# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b197cc87-57c0-5fe6-816d-c5621be55f32
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-08-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.08.2017 D-1359/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1359-2015_2017-08-22.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-1359/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 2 .  A u g u s t  2 0 1 7  

Besetzung 
 Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Daniele Cattaneo,    

Gerichtsschreiberin Anne Kneer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (ohne Vollzug);  

Verfügung des SEM vom 27. Januar 2015 / N (…). 

 

 

 

D-1359/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer stammt nach eigenen Angaben aus Eritrea und ist 

ethnischer Tigriner mit letztem Wohnort in Z._______. Im Februar 2009 

habe er Eritrea illegal verlassen und sei in den Sudan geflohen, von wo er 

über die Türkei, Griechenland und Italien am 11. Januar 2012 in die 

Schweiz einreiste und gleichentags um Asyl ersuchte. Am 23. Januar 2012 

wurde er zur Person und zum Reiseweg sowie summarisch zu seinen 

Fluchtgründen befragt. Am 5. April 2013 und am 16. Dezember 2014 

wurde er vertieft zu seinen Asylgründen angehört.   

Dabei machte er im Wesentlichen geltend, er habe nach der Schule im Jahr 

1997 die militärische Ausbildung in Sawa absolviert und sei dann als Poli-

zist in den Nationaldienst eingezogen worden. Zuerst sei er in Z._______ 

auf dem zweiten Polizeiposten stationiert worden. Bis zur Ausreise habe er 

an verschiedenen Orten als Polizist gearbeitet. Zunächst sei er als Wache 

eingesetzt worden, bevor er der Untersuchungsabteilung zugeteilt worden 

sei. Einmal, als er einen Gefangenen zum Spital habe bringen müssen, sei 

dieser geflohen, weshalb er selber für rund drei Monate ins Gefängnis ge-

kommen sei. Er sei von seinem Vorgesetzten verschiedentlich unter Druck 

gesetzt worden. Einmal habe ihn dieser dazu bringen wollen, einen Ver-

dächtigen (…) zu einem Geständnis zu zwingen. Da er dies nicht habe tun 

wollen, habe sein Vorgesetzter ihm mit Gefängnis gedroht. Dies sei auch 

das entscheidende Ereignis gewesen, welches ihn zur Flucht im Februar 

2009 veranlasst habe. Er habe aber nach der langen Zeit Militärdienst all-

gemein festgestellt, dass dieser kein Ende habe, weshalb er das Land 

habe verlassen wollen. Nach seiner Ausreise sei sein Vater wieder in den 

Militärdienst eingezogen worden. Er vermute, dies sei, da er illegal ausge-

reist sei. Zudem sei seine Familie mehrmals über seinen Verbleib befragt 

worden.  

Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer seine eritre-

ische Identitätskarte zu den Akten.  

B.  

Mit Schreiben vom 18. Juli 2013, 30. Januar 2014 sowie 2. Juli 2014 er-

suchte der Beschwerdeführer um einen baldigen Entscheid seines Asylge-

suchs.  

C.  

Das SEM wies das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 

D-1359/2015 

Seite 3 

27. Januar 2015 – eröffnet am 29. Januar 2015 – ab, stellte jedoch das 

Vorliegen der Flüchtlingseigenschaft fest und schob den Vollzug der Weg-

weisung zugunsten einer vorläufigen Aufnahme wegen Unzulässigkeit auf.  

D.  

Der Beschwerdeführer erhob – handelnd durch seinen Rechtsvertreter –

mit Eingabe vom 2. März 2015 gegen diesen Entscheid beim Bundesver-

waltungsgericht Beschwerde und beantragte unter anderem, die Verfü-

gung der Vorinstanz sei in den Ziffern 2 und 3 aufzuheben und es sei ihm 

Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um die Gewährung 

der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung sowie um 

Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.  

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 6. März 2015 stellte die Instruktionsrichterin 

fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der 

Schweiz abwarten, hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG unter der Voraussetzung 

des Nachreichens einer Fürsorgebestätigung gut und forderte den Be-

schwerdeführer auf, innert Frist eine Fürsorgebestätigung nachzureichen 

oder einen Kostenvorschuss zu leisten, unter Androhung des Nichteintre-

tens im Unterlassungsfall.  

F.  

Mit Eingabe vom 23. März 2015 reichte der Beschwerdeführer eine Fürsor-

gebestätigung vom 25. Februar 2015 ins Recht.  

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 8. April 2015 wurde das Gesuch um amtliche 

Rechtsverbeiständung gutgeheissen und Herr Tarig Hassan, lic. iur., LLM, 

zum amtlichen Rechtsbeistand bestellt. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz 

eingeladen, eine Vernehmlassung einzureichen. 

H.  

Das SEM nahm in seiner Vernehmlassung vom 21. April 2015 zur Be-

schwerde Stellung. 

I.  

Der Beschwerdeführer reichte am 13. Mai 2015 – nach entsprechender 

Aufforderung durch das Bundesverwaltungsgericht – eine Replik, zwei Fo-

tographien und eine Bestätigung des eritreischen Polizeitrainingscenters 

vom 23. Dezember 2008 sowie eine Kostennote zu den Akten. 

D-1359/2015 

Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

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Seite 5 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Zur Begründung der angefochtenen Verfügung führte das SEM – be-

züglich der Ablehnung des Asylgesuchs – im Wesentlichen aus, der Be-

schwerdeführer habe zuerst angegeben, vor allem Tötungs- und Gewalt-

delikte untersucht zu haben, bevor er dann ausgeführt habe, vor allem 

Streitfälle behandelt zu haben. Diesen gewichtigen Widerspruch habe er 

auf Nachfrage auch nicht plausibel erklären können, sondern habe dabei 

wiederholt, vor allem Delikte wie Streit, Diebstahl und Brandstiftung aufge-

klärt zu haben. Er habe aber nicht erklären können, in welchem eritreischen 

Gesetz der Streit geregelt sei und was nach dem Gesetz passiere wenn 

jemand streite. Dies erstaune umso mehr, als er auch Kurse darüber habe 

absolvieren müssen. Ferner habe er sich auch bezüglich der Aufenthalts-

orte und des Ablaufs vor der Flucht widersprochen. Er habe auch nicht 

aussagen können, wie der Vorgesetzte geheissen habe, welcher ihn unter 

Druck gesetzt habe, obschon er aufgrund des Druckes ausgereist sei. 

Diese Unwissenheit könne auch nicht durch den Umstand erklärt werden, 

dass er erst zwei oder drei Monate mit dem Vorgesetzten gearbeitet habe. 

Auch zum Beschuldigten (…) habe er nichts erzählen können, ausser, dass 

dieser Eritreer und Soldat gewesen sei. Er habe weiter in keiner Art und 

Weise glaubhaft beschreiben können, wie er (…) untersucht habe, und er 

wisse nicht mehr, wann diese Ereignisse passiert seien. Es müsse ausser-

dem in grosse Zweifel gezogen werden, ob er überhaupt Nationaldienst bei 

der Polizei geleistet habe. Bezüglich eines zu untersuchenden Falles habe 

er nur auf (…) verweisen können, ansonsten habe er nur einfachere Fälle 

behandelt. Er habe zwar den direkten Vorgesetzten benennen können, 

habe aber nicht gewusst, wer dessen Vorgesetzter oder dessen Stellver-

treter gewesen sei. Er habe auch nicht gewusst, wie viele andere Polizisten 

Dienst geleistet hätten oder wie die Polizei organisiert gewesen sei. Auch 

die Schilderungen zu den Druckversuchen seiner Vorgesetzten als auch 

insgesamt zu seinem Dienst bei der Polizei vermöchten nicht zu überzeu-

gen. Es fehle an Substanz. Es könne ihm nicht geglaubt werden, dass er 

tatsächlich bei der Polizei gearbeitet habe. Weiter habe er erst in der er-

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gänzenden Anhörung erwähnt, dass er im Jahr 2008 drei Monate im Ge-

fängnis gewesen sei, weshalb dies als Nachschub zu betrachten und nicht 

glaubhaft sei. Auch die Probleme mit der Familie habe er erst in der ergän-

zenden Anhörung erwähnt. Erklärend habe er angefügt, dass er erst bei 

einem Telefonat mit der Familie davon erfahren habe, was als Antwort nicht 

zu überzeugen vermöge. Aufgrund der unterschiedlichen Angaben, sei es 

nicht glaubhaft, dass die Einberufung des Vaters etwas mit seiner Flucht 

zu tun habe. Auch diese seien als Nachschub und als Sachverhaltskon-

strukt anzusehen, um die Konsequenzen seiner Flucht dramatischer dar-

zustellen, und sei somit nicht glaubhaft. Die Asylrelevanz dieser Sachver-

haltselemente müsse demnach nicht geprüft werden. Aufgrund der Akten-

lage sei davon auszugehen, dass er eritreischer Staatsangehöriger sei und 

früher einmal in Eritrea gelebt habe. Es sei aber davon auszugehen, dass 

er schon länger in der eritreischen Diaspora gelebt habe.  

4.2 In seiner Beschwerde brachte der Beschwerdeführer – neben der Wie-

derholung des bereits dargelegten Sachverhalts und der Argumentation in 

der angefochtenen Verfügung – im Wesentlichen vor, er habe gewusst, 

dass im Gesetzt stehe, dass es verboten sei, jemanden zu schlagen, damit 

dieser etwas zugebe. Er habe auch gesagt, dass es nicht seine Aufgabe 

sei zu entscheiden, ob jemand verurteilt werde. Er kenne das Gesetz nicht 

genau, was von einem einfachen Polizisten auch nicht erwartet werden 

könne. Er sei weiter zwei Mal in den Ferien gewesen vor der Flucht: Zu-

nächst habe er drei Monate seiner Ausbildung absolviert, habe dann 15 

Tage Ferien gehabt und nochmals drei Monate Ausbildung absolviert. Nach 

deren Beendigung habe er nochmals Ferien gehabt, dieses Mal in 

Z._______, von wo er ausgereist sei. Ein Widerspruch würde nicht vorlie-

gen. Er habe den Namen seines Vorgesetzten sehr wohl nennen und auch 

dessen Rang benennen können. Den Namen des Soldaten habe er zwar 

gerade nicht mehr gewusst, er habe aber angeben können, dass dieser 

gerade im Urlaub gewesen sei. Er habe auch recht genaue Aussagen zur 

Untersuchung (…) geben können. Zwar sei nur der letzte Fall etwas kom-

plizierter gewesen. Nach einem weiteren konkreteren Fall sei er aber nicht 

gefragt worden. Er habe auch zahlreiche Angaben zu polizeispezifischen 

Fragen machen können, wie beispielsweise zur Uniform, zur Einheit und 

zum Ausweis, wobei diese mit Angaben von Interpol übereinstimmen wür-

den. Weiter könne er den Namen seines Vorgesetzten in Z._______ nen-

nen. Den Vorgesetzten seines Vorgesetzten kenne er schlicht nicht, zumal 

es auch viele Polizisten gewesen seien. Er habe ferner übereinstimmend 

erzählen können, wie er dazu gebracht habe werden sollen, Verdächtige 

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zu schlagen. Zu seinem Gefängnisaufenthalt sei zu sagen, dass es durch-

aus plausibel sei, dass der Gefangene geflohen sei, als er ihm die Hand-

schellen gelockert habe. Es handle sich hier nicht um einen Hauptflucht-

grund, sondern um eine Ergänzung, welche belege, dass die Gefahr noch-

mals ins Gefängnis zu kommen, durchaus berechtigt gewesen sei. Bezüg-

lich des Einzugs des Vaters sei festzustellen, dass er sogar auf seine frühe-

ren Aussagen Bezug genommen habe, indem er aussage, dass es seiner 

Familie jetzt nicht mehr gut gehe. Er habe über seine Mutter Fotos aus 

seiner Zeit aus dem Militärdienst organisieren können. Das SEM habe den 

herabgesetzten Beweisanforderungen der Glaubhaftigkeit vorliegend nicht 

hinreichend Rechnung getragen. Die überwiegende Mehrheit der vom 

SEM aufgeführten Widersprüche könne ohne Weiteres entkräftet werden. 

Insgesamt würden die glaubhaften Aussagen betreffend seinem Dienst bei 

der Polizei allfälligen Ungereimtheiten bei Weitem überwiegen. Er habe so-

mit in Eritrea Dienst bei der Polizei geleistet und sei aus dem aktiven Dienst 

geflohen. Die Flucht aus dem aktiven Dienst werde in der Regel noch här-

ter bestraft als die sonstige Wehrdienstverweigerung, welche allemal hart 

bestraft werden würde. Somit wäre er aufgrund seiner politischen Anschau-

ung an Leib und Leben gefährdet, weshalb ihm Asyl zu gewähren sei.  

4.3 Das SEM führte in seiner Vernehmlassung insbesondere aus, es wäre 

zu erwarten gewesen, dass der Beschwerdeführer, welcher in Eritrea zwölf 

Jahre als Polizist gearbeitet habe, substantiierter und ohne die erwähnten 

Ungereimtheiten über seine tägliche Arbeit hätte berichten können. Die gel-

tend gemachte Reflexverfolgung zu Ungunsten seiner Familie könne ihm 

nicht geglaubt werden. Es vermöge nicht zu überzeugen, dass er genau 

zwischen Anhörung und ergänzender Anhörung erfahren habe, dass seine 

Familie wegen ihm Schwierigkeiten erhalten habe und er gesucht worden 

sei. Umso mehr als aus den vorangehenden Befragungsprotokollen her-

vorgehe, dass er schon zuvor Kontakt zu seiner Familie gehabt habe und 

dass sehr wohl bei diesem Kontakt die Situation zu Hause thematisiert wor-

den sei.  

4.4 In seiner Replik machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen gel-

tend, auf den eingereichten Fotos aus den Jahren (…) sei er in der typi-

schen eritreischen Polizeibekleidung abgebildet. Die Aufschrift auf der 

Mütze „Police“ sei zwar nur knapp zu erkennen. Das Aussehen der Uniform 

lasse sich mit unabhängigen Quellen verifizieren. Er sei davon ausgegan-

gen, dass er seine Tätigkeit genügend detailliert geschildert habe. Erst 

nachdem er von seinem Rechtsvertreter auf die Wichtigkeit dieser Fotos 

hingewiesen worden sei, habe er sich die Fotos von seiner Mutter über 

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Whatsapp zustellen lassen. Darüber habe er auch den Beleg erhalten, 

dass er im Jahr 2008 ein polizeiliches Training absolviert habe. Das Origi-

nal befinde sich auf dem Weg in die Schweiz. Somit dürften die letzten 

Zweifel an der Tätigkeit bei der Polizei entkräftet worden sein. Er habe be-

reits bei der Anhörung von der Einberufung seines Vaters berichtet, wes-

halb es nicht zutreffe, dass er erst bei der ergänzenden Anhörung von den 

Auswirkungen seiner Ausreise auf seine Familie berichtet habe. Er habe 

erst nach der Anhörung erfahren, was mit seiner Familie geschehen sei, 

weshalb seine Vorbringen nicht als nachgeschoben eingestuft werden 

könnten.  

5.  

5.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend 

substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in 

vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich 

sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder 

der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl-

suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere 

dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, 

wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im 

Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet 

nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-

wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz 

zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus 

Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch-

stellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Ge-

richt von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für 

wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma-

chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen 

zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche 

und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar-

stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob 

die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, 

überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-

len (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 

5.2 Der Beschwerdeführer wurde bereits als Flüchtling anerkannt. Zu be-

urteilen bleibt demnach einzig, ob er sich seinem aktiven Nationaldienst bei 

der Polizei entzog, und deshalb als Deserteur und somit in den Augen der 

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eritreischen Behörden als missliebige Person erscheint, weshalb ihm Asyl 

zu gewähren wäre.  

5.3 Der Beschwerdeführer erhielt während des erstinstanzlichen Verfah-

rens insgesamt dreimal die Gelegenheit, sich zu seinen Asylvorbringen zu 

äussern. Dabei ist festzustellen, dass in der ersten Anhörung vom 5. April 

2013 aufgrund der zahlreichen Wiederholungen, Missverständnissen so-

wie der Einfachheit der protokollierten Formulierungen (z.B. A14/13 F9, 

F15 f., F18, F33, F40 f., F57 f., F67 f.) von einer nicht optimalen Überset-

zung auszugehen ist, was in der Prüfung der Glaubhaftigkeit zu berück-

sichtigen ist. Jedoch fallen in der zweiten Anhörung, in welcher der Be-

schwerdeführer nochmals umfassend befragt wurde, weniger derartige 

Übersetzungsschwierigkeiten auf, weshalb alle drei Protokolle eine Basis 

für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit darzustellen vermögen.  

5.4 Insgesamt sind die Aussagen des Beschwerdeführers zwar als eher 

knapp zu bezeichnen, weisen darüber hinaus jedoch keinen Bruch im Er-

zählstil auf, so dass alle Ereignisse im selben etwas knappen Stil geschil-

dert werden. Der Beschwerdeführer vermag aber mehrmals auf Details, 

wie die Nennung der Namen der Vorgesetzten, Arbeitsorte oder auch Ar-

beitsabläufe zu verweisen (A14/13 F19, F99; A23/20 F43, F104 ff., F109, 

F121 ff., F134 f.), welche als Hinweise für die Glaubhaftigkeit zu werten 

sind. Der Beschwerdeführer konnte auch seine Tätigkeit als Untersucher 

wiederholt gut und lebensnah beschreiben, indem er auf Parteieinvernah-

men, Zeugenaussagen und forensische Analysen verwies (vgl. A14/13 

F91, F191; A23/20 F154). Weiter ist auf die Schilderung der Polizeifahr-

zeuge zu verweisen, wobei der Beschwerdeführer zwar ebenfalls knapp, 

aber durchaus bildhaft die Marke, Farbe und Anschrift der Autors zu be-

schreiben vermag (A23/20 F114 f.). Seine Schilderungen der polizeilichen 

Tätigkeit zeugen ferner von einer gewissen Selbstverständlichkeit, was 

hinsichtlich seines langjährigen Dienstes verständlich und somit als Glaub-

haftigkeitsindiz zu werten ist (z.B. A14/13 F10; A23/20 F104 ff.). Auf das 

Argument der Vorinstanz, der Beschwerdeführer vermöge keinen Fall ein-

gehend zu schildern, ist zu entgegnen, dass der Beschwerdeführer zwar 

mit dem Verweis auf den fluchtauslösenden Fall geantwortet hat, jedoch 

nie mehr ausdrücklich nach anderen Fällen nachgefragt wurde. Daraus zu 

schliessen, dass er keine anderen Fälle schildern könne, erscheint ange-

sichts der restlichen Schilderungen nicht adäquat (A13/14 F93 ff.). Es fällt 

ferner auf, dass der Beschwerdeführer bemüht ist, keine übersteigerten 

Schilderungen vorzubringen, sondern sich auf das ihm mit Sicherheit be-

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kannte zu beschränken (z.B. A14/13 F20, F39; A23/20 F78). Dies gilt ins-

besondere für den Einzug seines Vaters als Reservist und die Gefährdung 

seiner Familie (vgl. A14/13 F76). Weiter verschweigt der Beschwerdeführer 

auch nicht, dass durchaus Urlaub im Nationaldienst gewährt wurde (vgl. 

A23/20 F136 f.), wobei dieses Verhaltensmuster darauf hinweist, dass er 

sich keines Sachverhaltskonstrukts bedient. In diese Erzähllogik ist auch 

die späte Geltendmachung des Gefängnisaufenthalts zu berücksichtigen, 

welche jedoch einzig aufgrund des späten Vorbringens nicht als unglaub-

haft zu qualifizieren ist, zumal er den Aufenthalt logisch, stimmig und mit 

Details versetzt zu schildern vermag (A23/20 F145, F192 ff.). Die tenden-

zielle Knappheit in der Substanz seiner Erzählweise ist daher insgesamt 

nicht als Unglaubhaftigkeitsmerkmal, sondern als persönlicher Erzählstil zu 

werten. Insgesamt erscheinen die Asylvorbringen des Beschwerdeführers 

eher aussergewöhnlich, da sie sich von anderen Asylvorbringen deutlich 

unterscheiden, verbleiben aber nach wie vor plausibel. So vermag aus sei-

nen Aussagen ein konkretes und kohärentes Bild seiner Tätigkeit bei der 

Polizei zu entstehen.  

5.5 In Bezug auf das Hauptvorbringen, er habe sich geweigert, einen Ver-

dächtigen zu misshandeln, kann festgestellt werden, dass aus den diesbe-

züglichen Vorbringen der Konflikt des Beschwerdeführers zwischen den 

Anweisungen des Vorgesetzten und seinem Wissen aus den Ausbildungen 

und Moralvorstellungen ersichtlich wird (vgl. A23/20 F142, F146). Weiter 

vermag er in allen drei Befragungen den grundsätzlichen Ablauf der Ereig-

nisse sowie das angebliche Diebesgut übereinstimmend darzulegen (vgl. 

A6/12; S. 9; A14/13 F6 ff. A23/20 F148).  

5.6 Ferner sind auch die eingereichten Beweismittel als positive Indizien in 

die Gesamtbetrachtung der Glaubhaftigkeit miteinzubeziehen. Die einge-

reichten Fotos von ihm in der Polizeiuniform stimmen vom Aussehen her 

mit dem zur Verfügung stehenden Vergleichsmaterial überein, wobei ins-

besondere das übereinstimmende Symbol auf der Gürtelschnalle zu über-

zeugen vermag (vgl. Interpol, Gallery, Eritrea, www.interpol.int/lay-

out/set/gallery/content/view/full/11606, abgerufen am 29. Juni 2017). Auch 

die eingereichte Kopie der Trainingsbestätigung ist als positives Indiz zu 

werten, zumal der Beschwerdeführer anhand seines Fotos darauf erkenn-

bar ist und die darauf angegebenen Daten mit seinen Vorbringen bezüglich 

der Ausbildung übereinstimmen.  

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Seite 11 

5.7 Im Sinne einer Gesamtbetrachtung aller Indizien, welche für oder ge-

gen die Glaubhaftigkeit der Vorbringen sprechen, erscheinen die vom Be-

schwerdeführer geltend gemachten Vorbringen unter Berücksichtigung des 

tieferen Beweismassstabs der Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 

AsylG als glaubhaft. Insgesamt überzeugt insbesondere die persönliche 

und individualisierbare Geschichte, deren Aufbau und Entwicklung über 

mehrere Jahre im Ganzen gesehen als stimmig und frei von Stereotypen 

zu werten ist und so auf persönlich Erlebtes hindeutet. Diese Einschätzung 

der Glaubhaftigkeit bezieht sich insbesondere auf die Schilderungen sei-

nes Nationaldienstes bei der Polizei, den Konflikt mit seinem Vorgesetzten 

und der damit verbundenen Ausreise aus Eritrea ohne Entlassung aus dem 

Dienst.  

6.  

6.1 Mit Blick auf die nach wie vor geltende und von der vormaligen Be-

schwerdeinstanz begründete Rechtsprechung, welche vom Bundesverwal-

tungsgericht fortgeführt wird (vgl. dazu u.a. Bundesverwaltungsgerichtsur-

teil D-5761/2013 vom 12. Juni 2014 E. 6.1), ist festzustellen, dass Dienst-

verweigerung und Desertion in Eritrea unverhältnismässig streng bestraft 

werden. Die Furcht vor einer Bestrafung wegen Dienstverweigerung oder 

Desertion ist dann begründet, wenn die betroffene Person in einem kon-

kreten Kontakt zu den Militärbehörden stand. Ein solcher Kontakt ist regel-

mässig anzunehmen, wenn die betroffene Person im aktiven Dienst stand 

und desertierte (vgl. dazu Entscheidungen und Mitteilungen der Schweize-

rischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 3). In diesen Fällen droht 

nicht allein eine Haftstrafe, sondern eine Inhaftierung unter unmenschli-

chen Bedingungen und Folter, wobei Deserteure regelmässig der Willkür 

ihrer Vorgesetzten ausgesetzt sind. Die Desertion wird von den eritreischen 

Behörden als Ausdruck der Regimefeindlichkeit aufgefasst. Es ist also da-

von auszugehen, dass die dem Beschwerdeführer drohende Strafe nicht 

allein der Sicherstellung der Wehrpflicht dienen würde, was nach zu bestä-

tigender Praxis ‒ immer unter der Voraussetzung rechtsstaatlicher und völ-

kerrechtskonformer Rahmenbedingungen ‒ grundsätzlich als legitim zu er-

achten wäre. Sondern es ist vielmehr damit zu rechnen, dass der Be-

schwerdeführer aufgrund seiner Desertion als politischer Gegner qualifi-

ziert und als solcher unverhältnismässig schwer bestraft würde. Mit ande-

ren Worten hätte er, sollte das staatliche Regime seiner habhaft werden, 

eine politisch motivierte Bestrafung und eine Behandlung zu erwarten, die 

einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG 

gleichkommt.  

D-1359/2015 

Seite 12 

6.2 Der Beschwerdeführer hat seine Desertion aus dem Nationaldienst 

Eritreas glaubhaft gemacht. Im Falle seiner Rückkehr ins Heimatland hat 

er begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen. Die Voraussetzungen von 

Art. 3 und 7 AsylG sind mithin erfüllt. Aus den Akten ergeben sich keine 

konkreten Hinweise auf das Vorliegen von Asylausschlussgründen. Auch 

eine innerstaatliche Fluchtalternative besteht offensichtlich nicht. Demnach 

ist das SEM anzuweisen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren.  

7.  

Diesen Erwägungen gemäss ist die Beschwerde gutzuheissen, die Verfü-

gung des SEM vom 27. Januar 2015 aufzuheben und das SEM anzuwei-

sen, dem Beschwerdeführer in der Schweiz Asyl zu gewähren. 

8.  

8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG).  

8.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die 

ihm erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten zuzu-

sprechen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat am 13. April 

2015 eine aktuelle Kostennote zu den Akten gereicht, welche einen Ge-

samtaufwand von 8.75 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 300.– zu-

züglich Fr. 18.90 Auslagen ausweist. Der in der Kostennote ausgewiesene 

Zeitaufwand scheint angesichts vergleichbarer Verfahren als zu hoch. Ge-

stützt auf die Bemessungsfaktoren ist dem Beschwerdeführer eine Partei-

entschädigung in Höhe von insgesamt Fr. 1900.– (inkl. Spesen und Mehr-

wertsteuerzuschlag) durch die Vorinstanz auszurichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-1359/2015 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1900.– 

auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Contessina Theis Anne Kneer 

 

 

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