# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 374d885e-3e18-50e4-887a-7e62eae6eb29
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-10-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.10.2025 D-5785/2025
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5785-2025_2025-10-01.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-5785/2025 

law/blp 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 .  O k t o b e r  2 0 2 5  

Besetzung 
 Einzelrichter Walter Lang, 

mit Zustimmung von Richter Markus König; 

Gerichtsschreiber Patrick Blumer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), seine Ehefrau  

B._______, geboren am (…), und ihre Kinder 

C._______, geboren am (…), sowie 

D._______, geboren am (…), 

Türkei, 

alle vertreten durch Hayriye Kamile Öncel Yigit, 

(…), 

Beschwerdeführende, 

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 24. Juni 2025 / N (…). 

 

 

 

D-5785/2025 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a B._______ (nachfolgend: Beschwerdeführer) und sein Sohn, 

C._______ reisten am 16. November 2023 gemeinsam in die Schweiz ein 

und reichten am 15. Januar 2024 ein Asylgesuch ein. Sie wurden dem Bun-

desasylzentrum (BAZ) der Region E._______ zugewiesen. 

A.b A._______ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) und ihre Tochter, 

D._______, reisten nach einem mehrmonatigen Aufenthalt in F._______ 

am 12. Juli 2024 erneut in die Schweiz ein und reichten am 15. Juli 2024 

ein Asylgesuch ein. Sie wurden dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region 

E._______ zugewiesen. 

A.c Das SEM hörte den Beschwerdeführer und den Sohn C._______ am 

26. März 2024 gemäss Art. 29 AsylG (SR 142.31) vertieft zu ihren Asyl-

gründen an. Am 27. März 2024 verfügte das SEM, die Asylgesuche würden 

im erweiterten Verfahren behandelt. 

A.d Das SEM hörte die Beschwerdeführerin und die Tochter D._______ 

am 6. August 2024 gemäss Art. 29 AsylG vertieft zu ihren Asylgründen an. 

Am 13. August 2024 verfügte das SEM, ihre Asylgesuche würden im er-

weiterten Verfahren behandelt. 

B.  

B.a Der Beschwerdeführer machte zur Begründung seines Asylgesuches 

anlässlich der Anhörung vom 26. März 2024 im Wesentlichen geltend, er 

stamme aus einer politischen respektive sozialistischen Familie. Während 

seiner Kindheit sei sein Vater von den türkischen Behörden inhaftiert und 

30–40 Tage von Polizeibeamten gefoltert worden. Auch er (der Beschwer-

deführer) habe sich während seiner Kindheit und Jugend wiederholt Nach-

teilen von Seiten der Behörden ausgesetzt gesehen. So sei er Zeuge von 

Hausdurchsuchungen und gewaltsamen Übergriffen auf seine Schwester 

geworden. Im Jahr 1995 sei eine Verwandte von ihm aufgrund seiner poli-

tischen Überzeugung in G._______ getötet worden. Zudem sei er in seiner 

Jugend im Alltag Schikanen durch Polizeibeamte ausgesetzt gewesen. In 

seiner Jugend habe er sich in einem «sozialistischen Freundeskreis» be-

wegt, sei jedoch keiner Organisation beigetreten oder habe für eine solche 

Aufgaben übernommen. Im Alter von (…) Jahren sei er kurzzeitig in der 

Jugendpartei der Cumhuriyet Halk Partisi/CHP (Republikanische Volkspar-

tei) gewesen. Während seiner Berufstätigkeit habe er sich gewerkschaft-

lich engagiert. Er sei kein Mitglied einer Gewerkschaft gewesen, sondern 

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habe lediglich versucht, Arbeitskolleginnen und -kollegen von einer Mit-

gliedschaft zu überzeugen. 

Im (…) 2023 habe er einen Account auf Twitter (heute: X) eröffnet und habe 

begonnen, Posts zu veröffentlichen, die sich auf mehrere in der Türkei ver-

botene Organisationen bezogen hätten, unter anderem die Marksist Leni-

nist Komünist Parti/MLKP (Marxistisch-Leninistische Kommunistische Par-

tei), die Yekîneyên Parastina Gel/YPG (Volksverteidigungseinheiten) und 

die Yekîneyên Parastina Jinê/YPJ (Frauenverteidigungseinheiten). 

Am (…) 2023 hätten er und seine Frau an einer Kundgebung der Cumartesi 

Anneler («Samstagsmütter») teilgenommen. Die Polizei habe die Kundge-

bung verboten und in der Folge mehrere Teilnehmer, so auch ihn für einige 

Stunden in Gewahrsam genommen. Auch am (…) 2023 hätten sie beide 

wieder an einer Kundgebung der Cumartesi Anneler teilgenommen. Erneut 

sei er festgenommen, einvernommen und anschliessend freigelassen wor-

den. Am (…) 2023 sei er von zwei Polizisten gezwungen worden, in ein 

Fahrzeug einzusteigen. Die Polizisten hätten ihn geohrfeigt und von ihm 

verlangt, für sie als Spitzel Informationen über Personen aus sozialistisch-

kommunistischen Kreisen zu beschaffen. Er habe dies jedoch abgelehnt. 

Daraufhin sei er freigelassen worden, wobei ihm Konsequenzen angedroht 

worden seien, sollte er sich zukünftig den Aufforderungen der Polizisten 

widersetzen. Nach diesen Vorfällen habe er sich um seine Sicherheit und 

diejenige seiner Familie gefürchtet, weshalb er gemeinsam mit seiner Ehe-

frau und den Kindern die Türkei legal verlassen habe und mit einem Visum 

in die Schweiz gereist sei. 

Nach seiner Ausreise sei ihm von seiner Mutter mitgeteilt worden, dass am 

(…) 2024 in seiner Wohnung in der Türkei eine polizeiliche Hausdurchsu-

chung durchgeführt worden sei und man sich nach seinem Aufenthaltsort 

erkundigt habe. Nachdem er durch seinen Anwalt erfahren habe, dass auf-

grund seiner Veröffentlichungen auf Twitter (heute: X) durch die Staatsan-

waltschaft H._______ (I._______) ein Ermittlungsverfahren wegen Propa-

ganda für eine Terrororganisation eröffnet worden sei, habe er in der 

Schweiz ein Asylgesuch eingereicht. Später sei ein weiteres Ermittlungs-

verfahren durch die Staatsanwaltschaft J._______ eröffnet worden. Die 

Friedensstrafrichterschaft J._______ (K._______) habe mit Beschluss vom 

(…) 2024 einen Vorführbefehl (Yakalama Emri) gegen ihn erlassen. Glei-

chentags seien die beiden Ermittlungsverfahren per Vereinigungsbe-

schluss zusammengelegt worden. 

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B.b Die Beschwerdeführerin führte zu ihren Asylgründen in der Anhörung 

vom 6. August 2024 im Wesentlichen aus, sie stamme ebenfalls aus einer 

politischen respektive sozialistischen Familie; ihre älteren Brüder hätten in 

sozialistisch-kommunistischen Kreisen verkehrt. Ihr Bruder L._______ 

habe sich im Jahr 1991 der Devrimci Sol/Dev-Sol (Revolutionäre Linke) 

angeschlossen. Weil er für diese am gewaltsamen Kampf teilgenommen 

habe, sei es in dieser Zeit wiederholt zu Hausdurchsuchungen im Haus 

ihrer Eltern gekommen sei, bei denen sowohl sie als auch ihre Familienan-

gehörigen Opfer von gewaltsamen Übergriffen geworden seien. Ihre Brü-

der und ihre Mutter seien zudem für mehrere Tage in Gewahrsam genom-

men worden. Ihr Bruder M._______ sei ebenfalls Sympathisant der Dev-

Sol gewesen und habe eine mehrjährige Gefängnisstrafe verbüsst. Im 

Jahr 1995 sei ihr Bruder L._______ vom türkischen Staat getötet worden. 

Sie habe regelmässig an politischen Kundgebungen zum Gedenken an 

das «Gazi-Massaker» und an das «Suruc-Massaker» zum «Ersten 

Mai/Tag der Arbeit» und zum «Tag der werktätigen Frau», der «Freiheit für 

kranke Häftlinge», der «Samstagsmutter» sowie an Presseerklärung und 

dem «Ehrenmarsch für LGBTQ+» teilgenommen. Während diesen Aktio-

nen und Demonstrationen hätten Polizisten Fotos von ihr und den anderen 

Kundgebungsteilnehmerinnen gemacht. 

Im Falle einer Rückkehr in die Türkei würden sie beide befürchten, inhaf-

tiert, gefoltert und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt zu werden. Schlimms-

tenfalls werde er (der Beschwerdeführer) getötet. 

B.c Zum Nachweis ihrer Identität reichten die Beschwerdeführenden ihre 

türkischen Reisepässe und diejenigen ihrer Kinder sowie zahlreiche Doku-

mente und Fotografien ein (vgl. die Auflistung in Ziff. I 3. der angefochtenen 

Verfügung). 

C.  

Das SEM stellte mit Verfügung vom 24. Juni 2025 (eröffnet am 30. Juni 

2025) fest, die Beschwerdeführenden würden die Flüchtlingseigenschaft 

nicht erfüllen, lehnte ihre Asylgesuche vom 15. Januar 2024 respektive 

15. Juli 2024 ab, wies sie aus der Schweiz weg und stellte fest, sie seien 

verpflichtet, das Staatsgebiet der Schweiz sowie den Schengen-Raum bis 

am Tag nach Eintritt der Rechtskraft dieser Verfügung zu verlassen, dies 

zur Rückreise in ihren Heimatstaat beziehungsweise ihren Herkunftsstaat 

oder zur Weiterreise in ein Land, das sich ausserhalb des Schengen-Rau-

mes befindet und in dem sie aufgenommen würden, verbunden mit dem 

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Hinweis, wenn sie ihrer Verpflichtung nicht innert Frist nachkommen wür-

den, könne die Wegweisung unter Zwang vollzogen werden. Gleichzeitig 

beauftragte das SEM den Kanton N._______ mit dem Vollzug der Wegwei-

sung. 

D.  

Die vormalige Rechtsvertretung zeigte dem SEM mit Schreiben vom 3. Juli 

2025 an, sie habe ihr Mandat niedergelegt. 

E.  

Mit Eingabe ihrer mit Vollmacht vom 9. Juli 2025 neu mandatierten Rechts-

vertreterin vom 30. Juli 2025 liessen die Beschwerdeführenden gegen 

diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht für sich und ihre Kinder 

Beschwerde erheben. In dieser wird beantragt, der Entscheid des SEM 

vom 24. Juni 2025 sei aufzuheben und es sei die Flüchtlingseigenschaft 

anzuerkennen und dem Beschwerdeführer (recte: den Beschwerdeführen-

den) Asyl zu erteilen. Es sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegwei-

sung in die Türkei unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei. Subeventu-

aliter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

In verfahrensrechtlicher Hinsicht wird beantragt, es sei die unentgeltliche 

Rechtspflege zu bewilligen, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sei 

zu verzichten und den Rechtsvertreter (recte: die Rechtsvertreterin) als un-

entgeltlicher Rechtsbeistand (recte: unentgeltliche Rechtsbeiständin) zu 

bestellen. 

F.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte der Rechtsvertreterin mit Schrei-

ben vom 4. August 2025 den Eingang der Beschwerde. 

G.  

Der Instruktionsrichter stellte mit Zwischenverfügung vom 28. August 2025 

fest, die Beschwerdeführenden dürften den Ausgang des Verfahrens in der 

Schweiz abwarten, wies ihre Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege, amtlicher Verbeiständung und Verzicht auf die Erhebung ei-

nes Kostenvorschusses ab, und forderte sie auf, bis zum 12. September 

2025 einen Kostenvorschuss von Fr. 2’000.– einzuzahlen, mit dem Hin-

weis, bei ungenutzter Frist werde auf die Beschwerde nicht eingetreten. 

H.  

Die Beschwerdeführenden zahlten den Kostenvorschuss am 9. September 

2025 ein. 

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Seite 6 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – 

in der Regel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 

Ziff. 1 BGG). 

1.2 Wie in bereits in der Zwischenverfügung vom 28. August 2025 festge-

halten wurde, ist das Bundesverwaltungsgericht für die Behandlung der 

vorliegenden Beschwerde zuständig. Festgestellt wurde darin ebenfalls, 

dass die Beschwerde frist- und formgerecht eingereicht wurde und die Be-

schwerdeführenden zur Einreichung der Beschwerde legitimiert sind (vgl. 

a.a.O. E. 1). Nachdem der einverlangte Kostenvorschuss innert angesetz-

ter Frist bezahlt wurde, ist auf die Beschwerde einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb sie 

im einzelrichterlichen Verfahren mit Zustimmung eines zweiten Richters 

(Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und 

mit summarischer Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 

AsylG). 

4.  

4.1 Das SEM führt in der angefochtenen Verfügung zur Begründung seines 

Entscheides im Wesentlichen aus, der Beschwerdeführer mache geltend, 

in der Türkei sei gegen ihn wegen Terror-Propaganda ein Strafverfahren 

eröffnet worden. In diesem Zusammenhang seien Ermittlungsverfahren er-

öffnet worden und er werde mit Vorführbefehl gesucht. 

Einleitend sei darauf hinzuweisen, dass die eingereichten Dokumente aus 

vorliegenden türkischen Strafverfahrensakten über keine (verifizierbaren) 

Sicherheitsmerkmale wie einen Chip mit Fingerabdrücken und ein Ge-

sichtsbild in einem biometrischen Reisepass verfügen würden. Diese 

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Dokumente würden sich daher sehr einfach fälschen lassen. Auch sei im 

Zusammenhang mit solchen Dokumenten mittlerweile öffentlich bekannt 

und durch die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts bestätigt, 

dass Strafverfahrensakten in der Türkei problemlos gegen Entgelt be-

schafft werden könnten. Dabei handle es sich um von professionellen Fäl-

schern hergestellte oder von korrupten Justizangestellten produzierte (und 

auf UYAP hochgeladene) Dokumente. Deshalb hätten diese Dokumente 

lediglich einen geringen Beweiswert, um einen Sachverhalt belegen zu 

können. Vor diesem Hintergrund könne darauf verzichtet werden, zu prü-

fen, ob die eingereichten Dokumente objektive Fälschungsmerkmale auf-

weisen würden. 

Die Frage, ob es sich um echte Verfahrensdokumente handle, könne an-

gesichts der nachfolgenden Erwägungen gemäss Art. 3 AsylG denn auch 

offenbleiben. Der Beschwerdeführer befürchte, aufgrund des Strafverfah-

rens zu einer Gefängnisstrafe verurteilt zu werden. Aus den eingereichten 

Dokumenten gehe hervor, dass gegen ihn zwei Ermittlungsverfahren we-

gen Propaganda für eine Terrororganisation gemäss Art. 7 Abs. 2 des An-

titerrorgesetzes (ATG) eröffnet worden seien. Zudem sei ein Vorführbefehl 

und Vorführbeschluss erlassen worden. Hinsichtlich des von ihm geltend 

gemachten Vorführbefehls sei festzustellen, dass es sich formell nicht um 

einen Haftbefehl, sondern um einen Vorführbefehl und einen Vorführbe-

schluss handle, deren Zweck es sei, ihn einzuvernehmen, wie dem Doku-

ment entnommen werden könne, und er danach wieder freizulassen sei. 

Zunächst sei festzuhalten, dass er sich in der Türkei, abgesehen von der 

Teilnahme an unbewilligten Kundgebungen, bislang keiner Straftat schul-

dig gemacht habe und deshalb als strafrechtlich unbescholten gelte. Das 

Bundesverwaltungsgericht habe im Koordinationsurteil E-4103/2024 vom 

8. November 2024 festgehalten, welche Kriterien bei Ermittlungsverfahren 

wegen Propaganda für eine Terrororganisation (Art. 7 Abs. 2 ATG) und Prä-

sidentenbeleidigung (Art. 299 türkisches Strafgesetzbuch, tStGB) erfüllt 

sein müssten, damit solche Ermittlungsverfahren flüchtlingsrechtliche Re-

levanz erlangen würden. In der Türkei würden Ermittlungs-/Untersu-

chungsverfahren oft in teils hoher Zahl eingeleitet, aber häufig auch wieder 

eingestellt. Von den eröffneten Ermittlungs-/Untersuchungsverfahren we-

gen ATG-Delikten (Antiterrorgesetz Nr. 3713), inklusive Propaganda für 

eine Terrororganisation gemäss Art. 7 Abs. 2 ATG, und dem Straftatbe-

stand der Präsidentenbeleidigung sei die durchschnittliche Wahrschein-

lichkeit einer Verurteilung im Jahr 2023 und 2024 nicht höher als 10% ge-

legen. Gemäss Bundesverwaltungsgericht würden diese rechnerischen 

Durchschnittswerte, auch im Fall mehrerer Ermittlungsverfahren, kaum 

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den Grad der beachtlichen Wahrscheinlichkeit erreichen. Zudem habe das 

Bundesverwaltungsgericht schon wiederholt auf Erfahrungen mit der Pra-

xis der türkischen Strafjustiz hingewiesen, wonach bei diesen Delikten – 

namentlich bei Ersttätern ohne geschärftes oppositionelles Profil – die 

Strafrahmen in der Regel nicht ausgeschöpft würden (Freiheitsstrafe von 

zwei Jahren oder weniger) und allfällige Freiheitsstrafen in der Praxis der 

türkischen Gerichte häufig in Anwendung von Art. 51 tStGB bedingt ausge-

sprochen würden oder die Verkündung des Strafurteils aufgeschoben 

werde (sogenannte HAGB-Urteile). Es sei zwar nicht ausgeschlossen, 

dass der familiäre Hintergrund einer Person, insbesondere in Verbindung 

mit weiteren Risikofaktoren, in gewissen Konstellationen ein massgebli-

cher Risikofaktor für eine Verfolgung darstellen könne respektive in jedem 

Fall von einer flüchtlingsrechtlich relevanten Schärfung des Risikoprofils 

auszugehen sei. Allein der Umstand, dass sein Vater aufgrund angeblicher 

Verbindungen zur MLKP erhebliche Nachteile von Seiten des türkischen 

Staates erlitten habe und auch der Beschwerdeführer sich deswegen mit 

behördlichen Schikanen und Drohungen konfrontiert gesehen habe, könne 

sein aktuelles Risikoprofil nicht massgeblich schärfen. Den Akten sei zwar 

zu entnehmen, dass die Behörden während seiner Kindheit und Jugend 

den Beschwerdeführer und seine Familienangehörige über mehrere Jahre 

hinweg regelmässig belästigt und bedroht hätten. Aus den Akten gehe je-

doch hervor, dass sich für den Beschwerdeführer hieraus bis zur Ausreise 

im Jahr 2023 keine ernsthaften Nachteile ergeben hätten. Deshalb sei 

nicht davon auszugehen, dass er aufgrund seiner familiären Herkunft von 

den türkischen Behörden in besonderer Weise als ernstzunehmender Geg-

ner des türkischen Staats angesehen worden sei. 

Auch aus seinen eigenen Tätigkeiten würden sich keine massgeblichen Ri-

sikofaktoren ergeben. So würden aus den Akten keine Hinweise hervorge-

hen, dass er in der Türkei abgesehen von der Teilnahme an politischen 

Versammlungen und Protestaktionen (wie beispielsweise zum Gedenken 

an das «G._______-Massaker» und an das «Suruc-Massaker», zum «Ers-

ten Mai/Tag der Arbeit», der «Samstagsmütter» sowie an Presseerklärung) 

weitere politische Tätigkeiten ausgeführt respektive sich in besonderer 

Weise politisch exponiert habe. Der Beschwerdeführer sei – ausgenom-

men der kurzen Mitgliedschaft in der legalen [kemalistisch-sozialistischen] 

CHP vor über 25 Jahren – weder Mitglied einer politischen Partei oder Or-

ganisation gewesen, noch habe er im Zusammenhang mit politischen Ak-

tionen besondere Aufgaben oder eine Funktion innegehabt. Bei den Fest-

nahmen durch die Polizei habe es sich sodann auch nicht um gezielt gegen 

ihn gerichtete Massnahmen gehandelt, sondern diese hätten einen 

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Grossteil der Teilnehmenden an den Kundgebungen getroffen. Nach oben 

Gesagtem sei daher auch die geltend gemachte Mitnahme und Aufforde-

rung zu Spitzeltätigkeiten nicht auf ein besonderes politisches Profil zu-

rückzuführen. Vielmehr müsse davon ausgegangen werden, dass dieses 

Ereignis in Zusammenhang mit seinen in dieser Zeit begonnenen Veröf-

fentlichungen der Posts auf Twitter (heute: X) gestanden haben dürfte und 

es sich um einen Einschüchterungsversuch gehandelt habe. Wären die 

Behörden davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer – aufgrund 

seiner politischen Tätigkeiten beziehungsweise seines politischen Profils – 

tatsächlich Verbindungen zu Personen aus (illegalen) kommunistisch-sozi-

alistischen Organisationen gehabt habe, sei davon auszugehen, dass be-

reits früher behördliche Massnahmen ergriffen respektive diese sich nicht 

auf eine einmalige Mitnahme beschränkt hätten. Da er strafrechtlich nicht 

vorbelastet sei und – wie oben ausführlich dargelegt – kein relevantes po-

litisches Profil aufweise, bestehe für ihn nach dem Gesagten keine beacht-

liche Wahrscheinlichkeit, zu einer unbedingten Freiheitsstrafe verurteilt zu 

werden. Da er demnach die von der bundesverwaltungsrechtlichen Recht-

sprechung festgehaltenen Kriterien nicht kumulativ erfülle, könne das Vor-

bringen keine Asylrelevanz entfalten. 

Der Beschwerdeführer befürchte, aufgrund des Strafverfahrens festge-

nommen und inhaftiert zu werden. Es würden gegen ihn ein Vorführbefehl 

und Vorführbeschluss bestehen. Wie den Dokumenten jedoch entnommen 

werden könne, sei deren Zweck, ihn einzuvernehmen. Zwar würden Per-

sonen mit einem Vorführbefehl bei der Einreise angehalten und müssten 

dem zuständigen Staatsanwalt oder dem Gericht zwecks Einvernahme zu-

geführt werden. Danach würden Personen, die wie er wegen Propaganda 

für eine Terrororganisation gemäss Art. 7 Abs. 2 ATG strafrechtlich verfolgt 

würden, nach den heute gültigen gesetzlichen Grundlagen jedoch in der 

Regel freigelassen und nicht in Untersuchungshaft versetzt, da es sich 

nicht um Delikte handle, bei denen das Vorliegen eines Haftgrundes ge-

mäss Art. 100 Abs. 3 der türkischen Strafprozessordnung (tStPO) vorliege. 

Seine Inhaftierung erscheine daher wenig wahrscheinlich, in seinem Vor-

führbefehl werde denn zusätzlich auch erwähnt, dass er nach der Einver-

nahme freizulassen sei. Ausserdem seien keine weiteren Hinweise auf 

eine in absehbarer Zukunft drohende Untersuchungshaft vorhanden. Des-

halb sei für ihn das Risiko, bei der Einreise in die Türkei festgenommen 

und in Untersuchungshaft gesetzt zu werden, als gering einzuschätzen, 

zumal auch in den übrigen Akten diesbezüglich keine Anhaltspunkte vorlä-

gen. Deshalb sei eine objektiv begründete Furcht vor einem ernsthaften 

Nachteil im Sinne einer Untersuchungshaft vorliegend zu negieren. 

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Der Beschwerdeführer befürchte, aufgrund des Strafverfahrens Opfer von 

Misshandlungen und Folter zu werden. Es sei nach Einschätzung des SEM 

im Rahmen der Vollstreckung des Vorführbefehls – auch unter Berücksich-

tigung der Menschenrechtslage in der Türkei – nicht mit einem systemati-

schen Risiko von Misshandlungen oder Folter im Kontext des/der ihm zur 

Last gelegten Straftatbestandes/Straftatbestände auszugehen, zumal 

auch in seinem Einzelfall aufgrund der vorliegenden Akten kein solches Ri-

siko ersichtlich sei. Schliesslich sei im Zusammenhang mit dem vorliegend 

geltend gemachten Strafverfahren auf Folgendes hinzuweisen. Aufgrund 

seiner Einträge auf Twitter (heute X) sei ersichtlich, dass seine Beiträge in 

einem engen zeitlichen Zusammenhang mit seiner Ausreise und seinem 

Asylgesuch in der Schweiz sowie der Einleitung eines Strafverfahrens ge-

gen ihn stehen würden. So würden von den rund 400 Posts und Re-Posts 

auf seinem Profil rund dreiviertel der Veröffentlichungen auf den Zeitraum 

unmittelbar vor und nach seiner Ausreise beziehungsweise Einreichung 

seines Asylgesuchs (Oktober 2023 – Januar 2024) fallen. Seither bezie-

hungsweise in den letzten rund eineinhalb Jahren seien nur noch ver-

gleichsweise wenige Posts veröffentlicht worden. Der Beschwerdeführer 

teile im Wesentlichen Bildmaterial, das er aus anderen Quellen entnom-

men habe und versehe es – wenn überhaupt – nur mit kurzen Kommenta-

ren. Bezüglich seiner Twitter-Aktivitäten lasse sich weiter feststellen, dass 

er weder den Eindruck eines politischen Aktivisten vermittle noch, dass 

seine Aktivitäten auf grosse Resonanz gestossen wären. Auch seien seine 

Posts nur wenige Male «geliked» worden. Diese Umstände dürften auch 

den türkischen Strafverfolgungsbehörden im Rahmen eines Strafverfah-

rens nicht entgehen. Die vorstehenden Feststellungen und die gesamte 

Aktenlage würden dafür sprechen, dass der Beschwerdeführer das in der 

Türkei gegen ihn hängige Strafverfahren mit hoher Wahrscheinlichkeit be-

wusst eingeleitet habe oder habe einleiten lassen, um einen Schutzstatus 

in der Schweiz zu erlangen. Eine solche Vorgehensweise sei als rechts-

missbräuchlich zu werten. Rechtsmissbrauch verdiene gemäss einem all-

gemeinen Rechtsgrundsatz keinen Schutz, weshalb in seinem Fall nicht 

vorschnell auf eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung geschlossen 

werden dürfe, wie dies auch das Bundesverwaltungsgericht in ähnlich ge-

lagerten Fällen bereits festgestellt habe. Schliesslich sei festzustellen, 

dass er durch seine rechtsmissbräuchliche Provozierung einer strafrechtli-

chen Untersuchung offenkundig bewusst in Kauf nehme, bei einer Rück-

kehr in die Türkei möglicherweise mit gewissen Unannehmlichkeiten kon-

frontiert zu werden. Die vorangehenden Erwägungen würden zum Schluss 

führen, dass der Beschwerdeführer aufgrund des von ihm geltend gemach-

ten Strafverfahrens nicht mit erheblicher Wahrscheinlichkeit eine 

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Seite 11 

flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung bei einer Rückkehr in die Türkei 

zu befürchten habe. 

Die Beschwerdeführerin befürchte, aufgrund ihres politischen Engage-

ments, ihrer familiären Herkunft sowie aufgrund des Strafverfahrens ihres 

Ehemannes festgenommen, inhaftiert, gefoltert und zu einer Gefängnis-

strafe verurteilt zu werden. Schlimmsten Falls werde sie getötet. Wie oben 

ausführlich dargelegt, ergebe aus dem gegen ihren Ehemann eröffneten 

Ermittlungsverfahren für ihren Ehemann kein asylrelevantes Risikoprofil 

respektive sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer flücht-

lingsrechtlich relevanten Verfolgung bei einer Rückkehr in die Türkei aus-

zugehen. Folglich sei somit in Bezug auf ihre Gefährdung nicht von einer 

begründeten Furcht vor einer Reflexverfolgung im Zusammenhang mit den 

Problemen ihres Mannes auszugehen. Weiter würden sich aus den Akten 

auch keine Anhaltspunkte für relevante risikoschärfende Faktoren aus ih-

rem eigenen politischen Engagement oder aus ihrem familiären Hinter-

grund ergeben. Zwar habe sie sich an vielen Kundgebungen beteiligt, je-

doch stets als gewöhnliche Teilnehmende. Allein aus dem Umstand, dass 

sie auf Fotos der Kundgebungen zu sehen sei, lasse sich kein relevantes 

Risikoprofil ableiten. Weiter gehe aus ihren Aussagen hervor, dass auch ihr 

Bruder M._______ nach der Verbüssung seiner (…)jährigen Gefängnis-

strafe erneut an Kundgebungen teilgenommen habe. Hieraus würden für 

ihn offenbar – trotz des risikoschärfenden Elements einer Verurteilung we-

gen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation – keine strafrechtlichen Kon-

sequenzen resultieren. Da sie über ein deutlich weniger geschärftes Risi-

koprofil verfüge, sei in ihrem Fall auch in Kombination ihres eigenen Enga-

gements und ihrer familiären Herkunft nicht von einem relevanten Risi-

koprofil auszugehen. Die vorangehenden Erwägungen würden zum 

Schluss führen, dass sie nicht mit erheblicher Wahrscheinlichkeit eine 

flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung bei einer Rückkehr in die Türkei 

zu befürchten habe.  

Ihre Vorbringen würden den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft 

gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten. Demzufolge würden die Beschwer-

deführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, so dass ihre Asylge-

suche abzulehnen seien. 

4.2 In der Beschwerde wird im Wesentlichen geltend gemacht, dass die 

rechtliche Bewertung der individuellen Gefährdungslage des Beschwerde-

führers im Lichte der einschlägigen nationalen und internationalen Recht-

sprechung erfolgen müsste. Das Bundesverwaltungsgericht habe in 

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Seite 12 

mehreren Urteilen betont, dass bei regierungskritischen Aktivitäten, insbe-

sondere im Kontext des türkischen Anti-Terror-Gesetzes, die Schwelle zur 

asylrelevanten Verfolgung häufig überschritten werde. Dabei genüge es, 

wenn die Aktivitäten – wie hier dokumentiert – öffentlich sichtbar, über 

Social Media verbreitet oder von den Behörden als regimekritisch wahrge-

nommen werde.  

Die vorinstanzliche Einschätzung verkenne die konkrete Gefährdungslage. 

Der Beschwerdeführer sei zielgerichtet verfolgt, bedroht und mit Strafver-

fahren belegt worden – verbunden mit körperlicher Gewalt. Die politische 

Dimension seiner Aktivitäten – sowie seine Teilnahme an oppositionellen 

Demonstrationen – würden ihn zum gezielten Repressionsziel machen. 

Die anerkannten Kriterien von Art. 3 und 7 AsylG, ergänzt durch die unan-

tastbare Schutzpflicht nach Art. 3 EMRK, seien erfüllt. 

Das SEM vertrete im angefochtenen Entscheid die Auffassung, dass die 

familiären und politischen Hintergründe der Beschwerdeführenden – ins-

besondere von der Beschwerdeführerin – zeitlich zu weit zurücklägen und 

daher keine aktuelle individuelle Verfolgungsgefahr begründen könnten. 

Die Einschätzung greife jedoch zu kurz und verkenne sowohl die politische 

Realität in der Türkei als auch die asylrechtliche Bedeutung sogenannter 

«Reflexverfolgung», wie sie von der Schweizer und internationalen Recht-

sprechung anerkannt sei. Die Voraussetzungen der Reflexverfolgung seien 

im vorliegenden Fall klar erfüllt. Die Beschwerdeführerin sei nicht nur die 

Schwester eines durch den Staat getöteten politischen Aktivisten, sondern 

auch selbst über Jahre hinweg politisch sichtbar geblieben. Sie habe re-

gelmässig an Demonstrationen in der Türkei teilgenommen – darunter 

Kundgebungen zum G._______- und Suruç-Massaker, zum 1. Mai, für die 

Rechte von Frauen und LGBTQ+-Personen sowie für kranke Gefangene. 

Ihre Teilnahme an Aktionen der «Cumartesi Anneleri» (Samstagsmütter), 

die in der Türkei mittlerweile systematisch unterbunden würden, sei durch 

Fotos belegt und stelle ein eindeutiges Repressionsrisiko dar. Türkische 

Sicherheitskräfte hätten bei diesen Anlässen gezielt Aufnahmen angefer-

tigt und Demonstrierende – insbesondere Namen oder Angehörige bereits 

verfolgter Familien – beobachtet. Dass das SEM diese Aktivitäten nicht als 

ausreichend relevant werte, widerspreche der Einschätzung internationaler 

Gerichte. Die politische Prägung und das Schicksal der Beschwerdefüh-

renden seien keine historischen Randnotizen, sondern würden bis in die 

Gegenwart konkret fortwirken. Die familiäre politische Belastung, die fort-

gesetzte staatliche Beobachtung sowie die persönliche Sichtbarkeit durch 

öffentliches Engagement würden eine flüchtlingsrechtlich erhebliche 

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Seite 13 

individuelle Gefährdungslage begründen. Die vom SEM angenommene Ir-

relevanz dieser Hintergründe entbehre jeder sachlichen und rechtlichen 

Grundlage. 

Im Fall des Beschwerdeführers seien alle Risikofaktoren gegeben, die 

nach der Rechtsprechung des EGMR als relevant gelten würden: eine do-

kumentierte politische Aktivität im Inland (Demonstrationen), eine digitale 

Sichtbarkeit (Twitter/X-Posts mit regierungskritischem Inhalt), konkrete 

Strafverfolgung durch die Staatsanwaltschaft, Vorführbefehl durch ein 

Strafgericht ([…]), Misshandlungen durch Polizeibeamte, und eine Weige-

rung, als Informant tätig zu werden – ein besonders sensibler Punkt, der 

erfahrungsgemäss mit Vergeltungsmassnahmen beantwortet werde. Zu-

sätzlich sei die politische Verfolgung in seinem Fall auch durch seine fami-

liäre Herkunft verstärkt, insbesondere durch die Geschichte seines Vaters 

(früherer Gefangener, Folteropfer) und die Aktivitäten seiner Ehefrau, die 

ebenfalls politisch aktiv gewesen sei. Es bestehe damit ein familiäres, po-

litisches und soziales Profil, das in der Türkei in besonderem Masse ins 

Visier der Repressionsorgane gerate. 

Die Annahme des SEM, der Beschwerdeführer könne trotz dieser Verfah-

ren und trotz des Vorführbefehls ohne gravierende Folgen in die Türkei zu-

rückkehren, sei mit der dokumentierten Menschenrechtssituation nicht ver-

einbar. Zahlreiche aktuelle Fälle würden das Gegenteil belegen: Im 

Mai 2025 sei der Journalist Joakim Medin inhaftiert worden, im März 2025 

seien 37 Personen wegen regierungskritischen Posts festgenommen wor-

den, und frühere Fälle wie Sedef Kabaş oder Merve Büyüksaraç würden 

zeigen, dass selbst harmlose Äusserungen zu realen Haftstrafen führen 

könnten. Hinzu komme in besonderem Masse der gesundheitliche Zustand 

des Beschwerdeführers. Er leide nachweislich an einem fortgeschrittenen 

kolorektalen Karzinom, bei dem weder vollständige Entfernung noch Hei-

lung gewährleistet sei. Er benötige kontinuierliche, spezialisierte onkologi-

sche Nachsorge. Eine Inhaftierung unter den Bedingungen türkischer Ge-

fängnisse – in denen laut Berichten des Europäischen Komitees zur Ver-

hütung von Folter (CPT) sowie Human Rights Watch strukturelle Mängel in 

der medizinischen Versorgung bestehen würden – würde seine Lebenser-

wartung drastisch senken und eine Behandlung faktisch verunmöglichen. 

Schon die psychische und körperliche Belastung der Untersuchungshaft 

wäre in seinem Fall lebensbedrohlich. In Kombination mit den laufenden 

Verfahren ergebe sich eine konkrete, existenzielle Gefahr für Leib und Le-

ben bei einer Rückführung. 

D-5785/2025 

Seite 14 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).  

5.2 Begründete Furcht vor Verfolgung besteht nach konstanter Rechtspre-

chung nur dann, wenn hinreichend Anlass zur Annahme besteht, die be-

hauptete Verfolgung werde sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in 

absehbarer Zukunft verwirklichen – eine bloss entfernte Möglichkeit künfti-

ger Verfolgung genügt nicht (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2).  

6.  

6.1 Vorweg festzuhalten ist, dass sich aus dem blossen Umstand, dass die 

Beschwerdeführenden beziehungsweise ihre Rechtsvertreterin mit der 

Sachverhaltswürdigung und den Schlussfolgerungen des SEM nicht ein-

verstanden sind, nicht ergibt, dieses habe seine Abklärungspflicht respek-

tive die Pflicht zur korrekten Sachverhaltsfeststellung verletzt. Ob seine 

Würdigung des zur Begründung der Asylgesuche geltend gemachten 

Sachverhalts zutrifft oder nicht, ist allein eine Frage der materiellen Rich-

tigkeit des Asylentscheids. Im Übrigen wird in der Beschwerde auch nicht 

konkret dargetan, welche Sachverhaltselemente unvollständig oder falsch 

abgeklärt worden sein sollen. Es besteht demnach kein Anlass, die ange-

fochtene Verfügung wegen unvollständiger oder falscher Sachverhaltsfest-

stellung aufzuheben und die Sache an das SEM zurückzuweisen. 

6.2 In der Zwischenverfügung vom 28. August 2025 wurde festgehalten, 

das SEM sei mit überzeugender Begründung zum Ergebnis gelangt, dass 

die Vorbringen der Beschwerdeführenden den Anforderungen an die 

Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten würden. 

Diese Einschätzung ist auch nach einer erneuten Prüfung der Akten zu be-

stätigen. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann vorweg auf die weit-

gehend zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung (vgl. 

Ziff. II) und die obige Zusammenfassung derselben (vgl. E. 4.1) verwiesen 

werden. So hat das SEM gestützt auf die bundesverwaltungsgerichtliche 

Rechtsprechung und insbesondere unter Hinweis auf das Referenzurteil 

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Seite 15 

des Bundesverwaltungsgerichts E-4103/2024 vom 8. November 2024 zu-

recht festgehalten, welche Kriterien bei Ermittlungsverfahren wegen Pro-

paganda für eine Terrororganisation (Art. 7 Abs. 2 ATG) und Präsidenten-

beleidigung (Art. 299 tStGB) erfüllt sein müssten, damit solche Ermittlungs-

verfahren flüchtlingsrechtliche Relevanz erlangen würden und diese kor-

rekt auf den vorliegenden Fall angewendet. Aus den Einwänden in der Be-

schwerde, die sich weitgehend in allgemeinen Ausführungen zur (men-

schenrechtlichen) Situation in der Türkei erschöpfen, ergeben sich keine 

hinreichend konkrete neue Aspekte, die dazu führen könnten, den Be-

schwerdeführenden eine begründete Furcht vor Verfolgung durch die tür-

kischen Behörden zu attestieren. Daran ändert auch der mehrmalige Hin-

weis auf die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers nichts. 

Schliesslich liegen auch keine konkreten Anhaltspunkte vor, die darauf hin-

deuten, dass die Beschwerdeführenden in der Türkei aufgrund von poli-

tisch tätigen Verwandten künftig mit einer Reflexverfolgung (vgl. zum Be-

griff der «Reflexverfolgung» beispielsweise das Urteil des BVGer  

D-3140/2023 vom 28. September 2023 E. 8.2.1) rechnen müssten. 

6.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass das SEM zu Recht die Flüchtlings-

eigenschaft der Beschwerdeführenden verneint und die Asylgesuche ab-

gelehnt hat. 

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine aus-

länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-

teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeord-

net (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50, je m.w.H.). 

7.2 Das SEM führt in der angefochtenen Verfügung zudem unter Berück-

sichtigung der aktuellen Lage in der Türkei, der persönlichen Situation der 

Beschwerdeführenden sowie insbesondere auch des Kindeswohls und der 

gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers ausführlich und zutref-

fend aus, weshalb der Vollzug der Wegweisung vorliegend zulässig, zu-

mutbar und möglich ist (vgl. angefochtene Verfügung, Ziff. III). In der Be-

schwerde wird diesbezüglich nichts Substantielles vorgebracht, was zu ei-

ner von derjenigen des SEM abweichenden Beurteilung führen könnte. Na-

mentlich ist der Vollzug der Wegweisung angesichts der substanziierten 

Ausführungen zu diesem Punkt in der Beschwerde offensichtlich mit dem 

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Seite 16 

Kindeswohl vereinbar. Die diesbezüglichen Erwägungen des SEM, auf die 

verwiesen werden kann, sind zutreffend. Eine Anordnung der vorläufigen 

Aufnahme fällt nach dem Gesagten ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG 

[SR 142.20]). 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung im 

Lichte von Art. 106 Abs. 1 AsylG und Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden 

ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

Wie bereits in der Zwischenverfügung vom 28. August 2025 dargelegt, hat 

der Beschwerdeführer gemäss Aktenlage die in der Türkei gegen ihn ein-

geleiteten Ermittlungsverfahren offensichtlich selbst in der rechtsmiss-

bräuchlichen Absicht provoziert, um dadurch in der Schweiz einen Schutz-

status zu erlangen. Dieses Verhalten ist als mutwillige Prozessführung ge-

mäss Art. 2 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2] zu qualifizieren, was bei der Kostenfestlegung zu berück-

sichtigen ist. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dessel-

ben den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und 

auf insgesamt Fr. 2’000.– festzusetzen (Art. 1–3 VGKE). Der am 9. Sep-

tember 2025 in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss ist zur Bezah-

lung der Verfahrenskosten zu verwenden. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 2'000.– werden den Beschwerdeführenden 

auferlegt. Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss wird zu deren 

Bezahlung verwendet. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

Walter Lang Patrick Blumer 

 

 

Versand: