# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a2180a2a-c689-57b1-980e-c5bd3be81885
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-06-15
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Kantonsgericht Zivilkammern (inkl. Einzelrichter) 15.06.2016 BO.2015.15
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_KG_002_BO-2015-15_2016-06-15.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: BO.2015.15

Stelle: Kantonsgericht

Rubrik: Zivilkammern (inkl. Einzelrichter)

Publikationsdatum: 15.06.2016

Entscheiddatum: 15.06.2016

Entscheid Kantonsgericht, 15.06.2016
Art. 178 ZPO (SR 272): Die Beweislast für die Echtheit einer Urkunde trägt 
jene Partei, die sich auf das Dokument beruft. Indes ist die Echtheit nur zu 
beweisen, wenn sie von der anderen Partei ausreichend begründet 
bestritten wird. Die Bestreitung hat substantiiert zu erfolgen und beim 
Gericht ernsthafte Zweifel an der Authentizität des Dokumentes zu wecken. 
Der vom Gesetzgeber verfolgte Zweck von Art. 178 ZPO, nämlich rein 
vorsorgliche, pauschale oder gar schikanöse Echtheitsbestreitungen zu 
verhindern, spricht jedoch gegen allzu hohe Anforderungen an die 
Bestreitung.Art. 6, Art. 243 Abs. 1 und Art. 244 OR (SR 220): Der 
Schenkungsvertrag kommt nur und erst mit Annahme der 
Schenkungsofferte durch den Beschenkten zustande. Sind mit der 
Schenkung keine Auflagen oder Bedingungen verbunden, gilt sie in der 
Regel als angenommen, wenn sie nicht binnen angemessener Frist 
abgelehnt wird. Der Schenker kann die Zuwendung bis zum Eintreffen der 
Annahmeerklärung des Beschenkten bzw. bis zum Ablauf der 
angemessenen Frist jederzeit zurückziehen. Stirbt der Schenker vor Ablauf 
dieser Frist, kommt kein gültiger Schenkungsvertrag zustande 
(Kantonsgericht, III. Zivilkammer, 15. Juni 2016, BO.2015.15). 

Sachverhalt (Zusammenfassung):

V. verstarb am 13. Mai 20.. in G. Die Klägerin K. macht geltend, der Verstorbene habe 

ihr wenige Tage vor seinem Ableben, am 5. Mai 20.., eine Schenkung über 1 Mio. 

Franken versprochen und der Bank B. eine entsprechende Zahlungsanweisung 

gegeben. Mit Schreiben vom 17. und 26. Mai 20.. forderte K. die Bank B. auf, den 

Zahlungsauftrag auszuführen. Dem kam die Bank B. nicht nach und verlangte unter 

Berufung auf das Bankgeheimnis einen Totenschein und eine Erbenbescheinigung, 

bevor Auskunft über das Bestehen eines allfälligen Kundenverhältnisses zu V. bzw. 

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allfällig bei ihnen deponierte Vermögenswerte des Verstorbenen gegeben werden 

könne. Mit Eingabe vom 14. Juli 20.. meldete der damalige Rechtsvertreter von K. die 

Forderung bei der Gemeindekanzlei G. an, beantragte die Aufnahme ins 

Nachlassinventar und informierte den testamentarisch als Alleinerben eingesetzten 

Bruder des Verstorbenen, B., entsprechend. Dieser bestritt mit Schreiben vom 20. Juli 

20.. den geltend gemachten Anspruch und forderte die Rückzahlung von Fr. 10'000.00, 

welche K. vom Konto des Verstorbenen abgehoben habe.

Aus den Erwägungen:

III.

[…]

5.    Die Klägerin bringt ferner vor, die Vorinstanz habe verschiedentlich das Recht 

unrichtig angewendet sowie den Sachverhalt fehlerhaft festgestellt. So habe sie 

fälschlicherweise angenommen, der Beklagte habe seine Bestreitungen der Echtheit 

der eingereichten Dokumente ausreichend im Sinne von Art. 178 ZPO begründet, und 

ihr, der Klägerin, deshalb zu Unrecht den Regelbeweis für die Echtheit der 

massgeblichen Urkunden auferlegt. Vielmehr könne sie als Klägerin die Vermutung der 

Echtheit von Art. 178 ZPO in Anspruch nehmen, da anderes vom Beklagten nicht 

rechtsgenüglich glaubhaft gemacht worden sei, also nicht dargetan sei, dass die 

Echtheit der Dokumente weniger wahrscheinlich sei als deren Fälschung.

a)    Die Beweislast für die Echtheit einer Urkunde trägt nach allgemeiner Regel (Art. 8 

ZGB) jene Partei, die sich auf das Dokument beruft (Art. 178 ZPO). Indes ist die 

Echtheit nur zu beweisen, wenn sie von der anderen Partei ausreichend begründet 

bestritten wird. Die Bestreitung kann nicht bloss pauschal, sondern muss substantiiert 

erfolgen und beim Gericht ernsthafte Zweifel an der Authentizität des Dokumentes 

(Inhalt oder Unterschrift) wecken (Botschaft zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 

BBl 2006, 7322; BK-Rüetschi, N 2 f. zu Art. 178 ZPO; Staehelin/Staehelin/ Grolimund, 

Zivilprozessrecht, § 18 N 99; BSK ZPO-Dolge, Art. 178 N 2; Leuenberger/Uffer-Tobler, 

Schweizerisches Zivilprozessrecht, N 9.97; Gasser/ Rickli, ZPO Kurzkommentar, Art. 

178 N 2 f.; KUKO ZPO-Schmid, Art. 178 N 2). In der Lehre wird in diesem 

http://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19070042/index.html#a8
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Zusammenhang teilweise der Begriff "Glaubhaftmachung" genannt, wobei jeweils nicht 

die Unechtheit der Urkunden, sondern die Umstände oder Indizien, welche beim 

Gericht ernsthafte Zweifel an der Echtheit erwecken (Schönmann, OFK-ZPO, Art. 178 

N 1; KUKO ZPO-Schmid, Art. 178 N 2), oder die Zweifel selbst glaubhaft gemacht 

werden sollen (Weibel, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Komm., 

Art. 178 N 6). Einzig Rüetschi scheint für die "Bestreitung der Echtheit der Urkunde […] 

das Beweismass der Glaubhaftmachung als genügend" und möglicherweise auch 

erforderlich zu erachten (BK-Rüetschi, N 2 f. zu Art. 178 ZPO), wobei er sich auf die 

soeben erwähnten Stellen bei Weibel und Schmid bezieht, welche diese Aussage 

gerade nicht enthalten, und ausserdem die Festlegung eines Beweismasses für die 

Bestreitung unüblich ist. Indessen verweisen alle drei Autoren auf BGE 132 III 140, 

wonach der Richter gestützt auf die vom Gläubiger vorgelegten Urkunden die 

provisorische Rechtsöffnung ausspricht, wenn die Fälschung nicht sofort glaubhaft 

gemacht wird (E. 4.1.2). Allerdings ergibt sich beim Rechtsöffnungsverfahren die 

Erforderlichkeit des Glaubhaftmachens nicht aus Art. 178 ZPO, sondern ist in Art. 82 

Abs. 2 SchKG festgeschrieben. Ein strengerer Massstab scheint hier durchaus 

angebracht, steht es dem Betriebenen doch weiterhin offen, in einem ordentlichen 

Prozess auf Aberkennung der Forderung zu klagen (Art. 83 Abs. 2 SchKG). Dagegen 

spricht der vom Gesetzgeber verfolgte Zweck von Art. 178 ZPO, nämlich rein 

vorsorgliche, pauschale oder gar schikanöse Echtheitsbestreitungen zu verhindern 

(Schönmann, OFK-ZPO, Art. 179 N 1; Müller, DIKE-Komm-ZPO, Art. 178 N 5; Weibel, 

a.a.O., Art. 178 N 6), gegen allzu hohe Anforderungen an die Bestreitung (so auch 

Müller, mit dem Hinweis auf die nach wie vor massgebliche Grundregel von Art. 8 ZGB 

[a.a.O., Art. 178 N 5] sowie Schweizer, welcher von einem variablen Beweismass der 

Glaubhaftmachung in Abhängigkeit der relativen Kosten einer fehlerhaften Gewährung 

oder Verweigerung des Antrags ausgeht [Das Beweismass der Glaubhaftmachung, in: 

ZZZ, 2014/2015, S. 3 ff.] und Leuenberger, für den sich bei der Glaubhaftmachung der 

Grad des Beweismasses aufgrund des gesetzgeberischen Zwecks der betreffenden 

Norm ergebe [Glaubhaftmachen, in: Leuenberger {Hrsg.}, Der Beweis im Zivilprozess, 

La preuve dans le procès civil, S. 118 ff.]). In BGer 5A_586/2011 hat das Bundesgericht 

jedenfalls offen gelassen, ob und in welchem Umfang die Glaubhaftmachung ein 

strengerer Massstab ist als die "ausreichend begründete Bestreitung" im Sinne von Art. 

178 ZPO (E. 2.4.2). Letztlich kann diese Frage – wie die folgenden Erwägungen zeigen 

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– auch hier offen bleiben; denn glaubhaft gemacht ist eine Tatsache schon dann, wenn 

für deren Vorhandensein gewisse Elemente sprechen, selbst wenn das Gericht mit der 

Möglichkeit rechnet, dass sie sich nicht verwirklicht haben könnte (BGE 138 III 232 E. 

4.1.1; BGE 130 III 321 E. 3.3).

b)    Um die eingeklagte Forderung zu beweisen, legt die Klägerin unter anderem die 

Kopie eines Zahlungsauftrags von V. an die Bank B. mit teilweise abgedecktem 

Begleitschreiben, das Doppel des Begleitschreibens sowie ein Schreiben von V. an sie, 

die Klägerin, ins Recht. Sie habe diese Dokumente am 5. Mai 20.. gemäss den 

Instruktionen von V. abgefasst und dieser habe sie dann eigenhändig unterzeichnet. 

Der Beklagte bestreitet die Echtheit der Unterschriften auf diesen Dokumenten sowie 

dass der Inhalt dieser Dokumente, also im Wesentlichen die Überweisung von 1 Mio. 

Franken als Schenkung an die Klägerin, dem Willen von V. entspreche. Dabei verweist 

er auf verschiedene Umstände und Indizien, welche gegen die behauptete Schenkung 

sprechen würden. Im Folgenden ist im Einzelnen zu prüfen, ob diese Vorbringen 

ausreichen, um ernsthafte Zweifel an der Authentizität der Dokumente zu wecken.

c)    Indizien, die gegen die Echtheit der fraglichen Urkunden sprechen, ergeben sich 

bereits aus diesen selbst. So unterscheiden sich die angeblich von V. stammenden 

Unterschriften auf den verschiedenen Dokumenten (Zahlungsauftrag, Begleitschreiben, 

Schreiben an die Klägerin), welche alle am gleichen Abend entstanden sein sollen, 

erheblich. Weiter hat O. auf den Begleitschreiben die "handschriftliche Ausführung 

dieser Verfügung durch Herrn V." bestätigt, obwohl dies unbestrittenermassen nicht 

zutrifft. Hinzu kommt, dass die Unterschrift des Verstorbenen völlig ohne jeglichen 

Zusammenhang zum Text oder zur Grussformel an den unteren Rand des Blattes 

gesetzt wirkt. Unerklärlich ist zudem, weshalb die Klägerin diese Schreiben zweimal in 

identischer Form handschriftlich verfasst hat, wenn es offensichtlich auch möglich war, 

vor dem Versenden an die Bank B. eine Fotokopie davon zu erstellen. Weiter ist es 

ziemlich unglaubwürdig, dass jemand eine Vergütung über 1 Mio. Franken zulasten 

seines Bankkontos in Auftrag gibt, wenn dieses Konto gerade einmal ein Guthaben von 

rund Fr. 10'000.00 aufweist, welches er dann auch noch – bevor die Bank B. Kenntnis 

vom Zahlungsauftrag erlangte – am Bankomaten in bar bezieht. Der Verstorbene hatte 

zwar durchaus ein Vermögen von mehr als 1 Mio. Franken, dieses war jedoch im 

Wesentlichen in Wertschriften (und einer Immobilie) angelegt. Es ist schwer vorstellbar, 

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dass er in dieser Situation seine Bank B. beauftragte, 1 Mio. Franken "per sofort!" an 

eine Drittperson auszuhändigen, ohne nähere Angaben über die Modalitäten zu 

machen oder um Kontaktaufnahme (mit ihm) zu bitten. Allein diese Umstände und 

Anhaltspunkte lassen ernsthafte Zweifel an der Echtheit der Urkunden aufkommen.

[…]

6.    Die Klägerin begründet ihre Forderung damit, dass V. ihr vor seinem Tod 1 Mio. 

Franken geschenkt habe. Somit gilt es im Folgenden zu prüfen, ob ihr der Beweis für 

die behauptete Schenkung gelingt. Dabei ist mit der Vorinstanz davon auszugehen – 

auf die entsprechenden Erwägungen kann verwiesen werden – dass nur ein 

Schenkungsvertrag (unter Lebenden) in Betracht fällt, der Schenker handlungsfähig 

war, trotz Anweisung keine Schenkung von Hand zu Hand vorliegt und einzig das 

persönliche Schreiben an die Klägerin, zumindest im Zusammenhang mit dem 

Begleitschreiben an die Bank B., als formgültiges schriftliches Schenkungsversprechen 

angesehen werden könnte.

a)    Das Schenkungsversprechen bedarf zu seiner Gültigkeit der schriftlichen Form 

(Art. 243 Abs. 1 OR). Als rechtsgeschäftliche Erklärung muss es an den Empfänger 

gerichtet sein und ihm zukommen (BK-Becker, N 2 zu Art. 243 OR). Das nicht 

formgerechte Schenkungsversprechen ist grundsätzlich nichtig (Schönenberger, 

Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, N 5 zu Art. 243 OR; Huguenin, 

Obligationenrecht - Allgemeiner und Besonderer Teil, N 369; BK-Becker, N 4 zu 

Art. 243 OR). Der Schenkungsvertrag kommt nur und erst mit Annahme der 

Schenkungsofferte durch den Beschenkten zustande (BGE 136 III 142 E. 3.3; BGE 114 

II 36 E. 2.b; BSK OR-Vogt/ Vogt, Art. 239 N 3). Die Annahme muss zu Lebzeiten des 

Schenkers erfolgen (BGE 96 II 79 E. 8.c; BSK OR-Vogt/Vogt, Art. 244 N 1; 

Schönenberger, a.a.O., N 2 zu Art. 239 OR; Cavin, Schweizerisches Privatrecht VII/1, S. 

184). Sind mit der Schenkung keine Auflagen oder Bedingungen verbunden, gilt sie in 

der Regel als angenommen, wenn sie nicht binnen angemessener Frist abgelehnt wird 

(Art. 6 OR; BSK OR-Vogt/Vogt, Art. 244 N 1; Huguenin, a.a.O., N 2870; Koller, 

Schweizerisches Obligationenrecht, Besonderer Teil, Band I, Die einzelnen 

Vertragsverhältnisse Art. 184-318 OR, § 7 N 33). In Abänderung der allgemeinen 

Grundsätze über Offerte und Annahme (Art. 3 ff. OR) kann der Schenker die 

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Zuwendung bis zum Eintreffen der Annahmeerklärung des Beschenkten bzw. bis zum 

Ablauf der angemessenen Frist jederzeit zurückziehen (Art. 244 OR; Koller, a.a.O., § 7 

N 35; BK-Becker, N 1 zu Art. 244 OR; BSK OR-Vogt/Vogt, Art. 244 N 1; 

Schönenberger, a.a.O., N 2 zu Art. 244 OR; Cavin, a.a.O., S. 183). Stirbt der Schenker 

vor Ablauf dieser Frist, kommt kein gültiger Schenkungsvertrag zustande, weshalb der 

Beschenkte keinen klagbaren Anspruch gegen die Erben des Schenkers hat (BSK OR-

Vogt/Vogt, Art. 244 N 1).

b)    Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass es sich beim Schreiben an die 

Klägerin, sollte es echt sein, zumindest im Zusammenhang mit dem Begleitschreiben 

an die Bank B., um ein schriftliches Schenkungsversprechen handelt. Gemäss den 

Behauptungen der Klägerin wurde dieses Schriftstück am 5. Mai 20.. erstellt und von V. 

unterzeichnet, ihr jedoch nicht direkt persönlich übergeben, sondern per Einschreiben 

zugestellt, wobei V. das fragliche Kuvert erst am Freitag den 7. Mai 20.. zur Post 

gebracht habe. Die Klägerin legt nicht dar, wann sie das Schreiben erhalten hat. 

Berücksichtigt man, dass die schweizerische Post eingeschriebene Sendungen, die an 

einem Freitag aufgegeben werden, in der Regel am darauffolgenden Montag zustellt 

bzw., wenn die Zustellung nicht möglich war, gemäss der Empfangstheorie gemeinhin 

jener Tag, welcher auf den Tag des vergeblichen Zustellungsversuchs folgt, als 

Zugangstag gilt (Huguenin, a.a.O., N 184 ff.), ist es denkbar, wenn auch nicht 

bewiesen, dass der Klägerin das Schenkungsversprechen noch vor dem Tod des 

(mutmasslichen) Schenkers zugekommen ist. Dass sie die Schenkung nach Eingang 

des schriftlichen Schenkungsversprechens ausdrücklich angenommen hat, behauptet 

sie nicht. Somit kommt nur eine stillschweigende Annahme mit Ablauf einer 

angemessenen Frist im Sinne von Art. 6 OR in Betracht. Daran würde auch nichts 

ändern, wenn die Klägerin V. am 5. Mai 20.. mitgeteilt hätte, sie nehme die Schenkung 

an (bzw. wenn der Klägerin der Beweis für diese Behauptung gelingen würde, was 

jedoch ohnehin nicht der Fall ist, wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen). Zum 

Zeitpunkt der behaupteten Annahme war ihr noch kein gültiges 

Schenkungsversprechen zugegangen, womit auch kein Schenkungsvertrag entstehen 

konnte. Auch die Klägerin geht davon aus, dass V. ihr das Schenkungsversprechen 

vielleicht deshalb nicht direkt nach dem Erstellen übergeben hatte, weil er sich die Zeit 

habe nehmen wollen, um nochmals darüber nachzudenken. Von einer antizipierten 

Annahme, wie sie allenfalls für andere Vertragsverhältnisse in Frage kommt, ist bei 

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einem Schenkungsvertrag grundsätzlich nicht auszugehen, da andernfalls die 

Schutzwirkung von Art. 244 OR (Widerrufsrecht des Schenkers) umgangen werden 

könnte. Die vorab erklärte Annahme eines in Aussicht gestellten konkreten 

Schenkungsversprechens wäre aber immerhin bei der Bemessung der angemessenen 

Frist im Sinne von Art. 6 OR verkürzend zu berücksichtigen. Grundsätzlich ist dem 

Oblaten bei einer offerierten Schenkung von 1 Mio. Franken eine Bedenk- und 

Übermittlungsfrist (vgl. BK-Schmidlin, N 59 zu Art. 6 OR; Schwenzer, Schweizerisches 

Obligationenrecht, Allgemeiner Teil, N 28.40) von mindestens einigen Tagen 

zuzugestehen, sind doch durchaus auch Gründe abzuwägen, die gegen die Annahme 

eines so hohen Betrags sprechen. So überlegt sich jemand vielleicht, eine solche 

Summe nicht anzunehmen, weil er die Herkunft des Geldes nicht genau kennt, 

Auseinandersetzungen mit (vermeintlich) anderen Berechtigten oder (Steuer-)Behörden 

fürchtet, die Verantwortung oder Verwaltung nicht übernehmen will – insbesondere 

wenn es sich anstelle von Bargeld auch um Wertschriften handeln könnte – oder 

andere (allenfalls moralische) Bedenken hat. Hier wäre aufgrund der konkreten 

Umstände, selbst wenn man die (allerdings ohnehin nicht bewiesene) antizipierte 

Annahme berücksichtigen würde, von einer angemessenen Frist von mindestens drei 

Tagen auszugehen. Die Klägerin hat das Schreiben wohl am 10. oder 11. Mai 20.. – 

eventuell auch später, entsprechende Parteibehauptungen fehlen – erhalten. V. ist am 

13. Mai 20.. verstorben, also möglicherweise noch vor Ablauf einer angemessenen Frist 

im Sinne von Art. 6 OR, allenfalls gar bevor der Klägerin das Schenkungsversprechen 

zugegangen ist, womit sie nicht nachgewiesen hat, dass ein gültiger 

Schenkungsvertrag zustande gekommen ist. Folglich ist die Klage und damit auch die 

Berufung abzuweisen.  […]

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		2025-07-19T08:09:43+0200
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