# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** eaf1fdb7-d9ea-5c21-b9c0-ae199dfec97f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-06-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.06.2018 D-1046/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1046-2018_2018-06-26.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-1046/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 6 .  J u n i  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), 

Richterin Andrea Berger-Fehr,  

Richterin Claudia Cotting-Schalch;    

Gerichtsschreiberin Kathrin Mangold Horni. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Kolumbien,  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 8. Februar 2018 / N (…). 

 

 

 

D-1046/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die Beschwerdeführerin, deren Eltern sich zuvor bereits erfolglos von 

Kolumbien aus für sich und ihre vier Töchter um Bewilligung der Einreise 

in die Schweiz und um Gewährung des Asyls bemüht hatten (vgl. die Ver-

fahren D-552/2014 und D-5185/2015 des Bundesverwaltungsgerichts), 

reiste am 10. November 2017 gemeinsam mit ihren Eltern B._______ und 

C._______ und ihren drei Schwestern D._______, E._______ (N […]) und 

F._______ sowie dem dreijährigem Sohn von F._______, G._______ (N 

[…]) in die Schweiz ein und suchte am 14. November 2017 im Empfangs- 

und Verfahrenszentrum (EVZ) H._______ um Asyl nach. 

 

A.b Das SEM teilte der Beschwerdeführerin am 16. November 2017 mit, 

sie sei per Zufallsprinzip dem Verfahrenszentrum (VZ) I._______ zugewie-

sen worden, wo ihr Asylgesuch gemäss Art. 4 Abs. 3 der Testphasenver-

ordnung vom 4. September 2013 (TestV, SR 142.318.1) behandelt würde. 

 

A.c Am 20. November 2017 mandatierte die Beschwerdeführerin die Mit-

arbeitenden der Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende mit ihrer Rechts-

vertretung im Rahmen des Testverfahrens im VZ I._______. 

 

A.d Am 21. November 2017 nahm das SEM im VZ I._______ die Perso-

nalien der Beschwerdeführerin auf und befragte sie summarisch zu ihrem 

Reiseweg. 

 

A.e Das SEM führte am 22. Dezember 2017 mit der Beschwerdeführerin – 

im Beisein ihrer damaligen Rechtsvertreterin – eine Erstbefragung gemäss 

Art. 16 Abs. 3 TestV durch. Am 29. Januar 2018 wurden sie – wiederum im 

Beisein ihrer damaligen Rechtsvertreterin – vom SEM im VZ I._______ ge-

mäss Art. 17 Abs. 2 Bst. b TestV vertieft angehört. 

 

A.e.a Anlässlich der Befragungen machte die Beschwerdeführerin im We-

sentlichen geltend, sie sei kolumbianische Staatsangehörige und stamme 

aus J._______ (Departement Cesar), wo sie die Primarschule besucht 

habe. Nachdem ihr Vater Probleme bekommen habe, seien ihre Eltern und 

ihre beiden jüngeren Schwestern nach K._______ ([…]) und später nach 

L._______ ([…]) gezogen. Sie selber und ihre ältere Schwester seien ihnen 

später nach M._______ ([…], […]) gefolgt. In M._______ habe sie die Se-

kundarschule im Fernstudium abgeschlossen.  

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Seite 3 

Sie habe mit ihrer Familie ihre Heimat verlassen, weil ihr Vater bedroht 

worden sei. So seien etwa eines Abends, als ihr Vater bei der Arbeit gewe-

sen sei, zwei Männer zu ihrem Elternhaus gekommen und hätten vor dem 

Haus darüber gesprochen, dass sie auf den Vater warten würden. Die Män-

ner seien wiederholt an ihrem Haus vorbeigefahren und dann wieder ver-

schwunden. Ausserdem habe es einmal einen Entführungsversuch gegen 

ihre Schwester F._______ gegeben, und ein andermal habe ein Mann auf 

einem Motorrad dieser Schwester auch gesagt, Pablo Escobar würde nach 

ihrem Vater suchen. Wegen der ständigen Gefahr hätten sie sich zur Aus-

reise entschlossen.  

Gemäss den Einträgen in ihrem Reisepass flog die Beschwerdeführerin 

zusammen mit ihren Eltern, ihren drei Schwestern und ihrem Neffen am 

9. November 2017 von N._______ aus nach O._______. 

A.e.b Nach allfälligen gesundheitlichen Problemen gefragt, gab die Be-

schwerdeführerin in der Erstbefragung vom 22. Dezember 2017 an, sie 

habe einen (…) und leide unter (…), unter einer (…) sowie möglicherweise 

an einer (…). In der Anhörung vom 29. Januar 2018 sagte sie überdies, sie 

müsse zum (…) und auch noch ihren (…). 

 

Gemäss zwei sich bei den Akten befindenden, als "medizinische Informa-

tionen" bezeichneten Kurzberichten vom 6. Januar 2018 und vom 17. Ja-

nuar 2018 litt die Beschwerdeführerin unter (…), (…), (…) sowie unter ei-

nem (…). In der Folge wurden ihr unter anderem (…) verschrieben und es 

wurden eine augenärztliche und eine (…) sowie eine (…) als sinnvoll er-

achtet.  

A.e.c Die Beschwerdeführerin reichte ihren Reisepass und ihre Identitäts-

karte zu den Akten. Ausserdem befinden sich in den Akten ihrer Eltern 

(N […]) zahlreiche Unterlagen, die die Verfolgungssituation ihrer Familie, 

insbesondere ihres Vaters, dokumentieren sollen. 

A.e.d Am 6. Februar 2018 erhielt die Beschwerdeführerin vom SEM die 

Gelegenheit, zum Verfügungsentwurf Stellung zu nehmen. Sie machte von 

dieser Möglichkeit durch ihre damalige Rechtsvertreterin mit Eingabe vom 

7. Februar 2018 Gebrauch.  

B.  

B.a Mit Verfügung vom 8. Februar 2018 – der damaligen Rechtsvertreterin 

gleichentags eröffnet – stellte das SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle 

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die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das am 14. November 2017 

gestellte Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der 

Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug an. 

 

B.b Ebenfalls mit Verfügung vom 8. Februar 2018 lehnte das SEM die Asyl-

gesuche der Eltern, der drei Schwestern und des Neffen der Beschwerde-

führerin ab und ordnete deren Wegweisung sowie den Wegweisungsvoll-

zug an.  

 

C.  

C.a Die nunmehr nicht mehr vertretene Beschwerdeführerin (die vormalige 

Rechtsvertreterin erklärte am 9. Februar 2018 das Mandatsverhältnis für 

beendet) beantragte mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 

19. Februar 2018 die Aufhebung der SEM-Verfügung vom 8. Februar 2018, 

die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung des Asyls. 

Eventualiter sei die Unzumutbarkeit oder Unzulässigkeit des Vollzugs der 

Wegweisung festzustellen und entsprechend die vorläufige Aufnahme an-

zuordnen. Subeventualiter sei die vorinstanzliche Verfügung aufzuheben 

und zwecks Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfah-

rensrechtlicher Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführerin um Gewährung 

der unentgeltlichen Rechtspflege sowie um Verzicht auf die Erhebung ei-

nes Kostenvorschusses. 

Zur Untermauerung der Anträge – für deren Begründung, soweit für den 

Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen 

wird – wurden ein in spanischer Sprache abgefasstes, mit zwei Zertifikaten 

ergänztes Schreiben des Koordinators der (…) in Kopie sowie ein dem In-

ternet entnommener, am 31. Januar 2018 publizierter Bericht betreffend 

die Ermordung von Menschenrechtsaktivisten in Kolumbien zu den Akten 

gegeben. 

 

C.b Mit Eingaben an das Bundesverwaltungsgericht vom 19. Februar 2018 

erhoben auch die Eltern von A._______ (für sich und ihren beiden Töchter 

D._______ und E._______) und die Schwester F._______ (für sich und 

ihren Sohn F._______) Beschwerde gegen die ablehnenden Verfügungen 

des SEM (Beschwerdeverfahren D-1040/2018 und D-1046/2018). 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 23. Februar 2018 teilte die Instruktionsrichte-

rin des Bundesverwaltungsgerichts der Beschwerdeführerin mit, sie dürfe 

den Abschluss des Verfahrens gestützt auf Art. 42 AsylG (SR 142.31) in 

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Seite 5 

der Schweiz abwarten. Sodann wurde der Entscheid über das Gesuch um 

Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) auf 

einen späteren Zeitpunkt verschoben; auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses (Art. 63 Abs. 4 VwG) wurde indessen verzichtet.  

Gleichzeitig übermittelte das Bundesverwaltungsgericht die Akten an das 

SEM und setzte diesem zur Einreichung einer Vernehmlassung Frist an. 

E.  

Mit Vernehmlassung vom 29. März 2018 beantragte das SEM sinngemäss 

die Abweisung der Beschwerde. Insbesondere vermöchten auch die auf 

Beschwerdeebene eingereichten Dokumente die widersprüchlichen Anga-

ben nicht zu erklären. 

Das Bundesverwaltungsgericht liess der Beschwerdeführerin am 3. April 

2018 ein Doppel der Vernehmlassung zur Kenntnisnahme zukommen. 

F.  

Mit Verfügung vom 11. April 2018 wies das SEM die Beschwerdeführerin 

für den weiteren Aufenthalt während der Dauer des Asylverfahrens dem 

Kanton I._______ zu. 

G.  

In einer ergänzenden Eingabe vom 26. April 2018 verwies die Beschwer-

deführerin auf einen Bericht betreffend die Menschenrechtslage in Kolum-

bien in den Jahren 2013-2017 und ersuchte darum, diesen bei der Ent-

scheidfindung zu berücksichtigen 

 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

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Seite 6 

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-

nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert, weshalb auf 

die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten ist (Art. 105 

und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 38 TestV i.V.m. Art. 112b Abs. 3 AsylG, 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Aus Gründen der Prozessökonomie 

wurde auf die Nachforderung einer Übersetzung der auf Beschwerde-

ebene eingereichten, fremdsprachigen Beweismittel verzichtet. 

1.4 Über die Beschwerde ihrer Eltern und ihrer beiden jüngeren Schwes-

tern D._______ und E._______ (D-1040/2018) und die Beschwerde ihrer 

älteren Schwester F._______ mit deren Sohn F._______ (D-1046/2018) 

wird mit zwei Urteilen vom gleichen Tag und insoweit koordiniert entschie-

den. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

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Seite 7 

 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Entscheidend ist, ob eine 

Gesamtwürdigung der Vorbringen ergibt, dass die Gründe, die für die Rich-

tigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Gesuchstellers sprechen, überwie-

gen oder nic0ht (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 [S. 142 f.]). 

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-

machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt 

dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 

2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen). 

4.  

4.1 Das SEM stellte in seiner angefochtenen Verfügung fest, die Be-

schwerdeführerin sowie ihre Eltern und ihre Schwester F._______ hätten 

widersprüchliche Aussagen zu den Ereignissen, die schlussendlich zu ihrer 

Ausreise geführt haben sollen, gemacht.  

Es legte dabei sehr eingehend und detailliert dar, wie die vier Familienmit-

glieder verschiedene Vorfälle (insbesondere das Auftauchen von zwei un-

bekannten Männern an einem Abend im Juni 2017 vor der Tür ihres Hau-

ses, die Nachfrage nach dem Vater durch einen Mann namens Pablo Esco-

bar [oder durch eine Person aus dem Umfeld des 1993 verstorbenen Dro-

genbosses] sowie die versuchte Entführung von F._______) auf ganz un-

terschiedliche Art und Weise geschildert haben, weshalb zur Vermeidung 

von Wiederholungen auf die entsprechenden Ausführungen (vgl. SEM-Ver-

fügung vom 8. Februar 2019, Ziff. 1 Bst. a-d der Erwägungen) verwiesen 

werden kann. 

4.2 Sowohl in ihrer Stellungnahme zum Entscheidentwurf vom 7. Februar 

2018 als auch in der Beschwerde vom 19. Februar 2018 (vgl. S. 3-5) hält 

die Beschwerdeführerin am Wahrheitsgehalt ihrer jeweiligen Aussagen 

fest, wobei in der Stellungnahme hauptsächlich auf die Ausführungen in 

der entsprechenden Eingabe der Eltern verwiesen wird. Ihre Schwester 

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Seite 8 

F._______ habe jedoch sicher gewusst, dass die von "Pablo Escobar" aus-

gegangene Drohung vor der Geburt ihres Kindes stattgefunden habe (vgl. 

Beschwerde S. 4). 

4.3 Mit diesen allgemein gehaltenen Ausführungen lassen sich indessen 

die zahlreich festgestellten Ungereimtheiten und damit auch die Zweifel an 

der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Verfolgungssituation nicht be-

seitigen. Dies gilt umso mehr, als allen befragten Familienmitgliedern an-

lässlich der vertieften Anhörung vom 29. Januar 2018 das rechtliche Gehör 

gewährt wurde, sie aber zu den wesentlichen festgestellten Unstimmigkei-

ten keine überzeugenden Erklärungen abgeben konnten (vgl. Akten SEM 

A21 S. 3 f. sowie die Vorakten betreffend die Eltern [{…}, {…}] und die 

Schwester F._______ [{…}, {…}]). 

4.4 Sodann wurden auch keine Beweismittel eingereicht, welche geeignet 

wären, eine andere Beurteilung des Sachverhalts herbeizuführen. 

4.4.1 Wie das SEM in seiner ihre Eltern betreffenden angefochtenen Ver-

fügung (vgl. {…}, {…}) zutreffend bemerkte, bedeutet das Vorhandensein 

von Anzeigen nicht zwingend, dass sich eine Begebenheit auch tatsächlich 

zutragen hat, da die Anzeigen lediglich auf Aussagen der Beschwerdefüh-

renden beruhen und nicht auf Nachforschungen der kolumbianischen Be-

hörden ([…]), weshalb auch die durch den Ombudsmann eingeleiteten Prä-

ventivmassnahmen ([…]) und die weiteren eingereichten Schreiben ver-

schiedener Behörden ([…]) vor diesem Hintergrund zu betrachten sind. 

Dasselbe gilt für das an die Schweizer Botschaft in N._______ adressierte 

schriftliche Asylgesuch, da dieses – wie die Vorinstanz ebenfalls richtig be-

merkte – vom Vater der Beschwerdeführerin verfasst worden ist. 

In diesem Zusammenhang wies das SEM in der besagten Verfügung be-

treffend die Eltern zu Recht darauf hin, das Datum auf der Anzeige des 

Vorfalls, bei welchem ihrer Schwester F._______ gesagt worden sei, 

"Pablo Escobar" würde nach ihrem Vater suchen ([…]), stimme im Übrigen 

auch nicht mit den Aussagen von F._______ überein ([…] S. 8 unten, wo 

diese ausdrücklich erklärt hatte, der Vorfall habe "dieses Jahr", mithin im 

Jahr 2017, stattgefunden), wodurch auch Zweifel an der Echtheit bezie-

hungsweise am Wahrheitsgehalt der weiteren Anzeige entstünden. 

4.4.2 Schliesslich sind auch die zusammen mit der Beschwerdeschrift in 

Kopie eingereichten Unterlagen und der in der Eingabe vom 26. April 2018 

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erwähnte Bericht beziehungsweise Link betreffend die Menschenrechts-

lage in Kolumbien nicht geeignet, die Zweifel an der Glaubhaftigkeit der 

Vorbringen zu beseitigen.  

So bestätigt das auf den 10. Februar 2018 datierte Schreiben lediglich, 

dass der Vater der Beschwerdeführerin sich und seine Familie bei der (…) 

als Opfer des bewaffneten Konflikts in Kolumbien registrieren liess; im Üb-

rigen ist es sehr allgemein gehalten, beziehungsweise steht inhaltlich in 

keinem Zusammenhang mit den von der Beschwerdeführerin und ihrer Fa-

milie im Schweizer Asylverfahren geschilderten Fluchtgründen und ist so-

mit – wie das SEM in seiner Vernehmlassung vom 29. März 2018 zutref-

fend feststellte – auch nicht geeignet, die widersprüchlichen Aussagen zu 

erklären. 

Der in der Eingabe vom 26. April 2018 genannte Link (http://colju-

ristas.org/documentos/tmp/INFORME_SITUACION_DERECHOS_HU-

MANOS_OSC_EPU_ESPANOL_3 APRIL_2018.pdf) lässt sich zwar nicht 

(vollständig) öffnen, doch ist bereits aus dessen Titel erkennbar, dass er – 

wie auch der mit der Beschwerde eingereichte Bericht betreffend die Er-

mordung von Menschenrechtsaktivisten – inhaltlich ebenfalls nicht in ei-

nem direkten Zusammenhang mit den Vorbringen der Beschwerdeführerin 

steht. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass die Be-

schwerdeführerin nie geltend gemacht hat, sie oder ihre nächsten Angehö-

rigen hätten sich aktiv für die Menschenrechte in Kolumbien eingesetzt.  

4.5 Der Beschwerdeführerin ist es nach dem Gesagten nicht gelungen, die 

von ihr geschilderten Fluchtgründe glaubhaft zu machen, weshalb es sich 

erübrigt, die allfällige Asylrelevanz derselben zu prüfen und sich etwa mit 

der Aussage ihres Vaters, er habe die von der UNP ihm und seiner Familie 

angebotenen Schutzmassnahmen abgelehnt (vgl. N 574 924, A42 S. 3), zu 

befassen. 

Es kann darauf verzichtet werden, auf die übrigen Erwägungen der Vor-

instanz und auf die weiteren Darlegungen in der Beschwerde und in der 

Beschwerdeergänzung vom 26. April 2018 einzugehen. Nach dem Gesag-

ten hat das SEM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdefüh-

rerin verneint und das Asylgesuch abgewiesen.  

Im Übrigen ist auch der erhebliche Sachverhalt ausreichend erstellt, wes-

halb keine Veranlassung besteht, die angefochtene Verfügung aufzuheben 

http://coljuristas.org/documentos/tmp/INFORME_SITUACION_DERECHOS_HUMANOS_OSC_EPU_ESPANOL_3%20APRIL_2018.pdf
http://coljuristas.org/documentos/tmp/INFORME_SITUACION_DERECHOS_HUMANOS_OSC_EPU_ESPANOL_3%20APRIL_2018.pdf
http://coljuristas.org/documentos/tmp/INFORME_SITUACION_DERECHOS_HUMANOS_OSC_EPU_ESPANOL_3%20APRIL_2018.pdf

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Seite 10 

und die Sache zwecks Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

Der entsprechende Subeventualantrag ist daher abzuweisen. 

5.  

5.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

 

5.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet 

(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

6.  

6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

 

Bei der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-

mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard 

wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-

weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

6.2 Der Vollzug der Wegweisung ist nach Art. 83 Abs. 3 AuG nicht zulässig, 

wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der 

Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen 

Drittstaat entgegenstehen.  

Da die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist das 

flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 FK und Art. 

5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzuges beurteilt sich viel-

mehr nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestim-

mungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). Gemäss 

Praxis des EGMR sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste die 

Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder 

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Seite 11 

glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-

menschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR, Saadi gegen Italien, 

Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 7201/06, §§ 124–127 

m.w.H.). Das ist vorliegend jedoch nicht der Fall, zumal die geltend ge-

machte Verfolgungssituation nicht als glaubhaft erachtet wurde und auch 

die allgemeine Menschenrechtssituation in Kolumbien den Wegweisungs-

vollzug nicht als unzulässig erscheinen lässt.   

Der Vollzug der Wegweisung ist damit sowohl im Sinne der asyl- als auch 

der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.  

6.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren.  

6.3.1 In Kolumbien herrscht im jetzigen Zeitpunkt weder Krieg noch Bür-

gerkrieg und es liegt auch keine Situation allgemeiner Gewalt vor. Mit der 

Bekanntgabe eines Waffenstillstandes zwischen den "Fuerzas Armadas 

Revolucionarias de Colombia – Ejército del Pueblo" (FARC-EP bezie-

hungswiese FARC) und den Vertretern der kolumbianischen Regierung am 

22. Juni 2016 ging in Kolumbien ein mehr als 50 Jahre dauernder Bürger-

krieg zu Ende. Ende Juni 2017 bestätigte die Organisation der Vereinten 

Nationen (UNO), dass die Entwaffnung der FARC abgeschlossen sei. Die 

erste Präsidentschaftswahl seit Ende des Bürgerkrieges (nach der ersten 

Runde der Präsidentschaftswahl am 27. Mai 2018 lag der rechtskonserva-

tive Kandidat Iván Duque vor dem ehemaligen Guerillakämpfer Gustavo 

Petro; die Stichwahl vom 17. Juni 2018 bestätigte dies) ist zwar von we-

sentlicher Bedeutung für den weiteren Friedensprozess. Es ist jedoch 

(auch nach der Präsidentschaftswahl) davon auszugehen, dass der Weg-

weisungsvollzug nach Kolumbien aufgrund der allgemeinen Lage auch in 

absehbarer Zukunft als zumutbar bezeichnet werden kann.  

6.3.2 Es bleibt im Folgenden zu prüfen, ob allenfalls individuelle – insbe-

sondere auch gesundheitliche – Gründe gegen die Zumutbarkeit des Weg-

weisungsvollzugs sprechen könnten. 

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Seite 12 

Aus den Akten sind keine Gründe ersichtlich, die den Wegweisungsvollzug 

der Beschwerdeführerin unter medizinischen Gesichtspunkten als unzu-

mutbar erscheinen lassen würden. Gemäss den beiden als "medizinische 

Informationen" bezeichneten Kurzberichten (vgl. A18 und A20) wurde die 

Beschwerdeführerin auf die von ihr geltend gemachten gesundheitlichen 

Probleme untersucht und die Beschwerden wurden – soweit eine klare Di-

agnose vorlag – behandelt, beziehungsweise es wurden weitere Abklärun-

gen empfohlen (vgl. auch Sachverhalt Bst. A.e.b). Seit dem 17. Januar 

2018 wurden indessen keine weiteren ärztlichen Berichte zu den Akten ge-

geben, die Hinweise auf das Vorhandensein aktueller gesundheitlicher 

Probleme geben würden. Im Übrigen ist festzustellen, dass Kolumbien ins-

besondere in den Städten und grösseren Ortschaften über eine vergleichs-

weise gute Gesundheitsversorgung verfügt. 

Sodann verfügt die Beschwerdeführerin über eine gute Schulbildung (Ab-

schluss der Sekundarschule; vgl. A17 S. 2) und ihre Familie über ein um-

fangreiches Beziehungsnetz ([…]). Es muss daher nicht befürchtet werden, 

die Beschwerdeführerin könnte nach ihrer Rückkehr nach Kolumbien in 

wirtschaftlicher Hinsicht in eine existenzbedrohende Situation geraten, zu-

mal sie bei der Wiedereingliederung auch mit der Unterstützung ihrer mit 

ihr zurückkehrenden Angehörigen rechnen kann.  

6.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch 

als zumutbar.  

6.4 Die Beschwerdeführerin ist im Besitz eines gültigen, beim SEM abge-

gebenen Reisepasses, weshalb der Vollzug der Wegweisung ohne weite-

res als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

6.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG).  

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

8.  

Mit Instruktionsverfügung vom 23. Februar 2018 wurde auf die Erhebung 

D-1046/2018 

Seite 13 

eines Kostenvorschusses (Art. 63 Abs. 4 VwVG) verzichtet und der Ent-

scheid über das in der Beschwerde vom 19. Februar 2018 gestellte Gesuch 

um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) 

auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Die Beschwerdeführerin wurde 

jedoch gleichzeitig darauf hingewiesen, dass ihre Bedürftigkeit noch durch 

keine entsprechende Bestätigung belegt sei, weshalb das Gesuch um Ge-

währung der unentgeltlichen Rechtspflege abzuweisen wäre. Nachdem die 

allenfalls bestehende Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin bis heute nicht 

nachgewiesen ist, ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege – ungeachtet der Tatsache, dass die Beschwerde zum Zeit-

punkt ihrer Einreichung nicht aussichtslos erschien – abzuweisen. 

 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdefüh-

rerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest-

zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 

173.320.2]). 

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-1046/2018 

Seite 14 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abge-

wiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Daniela Brüschweiler Kathrin Mangold Horni 

 

 

Versand: