# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 46852c70-4012-5bb4-9088-f26351bc9cfa
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-10-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.10.2011 C-3591/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-3591-2008_2011-10-21.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung III
C­3591/2008

U r t e i l   v om   2 1 .   O k t ob e r   2 0 1 1

Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz),
Richterin Ruth Beutler, Richter Blaise Vuille,
Gerichtsschreiber Julius Longauer.

Parteien A._______,
Beschwerdeführer,
vertreten durch lic. iur. Peter Frei, Rechtsanwalt,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Schlussabrechnung.

C­3591/2008

Seite 2

Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer  (geb.  1960)  ist  türkischer  Staatsangehöriger.  Im 
Jahr  1993  gelangte  er  in  die  Schweiz  und  stelle  hier  ein  Asylgesuch. 
Seine Ehefrau B._______ (geb. 1966) und die zwei gemeinsamen Kinder 
C._______  (geb.  1984)  und  D._______  (geb.  1987),  die  er  bei  seiner 
Ausreise  in  der  Türkei  zurückgelassen  hatte,  folgten  ihm  im  Jahr  1996 
nach und ersuchten ebenfalls um Asyl. In der Schweiz kam am 24. April 
1999 als drittes Kind der Ehegatten der Sohn E._______ auf die Welt.

B. 
Die  Asylgesuche  der  Familie  des  Beschwerdeführers  blieben  im 
erstinstanzlichen  Verfahren  vor  dem  Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF, 
heute:  BFM)  ohne  Erfolg.  Mit  Urteil  der  damaligen  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  (ARK)  vom  11.  August  1999  wurde  die 
Verweigerung  des Asyls  auf Beschwerde  hin  bestätigt,  das BFF  jedoch 
angewiesen,  vom  Vollzug  der  Wegweisung  abzusehen  und  den 
Beschwerdeführern  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren.  Dieser 
Aufforderung kam das BFF am 23. August 1999 nach.

C. 
Mit  Verfügung  vom  9.  Dezember  2002  erstellte  die  Vorinstanz  eine 
Zwischenabrechnung über das Sicherheitskonto des Beschwerdeführers. 
Die  Höhe  der  während  des  Asylverfahrens  entstandenen 
rückerstattungspflichtigen Kosten wurde auf Fr. 25'904.20 festgesetzt und 
eine entsprechende Teilsaldierung des Sicherheitskontos zu Gunsten des 
Bundes  angeordnet.  Das  Restguthaben  wurde  zur  Deckung  künftiger 
rückerstattungspflichtiger  Kosten  auf  dem  Sicherheitskonto  belassen. 
Diese Zwischenabrechnung erwuchs unangefochten in Rechtkraft.

D. 
Am 27. April 2006 erteilte der Kanton Obwalden dem Beschwerdeführer 
und seiner Familie Aufenthaltsbewilligungen.

E. 
Im  Hinblick  auf  die  anstehende  Schlussabrechnung  gelangte  die 
Vorinstanz am 10. Januar 2007 an die zuständigen Behörde des Kantons 
Obwalden und ersuchte um eine Aufstellung der während der vorläufigen 
Aufnahme  effektiv  verursachten  Fürsorgekosten  und  allfälliger 
Rückerstattungen.  Gleichzeitig  wies  sie  darauf  hin,  dass  die 

C­3591/2008

Seite 3

Fürsorgekosten  nicht  ausgewiesen  werden  müssten,  sofern  sie  den 
Betrag von Fr. 37'500.00 überstiegen.

F. 
Am  25.  Januar  2007  teilte  die  kantonale  Behörde  der  Vorinstanz  unter 
Beilage  einer  Kostenzusammenstellung  für  die  Unterstützungsperioden 
4. Quartal 1999 bis 4. Quartal 2001 mit, der Beschwerdeführer und seine 
Familie  seien  in  diesem  Zeitraum  während  4'115  Tagen  unterstützt 
worden und hätten Kosten von  insgesamt Fr. 146'046.90 verursacht.  Im 
gleichen  Zeitraum  hätten  sie  Eigenleistungen  in  der  Höhe  von  Fr. 
90'684.20  erbracht.  Zu  Lasten  des  Beschwerdeführers  ergebe  sich  ein 
Negativsaldo von mehr als Fr. 37'500.00 (nämlich Fr. 55'362.70), sodass 
auf  eine  Aufstellung  der  Kosten  für  spätere  Unterstützungsperioden 
verzichtet werde.

G. 
Die Vorinstanz stellte dem Beschwerdeführer am 16. Februar 2007 den 
Entwurf einer Schlussabrechnung über sein Sicherheitskonto zu und  lud 
ihn  zur  Stellungnahme  ein.  Im  Entwurf  wurden  dem  auf  dem 
Sicherheitskonto  liegenden  Guthaben  von  Fr.  36'920.15  während  der 
vorläufigen  Aufnahme  entstandene,  rückerstattungspflichtige  Kosten  in 
der  Höhe  von  Fr.  56'338.05  gegenüber  gestellt,  die  sich 
zusammensetzten  aus  der  Differenz  zwischen  Kosten  und 
Eigenleistungen gemäss Bestätigung der kantonalen Behörde  im Betrag 
von Fr. 55'362.70 und den ungedeckten Kosten von Zahnbehandlungen 
im  Betrag  von  Fr.  975.35.  Daraus  ergab  sich  zu  Lasten  des 
Beschwerdeführer ein ungedeckter Negativsaldo von Fr. 19'417.90.

H. 
Der  Beschwerdeführer  teilte  der  Vorinstanz  am  12.  März  2007  seine 
Einwände  gegen  den  Entwurf  der  Schlussabrechnung  mit,  welche 
inhaltlich die auf dem Sicherheitskonto verbuchten Lohnabzüge betrafen. 
Die  dadurch  veranlassten  Abklärungen  der  Vorinstanz  führten  zu  einer 
Gutschrift  auf  dem  Sicherheitskonto  in  der  Höhe  von  Fr.  2'034.55 
(Nachforderung  gegenüber  dem  Arbeitgeber  im  Zusammenhang  mit 
Lohnabzügen,  die  nicht  auf  das  Sicherheitskonto  überwiesen  wurden) 
und  einem  Abzug  in  der  Höhe  von  Fr.  461.50  (Rückerstattung  an  den 
Beschwerdeführer  im  Zusammenhang mit  Lohnabzügen,  die  nach  dem 
Ende  der  Sicherheitsleistungspflicht  vorgenommen  und  auf  das 
Sicherheitskonto überwiesen wurden).

C­3591/2008

Seite 4

I. 
Mit  Verfügung  vom  30.  April  2008  erliess  die  Vorinstanz  die 
Schlussabrechnung  über  das  Sicherheitskonto  des  Beschwerdeführers. 
Die  Vorinstanz  stellte  fest,  dass  das  Sicherheitskonto  des 
Beschwerdeführers  nach  den  durchgeführten  Korrekturen  per  28.  April 
2008  zuzüglich  Zins  und  abzüglich  Spesen  ein  Guthaben  von 
Fr. 38'612.80  weist,  setzte  die  für  die  Dauer  der  vorläufigen  Aufnahme 
aus  der  Sicherheitsleistungspflicht  zurückzuerstattenden  Kosten 
entsprechend  dem  Abrechnungsentwurf  auf  Fr. 56'338.05  fest  und 
ordnete die Saldierung des Sicherheitskontos zu Gunsten des Bundes als 
anteilsmässige Rückerstattung an die verursachten Kosten an.

J. 
Gegen  die  vorgenannte  Verfügung  legte  der  Beschwerdeführer  am  2. 
Juni  2008  Rechtsmittel  beim  Bundesverwaltungsgericht  ein,  das  sich 
gegen die Höhe der  rückerstattungspflichtigen Kosten  richtet,  soweit  sie 
über die Kosten der Zahnbehandlung hinausgehen.

Der  Beschwerdeführer  macht  im  Wesentlichen  geltend,  er  habe  mit 
C._______ ein behindertes Kind zu betreuen, das im Kanton Obwalden in 
einem  Sonderschulheim  untergebracht  und  dessen  Unterhalt  während 
der  ganzen  Aufenthaltsdauer  in  der  Schweiz  durch  Leistungen  der 
Invalidenversicherung  (IV)  gedeckt  worden  sei.  Diese 
Versicherungsleistungen  seien  Caritas  Obwalden  zugeflossen,  die  für 
den Kanton die Fürsorge wahrnehme, und mit dem Unterhaltsbudget der 
Familie  verrechnet  worden.  Entsprechende  Beweismittel  würden 
baldmöglichst  eingereicht.  Unter  diesen  Umständen  seien  die  ihm  in 
Rechnung gestellten Kosten nicht haltbar und nicht zu begründen.

K. 
Auf entsprechende Beweisanordnung unterbreitete der Beschwerdeführer 
dem Bundesverwaltungsgericht am 3. Juli 2008 eine Dokumentation der 
IV­Stelle Obwalden. Daraus ergebe sich, so der Beschwerdeführer, dass 
im  Zeitraum  vom  1. Januar  2003  bis  30.  Juni  2008  für  das  Kind 
C._______  Rentenleistungen  von  insgesamt  Fr.  221'475.00  ausbezahlt 
worden seien, sei es direkt an die Caritas Obwalden, sei es zu Handen 
der Caritas Obwalden an  ihn. Diese Mittel seien als Versicherungs­ und 
nicht als Fürsorgeleistungen zu betrachten. Der Beschwerdeführer macht 
des Weiteren  geltend,  er  habe  nach  der  Einreise  der  Ehefrau  und  der 
beiden älteren Kinder  im Jahr 1996 von der Ausgleichskasse Obwalden 
in  einem  grösseren  Umfang  Kinderzulagen  für  die  früheren  Jahre 

C­3591/2008

Seite 5

erhalten, die ebenfalls mit den Fürsorgeleistungen der Caritas verrechnet 
worden seien. Schliesslich wird vorgebracht, das Kind C._______ sei für 
längere Zeit in einem Behindertenheim untergebracht gewesen, wobei er 
die Hälfte der Kosten aus eigenen Einkünften beigesteuert habe.

L. 
Die  Vorinstanz  schliesst  in  ihrer  Vernehmlassung  vom  14.  November 
2008 auf Abweisung der Beschwerde. Weitere beim Kanton veranlasste 
Abklärungen hätten ergeben, dass die Familie des Beschwerdeführers ab 
dem  1.  Februar  2005  selbständig  gewesen  sei.  Vor  diesem  Zeitpunkt, 
d.h.  vom  23.  August  1999  bis  31.  Januar  2005  habe  die  Familie 
Gesamtkosten von Fr. 390'661.46 verursacht. Dem stünden Gutschriften 
zu Gunsten des Bundes aus Eigen­ und Drittleistungen  in der Höhe von 
Fr. 290'218.77  gegenüber.  Der  zu  Lasten  des  Beschwerdeführers 
lautende  Saldo  sei  (mit  Fr.  100'462.69)  somit  höher  als  in  der 
angefochtenen  Verfügung  angenommen.  Obwohl  das  BFM  für  die 
Rückforderung  von  Kosten  der  vorläufigen  Aufnahme  an  keinen 
Maximalbetrag  gebunden  sei,  werde  aus  verwaltungsökonomischen 
Gründen  auf  Erlass  einer  Verfügung  über  einen  höheren  Negativsaldo 
verzichtet.

M. 
Mit  Replik  vom  29.  Dezember  2008  hält  der  Beschwerdeführer  ohne 
weitergehende Begründung an seinen Anträgen fest. 

N. 
Auf den weiteren Akteninhalt wird – soweit entscheidserheblich –  in den 
Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1.  Verfügungen  des  BFM  auf  dem  Gebiet  des  Asyl­  und 
Ausländerrechts  unterliegen  der  Beschwerde  an  das 
Bundesverwaltungsgericht  (Art.  31,  Art.  32  und  Art.  33  Bst.  d  des 
Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]).

1.2. Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht  richtet sich nach 
dem  Bundesgesetz  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021),  soweit  das 
Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).

C­3591/2008

Seite 6

1.3. Der  Beschwerdeführer  ist  als  Verfügungsadressat  zur  Beschwerde 
legitimiert  (Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  im  Übrigen  frist­  und 
formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  daher  einzutreten  (Art.  49  ff. 
VwVG).

2. 
2.1.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die 
Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder 
Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige 
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes und – soweit nicht eine 
kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die 
Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art.  49  VwVG).  Das 
Bundesverwaltungsgericht  wendet  im  Beschwerdeverfahren  das 
Bundesrecht von Amtes wegen an. Es  ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG 
an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden  und  kann  die 
Beschwerde  auch  aus  anderen  als  den  geltend  gemachten  Gründen 
gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich  die  Sachlage 
zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides  (vgl.  BVGE  2011/1  E.2).  Inwieweit 
Rechtsänderungen  zu  berücksichtigen  sind,  hängt  von  der 
massgeblichen  intertemporalen  Regelung  ab.  Fehlt  im  Gesetz  eine 
Übergangsbestimmung,  so  entscheidet  das  Bundesverwaltungsgericht 
aufgrund  allgemeiner  intertemporaler  Grundsätze  (ANDRÉ  MOSER  / 
MICHAEL  BEUSCH  /  LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 2.202 mit Hinweisen).

2.2. Am 1. Januar 2008 trat das zweite Paket der Asylgesetzrevision vom 
16. Dezember 2005  in Kraft, mit dem durch entsprechende Änderungen 
des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  und  des  auf 
denselben  Zeitpunkt  in  Kraft  gesetzten  Bundesgesetzes  vom 
16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR 
142.20)  ein  Systemwechsel  von  der  individuellen  Sicherheitsleistungs­ 
und Rückerstattungspflicht (SiRück­System) zur Sonderabgabe vollzogen 
wurde  (vgl.  zum  Ganzen  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts 
C­7179/2008  vom  21.  Dezember  2010  E.  4).  In  Bezug  auf  vorläufig 
aufgenommene  Personen  bestimmt  Art.  126a  Abs.  1  AuG,  dass  die 
Abrechnung  und  Liquidation  eines  Sicherheitskontos  dem  alten  Recht 
folgt,  wenn  sich  vor  dem  Inkrafttreten  des  neuen  Rechts  ein 
Schlussabrechnungsfall  nach  Art.  87  des  AsylG  in  der  Fassung  vom 
26. Juni  1998  (AS  1999  2262)  verwirklicht  hat.  Ein  solcher 
Schlussabrechnungsgrund ist eingetreten, als der Beschwerdeführer und 
seine  Familie  am  27.  April  2006  eine  Aufenthaltsbewilligung  erhalten 

C­3591/2008

Seite 7

haben (Art. 87 Abs. 1 Bst. b AsylG  in der Fassung vom 26. Juni 1998). 
Die Voraussetzungen für die Nachwirkung des alten Rechts sind deshalb 
gegeben.

3. 
3.1.  Vorläufig  aufgenommene  Personen  haben,  soweit  zumutbar, 
Fürsorge­,  Ausreise­  und  Vollzugskosten  sowie  die  Kosten  des 
Rechtsmittelverfahrens  zurückzuerstatten  (vgl.  Art.  14c  Abs.  6  des 
Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung 
der  Ausländer  [ANAG,  BS  1  121]  i.V.m.  Art.  85  Abs.  1  AsylG  in  der 
Fassung  vom  26.  Juni  1998).  Gemäss  Art.  14c  Abs.  6  ANAG  sind  sie 
verpflichtet, für die Rückerstattung dieser Kosten Sicherheit zu leisten. Zu 
diesem  Zweck  führt  der  Bund  Sicherheitskonten,  auf  welche  die 
Arbeitgeber  10  Prozent  des  Erwerbseinkommens  der  vorläufig 
aufgenommenen  Personen  zu  überweisen  haben  (vgl.  Art.  14c  Abs.  6 
ANAG und Art. 22 Abs. 1 der Verordnung vom 11. August 1999 über den 
Vollzug der Weg­ und Ausweisung von ausländischen Personen [VVWA, 
SR 142.281] in der Fassung vom 11. August 1999 [AS 1999 2254] i.V.m. 
Art. 86 Abs. 2 AsylG in der Fassung vom 26. Juni 1998 und Art. 11 Abs. 1 
der  Asylverordnung 2  vom  11. August  1999  über  Finanzierungsfragen 
[AsylV 2,  SR  142.312]  in  der  Fassung  vom  11. August  1999  [AS  1999 
2318]).

3.2.  Erhält  die  vorläufig  aufgenommene  Person  eine 
Aufenthaltsbewilligung  oder  verlässt  sie  die  Schweiz  endgültig,  so 
liquidiert  das  BFM  das  Sicherheitskonto  auf  Grund  einer 
Schlussabrechnung,  in deren Rahmen eine Verrechnung zwischen dem 
Kontoguthaben  und  den  rückerstattungspflichtigen  Kosten  zwecks 
Deckung der  letzteren erfolgt  (Art. 14c Abs. 6 ANAG und Art. 22 Abs. 1 
VVWA in der Fassung vom 11. August 1999 i.V.m. Art. 87 Abs. 1 Bst. b 
AsylG  in der Fassung vom 26. Juni 1998 und Art. 17 Abs. 2 AsylV 2  in 
der Fassung vom 11. August 1999). Ein allfälliges Restguthaben gelangt 
zur  Auszahlung  an  den  Kontoinhaber.  Soweit  die 
rückerstattungspflichtigen  Kosten  nicht  aus  den  Sicherheitsleistungen 
gedeckt  werden  können,  bleibt  der  Kontoinhaber  nach  Massgabe  der 
fürsorgerechtlichen  Grundsätze  zur  Rückerstattung  verpflichtet  (Art. 22 
Abs. 1 VVWA in der Fassung vom 11. August 1999  i.V.m. Art. 9 Abs. 1 
und 4 AsylV 2  in der Fassung vom 11. August 1999; vgl. dazu auch die 
Erläuterungen im Entwurf zur Schlussabrechnung vom 16. Februar 2007, 
wonach  die  Rückerstattung  von  ungedeckten  Kosten  für  den  Fall 

C­3591/2008

Seite 8

vorbehalten bleibt, dass der Kontoinhaber zu Vermögen kommt, das nicht 
aus Erwerbseinkommen stammt). 

3.3.  Die  rückerstattungspflichtigen  Kosten  setzen  sich  zusammen  aus 
den  ungedeckt  gebliebenen  Kosten  einer  Zwischenabrechnung  (Art.  23 
Abs. 1 VVWA in der Fassung vom 11. August 1999), den Ausreise­ und 
Vollzugskosten,  den  beim  Bundesverwaltungsgericht  ungedeckt 
gebliebenen  Verfahrenskosten,  den  verursachten  Kosten 
zahnmedizinischer Behandlungen (Art. 22 Abs. 1 VVWA  in der Fassung 
vom  11.  August  1999  i.V.m.  Art.  9  Abs.  3  Bst.  a  bis  c  AsylV  2  in  der 
Fassung  vom  11.  August  1999)  und  einer  Pauschale  an  die  übrigen 
Fürsorgekosten  von  40  Franken  pro  Tag  und  Person.  Dabei  gilt  die 
Vermutung,  dass  eine  Person  während  der  Zeit  ohne  Arbeitsverhältnis 
vollumfänglich unterstützt wurde; diese Vermutung ist namentlich dann zu 
überprüfen,  wenn  der  Kontoinhaber  nachweist,  dass  die  Bedürftigkeit 
während der erwerbslosen Zeit nicht oder nicht vollständig bestanden hat 
oder Eigen­ bzw. Drittleistungen erbracht wurden (Art. 23 Bst. b VVWA in 
der Fassung vom 11. August 1999). 

4. 
Der Stand des Sicherheitskontos ist vorliegend unbestritten. Gegenstand 
der  hier  zu  beurteilenden  Beschwerde  ist  einzig  die  Höhe  der  dem 
Beschwerdeführer  vom  BFM  in  Rechnung  gestellten  Kosten  der 
allgemeinen Fürsorge. 

4.1. Der Beschwerdeführer macht geltend, sein Sohn C._______ habe im 
Zeitraum von 11.  Januar 2003 bis 30.  Juni 2008 Leistungen der  IV von 
insgesamt  Fr.  221'475.00  erhalten,  die  nicht  als  Sozialhilfe  betrachtet 
werden  könnten.  Des  Weiteren  habe  er  im  Jahr  1996  von  der 
Ausgleichskasse  Obwalden  in  einem  grösseren  Umfang  Kinderzulagen 
für  die  früheren  Jahre  ausbezahlt  erhalten,  die  ebenfalls  mit  den 
Fürsorgeleistungen  verrechnet  worden  seien.  Schliesslich  sei  der  Sohn 
C._______  für  längere  Zeit  im  Behindertenheim  Rüti  untergebracht 
gewesen,  wobei  er  die  Hälfte  der  Kosten  aus  eigenen  Einkünften 
bestritten  habe.  Ganz  offensichtlich  geht  der  Beschwerdeführer  davon 
aus,  dass  bei  der  Berechnung  der  Sozialhilfekosten  Eigen­  und 
Drittleistungen unrichtig erfasst worden seien. Die Vorinstanz, die sich in 
der  angefochtenen  Verfügung  aus  verwaltungsökonomischen  Gründen 
darauf  beschränkte,  die  rückerstattungspflichtigen  Kosten  nur  für  den 
Zeitraum  4.  Quartal  1999  bis  4.  Quartal  2001  zu  erheben,  sah  sich  im 
Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens  veranlasst,  beim Kanton  eine 

C­3591/2008

Seite 9

vollständige Auflistung der vom Beschwerdeführer und seiner Familie  in 
Anspruch  genommenen  Sozialhilfe  namentlich  auch  im Hinblick  auf  die 
IV­Leistungen  einzuholen.  Die  entsprechenden  Akten  wurde  dem 
Beschwerdeführer  zur  Stellungnahme  zugstellt.  Er  verzichtete  darauf, 
sich  mit  der  Aufstellung  inhaltlich  auseinanderzusetzen,  obwohl  die 
Beweisführungslast für die Höhe der Eigen­ bzw. Drittleistungen während 
einer Unterstützungsperiode nach der ausdrücklichen Vorschrift des Art. 
23  Bst.  2  VVWA  in  der  Fassung  vom  11. August  1999  bei  der 
unterstützten  Person  liegt.  Bei  dieser  Sachlage  bestünde  für  das 
Bundesverwaltungsgericht  nur  dann  Veranlassung,  die  Vollständigkeit 
und  Richtigkeit  der  Abrechnung  zu  hinterfragen,  wenn  sich 
entscheidswesentliche  Zweifel  aufgrund  der  Akten  aufdrängen.  Das  ist 
jedoch nicht der Fall.

4.2. Den  Akten  lässt  sich  entnehmen,  dass  der  Beschwerdeführer  und 
seine  Familie  von  August  1999  –  dem  Zeitpunkt  der  vorläufigen 
Aufnahme  –  bis  und mit  Januar  2005 während  insgesamt  9'719  Tagen 
teilweise unterstützt wurden: Den Kosten der materiellen Grundsicherung 
in  der  Höhe  von  Fr.  364'121.56  standen  Einnahmen  aus  dem 
Erwerbseinkommen des Beschwerdeführers  von  lediglich Fr. 222'641.95 
gegenüber.  Der  daraus  resultierende  Fehlbetrag  von  Fr. 141'479.61 
zuzüglich Kosten besonderer medizinischer Versorgung in der Höhe von 
Fr. 46'168.35 wurden von der öffentlichen Sozialhilfe übernommen. Somit 
haben der Beschwerdeführer und seine Familie wirtschaftliche Sozialhilfe 
von insgesamt Fr. 187'647.96 in Anspruch genommen. Dieser Betrag ist 
schon deshalb voll abrechnungsfähig, weil er sich deutlich innerhalb des 
von  Art. 23  Bst.  b  VVWA  (in  der  Fassung  vom  11.  August  1999) 
gezogenen Kostenrahmens hält (9'719 Unterstützungstage zu Fr. 40.00). 
Ende 2004 und Anfang 2005 wurden dem Sohn C._______ rückwirkend 
auf  den  1. Dezember  2003  Leistungen  der  IV  zugesprochen  (ganze 
ausserordentliche  IV­Rente,  Ergänzungsleistungen  der  IV, 
Hilflosenentschädigung mittleren Grades),  was  der  Familie  erstmals  zur 
wirtschaftlichen Selbständigkeit verhalf. Ein Teil der Nachzahlung für die 
Jahre  2003  und  2004  von  Fr. 84'780.00  wurde  zur  Deckung  der 
verursachten  Sozialhilfekosten  herangezogen.  Aus  der  Aufstellung  des 
Kantons geht  hervor,  dass die Nachzahlung wie  folgt  verwendet wurde: 
Der  Betrag  von  Fr. 61'656.80  wurde  mit  den  Sozialhilfekosten  des 
Sohnes C._______ in den Jahren 2003 und 2004 verrechnet, der Betrag 
von  Fr. 1'674.00  diente  der  Deckung  der  aus  der  Nachzahlung 
resultierenden  Steuern  für  die  Jahre  2003  und  2004,  der  Betrag  von 
Fr. 14'573.15  ging  an  den  Beschwerdeführer  unter  anderem  zwecks 

C­3591/2008

Seite 10

Rückerstattung seiner  finanziellen Beteiligung an der Unterbringung von 
C._______  und  der  Restbetrag  von  Fr. 6'876.05  wurde  dem  Sohn 
C._______  ausbezahlt.  Geht  man  zu  Gunsten  des  Beschwerdeführers 
davon aus, dass sein Anteil an der Nachzahlung ebenfalls zur Deckung 
der verursachten Sozialhilfekosten einbehalten wurde, so beläuft sich die 
Rückerstattung  gesamthaft  auf  Fr. 76'229.95.  Die  von  August  1999  bis 
und  mit  Januar  2005  entstandenen,  noch  offenen  Sozialhilfekosten 
betragen somit Fr. 111'418.01.

4.3.  Unter  Berücksichtigung  aller  Eigen­  und  Drittleistungen  des 
Beschwerdeführers  und  seiner  Familiengehörigen  ergibt  sich,  dass  im 
Zeitraum  August  1999  bis  und  mit  Januar  2005  tatsächlich 
rückerstattungspflichtige  Kosten  erwachsen  sind,  die  mit  Fr. 111'418.01 
wesentlich höher ausfallen, als die mit der angefochtenen Verfügung auf 
der  Basis  4.  Quartal  1999  bis  4.  Quartal  2001  festgesetzten  und  vom 
Beschwerdeführer beanstandeten Fr. 56'338.05. Die Beschwerde erweist 
sich  somit  als  klar  unbegründet.  Da  die  Vorinstanz  in  ihrer 
Vernehmlassung  aus  verwaltungsökonomischen  Gründen  ausdrücklich 
darauf  verzichtet,  die  Höhe  der  rückerstattungspflichtigen  Kosten  zu 
Lasten  des  Beschwerdeführers  neu  festzusetzen,  und  das 
Bundesverwaltungsgericht  in  der  Folge  von  der  Androhung  einer 
reformatio  in peius gemäss Art. 62 Abs. 3 VwVG Abstand nahm,  ist die 
angefochtene Verfügung zu bestätigen.

5. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Verfahrenskosten  dem 
Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG,  Art.  1  ff.  des 
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

6. 
Dieses  Urteil  ist  endgültig  (Art.  83  Bst.  c  Ziff.  3  und  Bst.  d  Ziff.  1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

Dispositiv S. 11

C­3591/2008

Seite 11

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  700.­  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Sie  sind  durch  den  in  gleicher  Höhe  geleisteten 
Kostenvorschuss gedeckt.

3. 
Dieses Urteil geht an:

– den Beschwerdeführer (Einschreiben)
– die Vorinstanz (Beilagen: Akten Ref­Nr. _______)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Andreas Trommer Julius Longauer

Versand: