# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c4ec8cb9-d8f1-5718-937d-e95d33d2d8ef
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-04-26
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Sonstiges 26.04.2021 IV 2019/78
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Publikationen/SG_KGN_999_IV-2019-78_2021-04-26.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 1/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2019/78

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 11.11.2021

Entscheiddatum: 26.04.2021

Entscheid Versicherungsgericht, 26.04.2021
Art. 28 ff. IVG, Art. 27bis IVV und Art. 61 ATSG; Die blosse Möglichkeit einer 
Aggravation oder Simulation führt nicht dazu, dass der medizinische 
Sachverhalt unbewiesen bleibt. Haben sich die Gutachter ausführlich mit der 
Möglichkeit einer Simulation auseinandergesetzt und kommen zum 
Ergebnis, dass das gezeigte Verhalten krankheitsbedingt ist und 
Krankheitswert hat, so ist auf das gut begründete, nachvollziehbare 
Gutachten abzustellen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons 
St. Gallen vom 26. April 2021, IV 2019/78 und IV 2019/120).

Entscheid vom 26. April 2021

Besetzung

Versicherungsrichterinnen Michaela Machleidt Lehmann (Vorsitz) und Corinne 

Schambeck, Versicherungsrichter Joachim Huber; Gerichtsschreiberin Felicia Sterren

Geschäftsnr.

IV 2019/78, IV 2019/120

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Ronald Pedergnana,

Rorschacher Strasse 21, Postfach 27, 9004 St. Gallen,

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 2/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.  

A.___ meldete sich am 31. Januar 2007 wegen Kniebeschwerden seit einem am 

2. Februar 2005 erlittenen Unfall bzw. einer Gonarthrose links zum Bezug von 

Leistungen bei der Invalidenversicherung an (vgl. IV-act. 1 f. und IV-act. 10; soweit 

nicht anders vermerkt, handelt es sich bei den Verweisungen um die Akten des 

Verfahrens IV 2019/78).

A.a. 

Mit Mitteilungen vom 7. und 8. August 2007 stellte die IV-Stelle der Versicherten 

die Abweisung ihres Leistungsgesuchs in Aussicht (IV-act. 30 und IV-act. 32). Dagegen 

erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Ronald Pedergnana, am 

17. September 2007 Einwand (IV-act. 33). Nach weiteren Abklärungen (IV-act. 35 ff.) 

und nachdem die Versicherte sich ab dem 22. August 2008 in fachärztliche 

Behandlung bei Dr. B.___, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, begeben 

hatte (vgl. Suva-act. 7-15), stellte der RAD mit Stellungnahme vom 16. Dezember 2008 

fest, dass zu den somatischen Befunden psychiatrische Diagnosen hinzugetreten 

seien. Er empfahl deshalb eine bidisziplinäre Begutachtung (IV-act. 45). Daraufhin 

veranlasste die IV-Stelle am 21. Januar 2009 eine Begutachtung (psychiatrisch und 

rheumatologisch) bei Dr. med. C.___, Facharzt für Innere Medizin, und Dr. med. D.___, 

Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (IV-act. 47 ff.).

A.b. 

Dr. C.___ attestierte der Versicherten im Gutachten vom 16. Mai 2009 aus 

somatischer Sicht eine adaptierte Arbeitsfähigkeit von 80 % (IV-act. 53-9). In der 

A.c. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 3/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

zuletzt ausgeübten Tätigkeit bestehe seit dem 29. November 2006 eine volle 

Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 53-11). Dr. D.___ diagnostizierte eine Symptomausweitung 

resp. anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD 10 F 45.4) mit begleitender 

mittelgradiger depressiver Episode (ICD 10 F 32.1) bei Knieschmerzen seit ca. Frühling 

2008 (IV-act. 52-6). Er hielt eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von insgesamt 

50 % seit Frühjahr 2008 für gegeben (IV-act. 52-9).

Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (IV-act. 63 ff.) wies die IV-Stelle das 

Leistungsbegehren gestützt auf die damalige bundesgerichtliche Rechtsprechung zur 

Überwindbarkeit von Schmerzstörungen mit Verfügung vom 12. Januar 2010 ab (IV-

act. 66). Die hiergegen erhobene Beschwerde vom 2. Februar 2010 (IV-act. 68) hiess 

das Versicherungsgericht mit Entscheid vom 25. Mai 2012 unter Zusprache einer 

halben Rente und unter Offenlassen des Rentenbeginns teilweise gut (IV-act. 87). Mit 

Urteil vom 27. Februar 2013 hob das Bundesgericht diesen Entscheid auf und wies die 

Sache zur weiteren Abklärung, namentlich zu einer erneuten psychiatrischen 

Begutachtung, an die IV-Stelle zurück (IV-act. 95).

A.d. 

Mit Mitteilung vom 17. April 2013 und Zwischenverfügung vom 8. Mai 2013 

informierte die IV-Stelle die Versicherte darüber, dass sie eine bidisziplinäre 

Begutachtung (psychiatrisch / rheumatologisch) im MGSG in Auftrag geben werde (IV-

act. 100 und IV-act. 107). Am 8. Oktober 2013 hiess das Versicherungsgericht die 

dagegen erhobene Beschwerde (IV-act. 108) gut und verpflichtete die IV-Stelle, eine 

Begutachtung durch die von der Versicherten vorgeschlagenen Fachärzte zu 

veranlassen (IV-act. 116). In der Folge leitete die IV-Stelle die Begutachtung in die 

Wege (IV-act. 120 ff.).

A.e. 

Dr. med. E.___, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, äusserte in ihrem 

Gutachten vom 9. September 2014, aus psychiatrischer Sicht sei zuerst eine 

somatoforme Schmerzstörung aufgetreten, dann die depressive Erkrankung und 

schliesslich habe sich eine andauernde Persönlichkeitsänderung bei Schmerzstörung 

etabliert (vgl. IV-act. 143-21 f.). Das Verhalten der Versicherten sei zum Teil dramatisch, 

appellativ und teilweise manipulativ wirkend, zeige jedoch keine Diskrepanz zur 

Psychopathologie der Störungen (IV-act. 143-23). Seit der ersten Hospitalisierung in 

der Klinik F.___ 2010 sei es nicht mehr zu einer Remission der schwergradigen 

A.f. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 4/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

depressiven Erkrankung gekommen. Es sei mit einem ungünstigen Verlauf zu rechnen, 

da die Schmerzen seit langem fast unverändert vorhanden seien und bei der 

Versicherten schon mehrere therapeutische Ansätze ohne Erfolg geblieben seien. Für 

eine leidensadaptierte Tätigkeit bestehe aus rein psychiatrischer Sicht eine 

Arbeitsunfähigkeit von ca. 70 bis 80 %, wobei derzeit keine Tätigkeit im freien 

Arbeitsmarkt zu realisieren sei (IV-act. 143-26). Dr. med. G.___, Oberarzt i.V. 

Orthopädie Knie, hielt in seinem Gutachten vom 3. September 2014 als Diagnosen 

chronische Schmerzen in beiden Knien bei St. n. Knieprothese links und rechts bei 

Gonarthrose fest (vgl. IV-act. 144-22). Unter optimalen Bedingungen könne die 

Versicherte fünf bis sechs Stunden pro Tag arbeiten (IV-act. 144-26).

Die IV-Ärztin Dr. med. H.___, Fachärztin für Neurologie, hielt mit Stellungnahme 

vom 6. Januar 2015 fest, das psychiatrische Gutachten stütze sich ausschliesslich auf 

subjektive Angaben der Versicherten resp. ihrer Familienangehörigen. Es stelle sich die 

Frage, ob die subjektiv berichteten und in Untersuchungssituationen präsentierten 

Einschränkungen in diesem Ausmass dauernd vorhanden seien. Aus medizinischer 

Sicht wäre es deshalb sinnvoll, das funktionelle Niveau der Versicherten in ihrem Alltag 

zu überprüfen (IV-act. 153-3). Daraufhin erteilte die IV-Stelle einen 

Überwachungsauftrag (IV-act. 155).

A.g. 

Im Zeitraum vom 6. Februar 2015 bis 15. März 2015 sowie am 21. März 2015 

wurde die Versicherte observiert. Sie wurde an zwei Tagen auf dem Balkon, an einem 

Tag bei Tätigkeiten im Schrebergarten und an einem Tag beim Einkaufen mit ihrem 

Ehemann und ihrer Tochter beobachtet (vgl. IV-act. 163 und 167).

A.h. 

Dr. H.___ hielt zu den Observationsergebnissen fest, die von der behandelnden 

Psychiaterin erwähnten Pathologien Pseudodemenz, präpsychotische Starre und 

invalidisierende Einschränkung aller kognitiven Fähigkeiten hätten sich nicht 

beobachten lassen. Das Gangbild an zwei Gehstöcken imponiere durch ein 

Entlastungshinken links, doch würde nicht der Eindruck von invalidisierenden 

Schmerzen entstehen (IV-act. 169). In der Folge erachtete die IV-Stelle eine nochmalige 

Begutachtung als notwendig (IV-act. 170 ff.). Mit Mitteilung vom 15. Mai 2015 

informierte sie die Versicherte, dass die Begutachtung durch Dr. med. I.___, Facharzt 

Psychiatrie, und Dr. med. J.___, Facharzt für Rheumatologie, Neurologicum K.___, 

A.i. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 5/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

stattfinden werde (vgl. IV-act. 178 f.) Die Versicherte zweifelte die Rechtmässigkeit der 

Observation sowie die Notwendigkeit einer erneuten Begutachtung an und ersuchte die 

IV-Stelle am 18. Mai 2015, zuzuwarten, bis eine Stellungnahme der behandelnden 

Psychiaterin vorliege (vgl. IV-act. 172 und 182). Am 2. Juni 2015 teilte die IV-Stelle ihr 

mit, die Frist, sich zur Gutachterwahl zu äussern, sei unbenutzt verstrichen. Damit 

stehe der Begutachtung nichts mehr im Wege. Insbesondere bestehe keine Pflicht, die 

Meinungsäusserung der behandelnden Psychiaterin abzuwarten. Sollte die Versicherte 

die Mitwirkung verweigern, müsste dies als Verletzung der Mitwirkungspflicht 

interpretiert werden und es müsste ein Entscheid aufgrund der Akten erfolgen (IV-

act. 185).

Mit Schreiben vom 4. Juni 2015 bezeichnete die Versicherte unter Verweis auf die 

Einschätzung ihrer behandelnden Psychiaterin eine erneute Begutachtung als nicht 

notwendig. Mit Ergänzungsfragen und nötigenfalls einem erneuten Gespräch bei 

Dr. E.___ könne sich die Versicherte einverstanden erklären (IV-act. 189; vgl. auch 

Bericht Dr. B.___, IV-act. 190). Mit Schreiben vom 25. Juni 2015 bekräftigte die 

Versicherte, sie werde nicht zu einer weiteren Begutachtung erscheinen. Sollte die IV-

Stelle daran festhalten wollen, ersuche sie um den Erlass einer anfechtbaren Verfügung 

(IV-act. 194). Mit Schreiben vom 21. Juli 2015 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, 

sie habe keinen Anspruch auf eine Verfügung betreffend Begutachtung, nachdem sie 

alle Fristen unbenützt habe verstreichen lassen. Sie wies sie erneut auf die 

Mitwirkungspflicht und die Säumnisfolgen hin (IV-act. 197). Die Versicherte erschien 

nicht zu den im August 2015 angesetzten Untersuchungsterminen (IV-act. 198 f.). Nach 

durchlaufenem Vorbescheidverfahren (IV-act. 201 ff.) wies die IV-Stelle das 

Rentengesuch mit Verfügung vom 14. Dezember 2015 unter Verweis auf eine 

Verletzung der Mitwirkungspflicht sanktionsweise ab (IV-act. 207).

A.j. 

Am 25. Januar 2016 meldete die Versicherte sich erneut zum Bezug von 

Leistungen an (IV-act. 208; vgl. auch Schreiben Dr. B.___ vom 24. Februar 2016, IV-

act. 215) und liess am 26. Februar 2016 mitteilen, dass sie mit der Neuanmeldung ihre 

Bereitschaft zur Mitwirkung dargetan habe (IV-act. 216; siehe auch Schreiben Dr. L.___ 

vom 5. Februar 2016, IV-act. 217). Am 28. Januar 2016 erhob sie gegen die Verfügung 

vom 14. Dezember 2015 Beschwerde (IV-act. 212). Auf das neuerliche 

A.k. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 6/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Leistungsbegehren vom 25. Januar 2016 trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 12. April 

2016 nicht ein (IV-act. 220).

Mit Entscheid vom 8. September 2016 hielt das Versicherungsgericht fest, 

aufgrund von schweren Verletzungen der Verfahrensrechte erweise sich die Anordnung 

der Begutachtung als nicht rechtmässig. Damit sei keine Pflicht zur Teilnahme für die 

Versicherte entstanden. Die Voraussetzungen für eine Sanktion wegen Verletzung der 

Mitwirkungspflicht seien nicht erfüllt gewesen. Es hob die Sanktionsverfügung vom 

14. Dezember 2015 auf und wies die Sache zur Fortführung des Verwaltungsverfahrens 

an die IV-Stelle zurück (IV-act. 229). Auf die Beschwerde der IV-Stelle gegen diesen 

Entscheid (IV-act. 232) trat das Bundesgericht nicht ein (IV-act. 234). Am 6. September 

2017 ordnete die IV-Stelle die Begutachtung schliesslich verfügungsweise an (IV-

act. 247), was unangefochten blieb (vgl. IV-act. 250).

A.l. 

Mit Gutachten vom 26. April 2018 stellten die Dres. J.___ und I.___ folgende 

Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: chronische depressive Störung, 

vergleichbar der Double Depression nach den ICD-10-Diagnosen Dysthymia und 

mittelschwere depressive Episode; Gonarthrose beidseits bei St. n. medialer 

unikompartimenteller Endoprothese links 2007, rechts 2012; lumbospondylogenes 

Syndrom beidseits und Fingerpolyarthrosen. Unter den Diagnosen ohne Auswirkung 

auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie unter anderem eine Schmerzverarbeitungsstörung 

mit teilweiser Schmerzgeneralisierung, erhöhter Schmerzempfindung und funktionellen 

Sensibilitätsstörungen sowie ein intermittierendes cervikospondylogenes Syndrom bei 

mehrsegmentalen degenerativen HWS-Veränderungen (vgl. interdisziplinäre 

Gesamtbeurteilung, IV-act. 257-91 f.). In einer optimal angepassten Tätigkeit sei die 

Versicherte medizinisch-theoretisch zu 50 % arbeitsfähig. Eine berufliche Eingliederung 

wäre aus psychiatrischer Sicht allerdings nur mit einer intensiven externen 

Unterstützung durch ein Coaching und unter fortgesetzter psychiatrischer Behandlung 

möglich. Psychiatrisch dürfte eine rentenrelevante Einschränkung aufgrund der Akten 

seit 2008 angenommen werden, wobei im Längsschnitt eine durchschnittliche 

Arbeitsunfähigkeit von 50 % plausibel erscheine. Rheumatologisch hätten die 

degenerativ bedingten Funktionseinschränkungen seit der letzten Begutachtung 2014 

allmählich zugenommen. Das heutige Ausmass der Einschränkungen, welche für sich 

alleine eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % verursachten, könne seit mindestens Juli 2017 

A.m. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 7/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

angenommen werden, während zum Zeitpunkt der Observation im März 2015 

rheumatologisch noch eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in rein sitzender Tätigkeit gegeben 

gewesen sei. Angesichts der Kombination der chronischen psychiatrischen Erkrankung 

mit den multiplen erheblichen körperlichen funktionellen Einschränkungen sei eine 

Reintegration in den Arbeitsprozess aktuell höchstens in einem geschützten Rahmen 

mit körperlich leichten Tätigkeiten realisierbar (IV-act. 257-93 f.).

Mit Stellungnahme vom 20. Juni 2018 hielt Dr. H.___ fest, das Gutachten vom 

26. April 2018 sei umfassend und erfülle grundsätzlich die geforderten 

Qualitätskriterien. Auf den somatischen Teil könne abgestellt werden. Die Beurteilung 

der psychiatrischen Symptomatik sei aber durch das Verhalten der Versicherten 

deutlich erschwert worden. Das psychiatrische Teilgutachten imponiere mit einer 

detaillierten Aufarbeitung der Akten. Die Beurteilung auf dem psychiatrischen 

Fachgebiet habe sich aufgrund der eingeschränkten Kooperation mit auffälligem 

teilweise sehr demonstrativen Verhalten der Versicherten allerdings schwierig gestaltet. 

Dem psychiatrischen Gutachter sei es nicht möglich gewesen, eine bewusstseinsnah 

vorgespielte Beschwerdepräsentation von einer krankheitswerten Symptomatik 

quantitativ zu trennen. Auf psychiatrischem Fachgebiet seien verschiedene Fragen 

offen geblieben. Eine Aggravation habe testpsychologisch nicht überprüft werden 

können, da die Versicherte angeblich nicht in der Lage gewesen sei, die 

entsprechenden Fragebögen konsistent auszufüllen. Die Entscheidung, ob dem 

Gutachten gefolgt werden solle, bleibe dem Rechtsanwender überlassen (IV-act. 258).

A.n. 

Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (IV-act. 266 ff.) sprach die IV-Stelle 

der Versicherten mit Verfügungen vom 27. Februar 2019 (laufende Rente ab 1. April 

2019) und vom 15. April 2019 (Rente bis 31. März 2019) ab dem 1. Juli 2017 eine 

Viertelsrente zu. Zur Begründung führte sie aus, beweisrechtlich im Vordergrund stehe 

das bidisziplinäre Gutachten vom 26. April 2018. Dieses Gutachten sei umfassend und 

erfülle grundsätzlich die geforderten Qualitätskriterien. Aus rheumatologischer Sicht 

seien seit der letzten Begutachtung neue Diagnosen dazugekommen. Ab Juli 2017 sei 

eine Verschlechterung des Gesundheitszustands aus somatischer Sicht nachgewiesen. 

Die Arbeitsfähigkeit sei daher auf 50 % seit Juli 2017 festzusetzen. Die gutachterliche 

Beurteilung der psychiatrischen Symptomatik sei durch das Verhalten der Versicherten 

deutlich erschwert worden, ihre Kooperation sei mangelhaft gewesen. Dem 

A.o. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 8/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

B.  

psychiatrischen Gutachter sei es deshalb nicht möglich gewesen, eine 

bewusstseinsnahe vorgespielte Beschwerdepräsentation von einer krankheitswertigen 

Symptomatik quantitativ zu trennen. Es seien aus psychiatrischer Sicht verschiedene 

offene Fragen verblieben. Vor diesem Hintergrund sei eine psychisch bedingte 

Arbeitsunfähigkeit anzuzweifeln. Die früheren Beurteilungen könnten eine 

invalidisierende psychische Erkrankung nicht rechtsgenüglich nachweisen. Dadurch 

entstehe ein Zustand der Beweislosigkeit, der auch durch weitere Abklärungen nicht 

beseitigt werden könne. Erst ab Juli 2017 sei eine (somatisch begründete) 

Arbeitsunfähigkeit von 50 % nachgewiesen. Die Versicherte sei zu 90 % als 

Erwerbstätige und zu 10 % als Hausfrau zu qualifizieren. Im Haushalt sei sie nicht 

eingeschränkt. Der Einkommensvergleich stütze sich auf die Verhältnisse, wie sie im 

Feststellungsblatt vom 24. November 2009 dokumentiert seien. Ein Tabellenlohnabzug 

sei nicht geschuldet. Selbst wenn die Versicherte als zu 100 % erwerbstätig eingestuft 

würde, würde der Invaliditätsgrad 47 % betragen, womit kein höherer Rentenanspruch 

bestünde (IV-act. 278 f. und IV-act. 282).

Gegen die Verfügung vom 27. Februar 2019 erhebt A.___, vertreten durch 

Rechtsanwalt Ronald Pedergnana, am 29. März 2019 Beschwerde. Sie beantragt, die 

Verfügung vom 27. Februar 2019 sei aufzuheben und ihr sei eine halbe IV-Rente ab 

Februar 2006 zuzusprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der 

Beschwerdegegnerin. Im bidisziplinären Konsens würden die Gutachter festhalten, die 

Dauer der Einschränkung im aktuellen Mass könne retrospektiv nicht eindeutig 

bestimmt werden. Psychiatrisch erscheine seit 2008 eine durchschnittliche 

Arbeitsunfähigkeit von 50 % plausibel. Das stimme mit dem Gutachten der Dres. E.___ 

und G.___ überein, wobei diese die Einschränkung höher eingeschätzt hätten. Dr. J.___ 

habe indes nicht gemerkt, dass die Prothese links gelockert gewesen sei. Die 

Beschwerdeführerin hätte ohne Invalidität 100 % gearbeitet. Sie sei im Zeitpunkt des 

Unfalls 90 % beschäftigt gewesen und habe Fr. 45'500.-- verdient, was hochgerechnet 

auf 100 % Fr. 50'556.-- ergebe. Dies ergäbe selbst ohne behinderungsbedingten 

Abzug Anspruch auf eine halbe Rente. Selbst wenn davon ausgegangen würde, dass 

die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall nur 90 % arbeiten würde, sei die Annahme, 

sie sei im Haushalt nicht eingeschränkt, willkürlich. In der Überwachung sei zu sehen, 

B.a. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 9/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

wie sie an Unterarmstöcken einkaufe. Sie sei also sogar beim Einkaufen auf Hilfe 

angewiesen. Bei der vorliegenden psychiatrischen Diagnose, dem begleitenden 

somatischen Störungsbild mit nur sitzend möglicher Arbeit und der mehr als 

vierzehnjährigen Leidensgeschichte mit Absenz vom Arbeitsmarkt müsse von einer 

kaum mehr verwertbaren Leistungsfähigkeit im freien Arbeitsmarkt gesprochen 

werden. Der Beschwerdeführerin würde es gut tun, wenn sie 50 % in 

behinderungsangepasster Tätigkeit in geschütztem Rahmen aktiv sein könnte. Die 

Voraussetzung dafür sei, dass sie eine halbe Rente erhalten würde. Die Gutachter 

würden diesbezüglich festhalten, es sei denkbar, dass die Beschwerdeführerin in 

einem geschützten Rahmen kleinschrittig und mittels intensivem Coaching an ihre noch 

vorhandene Leistungsfähigkeit herangeführt werde. Ohnehin stelle sich die Frage, ob 

ihr nicht ab Februar 2006 eine halbe und ab Verfügungszeitpunkt eine ganze Rente 

zustehe (act. G1).

Am 17. Mai 2019 erhebt A.___ auch gegen die Verfügung vom 15. April 2019 

Beschwerde, stellt, da es um den gleichen Sachverhalt geht, dieselben Anträge und 

macht im Wesentlichen gleichlautende Ausführungen wie in der Beschwerde vom 

29. März 2019 (act. G1 in IV 2019/120).

B.b. 

Mit Schreiben vom 24. Mai 2019 vereinigt das Versicherungsgericht die Verfahren 

IV 2019/78 und IV 2019/120 (act. G4; act. G2 in IV 2019/120).

B.c. 

Mit Schreiben vom 13. Juni 2019 verlangt die Beschwerdegegnerin die 

Nachbesserung der Beschwerde gestützt auf Art. 36 Abs. 1 des Gesetzes über die 

Verwaltungsrechtspflege (VRP; sGS 951.1) sowie die Prüfung einer Sanktion nach 

Art. 36 Abs. 3 VRP (act. G5). Am 1. Juli 2019 erinnert die verfahrensleitende 

Versicherungsrichterin die Parteien daran, dass das Gericht ausschliesslich sachlich 

vorgetragene und nachvollziehbar begründete Argumente, die sich mit dem 

Beschwerdegegenstand beschäftigen zu prüfen hat und fordert den Rechtsvertreter zur 

Mässigung auf (act. G6).

B.d. 

Mit Beschwerdeantwort vom 8. August 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin, 

die angefochtene Verfügung sei insofern zuungunsten der Beschwerdeführerin zu 

korrigieren, als der Rentenbeginn auf Februar 2018 festzusetzen sei. Im Übrigen sei die 

B.e. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 10/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Beschwerde abzuweisen. Die Beschwerdegegnerin habe die Beschwerdeführerin unter 

Androhung der Säumnisfolgen mehrfach ermahnt, sich der Begutachtung zu 

unterziehen, zuletzt nochmals am 20. Oktober 2017. Es reiche nicht, dass eine 

versicherte Person zwar zur Begutachtung erscheine, dann aber eine Abklärung nicht 

zulasse. Es sei von einer gravierenden Verletzung der Mitwirkungspflicht auszugehen. 

Der psychiatrische Gutachter habe erhebliche Unsicherheiten durchblicken lassen. Aus 

juristischer Sicht müsse von einem nicht authentischen Beschwerdebild ausgegangen 

werden. Ein depressives Geschehen sei zwar wahrscheinlich. Die gestellten Diagnosen 

würden jedoch bloss als möglich, nicht aber als überwiegend wahrscheinlich 

erscheinen. Dies ergebe sich nicht zuletzt e contrario aus der zusammenfassenden 

Feststellung des Gutachters, der darlege, eine quantifizierende Aufteilung der 

verschiedenen Faktoren, die zum Beschwerdebild beitragen würden, erscheine nicht 

möglich. Mit hinreichender klinischer Wahrscheinlichkeit könne gesagt werden, dass es 

sich nicht um eine reine Simulation oder bewusste Beschwerdeverdeutlichung handle. 

Ins Gewicht falle, dass das vom Psychiater beschriebene eindrückliche Gehabe der 

Beschwerdeführerin im rheumatologischen Gutachten nicht beschrieben worden sei. 

Diese Diskrepanz sei ein starker Hinweis darauf, dass die bewusst gesteuerten 

Verdeutlichungstendenzen überwiegen würden. Diese Feststellung bestätige auch die 

rechtliche Folgerung, dass das diagnostizierte psychische Störungsbild nicht 

rechtsgenüglich nachgewiesen sei. Umso mehr fehle ein hinreichender Nachweis für 

den rechtlich relevanten Funktionsverlust. Es sei nicht möglich gewesen, die zumutbare 

Willensanstrengung zu bestimmen. Bei der Abklärung der Konsistenz sowie der 

Ausschlussgründe Aggravation und psychosoziale Belastungsfaktoren habe die 

Beschwerdeführerin nicht mitgewirkt, was sich nicht zu ihren Gunsten auswirken dürfe. 

Relevant seien die somatischen Einschränkungen. Damit sei davon auszugehen, dass 

die Beschwerdeführerin während Jahren zu 80 % arbeitsfähig gewesen sei, dies auch 

unter Berücksichtigung der chronischen nichtorganischen Schmerzerkrankung. Seit 

Juli 2017 bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit. 

Anlässlich der Begutachtung hätten noch keine Anzeichen für eine Lockerung der 

Knieprothese festgestellt werden können. Die bei der letzten Arbeitgeberin, der M.___ 

AG, erzielten Einkünfte seien nur bedingt aussagekräftig für die Frage, was die 

Beschwerdeführerin als Gesunde verdienen würde, denn die Beschwerdeführerin habe 

kurz nach Antritt dieser Stelle die Verletzung erlitten, die zum Stellenverlust und zur 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 11/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

heute diskutierten Arbeitsunfähigkeit geführt habe. Davor sei die Beschwerdeführerin 

arbeitslos gewesen bzw. habe deutlich tiefere Einkommen erzielt. Dass sie weiterhin 

90 % gearbeitet hätte bzw. ihre Arbeitszeit nicht doch wieder reduziert hätte, sei nicht 

gesichert. Ein Tabellenlohnabzug wäre höchstens dann nachvollziehbar, wenn eine 

erhebliche psychische Erkrankung angenommen werde. Eine solche sei aber nicht 

rechtsgenüglich nachgewiesen. Die Beschwerdeführerin sei ihrer 

Selbsteingliederungspflicht nicht nachgekommen. Sie habe darauf verzichtet, ihre seit 

Jahren bestehende Restarbeitsfähigkeit von 80 % zu verwerten. In Bezug auf den 

Rentenbeginn sei an den Eintritt der 50%igen Arbeitsunfähigkeit im Juli 2017 

anzuknüpfen. Davor sei eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % anzunehmen. Eine 

durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40 % habe im Februar 2018 

vorgelegen. Damit sei der Rentenbeginn auf Februar 2018 festzusetzen (act. G7).

Mit Replik vom 13. September 2019 bzw. verbesserter Eingabe vom 18. Oktober 

2019 macht die Beschwerdeführerin geltend, sie sei seit dem Unfall vom 2. Februar 

2005 nie mehr als 50 % arbeitsfähig gewesen. Der Suva-Kreisarzt Dr. N.___ halte in 

seiner Beurteilung vom 8. Januar 2007 fest, rückblickend seien die geklagten 

Beschwerden zum grössten Teil nachvollziehbar. Das Wartejahr sei somit am 

2. Februar 2006 abgelaufen. Die erfolgte Überwachung sei widerrechtlich gewesen und 

habe nach Meinung der Dres. J.___ und I.___ keinen wesentlichen Erkenntniswert, 

weshalb es sinnvoll wäre, die Berichte gar nicht zu berücksichtigen. Die 

Beschwerdeführerin sei seit Jahren mit ihrem körperlichen und seelischen Zustand 

überfordert. Sie sei bei unzähligen behandelnden und begutachtenden Psychiaterinnen 

und Psychiatern gewesen, habe Psychopharmaka konsumiert, sei zu stationären 

Aufenthalten in psychiatrischen Kliniken gewesen, die von der Krankenkasse und den 

Behandlern gutgeheissen worden seien und habe ihre eigene Familie ins Unglück 

gestürzt. Sie sei emotional gar nicht in der Lage, die Fachärzte zu täuschen. Sie sei als 

"Psycho" abgestempelt worden, obschon es körperliche Ursachen für ihr 

Schmerzerleben gebe, etwa die gebrochene Knieprothese. Ihre "Auftritte" hätten ihr 

demnach mehr geschadet als genützt, weil man ihre Schmerzen als Schmerzstörung 

abgetan und nicht mehr den (tatsächlich vorhandenen) körperlichen Ursachen 

zugeordnet habe. Die Gutachter hätten nie eine Aggravation behauptet. Sie hätten die 

Überwachungsbilder ausgewertet und nichts gefunden, was nicht konsistent gewesen 

B.f. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 12/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Erwägungen

1.  

wäre. Nach 14 Jahren Unfall und Krankheit wäre es eine grosse Entlastung für das 

Familiensystem und die Psyche der Beschwerdeführerin, wenn sie einen halben Tag in 

geschütztem Rahmen arbeiten könnte. Dafür bräuchte sie aber die Unterstützung der 

Beschwerdegegnerin. Es sei Zeit, dass in das Verfahren und in das Leben der 

Beschwerdeführerin Ruhe einkehre (act. G9 und G12). Die Beschwerdeführerin reicht 

eine Stellungnahme ihrer behandelnden Psychiaterin vom 22. August 2019 ein 

(act. G9.1).

Mit Duplik vom 25. November 2019 macht die Beschwerdegegnerin geltend, die 

behandelnde Psychiaterin würde sich in ihrer Stellungnahme vom 22. August 2019 für 

ihre Beurteilung primär auf die Selbstangaben der Beschwerdeführerin stützen. Zudem 

äussere sie sich zu Fragen, die nicht in ihren Kompetenzbereich fallen würden. Soweit 

sie sich darüber erfreut zeige, dass die Beurteilungen von Dr. E.___ und Dr. I.___ sich 

mit ihrer eigenen praktisch deckten, sei es aufgrund der unzureichenden Kooperation 

der Beschwerdeführerin nicht weiter erstaunlich, wenn sich Dr. I.___ – unter deutlichem 

Hinweis auf die Unsicherheiten – an die Vorakten angelehnt habe. Ein Bruch der 

Knieprothese sei nicht belegt. Im radiologischen Bericht vom 14. November 2018 

werde lediglich eine Lockerung beschrieben. Diese Lockerung sei erst nach der 

Begutachtung aufgetreten, sodass nicht nur die somatische Beurteilung für den 

Zeitpunkt der Begutachtung schlüssig gewesen sei, sondern Dr. I.___ auch von 

richtigen Annahmen ausgegangen sei. Vor der Lockerung der rechten Knieprothese im 

Verlauf des Jahres 2018 seien mit einer Ausnahme im September 2007, als nach der 

Implantation einer Prothese im linken Knie Zementreste entfernt werden mussten, keine 

postoperativen Probleme aufgetreten. Dr. B.___ gehe von falschen Annahmen aus. Im 

Übrigen löse sie die Diskrepanz zwischen den Auftritten der Beschwerdeführerin bei 

Dr. I.___ und Dr. J.___ nicht auf. Die Observationsergebnisse würden das 

Funktionsniveau der Beschwerdeführerin in der damaligen Zeit zeigen. Dr. J.___ 

äussere sich sehr differenziert zum Beweismaterial und stelle fest, dass sich der 

Gesundheitszustand seither verändert habe. Immerhin könne er aus dem 

Observationsmaterial ableiten, dass wesentliche spondylogene Beschwerden noch 

nicht vorgelegen hätten (act. G14).

B.g. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 13/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

​1.1. In den Verfahren IV 2019/78 und IV 2019/120 stehen sich dieselben Parteien 

gegenüber und ihnen liegt derselbe Sachverhalt sowie dieselbe Rechtslage zugrunde. 

In beiden Fällen geht es um die Rentenzusprache gestützt auf denselben 

Gesundheitsschaden. Der Erlass von zwei Verfügungen war einzig der Tatsache 

geschuldet, dass die rückwirkend zugesprochene Viertelsrente mit Leistungen anderer 

Versicherer koordiniert werden musste, während die für die Zukunft zugesprochene 

Rente der Beschwerdeführerin direkt ausbezahlt werden konnte. Im Sinne der 

Prozessökonomie wurden die Verfahren am 24. Mai 2019 vereinigt (vgl. B.c). Die 

Parteien haben denn auch keine Einwände dagegen erhoben. Die Neuanmeldung vom 

25. Januar 2016 (IV-act. 208), auf welche die Beschwerdegegnerin nicht eingetreten ist 

(IV-act. 220) ist sodann nicht mehr von Bedeutung, da das Versicherungsgericht die 

Angelegenheit zur Fortführung des Verwaltungsverfahrens mit Entscheid vom 

8. September 2016 an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen hatte (IV-act. 229), 

sodass diese in der Folge auch die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte 

Verschlechterung des Gesundheitszustands prüfte.

1.2. Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision und am 1. Januar 2012 die 

aufgrund der IV-Revision 6a geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die 

Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über die Invalidenversicherung 

(IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In materiell-rechtlicher 

Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene 

Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids 

beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den materiellen 

Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1 und BGE 

126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen).

1.3. Die Beschwerdeführerin meldete sich am 31. Januar 2007 zum Bezug von IV-

Leistungen an (IV-act. 1). Die angefochtenen Verfügungen sind am 27. Februar 2019 

bzw. am 15. April 2019 ergangen (IV-act. 278 f. und IV-act. 282). Somit ist ein 

Sachverhalt zu beurteilen, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 

IV-Revisionen 5 und 6a begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der 

Rechtsstreit eine Dauerleistung (Invalidenrente) betrifft, über die noch nicht 

rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 14/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 bzw. bis 31. Dezember 2011 auf die damals 

geltenden Bestimmungen und ab 1. Januar 2012 auf die neuen Normen der IV-

Revision 6a abzustellen (vgl. BGE zur 4. IV-Revision 130 V 445; Urteil des 

Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Nachfolgend werden grundsätzlich 

die aktuell gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben. Altrechtliche 

Bestimmungen werden mit einem ausdrücklichen Vermerk erwähnt, soweit sie sich von 

den gültigen Bestimmungen unterscheiden und für die vorliegende Angelegenheit 

relevant sind.

1.4. Im Gegensatz zur Anwendbarkeit von Rechtsnormen ist eine neue Rechtsprechung 

im Grundsatz sofort und überall anwendbar und gilt nicht nur für künftige, sondern für 

alle im Zeitpunkt der Änderung hängigen Fälle (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 

8C_313/2018 vom 10. August 2018 E. 8 mit Hinweis).

2.

2.1. Gemäss aArt. 28 Abs. 1 IVG in der bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen 

Fassung hat ein Versicherter Anspruch auf eine Rente, wenn er zu mindestens 40 % 

invalid ist. Nach Art. 28 Abs. 1 IVG (sowohl in der bis 31. Dezember 2011 gültig 

gewesenen wie auch in der aktuell geltenden Fassung) haben Versicherte, die ihre 

Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch 

zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern 

können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 

mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu 

mindestens 40 % invalid sind, Anspruch auf eine Rente. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG 

besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person 

mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 

60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht ein Anspruch 

auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein Anspruch 

auf eine Viertelsrente.

2.2. Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder 

teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch 

Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 15/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise 

Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Von der Erwerbsunfähigkeit ist die 

Arbeitsunfähigkeit zu unterscheiden. Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine 

Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, 

volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare 

Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen 

Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG).

2.3. Nach altem Recht wurde der Rentenanspruch grundsätzlich vom Beginn des 

Monats an ausgerichtet, an dem der Anspruch entstand (vgl. aArt. 29 Abs. 2 und 

Art. 48 in der bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung). Seit 1. Januar 2008 

entsteht der Rentenanspruch gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens nach Ablauf von 

sechs Monaten nach Geltendmachung (vgl. Art. 29 IVG).

3.

3.1. Vorliegend streitig sind sowohl der Rentenbeginn als auch die Rentenhöhe und 

damit insbesondere der retrospektive Verlauf der Arbeitsfähigkeit. Zunächst ist zu 

prüfen, wann das Wartejahr abgelaufen ist und wann der frühestmögliche 

Rentenbeginn wäre.

3.2. Dr. J.___ legte in seinem Gutachten vom 26. April 2018 nachvollziehbar dar, 

weshalb die Einschätzung Dr. C.___s, wonach in der zuletzt ausgeübten rein stehenden 

Tätigkeit aufgrund der eingeschränkten Geh- und Stehfähigkeit keine verwertbare 

Arbeitsfähigkeit mehr bestehe, zutrifft (vgl. IV-act. 257-87). Dr. C.___ seinerseits hatte 

im Gutachten vom 16. Mai 2009 festgehalten, in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit 

bestehe seit dem 29. November 2006 eine volle Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 53-11). Die 

Beschwerdeführerin erlangte danach nie mehr eine verwertbare Arbeitsfähigkeit für 

diese Tätigkeit (zur abweichenden Einschätzung Dr. G.___s, IV-act. 144, siehe die 

überzeugende Gegenargumentation Dr. J.___s, IV-act. 257-87 f.). Das Wartejahr 

gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG war somit spätestens am 29. November 2007 

abgelaufen.

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 16/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3.3. Gestützt auf die kreisärztliche Beurteilung vom 8. Januar 2007 (IV-act. 10-9), den 

echtzeitlich ausgefüllten Unfallschein (IV-act. 3-2) sowie die RAD-Stellungnahme vom 

2. Juli 2007, wonach seit 10. Mai 2005 eine volle Arbeitsunfähigkeit für die 

angestammte ausschliesslich stehende Tätigkeit bestand (IV-act. 23-3) könnte mit Dr. 

J.___ davon ausgegangen werden, dass die Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt 

ausgeübten Tätigkeit bereits 2005 eingetreten ist (vgl. IV-act. 257-87). In diesem Fall 

wäre das Wartejahr gemäss Art. 28 IVG zum Zeitpunkt der IV-Anmeldung der 

Beschwerdeführerin bereits erfüllt gewesen. Ob das Wartejahr schon vor dem 

29. November 2007 abgelaufen ist, kann indes aus den nachstehenden Gründen offen 

bleiben.

3.4. Die Beschwerdeführerin bestreitet nicht mehr, dass in somatischer Hinsicht 

zumindest noch über einige Jahre hinweg eine rentenausschliessende Arbeitsfähigkeit 

in einer adaptierten Tätigkeit bestanden hat. Dies ergibt sich auch aus allen in den 

Akten liegenden Gutachten (vgl. IV-act. 53-9, IV-act. 144-26 und IV-act. 257-93). 

Gemäss der Einschätzung von Dr. I.___ – der sich hierbei auch auf die Meinung 

Dr. D.___s stützen kann – trat zur somatischen Einschränkung eine rentenrelevante 

weitere Verschlechterung des Gesundheitszustands durch das Hinzukommen der 

psychiatrischen Problematik im Jahr 2008 ein (vgl. IV-act. 257-93). Die von der 

Beschwerdeführerin behauptete Erwerbsunfähigkeit (und nicht blosse 

Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit) trat somit frühestens im Jahr 

2008 ein.

3.5. Zu jenem Zeitpunkt war zwar das neuere Recht anwendbar, welches eine 

Karenzfrist von sechs Monaten vorsieht (Art. 29 Abs. 1 IVG). Da die 

Beschwerdeführerin sich indes bereits im Januar 2007 angemeldet hat, war diese 

Karenzfrist im Jahr 2008 ohne Weiteres abgelaufen. Der Zweck der Karenzfrist, den 

Anreiz bei den Versicherten zu verstärken, sich möglichst frühzeitig anzumelden (vgl. 

hierzu BGE 138 V 475 E. 3.2.1), war damit erfüllt. Ein allfälliger Rentenanspruch 

entstand frühestens im Jahr 2008 (nach Eintritt einer allfälligen rentenrelevanten, 

nachstehend noch genauer zu prüfenden Verschlechterung des Gesundheitszustands), 

auch wenn das Wartejahr und die später eingeführte Karenzfrist schon früher 

abgelaufen waren. Folglich sind die vorstehend erwähnten altrechtlichen 

Bestimmungen für die vorliegende Beurteilung nicht mehr weiter von Bedeutung.

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 17/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

4.

4.1. Die Beschwerdeführerin bestreitet die Rechtmässigkeit der vom 6. Februar bis 

15. März 2015 sowie am 21. März 2015 durchgeführten Observation, gestützt auf 

welche sie erneut begutachtet wurde. Es ist daher zu prüfen, ob das 

Observationsmaterial für das vorliegende Verfahren verwertet werden darf.

4.2. Für die erfolgte Observation fehlte die gesetzliche Grundlage, womit die 

Observationsergebnisse unrechtmässig erhoben worden sind (siehe bezüglich der 

Konventionswidrigkeit das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in 

Sachen Vukota-Bojic gegen Schweiz, Urteil no. 61838/10, vom 18. Oktober 2016, und 

zur Verfassungswidrigkeit den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 6. Dezember 

2016, IV 2016/145, E. 3, insoweit bestätigt im Urteil des Bundesgerichts vom 

18. August 2017, 8C_69/2017, E. 5). Das Bundesgericht ist jedoch im Wesentlichen zur 

Auffassung gelangt, dass von der IV-Stelle in Auftrag gegebenes, illegal beschafftes 

Observationsmaterial grundsätzlich verwertbar sei, sofern die Überwachung im 

öffentlich einsehbaren Raum erfolgt und die versicherte Person keiner systematischen 

oder ständigen Überwachung ausgesetzt gewesen sei (BGE 143 I 377 E. 5.1 ff. mit 

Hinweisen; bestätigt etwa im Urteil des Bundesgerichts vom 9. November 2017, 

9C_328/2017). Es räumt dem Interesse des Sozialversicherers und der 

Versichertengemeinschaft an der Verhinderung unrechtmässiger Leistungsbezüge eine 

vorrangige Stellung in der Interessenabwägung ein (BGE 143 I 377 E. 5.1.2; Thomas 

Gächter/Michael E. Meier, Rechtswidrige Observationen in der IV - Verwertbarkeit der 

Observationserkenntnisse, Bemerkungen zum Leitentscheid 9C_806/2016 vom 14. Juli 

2017, in: Jusletter vom 14. August 2017, Rz 104). Während das Bundesgericht in 

früheren Entscheiden dafürhielt, es müssten konkrete Anhaltspunkte vorliegen, die 

Zweifel an den geäusserten gesundheitlichen Beschwerden oder der geltend 

gemachten Arbeitsunfähigkeit erweckten (vgl. BGE 143 I 377 E. 5.1 i.V.m. BGE 137 I 

327 E. 5.4.2.1), lässt es eine Verwertbarkeit der Observationsergebnisse in seiner 

späteren Rechtsprechung gar unabhängig davon zu, ob die Observation objektiv 

geboten war oder nicht (Urteile des Bundesgerichts vom 16. Dezember 2019, 

9C_308/2019, E. 2.1, vom 4. Juli 2019, 8C_244/2019, E. 4.1, und vom 8. Februar 2019, 

9C_561/2018, E. 5.2.2).

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 18/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

4.3. Vorliegend hegte die Beschwerdegegnerin Zweifel am Ausmass der durch die 

Gesundheitsbeeinträchtigung verursachten Einschränkung des funktionellen 

Leistungsniveaus (vgl. medizinische Stellungnahme Dr. H.___ vom 6. Januar 2015, IV-

act. 153-3). Sie hatte den Akten und insbesondere der vorangegangenen 

Begutachtung Hinweise auf Selbstlimitierung und Symptomausweitung entnommen 

(IV-act. 155-3; vgl. beispielhaft IV-act. 52-6). Die Beschwerdeführerin hatte in der 

Vergangenheit zuweilen widersprüchliche Aussagen gemacht (vgl. beispielhaft Suva-

act. 1-36 f.), eine theatralische oder sehr dramatische Ausdrucks- und Verhaltensweise 

gezeigt (vgl. beispielhaft Suva-act. 4-3, IV-act. 52-7 und 94-9; dieses Verhalten wurde 

indes im Rahmen der psychiatrischen Erkrankungen interpretiert und nicht als 

Aggravation gedeutet, zumal die Beschwerdeführerin viele therapeutische Optionen in 

Anspruch genommen hatte, vgl. IV-act. 143-23) und wurde zudem teilweise als 

manipulativ wahrgenommen (wobei dieses Verhalten auch als störungsimmanent bzw. 

krankheitskonform beurteilt wurde, vgl. IV-act. 52-5 und 146-3). Im Austrittsbericht der 

kantonalen Psychiatrischen Klinik F.___ über die stationäre Hospitalisation vom 

29. April bis 19. Juli 2013 wurde unter Verweis auf die erstellten Medikamentenspiegel 

eine fragliche Compliance in Bezug auf die verordnete Medikation festgehalten, wobei 

die Beschwerdeführerin beteuerte, dass sie die Medikamente regelmässig 

eingenommen habe (vgl. IV-act. 143-11). Aus diesen Gründen erachtete die 

Beschwerdegegnerin eine Beobachtung in Alltagssituationen, in denen sich die 

Beschwerdeführerin unbeobachtet wähnt, als objektiv geboten, um ihre subjektiven 

Angaben zu überprüfen (IV-act. 153-3 und 155-3). Somit lagen konkrete Anhaltspunkte 

vor, die Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin zu wecken 

vermochten.

4.4. Die Beschwerdeführerin wurde im Zeitraum von knapp zwei Monaten an insgesamt 

acht Tagen observiert, wobei sie lediglich an zwei Tagen ausser Haus und an zwei 

Tagen für kurze Zeiten auf ihrem Balkon gesehen wurde. Es wurden ausschliesslich 

unbeeinflusste Handlungen in öffentlich frei einsehbaren Bereichen aufgezeichnet 

(Balkon, Schrebergarten, beim Einkauf mit dem Ehemann und der Tochter). Unter 

diesen Umständen war die Observation verhältnismässig (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts vom 15. Januar 2019, 8C_689/2018, E. 4.1 f.). Ein überwiegendes 

privates Interesse an der vollständigen Entfernung des Observationsmaterials ist nicht 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 19/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

auszumachen. Die Observationserkenntnisse sind somit gestützt auf die 

bundesgerichtliche Rechtsprechung verwertbar und verbleiben somit in den Akten.

5.

5.1. Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im 

Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des 

Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung 

zu nehmen, in elchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte 

Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswertes von 

Arztberichten sowie Gutachten ist entscheidend, ob sie für die streitigen Belange 

umfassend sind, auf allseitigen Untersuchungen beruhen, die geklagten Beschwerden 

berücksichtigen, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden sind, in der 

Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation 

einleuchten und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V 

231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3a). Den von Versicherungsträgern im 

Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung 

entsprechenden Gutachten externer Spezialärzte darf voller Beweiswert zuerkannt 

werden, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise 

sprechen (Urteil des Bundesgerichts vom 15. April 2020, 9C_173/2020, E. 4.3, u.a. mit 

Hinweis auf BGE 135 V 465 E. 4.4).

5.2. Die Rechtsanwender prüfen insbesondere, ob die Ärzte ausschliesslich funktionelle 

Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung 

sind (Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG), sowie, ob die versicherungsmedizinische 

Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektivierter Grundlage erfolgt ist (Art. 7 Abs. 2 zweiter 

Satz ATSG). Recht und Medizin tragen je nach ihren fachlichen und funktionellen 

Zuständigkeiten zur Festlegung ein und derselben Arbeitsunfähigkeit bei. Es soll keine 

losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten 

Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswürdigung überprüft 

werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren 

schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen 

Vorgaben Rechnung tragen (BGE 141 V 281 E. 5.2.2 f.; BGE 144 V 50 E. 4.3). 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=9C_173%2F2020&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-V-465%3Ade&number_of_ranks=0#page465

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 20/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Berücksichtigen die Experten die in BGE 141 V 281 normierten Beweisthemen 

überzeugend, hat ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung auch aus Sicht des 

Rechtsanwenders Bestand. Andernfalls liegt ein triftiger Grund vor, der rechtlich ein 

Abweichen davon gebietet (BGE 145 V 361 E. 4.3).

5.3. Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf 

objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem 

wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 141 V 281 E. 3.2 mit 

Hinweisen). Erforderlich ist zudem, dass die geltend gemachten Beschwerden 

objektiviert werden können und sich auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken 

(vgl. BGE 143 V 418 E. 6; Urteile des Bundesgerichts vom 30. November 2017, 

8C_350/2017, E. 5.4, und vom 27. März 2015, 8C_673/2014, E. 5.1.1). Für somatisch 

unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und gleichgestellte 

Diagnosen) sowie psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen ist der 

Beweis nach dem strukturierten Verfahren mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE 

141 V 281 und BGE 143 V 418, E. 7.1). Der Beweis für eine lang andauernde und 

erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als geleistet 

betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen 

einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen 

Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143 

V 427 E. 6). Die psychiatrische Exploration eröffnet dem begutachtenden Psychiater 

daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene 

medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und rechtlich zu 

respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist (Urteil des 

Bundesgerichts vom 19. Mai 2020, 9C_18/2020, E. 4.1, mit diversen Hinweisen auf 

BGE 145 V 361).

5.4. Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der 

Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und 

Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige 

Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 157 E. 1a). 

Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den 

streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben 

Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=9C_18%2F2020&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F145-V-361%3Ade&number_of_ranks=0#page361

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 21/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der 

Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte 

hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat 

das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, 

nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 

353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je mit Hinweisen). Es ist an die Begehren der Parteien 

nicht gebunden (Art. 61 lit. d ATSG).

6.

6.1. Beide Parteien stellen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin grundsätzlich auf die letzte Begutachtung durch die Dres. J.___ 

und I.___ (IV-act. 257) ab. Deren Gutachten entspricht den vom Bundesgericht 

postulierten Anforderungen an einen beweiskräftigen Arztbericht (vgl. E. 4.2 

vorstehend), wie auch die IV-Ärztin Dr. H.___ in ihrer Stellungnahme vom 

20. September 2018 bestätigte (IV-act. 258-2).

6.2. Dr. H.___ führte weiter aus, auf den somatischen Teil des Gutachtens könne 

vollständig abgestellt werden (IV-act. 258-2). Die Beschwerdeführerin kritisiert am 

rheumatologischen Gutachten einzig, Dr. J.___ habe übersehen, dass die Prothese im 

rechten Knie "gebrochen" bzw. gelockert gewesen sei. Die Schmerzen seien zumindest 

teilweise organischen Ursprungs. Immerhin habe Dr. J.___ dafürgehalten, dass die 

Pangonarthrosen als Ursache von belastungsabhängigen Knieschmerzen anzusehen 

seien (act. G1, Ziff. 18 ff.). Dr. J.___ hat indes radiologische Befunde erhoben und 

ausgewertet. Gestützt sowohl auf die Vorakten (wonach die Prothesen auch anlässlich 

von Untersuchungen 2012 und 2014 unverändert gut sassen, vgl. IV-act. 144-19 ff.) wie 

auch auf die neue radiologische Bildgebung stellte er keine Lockerungszeichen fest (IV-

act. 257-75 f.). An beiden Kniegelenken stellten sich die implantierten medialen 

Hemiprothesen unauffällig dar mit korrekter Lage und fehlenden Zeichen einer 

Lockerung (IV-act. 257-84).

6.3. Eine Lockerung der Komponenten der Prothese im rechten Knie wurde erst am 

14. November 2018 festgestellt (IV-act. 268-4), mithin also rund 10 Monate nach der für 

das Gutachten verwendeten radiologischen Bildgebung (vgl. IV-act. 257-76). Der 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 22/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

operative Prothesenwechsel wurde erst Ende Januar 2019 angekündigt (IV-act. 272). 

Somit muss davon ausgegangen werden, dass die Prothesen zum Zeitpunkt der 

Begutachtung 2018 korrekt sassen und noch nicht gelockert waren. Die Beurteilung Dr. 

J.___s ist in dieser Hinsicht folglich nicht zu beanstanden. Soweit dieser festhielt, die 

Beschwerden seien zumindest teilweise organischen Ursprungs bzw. somatisch 

erklärbar, kann die Beschwerdeführerin daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten. Der 

Gutachter hat diese organisch begründeten Einschränkungen in seiner 

Arbeitsfähigkeitsschätzung berücksichtigt. Er attestierte der Beschwerdeführerin in 

einer den verschiedenen körperlichen Einschränkungen optimal angepassten Tätigkeit 

aus rheumatologischer Sicht eine medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit von 

50 % ab spätestens Juli 2017, davor bereits seit 2009 eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % 

für adaptierte Tätigkeiten (vgl. IV-act. 257-88 und 257-93). Diese Beurteilung ist 

einleuchtend begründet, sodass darauf abzustellen ist.

7.

7.1. Zwischen den Parteien nach wie vor streitig und nachfolgend zu prüfen ist das 

Ausmass der psychisch begründeten Arbeitsunfähigkeit. Während die 

Beschwerdeführerin geltend macht, aus dem Gutachten Dr. I.___s resultiere für die 

Vergangenheit eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % und ab dem Gutachtenszeitpunkt eine 

volle Arbeitsunfähigkeit, bringt die Beschwerdegegnerin vor, ein grosser Teil der 

Beschwerdedarstellung könne vorgespielt sein. Dr. I.___ habe eine mögliche Simulation 

oder Aggravation nicht von der krankheitswertigen Symptomatik trennen können, 

weshalb auf seine Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht abgestellt werden könne. Dabei 

scheint sie aus rechtlicher Sicht von der gutachterlichen Einschätzung abweichen zu 

wollen, wobei nicht ersichtlich ist, auf welche konkrete Praxis oder Rechtsprechung sie 

sich diesbezüglich abstützt. Denn von einem Administrativgutachten, das im Verfahren 

nach Art. 44 ATSG eingeholt wurde, darf (wie bereits erwähnt, vgl. E. 5.1 f. vorstehend) 

grundsätzlich nur abgewichen werden, wenn konkrete Indizien gegen die 

Zuverlässigkeit der Expertise sprechen.

7.2. Rechtsprechungsgemäss liegt Aggravation oder eine ähnliche Konstellation 

namentlich vor, wenn eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten 

Schmerzen oder Einschränkungen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 23/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage 

bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; 

demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken 

oder wenn schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale 

Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses 

verdeutlichendes Verhalten hin. Eine auf Aggravation oder einer vergleichbaren 

Konstellationen beruhende Leistungseinschränkung vermag einen versicherten 

Gesundheitsschaden nicht leichthin auszuschliessen, sondern nur, wenn im Einzelfall 

Klarheit darüber besteht, dass nach plausibler ärztlicher Beurteilung die Anhaltspunkte 

für eine klar als solche ausgewiesene Aggravation eindeutig überwiegen und die 

Grenzen eines bloss verdeutlichenden Verhaltens zweifellos überschritten sind, ohne 

dass das aggravatorische Verhalten auf eine verselbstständigte, krankheitswertige 

psychische Störung zurückzuführen wäre (Urteil des Bundesgerichts vom 

20. September 2018, 9C_659/2017, E. 4.1 mit Hinweisen). Führen die von den 

Gutachtern einhellig berichtete Aggravation und die gezeigten Inkonsistenzen zum 

Ergebnis, dass ein erhebliches krankheitsmässiges Geschehen nicht mehr mit 

ausreichender Wahrscheinlichkeit festgestellt werden kann, so geht die daraus 

resultierende Beweislosigkeit zu Lasten der versicherten Person (Urteil des 

Bundesgerichts vom 20. September 2018, 9C_659/2017, E. 4.1 und 4.4 mit Hinweisen).

7.3. Vorliegend hatte die Beschwerdegegnerin, wie bereits ausgeführt, schon vor der 

letzten Begutachtung Zweifel an dem von der Beschwerdeführerin geklagten Ausmass 

der Einschränkung ihrer funktionellen Leistungsfähigkeit und ordnete deshalb eine 

Observation an (siehe E. 4.3 vorstehend). Dr. H.___ konnte anhand der 

Observationsergebnisse die von Dr. E.___ attestierten psychisch bedingten 

Gesundheitsbeeinträchtigungen nicht bestätigen (jedoch auch nicht widerlegen; vgl. IV-

act. 169-4 f.) Dr. H.___ ist Fachärztin für Neurologie, nicht für Psychiatrie, sodass ihrer 

Einschätzung, sofern sie das psychiatrische Fachgebiet betrifft und den früheren 

Befunden der psychiatrischen Gutachter widerspricht, nicht zwingend gefolgt werden 

kann. Die Beschwerdegegnerin nahm ihre Stellungnahme jedoch zum Anlass, eine 

neuerliche Begutachtung zu veranlassen. Als sie den Gutachtensauftrag erteilte, legte 

sie besonderen Wert darauf, dass Aggravation und Simulation geprüft würden und 

stellte entsprechende Ergänzungsfragen (vgl. etwa IV-act. 238-6 und IV-act. 238-8). 

Der psychiatrische Gutachter setzte sich folglich an mehreren Stellen der 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 24/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Begutachtung ausführlich mit dieser Thematik auseinander, wie nachfolgend dargelegt 

wird.

7.3.1. Dr. I.___ sah das Observationsmaterial als für sein Fachgebiet unergiebig an. Es 

zeige keinerlei in psychopathologisch relevanter Weise auffällige Verhaltensweisen (IV-

act. 257-35). Die anlässlich der Überwachung gemachten Beobachtungen führten 

demnach nicht dazu, dass Dr. I.___ eine Aggravation oder gar Simulation der 

Beschwerdeführerin in den früheren Begutachtungssituationen (bei Dr. E.___ und 

Dr. D.___) sehen konnte. Ebenso wenig konnte er einen Widerspruch zwischen dem 

von ihm anlässlich seiner Begutachtung festgestellten Beschwerdebild und der 

tatsächlichen Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin während der Observation 

ausmachen.

7.3.2. Dr. I.___ schilderte, problematisch sei aus psychiatrischer Sicht die Abgrenzung 

eines bewusstseinsnah gesteuerten Beschwerdeverdeutlichungsverhaltens, 

insbesondere vor dem Hintergrund unterschiedlicher kultureller Vorerfahrungen auch in 

Bezug auf den Umgang mit Schmerzen. Das Verhalten der Beschwerdeführerin (lautes 

Wehklagen, Haare raufen, mit den Fäusten an den Kopf schlagen, Zittern) wirke 

demonstrativ und werde gemeinhin als Hinweis auf bewusstseinsnahes 

Beschwerdeverdeutlichungsverhalten gedeutet, könne aber naturgemäss auch 

Ausdruck von Unglücksgefühlen sein bei fehlender Möglichkeit, diese zu 

versprachlichen. Aufmerksamkeit und Gedächtnis hätten nicht eingehend geprüft 

werden können, weil die Beschwerdeführerin einen erheblichen Teil des 

Untersuchungsgesprächs mit lautem Wehklagen und ausgeprägter Beschwerdeklage 

verbracht habe (IV-act. 257-35 und IV-act. 257-40). Es hätten sich keine Ansatzpunkte 

für typisch depressive Kognitionen etwa im Sinne einer negativen kognitiven Trias 

gefunden. Jedoch sei eine Katastrophisierung deutlich zu erkennen gewesen und eine 

Generalisierung der Schmerzklage (IV-act. 257-36). Abgegrenzt werden müsse auch 

das klassisch-psychiatrische Bild der agitierten Depression ("Jammerdepression"). 

Kriterium für den Übergang von einem möglicherweise bewusstseinsnah initiierten und 

später verselbständigten und willentlich nicht mehr abweisbaren 

Beschwerdeempfinden, was dann seinen Ausdruck in einer wie hier streckenweise 

geradezu bizarren Beschwerdeklage finde, sei die zumutbare Willensanstrengung. 

Diese sei bei der Beschwerdeführerin schlechthin nicht näher zu bestimmen. Das 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 25/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

jetzige Erscheinungsbild stelle eine Amalgamisierung von durchaus anzunehmenden 

erheblich depressiven Erlebensanteilen dar mit einer in unglücklicher Weise auch 

"unangemessen" und "hilflos" wirkenden Beschwerdeklage. Da sich für seine 

Beurteilung die geschilderten Aspekte nicht näherhin voneinander abgrenzen liessen 

und insgesamt eine depressive Entwicklung klar erkennbar gewesen sei und die 

Beschwerdeklage nicht aufgehe in einem reinen demonstrativen oder gar simulativen 

Verhalten, wofür auch die in Kauf genommenen Nachteile der Situation sprechen 

würden, werde eine depressive Störung diagnostiziert. Nach gründlicher Durchsicht der 

Aktenlage und insbesondere der dort niedergelegten psychiatrischen Gutachten werde 

eine durchgehend anhaltende Depression im Sinne des DSM-5 gestellt und damit 

unterstellt, dass ein wesentlicher Teil der psychischen Beschwerdesymptomatik und 

der in der Untersuchung erlebten Leidensäusserung von der Beschwerdeführerin nicht 

mit zumutbarer Willensanstrengung überwunden werden könne, sondern einem 

mittlerweile verselbständigten depressiven Leiden entspreche, dem die 

Beschwerdeführerin nicht genügend psychische Kraft entgegenzusetzen habe und zu 

dessen durchgreifender Restitution es an Resilienzfaktoren fehle (IV-act. 257-40 f. und 

IV-act. 257-48 f.; zur Resilienz auch IV-act. 257-39: initial hätten offenbar keine 

ausreichenden Coping-Mechanismen vorgelegen. Darüber hinaus verfüge die 

Beschwerdeführerin nicht über Introspektionsfähigkeit im Sinne einer "psychological 

mindedness". Ihr Krankheitskonzept sei vollständig zentriert auf organische 

Schmerzen).

7.3.3. Unter dem Titel "Berücksichtigung von Ausschlussgründen wie Aggravation und 

ähnliche Erscheinungen sowie deren Ausmass" wiederholt Dr. I.___, der klinische 

Gesamteindruck sei der einer Amalgamisierung genuin depressiver Verzweiflung und 

des Gefühls von Aussichtslosigkeit und ebenso der Verwendung von 

Dramatisierungsformen, die gemeinhin den Eindruck einer aktiven bewusstseinsnahen 

Beschwerdeverdeutlichung vermitteln. Stelle man die kulturell unterschiedlichen 

Herkunftsbedingungen, die ja bekanntermassen auch die besonderen Formen des 

Ausdrucks von Schmerzen beinhalteten, ebenfalls in Rechnung, so lasse sich eine klare 

Trennung hier nicht treffen. Es werde daher davon ausgegangen, dass ein wesentlicher 

Teil der geklagten Beschwerdesymptomatik nicht einer reinen Begehrenshaltung 

zuzuordnen sei, sondern einer mittlerweile jahrelang chronifizierten Depressivität bei 

völlig fehlender Introspektionsfähigkeit und rein organischer Ursachenüberzeugung. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 26/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Testpsychologische Zugänge zum Thema Aggravation seien nicht möglich gewesen, 

da die Beschwerdeführerin nicht in der Lage gewesen sei, entsprechende Fragebögen 

konsistent auszufüllen (IV-act. 257-42).

7.3.4. Die Beschwerdegegnerin stellte dem psychiatrischen Gutachter, wie erwähnt, 

ergänzende Fragen. Sie fragte unter anderem nach psychosozialen Faktoren, welche 

das Leistungsniveau negativ beeinflussen würden. Dr. I.___ beantwortete diese Frage 

dahingehend, die Beschwerdeführerin habe darüber keine Auskünfte geben können 

oder mögen (IV-act. 257-47). Die Befunde hätten nicht eindeutig objektiviert werden 

können. Es bestehe ein Mischbild aus einer agitierten chronischen Depression von 

Krankheitswert mit beschwerdeverdeutlichendem Verhalten erheblichen und zum Teil 

bizarren Ausmasses. Es bestehe weder nur eine depressive krankheitswerte Störung 

noch ein reines Beschwerdeverdeutlichungsverhalten. Die Beschwerdegegnerin stellte 

dem psychiatrischen Gutachter sodann die Frage: "Ist es möglich, die von der 

versicherten Person geltend gemachten Beschwerden vorzuspielen bzw. zu 

simulieren?" Darauf antwortete Dr. I.___: "Ja, grundsätzlich ist es möglich, dass ein 

grosser Teil der angebotenen Beschwerdedarstellung vorgespielt bzw. simuliert wird. 

Dies ist auch bei gutem differentialdiagnostischem Bemühen vor dem Hintergrund 30-

jähriger fachärztlicher Erfahrung im vorliegenden Fall nicht so klar von einer 

krankheitswertigen Symptomatik zu trennen (agitierte oder "Jammerdepression"), dass 

hier eine quantifizierende Aufteilung möglich erschiene." (IV-act. 257-47). Die 

Beschwerdeführerin habe sich nicht in der Lage gesehen, Testfragebögen, darunter 

auch Beschwerdevalidierungsbögen, in einer verwertbaren Form auszufüllen. Bei einer 

ausgeprägten agitierten Depression würden Fragebögen zur Beschwerdevalidierung für 

die differentialdiagnostische Einschätzung auch nicht helfen, da der an einer 

krankheitswertigen Störung bzw. agitierten Depression erkrankte Mensch oft zu 

katastrophierendem Denken neige und entsprechende Selbsteinschätzungsfragebögen 

ebenso ausfüllen würde. Hiermit wäre also kein differentialdiagnostisches Mittel 

gefunden, das hier eine Differenzierung möglich erscheinen liesse (IV-act. 257-37 und 

IV-act. 257-47 f.). Die Frage der Beschwerdegegnerin nach einem 

"Täuschungsverhalten" sei keine medizinische Fragestellung. Sofern damit ein 

Beschwerdeverdeutlichungsverhalten angesprochen werde, werde auf die 

entsprechenden Ausführungen verwiesen (IV-act. 257-49). Die Beschwerdegegnerin 

stellte weiter die Ergänzungsfrage, ob sich aufgrund der Aktenlage (insbesondere der 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 27/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Erkenntnisse aus der Observation, Befragungsprotokolle etc.) Aspekte ergeben 

würden, die frühere medizinische Einschätzungen und Beurteilungen als unrichtig 

erscheinen liessen, was Dr. I.___ ausdrücklich verneinte. Im Wesentlichen seien auch 

die hiesigen Erkenntnisse bereits in der Vergangenheit so oder in ähnlicher Form 

mitgeteilt worden. Schon relativ früh sei der Eindruck eines erheblichen 

Beschwerdeverdeutlichungsverhaltens entstanden und die Diagnosen einer schweren 

depressiven Episode gestellt worden, sodass beide auch in seinem Gutachten 

diskutierten Aspekte schon langjährig in den entsprechenden fachärztlichen 

Einschätzungen dokumentiert worden seien (IV-act. 257-50). Eine prognostische 

Einschätzung sei nicht möglich. Es handle sich um ein Syndrom bestehend aus 

vermutlich genuinen depressiven Symptomen und einem "Leidensgefühl", das 

krankheitswertige Ausmasse erlangt habe. Die problematischen Verhaltensweisen, die 

zum Teil bizarre Ausmasse annehmen würden, sollten nicht vorschnell als Simulation 

eingeschätzt werden, da sie ein Aspekt des Leidensausdrucks der Beschwerdeführerin 

seien, die sich in der Tat offenbar in keiner Weise zu helfen wisse (IV-act. 257-52).

7.4. Den obenerwähnten Auszügen aus dem Gutachten sowie den Antworten auf die 

Ergänzungsfragen ist zu entnehmen, dass Dr. I.___, obschon er mehrfach explizit 

danach gefragt worden war, eben gerade kein Vorliegen einer Aggravation oder gar 

Simulation bestätigt hat. Er hat im Gegenteil davor gewarnt, vorschnell eine Simulation 

anzunehmen. Ein "Täuschungsverhalten" hat er nicht bestätigt, sondern lediglich ein 

Verdeutlichungsverhalten beschrieben. Dass es grundsätzlich möglich ist, die 

dargestellten Beschwerden vorzuspielen, reicht nicht aus, eine Simulation 

anzunehmen. Die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Verhaltens müssten zweifellos 

überschritten sein, ohne dass dieses Verhalten auf eine verselbständigte, 

krankheitswerte psychische Störung zurückzuführen wäre. Vorliegend äusserte 

Dr. I.___ jedoch gerade, dass das Leidensgefühl der Beschwerdeführerin sich 

verselbständigt habe, nicht (mehr) durch eine zumutbare Willensanstrengung 

überwindbar sei, und dass ihm Krankheitswert zukomme. Auch wenn die Angaben der 

Beschwerdeführerin wenig strukturiert waren sowie demonstrativ vorgetragen wirkten, 

kam der erfahrene Gutachter somit zum Schluss, dass bei der Beschwerdeführerin ein 

erheblicher krankheitswerter Leidensdruck vorhanden sei. In diesem Ausmass 

erachtete er die Äusserungen der Beschwerdeführerin mithin als glaubwürdig. In 

diesem Zusammenhang sei angemerkt, dass vor Dr. I.___ schon Dr. E.___ schilderte, 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 28/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

die Beschwerdeführerin habe eine Neigung zur Dramatisierung, wodurch die 

Glaubwürdigkeit der Schmerzen vage bleibe, wegen des langjährigen Verlaufs aber 

überwiegend wahrscheinlich sei (IV-act. 143-28).

7.5. Die Beschwerdegegnerin macht geltend, die Beschwerdeführerin habe 

Mitwirkungspflichten verletzt, was sich nicht zu ihren Gunsten auswirken dürfe. Die 

Bereitschaft der Beschwerdeführerin zur Mitwirkung hat während des langjährigen 

Verfahrens immer wieder zu Diskussionen zwischen den Parteien Anlass gegeben. So 

hatte das Versicherungsgericht schon im Jahr 2016 über die Mitwirkung der 

Beschwerdeführerin befinden müssen und entschieden, dass keine für das damalige 

Beschwerdeverfahren relevante Verletzung der Mitwirkungspflicht vorlag (vgl. IV-

act. 197 ff. und IV-act. 229). Angesichts dessen ist darauf hinzuweisen, dass für die 

Frage, ob das Gutachten beweiskräftig ist oder aufgrund einer allfälligen Verletzung der 

Mitwirkungspflicht eine von der Beschwerdeführerin verschuldete Beweislosigkeit 

anzunehmen ist, nur auf das Verhalten der Beschwerdeführerin anlässlich der 

Begutachtungen abgestellt werden darf. Die Streitigkeiten zwischen den Parteien 

namentlich über die Führung des Verfahrens und die von der Beschwerdegegnerin 

teilweise als mangelhaft angesehene Kooperationsbereitschaft der Beschwerdeführerin 

in dessen Verlauf dürfen nicht zu einer Beweislastumkehr in dem Sinne führen, dass 

eine mangelnde Mitwirkung vermutet würde und die Beschwerdeführerin nachweisen 

müsste, dass sie ihren Pflichten nachgekommen ist.

7.6. Dr. I.___ hielt nicht fest, die Beschwerdeführerin habe seine Abklärungen 

verunmöglicht. Er schrieb vielmehr, die Beschwerdeführerin sei offenbar nicht in der 

Lage gewesen, Fragebögen konsistent bzw. in einer verwertbaren Form auszufüllen. 

Daraus ist e contrario zu schliessen, dass die Beschwerdeführerin die Fragebogen 

bearbeitet hat. Wären diese für die Beschwerdevalidierung entscheidend gewesen, 

hätte der Gutachter diesbezüglich weitere Abklärungen treffen müssen um 

festzustellen, ob die Beschwerdeführerin tatsächlich nicht fähig war, die Fragen 

adäquat zu beantworten oder um die erforderlichen Antworten doch noch zu erhalten. 

Indes erklärte Dr. I.___ in seinem Gutachten nachvollziehbar, dass das Ausfüllen-

Lassen der Fragebögen angesichts der gegebenen agitierten Depression für die 

differentialdiagnostische Einschätzung nicht hilfreich gewesen wäre (IV-act. 257-37 und 

IV-act. 257-47 f.). Auch aus korrekt ausgefüllten Fragebögen hätte somit kein 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 29/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

zusätzlicher Erkenntnisgewinn resultiert. In diesem Zusammenhang ist auf den 

Austrittsbericht der Klinik O.___ über den Aufenthalt der Beschwerdeführerin vom 2. bis 

22. August 2017 hinzuweisen. In dessen Anhang wird erwähnt, dass bei Eintritt der 

Beschwerdeführerin keine Daten erhoben werden konnten und bei ihrem Austritt die 

Daten zum Beck Depressions-Inventar auf eine schwere Ausprägung der depressiven 

Symptomatik hinwiesen (IV-act 257-113). Die Ausführungen des psychiatrischen 

Gutachters finden sich somit in den Vorakten bestätigt. Selbst wenn die 

Beschwerdeführerin also die Fragebögen in verwertbarer Form ausgefüllt hätte, wäre 

das Gutachten im Ergebnis nicht anders ausgefallen.

7.7. Die Beschwerdegegnerin hält der Beschwerdeführerin vor, sie habe bei der 

Abklärung psychosozialer Belastungsfaktoren nicht mitgewirkt. Auch in diesem 

Zusammenhang hielt Dr. I.___ indes keine mangelnde Mitwirkungsbereitschaft fest, 

sondern sprach davon, die Beschwerdeführerin habe keine Auskunft geben können 

oder mögen. Da der Gutachter die Möglichkeit in Betracht zieht, dass die 

Beschwerdeführerin nicht in der Lage war, Angaben zu machen, lässt sich daraus keine 

überwiegende Wahrscheinlichkeit für mangelnde Kooperation ableiten. Es ist sodann 

nicht ersichtlich, inwiefern IV-fremde Faktoren vorliegend Einfluss auf die 

Arbeitsfähigkeit haben sollten, zumal keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, die 

Depression und das Leidensgefühl der Beschwerdeführerin sowie ihr Schmerzerleben 

würden nebst den somatischen Gesundheitsbeeinträchtigungen und dem vollständig 

auf organische Schmerzen konzentrierten Krankheitskonzept der Beschwerdeführerin 

von IV-fremden Faktoren negativ beeinflusst. Dr. I.___ erwähnte namentlich weder die 

finanzielle oder familiäre Situation der Beschwerdeführerin noch ihre Bildung, ihr Alter 

oder ihre Sprachkenntnisse im Zusammenhang mit seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung. 

Die lange Abwesenheit vom Arbeitsmarkt erwähnte er nur insofern, als er äusserte, der 

Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin lasse ohnehin nur eine problembehaftete 

Wiedereingliederung erwarten. Sicher führe eine liberale Pausengestaltung, verbunden 

mit einer stringenten Förderung durch einen Coach und weiterhin engmaschiger 

psychiatrischer Behandlung am ehesten zur Wiederherstellung einer Arbeitsfähigkeit. 

Auch in einer optimal leidensadaptierten Tätigkeit werde die Arbeitsunfähigkeit 50 % 

betragen (IV-act. 257-45). Daraus wird deutlich, dass Dr. I.___ psychosoziale 

Belastungsfaktoren bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit tatsächlich aussenvor 

gelassen hat. Dass die Beschwerdeführerin ihre Beschwerden verdeutlicht, wurde vom 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 30/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Gutachter bereits berücksichtigt, indem dieser entgegen der subjektiven 

Selbstwahrnehmung der Beschwerdeführerin und ihres bizarren Verhaltens eine 

Arbeitsfähigkeit von 50 % attestierte.

7.8. Nicht nur Dr. I.___ geht von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % aus. Nebst der 

behandelnden Fachärztin und dem Hausarzt haben auch die beiden früheren 

Fachbegutachtenden Dr. D.___ und Dr. E.___ eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % oder 

mehr attestiert. Seit dem Jahr 2008 hat die Beschwerdeführerin verschiedene 

fachärztliche sowie stationäre Behandlungen in Anspruch genommen. Ausserdem hat 

eine Observation stattgefunden. In den daraus resultierenden Berichten finden sich 

keine Anhaltspunkte, welche an der Korrektheit der letzten fachärztlichen Einschätzung 

ernstliche Zweifel zu wecken vermögen. Dabei ist zu betonen, dass die 

Beschwerdeführerin gemäss Dr. I.___ in einer adaptierten Tätigkeit tatsächlich 50 % 

arbeitsfähig ist, sodass die im Rahmen der Observation festgestellten Aktivitäten von 

relativ geringer Intensität keinen Anlass zu einer anderen Einschätzung geben. 

Erhebliche Diskrepanzen zwischen den geschilderten Leiden und dem gezeigten 

Verhalten sind nicht dokumentiert.

7.9. Die Beschwerdegegnerin macht geltend, die Beschwerdeführerin habe anlässlich 

der Begutachtung durch Dr. J.___ ein weit weniger auffälliges Verhalten gezeigt und 

leitet daraus ab, dass die Beschwerdeführerin ihre Beschwerden lediglich vorspiele. 

Dieser Argumentation kann indes nicht gefolgt werden. Einerseits standen bei jener 

Begutachtung die organischen Ursachen der Beschwerden im Vordergrund, sodass die 

Beschwerdeführerin dementsprechend weniger Anlass hatte, über ihre allgemeine 

Situation zu klagen und ihre Gefühle kundzutun. Andererseits finden sich auch im 

Gutachten Dr. J.___s Hinweise auf das theatralisch anmutende Verhalten der 

Beschwerdeführerin. So beschrieb dieser ein "doch sehr auffällige[s] Schmerzverhalten 

im Sinne einer ausgeprägten Schmerzmimik und starken Schmerzäusserungen" und 

ein erhebliches, auffälliges Schmerzverhalten (IV-act. 257-83). Wäre das Verhalten der 

Beschwerdeführerin anlässlich der somatischen Begutachtung nicht mit jenem 

anlässlich der psychiatrischen Begutachtung vereinbar gewesen, so hätten die 

Gutachter dies in ihrer Konsensbeurteilung festgehalten und gewürdigt, zumal die 

Ergänzungsfragen der Beschwerdegegnerin eine ausführliche Auseinandersetzung mit 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 31/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

der Glaubwürdigkeit der Beschwerdeschilderung der Beschwerdeführerin erforderlich 

gemacht hatten.

7.10. Zusammenfassend ist ein über eine blosse Verdeutlichung hinausgehendes 

aggravatorisches oder gar simulierendes Verhalten der Beschwerdeführerin nicht 

nachgewiesen, ja nicht einmal überwiegend wahrscheinlich, sondern lediglich möglich. 

Die blosse Möglichkeit einer Aggravation oder Simulation führt nicht zum Ausschluss 

eines IV-relevanten Gesundheitsschadens. Es liegt somit keine Beweislosigkeit vor, 

welche zu Lasten der Beschwerdeführerin ginge (vgl. E. 7.2 vorstehend). Nachdem sich 

der Gutachter einlässlich und abschliessend zu diesem Thema geäussert und eine 

Arbeitsfähigkeitsschätzung sowohl für den Zeitpunkt der Begutachtung als auch 

retrospektiv vorgenommen hat, besteht kein Raum, von dessen Beurteilung 

abzuweichen. Nach dem Gesagten ist deshalb auf die Einschätzung Dr. I.___s in 

seinem einlässlichen und sorgfältig erstellten Gutachten vom 26. April 2018 abzustellen 

und es ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin in psychiatrischer Hinsicht seit 

dem Jahr 2008 durchgehend zu 50 % arbeitsunfähig ist.

7.11. In der Konsensbeurteilung führen die Gutachter aus, die attestierte 

Arbeitsfähigkeit könne nur mit Unterstützung umgesetzt werden und schlagen dafür 

anfangs einen geschützten Rahmen vor. Im psychiatrischen Teilgutachten wird die 

medizinisch-theoretisch festgelegte Arbeitsfähigkeit von 50% nicht lediglich für den 

geschützten Rahmen als zumutbar erachtet. Insofern ist der in der Konsensbeurteilung 

vorgesehene geschützte Rahmen nicht als medizinisch nötiges Adaptionskriterium zu 

verstehen, sondern als Hinweis der Gutachter für die rein praktisch wohl 

anforderungsreiche Umsetzung der attestierten Arbeitsfähigkeit (vgl. auch Urteil des 

Bundesgerichts vom 17. Februar 2021, 8C_783/2020, E. 7.3.1, wonach es nicht 

Aufgabe der Arztperson ist, sich zu den erwerblichen Auswirkungen der 

gesundheitlichen Beeinträchtigungen, namentlich zur Integration in den ersten 

Arbeitsmarkt, zu äussern).

7.12. Zum Beginn der Arbeitsunfähigkeit hat sich Dr. I.___ nicht im Detail geäussert. 

Dr. D.___ ging davon aus, dass die psychische Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit 

seit dem Frühjahr 2008 bestand (IV-act. 52-9). Sie trat jedenfalls nicht vor Januar 2008 

ein; die Beschwerdeführerin wurde bis zum 10. Januar 2008 stationär in der Reha Klinik 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 32/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Bellikon behandelt und die depressive Symptomatik – damals noch im Sinne einer 

Anpassungsstörung gewertet – remittierte unter Antidepressiva nahezu vollständig (vgl. 

Suva-act. 4-1 und 4-3). Danach verschlechterte sich der psychische 

Gesundheitszustand erheblich. Als Folge davon nahm die Beschwerdeführerin am 

22. August 2008 die Behandlung bei Dr. B.___ auf (Suva-act. 7-15). Es leuchtet daher 

ein, dass die Arbeitsunfähigkeit wie von Dr. D.___ ausgeführt ab Frühjahr, mithin ab 

Ende März/Anfang April 2008, (mindestens) 50 % betrug. Ab 1. April 2008 war die 

Beschwerdeführerin mithin zu mehr als 40 % erwerbsunfähig. Zu diesem Zeitpunkt 

waren das Wartejahr und die Karenzfrist bereits abgelaufen (vgl. E. 3 vorstehend). 

Dr. I.___ geht von einem chronischen, nur in geringem Umfang fluktuierenden Verlauf 

aus (IV-act. 257-50). Demnach ist der nachstehend noch genauer zu bestimmende 

Rentenanspruch der Beschwerdeführerin am 1. April 2008 entstanden und besteht im 

gleichen Umfang bis auf Weiteres fort.

8.

8.1. Zwischen den Parteien besteht Uneinigkeit betreffend die Höhe des 

Invaliditätsgrades.

8.2. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die 

versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der 

medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr 

zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte 

(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen 

könnte, wenn sie gesund geblieben wäre (Valideneinkommen; sogenannte allgemeine 

Methode der Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG). Für den 

Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des Beginns des 

Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invalideneinkommen auf 

zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige rentenwirksame Änderungen der 

Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 129 V 

222 E. 4.1 f. mit Hinweisen).

8.3. Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die 

beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 33/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der 

Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen 

ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im 

Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte 

miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht 

unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annäherungswerten bestehen. 

Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne 

Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100 % zu 

bewerten, während das Invalideneinkommen auf einen entsprechend kleineren 

Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der 

Invaliditätsgrad ergibt (sogenannter Prozentvergleich). Der Prozentvergleich bietet sich 

somit namentlich an, wenn Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen 

Tabellenlohn zu berechnen sind. Deren genaue Ermittlung erübrigt sich: Der 

Invaliditätsgrad entspricht dem Grad der Arbeitsunfähigkeit, dies unter 

Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts 

vom 23. Mai 2019, 9C_851/2018, E. 5.1 mit Hinweisen).

8.4. Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, wird nach der gesetzlichen 

Anordnung von Art. 28a Abs. 3 IVG für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG 

festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so bemisst sich die 

Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG. In diesem Fall sind der Anteil der 

Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der 

Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (sogenannte gemischte Methode; 

vgl. zur konkreten Berechnung für den Zeitraum vor und nach dem 1. Januar 2018 

Entscheid des Bundesgerichts vom 20. Januar 2020, 9C_690/2019, E. 4.2 mit 

Hinweisen sowie BGE 137 V 334).

8.5. Vorliegend ist in erster Linie streitig, ob bei der Beschwerdeführerin die gemischte 

oder die allgemeine Methode zur Anwendung kommt. Die M.___ AG hat gegenüber der 

Beschwerdegegnerin am 14. Februar 2007 angegeben, die Beschwerdeführerin arbeite 

wöchentlich 37.5 Stunden (wobei die normale Arbeitszeit 41.25 Stunden betrage, IV-

act. 8-2). Daraus hat die Beschwerdegegnerin auf eine Teilzeitbeschäftigung von 90 % 

geschlossen (vgl. etwa IV-act. 278-5). Aus dem Arbeitsvertrag geht jedoch nicht hervor, 

dass es sich um eine Teilzeitbeschäftigung handelte (IV-act. 86-3). Die Arbeitgeberin 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 34/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

hatte in der Unfallmeldung vom 27. Mai 2005 vielmehr einen Beschäftigungsgrad von 

100 % notiert und die Arbeitszeit der Beschwerdeführerin mit 41.25 Wochenstunden, 

also der üblichen betrieblichen Wochenarbeitszeit angegeben (Suva-act. 1-113). Nach 

dem Unfallereignis wurde zwischen den Beteiligten offenbar die Steigerung der 

Arbeitsfähigkeit auf 100 % vereinbart (vgl. entsprechende Angaben in der 

Arbeitsanamnese im psychiatrischen Gutachten von Dr. E.___ vom 9. September 2014, 

IV-act. 143-16). Die Beschwerdeführerin war im Übrigen bereits früher, namentlich 

auch nach der Geburt ihres jüngsten Kindes, in hohen Teilzeitpensen erwerbstätig (vgl. 

Suva-act. 11-3, IV-act. 7-2 und IV-act. 52-4 i.V.m. IV-act. 16). Zum Unfallzeitpunkt 

2005 war ihr jüngstes Kind __ Jahre alt. Dennoch arbeitete die Beschwerdeführerin 

damals bereits 100 %. Es ist deshalb davon auszugehen, dass sie im Gesundheitsfall 

weiterhin im Vollzeitpensum hätte arbeiten wollen und können. Die Beschwerdeführerin 

ist somit als Vollerwerbstätige anzusehen, weshalb die Invaliditätsbemessung nach der 

allgemeinen Methode zu erfolgen hat.

8.6. Bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist zu beachten, dass das 

Unfallereignis vom 2. Februar 2005 nur wenige Monate nach Stellenantritt eingetreten 

ist (vgl. IV-act. 86-3). Das Arbeitsverhältnis war demnach, wie die Beschwerdegegnerin 

in der Beschwerdeantwort (act. G7) richtig anmerkt, nicht gefestigt.

8.7. Soweit die Beschwerdegegnerin ausführt, die Beschwerdeführerin habe in der 

Vergangenheit tiefe Einkünfte erzielt, kann daraus nicht ohne Weiteres abgeleitet 

werden, dass sie in Zukunft unterdurchschnittlich verdient hätte. In den Akten finden 

sich keine Hinweise darauf, dass die Beschwerdeführerin sich freiwillig mit einem tiefen 

Gehalt abgefunden hätte. Vor Antritt ihrer letzten Stelle war die Beschwerdeführerin 

arbeitslos gewesen (vgl. IV-act. 7-1). Ihre jüngste Tochter bedurfte noch der Betreuung. 

Sie musste daher eine Stelle antreten, die mit ihren familiären Pflichten in Einklang zu 

bringen war und ihr auf dem aktuellen Arbeitsmarkt angeboten wurde. Im 

Gesundheitsfall hätte sie ihre Einkommenssituation durch die Suche einer besser 

bezahlten Stelle aus dem laufenden Arbeitsverhältnis heraus verbessern können. Ihre 

Tochter wäre mit zunehmendem Alter und namentlich mit Übertritt in die Oberstufe 

immer weniger auf Betreuung angewiesen gewesen, sodass die Beschwerdeführerin 

auch bezüglich Arbeitszeiten und Arbeitsweg flexibler geworden wäre und so bessere 

Chancen auf dem Arbeitsmarkt gehabt hätte. Statt auf das zuletzt erzielte, nicht 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 35/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

aussagekräftige tatsächlich generierte Einkommen ist deshalb für das 

Valideneinkommen auf Tabellenwerte (Tabelle TA1 2008, total alle Wirtschaftszweige, 

Kompetenzniveau 1, Frauen, der vom Bundesamt für Statistik periodisch 

herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung [LSE]) abzustellen.

8.8. Die Beschwerdeführerin ist nicht erwerbstätig. Demnach sind auch für das 

Invalideneinkommen keine konkreten Zahlen verfügbar, sodass die Tabellenwerte der 

LSE herangezogen werden müssen. Da sowohl das Validen- als auch das 

Invalideneinkommen auf Hilfsarbeiterinenniveau angesiedelt und gestützt auf die LSE 

zu bestimmen sind, kann ein Prozentvergleich erfolgen. Demnach entspricht der 

Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines 

allfälligen Tabellenlohnabzugs.

9.

9.1. Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich 

beeinträchtigte Personen im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend 

einsetzbaren arbeitnehmenden Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb 

mit unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. In BGE 126 V 75 hat das 

Bundesgericht festgestellt, dass es von sämtlichen persönlichen und beruflichen 

Umständen des konkreten Einzelfalls (leidensbedingte Einschränkung, Alter, 

Dienstjahre, Nationalität, Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad) abhängt, ob 

und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind. Bereits in der Beurteilung 

der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen dürfen 

nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu 

einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen. Der Einfluss sämtlicher 

Merkmale auf das Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen 

gesamthaft zu schätzen. Der Abzug ist auf höchstens 25 % begrenzt (Urteil des 

Bundesgerichts vom 20. April 2018, 9C_833/2017, E. 2.2; BGE 134 V 327 E. 5.2).

9.2. In ihrer Berechnung aus dem Jahr 2007 (bei welcher sie den 13. Monatslohn der 

Beschwerdeführerin nicht berücksichtigte; vgl. zur Tatsache, dass der 

Beschwerdeführerin ein 13. Monatslohn geschuldet war, IV-act. 86-3 f. und 86-7) hat 

die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin noch einen Tabellenlohnabzug von 

https://swisslex.westlaw.com/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx126xVx75_82&AnchorTarget=BGEx126xVx75

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 36/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

10 % gewährt (IV-act. 27), während sie ab dem Jahr 2009 keinen Tabellenlohnabzug 

mehr berücksichtigte. Damals hatte sie indes gestützt auf die frühere Rechtsprechung 

zu somatoformen Schmerzstörungen eine Invalidität generell verneint (vgl. IV-act. 59 

und 61), sodass mangels Invalidität auch nicht über einen Tabellenlohnabzug zu 

befinden war. In den vorliegend angefochtenen Verfügungen orientierte sich die 

Beschwerdegegnerin für ihre Berechnung des Invaliditätsgrades offenbar am 

Feststellungsblatt aus dem Jahr 2009 und gewährte keinen Tabellenlohnabzug (vgl. IV-

act. 278-5). In der Beschwerdeantwort macht sie geltend, ein Tabellenlohnabzug wäre 

höchstens dann geschuldet, wenn eine erhebliche psychische Erkrankung 

angenommen werde (act. G7). Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin ist 

vorliegend nicht nur von einer physischen, sondern auch von einer solchermassen 

erheblichen psychischen Einschränkung auszugehen (vgl. die vorstehenden 

Erwägungen).

9.3. Eine den organischen Leiden der Beschwerdeführerin angepasste Tätigkeit muss 

vorwiegend sitzend sein mit der Möglichkeit, regelmässig kurz aufzustehen, mit nur 

kurzen gelegentlichen Gehstrecke, ohne kniende, kauernde oder gebückte Arbeiten, 

ohne häufiges Heben oder Tragen von Lasten über 5 kg, ohne länger dauernde 

Zwangshaltungen im Sitzen mit Haltungskonstanz des Kopfes insbesondere in 

vorgeneigter Stellung und ohne repetitive grob-motorische Belastungen der Hände. 

Auch in einer solchermassen adaptierten Tätigkeit ist aufgrund der multilokulären 

degenerativen Veränderungen aus rein somatischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 

"maximal 50 % medizinisch-theoretisch" gegeben (IV-act. 257-89). Aus psychiatrischer 

Perspektive ist eine liberale Pausengestaltung notwendig (IV-act. 257-46). Zudem 

werde die Beschwerdeführerin für den beruflichen Wiedereinstieg nicht nur weiterhin 

regelmässige psychiatrische Behandlung benötigen, sondern auch eine engmaschige 

Betreuung durch ein Arbeitscoaching.

9.4. Im Bereich der Hilfsarbeiten berücksichtigt das Bundesgericht invaliditätsfremde 

Gründe wie Alter, fehlende Schulbildung oder fehlende Dienstjahre kaum als 

Abzugsgründe, weil solche Arbeiten gemäss der höchstrichterlichen Rechtsprechung 

unabhängig von diesen Persönlichkeitsmerkmalen auf dem ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt nachgefragt werden (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts vom 31. Januar 

2019, 9C_439/2018, E. 4.3.2 mit Hinweisen). Bei der Beschwerdeführerin bestehen 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 37/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

zwar invaliditätsfremde Gründe für eine erschwerte Reintegration in den 

Arbeitsprozess, namentlich geringe Bildung, fehlende Berufsbildung, bescheidene 

Sprachkenntnisse und eine lange Abwesenheit vom Arbeitsmarkt bei inzwischen 

einigermassen fortgeschrittenem Alter. Dafür kann allerdings mit Blick auf die 

Rechtsprechung des Bundesgerichts kein Tabellenlohnabzug erfolgen. Daneben 

bestehen aber – wie in E. 9.3 vorstehend aufgezählt – erhebliche Einschränkungen 

aufgrund des Krankheitsbildes der Beschwerdeführerin. Diese ist nicht nur hinsichtlich 

der Auswahl an Stellen durch die Kombination von körperlichen und psychischen 

Leiden auch auf dem hypothetisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt erheblich 

eingeschränkt, sondern wird in einer konkreten Anstellung sowohl aufgrund ihrer 

physischen Einschränkungen als auch aufgrund ihres psychischen Beschwerdebildes 

wenig anpassungsfähig sein. Sie ist dementsprechend auf viel Wohlwollen seitens 

allfälliger Mitarbeiter und Vorgesetzten angewiesen, was durch ihr krankheitsbedingt 

dramatisierendes, theatralisches und teilweise bizarr wirkendes Auftreten erschwert 

wird. Die Beschwerdeführerin wird zudem eine lange und intensiv betreute 

Einarbeitungsphase benötigen, auch danach engmaschig begleitet werden müssen 

und mit grosser Wahrscheinlichkeit unvorhersehbar schwankende Leistungen 

erbringen. Dr. J.___ und Dr. I.___ sprechen von einer medizinisch-theoretischen bzw. 

maximalen Arbeitsfähigkeit von 50 %. Sie beziehen sich also auf einen Optimalfall, der 

nur durch einen kleinschrittigen Wiedereinstieg und Aufbau des Arbeitspensums 

mithilfe eines Arbeitscoachings bei fortgeführter therapeutischer Begleitung erreicht 

werden kann und bei welchem alle Beteiligten, namentlich Vorgesetzte und Mitarbeiter, 

auf die Beschwerdeführerin Rücksicht nehmen und viel Verständnis aufbringen 

müssen. Aus der Sicht eines ökonomisch denkenden Arbeitgebers senken diese 

Risiken, deren Verwirklichung die Gesamtlohnkosten des Betriebes erhöhen, den 

"Wert" der Beschwerdeführerin als Arbeitnehmerin. Um dies zu kompensieren und 

konkurrenzfähig zu bleiben, muss die Beschwerdeführerin mit einem erheblich tieferen 

Einkommen rechnen als eine gesunde Person im Rahmen einer Hilfstätigkeit (vgl. Urteil 

des Bundesgerichts vom 9. Dezember 2009, 9C_68/2009, E. 3.3). Es ist deshalb ein 

Abzug von 10 % vom Tabellenlohn vorzunehmen. Der Invaliditätsgrad der 

Beschwerdeführerin beträgt somit 55 % (100 % - [50 % x 0.9]).

10.

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 38/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

10.1. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde dahingehend gutzuheissen, dass die 

Verfügungen vom 27. Februar 2019 und vom 15. April 2019 aufzuheben sind und der 

Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. April 2008 eine halbe Rente zuzusprechen ist. 

Zur Berechnung der Rente sowie zur neuen Verfügung ist die Sache an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

10.2. Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 

1‘000.00 festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Im vorliegenden Entscheid sind zwei separat 

erhobene Beschwerden gemeinsam beurteilt worden (vgl. E. 1.1 vorstehend), wobei 

beiden angefochtenen Verfügungen der gleiche Streitgegenstand zugrunde lag. 

Zwischen der Beantragung von Leistungen der Invalidenversicherung und der 

Einreichung der vorliegend zu beurteilenden Beschwerde sind rund zwölf Jahre 

vergangen, während denen vielfältige Abklärungen erfolgten und mehrere 

Gerichtsverfahren durchgeführt wurden. Es lagen dementsprechend umfangreiche 

Vorakten, namentlich mehrere medizinische Gutachten, im Recht. Der Sachverhalt war 

dementsprechend komplex und es waren verschiedene Rechtsfragen zu beurteilen. Die 

Gerichtsgebühr wird deshalb auf Fr. 1'000.-- für die vereinigten Verfahren festgelegt. 

Die Beschwerdeführerin obsiegt zum grössten Teil. Zwar hat sie einen früheren Beginn 

der Rentenleistungen (ab 2006, act. G1) beantragt und in der Replik einen 

Eventualantrag auf eine ganze Rente gestellt (act. G12). Angesichts dessen, dass es 

sich beim Antrag auf eine ganze Rente lediglich um einen Eventualantrag handelte und 

ihr (Haupt-)Antrag auf eine halbe Rente ab 1. April 2008 gutgeheissen wird, während 

die Beschwerdegegnerin den Rentenbeginn auf den 1. Juli 2017 festgesetzt hatte, 

unterliegt die Beschwerdeführerin in so geringem Ausmass, dass die Gerichtsgebühr 

vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen ist. Der geleistete 

Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.

10.3. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei 

Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom 

Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der 

Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In 

der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach 

Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1‘500.-- bis 

bis

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 39/39

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fr. 15‘000.--. Eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inkl. Barauslagen 

und Mehrwertsteuer) erscheint angemessen.

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde werden die Verfügungen vom 27. Februar 

2019 und vom 15. April 2019 aufgehoben und der Beschwerdeführerin wird mit 

Wirkung ab 1. April 2008 eine halbe Rente zugesprochen. Zur Berechnung und 

Auszahlung der Rentenleistungen wird die Sache an die Beschwerdegegnerin 

zurückgewiesen.

2.

Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von Fr. 1'000.-- zu bezahlen. Der 

geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin 

zurückerstattet.

3.

Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von 

Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 26.04.2021
	Art. 28 ff. IVG, Art. 27bis IVV und Art. 61 ATSG; Die blosse Möglichkeit einer Aggravation oder Simulation führt nicht dazu, dass der medizinische Sachverhalt unbewiesen bleibt. Haben sich die Gutachter ausführlich mit der Möglichkeit einer Simulation auseinandergesetzt und kommen zum Ergebnis, dass das gezeigte Verhalten krankheitsbedingt ist und Krankheitswert hat, so ist auf das gut begründete, nachvollziehbare Gutachten abzustellen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 26. April 2021, IV 2019/78 und IV 2019/120).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2024-05-26T22:59:09+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen