# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 10570908-3913-555c-899c-e2641d8d7d35
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-02-02
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Zivilkammern 02.02.2023 ZSU.2022.123
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_001_ZSU-2022-123_2023-02-02.pdf

## Full Text

Obergericht 

Zivilgericht, 4. Kammer 

 

 

ZSU.2022.123 
(OF.2021.14)  

Art. 17 

 

Entscheid vom 2. Februar 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Richli, Präsident  

Oberrichter Egloff  

Oberrichterin Massari 

Gerichtsschreiber Sulser 

 

 
   

Gesuchstellerin   A.B._____,  

[…]   

vertreten durch C._____, Rechtsanwalt, […]    

 

     

 
 

Gegenstand  unentgeltliche Rechtspflege 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

A.B. (nachfolgend: Gesuchstellerin) reichte mit Eingabe vom 28. Januar 

2021 beim Bezirksgericht Bremgarten im Rahmen eines Scheidungsver-

fahrens gegen D.B. (nachfolgend: Beklagter) (OF.2021.14) ein Gesuch um 

Verpflichtung des Beklagten auf Leistung eines Prozesskostenvorschus-

ses, eventualiter um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, ein. 

Das Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege wurde vom 

Präsidenten des Bezirksgerichts Bremgarten mit Verfügung vom 15. April 

2021 abgewiesen. Die dagegen erhobene Beschwerde beim Obergericht 

des Kantons Aargau wurde mit Entscheid vom 2. August 2021 

(ZSU.2021.85) abgewiesen. 

 

2. 

2.1. 

Mit Eingabe vom 22. April 2022 reichte die Gesuchstellerin beim Bezirks-

gericht Bremgarten erneut ein Gesuch ein und stellte folgende Rechtsbe-

gehren: 

 

" 1. 
Der Klägerin/Beklagten als Gesuchstellerin sei in den Verfahren 
OF.2021.14 und SF.2021.15 die ungeteilte unentgeltliche Rechtspflege zu 
bewilligen und der Unterzeichnete sei zu deren unentgeltlichen Rechtsver-
treter zu ernennen. 
 
2. 
Eventualiter sei der Beklagte/Kläger als Gesuchsgegner zu verpflichten, 
der Klägerin/Beklagten einen Prozesskostenvorschuss in Höhe von 
CHF 15'000.00 zu bezahlen, befreiend zahlbar auf […]." 

 

2.2. 

Der Präsident des Bezirksgerichts Bremgarten wies das Gesuch mit Verfü-

gung vom 5. Mai 2022 ab. Gleichentags trat der Präsident des Bezirksge-

richts Bremgarten auf ein Gesuch des Beklagten auf Gewährung der un-

entgeltlichen Rechtspflege nicht ein. 

 

3. 

3.1. 

Die Gesuchstellerin erhob mit Eingabe vom 30. Mai 2022 Beschwerde bei 

der 4. Zivilkammer des Obergerichts des Kantons Aargau und stellte nach-

folgende Rechtsbegehren: 

 

" 1. 
In Gutheissung der Beschwerde sei die angefochtene Verfügung des Be-
zirksgerichts Bremgarten, Familiengerichtspräsidium, vom 5. Mai 2022 
aufzuheben, und der Gesuchstellerin und Beschwerdeführerin sei in voll-
umfänglicher Gutheissung ihres Gesuchs vom 22. April 2022 die uneinge-
schränkte unentgeltliche Rechtspflege für deren Ehescheidungsverfahren 

 - 3 - 

 

 

 

OF.2021.14 und damit auch die unentgeltliche Rechtsverbeiständung 
durch den Unterzeichneten zu bewilligen. 
 
2. 
Der Gesuchstellerin und Beschwerdeführerin sei (auch) für das mit der vor-
liegenden Beschwerde ausgelöste zweitinstanzliche Verfahren die unent-
geltliche Rechtspflege zu bewilligen, und der Unterzeichnete zu deren un-
entgeltlichen Rechtsvertreter zu ernennen. 
 
3. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen." 

 

3.2. 

Die Vorinstanz liess sich nicht vernehmen. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Wird die unentgeltliche Rechtspflege ganz oder teilweise abgelehnt oder 

entzogen, so kann der Entscheid mit Beschwerde angefochten werden 

(Art. 121 ZPO). 

 

1.2. 

Die Beschwerde ist schriftlich und begründet einzureichen (Art. 321 Abs. 1 

ZPO). In der Beschwerdebegründung ist darzulegen, worauf der Beschwer-

deführer seine Legitimation stützt, inwieweit er beschwert ist, auf welchen 

Beschwerdegrund er sich beruft und an welchen Mängeln der angefoch-

tene Entscheid leidet. Insofern besteht im Beschwerdeverfahren eine Rü-

gepflicht (BGE 138 III 374 E. 4.3.1 analog; Urteil des Bundesgerichts 

5A_488/2015 vom 21. August 2015 E. 3.2.1; FREIBURGHAUS/AFHELDT, in: 

Sutter-Somm/ Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweize-

rischen Zivilprozessordnung [ZPO], 3. Aufl. 2016 [SK ZPO], N. 14 f. zu 

Art. 321 ZPO). Bei der Begründung handelt es sich um eine gesetzliche, 

von Amtes wegen zu prüfende Zulässigkeitsvoraussetzung. Fehlt sie, so 

tritt das obere kantonale Gericht auf das Rechtsmittel nicht ein (Urteil des 

Bundesgerichts 5A_82/2013 vom 18. März 2013 E. 3.2). Eine Nachfrist zur 

Verbesserung gemäss Art. 132 ZPO ist bei mangelnder Begründung nicht 

anzusetzen (BGE 137 III 617 E. 6.4; Urteile des Bundesgerichts 

5A_82/2013 vom 18. März 2013 E. 3.3.3, 5A_438/2012 vom 27. August 

2012 E. 2.4).  

 

2. 

2.1. 

Die Gesuchstellerin beantragt mit Beschwerde die Aufhebung der vor-       

instanzlichen Verfügung vom 5. Mai 2022 und die Gewährung der unent-

 - 4 - 

 

 

 

geltlichen Rechtspflege für das Ehescheidungsverfahren zwischen der Ge-

suchstellerin und dem Beklagten (OF.2021.14) in Gutheissung ihres Ge-

suchs vom 22. April 2022. Die Gesuchstellerin reichte mit Beschwerde 

demgegenüber die vorinstanzliche Verfügung vom 5. Mai 2022 betreffend 

den Beklagten ein, in welcher auf dessen Gesuch um Gewährung der un-

entgeltlichen Rechtspflege vom 26. April 2022 nicht eingetreten wurde (Be-

schwerdebeilage 1). Auch inhaltlich setzt sich die Gesuchstellerin offenkun-

dig nicht mit dem Entscheid der Vorinstanz betreffend ihr Gesuch ausei-

nander, sondern mit jenem betreffend das Gesuch des Beklagten. So wird 

in der Beschwerde verschiedentlich vorgebracht bzw. gerügt, die Vor-

instanz sei zu Unrecht nicht auf das Gesuch eingetreten (vgl. Beschwerde, 

Ziff. II./1 und II./3). Im Gegensatz zum Gesuch des Beklagten wurde auf 

das Gesuch der Gesuchstellerin aber eingetreten, dieses indes mangels 

Bedürftigkeit abgewiesen. Die Gesuchstellerin rügt in ihrer Beschwerde 

weiter, dass der Beklagte seit Oktober 2021 allmonatlich Fr. 800.00 weni-

ger als gemäss Urteil geschuldet überweise. Dies sei als neue Tatsache 

erstellt und dem Gerichtspräsidenten im Zeitpunkt des Erlasses seiner an-

gefochtenen Verfügung auch bekannt gewesen (Beschwerde, Ziff. II./2./c 

und II./3.). Dies hat die Vorinstanz aber berücksichtigt und lediglich den 

jeweils überwiesenen Betrag von Fr. 3'080.00 in ihre Berechnung mitein-

bezogen (statt Fr. 3'880.00 gemäss der vor dem Regionalgericht Q. ge-

schlossenen Trennungsvereinbarung vom 21. November 2019). Mit der 

Berechnung der Vorinstanz zum zivilprozessualen Notbedarf bzw. dem ver-

fügbaren Einkommen der Gesuchstellerin setzt sich die Gesuchstellerin 

denn auch nicht auseinander. Dies lässt darauf schliessen, dass der Be-

gründung die an den Beklagten gerichtete Verfügung zu Grunde gelegt 

wurde, in der zufolge Nichteintretens keine Berechnungen gemacht wur-

den. 

 

2.2. 

Zwar ist unklar, ob es sich bei Art. 321 Abs. 3 ZPO, wonach der angefoch-

tene Entscheid oder die angefochtene prozessleitende Verfügung beizule-

gen ist, soweit die Partei sie in Händen hat, um eine Eintretensvorausset-

zung oder um eine blosse Ordnungsvorschrift handelt (FREIBURGHAUS/ 

AFHELDT, in: SK ZPO, a.a.O., N. 12 zu Art. 321 ZPO). Vorliegend wurde die 

vorinstanzliche Verfügung betreffend das Gesuch um unentgeltliche 

Rechtspflege für die Gesuchstellerin, wogegen sich zumindest die Anträge 

der Gesuchstellerin richten, aber weder eingereicht, noch hat sich die Ge-

suchstellerin in ihrer Beschwerde inhaltlich mit dieser auseinandergesetzt. 

Die Gesuchstellerin hat sich in ihrer Beschwerde vielmehr auf die an den 

Beklagten gerichtete Verfügung bezogen. Soweit die Beschwerde über-

haupt als Rechtsmittel gegen den die Gesuchstellerin betreffenden Ent-

scheid entgegenzunehmen ist, so liegt offenkundig eine mangelhafte Be-

gründung vor (vgl. vorstehend E. 1). Gegen die den Beklagten betreffende 

 - 5 - 

 

 

 

Verfügung ist die Gesuchstellerin mangels Beschwer nicht beschwerdele-

gitimiert. Damit ist im einen wie im anderen Fall nicht auf die Beschwerde 

einzutreten. 

 

3. 

Die Gerichtskosten werden in der Regel der unterliegenden Partei aufer-

legt. Bei Nichteintreten und bei Klagerückzug gilt die klagende Partei, bei 

Anerkennung der Klage die beklagte Partei als unterliegend (Art. 106 

Abs. 1 ZPO). Unnötige Kosten hat zu bezahlen, wer sie verursacht 

(Art. 108 ZPO). Nach der Rechtsprechung sind die Kosten ausnahmsweise 

nicht der unterliegenden Partei, sondern deren Rechtsvertreter aufzuerle-

gen, wenn dieser schon bei Beachtung elementarster Sorgfalt erkennen 

musste, dass das von ihm eingelegte Rechtsmittel offensichtlich unzulässig 

ist oder die von ihm praktizierte Prozessführung mutwillig erscheint. Eine 

Kostenauflage an den Vertreter (insbesondere den fachkundig auftreten-

den Vertreter) kommt namentlich dann in Betracht, wenn den gesetzlichen 

Begründungsanforderungen in keiner Weise Genüge getan wird (Urteil des 

Bundesgerichts 2C_290/2020 vom 21. April 2020 E. 3 m.w.H.).  

 

Dem Rechtsvertreter hätte bereits bei Beachtung der elementarsten Sorg-

falt auffallen müssen, dass die Verfügung, die der Beschwerde beigelegt 

wurde und mit der sich die Beschwerde fälschlicherweise auseinander-

setzt, nicht an die Gesuchstellerin gerichtet war. Die Gerichtskosten von 

Fr. 400.00 (§ 11 Abs. 3 VKD) sind deshalb dem Vertreter aufzuerlegen. 

Eine Parteientschädigung ist ausgangsgemäss nicht zuzusprechen. 

 

4. 

Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwerde of-

fensichtlich aussichtslos war, weshalb auch das für das Beschwerdever-

fahren gestellte Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege 

abzuweisen ist. 

 

  

 - 6 - 

 

 

 

   

Das Obergericht beschliesst: 

 

Das Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege für das Be-

schwerdeverfahren wird abgewiesen. 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 

 

2. 

Die Gerichtskosten von Fr. 400.00 werden Rechtsanwalt C. auferlegt. 

 

3. 

Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

[…] 

  

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Zivilsachen (Art. 72 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-

lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-

schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. In vermögensrechtlichen 

Angelegenheiten ist die Beschwerde nur zulässig, wenn der Streitwert in arbeits- und miet-

rechtlichen Fällen mindestens Fr. 15'000.00 bzw. in allen übrigen Fällen mindestens 

Fr. 30'000.00 beträgt, es sei denn, es stelle sich eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Be-

deutung oder es handle sich um einen Entscheid des Konkurs- und Nachlassrichters (Art. 44 

Abs. 1, Art. 72, Art. 74, Art. 90, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Ist eine Beschwerde 

nur unter der Voraussetzung zulässig, dass sich eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Be-

deutung stellt, ist auszuführen, warum diese Voraussetzung erfüllt ist. Die Urkunden, auf die 

sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in den Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). 

 

 

 

 

 

 

 - 7 - 

 

 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die subsidiäre Verfassungsbeschwerde (Art. 113 ff. BGG)  

 

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-

lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die subsidi-

äre Verfassungsbeschwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden, so-

weit keine Beschwerde nach den Artikeln 72 - 89 BGG zulässig ist (Art. 44 Abs. 1, Art. 90, 

Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1, Art. 113, Art. 117 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid verfassungsmässige Rechte (Art. 116 BGG) verletzt. 

Die Urkunden, auf die sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die 

Partei sie in den Händen hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 

BGG). Wird gegen einen Entscheid sowohl ordentliche Beschwerde als auch Verfassungs-

beschwerde geführt, sind beide Rechtsmittel in der gleichen Rechtsschrift einzureichen 

(Art. 119 Abs. 1 BGG). 

 

 
   

Aarau, 2. Februar 2023 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Zivilgericht, 4. Kammer 

Der Präsident:    Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Richli     Sulser