# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e09178e3-f252-50c0-8783-73813b5df3b8
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-09-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.09.2021 D-6486/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6486-2019_2021-09-24.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-6486/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 4 .  S e p t e m b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), 

Richter Gérald Bovier, Richter Simon Thurnheer,    

Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Iran,   

vertreten durch MLaw Eliane Schmid, Rechtsanwältin,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 8. November 2019 / N (…). 

 

 

 

D-6486/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 21. Mai 2018 in der Schweiz um Asyl 

nach. 

A.a Am 25. Juni 2018 wurde er vom SEM zu seiner Person, dem Reiseweg 

und summarisch zu den Fluchtgründen befragt (BzP) und am 9. April 2019 

zu seinen Asylgründen angehört. Er machte im Wesentlichen geltend, er 

sei iranischer Staatsangehöriger und stamme aus B._______. Er habe die 

Schule in der (…) Klasse abgebrochen und fünf Jahre lang als Aushilfe bei 

einem (…) gearbeitet, da sein Vater krank gewesen und (…) verstorben 

sei. Zuletzt habe er mit einem Freund namens C._______ ein Geschäft 

betrieben. Sie hätten (…). Er sei ledig und habe mit seiner Mutter zusam-

mengelebt. Seine Schwester, die (…) sei und als (…) arbeite, lebe in einer 

eigenen Wohnung in B._______. Er sei gegen Ende des Neujahrsfests (…) 

([…] [iranisches Neujahr: 20./21. März]), an das genaue Datum könne er 

sich nicht erinnern, illegal aus dem Iran ausgereist. Er sei mit einem Bus 

nach D._______ gefahren und habe die Grenze zur Türkei mit Hilfe eines 

Schleppers, den C._______ für ihn organisiert habe, zu Fuss überquert. 

Nach sieben oder acht Tagen sei er nach Griechenland weitergereist und 

von dort aus in einem LKW am 20. Mai 2018 in die Schweiz gelangt. 

Er sei aus dem Iran geflohen, weil er mit einem verheirateten Mann na-

mens E._______ geschlafen habe und sie dabei von dessen Familie über-

rascht worden seien. Er habe im Alter von (…) Jahren erstmals sexuellen 

Kontakt mit einem Mann gehabt. Es habe sich um einen älteren Nachbarn 

gehandelt. Dieser habe ihn geküsst und gestreichelt, es sei aber nicht zu 

Geschlechtsverkehr gekommen. Mit (…) oder (…) Jahren habe er reali-

siert, dass er anders als andere Kinder sei, da er immer mit Knaben habe 

spielen wollen. Sein (Verwandter) F._______ habe ihn zu sexuellen Hand-

lungen aufgefordert. Er sei nicht abgeneigt, aber gehemmt gewesen, und 

habe deshalb abgelehnt. Schliesslich sei er von F._______ im Alter von 

(…) Jahren vergewaltigt worden. F._______ habe ihm mit dem Tod ge-

droht, sollte er dies verraten. Nach diesem Vorfall sei ihm klar gewesen, 

dass er andere Neigungen habe, und er habe fortan Angst gehabt, dass 

jemand davon erfahren könnte. Er habe es zwei bis drei Mal auch mit an-

deren Männern ausprobiert, aber als er erwachsener geworden sei und 

habe arbeiten müssen, habe er weitgehend auf sexuelle Kontakte mit Män-

nern verzichtet, zumal ihm bewusst gewesen sei, dass solche im Iran ver-

boten seien. Ein paar Jahre bevor er E._______ kennengelernt habe, sei 

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Seite 3 

er einmal mit einem Freund aus Neugier in einen von Homosexuellen fre-

quentierten Park gegangen. Plötzlich sei die Polizei aufgetaucht und habe 

die Anwesenden befragt. Er und sein Freund hätten gehen können, nach-

dem sie angegeben hätten, ganz normale Stadtbewohner zu sein. Beim 

Verlassen des Parks sei er von einem Schlagstock am (…) getroffen wor-

den. Nach diesem Erlebnis sei er nie mehr an einen solchen Ort gegangen. 

E._______ habe mit (…) gehandelt und sei über ein Jahr lang Kunde in 

seinem Geschäft gewesen. Sie seien sich nach und nach nähergekommen 

und E._______ habe ihm irgendwann erzählt, dass er homosexuelle Nei-

gungen habe. Sie hätten sich jeweils bei ihm (dem Beschwerdeführer) zu-

hause getroffen, wenn seine Mutter bei ihrem Bruder gewesen sei, respek-

tive wenn sie ihre Schwester besucht habe. Dies sei jeden (…) der Fall 

gewesen beziehungsweise mindestens einmal, manchmal zwei Mal pro 

Monat. Von ihrer Beziehung habe niemand gewusst. Sie seien vorsichtig 

gewesen. Eines Tages, als E._______ allein zuhause gewesen sei, da 

seine Frau mit ihren Eltern die Ferien andernorts verbracht habe, habe 

E._______ ihm gesagt, dass er zu ihm kommen dürfe. Das genaue Datum 

könne er nicht nennen, aber es sei gegen Ende des Neujahrsfests gewe-

sen. Sie hätten Alkohol getrunken und seien, nachdem sie Sex gehabt hät-

ten, nackt eingeschlafen. Sie hätten die Haustür zwar abgeschlossen, aber 

diese habe sich von aussen mit einem Schlüssel wieder öffnen lassen. 

Plötzlich habe er Geräusche beziehungsweise Schreie gehört und reali-

siert, dass die Angehörigen von E._______ vorzeitig zurückgekehrt seien. 

Die Frau von E._______ stamme aus einer religiösen Familie. Der Schwie-

gervater von E._______ sei (…) respektive (…). Beziehungsweise er 

kenne dessen Funktion nicht, glaube aber, dass er im (…) arbeite. Die drei 

Schwager von E._______ seien (…). Er sei den Angehörigen von 

E._______ zuvor noch nie begegnet. E._______ habe ihn dann aufgefor-

dert aufzustehen, sich anzuziehen und wegzulaufen. Die Schwiegermutter 

von E._______ sei ohnmächtig geworden und auch der Frau von 

E._______ sei es schlecht gegangen. Als er das Haus habe verlassen wol-

len, sei er den Schwagern von E._______ begegnet. Diese hätten ihn mit 

einem Schlagstock oder etwas Ähnlichem angegriffen. Seither könne er 

den (…) der rechten Hand nicht mehr strecken. Beziehungsweise er habe 

nur die Frau, die Schwiegermutter und den Schwiegervater von E._______ 

gesehen und es sei der Schwiegervater von E._______ gewesen, der ihn 

angegriffen und verletzt habe. Als er aus dem Haus gerannt sei, habe er 

gehört, wie die Schwiegermutter respektive die Frau von E._______ geru-

fen habe, er habe ihr Leben zerstört, und wie der Schwiegervater geschrien 

habe, er werde ihn hinrichten lassen. Im Treppenhaus habe er gehört, wie 

von der oberen Etage, wo einer der Schwager von E._______ gewohnt 

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habe, zwei Personen nach unten gelaufen seien, diese aber nicht gesehen. 

Von unten seien auch zwei Personen gekommen, aber er wisse nicht, ob 

es sich dabei um die Schwager von E._______ gehandelt habe. Draussen 

habe er seinen Geschäftspartner C._______ angerufen und diesem ge-

sagt, dass er ein Problem habe und das Land sofort verlassen müsse. Aus 

Scham habe er sich nicht getraut, C._______ die Wahrheit zu sagen, son-

dern angegeben, er habe mit einer verheirateten Frau geschlafen. Er sei 

dann zu C._______ gegangen und dieser habe am nächsten Tag einen 

Schlepper für ihn ausfindig gemacht. Von der Türkei aus habe er seine 

Schwester kontaktiert und dabei erfahren, dass nach seiner Ausreise Be-

hördenvertreter in Zivil nach ihm gefragt hätten. Es liege kein Haftbefehl 

gegen ihn vor und es sei auch kein Gerichtsverfahren eröffnet worden, aber 

drei bis vier Mal seien zwei Personen, die zu der Seite gehören würden, 

die ihn verklagt habe, wobei es sich nicht um eine offizielle Klage handle, 

in Begleitung eines Mullahs zu ihm nach Hause gekommen und hätten ge-

sagt, dass sie mit ihm etwas zu besprechen hätten. Seine Mutter sei in der 

Folge zu seiner Schwester gezogen, zumal sie an (…) leide. Zu seiner 

Schwester habe er telefonischen Kontakt. Ihr gehe es gut und sie habe 

keine Probleme. Seine Mutter wolle nicht mehr mit ihm sprechen, seit sie 

von der ganzen Sache gehört habe. Mit E._______ habe er keinen Kontakt 

mehr gehabt und er wisse nicht, was mit diesem passiert sei. Seinem (…) 

gehe es mittlerweile besser und er habe keine gesundheitlichen Beschwer-

den. Er könne nicht in den Iran zurückkehren, da er von seiner Familie nicht 

mehr akzeptiert werde und nicht wisse, was ihm von Seiten der iranischen 

Behörden sowie der Familie von E._______ drohen würde. 

A.b Bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelheiten 

des rechtserheblichen Sachverhalts wird auf die Protokolle und die einge-

reichten Beweismittel (Melli-Karte [iranische Identitätskarte], Shenasna-

meh [Geburtsschein]) verwiesen (vgl. vorinstanzliche Akten A6, A11, A14). 

B.  

B.a Mit Verfügung vom 8. November 2019 stellte das SEM fest, dass der 

Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Es lehnte das 

Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den 

Wegweisungsvollzug an. 

B.b Zur Begründung führte es im Wesentlichen an, die Vorbringen des Be-

schwerdeführers vermöchten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit 

gemäss Art. 7 AsylG (SR 142.31) nicht zu genügen. Die Ausführungen zu 

den gleichgeschlechtlichen Erlebnissen seit jungen Jahren sowie dem 

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fluchtauslösenden Ereignis und der an die Entdeckung der Beziehung zu 

E._______ anschliessenden Suche nach dem Beschwerdeführer könnten 

nicht geglaubt werden. Seine Angaben seien in erheblichem Masse wider-

sprüchlich und unsubstanziiert. Auf Rückfragen habe er wiederholt auswei-

chend geantwortet, keine Details nennen können und lediglich die bisheri-

gen vagen und stereotypen Angaben wiederholt. Angesichts der Unglaub-

haftigkeit könne auf die Prüfung der Asylrelevanz der Vorbringen verzichtet 

werden. Der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und möglich. 

Der Beschwerdeführer sei seinen Angaben zufolge bei guter Gesundheit, 

verfüge über soziale Kontakte im Heimatland und könne Arbeitserfahrung 

vorweisen.  

C.  

C.a Mit Eingabe vom 9. Dezember 2019 erhob der Beschwerdeführer 

durch die rubrizierte Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerde, worin um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und um 

Feststellung der Flüchtlingseigenschaft sowie um Gewährung des Asyls, 

eventualiter um Feststellung der Unzumutbarkeit und/oder Unzulässigkeit 

des Wegweisungsvollzugs und um Gewährung der vorläufigen Aufnahme, 

subeventualiter um Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur weiteren 

Sachverhaltsabklärung ersucht wurde. In verfahrensrechtlicher Hinsicht 

wurde zudem – unter Verweis auf eine Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung 

vom 22. November 2019 – um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-

führung und Rechtsverbeiständung sowie um Verzicht auf die Erhebung 

eines Kostenvorschusses ersucht.  

C.b Zur Begründung brachte er zunächst vor, auch hierzulande pflege er 

eine Beziehung zu einem Mann. Ausserhalb der Kommunikation mit 

Gleichgesinnten habe er nach wie vor Mühe, über seine sexuelle Orientie-

rung zu sprechen. Er habe Angst davor, welchen Einfluss derartige Äusse-

rungen auf andere Menschen haben könnten, die wiederum Personen aus 

seinem Heimatland informieren könnten. Weiter führte er aus, bei der Be-

urteilung der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen sei zu berücksichtigen, 

dass er im Rahmen der Befragungen erstmals gegenüber einer Person, 

mit der er keine Beziehung eingegangen sei, über seine sexuelle Orientie-

rung gesprochen habe. Er habe sich nicht einmal getraut, seinem langjäh-

rigen Geschäftspartner davon zu erzählen. In Bezug auf die Abfolge der 

Geschehnisse an dem fraglichen Abend habe er Unsicherheiten einge-

räumt und erklärt, dass alles sehr schnell gegangen sei, er aus dem Schlaf 

gerissen worden sei und noch unter dem Einfluss von Alkohol und unter zu 

grossem Stress gestanden habe, um alles genau mitzubekommen. Er 

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habe die Angehörigen von E._______ zuvor noch nie gesehen und wisse 

nicht genau, wie viele Schwager von E._______ vor Ort gewesen seien. 

Bei wem es sich um die Frau und bei wem um die Schwiegermutter von 

E._______ gehandelt habe, habe er einschätzen können. Im Übrigen habe 

es bei der Übersetzung Differenzen bezüglich der genannten Personen ge-

geben, sei doch das Wort "Schwägerin" durch "Schwiegermutter" ersetzt 

worden (vgl. A14 S. 6 F49). Auch die bei der Anhörung anwesende Hilfs-

werkvertretung habe diesbezügliche Zweifel geäussert, wie der beilie-

gende Auszug aus deren Bericht zeige. Es spreche für seine Glaubwürdig-

keit, dass er eingestehe, sich nicht an alles erinnern zu können. Auch die 

Verwendung der direkten Rede, die Schilderung seiner damaligen Emotio-

nen und die Erwähnung von Nebensächlichkeiten wie beispielsweise das 

Türschliessen vor dem Anziehen seien als Realkennzeichen zu werten. 

Zwar möge er den Ablauf des aufwühlenden Vorfalls zunächst detailarm 

und nicht identisch geschildert haben, er habe aber später präzisere Anga-

ben machen können. Zudem sei es für ihn verwirrend gewesen, dass er 

sich nach dem freien Bericht wegen zu ungenauer Angaben habe wieder-

holen müssen. Bei dem Erlebten habe es sich um eine Sequenz von weni-

gen Minuten gehandelt. Er habe wahrgenommen, dass verschiedene Per-

sonen ausser sich gewesen seien, und er den Ort so schnell wie möglich 

habe verlassen müssen. Warum die Familie von E._______ vorzeitig zu-

rückgekehrt sei, wisse er nicht. Hätte er dies geahnt, hätte er sich nicht in 

diese Situation begeben. Das SEM glaube ihm nicht, dass er seine Homo-

sexualität im Iran bereits gelebt habe. Er habe die Entwicklung der Bezie-

hung zu E._______ aber stimmig dargelegt und die Angst, die ihn be-

herrscht habe, geschildert. Auch habe er von Beginn weg über seine Be-

ziehungen zu Männern berichtet. Er habe sich längere Zeit mit der Thema-

tik befasst und im jugendlichen Alter realisiert, welche Konsequenzen sein 

Verhalten haben könnte. Die Beziehung zu E._______ sei denn auch die 

erste längere Beziehung gewesen; zuvor habe er alles verheimlichen müs-

sen und lediglich vereinzelte Kontakte gehabt, weshalb es nicht erstaune, 

dass er dazu nur oberflächliche Angaben habe machen können. Für seine 

Schwester sei es schwierig, dass seine Mutter sich weigere, mit ihm zu 

sprechen. Wie seine Mutter von den Ereignissen erfahren habe, wisse er 

nicht. Mit E._______ habe er keinen Kontakt und seine Familie kenne 

E._______ nicht, weshalb er keine Informationen zu E._______ habe. 

Selbst wenn der fragliche Vorfall nicht geglaubt werden sollte, könne nicht 

sein gesamtes Leben als Homosexueller als unglaubhaft erachtet werden. 

Das Verfolgungsmotiv der Homosexualität falle unter den in Art. 3 AsylG 

erwähnten Begriff der "sozialen Gruppe". Im Iran würden bei offener Aus-

lebung der Homosexualität Verfolgungsmassnahmen bis hin zu Folter und 

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Hinrichtung drohen. Er verweise auf das Referenzurteil des Bundesverwal-

tungsgerichts D-6539/2018 vom 2. April 2019, wonach die Verheimlichung 

von Homosexualität einen unerträglichen psychischen Druck im Sinne von 

Art. 3 Abs. 2 AsylG verursachen könne, und dieser Druck in subjektiver 

Hinsicht im Einzelfall zu prüfen sei. Ihm sei bewusst gewesen, dass gleich-

geschlechtliche Handlungen im Iran verboten seien, und er habe sich aus 

Angst und Scham nicht einmal getraut, seinem Geschäftspartner die Wahr-

heit zu sagen. Der psychische Druck unter dem er bei einer Rückkehr in 

den Iran weiterhin leben müsste, sei als intensiv und somit asylrelevant 

einzustufen. Seitens der iranischen Behörden bestehe kein Schutzwille. 

Zudem sei er vor seiner Ausreise, wie geschildert, geoutet worden, und 

habe deshalb bei einer Rückkehr mit staatlicher Verfolgung zu rechnen.  

Sollte die Flüchtlingseigenschaft verneint werden, sei der Wegweisungs-

vollzug als unzulässig und unzumutbar zu erachten. Aufgrund seiner sexu-

ellen Orientierung drohe ihm im Iran eine gegen Art. 3 EMRK verstossende 

Verfolgung. Zudem stelle die Bestrafung einvernehmlicher homosexueller 

Handlungen zwischen Erwachsenen eine Verletzung der in Art. 8 Abs. 1 

EMRK geschützten Privatsphäre dar. Darüber hinaus würde er bei einer 

Rückkehr mit hoher Wahrscheinlichkeit in eine persönliche Notlage gera-

ten. Er sei aufgrund des Erlebten gesundheitlich angeschlagen und be-

dürfe psychischer Betreuung. Eine solche sei bisher nur deshalb nicht er-

folgt, weil er – auch Ärzten gegenüber – Angst habe, über seine sexuelle 

Orientierung zu sprechen. Auch verfüge er im Iran nicht mehr über ein fa-

miliäres Netz. Der Kontakt zu seiner Familie sei auf ein Minimum reduziert, 

da diese sich wegen seiner sexuellen Orientierung von ihm abgewendet 

habe. Er könne auch nicht ohne Weiteres wieder in sein Geschäft einstei-

gen, nachdem er sein Kapital in die Organisation der Flucht investiert habe 

und zu seinem Geschäftspartner keinen Kontakt mehr pflege. Es sei ihm 

daher auch nicht bekannt, inwiefern C._______ über die Ereignisse infor-

miert sei und wie dieser sich ihm gegenüber verhalten würde. Er habe nicht 

die Möglichkeit, an Informationen oder Dokumente betreffend allfälliger ge-

gen ihn eingeleiteter Verfolgungsmassnahmen seitens der iranischen Be-

hörden zu kommen. Es hätte daher dem SEM oblegen, entsprechende Ab-

klärungen über Kontaktpersonen im Iran zu tätigen. 

D.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 11. Dezember 2019 den Ein-

gang der Beschwerde. 

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Seite 8 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 16. Dezember 2019 stellte die Instruktions-

richterin fest, dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Verfahrens in 

der Schweiz abwarten dürfe. Gleichzeitig hiess sie die Gesuche um Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung und amtlichen Rechtsverbei-

ständung gut und ordnete die rubrizierte Rechtsvertreterin dem Beschwer-

deführer als unentgeltliche Rechtsbeiständin bei.  

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 19. Mai 2021 lud die Instruktionsrichterin die 

Vorinstanz zur Vernehmlassung zur Beschwerde ein. 

G.  

In seiner Vernehmlassung vom 31. Mai 2021 beantragte das SEM die Ab-

weisung der Beschwerde. Mit dem Verweis auf die Hektik des Geschehens 

und den Stress, dem er ausgesetzt gewesen sei, als seine Beziehung zu 

E._______ entdeckt worden sei, sowie der Mühe, über die Homosexualität 

zu sprechen, vermöge der Beschwerdeführer die Widersprüche in seinen 

Ausführungen und die Unsubstanziiertheit seiner Angaben nicht zu erklä-

ren. Praktisch jede asylsuchende Person berichte von schwierigen und po-

tenziell traumatisierenden Erlebnissen, aber andere würden dies in ge-

wichtiger Weise als der Beschwerdeführer tun. Er sei zu Beginn der Befra-

gungen auf seine Mitwirkungspflicht, die das detaillierte Schildern des Er-

lebten beinhalte, hingewiesen worden. Seine Ausführungen seien dennoch 

substanzarm geblieben. Realkennzeichen würden fehlen. Der Auszug aus 

einem Bericht der Hilfswerkvertretung sei ohne Gehalt und vermöge nicht 

auf einen Übersetzungsfehler in Bezug auf die in der Wohnung von 

E._______ anwesenden Personen hinzudeuten. Aus dem Anhörungspro-

tokoll ergebe sich, dass im Rahmen der Rückübersetzung einzig an einer 

Stelle das Wort "Schwägerin" durch "Schwiegermutter" ersetzt worden sei. 

Dies vermöge die widersprüchlichen Angaben des Beschwerdeführers zur 

Person, die gerufen habe, er habe ihr Leben zerstört (Ehefrau respektive 

Schwiegermutter von E._______), nicht zu erklären. Der Beschwerdefüh-

rer vermöge das Vorgetragene nicht glaubhaft zu machen und es lägen 

keine konkreten Hinweise für die Annahme vor, dass er seine Homosexu-

alität im Iran offen gelebt habe. Homosexuelle würden im Iran nicht kollektiv 

verfolgt und Homosexuelle, die ihre sexuelle Orientierung im privaten leben 

würden, müssten keine asylrelevante Verfolgung befürchten. Es könne 

auch nicht von einem unerträglichen psychischen Druck gesprochen wer-

den, dem der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr ausgesetzt wäre. 

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Seite 9 

H.  

Am 4. Juni 2021 stellte die Instruktionsrichterin dem Beschwerdeführer die 

Vernehmlassung zu und räumte ihm Gelegenheit zur Replik ein.  

I.  

In seiner – innert entsprechend erstreckter Frist – am 6. Juli 2021 einge-

reichten Replik entgegnete der Beschwerdeführer im Wesentlichen, in den 

Protokollen seien zahlreiche Realkennzeichen zu finden. Indem das SEM 

davon ausgehe, dass Aussagen anderer Personen gewichtiger seien als 

seine Vorbringen, bagatellisiere es das Mass an Druck, das auf ihm laste. 

Er habe jahrelang versucht, seine sexuelle Orientierung zu verstecken, und 

bis heute grosse Angst davor, dass in seiner Heimat darüber gesprochen 

werde. Auch wenn er auf seine Mitwirkungspflicht hingewiesen worden sei, 

obliege es der Vorinstanz, ihm mittels präziser Fragen die Möglichkeit für 

einen detaillierten Bericht zu geben. Es sei notorisch, dass beim Überset-

zen Unklarheiten oder Abweichungen entstehen könnten. Hierzulande lebe 

er seine sexuelle Orientierung offen aus. Er sei seit über 18 Monaten in 

einer festen Beziehung. Da sein Partner in einem anderen Kanton lebe, 

könnten sie nicht zusammenwohnen, sie würden aber in regem Kontakt 

stehen, sich so oft wie möglich sehen und auch gemeinsam ausgehen, so-

weit dies finanzierbar sei. Er verweise auf die beiliegenden Fotos, auf de-

nen sie zusammen zu sehen seien. Gemäss Rechtsprechung sei zu prü-

fen, ob es zumutbar sei, sich durch diskretes Verhalten einer Verfolgung zu 

entziehen, oder ob dies einen unerträglichen psychischen Druck im Sinne 

von Art. 3 Abs. 2 AsylG darstellen würde. Das SEM habe weder im Hinblick 

auf die Asylgewährung noch den Wegweisungsvollzug eine Würdigung des 

Kriteriums des unerträglichen psychischen Drucks vorgenommen. Seine 

sexuelle Orientierung scheine es nicht per se anzuzweifeln. Hätte es in Be-

zug auf seine aktuelle Lebensweise nicht über hinreichende Angaben ver-

fügt, wäre es gehalten gewesen, ihn dazu zu befragen. Es genüge nicht, 

ohne Würdigung der konkreten Umstände im Einzelfall davon auszugehen, 

dass nicht ein enormer psychischer Druck auf ihm lasten würde.  

J.  

Die vorliegende Beschwerde wird koordiniert mit derjenigen des behaup-

teten Partners des Beschwerdeführers (…) behandelt. 

 

  

D-6486/2019 

Seite 10 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und auch vorliegend – end-

gültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101). Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).  

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

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Seite 11 

Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 

AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat bezie-

hungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft 

begründeterweise befürchten muss (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Eine bloss 

entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht, vielmehr müssen 

konkrete Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen realistisch 

und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5). Mass-

geblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im 

Zeitpunkt des Asylentscheids. Die Gewährung des Asyls kann nicht dazu 

dienen, einen Ausgleich für vergangenes Unrecht zu schaffen, sondern be-

zweckt, Schutz vor künftiger Verfolgung zu gewähren (vgl. BVGE 2008/4 

E. 5.4). 

Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus 

dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst geschaf-

fen worden ist, macht sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im Sinne 

von Art. 54 AsylG geltend. Solche begründen zwar die Flüchtlingseigen-

schaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum 

Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht 

missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, die subjek-

tive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als 

Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Entscheidend ist, ob eine 

Gesamtwürdigung der Vorbringen ergibt, dass die Gründe, die für die Rich-

tigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Gesuchstellenden sprechen, bei ei-

ner objektivierten Sichtweise überwiegen oder nicht (vgl. BVGE 2015/3 

E. 6.5.1, 2013/11 E. 5.1, 2012/5 E. 2.2). 

4.  

4.1 Die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Homosexualität hat das 

SEM in seinem Entscheid nicht explizit als glaubhaft oder unglaubhaft be-

zeichnet. Es hat aber den geschilderten Vorfall, die Beziehung zu 

E._______ sowie die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Erleb-

nisse als Homosexueller im Iran als unglaubhaft qualifiziert. Angesichts der 

D-6486/2019 

Seite 12 

nachfolgenden Ausführungen muss sich derzeit auch das Bundesverwal-

tungsgericht nicht abschliessend dazu äussern, ob es die sexuelle Orien-

tierung des Beschwerdeführers als glaubhaft erachtet. 

4.2 Als Verfolgungsmotiv lässt sich die Homosexualität in ständiger Recht-

sprechung des Bundesverwaltungsgerichts unter der in Art. 3 AsylG er-

wähnten „sozialen Gruppe“ erfassen (vgl. Referenzurteil des BVGer  

D-6539/2018 vom 2. April 2019 E. 7.2 m.w.H.). 

4.3 Die Vorbringen des Beschwerdeführers bezüglich sexuellen Miss-

brauchs im Kindesalter durch einen (…) und einen (…) vermögen aufgrund 

fehlenden zeitlichen Kausalzusammenhangs zur erst rund (…) Jahre spä-

ter erfolgten Ausreise aus dem Iran keine Asylrelevanz zu entfalten. Zudem 

dient das Asyl, wie zuvor ausgeführt (vgl. E. 3.1), nicht dem Ausgleich für 

vergangenes Unrecht, sondern der Gewährung von Schutz vor künftiger 

Verfolgung (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4). Hinweise, dass dem Beschwerde-

führer bei einer heutigen Rückkehr in den Iran seitens der besagten Män-

ner flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsmassnahmen drohen wür-

den, liegen nicht vor. Solches wird von ihm auch nicht vorgebracht. 

4.4 Dem SEM ist dahingehend zuzustimmen, dass an dem vom Beschwer-

deführer vorgebrachten fluchtauslösenden Ereignis, wonach seine Homo-

sexualität an einem Tag gegen Ende des Neujahrfests (…) ([…]) durch die 

Angehörigen seines damaligen Freundes aufgedeckt worden sei, erhebli-

che Zweifel bestehen. Die Schilderungen des Beschwerdeführers zu dem 

besagten Vorfall und einer daraus allenfalls resultierenden Verfolgung sei-

tens der iranischen Behörden vermitteln kein stimmiges Bild, sondern wei-

sen erhebliche Widersprüche und Ungereimtheiten auf und vermögen nicht 

zu überzeugen. Mit seinen Ausführungen in den Rechtsmitteleingaben ver-

mag der Beschwerdeführer die Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Anga-

ben zu dem besagten Vorfall und dessen Folgen nicht auszuräumen. Auch 

mit dem Verweis auf einen angeblichen Übersetzungsfehler bei der Anhö-

rung vom 9. April 2019 vermag er die gravierenden Widersprüche in seinen 

Ausführungen zum Ablauf des fraglichen Abends nicht zu erklären. Aus 

dem Anhörungsprotokoll vom 9. April 2019 und dem eingereichten Auszug 

aus einem Bericht der Hilfswerkvertretung vom 10. April 2019 ergeben sich 

keine Hinweise auf massgebliche Verständigungsschwierigkeiten, die im 

Rahmen der erfolgten Rückübersetzung nicht hätten geklärt werden kön-

nen (vgl. A14 S. 6 F49 [Ersetzung des Wortes "Schwägerin" durch 

"Schwiegermutter"]). Der Beschwerdeführer bestätigte sowohl bei der BzP 

D-6486/2019 

Seite 13 

vom 25. Juni 2018 als auch bei der Anhörung vom 9. April 2019 unter-

schriftlich, dass er die jeweiligen Übersetzer gut verstanden habe (vgl. A6 

S. 2 und 10, A14 S. 1 F1), und dass ihm die Protokolle in eine ihm ver-

ständliche Sprache (Farsi) rückübersetzt worden seien und seinen Aussa-

gen entsprechen würden (vgl. A6 S. 11, A14 S. 22). Darauf ist er zu behaf-

ten. Insgesamt betrachtet vermag der Beschwerdeführer mit seinen Schil-

derungen nicht nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen, dass 

seine Homosexualität vor der im Frühling (…) erfolgten Ausreise aus dem 

Iran in der vorgebrachten Weise aufgedeckt worden sei. Der Einwand in 

der Rechtsmitteleingabe vom 9. Dezember 2019, dass das SEM verpflich-

tet gewesen wäre, Abklärungen im Iran vorzunehmen, ob gegen ihn auf-

grund des geschilderten Vorfalls seitens der iranischen Behörden Verfol-

gungsmassnahmen eingeleitet worden seien, geht fehl. Der Beschwerde-

führer trägt die Substanziierungslast für seine Vorbringen und nachdem er 

das fluchtauslösende Ereignis – die Aufdeckung seiner Homosexualität 

durch die Ehefrau seines damaligen Freundes und deren Angehörige – 

nicht in glaubhafter Weise darzulegen vermochte, sah sich die Vorinstanz 

diesbezüglich berechtigterweise nicht zu weiteren Abklärungen veranlasst. 

4.5 Nachdem nicht geglaubt werden kann, dass die Homosexualität des 

Beschwerdeführers in der von ihm geschilderten Weise aufgedeckt und er 

deshalb im Zeitpunkt seiner Ausreise aus dem Iran verfolgt worden sei, ist 

weiter zu prüfen, ob er bei einem Verbleib im Iran aufgrund seiner Homo-

sexualität respektive einer Notwendigkeit zur Verheimlichung derselben ei-

nem unerträglichen psychischen Druck und damit einem ernsthaften Nach-

teil im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt gewesen wäre respektive 

einem solchen bei einer Rückkehr dorthin ausgesetzt wäre. Der Beschwer-

deführer machte in diesem Zusammenhang geltend, dass er im Iran stän-

dig Angst vor den mit einem Outing verbundenen Konsequenzen gehabt 

habe, und dass ihm das offene Ausleben seiner Homosexualität, wie es 

ihm hierzulande möglich sei, bei einer Rückkehr in den Iran nicht mehr 

möglich wäre. 

4.5.1 Die Verheimlichung von Homosexualität kann gemäss Rechtspre-

chung des Bundesverwaltungsgerichts unter Umständen einen unerträgli-

chen psychischen Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG bewirken und 

demnach flüchtlingsrechtlich relevant sein. Ob ein solcher Druck vorliegt, 

ist im Einzelfall zu prüfen. Die Annahme, das Verheimlichen einer persön-

lichen Überzeugung beziehungsweise einer mit der Persönlichkeit untrenn-

bar verknüpften Eigenschaft – wie dies die sexuelle Orientierung ist – be-

wirke einen unerträglichen psychischen Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 

D-6486/2019 

Seite 14 

AsylG, setzt voraus, dass die betroffene Person in einem Umfeld zu leben 

gezwungen ist, in welchem sie Gefahr läuft, dass eben diese Überzeugung 

oder Eigenschaft entdeckt, denunziert und sanktioniert wird. Je grösser die 

Gefahr ist, durch eine unbedachte Geste oder Äusserung entdeckt zu wer-

den, und je gravierender die staatliche oder private Sanktionierung im Falle 

der Entdeckung ausfällt, desto eher ist davon auszugehen, die betroffene 

Person stehe unter einem psychisch unerträglichen Druck, weil sie ge-

zwungen ist, ihre Persönlichkeit zu verleugnen und ein Doppelleben zu füh-

ren, um nicht entdeckt zu werden. Die Tatsache, dass eine Person darauf 

angewiesen ist, durch diskretes Verhalten einer Verfolgung auszuweichen, 

spricht dafür, dass eine begründete Furcht vorliegt. So könnte dieses Ver-

halten in letzter Konsequenz bei drohenden schwerwiegenden Verfol-

gungsmassnahmen dazu führen, dass eine Person nicht als Flüchtling an-

erkannt wird, da sie sich äusserst zurückhaltend gezeigt hat, um Verfol-

gungsmassnahmen zu entgehen. Im Umkehrschluss würde dies zudem 

bedeuten, dass eine Person, die sich bislang diskret verhalten hatte, sich 

zuerst outen und schliesslich die dementsprechenden Verfolgungsmass-

nahmen gewärtigen müsste, bevor sie allenfalls ausreisen und als Flücht-

ling anerkannt werden könnte. Personen so zu einem gesellschaftskonfor-

men Verhalten anzuhalten, würde ferner bedeuten, dass sie sich dem in 

ihrem Heimatstaat "üblichen" Unrecht fügen sollten (vgl. Referenzurteil des 

BVGer D-6539/2018 vom 2. April 2019 E. 8.2 und 8.3 [betreffend Irak]). 

4.5.2 Im Iran wird Homosexualität kriminalisiert und es sind dafür Strafen 

bis hin zur Todesstrafe vorgesehen (vgl. Urteil des BVGer D-5961/2017 

vom 27. Februar 2018 E. 5.1 m.w.H.). Als Tabuthema ist Homosexualität 

im Iran grundsätzlich mit der Situation im Irak (vgl. Referenzurteil des 

BVGer D-6539/2018 vom 2. April 2019) vergleichbar und das Verheimli-

chen von Homosexualität kann dort unter Umständen einen unerträglichen 

psychischen Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG verursachen, insbe-

sondere aufgrund der ständigen Gefahr eines unfreiwilligen Outings, der 

gesellschaftlichen und familiären Ablehnung sowie der Angst vor Bestra-

fung durch die Behörden oder andere Gruppierungen. 

4.5.3 Das Vorliegen eines unerträglichen psychischen Drucks im Sinne von 

Art. 3 Abs. 2 AsylG ist, wie gesagt, im Einzelfall zu prüfen. Vorliegend rügte 

der Beschwerdeführer, dass die Vorinstanz diese Prüfung unterlassen 

habe. Diese Rüge ist berechtigt. Das SEM hat in seiner Verfügung nicht 

geprüft, ob das Verheimlichen der Homosexualität, zu dem der Beschwer-

deführer laut seinen Vorbringen im Iran gezwungen wäre, einen unerträg-

lichen psychischen Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG bewirken 

D-6486/2019 

Seite 15 

würde. Auch im Rahmen des Schriftenwechsels hat es sich trotz der ent-

sprechenden Rüge in der Beschwerde vom 9. Dezember 2019 nicht mit 

dieser Frage befasst, sondern lediglich ausgeführt, dass Homosexuelle, 

die ihre sexuelle Orientierung im Iran privat leben würden, keine asylrele-

vante Verfolgung zu befürchten hätten. Unter Verweis auf die vorstehenden 

Ausführungen zum zu prüfenden Kriterium des psychischen Drucks (vgl. 

E. 4.5.1 und 4.5.2) fragt sich jedoch, inwieweit von einer Person erwartet 

werden kann, eine drohende Verfolgung ohne Beanspruchung des Flücht-

lingsschutzes durch Änderung ihres eigenen Verhaltens abzuwenden. Die-

se Prüfung hat das SEM nicht vorgenommen. Es führte in seiner Vernehm-

lassung vom 31. Mai 2021 zwar an, es könne nicht von einem unerträgli-

chen psychischen Druck gesprochen werden, dem der Beschwerdeführer 

bei einer Rückkehr in den Iran ausgesetzt wäre, jedoch ohne diesen Stand-

punkt zu begründen. Ob die Vorinstanz damit zum Ausdruck bringen wollte, 

die Glaubhaftigkeit der behaupteten sexuellen Ausrichtung könne offen-

bleiben, geht (auch) aus der Vernehmlassung nicht schlüssig hervor. Damit 

hat es aber die aufgrund des vorliegend geltend gemachten Sachverhalts 

wesentlichen Kriterien für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft 

nicht umfassend geprüft und damit den Anspruch des Beschwerdeführers 

auf rechtliches Gehör verletzt. Es erweist sich daher als angezeigt, die Sa-

che zwecks umfassender Prüfung und Würdigung der Asylvorbringen an 

die Vorinstanz zurückzuweisen. Das SEM hat zu prüfen, ob der Beschwer-

deführer bei einer Rückkehr in den Iran einem unerträglichen psychischen 

Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt wäre, weil er gezwun-

gen wäre, seine (allfällige) Homosexualität zu verheimlichen oder zu ver-

leugnen, um eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung zu vermeiden. 

Dabei wird auch die vom Beschwerdeführer vorgebrachte gleichge-

schlechtliche Beziehung, die er in der Schweiz führe, zu erheben und ge-

gebenenfalls nicht nur bei der Frage der Flüchtlingseigenschaft des Be-

schwerdeführers, sondern auch bei der Prüfung der Durchführbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs zu berücksichtigen sein; dies bei der Frage der Zu-

lässigkeit, was die Bestimmungen der EMRK anbelangt, und allenfalls 

auch bei der Frage der Zumutbarkeit des Vollzugs. 

5.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde insofern gutzuheissen, als die Auf-

hebung der vorinstanzlichen Verfügung beantragt wird. Die Verfügung vom 

8. November 2019 ist aufzuheben und die Sache zur umfassende Prüfung 

und Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzu-

weisen.  

D-6486/2019 

Seite 16 

Angesichts des Verfahrensausgangs erübrigt es sich, auf die weiteren Be-

schwerdevorbringen näher einzugehen. 

6.  

6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

6.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

im Zusammenhang mit dem Beschwerdeverfahren notwendigerweise er-

wachsenen Parteikosten zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin bezifferte 

den zeitlichen Aufwand in der Rechtsmitteleingabe vom 9. Dezember 2019 

mit 680 Minuten und sie beantragte einen Stundenansatz von Fr. 269.25 

(inklusive Mehrwertsteuer). Zudem beantragte sie eine Pauschale von 

Fr. 54.– als Auslagenersatz. Mit der Replik vom 6. Juli 2021 machte sie 

einen zusätzlichen Aufwand von 90 Minuten geltend. Der zeitliche Aufwand 

scheint insgesamt angemessen, generelle Pauschalen werden praxisge-

mäss jedoch nicht vergütet, sondern nur effektiv ausgewiesene Kosten ent-

schädigt. Ausgewiesen sind vorliegend Portokosten von Fr. 15.90. Die Par-

teientschädigung ist somit auf Fr. 3471.30 (einschliesslich Auslagen und 

Mehrwertsteuerzuschlag) festzusetzen. Dieser Betrag ist dem Beschwer-

deführer durch das SEM zu entrichten. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-6486/2019 

Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Aufhebung der angefochte-

nen Verfügung beantragt wird. 

2.  

Die vorinstanzliche Verfügung vom 8. November 2019 wird aufgehoben 

und die Sache zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an das SEM 

zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 3471.30 

auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Daniela Brüschweiler Susanne Burgherr 

 

 

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