# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7d1784c1-d048-59c4-b4dc-a4154a05dabb
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-08-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.08.2011 D-6009/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6009-2006_2011-08-15.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­6009/2006/wif

U r t e i l   v om   1 5 .   Augus t   2 0 1 1

Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz),
Richterin Christa Luterbacher, Richter Hans Schürch;
Gerichtsschreiber Philipp Reimann.

Parteien A._______, geboren am (…),
Afghanistan,
vertreten durch Annelise Gerber,
(…),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Gegenstand Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 15. Juni 2006 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer  verliess  seine  Heimat  eigenen  Angaben  zufolge 
am  22. Mai  2005  und  gelangte  am  14. Mai  2006  nach  längeren 
Aufenthalten  im  Iran,  der  Türkei  sowie  Griechenland  illegal  in  die 
Schweiz, wo er am folgenden Tag um Asyl nachsuchte. Am 18. Mai 2006 
erhob das BFM im Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen 
seine  Personalien  und  befragte  ihn  zu  seinem  Reiseweg  sowie – 
summarisch – zu seinen Ausreisegründen. Am 12. Juni 2006 befragte ihn 
das BFM einlässlich zu seinen Asylgründen. Im Wesentlichen machte der 
Beschwerdeführer  dabei  geltend,  er  sei  in  B._______  in  der  heutigen 
Provinz C._______ (…) geboren (vgl. act. A1/9 S. 1 Ziff. 1.10 i.V.m. act. 
A13/12 S. 1 sub "Identität").  Im Jahre 2000 oder 2001 sei seine Familie 
von C._______ in die Stadt Herat gezogen. Im Jahr 2003 habe sein Vater 
eine  Verlobte  für  ihn  gefunden,  wobei  ihm  das  Benehmen  ihrer  Mutter 
nicht gefallen habe. Gleichwohl habe er aus Zuneigung zu seinem Vater 
in  die  Verlobung  eingewilligt,  die  im  Juli  2003  gefeiert  worden  sei.  Er 
selbst  sei  zusammen  mit  seinem  ältesten  Bruder  als  D._______  tätig 
gewesen.  Etwa  ein  Jahr  nach  seiner  Verlobung  habe  er  in  der  Nähe 
seines  Arbeitsortes  eine  junge  Frau  namens  E._______  kennengelernt, 
die  bereits  verheiratet  und  deren Ehemann F._______  gewesen  sei.  Er 
habe  eine  Liebesbeziehung  mit  E._______  begonnen,  wobei  sie  sich 
jeden  Freitagvormittag  in  einem  Park  getroffen  hätten  und  spazieren 
gegangen  seien.  Sie  beide  hätten  auch  beabsichtigt,  zu  heiraten. 
Ungefähr  ein  Jahr  später  hätten  der  Ehemann  der  jungen  Ehefrau  und 
deren  Schwiegervater  von  ihrer  heimlichen  Affäre  erfahren,  was  ihm 
E._______  mittels  Schulkindern  als  eingesetzten  Boten  sogleich 
zugetragen  habe.  Am  folgenden  Tag  sei  sein  Vater  von  einem 
Verwandten  des  betrogenen  Ehemannes  abgeholt  und  zu  den 
Weissbärtigen begleitet worden. Er selbst habe sich  in dieser Zeit  in der 
Nähe  der  Stadt  Herat  versteckt.  Sein  Vater  habe  in  der  Folge  bei  den 
Weissbärtigen erfahren, dass er, der Beschwerdeführer, und E._______ 
gesteinigt werden sollten. Nachdem er zwei oder drei Tage später nach 
Hause zurückgekehrt sei, habe ihm sein Vater hiervon erzählt,  ihm Geld 
gegeben  und  ihn  aufgefordert,  Afghanistan  schnellstmöglich  zu 
verlassen,  worauf  er  seine Heimat  wenig  später  verlassen  habe  und  in 
den  Iran weitergereist sei. Etwa sechs Monate später habe er auch den 
Iran verlassen und sei im Mai 2006 in die Schweiz gelangt.

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B. 
Mit  –  selbentags  eröffneter  –  Verfügung  vom  15. Juni  2006  stellte  das 
BFM  fest,  der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft  nicht, 
und  lehnte  das  Asylgesuch  ab.  Zur  Begründung  führte  das  BFM 
namentlich  aus,  seine  Vorbringen  genügten  den  Anforderungen  an  das 
Glaubhaftmachen  nicht,  da  sie  teils  der  allgemeinen  Erfahrung 
widersprechend  beziehungsweise  unlogisch,  teils  auffallend  vage, 
stereotyp und undifferenziert ausgefallen seien. Gleichzeitig verfügte das 
BFM  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  und 
ordnete  den  Vollzug  der  Wegweisung  an.  In  diesem  Zusammenhang 
merkte die Vorinstanz an, der Beschwerdeführer verfüge in seiner Heimat 
über  ein  soziales  Beziehungsnetz,  da  dort  sowohl  seine  beiden  Eltern, 
seine  Geschwister  sowie  ein  Onkel  und  eine  Tante  leben  würden.  Im 
weiteren  führe sein Vater  in der Stadt Herat einen G._______, während 
sein  ältester  Bruder  im  H.______  tätig  sei.  Ferner  spreche  der 
Beschwerdeführer nach eigenen Angaben sowohl Dari als auch Farsi und 
sei  des  Lesens  und  Schreibens  kundig,  womit  seine  Chancen  gut 
stünden,  sich  bei  einer  Rückkehr  nach  Afghanistan  wieder  ins 
wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in seiner Heimat reintegrieren 
zu  können.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  erscheine  auch  unter 
Berücksichtigung  der  gegenwärtigen  Lage  im  Heimatland  als  zulässig, 
zumutbar und möglich.

C. 
Mit Eingabe vom 17. Juli 2006 liess der Beschwerdeführer mittels seiner 
Rechtsvertreterin gegen den Entscheid des BFM vom 15. Juni 2006 bei 
der  damals  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK) 
Beschwerde erheben und beantragen, es sei der negative Asylentscheid 
vom  15. Juni  2006  aufzuheben.  Es  sei  seine  Flüchtlingseigenschaft 
festzustellen  und  ihm  als  Folge  davon Asyl  zu  gewähren.  Eventuell  sei 
die Unzulässigkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und seine 
vorläufige Aufnahme anzuordnen. Eventuell  sei  die Unzumutbarkeit  des 
Vollzugs  der Wegweisung  festzustellen  und  seine  vorläufige  Aufnahme 
anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht  liess er beantragen, es sei 
ihm  die  unentgeltliche  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des 
Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  zu  gewähren.  Auf  die 
Begründung  der  Beschwerde  wird,  soweit  entscheiderheblich,  im 
Rahmen der Erwägungen eingegangen.

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D. 
Mit Instruktionsverfügung vom 21. Juli 2006 hielt die vormalige ARK fest, 
der  Beschwerdeführer  dürfe  den  Ausgang  seines  Verfahrens  in  der 
Schweiz abwarten. Im Weiteren verwies sie das Gesuch um Gewährung 
der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art.  65 Abs.  1 VwVG  in 
den  Endentscheid  und  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses.  Ausserdem ersuchte  die ARK die Rechtsvertretung 
darum, ihr allfällige Veränderungen in den finanziellen Verhältnissen des 
Beschwerdeführers umgehend mitzuteilen.

E. 
Das BFM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 29. August 2006 die 
Abweisung der Beschwerde.

F. 
Die  ARK  stellte  der  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers  die 
Vernehmlassung des BFM vom 29. August 2006 am 11. September 2006 
zur Kenntnisnahme zu.

G. 
Mit  Schreiben  vom  11. Juli  2007  teilte  die  Rechtsvertreterin  des 
Beschwerdeführers  dem  seit  dem  1. Januar  2007  als 
Nachfolgeorganisation  der  ARK  zuständigen  Bundesverwaltungsgericht 
mit,  dass  sie  ab  sofort  nicht  mehr  bei  der  Asylhilfe  Bern  arbeite,  das 
vorliegende  Beschwerdeverfahren  indessen  weiterhin  betreue,  wobei 
weitere Korrespondenz an ihre neue Adresse (…) zu richten sei.

H. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  19. Juli  2011  räumte  das 
Bundesverwaltungsgericht  dem  Beschwerdeführer  mittels  seiner 
Rechtsvertreterin  die  Möglichkeit  ein,  angesichts  der  bereits  länger 
zurückliegenden  Ausreise  aus  seiner  Heimat  allfällige  Änderungen 
hinsichtlich  seines  sozialen  Beziehungsnetzes  in  der  Stadt  Herat 
bekanntzugeben.  Sollte  das  Gericht  bis  zum  3. August  2011  ohne 
Nachricht  geblieben  sein,  werde  davon  ausgegangen,  dass  die  vom 
Beschwerdeführer  diesbezüglich  im  Rahmen  des  Asylverfahrens 
gemachten Aussagen nach wie vor aktuell seien.

I. 
Mit Eingabe vom 2. August 2011 teilte die Rechtsvertreterin mit, dass ihr 
Mandant heute mit seiner Familie keinen Kontakt mehr habe. Wie er zu 

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einem  früheren Zeitpunkt  in Erfahrung  gebracht  habe,  sei  sein  jüngerer 
Bruder,  I._______, zu einem Onkel nach Pakistan gegangen.  I._______ 
habe  ihm  seinerzeit  erzählt,  dass  die  Familie  wieder  von  Herat  nach 
C._______  zurückgekehrt  sei  und  den G._______  in Herat  aufgegeben 
habe.  Sein  Bruder  habe  ihm  damals  auch  mitgeteilt,  dass  seine  (des 
Beschwerdeführers)  frühere  Freundin  (E._______)  vielleicht  ebenfalls 
nach  Pakistan  geflohen  sei.  Seit  einem  Jahr  sei  indessen  auch  der 
Kontakt  zwischen  ihrem  Mandanten  und  dessen  vorerwähntem  Bruder 
abgebrochen.  Er  wisse  somit  nicht,  wo  sich  seine  Familie  momentan 
aufhalte.

Im Weiteren  reichte die Rechtsvertreterin namentlich drei Bestätigungen 
bezüglich vom Beschwerdeführer besuchter Deutschkurse in den Jahren 
2006 und 2007 zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  im  Bereich  des  Asylrechts  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  eines  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes 
vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2. Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  am  1. Januar  2007  die  bei  der 
vormaligen ARK am 31. Dezember 2006 hängig gewesenen Rechtsmittel 
übernommen.  Die  Beurteilung  erfolgt  nach  neuem  Verfahrensrecht 
(Art. 53 Abs. 2 VGG).

1.3.  Der  Beschwerdeführer  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, 
hat ein schutzwürdiges  Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung und  ist daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert. Auf 

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die  frist­ und  formgerecht eingereichte Beschwerde  ist somit einzutreten 
(Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1,  50  und  Art. 52 
VwVG).

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen psychischen Druck bewirken (vgl. Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

4. 
4.1.  Der  Beschwerdeführer  begründete  sein  Asylgesuch  namentlich 
damit, er habe aus Afghanistan  flüchten müssen, da  ihm die Steinigung 
gedroht  habe,  nachdem  sein  Liebesverhältnis  mit  einer  verheirateten 
Frau  deren Ehemann  beziehungsweise  dessen Vater  bekanntgeworden 
sei.

4.2. Wie das BFM  in der angefochtenen Verfügung  indessen zutreffend 
festgestellt  hat,  weisen  die  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  in 
Bezug auf den Verlauf der Affäre und  in Bezug auf sein Verhalten nach 
Bekanntwerden  seines  Liebesverhältnisses  derart  viele Ungereimtheiten 

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auf,  dass  an  der  Glaubhaftigkeit  seiner  entsprechenden  Vorbringen 
gezweifelt werden muss.

4.2.1.  So  ist  tatsächlich  nicht  nachvollziehbar,  weshalb  der 
Beschwerdeführer  jeden Freitag einen Spaziergang mit seiner Geliebten 
in einem öffentlichen Park unternommen und sie bisweilen auch zuhause 
besucht haben soll, da hierdurch das reelle Risiko bestanden hätte, von 
einer Person aus dem Umfeld des Ehemannes oder seiner Geliebten als 
deren  Begleiter  entdeckt  beziehungsweise  beobachtet  zu  werden.  Die 
diesbezügliche,  im  Übrigen  reichlich  undifferenziert  anmutende 
Entgegnung  in  der  Beschwerde,  die  Nachbarn  in  Herat  seien  "alles 
vertriebene Menschen" gewesen, die "sich auch nicht so für die privaten 
Angelegenheiten der anderen"  interessiert hätten  (vgl. Beschwerde S. 4 
oben), vermag hieran im Ergebnis nichts zu ändern, da sie die Gefahr für 
den  Beschwerdeführer,  von  Bekannten  oder  Verwandten  der  Geliebten 
oder  deren  Ehemannes  in  der  Öffentlichkeit  entdeckt  zu  werden,  ja 
keineswegs beseitigt hätte.

4.2.2.  Realitätsfremd  wirkt  sodann  die  Behauptung  des 
Beschwerdeführers,  er  habe  sich  erst  in  der  Umgebung  von  Herat 
versteckt,  nachdem  sein  Vater  von  einem  Verwandten  des  betrogenen 
Ehemannes zu einer Aussprache mitgenommen worden sei, wiewohl ihn 
die  Geliebte  bereits  am  Vortag  darüber  unterrichtet  habe,  dass  ihr 
Verhältnis  aufgeflogen  sei,  musste  er  doch  als  Ehebrecher  im 
afghanischen Kontext – wie von  ihm denn auch geltend gemacht wird – 
unter  Umständen  damit  rechnen,  zum  Tode  verurteilt  zu  werden. 
Dieselbe  Feststellung  gilt  auch  bezüglich  der  Behauptung  des 
Beschwerdeführers,  nach  zwei  oder  drei  Tagen  zu  seinem  Vater  nach 
Hause  zurückgekehrt  zu  sein,  hätte  er  doch  jederzeit  damit  rechnen 
müssen, dort seitens der Angehörigen des Ehemannes seiner Geliebten 
ausfindig gemacht beziehungsweise festgenommen zu werden.

4.2.3.  Gegen  die  Glaubhaftigkeit  seiner  Asylvorbringen  spricht 
schliesslich  auch  die  aus  emotionaler  Sicht  zumindest  befremdlich 
anmutende  Verhaltensweise  des  Beschwerdeführers,  seine  Heimat  auf 
Anraten  seines  Vaters  unverzüglich  zu  verlassen,  ohne  den  weiteren 
Verlauf  der  Geschehnisse  abzuwarten  oder  sich  um  das  weitere 
Schicksal  seiner  Geliebten  zu  kümmern,  äusserte  er  sich  doch 
unmissverständlich dahingehend, diese zu lieben und heiraten zu wollen 
(vgl. act. A1/9 S. 5 Ziff. 15 i.V.m. act. A13/12 S. 7).

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4.3. Zusammenfassend  ist  festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer 
nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Verfolgungsgefahr 
nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen.  Zur  Vermeidung 
weiterer  Wiederholungen  kann  im  Übrigen  vollumfänglich  auf  die 
Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  verwiesen  werden.  Es 
erübrigt  sich  daher,  auf  weitere  Vorbringen  in  der  Beschwerde 
einzugehen, da sie am Ergebnis nichts ändern können. Das Bundesamt 
hat  sein  Asylgesuch  daher  zu  Recht  und  mit  zutreffender  Begründung 
abgelehnt.

5. 
5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

5.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1  AsylG;  BVGE  2009/50  E.  9  S.  733  mit  weiteren  Hinweisen, 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21).

6. 
6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Gemäss ständiger Rechtsprechung sind die genannten drei Bedingungen 
für  einen  Verzicht  auf  den  Vollzug  der  Wegweisung  alternativer  Natur. 
Sobald  eine  davon  erfüllt  ist,  ist  der  Vollzug  als  undurchführbar  zu 
betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit  der  betroffenen  Person  in  der 
Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  zu 
regeln  (vgl.  EMARK  2006  Nr.  6  E.  4.2  S.  54  f.).  Gegen  eine  allfällige 
Aufhebung  dieser  vorläufigen  Aufnahme  steht  dem  weggewiesenen 
Asylsuchenden  wiederum  die  Beschwerde  an  das 
Bundesverwaltungsgericht offen (Art. 112 AuG i.V.m. Art. 84 Abs. 2 AuG). 
In  diesem  Verfahren  wäre  dann  der  Vollzug  der Wegweisung  vor  dem 

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Hintergrund  sämtlicher  Vollzugshindernisse  von  Amtes  wegen  nach 
Massgabe der  in diesem Zeitpunkt herrschenden Verhältnisse zu prüfen 
(vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748).

6.2.  Weil  sich  vorliegend  der  Vollzug  der  Wegweisung  –  aus  den 
nachfolgend  aufgeführten  Gründen  –  als  unzumutbar  erweist,  ist 
dementsprechend  auf  eine  Erörterung  der  beiden  anderen  Kriterien  zu 
verzichten.

7. 
7.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsland auf 
Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und 
medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete 
Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter Vorbehalt  von Art.  83 Abs.  7 AuG – 
die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz 
über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl  2002 
3818).

7.2.  In Bezug auf die allgemeine Lage  in Afghanistan kann auf die vom 
Bundesverwaltungsgericht  vorgenommene  Einschätzung  der  Lage  in 
einem  vor  kurzem  ergangenen,  zur  Publikation  vorgesehenen 
Grundsatzurteil  verwiesen  werden  (vgl.  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts 
E­7625/2008  vom  16.  Juni  2011).  Das  Gericht  stellt  dort 
zusammenfassend  fest, dass  in weiten Teilen von Afghanistan – ausser 
allenfalls  in  Grossstädten  –  eine  derart  schlechte  Sicherheitslage  und 
derart schwierige humanitäre Bedingungen bestünden, dass die Situation 
als existenzbedrohend  im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren 
sei.  Von  dieser  allgemeinen  Feststellung  sei  die  Situation  in  der 
Hauptstadt  Kabul  zu  unterscheiden.  Angesichts  des  Umstandes,  dass 
sich dort  die Sicherheitslage  im Verlaufe des  vergangenen Jahres nicht 
weiter verschlechtert habe und die humanitäre Situation  im Vergleich zu 
den übrigen Gebieten etwas weniger dramatisch sei,  könne der Vollzug 
der Wegweisung  nach Kabul  unter  Umständen  als  zumutbar  qualifiziert 
werden.  Solche  Umstände  könnten  grundsätzlich  namentlich  dann 
gegeben  sein,  wenn  es  sich  beim  Rückkehrer  um  einen  jungen, 
gesunden Mann handle. Angesichts der bisher aufgezeigten  konstanten 
Verschlechterung der Lage über die vergangenen Jahre hinweg und der 
auch  in  Kabul  schwierigen  Situation  verstehe  es  sich  aber  von  selbst, 
dass  die  bereits  in  EMARK  2003  Nr.  10  formulierten  strengen 

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Bedingungen  in  jedem  Einzelfall  sorgfältig  geprüft  und  erfüllt  sein 
müssten,  um  einen  Wegweisungsvollzug  nach  Kabul  als  zumutbar  zu 
qualifizieren. Unabdingbar sei in erster Linie ein soziales Netz, dass sich 
im Hinblick auf die Aufnahme und Wiedereingliederung des Rückkehres 
als  tragfähig erweise. Ohne Unterstützung durch Familie oder Bekannte 
würden die schwierigen Lebensverhältnisse auch in Kabul unweigerlich in 
eine  existenzielle  beziehungsweise  lebensbedrohende  Situation  führen 
(vgl.  a.a.O.  E.  9.9.1  f.).  Die  Frage,  ob  hinsichtlich  der  Städte  Mazar­i­
Sharif  und  Herat  in  Bezug  auf  die  Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  Ähnliches  gesagt  werden  könne  wie  zu  Kabul, 
wurde im erwähnten Grundsatzurteil offen gelassen, weil von vornherein 
ungenügende Anknüpfungspunkte bestanden (vgl. a.a.O. E. 9.9.3).

7.3. Der  Beschwerdeführer  hat  zwar  nach  eigenem Bekunden während 
der  letzten  vier  oder  fünf  Jahre  bis  zu  seiner  Ausreise  im  Mai  2005 
zusammen mit seinen Eltern sowie mehreren Geschwistern  in der Stadt 
Herat  gelebt.  Da  seine  Familie  indessen Herat  gemäss  dem Schreiben 
seiner  Rechtsvertreterin  vom  2. August  2011  zu  einem  nicht  näher 
bekannten  Zeitpunkt  wieder  verlassen  und  nach  C._______ 
zurückgekehrt  sein  soll,  muss  aufgrund  der  Akten  davon  ausgegangen 
werden,  dass  er  in  Herat  über  keine  Verwandten  und  damit  kein 
tragfähiges  Beziehungsnetz  mehr  verfügt,  welches  ihm  aufgrund  der 
aktuell  schwierigen  Verhältnisse  bei  der  Reintegration  in  dieser  Stadt 
behilflich sein könnte. Mit Blick auf die vorstehend dargelegte Situation im 
Heimatland  (vgl.  E.  7.2)  ist  der  Wegweisungsvollzug  des 
Beschwerdeführers  nach Herat  somit  ohne eingehende weitere Prüfung 
als  nicht  zumutbar  zu  qualifizieren.  Da  der  Beschwerdeführer  überdies 
gemäss den Akten weder in den Grossstädten Kabul noch Mazar­i­Sharif 
über  weitere  Verwandte  verfügt,  kommt  von  vorneherein  auch  keine 
Aufenthaltsalternative in diesen afghanischen Städten in Frage.

7.4.  Insgesamt  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  nach 
Afghanistan im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG als unzumutbar. Nachdem 
sich aus den Akten keine Ausschlussgründe im Sinne von Art. 83 Abs. 7 
AuG  ergeben,  sind  die  Voraussetzungen  für  die  Anordnung  der 
vorläufigen Aufnahme somit erfüllt.

8. 
Nach dem Gesagten  ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit beantragt 
wird, es sei die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs  festzustellen; 
im  Übrigen  ist  sie  abzuweisen.  Die  Ziffern  4  und  5  des  Dispositivs  der 

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vorinstanzlichen Verfügung vom 15. Juni 2006 sind demnach aufzuheben 
und  das  BFM  ist  anzuweisen,  den  Aufenthalt  des  Beschwerdeführers 
nach  den  gesetzlichen Bestimmungen  über  die  vorläufige Aufnahme  zu 
regeln  (vgl.  Art.  44  Abs.  2  AsylG  und  Art.  83  Abs.  4  AuG).

9. 
9.1.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  ist  dem  Beschwerdeführer 
grundsätzlich  ein  reduzierter  Anteil  der  Verfahrenskosten  aufzuerlegen 
(Art.  63  Abs.  1  und  2  VwVG).  Der  Beschwerdeführer  hat  im  Rahmen 
seiner  Beschwerde  ein  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  gestellt,  das  vom 
Instruktionsrichter mit Verfügung vom 21. Juli 2006  in den Endentscheid 
verwiesen  worden  ist.  Da  der  Beschwerdeführer  erst  seit  kurzem  einer 
Erwerbstätigkeit  im  Gastgewerbe  nachgeht,  ist  immer  noch  von  seiner 
Bedürftigkeit  auszugehen,  weshalb  das  Gesuch  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Prozessführung  –  soweit  nicht  durch  die  teilweise 
Gutheissung der Beschwerde gegenstandslos geworden – gutzuheissen 
und folglich auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten ist.

9.2.  Gemäss  Art.  64  Abs.  1  VwVG  kann  die  Beschwerdeinstanz  der 
obsiegenden  Partei  eine  Parteientschädigung  für  die  notwendigen  und 
verhältnismässig  hohen  Kosten  zusprechen.  Angesichts  des  teilweisen 
Obsiegens  ist  dem  vertretenen  Beschwerdeführer  eine  reduzierte 
Parteientschädigung  zuzusprechen  (Art.  7  Abs.  2  des Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  (VGKE, SR 173.320.2). Die Rechtsvertreterin 
des  Beschwerdeführers  hat  keine  Kostennote  eingereicht.  Der 
Vertretungsaufwand  lässt  sich  indessen  aufgrund  der  Verfahrensakten 
verlässlich  einschätzen,  weshalb  auf  die  Einforderung  einer  Kostennote 
zu  verzichten  ist  (vgl.  Art.  14  Abs.  2  in  fine  VGKE).  Unter 
Berücksichtigung der massgebenden Berechnungsfaktoren (Art. 9­11 und 
13  VGKE)  ist  die  um  die  Hälfte  zu  kürzende  Parteientschädigung  auf 
Fr. 400.–  (inklusive  Auslagen  und  Mehrwertsteuer)  festzusetzen.  Das 
BFM  ist  anzuweisen,  dem  Beschwerdeführer  diesen  Betrag  als 
Parteientschädigung zu entrichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen,  soweit  die  Feststellung  der 
Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  und  die  Anordnung  der 
vorläufigen Aufnahme beantragt wird; im Übrigen wird sie abgewiesen.

2. 
Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der Verfügung des BFM vom 15. Juni 
2006 werden aufgehoben.

3. 
Das  BFM  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführer  vorläufig 
aufzunehmen.

4. 
Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne 
von Art.  65 Abs.  1 VwVG wird  gutgeheissen,  soweit  es  nicht  durch  die 
teilweise Gutheissung der Beschwerde gegenstandslos geworden ist.

5. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

6. 
Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine 
Parteientschädigung  von  Fr. 400.–  (inklusive  Auslagen  und 
Mehrwertsteuer) auszurichten.

7. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Martin Zoller Philipp Reimann

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