# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 717a2d7a-4a87-5073-b988-7537e9c4652a
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-04-01
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsbehörden Bau- und Verkehrsdirektion 01.04.2015 110 2014 150
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_BVD/BE_VB_001_110-2014-150_2015-04-01.pdf

## Full Text

ENTSCHEID
DER

BAU-, VERKEHRS- UND ENERGIEDIREKTION 

RA Nr. 110/2014/150 Bern, 1. April 2015

in der Beschwerdesache zwischen

Herrn A.________
Beschwerdeführer 1

Frau B.________
Beschwerdeführerin 2

alle vertreten durch Herrn Rechtsanwalt C.________

und

Baubewilligungsbehörde der Gemeinde Scheuren, Gemeindeverwaltung, 
Hauptstrasse 56, 2556 Scheuren

betreffend die Verfügung der Baubewilligungsbehörde der Gemeinde Scheuren vom 
1. Dezember 2014 (Baugesuch Nr. 421/2014; Abbruch Wohnhaus)

I. Sachverhalt

1. Die Beschwerdeführenden ersuchten die Gemeinde Scheuren mit Baugesuch vom 

12. August 2013 um Bewilligung des Projekts "Abbruch von best. Einfamilienhaus. Neubau 

von einem Einfamilienhaus an einem anderen Standort auf dem Grundstück" auf der 

Parzelle Scheuren Grundbuchblatt Nr. XXX. Die Parzelle mit Adresse X_____ Weg in 

Scheuren war damals mit einem älteren Einfamilienhaus sowie mit einem kleinen 

Nebengebäude bebaut; sie liegt in der Dorfkernzone und im Ortsbildschutzgebiet. Die 

Beschwerdeführenden modifizierten das Projekt mit Eingabe vom 11. November 2013 

zunächst insoweit, als nur noch ein Teilabbruch des bestehenden Einfamilienhauses 

vorgesehen wurde; in der Folge reduzierten sie das Abbruchsgesuch allein auf das 

Nebengebäude, nachdem die Gemeinde Scheuren mit E-Mail vom 18. November 2013 

2

darauf hingewiesen hatte, dass auch ein Teilabbruch des bestehenden Einfamilienhauses 

nicht als bewilligungsfähig erachtet werde. Mit Bauentscheid vom 3. Dezember 2013 

bewilligte die Gemeinde Scheuren den Neubau eines Einfamilienhauses und den Abbruch 

des Nebengebäudes unter ausdrücklichem Hinweis, dass allein der Abbruch des 

Nebengebäudes zulässig sei.

2. Am 10. September 2014 reichten die Beschwerdeführenden erneut ein Baugesuch 

ein. Sie umschrieben ihr Vorhaben als "Gesuch um Abbruch der nicht mehr bewohnten 

Liegenschaft am X_____ Weg in Scheuren. Damit die Gestaltung sowie Erschliessung für 

das neue EFH auf Gb. Nr. XXX fertig erstellt werden kann". Die Gemeinde holte einen 

Fachbericht des Berner Heimatschutzes ein. Dieser sprach sich gegen einen "Abbruch auf 

Vorrat" aus und beantragte, dass das Projekt in dieser Form nicht bewilligt werden solle. 

Gestützt auf diesen Fachbericht verweigerte die Gemeinde Scheuren mit Bauentscheid 

vom 1. Dezember 2014 die Bewilligung für das Vorhaben.

3. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 18. Dezember 2014 Beschwerde 

bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen 

die Aufhebung des Bauentscheides vom 1. Dezember 2014 und die Erteilung der 

Abbruchbewilligung. Sie argumentieren, es fehle an einer gesetzlichen Grundlage für das 

Abbruchverbot, denn die kantonalen Bestimmungen zu den schützens- und 

erhaltenswerten Baudenkmälern seien nicht anwendbar, und die Gemeinden seien nicht 

befugt, eigene Vorschriften zum Schutz von Baudenkmälern zu erlassen.

4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die 

Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Gemeinde Scheuren wies in ihrer 

Stellungnahme vom 16. Januar 2015 darauf hin, dass sich der Bauabschlag auf die 

kommunalen Vorschriften zum Ortsbildschutz stütze. Ein Abbruch ohne Neubau 

wiederspreche dem Erhaltungsziel dieser Bestimmungen.

1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 111115 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- 
und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).

3

II. Erwägungen

1. Sachurteilsvoraussetzungen

Bauentscheide können nach Art. 40 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit 

Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung 

der Beschwerde zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die 

Einsprecher im Rahmen ihrer Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde 

(Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden, deren Baugesuch abgewiesen wurde, 

sind durch den vorinstanzlichen Bauentscheid beschwert und daher zur 

Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist 

einzutreten.

2. Abbruchbewilligung

a) Die Beschwerdeführenden rügen, die Verweigerung der Abbruchbewilligung finde 

keine Stütze im kantonalen oder kommunalen Recht und stelle daher einen 

ungerechtfertigten Eingriff in die Eigentumsgarantie dar. Das kantonale Recht enthalte in 

Art. 10b BauG Abbruchverbote nur für schützens- und erhaltenswerte Baudenkmäler. Das 

fragliche Gebäude sei im entsprechenden Inventar der Einwohnergemeinde Scheuren 

nicht verzeichnet. Eine nachträgliche "Unterschutzstellung" im Rahmen eines 

Baubewilligungsverfahrens sei nicht zulässig. Das kantonale Recht enthalte kein 

Abbruchverbot für nicht schützens- oder erhaltenswerte Gebäude; der beantragte Abbruch 

müsse daher bewilligt werden.

b) Nach Art. 1a Abs. 2 BauG ist der Abbruch von Bauten baubewilligungspflichtig. Die 

Bewilligung wird gemäss Art. 2 Abs. 1 BauG erteilt, wenn die bau- und planungsrechtlichen 

Vorschriften und anderen im Baubewilligungsverfahren zu prüfenden Vorgaben 

eingehalten werden, die öffentliche Ordnung nicht gefährdet wird und dem Vorhaben keine 

Hindernisse der Planung im Sinne der Art. 36 und 62 BauG entgegenstehen.

2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721).

4

5

3. Ortsbildschutz

a) Zu den Vorschriften, die im Baubewilligungsverfahren zu prüfen sind, gehören die 

Bestimmungen zum Ortsbild- und Denkmalschutz. Dabei dürfen Ortsbildschutz und 

Denkmalschutz nicht gleichgesetzt werden. Vielmehr ist zu unterscheiden zwischen dem 

allgemeinen Ortsbildschutz nach Art. 9 BauG und der Denkmalpflege nach Art. 10a ff. 

BauG.

b) Die Denkmalpflege befasst sich mit Schutz und Erhalt von kulturell, historisch oder 

ästhetisch besonders wertvoller Bausubstanz. Schützenswerte und erhaltenswerte 

Baudenkmäler sind zu inventarisieren und geniessen als Folge davon einen besonderen 

Schutz (Art. 10d f. BauG). Schützenswerte Baudenkmäler dürfen nicht abgebrochen 

werden (absolutes Abbruchverbot; Art. 10b Abs. 2 BauG). Erhaltenswerte Baudenkmäler 

dürfen nur abgebrochen werden, wenn die Erhaltung unverhältnismässig ist. Im Fall eines 

Neubaus ist das Baudenkmal durch ein gestalterisch ebenbürtiges Gebäude zu ersetzen 

(relatives Abbruchverbot; Art. 10b Abs. 3 BauG).

Dass hier ein schützens- oder erhaltenswertes Baudenkmal vorliegt, wird von keiner Seite 

behauptet. Die Vorinstanz stützt sich bei der Verweigerung der Abbruchbewilligung auf ihre 

kommunalen Ortsbildschutzvorschriften. Der angefochtene Entscheid nimmt Bezug auf den 

Fachbericht des Berner Heimatschutzes, der als neutrale Fachstelle zur Begutachtung 

beigezogen wurde. Danach ist das bestehende Wohnhaus 
"für den Strassenraum des Dorfkerns von Scheuren von grosser Bedeutung. Das Haus 

begleitet wie alle typischen Häuser des Dorfkerns den Strassenzug. Es bildet ein öffentliches 

"Vorne" und ein privates "Hinten" und steht prägnant und identitätsstiftend zum A- und Bweg. 

Mit dem Wegfallen dieses Volumens wird die typische Dorfstruktur geschwächt und verfällt zu 

einer generellen Einfamilienhauszone. Die Renovation oder der denkmalpflegerische Ersatz 

des bestehenden Wohnhauses muss grundsätzlich studiert werden. Einem Abbruch auf 

Vorrat kann nicht zugestimmt werden."

Diesen Ausführungen lassen sich zwei Stossrichtungen entnehmen. Zum einen soll 

verhindert werden, dass mit dem Wegfall des Gebäudes die typische Dorfstruktur 

geschwächt wird; es soll also keine Lücke entstehen, wo das Ortsbild nach einer 

dorftypischen Bebauung verlangt. Zum anderen will die Gemeinde die Abbruchbewilligung 

auch nicht "auf Vorrat" erteilen, sondern nur im Zusammenhang mit einem Neubauprojekt, 

6

das auf seine Übereinstimmung mit den Ortsbildschutzbestimmungen überprüft werden 

kann. Dies bekräftigt die Gemeinde auch in ihrer Stellungnahme vom 16. Januar 2015.

c) Gemäss Art. 10e Abs. 1 BauG ist die Aufnahme in das Bauinventar Voraussetzung 

für den denkmalpflegerischen Schutz. Objekte, die nicht im Bauinventar verzeichnet sind, 

können nicht im Baubewilligungsverfahren als schützens- oder erhaltenswert eingestuft 

werden mit der Konsequenz, dass das absolute oder relative Abbruchverbot zur Geltung 

kommt.3

Die Stellungnahme des Berner Heimatschutzes stützt sich zumindest teilweise auf 

denkmalpflegerische Überlegungen. Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid mit dem 

Hinweis auf den Fachbericht des Berner Heimatschutzes. Damit werden 

denkmalpflegerische und ortsbildschützerische Gesichtspunkte vermischt. Hinsichtlich der 

Rechtsfolgen legt die Vorinstanz ihre Ortsbildschutzvorschriften so aus, dass sie sich auf 

das streitige Abbruchprojekt faktisch wie eine Denkmalschutzvorschrift auswirken: Die 

Abbruchbewilligung wird an das Vorliegen eines bewilligungsfähigen Neubauprojekts 

geknüpft. Nach der Rechtsprechung ist nicht restlos geklärt, ob es gemäss Art. 10b Abs. 3 

BauG zulässig ist, die Abbruchbewilligung für ein erhaltenswertes Baudenkmal an das 

Vorliegen eines bewilligungsfähigen Neubauprojekts zu knüpfen.4 Die Frage kann hier 

offen bleiben, da kein als erhaltenswert eingestuftes und inventarisiertes Baudenkmal 

vorliegt.

Die Gemeinde geniesst gemäss Art. 9 Abs. 3 BauG eine eigene Regelungskompetenz im 

Hinblick auf den Erlass von Ästhetikvorschriften. Diese umfasst jedoch nur die ästhetisch 

motivierte Störungsabwehr, welche in Bezug auf die eigentumsrechtliche Eingriffstiefe 

weniger weit geht als der Schutz von kulturhistorisch wertvoller Bausubstanz. Hingegen 

räumt das Baugesetz den Gemeinden keine Regelungskompetenz bezüglich des Schutzes 

von Baudenkmälern ein.

Für die Statuierung eines Abbruchverbots (auch eines relativen) aus kulturhistorischem 

Erhaltungsinteresse fehlt demnach eine Gesetzgebungsdelegation an die Gemeinde. 

Daher ist es nicht zulässig, das (relative) Abbruchverbot nach Art. 10b Abs. 3 BauG 

3 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, 
Art. 10a-10f N. 11. Vorbehalten bleiben Entdeckungen, Art. 10f BauG.
4 Vgl. den vor Inkrafttreten der geltenden baurechtlichen Denkmalschutzvorschriften ergangenen Entscheid des 
Verwaltungsgerichts in BVR 1995 64 E. 2.

7

entgegen Art. 10e Abs. 1 BauG auf nicht inventarisierte Objekte auszudehnen. Die 

herangezogenen Vorschriften des Gemeindebaureglements enthalten denn auch kein 

Abbruchverbot.

d) Der allgemeine Ortsbild- und Landschaftsschutz gilt anders als der Denkmalschutz 

nicht nur für besonders bezeichnete Objekte, sondern überall.5 Art. 9 Abs. 1 BauG stellt 

eine „ästhetische Generalklausel“ im Sinne eines allgemeinen Beeinträchtigungsverbots 

auf. Eine Beeinträchtigung liegt vor, wenn ein Bauvorhaben einen Gegensatz zur 

bestehenden Überbauung schafft, der erheblich stört. Schutzobjekt des allgemeinen 

Ortsbildschutzes sind Orts- und Strassenbilder. Die Gemeinden dürfen eigene 

Ästhetikvorschriften erlassen, die über die kantonalen Vorschriften hinausgehen können 

(Art. 9 Abs. 3 BauG).

Mit der Ermächtigung der Gemeinden zum Erlass von Vorschriften zum allgemeinen 

Ortsbildschutz räumt das kantonale Recht den Gemeinden entsprechende Autonomie ein.6 

Die Gemeinden können insbesondere die Anforderungen, denen Bauprojekte im Hinblick 

auf den allgemeinen Ortsbildschutz genügen müssen, näher umschreiben.

Die Gemeinde Scheuren hat in Art. 49A Abs. 2 GBR7 festgelegt, welche Ziele der 

Ortsbildschutz anstrebt: den Erhalt und die Pflege der historisch und kulturell wertvollen 

Siedlungsteile und der Bausubstanz innerhalb des Ortsbildschutzperimeters von Scheuren. 

Insbesondere geht es darum, der guten Integration von Neubauten ins traditionelle Ortsbild 

grosse Aufmerksamkeit zu widmen. In Art. 49A Abs. 3 GBR wird konkretisiert, welche 

Aspekte zu erhalten sind: die historische Bauweise, die Gebäudefluchten, die Dachformen 

sowie die traditionelle Gliederung der Fassaden. Baugesuche sind der vom Gemeinderat 

bezeichneten neutralen Fachstelle zur Begutachtung und Antragstellung zu unterbreiten 

(Art. 49A Abs. 10 GBR).

e) Die Vorinstanz führt in ihrer Stellungnahme vom 16. Januar 2015 aus, das fragliche 

Gebäude sei Teil eines kleinen bäuerlichen Zentrums, welches gemäss ISOS als der 

"intakteste und räumlich reizvollste Teil des Dorfes" gelte. Das Gebäude sei Teil der 

südlichen Begrenzung eines grossen "bäuerlichen Platzraums mit Gärten, Spycher, 

5 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 1.
6 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 4.
7 Baureglement Scheuren, in Kraft getreten am 26. Februar 2002.

8

Nussbaum und bekiesten Vorplätzen". Die giebelständige Stellung des Gebäudes am 

Strassenraum des X_____Wegs sei charakteristisch und ortsbildprägend.

Das streitige Gebäude bzw. dessen Gebäudefluchten sind also nach 

ortsbildschützerischen Gesichtspunkten von Bedeutung als Begrenzung des bestehenden 

Platzes im bäuerlichen Zentrum des Dorfes. Die Erhaltung der Gebäudefluchten bildet Teil 

der Erhaltungsgrundsätze, die in Art. 49A Abs. 3 GBR angeführt werden. Im Rahmen ihrer 

Regelungskompetenz nach Art. 9 Abs. 3 BauG steht es den Gemeinden offen, für Neu- 

oder Umbauprojekte zum Zweck des Ortsbildschutzes die Erhaltung der bestehenden 

Gebäudefluchten zu verlangen. Sie bewegt sich damit grundsätzlich im Rahmen der ihr 

zugestandenen Autonomie.

Die Gemeinde kann also zum Zweck des Ortsbildschutzes Anforderungen an Neubauten 

stellen. Sie kann jedoch nicht die Errichtung eines Neubaus an sich verlangen, denn dafür 

besteht keine gesetzliche Grundlage. Der Ortsbildschutz greift erst und nur dann, wenn ein 

Gesuch für einen Neubau (oder Umbau) eingereicht wird. Mangels gesetzlicher Grundlage 

kann die Gemeinde auch auf indirektem Weg keine Baupflicht herbeiführen, indem sie eine 

Abbruchbewilligung von einem Neubauprojekt abhängig macht.

f) Eine Baubewilligung kann nach Art. 38 Abs. 3 BauG mit Bedingungen und Auflagen 

verbunden werden. Da damit die Baufreiheit bzw. die Eigentumsgarantie beschränkt wird, 

müssen die entsprechenden Voraussetzungen beachtet werden: Bedingungen und 

Auflagen müssen in einem engen sachlichen Zusammenhang mit dem Bauvorhaben 

stehen, durch ein öffentliches Interesse gerechtfertigt und verhältnismässig, d.h. zur 

Erreichung des angestrebten Ziels notwendig und geeignet sein.8

Vorliegend hat die Vorinstanz nicht eine an Bedingungen oder Auflagen geknüpfte 

Bewilligung erteilt, sondern mangels Vorliegens des von ihr gewünschten Neubauprojekts 

die Abbruchbewilligung verweigert. Auch dies hat jedoch für die Bauherrschaft die 

Beschränkung der Eigentumsgarantie zur Folge; der Eingriff in dieses verfassungsmässig 

garantierte Recht ist nicht geringer, als wenn die Abbruchbewilligung unter einer 

entsprechenden Bedingung oder Auflage gewährt worden wäre. Deshalb müssen die 

8 Zaugg/Ludwig, Art. 38-39 N. 15a.

9

Voraussetzungen der gesetzlichen Grundlage, des öffentlichen Interesses, der 

Verhältnismässigkeit und der Durchsetzbarkeit beachtet werden. 

Das angestrebte Ziel besteht hier in der Pflege des Ortsbildes, namentlich in der Erhaltung 

des Charakters des bäuerlichen Dorfzentrums; insbesondere soll die Begrenzung des 

bäuerlichen Platzraums durch Erhaltung der bestehenden Gebäudefluchten bewahrt 

werden. Nach dem Gesagten besteht aber für das nicht denkmalgeschützte Gebäude 

weder eine gesetzliche Grundlage für ein Abbruchverbot, noch kann die Gemeinde die 

Errichtung eines Neubaus verlangen oder durchsetzen. Die Verknüpfung der 

Abbruchbewilligung mit der Einreichung eines bewilligungsfähigen Neubauprojekts ist 

daher nicht geeignet, das angestrebte Ziel zu erreichen, und erweist sich damit als 

unverhältnismässig. Es ist demnach nicht zulässig, die Abbruchbewilligung wegen Fehlens 

eines bewilligungsfähigen Neubauprojekts zu verweigern.

4. Entsorgung

a) Nach Art. 14 Abs. 1 AbfG9 müssen Bauabfälle auf der Baustelle oder, soweit dies 

betrieblich nicht möglich ist, in einer geeigneten Anlage getrennt und vorschriftsgemäss 

entsorgt werden. Grössere Abbrucharbeiten – d.h. solche mit mehr als 500 Kubikmeter 

umbautem Volumen – dürfen erst durchgeführt werden, wenn die Bewilligungsbehörde die 

Deklaration der Entsorgungswege genehmigt hat.10 Die Deklaration der Entsorgungswege 

ist in Art. 17 AbfV geregelt. Sie zeigt auf, dass und wie eine rechtmässige Entsorgung 

möglich ist. Sie enthält zu diesem Zweck mindestens Angaben zur Bezeichnung der 

Baustelle, zur Art der anfallenden Abfälle, zur Menge der erwarteten Abfälle und zum Ort 

der Entsorgung der Abfälle.

b) Das Baugesuch enthält keine Angaben zum Gebäudevolumen. Die Geschosszahl 

wird mit 2 angegeben. Dem Situationsplan lässt sich entnehmen, dass der Grundriss 

deutlich über 200 m2 beträgt. Der Wert von 500 Kubikmeter wird also deutlich 

überschritten. Demnach besteht die erwähnte Deklarationspflicht. Diese Annahme wird im 

Übrigen dadurch bestätigt, dass mit dem ursprünglichen Abbruch- und Neubaugesuch vom 

12. August 2013 eine Deklaration der Entsorgungswege eingereicht worden war. Auch im 

9 Gesetz vom 18. Juni 2003 über die Abfälle (Abfallgesetz, AbfG; BSG 822.1).
10 Art. 14 Abs. 2 AbfG und Art. 16 Abs. 1 Bst. c Abfallverordnung vom 11. Februar 2004 (AbfV; BSG 822.111).

10

vorliegenden Verfahren muss daher eine Deklaration der Entsorgungswege erfolgen und 

die Abbrucharbeiten dürfen erst aufgenommen werden, wenn die gewählten 

Entsorgungswege genehmigt sind. Das ebenfalls einzureichende Formular betreffend 

asbesthaltige Materialien liegt bereits vor.11

5. Zusammenfassung und Kosten

a) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Unrecht die Bewilligung zum 

Abbruchprojekt auf Basis der kommunalen Ortsbildschutzvorschriften verweigert hat. Der 

angefochtene Entscheid ist daher aufzuheben und die Abbruchbewilligung kann mit der 

Auflage betreffend die Deklaration der Entsorgungswege12 erteilt werden.

b) Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens werden keine Verfahrenskosten 

erhoben (Art. 108 Abs. 2 VRPG13). Die Beschwerdeführenden tragen jedoch die Kosten 

des erstinstanzlichen Baubewilligungsverfahrens.

c) Die Beschwerdeführenden haben Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten (Art. 108 

Abs. 3 VRPG). Mangels Vorliegens besonderer Umstände sind diese von der Vorinstanz 

zu tragen. Der Anwalt der Beschwerdeführer macht ein Honorar von Fr. 3'000.– zuzüglich 

Auslagen von Fr. 32.– sowie der Mehrwertsteuer von Fr. 242.55, gesamthaft also 

Parteikosten in Höhe von Fr. 3'274.55 geltend, wobei er die Bedeutung der Sache als 

durchschnittlich und den gebotenen Zeitaufwand sowie die Schwierigkeit des Prozesses 

als unterdurchschnittlich wertet. Dies gibt zu keinen weiteren Bemerkungen Anlass. Die 

Vorinstanz hat demnach den Beschwerdeführern die Parteikosten in Höhe von Fr. 3'274.55 

zu ersetzen.

III. Entscheid

11 Vorakten, Register Nr. 8.
12 Vgl. Formular Ent. Deklaration der Entsorgungswege der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion.
13 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).

11

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Bauentscheid der Gemeinde Scheuren vom 

1. Dezember 2014 wird aufgehoben und die Baubewilligung (Abbruch Wohnhaus) 

wird unter folgender Auflage erteilt:

Vor dem Abbruch ist eine Deklaration der Entsorgungswege zu Handen der 

Gemeinde zu erstellen. Abbrucharbeiten dürfen erst aufgenommen werden, wenn die 

gewählten Entsorgungswege genehmigt sind. Die Entsorgungsbelege sind 

aufzubewahren und auf Verlangen der Behörde vorzuweisen.

2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

Die Kosten des erstinstanzlichen Baubewilligungsverfahrens von Fr. 1'075.– werden 

den Beschwerdeführenden zur Bezahlung auferlegt. Für das Inkasso dieser Kosten 

ist die Gemeinde zuständig.

3. Die Gemeinde Scheuren hat den Beschwerdeführenden die Parteikosten im Betrag 

von Fr. 3'274.55 (inkl. Mehrwertsteuer) zu ersetzen.

IV. Eröffnung

- Herrn Rechtsanwalt C.________, als Einschreiben

- Baubewilligungsbehörde der Gemeinde Scheuren, Gemeindeverwaltung, 
Hauptstrasse 56, 2556 Scheuren als Gerichtsurkunde 

- Regierungsstatthalteramt Biel/Bienne, zur Kenntnis

BAU-, VERKEHRS- UND 

ENERGIEDIREKTION

Die Direktorin

B. Egger-Jenzer,

Regierungspräsidentin

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