# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 008fd385-5936-5d67-8b91-0a68bc6114b0
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-04-06
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 06.04.2022 SK 2021 134
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2021-134_2022-04-06.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 21 134

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 6. April 2022 

Besetzung Oberrichterin Schwendener (Präsidentin i.V.)
Oberrichter Zbinden, Oberrichter Vicari
Gerichtsschreiberin Hebeisen

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Fürsprecher B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern
 

Berufungsführerin

und

C.________
vertreten durch Rechtsanwältin D.________

Straf- und Zivilklägerin 1

und

2

E.________
vertreten durch Rechtsanwalt F.________

Straf- und Zivilkläger 2

Gegenstand falsche Anschuldigung, Nötigung, qualifizierte Verleumdung, etc.

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau (Kollegialgericht) vom 12. November 2020 
(PEN 2019 163)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 12. November 2020 wurde der Beschuldigte und Berufungsführer 
A.________ (nachfolgend Beschuldigter) durch das Regionalgericht Emmental-
Oberaargau (Kollegialgericht in Dreierbesetzung, nachfolgend Vorinstanz) der fal-
schen Anschuldigung, der mehrfachen Nötigung, der qualifizierten Verleumdung, 
der Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht sowie der Beschimpfung 
schuldig erklärt. In Anwendung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen wurde 
er zu einer Freiheitsstrafe von 23 Monaten und 15 Tagen sowie zu einer Geldstrafe 
von 5 Tagessätzen à CHF 120.00, ausmachend CHF 600.00, verurteilt. Sowohl für 
die Freiheits- als auch die Geldstrafe wurde der Vollzug aufgeschoben und die 
Probezeit auf zwei Jahre festgesetzt. Ebenfalls verurteilt wurde der Beschuldigte 
zur Bezahlung der Verfahrenskosten im Umfang von CHF 10'650.00 (alles 
pag. 611, Ziff. I des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). Die Vorinstanz bestimmte 
sodann die Entschädigung für die amtliche Verteidigung des Beschuldigten durch 
Fürsprecher B.________ sowie auch jene von Rechtsanwältin D.________ und 
Rechtsanwalt F.________ für die unentgeltliche Rechtsvertretung von C.________ 
(nachfolgend Privatklägerin) und E.________ (nachfolgend Privatkläger; alles 
pag. 612 ff., Ziff. II des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). Ferner verurteilte die 
Vorinstanz den Beschuldigten zur Bezahlung einer Genugtuung in der Höhe von 
CHF 2'500.00 zzgl. Zins zu 5% seit dem 15. September 2017 an die Privatklägerin 
sowie zu einer Genugtuung in der Höhe von CHF 3'000.00 zzgl. Zins zu 5% seit 
dem 2. Juli 2017 an den Privatkläger. Soweit weitergehend wies die Vorinstanz die 
Zivilklage des Privatklägers ab und verzichtete im Übrigen auf die Ausscheidung 
von Verfahrenskosten für die Beurteilung dieser beiden Klagen (pag. 614, Ziff. III 
des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs).

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 20. Novem-
ber 2020 innert Frist Berufung an (pag. 617). Mit Eingabe vom 23. November 2020 
meldete auch Fürsprecher B.________ namens und im Auftrag des Beschuldigten 
fristgerecht Berufung an (pag. 625). Die schriftliche Urteilsbegründung datiert vom 
18. März 2021 und wurde den Parteien mit Verfügung vom 19. März 2021 zuge-
stellt (pag. 697 f.). Die Berufungserklärung der Generalstaatsanwaltschaft datiert 
vom 26. März 2021 und erfolgte frist- und formgerecht (pag. 699 ff.). Die Beru-
fungserklärung des Beschuldigten datiert vom 9. April 2021 und ging ebenfalls frist- 
und formgerecht am 12. April 2021 beim Obergericht des Kantons Bern ein 
(pag. 709 ff.). 

Mit Verfügung vom 13. April 2021 wurde den Parteien Gelegenheit eingeräumt, 
hinsichtlich der jeweiligen Berufungserklärungen begründet ein Nichteintreten auf 
die Berufungen zu beantragen oder die Anschlussberufung zu erklären 
(pag. 714 f.). Mit Eingabe vom 16. April 2021 teilte die Generalstaatsanwaltschaft 

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mit, weder ein Nichteintreten auf die Berufung des Beschuldigten zu beantragen 
noch Anschlussberufung zu erklären (pag. 724 f.). Mit Schreiben vom 3. Mai 2021 
verzichtete auch Rechtsanwältin D.________ namens und im Auftrag der Privat-
klägerin auf die Erhebung einer Anschlussberufung und machte überdies auch kei-
ne Nichteintretensgründe auf die Berufungen geltend (pag. 729 f.).

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Mit Berufungserklärung vom 9. April 2021 beantragte Fürsprecher B.________ für 
den Beschuldigten die Edierung der Akten PEN 19 163 bei der Vorinstanz und die 
Einvernahme von H.________ als Zeugen (pag. 712). Mit Eingabe vom 16. April 
2021 beantragte die Generalstaatsanwaltschaft die Abweisung des Beweisantrags 
des Beschuldigten betreffend Einvernahme von H.________ als Zeugen. Zur Be-
gründung verwies sie auf die Ausführungen der Vorinstanz, zumal seitens der Ver-
teidigung keine neuen Argumente vorgebracht worden seien, die eine oberinstanz-
liche Befragung von H.________ notwendig erscheinen lassen würden (pag. 725). 
Mit (unaufgeforderter) Eingabe vom 21. April 2021 reichte Fürsprecher B.________ 
zu seinem mit Berufungserklärung vom 9. April 2021 gestellten Beweisantrag er-
gänzende Ausführungen ein (pag. 727). Der Beweisantrag des Beschuldigten wur-
de mit Beschluss vom 3. Juni 2021 abgewiesen. Zur Begründung wird auf die Aus-
führungen im Beschluss gemäss Ziff. 2 verwiesen (pag. 735 f.).

Im Hinblick auf die oberinstanzliche Verhandlung wurde über den Beschuldigten 
von Amtes wegen ein aktueller Strafregisterauszug (datierend vom 16. März 2022, 
pag. 772) sowie ein aktueller Leumundsbericht (datierend vom 14. März 2022, 
pag. 768 ff.) eingeholt. Sowohl der Beschuldigte als auch die Privatklägerin wurden 
zudem nochmals zur Person und zur Sache befragt (pag. 805 ff. bzw. pag. 795 ff.).

4. Anträge der Parteien

Staatsanwältin I.________ beantragte für die Generalstaatsanwaltschaft im Rah-
men der oberinstanzlichen Verhandlung was folgt (pag. 835 f.; Hervorhebungen im 
Original):

I.

A.________ sei schuldig zu erklären:

1. der falschen Anschuldigung, begangen in der Zeit von ca. März 2017 bis am 1. Juli 2017 in 
J.________, K.________, L.________ und evtl. anderswo z.N. von C.________;

2. der Nötigung, mehrfach begangen in der Zeit von ca. März 2017 bis am 2. Juli 2017 in 
J.________ und evtl. anderswo z.N. von E.________ und am 28. Juni 2017 in M.________ und 
evtl. anderswo z.N. von E.________;

3. der qualifizierten Verleumdung, begangen in der Zeit vom 27. Juni 2017 bis am 14. Juli 2017 
in J.________, M.________ und evtl. anderswo z.N. von C.________;

4. der Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflichten, begangen in der Zeit von ca. April 
2017 bis am 2. Juli 2017 in J.________ und anderswo z.N. von E.________;

5. der Beschimpfung, begangen am 2. Dezember 2016 in J.________ z.N. von C.________.

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II.

A.________ sei in Anwendung von Art. 34, 40, 47, 49, 174 Ziff. 1 und 2, 177 Abs. 1, 181, 219 Abs. 1, 
303 StGB; Art. 426 ff. StPO

zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 40 Monaten;

2. zu einer Geldstrafe von 153 Tagessätzen zu CHF 110.00, ausmachend total CHF 16'830.00, 
wobei der Vollzug der Geldstrafe aufzuschieben sei unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jah-
ren;

3. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine angemessene 
Gebühr gemäss Art. 21 VKD).

III.

Im Weiteren seien die Honorare des amtlichen Verteidigers, der Vertreterin der Privatklägerin und des 
Vertreters des Privatklägers zu bestimmen (Art. 135 StPO).

Fürsprecher B.________ stellte für den Beschuldigten die folgenden Anträge 
(pag. 823):

1. Der Beschuldigte sei von allen Anschuldigungen vollumfänglich freizusprechen.

2. Die Zivilklagen seien abzuweisen.

3. Die Kosten des erst- und oberinstanzlichen Verfahrens seien vom Kanton Bern zu tragen.

- alles unter Entschädigungsfolge -

Rechtsanwältin D.________ beantragte für die Privatklägerin Folgendes 
(pag. 837; Hervorhebungen im Original):

I.

Herr A.________ sei demgegenüber schuldig zu sprechen:

1. der falschen Anschuldigung, begangen in der Zeit von ca. März 2017 bis am 6. Juli 2017 in 
J.________, K.________, L.________ und evtl. anderswo z.N. von C.________;

2. der qualifizierten Verleumdung, begangen im Zeitraum zwischen dem 27. Juni 2017 und dem 
14. Juli 2017 in J.________, M.________ und anderswo, z.N. von C.________;

3. der Beschimpfung, begangen am 2. Dezember 2016 in J.________, z.N. von C.________.

II.

Herr A.________ sei zu verurteilen:

1. zu einer gerichtlich zu bestimmenden Sanktion;

2. zu einer Genugtuung von CHF 2'500.00 nebst Zins zu 5% seit dem 15. Dezember 2017;

3. zum Ersatz der Parteikosten von C.________ für das erstinstanzliche und oberinstanzliche Ver-
fahren gemäss Kostennoten;

4. zur Bezahlung der Verfahrenskosten.

III.

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Allfällige weitere Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen.

Rechtsanwalt F.________ beantragte und begründete für den Privatkläger mit 
Eingabe vom 30. März 2022 Folgendes (pag. 777 ff.; Hervorhebungen im Original):

I In Bestätigung des Urteils des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 12. November 2020 sei 
der Beschuldigte schuldig zu erklären:

1. Der Nötigung, mehrfach begangen

1.1. in der Zeit von ca. März 2017 bis am 2. Juli 2017 in J.________ und ev. anderswo z.N. von 
E.________

1.2. am 28. Juni 2017 in M.________ und ev. anderswo z.N. von E.________

2. der Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflichten, begangen in der Zeit von ca. April 2017 bis 
am 2. Juli 2017 in J.________ und anderswo z.N. von E.________.

II Der Beschuldigte sei zu verurteilen:

1. zu einer gerichtlich zu bestimmenden Sanktion

2. zur Bezahlung einer Genugtuung an E.________ von CHF 3'000.00 zuzüglich 5% Zins seit dem 
2. Juli 2017

3. zur Bezahlung der Differenz zwischen dem amtlichen Honorar und dem vollen Honorar für das 
erstinstanzliche Verfahren im Betrag von CHF 2'464.85 an den Unterzeichnenden

4. zur Bezahlung der Parteikosten des Privatklägers für das oberinstanzliche Verfahren gemäss bei-
liegender Kostennote

5. zu den Verfahrenskosten.

Für den Privatkläger beantragte Rechtsanwalt F.________ damit sinngemäss die 
Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils sowie die Zusprechung einer Parteien-
tschädigung (vgl. Ziff. II.3 der Anträge).

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Die Generalstaatsanwaltschaft beschränkte ihre Berufung mit Berufungserklärung 
vom 26. März 2021 auf die Strafzumessung (pag. 700). Der Beschuldigte seiner-
seits richtete seine Berufung gemäss Berufungserklärung vom 9. April 2021 
(pag. 711) gegen den Schuld- und Strafpunkt (pag. 611, Ziff. I des erstinstanzlichen 
Urteilsdispositivs), gegen den Zivilpunkt hinsichtlich der Privatklägerin (pag. 614, 
Ziff. III.1 des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) sowie gegen den Zivilpunkt betref-
fend den Privatkläger (pag. 614, Ziff. III.2 des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). 
Nicht angefochten wurde Ziff. II des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs (Entschädi-
gung der amtlichen Verteidigung und unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privat-
kläger), wobei es sich dabei um einen der Rechtskraft nicht zugänglichen Punkt 
handelt. Ebenfalls nicht angefochten wurde vom Beschuldigten Ziff. III.3 (soweit 
weitergehende Abweisung der Zivilklage des Privatklägers). Zufolge fehlender An-
schlussberufung des Privatklägers ist dieser Punkt in Rechtskraft erwachsen. 

Im Übrigen hat die Kammer das gesamte erstinstanzliche Urteil zu überprüfen. Sie 
verfügt dabei über volle Kognition (Art. 398 Abs. 2 der Schweizerischen Strafpro-

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zessordnung [StPO; SR 312.0]) und ist aufgrund der eigenständigen Berufung der 
Generalstaatsanwaltschaft – mit Ausnahme des Zivilpunkts – nicht an das Ver-
schlechterungsgebot (Verbot der reformatio in peius) gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO 
gebunden, d.h. sie darf das Urteil auch zu Ungunsten der beschuldigten Person 
abändern.

Auf die unangefochten gebliebene Höhe der amtlichen Entschädigungen im erstin-
stanzlichen Verfahren ist jedoch nur zurückzukommen, falls die Vorinstanz das ihr 
bei der Honorarfestsetzung zustehende Ermessen in unhaltbarer Weise überschrit-
ten haben sollte (Urteile des Bundesgerichts [BGer] 6B_349/2016 vom 13. Dezem-
ber 2016 E. 2.4.2 und 6B_769/2016 vom 11. Januar 2017 E. 2.3).

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Sachverhalt 

Dem Beschuldigten wird mit Anklageschrift vom 4. Juli 2019 Folgendes vorgewor-
fen (pag. 385 ff., Hervorhebungen im Original):

I. Zur Last gelegte strafbare Handlungen (Art. 325 Abs. 1 Bst. f StPO):

1. Anstiftung zu falscher Anschuldigung (ev. falsche Anschuldigung) sowie versuchte Anstif-
tung zu falschem Zeugnis, ev. mehrfach begangen in der Zeit von ca. März 2017 bis am 6. Juli 
2017 in J.________ und ev. anderswo z.N. C.________ (nachstehend Privatklägerin 1 genannt) 
und E.________ (nachstehend Privatkläger 2 genannt), beide vgt., indem der Beschuldigte seinen 
Sohn, den Privatkläger 2, dazu überredete, motivierte oder nötigte (eventualiter indem er das ju-
gendliche Alter, die unreife Persönlichkeit und die emotionale Abhängigkeit seines Sohnes zur 
Beeinflussung und Manipulation ausnutzte und aktiv Beweismittel zu schaffen versuchte und 
schaffte, indem er die Aussagen seines Sohnes mit seinem Mobiltelefon mit Audio aufzeichnete 
und diese Beweismittel den Strafverfolgungsbehörden vorspielte und übergab und indem er mit 
seinem Sohn die Aussagen betreffend die nachgenannten Tatvorwürfe mehrfach übte und einstu-
dierte oder ihn von vorbereiteten Zetteln ablesen liess; des weiteren versetzte der Beschuldigte 
seinen Sohn unter psychischen Druck und in Angst, indem er ihm von einem Satelliten erzählte, 
der alles sehe und höre, was er sage und tue), bei der Polizei und weiteren Strafverfolgungs-
behörden, insbesondere bei der Staatsanwaltschaft und Jugendanwaltschaft und allenfalls später 
vor Gericht als Zeuge, sowie bei weiteren Behörden, namentlich der Kinderschutzgruppe des In-
selspitals und der kantonalen Erziehungsberatung N.________, auszusagen, die Privatklägerin 1 
habe den Privatkläger 2 mit einem Messer bedroht, und sie habe ihn zuvor dazu genötigt, mit ihr 
über einen Zeitraum vom 14. Februar 2017 bis am 20. Juni 2017, als der Privatkläger 2 also 11 
Jahre alt war, mehrfach bzw. täglich Sexualverkehr zu haben; dies alles, obschon der Beschuldig-
te wusste, dass diese Tatvorwürfe nicht zutreffen und in der Absicht, dass gegen die Privatkläge-
rin 1 ein Strafverfahren eröffnet würde, ev. zusätzlich, indem er sich andere zivil- und familien-
rechtliche Vorteile erhoffte. Der Beschuldigte beabsichtigte zudem oder nahm zumindest in Kauf, 
dass der Privatkläger 2 in der Folge seine falschen Aussagen als Zeuge bei Staatsanwaltschaft, 
der Jugendanwaltschaft oder bei Gericht zu Protokoll geben würde. Schliesslich gab der Privat-
kläger 2 die zuvor genannten Anschuldigungen gegen die Privatklägerin 1 anlässlich einer Vi-
deoeinvernahme am 2. Juli 2017 bei der Kantonspolizei Bern, ________, in K.________ auf der 
Polizeiwache zu Protokoll und bezichtigte damit seine Mutter der genannten strafbaren Handlun-

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gen, wobei gegen die Privatklägerin 1 anschliessend formell eine Strafuntersuchung eröffnet wur-
de.

2. Falsche Anschuldigung, mehrfach begangen in der Zeit vom 28. Juni 2017 bis am 21. März 
2018 in J.________, K.________, L.________ und anderswo z.N. C.________, vgt., indem der 
Beschuldigte die Privatklägerin 1 bei verschiedenen Behörden der Sexualdelikte und der Drohung 
mit einem Messer zum Nachteil des Privatklägers 2 bezichtigte, dies in der Absicht, eine Strafver-
folgung gegen die Privatklägerin 1 herbeizuführen und um sich weitere zivil- und familienrechtliche 
Vorteile zu verschaffen und obschon er wusste, dass diese Tatvorwürfe nicht wahr sind; konkret 
brachte er die oben unter Ziff. 1 genannten Tatvorwürfe gegen die Privatklägerin 1 bei den Behör-
den wie folgt vor:

2.1. am 28. Juni 2017 telefonisch gegenüber der Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau, in-
dem er dort anrief, die genannten Tatvorwürfe einer Kanzleimitarbeiterin zusammengefasst 
schilderte und nach Rat für das weitere Vorgehen fragte;

2.2. am 30. Juni 2017 bei der kantonalen Erziehungsberatung gegenüber O.________, indem er 
persönlich vorsprach und ihn darüber informierte, die Privatklägerin 1 habe sexuellen Kontakt 
mit dem Privatkläger 2;

2.3. am 3. Juli 2017 gegenüber P.________ von der Kinderschutzgruppe des Inselspitals, indem 
er ihr die genannten Tatvorwürfe schilderte; 

2.4. am 1. Juli und am 18. Juli 2017 gegenüber der Kantonspolizei Bern, indem er am 1. Juli 
2017 der REZ Bern die genannten Tatvorwürfe telefonisch meldete, anschliessend am sel-
ben Tag sowie am 18. Juli 2017 bei der Polizei zu Protokoll gab, sein Sohn habe ihm erzählt, 
er sei von seiner Mutter mit einem Messer bedroht worden und sein elfjähriger Sohn sei seit 
dem 14. Februar 2017 von seiner Mutter regelmässig bzw. täglich sexuell missbraucht und 
genötigt worden; des weiteren spielte der Beschuldigte der Polizei die Sprachaufnahmen vor, 
welche er diesbezüglich mit seinem Sohn aufgenommen hatte, und übergab diese Daten der 
Polizei;

2.5. am 21. März 2018 gegenüber der Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau, indem der Be-
schuldigte seine früheren falschen Angaben anlässlich einer Einvernahme bestätigte und 
wiederholte.

3. Nötigung, mehrfach begangen

3.1. in der Zeit von ca. März 2017 bis am 2. Juli 2017 in J.________ und ev. anderswo z.N. 
E.________, vgt., indem der Beschuldigte den Privatkläger 2 dazu nötigte, bei der Polizei 
und weiteren Strafverfolgungsbehörden auszusagen, die Privatklägerin 1 habe den Privat-
kläger 2 mit einem Messer bedroht, und sie habe ihn zuvor dazu genötigt, mit ihr über einen 
Zeitraum vom 14. Februar 2017 bis am 20. Juni 2017, als er folglich 11 Jahre alt war, mehr-
fach bzw. täglich Sexualverkehr zu haben; als Nötigungsmittel verwendete der Beschuldigte 
einerseits psychischen Druck, indem er den jugendlichen damit entsprechend beeinflussba-
ren Privatkläger 2 in der fraglichen Zeit in seiner Eigenschaft als Vater wiederholt und mit 
Nachdruck dazu drängte, diese Aussagen zu machen und mit dem Smartphone aufzuzeich-
nen, und anderseits drohte er ihm an, ihm und seiner Mutter würde etwas passieren, wenn er 
diese Aussagen nicht machen würde; in der Folge machte der Privatkläger 2 die entspre-
chenden Aussagen bei verschiedenen Behörden und Ärzten;

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3.2. am 28. Juni 2017 in M.________ und ev. anderswo z.N. E.________, vgt., indem er dem 
Privatkläger 2 befahl, er müsse den Sachverhalt gemäss Ziff. 1 und 2 hiervor der Psychiate-
rin Q.________ erzählten, ansonsten er ihn auf der Autobahn stehen lasse und er dann nach 
Hause laufen müsse, wobei der Privatkläger 2 in der Folge die entsprechenden Aussagen 
gegenüber Q.________ machte.

4. Verleumdung (teilweise Anstiftung dazu), mehrfach begangen in J.________, M.________ und 
anderswo z.N. C.________, vgt., eventualiter, indem der Beschuldigte beabsichtige, planmässig 
den Ruf der Privatklägerin 1 zu untergraben, wie folgt:

4.1. am 27. und 28. Juni 2017 in M.________ und anderswo, indem der Beschuldigte gegenüber 
Q.________ am Telefon und persönlich sagte, die Privatklägerin 1 habe den Privatkläger 2 
gezwungen, mit ihm Geschlechtsverkehr zu haben, obwohl er wusste, dass diese Behaup-
tungen nicht wahr waren;

4.2. (Anstiftung) am 28. Juni 2017 in M.________ und ev. anderswo, indem der Beschuldigte den 
Privatkläger 2 dazu nötigte und überredete, gegenüber Q.________ zu erzählen, seine Mut-
ter habe ihn gezwungen, mit ihm Geschlechtsverkehr zu haben, obwohl der Beschuldigte 
und der Privatkläger 2 wussten, dass diese Behauptungen nicht wahr waren;

4.3. in einem unbekannten Zeitpunkt zwischen dem 28. Juni 2017 und dem 14. Juli 2017 in 
J.________ und ev. anderswo, indem der Beschuldigte dem Hausarzt R.________, 
J.________, von den angeblichen sexuellen Übergriffen der Privatklägerin 1 gegen den Pri-
vatkläger 2 erzählte, obschon er wusste, dass diese Behauptungen nicht wahr waren.

5. Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflichten, ev. mehrfach begangen in der Zeit von ca. 
April 2017 bis am 2. Juli 2017 in J.________ und anderswo z.N. E.________, vgt., indem der Be-
schuldigte den Privatkläger 2 in der in den Ziffern 1 und 3 hiervor genannten Art und Weise mani-
pulierte, dazu anhielt und nötigte, die ebenda genannten Anschuldigungen gegen die Privatkläge-
rin 1 zu erheben, wodurch er den Privatkläger 2 in einen schweren Gewissenskonflikt versetzte, 
ihn massiv unter Druck setzte und in Angst versetzte, und indem der Beschuldigte zusätzlich 
Angst erzeugte, indem er dem Privatkläger 2 vormachte, es gebe einen Satelliten, der alles sehe 
und höre, was der Privatkläger 2 sage und mache, und der Beschuldigte mit all diesen Handlun-
gen seinen Sohn einer unzumutbaren psychischen Belastung aussetzte, welche dessen seelische 
Entwicklung gefährdete.

6. Beschimpfung, begangen am 2. Dezember 2016 in J.________ und ev. anderswo z.N. 
C.________, vgt., indem der Beschuldigte die Privatklägerin 1 als „Schlampe" bezeichnete.

7. Beweiswürdigung

7.1 Allgemeine Grundlagen der Beweiswürdigung

Für die allgemeinen Grundlagen der Beweiswürdigung kann auf die zutreffenden 
Ausführungen in der erstinstanzlichen Urteilsbegründung verwiesen werden 
(pag. 645 f., S. 6 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

7.2 Vorbemerkungen, bestrittener und unbestrittener Sachverhalt sowie Beweismittel

Die Kammer teilt die Auffassung der Vorinstanz, wonach die gesamten relevanten 
Tatvorwürfe im Zusammenhang mit den vom Beschuldigten und Privatkläger erho-
benen Anschuldigungen in der Zeit von März 2017 bis am 21. März 2018 zwar 
rechtlich verschiedenen Gruppen zuzuordnen sind (fünf grosse Themen gemäss 

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Anklageschrift), in sachverhaltlicher Hinsicht jedoch einen zusammenhängenden 
Komplex bilden und deshalb beweismässig auch ganzheitlich zu betrachten sind 
(vgl. pag. 646, S. 7 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 

Was den unbestrittenen und bestrittenen Sachverhalt anbelangt, gab die Vor-
instanz diesen korrekt wieder; darauf kann vollumfänglich verwiesen werden. Er-
gänzend hält die Kammer lediglich fest, dass oberinstanzlich grundsätzlich von kei-
ner der Parteien mehr behauptet wird, dass es zu sexuellen Handlungen zwischen 
der Privatklägerin und ihrem Sohn gekommen ist.

Die vorhandenen objektiven und subjektiven Beweismittel wurden von der Vor-
instanz korrekt aufgelistet und wiedergegeben (pag. 650 ff., S. 11 ff. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung). Auf diese zutreffenden Ausführungen kann eben-
falls integral verwiesen werden. Was die Aussagen des Beschuldigten sowie der 
Privatklägerin anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung anbelangt (pag. 795 ff. 
bzw. pag. 805 ff.), wird auf eine Zusammenfassung verzichtet und direkt im Rah-
men der nachfolgenden Würdigung darauf eingegangen. 

7.3 Beweiswürdigung und -ergebnis der Vorinstanz

Die Vorinstanz führte zu den angeklagten Ziff. I.1.-5. aus, es gebe neben den sub-
jektiven Beweismitteln keine direkten objektiven Beweismittel, jedoch zahlreiche 
Indizien, auf welche einzeln einzugehen sei. Sie gliederte diese Indizien in die Ka-
tegorien Aussagen der Beteiligten, Aussagemotivation der Beteiligten, Verhalten 
der Beteiligten, Sprachaufnahmen und äusserer Ablauf. 

Zu den Aussagen der Beteiligten hielt die Vorinstanz im Wesentlichen fest, der Be-
schuldigte habe grundsätzlich konstant ausgesagt und sich auch teilweise selber 
belastet, so beispielsweise, was die Geschichte mit dem Satelliten anbelange oder 
sein Berichten gegenüber den Behörden gemäss der Anklageschrift. Der Beschul-
digte habe sich bezüglich der sexuellen Handlungen und der Messerdrohung je-
doch an mehr Details erinnern können als der Privatkläger (Klingendetails, kein 
Geschlechtsverkehr während der Menstruation der Privatklägerin sowie dass diese 
im Intimbereich auch immer sauber rasiert gewesen sei). Hinsichtlich der Aussagen 
des Privatklägers hielt die Vorinstanz fest, dieser habe bei seinen Anschuldigungen 
gegen seine Mutter das Messer relativ gut beschreiben können, nicht jedoch die 
angeblichen sexuellen Handlungen; diesbezüglich habe er oberflächlich und ste-
reotyp ausgesagt. Zudem sei der Privatkläger sichtlich befreit gewesen, als er bei 
seiner dritten Befragung eingestanden habe, dass sein Vater ihm die Aussagen be-
fohlen habe. Bereits bei der zweiten Aussage habe er angegeben, Angst vor dem 
Vater zu haben, so dass es naheliege, weshalb er ihn erst beim dritten Mal belastet 
habe. Bei der vierten Aussage bei der Jugendanwaltschaft sei der Privatkläger 
sichtlich emotional befreit gewesen. Einerseits habe er originelle Details zur Art und 
Weise der «Motivation» berichtet, andererseits habe es aber auch Ungereimtheiten 
gegeben (pinkfarbener Notizzettel, Schrift des Vaters sowie bestimmte Drohungen 
dessen, von welchen der Privatkläger erst rund ein Jahr später gesprochen habe, 
weshalb diesbezüglich keine verlässliche Aussage vorliege). In Bezug auf den Pri-
vatkläger erkannte die Vorinstanz weiter, dass dessen Aussagen anlässlich der po-
lizeilichen Einvernahmen nicht gänzlich frei von potentiell suggestiven Einflüssen 

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seien. Es sei tatsächlich zum Bau einer «goldenen Brücke» gekommen, indem die 
Aussagen wiederholt auf den Beschuldigten gelenkt worden seien und dem Privat-
kläger damit implizit vermittelt worden sei, der Beschuldigte werde als Urheber der 
Anschuldigungen vermutet und der Privatkläger so den Eindruck erhalten haben 
könnte, er würde erst aus dem Heim kommen, wenn er den Beschuldigten belaste. 
Bei der Befragung von Kindern lasse sich, so die Vorinstanz, eine potentiell sug-
gestive Befragungsweise jedoch nicht immer gänzlich vermeiden. Letztendlich er-
scheine es zudem wesentlich naheliegender, dass ein Kind schliesslich doch die 
Wahrheit erzähle, als dass es den eigenen Vater wissentlich falsch belaste und 
diese Belastung sodann über mehrere Jahre hinweg und auch noch in einem Alter 
konstant aufrechterhalte, in welchem ihm klar sein müsse, dass dies zur Verurtei-
lung des Vaters führen könne. Im Sinne eines Zwischenfazits führte die Vorinstanz 
aus, weder die Aussagen des Beschuldigten noch jene des Privatklägers würden 
eine besonders hohe Anzahl von Realkennzeichen enthalten, so dass von einer 
erhöhten Glaubhaftigkeit auszugehen wäre. Die Widersprüche in den Aussagen 
betreffend Messer und betreffend sexuelle Handlungen, mithin, dass die geschil-
derten Details des Beschuldigten in den belastenden Erstaussagen des Kindes feh-
len würden, führten schliesslich zur Überzeugung, dass nicht der Privatkläger Ur-
heber der Anschuldigung gewesen sei. Zu den Aussagen der Privatklägerin hielt 
die Vorinstanz fest, diese habe glaubhaft und vehement bestritten, dass es zu den 
vorgeworfenen Tathandlungen gekommen sei (pag. 655 ff., S. 16 ff. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung).

Zur Aussagemotivation der Beteiligten erwog die Vorinstanz zusammengefasst, 
beim Beschuldigten gelte es zu berücksichtigen, dass er sich seit geraumer Zeit in 
einem strittigen Scheidungsverfahren mit der Privatklägerin befunden habe, wes-
halb Rache dafür, dass diese ihn verlassen bzw. das Scheidungsverfahren einge-
leitet habe, als mögliches Motiv in Frage komme. Ebenso möglich sei das Erlangen 
möglicher Vorteile im Scheidungsverfahren, auch wenn der Beschuldigte nicht das 
alleinige Sorgerecht, jedoch aber immerhin die Festlegung des Wohnsitzes der 
Kinder bei ihm beantragt habe. In Bezug auf die Privatklägerin komme als Motiv 
ebenfalls das Erlangen von Vorteilen im Scheidungsverfahren in Frage, zumal sie 
das alleinige Sorgerecht beantragt habe und noch im April bzw. im Mai 2017 dem 
Beschuldigten mit der Wegnahme der Kinder gedroht habe. Auch Eifersucht sei in 
Betracht zu ziehen. Der Privatkläger hingegen sei zum Zeitpunkt seiner Erstaussa-
ge anfangs Juli 2017 gerade mal elfjährig gewesen und habe die Tragweite seiner 
Aussage damals noch nicht bzw. zumindest nicht vollumfänglich zu erfassen ver-
mögen. Das spontane Erfinden von sexuellen Handlungen mit seiner Mutter schei-
ne auch bei blühender Phantasie sehr unwahrscheinlich. Die Motivation des Privat-
klägers für seine Erstaussagen würde unter der Prämisse, dass er selber Urheber 
der gegen die Privatklägerin erhobenen Vorwürfe gewesen sei, unklar bleiben. Mit 
seinen Zweit- und Drittaussagen, welche jeweils kurz aufeinanderfolgend und auf 
sein Ersuchen zustande gekommen seien, habe dieser zum einen reinen Tisch 
machen wollen, zum anderen habe er sich erhofft, aus dem Heim gelassen zu wer-
den, nach Hause zurückkehren und in die Ferien gehen zu können. Wenig nach-
vollziehbar sei, weshalb der Privatkläger seinen Vater fortgesetzt und auch heute 
noch einer Straftat beschuldigen sollte, wenn diese nicht stattgefunden hätte. Ins-

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gesamt habe einzig der Beschuldigte ein erkennbares Motiv für die Erstaussagen 
des Privatklägers gehabt, was ein Indiz für dessen Täterschaft sei (pag. 658 f., 
S. 19 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

Unter dem Titel des Verhaltens der Beteiligten führte die Vorinstanz sodann aus, 
aus den Akten ergebe sich ein Bild eines sich wiederholt übergriffig und manipulativ 
verhaltenden Beschuldigten. Rechtsanwalt S.________ [damaliger Scheidungsan-
walt der Privatklägerin] habe bereits im November 2016 gegenüber der Erzie-
hungsberatung den Eindruck geäussert, der Beschuldigte indoktriniere den Privat-
kläger gegen die Privatklägerin und bringe ihn in einen Loyalitätskonflikt. Die Pri-
vatklägerin habe Ähnliches berichtet und auch Dritte, namentlich Beiständinnen, 
die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) sowie das Kindes- und Er-
wachsenenschutzgericht (KESG), hätten ein manipulatives bzw. suggestives Ver-
halten des Beschuldigten bestätigt. Unbestritten sei zudem, dass der Beschuldigte 
gegenüber dem Privatkläger einen Satelliten erwähnt habe, welcher alles sehe und 
höre, was Letzterer sage und mache, in der Absicht, diesen mit der erfundenen 
Geschichte unter Druck zu setzen. Der Beschuldigte habe sich auch wiederholt 
nicht an die Kontaktregelung gehalten und dem Privatkläger nach dem Fussball-
training immer wieder abgepasst und ihn gefragt, ob er sich nicht schäme, dass er 
nicht bei seinem Vater sei. Dass der Beschuldigte gegenüber O.________ und 
Q.________ Besorgnis und emotionale Belastung signalisiert und betont habe, 
nichts gegen seine Exfrau aufgleisen zu wollen, sei eher als Ausnahme zu sehen 
und kritisch zu hinterfragen. Demgegenüber ergäben sich aus den Akten keine 
Hinweise auf eine massgebliche Beeinflussung der Privatklägerin auf ihren Sohn. 
Im Kinderheim habe sie vor dem Privatkläger kein schlechtes Wort über den Be-
schuldigten verloren, habe Letzteren gegenüber den Behörden gar als guten Vater 
bezeichnet. Hingegen habe auch die Privatklägerin nicht davor zurückgeschreckt, 
gegenüber dem Beschuldigte per Viber Messenger Drohungen auszustossen. Was 
das Verhalten des Privatklägers anbelange, so habe sich dieser nach der Belas-
tung des Beschuldigten sehr ängstlich verhalten und sowohl der Polizei als auch 
der Beiständin, T.________, erzählt, er habe Angst vor seinem Vater und davor, 
dass dieser ihn schlagen würde. Im Kinderheim habe man aufgrund des Angstzu-
standes des Privatklägers die Eingangstüre abschliessen und eine Runde drehen 
müssen, um zu sehen, ob sein Vater da sei. Er habe sich zudem mit einem Billard-
schläger bewaffnet. Im Verhalten des Privatklägers habe sich auch Wut und Ent-
täuschung gezeigt; er habe seinem Vater die Schuld an der Fremdplatzierung ge-
geben, was letztlich auch zur vollständigen Abwendung seinerseits vom Beschul-
digten geführt habe. Ferner sei im Hinblick auf die erstinstanzliche Verhandlung ei-
ne Konfrontationsvermeidung gewünscht worden (pag. 659 ff., S. 20 ff. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung).

Zu den Sprachaufnahmen des Privatklägers durch den Beschuldigten erwog die 
Vorinstanz unter anderem, diese würden einstudiert und emotionslos wirken. Von 
einem – wie von der Verteidigung argumentiert – wechselseitigen Gespräch zwi-
schen einem schockierten Vater und dessen Sohn könne bei Weitem nicht die Re-
de sein. Die Sprachnachrichten würden ein weiteres Indiz für die Täterschaft des 
Beschuldigten bilden, zumal dessen Begründung für die Erstellung der Sprach-

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nachrichten nicht frei von Widersprüchen sei (pag. 661 f., S. 22 f. der erstinstanzli-
chen Urteilsbegründung).

Zum äusseren Ablauf führte die Vorinstanz schliesslich aus, es sei schwer vorstell-
bar, dass der Beschuldigte den beachtlich grossen und komplexen Ablauf Schritt 
für Schritt bis ins kleinste Detail geplant habe. Möglich sei, dass der Beschuldigte 
mit der Grundidee der Falschbezichtigung den Empfehlungen und Ratschlägen ge-
folgt sei, die ihm fortlaufend von behördlicher oder privater Seite gegeben worden 
seien. Dass der Beschuldigte sich einzig an die verschiedenen Stellen gewandt 
habe, um sich abzusichern, da er dem Privatkläger nicht sofort alles geglaubt habe, 
wurde von der Vorinstanz als unwahrscheinlich erachtet. Als auffällig erschien ihr 
sodann, dass der Beschuldigte derart viele Stellen involviert hatte, bis er schliess-
lich Anzeige erstattete (pag. 662 f., S. 223 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung).

Im Sinne einer Gesamtschau hielt die Vorinstanz abschliessend fest, für die wis-
sentliche Urheberschaft des Beschuldigten der Falschangaben gegen die Privat-
klägerin sprächen die Motivationslage, die Verhaltensweisen der Beteiligten, das 
langfristige manipulative, übergriffige und überwachende Verhalten des Beschul-
digten, die Sprachaufnahmen und die Widersprüche in den Detailaussagen von Va-
ter und Sohn. Es gebe keine Hinweise auf tatsächliche sexuelle Handlungen der 
Mutter, auf die Urheberschaft der Geschichte durch das Kind oder auf eine ge-
meinsame Konstruktion der Geschichte durch Vater und Sohn. Das stimmige Ge-
samtbild ergebe sich einzig unter der Annahme, dass der Vorwurf gemäss Ankla-
geschrift stimme (pag. 663 f., S. 24 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Ab-
schliessend zog die Vorinstanz ein Fazit und führte aus, mit Ausnahme der Dro-
hung des Beschuldigten gegenüber seinem Sohn, wonach ihm und seiner Mutter 
etwas passieren würde, wenn er die fraglichen Aussagen nicht mache, sei der ge-
samte Sachverhalt gemäss Ziff. I.1.-5. der Anklageschrift erstellt. Hinsichtlich der 
Drohung sei auffällig, dass diese Aussage des Privatklägers erst ein Jahr später er-
folgt, weder zeitlich noch örtlich einzuordnen und zudem nur allgemein geschildert 
worden sei, was keine eindeutigen Beweisschlüsse zulasse (pag. 664 f., S. 25 f. 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

In Bezug auf die Beschimpfung würdigte die Vorinstanz die Beweismittel dahinge-
hend, dass die Äusserungen der Privatklägerin über mehrere Aussagen hin kon-
stant, nüchtern, ohne übermässige Belastung und realitätsnah vorgetragen worden 
seien und insgesamt glaubhaft erscheinen würden. Sie stünden im Einklang mit 
dem Arztbericht von R.________ und dem allgemeinen Verhalten des Beschuldig-
ten. Die Vorinstanz schenkte ihr letztendlich mehr Glauben als der konstanten und 
vehementen Bestreitung des Beschuldigten und erachtete auch den Sachverhalt 
gemäss Ziff. I.6. der Anklageschrift als erstellt (pag. 665 f., S. 26 f. der erstinstanz-
lichen Urteilsbegründung).

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7.4 Würdigung der Kammer

7.4.1 Zum Vorwurf der falschen Anschuldigung, Nötigung, Verleumdung und Verletzung 
der Erziehungs- oder Fürsorgepflicht

Die Kammer kann sich der ausführlichen, nachvollziehbaren und treffenden Be-
weiswürdigung der Vorinstanz anschliessen. Ergänzend hält sie fest, was folgt:

Was die Glaubhaftigkeit der Aussagen insbesondere des Privatklägers anbelangt, 
sind die individuellen Hintergründe und der Eindruck durch die Videoeinvernahmen 
zentral. Der Privatkläger stand im Zeitpunkt seiner Erstbefragung am 2. Juli 2017 
wenige Tage vor seinem 12. Geburtstag. Auf den Aufnahmen ist ein schlaksiger, 
für sein Alter eher grosser Fussballjunge zu erkennen, welcher ein körperlich sei-
nem Alter angemessenes Selbstbewusstsein präsentiert. Seine sprachlichen Aus-
drucksfähigkeiten sind begrenzt, er hat für emotionale Vorgänge ein eigenes, sehr 
elementares Vokabular entwickelt, welches nicht immer im ersten Anlauf nachvoll-
ziehbar ist. So unterscheidet er beispielsweise nicht zwischen schlechtem Gefühl 
und schlechtem Gewissen, alles was er spürt, «sagt ihm sein Herz» oder Probleme 
mit seinem Vater bezeichnet er durchwegs als «Ärger» (pag. 58 f.). Mehr Differen-
zierung ist für ihn jedoch schwierig. Der Privatkläger war aber trotz seines jungen 
Alters und der offensichtlich noch unreifen Persönlichkeit bei den drei langen Be-
fragungen im Jahr 2017 gesamthaft sehr geduldig, verlor nie den Faden, blieb auf 
die Fragen konzentriert und machte bis zum Schluss mit (vgl. diesbezüglich auch 
pag. 197, wonach es sich beim Privatkläger um einen gut konzentrierten Jungen 
mit einer guten Ausdauer und einem guten Arbeitsanspruch handle). Er gab sehr 
offen zu, wenn er den Befrager nicht verstand und fragte nach, bis er verstand. Er 
schaute den Befrager teilweise verständnislos an, so dass der Eindruck entsteht, 
die Sache sei zu komplex für ihn. Nach einer Neuformulierung der Frage verstand 
er dann aber auch komplexere Fragen genau und war im Stande, auch bei be-
grenztem Wortschatz differenziert zu antworten. Ihm war jeweils physisch anzuse-
hen, wie er plötzlich verstand und was er zur gestellten Frage dachte, spontane 
Reaktionen konnte er nur schlecht verbergen. 

Weiter fällt bei Sichtung der Videoeinvernahmen auf, dass der Privatkläger klare 
Grenzen hatte, über welche Themen aus seiner Familie er wie viel preisgeben woll-
te. Hinsichtlich des Themas «Gewalt» von Mutter und Vater tönte er beispielsweise 
an, eine solche finde statt, indem er erklärte, weshalb er vor seiner Mutter weniger 
Angst verspüre als vor seinem Vater. Als vom Befrager anschliessend konkrete 
Nachfragen gestellt wurden, wiegelte der Privatkläger jedoch konstant ab, dass es 
tatsächlich zu Gewalt gekommen sei und führte aus, die Ohrfeigen, welche er er-
halten habe, habe er allesamt verdient gehabt (pag. 59 bzw. pag. 64 Min. 15:33). 
Insgesamt wird durch die Schilderungen des Privatklägers jedoch klar, dass be-
sonders der Vater in der Vergangenheit regelmässig zuschlug und die Mutter die 
Kinder anschrie und ebenfalls zwischendurch handgreiflich wurde. Aus der zweiten 
Befragung, anlässlich welcher der Privatkläger einräumte, dass die Anschuldigun-
gen gegen seine Mutter erfunden seien, wird ersichtlich, dass er sich bereits im 
Vorfeld klare Grenzen gesetzt hatte, insbesondere, dass er nichts über seine Moti-
vation dazu sagen wollte. Trotz geschickter Fragestellung durch den Befrager ver-
fiel der Privatkläger in ein stereotypes Abstreiten (betreffend Drittbeeinflussung) 

15

oder Nichtwissen (betreffend Eigenmotivation). Auch in der dritten Befragung, in 
welcher er schliesslich die Beeinflussung durch den Beschuldigten einräumte, woll-
te er diesen nicht übermässig belasten, sondern blieb bei seiner Aussage, wonach 
sein Vater es ihm einfach «gesagt» habe (pag. 71 ab Min. 15:32). Details gab er 
nur ungern und möglichst wenig belastend, dann jedoch nachvollziehbar preis. 

Bei Betrachtung der ersten beiden Befragungen wird auch die grosse Loyalität des 
Privatklägers zu beiden Elternteilen deutlich. Er schien in diesem Stadium beide 
sehr zu lieben und sich bei beiden gerne aufzuhalten. So gab er am 2. Juli 2017 
an, er wolle nach Hause, und auf Nachfrage, wo für ihn «zu Hause» denn sei, führ-
te er aus, bei seinem Vater die erste Nacht und dann bei seiner Mutter, das sei 
auch zu Hause (pag. 49 Min. 15:16). Der Loyalitätskonflikt, in welchem sich der 
Privatkläger zu diesem Zeitpunkt befand, tritt – entgegen der Auffassung der Gene-
ralstaatsanwaltschaft (pag. 827) und mit der Verteidigung (pag. 822) – sehr offen-
sichtlich zu Tage. Auch wenn durch das laufende Ändern der Aussage auch der 
Eindruck entstehen könnte, dass die Aussagen des Privatklägers wenig verlässlich 
sind, geht nach Ansicht der Kammer von den konkreten Antworten doch eine ge-
wisse Grundehrlichkeit und kindliche Unschuld aus. Als bezeichnend erweist sich 
diesbezüglich die Situation anlässlich der ersten Befragung, bei welcher der Privat-
kläger etwas in seiner linken Hosentasche zu haben schien, das ihn beschäftigte. 
Er tastete ständig danach und stellte sicher, dass es noch dort war, ohne dass der 
Befrager dies aber sah. Als der Befrager den Raum verliess, zog er endlich ein Fo-
to aus der Tasche, offensichtlich von sich, seinem Bruder und seiner Mutter. Er 
hielt es etwas gar demonstrativ in Richtung Kamera und vergrub sein Gesicht da-
hinter. Er seufzte und erklärte [für die Zuschauer], wie sehr er «diese» liebe und 
vermisse. Danach drehte er das Bild um, küsste seine Mutter und seinen Bruder 
und verstaute das Bild wieder in seiner Tasche. Wenn diese Szene nach Überzeu-
gung der Kammer auch klar vom Privatkläger inszeniert wurde, so vermittelt sie 
dennoch auf glaubhafte Weise, was er damals fühlte und auch offenbaren wollte, 
nämlich, dass er nicht mehr im Heim sein wollte, dass er seine Mutter und seinen 
Bruder vermisste und dass die Situation für ihn nicht tragbar war. Ebenfalls klar 
zum Ausdruck kam dabei, dass es sich beim Privatkläger um kein abgebrühtes 
«Heimkind» handelt(e). Er liebt(e) sein Familienleben grundsätzlich und schien – 
abgesehen von den Einschüchterungen und der Autorität seines Vaters und der 
strengen Hand der Mutter – behütet, gefördert und geliebt zu sein. Seine grössten 
Sorgen waren nach dem «reinen Tisch machen» der Ärger, welchen er mit seinem 
Vater haben werde, dieses Scheiss-Thema werde jetzt nicht mehr aufhören, der 
Ärger werde Wochen oder Monate dauern (pag. 60 f. ab Min. 15:50). Der Privatklä-
ger – quasi der Hauptzeuge im vorliegenden Verfahren – kommt zwar jung, unreif, 
nicht übermässig intelligent und sprachlich blumig daher, kann aber dennoch klar 
zwischen richtig und falsch unterscheiden. Zwar mag zutreffen, dass seine Aussa-
getüchtigkeit eingeschränkt ist, was im Umkehrschluss und insbesondere mit Blick 
auf die vorliegende Situation jedoch nicht bedeutet, dass die Aussagen inhaltlich 
nicht stimmen würden. Der Privatkläger hatte ganz offensichtlich ein Gewissen. 
Besonders gut ist bzw. war er für sein Alter mit der zeitlichen Einordnung geplanter 
oder vergangener Ereignisse (Ferienplanung, Reisen, Geburtstage, Wechsel der 
Beistandschaften, Termine mit Fachpersonen usw.), wobei er sich nur auf zeitliche 

16

Angaben einzulassen schien, wenn er sie auch wirklich genau zu wissen glaubte 
(vgl. bspw. pag. 62, pag. 89 Z. 389). Was den Privatkläger ein Jahr später anbe-
langt, fällt auf, dass ein deutlicher Reifeprozess eingesetzt hatte. Anlässlich seiner 
vierten Befragung konnte er besser formulieren, schien gelöster und in seinen Aus-
sagen klarer zu sein. Er konnte noch differenzierter antworten, tat dies aber erneut 
ohne den Beschuldigten dabei übermässig zu belasten (pag. 79 ff.). Die Auffas-
sung der Verteidigung, wonach der Privatkläger anlässlich dieser Einvernahme 
keine Gelegenheit ausgelassen habe, den Beschuldigten übermässig zu belasten, 
teilt die Kammer nicht (pag. 823). So sagte er bspw. aus, dass auch sein Vater zu 
Hause «lieb» gewesen sei (pag. 91 Z. 433 f.). Wäre der Privatkläger im Übrigen 
tatsächlich sexuell missbraucht worden, hätte er dies auch in seinen beschränkten 
Begrifflichkeiten beschreiben bzw. möglicherweise emotional zeigen können. Seine 
diesbezüglichen Schilderungen waren indessen platt und unglaubhaft. 

Der Privatkläger errichtete über die vier Befragungen hinweg ein Gebäude, wel-
ches er immer mehr ausbaute. Dabei handelte es sich jedoch nicht um ein Lügen-
gebäude, welches zum Einstürzen verurteilt war. Die Grundfesten des Gebäudes 
waren auch später, nach Einfügen weiterer relevanter Details, immer noch diesel-
ben. Mit anderen Worten kamen in seiner zweiten, dritten und vierten Aussage kei-
ne Elemente ans Licht, welche überhaupt nicht in die ursprünglich errichteten 
Grundpfeiler gepasst hätten. Seine beiden grossen Lügen betrafen das behauptete 
Verhalten der Mutter und die bestrittene Anstiftung des Vaters. Darüberhinausge-
hend verstrickte sich der Privatkläger mit seinen Aussagen jedoch in keine relevan-
ten Widersprüche und wurde deshalb durch die beiden zeitlich gestaffelten Ge-
ständnisse auch nicht unglaubwürdig. Zusammenfassend kann festgehalten wer-
den, dass unter Berücksichtigung der vorgenannten Besonderheiten, grundsätzlich 
auf seine Aussagen, insbesondere seine jüngsten Aussagen, abgestützt werden 
kann. 

Was die Aussagen des Beschuldigten betrifft, machte die Verteidigung anlässlich 
ihres oberinstanzlichen Parteivortrages geltend, die Vorinstanz habe diese zu Un-
recht als flach und wenig detailliert bezeichnet. In Bezug auf den Vorfall selbst ha-
be sie sodann ausgeführt, der Beschuldigte habe gewisse detailliertere Aussagen 
gemacht als der Privatkläger selbst, was ebenfalls nicht zutreffe (pag. 802). Dieser 
Auffassung kann sich die Kammer nicht anschliessen. Wie die Generalstaatsan-
waltschaft oberinstanzlich zutreffend ausführte (pag. 824), enthalten die ersten 
Aussagen des Privatklägers sowie des Beschuldigten etliche Widersprüche bzw. 
die Aussagen von Letzterem weitaus mehr Details. So führte der Beschuldigte im 
Rahmen seiner Einvernahme am 1. Juli 2017 beispielsweise aus, die Privatklägerin 
habe den Privatkläger oral befriedigt, was dieser anlässlich seiner ersten Einver-
nahme mit keinem Wort erwähnte. Auch erwähnte der Privatkläger nie, dass sich 
die Mutter auf den Bauch gelegt und «stecks in Arsch» gesagt habe. Weiter sprach 
der (ansonsten sehr zeitorientierte, vgl. dazu hiernach) Privatkläger weder davon, 
dass der Geschlechtsverkehr jeweils am Nachmittag nach der Schule stattgefun-
den habe, noch davon, dass er mit der Zeit Gefallen am Geschlechtsverkehr ge-
funden und deshalb auch selber aktiv danach gefragt habe, im Sinne von «chum 
Mami, ficke mir». Genauso wenig erwähnte er das «Tüechli», welches seine Mutter 
angeblich bzw. gemäss Angaben des Beschuldigten jeweils mit ins Schlafzimmer 

17

genommen habe (pag. 105 Z. 80 ff.). Diese Ungereimtheiten muten höchst seltsam 
an und sind nach Überzeugung der Kammer nicht darauf zurückzuführen, dass der 
Privatkläger anlässlich der polizeilichen Einvernahme weniger hätte preisgeben 
wollen als zuvor seinem Vater gegenüber. Insbesondere ein so markantes und für 
einen jungen Knaben einprägsames Detail wie der angebliche Oralverkehr hätte 
der Privatkläger mit Sicherheit erwähnt. Vor dem Hintergrund, dass er an dieser 
Einvernahme auch aussagte, er habe nach dem angeblichen Geschlechtsverkehr 
jeweils geduscht, wäre zudem zu erwarten gewesen, dass er das «Tüechli», wel-
ches seine Mutter angeblich bzw. gemäss Aussage des Beschuldigten jeweils be-
nutzt haben soll, ebenfalls erwähnt hätte. Die Kammer teilt somit die Einschätzung 
der Vorinstanz, wonach die Aussagen des Beschuldigten anlässlich der ersten Ein-
vernahme wesentlich detailreicher ausfielen als jene des Privatklägers und wonach 
dieser Umstand befremdet. 

Die äusseren Umstände (Existenz und Urheberschaft der Sprachnachrichten, 
Chronologie von Meldungen und Anzeige des Beschuldigten, Beschuldigung der 
Privatklägerin durch den Privatkläger bei der Polizei und bei Fachleuten, zweistufi-
ge «Läuterung» des Privatklägers) sind weitläufig unbestritten. Die Frage, die sich 
vorliegend im Wesentlichen stellt ist, welcher Sachverhalt der drei Behauptungs-
stadien des Privatklägers den Tatsachen entspricht. Daraus lassen sich drei Hypo-
thesen bilden. 

Hypothese 1 basiert auf den ersten Aussagen des Privatklägers und geht davon 
aus, dass die Vorwürfe gegen die Privatklägerin stimmen. In diesem Szenario hätte 
der Privatkläger diese Vorwürfe später zu Unrecht widerrufen, die Anschuldigung 
wäre keine falsche gewesen, so dass es diesbezüglich sowie hinsichtlich der quali-
fizierten Verleumdung, der Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht und 
auch der Nötigung an der Tatbestandsmässigkeit fehlen und der Beschuldigte voll-
umfänglich entlastet würde. Hypothese 2 entspricht der Annahme, dass die Vor-
würfe gegen die Privatklägerin nicht stimmen und allesamt vom Privatkläger erfun-
den wurden bzw. dessen Idee waren. Diese Variante würde den Beschuldigten 
ebenfalls praktisch vollständig entlasten. Hypothese 3 schliesslich basiert auf der 
Annahme, dass die Vorwürfe gegen die Privatklägerin nicht stimmen und die Idee 
dazu alleine vom Beschuldigten stammte. Als Untervariante käme in diesem Fall 
auch in Frage, dass die Initiative vom Beschuldigten und vom Privatkläger zusam-
men ausgegangen war (vgl. zu allen drei Hypothesen auch pag. 663 bzw. S. 24 der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung, wo die Vorinstanz diese alternativen Szenari-
en gemäss Hypothesen 1 und 2 sowie Untervariante in ihrer Gesamtschau aufgriff, 
sie jedoch als äusserst unwahrscheinlich erachtete und deshalb ausschloss).

Die ergänzenden beweiswürdigenden Argumente der Kammer werden nachste-
hend unter den erwähnten Hypothesen abgehandelt.

Hypothese 1 (Vorwürfe gegen die Privatklägerin treffen zu)

Vorab hält die Kammer fest, dass die entsprechende Strafuntersuchung gegen die 
Privatklägerin mit Verfügung vom 12. September 2017 eingestellt wurde (vgl. edier-
te Akten der Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau ________, Strafverfahren 
gegen die Privatklägerin). Eine Verfahrenseinstellung kommt gestützt auf Art. 320 

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Abs. 4 StPO rechtlich einem Freispruch gleich. Die Privatklägerin gilt somit 
grundsätzlich als unschuldig in Bezug auf die erhobenen Anschuldigungen. Ob sie 
damit formell als taugliches Tatobjekt im Sinne von Art. 303 StGB (nichtschuldige 
Person) dasteht, ist in Lehre und Rechtsprechung umstritten resp. unklar und wird 
unter der rechtlichen Subsumtion abzuhandeln sein. Mindestens für die Frage, ob 
der Beschuldigte von der Unschuld der Privatklägerin mit Sicherheit wusste, kann 
jedenfalls nicht einfach auf die später ergangene Einstellungsverfügung abgestützt 
werden. Dies wäre einzig zulässig, wenn in einer solche Einstellungsverfügung 
zeitlich vor den neuen Handlungen über die Unschuld der betroffenen Person be-
funden worden wäre und der Beschuldigte davon Kenntnis hatte. Die Kammer hat 
somit trotz Einstellungsverfügung zu prüfen, ob die Vorwürfe gegen die Privatkläge-
rin etwas für sich haben resp. ob der Beschuldigte im Tatzeitpunkt um die Nicht-
schuld der Privatklägerin wusste oder nicht.  

Wäre es zwischen der Privatklägerin und ihrem Sohn tatsächlich während Wochen 
zu Geschlechtsverkehr gekommen, müsste sich dies – vor allem nach dem ganzen 
behördlichen Wirbel, der dadurch ausgelöst wurde – in irgendeiner Art in der späte-
ren Mutter-Kind-Beziehung niedergeschlagen haben. In den Akten ist jedoch nir-
gends auch nur ansatzweise zu erkennen, dass der Privatkläger gegenüber seiner 
Mutter auf irgendeine Weise verstört gewesen wäre, seine Beziehung zu ihr Scha-
den genommen, er Vorbehalte gegen sie gehabt oder gewisse Situationen mit ihr 
gemieden hätte, nicht mit ihr alleine hätte sein wollen oder Ähnliches. Vielmehr ist 
das Gegenteil der Fall: Die Privatklägerin schien und scheint ihrem Sohn Halt und 
Sicherheit zu geben (vgl. bspw. pag. 493 letzter Absatz). Auch das am 5. Juli 2017 
(kurzfristig) entzogene Aufenthaltsbestimmungsrecht über ihren Sohn wurde per 
10. August 2017 wieder vorbehaltslos restituiert (pag. 517). Die Beiständin hatte 
den Eindruck, dass die Beziehung des Privatklägers und dessen Bruder 
V.________ zu ihrer Mutter von Vertrauen geprägt sei (pag. 519). Sie nehme ihre 
Kinder und deren Anliegen ernst und respektiere ihre Entscheidungen, arbeite aktiv 
mit der Beiständin zusammen und sei bereit, die Besuche beim Beschuldigten wie-
der zu ermöglichen, wenn die Kinder dies möchten (pag. 521). All diese Umstände 
sprechen nicht für eine durch sexuelle Handlungen zwischen Mutter und Sohn 
schwer belastete Beziehung. 

Während der Privatkläger in den Akten mehrfach als naiv und unterdurchschnittlich 
intelligent dargestellt wurde, hielt die Beiständin immerhin dagegen, dass er sehr 
klar mitteilen könne, was er wolle und was er nicht wolle; er sei offen und gebe 
Auskunft über seine Gefühlswelt (pag. 521). Diese Feststellung der Beiständin 
spricht einerseits gegen einen «blinden und debilen» Gehorsam gegenüber angeb-
lichen Anweisungen der Mutter zum täglichen Geschlechtsverkehr. Andererseits ist 
aber auch davon auszugehen, dass der Privatkläger – wenn die Vorwürfe zutreffen 
würden – als 11- bis 14-jähriger Junge seit Sommer 2017 ausserhalb der straf-
rechtlichen Befragungen zu den angeblich unzähligen sexuellen Erfahrungen mit 
seiner Mutter in irgendeiner Form Fragen gestellt, erzählt, geträumt, sich jeman-
dem anvertraut oder ein auffälliges Verhalten an den Tag gelegt bzw. sich entwe-
der deutlich sexualisiert oder asexualisiert verhalten hätte. Auffällig ist jedoch, dass 
bei keinem der zahlreichen Gespräche mit Fachpersonen (Beiständinnen, Heimlei-
ter, Betreuer, Lehrer etc.) Details dieser angeblichen sexuellen Handlungen, eine 

19

traumatische Erfahrung mit seiner Mutter oder überhaupt Sexualität je auch nur 
andeutungsweise ein Thema gewesen wären. Die Befragungen zu diesem Thema 
waren dem Privatkläger zwar unangenehm und leicht peinlich, es ist jedoch nicht 
ansatzweise auch nur ein Hauch von Trauma oder Störung in der Entwicklung der 
Sexualität oder der Mutter-Kind-Beziehung ersichtlich. 

Bei genauerer Betrachtung des behaupteten Zeitraums und der Frequenz, mit wel-
cher die Privatklägerin und ihr 11,5-jähriger Sohn Geschlechtsverkehr gehabt ha-
ben sollen, erscheint der angeklagte Vorfall zudem geradezu abstrus. Würde man 
auf die (Erst)Aussagen des Privatklägers abstellen, so hätte er mit Ausnahme eini-
ger weniger Tage täglich Geschlechtsverkehr mit seiner Mutter gehabt. Zwischen 
dem 14. Februar 2017 und dem 20. Juni 2017 liegen 127 Tage. Abzüglich «einiger 
Tage» hätte der junge Privatkläger somit innert vier Monaten rund 120 Mal Ge-
schlechtsverkehr mit seiner Mutter gehabt, was völlig abwegig erscheint. Stützt 
man sich auf die Aussagen des Beschuldigten, wonach es jeden Tag mit Ausnah-
me von jeweils vier bis fünf Menstruationstagen zu Geschlechtsverkehr gekommen 
sei, würden daraus immer noch über hundert Mal resultieren. Ob der Privatkläger in 
diesem Alter zu so etwas und in dieser Häufigkeit körperlich überhaupt in der Lage 
gewesen wäre, ist insbesondere vor dem Hintergrund, dass er zu diesem Zeitpunkt 
weder sexuell erfahren oder speziell sexualisiert zu sein schien noch vollkommen 
aufgeklärt war, mehr als fraglich. So wusste er beispielsweise nichts über den 
weiblichen Menstruationszyklus und hatte nach eigenen Aussagen das Thema 
Aufklärung erst in der sechsten Klasse, also nach den Vorfällen. Auch die Privat-
klägerin führte anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung aus, er habe sich da-
mals weder für Mädchen noch für Sex interessiert. Schon von klein auf sei er nur 
an Fussball interessiert gewesen und habe noch nicht viel über Sexualität gewusst. 
Mit ihr habe er nie über dieses Thema gesprochen, aufgeklärt würden sie zudem 
erst in der fünften Klasse, wobei sie nicht wisse, ob das vor oder nach dem Vorfall 
geschehen sei. Auch sonst habe sie bei ihrem Sohn nichts beobachtet, er habe 
keine Bilder oder Ähnliches im Zimmer gehabt (pag. 799 Z. 22 ff.). In Anbetracht 
dieser Umstände wäre glaubhafter gewesen, wenn der Privatkläger von ein oder 
zwei Vorfällen von sexuellen Übergriffen pro Monat erzählt hätte, wobei nicht un-
bedingt jeder Vorfall voller Geschlechtsverkehr hätte sein müssen. Bereits der an-
geblich erste Vorfall vom 14. Februar 2017 erscheint jedoch derart einschneidend 
(Befehl zum Sex, ins Schlafzimmer Zerren durch die Mutter, aufs Bett Werfen, bei-
de ziehen sich aus bzw. Mutter befriedigt Sohn oral, dann Penetration der Mutter 
durch den Privatkläger, vgl. pag. 44 ab Min. 14:27 [Schilderungen des Privatklä-
gers], pag. 105 Z. 80 ff. [Schilderungen des Beschuldigten]) und wäre für ein Kind 
im Alter des Privatklägers auf verschiedensten Ebenen derart überwältigend und 
verstörend gewesen, dass davon auszugehen ist, dass es ihn rund um die Uhr 
(und wohl bis heute) beschäftigt hätte. 

Die gesamte Erstbefragung des Privatklägers zeigt, dass dieser noch in keiner 
Weise sexuell erfahren war (pag. 40 ff.). Ein knapp 12-jähriger Junge, der bereits 
mehr oder weniger gegen seinen Willen mindestens hundert Mal Geschlechtsver-
kehr gehabt haben soll, wäre nicht derart ahnungslos und blauäugig in Bezug auf 
dieses Thema. Aus den Befragungen wird ersichtlich, dass der Privatkläger (da-
mals) offensichtlich nicht ganz genau wusste, wie Geschlechtsverkehr funktioniert, 

20

ausser, dass man seinen Schwanz da unten reinstecken müsse bei der Frau 
(pag. 44 Min. 14:29). Die Frage, ob er wisse, was ein Samenerguss oder ein Or-
gasmus sei, verneinte der Privatkläger (pag. 45 Min. 14:33). Weiter führte er aus, 
unter Sex verstehe er, wenn ein Mann und eine Frau beide nackt seien (pag. 43 
Min. 14:19). Auf Frage, ob er die Positionen beim Geschlechtsverkehr beschreiben 
könne, gab er an, er sei immer auf der Mutter drauf gelegen. Einmal habe sie auf 
dem Bett gekniet und habe den Hintern rausgestreckt, dann habe er ihn hinten 
reingetan. Sonst sei nichts passiert (pag. 48 ab Min. 15:06). Weiter führte er auch 
aus, das erste und das letzte Mal werde er nie mehr vergessen, die Male zwischen 
dem ersten und dem letzten Mal seien immer gleich gewesen. Ab Mai, April und 
Juni habe er einen Samenerguss gehabt. Es sei einfach eine Minute länger gegan-
gen. Seine Mutter habe ihm gesagt, dass er eine Minute länger machen solle. Er 
habe dann jeweils etwa 40 Sekunden länger gemacht. Alles sei genau gleich ge-
gangen, einfach 40 Sekunden länger. Sein Glied sei nach oben gegangen, er sei 
immer erregt gewesen, habe sein «Schnäbi» reingesteckt und nach vorne und hin-
ten bewegt. Er habe immer aufgehört, wenn fünf Minuten vorbeigewesen seien, er 
habe die Zeit gestoppt. Auf dem Handy habe er einen Timer gestellt und das Han-
dy sei immer daneben gewesen (pag. 48 f. ab Min. 15:06 ff.). Diese Aussagen des 
Privatklägers zum Thema sexuelle Handlungen mit seiner Mutter sind als derart 
flach, unschuldig, stereotyp, abstrus und konstruiert zu bezeichnen, dass sie kom-
plett weltfremd anmuten. Höchst irritierend erscheinen zudem auch die minutenge-
nauen Angaben des Privatklägers, wobei diese nicht nur in den Erzählungen hin-
sichtlich des angeblichen Geschlechtsverkehrs mit der Privatklägerin zu finden 
sind, sondern auch hinsichtlich der Erzählungen betreffend Drohung mit dem Mes-
ser (pag. 43 ab Min. 14:14) bzw. Erzählungen, wann er seinem Vater von den an-
geblichen Vorkommnissen erzählt habe (pag. 43 ab Min. 14:17). Ein solches Ver-
halten ist allerdings realitätsfremd. Hinzu kommt schliesslich, dass der Privatkläger 
die ganze Einvernahme damit beendete, dass er an besagtem Abend zu Hause 
schlafen wolle, heute beim Vater, das sei «daheime» und morgen dann bei der 
Mutter, dort fühle er sich auch zu Hause. Er wolle einfach am Morgen in die Schule 
gehen, damit er nicht alles nachholen müsse in den Ferien (pag. 49 ab Min. 15:16). 
Ein solches Verhalten nach derartigen echt erlebten Vorfällen würde zwangsläufig 
bedeuten, dass der Privatkläger entweder eine emotionale Störung aufweist oder 
unfähig wäre, seine Gefühle normal zu zeigen und auszudrücken oder dass er 
komplett unter Schock steht oder Kriterien der Psychopathie erfüllt. Ein durch-
schnittliches, gesundes Kind hätte jedoch mit Sicherheit nicht in dieser Art und 
Weise von derartigen Vorfällen berichtet und sich im Anschluss so verhalten.

Es ist daher nach Überzeugung der Kammer kaum vorstellbar, dass der 11- bzw. 
12-jährige Privatkläger, wie er sich nach den Anschuldigungen aus den Akten und 
auf den Videos präsentiert, tatsächlich solche sexuellen Handlungen mit seiner 
Mutter erlebt haben soll.

Die Privatklägerin wurde beim Polizeieinsatz nach der Anzeige durch den Beschul-
digten am 1. Juli 2017 bei sich zu Hause nur mit dem Vorwurf konfrontiert, ihren 
Sohn mit dem Messer bedroht zu haben. Offenbar erfuhr bzw. begriff sie erst auf 
dem Polizeiposten (am selben Abend) und nach der Belehrung durch den einver-
nehmenden Polizisten, dass sie auch wegen angeblicher sexueller Handlungen mit 

21

ihrem Sohn befragt würde. Ihre Reaktion darauf fiel entsprechend heftig aus: Dem 
Anzeigerapport vom 31. August 2017 ist zu entnehmen, dass die Privatklägerin 
fassungslos und geschockt reagiert habe und die Befragung kurzzeitig habe unter-
brochen werden müssen, weil sie sich habe übergeben müssen (pag. 5). Die Pri-
vatklägerin erklärte auch sofort, sie gehe davon aus, dass ihr Mann dies aufgrund 
des Scheidungskriegs inszeniert habe. Sie habe vermutet, dass dies sei, weil sie 
für den 7. Juli 2017 einen Termin bei der Erziehungsberatung abgemacht und er 
dies mitbekommen habe (pag. 5, zweiter Absatz bzw. pag. 101 Z. 73 ff.). Zwar mag 
zutreffen, dass eine solche Reaktion theoretisch auch gespielt sein könnte. Im Ge-
samtkontext, insbesondere in Anbetracht des späteren (vor den Kindern loyalen) 
Verhaltens der Privatklägerin gegenüber dem Beschuldigten, ihres engen und ver-
trauten Verhältnisses zu den beiden Kindern sowie ihrer allseitigen Behördenko-
operation und dem Vertrauen, welches die KESB, die Beiständin und die Erzie-
hungsberatung in sie setzten, erscheint eine Inszenierung auch angesichts ihres 
generellen Aussageverhaltens sehr unwahrscheinlich. Ihre erste Reaktion spricht 
somit ebenfalls nicht dafür, dass die erhobenen Vorwürfe tatsächlich zutreffen.

Gestützt auf die vorangehenden Ausführungen ist die Hypothese, wonach die Vor-
würfe gegen die Privatklägerin zutreffen, nach dem Gesagten klar zu verwerfen. 
Nicht zuletzt ist auch vor dem Hintergrund, dass sich der Beschuldigte und die Pri-
vatklägerin zu diesem Zeitpunkt mitten in einem Scheidungsverfahren befanden, 
nicht davon auszugehen, dass sich die Privatklägerin zu solch einer Straftat ent-
schieden hätte, zumal diesfalls ihr Obhut- und allenfalls gar das Sorgerecht für die 
beiden Kinder stark gefährdet gewesen wäre.

Hypothese 2 (Vorwürfe stammen vom Privatkläger selber)

Hypothese 2 basiert auf der Annahme, dass der Privatkläger die Vorwürfe selber 
erfunden hatte. Diesbezüglich erwägt die Kammer, was folgt:

Bei seiner ersten Läuterung, mithin als der Privatkläger eine zweite Einvernahme 
wünschte und erklärte, die Messer- und Sexgeschichte sei von ihm erfunden ge-
wesen, konnte er der Polizei auf Nachfrage hin keinen einzigen Grund für die 
Falschbelastung der Mutter angeben (pag. 5). Dies konnte er auch später nicht. Er 
stritt indessen ab, die Aussage auf Druck von Dritten gemacht zu haben, was son-
derbar erscheint. Als äusserst unwahrscheinlich scheint zudem, dass der Privatklä-
ger eine solche Falschaussage gegen seine Mutter gänzlich grundlos gemacht hät-
te, zumal weder aus den Akten der KESB noch aus den Jugendstrafakten Hinweise 
auf entsprechende Charakterzüge des Jungen hervorgehen. Der Privatkläger war 
seit dem 1. Juli 2017 superprovisorisch fremdplatziert und hatte nach der ersten 
Einvernahme am 2. Juli 2017 viel Zeit (vier Tage) um nachzudenken. Kontakt zu 
seinen Eltern hatte er in dieser Zeit nur im überwachten Rahmen (pag. 414). Am 
6. Juli 2017 hatte er sich soweit durchgerungen, dass er aus eigenen Stücken mit 
der Polizei sprechen und seine Aussage ändern wollte. Er gestand, dass seine Be-
hauptungen anlässlich der Einvernahme vom 1. Juli 2017 falsch waren. Unter 
Berücksichtigung der Tatsache, dass er zu diesem Zeitpunkt bei beiden Elternteilen 
sein wollte, hatte er kein Motiv, eine solche Aussage selbst zu erfinden. Hätte der 
Privatkläger wider Erwarten tatsächlich ein solches gehabt (Rache gegen die Mut-
ter, Eifersucht auf den Bruder, Nötigungsmittel gegen die Mutter etc.), hätte jedoch 

22

auch nichts dagegen gesprochen bzw. wäre naheliegend gewesen, dies ebenfalls 
zu offenbaren, um so das eigene (grausame) Handeln in einem «besseren» Licht 
darstellen zu können. Auch auf Nachfrage hin konnte der Privatkläger aber kein 
Motiv für seine falsche Anschuldigung bezeichnen, was dafür spricht, dass er eben 
auch gar keines hatte und nicht selber auf die Idee gekommen war. 

Als Grund für seine erste Läuterung gab der Privatkläger an, ein schlechtes Gewis-
sen gehabt zu haben, weil er die Polizei angelogen habe. Wenn er an seine Mutter 
gedacht habe, habe er ein schlechtes Gefühl gehabt (pag. 57 ab Min. 15:12). Ge-
genüber seinem Vater verhielt sich der Privatkläger nach den ganzen Vorfällen 
deutlich distanziert. Während der begleiteten Besuchsphase wollte er nicht, dass 
ihn sein Vater auch ausserhalb dieser Zeiten in der Schule oder auf dem Fussball-
platz trifft. Die Besuche führten zudem zu keinem Vertrauensaufbau oder einer 
Wiederannäherung zwischen Vater und Sohn (pag. 519). Die Beiständin war der 
Meinung, der Privatkläger habe kein Vertrauen mehr in seinen Vater (pag. 521). 
Der Privatkläger fürchtete sich offenbar sehr und auch nur vor ihm. Im Mai 2018 
und somit nach der letzten aktenkundigen Anschuldigung der Privatklägerin durch 
den Beschuldigten erzählte der Privatkläger, er habe Angst, bei den Besuchen vom 
Vater mitgebrachtes Essen zu sich zu nehmen, weil er befürchte, dass er Medika-
mente beigemischt haben könnte (pag. 519). Die erste Person, die der Privatkläger 
jedoch hätte fürchten müssen, wenn seine Anschuldigungen zutreffend gewesen 
wären, wäre seine Mutter, mithin die Privatklägerin, gewesen. Dieser Umstand 
spricht somit ebenfalls dafür, dass die erfundenen Anschuldigungen nicht vom Pri-
vatkläger stammen konnten. Wenn der Privatkläger die Vorwürfe selber erfunden 
hätte, hätte er zudem keinen Grund gehabt, seinen Vater zu fürchten. Erklärbar wä-
re die damalige Angst vor seinem Vater natürlich dadurch, dass in diesem Szenario 
sowohl der Beschuldigte wie auch der Privatkläger wussten, dass Letzterer ihn 
(den Beschuldigten) zu Unrecht der Anstiftung beschuldigt hatte. Diesfalls wäre je-
doch praktisch nicht erklärbar, weshalb ein Teenager es bevorzugt hätte, diese fal-
sche Anschuldigung gegen ein Elternteil konstant und nachhaltig aufrecht zu erhal-
ten und damit unnötigerweise in Angst und Schrecken vor dem eigenen Vater zu 
leben. Wie die Generalstaatsanwaltschaft oberinstanzlich zudem zu Recht monier-
te (pag. 825), ist mit Blick auf die Tatsache, dass der Privatkläger seine Aussagen 
gegen die Privatklägerin nur wenige Tage später bereits revidierte, nicht davon 
auszugehen, dass er einen falschen Vorwurf gegen seinen Vater über Jahre hätte 
aufrechterhalten können.  

Der Privatkläger wurde bei seiner zweiten Befragung für kurze Zeit alleine gelassen 
und verfiel in Selbstgespräche, welche ebenfalls aufgezeichnet wurden (pag. 60 
ff.). Dort sprach er wiederholt von grossem Ärger, welchen er mit seinem Vater, 
dem Beschuldigten, erhalten werde wegen dem «Scheiss-Thema», er wolle einfach 
nicht, dass die Polizei ihm [dem Beschuldigten] etwas sage. Später konkretisierte 
er, er befürchte vom Vater einen Zusammenschiss und Schläge (pag. 61 ab 
Min. 16:00). Er habe Angst, dass der Vater ihm mal den Arm brechen könnte 
(pag. 62 ab Min. 16:07). Diese Angst lässt sich, worauf die Verteidigung oberin-
stanzlich zutreffend hinwies, einerseits damit erklären, dass der Beschuldigte 
wütend geworden war, weil der Privatkläger ihn zuvor angelogen hatte und ihn [den 
Beschuldigten] schwere Vorwürfe gegen die Privatklägerin hatte erheben lassen 

23

(pag. 823). Ebenso möglich und für die Kammer viel wahrscheinlicher ist jedoch, 
dass der Privatkläger es deshalb mit der Angst vor seinem Vater zu tun bekam, 
weil er [der Privatkläger] vom diktierten «Plan» abgewichen war. Bezeichnend ist 
immerhin, dass der Privatkläger nur äusserte, Angst vor seinem Vater bzw. dessen 
Reaktion zu haben, nicht jedoch vor derjenigen seiner Mutter, welche er immerhin 
mit schweren Vorwürfen verunglimpft hatte und welche das eigentliche Opfer in der 
ganzen Geschichte war. 

Anlässlich der vierten Befragung im Juni 2018 gab der Privatkläger sodann glaub-
haft zu Protokoll, erst in der sechsten Klasse aufgeklärt worden zu sein. Heute wis-
se er, was Geschlechtsverkehr sei. Der Mann müsse seinen Penis bei der Frau 
reinstecken. Das könne er entweder in den Po, in die Vagina oder in den Mund. 
Das habe er damals aber nicht gewusst. Er habe im März 2017 in einem Trainings-
lager von einem Kollegen ein Video gezeigt erhalten, in dem ein Mann und eine 
Frau Geschlechtsverkehr gehabt hätten. Er habe nicht immer alles verstanden, was 
sein Vater ihm erzählt habe, was er mit der Mutter gemacht haben solle (pag. 90 ab 
Min. 1:02:53). Mit Blick auf diese Aussagen sowie dem bereits hiervor Ausgeführ-
ten erscheint kaum denkbar, dass der Privatkläger gänzlich von alleine auf die er-
fundene Geschichte mit dem täglichen Geschlechtsverkehr mit seiner Mutter ge-
kommen wäre. Das Thema Sexualität fand er zum Zeitpunkt der Einvernahme so-
wie seinem Alter entsprechend offensichtlich unangenehm, sprach nicht gerne mit 
anderen Leuten darüber und interessierte sich – wie hiervor bereits ausgeführt – of-
fensichtlich noch nicht dafür. Vor diesem Hintergrund wäre unter der Annahme, 
dass der Privatkläger von selbst ein Komplott gegen seine Mutter aufgebaut hätte, 
naheliegender gewesen, dass er einen anderen Vorfall wie beispielsweise Gewalt 
erfunden hätte, mithin etwas, was eher seinem Alter entsprochen hätte. 

Nach Überzeugung der Kammer sprechen schliesslich auch die Audioaufnahmen 
eine deutliche Sprache. Der Privatkläger wirkt in diesen wie ein Schauspieler und 
der Beschuldigte – entgegen der Auffassung der Verteidigung – wie ein Regisseur. 
Ersterer muss hie und da wiederholen, was einem «Einüben» gleicht. Das Tatge-
schehen wird auf den Aufnahmen durch den Beschuldigten mit äusserst suggesti-
ven Fragen aus dem Privatkläger herausmodelliert, jedoch in einer derart plumpen 
und stereotypen Art und Weise, dass in keinem einzigen Moment der Eindruck ei-
ner Schilderung von authentisch Erlebtem entsteht. Ebenso wenig entsteht – wie 
von der Verteidigung geltend gemacht – der Eindruck, dass der Beschuldigte dem 
Privatkläger lediglich hätte Details entlocken wollen (vgl. pag. 821). Hätte der Pri-
vatkläger die sexuellen Handlungen tatsächlich erlebt, hätte kein Anlass dazu be-
standen, solche Aufnahmen zu machen. Der Beschuldigte hätte darauf vertrauen 
können, dass sein 11-jähriger Sohn das angeblich Erlebte jederzeit würde wieder-
geben bzw. Fragen dazu würde beantworten können. Davon ausgehend, dass der 
Beschuldigte zum ersten Mal von solchen Vorwürfen gehört hatte, hätte dessen 
Fokus zudem auf dem Kindswohl liegen müssen. Mit anderen Worten hätte der 
Beschuldigte als unbescholtener Vater prioritär dafür gesorgt, sein Kind raschmög-
lichst aus dem schädigenden Umfeld zu holen und es zu schützen. Genau diese 
Haltung fehlt indes bei den Sprachaufnahmen gänzlich (vgl. dazu auch die Aus-
führungen im Plädoyer der Generalstaatsanwaltschaft anlässlich der oberinstanzli-
chen Verhandlungen, pag. 824).

24

Im Zusammenhang mit den Sprachnachrichten fällt auf, dass der Privatkläger nicht 
spontan, sondern erst auf entsprechende Fragen hin etwas von pinken Zetteln, 
später zwei mittelgrossen Post-it, erzählte, die als Drehbuch für die Aufnahmen ge-
dient haben sollen. Wie die Vorinstanz zu Recht feststellte, sagte der Privatkläger 
diesbezüglich widersprüchlich aus und es ist schwierig, eine erstellte Wahrheit her-
auszukristallisieren. Möglich ist, dass er – rein durch den Ablauf der Fragen bedingt 
– dachte, eine Erklärung geben zu müssen, wie er sich für die Sprachnachrichten 
an den Ablauf hätte erinnern können. Er sagte zuerst, er habe sich die Sachen sel-
ber auf diese rosa Zettel geschrieben, er könne die Handschrift anderer nicht gut 
lesen (pag. 72 ab Min. 15:56). Später gab er an, es sei der Vater gewesen, der den 
Ablauf notiert habe (pag. 85 ab Min. 35:33). Die Idee, überhaupt von Notizen zu 
sprechen, kam jedoch vom Befrager (pag. 72). Es ist somit nicht auszuschliessen, 
dass der Privatkläger lediglich darauf einstieg, um der Tatsache Nachdruck zu ver-
leihen, dass der erfundene Vorfall nicht seine Idee gewesen sei und dass es diese 
Zettel in dieser Form nicht oder lediglich in einem anderen Zusammenhang gege-
ben hatte. Auf der anderen Seite ist nicht zu verkennen, dass es sich bei der Er-
wähnung der pinken Post-it um ein originelles Detail handelt und der Privatkläger – 
wie die Generalstaatsanwaltschaft zu Recht ausführt (pag. 825) – auch einfach ein 
Blatt Papier hätte erwähnen können, wenn diese Tatsache von ihm erfunden wor-
den wäre. Ob der Privatkläger überdies so durchtrieben gewesen wäre, dass er 
Details im Laufe der Jahre noch dazu erfunden hätte, erscheint fraglich. Insgesamt 
kann nach Überzeugung der Kammer jedoch nicht als erstellt gelten, dass der Be-
schuldigte wie vom Privatkläger erzählt pinke Post-it verwendete, um seinem Sohn 
vorzumachen, was dieser während der Aufnahme zu sagen hatte. Letztlich ist die-
ser Punkt jedoch auch nicht entscheidend und vermag die Überzeugung, dass die 
Vorwürfe gegen die Mutter nicht vom Privatkläger kommen können, nicht zu 
schwächen. Der Privatkläger wurde gemäss glaubhaften Aussagen bereits wo-
chenlang vom Beschuldigten zur Aussage «dressiert», so dass es nicht unwahr-
scheinlich ist, dass er den inszenierten zeitlichen Ablauf Ende Juni 2017 ganz ohne 
schriftliches Drehbuch widergeben konnte.

Gestützt auf diese Erwägungen ist nach Überzeugung der Kammer auch die zweite 
Hypothese deutlich zu verwerfen. Die erfundenen Vorwürfe können nicht alleine 
vom Privatkläger stammen.

Hypothese 3 (Vorwürfe stammen vom Beschuldigten)

Die dritte Hypothese schliesslich basiert auf der Annahme bzw. der Überzeugung 
der Vorinstanz, wonach die Vorwürfe gegen die Privatklägerin vom Beschuldigten 
erfunden wurden. Dazu zieht die Kammer Folgendes in Erwägung:

Wenige Monate vor den Tatvorwürfen gemäss Anklage gab es für den Beschuldig-
ten offenbar einen bedeutsamen Einschnitt im Scheidungsverfahren. Am 9. Januar 
2017 sagte er aus, die Scheidung hätte bereits im Dezember 2016 stattfinden sol-
len. Er habe dann plötzlich einen Brief vom Anwalt der Privatklägerin erhalten, wo-
nach die Scheidung verschoben werde, da er unter anderem die Kinder beeinflus-
se. Die Privatklägerin wolle einfach besser dastehen bei der Scheidung und dem 
Sorgerechtsbegehren. Eigentlich hätten sie alternierende Obhut vereinbart und 
seien einverstanden gewesen mit den Liegenschaften. Seit sie aber erfahren habe, 

25

dass sie bei alternierender Obhut weniger Geld erhalte, sträube sie sich nun dage-
gen. Die Anzeige wegen häuslicher Gewalt [Anm. Kammer: Es handelt sich um ei-
nen Vorfall vom 2. Dezember 2016] sei nur wegen der Scheidung. Man sei sich ei-
nig gewesen und nun [komme] sowas (pag. 28 Z. 100 ff.). Aus dieser Aussage des 
Beschuldigten geht ein deutliches, zeitlich naheliegendes, mögliches Motiv für die 
Anstiftung des Privatklägers hervor: Der Beschuldigte erhoffte sich eine rasche 
Scheidung Ende 2016 mit der scheinbar entschiedenen alternierenden Obhut, was 
dann plötzlich (und wohl auch nicht zuletzt wegen der Vorfälle vom 2. Dezember 
2016) dahinfiel. Oberinstanzlich bestätigte der Beschuldigte, im Februar 2017 sei 
man vor das Scheidungsgericht gegangen. Bis dahin seien beide damit einverstan-
den gewesen, man habe einen Plan wegen der Kinder gehabt bzw. ein geteiltes 
Sorgerecht [gemeint wohl alternierende Obhut] vereinbart. Auch die Liegenschaften 
seien hälftig aufgeteilt worden. Dann sei man vor das Scheidungsgericht gegangen 
und sie [die Privatklägerin] sei plötzlich nicht mehr einverstanden gewesen bezüg-
lich der Kinder (pag. 810 Z. 37 ff.). In dieser Zuspitzung des Konflikts gab es für 
den Beschuldigten somit hinlänglich Gründe, die Sache «selber in die Hand zu 
nehmen», um dem Scheidungsverfahren den entscheidenden Dreh zu geben. Zu-
sätzlich fällt auf, dass sich die finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten in der 
Zeit von Ende 2016 bis zum Zeitpunkt der angeklagten Vorwürfe markant ver-
schlechtert, so dass Rechtsanwalt H.________, der damalige Scheidungsanwalt 
des Beschuldigten, am 4. April 2017 ein Massnahmengesuch um Herabsetzung 
der Unterhaltsbeiträge für die beiden Kinder von je CHF 810.00 auf CHF 420.00 
und für den Ehegattenunterhalt von CHF 667.00 auf CHF 100.00 stellen musste 
(vgl. Scheidungsakten Regionalgericht Emmental-Oberaargau, CIV ________). 
Das Gesuch fiel damit (ebenfalls) genau in diejenige Zeit, in welcher auch die Tat-
vorwürfe gemäss Anklageschrift begonnen hatten. Der Beschuldigte gab anlässlich 
der oberinstanzlichen Verhandlung zwar an, es sei damals [finanziell] nicht eng 
gewesen, aber er habe die bestehenden Schulden nicht abbezahlen können. Einen 
allfälligen zeitlichen Zusammenhang zwischen dem Herabsetzungsgesuch sowie 
den angeklagten Vorwürfen wollte er jedoch nicht sehen und ergänzte, er habe fi-
nanziell nicht unter Druck gestanden (pag. 810 Z. 2 ff.). Die Kammer gelangt dies-
bezüglich indes zu einer anderen Auffassung und sieht zwischen dem Herabset-
zungsgesuch sowie den angeklagten Vorwürfen einen deutlichen zeitlichen und in-
haltlichen Zusammenhang. Ob die Unterhaltsbeiträge bzw. finanzielle Gründe all-
gemein das einzige und ausschlaggebende Motiv des Beschuldigten waren, die 
Vorwürfe gegen die Privatklägerin zu erheben, ist fraglich, kann an dieser Stelle 
aber auch offenbleiben. Den gesamten Verfahrensakten lässt sich nämlich ent-
nehmen, dass der Beschuldigte offensichtlich darüber verärgert war, dass die Pri-
vatklägerin ihn verlassen hatte. Deutlich wird dies beim Lesen der ersten Einver-
nahme des Beschuldigten bei der Polizei, wo er auf Frage, warum er den Privatklä-
ger konkret auf seine Mutter angesprochen habe, angab, seine Frau [die Privatklä-
gerin] habe wechselnde Männerkontakte. Manchmal flirte sie auch per Blickkontakt 
mit den Männern. Er denke, dass E.________ dies auch bemerkt habe. Er habe 
ein komisches Gefühl gehabt, dass sie mit der Zeit auch etwas mit dem Sohn an-
fangen könnte (pag. 104 Z. 54 ff.). Dass der Beschuldigte die Schuld für das Schei-
tern der Ehe bis heute der Privatklägerin gibt, zeigte sich auch im Rahmen der Ein-

26

vernahme an der oberinstanzlichen Verhandlung (pag. 817 Z. 7 f.). Die Vorinstanz 
ist somit in ihrer Annahme, wonach Vorteile im Scheidungsverfahren bzw. Rache 
als Motiv für den Beschuldigten in Frage kommen, zu bestätigen.

Dass der Beschuldigte den Privatkläger bzw. die Kinder und seine Rechte ihnen 
gegenüber beliebig nach seinen opportunistischen Zielen (vor allen jenen im 
Scheidungsverfahren) benutzte, zeigt sich an seinem widersprüchlichen Verhalten 
ihnen gegenüber in dieser Zeit bzw. im Zeitraum gemäss Anklageschrift. So fand 
ein regelmässiges Besuchsrecht mit den Söhnen statt, welches er jedoch gemäss 
Aussagen der Beiständin nicht gross nutzte. Trotzdem beantragte er am 11. April 
2018 und damit nur wenige Wochen nach dem letzten Vorwurf der falschen An-
schuldigung gemäss Anklageschrift behördlich die alternierende Obhut. Dieser An-
trag wurde mit Entscheid vom 18. Mai 2018 abgewiesen (pag. 518). Der Beschul-
digte stellte diesen Antrag nur neun Monate nachdem der Privatkläger seine Be-
hauptungen widerrufen und seinen Vater als Anstifter bezichtigt hatte. Die alternie-
rende Obhut war zwar nichts neues, da die Eltern diese bereits seit der Trennung 
im Jahr 2013 (ohne gerichtliche Vereinbarung) ein paar Jahre gelebt hatten. Aus 
diesem Umstand alleine kann deshalb weder etwas zu Gunsten noch zu Unguns-
ten des Beschuldigten abgeleitet werden. Dass dieser Antrag nach den Vorfällen 
sein tatsächliches und echtes Interesse an den Kindern bekräftigen sollte, ist nach 
Überzeugung der Kammer hingegen zweifelhaft. Der Beschuldigte hatte angege-
ben, die Motivation der Privatklägerin, von der vorgesehenen alternierenden Obhut 
wegzukommen, sei Geld gewesen. Angesichts des Verhaltens des Beschuldigten 
gegenüber seinen beiden Söhnen (wenig Interesse während des Besuchsrechts, 
ein Jahr lang komplette Einstellung des Besuchsrechts) kann jedoch ebenso argu-
mentiert werden, dass der Beschuldigte derjenige ist, dem es mit seinem Antrag 
um alternierende Obhut vor allem um Geld ging und nicht wirklich um die Kinder. 
Gleich verhielt er sich nämlich bereits bei der Beschneidung seiner Söhne (Vorfall 
vom 2. Dezember 2016): Während die Privatklägerin eine offizielle und sichere Be-
schneidung beim Hausarzt zu je CHF 1'500.00 bevorzugte, wollte der Beschuldigte 
durchsetzen, die Beschneidung bei einem ________ Arzt in M.________ vorneh-
men zu lassen, da es dort nur CHF 400.00 pro Kind gekostet hätte (pag. 17; 
pag. 22 Z. 66 ff.; pag 27 Z. 55 ff.). Hinsichtlich des besuchsrechtslosen Jahrs 2019 
gab der Beschuldigte gegenüber der Beiständin etwas später an, er sehe die Kin-
der ausreichend an informellen Besuchen und Begegnungen. Erst am 8. Januar 
2020 meldete er sich dann wieder bei dieser und gab an, er wünsche sich mehr 
Kontakt und gemäss KESB sei für die Organisation die Beiständin zuständig 
(pag. 520). Mit Blick auf diese Ausführungen erscheint zumindest verdächtig, dass 
das plötzliche Interesse des Beschuldigten an der Wiederaufnahme des Kontakts 
zu seinen Kindern nach einem Jahr ohne Kontakt gerade einen Monat vor Ab-
schluss der Scheidungsvereinbarung aufflammte. Das Scheidungsverfahren spielte 
damit offensichtlich eine zentrale Rolle und ist als Indiz dafür, dass der Beschuldig-
te sich dort Vorteile erhoffte und deshalb die Vorwürfe gegen die Privatklägerin 
konstruierte, zu werten.

Im Zusammenhang mit dem Scheidungsverfahren ist weiter bezeichnend, was im 
Anzeigerapport vom 31. August 2017 durch den Polizisten U.________ festgehal-
ten wurde. Nach der Meldung des Beschuldigten bei der Regionalen Einsatzzentra-

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le vom 1. Juli 2017 um 20:04 Uhr wurden zwei Polizisten zum Domizil der Privat-
klägerin und der Kinder geschickt. Später kam die Privatklägerin mit ihrem Anwalt 
auf die Polizeiwache, ebenso der Beschuldigte, und sie wurden zeitgleich, jedoch 
nicht zusammen, einvernommen. Polizist U.________ sah sich veranlasst, Folgen-
des im Rapport festzuhalten (pag. 4): «Bereits vor Ort stellte sich heraus, dass sich 
das Ehepaar ________ seit mehreren Jahren in einem erbitterten Sorgerechts- und 
Scheidungsstreit befindet, so dass jegliche Konfrontation der beiden Parteien 
während der Tatbestandsaufnahme vermieden werden musste.» Der für Aussen-
stehende offenbar rasch sichtbare Hauptkonflikt der Ehegatten drehte sich somit 
um die Scheidung, namentlich um das Recht an den Kindern, und zwar seit mehre-
ren Jahren. Zwar trifft zu, dass sexuelle Handlungen mit Kindern auch in entschei-
denden Phasen eines Scheidungs- und Sorgerechtskriegs überraschend vorfallen 
können. Allerdings sind solche Vorwürfe gerade in jenen Phasen sehr oft die ultima 
ratio eines der frustrierten Elternteile, um mit unredlichen Mitteln die unbestrittene 
Oberhand gewinnen zu können.

Ein weiteres Indiz dafür, dass die Idee für die Anschuldigungen gegen die Privat-
klägerin vom Beschuldigten stammte, zeigt sich auch im Verhalten des Privatklä-
gers bzw. in dessen Beziehung zu seinem Vater nach dem Vorfall und während 
des Strafverfahrens (vgl. diesbezüglich auch die Ausführungen zur zweiten Hypo-
these hiervor). Die (vorerst) begleiteten Besuche zwischen dem Beschuldigten und 
dem Privatkläger fanden vom 6. September 2017 bis im Januar 2019 statt, danach 
stellte der Beschuldigte diese ein. Der Privatkläger äusserte am 21. Januar 2020 
gegenüber der zuständigen Beiständin, er wolle keine Besuche mehr mit seinem 
Vater, weder begleitet noch an anderen Orten. Er habe seine Chance gehabt und 
diese nicht genutzt, der Vater habe die Besuche eingestellt. Er und sein Bruder hät-
ten damals [vor einem Jahr] nicht mitreden dürfen. Der Vater mache immer das, 
was er wolle, ohne Rücksicht auf irgendjemanden zu nehmen. Die Beiständin hielt 
weiter fest, es sei für den Privatkläger im Januar 2019 eine Erleichterung gewesen, 
nicht mehr zu seinem Vater zu müssen. Dessen Aufmerksamkeit habe fast nur 
V.________ gegolten und er habe sich kaum mit ihm [dem Privatkläger] beschäftigt 
(pag. 519). Dieser habe auch in Zukunft keine Besuche mehr gewollt, weil er fürch-
tete, der Vater werde V.________ wieder ausfragen. Er wolle nicht, dass 
V.________ dasselbe passiere wie ihm (pag. 520). Die Kammer verkennt nicht, 
dass es sich bei diesen Äusserungen zwar nicht um formell protokollierte Aussagen 
handelt. Aufgrund des spezifischen gesetzlichen Mandats einer Beiständin ist je-
doch nicht davon auszugehen, dass diese die Äusserungen des Privatklägers im 
Hinblick auf ein strafrechtliches Verfahren subjektiv gefärbt wiedergegeben hatte. 
Sie zeigen deutlich auf, dass die Beziehung zwischen dem Beschuldigten und sei-
nem Sohn nachhaltig zerstört war und nicht wieder aufgebaut werden konnte. Wäre 
der Privatkläger derjenige gewesen, welcher die Anschuldigungen gegen die Pri-
vatklägerin erfunden hätte, so hätte er keinen Grund dazu gehabt, die Besuche des 
Beschuldigten so nachhaltig zu verweigern. 

Nach der Fremdplatzierung des Privatklägers versuchte der Beschuldigte offenbar, 
auch seinen anderen Sohn, V.________, unter Druck zu setzen. Diesbezüglich gab 
der Privatkläger an, anlässlich der begleiteten Besuche habe der Beschuldigte 
V.________ auf ________ gefragt, ob er nicht Angst vor der Mutter habe und ob er 

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nicht wieder nach Hause kommen wolle. Der Privatkläger meinte diesbezüglich 
weiter, V.________ komme unter Druck und antworte jeweils mit «ja», wenn der 
Vater ihn so frage (pag. 493 zweiter Absatz). Diese Aussagen des Privatklägers 
wurden durch V.________ gegenüber O.________ bestätigt und sind glaubhaft. 
V.________ gab zudem an, sein Vater habe ihm eingeschärft, er solle beim Ge-
spräch mit O.________ sagen, er wolle zum Vater zurück (pag. 493, vierter Ab-
satz). Der Beschuldigte schreckte somit trotz laufenden Strafverfahrens genau we-
gen solchen Themen nicht davor zurück, seine Kinder weiter zu beeinflussen. Of-
fenbar war dieses Verhalten seit Jahren System. Zudem versuchte er – ebenfalls 
nach der Fremdplatzierung des Privatklägers – offenbar weiterhin, diesen dazu zu 
bewegen, zu ihm zu kommen, indem er trotz Verbots in der Schule auftauchte und 
ihn aufforderte, zu ihm zu kommen. Auch auf dem Schulweg passte der Beschul-
digte ihm ab und versuchte ihn zu überzeugen bzw. drohte ihm, er solle mit ihm 
nach Hause kommen, indem er angab, der Grossmutter gehe es schlecht, wenn er 
jedoch mitkomme, gehe es ihr bald wieder besser und sie müsse nicht sterben (vgl. 
pag. 493 dritter Absatz). Damit manifestierte der Beschuldigte seinen Grundtenor 
der Instrumentalisierung seiner Kinder auch nach den Vorfällen. Er liess sich dabei 
auch nicht davon beeindrucken, dass sein Verhalten gegenüber den Kindern von 
verschiedenen Seiten behördlich observiert wurde. So hielt beispielsweise die Bei-
ständin in ihrem Bericht eine Gefahr der Manipulation des Privatklägers sowie des-
sen Bruder durch den Beschuldigten und ein Weiterbestehen dieser Gefahr fest 
(pag. 521).

Am 1. Juli 2017 gab der Beschuldigte an, sein Sohn habe eine Woche zuvor [also 
in der letzten Juniwoche] auf mehrmaliges Nachfragen zugegeben, seit dem 
14. Februar 2017 täglich Geschlechtsverkehr mit seiner Mutter gehabt zu haben. 
Vorher sei er als bedrückt und verändert aufgefallen (vgl. pag. 104 f.). Der Privat-
kläger selber bestätigte diese zeitlichen Angaben anlässlich seiner ersten Befra-
gung umfassend (er habe es dem Vater ca. ein bis zwei Wochen vorher gesagt, 
pag. 5 sowie pag. 43 Min. 14:18). Nach seiner zweiten Läuterung, mithin anlässlich 
der dritten Einvernahme am 14. Juli 2017, gab der Privatkläger jedoch überra-
schend an, sein Vater habe ihn bereits vor zwei oder drei Monaten, also ca. seit 
März 2017, bearbeitet bzw. mit ihm darüber gesprochen. Hätte der Privatkläger den 
Beschuldigten falsch bezichtigen wollen, so hätte er dafür nicht ein neues Datum 
mehrere Monate vor einem zuerst übereinstimmenden Datum wählen müssen, zu-
mal eine Anstiftung durchaus auch in nur ein bis zwei Wochen hätte erfolgen kön-
nen; er hätte ebenso gut bei der letzten Juniwoche bleiben können. Dieses Detail in 
der Aussage des noch jungen Privatklägers ist originär und nicht mit einer Strategie 
eines Kindes zu erklären. Viel wahrscheinlicher ist, dass der Privatkläger als 12-
jähriger, nicht sehr rascher und intelligenter Junge, beim Lügen zeitlich näher bei 
der «Wahrheit» geblieben wäre, statt ein unnötiges zeitliches Vorkonstrukt zu bas-
teln. Mit anderen Worten hätte er bei seiner zweiten Befragung ebenso aussagen 
können, das Gespräch habe vor ein bis zwei Wochen stattgefunden, aber dort ha-
be nicht er dem Vater erstmals von den Übergriffen erzählt, sondern der Vater ha-
be ihn erstmals motiviert, gegenüber Dritten von solchen zu berichten. Im Zusam-
menhang mit dem angeblichen Gespräch zwischen dem Beschuldigten und seinem 
Sohn, anlässlich welchem Letzterer von den sexuellen Handlungen mit seiner Mut-

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ter erzählt haben soll, fällt insbesondere auch das merkwürdige Verhalten des Be-
schuldigten im Anschluss auf. Nachdem ihm der Privatkläger am Sonntag oder 
Montag, den 25. oder 26. Juni 2017, von den sexuellen Handlungen mit der Mutter 
erzählt haben soll, kontaktierte der – gemäss eigenen Angaben – völlig aufgelöste, 
am Boden zerstörte und überforderte Beschuldigte Rechtsanwalt B.________, um 
bei diesem Rat zu suchen. Am gleichen Tag erstellte der Beschuldigte auch die 
Sprachnachrichten mit seinem Sohn, zuerst die erste, fünf Minuten später die zwei-
te Aufnahme. Nach diesen Aufnahmen meldete sich der Beschuldigte sodann bei 
Q.________, am Mittwoch, 28. Juni 2017, dann bei der Staatsanwaltschaft. Glei-
chentags [mithin am Mittwoch] kontaktierte der Beschuldigte auch seinen Schei-
dungsanwalt, Rechtsanwalt H.________. Ebenfalls am Mittwoch, jedoch gegen 
Abend, fuhr der Beschuldigte zu Q.________, welche ihm am Vorabend einen 
Termin für diese Zeit gegeben hatte. Am Donnerstag, 29. Juni 2017, erstellte der 
Beschuldigte mit seinem Sohn die dritte Sprachnachricht, meldete sich (auf Anra-
ten von Rechtsanwalt H.________) am Freitag, 30. Juni 2017, bei der Kinder-
schutzgruppe und O.________, bei welchem er schliesslich auch noch vorbeige-
hen konnte. Ebenfalls an diesem Freitag erzählte der Privatkläger seinem Vater 
von den angeblichen Drohungen seiner Mutter mit dem Messer, woraufhin sich der 
Beschuldigte am Samstag, 1. Juli 2017, bei der Polizei meldete (vgl. zu allem 
pag. 811 f. Z. 13 ff). Mit Blick auf diesen zeitlichen Ablauf sowie darauf, dass der 
Beschuldigte damals bereits anwaltlich vertreten war, erschliesst sich der Kammer 
nicht, wieso sich der Beschuldigte zuerst bei Rechtsanwalt B.________ statt sei-
nem damaligen Vertreter, Rechtsanwalt H.________, meldete. Anlässlich der obe-
rinstanzlichen Verhandlung wurde der Beschuldigte darauf angesprochen, fand 
dafür aber ebenso wenig eine Erklärung (pag. 813 f. Z. 16 ff.). Rechtsanwalt 
B.________ führte daraufhin im Rahmen seines Parteivortrages aus, er kenne den 
Beschuldigten schon lange und pflege mit diesem ein gutes Klientenverhältnis. Zu-
dem verfüge er, Rechtsanwalt B.________, über eine Sekretärin, die sehr gut 
________ spreche, weshalb der Beschuldigte zuerst ihn kontaktiert habe 
(pag. 819). Diese Erklärung überzeugt jedoch nur wenig. Vom beschlagnahmten 
Mobiltelefon des Beschuldigten konnten fünf Audiodateien gesichert werden, wel-
che sich allesamt in den Akten befinden (pag. 8). Neben den drei Sprachaufnah-
men mit dem Privatkläger befindet sich unter anderem auch eine Aufnahme eines 
Gesprächs zwischen dem Beschuldigten und Rechtsanwalt H.________. Die Auf-
nahme trägt den Zeitstempel vom 27. Juni 2017, 09:00 Uhr, und dauert rund 
26 Minuten. Gemäss Angaben des Beschuldigten erzählte ihm der Privatkläger 
spätestens am 26. Juni 2017 erstmals von den sexuellen Übergriffen seiner Mutter. 
Am nächsten Morgen, mithin am 27. Juni 2017 um 09:00 Uhr, traf der Beschuldigte 
seinen Anwalt, Rechtsanwalt H.________, und besprach mit diesem eine Stellung-
nahme der Gegenseite im Scheidungsverfahren. Der Beschuldigte erwähnte die 
angeblich sexuellen Übergriffe der Privatklägerin auf den Sohn jedoch mit keinem 
Wort, nicht einmal, als es um die Frage der Obhut ging. Aus Sicht der Kammer mu-
tet dieses Verhalten mehr als seltsam an und entspricht keineswegs der Reaktion 
eines Elternteils, welches eben erst erfahren hatte, dass sein Kind möglicherweise 
sexuell misshandelt worden war. Dem aufgezeichneten Gespräch ist zudem auch 
nicht zu entnehmen, dass der Beschuldigte in irgendeiner Art und Weise bestürzt 

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gewesen wäre, was seinen eigenen Angaben, wonach er nach dem Gespräch mit 
dem Privatkläger am Boden zerstört gewesen sei, diametral widerspricht (pag. 812 
Z. 2 ff.). Insgesamt ist das Verhalten des Beschuldigten nach dem angeblichen Ge-
spräch mit dem Privatkläger als höchst verdächtig zu bezeichnen und stellt in den 
Augen der Kammer ein weiteres Indiz dafür da, dass die Vorwürfe gegen die Pri-
vatklägerin vom Beschuldigten konstruiert wurden.  

In Bezug auf die dritte Hypothese zieht die Kammer schliesslich auch in Erwägung, 
was die Privatklägerin bereits im Zusammenhang mit der Beschimpfung im De-
zember 2016 und somit Monate vor den hier zu beurteilenden Vorwürfen gegenü-
ber der Polizei ausgesagt hatte: Sie gab damals zu Protokoll, sie wisse, dass ihr 
Sohn Angst vor seinem Vater habe. Beim Vorfall vom 2. Dezember 2016 hatte der 
Privatkläger offenbar solche Angst vor einer möglichen Reaktion seines Vaters, 
dass er sich nach entsprechender telefonischer Instruktion durch diesen trotz Auf-
forderung und Anschreiens seiner Mutter, der Abwesenheit des Vaters sowie trotz 
kompletter Relativierung des Arzttermins (es sollte noch keine Beschneidung, son-
dern lediglich ein Informationsgespräch erfolgen) weigerte, mit seiner Mutter und 
seinem Bruder zum Hausarzt zu fahren (pag. 23 Z. 72 ff.). Weiter gab die Privat-
klägerin an, der Ältere [der Privatkläger] mache alles, was sein Vater sage (pag. 23 
Z. 115). Sie wisse von keiner Gewalt des Vaters gegenüber den Kindern, sondern 
er manipuliere sie auf andere Weise, mache ihnen Angst (pag. 23 Z. 119 f.). Diese 
Aussagen über ihren Sohn machte die Privatklägerin lange vor den gegen sie er-
hobenen Vorwürfen. Sie hatte somit keinen Grund, das Verhältnis zwischen dem 
Beschuldigten und dessen Sohn zu dramatisieren. Sie erklärte lediglich die Loya-
lität des Privatklägers zu seinem Vater im Zusammenhang mit der Beschneidung 
der Kinder. Durch diese Aussagen wird allerdings auch klar, wer damals das Sagen 
hatte in Bezug auf den Privatkläger. Auch dieser Umstand passt ins Bild der In-
strumentalisierung und des absoluten, angstgeprägten Gehorsams des Privatklä-
gers gegenüber seinem Vater. Auch schon beim Vorfall vom 2. Dezember 2016 
sagte der Privatkläger somit (im weiteren Sinne) gegen seine Mutter aus, indem er 
dem befragenden Polizisten gegenüber die Version seines Vaters bestätigte, wo-
nach dieser die Mutter nicht geschlagen habe, sondern nur ihre Schläge und ihren 
Angriff abgewehrt habe. Selbst wenn dies tatsächlich der Fall gewesen sein sollte, 
fällt doch auf, dass er auch hier nicht die Partei seiner Mutter ergriffen hatte, wenn 
er damit gegen den Vater hätte gehen müssen. Es macht somit der Anschein, dass 
er im Zweifelsfall stets seinem Vater loyal ergeben war. Die Privatklägerin erklärte 
diese Systematik der Polizei gegenüber denn auch ziemlich einleuchtend, nicht ag-
gravierend und ohne dabei ihren Sohn anzuklagen (pag. 24 Z. 142 ff.). Auch der 
Privatkläger selber gab an, vor seinem Vater Angst zu haben, wenn auch nicht 
mehr so wie früher. Vor seiner Mutter habe er keine Angst, ihr sei er körperlich 
überlegen (pag. 59 ab Min. 15:33). 

Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass der Privatkläger seiner Mutter seit dem 
Vorfall unverändert nahesteht. Seine Beziehung zu ihr scheint unbelastet, er liebt 
sie und wohnt gerne bei ihr. Gegenüber der Jugendanwaltschaft erklärte er anläss-
lich seiner vierten Befragung im Jahr 2018, die Mutter habe man einfach lieber, er 
sei ja auch neun Monate in ihrem Bauch gewesen und sie habe Schmerzen gehabt 
wegen ihm. Seinen Vater habe er weniger gerne (pag. 93 ab Min. 1:21:17). Die be-

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fragende Jugendanwältin konfrontierte ihn damit, dass sein Vater offenbar sage, er 
[der Privatkläger] lüge hundertprozentig und sei an allem schuld. Diese Aussage 
beschäftigte den Privatkläger sichtlich, er reagierte verärgert und frustriert darüber 
(pag. 94 ab Min. 1:24:59). Er gab bzw. gibt seinerseits dem Vater die volle Schuld 
daran, dass er sechs Wochen in einem Heim untergebracht werden musste. Die 
unverändert gute Beziehung zu seiner Mutter und die zunehmende Verschlechte-
rung der Beziehung zu seinem Vater wie auch dessen hundertprozentige Schuld-
zuweisung an seinen Sohn und dessen Reaktion darauf sind – wie teilweise bereits 
ausgeführt – ebenfalls Indizien dafür, dass der Privatkläger auf der ganzen Linie 
von seinem Vater enttäuscht war. Aus dem Verhalten des Privatklägers seit dem 
1. Juli 2017 lässt sich wiederum schliessen, dass er ein Junge ist, welcher nicht 
sehr lange lügen kann, er mit sich und seiner Umwelt ins Reinen kommen, es aber 
auch allen recht machen und niemanden verletzen möchte. So war er beispielswei-
se durchaus auch bereit, seinen eigenen Teil im Ganzen anzuerkennen, indem er 
bei seiner letzten Einvernahme auf entsprechende Frage hin aussagte, es stimme 
schon, er sei natürlich schon auch mitschuldig, dass er ins Heim gekommen sei, er 
habe ja schliesslich auch falsche Sachen über seine Mutter erzählt. Diese seien 
aber vom Vater ausgegangen (pag. 98 Min. 45:45, nur auf der Videoaufnahme, 
nicht protokolliert). 

Als Zwischenfazit dieses Abschnittes kann gestützt auf die vorangehenden Ergän-
zungen zu den vorinstanzlichen Ausführungen festgehalten werden, dass auch 
nach Auffassung der Kammer sämtliche Indizien dafür sprechen, dass die konstru-
ierten Vorwürfe gegen die Privatklägerin vom Beschuldigten stammen.

Die Alternativhypothese, wonach der Privatkläger die Geschichte zusammen mit 
dem Beschuldigten erfunden haben soll, scheitert nach Überzeugung der Kammer 
aus folgenden Gründen: 

Zum einen hatte der Privatkläger überhaupt kein Motiv für einen solchen Vorwurf. 
Wie bereits den vorangehenden Erwägungen entnommen werden kann, hatte er 
nichts gegen seine Mutter. Den Akten lässt sich entnehmen, dass es sich bei der 
Privatklägerin trotz gelegentlicher Ohrfeige um eine sehr umsichtige Mutter handelt 
und sowohl der Privatkläger als auch dessen Bruder V.________ gerne zu Hause 
wohnten und das Familienleben schätzten. Es gab somit keinen Grund für den Pri-
vatkläger, derartige Vorwürfe gegen seine Mutter auszudenken. Zum anderen ist 
kaum nachvollziehbar, wie der sexuell unerfahrene Privatkläger in Konspiration mit 
seinem Vater überhaupt gerade einen solchen sexuellen Komplott gegen seine 
Mutter hätte konstruieren und ausschmücken sollen. Dabei gilt sich nämlich in Er-
innerung zu rufen, dass er damals vor allem daran interessiert war, mit seinem 
Bruder bzw. mit Kollegen draussen Fussball zu spielen und seine Cousins zu tref-
fen. An Mädchen, geschweige denn am Thema Sexualität, war er nicht interessiert. 
Wichtiger als die Aufklärung eines Delikts war ihm zudem, wo er wohnt, ob und 
wann er in d