# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 737844e6-f372-56b0-be9e-678826d10990
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-08-25
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 25.08.2025 SBK.2025.154
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SBK-2025-154_2025-08-25.pdf

## Full Text

Obergericht 

Beschwerdekammer in Strafsachen 

 

SBK.2025.154  
(ST.2024.87; STA.2024.358)  

Art. 251 

 

 

Entscheid vom 25. August 2025 
 

 

Besetzung  Oberrichter Richli, Präsident  

Oberrichterin Schär  

Oberrichter Giese  

Gerichtsschreiberin Flütsch  

 

 
   

Gesuchsteller   A._____, geboren am tt.mm.jjjj, von […],  

[…]  

z.Zt.: Bezirksgefängnis […]  

verteidigt durch Rechtsanwalt Daniel Walder,  

[…]  

 

 
   

Gegenstand  Ausstandsgesuch gegen Susanne Humbel, Präsidentin des Bezirksge-

richts Brugg, Judith Bolliger, Bezirksrichterin Brugg, Tonja Burri, Bezirks-

richterin Brugg, Marco Leber, Bezirksrichter Brugg, Elena Wilhelm, Be-

zirksrichterin Brugg, und Patrick Gerster, Gerichtsschreiber des Bezirksge-

richts Brugg 

 

in der Strafsache gegen A._____ 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach erhob beim Bezirksgericht Brugg 

am 16. Oktober 2024 Anklage gegen A._____ (fortan: Gesuchsteller) we-

gen mehrfacher Verbrechen und Vergehen gegen das Betäubungsmittel-

gesetz sowie mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes, ge-

gen B._____ wegen mehrfacher Verbrechen und Vergehen gegen das Be-

täubungsmittelgesetz sowie Vergehen gegen das Waffengesetz sowie ge-

gen C._____ wegen mehrfacher Verbrechen gegen das Betäubungsmittel-

gesetz und mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes. Die 

Hauptverhandlung vor der Gerichtspräsidentin des Bezirksgerichts Brugg 

wurde für den 20. und 21. Mai 2025 angesetzt. 

 

1.2. 

Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach gelangte am 19. Mai 2025 um 09:24 

Uhr per E-Mail an die Gerichtspräsidentin des Bezirksgerichts Brugg und 

teilte ihre Absicht mit, ihren Strafantrag in Bezug auf den Gesuchsteller an-

lässlich der Hauptverhandlung abzuändern. Konkret stellte sie in Aussicht, 

zusätzlich zu den bereits gestellten Anträgen den Widerruf der mit Urteil 

des Bezirksgerichts Lenzburg vom 8. September 2022 bedingt ausgespro-

chenen Freiheitsstrafe von 20 Monaten und eine Gesamtstrafe von vierein-

halb Jahren Freiheitsstrafe zu beantragen. 

 

1.3. 

Die Gerichtspräsidentin des Bezirksgerichts Brugg leitete die Mitteilung der 

Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach gleichentags um 09:49 Uhr per E-Mail 

zur Kenntnisnahme an den Gesuchsteller weiter. 

 

2. 

Anlässlich der Hauptverhandlung vom 20. Mai 2025 stellte der Gesuchstel-

ler den Antrag, die Anklage sei zur Ergänzung und Verbesserung an die 

Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach zurückzuweisen, wobei die Rechtshän-

gigkeit beim Bezirksgericht Brugg zu belassen sei. Weiter beantragte er die 

Feststellung der Unverwertbarkeit diverser Beweismittel. Diese Anträge 

wies das Bezirksgericht Brugg ab. 

 

3. 

3.1. 

Der Gesuchsteller stellte nach Abweisung seiner Anträge anlässlich der 

Hauptverhandlung vom 20. Mai 2025 mündlich den Antrag, das "gesamte 

Gericht" habe wegen Befangenheit in den Ausstand zu treten.  

 

 - 3 - 

 

 

3.2. 

Mit Eingabe vom 2. Juni 2025 leitete die Gerichtspräsidentin des Bezirks-

gerichts Brugg das Ausstandsgesuch des Gesuchstellers mitsamt dem 

Protokoll der Hauptverhandlung vom 20. Mai 2025 an die Beschwerdekam-

mer in Strafsachen des Obergerichts des Kantons Aargau weiter und er-

suchte um dessen Abweisung, soweit darauf einzutreten sei. 

 

3.3. 

Mit Eingabe vom 1. Juli 2025 verzichtete der Mitbeschuldigte C._____ auf 

eine Stellungnahme. 

 

3.4. 

Mit Stellungnahme vom 21. Juli 2025 hielt der Gesuchsteller an seinem 

Ausstandsgesuch fest. 

 

3.5. 

Mit Eingabe vom 13. August 2025 (Postaufgabe) verzichtete die Gerichts-

präsidentin des Bezirksgerichts Brugg auf eine weitere Stellungnahme. 

 

 
   

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Nach Art. 56 StPO hat eine in einer Strafbehörde tätige Person in den Aus-

stand zu treten, wenn ein Ausstandsgrund gemäss lit. a-f vorliegt. Wird ein 

Ausstandsgrund nach Art. 56 lit. a oder f StPO geltend gemacht oder wi-

dersetzt sich eine in einer Strafbehörde tätige Person einem Ausstandsge-

such einer Partei, das sich auf Art. 56 lit. b-e StPO abstützt, entscheidet die 

nach Art. 59 Abs. 1 lit. a-d StPO zuständige Behörde. 

 

1.2. 

Das Ausstandsgesuch stützt sich auf Art. 56 lit. f StPO und betrifft ein erst-

instanzliches Gericht, womit für die Beurteilung des Gesuchs gemäss 

Art. 59 Abs. 1 lit. b StPO i.V.m. § 13 Abs. 1 EG StPO und § 10 sowie An-

hang 1 Ziff. 2 Abs. 5 lit. b der Geschäftsordnung des Obergerichts des Kan-

tons Aargau vom 21. November 2012 (GKA.155.200.3.101) die Beschwer-

dekammer in Strafsachen des Obergerichts zuständig ist. 

 

1.3. 

Pauschale Ausstandsgesuche gegen eine Behörde als Ganzes sind grund-

sätzlich nicht zulässig. Ausstandsgesuche haben sich auf einzelne Mitglie-

der der Behörde zu beziehen und die gesuchstellende Person hat eine per-

sönliche Befangenheit der betreffenden Personen aufgrund von Tatsachen 

konkret glaubhaft zu machen (Art. 58 Abs. 1 StPO). Das Gesetz spricht 

denn auch (ausschliesslich und konsequent) von Ausstandsgesuchen 

 - 4 - 

 

 

gegenüber "einer in einer Strafbehörde tätigen Person" (vgl. Art. 56–

60 StPO). Ein formal gegen eine Gesamtbehörde gerichtetes Ersuchen 

kann jedoch unter Umständen als Ausstandsbegehren gegen alle Einzel-

mitglieder der Behörde entgegengenommen werden. Voraussetzung ist, 

dass aufgezeigt wird, weshalb jedes Mitglied der Behörde einzeln im kon-

kreten Fall befangen sein soll (Urteil des Bundesgerichts 7B_167/2022 vom 

13. November 2023 E. 3 mit Hinweisen). Der Gesuchsteller richtet sein 

Ausstandsgesuch zwar ausdrücklich gegen das Bezirksgericht Brugg als 

Gesamtbehörde, geht gestützt auf dessen Begründung aber konkret von 

einer Befangenheit der an der Hauptverhandlung vom 20. Mai 2025 betei-

ligten Richterpersonen (Gerichtspräsidentin Susanne Humbel, Bezirksrich-

terinnen Judith Bolliger, Tonja Burri und Elena Wilhelm, Bezirksrichter 

Marco Leber) sowie des Gerichtsschreibers Patrick Gerster aus. Sein Ge-

such ist daher als Ausstandsgesuch gegen die genannten Personen ent-

gegenzunehmen. 

 

2. 

2.1. 

Zu befinden ist über den einzig in Betracht fallenden Ausstandsgrund der 

Befangenheit "aus anderen Gründen" im Sinne der Auffangklausel von 

Art. 56 lit. f StPO. Danach tritt eine in einer Strafbehörde tätige Person in 

den Ausstand, wenn sie aus anderen Gründen (als jenen in lit. a-e von 

Art. 56 StPO genannten), insbesondere wegen Freundschaft oder Feind-

schaft mit einer Partei oder deren Rechtsbeistand, befangen sein könnte. 

 

2.2. 

Bei der Auslegung der Ausstandsregeln der StPO ist der Rechtsprechung 

zu Art. 30 Abs. 1 BV Rechnung zu tragen (BOOG, in: Basler Kommentar, 

Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 1 vor Art. 56–

60 StPO). Nach Art. 29 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK und Art. 3 Abs. 2 

lit. c StPO haben die Parteien Anspruch auf ein gerechtes Verfahren. Ge-

mäss Art. 30 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK und Art. 14 Abs. 1 UNO-Pakt 

II (SR 0.103.2) hat jede Person Anspruch darauf, dass ihre Sache von ei-

nem durch Gesetz geschaffenen, zuständigen, unabhängigen und unpar-

teiischen Gericht ohne Einwirken sachfremder Umstände entschieden wird. 

Dieser Anspruch ist verletzt, wenn bei einer Gerichtsperson – objektiv be-

trachtet – Gegebenheiten vorliegen, die den Anschein der Befangenheit 

und die Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen vermögen. Solche 

Umstände können entweder in einem bestimmten Verhalten der betreffen-

den Person oder in äusseren Gegebenheiten funktioneller und organisato-

rischer Natur begründet sein. Für den Ausstand wird nicht verlangt, dass 

der Richter tatsächlich befangen ist. Es genügt, wenn Umstände vorliegen, 

die bei objektiver Betrachtung den Anschein der Befangenheit und Vorein-

genommenheit erwecken. Mit anderen Worten muss gewährleistet sein, 

dass der Prozess aus Sicht aller Beteiligten als offen erscheint 

(BGE 140 I 326 E. 5.1 mit Hinweisen; BGE 144 I 234 E. 5.2). Auf das 

 - 5 - 

 

 

subjektive Empfinden einer Partei ist nicht abzustellen (BGE 144 I 234 

E. 5.2 mit Hinweisen). 

 

3. 

3.1. 

3.1.1. 

Der Gesuchsteller macht zunächst geltend, die Staatsanwaltschaft Brugg-

Zurzach stütze sich als zentrales Beweismittel primär auf Aussagen, wel-

che er im Rahmen von Einvernahmen gemacht haben soll. Diese Einver-

nahmen seien jedoch aufgrund gravierender verfahrensrechtlicher Mängel 

absolut unverwertbar und daher aus den Akten zu entfernen. Die Frage der 

Verwertbarkeit solcher Beweise bilde eine Vorfrage im Sinne von Art. 339 

Abs. 2 lit. d StPO, über welche das Gericht anlässlich der Hauptverhand-

lung vom 20. Mai 2025 hätte entscheiden müssen. Stattdessen habe das 

Gericht erklärt, erst im Endentscheid über die Verwertbarkeit zu befinden 

(act. 97 ff.; Stellungnahme des Gesuchstellers vom 21. Juli 2025, Rz. 1 

f.). Im Vorfragenplädoyer sei ausführlich dargelegt worden, dass sämtliche 

Einvernahmen und die daraus gewonnenen Folgebeweise offensichtlich 

unverwertbar seien und sich die Tatvorwürfe ausschliesslich darauf stütz-

ten. Es sei klar aufgezeigt worden, dass der Gesuchsteller ein erhebliches 

Interesse an einem sofortigen Entscheid gehabt habe. Indem das Gericht 

dennoch nicht sofort entschieden habe, habe es faktisch bereits einen Vor-

entscheid gefällt, indem es mutmasslich unverwertbare Beweise in den Ak-

ten belassen und beabsichtigt habe, auf dieser Grundlage einen Sachent-

scheid zu fällen. Dieses Vorgehen stelle eine unzulässige antizipierte Be-

weiswürdigung dar und erwecke den Anschein der Befangenheit, da die 

offensichtliche Unverwertbarkeit geeignet sei, wesentliche Anklagepunkte 

erheblich in Frage zu stellen. Damit werde der Anspruch des Gesuchstel-

lers auf ein unabhängiges und unparteiisches Gericht verletzt (act. 106 f.; 

Stellungnahme des Gesuchstellers vom 21. Juli 2025, Rz. 4 f.). 

 

3.1.2. 

Die vom Gesuchsteller erhobene Rüge, das Bezirksgericht Brugg hätte an-

lässlich der Hauptverhandlung unverzüglich über die Verwertbarkeit be-

stimmter Einvernahmen entscheiden müssen, verfängt nicht. Zwar trifft es 

zu, dass Vorfragen gemäss Art. 339 Abs. 2 lit. d StPO auch Akten und er-

hobene Beweise betreffen können. Nach bundesgerichtlicher Rechtspre-

chung stellt die Verwertbarkeit von Beweismitteln jedoch keine zwingend 

vorwegzunehmende Vorfrage dar. Vielmehr ist es zulässig, dass das Ge-

richt sich erst im Rahmen des Endentscheids definitiv mit der Frage der 

Verwertbarkeit auseinandersetzt (BGE 143 IV 475 E. 2.7 mit weiteren Hin-

weisen). Dies gilt insbesondere, wenn – wie im vorliegenden Fall – keine 

gesetzlich vorgeschriebene sofortige Vernichtung oder Rückgabe der Be-

weismittel vorgesehen ist (vgl. etwa Art. 248, Art. 271 Abs. 3, Art. 277 oder 

Art. 289 Abs. 6 StPO). Strittig ist in erster Linie, ob die Staatsanwaltschaft 

Brugg-Zurzach gestützt auf die ersten Ermittlungen von einem schweren 

 - 6 - 

 

 

Fall i.S.v. Art. 19 Abs. 2 lit. a und b BetmG (wegen der Menge bzw. der 

bandenmässigen Begehung) hätte ausgehen und dem Beschwerdeführer 

daher bereits bei seiner ersten Einvernahme eine notwendige Verteidigung 

gemäss Art. 130 lit. b StPO hätte bestellen müssen. Umstritten ist zudem, 

ob die notwendige Verteidigung in den nachfolgenden Einvernahmen durch 

eine Rechtspraktikantin hinreichend gewährleistet war. Angesichts dieser 

Fragestellungen erscheint die Unverwertbarkeit der Einvernahmen nicht of-

fensichtlich, weshalb das Bezirksgericht Brugg nicht gehalten war, diese 

ohne Weiteres vorfrageweise festzustellen. Nachdem es dem Gesuchstel-

ler unbenommen ist, allfällige Einwände gegen die Verwertbarkeit der be-

treffenden Einvernahmen und Folgebeweise im weiteren Verfahren geltend 

zu machen und gegebenenfalls den Rechtsmittelweg zu beschreiten, hat 

er auch kein besonders gewichtiges Rechtsschutzinteresse an einer sofor-

tigen Entscheidung über die Verwertbarkeit. Das Bundesgericht hat denn 

auch festgehalten, dass die vorläufige Belassung eines umstrittenen Be-

weismittels in den Akten grundsätzlich keinen nicht wieder gutzumachen-

den Nachteil i.S.v. Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG darstellt, weil der Einwand der 

Unverwertbarkeit bis zum Verfahrensschluss erhoben und gerichtlich über-

prüft werden kann (Urteil des Bundesgerichts 1B_156/2019 vom 26. April 

2019 E. 2.1). Das Vorgehen des Bezirksgerichts Brugg erweist sich daher 

als rechtens. Insbesondere ist darin keine antizipierte Beweiswürdigung zu 

erblicken, zumal das Gericht die Verwertbarkeit der entsprechenden Be-

weise und Folgebeweise nicht bereits bejaht hat. Strafrichterinnen und 

Strafrichter sind verpflichtet, im Endentscheid sowohl die Verwertbarkeit als 

auch die Beweiskraft der vorhandenen Beweise zu beurteilen und zu be-

gründen. Es kann von ihnen erwartet werden, unzulässige von zulässigen 

Beweismitteln zu unterscheiden und nur Letztere in die Beweiswürdigung 

miteinzubeziehen (BGE 148 IV 137 E. 5.7 mit Hinweis auf BGE 143 IV 475 

E. 2.7 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 7B_91/2024 vom 

16. Oktober 2024 E. 4.4 mit Hinweisen). Entsprechend erweckt der Ent-

scheid des Bezirksgerichts Brugg, die Frage der Verwertbarkeit der Einver-

nahmen des Gesuchstellers im Rahmen des Endentscheids zu behandeln, 

objektiv keinen Anschein der Befangenheit. 

 

3.2. 

3.2.1. 

Der Gesuchsteller beanstandet weiter, die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurz-

ach habe einen Tag vor der Hauptverhandlung vom 20. Mai 2025 ihre An-

träge geändert und neu den Widerruf der bedingten Freiheitsstrafe von 

20 Monaten sowie eine Gesamtstrafe von viereinhalb Jahren beantragt. 

Aufgrund der kurzfristigen Mitteilung habe er telefonisch Kontakt mit der 

verfahrensleitenden Gerichtspräsidentin aufgenommen, welche sich eben-

falls überrascht gezeigt und erklärt habe, das Vorgehen werde im Rahmen 

der Hauptverhandlung geprüft. Unter diesen Umständen habe er nicht da-

mit rechnen müssen, dass dem Antrag der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurz-

ach stattgegeben werde. Weiter sei fraglich, weshalb die Mitteilung erst 

 - 7 - 

 

 

weniger als 24 Stunden vor der Hauptverhandlung erfolgt sei, obwohl die 

Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach seit Einreichung der Anklageschrift am 

16. Oktober 2024 über die Rechtskraft des Urteils vom 8. September 2022 

sowie den Abschreibungsbeschluss des Obergerichts vom 10. Juni 2024 

informiert gewesen sei. Die Begründung eines fehlerhaften Vorstrafenre-

gisters sei nicht überzeugend. Das Gericht habe diese Begründung jedoch 

zumindest stillschweigend gebilligt, während die Gerichtspräsidentin aus-

geführt habe, die Verteidigung sei über die massgeblichen Umstände infor-

miert gewesen, sodass eine wirksame Verteidigung möglich gewesen sei. 

Dies verstosse gegen das Prinzip der "gleich langen Spiesse". Beim bean-

tragten Widerruf handle es sich nicht um eine blosse Modifikation, sondern 

faktisch um eine erhebliche Erhöhung des Strafmasses um eineinhalb 

Jahre Freiheitsstrafe gegenüber der ursprünglichen Anklage, was eine un-

zulässige Ausweitung der Anklage darstelle. Eine sorgfältige und sachge-

rechte Vorbereitung der Verteidigung innerhalb von weniger als 24 Stunden 

sei objektiv unzumutbar und verunmögliche eine wirksame Verteidi-

gung. Damit seien sowohl das rechtliche Gehör als auch der Anspruch auf 

ein faires Verfahren des Gesuchstellers verletzt worden, was die Befangen-

heit des Gerichts weiter belege (act. 106; Stellungnahme des Gesuchstel-

lers vom 21. Juli 2025, Rz. 6 ff.). 

 

3.2.2. 

Der Ansicht des Gesuchstellers ist nicht zu folgen. Nach Art. 326 Abs.1 lit. f 

StPO hat die Staatsanwaltschaft die beantragte Sanktion in der Anklage-

schrift zu nennen oder zu vermerken, dass sie diesen Antrag anlässlich der 

Hauptverhandlung stellen wird. Es steht ihr damit frei, auch in Fällen, in 

denen sie die Anklage vor Gericht persönlich vertreten muss, bereits in der 

Anklageschrift die von ihr gestellten Anträge bezüglich Sanktionen zu nen-

nen. Sie ist daran jedoch nicht gebunden, sodass sie anlässlich der Haupt-

verhandlung abweichende Anträge stellen kann (Art. 337 Abs. 2 StPO). 

Dies gilt auch für ihre Anträge auf nachträgliche richterliche Entscheidun-

gen (Art. 326 Abs. 1 lit. g StPO) betreffend Widerrufsfragen  

(JOSITSCH/SCHMID, in: Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskom-

mentar, 4. Aufl. 2023, N. 8 ff. zu Art. 326 StPO). Der von der Staatsanwalt-

schaft Brugg-Zurzach am Vortag der Hauptverhandlung vom 20. Mai 2025 

angekündigte Antrag auf Widerruf der bedingten Freiheitsstrafe von 20 Mo-

naten und der Ausfällung einer Gesamtstrafe von viereinhalb Jahren Frei-

heitsstrafe stellt folglich keine unzulässige Ausweitung der Anklage 

dar. Vielmehr handelt es sich dabei um eine zulässige Anpassung der An-

träge innerhalb des ansonsten unverändert gebliebenen Tatvorwurfs 

bzw. Anklagesachverhalts. Soweit der Gesuchsteller geltend macht, die 

kurzfristige Mitteilung am Vortag der Hauptverhandlung vom 20. Mai 2025 

habe seine Verteidigungsrechte unzulässigerweise beeinträchtigt, ist er da-

rauf hinzuweisen, dass die massgeblichen Umstände (insbesondere die 

rechtskräftige Verurteilung vom 8. September 2022 und der Abschrei-

bungsbeschluss vom 10. Juni 2024) auch ihm am 19. Mai 2025 bereits seit 

 - 8 - 

 

 

einiger Zeit bekannt sein mussten. Die Verteidigung hatte somit ausrei-

chend Gelegenheit, die Möglichkeit eines Widerrufs und einer Gesamt-

strafe in Betracht zu ziehen und sich entsprechend vorzubereiten – ebenso, 

wie es der Fall gewesen wäre, wenn die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach 

von Anfang an von ihrem in Art. 326 Abs. 1 lit. f und lit. g StPO verankerten 

Recht Gebrauch gemacht hätte, die beantragte Sanktion und die Anträge 

zur nachträglichen richterlichen Entscheidung über den Widerruf der be-

dingt ausgesprochenen Freiheitsstrafe erst an der Hauptverhandlung vom 

20. Mai 2025 bekanntzugeben. Dass die Gerichtspräsidentin des Bezirks-

gerichts Brugg im Vorfeld keine materielle Vorprüfung der Antragstellung 

vornahm, ist folgerichtig, da über die Anträge im Rahmen der Hauptver-

handlung zu entscheiden war. Weshalb der Gesuchsteller aufgrund der te-

lefonischen Mitteilung, über die angekündigten Anträge werde anlässlich 

der Hauptverhandlung entschieden, nicht mit einer "Gutheissung" des Vor-

gehens der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach hätte rechnen müssen, er-

schliesst sich daher nicht. Die nachträgliche Änderung der Anträge stellt 

weder eine Verletzung des rechtlichen Gehörs des Gesuchstellers noch ei-

nen Verstoss gegen das Prinzip der "gleich langen Spiesse" dar. Entspre-

chend ist nicht zu beanstanden, dass das Bezirksgericht Brugg die Anklage 

nicht an die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach zurückwies und es lässt 

sich darin folglich auch kein Anschein der Befangenheit des Gerichts erbli-

cken. 

 

3.3. 

Zusammengefasst ist das Vorgehen des Bezirksgerichts Brugg in Bezug 

auf die vom Gesuchsteller aufgeworfene Vorfrage zur Verwertbarkeit be-

stimmter Einvernahmen sowie die von der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurz-

ach am 19. Mai 2025 neu beantragte Sanktion weder objektiv geeignet, den 

Anschein der Befangenheit zu erwecken, noch lässt es auf eine Voreinge-

nommenheit gegenüber dem Beschwerdeführer schliessen. Ein Aus-

standsgrund i.S.v. Art. 56 lit. f StPO gegen die Besetzung des Spruchkör-

pers des Bezirksgerichts Brugg vom 20. Mai 2025 ist somit nicht gegeben. 

 

4. 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten gemäss Art. 59 Abs. 4 

StPO dem Gesuchsteller aufzuerlegen. Entschädigungen sind keine aus-

zurichten. 

 

 
   

Die Beschwerdekammer entscheidet: 

 

1. 

Das Ausstandsgesuch des Gesuchstellers wird abgewiesen. 

 

 - 9 - 

 

 

2. 

Die Verfahrenskosten, bestehend aus einer Gerichtsgebühr von 

Fr. 1'000.00 und den Auslagen von Fr. 114.00, zusammen Fr. 1'114.00, 

werden dem Gesuchsteller auferlegt. 

 

 
   

Zustellung an: 

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über 

Ausstandsbegehren kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der vollständi-

gen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das Schweizerische 

Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 92, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 

Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde- 

legitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 25. August 2025 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Beschwerdekammer in Strafsachen 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Richli     Flütsch