# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1dd68619-4384-5009-9c5b-641515ecd8e7
**Source:** Wettbewerbskommission ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** Hoch- und Tiefbauleistungen Engadin V: Verfügung vom 2.10.2017
**Docket/Reference:** Verf%C3%BCgung%20vom%202
**URL:** https://www.weko.admin.ch/dam/weko/de/dokumente/2018/Verf%C3%BCgung%20vom%202.10.2017_Hoch-%20und%20Tiefbauleistungen%20Engadin%20V.pdf.download.pdf/Verf%C3%BCgung%20vom%202.10.2017_Hoch-%20und%20Tiefbauleistungen%20Engadin%20V.pdf

## Full Text

Wettbewerbskommission WEKO 
Commission de la concurrence COMCO 
Commissione della concorrenza COMCO 
Competition Commission COMCO 

Verfügung 
vom 2. Oktober 2017  

in Sachen 
Untersuchung gemäss Artikel 27 des Bundesgesetzes über Kartelle und andere Wettbe-
werbsbeschränkungen vom 6. Oktober 1995 (Kartellgesetz [KG]; SR 251) 
betreffend 

22-0462: Hoch- und Tiefbauleistungen 
Engadin V  

wegen unzulässiger Wettbewerbsabreden gemäss Art. 5 Abs. 3 KG 

gegen 

Besetzung 

1.  Broggi Lenatti AG, Legs-cha Zugr 4a, 7482 Bergün/Bravuogn 
vertreten durch RA Peder Cathomen, Veia Vedem 3, 7458 Mon 

2.  Lazzarini AG, Cho d‘Punt 11, 7503 Samedan, 

vertreten durch RA Andreas Amstutz, Amstutz Greuter 
Rechtsanwälte, Hallerstrasse 6, Postfach 5122, 3001 Bern 
3.  P. Lenatti AG, Hoch- und Tiefbau, Via Maistra 1, 7502 Bever 
vertreten durch RBT AG, Herr Fritz Nyffenegger, Plazza dal 
Mulin 6, 7500 St. Moritz 

4.  René Hohenegger Sarl, Chesa Muntanella, 7527 Brail 

 Vincent Martenet (Präsident, Vorsitz), 
 Andreas Heinemann, Armin Schmutzler (Vizepräsidenten), 
Florence Bettschart-Narbel, Winand Emons, Andreas Kellerhals,    
Pranvera Këllezi, Rudolf Minsch, Martin Rufer, Henrique Schneider, 
Danièle Wüthrich-Meyer 

22-00037/COO.2101.111.4.260961 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  
 
 
 
 
Inhaltsverzeichnis 

A 
Verfahren ....................................................................................................................... 3 
A.1  Gegenstand der Untersuchung ...................................................................................... 3 
A.2  Untersuchungsadressatinnen ......................................................................................... 3 
Lazzarini AG, Samedan ............................................................................................. 3 
A.2.1 
P. Lenatti AG, Hoch- und Tiefbau, Bever ................................................................... 3 
A.2.2 
A.2.3 
Broggi Lenatti AG, Bergün/Bravuogn......................................................................... 3 
René Hohenegger Sarl, Zernez ................................................................................. 3 
A.2.4 
A.3  Verfahrensgeschichte ..................................................................................................... 4 

B 
Sachverhalt ................................................................................................................... 7 
B.1  Vorbemerkungen zum Beweis ........................................................................................ 7 
B.2  Beweisthema .................................................................................................................. 7 
B.3  Beweismittel ................................................................................................................... 8 
Urkunden ................................................................................................................... 8 
B.3.1 
Auskünfte von Parteien .............................................................................................. 9 
B.3.2 
B.3.3 
Auskünfte von Dritten............................................................................................... 10 
B.4  Beweiswürdigung ......................................................................................................... 11 
Konsens ................................................................................................................... 11 
B.4.1 
Verfolgter Zweck ...................................................................................................... 13 
B.4.2 
Rolle der Beteiligten ................................................................................................. 13 
B.4.3 
B.4.4 
Umsetzung und Auswirkungen ................................................................................ 14 
B.5  Beweisergebnis ............................................................................................................ 15 

Erwägungen ................................................................................................................ 15 
C 
C.1  Geltungsbereich ........................................................................................................... 15 
Persönlicher Geltungsbereich .................................................................................. 15 
C.1.1 
Verfügungsadressatinnen ........................................................................................ 16 
C.1.2 
C.1.3 
Sachlicher Geltungsbereich ..................................................................................... 17 
C.1.4  Örtlicher und zeitlicher Geltungsbereich .................................................................. 17 
C.2  Vorbehaltene Vorschriften ............................................................................................ 17 
C.3  Unzulässige Wettbewerbsabrede ................................................................................. 18 
C.3.1  Wettbewerbsabrede ................................................................................................. 18 
Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs ............................................................... 19 
C.3.2 
Erhebliche Beeinträchtigung des Wettbewerbs ....................................................... 22 
C.3.3 
Rechtfertigung aus Effizienzgründen ....................................................................... 23 
C.3.4 
C.3.5 
Ergebnis ................................................................................................................... 23 
C.4  Massnahmen ................................................................................................................ 23 
Anordnung von Massnahmen .................................................................................. 23 
C.4.1 
Sanktionierung ......................................................................................................... 24 
C.4.2 

D 

E 

Kosten ......................................................................................................................... 32 

Dispositiv .................................................................................................................... 34 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

2 

 
 
 
 
A 

Verfahren 

A.1  Gegenstand der Untersuchung 

1.  Gegenstand  der  vorliegenden  Untersuchung  bildet  die  Frage,  ob  die  Lazzarini  AG, 
Samedan,  die  P.  Lenatti  AG,  Hoch-  und  Tiefbau,  Bever,  sowie  die  René  Hohenegger  Sarl, 
Zernez, in Bezug auf die Ausschreibung des Um- und Anbaus des Wohnhauses von [X] in 
Samedan im Jahr 2010 (nachfolgend: Um- und Anbau [X]) eine unzulässige Wettbewerbsab-
rede gemäss Art. 5 Abs. 3 Bst. a und c KG1 getroffen haben. 

A.2  Untersuchungsadressatinnen 

A.2.1  Lazzarini AG, Samedan  

2. 
Die Lazzarini AG (nachfolgend: Lazzarini) mit Sitz in Samedan wurde laut ihrer Website 
1913 ursprünglich als Maurergeschäft gegründet.2 Lazzarini ist in den Bereichen Immobilien 
und  Hoch-,  Tief-,  Grosstief-  sowie  Holzbau  tätig.  Bis  2009  firmierte  Lazzarini  unter  der  Be-
zeichnung G. Lazzarini & Co. AG. Die Gesellschaft hat Zweigniederlassungen in Chur und in 
Scuol im Kanton Graubünden sowie in Buchs im Kanton St. Gallen.  

A.2.2  P. Lenatti AG, Hoch- und Tiefbau, Bever 

3. 
Die  P.  Lenatti  AG,  Hoch-  und  Tiefbau  (nachfolgend:  Lenatti)  mit  Sitz  in  Bever  ist  seit 
1972 im Handelsregister eingetragen und bezweckt demnach den Betrieb eines Hoch- und 
Tiefbaugeschäftes mit Schreinerei und Zimmerei. Laut Handelsregister hat Lenatti eine Zweig-
niederlassung in La Punt-Chamues-ch. Lenatti befindet sich seit dem 22. Dezember 2015 in 
definitiver  Nachlassstundung,  welche,  gemäss  dem  schweizerischen  Handelsamtsblatt,  am 
22. Juni  2016  bis  zum  22. Dezember  20163  bzw.  am  22.  Dezember  2016  bis  zum  22.  Juni 
2017 verlängert wurde.4 

A.2.3  Broggi Lenatti AG, Bergün/Bravuogn 

4. 
Die Broggi Lenatti AG (nachfolgend: Broggi Lenatti) entstand aus einer im Jahr 1890 in 
Bergün durch Alessandro Broggi gegründeten Baufirma. 1996 gründeten Yves Broggi und Vito 
Hohenegger zusammen die Firma Hohenegger & Broggi GmbH in Madulain. Gemäss Han-
delsregister wandelte sich die HOBRO GmbH per 16. April 2014 in die Broggi Lenatti um. Die 
Bautätigkeit  der  weiterhin  bestehenden  Unternehmen  Hohenegger  &  Broggi  AG  und  der 
Lenatti wurden anschliessend in die Broggi Lenatti überführt.5  

A.2.4  René Hohenegger Sarl, Zernez 

5. 
Die René Hohenegger Sarl (nachfolgend: Hohenegger) mit Sitz in Zernez ist seit 1999 
im Handelsregister eingetragen und bezweckt demnach, nach einer vollständigen Zweckum-
schreibung gemäss Statuten vom 25. März 2015, die Ausführung sämtlicher Hoch- und Tief-
bauarbeiten sowie den Handel und die Montage von Türen und Fenster. Laut ihrer Website 

1   Bundesgesetz vom 6.10.1995 über Kartelle und andere Wettbewerbsbeschränkungen (Kartellge-

setz, KG; SR 251). 

2   <http://www.lazzarini.ch/Firmenportrait.9.0.html> (27.3.2017). 
3   SHAB vom 27.6.2016, No. 122, Jahrgang: 134. 
4   SHAB vom 28.12.2016, No. 252, Jahrgang: 134. 
5  <http://derbaumeister.ch/#geschichte> (27.3.2017). 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

3 

 
 
 
 
                                                 
liegt der Schwerpunkt von Hohenegger nunmehr auf der Lieferung, der Montage, dem Unter-
halt und der Reparatur von Fenstern und Türen.6 

A.3 

Verfahrensgeschichte 

Am 30. Oktober 2012 eröffnete das Sekretariat der Wettbewerbskommission (nachfol-
6. 
gend: Sekretariat) im Einvernehmen mit einem Mitglied des Präsidiums der Wettbewerbskom-
mission (nachfolgend: WEKO) gegen 19 Unternehmen der Baubranche im Unterengadin eine 
Untersuchung nach Art. 27 ff. KG, namentlich auch gegen Lazzarini und Hohenegger. Vom 
30. Oktober bis 1. November 2012 führte es an insgesamt 13 Standorten Hausdurchsuchun-
gen durch, u.a. auch bei Lazzarini und Hohenegger. 

7. 
Am  1.  November  2012,  also  noch  während  der  Hausdurchsuchung,  reichte  Lazzarini 
eine Selbstanzeige gemäss Art. 49a Abs. 2 KG i.V.m. Art. 1 Bst. b sowie Art. 8 ff. SVKG ein7, 
welche am selben Tag mündlich ergänzt wurde.8 Ein allfälliger Wettbewerbsverstoss in Zu-
sammenhang mit dem Bauprojekt Um- und Anbau [X] blieb dabei unerwähnt. 

Am 7. Dezember 2012 ergänzte Lazzarini ihre Selbstanzeige schriftlich, ohne sich zu 
8. 
einem allfälligen Wettbewerbsverstoss in Zusammenhang mit dem Bauprojekt Um- und Anbau 
[X] zu äussern.9  

Am 21. März 2013 reichte Hohenegger eine Selbstanzeige gemäss Art. 49a Abs. 2 KG 
9. 
i.V.m.  Art.  1  Bst.  b  sowie  Art.  8  ff.  SVKG  ein,10  welche  am  selben  Tag  mündlich  ergänzt 
wurde11. Ein allfälliger Wettbewerbsverstoss in Zusammenhang mit dem Bauprojekt Um- und 
Anbau [X] blieb dabei unerwähnt. 

10.  Am 22. April und am 23. April 2013 dehnte das Sekretariat die Untersuchung in örtlicher 
Hinsicht auf den gesamten Kanton Graubünden und in persönlicher Hinsicht auf weitere Un-
ternehmen aus und führte weitere Hausdurchsuchungen durch. 

11.  Am  17.  Mai  201312  und  am  19.  August  201513  ergänzte  Lazzarini  ihre  Selbstanzeige 
erneut, ohne sich zu einem allfälligen Wettbewerbsverstoss in Zusammenhang mit dem Bau-
projekt Um- und Anbau [X] zu äussern. 

12.  Am 22. Juli 201514 ergänzte Hohenegger ihre Selbstanzeige mündlich, ohne sich zu ei-
nem allfälligen Wettbewerbsverstoss in Zusammenhang mit dem Bauprojekt Um- und Anbau 
[X] zu äussern. 

13.  Das Sekretariat führte am 2. September 2015 mit [Mitarbeiter C], Hohenegger, eine wei-
tere Befragung im Rahmen der Selbstanzeige durch.15 Dabei wurde er insbesondere auch zum 
Bauprojekt Um- und Anbau [X] befragt. 

6   <http://www.rh-fensterbau.ch/de> (28.3.2017). 
7   Act. IX.B.001 (25-0038). Die Akten des vorliegenden Verfahrens setzen sich aus den Akten bis und 
mit der Verfahrenstrennung vom 23. November 2015 (Aktenverzeichnis 22-0433) und den Akten 
nach der Verfahrenstrennung (Aktenverzeichnis 22-0462) zusammen. Ist bei der Angabe der Ak-
tenstücke (Act.) kein Hinweis auf das Aktenverzeichnis vermerkt, sind diese im Aktenverzeichnis 
22-0433 erfasst. Die Nummer der Selbstanzeigedossiers (25er) wurde ebenfalls angegeben. 

8   Act. IX.B.004 (25-0038). 
9   Act. IX.B.007 bis B.010 (Teile 1 bis 4), (25-0038). 
10   Act. IX.D.001 (25-0048).  
11   Act. IX.D.002 (25-0048). 
12   Act. IX.B.019 (25-0038). 
13   Act. IX.B.023 (25-0038). 
14   Act. IX.D.014 (25-0048). 
15   Act. IX.D.015 (25-0048). 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

4 

 
 
 
 
                                                 
14.  Zudem wurden am 10.  September  2015 [Mitarbeiter A] als [Funktion] von Lazzarini,16 
sowie am 20. Oktober 2015 [Mitarbeiter B], [Funktion] Bever17 der Lenatti,18 als Zeugen ein-
vernommen. Dabei wurden sie insbesondere auch zum Bauprojekt Um- und Anbau [X] befragt. 

15.  Das Sekretariat stellte am 29. September 2015 Broggi Lenatti sowie an Lenatti jeweils 
einen Fragebogen betreffend ihre Beteiligungsverhältnisse zu, welchen sie dem Sekretariat 
am 14. Oktober 201519 bzw. am 15. Oktober 201520 fristgerecht und beantwortet retournierten. 

16.  Am 16. Oktober 2015 machte Lazzarini im Rahmen ihrer Selbstanzeige eine Eingabe, in 
der auch das vorliegende Projekt Um- und Anbau [X] thematisiert wurde.21 

17.  Mit  Zwischenverfügung  vom  23.  November  2015  dehnte  das  Sekretariat  die  Untersu-
chung 22-0433: Bauleistungen Graubünden im Einvernehmen mit einem Mitglied des Präsidi-
ums der WEKO auf Lenatti22 und Broggi Lenatti23 aus und trennte anschliessend die Untersu-
chung „22-0462: Hoch- und Tiefbauleistungen Engadin V“ von der Untersuchung „22-0433: 
Bauleistungen Graubünden“ ab.24  

18.  Am 3. Juni 2016 stellte das Sekretariat der Bauherrschaft einen Fragenbogen zu, wel-
cher am 14. Juni 201625 fristgerecht und beantwortet beim Sekretariat einging. 

19.  Am 7. Juni 2016 stellte das Sekretariat den Verfahrensparteien die Verfahrensakten (mit 
Ausnahme der Selbstanzeigeakten) auf einem gesicherten Server der Bundesbehörden zur 
Einsicht bereit.26  

20.  Mit Schreiben vom 11. August 2016 informierte das Sekretariat die Verfahrensparteien, 
welche Unternehmen Selbstanzeige eingereicht haben. Weiter informierte es, wie in die ent-
sprechenden Selbstanzeigedossiers eingesehen werden kann.27 

21.  Am 21. November 2016 verfügten die Wettbewerbsbehörden gegenüber der Lazzarini 
eine  Verwendungsbeschränkung  in  Bezug  auf  die  elektronisch  versendeten  Beilagen  der 
Selbstanzeigedossiers.  Die  entsprechenden  Akten  wurden  der  Lazzarini  am  30. März  2017 
elektronisch zugestellt. Broggi Lenatti, Lenatti und Hohenegger verlangten keine Einsicht in 
die Selbstanzeigedossiers.  

22.  Am  12.  Dezember  2016  verfügten  die  Wettbewerbsbehörden  eine  Verwendungsbe-
schränkung in Bezug auf die Einsicht in die eigentlichen Selbstanzeigen in den Räumlichkeiten 
des Sekretariats.  

23.  Am  29.  März  2017  stellte  das  Sekretariat  den  Parteien  den  Antrag  an  die  WEKO  zur 
Stellungnahme gemäss Art. 30 Abs. 2 KG zu. Es beantragte im Wesentlichen, dass Lazzarini 

16   Act. IV.023. 
17   Herr [Mitarbeiter B] gab im Rahmen der Zeugeneinvernahme vom 20.10.2015 (act. IV.024) an, dass 
er  die  [Funktion]  der  P.  Lenatti  AG  bekleidet  habe  (Zeile  129  f.).  Lenatti  gab  mit  Schreiben  vom 
28.12.2015  (act.  I.565),  bezugnehmend  auf  die  Zeugeneinvernahme  vom  20.10.2015,  bekannt, 
dass Herr [Mitarbeiter B] „als [Funktion], der Firma Broggi Lenatti AG, ohne Zeichnungsberechtigung 
war“. 

18   Act. IV.024. 
19   Act. I.443.  
20   Act. I.449.  
21   Act. IX.B.028, S. 18, Antwort zur Frage 32 (25-0038). 
22   Act. I.529. 
23   Act. I.507. 
24   Act. I.507, I.525, I.529 und I.531. 
25   Act. 9 (22-0462). 
26   Act. 6 (22-0462). 
27   Act. 17-19 (22-0462). 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

5 

 
 
 
 
                                                 
wegen Beteiligung an einer gemäss Art. 5 Abs. 3 i.V.m. Abs. 1 KG unzulässigen Wettbewerbs-
abrede mit einer Sanktion im Sinne von Art. 49a Abs. 1 KG von CHF 54‘000 zu belasten sei. 
Lenatti und Broggi Lenatti seien solidarisch mit einem Betrag von CHF 25‘000 sowie Hoheneg-
ger mit einem Betrag von CHF 9‘562 zu belasten. 

24.  Zeitnah gewährte das Sekretariat auf elektronischem Weg Einsicht in diejenigen Verfah-
rensakten, welche seit dem 7. Juni 2016 neu ins Dossier aufgenommen worden waren28. Die 
Einsicht in die Beilagen zu den Selbstanzeigen erfolgte am 30. März 2017 durch Versand der 
elektronischen Aktenverzeichnisse.29 Zudem hatten die Verfahrensparteien die Gelegenheit, 
ab 3. April 2017 in die eigentlichen Selbstanzeigen vor Ort in den Räumlichkeiten des Sekre-
tariats einzusehen. Lazzarini nahm am 25. und 28. April 201730 Einsicht in die Selbstanzeigen. 

25.  Mit Eingabe vom 11. Mai 2017 reichte Hohenegger ihre Stellungnahme zum Antrag ein.31 
Darin stellte sie den Austausch durch E-Mail mit Lazzarini nicht in Frage. Jedoch sei Hoheneg-
ger nicht in der Lage gewesen, einen Auftrag dieser Grösse von ca. 1 Million CHF (in perso-
neller sowie in inventarmässiger Hinsicht) zu bewältigen bzw. habe sie noch nie einen Auftrag 
dieser Dimension ausgeführt. Die Konkurrenten seien nicht darüber informiert, ob sie eine Of-
ferte einreichen werde oder nicht, und – wenn ja – zu welchem Preis.  

26.  Mit Eingabe vom 30. Mai 2017 reichte Broggi Lenatti eine Stellungnahme zum Antrag 
ein.32  Sie  bestritt  die  solidarische  Haftbarkeit  für  die  Busse  und  die  Verfahrenskosten  der 
Lenatti. Lenatti habe keine Kartellrente erzielt. Deshalb habe auch Broggi Lenatti keine Vorteile 
aus  dem  vorgeworfenen  Geschäft  schöpfen  können.  Zudem  sei  Broggi  Lenatti  weder  wirt-
schaftlich noch rechtlich betrachtet Nachfolgerin der Lenatti.  

27.  Mit Eingabe vom 14. Juni 2017 nahm Lazzarini Stellung zum Antrag des Sekretariats 
und wünschte eine Anhörung durch die WEKO.33 Die Lazzarini wurde am 21. August 2017 von 
der WEKO angehört. Dabei wurde sie durch ihren Rechtsvertreter an der Anhörung vertreten.34 
In ihrer Stellungnahme vom 14. Juni 2017 und an der Anhörung vom 21. August 2017 aner-
kannte Lazzarini den Sachverhalt gemäss Antrag des Sekretariats, das Vorliegen eines Wett-
bewerbsverstosses sowie dessen Sanktionierbarkeit. Jedoch beanstandete sie die Sanktions-
bemessung  (vgl. Teil  C.5.2).  Sie  beantragte,  dass  sie  mit  einer  Sanktion  von  maximal 
CHF 20‘250 zu belasten sei.35 

28.  Lenatti teilte mit Eingabe vom 16. Juni 2017 per E-Mail mit, dass sie auf die Einreichung 
einer Stellungnahme zum Antrag des Sekretariats verzichte.36 

29.  Die  Akteneinsicht  wurde  den  Parteien  durch  die  elektronische  Zustellung  vom  3.  Juli 
201737 und vom 22. August 201738 gewährt.  

30.  Nach Beratung fällte die WEKO am 2. Oktober 2017 den vorliegenden Entscheid.  

28   Act. 41 (22-0462). 
29   Act. 40 (22-0462). 
30   Act. 43 und 44 (22-0462). 
31   Act. 48 (22-0462). 
32   Act. 54 (22-0462). 
33   Act. 55 (22-0462). 
34   Vgl. Protokoll der Anhörung Act. 61 (22-0462). 
35   Act. 61, S. 3 (22-0462). 
36   Act. 56 (22-0462). 
37   Act. 58a (22-0462). 
38   Act. 62 (22-0462). 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

6 

 
 
 
 
                                                 
B 

Sachverhalt 

B.1 

Vorbemerkungen zum Beweis 

31.  Auf das Untersuchungsverfahren sind die Bestimmungen des Verwaltungsverfahrens-
gesetzes (VwVG)39 anwendbar, soweit das Kartellgesetz nicht davon abweicht (Art. 39 KG). 
Auch im Kartellverwaltungsverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 39 
KG i. V. m. Art. 19 VwVG und Art. 40 BZP40). Der Beweis einer Tatsache ist im Allgemeinen 
erbracht, wenn die Wettbewerbsbehörden nach objektiven Gesichtspunkten von deren Ver-
wirklichung überzeugt sind. Die Verwirklichung der Tatsache braucht nicht mit Sicherheit (also 
ohne Zweifel) festzustehen, sondern es genügt, wenn allfällige Zweifel unerheblich erschei-
nen.41  Bloss  abstrakte  und  theoretische  Zweifel  sind  nicht  massgebend,  weil  solche  immer 
möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich um erhebliche 
und unüberwindliche Zweifel handeln, d.h. um solche, die sich nach der objektiven Sachlage 
aufdrängen.42 Hinsichtlich bestimmter Tatsachen, namentlich komplexer wirtschaftlicher Sach-
verhalte, sind im Einklang mit der Rechtsprechung keine überspannten Anforderungen an das 
Beweismass zu stellen. Vielmehr schliesst die Komplexität wirtschaftlicher Sachverhalte, ins-
besondere die vielfache und verschlungene Interdependenz wirtschaftlich relevanten Verhal-
tens, eine strikte Beweisführung regelmässig aus.43 Diesen Grundsätzen ist im Rahmen der 
nachfolgenden Ausführungen zum Sachverhalt Rechnung zu tragen. 

32. 
Im Folgenden werden zunächst das Beweisthema und die in Bezug auf die vorgeworfene 
Verhaltensweise vorhandenen Beweismittel beschrieben. Anschliessend wird die konkrete Be-
weislage anhand dieser Beweismittel gewürdigt, bevor schliesslich das Beweisergebnis fest-
gehalten wird. 

B.2  Beweisthema 

Im Folgenden ist in tatsächlicher Hinsicht zu prüfen, ob zwischen Lazzarini, Lenatti und 
33. 
Hohenegger übereinstimmende wirkliche Willenserklärungen vorlagen, ihre Angebote bezüg-
lich des Bauprojekts Um- und Anbau [X] aus dem Jahr 2010 zu koordinieren (Vorliegen eines 
natürlichen Konsenses). Ist dies zu bejahen, sind folgende Sachverhaltsfragen zu prüfen: 

 

 

 

welchen Zweck die Lazzarini, Lenatti und Hohenegger mit der Angebotskoordination ver-
folgten (Rz 65 ff.); 

welche Rollen die einzelnen Unternehmen im Zusammenhang mit der Angebotskoordi-
nation ausübten (Rz 68 ff.); 

ob sich die Lazzarini, Lenatti und Hohenegger tatsächlich entsprechend ihrem Konsens 
über  die  Angebotskoordination  verhielten  und  welche  Auswirkungen  dieses  Verhalten 
ggf. zur Folge hatte (Rz 79 ff.).  

39   Bundesgesetz  vom  20.12.1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (Verwaltungsverfahrensgesetz, 

VwVG; SR 172.021). 

40   Bundesgesetz vom 4.12.1947 über den Bundeszivilprozess (BZP; SR 273). 
41   Urteil des BVGer B-8430/2010 vom 23.9.2014, E. 5.3.2 f., Paul Koch AG/WEKO; Urteil des BVGer 
B-8399/2010 vom 23.9.2014, E. 4.3.2 f., Siegenia-Aubi AG/WEKO; vgl. auch etwa Urteil des BGer 
2A.500/2002  vom  24.3.2003,  E.  3.5;  RPW  2009/4,  341  Rz  15,  Submission  Betonsanierung  am 
Hauptgebäude der Schweizerischen Landesbibliothek (SLB).  

42   Vgl. z.B. BGE 124 IV 86, E. 2a. 
43   BGE 139 I 72, 91 E. 8.3.2 (= RPW 2013/1, 126 f. E. 8.3.2), Publigroupe SA et al./WEKO; Urteil des 
BVGer B-8430/2010 vom 23.9.2014, E. 5.3.7, Paul Koch AG/WEKO; Urteil des BVGer B-8399/2010 
vom 23.9.2014, E. 4.3.7, Siegenia-Aubi AG/WEKO; je m.w.H. 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

7 

 
 
 
 
                                                 
B.3  Beweismittel 

Im  Zusammenhang  mit  dem  vorgeworfenen  Kartellrechtsverstoss  liegen  folgende  Be-

34. 
weismittel vor: 

B.3.1  Urkunden 

E-Mails vom 24. Februar 2010 und vom 25. Februar 2010 von [Mitarbeiter A] an [Mitarbeiter 
B] und an [hoheneggerbrail@vtxmail.ch] 

35.  Aus  der  Hausdurchsuchung  bei  Hohenegger  stammen  zwei  E-Mails  mit  dem  jeweils 
identischen Betreff „Um- und Anbau [X] in Samedan“ von [Mitarbeiter A], [Funktion] der Laz-
zarini  in  Samedan44,  an  [Mitarbeiter  B],  Lenatti,  und  an  die  E-Mailadresse  „hohenegger-
brail@vtxmail.ch“ vom 24. Februar 2010 und vom 25. Februar 2010.  

36.  Der Inhalt der E-Mail vom 24. Februar 201045 lautet folgendermassen:  

„Geschätzte Herren,    
in der Beilage noch die Eingabe „Lazzarini AG“ der oben genannten Offerte.  

Vorab habe ich nur die Abbrucharbeiten gesendet, denn von den Abbrucharbeiten gibt 
es keine SIA 451 Datei des Architekten. den Rest werde ich Euch morgen früh zusen-
den. 

Ich bitte Euch ca. 5 % höher einzugeben. Herzlichen Dank für Euere Bemühungen.  

Mit freundlichen Grüssen 
[Mitarbeiter A]  
[Funktion] 
LAZZARINI“ 

37.  Die  E-Mail  vom  24.  Februar  2010  enthält  im  Anhang  eine  unterzeichnete  Offerte  von 
Lazzarini vom 25. Februar 2010. Diese bezieht sich auf Abbrucharbeiten im Zusammenhang 
mit dem Um- und Anbau des Wohnhauses von [X] in Samedan. Aus der Offerte ist ersichtlich, 
dass [X], […], […] des betreffenden Projekts ist. Als Architekt wird das Büro […], aufgeführt. 
Aus der Offerte geht sodann hervor, dass Lazzarini für die betreffenden Abbrucharbeiten eine 
Eingabesumme von CHF 50‘114.60 angegeben hat, abzüglich des Betrags von CHF 761.70 
(1,5  Prozent).  Die  von  Lazzarini  angegebene  Eingabesumme  betrug  somit  CHF  49‘356.90, 
exklusive Mehrwertsteuer.  

38. 

In der E-Mail von [Mitarbeiter A] vom 25. Februar 201046 findet sich folgender Inhalt: 

„Geschätzte Herren,    
in der Beilage noch die Eingabe „Lazzarini AG“ als SIA 451 Datei.  

Ich bitte euch ca. 5% höher einzugeben.  

ACHTUNG: Kein Rabatt und kein Skonto!  

Gruss  
[Mitarbeiter A]  
[Funktion] 
LAZZARINI“. 

44   Gemäss eigener Aussage vom 10.9.2015 sei [Mitarbeiter A] bis zum 31.10.2012 für Lazzarini tätig 

und anschliessend noch zwei Monate freigestellt gewesen.  

45   Act. III.F.005, S. 1. 
46   Act. III.F.022, S. 1. 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

8 

 
 
 
 
 
 
 
 
                                                 
39.  Der E-Mail vom 25. Februar 2010 ist die Eingabe von Lazzarini als SIA 451 Datei ange-
hängt.  

Offerten für das Bauprojekt An- und Umbau [X] von Lazzarini, Lenatti und Kuhn 

40.  Das  verantwortliche  Architekturbüro  […],  reichte,  im  Rahmen  eines  Auskunftsbegeh-
rens, die Offerten bezüglich des vorliegenden Bauprojekts von Lazzarini, Lenatti sowie von 
der H. Kuhn Hoch- und Tiefbau AG, Sils im Engadin/Segl, (nachfolgend: Kuhn) ein.47 Die Ein-
gabesumme von Lazzarini für das gesamte Projekt lässt sich deren interner Liste mit den ein-
gereichten Offerten entnehmen.48 In Bezug auf Lenatti und Kuhn hingegen liegen dem Sekre-
tariat keine Eingabesummen für das gesamte Projekt, sondern lediglich für die einzelnen NPK-
Kapitel vor. Daraus ergibt sich, dass Lazzarini für das Bauprojekt An- und Umbau [X] mit einer 
Gesamtsumme von CHF 990‘255, Lenatti mit einer Summe von CHF 1‘035‘748 und Kuhn mit 
einer Summe von CHF […] offerierte. Von Hohenegger sind weder Offerten vorhanden, noch 
wurde Hohenegger vom verantwortlichen Architekturbüro […] als Submittentin genannt. 

Unternehmen 

Kuhn, Sils Maria 

Lazzarini, Samedan 

Lenatti , Bever 

Hohenegger, Zernez 

Eingabesumme                         

(inkl. MWST) in CHF 

[…] 

990‘255 

1‘035‘748 

keine Eingabe 

B.3.2  Auskünfte von Parteien 

Eingabe von Lazzarini vom 16. Oktober 2015  

In ihrer Eingabe im Rahmen der Selbstanzeige vom 16. Oktober 201549 gab Lazzarini 
41. 
bekannt, dass [Mitarbeiter A] [Funktion] der Lazzarini in Samedan, glaube, „sich erinnern zu 
können,  dass  im  Projekt  Um-  und  Anbau  [X]  die  Kalkulation  oder  allenfalls  sogar  die  SIA-
Schnittstelle mit der Lenatti AG ausgetauscht worden ist“. 

42.  Am Projekt Um- und Anbau Wohnhaus [X] in Samedan sei Lazzarini sehr interessiert 
gewesen. Offenbar seien hier die Offerte der Lazzarini an Lenatti und an Hohenegger per Mail 
zugestellt worden, je verbunden mit der Bitte um Eingabe einer höheren Offerte. Ob die beiden 
Unternehmen dann tatsächlich auch eine Eingabe gemacht hätten, sei Lazzarini nicht bekannt. 
Hingegen  sei  klar,  „dass  Lazzarini  offenbar  nicht  zum  Zuge  gekommen  ist  und  das  Projekt 
trotz (versuchter) Absprache mit zwei Unternehmen von einem Dritten ausgeführt worden ist“. 

43.  Als  Anhang  1  zu  der  Eingabe  Lazzarinis  vom  16. Oktober  2015  findet  sich  unter  der 
Überschrift „Angaben zu Projekten im Oberengadin (Frage 30)“ eine entsprechende Tabelle. 
Bei „Um- und Anbau Wohnhaus [X], Samedan (Nr. 13/2010)“ ist Folgendes aufgeführt:50 

47   Act. 9 (22-0462). 
48   Act. IX.B.028, pag. 35 (25-0038). 
49   Act. IX.B.028 (25-0038). 
50   Act. IX.B.028, pag. 35 (25-0038). 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

9 

 
 
 
 
 
 
 
                                                 
[…]

[…] 

Aussagen der Hohenegger vom 2. September 2015 

[Mitarbeiter C], [Funktion] von Hohenegger, sagte am 2. September 2015 aus, dass er 
44. 
aufgrund der E-Mails vom 24. und 25. Februar 2010 davon ausgehe, dass [Mitarbeiter A] als 
[Funktion] der Lazzarini in Samedan ihn zu einer höheren Eingabe gebeten habe, damit Laz-
zarini das am günstigsten offerierende Unternehmen gewesen wäre und daher entsprechend 
den Auftrag erhalten hätte. Hohenegger habe der Lazzarini somit „Schutz“ gewähren sollen.51 

45.  Weiter  gehe  er  mit  höchster  Wahrscheinlichkeit  davon  aus,  dass  es  vor  dem  E-Mail-
Versand vom 24. und 25. Februar 2010 einen Kontakt mit [Mitarbeiter A] gegeben habe. Dieser 
hätte,  seiner  Ansicht  nach,  nicht  einfach  so  seine  Offerte  ohne  vorherige  Kontaktaufnahme 
zugeschickt.52 

46.  Er wisse nicht mehr, wie er auf die E-Mails vom 24. und 25. Februar 2010 reagiert habe. 
Er wisse auch nicht, ob er bei diesem Bauprojekt eingegeben habe oder nicht.53 

E-Mail der Hohenegger vom 7. September 2015 

47.  Bezugnehmend  auf  seine  Aussagen  vom  2. September  2015  gab  [Mitarbeiter  C]  am 
7. September 2015 per E-Mail u.a. bekannt, dass er keine allfällige Kalkulation „[Projekt Um- 
und Anbau X] [sic!] Samedan“ gefunden habe. Beim Öffnen der Datei von Lazzarini auf seinem 
Programm SORBA sei nicht mehr ersichtlich, dass der Ersteller Lazzarini gewesen sei.54  

B.3.3  Auskünfte von Dritten 

Zeugeneinvernahme mit [Mitarbeiter A] vom 10. September 2015 

48.  Anlässlich seiner Zeugeneinvernahme vom 10. September 201555 sagte [Mitarbeiter A], 
[Funktion]  der  Lazzarini  in  Samedan,  aus,  dass  Lazzarini  Interesse  an  der  Ausführung  des 
Projektes  Um-  und  Anbau  [X]  gehabt  habe,  die  anderen  beteiligten  Unternehmen  dagegen 
nicht. Aus diesem Grund habe Lazzarini Lenatti und Hohenegger jeweils ihre Offerte zugestellt 
und die Eingabesummen mitgeteilt.56 Er räumte ein, dass es sich um einen „Schutz“ gehandelt 
habe.57 

49. 
[Mitarbeiter A] antwortete auf die Frage, weshalb er [Mitarbeiter B] und [Mitarbeiter C] 
die an die E-Mails vom 24. und 25. Februar 2010 angehängten Dokumente geschickt habe, 
dass es darum gegangen sei, dass [Mitarbeiter B] und [Mitarbeiter C] seine Eingabesummen 
kennen und ihn entsprechend bei diesem Projekt in „Ruhe“ lassen sollten.58 

51   Act. IX.D.015, Zeile 260 f. (25-0048). 
52   Act. IX.D.015, Zeile 311 f. (25-0048). 
53   Act. IX.D.015, Zeile 268 f. (25-0048). 
54   Act. IX.D.016 (25-0048). 
55   Act. IV.023. 
56   Act. IV.023, Zeilen 91 ff. 
57   Act. IV.023, Zeile 97 f. 
58   Act. IV.023, Zeile 101 f. 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

10 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
                                                 
50.  Er sei vorgängig von [Mitarbeiter B] und [Mitarbeiter C] telefonisch angefragt worden, ob 
er eingeben würde. Samedan liege vor seiner Haustüre.59 

Zeugeneinvernahme mit [Mitarbeiter B] vom 20. Oktober 2015 

51.  Anlässlich  seiner  Zeugeneinvernahme  vom  20. Oktober  201560  sagte  [Mitarbeiter  B], 
[Funktion] Bever von Lenatti, aus, dass bei diesem privaten Projekt die H. Kuhn Hoch- und 
Tiefbau AG aus Sils den Zuschlag erhalten habe.61 

52.  Er  bestreite,  dass  es  bei  diesem  Projekt  zu  einer  „Abmachung“  zwischen  Lenatti  und 
Lazzarini  gekommen  sei,  da  Lenatti  diesen  Auftrag  selber  habe  ausführen  wollen.62  Weiter 
verneinte er, seine Offerte als Reaktion auf die E-Mails vom 24. und 25. Februar 2010 ange-
passt zu haben.63 

53.  Er habe keine Ahnung, ob es vor dem Versand der E-Mails vom 24. und 25. Februar 
2010 einen Kontakt mit der Lazzarini gegeben habe. Wenn er jedoch einen solchen Auftrag 
wirklich gewollte hätte, hätte er das anders gelöst als über solche E-Mails. Das Büro von [Mit-
arbeiter A] sei lediglich 1,5 km entfernt gewesen.64  

[Mitarbeiter A] sei einer seiner besten Kollegen, mit dem er wöchentlich Kontakt habe. 

54. 
Er würde aber auch [Mitarbeiter A] „nichts schenken“, da er Unternehmer sei.65 

B.4  Beweiswürdigung 

B.4.1  Konsens 

55.  Um zu ergründen, ob zwischen Lazzarini, Lenatti und Hohenegger übereinstimmende 
wirkliche Willenserklärungen vorlagen, ihre Angebote bezüglich des Bauprojekts Um- und An-
bau [X] aus dem Jahr 2010 zu koordinieren, werden die vorhandenen Beweismittel gewürdigt. 

56.  Die  beiden  E-Mails  vom  24.  und  25.  Februar  2010  stellen,  zusammen  mit  den  ihnen 
angehängten Offerten, objektive Beweismittel dar, die in unmittelbarem und konkretem Bezug 
zu den vorgeworfenen Verhaltensweisen stehen.  

57.  Der darin enthaltene Satz „Bitte 5 % höher eingeben“ lässt keinen anderen Schluss zu, 
als dass Lazzarini Lenatti und Hohenegger darum ersuchte, höhere Offerten einzugeben bzw. 
Lazzarini bei diesem Bauprojekt nicht zu konkurrenzieren.  

58.  Aus den E-Mails ist dagegen nicht unmittelbar ersichtlich, ob Hohenegger und Lenatti 
mit der von [Mitarbeiter A] beabsichtigen Vorgehensweise einverstanden waren. Dem Ersu-
chen von Lazzarini haben jedenfalls weder Hohenegger noch Lenatti schriftlich zugestimmt. 
Zu prüfen ist daher, ob ein Konsens zur Angebotskoordination zwischen den Parteien münd-
lich oder durch konkludentes Verhalten zustande gekommen ist. 

59.  Dabei ist zu beachten, dass Lazzarini eingestanden hat, dass beim vorliegenden Projekt 
eine „(versuchte) Absprache“ vorlag. Auch [Mitarbeiter A], [Funktion] der Lazzarini in Same-
dan, räumte im Rahmen seiner Einvernahme als Zeuge ein, dass es sich um einen „Schutz“ 
gehandelt  habe. Hohenegger  interpretierte  die  beiden  E-Mails  ebenfalls  dahingehend,  dass 
Hohenegger Lazzarini „Schutz“ gewähren sollte (vgl. aber Rz 62 hiernach). Diese übereinstim-
menden  Aussagen  von  Lazzarini, Hohenegger  und  des  Zeugen  [Mitarbeiter  A]  erachtet  die 

59   Act. IV.023, Zeile 106. 
60   Act. IV.024. 
61   Act. IV.024, Zeile 278 f. 
62   Act. IV.024, Zeile 321. 
63   Act. IV.024, Zeile 342. 
64   Act. IV.024, Zeilen 358 ff. 
65   Act. IV.024, Zeile 371. 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

11 

 
 
 
 
 
                                                 
Behörde als glaubwürdig. Sie bestätigen, dass die E-Mails von [Mitarbeiter A] vom 24. und 25. 
Februar 2010 nicht etwa bloss als einseitige Aufforderung von Lazzarini an Lenatti und Ho-
henegger, höhere Angebote einzureichen, zu verstehen sind. Vielmehr sind diese E-Mails als 
Ausfluss eines Konsenses zwischen den Parteien zu betrachten, ihre Angebote zu koordinie-
ren.  

60.  Allerdings wurde von [Mitarbeiter B] bestritten, dass es einen Konsens gegeben habe, 
wonach  Lenatti  habe  höher  eingeben  sollen  als  Lazzarini.  Gemäss  seiner  Aussage  habe 
Lenatti den Auftrag selber ausführen wollen.66 Er könne nicht sagen, ob es vor dem Versand 
der E-Mails vom 24. und 25. Februar 2010 einen Kontakt mit Lazzarini gegeben habe.67 Wenn 
er  einen  solchen  Auftrag  wirklich  gewollt  hätte,  hätte  er  das  jedoch  anders  gelöst  als  über 
solche E-Mails. Das Büro von [Mitarbeiter A] sei lediglich 1,5 km entfernt gewesen,68 was wohl 
dahingehend zu interpretieren ist, dass [Mitarbeiter B] mit [Mitarbeiter A] diesfalls den direkten 
Kontakt gesucht hätte.  

61.  Die Aussagen von [Mitarbeiter B] sind aus folgenden Gründen nicht glaubhaft: 

 

 

Anzeichen,  dass  sich  Lenatti  in  irgendeiner  Form  oder  auch  nur  in  untergeordneten 
Punkten von der von Lazzarini beabsichtigten Vorgehensweise distanziert hätte, liegen 
nicht vor. Insbesondere erhob Lenatti nach der ersten E-Mail vom 24. Februar 2010 kei-
nerlei Einwand gegen die von [Mitarbeiter A] skizzierte Vorgehensweise, woraufhin sie 
am  nächsten  Tag  auch  die  zweite E-Mail  mit  der  angehängten  ergänzten  Offerte  von 
Lazzarini  erhielt.  Zudem  fällt  auf,  dass  Lenatti  tatsächlich  einen  um  wenige  Prozente 
höheren Preis offerierte als Lazzarini (dazu Rz 79 f.). Damit verhielt sie sich so, wie es 
Lazzarini gemäss ihren E-Mails beabsichtigt hatte. 

Unglaubhaft ist sodann die Aussage von [Mitarbeiter B], wonach es vor dem Versand 
der beiden E-Mails wohl keinen Kontakt zwischen Lazzarini und Lenatti gegeben habe. 
Derartige E-Mails werden typischerweise nicht ohne vorherige Kontaktaufnahme,  z.B. 
per E-Mail, per Telefon oder im Rahmen eines Treffens, verschickt. SIA-Schnittstellen 
können schliesslich technisch nur auf elektronischem Wege (z.B. per E-Mail, CD-ROM, 
Memory-Stick etc.) übermittelt werden. Auch die allgemeine Formulierung der E-Mails, 
insbesondere die Verwendung der Wendung „in der Beilage noch die Eingabe Lazzarini 
AG“ lässt [Hervorhebung durch die Behörde] darauf schliessen, dass zwischen den Par-
teien bereits vor Versand der E-Mails ein Austausch in Bezug auf das fragliche Projekt 
stattgefunden hat. Auch schien für [Mitarbeiter A] aufgrund seiner gewählten Worte ohne 
weiteres ausser Frage zu stehen, dass Hohenegger und Lenatti bereits Kenntnis vom 
betreffenden  Bauprojekt  hatten.  Da  es  sich  dabei  um  private,  nicht  öffentlich  ausge-
schriebene Bauleistungen handelte, konnte sich [Mitarbeiter A] über die Kenntnis von 
Hohenegger und Lenatti vom konkreten Bauprojekt nur dann im Klaren sein, wenn dies-
bezüglich zwischen ihnen vorgängig eine Kommunikation stattfand. Im Übrigen wird von 
Hohenegger bestätigt, dass sich die Parteien wohl bereits vor Versand der E-Mails von 
[Mitarbeiter A] über das fragliche Projekt ausgetauscht haben. [Mitarbeiter A] hätte sol-
che E-Mails nicht ohne vorherige Kontaktaufnahme versendet. Auch [Mitarbeiter A] gab 
am  10.  September  2015  zu  Protokoll,  dass  ihn  [Mitarbeiter  B]  und  [Mitarbeiter  C]  vor 
Versand  der  E-Mail  telefonisch  angefragt  hätten,  ob  er  bei  diesem  Projekt  eingeben 
würde.  Somit  ist  –  entgegen  den  Aussagen  von  [Mitarbeiter  B]  –  erstellt,  dass  es  vor 
Versand  der  E-Mails  einen  Kontakt zwischen  Lazzarini,  Lenatti  und  Hohenegger gab. 
Daran bestehen keine vernünftigen Zweifel. 

 

Dass Lenatti gegenüber Lazzarini ihre Abredebereitschaft – zumindest implizit – kund-
getan haben musste, lässt sich schliesslich nur schon daran erkennen, dass Lazzarini 
einer Konkurrentin die eigene Eingabesumme offenlegte und damit riskierte, von dieser 

66   Act. IV.024, Zeile 321. 
67   Act. IV.024, Zeile 355. 
68   Act. IV.024, Zeile 360. 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

12 

 
 
 
 
                                                 
in der Ausschreibung unterboten zu werden.69 Ein solches Verhalten lässt sich nur durch 
den gemeinsamen Willen zur Angebotskoordination erklären. 

62.  Weiter ist auf die Vorbringen von Hohenegger in ihrer Stellungnahme vom 11. Mai 2017 
einzugehen. Darin bestreitet sie, dass sie die Konkurrenten darüber informiert habe, ob sie 
eine Offerte einreichen werde oder nicht, und – wenn ja – zu welchem Preis. Zwar mag es 
zutreffen, dass Hohenegger Lazzarini nicht zusicherte, tatsächlich eine höhere Offerte zu ihren 
Gunsten („Schutzofferte“) einzureichen. Fest steht hingegen, dass sich Hohenegger auf die 
Kommunikation mit Lazzarini einliess und keine Einwände gegen deren skizzierte Vorgehens-
weise erhob. Ebenso ist erwiesen, dass vor Versand der fraglichen E-Mails ein Kontakt zwi-
schen Lazzarini und Hohenegger stattgefunden haben muss (vgl. Rz 61 hiervor), was von Ho-
henegger zwar nicht bestätigt, aber auch nicht bestritten wird. Hätte Hohenegger zu diesem 
Zeitpunkt – unabhängig von den Absichten von Lazzarini – bereits den Entscheid getroffen 
gehabt, auf ein Angebot zu verzichten, hätte sie dies Lazzarini mitgeteilt und sich nicht auf die 
Mitteilung der Offertsumme von Lazzarini eingelassen. Vielmehr muss sie anlässlich des Kon-
takts mit Lazzarini zum Ausdruck gebracht haben, dass sie hinter deren Interessen zurück-
stehe, sei es durch Einreichung eines höheren Angebots („Schutzofferte“), sei es durch Ange-
botsverzicht.  Lazzarini  ihrerseits  hätte  Hohenegger  nicht  ihre  Eingabesumme  offengelegt, 
wenn sie nicht mit einem solchen Entgegenkommen von Hohenegger gerechnet hätte, zumal 
sie ansonsten riskiert hätte, von Hohenegger unterboten zu werden (vgl. auch Rz 61 hiervor). 

63.  Vor diesem Hintergrund ist erstellt, dass Lazzarini, Lenatti und Hohenegger den über-
einstimmenden Willen äusserten, sich beim Bauprojekt Um- und Anbau [X] nicht zu konkur-
renzieren. Daran bestehen keine vernünftigen Zweifel. 

64.  Zwischen Lazzarini und Lenatti beinhaltete dieser Konsens, dass Lenatti bei der Aus-
schreibung des Bauprojekts Um- und Anbau [X] höher eingeben sollte als Lazzarini. In Bezug 
auf die Koordination zwischen Lazzarini und Hohenegger ist zu beachten, dass Hohenegger 
letztlich auf die Einreichung einer Offerte verzichtete (dazu Rz 79). Insofern ist anzunehmen, 
dass sich ihr Konsens darauf beschränkte, dass Hohenegger Lazzarini nicht konkurrenzieren 
sollte. 

B.4.2  Verfolgter Zweck 

65.  Als  Zweck  für  die  Bekanntgabe  der  Offerte  seitens  von  Lazzarini  gab  [Mitarbeiter  C], 
Hohenegger, am 2. September 2015 (Rz 44) an, dass er davon ausgehe, dass [Mitarbeiter A] 
ihn zu einer höheren Eingabe aufgefordert habe, damit Lazzarini das am günstigsten offerie-
rende Unternehmen gewesen wäre und entsprechend den Auftrag habe erhalten sollen. Ho-
henegger sollte Lazzarini „Schutz“ gewähren. 

66.  Gemäss der Aussage von [Mitarbeiter A] habe Lazzarini Interesse an der Ausführung 
des Projektes Um- und Anbau [X] gehabt, die anderen beteiligten Unternehmen dagegen nicht. 
Aus diesem Grund habe Lazzarini Lenatti und Hohenegger jeweils ihre Offerte zugestellt und 
die Eingabesummen mitgeteilt. 

67.  Daraus  ergibt  sich,  dass  Lazzarini,  Lenatti  und  Hohenegger  mit  ihrem  Verhalten  be-
zweckten, sich bei der Ausschreibung des Bauprojekts Um- und Anbau [X] nicht zu konkur-
renzieren. Andere Motive sind nicht ersichtlich und wurden auch nicht geltend gemacht. 

B.4.3  Rolle der Beteiligten 

68.  Vorliegend ist die Rolle der Beteiligten, insbesondere die Rolle von Lazzarini als Schutz-
nehmerin bei der Initiative zur Angebotskoordination sowie bei der Organisation und Umset-
zung der untersuchten Verhaltensweise zu würdigen. Zuerst ist zu prüfen, ob vor dem Versand 

69   Gemäss Aussage von [Mitarbeiter B] vom 20.10.2015 sei [Mitarbeiter A] „einer seiner besten Kolle-

gen“, Act. IV.024, Zeile 370. 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

13 

 
 
 
 
                                                 
der Offerte ein initiierender Kontakt für die Angebotskoordination stattfand und von wem ge-
gebenenfalls die Initiative für die Angebotskoordination ausging. Zweitens ist zu prüfen, welche 
Rolle Lazzarini bei der Organisation und Durchsetzung der untersuchten Verhaltensweise ein-
nahm. 

Initiative für die Angebotskoordination 

69.  Gemäss der Aussage von [Mitarbeiter A], Lazzarini, sei dieser von [Mitarbeiter B] und 
[Mitarbeiter C] telefonisch angefragt worden, ob er eingeben würde (Rz 51). 

70.  Auch Hohenegger bestätigte, dass es wahrscheinlich vor dem E-Mail-Versand vom 24. 
und 25. Februar 2010 einen Kontakt mit [Mitarbeiter A] gegeben habe (Rz 45).  

In Rz 61 sind die Gründe aufgeführt, weshalb zwischen Lazzarini, Lenatti und Hoheneg-

71. 
ger vor Versand der E-Mail vom 24. Februar 2010 ein vorgängiger Kontakt stattfand. 

72.  Lediglich von [Mitarbeiter B] wurde bestritten, dass es vor Versand der E-Mails vom 24. 
bzw. 25. Februar 2010 einen vorgängigen Kontakt gab (Rz 60), was sich als unglaubhaft er-
wiesen hat (Rz 61). 

73.  Somit ist erstellt, dass vor Versand der E-Mails vom 24. bzw. vom 25. Februar 2010 ein 
vorgängiger Kontakt stattfand.  

74.  Wer vorliegend die Initiative für die Angebotskoordination ergriffen hat, ist den Urkunden 
nicht zu entnehmen. Zwar wurde von Lazzarini ausgesagt, dass diese in Bezug auf das Bau-
projekt Um- und Anbau [X] von [Mitarbeiter B] und [Mitarbeiter C] telefonisch kontaktiert wor-
den sei. Dies wird jedoch weder durch Dokumente belegt, noch durch andere Aussagen so 
bestätigt. 

75.  Zusammenfassend ist unklar, von wem bei dieser Ausschreibung die Initiative zur Ange-
botskoordination in Form eines ersten Kontaktes ausging. Vielmehr könnte die Initiative zur 
Angebotskoordination sowohl von der Schutznehmerin als auch von den schützenden Unter-
nehmen ausgegangen sein. Dem Grundsatz in dubio pro reo folgend, kann keinem der betei-
ligten Unternehmen die Initiative zur Angebotskoordination nachgewiesen werden.  

Rolle bei der Organisation und Umsetzung der untersuchten Verhaltensweise 

76. 
[Mitarbeiter A], Lazzarini, wandte sich in seinen beiden E-Mails vom 24. und 25. Februar 
2010 an [Mitarbeiter B] (Lenatti) und an [Mitarbeiter C] (Hohenegger). Inhalt dieser Nachrichten 
von [Mitarbeiter A] bildete insbesondere die Offertsumme von Lazzarini in Bezug auf das Bau-
projekt Um- und Anbau [X]. In beiden E-Mails erteilte [Mitarbeiter A] klare Anweisungen, wie 
einzugeben sei. In der E-Mail vom 24. Februar 2010 bedankte er sich zusätzlich abschliessend 
für die „Bemühungen“.  

77.  Gemäss der Aussage von [Mitarbeiter A] vom 10. September 2015 habe Lazzarini Inte-
resse an der Ausführung des Projektes Um- und Anbau [X] gehabt, die anderen beteiligten 
Unternehmen dagegen nicht. Samedan liege vor seiner Haustüre. 

78.  Damit ist erstellt, dass Lazzarini die zwei E-Mails verfasst und versandt hat, welche zur 
Koordination  der  Angebote  und  deren  Eingabehöhe  erforderlich  waren.  Die  anderen  Unter-
nehmen beschränkten sich darauf, ihr Angebot entsprechend den E-Mails von Lazzarini ein-
zugeben (Lenatti) bzw. auf ein Angebot zu verzichten (Hohenegger). 

B.4.4  Umsetzung und Auswirkungen 

79.  Gemäss den Angaben des verantwortlichen Architekturbüros […], gab Lazzarini für das 
Bauprojekt An- und Umbau [X] mit einer Gesamtsumme (inkl. MWST) von CHF 990‘25570 ein, 

70   Vgl. Fn 48. 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

14 

 
 
 
 
                                                 
Lenatti mit einer Summe von CHF 1‘035‘748 und Kuhn mit einer Summe von CHF […]. Ho-
henegger reichte keine Offerte ein. 

80. 
Indem Lenatti somit tatsächlich einen um wenige Prozente höheren Preis als derjenige 
von Lazzarini offerierte und Lazzarini dadurch nicht konkurrenzierte, verhielt sich Lenatti genau 
nach dem Konsens. Lenatti verzichtete dadurch auf die Chance, den Auftrag zu erhalten und 
begünstigte bewusst die (letztlich nicht erfolgte) Zuschlagserteilung an Lazzarini. 

81. 
Indem Hohenegger keine Offerte einreichte, konkurrenzierte sie Lazzarini bei der Aus-
schreibung [X] nicht und verhielt sich somit ebenso nach dem Konsens. Daran bestehen keine 
vernünftigen Zweifel. So spielte es für Lazzarini keine wesentliche Rolle, ob Hohenegger eine 
höhere  Offerte  oder  gar  keine  Offerte  einreichte.  So  oder  anders  verzichtete  Hohenegger 
durch ihr Verhalten auf die Chance, den Auftrag zu erhalten und begünstigte dadurch bewusst 
die (letztlich nicht erfolgte) Zuschlagserteilung an Lazzarini. 

82.  Damit  ist  erwiesen,  dass  sich  Lenatti  und  Hohenegger  an  die  getroffene  Abmachung 
hielten. Konkret reichte Lenatti eine höhere Offerte ein als Lazzarini, während Hohenegger auf 
eine Offerteingabe verzichtete. Die Unternehmen handelten gemäss ihrem Konsens. Weiter 
ist erstellt, dass sich Lazzarini, Lenatti und Hohenegger in Bezug auf das Bauprojekt Um- und 
Anbau [X] nicht konkurrenzierten. Ebenso ist erwiesen, dass der Zuschlag schliesslich an die 
Firma Kuhn erging. 

B.5  Beweisergebnis  

83.  Nach dem Gesagten ist bewiesen: 

 

 

 

Dass Lazzarini, Hohenegger und Lenatti den übereinstimmenden Willen geäussert ha-
ben, sich beim Bauprojekt Um- und Anbau [X] nicht zu konkurrenzieren. Der Konsens 
zwischen Lazzarini und Lenatti beinhaltete darüber hinaus, dass Lenatti beim Bauprojekt 
Um- und Anbau [X] höher eingeben sollte als Lazzarini. 

Dass für Lazzarini, Hohenegger und Lenatti der verfolgte Zweck darin bestand, sich beim 
Bauprojekt Um- und Anbau [X] nicht zu konkurrenzieren. 

Dass Lenatti in der Folge – entsprechend diesen übereinstimmenden Willenserklärun-
gen – eine Offerte einreichte, die über dem von Lazzarini eingegebenen Preis lag und 
dass Hohenegger in der Folge auf eine Offerteingabe verzichtete. Der Zuschlag wurde 
nicht wie plangemäss an Lazzarini, sondern an Kuhn erteilt. 

C 

Erwägungen 

C.1  Geltungsbereich 

C.1.1  Persönlicher Geltungsbereich 

84.  Das Kartellgesetz (KG)71 gilt in persönlicher Hinsicht sowohl für Unternehmen des priva-
ten als auch für solche des öffentlichen Rechts (Art. 2 Abs. 1 KG). Als Unternehmen im Sinne 
des Kartellgesetzes gelten sämtliche Nachfrager oder Anbieter von Gütern und Dienstleistun-
gen  im  Wirtschaftsprozess,  unabhängig  von  ihrer  Rechts-  oder  Organisationsform  (Art. 2 
Abs. 1bis KG). Sämtliche Parteien erfüllen vorliegend die Merkmale privatrechtlicher Unterneh-
men, womit das KG in persönlicher Hinsicht anwendbar ist. 

71   Bundesgesetz vom 6.10.1995 über Kartelle und andere Wettbewerbsbeschränkungen (Kartellge-

setz, KG; SR 251). 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

15 

 
 
 
 
                                                 
C.1.2  Verfügungsadressatinnen 

85.  Adressatinnen einer wettbewerbsrechtlichen Verfügung können diejenigen natürlichen 
oder juristischen Personen sein, welche die Unternehmung betreiben bzw. deren Rechtsträ-
gerinnen sie sind.72  

86.  Soweit die Verfahrensparteien sowohl zum (allfälligen) Tatzeitpunkt als auch aktuell Trä-
gerinnen der betreffenden Unternehmen waren bzw. sind, wirft die Frage der Verfügungsad-
ressaten keinen spezifischen Klärungsbedarf auf. Besonders zu prüfen sind hingegen Kons-
tellationen,  in  denen  die  Unternehmensträgerschaft  während  oder  nach  der  (allfälligen) 
Tatbegehung geändert hat, namentlich im Zuge von Umstrukturierungen. Dies betrifft vorlie-
gend  Lenatti.  So  wurde  die  Tätigkeit  von  Lenatti  und  der  Firma  Hohenegger  &  Broggi  AG, 
Bergün/Bravuogn, im Bereich Hoch- und Tiefbau am 29. April 2014 auf die neu gegründete 
Broggi Lenatti überführt.  

87.  Das Kartellrecht knüpft für die Sanktionierbarkeit an die Verhaltensweise eines Unter-
nehmens an. Wenn dieses Unternehmen, welches den Kartellrechtsverstoss zu verantworten 
hat,  wirtschaftlich  betrachtet  fortbesteht,  so  muss  auch  die  neue  Unternehmensträgerin  für 
dieses  Verhalten  einstehen.  So  hat  die  WEKO  in  der  Vergangenheit  bereits  festgehalten73, 
dass ein Wettbewerbsverstoss nicht nur bei eigentlicher Rechtsnachfolge (z.B. infolge Fusion) 
der neuen Unternehmensträgerin zuzurechnen ist, sondern auch in Fällen, in denen ein be-
stehendes Unternehmen  bloss  wirtschaftlich  betrachtet  unter  neuer  Trägerschaft  fortgeführt 
wird (Unternehmenskontinuität), etwa im Rahmen eines «Asset Deals». Gleiches wird im Üb-
rigen auch in der Literatur zum Unternehmensstrafrecht postuliert.74 Ob eine solche wirtschaft-
liche  Kontinuität  gegeben  ist,  beurteilt  sich  nach  den  gesamten  Umständen  des  Einzelfalls. 
Massgebend sind insbesondere folgende Kriterien:  

 

 

 

 

 

 

Übernahme von Personal (insbesondere von Schlüsselpersonen), Inventar und Räum-
lichkeiten; 

identische Geschäftstätigkeit (sachlich, örtlich); 

Übernahme von Know-how, Kundenregistern und anderen immateriellen Werten; 

Eintritt in Verträge; 

Aussenauftritt (z.B. gleiche oder ähnliche Firma, Corporate Identity); 

besondere  Schutzmassnahmen  zugunsten  des  übernommenen  Unternehmens  (z.B. 
Konkurrenzverbot der früheren Rechtsträgerin). 

88.  Broggi Lenatti führt in ihrer Stellungnahme zum Antrag des Sekretariats aus, dass die 
Broggi Lenatti AG – weder wirtschaftlich noch rechtlich – als Nachfolgerin der P. Lenatti AG 
zu betrachten sei. Im Lichte der genannten Kriterien vermag dies hinsichtlich der Nachfolge in 
wirtschaftlicher Hinsicht nicht zu überzeugen. Dabei ist Folgendes zu beachten: 

89.  Broggi Lenatti übernahm von Lenatti, bis auf eine Ausnahme, das bauspezifische Per-
sonal,  das  Inventar  (Maschinen,  Werkzeuge,  Warenlager  etc.)  sowie  eine  Immobilie75.  Ge-
mäss eigenen Angaben entspricht die Geschäftstätigkeit von Broggi Lenatti im Bereich Bau 
ab dem 1. Mai 2014 derjenigen von Lenatti vor der Zusammenführung.76 Lenatti ist zwar immer 

72  Vgl. Urteil des BVGer B-7633/2009 vom 14.9.2015, E. 27 ff., 67, ADSL II. 
73   Vgl. den Entscheid der WEKO vom 10.7.2017, Hoch- und Tiefbauleistungen Münstertal, Rz 263, 

abrufbar unter <www.weko.admin.ch> unter Aktuell > letzte Entscheide (2.11.2017). 

74   Vgl. CARLO ANTONIO BERTOSSA, Unternehmensstrafrecht – Strafprozess und Sanktionen, 2003, 160; 
NIKLAUS SCHMID, Strafbarkeit des Unternehmens: die prozessuale Seite, in: recht 2003, 201–224, 
Rz 4.2.5. 

75   Act. 54, Rz 2 (22-0462). 
76   Act. I.443, Antwort auf Frage 7. Vgl. auch die Medienmitteilung der Broggi Lenatti AG vom 29. April 

2014 „Zusammenschluss zweier Traditionsbetriebe“. 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

16 

 
 
 
 
                                                 
noch  im  Handelsregister  eingetragen,  übt  jedoch  laut  eigenen  Angaben  keine  Bautätigkeit 
mehr aus. Zudem stellte Broggi Lenatti durch die gewählte Firma auch in der Aussenwahrneh-
mung bewusst einen Zusammenhang zu Lenatti her. Die Erwähnung der Firma Lenatti im Na-
men der neugegründeten Unternehmung erfolgte nach Angaben von Broggi Lenatti aus Mar-
keting-Überlegungen,  zumal  sie  im  Oberengadin  im  Wettbewerb  auftritt.77  Auch  auf  ihrer 
Homepage erwähnt Broggi Lenatti, dass sie aus der Zusammenführung der Bautätigkeit der 
beiden bestehenden Unternehmen Hohenegger & Broggi AG und der P. Lenatti AG hervorge-
gangen ist.78 

90.  Aus  diesen  Gründen  ist  eine  wirtschaftliche  Kontinuität  zwischen  Broggi  Lenatti  und 
Lenatti  zu  bejahen.  Broggi  Lenatti  ist  daher  für  allfällige  Wettbewerbsverstösse  von  Lenatti 
(dazu Rz 97 ff.) ins Recht zu fassen.  

91.  Nach dem Gesagten ist die vorliegende Verfügung an folgende Gesellschaften zu rich-
ten: 

 

 

 

 

Broggi Lenatti AG, Bergün/Bravuogn 

Lazzarini AG, Samedan 

P. Lenatti AG, Hoch- und Tiefbau, Bever 

René Hohenegger Sarl, Zernez. 

C.1.3  Sachlicher Geltungsbereich 

In sachlicher Hinsicht erstreckt sich das Kartellgesetz auf das Treffen von Kartell- und 
92. 
anderen Wettbewerbsabreden, auf die Ausübung von Marktmacht sowie auf die Beteiligung 
an Unternehmenszusammenschlüssen (Art. 2 Abs. 1 KG).  

93.  Ob die Parteien eine Wettbewerbsabrede getroffen haben, wird im Rahmen der materi-
ellen Beurteilung noch im Einzelnen zu prüfen sein (vgl. dazu Rz 109). Es wird auf die dortigen 
Ausführungen verwiesen und an dieser Stelle auf deren Wiedergabe verzichtet.  

C.1.4  Örtlicher und zeitlicher Geltungsbereich 

94.  Der vorliegende Untersuchungsgegenstand fällt in den örtlichen und zeitlichen Geltungs-
bereich des Kartellgesetzes. 

C.2 

Vorbehaltene Vorschriften 

95.  Dem Kartellgesetz sind Vorschriften vorbehalten, die auf einem Markt für bestimmte Wa-
ren oder Leistungen Wettbewerb nicht zulassen, insbesondere Vorschriften, die eine staatliche 
Markt-  oder  Preisordnung  begründen,  und  solche,  die  einzelne  Unternehmen  zur  Erfüllung 
öffentlicher Aufgaben mit besonderen Rechten ausstatten (Art. 3 Abs. 1 KG). Ebenfalls nicht 
unter das Gesetz fallen Wettbewerbswirkungen, die sich ausschliesslich aus der Gesetzge-
bung über das geistige Eigentum ergeben. Hingegen unterliegen Einfuhrbeschränkungen, die 
sich  auf  Rechte  des  geistigen  Eigentums  stützen,  der  Beurteilung  nach  diesem  Gesetz 
(Art. 3 Abs. 2 KG). 

Im hier zu beurteilenden Markt gibt es keine Vorschriften, die Wettbewerb nicht zulassen. 
96. 
Der Vorbehalt von Art. 3 Abs. 1 und 2 KG wird von den Parteien auch nicht geltend gemacht. 

77   Act. 54, Rz 4 (22-0462).  
78   <http://broggi-lenatti.ch/de/ueber-uns/geschichte> (4.12.2017). 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

17 

 
 
 
 
 
                                                 
C.3  Unzulässige Wettbewerbsabrede 

97.  Abreden, die den Wettbewerb auf einem Markt für bestimmte Waren oder Leistungen 
erheblich beeinträchtigen und sich nicht durch Gründe der wirtschaftlichen Effizienz rechtferti-
gen lassen, sowie Abreden, die zur Beseitigung wirksamen Wettbewerbs führen, sind unzu-
lässig (Art. 5 Abs. 1 KG). 

98. 
Im Folgenden ist in einem ersten Schritt zu prüfen, ob eine Wettbewerbsabrede vorliegt 
(vgl. Rz 99 ff.). Ist dies zu bejahen, ist in einem zweiten Schritt zu beurteilen, ob diese gemäss 
Art. 5 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 KG unzulässig ist (Rz 110 ff.). 

C.3.1  Wettbewerbsabrede 

99.  Als Wettbewerbsabreden gelten rechtlich erzwingbare oder nicht erzwingbare Vereinba-
rungen  sowie  aufeinander  abgestimmte  Verhaltensweisen  von  Unternehmen  gleicher  oder 
verschiedener  Marktstufen,  die  eine  Wettbewerbsbeschränkung  bezwecken  oder  bewirken 
(Art. 4 Abs. 1 KG). Eine formelle vertragliche Grundlage ist nicht notwendig, vielmehr sind ab-
gestimmte  Verhaltensweisen  bis  hin  zu  verbindlichen  Vereinbarungen  einschlägig,79  wobei 
sich Vereinbarungen von den aufeinander abgestimmten Verhaltensweisen durch den vorhan-
denen resp. nicht vorhandenen Bindungswillen unterscheiden80. 

100.  Eine Wettbewerbsabrede im Sinne von Art. 4 Abs. 1 KG liegt vor, wenn erstens ein be-
wusstes  und  gewolltes  Zusammenwirken  der  an  der  Abrede  beteiligten  Unternehmen  und 
zweitens ein Bezwecken oder ein Bewirken einer Wettbewerbsbeschränkung durch die Ab-
rede gegeben sind.81 Diese Kriterien sind im Folgenden im Einzelnen zu beurteilen. 

C.3.1.1  Bewusstes und gewolltes Zusammenwirken 

101.  Unter das bewusste und gewollte Zusammenwirken fallen nach dem Gesagten Verein-
barungen und abgestimmte Verhaltensweisen.  

102.  Beweismässig ist vorliegend erstellt, dass Lazzarini, Hohenegger und Lenatti den über-
einstimmenden  wirklichen  Willen  geäussert  haben,  ihre  Eingabeverhalten  beim  Bauprojekt 
Um- und Anbau [X] zu koordinieren (Rz 83). In Bezug auf das Verhältnis zwischen Lazzarini 
und Lenatti beinhaltete dieser Konsens zudem, dass Lenatti beim Bauprojekt Um- und Anbau 
[X] zu einem höheren Preis als Lazzarini offerieren sollte. 

103.  Damit  ist  das  Tatbestandsmerkmal  der  Vereinbarung  im  Sinne  von  Art.  4  Abs.  1  KG 
erfüllt. 

C.3.1.2  Bezwecken oder Bewirken einer Wettbewerbsbeschränkung 

104.  Neben  einem  bewussten  und  gewollten  Zusammenwirken  muss  die  Abrede  gemäss 
Art. 4 Abs. 1 KG „eine Wettbewerbsbeschränkung bezwecken oder bewirken“. Eine Wettbe-
werbsbeschränkung liegt vor, wenn das einzelne Unternehmen auf seine unternehmerische 
Handlungsfreiheit verzichtet und so das freie Spiel von Angebot und Nachfrage einschränkt.82 
Die Abrede über die Wettbewerbsbeschränkung muss sich auf einen Wettbewerbsparameter 
(wie beispielsweise den Preis oder die Lieferbedingungen) beziehen.83 Art. 4 Abs. 1 KG setzt 

79   Siehe dazu etwa RPW 2009/3, 204 Rz 49, Elektroinstallationsbetriebe Bern. 
80   RPW 2013/4, 559 Rz 167, Wettbewerbsabreden im Strassen- und Tiefbau im Kanton Zürich.  
81   RPW 2009/3, 204 Rz 50, Elektroinstallationsbetriebe Bern.  
82   RPW 2013/4, 560 Rz 178, Wettbewerbsabreden im Strassen- und Tiefbau im Kanton Zürich.  
83   Urteil des BVGer, RPW 2013/4, 756 f. E. 3.2.3, Gaba/WEKO; Urteil des BVGer, RPW 2013/4, 813 

E. 3.2.6, Gebro/WEKO. 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

18 

 
 
 
 
                                                 
die Tatbestandsmerkmale „bezwecken“ resp. „bewirken“– wie bereits das Wort „oder“ im Ge-
setzestext verdeutlicht – alternativ voraus, nicht kumulativ.84  

105.  Eine Abrede bezweckt eine Wettbewerbsbeschränkung, wenn die Abredebeteiligten „die 
Ausschaltung  oder  Beeinträchtigung  eines  oder  mehrerer  Wettbewerbsparameter  zum  Pro-
gramm erhoben haben“.85 Dabei genügt es, wenn der Abredeinhalt objektiv geeignet ist, eine 
Wettbewerbsbeschränkung  durch  Ausschaltung  eines  Wettbewerbsparameters  zu  verursa-
chen. Die subjektive Absicht der an der Abrede Beteiligten ist unerheblich.86  

106.  Die vorliegende Abrede beinhaltete, das Eingabeverhalten zwischen den Parteien in Be-
zug auf das Bauprojekt Um- und Anbau [X] zu koordinieren (Rz 55 ff.). Ein solcher Abredeinhalt 
ist in objektiver Hinsicht geeignet, eine Wettbewerbsbeschränkung zu bewirken. Darüber hin-
aus ist vorliegend – obwohl dies nicht notwendig ist – erwiesen, dass die Abredeteilnehmer 
mit ihrem  Verhalten auch in subjektiver Hinsicht bezweckten, sich nicht zu konkurrenzieren 
(Rz 67). Somit war die vorliegende Abrede nicht nur (objektiv) geeignet, den Wettbewerb zu 
beeinträchtigen, sondern es bestand auch eine dahingehende Absicht der Abredeteilnehmer. 

107.  Damit liegt eine Wettbewerbsabrede im Sinne von Art. 4 Abs. 1 KG vor. 

C.3.1.3  Abrede zwischen Unternehmen gleicher oder verschiedener Marktstufen 

108.  Die  Parteien  waren  als  Unternehmen  auf  derselben  Marktstufe  tätig  und  als  solche 
Konkurrentinnen  hinsichtlich  der  Vergabe  des  Bauprojekts  Um-  und  Anbau  [X].  Die  vorlie-
gende Abrede ist somit horizontaler Natur. 

C.3.1.4  Zwischenergebnis 

109.  Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Parteien in Bezug auf das Bauprojekt Um- 
und Anbau [X] durch ihr bewusstes und gewolltes Zusammenwirken eine Wettbewerbsabrede 
zwischen  Unternehmen  gleicher  Marktstufe  gemäss  Art. 4  Abs. 1  KG  getroffen  haben.  Im 
Folgenden ist zu prüfen, ob diese Wettbewerbsabrede gemäss Art. 5 Abs.1 i.V.m. Abs. 3 KG 
unzulässig ist. 

C.3.2  Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs  

110.  Gemäss Art. 5 Abs. 3 KG wird die Beseitigung wirksamen Wettbewerbs bei folgenden 
Abreden vermutet, sofern sie zwischen Unternehmen getroffen werden, die tatsächlich oder 
der Möglichkeit nach miteinander im Wettbewerb stehen: 

a.  Abreden über die direkte oder indirekte Festsetzung von Preisen; 

b.  Abreden über die Einschränkung von Produktions-, Bezugs- oder Liefermengen; 

c.  Abreden über die Aufteilung von Märkten nach Gebieten oder Geschäftspartnern. 

C.3.2.1  Vermutung der Beseitigung gemäss Art. 5 Abs. 3 KG  

111.  Gegenstand der vorliegenden Wettbewerbsabrede zwischen Lazzarini und Lenatti bil-
dete die Preisfestsetzung der Angebote und gleichzeitig die Steuerung der Zuschlagserteilung, 
womit eine Aufteilung des Auftrags und damit der Geschäftspartner unter den Abredeteilneh-
menden erfolgt. Die Wettbewerbsabrede zwischen Lazzarini und Hohenegger betraf die Steu-
erung der Zuschlagserteilung und somit die Zuteilung von Geschäftspartnern.  

84  Statt anderer RPW 2012/3, 550 Rz 97, BMW. 
85   RPW 2013/4, 560 Rz 180, Wettbewerbsabreden im Strassen- und Tiefbau im Kanton Zürich. 
86   Urteil des BVGer, RPW 2013/4, 756 f. E. 3.2.3, Gaba/WEKO; Urteil des BVGer, RPW 2013/4, 813 

E. 3.2.6, Gebro/WEKO.  

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

19 

 
 
 
 
                                                 
112.  Dabei handelt es sich um typischerweise, regelmässig auch in Kombination, anzutref-
fenden Abredegegenstände von sogenannten Submissionsabreden. Solche Submissionsab-
reden  sind  unter  Art. 5  Abs. 3  Bst. a  und  Bst. c  KG  (Lazzarini  und  Lenatti)  bzw.  unter 
Art 5 Abs. 3 Bst. c KG (Lazzarini und Hohenegger) zu subsumieren.87  

113.  Die vorliegende Abrede fällt somit unter die Aufzählung in Art. 5 Abs. 3 KG. Damit greift 
die Vermutung der Beseitigung wirksamen Wettbewerbs. Im Folgenden ist zu prüfen, ob sich 
diese Vermutung widerlegen lässt. 

114.  Daran ändern namentlich auch die Vorbringen von Hohenegger nichts. So führte sie in 
ihrer Stellungnahme zum Antrag aus, dass sie nicht in der Lage gewesen sei, einen Auftrag 
dieser Grösse zu bewältigen bzw. noch nie einen Auftrag dieser Dimension ausgeführt habe.88 
Da Honegger bei der strittigen Ausschreibung keine Offerte eingereicht hat, stand sie zu den 
übrigen Abredeteilnehmern nicht in einem tatsächlichen Konkurrenzverhältnis. Infolge des An-
gebotsverzichts ging sie nicht in den Kreis der zur Auswahl stehenden Unternehmen ein. Da 
sie aber zur Einreichung einer Offerte eingeladen worden ist, ist sie aber zumindest als poten-
zielle Konkurrentin zu betrachten, was für das Vorliegen einer horizontalen Wettbewerbsab-
rede genügt. Somit greift die Vermutung der Beseitigung gemäss Art. 5 Abs. 3 KG.  

C.3.2.2  Widerlegung der gesetzlichen Vermutung der Wettbewerbsbeseitigung 

115.  Die Vermutung der Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs kann durch den Nachweis 
widerlegt werden, dass trotz der Wettbewerbsabrede noch wirksamer – aktueller und potenzi-
eller  –  Aussenwettbewerb  (Wettbewerb  durch  nicht  an  der  Abrede  beteiligte  Unternehmen) 
oder Innenwettbewerb (Wettbewerb unter den an der Abrede beteiligten Unternehmen) beste-
hen bleibt.  

116.  Wird nicht nachgewiesen, dass trotz der Abrede wirksamer Wettbewerb besteht, greift 
die gesetzliche Vermutung und gestützt auf diese ist von einer Beseitigung des Wettbewerbs 
auszugehen. Insoweit wirkt sich eine diesbezügliche Beweislosigkeit zum Nachteil des betref-
fenden Unternehmens aus, das insofern die objektive Beweislast trägt.89 

117.  Im Folgenden gilt es zu prüfen, ob die gesetzliche Vermutung der Wettbewerbsbeseiti-
gung im vorliegenden Fall widerlegt werden kann. Um dies zu beurteilen, sind zunächst die 
sachlich und räumlich, womöglich auch die zeitlich relevanten Märkte für bestimmte Waren 
oder  Dienstleistungen  abzugrenzen,  auf  welchen  sich  die  vorliegende  Wettbewerbsabrede 
auswirkte. In einem zweiten Schritt ist alsdann zu prüfen, ob der auf den relevanten Märkten 
trotz  des  Vorliegens  von  Wettbewerbsabreden  noch  verbleibende  aktuelle  und  potenzielle 
Aussen- sowie Innenwettbewerb wirksamen Wettbewerb herzustellen und damit die Vermu-
tung zu widerlegen vermag. 

C.3.2.3  Relevanter Markt 

118.  Bei  der  Abgrenzung  des  relevanten  Marktes  ist  zu  bestimmen,  welche  Waren  oder 
Dienstleistungen für die Marktgegenseite in sachlicher, örtlicher und zeitlicher Hinsicht aus-
tauschbar sind.90  

119.  Bei dieser Abgrenzung sind Sinn und Zweck der Marktabgrenzung zu berücksichtigen. 
Diese liegen weniger darin, eine allgemeingültige Marktdefinition für einen Wirtschaftsbereich 
zu  schaffen,  als  vielmehr  darin,  die  (ökonomischen)  Wirkungen  einer  konkret  untersuchten 

87   RPW  2013/4,  592  ff.  Rz  820.,  Wettbewerbsabreden  im  Strassen-  und  Tiefbau  im  Kanton  Zürich 

m.w.H. 

88   Act. 48 (22-0462). 
89   Siehe in diesem Sinne BGE 129 II 18 E. 7.1 (= RPW 2002/4, 743 E 7.1), Buchpreisbindung, sowie 

das Urteil des BVGer, RPW 2010/2, 381 f. E. 9, Implenia (Ticino) SA/WEKO. 

90   BGE 139 I 72, 92 E. 9.1 m.w.H. (= RPW 2013/1, 127 E. 9.1), Publigroupe SA et al./WEKO.  

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

20 

 
 
 
 
                                                 
Wettbewerbsbeschränkung zu beurteilen.91 Zudem ist die Bestimmung des relevanten Markts 
für  die  Höhe  der  Sanktion  von  Bedeutung  (siehe  unten  Rz  143  ff.).  Daraus  folgt  zwingend, 
dass die Marktabgrenzung davon abhängig ist, welche (mögliche) Wettbewerbsbeschränkung 
konkret untersucht wird. 

(i) 

Marktgegenseite 

120.  Für sämtliche Aspekte der Marktabgrenzung kommt es auf die Sichtweise der Marktge-
genseite an. „Marktgegenseite“ sind dabei die Abnehmer derjenigen Leistung, die Gegenstand 
der untersuchten (möglichen) Wettbewerbsbeschränkung ist.92 Untersuchen die Wettbewerbs-
behörden  z. B.  die  Wirkungen  einer  Wettbewerbsabrede,  so  sind  diejenigen  Personen  als 
Marktgegenseite zu betrachten, welche die Güter oder Dienstleistungen beziehen, auf die sich 
die Abrede bezieht. 

121.  Im vorliegenden Fall war die Bauherrin, [X], welche den Um- und Anbau ihres Hauses in 
Samedan nachgefragt hat, Marktgegenseite der Parteien. 

(ii) 

Sachlich und räumlich relevanter Markt 

122.  Der sachliche Markt umfasst alle Waren oder Leistungen, die von der Marktgegenseite 
hinsichtlich ihrer Eigenschaften und ihres vorgesehenen Verwendungszwecks als substituier-
bar angesehen werden (Art. 11 Abs. 3 Bst. a VKU93, der hier analog anzuwenden ist).94  

123.  Die  vorliegende  Wettbewerbsabrede  bezog  sich  auf  das  betreffende  Hochbauprojekt. 
Der sachlich relevante Markt umfasst daher die Bauleistungen betreffend Um- und Anbau [X]. 

124.  Der räumliche Markt umfasst das Gebiet, in welchem die Marktgegenseite die den sach-
lichen  Markt  umfassenden  Waren  oder  Leistungen  nachfragt  oder  anbietet  (Art. 11  Abs. 3 
Bst. b VKU, der hier analog anzuwenden ist).95 

125.  Das vorliegende Bauprojekt ist naturgemäss an den Ort der Ausführung gebunden, also 
in der vorliegenden Untersuchung an Samedan. Im Bauwesen besteht ein gewisser Distanz-
schutz aufgrund der hohen Transportkosten. Mit zunehmender Distanz zwischen dem Ausfüh-
rungsort und dem Werkhof einer Bauunternehmung steigen die Selbstkosten und somit sinkt 
auch die Rentabilität. 

126.  Aufgrund der Projektgrösse und den geographischen Gegebenheiten (Alpenpässe, Dis-
tanzen, fehlende Schnellstrassen) des Engadins ist davon auszugehen, dass in den meisten 
Fällen lokal tätige Bauunternehmen eine wirtschaftliche Offerte einreichen konnten. Tatsäch-
lich haben beim vorliegenden Projekt auch nur Unternehmen aus dem Engadin eine Offerte 
eingereicht. Die Grenze zwischen Ober- und Unterengadin ist, auch aufgrund eines fehlenden 
geografischen Hindernisses, eher durchlässig. Aus diesem Grund bildet vorliegend maximal 
das gesamte Engadin den räumlich relevanten Markt.  

91  Exemplarisch OECD, Market Definition, DAF/COMP(2012)19, S. 11; RAINER TRAUGOTT, Zur Abgren-
zung von Märkten, WuW 1998, 929–939, 929; TILL STEINVORTH, Probleme der geografischen Markt-
abgrenzung,  WuW  10/2014,  S.  924–937;  vgl.  auch  ROGER  ZÄCH,  Schweizerisches  Kartellrecht, 
2. Aufl.  2005,  Rz 532;  MANI  REINERT/BENJAMIN  BLOCH,  in:  Basler  Kommentar,  Kartellgesetz,  Am-
stutz/Reinert  (Hrsg.),  2010,  Art. 4  Abs. 2  KG  N 94;  MARCEL  MEINHARDT/ASTRID  WASER/JUDITH 
BISCHOF, in: Basler Kommentar, Kartellgesetz, Amstutz/Reinert (Hrsg.), 2010, Art. 10 KG N 40.  
92  Vgl. Urteil des BVGer B-7633/2009 vom 14.9.2015, E. 269, ADSL II; RETO HEIZMANN, Der Begriff 
des marktbeherrschenden Unternehmens im Sinne von Art. 4 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 7 KG, 
Zürich 2005, Rz 281. 

93  Verordnung  vom  17.6.1996  über  die  Kontrolle  von  Unternehmenszusammenschlüssen  (VKU; 

SR 251.4). 

94  BGE 139 I 72, 93 E. 9.2.3.1 (RPW 2013/1, 127 E. 9.2.3.1), Publigroupe SA et al./WEKO. 
95    BGE 139 I 72, 92 E. 9.2.1 m.w.H. (RPW 2013/1, 127 E. 9.2.1), Publigroupe SA et al./WEKO. 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

21 

 
 
 
 
                                                 
C.3.2.3.2 

Innenwettbewerb 

127.  Wie in Rz 64 ff. dargelegt, gab Lenatti schliesslich tatsächlich eine höhere Offerte ein als 
Lazzarini und Hohenegger verzichtete auf eine Offerteingabe. Es ist somit kein Innenwettbe-
werb zwischen Lazzarini, Lenatti und Hohenegger ersichtlich.  

C.3.2.3.3  Aussenwettbewerb 

128.  Nachfolgend ist zu beurteilen, inwieweit die an der Wettbewerbsabrede beteiligten Un-
ternehmen in ihrem Verhalten durch aktuellen oder potenziellen Wettbewerb diszipliniert wor-
den sind, d.h., ob sie überhaupt über die Möglichkeit verfügten, die Preise zu erhöhen oder 
die Mengen zu reduzieren oder die Qualitäten zu senken oder die Innovation zu verzögern; 
kurz, ob sie volkswirtschaftliche oder soziale Schäden verursachen konnten. 

129.  Beim  vorliegend  zu  beurteilenden  Projekt  wurden  die  entsprechenden  Arbeiten  durch 
eine  private  Bauherrschaft  vergeben.  Aussenwettbewerb  (aktueller  wie  auch  potenzieller) 
konnte  damit  ausschliesslich  durch  allfällige  zur  Offertabgabe  eingeladene  bzw.  angefragte 
Bauunternehmen, die sich nicht gleichzeitig an der Abrede beteiligten, entstehen. Das Unter-
nehmen, von welchem damit überhaupt ein wirksamer Aussenwettbewerb ausgehen konnte, 
ist durch das angefragte Unternehmen Kuhn identifiziert. 

130.  Die  vorliegende  Abrede  war  nicht  erfolgreich,  da  das  zu  schützende  Unternehmen 
Lazzarini  den  Zuschlag  nicht  wie  vereinbart  erhielt,  sondern  ein  Aussenwettbewerber,  die 
Firma Kuhn. Somit lag bezüglich der vorliegend ausgeschriebenen Bauleistungen ausreichen-
der Aussenwettbewerb vor, der die Vermutung der Wettbewerbsbeseitigung widerlegt.96 

C.3.3  Erhebliche Beeinträchtigung des Wettbewerbs  

131.  Gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts, u.a. im Fall Gaba, ist das Kriterium der 
Erheblichkeit in Art. 5 Abs. 1 KG als Bagatellklausel zu verstehen. Schon ein geringes Mass 
ist ausreichend, um als erheblich qualifiziert zu werden.97 Das Gericht stellte sodann klar, dass 
die Frage der Erheblichkeit bei Wettbewerbsabreden nach Art. 5 Abs. 3 und 4 KG grundsätz-
lich nur unter dem Gesichtspunkt qualitativer Elemente zu würdigen ist. In der Regel sind sol-
che Wettbewerbsabreden bereits aufgrund ihres Gegenstandes erheblich.98 Quantitative As-
pekte sind hierbei nicht zu prüfen. Schliesslich ist nicht erforderlich, dass sich die betreffenden 
Abreden tatsächlich negativ auf den Wettbewerb ausgewirkt haben. Es genügt, dass sie den 
Wettbewerb potenziell beeinträchtigen können.99  

132.  Der vorliegenden Wettbewerbsabrede war ein nicht unbedeutendes Schädigungspoten-
zial immanent. Als horizontale Geschäftspartner- und Preisabrede (Art. 5 Abs. 3 Bst. a und c 
KG; vgl. Rz 111) betraf sie zentrale Wettbewerbsparameter. Zudem wurde sie umgesetzt. Da-
mit entfiel zwischen den Abredeteilnehmern jeglicher Innenwettbewerb.  

133.  Die Bagatellschwelle ist – bezogen auf den relevanten Markt (Rz 118 ff. hiervor) – bei 
weitem überschritten. Das Kriterium der Erheblichkeit ist somit gegeben. 

96   Vgl.  dazu  auch  RPW  2013/4,  596  Rz  852  f.,  Wettbewerbsabreden  im  Strassen-  und  Tiefbau  im 

Kanton Zürich. 

97   BGE  143  II  297,  RPW  2017/2,  349  E. 5.1,  GABA;  bestätigt  in  Urteil  des  BGer  2C_63/2016  vom 

24.10.2017, E. 4.3.1, BMW. 

98   BGE  143  II  297,  RPW  2017/2,  350  E. 5.2,  GABA;  bestätigt  in  Urteil  des  BGer  2C_63/2016  vom 
24.10.2017,  E. 4.3.1,  BMW;  Urteil  des  BGer  2C_1017/2014  vom  9.10.2017,  E. 3.1,  Paul  Koch 
AG/WEKO; Urteil des BGer 2C_1016/2014 vom 9.10.2017, E. 1, Siegenia-Aubi AG/WEKO. 

99   BGE  143  II  297,  RPW  2017/2,  RPW  2017/2,  353  E. 5.4.2,  GABA;  bestätigt  in  Urteil  des 

BGer 2C_63/2016 vom 24.10.2017, E. 4.3.2, BMW.  

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

22 

 
 
 
 
                                                 
C.3.4  Rechtfertigung aus Effizienzgründen 

134.  Es liegt eine den Wettbewerb erheblich beeinträchtigende Abrede vor. Es ist daher zu 
prüfen, ob diese gemäss Art. 5 Abs. 2 KG gerechtfertigt ist. Laut Art. 5 Abs. 2 KG sind Wett-
bewerbsabreden durch Gründe der wirtschaftlichen Effizienz gerechtfertigt, wenn sie:  

notwendig sind, um die Herstellungs- oder Vertriebskosten zu senken, Produkte oder 

a) 
Produktionsverfahren zu verbessern, die Forschung oder die Verbreitung von technischem 
oder beruflichen Wissen zu fördern oder um Ressourcen rationeller zu nutzen; und  

den beteiligten Unternehmen in keinem Fall Möglichkeiten eröffnen, wirksamen Wett-

b) 
bewerb zu beseitigen.  

135.  Rechtfertigungsgründe der wirtschaftlichen Effizienz (Art. 5 Abs. 2 KG) sind bei der vor-
liegenden Wettbewerbsabrede nicht ersichtlich und wurden von den Parteien auch nicht vor-
gebracht. Es handelt sich somit um eine unzulässige Wettbewerbsbeschränkung im Sinne von 
Art. 5 Abs. 3 i.V.m. Abs. 1 KG dar. 

C.3.5  Ergebnis 

136.  Es  steht  fest,  dass  der  Wettbewerb  in  Bezug  auf  die  abgesprochenen  Bauleistungen 
Um- und Anbau Wohnhaus [X] nicht beseitigt, jedoch i.S.v. Art. 5 Abs. 3 und 1 KG erheblich 
beeinträchtigt wurde. Die Abrede kann nicht durch Effizienzgründe i.S.v. Art. 5 Abs. 2 KG ge-
rechtfertigt werden und ist somit gestützt auf Art. 5 Abs. 1 und 3 Bst. a und c KG unzulässig. 

C.4  Massnahmen 

137.  Nach Art. 30 Abs. 1 KG entscheidet die WEKO über die zu treffenden Massnahmen oder 
die Genehmigung einer einvernehmlichen Regelung. Massnahmen in diesem Sinn sind so-
wohl Anordnungen zur Beseitigung von unzulässigen Wettbewerbsbeschränkungen als auch 
monetäre Sanktionen. 

C.4.1  Anordnung von Massnahmen 

138.  Liegt eine unzulässige Wettbewerbsbeschränkung vor, so kann die WEKO Massnahmen 
zu deren Beseitigung anordnen, indem sie den betroffenen Parteien die sanktionsbewehrte 
Pflicht zu einem bestimmen Tun (Gebot) oder Unterlassen (Verbot) auferlegt. Solche Gestal-
tungsverfügungen haben stets dem Verhältnismässigkeitsprinzip zu entsprechen, weshalb die 
Massnahmen  von  der  Art  und  Intensität  des  konkreten  Wettbewerbsverstosses  abhängig 
sind.100 

139.  Die Unternehmen Lazzarini, Lenatti und Hohenegger werden unter Hinweis auf die ge-
setzlichen Folgen im Widerhandlungsfall (Art. 50 und 54 KG) dazu verpflichtet, Verhaltenswei-
sen zu unterlassen, welche unzulässige Wettbewerbsabreden gemäss Art. 5 Abs. 3 KG dar-
stellen. 

140.  Insbesondere wird den genannten Unternehmen untersagt: 

 

 

Konkurrenten im Zusammenhang mit der Erbringung von Hoch- und Tiefbauleistungen 
weder  um  Schutz,  Stützofferten  oder  den  Verzicht  auf  eine  Offerteingabe  anzufragen 
noch derartiges anzubieten. 

sich in Zusammenhang mit der Erbringung von Hoch- und Tiefbauleistungen mit Kon-
kurrenten vor Ablauf der Offerteingabefrist – oder, sofern nicht vorhanden, vor rechts-
kräftiger  Auftragserteilung  –  nicht  über  Offertpreise,  Preiselemente  sowie  die  Zu-  und 

100  RPW 2013/4, 643 Rz 1028 ff., Wettbewerbsabreden im Strassen- und Tiefbau im Kanton Zürich; 

RPW 2015/2, 235 Rz 266 ff., Tunnelreinigung. 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

23 

 
 
 
 
 
                                                 
Aufteilung von Kunden und Gebieten auszutauschen. davon ausgenommen ist der Aus-
tausch unabdingbarer Informationen im Zusammenhang mit 

a) der Bildung und Durchführung von Arbeitsgemeinschaften (ARGE) sowie  
b) der Mitwirkung an der Auftragserfüllung als Subunternehmer. 

141.  Diese Anordnungen umschreiben die Verpflichtungen der Verfahrensparteien, um sich 
künftig kartellrechtskonform zu verhalten, hinreichend bestimmt, vollständig und klar. Zudem 
stehen sie in unmittelbaren Zusammenhang zur von ihnen begangenen unzulässigen Verhal-
tensweise und verhindern, dass es erneut zu derartigen Verhaltensweisen kommt. Sie sind 
verhältnismässig,  zumal  sie  zur  Erreichung  des  Ziels,  die  Wiederholung  der  festgestellten 
Wettbewerbsbeschränkungen zu verhindern, geeignet sowie erforderlich und zumutbar sind. 

142.  Verstösse  bzw.  Widerhandlungen  gegen  die  genannten  Massnahmen  können  nach 
Massgabe von Art. 50 bzw. 54 KG mit einer Verwaltungs- bzw. Strafsanktion belegt werden. 
Diese Sanktionierbarkeit ergibt sich ohne Weiteres aus dem Gesetz selber, weshalb auf eine 
entsprechende – lediglich deklaratorische und nicht konstitutive – Sanktionsdrohung im Dis-
positiv verzichtet werden kann.101 

C.4.2  Sanktionierung 

143.  Gemäss Art. 49a Abs. 1 KG wird ein Unternehmen, das an einer unzulässigen Abrede 
nach Art. 5 Abs. 3 und 4 KG beteiligt ist oder sich nach Art. 7 KG unzulässig verhält, mit einem 
Betrag  bis  zu  10  Prozent  des  in  den  letzten  drei  Geschäftsjahren  in  der  Schweiz  erzielten 
Umsatzes belastet. Art. 9 Abs. 3 KG ist sinngemäss anwendbar. Der Betrag bemisst sich nach 
der Dauer und der Schwere des unzulässigen Verhaltens. Der mutmassliche Gewinn, den das 
Unternehmen dadurch erzielt hat, ist angemessen zu berücksichtigen. 

C.4.2.1  Voraussetzungen 

144.  Sämtliche Parteien erfüllen vorliegend den Unternehmensbegriff nach Art. 2 Abs. 1 und 
1bis KG und haben durch den Verstoss gegen Art. 5 Abs. 3 KG eine unzulässige Verhaltens-
weise im Sinne von Art. 49a Abs. 1 KG begangen.  

145.  Die  natürlichen  Personen,  welche  vorliegend  für  die  Unternehmen  handelten  und  die 
kartellrechtswidrige Submissionsabsprache trafen, taten dies wissentlich oder nahmen deren 
wettbewerbsbeseitigende Wirkung zumindest in Kauf, handelten diesbezüglich also zumindest 
eventualvorsätzlich. Sodann ist festzuhalten, dass die handelnden natürlichen Personen für 
die  jeweiligen  Unternehmen  entweder  zeichnungsberechtigt  waren  oder  jeweils  mindestens 
dem mittleren oder oberen Kader bzw. der Geschäftsleitung angehörten. Ihr Vorsatz bezüglich 
der von ihnen vorgenommenen Handlungen ist daher ohne Weiteres den betroffenen Unter-
nehmen zuzurechnen. 

C.4.2.2  Sanktionierbarkeit in zeitlicher Hinsicht 

146.  Die  Sanktionierung  ist  gemäss  Art. 49a  Abs. 3  Bst. b  KG  ausgeschlossen,  wenn  die 
Wettbewerbsbeschränkung bei Eröffnung der Untersuchung länger als fünf Jahre nicht mehr 
ausgeübt  worden  ist.  Für  die  Prüfung  dieser  fünfjährigen  Frist  ist  im  Einzelfall  die  gesamte 
Dauer des Kartells miteinzubeziehen. 

147.  Bisher  ungeklärt  ist,  ob  die  Vorschrift  „unternehmensbezogen“  oder  „tatbezogen“  ver-
standen werden muss. Mit anderen Worten stellt sich die Frage, ob die Sanktionierung eines 
Unternehmens ausgeschlossen ist, wenn die Untersuchungseröffnung gegenüber diesem Un-
ternehmen über fünf Jahre nach dessen Einstellung des KG-Verstosses erfolgte, oder ob eine 

101  Vgl. Entscheid der REKO/WEF vom 9.6.2005, RPW 2005/3, 530 E. 6.2.6, Telekurs Multipay; Urteil 

des BVGer vom 3.10.2007, RPW 2007/4, 653 E. 4.2.2, Flughafen Zürich AG, Unique. 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

24 

 
 
 
 
 
                                                 
Sanktionierung eines Unternehmens nur ausgeschlossen ist, wenn die Untersuchung als sol-
che über fünf Jahre nach dessen Einstellung des KG-Verstosses erfolgte, unabhängig davon, 
ob sich die Untersuchung von Anfang an gegen das betreffende Unternehmen richtete oder 
nicht. 

148.  Für  eine  tatbezogene  Auslegung  spricht  erstens  der  Wortlaut.  Denn  Art. 49a  Abs. 3 
Bst. b KG ist tatbezogen formuliert („Die Belastung entfällt, wenn die Wettbewerbsbeschrän-
kung…“). Zweitens kommt hinzu, dass Art. 49a Abs. 3 Bst. b KG seinem Sinn und Zweck zu-
wider  laufen  würde,  wenn  diese  Norm  „unternehmensbezogen“  zu  interpretieren  wäre.  Die 
Wettbewerbsbehörde kennt bei Eröffnung einer Untersuchung oftmals nicht alle Beteiligten an 
einem Wettbewerbsverstoss. Häufig erweist sich erst im Laufe der Untersuchung, dass weitere 
Unternehmen am möglichen Wettbewerbsverstoss beteiligt sind. Wäre diese Norm unterneh-
mensbezogen  zu  verstehen,  müsste  die  Wettbewerbsbehörde  gegen  sämtliche  theoretisch 
denkbaren Beteiligten eröffnen, damit die Sanktionierbarkeit nicht entfällt, wodurch die Durch-
führung der entsprechenden Untersuchungen massiv erschwert würde. Auch wäre eine solche 
„breite“ Eröffnung nicht im Interesse der Unternehmen.  

149.  Dass  der  Sinn  und  Zweck  der  Bestimmung  für  eine  „tatbezogene“  Auslegung  von 
Art. 49a Abs. 3 Bst. b KG spricht, zeigt insbesondere auch der Blick auf den vorliegenden Fall. 
In  casu  hat  sich  nämlich  erst  im  Laufe  der  Untersuchung  herausgestellt,  dass  sich  weitere 
Unternehmen am vorliegenden Wettbewerbsverstoss beteiligten. Dies ergab sich erst aus der 
Auswertung und Analyse der anlässlich der ersten Hausdurchsuchung beschlagnahmten Do-
kumente. Bei einer grossen Anzahl durchsuchter Unternehmen kann eine entsprechende Aus-
wertung mehrere Monate oder Jahre beanspruchen. Entsprechend konnte das Verfahren ge-
gen die betreffenden Unternehmen erst im November 2015 ausgedehnt werden. 

150.  Keine Hinweise für die Bedeutung von Art. 49a Abs. 3 Bst. b KG ergeben sich aus den 
Gesetzesmaterialien und der Gesetzessystematik. Damit ist auf das Ergebnis der grammati-
kalischen und teleologischen Auslegung abzustellen. Im Einklang mit diesen Auslegungskrite-
rien ist die Vorschrift somit tatbezogen zu verstehen. 

151.  Im vorliegenden Fall wurde die Untersuchung gegenüber Lazzarini und Hohenegger am 
30. Oktober 2012 eröffnet. Am 23. November 2015 wurde sie gegen Lenatti und Broggi Lenatti 
ausgedehnt. Es stellt sich die Frage, ob mit der Eröffnung der Untersuchung gegenüber Laz-
zarini und Hohenegger am 30. Oktober 2012 die Frist für die Sanktionierbarkeit gewahrt ist. 
Da die Untersuchung als Gegenstand „Wettbewerbsbeschränkungen im Unterengadin“ 2012 
eröffnet wurde, war das vorliegende Projekt, welches im Oberengadin liegt, nicht vom damali-
gen Untersuchungsgegenstand erfasst. Am 22. April 2013 wurde die Untersuchung auf den 
gesamten Kanton Graubünden ausgedehnt. Die Ausdehnung wurde im Schweizerischen Han-
delsblatt publiziert.102 Mit der Ausdehnung vom 22. April 2013 ist die Frist für die Sanktionier-
barkeit gemäss Art. 49a Abs. 3 Bst. b KG gewahrt, und zwar gegenüber allen Verfahrenspar-
teien. Daher können die Verfahrensparteien aufgrund der 5-jährigen Frist nach Art. 49a Abs. 3 
Bst.  b  KG  für  Kartellrechtsverstösse,  die  nach  dem  22.  April  2008  eingestellt  worden  sind, 
gebüsst werden. Das relevante Projekt der vorliegenden Untersuchung wurde nach diesem 
Zeitpunkt, nämlich im Jahre 2010, vergeben. Folglich kann der in diesem Zusammenhang be-
gangene Kartellrechtsverstoss sanktioniert werden. 

152.  Damit sind sämtliche Voraussetzungen einer Sanktionierung gemäss Art. 49a Abs. 1 KG 
erfüllt. 

102  SHAB vom 28.05.2013 [siehe auch Act. I.080 (22-0433)]. 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

25 

 
 
 
 
                                                 
C.4.2.3  Bemessung  

C.4.2.3.1  Konkrete Sanktionsbemessung 

153.  Rechtsfolge  eines  Verstosses  im  Sinne  von  Art. 49a  Abs. 1  KG  ist  die  Belastung  des 
fehlbaren Unternehmens mit einem Betrag bis zu 10 Prozent des in den letzten drei Geschäfts-
jahren in der Schweiz erzielten Umsatzes. Dieser Betrag stellt demnach die höchstmögliche 
Sanktion dar. Die konkrete Sanktion bemisst sich nach der Dauer und der Schwere des unzu-
lässigen Verhaltens, wobei der mutmassliche Gewinn, den das Unternehmen dadurch erzielt 
hat, angemessen zu berücksichtigen ist. 

154.  Die  konkreten  Bemessungskriterien  und  damit  die  Einzelheiten  der  Sanktionsbemes-
sung  werden  in  der  SVKG  näher  präzisiert  (vgl.  Art. 1  Bst. a  SVKG).  Die  Festsetzung  des 
Sanktionsbetrags  liegt  dabei  grundsätzlich  im  pflichtgemäss  auszuübenden  Ermessen  der 
WEKO, welches durch die Grundsätze der Verhältnismässigkeit103 und der Gleichbehandlung 
begrenzt wird.104 Die WEKO bestimmt die effektive Höhe der  Sanktion nach den konkreten 
Umständen im Einzelfall, wobei die Geldbusse für jedes an einer Zuwiderhandlung beteiligte 
Unternehmen individuell innerhalb der gesetzlich statuierten Grenzen festzulegen ist. 

a) Basisbetrag 

155.  Der Basisbetrag beträgt gemäss SVKG je nach Art und Schwere des Verstosses bis zu 
10 Prozent des Umsatzes, den das betreffende Unternehmen in den letzten drei Geschäfts-
jahren auf dem relevanten Markt in der Schweiz erzielt hat (Art. 3 SVKG). Gemäss Art. 3 SVKG 
ist die aufgrund des Umsatzes errechnete Höhe des Basisbetrages je nach Schwere und Art 
des Verstosses festzusetzen (vgl. dazu Erläuterungen SVKG, S. 2 f.). 

156.  Die an der Submissionsabrede beteiligten Unternehmen erzielten im von der vorliegen-
den abgesprochenen Submission betroffenen Markt keinen Umsatz, da ihre Schutznahme er-
folglos blieb bzw. da ihnen lediglich die Rolle der Schutzgeber zugedacht war. Art. 49a Abs. 1 
KG sieht eine Sanktionierung von Unternehmen vor, welche sich an einer unzulässigen Ab-
rede beteiligt haben. Das Entfallen der Belastung ist auf Gesetzesstufe nur aus den in Art. 49a 
Abs. 3 KG abschliessend aufgeführten Gründen vorgesehen. Eine rein auf der Basis des ei-
genen Umsatzes zu bemessende Sanktion würde bei Abredebeteiligten, deren Schutznahme 
erfolglos blieb oder die durch eine Stützofferte den designierten Zuschlagsempfänger schüt-
zen sollten, aufgrund fehlenden Umsatzes zu einer Nicht-Sanktionierung führen, die in Art. 49a 
KG nicht vorgesehen ist. Dieses Ergebnis entspricht nicht dem Sinn und Zweck der Regelung 
von Art. 3 SVKG und kann vom Verordnungsgeber nicht gewollt gewesen sein. Dabei ist auch 
zu beachten, dass der Bundesrat befugt ist, Ausführungsbestimmungen (Art. 60 KG) zu den 
in Art. 49a KG festgelegten Sanktionskriterien zu erlassen. Zudem kann er auf Antrag der Be-
teiligten im Einzelfall Wettbewerbsabreden und Verhaltensweisen marktbeherrschender Un-
ternehmen zulassen, die von der zuständigen Behörde für unzulässig erklärt wurden, wenn 
sie in Ausnahmefällen notwendig sind, um überwiegende öffentliche Interessen zu verwirkli-
chen. Zur Regelung weiterer, im Gesetz nicht vorgesehener Sanktionsbefreiungstatbestände 
wurde der Bundesrat vom Gesetzgeber indes nicht ermächtigt. Wäre Art. 3 SVKG so auszu-
legen, dass Unternehmen, die im durch das wettbewerbswidrige Verhalten betroffenen Markt 
keinen Umsatz erzielten, keine Sanktion aufzuerlegen wäre, würde dies den gesetzlichen Rah-
men  des  Kartellgesetzes  sprengen.  Kartellrechtliche  Sanktionen  dienen  nicht  nur  der  Ab-
schöpfung der Kartellrente, sondern weisen auch pönalen Charakter auf und sollen die Prä-
legis  der  kartellrechtlichen 
ventivwirkung  des  Kartellrechts  verstärken.  Dieser  ratio 
Sanktionsvorschriften liefe es zuwider, wenn „schutzgebende“ Unternehmen straffrei ausge-
hen  würden.  Namentlich  ist  auch  den  Erläuterungen  zur  KG-Sanktionsverordnung  nicht  zu 
entnehmen, dass bei einer solchen Sachlage auf eine Sanktionierung zu verzichten ist. Inso-

103  Art. 2 Abs. 2 SVKG. 
104  RPW 2006/4, 661 Rz 236, Flughafen Zürich AG (Unique) – Valet Parking. 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

26 

 
 
 
 
                                                 
fern ergibt die Auslegung von Art. 3 SVKG, dass sich deren Konkretisierung der Sanktionsbe-
messung auf Fälle beschränkt, in denen ein Unternehmen tatsächlich einen Umsatz im rele-
vanten Markt erzielt hat. Sofern ein Unternehmen im relevanten Markt keinen Umsatz erwirt-
schaftet  hat,  ist  für  dieses  das  in  Art. 3  SVKG  vorgesehene  Kriterium  des  tatsächlichen 
Umsatzes nicht zu berücksichtigen, um die Höhe der in Art. 49a KG vorgesehenen Sanktion 
festzulegen.  

157.  Vor diesem Hintergrund ist vorliegend – unter Berücksichtigung der vom Gesetz- und 
Verordnungsgeber in Art. 49a KG und Art. 3 SVKG getroffenen Wertungen – ein Basisbetrag 
zu bestimmen, der einerseits den von der Submissionsabrede betroffenen Umsatz einbezieht 
und andererseits die Schwere und Art des Verstosses berücksichtigt. Vorliegend wurde, wie 
oben dargelegt, weder von den schützenden noch vom (erfolglos) schutznehmenden Unter-
nehmen beim Bauprojekt Um- und Anbau [X] einen Umsatz erzielt. Daher ist ersatzweise der 
Umsatz heranzuziehen, den die (erfolglos) geschützte Gesellschaft beim Bauprojekt Um- und 
Anbau  [X]  abredegemäss  hätte  erzielen  sollen.  Denn  dieser  Umsatz  reflektiert  letztlich  die 
wirtschaftliche Bedeutung der fraglichen Submission und damit des entsprechenden Marktes 
und gibt dadurch Aufschluss über die Tragweite und das Schädigungspotenzial des Kartell-
rechtsverstosses.105 Im vorliegenden Fall handelt es sich dabei für die drei abredebeteiligten 
Unternehmen um die Offertsumme von Lazzarini, als (erfolglos) schutznehmendes Unterneh-
men, von CHF 916‘902 exkl. MWST (vgl. Rz 40). Daraus ergibt sich für den Basisbetrag eine 
Obergrenze von CHF 91‘690. 

158.  Die Schwere der Zuwiderhandlung ist im Einzelfall unter Berücksichtigung aller relevan-
ten Umstände zu beurteilen. Allgemeine Aussagen zur Qualifizierung konkreter Abreden sind 
nur sehr beschränkt möglich, kommt es doch immer massgeblich auf die konkreten Umstände 
des Einzelfalls an. Zweifellos stellen Abreden gemäss Art. 5 Abs. 3 KG, welche den Wettbe-
werb beseitigen, – als sogenannte harte horizontale Kartelle – in aller Regel schwere Kartell-
rechtsverstösse dar. Unter anderem sind horizontale Abreden, welche den Preiswettbewerb 
ausschalten, wegen des grossen ihnen immanenten Gefährdungspotenzials grundsätzlich im 
oberen Drittel des möglichen Sanktionsrahmens, d.h. zwischen 7 und 10 Prozent, einzuord-
nen. Darüber hinaus ist im Allgemeinen davon auszugehen, dass Wettbewerbsbeschränkun-
gen, welche gleichzeitig mehrere Tatbestände gemäss Art. 5 KG erfüllen, schwerer zu gewich-
ten sind als solche, die nur einen Tatbestand erfüllen.  

159.  Lazzarini  als  erfolglose  Schutznehmerin  sowie  Lenatti  als  schützendes  Unternehmen 
beteiligten sich an Abreden, welche den Preis sowie auch die Aufteilung von Geschäftspart-
nern  zum  Gegenstand  haben.  Beide  Unternehmen  handelten  dabei  vorsätzlich.  Diese  Art 
Wettbewerbsabrede läuft den Anliegen des Kartellgesetzes in schwerwiegender Weise zuwi-
der. In der Ökonomie ist das Schädigungspotenzial von Abreden über den Preis und die Auf-
teilung von Geschäftspartnern unbestritten. Vorliegend sind zudem gleichzeitig mehrere der 
als im Wettbewerb besonders wesentlich anzuschauenden Parameter gemäss Art. 5 Abs. 3 
KG betroffen. Allerdings wurde im vorliegenden Fall der Wettbewerb nicht beseitigt, sondern 
erheblich beeinträchtigt, da die Abrede nicht zum angestrebten Ergebnis führte. Dies ist ge-
mäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts bei der Sanktionsbemessung zu berücksichti-
gen.  

160.  Der vorliegende Kartellrechtsverstoss ist demnach als mittelschwer zu werten.  

161.  Unter Berücksichtigung der Art und Schwere des kartellrechtlichen Verstosses erscheint 
für Lazzarini als nicht erfolgreiche Schutznehmerin der Submissionsabrede ein Basisbetrag 
von CHF 45‘000 als angemessen. 

162.  Unter Berücksichtigung der Art und Schwere des kartellrechtlichen Verstosses erscheint 
für Lenatti als schützendes Unternehmen ein Basisbetrag von CHF 25‘000 als angemessen. 

105  Vgl. RPW 2013/4, 618 Rz 956, Wettbewerbsabreden im Strassen- und Tiefbau im Kanton Zürich. 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

27 

 
 
 
 
                                                 
163.  Hohenegger beteiligte sich demgegenüber durch ihren bewussten Eingabeverzicht an 
einer Abrede über die Aufteilung von Geschäftspartnern, womit lediglich eine Tatbestandsva-
riante  von  Art.  5  KG  erfüllt  ist.  Der Kartellrechtsverstoss  von  Hohenegger  ist somit weniger 
schwer zu gewichten als derjenige von Lazzarini und Lenatti. 

164.  Unter Berücksichtigung der Art und Schwere des kartellrechtlichen Verstosses erscheint 
für  Hohenegger  als  durch  Eingabeverzicht  schützendes  Unternehmen  ein  Basisbetrag  von 
CHF 11‘250 als angemessen. 

b) Dauer des Verstosses 

165.  Gemäss Art. 4 SVKG erfolgt eine Erhöhung des Basisbetrages um bis zu 50 Prozent, 
wenn der Wettbewerbsverstoss zwischen einem und fünf Jahren gedauert hat, für jedes wei-
tere Jahr ist ein Zuschlag von bis zu 10 Prozent möglich (vgl. dazu Erläuterungen SVKG, S. 3). 

166.  Der vorliegende Kartellrechtsverstoss bezieht sich auf Leistungen im Rahmen eines ein-
zelnen Bauprojekts, nämlich den Um- und Anbau [X]. Der Wettbewerbsverstoss betrifft damit 
einen relativ kurzen Zeitraum. Folglich ist der Basisbetrag nicht zu erhöhen. 

c) Erschwerende Umstände 

167.  Gemäss  Art.  5  Abs.  2  Bst.  a  SVKG  wird  der  Betrag  nach  den  Art. 3  und  4  zusätzlich 
erhöht, wenn das betreffende Unternehmen zur Wettbewerbsbeschränkung anstiftete oder da-
bei eine führende Rolle spielte. Das Tatbestandsmerkmal der Anstiftung bzw. der führenden 
Rolle wird in Art. 5 Abs. 2 Bst. a SVKG genannt, aber vom Verordnungsgeber nicht definiert. 
Vorliegend werden Anstiftung und führende Rolle separat geprüft.  

Anstiftung 

168.  Unternehmen nehmen eine anstiftende Rolle ein, wenn sie andere Unternehmen dazu 
veranlassen, eine Wettbewerbsbeschränkung zu begehen bzw. sich daran zu beteiligen. Als 
Mittel kommt in Analogie zu den strafrechtlichen Kriterien der Anstiftung (vgl. Art. 24 StGB) 
grundsätzlich jedes motivierende Verhalten in Frage. Zu denken ist etwa an einen Vorschlag, 
eine konkludente Aufforderung oder eine motivierende Einladung (allenfalls unter Inaussicht-
stellen von Anreizen oder Drohungen).106 

169.  Wie in Rz 75 ausgeführt, ist nicht erstellt, dass eine Verfahrenspartei beim Bauprojekt 
Um- und Anbau [X] die Initiative zur Angebotskoordination ergriff. Welches Unternehmen diese 
Koordination letztlich initiierte, lässt sich nicht erstellen und muss daher offen gelassen wer-
den.  Unter  diesem  Gesichtspunkt  ist  der  Basisbetrag  daher  bei  keiner  Verfahrenspartei  zu 
erhöhen. Des Weiteren ist zu prüfen, ob eine der Verfahrensparteien allenfalls eine führende 
Rolle ausübte. 

Führende Rolle 

170.  Eine führende Rolle bei horizontalen Abreden liegt vor, wenn ein Unternehmen im kon-
kret  zu  beurteilenden  Einzelfall  in  besonderem  Masse  zur  Beschränkung  des  Wettbewerbs 
bzw. zum KG-Verstoss beigetragen hat. Zentral für die Beurteilung einer führenden Rolle sind 
zum einen die konkreten Beiträge eines Unternehmens zur Vorbereitung, Organisation, Durch-
führung und Umsetzung der Wettbewerbsbeschränkung und zum anderen die Interessenslage 
der beteiligten Unternehmen. Nimmt ein Unternehmen bei der Organisation oder Umsetzung 
eine besonders tragende Rolle ein und dient eine Wettbewerbsbeschränkung einem Unter-
nehmen in besonderem Masse, ist dies als Anzeichen seiner führenden Rolle zu werten.107 

106  RPW  2016/3,  751  Rz  224,  Saiteninstrumente  (Gitarren  und  Bässe)  und  Zubehör;  CHRISTOPH 
TAGMANN/BEAT  ZIRLICK,  in:  Basler  Kommentar,  Kartellgesetz,  Amstutz/Reinert  (Hrsg.),  2010, 
Art. 49a N 76. 

107  Vgl. dazu RPW 2016/3, 710 Rz 399 f., Flügel und Klaviere (noch nicht rechtskräftig); RPW 2016/3, 
751  Rz  224,  Saiteninstrumente  (Gitarren  und  Bässe)  und  Zubehör;  BSK  KG-TAGMANN/ZIRLICK 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

28 

 
 
 
 
                                                 
171.  Da der Verordnungsgeber die führende Rolle nicht definiert hat und die Anzahl diesbe-
züglicher Entscheide der WEKO bis anhin gering ausfällt, ist rechtsvergleichend die Praxis der 
EU-Kommission heranzuziehen. Auch die EU-Kommission beachtet bei der Berechnung der 
Sanktionshöhe die Rolle des Anführers als erschwerenden Umstand.108 Rechtsvergleichend 
sei  daher  auf  die  entsprechende  Praxis  der  EU-Gerichte  hingewiesen.  Demnach  muss  ein 
Unternehmen, um als Anführer eines Kartells eingestuft zu werden, eine wichtige Antriebskraft 
für das Kartell gewesen sein109 oder eine besondere, konkrete Verantwortung für dessen Funk-
tionieren getragen haben.110 Darauf kann auch aus einer Gesamtheit von Indizien geschlossen 
werden, die das Bestreben des Unternehmens zeigen, die Stabilität und den Erfolg des Kar-
tells zu sichern.111 Ein solcher Fall liegt etwa vor, wenn nachgewiesen ist, dass das Unterneh-
men  im  Kartell  die  Aufgaben  eines  Koordinators  übernommen  und  namentlich  das  mit  der 
konkreten Durchführung des Kartells betraute Sekretariat organisiert und mit Personal ausge-
stattet hatte.112 Oder wenn erwiesen ist, dass das betroffene Unternehmen im Rahmen der 
konkreten Betätigung des Kartells eine zentrale Rolle etwa dadurch spielte, dass es zahlreiche 
Treffen organisierte, die Informationen innerhalb des Kartells entgegennahm und verteilte, die 
Vertretung einiger Mitglieder im Kartell übernahm oder die meisten Vorschläge zur Arbeits-
weise des Kartells machte.113 Hierbei handelt es sich aber nicht um einen abschliessenden 
Katalog von möglichen Tatbeiträgen, die für eine führende Rolle sprechen. Die Einzelfallbe-
trachtung und der Umstand, dass Kartelle unterschiedlich initiiert, organisiert und gelebt wer-
den können, stünde einem solchen Schematismus entgegen. Letztlich ist massgeblich, ob der 
konkrete Tatbeitrag eines Beteiligten – absolut betrachtet – wesentlich für die Organisation, 
Umsetzung,  den  Fortbestand  und/oder  Erfolg  des  konkreten  Kartells  war  und  sich  –  relativ 
betrachtet – qualitativ und/oder quantitativ derart von Tatbeiträgen anderer Beteiligten abhob, 
dass im Vergleich zu diesen auf eine führende Rolle zu schliessen ist.  

172.  Vorliegend steht fest, dass Lazzarini die zwei E-Mails vom 24. bzw. 25. Februar 2010 an 
Lenatti und Hohenegger zusandte. Darin gab sie ihnen an, um welchem Prozentsatz sie höher 
offerieren sollen (vgl. Rz 35 hiervor). Diese Angabe der Höhe der Schutzofferte ist nicht als 
Tatbeitrag zu werten, der isoliert betrachtet zur Annahme einer führenden Rolle führt. Vielmehr 
liegt eine solche Handlung in der Natur einer einzelsubmissionsbezogenen preislichen Ange-
botskoordinierung.114  In  casu  war  der  für  Lazzarini  damit  verbundene  organisatorische  und 
intellektuelle Aufwand nur gering. Eine tragende Rolle von Lazzarini bei der Organisation so-
wie der Durchführung des Kartells liegt somit nicht vor. Zu würdigen ist sodann die Interessen-
lage  der  Beteiligten,  wonach  das  Interesse  von  Lazzarini  an  der  Angebotskoordination  als 
„Schutznehmerin“  grösser  gewesen  sein  dürfte  als  dasjenige  von  Lenatti  und  Hohenegger. 
Eine  solche  Interessensasymmetrie  liegt  bei  einzelprojektbezogenen  Submissionsabreden 

(Fn 106), Art. 49a N 78; ROBERT ROTH/CHRISTIAN BOVET, in: Commentaire Romand, Droit de la con-
currence, Martenet/Tercier/Bovet (Hrsg.), 2013, Art. 49a KG N 52. 

108  Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbussen gemäß Artikel 23 Absatz 2 Buchstabe 

a) der Verordnung (EG) Nr. 1/2003, ABl. C 210/2, 4 Rz 28. 

109  EuG verb. Rs. T-117/07 u. T-121/07, Slg. 2011, II-633 Rz 283, Areva et al. unter Verweis auf EuG 
T-410/03, Slg. 2008, II-881 Rz 423, Hoechst/Kommission; EuG, T-15/02 Slg. 2006, II-497 Rz 93, 
BASF/Kommission.  

110  EuG verb. Rs. T-117/07 u. T-121/07, Slg. 2011, II-633 Rz 283, Areva et al., EuG, T-15/02 Slg. 2006, 

II-497 Rz 87, BASF/Kommission. 

111  EuG verb. Rs. T-117/07 u. T-121/07, Slg. 2011, II-633 Rz 283, Areva et al.; EuG, T-15/02 Slg. 2006, 

II-497 Rz 351 BASF/Kommission.  

112  EuG verb. Rs. T-117/07 u. T-121/07, Slg. 2011, II-633 Rz 283,  Areva et al.; EuG T-224/00, Slg. 

2003, II-2597, Rz 246 und 247, Archer Daniels Midland. 

113  Vgl. in diesem Sinne EuGH verb. Rs. 96/82 bis 102/82, 104/82, 105/82, 108/82 und 110/82, IAZ 
International Belgium et al., Slg. 1983, 3369, Rz. 57 f.; EuG, T-15/02 Slg. 2006, II-497 Rz 404, 439 
und 461 BASF/Kommission; EuG verb. Rs. T-117/07 u. T-121/07, Slg. 2011, II-633 Rz 283, Areva 
et al.; RPW 2016/3, 710 Rz 402., Flügel und Klaviere (noch nicht rechtskräftig). 

114  Vgl.  auch  RPW  2013/4,  627  Rz  983,  Wettbewerbsabreden  im  Strassen-  und  Tiefbau  im  Kanton 

Zürich. 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

29 

 
 
 
 
                                                 
ebenfalls in der Natur der Sache und begründet für sich alleine keine führende Rolle. Zusam-
mengefasst, in einer Gesamtbetrachtung, sind die für eine führende Rolle sprechenden Krite-
rien (Organisation, Durchführung, Interessenslage) zu wenig ausgeprägt, um eine solche für 
Lazzarini zu bejahen. 

173.  Im  Ergebnis  liegen  damit  zwar  gewisse  Elemente  vor,  die  für  die  Erfüllung  der  obge-
nannten Voraussetzungen und damit für eine führende Rolle von Lazzarini sprechen. Diese 
Elemente erreichen aber nicht das Ausmass, um eine solche zu bejahen. Eine Sanktionser-
höhung unter diesem Titel scheidet somit aus. Nicht beurteilt zu werden braucht die Frage, 
wie es sich verhält, wenn ein Unternehmen über die vorliegenden üblichen Umsetzungshand-
lungen im Zuge einer einzelprojektbezogenen Abrede hinaus auf die Organisation und Durch-
führung des Kartells Einfluss nimmt oder bei einer projektübergreifenden Abrede regelmässig 
die Konkretisierung der preislichen Angebotskoordination übernimmt. 

C.4.2.4  Maximalsanktion 

174.  Die  Sanktion  beträgt  in  keinem  Fall  mehr  als  10 Prozent  des  in  den  letzten  drei  Ge-
schäftsjahren in der Schweiz erzielten Gesamtumsatzes des Unternehmens (Art. 49a Abs. 1 
KG und Art. 7 SVKG).  Vorliegend erübrigt sich die Ermittlung der Gesamtumsätze der Par-
teien, zumal die Maximalsanktion gemäss Art. 49a Abs. 1 KG und Art. 7 SVKG offensichtlich 
nicht überschritten wird. 

C.4.2.5  Selbstanzeige – Vollständiger/teilweiser Erlass der Sanktion 

Voraussetzungen der Sanktionsbefreiung und -reduktion 

175.  Die  Voraussetzungen  der  Sanktionsbefreiung  und  -reduktion  richten  sich  nach  Art. 8 
SVKG und 12 SVKG.  

Lazzarini 

176.  Wie oben unter Verfahrensgeschichte (Rz 6 ff.) ersichtlich, reichte Lazzarini am 1. No-
vember 2012 eine Selbstanzeige gemäss Art. 49a Abs. 2 KG i.V.m. Art. 1 Bst. b sowie Art. 8 ff. 
SVKG  in  Bezug  auf  das  Verfahren  „22-0433:  Bauleistungen  Unterengadin“  ein.  Lazzarini 
reichte zahlreiche Ergänzungen ihrer Selbstanzeige ein, die zunächst jedoch nicht das Bau-
projekt Um- und Anbau [X] zum Gegenstand hatten.  

177.  Am 10. September 2015 führte das Sekretariat eine Zeugeneinvernahme mit [Mitarbeiter 
A] als [Funktion] Lazzarinis in Samedan durch. 

178.  Erst  daraufhin  erwähnte  Lazzarini  am  16.  Oktober  2015,  also  knapp  drei  Jahre  nach 
Untersuchungseröffnung und ca. zweieinhalb Jahre nach Ausdehnung der Untersuchung auf 
den gesamten Kanton Graubünden, im Rahmen einer Eingabe an das Sekretariat zum ersten 
und  einzigen  Mal  das  Bauprojekt  Um-  und  Anbau  [X].  Die  entsprechenden  zwei  Passagen 
umfassen insgesamt fünf Sätze, welche lediglich Aussagen wiedergeben, welche [Mitarbeiter 
A] bereits im Rahmen seiner Zeugeneinvernahme vom 10. September 2015 gemacht hatte. 
Somit umfasste die Eingabe von Lazzarini lediglich Aussagen, die vom Sekretariat selber er-
hoben wurden und bereits bekannt waren. Am 7. Dezember 2015 wurde Lazzarini eine Kopie 
des Protokolls der Zeugeneinvernahme  von [Mitarbeiter A] vom 10. September 2015 zuge-
stellt.115 

179.  Zu prüfen ist, ob die Eingabe von Lazzarini im Zusammenhang mit dem Bauprojekt [X] 
überhaupt als Selbstanzeige zu qualifizieren ist. Keinen Selbstanzeigengehalt kommt grund-
sätzlich Vorbringen zu, in denen bloss die Möglichkeit erwähnt wird, dass sich das Unterneh-
men an einer Wettbewerbsbeschränkung beteiligt habe. Gleiches gilt, wenn das Unternehmen 

115  Act. I.556. 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

30 

 
 
 
 
 
                                                 
in seinen Vorbringen lediglich nicht ausschliesst, dass es sich an einer Wettbewerbsbeschrän-
kung  beteiligt  habe  oder  wenn  das  Unternehmen  die  beigebrachten  Informationen  und  Be-
weismittel  selbst  wieder  entkräftet, etwa  indem  es  eine  Verhaltensabstimmung  mit  anderen 
Unternehmen bestreitet oder generell (mögliche) negative Auswirkungen auf den Wettbewerb 
verneint.116  

180.  Die Eingabe von Lazzarini vom 16. Oktober 2015 hat folgenden Inhalt (Hervorhebungen 
durch die Behörde): 

„[Mitarbeiter A] glaubt sich erinnern zu können, dass im Projekt „Um- und Anbau [X]" 
(Nr. 13/2010) die Kalkulation oder allenfalls sogar die SIA-Schnittstelle mit der Lenatti 
AG ausgetauscht worden ist.“ 

„Am Projekt „Um- und Anbau Wohnhaus [X]" (Nr. 13/2010) in Samedan war Lazzarini 
sehr interessiert. Offenbar wurde hier die Offerte der Lazzarini an die Lenatti AG und 
die René Hohenegger Sarl per Mail zugestellt, je verbunden mit der Bitte um Eingabe 
einer höheren Offerte. Ob die beiden Unternehmen dann tatsächlich auch eine Eingabe 
gemacht haben, ist Lazzarini nicht bekannt. Hingegen ist klar, dass offenbar Lazzarini 
nicht zum Zuge gekommen ist und das Projekt trotz (versuchter) Absprache mit zwei 
Unternehmen von einem Dritten ausgeführt worden ist.“ 

181.  Durch die offen gehaltenen Formulierungen (z.B. „glaubt sich erinnern zu können“, „al-
lenfalls“, „offenbar“, usw.) legte sich Lazzarini nicht fest und legte auch nicht den dadurch ver-
folgten Zweck dar. Lazzarini liess vielmehr die Möglichkeit offen, dass es sich möglicherweise 
so abspielte. Die einzige relevante Aussage, bei welcher sich Lazzarini festlegt, ist die Formu-
lierung „trotz (versuchter) Absprache“, womit Lazzarini implizit das Vorliegen einer (versuch-
ten) Wettbewerbsbeschränkung eingestand.  

182.  Mit  Schreiben  vom  8.  April  2016117  wies  das  Sekretariat  Lazzarini  darauf  hin,  dass 
Lazzarini u.a. auch in Bezug auf die Untersuchung 22-0462: Hoch- und Tiefbauleistungen En-
gadin V jederzeit die Möglichkeit habe, ihre Selbstanzeige zu ergänzen, da Zweifel am Selbst-
anzeigegehalt gewisser Eingaben von Lazzarini vorlagen. Lazzarini reichte jedoch in Bezug 
auf die vorliegende Untersuchung keine weiteren Ergänzungen ein. Sie bestätigte die Beweis-
mittel, insbesondere die zwei E-Mails vom 24. und 25. Februar 2010, nicht, welche sie mit dem 
Protokoll der Zeugenbefragung von [Mitarbeiter A] im Dezember 2015, erhalten hat. 

183.  Es liegt somit in Bezug auf die Ausschreibung Um- und Anbau [X] von Lazzarini keine 
Selbstanzeige i.S.v. Art. 49a Abs. 2 KG i.V.m. Art. 8 SVKG vor. Allerdings hat sie zunächst ein 
implizites  Geständnis  abgegeben  (Rz 181)  und  hat  in  ihrer  Stellungnahme  zum  Antrag  des 
Sekretariats den Sachverhalt gar ausdrücklich und vollumfänglich anerkannt. Diese Koopera-
tion ist gestützt auf Art. 6 SVKG mit einer Sanktionsreduktion in der Höhe von 20 Prozent zu 
berücksichtigen. 

Hohenegger 

184.  Wie  oben  unter  Verfahrensgeschichte  (Rz  6  ff.)  ersichtlich,  reichte  Hohenegger  am 
21. März  2013  eine  Selbstanzeige  gemäss  Art.  49a  Abs.  2  KG  i.V.m.  Art.  1  Bst.  b  sowie 
Art. 8 ff. SVKG in Bezug auf das Verfahren „22-0433: Bauleistungen Unterengadin“ ein. 

185.  Am 2. September 2015, also knapp drei Jahre nach Untersuchungseröffnung bzw. zwei-
einhalb Jahre nach Ausdehnung der Untersuchung auf den gesamten Kanton Graubünden, 
kam Hohenegger im Rahmen einer mündlichen Ergänzung der Selbstanzeige auf Nachfrage 
des Sekretariates zum ersten Mal auf das Bauprojekt Um- und Anbau [X] zu sprechen. Ho-

116  Merkblatt 

„Bonusregelung 
https://www.weko.admin.ch/weko/de/home/dienstleistungen/meldeformulare.html. 

(Selbstanzeige)“ 

Formular 

vom 

und 

8.9.2014,  Rz 5; 

117  Act. 4 (22-0462/25-0038). 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

31 

 
 
 
 
 
                                                 
henegger gab darin zu, dass es um eine Schutznahme gegangen sei. Zu diesem späten Zeit-
punkt verfügte das Sekretariat bereits über Beweismittel, um den Wettbewerbsverstoss zu be-
weisen (Art. 8 Abs. 4 Bst. b SVKG). 

186.  Die Selbstanzeige von Hohenegger ist somit in Bezug auf das Bauprojekt Um- und An-
bau [X] die einzige und daher auch zeitlich automatisch die erste. Da die Ergänzungen jedoch 
zu einem Zeitpunkt erfolgten, an welchem das Sekretariat bereits über Beweismittel verfügte, 
um den Wettbewerbsverstoss zu beweisen und dies zudem auf Nachfrage durch das Sekre-
tariat erfolgte, sind die Voraussetzungen zur Gewährung eines vollständigen Sanktionserlas-
ses nach Art. 8 SVKG nicht erfüllt.  

187.  Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine Reduktion der Sanktion 
gemäss Art. 12 ff. KG gegeben sind, wobei die Wichtigkeit des Beitrages des Unternehmens 
zum Verfahrenserfolg zu berücksichtigen ist.  

188.  Die  Ausführungen  von  Hohenegger  zum  Bauprojekt  Um-  und  Anbau  [X]  erfolgten  auf 
Nachfrage des Sekretariats, umfassten jedoch ein klares Eingeständnis für eine Absprache 
und auch für den damit verfolgten Zweck. Da das Sekretariat zu diesem Zeitpunkt bereits über 
Beweismittel verfügte, um den Wettbewerbsverstoss zu beweisen, ist die Wichtigkeit des Bei-
trags von Hohenegger zum Verfahrenserfolg als mittel bis gering einzuschätzen.  

189.  Aus diesen Gründen gewährt die WEKO Hohenegger im Rahmen ihrer Selbstanzeige 
eine Sanktionsreduktion von 15 Prozent. 

C.4.2.6  Verhältnismässigkeitsprüfung 

190.  Schliesslich muss eine Sanktion als Ausfluss des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes für 
die  betroffenen  Unternehmen  finanziell  tragbar  sein.118  Dies  ist  vorliegend  angesichts  der 
Sanktionshöhe zu bejahen. Anzeichen, dass die Parteien durch die oben genannten Sankti-
onsbeträge in ihrer Wettbewerbs- oder Existenzfähigkeit bedroht würden, bestehen keine. Im 
Übrigen wird die Verletzung des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes von den Parteien im vor-
liegenden Verfahren auch nicht geltend gemacht. 

C.4.2.7  Ergebnis 

191.  Aufgrund der genannten Erwägungen und unter Würdigung aller Umstände beantragt 
die Wettbewerbsbehörde eine Verwaltungssanktion in folgender Höhe als dem Verstoss der 
Parteien angemessen (vgl. dazu Verfügungsadressatinnen, Rz 90): 

 

 

 

Lazzarini: 

CHF   36‘000 

Lenatti und Broggi Lenatti:  

CHF   25‘000 

Hohenegger:  

CHF   9‘562 

D  Kosten  

192.  Nach Art. 2 Abs. 1 GebV-KG119 ist gebührenpflichtig, wer ein Verwaltungsverfahren ver-
ursacht hat.  

193.  Im Untersuchungsverfahren nach Art. 27 ff. KG besteht eine Gebührenpflicht, wenn auf-
grund der Sachverhaltsfeststellung eine unzulässige Wettbewerbsbeschränkung vorliegt, oder 

118  Siehe ausführlicher dazu RPW 2009/3, 218 Rz 150, Elektroinstallationsbetriebe Bern m.w.H. 
119  Verordnung  vom  25.2.1998  über  die  Gebühren  zum  Kartellgesetz  (Gebührenverordnung  KG, 

GebV-KG; SR 251.2). 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

32 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
                                                 
wenn sich die Parteien unterziehen. Vorliegend ist daher eine Gebührenpflicht der Verfügungs-
adressatinnen zu bejahen. 

194.  Ist wie im vorliegenden Fall die Aufdeckung und Abklärung einer horizontalen Wettbe-
werbsabrede Gegenstand eines Verfahrens, so gelten grundsätzlich alle an der Abrede Betei-
ligten gemeinsam und in gleichem Masse als Verursacher des entsprechenden Verwaltungs-
verfahrens. Dementsprechend gestaltet sich die bisherige Praxis der Wettbewerbsbehörden, 
gemäss welcher – in Ermangelung besonderer Umstände, die das Ergebnis als stossend er-
scheinen liessen – eine Pro-Kopf-Verlegung der Kosten vorgenommen wurde. Insbesondere 
Gleichheits-, aber auch Praktikabilitätserwägungen stehen dabei im Vordergrund.120 Auch vor-
liegend werden die Gebühren den Parteien zu gleichen Teilen auferlegt (vgl. Art. 1a GebV-KG 
i.V.m. Art. 2 Abs. 2 AllgGebV121). 

195.  Nach Art. 4 Abs. 2 GebV-KG gilt ein Stundenansatz von CHF 100 bis CHF 400. Dieser 
richtet sich namentlich nach der Dringlichkeit des Geschäfts und der Funktionsstufe des aus-
führenden Personals. Auslagen für Porti sowie Telefon- und Kopierkosten sind in den Gebüh-
ren eingeschlossen (Art. 4 Abs. 4 GebV-KG). Gestützt auf die Funktionsstufe der mit dem Fall 
betrauten Mitarbeiter rechtfertigt sich ein Stundenansatz von CHF 200 bis CHF 290. 

196.  Die vorliegende Untersuchung wurde mit Verfügung vom 23. November 2015 von der 
Untersuchung  22-0433:  Bauleistungen  Graubünden  getrennt.  Vom  aus  der  Untersuchung 
22-0433: Bauleistungen Graubünden bis dahin entstandenen Verfahrensaufwand wird ein An-
teil  von  CHF  20‘000  dem  vorliegenden  Verfahren  zugerechnet.  Es  wurden  vor  der  Verfah-
renstrennung mehrere Ermittlungshandlungen (insbesondere Einvernahmen) auch in Bezug 
auf das vorliegende Bauprojekt durchgeführt. Zusätzlich entfallen auf das vorliegende Verfah-
ren folgende Gebühren, die auf der Grundlage der nach der Verfahrenstrennung aufgewende-
ten Stunden zu berechnen sind : 

- 

- 

37 Stunden zu CHF 200, ergebend CHF 7400 

4.50 Stunden zu CHF 290, ergebend CHF 1305. 

197.  Demnach beläuft sich die Gebühr insgesamt auf CHF 28‘705. 

198.  Die Verfahrenskosten sind den Parteien zu gleichen Teilen aufzuerlegen. Die Lazzarini, 
Hohenegger und Lenatti haben einen Anteil an den Verfahrenskosten von je CHF 9‘568 zu 
tragen, ebenso Lenatti und Broggi Lenatti unter solidarischer Haftung. 

120  RPW 2009/3, 221 Rz 174, Elektroinstallationsbetriebe Bern. 
121  Allgemeine Gebührenverordnung vom 8.9.2004 (AllgGebV; SR 172.041.1). 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

33 

 
 
 
 
 
 
                                                 
E  Dispositiv 

Aufgrund des Sachverhalts und der vorangehenden Erwägungen verfügt die Wettbewerbs-
kommission (Art. 30 Abs. 1 KG): 

1. 

Den  Unternehmen  Lazzarini  AG,  P.  Lenatti  AG,  Hoch-  und  Tiefbau  und 
René Hohenegger Sarl 

1.1 

1.2 

wird untersagt, Konkurrenten im Zusammenhang mit der Erbringung von Hoch- 
und Tiefbauleistungen um Schutz, Stützofferten oder den Verzicht auf eine Of-
ferteingabe anzufragen oder derartiges anzubieten; 

wird untersagt, sich in Zusammenhang mit der Erbringung von Hoch- und Tief-
bauleistungen mit Konkurrenten vor Ablauf der Offerteingabefrist – oder, sofern 
nicht vorhanden, vor rechtskräftiger Auftragserteilung – über Offertpreise, Preis-
elemente  sowie  die  Zu-  und  Aufteilung  von  Kunden  und  Gebieten  auszutau-
schen; davon ausgenommen ist der Austausch unabdingbarer Informationen im 
Zusammenhang mit 

a) der Bildung und Durchführung von Arbeitsgemeinschaften (ARGE) sowie  

b) der Mitwirkung an der Auftragserfüllung als Subunternehmer. 

2.  Mit  Sanktionen  nach  Art. 49a  Abs. 1  KG  wegen  Beteiligung  an  der  gemäss  Art. 5 
Abs. 3 i.V.m. Abs. 1 KG unzulässigen Wettbewerbsabrede mit folgenden Beträgen be-
lastet werden: 

2.1 

2.2 

Lazzarini AG, Samedan, mit einem Betrag von CHF 36‘000. 

P. Lenatti AG, Hoch- und Tiefbau, Bever, und Broggi Lenatti AG, Bergün/Bra-
vuogn, unter solidarischer Haftung mit einem Betrag von CHF 25‘000. 

2.3 

René Hohenegger Sarl, Zernez, mit einem Betrag von CHF 9‘562. 

3. 

Die Verfahrenskosten betragen CHF 28‘705 und werden folgendermassen auferlegt: 

3.1 

3.2 

Lazzarini AG, Samedan, trägt CHF 9‘568. 

P. Lenatti AG, Hoch- und Tiefbau, Bever, und Broggi Lenatti AG, Bergün/Bra-
vuogn, tragen unter solidarischer Haftung CHF 9‘568. 

3.3 

René Hohenegger Sarl, Zernez, trägt CHF 9‘568. 

4. 

Die Verfügung ist zu eröffnen an: 

-  Broggi Lenatti AG, Legs-cha Zugr 4a, 7482 Bergün/Bravuogn; 

vertreten durch RA Peder Cathomen, Veia Vedem 3, 7458 Mon 

-  Lazzarini AG, Cho d’Punt 11, 7503 Samedan 

vertreten durch RA Andreas Amstutz, Amstutz Greuter Rechtsanwälte, 
Hallerstrasse 6, Postfach 5122, 3001 Bern; 

-  P. Lenatti AG, Hoch- und Tiefbau, Via Maistra 1, 7502 Bever; 

vertreten durch RBT AG, Herr Fritz Nyffenegger, Plazza dal Mulin 6, 7500 St. Moritz 

-  René Hohenegger Sarl, Chesa Muntanella, 7527 Brail. 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

34 

 
 
 
 
 
 
 
 
Wettbewerbskommission 

Prof. Dr. Vincent Martenet 
Präsident 

Rechtsmittelbelehrung: 

Dr. Rafael Corazza 
Direktor 

Gegen diese Verfügung kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bundesverwaltungsge-
richt, Postfach, 9023 St. Gallen, Beschwerde erhoben werden. Die Beschwerdeschrift hat die 
Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. 
Die angefochtene Verfügung und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende 
Partei in Händen hat, beizulegen. 

22-00037/COO.2101.111.4.260961  

35