# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9f573df5-a67a-5052-a136-73dfe143af31
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2003-03-28
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Sonstige Kammern 28.03.2003 PZ 2002 135
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_999_PZ-2002-135_2003-03-28.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
  Tribunale cantonale dei Grigioni
  Dretgira chantunala dal Grischun

Ref.: Chur, 28. März 2003 Schriftlich mitgeteilt am: 
PZ 02 135

Verfügung
Kantonsgerichtspräsidium

Präsident Brunner, Aktuar ad hoc Lardi.

——————

In der Beschwerde

der C. P., Gesuchsgegnerin und Beschwerdeführerin, und des A. P., Gesuchsgeg-
ner und Beschwerdeführer, beide vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Vincent Au-
gustin, Postfach 731, Vazerolgasse 2, 7002 Chur,

gegen

den Entscheid des Kreispräsidenten-Stellvertreters Domleschg vom 28. Oktober 
2002, mitgeteilt am 11. November 2002, in Sachen des A, Gesuchsteller und Be-
schwerdegegner, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Guido Ranzi, Postfach 519, 
Quaderstrasse 5, 7001 Chur, gegen die Gesuchsgegner und Beschwerdeführer, 

betreffend Amtsbefehl,

hat sich ergeben:

2

A. A. P. und D. sind Eigentümer von zwei angrenzenden Grundstücken 
in der Gemeinde R.. A. P. hält auf seiner Parzelle Geflügel. Ein Beschwerdeverfah-
ren betreffend Baueinsprache vor dem Bezirksgericht Heinzenberg wurde am 21. 
Juni 1999 abgeschrieben, nachdem sich die Parteien auf einen Vergleich geeinigt 
hatten. In dieser als Dienstbarkeitsvertrag konzipierten Vereinbarung vom 23. Ja-
nuar 1999 kamen D., Eigentümer der Parzelle Nr. 38, Plan 2, und A. P., Eigentümer 
der Parzelle Nr. 75, Plan 2, unter Ziff. 5 zu folgender Übereinkunft:

„Die Nachtruhe auf Parzelle Nr. 38 darf von 22.00 Uhr bis 06.00 Uhr durch 
den auf Parzelle Nr. 75 gehaltenen Hahn nicht gestört werden. Zu diesem 
Zweck verpflichtet sich der jeweilige Eigentümer der Parzelle Nr. 75 ab 1. 
Juni 1999, den Hahn von 22.00 Uhr bis 06.00 Uhr in einem geschlossenen, 
dunklen Raum zu halten. Diese Abmachung beschränkt sich einzig und allein 
auf die Hahnhaltung.“

Dieser Vertrag wurde auch von den Ehegattinen der Grundeigentümer zur 
Kenntnis genommen und zur Bestätigung des Einverständnisses unterzeichnet.

B. Nachdem die vereinbarte Regelung während längerer Zeit gut 
funktioniert hatte, soll im Frühjahr 2002 die Nachtruhe des Beschwerdegegners 
regelmässig empfindlich gestört worden sein, weil die beiden Hähne auf dem 
Nachbargrundstück ab Anbruch des Tages begonnen hätten zu krähen. Mit 
Schreiben vom 4. Juli 2002 beantragte der Gesuchsgegner beim Kreisamt 
Domleschg den Erlass eines Amtsbefehls betreffend Tierhaltung gegen C. P. und 
stellte das Rechtsbegehren, C. P. sei unter Androhung von Polizeigewalt und unter 
Strafdrohung von Art. 292 StGB zu befehlen, die Hähne gemäss vertraglicher 
Vereinbarung zu halten und das Eindringen des Geflügels auf seine Parzelle zu 
verhindern. Der Kreispräsident-Stellvertreter Domleschg erliess daraufhin 
gleichentags gestützt auf Art. 151 Ziff. 3 ZPO einen entsprechenden 
superprovisorischen Amtsbefehl und forderte die Gesuchsgegnerin und 
Beschwerdeführerin gleichzeitig zur Vernehmlassung auf. 

Sowohl in der Stellungnahme vom 9. Juli 2002 als auch in der Duplik vom 20. 
August 2002 beantragte C. P. die Abweisung des Amtsbefehlsbegehrens und wies 
dabei darauf hin, dass sie weder Eigentümerin des Grundstücks noch der fraglichen 
Tiere sei und folglich nicht passivlegitimiert sein könne. Nachdem der Beschwerde-
gegner am 17. Juli 2002 einen identischen superprovisorischen Amtsbefehl auch 
gegen A. P. erwirkt hatte und dieser die Abweisung und sofortige Aufhebung des 

3

Amtsbefehls beantragt hatte, ersuchte der Beschwerdegegner das Kreisamt Dom-
leschg in der Replik vom 23. Juli 2002 gestützt auf dieselben Rechtsbegehren um 
Zusammenlegung der Verfahren gegen A. P. und C. P.. 

C. Am 28. Oktober 2002 wurde die Hauptverhandlung mit Augenschein 
auf dem Grundstück von A. P. durchgeführt, wobei nur dem Rechtsvertreter von D. 
Zutritt zum Stall der Beschwerdeführer gewährt wurde. Dabei ist festgestellt worden, 
dass im Stall der Beschwerdeführer die vertraglich vereinbarten baulichen 
Massnahmen vorhanden sind und das Grundstück nunmehr in genügender Weise 
mittels eines Zaunes vom Nachbargrundstück getrennt ist, so dass kein Geflügel 
mehr auf die Parzelle des Beschwerdegegners gelangen kann. Mit Verfügung vom 
28. Oktober 2002, mitgeteilt am 11. November 2002, betreffend Amtsbefehl hat der 
Kreispräsident-Stellvertreter Domleschg wie folgt erkannt:

„1. Dem Gesuch um Einhaltung der Nachtruhe wird stattgegeben und den 
Gesuchsbeklagten C. P. sowie A. P. wird unter Hinweis auf die 
Strafbestimmungen befohlen, die Hähne ab 22.00 Uhr bis 06.00 Uhr im 
geschlossenen, dunklen Raum zu halten, damit die Nachtruhe gemäss 
Vertrag vom 23.01.1999 eingehalten wird. Demnach wird, wer der von 
einer zuständigen Behörde oder einem zuständigen Beamten unter 
Hinweis auf die Strafdrohung dieses Artikels an ihn erlassenen Verfügung 
nicht Folge leistet, mit Haft oder mit Busse bestraft (Art. 292 StGB).

2. Die in den superprovisorisch ergangenen Amtsbefehlen vom 04.07.2002, 
gleichentags mitgeteilt, und vom 23.07.2002, mitgeteilt am 24.07.2002, 
befohlene Verpflichtung, dafür besorgt zu sein, dass die Hühner und 
Hähne nicht mehr auf die Parzelle Nr. 38 des Gesuchstellers eindringen, 
wird aufgehoben.

4. Die Kosten des definitiven Amtsbefehls sowie die Kosten für die 
superprovisorischen Amtsbefehle in der Höhe von Fr. 400.-- gehen je zur 
Hälfte zulasten der Parteien. Diese sind innert 30 Tagen mit beiliegenden 
Einzahlungsscheinen der Kreiskasse Domleschg zu überweisen.

5. (Rechtsmittelbelehrung)

6. (Mitteilung).“ 

D. Gegen diesen Entscheid des Kreisamtes Domleschg liessen die 
Beschwerdeführer am 22. November 2002 durch ihren Rechtsvertreter Beschwerde 
an den Kantonsgerichtspräsidenten erheben und stellten folgende Rechtsbegehren:

4

„1. Ziff. 1 und 4 des Amtsbefehls des Kreispräsident-Stellvertreters 
Domleschg vom 28.10./11.11.2002 i.S. der Parteien seien aufzuheben.

2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen gemäss Gesetz.“

Die Beschwerdeführer bringen in ihrer Beschwerdeschrift insbesondere vor, 
dass ein Verstoss gegen die vertraglichen Vereinbarungen nicht bewiesen und C. 
P. nicht passivlegitimiert sei.

In der Vernehmlassung vom 5. Dezember 2002 beantragte die Vorinstanz 
die Abweisung der Beschwerde unter gesetzlicher Kosten- und 
Entschädigungsfolge.  Der Beschwerdegegner stellte in der Beschwerdeantwort 
vom 30. Dezember 2002 gleichlautende Rechtsbegehren und beantragte darüber 
hinaus die Durchführung eines Augenscheines in seiner Anwesenheit sowie 
Zeugenbefragungen. Im Sinne des letzten Antrages erliess der 
Kantonsgerichtspräsident am 13. Januar 2003 eine Beweisverfügung und ordnete 
die Einholung schriftlicher Auskünfte von D. jun., B. und C. an. Nach Eingang dieser 
schriftlichen Auskünfte erfolgte eine Replik durch die Beschwerdeführer am 7. 
Februar 2003 und eine Duplik des Beschwerdegegners am 3. März 2003.

Auf die Ausführungen in den Rechtsschriften, im angefochtenen Entscheid 
und in den schriftlichen Auskünften wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden 
Erwägungen eingegangen.

Das Kantonsgerichtspräsidium zieht in Erwägung :

1. Gegen den Erlass eines Amtsbefehls durch den Kreispräsidenten im Be-
fehlsverfahren kann nach Art. 152 ZPO Beschwerde an das Kantonsgerichtspräsi-
dium erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 10 Tagen seit der Mitteilung ein-
zureichen (Art. 152 Abs. 1 ZPO). Da die vorliegende Beschwerde fristgerecht ein-
gereicht wurde und im Übrigen den Formerfordernissen entspricht, kann darauf ein-
getreten werden.

2. Beim bundesrechtlichen Besitzesschutz handelt es sich um einen ma-
teriellrechtlichen Anspruch (vgl. Marginalie zu Art. 146 ZPO). Die Regelung des Ver-
fahrens ist jedoch dem kantonalen Recht überlassen. Der bündnerische Zivilpro-
zess sieht für den Besitzesschutz ausschliesslich das Befehlsverfahren vor (Art. 137 
Ziff. 14 ZPO; Rehli, Das Befehlsverfahren nach bündnerischem Recht, Zürich 1977, 

5

S. 57). Dies liegt darin begründet, dass beim Besitzesschutz im allgemeinen ver-
hältnismässig einfach festgestellt werden kann, ob der Anspruch ausgewiesen ist 
und sich das summarische Verfahren durchaus für die Erledigung von Besitzes-
schutzangelegenheiten eignet. Im summarischen Verfahren gelten grundsätzlich 
die Vorschriften des beschleunigten Verfahrens mit gewissen Einschränkungen, die 
sich aus Art. 138 ZPO ergeben. Als Beweismittel sind etwa Urkunden, schriftliche 
Auskünfte, Augenscheine und Beweisaussagen einer Partei zulässig. Andere Be-
weismittel werden nur zugelassen, wenn der Kläger nicht in das ordentliche Verfah-
ren verwiesen werden kann oder wenn sie das Verfahren nicht wesentlich verzögern 
(Art. 138 Ziff. 4 ZPO).

Wenn die durch das summarische Verfahren bedingte Beweismittelbe-
schränkung eine Verschlechterung der Stellung einer Partei zu Folge hat, müsste 
an sich der ordentliche Prozessweg zur Verfügung stehen. Der bundesrechtliche 
Besitzesschutz verlangt nämlich nach einem abschliessenden Verfahren (vgl. BGE 
104 II 221; Kummer, Grundriss des Zivilprozessrechts, 4. Aufl., Bern 1984, S. 270). 
Das Besitzesschutzverfahren ist keineswegs nur ein Mittel des einstweiligen 
Rechtsschutzes. Da im bündnerischen Recht aber ausschliesslich das Amtsbe-
fehlsverfahren dafür vorgesehen ist und eine Überweisung ins ordentliche Verfah-
ren nach dem rechtskräftigen Erlass eines Amtsbefehls nicht erfolgt, mit anderen 
Worten mit dem Amtsbefehl ein abschliessender possessorischer Entscheid ergeht, 
sind im Besitzesschutzverfahren alle erheblichen Beweise zuzulassen (Art. 138 Ziff. 
4 ZPO). Das Verfahren büsst damit den Charakter eines reinen summarischen Ver-
fahrens ein (Guldener, Schweizerisches Zivilprozessrecht, 3. Aufl., Zürich 1979, S. 
589). 

Offengelassen wird in Art. 152 ZPO, ob dem Kantonsgerichtspräsidenten im 
Beschwerdeverfahren eine volle Kognition oder eine bloss beschränkte Prüfungs-
befugnis zusteht. Die Bezeichnung des Rechtsmittels als Beschwerde lässt zwar 
eher auf das Letztere schliessen. Die Möglichkeit, von Amtes wegen Beweise erhe-
ben zu können, spricht hingegen klar für eine volle Kognition. Von der Sache her ist 
eine Überprüfung auf Angemessenheit denn auch angezeigt, da es im Befehlsver-
fahren häufig um Ermessensfragen geht und das Rechtsmittel an praktischer Be-
deutung verlöre, wenn der Kantonsgerichtspräsident nur bei Missbrauch des Er-
messens und offensichtlich falscher Feststellung des Sachverhalts einschreiten 
könnte. Auch das Fehlen eines Hinweises wie in Art. 236 Abs. 3 ZPO lässt den 
Schluss zu, der Gesetzgeber habe eine Beschränkung der Kognition nicht gewollt 
(Nay, Zivilprozessordnung und Gerichtsverfassungsgesetz des Kantons Graubün-

6

den, Chur 1986, S. 101). Damit ist dem Kantonsgerichtspräsidenten eine volle Ko-
gnition zuzuerkennen. Er ist weder in rechtlicher noch in tatsächlicher Hinsicht an 
den Entscheid der Vorinstanz gebunden (vgl. zum Ganzen PKG 2001 Nr. 39).

3. a) Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer bringt vor, die Vorinstanz 
habe zu Unrecht die Passivlegitimation von C. P. bejaht, obwohl sie sich gar nicht 
durch ihre Unterschrift im Sinne des Dienstbarkeitsvertrag vom 23. Januar 1999 
verpflichtet habe. 

Der Abwehranspruch des Beschwerdegegners stützt sich auf die Besitzes-
schutzbestimmung von Art. 928 ZGB. Gestützt auf diese Vorschrift kann derjenige 
Besitzer, der durch verbotene Eigenmacht gestört wird, klageweise die Beseitigung 
der Störung, die Unterlassung sowie Schadenersatz für den durch die Störung ver-
ursachten Schaden geltend machen. Bei der Beurteilung der Passivlegitimation ist 
vom Zweck der Klage auszugehen. Passivlegitimiert sind diejenigen Personen, ge-
gen welche die Klage gerichtet werden muss, um die störende Einwirkung in Zukunft 
auszuschalten. Dies umfasst folglich nicht nur etwa den Eigentümer einer Sache. 
Passivlegitimiert können auch der Mieter oder Pächter oder der Arbeitgeber für 
Handlungen seiner Arbeitnehmer sein. Weiter können beispielsweise auch der Auf-
traggeber und der Beauftragte aufgrund von Handlungen des Beauftragten wegen 
Besitzesstörung eingeklagt werden (Stark, Berner Kommentar zum schweizeri-
schen Zivilgesetzbuch, Bern 2001, N 10 ff. zu Art. 928 ZGB). 

b) C. P. bestätigte bereits in der Vernehmlassungsschrift  vom 9. Juli 
2002 an das Kreisamt Domleschg, dass sie für die Pflege und Beaufsichtigung des 
fraglichen Geflügels verantwortlich sei.  Entscheidend ist im vorliegenden Falle nicht 
die Frage der direkten vertraglichen Bindung, sondern viel mehr, ob mit einer Besit-
zesschutzklage gegen C. P. eine geltend gemachte Störung in Zukunft ausgeschal-
tet werden kann. Da sie die Tiere pflegt und versorgt und somit deren Aufsicht wahr-
nimmt, hat sie eine gewisse Verfügungsmacht und ist in der Lage, eine allfällige 
Störung zu vermeiden. Durch die Unterzeichnung des Vertrages ist zumindest er-
stellt, dass sie Kenntnis über die Verpflichtungen betreffend die Art und Weise der 
Geflügelhaltung hat. Sie ist folglich in bezug auf die in Frage stehende Störung pas-
sivlegitimiert.

4. Die Beschwerdeführer rügen, der Beschwerdegegner habe im Be-
schwerdeverfahren vor dem Kantonsgerichtspräsidenten weitere Urkunden einge-

7

reicht. Es stellt sich vorab die Frage, ob diese Einreichung im Beschwerdeverfahren 
gegen einen Amtsbefehl zulässig ist. 

 Die Einlage neuer Urkunden ist im Beschwerdeverfahren nach Art. 152 ZPO 
weder ausdrücklich zugelassen noch explizit ausgeschlossen. Vielmehr findet sich 
hiezu keine Regelung. Ebensowenig enthält die Norm einen Hinweis auf die Be-
stimmungen der Berufung nach Art. 218 ff. ZPO oder der Beschwerde nach Art. 232 
ff. ZPO. Art. 152 Abs. 3 ZPO ist indessen zu entnehmen, dass der Kantonsgerichts-
präsident von Amtes wegen neue Beweise erheben kann. Ist es dem Kantonsge-
richtspräsidenten aber möglich, von Amtes wegen neue Beweise zu erheben, ist 
nicht einzusehen, weshalb auf Seiten der Parteien eine Beschränkung auf die erste 
Instanz bestehen soll. Der Nachreichung von Beweismitteln kommt gerade in dem 
gemäss Art. 137 Ziff. 14 ZPO im summarischen Verfahren durchgeführten Amtsbe-
fehlsverfahren aufgrund der raschen Rechtsfindung eine grössere Bedeutung zu als 
im ordentlichen Zivilprozess. Eine Nachreichung von Urkunden durch die Parteien 
muss aus diesen Gründen auch im Beschwerdeverfahren gegen einen Amtsbefehl 
möglich sein (PKG 2001 Nr. 39).

5. a) Der Kreispräsident kann gemäss Art. 146 Abs. 1 Ziff. 1 ZPO zum 
Schutze des bedrohten Besitzstandes gestützt auf Art. 928 ZGB einen Amtsbefehl 
gegen die störenden Personen erlassen. Eine Besitzesstörung ist jede übermässige 
Beeinträchtigung im Sinne von Art. 684 ZGB der tatsächlichen Herrschaft über eine 
Sache, wobei nicht notwendig ist, dass der Störer in irgendeinem Sinne die Herr-
schaft über die Sache selbst ausübt. Beispiele solcher Besitzesstörungen sind bei 
Besitz an Liegenschaften und Wohnungen namentlich Immissionen von Rauch, 
Wasser, Gas, üblen Gerüchen, Partikeln, Musik oder Lärm (Stark, a.a.O., N 19 ff. 
zu Art. 928 ZGB).

In Besitzesschutzangelegenheiten ist dabei grundsätzlich voller Beweis für 
das Vorhandensein der behaupteten rechtserheblichen Tatsachen zu erbringen. 
Die Verletzung privatrechtlicher Gesetzesbestimmungen oder privater Ansprüche 
ist nachzuweisen (vgl. Art. 146 Abs. 1 Ziff. 1 und Abs. 2 ZPO). Es können damit 
auch im raschen und summarischen Befehlsverfahren nur klar und unzweifelhaft 
ausgewiesene Ansprüche durchgesetzt werden (Rehli, a.a.O., S. 96). 

b) Die Beschwerdeführer bestreiten eine übermässige Störung und 
weisen darauf hin, dass es sich bei der vorliegenden Geflügelhaltung um eine 
zonenkonforme Haltung in der Kernzone handelt, welche schon seit jeher bestehen 

8

würde. Ob diese Geflügelhaltung zonenkonform ist, bildet eine Frage des 
öffentlichen Rechts und belegt nicht, dass im konkreten Falle keine übermässige 
Störung im privatrechtlichen Sinne vorliegt. Im Dienstbarkeitsvertrag vom 23. 
Januar 1999 wurde vertraglich vereinbart, dass die Hähne von 22.00 Uhr bis 06.00 
Uhr in einem dunklen Raum eingeschlossen werden müssen. Zweck dieser 
Regelung ist es, dass die Tiere insbesondere im Sommer nicht ab Tagesanbruch 
zu krähen beginnen und die Nachtruhe nicht schon ab 04.00 Uhr gestört wird. Mit 
dieser Regelung haben die Vertragsparteien implizit zum Ausdruck gebracht, dass 
bezüglich ihres nachbarlichen Verhältnisses das Krähen der Hähne in diesem 
Zeitraum eine übermässige Störung gemäss 928 ZGB darstellt.  

c)  Zum Beweis der geltend gemachten Besitzesstörung lagen nur selbst 
verfasste Erklärungen von einigen Personen bei den Akten. Diese Schriftstücke 
können jedoch insoweit keine Urkunden im Sinne der ZPO darstellen, als dass sie 
eine Umgehung des Zeugenbeweises darstellen (Art. 162 Abs. 3 ZPO). Gestützt 
auf Art. 152 Abs. 3 ZPO hat der Kantonsgerichtspräsident mittels einer Beweisver-
fügung vom 28. März 2003 von Amtes wegen neue Beweise in Form von schriftli-
chen Auskünften erhoben. Das Befehlsverfahren ist nämlich ein summarisches Ver-
fahren, in welchem auch schriftliche Auskünfte im Sinne von Art. 187 ZPO zugelas-
sen und sinnvoll sind (Art. 137 Ziff. 14 ZPO in Verbindung mit Art. 138 Ziff. 4 ZPO). 
Die Kritik der Beschwerdeführer an der Zulassung der schriftlichen Auskünfte ist 
unbegründet, da Art. 187 ZPO ausnahmsweise den Beizug von Privaten zulässt und 
sich dieses Beweismittel im summarischen Verfahren anbietet und zweckmässig 
ist.

Im vorliegenden Falle gilt es zu beurteilen, ob durch die schriftlichen Aus-
künfte eine Besitzesstörung ab Frühjahr 2002 rechtsgenüglich nachgewiesen wer-
den kann und der Amtsbefehl folglich zu Recht ergangen ist. In den schriftlichen 
Auskünften von D. jun., B. und C. wird übereinstimmend berichtet, dass 
insbesondere seit dem Frühjahr 2002 eine Zunahme der Lärmimmissionen 
stattgefunden hat. Die Beschwerdeführer wenden ein, dass die vom 
Kantonsgerichtspräsidenten um Auskunft gebetenen Personen eine besondere 
Nähe zum Beschwerdegegner aufweisen, da D. jun. der Sohn, B. der Schwager und 
C. die Mieterin des Beschwerdegegners seien. Dies ist wohl richtig und in der Regel 
führt dies dazu, dass solche Aussagen mit einer gewissen Zurückhaltung zu 
würdigen sind. Die Glaubwürdigkeit ist ihnen aber nicht von vornherein 
abzusprechen. Zudem ist zu beachten, dass solche Personen befragt werden 
müssen, die durch eigene Feststellungen den Sachverhalt kennen. Da es 

9

vorliegendenfalls um Immissionen geht, welche ihre Auswirkungen auf die 
Liegenschaft des Beschwerdegegners haben sollen, ist es nicht aussergewöhnlich, 
dass die Befragten sehr oft eine gewisse Nähe zu den beteiligten Personen 
aufweisen. Dazu kommt, dass im vorliegenden Falle kein eigentliches Motiv 
erkennbar ist, weshalb diese drei Personen das Krähen der Hähne zur fraglichen 
Zeit bestätigen sollten, wenn keine derartigen Immissionen stattgefunden hätten. 
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer stimmen die Aussagen der 
Auskunftspersonen in den entscheidenden Punkten vollständig überein. 
Widersprüche – auch zu anderen Aktenstücken – sind nicht vorhanden, so dass auf 
diese Depositionen ohne weiteres abgestellt werden kann. Alle drei bestätigen das 
störende Krähen der Hähne vor sechs Uhr morgens und erachten dies als 
unzumutbar. Damit ist der Beweis für die Vertragsverletzung und mithin für die 
Besitzesstörung im Sinne von Art. 928 ZGB erbracht.

Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer bringt weiter vor, dass mit den 
schriftlichen Auskünften nicht nachgewiesen sei, dass sich die Hähne in der ver-
traglich vereinbarten Zeit nicht in der verdunkelten Kammer befunden hätten. Das 
Krähen der Hähne sei nämlich insoweit nicht unzulässig, als dass es innerhalb des 
abgedunkelten Raumes erfolge. Abgesehen davon, dass die Auskunftspersonen C. 
und D. jun. morgens vor sechs Uhr die Hähne vor dem Stall herumlaufen sahen – 
was für sich allein genügt, um die recht spitzfindige Behauptung der Beschwerde-
führer zu entkräften –, ist diesen Einwänden entgegenzuhalten, dass die Haltung 
von Hähnen in abgedunkelten Räumen als ein probates Mittel gilt, um das Krähen 
bei Tagesanbruch zu verhindern. Aus diesem Grunde haben die Parteien auch die 
Einschliessung der Hähne von 22.00 Uhr bis 06.00 Uhr  vereinbart und die Rege-
lung hat in der Folge auch die gewünschte Ruhe herbeigeführt. Darüber hinaus 
bestätigte der Beschwerdegegner anlässlich der Hauptverhandlung vor dem Kreis-
amt Domleschg, dass sich seit Erlass des superprovisorischen Amtsbefehls die Si-
tuation wesentlich verbessert habe, was wohl auf die (wieder) vereinbarungs-
gemässe Haltung der Hähne in der abgedunkelten Kammer zurückzuführen ist. Auf-
grund der allgemeinen Lebenserfahrung und den obgenannten Tatsachen erscheint 
es deshalb zulässig, auf eine Verletzung von Ziff. 5 des Dienstbarkeitsvertrages 
vom 23. Januar 1999 zu schliessen, sobald die durch die Hähne verursachten Lärm-
immissionen zur fraglichen Zeit rechtsgenüglich nachgewiesen sind. Der Nachweis 
der übermässigen Einwirkung auf das Grundstück des Beschwerdegegners ist folg-
lich erbracht, der Erlass des Amtsbefehls durch das Kreisamt Domleschg gerecht-
fertigt und die Beschwerde somit abzuweisen. 

10

6. Gemäss Art. 122 ZPO wird der unterliegende Teil in der Regel zur 
Übernahme sämtlicher Verfahrenskosten und zur Bezahlung einer ausseramtlichen 
Entschädigung an die obsiegende Partei verpflichtet. Demnach gehen die Kosten 
des Beschwerdeverfahrens zu Lasten der Beschwerdeführer, welche den Be-
schwerdegegner ausseramtlich angemessen zu entschädigen haben.

11

Demnach verfügt das Kantonsgerichtspräsidium :

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 1´000.-- gehen zu Lasten der 
Beschwerdeführer, die den Beschwerdegegner ausseramtlich mit  Fr. 800.-- 
(einschliesslich 7,6% MwSt) zu entschädigen haben.

3. Mitteilung an:

__________

Für das Kantonsgerichtspräsidium von Graubünden 
Der Präsident: Der Aktuar ad hoc: