# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e4aa0641-90e0-5779-a31f-aa895a4197cf
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-01-26
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 26.01.2005 SB 2004 42
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SB-2004-42_2005-01-26.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

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Ref.: Chur, 26. Januar 2005 Schriftlich mitgeteilt am: 
SB  04 42 (nicht mündlich eröffnet)

Urteil
Kantonsgerichtsausschuss

Vorsitz Vizepräsident Schlenker
RichterInnen Schäfer und Vital
Aktuar ad hoc L. Duff

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In der strafrechtlichen Berufung

der Staatsanwaltschaft Graubünden, Sennhofstrasse 17, 7001 Chur, Berufungsklä-
gerin,

gegen

die Einstellungsverfügung des Kreispräsidenten Surses vom 25. Oktober 2004, mit-
geteilt am 29. Oktober 2004, in Sachen gegen K., Berufungsbeklagter,

betreffend grobe Verletzung von Verkehrsregeln,

hat sich ergeben:

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A. Am 5. Juni 2004 um 14.00 Uhr waren A. und B. mit ihren Fahrrädern 
auf der C.-Hauptstrasse in Richtung D. unterwegs. Zur gleichen Zeit befand sich K. 
mit seinem Personenwagen Ford Scorpio, Kontrollschild-Nr. GR X., auf der entge-
genkommenden Fahrbahn in Fahrtrichtung E.. Vor ihm fuhr F. mit seinem Perso-
nenwagen VW Passat Kombi, Kontrollschild-Nr. GR Y.. Im Bereich der zum Ge-
meindegebiet G. gehörden Siedlung H., in welchem die Hauptstrasse auf einer 
Länge von ca. 350m einen geraden Verlauf aufweist, setzte K. zum Überholen des 
voranfahrenden Lenkers an. Die beiden entgegenkommenden Velofahrer waren in 
der Folge gezwungen, sich zur Gewährleistung eines genügenden seitlichen Ab-
stands zum überholenden Fahrzeug mit ihren Fahrrädern ganz an den rechten 
Strassenrand zu begeben. Die zweispurige Hauptstrasse weist an der Kreuzungs-
stelle eine Breite von 7 m auf. Nach Beendigung des Überholmanövers fuhr F. dem 
Personenwagen von K. bis nach E. nach und notierte sich dessen Kontrollschild-
Nummer. Danach begab er sich in entgegengesetzter Fahrtrichtung zurück zu den 
beiden Velofahrern, händigte ihnen seine Notiz aus und bot für den Fall einer An-
zeige seine Bereitschaft an, als Zeuge auszusagen. 

B. Mit Verfügung vom 17. September 2004 eröffnete die Staatsanwalt-
schaft Graubünden gegen K. eine Strafuntersuchung wegen grober Verletzung von 
Verkehrsregeln. Nach Abschluss der Untersuchung wurde am 7. Oktober 2004 ein 
Mandatsantrag im Sinne von Art. 49 Abs. 1 lit. a StPO in Verbindung mit Art. 172 
StPO an das Kreisamt Surses erlassen, wonach K. der groben Verletzung von Ver-
kehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 4 und Art. 35 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 
90 Ziff. 2 SVG schuldig zu sprechen sei.

C. In seiner Einstellungsverfügung vom 25. Oktober 2004 erkannte der 
Kreispräsident Surses was folgt: 

"1. Das hieramts gegen K. hängig gemachte Verfahren wird eingestellt.

2. Die Verfahrenskosten des Kreisamtes Surses im Betrag von Fr. 225.00 sowie 
die Untersuchungskosten im Betrage von Fr. 593.60 gehen zulasten des Staa-
tes.

3. (Rechtsmittelbelehrung)

4. (Mitteilung).“

Zur Begründung wurde insbesondere ausgeführt, dass gemäss Aussage von 
B. beim Kreuzen mit dem Fahrzeug von K. immer noch ein Abstand von 0.5 bis 1 m 

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vorhanden gewesen sei. Indem die beiden Radfahrer möglichst nahe an den rech-
ten Fahrbahnrand ausgewichen seien, hätten sie letztlich nur der Bestimmung von 
Art. 34 Abs. 1 SVG nachgelebt, wonach sich Verkehrsteilnehmer - und damit auch 
Velofahrer - möglichst an den rechten Strassenrand zu halten hätten. Ein objektiver 
Beweis für ein Fehlverhalten des entgegenkommenden Fahrzeuglenkers liege nicht 
vor. 

D. Gegen diese Einstellungsverfügung erhob die Staatsanwaltschaft 
Graubünden mit Eingabe vom 10. November 2004 Berufung an den Kantonsge-
richtsausschuss von Graubünden mit folgenden Rechtsbegehren:

"1. Die Einstellungsverfügung des Kreispräsidenten sei aufzuheben und 
die Sache an den Kreispräsidenten zum Erlass eines Strafmandates 
zurückzuweisen.

2. Gesetzliche Kostenfolge.“ 

In ihrer Begründung verwies die Berufungsklägerin zunächst auf die Aussa-
gen der beteiligten Radfahrer A. und B. sowie auf jene des überholten Fahrzeug-
lenkers F., welche übereinstimmend ausführten, dass K. beim Kreuzen einen zu 
geringen seitlichen Abstand eingehalten habe. Aufgrund des Beweisergebnisses 
sei somit erstellt, dass der für die Ausführung eines Überholmanövers notwendige 
Raum nicht frei gewesen und die beiden Velofahrer konkret gefährdet worden seien.

E. Die Vorinstanz schloss in ihrer Vernehmlassung vom 6. Dezember 
2004 auf kostenfällige Abweisung der Berufung. Im betreffenden Bereich sei auf-
grund der Breite der Hauptstrasse und der übersichtlichen Strecke ein gefahrloses 
Überholen auch bei entgegenkommendem Verkehr möglich gewesen. Gerade die 
Tatsache, dass die beiden Velofahrer nicht auf das rechtsseits sich befindliche 
Strassenbankett ausgewichen seien, spreche gegen eine konkrete Gefährdung. Im 
Übrigen müssten die Aussagen des Zeugen F. stark relativiert werden; diesem sei 
nämlich infolge des Überholvorgangs die Sicht auf die beiden Velofahrer verdeckt 
gewesen, weshalb er keine verlässlichen Angaben über die Grösse des eingehal-
tenen Abstands machen könne. Da ein rechtsgenüglicher Beweis für eine Verkehrs-
regelverletzung seitens des Berufungsbeklagten nicht erbracht werden könne, sei 
K. nach dem Grundsatz „in dubio pro reo“ freizusprechen. 

F. Auf die weiteren Ausführungen in der Berufungsschrift sowie im ange-
fochtenen Urteil wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einge-
gangen.

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Der Kantonsgerichtsausschuss zieht in Erwägung :

1. Gegen Urteile der Bezirksgerichte und ihrer Ausschüsse sowie gegen Ver-
fügungen der Bezirksgerichts- und Kreispräsidenten können der Verurteilte und der 
Staatsanwalt beim Kantonsgerichtsausschuss Berufung erheben (Art. 141 Abs. 1 
StPO). Diese ist innert zwanzig Tagen seit der schriftlichen Eröffnung des angefoch-
tenen Entscheides einzureichen; sie ist zu begründen und hat darzutun, welche 
Mängel des erstinstanzlichen Entscheides gerügt werden und ob das ganze Urteil 
oder lediglich Teile davon angefochten werden (Art. 142 Abs. 1 StPO). Unter die 
berufungsfähigen Verfügungen des Kreispräsidenten fällt insbesondere die Einstel-
lung nach Eingang des Strafmandatsantrages im erweiterten Strafmandatsverfah-
ren; hier ist der Kreispräsident Sachrichter und hat keine untersuchungsrichterlichen 
Kompetenzen (Willy Padrutt, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons 
Graubünden [StPO], 2. Auflage, Chur 1996, S. 362, 443 und 456). Auf die im Übri-
gen frist- und formgerecht eingereichte Berufung ist daher einzutreten.

2. Die Vorinstanz ist in Würdigung der ihr vorliegenden Beweise zum Er-
gebnis gelangt, dass dem Berufungsbeklagten bei der Ausführung seines Überhol-
manövers kein Fehlverhalten nachgewiesen werden könne. Der Strassenverlauf so-
wie auch die an der betreffenden Stelle bestehende Strassenbreite von 7 m hätten 
ein gefahrloses Überholen von F. und gleichzeitiges Kreuzen der beiden Velofahrer 
A. und B. mit genügend grossem seitlichem Abstand ermöglicht. Die Berufungsklä-
gerin hält dies für unzutreffend und erachtet den Beweis für eine konkrete Gefähr-
dung der beiden Radfahrer als erbracht; der Berufungsbeklagte müsse sich eine 
grobe Verkehrsregelverletzung vorwerfen lassen.

a) Überholen gehört unbestrittenermassen zu den gefährlichsten Fahr-
manövern. Aus diesem Grund und insbesondere, um die damit verbundenen Risi-
ken zu minimieren, hat der Gesetzgeber verschiedene Bestimmungen aufgestellt, 
welche vom überholenden Fahrzeugführer zu beachten sind. Gemäss Art. 35 Abs. 
2 SVG ist das Überholen nur gestattet, wenn der nötige Raum übersichtlich und frei 
ist und andere Verkehrsteilnehmer nicht behindert oder gefährdet werden. Der Fahr-
zeugführer muss in dem Moment, in welchem er das Überholmanöver beginnt, die 
Gewissheit haben, dass diese Voraussetzungen gegeben sind. Der Teil der Fahr-
bahn, den er zum Überholen benötigt, muss übersichtlich und frei sein. Dabei 
genügt es in aller Regel nicht, nur die für das Überholmanöver selbst benötigte Stre-
cke einsehen zu können. Vielmehr wird vorausgesetzt, dass dieses selbst dann 
ohne Behinderung oder Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer beendet werden 

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kann, wenn etwa aus der Gegenrichtung ein korrekt entgegenfahrender Fahrzeug-
lenker erscheint (René Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenver-
kehrsrechts, Band I, 2. Auflage, Bern 2002, N 722 ff.). Der zum Überholen nötige 
Raum muss aber nicht nur im Sinne einer genügenden Länge gegeben sein, son-
dern auch eine genügende Breite aufweisen. Mit der nötigen Vorsicht darf auch bei 
Gegenverkehr überholt werden, sofern der Platz für ein gefahrloses Überholen und 
Kreuzen ausreicht. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang die Bestimmung von 
Art. 34 Abs. 4 SVG, wonach gegenüber allen Strassenbenützern aureichender 
Abstand zu wahren ist, namentlich beim Kreuzen und Überholen sowie beim Neben- 
und Hintereinanderfahren. Die Bestimmung verpflichtet den Fahrzeugführer, sich 
mit einer gewissen Sicherheitszone zu umgeben. Wie gross der seitliche Abstand 
jeweils sein muss, lässt sich nicht in Zahlen ausdrücken. Das hängt zu sehr von den 
örtlichen Verhältnissen, der Fahrbahnbreite und -beschaffenheit, der Dichte und der 
Zusammensetzung des Verkehrs, der eigenen und der fremden Geschwindigkeit 
sowie den Sichtverhältnissen ab (BGE 91 IV 87; Hans Giger, Kommentar zum SVG, 
6. Auflage, Zürich 2002, S. 107). Seitliche Abstände sollen jedenfalls so gross sein, 
dass nicht schon geringe Kursabweichungen und Fehlreaktionen anderer 
Verkehrsteilnehmer Berührungsmöglichkeiten herbeiführen. Der Abstand ist umso 
grösser zu wählen, je mehr mit solchen Abweichungen zu rechnen ist (BGE 81 IV 
85). Art. 34 Abs. 4 SVG missachtet somit, wer vor der Einleitung des 
Überholmanövers zu nahe auf das voranfahrende Fahrzeug aufschliesst, während 
des Überholvorgangs einen ungenügenden seitichen Abstand zu diesem einhält 
und beim Abschluss des   Überholmanövers zu nahe vor dem Überholten wieder 
nach rechts einbiegt. Art. 34 Abs. 4 SVG ist aber auch dann verletzt, wenn bei 
gleichzeitigem Überholen und Kreuzen ein ungenügender seitlicher Abstand zum 
entgegenkommenden Fahrzeug eingehalten wird (vgl. Bundesgerichtsurteil 6P. 
35/2004, E. 2.3). Gerade beim Kreuzen kommt dem Erfordernis eines genügenden 
seitlichen Abstands besondere Bedeutung zu, sind doch im Falle einer Kollision die 
Folgen bekanntlich besonders gravierend (Schaffhauser, a.a.O., N 703). Je 
schneller die sich begegnenden Fahrzeuge fahren, desto grössere Anforderungen 
sind an einen ausreichenden Abstand zu stellen, namentlich dann, wenn es sich 
beim entgegenkommenden Fahrzeug um ein Fahrrad handelt, dessen Lenker 
gegenüber einem Personenwagen nahezu ungeschützt ist und die Unfallfolgen 
demzufolge schwerwiegend sein können.

b) Soweit die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zum Ergebnis 
gelangt, der Berufungsbeklagte habe bei der Ausführung seines Überholmanövers 
keine Verkehrsregeln verletzt, kann ihr mit Blick auf die bei den Verfahrensakten 

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liegenden Beweise nicht gefolgt werden. Die beiden Velofahrer A. und B. führten in 
ihren inhaltlich übereinstimmenden Aussagen vor Kantonspolizei Appenzell-
Ausserrhoden aus, dass K. direkt auf sie zugesteuert sei und keine Anstalten 
gemacht habe, um ihnen auszuweichen. Man sei, so A., ganz an den rechten 
Fahrbahnrand, wo der Asphalt dann aufhört, gefahren; nach Einschätzung von B. 
sei man „schon fast neben der Strasse“ gefahren; nach diesem Ausweichmanöver 
habe der Abstand zum Personenwagen des Berufungsbeklagten lediglich ca. 0.5 
bis 1 m betragen.   Übereinstimmende Aussagen bestehen auch hinsichtlich des 
Abstands des Fahrzeugs von K. gegenüber jenem des Zeugen F., wonach der 
Berufungsbeklagte etwas näher an letzteres hätte heranfahren können. 
Unbehelflich ist der Hinweis des Kreispräsidenten Surses auf das in Art. 34 Abs. 1 
SVG enthaltene Rechtsfahrgebot. Wohl trifft es zu, dass auch auf breiten Strassen 
der Fahrzeugführer nicht beliebig innerhalb der rechten Fahrbahnhälfte fahren darf. 
Es gilt auch dort, dass so weit rechts wie möglich - unter Einhaltung eines den 
Umständen angepassten Abstandes vom Fahrbahnrand - zu fahren ist. Möglichst 
nahe an den Strassenrand hat sich der Fahrzeugführer gemäss dem Wortlaut von 
Art. 34 Abs. 1 SVG insbesondere auf unübersichtlicher Strecke zu begeben. Diese 
Verhaltensanweisung kann nun aber nicht dahingehend verstanden werden, dass 
ein Strassenbenützer stets am äussersten Rand der Fahrbahn zu fahren hat, um 
auf diese Weise einem entgegenkommenden überholenden Fahrzeuglenker ein 
gefahrloses Kreuzen zu ermöglichen. Angesichts der bereits erwähnten 
Gefährlichkeit von Überholmanövern ist es in erster Linie der Überholende, welcher 
die Voraussetzungen für dessen sichere Durchführung schaffen muss. Dies hat der 
Berufungsbeklagte vorliegend unterlassen, hätte er doch den seitlichen Abstand 
zum Fahrzeug des Zeugen F. verringern können, womit der zum Kreuzen der 
beiden Velofahrer zur Verfügung stehende Abstand entsprechend vergrössert 
worden wäre. Im Lichte dieser Ausführungen erweisen sich die Ausführungen der 
Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 6. Dezember 2004 als unzutreffend. 
Gemäss der optischen Darstellung auf S. 2 Ziff. 4 soll den beiden Velofahrern bei 
einer Strassenbreite von 7 m noch ein Abstand von 2 m bis zum Strassenrand zur 
Verfügung gestanden haben. Aus der im betreffenden Bereich vorhandenen 
Strassenbreite kann indes nicht ohne weiteres der Schluss gezogen werden, dass 
der Berufungsbeklagte beim Überholen und gleichzeitigen Kreuzen einen 
genügenden seitlichen Abstand zu den beiden Velofahrern eingehalten hat; 
namentlich lässt diese Argumentation die aufgrund der Aussagen von A. und B. 
erstellten tatsächlichen Begebenheiten ausser Acht. Dem Grundsatze nach mag am 
betreffenden Ort bei korrekter Fahrweise ein gesetzeskonformes Überholen und 
Kreuzen mit genügend seitlichem Abstand sowohl zum überholten Fahrzeug als 

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auch zu einem entgegenkommenden Fahrradfahrer möglich sein; indessen war 
dies vorliegend aktenkundig nicht der Fall. Im Übrigen konnte auch der Zeuge F. 
eindeutig feststellen, dass die beiden Fahrradfahrer dem Berufungsbeklagten 
ausweichen mussten und entsprechend aufgebracht waren. Wenn seitens der 
Vorinstanz argumentiert wird, der Zeuge hätte wegen des Überholmanövers keine 
freie Sicht auf die beiden Velofahrer gehabt, so ist dem entgegenzuhalten, dass es 
sich beim Fahrzeug von K. um einen Personenwagen mit üblichen Abmessungen 
handelte. Bereits aufgrund dieser Tatsache konnte der Blick auf die beiden 
Fahrradfahrer nicht vollständig verdeckt gewesen sein. Wäre dies tatsächlich der 
Fall gewesen, hätte F. die Reaktion von A. und B. (beide machten sich nach 
Angaben des Zeugen mit ihren Fäusten bemerkbar) mit grösster Wahrscheinlichkeit 
nicht gesehen. Im Übrigen sprechen die Verfahrensakten eindeutig dafür, dass sich 
der Berufungsbeklagte im Zeitpunkt des Kreuzens mit den beiden Fahrradfahrern 
nicht auf gleicher Höhe mit dem Fahrzeug des Zeugen befand, sondern deutlich 
davor, wo F. aufgrund des veränderten Sichtwinkels einen guten Einblick in das 
Geschehen hatte. Andernfalls wäre sich der Zeuge seiner Sache auch nicht derart 
sicher gewesen. Abgesehen davon widerspräche es eindeutig der üblichen 
Handlungstendenz, wenn ein Fahrzeuglenker trotz fehlender Möglichkeit zu 
genauer Beobachtung eines derartigen Fahrmanövers dem überholenden 
Fahrzeuglenker in die nächste Ortschaft nachfährt, sich die Nummer des 
Kontrollschildes notiert und danach umkehrt, um diese den Betroffenen 
auszuhändigen. Einen solchen Aufwand nimmt nach der allgemeinen 
Lebenserfahrung nur derjenige auf sich, der das Geschehen aus eigener 
Wahrnehmung beobachtet hat. Kommt hinzu, dass F., hätte er den Vorfall nicht 
gesehen, kein erkennbares Interesse besass, den ihm völlig unbekannten Beru-
fungsbeklagten wider besseres Wissen zu belasten. Zudem erfolgten seine Aussa-
gen nach ausdrücklicher Ermahnung zur Wahrheit und unter Hinweis auf die Straf-
folgen des Art. 307 StGB. In seiner Aussage führte F. aus, dass er eindeutig fest-
stellen konnte, wie die beiden Fahrradfahrer ganz an den rechten Fahrbahnrand 
gefahren seien. Er sei selber Radfahrer und weil es für ihn keine Bagatelle gewesen 
sei, habe er den Aufwand auf sich genommen. Zusammen mit den Aussagen von 
A. und B. ergibt sich somit ein überzeugendes und in sich geschlossenes Bild vom 
tatsächlichen Geschehensablauf. 

c) Nach dem Dargelegten hat K. bei der Ausführung seines Überhol-
manövers gegen Art. 35 Abs. 2 SVG und Art. 34 Abs. 4 SVG verstossen. Die Ein-
stellungsverfügung des Kreispräsdiums Surses widerspricht somit Bundesrecht. Die 
Akten werden daher in Gutheissung der Berufung der Vorinstanz zur neuen Ent-

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scheidung im Sinne der Erwägungen zurückgewiesen. Dabei wird sich der Kreisprä-
sident insbesondere mit der Frage der Subsumtion des verkehrsregelwidrigen Ver-
haltens unter Art. 90 Ziff. 1 oder Ziff. 2 SVG auseinandersetzen müssen. Ob der 
Berufungsbeklagte mit seiner Fahrweise eine wichtige Verkehrsvorschrift verletzt 
und die Verkehrssicherheit ernstlich gefährdet hat, bildet demnach nicht Gegen-
stand des vorliegenden Berufungsverfahrens. Erwähnt sei immerin, dass eine ernst-
liche Gefährdung nicht erst bei einer konkreten, sondern bereits bei einer erhöhten 
abstrakten Gefährdung gegeben ist (BGE 130 IV 32 ff., 123 IV 88 ff.). Unzulässig 
wäre es jedenfalls, eine allfällige konkrete Gefährdung der beiden Fahrradfahrer A. 
und B. mit der Begründung zu verneinen, sie hätten nicht auf das im betreffenden 
Streckenteil sich befindliche Strassenbankett ausweichen müssen. Mit einer sol-
chen Betrachtungsweise würde die Verantwortung für die Einhaltung eines genü-
genden Abstandes beim Kreuzen vollständig auf den entgegenkommenden Fahr-
zeuglenker verlagert. Dies hätte zur Folge, dass nicht der Überholende, der mit sei-
nem Verhalten eine Gefahrensituation schafft, für die sich daraus ergebenden Fol-
gen einzutreten hätte, sondern der entgegenkommende Fahrzeuglenker die man-
gelnde Aufmerksamkeit seinerseits durch erhöhte Vorsicht ausgleichen müsste, 
was nicht angeht (vgl. BGE 125 IV 88 mit weiteren Hinweisen). Dass solches 
schliesslich mit den auch im Strassenverkehr zu beachtenden Grundsätzen der 
Gleichberechtigung und der gegenseitigen Rücksichtnahme unvereinbar ist, bedarf 
keiner weiteren Begründung. 

3. Da die Berufungsklägerin obsiegt und der Berufungsbeklagte den 
Weiterzug nicht zu vertreten hat, gehen die Kosten des Berufungsverfahrens zu 
Lasten des Kantons Graubünden (Art. 160 StPO). 

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Demnach erkennt der Kantonsgerichtsausschuss :

1. Die Berufung wird gutgeheissen.

2. Die Einstellungsverfügung des Kreispräsidenten Surses vom 25. Oktober 
2004, mitgeteilt am 29. Oktober 2004, wird aufgehoben und die Sache wird 
zur neuen Entscheidung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurück-
gewiesen.

3. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 1'500.-- gehen zu Lasten des 
Kantons Graubünden.

4. Mitteilung an:

___________

Für den Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden 
Der Vizepräsident  Der Aktuar ad hoc