# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d238712e-c04d-5728-a099-3463081772f6
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-09-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.09.2009 A-1791/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-1791-2009_2009-09-28.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-1791/2009
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 8 .  S e p t e m b e r  2 0 0 9

Richter Michael Beusch (Vorsitz), Richter Pascal Mollard, 
Richterin Salome Zimmermann, 
Gerichtsschreiberin Nadine Mayhall.

X._______, ... ,
vertreten durch ... ,
Beschwerdeführerin,

gegen

Eidgenössische Zollverwaltung EZV,
Zollkreisdirektion Basel, Sektion Tarif und Veranlagung, 
Postfach 666, 4010 Basel,
vertreten durch die Oberzolldirektion (OZD),
Sektion Zollverfahren, Monbijoustrasse 40, 3003 Bern.

Nichteintreten.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-1791/2009

Sachverhalt:

A.
Die X._______ ist  eine Aktiengesellschaft  mit  Sitz  in  ... . Zweck der 
Gesellschaft  bildet  gemäss  Handelsregistereintrag  insbesondere  die 
Durchführung von internationalen Warentransporten und Speditionen 
sowie Zollabfertigungen.

B.
B.a Am 8. Januar 2008 bzw. am 1. April 2008 meldete die X._______ 
bei  der  Zollstelle  Basel/St. Louis-Autobahn  im  EDV-Verfahren  e-dec 
zwei für die Gesellschaft B._______, ..., bestimmte Sendungen an. Die 
entsprechenden Einfuhrzollanmeldungen (EZA) enthielten die folgen-
den Angaben:

Nr. ...
Position 1: Carton, 600, adresse
Insecticides à base de soufre ou de composés cupriques, contenant 
10 % de COV
"Gesal UKV SUPER RAPID REFILL 750 ML"
Zolltarifnummer  3808.9310;  Eigenmasse:  ... kg;  Rohmasse:  ... kg; 
VOC-Abgabe: ... kg à Fr. 3.-- je 100 kg; MWST-Wert: Fr. ... .

Nr. ...
Position 1: Carton, 1220, adresse
Herbicides,  inhibiteurs  de  germination  et  régulateurs  de  croissance 
pour plantes, autres ne contenant pas de COV
"Gesal Unkraut spray 750 ml"
Zolltarifnummer  3808.9390;  Eigenmasse:  ... kg;  Rohmasse:  ... kg; 
VOC-Abgabe: ... kg à Fr. 3.-- je 100 kg; MWST-Wert: Fr. ... .

Das  Selektionsergebnis  durch  das  EDV-System ergab  "gesperrt"  für 
die EZA Nr. ... bzw. "frei – ohne" für die EZA Nr. ... . 

B.b Mit  Veranlagungsverfügung Nr. ... vom 8. Januar 2008 wurde für 
die erst genannte Sendung eine Abgabe für flüchtige organische Ver-
bindungen (VOC) in Höhe von Fr. ... erhoben. Für die zweite Sendung 
wurde die geschuldete VOC-Abgabe mit Veranlagungsverfügung Nr. ... 
vom 2. April 2008 auf Fr. ... angesetzt. 

Seite 2

A-1791/2009

C.
Mit Schreiben vom 10. September 2008 und vom 11. September 2008 
an die Zollstelle Basel/St. Louis-Autobahn machte die X._______ gel-
tend, dass die eingeführten Produkte "Gesal UKV SUPER RAPID RE-
FILL  750  ML"  und  "Gesal  Unkraut  spray  750 ml"  einen  VOC-Gehalt 
von 10 % aufweisen würden. Dennoch sei auf diese Produkte eine Ab-
gabe zum Tarif eines Produkts mit einem VOC-Gehalt von 100 % erho-
ben worden. Aus diesem Grund ersuchte die X._______ um Rücker-
stattung der zuviel geleisteten Abgabe.

Diese Eingaben wurden der  Zollkreisdirektion Basel  zur  Behandlung 
überwiesen. Die Vorinstanz teilte der X._______ mit, dass die Einga-
ben  als  Beschwerden  gegen  die  entsprechenden  Veranlagungen  zu 
behandeln seien. Ebenso machte sie die X._______ darauf aufmerk-
sam, dass die Beschwerdefrist von 60 Tagen ab Ausstellen der Veran-
lagungsverfügung  gemäss  Art. 116  Abs. 3  des  Zollgesetzes  vom 
18. März 2005 (ZG, SR 631.0) nicht eingehalten worden sei und räum-
te ihr die Möglichkeit ein, die Beschwerden ohne Kostenfolge zurück-
zuziehen.

Mit  Entscheid  vom 16. Februar  2009  trat  die  Vorinstanz  auf  die  Be-
schwerden infolge Fristversäumnis nicht  ein. Gegen diesen Nichtein-
tretensentscheid  gelangte  die  X._______  (Beschwerdeführerin)  mit 
Beschwerde  vom  19. März  2009  an  das  Bundesverwaltungsgericht. 
Die  Beschwerdeführerin  beantragte,  die  beiden  Abfertigungen  seien 
zu annullieren, die VOC-Abgaben seien neu zu veranlagen sowie die 
sich ergebende Differenz in Höhe von Fr. ... sei – unter Abzug der reg-
lementarischen Gebühren – zurückzuerstatten und die im vorinstanzli-
chen Verfahren auferlegten Verfahrenskosten seien zu erlassen.

Mit  Vernehmlassung vom 22. Juli  2009 beantragte die Oberzolldirek-
tion (OZD) die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge. Die Be-
schwerdeführerin  hielt  mit  Eingabe vom 3. September 2009 an ihren 
Begehren fest.

Auf die Begründung der Anträge wird – soweit entscheidwesentlich – 
im Rahmen der Erwägungen eingegangen.

Seite 3

A-1791/2009

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Entscheide der Zollkreisdirektionen können gemäss Art. 31 i.V.m. 
Art. 33 Bst. d des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desverwaltungsgericht  (Verwaltungsgerichtsgesetz,  VGG,  SR 173.32) 
beim Bundesverwaltungsgericht angefochten werden. Im Verfahren vor 
dieser  Instanz  wird  die  Zollverwaltung  durch  die  OZD  vertreten 
(Art. 116 Abs. 2 ZG). Das Verfahren richtet sich nach den Vorschriften 
des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungs-
verfahren  (VwVG, SR 172.021),  soweit  das  VGG nichts  anderes  be-
stimmt (Art. 37 VGG; Art. 2 Abs. 4 VwVG). Die Beschwerdeführerin ist 
durch  den angefochtenen Beschwerdeentscheid  berührt  und hat  ein 
schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung (Art. 48 VwVG). 

1.2 Anfechtungsobjekt  in  einem  Verfahren  vor  dem  Bundesverwal-
tungsgericht bildet regelmässig der angefochtene vorinstanzliche Ent-
scheid. Vorliegend ist die Vorinstanz auf das Gesuch um die Rücker-
stattung eines Teils der geleisteten Abgabe nicht eingetreten. Mit Be-
schwerde gegen einen solchen Nichteintretensentscheid kann nur gel-
tend gemacht  werden,  die Vorinstanz sei  zu Unrecht  auf  das einge-
reichte Rechtsmittel  nicht  eingetreten. Damit  bleibt  das Anfechtungs-
objekt auf die Eintretensfrage beschränkt, deren Verneinung als Verlet-
zung von Bundesrecht mit  Beschwerde gerügt werden kann. Die be-
schwerdeführende  Partei  kann  entsprechend  nur  die  Anhandnahme 
beantragen, nicht aber die Änderung oder Aufhebung der angefochte-
nen Verfügung verlangen; auf materielle Begehren kann nicht eingetre-
ten werden (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-5798/2007 vom 
6. Juli  2009  E. 1.4  und  A-5104/2007  vom  19. Januar  2009  E. 1.3; 
ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER,  Prozessieren vor dem 
Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, N. 2.164).

Vorliegend ist  somit  einzig  zu  prüfen,  ob die  Vorinstanz  auf  die  Be-
schwerde hätte eintreten müssen. Soweit die Beschwerdeführerin eine 
materielle Überprüfung der im vorinstanzlichen Verfahren angefochte-
nen Veranlagungsverfügungen beantragt (vgl. oben, C), kann auf die 
Beschwerde nicht eingetreten werden.

1.3 Im Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der Rechtsanwendung 
von Amtes wegen. Das Bundesverwaltungsgericht ist demzufolge ver-
pflichtet, auf den – unter Mitwirkung der Verfahrensbeteiligten – festge-
stellten  Sachverhalt  die  richtige  Rechtsnorm,  d.h.  jenen  Rechtssatz 

Seite 4

A-1791/2009

anzuwenden, den es als den zutreffenden erachtet, und ihm jene Aus-
legung zu geben, von der es überzeugt ist (MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, 
a.a.O.,  N. 1.54,  unter  Verweis  auf  BGE 119  V  349  E. 1a).  Aus  der 
Rechtsanwendung  von  Amtes  wegen  folgt,  dass  das  Bundsverwal-
tungsgericht  als  Beschwerdeinstanz  nicht  an  die  rechtliche  Begrün-
dung der Begehren gebunden ist (Art. 62 Abs. 4 VwVG) und eine Be-
schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen (teil-
weise) gutheissen oder den angefochtenen Entscheid im Ergebnis mit 
einer von der Vorinstanz abweichenden Begründung bestätigen kann 
(vgl. BVGE 2007/41 E. 2 mit Hinweisen). 

1.4 Das  Prinzip  der  Rechtsanwendung  von  Amtes  wegen  bedeutet 
auch,  dass  das  so  genannte  Rügeprinzip  höchstens  in  stark  abge-
schwächter Form zur Anwendung gelangen kann. Die Rechtsmittelins-
tanz ist jedoch nicht gehalten, allen denkbaren Rechtsfehlern von sich 
aus auf den Grund zu gehen; für entsprechende Fehler müssen sich 
immerhin  mindestens  Anhaltspunkte  aus  den  Parteivorbringen  oder 
den Akten ergeben (MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., N. 1.55).

2.
2.1 Die VOC-Abgabe hat ihre gesetzliche Grundlage in Art. 35a sowie 
in Art. 35c des Umweltschutzgesetzes vom 7. Oktober 1983 (USG, SR 
814.01) und wird in der Verordnung vom 12. November 1997 über die 
Lenkungsabgabe  auf  flüchtigen  organischen  Verbindungen  (VOCV, 
SR 814.018) näher geregelt. 

Wer  VOC  einführt  oder  wer  als  Hersteller  solche  Stoffe  in  Verkehr 
bringt oder selber verwendet,  hat dem Bund grundsätzlich eine Len-
kungsabgabe  zu entrichten (Art. 35a USG). Abgabepflichtig  sind  die 
bei  der  Einfuhr  nach  dem  Zollgesetz  Zahlungspflichtigen  sowie  die 
Hersteller  und Erzeuger  im Inland (Art. 35c Abs. 1 Bst. a USG). Der 
Bundesrat regelt  das Verfahren für die Erhebung und Rückerstattung 
der Abgaben auf VOC; ist die Einfuhr oder Ausfuhr betroffen, so gelten 
die  entsprechenden  Verfahrensbestimmungen  der  Zollgesetzgebung 
(Art. 35c Abs. 3 USG; Art. 3 VOCV). 

2.2 Das  Zollgesetz  sowie  die  dazugehörige  Verordnung  vom  1. No-
vember 2006 (ZV, SR 631.01) sind am 1. Mai 2007 in Kraft getreten. 

2.2.1 Das  Zollveranlagungsverfahren  unterliegt  –  vorbehältlich  der 
Verfahrensgarantien der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eid-
genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) und der allgemeinen 

Seite 5

A-1791/2009

Grundsätze  des  Verwaltungsrechts  –  grundsätzlich  nur  den  vom 
Grundsatz des Selbstanmeldungsprinzips geprägten besonderen Be-
stimmungen des Zollrechts. Das VwVG findet auf das gesamte Verfah-
ren bis zum Erlass der Veranlagungsverfügung bzw. der Freigabe der 
gestellten  und angemeldeten  Waren  keine  Anwendung  (Art. 3  Bst. e 
VwVG;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-5798/2007  vom 
6. Juli 2009 E. 1.3 und A-4617/2007 vom 14. Januar 2009 E. 1.2; REMO 
ARPAGAUS,  Zollrecht,  in:  Schweizerisches  Bundesverwaltungsrecht, 
Bd. XII, 2. Aufl., Basel 2007, N. 447).

In Übereinstimmung mit dem das Zollverfahren beherrschende Prinzip 
der  Selbstanmeldung  obliegt  der  anmeldepflichtigen  Person  (Art. 26 
ZG) die Verantwortung für  die rechtmässige und richtige Deklaration 
ihrer  grenzüberschreitenden  Warenbewegungen.  Sie  muss  die  der 
Zollstelle zugeführten, gestellten und summarisch angemeldeten Wa-
ren innerhalb der von der Zollverwaltung bestimmten Frist zur Veranla-
gung anmelden und die Begleitdokumente einreichen (Art. 25 Abs. 1 
ZG). Damit überbindet  das Zollgesetz der anmeldepflichtigen Person 
die volle Verantwortung für die eingereichte Anmeldung und stellt hohe 
Anforderungen  an  ihre  Sorgfaltspflicht;  namentlich  wird  von  ihr  eine 
vollständige und richtige Deklaration der Ware verlangt (Botschaft vom 
15. Dezember  2003  über  ein  neues  Zollgesetz,  BBl 2004  612;  noch 
zum – mit Art. 25 ZG nahezu identischen – Art. 31 Abs. 1 des Zollge-
setzes vom 1. Oktober 1925 [aZG, BS 6 465 und nachträgliche Ände-
rungen] Urteil  des  Bundesgerichts  2A.566/2003  vom  9. Juni  2004 
E. 2.4; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-5798/2007 vom 6. Juli 
2009 E. 2.2). Das zuständige Zollamt überprüft die vom Anmeldepflich-
tigen abzugebende Anmeldung  lediglich  auf  ihre  formelle  Richtigkeit 
und Vollständigkeit sowie auf das Vorliegen der Begleitpapiere (Art. 32 
Abs. 1 ZG). Im Falle dabei nicht festgestellter Mängel lassen sich da-
raus keinerlei Rechte zugunsten der anmeldepflichtigen Person ablei-
ten (Art. 32 Abs. 3 ZG; ARPAGAUS, a.a.O., N. 703; PATRICK RAEDERSDORF, in 
Martin  Kocher/Diego  Clavadetscher  [Hrsg.],  Kommentar  zum Zollge-
setz, Bern 2009, N. 10 f. zu Art. 32). Berichtigungen oder ein Rückzug 
der Anmeldung sind von der anmeldepflichtigen Person unter den Vor-
aussetzungen von Art. 34 ZG vorzunehmen (zu Art. 34 Abs. 3 und 4 
ZG vgl. unten, E. 3.3.1).

2.2.2 Das streitige Zollverfahren hingegen wird im ZG lediglich in den 
Grundzügen  geregelt.  Neben  der  Regelung  des  Anfechtungsobjekts 
und der Zuständigkeit wird in Art. 116 ZG auch die Frist für die Einrei-

Seite 6

A-1791/2009

chung  einer  Beschwerde  festgelegt;  im  Übrigen  verweist  jedoch 
Art. 116  Abs. 4  ZG ausdrücklich  auf  die  allgemeinen Bestimmungen 
der  Bundesrechtspflege.  Für  das  Beschwerdeverfahren  findet  somit 
grundsätzlich die allgemeine Verfahrensordnung für  die Verwaltungs-
rechtspflege des Bundes Anwendung (ARPAGAUS,  a.a.O.,  N. 447). Ent-
sprechend  wird  die  Erstreckung  und  die  Wiederherstellung  der  Be-
schwerdefrist  gemäss  Art. 116  Abs. 3  ZG  durch  Art. 22  und  Art. 24 
VwVG geregelt ([noch zu Art. 109 Abs. 2  aZG] Urteil des Bundesver-
waltungsgerichts A-5104/2007 vom 19. Januar 2009 E. 2.3 und 2.4).

3.
3.1 Nach Ablauf der Frist zur Ergreifung eines ordentlichen Rechtsmit-
tels  erwächst  eine  Verfügung in  formelle  Rechtskraft  (ULRICH HÄFELIN/ 
GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  5. Aufl., 
Zürich/St. Gallen/Basel/Genf 2006, N. 990 f.). Die Rechtsbeständigkeit 
von Verfügungen äussert sich darin, dass die Verwaltung eine formell 
rechtskräftige  Verfügung nur bei  Vorliegen bestimmter  Voraussetzun-
gen einseitig  aufheben oder zum Nachteil  des Adressaten abändern 
darf  (PIERRE TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI,  Allgemeines  Verwaltungsrecht, 
2. Aufl.,  Bern  2005,  S. 264). Der  Widerruf  von Verfügungen steht  im 
Spannungsfeld zwischen dem zwingenden Charakter des öffentlichen 
Rechts bzw. der Natur der öffentlichen Interessen, wonach ein mit dem 
Gesetz nicht oder nicht mehr zu vereinbarender Verwaltungsakt nicht 
unabänderlich ist,  und dem Gebot der Rechtssicherheit,  welches die 
Beständigkeit von Verfügungen gebietet (anstatt vieler BGE 100 Ib 299 
E. 2).

3.2 Welchem  dieser  Grundsätze  im  Einzelfall  der  Vorrang  gebührt, 
kann positivrechtlich geregelt worden sei. So sehen grundsätzlich alle 
verfahrensrechtlichen Erlasse eine Korrekturmöglichkeit  in  Form des 
ausserordentlichen  Rechtsmittels  der  Revision  vor  (BGE  127  I  133 
E. 6). Für Verwaltungsverfahren auf  Bundesebene ist  die  Revision in 
Art. 66  ff.  VwVG geregelt.  Gemäss  dem Wortlaut  von Art. 66  Abs. 1 
VwVG sind  nur  Entscheide  einer  Beschwerdeinstanz  einer  Revision 
zugänglich;  die  bundesgerichtliche  Rechtsprechung  hat  jedoch 
Art. 66 ff. VwVG auch für  die Revision formell  rechtskräftiger erstins-
tanzlicher  Verfügungen als  sinngemäss anwendbar  erklärt  (BGE 103 
Ib 365 E. 3; KARIN SCHERRER, in Bernhard Waldmann/Philippe Weissen-
berger [Hrsg.], Praxiskommentar zum Bundesgesetz über das Verwal-
tungsverfahren, Zürich/Basel/Genf 2009, N. 6 zu Art. 66; so auch Bot-
schaft vom 15. Dezember 2003 über ein neues Zollgesetz, BBl 2004 

Seite 7

A-1791/2009

652). Zu beachten bleibt,  dass eine Revision regelmässig unzulässig 
ist, wenn die angerufenen Revisionsgründe bereits in dem Verfahren, 
welches dem Erlass der Verfügung voranging, oder mit einem ordentli-
chen  Rechtsmittel  hätten  geltend  gemacht  werden  können  (HÄFELIN/ 
MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., N. 1040; für Verwaltungsverfahren auf Bundes-
ebene Art. 66 Abs. 3 VwVG). 

3.3 Eine  weitere  Korrekturmöglichkeit  für  fehlerhafte  Verfügungen 
stellt die Wiedererwägung dar. Eine Verwaltungsbehörde muss sich mit 
einem Wiedererwägungsgesuch dann förmlich befassen und allenfalls 
auf  eine  formell  rechtskräftige  Verfügung  zurückkommen,  wenn dies 
positivrechtlich vorgesehen ist und die entsprechenden Voraussetzun-
gen erfüllt  sind  oder  wenn  unmittelbar  aus  der  Bundesverfassung  – 
Art. 29 Abs. 1 und 2 BV – fliessende Grundsätze dies gebieten (Urteil 
des Bundesgerichts 2C_102/2009 vom 11. Juni 2009 E. 2.1; grundle-
gend [noch zu Art. 4 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid-
genossenschaft vom 29. Mai 1874] BGE 113 Ia 146 E. 3a).

3.3.1 Das Gesuch auf  Wiedererwägung einer  formell  rechtskräftigen 
Verfügung ist im VwVG nicht allgemein geregelt (ANDREA PFLEIDERER, in 
Bernhard Waldmann/Philippe Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar 
zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich/Basel/Genf 
2009, N. 29 zu Art. 58); Art. 58 VwVG bezieht sich auf die Rücknahme 
einer angefochtenen, noch nicht rechtskräftigen Verfügung und deren 
Ersetzung  durch  eine  neue  Verfügung  während  eines  hängigen  Be-
schwerdeverfahrens (TSCHANNEN/ZIMMERLI, a.a.O., S. 269).

Die  spezialgesetzlichen –  und dem VwVG regelmässig vorgehenden 
(vgl. dazu oben, E. 2.2.1) – zollrechtlichen Bestimmungen enthalten je-
doch ihrerseits Regelungen, welche die Rechtsbeständigkeit von Ver-
fügungen relativieren. Im Zuge der Revision des Zollrechts wurden die 
Bestimmungen  von Art. 125  und  Art. 126  aZG durch  Art. 85  ZG er-
setzt.  Diese  Neuregelung,  wonach  die  Zollverwaltung  unter  der  Vo-
raussetzung, dass sie sich während der Veranlagung in einem Irrtum 
befand, im Interesse des Fiskus über eine erleichterte Korrekturmög-
lichkeit  verfügt,  enthält  kein  Art. 126  aZG  entsprechendes  Korrelat 
mehr für den Zollschuldner. Diese Lösung wurde jedoch vom histori-
schen  Gesetzgeber  angesichts  der  neu  eingeführten  Korrekturmög-
lichkeiten  nach  Art. 34  ZG  als  gerechtfertigt  angesehen  (Botschaft 
vom 15. Dezember 2003 über ein neues Zollgesetz, BBl 2004 652; kri-

Seite 8

A-1791/2009

tisch  hiezu  MICHAEL BEUSCH,  in  Martin  Kocher/Diego  Clavadetscher 
[Hrsg.], Kommentar zum Zollgesetz, Bern 2009, N. 14 ff. zu Art. 85).

Gemäss Art. 34 Abs. 3 ZG kann die anmeldepflichtige Person inner-
halb von 30 Tagen ab dem Zeitpunkt, in dem die Waren den Gewahr-
sam der Zollverwaltung verlassen haben, um eine Änderung der Ver-
anlagung  nachsuchen;  gleichzeitig  muss  sie  eine  berichtigte  Zollan-
meldung einreichen. Die Zollstelle gibt dem Gesuch statt, wenn die an-
meldepflichtige Person nachweist, dass die Waren entweder irrtümlich 
zu  dem  in  der  Zollanmeldung  genannten  Zollverfahren  angemeldet 
worden sind oder die Voraussetzungen für die beantragte neue Veran-
lagung schon erfüllt waren, als die Zollanmeldung angenommen wur-
de, und die Waren seither nicht verändert worden sind (Art. 34 Abs. 4 
ZG). Die Voraussetzungen für eine neue Veranlagung gelten insbeson-
dere dann als gegeben, wenn zum Zeitpunkt der ursprünglichen Zoll-
anmeldung die materiellen und die formellen Voraussetzungen für die 
Gewährung  einer  Zollermässigung,  einer  Zollbefreiung  oder  einer 
Rückerstattung erfüllt waren (Art. 89 Bst. a ZV).

3.3.2 Unabhängig  von  einer  allfälligen  gesetzlichen  Regelung  leitet 
das Bundesgericht  aus Art. 29 Abs. 1 und 2 BV einen Anspruch auf 
Eintreten  auf  ein  Wiedererwägungsgesuch  unter  der  Voraussetzung 
ab, dass sich entweder die Umstände seit dem ersten Entscheid we-
sentlich geändert haben oder der Gesuchsteller erhebliche Tatsachen 
oder Beweismittel namhaft macht, die im früheren Verfahren nicht be-
kannt waren bzw. die schon damals geltend zu machen für ihn unmög-
lich war oder keine Veranlassung bestand. Aus Gründen der Rechtssi-
cherheit  stellt  die  bundesgerichtliche  Rechtsprechung  dabei  an  die 
Geltendmachung  von  neuen  Tatsachen  die  gleichen  Anforderungen, 
wie sie die Praxis für die Bejahung eines Revisionsgesuchs entwickelt 
hat. Solche Gesuche dürfen insbesondere nicht dazu dienen, rechts-
kräftige Entscheide immer wieder in Frage zu stellen oder gesetzliche 
Vorschriften  über  Rechtsmittelfristen  zu  umgehen  (BGE 127  I  133 
E. 6).

4.
Einer  konstanten  Praxis  von  Verwaltungsbehörden  und  Gerichten 
kommt  eine  grosse  Bedeutung  zu. Dennoch  sind  Änderungen  einer 
gefestigten Praxis selbst bei  unverändertem Normwortlaut bei  Vorlie-
gen  bestimmter  Voraussetzungen  zulässig  (siehe  dazu  TSCHANNEN/ 
ZIMMERLI, a.a.O., S. 163; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., N. 509 ff.). Dies 

Seite 9

A-1791/2009

muss selbstredend um so mehr in Fällen der Revision der gesetzlichen 
Grundlage gelten. Rechtsetzungsakte bilden denn auch in aller Regel 
keine  Vertrauensschutzgrundlage;  der  Private  hat  vielmehr  jederzeit 
mit der Änderung von Erlassen zu rechnen (anstatt vieler BGE 130 I 
26 E. 8.1).

5.
5.1 Im vorliegenden Verfahren ist unbestritten, dass die Veranlagungs-
verfügungen Nr. ... vom 8. Januar  2008 und Nr. ... vom 2. April  2008 
(siehe oben, B.b) mit Beschwerde gemäss Art. 116 Abs. 1 ZG bei der 
zuständigen Zollkreisdirektion hätten angefochten werden können, die 
diesbezüglich einzuhaltende Frist nach Art. 116 Abs. 3 ZG bei Einrei-
chung der Schreiben vom 10. September 2008 und vom 11. Septem-
ber 2008 (oben, C) jedoch längst abgelaufen war. Ebenso ist unbestrit-
ten,  dass  keine Gründe für  eine  Wiederherstellung dieser  Frist  (vgl. 
dazu oben, E. 2.2.2) geltend gemacht worden sind. In dieser Hinsicht 
kann der angefochtene Nichteintretensentscheid der Vorinstanz nicht 
beanstandet werden.

5.2 Die Schreiben der Beschwerdeführerin  vom 10. September 2008 
und vom 11. September 2008 waren jedoch nicht an die Zollkreisdirek-
tion als Beschwerdeinstanz, sondern an die Zollstelle gerichtet, welche 
die besagten Veranlagungsverfügungen erlassen hatte. Es stellt  sich 
somit die Frage, ob der Beschwerdeführerin  ein Rechtsanspruch auf 
Behandlung ihrer  Eingaben durch die  Zollstelle  zustand (siehe dazu 
oben, E. 3).

5.2.1 Dessen ungeachtet, ob Art. 66 VwVG aufgrund des Ausschlus-
ses der Anwendbarkeit  des VwVG auf Verfahren der Zollveranlagung 
gemäss Art. 3  Bst. e  VwVG allenfalls  analog als  allgemeiner  Grund-
satz des Verwaltungsrechts anzuwenden ist (vgl. dazu oben, E. 2.2.1, 
E. 3.2), ist vorliegend ausschlaggebend, dass die Beschwerdeführerin 
in  ihren Eingaben vom 10. September 2008 und vom 11. September 
2008 keinen der in Art. 66 VwVG aufgeführten Revisionsgründe aus-
drücklich geltend macht. Ob die Beschwerdeführerin in ihren Eingaben 
sinngemäss vorbrachte,  die  Zollstelle  hätte  bei  Erlass  ihrer  Veranla-
gungsverfügungen  aktenkundige  erhebliche  Tatsachen  übersehen 
(Art. 66 Abs. 2 Bst. b VwVG),  kann deswegen offen bleiben,  weil  sie 
diese Rüge mit ordentlicher Beschwerde gegen die Veranlagungsver-
fügungen hätte geltend machen können und diese somit auf jeden Fall 
keinen Revisionsgrund darstellt  (Art. 66 Abs. 3 VwVG). Ein Anspruch 

Seite 10

A-1791/2009

auf Behandlung der  Eingaben der Beschwerdeführerin  vom 10. Sep-
tember  2008  und  vom  11. September  2008  als  Revisionsgesuche 
durch die Zollstelle bestand nach dem Gesagten nicht.

5.2.2 Des  Weiteren  bleibt  zu  prüfen,  ob  die  Zollstelle  die  besagten 
Eingaben aufgrund eines gesetzlichen oder verfassungsmässigen An-
spruchs der Beschwerdeführerin hätte behandeln müssen (vgl. oben, 
E. 3.3).

Hinsichtlich eines gesetzlichen Anspruchs der Beschwerdeführerin ist 
festzuhalten, dass ein Gesuch um eine Abänderung der Veranlagungs-
verfügung gemäss Art. 34 Abs. 3 ZG innerhalb von 30 Tagen ab dem 
Zeitpunkt, in dem die Waren den Gewahrsam der Zollverwaltung ver-
lassen haben, hätte eingereicht werden müssen (vgl. oben, E. 3.3.1). 
Dass die Beschwerdeführerin mit ihren Eingaben vom 10. September 
2008 und vom 11. September 2008 diese Frist  eingehalten hätte, ist 
nicht  dargetan.  Unabhängig  von  einer  allfälligen  gesetzlichen  Rege-
lung besteht ein verfassungsmässiger Anspruch auf Behandlung eines 
Gesuchs um Wiedererwägung einer formell  rechtskräftigen Verfügun-
gen bei Vorliegen revisionsähnlicher Gründe (vgl. oben, E. 3.3.2). Das 
Vorliegen solcher Gründe hat die Beschwerdeführerin in ihren Einga-
ben vom 10. September 2008 und vom 11. September 2008 nicht dar-
getan. 

5.2.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass vorliegend der Beschwerde-
führerin  kein  Rechtsanspruch  auf  Eintreten  der  Vorinstanz  bzw. der 
Zollstelle  Basel/St. Louis-Autobahn  auf  ihre  Eingaben  vom  10. Sep-
tember 2008 und vom 11. September 2008 zustand. Ein solcher An-
spruch kann auch nicht aus einer allenfalls unter dem zeitlichen Gel-
tungsbereich  des  aZG  zur  Anwendung  gelangten  Verwaltungspraxis 
abgeleitet werden (oben, E. 2.2 und E. 4). Anzumerken ist  in diesem 
Zusammenhang,  dass  der  Gesetzgeber  anlässlich  der  Revision  des 
Zollrechts  die  Möglichkeit,  Zollanmeldungen  zu  berichtigen  und  zu-
rückzuziehen bzw. eine Veranlagung – ausserhalb eines Beschwerde-
verfahrens – nachträglich abändern zu lassen, in Art. 34 ZG ausdrück-
lich geregelt  hat (oben, E. 2.2.1 und E. 3.3.1). Im Übrigen wäre eine 
Praxis ohne genügende gesetzliche Verankerung auch dann unzuläs-
sig,  wenn  sie  zu  Gunsten  der  Privaten  lautete  (BVGE 2007/41 
E. 7.4.2).

Angesichts dieses Verfahrensausgangs kann auch dem Antrag der Be-
schwerdeführerin  auf  Erlass der  im vorinstanzlichen Beschwerdever-

Seite 11

A-1791/2009

fahren auferlegten Verfahrenskosten nicht  gefolgt  werden. Der ange-
fochtene Nichteintretensentscheid ist somit zu bestätigen und die da-
gegen eingereichte Beschwerde abzuweisen, soweit  darauf eingetre-
ten werden kann (oben, E. 1.2). 

6.
Die Kosten des Verfahrens werden auf Fr. ... angesetzt und der unter-
liegenden Beschwerdeführerin  auferlegt  (Art. 63  Abs. 1 VwVG; Art. 4 
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschä-
digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 
Bei diesem Verfahrensausgang ist der Beschwerdeführerin keine Par-
teientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG).

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird  abgewiesen, soweit  darauf  eingetreten werden 
kann.

2.
Die Verfahrenskosten von Fr. ... werden der Beschwerdeführerin aufer-
legt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. ... verrechnet. 

3.
Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Gerichtsurkunde)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Michael Beusch Nadine Mayhall

Seite 12

A-1791/2009

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich-rechtli-
chen Angelegenheiten geführt  werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die 
Rechtsschrift  ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begeh-
ren,  deren Begründung mit  Angabe der  Beweismittel  und die Unter-
schrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel 
sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizu-
legen (vgl. Art. 42 BGG).

Versand: 

Seite 13