# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d16ed2e6-43c2-5e6d-a968-37021fc66f0c
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-09-30
**Language:** de
**Title:** Beweiskräftiges psychiatrisches Gutachten; Prüfung der Standardindikatoren; Parallelisierung der Vergleichseinkommen bei unterdurchschnittlichem Valideneinkommen; bei Abzug von 15 % Anspruch auf halbe Rente; teilweise Gutheissung.
**Docket/Reference:** IV.2021.00577
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2021.00577.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2021.00577
II. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Romero-Käser
Ersatzrichterin Lienhard
Gerichtsschreiberin Peter-Schwarzenberger
Urteil
vom
30. September 2022
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch
Y.___
Renker Bünzli & Partner
Bahnhofstrasse 15, Postfach 171, 5600 Lenzburg
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1974, war
seit
dem 1.
Juni 2016 als
Mit
arbeiter Montage bei
der
Z.___
AG angestellt
, als er ab dem 6. Oktober 2017 krank
geschrieben wurde
(Urk.
7/17/1-6
). Unter Hinweis auf
eine schwere Depression
meldete sich der Versicherte am
7. März 2018
bei der Invalidenversicherun
g zum Leistungsbezug an (Urk. 7/3
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinisc
he und erwerbliche Situation ab und
zog Akten der
Krankentaggeldversicherung
bei (Urk.
7/4-5
)
. Am 11. April 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass zurzeit keine Eingliederungsmassnahmen mög
lich seien (Urk. 7/12)
.
Zudem holte sie ein neuropsychologisches und psychiatri
sches Gutachten ein, d
as
am 5.
beziehungsweise
27. März 2020 erstattet wurde (Urk. 7/51; Urk. 7/52/1-20).
In der Folge veranlasste die IV-Stelle eine stationäre psychiatrische Abklärung. Das psychiatrische Gutachten datiert vom 22. Januar 2021 (U
rk. 7/73).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk.
7/83;
Urk.
7/85; Urk. 7/92
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
23. August
2021 (Urk. 7/99 = Urk. 2)
einen Rentenanspruch
.
2.
Der
Versicherte erhob am
24. September 2021
Beschwerde gegen die Verfügung vom
23. August 2021
(Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben
,
und es sei ihm
ab 1. Oktober 2018 eine ganze Rente
zuzusprechen, eventuell sei
ihm ab 1. Oktober 2018 eine Dreiviertelsrente zuzusprechen, subeventuell sei ein psychi
atrisches Gerichtsgutachten einzuholen, subsubeventuell sei die Sache zu weite
ren Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen
(Urk. 1 S.
2
Ziff. 1-4
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
3. November 2021
(Urk.
6
) die
teil
weise Guth
eissung
der Beschwerde
im Sinne einer Zusprache einer Viertelsrente ab
1. Oktober 2018. Mit Replik vom 22. Januar 2022 (Urk. 10) hielt der Beschwer
deführer an seinen Rechtsbegehren f
est. Mit Eingabe vom 3. Februar
2022 (Urk. 13) verzichtete die Beschwerdegegnerin auf das Einreichen einer Duplik, worüber der Beschwerdeführer am 18. Februar 2022 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 14).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da die angefochtene Verfügung vor dem 1. Januar 2022 erging, sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden (vgl. statt vieler: Urteile des Bun
desgerichts 8C_251/2022 vom 11. Juli 202
2 E. 3.1 und 8C_804/2021 vom 1. Juni
2022 E. 2.2).
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Alters
jahres folgt (Abs. 1). Der Anspruch entsteht nicht, solange die versicherte Person
ein Taggeld nach Art. 22 IVG beanspruchen kann (Abs. 2). Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (Abs. 3). Beträgt der Invaliditätsgrad weniger als 50 %, so werden die entsprechenden Ren
ten nur an Versicherte ausbezahlt, die ihren Wohnsitz und ihren gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben. Diese Voraussetzung ist auch von Angehörigen zu erfüllen, für die eine Leistung beansprucht wird (Abs. 4).
1.5
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.6
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.7
Zur Annahme einer Invalidität aus psychischen Gründen bedarf es in jedem Fall eines medizinischen Substrats, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Bestimmen psy
chosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden Fakto
ren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch zu unter
scheidende Befunde zu umfassen. Solche von der soziokulturellen oder psycho
sozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invaliditäts
begründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens beeinflussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3). In einer versi
cherungsmedizinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vorga
ben der Rechtsprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, sondern sogar geboten, solche invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände auf
zuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auszu
klammern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1).
1.8
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) auf den Standpunkt, dass der Beschwerdeführer aufgrund gesundheitlicher Ein
schränkungen seit Ende 2017 in der angestammten Tätigkeit als Monteur nur noch zu 25-30 %
arbeitsfähig sei. Eine angepasste Tätigkeit sei ihm jedoch seit Ende 2017 in einem Pensum von 60 % zumutbar. Dabei könne eine optimierte Behandlung innerhalb eines Jahres zu einem weiteren Anstieg der Arbeitsfähig
keit von 10-20 % führen, weshalb eine Arbeitsfähigkeit von 80 % in einer ange
passten Tätigkeit möglich sei. Nach Durchführung eines Einkommensvergleichs resultiere ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von 10 %, weshalb der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Rente habe (S. 1 ff.).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber
beschwerdeweise
(Urk. 1)
geltend
, das rechtliche Gehör sei verletzt worden, indem sich die Beschwerdegegnerin nicht rechtsgenüglich
mit seinen Vorbringen
im Vorbescheidverfahren auseinan
dergesetzt habe (S. 8
Rz
18 f.
).
Zudem
sei
das psychiatrische Gutachten nicht ver
wertbar. So
bestünden gestützt auf die medizinischen Akten erhebliche Zweifel an der durch den psychiatrischen Gutachter gestellten Diagnose einer Angst- und depressiven Störung gemischt und am Fehlen der bis anhin als gesichert gelten
den Diagnose einer schweren depressive
n Störung (S. 9 ff.
Rz
20 ff.
).
Ferner könne die Restarbeitsfähigkeit angesichts des durch
den psychiatrischen Gutach
ter umschriebene
n
Arbeitsprofil
s auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht verwertet werden
(S. 14 ff.
Rz
36 ff.
). Schliesslich sei die Invaliditätsbemessung
nicht kor
rekt erfolgt. Sollte
dennoch
auf das psychiatrische Gutachten abgestellt werden, sei von einer Arbeitsfähigkeit von 38 % in angepasster Tätigkeit auszu
gehen abzüglich eines Abzugs vom
Tabellenlohn von 10-15 % für männliche Teilzeit
arbeitende. Dabei resultierte ein Invaliditätsgrad von über 60 % (S. 16 ff.
Rz
41 ff.).
2.3
Die Beschwerdegegnerin beantragte in ihrer Beschwerdeantwort (Urk. 6) die teil
weise Gutheissung
der Beschwerde im Sinne einer Zusprache einer Viertelsrente ab 1. Oktober 2018. Gestützt auf
das psychiatrische G
utachten sei dem Beschwer
deführer in angepasster Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt ein Pensum von 50-60 % zumutbar, weshalb vom Mittelwert, mithin von 55 % auszugehen sei. Nach Durchführung eines Einkommensvergleichs resultiere ein Invaliditätsgrad von 43 % (S. 1 ff.).
2.4
Der
Beschwerdeführer
hielt in seiner Replik (Urk. 10) an seinen R
echtsbegehren fest.
2.5
Strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers.
3.
3.1
Der
Beschwerdeführer
machte
in formeller Hinsicht
geltend, die
Beschwerdegeg
nerin
sei in der angefochtenen Verfügung vom 23. August 2021 (Urk. 2) nicht rechtsgenüglich auf seine
Einwendungen
im Vorbescheidverfahren
(vgl.
Urk. 7/92)
eingegangen
,
sondern habe lediglich die Begründung der RAD-Ärztin wiederholt, wonach den eingereichten Akten keine zusätzlichen medizinischen Tatsachen entnommen werden könnten. Diese sehr kurze Begrün
dung vermöge dem Anspruch auf Auseinandersetzung mit seinen Vor
bringen schon desha
lb nicht zu genügen, weil in den
erhobenen Einwänden nebst neuen medizinischen Berichte
n
diverse rechtliche Vorbringen ausgeführt worden seien (Urk. 1 S. 8
Rz
19).
3.2
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Par
teien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten (Art. 49 Abs. 3 Satz 2 ATSG), das heisst eine Darstellung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der rechtlichen Erwägungen. Gemäss Art. 52 Abs. 2 Satz 2 ATSG werden
Einspracheentscheide
begründet. Die aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV) fliessende Begründungspflicht gebietet nicht, dass sich das kantonale Gericht beziehungs
weise der Versicherungsträger mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinan
dersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sich die Behörde auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich die betroffene Person über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne müssen wenigs
tens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich das Gericht respek
tive der Versicherungsträger hat leiten lassen und auf die sich sein Entscheid stützt (BGE 142 II 49 E. 9.2, 136 I 229 E. 5.2, je mit Hinweisen).
3.3
Nach der Rechtsprechung kann eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann. Unter dieser Voraussetzung ist darüber hinaus – im Sinne einer Heilung des Mangels – selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des Gehörs von einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 142 II 218 E. 2.8.1, 137 I 195 E. 2.3.2, je mit Hinweisen).
3.4
Es trifft zu, dass sich die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2)
mit den Vorbringen
des Beschwerdeführers nicht näher auseinanderge
setzt und lediglich festgehalten hat, dass den zusätzlich eingereichten Arztberich
ten keine neuen, unberücksichtigten medizinischen Tatsachen entnommen werden könnten (S. 2 unten). Es kann vorliegend aber offenbleiben, ob die Beschwer
degegnerin damit die aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör flies
sende Begrün
dungspflicht verletzt hat. Denn selbst wenn dies zuträfe, handelte es sich nicht um eine schwerwiegende Verletzung des Gehörsanspruchs, weil dem Beschwer
deführer dadurch die sachgerechte Anfechtung des Verwaltungsaktes nicht ver
unmöglicht wurde. Von einer Rückweisung der Sache an die IV-Stelle ist im Sinne einer Heilung des allfälligen Mangels unter diesen Umständen abzusehen, da der Beschwerdeführer sich vor dem hiesigen Gericht, dem die volle Kognition zukommt, äussern kann
,
und eine Rückweisung zu einem formalistischen Leer
lauf und damit zu unnötigen Verzögerungen f
ühren würde (vgl. vorstehend E.
3.3).
4.
4
.1
Dem Austrittsbericht der integrierten Psychiatrie A.___
vom 23. Februar 2018 (Urk. 7/16/7-9) ist zu entnehmen, dass der Beschwer
deführer vom 8. Januar bis zum 5. Februar 2018
stationär in der Klinik
behandelt wurde. Es wurde eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen und somatischem Symptom (ICD-10 F32.3) als Diagnose genannt. Der Beschwer
deführer
leid
e seit Oktober 2017 an einer depressiven Verstimmung
, Antriebslo
sigkeit, Ängsten und Besorgnis im Alltag bis zu Verarmungs- und Beeinträchti
gungsgefühlen (S. 1).
4
.2
Vom 23. Mai bis zum 5. Juni 2018 wurde der Beschwerdeführer erneut stationär im
A.___
behandelt. Dem Kurzaustrittsbericht vom 13. Juni 2018 (Urk. 7/16/10-11) ist zu entnehmen, dass die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Stö
rung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F33.3)
,
sowie der Verdacht auf eine undifferenzierte Somatisierungsstörung genannt
wurden
.
4
.3
Dr. med. B.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in ihrem Bericht vom 19. Juli 2018 (Urk. 7/16/1-6) aus, dass sie den Beschwerde
führer seit Februar 2018 behandle, anfänglich zwei Mal in der Woche, jetzt ein
mal pro Woche (Ziff. 1.1-1.2).
Als Diagnose
n mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit
nannte sie eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F32.2) sowie den Verdacht auf eine undifferenzierte Somatisierungsstö
rung, differentialdiagnostisch im Rahmen einer schweren Depression mit psycho
tischen
Symptomen (Ziff. 2.5).
Der Beschwerdeführer leide seit Oktober 2017 an einer depressiven Verstimmung, Verarmungswahn und massive
n
undefinierten Ängsten.
Aufgrund der zunehmenden Verschlechterung des psychischen Zustan
des sei er am 7. Januar 2018 von seinem Hausa
rzt ins Zentrum C.___
zugewiesen worden; am nächsten Tag sei die Hospitalisation im
A.___
erfolgt (Ziff. 2.1).
Aktuell leide er an verschiedenen Ängsten in Bezug auf körperliche Beschwerde
n
sowie an
Müdigkeit, Erschöpfung, paranoide
n
Ideen, Gedächtnis
störungen und einem ausgeprägten depressiven Zustandsbild (Ziff. 2.2). Seit dem 12. Februar 2018 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkei
ten (Ziff. 1.3). Die Prognose sei aktuell sehr schlecht. Durch die Schwere der Erkrankung sei die Alltagsfunktionalität sehr beeinträchtigt. Der Beschwerdefüh
rer gehe nur mit Hilfe der Spitex zwei Mal in der Woche jeweils 15 Minuten spazieren (Ziff. 2.7).
4
.4
In ihrem Verlaufsbericht vom 11. Oktober 2018 (Urk. 7/18) führte Dr.
B.___
bei gleich gebliebenen Diagnosen (Ziff. 1.2; vgl. vorstehend
E. 4
.3)
aus, dass die All
tagsfunktionalität des Beschwerdeführers nach wie vor deutlich reduziert sei.
Er sei überhaupt nicht belastbar. Die Krankheitseinsicht fehle und der Beschwerde
führer sei der Meinung, dass er an körperlichen Erkrankungen leide und nicht an psychischen. Er brauche nach wie vor Hilfe auf mehreren Ebenen (Ziff. 1.3). Eine stationäre und/oder teilstationäre Behandlung wäre gut, aber der Beschwerdefüh
rer sei noch zu schwach, um in eine Tagesklinik zu gehen. Stationär
würde
er nicht mehr behandel
t
werden
wollen
. Die therapeutischen Massnahmen würden darauf ziele
n, in die Tagesklinik D.___
einzutreten (Ziff. 4.1). Für die Wie
dereingliederung sei es effektiv zu früh (Ziff. 4.2).
4
.5
Dem Austrittsbericht der
A.___
vom 18. Dezember 2018 (Urk. 7/25/5-7) ist zu ent
nehmen, dass
der Beschwerdeführer vom
8. November bis zum 6. Dezember
2018 erneut stationär in der K
linik behandelt wurde, wobei eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2) als Diagnose genannt wurde (S. 1 Mitte). Während der Hospitalisation sei es zu keiner wesentlichen Besserung der Symptomatik gekommen. Der Beschwerdeführer habe
oft thera
peutische Angebote abgelehnt.
Ein psychosomatisches Krankheitsmodell für das ängstlich-depressive Zustandsbild mit Schmerzsyndrom habe der Beschwerde
führer auch nach mehrmaligen Gesprächen nicht annehmen können, er habe auf einer körperlichen Genese seiner Schmerzen bestanden (S. 2 Mitte).
4
.6
Dr.
B.___
führte in ihrem Verlaufsbericht vom 4. Februar 2019 (Urk. 7/19) aus, dass sich der Zustand des Beschwerdeführer
s
nicht gebessert habe, er sei vom 8. November bis 6. Dezember 2018 erneut in
der
A.___
hospitalisiert worden. Ges
tern sei der Beschwerdeführer in das Sanatorium
E.___
eingetreten (Ziff. 1.3).
Der Beschwerdeführer habe per Ende Dezember 2018 die Kündigung bekommen (Ziff. 2.1). Leider gehe der Behandlungsprozess nicht vorwärts. Deswegen bleibe die Elektrokrampftherapie (EK
T
) als letzte Option. Wenn diese Behandlungsoption keine Verbesserung des psychischen Zustandes bringe, sei die Prognose für eine Wiedereingliederung als sehr schlecht bis unmöglich einzustufen (Ziff. 4.2).
4
.7
Die Ärzte der
A.___
führten in ihrem Bericht vom 14. Februar 2019 (Urk. 7/27) aus
, dass der Beschwerdeführer vom 8. November bis zum 6. Dezember 2018 stationär behandelt worden sei (Ziff. 1.1).
Während
des zweiten stationären
Aufenthalt
es habe keine Arbeitsfähigkeit
bestanden und beim jetzigen Verlauf und
der
dama
ligen Symptomentwicklungen
sei eher von einer schlechten
Prognose aus
zuge
hen
.
Eine eventuelle Steigerung der Arbeitsfähigkeit
müsse in
der Zukunft genau beurteilt werden (Ziff. 2.7).
4
.8
Dem Austrittsbericht des Sanatorium
s
E.___
vom 1. April 2019 (Urk. 7/25/1
2) ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer
vom 1. Februar bis zum 21. März
2019
in der Klinik
stationär-psychiatrisch behandelt wurde. Als Haupt
diagnose wurde eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2) und als Nebendiagnose eine Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0) genannt
(S. 1 Mitte).
Die Ärzte führten aus, dass sie von einem
schwer ängstlich depressiven Zustand aus
gegangen seien, das den Beschwer
deführer blo
ckiert habe. Es habe sich keine
Erklärung für die geklagten somatischen Beschwerden
gezeigt, die
Befunde
seien
im Rahmen der vorbe
schriebenen Soma
tisierungsstörung
zu interpretieren. Der Beschwerde
führer habe nur wenig am Therapiepro
gramm teilgenommen, habe nur zu einzelnen Thera
pien mit viel Hilfe und Struktur motiviert werden können.
Am 14. Februar
2019 sei die
erste EKT durchgeführt
worden, wobei der Beschwerdeführer initial gut auf die Therapie anzusprechen schien und sein
Aktivitätsniveau
zugenommen
habe
. Alternativ könnte auch
T
emesta
zur Zustandsbesserung ge
führt haben.
Am 11. März 2019
habe der Beschwerdeführer
Zw
eifel a
m
Sinn der EKT geäussert und habe sie für
die
Zunahme seiner somatischen
Bes
chwerden verantwortlich gemacht, weshalb er diese Therapie nicht habe weiterführen wollen. Die EKT
sei
wiederholt ange
boten und dringend empfohlen worden (S. 1 unten f.).
4.
9
Dr.
B.___
nannte in ihrem Verlaufsbericht vom 7. Juni 2019 (Urk. 7/26) neben einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F32.2)
neu
eine undifferenzierte Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0) als Diag
nose mit Auswirkung auf die A
rbeitsfähigkeit (Ziff. 1.2). Der Zustand des Beschwerdeführers habe sich nach dem letzten Aufenthalt im Sanatorium
E.___
nicht viel gebessert.
Die Erkrankung laufe Richtung Chroni
fizierung.
A
uch
eine
angepasste Tätigkeit
könne er nicht ausüben (Ziff.
2.1).
Die Prognose sei sowohl
in Bezug auf die Behandlung als auch auf die Arbeitsfähigkeit sehr schlecht (Ziff. 3.3).
4
.10
Dem Austrittsbericht des Sanatoriums
E.___
vom 29. Juli 2019 (Urk. 7/28) kann entnommen werden, dass der
Beschwerdeführer
vom 19. Juni bis zum 17. Juli 2019 erneut
in der Klinik
stationär behandelt
wurde, bei gleich gebliebe
nen Diagnosen (S. 1 Mitte; vgl. vorstehend
E. 4
.
8
).
Wie beim letzten Eintritt habe sich der Beschwerdeführer in einem schwer ängstlich depressiven Zustand gezeigt. Es habe sich keine objektive Erklärung für die beklagten somatischen Beschwerden gefunden, die Befunde seien im Rahmen der Somatisierungsstörung zu interpretieren. Es seien drei EKT-Sitzungen durchgeführt worden
. Am multi
modalen
Therapieprogramm habe der Beschwerdeführer initial teilgenommen, jedoch sei die Therapieteilnahme kontinuierlich gesunken. Anfänglich
habe er auf die
Behandlungen
leicht angesprochen
,
dieser
Effekt sei
jedoch
im weiteren Ver
lauf weitgehend verschwunden.
Es sei geplant, die EKT a
mbulant
weiterzuführen (S. 1 unten f.).
4
.11
Dr. phil. F.___
, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, erstattete das von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebene neuropsychologische Gutach
ten am 5. März 2020 (Urk. 7/51)
. Sie legte dar, dass sich der Beschwerdeführer anlässlich der neuropsychologischen Untersuchung
verschlossen, abwartend, im Affekt deutlich gedrückt und kaum schwingungsfähig präsentiert
habe
.
Die
Über
prüfung der kognitiven Teilleistungen
habe
teils weit unterdurchschnittliche Leis
tungen
gezeigt. Die aktuellen kognitiven Leistungseinbussen
entsprächen einer mittelgradigen neuropsychologischen Störung. Eine ätiologische Zuordnung sei nicht abschliessend möglich. Am ehesten sei an ein multifaktorielles Geschehen zu denken. Als Hauptursache dürfte eine psychopathologische Störung vorliegen. Die im Rahmen der aktuellen
Begutachtung vorgesehene psychiatrische
Begut
achtung durch
Prof. Dr. G.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie,
hab
e aufgrund des schlechten psychischen
Zustandes nicht durch
geführt werden können
(vgl.
nachstehend E. 4.12
)
. Bei mehrheitlich unauffälligen Resultaten der breiten
Performanzvalidierung
sei eine Aggravation/Simulation von kognitiven Beschwerden nicht wahrschei
nlich. Bei einem auffälligen Pa
ra
meter der
Performanzvalidierung
und gewissen Inkonsistenzen
– er habe an
spruchsvollere
at
tentionale
Aufgaben schneller lösen können als weniger anspr
uchsvolle -
könne jedoch eine punktuell verminderte Anstrengungsbereit
schaft nicht vollständig ausgeschlossen werden. Naheliegend sei zudem, dass unerwünschte Medikamentennebenwirkungen einen negativen Effekt auf die k
ognitiven Fähigkeiten ausgeübt
hätten
(S. 11 ff. Ziff. 5; vgl. S. 11 Ziff. 4.4).
Im Z
usammenhang mit einer mittelgra
digen kognitiven Störung sei die Funkti
onsfähigkeit im Alltag und unter den meisten beruflichen Anforderungen deut
lich eingeschränkt. Zumeist seien nur noch einfachere Arbeiten ausführbar. In Berufen mit hohen kognitiven Anforderungen
sei die Funktionsfähigkeit
st
ark eingeschränkt, solche Tätigkeiten
entsprächen aber nicht dem Bildungsniveau des
Beschwerdeführers
. In der angestammten Tätigkeit
als Mitarbeiter Montage oder einer vergleichbaren, eher einfachen Tätigkeit sei aus neuropsychologischer Sicht von einer Arbeitsunfähigkeit von 50
% auszugehen
(S. 13 Ziff. 5).
4
.12
Prof.
G.___
erstatte das von der
Beschwerdegegnerin
in Auftrag gegebene psychi
atrische Gutachten am
27. März 2020 (Urk. 7/52/1-20) und
legte dar, dass der
Beschwerdeführer
während der Untersuchung ängstlich blockiert gewesen sei
sowie
im
kaum verstehbarem heiserem Flüsterton und bruchstückhaft
gesprochen habe
. Es sei unklar, ob er die einzelnen Fragen verstanden habe
. Auch gegenüber der Dolmetscherin sei kein vertrautes Verhältnis und kein normaler Redefluss in der Muttersprache entstanden
(S. 14 Ziff. 3.3)
. Der
Beschwerdeführer
mache ins
gesamt den Eindruck einer völlig unselbständigen, verängstigten, schwer kran
ken, möglicherweise auch zusätzlich aggravierenden Person. Auch die Frage einer Symptomverdeutlichung könne mangels Kommunikation nicht entschieden wer
den. Genauso wenig könne psychopathologisch entschieden werden, ob eine ps
y
chotische Symptomatik vorliege
oder ob das klinische Bild allein durch ein schwer ausgeprägtes ängstlich-depr
essives Syndrom zu erklären sei (S. 14 Ziff. 3.5).
Wenn auch die eigene gutachterliche Untersuchung
nur kurz
habe durchgeführt werden können
und
die
vom Beschwerdeführer erhaltenen Informationen nur
bruchstückhaft
gewesen seien
, könne
doch
überwiegend wahrscheinlich die Rich
tigkeit der in den Akten gestellten Diagnosen einer schweren depressiven Erkran
kung und Somatisierungsstörung angenommen werden. Eine fundierte gutachter
liche Diagnose könne aber nur im stationären Rahmen erfolgen
(S. 15 f. Ziff. 5). Der b
isherige Verlauf zeige, dass keine ausreichende Motivation zu einer Durch
führung einer Therapie vorliege. Gleichzeitig sei
die
d
epressive Symptomatik seit mindestens anfangs 2018 vorhan
den und zwischenzeitlich chronifiziert
(S. 17 f. Ziff. 7.2).
Zur Arbeitsfähigkeit könne aus der nur bruchstückhaft durchführbaren Untersuchung nicht abschliessend Stellung genommen werden. Zur genaueren Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, der psychiatrischen Diagnostik und der mögli
chen Therapiemassnahmen werde eine stationäre gutachterliche Beurteilung empfohlen. Allenfalls könnten auch O
bservationen
einer weiterführenden Beur
teilung dienen (S. 19 Ziff. 8.1).
4
.13
Dr. med. H.___
, Facharzt für P
sychiatrie und Psychotherapie, p
sychiat
rische
s Zentrum I.___
, erstattete das von der Beschwerdegeg
nerin in Auftrag gegebene psychia
trische Gutachten am 22. Januar
2021 (Urk. 7/73), wobei
der Beschwerdeführer
vom 19. bis 23. Oktober 2020
stationär untersucht wurde
(S. 1 unten).
Der psychiatrische Gutachter
nannte folgende Diagnosen (S. 33 Ziff. 6):
-
Angststörung und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2)
-
Verdacht auf anamnestische Anpassungsstörung mit Angst und depressi
ver Reaktion gemischt (ICD-10 F43.22)
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F44.5) mit abnormem Krankheitsverhalten
-
somatoforme autonome Funktionsstörung (oberer und unterer Gastroin
testinaltrakt; ICD-10 F45.3)
-
akzent
u
ierte Persönlichkeit mit
dependenten
und sensitiv-paranoischen Zügen (ICD-10 Z73.1)
-
Benzodiazepinabhängigkeit
(
lowdose
, ärztlich kontrolliert; ICD-10 F13.22)
Der Beschwerdeführer habe sich anlässlich der Untersuchung etwas depressiv her
abgestimmt mit ängstlichem Einschlag gezeigt, ein Zustand der – mit unter
schiedlicher Intensität – nun offenbar schon bald drei Jahre andauere, wobei eine klare episodische Zeitstruktur nicht wirklich zu erkennen sei. Auch sei aktuell sicher kein psychotischer Zustand und kein psychotisches Symptom fassbar.
Bezeichnend sei, dass die ersten Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers bereits 2017 erfolgt seien, wobei noch keine depressive Leit
symptomatik angegeben worden sei. Vielmehr habe es sich damals um funktio
nelle Bauchbeschwerden sowie um Rückenschmerzen gehandelt. Mittlerweile seien weitere Schmerzbeschwerden ohne organische Grundlage dazugekommen
,
insbesondere im Bereich der Extremitäten, was am
Ehesten
als «Symptomauswei
tung» zu interpretieren wäre. Von daher sei sicher auch die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung berechtigt. Mit Blick auf die chroni
schen
Abdominalbeschwerden
könnte zusätzlich noch die Diagnose einer soma
toformen, autonomen Funktionsstörung gestellt werde
n.
Was die Grundpersön
lichkeit angehe, so zeige diese heute eine massive Auffälligkeit, was aber nicht für die gesamte Lebensspanne gelte, scheine er doch durchaus Phasen des relativ normalen Funktionierens gehabt zu haben, so dass eine akzentuierte Persönlich
keit vorliege
(S. 33 f. Ziff. 6).
Zudem würden e
tliche Inkonsistenzen auf eine feh
lende Authentizität des Störungsbildes
hinweisen
,
womit der Verdacht auf ein sogenanntes
abnormes Krankheitsverhalten genährt werde.
Ein solches w
erde
typischerweise von einer Reihe von Phänomenen der dysfunkti
onalen Beschwer
debewältigung begleitet, was beim Beschwerdeführer
zutreffe
(S. 35 f.
Ziff. 6
). Beim Beschwerdeführer
stünden sicher
nicht nur psychopathologisch be
dingte Beeinträchtigungen einer Arbeitsreha
bilitation
im Wege
, sondern das abnormale Krankheitsverhalten mit dysfunktionaler Gestaltung der Patientenrolle und inva
liditätsfremde Elemente
seien ebenfalls zu berücksichtigen, was auch bei der Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit im Auge zu behalten sei
(S.
39
Ziff. 6
).
Das Verhalten des
Beschwerdeführer
s
zeige diverse Anzeichen des abnormen Krankheitsverhaltens und werde durch
seine
akzentu
ierte Persönlichkeit vorge
prägt. So
zeige
er
in Krisensituationen
eine
reaktive, paranoide Umweltprojektion, zum anderen
würden
massive Versorgungswünsche
bestehen
. Seine dekompen
sierte Persönlichkeitsstruktur führe
somit
zu einer starken Malkooperation im Reha
bilitations
prozess. Neben Testosteron und Vitamin D-Substitution sollte
eine
antidepressive Behandlung optimiert werden, zudem
sollte ein
aufbauendes Arbeitstraining
angesetzt werden
.
Der
Arbeitsversuch während
des
Aufenthalt
es
habe
eine
starke Selbstlimitierungstendenz gezeigt
, so dass weitere aufbauende Arbeitseinsätze medizinisch durchaus zumutbar wären (S. 40 f. Ziff. 7.2).
Eine r
eine Simulation
sei
unwahrscheinlich, doch
der
Beschwerdeführer mache zumindest den Anschein,
in allen Lebensbereiche
n in ein Schonverhalten verfal
len zu sein
.
Eine
Inkonsistenz
ergebe sich
aber dort, wo er trotz angeblich hohem Leidensdruck
wenig oder
keine Mot
ivation für Therapien zeige
.
In diesem Sinne müsse festgestellt werden, dass die g
eklagte
n
Symptome und Funktionseinbussen
durch die Untersuchungsbefunde
höchstens teilweise plausibilisiert werden könn
t
en.
Die p
enetrant geklagte
n
Schmerzen erschienen
insoweit
zweifelhaft, als sie oft mit
dem
Wunsch nach
Temesta
einhergegangen seien
. Nicht plausibel seien auch die überaus schwachen Leistungen in Tests und
im
Arbeitsversuch
gewesen, die durch objektive
Funktionsausfälle nicht hätten erklärt werden können.
Die den Beschwerdeführer bisher behandelnden Psychiater seien übereinstimmend zur Diagnose einer schweren depressiven Episode – mal mit und mal ohne psy
chotische Symptome – gekommen, wobei schon früh auch somatoforme Störun
gen in Betracht gezogen worden seien. Diese seien offenbar schon vor den Ver
stimmungsphasen ein Thema gewesen und würden auch heute
unvermindert andauern und den eigentlichsten Grund der Arbeitsunfähigkeit des Beschwerde
führers bilden. Von daher könne heute sicher nicht von einer depressiven Episode gesprochen werden, zumal eine episodische Zeitstruktur in seinem Fall im Grunde nirgends zu erkennen sei und die Klinikaufenthalte angesichts solch schwerer diagnostizierter Störungen von eher kurzer Dauer gewesen seien. Somit erscheine heute die Diagnose einer Angststörung mit depressiver Störung gemischt bei
akzentuierter Grundpersönlichkeit adäquater, wobei allfällige frühere tiefere Depressionszustände so dann eher als Anpassungsstörung mit reaktiver Depression unter psychosozialer Belastung imponiert hätten (S. 41 f. Ziff. 7.3).
Auch wenn
der
Beschwerdeführer
heute ein
Bild von extremer Schwäche und Hilflosigkeit biete, könnten aufgrund
seiner
Vorgeschichte doch etliche Ressour
cen und ordentliche Lebensbewährung geltend gemacht werden. Es falle sehr schwer, den raschen und kompletten Niedergang des Funktionsniveaus durch eine echte Psychopatholog
ie zu erklären
.
Die invaliditätsfremden
Eingliederungs
erschwernisse und
das abnorme
Krankheitsverhalten schienen für sein vollstän
diges Versagen im Arbeitsbereich
mindestens so determinierend
zu
sein wie die genuine Psychopathologie, die alles in allem keinen sehr hohen Schweregrad auf
weise, was mit einem gewissen Mangel an Authentizität in seinem Beschwerde
bild einhergehe
(S. 42 f. Ziff. 7.4)
.
Die bisherige Tätigkeit des Beschwerdeführers als Monteur könne für einen all
fälligen Wiedereinstieg nicht empfohlen werden.
Rein theoretisch
würde die Arbeitsfähigkeit für eine solche Tätigkeit zirka 25-35 % betragen
(S. 43 f. Ziff. 8)
. Bei einer optimal angepassten Tätigkeit müsste es sich angesichts der Menschen
scheu und kommunikativen Unfähigkeit des Beschwerdeführers um einen Einzel
arbeitsplatz handeln, wobei er von einem zugewandten Vorgesetzten individuell betreut und vor allen Dingen mit sanftem Druck motiviert werden müsste. Ange
sichts seiner «Schmerzpersönlichkeit» dürfte eine körperliche Tätigkeit nicht mit allzu grosser Kraftentfaltung verbunden sein, wobei die feinmotorische Koordi
nation eher wenig Einschränkungen zeige. Die Arbeitsatmosphäre müsste reizarm sein, das heisst ruhig und nicht grell ausgeleuchtet, wobei extreme Temperaturen und Staubbelastungen etc. vermieden werden sollten. Ausserdem müsste die Umgebung tolerant gegenüber zeitweiligen expressiven Beschwerdeäusserungen sein. Eine solche Tätigkeit wäre dem Beschwerdeführers mindestens vier Stunden pro Tag zumutbar.
Nach Beseitigung der
Dekonditionierung
wäre
eine Erhöhung denk
bar,
realistisch würden maximal fünf bis sechs
Stunden
pro Tag
erscheinen
.
A
ufgrund
der starken
Dekonditionierung
müsste initial mit einer Leistungsein
schränkung
von zirka
20 %
gerechnet werden
,
die
nach einiger Angewöhnung
und
Routinisierung
auf zirka 10
%
reduziert werden könnte
. So
mit wäre
insge
samt
eine
angepasste Tätigkeit
in einem Pensum von zirka 50-60
% zumutbar
(S. 44 f. Ziff. 8)
.
Mittels optimierter Behandlung, namentlich adäquate
r
Psycho
pharmaka sowie Vitamin- und Hormonsubstitution,
wäre
allenfalls längerfristig
eine Steigerung
auf über 60 % denkbar. Die Arbeitsfähigkeit liesse sich mit
diesen medizinischen Massnahmen
etwa innerhalb eines halben Jahres um zirka 10-
20 % steigern
(S. 45 f. Ziff. 8).
Hinsichtlich des zeitlichen Verlaufs der Entwick
lung der Arbeitsfähigkeit in angestammter sowie angepasster Tätigkeit könne seit Ende 2017 von einem weitgehend horizontalen Verlauf ausgegan
gen werden, wobei während den
Hospitalisation
en
und der
teilstationäre
n
Behandlung vorübergehend keine Arbeitsfähigkeit bestanden habe (S. 44 ff. Ziff. 8).
4
.14
Dem Abschlussbericht der
A.___
vom 28. Januar 2021 (Urk. 7/91
= Urk. 3/4
) lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer
vom 21. August bis 27. November
20
20 ambulant in der Tagesklinik behandelt wurde.
Der Beschwer
deführer leide an einer s
chwere
n
depressive
n
Episode mit passagerer psycho
tischer Symptoma
tik
(ICD-10 F32.3) und an einer
Somatisierungsstörung
(ICD-10 F45.2; S. 1). Der Beschwerdeführer sei
bei weitgehend unverändertem psych
i
schem
Zustandsbild
entlassen worden
.
Es habe l
eichte Verbesserungen des Funk
tionsniveaus
gezeigt
, im Kontakt
habe er
minim zugänglicher
gewirkt
.
In der Gesamtschau zeige sich ein s
chwer chronifiziertes depressives Zustandsbild vor dem Hintergrund wahr
scheinlicher strukturell
er De
fizite in Form von sozialer Ängstlichkeit und Selbst
wertvermin
derung. Krankheitsaufrechterhal
tend wirke weiter eine unzureichende Compliance, die mit
multiplen Ängsten zusammen
hänge
.
Es werde die Weiter
führung der
ambulante
n
Psychotherapie
sowie de
r
Aufbau einer
stabile
n
Tages
struktur ausser Haus
empfohlen (S. 3 unten).
4
.15
Dr. med. J.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führ
te
in ihrer Stellungnahme vom 2. Februar 2021 (Urk. 7/82/8-10)
aus,
dass das psychiatrische Gutachten von Dr.
H.___
(vgl. vorstehend
E. 4.13
)
umfassend und nachvollziehbar
sei
,
weshalb
darauf abgestellt werden
könne
.
Es sei v
on einem dauerhaften Ge
sundheitsschaden aus
zugehen.
4
.16
D
r.
B.___
nahm am 9. Mai 2021 zum psychiatrischen Gutachten von Dr.
H.___
(vgl. vorstehend E.
4
.13) Stellung (Urk. 7/90
= Urk. 3/5
) und führte aus, dass der Beschwerdeführer seit Februar
20
18 an einer schweren depressiven Störung
mit wiederkehrenden psychotischen Symptomen leide
.
D
ie vom Gutachter gestellte Diagnose einer Angststörung und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2)
f
alle in die
Gruppe
der
Anpassungsstörung
en und
sei fehl am Platz
. Eine solche Diagnose könne gemäss Diagnosekriterien längstens zwei Jahre gestellt werden (S. 1 Ziff. 1, S. 4 Ziff. 8).
Auch mit
der Diagnose
einer Persönlichkeitsakzentuie
rung sei sie nicht einverstanden.
Der
Beschwerdeführer
sei im Rahmen seiner Depression in eine Abhängigkeit hineingeraten.
Der
Niedergang des Funktions
niveaus sei
durchaus
mit
einer
Psychopathologie erklärbar
(S. 4 Ziff. 8). Die
Medikamentenspiegel seien immer noch hoch, doch sobald
die
Dosis von Anti
depressiva reduziert
werde
, ver
schlechtere sich der Zustand des Beschwerdefüh
rers (S. 2 Ziff.
3
)
.
Der Beschwerdeführer
erhalte Vitamin D Tropfen,
doch es habe
keine
positive
Wirkung
auf den psychischen Zustand festgestellt werden können
.
Eine Testosteronbehand
lung habe
der
Urologe abgelehnt
(S. 2 Ziff. 4)
.
In der Gesamtschau zeige sich beim
Beschwerdeführer
ein schwer chronifiziertes depressives Zustandsbild. Er sei weit davon entfernt, eine Arbeit im ersten Arbeitsmarkt aufzunehmen (S. 2 Ziff. 5). Die bisherigen stationären, teilstationä
ren und ambulante
n
psychotherapeutische
n
sowie psychopharmakologische
n
Behandlung
en hätten
zu keiner Remission
der depressiven Symptomatik geführt. Die depressive Symptomatik habe sich
infolge der erheblichen Folgekomplikati
onen chronifiziert
(S. 3 Ziff. 6). Der
Beschwerdeführer
sei sowohl für die ange
stammte als auch für eine angepasste Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig (S. 5 Ziff. 8).
4
.17
In ihrer Stellungnahme vom 12.
Juni 2021 (Urk. 7/98/3-
4
) legte
die RAD-Ärztin Dr.
J.___
dar, dass im Gutachten von Dr.
H.___
(vgl. vorstehend E.
4
.13)
die Diagnose einer Angststörung und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2)
gestellt worden sei, die
im
K
apite
l F41.-
Andere Angststörungen des ICD-10 auf
geführt werde und nicht unter den Anpassungsstörungen F43.2. Für ICD-10 F41.2 bestehe keine zeitliche Limitierung. Eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion (ICD-10 F43.22) sei im Gutachten zusätzlich und als Ver
dachtsdiagnose aufgrund der anamnestischen A
ngaben aufgeführt worden. RAD-Ärztin Dr.
J.___
kam zum Schluss, dass keine neuen, unberücksichtigten medizinischen Tatsachen vorliegen würden, weshalb an ihrer Stellungnahme vom 2. Februar 2021 (vgl. vorstehend E.
4
.15) festgehalten werden könne.
5
.
5
.1
Der psychiatrische Gutachter Dr.
H.___
ist Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie, sodass er grundsätzlich zur Beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers befähigt ist. Das psychiatrische Gutachten vom Januar 2021 (vorstehend E.
4
.13)
, das im Rahmen einer stationären Abklärung erstellt wurde, nachdem sich eine Abklärung auf ambulanter Basis nicht realisieren liess,
erscheint denn auch für die streitigen Belange umfassend und berücksichtigt die geklagten Beschwerden des Beschwerdeführers. Zudem wurde es in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) erstellt und leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein
,
und die Schlussfolgerungen wurden nachvollziehbar begründet. Damit erfüllt das psychi
atrische Gutachten die praxisgemässen Kriterien an ein beweiskräftiges Gutach
ten (vgl. vorstehend
E. 1.8
), weshalb zur Beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers grundsätzlich darauf abzustellen ist.
5
.2
Der psychiatrische Gutachter Dr.
H.___
diagnostizierte in seinem Gutachten
eine Angststörung und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2), einen Verdacht auf eine anamnestische Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt (ICD-10 F43.22), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F44.5) mit abnormem Krankheitsverhalten, eine somatoforme autonome Funktionsstörung (oberer und unterer Gastrointestinaltrakt; ICD-10 F45.3), eine akzentuierte Persönlichkeit mit
dependenten
und sensitiv-paranoischen Zügen (ICD-10 Z73.1) sowie eine
Benzodiazepinabhängigkeit
(
lowdose
, ärztlich kontrol
liert; ICD-10 F13.22). Er attestierte dem Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit als Monteur eine Arbeitsfähigkeit von 25-35 % und in einer optimal angepassten Tätigkeit
eine Arbeitsfähigkeit von 50-60 % (vorstehend E.
4
.13).
Der psychiatrische Gutachter
legte
in nachvollziehbarer Weise dar, dass
beim Beschwerdeführer entgegen der Ansicht der den Beschwerdeführer
bisher behan
delnden Ärzte
, die von einer schweren depressiven Episode ausgingen (vgl. vor
stehend
E. 4.1-4
.10, E.
4
.14, E.
4
.16
), eine Angststörung und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2) bei akzentuierter Grundpersönlichkeit vorliegt. So
seien
von den behandelnden Ärzten bereits früh auch somatoforme Schmerzstörungen in Betracht gezogen
worden
.
Diese seien offenbar schon vor den Verstimmungs
phasen ein Thema gewesen und würden auch heute unvermindert andauern und den eigentlichsten Grund der Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers bilden.
Allfällige frühere tiefere Depressionszustände seien sodann eher als Anpassungs
störung mit reaktiver Depression unter psychosozialer Belastung zu subsumieren
(vorstehend
E. 4
.13).
Was die behandelnde Psychiaterin Dr.
B.___
dagegen vor
bringt (vorstehend E. 4.16), verfängt nicht. So fällt die vom Gutachter gestellte Diagnose Angststörung und depressive Störung gemischt
(ICD-10 F41.2)
nicht in die Gruppe der Anpassungsstörungen.
Mit der RAD-Ärztin Dr.
J.___
besteht hierfür keine zeitliche Limitierung
(vgl. vorstehend E. 4.17)
.
Eine Anpassungsstö
rung mit Angst und depressiver Reaktion wurde im Gutachten zusätzlich und als Verdachtsdiagnose aufgrund der anamnestischen Angaben aufgeführt.
Aus
schlaggebend
für das Vorliegen einer Invalidität ist sodann nicht die gestellte Diagnose, sondern die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall (vorstehend E. 1.6).
Das Bundesgericht entschied mit BGE 143 V 418, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (vgl. vorste
hend
E. 1.6
), so auch vorliegend. Es ist deshalb nachfolgend aus rechtlicher Sicht zu beurteilen, ob aufgrund der Angststörung und depressive Störung gemischt,
dem Verdacht auf eine anamnestische Anpassungsstörung mit Angst und depres
siver Reaktion gemischt, der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung mit abnormem Krankheitsverhalten, der somatoformen autonomen Funktionsstö
rung, der akzentuierten Persönlichkeit mit
dependenten
und sensitiv-paranoi
schen Zügen und der
Benzodiazepinabhängigkeit
eine Arbeitsunfähigkeit ausge
wiesen ist.
5
.3
Zum Komplex Gesundheitsschädigung ist in Bezug auf den Indikator Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde festzuhalten, dass beim Beschwerdeführer diverse Einschränkungen bestehen, die im Rahmen der psychiatrischen Begut
achtung durch Dr.
H.___
eruiert worden sind.
So leidet der Beschwerdeführer an
Bauch-, Rücken- und Kopfschmerzen sowie an
Schmerzen
an Armen, Beinen, Gelenken und im Brustbereich. Der Beschwerdeführer leidet zudem an Ängsten
(vgl. Urk. 7/73 S. 5 Ziff. 3.1
, S. 21 Ziff.
4
.
3
).
In Bezug auf psychosoziale Faktoren ist festzuhalten, dass eine Reihe von erschwerenden
invaliditätsfremden Elemen
ten wie
schlechte Integration
und Akkulturation
, ungenügende Sprachkenntnisse
, ungünstige Mentalität mit passiver Heilserwartung und enormen Versorgungs
wünschen, Kompensation seines regressiven Verhaltens durch die Ehefrau in einer sogenannten «oralen Paarkollusion»,
zweifelhafte berufliche Qualifikation
,
schwache Arbeitssozialisierung
, bescheidene Intelligenz, fehlende Fortbildung und völlig fehlenden Bemühungen um die persönliche Fitness dazukommen. Der
psychiatrische Gutachter hielt fest, dass
diesbezüglich als Resultat davon eine deutlich ungenügende Kooperationsbereitschaft bestünde und der Eindruck ent
stehe, dass die invaliditätsfremden Eingliederungserschwernisse und das abnorme Krankheitsverhalten für das vollständige Versagen des Beschwerdeführers im Arbeitsbereich mindestens so determinierend seien wie die genuine Psychopatho
logie, die alles in allem keinen sehr hohen Schweregrad aufweise, was mit einem gewissen Mangel an Authentizität in seinem Beschwerdebild einhergehe (
Urk. 7/73
S. 42 f. Ziff. 7.4; vgl.
S. 39 Ziff. 6). Den Akten ist nicht zu entnehmen, dass das psychische Leiden des Beschwerdeführers vollständig in psychosozialen Umständen aufgeht, weshalb
von
ein
em
verselbständig
ten psychischen Leiden auszugehen ist
(vgl. vorstehend
E. 1.7
)
, wovon auch die RAD-Ärztin Dr.
J.___
ausging (vgl. vorstehend E. 4.15)
.
In Bezug auf den Indikator Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder
-resistenz ist festzuhalten, dass
sich
der
Gesundheitszustand des
Beschwerdefüh
rer
s
trotz der
seit Februar 2018
erfolgten
psychotherapeutischen
Behandlung
,
fünf stationären Aufenthalten zwischen
Januar
2018 und Juli 2019, einer teilsta
tionären Behandlung zwischen August und November 2020 sowie begleitender Psychopharmakotherapie nicht wesentlich gebessert hat. Auch der Versuch einer
EKT-Therapie
brachte keine merkliche Besserung
(Urk. 7/73
S. 13 f. Ziff. 3.2,
S. 40 f. Ziff.
7.1-7.2
;
vorstehend E.
4.1-4.10, E. 4
.14).
In Bezug auf die Komorbidität ist festzuhalten, dass sich neben der Angststörung und depressive
r
Störung gemischt, dem Verdacht auf eine anamnestische Anpas
sungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt, der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung mit abnormem Krankheitsverhalten, der somato
formen autonomen Funktionsstörung, der akzentuierten Persönlichkeit mit
dependenten
und sensitiv-paranoischen Zügen und der
Benzodiazepinabhängig
keit
keine weiteren komorbiden Störungen finden
(vgl. Urk. 7/73 S. 33 Ziff. 6).
Zum Komplex Persönlichkeit ist festzuhalten, dass
zwar keine
Persönlichkeitsstö
rung
vorliegt
(
Urk. 7/73 S. 40 Ziff. 7.1)
,
die Grundpersönlichkeit des Beschwer
deführers jedoch eine massive A
uffälligkeit
zeigt
, namentlich seine hochgradige Abhängigkeit von Bezugspersonen und sein hochgradiges Misstrauen mit der Tendenz zur paranoiden Umweltprojektion in krisenhaften Phasen,
weshalb
eine akzentuierte Persönlichkeit vorliegt (S. 34 Ziff. 6).
Zum Komplex sozialer Kontext ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer zusammen mit seiner Ehefrau und den gemeinsamen drei Kindern zusammen
wohnt, mit welchen er ein gutes Verhältnis hat.
Der Beschwerdeführer
geht kei
nen grossen Aktivitäten nach, hat jedoch einen regelmässigen Tagesablauf. Er steht gewöhnlich um 9:00 Uhr auf, bleibt noch etwas liegen und erledigt seine Morgentoilette. Hierbei ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer
vom 21. August bis zum 27. November 2020 jeweils regelmässig am Vormittag in der Tagesklinik der
A.___
behandelt wurde. Um 12:00 wird dann
das von der Ehefrau vorbereitete Essen eingenommen. An
den Küchenarbeiten beteiligt sich der Beschwerdeführer
manchmal auch. Am Nachmittag hat er keine feste Verpflich
tungen. Um 19:00 wird gemeinsam gegessen, wobei wiederum die Ehefrau für die Zubereitung verantwortlich ist. Nach Einnahme der Schlaftabletten geht der Beschwerdeführer zw
ischen 21:00 und 23:00 zu Bett (Urk. 7/73 S. 12 f. Ziff. 3.2; Urk. 7/91 S. 2 Mitte). Somit verfügt der Beschwerdeführer über
wenige
persönli
che Ressourcen.
Zu prüfen ist weiter die Konsistenz. Hinsichtlich des Gesichtspunkts der gleich
mässigen Einschränkungen des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen ist festzuhalten, dass
d
er Beschwerdeführer zuletzt bis im Okto
ber 2017 als Mitarbeiter Montage tätig
war
, seither hat er nicht mehr gearbeitet
(vgl. Urk. 7/17/1-6 S. 1; Urk. 7/73 S. 40 Ziff. 7.1)
. Einzig anlässlich der stationä
ren psychiatrischen Untersuchung fand ein Arbeitsversuch statt, der jedoch die starke Selbstlimitierungstendenz des Beschwerdeführers gezeigt hat (vorstehend
E.
4
.13). Daneben zeigt der Beschwerdeführer einige wenige Aktivitäten im Tagesablauf.
Die Beeinträchtigungen wirken sich soweit ersichtlich
zwar
in allen Lebensbereichen aus.
Nach Angaben der Ehefrau gegenüber Prof.
G.___
sei der Beschwerdeführer wie ein Kind von ihr abhängig (vgl. Urk. 7/52 S. 18).
Inkonsis
tenzen ergeben sich jedoch aus den Beobachtungen anlässlich der stationären Begutachtung; insbesondere zeige er trotz angeblich hohem Leidensdruck wenig oder keine Motivation für Therapien und die geklagten Symptome und Einbussen würden durch die Untersuchungsbefunde nur teilweise plausibilisiert. Nicht plau
sibel seien auch die überaus schwachen Leistungen
in Tests und im Arbeitsver
such, die durch die objektiven Funktionsausfälle nicht erklärt werden könnten (vgl. vorstehend E. 4.13). Prof.
G.___
wies darauf hin, dass es bei allen in Frage kommenden Krankheitsbildern völlig ungewöhnlich sei, dass eine Kommunika
tion auch in der Muttersprache nur derart bruchstückhaft möglich sei. Zudem sei erheblich auffällig, dass eine nur vier Tage vorher durchgeführte neuropsycholo
gische Untersuchung differenzierte Ergebnisse hervorgebracht habe; eine derart rasche Befundänderung sei bei den in Frage kommenden Erkrankungen ebenfalls ungewöhnlich (Urk. 7/52 S. 16).
Hinsichtlich des Gesichtspunkts des behandlungs- und eingliederungsanamnes
tisch ausgewiesenen Leidensdrucks ist schliesslich festzuhalten,
dass der Beschwerdeführer regelmässig psychotherapeutisch behandelt wird und bereits fünf stationäre Behandlungen
sowie eine teilstationäre Behandlung
stattgefunden haben
(Urk. 7/73 S. 13 f. Ziff. 3.2, S. 40 f. Ziff. 7.1-7.2; vorstehend E.
4.1-4.10, E. 4
.14)
,
anlässlich derer er aber trotz angeblich hohem Leidensdruck wenig Motivation
bei der Mitwirkung
zeigte (Urk. 7/16/10-11; vorstehend E. 4.5, E. 4.8
, E. 4.10 und E. 4.12)
. Auch nimmt er offenbar
nicht alle verordnete
n
Psychophar
maka korrekt ein, wurde doch anlässlich der psychiatrischen Begutachtung ein zu tiefer und zu hoher Medikamentenspiegel
festgestellt
(vgl. Urk. 7/73 S. 24 Ziff. 4.3).
Dennoch ist
insgesamt
von einem
doch
erheblichen
Leidensdruck des Beschwerdeführers auszugehen.
5
.4
Zusammenfassend führt die Prüfung der einzelnen Indikatoren zum Schluss, dass
das
psychiatrische Gutachten von Dr.
H.___
, wonach die diagnostizierten
psy
chischen Leiden eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Monteur von
65-7
5 % und in einer angepassten Tätigkeit von 40-50 % bewirken, im Ergebnis schlüssig und nachvollziehbar ist
, weshalb darauf abgestellt werden kann
. Es steht somit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass der
Beschwerdeführer
seit Ende 2017
seine angestammte Tätigkeit als Monteur zu 25-35 % und eine optimal angepasste Tätigkeit zu 50-60 % ausüben kann.
5
.5
Der Beschwerdeführer machte geltend, das psychiatrische Gutachten sei nicht verwertbar.
So bestünden gestützt auf die medizinischen Akten erhebliche Zwei
fel an der durch den psychiatrischen Gutachter gestellten Diagnose einer Angst- und depressiven Störung gemischt und am Fehlen der bis anhin als gesichert geltenden Diagnose einer schweren depressiven Störung (vorstehend E. 2.2
; Urk. 1 S. 9 ff.
Rz
. 20 ff.
).
Wie bereits erwähnt legte d
er psychiatrische Gutachter Dr.
H.___
in seinem Gutachten in nachvollziehbarer Weise dar, weshalb entge
gen der Ansicht der
behandelnden Ärzte beim Beschwerdeführer
keine
schwere depressive Episode
,
sondern
eine Angststörung und depressive Störung gemischt bei akzentuiert
er Grundpersönlichkeit vorliegt (vorstehend E.
5
.2). Au
ch
ist
noch
mals
darauf hinzuweisen, dass für die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades die anhand der Standardindikatoren nachgewiesenen funktio
nellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grundlage massgebend sind und nicht allein die Diagnose (
vgl.
vorstehend E. 1.5
-1.6
). Der diesbezügliche Einwand des Beschwerdeführers erweist sich
nach dem Gesagten
als unbegründet.
5.6
Zudem machte der
Beschwerdeführer
geltend, das durch den psychiatrischen Gut
achter umschriebene Arbeitsprofil erfülle nur eine geschützte Werkstätte bezie
hungsweise ein geschützter Arbeitsplatz
,
und e
s sei auch theoretisch nicht mög
lich, eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt zu bezeichnen, die diesen Anforderun
gen gerecht werde, weshalb die Restarbeitsfähigkeit nicht verwertbar sei
(Urk. 1 S. 14 ff. Ziff.
B.II.d
; vgl. Urk. 10 S. 4 f.
Rz
. 56 ff.).
Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung
zumutbarerweise
erzielbare Ein
kommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln (Art. 16 ATSG; BGE 138 V 457 E. 3.1 mit Hinweis). Dabei ist nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten auszugehen. Es können nur Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind. An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten sind jedoch
rechtsprechungsgemäss keine übermässigen Anforderungen
zu stellen (Urteil des Bundesge
richts 9C_910/2011 vom 30. März
2012 E. 3.1 mit Hinweis; vgl. BGE 138 V 457 E. 3.1). Der ausgeglichene Arbeits
markt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeits
angebote, bei denen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können. Von einer Arbeitsgelegenheit kann nicht mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nur noch in so einge
schränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines
durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entspre
chenden Stelle daher von vornherein als
ausgeschlossen erscheint (vgl.
statt vieler: Urteile des Bundesge
richts 8C_434/2017 vom 3. Januar 2018 E. 7.2.1 und 9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E. 2.2.1, je mit weiteren Hinweisen).
Der psychiatrische Gutachter Dr.
H.___
legte dar, dass es sich bei einer optimal angepassten Tätigkeit angesichts der Menschenscheu und kommunikativen Unfähigkeit des Beschwerdeführers um einen Einzelarbeitsplatz handeln müsste, wobei er von einem zugewandten Vorgesetzten individuell betreut und vor allen Dingen mit sanftem Druck motiviert werden müsste. Angesichts seiner «Schmerz
persönlichkeit» dürfte eine körperliche Tätigkeit nicht mit allzu grosser Kraftent
faltung verbunden sein, wobei die feinmotorische Koordination eher wenig Ein
schränkungen zeige. Die Arbeitsatmosphäre müsste reizarm sein, das heisst ruhig und nicht grell ausgeleuchtet, wobei extreme Temperaturen und Staubbelastun
gen etc. vermieden werden sollten. Ausserdem müsste die Umgebung tolerant gegenüber zeitweiligen expressiven Beschwerdeäusserungen sein
(vorstehend E. 4.13). Das umschriebene Profil ist nicht so eng gefasst, dass davon auszugehen wäre, dass es auf dem massgebenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht existie
ren würde, weshalb
vorliegend
- der Beschwerdegegnerin folgend (vgl. Urk. 6 S. 2
Rz
4) - keine Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit vorliegt. Der diesbezügli
che Einwand des Beschwerdeführers erweist sich deshalb ebenfalls als unbe
gründet.
5.7
Schliesslich
brachte
der Beschwerdeführer
vor,
falls auf das Gutachten von Dr.
H.___
abgestellt werde, sei
von einer Arbeitsfähigkeit von 38 % in ange
passter Tätigkeit auszugehen
(vorstehend E. 2.2
; vgl. Urk. 1 S. 16 ff.
Rz
41 ff.; Urk. 10 S. 2 f.
Rz
51 ff.
).
Der psychiatrische Gutachter Dr.
H.___
legte in seinem Gut
achten
auf entsprechende Frage
ausdrücklich
dar, dass in einer angepassten Tätigkeit insgesamt eine Arbeitsfähigkeit von zirka 50-60 % zumutbar
erscheine, wobei von einem horizontalen Verlauf auszugehen sei (vorstehend E. 4.13). Die Angaben des psychiatrischen Gutachters sind klar, weshalb darauf abgestellt wer
den kann.
Lediglich für eine Anfangsphase erwähnte er ein zumutbares Pensum von mindestens 4 Stunden pro Tag und eine gewisse Leistungseinschränkung aufgrund der
Dekonditionierung
(Urk. 7/73 S. 45 Ziff. 8), wobei es darauf hinzu
weisen gilt, dass
Dekonditionierung
rechtsprechungsgemäss kein in der Invali
denversicherung
versichertes Risiko darstellt (Urteil des Bundesgerichts 9C_755/2020 vom 8. März 2021 E. 5.1 mit Hinweisen).
Der diesbezügliche Ein
wand des Beschwerdeführers erweist sich deshalb ebenfalls als unbegründet.
5.8
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist bei ärztlicher Angabe einer Spannbreite auf den Mittelwert abzustellen (vgl. Urteile des Bundesgerichts
9C_782/2019 vom 15. April 2020 E. 2.2 und 9C_280/2010 vom 12. April 2011 E. 4.2).
Der medizinische Sachverhalt ist nach dem Gesagten in psychiatrischer Hinsicht als dahingehend erstellt zu erachten, dass dem Beschwerdeführer
seit Ende 2017
seine angesta
mmte Tätigkeit als Monteur zu
30
% und eine optimal angepasste Tätigkeit zu 5
5
% zumutbar ist.
6.
6.1
Zu prüfen bleibt
, wie sich das Leistungsvermögen des Beschwerdeführers in wirt
schaftlicher Hinsicht auswirkt.
6.2
Der hypothetische Rentenbeginn beginnt zu jenem Zeitpunkt, in welchem der Beschwerdeführer während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch
schnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen war und anschliessend min
destens im Umfang von 40 % invalid ist (Art. 28 Abs. 1 IVG; vgl. vorstehend
E.
1.3
). Der Beschwerdeführer wurde ab Okto
ber 2017 krankgeschrieben (vgl.
Urk. 7/17/1-6 S. 1 Ziff. 2.2; E. 4.1), weshalb die einjährige Wartefrist im Oktober 2017 zu laufen begann.
Da ein Rentenanspruch gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruches – mithin der Anmeldung bei der Beschwerdegegnerin am 7. März 2018 (Urk. 7/3) – eintritt (vgl. vorstehend E. 1.
4
), ist der frühestmögliche Rentenbeginn grundsätzlich im September 2018. Die einjährige Wartefrist endete jedoch erst Ende September 2018, weshalb der frühestmögliche Rentenbeginn somit im Oktober 2018 ist.
6.3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 145 V 141 E. 5.2.1, 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
Ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das
Valideneinkommen
auf Grundlage der vom
Bundesamt
für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE)
berechnet werden, wobei die für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berücksichtigen sind (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenver
sicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
55 f. zu Art. 28a). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwen
den (BGE 143 V 295 E. 4.1.3).
6.4
Bezog eine versicherte Person aus invaliditätsfremden Gründen (z.B. geringe Schulbildung, fehlende berufliche Ausbildung, mangelnde Deutschkenntnisse, beschränkte Anstellungsmöglichkeiten wegen
Saisonnierstatus
) ein deutlich unterdurchschnittliches Einkommen, ist diesem Umstand bei der Invaliditätsbe
messung nach Art. 16 ATSG Rechnung zu tragen, sofern keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie sich aus freien Stücken mit einem bescheideneren Ein
kommensniveau begnügen wollte. Nur dadurch ist der Grundsatz gewahrt, dass die auf invaliditätsfremde Gesichtspunkte zurückzuführenden Lohneinbussen entweder überhaupt nicht oder aber bei beiden Vergleichseinkommen gleichmäs
sig zu berücksichtigen sind (BGE 141 V 1 E. 5.4). Diese Parallelisierung der Ein
kommen kann praxisgemäss entweder auf Seiten des
Valideneinkommens
durch eine entsprechende Heraufsetzung des effektiv erzielten Einkommens oder aber auf Seiten des Invalideneinkommens durch eine entsprechende Herabsetzung des statistischen Wertes erfolgen (BGE 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1). Eine Parallelisierung ist indessen nur vorzunehmen, wenn die Differenz zum massge
benden Durchschnitt deutlich ist. Deutlich unterdurchschnittlich im Sinne von
BGE 134 V 322
E. 4 ist der tatsächlich erzielte
Verdienst, wenn er mindestens 5
% vom branchenüblichen LSE-Tabellenlohn
abweicht (vgl. BGE 135 V 297 E.
6.1.2).
Die Parallelisierung der Einkommen trägt somit dem Umstand Rechnung, dass die versicherte Person
als Invalide
realistischerweise nicht den Tabellenlohn erzielen kann, weshalb ein entsprechend tieferes
Invalideneinkommen
anzuneh
men ist. Kann tatsächlich oder
zumutbarerweise
ein durchschnittliches Invaliden
einkommen erzielt werden, dann besteht kein Grund, ein aus wirtschaftlichen Gründen unterdurchschnittliches
Valideneinkommen
auf ein durchschnittliches hochzurechnen. Denn mit einer solchen Vorgehensweise würden in gesetzwidri
ger Weise Einkommenseinbussen berücksichtigt, die nicht gesundheitlich bedingt sind. Entsprechend der gesetzlichen Regelung ist somit das (zumutbare) Invali
deneinkommen nicht demjenigen Einkommen gegenüberzustellen, das ohne Gesundheitsbeeinträchtigung bei vollständiger Ausschöpfung des wirtschaftli
chen Potenzials
zumutbarerweise
hätte erzielt werden können, sondern demjeni
gen, das konkret erzielt worden wäre (BGE 135 V 58 E. 3.4.3).
Sind die Voraussetzungen der
Einkommensparallelisierung
erfüllt, weil die versi
cherte Person aus invaliditätsfremden Gründen infolge fehlender Berufsaus
bild
ung und mangelhafter Sprachkenntnisse ein unterdurchschnittliches
Validen
ein
kommen
erzielt hatte, welches um mindestens 5 % unter dem branchen
üblichen LSE-Tabellenlohn liegt, so vermögen dieselben Faktoren praxisgemäss nicht zu
sätzlich auch noch einen Leidensabzug zu begründen (vgl. BGE 135 V 297 E. 6.2).
Bei der Durchführung der Parallelisierung ist mit Blick auf eine dem Grundsatz der Rechtsgleichheit genügende Invaliditätsgradermittlung zu vermeiden, dass diese – bei einer kontinuierlich ansteigenden Differenz zwischen tatsächlich erzieltem Lohn und branchenüblichem Durchschnittseinkommen – ab Erreichen des
Erheblichkeitsgrenzwertes
von mindestens 5 % gegebenenfalls eine sprung
hafte Erhöhung des Invaliditätsgrades zur Folge hat. Es ist daher nur in dem Umfang zu parallelisieren, in welchem die prozentuale Abweichung den
Erheb
lichkeitsgrenzwert
von 5 % übersteigt, bezweckt doch die Parallelisierung praxis
gemäss nur die Ausgleichung einer deutlichen – also nicht jeder kleinsten – Ab
weichung des tatsächlich erzielten Verdienstes vom tabellarisch bestimmten branchenüblichen Referenzeinkommen (vgl. BGE 135 V 297 E. 6.1.3).
6.5
Der Beschwerdeführer
war zuletzt seit Juni 2016 bei
Z.___
AG als Mitarbeiter Montage angestellt. Ab dem 6. Oktober 2017
wurde er krankgeschrie
ben und hat seither – mit Ausnahme des Arbeitsversuchs während der stationären Untersuchung vom 21. bis 23. Oktober 2020 (vgl. Urk. 7/73 S. 27 ff.) - nicht mehr gearbeitet (Urk. 7/17/1-6 S. 1 Ziff. 2.2). Die Beschwerdegegnerin zog für die Bemessung des
Valideneinkommens
für das Jahr 2018
die Angaben im Arbeitge
berfragebogen vom 25. J
uli 2018 heran
, wonach der Beschwerdeführer im Jahr 2017 ohne Gesundheitsschaden Fr. 59'800.
--
erzielt hätte (vgl. Urk. 7/17/1-6 S. 4 Ziff. 5.2)
, und berechnete unter Berücksichtigung der branchen- und geschlechts
spezifischen Teuerung
im Wirtschaftszweig 41-43 (Baugewerbe)
von 0.5 %
im Jahr 2018
ein
Valideneinkommen
von Fr. 60'099.
--
(Urk. 6 S. 2 f.
Rz
6).
Dies ist nicht zu beanstanden.
Die Beschwerdegegnerin hielt sodann fest, dass
aus dem
Vergleich mit dem stan
dardisierten Durchschnittslohn für einfache Tätigkeiten körperlicher oder hand
werklicher Art im Wirtschaftszweig 41-43 (Baugewerbe) ein unterdurch
schnittli
ches Einkommen resultiere. S
o würden im Kompetenzniveau 1
Männer im Wirtschaftszweig 41-43 Fr. 5'622
.--
pro Monat, mithin Fr. 67'464.-- pro Jahr, beziehungsweise unter Berücksichtigung der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit im Jahr 2018 von 41.3 Stunden im Wirtschaftszweig 41-43 ein Ein
kommen von Fr. 69'657.
--
erzielen.
Die Lohndifferenz von
Fr. 8'957.60 (richtig:
Fr. 9'558.--
;
Fr. 69'657.-- - Fr. 60'099.--) entspr
e
ch
e
einem unterdurch
schnittli
chen Verdienst von 1
3
%
(richtig: 14 %)
, welcher im Umfang von
8
%
(richtig: 9
%)
zu parallelisieren
sei
(Urk. 6 S. 3
Rz
7). Zu Gunsten des aus Maze
donien stam
menden Beschwerdeführers, der seit seiner Einreise in die Schweiz als Hilfsarbei
ter gearbeitet hatte und
lediglich einigermassen D
eutsch versteht und spricht
(vgl. Urk. 7/
10,
Urk. 7/73
S. 8 f. Ziff. 3.2 und
S. 16 Ziff. 4.2), ist vorliegend eine Parallelisierung im Umfang von 9 % vorzunehmen
(vgl.
vorste
hend E. 6.4
).
6.6
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss LSE
herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeit
punkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevi
sionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne ist subsidiär, das heisst deren Beizug erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
6.7
Dem Beschwerdeführer ist seit Ende 2017 eine angepasste Tätigkeit
in einem Pen
sum von 55 %
zumutbar
(vorstehend E. 5.8).
Zur Ermittlung des Invalideneinkommens rechtfertigt es sich deshalb, den stan
dardisierten Durchschnittslohn für einfache Tätigkeiten körperlicher oder hand
werklicher Art in sämtlichen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors gemäss LSE heranzuziehen. Das im Jahr 2018 von Männern im Durchschnitt aller einfachen Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art in sämtlichen Wirtschaftszwei
gen des privaten Sektors erzielte Einkommen betrug pro Monat Fr. 5'417.-- (LSE 2018, Tabellengruppe TA1, Total Männer, Kompetenzniveau 1, www.bfs.admin.ch, Arbeit und Erwerb, Löhne/Erwerbseinkommen/Arbeitskosten, Lohnniveau - Schweiz), mithin Fr. 65’004.-- pro Jahr. Unter Berücksichtigung der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit im Jahr 2018 von 41.7 Stunden (Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Total, www.bfs.admin.ch, Arbeit und Erwerb, Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit, Arbeits
zeit/Absenzen/Ferien) ergibt dies ein Invalideneinkommen von rund Fr.
67
’767.
(Fr. 65’004.--
: 40 x 41.7) für das Jahr 2018 bei ein
em
Pensum von
100
%, mithin rund Fr. 37’272.-- bei einem 55
%-Pensum.
Unter Berücksich
tigung der erforderlichen Parallelisierung von 9 % (
vgl.
vorstehend E. 6.5) reduziert sich das Invalideneinkommen auf
Fr. 33'918.-- (Fr. 37'272.-- x 0.91).
6.8
Zu prüfen bleibt, inwieweit vom Invalideneinkommen ein leidensbedingter Abzug vorzunehmen ist.
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Ein
zelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen kör
perlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Ein
schränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts füh
ren dürfen (BGE 146 V 16 E. 4.1 mit Hinweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Ver
waltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwer
deinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.3 und
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2
).
6.9
Der Beschwerdeführer erachtete einen leidensbedingten Abzug von 10-15 %
als angemessen, da er nur noch ein Teilzeitpensum ausüben könne (vorstehend E. 2.2).
Die Beschwerdegegnerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, dass sich keine weitere Reduktion des Invalideneinkommens rechtfertige, da die gesundheitlichen Einschränkungen bei der Arbeitsfähigkeit und die persönlichen Merkmale
mittels Parallelisierung bereits berücksichtigt worden seien (Urk. 6 S. 3
Rz
8).
Dazu ist festzuhalten, dass
rechtsprechungsgemäss diejenigen Faktoren
, die zu einer
Einkommensparallelisierung
geführt haben, nicht zusätzlich einen Lei
densabzug begründen dürfen (vgl. vorstehend E. 6.4). Dementsprechend ist ein leidensbedingter Abzug vom Tabellenlohn auch bei Parallelisierung nicht ausge
schlossen
, soweit es sich nicht um die gleichen Faktoren handelt
.
Mit Bezug auf den behinderungs- beziehungsweise leidensbedingten Abzug ist zu beachten, dass das medizinische Anforderungs- und Belastungsprofil eine zum zeitlich zumutbaren Arbeitspensum tretende qualitative oder quantitative Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit darstellt, wodurch in erster Linie das Spektrum der erwerblichen Tätigkeiten (weiter) eingegrenzt wird, welche unter Berücksich
tigung der Fähigkeiten, Ausbildung und Berufserfahrung der versicherten Person realistischerweise noch in Frage kommen. Davon zu unterscheiden ist die Gegen
stand des Abzugs vom Tabellenlohn bildende Frage, ob mit Bezug auf eine kon
kret in Betracht fallende Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage verglichen mit einem gesunden Mitbewerber nur bei Inkaufnahme einer Lohneinbusse reale Chancen für eine Anstellung bestehen (Urteil des Bundesgerichts
8C_297/2018 vom 6. Juli 2018 E. 3.5).
Ist von einem genügend breiten Spektrum an zumutba
ren Verweisungstätigkeiten auszugehen, können unter dem Titel leidensbedingter Abzug grundsätzlich nur Umstände berücksichtigt werden, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) als ausserordentlich zu bezeichnen sind (
Urteil des Bundesgerichts 8C_725/2020 vom 22. Dezember 2020 E. 4.4.1 mit Hinweis).
Bei Versicherten, die aus gesundheitlichen Gründen nur noch teilzeitlich erwerbs
tätig sein können, ist unter dem Titel «Beschäftigungsgrad» ein Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen, wenn Teilzeitarbeit nach der im konkreten Fall anwendbaren Tabelle vergleichsweise weniger gut entlöhnt wird als eine Voll
zeittätigkeit
(Urteil des Bundesgericht
s 9C_421/2017 vom 19. September
2017 E. 2.1.1 mit Hinweisen).
Nach der neueren Praxis des Bundesgerichts ist ein Abzug bei Männern wegen Teilzeitbeschäftigung nicht mehr automatisch vorzu
nehmen. Ob sich eine entsprechende Reduktion rechtfertigt, ist stets mit Blick auf den konkreten Beschäftigungsgrad und die jeweils aktuellen Werte zu beurteilen (Urteil des Bundesgerichts 8C_561
/2018 vom 4. März 2019 E. 4.3.1
).
Rechtsprechungsgemäss ist zur Beantwortung der Frage, ob ein Abzug infolge Teilzeitarbeit zu gewähren ist, die LSE-Tabelle T18 heranzuziehen (vgl. statt vie
ler: Urteil 8C_712/2019 vom 12. Februar 2020 E. 5.2.2 mit Hinweisen). Gemäss der LSE-Tabelle T18 für das Jahr 2018 verdienten zwar statistisch Männer ohne Kaderfunktion mit einem Beschäftigungsgrad von 50-74
% gut 4 % weniger als solche mit einem Beschäftigungsgrad von 90 % und mehr. Dies stellt aber recht
sprechungsgemäss keine überproportionale Lohneinbusse dar (Urteil des Bundes
gerichts 9C_223/2020 vom 25. Mai 2020 E. 4.3.2).
Demzufolge erweist sich vor
liegend ein leidesbedin
gter
Abzug
einzig aufgrund der Teilzeitarbeit
als nicht angebracht.
Hingegen ist angesichts
des doch sehr e
ingeschränkten
Arbeitsplatz
profils
(Einzelarbeitsplatz, zugewandter Vorgesetzter, der den Beschwerdeführer individuell betreuen und mit sanftem Druck motivieren sollte, reizarme, ruhige und nicht grell ausgeleuchtete Arbeitsplatzatmosphäre; vgl. vorstehend E. 4.13) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerde
führer seine
verbleibende Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann. Es rechtfertigt sich deshalb, in das Ermessen der Beschwerdegegnerin ein
zugreifen und den genannten Umständen mit einem Abzug von 15 % Rechnung zu tragen.
Dementsprechend beträgt das hypothetische Invalideneinkommen Fr. 28'830.30 (Fr. 33'918.-- x 0.85).
6.
10
Der Vergleich des
Valideneinkommens
von Fr. 60'099.-- mit dem Invalidenein
kommen von Fr.
28’830
.-- ergibt eine Einkommenseinbusse von Fr.
31’269
.-- und damit einen eine
halbe R
ente begründenden Invaliditätsgrad von
52
%.
Nach Gesagtem hat der Beschwerdeführer ab 1. Oktober 2018 Anspruch auf eine
halbe R
ente. Dies führt z
ur
teilweise
n
Gutheissung der Beschwerde
.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
-
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
) und ermessensweise auf Fr. 9
00.-- anzusetzen. Da
der Beschwer
deführer
bezüglich des Rentenanspruchs als solche
m obsiegt (vgl. nachstehend E.
7
.2), sind die Kosten vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt und
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Als weitere Bemessungskriterien nen
nen die kantonalen Vorschriften das Mass des Obsiegens, den Zeitaufwand und die Barauslagen (§ 34
des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht
,
GSVGer,
sowie § 7
der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht,
GebV
SVGer).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts rechtfertigt der Umstand allein, dass einer Beschwerde führenden Person in einem Beschwerdeverfahren eine geringere (Teil-)Rente als beantragt zugesprochen wird, noch keine Reduktion der Parteientschädigung, jedenfalls soweit der Aufwand nicht vom beantragten Umfang der Rente beeinflusst wird (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_288/2015 vom 7. Januar 2016 E. 4.2 und 9C_466/2007 vom 25. Januar 2008 E. 5). Entsprechend ist die Beschwe
rdegegne
rin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer
eine volle Prozessentschädigung zu bezahlen.
7.3
Da die
Rechtsvertreter
in
des Beschwerdeführers
,
e
idgenössisch
diplomierte Sozi
alversicherungsexpertin
Y.___
, vor Fällung des Endentscheids keine Kos
tennote eingereicht ha
t
, ist die Entschädigung nach § 7 Abs. 2 der
GebV
SVGer
nach Ermessen festzusetzen. Vorliegend erscheint beim praxi
sgemässen Stunden
ansatz von Fr. 145
.-- eine Prozessentschädigung
in der Höhe von Fr.
2‘000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Das Gericht erkennt:
1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der Sozialversicherungs
anstalt der Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 23. August 2021 aufgehoben
,
und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer
ab 1. Oktober 2018 Anspruch
auf eine
halbe R
ente hat
.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
900
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Prozessentschä
digung von Fr.
2’000
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Y.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
Grieder-MartensPeter-Schwarzenberger