# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** acfa3f06-1518-5f49-b89e-9aad502df928
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-03-29
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Kantonsgericht Zivilkammern (inkl. Einzelrichter) 29.03.2012 FS.2012.1
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_KG_002_FS-2012-1_2012-03-29.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/2

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: FS.2012.1

Stelle: Kantonsgericht

Rubrik: Zivilkammern (inkl. Einzelrichter)

Publikationsdatum: 18.02.2020

Entscheiddatum: 29.03.2012

Entscheid Kantonsgericht, 29.03.2012
Art. 142 Abs. 3 ZPO (SR 272). Fristwahrung. Der 2. Januar (Berchtoldstag) 
stellt im Kanton St.Gallen einen einem Samstag oder Sonntag 
gleichgestellten Feiertag dar, sodass die Frist zur Einreichung eines 
Rechtsmittels erst am nächsten Werktag endet (Kantonsgericht, 
Einzelrichter im Familienrecht, 29. März 2012, FS.2012.1).

Erwägungen:

Erstinstanzliche Entscheide über vorsorgliche Massnahmen – zu ihnen gehören nach 

der Rechtsprechung des Bundesgerichts auch im Eheschutzverfahren getroffene 

Entscheide (BGE 137 III 475 E. 4.1) – sind mit Berufung anfechtbar (Art. 308 Abs. 1 lit. b 

ZPO). Die Berufungsfrist beträgt zehn Tage (Art. 314 Abs. 1 ZPO). Sie begann hier am 

Tag nach der Zustellung des begründeten Entscheids vom 24. November 2011, d.h. 

am 24. Dezember 2011 (Art. 142 Abs. 1 ZPO), und dauerte, nachdem die 

Bestimmungen über den Stillstand der Fristen nicht zur Anwendung gelangten (Art. 145 

Abs. 2 lit. b ZPO), bis zum 2. Januar 2012. Da hier die Postaufgabe erst am 3. Januar 

2012 erfolgte, ist für die Rechtzeitigkeit der Berufung entscheidend, ob es sich beim 2. 

Januar 2012 um einen einem Samstag oder Sonntag gleichgestellten Feiertag handelt. 

Für diesen Fall sieht das Gesetz nämlich vor, dass die Frist dann, wenn ihr letzter Tag 

auf einen Samstag, einen Sonntag oder einen am Gerichtsort vom Bundesrecht oder 

vom kantonalen Recht anerkannten Feiertag fällt, am nächsten Werktag endet (Art. 142 

Abs. 3 ZPO).

Klar und unbestritten ist, dass der 2. Januar (Berchtoldstag) kein bundesrechtlicher 

Feiertag ist, auch wenn beispielsweise der SBB-Fahrplan den 2. Januar als Feiertag 

betrachtet. Zuzugestehen ist der Ehefrau sodann, dass auch das kantonale Recht den 

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Berchtoldstag nicht als Feiertag bezeichnet (vgl. Gesetz über Ruhetag und 

Ladenöffnung [sGS 552.1] und Art. 1bis Einführungsgesetz zum eidgenössischen 

Arbeitsgesetz [sGS 511.1]). Auf die ausdrückliche Bezeichnung als Feiertag kann es 

nun allerdings nicht ankommen. Entscheidend ist vielmehr die Anerkennung als 

Feiertag. Auszugehen ist dabei vom Europäischen Übereinkommen vom 16. Mai 1972 

über die Berechnung von Fristen (SR 0.221.122.3). Dieses für die Schweiz am 28. April 

1983 in Kraft getretene und mit dem Inkrafttreten unmittelbar anwendbare 

Übereinkommen sieht nämlich in Art. 5 die Verlängerung einer Frist auf den 

nächstfolgenden Werktag nicht nur für den Samstag, den Sonntag und den 

gesetzlichen Feiertag vor, sondern auch für den Tag, "der wie ein gesetzlicher Feiertag 

behandelt wird". Diese Voraussetzung ist für den Berchtoldstag im Kanton St. Gallen 

zu bejahen, und zwar gestützt auf Art. 15 Abs. 1 Verordnung über den Staatsdienst 

(sGS 143.20). Danach gilt der 2. Januar als Ruhetag, mit der Folge, dass an diesem 

Tag eine in Art. 143 Abs. 1 ZPO vorgesehene, der Postaufgabe gleichwertige 

Einreichung der Eingabe beim Gericht gar nicht möglich ist. Es rechtfertigt sich 

deshalb, den Berchtoldstag einem gesetzlich vorgesehenen Feiertag gleichzusetzen 

(ebenso ZR 103, 2004, Nr. 13 für den Kanton Zürich, Guidon, Die Beschwerde gemäss 

Schweizerischer Strafprozessordnung, Diss. St. Gallen 2011, N 444, und Ziff. 17 des 

Verzeichnisses des Bundesamtes für Justiz über die gesetzlichen Feiertage und die 

Tage, die in der Schweiz wie gesetzliche Feiertage behandelt werden, sowie gestützt 

auf dieses Verzeichnis BSK BGG – Amstutz/Arnold, Art. 45 BGG, N 12, und Barbara 

Merz, DIKE-Komm-ZPO, Art. 142 ZPO, N 26; zweifelnd KUKO ZPO – Hoffmann/

Nowotny, Art. 142 ZPO, N 10 ff.).

Die zehntägige Berufungsfrist endete demnach am 3. Januar 2012 und wurde mit der 

Postaufgabe am gleichen Tag eingehalten, sodass unter diesem Aspekt auf die 

Berufung einzutreten ist.

 

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	Entscheid Kantonsgericht, 29.03.2012
	Art. 142 Abs. 3 ZPO (SR 272). Fristwahrung. Der 2. Januar (Berchtoldstag) stellt im Kanton St.Gallen einen einem Samstag oder Sonntag gleichgestellten Feiertag dar, sodass die Frist zur Einreichung eines Rechtsmittels erst am nächsten Werktag endet (Kantonsgericht, Einzelrichter im Familienrecht, 29. März 2012, FS.2012.1).

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