# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c6df4eb0-ae10-5549-b92e-1d86699aa970
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-10-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.10.2009 D-3000/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3000-2009_2009-10-20.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-3000/2009
sch/bah/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 0 .  O k t o b e r  2 0 0 9

Richter Hans Schürch (Vorsitz), 
Richterin Emilia Antonioni, 
Richterin Nina Spälti Giannakitsas, 
Gerichtsschreiber Christoph Basler.

A.________, geboren (...),
B._______, geboren (...),
Türkei,
vertreten durch Dr. iur. Andreas Noll, Advokat, 
(...)
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), vormals 
Bundesamt für Flüchtlinge (BFF),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Vollzug der Wegweisung (Wiedererwägung);
Verfügung des BFM vom 7. April 2009 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-3000/2009

Sachverhalt:

A.
A.a Die Beschwerdeführenden,  ethnische Kurden mit  letztem Wohn-
sitz in C._______ (Provinz Karamanmaras), verliessen die Türkei eige-
nen  Angaben  gemäss  am  2.  November  2003  und  suchten  in  der 
Schweiz am 10. November 2003 um Asyl nach.

A.b Das BFF stellte mit Verfügung vom 25. Oktober 2004 fest, die Be-
schwerdeführenden  erfüllten  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und 
lehnte die Asylgesuche ab. Zugleich ordnete es die Wegweisung aus 
der Schweiz und den Vollzug an.

A.c Das Bundesverwaltungsgericht  wies  die  gegen  diese  Verfügung 
gerichtete – bei der damals zuständigen Schweizerischen Asylrekurs-
kommission  (ARK)  eingereichte  –  Beschwerde  vom  24. November 
2004 mit Urteil vom 27. August 2007 ab (Verfahren D-7534/2006).

A.d Den Beschwerdeführenden  wurde  vom BFM am 11. September 
2007 eine Frist bis zum 23. Oktober 2007 zum Verlassen der Schweiz 
gesetzt.

B.
B.a Am  4.  Oktober  2007  liessen  die  Beschwerdeführenden  durch 
ihren  Rechtsvertreter  beim  BFM  eine  als  "Wiedererwägungsge-
such/Gesuch um vorläufige Aufnahme beziehungsweise Verlängerung 
der Ausreisefrist/Gesuch um Akteneinsicht" bezeichnete Eingabe ein-
reichen. Dieser lagen ein vom Beschwerdeführer verfasstes, undatier-
tes Schreiben ("Betreff: Einsprache gegen das Urteil über unsere Aus-
reise  aus  der  Schweiz"),  vier  Artikel  aus  dem  Internet  vom  8.  Mai 
2007, 12. Juni 2007, 20. September 2007 und 25. September 2007 so-
wie  ein  Schreiben  des  Schweizerischen  Arbeiterhilfswerks  (SAH) 
D._______ vom 3. Oktober 2007 bei.

B.b Die Beschwerdeführenden übermittelten dem BFM am 10. Okto-
ber 2007 ein Schreiben des Sozialdienstes E._______ vom 8. Oktober 
2007.

B.c Mit Zwischenverfügung vom 18. Oktober 2007 wies das BFM die 
zuständige  kantonale  Behörde  an,  den  Vollzug  der  Wegweisung  im 
Sinne einer vorsorglichen Massnahme auszusetzen.

Seite 2

D-3000/2009

B.d Das  BFM  forderte  die  Beschwerdeführenden  am  24.  Oktober 
2007 auf, einen ärztlichen Bericht einzureichen. Am 3. Dezember 2007 
gingen beim BFM ein ärztlicher Bericht von Dr. med F._______ vom 
23. November 2007 und ein Bericht des Zentrums für Psychiatrie und 
Psychotherapie (Spital G._______) vom 9. November 2007 ein. Am 28. 
November 2007 wurde dem BFM ein provisorischer ärztlicher Bericht 
des Spitals H._______ vom selben Tag übermittelt. Mit Eingabe vom 
28.  November  2007  reichten  die  Beschwerdeführenden  eine  Ent-
bindungserklärung  der  die  Beschwerdeführerin  behandelnden  Ärzte 
von  ihrer  Schweigepflicht  vom 16.  November  2007,  einen  ärztlichen 
Bericht  von  Dr.  med.  I._______  vom  9.  November  2007  und  einen 
ergänzenden Bericht des Zentrums für Psychiatrie und Psychotherapie 
(Spital  G._______)  vom  26.  November  2007  ein.  Am  7.  Dezember 
2007  gaben  die  Beschwerdeführenden  drei  Berichte  des 
Psychiatriezentrums J._______ vom 30. November 2007, 3. Dezember 
2007 und 7. Dezember 2007 zu den Akten.

B.e Mit  Zwischenverfügung vom 5. März 2009 forderte das BFM die 
Beschwerdeführenden auf, einen ärztlichen Bericht über die stationäre 
Behandlung der Beschwerdeführerin vom Februar 2009 einzureichen. 
Am 23. März 2007 liessen die Beschwerdeführenden dem BFM einen 
Austrittsbericht  des  Zentrums  für  Psychiatrie  und  Psychotherapie 
(Spital G._______) vom 10. März 2009 zukommen.

C.
Mit Verfügung vom 7. April 2009 wies das BFM das Wiedererwägungs-
gesuch der Beschwerdeführenden vom 4. Oktober 2007 ab und stellte 
fest, die Verfügung vom 25. Oktober 2004 sei rechtskräftig. Es wurde 
eine Gebühr von Fr. 600.-- erhoben. Das BFM wies darauf hin, dass 
einer allfälligen Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme.

D.
Die  Beschwerdeführenden  liessen  durch  ihren  Rechtsvertreter  beim 
Bundesverwaltungsgericht  mit  Eingabe  vom 8.  Mai  2009  die  Aufhe-
bung der Verfügung vom 7. April 2009 beantragen. In Gutheissung des 
Wiedererwägungsgesuchs sei  ihre  Flüchtlingseigenschaft  anzuerken-
nen. Eventualiter sei ihnen eine Härtefallbewilligung zu erteilen. Sub-
eventualiter  sei  ihnen die vorläufige  Aufnahme zu gewähren. Verfah-
rensrechtlich wurde beantragt,  es sei  die vorsorglich  entzogene auf-
schiebende Wirkung umgehend wiederherzustellen. Der  Beschwerde 
sei im Sinne einer vorsorglichen Massnahme während des hängigen 

Seite 3

D-3000/2009

Beschwerdeverfahrens die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen. Es 
sei  den  Beschwerdeführenden  die  Möglichkeit  zu  geben,  auf  eine 
allenfalls eingereichte Stellungnahme des BFM zu replizieren. Im Falle 
des  Unterliegens  sei  ihnen die  unentgeltliche Rechtspflege mit  dem 
unterzeichneten Advokaten als unentgeltlichen Rechtsbeistand zu be-
willigen.  Es  sei  von  der  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  abzu-
sehen. Der Eingabe lagen mehrere Beweismittel bei (vgl. Beilagenver-
zeichnis zur Beschwerde vom 8. Mai 2009).

E.
E.a Der  Instruktionsrichter  teilte  den  Beschwerdeführenden  mit 
Zwischenverfügung  vom 15.  Mai  2009  mit  (Verfahren  D-3100/2009), 
sie beriefen sich in ihrer Eingabe vom 4. Oktober 2007 unter anderem 
auf den Revisionsgrund von Art. 123 Abs. 2 Bst. a des Bundesgerichts-
gesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110). Für die Behandlung 
von Revisionsgesuchen gegen Urteile des Bundesverwaltungsgerichts 
sei dieses selbst zuständig. Den Beschwerdeführenden wurde Frist bis 
zum 2. Juni 2009 zur Äusserung angesetzt, ob sie ihre Eingabe vom 4. 
Oktober 2007 teilweise als Revisionsgesuch behandelt haben wollten. 
Diesfalls  hätten  sie  innert  gesetzter  Frist  einen  Kostenvorschuss  zu 
leisten. Das Eventualbegehren, es sei ihnen die unentgeltliche Rechts-
pflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021) zu gewähren, wurde – soweit das Revisionsverfahren be-
treffend – abgewiesen. 

E.b Der  Instruktionsrichter  entsprach  mit  Zwischenverfügung  vom 
15. Mai  2009 –   soweit  das  Wiedererwägungsverfahren betreffend – 
dem Gesuch um Aussetzung des Vollzugs der Wegweisung. Er wies 
darauf  hin,  dass  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  einzig  die 
Frage zu prüfen sei,  ob der  Wegweisungsvollzug als  unzumutbar  zu 
beurteilen  sei.  Auf  den  Antrag,  die  Flüchtlingseigenschaft  der  Be-
schwerdeführenden  sei  anzuerkennen,  wurde  nicht  eingetreten.  Auf 
den Eventualantrag, es sei ihnen eine Härtefallbewilligung zu erteilen, 
wurde nicht  eingetreten. Auf  die  Erhebung eines  Kostenvorschusses 
wurde verzichtet. Die Beschwerdeführerin wurde aufgefordert, einen in 
Aussicht  gestellten  ärztlichen  Bericht  sowie  eine  Erklärung  über  die 
Entbindung von der Schweigepflicht der sie behandelnden Ärzte ein-
zureichen. Für den weiteren Inhalt der Zwischenverfügung wird auf die 
Akten verwiesen.

Seite 4

D-3000/2009

F.
F.a Die Beschwerdeführenden liessen am 27. Mai 2009 mitteilen, sie 
ersuchten  um  (teilweise)  Behandlung  der  Eingabe  vom  4.  Oktober 
2007 unter dem Aspekt der Revision. Der erhobene Kostenvorschuss 
wurde fristgerecht eingezahlt.

F.b Das Bundesverwaltungsgericht wies das Revisionsgesuch mit Ur-
teil vom 14. Juli 2009 ab.

G.
Die  Beschwerdeführenden  übermittelten  dem  Bundesverwaltungs-
gericht  am  22.  Mai  2009  einen  ärztlichen  Bericht  von  Dr.  med. 
K._______ vom 20. Mai 2009.

H.
H.a Der Instruktionsrichter gab dem BFM mit Zwischenverfügung vom 
16. Juli 2009 die Gelegenheit, eine Vernehmlassung zur Beschwerde 
einzureichen.

H.b Das BFM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 23. Juli 2009 
die Abweisung der Beschwerde.

H.c Am  27.  Juli  2009  setzte  das  Bundesverwaltungsgericht  die 
Beschwerdeführenden  von  der  vorinstanzlichen  Vernehmlassung  in 
Kenntnis.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu 
den Behörden  nach  Art. 33  VGG und ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnah-
me im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungs-
gericht  ist  daher  zuständig  für  die Beurteilung der  vorliegenden Be-
schwerde; es entscheidet im Gebiet des Asyls endgültig (Art. 105 des 
Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst.  d 
Ziff. 1 BGG).

Seite 5

D-3000/2009

1.2 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Die  Be-
schwerdeführenden sind durch die angefochtene Verfügung besonders 
berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
beziehungsweise Änderung. Sie  sind daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert (Art. 105 AsylG; Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1, 
Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
3.1 Die  Wiedererwägung  im  Verwaltungsverfahren  ist  ein  gesetzlich 
nicht geregelter Rechtsbehelf, auf dessen Behandlung durch die verfü-
gende  Behörde  grundsätzlich  kein  Anspruch  besteht.  Gemäss  herr-
schender Lehre und ständiger Praxis des Bundesgerichts wird jedoch 
aus Art. 29 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossen-
schaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR  101)  unter  bestimmten  Voraus-
setzungen  ein  verfassungsmässiger  Anspruch  auf  Wiedererwägung 
abgeleitet (vgl. BGE 127 I 133 E. 6 mit weiteren Hinweisen). Danach 
ist auf ein Wiedererwägungsgesuch einzutreten, wenn sich der rechts-
erhebliche  Sachverhalt  seit  dem  ursprünglichen  Entscheid  bezie-
hungsweise seit dem Urteil der mit Beschwerde angerufenen Rechts-
mittelinstanz  in  wesentlicher  Weise verändert  hat  und mithin  die  ur-
sprüngliche  (fehlerfreie)  Verfügung an  nachträglich  eingetretene Ver-
änderungen der Sachlage anzupassen ist. Sodann können auch Re-
visionsgründe einen Anspruch auf Wiedererwägung begründen, jeden-
falls dann, wenn sie sich auf eine in materielle Rechtskraft erwachsene 
Verfügung  beziehen,  die  entweder  unangefochten  geblieben  oder 
deren Beschwerdeverfahren mit  einem formellen Prozessurteil  abge-
schlosssen  worden  ist.  Ein  solchermassen  als  qualifiziertes  Wieder-
erwägungsgesuch  zu  bezeichnendes  Rechtsmittel  ist  grundsätzlich 
nach  den  Regeln  des  Revisionsverfahrens  zu  behandeln  (vgl.  Ent-
scheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskom-
mission [EMARK] 2003 Nr. 17 E. 2a S. 103 f. mit weiteren Hinweisen). 

3.2 Vorliegend  machen  die  Beschwerdeführenden  geltend,  die  ge-
sundheitliche Situation der Beschwerdeführerin habe sich nach Erlass 
des  Urteils  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  27.  August  2007 
massgeblich verschlechtert.

Seite 6

D-3000/2009

4.
4.1 Das BFM begründete  seine Verfügung vom 7. April  2009 damit, 
dass medizinische Gründe den Vollzug der Wegweisung nur dann als 
unzumutbar erscheinen liessen,  wenn eine Rückkehr ins Heimatland 
eine drastische und lebensbedrohliche Verschlechterung des Gesund-
heitszustands  nach  sich  zögen.  Davon  sei  vorliegend  nicht  auszu-
gehen. Der Beschwerdeführerin werde eine mindestens mittelgradige 
Depression mit  somatischem Syndrom,  Schlafstörungen,  Freud-  und 
Appetitlosigkeit sowie Hypertonie attestiert, die weitgehend als Reak-
tion  auf  den  Ausweisungsentscheid  zurückzuführen  seien.  Die 
psychischen Probleme der  Beschwerdeführerin  sowie ihre suizidalen 
Absichten,  die  gemäss  den  ärztlichen  Berichten  vor  allem  mit  ihrer 
Angst  vor einer  drohenden Ausschaffung zusammenhingen,  könnten 
einem Wegweisungsvollzug nicht  entgegenstehen. Gemäss Austritts-
bericht des Psychiatriezentrums J._______ vom 23. März 2009 habe 
sie sich von den Suizidabsichten eindeutig distanzieren können. Ange-
sichts der medikamentösen Behandlung sei davon auszugehen, dass 
auf ihre psychischen Probleme und suizidalen Absichten in geeigneten 
medizinischen Institutionen  im Heimatland eingewirkt  werden könne. 
Angesichts  der  in  der  Türkei  gut  ausgebauten  medizinischen  Infra-
struktur bestünden an einer adäquaten Behandelbarkeit der Krankheit 
der  Beschwerdeführerin  keine  Zweifel.  Der  Einwand,  wonach  Infra-
struktur  und  ärztliches  Wissen  allenfalls  nicht  dem  schweizerischen 
Standard entspreche, sei nicht geeignet, die Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs  zu  begründen.  Die  Beschwerdeführerin  sei  aus 
medizinischer  Sicht  nicht  zwingend  auf  eine  Behandlung  in  der 
Schweiz  angewiesen.  Die  Kosten  einer  Behandlung  würden  in  der 
Türkei grundsätzlich durch die Krankenkasse übernommen, falls sich 
die Beschwerdeführerin einer solchen anschliesse. Nicht krankenver-
sicherte  Bedürftige  könnten  eine  "Grüne  Karte"  beantragen,  die  zur 
kostenlosen Behandlung in staatlichen Krankenhäusern berechtige. Es 
stehe  den  Beschwerdeführenden  frei,  bei  der  kantonalen  Rückkehr-
beratungsstelle  medizinische  Rückkehrhilfe  zu  beantragen.  Die  von 
Dr. med. I._______ behandelte somatische Erkrankung der Beschwer-
deführerin  spreche nicht  gegen  den  Wegweisungsvollzug;  die  not-
wendigen Kontrollen könne sie problemlos in ihrem Heimatstaat durch-
führen  lassen.  In  den  eingereichten  Arztberichten  seien  auch  keine 
Gründe ersichtlich,  die gegen ihre Reisefähigkeit  sprächen. Es liege 
an den kantonalen Vollzugsbehörden, zum Zeitpunkt des Vollzugs über 
die Notwendigkeit einer medizinischen Begleitung definitiv zu befinden. 
Die  gegenwärtige  Situation  in  der  Südosttürkei  spreche nicht  gegen 

Seite 7

D-3000/2009

die Zumutbarkeit der Rückführung der Beschwerdeführenden. Diesbe-
züglich sei  auf  die nach wie vor zutreffenden Erwägungen des Bun-
desverwaltungsgerichts im Urteil  vom 27. August 2007 zu verweisen. 
Schliesslich  vermöchten  das  Schreiben  der  Wohngemeinde  der  Be-
schwerdeführenden vom 8. Oktober 2007 sowie die Eingabe des SAH 
Bern vom 3. Oktober 2007 keine wesentlich veränderte Sachlage zu 
begründen.

4.2 In  der  Beschwerde  vom 8. Mai  2009 wird  geltend gemacht,  die 
Wohngemeinde der Beschwerdeführenden unterstütze das Asylgesuch 
der Beschwerdeführenden. Sie seien dort integriert und verankert; ihre 
beiden erwachsenen Söhne lebten ebenfalls in der Schweiz. Die Be-
schwerdeführerin habe während Jahren am Bildungs- und Beschäfti-
gungsprogramm  des  SAH  teilgenommen.  Sie  sei  psychisch  schwer 
krank  und  habe  wegen  der  drohenden  Ausweisung  zweimal  einen 
Selbstmordversuch unternommen. Sie habe Angst vor einer Rückkehr 
in die Türkei, wo sie Drangsal, Schikane und die Verhaftung ihres Ehe-
gatten und ihrer  Söhne habe erleben müssen. Sie stehe in psychia-
trischer Behandlung und sei auf medizinische und therapeutische Be-
treuung angewiesen. Die drohende Ausweisung aus der Schweiz stehe 
in unmittelbarem Zusammenhang mit der Erkrankung. Die notwendige 
Betreuung könne in  der  ländlichen Provinz Karamanmaras nicht  ge-
währleistet  werden.  Therapieeinrichtungen  und  Krankenhäuser,  die 
eine Obhut verfügen könnten, fänden sich nur in Grossstädten. Zudem 
stelle  das  Leben in  ihrer  Heimat  die  Bedrohung dar,  wegen der  sie 
erkrankt sei. Der psychische Druck, der auf Angehörige von Personen, 
denen eine Verbindung zur PKK nachgesagt werde, ausgeübt werde, 
sei  derart,  dass  es  für  die  Beschwerdeführerin  nicht  zumutbar  sei, 
dorthin zurückzukehren. Es sei nutzlos darüber zu diskutieren, ob die 
notwendige  Behandlung  im  Heimatland  erfolgen  könne  oder  nicht. 
Tatsache sei, dass die Wegweisung ausschlaggebend für die Erkran-
kung  sei,  weshalb  es  symptomatisch  sei,  dass  durch  die  Belastung 
durch die eventuelle Ausreise die psychischen Probleme wieder auf-
flammten. Auch wenn im Bericht des Psychiatriezentrums J._______ 
vom 10. März 2009 festgehalten werde, die Beschwerdeführerin habe 
sich  von  den  Suizidgedanken  distanzieren  können,  gehe  aus  dem 
Bericht klar hervor, dass dies nur dank der Stabilisierung des Aufent-
halts in der Schweiz möglich gewesen sei. Es sei davon auszugehen, 
dass die vorbestandene akute Suizidalität nach wie vor latent vorhan-
den sei und sich wieder zu einem akuten Zustand auswachsen werde, 

Seite 8

D-3000/2009

sobald sie erneut mit einer bevorstehenden Rückführung in die Türkei 
konfrontiert werde. 

4.3 Dem aktuellsten ärztlichen Bericht  von Dr. med. K._______ vom 
20. Mai  2009  ist  zu  entnehmen,  dass  die  Beschwerdeführerin  unter 
ernormen  Ängsten  leide,  die  von  ihren  Erlebnissen  in  der  Heimat 
abhängig  seien. Eine Traumaarbeit  habe  bis  heute  nicht  verwirklicht 
werden  können,  da  sie  sehr  dünnhäutig  sei.  Sie  sei  immer  latent 
suizidal  gewesen.  Sie  habe  zweimal  stationär  behandelt  werden 
müssen.  Sie  brauche  eine  langjährige  psychiatrische  Unterstützung, 
damit  eine Stabilisation erreicht  werden könne. Eine Therapie in  der 
Türkei wäre nicht hilfreich, da sie Angstgefühle habe, die an die Um-
gebung des Heimatlandes gebunden seien. Sie sei aus psychiatrischer 
Sicht im Moment nicht fähig, in ihre Heimat zurückzukehren. Es sei mit 
einer Retraumatisierung, einer wesentlichen Verschlechterung des Ge-
sundheitszustandes sowie einer akuten Suizidgefahr zu rechnen.

5.
5.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]).

5.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art.  83 
Abs. 7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 
8. März 2002, Bbl 2002 3818).

6.
6.1 Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  in  seinem  Urteil  vom 
27. August  2007  festgestellt,  der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Be-
schwerdeführenden in die Türkei sei zumutbar. Sie hätten Verwandte, 
die sie bei  der Wiederereingliederung unterstützen könnten,  und der 
Beschwerdeführer  habe die  Möglichkeit,  wieder  ins Berufsleben ein-
zusteigen. Schliesslich seien keine gesundheitlichen Probleme akten-

Seite 9

D-3000/2009

kundig,  die  gegen  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs 
sprächen. 

6.2 Das  Bundesverwaltungsgericht  gelangt  aufgrund  der  gesamten 
Aktenlage zum Schluss, dass sich der rechtswesentliche Sachverhalt 
nach dem Erlass des die Verfügung des BFM vom 25. Oktober 2004 
bestätigenden Urteils vom 27. August 2007 in zweierlei  Hinsicht ver-
ändert hat.

6.2.1 Die Beschwerdeführenden haben im ordentlichen Asylverfahren 
geltend gemacht,  ihre Kinder lebten in Deutschland, wo sie sich von 
August  1996  bis  Februar/März  2003  selbst  aufgehalten  hatten  (vgl. 
act. A2/8  S. 6; act.  A3/8  S. 5),  beziehungsweise in  der  Schweiz. Ihr 
Sohn L._______ (N (...)) hatte in der Schweiz zusammen mit ihnen um 
Asyl nachgesucht. Nachdem er eine Schweizerbürgerin ehelichte, zog 
er ein zuvor gestelltes Wiedererwägungsgesuch im Juni 2008 zurück. 
Der  vorher  in  Deutschland  lebende  Sohn  M.______  (N (...))  reiste 
ebenfalls in die Schweiz und ist seit dem 10. November 2007 zufolge 
Heirat im Besitz einer kantonalen Aufenthaltsbewilligung. Im Urteil des 
Bundesverwaltungsgerichts vom 27. August 2007, das auch den Sohn 
L._______ betraf, wurde davon ausgegangen, dieser kehre zusammen 
mit  seinen  Eltern  (den  Beschwerdeführenden)  in  die  Türkei  zurück. 
Davon kann heute nicht mehr ausgegangen werden.

6.2.2 Gemäss den eingereichten ärztlichen Berichten entwickelte die 
Beschwerdeführerin  nach dem Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts 
vom 27. August 2007 eine mittelgradige depressive Episode mit soma-
tischem  Syndrom.  Im  Vordergrund  scheine  die  Trennung  von  ihren 
Kindern dafür verantwortlich zu sein, dazu käme die Sorge um die not-
wendige medizinische Pflege sowie die existenziellen Lebensmöglich-
keiten in der Türkei. Im September und November 2007 wurde die Be-
schwerdeführerin jeweils nach einer Tablettenintoxikation hospitalisiert. 
Aufgrund einer zunehmenden depressiven Symptomatik mit Suizidali-
tät  wurde sie vom 2. bis zum 19. Februar 2009 erneut hospitalisiert. 
Somit  sind  hinsichtlich  der  Beschwerdeführerin  mittlerweile  gesund-
heitliche Probleme aktenkundig.

6.3 Das Bundesverwaltungsgericht hegt angesichts der eingereichten 
ärztlichen  Berichte  und  der  Gesamtumstände  keine  Zweifel  daran, 
dass die Beschwerdeführerin unter gravierenden psychischen Proble-
men leidet,  deren Ursachen einerseits  in  ihren weit  zurückliegenden 
Erlebnissen im Heimatland (Inbrandsetzung ihres Hauses, Festnahme 

Seite 10

D-3000/2009

und  Verurteilung  des  Ehemannes),  andererseits  in  ihre  Zukunfts-
ängsten  (Trennung  von  den  Kindern,  mangelnde  Zukunftsperspek-
tiven) begründet liegen dürften. Ausschlaggebend für die in den Jahren 
2007 und 2009 erfolgten Einweisungen in psychiatrische Kliniken dürf-
te der Umstand gewesen sein, dass sie an enormen Ängsten vor einer 
Rückkehr in die Türkei leidet. Obwohl das Ausmass der Befürchtungen 
der Beschwerdeführerin angesichts des bei den im ordentlichen Ver-
fahren durchgeführten Befragungen ermittelten Sachverhalts einer ob-
jektiven  Grundlage  entbehrt  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsge-
richts vom 27. August  2007),  ist  sie offenbar einer  objektiv  gesehen 
vernunftgemässen  Reflexion  dieser  Tatsachen  nicht  fähig.  Aus  ärzt-
licher Sicht  wurde bestätigt,  dass ihre Ängste auch zu objektiv  fest-
stellbaren körperlichen Reaktionen führen. Anhaltspunkte für  die An-
nahme,  die  Beschwerdeführerin  simuliere  die  geltend  gemachten 
psychischen Probleme, um einen für sie günstigeren Entscheid zu er-
zwingen, sind den Akten nicht zu entnehmen. Es darf zwar davon aus-
gegangen  werden,  dass  sie  in  ihrem  Heimatland  medizinisch  und 
psychiatrisch  betreut  werden könnte,  ein  Wegweisungsvollzug in  die 
Türkei  würde  sie  jedoch  aus  ihrem  gewohnten  Betreuungsumfeld 
herausreissen und die daraus resultierende Stresssituation würde mit 
an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einer Dekompensation 
und  einer  erneuten  Einweisung  in  eine  psychiatrische  Klinik  führen. 
Eine Rückkehr der erkrankten Beschwerdeführerin erscheint auch da-
durch erschwert,  dass keines ihrer  Kinder in der Türkei  lebt  und sie 
sich seit August 1996 – mit Ausnahme eines mehrmonatigen Aufent-
halts im Jahr 2003 – seit 13 Jahren nicht mehr in der Türkei aufhält. 

7.
7.1 Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  es  der  Beschwerde-
führerin gelungen ist, hinsichtlich der Frage des Wegweisungsvollzugs 
eine  wiedererwägungsweise  veränderte  Sachlage  darzutun,  da  eine 
erzwungene Rückkehr in die Türkei sie im jetzigen Zeitpunkt und mit-
telfristig in eine Situation bringen würde, die zu einer konkreten Ge-
fährdung  führte.  In  Würdigung  sämtlicher  Sachverhaltselemente 
kommt das Bundesverwaltungsgericht  vorliegend zum Schluss,  dass 
der Wegweisungsvollzug für die Beschwerdeführerin im heutigen Zeit-
punkt als unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu erachten ist.

7.2 Die  vorläufige  Aufnahme  eines  Familienmitglieds  führt  in  der 
Regel auch zur vorläufigen Aufnahme der anderen Familienangehöri-
gen (vgl. EMARK 1998 Nr. 31 E. 8 c ee S. 258; EMARK 1995 Nr. 24 

Seite 11

D-3000/2009

E. 9 S. 229, die sich noch auf Art. 17 Abs. 1 AsylG in der Fassung ge-
mäss  Ziff.  I  des  BB vom 22. Juni  1990  über  das  Asylverfahren  [AS 
1990 938] beziehen, welcher inhaltlich indessen Art. 44 Abs. 1 AsylG 
entspricht).

7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 7  AuG wird  die  vorläufige Aufnahme nach 
Absatz 4 nicht verfügt, wenn die weg- oder ausgewiesene Person zu 
einer  längerfristigen  Freiheitsstrafe  im  In-  oder  Ausland  verurteilt 
wurde oder wenn gegen sie eine strafrechtliche Massnahme im Sinne 
von Art. 64 oder 61 des Strafgesetzbuches angeordnet wurde, sie er-
heblich oder wiederholt gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung 
in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese gefährdet 
oder die innere oder äussere Sicherheit gefährdet. Soweit ersichtlich, 
ist die Beschwerdeführerin weder in der Schweiz noch im Ausland zu 
einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Der Beschwerde-
führer wurde in der Türkei am 1. Juni 1996 zu einer Freiheitsstrafe von 
vier  Jahren  und  zwei  Monaten  verurteilt,  weil  er  bei  sich  zu  Hause 
Waffen aufbewahrt  hatte. Einem Urteil  des "(...)"  von Karamanmaras 
vom 26. Februar 2003 ist indessen zu entnehmen, dass er unter das 
Amnestiegesetz  4616  fällt,  weshalb  er  die  1996  ausgesprochene 
Strafe  nicht  mehr  zu  verbüssen  hat  (vgl.  act.  A1  Ziff.  4;  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  vom  27.  August  2007,  S.  7).  Die 
strafrechtliche Verurteilung aus dem Jahr 1996 ist somit als erledigt zu 
erachten und steht einer vorläufigen Aufnahme nicht mehr entgegen. 
Den  Akten  ist  nicht  zu  entnehmen,  dass  die  Beschwerdeführenden 
gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im 
Ausland verstossen oder diese gefährdet haben oder die innere oder 
die äussere Sicherheit gefährden.

8.
Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  sich  der  Vollzug  der  Weg-
weisung der Beschwerdeführenden in die Türkei als nicht (mehr) zu-
mutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG erweist. Die Verfügung des 
BFM vom 7. April 2009 ist somit aufzuheben. Die Ziffern 4 und 5 des 
Dispositivs der Verfügung des BFM vom 25. Oktober 2004 sind dem-
nach aufzuheben und das BFM ist anzuweisen, den Aufenthalt der Be-
schwerdeführenden  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die 
vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 
Abs. 4 AuG).

Seite 12

D-3000/2009

9.
9.1 Bei  diesem Ausgang des Verfahrens sind  keine Kosten aufzuer-
legen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).

9.2 Das vorliegende Verfahren erscheint  weder in tatsächlicher noch 
in  rechtlicher  Hinsicht  als  besonders  komplex,  weshalb  das  Gesuch 
um unentgeltliche Rechtsverbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG 
abzuweisen ist.

9.3 Den Beschwerdeführenden ist  gestützt  auf  Art. 64 Abs. 1 VwVG 
i.V.m. Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 
und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE, 
SR 173.320.2)  eine  Entschädigung  für  die  ihnen  erwachsenen  not-
wendigen Kosten zuzusprechen. 

9.3.1 Der  Beschwerde  lag  eine  Kostennote  vom  8.  Mai  2009  über 
Fr. 5'324.10 bei, in der ein Arbeitsaufwand von 8 Stunden à Fr. 250.-- 
(Rechtsanwalt)  und von 21.17 Stunden à  Fr. 125.--  (Volontär)  sowie 
Barauslagen  von  Fr. 301.80  zuzüglich  Mehrwertsteuer  (MWST)  von 
Fr. 376.05 ausgewiesen wurden.

9.3.2 Das  Bundesverwaltungsgericht  erachtet  den  veranschlagten 
zeitlichen Aufwand von insgesamt über 29 Stunden als nicht angemes-
sen.  Insbesondere  die  angegebene  Arbeitszeit  für  die  Ausarbeitung 
der Beschwerde von insgesamt 23.75 Stunden sprengt den Rahmen 
des Üblichen deutlich. Dem Bundesverwaltungsgericht scheint ein zeit-
licher  Gesamtaufwand  für  den  Volontär  von  12  Stunden  und  ein 
solcher  von 6  Stunden  für  den Advokaten als  vertretbar. Für  95 er-
stellte  Kopien  à  Fr.  1.50  wurden  in  der  Kostennote  Fr.  142.50  be-
rechnet. Gemäss Art. 11 Abs. 2 VGKE können für Kopien indessen nur 
50 Rappen pro Seite berechnet werden, was vorliegend Fr. 47.50 er-
gibt. In der Kostennote wurden bezüglich den 6. Mai 2009 für ein vom 
Volontär  geführtes  Telefongespräch  irrtümlicherweise  Fr.  120.--  für 
Telefongebühren  berechnet.  Das  Telefongespräch  dauerte  indessen 
nur 10 Minuten (und nicht 10 Stunden, wie in der Kostennote aufge-
führt) und ist mit Fr. 2.05 zu vergüten. Die Auslagen für Porti und Tele-
fax sowie die weiteren Telefongespräche erscheinen angemessen. Der 
vom  Bundesverwaltungsgericht  als  angemessen  erachtete  Aufwand 
beträgt  somit  Fr. 3'228.90 (Fr. 1500.--  Volontär,  Fr. 1'500.--  Advokat, 
Fr. 88.85 Barauslagen und Fr. 228.05 MWST).

Seite 13

D-3000/2009

9.3.3 Der in der Kostennote veranschlagte Aufwand beschlägt indes-
sen  nicht  nur  die  Bemühungen  im  Wiedererwägungsverfahren,  son-
dern auch die beantragte Asylgewährung, die Gegenstand des Revi-
sionsverfahrens  war. Da  das  Gesuch  um Gewährung  der  unentgelt-
lichen  Verbeiständung  auch  im  Revisionsverfahren  abzuweisen  war 
und  das  Revisionsgesuch  abgewiesen  wurde,  ist  der  für  das  Re-
visionsverfahren  betriebene  Aufwand  nicht  entschädigungspflichtig 
(vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 14. Juli 2009). Zudem 
wurde  in  der  Beschwerde  beantragt  (und  begründet),  den  Be-
schwerdeführern sei  eine Härtefallbewilligung zu erteilen. Auf diesen 
Antrag musste zufolge Unzulässigkeit nicht eingetreten werden, wes-
halb der diesbezüglich betriebene Aufwand nicht notwendig war. Das 
Bundesverwaltungsgericht erachtet demnach eine um die Hälfte redu-
zierte Parteientschädigung als angemessen. Den Beschwerdeführern 
ist  somit  eine  Parteientschädigung  von  gerundet  Fr.  1'615.--  (inkl. 
Auslagen und MWST) auszurichten. 

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 14

D-3000/2009

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit auf diese eingetreten wird.

2.
Die Verfügung vom 7. April 2009 wird aufgehoben. Die Ziffern 4 und 5 
des Dispositivs der Verfügung vom 25. Oktober 2004 des BFM werden 
aufgehoben und das Bundesamt wird  angewiesen,  die  Beschwerde-
führenden in der Schweiz vorläufig aufzunehmen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung wird 
abgewiesen.

5.
Das Bundesamt wird angewiesen, den Beschwerdeführenden für das 
Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  eine  Parteientschädi-
gung von Fr. 1'615.-- auszurichten.

6.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- (zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Hans Schürch Christoph Basler

Versand: 

Seite 15