# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 76b6f2ee-5d11-5545-ada7-f0f820015b81
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-12-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.12.2017 D-6608/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6608-2017_2017-12-18.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-6608/2017 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 8 .  D e z e m b e r  2 0 1 7  

Besetzung 
 Einzelrichterin Mia Fuchs, 

mit Zustimmung von Richter Simon Thurnheer;   

Gerichtsschreiberin Simona Risi. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Marokko,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 13. November 2017 / N (…). 

 

 

 

D-6608/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer reiste eigenen Angaben zufolge am 13. August 

2017 in die Schweiz ein und suchte gleichentags um Asyl nach (vgl. die 

vorinstanzlichen Akten [nachfolgend: Vi-act.] A10/5-6). 

B.  

Mit Schreiben vom 16. August 2017 teilte das SEM dem Beschwerdeführer 

mit, dass er per Zufallsprinzip dem Verfahrenszentrum Zürich zugewiesen 

worden sei und sein Asylgesuch gemäss Art. 4 der Verordnung vom 4. Sep-

tember 2013 über die Durchführung von Testphasen zu den Beschleuni-

gungsmassnahmen im Asylbereich (TestV, SR 142.318.1) behandelt werde 

(Vi-act. A7). In der Folge wurden ihm die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 

der Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende im Verfahrenszentrum Zürich 

als Rechtsvertretung zugewiesen (vgl. Art. 25 TestV). Mit Vollmacht vom 

18. August 2017 betraute er diese mit der Vertretung im Asylverfahren (Vi-

act. A12). 

C.  

Am 21. August 2017 nahm die Vorinstanz die Personalien des Beschwer-

deführers auf und befragte ihn zu seiner Ausreise (Vi-act. A10). Am 28. Au-

gust 2017 gewährte ihm das SEM das rechtliche Gehör zu einer allfälligen 

Überstellung nach Italien im Rahmen eines Dublin-Verfahrens (Vi-act. 

A15). Mit Schreiben vom 25. Oktober 2017 wurde ihm mitgeteilt, das ein-

geleitete Dublin-Verfahren sei beendet worden und das Asylgesuch werde 

in der Schweiz geprüft (Vi-act. A20). 

D.  

Am 6. November 2017 wurde der Beschwerdeführer ausführlich zu seinen 

Asylgründen angehört (vgl. Art. 17 Abs. 2 Bst. b TestV; Vi-act. A22). Dabei 

brachte er im Wesentlichen vor, er habe Marokko im Jahr 2000 verlassen 

und anschliessend in Italien gelebt und gearbeitet. 2012 habe er (…) eine 

(…)zahlung (…) erhalten. Daraufhin habe die Mafia einen Marokkaner zu 

ihm geschickt, der mit einem Messer auf ihn eingestochen habe; in der 

Folge seien ihm das (…)geld, sein Pass, seine Aufenthaltsbewilligung und 

sein Führerschein abgenommen worden. Seither habe er gesundheitliche 

Probleme. Im Jahr 2016 sei er in B._______ zum Christentum konvertiert. 

Er habe Missionare kennengelernt, die ihm die christlichen Zeremonien ge-

zeigt und Bücher gegeben hätten. Die neue Religion habe er ausgeübt, in 

dem er zur Kirche gegangen sei und mit einem Kollegen gebetet habe. 

Einmal sei er nach dem Gebet aus der Kirche gekommen und von einer 

D-6608/2017 

Seite 3 

Gruppe von Marokkanern geschlagen worden. Er befürchte bei einer allfäl-

ligen Rückkehr nach Marokko Probleme mit seinen Mitmenschen. Sein Va-

ter wisse von der Konversion und habe gesagt, dass er nicht mehr sein 

Sohn sei. 

E.  

Am 9. November 2017 gab das SEM der vormaligen Rechtsvertretung Ge-

legenheit, zum Entwurf des ablehnenden Asylentscheids Stellung zu neh-

men (vgl. Art. 17 Abs. 2 Bst. f TestV; Vi-act. 23, 24/4-4). Diese äusserte sich 

am 10. November 2017 dazu (Vi-act. A24/1-4). 

F.  

Mit Verfügung vom 13. November 2017 – gleichentags eröffnet – lehnte 

das SEM das Asylgesuch ab, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz 

sowie den Vollzug an und forderte den Beschwerdeführer unter Androhung 

von Zwangsmassnahmen im Unterlassungsfall auf, die Schweiz bis zum 

8. Januar 2018 zu verlassen (Vi-act. A25). 

Zur Begründung führte es insbesondere aus, die Asylvorbringen hielten 

den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG (SR 

142.31) nicht stand. Den Vollzug der Wegweisung erachtete die Vorinstanz 

als zulässig, zumutbar und möglich. 

G.  

Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 20. November 2017 (Post-

stempel: 21. November 2017) Beschwerde beim Bundesverwaltungsge-

richt und beantragte, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben, es sei 

die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren, even-

tualiter sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig, un-

zumutbar oder unmöglich sei und es sei die vorläufige Aufnahme anzuord-

nen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Verzicht auf die Er-

hebung eines Kostenvorschusses und Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung und Verbeiständung (Akte des Bundesverwaltungsge-

richts [nachfolgend: BVGer-act.] 1). 

Zur Begründung machte er sinngemäss geltend, seine Vorbringen seien 

entgegen den Ausführungen des SEM asylrechtlich relevant. Im Falle einer 

Rückkehr nach Marokko riskiere er, aufgrund seiner Konversion zum Ka-

tholizismus getötet zu werden.  

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Seite 4 

H.  

Mit Schreiben vom 29. November 2017 bestätigte das Bundesverwaltungs-

gericht den Eingang der Beschwerde (BVGer-act. 2).  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und auch vorliegend – end-

gültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG und die TestV nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG; 

Art. 6 und 112b Abs. 2 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG, Art. 38 

TestV i.V.m. Art. 112b Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie 52 VwVG). Auf 

diese ist einzutreten.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der 

Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 

AsylG). 

D-6608/2017 

Seite 5 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung 

eines Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsuchende 

Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile von be-

stimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahr-

scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr ge-

zielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Hei-

matstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind bezie-

hungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung des angefochtenen Entscheids 

aus, die Ausführungen des Beschwerdeführers zu seiner Konversion zum 

Katholizismus seien unsubstantiiert ausgefallen. Indes könne die Frage der 

Glaubhaftigkeit offen gelassen werden, da die behauptete Konversion oh-

nehin keine Asylrelevanz entfalte. Obgleich der Islam in Marokko offizielle 

Staatsreligion sei, garantiere der Staat die freie Ausübung jeden Kultes und 

gewährleiste die Glaubens- und Gewissensfreiheit (vgl. Art. 3 und 25 der 

marokkanischen Verfassung). Apostasie sei in Marokko nicht unter Strafe 

gestellt, solange die neue Religion nicht mittels aktiver Missionarstätigkeit 

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Seite 6 

verbreitet werde (vgl. US-Department of State, 2015 Report on Internatio-

nal Religious Freedom – Morocco, 10. August 2016, abrufbar unter 

<https://www.ecoi.net/local_link/328443/469221_de.html>; Immigration 

and Refugee Board of Canada, Maroc: information sur la situation des per-

sonnes qui abjurent l’islam, Bericht vom 12. August 2014, abrufbar unter 

<http://www.refworld.org/docid/555079804.html>; beide besucht am 

11. Dezember 2017 ). Auch wenn die Konversion zum Christentum gesell-

schaftlich verpönt bleibe und mit dem öffentlichen Ausleben der Religion 

soziale Nachteile zu erwarten seien, würden diese nicht das Ausmass einer 

asylrelevanten Verfolgung annehmen (vgl. das Urteil des BVGer E-

8076/2016 vom 2. Februar 2017 E. 3.3). Daher sei nicht davon auszuge-

hen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Marokko auf-

grund seines Glaubens im Sinne des Asylgesetzes verfolgt würde. Die gel-

tend gemachten Probleme in Italien seien sodann für die Beurteilung des 

Asylgesuchs unwesentlich (vgl. Art. 1 Bst. A Ziff. 2 des Abkommens vom 

28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30] 

i.V.m. Art. 1 Abs. 2 Protokoll vom 31. Januar 1967 über die Rechtsstellung 

der Flüchtlinge [SR 0.142.301]). Vorfälle, die sich in Italien ereignet hätten, 

seien einzig dann geeignet, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, 

wenn diese auch in Marokko zu einer Verfolgungssituation führen würden. 

Aufgrund der Aussagen des Beschwerdeführers könne jedoch nicht darauf 

geschlossen werden, dass dessen Probleme mit der Mafia in Kalabrien in 

Marokko zu Schwierigkeiten führen würden, zumal der von der Mafia an-

geheuerte Mann, der ihn angegriffen habe, sein Geld genommen habe und 

nach der Tat nach Marokko ausgereist sei. Die Verfolgung sei damit abge-

schlossen und es könne darauf verzichtet werden, das angeblich in Italien 

Erlebte einer Glaubhaftigkeitsprüfung zu unterziehen. 

5.2 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Prüfung der Akten zum 

Schluss, dass das SEM die Vorbringen des Beschwerdeführers zu Recht 

als nicht asylrelevant eingestuft hat. Zunächst bestehen aufgrund der un-

substantiierten Aussagen zur Konversion und zur Ausübung des Katholi-

zismus starke Zweifel am tatsächlichen Religionswechsel des Beschwer-

deführers. Sodann vermag der Beschwerdeführer nicht aufzuzeigen, inwie-

fern ihm persönlich aufgrund seiner – in Italien erfolgten – Konversion eine 

asylrelevante Verfolgung in Marokko drohe. Selbst wenn bei einem öffent-

lichen Engagement für den christlichen Glauben mit Diskriminierungen sei-

tens der marokkanischen Gesellschaft gerechnet werden muss, erreicht 

diese nicht die in Art. 3 AsylG geforderte Intensität (vgl. zur Situation der 

Christinnen und Christen und insb. marokkanischer Konvertiten das Urteil 

des BVGer D-7203/2014 vom 7. Dezember 2017 E. 6.2.3). Die Vorinstanz 

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hat mit Verweis auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts 

und auf einschlägige Herkunftslandinformationen somit überzeugend dar-

gelegt, dass der Beschwerdeführer infolge der Ausübung des christlichen 

Glaubens in Marokko keine Nachteile asylrelevanter Intensität zu erwarten 

habe. Schliesslich erweist sich auch der in Italien erlittene Überfall aus den 

im vorinstanzlichen Entscheid genannten Gründen als asylrechtlich nicht 

relevant. 

Nach dem Gesagten hat das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers 

zu Recht gestützt auf Art. 3 AsylG abgewiesen. 

6.  

6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

7.  

Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht 

möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach 

den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 

AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Weg-

weisungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungs-

gerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingsei-

genschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis mög-

lich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 

2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

7.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des 

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Seite 8 

Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-

same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, 

SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder 

unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen 

werden. 

Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf 

hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-

sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Eine Rückkehr des 

Beschwerdeführers nach Marokko ist demnach unter dem Aspekt von 

Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen 

des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er 

für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen 

Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Auch die allgemeine Menschen-

rechtssituation in Marokko lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen 

Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesag-

ten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der 

völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

7.2  Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

Unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Lage, der Menschen-

rechtssituation sowie der allgemeinen Lebensumstände erweist sich eine 

Rückkehr des Beschwerdeführers nach Marokko als zumutbar. Zurzeit be-

steht keine Situation von Krieg, Bürgerkrieg oder allgemeiner Gewalt, auf-

grund welcher eine konkrete Gefährdung angenommen werden müsste. 

Betreffend die individuelle Situation des Beschwerdeführers kann auf die 

zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Vi-act. 

A25/6-9), denen der Beschwerdeführer keine substantiierten Einwände 

entgegenhält. Nötigenfalls steht es ihm offen, bei der Rückkehrberatungs-

stelle medizinische Rückkehrhilfe gemäss Art. 93 AsylG i.V.m. Art. 75 der 

Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 (AsylV 2, SR 142.312) zu beantra-

gen. Diese kann in der Form von Beiträgen zur Durchführung einer medi-

zinischen Behandlung, durch Mitgabe der benötigten Medikamente oder 

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Seite 9 

durch Ausrichtung einer Pauschale für medizinische Leistungen gewährt 

werden. 

Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als 

zumutbar. 

7.3 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

7.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich beurteilt. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 

9.  

9.1 Mit dem Erlass des vorliegenden Urteils wird das Gesuch um Verzicht 

auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos.  

9.2 Die Verfahrenskosten sind durch die unterliegende Partei zu tragen 

(vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer beantragt die Gewäh-

rung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung. Gemäss 

Art. 65 Abs. 1 VwVG befreit die Beschwerdeinstanz eine Partei, die nicht 

über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der 

Verfahrenskosten, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint. Nach 

Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG wird der Partei, die von der Zahlung der Ver-

fahrenskosten befreit wurde, zudem auf Antrag eine amtliche Rechtsbei-

ständin oder ein amtlicher Rechtsbeistand bestellt. Nachdem die Be-

schwerdebegehren bereits aufgrund einer summarischen Prüfung als aus-

sichtlos zu bezeichnen waren, sind die Gesuche ohne Abklärung der finan-

ziellen Bedürftigkeit des Beschwerdeführers abzuweisen. Die auf Fr. 750.– 

festzusetzenden Kosten des vorliegenden Verfahrens (Art. 1–3 des Regle-

ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) sind daher dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen. 

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Ver-

beiständung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG und Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG 

werden abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.- werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Mia Fuchs Simona Risi 

 

 

Versand: