# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ad11d148-e3de-574a-88bc-f4d696a52f1c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-10-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.10.2017 D-4480/2016
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4480-2016_2017-10-03.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4480/2016 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 .  O k t o b e r  2 0 1 7  

Besetzung 
 Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Daniele Cattaneo,    

Gerichtsschreiberin Anne Kneer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Sri Lanka,  

(…),   

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 15. Juni 2016 / N (…). 

 

 

 

D-4480/2016 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer 

Ethnie – verliess gemäss seinen Angaben Sri Lanka am 7. Juli 2014 und 

reiste per Flugzeug über Thailand, Dubai und Deutschland am 9. Juli 2014 

in die Schweiz ein, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 22. Juli 

2014 wurde er summarisch befragt und am 15. April 2015 eingehend zu 

seinen Asylgründen angehört.  

Dabei machte er im Wesentlichen geltend, er sei im Jahr 2006 den Libera-

tion Tigers of Tamil Eelam (LTTE) beigetreten, da eine Person pro Haushalt 

der Bewegung habe beitreten müssen. Er habe bis 2007 als Fahrer für die 

LTTE gearbeitet und unter anderem den Kämpfenden Essen, aber auch 

Munition gebracht. Später hätte er eine militärische Ausbildung absolvieren 

sollen. Da er aber nicht im Krieg habe kämpfen wollen, sei er im Juli bezie-

hungsweise August 2007 nach Indien geflohen. Dort habe er sich bis im 

Jahr 2013 illegal aufgehalten bevor er nach Sri Lanka zurückgekehrt sei. 

Dem Criminal Investigation Department (CID) sei verraten worden, dass er 

aus Indien zurückgekehrt sei, woraufhin er mehrmals vom CID zuhause 

und in einem Camp der sri-lankischen Armee (SLA) verhört und misshan-

delt worden sei. Es sei ihm vorgeworfen worden, bei den LTTE tätig gewe-

sen zu sein. Er habe dies jeweils verneint. Nach einigen Stunden hätten 

sie ihn wieder gehen lassen. Seit diesen Verhören habe er sich versteckt 

gehalten. Einige Tage später sei er von einem Freund gewarnt worden, 

dass er von der SLA gesucht werde, weshalb er davon ausgehe, dass Be-

weise für seine LTTE-Tätigkeit vorliegen würden. Er habe sich daraufhin 

versteckt und sei im Juni 2014 schliesslich mit einem auf seinen Bruder 

ausgestellten Pass ausgereist. Seit seiner Ausreise sei seine Mutter mehr-

mals von der Armee über seinen Verbleib befragt worden.  

Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er seine Identitätskarte zu den Ak-

ten.  

B.  

Das SEM stellte mit Verfügung vom 15. Juni 2016 – eröffnet am 20. Juni 

2016 – fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

lehnte sein Asylgesuch vom 9. Juli 2014 ab und verfügte die Wegweisung 

sowie den Vollzug.  

C.  

Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 20. Juli 2016 gegen diese 

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Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte 

zur Hauptsache die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Gewäh-

rung von Asyl und die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, eventualiter 

die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme, subeventualiter die Rückwei-

sung der Sache ans SEM zur Abklärung des rechtserheblichen Sachver-

halts. In formeller Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche Rechtspflege im 

Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie um Verzicht auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses.  

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 26. Juli 2016 stellte der damals zuständige 

Instruktionsrichter fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des 

Verfahrens in der Schweiz abwarten, hiess das Gesuch um Gewährung 

der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG unter 

der Voraussetzung des Nachreichens einer Fürsorgebestätigung gut und 

forderte den Beschwerdeführer auf, innert Frist eine Fürsorgebestätigung 

nachzureichen oder einen Kostenvorschuss zu leisten, unter Androhung 

des Nichteintretens im Unterlassungsfall.  

E.  

Am 28. Juli 2016 wurde der verlangte Kostenvorschuss fristgerecht geleis-

tet.  

F.  

Das SEM reichte mit Eingabe vom 13. September 2016 eine Vernehmlas-

sung zu den Akten.  

G.  

Am 19. Oktober 2016 nahm der Beschwerdeführer zur Vernehmlassung 

des SEM Stellung und reichte ein Schreiben eines sri-lankischen Parla-

mentsmitglieds, welches seine Aussagen bestätige, eine DVD mit einer 

Filmaufnahme eines Angriffs auf einen Bus in Sri Lanka und drei Fotos ei-

ner Demonstration in B._______ vom (…) 2016 ins Recht.  

H.  

Mit Zwischenverfügung vom 14. Dezember 2016 wurde der Beschwerde-

führer aufgefordert, eine Einwilligungserklärung seines Bruders und des-

sen Ehefrau für die Einsicht in deren Asylakten (N […]) beizubringen. 

Gleichzeitig wurde festgestellt, dass über den Antrag um Einsicht in die 

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Asylakten nach Eingang der Einwilligungserklärung entschieden respek-

tive bei ungenutzter Frist das Verfahren aufgrund der Akten entschieden 

werde.  

I.  

Mit Schreiben vom 28. Dezember 2016 reichte der Beschwerdeführer die 

entsprechenden Einwilligungserklärungen zu den Akten.  

J.  

Mit Zwischenverfügung vom 22. Februar 2017 wurden dem Beschwerde-

führer die Protokolle der Befragungen des Bruders (N […], act. A1 und A7) 

zugestellt und ihm Gelegenheit zur Stellungnahme gewährt.  

K.  

Mit Eingabe vom 9. März 2017 nahm der Beschwerdeführer zu den Aussa-

gen des Bruders Stellung.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 

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Seite 5 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Zur Begründung der angefochtenen Verfügung führte das SEM im We-

sentlichen aus, die Angaben des Beschwerdeführers seien an der Befra-

gung im Vergleich zur Anhörung widersprüchlich ausgefallen. So habe er 

bei der Befragung angegeben, bis im Juli 2006 als Hilfsarbeiter gearbeitet 

zu haben. Anschliessend habe er sich bis im Juli 2007 versteckt, weil Leute 

gesucht worden seien und sei dann nach Indien ausgereist. Andererseits 

habe er ausgeführt, er sei von Juni bis August 2006 für die LTTE tätig ge-

wesen. An der Anhörung habe er wiederum angegeben, er habe sich den 

LTTE bereits im Jahr 2005 angeschlossen. Demgegenüber habe er auch 

angegeben, der Bewegung von Mai/Juni 2006 bis August 2007 beigetreten 

zu sein. Darauf angesprochen, weshalb er sich im Jahr 2007 versteckt 

habe, habe er ausgeführt, sich vor der Armee in C._______ in der Nähe 

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eines Teiches versteckt zu haben. Auf Nachfrage machte er geltend, er 

habe geglaubt, nach dem Versteck im Jahr 2013 beim Onkel gefragt wor-

den zu sein, er habe sich im Jahr 2007 nicht versteckt. Dem sei entgegen-

zuhalten, dass er als Ortschaft für das Versteck beim Onkel D._______ 

angegeben habe und trotz mehrfachem Nachfragen kein Gewässer er-

wähnt habe. Ausserdem habe er sich beim Onkel sechs bis sieben Monate 

und nicht fünf Monate aufgehalten. Weiter habe er angegeben, Waffen für 

die LTTE zwischen E._______ und F._______ sowie G._______ und 

H._______ transportiert zu haben. Später habe er angegeben, Güter in die 

Kriegsgebiete nach I._______ und J._______ gefahren zu haben. Auf-

grund dieser unpräzisen und widersprüchlichen Aussagen bezüglich seiner 

Tätigkeit für die LTTE würden erhebliche Zweifel am Wahrheitsgehalt sei-

ner Angaben bestehen. Darüber hinaus würden seine Schilderungen rund 

um die Mitgliedschaft bei den LTTE undifferenziert und unkonkret ausfal-

len. So habe er das Beitrittsprozedere nicht schildern können oder die 

Dienstgrade der Vorgesetzten nicht benennen können. Auch seine Anga-

ben als Fahrer seien weitgehend oberflächlich und inhaltsleer. Zur Häufig-

keit der Transportfahrten habe er unpräzise angegeben, einmal pro Woche 

oder täglich tätig gewesen zu sein. Eine spezielle Erinnerung an die Zeit 

bei der LTTE habe er nicht abrufen können. Schliesslich seien seine Schil-

derungen wie er die LTTE verlassen habe äusserst knapp und oberfläch-

lich.  

4.2 In seiner Beschwerde machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen 

geltend, er habe sehr konkret, detailliert und mit vielen Realitätsmerkmalen 

(insb. direkte Rede, Gestik, Schilderung von Gefühlen und Gedanken) die 

Verhöre durch das CID und den Grund für seine Flucht geschildert. Die 

Schilderungen bezüglich der erlittenen Verhöre seien als glaubhaft zu qua-

lifizieren. Es würde kein Widerspruch bezüglich des Ortes des Verhörs vor-

liegen, da er jeweils gesagt habe, dass das CID jeweils zu ihm nach Hause 

gekommen sei und ihn daraufhin einmal ins Camp mitgenommen habe. 

Der Widerspruch ergebe sich aus verschiedenen Arten zu kommunizieren 

respektive aus einem aneinander vorbei reden. Weiter habe er mehrmals 

geschildert, warum er den LTTE beigetreten sei und was passiert wäre, 

wenn er nicht beigetreten wäre. Er sei in den politischen Bereich eingezo-

gen worden und nicht in den militärischen, weshalb er die Dienstgrade nicht 

habe benennen können. Er sei unterschiedlich häufig als Fahrer eingesetzt 

worden. Es könne ihm aus der Beantwortung der diesbezüglichen Frage 

nicht vorgeworfen werden, dass er unpräzise geantwortet habe, zumal er 

die Fragen, wo er sich sonst aufgehalten habe, konkret beantwortet habe. 

Er habe weiter bezüglich einer speziellen Erinnerung auf den Anschlag auf 

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einen Schulbus verwiesen, bei welchem er in der Nähe und Zeuge gewe-

sen sei. Dies sei eine umfassende Antwort und eine prägende Erinnerung 

an die alltägliche Kriegsgewalt. In Bezug auf die zeitlichen Einordnungen 

würden tatsächlich vielerlei Unklarheiten bestehen. Er habe ein Durchei-

nander mit den Daten und sich sehr oft versteckt. Er habe sich sowohl vor 

seinem LTTE-Beitritt eine Weile lang versteckt, und zweimal während sei-

ner Tätigkeit als Fahrer, sei aber stets aufgefunden worden. Er sei jeweils 

verwarnt worden, ohne dass er weitere Konsequenzen hätte erleiden müs-

sen. Erst als er ins Kampftraining hätte versetzt werden sollen, habe er sich 

zur Flucht entschieden. Bezüglich der unterschiedlichen Angaben zu den 

Transporten sei darauf hinzuweisen, dass sich die Fragen einmal auf Mu-

nitionstransporte richteten, jedoch nicht aus der Frage hervorgehe, ob er 

für den Essenstransport unterschiedliche Strecken gefahren sei. Er habe 

nicht gesagt, dass sein Bruder sich in einem Flüchtlingscamp befunden 

habe. Auch an der Befragung habe er angegeben, dass Personen aus dem 

Dorf seine Rückkehr aus Indien verraten hätten, sein Bruder habe aber 

verraten, dass er für die LTTE tätig gewesen sei. Zusammenfassend sei 

festzuhalten, dass seine Aussagen glaubhaft seien. Dies betreffe zumin-

dest seine Aussagen zu den Verhören im Jahr 2013 durch das CID nach 

seiner Rückkehr aus Indien. Mit seinem Aufenthalt in Indien sei er über acht 

Jahre landesabwesend. Die Abwesenheit in Indien könne unter anderem 

durch die Aussagen seines Bruders in dessen Asylverfahren belegt wer-

den. Zudem sei sein Bruder in der Schweiz als Flüchtling anerkannt, was 

auch für sein Gefährdungsprofil relevant sei. Auch die Lage in Sri Lanka 

sei trotz einzelner Fortschritte in den Fragen des Prevention of Terrorism 

Act (PTA) und der fehlenden Aufklärung von Kriegsverbrechen unverändert 

kritisch. Bei einer gesamtheitlichen Betrachtung der Gefährdungsfaktoren 

und im Lichte der Menschenrechtslage in Sri Lanka müsse der Schluss 

gezogen werden, dass er im Falle einer Rückkehr ernsthaften Nachteilen 

ausgesetzt würde, welche als asylrelevant zu qualifizieren wären.  

4.3 In seiner Vernehmlassung vom 13. September 2016 stellte das SEM 

im Wesentlichen fest, insbesondere das Unvermögen detaillierte und er-

lebnisgeprägte Aussagen sowohl zu seinem LTTE-Beitritt als auch zu den 

angeblich für die LTTE ausgeführte Tätigkeiten zu machen, sei als wesent-

licher und überwiegender Umstand gegen die Glaubhaftigkeit erachtet wor-

den. Indem auch die Äusserungen zur angeblichen späteren Verfolgungs-

situation widersprüchlich und unkonkret ausgefallen seien, seien die Vor-

bringen als unglaubhaft zu qualifizieren. An dieser Einschätzung würden 

weder die Äusserungen in der Beschwerde noch der Inhalt der Verfahrens- 

akten seines Bruders etwas zu ändern vermögen. Dieser habe darüber 

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hinaus mit keinem Wort erwähnt, dass der Beschwerdeführer in der LTTE 

gewesen sei, sondern habe ausgesagt, dass ein weiterer Bruder den LTTE 

zwangsweise beigetreten sei. Dieser Bruder habe aber fliehen können. In 

diesem Zusammenhang scheine es erstaunlich, dass der Beschwerdefüh-

rer mit einem gefälschten Pass, lautend auf diesen Bruder, aus Sri Lanka 

habe ausreisen können.  

4.4 In seiner Replik machte der Beschwerdeführer nebst Erläuterungen zu 

den eingereichten Beweismitteln im Wesentlichen geltend, es müsse sich 

bei den Aussagen seines Bruders um eine Verwechslung handeln. Es sei 

kaum möglich, dass sein kleinerer Bruder den LTTE beigetreten sei und er 

mit diesem Pass habe ausreisen können. Dieser Bruder sei nie bei den 

LTTE gewesen.  

4.5 In der Eingabe vom 9. März 2017 ergänzte der Beschwerdeführer im 

Wesentlichen, sein Bruder bestätige in dessen Anhörung seinen Aufenthalt 

in Indien, und dass der kleinere Bruder von den LTTE weggelaufen sei. Er 

sei jedoch davon ausgegangen, dass dieser nie bei den LTTE war. Er sei 

lange nicht in Sri Lanka gewesen und habe nach der Rückkehr eigene 

Probleme gehabt. Er habe wenig Kontakt zu seinen Geschwistern.  

5.  

5.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend 

substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in 

vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich 

sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder 

der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl-

suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere 

dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, 

wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im 

Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet 

nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-

wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz 

zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus 

Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch-

stellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Ge-

richt von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für 

wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma-

chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen 

zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche 

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und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar-

stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob 

die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, 

überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-

len (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 

5.2 Vorauszuschicken ist, dass bei der Durchsicht des Anhörungsproto-

kolls diverse Verständigungsprobleme zwischen der Befragerin, der Dol-

metscherin und dem Beschwerdeführer auffallen. So ist die Anhörung von 

Unklarheiten in der Übersetzung respektive in den Antworten (so A18/25 

F7 ff., F24, F46, F76, F115 f., F133, F165, F200 ff., F223 ff.), Unverständ-

lichkeiten wegen „gebrochenen Sätzen und verschluckten Wörtern“ (expli-

zit in A18/25 F32 ff.) sowie offensichtlichen Missverständnissen (vgl. 

A18/25 F101 ff., F185 f., F190 ff., F199 ff., F241) gezeichnet. Diese Über-

setzungsproblematik (wohl auch kultureller Natur) ist denn nicht einzig dem 

Beschwerdeführer anzulasten, sondern muss in genereller Weise als be-

einflussender Faktor in der Glaubhaftigkeitsprüfung berücksichtigt werden 

(dazu UNHCR, Beyond Proof, Credibility Assessment in EU Asylum Sys-

tems, 2013, S. 258 f. Gyulai, Kagan, Herlihy, Turner, Hárdi, Udvarhelyi 

[Hrsg.], Credibility Assessment in Asylum Procedures, 2013, S. 105 ff.). 

Trotz dieses nicht zweifelsfreien Anhörungsprotokolls ist der Sachverhalt 

jedoch als erstellt zu erachten.  

5.3 Für das Bundesverwaltungsgericht erscheint denn in einem ersten 

Schritt der längere Aufenthalt in Indien als überwiegend glaubhaft. Den Auf-

enthalt bestätigte nicht nur sein Bruder in dessen Befragungen (vgl. N […], 

A1/8 S. 3, A7/15 F37 ff.), sondern auch die Schilderungen des Beschwer-

deführers erscheinen diesbezüglich zwar kurz, aber durchaus logisch und 

stimmig (so insbesondere A18/25 F56 ff., F142 ff.). Insgesamt sind die Aus-

sagen des Beschwerdeführers als nicht besonders substanziiert zu be-

zeichnen. Dieser Erzählstil behält der Beschwerdeführer jedoch im Ver-

laufe der Anhörung bei und ist somit als gleichbleibend und über alle Sach-

verhaltsvorbringen homogen zu beschreiben. Daher ist im vorliegenden 

Einzelfall festzustellen, dass diese knappe Erzählweise dem persönlichen 

Erzählstil des Beschwerdeführers entspricht. Eine plötzlich überaus detail-

reiche Schilderung eines Ereignisses würde vorliegend aus dem Rahmen 

fallen und müsste als Bruch im Erzählstil bezeichnet werden. Entgegen der 

Ansicht des SEM, vermag der Beschwerdeführer aber trotz der knappen 

Erzählweise durchaus detailreiche, gehaltvolle Antworten zu geben (so zur 

Tätigkeit bei den LTTE: A18/25, F109, F111 und zu den Befragungen: 

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A18/25 F157 ff.), womit ein Bild von tatsächlich Erlebtem zu entstehen ver-

mag. Zu berücksichtigen ist überdies, dass seit dem LTTE-Beitritt über 

zehn Jahre vergangen sind und sich in der Zwischenzeit vieles ereignete. 

Dass sich der Beschwerdeführer daher nicht mehr an jedes Detail erinnert 

und die Ereignisse eher schematisch zu schildern vermag, ist verständlich, 

zumal es sich bei der Tätigkeit für die LTTE, welche darüber hinaus nicht 

besonders lange andauerte, lediglich um Fahrdienste handelte. Der vom 

SEM aufgeführte Widerspruch respektive die Unklarheiten zwischen Be-

fragung und Anhörung hinsichtlich des Beitritts- und Austrittsdatums ist an-

gesichts der sonst stimmigen chronologischen Schilderung als nicht derart 

diametral gegensätzlich zu qualifizieren, um als derart wesentlich erachtet 

zu werden, dass die LTTE-Zugehörigkeit als Ganzes nicht mehr als glaub-

haft zu qualifizieren wäre (so bereits Entscheidungen und Mitteilungen der 

Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1993 Nr.3). Bezüglich 

der Passage des Beitritts zu den LTTE (vgl. A18/25 F100 ff.) ist festzustel-

len, dass sich gerade hier die Befragerin und der Beschwerdeführer nicht 

zu verstehen schienen und aneinander vorbei redeten. So fragte die Be-

fragerin zwar mehrmals nach dem Einberufungsprozedere zu den LTTE, 

dem Beschwerdeführer schien jedoch nicht klar zu sein, welcher Moment 

die Befragerin geschildert haben wollte und verwies jeweils auf seine dann 

ausgeführte Tätigkeit und seine Ausreise aus Angst nach Indien. Der Be-

schwerdeführer vermag indessen sowohl seine Tätigkeit als auch die Angst 

vor einem Kampftraining und dem Einsatz an der Front glaubhaft darzule-

gen (vgl. A18/25 F104, F110 ff., F138 f.). Auch der vom SEM aufgeführte 

Widerspruch bezüglich der Ortschaften seiner Fahrertätigkeit vermag nicht 

zu überzeugen, sind die gegebenen Antworten doch auf verschiedene 

Kontexte der Fragen zu beziehen (A18/25 F111 ff.: Fahrten allgemein res-

pektive die Esswaren; A18/25 F123 f. Fahrten mit Munition). Nach Ansicht 

des Bundesverwaltungsgerichts wird aus den Befragungen des Bruders 

denn auch nicht abschliessend klar, welche Brüder sich den LTTE ange-

schlossen haben, zumal sich der Beschwerdeführer zu dieser Zeit gerade 

in Indien befand und zwischen den Brüdern offenbar aufgrund der ver-

schiedenen Wohnorte und Familien kein enger Kontakt bestand (vgl. 

A18/25 F19 ff., F79 ff.). Im Sinne einer Gesamtbetrachtung unter Berück-

sichtigung der oben genannten beeinflussenden Faktoren erscheint dem-

nach auch die Einberufung in die LTTE sowie die Fahrertätigkeit des Be-

schwerdeführers als glaubhaft.  

5.4 In Bezug auf die Erlebnisse nach der Rückkehr aus Indien im Jahr 

2013, welche den Beschwerdeführer abermals zur Flucht aus Sri Lanka 

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Seite 11 

veranlasst haben, ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer die Behel-

ligungen durch das CID zeitlich sowohl als örtlich widerspruchsfrei einzu-

ordnen vermag. So können – insbesondere auch angesichts der nicht wort-

wörtlichen Protokollierung bei der Befragung – die Aussagen des Be-

schwerdeführers nicht dahingehend interpretiert werden, dass er bei der 

ersten Befragung nur zu Hause befragt wurde. In diesem Sachverhaltszu-

sammenhang erscheint denn in erster Linie relevant, dass das CID ihn zu-

nächst zweimal verhörte, bevor dann abermals nach ihm gesucht wurde. 

Bezeichnenderweise vermag der Beschwerdeführer die Befragungen des 

CID mit Widergabe in direkter Rede sowie anderen Realkennzeichen sub-

stanziiert zu schildern (vgl. A18/25 F89, F155 ff). Der Beschrieb des Ab-

laufs des Gesprächs zwischen den Leuten aus dem Van und der Mutter 

des Beschwerdeführers – mit welcher er auch in der Schweiz in Kontakt 

stehe – ist zwar wiederum in Kohärenz mit seinem Erzählstil als kurz zu 

bezeichnen. Jedoch wurden auf Nachfragen bezüglich Anzahl Personen, 

Ausweisen, weiteren Details, welche die Mutter ihm mitgeteilt haben 

könnte, verzichtet. Demgegenüber vermag der Beschwerdeführer die Fra-

gen zum Van und seiner Furcht, endgültig verhaftet zu werden, schlüssig 

und konsistent zu beantworten (vgl. A18/25 F167 ff.). Dass sich der Be-

schwerdeführer schliesslich mehrere Monate bis zur Ausreise bei seinem 

Onkel im nahem Wald versteckte, erscheint zwar verkürzt vorgebracht, 

müsste es dem Beschwerdeführer doch möglich sein, mehr über diese Zeit 

zu schildern. Aufgrund dieser wiederum im Erzählstil kohärenten Art des 

Vorbringens kann dennoch nicht insgesamt auf die Unglaubhaftigkeit ge-

schlossen werden. Im Übrigen bleibt festzuhalten, dass die auf Beschwer-

deebene eingereichten Beweismittel (DVD und Schreiben eines Parlamen-

tariers) zwar ebenfalls nicht zur Glaubhaftmachung der Vorbringen beitra-

gen, zumal nicht ersichtlich ist, weshalb der Parlamentarier solch präzise 

Angaben zu Daten hätte machen können, die der Beschwerdeführer selbst 

nie so detailliert angab. Auch wird dessen Beziehung zum Parlamentarier 

nicht verdeutlicht. Im Weiteren bleibt ungeklärt, wie der Beschwerdeführer 

zu einer solch detaillierten bildlichen Wiedergabe eines ihm angeblich ein-

schneidend in Erinnerung gebliebenen Erlebnisses (Bombardierung eines 

Schulbusses durch die LTTE) gelangen konnte und wie diese zu jenem 

Zeitpunkt (zwischen 2006 und 2007) hätte aufgenommen werden können, 

zumal die Datei im Jahr 2016 erstellt worden zu sein scheint. Trotzdem ist 

dies alleine ungenügend, um deshalb von der Unglaubwürdigkeit des Be-

schwerdeführers auszugehen.  

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Seite 12 

5.5 Im Sinne einer Gesamtbetrachtung aller Indizien, welche für oder ge-

gen die Glaubhaftigkeit der Vorbringen sprechen, erscheinen die vom Be-

schwerdeführer geltend gemachten Vorbringen trotz gewisser Zweifel un-

ter Berücksichtigung des tieferen Beweismassstabs der Glaubhaftma-

chung im Sinne von Art. 7 AsylG als überwiegend glaubhaft. Für die nach-

folgende Prüfung der Flüchtlingseigenschaft wird demnach auf den Sach-

verhalt in Bst. A verwiesen.  

6.  

6.1 In einem nächsten Schritt ist somit zu prüfen, ob die Behelligung des 

Beschwerdeführers durch den CID und die Suche nach ihm aufgrund sei-

ner Tätigkeit für die LTTE eine Verfolgung darstellt, die die erforderliche 

Intensität im Sinne von Art. 3 AsylG aufweist, weshalb seine Flüchtlingsei-

genschaft anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren wäre. 

6.2 In seinem Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 hat das Bun-

desverwaltungsgericht festgestellt, dass angesichts der in den vergange-

nen Jahren aufgetretenen Verhaftungs- respektive Folterfälle von aus Eu-

ropa zurückkehrenden sri-lankischen Staatangehörigen tamilischer Ethnie 

davon auszugehen ist, dass die sri-lankischen Behörden gegenüber Per-

sonen tamilischer Ethnie, welche nach einem Auslandaufenthalt nach Sri 

Lanka zurückkehren, eine erhöhte Wachsamkeit aufweisen. Da aber ins-

besondere aus statistischen Gründen nicht generell angenommen werden 

kann, dass jeder aus Europa respektive der Schweiz zurückkehrende ta-

milische Asylsuchende alleine aufgrund seines Auslandaufenthalts einer 

ernstzunehmenden Gefahr vor Verhaftung und Folter ausgesetzt ist, muss 

ermittelt werden, ob gewisse Personen aufgrund bestimmter Merkmale e-

her Gefahr laufen, von den sri-lankischen Behörden misshandelt zu wer-

den (E. 8.1 und 8.3 m.w.H.; vgl. auch den Leitentscheid BVGE 2011/24). 

Dabei wurden die folgenden, nicht abschliessend zu verstehenden Risiko-

faktoren identifiziert: eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder 

vergangene Verbindung zu den LTTE, Beziehung zu einer regimekritischen 

politischen Gruppe, Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Hand-

lungen, das Vorliegen früherer Verhaftungen durch die sri-lankischen Be-

hörden (üblicherweise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder ver-

muteten Verbindung zu den LTTE), Fehlen der erforderlichen Identitätspa-

piere bei der Einreise beziehungsweise Rückkehrende mit temporären Rei-

sedokumenten, zwangsweise Rückführung nach Sri Lanka oder durch die 

IOM (Internationale Organisation für Migration) begleitete Rückführung, 

(sichtbare) Narben, gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land 

sowie wohl auch Strafverfahren beziehungsweise Strafregistereintrag 

D-4480/2016 

Seite 13 

(E. 8.4 m.w.H.). Vor dem Hintergrund dieser Risikofaktoren kam das Bun-

desverwaltungsgericht im genannten Referenzurteil zum Schluss, dass im 

Kern jene Rückkehrenden eine begründete Furcht vor ernsthaften Nach-

teilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen 

Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt sind, den nach wie vor als 

Bedrohung wahrgenommenen tamilischen Separatismus wiederaufleben 

zu lassen, und so den sri-lankischen Einheitsstaat zu gefährden; auch nach 

dem Machtwechsel im Januar 2016 scheint es nämlich ein wichtiges Ziel 

des sri-lankischen Staates zu sein, jegliches Aufflammen des tamilischen 

Separatismus im Keim zu ersticken (E. 8.5.1).  

6.3 Die vorgenannten Faktoren sind im Falle des Beschwerdeführers als 

gegeben zu erachten. Zunächst ist der Beschwerdeführer ein sri-lankischer 

Staatsangehöriger tamilischer Ethnie aus dem Norden Sri Lankas und hat 

sein Heimatland zum ersten Mal im Jahr 2007 für sechs Jahre und nun vor 

rund drei Jahren abermals verlassen und hält sich seither in der Schweiz 

auf. Er ist demnach seit längerem landesabwesend und befindet sich in 

einem exilpolitischen Zentrum der LTTE, was ihn bereits per se in den Fo-

kus der sri-lankischen Behörden rücken lässt. Dazu kommt die Zwangsrek-

rutierung durch die LTTE im Jahr 2006. Diese wenn auch niederschwellige 

Tätigkeit als Fahrer von Esswaren und Munition ist den sri-lankischen Be-

hörden angesichts ihrer Reaktion nach der Heimkehr des Beschwerdefüh-

rers aus Indien bekannt. Die in diesem Zusammenhang erlittenen Behelli-

gungen durch den CID vermögen zweifelsohne die Schwelle der ernsthaf-

ten Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu erreichen. Der Beschwerdefüh-

rer macht darüber hinaus auch geltend, dass seine Mutter nach seiner Aus-

reise mehrmals nach seinem Aufenthaltsort befragt wurde (vgl. A18/25 

F36 ff.), was auf ein nach wie vor bestehendes Verfolgungsinteresse hin-

weist. Weiter ist zu berücksichtigen, dass die Tätigkeit des Bruders des 

Beschwerdeführers für die LTTE, welcher für die Bewegung an der Front 

kämpfte und von den sri-lankischen Behörden gesucht wurde, im heutigen 

Kontext ebenfalls als stark risikobegründend zu qualifizieren ist. Darüber 

hinaus verfügt der Beschwerdeführer über nahe Verwandte in London – 

einem weiteren exilpolitischen Zentrum der LTTE (vgl. BVGE 2011/24 

E. 10.4.2) –, was sein Risikoprofil wiederum zu schärfen vermag. Es ist 

daher anzunehmen, dass die sri-lankischen Behörden dem Beschwerde-

führer ein Interesse am Wiederaufflammen des tamilischen Separatismus 

zuschreiben, zumal gemäss dem Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 

2016 auch das Vorliegen mehrerer schwach risikobegründender Faktoren 

die Annahme einer begründeten Furcht vor ernsthaften Nachteilen im 

Sinne von Art. 3 AsylG zu rechtfertigen vermag (E. 8.5.5). Somit ist mit 

D-4480/2016 

Seite 14 

überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Be-

schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka aufgrund seiner Vor-

bringen ernsthafte Nachteile zu befürchten hätte, weshalb eine begründete 

Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG besteht, so dass er als 

Flüchtling anzuerkennen ist. 

7.  

Aus seiner niederschwelligen Tätigkeit für die LTTE ist kein Grund zur An-

nahme einer Asylunwürdigkeit im Sinne von Art. 53 AsylG ersichtlich. Die 

Munitionstransporte vermögen die Schwelle der verwerflichen Handlungen 

nicht zu erreichen.  

8.  

Diesen Erwägungen gemäss ist die Beschwerde gutzuheissen, die Verfü-

gung der Vorinstanz vom 15. Juni 2016 aufzuheben und das SEM anzu-

weisen, dem Beschwerdeführer in der Schweiz Asyl zu gewähren.  

Unter diesen Umständen ist auf das Vorbringen, exilpolitisch aktiv zu sein, 

nicht einzugehen.  

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG). Der einbezahlte Kostenvor-

schuss ist zurückzuerstatten. 

9.2 Dem Beschwerdeführer wäre angesichts seines Obsiegens im Be-

schwerdeverfahren in Anwendung von Art. 64 VwVG eine Parteientschädi-

gung für ihm erwachsene notwendige Vertretungskosten zuzusprechen 

(vgl. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 

Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, 

SR 173.320.2). Nachdem der Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren 

nicht vertreten war, ist nicht davon auszugehen, dass ihm notwendige und 

verhältnismässig hohe Kosten erwachsen sind, weshalb keine Parteient-

schädigung auszurichten ist. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-4480/2016 

Seite 15 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen.  

2.  

Die Verfügung des SEM vom 15. Juni 2016 wird aufgehoben und das SEM 

wird angewiesen, dem Beschwerdeführer in der Schweiz Asyl zu gewäh-

ren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der am 28. Juli 2016 einbe-

zahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.– wird zurückerstattet. 

4.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Contessina Theis Anne Kneer 

 

 

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