# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f91af3ec-dee6-504f-9785-8e532b409bdb
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-03-01
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 01.03.2024 SB230313
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB230313_2024-03-01.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB230313 O/U/cs

Mitwirkend: Oberrichterin lic. iur. Bertschi, Präsidentin, Oberrichter lic. iur. Weder 

und Oberrichter Dr. iur. Rauber sowie Gerichtsschreiberin MLaw 

Boese

Urteil vom 1. März 2024

in Sachen

A._____, 
Beschuldigter und Berufungskläger

vertreten durch Beiständin Berufsbeistandschaft B._____, z.H. C._____ 

ab 21. Juli 2023 amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin MLaw X1._____ 

gegen

Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat, 
Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend Raub etc.  

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 
8. Februar 2023 (DG220201)

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Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 28. Oktober 2022 

(Urk. D1/28) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig

- des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Dossier 2),

- des versuchten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbin-

dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Dossier 1),

- der mehrfachen Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB 

(Dossier 2) sowie

- der Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286 StGB (Dos-

sier 2).

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 15 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 

74 Tage durch Untersuchungshaft erstanden sind, sowie mit einer Gelds-

trafe von 25 Tagessätzen zu CHF 10.–.

3. a) Es wird eine Massnahme für junge Erwachsene im Sinne von 

Art. 61 StGB angeordnet, prioritär unter Belassung der seit August 2020 

durch die Berufsbeistandschaft B._____ vorgenommenen Platzierung in der 

D._____ [Jugendstätte] und unter Fortsetzung der laufenden Berufslehre 

und Therapien.

b) Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird zu diesem Zweck aufgeschoben. 

Die Geldstrafe ist zu bezahlen.

4. Das Schadenersatzbegehren des Privatklägers 2 (E._____) wird auf den 

Weg des Zivilprozesses verwiesen.

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5. Der Beschuldigte wird verpflichtet der Privatklägerin 3 (F._____) eine Um-

triebsentschädigung in der Höhe von CHF 46.40 (Bahntickets für Einver-

nahme) zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Begehren abgewiesen.

6. Das Genugtuungsbegehren des Privatklägers 4 (G._____) wird auf den Weg 

des Zivilprozesses verwiesen.

7. Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin 5 (H._____) wird auf den Weg 

des Zivilprozesses verwiesen.

8. Das Schadenersatzbegehren des Privatklägers 6 (I._____) wird auf den 

Weg des Zivilprozesses verwiesen.

9. Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat des 

Kantons Zürich vom 26. Januar 2022 beschlagnahmten und bei der Kan-

tonspolizei Zürich, Asservatentriage, unter der Geschäfts-Nr. 81496813 la-

gernden Gegenstände werden eingezogen und der Lagerbehörde nach Ein-

tritt der Rechtskraft zur Vernichtung überlassen:

 Glasflasche Hennessy (Asservat-Nr. A015'569'683)
 Klappmesser (Asservat-Nr. A015'569'694) 

10. Die folgenden, bei der Kantonspolizei Zürich, Asservatentriage, unter der 

Geschäfts-Nr. 81496813 lagernden Spuren und Spurenträger werden einge-

zogen und der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft zur Vernichtung 

überlassen:

 DNA-Spur Wattetupfer (Asservat-Nr. A015'576'246) 
 DNA-Spur Wattetupfer (Asservat-Nr. A015'576'268)

11. Das folgende von der Stadtpolizei Zürich am 13. November 2021 sicherge-

stellte und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservatentriage, unter der Ge-

schäfts-Nr. 81496813 lagernde Mobiltelefon der Marke Huawei (Modell P20 

Pro, inkl. Ladekabel; Asservat-Nr. A015'569'456) wird dem Beschuldigten 

nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen herausge-

geben und andernfalls der Lagerbehörde nach Ablauf von drei Monaten zur 

Vernichtung überlassen. 

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12. Die folgenden von der Stadtpolizei Zürich am 14. November 2021 sicherge-

stellten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservatentriage, unter der Ge-

schäfts-Nr. 81496813 lagernden Gegenstände werden dem Privatkläger 6 

(I._____) nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen 

herausgegeben und andernfalls der Lagerbehörde nach Ablauf von drei Mo-

naten zur Vernichtung überlassen:

 Daunenjacke, weiss, Marke Moncler (Asservat-Nr. A015'569'605)
 Airpods, Marke Apple, (Asservat-Nr. A015'569'638)
 Schuhe, Marke Nike, (Asservat-Nr. A015'571'887)

13. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:

CHF 4'800.00 ; die weiteren Kosten betragen:

CHF 2'100.00   Gebühr für das Vorverfahren 

CHF 12'480.70   Auslagen Gutachten 
CHF 260.00   übrige Auslagen Vorverfahren 
CHF 95.00   Entschädigung Zeuge
CHF 10'119.70   amtl. Verteidigung RA MLaw X2._____ (inkl. Auslagen und MwSt)

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

14. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, mit Aus-

nahme der Kosten der zeitweiligen amtlichen Verteidigung werden dem Be-

schuldigten auferlegt. Die Kosten der zeitweiligen amtlichen Verteidigung 

werden einstweilen auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt 

eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.

Berufungsanträge:

a) Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 49 S. 2 f.; Urk. 70 S. 24 f.)

1. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 7 Monaten und einer 

Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu Fr. 10.– zu bestrafen.

2. Der Vollzug beider Strafen sei aufzuschieben.

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3. Die Probezeit sei auf zwei Jahre festzusetzen.

4. Dem Beschuldigten seien für die Dauer der Probezeit bzw. bis zum 

Lehrabschluss die Weisungen zu erteilen, sich der therapeutischen Be-

handlung im D._____ weiter zu unterziehen und die Lehrausbildung 

dort weiterzuführen.

5. Von der Anordnung einer Massnahme für junge Erwachsene nach 

Art. 61 StGB sei abzusehen.

6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Staates.

b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat: 

(Urk. 54, schriftlich)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

_________________________

Erwägungen:

I. Verfahrensgang

1. Mit Urteil vom 8. Februar 2023 sprach das Bezirksgericht Zürich den Be-

schuldigten des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Dossier 2), 

des versuchten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung mit 

Art. 22 Abs. 1 StGB (Dossier 1), der mehrfachen Beschimpfung im Sinne von 

Art. 177 Abs. 1 StGB und der Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von 

Art. 286 StGB (je Dossier 2) schuldig. Der Beschuldigte wurde bestraft mit einer 

Freiheitsstrafe von 15 Monaten, unter Anrechnung der erstandenen Haft, sowie 

mit einer Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu Fr. 10.–. Zudem wurde eine Mass-

nahme für junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 StGB angeordnet, prioritär un-

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ter Belassung der seit August 2020 durch die Berufsbeistandschaft B._____ vor-

genommene Platzierung des Beschuldigten in der D._____ und unter Fortsetzung 

der laufenden Berufslehre und Therapien. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde 

zum Zweck dieser Massnahme aufgeschoben. Die Geldstrafe wurde hingegen für 

vollziehbar erklärt. Die Schadenersatzbegehren der Privatkläger 2 und 6 sowie 

die Genugtuungsbegehren der Privatkläger 4 und 5 wurden allesamt auf den Weg 

des Zivilprozesses verwiesen. Der Beschuldigte wurde verpflichtet, der Privatklä-

gerin 3 eine Umtriebsentschädigung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wurde das Zivil-

begehren der Privatklägerin 3 abgewiesen. Weiter verfügte die Vorinstanz die Ein-

ziehung respektive Herausgabe verschiedener Gegenstände, Spuren und Spu-

renträger. Die entstandenen Kosten, ausgenommen diejenigen der zeitweiligen 

amtlichen Verteidigung, wurden dem Beschuldigten auferlegt (Urk. 47). 

2. Gegen dieses mündlich eröffnete Urteil meldete der Beschuldigte mit Ein-

gabe vom 10. Februar 2023 fristgerecht Berufung an (Prot. I S. 20; Urk. 41) und 

liess die Berufungserklärung mit Eingabe vom 13. Juni 2023 ebenfalls fristgerecht 

folgen (Urk. 46/2; Urk. 49). 

3. Mit Präsidialverfügung vom 16. Juni 2023 wurde der Staatsanwaltschaft 

und den Privatklägern 1 bis 8 Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erheben 

oder begründet ein Nichteintreten auf die Berufung des Beschuldigten zu beantra-

gen (Urk. 51). Mit Eingabe vom 26. Juni 2023 verzichtete die Staatsanwaltschaft 

auf die Erhebung einer Anschlussberufung und beantragte die Bestätigung des 

vorinstanzlichen Urteils (Urk. 54). Die Privatkläger liessen sich innert der ange-

setzten Frist nicht vernehmen. 

4. Mit Präsidialverfügung vom 21. Juli 2023 wurde das Gesuch von Rechtsan-

wältin MLaw X1._____ um Bestellung als amtliche Verteidigerin des Beschuldig-

ten gutgeheissen (Urk. 55 f.).

5. Am 29. August 2023 wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung auf 

den 1. März 2024 vorgeladen (Urk. 59). In der Folge wurde den Parteien mit 

Schreiben vom 28. Dezember 2023 eine Änderung der Gerichtsbesetzung zur 

Kenntnis gebracht (Urk. 60). Nach Rücksprache mit der amtlichen Verteidigung 

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wurde am 28. Februar 2024 sodann das Gesuch der Staatsanwaltschaft um Dis-

pensation von der Teilnahme an der Berufungsverhandlung bewilligt (Urk. 54; 

Urk. 64 ff.). Zum Verhandlungstermin erschien der Beschuldigte in Begleitung sei-

ner amtlichen Verteidigerin Rechtsanwältin MLaw X1._____ (Prot. II S. 4). Das 

Urteil erging im Anschluss an die Berufungsverhandlung und wurde dem Beschul-

digten mündlich eröffnet. Den übrigen Parteien wurde es hernach schriftlich mit-

geteilt (Prot. II S. 24; Urk. 71 f.).

II. Prozessuales

1. Anwendbares Recht

Dass seit dem 1. Januar 2024 teilweise eine neue Strafprozessordnung gilt, hat 

auf das vorliegende Berufungsverfahren keine Auswirkung, erging doch der ange-

fochtene Entscheid am 8. Februar 2023 und damit vor Inkrafttreten der Revision 

(Art. 453 Abs. 1 StPO).

2. Umfang der Berufung

2.1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-

schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dement-

sprechend gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche 

Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Auch wenn das 

Berufungsgericht nur die angefochtenen Punkte neu beurteilt, fällt es am Ende ein 

insgesamt neues Urteil (Art. 408 StPO), worin es jedoch anzugeben hat, welche 

Punkte bereits früher in Rechtskraft erwachsen sind (BGE 141 IV 244 E. 1.3.3; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_533/2016 vom 29. November 2016 E. 4.2 mit Hin-

weisen).

2.2. Der Beschuldigte beantragt in seiner Berufungserklärung vom 13. Juni 

2023 die Aufhebung resp. Abänderung der Dispositivziffern 2 und 3 des ange-

fochtenen Urteils (Urk. 49 S. 2). Seine Berufung beschränkt sich somit auf den 

vorinstanzlichen Entscheid hinsichtlich der Strafzumessung, des Vollzugs der 

ausgefällten Strafe und der Anordnung einer Massnahme für junge Erwachsene 

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im Sinne von Art. 61 StGB. Unangefochten blieben dagegen die Dispositivzif-

fern 1 (Schuldsprüche), 4 bis 8 (Zivilansprüche), 9 bis 12 (Einziehungen und Her-

ausgaben) sowie 13 (Kostenfestsetzung). Es ist somit vorab mittels Beschluss 

festzustellen, dass das angefochtene Urteil des Bezirksgerichtes Zürich vom 

8. Februar 2023 in diesem Umfang in Rechtskraft erwachsen ist.

3. Beweisanträge 

3.1. Grundsätzlich beruht das Rechtsmittelverfahren auf den Beweisen, die im 

Vorverfahren und im erstinstanzlichen Hauptverfahren erhoben wurden (Art. 389 

Abs. 1 StPO). Die Rechtsmittelinstanz erhebt von Amtes wegen oder auf Antrag 

einer Partei die erforderlichen zusätzlichen Beweise (Art. 389 Abs. 3 StPO). Der 

massgebliche Zeitpunkt für Beweisanträge ist grundsätzlich die Berufungserklä-

rung (vgl. Art. 399 Abs. 3 lit. c StPO). Drängen sich im weiteren Verlauf des Beru-

fungsverfahrens noch zusätzliche Beweisabnahmen auf, sind entsprechende An-

träge indes zulässig (vgl. JOSITSCH/SCHMID, Praxiskommentar StPO, 4. Auflage, 

Zürich/St. Gallen 2023, N 13 zu Art. 399 StPO).

3.2. In seiner Berufungserklärung stellte der Beschuldigte für den Fall, dass 

auch das Berufungsgericht eine Massnahme für junge Erwachsene im Sinne von 

Art. 61 StGB anordnen sollte, den Beweisantrag, es seien sämtliche Abklärungen 

zu treffen, um die Durchführung dieser Massnahme in der D._____ sicherzustel-

len, und es sei eine verbindliche Zusage des Amts für Justizvollzug und Wieder-

eingliederung des Kantons Zürich zu seinem weiteren Verbleib in der D._____ 

einzuholen (Urk. 49 Rz 33 ff.). Anlässlich der Berufungsverhandlung erklärte die 

Verteidigung, dass der Beschuldigte an seinem Beweisantrag gemäss der Beru-

fungserklärung vom 13. Juni 2023 festhalte (Prot. II S. 6). Auf diesen Beweisan-

trag wird an entsprechender Stelle, d.h. nach der Prüfung der Voraussetzungen 

für die Anordnung einer Massnahme für junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 

StGB einzugehen sein (s. hinten, Ziffer V.2.2.17.).

3.3. Anlässlich der Berufungsverhandlung liess der Beschuldigte sodann bean-

tragen, es sei ein aktuelles psychiatrisches Gutachten über ihn einzuholen. Das 

aktenkundige Gutachten von Dr. med. J._____ sei aufgrund des Zeitablaufs von 

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rund 19 Monaten seit seiner Erstattung inzwischen überholt, insbesondere mit Be-

zug auf die Beurteilung der Legalprognose. Angesichts der langen Deliktsfreiheit, 

der konkreten Veränderungen in seinem Verhalten als Folge der regelmässigen 

Therapie, des Verzichts auf Alkohol und seines Engagements in der Berufsausbil-

dung sei aktuell von einer bloss geringen Rückfallgefahr auszugehen (Urk. 70 

Rz 52 ff.). Da der Beschuldigte den Beweisantrag auf Einholung eines aktuellen 

Gutachtens nur für den Fall stellt, dass das Berufungsgericht der Einschätzung 

von Dr. med. J._____ folgt und nach wie vor von einer hohen Rückfallgefahr aus-

geht, erscheint es sinnvoll, auch auf diesen Beweisantrag erst an entsprechender 

Stelle, d.h. im Zusammenhang mit der Überprüfung des Gutachtens hinsichtlich 

der Legalprognose einzugehen (s. hinten, Ziffer V.2.2.23.). Bereits an dieser 

Stelle ist festzuhalten, dass das Gericht die Prognoseentscheidung nicht unbese-

hen der sachverständigen Person überlassen darf. Vielmehr muss es eine eigen-

ständige Beurteilung des Sachverständigenbeweises unter Einbezug aller für die 

Begutachtung relevanten Umstände vornehmen, damit es gestützt darauf einen 

eigenverantwortlichen Entscheid zur Gefährlichkeit treffen kann (BGE 149 IV 325 

E. 4.2; Urteile des Bundesgerichts 6B_354/2022 vom 24. August 2022 E. 3.1 und 

3.3.1; 6B_828/2018 vom 5. Juli 2019 E. 6.2; 6B_1147/2018 vom 25. März 2019 

E. 1.3.2; je mit Hinweis auf HEER, in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommen-

tar Strafrecht, 4. Auflage, Basel 2019, N 50b, 53, 61, 64b, 65c, 75 und 78 zu 

Art. 56 StGB). 

3.4. Im Übrigen wurden seitens der Parteien keine weiteren Beweisanträge ge-

stellt. Abgesehen von der erneuten Befragung des Beschuldigten drängen sich im 

Berufungsverfahren sodann auch von Amtes wegen keine weiteren Beweiserhe-

bungen auf.

4. Berichtigung von Dispositivziffer 3b des vorinstanzlichen Urteils

4.1. Das den Parteien anlässlich der Hauptverhandlung ausgehändigte bzw. 

anschliessend versandte Urteilsdispositiv enthielt keinen expliziten Entscheid hin-

sichtlich des Vollzugs der ausgesprochenen Geldstrafe (Urk. 40 S. 3). Im schrift-

lich begründeten Urteil ergänzte die Vorinstanz das Dispositiv in Ziffer 3b "der Kla-

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rheit halber" mit dem Satz: "Die Geldstrafe ist zu bezahlen", worauf sie in ihren Er-

wägungen hinwies und bemerkte, dass der Entscheid über den Vollzug der 

Geldstrafe versehentlich im unbegründeten Urteilsdispositiv keine Erwähnung ge-

funden habe (Urk. 47 S. 50, 62).  

4.2. Der Beschuldigte stellte in seiner Berufungserklärung vom 13. Juni 2023 

die Frage, ob die von der Vorinstanz im Rahmen der schriftlichen Urteilsbegrün-

dung vorgenommene Ergänzung der Dispositivziffer 3b, dass die Geldstrafe zu 

vollziehen sei, lediglich eine Berichtigung im Sinne von Art. 83 Abs. 1 StGB dar-

stelle. Sodann warf er die Frage auf, ob die Berichtigung den Parteien rechtsge-

nügend eröffnet worden sei, zumal diese lediglich in der schriftlichen Urteilsbe-

gründung enthalten gewesen und nicht mit einem formellen Entscheid erfolgt sei 

(Urk. 49 Rz 21 f.). Anlässlich der Berufungsverhandlung liess der Beschuldigte 

diesen Einwand nicht mehr vorbringen.

4.3. Ist das Dispositiv eines Entscheides unklar, widersprüchlich oder unvoll-

ständig oder steht es mit der Begründung im Widerspruch, so nimmt die Strafbe-

hörde, die den Entscheid gefällt hat, auf Gesuch einer Partei oder von Amtes we-

gen eine Erläuterung oder Berichtigung des Entscheids vor (Art. 83 Abs. 1 StPO). 

Diese Rechtsbehelfe bezwecken nicht die materielle Überprüfung eines Ent-

scheids, sondern dessen Klarstellung bzw. die Korrektur offensichtlicher Verse-

hen. Ein solches liegt vor, wenn aus der Lektüre des Textes eines gerichtlichen 

Entscheids eindeutig hervorgeht, dass das, was das Gericht aussprechen oder 

anordnen wollte, nicht übereinstimmt mit dem, was es tatsächlich ausgesprochen 

oder angeordnet hat. Es muss sich mit anderen Worten um einen Fehler im Aus-

druck und nicht in der Willensbildung des Gerichts handeln. Eine Entscheidung, 

die so gewollt war, wie sie ausgesprochen wurde, die aber auf einer irrtümlichen 

Sachverhaltsfeststellung oder auf einem Rechtsfehler beruht, kann nicht berichtigt 

werden (BGE 142 IV 281 E. 1.3 mit Hinweisen).

4.4. Das Dispositiv (der Urteilsspruch) enthält unter anderem den Entscheid 

über Schuld und Sanktion, die Kosten- und Entschädigungsfolgen sowie allfällige 

Zivilklagen (Art. 81 Abs. 4 lit. b StPO). Es bringt somit in knapper Formulierung 

das Ergebnis des Entscheids zum Ausdruck. Im Urteilsdispositiv ist stets über alle 

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Teile der Anklage zu entscheiden (STOHNER, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], 

Basler Kommentar StPO, 3. Auflage, Basel 2023, N 22 zu Art. 81 StPO; 

BRÜSCHWEILER/NADIG/SCHNEEBELI, in: Donatsch et al. [Hrsg.], Schulthess Kom-

mentar StPO, 3. Auflage, Zürich 2020, N 11 zu Art. 81 StPO).

4.5. In ihrer Anklage vom 28. Oktober 2022 beantragte die Staatsanwaltschaft 

die Bestrafung des Beschuldigten sowohl mit einer Freiheits- als auch mit einer 

Geldstrafe und verlangte den Vollzug beider Strafen (Urk. D1/28 S. 9). Die Vorin-

stanz bestrafte den Beschuldigten zwar anklagegemäss mit einer Freiheits- und 

einer Geldstrafe, das anlässlich der Hauptverhandlung ausgehändigte bzw. her-

nach versandte Urteilsdispositiv enthielt indessen – wie erwähnt – keine Regelung 

betreffend den Vollzug der Geldstrafe (Urk. 40 S. 3). Das Dispositiv war somit un-

vollständig, wobei es sich ohne Zweifel um ein redaktionelles Versehen handelte, 

wie es die Vorinstanz in ihrer später ausgefertigten Urteilsbegründung denn auch 

offenlegte (Urk. 47 S. 50). Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass es die 

Vorinstanz aufgrund eines Fehlers in der Willensbildung unterliess, eine Regelung 

zum Vollzug der ausgesprochenen Geldstrafe im unbegründeten Urteilsdispositiv 

festzuhalten, zumal sich neben der Staatsanwaltschaft auch die amtliche Verteidi-

gung anlässlich der Hauptverhandlung eingehend zu diesem Thema äusserte. 

Unter Verweis auf die vorstehenden rechtlichen Grundlagen (Ziffer II.4.3.) ist des-

halb nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz das Urteilsdispositiv in Anwen-

dung von Art. 83 Abs. 1 StPO ergänzte bzw. berichtigte. Dem Beschuldigten ist 

zwar zuzustimmen, dass die Korrektur von offensichtlichen Redaktions- oder Be-

rechnungsfehlern typische Anwendungsfälle darstellen. Eine Berichtigung im 

Sinne von Art. 83 Abs. 1 StPO umfasst indessen auch diejenigen Fälle, in denen 

das Dispositiv nicht vollständig im Sinne von Art. 81 Abs. 4 lit. b StPO ist. Wie vor-

stehend ausgeführt, muss im Urteilsdispositiv stets über alle Teile der Anklage 

entschieden werden. Nachdem der Vollzug der Geldstrafe nicht ausdrücklich ge-

regelt wurde, obwohl die Vorinstanz ohne Zweifel einen Entscheid darüber gefällt 

hatte, erwies sich das Dispositiv als unvollständig. Diesen offensichtlichen Fehler 

in der Redaktion des Urteilsdispositivs (und nicht in der Willensbildung) durfte die 

Vorinstanz zu Recht gestützt auf Art. 83 Abs. 1 StPO von Amtes wegen berichti-

gen.

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4.6. Gemäss Art. 83 Abs. 3 StPO ist den "anderen" Prozessparteien vor einer 

allfälligen Berichtigung Gelegenheit zur Stellungnahme einzuräumen. Die Bestim-

mung enthält somit nach ihrem Wortlaut keine Regelung für den Fall, dass die 

Strafbehörde, welche den Entscheid gefällt hat, von Amtes wegen tätig wird. In 

der Lehre wird allerdings die Auffassung vertreten, dass den Parteien für den Fall, 

dass von Amtes wegen erwogen werde, den ergangenen Entscheid zu erläutern 

oder zu berichtigen, stets vorgängig das rechtliche Gehör zu gewähren sei 

(BRÜSCHWEILER/NADIG/SCHNEEBELI, a.a.O., N 7 zu Art. 83 StPO).

4.7. Vorliegend unterliess es die Vorinstanz, vor dem Versand des begründeten 

Urteils mit dem ergänzten resp. berichtigten Dispositiv den Parteien Gelegenheit 

zur Stellungnahme einzuräumen. Dennoch besteht keine Veranlassung, das be-

richtigte Urteil aufzuheben. Nachdem der Beschuldigte das vorinstanzliche Urteil 

sowohl hinsichtlich der Strafzumessung als auch hinsichtlich des Vollzugs der 

ausgesprochenen Strafen anficht (Urk. 49 S. 2) und die Berufung reformatori-

schen Charakter hat (Art. 398 Abs. 2 StPO), mithin die Rechtsmittelinstanz das 

Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend prüft und ein neues Urteil fällt, 

welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO), ist der Beschuldigte 

nicht in seinen Verfahrensrechten benachteiligt. Selbst wenn das ursprünglich 

ausgesprochene Urteil (Urk. 40) gelten würde, befände sich der Beschuldigte in 

derselben Ausgangslage, Berufung zu erheben, beantragt er doch im Berufungs-

verfahren eine bedingt vollziehbare Geldstrafe. Folglich liegt auch kein wesentli-

cher Mangel im Sinne von Art. 409 Abs. 1 StPO vor, der eine Rückweisung an die 

Vorinstanz rechtfertigen würde. Vielmehr lässt sich deren Versäumnis, den Par-

teien vor der von Amtes wegen vorzunehmenden Ergänzung bzw. Berichtigung 

des Urteilsdispositivs Gelegenheit zur Stellungnahme einzuräumen, im Rahmen 

des Berufungsverfahrens heilen (vgl. BGE 148 IV 155 E. 1.4.1). 

4.8. Nach dem Erwogenen ist im Rahmen des Berufungsverfahrens vom 

begründeten Urteil der Vorinstanz mit dem berichtigten Dispositiv (Urk. 47) als An-

fechtungsobjekt auszugehen. 

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III. Sachverhalt und rechtliche Würdigung

Wie vorstehend ausgeführt, ficht der Beschuldigte das vorinstanzliche Urteil hin-

sichtlich der Schuldsprüche nicht an (s. vorne, Ziffer II.2.2). Entsprechend ist 

grundsätzlich vom Sachverhalt und der rechtlichen Würdigung wie von der Vor-in-

stanz festgestellt und erwogen auszugehen (Urk. 47 S. 9 ff. und S. 23 ff.). Soweit 

der Beschuldigte im Zusammenhang mit seinen Rügen betreffend die Strafzu-

messung und/oder die angeordnete Massnahme Ausführungen zum Sachverhalt 

oder zur rechtlichen Würdigung macht, ist darauf soweit notwendig im Rahmen 

der jeweiligen Erwägungen einzugehen.

IV. Strafzumessung

1. Vorbemerkungen

1.1. Die Vorinstanz fällte eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten und eine Gelds-

trafe von 25 Tagessätzen zu Fr. 10.– aus (Urk. 47 S. 28 ff. und S. 62). Der Be-

schuldigte erachtet – wie bereits im vorinstanzlichen Verfahren (vgl. Urk. 39 Rz 38 

und 64) – eine Freiheitsstrafe von 7 Monaten als angemessen. Die Höhe der aus-

gefällten Geldstrafe beanstandet er dagegen nicht (Urk. 49 Rz 2 und Rz 14; 

Urk. 70 Rz 47 f. und 82).

1.2. Die rechtlichen Grundlagen zur Strafzumessung mit der Unterscheidung 

zwischen Tat- und Täterkomponente werden im vorinstanzlichen Urteil zutreffend 

dargelegt, worauf zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden kann 

(Urk. 47 S. 28 ff.). Im Übrigen hat das Bundesgericht diese Grundlagen wiederholt 

dargelegt (BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff. mit Hinweisen). Entsprechendes gilt für die 

Bildung der Einsatz- und der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB in Anwen-

dung des Asperationsprinzips (BGE 144 IV 217 E. 2 f.; BGE 141 IV 61 E. 6.1.2; je 

mit Hinweisen).

1.3. Es ist hervorzuheben, dass das Bundesgericht unter Hinweis auf den Wil-

len des Gesetzgebers wiederholt festgehalten hat, dass die Bildung einer Ge-

samtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB nur dann zulässig ist, wenn für jede einzelne 

verübte Straftat unter Anwendung der konkreten Methode dieselbe Strafart auszu-

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fällen ist. Dass die anzuwendenden Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Stra-

fen vorsehen, genügt nicht. Geldstrafe und Freiheitsstrafe sind keine gleichartigen 

Strafen (BGE 144 IV 313 E. 1.1.1; BGE 144 IV 217 E. 2.2, 3.3 und E. 3.4; BGE 

142 IV 265 E. 2.3.2; BGE 138 IV 120 E. 5.2; je mit Hinweisen). 

Zum methodischen Vorgehen präzisiert das Bundesgericht, dass in einem ersten 

Schritt (hypothetische) Einzelstrafen für sämtliche Delikte innerhalb ihres ordentli-

chen Strafrahmens festzulegen sind. Dabei ist auch für jede der mehreren Strafta-

ten die Art der Strafe zu bestimmen. Stehen die (hypothetischen) Einzelstrafen für 

sämtliche Normverstösse fest und sind diese – zumindest teilweise – gleicher Art, 

hat das Gericht in einem zweiten Schritt in Anwendung des Asperationsprinzips 

nach Art. 49 Abs. 1 StGB eine Gesamtstrafe zu bilden. Ausgangspunkt ist die Ein-

satzstrafe des schwersten Delikts, welches um die Strafen der weiteren Delikte 

angemessen zu erhöhen ist. Dabei ist dem Verhältnis der einzelnen Taten unter-

einander, ihrem Zusammenhang, ihrer grösseren oder geringeren Selbstständig-

keit sowie der Gleichheit oder Verschiedenheit der verletzten Rechtsgüter und Be-

gehungsweisen Rechnung zu tragen (BGE 144 IV 217 E. 3.5.4; Urteil des Bun-

desgerichts 6B_330/2016 vom 10. November 2017 E. 4.2). Der Gesamtschuldbei-

trag des einzelnen Delikts ist dabei in der Regel geringer zu veranschlagen, wenn 

die Delikte zeitlich, sachlich und situativ in einem engen Zusammenhang stehen 

(Urteile des Bundesgerichts 6B_1176/2021 vom 26. April 2023 E. 4.5.2; 

6B_196/2021 vom 25. April 2022 E. 5.4.3; je mit Hinweisen).

1.4. Der Beschuldigte hat sich u.a. des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 

Abs. 1 StGB (Dossier 2) und des versuchten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 

Abs. 1 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Dossier 1) schuldig gemacht. Die 

Vorinstanz hat zutreffend festgehalten, dass das Gesetz für den Tatbestand des 

Raubes ausschliesslich die Bestrafung mit Freiheitsstrafe vorsieht (Urk. 47 S. 30). 

Der ordentliche Strafrahmen gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB reicht von 6 Mo-

naten bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe. Beim versuchten Raub könnte zwar auf 

eine andere Strafart entschieden und der Strafrahmen insoweit nach unten erwei-

tert werden (Art. 22 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 48a Abs. 2 StGB). Die 

Vorinstanz hat jedoch zutreffend festgehalten, dass keine ausserordentlichen Um-

- 15 -

stände im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung vorliegen, die ein Ver-

lassen des ordentlichen Strafrahmens rechtfertigen würden (Urk. 47 S. 32; BGE 

136 IV 55 E. 5.8). Auch der Beschuldigte beantragt nicht, er sei für den versuch-

ten Raub gemäss Dossier 1 mit einer Geldstrafe zu sanktionieren. Für die beiden 

Raubdelikte ist folglich je eine Freiheitsstrafe auszusprechen und ausgehend vom 

vollendeten Raub als die schwerere der beiden Straftaten in Anwendung des As-

perationsprinzips (Art. 49 Abs. 1 StGB) eine Gesamtfreiheitsstrafe zu bilden. Da-

bei ist dem Strafmilderungsgrund der versuchten Tatbegehung ebenso wie dem 

Strafschärfungsgrund der Tatmehrheit innerhalb des ordentlichen Strafrahmens 

strafmindernd bzw. straferhöhend Rechnung zu tragen. 

Der Beschuldigte ist sodann schuldig der mehrfachen Beschimpfung im Sinne von 

Art. 177 Abs. 1 StGB und der Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von 

Art. 286 StGB (je Dossier 2). Als Sanktionsart sieht das Gesetz für beide Strafta-

ten ausschliesslich die Geldstrafe vor. Aufgrund der konkreten Strafandrohung 

stellt die Beschimpfung das schwerere Delikt dar und ist deshalb als Ausgangs-

punkt für die Bemessung der Gesamtgeldstrafe zu nehmen, indem dafür eine Ein-

satzstrafe festzusetzen ist. Diese ist hernach um die Strafe für die Hinderung ei-

ner Amtshandlung in Anwendung des Asperationsprinzips (Art. 49 Abs. 1 StGB) 

angemessen zu erhöhen. Der ordentliche Strafrahmen reicht von 3 bis 90 Tages-

sätzen Geldstrafe (Art. 177 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 34 Abs. 1 StGB). 

Es liegen wiederum keine ausserordentlichen Umstände im Sinne der bundesge-

richtlichen Rechtsprechung vor, die ein Verlassen dieses Strafrahmens rechtferti-

gen würden (Urk. 47 S. 32). Die tat- und täterangemessene Geldstrafe für die Be-

schimpfung und die Hinderung einer Amtshandlung ist deshalb innerhalb des or-

dentlichen Strafrahmens festzusetzen.

2. Konkrete Strafzumessung

2.1. Raub (Dossier 2) und versuchter Raub (Dossier 1) 

Da die zu beurteilenden Raubdelikte zeitlich, sachlich und situativ in einem unmit-

telbaren Zusammenhang stehen, insbesondere weil sie auf demselben Tatent-

schluss basieren und auch hinsichtlich ihrer Ausführung entsprechend dem ge-

- 16 -

fassten Entschluss der Täter diverse Parallelitäten aufweisen, erscheint es vorlie-

gend angezeigt, zumindest in gewissen Aspekten der objektiven und subjektiven 

Tatschwere eine Gesamtbetrachtung vorzunehmen. Am Ende ist jedoch für den 

vollendeten und den bloss versuchten Raub separat eine jeweils verschuldensan-

gemessene Einzelstrafe festzusetzen.

2.1.1. Objektive Tatschwere

2.1.1.1. Mit Bezug auf die objektive Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass 

sich der Beschuldigte – anders als von der Vorinstanz erwogen (Urk. 47 S. 32) – 

nicht mit mindestens fünf weiteren Tätern zusammengeschlossen hatte, um die 

zwei angeklagten Raubdelikte zu begehen. Vielmehr hält die Anklageschrift aus-

drücklich fest, dass er zusammen mit fünf Mittätern den Tatentschluss gefasst 

habe, Drittpersonen "auszunehmen", und hernach in Ausführung dieses Ent-

schlusses die angeklagten Raubüberfälle begangen habe (Urk. D1/28 S. 2). Et-

was Gegenteiliges lässt sich weder anhand der Untersuchungsakten erstellen 

noch darf unter Missachtung des Anklageprinzips etwas anderes zu Ungunsten 

des Beschuldigten angenommen werden. Aus den Erwägungen der Vorinstanz ist 

zudem nicht ersichtlich, gestützt worauf sie zum Schluss kam, bei den verübten 

Raubdelikten wären möglicherweise mehr als fünf Täter involviert gewesen.

2.1.1.2. Der Beschuldigte machte sowohl in der Berufungserklärung als auch 

anlässlich der Berufungsverhandlung geltend, dass lediglich vier Mittäter an den 

zu beurteilenden Raubdelikten beteiligt gewesen seien (Urk. 49 Rz 4; Urk. 70 

Rz 16).

2.1.1.3. Richtig ist, dass der Beschuldigte zu Beginn des Vorverfahrens aus-

führte, dass K._____ an den verfahrensgegenständlichen Raubüberfällen nicht 

beteiligt gewesen sei (Urk. D1/8/3 F/A 7-9, 25; Urk. D1/8/4 F/A 10 ff., 74 f.; 

Urk. D1/8/6 F/A 12 f.). Indessen gestand er anlässlich der staatsanwaltschaftli-

chen Einvernahme vom 26. Januar 2022 den Schlussvorhalt betreffend mehrfa-

chen, teilweise versuchten Raub gemäss den Dossiers 1 und 2 ausdrücklich ein, 

mit Ausnahme davon, dass er geltend machte, die Taten seien nicht vorgängig 

geplant gewesen, sondern hätten sich spontan ergeben (Urk. D1/8/8 F/A 3-10). 

- 17 -

Sodann reagierte er auf den Vorhalt, dass er die Taten u.a. zusammen mit 

K._____ verübt habe, lediglich mit Kenntnisnahme, ohne indessen erneut die Teil-

nahme von K._____ an der Ausführung der vorgeworfenen Taten zu bestreiten 

(Urk. D1/8/8 F/A 9). Darüber hinaus bestätigten auch andere Mittäter, dass 

K._____ bei der Tatbegehung beteiligt gewesen sei (so z.B. der Mittäter L._____ 

anlässlich seiner Hafteinvernahme vom 15. November 2021; Urk. D1/9/4 S. 3). 

Entsprechend ist davon auszugehen, dass – wie in der Anklage ausgeführt – ne-

ben dem Beschuldigten insgesamt fünf weitere Mittäter die Raubüberfälle verüb-

ten. Im Übrigen ist die Frage, ob neben dem Beschuldigten vier oder fünf weitere 

Mittäter an den Raubüberfällen beteiligt waren, für die Gewichtung der objektiven 

Tatschwere lediglich von untergeordneter Bedeutung.

2.1.1.4. Relevant ist vielmehr, dass der Beschuldigte zusammen mit mehreren 

anderen Personen eine Gruppe von sieben (Dossier 1) respektive vier (Dossier 2) 

Geschädigten umzingelte und zur Herausgabe ihrer Wertsachen aufforderte. Als 

die Geschädigten dieser Aufforderung nicht Folge leisteten, wurden Einzelne un-

ter ihnen vom Beschuldigten und seinen Mittätern tätlich angegriffen, indem ihnen 

Ohrfeigen und Faustschläge ins Gesicht verpasst wurden. Im Zusammenhang mit 

dem versuchten Raub gemäss Dossier 1 wurden Einzelne der Geschädigten dar-

über hinaus mit Glasflaschen geschlagen bzw. beworfen, mit Pfefferspray ange-

sprüht und getreten. Bei Verübung des Raubüberfalls gemäss Dossier 2 nahm 

der Beschuldigte sodann sein Klappmesser zwecks Bedrohung der Geschädigten 

hervor (Urk. D1/28 S. 3 ff.). Wie die Verteidigung zutreffend festhält (Urk. 70 

Rz 21), ist die Anwendung von Gewalt bzw. die Androhung einer gegenwärtigen 

Gefahr für Leib und Leben bereits dem einschlägigen Tatbestand inhärent und 

darf bei der Strafzumessung nicht (zusätzlich) verschuldenserhöhend berücksich-

tigt werden. Dennoch zeugt das koordinierte und äusserst gewaltsame Vorgehen, 

welches sich nicht nur durch den Einsatz von körperlicher Gewalt, sondern auch 

durch die Zuhilfenahme von Glasflaschen und einem Pfefferspray auszeichnete, 

von einer nicht unerheblichen Brutalität und kriminellen Energie des Beschuldig-

ten (und seiner Mittäter). Der tätliche Angriff hatte denn auch zur Folge, dass zwei 

der Geschädigten verletzt wurden und sich hernach in ärztliche Behandlung bege-

ben mussten. Das konkrete Ausmass und die Folgen der angewendeten Gewalt 

- 18 -

dürfen sehr wohl in die Bewertung des objektiven Verschuldens miteinbezogen 

werden und sind vorliegend verschuldenserhöhend zu gewichten. 

2.1.1.5. Der Verteidigung ist zuzustimmen, dass der Beschuldigte im Verhältnis zu 

anderen Mittätern nicht allein als treibende Kraft erscheint und keinen überwie-

genden Tatbeitrag leistete (Urk. 70 Rz 23 f.). Dies wirkt sich jedoch kaum zu sei-

nen Gunsten aus, da er die Ausführung der beiden Raubüberfälle nicht nur mit 

seiner blossen Präsenz unterstützte, sondern auch selber tätlich wurde, indem er 

zwei Geschädigten eine Ohrfeige resp. einen Faustschlag versetzte und darüber 

hinaus sein Klappmesser zwecks Drohung hervornahm. Im Übrigen sind ihm auf-

grund des mittäterschaftlichen Vorgehens die durch die Mittäter vorgenommenen 

Handlungen zuzurechnen. 

2.1.1.6. Die Vorinstanz berücksichtigte bei der objektiven Tatschwere beider 

Delikte, dass sich der Beschuldigte mit anderen, der jeweiligen Geschädigten-

gruppe körperlich überlegenen Mittätern zusammengeschlossen habe (Urk. 47 

S. 32 und Verweis auf S. 34). Dagegen wendet der Beschuldigte ein, dass nicht 

ersichtlich sei, woraus sich eine körperliche Überlegenheit ergeben solle. So gebe 

es keine Fotos von den betroffenen Geschädigtengruppen. Auch von den Mittä-

tern habe sich die Vorinstanz keinen Eindruck gemacht. Es könne nicht per se da-

von ausgegangen werden, dass der Gruppe der Täter besonders grosse oder 

kräftige Personen angehört hätten. Allein aus dem Einsatz eines Messers und der 

personellen Überzahl mit Bezug auf den vollendeten Raub gemäss Dossier 2 

könne keine körperliche Überlegenheit abgeleitet werden (Urk. 49 Rz 5; Urk. 70 

Rz 17).

2.1.1.7. Diesbezüglich wies die Vorinstanz zu Recht darauf hin, dass die be-

fragten Geschädigten sowie die Zeugin M._____ übereinstimmend ausgeführt 

hätten, dass sie von einer grösseren Gruppe umzingelt worden seien (Urk. 47 

S. 16 mit Verweis auf Urk. D1/10/15 F/A 12 und F/A 21; Urk. D1/10/9 F/A 28; 

Urk. D1/10/7 F/A 14) und die Täter aus ihrer – der Umzingelten – Sicht körperlich 

überlegen gewesen seien (Urk. 47 S. 16 mit Verweis auf Urk. D1/10/11 F/A 37; 

Urk. D1/10/9 F/A 49; Urk. D1/10/3 F/A 90). Aus den zitierten Ausführungen ergibt 

sich entgegen dem Einwand des Beschuldigten hinreichend genau, woraus die 

- 19 -

Vorinstanz die körperliche Überlegenheit des Beschuldigten und seiner Mittäter 

ableitete. Diesbezüglich waren nicht bloss die Anzahl der Tatbeteiligten und der 

Einsatz eines Klappmessers relevant, sondern wirkten der Beschuldigte und seine 

Mittäter aus Sicht der Umzingelten körperlich überlegen, mithin physisch stärker. 

2.1.1.8. Hinzu kommt, dass die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift unter 

Dossier 1 festhielt, dass der Beschuldigte und seine Mittäter den Geschädigten 

des versuchten Raubüberfalls körperlich überlegen gewesen seien (Urk. D1/28 

S. 4). Den Tatvorwurf gemäss Dossier 1 gestand der Beschuldigte anlässlich der 

Schlusseinvernahme vom 26. Januar 2022 vollumfänglich ein, mit der bereits er-

wähnten Ausnahme, dass er geltend machte, die Tat sei nicht vorgängig geplant 

gewesen, sondern habe sich spontan ergeben (Urk. D1/8/8 F/A 10). Dass die Vor-

instanz hinsichtlich der objektiven Tatschwere die körperliche Überlegenheit des 

Beschuldigten und seiner Mittäter berücksichtigte, ist daher nicht zu beanstanden.

2.1.1.9. Sodann rügt der Beschuldigte, es hätten – entgegen der Darstellung 

der Vorinstanz – kein konkreter Tatentschluss oder eine aktive Planung bestan-

den. Vielmehr sei der Entschluss zur Verübung der angeklagten Taten aus der Si-

tuation heraus entstanden, als man sich den jeweiligen Geschädigtengruppen ge-

nähert habe bzw. diesen gegenübergestanden sei. Letztlich seien es Zufall, Alko-

hol, Dummheit und Gruppendruck gewesen. Von den konkreten Umständen habe 

er (der Beschuldigte) tatsächlich nichts wahrgenommen, was sich auch aus dem 

im Tatzeitpunkt festgestellten Blutalkoholwert ergebe (Urk. 49 Rz 6; Urk. 70 Rz 10 

ff.). 

2.1.1.10. Dieser Einwand ist nicht stichhaltig. Wie die Vorinstanz richtig erwog, 

muss gestützt auf die Aussagen und Handlungen des Beschuldigten sowie seiner 

Mittäter davon ausgegangen werden, dass das Vorhaben bzw. der zentrale As-

pekt des "Ausnehmens" von Drittpersonen für alle Beteiligten der Tätergruppe klar 

erkennbar war und auf deren Seite willentlich und wissentlich mitgetragen wurde 

(Urk. 47 S. 20 f.).

2.1.1.11. In diesem Zusammenhang ist auf die Aussage des Beschuldigten an-

lässlich seiner Hafteinvernahme vom 15. November 2021 einzugehen, wo er auf 

- 20 -

entsprechende Frage bestätigte, dass er mit den anderen Mittätern habe Jugend-

liche ausnehmen wollen (Urk. D1/8/2 F/A 6). Die Verteidigung führte hierzu an-

lässlich der Berufungsverhandlung aus, dass sich die Aussage des Beschuldigten 

generell auf die verübten Taten bezogen habe und nicht darauf, ob vorgängig ein 

gemeinsamer Tatentschluss gefasst worden sei (Urk. 70 Rz 12). Es mag zutref-

fen, dass der Beschuldigte die an ihn gerichtete Frage anlässlich der Hafteinver-

nahme auf den Zweck der verübten Taten bzw. seine subjektive Einstellung dazu 

bezog und sich mit seiner Antwort folglich nicht zu einem allfälligen Tatentschluss 

bzw. eine vorgängige Absprache zwischen ihm und seinen Mittätern äusserte. 

Dem Vorbringen der Verteidigung ist allerdings zu entgegnen, dass der Mittäter 

L._____ anlässlich seiner Hafteinvernahme vom 15. November 2021 ausführte, 

dass sie (die anderen Mittäter und er) um 21 Uhr vereinbart hätten, Jugendliche 

ausnehmen zu wollen (Urk. D1/9/4 S. 3 f.). Auf einen gemeinsamen Tatentschluss 

bzw. eine vorgängige Absprache deutet sodann das vorstehend beschriebene, 

koordinierte Vorgehen des Beschuldigten und seiner Mittäter hin (s. Ziffer 

IV.2.1.1.4.). Insbesondere der Umstand, dass die Geschädigten jeweils umzingelt 

wurden, lässt auf eine vorgängige Absprache innerhalb der Tätergruppe schlies-

sen, welche mit insgesamt sechs Personen etwas grösser und nicht mehr leicht 

überschaubar war. Dem Einwand des Beschuldigten, die Tat sei aus der Situation 

heraus entstanden, kann somit nicht ohne Weiteres gefolgt werden. Zwar ist nicht 

erstellt, dass sich der Beschuldigte und seine Mittäter bereits mit dem feststehen-

den Zweck trafen, auf Raubzug zu gehen und Jugendliche auszunehmen, was 

sich zugunsten des Beschuldigten auswirkt. Allerdings ist auch nicht davon aus-

zugehen, dass "es einfach passierte", indem einer anfing und die restlichen Mittä-

ter mitzogen (vgl. Urk. 49 Rz 6; Urk. 70 Rz 13). Vielmehr steht aufgrund der Aus-

sagen des Mittäters L._____ und der konkreten Tatumstände fest, dass der Be-

schuldigte und seine Mittäter am Abend des 13. November 2021 gemeinsam be-

schlossen, gezielt Jugendliche aufzuspüren und auszunehmen, wozu sie ihr Vor-

gehen untereinander koordinierten bzw. absprachen. Dass der Beschuldigte die 

konkreten Umstände im Zusammenhang mit dem Tatentschluss und der Koordi-

nation des mittäterschaftlichen Vorgehens aufgrund des im Tatzeitpunkt festge-

- 21 -

stellten Blutalkoholwerts nicht wahrgenommen habe, ist nicht glaubhaft und als 

Schutzbehauptung zu qualifizieren. 

2.1.1.12. Die Verteidigung machte sodann geltend, dass der Umstand, dass die 

beiden Raubdelikte in unmittelbarer zeitlicher Abfolge begangen worden seien, 

gegen die Annahme einer hohen kriminellen Energie spreche. Vielmehr sei die 

Tatbegehung aller Beteiligten, aber insbesondere des Beschuldigten, auf die "Be-

rauschung" durch Cannabis und Alkohol zurückzuführen (Urk. 49 Rz 7).

2.1.1.13. Der Verteidigung ist insofern zuzustimmen, als die "Berauschung" des 

Beschuldigten im Rahmen der Strafzumessung, konkret bei der subjektiven 

Tatschwere, zu berücksichtigen ist (s. nachfolgend, Ziffer IV.2.1.2.). Allerdings än-

dert dies nichts daran, dass der Beschuldigte und seine Mittäter innerhalb einer 

kurzen Zeit von wenigen Minuten zwei Gruppen von Jugendlichen überfielen. 

Selbst wenn die Hemmschwelle des Beschuldigten und seiner Mittäter aufgrund 

der Berauschung herabgesetzt war, zeugt dieses Verhalten von einer ernstzuneh-

menden, nicht zu vernachlässigenden kriminellen Energie. In diesem Zusammen-

hang ist sodann zu berücksichtigen, dass der erste Versuch, eine Gruppe von Ju-

gendlichen "auszunehmen", scheiterte und die Überfallenen davonrennen konn-

ten. Dies veranlasste den Beschuldigten und seine Mittäter allerdings nicht dazu, 

von ihrem Tatplan Abstand zu nehmen. Vielmehr verübten sie unmittelbar danach 

den zweiten Raubüberfall gemäss Dossier 2, bei welcher Tat es ihnen gelang, 

den Geschädigten diverse Wertsachen abzunehmen. Dieses hartnäckige und 

zielstrebige Vorgehen bzw. Festhalten am Tatentschluss ist verschuldenserhö-

hend zu gewichten.

2.1.1.14. Mit Bezug auf den Deliktsbetrag gemäss Dossier 2 ist festzuhalten, 

dass der Beschuldigte und seine Mittäter durchaus wertvolle Gegenstände wie 

Winterjacken, Schuhe und elektronische Geräte entwendeten. Verschuldenserhö-

hend ist zu berücksichtigen, dass sie nicht davor zurückschreckten, einem der 

Geschädigten sein Mobiltelefon wegzunehmen, welches für diesen ohne Zweifel 

einen grossen immateriellen Wert hatte. Ebenso fällt ins Gewicht, dass sie Ein-

zelne der Geschädigten durch die Entwendung insbesondere ihrer Jacken an je-

nem Abend Mitte November den kühlen Temperaturen aussetzten, was beson-

- 22 -

ders rücksichtslos erscheint. Auch bei der ersten, letztlich gescheiterten Tat ge-

mäss Dossier 1 beabsichtigten der Beschuldigte und seine Mittäter, einen mög-

lichst grossen Deliktsbetrag bzw. möglichst wertvolle Gegenstände an sich zu 

nehmen. 

2.1.1.15. Unter den vorgenannten Umständen ist nicht zu beanstanden, dass die 

Vorinstanz die objektive Tatschwere der beiden Raubdelikte, die zur Beurteilung 

stehen, jeweils als keinesfalls leicht einstufte.

2.1.2. Subjektive Tatschwere

2.1.2.1. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere kann zunächst auf die zutref-

fenden Erwägungen im angefochtenen Urteil verwiesen werden (Urk. 47 S. 33 

und 34 f.). Mit Bezug auf den vollendeten Raub gemäss Dossier 2 kam die Vor-in-

stanz zum Ergebnis, dass die mittelgradig verminderte Schuldfähigkeit des Be-

schuldigten zu einer massgeblichen Relativierung der objektiven Tatschwere 

führe und insgesamt von einem nicht mehr leichten Verschulden auszugehen sei, 

wofür eine Einsatzstrafe von 15 Monaten Freiheitsstrafe angemessen erscheine. 

Zur selben Einschätzung gelangte die Vorinstanz mit Bezug auf das Raubdelikt 

gemäss Dossier 1, wobei sie als verschuldensunabhängige Tatkomponente so-

dann die bloss versuchte Tatbegehung berücksichtigte, welcher sie mit einer Re-

duktion der hypothetischen Strafe für das vollendete Delikt von 3 Monaten Rech-

nung trug. Für den versuchten Raub setzte sie folglich eine Einzelstrafe von 

12 Monaten Freiheitsstrafe fest.

2.1.2.2. Der Beschuldigte rügt in diesem Zusammenhang, dass die Vorinstanz 

die mittelgradige Verminderung seiner Schuldfähigkeit nur unzureichend berück-

sichtigt habe. Insbesondere sei nicht nachzuvollziehen, inwiefern die Vorinstanz 

dieser subjektiven Tatkomponente mit einer entsprechenden Reduktion der ver-

schuldensangemessenen Strafe Rechnung getragen habe. Zur Begründung führt 

er aus, dass gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung eine mittelgradige Ver-

minderung der Steuerungs- resp. Schuldfähigkeit mit einer Strafreduktion zwi-

schen 40 % und 50 % zu würdigen sei (Urk. 49 Rz 9; Urk. 70 Rz 35). Rechne man 

die von der Vorinstanz festgesetzte Einsatzstrafe von 15 Monaten Freiheitsstrafe 

- 23 -

für den vollendeten Raub (Dossier 2) und die hypothetische Einzelstrafe von 

ebenfalls 15 Monaten für das versuchte Raubdelikt unter Berücksichtigung der 

vorgenannten Faktoren für die angemessene Strafreduktion bei mittelgradig ver-

minderter Schuldfähigkeit zurück, ergebe sich jeweils eine Sanktion von mindes-

tens 25 Monaten Freiheitsstrafe, wobei hinsichtlich der Tat gemäss Dossier 1 

noch 3 Monate für den Versuch in Abzug zu bringen seien. Wäre er zur Tatzeit 

nicht mittelgradig vermindert schuldfähig gewesen, hätte ihn die Vorinstanz folg-

lich mit einer Freiheitsstrafe von rund 47 Monaten bestraft, was knapp 4 Jahren 

entspreche. Ein solches Strafmass stehe jedoch in keinem Verhältnis zu den hier 

zu beurteilenden Raubdelikten (Urk. 49 Rz 10; Urk. 70 Rz 37 ff.). 

2.1.2.3. Die Rüge des Beschuldigten, wonach die Vorinstanz die mittelgradige 

Verminderung seiner Schuldfähigkeit unzureichend berücksichtigt habe, ist nicht 

stichhaltig. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte bei seiner Be-

rechnung der Gesamtstrafe von 47 Monaten Freiheitsstrafe für die beiden Raub-

delikte das Asperationsprinzip (Art. 49 Abs. 1 StGB) nicht berücksichtigt, sondern 

die Einsatzstrafe für den vollendeten Raub (Dossier 2) und die Einzelstrafe für 

das versuchte Raubdelikt (Dossier 1) einfach addiert. Sodann wäre die Strafre-

duktion für die versuchte Tatbegehung gemäss Dossier 1 nicht bloss auf 3 Mo-

nate, sondern auf 5 Monate zu bemessen, ausgehend von einer Einzelstrafe von 

25 Monaten Freiheitsstrafe (unter der Hypothese des vollendeten Delikts bei vol-

ler Schuldfähigkeit). Wird die vom Beschuldigten angestellte "Rückrechnung" um 

die genannten Punkte bereinigt, ergibt sich eine Gesamtstrafe von rund 37 Mona-

ten Freiheitsstrafe unter der hypothetischen Annahme, der Beschuldigte habe die 

angeklagten Raubdelikte bei vollständig erhaltener Schuldfähigkeit verübt (Ein-

satzstrafe von 25 Monaten Freiheitsstrafe für den vollendeten Raub gemäss Dos-

sier 2; Einzelstrafe von 20 Monaten Freiheitsstrafe für den versuchten Raub ge-

mäss Dossier 1; Erhöhung der Einsatzstrafe in Anwendung des Asperationsprin-

zips um 12 Monate Freiheitsstrafe). Eine solche Gesamtstrafe von rund drei Jah-

ren kann angesichts der Tatsache, dass der ordentliche Strafrahmen für Raub im 

Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB von sechs Monaten bis zu zehn Jahren 

Freiheitsstrafe reicht und das Verschulden – ohne Relativierung der objektiven 

Tatschwere durch die mittelgradige Verminderung der Schuldfähigkeit – hypothe-

- 24 -

tisch im mittleren Bereich einzustufen wäre, nicht von vorneherein als unange-

messen erachtet werden. 

2.1.2.4. Das Bundesgericht ist zudem von seiner, vom Beschuldigten zitierten 

Rechtsprechung in einem späteren Entscheid wieder abgewichen. Zwar bestä-

tigte es, dass der Verminderung der Schuldfähigkeit bei der Strafzumessung im 

vollen Ausmass der Verminderung Rechnung zu tragen sei. Allerdings sei für 

diese Verminderung der Schuldfähigkeit kein Raster mit bestimmten, fixen Pro-

zentzahlen anzuwenden. Bei der Frage, in welchem Umfang die Einschränkung 

der Schuldfähigkeit die Verschuldensbewertung beeinflusse, gelte es vor Augen 

zu halten, dass die verminderte Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB 

eines von mehreren Kriterien für die Beurteilung der (subjektiven) Tatschwere 

darstelle, wenn auch – je nach Grad der Verminderung – von wesentlichem Ge-

wicht. Dabei sei das Gericht nicht gehalten, in Zahlen oder Prozenten anzugeben, 

wie es die einzelnen Strafzumessungskriterien berücksichtige (BGE 127 IV 101 

E. 2c mit Hinweisen). Bereits von daher sei es abzulehnen, bei einer leichten, mit-

telgradigen oder schweren Verminderung der Schuldfähigkeit eine Reduktion der 

Strafe nach einem genauen Raster von etwa 25 %, 50 % und 75 % oder nach ei-

ner linearen Abstufung vorzunehmen. Eine rein mathematische Reduktion der 

(hypothetischen) Einsatzstrafe, wie nach bisheriger Rechtsprechung als zulässig 

erachtet, sei systemwidrig. Sie schränke die Ermessensfreiheit des Gerichts in 

unzulässiger Weise ein und sei daher abzulehnen (BGE 136 IV 55 E. 5.6; Urteil 

des Bundesgerichts 6B_200/2022 vom 23. Mai 2022 E. 3.3.2 mit Hinweisen).

2.1.2.5. In einem ersten Schritt ist deshalb aufgrund der tatsächlichen Feststel-

lungen des Gutachters zu entscheiden, in welchem Umfang die Schuldfähigkeit 

des Beschuldigten zur Tatzeit in rechtlicher Hinsicht eingeschränkt war und wie 

sich dies insgesamt auf die Einschätzung des Tatverschuldens auswirkt. Das Ge-

samtverschulden ist zu qualifizieren und mit Blick auf Art. 50 StGB im Urteil aus-

drücklich zu benennen, wobei von einer Skala denkbarer Abstufungen nach 

Schweregrad auszugehen ist. Hierauf ist in einem zweiten Schritt innerhalb des 

zur Verfügung stehenden Strafrahmens die (hypothetische) Strafe zu bestimmen, 

die diesem Verschulden entspricht. Die so ermittelte Strafe ist in einem dritten 

- 25 -

Schritt wegen der bloss versuchten Tatbegehung mit Bezug auf den Raub ge-

mäss Dossier 1 und gegebenenfalls aufgrund wesentlicher Täterkomponenten 

entsprechend anzupassen (BGE 136 IV 55 E. 5.7; Urteil des Bundesgerichts 

6B_200/2022 vom 23. Mai 2022 E. 3.3.2).

2.1.2.6. Dr. med. J._____ gelangte in seinem forensisch-psychiatrischen Gut-

achten vom 12. Juli 2022 zum Schluss, dass jenseits der gestörten Persönlich-

keitsentwicklung, des Missbrauches von Cannabis, der tatzeitaktuellen Alkoholin-

toxikation und der Anpassungsstörung (der aber keine freiheitseinschränkende 

Wirkung beigemessen werden könne) keine schweren psychischen Störungen 

beim Beschuldigten feststellbar seien, welche sich auf seine Einsichtsfähigkeit 

ausgewirkt hätten. Eine durch die akute alkoholische lntoxikation bedingte Be-

wusstseinsstörung habe ebenso wenig vorgelegen wie eine alkoholinduzierte psy-

chotische Störung mit Verlust des Sinn- und Erlebniskontinuums. Dass der Be-

schuldigte bloss vermindert in der Lage gewesen sei, das Verbotene seines Han-

delns zu erkennen, lasse sich nicht nachweisen. Vielmehr habe er die Situation, in 

der er sich befunden habe, durchaus wahrgenommen und auch richtig einge-

schätzt. Eine Aufhebung seiner Einsichtsfähigkeit zum Tatzeitpunkt könne dem-

nach ausgeschlossen werden. Hingegen sei zu erkennen, dass die Steuerungsfä-

higkeit des Beschuldigten intoxikationsbedingt durch eine hohe aggressive Erre-

gung, eine verminderte Kritikfähigkeit und eine verminderte Hemmungsfähigkeit 

beeinträchtigt gewesen sei. Diese Enthemmung, Kritikarmut und aggressiven Ver-

haltensbereitschaften hätten das bei vergleichbaren Tätern übliche Ausmass 

überstiegen. Vor diesem Hintergrund lasse sich aus gutachterlicher Sicht die An-

nahme vertreten, dass bezüglich der beiden dem Beschuldigten zur Last gelegten 

Raubdelikte eine mittelgradige Verminderung der Steuerungsfähigkeit vorgelegen 

habe. Für eine höhergradige Verminderung würden sich unter Beachtung von 

Handlungsspielräumen durchschnittlicher Täter in vergleichbaren Situationen da-

gegen keine Anhaltspunkte ergeben (Urk. D1/11/2 S. 50 und S. 58).

2.1.2.7. Indem die Vorinstanz das objektive Tatverschulden bezüglich beider 

Raubdelikte als keinesfalls leicht einstufte und festhielt, dass dieses aufgrund der 

mittelgradigen Verminderung der Schuldfähigkeit als Teilgehalt der subjektiven 

- 26 -

Tatschwere entsprechend relativiert werde, sodass insgesamt von einem nicht 

mehr leichten Verschulden des Beschuldigten auszugehen sei, kam sie dem vom 

Bundesgericht verlangten, vorstehend dargelegten Vorgehen nach. Die Vorin-

stanz hat entschieden, in welchem Umfang die Schuldfähigkeit des Beschuldigten 

zur Tatzeit eingeschränkt war und wie sich dies insgesamt auf die Einschätzung 

seines Tatverschuldens auswirkt. Dem folgend hat sie das Gesamtverschulden 

bezüglich beider Raubdelikte ausdrücklich benannt, nämlich mit nicht mehr leicht, 

und gestützt darauf eine Einsatzstrafe von 15 Monaten Freiheitsstrafe für den voll-

endeten Raub gemäss Dossier 2 festgesetzt. Für den versuchten Raubüberfall 

gemäss Dossier 1 erachtete sie – ausgehend von der vollendeten Tat – eine (hy-

pothetische) Einzelstrafe von ebenfalls 15 Monaten Freiheitsstrafe als angemes-

sen. Die Vorinstanz war nicht gehalten, der mittelgradigen Verminderung der 

Schuldfähigkeit nach einem genauen, mithin mathematischen Raster bei der Re-

duktion der Strafe Rechnung zu tragen. Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, 

dass die Vorinstanz die mittelgradige Verminderung der Schuldfähigkeit des Be-

schuldigten bloss unzureichend berücksichtigt hätte bei der Gewichtung des Ge-

samtverschuldens und der darauf basierenden Festsetzung von verschuldensan-

gemessenen Strafen für die beiden Raubdelikte.  

2.1.2.8. Mit Bezug auf die subjektive Tatkomponente bringt der Beschuldigte 

weiter vor, dass es sich bei ihm um einen noch verhältnismässig jungen Men-

schen handle, bei welchem die Persönlichkeitsentwicklung noch nicht abge-

schlossen sei und der Fehler gemacht habe, aus welchen er jedoch gelernt habe 

(Urk. 49 Rz 13). Sodann argumentiert er, dass aufgrund seiner strafrechtlichen 

Vorbelastung nicht auf eine gesteigerte kriminelle Energie geschlossen werden 

dürfe. Vielmehr benötige jemand, der in kriminelles Fahrwasser geraten sei, grös-

sere Willensanstrengung, um rechtstreu zu bleiben. Werde er erneut straffällig, 

könne dies auch auf Antriebs- oder Willensschwäche bzw. auf eine Unfähigkeit 

zur Verarbeitung früherer Erfahrungen zurückgeführt werden, weshalb das Ver-

schulden geringer erscheine (Urk. 49 Rz 12). Dieser Argumentation ist nicht zu 

folgen. Aus seiner deliktischen Vergangenheit kann der Beschuldigte nichts ablei-

ten, was zur Bewertung der subjektiven Tatschwere der neu verübten Straftaten 

relevant wäre. Die erwirkten Vorstrafen sind vielmehr nachfolgend im Rahmen der 

- 27 -

Täterkomponente zu berücksichtigen (s. Ziffer IV.2.1.4.). Sodann wäre es stos-

send, wenn ihm als Wiederholungstäter allein wegen des Umstands, dass er be-

reits in der Vergangenheit Straftaten verübte, ein geringeres subjektives Verschul-

den zugemessen würde hinsichtlich der Taten vom 13. November 2021, mit de-

nen er erneut straffällig wurde. Eine allfällige Antriebs- oder Willensschwäche des 

Beschuldigten, sich rechtskonform zu verhalten, kann sich nicht verschuldensmin-

dernd auswirken. Dass er aufgrund einer psychischen Störung generell nicht in 

der Lage war, das Unrecht seines Verhaltens einzusehen und sich entsprechend 

dieser Einsicht zu verhalten, wurde nicht festgestellt. 

2.1.2.9. Die Vorinstanz hat für den vollendeten und den versuchten Raubüber-

fall – ausgehend von einem nicht mehr leichten Tatverschulden – eine Einsatz-

strafe resp. eine hypothetische Einzelstrafe von jeweils 15 Monaten Freiheits-

strafe festgesetzt. Dies entspricht gerade einmal einem Achtel der in Art. 140 

Ziff. 1 Abs. 1 StGB vorgesehenen Maximalstrafe von zehn Jahren Freiheitsstrafe. 

Auch wenn dies von der Vorinstanz in ihrer Urteilsbegründung nicht ausdrücklich 

erwähnt wurde, ist mit der Strafhöhe von 15 Monaten Freiheitsstrafe dem verhält-

nismässig jungen Alter des Beschuldigten im Zeitpunkt der Tatbegehung sowie 

der noch nicht abgeschlossenen Persönlichkeitsentwicklung hinreichend Rech-

nung getragen.

2.1.2.10. Nach dem Erwogenen ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz 

hinsichtlich beider Raubdelikte, die zur Beurteilung stehen, von einem mittleren 

Verschuldensgrad (Urk. 47 S. 29) ausging und das Tatverschulden jeweils insge-

samt als nicht mehr leicht qualifizierte.

Die festgesetzte Einsatzstrafe von 15 Monaten Freiheitsstrafe für den vollendeten 

Raub gemäss Dossier 2 sowie die (hypothetische) Einzelstrafe von ebenfalls 

15 Monaten Freiheitsstrafe für den versuchten Raubüberfall gemäss Dossier 1 er-

scheinen jedoch – angesichts des Verschuldensprädikats, welches auf eine Strafe 

am unteren Rand des mittleren Drittels des ordentlichen Strafrahmens deutet 

(Urk. 47 S. 29) – selbst unter Berücksichtigung der mittelgradigen Verminderung 

der Schuldfähigkeit deutlich zu tief bemessen. Aufgrund des Verbots der "refor-

matio in peius" (Art. 391 Abs. 2 StPO) besteht indessen kein Raum für eine Erhö-

- 28 -

hung der schlussendlich auszusprechenden Gesamtfreiheitsstrafe, weshalb an 

dieser Stelle offen gelassen werden kann, welche Einsatzstrafe resp. hypotheti-

sche Einzelstrafe verschuldensangemessen wäre, und es bei dem von der Vor-in-

stanz festgesetzten Strafmass sein Bewenden hat. 

2.1.2.11. Mit Bezug auf den Raubüberfall gemäss Dossier 1 erwog die Vorin-

stanz zu Recht, dass aufgrund des (vollendeten) Versuchs eine obligatorische 

Strafmilderung einzutreten habe. Auf ihre entsprechenden Erwägungen mit Bezug 

auf die konkreten Umstände der bloss versuchten Tatbegehung kann ebenfalls 

verwiesen werden (Urk. 47 S. 35). Die von der Vorinstanz festgesetzte, gemil-

derte Einzelstrafe von 12 Monaten Freiheitsstrafe für den versuchten Raub ge-

mäss Dossier 1 ist somit zu bestätigen. 

2.1.3. Bildung einer Gesamtfreiheitsstrafe

2.1.3.1. Die Vorinstanz erhöhte die Einsatzstrafe von 15 Monaten Freiheits-

strafe für den vollendeten Raub in Anwendung des Asperationsprinzips (Art. 49 

Abs. 1 StGB) um 7 Monate Freiheitsstrafe für den Raubüberfall gemäss Dos-

sier 1, woraus eine Gesamtstrafe von 22 Monaten Freiheitsstrafe resultierte 

(Urk. 47 S. 35).

2.1.3.2. Der Beschuldigte rügt diesbezüglich, dass dem Strafmilderungsgrund 

der verminderten Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB nicht nur bei 

der Festsetzung der Einsatzstrafe, sondern auch bei deren angemessenen Erhö-

hung in Anwendung des Asperationsprinzips nach Art. 49 Abs. 1 StGB Rechnung 

zu tragen sei. Konkret sei nicht nur die Einsatzstrafe für eine bei verminderter 

Schuldfähigkeit verübte Tat tiefer anzusetzen, sondern habe auch die infolge Kon-

kurrenz zwingend erforderliche Erhöhung weniger stark auszufallen (Urk. 49 

Rz 11). 

2.1.3.3. Auch diese Rüge des Beschuldigten geht fehl. Zunächst ist darauf hin-

zuweisen, dass die Vorinstanz die Einsatzstrafe für den vollendeten Raub ledig-

lich um rund die Hälfte der Strafe für den versuchten Raubüberfall erhöhte. Kon-

- 29 -

kret berücksichtigte sie von der ermittelten Einzelstrafe von 12 Monaten lediglich 

7 Monate Freiheitsstrafe. Dies deutet darauf hin, dass sie bei dieser grosszügigen 

Asperation nicht bloss den engen zeitlichen, sachlichen und situativen Zusam-

menhang zwischen den beiden Raubüberfällen miteinbezog, sondern auch der 

mittelgradigen Verminderung der Schuldfähigkeit Rechnung trug, wenngleich sich 

dies nicht aus der Begründung des angefochtenen Urteils ergibt. Es besteht daher 

kein Anlass, die von der Vorinstanz vorgenommene Strafschärfung in Anwendung 

von Art. 49 Abs. 1 StGB zu beanstanden.

2.1.3.4. Nach den vorstehenden Erwägungen erscheint die im vorinstanzlichen 

Urteil festgesetzte Gesamtstrafe von 22 Monaten Freiheitsstrafe für die beiden 

Raubdelikte mit Sicherheit nicht als unangemessen hoch. Im Gegenteil: Unter 

Hinweis auf die Ausführungen in Ziffer IV.2.1.2.10. vorstehend wäre durchaus 

eine strengere Bestrafung des Beschuldigten ohne weiteres seinem Verschulden 

angemessen gewesen. Aufgrund des Verbots der "reformatio in peius" (Art. 391 

Abs. 2 StPO) hat es indessen bei der Gesamtfreiheitsstrafe von 22 Monaten sein 

Bewenden. 

2.1.4. Täterkomponente

2.1.4.1. Zur Biografie und den persönlichen Verhältnissen des aktuell bald 21-

jährigen Beschuldigten kann einleitend auf die ausführlichen Angaben im psychia-

trischen Gutachten vom 12. Juli 2022 und die Aussagen des Beschuldigten im 

Verlauf der Untersuchung und vor Vorinstanz verwiesen werden (Urk. D1/11/2 

S. 16 ff., 28 f., 42 ff.; Urk. D1/8/1 F/A 39 ff.; Urk. D1/8/3 F/A 72 ff.; Urk. D1/8/4 

F/A 91 ff.; Urk. D1/8/7 F/A 6 ff.; Urk. D1/8/8 F/A 25 ff.; Urk. D1/8/9 F/A 12 ff.; 

Urk. 34; Urk. 36; Urk. 37 S. 9 ff.). Angesichts dieser detaillierten Angaben wird an 

dieser Stelle darauf verzichtet, den gesamten bisherigen Lebensverlauf des Be-

schuldigten im Einzelnen wiederzugeben. Anlässlich der Berufungsverhandlung 

aktualisierte er, dass er nach wie vor in der D._____ lebe und inzwischen in das 

Lehrlingshaus 3 habe übertreten können. Dort habe er mehr Freiheiten, was seine 

Freizeitgestaltung betreffe. Gleichzeitig komme ihm jedoch auch mehr 

Eigenverantwortung mit Bezug auf die Erledigung verschiedener Ämtli etc. zu. 

- 30 -

Seit seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft im Zusammenhang mit dem 

vorliegenden Verfahren sei es zu keinem weiteren Unterbruch seines Aufenthalts 

in der D._____ gekommen. Die Unterbringung in der Institution sieht der 

Beschuldigte (inzwischen) als Chance zur Veränderung, die er gewillt ist, 

wahrzunehmen. Insbesondere liegt ihm viel daran, die begonnene Lehre 

erfolgreich zu absolvieren. Diesbezüglich führte er aus, dass er sich derzeit im 

zweiten Lehrjahr seiner Berufsausbildung zum Maler befinde und die Lehre 

voraussichtlich Ende Sommer 2025 abschliessen werde. Der Beschuldigte 

betonte, dass ihm die Malerlehre immer noch sehr gut gefalle und ihm 

insbesondere der Kontakt zu Kunden viel Freude bereite. Zu seinem sozialen 

Umfeld führte er aus, dass er seit rund einem Jahr eine Freundin habe, die ihn 

sehr unterstütze, auch im Hinblick auf den Abschluss seiner Lehre, und mit der er 

viel Zeit verbringe. Sodann habe er zwei gute Kollegen, die er in der D._____ 

kennengelernt habe, die inzwischen aber nicht mehr in der Institution seien. Zu 

seiner Mutter, die in Deutschland lebe, und zu seiner Grossmutter väterlicherseits 

pflege er ebenfalls regelmässigen Kontakt, während er mit seinen Pflegeeltern nur 

noch sporadisch in Verbindung stehe. In der D._____ sei ihm eine Sozial-

pädagogin als Bezugsperson zugeteilt, zu der er ein sehr gutes Verhältnis habe. 

Sodann nehme er jede oder jede zweite Woche therapeutische Gespräche wahr. 

Der Beschuldigte erklärte, dass er seit Juni / Juli 2023 keinen Alkohol mehr 

konsumiere. Der Verzicht auf den Konsum von Cannabis falle ihm derzeit noch 

schwer. Allerdings versuche er, mehrheitlich CBD zu rauchen. Der Beschuldigte 

hat kein Vermögen, jedoch Schulden bei der N._____ AG und bei O._____, die er 

in monatlichen Raten abzahlt (Prot. II S. 6 ff., 18 f.). Während sich aus den aktuel-

len persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten keine strafzumessungsrelevan-

ten Faktoren ergeben, sind seine schwierige Kindheit und Jugend merklich straf-

mindernd zu berücksichtigen.

2.1.4.2. Bei Verübung der hier zu beurteilenden Raubdelikte hatte der Beschul-

digte bereits zwei einschlägige Vorstrafen erwirkt (Urk. 63). So wurde er mit Straf-

befehl der Jugendanwaltschaft Nidwalden vom 30. Juni 2020 wegen zahlreicher 

Delikte, darunter Raub, mehrfacher (teilweise geringfügiger) Diebstahl, versuchte 

einfache Körperverletzung, Drohung etc., schuldig gesprochen und mit einem be-

- 31 -

dingten Freiheitsentzug von 20 Tagen und einer Busse von Fr. 300.– bestraft, wo-

bei beide Sanktionen nach Jugendstrafrecht erfolgten. Am 15. Oktober 2020 

folgte ein weiterer Strafbefehl derselben Jugendanwaltschaft, mit welchem der 

Beschuldigte u.a. wieder wegen Raubes und einfacher Körperverletzung verurteilt 

wurde. Da die erneute Delinquenz teilweise in die mit Strafbefehl vom 30. Juni 

2020 angesetzte Probezeit fiel, wurde der bedingte Vollzug hinsichtlich des Frei-

heitsentzugs widerrufen und der Beschuldigte mit einem unbedingten Freiheits-

entzug von 25 Tagen als Gesamtstrafe sowie mit einer Busse von Fr. 50.– be-

straft. Die vorliegend zu beurteilenden Raubdelikte verübte der Beschuldigte rund 

ein Jahr nach seiner zweiten Verurteilung mit Strafbefehl der Jugendanwaltschaft 

Nidwalden vom 15. Oktober 2020 und nur wenige Monate nach Verbüssung des 

ausgefällten Freiheitsentzugs, was sich deutlich straferhöhend auswirkt.

2.1.4.3. Der Beschuldigte zeigte sich mit Bezug auf die Raubdelikte gemäss 

den Dossiers 1 und 2 von Beginn an geständig und anerkannte den ihm zur Last 

gelegten Sachverhalt im Grunde vollumfänglich. Insbesondere räumte er ein, wel-

chen eigenen Beitrag er bei der Verübung der beiden Taten leistete. Sein Ge-

ständnis trug durchaus zur Vereinfachung und Verkürzung des Strafverfahrens 

bei. Weiter ist ihm zugute zu halten, dass er sich beim Geschädigten P._____, 

dem er eine Ohrfeige verpasst hatte, persönlich entschuldigte (Urk. D1/8/9 F/A 26 

f.). Ebenso ist zu berücksichtigen, dass er sowohl vor Vorinstanz als auch anläss-

lich der Berufungsverhandlung zum Ausdruck brachte, dass ihm die verübten Ta-

ten leid täten und er sein Verhalten sehr bereue bzw. sich dafür schäme. Es sei 

einfach eine Dummheit gewesen. Er habe daraus gelernt, sich geändert und 

werde mit Sicherheit nie wieder so etwas tun (Urk. 37 S. 4 f., 7 f.; Prot. I S. 16; 

Prot. II S. 17 f., 20). Entgegen der Vorinstanz (Urk. 47 S. 37) bestehen keine An-

haltspunkte dafür, dass die geäusserte Reue und Einsicht in das Unrecht seines 

Verhaltens nur vorgeschoben bzw. nicht echt war. Vielmehr ist der Verteidigung 

zuzustimmen, dass die entsprechenden Erklärungen des Beschuldigten aufrichtig 

und ernst gemeint waren. Das Nachtatverhalten wirkt sich insgesamt deutlich 

strafmindernd aus.

- 32 -

2.1.4.4. Nach den vorstehenden Erwägungen hat die Vorinstanz zutreffend er-

kannt, dass die Täterkomponente insgesamt zu einer Reduktion der vorstehend 

festgesetzten Gesamtstrafe führt. Der von der Vorinstanz berücksichtigte Faktor 

von rund 30 % erscheint angesichts der massgebenden Umstände als angemes-

sen, womit die vorgenannte Gesamtfreiheitsstrafe um 7 Monate zu reduzieren ist. 

2.1.4.5. Im Ergebnis ist der Beschuldigte somit in Bestätigung des vorinstanzli-

chen Urteils für die beiden Raubdelikte gemäss den Dossiers 1 und 2 mit einer 

Gesamtfreiheitsstrafe von 15 Monaten zu bestrafen. An diese Freiheitsstrafe ist 

die erstandene Haft von 74 Tagen anzurechnen (Art. 51 StGB; Urk. D1/24/1+7).

2.2. Beschimpfung und Hinderung einer Amtshandlung (je Dossier 2)

2.2.1. Hinsichtlich der Bemessung der tat- und täterangemessenen Strafe betref-

fend die Vorwürfe der Beschimpfung und der Hinderung einer Amtshandlung (je 

Dossier 2) kann vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz 

verwiesen werden (Urk. 47 S. 37 ff.). Die ausgefällte Geldstrafe von 25 Tagessät-

zen zu je Fr. 10.– ist zu übernehmen, zumal der Beschuldigte selbst die Beibehal-

tung dieses Strafmasses beantragt (Urk. 49 Rz 2; Urk. 70 Rz 48 und Rz 82) und 

aufgrund des Verbots der "reformatio in peius" (Art. 391 Abs. 2 StPO) ohnehin 

kein Raum für eine Erhöhung besteht.

2.2.2. Für die Beschimpfung und die Hinderung einer Amtshandlung (je Dos-

sier 2) ist der Beschuldigte folglich auch in zweiter Instanz mit einer Gesamtgelds-

trafe von 25 Tagessätzen zu Fr. 10.– zu sanktionieren.

2.3. Fazit

Im Ergebnis ist der Beschuldigte in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils mit 

einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten, wovon 74 Tage durch Untersuchungshaft 

erstanden sind, sowie mit einer Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu Fr. 10.– zu be-

strafen. 

- 33 -

V. Massnahme und Vollzug

1. Ausgangslage

1.1. Die Vorinstanz ordnete eine Massnahme für junge Erwachsene im Sinne 

von Art. 61 StGB an, wobei sie festhielt, die Massnahme sei prioritär unter Belas-

sung der seit August 2020 durch die Berufsbeistandschaft B._____ vorgenomme-

nen Platzierung des Beschuldigten in der D._____ und unter Fortsetzung der be-

gonnenen Berufslehre und Therapien durchzuführen. Den Vollzug der Freiheits-

strafe schob sie zum Zweck der Massnahme auf. Die Geldstrafe erklärte sie hin-

gegen für vollziehbar (Urk. 47 S. 62).

1.2. Der Beschuldigte beantragt, es sei von der Anordnung einer Massnahme 

für junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 StGB abzusehen (Urk. 49 Rz 2; 

Urk. 70 Rz 82). Zur Begründung dieses Antrags macht er kurz zusammengefasst 

geltend, dass ihm – entgegen der Einschätzung im psychiatrischen Gutachten – 

keine negative Legalprognose gestellt werden dürfe. So sei er seit Verübung der 

angeklagten Delikte, d.h. seit mehr als zwei Jahren nicht mehr straffällig gewor-

den. Sodann habe die gelungene Unterbringung in der D._____ eine positive Ver-

änderung in seinem Verhalten bzw. in seinen Verhaltensbereitschaften herbeige-

führt. Folglich sei die Anordnung einer Massnahme nicht erforderlich, um der Ge-

fahr weiterer Straftaten wirksam zu begegnen. Die vom sachverständigen Gutach-

ter für massgeblich erachteten Kriterien, um die bei ihm festgestellte (und nicht 

mehr aktuelle) Rückfallgefahr reduzieren zu können, seien bereits im Rahmen 

seiner Unterbringung in der D._____ sichergestellt (Urk. 49 Rz 23 ff.; Urk. 70 

Rz 49 ff., 59 ff.). Sodann stellt der Beschuldigte in Frage, ob die vom Gutachter 

diagnostizierte Entwicklungsstörung mit unreifen und dissozialen Zügen eine der-

artige Fehlentwicklung darstelle, welche die Anordnung einer Massnahme im 

Sinne von Art. 61 StGB zu rechtfertigen vermöge (Urk. 49 Rz 26; Urk. 70 Rz 64 

ff.).

Da der Beschuldigte wie erwähnt der Auffassung ist, ihm könne eine positive Le-

galprognose gestellt werden, beantragt er die Gewährung des bedingten Strafvoll-

zugs. Weiter beantragt er, dass ihm für die Dauer der Probezeit bzw. bis zum 

- 34 -

Lehrabschluss die Weisung zu erteilen sei, die begonnene Lehrausbildung in der 

D._____ weiterzuführen und die therapeutische Behandlung fortzusetzen. Diese 

Anträge begründet der Beschuldigte damit, dass auf diese Weise sichergestellt 

werden könne, dass er weiterhin im erfolgreichen Setting der D._____ bleiben 

und dort seine Lehre zum Maler abschliessen könne, unter Fortsetzung der wir-

kungsvollen Therapie (Urk. 49 Rz 2 und Rz 28 ff.; Urk. 70 Rz 68 ff. und Rz 82).

1.3. Die Staatsanwaltschaft beantragt grundsätzlich die Bestätigung des vorin-

stanzlichen Urteils und damit auch die Anordnung einer Massnahme für junge Er-

wachsene im Sinne von Art. 61 StGB (Urk. 54). Allerdings teilte sie auf entspre-

chende Anfrage mit, dass sie sich auch damit einverstanden erklären könne, dem 

Beschuldigten den bedingten Strafvollzug zu gewähren und ihm für die Dauer der 

Probezeit die Weisung zu erteilen, die begonnene Therapie in der D._____ fortzu-

setzen und seine Lehre dort zu absolvieren (Urk. 66). 

2. Anordnung einer Massnahme für junge Erwachsene

2.1. Rechtliche Grundlagen

2.1.1. Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen für die Anordnung einer 

Massnahme für junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 StGB zutreffend darge-

legt (Urk. 47 S. 40), worauf einleitend verwiesen werden kann. Ergänzend bzw. 

präzisierend ist das folgende auszuführen:

2.1.2. Das Gericht kann einen zur Tatzeit noch nicht 25-jährigen Täter, der in sei-

ner Persönlichkeitsentwicklung erheblich gestört ist, in eine Einrichtung für junge 

Erwachsene einweisen, wenn er ein Verbrechen oder Vergehen (sog. Anlasstat) 

begangen hat, das mit der Störung seiner Persönlichkeitsentwicklung im Zusam-

menhang steht und zu erwarten ist, dadurch lasse sich der Gefahr weiterer mit 

der Störung in Zusammenhang stehender Taten begegnen (Art. 61 Abs. 1 StGB). 

Dem Täter sollen die Fähigkeiten vermittelt werden, selbstverantwortlich und 

straffrei zu leben. Insbesondere ist seine berufliche Aus- und Weiterbildung zu för-

dern (Art. 61 Abs. 3 StGB). Die Massnahme dient dem Zweck, mit sozialpädago-

gischen und therapeutischen Mitteln eine erheblich gestörte Entwicklung der Per-

- 35 -

sönlichkeit günstig zu beeinflussen. Sie ist mit ihren aus dem Jugendstrafrecht 

hereinwirkenden Gesichtspunkten auf Täter zugeschnitten, die sich nach Persön-

lichkeitsstruktur und Begehungsweise noch in den weiteren Umkreis der Adoles-

zenzkriminalität einordnen lassen. Es sollen junge Erwachsene eingewiesen wer-

den, deren Entwicklung sich noch wesentlich beeinflussen lässt und die dieser Er-

ziehung zugänglich erscheinen (BGE 142 IV 49 E. 2.1.2; BGE 125 IV 237 E. 6b; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_1225/2021 vom 7. Januar 2022 E. 3.4.1 mit Hinwei-

sen).

2.1.3. Das Gericht hat sich bei seinem Entscheid über die Anordnung einer Mass-

nahme für junge Erwachsene nach Art. 61 StGB auf eine sachverständige Begut-

achtung zu stützen. Diese muss sich zur Notwendigkeit und den Erfolgsaussich-

ten einer Behandlung des Täters, zur Art und Wahrscheinlichkeit weiterer mögli-

cher Straftaten und zu den Möglichkeiten des Vollzugs der Massnahme äussern 

(vgl. Art. 56 Abs. 3 StGB). Das Gericht würdigt Gutachten grundsätzlich frei 

(Art. 10 Abs. 2 StPO), darf aber in Fachfragen nicht ohne triftige Gründe davon 

abweichen und hat Abweichungen einlässlich zu begründen (BGE 146 IV 114 

E. 2.1; BGE 142 IV 49 E. 2.1.3; BGE 141 IV 369 E. 6.1).

Das (Prognose-) Gutachten erfordert eine umfassende und in sich nachvollzieh-

bare Darstellung des Erkenntnis- und Wertungsprozesses des Sachverständigen. 

Dazu gehört namentlich die Angabe der von ihm herangezogenen und ausgewer-

teten Erkenntnismittel sowie der Untersuchungsmethode. Um die Nachvollzieh-

barkeit und Transparenz zu gewährleisten, hat die sachverständige Person im 

Gutachten umfassend darzulegen, wie und weshalb sie zu den von ihr gefunde-

nen Ergebnissen gelangt. Die Schlussfolgerungen müssen transparent sowie für 

die Verfahrensbeteiligten nachvollziehbar dargestellt werden. Das Gericht hat das 

Gutachten nach fachwissenschaftlichen Kriterien zu verstehen und zu prüfen. Es 

muss das Gutachten selbständig beurteilen und darf die Prognoseentscheidung 

nicht der sachverständigen Person überlassen. Die richterliche Überprüfung des 

Gutachtens hat sich deshalb nicht nur auf das ermittelte Prognoseergebnis als 

solches zu beziehen, sondern muss sich auf die Qualität der gesamten Prognose-

stellung inklusive der vom Sachverständigen allenfalls verwendeten Prognosein-

- 36 -

strumente erstrecken. Das Gericht muss im Ergebnis eine eigenständige Beurtei-

lung des Sachverständigenbeweises im Hinblick auf die Einbeziehung aller für die 

Begutachtung relevanten Umstände vornehmen, damit es gestützt darauf einen 

eigenverantwortlichen Entscheid zur Gefährlichkeit treffen kann (BGE 149 IV 325 

E. 4.2; Urteile des Bundesgerichts 6B_354/2022 vom 24. August 2022 E. 3.1 und 

3.3.1; 6B_828/2018 vom 5. Juli 2019 E. 6.2; 6B_1147/2018 vom 25. März 2019 

E. 1.3.2; je mit Hinweisen auf HEER, in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kom-

mentar Strafrecht, 4. Auflage, Basel 2019, N 50b, 53, 61, 64b, 65c, 75 und 78 zu 

Art. 56 StGB).

2.2. Würdigung

2.2.1. Der Beschuldigte hat sich u.a. des mehrfachen, teilweise versuchten Rau-

bes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 

Abs. 1 StGB, schuldig gemacht, womit die Voraussetzung einer Anlasstat im 

Sinne von Art. 61 Abs. 1 lit. a StGB erfüllt ist. Bei Verübung dieser Taten am 

13. November 2021 war der Beschuldigte 18 ½ Jahre alt.

2.2.2. In seinem Gutachten vom 12. Juli 2022 stellte der sachverständige Gutach-

ter Dr. med. J._____ zunächst fest, dass beim Beschuldigten anamnestisch eine 

Störung des Sozialverhaltens (ICD-10: F91) bestehe. Sodann gelangte er zur Dia-

gnose, dass der Beschuldigte tatzeitaktuell an einer Entwicklungsstörung der Per-

sönlichkeit mit unreifen und dissozialen Zügen (ohne Kodierung eines internatio-

nalen Klassifikationssystems), einer Anpassungsstörung (ICD-10:43.2), einer 

leichten Alkoholkonsumstörung und am Missbrauch von Cannabis gelitten habe 

(Urk. D1/11/2 S. 42 ff. und S. 54). 

2.2.3. Wie bereits erwähnt, stellt der Beschuldigte in Frage, ob die vom Gutachter 

diagnostizierte Entwicklungsstörung der Persönlichkeit mit unreifen und dissozia-

len Zügen eine derartige Fehlentwicklung darstelle, welche die Anordnung einer 

Massnahme für junge Erwachsene zu rechtfertigen vermöge. Art. 61 Abs. 1 StGB 

setze eine erhebliche Störung in der Persönlichkeitsentwicklung voraus und nicht 

nur eine altersbedingte unabgeschlossene Entwicklung. Aus den Ausführungen 

im forensisch-psychiatrischen Gutachten ergebe sich, dass für die Diagnose der 

- 37 -

gestörten Persönlichkeitsentwicklung das junge Alter des Beschuldigten massge-

blich gewesen sei, weshalb der Schluss naheliege, dass bei ihm lediglich eine al-

tersbedingte unabgeschlossene Entwicklung bestehe, welche für die Anordnung 

einer Massnahme im Sinne von Art. 61 StGB nicht ausreiche (Urk. 49 Rz 26; 

Urk. 70 Rz 64 ff.).

2.2.4. Diesem Vorbringen ist zu entgegnen, dass sich der Gutachter nur insoweit 

zum jungen Alter des Beschuldigten äusserte, als er überprüfte bzw. abgrenzte, 

ob bereits die Diagnose einer dissozialen Persönlichkeitsstörung zu stellen sei 

oder ob (noch) von einer Störung in der Persönlichkeitsentwicklung mit dissozia-

len Zügen auszugehen sei. Konkret führte er aus, dass sich dissoziale, labile und 

unreife Persönlichkeitsmerkmale bis in die Kindheit und Jugend des Beschuldig-

ten zurückverfolgen liessen und deutlicher Ausdruck einer gestörten Persönlich-

keitsentwicklung seien (Urk. D1/11/2 S. 61). Da der Beschuldigte noch verhältnis-

mässig jung sei und seine Persönlichkeitsentwicklung noch nicht als abgeschlos-

sen angesehen werden könne, sollte die Diagnose einer dissozialen Persönlich-

keitsstörung trotzdem (noch) nicht gestellt werden (Urk. D1/11/2 S. 45). Es be-

stehe zwar sehr wohl ein Risiko, dass sich aus der offenkundig gestörten Persön-

lichkeitsentwicklung eine manifeste Persönlichkeitsstörung entwickeln könnte, zu-

mal diesbezüglich mehrere Indikatoren vorliegen würden (Urk. D1/11/2 S. 44). 

Dennoch bestehe die Aussicht, dass die noch bestehende Unreife in der Persön-

lichkeitsentwicklung des Beschuldigten durch sozialpädagogische, agogische und 

psychotherapeutische Behandlungen soweit gebessert bzw. korrigiert werden 

könne, dass die Manifestation einer dissozialen Persönlichkeitsstörung verhindert 

werden könne (Urk. D1/11/2 S. 45; vgl. zum Ganzen auch S. 53 f.). Folglich ergibt 

sich aus den Ausführungen des sachverständigen Gutachters nicht, dass die Per-

sönlichkeitsentwicklung des Beschuldigten lediglich altersbedingt noch nicht ab-

geschlossen ist. Vielmehr attestiert er ihm eine erhebliche Störung in der Persön-

lichkeitsentwicklung, die sich bei Ausbleiben einer interdisziplinären Behandlung 

zu einer dissozialen Persönlichkeitsstörung weiterentwickeln bzw. aggravieren 

könnte. Der Gutachter sieht jedoch Potential, dass die erheblich gestörte Entwick-

lung der Persönlichkeit des Beschuldigten mit sozialpädagogischen, agogischen 

und psychotherapeutischen Behandlungsansätzen günstig beeinflusst werden 

- 38 -

könnte. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass Dr. med. J._____ neben einer 

Störung in der Persönlichkeitsentwicklung auch eine Störung des Sozialverhal-

tens diagnostizierte und diesbezüglich festhielt, dass entsprechende Symptome 

bzw. Verhaltensauffälligkeiten des Beschuldigten bereits relativ früh aufgetreten 

seien und sich im weiteren Verlauf seiner Kindheit und Jugend wiederholt bzw. 

zeitlich überdauert hätten (Urk. D1/11/2 S. 43). Damit liegt ein hinreichender Ein-

weisungsgrund gemäss Art. 61 Abs. 1 StGB vor.

2.2.5. Aus dem forensisch-psychiatrischen Gutachten von Dr. med. J._____ er-

gibt sich weiter, dass zwischen der gestörten Persönlichkeitsentwicklung des Be-

schuldigten und der vorgenannten Anlasstaten ein Zusammenhang besteht 

(Urk. D1/11/2 S. 54 und S. 61; vgl. auch Urk. 47 S. 42), was von der Verteidigung 

zu Recht nicht in Abrede gestellt wurde. Folglich ist auch diese Voraussetzung 

gemäss Art. 61 Abs. 1 lit. a StGB erfüllt. 

2.2.6. Weiter ist zu prüfen, ob die Anordnung einer Massnahme für junge Erwach-

sene geeignet und erforderlich ist, um der Gefahr weiterer, mit der gestörten Per-

sönlichkeitsentwicklung in Zusammenhang stehender Taten des Beschuldigten zu 

begegnen, mithin seine Legalprognose zu verbessern. Dies schliesst die Prüfung 

mit ein, ob der Beschuldigte behandlungsbedürftig ist (Art. 61 Abs. 1 lit. b StGB; 

Art. 56 Abs. 1 lit. a und b StGB). 

2.2.7. Dr. med. J._____ gelangte nach Abwägung der prognostisch relevanten 

Faktoren zur Einschätzung, dass die Rückfallwahrscheinlichkeit für vergleichbare 

Tathandlungen im Wesentlichen davon abhängig sei, ob und inwieweit es gelinge, 

beim Beschuldigten hinsichtlich seiner erheblich gestörten Persönlichkeitsentwick-

lung zu intervenieren und die Manifestation einer dissozialen Persönlichkeitsstö-

rung zu verhindern. Unbehandelt und ohne engmaschige (stationäre) Therapie, 

die dem Beschuldigten neben einer Wohnmöglichkeit auch therapeutische Ange-

bote und einen Ausbildungsplatz biete, müsse die Rückfallgefahr für den Anlass-

taten vergleichbare Delikte als hoch eingeschätzt werden. Diese Gefahr lasse 

sich jedoch durch eine angemessene Behandlung des Beschuldigten deutlich 

senken (Urk. D1/11/2 S. 53 und S. 58 f.).

- 39 -

Dazu hält der sachverständige Gutachter fest, dass angesichts der Bedeutung der 

unreifen, labilen und dissozialen Persönlichkeitsmerkmale für die praktische Le-

bensgestaltung des Beschuldigten und des mit diesen Merkmalen in Wechselwir-

kung stehenden Substanzmissbrauchs eine sozialpädagogische, agogische und 

psychotherapeutische Behandlung angezeigt sei (Urk. D1/11/2 S. 54). Auch we-

gen seiner noch unsicheren Einsicht in die bei ihm vorliegende Störung der Per-

sönlichkeitsentwicklung und der noch nicht abschliessend zu beurteilenden Kon-

stanz seiner Therapiemotivation und seines Durchhaltevermögens sei lediglich 

eine langfristige (stationäre) Behandlung des Beschuldigten geeignet, der Gefahr 

weiterer Straftaten zu begegnen. Ohne eine entsprechende Anordnung müsse 

davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte keine konkreten Veränderun-

gen in seinem Verhalten und hinsichtlich seiner Lebensbedingungen zu bewerk-

stelligen vermöge und sich eine dissoziale Persönlichkeitsstörung manifestieren 

könnte (Urk. D1/11/2 S. 60). Konkret empfiehlt Dr. med. J._____ die Fortführung 

der bisherigen Therapie in der D._____, insbesondere wegen der Möglichkeit de-

liktzentrierter und deliktpräventiver Arbeit einerseits und eines psychoedukativen, 

auch die berufliche Zukunft und die Lebensplanung des Beschuldigten berück-

sichtigenden Behandlungsansatzes andererseits. Dabei betont er, dass ihm das 

Gebot der getrennten Unterbringung von Jugendlichen, jungen Erwachsenen und 

Erwachsenen sehr wohl bewusst sei. Allerdings sei aus gutachterlicher Sicht zu 

befürchten, dass die sehr erfreuliche Entwicklung des Beschuldigten gefährdet 

wäre, nähme man ihn aus dem aktuellen Setting in der D._____ heraus und weise 

man ihn in eine Massnahmeinstitution für junge Erwachsene ein (Urk. D1/11/2 

S. 56 f. und S. 62). 

2.2.8. Der Beschuldigte macht in diesem Zusammenhang – wie eingangs er-

wähnt – geltend, dass ihm aufgrund seiner Deliktsfreiheit seit Verübung der ange-

klagten Straftaten und der zuletzt sehr positiven Entwicklung in der D._____ keine 

negative Legalprognose (mehr) attestiert werden dürfe (Urk. 49 Rz 23 ff.; Urk. 70 

Rz 49 ff., 59 ff.). 

2.2.9. Zum bisherigen Verlauf seines Aufenthalts in der D._____ ist festzuhalten, 

dass der Beschuldigte auf entsprechende Veranlassung der KESB Nidwalden am 

- 40 -

17. August 2020 dort platziert wurde. Zunächst befand er sich während rund 

sechs Monaten auf der Beobachtungsstation, bis er im Mai 2021 in das Lehrlings-

haus 1 übertreten konnte. Nach Verbüssung eines Freiheitsentzugs von 25 Tagen 

gemäss Strafbefehl der Jugendanwaltschaft Nidwalden vom 15. Oktober 2020 be-

gann er im Sommer 2021 eine Lehre als Maler. Aus dem therapeutischen Ver-

laufsbericht von lic. phil. Q._____ vom 20. Januar 2023 geht hervor, dass sich der 

Beschuldigte nach anfänglich schwierigem und auffälligem Sozialverhalten auf 

der Beobachtungsstation zunehmend habe stabilisieren können. Vor allem der 

Übertritt ins Lehrlingshaus 1 und die begonnene Lehrausbildung als Maler hätten 

diese positive Entwicklung weiter beschleunigt und gefestigt (Urk. 34). Dennoch 

verübte der Beschuldigte am 13. November 2021 und damit nur wenige Monate 

nach Antritt seiner Berufsausbildung die verfahrensgegenständlichen Delikte und 

wurde deshalb in Untersuchungshaft versetzt. Als Mitursache für die erneute De-

linquenz trotz Unterbringung in der D._____ nennen sowohl der sachverständige 

Gutachter Dr. med. J._____ als auch die behandelnde Therapeutin eine Krise in 

der Beziehung des Beschuldigten zu seiner damaligen Freundin bzw. die Aussicht 

auf ihre allfällige Trennung von ihm (Urk. D1/11/2 S. 46 f., 52; Urk. 34). Nach sei-

ner Entlassung aus der Untersuchungshaft Ende Januar 2022 kehrte der Beschul-

digte wieder in die D._____ zurück. Im Sommer 2022 begann er (nochmals) mit 

dem ersten Lehrjahr seiner Berufsausbildung zum Maler. Seither kam es zu kei-

nen weiteren Unterbrechungen seines Aufenthalts in der D._____ und seiner 

Lehre (Prot. II S. 7). Vielmehr zeichnet sich eine fortlaufend positive Entwicklung 

des Beschuldigten ab, was von der behandelnden Therapeutin lic. phil. Q._____, 

dem sachverständigen Gutachter und den involvierten Sozialpädagogen überein-

stimmend beobachtet bzw. hervorgehoben wird. Insbesondere zeige der Beschul-

digte eine deutliche Verbesserung seines Sozialverhaltens, eine gute Kooperation 

und Verlässlichkeit (vgl. Urk. D1/11/2 S. 51, 56 f., 62; Urk. 34). 

2.2.10. Diese Entwicklung wird ganz entscheidend durch die vom Beschuldigten 

begonnene Berufsausbildung zum Maler begünstigt. Das erste Lehrjahr musste er 

aufgrund seiner längeren Abwesenheit infolge der Untersuchungshaft im vorlie-

genden Verfahren zwar wiederholen. Inzwischen befindet er sich allerdings in der 

Hälfte seines zweiten Lehrjahrs und wird die Berufsausbildung voraussichtlich 

- 41 -

Ende Sommer 2025 abschliessen können. Anlässlich der Berufungsverhandlung 

betonte der Beschuldigte, dass ihm die Malerlehre immer noch sehr gut gefalle 

und ihm insbesondere der Kontakt zu Kunden viel Freude bereite (Prot. II S. 7 f., 

20 f.). Sein Berufsbildner hielt im Verlaufsbericht vom 20. Januar 2023 fest, dass 

er morgens immer pünktlich und in gepflegtem Auftreten erscheine. Sein Verhal-

ten gegenüber den Mitlernenden und den Vorgesetzten sei stets adäquat und 

freundlich. Die ihm aufgetragenen Arbeiten erledige er (der Beschuldigte) korrekt 

und gewissenhaft. Sein handwerkliches Geschick, sein fundiertes Allgemein-

wissen und sein rasches Umsetzungsvermögen liessen keinen Zweifel an seiner 

Eignung für den Beruf des Malers aufkommen. Es mangle ihm einzig am 

Durchhaltewillen und Engagement (Urk. 34). Nach Einschätzung der 

behandelnden Therapeutin lic. phil. Q._____ habe die Lehrausbildung dem 

Beschuldigten die Entwicklung einer Berufsidentität und den Aufbau stabiler 

Bindungen zu den Berufsbildern bzw. zu seinen Vorgesetzten ermöglicht. Dies 

habe sodann dazu beigetragen, dass der Beschuldigte zunehmend tragfähigere 

und vertrauensvollere Beziehungen zu anderen Bezugspersonen aus Pädagogik 

und Psychologie habe aufbauen können (Urk. 34; vgl. auch Urk. D1/11/2 S. 51 f.). 

Durch die Lehre zum Maler im internen Ausbildungsbetrieb konnte folglich eine 

deutliche Stabilisierung der Persönlichkeitsentwicklung des Beschuldigten erreicht 

werden und zeigte er sich deshalb auch zunehmend offen und motiviert für 

Behandlungsansätze in sozialpädagogischer und psychotherapeutischer Hinsicht. 

2.2.11. Der Beschuldigte nimmt seit seinem Eintritt in die D._____ grundsätzlich 

jede Woche (teilweise auch nur jede zweite Woche) psychiatrisch-psychologische 

Einzelgespräche bei lic. phil. Q._____ wahr. Darüber hinaus besuchte er ein Anti-

Aggressionstraining und nahm an einem deliktorien-tierten Skill-Programm 

(Sozialpädagogisch-Therapeutische Auseinandersetzung mit Risiko-Themen) teil. 

In ihrem Verlaufsbericht vom 20. Januar 2023 hielt die behandelnde Psychologin 

fest, dass sich aus den bisherigen Therapiegesprächen ergeben habe, dass der 

Beschuldigte offen und motiviert sei, die bei ihm relevan-ten Themen der 

psychotherapeutischen Behandlung anzugehen und die begonnene Therapie wei-

terzuführen. Er habe bereits alternative Handlungs- und Beziehungsmuster inter-

nalisiert und diese immer öfter auch anwenden können. Weiter zeige er sowohl 

- 42 -

eine hohe Beziehungs- bzw. Bindungsbereitschaft als auch -fähigkeit, ein Bedürf-

nis nach sozialer Anerkennung und Kompetenzerleben und habe über längere 

Perioden eine hohe Anpassungsleistung im strukturierten Umfeld der Institution 

zeigen können (Urk. 34). Als legalprognostisch günstiger Faktor ist folglich zu 

berücksichtigen, dass der Beschuldigte inzwischen seit mehreren Jahren 

regelmässig und verlässlich lic. phil. Q._____ aufsucht zu psychothera-peutischen 

Einzelgesprächen und darüber hinaus freiwillige Kurse zur Aggres-

sionsbewältigung und Deliktprävention absolviert hat. Die therapeutische Be-

handlung führte denn auch zu ersten Änderungen im Verhalten des Beschul-

digten. Entscheidend ist sodann, dass die behandelnde Therapeutin keine (dis-

soziale) Persönlichkeitsstörung diagnostizierte, was dafür spricht, dass es gelang, 

hinsichtlich der gestörten Persönlichkeitsentwicklung zu intervenieren und eine 

weitere Aggravierung hin zu einer manifesten Störung der Persönlichkeit des 

Beschuldigten zu verhindern. 

2.2.12. Als deutliches Indiz für die positive Entwicklung des Beschuldigten ist wei-

ter zu werten, dass er inzwischen ins Lehrlingshaus 3 übertreten konnte. Nach 

seinen Angaben habe er dort mehr Freiheiten, was seine Freizeitgestaltung 

betreffe. Gleichzeitig komme ihm jedoch auch mehr Eigenverantwortung mit 

Bezug auf die Erledigung verschiedener Ämtli etc. zu (Prot. II S. 9). An dieser 

Stelle ist sodann darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte innerhalb der 

Patientengemeinschaft der D._____ Verantwortung für andere übernehmen kann, 

was nach der Einschätzung von Dr. med. J._____ geeignet ist, zu einer sicheren 

Identitätsentwicklung beizutragen und als protek-tiver Faktor bezüglich der 

Legalprognose zu wirken (Urk. D1/11/2 S. 57). Ebenso günstig fällt ins Gewicht, 

dass sich der Beschuldigte von seiner früheren "Peer-group", die zu deliktischem 

Verhalten neigte, distanzierte und sich einem eher prosozial eingestellten 

Kollegenkreis zuwandte. Dies ergibt sich nicht nur aus den entsprechenden 

Aussagen des Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhand-lung, sondern 

auch aus den Feststellungen von Dr. med. J._____ in seinem Gut-achten vom 

12. Juli 2022 (Prot. II S. 10, 12 ff., 18; Urk. D1/11/2 S. 36, 39, 51, 57). In diesem 

Zusammenhang ist sodann zu erwähnen, dass der Beschuldigte seit etwas mehr 

als einem Jahr eine neue Freundin hat, die er über einen Kollegen kennenlernte. 

- 43 -

Anlässlich der Berufungsverhandlung führte er aus, dass sie ihn in sämtlichen Le-

bensbereichen unterstütze und ihn insbesondere motiviere, seine Lehrausbildung 

erfolgreich abzuschliessen. Er wolle sie stolz machen und ihr zeigen, dass er et-

was könne und nicht einer sei, der nur Scheiss mache. Er wolle sie keinesfalls 

enttäuschen (Prot. II S. 18 f.). Aus diesen Ausführungen des Beschuldigten ergibt 

sich, dass die neue Beziehung ihm grossen Halt gibt und ihn sodann in hohem 

Ausmass dazu anspornt, das Beste aus sich herauszuholen. Wegen ihrer Wich-

tigkeit birgt die Beziehung zwar auch die Gefahr einer emotionalen Destabilisie-

rung, falls es erneut – wie zuletzt im November 2021 mit der damaligen Freundin 

– zu einer Krise oder einer Trennungssituation käme. Dem Verlaufsbericht der be-

handelnden Therapeutin lic. phil. Q._____ vom 20. Januar 2023 lässt sich aller-

dings entnehmen, dass der Beschuldigte insbesondere seit dem Sommer 2022 

eine stetig zunehmende Kontrollfähigkeit im Umgang mit schwierigen Emotionen 

und ein höheres Mass an Differenzierungsfähigkeiten zeige, insbesondere bei der 

Beziehungsgestaltung mit der (Ex-) Freundin und verschiedenen Familienmitglie-

dern (Urk. 34). Folglich ist die Beziehung des Beschuldigten zu seiner aktuellen 

Freundin überwiegend als Faktor zu werten, der seine persönliche Entwicklung 

positiv zu beeinflussen vermag.

2.2.13. Zu berücksichtigen ist zudem, dass sich der Beschuldigte im Zusammen-

hang mit dem vorliegenden Strafverfahren während rund zweieinhalb Monaten in 

Untersuchungshaft befand, was auf ihn Eindruck gemacht haben muss, zumal er 

bis dahin lediglich einen kürzeren Freiheitsentzug im Sinne des Jugendstrafrechts 

von 25 Tagen zu verbüssen hatte. Dies zeigt sich auch darin, dass es seit seiner 

Entlassung aus der Untersuchungshaft am 26. Januar 2022 nicht zu weiterer De-

linquenz gekommen ist. Damit hat sich der Beschuldigte seit immerhin rund zwei 

Jahren – soweit ersichtlich – wohlverhalten (vgl. Urk. 63). Dies stellt zwar unter 

normalen Umständen keine besondere Leistung dar. Nachdem der Beschuldigte 

in der Vergangenheit jeweils innert kürzester Zeit erneut delinquierte, könnte sein 

Wohlverhalten während der letzten zwei Jahre indes doch Ausdruck einer nach-

haltigen Änderung seines Verhaltens sein. Zu berücksichtigen ist sodann, dass 

nach den bisher verhängten Sanktionen des Jugendstrafrechts erstmals eine Frei-

heitsstrafe von nicht unerheblichen 15 Monaten ausgesprochen wird, was dem 

- 44 -

Beschuldigten ebenfalls den Ernst der Lage verdeutlichen und ihn von weiterer 

Delinquenz abhalten dürfte.

2.2.14. Weiter ist darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte anlässlich der Beru-

fungsverhandlung erklärte, seit Juni / Juli 2023 gar keinen Alkohol mehr zu konsu-

mieren. Nachdem er beobachtet habe, wie seine Mutter und deren Partner unter 

Alkoholeinfluss miteinander gestritten hätten und dieser Streit eskaliert sei, habe 

es ihm wie abgestellt und könne er deshalb keinen Alkohol mehr trinken (Prot. II 

S. 11 f.). Der Verzicht des Beschuldigten auf den Konsum von Alkohol wirkt sich 

aus verschiedenen Gründen als legalprognostisch günstig aus. So gab er gegen-

über dem sachverständigen Gutachter selbst an, dass er unter dem Einfluss von 

Alkohol zu aggressivem Verhalten oder derartigen Reaktionen neige 

(Urk. D1/11/2 S. 21, 27, 38, 45, 52). Bei Verübung der Anlasstaten (mehrfacher, 

teilweise versuchter Raub) war er stark alkoholisiert (Urk. D1/14/6), was intoxikati-

onsbedingt zu einer hohen aggressiven Erregung und einer entsprechenden Ver-

haltensbereitschaft, zu verminderter Kritikfähigkeit und einer Enthemmung führte, 

welche Auswirkungen seine Steuerungsfähigkeit mittelgradig beeinträchtigten 

(Urk. D1/11/2 S. 50). Dr. med. J._____ hielt in seinem forensisch-psychiatrischen 

Gutachten ferner fest, dass der Beschuldigte zur Tatzeit eine leichte Alkoholkon-

sumstörung aufgewiesen habe (Urk. D1/11/2 S. 42, 45, 54, 57, 59). 

2.2.15. Zuletzt ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte Reue und Einsicht in 

das Unrecht der verübten Taten zeigte. Diesbezüglich kann auf die vorstehenden 

Erwägungen unter Ziffer IV.2.1.4.3. verwiesen werden. Im seinem Gutachten 

führte Dr. med. J._____ sodann aus, dass der Beschuldigte dahingehend Schuld-

gefühle gezeigt habe, dass ihm seine delinquente Vergangenheit unangenehm 

sei bzw. ihn peinlich berühre und er heute kaum noch eine Erklärung dafür habe, 

warum er frühere Straftaten begangen habe (Urk. D1/11/2 S. 38, 53). Dies lässt 

auf eine tiefgründigere und authentische Reflektion des Beschuldigten über die in 

der Vergangenheit verübten Delikte und die damals wirkenden Deliktsmechanis-

men schliessen. Sodann ist ersichtlich, dass ein Umdenken in dem Sinne stattge-

funden hat, dass er sich aufgrund seines straffälligen Verhaltens nicht länger als 

"Gangster" bzw. "krass" fühlt, sondern sich rückblickend dafür schämt. Der Be-

- 45 -

schuldigte betonte gegenüber dem sachverständigen Gutachter, dass er sein Le-

ben unbedingt ändern und dazu seinen weiteren Aufenthalt in der D._____ nutzen 

wolle (Urk. D1/11/2 S. 55). Angesichts seiner verlässlichen und motivierten Teil-

nahme an den interdisziplinären Behandlungen und seiner Berufsausbildung, er-

scheint die geäusserte Änderungsbereitschaft ernst gemeint und glaubhaft. Auch 

dies wirkt sich positiv auf die Legalprognose aus und macht deutlich, dass der Be-

schuldigte eine vielversprechende und günstige Entwicklung in seiner Persönlich-

keit durchgemacht hat. 

2.2.16. Daneben bestehen weiterhin legalprognostisch ungünstige Faktoren, die 

im forensisch-psychiatrischen Gutachten vom 12. Juli 2022 im Einzelnen darge-

legt werden. Im Wesentlichen nennt Dr. med. J._____ die folgenden Umstände: 

 dass der Beschuldigte sehr früh fremdplatziert worden sei, 

 dass er ebenfalls früh Verhaltensauffälligkeiten bzw. dissoziale Verhal-

tensweisen gezeigt habe, obwohl er während mehrerer Jahre in einem 

stabilen und Halt gebenden Umfeld bei hingebungsvollen Pflegeeltern 

aufgewachsen sei, 

 dass er bereits als Jugendlicher delinquiert habe und sich während ei-

ner ihm gewährten Probezeit (vgl. Strafbefehl der Jugendanwaltschaft 

Nidwalden vom 30. Juni 2020) nicht bewährt habe, 

 dass er bei Verübung der Anlasstaten noch sehr jung gewesen sei,

 dass er Anzeichen einer Bindungstraumatisierung zeige (Urk. D1/11/2 

S. 50 f., 53). 

Auf diese negativen Faktoren hat der Beschuldigte keinen Einfluss. Sie werden 

(allenfalls mit Ausnahme der Bindungstraumatisierung) stets bestehen bleiben 

und sich nicht verändern lassen. Allerdings vermögen die legalprognostisch güns-

tigen Faktoren bzw. die vorstehend dargelegte positive Entwicklung des Beschul-

digten in der D._____ die ungünstig wirkenden Umstände ganz entscheidend zu 

relativieren. In Abweichung von den Schlussfolgerungen des sachverständigen 

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Gutachters ist daher aktuell nur noch von einer geringen Rückfallgefahr auszuge-

hen, welche die Legalprognose des Beschuldigten nicht derart belastet, dass ihm 

eine eigentliche Schlechtprognose gestellt werden muss. An dieser Stelle ist her-

vorzuheben, dass se