# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c5cdd3b6-9fd5-5c9d-8411-609d56d8e19f
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-04-11
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Sozialversicherungsrecht 11.04.2024 720 23 222 / 85 (720 2023 222 / 85)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_002_720-23-222---85_2024-04-11.pdf

## Full Text

Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche-
rungsrecht 
 
 
vom 11. April 2024 (720 23 222 / 85) 
____________________________________________________________________ 
 
 
Invalidenversicherung 
 
 
Invalidenrente: Beweiskraft des im Verwaltungsverfahrens eingeholten externen Gutach-
tens; die Vorbringen der Beschwerdeführerin und ihres behandelnden Arztes vermögen 
keine Zweifel an den Ergebnissen des Gutachtens zu wecken. 
 
 
 
Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Daniel Noll, Kantons-

richter Jgnaz Jermann, Gerichtsschreiberin Tina Gerber 
 
 

Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Stephan Müller, Advo-
kat, c/o Procap Schweiz, Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten 

  
 
gegen 
 
 

 IV-Stelle Basel-Landschaft, Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, Be-
schwerdegegnerin 
 

  
  
Betreff IV-Rente  

 
 
 
A. Die 1966 geborene A.____ arbeitete zuletzt vom 1. März 2013 bis 31. Mai 2020 als Be-
triebsmitarbeiterin bei der B.____ AG in C.____. Am 25. Mai 2020 meldete sie sich unter Hinweis 
auf Schmerzen an der rechten Hand, chronischen Schmerzen an beiden Fusssohlen sowie psy-
chischen Beschwerden nach Verlust der Arbeitsstelle nach Grossbrand am Arbeitsplatz bei der 

 

 
 
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Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Die zuständige IV-Stelle 
Basel-Landschaft (IV-Stelle) klärte in der Folge die erwerblichen und gesundheitlichen Verhält-
nisse ab, wobei sie unter anderem bei der Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS) Bern ZVMB 
GmbH ein interdisziplinäres Gutachten einholte. Mit Verfügung vom 12. Juni 2023 lehnte die IV-
Stelle nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren einen Anspruch der Versicherten auf eine In-
validenrente bei einem nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs ermittelten 
Invaliditätsgrad von 0% ab.  
B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Advokat Stephan Müller, am 
13. Juli 2023 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungsrecht (Kantonsge-
richt). Sie beantragte, es sei die angefochtene Verfügung vom 12. Juni 2023 aufzuheben und es 
sei nach Einholung eines Gerichtsgutachtens über den Leistungsanspruch der Beschwerdefüh-
rerin neu zu entscheiden; unter o/e-Kostenfolge. Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorge-
bracht, dass das im Rahmen des interdisziplinären Gutachtens erstellte psychiatrische Teilgut-
achten mangelhaft sei. Ferner sei der Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör 
verletzt worden, da sich die angefochtene Verfügung nicht mit den im Einwand vorgebrachten 
Rügen und den eingereichten Arztberichten auseinandergesetzt habe.  
 
C. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung vom 12. September 2023 auf 
Abweisung der Beschwerde.  
 
D. Mit Replik vom 17. November 2023 hielt die Beschwerdeführerin an den gestellten 
Rechtsbegehren fest. Die Beschwerdegegnerin verzichtete ihrerseits mit Eingabe vom 15. De-
zember 2023 auf die Einreichung einer Duplik.  
 
E. Mit Verfügung vom 2. Januar 2024 wurde der vorliegende Fall dem Gericht zur Beurtei-
lung überwiesen. 
 
 
Das Kantonsgericht zieht  i n  E r w ä g u n g :  
 

1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) 
vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungs-
gericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfah-
rens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständigkeit des 
Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die 
Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das Kan-
tonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Beschwerden 
gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Behandlung der vor-
liegenden Beschwerde zuständig. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde vom 13. Juli 2023 ist demnach einzutreten. 
 
1.2 Am 1. Januar 2022 trat die vom Gesetzgeber am 19. Juni 2020 beschlossene Änderung 
des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kraft. Auf alle Rentenansprüche, die ab dem 1. 

 

 
 
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Januar 2022 entstehen, finden grundsätzlich die Bestimmungen des IVG und diejenigen der Ver-
ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 in der ab dem 1. Januar 2022 
geltenden Fassung Anwendung. Wird der Anspruch auf eine IV-Rente bzw. die Abweisung des 
Leistungsgesuchs – wie hier – nach dem 1. Januar 2022 verfügt, gilt unter anderem folgendes: 
Liegt der – mutmassliche – Eintritt der Invalidität und Beginn des Rentenanspruchs vor dem 1. 
Januar 2022, so bleiben die bis 31. Dezember 2021 gültigen Bestimmungen anwendbar (Kreis-
schreiben über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung [KSIR], gültig ab 1. Januar 
2022, Rz. 9101). Vorliegend steht ein Rentenanspruch ab September 2020 (Ablauf des Warte-
jahrs) in Frage. Demnach bleiben die Bestimmungen des IVG und diejenigen der IVV sowie des 
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Ok-
tober 2000 in der bis zum 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung anwendbar. Sie werden 
im Folgenden jeweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet. 
 
2. Vorab ist auf die Rüge der Beschwerdeführerin, ihr Anspruch auf rechtliches Gehör sei 
verletzt worden, einzugehen. Namentlich bringt sie vor, dass die Verfügung vom 12. Juni 2023 
nicht ausreichend begründet gewesen sei, da die Beschwerdegegnerin weder auf ihre Vorbrin-
gen, noch auf die eingereichten Arztberichte eingegangen sei. Der Versicherten ist dahingehend 
beizupflichten, dass nach Art. 49 Abs. 3 ATSG Verfügungen zu begründen sind, wenn sie den 
Begehren der Parteien nicht voll entsprechen. Zweck der Begründungspflicht als Teilgehalt des 
verfassungsmässigen Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 29 der Bundesverfassung der 
Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV] vom 18. April 1999) ist insbesondere, sicherzustellen, 
dass die betroffene Person die Verfügung sachgerecht anfechten kann. Die Begründung muss 
kurz die wesentlichen Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und 
auf die sie ihren Entscheid stützt (BGE 142 III 433 E. 4.3.2 mit Hinweisen, 136 I 184 E. 2.2.1). Im 
vorliegenden Fall haben einerseits die Beschwerdeführerin, vertreten durch eine gemeinnützige 
Organisation, und andererseits der behandelnde Psychiater Einwandschreiben eingereicht. Tat-
sächlich hat sich die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen mit 
den Vorbringen des behandelnden Facharztes auseinandergesetzt. Dennoch geht aus der Ver-
fügung vom 12. Juni 2023 ohne Weiteres hervor, von welchen Überlegungen sich die Beschwer-
degegnerin bei ihrem Entscheid leiten liess und es war der Beschwerdeführerin möglich, die Ver-
fügung sachgerecht anzufechten. Dies wird auch aus der ausführlichen Beschwerdebegründung 
deutlich. In ihrer im Rahmen dieses Beschwerdeverfahrens eingereichten Vernehmlassung inklu-
sive dreier Stellungnahmen ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) hat die IV-Stelle ausser-
dem ausführlich zu den Vorbringen der Beschwerdeführerin Stellung genommen. Indem das Kan-
tonsgericht, welches in IV-Beschwerdeverfahren gemäss § 57 VPO über eine uneingeschränkte 
Kognition verfügt, der Beschwerdeführerin ein umfassendes Replikrecht zur dieser Vernehmlas-
sung der IV-Stelle eingeräumt hat, wäre eine allfällige Verletzung des rechtlichen Gehörs der 
Versicherten in jedem Fall als geheilt zu betrachten (vgl. BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweisen).  
 
3. Materiell strittig und zu beurteilen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Mas-
sgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 
12. Juni 2023 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze 
der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 1 E. 1.2 mit Hinweis). 
 

 

 
 
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4.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs-
fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein-
gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während ei-
nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig ge-
wesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Nach 
Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu min-
destens 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, 
wenn sie zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid 
ist. 
 
4.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburtsgebre-
chen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be-
einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach 
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu verstehen 
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). 
 
4.3 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychischen Gesundheitsbeeinträchti-
gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich an-
erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu 
betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltenden psychischen Leiden belastenden 
psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen kein Krankheitswert zukommt. Ein 
invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 
IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit 
wesentlich beeinträchtigt. In BGE 143 V 409 und 143 V 418 hat das Bundesgericht entschieden, 
dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren 
nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses für somatoforme Leiden entwickelte Vorgehen 
definiert systematisierte Indikatoren, die – unter Berücksichtigung von leistungshindernden 
äusseren Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) ander-
seits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 
E. 2, E. 3.4 bis 3.6 und 4.1). Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einord-
nung des Leidens, ob es gelingt, auf objektivierter Beurteilungsgrundlage den Beweis einer recht-
lich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die 
materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 
3.7.2). 
 
4.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 ATSG an-
wendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Er-
werbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung 
der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut-
bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Be-
ziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor-

 

 
 
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den wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol-
gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt 
und einander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditäts-
grad bestimmen (Allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 128 V 30 E. 1). 
 
5.1 Ausgangspunkt der Ermittlung des Invaliditätsgrades bildet die Frage, in welchem Aus-
mass die versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsunfähig 
ist. 
 
5.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und insbesondere auch bei der Beurtei-
lung der Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung – und im Beschwerdefall das 
Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute 
zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszu-
stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher 
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte 
eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch 
zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen).  
 
5.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs-
prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle ande-
ren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und 
pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit-
tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob 
die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestat-
ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess 
nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa-
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Be-
weiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange 
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück-
sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der me-
dizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und 
ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 
5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).  
 
5.4 Die Rechtsprechung erachtet es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als ver-
einbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die 
Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen dieser Richtlinien in 
BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit weiteren Hinweisen). So 
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärztinnen 
und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Ein-
sicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnis-
sen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete 
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren 

 

 
 
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Hinweisen). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfah-
rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver-
trauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen 
(BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch 
tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedi-
zinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 175 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 
506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen 
und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslau-
tenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende 
Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige  
– und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im 
Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundes-
gerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 
 
5.5. Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialversicherungsprozess sind vom Un-
tersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben 
die Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und voll-
ständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht 
dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsa-
chen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 9. April 2018, 9C_273/2017, 
E. 3.1). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. 
 
6. Zur Beurteilung des vorliegenden Falles liegen zahlreiche medizinische Unterlagen vor, 
die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folgenden sollen indessen lediglich diejenigen 
Gutachten und Berichte wiedergegeben werden, welche sich für den vorliegenden Entscheid als 
zentral erweisen. 
 
6.1 Im Auftrag des Taggeldversicherers erstattete Dr. med. D.____, FMH Orthopädische 
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats, am 10. Mai 2020 ein  
spezialärztliches Gutachten. Die Versicherte beklage Schmerzen in der rechten Hand, die den 
Faustschluss limitieren würden, eine 30-minütige Morgensteifigkeit sowie abends zunehmende 
Schmerzen über der rechten Hand und in der tiefen Lumbalregion. Aufgrund von Fersenschmer-
zen könne sie keine längeren Gehstrecken mehr unternehmen. Dr. D.____ diagnostizierte 
Arthralgien in den Fingergrund- und Fingermittelgelenken sowie den Zehengelenken bei unauf-
fälligen Entzündungszeichen, einen Status nach Tendovaginitis der Beugesehne 3 an der rechten 
Hand, einen Verdacht auf einen essenziellen Tremor rechtsbetont, ein Karpaltunnelsyndrom 
beidseits, subjektiv kognitive Störungen mit Vergesslichkeit, eine geringgradige Epikondylopathie 
des humeri radialis rechts, einen Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit bei intermittierend 
linksthorakalem Druck sowie gelegentliche Lumbalgien. Die von der Versicherten geschilderten 
Beschwerden würden nicht mit den vorliegenden klinischen und radiologischen Befunden korre-
lieren. In der gesamten Untersuchung sei ein Aggravationsverhalten, teilweise auch mit betonter 
Selbstlimitation und Verlangsamung der Bewegungsabläufe demonstriert worden. Es ergebe sich 
aufgrund der objektiven Befunde keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten 

 

 
 
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Tätigkeit. Auch für angepasste Tätigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bestehe keine hö-
hergradige Einschränkung. Repetitive Tätigkeiten der rechten Hand, Tätigkeiten, die einen ver-
stärkten Faustschluss der rechten Hand erfordern würden, sowie längeres Gehen auf unebenem 
Boden sollten bloss selten ausgeführt werden. Ferner seien feinmotorische Tätigkeiten für die 
rechte Hand sowie Tätigkeiten, die höhere kognitive Reaktionen bzw. Gedächtnisleistungen er-
fordern, bloss in Ausnahmefällen zumutbar.  
 
6.2 Mit Bericht vom 27. Mai 2020 diagnostizierte der behandelnde Facharzt 
Dr. med. E.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, eine rezidivierende depressive Episode, 
aktuell mittelschwer mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11), eine posttraumatische Belas-
tungsstörung (PTBS) nach plötzlichem Unfalltod von Verwandten (ICD-10 F43.1) sowie eine Be-
lastungsreaktion nach Arbeitskündigung nach 14-jähriger Tätigkeit in dieser Stelle (ICD-10 
F43.22). Somatisch würden ferner Arthrosebeschwerden vorliegen. Die Patientin sei bereits im 
Jahr 2017 wegen eines depressiven Zustandes während dreier Termine bei ihm in Behandlung 
gewesen. Seit 9. September 2019 fände eine weitere therapeutische Intervention statt wegen 
erneuter Depressivität nach einer Kündigung seitens der Firma, die nach einem Brand nicht wie-
dereröffnet werde. Die Patientin beschreibe Vergesslichkeit, Trauer ob der Kündigung, schlech-
ten Schlaf, Grübeln, Schwindelgefühle und Ratlosigkeit. Aufgrund der Vergesslichkeit sei es in 
der Küche der Patientin zu einem Brandschaden gekommen, als diese den Herd angelassen 
habe. Sie beklage ferner starken Ärger, Dysphorie, Freudlosigkeit, Nervosität im Umgang mit der 
Familie und Bekannten und verminderte Energie. Zusätzlich trauere die Patientin nach einem 
schweren Autounfall, wo drei Verwandte verstorben seien. Seither erlebe sie drehende Bilder von 
der Beerdigung und grübelnde Gedanken an den Unfall. Sie sei nicht arbeitsfähig.  
 
6.3 In seinem Arztbericht zuhanden der IV-Stelle vom 19. August 2020 ergänzte Dr. E.____, 
dass die Patientin an fortdauernder Depressivität und Trauer ob des Arbeitsplatzverlustes und 
des Verlustes ihrer Angehörigen leide. Zusätzlich sei es zu einer Verstärkung der körperlichen 
Symptome (Rheuma, muskuläre Beschwerden) gekommen. Diagnostiziert werde eine rezidivie-
rende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischen Symptomen (ICD-
10 F33.10), ängstliche Persönlichkeitsstrukturen sowie aus somatischer Sicht eine Rheumaer-
krankung und Folgen von repetitiver Arbeit in einer Verzinkerei, eventuell auch Folgen der jahre-
langen Exposition mit Galvanisierdämpfen. 
 
6.4 Der behandelnde Hausarzt Dr. med. F.____, FMH Innere Medizin, diagnostizierte in sei-
nem Bericht zuhanden der IV-Stelle vom 9. September 2020 (Eingang) mit Auswirkung auf die 
Arbeitsfähigkeit: (1) einen Verdacht auf eine periphere Spondylarthropathie, differenzialdiagnos-
tisch reaktiv, differenzialdiagnostisch Psoriasis-Arthritis bei Status nach palmarer Keratose, diffe-
renzialdiagnostisch: Psoriasis, nach verschiedenen bildgebenden Untersuchungen und Status 
nach Infiltration der Flexorensehnenscheide dig III rechts im Oktober 2019; (2) eine rezidivierende 
depressive Störung, aktuell mittelgradig mit somatischen Symptomen (ICD-10 F33.10); (3) ängst-
liche Persönlichkeitsstrukturen; (3) eine Epicondylopathia humeroradialis rechts; (4) ein zer-
vikovertebrales Schmerzsyndrom; (5) ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom; (6) 
einen Verdacht auf einen essentiellen Tremor rechtsbetont; (7) eine nicht-stenosierende koronare 
Herzkrankheit; (8) eine beginnende Fingerpolyarthrose, differenzialdiagnostisch bei Diagnose 1; 

 

 
 
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(9) ein Karpaltunnelsyndrom rechts sowie (10) subjektiv kognitive Störungen mit Vergesslichkeit. 
Die Patientin sei seit Oktober 2019 bis auf Weiteres in jeder Tätigkeit zu 100% arbeitsunfähig; 
dies aufgrund der zunehmenden Schmerzproblematik, vor allem in den Händen, der Leistungs- 
und Kraftminderung, der verminderten Belastbarkeit und der Konzentrationsminderung. 
 
6.5 Gemäss Austrittbericht vom 27. Oktober 2020 befand sich die Versicherte vom 7. Sep-
tember 2020 bis 22. Oktober 2020 in der G.____, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (Klinik 
G.____) in stationärer Behandlung. Bei Eintritt habe die Patientin berichtet, dass sich ihre Befind-
lichkeit seit zwei bis drei Wochen verschlechtert habe. Sie leide neben dem verminderten Antrieb 
und der Freudlosigkeit an einer Durchschlafstörung, einem Schweregefühl im Kopfbereich, einer 
erhöhten Anspannung und an einer motorischen Unruhe sowie an Panikattacken, die mit Zittern 
verbunden seien und für die sie keinen Auslöser beschreiben könne. Sie fühle sich körperlich und 
psychisch völlig erschöpft. Die Kündigung beim ehemaligen Arbeitgeber habe sie als Lebenszä-
sur empfunden. Ferner trage sie schwer an ihrer hochbelasteten Ehe. Sie sehe keinen Lebens-
sinn mehr und hege einen passiven Todeswunsch. Indessen distanziere sie sich explizit von aku-
ter Suizidalität, wobei sie ihre Kinder als protektiven Faktor nennt. Diagnostiziert würden eine 
rezidivierende depressive Episode, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), Kontakt-
anlässe mit Bezug auf die soziale Umgebung (ICD-10 Z60) sowie Probleme mit Bezug auf 
Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (ICD-10 Z73). Der Austritt sei auf Wunsch der Pati-
entin vorzeitig erfolgt, damit sie an der Beerdigung eines nahen Verwandten im Ausland teilneh-
men könne.  
 
6.6 Die Ärzteschaft der Klinik G.____ berichtete am 29. Dezember 2020 über die zweite sta-
tionäre Behandlung der Versicherten vom 26. November 2020 bis 25. Dezember 2020. In Bezug 
auf die gestellten Diagnosen sei keine Änderung zu verzeichnen. Die Patientin gebe an, über den 
Tod ihrer Verwandten sehr erschüttert und traurig zu sein. Im Verlauf des Aufenthalts habe die 
Patientin über eine subjektive Besserung der Befindlichkeit berichtet, sie sei weniger traurig und 
leide weniger unter Gedankenkreisen. Ihre Tochter sei eine wertvolle Ressource und eine grosse 
Hilfe im Alltag. Während des Aufenthalts sei die Patientin positiv auf SARS-Cov-2 getestet wor-
den. Es sei vereinbart worden, dass sie sich zu Hause isoliere. Einen Wiedereintritt nach über-
standener Infektion habe die Patientin nicht gewünscht.  
 
6.7 Eine neuropsychologische Untersuchung der Versicherten ergab gemäss Befundbericht 
vom 10. Februar 2022 gesamthaft eine mittelschwere neuropsychologische Störung mit Fokus 
auf den Aufmerksamkeitsfunktionen (Verlangsamung) und mnestischen Funktionen, ätiologisch 
am ehesten der psychiatrischen Diagnose der rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig 
mittelgradig, zuzuordnen. Klinisch falle die Patientin auf durch eine leicht reduzierte allgemeine 
Aufmerksamkeit und schwankende konzentrative Belastbarkeit mit rascher Ermüdung, kognitiver 
und psychomotorischer Verlangsamung, Vergessen von Instruktionen, Perseverationen, redu-
zierter Fehlerkontrolle und einem reduzierten Instruktionsverständnis (auf Türkisch). Aufgrund der 
geringen Anzahl Schuljahre und der dadurch erschwerten Interpretierbarkeit der Befunde sei eine 
reduzierte neurologische Testung erfolgt. In der Abklärung hätten sich unterdurchschnittliche 
Leistungen in der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit und Aufmerksamkeitsfunktionen (vi-

 

 
 
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suell-motorische Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit), den mnestischen Funktionen (ver-
bal-auditive Merkspanne, verbale Lernleistung, verbale und figurale Abrufleistung, verbale Wie-
dererkennungsleistung), den Exekutivfunktionen (semantische und figurale Flüssigkeit), den vi-
suellen Wahrnehmungsfunktionen und Visuokonstruktion sowie den sprachlichen Fähigkeiten 
(Benennen) ergeben. Durchschnittliche Ergebnisse erziele die Explorandin in der Gestaltwahr-
nehmung. Die Beeinträchtigungen in der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit und den Auf-
merksamkeitsfunktionen seien gesamthaft schwer ausgeprägt (Verlangsamung). Die mnesti-
schen Funktionen, die visuellen Wahrnehmungsfunktionen und Visuokonstruktion sowie die 
sprachlichen Fähigkeiten seien mittelschwer, die Exekutivfunktionen leicht beeinträchtigt. Die 
Auffälligkeiten bezüglich der visuellen Wahrnehmung und der Sprache seien am ehesten bil-
dungsbedingt.  
 
6.8 Die IV-Stelle veranlasste zur Abklärung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfä-
higkeit der Versicherten bei der MEDAS Bern eine interdisziplinäre Begutachtung in den Fach-
richtungen Orthopädie, Psychiatrie und Neuropsychologie, Allgemeine Innere Medizin und Kar-
diologie. Mit Gutachten vom 6. Oktober 2022 diagnostizierten die involvierten Fachärzte (1) eine 
nicht-authentische neuropsychologische Störung in mehreren Bereichen bei Aggravation (falls 
bewusstseinsnahes Verhalten) respektive Verdeutlichung (falls bewusstseinsfernes Verhalten); 
(2) Probleme in Bezug auf Schwierigkeiten in der Lebensbewältigung (ICD-10 Z 73) bei Status 
nach sich wiederholenden psychosozialen Problemen und Todesfällen, die zu einer Anpassungs-
problematik sowie Trauer mit leichten affektiven Störungen geführt hätten, jedoch ohne dauernde 
Arbeitsunfähigkeit; (3) eine chronische Lumbalgie bei mediolinkslateraler Diskusextrusion 
LWK 3/4 mit möglicher Kompression der Wurzel L 4 unter Belastung sowie einer weiteren medi-
anen Extrusion LWK 4/5 ohne Wurzelkompression; (4) eine Fehlhaltung der Wirbelsäule bei star-
kem Rundrücken und Hohlkreuz mit muskulärer Dysbalance; (5) eine fragliche Plantar-Entheso-
pathie rechts; (6) einen beginnender Knick-/Spreizfuss beidseits; (7) eine beginnende Polyarth-
rose vorwiegend rechts; (8) eine geringgradige Epicondylopathia radialis rechts; (9) ein gering-
gradiges Karpaltunnelsyndrom beidseits (sonografisch beidseits, jedoch nur links neurografisch 
bestätigt); (10) Thoraxschmerzen und Anstrengungsdyspnoe unklarer Ursache, differenzialdiag-
nostisch am ehesten bei mikrovaskulärer Komponente; (11) einen persistierenden Nikotinabusus; 
(12) einen Eisen- und Vitamin B-12-Mangel, medikamentös ausgeglichen; sowie diverse Status-
diagnosen.  
 
6.8.1 In seinem orthopädischen Teilgutachten führte Dr. med. H.____, Facharzt für orthopädi-
sche Chirurgie, aus, dass die Explorandin angebe, seit ein oder zwei Jahren an belastungsab-
hängigen Schmerzen an der Wirbelsäule, im Ellbogengelenk und in den Händen und Füssen zu 
leiden. Die Ellbogenschmerzen hätten sich etwas gebessert, die weiteren Beschwerden dauerten 
an. Sie könne nicht lange sitzen, habe aber auch Probleme, lange zu stehen und zu gehen. Sie 
leide vor allem nachts an einem Einschlafgefühl in den Händen mit Dominanz rechts. Sie sei sehr 
müde und würde tagsüber lange schlafen, da sie vor allem in der Nacht nicht zur Ruhe komme. 
Es fehle ihr an Fingerfertigkeit und Kraft, sie habe erhebliche belastungsabhängige Schmerzen 
in den Fingergelenken mit Schwellneigung. Sie habe keine Ausdauer mehr und eine fehlende 
Konzentration. In der klinischen Untersuchung habe die Explorandin erhebliche Gegenspannun-
gen und eine verstärkte Mimik gezeigt. Labormässig könnten die angegebenen Schmerzen nicht 

 

 
 
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bestätigt werden (diskreter oder kein Nachweis von Analgetika). Insgesamt zeige sie eine deutli-
che Überbetonung der Beschwerden. Die Explorandin zeige in der Gesamtschau einen altersent-
sprechenden Befund mit bloss geringen Einschränkungen, die durch konservative Massnahmen 
weitgehend behoben werden könnten. Die feststellbaren deutlichen Inkonsistenzen, der weitge-
hend fehlende Einsatz von Analgetika sowie die in anderen gutachterlichen Untersuchungen fest-
gestellten Inkonsistenzen und Widersprüche würden für einen weit geringeren Leidensdruck als 
angegeben sprechen. Anhand der jetzigen Befunde zeige sich keine operative Indikation. Der 
Bandscheibenvorfall Anfang des Jahres trage zu einer Minderung der funktionellen Belastbarkeit 
bei. Der Versicherten seien aufgrund des orthopädischen Befundes leichte bis teilweise mittel-
schwere Tätigkeiten mit Heben und Tragen von Gewichten bis 15 kg in rückenschulgerechter 
Haltung, im Wechsel zwischen Gehen, Stehen und Sitzen in temperierten Räumen vollschichtig 
ohne Leistungsminderung zumutbar. In der angestammten Tätigkeit als Betriebsmitarbeiterin be-
stehe eine Leistungsminderung von 30% bei ganztägiger Präsenz.  
 
6.8.2 In der psychiatrischen Exploration habe die Versicherte angegeben, sich unruhig zu füh-
len, schlecht zu schlafen und teilweise etwas traurig zu sein. Früher sei sie gerne in die Ferien 
gegangen und habe sich gerne schön angezogen, heute habe sie kein Geld mehr dazu und auch 
keine Lust. Sie habe auch gerne gearbeitet. Sie sei manchmal etwas reizbar, dies hänge insbe-
sondere mit dem Verhalten ihres Ehemannes zusammen. Auch suizidale Gedanken habe sie 
schon gehabt, sie wisse aber nicht, wie sie es machen wolle. Manchmal falle es ihr schwer, Ent-
scheidungen zu treffen, dies sei aber eigentlich schon immer so gewesen. Sie habe viele Kolle-
ginnen und treffe sich praktisch jeden Tag mit einer von ihnen. Der psychiatrische Gutachter 
Dr. med. I.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in seinem Befund fest, dass die 
Explorandin im Gespräch leicht unstrukturiert sei und mitunter leichte Gedankensprünge mache, 
etwas weitschweifig und mitteilungsbedürftig sei, klagsam und stellenweise weinerlich wirke. Sie 
gebe sich themenbezogen etwas besorgt, die Stimmung sei indessen nicht depressiv, die emoti-
onale Schwingungsfähigkeit sei erhalten. Kognitive Defizite hätten sich im Rahmen der psychiat-
rischen Exploration nicht ergeben, der Antrieb sei ungestört. Bei der Versicherten hätten sich im 
Rahmen der Untersuchung keine versicherungsmedizinisch bedeutsamen Auffälligkeiten erge-
ben, namentlich liege keine affektive Störung vor. Vielmehr seien psychosoziale Probleme anzu-
nehmen, wie sie auch von der Explorandin geschildert worden seien.  
 
Im Rahmen des psychiatrischen Teilgutachtens sind auch die Ergebnisse der neuropsychologi-
schen Untersuchung vom 1. Juni 2022 gewürdigt worden. Bei der neuropsychologischen Abklä-
rung habe sich die Explorandin klinisch in allen vier Modalitäten unsicher orientiert gezeigt. Zwi-
schendurch habe sie schwer besinnlich gewirkt, dann wieder völlig normal. Das Arbeitstempo sei 
unabhängig von der Aufgabeschwere schwankend gewesen und deutlich langsam, sobald die 
Zeit für die Aufgabenbearbeitung gestoppt worden sei. Objektiv hätten sich Resultate mit bis zu 
schweren Defiziten in mehreren kognitiven Bereichen ergeben. Die gezeigten Leistungen seien 
jedoch überwiegend wahrscheinlich nicht valide. In der Leistungsvalidierung hätten sich deutlich 
auffällige Ergebnisse ergeben mit Resultaten im Zufallsbereich, die sich sonst nur bei schwersten 
Gedächtnisstörungen bei fortgeschrittener Demenz zeigen würden. Ferner hätten sich Inkonsis-
tenzen innerhalb und zwischen den Tests, zwischen den Testleistungen und den direkt beobach-

 

 
 
Seite 11  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

teten Verhalten und Fähigkeiten, zwischen den Testleistungen und dem aufgrund der Entwick-
lung und den medizinischen Akten zu erwartenden Funktionsniveau, zwischen den subjektiven 
Angaben und den dokumentierten Symptomen, zwischen den subjektiven Angaben und der kli-
nischen Beobachtung sowie zwischen den subjektiven Angaben und den Alltagsaktivitäten ge-
zeigt. Es sei von einer nicht-authentischen neuropsychologischen Störung in mehreren Bereichen 
auszugehen bei Verdeutlichung, wenn das Verhalten mehrheitlich unbewusst gesteuert werde, 
oder bei einer bewussten Aggravation. Ob eine maximal leichte kognitive Störung dennoch vor-
handen sei, entziehe sich aufgrund der eingeschränkten Mitwirkung der Probandin den Erkennt-
nismöglichkeiten des Fachpsychologen.  
 
Aus psychiatrischer Sicht sei die Explorandin insgesamt in jeder Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig. 
Bis auf zeitweilig vorhandene Anpassungsprobleme, die aus der Kündigung des Arbeitsplatzes, 
den häuslichen Schwierigkeiten im Zusammenleben mit dem Partner sowie dem Ableben ver-
schiedener Familienangehörigen resultiert seien, könnten auch retrospektiv keine versicherungs-
medizinisch bedeutsamen psychiatrischen Erkrankungen dargestellt werden. Entsprechend 
könnten auch retrospektiv bis auf die Zeiten der beiden stationären psychiatrischen Aufenthalte 
keine längeren Phasen der Arbeitsunfähigkeit attestiert werden.  
 
6.8.3 Dr. med. J.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, stellte in seinem allgemein-internisti-
schen Teilgutachten fest, dass die Explorandin weder spontan noch in der Systemanalyse Be-
schwerden aus dem allgemein-internistischen Bereich im engeren Sinne geschildert habe. Fest-
stellbar sei ein persistierender Nikotinabusus und ein Eisen- und Vitamin B12-Mangel, beide me-
dikamentös ausgeglichen, sowie anamnestisch verschiedene Statusdiagnosen. Die Wertung im 
Bereich Kardiologie erfolge in einem fachspezifischen Gutachten. Unter Berücksichtigung der ob-
jektivierbaren Befunde liege keine Einschränkung aus allgemein-internistischer Sicht vor.  
 
6.8.4 Im Rahmen der kardiologischen Begutachtung habe die Explorandin eine seit langer Zeit 
persistierende Anstrengungsdyspnoe sowie teilweise anstrengungsabhängige, aber auch bei 
Stressbelastung auftretende retrosternale Schmerzen beschrieben. Die körperliche Untersu-
chung und das Ruhe-EKG seien unauffällig gewesen. Echokardiografisch habe sich von trans-
thorakal ein Normalbefund gezeigt, bei der Fahrrad-Ergometrie habe eine leicht eingeschränkte 
körperliche Leistungsfähigkeit objektiviert werden können (bei vorzeitigem Abbruch vor allem we-
gen Schmerzen in den Beinen und im Rücken). Zusammenfassend könne aufgrund der Anam-
nese und der bisher erhobenen Untersuchungsbefunde am ehesten von einer mikrovaskulären 
Komponente als Ursache für die beklagten Beschwerden ausgegangen werden, differenzialdiag-
nostisch auch bei möglichen, intermittierend auftretenden erhöhten Blutdruckwerten. Aus kardio-
logischer Sicht bestehe aktuell keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. 
 
6.8.5 In der interdisziplinären Gesamtbeurteilung stellten die involvierten Gutachter fest, dass 
die versicherungsmedizinische Bewertung des Funktions- und Fähigkeitsprofils angesichts der 
mehrfachen und erheblichen negativen Antwort- und Leistungsverzerrungen lediglich auf medizi-
nisch-theoretischer Grundlage erfolgen könne. Aufgrund der bestehenden muskulo-skelettalen 
Gesundheitsstörungen sei die Versicherte leicht eingeschränkt hinsichtlich der Rücken- und 

 

 
 
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Handbelastbarkeit rechts. Es gelte das aus orthopädischer Sicht festgehaltene Zumutbarkeits-
profil. Vermieden werden sollten mittelschwere bis schwere Tätigkeiten mit Heben und Tragen 
von Gewichten über 15 kg, ausserhalb des Körperlotes, ruckartige Bewegungen, Tätigkeiten vor-
wiegend mit nach vorne geneigtem Oberkörper oder mit ausschliesslichem Stehen oder Gehbe-
lastung. Vermieden werden sollten ferner Tätigkeiten der rechten Hand mit verstärktem Faust-
schluss und spezieller Feinmotorik. Die Versicherte solle keiner Kälte, Zugluft oder Nässe aus-
gesetzt sein. Es könne lediglich für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit eine leichte Einschränkung 
der Arbeitsfähigkeit von 30% festgestellt werden. In einer dem Zumutbarkeitsprofil entsprechen-
den Tätigkeit des ersten Arbeitsmarktes sei sowohl aktuell als auch retrospektiv – abgesehen von 
den Zeiten der stationären Hospitalisation – eine volle Arbeitsfähigkeit gegeben.  
 
6.9 Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens äusserte sich der behandelnde Psychiater 
Dr. E.____ in zwei weiteren Berichten. Mit Arztbericht vom 16. Januar 2023 diagnostizierte er 
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischen 
Symptomen (ICD-10 F33.1), chronifiziert, sowie eine ausgeprägte Vergesslichkeit und aus soma-
tischer Sicht chronische Schmerzen am Rücken, in den Armen und Rheuma. Bei der Patientin 
seien neben den Symptomen und Einschränkungen der Diagnose auch der chronische Verlauf 
und die mangelnden bildungsmässigen Ressourcen zu berücksichtigen, die den Krankheitsver-
lauf und die Prognose wesentlich beeinflussen würden Der Zustand der Patientin sei nicht bloss 
eine individuelle Problematik, sondern auch ein systemisch-pandemisch-konjunkturelles Problem 
und habe sich auch so entwickelt. Die Annahme einer 100%igen Arbeitsfähigkeit sei für ihn un-
verständlich. Mit Eingabe vom 6. Februar 2023 kritisierte Dr. E.____ ferner das eingeholte Gut-
achten in verschiedener Hinsicht. Er brachte vor, dass der Begutachtung für die IV-Stelle ein 
politischer Aspekt beiwohne, da die IV zum Sparen angehalten werde. Der psychiatrische Fach-
gutachter habe die Patientin bloss einmal gesehen, auch die neuropsychologische Untersuchung 
sei an einem Tag durchgeführt worden. Die Beurteilung basiere deshalb auf einer Momentauf-
nahme und den Akten. Eine Fremdanamnese sei nicht erhoben worden. Bei der Patientin seien 
ferner zwei Besonderheiten zu berücksichtigen: Einerseits sei sie aufgrund der geringen Schul-
bildung funktionell Analphabetin, andererseits sei sie aus kulturellen Gründen darauf bedacht, 
freundlich und lächelnd aufzutreten, was den klinischen Eindruck verfälsche. Die Patientin aus 
dem «Land des Lächelns» präsentiere sich gegenüber Fremden wesentlich anders, als es ein 
Gutachter gewohnt sei. Die kulturellen Besonderheiten sowie die Notwendigkeit eines Dolmet-
schers seien auch in den Testverfahren zu wenig berücksichtigt worden. Unberücksichtigt geblie-
ben seien ferner die Exposition mit galvanisierenden Dämpfen, lebensgeschichtliche Faktoren 
wie die frühe Trennung von den Eltern und der frühe Arbeitsbeginn, der tragische Autounfall mit 
dem Tod naher Verwandten sowie die drohende Wegweisung aus der Schweiz. Er selbst gehe 
von einer Arbeitsfähigkeit von nicht mehr als 25% aus.  
 

7. Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verfügung vom 12. Juni 2023 bei der 
Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten auf die Ergeb-
nisse im Gutachten der MEDAS Bern vom 6. Oktober 2022. Sie ging demzufolge davon aus, dass 
die Beschwerdeführerin ab Beginn des Wartejahrs im September 2020 in ihrer angestammten 
Tätigkeit als Betriebsmitarbeiterin zu 70% und in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 100% 
arbeitsfähig war. Diese vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Wie oben 

 

 
 
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ausgeführt (vgl. E. 5.4 hiervor), ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gut-
achten externer Spezialärztinnen und -ärzte, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Un-
tersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Be-
funde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuer-
kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Sol-
che Indizien liegen hier keine vor. Das Gutachten der MEDAS Bern vom 10. Oktober 2022 weist 
weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist – wie dies vom Bundesgericht verlangt wird 
(vgl. E. 5.3 hiervor) – für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchun-
gen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, 
leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der aktuellen 
medizinischen Situation ein und beinhaltet eine Auseinandersetzung mit abweichenden Einschät-
zungen anderer Ärzte. Inhaltlich ist das Gutachten widerspruchsfrei und es leuchtet in der Darle-
gung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation ein.  
 
8. Was die Beschwerdeführerin vorbringt, ist nicht geeignet, die ausschlaggebende Be-
weiskraft des Gutachtens der MEDAS Bern vom 6. Oktober 2022 in Frage zu stellen.  
 

8.1 Vorab ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin das Gutachten in somatischer Hin-
sicht nicht beanstandet. Die entsprechenden Beurteilungen des allgemein-internistischen, des 
orthopädischen und des kardiologischen Experten der MEDAS Bern erweisen sich denn auch als 
schlüssig, weshalb vollumfänglich darauf abgestellt werden kann. Somit kann hier von weiteren 
Erörterungen zur gutachterlichen Beurteilung des somatischen Gesundheitszustands der Versi-
cherten abgesehen werden.  
 
8.2 Die Rügen der Beschwerdeführerin richten sich allesamt gegen die beweisrechtliche 
Verwertbarkeit des psychiatrischen-neuropsychologischen Fachteils des Gutachtens der MEDAS 
Bern. Wie im Folgenenden zu zeigen sein wird, erweisen sich die entsprechenden Einwände 
jedoch als unbegründet.  
 
8.2.1 Die Versicherte moniert das Fehlen einer psychiatrischen Fremdanamnese, obschon 
eine solche wertvolle Informationen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit liefern könne. Nach 
bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist im Rahmen einer psychiatrischen Begutachtung die kli-
nische Untersuchung in Kenntnis der Anamnese entscheidend. Eine Fremdanamnese und 
(schriftliche oder mündliche) Auskünfte der behandelnden Arztpersonen sind zwar häufig wün-
schenswert, aber nicht zwingend erforderlich. Anfragen beim behandelnden Arzt oder bei der 
behandelnden Ärztin sind u.a. wertvoll, wenn sie erweiterte Auskünfte über Persönlichkeit und 
Compliance der zu explorierenden versicherten Person erwarten lassen. Die Notwendigkeit der 
Einholung solcher Fremdanamnesen ist jedoch in erster Linie eine Frage des medizinischen Er-
messens (Urteil des Bundesgerichts vom 14. Oktober 2019, 8C_318/2019, E.  4.2.2.1 mit Hin-
weisen). Tatsächlich hat der psychiatrische Fachgutachter Dr. I.____ explizit auf die Einholung 
fremdanamnestischer Angaben verzichtet. Zur Begründung führte er aus, dass eine solche mit 
überwiegender Wahrscheinlichkeit keine zusätzlichen relevanten Informationen mit Auswirkung 
auf die Diagnosestellung oder die Einschätzung der Leistungsfähigkeit gebracht hätte. Dieses 

 

 
 
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Vorgehen ist nicht zu beanstanden. Vorliegend ist nicht ersichtlich und wird von der Beschwer-
deführerin auch nicht substantiiert vorgebracht, welche zusätzlichen Erkenntnisse sich aus einer 
Fremdanamnese ergeben könnten, zumal die Krankengeschichte durch die behandelnden Ärzte 
gut dokumentiert ist.  
 
8.2.2 Unter Hinweis auf die Ausführungen von Dr. E.____ im Rahmen des Vorbescheidver-
fahrens bringt die Beschwerdeführerin weiter vor, dass ihr Analphabetismus und ihre kulturelle 
Herkunft zwar für sich genommen invaliditätsfremd seien, aber dennoch die Erhebung der psy-
chiatrischen Befunde erschweren könnten. Hierzu ist festzustellen, dass sich weder aus dem 
psychiatrischen Teilgutachten noch aus dem Bericht zur neuropsychologischen Untersuchung 
irgendwelche Hinweise auf Verständigungsprobleme (bei beigezogener Dolmetscherin) ergeben. 
Vielmehr hielt der neuropsychologische Untersucher fest, dass für die Untersuchung ein gut aus-
reichendes Verständigungsniveau vorgelegen habe. Es gebe keinen Grund, die Resultate auf 
Kommunikationsprobleme abzuschieben (neuropsychologischer Bericht vom 8. Juli 2022, S. 6 
und S. 9). Ferner sind die Ergebnisse nach Angaben des neuropsychologischen Untersuchers 
«wo möglich und sinnvoll» bezüglich des Alters, des Geschlechts sowie der Bildung kontrolliert 
worden (neuropsychologischer Bericht vom 8. Juli 2022, S. 10). Sofern die Beschwerdeführerin 
bzw. ihr behandelnder Psychiater geltend macht, ihr Verhalten sei aufgrund der kulturellen Her-
kunft verfälschend freundlich und fröhlich, muss ihr entgegengesetzt werden, dass Dr. I.____ in 
seinem Befund eine affektive Schwingungsfähigkeit erkannt hat und die Explorandin als mittei-
lungsbedüftig, teilweise klagsam und weinerlich und themenbezogen besorgt beschrieben hat. 
Ferner ist bei einem erfahrenen psychiatrischen Gutachter durchaus zu erwarten, dass eine ober-
flächliche Freundlichkeit von einem psychopathologischen Affekt unterschieden werden kann.  
 
8.2.3 Nichts zu ihren Gunsten ableiten kann die Beschwerdeführerin sodann aus dem Zeitab-
lauf zwischen den Untersuchungen und der Fertigstellung des Gutachtens. Tatsächlich liegen 
zwischen der psychiatrischen Exploration (5. April 2022) und der Fertigstellung des Gutachtens 
(3. Oktober 2022) knapp sechs Monate. Zu berücksichtigen ist dabei aber auch, dass das psy-
chiatrische Gutachten die Ergebnisse der neuropsychologischen Untersuchung zu würdigen 
hatte, die erst am 8. Juli 2022 vorlagen. Zwar hat die Eidgenössische Kommission für Qualitäts-
sicherung in der medizinischen Begutachtung als einen ihrer neu formulierten Qualitätsindikato-
ren die Dauer der Gutachtenserstellung genannt. Mit einer kurzen Bearbeitungsdauer soll der 
Gefahr von Unsicherheiten und Qualitätsproblemen entgegengewirkt werden. Dennoch handelt 
es sich hierbei bloss um einen Indikator, nicht um eine verbindliche Vorgabe. Im vorliegenden 
Fall wird weder geltend gemacht noch ist ersichtlich, inwiefern die Latenz von sechs Monaten 
inhaltlich zu qualitativen Einbussen geführt haben könnte. Dabei ist auch zu berücksichtigen, 
dass die Anamneseerhebung per Diktat durch den psychiatrischen Gutachter im Beisein der Ex-
plorandin erstellt wurde, wodurch sich die Gefahr von Unsicherheiten auch nach einem gewissen 
Zeitablauf deutlich verringert.  
 
8.2.4 Die Beschwerdeführerin wendet ferner ein, der psychiatrische Gutachter habe verschie-
dene lebensgeschichtliche Ereignisse, namentlich den äusserst schweren Verkehrsunfall, kaum 
gewürdigt, obwohl dieser ohne Weiteres zu einer erheblichen und anhaltenden Traumatisierung 
habe führen können. Diesbezüglich muss zunächst festgehalten werden, dass die Versicherte 

 

 
 
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am fraglichen Unfall nicht selbst beteiligt gewesen ist, so dass eine Traumatisierung im Sinne 
eines Schreckereignisses respektive einer posttraumatischen Belastungsstörung eher nicht in 
Frage kommt. Indessen geht auch der Vorwurf, das Ereignis sei vom psychiatrischen Gutachter 
nicht gewürdigt worden, ins Leere. Tatsächlich berücksichtigt Dr. I.____ einen vorübergehenden 
Einfluss des Ereignisses auf die psychische Befindlichkeit der Versicherten und anerkennt, dass 
der Verlust des Cousins sowie weiterer Angehöriger zu einer Anpassungsstörung mit stationärem 
Aufenthalt in der Klinik G.____ geführt hat.  
 
8.2.5 Auch das Vorbringen der Beschwerdeführerin bzw. ihres behandelnden Psychiaters, wo-
nach der Fachgutachter nicht begründe, weshalb die Diagnose einer rezidivierenden depressiven 
Störung nicht gestellt werden könne, zielt ins Leere. Dr. I.____ führt im Rahmen des psychiatri-
schen Befundes schlüssig und nachvollziehbar aus, dass keine affektive Störung vorliege. Die 
Probleme, die zur psychiatrischen Hospitalisation geführt haben, seien retrospektiv als überwie-
gend psychosoziale Probleme sowie als Trauerreaktion im Rahmen des Todes von nahen Ver-
wandten zu deuten. Diese Einschätzung des psychiatrischen Fachgutachters scheint im Hinblick 
auf die echtzeitlichen Akten nicht unplausibel zu sein. Dass zumindest im Zeitpunkt der Untersu-
chung die Diagnose einer depressiven Störung nicht gestellt werden konnte, erweist sich im Hin-
blick auf den psychiatrischen Befund, des beschriebenen Tagesablaufs der Beschwerdeführerin 
sowie ihrer Aktivitäten durchaus als nachvollziehbar.  
 
8.2.6 Sofern die Beschwerdeführerin geltend macht, das psychiatrische Gutachten stütze sich 
hauptsächlich auf die neuropsychologische Einschätzung ab, obwohl diese anerkanntermassen 
nicht valide sei, kann ihr ebenfalls nicht gefolgt werden. Der psychiatrische Gutachter erhebt eine 
eigene Anamnese und erstellt eine eigene Beurteilung. Dabei berücksichtigt und würdigt er – was 
für eine Begutachtung lege artis zwingend erforderlich ist – auch die Ergebnisse der neuropsy-
chologischen Untersuchung. Dass bei dieser Untersuchung nicht-valide Testergebnisse festge-
stellt wurden, bedeutet indes nicht, dass der neuropsychologische Bericht unbeachtlich sein 
muss. Vielmehr wird aus den Testergebnissen deutlich, dass eine bewusste oder unbewusste 
Antwort- und Leistungsverzerrung stattgefunden hat. Dies ist bei der Beurteilung der Ressourcen 
und der Leistungsfähigkeit durchaus verwertbar, nämlich dahingehend, dass eine Verdeutlichung 
oder Aggravation vorliegt. Eine solche Verdeutlichungstendenz wurde denn auch von anderen 
Gutachtern wiederholt festgestellt und findet insofern Einfluss auf die Beurteilung, als dass die 
Gutachter der MEDAS Bern bloss ein medizinisch-theoretisches Zumutbarkeitsprofil definieren 
konnten. Darin ist indessen kein Mangel am Gutachten zu sehen. 
 
8.3 Nach dem Ausgeführten ist festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin bei der Beurtei-
lung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit zu Recht auf das beweistaugliche Gut-
achten der MEDAS Bern abgestellt hat. Lässt die vorhandene Aktenlage nach dem Gesagten 
eine zuverlässige Beurteilung des massgebenden medizinischen Sachverhalts zu, so ist dem 
Antrag der Beschwerdeführerin, wonach weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen seien, 
nicht stattzugeben. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst zwar das Recht, Beweisanträge 
zu stellen, und – als Korrelat – die Pflicht der Behörde zur Beweisabnahme. Beweise sind im 
Rahmen dieses verfassungsmässigen Anspruchs indessen nur über jene Tatsachen abzuneh-

 

 
 
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men, die für die Entscheidung der Streitsache erheblich sind. Gelangt das Gericht bei pflichtge-
mässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, dass die vorhandenen Unterlagen ein zuverlässiges 
Bild des relevanten Sachverhaltes ergeben und dieser demnach hinreichend abgeklärt ist, kann 
auf ein beantragtes Beweismittel verzichtet werden. Die damit verbundene antizipierte Beweis-
würdigung ist nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung zulässig (BGE 141 I 64 E. 
3.3, 124 V 94 E. 4b, 122 V 162 E. 1d, 119 V 344 E. 3c in fine mit Hinweisen). 
 
9. Zu prüfen bleibt die Bemessung der Invalidität. Wie eingangs ausgeführt (vgl. E. 4.4 hier-
vor), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen Versicherten aufgrund eines Einkommensver-
gleichs zu bestimmen (vgl. Art. 16 ATSG). Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Verfügung vom 
12. Juni 2023 den erforderlichen Einkommensvergleich vorgenommen. Sowohl das Validen- als 
auch das Invalideneinkommen hat sie dabei anhand der Tabelle TA1 der Schweizerischen Lohn-
strukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) 2020, privater Sektor Total, Spalte Frauen, 
Kompetenzniveau 1 ermittelt. Da das Kompetenzniveau 1 auch eine Vielzahl von leichten und 
mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts vom 9. November 2022, 
8C_350/2022, E. 6.2.3), ist dieses Vorgehen nicht zu beanstanden. Da die Beschwerdeführerin 
in einer ihren somatischen Leiden angepassten Tätigkeit in einem Vollzeitpensum arbeitsfähig 
ist, entspricht folglich das Valideneinkommen dem Invalideneinkommen. Daraus resultiert ein In-
validitätsgrad von 0%, womit kein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht.  
 

10. Aus dem Ausgeführten ergibt sich, dass die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung 
vom 12. Juni 2023 zu Recht einen Rentenanspruch der Versicherten abgelehnt hat. Die hierge-
gen erhobene Beschwerde erweist sich als unbegründet, weshalb sie abgewiesen werden muss. 
 
11. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Streitigkeiten 
um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungs-
gericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom 
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, 
in denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfah-
renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- 
fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei 
in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin unterliegende Par-
tei, weshalb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. Sie werden mit dem geleisteten Kos-
tenvorschuss verrechnet. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens ist keine Parteientschädi-
gung zuzusprechen. 
 

  

 

 
 
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Demgemäss wird  e r k a n n t : 

 

://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen.  

 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- werden der Beschwer-
deführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der 
Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. 

 3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 
 
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