# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 18f89432-3638-5e17-afbf-dbd360201fa6
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-09-15
**Language:** de
**Title:** Ausgehend von der im ärztlichen Gutachten festgelegten Restarbeitsfähigkeit ergibt die Invaliditätsbemessung auch unter Berücksichtigung des Standpunkts des Beschwerdeführers einen nicht rentenrelevanten Invaliditätsgrad.
**Docket/Reference:** IV.2021.00596
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2021.00596.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2021.00596
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Fehr, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Gerichtsschreiber Wilhelm
Urteil
vom
1
5.
September 2022
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Stadt Zürich Soziale Dienste
Rechtsanwältin Kathrin Hohler, Sozialversicherungsrecht, Team Recht
Hönggerstrasse
24, 8037 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Der Versicherte
X.___
, geboren 1979,
der
über keine Berufsausbildung
verfügt, war ab Juli 2006 als Chauffeur für die
Genossenschaft Y.___
tätig, als ihm am 3
0.
Juli 2017 ein Unbekannter auf offener Strasse mehrere Faustschläge versetzte. Hierbei zog sich der Versicherte am linken Auge eine Verletzung zu,
die
zum Verlust der Sehfähigkeit führte.
In der Folge nahm der Versicherte seine Arbeit als Chauffeur nicht mehr auf. Per Ende Juni 2018 kündigte die Arbeit
geberin die Anstellung
(
Urk.
7/3,
Urk.
7/5,
Urk.
7/10
, U
rk.
7/14
,
Urk.
7/19
).
1.2
Am
7.
Mai 2018 meldete sich der Versicherte mit dem Hinweis auf die Erblindung des linken Auges bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, tätigte Abklärungen zu den erwerblichen und den gesundheitlichen Verhältnissen (
Urk.
7/1,
Urk.
7/6 f.,
Urk.
7/10,
Urk.
7
/14,
Urk.
7/19,
Urk.
7/27, Urk.
7/29). Mit Mitteilung vom 3
0.
August 2019 erteilte
sie
Kostengutsprache für ein von der Sehbehindertenhilfe
E.___
angebotenes
Assessment
für S
ehbehinderte
(
Urk.
7/50
; vgl. auch
Urk.
7/57
).
Am 2
3.
Dezember 2019 erteilte die IV-Stelle
ferner
Kostengut
sprache für ein Belastbarkeit
straining für die Dauer vom 13.
Januar bis zum 1
2.
April 2020, durchgeführt durch die
Z.___
AG in Zürich (
Urk.
7/73).
Am 1
6.
April 2020
verlängerte die IV-Stelle die Integrationsmassnahme bis zu
m 1
3.
Oktober 2020 (
Urk.
7/82), beendete diese aber
mit
Mitteilung vom 13.
Juli 2020
vorzeitig
(
Urk.
7/89).
1.3
Zwecks Prüfung des Rentenanspruchs
dokumentierte sich
die
IV-Stelle zunächst mit Berichten der behandelnden Ärzte (
Urk.
7/91,
Urk.
7/102) und beauftragte
sodann
die
Begutachtungsstelle
A.___
des Universitätsspitals
B.___
mit einer
ophtalmologischen
und psychiatrischen Begu
tachtung des Versicherten (Urk.
7/
113
).
Die Experten von
A.___
,
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Psychi
atrie und P
sychotherapie, und
Dr.
med.
D.___
, Facharzt für
Ophtal
mologie
, erstatteten ihr
bidisziplinäres
G
utachten am 2
1.
Juni 2021 (Urk.
7/128). Nach Prüfung des Abklärungsergebnisses (
Urk.
7/129) erliess die IV-Stelle am 2
9.
Juni 2021 den Vorbescheid, mit
dem sie die
Abweisung des Leistungsgesuches
in Aussicht stellte (Urk.
7/130). Gegen den vorgesehenen Entscheid erhob der Versicherte Einwände (
Urk.
7/136).
A
m 6.
September 2021 erliess die IV-Stelle die Verfügung, mit der sie
das Leistungsbegehren mit der Begründung abwies, es bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente
(
Urk.
2 =
Urk.
7/138).
2.
Gegen die Verfügung vom
6.
September 2021 erhob der Versicherte mit Eingabe vom
4.
Oktober 2021 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren,
die ang
efochtene Verfügung sei aufzuheben und
es
sei
ihm ab November 2018 eine halbe Rente zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht
ersuchte
der Versicherte
um
die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1
S. 2
). Die IV-Stelle beantragte in der Beschwerdeantwort vom
9.
November 2021 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6).
Dies wurde dem Versicherten am 1
0.
Nove
mber 2021 zur Kenntnis gebracht, unter
gleichzeitig
er
Gewährung der unentgeltlichen Prozess
führung (
Urk.
8).
Am 2
6.
August 2022 teilte der Beschwerdeführer - unter Beilage mehrerer Arztberichte - mit, dass er an Tuberkulose erkrankt und nun deswegen in Behandlung sei (
Urk.
10 und
Urk.
11/1-2).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheides
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstel
len, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erz
ielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe
tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
1
.6
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten (Art. 49 Abs. 3 Satz 2 ATSG), das heisst eine Darstellung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der rechtlichen Erwägungen. Gemäss Art. 52 Abs. 2 Satz 2 ATSG werden
Einspracheentscheide
begründet. Die aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2
der Bundesverfassung (
BV
)
fliessende Begründungspflicht gebietet nicht, dass sich das kantonale Gericht beziehungs
weise der Versicherungsträger mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinan
dersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sich die Behörde auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich die betroffene Person über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne müssen wenigs
tens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich das Gericht respek
tive der Versicherungsträger hat leiten lassen und auf die sich sein Entscheid stützt (BGE 142 II 49 E. 9.2, 136 I 229 E. 5.2, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung
der
Verfügung
vom
6.
September 2021
aus,
nach der Anmeldung zum Leistungsbezug sei der Beschwerdeführer zunächst mit beruflichen Massnahmen unterstützt worden.
Um
die gesund
heitliche Si
tuation abschliessend zu klären sei der Beschwerdeführer
sodann
im Universitätsspital
B.___
ärztlich begutachtet worden.
Die Untersuchung habe ergeben, dass ihm eine angepasste Tätigkeit im Umfang von 60
%
weiterhin zumutbar sei. Angepasst seien Tätigkeiten
in einem kleinen Team ohne grosse Anforderungen an die Umstellungsfähigkeit,
ohne Arbeiten an Maschinen
sowie ohne Arbeiten auf unebenem
Gelände oder am Fliessband. Ohne den
Eintritt des Gesundheitsschadens
hätte
der Beschwerdeführer voraussichtlich weiterhin
als Chauffeur gearbeitet und damit voraussichtlich ein Einkommen von
Fr.
68'
480.-- erziel
t
. Die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit erlaube ihm die
Realisierung
eines Einkommens von
Fr.
41'685.--. Aus dem Vergleich der beiden Einkommen resultiere eine Einkommensdifferenz von
Fr.
26'795.--, was einem Invaliditäts
grad von 39
%
entspreche. Dieser gebe keinen Anspruch auf eine Invalidenrente
(
Urk.
2 S. 1 f.).
In der Beschwerdeantwort vom
9.
November 2021 ergänzte
die Beschwerdegeg
nerin
,
entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers bestehe kein Anlass
,
bei der Ermittlung des Invalideneinkommens vom Totalwert der Tabelle TA1 der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) abzuweichen und
stattdessen auf den
ausschliesslich Tätigkeiten im Dienstleistungssektor betreffenden Tabellenwert abzustellen. Unter Berücksichtigung
der weiterhin zumutba
ren Belastungen
stünden dem Beschwerdeführer eine Vielzahl von Beschäfti
gungsmöglichkeiten in
den verschiedenen
Wirtschaftszweigen offen. Ein leidens
bedingter Abzug sei nicht angezeigt.
Bei
der Festlegung des medizinisch
zumutbaren Tätigkeitsprofils sei den gesundheitlich bedingten Einschränkungen
im Übrigen
genügend Rechnung getragen worden (
Urk.
6
S. 1 f.).
2
.2
Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerdeschrift vom
4.
O
ktober 2021 geltend
,
gegen die gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei nichts einzuwenden. Das
Valideneinkommen
sodann habe die Beschwerdegegnerin in Nachachtung der Einwände im
Vorbescheidverfahren
auf
Fr.
68'480.-- festge
setzt, wovon auszugehen sei. Im
Vorbescheidverfahren
sei auch die Festsetzung des Invalideneinkommens bemängelt worden.
Zu diesen Einwänden habe die Beschwerdegegnerin nur sehr knapp S
tellung genommen, indem sie sich auf den Standpunkt gestellt habe, für das Invalideneinkommen habe sie sich auf ke
inen bestimmten Sektor gestützt,
denn es handle sich um die Berechnung
eines
Hilfsarbeiterlohnes. Zu den übrigen Einwendungen betreffend das Invalidenein
kommen habe sich
die Beschwerdegegnerin
sodann gar
nicht geäussert, worin eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liege (
Urk.
1 S. 5).
Der Totalwert gemäss Tabelle TA1 der LSE 2018 in der Höhe von
Fr.
5'417.-- (Hilfsarbeiterlohn) auf den si
ch die Beschwerde
gegn
erin stütz
e, setze sich aus den Sektoren Produktion und Dienstleistungen zusammen.
Aufgrund der Einäugigkeit bestehe nur noch eine beschrä
nkte Einsetzbarkeit.
Tätigkeiten, d
ie ein Stereo
sehen erforderten
,
seien nicht mehr möglich
, namentlich das
Arbeiten an Maschinen mit ungeschützt rotierenden Teilen, Tätigkeiten auf unebenem Gelände oder
Einsätze
an einem Fliessband
. Eine Tätigkeit im Sektor Produktion dürfte praktisch nicht mehr in Frage kommen.
Das Invalideneinkommen
sei
somit
gestützt auf den Totalwert des Dienstleistungssektors zu bemessen. Dieser Wert habe im Jahr 2018
Fr.
5'603.-- pro Monat betragen. Ausgehend vom noch zumutbaren Pensum von 60
%
und unter Berücksichtigung der Nominallohnent
wicklung sei von einem Invalideneinkommen von
Fr.
38'193.-- auszugehen (
Urk.
1 S. 6).
Sodann seien die
Voraussetzungen erfüllt, um vom
Invalideneinkommen einen leidensbedingten Abzug vorzunehmen. Zumutbar sei nur noch ein Teilpensum und dieses wiederum nur
mit
einem eingeschränkten Profil. Praktisch in Frage kämen nur noch Tätigkeiten, die für Einäugige geeignet seien. Erforderlich sei
überdies
ein wohlwollendes Kollegenteam und es müsse sich um eine Arbeit ohne grössere
Anforderungen an die Umstellfähigkeit handeln. Unter diesen Gesichts
punkten rechtfertige sich ein Abzug von insgesamt 20
%
, womit sich das Invali
deneinkommen auf
Fr.
30'554.-- verringere. Werde dieses dem
Valideneinkom
men
von
Fr.
68'480.
--
gegenübergestellt
,
resultiere ein Invaliditätsgrad von 55
%
(
Urk.
1 S. 6 f.).
3
.
Der Beschwerdeführer wirft der Beschwerdegegnerin eine Verletzung des recht
lichen Gehörs vor, indem letztere sich zu verschiedenen im
Vorbescheidverfahren
erhobenen Einwendungen
nicht geäussert habe (
Urk.
1 S.
5). In der Begründung zur angefochtenen Verfügung hielt die Beschwerdegegnerin fest,
da ein Hilfs
arbeiterlohn zu bemessen sei, komme
für die Ermittlung des Invalideneinkom
mens kein bestimmter Sektor der Tabellenlöhne zur Anwendung (
Urk.
2 S. 2).
Damit hat die Beschwerdegegnerin dem Erfordernis der Rechtsprechung Rechnung getragen, dass wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden
müssen
, von denen sich der Versicherungsträger hat leiten lassen und auf den sich sein E
ntscheid stützt. Zusammen mit der übrigen Begründung des Entschei
des war es dem Beschwerdeführer
objektiv betrachtet
möglich, d
ie Tragweite des Entscheids
zu erfassen. Eine Missachtung der Begründungspflicht und damit eine Verletzung des rechtlichen Gehörs lässt sich demnach nicht bejahen, zumal der Beschwerdeführer nicht näher darlegte,
zu
welche
n
im
Vorbescheidverfahren
vorgebrachten Einwände
n
zu wesentlichen Aspekten tatsächlicher oder recht
licher Art die Beschwerdegegnerin in der Begründung der angefochtenen Verfügung nicht Stellung genommen hat.
Aber s
elbst wenn die allenfalls ungenügende Berücksichtigung der Einwände als - nicht besonders schwerwie
gende - Verletzung des rechtlichen Gehörs qualifiziert würde, wäre diese als geheilt zu betrachten, da der Beschwerdeführer die Möglichkeit erhielt, sich vor dem Sozialversicherungsgericht als einer Instanz zu äussern, der die volle Kogni
tion in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht zusteht (BGE 142 II 218 E. 2.8.1, 137 I 195 E. 2.3.2, je mit Hinweisen).
4
.
4
.1
Der
ophtalmologische
Gutachter
,
Dr.
D.___
,
nannte als Diagnose eine vollständige Erblindung des linken Auges nach schwerer
Contusio
bulbi
Ende
Juli 2017, kompliziert durch Druckanstieg und Zentralvenenthrombose
,
und
er
führte
aus, es
sei keine
Binokularität
mehr gegeben. Allerdings könnten einäugige Personen nach einer gewissen Zeit, meistens nach einigen Monaten, Distanzen wieder einigermassen korrekt einschätzen. Eine präzise Tiefenschätzung werde indessen
nicht mehr möglich sein.
Nicht mehr zumutbar seien
demgemäss
Tätig
keiten, die
ein
Stereosehen erforderten,
insbesondere
Arbeiten an Maschinen mit
ungeschützt rotierenden Teilen und
ebenso Arbeiten auf unebenem Gelände oder an einem Fliessband. Bei allen Arbeiten mit einer Verletzungsgefahr für die Augen müsse überdies konsequent eine Schutzbrille getragen werden.
Aufgrund der Einäugigkeit
bestehe ausgehend von den Bestimmungen der Verordnung über die Verkehrszulassung (VZV) nur noch eine eingeschränkte Fahreignung
. Erlaubt sei insbesondere weiterhin das Führen von Personenwagen
.
Auch
Tätigkeiten, bei denen räumliche Gegebenheiten beurteilt werden müssten, seien grundsätzlich
weiterhin
möglich, es brauche aber dazu mehr Zeit (
Urk.
7/128/34).
4
.2
Der psychiatrische Gutachter
Dr.
C.___
nannte als Diagnosen eine soziale Phobie (ICD-10 F40.1), eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) sowie eine rezidivierende kurze depressive Störung (ICD-10 F38.10) und er führte aus, der Beschwerdeführer sei am 3
0.
Juli 2017 durch einen Faustschlag am linken Auge derart verletzt worden, dass er nunmehr einseitig erblindet sei. Seit Ende 2017 respektive Anfang 2018 klage der Beschwerdeführer über einen Symptom
komplex aus Ängstlichkeit, Nervosität und innerer Anspannung. Hinzu komme die Angst, sich ausser Haus aufzuhalten. Als Folge davon habe sich ein ent
sprechendes Vermeidungsverhalten entwickelt.
Darüber hinaus
komme es zu teilweise mehrere Tage andauernde
n
Phasen von schwerer Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit, Antriebslosigkeit und stärksten Selbstzweifeln. Es sei nach
vollziehbar und plausibel, dass der Beschwerdeführer durch das Ereignis vom 3
0.
Juli 2017 und die daraus folgende Einäugigkeit schwer in seiner Integrität getroffen worden sei.
Dies habe zu
den
diagnostizieren Leiden geführt. Der Beschwerdeführer habe eine deutliche Furcht entwickelt, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen. Er meide entsprechende Situationen, werde aber durch dieses Vermeidungsverhalten gleichzeitig stark belastet. Der Schlag ins Gesicht und die daraus folgende Erblindung stellten
ein
Ereignis dar,
das
geeignet sei, bei nahezu jedem eine tiefgreifende Verzweiflung auszulösen. In Situationen, die dem Trauma ähnelten, gerate der Beschwerdeführer
entsprechend
in eine innere Bedrängnis.
Bis heute vermeide er es
überdies
, das Stadtviertel zu betreten, in dem der Angriff seinerzeit erfolgt sei
,
und er
ver
meide es
ganz allgemein
, allein im Freien zu sein
.
Während den
jeweils nur kurz
, das heisst wenige
Tage
anhal
tenden
depressiven Episoden
sodann
seien anamnestisch alle drei Hauptkriterien erfüllt, nämlich depressive Stimmung, Verlust von Freude und verminderter Antrieb, aber auch die weiteren Neben
kriterien, das heisst
Verlust des Selbstver
trauens, wiederkehrende Gedanken an den Tod und Klagen über G
edächt
n
i
s
störungen
.
Die Funktionsfähigkeit im Alltag werde in erster Linie durch die soziophobischen Symptome und diejenigen während der kurzen
depressiven Symptome beeinträchtigt. Betroffen seien die Selbstbehauptung, die Kontaktfähigkeit, die Gruppenfähigkeit, die Flexibilität, die Umstellungs- und die Durchhaltefähigkeit.
Vor dem Trauma sei der Beschwerdeführer psychisch gesund gewesen. Hernach und vor allem nach der Gewissheit, dass er linksseitig sein Augenlicht verlieren werde, habe sich die
geschilderte
Symptomatik entwickelt, wobei sich
selbige
in ihrer Intensität
bislang
noch kaum abgeschwächt habe. Seine prämorbide Persönlichkeit habe der Beschwerdeführer als offen und kommunikativ beschrieben. Gleichzeitig habe er viel Wert auf sein Äusseres gelegt. Durch sein nach links schielendes und etwas abgemattetes linkes Auge fühle
er
sich nunmehr entstellt und er habe bislang noch keinen Weg gefunden, adäquat mit seinem neuen Antlitz umzugehen. Er verstecke sich aus Scham und halte damit die psychische Symptomatik aufrecht.
Es handle sich nicht um einen willentlichen Prozess, sondern die Meidung sei störungsbedingt und aufgrund der Persönlichkeit des Beschwerdeführers seien die Störungsentwicklung und auch die Aufrechterhaltung nachvollziehbar. Der Beschwerdeführer lebe sehr zurück
gezogen. Viele Kontakte habe er abgebrochen. Sich selber halte er nur für einge
schränkt arbeitsfähig. Günstig sei, dass der Beschwerdeführer über eine hohe Introspektionsfähigkeit verfüge. Ausserdem könnte er an sozialen Ressourcen anknüpfen, wobei diesbezüglich die hemmende Wirkung der sozialen Phobie ins Gewicht falle. Sodann verfüge der Beschwerdeführer über einen guten Bildungsgrad, was ihm bei einer beruflichen Reintegration von Nutzen sein könne. Es sei somit von einer grundsätzlich günstigen Prognose auszugehen. Gleichwohl sei die Verarbeitung des Traumas ungewöhnlich lange und dysfunk
tional, was aber aufgrund der Persönlichkeit nachvollziehbar sei. Als Lieferant mit Kundenkontakt sei der Beschwerdeführer nur noch bedingt einsetzbar. Insge
samt sei für die bisherige Tätigkeit noch von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
auszugehen.
Für eine angepasste Tätigkeit in einem kleinen Kreis von Kollegen, der dem Beschwerdeführer wohlwollend gegenüberstehe
,
und in einer Tätigkeit, die nur eine geringe Umstellfähigkeit erfordere, sei derzeit von einer Arbeits
fähigkeit von 60
%
auszugehen. Bei adäquater Behandlung lasse sich die Arbeits
fähigkeit innert Jahresfrist deutlich steigern
. Über die bisherige Gesprächstherapie hinaus sei es erforderlich, dass der Beschwerdeführer intensiv
er in Situationen geführt werde
, in denen er sich exponieren müsse. Nur so könne er seine soziale Phobie überwinden. Eine verhaltenstherapeutische Begleitung sei in diesem Zusam
m
enhang sinnvoll. Parallel müsse in den Gesprächen an der Schamprob
lematik gearbeitet werden, die zur Aufrechterhaltung der sozialen Phobie, der posttraumatische
n
Belastungsstörung und auch der depressiven Episoden gleichermassen beitrage. In Betracht zu ziehen sei insbesondere ein teilstationärer Klinikaufenthalt. D
urch das
regelmässige Erscheinen in der Tagesklinik und die
Konfrontation mit
Therapeuten, Mitarbeitern und Mitpatienten könnten die phobischen Tendenzen besser besprochen und abgebaut werden.
Ratsam sei a
uch eine
unterstützende
medikamentöse Behandlung
(
Urk.
7/128/23-29
).
4
.3
Die aus somatischer Sicht formulierten Beeinträchtigungen des erwerblichen Leistungsvermögens sind aufgrund der einseitigen Erblindung des Beschwerde
führers nachvollziehbar.
Die psychiatrische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und ebenso die gestellte Prognose betreffend Steigerung derselben
mittels
geeigneter therapeutischer und medikamentöser Massnahmen ist rechtssprechungsgemäss im Rahmen eines strukturierten Beweisverfahrens zu validieren
(
BGE 143 V 418
; vgl. auch
BGE 143 V 409 E. 4.5.1
)
.
Mit Blick auf die Darlegungen zur Bemessung des Validen- und des Invalideneinkommens und zur Frage des leidensbedingten Abzuges vom Invalideneinkommen kann dies hier indessen unterbleiben.
5
.
5
.1
5
.1.1
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothe
tischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invali
deneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige renten
wirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3, 129 V 222 E. 4.1 und E. 4.2, 128 V 174).
5
.1.2
Da ab dem 3
1.
Juli 2017
in der angestammten Tätigkeit ärztlicherseits
durchgehend eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit attestiert
war, endete
das Wartejahr
Ende Juni 2018
(
Art.
28
Abs.
1 IVG;
Urk.
7/5/3-8,
Urk.
7/5/11-18,
Urk.
7/5/20-22,
Urk.
7/5/28-31, Urk.
7/5/34,
Urk.
7/5/37
,
Urk.
7/10/6,
Urk.
7/20/1,
Urk.
7/87/1).
Die Anmeldung zum Leistungsbezug
war
am
7.
Mai 2018
erfolgt
(
Urk.
7/2). Ein Rentenanspruch konnte gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG frühestens sechs Monate danach
- mithin
ab
November
2018
-
entstehen.
5
.2
5
.2.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkom
mensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt
worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrschein
lichkeit erstellt sein (BGE 145 V 141 E. 5.2.1, 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
Bei deutlichen Schwankungen des vor Eintritt des Gesund
heitsschadens erzielten Einkommens
ist auf den während einer längeren Zeitspanne erzielten Dur
chschnittsverdienst abzustellen
(Urteil des Bundes
gerichts 8C_329/2021 vom 27. Oktober 2021 E. 4.3.2 mit Hinweisen)
.
5
.2.2
Im
Vorbescheidverfahren
hatte die Beschwerdegegnerin das
Valideneinkommen
gestützt auf die Angaben der seinerzeitigen Arbeitgeberin des Beschwerdeführers im Arbe
itgeberbericht vom 1
6.
Juni 2018
(
Fr.
63'960.--
seit
1.
Januar
2018
;
Urk.
7/14/2) und nach Anpassung an die Nominallohnentwicklung bis ins Jahr 2021 mit
Fr.
65'572.--
beziffert
(
Urk.
7/1
2
9/8). Dagegen hatte der Beschwerde
führer eingewandt, die Beschwerdegegnerin habe übersehen,
dass die Arbeit
geberin i
n
ihrem
Bericht
nebst dem
Grundlohn von
Fr.
63'960.-- für die Jahre 2016 bis 2018 Zuschläge
ausgewiesen habe
, die
hinzugezählt werden
müssten
(Urk.
7/136/3).
Beim
Erlass der Verfügung folgte die Beschwerdegegnerin
diesem Einwand und
errechnete
das
Valideneinkommen
unter Hinzu
rechn
ung
dieser
Zuschläge
(
Urk.
7/137/2).
5
.2.3
Konkret
führte
die Arbeitgeberin
in ihrem Bericht
aus
,
der AHV-beitragspflichtige Lohn sei
bei krankheitsbeding
ter Arbeitsunfähigkeit vom ersten
Tag
an
durch ein AHV-freies Taggeld ersetzt
worden
. Bei voller Präsenz hätte der Beschwerdefüh
rer
im Jahr 2016
zusätzlich
zum
Grundlohn
Fr.
3'840.--
,
im Jahr 2017 zusätzlich
Fr.
2'697.--
und
im Jahr 2018 zusätzlich
Fr.
2'571.-- ausbezahlt erhalten (Urk.
7/14/3).
Bereits im Jahr 2016 verzeichnete der Beschwerdeführer gemäss Arbeitgeberbericht verschiedene krankheitsbedingte Absenzen mit vollständiger Arbeitsunfähigkeit und ab dem 3
1.
Juli 2017 arbeitete er aufgrund
der Folgen
des tätlichen Angriffs
mit Erblindung des
linke
n
Auge
s
nicht mehr (
Urk.
7/14/5).
Nähere Angaben zur Höhe des
Grundlohnes
in den betreffenden Jahren
machte
die Arbeitgeberin
indessen
nicht. Der Beschwerdeführer und mit ihm die Beschwerdegegnerin
gingen implizit
davon aus,
es handle sich bei dem von der Arbeitgeberin für 2018
angegebenen
AHV
-pflichtigen Jahreslohn von Fr.
63'960.-- (
Urk.
7/14/2
Ziff.
2.10)
um den
besagten
Grundlohn
(
Urk.
7/136/3,
Urk.
7/137/2).
Inwiefern diese Annahme zutrifft
,
bleibt
allerdings
offen.
Der
Blick auf das vom Beschwerdeführer gemäss IK-Auszug bei
Y.___
ab
2007 (erstes vollständiges Anstellungsjahr) erz
ielte jährliche Ein
kommen zeigt nicht unerhebliche
Schwankungen
(
Urk.
7/27/1
f.). Der Lohn von
Fr.
57'821.-- im Jahr 2007
erhöhte sich bis 2013 kontinuierlich auf
Fr.
68'130.--. Ab dann
verringerte
er
sich
auf
Fr.
66'360.-- im J
ahr 2014 und auf
Fr.
65'574.-- im Jahr 2015
(Urk.
7/27/1-2).
Für das Jahr 2016
sodann nennt der
IK-Auszug ein Jahresein
kommen von
Fr.
64'527.--. Für dieses Jahr weist der Arbeitgeberbericht verschiedene krankheitsbedingte Absenzen mit vollständig
er Arbeitsunfähigkeit aus (Urk.
7/14/5).
Bereinigt um
Fr.
3'840.--
gemäss Arbeitgeberbericht
(Urk.
7/14/3)
ist der
Jahreslohn
für 2016 mit
Fr.
68'367.--
zu beziffern
.
Im Jahr 20
17 kam es am 3
0.
Juli zu
m tätlichen Angriff auf den Beschwerdeführer, der in der Folge zum Verlust der Sehfähigkeit
des
linken Auge
s
führte. Im IK-Auszug ist für 2017 ein AHV-pflichtiges Einkommen in der Höhe von
Fr.
36'307.--
angegeben
(
Urk.
7/27/1).
Effektiv arbeitete der Beschwerdeführer 2017 von Januar bis Ende Juli
(
Urk.
7/14/5)
. Hochgerechnet auf das ganze
Jahr (
Fr.
36'307.-- : 7 x 12)
resultiert ein Verdienst
von
Fr.
62'
241.--
; unter Berücksicht
ig
ung des Zuschlags von
Fr.
2'697.--
gemäss Arbeitgeberbericht (
Urk.
7/14/3)
beträgt er
Fr
.
64'938.--.
Verglichen mit dem Jahreslohn, den der Beschwerde
führer und die Beschwerdegegnerin für 2017
als massgebend erachten
(
Fr.
66'657.--;
Urk.
7/136/3,
Urk.
7/137/2),
besteht
eine
Differenz von
Fr.
1'719.--
.
Der
Beschwerdeführer und
die
Beschwerdegegnerin legten ihrer Berechnung
- wie erwähnt -
den von der Arbeitgeberin für 2018 angegebenen AHV-pflichtigen Lohn (
Urk.
7/
14/2) zu Grunde
, der
aber
so nie zur Auszahlung gelangte, da der Beschwerdeführer 2018 effektiv nicht arbeitete
. Der
im
IK-Auszug
für 2017
angegebene Lohn, für den effektiv Beiträge entrichtet wurden,
erweist sich als der verlässlichere Wert, weswegen davon auszugehen ist.
Angesichts der
deutlichen
Schwankungen über die
gesamten
Jahre
der
Anstellung bei
Y.___
rechtfertigt es sich, auf den Durchschnittswert
der
Jahre ab 2007 abzustellen. M
assgebend ist
nach der Rechtsprechung
, was der Beschwer
deführer
auf längere Sicht
als Gesunder
voraussichtlich
tatsächlich
verdient hätte und nicht
,
was er unter Umständen
bestenfalls
hätte verdienen können
(vgl. vorstehende E. 5
.2.1)
.
Gestützt auf die IK-Einträge der Jahre 2007 bis 2015 (
Urk.
7/27) und angepasst an die Nominallohnentwicklung für Männer bis 2018 (Tabelle T39, Bundesamt für Statistik) ergeben sich folgende jährlichen Einkommen:
•
2007:
Fr.
63'838.-- (
Fr.
57'821.-- : 2047 x 2260)
•
2008:
Fr.
64'260.-- (
Fr.
59'483.-- : 2092 x 2260)
•
2009:
Fr.
63'524.-- (
Fr.
60'039.-- : 2136 x 2260)
•
2010:
Fr.
65'360.-- (
Fr.
62'208.-- : 2151 x 2260)
•
2011:
Fr.
64'963.-- (
Fr.
62'405.-- : 2171 x 2260)
•
2012:
Fr.
65'783.-- (
Fr.
63'687.-- : 2188 x 2260)
•
2013:
Fr.
69'861.-- (
Fr.
68'130.-- : 2204 x 2260)
•
2014:
Fr.
67'556.-- (
Fr.
66'360.-- : 2220 x 2260)
•
2015:
Fr.
66'576.-- (
Fr.
65'574.-- : 2226 x 2260).
Hinzu kommen der bereinigte und an die Nominallohnentwicklung angepasste Jahreslohn 2016 in der Höhe von
Fr.
69'008.-- (
Fr.
68'367.-- : 2239 x 2260)
und für 2017 der auf 12 Monate hochgerechnete Lohn gemäss IK-Auszug (
Fr.
62'241.--)
,
zuzüglich
Fr.
2'697.-- gemäss Angaben im Arbeitgeberbericht, was angepasst an die Lohnentwicklung
Fr.
65'256.-- (
Fr.
64'938.-- : 2249 x 2260) ergibt. 2018 arbeitete der Beschwerdeführer nicht mehr. Zusammen (Jahre 2007 bis 2017) resultiert eine Lohnsumme von
Fr.
725'985.--. Demnach beläuft sich das
Valideneinkommen
für das Jahr 2018 auf
Fr.
65'999.-- (
Fr.
725’985.-- : 11).
5.3
5
.3.1
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5
.2, 129 V 472 E. 4.2.1
). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3
). Die Verwendung der Tabellenlöhne
ist subsidiär, das heisst deren Beizug erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BG
E
142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth,
Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung, 3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
5
.3.2
Das Invalideneinkommen ermittelte die Beschwerdegegnerin gestützt auf den Totalwert
der Männerlöhne gemäss Tabelle TA1 der LSE 2018 (
Urk.
7/129/8). Dieser Tabellenlohn umfasst den produktiven und den Dienstleistungssektor gleichermassen. Der Beschwerdeführer ist dagegen der Auffassung
,
es rechtfertige sich, ausschliesslich auf den Tabellenlohn für den Dienstleistungssektor abzu
stellen, dies mit dem Hinweis, für ihn komme das Arbeiten an Maschinen mit ungeschützt rotierenden Teilen, da
s Arbeiten auf unebenem Gelände
oder der Einsatz an einem Fliessband nicht mehr in Frage (
Urk.
1 S. 6).
5.3.3
Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung
zumutbarerweise
erzielbare Einkommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln
(Art. 16 ATSG; BGE 138 V 457 E.
3.1 mit Hinweis
).
An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten sind rechtsprechungsgemäss keine
übermässigen Anforderungen zu stellen (Urteil des Bundesgerichts 9
C_910/2011 vom 30. März 2012 E. 3.1 mit Hinweis; vgl. BGE
138 V 457 E. 3.1). Der ausge
glichene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei denen Behinderte mit einem sozialen Entge
genkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können. Von einer Arbeits
gelegenheit kann
erst
dann
nicht mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nur noch in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausge
glichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (vgl. statt vi
eler: Urteile des Bundesgericht
s 8C_434/2017 vom 3. Januar 2018 E. 7.2.1 und 9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E. 2.2
.1, je mit weiteren Hinweisen).
Für die Invaliditätsbemessung ist
es im Übrigen
nicht massgebend, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage nach Arbeitsplätzen bestünde (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_645/2017 vom 23. Januar 2018 E. 4.3.2 mit Hinweis; Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die
Invalidenversicherung, 3. Auflage
2014,
R
n
132 zu Art. 28a
).
Mit Blick auf diese Grundsätze ist eine Verwertung der Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auch im produktiven Sektor zu bejahen, da dieser nicht nur Stellen umfasst, bei denen ein uneingeschränktes Sehvermögen unerlässlich ist. Die Vo
rgehensweise
der Beschwerdegegnerin bei der Ermittlung des Invaliden
einkommens ist demgemäss nicht zu beanstanden.
Gemäss LSE 2018 Tabelle TA1_tirage_skill_level betrug der Medianlohn der Männer für eine Tätigkeit in der Produktion oder im Dienstleistun
gs
sektor
(Kompetenzniveau 1)
Fr.
5'417.-- pro Monat. Angepasst an die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden im Jahr 2018 (Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen
in Stunden pro Woche, Tabelle T
03.02.03.01.04.01; abrufbar im Internet) bet
rägt das Invalideneinkommen Fr.
5'647.
20
(
Fr.
5'417.-- : 40 x 41,7). Ausgehend von einer
Restarbeitsfähigkeit von 60
%
(vgl. vorstehende E. 4.2) und bezogen auf das ganze Jahr beträgt das Invaliden
einkommen
Fr.
40'65
9.8
0.
5
.4
5
.4.1
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf
die Lohnhöhe haben können (BGE
124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen ges
amthaft zu schätzen und darf 25
% nicht übersteigen (
vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2,
134 V
322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsf
ähigkeit eingeschränkt ist (BGE
126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (
BGE 146 V 16 E. 4.1 mit Hinweisen).
5
.4.2
Nach Auffassung des
Beschwerdeführer
s
sind die Voraussetzung
en
für die Vornahme eines leidensbedingten Abzuges vom Invalideneinkommen erfüllt
.
Diese
n
beziffert er mit 20
%
. Er begründet dies mit dem Umstand, dass gestützt auf das Gutachten nur ein Teilpens
um zumutbar sei,
für ihn aufgrund der Ein
äugigkeit das Tätigkeitsprofil eingeschränkt
und
er überdies
mit Blick auf die verminderte Umstellfähigkeit
auf ein wohlwollendes Kollegenteam angewiesen sei
(
Urk.
1 S. 6 f.).
5.4.3
Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst, wie berei
ts erwähnt (vgl. vorstehende E.
5.3.3)
,
auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsange
bote, bei denen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können.
Namentlich e
ine psychisch bedingt verstärkte Rücksichtnahme seitens Vorgesetzter und Arbeitskollegen kann nach der Gerichtspraxis in der Regel nicht als eigenständiger Abzugsgrund aner
kannt werden, ebenso wenig
wie
das Risiko von vermehrten gesundheitlichen Absenzen, ein grösserer Betreuungsaufwand oder weniger Flexibilität, was das Leisten von Überstunden etwa bei Verhinderung eines Mitarbeiters anbetrifft (Urteil des
Bundesgerichts 9C_266/2017 vom 2
9.
Mai 2018 E. 3.4.2; vgl. auch Urteil 9C_233/2018 vom 1
1.
April 2019 E. 3.2 mit Hinweisen).
Auch e
ine
Teilarbeitsfähigkeit
führt
bei Männern nicht zwangsläufig zu einer Lohneinbusse.
Ob sich eine entsprechende Reduktion rechtfertigt, ist stets mit Blick auf den konkreten Beschäftigungsgrad und die jeweils aktuellen Werte zu beurteilen (Urteil des Bundesgerichts 8C_561/2018 vom
4.
März 2019 E. 4.3.1
).
Gemäss LSE 2018, Tabelle T18, verdienten
Männer mit einem
Beschäftigungsgrad zwischen 50 und 74
%
in eine
r Tätigkeit ohne Kaderfunktion mit
Fr.
5'897
.--
statistisch zwar
rund 4
%
weniger als
solche mit einem Beschäftigungsgrad von 90
%
und mehr
(
Fr.
6’144
.--).
Dies stellt aber praxisgemäss keine überproportio
nale Lohneinbusse dar
(
vgl. Urteil
des Bundesgerichts
8C_151/2020
vom
1
5.
Juli 2020 E. 6.3.2
mit Hinweis)
.
Andere Gründe, die eine
n
leidensbedingte
n
Abzug vom Invalideneinkommen rechtfertigen
,
hat wed
er der Beschwerdeführer genannt
noch sind solche ersicht
lich.
Die
Differenz
zwischen dem Validen- und dem Invalideneinkommen
(
Fr.
6
5
'
699.--
./.
Fr.
40'659
.
8
0
) beträgt
Fr.
25'039.2
0.
Somit beträgt der Invalidi
tätsgrad
gerundet
3
8
%
(
Fr.
2
5
'
039
.20 x 100
%
:
Fr.
6
5
'
699.--
;
zu den Rundungs
regeln vgl.
BGE 130 V 121
)
.
5.5
Die Invaliditätsbemessung ausgehend von der gutachterlich
evaluierten
Arbeits
fähigkeit
von 60
%
in einer angepassten Tätigkeit
(vgl. vorstehende E. 4) ergibt einen Invaliditätsgrad von weniger als 40
%
, weswegen kein Rentenanspruch besteht.
Aufgrund dessen ist die
Verfügung vom
6.
Septe
mber 2021 nicht zu beanstanden, was zur Folge hat, dass
die vom Beschwerdeführer dagegen
erhobene Beschwerde abzuweisen ist.
6.
Gemäss
Art.
61
lit
.
f
bis
ATSG
in Verbindung mit
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige
rung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versiche
rungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- festgesetzt. Vorliegend erweist sich eine Kostenpauschale von
Fr.
700.-- als angemessen. Ausgangsgemäss sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuer
legen, zufolge gewährter unentgeltlicher Prozessführung aber einstweisen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Der Beschwerdeführer ist auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hingewiesen
,
wonach
er
zur Nachzahlung der ihm erlassenen Gerichtskosten verpflichtet ist, sobald
er
dazu in der Lage ist
.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt
, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse genommen.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Stadt Zürich Soziale Dienste
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
unter Beilage je einer Kopie von
Urk.
10 und 11/1-2
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
FehrWilhelm