# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6f1a0bde-ea8f-5c98-adda-42c98a70f641
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-07-29
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 29.07.2019 200 2019 75
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2019-75_2019-07-29.pdf

## Full Text

200 19 75 IV
KNB/BOC/LAB

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 29. Juli 2019

Verwaltungsrichter Knapp, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Schütz, Verwaltungsrichter Jakob
Gerichtsschreiberin Bossert

A.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 27. Dezember 2018

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juli 2019, IV/19/75, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1962 geborene A.________ (nachfolgend: Versicherte bzw. Beschwer-
deführerin) meldete sich am 10. April 2008 erstmals unter Hinweis auf star-
ke Schmerzen unter Belastung/Bewegung sowie diverse Behandlungen der 
linken Schulter bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Ak-
ten der IV-Stelle Bern [nachfolgend: IVB bzw. Beschwerdegegnerin], Ant-
wortbeilage [AB] 2). In der Folge gewährte die IVB am 20. Mai 2008 
Frühinterventionsmassnahmen in Form von Eingliederungsberatung (AB 9) 
und klärte den Leistungsanspruch ab (AB 10 - 20, 26 f., 38.1 - 38.10). Nach 
durchgeführtem Vorbescheidverfahren verneinte die IVB mit Verfügung 
vom 17. Oktober 2012 den Anspruch auf Leistungen der Invalidenversiche-
rung (AB 39, 45). Diese Verfügung blieb unangefochten.

B.

Am 23. September 2014 meldete sich die Versicherte erneut bei der Invali-
denversicherung zum Leistungsbezug an und hielt fest, sie könne nicht 
mehr ohne Hilfsmittel gehen (AB 46). Die IVB nahm in der Folge erwerbli-
che und medizinische Abklärungen vor und holte die Akten der zuständigen 
Krankentaggeldversicherung, der B.________ AG, ein (AB 53, 58.1 - 58.4, 
65 f., 73, 85, 92.1 - 92.4). Am 27. April bzw. 28. Mai 2015 schloss die IVB 
die beruflichen Eingliederungsmassnahmen ab, da solche gesundheitsbe-
dingt zurzeit nicht möglich seien (AB 74 - 77). Weiter holte die IVB eine 
Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) ein (AB 94) und 
liess einen Abklärungsbericht Haushalt/Erwerb erstellen (Bericht vom 16. 
August 2016 [AB 110]). Darin wurde bei einem Status von 65 % Erwerb 
und 35 % Haushalt ein Invaliditätsgrad von 0 % ermittelt.

Im weiteren Verlauf liess die IVB die Versicherte durch die MEDAS 
C.________ (MEDAS) psychiatrisch-orthopädisch begutachten (Expertise 
vom 26. September 2017 [AB 142.1]) und liess einen weiteren Abklärungs-
bericht Haushalt/Erwerb erstellen (Bericht vom 28. März 2018 [AB 147]). 

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Die Abklärungen ergaben bei einem Status von 100 % Erwerb bis Ende 
April 2016 einen Invaliditätsgrad von 100 % bzw. ab Mai 2016 einen sol-
chen von 4 %. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren sprach die IVB 
der Versicherten mit Verfügung vom 27. Dezember 2018 vom 1. März 2015 
bis 31. Juli 2016 eine ganze Rente zu; ab dem 1. August 2016 verneinte 
sie einen Rentenanspruch (AB 149 f., 153, 155, 157). 

C.

Dagegen erhob die Versicherte am 29. Januar 2019 Beschwerde. Sie be-
antragt, die angefochtene Verfügung vom 27. Dezember 2018 sei aufzuhe-
ben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr, soweit rechtens, eine 
Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die Verfügung vom 27. De-
zember 2018 aufzuheben und über die gesetzlichen Ansprüche neu zu 
befinden. Zudem seien die aktuell behandelnden Ärzte um eine neutrale 
Einschätzung zu bitten.

Mit Beschwerdeantwort vom 22. Februar 2019 beantragt die Beschwerde-
gegnerin die Abweisung der Beschwerde.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-

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gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten. 

1.2 Angefochten ist die Verfügung vom 27. Dezember 2018 (AB 157), 
mit welcher vom 1. März 2015 bis 31. Juli 2016 eine befristete ganze Inva-
lidenrente zugesprochen wurde. Die Beschwerdeführerin beanstandet 
sinngemäss die Rentenbefristung. In anfechtungs- und streitgegenständli-
cher Hinsicht liegt ein Rechtsverhältnis vor, wenn rückwirkend eine abge-
stufte und/oder befristete IV-Rente zugesprochen wird. Wird nur die 
Abstufung oder die Befristung der Leistungen angefochten, wird damit die 
richterliche Überprüfungsbefugnis nicht in dem Sinne eingeschränkt, dass 
die unbestritten gebliebenen Rentenbezugszeiten von der richterlichen Prü-
fung ausgenommen blieben (BGE 125 V 413; AHI 2001 S. 278 E. 1a). 
Folglich ist der Rentenspruch der Beschwerdeführerin umfassend zu prü-
fen.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Die Beschwerdeführerin rügt, vor der Bestimmung der MEDAS als 
Gutachterstelle sei kein Einigungsversuch vorgenommen worden, was aber 
bei mono- und bidisziplinären Gutachten zu erfolgen habe. Die Beschwer-
degegnerin habe ohne expliziten Hinweis auf diese Möglichkeit die Begut-

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achtung durch die MEDAS beschlossen, womit sie die Mitwirkungsrechte 
der Beschwerdeführerin verletzt habe, was einen gravierenden Mangel 
darstelle, der nicht geheilt werden könne. Hätte sie von der Möglichkeit 
gewusst, hätte sie davon Gebrauch gemacht und entsprechende Alternati-
ven vorgeschlagen. 

2.2 Muss der Versicherungsträger zur Abklärung des Sachverhaltes ein 
Gutachten einer oder eines unabhängigen Sachverständigen einholen, so 
gibt er der Partei deren oder dessen Namen bekannt. Diese kann den Gut-
achter aus triftigen Gründen ablehnen und kann Gegenvorschläge machen 
(Art. 44 ATSG). 

2.3 Die IV-Stelle teilt der versicherten Person in einem ersten Schritt 
mit, dass eine Expertise eingeholt werden soll; zugleich gibt sie ihr die Art 
der vorgesehenen Begutachtung (poly- oder mono- bzw. bidisziplinär) 
sowie die vorgesehenen Fachdisziplinen und Gutachterfragen bekannt. In 
diesem Stadium kann die versicherte Person erst einmal (nicht 
personenbezogene) materielle Einwendungen gegen eine Begutachtung an 
sich oder gegen Art oder Umfang der Begutachtung vorbringen (Beispiele: 
unnötige second opinion; unzutreffende Wahl der medizinischen 
Disziplinen). Ausserdem hat sie Anspruch, sich zu den Gutachterfragen zu 
äussern (BGE 138 V 271 E. 1.1 S. 275, 137 V 210 E. 3.4.2.9 S. 258). In 
einem zweiten Verfahrensschritt teilt die IV-Stelle der versicherten Person 
die durch SuisseMED@P zugeteilte Gutachterstelle (bzw. bei mono- und 
bidisziplinären Expertisen die von ihr ausgewählten Gutachter) und die 
Namen der Sachverständigen mit jeweiligem Facharzttitel mit. Mit der 
Bezeichnung der Sachverständigen kommt die Möglichkeit (materieller 
oder formeller) personenbezogener Einwendungen hinzu (BGE 140 V 507 
E. 3.1 S. 510, 139 V 349 E. 5.2.2.2 S. 355, 138 V 271 E. 1.1 S. 274, 137 V 
210 E. 3.4.2.7 S. 257).

2.4 Bei mono- und bidisziplinären Begutachtungen ist im Falle aller 
zulässigen Einwendungen konsensorientiert vorzugehen. Erst wenn eine 
Einigung ausbleibt, ergeht eine (einheitliche) Zwischenverfügung über die 
Beweisvorkehr an sich (Notwendigkeit einer Begutachtung, Beschränkung 
auf eine oder zwei Fachdisziplinen, Bezeichnung der Disziplinen) und die 
Person der Gutachter (BGE 139 V 349 E. 5.2.2.3 S. 356).

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Weicht die IV-Stelle vom zufallsbasierten MEDAS-Zuweisungssystem ab, 
in dem sie von einer MEDAS eine bi- oder gar bloss monodisziplinäre 
Expertise einholen will, so hat sie in einem solchen Ausnahmefall zwingend 
einen Einigungsversuch einzuleiten. Scheitert dieser, ist darüber zu 
verfügen (BGE 139 V 349 E. 5.4 S. 357).

2.5 Gestützt auf den auch für Private geltenden Grundsatz von Treu 
und Glauben und das Verbot des Rechtsmissbrauchs (Art. 5 Abs. 3 der 
Bundesverfassung [BV; SR 101]) sind verfahrensrechtliche Einwendungen 
so früh wie möglich, das heisst nach Kenntnisnahme eines Mangels bei 
erster Gelegenheit, vorzubringen. Es verstösst gegen Treu und Glauben, 
Mängel dieser Art erst in einem späteren Verfahrensstadium oder sogar 
erst in einem nachfolgenden Verfahren geltend zu machen, wenn der 
Einwand schon vorher hätte festgestellt und gerügt werden können. Wer 
sich auf das Verfahren einlässt, ohne einen Verfahrensmangel bei erster 
Gelegenheit vorzubringen, verwirkt in der Regel den Anspruch auf spätere 
Anrufung der vermeintlich verletzten Verfahrensvorschrift (BGE 143 V 66 E. 
4.3 S. 69).

2.6 Der Beschwerdeführerin bzw. ihrem Ehemann wurde mit Schreiben 
vom 28. März 2018 (AB 134) mitgeteilt, dass eine medizinische Begutach-
tung durch die MEDAS in den Disziplinen Orthopädie und Psychiatrie durch 
Dr. med. D.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato-
logie des Bewegungsapparates, und Dr. med. E.________, Facharzt für 
Psychiatrie und Psychotherapie, vorgesehen sei; gleichzeitig wurden auch 
die Gutachterfragen mitgeteilt. Die Beschwerdeführerin wurde darauf hin-
gewiesen, dass sie bis zum 10. April 2017 Zusatzfragen stellen und triftige 
Einwendungen gegen die Art der Begutachtung, die vorgesehenen Fach-
disziplinen sowie die begutachtenden Personen schriftlich einreichen kön-
ne. Von dieser Möglichkeit hat sie keinen Gebrauch gemacht, vielmehr hat 
sie sich der bidisziplinären Begutachtung vorbehaltlos gestellt. 

Beim MEDAS-Gutachten vom 26. September 2017 (AB 142.1) handelt es 
sich um eine bidisziplinäre Expertise einer MEDAS. Bei einem solchen 
Gutachten ist im Falle aller zulässigen Einwendungen zwingend konsens-
orientiert vorzugehen (vgl. E. 2.4 hiervor und SVR 2015 IV Nr. 3 S. 7 E. 4). 
Werden jedoch keine Einwendungen erhoben, wie dies vorliegend der Fall 

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war, besteht Konsens durch konkludentes Verhalten. Zudem verlangt die 
Rechtsprechung auch keinen expliziten Hinweis auf die Möglichkeit, andere 
Gutachter vorschlagen zu können (Entscheid des Bundesgerichts [BGer] 
vom 3. Dezember 2018, 9C_504/2018, E. 4.2). Die Rügen der Beschwer-
deführerin erweisen sich damit als unbegründet (vgl. auch Rz. 2076.8 des 
Kreisschreibens über das Verfahren in der Invalidenversicherung [KSVI] 
des Bundesamtes für Sozialversicherungen [BSV]; Beschwerdeantwort 
S. 3 lit. C Ziff. 7).

3.

3.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur 
Arbeitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeits-
bereich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende 
Erwerbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem aus-
geglichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 
teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-
keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). Für die Beurteilung des Vorliegens 
einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitli-
chen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt 
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 
Abs. 2 ATSG).

3.2 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine 
Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe-
reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz-
lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 
mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach 

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Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b 
und c). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze 
Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine 
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali-
ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente 
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine 
Viertelsrente.

3.3 Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 IVG frühestens nach 
Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs 
nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollen-
dung des 18. Altersjahres folgt (Abs. 1). 

3.4 Sowohl im Rahmen einer erstmaligen Prüfung des Rentenan-
spruchs als auch anlässlich einer Rentenrevision stellt sich unter dem Ge-
sichtspunkt von Art. 8 ATSG die Frage nach der anwendbaren 
Invaliditätsbemessungsmethode (Art. 16 ATSG sowie Art. 28a Abs. 2 und 3 
IVG).

Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig Erwerbstätige 
oder als Nichterwerbstätige einzustufen ist – was je zur Anwendung einer 
anderen Methode der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich, 
Betätigungsvergleich, gemischte Methode) führt –, ergibt sich aus der Prü-
fung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine 
gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde (BGE 141 V 15 E. 3.1 S. 20). 
Entscheidend ist nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versi-
cherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in 
welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre (BGE 144 I 28 E. 2.3 
S. 30).

3.5 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein-
kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede-
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein-
kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 
(Art. 16 ATSG).

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3.6

3.6.1 Wird ein Gesuch um Rentenrevision eingereicht, so ist darin glaub-
haft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch 
erheblichen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 2 der Verordnung über die 
Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 [IVV; SR 831.201]). Wurde 
eine Rente verweigert, so wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die 
Voraussetzung nach Abs. 2 erfüllt ist (Art. 87 Abs. 3 IVV, vgl. auch BGE 
130 V 343 E. 3.5.3 S. 351).

3.6.2 Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung oder das Revisionsge-
such ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewis-
sern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung 
des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist. Stellt sie fest, dass 
der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine 
Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls 
hat sie zusätzlich noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, 
um nunmehr eine rentenbegründende (bzw. anspruchsrelevant höhere) 
Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall 
obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 
198 E. 3a S. 198; SVR 2008 IV Nr. 35 S. 117 E. 2.1).

3.6.3 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines 
Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf 
Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufge-
hoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentli-
che Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den 
Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invali-
denrente ist deshalb nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des Ge-
sundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die 
erwerblichen Auswirkungen (oder die Auswirkungen auf die Betätigung im 
üblichen Aufgabenbereich) des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszu-
standes erheblich verändert haben (BGE 144 I 103 E. 2.1 S. 105, 141 V 9 
E. 2.3 S. 10; SVR 2018 UV Nr. 22 S. 79 E. 2.2.1).

3.6.4 Liegt eine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist der Ren-
tenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter 

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Berücksichtigung des gesamten für die Leistungsberechtigung ausschlag-
gebenden Tatsachenspektrums neu und ohne Bindung an frühere Invali-
ditätsschätzungen zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11, 117 V 198 E. 4b 
S. 200; SVR 2018 UV Nr. 22 S. 79 E. 2.2.1).

3.6.5 Ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den Invali-
ditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt sich im Neuan-
meldungsverfahren – analog zur Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG 
– durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der letzten mate-
riellen Beurteilung und rechtskräftigen Ablehnung bestanden hat, mit 
demjenigen zur Zeit der streitigen neuen Verfügung (BGE 133 V 108 E. 5.3 
S. 112; 130 V 71 E. 3.2.3 S. 77; AHI 1999 S. 84 E. 1b).

3.7

3.7.1 Bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten 
IV-Rente sind die für die Rentenrevision geltenden Bestimmungen (vgl. 
E. 3.6.3 und 3.6.4 hiervor) analog anzuwenden (BGE 109 V 125 E. 4a 
S. 127; AHI 1998 S. 121 E. 1b).

3.7.2 Wird rückwirkend eine abgestufte oder befristete Rente zugespro-
chen, sind einerseits der Zeitpunkt des Rentenbeginns und anderseits der 
in Anwendung der Dreimonatsfrist von Art. 88a Abs. 1 IVV festzusetzende 
Zeitpunkt der Rentenherabsetzung oder -aufhebung die massgebenden 
Vergleichszeitpunkte (Entscheid des BGer vom 16. Juni 2009, 8C_87/2009, 
E. 2.2).

3.7.3 Bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, 
sich im Aufgabenbereich zu betätigen, ist die anspruchsbeeinflussende 
Änderung für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem 
Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass 
sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu 
berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Mona-
te angedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird (Art. 88a 
Abs. 1 IVV). Bei einer Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit oder der 
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, ist die anspruchsbeein-
flussende Änderung zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Un-
terbrechung drei Monate angedauert hat (Art. 88a Abs. 2 IVV).

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Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juli 2019, IV/19/75, Seite 11

3.8 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2018 IV 
Nr. 27 S. 87 E. 4.2.1). 

3.9 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352).

4.

4.1 Da die Verwaltung auf die Neuanmeldung vom 23. September 2014 
(AB 46) eingetreten ist, ist die Eintretensfrage nicht richterlich zu prüfen 
(BGE 109 V 108 E. 2b S. 114). Vorliegend ist zu klären, ob seit der leis-
tungsablehnenden Verfügung vom 17. Oktober 2012 (AB 45) bis zum Er-
lass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 27. Dezember 2018 
(AB 157) eine anspruchsbegründende Änderung in den für den Invaliditäts-
grad erheblichen Tatsachen eingetreten ist (vgl. E. 3.6.3 und 3.6.5 hiervor). 
Dies ist vorliegend zu bejahen, da die Beschwerdeführerin sich seit Okto-
ber 2012 mehreren Operationen unterzogen hat (vgl. insbesondere 
AB 66/5, 80, 97/4) und sie die seit 1. Januar 2012 inne gehabte Anstellung 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juli 2019, IV/19/75, Seite 12

per 31. Dezember 2014 verloren hat (AB 65). Folglich hat eine allseitige 
Prüfung des Rentenanspruchs zu erfolgen (vgl. E. 3.6.4 hiervor). 

4.2 Der Status der Beschwerdeführerin (vgl. E. 3.4 hiervor) wurde im 
Abklärungsbericht Haushalt/Erwerb vom 16. August 2016 (AB 110) noch 
auf 65 % Erwerbstätigkeit und 35 % Haushalt festgelegt, wohingegen in 
demjenigen vom 28. März 2018 (AB 147) ein Status von 100 % Erwerbs-
tätigkeit angenommen wurde. Dies kann vorliegend letztlich offen bleiben, 
denn selbst wenn – wie nachfolgend zu zeigen ist – zugunsten der Be-
schwerdeführerin von einem Status als voll Erwerbstätige ausgegangen 
wird, resultiert letztlich kein rentenbegründender Invaliditätsgrad.

4.3 Den Akten ist in medizinischer Hinsicht – soweit entscheidwesent-
lich – das Folgende zu entnehmen:

4.3.1 In der Stellungnahme vom 22. März 2016 (AB 94) führte der RAD-
Arzt Dr. med. F.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und 
Traumatologie des Bewegungsapparates, die folgenden Diagnosen mit 
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf:

 Status nach Knie-Totalprothese links und Tuberositasosteotomie bei fortge-
schrittener Pangonarthrose links bei Status nach mehrfachen Voreingriffen und 
Osteotomien am 23. Juli 2015

 Beginnende Coxarthrose beidseits bei Status nach Hüftarthroskopie links am 
4. Dezember 2013

Zu den funktionellen Einschränkungen gab der RAD-Arzt an, es bestehe 
eine verminderte Belastbarkeit von Knie und Hüfte beidseits. Die bisherige 
Tätigkeit als … könne der Beschwerdeführerin nicht mehr zugemutet wer-
den. Eine leichte bis gelegentlich mittelschwere wechselbelastende oder 
sitzende Tätigkeit könne der Beschwerdeführerin in einem ganztägigen 
Pensum mit einer maximalen Leistungsminderung von 10 - 15 % – wegen 
vermehrter Pausen – zugemutet werden. Gehen auf unebenem Gelände, 
repetitives Treppengehen und Besteigen von Leitern / Gerüsten sowie 
Tätigkeiten im Knien / in der Hocke könnten nicht zugemutet werden. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juli 2019, IV/19/75, Seite 13

4.3.2 Im Austrittsbericht der Klinik G.________ vom 30. September 2016 
(AB 121) im Zusammenhang mit einer stationären Behandlung vom 18. Juli 
bis 30. September 2016 wurde die folgende Diagnose aufgeführt:

 F33.1 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige 
Episode

Die behandelnden Ärzte gaben an, Dalmodorm sei zunächst auf Psycho-
pax in Tropfenform umgesetzt worden und dann sei ein Blindabbau durch-
geführt worden, welcher problemlos funktioniert habe. Ab dem 
15. September 2016 habe die Beschwerdeführerin kein Psychopax mehr 
erhalten. Das Analgetikum Zalidar sei auf Tramadol und Dafalgan umge-
setzt worden. Zusätzlich habe die Beschwerdeführerin bezüglich ihrer 
Schmerzsymptomatik Neuraltherapie bei Dr. med. H.________, Facharzt 
für Allgemeine Innere Medizin, mit gutem Erfolg erhalten. Auf Anraten von 
Dr. med. H.________ sei auch die Tramaldosis reduziert worden, diese 
habe aber nach kurzer Zeit wieder auf die Dosis bei Eintritt erhöht werden 
müssen, da sich die Schmerzsymptomatik nicht effektiv habe behandeln 
lassen. Zalidar habe sie bei Bedarf aus der Reserve erhalten. Cipralex, das 
die Beschwerdeführerin bereits vor ihrem Eintritt verordnet bekommen ha-
be, habe sie nicht weiter einnehmen wollen, so dass das Medikament ab-
gesetzt worden sei. Da sie nicht über eine ausgeprägte depressive 
Symptomatik geklagt habe, sei auf ihren Wunsch auch kein anderes Anti-
depressivum angesetzt worden. Die Beschwerdeführerin sei am 30. Sep-
tember 2016 in deutlich gebessertem Zustand und klar von Suizidalität 
distanziert entlassen worden. Vom 18. Juli bis 14. Oktober 2016 wurde eine 
100 %-ige Arbeitsunfähigkeit attestiert.

4.3.3 Dr. med. I.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und 
Traumatologie des Bewegungsapparates, führte im Bericht vom 16. Juni 
2017 (AB 142.2/7 f.) die folgende (Haupt-)Diagnose auf:

 Knietotalprothesen-Instabilität links mit peripatellären Schmerzen und Beuge-
defizit nach Primärimplantation 07/15 (Orthopädie Sonnenhof) bei multiplen 
Voroperationen 

Dr. med. I.________ gab an, die Situation sei recht komplex und nicht ein-
fach. Als Hauptproblem sehe er eine Knietotalprothesen-Instabilität in 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juli 2019, IV/19/75, Seite 14

Kombination mit patellären Problemen und Beugedefizit. Das Tragen einer 
Knieorthese sei sicher keine Dauerlösung. Aus diesem Grund habe er mit 
der Beschwerdeführerin ausführlich die Möglichkeit eines Inlay-Wechsels 
und Retropatellarersatzes zur Verbesserung der Situation wohlwissend der 
Risiken nach multiplen Voroperationen besprochen. 

4.3.4 Im psychiatrisch-orthopädischen MEDAS-Gutachten vom 26. Sep-
tember 2017 (AB 142.1) führten die Experten die folgenden Diagnosen mit 
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit auf (AB 142.1/22 f.): 

1. Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige Epi-
sode (ICD-10 F33.0, 33.1) 

2. Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-
10 F45.41) 
 multilokuläres Schmerzsyndrom, an vielen Körperstellen ohne objektivier-

bares Korrelat (ICD-10 R52.9)
 nicht adäquat wirkende Schmerzwahrnehmung mit Symptomausweitung 

und Selbstlimitation 
3. Knietotalprothese links seit 23. Juli 2015 (1CD-10 Z96.6) 

 Status nach schmerzhafter Pangonarthrose bei multiplen Voreingriffen 
(M17.3) 

4. Chronische Schulterschmerzen beidseits (ICD-10 M79.61) 
 Status nach arthroskopischem Eingriff rechts 09/2013 (Z98.8) 
 Status nach mehreren arthroskopischen Eingriffen links ohne detaillierte 

Angaben (Z98.8) 
5. Chronisches zervikovertebrales Schmerzsyndrom, anamnestisch ohne radi-

kuläre Symptomatik (ICD-10 M54.2) 
 moderate degenerative Veränderungen an der unteren Halswirbelsäule, 

akzentuiert in den Segmenten HWK5/6 und HWK6/7, klinisch und bildge-
bend ohne eindeutige Kompromittierung neuraler Strukturen 
(M47.82/M50.2) 

6. Status nach Arthroskopie mit intraartikulärem Débridement Hüfte links 12/2013 
(ICD-10 Z98.8) 
 beginnende degenerative Veränderungen (M16.0)

Als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gaben die Gutachter 
die Folgende an (AB 142.1/23):

 Opiatabhängigkeit (ICD-10 F11.25)

Die Gutachter hielten fest (AB 142.1/22 ff.), die Beschwerdeführerin könne 
sich aufgrund ihrer chronischen Beschwerden am gesamten Körper kaum 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juli 2019, IV/19/75, Seite 15

vorstellen, wieder in den Erwerbsprozess zurückzukehren. Sie wirke 
vollständig auf ihre medizinische Situation fixiert und scheine dabei die 
durchaus noch in nicht unerheblichem Ausmass vorhandenen körperlichen 
Ressourcen nicht richtig wahrzunehmen. Zumindest für körperlich adaptier-
te Tätigkeiten gemäss dem formulierten Belastungsprofil könne aus or-
thopädischer Sicht keine Einschränkungen der Arbeits- und 
Leistungsfähigkeit begründet werden. Es sei wichtig, dass die Beschwerde-
führerin so rasch wie möglich wieder physiologische Bewegungsabläufe 
erlerne. Verschiedene Beschwerden seien einem unspezifischen multilo-
kulären Schmerzsyndrom zuzuordnen. Bei der orthopädischen Untersu-
chung falle auf, dass entgegen den klinisch moderaten Befunden die 
subjektive Schmerzperzeption deutlich erhöht sei. Besonderen Ausdruck 
finde dies darin, dass die Beschwerdeführerin mit einer Knieorthose links 
erscheine und einem an der linken Hand geführten Gehstock, zur Entlas-
tung des linken Beines. Obwohl die Flexion im linken Knie nicht befriedi-
gend einzustufen sei, ergäben sich keine sonstigen Befunde, die einen 
therapieresistenten Dauerschmerz erklären könnten, ohne Hinweise auf ein 
akut-entzündliches Geschehen. Es bestehe bei der Beschwerdeführerin 
eine deutliche funktionelle Überlagerung. Hinsichtlich Belastungsfähigkeit 
und Arbeitsfähigkeit resultiere, dass körperlich schwere, mittelschwere und 
nicht adaptierte Tätigkeiten, auch mit längerem Gehen und Stehen unge-
eignet seien, weshalb die Arbeit im … als ungeeignet einzustufen sei, was 
die Beschwerdeführerin zuletzt durchgeführt habe. Leichte wechselbelas-
tende Tätigkeiten, mehrheitlich im Sitzen, ohne Zwangshaltung der unteren 
Extremitäten und ohne Bewegungen der Arme oberhalb der Horizontalen 
seien quantitativ uneingeschränkt möglich. Aus psychiatrischer Sicht könne 
bei der Beschwerdeführerin auf affektiver Ebene eine leichte bis mittelgra-
dige Episode einer rezidivierenden depressiven Störung festgestellt wer-
den. Die somatisch nicht ausreichend erklärbaren Befunde für die subjektiv 
angegebenen Schmerzen und Limitierungen, bei nicht ursächlich vorlie-
gender psychosozialer Belastungssituation, seien beschreibend einer chro-
nischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren 
zuzuordnen. Gemäss Prüfung der Indikatoren und der Inkonsistenzprüfung 
könne aufgrund der vorliegenden Befunde und Diagnosen aus psychiatri-
scher Sicht eine dauerhaft verminderte Belastungsfähigkeit bestätigt wer-
den, dies im Sinne einer Leistungseinbusse von 20 %, bezogen auf ein 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juli 2019, IV/19/75, Seite 16

Vollzeitpensum. Zusammenfassend resultiere aus bidisziplinärer Sicht, 
dass bei der Beschwerdeführerin eine Arbeitsunfähigkeit in schweren, mit-
telschweren, andauernd gehenden und stehenden und nicht adaptierten 
Tätigkeiten bestehe, was auf die zuletzt durchgeführte Arbeit im … zutref-
fen dürfte, auch wenn kein konkretes Belastungsprofil vorliege. In körper-
lich leichten, adaptierten, teilweise sitzenden Tätigkeiten bestehe eine 
80 %-ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Das Pensum könnte vollschichtig 
umgesetzt werden mit leicht höherem Pausenbedarf und leicht reduziertem 
Rendement. Diese Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit in der angestamm-
ten Tätigkeit habe möglicherweise ab Februar 2014 bestanden, sei definitiv 
ab Juli 2015 zu bestätigen. Ab Juli 2015 bis arbiträr April 2016 sei die Ar-
beitsfähigkeit dann ganz aufgehoben gewesen. Ab Mai 2016 könne die 
festgestellte Arbeitsfähigkeit über die Zeit gemittelt angenommen werden. 
Medizinische Massnahmen seien vorzuschlagen. Aus psychiatrischer Sicht 
sei einerseits eine antidepressive Therapie vorzuschlagen, andererseits 
sollte dringend ein Opiatentzug durchgeführt werden. Opiate seien nicht 
geeignet zur Behandlung einer somatoformen Störung beziehungsweise 
einer Schmerzverarbeitungsstörung. Auch aus orthopädischer Sicht seien 
medizinische Massnahmen vorzuschlagen. Diese sollten primär dazu die-
nen, die Beschwerdeführerin von der Orthese und dem Stock zu entwöh-
nen. Invasive Massnahmen sollten nur bei ganz eindeutiger und klarer 
Indikation durchgeführt werden. Bekanntlich sei eine Operation wenig ge-
eignet zur Behandlung einer somatoformen Störung. Alle bisher durchge-
führten Massnahmen seien durch die Beschwerdeführerin als nicht 
erfolgreich beschrieben worden, so auch die kürzlich durchgeführte statio-
näre Behandlung. Dementsprechend sollte man sich darauf konzentrieren, 
dass die Beschwerdeführerin – wie erwähnt – wieder physiologische Be-
wegungsabläufe erlerne, idealerweise durch ein physiotherapeutisches 
Coaching, dabei gehe es um das korrekte Gehen ohne Knieorthese und 
Gehstock, um wieder Vertrauen in den Körper zu gewinnen. Berufliche 
Massnahmen könnten bei der ausgeprägten subjektiven Krankheits- und 
Behinderungsüberzeugung nicht vorgeschlagen werden.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juli 2019, IV/19/75, Seite 17

5.

5.1 Das MEDAS-Gutachten vom 26. September 2017 (AB 142.1) erfüllt 
die an den Beweiswert einer medizinischen Expertise gestellten Anforde-
rungen (vgl. E. 3.9 hiervor). Es ist voll beweiskräftig, da es – beruhend auf 
allseitigen Untersuchungen und unter Berücksichtigung der geklagten Be-
schwerden – die streitigen Punkte umfassend abhandelt und in Kenntnis 
der Vorakten abgegeben wurde. Weiter leuchtet es in der medizinischen 
Beurteilung ein und die darin gezogenen Schlussfolgerungen werden ein-
gehend begründet.

Was die Beschwerdeführerin dagegen vorbringt, ändert daran nichts. So-
weit sie geltend macht (Beschwerde S. 1 f.), der orthopädische Gutachter 
Dr. med. D.________ habe keine objektiven Befunde erhoben, einige Be-
funde hinsichtlich der Beweglichkeit hätten nur durch externe Gewaltan-
wendung durch den Gutachter bzw. durch dessen forcierte Bewegungen 
erzielt werden können, ist festzuhalten, dass gemäss MEDAS-Gutachten 
aus orthopädischer Sicht entgegen den klinisch moderaten Befunden die 
subjektive Schmerzperzeption deutlich erhöht ist. Hinsichtlich des linken 
Knies verwiesen die Gutachter zudem darauf, dass obwohl die Flexion im 
linken Knie nicht befriedigend einzustufen sei, sich keine sonstigen Befun-
de ergäben, die den geklagten therapieresistenten Dauerschmerz erklären 
könnten, ohne Hinweis auf eine akut-entzündliches Geschehen; es bestehe 
eine deutliche funktionelle Überlagerung (AB 142.1/23 f.). Mit Blick auf die-
se Ausführungen hatte die leichte bimanuelle Führung durch den Gutachter 
(AB 142.1/15 f. und 19) das Ziel, das Schonverhalten bzw. die Selbstimitie-
rung der Beschwerdeführerin zu durchbrechen und in diesem Sinne einen 
objektiven Befund zu erheben. Weiter macht die Beschwerdeführerin gel-
tend (Beschwerde S. 2), die Ausführungen zur Knieproblematik im MEDAS-
Gutachten stünden in klarem Widerspruch zum Bericht von Dr. med. 
I.________ vom 16. Juni 2017 (AB 142.2/7 f.), welcher eine deutliche In-
stabilität und Beugefehlstellung bei deutlichem Prothesen-Schubladen-
phänomen festgehalten habe. Wie die Beschwerdegegnerin bereits in der 
angefochtenen Verfügung vom 27. Dezember 2018 (AB 157) festgehalten 
hat, wurde dieser Bericht vom orthopädischen Gutachter gewürdigt und auf 
die unterschiedliche Befunderhebung hingewiesen (AB 142.1/21). Sodann 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juli 2019, IV/19/75, Seite 18

bemängelt die Beschwerdeführerin (Beschwerde S. 2) die fehlende Aus-
einandersetzung mit der durch den RAD attestierten Leistungseinschrän-
kung von 10 - 15 % unter anderem aufgrund der objektivierbaren Pangon- 
und Coxarthrose. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die RAD-
Stellungnahme vom 22. März 2016 (AB 94) im Aktenverzeichnis des ME-
DAS-Gutachtens vom 26. September 2017 aufgeführt ist (AB 142.1/4) und 
folglich den Gutachtern vorlag. Zudem beruht die vom RAD attestierte ma-
ximale Leistungsminderung von 10 - 15 % nicht auf einer aktuellen Beurtei-
lung (diese wurde am 22. März 2016 abgegeben; AB 94/4 f.) und der RAD 
hat die Beschwerdeführerin nicht persönlich untersucht. Dem danach ein-
geholten MEDAS-Gutachten kommt aufgrund der vom orthopädischen 
Gutachter persönlich erhobenen klinischen Befunde somit höhere bzw. wie 
erwähnt volle Beweiskraft zu. 

Auch das psychiatrische Teilgutachten von Dr. med. E.________ bean-
standet die Beschwerdeführerin insoweit (Beschwerde S. 2 f.), als dort dar-
auf abgestellt worden sei, dass die Therapieoptionen noch nicht 
ausgeschöpft seien, eine kontinuierliche antidepressive Therapie erforder-
lich sei und ein Opiatentzug vorgenommen werden müsse. Dem sei entge-
genzuhalten, dass eine Reduktion der Tramaldosis bereits versucht worden 
sei, jedoch nicht zu einer Besserung der Symptome geführt habe. Insofern 
könne nicht von einem noch nicht ausgeschöpften Therapiespektrum aus-
gegangen werden. Die Therapieoptimierung habe somit keine Auswirkun-
gen auf ihre Leistungsfähigkeit. Folglich sei die aus psychiatrischer Sicht 
attestierte Einschränkung der Leistungsfähigkeit von 20 % zu berücksichti-
gen, was zu einer deutlich höheren Einschränkung als dem anerkannten 
leidensbedingten Abzug von 10 % führe. Diesbezüglich ist unter Hinweis 
auf die Beschwerdeantwort (S. 4 Ziff. 12) festzuhalten, dass sich die Be-
schwerdeführerin gemäss Austrittsbericht der Klinik G.________ vom 30. 
September 2016 (AB 117/10 ff.) weigerte, ein bereits vor Klinikeintritt ver-
ordnetes Antidepressivum weiter einzunehmen, auf ihren Wunsch wurde 
auch kein anderes Antidepressivum verordnet. Weiter wurde die Tramaldo-
sis offenbar nur für kurze Zeit reduziert, von einem vollständigen Opiatent-
zug kann deshalb keine Rede sein. Mit Blick auf diese Ausführungen sind 
die Therapieoptionen nicht ausgeschöpft. Soweit die Beschwerdeführerin 
kritisiert (Beschwerde S. 3), dass die Gutachter die Arbeitsfähigkeit arbiträr 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juli 2019, IV/19/75, Seite 19

(AB 142.1/24) bzw. aus ihrer Sicht willkürlich festgelegt hätten, hält die Be-
schwerdegegnerin zutreffend fest (Beschwerdeantwort S. 4 Ziff. 14), dass 
die Gutachter das Wort „arbiträr“ vorliegend klar im Sinne von „nach Er-
messen“ (vgl. www.duden.de) verwendet haben. Die Einschätzung der Ar-
beitsfähigkeit beinhaltet immer ein gewisses Mass an Ermessen, da die 
Medizin keine exakte Wissenschaft ist (vgl. bezüglich psychiatrischer Ar-
beitsunfähigkeitsschätzungen BGE 144 V 50 E. 4.3 S. 53). Zudem ist zu 
bemerken, dass die Gutachter das Wort „arbiträr“ nur im Zusammenhang 
mit der Beurteilung der vollständigen Arbeitsunfähigkeit bzw. deren Ende 
verwendet haben und nicht – wie die Beschwerdeführerin meint – im Zu-
sammenhang mit der vollen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten 
Tätigkeit. 

5.2 Nach dem Dargelegten ist auf das voll beweiskräftige MEDAS-
Gutachten vom 26. September 2017 abzustellen (AB 142.1); Anhaltspunkte 
für eine allfällige (wesentliche) Veränderung bis zum massgeblichen Verfü-
gungszeitpunkt bestehen nicht. Der Sachverhalt ist damit rechtsgenüglich 
abgeklärt und es kann in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 136 I 229 E. 
5.3 S. 236, 124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162; SVR 2017 ALV 
Nr. 6 S. 18 E. 4.2) auf weitere Abklärungen verzichtet werden. Für seither 
geltend gemachte, bis anhin allerdings nicht dokumentierte Beschwerden, 
beispielsweise am bisher gesunden Knie, steht der Beschwerdeführerin die 
Einleitung des Neuanmeldungsverfahrens erneut zur Verfügung (vgl. Be-
schwerdeantwort S. 2 Ziff. 5).

6.

6.1 Gemäss Entscheid des Bundesgerichts vom 6. Juni 2019, 
8C_494/2018 (zur Publikation vorgesehen), E. 5.4, kommt die Rechtspre-
chung, wonach es bei der wiedererwägungs- oder revisionsweisen 
Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente bei zurückgelegtem 
55. Altersjahr oder mehr als fünfzehn Jahre dauerndem Rentenbezug 
grundsätzlich Eingliederungsmassnahmen durchzuführen gilt (vgl. E. 6.2 
hiernach), auch dann zur Anwendung, wenn – wie im vorliegenden Fall – 
zeitgleich mit der Rentenzusprache über deren Befristung und/oder 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juli 2019, IV/19/75, Seite 20

Abstufung befunden wird. Dabei hat das Bundesgericht offen gelassen, 
welches der für die Ermittlung des Eckwerts des 55. Altersjahres 
massgebliche Zeitpunkt sein soll, der Zeitpunkt der Verfügung selbst, 
derjenige der darin verfügten Rentenabstufung bzw. –aufhebung oder jener 
des Feststehens der entsprechenden medizinischen Zumutbarkeit. Hier 
war die Beschwerdeführerin (AB 2/1) im Zeitpunkt der Rentenbefristung 
(Ende Juli 2016) 53jährig, bei Vorliegen des MEDAS-Gutachtens am 26. 
September 2017 (AB 142.1) 55jährig sowie bei Erlass der angefochtenen 
Verfügung vom 27. Dezember 2018 (AB 157) 56jährig. Mit Blick auf diese 
Sachlage ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin ihre Restarbeitsfähigkeit 
trotz fortgeschrittenem Alter auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt 
verwerten kann. 

6.2 Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder 
aufgehoben werden soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren 
Bezugsdauer oder wenn sie das 55. Altersjahr zurückgelegt haben, 
praxisgemäss in der Regel vorgängig Massnahmen zur Eingliederung 
durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch 
(wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigenanstrengung 
auszuschöpfen und erwerblich zu verwerten. Ausnahmen von der diesfalls 
grundsätzlich ("vermutungsweise") anzunehmenden Unzumutbarkeit einer 
Selbsteingliederung liegen namentlich dann vor, wenn die langjährige 
Absenz vom Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, 
wenn die versicherte Person besonders agil, gewandt und im 
gesellschaftlichen Leben integriert ist oder wenn sie über besonders breite 
Ausbildungen und Berufserfahrungen verfügt. Verlangt sind immer konkrete 
Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne 
sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen 
Rentenbezugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne 
Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integrieren (BGer 8C_494/2018 
[zur Publikation vorgesehen], E. 5.1).

6.3 Im Zusammenhang mit der allfälligen Gewährung von 
Eingliederungsmassnahmen ist zudem zu berücksichtigen, dass die 
subjektive Eingliederungsfähigkeit, die Eingliederungsbereitschaft, 
grundsätzlich eine Voraussetzung für Eingliederungsmassnahmen darstellt 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juli 2019, IV/19/75, Seite 21

(Entscheid des BGer vom 20. Februar 2014, 9C_474/2013, E. 6.3). Bei der 
Beschwerdeführerin liegt eine ausgeprägte subjektive Krankheits- und 
Behinderungsüberzeugung vor. Im MEDAS-Gutachten wurde diesbezüglich 
festgehalten (AB 142.1/22), die Beschwerdeführerin könne sich aufgrund 
ihrer chronischen Beschwerden am gesamten Körper kaum vorstellen, 
wieder in den Erwerbsprozess zurückzukehren. Sie wirke vollständig auf 
ihre medizinische Situation fixiert und scheine dabei die durchaus noch in 
nicht unerheblichem Ausmass vorhandenen körperlichen Ressourcen nicht 
richtig wahrzunehmen (vgl. auch E. 7.8 hiernach). Folglich fehlt der 
Beschwerdeführerin die Eingliederungsbereitschaft, so dass trotz des 
fortgeschrittenen Alters kein Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen 
besteht. 

7.

7.1 Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol-
gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig 
möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf 
sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. 
Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermit-
telt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten 
Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte mitein-
ander zu vergleichen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; 
BGE 128 V 29 E. 1 S. 30, 104 V 135 E. 2b S. 136; SVR 2017 IV Nr. 70 
S. 217 E. 2.2).

7.2 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was 
die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns 
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde 
tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, 
nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange-
passten Verdienst angeknüpft (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110, 134 V 322 E. 
4.1 S. 325; SVR 2017 IV Nr. 52 S. 157 E. 5.1). Lässt sich aufgrund der 
tatsächlichen Verhältnisse das ohne gesundheitliche Beeinträchtigung rea-
lisierbare Einkommen nicht hinreichend genau beziffern, ist auf Erfahrungs- 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juli 2019, IV/19/75, Seite 22

und Durchschnittswerte gemäss Tabellenlohn nach den vom Bundesamt 
für Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) abzustellen. 
Auf sie darf jedoch im Rahmen der Invaliditätsbemessung nur unter Mit-
berücksichtigung der für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls rele-
vanten persönlichen und beruflichen Faktoren abgestellt werden (BGE 144 
I 103 E. 5.3 S. 110; Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts 
[EVG, heute BGer] vom 30. Oktober 2002, I 517/02, E. 1.2).

7.3 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der 
beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte 
Person konkret steht (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 296). Hat die versicherte 
Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine 
ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können 
nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss LSE herangezogen wer-
den (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 297).

7.4 Es gilt zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Per-
sonen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im 
Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeit-
nehmern lohnmässig benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unter-
durchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Diesem Umstand ist mit 
einem Abzug vom Tabellenlohn Rechnung zu tragen (BGE 134 V 322 
E. 5.2 S. 327, 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481). Die Frage, ob und in welchem 
Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persön-
lichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles ab (leidens-
bedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskate-
gorie und Beschäftigungsgrad). Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das 
Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu 
schätzen, wobei der Abzug auf insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen 
ist (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301, 134 V 322 E. 5.2 S. 327; SVR 2018 IV 
Nr. 46 S. 148 E. 3.3). Zu beachten ist, dass allfällige bereits in der Beurtei-
lung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Ein-
schränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten 
Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Ge-
sichtspunkts führen dürfen (SVR 2018 IV Nr. 45 S. 145 E. 2.2).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juli 2019, IV/19/75, Seite 23

7.5 Die Beschwerdeführerin ist seit dem 27. November 2013 in der Ar-
beitsfähigkeit zu 100 % eingeschränkt (AB 58.2/1 f., 5, 8, 11 - 13, 16 f.; 
AB 92.3/10 - 12; vgl. auch AB 92.4) und die Neuanmeldung erfolgte am 
23. September 2014 (AB 46). Folglich ist es nicht zu beanstanden, dass die 
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin in Anwendung von Art. 28 
Abs. 1 lit. b und Art. 29 Abs. 1 IVG (vgl. E. 3.2 und 3.3 hiervor) ab dem 
1. März 2015 eine ganze Rente zugesprochen hat (AB 157). Laut MEDAS-
Gutachten besteht die festgestellte 80 %-ige Arbeitsfähigkeit in einer lei-
densangepassten Tätigkeit ab Mai 2016 (AB 142.1/24); diese 
Verbesserung stellt einen Revisionsgrund (vgl. E. 3.6.3 und 3.7.1 hiervor) 
dar. Vorausgesetzt der Einkommensvergleich ergibt einen rentenaussch-
liessenden Invaliditätsgrad (vgl. dazu E. 7.6 und 7.7 hiernach), ist die Rente 
in Anwendung von Art. 88a Abs. 1 IVV (vgl. E. 3.7.3 hiervor) per 31. Juli 
2016 aufzuheben. Schliesslich ist zu erwähnen, dass die im Zusammen-
hang mit dem Aufenthalt in der Klinik G.________ vom 18. Juli bis 30. Sep-
tember 2016 (AB 121) vom 18. Juli bis 14. Oktober 2016 attestierte 100 %-
ige Arbeitsunfähigkeit keinen Einfluss auf den Rentenanspruch hat, da sie 
nicht länger als drei Monate gedauert hat (vgl. Art. 88a Abs. 2 IVV [vgl. E. 
3.7.3 hiervor]; vgl. auch AB 147/8), zumal eine volle Arbeitsunfähigkeit von 
behandelnden Kliniken jeweils während eines Aufenthaltes pauschal attes-
tiert wird, woraus nicht unbesehen eine objektiv ausgewiesene volle Ar-
beitsunfähigkeit abgeleitet werden kann. 

7.6 Der Einkommensvergleich ist per Ende Juli 2016 vorzunehmen (vgl. 
E. 7.5 hiervor). Für das Valideneinkommen kann nicht auf den zuletzt bei 
der J.________ AG als ... erzielte Lohn abgestellt werden, da die Be-
schwerdeführerin diese Stelle auch im Gesundheitsfall nicht mehr inne hät-
te; die Stelle wurde aus organisatorischen Gründen/Umstrukturierung 
gekündigt (AB 65). Folglich ist das Valideneinkommen gestützt auf statisti-
sche Daten festzulegen (vgl. E. 7.2 hiervor). Auszugehen ist von den LSE 
2016, Tabelle TA1_tirage_skill_level (Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] 
nach Wirtschaftszweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht), Ziff. 47, De-
tailhandel, Frauen, Kompetenzniveau 1, im Betrag von Fr. 4‘390.-- monat-
lich bzw. Fr. 52‘680.-- jährlich. Angepasst an die betriebsübliche 
wöchentliche Arbeitszeit im Abschnitt Ziff. 47, Detailhandel, im Jahr 2016 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juli 2019, IV/19/75, Seite 24

von 41.8 Stunden resultiert ein Betrag von Fr. 55‘050.60 (Fr. 52‘680.-- : 
40 h x 41.8 h). 

Auch das Invalideneinkommen ist anhand statistischer Zahlen zu ermitteln, 
da die Beschwerdeführerin nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine 
ihr zumutbare Erwerbstätigkeit aufgenommen hat (vgl. E. 7.3 hiervor). Aus-
zugehen ist ebenfalls von den LSE 2016, Tabelle TA1_tirage_skill_level 
(Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Wirtschaftszweigen, Kompe-
tenzniveau und Geschlecht), und dort vom Total, Frauen, Kompetenzni-
veau 1, im Betrag von Fr. 4‘363.-- monatlich bzw. Fr. 52‘356.-- jährlich. Die 
Anpassung an die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit im Abschnitt 
Total im Jahr 2016 von 41.7 Stunden ergibt einen Betrag von Fr. 54‘581.10 
(Fr. 52‘356.10 : 40 h x Fr. 41.7 h). Der von der Beschwerdegegnerin ge-
währte leidensbedingte Abzug (vgl. E. 7.4 hiervor) von 10 % (AB 147/9) ist 
nicht zu beanstanden. Gemäss MEDAS-Gutachten ist der Beschwerdefüh-
rerin ein Vollzeitpensum zumutbar (AB 142.1/24); in solchen Fällen ist kein 
über die Berücksichtigung der eingeschränkten Leistungsfähigkeit hinaus-
gehender Abzug gerechtfertigt (vgl. Entscheid des BGer vom 17. Novem-
ber 2015, 9C_380/2015, E. 3.2.3). Weiter kommt fehlenden Dienstjahren im 
untersten Kompetenzniveau im privaten Sektor keine grosse Bedeutung zu 
(Entscheid des BGer vom 16. Juli 2014, 8C_97/2014, E. 4.2) und werden 
Hilfsarbeiten auf dem massgebenden hypothetisch ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt grundsätzlich altersunabhängig nachgefragt (Entscheid des 
BGer vom 6. Mai 2008, 8C_321/2007, E. 8.2.2). Die Nationa-
lität/Aufenthaltskategorie rechtfertigt vorliegend keinen leidensbedingten 
Abzug. Den Einschränkungen gemäss gutachterlichem Zumutbarkeitsprofil 
(AB 142.1/24) wird mit einem zusätzlichen 10 %-igen Abzug angemessen 
Rechnung getragen. Bei einem leidensbedingten Abzug von 10 % kann 
offen bleiben, ob die von den MEDAS-Gutachtern im psychiatrischen 
Fachgebiet attestierte 20 %-ige Leistungseinbusse (AB 142.1/24) aus 
rechtlicher Sicht relevant ist oder nicht (vgl. insbesondere BGE 141 V 281). 
Selbst bei zusätzlicher Berücksichtigung derselben resultiert ein nicht ren-
tenbegründender Invaliditätsgrad (vgl. E. 6.7 hiernach). Das Invalidenein-
kommen beliefe sich in diesem Fall auf zumindest Fr. 39‘298.40 (Fr. 
54‘581.10 x 0.8 = Fr. 43‘664.90 x 0.9).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Juli 2019, IV/19/75, Seite 25

7.7 Die Gegenüberstellung der beiden hypothetischen Vergleichsein-
kommen ergibt einen nicht rentenbegründenden Invaliditätsgrad von ge-
rundet maximal 29 % (100 / Fr. 55‘050.60 x [Fr. 55‘050.60 - Fr. 39‘298.40] 
= 28.61 %; zu den Rundungsregeln vgl. BGE 130 V 121 E. 3.2 und 3.3 
S. 123).

7.8 Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen.

Abschliessend sei die Beschwerdeführerin an die von den Gutachtern als 
erforderlich gehaltene Entwöhnung von Orthese und Stock sowie den Opia-
ten erinnert, was die Beschwerdegegnerin im Falle des Eintretens auf eine 
Rentenneuanmeldung gegebenenfalls zu überprüfen und mit Anwendung 
des Mahn- und Bedenkzeitverfahrens durchzusetzen hätte. Sollte die Be-
schwerdeführerin im Übrigen die von den Gutachtern erwähnte subjektive 
Krankheits- und Behinderungsüberzeugung ablegen können, bleibt es ihr 
unbenommen, sich wieder für berufliche Massnahmen der Invalidenversi-
cherung zu melden. 

8.

8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem 
kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder 
Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem 
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 
Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen. 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die unterliegende Beschwerdefüh-
rerin die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden dem geleisteten Kostenvorschuss 
gleicher Höhe entnommen.

8.2 Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf eine Par-
teientschädigung (Umkehrschluss aus Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g 
ATSG).

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Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe entnommen.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4. Zu eröffnen (R):
- A.________
- IV-Stelle Bern 
- Bundesamt für Sozialversicherungen 

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

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Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des 
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) 
geführt werden.