# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 48f4cd44-dcaa-571d-874a-2bb58782a31e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-08-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.08.2020 F-2385/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-2385-2017_2020-08-20.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-2385/2017 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 0 .  A u g u s t  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), 

Richterin Jenny de Coulon Scuntaro,  

Richter Andreas Trommer,    

Gerichtsschreiber Daniel Grimm. 
 

 
 

Parteien 
 A._______,    

vertreten durch Rechtsanwältin Claudia Gerber,  

Beschwerdeführer,  

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,  

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Entzug des Reiseausweises für Flüchtlinge. 

 

 

 

F-2385/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der aus Eritrea stammende Beschwerdeführer (geb. […]) stellte am 

10. Dezember 2009 ein Asylgesuch aus dem Ausland gemäss aArt. 20 

AsylG (SR 142.31). Das damalige Bundesamt für Migration (BFM; heute: 

SEM) bewilligte ihm am 9. September 2010 die Einreise in die Schweiz 

zwecks Durchführung eines ordentlichen Asylverfahrens. Am 2. August 

2010 reiste er in die Schweiz ein, wo er gleichentags um Asyl ersuchte. Mit 

Verfügung vom 17. August 2011 hielt die Vorinstanz fest, dass der Be-

schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 Abs. 1 und AsylG 

erfülle und gewährte ihm in der Schweiz Asyl (vgl. Akten des Migrations-

dienstes des Kantons Bern [BE act.] pag. 35 – 37). Auf Gesuch hin wurde 

ihm am 11. April 2013 daraufhin ein bis zum 10. April 2018 gültiger Reise-

ausweis für Flüchtlinge ausgestellt.  

B.  

B.a In der Zeit von Mai 2013 bis Februar 2015 geriet der Beschwerdeführer 

wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt. Die insgesamt 17 Verurteilungen er-

folgten hauptsächlich wegen Widerhandlungen gegen das Personenbeför-

derungsgesetz, ausserdem dreimal wegen Diebstahls bzw. geringfügigen 

Diebstahls sowie je einmal wegen unrechtmässiger Aneignung, ausländer-

rechtlicher Verstösse und Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrs-

gesetzgebung. Die Verfehlungen zogen jeweils Bussen zwischen Fr. 40.– 

und Fr. 400.– oder kurze Ersatzfreiheitsstrafen nach sich. 

B.b Am 24. Juli 2015 wurde der Beschwerdeführer vom Regionalgericht 

Bern-Mittelland wegen Raubes, sexueller Nötigung, mehrfachen Dieb-

stahls, Nötigung, mehrfachen Hausfriedensbruchs, sexueller Belästigung, 

fahrlässiger Störung des Eisenbahnverkehrs, Gewalt und Drohung gegen 

Behörden und Beamte, Tätlichkeit, mehrfachen geringfügigen Diebstahls, 

mehrfachen Widerhandlungen gegen das Eisenbahngesetz, Widerhand-

lungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, mehrfachen Widerhandlungen 

gegen das Personenbeförderungsgesetz, mehrfachen unanständigen Be-

nehmens sowie Wegwerfens von Kleinabfällen zu einer unbedingten Frei-

heitsstrafe von 24 Monaten verurteilt, unter Anrechnung der Polizei-, Un-

tersuchungs- und Sicherungshaft sowie des vorzeitigen Massnahmenvoll-

zugs von 445 Tagen. Mit gleichem Urteil sprach das Regionalgericht eine 

Übertretungsbusse von Fr. 2000. – aus und ordnete eine stationäre thera-

peutische Massnahme nach Art. 59 StGB an (BVGer act. 23).  

Dieses Urteil erwuchs unangefochten in Rechtskraft.  

F-2385/2017 

Seite 3 

B.c Die stationäre Massnahme wurde vom 6. Mai 2015 bis 23. November 

2015 in den Anstalten Thorberg vollzogen, danach überwies die Abteilung 

Straf- und Massnahmenvollzug des Kantons Bern den Betroffenen in die 

Psychiatrische Klinik Königsfelden, wo er – mit Unterbrüchen – seither un-

tergebracht war (BE act. pag. 188 – 196).  

C.   

Am 26. August 2016 widerrief das SEM gestützt auf Art. 63 Abs. 2 AsylG 

das dem Beschwerdeführer gewährte Asyl (BE act. pag. 225 – 231). 

Gleichzeitig hielt das Staatssekretariat fest, der Asylwiderruf erstrecke sich 

nicht auf die Flüchtlingseigenschaft, weshalb er weiterhin dem Abkommen 

vom 28. Juli 1951 über die Rechtstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) 

unterstehe. Dagegen legte der Betroffene am 28. September 2016 ein 

Rechtsmittel ein. 

D.  

Während der Rechtshängigkeit des Beschwerdeverfahrens i.S. Asylwider-

ruf teilte das SEM dem Beschwerdeführer am 23. November 2016 mit, 

dass erwogen werde, ihm seinen Reiseausweis für Flüchtlinge zu entzie-

hen und gewährte ihm hierzu das rechtliche Gehör (Akten der Vorinstanz 

[SEM act.] B10). Der Beschwerdeführer, neu mandatiert durch die Partei-

vertreterin, machte vom Äusserungsrecht am 16. Dezember 2016 Ge-

brauch (SEM act. B11). 

E.  

Mit Verfügung vom 28. März 2017 entzog das SEM dem Beschwerdeführer 

den Reiseausweis für anerkannte Flüchtlinge. Mit dem Entzug verband es 

die Anordnung, das Dokument innert 30 Tagen ab Eröffnung der Vorinstanz 

zurückzugeben (SEM act. B14).  

F.  

Mit Rechtsmitteleingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 24. April 

2017 beantragt der Beschwerdeführer die Aufhebung der angefochtenen 

Verfügung (BVGer act. 1). In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersucht er um 

Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung (BVGer act. 2). 

Das Rechtsmittel war mit einer Kopie des Dispositivs des Strafurteils vom 

24. Juli 2015 und einem psychiatrischen Gutachten des Instituts für 

Rechtsmedizin der Universität Bern vom 30. Dezember 2014 ergänzt. 

F-2385/2017 

Seite 4 

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 2. Mai 2017 gab das Bundesverwaltungsge-

richt dem Antrag auf Durchführung einer Parteibefragung nicht statt, 

räumte dem Beschwerdeführer jedoch die Möglichkeit ein, stattdessen 

eine entsprechende schriftliche Stellungnahme einzureichen (BVGer 

act. 4).  

Mit Schreiben vom 16. Mai 2017 teilte die Parteivertreterin mit, dass ihr 

Mandant auf eine schriftliche Stellungnahme verzichte (BVGer act. 5). 

H.  

Mit verfahrensleitender Anordnung vom 7. Juni 2017 verwies das Bundes-

verwaltungsgericht den Entscheid über das Gesuch um unentgeltliche 

Rechtspflege und Verbeiständung auf einen späteren Zeitpunkt (BVGer 

act. 7). 

I.  

Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 23. Juni 2017 auf 

Abweisung der Beschwerde (BVGer act. 8). 

J.  

Replikweise hält der Beschwerdeführer am 22. August 2017 am einge-

reichten Rechtsmittel, den Rechtsbegehren und deren Begründung fest 

(BVGer act. 12). 

Der Replik lag ein Schreiben der Bewährungs- und Vollzugsdienste des 

Kantons Bern vom 7. August 2017 betreffend Therapieverlauf bei. 

K.  

Mit Urteil vom 15. März 2018 wies das Bundesverwaltungsgericht die ge-

gen den Widerruf des Asyls erhobene Beschwerde ab (Urteil E-5956/2016, 

BE act. pag. 271 – 287). 

L.  

Am 14. September 2018 verfügte der Migrationsdienst des Kantons Bern 

den Widerruf bzw. die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung des 

Beschwerdeführers und wies ihn aus der Schweiz weg. Anstelle des Voll-

zugs der Wegweisung beantragte die kantonale Migrationsbehörde beim 

SEM die Erteilung der vorläufigen Aufnahme (BE act. pag. 321 – 329). We-

gen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs wurde der Beschwerdefüh-

rer von der Vorinstanz am 5. November 2018 vorläufig aufgenommen.  

F-2385/2017 

Seite 5 

M.  

Die unterzeichnende Richterin hat anfangs Dezember 2018 die Instruktion 

dieses Verfahrens übernommen, nachdem der ursprünglich zuständige 

Richter aus dem Gericht ausgetreten ist. 

N.  

Mit verfahrensleitender Anordnung vom 11. Oktober 2019 wurde dem Be-

schwerdeführer die Möglichkeit eingeräumt, den Sachverhalt zu aktualisie-

ren und abschliessende Bemerkungen anzubringen (BVGer act. 17). 

Unter Verweis auf ein ausstehendes Zusatzgutachten, welches die Bewäh-

rungs- und Vollzugsdienste des Kantons Bern am 30. April 2019 in Auftrag 

gegeben hatten, ersuchte die Parteivertreterin am 7. November 2019 um 

Sistierung des Verfahrens (BVGer act. 20).  

O.  

Mit Zwischenverfügung vom 20. November 2019 gab das Bundesverwal-

tungsgericht dem Sistierungsgesuch nicht statt (BVGer act. 21). 

P.  

Am 21. April 2020 lud das Bundesverwaltungsgericht die Parteien gestützt 

auf Art. 57 Abs. 2 VwVG zu einem zweiten Schriftenwechsel ein (BVGer 

act. 24).  

Darauf Bezug nehmend, äusserte sich die Vorinstanz im Rahmen der er-

gänzenden Vernehmlassung am 14. Mai 2020 ebenfalls zu Art. 28 FK 

(BVGer act. 25).  

Die Parteivertreterin verzichtete mit Schreiben vom 15. Juni 2020 auf eine 

Stellungnahme und verwies auf ihre bisherigen Ausführungen (BVGer 

act. 27). 

Q.  

Mit Beschluss der Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 3. Juli 2020 wurde 

das Gesuch um Fortführung der stationären therapeutischen Massnahme 

abgewiesen, worauf der Beschwerdeführer von der kantonalen Strafvoll-

zugbehörde per 23. Juli 2020 aus dem Strafvollzug entlassen wurde 

(BVGer act. 28). 

R.  

Auf den weiteren Akteninhalt – einschliesslich der beigezogenen Akten des 

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Seite 6 

Migrationsdienstes des Kantons Bern – wird, soweit rechtserheblich, in den 

Erwägungen eingegangen. 

  

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Verfügungen der Vorinstanz, welche die Ausstellung und den Entzug 

von Reisedokumenten für ausländische Personen betreffen, sind mit Be-

schwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 31 ff. VGG 

i.V.m. Art. 5 VwVG). Dieses entscheidet in der vorliegenden Materie end-

gültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 6 BGG). 

1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet 

sich nach dem VwVG, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt (Art. 37 

VGG). 

1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde le-

gitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Verfahrensgegenstand bildet der am 

28. März 2017 verfügte Entzug des ihm ausgestellten Reiseausweises für 

anerkannte Flüchtlinge. Der in Anwendung von Art. 59 des Ausländer- und 

Integrationsgesetzes (AIG, SR 142.20) entzogene Reiseausweis ist am 

10. April 2018 abgelaufen. Der Beschwerdeführer hat jedoch jederzeit die 

Möglichkeit, ein neues Gesuch um Ausstellung eines Reiseausweises für 

Flüchtlinge einzureichen. Da sowohl die Prüfung eines Gesuches als auch 

der Entzug eines solchen Reisedokuments auf der Grundlage von Art. 59 

AIG erfolgt, ist von einem fortbestehenden Rechtsschutzinteresse auszu-

gehen. Im dargelegten Rahmen ist auf das frist- und formgerecht einge-

reichte Rechtsmittel einzutreten (vgl. Art. 50 und 52 VwVG).  

2.  

Die Ausstellung bzw. Verweigerung von Reisedokumenten an schriftenlose 

ausländische Personen hat ihre gesetzliche Grundlage in Art. 59 AIG. Die-

ser ist inhaltlich identisch mit Art. 59 des Ausländergesetzes (AuG), wel-

ches auf den 1. Januar 2019 hin eine namentliche und inhaltliche Anpas-

sung erfuhr. Diese Norm, wie auch die einschlägigen Bestimmungen der 

Verordnung über die Ausstellung von Reisedokumenten für ausländische 

Personen vom 14. November 2012 (RDV, SR 143.5), werden in der aktuell 

gültigen Fassung zitiert.  

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Seite 7 

3.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann vorliegend die 

Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Miss-

brauch des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des 

rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Unangemessenheit gerügt wer-

den (vgl. Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Be-

schwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss 

Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und 

kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Grün-

den gutheissen oder abweisen. Massgeblich ist grundsätzlich die Sachlage 

zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.). 

4.  

Den in der Beschwerdeschrift vom 24. April 2017 gestellten Beweisantrag 

auf eine Parteibefragung hat das Bundesverwaltungsgericht mit Zwischen-

verfügung vom 2. Mai 2017 abgewiesen. Der Beschwerdeführer erhielt in-

des Gelegenheit, hierzu eine schriftliche Stellungnahme einzureichen, wo-

rauf er ausdrücklich verzichtete (siehe Sachverhalt Bst. G). Der entscheid-

wesentliche Sachverhalt ist, wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird, denn 

hinreichend erstellt. 

5.  

Das schweizerische Ausländerrecht kennt verschiedene Kategorien von 

Reisedokumenten für schriftenlose Ausländerinnen und Ausländer (vgl. 

Auflistung unter Art. 1 RDV). Deren Erteilung liegt bei gegebenen Voraus-

setzungen teils im Ermessen des SEM (Art. 59 Abs. 1 AIG), teils beruht sie 

auf einem Anspruch (Art. 59 Abs. 2 AIG). Einen Anspruch haben ausländi-

sche Personen, welche die Flüchtlingseigenschaft im Sinne der FK erfüllen 

(Art. 59 Abs. 2 Bst. a AIG), von der Schweiz als Staatenlose anerkannt sind 

(Art. 59 Abs. 2 Bst. b AIG) oder schriftenlos sind und eine Niederlassungs-

bewilligung besitzen (Art. 59 Abs. 2 Bst. c AIG). Für eine schriftenlose aus-

ländische Person mit Flüchtlingsstatus in der Schweiz sieht die RDV den 

«Reiseausweis für Flüchtlinge» vor (Art. 3 Abs. 1 Bst. a RDV). Keinen An-

spruch auf ein Reisepapier hat gemäss Art. 59 Abs. 3 AIG, wer erheblich 

oder wiederholt gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der 

Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese gefährdet oder die in-

nere oder äussere Sicherheit der Schweiz gefährdet. Die Bestimmung 

nennt weitere, hier nicht zu erörternde Ausschlussgründe. 

   

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Seite 8 

6.  

6.1  

Das SEM vertritt in der angefochtenen Verfügung die Auffassung, dass der 

Beschwerdeführer sowohl erheblich als auch wiederholt gegen die öffent-

liche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz verstossen habe. Beim Raub 

und der sexuellen Nötigung handle es sich um Verbrechen gemäss Art. 10 

Abs. 2 StGB. Die beiden verübten Verbrechen beinhalteten einen Übergriff 

auf die körperliche, sexuelle und psychische Integrität von Drittpersonen 

und würden daher besonders schwer wiegen. Hinzu komme einer Reihe 

weiterer Delikte, welche in ihrer Gesamtheit auf eine gewisse Renitenz des 

Betroffenen schliessen liessen. Es müsse deshalb davon ausgegangen 

werden, dass er auch in Zukunft eine fortdauernde Gefahr für die öffentli-

che Sicherheit und Ordnung darstelle. Die Schlussfolgerung der Rechts-

vertreterin, wonach die psychische Krankheit des Beschwerdeführers und 

seine negativen Erlebnisse auf der Flucht zur Ausübung dieser Taten bei-

getragen hätten, vermöge nichts an der Tatsache zu ändern, dass er hier-

zulande wiederholt schwere Straftaten begangen habe. Trotz der ihm at-

testierten schwergradig verminderten Schuldfähigkeit sei er denn zu einer 

unbedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Der von der 

Parteivertreterin angerufene Art. 62 Abs. 2 AIG beziehe sich derweil auf 

andere Sachverhalte (Entzug von Bewilligungen) und könne nicht heran-

gezogen werden. Die in der fraglichen Norm erwähnte Landesverweisung 

gelange im Übrigen nur bei Straftaten zur Anwendung, welche nach dem 

1. Oktober 2016 begangen worden seien. Die Voraussetzungen für die 

Ausstellung eines Reiseausweises für Flüchtlinge seien zusammenfas-

send nicht mehr erfüllt (SEM act. B14). 

In der Vernehmlassung vom 23. Juni 2017 hebt die Vorinstanz hervor, dass 

der Entzug des Reiseausweises keine zusätzliche Sanktion der Straftaten 

bedeute, sondern die Verhinderung deliktischer Tätigkeit, vor allem auch 

im Ausland, bezwecke. Es sei nicht ihre Aufgabe, die Schuldfähigkeit des 

der verurteilten Person oder die Schwere der begangenen Taten neu zu 

beurteilen (BVGer act. 8). In der ergänzenden Vernehmlassung vom 

14. Mai 2020 verweist das SEM schliesslich darauf, dass der Ausstellung 

von Reisepapieren auch gemäss Art. 28 FK keine zwingenden Gründe der 

Staatssicherheit oder öffentlichen Ordnung entgegenstehen dürften 

(BVGer act. 25). 

6.2 Der Beschwerdeführer lässt in der Rechtsmitteleingabe vom 24. April 

2017 im Wesentlichen dagegen vorbringen, für den Entscheid über den 

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Seite 9 

Entzug eines Reisedokuments gelte es die konkreten Taten und die Ge-

samtumstände des Einzelfalles zu beachten. In seinem Fall betreffe dies 

einerseits die negativen Erlebnisse, welche er in seinem Herkunftsland und 

auf der Flucht erlebt habe, andererseits sei er psychisch krank. Hinzu 

komme, dass sich einige seiner zwölf Geschwister und damit ein wichtiger 

Teil seines sozialen Netzes in der Schweiz befänden. Dem gerichtlich an-

geordneten psychiatrischen Gutachten vom 30. Dezember 2014 könne 

entnommen werden, dass bei ihm zum Zeitpunkt der Begehung der Taten 

eine schwere paranoide Schizophrenie vorgelegen habe, welche zumin-

dest ursächlich, wenn nicht sogar Auslöser für die verübten Taten gewesen 

sei. Es sei davon auszugehen, dass insbesondere der Cannabis- und Al-

koholkonsum bei einigen Delikten auch eine Rolle gespielt habe. Das Gut-

achten habe bei ihm denn eine schwergradig verminderte Schuldfähigkeit 

festgestellt. Dieser Einschätzung habe sich das Regionalgericht Bern-Mit-

teland im Urteil vom 24. Juli 2015 angeschlossen und seine psychische 

Erkrankung mitberücksichtigt. Im Rahmen der Behandlung, welche in der 

stationären Massnahme durchgeführt worden sei, so der Beschwerdefüh-

rer weiter, habe sich sein Zustand stabilisiert und die psychische Erkran-

kung habe unter der Medikation zeitweilig remittiert. Mit der Behandlung 

der Erkrankung, welche immer noch Auswirkungen zeitige, lasse sich die 

Gefahr neuer Taten zumindest vermindern. Zu den Taten lasse sich aus-

serdem bemerken, dass die Tatfolgen selbst bei den schwereren Delikten 

von moderater Gravität gewesen seien. So sei das Opfer bei der sexuellen 

Nötigung äusserlich nicht verletzt worden und auch der Raub habe keine 

besonders schweren Auswirkungen gehabt. Obgleich das Kriterium eines 

Verbrechens formal erfüllt sei, erscheine es fraglich, ob tatsächlich ein er-

heblicher Verstoss gegen die Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 59 

Abs. 3 AIG vorliege. Seiner Ansicht nach mangle es an der dafür notwen-

digen Intensität der Delikte und aufgrund der konkreten Umstände an der 

besonderen Verwerflichkeit des Handelns. Dank der Behandlung der psy-

chischen Erkrankung bestehe begründete Hoffnung, die Gefahr weiterer 

Taten deutlich senken zu können. Das SEM habe den Entzug des Reise-

dokuments daher zu Unrecht angeordnet.  

Im Übrigen, so die Parteivertreterin abschliessend, erweise sich besagter 

Eingriff als nicht geeignet, um einen erneuten Verstoss gegen die öffentli-

che Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland zu verhindern. 

Der Beschwerdeführer könne erst bei erfolgreich verlaufener Behandlung 

und positiver Legalprognose aus der stationären Massnahme entlassen 

werden. Auch die Kriterien der Erforderlichkeit und Zumutbarkeit seien 

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Seite 10 

nicht gegeben, weswegen der Entzug des Reisedokuments aufgrund sei-

ner gesamten Situation als unverhältnismässig zu beurteilen sei.  

7.    

7.1 Verfahrensgegenstand bildet der Entzug eines «Reiseausweises für 

Flüchtlinge», der dem schriftenlosen Beschwerdeführer gestützt auf Art. 3 

Abs. 1 Bst. a RDV ausgestellt worden war. Sowohl die Vorinstanz als auch 

die Parteivertreterin berufen sich in ihrer Argumentation hauptsächlich bzw. 

ausschliesslich auf Art. 59 Abs. 3 AIG. Ist wie vorliegend der Rechtsan-

spruch eines Flüchtlings streitig, muss die genannte Bestimmung – in An-

lehnung an die FK – aber völkerrechtskonform ausgelegt werden. 

7.2 Aus dem Sachverhalt geht hervor, dass das damalige BFM den Be-

schwerdeführer am 17. August 2011 in Anwendung von Art. 3 AsylG als 

Flüchtling anerkannt hat (BE act. pag. 35 – 37). Der Flüchtlingsbegriff ge-

mäss Art. 3 AsylG stimmt inhaltlich mit demjenigen von Art. 1 A Ziff. 2 FK 

überein (vgl. dazu BVGE 2008/34 E. 5.1 m.H.). Weil der Beschwerdeführer 

straffällig geworden war, wurde ihm zwar mit Verfügung vom 26. August 

2016 gestützt auf Art. 63 Abs. 2 AsylG das Asyl widerrufen. Die Flüchtlings-

eigenschaft wurde dadurch jedoch nicht tangiert, was in der fraglichen, in-

zwischen rechtskräftigen Verfügung ausdrücklich festgehalten wurde (BE 

act. pag. 225 – 231). Gemäss Art. 28 Ziff. 1 FK stellen die vertragsschlies-

senden Staaten den Flüchtlingen, welche sich rechtmässig auf ihrem Ge-

biet aufhalten, Reiseausweise aus, die ihnen Reisen ausserhalb dieses 

Gebietes gestatten. Dementsprechend hat der Beschwerdeführer grund-

sätzlich Anspruch auf Ausstellung eines Reiseausweises für Flüchtlinge.  

7.3 Der Anspruch auf Ausstellung eines Reiseausweises steht nach Art. 28 

Ziff. 1 FK indes unter dem Vorbehalt, dass «keine zwingenden Gründe der 

Staatssicherheit oder öffentlichen Ordnung entgegenstehen». Gemäss 

dem dieser Konventionsbestimmung nachgebildeten Art. 59 Abs. 3 AIG be-

steht, wie angetönt (siehe E. 5 hiervor), kein Anspruch auf Ausstellung von 

Reisepapieren bei einem erheblichen oder wiederholten Verstoss gegen 

die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland  

oder einer entsprechenden Gefährdung sowie bei einer Gefährdung der 

inneren oder äusseren Sicherheit der Schweiz. Die ratio legis des Vorbe-

halts der FK sowie folglich von Art. 59 Abs. 3 AIG besteht darin, einem Ver-

tragsstaat die Möglichkeit offenzuhalten, einem Flüchtling die Ausstellung 

eines Reiseausweises zu verweigern, wenn Anlass zur Befürchtung be-

steht, dass der Ausweis, um dessen Ausstellung ersucht wird, zu Zwecken 

verwendet werden könnte, für welche er offensichtlich nicht vorgesehen 

F-2385/2017 

Seite 11 

sein kann. Entsprechend ist davon auszugehen, dass die Ausstellung na-

mentlich dann verweigert werden kann, wenn Grund zur Annahme besteht, 

dass der Ausweis für deliktische Tätigkeit benutzt werden könnte. Analoges 

gilt im Fall eines Entzugs des Ausweises. Daraus ergibt sich, dass der An-

spruchsvorbehalt von Art. 59 Abs. 3 AIG mit der FK vereinbar ist (zum Gan-

zen vgl. BVGE 2009/26 E. 4 m.H.). Im Einzelfall ist dies unter Berücksich-

tigung der infrage stehenden Interessen abzuwägen (vgl. MARC SPESCHA, 

in: Kommentar Migrationsrecht, 5. Aufl. 2019, Art. 59 AIG, Rz. 6). 

7.4 Aufgrund dessen kann das öffentliche Interesse an der Wahrung der 

öffentlichen Sicherheit und Ordnung zur Verweigerung eines Reisedoku-

ments oder zu dessen Entzug führen. Voraussetzung dafür ist, dass der 

Verhältnismässigkeitsgrundsatz gewahrt wird (siehe SPESCHA, a.a.O., 

Art. 59 AIG, Rz. 6). Tritt nach Ausstellung des Reisedokuments eine Situa-

tion ein, die unter dem Gesichtspunkt der öffentlichen Sicherheit und Ord-

nung die Ausstellung eines solchen verbietet, ist das Dokument nach den 

Grundsätzen der Anpassung von Dauerverfügungen an einen veränderten 

Sachverhalt zu entziehen. Die entsprechende Rechtsgrundlage findet sich 

in Art. 22 Abs. 1 Bst. a RDV, weil in einer solchen Situation die ausländische 

Person die Voraussetzungen für die Ausstellung des Reisedokuments nicht 

mehr erfüllt (siehe auch BVGE 2018 VII/2 E. 6.2). 

8.  

8.1 Dass der Beschwerdeführer gegen die öffentliche Sicherheit und Ord-

nung verstossen hat, lässt sich nicht in Abrede stellen (zum Begriff der öf-

fentlichen Sicherheit und Ordnung vgl. Art. 77a Abs. 1 Bst. a der Verord-

nung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätig-

keit [VZAE, SR 142.201], inhaltlich identisch mit Art. 80 Abs. 1 VZAE in der 

bis zum 31. Dezember 2018 geltenden Fassung). Der in Art. 59 Abs. 3 AIG 

genannte Anspruchsvorbehalt verlangt jedoch erhebliche oder wiederholte 

Verletzungen bzw. eine entsprechend ernsthafte Gefährdung der öffentli-

chen Sicherheit und Ordnung. Die weitaus gravierendsten Straftaten liegen 

dem Urteil des Regionalgerichts Bern-Mitteland vom 24. Juli 2015 zu 

Grunde (im Einzelnen siehe Sachverhalt Bst. B.b). Für die geringfügigeren 

Delikte genügt der Verweis auf die Auflistung im Urteil E-5956/2016 i.S. 

Asylwiderruf (BE act. pag. 271 – 287). Vier der Delikte, für welche der Be-

schwerdeführer im fraglichen Urteil für schuldig befunden wurde (Raub, se-

xuelle Nötigung, zwei Diebstähle), betreffen Straftatbestände, die als Ver-

brechen im Sinne von Art. 10 Abs. 2 StGB ausgestaltet sind. Die Tatbe-

stände des Raubes und der sexuellen Nötigung unterliegen der abstrakten 

Strafandrohung einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren. Hinzu kommt 

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Seite 12 

eine grosse Anzahl weiterer, geringfügigerer Straftaten. Aufgrund der Ver-

letzung hochwertiger Rechtsgüter (körperliche und sexuelle Integrität, Frei-

heit, Leib und Leben) sowie der kontinuierlichen Delinquenz über mehrere 

Jahre hinweg ist sowohl von erheblichen als auch wiederholten Verstössen 

gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung auszugehen. 

8.2 Die Versuche der Parteivertreterin, die schwersten Straftaten ihres 

Mandanten zu relativieren, erweisen sich als unbehelflich. Insbesondere 

der Argumentation, bei der sexuellen Nötigung habe das Opfer keine 

äusseren Verletzungen davongetragen und der Raub habe keine beson-

ders schweren Auswirkungen gezeitigt, kann nicht gefolgt werden. So of-

fenbart nur schon der Umstand, dass der Beschwerdeführer das Opfer bei 

dem von ihm am 6. Januar 2014 begangenen Raub mit einem Kabel ge-

würgt hat, ein beachtliches Gefährdungspotenzial (vgl. Rapport der Kan-

tonspolizei Bern vom 6. Januar 2014 zu vorläufiger Festnahme mit dazu-

gehörigem Anzeigerapport vom 7. Januar 2014, BE act. pag. 61 – 65). Ab-

gesehen davon wird verkannt, dass die Auswirkungen bei Opfern einer se-

xuellen Nötigung oder eines Raubes ebenso sehr psychischer Natur sein 

können. Daran ändern die wiederholten Hinweise auf die psychische Er-

krankung des Beschwerdeführers nichts. Das der Beschwerdeschrift bei-

gelegte psychiatrische Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Uni-

versität Bern vom 30. Dezember 2014 (siehe BVGer 1, Beilage 1) hat das 

Regionalgericht Bern-Mittelland im Rahmen der Strafzumessung und der 

Anordnung einer stationären Massnahme, wie die Rechtsvertreterin selber 

einräumt, bereits mitberücksichtigt. Trotz der dem Betroffenen in diesem 

Gutachten attestierten schweren Einschränkung der Schuldfähigkeit verur-

teilte ihn das Strafgericht zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von zwei 

Jahren. Dieses Strafmass berechtigt zweifelsohne zur Annahme erhebli-

cher und wiederholter Verstösse gegen die öffentliche Sicherheit und Ord-

nung bzw. einer Gefährdung derselben. Zu ergänzen wäre, dass selbst das 

angebliche soziale Netz in der Schweiz (laut Rechtsmitteleingabe «einige 

seiner zwölf Geschwister») den Beschwerdeführer damals nicht an fortge-

setzter Delinquenz hinderte.  

8.3 Der Beschwerdeführer befand sich seit dem 6. Mai 2015 in einer stati-

onären therapeutischen Massnahme. Diese durchlief er in verschiedenen 

Institutionen. Eine therapeutische (sichernde) Massnahme zur Behandlung 

einer diagnostizierten Persönlichkeitsstörung im Sinne von Art. 59 Abs. 1 

StGB, welche grundsätzlich vor der Strafe vollzogen wird (Art. 57 Abs. 2 

StGB, vgl. Ziff. 1 al. 4 des Urteils vom 24. Juli 2015), ordnet das Strafgericht 

an, wenn eine Strafe allein nicht geeignet ist, der Gefahr weiterer Straftaten 

F-2385/2017 

Seite 13 

zu begegnen, wenn ein Behandlungsbedürfnis besteht oder die öffentliche 

Sicherheit dies erfordert und die Voraussetzungen von Art. 59 StGB erfüllt 

sind (Art. 56 Abs. 1 StGB). Nur schon wegen dieser stationären Mass-

nahme steht einem Entzug des Reiseausweises nichts entgegen.   

8.4 Zur Entwicklung des psychischen Zustandes ihres Mandanten äus-

serte sich die Parteivertreterin dahingehend, seine diesbezügliche Verfas-

sung habe sich stabilisiert und die psychische Erkrankung teilweise nach-

gelassen. In der Replik vom 22. August 2027 fügte sie an, der Beschwer-

deführer habe in der Zwischenzeit einen grossen Teil des Weges zur voll-

ständigen Genesung hinter sich gebracht. In diesem Zusammenhang 

reichte sie ein Schreiben der Bewährungs- und Vollzugsdienste des Kan-

tons Bern vom 7. August 2017 ein. Darin ist zwar von einer Stabilisierung 

und deutlich verbesserten Behandelbarkeit des Insassen die Rede, was 

entsprechende Vollzugslockerungen erlaube (BVGer act. 12, Beilage 1). 

Die bedingte Entlassung des Beschwerdeführers aus der stationären Mas-

snahme wurde von der gleichen Behörde am 1. September 2017, wegen 

noch fehlender Krankheits- und Behandlungseinsicht, allerdings verweigert 

(BE act. pag. 260 – 266).  

Der seitherige Verlauf des Massnahmenvollzugs spricht ebenfalls für eine 

nach wie vor nicht unerhebliche Rückfallgefahr. So attestierten ihm die Be-

währungs- und Vollzugsdienste des Kantons Bern in einer Verfügung vom 

14. August 2018 betreffend Verweigerung der bedingten Entlassung wie-

derum fehlende Krankheits- und Behandlungseinsicht. Bei einem Wegfall 

der Strukturen sei von einem unverändert hohen Rückfallrisiko auszuge-

hen. Bis dahin befand sich der Betroffene ununterbrochen auf einer ge-

schlossenen Station (BE act. pag. 309 – 316). Wohl ordnete die zuständige 

Behörde am 22. Februar 2019 die Verlegung in eine offene Institution an 

(BE act. pag. 354 – 359), schon am 2. Juli 2019 erfolgte indes die Rück-

verlegung in den geschlossenen Vollzug. Der entsprechenden Verfügung 

der Bewährungs- und Vollzugsdienste des Kantons Bern zufolge haben 

sich seit der Verlegung des Beschwerdeführers in den offenen Vollzug im-

mer wieder Krisen abgezeichnet. So habe er von der Vollzugsbehörde am 

10. April 2019 schriftlich verwarnt werden müssen, nachdem es wiederholt 

zu konfliktbehafteten Situationen (Arbeitsverweigerungen, schwierige Ge-

spräche, widersprüchliche Äusserungen, Nichteinhalten von Abmachun-

gen im Alltagsgeschehen) gekommen sei. Was den weiteren Massnah-

menvollzug angehe, sei er überhaupt nicht mehr zu motivieren. Am letzten 

Juniwochenende 2019 habe sich zudem ein kritischer Vorfall zugetragen. 

F-2385/2017 

Seite 14 

Der Beschwerdeführer habe damals viel Alkohol konsumiert und gegen-

über einem Mitinsassen Morddrohungen ausgesprochen. Gesamthaft 

zeige sich eine prekäre Situation. Bereits zum Zeitpunkt der Straftaten 

habe der Alkoholkonsum im Vordergrund gestanden. Es sei davon auszu-

gehen, dass sich die Legalprognose umgehend verschlechtere, sobald er 

Alkohol (oder andere Substanzen) zu sich nehme (vgl. BE act. pag. 363 – 

368 sowie ergänzend Beilage 1 zu BVGer act. 20). Seither ist nichts zu den 

Akten hinzugekommen, was den Beschwerdeführer zu entlasten ver-

möchte. Im Gegenteil wurde er am 23. Juli 2020 bedingt aus der stationä-

ren Massnahme entlassen. Laut dem entsprechenden Beschluss des Re-

gionalgerichts Bern-Mittelland vom 3. Juli 2020 erfolgte dieser Schritt, weil 

die Fortführung der Massnahme – insbesondere aufgrund des unklaren 

Zusammenhangs zwischen psychischer Störung und Anlasstaten, des bis-

herigen Behandlungsverlaufs und da auch nach weiteren Jahren Behand-

lung eine bedingte Entlassung voraussichtlich nicht zu erreichen sein 

werde – nicht erfolgversprechend erscheine (BVGer act. 28). 

8.5 Gegen den verfügten Ausweisentzug spricht in den Augen der Partei-

vertreterin ferner das Gebot der Verhältnismässigkeit. Dass die angefoch-

tene Verfügung geeignet ist, die Gefahr künftiger Verstösse gegen die öf-

fentliche Sicherheit und Ordnung im In- oder Ausland zu bannen, wurde 

eben dargetan. Sie ist, obwohl sich der Beschwerdeführer bis vor kurzem 

im Massnahmenvollzug befand, auch erforderlich. Es besteht bei der nun 

erfolgten bedingten Entlassung die reelle Gefahr der Begehung weiterer 

Delikte. Eine mildere Massnahme für den angestrebten Erfolg ist nicht er-

sichtlich. Mit der aktuellen Entwicklung (siehe E. E. 8.4 weiter oben) hat 

sich die beschriebene Gefahr noch akzentuiert. Die mit dem Ausweisent-

zug verbundenen Einschränkungen hat er aufgrund der mehrfachen 

Verstösse gegen hochwertige Rechtsgüter in Kauf zu nehmen. Hervorzu-

heben gilt es an dieser Stelle nochmals, dass der Entzug des Reiseaus-

weises bzw. die Verweigerung eines neuen Reisepapiers sich nicht als zu-

sätzliche Sanktion von Straftaten charakterisiert, sondern die Verhinderung 

weiterer Straftaten bezweckt. Aufgrund dieser Darlegungen durfte das 

SEM dem Beschwerdeführer den Reiseausweis für Flüchtlinge, im Ein-

klang mit der mitzuberücksichtigenden FK, demzufolge entziehen.   

8.6 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Voraussetzun-

gen, um dem Beschwerdeführer den Reiseausweis für Flüchtlinge zu ent-

ziehen, erfüllt sind und er aufgrund von Art. 59 Abs. 3 AIG auch keinen 

Anspruch auf Ausstellung eines neuen Reisedokuments hat.  

F-2385/2017 

Seite 15 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung im 

Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist da-

her abzuweisen. 

10.  

10.1 Bei diesem Verfahrensausgang würde der Beschwerdeführer grund-

sätzlich kostenpflichtig (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1, Art. 2 und 

Art. 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 

Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320]). Mit der Rechtsmitteleingabe vom 24. April 2017 ersuchte er 

jedoch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 

und 2 VwVG). In der verfahrensleitenden Anordnung des Bundesverwal-

tungsgerichts vom 7. Juni 2017 wurde der Entscheid darüber auf einen 

späteren Zeitpunkt verschoben (BVGer act. 7), weshalb dies nun nachzu-

holen ist. 

10.2 Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG kann eine Partei, die nicht über die er-

forderlichen Mittel verfügt und deren Begehren nicht als aussichtslos er-

scheinen, auf Gesuch hin von der Bezahlung von Verfahrenskosten befreit 

werden. Ist es zur Wahrung der Rechte der Partei notwendig, wird ihr eine 

Anwältin oder ein Anwalt bestellt (Art. 65 Abs. 2 VwVG). 

10.3 Die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG sind erfüllt, weil das 

eingereichte Rechtsmittel nicht als aussichtslos im Sinne der bundesge-

richtlichen Rechtsprechung bezeichnet werden kann (so fehlt in der ange-

fochtenen Verfügung der völkerrechtliche Bezug von Art. 59 AIG) und die 

prozessuale Bedürftigkeit des Betroffenen aktenmässig erstellt ist (vgl. 

BVGer act. 6). Auch die Notwendigkeit der Vertretung ist im Falle des nicht 

rechtskundigen Beschwerdeführers mit Blick auf die sich hier stellenden 

Rechtsfragen zu bejahen. Die Parteivertreterin hat keine Kostennote ein-

gereicht, weshalb das Honorar aufgrund der Akten festzusetzen ist (Art. 14 

Abs. 2 in fine VGKE). In Berücksichtigung der massgebenden Bemes-

sungsfaktoren (Art. 12 i.V.m. Art. 8 ff. VGKE) ist das amtliche Honorar auf 

Fr. 2'500.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) festzusetzen, 

welches zulasten der Gerichtskasse geht. Gelangt der Beschwerdeführer 

später zu hinreichenden Mitteln, so hat er dem Gericht das amtliche Hono-

rar zu vergüten (Art. 65 Abs. 4 VwVG).   

 

 

F-2385/2017 

Seite 16 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Dem Beschwerdeführer wird für das Verfahren vor dem Bundesverwal-

tungsgericht die unentgeltliche Rechtspflege gewährt und Rechtsanwältin 

Claudia Gerber als amtliche Anwältin eingesetzt. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Rechtsanwältin Claudia Gerber wird zulasten der Gerichtskasse ein Hono-

rar von Fr. 2'500.– zugesprochen.  

Gelangt der Beschwerdeführer später zu hinreichenden Mitteln, hat er dem 

Gericht das Honorar zu vergüten. 

5.  

Dieses Urteil geht an: 

– den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Formular Zahladresse) 

– die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. […] retour) 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Regula Schenker Senn Daniel Grimm