# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7ba7b8b4-9965-5020-9c72-73705371f97d
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-12-17
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 17.12.2021 SB210273
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB210273_2021-12-17.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB210273-O/U/cwo 
 
Mitwirkend: Oberrichterin lic. iur. R. Affolter, Präsidentin, Oberrichter lic. iur. 

B. Amacker und Ersatzoberrichterin lic. iur. C. Brenn sowie die 

Gerichtsschreiberin MLaw M. Höchli 

Urteil vom 17. Dezember 2021 
 

in Sachen 

 
A._____,  
Beschuldigter und I. Berufungskläger sowie Anschlussberufungskläger 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____ 

 
gegen 

 
Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat,  
Anklägerin und Berufungsbeklagte 
 

sowie 

 
B._____,  
Privatklägerin und II. Berufungsklägerin sowie Anschlussberufungsklägerin 

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Y._____ 

 
betreffend Vergewaltigung etc. und Widerruf  

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 3. Abteilung,  
vom 8. März 2021 (DG200229) 

 

 

 

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Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 23. Oktober 2020 

(Urk. D1/23) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 115 S. 105 ff.) 

"Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

− des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB, 

− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB, 

− des mehrfachen Fahrens im fahrunfähigem Zustand im Sinne von Art. 91 

Abs. 1 lit. b SVG, 

− des mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs trotz Verweigerung, Entzug 

oder Aberkennung des erforderlichen Ausweises im Sinne von Art. 95 Abs. 1 

lit. b SVG, 

− des Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne dessen Art. 33 Abs. 1 in 

Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. a, Art. 7 Abs. 1, Art. 8 und Art. 27 sowie 

Art. 15 WV, Art. 48 WV und Art. 12 Abs. 1 lit. j WV, 

− der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne dessen 

Art. 19a Ziff. 1, 

− der vorsätzlichen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 

SVG. 

2. Vom Vorwurf der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB wird der 

Beschuldigte A._____ freigesprochen. 

3. Die mit Verfügung des Amtes für Justizvollzug des Kantons Zürich vom 11. Juli 

2017 ausgesprochene bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug wird widerrufen.  

4. Der Beschuldigte wird unter Einbezug der durch den Widerruf vollziehbar geworde-

nen Reststrafe von 164 Tagen Freiheitsstrafe gemäss Strafbefehl der Staatsan-

waltschaft Zürich-Limmat vom 25. November 2012 und gemäss Urteil des Ge-

richtspräsidiums Baden vom 3. März 2016 sowie gemäss Strafbefehl der Staatsan-

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waltschaft Zürich-Limmat vom 9. Juni 2016 bestraft mit einer Gesamtstrafe von 26 
Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und mit heute 249 Tage durch Haft erstanden 

sind, sowie mit einer Busse von Fr. 600.–. 

5. Die Freiheitsstrafe ist zu vollziehen. Die Busse ist zu bezahlen. 

6. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine 

Ersatzfreiheitsstrafe von 6 Tagen. 

7. Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 60 StGB 

(Suchtbehandlung illegale Drogen) angeordnet.  

8. Von der Anordnung einer Landesverweisung wird abgesehen. 

9. Die nachfolgend aufgelisteten und mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-

Limmat vom 27. Februar 2020 beschlagnahmten Gegenstände werden eingezogen 

und der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen: 

− 1 Kneifzange (Asservat-Nr. A012'552'500), 

− 1 Pullover (Asservat-Nr. A012'552'511), 

− 1 Gewehr ohne Magazin, mit aufgesetztem Schalldämpfer (Waffen-Nr. …; 

Asservat-Nr. A012'784'440), 

− 1 Schalldämpfer (Asservat-Nr. A012'784'462), 

− 1 Verpackung (Migros-Einkaufstasche, Leinentuch;   

Asservat-Nr. A012'784'473). 

10. Die nachfolgend aufgelisteten und sichergestellten Gegenstände werden der Pri-

vatklägerin B._____ nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen 

von der Lagerbehörde herausgegeben. Werden die Gegenstände nicht innert einer 

Frist von 90 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils abgeholt, werden sie 

vernichtet, wobei die Lagerbehörde angewiesen wird, diese Anordnung innert 90 

Tagen zu vollziehen und zu dokumentieren: 

− 1 Damenbekleidung (Asservat-Nr. A012'411'664), 

− 1 Damenhose (Asservat-Nr. A012'411'700), 

− 1 Damenunterwäsche (Asservat-Nr. A012'411'711), 

− 1 Damenunterwäsche (Asservat-Nr. A012'411'722), 

− 1 Damentasche (Asservat-Nr. A012'411'744), 

− 1 Portemonnaie (Asservat-Nr. A012'411'813). 

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11. Die Privatklägerin B._____ wird  mit ihrem Schadenersatz- und Genugtuungsbe-

gehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

12. Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin C._____ AG wird abgewiesen. 

13. Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin D._____ AG wird abgewiesen. 

14. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 4'500.00 ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 1'100.00   Gebühr Strafuntersuchung 

Fr. 30'794.65   Gutachten/Expertisen etc. 

Fr. 145.00   Zeugenentschädigung 

Fr. 1'389.25   Auslagen Untersuchung 
 
 

Fr. 33'778.60   ehemalige amtliche Verteidigung (RAin Dr. iur. X1._____) 

Fr. 17'510.35   unentgeltliche Rechtsvertretung (RA Dr. iur. Y._____) 

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

15. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen 

diejenigen der amtlichen Verteidigung sowie diejenigen der unentgeltlichen Rechts-

vertretung der Privatklägerin B._____, werden dem Beschuldigten zur Hälfte aufer-

legt. Im Übrigen werden die Kosten der Untersuchung auf die Staatskasse genom-

men bzw. diejenigen des gerichtlichen Verfahrens fallen ausser Ansatz. 

16. Dem Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung von Fr. 5'000.– 

(inkl. Mehrwertsteuer) für die anwaltliche Verteidigung durch Dr. iur. X._____ aus 

der Gerichtskasse zugesprochen. 

17. Über die Honorarnote von Rechtsanwältin Dr. iur. X1._____ wird mit separatem 

Beschluss entschieden. Vorbehalten bleibt eine hälftige Nachforderung. 

18. Über die Honorarnote von Rechtsanwalt Dr. iur. Y._____ wird mit separatem Be-

schluss entschieden. Von einer Nachforderung wird abgesehen. 

19. (Mitteilungen) 

20. (Rechtsmittel)" 

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Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

 (Urk. 181 S. 1 f.) 

1. Der Beschuldigte sei des vollendeten Diebstahls in Bezug auf die 

Fr. 3'000.– (Dossier-Nr. 2) freizusprechen. 

2. Der Beschuldigte sei des versuchten Diebstahls in Bezug auf die 

Fr. 3'000.– (Dossier-Nr. 2) schuldig zu sprechen. 

3. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung frei-

zusprechen. 

4. Im Übrigen seien die Schuld- und Freisprüche der Vorinstanz zu bestä-

tigen. 

5. Es seien dem Beschuldigten die Kneifzange (Asservat-Nr. 

A012'552'500) und der Pullover (Asservat-Nr. A012'552'511) heraus-

zugeben. 

6. Die übrigen der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat 

vom 27. Februar 2020 beschlagnahmten Gegenstände seien einzuzie-

hen und zu vernichten. 

7. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe in Höhe der bisher er-

standenen Haft zu bestrafen. 

8. Es seien die bedingten Strafen gemäss Strafbefehl der Staatsanwalt-

schaft Zürich-Limmat vom 25. November 2012, gemäss Urteil des 

Gerichtspräsidiums Baden vom 3. März 2016 sowie gemäss Strafbe-

fehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 9. Juni 2016 nicht zu 

widerrufen; eventualiter sei bei einem Widerruf eine Freiheitsstrafe als 

Gesamtstrafe in der Höhe der bisher erstandenen Haft auszusprechen. 

9. Von der Anordnung einer Massnahme sei abzusehen. 

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10. Alles unter ausgangsgemässer Kosten- und Entschädigungsfolgen 

gemäss eingereichter Honorarnote zzgl. einer Entschädigung für die 

längere Dauer der Berufungsverhandlung (zzgl. MwSt.) 

b) Der Staatsanwaltschaft: 

(Urk. 184 S. 1 f.) 

1. Es sei das vorinstanzliche Urteil zu bestätigen und der Beschuldigte 

demzufolge wie folgt schuldig zu sprechen: 

a) des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB 

b) der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB 

c) des mehrfachen Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von 

Art. 91 Abs. 1 lit. b SVG 

d) des mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs trotz Verweige-

rung, Entzug oder Aberkennung des erforderlichen Ausweises im 

Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG 

e) des Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 

Abs. 1 Waffengesetz i.V.m. Art. 4 Abs. 1 lit. b, Art. 7 Abs. 1, Art. 8 

und Art. 27 WG sowie Art. 15 WV, Art. 48 WV und Art. 12 lit. j WV 

f) der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im 

Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG 

g) der vorsätzlichen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von 

Art. 90 Abs. 1 SVG. 

2. Der Beschuldigte sei mit einer Gesamtstrafe von 26 Monaten Freiheits-

strafe und mit einer Busse von Fr. 600.– zu bestrafen, unter Anrech-

nung der erstandenen Haft und Massnahme. 

3. Die Freiheitsstrafe sei zu vollziehen. 

4. Es sei eine stationäre Massnahme im Sinne von Art. 60 Abs. 1 StGB 

anzuordnen. 

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5. Der Beschuldigte sei eventualiter für die Dauer von 10 Jahren des 

Landes zu verweisen und die Landesverweisung sei im Schengener 

Informationssystem auszuschreiben. 

6. Die mit Verfügungen vom 18. Dezember 2019 (Fall 7) und 27. Februar 

2020 (Fall 4) beschlagnahmten Gegenstände seien definitiv einzu-

ziehen. 

7. Die polizeilich sichergestellten Kleider und Gegenstände der Privat-

klägerin B._____ seien dieser nach Eintritt der Rechtskraft zurückzu-

geben. 

8. Die Kosten seien dem Beschuldigten aufzuerlegen. 

c) Der Privatklägerin B._____: 

(Urk. 183 S. 1) 

1. Der Beschuldigte sei angemessen wegen Vergewaltigung zu bestrafen 

sowie des Landes zu verweisen bei gleichzeitiger Ausschreibung der 

Landesverweisung im Schengener Informationssystem; 

2. Adhäsionsweise sei der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin 

B._____ eine Genugtuung von Fr. 20'000.– zu bezahlen; 

3. alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beschul-

digten, eventualiter der Staatskasse, unter Berücksichtigung der der 

Privatklägerin B._____ gewährten unentgeltlichen Rechtspflege. 

 

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Erwägungen: 

I. Prozessuales 

1. Prozessverlauf 

1.1. Am 8. März 2021 fällte das Bezirksgericht Zürich, 3. Abteilung, das oben 

erwähnte Urteil. Gegen dieses Urteil meldeten sowohl der Beschuldigte, I. Beru-

fungskläger sowie Anschlussberufungskläger (fortan Beschuldigter), als auch die 

Privatklägerin 1, II. Berufungsklägerin sowie Anschlussberufungsklägerin (fortan 

Privatklägerin), rechtzeitig Berufung an (Urk. 95 und 96). Das begründete Urteil 

wurde dem Beschuldigten und der Privatklägerin je am 14. Mai 2021 zugestellt 

(Urk. 114/2 - 3). Die Berufungserklärung der Privatklägerin datiert vom 20. Mai 

2021 und erfolgte fristgerecht (Urk. 117). Der Beschuldigte erklärte mit Eingabe 

vom 31. Mai 2021 die Berufung. Gleichzeitig liess er das Gesuch um Bestellung 

von Rechtsanwalt Dr. iur. X._____ als amtlicher Verteidiger stellen (Urk. 125). Mit 

Präsidialverfügung vom 9. Juni 2021 wurde die Sicherheitshaft bis zum Entscheid 

der Berufungsinstanz verlängert (Urk. 130). Mit Präsidialverfügung vom 11. Juni 

2021 wurde dem Beschuldigten Rechtsanwalt Dr. iur. X._____ als amtlicher Ver-

teidiger bestellt. Gleichzeitig wurde den Parteien Frist angesetzt, um Anschluss-

berufung zu erheben oder einen begründeten Nichteintretensantrag zu stellen 

(Urk. 132). Mit Eingabe vom 15. Juni 2021 erklärte die Staatsanwaltschaft Ver-

zicht auf Anschlussberufung und dass sie sich am weiteren Verfahren nicht aktiv 

beteiligen werde (Urk. 134). Der Beschuldigte erklärte mit Eingabe vom 28. Juni 

2021 hinsichtlich der Zivilansprüche Anschlussberufung (Urk. 135). Dies tat die 

Privatklägerin mit Eingabe vom 2. Juli 2021, wobei sie gleichzeitig erklären liess, 

dass sie auf die Möglichkeit verzichte, bei der Auswahl der Mitglieder des Ge-

richts sowie bei der Auswahl der übersetzenden Person eine Person gleichen 

Geschlechts zu verlangen (Urk. 139). 

1.2. Mit Eingabe vom 28. Oktober 2021 liess der Beschuldigte die Einvernahme 

von Frau E._____ als Zeugin beantragen (Urk. 163). Nachdem die Staatsanwalt-

schaft mit Eingabe vom 8. November 2021 erklärt hatte, keine Einwendungen ge-

gen diese Beweisabnahme zu haben (Urk. 168; Urk. 170), wurde Frau E._____ 

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am 10. November 2021 als Zeugin zur Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 

173). Am 1. November 2021 wurde überdies Frau F._____ ehem. F1._____ als 

Zeugin vorgeladen (Urk. 166). Am 8. November 2021 ging eine E-Mail Nachricht 

mit dem Privatkläger 3, G._____, als Absender ein, worin dieser seine Sachver-

haltsschilderung zum Anklagevorwurf 1.11-3 abgab (Urk. 172a). Mit Schreiben 

vom 9. November 2021 wurde G._____ auf die Formvorschriften von Eingaben 

aufmerksam gemacht und es wurde ihm die Möglichkeit aufgezeigt, seine E-Mail 

Nachricht auszudrucken, zu unterschreiben und diese der erkennenden Kammer 

per Post zukommen zu lassen (Urk. 172). Eine Reaktion von G._____ auf dieses 

Schreiben blieb aus. 

1.3. Am 2. Dezember 2021 fand die Berufungsverhandlung statt, zu welcher der 

Beschuldigte in Begleitung seines Verteidigers, die Privatklägerin in Begleitung 

ihres unentgeltlichen Rechtsvertreters sowie Staatsanwalt Dr. T. Brändli in Be-

gleitung von Staatsanwalt lic. iur. L. Wehrli als Vertreter der Anklagebehörde 

erschienen sind (Prot. II S. 2a ff.). Vor der Befragung des Beschuldigten wurden 

die Privatklägerin als Auskunftsperson und Frau F._____ ehem. F1._____ als 

Zeugin einvernommen (Prot. II S. 6a ff.). Die ebenfalls als Zeugin vorgeladene 

Frau E._____ ist nicht erschienen (Prot. II S. 8). Eine erneute Vorladung von Frau 

E._____ zur Einvernahme als Zeugin wurde seitens des Beschuldigten nicht 

beantragt. Wie sich aus den nachstehenden Erwägungen ergibt, erweist sich eine 

erneute Vorladung von Frau E._____ auch aus Sicht des Gerichts nicht als not-

wendig (vgl. Erw. II.4.2.3.). Anlässlich der Berufungsverhandlung wies die Verfah-

rensleitung ferner auf den Eingang der E-Mail-Nachricht vom 8. November 2021 

mit G._____ als Absender hin und gab bekannt, dass diese Nachricht ohne Be-

deutung sei, da eine Unterschrift fehle und es sich nicht um ein zertifiziertes Inca-

Mail handle (Prot. II S. 10). Weiter liess die Privatklägerin im Rahmen der 

Begründung ihrer Berufung ihr Schadenersatzbegehren zurückziehen (Urk. 183 

S. 1). Davon ist vorab mittels Beschluss Vormerk zu nehmen. Das Urteil wurde 

am 16. und am 17. Dezember 2021 beraten und den Parteien in der Folge schrift-

lich im Dispositiv mitgeteilt (Prot. II S. 38 ff.). 

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2. Berufungs- und Anschlussberufungserklärungen 

2.1. In der Berufungsschrift ist anzugeben, welche Abänderungen des erstin-

stanzlichen Urteils verlangt werden (Art. 399 Abs. 3 lit. b StPO). Gemäss Art. 402 

StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung. 

2.2. Die Privatklägerin ficht den Freispruch vom Vorwurf der Vergewaltigung 

sowie die Verweisung ihres Genugtuungsbegehrens auf den Weg des Zivilpro-

zesses gemäss den Urteilsdispositivziffern 2 und 11 an (Urk. 117; Urk. 183 S. 1).  

2.3. Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen die Verurteilung wegen 

Diebstahls zum Nachteil von H._____ gemäss Urteilsdispositivziffer 1, nicht je-

doch gegen die ebenfalls in Urteilsdispositivziffer 1 enthaltenen Verurteilungen 

wegen Diebstahls zum Nachteil der D1._____ AG und der C._____ AG. Was den 

Vorwurf der einfachen Körperverletzung betrifft, verlangt der Beschuldigte eine 

Strafbefreiung wegen rechtfertigender Notwehr. Sodann ficht er die gesamten 

Sanktionen gemäss den Urteilsdispositivziffern 3 - 6, die Anordnung einer Mass-

nahme gemäss Urteilsdispositivziffer 7, die Einziehung der beschlagnahmten 

Kneifzange und eines Pullovers gemäss Urteilsdispositivziffer 9 sowie die Kosten-

verteilung gemäss Urteilsdispositivziffer 15 an (Urk. 125; Urk. 182 S. 1 f.).  

2.4.1. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-

kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Die Beru-

fung der Privatklägerin richtet sich grundsätzlich nur gegen den Freispruch vom 

Vorwurf der Vergewaltigung und die Verweisung ihrer Zivilansprüche auf den Weg 

des Zivilprozesses. Die Sanktion und die Landesverweisung werden von ihr zu 

Recht nicht angefochten, zumal ihr dies nicht zusteht (Art. 382 Abs. 2 StPO). 

Gleichwohl hat auf Grund ihres Antrags auf Verurteilung des Beschuldigten we-

gen des Vorwurfs der Vergewaltigung neben der Sanktion insbesondere auch der 

Verzicht auf die Anordnung einer Landesverweisung (Urteilsdispositivziffer 8) als 

mitangefochten zu gelten, da es sich beim Tatbestand der Vergewaltigung im 

Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB um eine Katalogtat im Sinne von Art. 66a Abs. 1 

lit. h StGB handelt. Den Parteien wurde hierzu das rechtliche Gehör gewährt (vgl. 

Urk. 165). 

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2.4.2. Art. 399 Abs. 4 StPO enthält eine Liste von Urteilspunkten, auf welche der 

Berufungskläger seine Berufung beschränken kann. Dazu gehören unter anderem 

die Bemessung der Strafe und die Anordnung von Massnahmen. Damit sind 

sämtliche Anordnungen im Zusammenhang mit einer Sanktion und einer Mass-

nahme gemeint (Art. 399 Abs. 4 lit. b, c StPO). Ganz allgemein gilt, dass bei der 

Beschränkung der Berufung auf die Schuld- oder Freisprüche eine Gutheissung 

automatisch dazu führen muss, dass die mit dem Schuldpunkt eng verknüpften 

Teile des Urteils neu überprüft werden müssen, selbst wenn diesbezüglich keine 

ausdrücklichen Anträge vorliegen (Zimmerlin, in: Do-

natsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], StPO Kommentar, 3. Aufl. 2020, Art. 399 

N 19). Dies gilt insbesondere für die Landesverweisung bei Verurteilungen wegen 

Katalogtaten, bei welchen die Anordnung einer Landesverweisung obligatorisch 

ist. Es gilt aber auch für die dem Beschuldigten zufolge Freispruchs im Haupt-

punkt ausgerichtete Prozessentschädigung von Fr. 5'000.– gemäss Urteilsdispo-

sitivziffer 16 (Urk. 115 S. 107). Lediglich der Abrundung halber sei erwähnt, dass 

im Falle der Abweisung des Berufungsantrages die Sanktion und die Kosten- und 

Entschädigungsregelung ohne gesonderte Teilanfechtung nicht neu festgelegt 

werden dürfen. 

2.5. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung, vom 8. März 2021 ist 

somit betreffend die Dispositivziffern 1 teilweise (Schuldsprüche betr. mehrfacher 

Diebstahl [Dossier 4 und Dossier 11-5], Vergehen und Übertretung des Strassen-

verkehrsgesetzes, Vergehen gegen das Waffengesetz und Übertretung des Be-

täubungsmittelgesetzes), 9 teilweise (Beschlagnahmung Gewehr, Schalldämpfer 

und Migrosverpackung), 10 (Beschlagnahmungen betr. die Privatklägerin), 12 und 

13 (Abweisung Genugtuungsbegehren der Privatklägerinnen C._____ AG und 

D._____ AG), 14 (Kostenfestsetzung), sowie 17 und 18 (Entschädigungen der 

vormaligen amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Privatklägerver-

tretung) in Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels Beschlusses festzustellen ist 

(Art. 404 Abs. 1 StPO). 

2.6. Somit stehen – unter teilweiser Berücksichtigung des Verschlechterungs-

verbots – die Verurteilung wegen Diebstahls zum Nachteil von H._____, die Ver-

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urteilung wegen einfacher Körperverletzung (Ziffer 1), der Freispruch vom Vorwurf 

der Vergewaltigung (Ziffer 2), die Rückversetzung in den bedingt aufgeschobenen 

Strafrest aus drei früheren Verurteilungen (Ziffer 3), die Sanktion (Ziffern 4 - 6), 

die Massnahme (Ziffer 7), die Landesverweisung (Ziffer 8), die Einziehung von 

Kneifzange und Pullover (Ziffer 9), die Genugtuungsforderung der Privatklägerin 

(Ziffer 11), die Kostenauflage (Ziffer 15) und die Prozessentschädigung des Be-

schuldigten (Ziffer 16) zur Disposition (Art. 391 Abs. 2 StPO). 

3. Antrag auf unentgeltliche Prozessführung Privatklägerin 

Die Privatklägerin liess mit ihrer Berufungsbegründung die unentgeltliche Pro-

zessführung samt Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes beantragen 

(Urk. 117). Mit Verfügung vom 5. Dezember 2019 wurde der Privatklägerin die 

unentgeltliche Prozessführung gewährt und Rechtsanwalt Dr. iur. Y._____ als un-

entgeltlicher Rechtsbeistand bestellt (Urk. D1/10/17). Anders als im Zivilverfahren 

dauert auch die unentgeltliche Rechtspflege im Rechtsmittelverfahren an, sofern 

kein Grund zum Widerruf vorliegt (BSK StPO-Mazzucchelli/ Postizzi, Art. 136 N 

10). Da ein solcher nicht vorliegt und die unentgeltliche Rechtspflege und Rechts-

verbeiständung fortdauert, ist auf das entsprechende Gesuch nicht weiter einzu-

gehen. 

4. Im Übrigen haben die prozessualen Feststellungen und Ausführungen der 

Vorinstanz zum Prozessualen nach wie vor ihre Gültigkeit, weshalb vollumfänglich 

auf die entsprechenden Ausführungen verwiesen werden kann (Urk. 115 S. 7). 

II. Sachverhalt 

1. Vorbemerkungen  

Die Tatvorwürfe ergeben sich aus der Anklageschrift vom 23. Oktober 2020 

(Urk. D1/23). Den vom Beschuldigten vor Vorinstanz noch bestrittenen Vorhalt 

bezüglich der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes anerkennt 

er nunmehr (vgl. Urk. 182 S. 1 f.). 

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Der Beschuldigte bestreitet jedoch nach wie vor, sich der Vergewaltigung, des 

Diebstahls zum Nachteil von H._____ sowie der einfachen Körperverletzung 

schuldig gemacht zu haben (Urk. 180 S. 28 ff.; Urk. 182 S. 1). 

Auf diese Sachverhalte wird nachfolgend einzugehen sein und es wird anhand 

der vorliegenden Beweismittel zu prüfen sein, ob die dem Beschuldigten vorge-

haltenen Sachverhalte anklagegemäss erstellt werden können. 

Die Vorinstanz hat sich ausführlich und zutreffend mit den Grundsätzen der 

Beweiswürdigung auseinandergesetzt. Es kann auf diese zutreffenden Ausführ-

ungen (Urk. 115 S. 8 ff.) verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). 

2. Sachverhalt Dossier 1: Vergewaltigung 

2.1. Die Vorinstanz schloss nach eingehender Würdigung der Aussagen der 

Privatklägerin, dass diese nicht auf der ganzen Linie überzeugen würden. Sodann 

könne die Sachverhaltsvariante des Beschuldigten nicht mit hinreichender Si-

cherheit ausgeschlossen werden. Da erhebliche Zweifel bestehen würden, auf de-

ren Grundlage sich der Sachverhalt nicht erstellen lasse, sprach die Vorinstanz 

den Beschuldigten letztlich vom Vorwurf der Vergewaltigung frei (Urk. 115 S. 37). 

Unstrittig ist, dass es zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten am 

9. März 2019 im Verlauf des späteren Morgens in der Waschküche der Liegen-

schaft J._____-Strasse … zum Geschlechtsverkehr kam. Während der Beschul-

digte geltend macht, dass dieser auf freiwilliger Basis erfolgt sei, gibt die Privat-

klägerin an, dass alles gegen ihren Willen geschehen sei. 

Im Folgenden ist zu überprüfen, ob sich der Sachverhalt im Sinne der Anklage 

erstellen lässt. 

2.2. Aussagen der Privatklägerin 

2.2.1. Da der in der Anklage umschriebene Sachverhalt der Schilderung der 

Privatklägerin entspricht, kommt ihren Aussagen – neben denjenigen des Be-

schuldigten und der Zeugin F._____ – entscheidende Bedeutung zu. 

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2.2.2. Was die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin betrifft, ist zu berücksichtigen, 

dass es sich bei ihr als direkt Geschädigte nicht um eine gänzlich neutrale Tat-

zeugin handelt. Zwar verlangt die Privatklägerin im Rahmen des Berufungsverfah-

rens die Zusprechung einer Genugtuung in der Höhe von Fr. 20'000.– (Urk. 183 

S. 1). Ihre zeitlich erste Bezifferung eines Genugtuungsbegehrens vom 4. De-

zember 2019 lautete jedoch noch auf lediglich Fr. 1'000.– (Urk. D1/10/14). Hin-

weise darauf, dass für die Anzeigeerstattung und die gegen den Beschuldigten 

erhobenen Anschuldigungen finanzielle Motive im Vordergrund gestanden haben 

könnten, liegen damit nicht vor. Bereits die Vorinstanz wies darauf hin, dass die 

Privatklägerin gemäss dem pharmakologisch-toxikologischen Gutachten des IRM 

vom 17. Dezember 2019 und dem ärztlichen Bericht zur Blutalkoholanalyse des 

IRM vom 3. Dezember 2019 entsprechend einer Rückrechnung zum Tatzeitpunkt 

eine Blutalkoholkonzentration von 1,84 bis zu 2,92 Gewichtspromillen aufgewie-

sen habe (Urk. D1/10/23 S. 2 f.; Urk. D1/10/24; Urk. 115 S. 34 f.). Weiter ist dem 

pharmakologisch-toxikologischen Gutachten des IRM zu entnehmen, dass die 

Alkoholwirkungen ab einem Wert von 1,5 Gewichtspromillen als "deutlich betrun-

ken", ab einem Wert von 2 Gewichtspromillen als "Rausch" und ab 2,5 Gewichts-

promillen als "Schwerer Rausch" beschrieben werden könnten, wobei zu berück-

sichtigen sei, dass die damit einhergehenden Symptome je nach Alkoholge-

wöhnung auch bei niedrigeren oder erst bei höheren Gehalten auftreten könnten 

(Urk. D1/10/23 S. 3). Überdies gelangte das IRM aufgrund der bei der Privatklä-

gerin vorgenommenen Blut- und Urinuntersuchung zum Schluss, dass ihres Er-

achtens im Zeitpunkt des Ereignisses auch eine Wirkung von Kokain vorgelegen 

habe (Urk. D1/10/23 S. 4). Diese hohe Blutalkoholkonzentration und die Wirkung 

von Kokain gehen in diesem Fall nicht von vornherein mit einer Beeinträchtigung 

der Glaubwürdigkeit der Privatklägerin einher, da die Privatklägerin damals alko-

holgewöhnt war. Entsprechend dem Hinweis des IRM ist vor diesem Hintergrund 

denkbar, dass insbesondere die Auswirkungen des Alkoholkonsums bei der Pri-

vatklägerin weniger gravierend waren als bei einem Durchschnittstrinker. Die Pri-

vatklägerin macht denn auch keine Erinnerungslücken geltend. Solche sind in ih-

ren Schilderungen auch nicht auszumachen, da sie die Vorgänge innerhalb des in 

Frage stehenden Zeitraums grundsätzlich zusammenhängend und gleichbleibend 

- 15 - 

darlegte. Ob sich ihre Aussagen auch als schlüssig, wahrheitsgetreu und letztlich 

als glaubhaft erweisen, ist nachfolgend zu prüfen. Auch wenn die Glaubwürdigkeit 

der Privatklägerin entsprechend nicht von vornherein als zweifelhaft zu gelten hat, 

sind ihre Aussagen angesichts ihres starken Alkoholisierungsgrads und der 

Wirkung von Kokain zum Tatzeitpunkt sowie aufgrund ihrer Stellung als direkt 

Geschädigte gleichwohl mit einer gewissen Vorsicht zu würdigen. 

2.2.3.1. Nach dem Geschlechtsverkehr mit dem Beschuldigten am 9. März 2019 

begab sich die Privatklägerin zur Polizei, erstattete Anzeige und schilderte den 

Vorfall. Diese Schilderungen wurden im Polizeirapport vom 19. März 2019 zu-

sammengefasst wiedergegeben. Eine förmliche Einvernahme fand nicht statt 

(Urk. D1/1). Zwar sind Polizeirapporte gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre-

chung zulässige Beweismittel (vgl. Urk. 109 E. III.3.6.5.1-3.6.5.7.; Urteil des Bun-

desgerichts 6B_998/2020 vom 5. Januar 2021 E. 5.2.). Es gilt jedoch zu berück-

sichtigen, dass es sich dabei nicht um die wortgetreue Wiedergabe der Aussagen 

der befragten Person handelt, sondern in der Regel um eine mehr oder weniger 

vollständige Wiedergabe des Ausgesagten durch die einvernehmende Person, 

meist nach Ablauf von mehreren Tagen, vorliegend rund 10 Tage später. Dass es 

dabei zu Ungenauigkeiten, Verkürzungen und Missverständnissen kommen kann, 

liegt in der Natur der Sache. Entsprechend sind Ausführungen aus Polizeirappor-

ten mit grösster Zurückhaltung zu würdigen. Immerhin lässt sich diesem aber ent-

nehmen, dass die Privatklägerin bereits damals, also nur wenige Stunden nach 

der Tat, darüber berichtete, wie es zum Geschlechtsverkehr gekommen sei, 

nachdem der Beschuldigte ihr die Kleider vom Leib gerissen, sie mit einer Pistole 

bedroht und daraufhin Geschlechtsverkehr an ihr vollzogen habe. Ebenso geht 

aus dem Rapport hervor, dass sie angab, sich schmutzig und "gestresst" zu füh-

len und in grosser Angst vor dem "Kolumbianer" (gemeint der Beschuldigte) zu 

sein (Urk. D1/1 S. 5). 

2.2.3.2. Tags darauf gab sie im Rahmen der ersten polizeilichen Einvernahme ei-

ne detailliertere Schilderung der Geschehnisse ab. Das Kerngeschehen schilderte 

sie wie folgt: Sie habe den Beschuldigten kurz vor der Tat in der "K._____" Bar 

kennengelernt. Sie habe dann irgendwann gesagt, dass sie nach Hause gehen 

- 16 - 

wolle und der Beschuldigte habe sie begleitet. Unterwegs habe der Beschuldigte 

sie dann gefragt, ob sie ihm noch helfen könne, seine Wäsche aus dem Tumbler 

zu nehmen, weil später jemand anderes waschen müsse. Nach der Ankunft in der 

Waschküche an der J._____-Strasse … habe der Beschuldigte dann eine Pistole 

aus Metall mit blumengeschmücktem Griff aus seiner Bauchtasche genommen, 

habe sie gepackt, ihr die Hose, den Pullover und den BH heruntergerissen, und 

sie bäuchlings auf die Waschmaschine geschmissen. Er habe es fest und schnell 

gemacht, einen Orgasmus gehabt, was sie gemerkt habe, weil "es" an ihren Bei-

nen heruntergelaufen sei. Er habe sie weggestossen, worauf sie versucht habe, 

sich zu reinigen und unter Schock weggerannt sei und ihre Tasche gesucht habe, 

da sie diese nicht mehr gefunden habe. Sie habe laut um Hilfe geschrien, worauf 

eine Frau gekommen sei und sie dieser das Vorgefallene erzählt habe. Diese ha-

be ihr dann gesagt, dass sie zur Polizei gehen müsse (Urk. D1/6). 

2.2.3.3. Den in jener ersten polizeilichen Einvernahme geschilderten groben Ab-

lauf der in Frage stehenden Geschehnisse wiederholte die Privatklägerin sowohl 

anlässlich ihrer zweiten polizeilichen Einvernahme vom 8. Mai 2019, ihrer staats-

anwaltschaftlichen Einvernahme vom 19. Dezember 2019 als auch im Rahmen ih-

rer Befragung anlässlich der Berufungsverhandlung vom 2. Dezember 2021 

(Urk. D1/8 S. 2 ff.; Urk. D1/20/6 S. 5 ff.; Urk. 178 S. 5 ff.). Wie bereits die Vo-

rinstanz festhielt, wirken ihre Schilderungen dieser Ereignisse grundsätzlich klar, 

widerspruchsfrei und lebensnah. Auch merkte die Vorinstanz zutreffend an, dass 

die Angaben der Privatklägerin einen hohen Detaillierungsgrad aufweisen und sie 

insbesondere auch ihre Reaktionen auf das Handeln des Beschuldigten verständ-

lich in Worte fassen konnte (Urk. 115 S. 11 - 16). Grundsätzlich zu Recht wies die 

Vorinstanz sodann darauf hin, dass die Aussagen der Privatklägerin zu gewissen 

Vorgängen aber auch Ungereimtheiten aufweisen. Entgegen der Würdigung die-

ser Ungereimtheiten in den Aussagen der Privatklägerin durch die Vorinstanz 

(Urk. 115 S. 16 ff.) vermögen diese die grundsätzliche Glaubhaftigkeit ihrer Anga-

ben und insbesondere ihrer Schilderung des Kerngeschehens jedoch – wie zu 

zeigen sein wird – nicht zu beeinträchtigen. 

- 17 - 

2.2.4.1. Differenzen in untergeordneten Details sind ohne Weiteres durch Miss-

verständnisse oder den Zeitablauf und die damit verblassende Erinnerung zu er-

klären. So hatte die Privatklägerin im Rahmen der ersten polizeilichen Einver-

nahme ausgesagt, dass der Beschuldigte ihr in der "K._____" Bar einen Kuss auf 

die eine und einen auf die andere Wange gegeben habe (Urk. D1/6 S. 3). In der 

zweiten polizeilichen Einvernahme verneinte sie die Frage nach Körperkontakt 

vorerst und gab erst auf Vorhalt ihrer früheren Aussage an, dass dies zur Begrüs-

sung gewesen sei, ansonsten aber kein Körperkontakt in Form von Umarmungen, 

Händehalten oder einem Kuss auf den Mund stattgefunden habe (Urk. D1/8 S. 5). 

Dies tut der Glaubhaftigkeit ihrer Aussage keinen Abbruch: In diesem Kontext 

werden unter "Körperkontakt" Berührungen mit Körperteilen als Form der beson-

deren Zuneigung verstanden, währenddem die "Küsschen rechts/links" eine reine 

Begrüssungsformel darstellen und im alltäglichen Sprachgebrauch nicht unter die 

Kategorie "Körperkontakte" fallen. 

2.2.4.2. Ihrer Glaubwürdigkeit keinen Abbruch tut sodann auch ihre ambivalente 

Haltung gegenüber dem Beschuldigten und seiner Einladung, sie nach Hause zu 

begleiten. Es gilt, sich die generelle Lage der Privatklägerin und die besondere 

Situation in jener Nacht vor Augen zu halten: Sie litt bei bestehender Suchtprob-

lematik an erheblichen psychischen Problemen, was dazu führte, dass sie damals 

in der PUK stationär behandelt wurde. Einer Arbeit ging sie nicht nach, sie lebte 

von der Fürsorge und hielt sich sehr oft nächtelang in Millieulokalen auf, wo sie 

verschiedenste Kontakte auch sexueller Natur unterhielt (Urk. D1/8 S. 12 f.). Ins-

gesamt entsteht der Eindruck einer wenig gefestigten, labilen und fragilen Persön-

lichkeit. Dieser Eindruck ergibt sich auch aus der Videoaufnahme ihrer Einver-

nahme sowie aus ihrer Befragung als Auskunftsperson anlässlich der Berufungs-

verhandlung. Zurückhaltend, scheu und durchs Band traurig und hilflos (Urk. 6a; 

Urk. 178). Das war sie am betreffenden Abend offenbar in besonderem Masse: 

Der Beschuldigte sprach die betrunkene Privatklägerin in der "K._____" Bar an, 

als sie beim Anblick des Fotos ihrer Tochter, welches sie in der Hand hielt, am 

Weinen war. Dass sie, buchstäblich im heulenden Elend, in diesem Moment für 

die Aufmerksamkeit eines vermeintlichen Fast-Landsmannes besonders emp-

fänglich war, ist wenig erstaunlich. Gleichzeitig war sie sich aber auch gewahr, 

- 18 - 

dass der Beschuldigte als Besucher des notorischen Millieulokals "K._____" Bar 

zu dieser Stunde auch auf sexuelle Kontakte aus sein konnte (Urk. D1/6 S. 3 ff.). 

Mit dieser Ausgangslage ist ihre ambivalente Haltung gegenüber der Einladung 

des Beschuldigten ohne Weiteres erklärbar. Nachdem sich dieser bislang aber 

durchaus charmant verhalten hatte, mag das anfängliche Vertrauen der Privatklä-

gerin in den Beschuldigten im Nachhinein zwar naiv wirken, als Einverständnis zu 

sexuellen Handlungen ist dies jedoch keinesfalls zu werten. Der Ausdruck von 

verbleibenden Restzweifeln lässt ihre Aussage vielmehr als authentisch erschei-

nen. Die Hoffnung, es werde schon gut kommen, war unter diesen Umständen 

nicht unangebracht. Und selbst wenn sie im Zeitpunkt des Aufbruchs mit einem 

Sexualkontakt gerechnet hätte, liesse sich daraus mit Bezug auf eine spätere 

konkrete Situation nichts ableiten. Dies würde selbst für den Fall gelten, dass sie 

mit der Absicht des gemeinsamen Drogenkonsums oder für vereinbarte sexuelle 

Dienstleistungen gegen Bezahlung aufgebrochen wäre. Mit Geschlechtsverkehr 

gegen ihren Willen musste sie zu keinem Zeitpunkt rechnen. 

2.2.4.3. Auch nicht überbewertet werden darf der Umstand, dass die Privatkläge-

rin die Fragen nach dem Aufbewahrungsort der Pistole in Teilen unterschiedlich 

beantwortete: In der ersten Einvernahme gab sie an, dass der Beschuldigte die 

Pistole aus der Bauchtasche gezogen habe (Urk. D1/6 S. 2), währenddem sie in 

der zweiten Einvernahme angab, dass sie glaube, dass er die Pistole aus der 

Hosentasche gezogen habe, er sich jedenfalls irgendwie an das Bein gelangt und 

die Pistole plötzlich in der Hand gehalten habe. Es sei halt alles schnell gegangen 

(Urk. D1/8 S. 10). In der staatsanwaltschaftlichen dritten Einvernahme gab sie 

schliesslich an, dass sie nicht mehr wisse, ob er sie aus der Hosen- oder Jacken-

tasche geholt habe, da alles sehr schnell gegangen sei (Urk. D1/20/6 S. 15 f.). Im 

Rahmen ihrer Befragung anlässlich der Berufungsverhandlung erklärte sie, dass 

der Beschuldigte um die Hüfte so etwas wie eine Tasche getragen habe und sie 

glaube, dass er die Pistole aus jener Tasche genommen habe (Urk. 178 S. 7). 

Hierin sind keine unüberbrückbaren Differenzen zu erblicken. So brachte sie so-

wohl in der zweiten und dritten Einvernahme als auch in der Berufungsverhand-

lung ja ausdrücklich den Vorbehalt an, dass sie sich nicht mehr daran erinnern 

könne, aus welcher Tasche genau er die Pistole gezückt habe. Allen Schilderun-

- 19 - 

gen gemein ist jedenfalls, dass die Pistole aus der Hüftgegend gezückt wurde. 

Zudem gilt es zu berücksichtigen, dass dem Pistolenzücken ein Überraschungs-

moment inne wohnt und das eindrückliche, prägende Erlebnis im Anblick der Pis-

tole als solcher besteht und der vorgängige Aufbewahrungsort sekundärer Natur 

ist, weshalb es nicht weiter erstaunt, dass die vorgängige Phase, falls diese über-

haupt wahrgenommen wird, sich nicht gleichermassen in die Erinnerung einprägt 

wie der eigentliche Anblick der Pistole. Ihre Schilderungen sind somit auch in die-

sem Punkt sehr glaubhaft, da sie eine stets gleichbleibende Schilderung von der 

Machart und des Einsatzes der Pistole abgab. 

2.2.4.4. Was den Einsatz der Pistole betrifft, ist zwischen ihrer ersten und der 

zweiten polizeilichen Einvernahme eine gewisse Aggravierung ihrer Schilderun-

gen auszumachen. So erklärte sie noch im Rahmen ihrer ersten polizeilichen Ein-

vernahme lediglich, dass er die Pistole gegen sie gezeigt habe (Urk. D1/6 S. 4). In 

der zweiten polizeilichen Einvernahme – mithin rund zwei Monate nach dem Vor-

fall – gab die Privatklägerin dann an, dass der Beschuldigte ihr die Pistole zwi-

schenzeitlich an den Kopf gehalten habe (Urk. D1/8 S. 3, 10). Gleichwohl ergeben 

sich aus den verschiedenen Aussagen der Privatklägerin zum Einsatz der Pistole 

– entgegen der Würdigung der Vorinstanz (Urk. 115 S. 17 f.) – keine erheblichen 

Widersprüche. So bestätigte sie durch das Band weg, dass der Beschuldigte vor 

dem Geschlechtsverkehr die Pistole gegen sie richtete, sie hiess die Hose zu öff-

nen und ihr danach die Hose, den BH und die Bluse herunterzog, wobei er die 

Pistole stets in der Hand gehalten habe (Urk. D1/6 S. 4, Urk. D1/8 S. 3, 10, 

Urk. D1/20/6 S. 6, 15 f.; Urk. 178 S. 8). Nachdem er seine Hand nicht dauernd an 

derselben Körperstelle der Privatklägerin hielt, sondern mit dieser die Kleider aus-

zog und sie damit fixierte, erklärt sich auch ohne Weiteres ihre Aussage, wonach 

er die Pistole an den Rücken, den Kopf und auch auf die Seite gehalten habe. 

Dies sind keine Widersprüche, sondern genaue Schilderungen der wechselnden 

Position seiner Hand. Da es sich gemäss konstanter Schilderung um eine kleine 

Pistole gehandelt hat, ist es auch alles andere als lebensfremd, dass er diese die 

ganze Zeit über in der Hand hielt. Überdies ist wiederum zu beachten, dass – vo-

rausgesetzt die Schilderungen der Privatklägerin entsprechen tatsächlich Erleb-

tem – nachvollziehbar ist, dass der Anblick der auf sie gerichteten Pistole die Pri-

- 20 - 

vatklägerin in einen Schockzustand versetzte und sie daher weder in der Lage 

war, die genauen Positionen der Pistole einzeln wahrzunehmen noch diese sich 

einzuprägen. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass es sich um ein dynami-

sches Geschehen handelt, welches die Privatklägerin beschreibt und die nach-

trägliche Umschreibung solcher Vorgänge per se mit Schwierigkeiten verbunden 

ist. 

2.2.4.5. Wie auch die Verteidigung grundsätzlich zu Recht anmerkte (Prot. II 

S. 14), machte die Privatklägerin weiter nicht gänzlich gleichbleibende Angaben 

dazu, was der Beschuldigte zu ihr gesagt habe, als er die Pistole gezogen habe. 

So erklärte sie in ihrer ersten polizeilichen Einvernahme, dass er ihr gesagt habe, 

sie solle ruhig sein, wobei sie anfügte, dass er noch mehr gesagt habe, sie aber 

unter Schock gewesen sei (Urk. D1/6 S. 4). Im Rahmen ihrer staatsanwaltschaftli-

chen Einvernahme gab sie dann an, dass er ihr gesagt habe, sie solle die Kleider 

ausziehen, als er ihr die Pistole vorgehalten habe (Urk. D1/20/6 S. 15). In ihrer 

Befragung anlässlich der Berufungsverhandlung berichtete sie dann davon, dass 

er ihr gesagt habe, sie solle das machen, was er ihr sage (Urk. 178 S. 8 f.). Zwar 

legte die Privatklägerin somit den Wortlaut der ihr erteilten Aufforderungen unter-

schiedlich dar. Die einzelnen von ihr geschilderten Anweisungen des Beschuldig-

ten schliessen sich gegenseitig jedoch nicht aus. Es ist daher grundsätzlich so-

wohl denkbar, dass die Privatklägerin das Handeln des Beschuldigten konkludent 

im Sinne aller dieser von ihr geschilderten Aufforderungen verstanden hatte als 

auch, dass der Beschuldigte sämtliche dieser Äusserungen zu unterschiedlichen 

Zeitpunkten während des Vorhalts der Waffe getätigt hatte. So gab die Privatklä-

gerin beispielsweise auch unabhängig von der Frage, was er ihr beim Ziehen der 

Waffe gesagt hatte, mehrfach an, dass der Beschuldigte sie geheissen habe, ihre 

Kleider auszuziehen. Weiter ist zu berücksichtigen, dass die Tat bereits einige 

Zeit zurückliegt und daher Ungenauigkeiten beim Versuch der genauen Wieder-

gabe eines Wortlauts auch dem Zeitablauf geschuldet sein können. Unabhängig 

davon ist wiederum zu berücksichtigen, dass aus Sicht der Privatklägerin der von 

ihr geltend gemachte Vorhalt der Waffe an sich zentral war und dieser bei ihr ge-

mäss ihren Angaben zu einem gewissen Schockzustand geführt hatte. Vor die-

sem Hintergrund erweist es sich als angezeigt, keinen allzu hohen Massstab be-

- 21 - 

treffend die Genauigkeit der Wiedergabe eines zu jenem Zeitpunkt gehörten Wort-

lauts anzusetzen. Auch aufgrund der diesbezüglichen Ungereimtheiten ist die 

grundsätzliche Glaubhaftigkeit der Angaben der Privatklägerin daher nicht in Fra-

ge zu stellen. 

2.2.4.6. Eben so wenig widerspricht sie sich – entgegen der Auffassung der Ver-

teidigung (Urk. 182 S. 20) – in der Schilderung des Ausziehens ihrer Hose. Sie 

unterscheidet lediglich zwischen dem Öffnen der Hose (Urk. D1/20/6 S. 16) und 

dem Ausziehen (Urk. D1/6 S. 2; Urk. D1/8 S. 9; Urk. 178 S. 8). Dies sind offen-

kundig zwei unterschiedliche Vorgänge und sie hat diesbezüglich konstant aus-

gesagt, dass er sie geheissen habe, die Hose zu öffnen, was sie getan habe, und 

er ihr die Hose heruntergezogen habe. Dementsprechend gab sie auch im Rah-

men der Berufungsverhandlung an, dass sie es ein bisschen versucht habe, 

grösstenteils aber er ihr die Kleider aus- oder runtergezogen habe (Urk. 178 S. 9). 

In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass es zwar auf den ersten 

Blick fraglich erscheinen mag, wie es für den Beschuldigten überhaupt möglich 

gewesen sein soll, der Privatklägerin die Hose auszuziehen und gleichzeitig die 

Bedrohung mit der Waffe aufrecht zu halten. Da die Privatklägerin aber erklärte, 

dass sie in jenem Moment gegen die Waschmaschine gedrückt worden und damit 

dort arretiert gewesen sei (Urk. D1/6 S. 2; Urk. D1/20/6 S. 7), erweist sich das ge-

schilderte Vorgehen als möglich. Auch dieser Umstand tut der Plausibilität der 

Schilderungen der Privatklägerin damit keinen Abbruch. 

2.2.4.7. Auch wirken die Schilderungen ihrer Gegenwehr, beziehungsweise deren 

weitgehendes Unterbleiben entgegen der Auffassung der Vorinstanz nicht lebens-

fremd (Urk. 115 S. 18 f.). In ihrer aus eigenen Stücken abgegebenen Schilderun-

gen anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahme war von Gegenwehr nicht die 

Rede (Urk. D1/6 S. 2). Erst auf die Nachfrage, wie sie sich verhalten habe, gab 

sie an, dass sie das nicht gewollt habe und ihm dies auch so gesagt habe. Dabei 

fügte sie zwar an, dass sie sich mit den Händen gewehrt habe, um aber auf weite-

re Nachfrage zu sagen, dass sie keine Ahnung habe, was sie mit den Händen 

gemacht habe (Urk. D1/6 S. 3). Von einer eigenständigen Schilderung von 

Abwehrhandlungen kann somit auch in der ersten Einvernahme nicht die Rede 

- 22 - 

sein, womit sich die erste Aussage mit den folgenden auch in diesem Punkt deckt 

(Urk. D1/8 S. 3; Urk. D1/20/6 S. 6, 16; Urk. 178 S. 9). 

2.2.4.8. Schliesslich wendet die Verteidigung ein, dass die Privatklägerin erst im 

Rahmen der Berufungsverhandlung neu davon berichtet habe, dass sie während 

des Vorfalls an ihre Kinder gedacht habe, womit sie wohl habe geltend machen 

wollen, dass sie Todesangst gehabt habe. Die Verteidigung ist diesbezüglich der 

Ansicht, dass sie dies bereits sehr früh gesagt hätte, wenn dem wirklich so gewe-

sen wäre (Prot. II S. 14). Diesem Vorbringen ist jedoch zu entgegnen, dass die 

Privatklägerin schon im Vorverfahren gesagt hatte, dass ihr in jenem Moment viel 

durch den Kopf gegangen sei (Urk. D1/20/6 S. 15). Auch in diesem Punkt sind 

daher – entgegen der Auffassung der Verteidigung – keine Widersprüche in ihren 

Angaben zu erkennen, welche die grundsätzliche Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen 

in Frage zu stellen vermöchten. 

2.2.5. Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass ihre Aussagen zum 

Kerngeschehen insgesamt glaubhaft sind. Die Ungereimtheiten, welche der Be-

schuldigte und die Vorinstanz in ihren Aussagen ausgemacht haben, lassen sich 

wie oben ausgeführt ohne Weiteres erklären. Sie sind im Übrigen weitgehend 

auch dem unterschiedlichen Umfang und Detaillierungsgrad der Befragungen ei-

nerseits und den teilweise wenig strukturierten und mitunter etwas sprunghaften 

Befragungstechniken der Einvernehmenden andererseits geschuldet.  

2.2.6.1. Zu erwähnen ist weiter, dass der hohe Alkoholisierungsgrad der Privat-

klägerin zum Tatzeitpunkt auch nach einer konkreten Würdigung ihrer Aussagen 

zum Tatgeschehen nicht zu einer Schmälerung der Glaubhaftigkeit ihrer Angaben 

führt. Da sich die Privatklägerin und der Beschuldigte erst wenige Stunden vor 

dem zur Anklage gebrachten Vorfall kennengelernt hatten, kann ausgeschlossen 

werden, dass die Privatklägerin sich die gegen den Beschuldigten erhobenen 

Belastungen im Voraus ausgedacht und auswendig gelernt hätte. Angesichts ih-

res damals stark alkoholisierten Zustands erscheint es sodann unwahrscheinlich, 

dass sie sich die von der Darstellung des Beschuldigten abweichenden Schilde-

rungen unmittelbar nach dem Geschlechtsverkehr und noch vor der Anzeige bei 

der Polizei am 9. März 2019 spontan zurechtgelegt hatte, zumal sie anschlies-

- 23 - 

send in der Lage war, diese Begebenheiten in der Folge über Jahre grundsätzlich 

gleichbleibend zu schildern. Gerade dieser Umstand, dass die Privatklägerin trotz 

der damals starken Alkoholisierung die in Frage stehenden Ereignisse über einen 

Zeitraum von mehreren Jahren konstant und schlüssig geschildert hat, spricht da-

für, dass es sich dabei um tatsächlich Erlebtes gehandelt hat. Dass sie in der La-

ge war, klare Erinnerungen an den Tattag zu behalten, zeigt sich sodann auch da-

ran, dass sie den Beschuldigten, welchen sie vor dem Vorfall nicht gekannt hatte, 

im Rahmen einer Wahlbildkonfrontation am 8. Mai 2019 und damit rund zwei Mo-

nate nach dem Vorfall auf Anhieb wiedererkannt hatte (Urk. D1/7 S. 5; Urk. D1/8 

S. 12; Urk.D1/9). 

2.2.6.2. Weiter ist darauf hinzuweisen, dass bei der Privatklägerin kein Motiv dafür 

erkennbar ist, den Beschuldigten fälschlicherweise einer Vergewaltigung zu 

beschuldigen. Hätte die Privatklägerin tatsächlich aus anderen Gründen nach 

dem Zusammentreffen mit dem Beschuldigten einen gewissen Unmut gegen die-

sen gehegt, ist nicht ersichtlich, weshalb sie es nicht beispielsweise bei der An-

zeige wegen Diebstahls von Bargeld aus ihrer Tasche belassen hätte (Urk. D1/1), 

zumal sie sich auf diese Weise auch unangenehme Fragen über ihre Intimsphäre 

hätte ersparen können. In diesem Zusammenhang ist weiter darauf hinzuweisen, 

dass insbesondere auch die Umschreibung der Waffe durch die Privatklägerin 

dagegen spricht, dass es sich beim Waffengebrauch des Beschuldigten lediglich 

um eine erfundene Geschichte ihrerseits handelte. So beschrieb sie diese kon-

stant als kleine Pistole, welche mit einer Verzierung versehen gewesen sei, die 

wie eine Blume ausgesehen habe. Hätte sich die Privatklägerin die Anschuldi-

gungen gegen den Beschuldigten ausgedacht, wäre eher zu erwarten gewesen, 

dass sie eine grössere und bedrohlichere Waffe beschrieben hätte, um entspre-

chend auch den Beschuldigten umso bedrohlicher erscheinen zu lassen. 

2.2.6.3. Letztlich wird die Glaubhaftigkeit der Angaben der Privatklägerin insbe-

sondere dadurch verstärkt, dass diese mit den Zeugenaussagen von F._____ in 

Einklang stehen. Diese gab im Rahmen ihrer polizeilichen Einvernahme vom 

11. März 2019 an, dass sie die aufgelöste, weinende, deprimierte und halbwegs 

schreiende Privatklägerin am 9. März 2019 im Treppenhaus angetroffen habe und 

- 24 - 

diese angesichts ihres Zustands und ihrer Angaben, wonach sie von einem jun-

gen Kolumbianer mit einer kleinen Pistole bedroht worden sei und ihr die Kleider 

sowie die Tasche weggekommen seien, auf den Polizeiposten begleitet habe 

(Urk. D1/5 S. 1 ff.). Damit bestätigte sie nicht nur den von der Privatklägerin spä-

ter gegenüber den Strafverfolgungsbehörden geltend gemachten Gemütszustand, 

sondern insbesondere auch den von ihr behaupteten Waffeneinsatz des Beschul-

digten. Wiederum konnte die Privatklägerin nicht mit dem Zusammentreffen mit 

F._____ unmittelbar nach dem Vorfall im Treppenhaus rechnen. Dass sie dieser 

daher grundsätzlich unvorbereitet von der Bedrohung mit der Waffe berichtete 

und sich so verhalten hatte, dass sie bei F._____ einen aufgelösten Eindruck hin-

terlassen hatte, spricht entsprechend stark dafür, dass die Schilderungen der Pri-

vatklägerin tatsächlich Erlebtem entsprechen. Zwar zeigte sich F._____ im 

Rahmen ihrer polizeilichen Einvernahme überrascht, dass die Privatklägerin auch 

ein Sexualdelikt zur Anzeige gebracht hatte (Urk. D1/5 S. 1). In Anbetracht des-

sen, dass die Privatklägerin die Vergewaltigung im Rahmen ihres Aufsuchens der 

Polizeiwache am 9. März 2019 und damit unmittelbar nach den in Frage stehen-

den Ereignissen – und nicht erst nachträglich – zur Anzeige gebracht hatte (Urk. 

D1/1 S. 3), hat der Umstand, dass F._____ nichts von einem Sexualdelikt ge-

wusst hatte, keinen Einfluss auf die Glaubhaftigkeit der Angaben der Privatkläge-

rin. Falls die Privatklägerin diesen Umstand gegenüber F._____ tatsächlich uner-

wähnt liess, liesse sich dies nicht nur damit erklären, dass es der Privatklägerin 

unangenehm gewesen sein könnte, der ihr unbekannten Frau über dieses Ereig-

nis zu berichten. Denkbar wäre aber auch, dass für die Privatklägerin in jenem 

Moment schlicht die aufgrund der Bedrohung mit einer Pistole verspürte Angst 

und die Ungewissheit darüber, ob der Beschuldigte noch einmal zurückkommen 

oder der von diesem verübte Übergriff tatsächlich beendet sein würde, noch im 

Vordergrund stand. In diesem Zusammenhang bleibt darauf hinzuweisen, dass 

F._____ im Rahmen ihrer Zeugeneinvernahme anlässlich der Berufungsverhand-

lung nicht mehr in der Lage war, detaillierte Angaben zu ihrem Zusammentreffen 

mit der Privatklägerin am 9. März 2019 zu machen, da sie erklärte, sich nicht 

mehr genau daran erinnern zu können (Urk. 179 S. 4 ff.). Auf entsprechende Vor-

halte vermochte sie ihre anlässlich der polizeilichen Einvernahme getätigten An-

- 25 - 

gaben aber zu bestätigen. Diese Bestätigungen erweisen sich angesichts der ihr 

auf die jeweiligen Vorhalte gezeigten Reaktionen auch als glaubhaft, weshalb oh-

ne Weiteres auf ihre im Rahmen der Untersuchung getätigten Aussagen abge-

stellt werden kann. 

 

2.3. Aussagen des Beschuldigten 

2.3.1. Was die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten betrifft, ist darauf hinzuweisen, 

dass er als direkt vom vorliegenden Verfahren Betroffener ein zwar legitimes, 

aber dennoch erhebliches Interesse daran haben dürfte, die Geschehnisse in ei-

nem für ihn günstigen Licht darzustellen. Entscheidend für den Ausgang des Ver-

fahrens ist allerdings nicht seine Stellung im Verfahren und die daraus folgenden 

(theoretischen) Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit, sondern der materielle Gehalt 

seiner Aussagen. Hinsichtlich seiner Glaubwürdigkeit ist weiter beispielhaft diese 

Begebenheit zu berücksichtigen: Der Beschuldigte gab in Übereinstimmung mit 

der Privatklägerin an, Spanisch mit kolumbianischem Akzent zu sprechen. Offen-

bar derart gut, dass die aus dem benachbarten Venezuela stammende Privatklä-

gerin ihn für einen Kolumbianer hielt. Dass er diese Sprachkenntnisse einzig 

durch den Konsum der Telenovela "dulce maria und Salome" am albanischen 

Fernsehen erlernt haben will, ist völlig unglaubhaft. Abgesehen davon, dass eine 

google Suche nach "Dulce Maria y Salome" lediglich 7 Treffer ergab, von denen 

keiner einen Bezug zu einer Telenovela aufwies (letzte Suche getätigt am 7. März 

2022), existiert tatsächlich eine weltweit ausgestrahlte Telenovela Namens "Sa-

lome", welche jedoch aus Mexico stammt 

(https://de.wikipedia.org/wiki/Salom%C3%A9_(Telenovela); zuletzt aufgerufen am 

7. März 2022). Obwohl damit nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Be-

schuldigte in Albanien früher eine kolumbianische Telenovela mit dem Titel "Dulce 

Marya y Salome" konsumiert hat, ist es nachgerade abwegig, dass er alleine des-

halb kolumbianisches Spanisch wie ein Einheimischer spricht. Offensichtlich ver-

schweigt er den wahren Grund für seine perfekten kolumbianisch Spanisch 

Kenntnisse, was im Lichte der übrigen zweifelhaften Aussagen zu seiner Biogra-

fie, auf welche zu einem späteren Zeitpunkt einzugehen sein wird, nicht weiter er-

- 26 - 

staunt. Zwar hat seine Glaubwürdigkeit aus diesem Grund sowie aufgrund seiner 

Stellung im Verfahren nicht von vornherein als eingeschränkt zu gelten, gleich-

wohl erweist es sich als angezeigt, seine Aussagen mit einer gewissen Vorsicht 

zu würdigen. 

2.3.2.1. Der Beschuldigte konnte nach erfolgter Fahndung erstmals am 21. No-

vember 2019, mithin gut 8 Monate nach dem in Frage stehenden Vorfall erstmals 

zur Sache einvernommen werden (Urk. D1/20/2). Er schilderte aus freien Stü-

cken, wie er die Privatklägerin in der "K._____" Bar kennengelernt und sie den 

Wunsch geäussert habe, woanders hinzugehen. Daraufhin sei er mit ihr zum Tat-

ort gefahren und sei, nachdem ihm keiner der ihm bekannten Bewohner Einlass in 

deren Wohnungen gewährt habe, mit ihr in die Waschküche gegangen. Er habe 

Kokain konsumiert. Nachdem sie keinen Alkohol zum Konsumieren gehabt habe, 

habe sie sich ausgezogen. Sie sei "richtig heiss darauf" gewesen, viel mehr als 

er. Sie hätten einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gehabt. Danach sei er nach 

oben gegangen und habe sie alleine zurückgelassen (Urk. D1/20/2 S. 2 f.). Bei 

der Würdigung dieser Sachverhaltsschilderung fällt auf, dass er zwar die Abläufe 

bis zum Zeitpunkt des Geschlechtsverkehrs ausführlich und detailliert schilderte, 

zum eigentlichen Kerngeschehen jedoch keine Ausführungen machte, keinerlei 

Details schilderte und diesen Teil regelrecht aus seinen Schilderungen ausklam-

merte. Nicht in Einklang zu bringen sind sodann seine Behauptungen, wonach er 

nach dem Kokainkonsum nie eine Frau vergewaltigen könnte, weil er jeweils Ru-

he brauche einerseits und dass er mit der Privatklägerin Geschlechtsverkehr ge-

habt habe, wobei er auf Grund der beschriebenen Position der Privatklägerin, wo-

nach diese mit dem Oberkörper bäuchlings auf der Waschmaschine gelegen sei, 

den aktiven Part innegehabt hat (Urk. D1/20/2 S. 8). Völlig lebensfremd erscheint 

in diesem Zusammenhang auf Vorhalt der von der Privatklägern geschilderten 

Gegenwehr die Antwort des Beschuldigten, wonach sich diese gedreht und "sel-

ber weitergemacht" habe (Urk. D1/20/2 S. 8). Auf Grund der behaupteten gegen-

überstehenden Positionen der beiden ist schlicht nicht vorstellbar, wie unter die-

sen Umständen überhaupt Geschlechtsverkehr hätte vollzogen werden können. 

- 27 - 

2.3.2.2. Jegliche Glaubhaftigkeit geht den Aussagen des Beschuldigten indes ab, 

wenn man die Aussagen aus der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme mit den 

an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung deponierten in Bezug bringt. Bereits 

die Versionen der Vorgeschichte unterscheiden sich wesentlich. So gab er in der 

ersten Einvernahme an, dass die Privatklägerin keine Drogen konsumiert habe 

(Urk. D1/20/2 S. 1, 8). In der folgenden Einvernahme ist dann aber von gemein-

samem Kokainkonsum die Rede (Prot. I S. 22). Besonders auffällig wiederum ist 

an dieser zweiten Einvernahme, dass er die Begebenheiten vor und nach dem 

Geschlechtsverkehr ausführlichst schildert, währenddem er den Geschlechtsver-

kehr einzig mit den Worten "Wir hatten normalen Sex gehabt" umschreibt (Prot. I 

S. 23). Dieses erneute Ausklammern des Geschlechtsverkehrs passt überhaupt 

nicht in das übrige, teilweise ausschweifende Aussageverhalten des Beschuldig-

ten. Wohl verbietet es sich, aus diesem partiellen Schweigen etwas zu seinen 

Ungunsten abzuleiten. Letztlich ist dies eine Form der Aussageverweigerung. 

Immerhin lässt sich aber festhalten, dass der Beschuldigte keine eigene, glaub-

hafte Sachverhaltsschilderung abgibt, auf welche bei der Entscheidfindung abge-

stützt werden könnte. Im Lichte seiner reduzierten Glaubwürdigkeit und der stark 

herabgesetzten Glaubhaftigkeit seiner Aussagen ist jedoch auch seine pauschale 

Qualifikation des nicht näher umschriebenen Geschlechtsverkehrs als einver-

nehmlich wenig glaubhaft. 

2.3.2.3. Im Rahmen der Berufungsverhandlung wurde der Beschuldigte erneut zur 

Sache befragt, wobei er dabei blieb, die Darstellung der Privatklägerin zu bestrei-

ten und nach wie vor geltend machte, dass es sich um einvernehmlichen Ge-

schlechtsverkehr gehandelt habe (Urk. 180 S. 28 ff.). Er machte dabei insbeson-

dere geltend, dass es ihnen beiden darum gegangen sei, gemeinsam Party zu 

feiern, was abgesehen vom Konsum von Alkohol und Kokain auch Geschlechts-

verkehr beinhalte (Urk. 180 S. 30 ff.). Was den Drogenkonsum der Privatklägerin 

betrifft, gab er in dieser Einvernahme an, dass sie sowohl in der "K._____" Bar als 

auch später in der Waschküche Kokain konsumiert habe (Urk. 180 S. 32 ff.). Was 

sein Aussageverhalten betrifft, fällt sodann auf, dass er immer wieder darum be-

müht war, mögliche Gründe dafür zu nennen, weshalb die Privatklägerin nach ih-

rem Zusammentreffen wütend auf ihn hätte gewesen sein können. So erklärte er 

- 28 - 

einerseits, dass es ein Fehler gewesen sei, dass er sich nach dem Geschlechts-

verkehr einfach entfernt und sie alleine gelassen habe. Deshalb sei sie wütend 

auf ihn gewesen (Urk. 180 S. 39). Weiter gab er an, dass sie in der Waschküche 

stets nach Alkohol gefragt habe, er ihr aber keinen habe anbieten können. Dies-

bezüglich merkte er auch an, dass sie nicht ohne Alkohol habe sein können 

(Urk. 180 S. 34 ff.). Schliesslich erklärte er, dass sie letztlich Geld von ihm ver-

langt habe, weil er ihr keinen Alkohol und kein Kokain habe anbieten können 

(Urk. 180 S. 39 ff.). Was diese Vorbringen betrifft, ist darauf hinzuweisen, dass 

wie bereits erwogen (vgl. Erw. II.2.2.6.2.), nicht naheliegend erscheint, dass die 

Privatklägerin, wäre sie tatsächlich "nur" aus einem dieser Gründe wütend auf 

den Beschuldigten gewesen, neben dem Diebstahl ohne Not auch noch eine Ver-

gewaltigung unter Vorhalt einer Waffe zur Anzeige gebracht hätte. Insbesondere 

das Vorbringen des Beschuldigten, wonach die Privatklägerin nach dem Ge-

schlechtsverkehr Geld von ihm verlangt habe, vermag deshalb nicht überzeugen, 

weil er von diesem Umstand nicht von Anfang an, sondern erst ab der vorinstanz-

lichen Hauptverhandlung berichtet hat (Prot. I S. 23; Urk. 180 S. 39 ff.). Darauf 

angesprochen erklärte er sowohl vor Vorinstanz als auch im Rahmen der Beru-

fungsverhandlung, dass er während der staatsanwaltschaftlichen Befragungen 

vom einvernehmenden Staatsanwalt immer wieder gestoppt worden sei. So habe 

dieser beispielsweise immer wieder gesagt, dass es reiche, wenn er habe weiter-

fahren wollen. Auf den Vorhalt, dass ihm der Staatsanwalt mehrmals die Gele-

genheit gegeben habe, etwas zu ergänzen, gab der Beschuldigte sodann an, 

dass die Sache für ihn jeweils abgeschlossen gewesen sei, wenn der Staatsan-

walt ihn unterbrochen und gesagt habe, es reiche (Urk. 180 S. 41 ff.). Da es sich 

bei dieser geltend gemachten Geldforderung um ein sehr zentrales Element für 

die Motivlage der Privatklägerin handelt, welches die Darstellung des Beschuldig-

ten, wonach die Privatklägerin ihn zu Unrecht beschuldigt, zu stützen vermöchte, 

wäre zu erwarten gewesen, dass er diesen Umstand – würde er zutreffen – von 

Beginn an kundgetan hätte. In der Untersuchung erwähnte er jedoch weder in 

seinen freien Schilderungen noch im Rahmen der ihm seitens der Staatsanwalt-

schaft gebotenen Gelegenheiten zu Ergänzungen, dass die Privatklägerin von 

ihm Geld gefordert hätte (Urk. D1/20/2 S. 9; Urk. D1/20/7 S. 10). Der Beschuldigte 

- 29 - 

führte im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 21. November 

2019 gar aus, dass sie noch in der "K._____" Bar darüber gesprochen hätten, 

dass die Privatklägerin keine Prostituierte sei (Urk. D1/20/2 S. 5). Auch in jenem 

Zusammenhang hätte sich ihm mithin die Gelegenheit geboten, anzumerken, 

dass sie dann nach dem gemeinsamen Geschlechtsverkehr doch noch Geld ge-

fordert hätte. Auch gegenüber dem Gutachter liess er diesen Umstand unerwähnt 

(Urk. D1/19/19 S. 32). Zu berücksichtigen ist schliesslich, dass der Beschuldigte 

in sämtlichen Einvernahmen verteidigt war. Vor dem Hintergrund, dass er trotz 

der ihm gebotenen Gelegenheiten und des Umstands, dass seine Verteidigung 

zugegen war, noch in der Untersuchung unerwähnt liess, dass die Privatklägerin 

Geld von ihm verlangt habe, erweist sich dieses Vorbringen als nachgeschobene 

Schutzbehauptung. 

2.3.2.4. Letztlich ist darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte mit seinen an-

lässlich der Berufungsverhandlung getätigten Angaben in den Raum stellte, die 

Privatklägerin könnte angesichts der von ihm mitgeführten Freebase-Pfeife einem 

Irrtum unterlegen sein und diese mit einer Waffe verwechselt haben. So gab der 

Beschuldigte einerseits an, dass er nach der Ankunft in der Waschküche als Ers-

tes eine von ihm mitgeführte Pfeife für den späteren Kokainkonsum hervorge-

nommen habe (Urk. 180 S. 33). Im weiteren Verlauf der Einvernahme erklärte er 

dann auf eine Ergänzungsfrage seiner Verteidigung, dass diese Pfeife, wenn man 

sie drehe, wie eine Waffe aussehe (Urk. 180 S. 47). Auch wenn der vom Be-

schuldigten genannte Zeitpunkt der Hervornahme der Pfeife und deren äusseres 

Erscheinungsbild grundsätzlich mit den Schilderungen der Privatklägerin in Ein-

klang zu bringen wären, so ist ein Irrtum ihrerseits auszuschliessen. Einerseits 

macht der Beschuldigte nicht geltend, dass die Privatklägerin ob des Anblicks der 

Pfeife erschrocken wäre oder ab jenem Augenblick geängstigt gewirkt hätte. An-

dererseits geht aus dem Polizeirapport vom 23. Mai 2019 hervor, dass die Privat-

klägerin bei Dritten bekannt dafür gewesen sei, dass auch sie selbst Kokain 

schon als Freebase geraucht hatte (Urk. D1/7 S. 4). Auch vor diesem Hintergrund 

steht ausser Frage, dass die Privatklägerin einem derartigen Missverständnis hät-

te unterliegen können. 

- 30 - 

2.4. Abschliessend bleibt somit festzuhalten, dass sich die Schilderungen der 

Privatklägerin als insgesamt authentisch und glaubhaft erweisen, während die 

übrigen Beweismittel, insbesondere die in mehrfacher Hinsicht wenig plausiblen 

Aussagen des Beschuldigten, keine ernsthaften Zweifel daran zu begründen ver-

mögen. Der Sachverhalt ist im Sinne der Anklage erstellt. 

3. Sachverhalt 2: Diebstahl zum Nachteil von H._____ 

3.1. Der Beschuldigte bestreitet den äusseren Ablauf der Geschehnisse nicht, 

macht aber geltend, davon ausgegangen zu sein, dass es sich dabei um sein 

Geld gehandelt habe (Urk. D1/20/7 S. 4). So anerkannte er ausdrücklich, das 

Geld genommen, aber in dem Moment nicht viel dabei überlegt zu haben 

(Urk. D2/11/2 S. 5; Prot. I S. 29). Dazu sei es gekommen, weil er Fr. 200.– in der 

Wohnung von L._____ auf den Tisch gelegt habe, um H._____ Kokain abzukau-

fen. Daraufhin habe dieser 11 Minigrip auf den Tisch gelegt. Daraufhin habe 

L._____ die Fr. 200.– und M._____ die Minigrip an sich genommen. Es sei ein 

Gerangel entstanden und er habe H._____ aufgefordert, ihm sein Geld zurückzu-

geben, da er fälschlicherweise davon ausgegangen sei, dass dieser und nicht 

L._____ das Geld an sich genommen habe. Daraufhin habe H._____ Fr. 3'000.– 

auf den Tisch gelegt, welche er sofort an sich genommen habe, was ein Fehler 

gewesen sei. In der Folge habe ihm M._____ vom behändigten Geld umgehend 

Fr. 800.– wieder abgenommen. Mit dem ihm verbleibenden Geld habe er dann 

fluchtartig die Wohnung verlassen, worauf H._____ ihn im Treppenhaus zunächst 

mit einem Messer auf den Hinterkopf geschlagen und ihm dann das restliche Geld 

abgenommen habe (Urk. D2/11/2, S. 6 f.). Dass er damals vom Tisch Fr. 3'000.– 

genommen, M._____ ihm dann sogleich – noch beim Tisch – Fr. 800.– wieder 

abgenommen und ihm schliesslich H._____ im Treppenhaus nach einem Schlag 

mit dem Messergriff auch noch die restlichen Fr. 2'200.– wieder weggenommen 

habe, bestätigte der Beschuldigte auch im Rahmen der Berufungsverhandlung 

(Urk. 180 S. 53 f.). 

3.2. Auf diesen Zugaben ist der Beschuldigte zu behaften. Demnach hat er 

gewusst, dass es sich bei den Fr. 3'000.– nicht um sein Geld gehandelt hat. Ein 

anderer Schluss, als dass er dies in der Absicht tat, dieses Geld für andere Zwe-

- 31 - 

cke zu verwenden, lässt sich nicht ziehen. Dass er davon ausging, dass darunter 

auch seine Fr. 200.– waren, auf welche er Anspruch hatte, ändert nichts daran. 

H._____ wäre in jenem Moment ohnehin Eigentümer der gesamten Fr. 3'000.– 

gewesen, selbst wenn sich die Fr. 200.– des Beschuldigten darunter befunden 

hätten. 

4. Sachverhalt 11-3: Einfache Körperverletzung zum Nachteil von G._____  

4.1. Der Beschuldigte anerkennt, G._____ entsprechend dem Anklagesachver-

halt zwei Faustschläge verpasst zu haben, worauf Letzterer unter anderem einen 

doppelten Kieferbruch erlitt, macht aber geltend, dass G._____ und eine weitere 

Person auf ihn zugekommen seien und ihn hätten schlagen wollen, wobei auch 

ein Baseballschläger mit im Spiel gewesen sei, und er deshalb in Notwehr gehan-

delt habe (Urk. D11/3/3/1 S. 2; Urk. D11/3/3/2 S. 4; Urk. D11/3/5/1 S. 5; Prot. I 

S. 32; Urk. 180 S. 50 ff.). Konkret brachte der Beschuldigte im Rahmen der Beru-

fungsverhandlung dazu vor, dass G._____ einen Baseballschläger geholt habe, 

als dieser gesehen habe, wie er dabei gewesen sei, auf den Balkon der Wohnung 

von N._____ zu steigen. G._____ habe ihm dann Schläge auf die linke Schulter 

und den linken Oberarm verpasst. Der letzte Schlag habe sodann seinen Hinter-

kopf getroffen, weshalb er vier Meter in die Tiefe gestürzt sei. Als er unten im Hin-

terhof gewesen sei, seien auch die anderen (G._____ und O._____) wieder auf 

ihn zugekommen. Sie hätten wieder einen Baseballschläger dabei gehabt. Der 

Beschuldigte erklärte weiter, dass er zu G._____ gesagt habe, dass er das nicht 

noch einmal machen solle. Anschliessend habe er, der Beschuldigte, sich zurück-

ziehen wollen, was aber bald nicht mehr möglich gewesen sei, weil es dort eine 

Wand gehabt habe. Als G._____ ihn dann weiter geschlagen habe, habe er sich 

natürlich wehren müssen (Urk. 180 S. 50). 

4.2.1. Was diesen Vorwurf betrifft, gelangte die Vorinstanz zum Schluss, dass 

sich der Sachverhalt wie in der Anklage umschrieben als erstellt erweise und dem 

Vorbringen des Beschuldigten, wonach er von G._____ mit einem Baseballschlä-

ger geschlagen worden sei, nicht gefolgt werden könne. Auf diese ausführlichen, 

sorgfältigen und zutreffenden Erwägungen kann vorab verwiesen werden (Urk. 

115 S. 42 ff.). 

- 32 - 

4.2.2. Wie dementsprechend bereits die Vorinstanz richtigerweise erwog, lässt 

sich nicht nachweisen, dass im Rahmen der Vorgänge vom 27. Mai 2018 auf dem 

Balkon der Wohnung von N._____ und im dazugehörigen Hinterhof ein Baseball-

schläger im Spiel war. Selbst wenn G._____ damals – wie vom Beschuldigten 

geltend gemacht – aus der Wohnung von N._____ einen Baseballschläger be-

händigt gehabt hätte, könnte entsprechend den zutreffenden Erwägungen der Vo-

rinstanz hierzu nicht als erstellt erachtet werden, dass er diesen tatsächlich gegen 

den Beschuldigten zum Einsatz gebracht habe, zumal keine der übrigen anwe-

senden Personen davon berichtete und der Nachweis eines entsprechenden Ver-

letzungsbildes beim Beschuldigten fehlt (Urk. 115 S. 51 f.). Für die Beurteilung 

der Frage, ob sich der Beschuldigte mit den von ihm eingeräumten Faustschlägen 

gegen einen gegenwärtigen Angriff zur Wehr gesetzt hatte, ist sodann ohnehin al-

leine die zweite Phase des Geschehens im Hinterhof von Bedeutung. Gerade was 

jenen Sachverhaltsabschnitt betrifft, sind die Angaben des Beschuldigten hinsicht-

lich der Frage des Einsatzes eines Baseballschlägers nicht einheitlich. So gab der 

Beschuldigte noch in seiner ersten polizeilichen Einvernahme vom 17. Juli 2018 

an, dass G._____ ihn unten im Hof wieder habe schlagen wollen, er den Base-

ballschläger jedoch nicht in der Hand gehabt habe (Urk. D11/3/3/1 S. 2). Im weite-

ren Verlauf des Verfahrens machte der Beschuldigte dann jeweils geltend, dass 

nicht nur während des Vorgangs auf bzw. am Balkon, sondern auch im Hinterhof 

ein Baseballschläger zugegen gewesen sei (Urk. D11/3/3/2 S. 4; Urk. D11/3/5/1 

S. 5; Prot. I S. 32; Urk. 180 S. 50), wobei G._____ probiert habe, ihn mit diesem 

Baseballschläger zu schlagen (Prot. I S. 32). Darauf angesprochen, dass er noch 

in seiner ersten Einvernahme gesagt habe, dass G._____ den Baseballschläger 

im Hinterhof nicht mehr dabei gehabt habe, verwies der Beschuldigte anlässlich 

der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 27. Mai 2019 darauf, dass damals 

nicht übersetzt worden sei (Urk. D11/3/3/2 S. 4). Dass die unterschiedliche Dar-

stellung der Geschehnisse durch den Beschuldigten lediglich auf ein Verständi-

gungsproblem zurückzuführen ist, wie dies der Beschuldigte in den Raum stellte, 

ist jedoch auszuschliessen. So wurde im in Frage stehenden Protokoll nicht nur 

festgehalten, dass der Beschuldigte gesagt habe, G._____ habe den Baseball-

schläger im Hinterhof nicht in der Hand gehabt (Urk. D11/3/3/1 S. 2), sondern 

- 33 - 

auch, dass der Beschuldigte in der Folge davon berichtet habe, dass G._____ zu 

jenem Zeitpunkt auf ihn zugekommen sei und ihm die Faust gezeigt habe 

(Urk. D11/3/3/1 S. 3). Hätte G._____ im Hinterhof einen Baseballschläger auf sich 

getragen und versucht, den Beschuldigten damit zu schlagen, wie Letzterer dies 

in der Folge geltend gemacht hat, so wäre zu erwarten gewesen, dass der Be-

schuldigte in jener ersten polizeilichen Einvernahme vom 17. Juli 2018 auch da-

von statt bloss von einer gezeigten Faust berichtet hätte. Es hat daher dabei zu 

bleiben, dass zwar als erstellt erachtet werden kann, dass G._____ und O._____ 

wie in der Anklageschrift umschrieben im Hinterhof auf den Beschuldigten zuge-

gangen waren, um ihn zur Rechenschaft zu ziehen, sich jedoch nicht als erstellt 

erweist, dass sie dabei einen Baseballschläger auf sich getragen hatten. 

4.2.3. Wie bereits erwogen ist die von der Verteidigung im Hinblick auf die Klä-

rung dieses Anklagesachverhalts angerufene Zeugin N._____ an der Berufungs-

verhandlung unentschuldigt nicht erschienen und ein erneuter Antrag auf 

Abnahme des Beweises wurde nicht gestellt (vgl. Erw. I.1.3.). Bei der Staatsan-

waltschaft brachte sie als Zeugin noch vor, sie habe während des Vorfalls ge-

schlafen und habe daher nichts mitbekommen (Urk. D11/3/5/2 S. 3). Hätte sie im 

Berufungsverfahren als Zeugin nunmehr das Gegenteil behauptet und eigene 

Wahrnehmungen geschildert, müsste ihr jegliche Glaubwürdigkeit abgestritten 

werden, denn dann hätte sie sich entweder früher oder heute des (strafbaren) fal-

schen Zeugnisses schuldig gemacht. Auf eine erneute Einvernahme von N._____ 

kann daher ohne Weiteres verzichtet werden. 

III. Rechtliche Würdigung 

1. Vergewaltigung 

1.1.1. Der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, 

wer eine Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt, na-

mentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck 

setzt oder zum Widerstand unfähig macht. Eine vollständige Widerstandsunfähig-

keit des Opfers wird nicht verlangt. Stets ist jedoch eine erhebliche Einwirkung 

des Täters erforderlich, wobei minderjährigen Personen in der Regel eine gerin-

- 34 - 

gere Gegenwehr zuzumuten ist als Erwachsenen. Es genügt der ausdrückliche 

Wille, den Geschlechtsverkehr bzw. die sexuellen Handlungen nicht zu wollen 

(vgl. BGE 122 IV 97 E. 2b; BGE 119 IV 309 E. 7b). Der entgegenstehende Wille 

muss unzweideutig manifestiert werden. Die von der Rechtsprechung geforderte 

Gegenwehr des Opfers ist nichts anderes als eine tatkräftige und manifeste Wil-

lensbezeugung, mit welcher dem Täter unmissverständlich klargemacht wird, mit 

Geschlechtsverkehr oder sexuellen Handlungen nicht einverstanden zu sein. Un-

ter dem Nötigungsmittel der Gewalt ist nicht mehr verlangt als das Mass an kör-

perlicher Kraftentfaltung, das notwendig ist, um sich über die entgegenstehende 

Willensbetätigung des Opfers hinwegzusetzen (BGer 6B_385/2012, Urteil vom 

21. Dezember 2012 E. 3.3). Eine Vergewaltigung ist auch anzunehmen, wenn die 

Frau unter dem Druck des ausgeübten Zwangs oder Drohung zum Voraus auf 

Widerstand verzichtet oder ihn nach anfänglicher Abwehr aufgibt (BGE 126 IV 

124 E. 3c S. 130). Unter dem Beischlaf wird der (abgenötigte) Geschlechtsver-

kehr mit einer Frau verstanden (Vaginalverkehr). Ein geringfügiges Eindringen mit 

dem Glied in die Scheide des Opfers genügt. Eine Ejakulation ist nicht erforderlich 

(Weder, in: Donatsch/Heimgartner/ Isenring/Weder [Hrsg.], StGB Kommentar, 

21. Aufl. 2022, Art. 190 N 5). 

1.1.2. Vorliegend leitet die Staatsanwaltschaft die Drohung der Privatklägerin da-

raus ab, dass der Beschuldigte sich der Privatklägerin von hinten mit einer Pistole 

näherte und sie hiess, ruhig zu sein. Wegen der vorgehaltenen Pistole traute sich 

die Privatklägerin nicht, Widerstand zu leisten und liess den Beschuldigten ge-

währen und ihn von hinten in ihre Vagina eindringen. Die Vorgehensweise des 

Beschuldigten, mit der Privatklägerin in den Kellerbereich zu gehen und sie mit 

der Pistole zu bedrohen, um gegen ihren ausdrücklich manifestierten Willen den 

Beischlaf vorzunehmen, erfüllt das Nötigungsmittel der Drohung. Der Beschuldig-

te ignorierte ihren geäusserten Willen, keinen Geschlechtsverkehr zu wollen, so-

wie ihre Abwehrhaltung und erzwang damit den Beischlaf. Die Kausalität zwi-

schen Nötigungsmittel und Beischlaf ist zu bejahen, da es der Privatklägerin nicht 

möglich war, sich zu befreien. 

- 35 - 

1.2. In subjektiver Hinsicht ist ein vorsätzliches Handeln des Beschuldigten er-

forderlich (Art. 12 Abs. 1 und Abs. 2 StGB). Das Vorgehen des Beschuldigten, mit 

der Privatklägerin in den Kellerbereich zu gehen und schliesslich unter vorgehal-

tener Waffe unter Missachtung ihrer Abwehr mit seinem Glied von hinten in ihre 

Vagina einzudringen, zeugt von einem eindeutigen Willen, den Geschlechtsver-

kehr auch gegen ihren Willen zu vollziehen. Der Beschuldigte wollte den Beischlaf 

und setzte sich über den für ihn erkennbar entgegenstehenden Willen der Privat-

klägerin hinweg. 

1.3. Der Tatbestand der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB ist 

demnach zu bejahen. Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründe liegen keine 

vor und werden auch nicht geltend gemacht, weshalb der Beschuldigte anklage-

gemäss schuldig zu sprechen ist.  

2. Diebstahl zum Nachteil von H._____ 

2.1. Was die Tatbestandsvoraussetzungen des Diebstahls betrifft, kann vorab 

auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 115 

S. 54; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

2.2. Wie bereits vor Vorinstanz lässt der Beschuldigte auch im Berufungsver-

fahren vorbringen, er habe sich in Bezug auf diesen Tatvorwurf lediglich des ver-

suchten Diebstahls schuldig gemacht (Urk. D1/84 S. 8; Urk. 182 S. 4 ff.). Da 

H._____ das Bargeld im Treppenhaus Sekunden nach der Auseinandersetzung 

wieder habe zurückerlangen können und das Geld somit zu keinem Zeitpunkt aus 

den Örtlichkeiten der P._____-Gasse … verbracht worden sei, habe H._____ die 

Herrschaftsmöglichkeit über das Bargeld nie verloren. Entsprechend sei auch 

dessen Gewahrsam über das Bargeld zu keinem Zeitpunkt gebrochen gewesen 

(Urk. 182 S. 5). 

2.3. Vorliegend hat der Beschuldige gemäss seiner Darstellung die Fr. 3'000.–, 

welche H._____ kurz zuvor auf den Tisch gelegt hatte, ergriffen, woraufhin ihm 

unmittelbar danach von M._____ Fr. 800.– wieder weggenommen wurden. Da 

das blosse Ergreifen der Sache nicht zwingend bereits den Gewahrsam des Be-

- 36 - 

rechtigten aufhebt (BSK StGB-Niggli/Riedo, Art. 139 N 64), ist zwischen den 

Fr. 800.– und den zu jenem Zeitpunkt beim Beschuldigten verbliebenen 

Fr. 2'200.– zu unterscheiden. Das Bargeld im Betrag von Fr. 2'200.– hatte der 

Beschuldigte in der Folge an sich genommen und verliess damit fluchtartig die 

Wohnung. Als sich der Beschuldigte im Treppenhaus befand, weil er ja gehen 

wollte, folgte ihm der wütende H._____ und nahm unter Gewaltanwendung das 

Geld aus der rechten vorderen Hosentasche des Beschuldigten (Urk. D2/11/2 

S. 6 f.). Der Beschuldigte hat diesen Betrag mithin ergriffen mit der Möglichkeit 

der Wegschaffung, da er das Geld an sich genommen, d.h. in seiner rechten Ho-

sentasche verstaut und damit versteckt hat. Er hat das Diebesgut in seinen Klei-

dern getragen und dadurch nach seinem Willen neuen, eigenen Gewahrsam ge-

schaffen. Der Diebstahl in Bezug auf diese Fr. 2'200.– war damit vollendet (Urteile 

des Bundesgerichts 6B_1386/2019 vom 19. August 2020 E. 9, 6S.327/2006 vom 

2. November 2006 E. 3.2 f.). Daran ändert nichts, dass sich der Beschuldigte 

noch im Treppenhaus des Wohngebäudes von H._____ aufhielt, als letzterer das 

Geld zurückholte (BSK StGB-Niggli/Riedo, Art. 139 N 64 f.). Selbst wenn der Be-

schuldigte die Fr. 2'200.– nicht in der Hosentasche versorgt hätte, hätte er hin-

sichtlich dieses Betrags neuen, eigenen Gewahrsam begründet, da er die Woh-

nung von H._____ mit ihm nicht gehörendem Geld verlassen hatte (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1386/2019 vom 19. August 2020 E. 9.2. mit Hinweisen). In 

Bezug auf die Fr. 800.–, welche ihm zuvor von M._____ weggenommen worden 

waren, gelang es ihm hingegen nicht, diese aus der Wohnung zu bringen. Ent-

sprechend reduziert sich die Deliktssumme um diesen Betrag auf Fr. 2'200.–. 

Hinsichtlich dieser Fr. 2'200.– ist der Beschuldigte des Diebstahls im Sinne von 

Art. 139 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen. 

3. Einfache Körperverletzung zum Nachteil des Privatklägers 3 

3.1.1. Einer einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB 

macht sich strafbar, wer vorsätzlich einen Menschen in anderer Weise an Körper 

oder Gesundheit schädigt. In anderer Weise schädigt der Täter jemanden an 

Körper oder Gesundheit, wenn die Verletzung weder die Voraussetzungen einer 

schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB noch diejenigen einer 

- 37 - 

Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 StGB erfüllt (Donatsch, in: Do-

natsch/Heimgartner/ Isenring/ Weder [Hrsg.], Kommentar zum StGB, 21. Aufl. 

2022, Art. 123 N 1). 

3.1.2. Dass die Einwirkung des Beschuldigten auf G._____, welche für Letzteren 

unter anderem eine doppelte Unterkieferfraktur zur Folge hatte, die Tatbestands-

voraussetzungen einer einfachen Körperverletzung erfüllt, ist entsprechend der 

staatsanwaltschaftlichen und der vorinstanzlichen rechtlichen Würdigung zutref-

fend (Urk. D1/23 S. 7; Urk. 115 S. 55). Etwas anderes wurde vom Beschuldigten 

und seiner Verteidigung auch nicht behauptet. Der Beschuldigte macht jedoch wie 

bereits vor Vorinstanz das Vorliegen eines Rechtfertigungsgrunds geltend. So ha-

be er in Notwehr gehandelt, da G._____ und O._____ auf ihn zugekommen seien 

und G._____ zum Schlag mit einem Baseballschläger ausgeholt habe (Urk. 84 

S. 9 ff.; Urk. 182 S. 7 ff.). 

3.2.1. Was die theoretischen Voraussetzungen zur Annahme einer Notwehrsitua-

tion betrifft, kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen 

werden (Urk. 115 S. 55 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

3.2.2. Dass G._____ – wie vom Beschuldigten behauptet – einen Baseballschlä-

ger mit sich geführt hat, als er im Hinterhof auf den Beschuldigten zugegangen 

war, erwies sich nicht als erstellt. Gleichwohl wurde als erstellt erachtet, dass 

G._____ und O._____ damals auf den Beschuldigten zugegangen waren, um ihn 

zur Rechenschaft zu ziehen (vgl. Erw. 4.2.2.). Da der Beschuldigte in jener 

Situation davon ausgehen musste, dass insbesondere G._____ auf eine 

Konfrontation mit ihm aus war, gelangte die Vorinstanz zu Recht zum Schluss, 

dass sich der Beschuldigte bereits aufgrund des erstellten Sachverhalts in einer 

Notwehrsituation befand (Urk. 115 S. 55 f.). Zu beurteilen bleibt jedoch, ob die 

von ihm ergriffenen Abwehrhandlungen im Sinne von Art. 15 StGB als in einer 

den Umständen angemessenen Weise erfolgt erachtet werden können. 

3.3.1. Auch hinsichtlich der Kriterien zur Beurteilung der Angemessenheit der 

Abwehrhandlungen des Beschuldigten kann auf die ausführlichen und zutreffen-

- 38 - 

den Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 115 S. 56; Art. 82 Abs. 4 

StPO). 

3.3.2. In diesem Fall ist zu berücksichtigen, dass es sich zwar um zwei Personen 

handelte, die auf den Beschuldigten zugekommen waren, diese jedoch zumindest 

keine sichtbaren Waffen auf sich getragen hatten. Aufgrund des Verletzungsbilds 

von G._____ zeig sich, dass der Beschuldigte zwei massive Faustschläge gegen 

Letzteren ausführte und diese beide Gesichtshälften, mithin sehr empfindliche 

Körperstellen, trafen. Insbesondere in Anbetracht dessen, dass sich der Beschul-

digte nicht gegen einen bereits begonnen Angriff zu wehren hatte, sondern ihm 

dieser erst drohte, sowie vor dem Hintergrund, dass seine Angreifer nicht bewaff-

net waren, erweist sich diese massive Gewaltanwendung nicht mehr als den da-

maligen Umständen angemessen. Vielmehr hätte ein einzelner Schlag gegen 

G._____ ausgereicht, um den bevorstehenden Angriff abzuwenden. Da auch dem 

Beschuldigten bekannt ist, dass sich im Kopf lebenswichtige Strukturen befinden, 

hätte es dem Beschuldigten überdies gerade aufgrund seiner Kampfsporterfah-

rung möglich sein müssen, zu seiner Verteidigung gezielt einen Schlag gegen ei-

ne weniger empfindliche Körperstelle auszuführen. Der Beschuldigte hat somit die 

Grenzen der rechtfertigenden Notwehr überschritten und es liegt ein Notwehrex-

zess vor. Zu prüfen bleibt nun, ob es sich um einen entschuldbaren Notwehrex-

zess handelt und damit ein nicht schuldhaftes Verhalten vorliegt (Art. 16 Abs. 2 

StGB) oder ob der Notwehrexzess einzig im Rahmen der Strafzumessung zu be-

rücksichtigen sein wird (Art. 16 Abs. 1 StGB). 

3.4.1. Schliesslich kann auch, was die Voraussetzungen eines entschuldbaren 

Notwehrexzesses im Sinne von Art. 16 Abs. 2 StGB betrifft, auf die zutreffenden 

Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 115 S. 59; Art. 82 Abs. 4 

StPO). 

3.4.2. Wie bereits die Vorinstanz zu Recht darauf hinwies, setzt eine Straflosigkeit 

insbesondere voraus, dass der rechtswidrige Angriff es war, der allein oder doch 

vorwiegend die Aufregung oder die Bestürzung des Täters verursacht hat 

(Urk. 115 S. 59; Urteil des Bundesgerichts 6B_810/2011 vom 30. August 2012 

E. 5.3.2). In diesem Fall war es jedoch der Beschuldigte, welcher den Konflikt 

- 39 - 

zwischen G._____ und ihm dadurch, dass er auf den Balkon von N._____ zu klet-

tern versuchte, gewissermassen initiiert hatte. Zwar führt dieser Umstand nicht 

dazu, dass für den Beschuldigten das Vorliegen einer Notwehrsituation hätte ver-

neint werden müssen. Gleichwohl konnte der drohende Angriff von G._____ für 

den Beschuldigten vor diesem Hintergrund nicht derart überraschend gewesen 

sein, dass ihn dieser in eine Aufregung oder Bestürzung versetzt hätte, welche 

die Annahme eines entschuldbaren Notwehrexzesses zu rechtfertigen vermöchte. 

3.5. Demnach ist der Beschuldigte der einfachen Körperverletzung im Sinne 

von Art. 123 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen. Die Notwehrsituation und der 

Notwehrexzess sind im Rahmen der Strafzumessung zu berücksichtigen. 

 

 

IV. Strafzumessung 

1. Vorbemerkungen 

1.1. Die Vorinstanz hat ihre Sanktion unter Voraussetzung des Freispruchs vom 

Vorwurf der Vergewaltigung gefällt. Die Staatsanwaltschaft hat im Berufungsver-

fahren den Antrag auf Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils gestellt (Urk. 134; 

Urk. 184 S. 1). Der Privatklägerin, welche nunmehr alleine die Bestrafung wegen 

Vergewaltigung verlangt, ist es verwehrt einen Antrag zur Sanktion zu stellen 

(Art. 382 Abs. 2 StPO). Da der Beschuldigte nunmehr auch wegen Vergewalti-

gung schuldig gesprochen wird, ist er auch dafür zu bestrafen. Das Verschlechte-

rungsverbot gegenüber der vorinstanzlichen Sanktion gilt deshalb, obwohl diese 

nicht explizit angefochten wurde, nicht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_434/2012 vom 11. Oktober 2011 = Pra 102 (2013) Nr. 59 E. 1.2.). 

2. Allgemeines und Grundsätze zur Strafzumessung  

2.1. Die Vorinstanz hat die allgemeinen Prinzipien der Strafzumessung in ihrem 

Entscheid grundsätzlich korrekt dargelegt. Darauf kann vorab verwiesen werden 

- 40 - 

(Urk. 115 S. 61 ff.). Ergänzt sei einzig, dass lediglich die erste Strafe eine Ein-

satzstrafe darstellt und es sich bei den weiteren zu asperierenden Strafen um so-

genannte Einzelstrafen handelt. Ausgangspunkt für die Strafzumessung bildet 

nunmehr die Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB. Die Vergewalti-

gung stellt ein Verbrechen dar und ist auf Grund des abstrakten Strafrahmens 

ausschliesslich mit einer Freiheitsstrafe zu ahnden, wobei der Strafrahmen von 

mindestens einem Jahr bis 10 Jahre Freiheitsstrafe geht. Ausserordentliche 

Umstände, die ein Verlassen des ordentlichen Strafrahmens aufdrängen, liegen 

nicht vor. 

2.2.1. Die Bildung einer Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB bei einer 

Mehrzahl von Delikten, wie es vorliegend der Fall ist, ist nur bei gleichartigen 

Strafen möglich. Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu verhängen. Das Aspe-

rationsprinzip kommt demnach zur Anwendung, wenn das Gericht im konkreten 

Fall für jeden einzelnen Normverstoss gleichartige Strafen ausfällt. Dass die an-

zuwendenden Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Strafen androhen, genügt 

nicht (BGE 142 IV 265 E. 2.3.2 S. 267 f.; 138 IV 120 E. 5.2 S. 122). 

2.2.2. Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichtiges Kriterium die Zweckmässig-

keit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein sozia-

les Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen. Nach dem Prinzip 

der Verhältnismässigkeit soll bei alternativ zur Verfügung stehenden Sanktionen 

im Regelfall diejenige gewählt werden, die weniger stark in die persönliche Frei-

heit der Betroffenen eingreift bzw. die sie am wenigsten hart trifft (BGE 138 IV 120 

E. 5.2; BGE 134 IV 97 E. 4.2.2; BGE 134 IV 82 E. 4.1). In Bezug auf Vergehen 

und Verbrechen im unteren Bereich, die grundsätzlich mit Geldstrafen bis zu 180 

Tagessätzen zu ahnden sind, regelt Art. 41 StGB, unter welchen Voraussetzun-

gen (bedingte und unbedingte) Freiheitsstrafen in Betracht kommen (Heimgartner, 

in: Donatsch/Heimgartner/Isenring/Weder [Hrsg.], StGB Kommentar, 21. Aufl. 

2022, Art. 41 N 1). Entsprechend dem Verhältnismässigkeitsprinzip ist auch in Art. 

41 Abs. 1 StGB vorgesehen, dass das Gericht dann auf eine Freiheitsstrafe statt 

auf eine Geldstrafe erkennen kann, wenn eine solche geboten erscheint, um den 

- 41 - 

Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten oder ei-

ne Geldstrafe voraussichtlich nicht vollzogen werden kann. 

2.2.3. Auf Grund seiner zahlreichen Vorstrafen und der über die Jahre hinweg an 

den Tag gelegten Unbelehrbarkeit, welche sich auch in der heute zu prüfenden 

Rückversetzung in den bedingt aufgeschobenen Strafrest aus drei früheren Verur-

teilungen manifestiert, erweist es sich in diesem Fall auch hinsichtlich jener Delik-

te, deren Verschuldensbewertung eine Geldstrafe als Sanktion grundsätzlich noch 

zulassen würde, nicht als zweckmässig, ihn mit einer Geldstrafe zu bestrafen. 

Auch für jene Delikte kommen entsprechend nur Freiheitsstrafen in Betracht. 

2.3 Nachfolgend ist in einem ersten Schritt die Einsatzstrafe für die Vergewal-

tigung festzulegen und diese sodann in Anwendung des Asperationsprinzips für 

die übrigen Delikte mit Ausnahme der mehrfachen Übertretung des Betäubungs-

mittelgesetzes, für welche eine separate Busse auszufällen ist, angemessen zu 

erhöhen. Anzumerken bleibt, dass die Vorinstanz die Täterkomponenten bereits 

bei der Bestimmung der Einzelstrafen für jedes separate Delikt miteinbezogen hat 

(Urk. 115 S. 63 ff.). Dieses Vorgehen entspricht nicht der gemäss bundesgericht-

licher Rechtsprechung vorgesehenen Methode, wonach die Täterkomponenten 

erst nach der Festlegung der (hypothetischen) Gesamtstrafe für sämtliche Delikte 

zu berücksichtigen wären (Urteil des Bundesgerichts 6B_466/2013 vom 25. Juli 

2013 Erw. 2.3.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_865/2009 vom 25. März 2010 

E. 1.6.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_924/2021 vom 15. November 2021 E. 3.3). 

In diesem Fall unterscheiden sich die einzelnen im Rahmen der Täterkomponen-

ten zu berücksichtigenden Aspekte in Bezug auf die einzelnen zu beurteilenden 

Delikte stark. So zeigte sich der Beschuldigte beispielswiese hinsichtlich einzelner 

Delikte geständig. Ausserdem handelt es sich bei seinen bisher erwirkten Verur-

teilungen lediglich in Bezug auf einzelne neu zu beurteilende Delikte um einschlä-

gige Vorstrafen. Vor diesem Hintergrund rechtfertigt es sich, die Methode der Vo-

rinstanz beizubehalten und die Täterkomponenten ausnahmsweise bereits bei der 

Bestimmung der Einzelstrafen miteinzubeziehen. 

3. Konkrete Strafzumessung 

- 42 - 

3.1. Vergewaltigung 

3.1.1. Das Vorgehen des Beschuldigten, die buchstäblich im heulenden Elend 

liegende und offensichtlich stark angetrunkene Privatklägerin unter dem Vorwand 

des Besorgens der Wäsche in die Waschküche zu locken, sie dort mit einer Waffe 

zu bedrohen und unter vorgehaltener Waffe den Geschlechtsverkehr an ihr zu 

vollziehen zeugt von einer erheblichen kriminellen Energie. Die Situation für die in 

jeder Hinsicht unterlegene und zusätzlich durch Alkohol geschwächte Privatkläge-

rin war aussichtslos und löste bei ihr grosse Angst aus. Wohl dauerte der Vorgang 

nicht allzu lange und bediente er sich nicht zusätzlicher unnötiger körperlicher 

Gewalt oder besonderer Grausamkeiten. Trotzdem gilt es zu berücksichtigen, 

dass der Beschuldigte sich mit seiner Vorgehensweise an der Grenze zum quali-

fizierten Tatbestand von Art.190 Abs. 3 StGB bewegte, welcher eine Mindeststra-

fe von 3 Jahren Freiheitsstrafe vorsieht. Zudem kam es bei ihm zu einer Ejakula-

tion in die Vagina der Privatklägerin, was für das Opfer einen zusätzlichen Ekel-

faktor darstellt. So berichtete sie denn auch davon, wie sie sich nachher schmut-

zig gefühlt und versucht habe, sich zu reinigen. Überdies fällt vor allem ins Ge-

wicht, dass der Beschuldigte den Geschlechtsverkehr ungeschützt vollzogen hat 

und die Tat somit für die Privatklägerin auch noch mit der Gefahr einer möglichen 

Ansteckung mit einer Geschlechtskrankheit sowie mit dem Risiko einer möglichen 

Schwangerschaft verbunden war. Angesichts der Schilderungen der Privatkläge-

rin zeigt sich weiter, dass das Handeln des Beschuldigten sie in Angst versetzte 

und sie traumatisierte. Nichts an der Verschuldensbewertung ändert der Um-

stand, dass die Privatklägerin sich regelmässig im Millieu bewegt hat und sie ein 

promiskuitives Sexualverhalten pflegte. Das sexuelle Selbstbestimmungsrecht gilt 

uneingeschränkt. Daran würde sich selbst dann nichts ändern, wenn sie dies je-

weils im Rahmen einer gewerblichen Tätigkeit getan hätte.  

Insgesamt wiegt die objektive Tatschwere somit bereits erheblich.  

3.1.2. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere gilt es zu berücksichtigten, dass 

der Beschuldigte nicht geständig ist und es deshalb in der Natur der Sache liegt, 

dass die inneren Vorgänge und Motive weitgehend im Dunkeln bleiben. Dement-

sprechend wenig kann hierzu ausgeführt werden, zumal Spekulationen in diesem 

- 43 - 

Zusammenhang zu unterbleiben haben. Einzig auf äusserlich wahrnehmbare 

Vorgänge, welche geradezu zwingend auf innere Vorgänge schliessen lassen, 

darf abgestützt werden. So muss auf Grund der zielgerichteten und entschlosse-

nen Vorgehensweise auf direkten Vorsatz geschlossen werden. Die Vorgehens-

weise lässt auf besondere Skrupellosigkeit schliessen. Andere Motive als die Be-

friedigung seines Sexualtriebs sind nicht erkennbar. Zudem ist darauf hinzuwei-

sen, dass gemäss dem psychiatrischen Gutachter, Dr. med. Q._____, beim Be-

schuldigten hinsichtlich des Vorwurfs der Vergewaltigung keine Verminderung der 

Schuldfähigkeit vorlag (Urk. D1/19/19 S. 79). Insgesamt wirken sich die subjekti-

ven Momente in Anbetracht der bereits erheblichen Tatschwere neutral aus.  

3.1.3. Insgesamt ist von einem bereits erheblichen Tatverschulden auszugehen 

und die Einsatzstrafe für die Vergewaltigung auf 48 Monate Freiheitsstrafe festzu-

setzen. Die von der Staatsanwaltschaft vor Vorinstanz erwogene Freiheitsstrafe 

von 18 Monaten erscheint unter Berücksichtigung sämtlicher Strafzumessungs-

gründe als viel zu tief (Urk. 83 S. 9).  

3.1.4. Täterkomponenten 

3.1.4.1. Vorleben und persönliche Verhältnisse  

Die aktenkundigen Angaben zur Biografie des Beschuldigten sind überwiegend 

Eigenangaben des Beschuldigten, welche teilweise in einem erheblichen Wider-

spruch zueinander stehen. 

Demnach stammt der Beschuldigte ursprünglich aus Albanien. Im Rahmen der 

Schlusseinvernahme gab er an, in R._____ [Stadt in Albanien] eine Zahntechni-

kerschule absolviert zu haben und mit 22 Jahren in die Schweiz gezogen zu sein, 

um hier eine weiterführende Zahntechnikerschule zu besuchen, welche er indes 

nach einem Jahr abgebrochen habe. Im Jahre 2015 habe er geheiratet. Er habe 3 

Kinder, denen er keinen Unterhalt bezahle. Zu seiner Frau habe er keinen Kon-

takt, jedoch habe er viele Freundinnen. Zu seiner Arbeitssituation und seinen wirt-

schaftlichen Verhältnissen gab er keine detaillierte Auskunft (Urk. D1/20/7 S. 9). 

Ergänzend führte er in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung dazu aus, dass er 

- 44 - 

seine Kinder seit geraumer Zeit nicht gesehen habe, er diesen gegenüber jedoch 

unterhaltspflichtig sei, ohne dies genauer spezifizieren zu können. Offenbar wurde 

ihm nur ein begleitetes Besuchsrecht eingeräumt. Vor und nach der Geburt seiner 

ersten Tochter, also im Jahre 2015, habe er 2 Jahre in Israel eine Schule für 

"Krav Maga" besucht. Dies, weil er beabsichtigt habe, nach Albanien zurück zu 

kehren und dort für Interpol zu arbeiten (Prot. I S. 17 ff.).  

In den übrigen Akten sowie in den Beizugsakten finden sich sodann die folgenden 

weiteren biografischen Angaben des Beschuldigten: 

Verfahren AM11.014610 des Ministère Public de l'arrondissement de Lausanne  

Im Rahmen seiner Einvernahme vom 25. August 2011 im Verfahren wegen illega-

len Aufenthalts gab er an, in einer 3-jährigen Ausbildung zum Zahntechniker zu 

stehen, zu Ferienzwecken in die Schweiz gereist zu sein und von seinen Erspar-

nissen zu leben (Urk. 4).  

 

Verfahren 2012/8277 der Staatsanwaltschaft Zürich  

Aus der polizeilichen Einvernahme vom 24. November 2012 geht hervor, dass der 

Beschuldigte am 1. August 2012 zum ersten Mal in die Schweiz gereist sei, er 

nach einem 2-monatigen Aufenthalt zur Familie seines Mannes nach Kroatien ge-

reist und hernach erneut in die Schweiz eingereist sei. Er lebe von der Unterstüt-

zung seiner italienischen Tante (Urk. 2 S. 3). Bei den Akten findet sich ein Auszug 

aus dem zentralen Migrationssystem, welches die eingetragene Partnerschaft des 

Beschuldigten bestätigt (Urk. 12/3).  

Verfahren ST.2014.4366 der Staatsanwaltschaft Baden 

Im Rahmen seiner polizeilichen Einvernahme zur Person vom 30. Juni 2014 be-

stätigte er, seit dem 28. Oktober 2012 mit Herrn S._____ in einer eingetragenen 

Partnerschaft zu leben, wobei diese in Auflösung sei. Einer Arbeit ging er nicht 

nach, sondern lebte von seinen Eltern, wobei er bestätigte, früher Gelegenheits-

arbeiten ausgeführt zu haben (Urk. 1/9). Der Lernfahrausweis war zum damaligen 

- 45 - 

Zeitpunkt wegen Drogensucht entzogen (Urk. 1/6). Weiter gab er an, dass seine 

Familie in Belgien lebe und er die dortige Niederlassungsbewilligung besitze 

(Urk. 2/24).  

Verfahren ST.2015.7327 des Bezirksgerichts Baden 

Aus der dortigen Befragung resultiert, dass er, Stand 27. September 2015, noch 

immer mit S._____ in einer eingetragenen Partnerschaft lebte, stellte jedoch in 

Aussicht, demnächst T._____ zu heiraten, mit welcher er bereits ein Kind hatte. 

Erwerbstätig war er damals nicht und er konsumierte Drogen (Urk. 1/9). Im Rah-

men der Hauptverhandlung vom 3. März 2016 gab er an, dass er nicht arbeite 

und von seiner Familie unterstützt werde (Prot. S. 4). 

Verlaufsbericht des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes des Kantons Zürich 

Über den weiteren Lebensverlauf lassen sich einzig dem Verlaufsbericht des 

Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes des Kantons Zürich verlässliche Anga-

ben entnehmen. Dort sprach er erstmals am 3. November 2016 vor und berichtete 

von Ehe- und Drogenproblemen. Bis Anfangs 2020 folgten verschiedene Aufent-

halte in psychiatrischen Kliniken und Drogenentzugsprogrammen. Auf ein familiä-

res Zusammenleben und Arbeitstätigkeit ergeben sich keine Hinweise 

(Urk. D1/19/10).  

Psychiatrisches Gutachten Dr. med. Q._____ vom 5. September 2020 

Gegenüber dem Gutachter gab er an, dass er im Jahr 2012/13 ein Jahr in der 

Schweiz studiert habe. Er sei von seiner Familie unterstützt worden. Er habe in 

der Schweiz eine Kosovarin geheiratet und sich im Jahre 2014 von dieser schei-

den lassen. Mit seiner aktuellen Frau habe er drei Kinder. Hinweise wonach er mit 

der Familie zusammen gelebt hat, gibt es nicht. Vielmehr bestanden im Jahre 

2019 Rayon- und Kontaktverbote, nachdem gegen ihn ein Strafverfahren wegen 

Drohung eingeleitet worden sei. Die Familie lebe von Fürsorgegeldern, er lebe 

von Leistungen seiner Angehörigen (Urk. D1/19/19). 

- 46 - 

Im Rahmen der Berufungsverhandlung erklärte der Beschuldigte, dass er seit 

dem 10. Januar 2021 von T._____ geschieden sei. Für seine drei Kinder 

U._____, geboren am tt.mm.2015, V._____, geboren am tt.mm.2017 und 

W._____, geboren am tt.mm.2018, welche aus jener Ehe hervorgegangen sind, 

stehe ihm gemäss dem Scheidungsurteil ein Besuchsrecht zu. Sobald er aus der 

Haft komme, sei eine Regelung vorgesehen, wonach er zunächst während sechs 

Wochen ein begleitetes Besuchsrecht habe, bevor er die Kinder anschliessend 

jedes zweite Wochenende alleine zu sich nach Hause nehmen könne. Ausserdem 

sei vorgesehen, dass er in den ersten sechs Monaten Urinproben abgeben wer-

de. Was die aktuelle Situation anbelangt, erklärte der Beschuldigte jedoch, dass 

er seine Kinder nun seit über zwei Jahren nicht mehr gesehen habe. Dazu fügte 

er an, dass er nun aber auch nicht mehr wolle, dass sie ihn nach zwei Jahren im 

Gefängnis wiedersehen müssten. Besuch erhalte er dafür regelmässig von seiner 

Freundin AA._____. Auch von der Mutter seiner Freundin und der Kollegin seiner 

Freundin habe er schon Besuch bekommen. In diesem Zusammenhang wies der 

Beschuldigte auch darauf hin, dass er mit seiner Freundin sehr glücklich sei und 

er inzwischen auch ihre Familie sehr gut kenne. Zu seinem Lebenslauf befragt, 

verneinte der Beschuldigte, dass er vor T._____ bereits einmal verheiratet gewe-

sen sei, wie dies aus dem psychiatrischen Gutachten hervorgeht. Er erklärte, 

dass es zwar zutreffe, dass er zuvor schon eine Liebesbeziehung gehabt habe, 

sie aber nicht verheiratet gewesen seien. Weiter gab er an, dass seine B-

Aufentha