# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 93c3c99e-e09a-5750-bfd6-7df354574113
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-27
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 27.11.2023 VBE.2023.222
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-222_2023-11-27.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

4. Kammer 

 

VBE.2023.222 / ms / fi  
Art. 144 

 

 

Urteil vom 27. November 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Roth, Präsident  

Oberrichterin Fischer 

Oberrichterin Merkofer  

Gerichtsschreiber Schweizer         

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____   

vertreten durch lic. iur. Markus Zimmermann, Rechtsanwalt, 

Stadtturmstrasse 10, Postfach, 5401 Baden    

     

 
   

Beschwerde-

gegnerin  

 Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG, Scanning GIC, Postfach, 

8085 Zürich   

     

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend UVG 

(Einspracheentscheid vom 4. Mai 2023) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Der 1981 geborenen Beschwerdeführerin wurde durch die Beschwerde-

gegnerin mit Verfügung vom 13. September 2005 respektive Einsprache-

entscheid vom 23. August 2006 der Folgen der Unfallereignisse vom 4. De-

zember 2001 sowie vom 2. Mai 2004 wegen eine Invalidenrente aufgrund 

eines Invaliditätsgrads von 35 % mit Wirkung ab 1. September 2005 und 

eine Integritätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse von 

20 % zugesprochen. 

 

1.2. 

Im Rahmen der im Februar 2020 von Amtes wegen angehobenen Revision 

nahm die Beschwerdegegnerin eine Abklärung der erwerblichen Situation 

vor. Mit Verfügung vom 13. Mai 2020 hob die Beschwerdegegnerin die bis-

herige Invalidenrente der Beschwerdeführerin per 31. Juli 2020 auf. Die da-

gegen erhobene Einsprache wies sie mit Einspracheentscheid vom 4. Mai 

2023 ab. 

 

2. 

2.1. 

Gegen den Einspracheentscheid vom 4. Mai 2023 erhob die Beschwerde-

führerin mit Eingabe vom 10. Mai 2023 (Postaufgabe) fristgerecht Be-

schwerde und stellte folgende Rechtsbegehren: 

 

"1. Der Einspracheentscheid vom 04.05.2023 sei vollumfänglich aufzu-
heben und der Beschwerdeführerin sei nach wie vor eine Rente der 
Unfallversicherung gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 35 % aus-
zurichten. 

 2. Eventualiter seien weitere Sachverhaltsabklärungen vorzunehmen. 

 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerde-
gegnerin." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 16. Juni 2023 beantragte die Beschwerdegegne-

rin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit Verfügung vom 7. August 2023 hielt die Instruktionsrichterin fest, das 

von der Beschwerdegegnerin eingereichte Aktendossier erfülle die bundes-

gerichtlichen Grundsätze der Aktenführungspflicht nicht, weshalb das 

mangelhafte Dossier retourniert und die Beschwerdegegnerin aufgefordert 

wurde, umgehend, spätestens innert 10 Tagen, ein ordentlich geführtes Ak-

tendossier einzureichen. Mit Eingabe vom 16. August 2023 reichte die Be-

schwerdegegnerin das Aktendossier ein.  

 - 3 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Invalidenrente der 

Beschwerdeführerin mit Einspracheentscheid vom 4. Mai 2023 (Vernehm-

lassungsbeilage [VB] 40) zu Recht revisionsweise per 31. Juli 2020 aufge-

hoben hat. 

 

2. 

2.1. 

Soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, werden die Versicherungs-

leistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten 

gewährt (Art. 6 Abs. 1 UVG). Ist der Versicherte infolge des Unfalles zu 

mindestens 10 % invalid (Art. 8 ATSG), so hat er Anspruch auf eine Invali-

denrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades 

wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der 

unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliede-

rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 

Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein-

kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 

(Art. 16 ATSG). 

 

2.2. 

Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Renten-

bezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch 

hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben 

(Art. 17 Abs. 1 ATSG in der bis 31. Dezember 2021 gültigen und – ange-

sichts der von der Beschwerdegegnerin per 31. Juli 2020 verfügten Ren-

tenaufhebung – vorliegend anwendbaren Fassung). Anlass zur Rentenre-

vision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, 

die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Anspruch zu beeinflus-

sen. Rechtsprechungsgemäss ist die Invalidenrente nicht nur bei einer we-

sentlichen Veränderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann 

revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich 

gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 

V 343 E. 3.5 S. 349 f. mit Hinweis; RUMO-JUNGO/HOLZER, Rechtsprechung 

des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die 

Unfallversicherung, 4. Aufl. 2012, S. 152 ff. mit Hinweis unter anderem auf 

BGE 119 V 475 E. 1b/aa S. 478). Bei den prozentgenauen Renten der Un-

fallversicherung (nach UVG) wird Erheblichkeit einer Änderung angenom-

men, wenn sich der Invaliditätsgrad um 5 Prozentpunkte ändert 

(BGE 140 V 85 E. 4.3 S. 87; 133 V 545 E. 6.2 S. 547). Liegt in diesem 

Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und 

tatsächlicher Hinsicht umfassend ("allseitig") zu prüfen, wobei keine Bin-

dung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11 mit Hin-

weisen und E. 6.1 S. 13).  

 - 4 - 

 

 

2.3. 

Zeitlichen Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Än-

derung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige 

Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit 

rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchfüh-

rung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung 

in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht 

(BGE 133 V 108 E. 5 S. 110 ff.; 130 V 71 E. 3 S. 73 ff.; vgl. auch BGE 134 

V 131 E. 3 S. 132 f.).  

 

2.4. 

Die massgebenden Vergleichszeitpunkte werden zum einen durch die ren-

tenzusprechende Verfügung vom 13. September 2005 (VB 2/80) respek-

tive den Einspracheentscheid vom 23. August 2006 (VB 2/Z99) und zum 

anderen durch den angefochtenen Einspracheentscheid vom 4. Mai 2023 

(VB 40) definiert, was zwischen den Parteien unumstritten ist. Im Zeitpunkt 

der Rentenzusprache ging die Beschwerdeführerin keiner Erwerbstätigkeit 

nach, weshalb bei der Ermittlung des Invaliditätsgrades das Invalidenein-

kommen gestützt auf statistische Angaben festgesetzt worden war (vgl. 

VB 2/Z99 S. 8 ff.). Das Vorliegen einer wesentlichen Tatsachenänderung 

im Sinne des Art. 17 ATSG durch die nach der Rentenzusprache erfolgte 

Aufnahme der Tätigkeit bei der B._____ sowie der Tätigkeit im 

Nebenerwerb bei C._____ (vgl. VB 43) durch die Beschwerdeführerin ist 

daher zwischen den Parteien ausweislich der Akten zu Recht unumstritten. 

Die Beschwerdegegnerin war damit berechtigt, auf die Invalidenrente der 

Beschwerdeführerin zurückzukommen und eine umfassende Überprüfung 

von deren Rentenanspruch – ohne Bindung an frühere Beurteilungen – 

vorzunehmen (vgl. E. 2.2. hiervor). 

 

3. 

3.1. 

3.1.1. 

Gemäss Einspracheentscheid vom 4. Mai 2023 (vgl. auch die diesem zu 

Grunde liegende Verfügung vom 13. Mai 2020; VB 8) legte die Beschwer-

degegnerin das Valideneinkommen gestützt auf den vor dem Unfall im 

Jahre 2001 zuletzt erzielten Lohn bei der D._____ unter Anpassung an die 

Nominallohnentwicklung bis 2018 auf Fr. 58'371.43 fest. Zur Bemessung 

des Invalideneinkommens stellte sie auf den Durchschnitt der in den Jahren 

2014 bis 2018 effektiv erzielten Einkommen gemäss Auszug aus dem indi-

viduellen Konto (IK) ab. Gestützt auf ein Valideneinkommen von 

Fr. 58'371.43 und ein Invalideneinkommen von Fr. 55'597.80 errechnete 

die Beschwerdegegnerin einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad 

von 5 % (VB 8 S. 3), welchen sie mit Einspracheentscheid vom 4. Mai 2023 

sinngemäss bestätigte. 

 

 - 5 - 

 

 

3.1.2. 

Hinsichtlich der erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitsschadens ist 

zwischen den Parteien ausschliesslich die Ermittlung des Valideneinkom-

mens umstritten.  

 

Die Beschwerdeführerin bringt vor, sie sei im Zeitpunkt des ersten Unfalls 

im Jahre 2001 erst 20 Jahre alt gewesen. Zu diesem Zeitpunkt habe sie 

eine verantwortungsvolle Stelle als Stellvertreterin des Geschäftsführers in-

negehabt. Sie habe permanent Weiterbildungen besucht. Gerade bei ihrer 

damaligen Arbeitgeberin D._____ werde Förderung sehr aktiv betrieben. 

Es würden mehr als 75 % aller Kaderstellen bei D._____ intern besetzt. Es 

sei nichts Ungewöhnliches, wenn eine ehemalige Verkaufskraft zur 

Teamleiterin, zur Filialleiterin oder zur Einkäuferin aufsteige, womit eine 

Erhöhung des Lohnes verbunden sei. Es sei daher davon auszugehen, 

dass sie, wenn sie nicht verunfallt wäre und weiterhin bei D._____ tätig 

gewesen wäre, ein wesentlich höheres Einkommen erzielen würde, als sie 

als 20-Jährige verdient habe. Es sei davon auszugehen, dass sie 

mindestens ein Einkommen in der Höhe von Fr. 86'000.00 oder mehr 

verdienen würde, sei es als Filialleiterin bei D._____ oder in einer völlig 

anderen Tätigkeit (vgl. Beschwerde S. 5 ff.). 

 

3.2. 

3.2.1. 

Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist rechtsprechungsgemäss 

entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des Beginns eines 

allfälligen Rentenanspruchs nach dem Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde (BGE 131 

V 51 E. 5.1.2 S. 53; 128 V 174; Urteil des Bundesgerichts 9C_488/2008 

vom 5. September 2008 E. 6.4). Dabei wird in der Regel am zuletzt erziel-

ten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an-

gepassten Verdienst angeknüpft, da erfahrungsgemäss die bisherige Tä-

tigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen 

von diesem Erfahrungssatz müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

erstellt sein (BGE 135 V 58 E. 3.1 S. 59; vgl. auch BGE 135 V 297 E. 5.1 

S. 300 f.; 134 V 322 E. 4.1 S. 325 f.; 129 V 222 E. 4.3.1 S. 224). 

 

3.2.2. 

Da die Invaliditätsbemessung der voraussichtlich bleibenden oder längere 

Zeit dauernden Erwerbsunfähigkeit zu entsprechen hat, ist auch die beruf-

liche Weiterentwicklung zu berücksichtigen, die eine versicherte Person 

normalerweise vollzogen hätte; dazu ist allerdings erforderlich, dass kon-

krete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass ohne gesundheitliche Beein-

trächtigung ein beruflicher Aufstieg und ein entsprechend höheres Einkom-

men tatsächlich realisiert worden wären. Blosse Absichtserklärungen der 

versicherten Person genügen nicht. Vielmehr muss die Absicht, beruflich 

weiterzukommen, bereits bei Eintritt des Gesundheitsschadens durch kon-

 - 6 - 

 

 

krete Schritte wie Kursbesuche, Aufnahme eines Studiums usw. kundgetan 

worden sein. Bei der Prüfung der mutmasslichen beruflichen Entwicklung 

können unter Umständen aus einer besonderen beruflichen Qualifizierung 

im Invaliditätsfall Rückschlüsse auf die hypothetische Entwicklung gezogen 

werden, zu der es ohne Eintritt des Gesundheitsschadens gekommen 

wäre. Nach der Rechtsprechung ist eine solche Annahme unter anderem 

dann zulässig, wenn die angestammte Tätigkeit auch nach dem versicher-

ten Ereignis weitergeführt werden kann. Indessen darf aus einer erfolgrei-

chen Invalidenkarriere in einem neuen Tätigkeitsbereich nicht ohne Weite-

res abgeleitet werden, die versicherte Person hätte ohne Invalidität eine 

vergleichbare Position auch im angestammten Tätigkeitsgebiet erreicht 

(BGE 145 V 141 E. 5.2.1 S. 144 f.; Urteil des Bundesgerichts 8C_414/2018 

vom 22. Februar 2019 E. 2.2.2 mit Hinweisen). Theoretisch vorhandene 

berufliche Entwicklungs- oder Aufstiegsmöglichkeiten sind nur dann zu be-

achten, wenn sie mit hoher Wahrscheinlichkeit eingetreten wären (vgl. Ur-

teil des Bundesgerichts 8C_139/2020 vom 30. Juli 2020 E. 5.1). 

 

3.3. 

3.3.1. 

Ausweislich der Akten war die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des ersten 

Unfalls im Jahr 2001 bei D._____ als Mitarbeiterin Verkauf angestellt, 

wobei sie einen Jahresverdienst von Fr. 49'008.00 erzielte (VB 2/1). Ihre 

Aufgaben umfassten Arbeiten im Lager, das Auffüllen von Waren und das 

Bedienen der Kunden an der Kasse. Über eine Berufslehre verfügte sie 

nicht (VB 2/8 S. 3). Gegenüber den ABI-Gutachtern gab sie sodann an, sie 

habe nach dem Abschluss der Realschule keine Lehrstelle gefunden und 

dann begonnen, bei D._____ als Aushilfsverkäuferin zu arbeiten. In dieser 

Zeit habe sie diverse Kurse besucht und sich bis 2001 zur stellvertretenden 

Filialleiterin hochgearbeitet (VB 3/ZM32 S. 19). 

 

Nach dem ersten Unfallereignis vom 4. Dezember 2001 war die Beschwer-

deführerin noch bis März 2006 bei D._____ angestellt (VB 38). Danach 

erzielte sie gemäss IK-Auszug bei verschiedenen Arbeitgebern ein relativ 

geringes Einkommen und war zeitweise arbeitslos, bis sie schliesslich im 

Jahr 2013 die Stelle bei der B._____ antrat (VB 1/Z133 S. 2 ff.). Die 

Beschwerdeführerin ist bei der B._____ als "Sachbearbeiterin 

Warenausgang" tätig (VB 31 S. 1), wobei sie im Jahr 2017 die 

Handelsschule absolviert hat (VB 31 S. 3). 

 

3.3.2. 

Die Beschwerdeführerin verfügte ausweislich der Akten zum Zeitpunkt des 

Unfalls vom 4. Dezember 2001 einzig über einen Realschulabschluss aber 

über keine abgeschlossene berufliche Ausbildung (VB 2/8 S. 3), obwohl sie 

zum Unfallzeitpunkt bereits über 20 Jahre alt war. Aus dem von ihr im Ein-

spracheverfahren eingereichten Arbeitszeugnis vom 31. März 2006 geht 

sodann hervor, dass sie lediglich vom 1. September 2000 bis 30. Septem-

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ber 2001 als "Geschäftsführer-Stellvertreterin" tätig gewesen war. Noch vor 

dem ersten Unfallereignis vom 4. Dezember 2001 war die Beschwerdefüh-

rerin jedoch per 1. Oktober 2001 wiederum als "Aushilfsmitarbeiterin Ver-

kauf / Kasse" angestellt (VB 38). Zwar mag es zutreffen, dass es bei 

D._____ – wie von der Beschwerdeführerin geltend gemacht – nicht 

ungewöhnlich ist, wenn eine ehemalige Verkaufskraft zur Teamleiterin, zur 

Filialleiterin oder zur Einkäuferin aufsteigt (vgl. Beschwerde S. 7). Für den 

vorliegenden Fall kann die Beschwerdeführerin daraus jedoch nichts zu 

ihren Gunsten ableiten, denn es müssen im Einzelfall konkrete 

Anhaltspunkte bestehen, wonach mit hoher Wahrscheinlichkeit ein 

beruflicher Aufstieg eingetreten wäre (vgl. E. 3.2.2. hiervor). Auch dass 

gemäss Rechtsprechung bei jungen Versicherten die Anforderungen an 

den Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit bezüglich der 

hypothetischen Berufslaufbahn nicht überspannt werden dürfen (vgl. 

Urteile des Bundesgerichts 9C_368/2017 vom 3. August 2017 E. 4.3.1; 

9C_85/2009 vom 15. März 2010 E. 3.7 in: SVR 2010 IV Nr. 49 S. 151), 

ändert nichts daran. Denn auch bei jungen Versicherten müssen im 

Grundsatz Indizien für eine berufliche Weiterentwicklung in Form von 

konkreten Anhaltspunkten bereits bei Eintritt des Gesundheitsschadens 

vorhanden sein (Urteile des Bundesgerichts 8C_491/2018 vom 13. März 

2019 E. 5.1; 8C_629/2011 vom 16. Januar 2012 E. 5.2 f.; 8C_530/2009 

vom 1. Dezember 2009 E. 7.2 mit Hinweisen). Dies trifft jedoch auf die 

Beschwerdeführerin nicht zu, denn sie war bei D._____ zuletzt als 

angelernte Mitarbeiterin tätig und hatte gemäss ihren Angaben einzig 

firmeninterne Kurse besucht (VB 3/ZM32 S. 19; vgl. auch VB 39). Zudem 

gab sie im Januar 2002 zu ihren beruflichen Plänen an, sie wolle "so weiter" 

wie bisher arbeiten; sie sei mit ihrer Stellung und ihrem Verdienst zufrieden 

(VB 2/8 S. 3). Aus den Akten geht damit nicht hervor, dass die 

Beschwerdeführerin eine relevante Weiterbildung, wie etwa die Aufnahme 

eines Studiums, beabsichtigt hatte. 

 

Weiter lässt auch die Invalidenkarriere nicht auf die geltend gemachte be-

rufliche Weiterentwicklung im Gesundheitsfall schliessen, denn die Be-

schwerdeführerin hat in der aktuellen Tätigkeit keine Leitungsfunktion inne. 

Zudem handelt es sich beim von der Beschwerdeführerin inzwischen er-

worbenen Handelsdiplom (VB 31 S. 3) im Wesentlichen um eine Weiterbil-

dung für "Quereinsteigende im kaufmännischen Umfeld" (vgl. 

https://www.kvpro.ch/angebotsuebersicht/betriebswirtschaft/handelsschu-

le-fuer-erwachsene-edupoolch; zuletzt besucht am 4. September 2023), 

wobei der entsprechende Lehrgang lediglich ein Grundwissen in den 

Bereichen, mit denen die Schulabsolventen als Bürokraft in Berührung 

kommen, vermitteln soll. 

 

3.4. 

Zusammenfassend ergeben sich aus dem schulischen und beruflichen 

Werdegang der Beschwerdeführerin im Zeitraum vor den Unfallereignissen 

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keine konkreten Anhaltspunkte für einen beruflichen Aufstieg ohne (unfall-

bedingte) gesundheitliche Beeinträchtigung. Zudem lässt auch die in-

zwischen absolvierte Invalidenkarriere nicht den Schluss zu, dass die Be-

schwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit bei D._____ mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit eine relevante berufliche Entwicklung 

durchlaufen hätte (vgl. E. 3.2.2. hiervor). Die Beschwerdegegnerin hat 

demnach zu Recht das zuletzt erzielte Einkommen bei D._____ zur 

Berechnung des Valideneinkommen herangezogen. Der 

Einkommensvergleich wird von der Beschwerdeführerin im Übrigen nicht 

bemängelt und dieser erweist sich ausweislich der Akten denn auch im 

Ergebnis als korrekt. Die Beschwerdegegnerin hat folglich die Rente der 

Beschwerdeführerin – unabhängig von einer allfälligen Veränderung des 

Gesundheitszustandes bzw. davon, ob die Beschwerdeführerin mit der 

ausgeübten Erwerbstätigkeit ihre aktuelle Arbeitsfähigkeit voll ausschöpft – 

mit Einspracheentscheid vom 4. Mai 2023 zu Recht per 31. Juli 2020 

aufgehoben. 

 

4. 

4.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen. 

 

4.2. 

Das Verfahren ist in der Regel kostenlos. Einer Partei, die sich mutwillig 

oder leichtsinnig verhält, können jedoch eine Spruchgebühr und die Ver-

fahrenskosten auferlegt werden (Art. 61 lit. fbis ATSG; UELI KIESER, Kom-

mentar zum Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche-

rungsrechts, 4. Aufl. 2020, N. 75 zu Art. 61 ATSG). Insbesondere kann ge-

mäss § 31 Abs. 4 Satz 1 VRPG Zusatzaufwand, der durch das Verhalten 

einer Partei entstanden ist, dieser auferlegt werden. Die Ausnahme von der 

Kostenlosigkeit kann auch zulasten des Versicherungsträgers erfolgen 

(UELI KIESER, a.a.O., N. 77 zu Art. 61 ATSG). Wie bereits mit instruktions-

richterlicher Verfügung vom 7. August 2023 festgehalten, erfüllte das von 

der Beschwerdegegnerin eingereichte Dossier die bundesgerichtlichen An-

forderungen an die Aktenführungspflicht nicht und auch die mit Schreiben 

vom 16. August 2023 eingereichten Akten waren immer noch mangelhaft 

(nicht durchgehend paginiert, teilweise nicht leserlich, ohne nachvollzieh-

bares Aktenverzeichnis, unvollständig). Der dadurch verursachte Mehrauf-

wand wurde durch die Beschwerdegegnerin verursacht, weshalb ihr, wie 

mit Verfügung vom 7. August 2023 angedroht, Verfahrenskosten aufzuer-

legen und diese auf Fr. 1'000.00 festzusetzen sind. 

 

4.3. 

Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als 

Sozialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch 

auf Parteientschädigung zu.  

 - 9 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Der Beschwerdegegnerin werden Verfahrenskosten von Fr. 1'000.00 auf-

erlegt. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 27. November 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

4. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Roth Schweizer