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**Case Identifier:** e57b191b-4ba9-5a05-83b3-7348ec29c6ad
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.09.2011 BVGE 2011/29
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2011-29_2011-09-20.pdf

## Full Text

Asylverfahren 2011/29 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 553 

 

29 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung V  
i. S. A. gegen Bundesamt für Migration 
E–7449/2009 vom 20. September 2011 

Voraussetzungen des Ausschlusses aus der Flüchtlingseigenschaft 

wegen Begehung eines schweren nichtpolitischen Verbrechens aus-

serhalb des Aufnahmelandes. Asylunwürdigkeit. 

Art. 1 F Bst. b FK. Art. 53 AsylG. 

1. Der Einschluss in die Flüchtlingseigenschaft ist in der Regel vor 
dem Ausschluss zu prüfen (« inclusion before exclusion »-Prin-

zip) (E. 6).  

2. Einem Kadermitglied der Liberation Tigers of Tamil Eelam 
(LTTE) können nicht pauschal alle Straftaten dieser Organisa-

tion zugerechnet werden, sondern es ist auf die individuelle Stel-

lung und Einflussnahme abzustellen. Im konkreten Fall werden 

die dem Beschwerdeführer zuzurechnenden Handlungen (Teil-

nahme an Angriffen auf Armee-Camps und bewaffnete Ausein-

andersetzungen mit Soldaten) als politische Delikte eingestuft 

und daher die Voraussetzungen für einen Ausschluss von der 

Flüchtlingseigenschaft gestützt auf Art. 1 F Bst. b FK verneint 

(E. 8).  

3. Begriff der « verwerflichen Handlungen » im Sinne von Art. 53 
AsylG; Abgrenzung zum schweren nichtpolitischen Verbrechen 

im Sinne von Art. 1 F Bst. b FK. Im vorliegenden Fall wird die 

Asylunwürdigkeit des Beschwerdeführers aufgrund seiner jahre-

langen logistischen und militanten Unterstützung der LTTE 

bejaht (E. 9). 

Conditions d'exclusion de la qualité de réfugié à raison de la com-

mission d'un crime grave non politique en dehors du pays d'accueil. 

Indignité. 

Art. 1 F let. b Convention du 28 juillet 1951 relative au statut des 

réfugiés (ci-après: Conv. réfugiés). Art. 53 LAsi. 

1. En principe, la reconnaissance de la qualité de réfugié doit être 
examinée avant l'exclusion de cette qualité (« inclusion before 

exclusion ») (consid. 6). 

2011/29 Asylverfahren 

 

 

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2. On ne peut imputer de manière globale à un membre du com-
mandement des Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) tous 

les délits de cette organisation; il faut au contraire tenir compte 

de sa position et de son influence personnelles. En l'espèce, les ac-

tes imputables au recourant (participation à des attaques contre 

des camps de l'armée et affrontements armés avec des soldats) 

sont considérés comme des délits politiques et, par conséquent, 

les conditions pour l'exclusion de la qualité de réfugié au titre de 

l'art. 1 F let. b Conv. réfugiés ne sont pas remplies (consid. 8). 

3. Notion d'« actes répréhensibles » au sens de l'art. 53 LAsi; déli-
mitation par rapport au crime grave de droit commun de 

l'art. 1 F let. b Conv. réfugiés. En l'espèce, l'indignité du recou-

rant est admise en raison du soutien logistique et militant qu'il a 

accordé aux LTTE pendant des années (consid. 9).  

Presupposti dell'esclusione dalla qualità di rifugiato a causa della 

commissione di un crimine grave di diritto comune fuori dal Paese 

ospitante. Indegnità. 

Art. 1 F lett. b Convenzione del 28 luglio 1951 sullo statuto dei rifu-

giati (qui di seguito: Conv. rifugiati). Art. 53 LAsi.  

1. Di norma, il riconoscimento della qualità di rifugiato va esami-
nata prima dell'esclusione di tale qualità (in ossequio al principio 

« inclusion before exclusion » (consid. 6). 

2. Non si possono, di maniera generale, addossare a un membro del 
comando delle Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) tutti i 

reati commessi da tale organizzazione; ci si deve invece basare 

sulla posizione e sulla capacità d'influsso personali del singolo in-

dividuo. Nella fattispecie, gli atti imputabili al ricorrente (parte-

cipazione ad attacchi a campi militari e a scontri armati con 

soldati dell'esercito) devono essere classificati come reati di carat-

tere politico; pertanto, i presupposti dell'esclusione dalla qualità 

di rifugiato ai sensi dell'art. 1 F lett. b Conv. rifugiati non sono da 

considerarsi adempiuti (consid. 8). 

3. Nozione di « atti riprensibili » ai sensi dell'art. 53 LAsi. Delimi-
tazione rispetto alla nozione di crimini gravi di diritto comune ai 

sensi dell'art. 1 F lett. b Conv. rifugiati. Nella fattispecie, il ricor-

rente deve essere considerato indegno a causa del sostegno lo-

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gistico e dell'attivo impegno da lui prestati per anni alle LTTE 

(consid. 9).  

 

Der aus Sri Lanka stammende Beschwerdeführer stellte am 21. Juli 2004 

in der Schweiz ein Asylgesuch. 

Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, er sei von der LTTE 

(Liberation Tigers of Tamil Eelam) zwangsrekrutiert und in der Folge als 

Kämpfer ausgebildet worden. Er habe als Soldat an mehreren Gefechten 

zwischen der LTTE und der sri-lankischen Armee (in Mullaitivu, Puli-

yankulam, Kilinochchi) teilgenommen. Zudem habe er bei der Bergung 

von Verletzten geholfen und habe als Untergebener eines Leutnants/Co-

lonels jeweils dessen Handfunkgerät tragen müssen. Er habe in dieser 

Zeit mehrmals geäussert, dass er nicht mehr kämpfen wolle, sei aber 

mittels Drohungen dazu gezwungen worden, weiter mitzumachen, bis er 

an der Schulter verletzt worden sei. Im Jahre (…) sei er nach einer sechs-

monatigen Ausbildung, welche er ebenfalls unfreiwillig absolviert habe, 

gegen seinen Willen zum Major befördert worden. In der Folge sei er als 

« zweiter Chef » für eine Gruppe von 100 Kämpfern zuständig gewesen. 

Er habe bei Kampfeinsätzen Befehle übergeordneter Stellen weiter-

geleitet und taktische Anweisungen gegeben und sei zudem für das 

Organisieren von Nahrung und Kleidern für die ihm unterstellten Sol-

daten verantwortlich gewesen. Als Major habe er an etwa 10–15 Ge-

fechten, unter anderem in Manikulam, in Jaffna und am Elephant Pass, 

teilgenommen und sei mehrmals, zum Teil schwer, verletzt worden. Nach 

einer schweren Verwundung bei einem Gefecht in Jaffna sei er noch für 

etwa 40 Kämpfer zuständig gewesen und schliesslich sei ihm die Ver-

antwortung entzogen worden, weil er sich geweigert habe, weiter mitzu-

machen. Anlässlich eines ihm im Jahre 2002 gewährten Urlaubs, in wel-

chem er seine Familie besucht habe, habe er erfahren, dass sein Vater und 

einer seiner Brüder von der sri-lankischen Armee getötet worden seien. 

In der Folge sei ihm die Verantwortung als « zweiter Chef » für 50 Leute 

in einem LTTE-Camp im Osten Sri Lankas zwangsweise übertragen 

worden.  

Nach Ausbruch des Konflikts zwischen dem Anführer der LTTE, Velu-

pillai Prabhakharan, und dem Chef der Ost-Provinz, Karuna Amman, im 

Jahre 2004 sei der Stellvertreter Karunas in den Norden geflüchtet und 

habe die LTTE-Angehörigen im Osten aufgefordert, dasselbe zu tun. 

Hingegen sei er von seinem direkten Vorgesetzten angewiesen worden, 

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für Karuna Amman zu arbeiten. Nachdem es zu einem Gefecht zwischen 

der LTTE und der Karuna-Gruppe gekommen sei, sei er geflohen. Am 

14. Mai 2004 sei er mit einem gefälschten Pass mithilfe eines Schleppers 

aus seinem Heimatland ausgereist und nach Europa gelangt.  

Mit Verfügung vom 30. Juli 2004 stellte das Bundesamt für Migration 

(BFM) fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der 

Schweiz sowie den Vollzug an. 

Mit Eingabe seines Rechtsvertreters an die Schweizerische Asylrekurs-

kommission (ARK) vom 30. August 2004 erhob der Beschwerdeführer 

Beschwerde gegen diese Verfügung.  

Im Rahmen eines vom Instruktionsrichter im Hinblick auf die Verände-

rung der allgemeinen Situation in Sri Lanka sowie die neue Wegwei-

sungspraxis zu Sri Lanka angeordneten zweiten Schriftenwechsels teilte 

das BFM mit Schreiben vom 18. März 2008 mit, dass sich eine ein-

gehendere Prüfung der Vorbringen des Beschwerdeführers aufdränge, 

weshalb darum ersucht würde, das Beschwerdeverfahren abzuschliessen 

und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

Mit Verfügung vom 19. Oktober 2009 hob das BFM seine Verfügung 

vom 30. Juli 2004 auf und stellte fest, dass das erstinstanzliche Asylver-

fahren wieder aufgenommen werde. 

Mit Verfügung vom 22. Oktober 2009 stellt das BFM fest, dass der 

Beschwerdeführer zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 

des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) erfülle, jedoch 

ein Ausschlussgrund im Sinne von Art. 1 F Bst. b des Abkommens vom 

28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) 

vorliege, weshalb er von der Flüchtlingseigenschaft ausgeschlossen und 

sein Asylgesuch abgewiesen werde. Ferner ordnete die Vorinstanz die 

Wegweisung aus der Schweiz an, gewährte dem Beschwerdeführer aber 

wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Auf-

nahme.  

Mit Abschreibungsentscheid vom 27. Oktober 2009 schrieb das Bundes-

verwaltungsgericht die Beschwerde vom 30. August 2004 infolge Gegen-

standslosigkeit ab. 

Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 30. November 2009 erhob der 

Beschwerdeführer Beschwerde gegen die Verfügung des BFM vom 

22. Oktober 2009. 

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Das Bundesverwaltungsgericht heisst die Beschwerde gut, soweit die 

Feststellung der Flüchtlingseigenschaft beantragt wird; im Übrigen wird 

sie abgewiesen. 

Aus den Erwägungen: 

6. Gemäss dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Natio-
nen (UNHCR) ist der Einschluss der Flüchtlingseigenschaft in aller 

Regel vor dem Ausschluss im Sinne von Art. 1 F FK zu prüfen (sog. 

« inclusion before exclusion»-Prinzip). Eine Ausnahme von diesem 

Grundsatz rechtfertigt sich nur dann, wenn etwa Anklage vor einem 

internationalen Strafgericht erhoben worden ist oder offensichtliche Be-

weise dafür vorliegen, dass der Asylsuchende in ein ausserordentlich 

schweres Verbrechen – insbesondere im Sinne von spektakulären Fällen 

nach Art. 1 F Bst. c FK – verwickelt ist oder wenn im Rechtsmittel-

verfahren der Ausschluss im Mittelpunkt steht (vgl. UNHCR, Richtlinien 

zum internationalen Schutz: Anwendung der Ausschlussklauseln: Arti-

kel 1 F des Abkommens von 1951 über die Rechtsstellung der Flücht-

linge, 4. September 2003, Ziff. 31 [nachfolgend: UNHCR Richtlinien]); 

UNHCR, Background Note on the Application of the Exclusion Clauses: 

Article 1 F of the 1951 Convention relating to the Status of Refugees, 

4. September 2003, Ziff. 100 S. 36 f. [nachfolgend: UNHCR Background 

Notes]). Das Bundesverwaltungsgericht beachtet vorliegend dieses 

« inclusion before exclusion »-Prinzip, steht doch in casu die Abwägung 

zwischen Schutzinteresse einerseits sowie Verwerflichkeit der Tat und 

Schuldfrage anderseits im Vordergrund. 

7. Demzufolge stellt sich zunächst die Frage, ob dem Beschwerde-
führer aufgrund der von ihm vorgebrachten Fluchtgründe die Flüchtlings-

eigenschaft zuzusprechen ist. 

Das BFM hat in seiner Verfügung vom 22. Oktober 2009 bereits festge-

stellt, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft gemäss 

Art. 3 AsylG erfülle. Dieser Einschätzung ist auch unter Berücksichti-

gung der derzeitigen politischen Situation in Sri Lanka zu folgen. Zwar 

ist durch den militärischen Sieg der sri-lankischen Regierung über die 

LTTE im Mai 2009 unter Liquidierung ihrer gesamten Führungselite die 

Gefahr gebannt, dass der Beschwerdeführer als ehemaliger Offizier der 

LTTE wegen seiner Desertion heute noch einer Bedrohung seitens der 

LTTE ausgesetzt sein könnte. Demgegenüber darf auch im heutigen 

Zeitpunkt als wahrscheinlich gelten, dass die sri-lankische Regierung 

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nach wie vor alles daran setzt, ehemalige Offiziere der LTTE aufzu-

spüren, um sie einerseits für allfällig begangene Kriegsverbrechen zur 

Verantwortung zu ziehen und andererseits mit ihrer Hilfe weiterer unter-

getauchter LTTE-Kämpfer habhaft zu werden beziehungsweise die letz-

ten Rudimente des Netzwerkes der LTTE zu zerschlagen. Demnach ist 

von einer aktuellen flüchtlingsrechtlich relevanten Gefährdung des Be-

schwerdeführers in seinem Herkunftsland auszugehen. 

8. Im Weiteren ist zu prüfen, ob aufgrund der vom Beschwerde-
führer verübten Straftat ein Grund zum Ausschluss von der Flüchtlings-

eigenschaft gegeben ist. 

8.1   
8.1.1 Gemäss Art. 1 F Bst. b FK sind die Bestimmungen dieses 
Abkommens nicht anwendbar auf Personen, für die ernsthafte Gründe für 

den Verdacht bestehen, dass sie ein schweres Verbrechen des gemeinen 

Rechts ausserhalb des Gastlandes begangen haben, bevor sie dort als 

Flüchtling aufgenommen worden sind.  

8.1.2 Diese Ausschlussbestimmung ist − ebenso wie die beiden ande-
ren Tatbestandsvarianten von Art. 1 F FK (Bst. a: Verbrechen gegen den 

Frieden, Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit; 

Bst. c: den Zielen und Grundsätzen der Vereinten Nationen zuwider-

laufende Handlungen) − restriktiv auszulegen (vgl. UNHCR, Handbuch 

über Verfahren und Kriterien zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft 

gemäss dem Abkommen von 1951 und dem Protokoll von 1967 über die 

Rechtsstellung der Flüchtlinge, Genf 1979 [Neuauflage: UNHCR Öster-

reich, Dezember 2003], Ziff. 149, nachfolgend: UNHCR Handbuch). Als 

schwere Verbrechen im Sinne von Art. 1 F Bst. b FK gelten gemäss dem 

UNHCR Kapitalverbrechen oder besonders schwerwiegende Straftaten, 

namentlich Vergewaltigung und Raub, Mord, Vergewaltigung und be-

waffneter Raub (vgl. UNHCR Handbuch, a. a. O., Ziff. 155; UNHCR 

Richtlinien, a. a. O., Ziff. 14). Ein solches Kapitalverbrechen fällt jedoch 

dann nicht in den Anwendungsbereich von Art. 1 F Bst. b FK, wenn es 

einen vorwiegend politischen Charakter aufweist.  

8.1.3 Ein weiteres Tatbestandselement ist die individuelle Verantwort-
lichkeit des Täters für das ihm zur Last gelegte Delikt. Die Anwendung 

von Art. 1 F Bst. b FK schliesst nicht aus, dass auch hohe Führungs-

personen in Organisationen, die als Mittel der Zielerreichung terroris-

tische Handlungen begehen und dabei schwere Verbrechen des gemeinen 

Rechts in Kauf nehmen, die Verantwortung für deren Handlungen zu 

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tragen haben und sich solche Verbrechen anrechnen lassen müssen (vgl. 

Entscheidungen und Mitteilungen der ARK [EMARK] 2005 Nr. 18 

E. 6.2 und E. 6.3 mit weiteren Hinweisen, EMARK 1999 Nr. 11; vgl. 

auch die systematische Einordnung der Ausführungen zur Verantwort-

lichkeit in UNHCR Richtlinien, a. a. O., Ziff. 18 ff.). In Anbetracht der 

Tragweite eines Ausschlusses vom Anwendungsbereich der FK ist jedoch 

von einer pauschalen und undifferenzierten Zurechnung der Verant-

wortlichkeit Abstand zu nehmen (UNHCR Richtlinien, a. a. O., Ziff. 19; 

vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E–4286/2008 

vom 17. Oktober 2008). 

8.1.4 Falls die Beurteilung eines Asylgesuches schliesslich ergibt, 
dass effektiv ein schweres gemeinrechtliches Delikt begangen wurde, ist 

die Anwendung der Ausschlussklausel von Art. 1 F Bst. b FK auf ihre 

Verhältnismässigkeit hin zu überprüfen. Im Rahmen dieser Güterabwä-

gung sind die Folgen des Ausschlusses von der Flüchtlingseigenschaft 

der Schwere der Tat gegenüberzustellen (vgl. UNHCR Richtlinien, 

a. a. O., Ziff. 24). Lässt sich im Rahmen einer solchen Güterabwägung 

feststellen, dass das Schutzinteresse des Täters vor der ihm drohenden 

Verfolgung im Heimatland im Vergleich zur Verwerflichkeit seines Ver-

brechens und seiner subjektiven Schuld als geringer erscheint, so ist der 

Asylsuchende vom Anwendungsbereich der Konvention auszuschliessen 

(vgl. die weiterhin zutreffende Rechtsprechung der ARK in EMARK 

1993 Nr. 8 E. 6a sowie Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 

E−4286/2008 vom 17. Oktober 2008). 

8.1.5 Bezüglich des Beweismassstabes bei der Prüfung von Art. 1 F 
FK kann auf EMARK 2005 Nr. 18 (mit weiteren Hinweisen) verwiesen 

werden. Demnach müssen « ernsthafte Gründe » für die Annahme eines 

Ausschlusstatbestandes vorliegen. Dazu braucht es substanziell verdich-

tete Verdachtsmomente; eine blosse Mutmassung genügt jedenfalls nicht. 

Die Anwendung von Art. 1 F FK ist ferner nur dann gerechtfertigt, wenn 

der Betroffene mitbestimmenden Einfluss ausgeübt hat und ihn somit für 

diese Straftaten eine persönliche Verantwortlichkeit trifft, unabhängig 

davon, ob er diese selber begangen oder diese nur unterstützt beziehungs-

weise geduldet hat.  

8.2   
8.2.1 Das BFM vertritt in der angefochtenen Verfügung die Auffas-
sung, der Beschwerdeführer sei als Kadermitglied der LTTE mitverant-

wortlich für die durch diese Organisation im Laufe der Jahre verübten 

zahlreichen und notorischen Straftaten, welche sich nicht nur gegen die 

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sri-lankische Armee, sondern auch gegen die Zivilbevölkerung sowie 

Kritiker gerichtet hätten. Damit geht die Vorinstanz von einer pauschalen 

Verantwortlichkeit des Beschwerdeführers für von dieser Organisation 

begangene Gewaltakte aus, ohne seine Stellung und Verantwortlichkeit 

innerhalb des Führungsgremiums genauer zu erörtern. Eine solche 

Schlussfolgerung fiele – wenn überhaupt – nur dann in Betracht, wenn 

die Schweiz die LTTE offiziell zur terroristischen Organisation im Sinne 

von Art. 260
ter

 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 

1937 (StGB, SR 311.0) erklärt hätte, verbunden mit der Möglichkeit, die 

Mitgliedschaft in dieser Organisation strafrechtlich zu sanktionieren. 

Dies ist indessen nicht der Fall, weshalb die Mitgliedschaft bei der LTTE 

als solche keinen Straftatbestand erfüllt. Im Übrigen könnte lediglich bei 

Führungspersonen einer terroristischen Organisation allenfalls vom 

Nachweis strafbarer Beteiligung an einzelnen bestimmten Delikten ab-

strahiert werden. In Anbetracht der Tragweite eines Ausschlusses vom 

Anwendungsbereich der Flüchtlingskonvention ist von einer pauschalen 

und undifferenzierten Zurechnung der Verantwortlichkeit Abstand zu 

nehmen. Denn unabhängig von der Frage, ob und unter welchen Bedin-

gungen sich aus der Zugehörigkeit zu einer Organisation, deren Hand-

lungen und Methoden mitunter von extremer Gewalt zeugen, die Vermu-

tung einer persönlichen Verantwortlichkeit ableiten lässt, hat jedenfalls 

diese Zurechnung im Bereich der Anwendung von Art. 1 F Bst. b FK 

stets den konkreten Gegebenheiten Rechnung zu tragen. Dabei sind ins-

besondere die Stellung und Einflussnahme der in Frage stehenden Füh-

rungspersonen mit zu berücksichtigen (vgl. auch EMARK 2006 Nr. 29 

E. 6.2). 

8.2.2 Der Beschwerdeführer war nach eigener Darstellung als Major 
für eine Einheit von 40 bis 100 LTTE-Kämpfern verantwortlich. Es ist 

demnach davon auszugehen, dass er in der rund 10'000 Kämpfer um-

fassenden, straff hierarchisch organisierten LTTE (UK Home Office, 

Country of Origin Information Report, Sri Lanka, 11. November 2010, 

S. 214) ein subalterner Offizier ohne besondere Charge war. Auch wenn 

er nach seiner Darstellung Kontakte zu hochrangigen Mitgliedern dieser 

Organisation pflegte, ergeben sich aus den Akten keine Hinweise darauf, 

dass er in der Lage gewesen wäre, massgeblichen Einfluss auf deren stra-

tegische und politische Zielsetzung zu nehmen. Somit besteht keine hin-

reichende Grundlage dafür, den Beschwerdeführer pauschal für alle von 

der LTTE begangenen Straftaten und Menschenrechtsverletzungen als 

verantwortlich zu bezeichnen. Daran vermag auch der von der Vorinstanz 

Asylverfahren 2011/29 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 561 

 

aufgeführte Umstand, dass er diese Akte gutgeheissen habe, nichts zu 

ändern.  

8.3   
8.3.1 Es muss im Folgenden geprüft werden, ob die vom Beschwerde-
führer persönlich beziehungsweise durch die von ihm befehligten Sol-

daten begangenen Handlungen den Anforderungen von Art. 1 F Bst. b 

FK für einen Ausschluss von der Flüchtlingseigenschaft zu genügen 

vermögen.  

8.3.2 Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer von 
(…) bis 2004 aktives Mitglied der LTTE war und zunächst als Soldat, ab 

(…) als Vizekommandant einer Einheit von 40 bis 100 LTTE-Kämpfern, 

aktiv an verschiedenen bewaffneten Auseinandersetzungen mit der sri-

lankischen Armee beteiligt war, wobei er auch auf Soldaten schoss und 

selber mehrmals, zum Teil schwer, verletzt wurde. Nach dem Waffen-

stillstand im Jahre 2002 war er für das Training der ihm untergebenen 

Kämpfer verantwortlich. Der Beschwerdeführer hat dargelegt, er sei 

zwangsweise von der LTTE rekrutiert worden, habe nur widerwillig als 

Kämpfer an den Schlachten mit der Armee teilgenommen und sei gegen 

seinen Willen zum Major befördert worden. Diese Darstellung seiner 

Aktivitäten bei der LTTE ist aber aus mehreren Gründen in Zweifel zu 

ziehen. Es muss als realitätsfremd bewertet werden, dass er angeblich 

zum Major befördert wurde, obwohl er bereits als Soldat seinen Unwillen 

zu kämpfen mehrmals offen bekundet und die Ausbildung zum Offizier 

nur zwangsweise absolviert habe. Vielmehr ist davon auszugehen, dass 

nur solche Kämpfer zu Offizieren ausgebildet wurden, welche sich in 

überdurchschnittlichem Mass für die Anliegen der LTTE einsetzten und 

auf deren Loyalität und Zuverlässigkeit sich die LTTE-Führung verlassen 

konnte. Die Argumentation auf Beschwerdeebene, er sei gerade deshalb 

befördert worden, weil er keine Ambitionen auf einen weiteren Aufstieg 

gehabt habe, erscheint nicht schlüssig. Zudem lassen die zahlreichen vom 

Beschwerdeführer erlittenen Verletzungen darauf schliessen, dass er aktiv 

und an vorderster Front an den Kämpfen teilgenommen hat. Seine Dar-

stellung, er habe nie direkten Kontakt mit den Soldaten der Armee ge-

habt, sondern einfach in deren Richtung geschossen (…), ist demnach 

offenkundig als Schutzbehauptung zu bewerten. Schliesslich ist auch die 

Schilderung des Beschwerdeführers zu seiner zweimaligen Flucht aus 

einem LTTE-Camp als unrealistisch zu erachten. Es kann diesbezüglich 

auf die zutreffenden Erwägungen des BFM in seiner Verfügung vom 

30. Juli 2004 verwiesen werden. Aus diesen Umständen ist der Schluss 

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zu ziehen, dass der Beschwerdeführer den Umfang seines Engagements 

für die LTTE sowie die wahren Gründe für seine Abwendung von dieser 

Organisation zu verschleiern sucht. Es ist davon auszugehen, dass er sich 

jedenfalls im Laufe seiner Karriere bei der LTTE durchaus mit deren 

Zielen und Vorgehensweise identifizierte und eine aktivere Rolle spielte, 

als er es darzustellen versucht. Er kann sich somit nicht darauf berufen, 

unter Zwang an den Kampfhandlungen teilgenommen zu haben, sondern 

es ist davon auszugehen, dass er die Gewaltbereitschaft des militärischen 

Flügels der LTTE in Kauf genommen und gebilligt hat und diesen gar 

militant unterstützte. 

8.3.3 Im Weiteren stellt sich die Frage, ob es sich bei diesen dem Be-
schwerdeführer zuzurechnenden Taten um « Verbrechen des gemeinen 

Rechts » im Sinne von Art. 1 F Bst. b FK handelt.  

8.3.3.1 Bei der Unterscheidung, ob ein Vergehen eine nichtpolitische 
Straftat darstellt, welche unter den Ausschlusstatbestand von Art. 1 F 

Bst. b FK fällt, oder eine politische, welche nicht von dieser Ausschluss-

bestimmung erfasst wird, hält sich das Bundesverwaltungsgericht an die 

einschlägige Rechtsprechung des Bundesgerichts im Auslieferungsrecht 

(vgl. insbes. BGE 106 Ib 297). Dabei ist in erster Linie zu beachten, um 

was für ein Verbrechen es sich handelt und welcher Zweck mit der 

Straftat verfolgt wurde. Bei der Begehung eines politischen Deliktes 

muss ein enger und direkter kausaler Zusammenhang zwischen dem 

begangenen Verbrechen und dem angeblich politischen Zweck und Ziel 

des Verbrechens bestehen. Bei der Straftat soll auch das politische 

Element dasjenige nach gemeinem Recht überwiegen. Dies ist nicht der 

Fall, wenn die begangenen Straftaten in grobem Missverhältnis zu dem 

angeblich erstrebten Ziel stehen. Wird die Straftat besonders grausam 

begangen, ist es schwer, ihren politischen Charakter zu akzeptieren. Der 

politische Charakter ist insbesondere dann anzunehmen, wenn mit dem 

Delikt überwiegend politische Ziele verfolgt wurden und die Tat im Ge-

samtkontext des Einzelfalles verhältnismässig erscheint (vgl. UNHCR 

Richtlinien, a. a. O., Ziff. 15). Hat ein Delikt nach den Beweggründen 

und Zielen des Täters einen vorwiegend politischen Charakter, so ist die 

Straftat als relativ politisches Delikt zu bezeichnen, bei welchem das 

vom Täter verfolgte politische Ziel und die durch die Tat verletzten 

Rechtsgüter in einem angemessenen Verhältnis stehen müssen. Schwere, 

gegen Leib und Leben gerichtete Straftaten können nur dann als solch 

relativ politische Delikte bezeichnet werden, wenn die Handlungen das 

einzige Mittel sind, um die auf dem Spiele stehenden, elementaren Inte-

Asylverfahren 2011/29 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 563 

 

ressen zu wahren und das gesetzte politische Ziel zu erreichen (vgl. BGE 

106 Ib 307, BGE 110 1b 285; EMARK 1993 Nr. 8).  

8.3.3.2 Wie oben dargelegt, ist der Beschwerdeführer als verantwortlich 
für Gewaltakte im Rahmen bewaffneter Auseinandersetzungen zwischen 

der LTTE und der sri-lankischen Armee zu bezeichnen (vgl. E. 8.3.2). Es 

muss davon ausgegangen werden, dass er dabei Angehörige der sri-lan-

kischen Armee getötet und verletzt hat, beziehungsweise die Begehung 

solcher Taten durch die ihm untergebenen Kämpfer zu verantworten hat. 

Hingegen ergeben sich aus den Akten keine Hinweise dafür, dass der Be-

schwerdeführer an Übergriffen auf die Zivilbevölkerung direkt oder 

indirekt beteiligt war. Es kann ihm nur die Teilnahme an Angriffen auf 

Armee-Camps und an bewaffneten Auseinandersetzungen mit Soldaten 

der sri-lankischen Armee vorgehalten werden. Es ist davon auszugehen, 

dass die Handlungen des Beschwerdeführers im Hinblick auf das von der 

LTTE verfolgte Ziel der Erlangung der Autonomie der tamilisch domi-

nierten Gebiete im Norden und Osten Sri Lankas erfolgten und damit 

einen politischen Hintergrund hatten. Persönliche oder wirtschaftliche 

Motive sind nicht ersichtlich. In Lehre und Rechtsprechung wird die 

Auffassung vertreten, dass militärische Operationen im Rahmen interner 

bewaffneter Konflikte und Aufstände in der Regel die Anforderungen an 

die Zuerkennung des politischen Charakters erfüllen und die Tötung 

eines Menschen, die im Rahmen eines Bürgerkrieges oder eines offenen 

bewaffneten Konflikts erfolgt ist, auslieferungsrechtlich als angemesse-

nes Mittel erscheinen kann (BGE 106 Ib 307 E. 3c mit weiteren Hin-

weisen; WALTER KÄLIN/JÖRG KÜNZLI, Article 1F[b]: Freedom Fighters, 

Terrorists and the Notion of Serious Non-Political Crimes, International 

Journal of Refugee Law, 2000/12, Special Supplementary Issue on 

Exclusion, S. 67). Es liegen vorliegend keine hinreichenden Anhalts-

punkte vor, um die Handlungen des Beschwerdeführers klar als unver-

hältnismässig zu bezeichnen, da die konkreten Umstände der bewaff-

neten Auseinandersetzungen, an welchen er beteiligt war, nicht erstellt 

sind. Es kann zudem nicht ausgeschlossen werden, dass bei einzelnen 

Vorfällen Notwehr- beziehungsweise Notstandssituationen vorlagen. In 

Anbetracht dieser Erwägungen sowie unter Berücksichtigung des Um-

stands, dass die Ausschlusstatbestände der FK restriktiv angewendet wer-

den sollten, erscheint es gerechtfertigt, die Taten des Beschwerdeführers 

als politische Delikte einzustufen, womit die Voraussetzungen für einen 

Ausschluss des Beschwerdeführers von der Flüchtlingseigenschaft 

gestützt auf Art. 1 F Bst. b FK nicht gegeben sind. 

2011/29 Asylverfahren 

 

 

564 BVGE / ATAF / DTAF 

 

8.4 Im Übrigen sind vorliegend auch die Kriterien der Ausschluss-
tatbestände von Art. 1 F Bst. a (Verbrechen gegen den Frieden, Kriegs-

verbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit) und Bst. c FK (gegen 

die Ziele und Grundsätze der Vereinten Nationen gerichtete Handlungen) 

nicht erfüllt. 

8.5 Als Zwischenergebnis ist nach dem Gesagten festzuhalten, dass 
die Vorinstanz den Beschwerdeführer zu Unrecht von der Flüchtlings-

eigenschaft ausgeschlossen hat. 

9.   
9.1 In einem weiteren Schritt ist zu prüfen, ob die dem Beschwer-
deführer anzurechnenden Taten allenfalls die Voraussetzungen für die 

Verweigerung des Asyls gestützt auf Art. 53 AsylG wegen Asylunwür-

digkeit erfüllen. 

9.2   
9.2.1 Gemäss Art. 53 AsylG wird Flüchtlingen kein Asyl gewährt, 
wenn sie wegen verwerflicher Handlungen dessen unwürdig sind oder 

wenn sie die innere oder die äussere Sicherheit der Schweiz verletzt 

haben oder gefährden.  

9.2.2 Unter den in Art. 53 AsylG enthaltenen Begriff der « verwerf-
lichen Handlungen » in Berücksichtigung der bisherigen Praxis der ARK 

(vgl. EMARK 1993 Nr. 8 E. 6 S. 49 ff., EMARK 1996 Nr. 18 E. 5–7 

S. 173 ff., EMARK 2002 Nr. 9) fallen auch Delikte, die nicht ein schwe-

res Verbrechen im Sinne von Art. 1 F Bst. b FK darstellen würden, solan-

ge sie dem abstrakten Verbrechensbegriff von Art. 9 Abs. 1 StGB in der 

bis zum 31. Dezember 2006 gültigen Fassung entsprechen. Die Praxis 

der ARK wurde vom Gesetzgeber mit der Totalrevision des AsylG be-

wusst übernommen (vgl. Botschaft vom 4. Dezember 1995 zur Total-

revision des Asylgesetzes sowie zur Änderung des Bundesgesetzes über 

Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer, BBl 1996 II 71 ff., nach-

folgend: Botschaft zum AsylG). Als Verbrechen definiert wurde dort jede 

mit Zuchthaus bedrohte Straftat. Im heute geltenden StGB definiert 

Art. 10 Abs. 2 Straftaten als Verbrechen, die mit mehr als 3 Jahren Frei-

heitsstrafe bedroht sind. Dabei ist es auch heute noch (nach der zu einem 

späteren Zeitpunkt erfolgten Revision des StGB) irrelevant, ob die ver-

werfliche Handlung einen ausschliesslich gemeinrechtlichen Charakter 

hat oder als politisches Delikt aufzufassen ist (vgl. EMARK 2002 Nr. 9 

E. 7b S. 79 f.).  

Asylverfahren 2011/29 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 565 

 

9.2.3 Das anzusetzende Beweismass wurde in der Botschaft mit Be-
zug auf im Ausland begangene Straftaten für Art. 1 F FK und Art. 53 

AsylG übereinstimmend umschrieben (vgl. Botschaft zum AsylG, BBl 

1996 II 73 oben). Bei Straftaten, die im Ausland begangen wurden, ist 

kein strikter Nachweis erforderlich. Es genügt die aus schwerwiegenden 

Gründen gerechtfertigte Annahme, dass heisst die überwiegende Wahr-

scheinlichkeit, dass sich die betroffene Person einer Straftat im Sinne der 

genannten Bestimmungen schuldig gemacht hat. 

9.2.4 Im Weiteren vermag die alleinige Tatsache einer Mitgliedschaft 
bei einer als extremistisch aufzufassenden Organisation nicht zur Fol-

gerung der Asylunwürdigkeit zu führen (vgl. EMARK 1998 Nr. 12 E. 5, 

EMARK 2002 Nr. 9 E. 7c). Vielmehr ist von einer pauschalen Betrach-

tungsweise Abstand zu nehmen und der individuelle Tatbeitrag − zu 

welchem die Schwere der Tat und der persönliche Anteil am Tatentscheid 

wie auch das Motiv des Täters und allfällige Rechtfertigungs- oder 

Schuldminderungsgründe zu zählen sind − zu ermitteln (vgl. EMARK 

2002 Nr. 9). Die Praxis folgt sodann der in der Lehre vertretenen Auffas-

sung, dass bei der Beurteilung der Asylunwürdigkeit auch der Grundsatz 

der Verhältnismässigkeit zu beachten ist. Dabei ist vorab in Betracht zu 

ziehen, wie lange die Tat bereits zurückliegt, wobei auf die Verjährungs-

bestimmungen des Strafrechts verwiesen wird. Ebenso haben das Alter 

des Flüchtlings im Zeitpunkt der Tatbegehung sowie eine allfällige Ver-

änderung der Lebensverhältnisse nach der Tat Einfluss auf die dies-

bezügliche Entscheidfindung (vgl. zum Ganzen EMARK 2002 Nr. 9 

E. 7d S. 82 mit Hinweisen). 

9.3 Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer von 
(…) bis 2004 aktives Mitglied der LTTE war und zunächst als Soldat, ab 

(…) als Vizekommandant einer Einheit von 50 bis 100 LTTE-Kämpfern, 

aktiv an verschiedenen bewaffneten Auseinandersetzungen mit der sri-

lankischen Armee beteiligt war. Diese Fakten legen die Annahme nahe, 

dass er die gewaltbereite Organisation der LTTE über einen vergleichs-

weise langen Zeitraum in nicht zu unterschätzendem Ausmass sowohl 

logistisch als auch militant unterstützt hat. Zudem ist nach Auffassung 

des Gerichts davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer sich durch-

aus mit den Zielen und der Vorgehensweise der LTTE identifizierte und 

er diese mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht aus den von ihm 

genannten Gründen verliess (vgl. E. 8.3.2). Nach Ansicht des Bundes-

verwaltungsgerichts bestehen demnach insgesamt gesehen hinreichende 

konkrete Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer zugunsten der 

2011/29 Asylverfahren 

 

 

566 BVGE / ATAF / DTAF 

 

LTTE bis im Jahr 2004 verwerfliche Handlungen im Sinne von Art. 53 

AsylG begangen hat. 

9.4 Aufgrund einer Abwägung aller Umstände des vorliegenden 
Einzelfalls ist insgesamt nicht von der Unverhältnismässigkeit des Asyl-

ausschlusses auszugehen, zumal der Beschwerdeführer als vorläufig auf-

genommener Flüchtling in der Schweiz bleiben kann. Wiewohl er in der 

Schweiz selbst nie deliktisch in Erscheinung getreten ist, hat er die LTTE 

durch seine jahrelange Hilfestellung (im logistischen Bereich, aber auch 

im Rahmen von Kampfhandlungen) doch massgeblich unterstützt. 

Darüber hinaus hat er sich vom bewaffneten Kampf nie klar distanziert. 

Bei dieser Sachlage ist der Beschwerdeführer wegen Asylunwürdigkeit 

im Sinne von Art. 53 AsylG von der Asylgewährung auszuschliessen.