# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 48d51990-7f0a-5c72-b1f0-6dad77f2a113
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-10-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.10.2021 F-4497/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-4497-2021_2021-10-19.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-4497/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 9 .  O k t o b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Einzelrichterin Susanne Genner, 

mit Zustimmung von Richterin Roswitha Petry;   

Gerichtsschreiberin Maria Wende. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Sara Garcia, HEKS Rechtsschutz 

Bundesasylzentren Nordwestschweiz, 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Ver-

fahren); 

Verfügung des SEM vom 5. Oktober 2021 / N (…). 

 

 

 

F-4497/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer ersuchte zusammen mit seiner Lebenspartnerin 

(Verfahrensnummer F-4495/2021) am 13. August 2021 in der Schweiz um 

Asyl. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerab-

druck-Datenbank (Eurodac) ergab, dass er am 10. August 2021 in Slowe-

nien um Asyl ersucht hatte.  

B.  

Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer am 3. September 2021 das 

rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der 

Möglichkeit der Überstellung unter anderem nach Slowenien, dessen Zu-

ständigkeit für die Behandlung des Asylgesuchs grundsätzlich in Frage 

komme. Der Beschwerdeführer führte aus, nicht dorthin zurückkehren zu 

wollen. Er habe bereits in Griechenland zwei Jahre verloren. Er wolle nicht, 

dass sein ganzes Leben eine Reise sei, bei der er nie ankomme. Zum me-

dizinischen Sachverhalt befragt, gab er an, er sei gesund.  

C.  

Die slowenischen Behörden hiessen das Gesuch der Vorinstanz vom 

30. August 2021 um Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 

Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parla-

ments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und 

Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines 

von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied-

staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfol-

gend: Dublin-III-VO), am 7. September 2021 gut. 

D.  

Am 5. Oktober 2021 (eröffnet am selben Tag) trat das SEM auf das Asyl-

gesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete seine Überstellung nach 

Slowenien an und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der 

Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig verfügte es die Aushändigung 

der editionspflichtigen Akten und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde 

gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu. 

E.  

Am 12. Oktober 2021 (Poststempel) gelangte der Beschwerdeführer an 

das Bundesverwaltungsgericht und beantragte, die angefochtene Verfü-

gung sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf das Asylge-

such einzutreten. Eventualiter sei die Sache zwecks rechtsgenüglicher 

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Seite 3 

Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung am die Vorinstanz zurückzu-

weisen. Im Sinne vorsorglicher Massnahmen sei der Beschwerde die auf-

schiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehörde sei anzuweisen, 

von einer Überstellung nach Slowenien abzusehen, bis das Bundesverwal-

tungsgericht über die Erteilung der aufschiebenden Wirkung entschieden 

habe. Des Weiteren ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

Schliesslich seien die Akten seiner Lebenspartnerin beizuziehen und die 

Verfahren zu koordinieren.  

F.  

Am 13. Oktober 2021 ordnete die Instruktionsrichterin einen superproviso-

rischen Vollzugsstopp an.  

G.  

Neben den vorinstanzlichen Akten des Beschwerdeführers zog das Bun-

desverwaltungsgericht die Akten seiner Lebenspartnerin (Verfahrensnum-

mer F-4495/2021) bei.   

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.2. Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 31 ff. 

VGG). Die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs. 

1 VwVG], Frist [Art. 108 Abs. 3 AsylG] und Form [Art. 52 VwVG] sind offen-

sichtlich erfüllt. Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

2.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb 

sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines 

zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e 

AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-

scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

F-4497/2021 

Seite 4 

3.  

3.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

3.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-

gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals 

ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des 

Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich 

keine (neue) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr 

statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1). 

Nachdem die slowenischen Behörden innert der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-

III-VO festgelegten Frist dem Wiederaufnahmegesuch der Vorinstanz zu-

gestimmt haben, ist die Zuständigkeit Sloweniens grundsätzlich gegeben. 

3.3. Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der 

Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkreti-

siert. Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch «aus hu-

manitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-

VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche 

Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE 

2015/9 E. 8.2.1). 

4.  

4.1. Nachfolgend ist zu prüfen, ob das Selbsteintrittsrecht nach Art. 17 Abs. 

1 erster Satz Dublin-III-VO, konkretisiert in Art. 29a Abs. 3 der Asylverord-

nung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311), auszuüben ist. 

4.2. Der Beschwerdeführer führt an, er dürfe nicht von seiner schwangeren 

Lebenspartnerin getrennt werden. Die Verfahren müssten koordiniert wer-

den, damit es nicht zu einer Verletzung von Art. 8 EMRK komme.  

F-4497/2021 

Seite 5 

Mit Urteil vom heutigen Tag wird auch die Beschwerde der Lebenspartnerin 

des Beschwerdeführers (Verfahrensnummer F-4495/2021) abgewiesen 

und ihre Wegweisung nach Slowenien bestätigt. Der Beschwerdeführer 

wird somit nicht von seiner Lebenspartnerin getrennt, weshalb sich die Prü-

fung von Art. 8 EMRK erübrigt.  

4.3. Der Beschwerdeführer macht geltend, er würde mit seiner Lebenspart-

nerin und seinem ungeborenen Kind in Slowenien in eine existentielle Not-

lage geraten. Asylsuchende hätten in Slowenien nur erschwert Zugang 

zum Arbeitsmarkt.  

4.4. Slowenien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 

10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-

kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 

0.142.301) und kommt seinen entsprechenden völkerrechtlichen Verpflich-

tungen nach. Es ist somit anzunehmen, dass dieser Staat die Rechte, die 

sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments 

und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren 

für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. 

Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung 

von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz 

beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben, anerkennt und schützt. Die 

Vorbringen des Beschwerdeführers sind ferner rein abstrakter Natur, hat er 

Slowenien doch verlassen, bevor er überhaupt die Möglichkeit gehabt 

hatte, eine Arbeit anzutreten, was erst nach neun Monaten nach Einrei-

chung des Asylgesuchs möglich gewesen wäre (Asylum Information Data-

base [AIDA], Country Report: Slovenia [2019 update], < https://asylumineu-

rope.org/wp-content/uploads/2020/03/report-download_aida_si_2019up-

date.pdf >, S. 56, abgerufen am 14.10.2021). Zudem sind die Schwierig-

keiten beim Zugang zum Arbeitsmarkt – wie der Beschwerdeführer im Üb-

rigen selbst ausführt – nicht auf die spezifischen Bedingungen in Slowenien 

zurückzuführen, sondern hängen mit mangelnden Sprachkenntnissen, feh-

lenden Ausbildungsnachweisen etc. und damit mit der Situation von Asyl-

suchenden im Generellen zusammen (vgl. dazu auch AIDA, Country Re-

port: Slovenia [2019 update], < https://asylumineurope.org/wp-content/up-

loads/2020/03/report-download_aida_si_2019update.pdf >, S. 56 ff). Der 

Beschwerdeführer vermag nicht darzutun, dass die ihn bei einer Rückfüh-

rung zu erwartenden Bedingungen derart schlecht sind, dass sie zu einer 

Verletzung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta bzw. Art. 3 EMRK führen 

F-4497/2021 

Seite 6 

könnten. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung der ihm zu-

stehenden Aufnahmebedingungen könnte er sich im Übrigen nötigenfalls 

an die slowenischen Behörden wenden und seine Rechte auf dem Rechts-

weg einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie).  

4.5. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers besteht auch kein An-

lass, die Sache an die Vorinstanz zwecks vollständiger Sachverhaltsabklä-

rung zurückzuweisen. Inwiefern die Vorinstanz die Umstände der Lebens-

partnerin des Beschwerdeführers im vorliegenden Verfahren mangelhaft 

berücksichtigt haben soll, legt der Beschwerdeführer nicht dar und ist auch 

nicht ersichtlich (vgl. dazu auch das Urteil vom heutigen Tag F-4495/2021). 

Der Eventualantrag auf Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung an die 

Vorinstanz ist deshalb abzuweisen. 

4.6. Die Vorinstanz hat somit das Selbsteintrittsrecht von Art. 17 Dublin-III-

VO sowie Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 zu Recht nicht ausgeübt. Weder ist die 

Schweiz völkerrechtlich verpflichtet, auf das Asylgesuch einzutreten, noch 

liegen humanitäre Gründe vor, welche einen Selbsteintritt nahelegen wür-

den.  

5.  

Die Vorinstanz ist demnach zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten und 

hat die Wegweisung nach Slowenien angeordnet. 

6.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Mit dem vorliegen-

den Urteil fällt der am 13. Oktober 2021 angeordnete Vollzugsstopp dahin. 

Das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ist gegenstandslos 

geworden.   

7.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 

Abs. 1 VwVG) ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorste-

henden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind. Die Ver-

fahrenskosten sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 

VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

8.  

Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

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Seite 7 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.–  werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Susanne Genner Maria Wende 

 

 

Versand: