# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f1b8f892-fc9e-547a-a747-77222f674a3a
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** DG250001-H3
**Docket/Reference:** DG250001-H3
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/DG250001-H3.pdf

## Full Text

Bezirksgericht Pfäffikon
Kollegialgericht

Geschäfts-Nr.: DG250001-H / U2

Mitwirkend: Vizepräsident MLaw S. Zuber

Bezirksrichterin lic. iur. E. Casparis 

Bezirksrichter Dr. iur. A. Lüthi 

Gerichtsschreiberin MLaw E. Castelnuovo 

Urteil vom 10. Juni 2025
(begründete Ausfertigung)

in Sachen

Staatsanwaltschaft See/Oberland, 

Anklägerin

gegen

A._____,  

Beschuldigter

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin lic. iur. X._____, 

betreffend Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug etc.

Privatkläger

1.

2.

B._____, 

C._____, 

- 2 -

3.

4.

5.

D._____, 

E._____, 

F._____, 

6. G._____, 

7.

8.

9.

H._____, 

I._____, 

J._____, 

10. K._____, 

11. L._____, 

- 3 -

Anklage:

Die  Anklageschrift  der  Staatsanwaltschaft  See / Oberland  vom  6. Februar 2025 

(act. D1/20) ist diesem Urteil beigeheftet.

An der Hauptverhandlung anwesende Parteien:
(Prot. S. 4)

StAin MLaw M._____ für die Anklägerin sowie der Beschuldigte in Begleitung sei-

ner amtlichen Verteidigerin RAin lic. iur. X._____. 

1.

der Anklägerin (act. D1/20):

Anträge:



















Schuldigsprechung von A._____ im Sinne der Anklageschrift

Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten

Anrechnung der erstandenen Haft 

Gewährung  des  bedingten  Vollzuges  der  Freiheitsstrafe  unter  Anset-

zung einer Probezeit von 2 Jahren

Anordnung einer Landesverweisung von 8 Jahren 

Anordnung  der  Ausschreibung  der  Landesverweisung  im  Schengener 

Informationssystem

Entscheid über Sicherstellungen, Asservate, Spuren und Spurenträger 

Entscheid über Zivilansprüche der Privatklägerschaft 

Kostenauflage  (Kosten, 

inkl.  Gebühr 

für  das  Vorverfahren  von 

Fr. 7'550.–)

- 4 -

2.

des Beschuldigten (Plädoyer):

1.

2.

3.

4.

5.

Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der Gehilfenschaft zu gewerbsmässi-
gem Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB in Verbindung mit 
Art. 25  StGB,  der  gewerbsmässigen  Geldwäscherei  im  Sinne  von 
Art. 305bis  Ziff. 1  und  Ziff. 2  lit. c  StGB,  der  mehrfachen  rechtswidrigen 
Einreise im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. a AIG sowie des mehrfachen 
rechtswidrigen  Aufenthaltes  im  Sinne  von  Art. 115  Abs. 1  lit. b  AIG  in 
Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 lit. c AIG freizusprechen. 

Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 17. Januar 2025 als Be-
weismittel beschlagnahmte Mobiltelefon Samsung Galaxy und die bei-
den beschlagnahmten SIM-Karten seien dem Beschuldigten herauszu-
geben. 

Die Zivilforderungen der Geschädigten seien abzuweisen. 

Dem  Beschuldigten  sei  eine  Entschädigung 
im  Betrag  von 
EUR 9'789.30 sowie eine Genugtuung im Betrag von Fr. 24'600.–, bei-
des zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 14. Dezember 2024, zuzusprechen. 

Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einsch-
liesslich der Kosten der amtlichen Verteidigung, seien auf die Gerichts-
kasse zu nehmen. 

3.

der Privatklägerin 1 (act. D4/6/4): 



Schuldigsprechung von A._____.

4.

der Privatklägerin 2 (act. D8/8/2):







Schuldigsprechung von A._____.

Der Beschuldigte A._____ sei zu verpflichten, der Privatklägerin 2 Scha-

denersatz in der Höhe von Fr. 149'500.– zzgl. Zins zu 5 % zu bezahlen.

Der Beschuldigte A._____ sei zu verpflichten, der Privatklägerin 2 Ge-

nugtuung in der Höhe von Fr. 5'000.– zzgl. Zins zu 5 % zu bezahlen. 

5.

der Privatklägerin 3 (act. D3/9/2):



Schuldigsprechung von A._____.

- 5 -





Der Beschuldigte A._____ sei zu verpflichten, der Privatklägerin 3 Scha-

denersatz in der Höhe von Fr. 46'000.– zzgl. Zins zu 5 % zu bezahlen.

Der Beschuldigte A._____ sei zu verpflichten, der Privatklägerin 3 Ge-

nugtuung in der Höhe von Fr. 3'000.– zzgl. Zins zu 5 % zu bezahlen.

6.

des Privatklägers 4 (act. D5/6/2):





Schuldigsprechung von A._____.

Der Beschuldigte A._____ sei zu verpflichten, dem Privatkläger 4 Scha-

denersatz in der Höhe von Fr. 42'300.– zzgl. Zins zu 5 % zu bezahlen.

7.

der Privatklägerin 5 und des Privatklägers 6 (act. D9/4/3 und D9/4/4):





Schuldigsprechung von A._____.

Der Beschuldigte A._____ sei zu verpflichten, der Privatklägerin 5 und 

dem  Privatkläger 6  Schadenersatz 

in  der  Höhe  von 

insgesamt 

Fr. 12'500.– zzgl. Zins zu 5 % zu bezahlen.

8.

der Privatklägerin 7 (act. D2/5/2): 



Schuldigsprechung von A._____.

9.

der Privatklägerin 8 (act. D1/14/2):



Schuldigsprechung von A._____.

10. des Privatklägers 9 (act. D6/4/3):







Schuldigsprechung von A._____.

Der Beschuldigte A._____ sei zu verpflichten, dem Privatkläger 9 Scha-

denersatz in der Höhe von Fr. 23'000.– zzgl. Zins zu 5 % zu bezahlen.

Der  Beschuldigte  A._____  sei  zu  verpflichten,  dem  Privatkläger 9  Ge-

nugtuung in der Höhe von Fr. 5'000.– zzgl. Zins zu 5 % zu bezahlen. 

- 6 -

11. des Privatklägers 10 (act. D4/6/2):



Schuldigsprechung von A._____.

12.  der Privatklägerin 11 (act. D7/5/2): 





Schuldigsprechung von A._____.

Der  Beschuldigte  A._____  sei  zu  verpflichten,  der  Privatklägerin 11 

Schadenersatz in der Höhe von Fr. 11'200.– zzgl. Zins zu 5 % zu bezah-

len.

Erwägungen:

I.
PROZESSVERLAUF

1.

Nach  Durchführung  der  Strafuntersuchung  durch  die  Staatsanwaltschaft 

See/Oberland  wurde  gegen  den  Beschuldigten  am  hiesigen  Bezirksgericht 

mit Anklageschrift vom 6. Februar 2025, hierorts eingegangen am 10. Februar 

2025 (act. D1/20), Anklage erhoben.

2. Mit Verfügung/Vorladung vom 18. März 2025 (act. 35) liess das hiesige Ge-

richt die Anklage zu und setzte die Hauptverhandlung auf den 10. Juni 2025 

an. In derselben Verfügung wurde den Parteien eine Frist von 20 Tagen zur 

Stellung von Beweisanträgen angesetzt. Zudem wurde der Privatklägerschaft 

eine Frist von 20 Tagen angesetzt, um die Zivilansprüche – unter Beilage von 

Belegen – schriftlich zu beziffern und detailliert zu begründen. Ferner wurde 

die amtliche Verteidigung aufgefordert, dem Gericht ihre jeweiligen Honorar-

noten bis spätestens 5 Tage vor der Hauptverhandlung einzureichen.

3.

Beweisanträge  gingen  in  der  Folge  keine  ein.  Die  amtliche  Verteidigerin 

reichte ihre Honorarnote mit Eingabe vom 3. Juni 2025 (act. 44) fristgemäss 

ein.  Die  Eingabe  der  Privatklägerin 2,  C._____,  datiert  vom  14. April  2025 

(act. 38).

- 7 -

4.

Zur Hauptverhandlung erschienen Staatsanwältin MLaw M._____ für die An-

klägerin,  der  Beschuldigte  in  Begleitung  seiner  amtlichen  Verteidigerin 

Rechtsanwältin  lic. iur.  X._____  sowie  der  Albanisch-Dolmetscher  N._____ 

zur Übersetzung für den Beschuldigten (Prot. S. 4). Im Anschluss an die Ver-

handlung wurde das Urteil mündlich eröffnet, ausführlich begründet und der 

amtlichen Verteidigung schriftlich im Dispositiv im Doppel für den Beschuldig-

ten sowie der Staatsanwältin für die Anklägerin schriftlich im Dispositiv aus-

gehändigt (act. 49 und Prot. S. 45). Die amtliche Verteidigung liess sofort Be-

rufung anmelden (Prot. S. 45).

II.
PROZESSUALES

1.1 Das Gericht legt seinem Urteil denjenigen Sachverhalt zugrunde, den es nach 

seiner  freien,  aus  der  Hauptverhandlung  und  den  Untersuchungsakten  ge-

schöpften Überzeugung als verwirklicht erachtet (Art. 10 Abs. 2 StPO). Beste-

hen unüberwindbare Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzun-

gen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den Beschuldigten 

günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Eine strafrechtliche Verur-

teilung kann nur erfolgen, wenn die Schuld des Beschuldigten mit hinreichen-

der Sicherheit erwiesen ist. Es darf namentlich kein vernünftiger Zweifel dar-

über bestehen, dass sich der dem Beschuldigten in der Anklageschrift vorge-

worfene Tatbestand tatsächlich verwirklicht hat. Dies bedingt, dass das Ge-

richt eine persönliche Gewissheit erhält. Nicht ausreichend ist, wenn die vor-

liegenden Beweise objektiv klar auf eine Schuld des Beschuldigten hindeuten, 

das  Gericht  aber  persönlich  nicht  zu  überzeugen  vermögen.  Allfällige  abs-

trakte theoretische Zweifel sind nicht massgebend, weil solche immer möglich 

sind  und  absolute  Gewissheit  nicht  verlangt  werden  kann.  Es  muss  ausrei-

chen,  wenn  vernünftige  Zweifel  an  der  Schuld  des  Beschuldigten  ausge-

schlossen  werden  können  (TOPHINKE,  in:  Niggli/Heer/Wiprächtiger  [Hrsg.], 

Basler  Kommentar  zur  Schweizerischen  Strafprozessordnung,  Art. 1-195 

StPO, 3. Auflage, Basel 2023, N 58 ff. zu Art. 10).

- 8 -

1.2 Die blosse Wahrscheinlichkeit vermag einen Schuldspruch nicht zu begrün-

den. Nur wenn sich das Gericht nach Erschöpfung aller Erkenntnisquellen we-

der von der Existenz noch von der Nichtexistenz der beweisbedürftigen Tat-

sachen zu überzeugen vermag, kommt der den Beschuldigten begünstigende 

Grundsatz "in dubio pro reo" zur Anwendung. Hat das Gericht also erhebliche 

und nicht zu unterdrückende Zweifel (d.h. solche, die sich nach der objektiven 

Sachlage  aufdrängen),  so  muss  es  die  beschuldigte  Person  freisprechen 

(BGE 143 IV 214,  E. 5.3.2;  BGE 138 V 74,  E. 7;  BGE 127 I 38,  E. 2a;  je  mit 

Hinweisen).

2.1 Stützt sich die Beweisführung im Wesentlichen auf die Aussagen von Betei-

ligten, so sind diese frei zu würdigen. Steht Aussage gegen Aussage, ist an-

hand sämtlicher Umstände, die sich aus den Akten ergeben, zu untersuchen, 

welche Sachdarstellung überzeugend ist, wobei es vorwiegend auf den inne-

ren Gehalt der Aussagen ankommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die 

Angaben erfolgen. Es darf aber nicht einfach auf die Persönlichkeit oder die 

allgemeine  Glaubwürdigkeit  des  Aussagenden  abgestellt  werden,  sondern 

auf die Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussagen. Diese 

sind einer Analyse bzw. kritischen Würdigung zu unterziehen, wobei auf das 

Vorhandensein von sogenannten Realitätskriterien grosses Gewicht zu legen 

ist (BENDER, Die häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, 

SJZ 81, S. 53 ff.). 

2.2 Bei  der  Abklärung  des  Wahrheitsgehalts  von  Aussagen  hat  sich  die  soge-

nannte Aussageanalyse durchgesetzt.  Nach  deren empirischem  Ausgangs-

punkt  erfordern  wahre  und  falsche  Schilderungen  unterschiedliche  geistige 

Leistungen. Überprüft wird dabei in erster Linie die Hypothese, ob die aussa-

gende Person unter Berücksichtigung der Umstände, der intellektuellen Leis-

tungsfähigkeit und der Motivlage eine solche Aussage auch ohne realen Er-

lebnishintergrund machen könnte. Methodisch wird die Prüfung in der Weise 

vorgenommen, dass eine Aussage durch Inhaltsanalyse (aussageimmanente 

Qualitätsmerkmale,  sogenannte  Realkennzeichen)  und  Bewertung  der  Ent-

stehungsgeschichte  sowie  des  Aussageverhaltens  auf  Fehlerquellen  über-

- 9 -

prüft und die persönliche Kompetenz der aussagenden Person analysiert wer-

den. Bei der Glaubhaftigkeitsbewertung ist immer davon auszugehen, dass 

die Aussage auch nicht realitätsbegründet sein kann. Ergibt die Prüfung, dass 

diese  Unwahrhypothese  (Nullhypothese)  mit  den  erhobenen  Fakten  nicht 

mehr in Übereinstimmung stehen kann, so wird sie verworfen. Es gilt dann die 

Alternativhypothese,  dass  die  Aussage  wahr  sei  (BGE 133 I 33,  E. 4.3; 

BGE 129 I 49, E. 5.; je mit Hinweisen). Zu achten ist inhaltlich auf Strukturbrü-

che innerhalb einer Aussage, auf Über- oder Untertreibungen, auch auf Wi-

dersprüche, vor allem aber auf das Vorhandensein einer hinreichenden Zahl 

von  Realitätskriterien  und  das  Fehlen  von  Lügensignalen 

(BEN-

DER/NACK/TREUER,  Tatsachenfeststellungen  vor  Gericht,  3. Auflage 2007, 

S. 68 ff. und S. 72 ff.).

III.
SACHVERHALT

1.

Die Staatsanwaltschaft See/Oberland wirft dem Beschuldigten den in der die-

sem  Urteil  beigehefteten  Anklageschrift  umschriebenen  Sachverhalt  vor 

(act. D1/20 S. 2 ff.). Der Beschuldigte gestand dabei den äusseren Ablauf des 

Anklagesachverhalts  sowohl  vor  der  Polizei  (act. D1/6/1/1,  act. D1/6/1/4, 

act. D2/4/1,  act. D3/6/3,  act. D4/4/1,  act. D5/5/1,  act. D6/3/1,  act. D7/4/1, 

act. D8/6/1  und  act. D9/3/1)  und  der  Staatsanwaltschaft  (act. D1/6/1/2  und 

act. D1/6/1/6), als auch an Schranken (Prot. S. 13 ff. und act. 47 S. 1) vollum-

fänglich ein. Konkret gab er zu, an den in der Anklageschrift umschriebenen 

gross angelegten Machenschaften mitgewirkt zu haben, indem er auf Geheiss 

der Betrüger als Kurierfahrer die Geldumschläge der betagten Geschädigten 

abholte und weiterleitete. Sein Geständnis deckt sich mit den Untersuchungs-

ergebnissen,  namentlich  dem  Einsatzbericht  über  die  verdeckte  Fahndung 

vom 14. Oktober 2024 (act. D1/7/2), die Ergebnisse der Auswertung des Mo-

biltelefons  des  Beschuldigten  (act. D1/8/12/1),  die  Fotodokumentation  der 

Auswertung  des  Navigationssystems  des  Beschuldigten  (act. D1/8/8)  sowie 

die  Ergebnisse  der  rückwirkenden  Teilnehmeridentifikation  (act. D1/11/6 

S. 7).  Der  Beschuldigte  stellt  allerdings  anlässlich  sämtlicher  Befragun-

- 10 -

gen/Einvernahmen (vgl. vorstehend) in Abrede, die Machenschaften der Be-

trüger wissentlich und willentlich, d.h. vorsätzlich, unterstützt zu haben. Er sei 

bei seinen Kurierfahrten stets im Glauben gewesen, er transportiere medizi-

nische Unterlagen (act. 47 S. 1).

2.

Der angeklagte Sachverhalt ist demnach zumindest in objektiver Hinsicht er-

stellt, womit für die rechtliche Würdigung ohne Weiteres darauf abgestellt wer-

den kann. Der innere Sachverhalt und damit der subjektive Tatbestand wird 

vom Beschuldigten indes bestritten, worauf im Rahmen der rechtlichen Wür-

digung näher einzugehen ist (vgl. nachstehend).

IV.
RECHTLICHE WÜRDIGUNG

1.

Die Staatsanwaltschaft See/Oberland würdigt das Verhalten des Beschuldig-

ten in rechtlicher Hinsicht als Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug im 

Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 i.V.m. Art. 25 StGB, gewerbsmässige Geld-

wäscherei  im  Sinne  von  Art. 305bis  Ziff. 1  und  2  lit. c  StGB  und  mehrfache 

rechtswidrige Einreise im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. a AlG sowie mehrfa-

cher rechtswidriger Aufenthalt im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b AlG i.V.m. 

Art. 5 Abs. 1 lit. c AlG (act. D1/20 S. 15).

2. Gewerbsmässiger Betrug

2.1.1 Gemäss  Art. 146  Abs. 1  StGB  macht  sich  des  Betrugs  schuldig,  wer  in  der 

Absicht,  sich  oder  einen  andern  unrechtmässig  zu  bereichern,  jemanden 

durch  Vorspiegelung  oder  Unterdrückung  von  Tatsachen  arglistig  irreführt 

oder ihn in einem Irrtum arglistig bestärkt und so den Irrenden zu einem Ver-

halten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen andern am Vermögen 

schädigt. Angriffsmittel des Betrugs ist die Täuschung. Als solche gilt jedes 

Verhalten, das darauf gerichtet ist, bei einem anderen eine von der Wirklich-

keit abweichende Vorstellung hervorzurufen. Die Täuschung ist eine unrich-

tige Erklärung über Tatsachen, mit der auf die Vorstellung eines anderen ein-

gewirkt wird (BGE 135 IV 76, E. 5.1). Der Tatbestand erfordert überdies Arg-

- 11 -

list. Diese liegt vor, wenn der Täter mit einer gewissen Raffinesse oder Durch-

triebenheit täuscht, also wenn er ein ganzes Lügengebäude errichtet oder sich 

besonderer Machenschaften oder Kniffe bedient. Bei einfachen falschen An-

gaben ist das Merkmal erfüllt, wenn deren Überprüfung nicht oder nur mit be-

sonderer Mühe möglich oder nicht zumutbar ist, sowie dann, wenn der Täter 

den Getäuschten von der möglichen Überprüfung abhält oder nach den Um-

ständen voraussieht, dass dieser die Überprüfung der Angaben aufgrund ei-

nes besonderen Vertrauensverhältnisses unterlassen werde. Arglist scheidet 

aus, wenn der Getäuschte den Irrtum mit einem Mindestmass an Aufmerk-

samkeit hätte vermeiden können. Auch unter dem Gesichtspunkt der Opfer-

mitverantwortung  erfordert  die  Erfüllung  des  Tatbestands  indes  nicht,  dass 

das  Täuschungsopfer  die  grösstmögliche  Sorgfalt  walten  lässt  und  alle  er-

denklichen  Vorkehren  trifft.  Arglist  ist  lediglich  zu  verneinen,  wenn  es  die 

grundlegendsten  Vorsichtsmassnahmen  nicht  beachtet  (BGE 147 IV 73 

E. 4.2;  BGE 143 IV 302  E. 1.3;  BGE 142 IV 153  E. 2.2.2;  BGE 135 IV 76 

E. 5.2  mit  Hinweisen).  Betrug  setzt  eine  irrtumsbedingte  Vermögensverfü-

gung  des  Getäuschten  voraus,  wodurch  dieser  sich  selbst  oder  das  seiner 

tatsächlichen  Verfügung  unterliegende  Vermögen  eines  Dritten  unmittelbar 

schädigt.  Zwischen  Täuschung,  Irrtum  und  Vermögensdisposition  muss  ein 

Motivationszusammenhang 

bestehen 

(BGE 128 IV 255 

E. 2e/aa; 

BGE 126 IV 113 E. 3a). Ein Vermögensschaden liegt vor, wenn das Vermö-

gen  des  Täuschungsopfers  nach  Vornahme  der  irrtumsbedingten  Vermö-

gensverfügung in seinem Gesamtwert verringert ist. Der Schaden als Vermö-

gensnachteil  muss  der  Bereicherung  als  Vermögensvorteil  entsprechen 

(BGE 134 IV 210  E. 5.3;  BGer 6B_1131/2021  vom  12. Januar  2022  E. 3.1). 

Der subjektive Tatbestand erfordert Vorsatz und ein Handeln in unrechtmäs-

siger  Bereicherungsabsicht 

(BGE 133 IV 21  E. 6.1; 

zum  Ganzen: 

BGer 6B_1083/2022 vom 24. April 2023 E. 1.1.1). 

2.1.2 Zur Arglist hielt das Bundesgericht Folgendes fest: Ein Lügengebäude liegt 

vor, wenn mehrere Lügen derart raffiniert aufeinander abgestimmt sind und 

von besonderer Hinterhältigkeit zeugen, dass sich selbst ein kritisches Opfer 

täuschen lässt. Als besondere Machenschaften gelten Erfindungen und Vor-

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kehren  sowie  das  Ausnützen  von  Begebenheiten,  die  allein  oder  gestützt 

durch Lügen oder Kniffe geeignet sind, das Opfer irrezuführen. Es sind eigent-

liche  Inszenierungen,  die  durch  intensive,  planmässige  und  systematische 

Vorkehren, nicht aber notwendigerweise durch eine besondere tatsächliche 

oder  intellektuelle  Komplexität  gekennzeichnet  sind.  Arglist  wird  aber  auch 

schon bei einfachen falschen Angaben bejaht, wenn deren Überprüfung nicht 

oder nur mit besonderer Mühe möglich oder nicht zumutbar ist, und wenn der 

Täter das Opfer von der möglichen Überprüfung abhält oder nach den Um-

ständen  voraussieht,  dass  dieses  die  Überprüfung  der  Angaben  auf  Grund 

eines besonderen Vertrauensverhältnisses unterlassen werde. Der Gesichts-

punkt  der  Überprüfbarkeit  der  falschen  Angaben  erlangt  nach  der  neueren 

Rechtsprechung auch bei einem Lügengebäude oder bei betrügerischen Ma-

chenschaften Bedeutung. Auch in diesen Fällen ist das Täuschungsopfer so-

mit zu einem Mindestmass an Aufmerksamkeit verpflichtet und scheidet Arg-

list aus, wenn es die grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen nicht beachtet 

hat (BGE 135 IV 76 E. 5.2).

2.1.3 Gewerbsmässigkeit liegt nach der Rechtsprechung bei berufsmässigem Han-

deln  vor.  Der  Täter  handelt  berufsmässig,  wenn  sich  aus  der  Zeit  und  den 

Mitteln, die er für die deliktische Tätigkeit aufwendet, aus der Häufigkeit der 

Einzelakte innerhalb eines bestimmten Zeitraums sowie aus den angestreb-

ten und erzielten Einkünften ergibt, dass er die deliktische Tätigkeit nach der 

Art eines Berufes ausübt. Wesentlich für die Annahme von Gewerbsmässig-

keit ist, dass sich der Täter, wie aus den gesamten Umständen geschlossen 

werden  muss,  darauf  eingerichtet  hat,  durch  deliktische  Handlungen  Ein-

künfte zu erzielen, die einen namhaften Beitrag an die Kosten zur Finanzie-

rung  seiner  Lebensgestaltung  darstellen.  Dann  ist  die  erforderliche  soziale 

Gefährlichkeit gegeben. Es ist nach wie vor notwendig, dass der Täter die Tat 

bereits mehrfach begangen hat, dass er in der Absicht handelte, ein Erwerbs-

einkommen zu erlangen, und dass aufgrund seiner Taten geschlossen wer-

den muss, er sei zu einer Vielzahl von unter den fraglichen Tatbestand fallen-

den 

Taten 

bereit 

gewesen 

(BGE 119 IV 129, 

E. 3a  m.H.a. 

BGE 116 IV 319 ff.).

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2.2.1 Das in der Anklageschrift umschriebene Vorgehen der sog. Keiler erfüllt ohne 

Weiteres den objektiven Tatbestand des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 

StGB. Die Keiler gaben sich als allgemein sehr vertrauenswürdige Personen 

wie  Polizisten,  Staatsanwälte  und  Bankberater  aus  und  erzählten  den  Ge-

schädigten frei erfundene Geschichten über angebliche Betrugsversuche zu 

deren Nachteil, wobei den Geschädigten weiss gemacht wurde, dass sie mit-

tels der Abhebung von Geld ab deren Konto und Übergabe desselben in ei-

nem  verschlossenen  Couvert  an  einen  Kurier  zur  Aufklärung  dieser  Delikte 

beitragen könnten. Die Keiler spiegelten den Geschädigten falsche Tatsachen 

vor und sahen voraus, dass die betagten Geschädigten ihre Machenschaften 

zufolge  ihrer  Gutgläubigkeit/Obrigkeitsgläubigkeit  kaum  durchschauen  wür-

den, zumal sie ihnen durch ihre falsche Identität als Staatsfunktionäre bzw. 

Behörden ein besonderes Vertrauensverhältnis vorgaukelten, auf welches die 

Geschädigten vertrauten. Den Keilern war dabei bewusst, dass eine Überprü-

fung ihrer falschen Angaben zu ihrer Person und ihren Geschichten durch die 

Geschädigten nur mit besonderer Mühe möglich war, z.B. einem Kontrollanruf 

bei den echten Behörden. Die Keiler machten sodann aber auch alles, um ein 

kritisches  Hinterfragen  der  betagten  Geschädigten  oder  einen  Kontrollanruf 

zu unterbinden, indem sie ihnen Zeitdruck vorspiegelten. Insofern handelt es 

sich beim Vorgehen der Keiler um eine arglistige Täuschung, welche bei den 

Geschädigten einen Irrtum über die Identität der Keiler und ihre Mitwirkungs-

obliegenheit zur Aufklärung einer Straftat hervorrief. Dieser durch das durch-

triebene  Vorgehen  der  Keiler  verursachte  Irrtum  brachte  die  jeweiligen  Ge-

schädigten dazu, Kurieren wie dem Beschuldigten Geld in Couverts zuhanden 

der angeblichen Behörden auszuhändigen, sodass die Opfer in ihrem Vermö-

gen geschädigt wurden, da die Keiler das überbrachte Geld zu eigenen Guns-

ten einkassierten. Die Keiler handelten demnach klar vorsätzlich und in der 

Absicht, die auf diese Weise von den Geschädigten ertrogenen Geldbeträge 

für sich zu beanspruchen. Die objektiven und subjektiven Voraussetzungen 

eines Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB liegen daher in Bezug auf 

die Keiler vor.

- 14 -

2.2.2 Zudem ist auch die Gewerbsmässigkeit im Sinne von Art. 146 Abs. 2 StGB zu 

bejahen, da die Keiler ihr Vorgehen bei diversen Geschädigten, namentlich 

den in der Anklageschrift genannten (act. D1/20 S. 6 ff.), wiederholten und so 

bedeutende Geldbeträge – total Fr. 86'300.– im Zeitraum von 3. Oktober 2024 

bis und mit 10. Oktober 2024, d.h. innert rund einer Woche (vgl. act. D1/20 

S. 6 f.)  –  ergaunerten.  Die  Keiler  haben  sich  somit  durch  ihre  wiederholten 

Betrüge von einiger Intensität zum Nachteil diverser älterer Opfer innert kurzer 

Zeit ein namhaftes Einkommen verschafft, wobei sich die Frage aufdrängt, ob 

in diesem Zusammenhang auch dem Beschuldigten als Bote bei diesen Be-

trügen ein strafrechtlich vorwerfbares Verhalten angelastet werden muss.

2.3.1 Wer zu einem Verbrechen oder Vergehen vorsätzlich Hilfe leistet, ist als Ge-

hilfe gestützt auf Art. 25 StGB strafbar. Die Hilfeleistung kann dabei in physi-

scher (Gehilfenschaft durch Tat) oder psychischer Art (Gehilfenschaft durch 

Rat) erfolgen. Das Hilfeleisten kann in jedem Beitrag gesehen werden, der die 

Tat  ermöglicht,  erleichtert  oder  die  Rechtsgutsverletzung  verstärkt.  Die  Ab-

grenzung zur Mittäterschaft liegt darin, dass die Gehilfenschaft nur unterge-

ordnete Tatbeiträge erfasst, mit denen die Tat eines anderen nicht steht oder 

fällt. In objektiver Hinsicht reicht als Gehilfenbeitrag jeder Beitrag aus, der die 

Tat fördert, sodass sich diese ohne Mitwirkung des Gehilfen anders abgespielt 

hätte. Dabei ist es weder notwendig, dass die Hilfeleistung für die Haupttat 

kausal, d.h. zwingend erforderlich war, noch muss der Tatbeitrag des Gehilfen 

die Wahrscheinlichkeit des Eintritts des tatbestandlichen Erfolges erhöht ha-

ben.

2.3.2 In subjektiver Hinsicht wird bezüglich der Gehilfenschaft gefordert, dass der 

Gehilfe wenigstens Eventualvorsatz sowohl bezüglich des Vorliegens der vor-

sätzlichen rechtswidrigen Haupttat als auch bezüglich des Hilfeleistens zu die-

ser Tat hat (sog. doppelten Gehilfenvorsatz). Erforderlich ist, dass der Gehilfe 

Kenntnis von einer bestimmten zu fördernden Haupttat hat und ebendiese för-

dern will. Ebenfalls muss er die Eignung seiner Handlung zur Förderung der 

Haupttat erkannt und diesen Umstand wenigstens billigend in Kauf genom-

men haben. Dabei genügt es, dass der Gehilfe den Geschehensablauf in we-

- 15 -

sentlichen Zügen voraussieht. Einzelheiten braucht er nicht zu kennen (VA-

LENTINA  MELE/RENA  PETERS,  AJP/PJA  4/2022  S. 384 ff  zu  BGer 

6B_1437/2020 betr. Gehilfenschaft). Weiter hielt das Bundesgericht bezüglich 

des Gehilfenvorsatzes fest, dass dieser auch zu bejahen sei, wenn der Be-

schuldigte die Tat erst nach  Beginn der Verübung als  solche erkenne, sich 

danach jedoch dennoch dazu entscheide, seinen Beitrag hierzu weiter zu leis-

ten (BGE 125 IV 265 E. 2c/cc).

2.3.3 Allgemein begeht jemand ein Verbrechen oder Vergehen vorsätzlich, wenn er 

die  Tat  mit  Wissen  und  Willen  ausführt  oder  die  Verwirklichung  der  Tat  für 

möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 1 und 2 StGB: Vorsatz und Even-

tualvorsatz). Eventualvorsatz liegt vor, wenn der Täter den Eintritt des Erfolgs 

beziehungsweise die Verwirklichung des Tatbestands für möglich hält, aber 

dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, 

sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein. Schwierig kann im 

Einzelfall die Abgrenzung zwischen Eventualvorsatz und bewusster Fahrläs-

sigkeit sein. Sowohl der eventualvorsätzlich als auch der bewusst fahrlässig 

handelnde  Täter  weiss  um  die  Möglichkeit  des  Erfolgseintritts  beziehungs-

weise  um  das  Risiko  der  Tatbestandsverwirklichung.  Hinsichtlich  der  Wis-

sensseite stimmen somit beide Erscheinungsformen des subjektiven Tatbe-

stands überein. Unterschiede bestehen jedoch beim Willensmoment. Der be-

wusst  fahrlässig  handelnde  Täter  vertraut  (aus  pflichtwidriger  Unvorsichtig-

keit) darauf, dass der von ihm als möglich vorausgesehene Erfolg nicht ein-

treten,  das  Risiko  der  Tatbestandserfüllung  sich  mithin  nicht  verwirklichen 

werde.  Demgegenüber  nimmt  der  eventualvorsätzlich  handelnde  Täter  den 

Eintritt des als möglich erkannten Erfolgs ernst, rechnet mit ihm und findet sich 

mit ihm ab. Wer den Erfolg dergestalt in Kauf nimmt, "will" ihn im Sinne von 

Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB. Nicht erforderlich ist, dass der Täter den Erfolg 

"billigt". Ob der Täter die Tatbestandsverwirklichung in diesem Sinne in Kauf 

genommen hat, muss der Richter – bei Fehlen eines Geständnisses des Be-

schuldigten – aufgrund der Umstände entscheiden. Dazu gehören die Grösse 

des  dem  Täter  bekannten  Risikos  der  Tatbestandsverwirklichung,  die 

Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweggründe des Täters und die 

- 16 -

Art der Tathandlung. Je grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsver-

wirklichung ist und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto nä-

her liegt die Schlussfolgerung, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung 

in Kauf genommen. Der Richter darf vom Wissen des Täters auf den Willen 

schliessen, wenn sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich 

aufdrängte, dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftiger-

weise nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann. Eventualvor-

satz kann indessen auch vorliegen, wenn der Eintritt des tatbestandsmässi-

gen Erfolgs nicht in diesem Sinne sehr wahrscheinlich, sondern bloss möglich 

war. Doch darf dabei nicht allein aus dem Wissen des Beschuldigten um die 

Möglichkeit des Erfolgseintritts auf dessen Inkaufnahme geschlossen werden. 

Vielmehr müssen weitere Umstände hinzukommen (BGE 133 IV 1, E. 4.1 mit 

Hinweis  auf  BGE 131 IV 1,  E. 2.2;  BGE 96 IV 99;  BGE 125 IV 242,  E. 3c; 

BGE 130 IV 58, E. 8.4, und BGE 135 IV 12, E. 2.3.2).

2.4.1 Der Beschuldigte förderte die genannten betrügerischen Machenschaften der 

Keiler, indem er diesen als Briefbote zur Verfügung stand und die ertrogenen 

Geldbeträge bei den Opfern abholte und weiterleitete. Er übernahm insofern 

die Vermögensdisposition. Ohne den Beschuldigten und weitere Boten wäre 

es den Keilern nicht oder nur erschwert möglich gewesen, den Opfern das 

Geld abzunehmen, zumal sich die Keiler in der Regel im Ausland oder zu-

mindest nur im Hintergrund befinden, da sie das Risiko meiden, allenfalls ge-

fasst zu werden. Der Beschuldigte erleichterte den Keilern demnach ihre Ta-

ten, wodurch er in objektiver Hinsicht als Gehilfe im Sinne von Art. 25 StGB 

handelte. Dies wurde seitens des Beschuldigten denn auch zu keiner Zeit in 

Frage  gestellt.  Vielmehr  bestritt  er  seine  Gehilfenschaft  in  subjektiver  Hin-

sicht, da er im Allgemeinen der festen Überzeugung gewesen sei, dass sich 

in den von ihm transportierten Briefumschlägen medizinische Unterlagen be-

funden hätten (act. 47 S. 1). Der Beschuldigte stellt insofern in Abrede, sub-

jektiv als Gehilfe betrügerischer Machenschaften im Sinne von Art. 25 StGB 

tätig gewesen zu sein, was nachfolgend zu prüfen ist.

- 17 -

2.4.2 Im Einzelnen stellte sich der Beschuldigte an Schranken auf den Standpunkt 

(act. 47), er sei zum Tatzeitpunkt nicht verzweifelt gewesen, sondern nur auf 

Stellensuche, sei noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten, lebe in stabilen 

familiären Verhältnissen, habe im Lauf der Strafuntersuchung nichts verheim-

lich bzw. alles offen gelegt und habe auch für sich ungünstige Aussagen ge-

macht. Dies alles lege dar, dass er mit Gesetzesverstössen nichts zu tun ha-

ben wolle und es unvorstellbar sei, dass er plötzlich kriminell sein sollte (S. 3). 

Es  gäbe  keinerlei  Beweismittel  dafür,  dass  er  gewusst  habe,  seine  Kurier-

fahrten seien Bestandteil eines Betrugs. Dem WhatsApp-Chat zwischen ihm 

und seinem Arbeitgeber sei jedenfalls kein Hinweis zu entnehmen. Für ihn 

habe es Sinn gemacht, Dokumente bei älteren Menschen abzuholen in Dör-

fern ausserhalb der Stadt, da solche naturgemäss häufiger gesundheitliche 

Probleme hätten und nicht mehr in der Lage seien, die Dokumente selber zu 

transportieren (S. 2). Beim Abschluss des Arbeitsvertrages habe es keinerlei 

Anlass gegeben, auf den Gedanken zu kommen, er habe es mit einer krimi-

nellen Organisation zu tun. Er habe nur den Eindruck gehabt, sein Arbeitge-

ber sei nicht sonderlich professionell, weil er seinen Lohn von Dritten erhalten 

habe, Kurierfahrten kurzfristig abgesagt worden seien und kein persönliches 

Gespräch habe stattfinden können. Da ihn O._____ aber plausibel vertröstet 

habe,  habe  er  sich  bis  zum  Ende  der  Probezeit  damit  zufrieden  gegeben 

(S. 4). Auch habe er noch nie von den Betrugsschemen "Falschen-Polizisten-

Betrug" oder "Telefonbetrug" gehört, zumal dieses Phänomen nicht als allge-

mein bekannt vorausgesetzt werden könne. Die Keiler seien Profis und in der 

Regel gebildet, psychologisch und rhetorisch geschult, während er zum ers-

ten Mal als Kurierfahrer gearbeitet habe, für ihn alles neu gewesen sei und 

er schlicht nicht auf die Idee gekommen sei, sich an etwas Illegalem zu be-

teiligen (S. 5). Es könne ihm nicht vorgeworfen werden, die Vorgehensweise 

der Keiler für möglich gehalten und billigend in Kauf genommen zu haben, 

wenn  ihm  in  der  Anklageschrift  doch  zugestanden  werde,  die  Vorgehens-

weise der Auftraggeber nicht gekannt zu haben. Trotz monatelanger Unter-

suchung habe nicht bewiesen werden können, dass er als Gehilfe gewusst 

habe, eine Straftat zu unterstützen und das Betrugsschema in den Grundzü-

- 18 -

gen zu erkennen. Er habe eben gerade nicht gewusst, dass er Geld transpor-

tiert habe. Sodann werde ihm auch nicht vorgeworfen, er habe vom Betrug 

gewusst  oder  einen  solchen  ernsthaft  für  möglich  gehalten,  sondern  ihm 

werde vorgeworfen, er habe die Vorgehensweise für möglich halten müssen, 

was gerade nicht zutreffe (S. 6). Er habe nicht erkennen können, dass er sich 

an etwas Illegalem beteilige. Aber selbst wenn dem so gewesen sein sollte, 

könne ihm subjektiv kein Eventualvorsatz vorgeworfen werden, sondern le-

diglich straflose Fahrlässigkeit. Eventualvorsatz verlange, dass der Täter die 

Tat  tatsächlich  für  möglich  halte.  "Für-Möglich-Halten-Müssen"  könne  nicht 

gleichgesetzt  werden  mit  dem  Wissenselement,  welches  für  die  Annahme 

von vorsätzlichem Vorgehen zwingend gegeben sein müsse. Ausgangspunkt 

für das Wissen sei, dass die Tatumstände dem Täter im Zeitpunkt der Aus-

führung tatsächlich bewusst seien. Und das "Wissen-Müssen" begründe le-

diglich Fahrlässigkeit. Nicht wissen, aber wissen müssen sei geradezu klas-

sisch für Fahrlässigkeit (S. 7).

2.4.3 Demgegenüber erachtet es die Anklägerin als absolut lebensfremd, dass der 

Beschuldigte die kriminelle Handlung der Keiler nicht durchschaut haben will. 

Die  gesamten  Umstände  würden  nur  den  Schluss  zulassen,  dass  der  Be-

schuldigte genau gewusst habe, dass er eine strafbare Handlung fördere und 

mit  seinem  Verhalten  dies  zumindest  billigend  in  Kauf  genommen  habe 

(act. 46  S. 3).  So  habe  der  Beschuldigte  zunächst  aufgrund  seiner  Anstel-

lungsbedingungen  zwingend  Zweifel  an  der  Legalität  seiner  Arbeit  hegen 

müssen. Er sei von den Keilern via Kleinanzeigeplattform P._____ für eine 

nicht näher bekannte Firma von einer Person namens "O._____ " angewor-

ben worden, um medizinische Rezepte / Dokumente innerhalb Deutschland 

an nicht näher bekannte Kunden zuzustellen. Der Beschuldigte habe dieses 

Angebot  angenommen,  ohne  diesen  Job  kritisch  zu  hinterfragen.  Er  habe 

keine Kenntnis über das Domizil der Firma oder den genauen Namen dersel-

ben gehabt. Auch habe er über keinen Arbeitsvertrag oder sonstige Informa-

tionen  im  Zusammenhang  mit  seinem  Arbeitsverhältnis  verfügt.  Für  seinen 

Lohn habe er keine Quittung oder Lohnabrechnung erhalten, zumal er diesen 

auch von einer ihm unbekannten Drittperson ausgehändigt erhalten habe. Mit 

- 19 -

seinem Arbeitgeber habe er über WhatsApp kommuniziert und er habe seine 

Aufträge von demselben jeweils erst erhalten, nachdem er sich in der Nähe 

der Wohnorte der Opfer befunden habe. Auch den Ablieferungsort habe er 

erst nach Erhalt der Couverts erhalten. Zudem sei es auch vorgekommen, 

dass sich der Abgabeort während der Fahrt geändert habe, und er sei aufge-

fordert  worden,  die  Nachrichten  auf  WhatsApp  zu  löschen,  während  auch 

sein  Arbeitgeber  seine  Nachrichten  jeweils  gelöscht  habe.  Ferner  habe  er 

auch  plötzlich  Aufträge  in  der  Schweiz  ausführen  müssen  und  ein  Tref-

fen/Vorstellungsgespräch mit dem Arbeitgeber sei ständig verschoben wor-

den (act. 46 S. 4 f.). Ebenso sei es dem Beschuldigten unverkennbar gewe-

sen, dass die Opfer ausnahmslos ältere Personen gewesen seien, und er die 

von ihm transportierten Dokumente nicht habe an Spitäler, Apotheken oder 

dergleichen bringen müssen, sondern an Tankstellen, in Gassen, Industrie-

zonen etc. Insofern habe dem Beschuldigten klar sein müssen, dass die Ma-

chenschaften, in welche er sich habe verwickeln lassen, einen deliktischen 

Hintergrund gehabt hätten (act. 46 S. 5 f.). Der Beschuldigte habe zu Beginn 

Zweifel an den Machenschaften gehegt, habe sich aber trotz seiner Beden-

ken dazu entschlossen, das Geld abzuholen und sich auf das kriminelle Un-

terfangen einzulassen. Er habe insofern in Kauf genommen, dass die betref-

fenden  Geldbeträge  der  Geschädigten  illegaler  Herkunft  bzw.  betrügerisch 

erlangt worden seien (act. 46 S. 7).

2.4.4 Ein  vorsätzliches  Vorgehen  seitens  des  Beschuldigten  steht  ausser  Frage 

und wurde insofern auch nicht angeklagt. Vielmehr stellt sich die Frage, ob 

der Beschuldigte seine Gehilfenschaft zum Betrug subjektiv in Kauf genom-

men und sich insofern eventualvorsätzlich strafbar gemacht hat oder lediglich 

fahrlässig  und  somit  straflos  gehandelt  hat.  Da  der  Beschuldigte  bezüglich 

des subjektiven Tatbestands der Gehilfenschaft zum Betrug nicht geständig 

ist,  muss  aufgrund  der  Umstände  entschieden  werden,  ob  er  die  Tatbe-

standsverwirklichung  effektiv  in  Kauf  genommen  oder  eher  darauf  vertraut 

hat, nichts Unrechtes zu tun. Insofern sind die Tatumstände und das Aussa-

geverhalten des Beschuldigten nachfolgend genauer zu betrachten.

- 20 -

2.5.1 Der Beschuldigte gab anlässlich seiner ersten polizeilichen Befragung vom 

15. Oktober  2024  (act. D1/6/1/1)  im  Wesentlichen  an,  er  lebe  zurzeit  von 

Krankengeld, was bis anhin für ihn gereicht habe, zumal er manchmal von 

seinem Sohn oder Freunden Geld erhalte. Als er noch als Bodenleger gear-

beitet habe, sei es ihm finanziell gut gegangen. Er sei aber in der Zwischen-

zeit wegen einer Operation krank geschrieben worden und hätte sich bei der 

Arbeitsagentur melden müssen (Fragen 24 ff.). Er habe auf P._____ ein In-

serat gesehen, wonach jemand in Deutschland einen Kurierfahrer für medi-

zinische Dokumente suche. Die WhatsApp Nummer sei dabei von Deutsch-

land und der Lohn als € 30.– pro Stunde angegeben gewesen (Frage 35). Er 

habe sich auf dieses Inserat gemeldet und es seien fünf Tage Probezeit für 

den Transport von Rezepten und allgemein medizinische Unterlagen verein-

bart worden, um zu prüfen, ob ihm die Arbeit gefalle (Frage 64). Er sei dann 

vom Auftraggeber per WhatsApp kontaktiert worden, wobei ihm nur die Re-

gion mitgeteilt worden sei, wohin er fahren soll. Dort sollte er warten, bis der 

Auftraggeber  ihm  die  Adresse  angebe.  Diese  sei  ihm  dann  per  WhatsApp 

jeweils geschickt worden, worauf er den Brief bei der Frau (gemeint: I._____) 

abgeholt habe (Fragen 54 ff.). Es sei ihm aber noch nicht mitgeteilt worden, 

wohin er den Brief bringen sollte. Er habe angenommen, im Brief seien me-

dizinische Unterlagen. Den Namen seines Gesprächspartners kenne er nicht. 

Ferner seien auch Aufträge abgesagt worden. Er habe einmal nach Zürich 

fahren müssen, worauf die WhatsApp-Nachricht gekommen sei, dass er ab-

brechen müsse, da der Kunde abgesagt habe (Fragen 65 ff.). Er habe nicht 

gewusst, was da laufe. Er habe seine Aufträge als Kurier erhalten, habe aber 

nicht  gewusst,  dass  da  ein  Betrüger  dahinter  stecke.  Es  sei  so  kompliziert 

gewesen. Es sei ein Auftrag gekommen, dass er nach Deutschland solle. Die-

ser sei aber abgesagt worden. Dann sei ein neues Ziel festgesetzt und wieder 

abgesetzt  worden.  Die  vorliegende  Betrugsart  sei  ihm  irgendwie  nicht  be-

kannt  gewesen  und  er  habe  das  auch  nicht  unterstützen  wollen  (Fra-

gen 72 ff.). Er habe die Briefe nicht öffnen dürfen und habe nicht gewusst, 

was in den Briefen drin sei. Es sei ihm lediglich bewusst gewesen, dass er 

medizinische  Rezepte/Dokumente  transportiere  (Fragen 75 f.).  Er  wisse 

- 21 -

nicht, ob er auch Geld für abgesagte Fahrten bekomme. Es sei ihm gesagt 

worden, dass er alles bezahlt bekomme, nur habe er noch nichts bekommen. 

Auch habe er bis anhin kein Bankkonto angeben müssen. Sein Auftraggeber 

habe ihm beim ersten Gespräch gesagt, sie würden sich in dessen Büro tref-

fen. Er wisse allerdings bis heute nicht, wo sich dieses befinde oder mit wem 

er gesprochen habe. Bei entsprechender Nachfrage seinerseits habe ihm der 

Auftraggeber  gesagt,  er  habe  keine  Zeit  und  sie  könnten  nächste  Woche 

sprechen. Ohnehin habe er mit seinen Auftraggebern nur wenig gesprochen. 

Es seien verschiedene Leute gewesen, wobei er diese im WhatsApp Telefon 

nicht sehr gut verstanden habe, da die Stimmen dünner klingen würden. Es 

sei ihm nur gesagt worden, wohin er fahren soll und dann sei abgesagt wor-

den (Fragen 86 ff.). Er sei von den Auftraggebern selber belogen und benutzt 

worden (Frage 95).

2.5.2 Anlässlich der Hafteinvernahme vom 15. Oktober 2024 (act. D1/6/1/2) gab er 

zu Protokoll, im Inserat in P._____ sei eine deutsche Telefonnummer als Kon-

takt angegeben gewesen. Als er am 1. Oktober 2024 auf diese Nummer an-

gerufen habe, sei ihm gesagt worden, dass er nur über WhatsApp mit dieser 

Person Kontakt aufnehmen solle. Sodann hätten sie ein paar Tage, konkret 

eine Woche, keinen Kontakt gehabt, da ihm diese Person gesagt habe, sie 

richte ein Büro in Frankreich ein. Nach ein paar Tagen, d.h. am 8./9. Oktober 

2024, sei er von dieser Person kontaktiert und gefragt worden, ob er den Job 

annehmen  wolle,  wobei  es  nur  um  Deutschland  gegangen  sei.  Anfänglich 

seien fünf Probetage vereinbart worden. Am nächsten Tag sei er irgendwo 

hingeschickt worden. Als er auf dem Weg gewesen sei, sei er wieder kontak-

tiert und die Fahrt abgesagt worden, da der Kunde abgesagt habe. Darauf 

habe  er  umkehren  müssen  (Fragen 13  und  50 f.).  Er  sei  jeweils  von  einer 

Person  über  WhatsApp  kontaktiert  worden.  Die  Telefonnummer  sei  immer 

diejenige aus dem Inserat gewesen. Er habe aber das Gefühl gehabt, dass 

jeweils verschiedene Personen/Stimmen mit ihm telefoniert hätten. Sie hätten 

mehrheitlich  auf  Deutsch  telefoniert,  manchmal  aber  auch  Nachrichten  ge-

schickt. Zu einer Lohnauszahlung sei es noch nicht gekommen und er habe 

auch nicht gewusst, wie das hätte geschehen sollen, da er noch in der Pro-

- 22 -

bezeit gewesen sei (Frage 34 ff.). Als Arbeitsgebiet sei an sich Deutschland 

vorgesehen gewesen, zumal ihm die Schweiz zu weit weg sei. Da ihm gesagt 

worden sei, dass ein anderer Mitarbeiter krank sei und er einspringen könne, 

sei er aber auch in die Schweiz gefahren. Einen Arbeitsvertrag habe er nicht 

erhalten. Er (der Beschuldigte) habe einen direkten Kontakt gewünscht, sei 

aber immer auf nächste Woche vertröstet worden. Den einzigen Kontakt, den 

er  gehabt  habe,  seien  die  Adressen  gewesen,  die  ihm  zugesandt  worden 

seien. Da er nicht lange mit den Auftraggebern zu tun gehabt habe, habe er 

sich  nicht  über  diese  Person  bzw.  Personen  erkundigt.  Er  habe  ihm  (dem 

Auftraggeber) vertraut, da dieser gesagt habe, es sei eine seriöse Firma, die 

mit  Dokumenten  etc.  zu  tun  habe.  Er  habe  sich  nie  nach  dem  Namen  der 

Firma erkundigt, sondern sich nur auf die Telefonnummer im P._____-Inserat 

gemeldet (Fragen 41 ff.). Der Job sei ihm nicht seriös, sondern ein wenig ver-

dächtig vorgekommen. Er habe aber nicht feststellen können, wie es tatsäch-

lich  gewesen  sei,  weil  er  nur  kurze  Zeit  tätig  gewesen  sei.  Es  sei  ihm  ver-

dächtig vorgekommen, dass er den Auftraggeber habe persönlich treffen wol-

len, was aber immer wieder verschoben worden sei, mit der Begründung, mo-

mentan keine Zeit zu haben. Das sei vor seinem ersten annullierten Auftrag 

gewesen. Es sei ihm unseriös vorgekommen, einen Kurier loszuschicken und 

dann den Auftrag unterwegs zurückzuziehen. Da habe er seine Zweifel ge-

habt.  Da  der  Auftraggeber  gesagt  habe,  sie  würden  zusammensitzen  und 

über das Ganze sprechen, sobald die Probezeit vorbei sei, habe er trotzdem 

weiter gemacht (Fragen 53 ff.). Seine Kurieraufträge seien mindesten zwei-

/dreimal wieder zurückgezogen worden. Er wisse es aber nicht mehr genau. 

Weil  es  mehrmals  vorgekommen  sei,  habe  er  angenommen,  die  Person 

spiele mit ihm und es sei ihm unseriös vorgekommen (Frage 62). Vom Begriff 

"Enkeltrickbetrüger"  und  "Falscher  Polizist"  hab  er  noch  nie  etwas  gehört 

(Frage 59). Auf die Frage, ob er daran gedacht habe, dass es sich bei der 

Firma um einen Betrüger handeln könnte, antwortete er, ihm sei Vieles durch 

den Kopf gegangen, angefangen bei dem, was diese Person gesagt habe, 

wie Kundenabsagen, Verschiebung der Treffen und die Unkenntnis der Ört-

- 23 -

lichkeit des Büros. Er habe aber nicht das Gefühl gehabt, dass diese Firma 

Menschen betrüge (Fragen 66 f.).

2.5.3 Anlässlich  der  zweiten  polizeilichen  Befragung  vom  9. Dezember  2024 

(act. D1/6/1/4) gab er zu, für eine Woche Arbeit, einen Lohn für Fr. 1'500.– 

erhalten zu haben, wobei das Benzingeld auch darin enthalten gewesen sei. 

Er wisse nicht mehr von wem und wann er das Geld erhalten habe. Er erin-

nere sich nicht mehr daran (Frage 9). Auch korrigierte er, dass er mit diesen 

Leuten  bereits  Ende  September 2024  wegen  der  Kleinanzeige  in  P._____ 

Kontakt gehabt habe. Ein bis zwei Tage nachdem er sich auf das Inserat ge-

meldet  habe,  sei  er  kontaktiert  und  darauf  hingewiesen  worden,  dass  sie 

künftig per WhatsApp kommunizieren würden. Sie hätten dann per WhatsApp 

telefoniert und ihm sei die freie Stelle mitgeteilt worden. Auch sei er darauf 

hingewiesen  worden,  dass  in  Frankreich  ein  neues  Büro  eröffnet  werde 

(Frage 14). Die Person sei O._____ gewesen. Das sei der Chef. Die medizi-

nischen Unterlagen habe er zu "Q._____" gebracht. Die Abholadresse habe 

er von O._____ erhalten. Er habe zuerst in der entsprechenden Region auf 

die genaue Adresse und den Namen warten müssen, was manchmal lange 

gedauert habe. Als er diese jeweils erhalten habe, habe er sich bei den Per-

sonen mit Namen und Ausweis als Kurier vorgestellt, worauf er jeweils ein 

Couvert erhalten habe. Dies habe er O._____ mitgeteilt, worauf dieser ihm 

den Lieferort genannt habe. Bei seiner ersten Fahrt, nach Zürich, habe er an 

der Adresse viele Arztpraxen gesehen. Er habe dort auf dem Parkplatz war-

ten müssen, bis eine Person zu ihm gekommen sei und ihm einen zugekleb-

ten Brief gegeben habe. Er habe dieses Couvert ins Spital R._____ bringen 

müssen, wo er neben den Busparkplätzen parkiert habe. O._____ habe ihn 

beauftragt, auf "Q._____" aus dem Spital zu warten, welche das Couvert ab-

holen werde. Diese sei dann auch gekommen und habe das Couvert abge-

holt. Sodann habe er jeweils vier bis fünf Couverts bei älteren Menschen ab-

geholt. Es sei auch einmal vorgekommen, dass er innert einer Stunde noch-

mals zu einem Kunden habe fahren müssen, da dieser vergessen habe, et-

was ins Couvert zu legen. Er habe dann ein weiteres Couvert abgeholt. Auch 

seien sicher vier bis fünf Termine abgesagt worden. O._____ habe ihm beim 

- 24 -

Warten dann mitgeteilt, dass der Patient die Unterlagen selber transportieren 

werde. Auch sei ihm einmal die Türe nicht aufgemacht worden, worauf er auf 

Geheiss  von  O._____  wieder  habe  wegfahren  müssen  (Fragen 15 ff.).  Er 

habe keine Namen von den Patienten verlangt. Diese hätten ihm einfach das 

Couvert gegeben. Zweimal habe er auch Couverts von anderen Kurieren er-

halten. Die Couverts habe er immer an "Q._____" gegeben, jeweils an drei 

verschiedenen Orten – beim R._____-spital, an der S._____ [Strasse] eines 

unbekannten Ortes und auf dem Parkplatz beim Burger King ausserhalb Zü-

rich.  Ein  Couvert  habe  er  dem  Kurier  "T._____"  in  Deutschland  auf  einen 

Parkplatz gebracht, wobei dieser aus der Industriezone angelaufen gekom-

men sei (Fragen 19 ff. und 25).

2.5.4 Bei  der  darauffolgenden  polizeilichen  Befragung  vom  16. Dezember  2024 

(act. D1/6/1/5) führte der Beschuldigte auf Vorhalt, dass er spätestens nach 

ein bis zwei Kurierfahrten gewusst haben müsse, dass er etwas Verbotenes 

getan und trotzdem im Hinblick auf viel Geld weitergemacht habe, aus, wenn 

er das nicht gemacht hätte, hätte es einfach ein Anderer getan. Er gehe da-

von aus, dass dies nach seiner Verhaftung der Fall gewesen sei. Er habe aus 

gesundheitlichen Gründen eine leichtere Arbeit gesucht. Er habe zuvor noch 

nie als Kurierfahrer gearbeitet. Er frage sich, wie er das hätte merken sollen. 

Er sei immer vom Transport medizinischer Unterlagen und Rezepten ausge-

gangen.  Ausserdem  habe  er  einen  normalen  Stundenlohn  erhalten,  wenn 

von den besagten € 30.– noch die Ausgaben für Kilometer und Benzin abge-

zogen  werde  (Frage 12).  Wie  gesagt  habe  er  nur  Fr. 1'500.–  erhalten.  Es 

werde ihm aber noch Geld geschuldet. Er habe das ausbezahlte Geld bereits 

verbraucht  (Fragen 13 f.).  Zudem  bestätigte  der  Beschuldigte,  dass  viele 

Nachrichten vom Keiler bereits kurz nach dessen Versand gelöscht worden 

seien. Zudem habe dieser ihn auch dazu aufgefordert, seine Nachrichten zu 

löschen (Frage 16).

2.5.5 Anlässlich der Schlusseinvernahme vom 20. Januar 2024 (act. D1/6/1/6) gab 

er ergänzend zu Protokoll, dass ihm gesagt worden sei, er solle mit den Kun-

den nicht kommunizieren. Es sei überwiegend um ältere Personen gegangen 

- 25 -

(Frage 21). Er habe das Couvert innerhalb einer Minute erhalten und sei wie-

der gegangen (Frage 23). Die Couverts seien mehrheitlich im C5-Format ge-

wesen,  wobei  die  Farbe  unterschiedlich  gewesen  sei.  Manchmal  sei  die 

Adresse der jeweiligen älteren Personen darauf gewesen (Fragen 25 f.). Bei 

den Personen, welchen er die Couverts überliefert habe, habe niemand eine 

Arbeitskleidung getragen (Frage 32). Seinen Lohn habe er beim Burger King 

von "Q._____" in einem Couvert mit der Zahl 1'500 erhalten. Er habe dafür 

keine Lohnabrechnung oder dergleichen bekommen. O._____ habe ihm ge-

sagt, das Geld sei für ihn (Fragen 37 ff.). Es sei kein intensiver Kontakt mit 

O._____ gewesen. Er sei in der Probezeit gewesen und sie hätten danach 

zusammensitzen  und  über  einen  Arbeitsvertrag  in  dessen  Büro  sprechen 

wollen. Er habe die Arbeit in Deutschland und nicht in der Schweiz erhalten 

und habe sich auch so darauf beworben. Da ein Mitarbeiter krank geworden 

sei,  habe  er  für  ihn  einspringen  sollen,  bis  dieser  wieder  gesund  sei 

(Frage 41).  O._____  habe  zudem  auch  nicht  über  die  Arbeitsbedingungen 

sprechen können, da jemand vom Büro sehr beschäftigt sei und diese Person 

dies aktuell nicht regeln könne. Auch habe er ihm erzählt, dass er in Frank-

reich mit der Renovation seines Büros beschäftigt sei (Fragen 49 f.). Er habe 

es als normale Firma betrachtet und er habe O._____ vertraut, da sich dieser 

ihm gegenüber seriös und korrekt verhalten habe. Er sei aber mehrmals zu 

verschiedenen Adressen geschickt worden, worauf diese Aufträge abgesagt 

worden seien. Das habe ihn glauben lassen, dass O._____ nicht in der Lage 

sei, seine Firma zu managen (Frage 52). O._____ habe ihm nie verboten, mit 

den älteren Leuten zu sprechen. Diese hätten sich von sich aus nicht unter-

halten wollen. Nur in U._____ [Stadt in Deutschland] sei es vorgekommen, 

dass sich die ältere Person von sich aus habe unterhalten wollen (Frage 54). 

Er habe mit den Betrügereien nichts zu tun. Es sei nicht seine Absicht gewe-

sen,  jemanden  zu  betrügen.  Er  sei  Familienvater  und  habe  nur  versucht, 

seine Familie zu finanzieren (Frage 64).

2.5.6 An Schranken wiederholte er, er habe die Couverts nicht geöffnet und habe 

angenommen, es befänden sich darin Rezepte und medizinische Unterlagen 

– wie bei der Jobausschreibung beschrieben. O._____ habe ihn diesbezüg-

- 26 -

lich angelogen. Er kenne diesen nicht persönlich, sondern habe nur telefo-

nisch mit ihm Kontakt gehabt (Prot. S. 16). Als er zum rund 70-jährigen Ge-

schädigten E._____ gefahren sei, habe dieser von seinem verstorbenen Va-

ter  gesprochen  und  dass  damit  diese  Sache  angefangen  habe.  Er  sei  ein 

weiteres  Mal  dorthin  gefahren  für  ein  weiteres  Couvert,  da  dieser  gemäss 

Aussagen seines Auftraggebers noch etwas vergessen habe. Da dieser von 

seinem verstorbenen Vater gesprochen habe, sei er davon ausgegangen, er 

transportiere medizinische Unterlagen von dessen Vater nach Deutschland, 

da dieser allenfalls von dort herkomme. Bei allen Personen sei er davon aus-

gegangen, es handle sich um ältere Menschen, die selber nicht irgendwohin 

gehen  könnten,  zumal  diese  auch  ausserhalb  von  Städten  gewohnt  hätten 

(Prot. S. 17 f.). Er habe nach Anweisung seines Arbeitgebers gehandelt. Er 

habe nichts abklären müssen und habe bei keinem der Menschen die Mög-

lichkeit gehabt, irgendetwas zu besprechen. Diese hätten sich ganz normal 

verhalten und seien fröhlich und normal gewesen. Auch er habe sich normal 

verhalten (Prot. S. 19). Er habe noch nie von solchen Enkeltrick-Betrügereien 

gehört, zumal er kaum fernsehe (Prot. S. 20). Es sei ihm nicht gestattet ge-

wesen, ins Couvert zu schauen, und er habe sich nicht gross für dieses inter-

essiert. Er könne sich auch nicht daran erinnern, dass dieses adressiert ge-

wesen  sei.  Da  er  noch  nie  Kurierdienste  gemacht  habe,  habe  er  nicht  ge-

wusst, ob da irgendetwas adressiert hätte sein müssen (Prot. S. 22). Auf Be-

fragen gab er an, das Covert von Frau D._____ welches in seinem Auto ge-

funden worden sei, sei unten an der Ecke mit "Frau D._____" angeschrieben 

gewesen. Das habe er nur gesehen, weil es bei der Sonnenblende eingek-

lemmt  gewesen  sei  und  er  es  hätte  montags  zurückbringen  müssen  (Prot. 

S. 23). Das sei sein Auftrag gewesen. Es sei aber nicht seine Aufgabe gewe-

sen,  nachzudenken,  was  laufe.  Gemäss  Auftraggeber  habe  er  ein  grosses 

Couvert von Frau D._____ weiterleiten und das kleine montags zurückbrin-

gen müssen (Prot. S. 24). Als er das grosse Couvert abgeliefert habe, habe 

er von "Q._____" ein Couvert mit der Aufschrift Fr. 1'500.– erhalten. Sein Auf-

traggeber habe ihm dann auf Nachfrage hin mitgeteilt, dass er das Geld für 

Benzinkosten, Essen etc. für die vier Wochen Arbeit gebrauchen solle und 

- 27 -

sie später abrechnen würden. Es sei vereinbart gewesen, dass ihm Benzin-

kosten, Kilometerentschädigung und Arbeitsstunden mit einem Stundenlohn 

von € 30.– bezahlt würden. Die zwei bis vier Wochen Arbeit sei als Probezeit 

gedacht  gewesen  (Prot.  S. 25).  Es  sei  die  Idee  gewesen,  am  Schluss  der 

Probezeit zusammenzusitzen und über das Arbeitsverhältnis samt Kranken-

kasse, Pensionskasse etc. zu sprechen und dies zu regeln. Dazu sei es aber 

wegen der Verhaftung nicht mehr gekommen (Prot. S. 26). Das Couvert von 

Frau D._____ habe er im Altersheim bei ihr abgeholt und zu "Q._____" am 

Freitagabend zum Burger King in V._____ gebracht. Diese habe nur Englisch 

gesprochen und kein Deutsch sprechen können (Prot. S. 33 f.). Auf Vorhalt 

der Staatsanwältin, wonach die Geschädigte H._____ dem Kurier – gemeint 

der Beschuldigte – gesagt habe, sie gebe das Geld nicht jedem mit, konnte 

sich  der  Beschuldigte  an  keine  solche  Aussage  mehr  erinnern.  Er  hätte  in 

jenem Fall sofort die Polizei angerufen (Prot. S. 39 f.).

2.6.1 Hinsichtlich  der  allgemeinen  Glaubwürdigkeit  des  Beschuldigten  ist  vorab 

festzuhalten, dass er im vorliegenden Verfahren nicht unter Strafandrohung 

zu wahrheitsgemässen Aussagen verpflichtet war. Als direkt vom vorliegen-

den Strafverfahren Betroffener dürfte er ein – insoweit legitimes – Interesse 

daran haben, die Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzustellen, 

zumal ihm eine Landesverweisung droht. Die Aussagen des Beschuldigten 

sind daher mit besonderer Vorsicht zu würdigen. Allerdings liegen ansonsten 

keine Anhaltspunkte vor, die von vornherein gegen die Glaubwürdigkeit des 

Beschuldigten sprechen würden.

2.6.2  Hinsichtlich  der  Tatumstände  ist  Folgendes  festzuhalten:  Der  Beschuldigte 

gab wiederholt, widerspruchsfrei und insofern glaubhaft zu Protokoll, dass er 

sich auf ein Inserat auf P._____ gemeldet habe, wonach ein Kurierfahrer im 

Gebiet W._____ [Stadt in Deutschland] gesucht werde. Er sei alsdann von 

O._____ (oder O._____) kontaktiert worden, worauf sie eine Probezeit und 

einen Stundenlohn von € 30.– inkl. Benzinkosten etc. vereinbart hätten. Da 

ein  Schweizer  Kurierfahrer  ausgefallen  sei,  sei  er  sodann  auf  Anfrage  von 

O._____ hin, dazu bereit gewesen, auch in der Schweiz Kurierfahren zu un-

- 28 -

ternehmen.  Bezüglich  des  Zustandekommens  des  Arbeitsvertrages  kann 

dem Beschuldigten kein Vorwurf gemacht werden und es erscheint einleuch-

tend, dass der Beschuldigte zu Beginn das Ausmass seiner Tätigkeit noch 

nicht erkannte bzw. hätte erkennen müssen. Sein erster Auftrag bestand so-

dann gemäss seinen Aussagen offenbar anfangs September 2024 darin, von 

einem  anderen  Boten  (AA._____)  ein  Couvert  entgegenzunehmen  und  an 

eine  Frau  mit  Namen  Q._____  beim  R._____-spital  abzugeben.  Da  er  das 

Couvert erwiesenermassen auf einem  Parkplatz  ausserhalb  eines  Hauses, 

welches mit vielen Ärztenamen beschildert war, entgegennahm und zu einem 

Spital bringen musste, ist dem Beschuldigten auch bis zu jenem ersten Auf-

trag noch Gutgläubigkeit zu attestieren, selbst wenn es doch bereits zu die-

sem Zeitpunkt objektiv betrachtet sehr ungewöhnlich erschien, medizinische 

Unterlagen in nicht adressierten Couverts entgegenzunehmen und an irgend-

welche Personen – jedenfalls keine erkennbares oder ausgewiesenes medi-

zinisches Personal – auszuliefern und dies auf öffentlichen Parkplätzen. Sub-

jektiv musste der Beschuldigten bis zu jenem Zeitpunkt aber gleichwohl noch 

nicht durchwegs im Klaren darüber sein, in was er sich konkret verstrickte, 

auch  wenn  bereits  –  wie  gesagt  –  gewisse  Ungewöhnlichkeiten  erkennbar 

waren. Gutgläubigkeit ist dem Beschuldigten aber spätestens nicht mehr ab-

zunehmen, als er begann, auch Couverts bei älteren Leuten zu Hause abzu-

holen. Schliesslich handelte es sich vornehmlich um ältere oder betagte Men-

schen, teils gar im Altersheim wohnhafte, welche ihm nicht adressierte Cou-

verts übergaben, die er auf Geheiss seines (ihm unbekannten) Auftraggebers 

hin jeweils an sehr unkonventionellen Übergabeorten (Burger King, Industrie-

zone,  Parkplätze  etc.),  zu  teils  unkonventionellen  Zeiten  (spätabends),  an 

nicht als medizinisches Fachpersonal erkennbare und teils nicht einmal der 

deutschen Sprache mächtigen Leuten (Q._____) überbringen sollte. Medizi-

nische Unterlagen werden nicht an solchen Orten übergeben. Dem Beschul-

digten wurde die genaue Adresse der älteren Leute jeweils vom Auftraggeber 

erst bekannt gegeben, nachdem er bereits ins Wohngebiet derselben bestellt 

worden war, was nahe legt, dass die Adresse dem Auftraggeber bereits be-

kannt  gewesen  ist.  Auch  die  Übergabeorte  wurden  dem  Beschuldigten  je-

- 29 -

weils erst bekannt gegeben, als er die Couverts bei den betagten Menschen 

abgeholt hatte. Für eine solche Vorgehensweise gab es keinen ersichtlichen 

Grund.  Obwohl  es  sich  bei  der  Abholung  medizinischer  Unterlagen  um  an 

sich  zuverlässig  planbare  Transporte  hätte  handeln  müssen,  wurden  diese 

offenbar doch mehrfach abgesagt, nachdem der Beschuldigte für den Auftrag 

bereits viele Kilometer in die Schweiz gefahren war. In der vom Beschuldigten 

angegebenen  Häufigkeit  und  angesichts  der  Fahrkosten  mutet  dies  doch 

äusserts  seltsam  an.  Auch  musste  der  Beschuldigte  teilweise  zweimal  zur 

selben Adresse fahren und auch Couverts aufbewahren und wieder zurück-

bringen,  was  für  medizinische  Unterlagen  ebenfalls  sehr  ungewöhnlich  er-

scheint. Warum sollte ein Kurier ein Couvert mit medizinischen Unterlagen 

aufbewahren,  um  dieses  dann  wieder  dem  Überbringer  zurückzugeben? 

Diese  ungewöhnliche  Vorgehensweise  konnte  auch  der  Beschuldigte  nicht 

erklären. Wenn der Beschuldigte dazu vorbringt, es sei nicht seine Aufgabe 

gewesen, nachzudenken, er sei nur vorgegangen, wie dies von ihm verlangt 

worden sei. So ist dies als Schutzbehauptung zu werten. Der Auftraggeber 

kommunizierte mit dem Beschuldigten jeweils nur über WhatsApp, wobei die-

ser seine Nachrichten jeweils löschte und dies auch vom Beschuldigten so 

verlangte,  was  die  Kuriosität  der  Tätigkeit  des  Beschuldigten  weiter  unter-

mauert. Auffällig ist weiter, dass der Auftraggeber dem Beschuldigten wäh-

rend rund einem Monat ein persönliches Gespräch (um das Arbeitsverhältnis 

zu konkretisieren) vorenthielt. Der Beschuldigte sah seinen Chef nie, hatte zu 

keiner Zeit ein persönliches Gespräch, kannte noch nicht einmal den Namen 

seiner  Arbeitgeberfirma  oder  den  Ort  der  Geschäftsniederlassung.  Ferner 

liess man dem Beschuldigten eine Lohnanzahlung über Dritte zukommen, in 

einem  Couvert,  ohne  Lohnabrechnung  und  ohne  Aufstellung  der  Sozialab-

züge oder dergleichen. Dass das nicht normal ist, wusste der Beschuldigte, 

er war zuvor jahrelang in Deutschland als Handwerker angestellt. Ebenso war 

es dem Beschuldigten gemäss seinen Aussagen untersagt, mit den Kunden 

zu sprechen oder die Couverts zu öffnen. Letztere Anweisung mag durchaus 

üblich sein, erstere erscheint wiederum ziemlich ungewöhnlich. 

- 30 -

2.6.3 Die Darstellungen des Beschuldigten zu alldem überzeugt nicht ohne Weite-

res. Die genannten Umstände bezüglich seiner neuen Arbeitsstelle mussten 

den Beschuldigten je im Einzelnen betrachtet zwar nicht dazu veranlassen, 

seine Arbeit genauer zu hinterfragen. In deren Gesamtheit ist dies jedoch an-

ders zu beurteilen. Die übermässig vielen Ungereimtheiten und die Auffällig-

keiten in Bezug auf eine an sich doch simple Kuriertätigkeit von medizinischen 

Unterlagen lassen keinen Zweifel darüber zu, dass dem Beschuldigten seine 

Beteiligung an einer illegalen Machenschaft doch zumindest in den Grundzü-

gen bewusst gewesen sein muss. Dies räumte der Beschuldigte denn auch 

teilweise  ein  (vgl.  nachfolgend).  Die  Erklärungsversuche  des  Beschuldigten 

offenbaren, dass er das grosse Ganze nicht sehen wollte und er sich mit ei-

genen Erklärungen zufrieden gab. So betonte der Beschuldigte auffällig oft, 

dass  er  jeweils  lediglich  auf  Geheiss  seines  Auftraggebers  gehandelt  habe 

und sich praktisch in der Art eines willen- und gedankenlosen Werkzeugs an 

die Arbeit gemacht habe. So führte der Beschuldigte beispielsweise aus, es 

sei nicht seine Aufgabe gewesen, nachzudenken. In Anbetracht der Vielzahl 

und  der  Offensichtlichkeit  der  genannten  Ungereimtheiten  erscheint  diese 

vom  Beschuldigten  dargelegte  Naivität  jedoch  äusserst  fragwürdig  und  un-

glaubhaft. Dem Beschuldigten dürfte das gesamte Ausmass der von ihm ge-

förderten  Machenschaften  tatsächlich  nicht  bekannt  gewesen  sein,  doch 

muss ihm – wie bereits erwähnt – aufgrund seines Tatbeitrags und der Art und 

Weise  der  Auftragserteilung/-durchführung  im  Laufe  der  Zeit  mindestens  in 

den Grundzügen klar gewesen sein, dass er von seinen Auftraggebern dazu 

benutzt wurde, eine inkriminierte Tätigkeit zu unterstützen. Spätestens nach 

den ersten Kurierfahrten musste dem Beschuldigten aufgrund der genannten 

Umstände aufgefallen sein, dass etwas nicht stimmt. Der Beschuldigte selber 

bestätigte sodann auch, dass ihm Vieles durch den Kopf gegangen sei, wie 

beispielsweise die Verschiebung der Treffen, die Worte seines Auftraggebers, 

die Kundenabsagen sowie die Unkenntnis der Örtlichkeit des Büros. Es sei 

ihm  insbesondere  unseriös  vorgekommen,  dass  derart  viele  Transportauf-

träge abgesagt worden seien, und er habe – sinngemäss – das Gefühl gehabt, 

O._____ habe sein Unternehmen nicht im Griff. Trotz der von ihm dargelegten 

- 31 -

Zweifel an seinem neuen Job will der Beschuldigte O._____ voll vertraut ha-

ben  und  alles  gedankenlos  ausgeführt  haben,  was  O._____  von  ihm  ver-

langte. Das teils auch sonst widersprüchliche Aussageverhalten des Beschul-

digten legt sodann nahe, dass der Beschuldigte ohnehin nicht derart ehrlich 

ist, wie er behauptet, und entgegen seiner Eigendarstellung keineswegs vor 

Unwahrheiten zurückschreckt, um sich einer Strafe zu entziehen. So gab der 

Beschuldigte erst mit der Zeit den Namen seines Auftraggebers, O._____, an, 

während er dessen Namen zu Beginn der Befragungen nicht gekannt haben 

will. Ferner sprach er anfänglich von einer Probezeit von fünf Tagen und ei-

nem ersten Kontakt anfangs Oktober 2024. Später änderte er aber sein Aus-

sageverhalten  und  es  wurde  klar,  dass  er  bereits  seit  anfangs  Septem-

ber 2024, d.h. seit rund einem Monat, als Bote tätig war. Von einer Probezeit 

kann insofern nicht mehr ausgegangen werden. Ferner gab der Beschuldigte 

anfänglich zu Protokoll, noch keinen Lohn für seine Arbeit erhalten zu haben. 

Später stellte sich indes heraus, dass dem doch so war. Diese Aussagen las-

sen darauf schliessen, dass der Beschuldigte nicht derart naiv und unwissend 

gewesen sein konnte, wie er sich darstellte. Der Beschuldigte muss sehr wohl 

gemerkt haben, dass er sich an etwas Illegalem beteiligte. Gleichwohl hat er 

weitergemacht und seine Arbeit trotz Zweifeln nicht weiter hinterfragt, zumal 

ihm eine schnelle und lukrative Gelegenheit geboten wurde. Er hat diese ge-

nutzt. Er befand sich wegen der Beendigung seiner Krankentaggelder in ei-

nem  finanziellen  Engpass.  Der  Beschuldigte  führte  sodann  auch  aus,  dass 

sein Job ansonsten einfach ein Anderer gemacht hätte. Der Beschuldigte han-

delte insofern eventualvorsätzlich und nicht fahrlässig. Der Beschuldigte ver-

traute damals nicht darauf, dass die Menschen nicht geschädigt werden. Er 

hat angesichts der Vielzahl seiner Botengänge und der damit einhergehenden 

nahen  Möglichkeit  der  Vermögensschädigung  der  betagten  Menschen  viel-

mehr  hingenommen,  dass  diese  geschädigt  wurden,  ansonsten  einfach  ein 

Anderer diesen Job gemacht hätte. Es war ihm gleichgültig, ob er zu einem 

Betrug und insofern zur Vermögensschädigung Dritter Hilfe leistet oder nicht. 

Er nahm diesen Umstand in  Kauf, da  ihm sein Verdienst angesichts seiner 

finanziellen Lage wichtiger erschien. Er wollte davon offensichtlich gar nichts 

- 32 -

wissen, weshalb er die augenscheinlichen Ungereimtheiten auch nicht einge-

hender  hinterfragte.  Die  Probezeit  (wenn  es  diese  überhaupt  gegeben  hat) 

würde schliesslich auch dem Arbeitnehmer dazu dienen, seine Arbeitsstelle 

genauer zu betrachten und gegebenenfalls von der Arbeitsstelle zurückzutre-

ten. Dies hat der Beschuldigte aber nicht getan und gemäss eigenen Aussa-

gen vielmehr auf eine Weiterführung seiner Arbeitstätigkeit und eine persön-

liche Vereinbarung mit dem Auftraggeber gehofft. Die Gesamtumstände legen 

daher dar, dass der Beschuldigte in subjektiver Hinsicht eventualvorsätzlich 

bezüglich des Vorliegens des gewerbsmässigen Betrugs als auch bezüglich 

seiner Hilfeleistung zu demselben handelte, auch wenn er die Tat erst nach 

Beginn seiner Arbeitstätigkeit für die Keiler als solche erkannte.

2.7 Nach dem Gesagten trifft die vorgenannte rechtliche Beurteilung des Sach-

verhalts  durch  die  Anklagebehörde  folglich  zu  und  der  Beschuldigte  ist  der 

Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 

Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 25 StGB schuldig zu sprechen. Rechtfer-

tigungs- und/oder Schuldausschlussgründe sind keine ersichtlich.

3. Gewerbsmässige Geldwäscherei

3.1 Der Geldwäscherei gemäss Art. 305bis Ziff. 1 StGB macht sich strafbar, wer 

eine Handlung vornimmt, die geeignet ist, die Ermittlung der Herkunft, die Auf-

findung oder die Einziehung von Vermögenswerten zu vereiteln, die, wie er 

weiss  oder  annehmen  muss,  aus  einem  Verbrechen  herrühren.  Es  handelt 

sich dabei um ein abstraktes Gefährdungsdelikt. Der Nachweis einer konkre-

ten Vereitelungsgefahr oder einer gelungenen Vereitelung ist nicht erforder-

lich. Aufgrund seiner Stellung im Gesetz schützt der Tatbestand in erster Linie 

die  Strafrechtspflege  in  der  Durchsetzung  des  staatlichen  Einziehungsan-

spruchs bzw. das öffentliche Interesse an einem reibungslosen Funktionieren 

der Strafrechtspflege. Den Tatbestand der Geldwäscherei kann nach ständi-

ger Rechtsprechung auch erfüllen, wer Vermögenswerte wäscht, die er selber 

durch ein Verbrechen erlangt hat. Ob ein Verhalten vorliegt, welches geeignet 

ist, die Einziehung der verbrecherisch erlangten Vermögenswerte zu vertei-

len, ist im Einzelfall zu bestimmen. Als Vereitelungshandlungen kommen etwa 

- 33 -

das Verstecken, das Anlegen sowie das Wechseln von Bargeld in Betracht, 

nicht jedoch dessen einfache Einzahlung auf das dem üblichen privaten Zah-

lungsverkehr dienende persönliche Bankkonto am Wohnort oder der blosse 

Besitz  bzw.  das  Aufbewahren  von  Geld.  Die  einfache  Investition  in  Ge-

brauchswerte  als  solche  stellt  keine  tatbestandsmässige  Vereitelungshand-

lung dar (BGer 6B_27/2020 vom 20. April 2020, E. 2.3.1 und 2.3.2 m.w.H.). 

Bei gewerbsmässigem Vorgehen, d.h. bei der Erzielung eines grossen Um-

satzes und eines erheblichen Gewinns, liegt ein schwerer Fall im Sinne von 

Ziff. 2 lit. c dieser Bestimmung vor, welcher schwerer bestraft wird. Dabei gilt 

ein Gewinn von Fr. 10'000.– als gross und ein Umsatz ab Fr. 100'000.– als 

erheblich.  Der  schwere  Fall  setzt  darüber  hinaus  voraus,  dass  die  von  der 

Rechtsprechung entwickelten Kriterien der Gewerbsmässigkeit erfüllt sind. In 

subjektiver Hinsicht erfordert der Tatbestand Vorsatz, wobei Eventualvorsatz 

genügt (BGer 6B_219/2021 vom 19. April 2023, E. 6.3 m.H.). Bezüglich der 

Gewerbsmässigkeit  und  der  Voraussetzungen  des  Eventualvorsatzes  kann 

dabei auf die vorstehenden Erwägungen verwiesen werden.

3.2 Der  Beschuldigte  gab  Couverts  mit  betrügerisch,  d.h.  deliktisch,  erlangten 

Geldes jeweils an Dritte (Q._____ und T._____) weiter, womit dieses jeweils 

der Strafrechtspflege nicht mehr erhältlich gemacht werden konnte und der 

Einziehung entzogen wurde. Der Beschuldigte erfüllte insofern den objektiven 

Tatbestand der Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB. Im Zeit-

raum von nur rund einem Monat übergab der Beschuldigte den Geldabneh-

mern  Q._____  und  T._____  im  Rahmen  seiner  Vollzeittätigkeit  als  Kurier 

durch seine diversen einzelnen Botengänge betrügerisch erlangtes Geld von 

insgesamt Fr. 139'300.–, um sich mit dieser Arbeit seinen Lebensunterhalt zu 

finanzieren. Insofern handelte er berufsmässig und generierte einen erhebli-

chen Umsatz, weshalb gewerbsmässige Geldwäscherei und ein schwerer Fall 

im Sinne von Art. 305bis Ziff. 2 lit. c StGB vorliegt. Weiter ist aufgrund der vor-

genannten Gesamtumstände auch in Bezug auf die Geldwäscherei von einem 

eventualvorsätzlichen  Handeln  des  Beschuldigten  auszugehen.  Nach  dem 

Gesagten musste der Beschuldigte um das deliktisch erlangte Geld wissen 

und  musste  demnach  auch  davon  ausgehen,  dass  die  Hintermänner  dafür 

- 34 -

besorgt sein würden, das betrügerisch erlangte Geld mit seiner Hilfe der Straf-

rechtspflege zu entziehen. Dies nahm er angesichts der vorstehenden Erwä-

gungen zu den augenfällig unseriösen Arbeitsumständen indes ebenso billi-

gend in Kauf wie die Förderung der Betrügereien an sich, da er die Chance 

sah, Geld zu verdienen und daher die Ungereimtheiten bewusst nicht weiter 

hinterfragte  und  sich  zu  keiner  Zeit  davon  distanzierte.  Der  Tatbestand  der 

gewerbsmässigen Geldwäscherei ist demnach auch in subjektiver Hinsicht er-

füllt.

3.3 Nach dem Gesagten trifft die vorgenannte rechtliche Beurteilung des Sach-

verhalts durch die Anklagebehörde auch diesbezüglich zu und der Beschul-

digte ist der gewerbsmässigen Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 

und Ziff. 2 lit. c StGB schuldig zu sprechen. Rechtfertigungs- und/oder Schuld-

ausschlussgründe sind keine ersichtlich.

4. Mehrfache rechtswidrige Einreise / mehrfacher rechtswidriger Aufenthalt

4.1 Der  mehrfachen  rechtswidrigen  Einreise  im  Sinne  von  Art. 115  Abs. 1  lit. a 

AIG strafbar ist, wer Einreisevorschriften nach Art. 5 AIG verletzt. Des mehr-

fachen rechtswidrigen Aufenthalts im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b AIG straf-

bar  macht  sich,  wer  sich  rechtswidrig,  namentlich  nach  Ablauf  des  bewilli-

gungsfreien  oder  des  bewilligten  Aufenthalts,  in  der  Schweiz  aufhält.  Nach 

Art. 5 Abs. 1 AIG müssen Ausländerinnen und Ausländer, die in die Schweiz 

einreisen wollen im Wesentlichen über ein für den Grenzübertritt anerkanntes 

Ausweispapier  und  über  ein  Visum  verfügen,  sofern  dieses  erforderlich  ist 

(lit. a); müssen die für den Aufenthalt notwendigen finanziellen Mittel besitzen 

(lit. b) und dürfen keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung so-

wie die internationalen Beziehungen der Schweiz darstellen (lit. c). Die öffent-

liche Ordnung ist berührt, wenn die aktuelle Gefahr von Rechtsverletzungen 

besteht, welche die Grundinteressen der Gesellschaft betreffen. Der Begriff 

der  öffentlichen  Sicherheit  bezieht  sich  vor  allem  auf  die  innere  Sicherheit. 

Bezüglich der internationalen Beziehungen der Schweiz soll von der auslän-

dischen  Person  keine  Gefährdung  der  auswertigen  Beziehungen  oder  des 

friedlichen Zusammenlebens der Völker ausgehen. Diese Schranke zielt z.B. 

- 35 -

auf gewaltbereite Hooligans, soweit sie sich nicht auf die Personenfreizügig-

keit berufen können, auf Personen, welche die friedliche Koexistenz der reli-

giösen  Gemeinschaft  infrage  stellen  (Hassprediger),  oder  solche,  von  wel-

chen die Gefahr der Verbreitung rassistischen Gedankengutes ausgeht (MAU-

RER, in: Donatsch [Hrsg.], StGB-Kommentar mit weiteren Erlassen und Kom-

mentar zu den Strafbestimmungen des SVG, BetmG, AIG und OBG, 21. Auf-

lage, Zürich 2022, N 13 zu Art. 115 AIG). Ob die Nichterfüllung jeder der in 

Art. 5 Abs. 1 lit. a-d AIG umschriebenen Einreisevoraussetzungen die Straf-

barkeit nach Art. 115 AIG zu begründen vermag, ist umstritten. Das Gesetz 

selbst jedenfalls macht vom Wortlaut her zwischen den in Art. 5 AIG umschrie-

benen Einreisevoraussetzungen keinen Unterschied. Sie erscheinen deshalb 

grundsätzlich  als  gleichwertig  und  sind  entsprechend  nach  Art. 115  AIG  zu 

sanktionieren (MAURER, a.a.O., N 8 zu Art. 115).

4.2.1 Gemäss Anklägerin sei der Beschuldigte als Staatsangehöriger von Nordma-

zedonien in der alleinigen Absicht von 19. September 2024 bis 14. Oktober 

mehrfach von Deutschland herkommend in die Schweiz eingereist, um hier-

orts als Täter des vorstehend beschriebenen kriminellen Konstrukts tätig zu 

sein. Dadurch habe er die Sicherheit hiesiger Rechtsgüter eventualvorsätzlich 

beeinträchtigt.  Zu  diesem  Zwecke  habe  er  sich  eventualvorsätzlich  auch  in 

der  Schweiz  aufgehalten,  obschon  er  dazu  nicht  berechtigt  gewesen  sei 

(act. D1/20 S. 14). Die durch den Beschuldigten verübten Delikte, welche er 

bereits während seinen Einreisen zu begehen beabsichtigt habe sowie für die 

er sich während seines Aufenthalts dauernd bereit gehalten habe, würden die 

öffentliche Sicherheit betreffen. Besonders vulnerable Personen seien beson-

ders zu schützen. Damit sei die öffentliche Ordnung durch die Anwesenheit 

des Beschuldigten gefährdet gewesen, womit dessen Einreise und Aufenthalt 

unrechtmässig gewesen seien (act. 46 S. 8).

4.2.2 Die Verteidigung wendete indessen hierzu ein, dass nicht alle Einreisevoraus-

setzungen  von  Art. 5  Abs. 1  AIG  zur  Strafbarkeit  führen  würden,  wenn  sie 

nicht erfüllt seien. Zwar könne die Voraussetzung der fehlenden Gefahr für 

die öffentliche Ordnung und Sicherheit zur Verweigerung eines Visums oder 

- 36 -

der Einreise führen, aber bei ihrem Fehlen für sich genommen nicht die Straf-

barkeit  begründen.  Ferner  dürften  sich  unter  dem  Freizügigkeitsabkommen 

Dienstleistungserbringer  in  einen  anderen  Vertragsstaat  begeben  und  dort 

Dienstleistungen  während  einer  Dauer  von  90 Tagen  pro  dienstleistungser-

bringende Person und pro Unternehmen pro Jahr erbringen. Als Angestellter 

eines deutschen Unternehmens und als Inhaber eines gültigen Aufenthaltsti-

tels für Deutschland sei der Beschuldigte zur Dienstleistungserbringung in der 

Schweiz berechtigt gewesen und sei daher vom Vorwurf der Verletzungen der 

Bestimmungen  des  AIG  betreffend  Einreise  und  Aufenthalt  in  der  Schweiz 

freizusprechen (act. 47 S. 7 f.).

4.3.1 Beim Beschuldigten handelt es sich um einen nordmazedonischen Staatsan-

gehörigen mit deutschem Aufenthaltstitel und Wohnsitz sowie langjähriger Ar-

beitstätigkeit in Deutschland. Der Beschuldigte durfte trotz der dubiosen Ar-

beitsbedingungen in gutem Glauben davon ausgehen, er arbeite für ein deut-

sches Unternehmen, zumal er sich auf ein deutsches Stelleninserat mit einer 

deutschen  Nummer  (Vorwahl  +49)  und  einem  Einsatzgebiet  innerhalb 

Deutschlands meldete. Sodann wurde er von seinem neuen Arbeitgeber wäh-

rend seiner einmonatigen Tätigkeit als Kurier in die Schweiz entsendet, da ein 

Schweizer Kollege ausgefallen sei. Insofern kann sich der Beschuldigte auf 

das  Freizügigkeitsabkommen  (Abkommen  vom  21. Juni  1999  zwischen  der 

Schweizerischen  Eidgenossenschaft  einerseits  und  der  Europäischen  Ge-

meinschaft  und  ihren  Mitgliedstaaten  andererseits  über  die  Freizügigkeit, 

FZA;  SR  0.142.112.681)  berufen,  da  dieses  vorsieht,  dass  sich  Arbeitneh-

mende aus einem Vertragsstaat – unabhängig von deren Staatsangehörigkeit 

– ohne Bewilligung während 90 Tagen zur Dienstleistungserbringung in der 

Schweiz aufhalten dürfen, sofern sie – wie der Beschuldigte – dauerhaft auf 

dem regulären Arbeitsmarkt in einem EU-Mitgliedstaat zugelassen sind (Art. 1 

lit. b und Art. 5 Abs. 2 lit. b FZA, vgl. auch Art. 17 lit. b Anhang I FZA). Das 

AIG ist gegenüber dem FZA subsidiär, sofern es keine abweichenden bzw. 

günstigeren Bestimmungen vorsieht (Art. 2 Abs. 2 AIG). Das FZA enthält eine 

zu  Art. 5  AIG  ähnliche  Bestimmung:  Die  vom  Freizügigkeitsabkommen  ge-

währten  Rechtsansprüche  stehen  unter  dem  Vorbehalt  von  Massnahmen 

- 37 -

zum  Schutz  der  öffentlichen  Ordnung,  Sicherheit  und  Gesundheit  (Art. 5 

Abs. 1 Anhang I FZA). Das Bundesgericht hielt dazu in BGE 145 IV 55, E. 3.3, 

fest,  dass  das  FZA  keine  Freizügigkeit  für  kriminelle  Ausländer  vorsehe. 

Hierzu hielt das Obergericht des Kantons Zürich bezüglich einer strittigen Aus-

weisung mit Urteil Nr. SB240275 vom 10. September 2024, E. 1.3.1 (mit Ver-

weis auf BGE 129 III 215, E. 7.1, mit Hinweis auf das Urteil des EuGH vom 

26. Februar  1975  in  der  Rechtssache  67/74,  Bonsignore,  Slg. 1975,  297, 

Randnrn.  6  und  7),  fest,  dass  die  Ausweisung  bzw.  die  Feststellung  des 

rechtswidrigen Aufenthalts aus Gründen der öffentlichen Ordnung und Sicher-

heit nur zulässig sei, wenn sie an ein persönliches Verhalten der in Betracht 

kommenden  Einzelperson  anknüpfe  (Art. 3  Abs. 1  der  Richtlinie  64/221 

EWG). Der Begriff des persönlichen Verhaltens drücke nach der Rechtspre-

chung  des  Gerichtshofs  die  Forderung  aus,  dass  eine  Ausweisungsmass-

nahme nur auf Gefährdungen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit abstel-

len dürfe, die von der betroffenen Einzelperson ausgehe. Art. 3 Abs. 1 und 2 

der Richtlinie 64/221 stehe daher der Ausweisung eines Staatsangehörigen 

eines Mitgliedstaates entgegen, wenn sie auf sogenannte generalpräventive 

Gesichtspunkte gestützt werde. Ebenso könnten auch strafrechtliche Verur-

teilungen  allein  nicht  ohne  Weiteres  die  Massnahmen  der  öffentlichen  Ord-

nung  oder  Sicherheit  begründen  (Art. 3  Abs. 2  der  Richtlinie  64/221  EWG). 

Diese Bestimmung sei dahin auszulegen, dass frühere strafrechtliche Verur-

teilungen nur insoweit berücksichtigt werden dürften, als die ihnen zugrunde 

liegenden Umstände ein persönliches Verhalten erkennen liessen, das eine 

gegenwärtige Gefährdung der öffentlichen Ordnung darstelle (mit Verweis auf 

BGE 129 III 215 mit Hinweis auf Urteile des EuGH vom 27. Oktober 1977 in 

der Rechtssache 30/77, Bouchereau, Slg. 1977, 1999, Randnrn. 27 und 28 

sowie vom 19. Januar 1999 in der Rechtssache C-348/96, Calfa, Slg. 1999, I-

11, Randnr. 24).

4.3.2 Der Beschuldigte begab sich in die Schweiz, um sich – wenn auch lediglich 

eventualvorsätzlich – an einem gewerbsmässigen Betrug und der gewerbs-

mässigen Geldwäscherei zu beteiligen. Auch wenn dies dem Beschuldigten – 

wie vorstehende ausgeführt – nicht von Anfang an so bekannt war. Dabei ist 

- 38 -

von Ersttaten auszugehen, da keine weiteren deliktischen Tätigkeiten des Be-

schuldigten – weder in Deutschland noch in der Schweiz noch in Mazedonien 

– bekannt sind (vgl. act. D1/16). Ferner verlor der Beschuldigte wenige Mo-

nate vor dem vorliegend zu beurteilenden Deliktzeitraum seine langjährige Ar-

beitsstelle aus gesundheitlichen Gründen (vgl. nachstehend) und seine Kran-

kentaggelder  endeten  bald.  Der  Beschuldigte  befand  sich  daher  in  einer  fi-

nanziell angespannten Lage, so dass er sich erst gutgläubig auf den Job als 

Kurier meldete und nach und nach während rund einem Monat seine Beteili-

gung an den genannten Straftaten billigend in Kauf nahm. Wie nachfolgend 

im Rahmen der Erwägungen zur Strafe und zum Vollzug (vgl. nachstehend) 

aufgezeigt  wird,  ist  nicht  davon  auszugehen,  dass  der  Beschuldigte  solche 

Straftaten auch in Zukunft wieder begehen wird. Es handelt sich um eine bis-

her einmalige deliktische Entgleisung während an sich kurzer Zeit und dem 

Beschuldigten  kann  im  Gegensatz  zu  den  Keilern  keinerlei  rücksichtsloses 

oder habgieriges Verhalten angelastet werden, zumal er nicht am Umsatz be-

teiligt  war.  Es  ist  demnach  in  Bezug  auf  den  Beschuldigten  nicht  von  einer 

Wiederholungsgefahr  auszugehen.  Eine  gegenwärtige  Gefährdung  der  öf-

fentlichen Ordnung und Sicherheit der Schweiz oder damit einhergehend eine 

aktuelle Gefahr für die internationalen Beziehungen der Schweiz, namentlich 

des friedlichen Zusammenlebens der Völker, ist nicht auszumachen, weshalb 

weder Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA noch Art. 5 Abs. 1 lit. c AIG verletzt wurde. 

Der Beschuldigte kann sich für seinen Aufenthalt und seine Einreise als ent-

sandter Dienstleister auf das Freizügigkeitsgesetz berufen. Mit anderen Wor-

ten  verfügte  der  Beschuldigte  über  einen  gültigen  Aufenthaltstitel  für  die 

Schweiz.  Der  Beschuldigte  reiste  demnach  rechtmässig  in  die  Schweiz  ein 

und hielt sich im Deliktzeitraum auch rechtmässig in der Schweiz auf, so dass 

eine  Strafbarkeit  im  Sinne  von  Art. 115  Abs. 1  lit. a  und  b  AIG  entfällt.  Der 

Beschuldigte ist der aufenthaltsrechtlichen Strafbestimmungen entsprechend 

freizusprechen.

- 39 -

V.
STRAFZUMESSUNG

A.

Strafart und Strafrahmen

1.

Als  Strafen  für  Verbrechen  und  Vergehen  sieht  das  Strafgesetzbuch  in  der 

Regel  Geldstrafe  gemäss  Art. 34  StGB  oder  Freiheitsstrafe  gemäss  Art. 40 

StGB vor. Die Mindestdauer der Freiheitsstrafe beträgt dabei drei Tage, vor-

behältlich einer kürzeren Freiheitsstrafe anstelle einer nicht bezahlten Gelds-

trafe (Art. 36 StGB) oder Busse (Art. 106 StGB), und die Geldstrafe beträgt 

mindestens drei höchstens 180 Tagessätze, sofern es das Gesetz nicht an-

ders vorsieht (Art. 34 Abs. 1 StGB). Dabei beträgt ein Tagessatz in der Regel 

mindestens  Fr. 30.–  und  höchstens  Fr. 3'000.–  (Art. 34  Abs. 2  StGB).  Die 

Höchstdauer der Freiheitsstrafe beträgt 20 Jahre. Das Gesetz sieht auch le-

benslängliche Freiheitsstrafen vor (Art. 40 Abs. 2 StGB).

2.1 Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für 

mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe 

der  schwersten  Straftat  und  erhöht  sie  angemessen.  Es  darf  jedoch  das 

Höchstmass  der  angedrohten  Strafe  nicht  um  mehr  als  die  Hälfte  erhöhen. 

Dabei ist es an das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 

Abs. 1 StGB).

2.2 Dabei hat es zunächst für jede der mehreren Straftaten die Art der Strafe zu 

bestimmen.  Art. 49  Abs. 1  StGB  ist  nur  anwendbar,  wenn  diese  Strafen 

gleichartig  sind.  Eine  Gesamtfreiheitsstrafe  ist  nur  zulässig,  wenn  für  jede 

einzelne  Straftat,  unter  Berücksichtigung  der  Priorität  der  Geldstrafe,  die 

Freiheitsstrafe  erforderlich  ist.  Kommen  als  Sanktion  sowohl  eine  Freiheits- 

als  auch  eine  Geldstrafe  in  Betracht,  so  ist  methodisch  somit  in  der  Weise 

vorzugehen,  dass  zuerst  die  Strafart  festzulegen  und  dann  das  Strafmass 

festzusetzen  ist  (BGer 6B_93/  2022  vom  24. November  2022  E. 1.3.3  und 

E 1.3.6 mit Hinweis auf BGE 144 IV 313 E. 1.1.1). Bei der Wahl der Strafart 

hat das Gericht neben dem Verschulden des Täters, der Zweckmässigkeit der 

Strafe,  ihren  Auswirkungen  auf  die  Täterschaft  und  auf  ihr  soziales  Umfeld 

- 40 -

sowie ihrer Wirksamkeit unter dem Gesichtswinkel der Prävention Rechnung 

zu  tragen  (BGer 6B_93/2022  vom  24. November 2022  E. 1.3.4 f.  unter 

Hinweis  auf  BGer 6B_696/2021  vom  1. November 2021  E. 5.2  und 

BGE 147 IV 241 E. 3.2). 

3.

Die tat- und täterangemessene Strafe ist sodann grundsätzlich innerhalb des 

ordentlichen  Strafrahmens  der  schwersten  Strafbestimmung  festzusetzen 

(vgl.  JOSITSCH  [HRSG.]/EGE/SCHWARZENEGGER,  Strafrecht II,  Strafen  und 

Massnahmen, 9. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2018, S. 82). Dieser Rahmen ist 

vom Gesetzgeber in aller Regel sehr weit gefasst worden, um sämtlichen kon-

kreten Umständen Rechnung zu tragen. Entgegen einer auch in der Praxis 

verbreiteten  Auffassung  wird  der  ordentliche  Strafrahmen  durch  Strafschär-

fungs- oder Strafmilderungsgründe nicht automatisch erweitert, worauf dann 

innerhalb dieses neuen Rahmens die Strafe nach den üblichen Zumessungs-

kriterien festzusetzen wäre (BGE 136 IV 55 E.5.8). Der ordentliche Rahmen 

ist nur zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die 

für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart bzw. zu 

milde  erscheint  (vgl.  JOSITSCH 

[HRSG.]/EGE/SCHWARZENEGGER,  a.a.O., 

S. 82 f.).

4.1 Vorstehenden  Erwägungen  zufolge  ist  der  Beschuldigte  mehrerer  Delikte 

schuldig  zu  sprechen.  Der  gewerbsmässige  Betrug  (Verbrechen)  im  Sinne 

von Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB ist mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis 

zu 10 Jahren und die gewerbsmässige Geldwäscherei (Verbrechen) im Sinne 

von Art. 305bis Ziff. 1 und 2 lit. c StGB ist mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren 

oder  Geldstrafe  bedroht.  Aufgrund  der  abstrakten  Deliktsschwere,  der  Tat-

mehrheit und der mehrfachen Begehung erscheint es angemessen, den Be-

schuldigten für sämtliche Delikte mit einer Freiheitsstrafe zu bestrafen. Zudem 

erscheint eine Freiheitsstrafe auch aus Gründen der präventiven Effizienz er-

forderlich, da angesichts der wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschuldigten 

(vgl. nachstehend) eine Geldstrafe gar nicht vollzogen werden könnte (Art. 41 

Abs. 1 lit. b StGB; vgl. BGer 6B_125/2018 vom 14. Juni 2018). Folglich sind 

für die Normverstösse des Beschuldigten mehrere gleichartige Strafen erfüllt 

- 41 -

und gelangt in Bezug auf diese Delikte Art. 49 Abs. 1 StGB (Asperationsprin-

zip) zur Anwendung.

4.2 Wie erwähnt beträgt der Strafrahmen für den gewerbsmässigen Betrug (Ver-

brechen) im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB als schwerste Straftat Frei-

heitsstrafe von sechs Monaten bis zu 10 Jahren. Strafschärfend ist die mehr-

fache Tatbegehung zu berücksichtigen (Art. 49 Abs. 1 StGB). Strafmildernd 

ist indes die Gehilfenschaft im Sinne von Art. 25 StGB zu beachten. Die bei-

den versuchten gewerbsmässigen Betrüge hinsichtlich Dossier 1 und 4 sind 

unbeachtlich und gehen in den vollendeten Delikten auf. Aussergewöhnliche 

Umstände, die es rechtfertigen, den ordentlichen Strafrahmen zu verlassen, 

sind  indes  keine  ersichtlich,  weshalb  der  ordentliche  Strafrahmen  der 

schwersten Tat weder nach oben noch nach unten zu erweitern ist. Die De-

liktsmehrheit sowie der Strafmilderungsgrund der Gehilfenschaft sind dement-

sprechend  im  Rahmen  des  ordentlichen  Strafrahmens  straferhöhend  bzw. 

strafmindernd zu berücksichtigen. Der konkrete Strafrahmen für die Gehilfen-

schaft zu gewerbsmässigem Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 i.V.m. 

Art. 25 StGB beträgt folglich Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu 10 Jah-

ren.

B.

Strafzumessungsregeln

1.

Das Gericht misst die Strafe innerhalb des ordentlichen Strafrahmens nach 

dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt dabei das Vorleben und 

die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des 

Täters  (Art. 47  Abs. 1  StGB).  Das  Verschulden  wird  nach  der  Schwere  der 

Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerf-

lichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie da-

nach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen 

in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 

StGB).

- 42 -

2.1 Der  Begriff  des  Verschuldens  muss  sich  auf  den  gesamten  Unrechts-  und 

Schuldgehalt der konkreten Straftat beziehen. Zu unterscheiden ist zwischen 

der Tat- und der Täterkomponente.

2.2 Bei der Tatkomponente ist als Ausgangspunkt die objektive Schwere des De-

likts festzulegen und zu bewerten. Dabei ist anhand des Ausmasses des Er-

folgs sowie auf Grund der Art und Weise des Vorgehens zu beurteilen, wie 

stark das strafrechtlich geschützte Rechtsgut beeinträchtigt worden ist. Eben-

falls von Bedeutung sind die kriminelle Energie, der Tatbeitrag bei Tatausfüh-

rung durch mehrere Täter sowie ein allfälliger Versuch. Hinsichtlich des sub-

jektiven  Verschuldens  sind  insbesondere  das  Motiv,  die  Beweggründe,  die 

Willensrichtung sowie das Mass an Entscheidungsfreiheit des Täters zu be-

urteilen  (HEIMGARTNER,  in:  Donatsch  [Hrsg.]/Heimgartner/Isenring/Weder, 

Kommentar zum Schweizerischen Strafgesetzbuch, 21. Auflage, Zürich 2022, 

N 5 ff.  zu  Art. 47;  vgl.  zum  Ganzen:  MATHYS,  Leitfaden  Strafzumessung, 

2. Auflage, Basel 2019).

2.3 Die Täterkomponente umfasst die persönlichen Verhältnisse, das Vorleben, 

insbesondere  frühere  Strafen  oder  Wohlverhalten,  und  das  Verhalten  nach 

der Tat und im Strafverfahren, insbesondere gezeigte Reue und Einsicht, oder 

ein abgelegtes Geständnis (HEIMGARTNER, a.a.O., N 5 ff. zu Art. 47; vgl. zum 

Ganzen: MATHYS, Leitfaden Strafzumessung, 2. Auflage, Basel 2019).

C.

Konkrete Strafzumessung

1.

Tatkomponenten hinsichtlich gewerbsmässiger Betrug

1.1 Bezüglich der objektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschuldigte 

innert einer kurzen Zeitspanne von rund einer Woche einen erheblichen De-

liktsbetrag von Fr. 86'300.– einsammelte und einen weiteren von Fr. 30'000.– 

einsammeln wollte. Dabei wurde das geschützte Rechtsgut des Vermögens 

besonders vulnerabler, älterer Personen massiv verletzt, da sie in eine Druck-

situation versetzt und ihre Gutmütigkeit und Gutgläubigkeit schamlos ausge-

nutzt wurde. Die Geschädigten kamen durch ihre Vermögenseinbussen teils 

- 43 -

in finanziell schwierige Situationen, da beträchtliche und lange ersparte Ver-

mögenswerte fehlten. Unter Berücksichtigung des grossen Spektrums mögli-

cher Deliktssummen ist aber innerhalb des ordentlichen Strafrahmens gleich-

wohl von einem vergleichsweise nicht mehr leichten Tatverschulden auszu-

gehen.

1.2 Beim subjektiven Verschulden ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte 

nicht  direktvorsätzlich,  sondern  lediglich  eventualvorsätzlich  handelte.  Der 

Beschuldigte traf die Geschädigten persönlich und entschied sich trotzdem für 

seine kriminelle Tätigkeit, weil er leicht verdientes Geld sah. Er handelte mit-

hin  aus  egoistischen  Gründen.  Der  Beschuldigte  hatte  sodann  auch  Hand-

lungsalternativen, da er vor seiner kriminellen Tätigkeit stets eine rechtmäs-

sige berufliche Existenz hatte und somit nicht auf diese Arbeit als Kurier an-

gewiesen war. Er hätte leichthin auch eine andere Arbeit finden können. Der 

Beschuldigte  handelte  insofern  auch  aus  rein  monetären  Gründen,  was  für 

sich allein nicht verschuldenserhöhend zu berücksichtigen ist. Schliesslich ist 

dieser Umstand jedem Vermögensdelikt immanent und wird bereits von der 

Gewerbsmässigkeit vorausgesetzt.

1.3 Das subjektive Verschulden vermag die objektive Tatschwere damit nicht zu 

relativieren. Das Verschulden hinsichtlich der Tatkomponente ist somit insge-

samt als nicht mehr leicht einzustufen, weshalb dafür eine Freiheitsstrafe von 

26 Monaten angemessen erscheint.

2. Gehilfenschaft

Der  Beschuldigte  handelte  nicht  als  Täter,  sondern  lediglich  als  Gehilfe  im 

Sinne  von  Art. 25  StGB,  was  verschuldensmindernd  zu  berücksichtigen  ist. 

Sein  Handeln  liegt  allerdings  sehr  nahe  bei  der  rollenteiligen  Mittäterschaft 

oder einem bandenmässigen Handeln, zumal er mit der Entgegennahme der 

Geldbeträge doch eine wichtige bzw. zentrale Rolle gespielt hat. Ohne Kuriere 

bzw.  Geldeinsammler  könnten  die  Keiler/Haupttäter  ihre  inkriminierte  Tätig-

keit nicht durchführen. Dennoch ist sein mit der Tatbegehung einhergehendes 

Verschulden im Vergleich zu den (unbekannten) Keilern/Haupttätern als ge-

- 44 -

ringer zu betrachten, weshalb es angemessen erscheint, eine Strafreduktion 

von sechs Monaten Freiheitsstrafe (1/4) zu berücksichtigen.

3.

Täterkomponenten hinsichtlich gewerbsmässiger Betrug

3.1 Zu den persönlichen und finanziellen Verhältnissen des Beschuldigten ergibt 

sich aus der Befragung anlässlich der Hauptverhandlung (Prot. S. 5 ff.) und 

den  Akten  (act. D1/6/1/6  Fragen 73 ff.),  dass  der  Beschuldigte  in  AB._____ 

(Nordmazedonien)  geboren  und  aufgewachsen  ist.  Nach  der  Grundschule 

lernte er Mikroelektroniker, worauf er nach kurzer Unselbständigkeit 25 Jahre 

lang als selbständiger Mikroelektroniker in Mazedonien tätig war. Von 1990 

bis 1995 war er als Küchenmonteur in Deutschland tätig. Im Jahr 2018 wan-

derte er sodann wegen dem Jugoslawienkrieg nach Deutschland aus, wo er 

als  Lastwagenchauffeur  tätig  wurde.  Von  anfangs  März 2019  bis  Ende 

April 2024 sei er als Bodenleger bei einem Freund von ihm angestellt gewe-

sen. Aus gesundheitlichen Gründen habe er seine Arbeitsstelle verloren und 

beziehe  sei  13. Mai  2024  Krankentaggelder,  wobei  er  bis  zum  16. Oktober 

2024 krank geschrieben gewesen sei. Alsdann sei er von der Arbeitsagentur 

unterstützt  worden,  von  welcher  er  rund  € 1'200.–  pro  Monat  erhalte.  Nun 

könne er eine Stelle als Taxichauffeur bei der Firma AC._____ in W._____ 

antreten,  womit  er  monatlich  € 2'000.–  netto  verdiene.  Er  lebe  alleine  in 

Deutschland. Sei aber verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder. Seine 

Frau lebe in Mazedonien und sei nicht arbeitstätig. Sie sei krank bzw. habe 

Hepatitis B. Er unterstütze seine Frau finanziell je nach Bedarf. Seine Kinder 

lebten finanziell unabhängig. Die Wohnung koste € 500.– pro Monat zzgl. Ne-

benkosten. Vermögen hat er keines und nennenswerte Schulden hat er nach 

eigenen Angaben auch keine. Aus den persönlichen und finanziellen Verhält-

nissen  ergeben  sich  insofern  keine  strafzumessungsrelevanten  Umstände, 

insbesondere keine besondere Strafempfindlichkeit.

3.2 Straferhöhend ist nichts zu beachten, zumal der Beschuldigte nicht vorbestraft 

ist (vgl. act. D1/16).

- 45 -

3.3 Leicht strafmindernd fällt hingegen ins Gewicht, dass der Beschuldigte zumin-

dest in objektiver Hinsicht geständig war, wenn auch erst nach erdrückender 

Beweislage. Gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts kann ein positives 

Nachtatverhalten zu einer Strafreduktion im Bereich von 1/5 bis zu 1/3 führen, 

letztere Reduktion aber nur bei Vorliegen eines ausgesprochen vorbildlichen 

Nachtatverhaltens. Dazu zählt ein umfassendes Geständnis von Anfang an 

und aus eigenem Antrieb. Fehlen einzelne Elemente, ist die Strafe entspre-

chend weniger stark zu senken (vgl. BGE 118 IV 349 und BGE 121 IV 205). 

Einsicht und Reue waren beim Beschuldigten indes nicht erkennbar, sondern 

eher Mitleid mit sich selber, dass er sich in eine solche Situation brachte bzw. 

in einer solchen Situation steckte (vgl. Prot. S. 42 f.). Folglich erscheint es an-

gemessen, die Freiheitsstrafe zufolge des Geständnisses nur, aber immerhin, 

um 5 Monate Freiheitsstrafe (1/5) zu reduzieren.

4.

Zwischenfazit

Insgesamt erscheint als Einsatzstrafe für die Gehilfenschaft zu gewerbsmäs-

sigem  Betrug  im  Sinne  von  Art. 146  Abs. 1  und  2  i.V.m.  Art. 25  StGB  als 

schwerste Tat eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten angemessen.

5.

Asperation der gewerbsmässigen Geldwäscherei

5.1 Bezüglich  der  objektiven  Tatschwere  ist  zu  berücksichtigen,  dass  der  Be-

schuldigte durch seine Geldübergaben an Q._____ und T._____ dafür sorgte, 

dass  eine  nicht  unerhebliche  Summe  betrügerisch  erlangtes  Geld  von 

Fr. 139'300.–  unwiederbringlich  ins  Ausland  verbracht  wurde.  Dieses  Geld 

stammte von älteren Menschen, welche eine grosse Vermögenseinbusse er-

litten. Somit wiegt auch die objektive Tatschwere der gewerbsmässigen Geld-

wäscherei nicht mehr leicht.

5.2 In  subjektiver  Hinsicht  ist  entsprechend  den  vorstehenden  Erwägungen  zur 

Strafzumessung  der  Gehilfenschaft  zu  gewerbsmässigem  Betrug  festzuhal-

ten,  dass  der  Beschuldigte  auch  diesfalls  eventualvorsätzlich  und  aus  rein 

egoistischen Motiven heraus handelte, um Geld für seinen Lebensunterhalt 

- 46 -

zu verdienen. Dabei hätte er ohne Weiteres andere Alternativen gehabt, zu-

mal er auch vor seiner Erkrankung stets einer rechtmässigen Arbeit nachging 

und durch seine bisherigen Tätigkeiten auch für andere Arbeiten qualifiziert 

gewesen wäre.

5.3 Das Tatverschulden hinsichtlich der gewerbsmässigen Geldwäscherei ist so-

mit gesamthaft betrachtet ebenfalls als nicht mehr leicht einzustufen, weshalb 

dafür isoliert eine Freiheitsstrafe von 12 Monaten angemessen erscheint.

5.4 Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die vorstehenden Erwägungen 

hinsichtlich  der  Strafzumessung  betr.  Gehilfenschaft  zu  gewerbsmässigem 

Betrug verwiesen werden. Dem Beschuldigten ist wegen des Geständnisses 

des objektiven Sachverhalts auch in Bezug auf die gewerbsmässige Geldwä-

scherei  nur  eine  leichte  Strafreduktion  von  1/5,  d.h.  zwei  Monate  Freiheits-

strafe, zu Gute zu halten.

5.5 Unter  Berücksichtigung  des  Asperationsprinzips  erscheint  es  folglich  ange-

messen, die hypothetische Einsatzstrafe zufolge der gewerbsmässigen Geld-

wäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 und 2 lit. c StGB um 5 Monate zu 

erhöhen.

6.

Fazit

Alles in allem erscheint demnach als Gesamtstrafe für die vorliegend zu be-

urteilenden Verbrechen eine Freiheitsstrafe von 20 Monaten angemessen.

VI.
STRAFVOLLZUG

A.

Bedingter Strafvollzug

1.

Das  Gericht  schiebt  den  Vollzug  einer  Geldstrafe  oder  einer  Freiheitsstrafe 

von  höchstens  zwei  Jahren  in  der  Regel  auf,  wenn  eine  unbedingte  Strafe 

nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbre-

chen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Materiell ist demnach 

- 47 -

das Fehlen einer ungünstigen Prognose vorausgesetzt. Das heisst in Anleh-

nung an die herrschende Praxis, dass auf das Fehlen von Anhaltspunkten für 

eine Wiederholungsgefahr abgestellt wird. Die günstige Prognose wird also 

vermutet. Bei der Beurteilung der Frage, ob die für die Gewährung des be-

dingten  Strafvollzuges  erforderliche  Voraussetzung  des  Fehlens  einer  un-

günstigen Prognose vorliegt, ist eine Gesamtwürdigung aller Umstände vor-

zunehmen, wobei insbesondere Vorleben, Leumund, Charaktermerkmale und 

Tatumstände einzubeziehen sind.

2. Wurde der Täter innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tat zu einer beding-

ten oder unbedingten Freiheitsstrafe von mehr als sechs Monaten verurteilt, 

ist der Aufschub nur zulässig, wenn besonders günstige Umstände vorliegen 

(Art. 42  Abs. 2  StGB).  In  einem  solchen  Fall  wird  die  ungünstige  Prognose 

vermutet  (HEIMGARTNER,  in:  Donatsch/Heimgartner/Isenring/Weder,  a.a.O., 

S. 127).

3.1 In objektiver Hinsicht sind die Voraussetzungen zur Gewährung des beding-

ten Strafvollzuges im vorliegenden Fall erfüllt, da der Beschuldigte zu einer 

Freiheitsstrafe  verurteilt  wird,  die  sich  innerhalb  des  gesetzlich  zulässigen 

Rahmens befindet. Des Weiteren weist der Beschuldigte keine Vorstrafen auf 

(act. D1/16).

3.2 In subjektiver Hinsicht kann dem Beschuldigten an sich eine gute Prognose 

gestellt  werden.  Als  Ersttäter  ist  davon  auszugehen,  dass  es  sich  um  eine 

einmalige Entgleisung handelt und sich der Beschuldigte durch die Warnwir-

kung  der  vorliegend  drohenden  Freiheitsstrafe  künftig  wohl  verhalten  wird. 

Dem Beschuldigten ist demnach der bedingte Strafvollzug zu gewähren.

3.3 Schiebt das Gericht den Vollzug einer Strafe ganz oder teilweise auf, so be-

stimmt es dem Verurteilten eine Probezeit von 2 bis 5 Jahren (Art. 44 Abs. 1 

StGB).  Vorliegend  sind  keinerlei  Gründe  ersichtlich,  die  für  eine  besonders 

lange Probezeit sprechen würden. Unter Berücksichtigung der Vorstrafenlo-

sigkeit erscheint es demnach als angemessen, die Probezeit auf 2 Jahre an-

zusetzen.

- 48 -

B.

Anrechnung der Untersuchungshaft

Der Beschuldigte befand sich vom 14. Oktober 2024, 12.40 Uhr, bis 14. Fe-

bruar  2025,  14.50 Uhr,  in  Haft  (act. 1/9/1  und  40).  Die  ausgestandene  Haft 

von 124 Tagen ist dem Beschuldigten im Sinne von Art. 51 StGB auf die Frei-

heitstrafe anzurechnen.

VII.
MASSNAHMEN

A.

Landesverweisung

1.

Die Staatsanwaltschaft See/Oberland beantragt gestützt auf Art. 66a Abs. 1 

StGB die Anordnung einer Landesverweisung von 8 Jahren und die Anord-

nung der Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informations-

system (act. D1/20 S. 16 und act. 46 S. 9).

2.1 Das Gericht verweist Ausländer unabhängig von der Höhe der Strafe für fünf 

bis  15 Jahre  grundsätzlich  aus  der  Schweiz,  wenn  sich  diese  u.a.  des  ge-

werbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB schuldig 

gemacht haben (Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB). Dabei verweist das Gericht einen 

Ausländer, der wegen Gehilfenschaft zum gewerbsmässigen Betrug verurteilt 

wird, unabhängig von der Höhe der Strafe, ebenfalls für fünf bis 15 Jahre aus 

der Schweiz. Die obligatorische Landesverweisung wegen einer Katalogtat im 

Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB greift grundsätzlich unabhängig von der 

konkreten Tatschwere. Sie muss zudem unabhängig davon ausgesprochen 

werden, ob es beim Versuch geblieben ist und ob die Strafe bedingt, unbe-

dingt oder teilbedingt ausfällt (BGer 6B_584/2024 vom 27. November 2024, 

E. 5.1 m.H.). Das Gericht kann ausnahmsweise von einer Landesverweisung 

absehen, wenn diese für den Ausländer einen schweren persönlichen Härte-

fall bewirken würde und die öffentlichen Interessen an der Landesverweisung 

gegenüber  den  privaten  Interessen  des  Ausländers  am  Verbleib  in  der 

Schweiz  nicht  überwiegen.  Dabei  ist  der  besonderen  Situation  von  Auslän-

- 49 -

dern  Rechnung  zu  tragen,  die  in  der  Schweiz  geboren  oder  aufgewachsen 

sind (Art. 66a Abs. 2 StGB).

2.2 Die Härtefallklausel kommt nach dem Willen des Gesetzgebers und dem kla-

ren Wortlaut nur in Ausnahmefällen unter den kumulativen Voraussetzungen 

von Art. 66a Abs. 2 StGB restriktiv zur Anwendung. Zum einen muss die Lan-

desverweisung für die verurteilte Person einen schweren persönlichen Härte-

fall darstellen. Zum anderen muss eine Interessenabwägung ergeben, dass 

das Interesse der beschuldigten Person an einem Verbleib in der Schweiz das 

Interesse an der Fernhaltung der betreffenden Person überwiegt. Für das öf-

fentliche Interesse relevant ist die Schwere des Delikts und das Verschulden, 

d.h. die ausgesprochene Strafe sowie die vom Täter ausgehende Gefahr, d.h. 

die  Legalprognose.  Für  das  persönliche  Interesse  ist  neben  dem  Umstand, 

wie lange die Person in der Schweiz lebt, insbesondere auch ihre berufliche 

und familiäre Bindung relevant. Je gravierender das Delikt (mithin die ausge-

sprochene Strafe), desto höher hat das persönliche Interesse an einem Ver-

bleib zu sein, damit die Härtefallklausel zu einem ausnahmsweisen Verzicht 

auf eine Landesverweisung führt (HEIMGARTNER, a.a.O., N 6 zu Art. 66a).

3.1 Der Beschuldigte ist Staatsangehöriger von Nordmazedonien und vorliegend 

u.a.  der  Gehilfenschaft  zu  gewerbsmässigem  Betrug  im  Sinne  von  Art. 146 

Abs. 1 und 2 i.V.m. Art. 25 StGB schuldig zu sprechen. Eine Katalogtat durch 

einen Ausländer im Sinne von Art. 66a Abs. 1 StGB liegt demnach vor (lit. c), 

weshalb  grundsätzlich  eine  obligatorische  Landesverweisung  nach  Art. 66a 

Abs. 1 StGB auszusprechen ist – unabhängig von einer effektiven aktuellen 

Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit (vgl. vorstehend hinsichtlich 

der Erwägungen zur rechtswidrigen Einreise und zum rechtwidrigen Aufent-

halt).  Gestützt  auf  die  vorstehenden  Erwägungen  zu  den  persönlichen  und 

finanziellen  Verhältnissen  lebt  der  Beschuldigte  allein  in  AD._____  (D)  und 

hat – abgesehen von seinem erwachsenen Sohn, welcher in der Schweiz lebt 

– keinerlei persönlichen oder beruflichen Bezug zur Schweiz. Demnach liegt 

kein schwerer persönlicher Härtefall vor, zumal der Beschuldigte seinen Sohn 

- 50 -

auch in Deutschland treffen kann. Insofern ist der Beschuldigte gestützt auf 

Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB des Landes zu verweisen.

3.2 Aufgrund der Tatschwere, des nicht mehr nur leichten Verschuldens und der 

fehlender Beziehungen zur Schweiz erscheint eine Dauer der Landesverwei-

sung von 8 Jahren angemessen.

B.

Ausschreibung im SIS

1.

Eine Person, die nicht die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaates der EU 

oder der EFTA besitzt, also ein Drittstaatsangehöriger im Sinne von Art. 3 lit. d 

SIS-II-Verordnung, kann gemäss dem in Art. 21 SIS-II-Verordnung veranker-

ten Verhältnismässigkeitsprinzip im SIS zur Einreise- und Aufenthaltsverwei-

gerung  ausgeschrieben  werden,  wenn  die  Angemessenheit,  Relevanz  und 

Bedeutung  des  Falles  dies  rechtfertigen.  Denn  die  Ausschreibung  der  Lan-

desverweisung im SIS bewirkt grundsätzlich, dass der betroffenen Person die 

Einreise  in  das  Hoheitsgebiet  aller  Schengen-Mitgliedstaaten  untersagt  ist. 

Konkret erfordert die Ausschreibung im SIS in diesem Sinne das Vorliegen 

einer nationalen Ausschreibung, die auf einer Entscheidung der zuständigen 

nationalen Instanz (Verwaltungsbehörde oder Gericht) beruht (Art. 24 Ziff. 1 

SIS-II-Verordnung). In der Schweiz ist gemäss Art. 20 Satz 2 der Verordnung 

über den nationalen Teil des Schengener Informationssystems (N-SIS) und 

das SIRENE-Büro (N-SIS-Verordnung, SR 362.0) das Gericht dafür zustän-

dig. Diese Entscheidung muss sodann einerseits auf der Grundlage einer in-

dividuellen Bewertung ergehen, die die persönlichen Umstände des betreffen-

den Drittstaatsangehörigen und die Auswirkungen der Einreise- und Aufent-

haltsverweigerung für diesen umfasst. Andererseits muss sie sich – nicht zu-

letzt  angesichts  des  zu  beachtenden  Verhältnismässigkeitsgrundprinzips  – 

auf die Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung oder die nationale 

Sicherheit stützen, die die Anwesenheit des betreffenden Drittstaatsangehö-

rigen im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats darstellt (Art. 24 Ziff. 2 Satz 1 SIS-

II-Verordnung). Das ist insbesondere dann der Fall, wenn die betreffende Per-

son in einem Mitgliedstaat wegen einer Straftat verurteilt wurde, die mit einer 

Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bedroht ist (Art. 24 Ziff. 2 lit. a SIS-

- 51 -

II-Verordnung), oder wenn gegen sie der begründete Verdacht besteht, dass 

sie schwere Straftaten begangen hat, oder wenn konkrete Hinweise bestehen, 

dass  sie  solche  Straftaten  im  Hoheitsgebiet  eines  Mitgliedstaates  plant 

(Art. 24 Ziff. 2 lit. b SIS-II-Verordnung). Ist einer dieser Fälle gegeben, ist eine 

Ausschreibung verhältnismässig. Sind die soeben dargelegten Voraussetzun-

gen erfüllt, besteht demnach eine Pflicht zur Ausschreibung im SIS (expliziter 

Wortlaut von Art. 24 Ziff. 1 SIS-II-Verordnung ["Die Mitgliedstaaten geben … 

ein, wenn…]). Nachdem die genannten einschlägigen Bestimmungen keine 

Ausnahme für Drittstaatsangehörige machen, welche über einen Aufenthalts-

titel in einem Mitgliedstaat oder ein von einem Familienangehörigen abgelei-

tetes Freizügigkeitsrecht verfügen, muss das Gerich alle Personen, die nicht 

die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaates der EU oder der EFTA besitzen, 

grundsätzlich – und unabhängig von einem allfälligen Aufenthaltsrecht in ei-

nem Mitgliedsstaat – zur Einreise- und Aufenthaltsverweigerung im Schenge-

ner Informationssystem ausschreiben lassen, wenn die obgenannten Voraus-

setzungen eingehalten werden (Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich 

Nr. SB190478 vom 9. Juni 2020, E. III/2.1 und 2.2 mit Verweis auf die Urteile 

des  Bundesverwaltungsgerichts  F-6623/2016  vom  22. März  2018,  E. 10.1, 

und des Bundesgerichts 6B_572/2019 vom 8. April 2020, E. 3.2.2).

2.

Als Staatsangehöriger von Nordmazedonien ist der Beschuldigte Drittstaats-

angehöriger im Sinne von Art. 3 lit. d SIS-II-Verordnung, wobei er mit heuti-

gem Urteil u.a. wegen Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug im Sinne 

von  Art. 146  Abs. 1  und  2  i.V.m.  Art. 25  StGB  zu  einer  Freiheitsstrafe  von 

20 Monaten verurteilt und des Landes verwiesen wird. Da der Beschuldigte 

demnach einer Straftat verurteilt wird, die mit einer Freiheitsstrafe von min-

destens einem Jahr bedroht ist, hat gestützt auf von Art. 24 Ziff. 2 lit. a SIS-II-

Verordnung zwingend auch eine Ausschreibung im Schengener Informations-

systems SIS zu erfolgen.

- 52 -

VIII.
ZIVILANSPRÜCHE

1.1 Als Opfer gilt eine geschädigte Person, die durch die Straftat in ihrer körperli-

chen, sexuellen oder psychischen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden 

ist  (Art. 116  Abs. 1  StPO).  Die  Beeinträchtigung  muss  dabei  eine  gewisse 

Schwere  aufweisen,  so  dass  nur  unerhebliche  Beeinträchtigungen  bewir-

kende Bagatelldelikte nicht unter den Anwendungsbereich des Opferhilfege-

setzes fallen. Dabei ist nicht die Schwere der Straftat, sondern der Grad der 

Betroffenheit der geschädigten Person massgebend.

1.2 Eine geschädigte Person bzw. ein Opfer kann zivilrechtliche Ansprüche aus 

der Straftat entweder selbständig auf dem Wege des Zivilprozesses oder ad-

häsionsweise durch schriftliches oder mündliches Begehren an das für den 

Entscheid über die Anklage zuständige Strafgericht geltend machen (Art. 119 

i.V.m.  Art. 122  Abs. 1  StPO).  Die  geschädigte  Person  bzw.  das  Opfer  wird 

dadurch zur Privatklägerschaft (Art. 119 Abs. 2 lit. b StPO). Das gleiche Recht 

steht auch den Angehörigen des Opfers zu, soweit sie gegenüber dem Be-

schuldigten eigene Zivilansprüche geltend machen (Art. 122 Abs. 2 StPO).

2.1 Die folgenden Privatkläger konstituierten sich als Straf- und/oder Zivilkläger 

und verlangten Schadenersatz und/oder Genugtuung in der genannten Höhe: 

▪

C._____

(Privatklägerin 2 / Konstituierung am 28. Januar 2025 [act. D8/8/2])

-

-

Schadenersatz von Fr. 149'500.– zzgl. 5% Zins

Genugtuung von Fr. 5'000.– zzgl. 5% Zins;

▪

D._____

(Privatklägerin 3 / Konstituierung am 23. November 2024 [act. D3/9/2])

-

-

Schadenersatz von Fr. 46'000.– zzgl. 5% Zins

Genugtuung von Fr. 3'000.– zzgl. 5% Zins;

- 53 -

▪

E._____

(Privatkläger 4 / Konstituierung am 27. November 2024[act. D5/6/2])

-

Schadenersatz von Fr. 42'300.– zzgl. 5% Zins;

▪

F._____

(Privatklägerin 5 / Konstituierung am 23. Januar 2025 [act. D9/4/3])

-

Schadenersatz von Fr. 12'500.–;

▪

G._____

(Privatkläger 6 / Konstituierung am 25. Januar 2025 [act. D9/4/4])

-

Schadenersatz von Fr. 12'500.–;

▪

J._____

(Privatkläger 9 / Konstituierung am 29. Januar 2025[act. D6/4/3])

-

-

Schadenersatz von Fr. 23'000.– zzgl. 5% Zins

Genugtuung von Fr. 5'000.– zzgl.5% Zins;

▪

L._____

(Privatklägerin 11 / Konstituierung am 5. Dezember 2024[act. D7/5/2])

-

Schadenersatz von Fr. 11'200.– zzgl. 5% Zins.

2.2 Anlässlich der Hauptverhandlung beantragte die Verteidigung, es seien sämt-

liche Zivilforderungen mangels einer rechtlichen Anspruchsgrundlage vollum-

fänglich abzuweisen (act. 47 S. 1 und 8).

3.1 Wer einem andern widerrechtlich Schaden zufügt, sei es mit Absicht, sei es 

aus Fahrlässigkeit, wird ihm zum Ersatz verpflichtet (Art. 41 Abs. 1 OR). Vor-

aussetzungen einer Ersatzpflicht sind: Schaden, Widerrechtlichkeit, Kausal-

zusammenhang und Verschulden.

3.2 Wer in seiner Persönlichkeit widerrechtlich verletzt wird, hat ausserdem An-

spruch auf Leistung einer Geldsumme als Genugtuung, sofern dies durch die 

Schwere der Verletzung als gerechtfertigt erscheint und falls die Verletzung 

nicht anders wieder gut gemacht worden ist (Art. 49 Abs. 1 OR). Der Zweck 

der Genugtuungssumme besteht darin, durch eine schadenersatzabhängige 

- 54 -

Geldleistung  einen  gewissen  Ausgleich  für  den  erlittenen  physischen 

und/oder seelischen Schmerz zu schaffen (BREHM, Berner Kommentar, Das 

Obligationenrecht, Band VI, 1. Abt., Art. 41-61 OR, 3. Auflage, N 9 zu Art. 47 

OR). Bemessungskriterien sind vor allem die Art und Schwere der Verletzung, 

die Intensität und die Dauer der Auswirkungen auf die Persönlichkeit des Be-

troffenen, der Grad des Verschuldens des Schädigers, ein allfälliges Selbst-

verschulden des Geschädigten sowie die Aussicht auf Linderung des Schmer-

zes durch die Zahlung eines Geldbetrages (BGE 132 II 117, E. 2.3.3). Zudem 

sind bei der Bestimmung des Genugtuungsbetrages auch die subjektive Emp-

findlichkeit des Geschädigten sowie der Umstand zu berücksichtigen, auf wel-

che Weise und wie schwerwiegend er in seiner besonderen Situation von der 

objektiven Schädigung betroffen und in seiner konkreten Lebensführung be-

einträchtigt wird (BGer 6S.232/2003 vom 17. Mai 2004, E. 2.1). Die Höhe der 

Summe, die als Abgeltung erlittener Unbill in Frage kommt, lässt sich natur-

gemäss nicht errechnen, sondern nur abschätzen (BGE 132 II 117, E. 2.2.2). 

Das Gericht hat nach Billigkeit zu entscheiden. Praxisgemäss steht dem Ge-

richt ein eigener, weiter Ermessensspielraum zu. Das Bundesgericht hat eine 

Bemessung  der  Genugtuung  nach  schematischen  Massstäben  abgelehnt. 

Die Genugtuungssumme darf nicht nach festen Tarifen festgesetzt, sondern 

muss dem Einzelfall angepasst werden. Das schliesst aber den Rückgriff auf 

Präjudizien im Sinne von Richtwerden nicht aus (BGE 127 IV 215, E. 2e).

4.1 Die  von  den  Privatklägern  geltend  gemachten  Schadenspositionen  erfüllen 

die  Voraussetzungen  einer  Schadenersatzforderung.  Der Beschuldigte  wird 

der  Gehilfenschaft  zu  gewerbsmässigem  Betrug  und  der  gewerbsmässigen 

Geldwäscherei für schuldig befunden. Diese Delikte beging der Beschuldigte 

schuldhaft  und  verursachte  bei  den  vorgenannten  Privatklägern  kausal  die 

von ihnen geltend gemachten finanziellen Schäden in Form von Geldverlus-

ten.  Daraus  folgt  eine  persönliche  Haftung  des  Beschuldigten  gestützt  auf 

Art. 41 Abs. 1 OR gegenüber den genannten Privatklägern, weshalb er zum 

Ersatz  der  von  denselben  geltend  gemachten  Schadenersatzforderungen 

zzgl. 5% Zins seit dem Schadenereignis zu verpflichten ist, sofern diese aus-

- 55 -

gewiesen sind. Dabei sind die folgenden Schadenersatzforderungen ausge-

wiesen: 

▪

▪

▪

▪

▪

▪

C._____ (Privatklägerin 2) Fr. 149'500.– (act. D8/2/1-2);

D._____ (Privatklägerin 3) Fr. 46'000.– (act. D3/9/2);

E._____(Privatkläger 4) Fr. 41'100.– (act. D5/4/1);

F._____  und  G._____  (Privatkläger 5  und  6)  Fr. 12'500.–  (act. D9/4/3 

und D9/4/4); 

J._____ (Privatkläger 9) Fr. 23'000.– (act. D6/3/2);

L._____ (Privatklägerin 11) Fr. 11'200.– (act. D7/5/3).

Im Mehrbetrag (betrifft nur E._____ sind die Schadenersatzforderungen ab-

zuweisen.

4.2 Hinsichtlich der teils seitens der Privatklägerschaft zudem geltend gemachten 

Genugtuungsforderungen ist darauf hinzuweisen, dass eine schwere Verlet-

zung der Persönlichkeit der Privatkläger weder substantiiert behauptet noch 

ersichtlich  ist.  Die  Genugtuungsbegehren  von  C._____  (Privatklägerin 2), 

D._____  (Privatklägerin 3)  und  J._____  (Privatkläger 9)  sind  daher  auf  den 

Zivilweg zu verweisen.

IX.
BESCHLAGNAHMTE GÜTER UND EINZIEHUNG

1.1 Gemäss Art. 263 Abs. 1 StPO kann der Untersuchungsbeamte Gegenstände 

und Vermögenswerte, die als Beweismittel oder zur Sicherstellung von Ver-

fahrenskosten, Geldstrafen, Bussen und Entschädigungen gebraucht werden 

oder zur Einziehung in Frage kommen, in Beschlag nehmen oder auf andere 

Weise  der  Verfügung  ihres  Inhabers  entziehen.  Über  beschlagnahmte  Ge-

genstände und Vermögenswerte wird bei Abschluss des Verfahrens entschie-

den (Art. 267 Abs. 3 StPO).

- 56 -

1.2 Das Gericht verfügt ohne Rücksicht auf die Strafbarkeit einer bestimmten Per-

son  die  Einziehung  von  Gegenständen,  die  zur  Begehung  einer  strafbaren 

Handlung gedient haben oder bestimmt waren oder die durch eine strafbare 

Handlung hervorgebracht worden sind, wenn diese Gegenstände die Sicher-

heit  von  Menschen,  die  Sittlichkeit  oder  die  öffentliche  Ordnung  gefährden. 

Das Gericht kann anordnen, dass die eingezogenen Gegenstände unbrauch-

bar gemacht oder vernichtet werden (Art. 69 StGB).

2.1 Anlässlich  der  vorliegenden  Strafuntersuchung  beschlagnahmte  die  Staats-

anwaltschaft  See/Oberland  mit  Verfügung  vom  17. Januar  2025 

(act. D1/8/10) folgende Gegenstände als Beweismittel:











1 Mobiltelefon Samsung Galaxy S20 (Asservat-Nr. A019'177'243);

1 SlM-Karte, SM-Kartennummer : … (Asservat-Nr. A019'183'245);

1 SIM-Karte, SM-Kartennummer: … (Asservat-Nr. A019'183'267);

1 Couvert, welches H._____ an AE._____ übergeben wurde (D3) (As-
servat-Nr. A019'176'626);

1 Brief von D._____ (D3) (Asservat-Nr. A019'204'343).

2.2 Die Anklägerin stellte den Antrag, das beschlagnahmte Mobiltelefon Samsung 

Galaxy S20, welches als Tatmittel gedient hat, einzuziehen und zu vernichten. 

Über die weiteren Sicherstellungen gemäss Sicherstellungsliste der Kantons-

polizei  Zürich  bzw.  gemäss  Beschlagnahmeverfügung  sei  entsprechend  zu 

verfügen (act. 46 S. 11). Die Verteidigung beantragte die Herausgabe des be-

schlagnahmten  Mobiltelefons  Samsung  Galaxy  und  der  beiden  beschlag-

nahmten  SIM-Karten  an  den  Beschuldigten,  da  kein  Grund  zur  Einziehung 

vorliege, zumal die Gegenstände nur zu Beweiszwecken beschlagnahmt wor-

den seien und keine Gefahr für die Sicherheit von Menschen, die Sittlichkeit 

oder die öffentliche Ordnung darstellten (act. 47 S. 1 und 8).

3.

Das Mobiltelefon des Beschuldigten samt SIM-Karten diente dazu, die Kurier-

fahrten des Beschuldigten zu organisieren und somit der Hilfeleistung zu den 

genannten  gewerbsmässigen  Betrügereien.  Das  beschlagnahmte  Couvert 

- 57 -

und der Brief von D._____ wurden aus den angeklagten Betrügereien hervor-

gebracht.  Folglich  sind  die  besagten  mit  Verfügung  der  Staatsanwaltschaft 

See / Oberland  vom  17. Januar 2025  beschlagnahmten  Gegenstände  ge-

stützt auf Art. 69 StGB einzuziehen und der Lagerbehörde zur gutscheinen-

den Verwendung zu überlassen.

X.
KOSTEN- UND ENTSCHÄDIGUNGSFOLGEN

A.

Verfahrenskosten

1.

Die Verfahrenskosten setzen sich aus den Gebühren zur Deckung des Auf-

wands und den Auslagen im konkreten Straffall zusammen (Art. 422 Abs. 1 

i.V.m. Art. 424 Abs. 1 StPO i.V.m. § 14 GebV OG). Wird der Beschuldigte ver-

urteilt, hat er in der Regel die Kosten des Prozesses zu tragen (Art. 426 Abs. 1 

StPO). Wird er freigesprochen, so werden ihm die Kosten auferlegt, wenn er 

die  Einleitung  der  Untersuchung  durch  ein  verwerfliches  oder  leichtfertiges 

Benehmen verursacht oder ihre Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 

StPO). Bei einem Teilfreispruch ist eine anteilsmässige Aufteilung vorzuneh-

men und sind die Kosten, welche auf die mit einem Freispruch endenden An-

klagepunkte  entfallen,  vom  Staat  zu  übernehmen.  (GRIESSER,  in:  Do-

natsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafpro-

zessordnung, Zürich/Basel/Genf 2014, N 3 zu Art. 426).

2.

Die Gebühr der gesamten Strafuntersuchung beträgt in Anwendung von § 2 

und § 4 lit. d GebV StrV Fr. 3'000 (vgl. Kostenblatt, act. D1/18). Ferner sind 

Auslagen von total Fr. 4'550.– (Fr. 4'200.– Überwachungsmassnahmen sowie 

Fr. 350.– inner- und ausserkantonale Verfahrenskosten) angefallen. Für den 

Aufwand des Gerichts erscheint – ausgenommen der Kosten der amtlichen 

Verteidigung – in Anwendung von § 2 i.V.m. § 14 GebV OG eine Entscheid-

gebühr (Pauschalgebühr) von Fr. 4'200.– angemessen.

3.

Vorliegend ist der Beschuldigte der angeklagten Vorwürfe teils freizusprechen 

und teils schuldig zu sprechen, wobei die Freisprüche hinsichtlich der ihm vor-

- 58 -

geworfenen Delikte gegen das AIG untergeordneter Natur sind und die Unter-

suchung wegen dieser Delikte kaum Kosten verursachte. Es rechtfertigt sich 

daher, dem Beschuldigten trotz des Teilfreispruchs die gesamten Verfahrens-

kosten – ausgenommen der Kosten der amtlichen Verteidigung – aufzuerle-

gen.

B.

Kosten der amtlichen Verteidigung

1.1 Von  der  Auferlegung  der  Verfahrenskosten  ausgenommen  sind  die  Kosten 

der  amtlichen  Verteidigung  (Art. 426  Abs. 1  Satz 2  StPO)  für  das  Untersu-

chungs- und Gerichtsverfahren (vgl. BGE 135 I 91, E. 2.4.2.3). Die Kosten der 

amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. 

Vorbehalten bleibt aber eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.

1.2 Die Entschädigung der amtlichen Verteidigung bemisst sich im Kanton Zürich 

nach der Verordnung über die Anwaltsgebühren (AnwGebV; Art. 135 Abs. 1 

StPO).  Bei  Strafprozessen  ist  die  Grundgebühr  unter  Berücksichtigung  der 

Bedeutung  des  Falls,  der  Verantwortung,  der  Schwierigkeit  des  Falles  und 

des notwendigen Zeitaufwandes zu bemessen (§ 2 und 3 AnwGebV). Dabei 

stellt der in einer spezifizierten Aufstellung eines Rechtsanwaltes geltend ge-

machte Zeitaufwand lediglich ein Bemessungskriterium dar und ist nur inso-

weit zu berücksichtigen, als er auch notwendig war, wobei dies auch für die 

geltend gemachten Barauslagen zu gelten hat (vgl. § 22 AnwGebV). Im Kan-

ton Zürich beträgt der Stundenansatz für unentgeltliche oder amtliche Rechts-

vertretungen seit 1. Januar 2015 Fr. 220.– (§ 3 AnwGebV).

2.

Die amtliche Verteidigerin des Beschuldigten macht für ihre Bemühungen und 

Barauslagen  vor  der  Hauptverhandlung  einen  Aufwand  von  insgesamt 

Fr. 16'818.40  (Honorar:  Fr. 15'433.–,  Barauslagen:  Fr. 125.20,  MwSt.: 

Fr. 1'260.20 [8.1%]) geltend (act. 44). Angesichts der grossen Verantwortung 

der amtlichen Verteidigerin, der Schwierigkeit des Falles und des notwendi-

gen Zeitaufwandes scheint der geltend gemachte Aufwand der Sache ange-

messen. Zudem sind der Verteidigung für ihre Aufwendungen im Zusammen-

hang  mit  der  heutigen  Hauptverhandlung  zusätzlich  6 Arbeitsstunden  à 

- 59 -

Fr. 220.–  zzgl.  8.1%  MwSt.,  entsprechend  Fr. 1'426.90,  zuzugestehen.  Die 

amtliche Verteidigerin des Beschuldigten ist daher aus der Staatskasse mit 

Fr. 18'245.30 (inkl. Auslagen und 8.1% MwSt.) zu entschädigen, wobei eine 

Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorzubehalten ist.

C.

Entschädigung und Genugtuung zugunsten des Beschuldigten

1.

Die  Verteidigung  beantragte  zufolge  des  geforderten  Freispruchs  eine  Ent-

schädigung im Betrag von € 9'789.30 sowie eine Genugtuung im Betrag von 

Fr. 24'600.–, beide zzgl. 5% Zins seit dem 14. Oktober 2024 (act. 47 S. 1).

2. Gemäss Art. 429 Abs. 1 StPO ist dem Freigesprochenen eine Entschädigung 

aus der Staatskasse für die ihm aus dem Verfahren erwachsenen Kosten und 

Umtriebe zuzusprechen. Er hat einen Anspruch auf Schadenersatz im Sinne 

eines Ausgleichs des im Zusammenhang mit dem Strafverfahren kausal ver-

ursachten  materiellen  Schadens.  Dazu  gehört  eine  Entschädigung  für  Auf-

wendungen für die angemessene Ausübung der Verfahrensrechte (Art. 429 

Abs. 1 lit. a StPO) sowie für wirtschaftliche Einbussen, die dem Freigespro-

chenen aus seiner notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden ist 

(Art. 429 Abs. 1 lit. b StPO).

3.

Zufolge des Schuldspruchs ist über keine Entschädigung und/oder Genugtu-

ung des Beschuldigten zu befinden bzw. ist dieser Antrag obsolet.

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig





der Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug im Sinne von Art. 146 

Abs. 1 und Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 25 StGB, sowie 

der gewerbsmässigen Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 und 

Ziff. 2 lit. c StGB.

2.

Der Beschuldigte A._____ wird freigesprochen von den Vorwürfen

- 60 -





der  mehrfachen  rechtswidrigen  Einreise  im  Sinne  von  Art. 115  Abs. 1 

lit. a AIG sowie 

des  mehrfachen  rechtswidrigen  Aufenthaltes  im  Sinne  von  Art. 115 

Abs. 1 lit. b AIG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 lit. c AIG.

3.

Der Beschuldigte wird bestraft mit 20 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und 

mit heute 124 Tage durch Haft erstanden sind.

4.

Der  Vollzug  der  Freiheitsstrafe  wird  aufgeschoben  und  die  Probezeit  auf 

2 Jahre festgesetzt. 

5.

Der  Beschuldigte  wird  im  Sinne  von  Art. 66a  StGB  für  8 Jahre  des  Landes 

verwiesen.

6.

Die  Ausschreibung  der  Landesverweisung  im  Schengener  Informationssys-

tem wird angeordnet.

7.

Nach Eintritt der Rechtskraft des Entscheides werden die folgenden, mit Ver-

fügung  der  Staatsanwaltschaft  See / Oberland  vom  17. Januar 2025  be-

schlagnahmten  Gegenstände  eingezogen  und  der  Lagerbehörde  zur  gut-

scheinenden Verwendung überlassen:











1x Mobiltelefon Samsung Galaxy S20 (Asservat-Nr. A019'177'243)

1x SlM-Karte, SM-Kartennummer : … (Asservat-Nr. A019'183'245)

1x SIM-Karte, SM-Kartennummer: … (Asservat-Nr. A019'183'267)

1x Couvert, welches H._____ an AE._____ übergeben wurde (D3) (As-

servat-Nr. A019'176'626)

1x Brief von D._____ (D3) (Asservat-Nr. A019'204'343)

8.

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 2 (C._____) Schadener-

satz von Fr. 149'500.– zuzüglich 5 % Zins ab 13. September 2024 zu bezah-

len.

- 61 -

9.

Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin 2 (C._____) wird abgewiesen.

10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 3 (D._____) Schadener-

satz von Fr. 46'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 11. Oktober 2025 zu bezahlen.

11. Die Privatklägerin 3 (D._____) wird mit ihrem Genugtuungsbegehren auf den 

Weg des Zivilprozesses verwiesen.

12. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 4 (E._____) Schadener-

satz von Fr. 41'100.– zuzüglich 5 % Zins ab 3. Oktober 2024 zu bezahlen. Im 

Mehrbetrag  wird  der  Schadenersatzbegehren  des  Privatklägers 4  abgewie-

sen.

13. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 5 (F._____) und dem Pri-

vatkläger 6  (G._____)  Schadenersatz  von  insgesamt  Fr. 12'500.–  zuzüglich 

5 % Zins ab 10. Oktober 2024 zu bezahlen.

14. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 9 (J._____) Schadener-

satz von Fr. 23'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 1. Oktober 2024 zu bezahlen.

15. Der Privatkläger 9 (J._____) wird mit seinem Genugtuungsbegehren auf den 

Weg des Zivilprozesses verwiesen.

16. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 11 (L._____) Schaden-

ersatz von Fr. 11'200.– zuzüglich 5 % Zins ab 9. Oktober 2024 zu bezahlen.

17. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

4'200.– die weiteren Kosten betragen;

7'550.– Gebühr für das Vorverfahren;

18'245.30

Entschädigung  amtliche  Verteidigung  (inkl.  MWST  und 
Auslagen).

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert sich 

die Entscheidgebühr um einen Drittel.

- 62 -

18. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenom-

men diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auf-

erlegt.

Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die Gerichts-

kasse  genommen;  vorbehalten  bleibt  eine  Nachforderung  gemäss  Art. 135 

Abs. 4 StPO.

19. Mündliche Eröffnung, Begründung und schriftliche Mitteilung an









die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschul-
digten (übergeben);

die Staatsanwaltschaft See / Oberland (übergeben);

die Privatkläger (versandt);

das Migrationsamt des Kantons Zürich, per E-Mail (partner@ma.zh.ch); 

und als begründetes Urteil an:







die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschul-
digten;

die Staatsanwaltschaft See / Oberland;

die Privatkläger (jeweils unter Auszug der Erwägung Ziffer VIII);

sowie nach Eintritt der Rechtskraft an







die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A;

das  Migrationsamt  des  Kantons  Zürich,  Berninastrasse  45,  Postfach, 
8090 Zürich; 

die Kantonspolizei Zürich, Asservaten-Triage per E-Mail mit Vermerk 
der Rechtskraft und unter Hinweis auf Dispositiv-Ziffer 7.

20. Gegen dieses Urteil kann innert 10 Tagen von der Eröffnung an beim Bezirks-

gericht  Pfäffikon,  Hörnlistrasse  55,  8330  Pfäffikon,  mündlich  oder  schriftlich 

Berufung angemeldet werden.

Ein vollständig begründetes Urteil wird nur zugestellt, wenn dies ein Verfah-

rensbeteiligter binnen 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils verlangt oder wenn 

ein Rechtsmittel gegen den Entscheid eingelegt worden ist.

Mit  der  Berufung  kann  das  Urteil  in  allen  Punkten  umfassend  angefochten 

werden. 

Mit 

der 

Berufung 

können 

gerügt 

werden:

- 63 -

Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung des Ermessens, Rechts-

verweigerung  und  Rechtsverzögerung,  die  unvollständige  und  unrichtige 

Feststellung des Sachverhaltes oder Unangemessenheit.

Die Berufung erhebende Partei hat binnen 20 Tagen nach Zustellung des be-

gründeten  Entscheids  dem  Obergericht  des  Kantons  Zürich,  Strafkammer, 

Postfach,  8021 Zürich,  eine  schriftliche  Berufungserklärung  einzureichen. 

Sie hat darin anzugeben, ob sie das Urteil vollumfänglich oder nur in Teilen 

anficht, welche Abänderungen des erstinstanzlichen Urteils sie verlangt. Wer-

den nur Teile des Urteils angefochten, ist verbindlich anzugeben, auf welche 

sich die Berufung beschränkt.

Bei offensichtlich verspäteten Berufungsanmeldungen oder Berufungserklä-

rungen wird auf die Berufung ohne Weiterungen nicht eingetreten.

BEZIRKSGERICHT PFÄFFIKON
Kollegialgericht

Der Vorsitzende:

Die Gerichtsschreiberin:

MLaw S. Zuber

MLaw E. Castelnuovo

- 64 -

Zur Beachtung:

Der/die Verurteilte wird auf die Folgen der Nichtbewährung während der Probezeit aufmerksam 

gemacht:

Wurde der Vollzug einer Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit aufgeschoben, muss sie vor-

erst nicht bezahlt werden. Bewährt sich der/die Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit, muss 

er/sie die Geldstrafe definitiv nicht mehr bezahlen (Art. 45 StGB); Analoges gilt für die bedingte 

Freiheitsstrafe.

Eine bedingte Strafe bzw. der bedingte Teil einer Strafe kann im Übrigen vollzogen werden 

(Art. 46 Abs. 1 bzw. Abs. 4 StGB),

-

-

wenn der/die Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht,

wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet.