# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c495a4f3-19dc-5224-b9ba-9aa450a6f5d2
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-02-16
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 16.02.2022 SK 2020 444
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2020-444_2022-02-16.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 20 444 / SK 21 10

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 16. Februar 2022 

Besetzung Oberrichterin Friederich Hörr (Präsidentin i.V.), Oberrichter Horis-
berger, Oberrichterin Bratschi
Gerichtsschreiberin Herger

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Fürsprecher Dr. B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

und

C.________
v.d. Rechtsanwalt D.________

Straf- und Zivilkläger

Gegenstand versuchte vorsätzliche Tötung, versuchte schwere Körperverlet-
zung, Diebstahl sowie Widerrufsverfahren

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Kollegialgericht) vom 27. August 2020 (PEN 18 344, 348 und 
349)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Bern-Mittelland (Kollegialgericht in Fünferbesetzung; nachfol-
gend Vorinstanz) fällte am 27. August 2020 folgendes Urteil (pag. 1002 ff., Hervor-
hebungen im Original):

I.

Das Strafverfahren gegen A.________

wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, angeblich mehrfach begangen, zu-
letzt am 09.10.2016 in Bern durch Konsum von Marihuana;

wird infolge Verjährung eingestellt,

ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten.

II.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der versuchten vorsätzlichen Tötung, begangen am 04.10.2016 in L.________ (Ortschaft) z.N. 
von C.________;

2. der versuchten schweren Körperverletzung, begangen am 04.10.2016 in L.________ (Orts-
chaft) z.N. von C.________;

3. des Diebstahls, begangen am 04.10.2016 in L.________ (Ortschaft) z.N. von C.________;

und in Anwendung der Art. 22 Abs. 1, 34, 40, 47, 48a, 49 Abs. 1 und 2, 51, 61, 111, 122, 139 Ziff. 1 
StGB; Art. 426 Abs. 1 StPO

sowie unter Einbezug der seinerzeit bedingt ausgesprochenen und nunmehr zu vollziehenden Strafe 
aus dem Urteil der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 14.09.2015 (Geldstrafe von 15 Tagessät-
zen) im Sinne einer Gesamtstrafe gemäss Art. 46 Abs. 1 StGB

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren und 4 Monaten.

Die Polizeihaft von 1 Tag wird an die Freiheitsstrafe angerechnet.

A.________ wird in eine Einrichtung für junge Erwachsene eingewiesen.

2. Zu einer Gesamtgeldstrafe von 26 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total CHF 780.00, 
als Zusatzstrafe zum Urteil der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 20.06.2019.

3. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 24'000.00 und Ausla-
gen von CHF 17’316.00, insgesamt bestimmt auf CHF 41'316.00 (ohne Kosten für die amtliche 
Verteidigung).

3

Kosten der Untersuchung CHF 8'500.00
Auftritt Staatsanwältin an HV CHF 2'500.00
Kosten des Gerichts (inkl. schriftl. Begründung) CHF 13'000.00
Total CHF 24'000.00

Auslagen Staatsanwaltschaft (Gutachten etc.) CHF 6'302.00
Auslagen Gericht (psych. Gutachten) CHF 11'014.00
Total CHF 17'316.00

Total Verfahrenskosten CHF 41'316.00

Die Auslagen setzen sich zusammen aus:

III.

Das Widerrufsverfahren betreffend Urteil der Staatsanwaltschaft Region Oberland, Thun vom 
03.12.2014 wird gemäss Art. 46 Abs. 5 StGB eingestellt.

IV.

Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung von A.________ 
durch Rechtsanwalt E.________ werden wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 15.35 200.00 CHF 3'070.00

CHF 31.40
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 3'101.40 CHF 238.80
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 3'340.20

Auslagen MWST-pflichtig

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt E.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 3'340.20. 

A.________ hat dem Kanton Bern sowohl die Rechtsanwalt H.________ am 29.05.2019 ausgerichte-
te amtliche Entschädigung in der Höhe von CHF CHF 18‘007.50 als auch diejenige von Rechtsanwalt 
E.________ zurückzuzahlen (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Beide Anwälte haben auf eine Differenzzah-
lung vom amtlichen zum vollen Honorar nach Art. 135 Abs. 4 lit. b StPO verzichtet. 

V.

A.________ wird in Anwendung von Art. 41 und 47 OR sowie Art. 126 und 433 StPO weiter verur-
teilt:

1. Zur Bezahlung von CHF 5'000.00 Genugtuung zuzüglich 5 % Zins [seit] dem 04.10.2016 an den 
Privatkläger C.________.

2. Zur Bezahlung einer Parteientschädigung von CHF 17'806.00 an den Privatkläger C.________.

3. Für die Beurteilung der Zivilklage werden keine Kosten ausgeschieden.

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VI.

Weiter wird verfügt:

1. Folgende Gegenstände werden zur Vernichtung eingezogen (Art. 69 StGB):
 Kleidungsstücke Opfer, Ass. 002, 003, 004, 005, 006, (beim KTD)
 1 Schere mit Kunststoffgriff, orange, Ass. 008 (beim KTD) 
 1 Sackmesser mit Holzgriff, Ass. 009 (beim KTD)
 1 Klappmesser, silber-schwarz, Ass. 027 (beim KTD)
 1 Klappmesser, schwarz, Ass. 028 (beim KTD)
 1 Sackmesser, rot, Victorinox, Ass 026 (beim KTD).

2. Folgende Gegenstände werden nach Rechtskraft des Urteils an Familie I.________ und 
J.________, K.________weg, L.________ (Ortschaft), herausgegeben:
 1 Küchenschnitzer mit gewellter Klinge und gelbem Griff, Ass. 012 (beim KTD)
 1 Papiermesser fein, mit rotem Griff, Ass. 013 (beim KTD)
 1 Sackmesser mit rotem Griff, Ass. 014 (beim KTD)
 1 Sackmesser mit blauem Griff, Ass. 015 (beim KTD)
 1 Sackmesser mit schwarzem Griff, Ass. 016 (beim KTD)
 1 Skalpell mit blauem Griffstück, Ass. 018 (beim KTD)
 1 Sackmesser mit metallischem Griff, Ass. 020 (beim KTD)
 1 Sackmesser Appenzeller, Ass. 021 (beim KTD)
 1 Pilzmesser Opinel mit Holzgriff und Pinsel, Ass. 019 (beim KTD)
 1 Skalpell mit Griffstück “Tüscher Diener”, Ass. 017 (beim KTD).

[Verfügungen betreffend DNA und der biometrischen erkennungsdienstlichen Daten sowie Eröff-
nungsformel]

2. Berichtigung

Mit Beschluss vom 27. August 2020 (pag. 1008 ff.) berichtigte die Vorinstanz ihr Ur-
teil vom 27. August 2020 bezüglich der Ziff. IV − amtliches Honorar von Rechtsan-
walt E.________ − wie folgt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 20.85 200.00 CHF 4'170.00

CHF 31.40
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 4'201.40 CHF 323.50
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 4'524.90

Auslagen MWST-pflichtig

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt E.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 4'524.90. […]

[Eröffnungsformel]

Begründung: 

Bei der Festsetzung des amtlichen Honorars gingen die Stunden für die Teilnahme an der Hauptver-
handlung vom 25.08.2020 (4 ½ Std.) und an der Urteilseröffnung vom 27.08.2020 (1 Std.) vergessen. 
Das Urteil wird hiermit ergänzt resp. berichtigt (Art. 83 Abs. 1 StPO).

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3. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete A.________ (nachfolgend Beschuldigter), amtlich ver-
teidigt durch Rechtsanwalt E.________, mit Schreiben vom 28. August 2020 frist-
gerecht die Berufung an (pag. 1011). Die schriftliche Urteilsbegründung wurde den 
Parteien mit Verfügung vom 8. Oktober 2020 (pag. 1077 f.) zugestellt. Mit ebenfalls 
form- und fristgerechter Berufungserklärung vom 2. November 2020 (pag. 1080 ff.) 
beschränkte Rechtsanwalt E.________ die Berufung auf die Schuldsprüche wegen 
versuchter vorsätzlicher Tötung gemäss Ziff. II.1, wegen versuchter schwerer Kör-
perverletzung gemäss Ziff. II.2 sowie wegen Diebstahls gemäss Ziff. II.3 des vorin-
stanzlichen Urteilsdispositivs. Angefochten wurden weiter die Strafzumessung bzw. 
die Anordnung der Massnahme, die Zivilansprüche sowie die Verfahrenskosten-, 
Entschädigungs- und Genugtuungsfolgen. Die Generalstaatsanwaltschaft und der 
Straf- und Zivilkläger C.________ (nachfolgend Privatkläger) verzichteten mit Stel-
lungnahme vom 11. November 2020 (pag. 1089 f.) bzw. mit Schreiben vom 
17. November 2020 (pag. 1092) auf die Erklärung einer Anschlussberufung und 
machten keine Gründe für ein Nichteintreten auf die Berufung des Beschuldigten 
geltend.

4. Wechsel der amtlichen Verteidigung

4.1 Im erstinstanzlichen Verfahren

Mit Verfügung vom 17. Oktober 2016 wurde Rechtsanwalt H.________ als amtli-
cher Verteidiger des Beschuldigten eingesetzt (pag. 506). Mit Eingabe vom 22. Mai 
2019 kündigte Rechtsanwalt H.________ seine bevorstehende Aufgabe der an-
waltlichen Tätigkeit per Ende Juni 2019 an und beantragte die Einsetzung von 
Rechtsanwalt E.________ als neuer amtlicher Verteidiger des Beschuldigten sowie 
die Entschädigung seiner bisherigen Aufwendungen gemäss beigelegter Honorar-
note (pag. 747 ff.). Mit Verfügung vom 29. Mai 2019 entliess die Verfahrensleitung 
Rechtsanwalt H.________ per Ende Juni 2019 aus seinem amtlichen Mandat, be-
stimmte dessen amtliches Honorar auf CHF 18'007.50 und setzte im Einverständ-
nis des Beschuldigten Rechtsanwalt E.________ als dessen amtlicher Verteidiger 
ein (pag. 756 ff.). 

4.2 Im oberinstanzlichen Verfahren

Gestützt auf die Eingabe von Rechtsanwalt F.________ vom 20. Dezember 2020 
(pag. 1105) wurde das amtliche Mandat von Rechtsanwalt E.________ mit Verfü-
gung vom 11. Januar 2021 sistiert (pag. 1110 f.). Nach Mandatsniederlegung von 
Rechtsanwalt F.________ mit Schreiben vom 25. Juni 2021 (pag. 1134), setzte die 
Verfahrensleitung mit Verfügung vom 28. Juni 2021 Rechtsanwalt E.________ mit 
sofortiger Wirkung wieder als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten ein 
(pag. 1136 f.). Mit Schreiben vom 23. September 2021 ersuchte Rechtsanwalt 
E.________ um die Entbindung vom amtlichen Verteidigungsmandat (pag. 1710 f.). 
Der Beschuldigte liess sich schriftlich nicht vernehmen, teilte jedoch am 25. Okto-
ber 2021 telefonisch mit, er wolle einen anderen Anwalt. Weder die Generalstaats-
anwaltschaft noch der Privatkläger erhoben Einwände gegen eine Entlassung von 
Rechtsanwalt E.________ aus dem amtlichen Mandat (pag. 1719 f. bzw. 
pag. 1721). Mit Verfügung vom 2. November 2021 entliess die Verfahrensleitung 

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Rechtsanwalt E.________ antragsgemäss und gestützt auf Art. 134 Abs. 2 der 
Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0) mit sofortiger Wirkung 
aus dem amtlichen Mandat (pag. 1720). Die Entschädigung wurde mit separater 
Verfügung bestimmt (pag. 1730 f.).

Trotz Aufforderung der Verfahrensleitung (Verfügung vom 24. September 2021, 
Ziff. 3; pag. 1717), unterliess es der Beschuldigte, eine neue Verteidigung zu be-
nennen, weshalb mit Verfügung vom 2. November 2021 Fürsprecher Dr. 
B.________ gestützt auf Art. 130 lit. b i.V.m. Art. 132 Abs. 1 lit. a StPO mit soforti-
ger Wirkung als neuer amtlicher Verteidiger des Beschuldigten eingesetzt wurde 
(pag. 1719 f.).

5. Anträge auf Verschiebung des Verhandlungstermins

Mit Verfügung vom 22. Dezember 2020 wurde der Termin zur oberinstanzlichen 
Verhandlung auf den 10. und 11. August 2021 angesetzt (pag. 1108 f.). 

Mit Schreiben vom 22. und 30. Juli 2021 ersuchte Rechtsanwalt E.________ um 
Verschiebung des Verhandlungstermins (pag. 1166 und pag. 1671 f.). Mit 
Verfügung vom 2. August 2021 wurde die Verhandlung vom 10. und 11. August 
2021 abgesetzt (pag. 1675 f.) und mit Verfügung vom 16. August 2021 auf den 
15. und 16. Februar 2022 neu angesetzt (pag. 1702 ff.).

Fürsprecher Dr. B.________ ersuchte in der Berufungsverhandlung vom 15. Fe-
bruar 2022 namens seines unentschuldigt nicht erschienenen Mandanten um Ab-
setzung bzw. Verschiebung der Berufungsverhandlung und reichte ein Arztzeugnis 
von Dr. med. M.________, datierend vom 14. Februar 2022, zu den Akten 
(pag. 1781 f. und pag. 1824). Die Kammer gewährte den Parteien Gelegenheit, 
zum Antrag der Verteidigung Stellung zu nehmen. Zudem nahm die Vorsitzende te-
lefonisch Rücksprache mit Dr. med. M.________ (pag. 1782 f.). Dieser bestätigte in 
der Folge per E-Mailnachricht, dass der Beschuldigte ihn am 14. Februar 2022 das 
erste Mal aufgesucht habe. Einer Einvernahme von rund 45 Minuten stehe nichts 
entgegen, wenn der Beschuldigte jederzeit abbrechen oder die Aussage verwei-
gern könne (pag. 1826). Die Kammer wies den Antrag der Verteidigung ab. Nach 
der mündlichen Eröffnung und Begründung dieses Beschlusses um 09:12 Uhr, 
wurde die Verteidigung gebeten, dem Beschuldigten mitzuteilen, dass er um 11:00 
Uhr zur Einvernahme erwartet werde (pag. 1783). Hierfür wurde die Verhandlung 
für 5 Minuten unterbrochen. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung um 09:20 
Uhr, teilte der Verteidiger mit, seinen Mandanten telefonisch nicht erreicht zu haben 
(pag. 1783). Auch der zweite Anrufversuch der Verteidigung um 09:49 Uhr blieb er-
folglos (pag. 1791). Der Beschuldigte blieb in der Folge der ganzen Berufungsver-
handlung fern.

6. Verzicht auf persönliche Teilnahme an der Berufungsverhandlung

Auf entsprechende Aufforderungen der Verfahrensleitung hin, teilte der Privatkläger 
mit Schreiben vom 24. Juni 2021 mit, auf eine Teilnahme an der oberinstanzlichen 
Verhandlung zu verzichten, Rechtsanwalt D.________ werde aber persönlich er-
scheinen, um die entsprechenden Anträge zu stellen und zu begründen (pag. 1127 
f.). Die Verfahrensleitung teilte mit Verfügung vom 16. August 2021 mit, es werde 

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gerichtsseitig nach wie vor (auch nach Ab- bzw. Neuansetzung der Verhandlung) 
von einem Verzicht des Privatklägers auf eine persönliche Teilnahme an der Beru-
fungsverhandlung ausgegangen (pag. 1702 f.). 

7. Oberinstanzliche Beweisergänzung

Mit Schreiben vom 30. Juli 2021 stellte Rechtsanwalt E.________ namens des Be-
schuldigten den Beweisantrag, das psychiatrische Gutachten vom 20. September 
2019 sei zu ergänzen (pag. 1671 f.). Seitens des Privatklägers wurde auf eine Stel-
lungnahme zum Beweisantrag mit Schreiben vom 4. August 2021 verzichtet 
(pag. 1682 f.). Die Generalstaatsanwaltschaft beantragte mit Eingabe vom 6. Au-
gust 2021 dessen Abweisung (pag. 1686 ff.). Mit Beschluss vom 9. August 2021 
wies die Kammer den Beweisantrag des Beschuldigten vom 30. Juli 2021 ab. Zur 
Begründung führte sie an, der Sachverständige G.________ werde zur Berufungs-
verhandlung vorgeladen. Er werde Auskunft geben und die an ihn gestellten Fra-
gen der Kammer und der Parteien beantworten können (pag. 1690 f.).

Im Hinblick auf die zunächst auf den 10. und 11. August 2021 angesetzte Beru-
fungsverhandlung wurden von Amtes wegen über den Beschuldigten ein Strafre-
gisterauszug (datierend vom 14. Juli 2021, pag. 1161 f.), ein aktueller Betreibungs-
registerauszug (datierend vom 29. Juni 2021, pag. 1139 ff.) sowie ein aktueller 
Leumundsbericht (datierend vom 8. Juli 2021, pag. 1146 f.) eingeholt. Der Leu-
mundsbericht verweist für die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten auf den 
Leumundsbericht vom 2. Oktober 2018. Beiliegend zum Leumundsbericht vom 
8. Juli 2021 wurden sodann ein Steuerausweis 2019 (datierend vom 12. Juli 2021, 
pag. 1148), ein Auszug aus dem Betreibungsregister (datierend 7. Juli 2021, 
pag. 1150 ff.) sowie Kopien der Leumundsberichte vom 8. August 2018 
(pag. 1159), vom 2. Oktober 2018 (pag. 1155 ff.) und vom 10. März 2020 
(pag. 1154) zu den Akten gereicht.

Infolge Neuansetzung der Berufungsverhandlung auf den 15. und 16. Februar 2022 
wurden erneut von Amtes wegen ein aktueller Strafregisterauszug (datierend vom 
11. Januar 2022, pag. 1764 ff.) sowie ein aktueller Leumundsbericht (datierend 
vom 23. Dezember 2021, pag. 1751 f.) eingeholt. Diesem beiliegend wurden eine 
Kopie des Leumundsberichts vom 7. Juli 2021 (pag. 1753 ff.) sowie ein Auszug aus 
dem Betreibungsregister (datierend vom 23. November 2021, pag. 1759 ff.) zu den 
Akten gereicht. 

Weiter wurden die Akten BM 21 13254 der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, 
Region Bern-Mittelland, ediert (pag. 1769).

In der Berufungsverhandlung vom 15. Februar 2022 wurde der Sachverständige 
G.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, befragt (pag. 1785 
ff.).

8. Gesuch auf teilweise Akteneinsicht

Das Gesuch um teilweise Akteneinsicht der Fachstelle Bedrohungsmanagement 
der Kantonspolizei Bern vom 1. Dezember 2021 (pag. 1734 f.) wurde mit Verfü-
gung vom 19. Januar 2022 gutgeheissen (pag. 1773 ff.). Ihr wurde eine Kopie des 

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Gutachtens des forensisch-psychiatrischen Dienstes der Universität Bern (nachfol-
gend FPD) vom 20. September 2019 zugestellt.

9. Anträge der Parteien

9.1 Beschuldigter

Fürsprecher Dr. B.________ stellte und begründete namens des Beschuldigten in 
der Berufungsverhandlung vom 15. Februar 2022 die folgenden Anträge (pag. 
1817 f.; Hervorhebungen im Original):

I.

Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 27. August 2020 – so-
weit nicht angefochten bzw. soweit die Einstellung betreffend – in Rechtskraft erwachsen ist. 

II.

A.________ sei 

freizusprechen

1. vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung, evtl. der versuchten schweren Körperverlet-
zung, angeblich begangen am 04. Oktober 2016 in L.________ (Ortschaft) z.N. von C.________; 

2. vom Vorwurf des Diebstahls, angeblich begangen am 04. Oktober 2016 in L.________ (Orts-
chaft) z.N. von C.________; 

unter Ausscheidung und Auferlegung der darauf entfallenden erstinstanzlichen Verfahrenskosten an 
den Kanton Bern sowie unter Ausrichtung einer Entschädigung für die darauf entfallenden Verteidi-
gungskosten im erstinstanzlichen Verfahren sowie 

unter Auferlegung der oberinstanzlichen Verfahrenskosten an den Kanton Bern sowie unter Ausrich-
tung einer Entschädigung für die gesamten oberinstanzlichen Verteidigungskosten gemäss einge-
reichter Honorarnoten (RA E.________ und RA B.________).

III.

A.________ sei hingegen

schuldig zu erklären

der Unterlassung der Nothilfe, begangen am 04. Oktober 2016 in L.________ (Ortschaft) z.N. von 
C.________, 

und er sei in Anwendung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen sowie als Zusatzstrafe zu den 
Strafbefehlen vom 20.06.2019 und 18.10.2021 

zu verurteilen

1. zu einer Gel[d]strafe von 60 Tagessätzen à CHF 10.00 unter Anrechnung der ausgestandenen 
Haft; 

2. zu den darauf entfallenden Verfahrenskosten.

IV.

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Die Zivilklage sei abzuweisen, evtl. auf den Zivilweg zu verweisen, ohne Ausscheidung von Verfah-
renskosten und ohne Ausrichtung einer Entschädigung.

V.

Die weiteren Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen.

9.2 Generalstaatsanwaltschaft

Der stellvertretende Generalstaatsanwalt N.________ stellte und begründete für 
die Generalstaatsanwaltschaft in der Berufungsverhandlung vom 15. Februar 2022 
die folgenden Anträge (pag. 1813 f.; Hervorhebungen im Original):

I.

Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland (Kollegial-
gericht in 5er-Besetzung) vom 27. August 2019 [27. August 2020] insoweit in Rechtskraft erwach-
sen ist, als 

1. das Verfahren gegen A.________ wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, 
angeblich mehrfach begangen, zuletzt am 09.10.2016 in Bern, durch Konsum von Marihuana, 
infolge Verjährung eingestellt wurde ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausschei-
dung von Verfahrenskosten; 

2. das Widerrufsverfahren betreffend das Urteil der Staatsanwaltschaft Region Oberland, Thun 
vom 03.12.2014 gemäss Art. 46 Abs. 5 StGB eingestellt wurde; 

3. Verfügungen getroffen wurde gemäss Urteilsdispositiv Ziff. VI (Einziehung/Herausgabe von Ge-
genständen).

II.

Das Widerrufsverfahren betreffend das Urteil der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 
14.09.2015, mit welchem der Beschuldigte zu einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu Fr. 30.00 mit 
einer Probezeit von 3 Jahren verurteilt wurde, sei gemäss Art. 46 Abs. 5 StGB einzustellen.

III.

A.________ sei schuldig zu sprechen: 

1. der versuchten vorsätzlichen Tötung, begangen am 04.10.2016 in L.________ (Ortschaft) z.N. 
von C.________; 

2. der versuchten schweren Körperverletzung, begangen am 04.10.2016 in L.________ (Ortschaft) 
z.N. von C.________; 

3. des Diebstahls, begangen am 04.10.2016 in L.________ (Ortschaft) z.N. von C.________; 

und in Anwendung der einschlägigen Bestimmungen 

sowie unter Einbezug der seinerzeit bedingt ausgesprochenen und nunmehr zu vollziehenden Strafe 
aus dem Urteil der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 14.09.2015 (Geldstrafe von 15 Tagessät-
zen) im Sinne einer Gesamtstrafe gemäss Art. 46 Abs. 1 StGB 

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zu verurteilen: 

1. zu einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren und 4 Monaten, unter Anrechnung der Polizeihaft von 
1 Tag.
A.________ sei in eine Einrichtung für junge Erwachsene einzuweisen. 

2. zu einer Gesamtgeldstrafe von 16 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total CHF 480.00, 
als Zusatzstrafe zum Urteil [des sic] der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 20.06.2019.

3. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine Gebühr von 
CHF 450.00 gemäss Art. 21 VKD)

IV.

Es seien die üblichen Verfügungen zu treffen (Honorar amtliche Verteidigung etc.).

9.3 Privatkläger

Rechtsanwalt D.________ stellte und begründete namens des Privatklägers in der 
Berufungsverhandlung vom 15. Februar 2022 die folgenden Anträge (pag. 1815 f.; 
Hervorhebungen im Original):

I.

Es sei A.________ schuldig zu erklären

 der versuchten vorsätzlichen Tötung, begangen am 4. Oktober 2016 in L.________ (Ortschaft) 
zum Nachteil des Privatklägers C.________; 

 der versuchten schweren Körperverletzung, begangen am 4. Oktober 2016 in L.________ (Orts-
chaft) zum Nachteil des Privatklägers C.________; 

 des Diebstahls, begangen am 4. Oktober 2016 in L.________ (Ortschaft) zum Nachteil des Privat-
klägers C.________; 

und zu einer angemessenen Sanktion zu verurteilen.

II.

A.________ sei zu verurteilen, dem Privatkläger eine Genugtuung von CHF 5'000.00 zuzüglich Zins 
seit dem 5. Oktober 2016 zu bezahlen.

III.

Die Verfahrenskosten des erst- und des oberinstanzlichen Verfahrens seien vollumfänglich 
A.________ aufzuerlegen.

IV.

Für die Beurteilung der Zivilklage seien keine Kosten auszuscheiden.

V. 

A.________ sei zu verurteilen, dem Privatkläger eine Entschädigung im Sinne von Art. 433 Abs. 1 
StPO für dessen im erst- und im oberinstanzlichen Verfahren entstandenen Anwaltskosten zu bezah-
len.

VI. 

Es seien soweit nötig die weiteren Verfügungen zu treffen.

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10. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochte-
nen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

Mit Blick auf den Umfang der Berufung (vgl. dazu Ziff. 3 oben) ist vorab festzustel-
len, dass das Urteil der Vorinstanz vom 27. August 2020 insoweit in Rechtskraft 
erwachsen ist, als das Strafverfahren gegen den Beschuldigten wegen Widerhand-
lungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, angeblich mehrfach begangen, zuletzt 
am 9. Oktober 2016 in Bern durch Konsum von Marihuana infolge Verjährung ohne 
Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten 
eingestellt wurde (Ziff. I. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs; pag. 1003).

Zudem ist Ziff. III. bezüglich der Einstellung des Widerrufsverfahrens betreffend das 
Urteil der Regionalen Staatsanwaltschaft Oberland vom 3. Dezember 2014 (O 14 
11322) gegen den Beschuldigten und der damit verbundenen Kosten- und 
Entschädigungsfolgen (pag. 1004) des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs nicht 
angefochten und mangels Beschwer ebenfalls in Rechtskraft erwachsen. Dasselbe 
gilt für die getroffenen Verfügungen in Ziff. VI.1. und VI.2. des erstinstanzlichen 
Urteilsdispositivs (pag. 1005).

Somit ist durch die Kammer über die Schuldsprüche gemäss Ziff. II.1., II.2. und II.3. 
des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs (pag. 1003), über die gegen den 
Beschuldigten ausgesprochene Sanktion (Ziff. II.1.-2. des erstinstanzlichen 
Urteilsdispositivs; pag. 1003), die Kostenverlegung (Ziff. II.3. des erstinstanzlichen 
Urteilsdispositivs, pag. 1003 f.), über die Bestimmung des amtlichen Honorars 
(Ziff. IV. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs; pag. 1004) und über die 
Zivilansprüche des Privatklägers (Ziff. V. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs; 
pag. 1005) zu befinden. Praxisgemäss neu zu verfügen ist ausserdem über das 
DNA-Profil (Ziff. IV.3. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs; pag. 1005) und die 
erkennungsdienstlichen Daten (Ziff. IV.4. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs; 
pag. 1006). 

Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 15. Februar 2022 teilte die Vorsitzende 
den Parteien die Absicht der Kammer, den Vorfall vom 4. Oktober 2016 als 
dynamisches Geschehen gemäss der Anklageschrift zu prüfen, mit (pag. 1782). 

Die Kammer verfügt bei der Überprüfung der angefochtenen Punkte über volle 
Kognition (Art. 398 Abs. 2 StPO). Aufgrund der alleinigen Berufung des 
Beschuldigten darf das Urteil nicht zu dessen Nachteil abgeändert werden; es ist 
das Verschlechterungsverbot (Verbot der «reformatio in peius») zu beachten 
(Art. 391 Abs. 2 StPO).

11. Einstellung Widerrufsverfahren betreffend das Urteil der Regionalen Staats-
anwaltschaft Bern-Mittelland vom 14. September 2015 (BM 15 18117)

Nach Art. 46 Abs. 5 des Schweizerischen Strafgesetzbuches, Stand am 1. Oktober 
2016 (aStGB SR 311.01 [zum anwendbaren Recht vgl. E. IV.21 unten]), darf ein 
Widerruf nicht mehr angeordnet werden, wenn seit dem Ablauf der Probezeit drei 
Jahre vergangen sind.

12

Mit Urteil der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 14. September 
2015 (BM 15 18117) wurde dem Beschuldigten für eine Geldstrafe von 15 Tages-
sätzen der bedingte Vollzug gewährt. Die Probezeit wurde auf drei Jahre festge-
setzt (vgl. Strafregisterauszug; pag. 1765) und dauerte mithin bis zum 14. Septem-
ber 2018. Seit dem 14. September 2021 ist die Probezeit seit drei Jahren abgelau-
fen, weshalb der Widerruf im vorliegenden Verfahren nicht mehr angeordnet wer-
den darf und das Widerrufsverfahren von Amtes wegen einzustellen ist. Für die 
Einstellung des Widerrufsverfahren werden oberinstanzlich weder Verfahrenskos-
ten erhoben noch wird eine Entschädigung ausgerichtet.

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

12. Vorwürfe gemäss Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird gemäss Ziff. I.1. der Anklageschrift vom 17. Mai 2018 ver-
suchte vorsätzliche Tötung, evtl. versuchte schwere Körperverletzung und Unter-
lassung der Nothilfe wie folgt vorgeworfen (pag. 606 f.):

begangen am 04.10.2016, um ca. 02:15 Uhr, in L.________ (Ortschaft), O.________gasse, am obe-
ren Ende der Rampe zum Perron der Haltestelle P.________, z.N. von C.________. Der hochgradig 
enervierte („auf 180 gewesene“) Beschuldigte entdeckte in dem die Rampe hinaufgehenden Privat-
kläger die Person, welche zuvor im Garten der Eltern der Freundin des Beschuldigten unerlaubterwei-
se eine Hanfpflanze abgeschnitten hat. Er klappte das vom Domizil mitgeführte Taschenmesser auf 
und stellte den Privatkläger oben an der Rampe mit dem Ruf/Schrei „Hey“. Es kam zu einem Geran-
gel, in welchem der Beschuldigte den Privatkläger an den Kleidern packte und ihm mit dem aufge-
klappten Taschenmesser einen Stich in die rechte obere Brustgegend versetzte. Der Privatkläger ging 
dadurch zu Boden, wo ihm der Beschuldigte zusätzlich einen Fusstritt an die rechte Schläfenseite 
versetzte. Danach entnahm der Beschuldigte dem bewusstlos am Boden liegenden Privatkläger das 
Portemonnaie, angeblich um dessen Identität zu klären, und entfernte sich vom Ort des Geschehens, 
ohne sich weiter um den bewusstlos am Boden liegenden Privatkläger zu kümmern, in Kenntnis von 
dessen Zustand und obwohl ihm eine Hilfestellung den Umständen nach hätte zugemutet werden 
können, mit dem die Hanfpflanze beinhaltenden Plastiksack und dem Portemonnaie des Privatklägers 
und begab sich zurück an das Domizil der Eltern seiner Freundin am K.________weg in L.________ 
(Ortschaft).

Der Privatkläger erlitt durch den Messerstich eine einseitig spitz zulaufende Hautdurchtrennung an 
der Brustkorbvorderseite, welche bis in die Brusthöhle reichte und zu einer Luft- und Blutansammlung 
in der rechten Brusthöhle und zu einem Blutverlust von 400 bis 450 ml führte, welcher mittels Draina-
geneinlage im Notfall des Inselspitals Bern abgeführt werden musste. Der Stich befand sich in unmit-
telbarer Nähe des Herzens sowie grösserer Blutgefässe. Ferner erlitt der Privatkläger mehrere Hau-
tein- und Hautunterblutungen sowie Hautabschürfungen am Kopf, am Gesicht, an beiden Händen und 
am linken Knie. Die Verletzungen sind bis auf die Narbe im Brustbereich physisch folgenlos abgeheilt.

Durch das Zustechen mit einem Messer im Rahmen eines dynamischen Geschehens in die Brustge-
gend des Privatklägers musste der Beschuldigte damit rechnen, dem Privatkläger eine tödliche Ver-
letzung, eventualiter eine lebensgefährliche Verletzung beizufügen. Mit dem Fusstritt an den Kopf des 
wehrlos am Boden liegenden Privatklägers musste der Beschuldigte zumindest damit rechnen, dass 

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er dem Privatkläger eine schwere Schädigung der körperlichen Gesundheit zuführt. Durch sein Han-
deln nahm er dies in Kauf.

Weiter wird dem Beschuldigten gemäss Ziff. I.2. der Anklageschrift vom 17. Mai 
2018 Diebstahl wie folgt vorgeworfen (pag. 607):

begangen am 04.10.2016, um ca. 02:15 Uhr, in L.________ (Ortschaft), O.________gasse, am obe-
ren Ende der Rampe zum Perron der Haltestelle P.________, z.N. von C.________, indem der Be-
schuldigte dem am Boden liegenden Privatkläger in Bereicherungsabsicht das Portemonnaie aus der 
rechten Gesässtasche entnahm und sich davonmachte.

13. Rahmengeschichte und unbestrittener Sachverhalt 

Der Beschuldigte und der Privatkläger waren sich vor diesem Vorfall nur flüchtig 
bekannt (pag. 63 Z. 53 ff.). Die damalige Freundin des Beschuldigten 
(Q.________) kannte den Bruder des Privatklägers sowie diesen selber näher 
(pag. 169 Z. 60 f.). In der Tatnacht hielt sich der Beschuldigte im Domizil der Mutter 
(J.________) und des Stiefvaters (I.________) von Q.________ am 
K.________weg in L.________ (Ortschaft) auf (pag. 192 Z. 33 f.).

In Bezug auf den in Ziff. I.1. der Anklageschrift angeklagten Sachverhalt ist unbe-
stritten, dass die unerlaubte Entwendung einer Hanfpflanze von Q.________ aus 
dem Garten von J.________ und I.________ am 4. Oktober 2016 durch den Pri-
vatkläger den Beschuldigten zur Suche der Diebe veranlasste (pag. 168 Z. 28 ff., 
pag. 192 Z. 35 ff.). Der Beschuldigte bestreitet dabei die Mitnahme eines Messers 
sowie dessen Aufklappen vor der Konfrontation des Privatklägers nicht (pag. 192 
Z. 51 ff., pag. 194 Z. 117, pag. 193 Z. 81 ff., pag. 198 Z. 263 ff.). Weiter ist erstellt, 
dass der Beschuldigte und der Privatkläger an der Tramhaltestelle P.________ in 
L.________ (Ortschaft) aufeinandertrafen und nachfolgend eine Auseinanderset-
zung erfolgte.

Sodann bestreitet der Beschuldigte nicht, den Ort des Geschehens, ohne dem be-
wusstlos am Boden liegenden Privatkläger Hilfe zu leisten, verlassen und sich mit-
samt der die Hanfpflanze beinhaltenden Ikeatasche wieder zurück an den 
K.________weg in L.________ (Ortschaft) begeben zu haben (pag. 193 Z. 56 ff., 
pag. 209 Z. 251 f.). Unbestritten ist ferner, dass der Beschuldigte in Begleitung sei-
ner Freundin später zur Tramhaltestelle zurückkehrte, den Privatkläger jedoch nicht 
mehr am Tatort vorfand (pag. 193 Z. 58 f., pag. 208 Z. 235 ff.)

Schliesslich wird auch die dem Privatkläger durch das vom Beschuldigten gehalte-
ne Messer zugeführte Verletzung nicht bestritten (pag. 1793).

Bezüglich des angeklagten Sachverhalts gemäss der Ziff. I.2. der Anklageschrift 
sind sodann vom Beschuldigten die Ent- und Mitnahme des Portemonnaies des 
Privatklägers nicht bestritten (pag. 195 Z. 130 ff.).

14. Bestrittener Sachverhalt / Beweisthemen

Bestritten ist demgegenüber der tatsächliche Verlauf der Auseinandersetzung. Die-
ser wird durch den Beschuldigten und den Privatkläger unterschiedlich geschildert.

14

Wie die Vorinstanz korrekt ausführte, sind damit folgende – durch die Kammer er-
gänzte – Beweisfragen zu klären (S. 7 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; 
pag. 1025): 

Hat der Beschuldigte, wie von ihm vorgebracht, den Privatkläger mit «Hey» ange-
sprochen und gleich darauf vom Privatkläger einen Faustschlag ins Gesicht erhal-
ten? Ist die nachfolgende Auseinandersetzung, wie seitens des Beschuldigten wei-
ter angeführt wird, als Rangelei anzusehen, bei welcher der Privatkläger durch das 
Messer des Beschuldigten unabsichtlich verletzt wurde? Oder kann der Darstellung 
der Anklageschrift bzw. des Privatklägers Folge geleistet und der Gemütszustand 
des Beschuldigten als hochgradig enerviert («auf 180 gewesen») erstellt werden? 
War das «Hey» deswegen ein lauter, aggressiver Angriffsschrei, auf den ein Ge-
rangel folgte, in welchem der Beschuldigte den Privatkläger packte und auf diesen 
mit dem Messer einstach? Hat der Beschuldigte dem Privatkläger, nachdem dieser 
durch den Messerstich zu Boden gegangen ist, noch einen Fusstritt an die rechte 
Schläfenseite versetzt?

Sodann gilt es den Grund – lediglich zu Identifikationszwecken oder in Bereiche-
rungsabsicht – der Ent- und Mitnahme des Portemonnaies des Privatklägers durch 
den Beschuldigten zu klären.

15. Beweismittel

Als objektive Beweismittel verfügt die Kammer zunächst über mehrere Dokumente 
des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bern (nachfolgend IRM). Namentlich 
über das Gutachten zur körperlichen Untersuchung des Privatklägers vom 10. No-
vember 2016 (pag. 256 ff.), den forensisch-toxikologischen Abschlussbericht über 
den Privatkläger vom 18. Oktober 2016 (pag. 263 ff.), das morphometrische Gut-
achten vom 5. April 2017 (pag. 298 ff.), das morphometrische Ergänzungsgutach-
ten vom 23. Januar 2018 (pag. 339 ff.) sowie über das forensisch-
molekularbiologische Gutachten vom 4. November 2016 (pag. 389 ff.). 

In objektiver Hinsicht liegen der Kammer im Wesentlichen weiter das Arztzeugnis 
des Beschuldigten der AA.________ (AG) (AB.________ (Standort)) vom 7. Okto-
ber 2016 (pag. 272), der Rapport des Kriminaltechnischen Dienstes der Kantons-
polizei Bern (nachfolgend KTD) vom 20. Januar 2017 (pag. 343 ff.), die Beschlag-
nahmeverfügungen der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region Bern-
Mittelland, vom 15. Dezember 2016 (pag. 392 ff.) bzw. 13. Januar 2017 (pag 399 f.) 
u.a. betreffend die am 10. Oktober 2016 anlässlich der Hausdurchsuchung am 
Domizil der Familie I.________-J.________ (K.________weg in L.________ (Orts-
chaft); pag. 420 ff.) und anlässlich der gleichentags durchgeführten Hausdurchsu-
chung am Domizil des Beschuldigten (R.________strasse in S.________ (Orts-
chaft); pag. 433 ff.) beschlagnahmten Gegenstände sowie die Auswertungen des 
Mobiltelefons des Privatklägers (pag. 413 ff.) und desjenigen von Q.________ 
(pag. 455 ff.) vor.

In subjektiver Hinsicht verfügt die Kammer über die Aussagen des Privatklägers 
(pag. 52 ff., pag. 62 ff., pag. 82 ff., pag. 708 ff.) und des Beschuldigten (pag. 183 ff., 
pag. 191 ff., pag. 202 ff., pag. 234 ff., pag. 713 ff., pag. 968 ff.) sowie über die Aus-
sagen von Drittpersonen, namentlich von Q.________ (pag. 148 ff., pag. 167 ff.), 

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von J.________ (pag. 125 ff.), von I.________ (pag. 141 ff.) von T.________ (Kol-
lege des Privatklägers; pag. 95 ff.), von U.________ (Kollege des Privatklägers; 
pag. 106 ff.), von V.________ (Vater des Privatklägers; pag. 111 ff.) sowie von 
W.________ (Bruder des Privatklägers; pag. 114 ff.). 

Hinzu kommen die oberinstanzlich eingeholten Beweismittel (vgl. E. I.7 hiervor).

16. Beweisergebnis der Vorinstanz

Die Vorinstanz beurteilte die Aussagen des Beschuldigten als unglaubhaft. Die an-
geklagten Sachverhalte erachtete sie sodann, gestützt auf die für glaubhaft befun-
denen Aussagen des Privatklägers sowie die objektiven Beweismittel, die sie als 
schlüssig und stimmig beurteilte, als erstellt (S. 31 ff. der erstinstanzlichen Urteils-
begründung; pag. 1049 ff.).

17. Oberinstanzliche Vorbringen der Parteien 

17.1 Vorbringen des Beschuldigten bzw. der Verteidigung

Seitens des Beschuldigten wurde oberinstanzlich zusammengefasst vorgebracht 
(pag. 1792 ff.), es sei fraglich, ob die Vorinstanz mit der Annahme der für den Be-
schuldigten ungünstigsten Tatvariante den Grundsatz in dubio pro reo verletzt ha-
be. Erstinstanzlich habe die Staatsanwaltschaft Schuldsprüche wegen versuchter 
schwerer Körperverletzung, Unterlassung der Nothilfe und Diebstahls beantragt. 
Der Antrag auf Schuldspruch wegen versuchter vorsätzlicher Tötung sei seitens 
des Privatklägers eingebracht worden. Es könne sein, wie vorinstanzlich ange-
nommen, dass der Beschuldigte den Privatkläger mit einem Messer in der Hand 
gestellt, ohne Worte auf ihn eingestochen, das Portemonnaie entwendet habe und 
abgehauen sei. Es sei aber auch möglich, dass der Beschuldigte den Privatkläger 
mit einem Messer in der Hand gestellt und diesen mit «Hey» angesprochen habe, 
sich der Privatkläger dadurch in die Enge getrieben gefühlt und den Beschuldigten 
angegriffen habe; es sodann zu einer Rangelei gekommen sei und der Beschuldig-
te den Privatkläger versehentlich mit dem Messer verletzt habe sowie diesem ver-
sehentlich auf den Kopf gestanden sei und das Portemonnaie lediglich zur Identifi-
kation entwendet habe. Zwischen diesen beiden extremen Darstellungen seien 
weitere Varianten möglich.

Die vorinstanzlichen Erwägungen würden nicht überzeugen. Die Aussagen des 
Privatklägers seien alles andere als glaubhaft und widerspruchsfrei. Bei seiner ers-
ten Einvernahme habe er ausgesagt: «Ob es eine oder mehrere Personen waren, 
kann ich nicht sagen, ich hörte einfach ein Geschrei» (pag. 54 Z. 98 f.). Er habe 
nicht mal sagen können, ob der Angreifer männlich oder weiblich gewesen sei 
(pag. 56 Z. 186). Plötzlich sei er sich dann aber sicher, dass es nur eine Person 
gewesen sei (pag. 56 Z. 191). Bei seiner zweiten Einvernahme habe er sodann ge-
sagt, er kenne den Täter nur flüchtig. Er habe ihn zweimal gesehen (pag. 63 Z. 53 
ff.). Auch sei es lediglich eine Annahme des Privatklägers, dass der Täter zuerst 
zugestochen habe und dann auf den Kopf gestanden sei. Der Privatkläger habe 
ausgesagt, seine Erinnerungen seien seit dem Geschrei nicht mehr präsent. 
Gemäss seinen Aussagen in der ersten Einvernahme sei ihm eine Person gewollt 
auf den Kopf gestanden. Inwiefern er dies jedoch wissen wolle, sei nicht zu erken-

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nen. Der Privatkläger habe ausgeführt, er wisse nicht, wo ihn die Person am Kopf 
getroffen habe (pag. 54 Z. 100 f.). Auch habe er ausgesagt, es sei ihm jemand auf 
den Kopf gestanden, also nicht, es habe ihn jemand getreten oder «gschuttet». 
Weiter habe er gesagt: «Ich vermute, dass ich ihn nicht als erster angegriffen ha-
be» (pag. 68 Z. 225). Der Privatkläger versuche auch, sich in ein besseres Licht zu 
rücken. Es sei auf den Alkoholpegel sowie auf das Foto des Privatklägers mit der 
Hanfpflanze hinzuweisen.

Aus dem Bedauern des Beschuldigten schliesse die Vorinstanz auf ein Schuldein-
geständnis (pag. 1048). Seine Aussagen seien unglaubhaft (pag. 1049). Dabei ha-
be der Beschuldigte, gleich wie der Privatkläger, insbesondere mit den Aussagen, 
er glaube, dass er den Privatkläger mit seinem rechten Ellbogen getroffen habe 
und der Privatkläger sei im Rollen auf sein Messer gefallen, lediglich Mutmassun-
gen angestellt. Die Vorinstanz habe ihm einen Strick aus diesen Aussagen gedreht 
(pag. 1047 f.).

Auch spreche, entgegen der vorinstanzlichen Annahme, der Befund des KTD ge-
gen ein direktes Zustechen des Beschuldigten. Der KTD führe an, die Schnitte auf 
jeder Kleiderschicht seien nicht überlagerbar. Dies weise auf einen dynamischen 
Tatablauf sowie auf einen nicht im senkrechten Winkel geführten Stich hin 
(pag. 344). Die Vorinstanz übernehme diese Schlussfolgerung und gehe korrekter-
weise von einem dynamischen Geschehen aus. Für ihre Annahme, es sei möglich, 
dass der Beschuldigte den Privatkläger gepackt und dann zugestochen habe 
(pag. 1049 f.), befänden sich jedoch keine Hinweise in den Akten. Gleiches gelte 
für die Verletzungen des Privatklägers an den Händen und am linken Knie. 
Gemäss dem Gutachten des IRM könne es sich bei diesen Verletzungen, insbe-
sondere denjenigen an den Händen, um Abwehr- oder Angriffsverletzungen han-
deln. Die Vorinstanz stelle darauf ab, erwäge aber, die Verletzungen seien nur als 
Abwehrverletzungen zu interpretieren (pag. 1056). Jedoch seien a) Verletzungen 
beim Beschuldigten an der Nase festgestellt worden und b) gäbe es auch Ausein-
andersetzungen, bei welchen nur einer der Beteiligten verletzt werde und dies auch 
dann, wenn die Auseinandersetzung gegenseitig gewesen sei. 

Nach der Beweiswürdigungsregel in dubio pro reo sei von der günstigsten Variante 
für den Beschuldigten und damit vorliegend von einer Rangelei, während welcher 
der Privatkläger versehentlich mit einem Messer an der Brust sowie anderweitig am 
Kopf verletzt worden sei, auszugehen. Genaueres sei nicht bekannt. Auch sei die 
Tatwaffe nicht sichergestellt worden. Es sei nicht bekannt, wie scharf das Messer 
tatsächlich oder wie viel Kraft notwendig gewesen sei, um die Kleider des Privat-
klägers zu durchstechen. Die Vorinstanz treffe aber auch hier Annahmen, die den 
Akten nicht zu entnehmen seien, indem sie anführe, es sei auf ein kräftiges Aus-
führen des Stiches sowie auf ein zielgerichtetes Vorgehen des Beschuldigten zu 
schliessen (pag. 1060). Die Eigenschaften des Messers seien überdies nicht be-
kannt, was Rückschlüsse darauf, wie kräftig und heftig ein Stich gewesen sein 
müsse, erschwere. Bei kleinen Sackmesser sei die kleinste Klingenlänge 3.5 cm.

Zum Sachverhalt des vorgeworfenen Diebstahls führte die Verteidigung sodann 
aus, erwiesen sei, dass der Beschuldigte seiner Freundin habe beweisen wollen, 
dass der Dieb ein Bekannter von ihr gewesen sei. Dass der Beschuldigte nicht hin-

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gekniet sei, um den Privatkläger zu identifizieren, sondern das Portemonnaie ein-
fachheitshalber mitgenommen habe, sei in der Hitze des Gefechts nachvollziehbar.

17.2 Vorbringen der Generalstaatsanwaltschaft

Die Aussagen der Verfahrensbeteiligten zum Kerngeschehen wurden im oberin-
stanzlichen Verfahren seitens der Generalstaatsanwaltschaft zusammengefasst 
wie folgt gewürdigt (pag. 1795 ff.): 

Der Privatkläger habe zum Verlauf des Abends sehr genaue Angaben gemacht. Es 
fehlten jedoch Angaben zu wichtigen Phasen. Hier gestehe der Privatkläger aber 
Erinnerungslücken ein (pag. 54 Z. 88 f., pag. 54 Z. 95 ff., pag. 54 Z. 104 f., pag. 56 
Z. 186 ff., pag. 56 Z. 189 ff.). Fraglich sei, wie schwer die tatsächlich auszuma-
chenden Aggravierungstendenzen ins Gewicht fallen bzw. ob die Ungereimtheiten 
ausräumbar seien. Der Privatkläger habe angegeben, er nehme an, dass zuerst mit 
einer Stichwaffe zugestochen worden sei und als er auf dem Boden gelegen habe, 
sei noch mit dem Fuss auf seinen Kopf gestanden worden (pag. 56 Z. 193 ff.). Vor 
der Staatsanwaltschaft und der Vorinstanz habe er sodann angegeben, eigentlich 
auszuschliessen, sich gewehrt zu haben (pag. 66 Z. 133 ff. und pag. 711 Z. 20 ff.). 
Auch passe hierzu seine Aussage, wenn jemand damals etwas von ihm gefordert 
hätte, hätte er alles gegeben (pag. 66 Z. 135 ff.). Auf die Frage, wie er attackiert 
worden sei, habe er ausgesagt, er wisse sicher, dass es frontal und nicht von hin-
ten gewesen sei. Es sei überraschend gewesen, es sei nicht schon eine Person 
dort gestanden, er sei nach vorne gesprungen (pag. 65 Z. 120 f.). Diese Behaup-
tungen seien nicht widersprüchlich. Der Privatkläger habe die Behauptungen be-
gründet und klar als Vermutungen deklariert. Auch seien sie mit den Aussagen des 
Beschuldigten, wonach er zum Privatkläger parallel auf dem Trottoir gelaufen sei, 
in Einklang zu bringen (pag. 239 Z. 170 f.). Auch aus dem Umstand, dass er 
zunächst angegeben habe, nicht sagen zu können, ob er von einer oder von meh-
reren Personen angegriffen worden sei und dann gegen Schluss dennoch äusser-
te, fast sicher zu sein, dass es nur eine Person gewesen sei, sei ersichtlich, dass er 
auch hier keinen Hehl aus seiner Unsicherheit gemacht habe. Es sei auf die glaub-
haften Aussagen des Privatklägers abzustellen. 

Der Beschuldigte hingegen habe die Gelegenheit für ein Geständnis verpasst. Er 
habe in der ersten Einvernahme nachweislich gelogen und sich unwissend gestellt 
(pag. 185 Z. 44 f. und Z. 71). Die Einvernahme am 17. Oktober 2016 sei auf 
Wunsch des Beschuldigten und lediglich ein paar Tage nach der Einvernahme von 
Q.________ am 14. Oktober 2016 durchgeführt worden. Diese habe Kenntnis über 
den Stand der Ermittlungen erhalten. Der Beschuldigte habe seine Aussagen ent-
sprechend anpassen können. Auch aus den späteren Einvernahmen erhalte man 
den Eindruck, der Beschuldigte passe seine Aussagen laufend den Ermittlungser-
gebnissen an und sobald Fragen gestellt worden seien, auf die er nicht vorbereitet 
gewesen sei, habe er keine Antwort gegeben (pag. 238 Z. 152 ff., pag. 243 Z. 319 
ff., pag. 247 Z. 488 ff.). Obwohl die Antworten des Beschuldigten einstudiert er-
schienen, seien sie nicht stringent und nicht nachvollziehbar. Es sei nicht nachvoll-
ziehbar, was den Privatkläger dazu veranlasst haben sollte, den Beschuldigten, der 
mit einem Messer bewehrt gewesen sei, anzugreifen (pag. 196 Z. 172 f. und Z. 185 
f.). Die Aussage, er habe sich gedacht, dass er ihn zuerst anspreche und nicht mit 

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Gewalt handle (pag. 239 Z. 180 f.) zeige, dass der Beschuldigte zumindest darüber 
nachgedacht habe, dem Privatkläger mit Gewalt zu begegnen. Die Aussagen des 
Beschuldigten, sie seien von der Rampe auf den flachen Boden gefallen und der 
Privatkläger sei K.O. gewesen (pag. 209 Z. 249 ff.), erschienen mit Blick auf die 
vorgehenden Schilderungen des Beschuldigten (pag. 193 Z. 53 ff., pag. 208 Z. 219 
ff.) konstruiert. Hier sei ein Sprung im Erzählungsstrang ersichtlich. Die Aussage 
sei als Schutzbehauptung zu werten. Kurz vor der neuen Darstellung, es könne 
sein, dass der Privatkläger im Rollen auf das Messer gefallen sei (pag. 211 Z. 341 
f.), habe er dieses Rollen nicht erwähnt (pag. 208 Z. 220). Weiter sei nicht nach-
vollziehbar, warum der Beschuldigte einerseits angebe, das Messer geprüft zu ha-
ben und andererseits davon ausgehe, keinen damit getroffen zu haben (pag. 239 
Z. 194 ff.). Widersprüchlich seien auch die Aussagen, er habe das Messer schon 
seit langem (pag. 194 Z. 101) sowie es sei ein Sackmesser seiner Freundin gewe-
sen (pag. 238 Z. 161). Die Erklärung des Beschuldigten, das Messer als Rechts-
händer links gehalten zu haben, weil er dem Privatkläger nur Angst habe machen 
wollen (pag. 209 Z. 263 ff.), wirke unbeholfen. Greife jemand zu einem Messer, um 
sich gegebenenfalls zu verteidigen, nehme dieser das Messer in die stärkere Hand. 
Fraglich sei, warum der Beschuldigte das Messer mitgenommen habe. Dieser gebe 
als Grund Angst an, sage aber auch, Zuhause noch nicht ängstlich gewesen zu 
sein (pag. 238 Z. 147). Zudem hätte, wenn er nichts Unrechtes getan hätte, kein 
Anlass für eine Entsorgungsaktion bestanden (pag. 242 Z. 305). Eine Rückkehr an 
den Tatort, wie vom Beschuldigten ausgesagt (pag. 193 Z. 57 f., pag. 239 Z. 196 
ff.), mache sodann nur Sinn, wenn er davon ausgegangen sei, den Privatkläger 
verletzt zu haben. Entgegen der Angabe des Beschuldigten, eine Nasenverletzung 
davon getragen zu haben (pag. 195 Z. 143), hätten weder seine Freundin noch de-
ren Mutter eine Verletzung festgestellt (pag. 172 Z. 200 ff., pag. 130 Z. 244 ff.). Der 
Beschuldigte habe den Arzt auch erst auf Anweisung seines Anwalts aufgesucht 
(pag. 241 Z. 252). Der Beschuldigte schiebe dem Privatkläger die Schuld zu, indem 
er angebe, dieser habe unverhofft angegriffen, er habe sich nur gewehrt. Die Aus-
sagen des Beschuldigten seien unglaubhaft, es könne nicht darauf abgestellt wer-
den. 

Die Aussagen von Q.________ zum Gemütszustand des Beschuldigten (pag. 169 
Z. 84 ff., pag. 170 Z. 113 f., pag. 168 Z. 32, 40 und 42 ff., pag. 172 Z. 182 ff.) seien 
aufschlussreich. Es sei davon auszugehen, dass diese der Wahrheit entsprächen. 

Der Beschuldigte habe gewusst, dass der Privatkläger verletzt gewesen sei. Es 
seien ansonsten keine Gründe ersichtlich, dass er J.________ und Q.________ 
etwas hätte verschweigen müssen (pag. 127 Z. 86 f., pag. 171 Z. 151). Bei Letzte-
rer sei auch ganz klar die Besorgnis um die andere Person im Vordergrund ge-
standen (pag. 168 Z. 44 f., pag. 172 Z. 172 f.). 

Zu den objektiven Beweismitteln wurde seitens der Generalstaatsanwaltschaft im 
Wesentlichen angeführt (pag. 1801), für das Arztzeugnis vom 7. Oktober 2016 
könne vorneweg auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden. Im Weite-
ren sei zu bemerken, dass die Klinge durch mehrere Kleidungsstücke gedrungen 
sei. Der Stich müsse somit kraftvoll ausgeführt worden sein. Dies spreche für eine 
überraschende und gezielte Aktion und nicht nach der Darstellung des Beschuldig-

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ten, wonach er den Privatkläger irgendwie erwischt habe. Das morphometrische 
Gutachten habe zwar keine Übereinstimmung mit den abgegebenen Schuhen er-
geben, sei aber auch nicht unmittelbar nach der Tat vorgenommen worden. Es sei 
nicht sicher, dass der Beschuldigte an diesem Abend die sichergestellten Schuhe 
getragen habe. Der Beschuldigte habe angegeben, nur zwei Paar Schuhe zu ha-
ben sowie beide entsorgt zu haben. Hierzu könne auf die Erwägungen der Vor-
instanz verwiesen werden. Die Verletzungen des Privatklägers müssten überdies 
von diesem Vorfall stammen (pag. 76) und seien auch nicht erst auf dem Heimweg 
des Privatklägers entstanden. Der Beschuldigte habe ausgesagt, der Privatkläger 
sei vor Ort ohnmächtig geworden. Auf die glaubhaften Aussagen des Privatklägers 
sei auch mit Blick auf die objektiven Beweismittel abzustellen. Der Sachverhalt ha-
be sich so abgespielt, wie von ihm geschildert und in der Anklageschrift umschrie-
ben.

Hinsichtlich des vorgeworfenen Diebstahls sei die bestrittene Bereicherungsabsicht 
klar gegeben. Einen Blick in das Portemonnaie hätte für die Identifikation des Pri-
vatklägers ausgereicht (pag. 1801).

17.3 Vorbringen des Privatklägers bzw. der Rechtsvertretung

Rechtsanwalt D.________ brachte oberinstanzlich für den Privatkläger zusammen-
gefasst vor (pag. 1804 ff.), der Privatkläger sei im Verfahren als Aggressor, als ei-
gentlicher Täter behandelt worden. Der Privatkläger habe den Diebstahl der Hanf-
pflanzen zugestanden (pag. 54). Es gehe vorliegend nicht um die Vorgeschichte 
der Tat. Die Verteidigung, aber auch die Staatsanwaltschaft, hätten sich auf Ne-
benschauplätze konzentriert. Die Vorinstanz habe diesem Vorgehen mit ihren 
Festhaltungen einen Riegel geschoben (pag. 1032 f.). 

Die eigentliche Auseinandersetzung sei bestritten. Da die Tatwaffe nicht vorliege 
und sich das IRM nicht dazu geäussert habe, sei die Länge der Messerklinge un-
klar. Der Beschuldigte habe zudem angegeben, nicht mehr zu wissen, wie der 
Messerstich bzw. die Verletzung des Opfers geschehen sei. Sei ein dynamisches 
Geschehen zu beurteilen, sei es nicht die Ausnahme, dass wichtige Angaben fehl-
ten. Die vorliegenden objektiven und subjektiven Beweismittel würden aber ein 
stimmiges Ganzes ergeben: Die Aussagen des Beschuldigten zum Messer seien 
sehr konkret (pag. 238 Z. 161, pag. 194 Z. 113). Öffne man ein Standardsackmes-
ser, so öffne man klar die grosse der beiden Schneideklingen. Die grosse Klinge 
sei auf eine Länge von 60 bis 70 mm normiert. Die minimale Klingenlänge des 
Tatmessers sei somit 6-7 cm gewesen. Dafür sprächen ebenfalls die Verletzungs-
art (pag. 259 f., pag. 359 f.) und die durchgestochenen Kleidungsstücke (pag. 365-
371). Demnach müsse der Stich auch mit einem gewissen Krafteinsatz vorgenom-
men worden sein. Weiter sei fraglich, ob der Stich bewusst oder unbewusst zuge-
fügt worden sei. Auf den Fotos auf pag. 359 f. sei ersichtlich, dass sich die Stich-
wunde im oberen Brustbereich, relativ zentral und leicht nach rechts versetzt, be-
finde. Der Stich sei wohl von oben rechts nach unten links ausgeführt worden. Dies 
gehe auch aus dem Gutachten hervor (pag. 259). Würde den Aussagen des Be-
schuldigten gefolgt, müsste ein zur Wunde spiegelverkehrtes Verletzungsbild vor-
liegen. Werde ein Messer in der linken Hand geführt und damit auf eine gegenüber-
liegende Person eingestochen, müsste die Wunde umgekehrt, also von oben links 

20

nach unten rechts, verlaufen. Dies habe auch die Staatsanwaltschaft früher so ge-
sehen (pag. 211 Z. 329 ff.). Der Beschuldigte habe selber gemerkt, dass seine 
spätere Angabe, der Privatkläger sei im Fallen auf das Messer gerollt, nicht mit 
dem Verletzungsbild aufgehe. Die Wunde sei nicht ausgefranst. Auch deute nichts 
auf ein Abrutschen mit dem Messer hin. Es läge ganz klar eine isolierte, glattrandi-
ge Stichwunde vor (pag. 365 ff.). Dies sei nur mit einem heftigen Zustechen verein-
bar. Alles deute darauf hin, dass der Stich bewusst geführt worden sei. Der Vertei-
digung sei zu entgegnen, dass sich ein Gerangel nicht mit dem Spurenbild der Ver-
fahrensbeteiligten decke. Der eingereichte Arztbericht zur vorgebrachten Nasen-
verletzung des Beschuldigten (pag. 197 Z. 208 f.) könne weder zugunsten noch 
zuungunsten für irgendjemanden verwendet werden. Weder Q.________ noch 
J.________ hätten nach der Rückkehr des Beschuldigten eine Verletzung festge-
stellt (pag. 172 Z. 200 ff., pag. 130 Z. 244 ff.). Gemäss dem IRM seien weitere Ver-
letzungen des Privatklägers auf Gewalteinwirkungen zurückzuführen und mit der 
Annahme einer körperlichen Auseinandersetzung zu vereinbaren (pag. 261). Die 
Verletzungen an den Händen könnten sowohl Abwehr- als auch Angriffsverletzun-
gen sein. Wäre Letzteres der Fall, müsste der Beschuldigte jedoch mehr Verlet-
zungen aufweisen. Die Aussagen des Beschuldigten seien nicht glaubhaft und 
stimmten nicht mit dem Spurenbild überein.

Weiter sei nicht davon auszugehen, dass der Beschuldigte aus Angst das Messer 
zum Schutz mitgenommen und nicht die Absicht gehabt habe, dieses zu verwen-
den. So habe er das Messer unbestrittenermassen aufgeklappt in der Hand gehal-
ten. Es deute alles darauf hin, dass er wütend und «hässig» und, wie er selber ge-
sagt habe, «auf 180» gewesen sei. Diesbezüglich seien die glaubhaften Aussagen 
der Freundin des Beschuldigten wichtig. Auch die Schilderungen des Beschuldig-
ten zur Situation auf der Rampe seien nicht glaubhaft. Wenn, wie der Beschuldigte 
geschildert habe, jemand erblickt werde und man vor dieser Person Angst habe, 
dann klappe man nicht ein Messer auf und gehe auf diese Person zu.

Zum morphometrischen Vergleich sei anzumerken, dass man nicht wisse, welche 
Schuhe der Beschuldigte getragen habe. Das IRM halte klar fest, dass sich die 
Hauteinblutung im Bereich der rechten Wange/der rechten Schläfe nicht durch ein 
Sturzgeschehen erklären lasse (pag. 304) sowie, dass ein heftiger Fusstritt oder 
Schlag im Vordergrund stehe (pag. 305). Hierzu seien auch die Fotos des Gesichts 
des Privatklägers heranzuziehen (pag. 308 f.). Der Privatkläger erinnere sich nicht 
nur an den Schrei, sondern auch an den Fusstritt, den er erhalten habe, als er be-
reits am Boden gelegen sei. Gestützt auf das Gutachten sei erwiesen, dass dieser 
tatsächlich stattgefunden habe. Auch sei es nicht realistisch, dass jemand anderes 
als der Beschuldigte den Tritt ausgeführt habe. 

Die objektiven Beweismittel, die Aussagen des Privatklägers, die Aussagen von 
Q.________ und von J.________ widersprächen den Ausführungen des Beschul-
digten, wonach sich dieser vorsichtig in eine Auseinandersetzung habe begeben 
wollen. Es sei von reinen Schutzbehauptungen auszugehen. 

21

18. Beweiswürdigung der Kammer

18.1 Vorbemerkungen

Betreffend die theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung im Allgemeinen und 
der Aussagenanalyse im Besonderen kann vorab auf die zutreffenden Erwägungen 
der Vorinstanz verwiesen werden (S. 5 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; 
pag. 1023 f.). 

Die Kammer nimmt, wie die Vorinstanz, eine gemeinsame Würdigung der Ziff. I.1. 
(versuchte vorsätzliche Tötung, evtl. versuchte schwere Körperverletzung und Un-
terlassung der Nothilfe) und Ziff. I.2. (Diebstahl) der Anklage (pag. 606 ff.) vor.

Vorab ist festzuhalten, dass es sich bei dem zu beurteilenden Vorfall vom 4. Okto-
ber 2016 um ein dynamisches Geschehen handelte. Bei solchen ist angesichts der 
beschränkten menschlichen Aufnahme-, Speicherungs- und Wiedergabefähigkeit 
einerseits eine in jeder Beziehung exakte nachträgliche Rekonstruktion der gesam-
ten Abläufe unmöglich, andererseits jedoch auch nicht erforderlich. Entscheidend 
ist vielmehr, ob aufgrund des gesamten Beweismaterials im Rahmen einer Ge-
samtbetrachtung sowie unter Einbezug auch von Erfahrungswerten das zur Dis-
kussion stehende Geschehen in seinen wesentlichen Grundzügen sachverhalts-
mässig mit der erforderlichen Überzeugung derart festgestellt und eingegrenzt 
werden kann, dass damit die rechtlich relevanten Fragen ebenfalls beantwortet 
werden können. Gerade im Rahmen eines dynamischen Geschehens sind 
nachträgliche Angaben zu den sich in eigener und fremder Bewegung abspielen-
den Abläufen naturgemäss mit Vorsicht aufzunehmen, wobei sich erfahrungs-
gemäss zusätzlich tatsächliche Wahrnehmungen mit rekonstruktiven Erwägungen 
vermischen können. Auch die verschiedenen subjektiven Betroffenheits- und Inter-
essenlagen können bewusst oder unbewusst sein. Gewisse Widersprüche und Un-
gereimtheiten sind natürlich, aus solchen allein darf nicht der Schluss gezogen 
werden, dass die Aussagen einer bestimmten Person insgesamt unglaubhaft 
wären. Es ist vielmehr eine Würdigung im Rahmen einer Gesamtbetrachtung vor-
zunehmen. 

Nachfolgend wird zur Klärung des bestrittenen Sachverhalts auf einzelne Beweis-
mittel eingegangen. Auf eine Zusammenfassung aller Beweismittel wird an dieser 
Stelle verzichtet. Die Vorinstanz hat die objektiven Beweismittel wiedergegeben 
sowie die wesentlichsten Aussagen der Verfahrensbeteiligten zu den Geschehnis-
sen am 4. Oktober 2016 insb. zum Hergang der Auseinandersetzung zitiert bzw. 
zusammengefasst (S. 7 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 1025 ff.). 
Darauf wird vorab verwiesen. Die nachfolgenden ergänzenden bzw. präzisierenden 
und/oder wiederholenden Ausführungen zu Beweismitteln beschränken sich auf 
diejenigen Punkte, die für das Verständnis unerlässlich sind oder zu denen die 
Kammer eine abweichende Meinung hat. Dies gilt auch für die oberinstanzlichen 
Beweisergänzungen.

18.2 Wesentliche Feststellungen der objektiven Beweismittel

Das IRM hielt im Gutachten zur körperlichen Untersuchung des Privatklägers vom 
10. November 2016 (pag. 256 ff.) unter anderen folgende und in casu relevante 
Verletzungen fest: 

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Eine Hautdurchtrennung am Brustkorb vorne oben, wenige Zentimeter unter der 
Drosselfurche, direkt rechtsseitig des Brustbeines. Diese verlaufe schräg von oben 
rechts nach unten links, sei ca. 2.4 cm lang und bis ca. 0.7 cm klaffend, habe glatt-
randige Wundränder, ein spitzzulaufendes oberes Wundende sowie ein stumpf zu-
laufendes und rechtwinklig imponierendes unteres Wundende. Mehrere rötliche 
Hauteinblutungen wurden oberhalb der rechten Schläfe (strichförmig, parallel mit 
einem Abstand von ca. 0.6 cm in Kopflängsachse verlaufend, bis zu ca. 3 cm lang 
und ca. 0.1-0.2 cm breit) sowie direkt oberhalb der rechten äusseren Augenbrau-
enhälfte (rundlich und oval, diffus über ein ca. 4.5 x 3 cm durchmessendes Areal 
verteilt, teils konfluierend, ca. 0.1-0.4 cm durchmessend) festgestellt. Zudem falle 
die leichte Schwellung der gesamten linken Ohrmuschel sowie die rötliche Verfär-
bung in deren oberen Bereich auf. Weiter wurden rötliche, blutverdächtige Anhaf-
tungen und mehrere oberflächliche Hautabtragungen an den Händen sowie mehre-
re oberflächliche Hautabtragungen am linken Knie, vorder- und aussenseitig, und 
am linken Unterschenkel, vorderseitig direkt unterhalb der Kniescheibe festgehal-
ten.

Das IRM schlussfolgerte im Wesentlichen, die Hautdurchtrennung am Brustkorb 
reiche bis in die Brusthöhle, sei frisch und auf scharfe Gewalteinwirkung – bei-
spielsweise auf eine Messerklinge – zurückzuführen. Die Verletzung habe zu Luft- 
und Blutansammlungen und zu einem Blutverlust von 400-450 ml. geführt. Sie sei 
nicht unmittelbar lebensgefährlich gewesen und werde unter nichtentstellender Na-
rbenbildung abheilen. Das IRM merkte zudem an, dass die vorgenommenen medi-
zinischen Massnahmen möglicherweise potentiellen, allenfalls lebensbedrohlichen 
Komplikationen vorgebeugt haben könnten sowie, dass sich in unmittelbarer Nähe 
der Verletzung das Herz und grössere Blutgefässe befänden, deren Verletzung po-
tentiell lebensbedrohliche Zustände zur Folge hätte haben können. Die weiteren 
Verletzungen seien nicht unmittelbar lebensgefährlich, würden folgenlos abheilen 
und seien mit der Annahme einer körperlichen Auseinandersetzung vereinbar. Die 
Verletzungen an den Händen könnten als Abwehrverletzungen gedeutet werden 
und/oder durch einen ausgeteilten Schlag entstanden sein. Zudem imponiere die 
Verletzung direkt oberhalb der rechten Schläfe aufgrund ihrer Form (vgl. hierzu 
weitergehend die vorinstanzlichen Ausführungen auf S. 7-9; pag. 1025-1027). Die 
vom IRM durchgeführte Blutuntersuchung des Privatklägers ergab eine rückge-
rechnete Blutalkoholkonzentration von minimal 0.98 und maximal 1.65 Promille 
(pag. 263 ff.).

Das IRM führte im morphometrischen Gutachten vom 5. April 2017 (pag. 298 ff.) 
und im morphometrischen Ergänzungsgutachten vom 23. Januar 2018 (pag. 335 
ff.) im Besonderen aus, der Vergleich der geformten Verletzungen oberhalb der 
rechten Schläfe und Augenbraue des Privatklägers mit den beim Beschuldigten si-
chergestellten Schuhen habe keine morphometrische Übereinstimmungen erge-
ben. Grundsätzlich seien aber derartig geformte Hauteinblutungen mit oberflächli-
chen Schürfungen sehr gut mit der Annahme eines Fusstrittes mit einem entspre-
chend besohlten Schuh vereinbar. Da sich keine morphometrische Übereinstim-
mung zwischen dem Bodenprofil und der geformten Verletzung an der rechten 
Schläfe des Privatklägers ergeben habe, lasse sich diese nicht (zwanglos) durch 
einen Sturz erklären. Die privatklägerische Verletzung im Bereich des linken Ohrs 

23

sei auf stumpfe Gewalteinwirkung zurückzuführen und alleine betrachtet eher un-
spezifisch, weshalb vieles – ein Sturz zu Boden, Faustschlag, Ellbogenstoss 
oder Fusstritt – in Betracht käme. Angenommen, die geformte Verletzung im Be-
reich der rechten Augenbraue sei durch einen Fusstritt auf den Kopf des am Boden 
liegenden Privatklägers entstanden, sei ein Befundmuster wie an dessen linken 
Kopfseite im Sinne einer Widerlagerverletzung zu erwarten. Während die doku-
mentierte Stichverletzung eher ungeeignet erscheine, eine vorübergehende Be-
wusstlosigkeit zu begründen, sei die Schwere der vorliegenden stumpfen Gewalt 
gegen den Kopf geeignet, im Sinne einer Gehirnerschütterung, eine solche zu er-
klären. Aus rechtsmedizinischer Sicht lasse sich im vorliegenden Fall ein mindes-
tens derartig heftiger Fusstritt gegen den Kopf, so dass er auch eine Bewusstlosig-
keit zu erklären vermag, vor weiteren Alternativen als Erklärung für eine vorüber-
gehende Bewusstlosigkeit einordnen (vgl. auch S. 9 f. der erstinstanzlichen Urteils-
begründung, pag. 1027 f.).

In seinem Bericht vom 20. Januar 2017 (pag. 343 ff.) führte der KTD folgendes von 
Relevanz an: Die Beschädigungen an den Kleidungsstücken des Privatklägers sei-
en eine Kombination zwischen Schnitt und Riss. Die scharfen Kanten des Schnittes 
sprächen für die Verwendung eines scharfen Werkzeuges. Die Schnitte auf jeder 
Schicht (Jacke, Trainerjacke und T-Shirt) seien nicht überlagerbar, aber der Winkel 
sei ähnlich. Diese Nichtüberlagerbarkeit weise auf eine Dynamik beim Tatablauf 
sowie auf einen nicht im senkrechten Winkel ausgeführten Stich hin. Eine bestimm-
te Tatwaffe habe nicht eruiert werden können, ein Sackmesser sei allerdings die 
wahrscheinlichste Waffe.

Die seitens des Beschuldigten eingereichte ärztliche Bescheinigung vom 7. Okto-
ber 2016 (pag. 272) bestätigt diesem eine Schwellung und Rötung über der Na-
senwurzel.

Im Rahmen der Auswertung des Mobiltelefons von Q.________ konnte ein 
gelöschter zwischen ihr und ihrem Bruder, X.________, am 4. Oktober 2016 von 
02:02 bis 02:47 Uhr geführter iMessageverlauf ermittelt werden (pag. 460 ff.).

Ein – am 3. Oktober 2016 um 23:49 Uhr erstelltes und auf dem Mobiltelefon des 
Privatklägers gefundenes – Foto zeigt den Privatkläger zusammen mit T.________ 
mit einer Hanfpflanze (pag. 37, pag. 76, pag. 443).

Für die Kammer sind keine Hinweise ersichtlich, die Zweifel an der Richtigkeit der 
Feststellungen in den objektiven Beweismitteln begründen. 

18.3 Beweiswürdigung in concreto

Der Beschuldigte wurde insgesamt sechs Mal einvernommen. Anlässlich seiner 
ersten Einvernahme am 10. Oktober 2016 hat er nachweislich die Unwahrheit ge-
sagt sowie seine Beteiligung verschwiegen. Er gab zu Protokoll, seine Freundin 
habe ihm erzählt, es sei am 4. Oktober 2016 eingebrochen und im Garten sei eine 
Hanfpflanze gestohlen worden (pag. 185 Z. 40 f.). Dabei hielt er sich, wie im späte-
ren Verfahren geklärt werden konnte, in der Nacht vom 3. auf den 4. Oktober 2016 
im Zimmer seiner Freundin auf. Dies sagte er bei der nächsten Einvernahme eine 
Woche später auch so aus (pag. 192 Z. 33 f.). In der ersten Einvernahme führte er 
weiter aus, seine Freundin habe zu diesem Zeitpunkt schon gewusst, wer es ge-

24

wesen sei. Sie habe ein Foto von einer Kollegin via Mobiltelefon erhalten. […] Der 
Bruder des Privatklägers habe geschrieben, dass es ihm leid tue und dass der Pri-
vatkläger brutal mit einem Messer beraubt worden sei. Er komme sich entschuldi-
gen, sobald er wieder gesund sei (pag. 185 Z. 41 f., Z. 45-47). Auch diese Aussage 
entsprach nicht den Tatsachen. Die Freundin wusste bereits vor dem Erhalt des 
Fotos, wer es war: Der Beschuldigte hat ihr den Namen bereits in der Tatnacht ge-
sagt (pag. 174 Z. 245 f.). Warum er zu Beginn falsche Angaben machte, konnte der 
Beschuldigte nicht nachvollziehbar erklären bzw. gab im Rahmen seiner Einver-
nahmen keinen Grund dazu an. Ab seiner zweiten Einvernahme am 17. Oktober 
2016 vertrat er bezüglich dem bestrittenen Sachverhalt – dem genauen Hergang 
der Auseinandersetzung – die Darstellung, «Im Moment als ich ihn angesprochen 
und „hey" gesagt habe, hat er mich angegriffen. Er hat mich ins Gesicht geschla-
gen und ich habe ihn irgendwie mit dem Messer erwischt.» (pag. 193 Z. 53 ff.). 

Für die Kammer drängen sich zunächst die Fragen auf, warum der Beschuldigte 
überhaupt ein Messer mitführte und warum er dieses bereits vor der Konfrontation 
des Privatklägers aufklappte. Der Beschuldigte erklärte sein Vorgehen am 17. Ok-
tober 2016 wie folgt: «Er war schwarz angezogen und trug einen Hoodie, die Ka-
puze war über den Kopf gezogen. Ich wusste nicht, wer es war in diesem Moment. 
Ich hatte dann sehr Angst, ihn anzusprechen. Ich wusste nicht, was ist und habe 
gedacht, mein Messer zu nehmen und ihn damit zur Rede zu stellen.» (hervorge-
hoben durch die Kammer; pag. 192 f. Z. 49 ff.). Auch in den späteren Einvernah-
men begründete er die Mitnahme und das Aufklappen des Messers mit Angst: «Ich 
hatte Angst. Ich wollte ihn konfrontieren, ich wollte ihm Angst machen.» (pag. 198 
Z. 264); «Weil ich wahnsinnig Angst hatte, weil ich mich selbst verteidigen können 
wollte.» (pag. 238 Z. 142). Diese Schilderungen passen weder zu den in den Akten 
vorhandenen Charakterisierungen des Beschuldigten (vgl. u.a. den Berichtsrapport 
der Kantonspolizei vom 23. Dezember 2021; pag. 1751 ff., Strafregisterauszug vom 
11. Januar 2022; pag. 1765 f.) noch zu den entsprechenden Aussagen der weite-
ren befragten Personen (vgl. insb. die nachfolgend noch angeführten Aussagen 
von Q.________; pag. 172 Z. 183 ff.). Die Aussagen des Beschuldigten erklären 
nicht, warum er eines Messers bedarf, um jemanden zur Rede zu stellen. Allein die 
vorgefundene Situation spricht bereits gegen die geltend gemachte Angst. Der Be-
schuldigte gab auf die Frage, wann er das Messer aufgeklappt habe, an: «Als ich 
«hinger ihm gloffe bi und ihn nid ha chönne identifiziere».» (pag. 194 Z. 117). An-
lässlich der Einvernahme vom 29. November 2017 sagte er, er sei zu diesem Zeit-
punkt parallel auf dem Trottoir gegangen, als der Privatkläger dem Perron entlang 
nach hinten und die Rampe hinaufging. Er habe das Messer vielleicht schon etwas 
vorher geöffnet (pag. 239 Z. 170 f. und Z. 178). Demnach lag keine Konstellation 
vor, in welcher ein Angriff nach vorne unvermeidbar gewesen wäre. Der Privatklä-
ger war zu diesem Zeitpunkt alleine unterwegs. Warum der Beschuldigte bereits da 
Angst gehabt haben soll, ist nicht ersichtlich. Hätte der Beschuldigte wirklich Angst 
gehabt, hätte er die Verfolgung des Privatklägers immer noch abbrechen und an 
den K.________weg zurückkehren können und so dem Privatkläger gar nicht be-
gegnen müssen. Stattdessen klappte der Beschuldigte das Messer bereits vor der 
Konfrontation auf und ging auf den Privatkläger zu (pag. 194 Z. 117, pag. 239 
Z. 178, pag. 722 Z. 22 und Z. 29). Auch mit Blick auf seine Verfassung, als er das 

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Haus verliess – gemäss Q.________ sei er extrem «hässig» gewesen (pag. 169 
Z. 88) –, kann der Schilderung des Beschuldigten nicht gefolgt werden. Er gab so-
dann auch selber an, weniger Angst gehabt zu haben, als er aus dem Haus ge-
gangen sei. Er habe nicht so nachgedacht (pag. 238 Z. 147-149) und sei in diesem 
Zeitpunkt von Emotionen beherrscht gewesen (pag. 719 Z. 32). 

Der Beschuldigte gab in der Einvernahme vom 17. Oktober 2016 weiter zu Proto-
koll: «Ich weiss nur noch, dass ich ihn angesprochen habe und ich dann sofort ei-
nen Schlag auf die Nase bekommen habe, ohne dass er etwas gesagt hat. Er (der 
Privatkläger) sei «uf mi gsprunge» (pag. 195 Z. 135-137) bzw. er (der Privatkläger) 
sei auf ihn «losgelaufen» (pag. 196 Z. 171). Diese Aussage ist nicht vereinbar mit 
seiner nachfolgenden Äusserung: «Am Ende der Rampe, als er (der Privatkläger) 
auf die Strasse bog, stand ich direkt vor ihm und habe «hey» zu ihm gesagt.» 
(pag. 196 Z. 185 f.). Dass der Privatkläger ihn «direkt geschlagen» haben soll 
(pag. 196 Z. 186), ist nicht nachvollziehbar. Für ein solches Verhalten ist kein An-
lass ersichtlich. Zudem ist der Umstand nicht ausser Acht zu lassen, dass der Pri-
vatkläger die mit der vorgängig entwendeten Hanfpflanze gefüllte Ikeatasche trug. 
Innert einem Bruchteil einer Sekunde hätte der Privatkläger diese nach dem «hey» 
loslassen müssen, um den Beschuldigten «sofort» ins Gesicht schlagen zu können.

Gegen die Darstellung des Beschuldigten anlässlich der Einvernahme vom 17. Ok-
tober 2016, das Messer nicht bewusst eingesetzt sowie bloss abwehrend reagiert 
zu haben – «Er hat mich ins Gesicht geschlagen und ich habe irgendwie ihn mit 
dem Messer erwischt.» (hervorgehoben durch die Kammer; pag. 193 Z. 54 f.) –, 
spricht zunächst, wie er selber mehrmals zu Protokoll gab, dass er das Messer be-
reits aufklappte, als er hinter ihm (dem Privatkläger) gelaufen sei (pag. 194 Z. 117, 
pag. 239 Z. 178, pag. 722 Z. 22 und Z. 29) und ist überdies widersprüchlich zu sei-
ner sogleich folgenden Äusserung, er habe nicht gewusst, dass er ihn mit dem 
Messer getroffen habe. Das habe er erst am nächsten Tag erfahren (pag. 193 
Z. 54 ff.). Auch gibt der Beschuldigte an: «Ich habe den Sack genommen und bin 
davon gerannt. […] Mir ist in den Sinn gekommen, dass er in P.________ noch am 
Boden liegt und er eventuell Hilfe brauche.» (hervorgehoben durch die Kammer; 
pag. 193 Z. 55 ff.). Es ist keine andere Erklärung als ein bewusst geführter Messer-
einsatz ersichtlich bzw. vermag es der Beschuldigte, indem er seine Tatbeteiligung 
als passiv, abwehrend darstellt, nicht zu erklären, warum der Privatkläger am Bo-
den lag, als er den Tatort verliess. Er führte aus: «Ich weiss nur noch, dass ich ihn 
angesprochen habe und ich dann sofort einen Schlag auf die Nase bekommen ha-
be, ohne dass er etwas gesagt hat. Er ist «uf mi gsprunge».» (pag. 195 Z. 135 ff.). 
Auch mit seiner Antwort auf die Frage, wieso der Privatkläger am Boden lag: «In 
diesem Moment wusste ich es nicht, aber ich nehme an wegen dem Messer.» 
(pag. 195 Z. 158 f.), führte er keine schlüssige Begründung an. Im Zeitpunkt dieser 
Aussage war ihm einerseits bekannt, dass der Privatkläger aufgrund einer Messer-
verletzung ins Spital eingeliefert worden war und andererseits kannte er den ihm 
zur Last gelegten Vorwurf (pag. 193 Z. 69 f.). Angenommen, er wäre tatsächlich 
das Opfer der Auseinandersetzung gewesen, wäre überdies nicht nachvollziehbar, 
warum er nochmals zum Tatort zurückging, um nach dem «noch am Boden liegen-
den» Privatkläger zu sehen. Zudem verwundert bei dieser Darstellung, dass der 
Beschuldigte «alles von diesem Abend» und damit auch das Messer und die Hanf-

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staude aus «Instinkt» sogleich am nächsten Morgen entsorgte (pag. 193 f. Z. 86 ff., 
pag. 242 Z. 305-308). Des Weiteren macht unter der Prämisse eines unbewussten 
Messereinsatzes, die Beteuerung des Beschuldigten, «Ich weiss, dass es um ver-
suchte vorsätzliche Tötung geht. Es war eine Kurzschlussreaktion, die grosse Fol-
gen für mein Leben hat, aber ich muss dafür gerade stehen.» (pag. 193 Z. 69-71) 
keinen Sinn. 

Auf die Frage, ob er auch Faustschläge ausgeteilt habe, antwortete der Beschul-
digte, obwohl kein spezifischer Körperteil als Ziel der Faustschläge in der Frage 
genannt wurde, er (der Beschuldigte) habe ihn (den Privatkläger) jedenfalls nicht 
bewusst ins Gesicht geschlagen. Wiederum führte er aus, bloss passiv reagiert zu 
haben: Er (der Privatkläger) sei auf ihn (den Beschuldigten) los, er habe ihn einfach 
abgewehrt. Es könne sein, dass er ihn mit dem Ellbogen irgendwo erwischt habe, 
aber nicht mit Absicht (pag. 195 Z. 162-164). Er habe ihn auch nicht mit den Füs-
sen bewusst getreten (pag. 196 Z. 167).

In der dritten Einvernahme am 17. November 2016 schmückte der Beschuldigte 
das in der Einvernahme vom 17. Oktober 2016 bereits dargestellte Kerngeschehen 
weiter aus. So soll er den Privatkläger mit «hey itz han i di» angesprochen haben. 
Weiter hätten sie «geschleglet», in dieser Schlägerei habe er ihn irgendwie mit dem 
Messer erwischt. «Schlussendlich lagen wir beide am Boden unten, auf dem As-
phalt. […] Ich bin aufgestanden und habe gesehen, dass er K.O. ist. (pag. 208 
Z. 216 ff. und Z. 221 ff.)». Zudem stellte er sein Verhalten als helfend dar: «Ich ha-
be ihn in die Seitenlage gelegt.» (pag. 208 Z. 223). Das K.O.-Gehen des Privatklä-
gers erklärte er mit: «Ich glaube, weil wir zusammen umgefallen sind. Von der 
Rampe runter» (pag. 208 Z. 243 ff.). Weiter führte er an, er habe das Messer, ob-
wohl er «eindeutiger» Rechtshänder sei, in der linken Hand gehalten (pag. 209 
Z. 264, pag. 212 Z. 377 f., pag. 723 Z. 11). Gleichentags gab er auch an, es könne 
sein, dass der Privatkläger im Rollen auf sein Messer gefallen sei sowie sich wie-
derholend, er wisse aber mit Sicherheit, dass er nicht zugestochen habe (pag. 211 
Z. 341 ff.). Am 29. November 2017 erklärte er hierzu neu: «Ich habe mit meiner lin-
ken Hand abwehrend reagiert, ich habe ihn dann wohl mit dem Messer getroffen.» 
(pag. 239 Z. 183 f.). «Zwei Sekunden später ist er Knockout gegangen. Ich glaube, 
dass ich ihn mit meinem rechten Ellbogen unter seinem Kinn getroffen habe. Das[s] 
er deswegen Knockout gegangen ist.» (pag. 239 Z. 186 ff.). 

Die Variante des Beschuldigten – unabsichtlicher Messerstich in Folge des Geran-
gels sowie die Bestreitung des Fusstritts gegen den Kopf des Privatklägers – geht 
mit dem gesamten Verletzungsbild des Privatklägers nicht auf: Das «Irgendwie ge-
troffen» bzw. ein unabsichtliches Zustechen in einem Gerangel passt weder zum 
Rapport des KTD vom 20. Januar 2017 (pag. 343 ff.) noch ist es mit dem Verlet-
zungsbild der vom IRM im Gutachten vom 10. November 2016 (pag. 256 ff.) fest-
gestellten Hautdurchtrennung an der Brustkorbvorderseite des Privatklägers zu 
vereinbaren. Gemäss dem KTD seien die Beschädigungen an den Kleidungsstü-
cken eine Kombination zwischen Schnitt und Riss und die scharfen Kanten des 
Schnittes sprächen für die Verwendung eines scharfen Werkzeuges. Die Schnitte 
auf den drei Kleiderschichten – Jacke, Trainerjacke und T-Shirt – seien nicht über-
lagerbar, aber der Winkel sei ähnlich. Dies weise, so der KTD weiter, auf eine Dy-

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namik beim Tatablauf hin sowie auf die Stichausführung in einem nicht senkrechten 
Winkel (pag. 344). Es erscheint äusserst fraglich, wie die festgestellten Beschädi-
gungen an den Kleidern des Privatklägers, mit der Darstellung des Beschuldigten 
in Einklang zu bringen sind. Der ähnliche Winkel lässt sich nur dadurch erklären, 
dass der Beschuldigte den Privatkläger packte und in dessen rechte obere Brust-
gegend stach; die Nichtüberlagerbarkeit der Schnitte ist auf eine Bewegung von 
Seiten des Privatklägers zurückzuführen. Zudem impliziert die Beschädigungsart – 
Kombination zwischen Schnitt und Riss – eine gewisse Kraftausübung. Eine be-
stimmte Tatwaffe konnte durch den KTD nicht eruiert werden. Allerdings sei es am 
Wahrscheinlichsten, dass ein Sackmesser eingesetzt worden sei (pag. 345). Der 
Beschuldigte gab zu Protokoll, die Tatwaffe – ein «normales Sackmesser», ein 
«ganz normales Schweizer Sackmesser» bzw. «Sackmesserli« (pag. 194 Z. 97 f., 
pag. 238 Z. 161, pag. 722 Z. 16) – am nächsten Morgen aus Instinkt entsorgt zu 
haben. Sowie sagte er, das Sackmesser sei «etwas grösser, weil sehr viel dran 
war, wie z.B. Korkenzieher oder so» und «Standardgrösse» gewesen sei (pag. 194 
Z. 112-114). Die Vorinstanz ging gestützt auf diese Aussagen von einem Victorin-
ox-Taschenmesser der mittleren Kategorie aus und legte dar, dass dessen grosse 
Klinge zwischen 58 mm und 70 mm, mehrheitlich 68 mm, bemesse (vgl. S. 42 der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 1060). Diesen Rückschlüssen schliesst 
sich die Kammer nicht an. Die tatsächliche Länge der Klinge kann offengelassen 
werden. Es ist auf die Feststellungen im Gutachten des IRM abzustellen, laut wel-
chen die Hautdurchtrennung auf (scharfe) Gewalteinwirkung zurückzuführen ist. 
Wie das Erscheinungsbild der Verletzung – schräg von oben rechts nach unten 
links verlaufend, ca. 2.4 cm lang, bis ca. 0.7 cm klaffend, in die Brusthöhle rei-
chend, glattrandig und einseitig spitzzulaufend – mit dem seitens des Beschuldig-
ten vorgebrachten, unbewussten Treffen des Messers während einer Schlägerei 
einhergehen soll, leuchtet nicht ein. Die Erklärung, der Privatkläger könne im Rol-
len auf das Messer gefallen sein, ist noch weniger schlüssig. 

Die kraftvolle Ausübung deutet im Weiteren daraufhin, dass der Beschuldigte, als 
Rechtshänder, das Messer mit der rechten Hand gehalten und geführt haben 
muss. Auch vor dem Hintergrund der in der Tatnacht herrschenden Umständen er-
achtet es die Kammer als weltfremd, dass der Beschuldigte das Messer mit der lin-
ken Hand geführt haben will. Es ist schlichtweg nicht nachvollziehbar, dass er das 
Messer, um den Privatkläger zu konfrontieren (pag. 198 Z. 264, pag. 208 Z. 215 f., 
pag. 209 Z. 266 f.), bereits bevor er diesen stellte, aufklappte, das Messer aber, 
obwohl er Rechtshänder ist, in der linken Hand gehalten hat, damit er sich mit der 
rechten Hand gegebenenfalls verteidigen kann (pag. 209 Z. 266). Dass der Mes-
serstich nicht in einem senkrechten Winkel ausgeübt worden ist (pag. 344), steht 
überdies im Einklang mit den Positionsangaben des Beschuldigten und des Privat-
klägers bei ihrem Aufeinandertreffen (pag. 65 Z. 120 f., pag. 196 Z. 183 ff.). Hier 
imponiert insbesondere die Angabe des Beschuldigten, der Privatkläger sei unter 
ihm gelaufen (pag. 196 Z. 184). Der Privatkläger gab an, er sei die Rampe hochge-
laufen und fast oben an der Rampe sei eine Person vor ihn hingesprungen und ha-
be einen angreifenden, attackierenden Schrei von sich gegeben (pag. 65 Z. 95 f.). 
Der Beschuldigte befand sich somit in einer höheren Position als der Privatkläger, 
selbst unter Berücksichtigung, dass der Privatkläger 191 cm gross und ca. 82 kg 

28

schwer gewesen ist (pag. 72). Der Privatkläger war alkoholisiert (vgl. forensisch-
toxikologischer Abschlussbericht über den Privatkläger des IRM vom 18. Oktober 
2016; pag. 263 ff.). Der diesbezüglichen Annahme der Vorinstanz, Alkohol habe ei-
ne enthemmende Wirkung gehabt (S. 15 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; 
pag. 1033), folgt die Kammer nicht. So kann Alkohol auch dazu führen, dass je-
mand lethargisch und schnell müde wird.

Was den Fusstritt gegen den Kopf betrifft, kann aus dem Umstand, dass der mor-
phometrische Vergleich zwischen dem einen beim Beschuldigten sichergestellten 
Schuhpaar und der geformten Verletzungen oberhalb der rechten Schläfe und Au-
genbraue des Privatklägers keine Übereinstimmung ergeben hat, nichts abgeleitet 
werden. Dies auch weil der Beschuldigte angab, die zwei Paar Schuhe, die er zum 
Tatzeitpunkt besass, nicht mehr zu haben (pag. 244 Z. 358 ff.). Vielmehr ist darauf 
abzustellen, dass dieses Verletzungsbild, wie das IRM festhielt, ebenfalls mit einer 
körperlichen Auseinandersetzung vereinbar ist. Gemäss dem IRM imponierte zu-
dem die Verletzung direkt oberhalb der rechten Schläfe des Privatklägers geformt, 
weshalb es vorsorglich die Daten für eine separate morphometrische Begutachtung 
erhob und die Erstellung eines solchen Gutachtens anbot (pag. 261). Nach erfolg-
ter Durchführung dieser morphometrischen Untersuchung schloss das IRM, man-
gels einer morphometrischen Übereinstimmung zwischen dem Bodenprofil und der 
geformten Verletzung an der rechten Schläfe des Privatklägers, ein Sturzgesche-
hen aus (pag. 336). Schliesslich überzeugen die weiteren Ausführungen des IRM, 
wonach die privatklägerischen Verletzungen auf der rechten sowie der linken Kopf-
seite mit der Annahme eines Fusstritts auf die rechte Kopfseite einer am Boden lie-
genden Person aufgehen. Überdies beeindruckt, dass das IRM einen Tritt gegen 
den Kopf für die Herbeiführung der Bewusstlosigkeit als geeignet und im Vorder-
grund stehend beurteilt (pag. 305). Die seitens des Privatklägers getätigten, nach 
Ansicht der Kammer konsistenten, Äusserungen, er habe am Boden liegend einen 
Fuss wahrgenommen und dann habe er einen Fusstritt bekommen (pag. 54 Z. 100, 
pag. 65 Z. 101 f., pag. 85 Z. 120 f., pag. 710 Z. 18 f.), stimmen demnach mit den 
objektiven Beweismitteln überein.

Absolut unverständlich erscheint zudem, dass im Unklaren, warum eine Person 
bewusstlos am Boden liegt, ihr das Portemonnaie aus der Gesässtasche entnom-
men und der Ort einfach verlassen wird. Für die Kammer ist weiter weder nachvoll-
ziehbar, warum der Beschuldigte das Portemonnaie des Privatklägers entsorgt hat 
(pag. 195 Z. 132, pag. 242 Z. 305, pag. 243 Z. 322 f.) noch, warum er das Porte-
monnaie überhaupt mitgenommen und nicht am Tatort nach der Identitätskarte ge-
sucht hat, wenn es ihm, wie er angibt, nur um die Identifizierung des Privatklägers 
gegangen ist (pag. 195 Z. 131, pag. 208 Z. 225, pag. 239 Z. 201 f., pag. 721 Z. 25). 
Nicht zu vergessen ist, dass der Beschuldigte dem Privatkläger das Portemonnaie 
aus der Hosentasche bzw. der rechten Gesässtasche (pag. 241 Z. 272, pag. 721 
Z. 29 f., pag. 56 Z. 215) gezogen hat, als dieser bewusstlos („k.o.“) am Boden lag. 
Zudem konnte das Generalabonnement gleich in einem Fach mit Sichtfenster beim 
Öffnen des Portemonnaies gesehen werden (pag. 56 Z. 208 f.). Der Beschuldigte 
sagte selber, er habe das GA gesehen (pag. 212 Z. 386 f.). Daran ändern auch die 
Aussage von Q.________ nichts, wonach der Beschuldigte das Portemonnaie ge-
nommen habe und anhand dessen wisse, wer es gewesen sei (pag. 170 Z. 99 f.). 

29

Entgegen der Aussage des Beschuldigten, es sei dunkel, mitten in der Nacht ge-
wesen (pag. 722 Z. 4), ist aus den Akten auf einen beleuchteten Tatort zu schlies-
sen (vgl. Fotografien; pag. 251 ff.).

Im Weiteren decken sich die Äusserungen von Q.________, der Beschuldigte sei 
«ziemlich auf 180», «einfach extrem hässig» gewesen (pag. 168 Z. 32, pag. 169 
Z. 88), als er von der Entwendung der Hanfpflanze erfahren habe mit den in den 
Akten vorhandenen Einschätzungen bzw. Charakterisierungen des Beschuldigten 
(vgl. Bericht der Fachstelle Bedrohungsmanagement der Kantonspolizei Bern vom 
1. Dezember 2021; pag. 1734 f., Berichtsrapport der Kantonspolizei vom 23. De-
zember 2021; pag. 1751 ff., Strafregisterauszug vom 11. Januar 2022 v.a. betref-
fend das Urteil vom 18. Oktober 2021 u.a. wegen Gewalt und Drohung gegen 
Behörden und Beamte, Widerhandlung gegen das Waffengesetz, Widerhandlung 
gegen das Betäubungsmittelgesetz, Beschimpfung; pag. 1765 f.). Auch wie sie 
schilderte, dass der Beschuldigte nach seiner Rückkehr aufgebracht gewesen sei: 
Er sei «total in einem «Züg»» gewesen (pag. 168 Z. 40), «Ja, völlig durch den 
Wind… […] voll Adrenalin, wie wenn etwas passiert ist… also passiert… schlimme-
res in diesem Sinne.» (pag. 170 Z. 113 f.). Sie habe versucht, ihn zu beruhigen und 
rauszufinden, was genau passiert sei. Sie habe sich auch Sorgen um die andere 
Person gemacht, weil sie nicht gewusst habe, was der Beschuldigte gemacht habe, 
um das «Züg» zurückzuerhalten (pag. 168 Z. 40 ff.). Er habe ihr gesagt, dass ein 
Angriff stattgefunden habe. Wie schwerwiegend dieser gewesen sei, habe er ihr 
nicht gesagt (pag. 171 Z. 151 f.). Zu dieser Darlegung der Gemütslage des Be-
schuldigten in der Tatnacht passen auch ihre Angaben zu seinem Charakter: «Es 
ist aber ein Zug von ihm den ich kenne, dass er schnell auf 180 ist. […] Auch das 
aufbrausende. Das ist eine Seite die mir manchmal zu denken gibt […].» (pag. 172 
Z. 183 ff.). «Das sind so Situationen, wie wenn man auf einen Knopf drückt oder 
etwas Falsches sagt, dann macht es «wuuumm» er ist dann nicht mehr zu brem-
sen. Das ist eine Charaktereigenschaft von ihm.» (pag. 172 Z. 192 ff.). 

Schliesslich sind die Aussagen von Q.________ auch mit denjenigen ihrer Mutter, 
J.________, übereinstimmend. Diese führte überdies das Tatgeschehen betreffend 
und von Relevanz aus, der Beschuldigte habe ihr versichert, er habe der anderen 
Person nur einen «geklepft» (pag. 127 Z. 86 f.). Er habe gesagt, dass es «blöd» 
sei, dass er dies getan habe (pag. 130 Z. 241 f.). Bei der Polizei erwähnte der Be-
schuldigte am 17. Oktober 2016 diesen «Klapf» nicht (pag. 191 ff.). J.________ 
führte weiter aus, sie habe zum Beschuldigten gesagt, dass er zurückgehen müs-
se. Er müsse schauen gehen, was los sei (pag. 127 Z. 96 f.), wie dies nachfolgend 
auch von Q.________ ausgesagt wurde (pag. 168 Z. 44 f., pag. 171 Z. 159 f.). Der 
Umstand, dass der Beschuldigte im Zeitpunkt seiner Rückkehr in der Tatnacht sei-
ner Freundin und deren Mutter seine «Version», wie er sie ab der zweiten Einver-
nahme darstellte, nicht erzählt hat, spricht gegen seine Glaubwürdigkeit. Hingegen 
erblickt die Kammer keine Anhaltspunkte, die auf Unwahrheiten oder Übertreibun-
gen in den Aussagen von Q.________ oder J.________ hinweisen. Im Gegenteil: 
Q.________ führte zum Aussagezeitpunkt eine Beziehung mit dem Beschuldigten 
und J.________ engagierte sich, gemäss den Aussagen ihres Ehemannes 
(I.________), ziemlich, um dem Beschuldigten wieder auf die Füsse zu helfen, weil 
sich dieser in schwierigen Verhältnissen befunden habe (pag. 143 Z. 80 ff.). Diese 

30

stimmigen Aussagen untermauern die Unglaubhaftigkeit der Aussagen des Be-
schuldigten.

Schliesslich sieht die Kammer im, durch Q.________ gelöschten und teilweise in 
Fragmenten zurückgebliebenen, iMessageverlauf zwischen ihr und ihrem Bruder, 
X.________, am 4. Oktober 2016 um 02:36 Uhr: «abr chanr no stah?» «Ja er isch 
scho wäg xsi womer nomau si ga luege öbs ihm guet geit» (pag. 463), ein weiteres 
Indiz, dass der Vorfall nicht so stattgefunden haben kann, wie vom Beschuldigten 
geschildert. Die Löschung dieser Konversation macht ansonsten keinen Sinn. Dies 
auch unter der Berücksichtigung, dass der Beschuldigte Q.________ und auch 
J.________ nach seiner Rückkehr lediglich erzählte, er habe dem Privatkläger ei-
nen «geklepft» (pag. 127 Z. 87). 

Der Privatkläger hat insgesamt vier Mal ausgesagt. Den Kernsachverhalt schilderte 
er anlässlich der tatnächsten Einvernahme am 5. Oktober 2016 (pag. 52 ff.) wie 
folgt: Er sei auf der Rollstuhlrampe, zuhinterst auf dem Bahnsteig, noch vor der 
Spitzkehre – ob von einer oder mehreren Personen könne er nicht sagen – atta-
ckiert worden (pag. 54 Z. 95 ff., pag. 57 Z. 225). Er habe ein Geschrei gehört. Wei-
ter könne er sich erinnern, dass er auf dem Boden gelegen habe und ihm eine Per-
son gewollt auf den Kopf gestanden sei (pag. 54 Z. 99 f.). So wie ihm sei, habe sich 
jemand wie aus dem nichts auf ihn gestürzt, er gehe davon aus, dass sofort zuge-
stochen worden sei. Er sei sich fast sicher, dass es nur eine Person gewesen sei 
(pag. 56 Z. 189 ff.). Er nehme an, dass zuerst mit einer Stichwaffe zugestochen 
und als er auf dem Boden gelegen habe, noch mit dem Fuss auf seinen Kopf ge-
standen worden sei (pag. 56 Z. 194 f.). Die Kammer schliesst sich hier der vor-
instanzlichen Würdigung der Aussagen des Privatklägers an (S. 13 f. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung; pag. 1031 f.). Im Rahmen der weiteren Einvernah-
men blieben die Aussagen des Privatklägers im Kerngehalt gleich (pag. 64 f. Z. 91 
ff., pag. 85 Z. 117 ff., pag. 87 Z. 189 ff., pag. 710 Z. 16 ff.). Auch sprechen Erweite-
rungen in den Aussagen für deren Glaubhaftigkeit. Diese Einschätzung wird auch 
durch die Antwort des Privatklägers anlässlich der ersten Einvernahme auf die Fra-
ge, welche Bilder ihm durch den Kopf gingen: «Seit gestern habe ich plötzlich wie-
der einige Erinnerungen.» (pag. 54 Z. 92), gestützt. Dies ist nachvollziehbar. In die-
sem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die erste Einvernahme am 
5. Oktober 2016 um 14:25 Uhr, als sich der Privatkläger noch im Spital aufhielt, 
stattfand (pag. 52). 

Die Aussagen des Privatklägers sind gefüllt mit Nebensächlichkeiten sowie mit De-
tails von Selbsterlebtem. Beispielsweise gab er betreffend die Hanfpflanze an, dass 
er diese mitgenommen habe, weil es für seinen Kollegen nicht «gäbig» gewesen 
sei, die Pflanzen auf dem Velo mitzunehmen (pag. 64 Z. 87 f.). Anschaulich für 
Selbsterlebtes zeugt insbesondere, wie der Privatkläger den Laut/Schrei des An-
greifers nachmachte (pag. 65 Z. 115 f.). Weiter belastet der Privatkläger den Be-
schuldigten nicht unnötig. Auch die Aussagen zum Kerngeschehen enthalten De-
tailliertes und auch hier belastet der Privatkläger den Beschuldigten nicht unnötig: 
«Exakt auf dieser Rampe wurde ich attackiert. Ob es eine oder mehrere Personen 
waren, kann ich nicht sagen. Ich hörte einfach ein Geschrei.» (hervorgehoben 
durch die Kammer; pag. 54 Z. 97-99). Später, aber noch in der gleichen Einver-

31

nahme, gab er an, er sei sich fast sicher, dass es nur eine Person gewesen sei 
(pag. 56 Z. 191). Die Verteidigung erachtet die vorgenannten Aussagen als wider-
sprüchlich. Unter den vorerwähnten Umständen ist es naheliegend, dass sich der 
Beschuldigte während der ersten Schilderung allmählich detaillierter an den Vorfall 
erinnern konnte. Ab der zweiten Einvernahme wusste er sodann, wer die beschul-
digte Person ist (pag. 62 Z. 1).

Auf die Frage, wie er attackiert worden sei, gab der Privatkläger zu Protokoll, er 
wisse, dass es frontal war und nicht von hinten. Es sei überraschend gewesen, es 
sei nicht schon eine Person dort gestanden, er (die angreifende Person) sei nach 
vorne gesprungen (pag. 65 Z. 120 f.). Diese Aussagen gehen mit denjenigen des 
Beschuldigten, wonach der Privatkläger rechts, etwas vor sowie unter ihm gelaufen 
sei und am Ende der Rampe sei er (der Beschuldigte) direkt vor ihm (dem Privat-
kläger) gestanden (pag. 196 Z. 183 ff., vgl. auch pag. 239 Z. 170 f.), im Kerngehalt 
auf. Weiter gab der Privatkläger von Beginn weg an, nicht mehr ganz im Kopf zu 
haben, wo es auf der Rampe passiert sei, er wisse einfach, dass es dort passiert ist 
(pag. 66 Z. 161 ff.). Anlässlich der Einvernahme vom 29. November 2017 konnte er 
die Frage, ob er unten oder oben an der Rampe war, nicht beantworten (pag. 86 
Z. 138 f.). Der Privatkläger gab also von Beginn weg Erinnerungslücken zu. Auch 
führte er aus, «Wo mich der Fuss auf dem Gesicht getroffen hat, weiss ich nicht.» 
(pag. 54 Z. 100 f.). Der diesbezügliche Einwand der Verteidigung, das Aussage-
verhalten des Privatklägers sei widersprüchlich und unglaubhaft, geht nach Ansicht 
der Kammer fehl. Das Eingestehen von Erinnerungslücken ist der Glaubwürdigkeit 
des Privatklägers nicht abträglich, eher das Gegenteil ist der Fall. Die Aussage des 
Privatklägers anlässlich der Hauptverhandlung vom 5. März 2021, wonach er nach 
2 ½ Jahren sagen müsse, dass er es (den Vorfall) nicht mehr so präsent habe 
(pag. 709 Z. 30 f.), spricht für die Glaubhaftigkeit seiner tatnäheren Aussagen und 
zeigt erneut auf, dass er den Beschuldigten nicht unnötig belastet. Insbesondere 
wäre es für ihn ein Leichtes gewesen, den Fusstritt schlimmer darzustellen. Entge-
gen der Verteidigung hat der Privatkläger einen für den Beschuldigten günstigen 
Tatverlauf geschildert. Er belastet den Beschuldigten nicht übermässig. Seine Aus-
führungen sind frei von Aggravation.

Auch stützen die am Privatkläger festgestellten Verletzungen grösstenteils seine 
Version des Tatgeschehens (vgl. Gutachten IRM; pag. 256 ff., pag. 298 ff. und 
pag. 335 ff.). Dass die Handverletzungen durch Abwehr oder durch einen ausge-
teilten Schlag entstanden sein können, wie vom IRM ausgeführt (pag. 261) und von 
der Verteidigung aufgegriffen (pag. 1794), vermag nach Ansicht der Kammer nichts 
an dieser Einschätzung zu ändern. Zwar machte der Beschuldigte durch das Einle-
gen eines Arztzeugnisses eine Schwellung und Rötung über der Nasenwurzel gel-
tend (pag. 272). Diese Verletzungen wurden aber erst drei Tage später, am 7. Ok-
tober 2016, festgestellt. Ob diese von der Auseinandersetzung bzw. vom Beschul-
digten geltend gemachten Faustschlag des Privatklägers stammen, ist daher nicht 
mehr eruierbar und erscheint höchst fraglich. Zumal der Beschuldigte nach Aussa-
gen von Q.________ und J.________ bei seiner Rückkehr keine auffallenden Ver-
letzungen hatte (pag. 172 Z. 202 f., pag. 130 Z. 245). An Nasenbluten, wie vom 
Beschuldigten weiter vorgebracht (pag. 197 Z. 209), hätten sie sich – als Ehefrau 
und Stieftochter eines Arztes – bestimmt erinnert. Dass dieses bereits aufgehört 

32

haben soll, bevor der Beschuldigte wieder zu Hause war (pag. 210 Z. 310 f.), er-
achtet die Kammer mit Blick auf den Vorhalt und die Fragestellung (pag. 210 Z. 307 
ff.) als Schutzbehauptung. Überdies wären bei einem Schlag auf die Nase 
(pag. 195 Z. 136, pag. 719 Z. 4 ff.) andere Verletzungen als lediglich eine Schwel-
lung und Rötung über der Nasenwurzel zu erwarten. Zudem suchte der Beschul-
digte die Ärztin erst auf Anraten seines Anwalts auf (pag. 241 Z. 248 ff.) und diese 
hielt keine weiteren Vorkehrungen für nötig.

Festzustellen ist auch, dass die Schilderungen des Privatklägers trotz seiner Be-
troffenheit – er gab an, es gehe ihm nicht wirklich gut, vor allem psychisch sei er 
am Leiden. Er habe Mühe zu verstehen, wie das alles passiert sei (pag. 63 Z. 45 
ff.) – nicht übertreibend, sondern vielmehr sachlich und konstant und unter An-
führung von Nebensächlichkeiten ausgefallen sind. Die Schilderungen des Privat-
klägers betreffend seinen psychischen Gesundheitszustand und wie sich sein All-
tag seit dem Vorfall verändert hat, sind überdies authentisch. Noch über ein Jahr 
nach dem Geschehen führte er an, «an Tagen wie heute ist es immer wieder 
schwer, weil alles wieder rauf kommt und es immer wieder präsent ist. Es sind 
schwere Tage für mich.» (pag. 83 Z. 45 ff.). «Ich schaue viel mehr nach hinten und 
bin auch viel wachsamer, so solche Sachen wurden durch den Vorfall verändert.» 
(pag. 58 Z. 61 f.). Letztendlich nahm der Privatkläger die Hilfe einer Therapeu-
tin/eines Therapeuten in Anspruch (pag. 83 Z. 45 und Z. 54). Zum Ganzen passt 
auch seine Antwort, «Was halt schwierig ist, ist, dass ich Jus studiere und wenn wir 
im Strafrecht Fälle anschauen, ich oft gedanklich ganz an einem anderen Ort bin.», 
auf die Frage, wie es im Studium laufe (pag. 84 Z. 66 f.).

Nach der Verteidigung versuche der Privatkläger, sich durch sein Verhalten im Ver-
fahren in ein besseres Licht zu rücken. Diesem Einwand folgt die Kammer nicht. 
Der Privatkläger hat bereits anlässlich seiner ersten Einvernahme den Diebstahl 
der Hanfpflanze zugegeben (pag. 54 Z. 81). Nach Ansicht der Kammer ist hierfür 
entgegen der Vorinstanz nicht ein gewisses Mass an Dreistigkeit erforderlich, ju-
gendlicher Übermut reicht bereits aus. Dies rechtfertigt oder entschuldigt den Dieb-
stahl einer Hanfpflanze aus einem Garten klarerweise nicht. Auch hat der Privat-
kläger eingestanden, in der Tatnacht einiges an Alkohol konsumiert zu haben 
(pag. 55 Z. 116-118). Weiter hat er nicht abgestritten, Hanf zu verkaufen (pag. 88 
Z. 226 ff.). Letzteres erklärt zudem, weshalb er nicht erpicht darauf war, dass die 
Polizei sein Mobiltelefon auswertet (vgl. pag. 22 f.). Lediglich einen Tag nach dem 
Vorfall gab er dennoch sein Einverständnis für die Durchsuchung seines Mobiltele-
fons (pag. 57 Z. 227 f.), welche dann auch das vorgenannte Foto (pag. 76) mit ei-
ner Hanfpflanze zu Tage förderte.

Schliesslich fügt sich die Schilderung des Beschuldigten einer Begegnung mit dem 
Privatkläger im Dezember 2016 nach einem YB-Spiel – der Privatkläger habe, 
nachdem er aus dem Tram ausgestiegen sei und an die Scheibe des Trams ge-
klopft habe, ihm den Mittelfinger gezeigt und sich mit der Hand waagerecht über 
den Hals gefahren (pag. 237 Z. 102-104) – in das Bild ein, welches die Kammer 
vom Beschuldigten erhalten hat. Damit führte der Beschuldigte den Angriff gegen 
den Privatkläger fort, was sich auch anhand seiner Ergänzung während dem Verle-
sen des Protokolls, wonach der Privatkläger aggressiver sei, wenn er betrunken sei 

33

(pag. 247 Z. 477 ff.), zeigte. Die Version des Privatklägers weicht von derjenigen 
des Beschuldigten ab (pag. 89 Z. 269 ff.). Er gab aber immerhin zu, dem Beschul-
digten den Mittelfinger gezeigt zu haben, wohingegen der Beschuldigte angab, 
«keine Grimassen, keine Zeichen, keine Mimik, nichts gemacht» zu haben 
(pag. 245 Z. 408). Im Gegenangriff des Beschuldigten ist für die Kammer ein weite-
res Dreistigkeitssignal ersichtlich. Zudem beobachtet die Kammer hier erneut, dass 
der Beschuldigte sein Verhalten passiv darstellt und wiederum die Schuld von sich 
weist. Dieses Randgeschehen ist an und für sich nicht relevant für das strittige Ge-
schehen, zeigt aber ein Nachtatverhalten der Beteiligten auf und ermöglicht über-
dies, Rückschlüsse auf deren Aussageverhalten zu ziehen.

18.4 Fazit

Die Kammer erachtet die Aussagen des Beschuldigten zum genauen Handlungs-
ablauf der Auseinandersetzung als nicht glaubhaft. Diese sind in inhaltlicher Hin-
sicht nicht zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen und decken sich nicht 
mit den Aussagen der weiteren Verfahrensbeteiligten. Seine Darstellung – unab-
sichtlicher Messerstich in Folge des Gerangels und Bestreitung des Fusstritts ge-
gen den Kopf – geht mit den objektiven Beweismitteln, insbesondere mit dem do-
kumentierten Verletzungsbild des Privatklägers, nicht auf. Auch gestützt auf seine 
Aussagen gegenüber Dritten direkt nach dem Geschehen, ist seiner Version nicht 
zu folgen. Das Vorbringen des Beschuldigten, wonach er nicht aktiv zugestochen 
habe, ist als Schutzbehauptung zu werten. Weiter fällt auf, dass der Beschuldigte 
seine Tatbeteiligung als passiv, bloss abwehrend, darstellt. Sein nachweisliches 
Lügen an der ersten Einvernahme (pag. 185) erklärte er sodann nicht nachvoll-
ziehbar bzw. gab hierfür keinen Grund an. Auch dass er sodann von sich aus wie-
der zur Polizei ging (pag. 192 Z. 26 ff.), vermag an dieser Einschätzung nichts zu 
ändern. So konnte er sich seine Aussagen bis zur zweiten Einvernahme, welche 
am 17. Oktober 2016 und damit nach erfolgter Einvernahme von Q.________ am 
14. Oktober 2016 (pag. 148 ff.) – welche