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**Case Identifier:** 3521a91e-50f5-5d01-a3c1-27ba7269fde7
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-02-20
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 20.02.2023 200 2022 617
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2022-617_2023-02-20.pdf

## Full Text

200 22 617 IV
SCP/GET/LEA

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 17. Februar 2023

Verwaltungsrichter Schütz, Kammerpräsident
Verwaltungsrichterin Mauerhofer, Verwaltungsrichter Loosli
Gerichtsschreiber Germann

A.________
gesetzlich vertreten durch seine Eltern B.________ und C.________
vertreten durch D.________
Beschwerdeführer

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 21. September 2022

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Feb. 2023, IV/22/617, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Der … geborene A.________ (nachfolgend Versicherter bzw. Beschwerde-
führer) wurde im Februar 2021 von seinen Eltern unter Hinweis auf eine 
seit Geburt bestehende Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-störung 
(ADHS) sowie eine Sprachentwicklungsstörung bei der Eidgenössischen 
Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug angemeldet (Akten der IV-
Stelle Bern [nachfolgend IVB bzw. Beschwerdegegnerin], 1). Die IVB holte 
Berichte der Behandler ein und legte das Dossier Dr. med. E.________, 
Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Regio-
naler Ärztlicher Dienst (RAD), zur Beurteilung vor. Mit Vorbescheid vom 3. 
Mai 2022 (act. II 28) stellte die IVB die Verneinung eines Anspruchs auf 
medizinische Massnahmen mit der Begründung in Aussicht, die Vorausset-
zungen für die Annahme eines Geburtsgebrechens nach Ziffer 404 gemäss 
Anhang der Verordnung vom 9. Dezember 1985 über Geburtsgebrechen 
(GgV; SR 831.232.21 – in Kraft gestanden bis 31. Dezember 2021, abge-
löst durch die Verordnung des EDI vom 3. November 2021 über Geburts-
gebrechen [GgV-EDI; SR 831.232.211], in Kraft seit 1. Januar 2022) seien 
nicht erfüllt. Dagegen liess der Versicherte Einwand erheben und diverse 
Dokumente einreichen (act. II 29; 35), woraufhin die IVB bei Dr. med. 
E.________ (RAD) eine Stellungnahme einholte (act. II 37). Mit Verfügung 
vom 21. September 2022 (act. II 38) entschied die IVB wie im Vorbescheid 
in Aussicht gestellt. 

B.

Dagegen liess der Versicherte, gesetzlich vertreten durch seine Eltern, die-
se vertreten durch D.________, mit Eingabe vom 13. Oktober 2022 Be-
schwerde erheben. Er stellt die folgenden Anträge: 

Die Verfügung der IV-Stelle des Kantons Bern vom 21. September 2022 sei 
aufzuheben und dem Versicherten seien die beantragten Leistungen zuzu-
sprechen. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Feb. 2023, IV/22/617, Seite 3

Eventualiter: Die IV-Stelle sei zu verpflichten, weitere Abklärungen zwecks 
Prüfung der Leistungspflicht vorzunehmen.

Ferner liess der Beschwerdeführer Stellungnahmen von Dr. med. 
F.________, G.________ … (im Medizinalberuferegister [MedReg; 
<www.medregom. admin.ch>] ohne Facharzttitel aufgeführt), vom 30. Sep-
tember und 11. Oktober 2022 ins Recht reichen (Akten des Beschwerde-
führers [act. I] 10 f. = act. II 39 S. 32-35 [fortan unter act. II zitiert]).

Mit Beschwerdeantwort vom 10. November 2022 beantragt die Beschwer-
degegnerin die Abweisung der Beschwerde. Gleichzeitig reichte sie eine 
Stellungnahme der RAD-Ärztin Dr. med. E.________ vom 7. November 
2022 (act. II 41) zu den Akten. 

Mit Replik vom 2. Dezember 2022 bestätigte der Beschwerdeführer unter 
Berufung auf eine Stellungnahme von Dr. med. F.________ vom 30. No-
vember 2022 (act. I 12 samt [undatiertem und nicht unterzeichnetem] An-
hang) die beschwerdeweise gestellten Rechtsbegehren.

Mit Duplik vom 23. Dezember 2022 reichte die Beschwerdegegnerin eine 
weitere Stellungnahme der RAD-Ärztin Dr. med. E.________ vom 19. De-
zember 2022 (in den Gerichtsakten) zu den Akten, wobei sie die Anträge 
gemäss Beschwerdeantwort vom 10. November 2022 bestätigte. 

Mit Schreiben vom 11. Januar 2023 verzichtete der Beschwerdeführer auf 
eine weitere Stellungnahme, wobei er an seinen beschwerdeweisen bzw. 
replicando gestellten Anträgen festhält. 

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 

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6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten. 

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 21. September 2022 
(act. II 38). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers 
auf medizinische Massnahmen und dabei insbesondere die Frage, ob die 
Voraussetzungen für die Annahme eines Geburtsgebrechens gemäss Ziffer 
404 GgV erfüllt sind. 

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 

2.

2.1 Am 1. Januar 2022 ist die Änderung vom 19. Juni 2020 des IVG 
(Weiterentwicklung der IV; AS 2021 705) in Kraft getreten. In zeitlicher Hin-
sicht sind – vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen – 
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgeblich, die bei der Erfüllung 
des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes 
Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1 S. 370, 144 V 210 E. 4.3.1 S. 213). 

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Zwar datiert die angefochtene Verfügung vom 21. September 2022 (act. II 
38), womit sie nach dem Inkrafttreten der IVG-Änderung vom 19. Juni 2020 
erging. Indessen liegt der frühestmögliche Zeitpunkt des potentiellen An-
spruchsbeginns vor dem 1. Januar 2022 (Art. 2 Abs. 1 GgV; BGE 120 V 
89), weshalb (mangels eines Revisionsgrundes mit Neubeurteilung des 
Anspruchs nach dem 1. Januar 2022) die Bestimmungen des IVG und der 
IVV in der jeweils bis 31. Dezember 2021 gültigen Fassung (fortan: aArt.) 
sowie der GgV massgebend sind. 

2.2 Als Geburtsgebrechen gelten diejenigen Krankheiten, die bei voll-
endeter Geburt bestehen (Art. 3 Abs. 2 ATSG).

2.2.1 Nach aArt. 13 Abs. 1 IVG haben Versicherte bis zum vollendeten 
20. Altersjahr Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen 
(Art. 3 Abs. 2 ATSG) notwendigen medizinischen Massnahmen. Der Bun-
desrat bezeichnete die Gebrechen, für welche diese Massnahmen gewährt 
wurden; er konnte die Leistung ausschliessen, wenn das Gebrechen von 
geringfügiger Bedeutung war (aArt. 13 Abs. 2 IVG). Die Geburtsgebrechen 
sind in der bis zum 31. Dezember 2021 gültigen Liste im Anhang zur GgV 
aufgeführt. Die Frage, ob ein Geburtsgebrechen im Rechtssinne vorliegt, ist 
nicht prognostisch, sondern retrospektiv zu beurteilen; wird zwar ursprüng-
lich eine Geburtsgebrechen-Diagnose gestellt, erweist sich diese aber 
nachträglich als falsch, sind die Leistungsvoraussetzungen nicht erfüllt 
(SVR 2009 IV Nr. 18 S. 48 E. 3.3 und 3.4).

2.2.2 Ziffer 404 GgV Anhang umschreibt folgendes Geburtsgebrechen: 
"Störungen des Verhaltens bei Kindern mit normaler Intelligenz, im Sinne 
krankhafter Beeinträchtigung der Affektivität oder Kontaktfähigkeit, bei 
Störungen des Antriebes, des Erfassens, der perzeptiven Funktionen, der 
Wahrnehmung, der Konzentrationsfähigkeit sowie der Merkfähigkeit, sofern 
sie mit bereits gestellter Diagnose als solche vor der Vollendung des 9. 
Altersjahres auch behandelt worden sind; kongenitale Oligophrenie ist aus-
schliesslich als Ziffer 403 zu behandeln." 

Nach der Rechtsprechung handelt es sich bei der objektiven Bedingung 
"mit bereits gestellter Diagnose als solche vor der Vollendung des 9. Alters-
jahres auch behandelt" um zwei kumulativ zu erfüllende Anspruchsvoraus-

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setzungen im Sinne von Abgrenzungskriterien, um zu entscheiden, ob die 
Störung angeboren oder erworben ist (Entscheid des Bundesgerichts 
[BGer] vom 2. November 2016, 9C_419/2016, E. 4.2). Zusätzlich zur dia-
gnostizierten Verhaltensstörung müssen auch sämtliche in Ziffer 404 GgV 
aufgeführten Symptome bzw. Teilleistungsstörungen kumulativ nachgewie-
sen sein (BGE 122 V 113 E. 3 S. 118; Entscheid des BGer vom 14. Mai 
2020, 8C_159/2020 E. 2.2; MEYER/ REICHMUTH, Bundesgesetz über die 
Invalidenversicherung [IVG], 4. Aufl. 2022, S. 161, Rz. 52). Hinsichtlich der 
Teilleistungsstörung "Störungen des Erfassens" (perzeptive Funktionen) ist 
eine Abklärung mittels standardisierter Untersuchungsverfahren erforder-
lich (vgl. Bundesamt für Sozialversicherungen [BSV], Kreisschreiben über 
die medizinischen Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung 
[KSME], Stand Juli 2021, Anhang 7, Ziff. 2.1.3 [zur Bedeutung von Verwal-
tungsweisungen, vgl. BGE 147 V 79 E. 7.3.2 S. 82, 146 V 224 E. 4.4.2 
S. 228]).

2.3 Die Anerkennung eines Geburtsgebrechens im Sinne der GgV 
setzt eine fachärztliche Diagnose voraus (BGer, 9C_419/2016, E. 7.1).

3.

3.1 Die (medizinische) Aktenlage präsentiert sich im Wesentlichen wie 
folgt: 

3.1.1 Im Zwischenbericht der Kinder- und Jugendpraxis H.________ 
vom 30. Januar 2020 (act. II 3 S. 5 f.) wurde ein hochgradiger Verdacht auf 
eine Autismus-Spektrum-Störung (ASS) diagnostiziert (S. 5). Weitere Ab-
klärungen seien erforderlich (S. 6).

3.1.2 Vom 26. Februar bis 9. Oktober 2020 war der Beschwerdeführer 
zur Behandlung in der G.________ (Ambulatorium I.________). Im Aus-
trittsbericht vom 23. Oktober 2020 (act. II 3 S. 1-4) wurden (als Hauptdia-
gnose) eine ADHS (ICD-10 F90.0) sowie eine nicht näher bezeichnete 
Sprachentwicklungsstörung diagnostiziert (ICD-10 F80.9; S. 4). Beim bald 
9jährigen Beschwerdeführer sei auf Basis der testpsychologischen Unter-
suchung, den anamnestischen Angaben der Eltern, der Schilderungen der 

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Schule sowie des klinischen Eindrucks eine einfache ADHS zu diagnosti-
zieren. Der Beschwerdeführer zeige deutliche und übergreifende Schwie-
rigkeiten im Bereich der Aufmerksamkeit und Konzentration. Im Bereich der 
Aufmerksamkeitsaktivierung sei er verlangsamt, seine Fähigkeiten zur Len-
kung und Teilung der Aufmerksamkeit seien deutlich eingeschränkt. Zu-
sätzlich zeige er sowohl kognitive Impulsivität als auch Hyperaktivität. Die 
kognitive Leistungsfähigkeit liege im Normbereich, bei heterogenem Profil. 
Trotz grosser Fortschritte im Bereich der Sprache über die letzten Jahre 
zeige er in der Sprachkompetenz noch deutliche Defizite (S. 3). Das Sym-
ptombild werde durch die ADHS in Kombination mit der Sprachstörung hin-
reichend gut erklärt und es beständen nicht genügend Hinweise für das 
Vorliegen einer ASS (S. 4).

3.1.3 Die RAD-Ärztin Dr. med. E.________ hielt im Bericht vom 22. April 
2022 (act. II 27) als Diagnosen eine ADHS (ICD-10 F90.0) – Erstdiagnose 
Mai 2020 – sowie eine Entwicklungsstörung des Sprechens oder der Spra-
che, nicht näher bezeichnet (ICD-10 F80.9), fest. Die Diagnose einer ADHS 
sei 2020 von der I.________ nach ambulanten Abklärungen vor Erreichen 
des 9. Lebensjahres nachvollziehbar gestellt und eine entsprechende Be-
handlung erfolgreich eingeleitet worden. Für das Vorliegen eines Geburts-
gebrechens gemäss Ziffer 404 GgV seien die versicherungsmedizinischen 
Voraussetzungen jedoch nicht erfüllt. Aufgrund der übermittelten und für 
die Kriterienprüfung relevanten Testergebnisse sei eine Störung des Erfas-
sens im Zeitraum vor dem 9. Lebensjahr testpsychologisch nicht nachge-
wiesen (S. 2).

3.1.4 Dr. med. F.________ hielt im mit "Einspruch IV-Entscheid bei 
ADHS, Autismus und affektiver Störung" bezeichnetem und mit E-Mail vom 
5. August 2022 (act. II 35 S. 5) an die Mutter des Beschwerdeführers ge-
sendetem, undatierten Bericht (S. 6-8) fest, sein Kollege Dr. med. 
J.________, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -
psychotherapie, habe am 20. Juni 2022 berichtet, dass es im Rahmen der 
ersten Abklärung nicht ausreichend Hinweise auf ein IV-anerkanntes Ge-
burtsgebrechen gegeben habe, wobei insbesondere die Hinweise auf eine 
Störung des Erfassens gefehlt hätten (S. 6). Er – Dr. med. F.________ – 
müsse "in der Summe" seinen Kollegen korrigieren. Auf der Grundlage der 

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Bedingungen, welche die IV für ein anerkanntes Geburtsgebrechen habe, 
sehe er "Hinweise auf Störungen, die im IV-System leistungsberechtigt 
inkludierbar sein sollten" (S. 8).

3.1.5 Im Bericht vom 31. August 2022 (act. II 37) hielt die RAD-Ärztin Dr. 
med. E.________ an ihrer Einschätzung im Bericht vom 22. April 2022 fest. 
Die hinsichtlich der Störung des Erfassens vor Erreichen des 9. Lebensjah-
res durchgeführten Testuntersuchungen (Mottier-Test für die auditive 
Wahrnehmung sowie Figure de Rey für die visuelle Wahrnehmung) seien 
durchschnittlich ausgefallen. Damit seien die versicherungsmedizinischen 
Kriterien betreffend Ziffer 404 GgV nicht erfüllt, was aber nicht gegen die 
Diagnose einer ADHS spreche (S. 2).

3.1.6 Mit zu Handen der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ver-
fasster Stellungnahme vom 11. Oktober 2022 (E-Mail; act. II 39 S. 34) hielt 
Dr. med. F.________ fest, mit einem Prozentrang von 17 (Mottier-Test) 
befinde sich der Beschwerdeführer zwar im durchschnittlichen Bereich. 
Jedoch hätte er mit nur 2 Punkten weniger im pathologischen Bereich ge-
legen. Im Übrigen seien Aussagen über die akustische Störung des Erfas-
sens vielfach dokumentiert. 

3.1.7 In der Stellungnahme vom 7. November 2022 (act. II 41) bestätigte 
Dr. med. E.________ (RAD) ihre bisherige Einschätzung, wonach eine 
Störung des auditiven und visuellen Erfassens nicht vorliege (S. 3). Eben-
falls sei eine Störung der Merkfähigkeit nicht ausgewiesen (S. 4). 

3.1.8 In der mittels E-Mail vom 30. November 2022 (act. I 12) an die 
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers zugestellten (und undatierten) 
Stellungnahme hielt Dr. med. F.________ fest, mit den zwei normalen Mot-
tier-Tests bestehe im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen gemäss 
Ziffer 404 GgV keine Leistungspflicht der IV. Diese Praxis sei zu kritisieren, 
seien beim Beschwerdeführer doch zwei Prozentränge gemessen worden, 
die 1,5 Standardabweichungen auseinanderlägen. Diese extreme Streuung 
deute auf die Unzulänglichkeit dieses Tests beim Beschwerdeführerin hin. 
Ferner liege auch eine ASS vor. 

3.1.9 In der Stellungnahme vom 19. Dezember 2022 (in den Gerichtsak-
ten) hielt Dr. med. E.________ (RAD) an ihren bisherigen Einschätzungen 

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fest und bekräftigte, dass auch die Diagnose einer ASS aufgrund der Akten 
nicht gestellt werden könne. 

3.2

3.2.1 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

3.2.2 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352).

Auch reine Aktengutachten können beweiskräftig sein, sofern ein lückenlo-
ser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beur-
teilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, 
mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den 
Hintergrund rückt (SVR 2020 IV Nr. 38 S. 134 E. 4.3). 

3.2.3 Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt 
Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be-
gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre 
Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b ee S. 354; SVR 2021 UV 
Nr. 34 S. 154 E. 2.3).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Feb. 2023, IV/22/617, Seite 10

Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versi-
cherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe 
Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach aArt. 44 
ATSG (in der bis am 31. Dezember 2021 gültigen und hier massgeblichen 
Fassung) vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger 
Sachverständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines exter-
nen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung 
strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an 
der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen 
Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 
V 58 E. 5.1 S. 65; SVR 2021 UV Nr. 34 S. 154 E. 2.3).

3.3 Die diversen Beurteilungen der RAD-Ärztin Dr. med. E.________ 
vom 22. April (act. II 27), 31. August (act. II 37) und 7. November 2022 (act. 
II 41) erfüllen sowohl für sich betrachtet wie auch im Verbund die Voraus-
setzungen der Rechtsprechung an medizinische Berichte (vgl. E. 3.2.2 f. 
vorne) und erbringen vollen Beweis. Dabei schadet es nicht, dass es sich 
um Aktenberichte handelt, konnte Dr. med. E.________ ihre Stellungnah-
men doch auf einen klinisch und testpsychologisch zweifach erhobenen 
und damit lückenlos dokumentierten Befund abstützen (vgl. E. 3.2.2 vorne). 
Die Schlussfolgerung der RAD-Ärztin, wonach zwar eine ADHS vorliege, 
jedoch gestützt auf die Ergebnisse der Mottier-Tests bzw. des Testverfah-
rens Figure de Rey eine Störung des (auditiven und visuellen) Erfassens 
sowie der Merkfähigkeit nicht gegeben und demzufolge die Kriterien für ein 
Geburtsgebrechen gemäss Ziffer 404 GgV nicht erfüllt seien, überzeugt. 

Daraus ergibt sich im Einzelnen was folgt:

3.4 Was den Nachweis einer ADHS betrifft, ist darauf hinzuweisen, 
dass die erforderliche fachärztliche Diagnosebestätigung (vgl. E. 2.3 vorne) 
durch Dr. med. J.________ nach den vorliegenden Akten zwar erst mit 
Bericht vom 13. September 2021 (act. II 17 S. 5) und damit nach der Voll-
endung des neunten Lebensjahres des Beschwerdeführers erfolgte. Indes-
sen deckt sich dieser Bericht inhaltlich mit jenem der G.________ vom 
23. Oktober 2020 (act. II 3 S. 1-4), worin die Diagnose einer ADHS nach 
gut siebenmonatiger Behandlung gestellt wurde und welcher Bericht vom 
leitenden Psychologen sowie einer Psychologin unterzeichnet wurde. Da-

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mit sind die Voraussetzungen der vor Vollendung des neunten Lebensjah-
res erfolgten Diagnosestellung und Behandlung erfüllt (act. II 27 S. 2). 
Schliesslich liegt unbestrittenermassen auch keine Intelligenzminderung 
vor (act. II 3 S. 4; 41 S. 3), womit eine ADHS – in Übereinstimmung mit den 
Parteien – grundsätzlich erstellt ist. 

Uneinig sind sich die Parteien jedoch bei der Frage, ob auch die normati-
ven Kriterien im Sinne von Ziffer 404 GgV gegeben sind, was die Be-
schwerdegegnerin gestützt auf die Beurteilungen der RAD-Ärztin Dr. med. 
E.________ verneint, der Beschwerdeführer unter Berufung auf die Berich-
te von Dr. med. F.________ demgegenüber bejaht. Im Streit steht dabei 
ausschliesslich die Frage, ob eine Störung des (auditiven und visuellen) 
Erfassens sowie der Merkfähigkeit vorliegt und damit sämtliche (kumulativ 
vorausgesetzten) Teilleistungsstörungen ausgewiesen sind (vgl. E. 2.2.2 
vorne) respektive, ob durch die Berichte von Dr. med. F.________ (auch 
nur geringe) Zweifel an den im Wesentlichen auf den Ergebnissen von zwei 
Mottier-Tests (sowie der einmaligen Durchführung des Tests Figure de 
Rey) beruhenden Einschätzungen der RAD-Ärztin Dr. med. E.________ 
geweckt werden (vgl. E. 3.2.3 vorne). 

3.5

3.5.1 Beim Mottier-Test handelt es sich um ein Screeningverfahren zur 
Erfassung der phonologischen Lautdifferenzierung und der auditiven Merk-
fähigkeit. Er gilt grundsätzlich als anerkannt (vgl. Entscheid des Bundesge-
richts vom 9. Juni 2016, 9C_933/2015, E. 4.3; KSME, Anhang 7, Ziff. 
2.1.3). Die Einordnung der entsprechenden Untersuchungsresultate erfor-
dert indessen eine Klassifikation der Ergebnisse bzw. die Einteilung der 
Testergebnisse in Kategorien wie "unterdurchschnittlich", "durchschnittlich" 
oder "überdurchschnittlich" (vgl. Leitlinien zur Klassifikation und Interpreta-
tion neuropsychologischer Testergebnisse der Schweizerischen Vereini-
gung der Neuropsychologinnen und Neuropsychologen [SVNP], 2018, Ziff. 
4.1, abrufbar unter <www.neuropsy.ch> -> Qualitätssicherung -> Leitlinien 
– nachfolgend zitiert als Leitlinien; vgl. ferner auch Leitlinien für die neuro-
psychologische Begutachtung, Ziff. 7.3, abrufbar unter <www. swiss-
insurance-medicine.ch> -> Fachwissen und Tools). Gemäss den 
erstgenannten Leitlinien wird als untere Normgrenze ein Prozentrang von 

http://www.neuropsy.ch

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Feb. 2023, IV/22/617, Seite 12

16 verwendet, wobei Testergebnisse zwischen Prozentrang >5 bis Prozen-
trang <16 als "unterdurchschnittlich" klassifiziert werden und solche zwi-
schen Prozentrang ≥2 bis Prozentrang ≤5 als "deutlich unterdurchschnitt-
lich". Als "durchschnittlich" wird der Bereich von einer Standardabweichung 
über und unter dem Populationsmittelwert bezeichnet (Prozentrang ≥ 16 
bis Prozentrang ≤ 84; vgl. Leitlinien, Ziff. 4.1). Mit dieser Klassifikation 
stimmen im Wesentlichen auch die Prozentrangnormen hinsichtlich der 
Leistungseinschätzungen bei Ergebnissen von Mottier-Tests überein (vgl. 
Forschung Praxis der Erziehungsdirektion des Kantons Bern, Normen für 
den Mottier-Test bei 4 bis 12-jährigen Kindern, S. 13). 

3.5.2

3.5.2.1 Im Lichte des hiervor Dargelegten ist es demnach nicht zu bean-
standen, dass sich die RAD-Ärztin Dr. med. E.________ im Rahmen ihrer 
Beurteilungen auf die Ergebnisse der Mottier-Tests abgestützt hat (vgl. 
namentlich act. II 41 S. 3). Es finden sich denn auch in den Akten keine 
(fachärztlichen) Meinungen, welche den Einsatz des Mottier-Tests generell 
in Frage stellen oder dessen Ergebnisse als grundsätzlich nicht aussage-
kräftig erachten. Auch Dr. med. F.________ äussert sich nicht in eine sol-
che Richtung (vgl. jedoch E. 3.5.2.2 sogleich). Ebenso wenig finden sich 
Anhaltspunkte in den Akten, wonach die zugrunde gelegten Normwertgren-
zen und insbesondere die (hier massgebliche) untere Normgrenze von 
16 Prozenträngen entgegen den Leitlinien (vgl. E. 3.5.1 vorne) auf den Mot-
tier-Test generell nicht anwendbar wären. Im Weiteren mag es mit dem 
Beschwerdeführer zwar zutreffen, dass zur Beurteilung einer (auditiven) 
Wahrnehmungsstörung auch andere Tests zur Verfügung stehen (Be-
schwerde, S. 4, Ziff. 5 und S. 5, Ziff. 9; KSME, Anhang 7, Ziff. 2.1.3). Ent-
scheidend ist jedoch, dass vorliegend keine anderen Tests durchgeführt 
wurden bzw. keine anderweitigen Testergebnisse vorliegen, welche die 
Ergebnisse der Mottier-Tests in Frage zu stellen vermöchten. Weil es sich 
bei Letzterem – wie in E. 3.5.1 vorne dargelegt – um ein geeignetes und 
anerkanntes Instrument zur Erhebung von Defiziten in der auditiven Wahr-
nehmung handelt, besteht kein Anlass für die Durchführung weiterer (oder 
anderer) Tests, zumal Dr. med. F.________ nicht geltend macht und auch 
in den übrigen Akten keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die Tests 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Feb. 2023, IV/22/617, Seite 13

an sich nicht lege artis durchgeführt worden wären. Folglich kann somit 
dem Grundsatz nach auf die entsprechenden Ergebnisse abgestellt wer-
den.

3.5.2.2 Auch was die Schlussfolgerungen von Dr. med. E.________ hin-
sichtlich der Interpretation der spezifischen (auf den Beschwerdeführer 
bezogenen) Testergebnisse anbelangt, so besteht kein Anlass, diese in 
Frage zu stellen: So ist aufgrund der Akten erstellt, dass beim Beschwerde-
führer zweimal – das erste Mal im Juni 2018 im Alter von gut sechs Jahren 
(act. II 6 S. 2) und das zweite Mal im Januar 2020 (act. II 3 S. 6) im Alter 
von gut acht Jahren – in unterschiedlichem situativem Kontext ein Mottier-
Test durchgeführt wurde, womit – entgegen der Beschwerde (S. 5, Ziff. 9) – 
ein zufälliges oder falsch negatives Resultat unwahrscheinlich ist (vgl. act. 
II 41 S. 3). Die entsprechenden Ergebnisse ergaben gemäss den jeweiligen 
Berichten einen Rohwert von 17 bei einem Prozentrang von 84 bis 90 (act. 
II 6 S. 2) respektive 77 (act. II 41 S. 3) bzw. einen Rohwert von 14 bei ei-
nem Prozentrang von 17-50 (act. II 3 S. 6) respektive 28 (act. II 41 S. 3). 
Wenn Dr. med. E.________ diese Werte als nicht unterdurchschnittlich und 
in der Folge eine Störung des Erfassens als testpsychologisch nicht nach-
gewiesen qualifizierte (act. II 27 S. 2 f.; 37 S. 2 f.; 41 S. 3 f.), steht dies mit 
Blick auf die untere Normgrenze von 16 Prozenträngen im Einklang mit den 
normativen Vorgaben (vgl. E. 3.5.1 vorne). Damit trifft es nicht zu, dass 
lediglich ein Testverfahren mit einem Ergebnis im Normbereich geendet 
habe (Beschwerde, S. 5, Ziff. 8). Auch beruht das an selber Stelle der Be-
schwerde vorgebrachte Argument, das entsprechende Ergebnis liege 
"knapp" im Normbereich, auf einem Versehen von Dr. med. F.________, 
welcher in der E-Mail vom 11. Oktober 2022 (act. II 39 S. 34; vgl. E. 3.1.6 
vorne) offensichtlich den Rohwert mit dem Prozentrang verwechselte, in-
dem er Letzteren mit 17 quantifizierte und weiter argumentierte, dass der 
Beschwerdeführer mit einem Wert von nur zwei Punkten weniger im patho-
logischen Bereich gelegen hätte. Tatsächlich lag der Prozentrang beim von 
Dr. med. F.________ angesprochenen Test – wie hiervor dargelegt – bei 
84 bis 90 (act. II 6 S. 2) respektive 77 (act. II 41 S. 3). Im Weiteren trifft es 
mit Dr. med. F.________ zwar zu, dass die Resultate der beiden Tests 
erheblich differieren (act. I 12). Dies ändert jedoch nichts daran, dass der 
Beschwerdeführer auch im zweiten Test einen Prozentrang von 17 bis 50 

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(act. II 3 S. 6) respektive 28 (act. II 41 S. 3) erreichte, was immer noch 
deutlich über der Grenze zur Unterdurchschnittlichkeit liegt. Wenn Dr. med. 
F.________, welcher den Beschwerdeführer nicht selber untersucht bzw. 
behandelt hat (Beschwerde, S. 4, Ziff. 6), sodann aus diesen Abweichun-
gen darauf schliesst, die Testergebnisse seien beim Beschwerdeführer 
nicht aussagekräftig, dann ist zu bedenken, dass dies die Behandler der 
G.________ offensichtlich gegenteilig und im Sinne der RAD-Ärztin Dr. 
med. E.________ beurteilten: So geht aus dem (undatierten) Schreiben 
"Einspruch IV-Entscheid bei ADHS, Autismus und affektiver Störung" von 
Dr. med. F.________ nämlich hervor, dass die Abklärung in der 
G.________ "nicht ausreichend Hinweise auf ein IV anerkanntes [Geburts-
gebrechen]" ergeben habe und insbesondere die Hinweise auf eine 
Störung des Erfassens gefehlt hätten, weshalb "eine IV Anmeldung" nicht 
empfohlen worden sei (act. II 35 S. 6). Soweit Dr. med. F.________, wel-
cher ausdrücklich einräumt, mit den versicherungsrechtlichen Anspruchs-
voraussetzungen der schweizerischen IV noch nicht vertraut zu sein (S. 8), 
dennoch zu einer anderweitigen, indes – wie dargelegt – nicht schlüssig 
begründeten Auffassung gelangt, vermag er damit den Beweiswert der 
RAD-ärztlichen Einschätzung nicht zu erschüttern. 

Damit liegt beim Beschwerdeführer kein im Sinne von Ziffer 404 GgV rele-
vantes Defizit in der auditiven Wahrnehmung vor.

3.5.3 Wie Dr. med. E.________ ferner in den Berichten vom 31. Au-
gust 2022 (act. II 37 S. 2) und namentlich vom 7. November 2022 (act. II 41 
S. 3 f.) weiter ausführte, ist darüber hinaus auch eine Störung des visuellen 
Erfassens sowie der Merkfähigkeit nicht ausgewiesen: Was Erstere anbe-
langt, wies die RAD-Ärztin darauf hin, dass eine solche Störung mittels 
dem Testverfahren Figure de Rey nachweisbar wäre. Der Beschwerdefüh-
rer habe hierbei laut Bericht der Kinder- und Jugendpraxis H.________ 
vom 30. Januar 2020 33 Wertpunkte entsprechend einem Prozentrang von 
62 bis 65 erzielt, was im durchschnittlichen Bereich liege (act. II 3 S. 6; 41 
S. 3 f.). Hinsichtlich der Merkfähigkeit habe dasselbe Testverfahren (Ge-
dächtnisvariante) 14 Wertpunkte entsprechend einem Prozentrang von 45 
bis 49 ergeben, was ebenfalls im Normbereich liege (vgl. act. II 3 S. 6; 41 
S. 4). Diese Einschätzungen überzeugen, zumal auch das insoweit ange-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Feb. 2023, IV/22/617, Seite 15

wandte Testverfahren (Figure de Rey) zur Feststellung entsprechender 
Defizite anerkannt ist (vgl. KSME, Ziff. 2.1.3 und 2.1.5) und keine (fachärzt-
lichen) Berichte vorliegen und auch anderweitig keine Anhaltspunkte be-
stehen, wonach der Beweiswert der Testergebnisse in Frage zu stellen 
wäre oder insoweit andere Normwerte (vgl. E. 3.5.1 vorne) für den Schluss 
auf eine unterdurchschnittliche Leistung zur Anwendung gelangten. 

3.5.4 Soweit Dr. med. F.________ schliesslich auch (und wiederholt) 
das mögliche Vorliegen einer ASS diskutiert (act. II 39 S. 33; act. I 12), ist 
darauf hinzuweisen, dass eine solche im Zwischenbericht der Kinder- und 
Jugendpraxis H.________ vom 30. Januar 2020 zwar verdachtsweise in 
Betracht gezogen, gleichzeitig jedoch eine diesbezügliche Abklärungsbe-
dürftigkeit als notwendig erachtet wurde (act. II 3 S. 5 f.). Diese Abklärun-
gen erfolgten im Zuge einer mehrmonatigen Behandlung in der 
G.________ (Ambulatorium I.________), wobei das Symptombild als im 
Rahmen der ADHS gut erklärbar beurteilt wurde (act. II 3 S. 4), womit der 
Verdacht auf eine ASS nicht erhärtet werden konnte (act. II 11 S. 2). Im 
Übrigen hat auch der Beschwerdeführer selber im Hinblick auf den geltend 
gemachten Leistungsanspruch zu keinem Zeitpunkt das Vorliegen einer 
ASS behauptet (vgl. act. II 1 S. 6; 35 S. 1 f.; Beschwerde, S. 4, Ziff. 6 und 
S. 5 Ziff. 8 ff.). Die entsprechende Einschätzung von Dr. med. E.________ 
(vgl. act. II 27 S. 2; 37 S. 3; 41 S. 4) steht somit auch insoweit im Einklang 
mit der Aktenlage. 

3.6 Damit begründen die Berichte von Dr. med. F.________ (act. II 35 
S. 6-8; 39 S. 32-35; act. I 12) keine auch nur geringen Zweifel (vgl. E. 3.2.3 
vorne) am Beweiswert der Stellungnahmen der RAD-Ärztin Dr. med. 
E.________. Dasselbe trifft auch auf die übrigen im Recht liegenden medi-
zinischen Berichte zu, womit es der beschwerdeweise eventualiter bean-
tragten Rückweisung zwecks weiterer Abklärungen nicht bedarf. Demnach 
steht fest, dass weder eine Störung des Erfassens (perzeptive Funktionen) 
noch eine Störung der Merkfähigkeit vorliegt, womit die kumulativ voraus-
gesetzten Teilleistungsstörungen im Sinne von Ziffer 404 GgV nicht vorlie-
gen und ein Geburtsgebrechen gemäss dieser Bestimmung somit nicht 
erstellt ist. Die Beschwerdegegnerin hat folglich einen Anspruch auf medi-
zinische Massnahmen zu Recht verneint. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Feb. 2023, IV/22/617, Seite 16

3.7 Zusammenfassend ist die Beschwerde gegen die angefochtene 
Verfügung vom 21. September 2022 abzuweisen. 

4.

4.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab-
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule-
gen. Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, hat bei 
diesem Ausgang des Verfahrens der unterliegende Beschwerdeführer zu 
tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG; BVR 2009 S. 186 E. 4). Diese werden dem 
geleisteten Kostenvorschuss gleicher Höhe entnommen. 

4.2 Gemäss Art. 1 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 61 lit. g ATSG 
(Umkehrschluss) hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Par-
teientschädigung. Die obsiegende Beschwerdegegnerin hat als Sozialver-
sicherungsträgerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (vgl. 
dazu auch BGE 128 V 124 E. 5b S. 133).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer 
zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe entnommen.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

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4. Zu eröffnen (R):
- D.________, Direktion … z.H. des Beschwerdeführers
- IV-Stelle Bern
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des 
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) 
geführt werden.