# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9e02e99a-a39a-5db7-b665-ceca5efd88e4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-11-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.11.2011 D-4595/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4595-2011_2011-11-11.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­4595/2011

U r t e i l   v om   1 1 .   No v embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz),
Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Thomas Wespi,   
Gerichtsschreiber Patrick Weber.

Parteien X._______, geboren am _______,
Russland,  
vertreten durch Daniel Weber,_______,
Beschwerdeführerin, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 11. August 2011 / _______.

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

I.

dass  die  aus  _______  in  Tschetschenien  stammende 
Beschwerdeführerin  ihr  Heimatland  am  _______  von  _______  aus 
verliess  und  in  die  Schweiz  gelangte,  wo  sie  am  18. Oktober  2006  ein 
Asylgesuch stellte, 

dass  sie  zu  dessen  Begründung  im  Wesentlichen  geltend  machte,  sie 
und  ihr  Ehemann  hätten  in  der  Kinderklinik  in  _______  als  Ärzte 
gearbeitet, 

dass  sie  während  des  zweiten  Tschetschenienkrieges  die 
Widerstandskämpfer  unterstützt  hätten,  indem  sie  die  Verletzten 
behandelt und diese als Zivilisten registriert hätten,

dass  sie  verraten  worden  und  im  Januar  2001  Maskierte  bei  ihnen  zu 
Hause eingedrungen seien und sie mitgenommen hätten, 

dass sie verhört und durch russische Armeeangehörige misshandelt und 
mehrfach vergewaltigt worden sei, 

dass ihr Ehemann umgebracht worden sei, 

dass sie nach einigen Tagen gegen Bestechungsgeld freigekommen sei, 

dass sie nach der Freilassung eine Fehlgeburt erlitten habe, 

dass  sie  im  Februar  2001  nach  _______  in  der  russischen  Republik 
_______ geflohen sei, 

dass  sie  dort  in  ständiger  Angst  gelebt  und  häufig  ihren  Wohnort 
gewechselt habe, 

dass sie am 31. August 2006 im Rahmen einer behördlichen Kontrolle an 
ihrem Wohnort in _______ verhaftet und zur Identitätsabklärung auf einen 
Polizeiposten gebracht worden sei,

dass  man  sie  zu  Belangen  ihrer  Tätigkeiten  in  Tschetschenien  befragt 
und  Nachforschungen  bei  den  dortigen  Behörden  in  Aussicht  gestellt 
habe,

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dass sie erneut Vergewaltigungen erlitten habe, 

dass sie am 3. September 2006 unter der Auflage, die Stadt _______ bis 
zum  Vorliegen  der  Nachforschungsergebnisse  nicht  zu  verlassen, 
freigekommen sei, 

dass  sie  in  Anbetracht  dieser  Sachlage  aus  Russland  in  den  Westen 
weitergeflohen sei, 

dass  ihre  Mutter  nach  ihrer  Flucht  zusammengeschlagen  worden  und 
verstorben sei, 

dass  das  BFM  das  Asylgesuch  mit  Verfügung  vom  8.  Februar  2007 
abwies  und  die Wegweisung  der  Beschwerdeführerin  aus  der  Schweiz 
sowie den Wegweisungsvollzug anordnete,

dass die Vorinstanz zur Begründung ihres Entscheids ausführte, die von 
der  Beschwerdeführerin  geltend  gemachten  Misshandlungen  und 
Vergewaltigungen  anlässlich  der  Haft  in  _______  im  Jahr  2001  seien 
nicht in Abrede zu stellen, 

dass indes die Freilassung gegen Zahlung eines Lösegeldes mutmasslich 
nur  möglich  gewesen  sei,  weil  gegen  die  Beschwerdeführerin  aus  der 
Sicht der föderalen Kräfte nichts Gravierendes vorgelegen habe, 

dass  sie  im  Februar  2001  Tschetschenien  ohne  Schwierigkeiten  habe 
verlassen  können  und  fortan  mehrere  Jahre  in  _______  wohnhaft 
gewesen sei, 

dass  die  für  die  Zeit  des  Aufenthalts  in  _______  geltend  gemachten 
Verfolgungshandlungen nicht glaubhaft seien, 

dass  deshalb  davon  auszugehen  sei,  sie  könne  sich  auf  dem 
Staatsgebiet  der  russischen  Föderation  aufhalten,  ohne  weitere 
Verfolgung befürchten zu müssen, 

dass  der  Vollzug  nach  Russland  beziehungsweise  _______  zulässig, 
zumutbar und möglich sei, 

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  die  gegen  diesen  Entscheid  am    
12. März 2007 erhobene Beschwerde mit Urteil  vom 2. Dezember 2010 
vollumfänglich abwies, 

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dass  die  Beschwerdeinstanz  erwog,  die  Misshandlungen  und 
Vergewaltigungen  der  Beschwerdeführerin  sowie  die  Tötung  ihres 
Mannes anlässlich der  Inhaftierung des Ehepaars  in _______  im Januar 
2001 seien im asylrechtlichen Sinn nicht mehr von Bedeutung,

dass diese zweifellos ungeheuerlichen Vorkommnisse von der Vorinstanz 
nicht  als  unglaubhaft  erachtet  worden  seien  und  auch  das 
Bundesverwaltungsgericht  keine  Veranlassung  sehe,  die  sich  auf  diese 
Ereignisse  beziehenden  Schilderungen  der  Beschwerdeführerin  in 
Zweifel zu ziehen, 

dass  aber  die  Verfolgungsvorbringen  betreffend  _______  vom  BFM  zu 
Recht für unglaubhaft erachtet worden seien,

dass  mit  der  Vorinstanz  mithin  davon  auszugehen  sei,  die 
Beschwerdeführerin  verfüge  über  eine  innerstaatliche  Fluchtalternative 
innerhalb  der  Russischen  Föderation,  von  welcher  sie  denn  auch 
während über fünfeinhalb Jahren bereits Gebrauch gemacht habe,

dass  ihr  auch  in  Berücksichtigung  der  gesundheitlichen  Situation 
zuzumuten sei, diese Schutzalternative weiterhin in Anspruch zu nehmen,

dass  die  Beschwerdeführerin  seit  dem  5.  Januar  2011  unbekannten 
Aufenthalts war, 

II.

dass die Beschwerdeführerin am 13. Mai 2011 in der Schweiz ein zweites 
Asylgesuch stellte, 

dass  sie  dazu am 20. Mai  2011  summarisch  befragt  und am 3. August 
2011 angehört wurde, 

dass  sie  darlegte,  die  Schweiz  am  6.  Januar  2011  verlassen  zu  haben 
und zu ihrer Schwester nach _______ gereist zu sein, 

dass  sie  dort  am  2.  Februar  2011  eingetroffen  und  unter  der  Adresse 
eines Cousins offiziell angemeldet gewesen sei, 

dass  sie  am  _______  ihren  neuen  Reisepass  bei  der  zuständigen 
Behörde abgeholt habe, 

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dass  am Abend  desselben  Tages Angehörige  von Kadirov  an  besagter 
Adresse  des  Cousins  während  ihrer  Abwesenheit  vorgesprochen,  das 
Haus durchsucht und unter Drohungen nach ihr gefragt hätten, 

dass  sie  aufgrund  der  dargelegten  Situation  _______  erneut  aus 
Russland geflohen sei, 

dass das BFM auf  das  zweite Asylgesuch der Beschwerdeführerin  vom 
13. Mai  2011 mit  Verfügung  vom  11.  August  2011  gestützt  auf  Art.  32 
Abs.  2 Bst.  e  des Asylgesetzes  vom 26.  Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31) 
nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den 
Wegweisungsvollzug anordnete,

dass  das  BFM  erwog,  aus  den  Akten  ergäben  sich  keine  Hinweise 
darauf, es seien nach dem Abschluss des ersten Verfahrens Ereignisse 
eingetreten, die geeignet wären, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen 
oder  Relevanz  für  die  Gewährung  vorübergehenden  Schutzes  zu 
entfalten, 

dass  namentlich  die  angebliche  Rückkehr  ins  Heimatland  nach  dem 
ersten  Asylverfahren  aufgrund  unsubstanziierter  Aussagen  nicht 
glaubhaft sei, 

dass  bereits  deshalb  die  nach  der  angeblichen  Rückkehr  in 
Tschetschenien erlittene Verfolgung haltlos sei, 

dass  die  neuen  Vorbringen  der  angeblich  ins  Heimatland 
zurückgekehrten Beschwerdeführerin überdies mit ihren bereits im ersten 
Asylverfahren  vorgetragenen  Asylgründen  eng  zusammenhingen  und 
diese für unglaubhaft erachtet worden seien, 

dass der Vollzug in den Heimatstaat zulässig, zumutbar und möglich sei, 

dass  die  Beschwerdeführerin  die  Verfügung  mit  Eingabe  ihrer 
Rechtsvertretung  vom  19.  August  2011  beim Bundesverwaltungsgericht 
anfechten liess, 

dass sie die Aufhebung des angefochtenen Entscheids verbunden mit der 
Anweisung an das BFM, auf ihr Gesuch einzutreten, und in prozessualer 
Hinsicht  die  unentgeltliche  Prozessführung  samt  Entbindung  von  der 
Vorschusspflicht  (Art.  65  Abs.  1  und  2  des 

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Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  [VwVG,  SR 
172.021]) beantragte,

dass sie Beweismittel zu den Akten gab (vgl. S. 9 der Beschwerdeschrift) 
und die Nachreichung ihres Inlandpasses in Aussicht stellte, 

dass sie unter anderem geltend machte,  entgegen den vorinstanzlichen 
Erwägungen in ihr Heimatland zurückgekehrt zu sein, 

dass sie den Reiseweg hinreichend substanziiert dargelegt habe,

dass  ihre  angeblichen  Ungereimtheiten  in  den  Schilderungen  zur 
erneuten  Verfolgung  vom  BFM  in  keiner  Weise  konkretisiert  worden 
seien, 

dass  das  BFM  ihren  bereits  in  Kopie  als  Beweismittel  eingereichten 
Inlandpass nicht gewürdigt habe und ihre Aussagen zu Unrecht für nicht 
glaubhaft erachte, 

dass  sie  gemäss  diesem  Dokument  am  _______  tatsächlich  in 
Tschetschenien gewesen sei, 

dass die Leute von Kadirov erneut nach  ihr gesucht hätten und sie eine 
asylrelevante Verfolgung zu gewärtigen habe, 

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom          
23. August 2011 auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtete, 
das Gesuch gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG guthiess, das Gesuch im Sinne 
von  Art.  65  Abs.  2  VwVG  abwies  und  Frist  zur  Beschaffung  des  in 
Aussicht gestellten Beweismittels ansetzte, 

dass  die  Beschwerdeführerin  das  besagte  Dokument  und  zwei  weitere 
Beweismittel  samt  Belgleitschreiben  ihrer  Rechtsvertretung  sowie  eine 
Kostennote am 25. August 2011 zu den Akten gab, 

dass  das  BFM  mit  Vernehmlassung  vom  5.  September  2011  die 
Abweisung der Beschwerde beantragte, 

dass die Vorinstanz darlegte,  der  nun plötzlich aufgetauchte  Inlandpass 
vermöge  die  persönliche  Anwesenheit  der  Beschwerdeführerin  bei 
dessen Ausstellung nicht hinreichend zu belegen, 

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dass  gewisse  dortige  Einträge  nicht mit  einem  früheren  Inlandpass  der 
Beschwerdeführerin übereinstimmten, 

dass  die  Beschwerdeführerin  im  Übrigen  nicht  habe  plausibel  machen 
können,  weshalb  sie  freiwillig  nach  Tschetschenien,  wo  sie  angeblich 
verfolgt werde, zurückgekehrt sei, 

dass  sie  zudem  mit  den  dortigen  Behörden  offenbar  Kontakt 
aufgenommen habe, 

dass sie auch das angebliche erneute  Interesse der Kadirov­Leute nicht 
habe nachvollziehbar schildern können, 

dass nichts auf eine relevante Gefährdung hindeute, 

dass  die  Vorinstanz  erneut  hervorhob,  bereits  die  angeblichen 
Asylgründe  im  ersten  Asylverfahren  seien  für  unglaubhaft  erachtet 
worden, 

dass  den  eingereichten  Bestätigungsschreiben  nur  ein  geringer 
Beweiswert zukomme,

dass  die  Beschwerdeführerin  mit  Replik  vom  23.  September  2011  an 
ihren bisherigen Vorbringen festhielt, 

dass die vorinstanzlichen Erwägungen in keiner Weise stichhaltig und die 
unterschiedliche  Schreibweisen  in  den  eingereichten  Dokumenten  nicht 
von Relevanz seien,

dass  sie  aufgrund  ihrer  Vorgeschichte  als  ehemalige Unterstützerin  der 
Rebellen  in  Tschetschenien  und  Zeugin  von 
Menschenrechtsverletzungen ins Visier der Kadirov­Leute gelangt sei, 

dass  eine  ihrer  Schwestern  mittlerweile  ebenfalls  in  die  Schweiz 
geflüchtet sei und um Asyl nachgesucht habe, 

dass  die  Schwester  geltend  mache,  im  Zusammenhang mit  der  Suche 
der  Kadirov­Leute  nach  der  Beschwerdeführerin  sei  ihr  Mann 
angeschossen und schwer verletzt worden, 

dass deren Dossier beizuziehen und sie als Zeugin zu befragen sei, 

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dass der Eingabe weitere Beweismittel und eine aktualisierte Kostennote 
beilagen  (vgl. das Verzeichnis des Rechtsvertreters vom 23. September 
2011),

III.

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  in  der 
Regel  –  so  auch  vorliegend  –  endgültig  über  Beschwerden  gegen 
Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG i. V. m. 
Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG, 
SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  die  Beschwerdeführerin  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist 
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass auf die  frist­ und  formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten 
ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 
VwVG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art.  32­35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der 
Beschwerdein­stanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass  die  Anwendung  von  Art.  32  Abs.  2  Bst.  e  AsylG  nach  konstanter 
Praxis  eine  summarische  materielle  Prüfung  der  Glaubwürdigkeit  der 
gesuchstellenden  Person  voraussetzt,  aus  der  sich  das  offensichtliche 
Fehlen  von  Hinweisen  auf  die  Erfüllung  der  Flüchtlingseigenschaft 
beziehungsweise  auf  die  Voraussetzungen  der  Gewährung  des 
vorübergehenden Schutzes ergibt (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen 
der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2000 Nr. 14),

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dass bei der Prüfung des Vorliegens solcher Hinweise die Anforderungen 
an das Beweismass tief anzusetzen sind (vgl. EMARK 2005 Nr. 2 E. 4.3.) 
und  auf  ein  Asylgesuch  eingetreten  werden muss,  wenn  sich  Hinweise 
auf eine relevante Verfolgung ergeben, die nicht zum Vornherein haltlos 
sind (vgl. EMARK 2005 Nr. 2 E. 4.3 S. 17 und in diesem Zusammenhang 
BVGE 2008/57 E. 3.2 und 3.3),

dass die Aussagen der Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit  ihrer 
Rückkehr  nach  Tschetschenien  zwar  in  der  Tat  gewisse  Fragen 
aufwerfen, 

dass  sie  bei  der  Summarbefragung  aber  einen  Inlandpass  in  Kopie  als 
Beleg für ihren erneuten Aufenthalt in Tschetschenien zu den Akten gab, 

dass dieses Dokument  von der Vorinstanz  im angefochtenen Entscheid 
zu Unrecht nicht gewürdigt wurde, zumal offenbar die Passausstellung in 
Russland in der Regel die persönliche Anwesenheit bedingt,

dass  sich  demnach  ein  Abwägen  der  für  und  der  gegen  die 
Glaubhaftigkeit der Rückkehr sprechenden Elemente aufgedrängt hätte,

dass  die Einschätzung  des BFM,  die Rückkehr  der Beschwerdeführerin 
nach  Tschetschenien  sei  offensichtlich  unglaubhaft,  demnach  mit  einer 
Gehörsverletzung behaftet ist, 

dass  sodann  die  weitere  Erwägung  des  BFM  nicht  zu  überzeugen 
vermag,  die  neuen  Vorbringen  der  angeblich  ins  Heimatland 
zurückgekehrten  Beschwerdeführerin  seien  haltlos,  weil  sie  mit  ihren 
bereits  im  ersten  Asylverfahren  vorgetragenen  und  für  unglaubhaft 
erachteten Asylgründen eng zusammenhängen würden,

dass im ersten Asylverfahren vielmehr die Unterstützung der Rebellen in 
Tschetschenien  und  die  deswegen  erlittene  Haft  aus  dem  Jahre  2001 
verbunden mit  mehrfachen  Vergewaltigungen  und  der  Ermordung  ihres 
Ehemannes als glaubhaft beurteilt worden waren, 

dass  allein  die  Aktualität  der  Verfolgung  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  in 
Frage  gestellt  beziehungsweise  vom  Bestehen  einer  inländischen 
Fluchtalternative ausgegangen worden war, 

dass  das  BFM  demnach  übersieht,  dass  ein  allfälliges  Interesse  der 
früheren Verfolger an der Beschwerdeführerin gerade auch als potentielle 

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Zeugin  von Menschenrechtsverletzungen nicht  von der Hand zu weisen 
wäre, 

dass  die  Erwägungen  der  Vorinstanz,  die  zum  Schluss  führten,  die 
Vorbringen  seien  offensichtlich  nicht  geeignet  Hinweise  auf  die 
Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  diesen  Ausführungen  gemäss  in 
keiner Weise zu überzeugen vermögen,

dass demnach der angefochtene Nichteintretensentscheid der Vorinstanz 
als nicht genügend begründet zu qualifizieren ist,

dass  grundsätzlich  eine  Heilung  dieser  Gehörsverletzung  auf 
Beschwerdeebene  nicht  zum  Vornherein  ausgeschlossen  wäre,  zumal 
sich  vorliegend unabhängig  von einer möglichen Verfolgungssituation  in 
Tschetschenien durch die Kadirov­Leute insbesondere die Frage gestellt 
hätte, ob die im ersten Asylverfahren als valabel erachtete innerstaatliche 
Fluchtalternative trotzdem noch bestehe,

dass  sich  hier  jedoch  wiederum  die  Frage  stellt,  ob  bei  solchen 
Erwägungen noch von offensichtlich fehlenden Hinweisen auf Verfolgung 
im Sinne der Praxis ausgegangen werden kann (vgl. EMARK 2004 Nr. 5),

dass mittlerweile ohnehin eine Schwester der Beschwerdeführerin  in die 
Schweiz  geflohen  ist  und  gemäss  Replik  geltend  mache,  im 
Zusammenhang  mit  der  Suche  der  Kadirov­Leute  nach  der 
Beschwerdeführerin  sei  ihr  Mann  angeschossen  und  schwer  verletzt 
worden, 

dass damit weitere neue Ereignisse geltend gemacht werden, zu denen 
die Vorinstanz bisher noch nicht Stellung nehmen konnte,

dass  ausserdem  die  Vorbringen  der  Schwester  und  allfällig  dort 
eingebrachte Beweismittel für das Asylverfahren der Beschwerdeführerin 
wesentlich sein dürften,

dass eine Befragung der Schwester offenbar noch nicht stattgefunden hat 
und demnach der Sachverhalt aufgrund der heutigen Aktenlage als nicht 
genügend erstellt qualifiziert werden muss, 

dass  bei  dieser  Sachlage  davon  abgesehen  werden  kann,  auf  weitere 
Beschwerdevorbringen,  Anträge  und  die  Beweismittel  detaillierter 
einzugehen, 

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Seite 11

dass  die  Beschwerde  nach  dem  Gesagten  gutzuheissen,  die 
angefochtene Verfügung des BFM vom 11. August 2011 aufzuheben und 
die  Sache  zur  Neubeurteilung  im  Sinne  der  Erwägungen  an  die 
Vorinstanz zurückzuweisen ist,

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  keine  Kosten  aufzuerlegen 
sind (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG),

dass obsiegende Parteien Anspruch auf eine Parteientschädigung für die 
ihnen  erwachsenen  notwendigen  Kosten  haben  (Art.  7  Abs.  1  des 
Reglements vom 11. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]),

dass der Rechtsvertreter  in seiner Kostennote vom 23. September 2011 
Aufwand und Auslagen in der Höhe von Fr. 4'486.20 geltend macht, 

dass  der  in  der Kostennote  ausgewiesene  zeitliche Vertretungsaufwand 
dem  vorliegenden,  nicht  übermässig  komplexen  oder  umfangreichen 
Verfahren nicht als vollumfänglich angemessen respektive notwendig  im 
Sinne  von  Art.  64  Abs.  1  VwVG  erscheint,  weshalb  eine  Kürzung 
vorzunehmen  und  die  Parteientschädigung  unter  Berücksichtigung  aller 
massgeblicher  Faktoren  auf  insgesamt  Fr.  3'200.­­  (inkl.  Auslagen  und 
MWST) festzusetzen ist (vgl. Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 8 und 
14 Abs. 2 VGKE).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen.

2. 
Die  Verfügung  des  BFM  vom  11.  August  2011  wird  aufgehoben.  Die 
Akten werden zur Neubeurteilung an die Vorinstanz überwiesen.

3.  
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4. 
Die Parteientschädigung wird auf Fr. 3'200.­­  festgesetzt. Das BFM wird 
angewiesen, diesen Betrag der Beschwerdeführerin zu entrichten. 

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber

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