# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2f240454-7008-5002-b389-135a76323a2a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-11-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.11.2021 D-1637/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1637-2021_2021-11-01.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-1637/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 .  N o v e m b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 

Richterin Camilla Mariéthoz Wyssen,  

Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger,    

Gerichtsschreiberin Angela Hefti. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Sri Lanka,   

vertreten durch MLaw Cora Dubach,  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 11. März 2021 / N (…). 

 

 

 

D-1637/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin – eine aus der Nordprovinz stammende sri-lanki-

sche Staatsangehörige tamilischer Ethnie – reichte am 26. Mai 2010 auf 

der Schweizerischen Botschaft in Colombo ein Asylgesuch aus dem Aus-

land ein. Mit Verfügung vom 10. März 2015 verweigerte das SEM die Ein-

reise in die Schweiz und lehnte ihr Asylgesuch ab. Diese Verfügung er-

wuchs unangefochten in Rechtskraft. 

B.  

Die Beschwerdeführerin verliess Sri Lanka eigenen Angaben zufolge am 

(…) 2018 auf dem Luftweg mit ihrem eigenen Pass und gelangte über 

Dubai, Uganda und (mit einem italienischen Visum) Italien am 22. Januar 

2019 in die Schweiz, wo sie am 23. Januar 2019 ein Asylgesuch stellte. Am 

30. Januar 2019 wurde sie summarisch befragt. 

C.  

Mit Verfügung vom 15. April 2019 trat das SEM nicht auf das Asylgesuch 

der Beschwerdeführerin ein und ordnete ihre Wegweisung nach Italien so-

wie den Vollzug der Wegweisung an.  

D.  

Mit Verfügung vom 15. Dezember 2020 hob das SEM seine Verfügung vom 

15. April 2019 auf und nahm das nationale Asylverfahren wieder auf, nach-

dem die Frist zur Überstellung nach Italien abgelaufen und die Zuständig-

keit für die Behandlung des Asylgesuches damit auf die Schweiz überge-

gangen war.  

E.  

Am 13. Januar 2021 wurde die Beschwerdeführerin einlässlich zu den 

Asylgründen angehört.  

Zur Begründung ihres Gesuches machte sie im Wesentlichen geltend, ihr 

Ehemann sei seit dem Jahr 2007 verschollen – die sri-lankischen Behörden 

hätten ihm Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE)-Verbindungen unter-

stellt, weswegen er vor seinem Verschwinden mehrmals befragt und be-

helligt worden sei. Sie habe seit seinem Verschwinden nach ihm gesucht 

und regelmässig an Demonstrationen teilgenommen. Bei Versuchen, ihren 

Ehemann ausfindig zu machen, sei sie im Jahr 2010 während einer Nacht 

in einem Armeecamp gefoltert und mehrfach vergewaltigt worden. Sie sei 

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Seite 3 

anschliessend von Unbekannten sexuell belästigt sowie im Jahr 2014 von 

einem Criminal Investigation Department (CID)-Beamten bedrängt worden.  

Seit dem negativen Asylentscheid vom 10. März 2015 habe sie an zahlrei-

chen Veranstaltungen und Demonstrationen im Zusammenhang mit ver-

missten Personen teilgenommen. Sie sei im Jahr 2017 nach Indien geflo-

hen, weil ein Demonstrationsteilnehmer erschossen worden sei, bezie-

hungsweise, weil sie erneut in den Fokus der sri-lankischen Behörden ge-

raten und mehrfach Opfer physischer, sexueller und psychischer Gewalt 

geworden sei. So sei sie unter dem Vorwand, ihr Ehemann sei gefunden 

worden, vom CID zwei Mal in einen Hinterhalt gelockt und vergewaltigt 

worden. In Indien habe sie bei einem Cousin, einem LTTE-Mitglied, ge-

wohnt. Nach dessen Verhaftung sei sie im Jahr 2018 wieder nach Sri Lanka 

gereist. In der Nacht nach ihrer Rückkehr hätten ein beziehungsweise meh-

rere Unbekannte an ihr Fenster geklopft. Aus Angst, vergewaltigt zu wer-

den, sei sie am nächsten Tag aus Sri Lanka ausgereist.  

Zur Stützung ihrer Vorbringen reichte sie unter anderem ihre Identitätskarte 

im Original, einen Zeitungsartikel betreffend ihren verschollenen Ehemann, 

ein Schreiben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) so-

wie medizinische Berichte zu den Akten. 

F.  

Am 12. Februar 2021 (Poststempel) wurde ein aktueller medizinischer Be-

richt zu den Akten gereicht. 

G.  

Mit Verfügung vom 11. März 2021 – eröffnet frühestens am 12. März 2021 

– lehnte das SEM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab und ordnete 

die Wegweisung sowie den Vollzug an. 

H.  

Mit Eingabe vom 12. April 2021 erhob die Beschwerdeführerin gegen die-

sen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean-

tragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die Rückwei-

sung an die Vorinstanz, eventualiter die Feststellung der Flüchtlingseigen-

schaft und die Asylgewährung, subeventualiter die Feststellung der Unzu-

lässigkeit, allenfalls der Unzumutbarkeit, des Wegweisungsvollzugs und 

die Anordnung der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz. In formeller Hin-

sicht ersuchte sie um die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, um 

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Seite 4 

Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um amtliche Ver-

beiständung. 

I.  

Mit Zwischenverfügung vom 22. April 2021 hiess die Instruktionsrichterin 

die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie um 

Befreiung von der Kostenvorschusspflicht gut und setzte die rubrizierte 

Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin ein. 

J.  

In seiner Vernehmlassung vom 6. Mai 2021 hielt das SEM vollumfänglich 

an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Be-

schwerde. 

K.  

Mit Eingabe vom 4. Juni 2021 reichte die Beschwerdeführerin einen medi-

zinischen Bericht mit Diagnose bezüglich generalisierter Angststörung und 

depressiver Störung (mittelgradige Episode) zu den Akten.  

L.  

Am 23. Juli 2021 reichte die Beschwerdeführerin einen medizinischen Zwi-

schenbericht betreffend Hinweis auf eine Posttraumatische Belastungsstö-

rung (PTBS) zu den Akten. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

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Seite 5 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und aArt. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf 

die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Die Beschwerdeführerin beantragte in ihrem Hauptbegehren, die Sa-

che sei ans SEM zurückzuweisen. Sie machte die unvollständige Sachver-

haltsabklärung sowie die Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes gel-

tend, indem die Vorinstanz es unterlassen habe, einen psychiatrischen Be-

richt abzuwarten. Angesichts ihrer psychischen Verfassung seien die Er-

eignisse, insbesondere hinsichtlich des fluchtauslösenden Vorfalls im Jahr 

2017, nicht genügend abgeklärt worden, beziehungsweise habe es die  

Vorinstanz in Verletzung der Untersuchungspflicht unterlassen, den Sach-

verhalt durch Vertiefungsfragen genügend zu erstellen.  

3.2 Die entsprechenden Rügen stossen ins Leere. Die Beschwerdeführerin 

wurde von der Vorinstanz eingeladen, einen ärztlichen Bericht einzu-

reichen. Aus dem medizinischen Bericht vom 12. Februar 2021 ergeben 

sich noch keine Hinweise auf derartige gesundheitliche Probleme, dass 

weitere ärztliche Abklärungen hätten abgewartet werden müssen. Die Be-

schwerdeführerin wurde denn auch auf ihre Mitwirkungspflicht gemäss 

Art. 8 AsylG aufmerksam gemacht. Dazu gehört die Einreichung wichtiger 

Beweismittel, weshalb in diesem Zusammenhang nicht von einer Verlet-

zung des Untersuchungsgrundsatzes auszugehen ist, zumal angesichts 

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Seite 6 

des langen vorinstanzlichen Verfahrens genügend Gelegenheit dazu be-

standen hätte. Mit der Beschwerde wurden sodann weitere ärztliche Be-

richte zu den Akten gereicht, sodass der Sachverhalt auch aktuell als voll-

ständig erstellt erachtet werden kann. Aus den Akten ergeben sich denn 

auch keine Hinweise, dass weitere Abklärungen der Vorinstanz zu den Er-

eignissen im Jahr 2017 nötig wären beziehungsweise dass die Vorinstanz 

ihrer Pflicht der Sachverhaltserstellung ungenügend nachgekommen wäre. 

Der Antrag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz wird demnach 

abgewiesen, womit das Gericht in der Sache zu entscheiden hat (Art. 61 

Abs. 1 VwVG). 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG; vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 

m.w.H.). 

5.  

5.1 Zur Begründung seiner Verfügung führte das SEM im Wesentlichen 

aus, die Schilderungen der Beschwerdeführerin seien nicht glaubhaft. Es 

seien diametrale Abweichungen bezüglich den Problemen mit den Behör-

den und den Grund ihrer Ausreise nach Indien zu erkennen. Bei der BzP 

habe sie angegeben, nach ihrer Teilnahme an Demonstrationen keine 

Probleme mit den Behörden gehabt zu haben und wegen der Erschiessung 

eines Demonstranten nach Indien gereist zu sein. Hingegen habe sie bei 

der Anhörung vorgebracht, beinahe täglich von den Behörden behelligt 

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worden zu sein und aufgrund einer Vergewaltigung nach Indien geflohen 

zu sein. Ihre Erklärung, sie habe die Vergewaltigungen aus Angst um ihre 

Kinder verschwiegen, vermöge nicht zu überzeugen. So sei nicht nachvoll-

ziehbar, weshalb sie die mutmassliche Tötung eines Demonstranten sowie 

ihre Festnahme und Misshandlungen im Jahr 2010 habe nennen können, 

die Vergewaltigungen aber verschwiegen hätte.  

Zudem seien ihre Ausführungen zur vorgebrachten Verfolgungssituation 

auffallend knapp und stereotyp ausgefallen. Im Vergleich zu den Aussagen 

im Zusammenhang mit dem Verschwinden ihres Ehemannes würden sich 

ihre Aussagen im Zusammenhang mit dem CID hinsichtlich Struktur und 

Ausführungsdichte unterscheiden. Es erscheine zweifelhaft, dass das CID 

sie wiederholt in einen Hinterhalt habe locken können und sie den Anrufern 

weiterhin geglaubt habe. Insgesamt hätten ihre Aussagen nicht die Qualität 

aufgewiesen, die zu erwarten gewesen wäre, wenn sie dieses Ereignis tat-

sächlich erlebt habe.  

Vor diesem Hintergrund seien ihre Aussagen zum fluchtauslösenden Er-

eignis ebenfalls unglaubhaft. Sie habe bei der BzP erklärt, ein junger, mas-

kierter Mann habe an ihr Fenster geklopft, während sie bei der Anhörung 

von mindestens zwei Personen, die sie belästigt und mit Gegenständen 

beworfen hätten, gesprochen habe. Allerdings könne die Glaubhaftigkeit 

dieser Vorbringen offen bleiben, weil der geschilderte Vorfall mangels aus-

reichender Intensität ohnehin den Anforderungen an die Flüchtlingseigen-

schaft nicht genüge. Die vor Rechtskraft des ersten Asylentscheids erleb-

ten Übergriffe hätten im Botschaftsverfahren vorgebracht werden müssen 

und seien auch nicht kausal für ihre Ausreise gewesen. 

Auch im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka habe die Beschwerdeführerin 

keine begründete Furcht vor Verfolgung. Sie sei bis im August 2018 in Sri 

Lanka wohnhaft gewesen, habe also nach Kriegsende noch neun Jahre in 

ihrem Heimatstaat gelebt. Weil sie mit ihrem eigenen Pass über den Flug-

hafen von Colombo ausgereist sei, sei auch kein aktuelles Verfolgungsin-

teresse der sri-lankischen Behörden an ihrer Person ersichtlich. Auch die 

am 16. November 2019 erfolgte Präsidentschaftswahl vermöge diese Ein-

schätzung nicht umzustossen, da sie keinen persönlichen Bezug zu eben 

diesem Ereignis respektive dessen Folgen dargetan habe. 

5.2 In ihrer Rechtsmitteleingabe hielt die Beschwerdeführerin im Wesentli-

chen an der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen fest. Hinsichtlich der vermeint-

lichen Widersprüche zu den alltäglichen Belästigungen und Behelligungen 

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Seite 8 

durch die Behörden führte sie aus, sie habe diese anlässlich der BzP – sie 

sei angewiesen worden, sich kurz zu halten – nicht erwähnt, da diese ge-

nerell gewesen seien und sich auch gegen sie als alleinstehende Frau ge-

richtet hätten; andere Familien von Verschollenen hätten Ähnliches erlebt, 

wie sie an der Anhörung ausgeführt habe. Vielmehr seien die einschnei-

denden Schlüsselereignisse, die zu ihrer Flucht geführt hätten, die Verge-

waltigungen in den Jahren 2010 und 2017 gewesen.  

Zu ihrer Aussage bei der BzP, die Erschiessung eines Demonstranten habe 

sie zur Ausreise nach Indien bewegt, führte sie aus, bei der Würdigung 

dieser Aussage, sei der soziokulturelle Hintergrund, wonach Opfer von Ver-

gewaltigungen in Sri Lanka stigmatisiert und diskriminiert würden, zu be-

rücksichtigen. Diesbezügliche Tabuisierungen, Schuldzuweisungen und 

traditionelle Vorstellungen würden es Opfern eines sexuellen Übergriffs er-

schweren, über die Geschehnisse zu sprechen. Somit würden Vergewalti-

gungsopfer meist zu indirekten und euphemistischen Formulierungen grei-

fen. Demnach sei nachvollziehbar, weshalb sie im Rahmen der BzP nicht 

über die erlittene sexuelle Gewalt erzählt habe. Dies gelte umso mehr, da 

sie durch diese Ereignisse traumatisiert sei. Ihre zuweilen knappen Aussa-

gen seien ebenfalls durch die Traumatisierung – sie sei immer wieder in 

Tränen ausgebrochen und habe schreien müssen – erklärbar.  

Weiter sei nachvollziehbar, dass CID-Leute sie mehrmals an verschiedene 

Orte hätten locken können. Sie habe nach dem Verschwinden ihres Man-

nes ihre gesamte Energie in die Suche nach ihm gesteckt, wobei sie sich 

mit diversen Hilfsorganisationen und Armeecamps in Verbindung gesetzt 

habe. Es verstehe sich von selber, dass sie jede noch so kleine Spur ver-

folgt habe. Allerdings sei sie den Anrufen nicht blind gefolgt, sondern je-

weils in Begleitung von Verwandten dorthin gegangen. Schliesslich er-

gänzte die Beschwerdeführerin den Sachverhalt zum Ausreisegrund da-

hingehend, dass sie zuerst ein Klopfen an ihrem Fenster gehört habe, wo-

nach sie mit Seifenstücken und Zahnpasta beworfen worden sei.  

Hinsichtlich ihrer Aussagefähigkeit führte sie aus, traumatisierte Menschen 

hätten Mühe, Abläufe zeitlich und räumlich chronologisch zu schildern. Sie 

könnten häufig Details nicht richtig zuordnen und einzelne Erinnerungen 

nicht steuern, was zu stark unstrukturierten Aussagen führen könne. Unter 

Berücksichtigung ihrer individuellen Fähigkeiten und ihres Zustandes sei 

es ihr gelungen, ihre Verfolgung glaubhaft zu machen.  

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Die erlittenen Vergewaltigungen seien gemäss der Rechtsprechung des 

Bundesverwaltungsgerichts als schwerwiegende Eingriffe in ihre körperli-

che Integrität zu qualifizieren. Weil sie bereits im Jahr 2010 Opfer einer 

Vergewaltigung geworden sei, sei ihre Furcht vor weiteren Misshandlungen 

und Vergewaltigungen als objektiv nachvollziehbar und realistisch einzu-

schätzen. Unter Hinweis auf internationale Berichte führte die Beschwer-

deführerin aus, sexuelle Gewalt gegen tamilische Frauen sei in Sri Lanka 

weit verbreitet, wobei Täter weitgehende Straflosigkeit geniessen würden. 

Oftmals werde sexuelle Gewalt auch gezielt als Folterinstrument bei Ver-

dacht auf LTTE-Verbindungen eingesetzt. Sexuelle Belästigung und Ge-

walt sowohl durch Militärangehörige als auch die Zivilbevölkerung bleibe 

eine tägliche Realität für tamilische Frauen. Es sei deshalb von der fehlen-

den Schutzgewährung des sri-lankischen Staates auszugehen.  

Bei einer Rückkehr nach Sri Lanka würde sie als Tamilin und alleinste-

hende Frau aus dem Norden bereits bei der Einreise systematisch ins Vi-

sier der Sicherheitskräfte geraten. Zudem sei sie einem Risiko einer asyl-

relevanten Verfolgung ausgesetzt, da ihr Mann ein LTTE-Mitglied gewesen 

sei und seit dem Jahr 2007 als verschollen gelte. Angesichts der aktuellen 

politischen Situation sowie ihres Risikoprofils sei sie bei einer Rückkehr 

nach Sri Lanka asylrelevanter Verfolgung ausgesetzt. 

6.  

6.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Durchsicht der Akten zum 

Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch der Beschwerdeführerin mit 

zutreffender Begründung abgelehnt hat. Ihre zentralen Verfolgungsvorbrin-

gen genügen den Anforderungen an die Glaubhaftmachung im Sinne von 

Art. 7 AsylG insgesamt nicht. 

6.2 Einleitend ist festzustellen, dass die Belästigungen im Zusammenhang 

mit dem Verschwinden des Ehemannes im Jahr 2007 sowie die geltend 

gemachten Vergewaltigungen im Jahr 2010, selbst wenn diese glaubhaft 

sind, sie heute noch prägen und traumatische Erlebnisse darstellen, nicht 

zeitlich kausal für ihre Ausreise im Jahr 2018 waren und deshalb für sich 

betrachtet keine Vorverfolgung zu begründen vermögen. Schliesslich ist 

darauf hinzuweisen, dass sich ihre Vorbringen im Allgemeinen (abgesehen 

von den Angaben zum Verschwinden ihres Ehemannes) kaum mit den 

Asylvorbringen des im Jahr 2010 angestrengten Botschaftsverfahrens de-

cken. 

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Seite 10 

6.3 Entgegen der Ansicht des SEM ist es zwar durchaus nachvollziehbar, 

dass die Beschwerdeführerin traumatische sexuelle Gewalterfahrungen 

nicht bereits bei der BzP vorzubringen vermochte (vgl. BVGE 2013/22  

E. 5.5; 2009/51 E. 4.2.3). Das verspätete Vorbringen sexueller Gewalter-

fahrungen kann durch kulturell bedingte Schuld- und Schamgefühle bezie-

hungsweise einen Selbstschutzmechanismus erklärbar sein (vgl. BVGE 

2013/22 E. 5.5; 2009/51 E. 4.2.3 mit Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 17  

E. 4a-c). Opfer von Gewalt können über traumatische Erlebnisse zum Teil 

nicht gleich zu Beginn des Asylverfahrens sprechen, sondern erst in des-

sen späteren Verlauf. Solche ergänzenden Aussagen dürfen nicht vor-

schnell als nachgeschoben und folglich als unglaubhaft eingestuft werden. 

Vielmehr gilt es, sie bezüglich ihrer logischen Konsistenz zu überprüfen: 

umfassen sie eine detailliertere und in sich stimmige Schilderung des zu 

einem früheren Zeitpunkt zu Protokoll gegebenen Kerngeschehens, so 

zeugt dies in der Regel von einem typischen Aussageverhalten bei Trau-

matisierten, erhöht die Aussagequalität und ist als Indiz für die Glaubhaf-

tigkeit des Erlebten zu werten. Weisen die ergänzenden Aussagen hinge-

gen bezüglich des Kerngeschehens gravierende Widersprüche zu früheren 

Aussagen auf und ist die asylsuchende Person auch nicht in der Lage, sol-

che wesentlichen Ungereimtheiten plausibel zu erklären, so ist von einem 

Simulationsversuch einer Traumatisierung auszugehen. Erst eine sorgfäl-

tige Analyse der im Verlauf des Asylverfahrens vorgebrachten ergänzen-

den Aussagen lässt Rückschlüsse auf deren Wahrheitsgehalt zu. Unerläss-

lich ist es dabei, die Aussagen in den länderspezifischen und soziokulturel-

len Kontext einzubetten. Wesentlich ist, dass selbst eine mit einem psy-

chologischen Gutachten diagnostizierte PTBS für sich allein nicht den 

Nachweis liefert, dass die erlittene Traumatisierung unter den geltend ge-

machten Umständen tatsächlich stattgefunden hat, sondern durchaus an-

dere Ursachen als die geschilderten haben kann – auch hier bedarf es ei-

ner Gesamtbetrachtung aller Aspekte des Einzelfalls (vgl. STEPHAN PARAK, 

Was stimmt denn jetzt?, in: LUDEWIG/BAUMER/TAVOR [Hrsg.], Aussagepsy-

chologie für die Rechtspraxis, 2017, S. 384). 

6.4 Auch in Anbetracht des vorher Gesagten vermochte die Beschwerde-

führerin jedoch die geltend gemachte Gewalt nach 2015 und insbesondere 

im Jahr 2017 nicht glaubhaft zu machen.  

6.4.1 Es ist zwar durchaus verständlich, dass sie Mühe hätte, eine Verge-

waltigung zu schildern. Allerdings sind viele ihrer Schilderungen auch rund 

um die entsprechenden Erlebnisse, die nicht die Vergewaltigungen betref-

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Seite 11 

fen, dermassen substanzlos, dass die konkreten Geschehnisse nicht an-

gemessen beleuchtet wurden (vgl. B28 F74, F80). Auf konkrete Nachfra-

gen hin, wich die Beschwerdeführerin stets auf Allgemeinplätze und eine 

generelle Bedrohungslage aus. Zwar machen ihre vagen Ausführungen al-

leine die Angaben nicht unglaubhaft, sie sind aber Indizien, die ihr Asylge-

such als zu wenig begründet erscheinen lassen.   

6.4.2 Dem SEM ist aber insofern beizupflichten, als dass die Beschwerde-

führerin anlässlich der BzP und der Anhörung widersprüchliche Angaben 

gemacht hat. Diese betreffen zentrale Punkte ihrer Asylbegründung. Ge-

mäss ihren eigenen Angaben und sogar auf Nachfrage verneinte sie bei 

der BzP explizit nach ihrer Teilnahme an den Demonstrationen jemals 

selbst Opfer von Gewalttaten geworden zu sein. Obgleich ihr Schweigen 

zur sexuellen Gewalt verständlich ist, wäre zu erwarten gewesen, dass sie 

zumindest ansatzweise die nicht sexuelle Gewalt, wie etwa Schikanen  

oder Belästigungen – wie sie dies hinsichtlich der Ereignisse im Armee-

camp getan hatte (vgl. B8 Ziff. 7.02) –, bereits anlässlich der BzP erwähnt 

hätte. Als Grund für die Ausreise nannte sie anlässlich der BzP denn auch 

explizit nur den Tod eines anderen Demonstrationsteilnehmers und ihre be-

kundete Furcht vor zukünftigen Repressalien. Fraglich bleibt dabei, wes-

halb die Angst um ihre Kinder ausschlaggebend dafür gewesen sein soll, 

dass sie an der BzP nichts von den erlittenen Vergewaltigungen erzählen 

konnte.  

6.4.3 Es ist der Beschwerdeführerin zwar zuzustimmen, dass ihre Schwie-

rigkeiten, die Chronologie der Ereignisse aufzuzeigen, nicht ausschlagge-

bend für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen sind. Allerdings 

vermochte sie das Erlebte bloss in allzu vager und knapper Weise zu schil-

dern. Es finden sich hauptsächlich im Zusammenhang mit dem Verschwin-

den ihres Ehemannes und der Inhaftierung im Armeecamp im Jahr 2010 

Realkennzeichen und Nebensächlichkeiten in ihren Erzählungen. Selbst 

wenn verständlich ist, dass sie ihre Hoffnungen an Nachrichten zu ihrem 

Ehemann geklammert hat, bleiben ihre Schilderungen zu den Drohungen 

und einem Hinterhalt des CID gänzlich oberflächlich und wenig nachvoll-

ziehbar. 

6.4.4 Widersprüche und Ungereimtheiten ergeben sich schliesslich auch 

bezüglich der Ausreise im Jahr 2018. Denn die ergänzenden Aussagen zu 

ihren Fluchtgründen – die ebenfalls nicht die geltend gemachte sexuelle 

Gewalt betreffen – decken sich nicht vollständig mit ihren Angaben bei der 

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Seite 12 

BzP. Als Ausreisegrund im Jahr 2018 erwähnte sie einerseits die Bedro-

hung durch einen jungen, maskierten Mann am Fenster (BzP: vgl. B8  

Ziff. 7.02) und andererseits mehrere Unbekannte, die Seifenstücke und 

Zahnpasta an ihr Fenster geworfen hätten (Anhörung: vgl. B28 F82). Weil 

sie dieses konkrete Ereignis als Ausreisegrund nannte, wäre zu erwarten 

gewesen, dass sie dieses sicherlich einschneidende Erlebnis besonders 

genau und detailliert hätte schildern können. Auch die freiwillige Rückreise 

der Beschwerdeführerin aus Indien spricht gegen eine begründete Furcht 

vor Verfolgung. Und schliesslich wirft es Fragen auf, wie sie nach nur einem 

Tag – ohne Vorbereitung – mit ihrem eigenen Pass und mit einem italieni-

schen Visum ausgestattet ausgereist sein will. Insgesamt sind die Vorbrin-

gen zum fluchtauslösenden Ereignis mit Zweifeln behaftet, die auch durch 

den auf Beschwerdeebene ergänzten Sachverhalt nicht entkräftet werden 

können.  

6.5 Diesen Erwägungen gemäss ist zwar nicht auszuschliessen, dass die 

Beschwerdeführerin nach dem Verschwinden des Ehemannes oder im 

Jahr 2010 einschneidende Gewalterfahrungen machen musste. Es ist je-

doch angesichts der erwähnten Substanzlosigkeit, Widersprüche und Un-

gereimtheiten – die sich nicht allein mit einer Traumatisierung erklären las-

sen – nicht davon auszugehen, dass sie in den Jahren vor der Ausreise 

noch im Fokus der Behörden stand und ernsthafte Nachteile erlebt hat oder 

solche objektiv zu befürchten hatte. Auch die ärztlichen Berichte, in denen 

eine Angststörung, Anzeichen einer PTBS und eine mittelgradige Depres-

sion diagnostiziert werden, ändern nichts an dieser Einschätzung, zumal 

sie nicht deren genaue Ursache und schon gar nicht den Zeitpunkt von 

Gewalterfahrungen belegen können (vgl. Urteil des BVGer E-1728/2020 

vom 16. Juni 2021 E. 9.3 m.w.H.).  

7.  

7.1 Es bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr 

nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im 

Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat, weshalb die Flüchtlingseigen-

schaft festzustellen wäre. 

7.2 Vorliegend erwog die Vorinstanz zu Recht, es bestehe aufgrund der 

Angaben der Beschwerdeführerin kein begründeter Anlass zur Annahme, 

dass sie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrschein-

lichkeit oder in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnah-

men ausgesetzt sein werde. Die Beschwerdeführerin weist keine Risiko-

faktoren im Sinne des Referenzurteils E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 auf, 

D-1637/2021 

Seite 13 

aufgrund derer davon auszugehen wäre, dass ihr bei einer Rückkehr mit 

beachtlicher Wahrscheinlichkeit asylrelevante Verfolgungsmassnahmen 

drohten. Nach Ansicht des Gerichts hat sie vorliegend keine Massnahmen 

zu befürchten, die über einen sogenannten Background Check (Befragun-

gen, Überprüfung von Auslandsaufenthalten und Tätigkeiten in Sri Lanka 

und im Ausland) hinausgehen. Es bestehen auch keine Anhaltspunkte, 

dass sie wegen Verbindungen zu den LTTE ins Visier der heimatlichen Be-

hörden geraten ist. Daran vermag auch das LTTE-Engagement ihres ver-

schollenen Ehemannes und des Cousins in Indien nichts zu ändern. Zwar 

ist gerade bei Personen, die bereits in der Vergangenheit Übergriffen aus-

gesetzt waren, das subjektive Element der Furcht mitzuberücksichtigen. 

Auch dies vermag vorliegend jedoch nicht zu einer anderen Einschätzung 

zu führen, zumal die Beschwerdeführerin nach den Übergriffen noch viele 

Jahre im Heimatstaat verblieb und von Indien her freiwillig heimkehrte. Die 

Beschwerdeführerin hat zudem in der Anhörung ausdrücklich verneint, in 

der Schweiz je exilpolitisch tätig gewesen zu sein (vgl. B28 F79). Daher hat 

sie auch nicht zu befürchten, in Zukunft ins Visier der sri-lankischen Sicher-

heitskräfte zu geraten. Vielmehr konnte sie im Jahr 2018 mit ihrem Reise-

pass über den Flughafen Colombo legal ausreisen, ohne von den Behör-

den behelligt zu werden. Folglich erscheint ein Eintrag in die «Stop-List» 

oder «Watch-List» der sri-lankischen Behörden ebenso unwahrscheinlich. 

Das Gesagte gilt auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Be-

schwerdeführerin mehrere Jahre in der Schweiz als Asylbewerberin geweilt 

hat und aus diesem Land zurückgeschafft würde. Denn Angehörige der ta-

milischen Ethnie sind bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell ei-

ner ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt (vgl. 

E‑1866/2015 E. 8.3).  

7.3 Auch die politischen Veränderungen seit November 2019 vermögen im 

vorliegenden Verfahren zu keiner anderen Beurteilung zu führen. Das SEM 

wies in seiner Verfügung zutreffend darauf hin, dass die Beschwerdeführe-

rin lediglich pauschal auf Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit 

verwiesen hat und keinen persönlichen Bezug zu diesen Ereignissen 

glaubhaft gemacht hat.   

7.4 Gesamthaft ist es vorliegend nicht überwiegend wahrscheinlich, dass 

die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Sri Lanka einem erhöhten 

Verfolgungsrisiko ausgesetzt wäre und ernsthafte Nachteile im Sinne von 

Art. 3 Abs. 2 AsylG zu befürchten hätte. Das SEM hat demnach zu Recht 

festgestellt, dass sie die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, und das Asyl-

gesuch abgelehnt. 

D-1637/2021 

Seite 14 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

D-1637/2021 

Seite 15 

9.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf 

hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-

sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der 

Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-

fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 

AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-

fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in 

den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmäs-

sig. 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin 

noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-

schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-

ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung 

ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für 

Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr («real risk») nach-

weisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter 

oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR 

Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–

127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat 

lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig 

erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl 

im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

9.4  Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

9.5 Aktuell herrscht in Sri Lanka weder Krieg noch eine Situation allgemei-

ner Gewalt. Der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz Sri Lankas ist zu-

mutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (ins-

besondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Bezie-

hungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und 

Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. E-1866/2015 E. 13.2). An dieser 

Einschätzung ist auch unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklungen 

in Sri Lanka festzuhalten. 

D-1637/2021 

Seite 16 

Das Gericht erachtet den Vollzug vorliegend als zumutbar. Wie das SEM 

zutreffend ausführte, hat die Beschwerdeführerin in Sri Lanka ein tragfähi-

ges familiäres und soziales Beziehungsnetz. Ihre Eltern, ihr inzwischen 

volljähriger Sohn (der als Zimmermann arbeitet), ihre ebenfalls erwach-

sene Tochter sowie zwei Schwestern leben weiterhin mit ihren Ehemän-

nern in Sri Lanka. Zwar war die Beschwerdeführerin nach Abschluss ihres 

O-Levels nie erwerbstätig, sie wurde aber gemäss eigenen Angaben durch 

ihre im Ausland lebenden Brüder und die Eltern finanziell unterstützt. Das 

Gericht geht davon aus, dass sie – sollte sie keiner Erwerbstätigkeit nach-

gehen können – weiterhin finanzielle Unterstützung durch die in Sri Lanka 

lebenden Verwandten sowie ihre in der Schweiz und im Vereinigten König-

reich wohnhaften Geschwister erhalten wird. Somit ist davon auszugehen, 

dass sie bei ihrer Rückkehr die individuellen Zumutbarkeitskriterien erfüllt. 

Daran vermögen auch die auf Beschwerdeebene eingereichten Arztbe-

richte nichts zu ändern. Ihre psychischen Beschwerden können auch in Sri 

Lanka, welches über ein funktionierendes öffentliches Gesundheitssystem 

verfügt, angemessen behandelt werden (vgl. Urteil des BVGer  

D-3647/2019 vom 14. April 2021 E. 9.8; Home Office, Country Policy and 

Information Note Sri Lanka: Medical Treatment and Healthcare, 

< https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/up-

loads/attachment_data/file/903780/Sri_Lanka_-_Medical_CPIN_-

_v.1.0_July_2020.pdf >, abgerufen am 20.09.2021). Diesbezüglich ist da-

rauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin gemäss eigenen Angaben 

in Sri Lanka bereits in psychologischer Behandlung war (vgl. B28 F111) 

und gemäss ärztlichem Bericht vom 29. Juni 2021 erfolglos ein landesspra-

chiger Behandlungsplatz in der Schweiz evaluiert wurde. Ferner kann sie 

auf die Möglichkeit der Inanspruchnahme medizinischer Rückkehrhilfe hin-

gewiesen werden (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 75 der Asylverord-

nung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]). Nach dem Gesagten 

erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar.  

9.6 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

9.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

D-1637/2021 

Seite 17 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

 

11.  

11.1  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten (des Verfahrens) 

grundsätzlich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; 

Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

Nachdem das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

mit Zwischenverfügung vom 22. April 2021 gutgeheissen wurde und es 

keine Hinweise auf eine massgebliche zwischenzeitliche Veränderung gibt, 

sind jedoch keine Kosten aufzuerlegen. 

11.2 Mit derselben Zwischenverfügung wurde die rubrizierte Rechtsvertre-

terin der Beschwerdeführerin als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. 

Diese ist unbesehen des Ausgangs des Verfahrens zu entschädigen soweit 

dieser sachlich notwendig war (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2 VGKE). In 

ihrer Kostennote vom 12. April 2021 hat die Rechtsvertreterin einen Auf-

wand von insgesamt 12 Stunden (Besprechung, Aktenstudium und Verfas-

sen der Beschwerde) geltend gemacht, was als der Sache nicht angemes-

sen und zu hoch bezeichnet werden muss. Nach dem Gesagten ist das 

amtliche Honorar aufgrund der Aktenlage, der massgebenden Bemes-

sungsfaktoren (Art. 12 i.V.m. Art. 9-11 VGKE) und des praxisgemässen 

Stundenansatzes auf Fr. 1364.– festzusetzen (was einem Aufwand von 

8 Stunden entspricht, inkl. Auslagen; das amtliche Honorar umfasst keinen 

Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE). 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-1637/2021 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Der rubrizierten Rechtsvertreterin wird für ihren Aufwand als amtliche 

Rechtsbeiständin ein Honorar von Fr. 1364.– ausgerichtet.  

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Angela Hefti 

 

 

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