sinne von Art. 125 StGB
    freizusprechen.

    

  

  
	
  VI.

  Zivilforderungen

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Die Vorinstanz verpflichtete
    den Beschuldigten, dem Privatkläger CHF 3'000.– als Schadenersatz und
    CHF 1‘500.– als Genugtuung zu bezahlen (act. 23 E. VI.,
    Dispositiv-Ziff. 3 und 4).

    
	
    2.

    	
    Im Berufungsverfahren verlangt
    der Privatkläger mit seiner Anschlussberufung (act. 32; act. 50
    S. 2), der Beschuldigte sei zu verpflichten, ihm eine Genugtuung nach
    Ermessen des Gerichts, mindestens aber von CHF 10‘000.– zu bezahlen.
    Der Beschuldigte beantragt (act. 27 S. 2; act. 47 S. 2),
    die Zivilforderungen des Privatklägers seien auf den Zivilweg zu verweisen.

    
	
    3.

    	
    Da der Beschuldigte – wie
    soeben dargelegt – vollumfänglich freizusprechen ist und sich der
    Sachverhalt zufolge einiger in Anwendung des Grundsatzes „in dubio pro reo“
    getätigter Annahmen zivilrechtlich nicht als spruchreif erweist, ist die
    Zivilklage des Privatklägers in Abweisung der Anschlussberufung bzw. entsprechend
    dem Antrag des Beschuldigten (act. 27 S. 2) vollumfänglich
    (Schadenersatz und Genugtuung) auf den Zivilweg zu verweisen (Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO).

    

  

  
	
  VII.

  Beschlagnahmte Gegenstände

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Gemäss Art. 267
    Abs. 3 StPO ist im Endentscheid über das Schicksal beschlagnahmter
    Gegenstände und Vermögenswerte zu entscheiden, wenn die Beschlagnahme nicht
    bereits vorher aufgehoben worden ist.

    
	
    2.

    	
    Gemäss den Akten
    (act. 1/I/020; act. 1/I/001 S. 4 unten; act 1/I/030)
    wurde das Motorrad CH-Racing CH 50, […], des Privatklägers durch die
    Polizei sichergestellt (recte: als Beweismittel beschlagnahmt, vgl.
    Art. 263 Abs. 1 lit. a StPO). Dies nebenbei bemerkt ohne
    dass ein Beschlagnahmebefehl gemäss Art. 263 Abs. 2 StPO erging.

    
	
    3.

    	
    Aus den Akten ist nicht
    ersichtlich, dass über das Schicksal dieses beschlagnahmten Motorrades
    bereits entscheiden worden wäre. Jedenfalls hat die Vorinstanz hierzu im
    angefochtenen Entscheid (act. 23) entgegen Art. 81 Abs. 4
    lit. e StPO und Art. 267 Abs.  3 i.V.m. Art. 263
    Abs. 1 lit. a StPO keine Anordnung getroffen.

    
	
    4.

    	
    Gemäss Polizeirapport
    (act. 1/I/001 S. 5 unten) ist das fragliche Motorrad zwar total
    beschädigt und durch den Privatkläger beim Strassenverkehrsamt ausser Verkehr
    gesetzt worden. Dennoch ist dieses, nachdem es nicht mehr als Beweismittel
    benötigt wird und eine Einziehung sowie eine Verwendung zur Kostendeckung
    nicht in Frage kommt, dem Privatkläger auszuhändigen, sofern er es
    zurückerhalten möchte (Art. 267 Abs. 3 i.V.m. Abs. 1 StPO).

    

  

  
	
  VIII.

  Kosten- und Entschädigungsfolgen

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Der Beschuldigte wird mit dem
    vorliegenden Urteil vollumfänglich freigesprochen. Demzufolge sind die
    Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens auf
    die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 426 Abs. 1 und 2 StPO).

    
	
    2.

    	
    a) Im Berufungsverfahren tragen
    die Parteien die Kosten grundsätzlich nach Massgabe ihres Unterliegens oder
    Obsiegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Dieser Grundsatz gilt auch für
    die Kostenregelung bei Anschlussberufungen. Bei teilweisem Obsiegen werden
    die Verfahrenskosten nach Massgabe der gutgeheissenen bzw. abgewiesenen
    Anträge verlegt (zum Ganzen z.B. Domeisen, BSK-StPO, Art. 428
    N 5-12).

    
	
     

    	
    b) Der Beschuldigte obsiegt mit
    seinen Anträgen im Berufungsverfahren vollumfänglich. Der Privatkläger
    unterliegt mit seiner auf den Zivilpunkt (Genugtuung) bezogenen
    Anschlussberufung in vollem Umfang. Insgesamt erscheint es daher
    angemessen, die Kosten des Berufungsverfahrens zu einem Sechstel dem
    Privatkläger aufzuerlegen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
    Aufgrund des jungen Alters des Privatklägers und um sein Fortkommen nicht
    übermässig zu belasten, ist jedoch der auf ihn entfallende Kostenanteil
    gestützt auf Art. 425 StPO abzuschreiben (zum Ganzen z.B. Domeisen,
    BSK-StPO, Art. 425 N 4 ff.).

    
	
    3.

    	
    a) Zufolge des ergehenden
    Freispruchs sind dem Beschuldigten die Kosten seiner erbetenen Verteidigung
    zu ersetzen, zumal angesichts der tatsächlichen und rechtlichen Komplexität
    des Falles eine anwaltliche Verbeiständung geboten war (Art. 429
    Abs. 1 lit. a StPO, für das Berufungsverfahren i.V.m.
    Art. 436 Abs. 1 StPO). Da der Beschuldigte infolge der Verweisung
    der vom Privatkläger erhobenen Zivilklage auf den Zivilweg nicht als obsiegend
    im Sinne von Art. 432 Abs. 1 StPO gilt (Wehrenberg/Frank, BSK
    StPO, Art. 432 N 6), geht diese Entschädigung zu Lasten der
    Gerichtskasse.

    
	
     

    	
    b) Der Verteidiger des
    Beschuldigten reichte zur Bezifferung seines Entschädigungsanspruchs eine
    Honorarnote (act. 74) über CHF 8‘168.60 ein (Leistungen inkl.
    Auslagen und MwSt. seit Mandatierung [vgl. act. 5-6] bis am
    8. September 2016). Die darin geltend gemachten Aufwendungen und Auslagen
    sind nicht zu beanstanden und erscheinen unter Berücksichtigung der
    konkreten Bedeutung und Schwierigkeit des Falles als angemessen. Für die
    noch anstehenden Abschlussarbeiten (u.a. Lektüre, Analyse und Besprechung
    des vorliegenden Entscheids mit dem Klienten) sind weitere 1.5 Stunden
    zu einem Stundenansatz von CHF 180.– zu entschädigen. Dementsprechend
    ist dem Beschuldigten für das gesamte Verfahren eine Entschädigung für
    seine anwaltliche Verteidigung von insgesamt CHF 8‘460.20 (inkl. MwSt.
    und Auslagen) aus der Gerichtskasse zuzusprechen.

    
	
     

    	
    c) Dem Privatkläger ist
    ausgangsgemäss weder für das vorinstanzliche Verfahren noch für das
    Berufungsverfahren eine Entschädigung zuzusprechen (Art. 433
    Abs. 1 e contrario, für das Berufungsverfahren i.V.m. Art. 436
    Abs. 1 StPO; vgl. auch act. 23 E. VII.2.).

    

  ____________________

  
	
   

  
	
  Das Gericht   erkennt und beschliesst:

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Der
    Beschuldigte A.______ wird vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung
    im Sinne von Art. 125 StGB freigesprochen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Die Zivilklage des
    Privatklägers C.______ (Schadenersatz und Genugtuung) wird auf den Zivilweg
    verwiesen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Das beschlagnahmte Motorrad
    CH-Racing CH 50, […], wird dem Privatkläger nach Rechtskraft des
    vorliegenden Entscheids nach telefonischer Absprache mit der Kantonspolizei
    Glarus gegen Quittung herausgegeben. Wird das Motorrad nicht innert
    90 Tagen nach Rechtskraft des vorliegenden Entscheids abgeholt, wird
    es durch die Kantonspolizei Glarus verwertet bzw. auf Kosten der
    Staatskasse entsorgt.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Die Kosten der Untersuchung und
    des vorinstanzlichen Verfahrens werden auf die Gerichtskasse genommen.

    
	
     

    	
     

    
	
    5.

    	
    Die Gerichtsgebühr für das
    Berufungsverfahren wird festgesetzt auf CHF 2‘000.–.

    
	
     

    	
     

    
	
    6.

    	
    Die Kosten des
    Berufungsverfahrens werden dem Privatkläger zu einem Sechstel auferlegt,
    jedoch abgeschrieben, und im Übrigen auf die Gerichtskasse genommen.

     

    
	
    7.

    	
    Dem Beschuldigten wird für das
    gesamte Verfahren aus der Gerichtskasse eine Entschädigung für anwaltliche
    Verteidigung von insgesamt CHF 8‘460.20 (inkl. MwSt. und Auslagen)
    zugesprochen, zahlbar an Rechtsanwalt B.______.

     

    
	
    8.

    	
    Dem Privatkläger wird für das
    gesamte Verfahren keine Entschädigung zugesprochen.

    
	
     

    	
     

    
	
    9.

    	
    Schriftliche Mitteilung an: