# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 702ca7d5-fe3f-5953-8577-4846d6692072
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-12-12
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsbehörden Bau- und Verkehrsdirektion 12.12.2014 110 2014 56
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_BVD/BE_VB_001_110-2014-56_2014-12-12.pdf

## Full Text

ENTSCHEID
DER

BAU-, VERKEHRS- UND ENERGIEDIREKTION

Das Verwaltungsgericht hat eine gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde 

abgewiesen (VGE 2015/6 vom 25.8.2015). Das Bundesgericht hat die Beschwerde gegen 

das Urteil des Verwaltungsgerichts abgewiesen (BGE 1C_499/2015 vom 7.12.2015).

RA Nr. 110/2014/56 Bern, 12. Dezember 2014

in der Beschwerdesache zwischen

Y.________AG
Beschwerdeführerin

vertreten durch Herrn Rechtsanwalt X.________

und

Z.________, bestehend aus A.________AG und B.________AG
Beschwerdegegnerin

sowie

Baubewilligungsbehörde der Stadt Thun, Bauinspektorat, Industriestrasse 2, 
Postfach 145, 3602 Thun

betreffend die Verfügung der Baubewilligungsbehörde der Stadt Thun vom 18. März 2014 
(942/2013-0026; Mehrfamilienhaus mit Einstellhalle und Gewerbenutzung)

I. Sachverhalt

2

1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 13. Februar 2013 bei der Gemeinde Thun ein 

Baugesuch ein für den Abbruch eines bestehenden Lagergebäudes und eines 

Kebabstandes und den Neubau eines Mehrfamilienhauses mit Einstellhalle und 

kommerzieller Nutzungsfläche auf den Parzellen Thun Grundbuchblatt Nr. C.________ und 

D.________. Die Parzellen liegen in der Zone Wohnen/Arbeiten W/A3+. Gegen das 

Bauvorhaben erhob unter anderen die Beschwerdeführerin Einsprache. Mit 

Gesamtentscheid vom 18. März 2014 erteilte die Gemeinde Thun die Baubewilligung.

2. Gegen diesen Entscheid reichte die Beschwerdeführerin am 22. April 2014 

Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie 

beantragt die Aufhebung des Gesamtentscheides vom 18. März 2014 und Erteilen des 

Bauabschlags. 

3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, edierte die 

Vorakten und führte den Schriftenwechsel durch. Die Beschwerdegegnerin und die Stadt 

Thun beantragen die Abweisung der Beschwerde. Das Rechtsamt holte einen Fachbericht 

der kantonalen Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) ein. Danach 

führte es im Beisein der Parteien, Vertretern der Stadt Thun und der OLK einen 

Augenschein mit Instruktionsverhandlung durch. Die Parteien erhielten Gelegenheit, sich 

zum Protokoll des Augenscheins zu äussern und Schlussbemerkungen einzureichen. 

Auf die Rechtsschriften, den Fachbericht der OLK sowie auf das Ergebnis des 

Augenscheins wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden 

Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen

1. Prozessvoraussetzungen

1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und 
Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)

3

Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann er –

unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel 

angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im 

vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide 

können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei 

der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen 

den Gesamtentscheid zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die 

Einsprecher im Rahmen ihrer Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde 

(Art. 10 KoG in Verbindung mit Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführerin, deren 

Einsprache abgewiesen wurde, ist durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid beschwert 

und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte 

Beschwerde ist einzutreten.

2. Nutzungsmass

a) Auf der Bauparzelle befinden sich aktuell ein Lagerhaus, in dem K.________ 

betrieben wird, und ein Kebabstand. Das Bauvorhaben sieht den Abbruch dieser 

bestehenden Gebäude und den Neubau eines Mehrfamilienhauses mit Einstellhalle und 

Gewerbenutzung vor. Das neue Gebäude soll eine Länge von 37.90 m, eine Breite von 

37.70 m und eine Höhe von knapp 18.95 m aufweisen. Das Sockelgeschoss, das der 

Nutzung für verschiedene Dienstleistungsgewerbe dienen soll, ist zur E.________strasse 

hin um 2.00 m von der Fassade zurückversetzt und weist einen Laubengang auf. Die 

oberen Geschosse sind in zwei Gebäudevolumina aufgeteilt. Das westlich gelegene 

Gebäudevolumen weist ein Obergeschoss auf, das eine Vierzimmerwohnung enthält. Das 

östlich an der E.________strasse gelegene Gebäudevolumen weist vier Obergeschosse 

und ein Attikageschoss auf und enthält insgesamt vierzehn Drei- und 

Vierzimmerwohnungen.

Die Beschwerdeführerin rügt, das Nutzungsmass der vorherrschenden Bebauung und die 

Strassenflucht würden nicht eingehalten. Das Bauvorhaben müsse sich an der Mehrzahl 

der Gebäude der Umgebung orientieren, diese bestehe nicht aus sechsgeschossigen 

Blöcken.

2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1)
3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)

4

Die Beschwerdegegnerin macht geltend, das Bauvorhaben sei in enger Zusammenarbeit 

mit den städtischen Behörden entwickelt worden, insbesondere auch betreffend die 

Volumetrie und Gestaltung des Gebäudes.

b) Die Bauparzelle liegt in der Zone W/A3+. Für diese Zone gelten keine festen 

baupolizeilichen Masse, sondern das Nutzungsmass und die baupolizeilichen Masse der 

vorherrschenden Bebauung (Art. 21 Abs. 3 GBR4). Gemäss Kommentar zum GBR gelten 

als Masse der vorherrschenden Bebauung die Abstände oder die Gebäudeflucht, die 

Gebäudelänge, die Gebäudehöhe und die Geschosszahl, die von der Mehrzahl der 

bestehenden Bauten entlang einer Strasse oder einer Gebäudegruppe eingehalten 

werden. 

Bei der Auslegung von Art. 21 Abs. 3 GBR ist die Gemeindeautonomie zu berücksichtigen. 

Die Gemeinden sind im Bereich ihrer Bau- und Zonenordnung im Rahmen der gesetzlichen 

Regelungen und der übergeordneten Planung autonom (Art. 65 Abs. 1 BauG). Nach der 

Rechtsprechung kommt ihnen in diesen Belangen ein weiter Ermessensspielraum zu. Die 

Autonomie der Gemeinden beschränkt sich nicht nur auf den Bereich der Rechtsetzung. Ist 

sie zum Erlass von Rechtsnormen berechtigt, kommt ihr grundsätzlich auch bei der 

Anwendung ein gewisser Beurteilungsspielraum zu. Wird die Anwendung einer solchen 

Bestimmung Gegenstand eines Beschwerdeverfahrens, so haben die 

Rechtsmittelinstanzen zu prüfen, ob die von der Gemeinde geltend gemachte Auslegung 

rechtlich haltbar ist. Sie auferlegen sich mit anderen Worten eine gewisse Zurückhaltung 

gegenüber der Auffassung der Gemeinde. Sie sind nicht befugt, die kommunale Auslegung 

der Norm durch ihr eigenes Verständnis zu ersetzen, wenn die Rechtsauffassung der 

Gemeinde betreffend den Inhalt, den Sinn und die Tragweite der interessierenden 

Vorschrift rechtlich vertretbar erscheint.5

Anlässlich des Augenscheins am 17. September 2014 erläuterten die Vertreter der Stadt 

Thun die kommunale Praxis zu Art. 21 Abs. 3 GBR. Die Bestimmung diene dazu, an 

städtebaulich komplizierten Lagen auf den Einzelfall bezogene Lösungen zu finden, um der 

Komplexität der architektonischen Situation gerecht zu werden. Dabei orientiere man sich 

4 Baureglement der Stadt Thun vom Juni 2002 (GBR)
5 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, 
Art. 65 N. 2 ff. 

5

nicht an einer bestimmten Gebäudehöhe oder Ausnutzung, auch werde nicht quasi 

rechnerisch die durchschnittliche Nutzung der Umgebung bestimmt. Massgeblich seien 

vielmehr die optische Beurteilung der Situation und die Begleitung des Bauvorhabens 

durch die Stadt. Dabei sei auch eine Entwicklung des betroffenen Gebiets möglich. 

c) Art. 21 Abs. 3 GBR verweist für die Beurteilung neuer Bauvorhaben auf das 

Nutzungsmass und die baupolizeilichen Masse der vorherrschenden Bebauung. Gemäss 

dem Kommentar zu dieser Bestimmung ist dabei auf die Mehrzahl der bestehenden 

Bauten entlang einer Strasse oder einer Gebäudegruppe abzustellen. Dies legt an sich 

eine Umsetzung der Bestimmung nahe, bei der rechnerisch die durchschnittliche 

Ausnutzung, Geschosszahl usw. der Umgebung bestimmt wird. Eine solche Anwendung 

von Art. 21 Abs. 3 GBR würde aber nur scheinbar zu einem objektiven Ergebnis führen, da 

sich durch die Festlegung des massgeblichen Perimeters das Resultat und damit das 

Nutzungsmass praktisch beliebig verändern lässt. Hätte die Stadt Thun mit dieser 

Bestimmung eine rechnerische Festlegung der baupolizeilichen Masse bezweckt, so hätte 

sie dies einfacher mit der Bezeichnung von Bauzonen oder Überbauungsordnungen 

erreichen können. In der Zone W/A3+ liegen Gebiete mit urbaner Bebauung, in denen sich 

die Einordnung von Neubauten als städtebaulich anspruchsvoll erweist. Gerade in Fällen, 

wo sich die Umgebung der Bauparzelle als sehr heterogen erweist, würde eine Baute, die 

sich ausschliesslich am vorhandenen Durchschnitt orientiert, oft nicht zur architektonisch 

besten Lösung führen. Die Auslegung der Stadt Thun stellt in erster Linie auf die 

Einordnung des Bauvorhabens in die Umgebung ab und auf das Finden einer Lösung für 

den jeweiligen Einzelfall. Diese Auslegung von Art. 21 Abs. 3 GBR erscheint sachgerecht 

und rechtlich vertretbar.

d) Im vorliegenden Fall wurde das Bauvorhaben im Rahmen des 

Baubewilligungsverfahrens vom Fachausschuss Bau- und Aussenraumgestaltung (FBA) 

der Stadt Thun begleitet. Anlässlich der Sitzung des FBA vom 10. Mai 2012 wurde 

festgehalten, dass das städtebauliche Konzept eines fünfgeschossigen Wohn- und 

Geschäftshauses mit Attika entlang der E.________strasse grundsätzlich positiv gewertet 

werde. Das Gebäudevolumen markiere die Eingangssituation zur erweiterten Innenstadt 

und gliedere sich in eine Abfolge von markanten Bauten ein. Die Attikagestaltung mit 

Dachkante auf der Fassadenflucht zur E.________strasse spiele eine wichtige 

städtebauliche Rolle und sei daher zu begrüssen. Der Laubengang im Erdgeschoss leiste 

einen wichtigen Beitrag an den öffentlichen Raum und führe den bestehenden Laubengang 

6

des "Hotels F.________" weiter. Die FBA hielt zudem verschiedene Empfehlungen zur 

Anpassung des Projekts fest, so die Verlängerung des Laubengangs über die gesamte 

Gebäudelänge und die Planung der Detailerschliessung.6 Die Beschwerdegegnerin 

überarbeitete ihr Bauprojekt entsprechend. Anlässlich der Sitzung vom 14. November 2012 

empfahl die FBA die Einreichung eines Baugesuchs auf Basis des Vorprojekts.7 Die Stadt 

Thun hält in ihrem Bauentscheid vom 18. März 2014 fest, das Bauvorhaben bedeute eine 

städtebauliche Aufwertung und erziele eine gute Gesamtwirkung.

e) Das Rechtsamt der BVE holte mit Verfügung vom 20. Juni 2014 einen Bericht der 

OLK ein. Die OLK hält in ihrem Bericht vom 15. August 2014 fest, dass die Umgebung des 

Bauprojekts durch eine sehr heterogene Bebauungsstruktur mit wenig städtebaulicher und 

architektonischer Qualität geprägt sei. Entlang der E.________strasse reihten sich 

Gebäude aus verschiedenen Epochen mit unterschiedlicher Volumetrie, Nutzung und 

Materialisierung auf. Dies erzeuge kein einheitliches Bild. Baumassen mit einem höheren 

Nutzungsmass hätten ihren Schwerpunkt am südlichen Ende der E.________strasse und 

nähmen nach Norden hin kontinuierlich ab. Das Bauvorhaben gehe auf die vorherrschende 

Verdichtung, mit dem prägnanten sechsgeschossigen Baukörper des Hotel F.________ 

am südlichen Ende der E.________strasse und dem im Westen angrenzenden Neubau 

ein. Die Geschossigkeit und Volumetrie seien städtebaulich nachvollziehbar. Eine 

Verdichtung an diesem Ort erscheine sinnvoll. Die Sichtachse auf das Schloss Thun werde 

nur unwesentlich beeinträchtigt.

f) Anlässlich des Augenscheins vom 19. September 2014 konnte sich das Rechtsamt 

ein eigenes Bild vom Bauvorhaben und seiner Umgebung machen. Die Umgebung 

erscheint insgesamt sehr heterogen. Zwischen der Bauparzelle und dem H.________ und 

hinter der Bauparzelle befinden sich höhere Gebäude (Hotel F.________, Gebäude 

G.________, Gebäude E.________strasse 3) mit vier bis sechs Geschossen. Westlich der 

Bauparzelle befindet sich ein viergeschossiger Neubau. Nördlich entlang der 

E.________strasse befindet sich ein langgezogener, dreistöckiger Bau, der unter 

Denkmalschutz steht. Der weiter westlich und nördlich gelegene Teil des Quartiers ist 

kleinräumiger bebaut und weist grösstenteils ältere Ein- und Mehrfamilienhäuser auf. Auf 

der gegenüberliegenden Strassenseite der E.________strasse befinden sich direkt 

gegenüber der Bauparzelle das Geschäft der Beschwerdeführerin und eine I.________, die 

6 Protokollauszug FBA 05/12
7 Protokollauszug FBA 11/12

7

beide zwei Stockwerke aufweisen. Anschliessend finden sich zum H.________ hin drei- bis 

vierstöckige Bauten in geschlossener Bauweise. Das bestehende Lagergebäude auf der 

Bauparzelle, das abgebrochen werden soll, weist drei Geschosse auf. Insgesamt lässt sich 

festhalten, dass von der Bauparzelle Richtung H.________ und auf der westlichen Seite 

der E.________strasse eine verdichtete Bauweise mit höheren Gebäuden und grösseren 

Gebäudevolumina vorherrscht. Die Umgebung der Bauparzelle erscheint architektonisch 

völlig uneinheitlich und von unterdurchschnittlicher Qualität.

Bei der E.________strasse handelt es sich um eine Kantonsstrasse und eine 

Hauptverkehrsachse zwischen dem Autobahnzubringer und der Innenstadt von Thun. Die 

beiden Strassenseiten weisen bereits jetzt eine unterschiedliche Bebauung auf. Die 

westliche Seite Richtung H.________ ist geprägt von verdichteter Bauweise und höheren 

Gebäuden. Auf der östlichen Seite finden sich Gebäude mit weniger Geschossen, dafür 

bilden die Bauten zwischen H.________ und J.________strasse einen praktisch 

durchgehenden Gebäuderiegel. Aufgrund der unterschiedlichen Bebauung und der Breite 

der Strasse werden die beiden Strassenseiten nicht als Einheit wahrgenommen. Das 

Gebäude E.________strasse 11, das nördlich an die Bauparzelle anschliesst, ist ein 

Baudenkmal und hat einen völlig anderen Charakter als die übrige Bebauung. Es bildet 

eine optische Zäsur zum weiter nördlich gelegenen Teil der E.________. Der westlich 

hinter der ersten Gebäudereihe an der E.________strasse gelegene Teil des Quartiers ist 

von der Strasse aus nicht sichtbar und daher für die vorliegende Beurteilung nicht 

massgeblich. Insgesamt zeigt sich, dass der Gebäudekomplex auf der westlichen Seite der 

E.________strasse zwischen der Bauparzelle und dem H.________ als städtebauliche 

Einheit mit ähnlicher, verdichteter Überbauung wahrgenommen wird. Es ist daher 

sachgerecht, dass sich die Stadt Thun bei der Beurteilung des Nutzungsmasses des 

Bauvorhabens an diesem Gebäudekomplex orientiert hat. 

Die genannten Gebäude weisen vier bis sechs Geschosse auf. Das Bauvorhaben 

entspricht mit den geplanten sechs Geschossen und seinem Gebäudevolumen diesen 

Bauten und hält damit das zulässige Nutzungsmass ein. Die Geschosszahl und Volumetrie 

des Bauvorhabens wurden auch vom FBA und der OLK positiv gewertet. Die Stadt Thun 

hat damit zu Recht entschieden, dass das Bauvorhaben den baupolizeilichen Vorschriften 

für die Zone W/A3+ entspricht. Die Rüge der Beschwerdeführerin ist unbegründet.

8

3. Ortsbild

a) Die Beschwerdeführerin rügt, das Bauvorhaben dominiere das Orts- und Strassenbild 

und erreiche keine gute Gesamtwirkung mit der Umgebung. Sie kritisiert vor allem die 

Höhe und das Volumen der geplanten Baute. Das Bauvorhaben halte zudem die 

Strassenflucht nicht ein.

b) Bauten, Anlagen, Reklamen, Anschriften und Bemalungen dürfen Landschaften, 

Orts- und Strassenbilder nicht beeinträchtigen (Art. 9 Abs. 1 BauG). Diese Vorschrift stellt 

die „ästhetische Generalklausel“ im Sinne eines allgemeinen Beeinträchtigungsverbots dar. 

Eine Beeinträchtigung liegt vor, wenn ein Bauvorhaben einen Gegensatz zur bestehenden 

Überbauung schafft, der erheblich stört. Die Gemeinden dürfen eigene Ästhetikvorschriften 

erlassen, die über die kantonalen Vorschriften hinausgehen können. Derartige Vorschriften 

müssen, um selbständige Bedeutung zu erlangen, konkreter gefasst sein als die 

Anordnungen des kantonalen Rechts, sie dürfen Letztere nicht bloss allgemein anders 

formulieren.8 Das Baureglement der Stadt Thun fordert in Art. 5 Abs. 1 GBR, dass Bauten 

und Anlagen so zu gestalten sind, dass zusammen mit ihrer Umgebung eine gute 

Gesamtwirkung entsteht. Es verweist dabei unter anderem auf die prägenden Elemente 

und Merkmale des Strassen-, Orts- und Landschaftsbilds, Standort, Stellung, Form, 

Proportionen und Dimensionen der Bauten und Anlagen, Gestaltung, Materialisierung und 

Farbgebung von Fassaden, Dächern und Reklamen, sowie die Gestaltung der 

Aussenräume. Diese Bestimmung geht weiter als Art. 9 Abs. 1 BauG. Ihr kommt daher 

selbständige Bedeutung zu.

c) Der Begriff „gute Gesamtwirkung“ stellt einen unbestimmten kommunalen 

Gesetzesbegriff dar, bei dessen Auslegung die kommunalen Behörden einen gewissen 

Beurteilungsspielraum haben. Jedoch dürfen auch an das Erfordernis der guten 

Gesamtwirkung nicht unverhältnismässig hohe Ansprüche gestellt werden. Die gute 

Gesamtwirkung ist weder an geringen noch an besonders hohen architektonischen 

Qualitäten zu messen. Das bedeutet bei durchschnittlichen örtlichen Gegebenheiten, dass 

das Mittelmass der Umgebung nicht gestört werden darf und sich eine neue Baute oder 

Anlage an den qualitativ hochwertigeren Bauten und Anlagen der Umgebung zu orientieren 

hat.9

8 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art.°9/10 N. 4 und 13; BVR 2009 S. 328 E. 5.2 mit Hinweisen
9 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 4a; BVR 2009 S. 329 E. 5.3, BVR 2006 S. 491 E. 6.3.1

9

d) Die OLK hält in ihrem Bericht vom 15. August 2014 fest, dass die Umgebung der 

Bauparzelle sehr heterogen sei und wenig städtebauliche und architektonische Qualität 

aufweise. Volumetrie und Geschossigkeit des Bauvorhabens seien städtebaulich 

nachvollziehbar. Das Bauvorhaben gehe auf die vorherrschende Verdichtung ein, was an 

diesem Ort sinnvoll erscheine. Die Sichtachse auf das Schloss Thun werde durch das 

Bauvorhaben nur unwesentlich beeinträchtigt. Das Rechtsamt konnte diese Einschätzung 

am Augenschein vom 17. September 2014 bestätigen. Die Bauten am südlichen Ende der 

E.________strasse Richtung H.________ erscheinen aufgrund ihrer Volumetrie, 

Materialisierung, Nutzung und ihres Stils höchst uneinheitlich. Das Bauvorhaben orientiert 

sich in seiner Gestaltung an den Neubauten in seiner Umgebung und vermag so eine 

gewisse optische Einheitlichkeit zu erzeugen. Dies bedeutet angesichts der geringen 

architektonischen Qualität der Umgebung eine Aufwertung. Höhe und Volumen des 

geplanten Gebäudes entsprechen den Vorgaben für die Zone W/A3+ (vgl. E. 2). Gestützt 

auf Vorschriften des allgemeinen Ortsbild- und Landschaftsschutzes dürfen in der Regel 

Art oder Mass der nach der Zonenordnung zulässigen Nutzung nicht eingeschränkt 

werden10. Grosse Bedeutung kommt indes der Sichtachse auf das Schloss Thun zu. Diese 

wird durch das Bauvorhaben nur geringfügig beeinträchtigt. Insgesamt lässt sich festhalten, 

dass das Bauvorhaben zu einer gewissen Vereinheitlichung am südlichen Ende der 

E.________strasse führt und sich damit positiv auf das Ortsbild auswirkt. 

e) Die Beschwerdeführerin rügt, das Bauvorhaben halte die vom Hotel F.________ und 

dem Gebäude der G.________ vorgegebene Fassadenflucht nicht ein.

Entlang der E.________strasse besteht eine Baulinie in 4.00 m Abstand zur 

Verkehrsfläche. Das geplante Gebäude soll direkt an diese Baulinie gestellt werden, 

überschreitet sie aber nicht. Das Hotel F.________ und das Gebäude der G.________ sind 

nur geringfügig, d.h. rund 0.10 m, von der Baulinie zurückversetzt.11 

Die OLK hat am Augenschein vom 17. September 2014 festgehalten, dass die Stellung der 

Baute direkt an der Strasse städtebaulich richtig sei. Diese Einschätzung der OLK 

überzeugt. Das Bauvorhaben hält sich an die bestehende Baulinie. Der Eindruck, dass die 

10 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, 
Art. 9/10 N. 15 mit Hinweisen
11 Vgl. Situationsplan vom 7. November 2013

10

Fassadenflucht der bestehenden Gebäude überschritten werde, entsteht in erster Linie 

durch die Biegung der E.________strasse und würde auch dann bestehen, wenn das 

Bauvorhaben entsprechend dem Gebäude der G.________ um 0.10 m von der Baulinie 

zurückversetzt würde. Das Bauvorhaben hält den von der Baulinie vorgeschriebenen 

Strassenabstand ein und ist diesbezüglich reglementskonform. Die Auffassung der Stadt 

Thun, wonach das Bauvorhaben mit seiner Umgebung eine gute Gesamtwirkung erzielt, 

wird gestützt. Die Rüge der Beschwerdeführerin betreffend Verletzung der 

Gestaltungsvorschriften ist unbegründet.

4. Schattenwurf

a) Die Beschwerdeführerin rügt, die Bauherrschaft habe kein Schattendiagramm 

erstellen lassen.

b) Nach Art. 22 Abs. 3 BauV12 i.V.m. Art. 20 Abs. 1 und 2 BauG dürfen höhere Häuser 

und Hochhäuser bestehende Wohnbauten nicht durch übermässigen Schattenwurf 

beeinträchtigen. Für andere Bauten und Anlagen enthält die Baugesetzgebung keine 

Vorschriften über die zulässige Beschattung.13 

Beim Bauvorhaben handelt es sich nicht um ein Hochhaus oder ein höheres Haus i.S.v. 

Art. 20 Abs. 1 und 2 BauG. Die geplante Baute entspricht den reglementarischen Vorgaben 

für die Zone W/A3+ (vgl. E. 2). Für die Prüfung der Frage, ob eine übermässige 

Beschattung vorliegt, bleibt somit kein Raum. Es erübrigt sich demnach, ein 

Schattendiagramm einzuholen. Vielmehr muss die Beschattung, die aus 

reglementskonformer Bauweise resultiert, geduldet werden. Es ist nicht zu beanstanden, 

dass die Vorinstanz im Baubewilligungsverfahren kein Schattendiagramm einholte. Die 

Rüge ist unbegründet.

5. Kosten

12 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 
13 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 24 N 31

11

Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdeführerin. Sie hat die 

Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Die Verfahrenskosten im 

Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr. Für besondere 

Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren erhoben 

werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf Fr. 1'800.- 

(Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 und Art. 20 Abs. 1 GebV14). Für 

den Augenschein vom 17. September 2014 wird in Anwendung von Art. 20 Abs. 1 GebV 

eine zusätzliche Gebühr von Fr. 400.- erhoben. Die Kosten der OLK (Fr. 900.- gemäss 

Rechnung vom 9. September 2014 und Fr. 300.- für die Teilnahme am Augenschein 

gemäss Schreiben vom 24. September 2014) werden gestützt auf Art. 11 GebV zusätzlich 

erhoben. Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren betragen somit Fr. 3'400.-. Die 

Beschwerdegegnerin ist nicht anwaltlich vertreten. Es werden daher keine Parteikosten 

gesprochen (Art. 104 Abs. 1 VRPG).

III. Entscheid

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. Der Gesamtentscheid der Stadt Thun vom 

18. März 2014 wird bestätigt.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 3'400.- werden der Beschwerdeführerin zur Bezahlung 

auferlegt. Eine separate Zahlungseinladung folgt, sobald dieser Entscheid in 

Rechtskraft erwachsen ist.

3. Es werden keine Parteikosten gesprochen.

IV. Eröffnung

- Herrn Rechtsanwalt X.________, mit Gerichtsurkunde

- Z.________, mit Gerichtsurkunde

14 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; 
BSG 154.21)

12

- Baubewilligungsbehörde der Stadt Thun, Bauinspektorat, eingeschrieben

- Regierungsstatthalteramt Thun, zur Kenntnis

BAU-, VERKEHRS- UND 

ENERGIEDIREKTION

Die Direktorin

B. Egger-Jenzer,

Regierungspräsidentin