# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d2ec4687-3321-5e7c-bd4f-436d264732e5
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-13
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 13.11.2023 SST.2022.261
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-261_2023-11-13.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2022.261 
(ST.2021.240; StA.2020.3791) 

 

 

Urteil vom 13. November 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin Yalin 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau, 

Seetalplatz, Bahnhofstrasse 4, 5600 Lenzburg  

 

Privatklägerin   A._____, 

[…] 

vertreten durch Fürsprecher Dieter Caliezi,  

[…] 

 

 
    

Beschuldigter   B._____,  

geboren am tt.mm.1998, von Aarau, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Ian Graber,  

[…] 

 

 

 
 

Gegenstand  Freiheitsberaubung, Nötigung, Drohung usw. 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Am 17. Dezember 2021 erhob die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau 

gegen den Beschuldigten Anklage wegen mehrfacher Freiheitsberaubung, 

einfacher Körperverletzung, mehrfacher Drohung, mehrfacher Nötigung, 

mehrfacher Beschimpfung, mehrfacher Tätlichkeiten, geringfügiger Sach-

entziehung und geringfügiger Sachbeschädigung.  

 

1.2. 

Mit Urteil vom 11. März 2022 erkannte der Präsident des Bezirksgerichts 

Aarau: 

 
1. 
Der Beschuldigte ist schuldig  
- der mehrfachen Freiheitsberaubung gemäss Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB,  
- der einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, 
- der mehrfachen Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB, 
- der mehrfachen Nötigung gemäss Art. 181 StGB, 
-  der mehrfachen Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB, 
- der mehrfachen Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB, 
- der mehrfachen geringfügigen Sachentziehung gemäss Art. 141 StGB i.V.m. Art. 172ter 

Abs. 1 StGB sowie 
- der geringfügigen Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 172ter 

Abs. 1 StGB.  
 
2. 
Der Beschuldigte wird als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-
Aarau vom 19. März 2020 in Anwendung der in Ziff. 1 linea a bis d erwähnten 
Bestimmungen und gestützt auf Art. 40, Art. 47 und Art. 49 Abs. 1 und 2 StGB zu 12 
Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. 
 
3. 
Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 und Art. 43 StGB für 6 Monate der 
Freiheitsstrafe der bedingte Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf Art. 44 
Abs. 1 StGB auf 3 Jahre festgesetzt.  
 
[…] 
 
4. 
Die Untersuchungshaft von 2 Tagen (3. März 2020 – 4. März 2020 sowie 13. Mai 2020 bis 
14. Mai 2020) wird gestützt auf Art. 51 StGB auf den unbedingten Teil der Freiheitsstrafe 
angerechnet. 
 
5. 
Der Beschuldigte wird als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-
Aarau vom 19. März 2020 in Anwendung der in Ziff. 1 linea e erwähnten Bestimmung und 
gestützt auf Art. 34, Art. 47 und Art. 49 Abs. 2 StGB zu 50 Tagessätzen Geldstrafe 
verurteilt. Der Tagessatz wird auf Fr. 30.00 festgesetzt. Die Geldstrafe beläuft sich auf 
Fr. 1'500.00. 
 
 
 

 - 3 - 

 

 

6. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 1 linea f-h erwähnten Bestimmungen und 
gestützt auf Art. 106 StGB zu einer Busse von Fr. 500.00 verurteilt. 
 
7. 
Wird die Busse schuldhaft nicht bezahlt, so wird eine Ersatzfreiheitsstrafe von 16 Tagen 
vollzogen. 
 
8. 
8.1. 
Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Zivilklägerin A._____ Fr. 300.00 als Schadenersatz 
zu bezahlen. 
 
8.2. 
Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Zivilklägerin A._____ Fr. 1'000.00 zzgl. Verzugszins 
zu 5 % seit dem 3. März 2020 als Genugtuung zu bezahlen. 
 
8.3. 
Der Beschuldigte hat der Zivilklägerin A._____ die gerichtlich auf Fr. 5'998.90 (inkl. Fr. 
428.90 MwSt.) festgesetzten Parteikosten zu ersetzen (Art. 433 StPO). 
 
9. 
Die Verfahrenskosten bestehen aus: 
 
Die Verfahrenskosten bestehen aus: 
a) der Gerichtsgebühr von Fr. 2'500.00 
b) der Anklagegebühr von  Fr. 1'400.00 
c) den Kosten für die unentgeltl.  

Verbeiständung von Fr. 3'124.40 
d) andere Auslagen Fr. 54.00 
Total Fr. 7'078.40 
 
Dem Beschuldigten werden die Gerichtsgebühr und die Anklagegebühr sowie die Kosten 
gemäss lit. d im Gesamtbetrag von Fr. 3'954.00 auferlegt. 
 
Die Kosten für die unentgeltliche Verbeiständung der Zivil- und Strafklägerin A._____ von 
Fr. 3'124.40 (inkl. Fr. 223.40 MwSt.) werden einstweilen von der Gerichtskasse bezahlt. 
Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die unentgeltliche 
Verbeiständung der Zivil- und Strafklägerin A._____ zurückzuzahlen, sobald es seine 
wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 426 Abs. 4 StPO). 
 
10. 
10.1. 
Der Beschuldigte trägt seine Parteikosten selbst. 
 
10.2. 
Dem unentgeltlichen Rechtsvertreter der Zivil- und Strafklägerin A._____ wird eine 
Entschädigung von Fr. 3'124.40 (inkl. Fr. 223.40 MwSt.) zu Lasten der Staatskasse 
zugesprochen.  
 

2. 

2.1. 

Mit Berufungserklärung vom 18. Oktober 2022 beantragte der Beschuldigte 

durch seinen freigewählten Verteidiger, das Verfahren sei hinsichtlich der 

Vorwürfe der einfachen Körperverletzung vom 23. Dezember 2019 

(Anklageziffer 2), der Beschimpfung vom 23. und 24. Dezember 2019 

 - 4 - 

 

 

(Anklageziffer 5.1), der Beschimpfung vom 1. Januar 2020 (Anklageziffer 

5.2) und der geringfügigen Sachbeschädigung (Anklageziffer 8) 

einzustellen. Des Weiteren sei er von den Vorwürfen der mehrfachen Frei-

heitsberaubung (Anklageziffer 1), der Drohung vom 23. und 24. Dezember 

2019 (Anklageziffer 3.1) sowie vom 26. Februar 2020 (Anklageziffer 3.3), 

der Nötigung vom 23. und 24. Dezember 2019 (Anklageziffer 4.1) sowie 

26. Februar 2020 (Anklageziffer 4.3), der Beschimpfung vom 26. Februar 

2020 (Anklageziffer 5.3), der Tätlichkeiten vom 26. Februar 2020 

(Anklageziffer 6.2) sowie der geringfügigen Sachentziehung vom 23. und 

24. Dezember 2019 (Anklageziffer 7.1) freizusprechen und im Übrigen 

schuldig zu sprechen. Er sei dafür als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 19. März 2020 zu einer bedingten 

Freiheitsstrafe von 4 Monaten, Probezeit 3 Jahre, einer Geldstrafe von 75 

Tagessätzen à Fr. 30.00 und einer Busse in der Höhe von Fr. 500.00 zu 

verurteilen und ihm seien die Parteikosten der Privatklägerin zur Hälfte 

aufzuerlegen. 

 

2.2. 

Mit Eingabe vom 8. September 2023 teilte der freigewählte Verteidiger mit, 

dass er den Beschuldigten nicht mehr vertrete. Mit Verfügung vom 

9. Oktober 2023 wurde dem Beschuldigten eine notwendige amtliche 

Verteidigung bestellt. 

 

2.3. 

Die Berufungsverhandlung fand am 13. November 2023 statt. Die Staats-

anwaltschaft hat die Abweisung der Berufung, die Privatklägerin die 

Abweisung der Berufung unter Auferlegung ihrer Parteikosten auf den 

Beschuldigten beantragt. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen die Schuldsprüche 

wegen mehrfacher Freiheitsberaubung (Anklageziffer 1), einfacher 

Körperverletzung (Anklageziffer 2), mehrfacher Drohung (Anklageziffer 3.1, 

3.3), mehrfacher Nötigung (Anklageziffer 4,1, 4.3), mehrfacher Be-

schimpfung (Anklageziffer 5.1 bis 5.3), Tätlichkeiten (Anklageziffer 6.2), 

geringfügiger Sachentziehung (Anklageziffer 7.1) und geringfügiger 

Sachbeschädigung (Anklageziffer 8) sowie gegen das Strafmass und die 

Entschädigungs- und Kostenfolgen. Im Übrigen ist das Urteil der Vorinstanz 

unangefochten geblieben. Eine Überprüfung dieser unbestrittenen Punkte 

findet somit nicht statt (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

 

 - 5 - 

 

 

2.  

2.1. 

Bei den Tatbeständen der einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 

Ziff. 1 StGB, der Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB, der Drohung 

gemäss Art. 180 StGB sowie der geringfügigen Sachentziehung und 

Sachbeschädigung gemäss Art. 141 bzw. Art. 144 Abs. 1 StGB i.V.m. 

Art. 172ter StGB handelt es sich um Antragsdelikte, welche mithin nur auf 

Antrag der verletzten Person verfolgt werden dürfen (Art. 30 Abs. 1 StGB). 

Der Strafantrag muss sich auf einen bestimmten Sachverhalt beziehen und 

ausreichend umschrieben sein, wobei die rechtliche Würdigung der 

Handlung der Behörde obliegt (BGE 131 IV 97 E. 3.1 und 3.3; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1419/2021 vom 18. März 2022 E. 1.3). 

 

Der Beschuldigte macht mit Berufung geltend, es fehle in Bezug auf den 

Vorwurf der einfachen Körperverletzung und der geringfügigen Sach-

entziehung vom 23. Dezember 2019 (Anklageziffer 2 und 7.1) an einem 

gültigen Strafantrag, denn im Antragsformular vom 5. März 2020 werde 

weder das eine noch das andere genannt (Berufungsbegründung, S. 2 f., 

10 f.). Dasselbe gelte sodann auch für den Vorwurf der Drohung vom 

26. Februar 2020 (Anklageziffer 3.3; Berufungsbegründung, S. 7). Weiter 

fehle es auch hinsichtlich der Beschimpfung vom 23. und 24. Dezember 

2019 (Anklageziffer 5.1) und der Beschimpfung vom 1. Januar 2020 

(Anklageziffer 5.2) an einem Strafantrag, zumal aus dem Antragsformular 

kein solcher Vorwurf hervorgehe bzw. nicht beschrieben werde, um welche 

Beschimpfungen es sich handle. Schliesslich sei hinsichtlich des Straf-

antrages betreffend die geringfügige Sachbeschädigung (Anklageziffer 8) 

nicht erwiesen, ob dieser rechtzeitig gestellt worden sei, da es unklar sei, 

wann die dem Beschuldigten vorgeworfene Sachbeschädigung 

stattgefunden habe (Berufungsbegründung, S. 2 ff.).  

 

2.2. 

Hinsichtlich der angeklagten Körperverletzung und der geringfügigen 

Sachentziehung betreffend den Vorfall vom 23. Dezember 2019 ist dem 

Strafantrag vom 5. März 2020 zu entnehmen, dass A._____ mehrfach vom 

Beschuldigten geschlagen, bedroht und eingesperrt worden sei (act. 187). 

Zusätzlich wird im Strafantrag auf die gleichentags erfolgte Einvernahme 

von A._____ verwiesen, in welcher sie den Vorfall bzw. die Schläge gegen 

sie weiter konkretisierte und ferner schilderte, dass der Beschuldigte ihr das 

Mobiltelefon bei besagtem Vorfall weggenommen habe (siehe act. 178 f.). 

Somit liegt in Bezug auf den Vorwurf der einfachen Körperverletzung und 

der geringfügigen Sachentziehung ohne Weiteres ein gültiger Strafantrag 

vor, zumal die rechtliche Würdigung des Sachverhaltes (als eine einfache 

Körperverletzung bzw. geringfügige Sachentziehung) der Behörde obliegt 

und mithin im Strafantrag nicht als solche erwähnt sein muss.  

 

 - 6 - 

 

 

Weiter liegt auch in Bezug auf die angeklagte Beschimpfung betreffend den 

Vorfall vom 23. und 24. Dezember 2019 sowie 1. Januar 2020 ein gültiger 

Strafantrag vor. A._____ hat im Rahmen der Einvernahme vom 5. März 

2020 den Behörden den WhatsApp-Chatverlauf zwischen ihr und dem 

Beschuldigten vom 23. und 24. Dezember 2019 sowie vom 1. Januar 2020 

zur Verfügung gestellt und erklärt, Strafantrag gegen den Beschuldigten zu 

stellen (act. 180). Mit den Chatverläufen hat A._____ genügend bestimmte 

Sachverhalte zur Anzeige gebracht, die auf ihre Strafbarkeit hin geprüft 

werden sollen. Mithin bestehen auch hinsichtlich der Beschimpfung vom 

23. und 24. Dezember 2019 sowie 1. Januar 2020 gültige Strafanträge. 

 

Dasselbe gilt sodann auch in Bezug auf den Vorwurf der Drohung vom 

26. Februar 2020 gemäss Anklageziffer 3.3, hat A._____ doch anlässlich 

der Einvernahme vom 5. März 2020 (auf welche im Strafantragsformular 

vom 5. März 2020 verwiesen wird, act. 191) ausdrücklich die Äusserungen 

bzw. die Drohung des Beschuldigten ihr gegenüber geschildert (act. 174 

f.).  

 

Soweit der Beschuldigte schliesslich geltend macht, es sei nicht erwiesen, 

ob der Strafantrag betreffend die angeklagte geringfügige Sachbe-

schädigung rechtzeitig gestellt worden sei, ist ihm ebenfalls nicht zu folgen. 

Gemäss Art. 31 StGB beträgt die Antragsfrist 3 Monate. Dem Strafantrag 

vom 5. März 2020 ist zu entnehmen, dass sich der Vorfall, bei welchem der 

Beschuldigte den VW Polo von A._____ beschädigt haben soll, ca. zwei 

Monate vor Antragsstellung, mithin innert Antragsfrist, ereignet haben soll 

(act. 189). Es liegen keine ernsthaften Anhaltspunkte vor, welche darauf 

schliessen lassen würden, dass sich der Vorfall mehr als drei Monate vor 

Einreichen des Strafantrages ereignet haben soll (so hat insbesondere 

auch der Beschuldigte anlässlich seiner ersten Einvernahme nicht weiter 

bestritten, zwischen dem 1. Dezember 2019 und 31. Januar 2020 die 

Armlehne des Autos beschädigt zu haben, act. 112), weshalb die Frist als 

eingehalten gilt (vgl. Urteil des Bundesgericht 6B_925/2018 vom 7. März 

2019 E. 1.2). Somit liegt auch hinsichtlich der geringfügigen 

Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 172ter StGB 

ein gültiger Strafantrag vor. 

 

3. 

3.1.  

Die Vorinstanz erachtete den in Ziffer 1.1 zur Anklage erhobenen 

Sachverhalt gestützt auf die glaubhaften Aussagen von A._____ und den 

WhatsApp-Chatverlauf vom 23. und 24. Dezember 2019 als erstellt und 

sprach den Beschuldigten gestützt darauf der Freiheitsberaubung gemäss 

Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 1.1), einfachen Körperverletzung 

gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 (Anklageziffer 2), Drohung gemäss Art. 180 

Abs. 1 StGB (Anklageziffer 3.1), Nötigung gemäss Art. 181 StGB 

(Anklageziffer 4.1), Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB 

 - 7 - 

 

 

(Anklageziffer 5.1) sowie der geringfügigen Sachentziehung gemäss 

Art. 141 StGB i.V.m. Art. 172ter StGB (Anklageziffer 7.1) schuldig. 

 

Der Beschuldigte bestreitet, A._____ am 23. Dezember 2019 in seiner 

Wohnung eingeschlossen zu haben, sie geschlagen, mit einem Messer 

bedroht, sie genötigt und ihr überdies das Mobiltelefon entwendet zu haben 

(Berufungsbegründung, S. 4 ff.). 

 

3.2. 

Es ist erstellt und im Berufungsverfahren unbestritten geblieben, dass der 

Beschuldigte und A._____ im Tatzeitpunkt in einer Beziehung waren und 

dass sich A._____ zusammen mit dem Beschuldigten am 23. Dezember 

2019 in seiner Wohnung aufgehalten hat und der Beschuldigte nach einem 

Streit die Wohnung für mehrere Stunden verlassen und dabei die 

Wohnungstüre abgeschlossen hatte (act. 118 f.; Protokoll, S. 16 f.). 

Ebenfalls ist unbestritten geblieben, dass der Beschuldigte A._____, 

nachdem sie die Wohnung verlassen hatte, diverse WhatsApp-Nachrichten 

zugesendet hat (act. 102, 118, 127 ff.; Protokoll der Berufungsverhandlung 

[Protokoll] S. 17).  

 

Umstritten ist hingegen, was am 23. Dezember 2019 in der Wohnung des 

Beschuldigten zwischen ihm und A._____ geschehen ist und ob A._____ – 

als der Beschuldigte die Wohnung verliess – in der Wohnung 

eingeschlossen war. 

 

3.3. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den 

Beschuldigten günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Bloss 

abstrakte und theoretische Zweifel genügen nicht, weil solche immer 

möglich sind. Der Grundsatz «in dubio pro reo» verlangt indes nicht, dass 

bei sich widersprechenden Beweismitteln unbesehen auf den für den 

Angeklagten günstigeren Beweis abzustellen ist. Die Entscheidregel ist erst 

anwendbar, nachdem alle aus Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen 

Beweise ausgewertet worden sind und nach erfolgter Beweiswürdigung als 

Ganzem relevante Zweifel bestehen (BGE 148 IV 409 E. 2.2; BGE 144 IV 

345 E. 2.2.3). 

 

3.4. 

A._____ wurde am 5. März 2020 und 22. Juli 2021 durch die Polizei 

(act. 171 ff., 194.4 ff.), sowie am 11. März 2022 anlässlich der 

erstinstanzlichen Hauptverhandlung (act. 359 ff.) einvernommen.  

 

 - 8 - 

 

 

Im Rahmen der Berufungsverhandlung wurde A._____ erneut einlässlich 

einvernommen. Das Obergericht konnte dadurch einen persönlichen 

Eindruck ihrer Persönlichkeit und ihres Aussageverhaltens gewinnen und 

Unklarheiten klären.  

 

3.5. 

3.5.1. 

Mit der Vorinstanz ist in Bezug auf den Vorfall vom 23. Dezember 2019 in 

der Wohnung des Beschuldigten auf die im Kerngeschehen schlüssigen 

und nachvollziehbaren Aussagen von A._____ abzustellen, welche im 

Einklang mit den WhatsApp-Nachrichten vom 23. und 24. Dezember 2019 

des Beschuldigten an A._____ stehen:  

 

A._____ wurde am 5. März 2020 und somit etwa zweieinhalb Monate nach 

dem Vorfall ein erstes Mal von der Polizei befragt. Dabei gab sie den 

Sachverhalt detailliert und authentisch im Rahmen eines freien Berichts an. 

So schilderte sie, dass der Beschuldigte um etwa 9:00 Uhr ausgerastet sei 

und sie während rund eineinhalb Stunden wiederholt gegen den Bauch, 

den Kopf sowie das Gesicht geschlagen habe und auch nicht aufgehört 

habe, als sie am Boden gelegen habe. Er habe sehr fest zugeschlagen, 

sodass sie «Sterne» gesehen habe und es ihr schwindelig geworden sei. 

Sie habe zudem geweint und starke Schmerzen verspürt. Einmal habe sie 

versucht, zur Türe zu rennen und diese aufzubrechen. Dies habe aber nicht 

funktioniert. Der Beschuldigte habe weiter ein Messer aus der Küche geholt 

und es ihr auf den rechten Oberschenkel gedrückt, wobei sie sich nicht 

mehr daran erinnern konnte, ob mit der scharfen oder stumpfen Seite. Sie 

habe keine Schnittverletzungen davongetragen. Er habe mit dem Messer 

herumgefuchtelt und gesagt: «Ich bringe mich und dich um». Als er das 

Messer auf ihren Oberschenkel gelegt habe, habe er gesagt: «Ich bringe 

dich jetzt um». Sie habe Angst gehabt und gedacht, dass er es jetzt tun 

werde, dass er sie jetzt umbringen werde (act. 178 ff.). Um ca. 10:30 Uhr 

habe er die Wohnung verlassen, um sich zu beruhigen und sie dabei 

während mehreren Stunden in der Wohnung eingeschlossen. Als er 

zurückgekommen sei, habe er ihr erneut gedroht, sie umzubringen. Gegen 

ca. 13:00 Uhr habe er sie gehen lassen. Sie habe ihm aber versprechen 

müssen (wobei sie ihn angelogen habe), am Abend wiederzukommen. Ihr 

Mobiltelefon habe der Beschuldigte während des ganzen Vorfalles, bis sie 

die Wohnung habe verlassen dürfen, bei sich gehabt (act. 178 ff.). Auf die 

Frage, weshalb sie nach dem Vorgefallenen nicht zur Polizei gegangen sei, 

antwortete sie, dass er ihr gesagt habe, dass er sie umbringen werde, wenn 

sie jemals zur Polizei gehen werde (act. 179 f.). 

 

Im Rahmen der Befragung vom 22. Juli 2021, sowie im gerichtlichen 

Verfahren konnte sich A._____ nicht mehr im Detail an den Ablauf des 

Vorfalles erinnern. Sie war sich aber noch sicher, dass der Beschuldigte ihr 

an seinem Wohnort das Telefon weggenommen habe (act. 194.9 f.; 

 - 9 - 

 

 

Protokoll, S. 5), er weiter auf sie eingeschlagen habe, als sie bereits am 

Boden gelegen habe (act. 366; Protokoll, S. 5 f.), dass ein Messer im Spiel 

gewesen sei (act. 194.11, 366; Protokoll, S. 5 ff.), der Beschuldigte sie 

eingesperrt habe (act. 194.4, 361, 366; Protokoll, S. 5) und er sie erst habe 

gehen lassen, nachdem sie ihm habe versprechen müssen, die Beziehung 

nicht zu beenden und wieder zu ihm zurückzukommen (act. 194.13, 361; 

Protokoll, S. 8 f.).  

 

Die von Anfang an eingestandenen Erinnerungslücken und Unsicherheiten 

sind aufgrund des Zeitablaufs erklärbar und schmälern den Aussagegehalt 

nicht. Dass sie sich insbesondere noch daran erinnern konnte, dass er sie, 

während sie auf dem Boden gelegen habe, geschlagen habe, sie 

eingesperrt und ihr das Mobiltelefon entwendet haben soll, konnte sie damit 

erklären, dass es nach ihrem eigenen Empfinden der schlimmste Vorfall 

zwischen ihr und dem Beschuldigten gewesen sei (act. 194.9, 366; 

Protokoll, S. 13). Diese Erklärung erscheint unter Berücksichtigung ihrer 

Aussage, dass es während der ganzen Beziehung mit dem Beschuldigten 

zu Gewalt und Drohungen seinerseits gekommen sei (act. 175 f.; Protokoll, 

S. 13), nachvollziehbar und plausibel. Ebenfalls legt sie überzeugend dar, 

dass sie sich an das Messer noch erinnern könne, weil sie sehr geschockt 

gewesen sei und Todesangst gehabt habe (act. 194.11).  

 

Ihre tatnahen Aussagen anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 

5. März 2020, auf welche in erster Linie abzustellen ist, sind für das 

Obergericht sodann schlüssig und nachvollziehbar. Ihre Ausführungen zur 

Tat erfolgten nicht einstudiert und wirken als Ganzes in sich stimmig. 

Ferner weisen ihre Schilderungen keine relevanten Widersprüche auf. Ihre 

Ausführung bezüglich der Gewaltanwendung ist im Kern sehr bildlich und 

sie konnte präzise beschreiben, wie sie sich bzw. was sie in diesem 

Moment gefühlt hat («Er hat auch mit dem Messer auf meinen rechten 

Oberschenkel gedrückt», act. 178; «Es war sehr stark, ich habe auch 

Sterne gesehen, es wurde mir schwindlig», act. 178; «ich habe geweint und 

hatte starke Schmerzen», act. 179; «schlimm, ich hatte Angst. Ich dachte 

mir, dass er es jetzt macht, dass er mich umbringt», act. 179). Zudem 

konnte sie das Geschehen zeitlich einordnen (so gab sie beispielsweise 

an, dass der Beschuldigte um ca. 9.00 Uhr ausgetickt sei [act. 178], der 

Vorfall mit dem Messer zeitlich sich etwa in der Mitte des Vorfalles 

ereignete [179] und sie um ca. 13.00 Uhr die Wohnung verlassen konnte 

[act. 178]). 

 

A._____ hat den Ablauf der Vorkommnisse spezifisch und unter Anführung 

verschiedener Details geschildert. Dabei verzichtete sie – auch anlässlich 

ihrer späteren Einvernahmen – auf naheliegende Mehrbelastungen. So 

gab sie an, dass der Beschuldigte ihr mit dem Messer keine 

Schnittverletzungen zugefügt habe (act. 178) und verneinte auch die Frage, 

ob der Beschuldigte sie gegen den Kopf getreten habe (act. 179). Darüber 

 - 10 - 

 

 

hinaus gestand sie ein, wenn sie sich an etwas nicht mehr erinnern konnte 

(so beispielsweise, ob er ihr das Messer mit der scharfen oder stumpfen 

Seite an den Oberschenkel gedrückt habe, act. 178). Weiter ist ein Motiv 

für eine falsche Anschuldigung schliesslich nicht erkennbar. Zum 

damaligen Zeitpunkt lebte sie mit dem Beschuldigten in einer Beziehung. 

Wäre es ihr darum gegangen, ihn zu Unrecht eines strafbaren Verhaltens 

zu bezichtigen, hätte sie von sich aus das Verfahren gegen ihn eingeleitet. 

Sie liess jedoch erstmals anlässlich des späteren Vorfalls vom 26. Februar 

2020 die Polizei alarmieren (siehe Anklageziffer 4.3).  

 

Für die Glaubhaftigkeit der Darstellungen von A._____ spricht sodann der 

WhatsApp-Chatverlauf zwischen ihr und dem Beschuldigten nach dem 

Vorgefallenen. So schrieb er ihr kurz nachdem sie seine Wohnung 

verlassen hatte überaus aggressive Nachrichten, in welchen er sie massiv 

erniedrigte, beleidigte und (unter anderem mit Gewalt und dem Tod) 

bedrohte (bspw. «jez bisch am arsch», «i fahre jetzt uf F._____», «und de 

holi dich use & denn wirsch gseh», », «es wird grussig ende für dich», «du 

verhurti drekigi futze», «i ficke dir alles kolleg mann», «alllessss wasss du i 

din läbe hesch», «probier nur dini nr wechsle A._____ & es wird din gröst 

albtraum sii»,«isch dir bewussssst wassssi mit dir mach sobaldi di i mine 

händ han», «i bringe dich um njeri», «& du weisch dass mer so oder so 

über de weg laufe wirsch früener oder spöter entweder schuel schaffe dihei 

G._____ irgendwo wirdi dich scho finde A._____ & denn garantier ich dir 

nämlich für gar nüt meh», «i stich dich ab», «i wird dich tag und nacht 

sueche & das weisch du !!», «du chlini nutte du verdammti» etc. act. 293). 

Der Beschuldigte liess ihr sodann auch einen Tag später, am 24. Dezember 

2019, ähnliche Nachrichten zukommen (bspw. «schrieb du verdammte 

missgeburt», «so liecht chunsch du mir ned devo findi use das ned bide 

tante bisch sondern irgendwo andeest isch kompletti endstuffe für dich», 

«ich wird solang da sii bis hei chunsch bi G._____ werdi luege bi dir bide 

schuel bim schaffe überall», «du fotze», «du nuttechind», «ich eliminier 

euch alli» etc., act. 127 ff.).  

 

Die Ausführungen von A._____, dass der Beschuldigte ausgerastet sei, ihr 

(mit dem Tod) gedroht und sie tätlich angegriffen haben soll, erscheinen in 

Anbetracht der Nachrichten des Beschuldigten überaus plausibel und 

glaubhaft. Insbesondere steht im Einklang mit ihrer Aussage, der 

Beschuldigte habe sie in der Wohnung eingeschlossen und sie erst gehen 

lassen, nachdem sie ihm versprochen habe, die Beziehung nicht zu 

beenden bzw. wieder zu ihm zurückzukommen (act. 178, 194.10 f., 361) 

die Nachrichten des Beschuldigten «du hesch gseit dihei dass ned schluss 

machsch & du wirsch au ned schluss mache», «ich hätt dich eifach ned 

döffe use lah», «mer is gsicht säge nei i mache au ned Schluss aber wott 

eif hei go lehre», «ich hät dich niemols sölle usem huus loh», «hed dich ade 

heizig sölle abinde & volltere» (act. 293, 127 ff.). Weiter bestätigen die 

WhatsApp-Nachrichten die Aussagen von A._____ insofern, als dass er ihr 

 - 11 - 

 

 

im Nachgang zum Vorgefallenen am 24. Dezember 2019 schrieb, dass er 

sie habe umbringen wollen bzw. bereue, es nicht getan zu haben (act. 130).  

 

Zu A._____ Ausführungen passen schliesslich auch ihre Nachrichten an 

den Beschuldigten nach dem Vorgefallenen. So schrieb sie ihm unter 

anderem: «hesh gfühl i gib der mis handy nachdem mi wieder gshlage 

hesh», «du hesh mi immer nur gshlage», «derzue hani blaui flecke», «und 

das messer wo gno hesh vo dire kuchi ish versuechte mord», act. 128, 134. 

 

3.5.2. 

Der Beschuldigte bestreitet im Wesentlichen die Vorwürfe betreffend den 

Vorfall in seiner Wohnung vom 23. Dezember 2019 (act. 121, 367 ff.; 

Protokoll, S. 16 ff.). Seine diesbezüglichen Aussagen erweisen sich jedoch 

aufgrund seiner WhatsApp-Nachrichten (siehe vorstehend), welche sich 

nach eigenen Aussagen des Beschuldigten auf den Vorfall vom 

23. Dezember 2019 bezogen haben (act. 119), als nicht glaubhaft und sind 

als Schutzbehauptungen zu qualifizieren. Im Übrigen gestand er ein, die 

Wohnung aufgrund einer Auseinandersetzung für fünf bis sechs Stunden 

verlassen zu haben und dabei die Wohnungstüre abgeschlossen zu haben 

(act. 121; Protokoll, S. 16 f.). Soweit er behauptet, es hätten sich weitere 

Schlüssel in der Wohnung befunden, von denen A._____ Kenntnis gehabt 

habe (act. 121, 367; Protokoll, S. 17, 20), ist ihm nicht zu glauben. So 

beantwortete er anlässlich seiner ersten Einvernahme die Frage, ob 

A._____ gewusst habe, wo der Schlüssel sei, mit «Nein, ich denke nicht» 

(act. 115). Darüber hinaus ist es für das Obergericht erstellt, dass sich der 

Beschuldigte des Mobiltelefons von A._____ behändigt hatte, so dass 

diese in der abgeschlossenen Wohnung mit niemandem hat Kontakt 

aufnehmen können. Insoweit der Beschuldigte ausführt, A._____ hätte vom 

Balkon aus um Hilfe schreien oder durch Herauswerfen von Gegenständen 

auf sich aufmerksam machen können, was sie nicht getan habe, so führt 

dieser Umstand nicht zur Annahme, A._____ sei freiwillig über mehrere 

Stunden hinweg in der Wohnung des Beschuldigten verblieben. 

Schliesslich kann dem Beschuldigten nicht geglaubt werden, er habe die 

Türe nur versehentlich, quasi aus Gewohnheit, abgeschlossen. Das 

Gegenteil ist der Fall, wovon seine eignen tatnahen Aussagen und 

späteren WhatsApp-Nachrichten zeugen. Mithin hat er die Türe 

abgeschlossen, damit A._____ die Wohnung während seiner Anwesenheit 

nicht hat verlassen können. 

 

Ferner steht auch seine Aussage, es sei nur ein einziges Mal – am 

1. Januar 2020 – vorgekommen, dass er sich vor die Haustüre gestellt und 

sie ihm habe versprechen müssen, dass sie ihn nicht verlasse und am 

Abend wieder zurückkommen werde (act. 121 f., 367), in einem 

offensichtlichen Widerspruch zu seiner zeitlich früher gemachten Aussage, 

er sei am 23. Dezember 2019 vor der Türe gestanden, bis A._____ ihm 

versprochen habe, ihn nicht zu verlassen (act. 120).  

 - 12 - 

 

 

 

Schliesslich kann ihm nicht geglaubt werden, dass es am 23. Dezember 

2019 nicht zu Gewalt gekommen sei (act. 121, 367), hat er doch die 

WhatsApp-Nachricht von A._____ «du hesh mi immer nur gshlage» mit 

«ja» beantwortet (act. 128). Weiter schrieb er ihr, als sie ihn mit dem 

Einschalten der Polizei konfrontierte, «was will polizei mache», «get 

ahzeig», «weg bedrohig», «get vlt ahzeig wegem schlah» (act. 130).  

 

3.6. 

Insgesamt bestehen bei freier Würdigung der Aussagen von A._____ und 

der WhatsApp-Nachrichten und einer aus dem gesamten Verfahren 

gewonnen Überzeugung keine Zweifel an der Richtigkeit der Aussagen von 

A._____. Damit ist – nebst den unbestritten gebliebenen Äusserungen des 

Beschuldigten im Rahmen seiner WhatsApp-Nachrichten am 23. und 

24. Dezember 2019 – in tatsächlicher Hinsicht erstellt, dass der 

Beschuldigte A._____ am Morgen des 23. Dezember 2019 verbal und 

tätlich angegriffen bzw. ihr gedroht hat, sie umzubringen, in der Folge die 

Wohnung mit dem Mobiltelefon von A._____ für mehrere Stunden 

verlassen und sie in der Wohnung eingeschlossen hat, und A._____ nach 

seiner Rückkehr schliesslich gegen Mittag hat gehen lassen, wobei sie ihm 

hat versprechen müssen, am Abend wieder zu ihm zurückzukehren. 

 

3.7. 

3.7.1.  

Den Tatbestand der Freiheitsberaubung gemäss Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 

StGB erfüllt, wer jemanden unrechtmässig festnimmt oder gefangen hält 

oder jemanden in anderer Weise unrechtmässig die Freiheit entzieht. 

Freiheitsberaubung ist die Aufhebung der körperlichen Bewegungsfreiheit. 

Die unzulässige Beschränkung der Fortbewegungsfreiheit liegt darin, dass 

jemand daran gehindert wird, sich selbständig nach eigener Wahl vom Ort, 

an dem er sich befindet, an einen anderen Ort zu begeben oder bringen zu 

lassen (BGE 141 IV 10 E. 4.4.1). Die Freiheitsberaubung muss eine 

gewisse Erheblichkeit aufweisen. Ein kurzfristiges Festhalten genügt nicht. 

Nicht verlangt wird indessen, dass der Freiheitsentzug von langer Dauer 

ist. Einige Minuten genügen (Urteil des Bundesgerichts 6B_140/2021 

E. 3.3 mit weiteren Hinweisen). Subjektiv muss der Täter im Bewusstsein 

handeln, mit seinem Verhalten jemandem zumindest möglicherweise die 

Fortbewegungsfreiheit zu entziehen und der Täter muss das wollen bzw. 

mindestens in Kauf nehmen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_641/2021 

vom 30. März 2022 E 1.3). 

 

3.7.2. 

Der Beschuldigte hat A._____ am Morgen des 23. Dezember 2019 

wiederholt gegen den Bauch, den Kopf sowie das Gesicht geschlagen und 

auch nicht damit aufgehört, als diese bereits am Boden lag. Fluchtversuche 

von A._____ aus der Wohnung scheiterten. Ihre Fortbewegungsfreiheit war 

 - 13 - 

 

 

damit bereits in diesem Zeitpunkt vollständig aufgehoben. Ferner setzte er 

A._____ psychisch unter Druck, indem er ihr drohte, sie umzubringen. 

Seine Drohung unterstrich er dabei zusätzlich mit einem Messer, mit 

welchem er vor ihr herumfuchtelte und welcher es an ihren Oberschenkel 

drückte, wodurch A._____ ernsthaft damit rechnete, dass er sie ernsthaft 

verletzen oder gar umbringen werde (act. 179; Protokoll, S. 7). Somit setzte 

er A._____ sowohl psychisch wie auch physisch unter massiven Druck und 

hat damit ein Klima der Einschüchterung geschaffen. Es kann somit nicht 

die Rede davon sein, dass sie sich noch freiwillig in der Wohnung 

aufgehalten hat. Stärkerer Widerstand konnte A._____ vor diesem 

Hintergrund nicht zugemutet werden. Ferner verliess der Beschuldigte 

daraufhin die Wohnung, wobei er die Wohnungstüre mit dem Schlüssel 

abschloss und A._____ in der Wohnung einsperrte. Als er schliesslich 

zurückkam, liess er A._____ erst gehen, nachdem diese ihm auf sein 

Verlangen hin versprechen musste, zu ihm zurückzukehren bzw. ihn nicht 

zu verlassen. Der Beschuldigte hatte während des ganzen Vorfalles, bis 

A._____ die Wohnung verlassen konnte, ihr Mobiltelefon an sich 

genommen, wodurch er ihr zusätzlich verunmöglichte, Hilfe zu holen.  

 

Hinsichtlich der Dauer führte der Beschuldigte selbst aus, die Wohnung für 

fünf bis sechs Stunden verlassen zu haben (Protokoll, S. 16). Mithin konnte 

A._____ während mehreren Stunden – vorerst durch die ausgeübte 

physische und psychische Einwirkung auf sie durch den Beschuldigten und 

anschliessend durch das Abschliessen der Wohnungstüre – die Wohnung 

des Beschuldigten gegen ihren Willen nicht verlassen. Dabei ist 

unerheblich, dass sich A._____ ursprünglich aus freien Stücken in die 

Wohnung des Beschuldigten begeben hatte (act. 178), geht damit doch 

keinesfalls eine Einwilligung einher, in der Wohnung eingeschlossen zu 

werden, zumal sie von seinen Absichten auch nichts wusste. 

 

In Anbetracht der genannten Gesamtumstände ist die erforderliche 

Intensität für die Annahme einer Freiheitsberaubung zu bejahen. Die 

WhatsApp-Nachrichten des Beschuldigten («ich hätt dich eifach ned döffe 

use lah» und «ich hät dich niemols sölle usem huus loh») lassen sodann 

darauf schliessen, dass der Beschuldigte mit Wissen und Willen gehandelt 

hat (siehe zu seinem Vorsatz in Bezug auf das Abschliessen der 

Wohnungstüre auch oben). 

 

Nach dem Gesagten ist sowohl der objektive wie auch der subjektive 

Tatbestand erfüllt. Nachdem auch keine Rechtfertigungs- und Schuldaus-

schlussgründe ersichtlich sind, ist der Beschuldigte der Freiheitsberaubung 

gemäss Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.  

 

 - 14 - 

 

 

3.8. 

3.8.1. 

Der einfachen Körperverletzung nach Art. 123 Ziff. 1 StGB macht sich 

schuldig, wer einen Menschen in anderer Weise als durch eine schwere 

Körperverletzung i.S.v. Art. 122 StGB an Körper oder Gesundheit schädigt. 

Für die Abgrenzung zwischen einer Tätlichkeit und einer einfachen 

Körperverletzung ist das Mass des verursachten Schmerzes entscheidend 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_1232/2021 vom 27. Januar 2022 E. 1.2.2).  

 

3.8.2. 

Die Faustschläge des Beschuldigten gegen den Bauch und Kopf sowie die 

Fusstritte gegen die Oberschenkel und den Oberkörper der am Boden 

liegenden A._____ (Anklageziffer 2) sind mangels nachgewiesener 

Schädigung des Körpers oder der Gesundheit (A._____ hat nach eigenen 

Angaben nur blaue Flecken davongetragen, act. 134, 180) und mangels 

nachgewiesener erheblicher Schmerzen (so war ein Arztbesuch nicht 

notwendig, act. 180 und Protokoll, S. 10) als blosse Tätlichkeiten zu 

qualifizieren. Ein zusätzlicher Schuldspruch wegen Tätlichkeiten entfällt 

jedoch, da diese in der vorliegenden Konstellation durch die Freiheits-

beraubung vom 23. Dezember 2019 konsumiert werden (vgl. EGE, in: 

Annotierter Kommentar StGB, Bern 2020, N. 10 zu Art. 126 StGB). 

 

3.9. 

3.9.1. 

Der Sachentziehung gemäss Art. 141 StGB macht sich strafbar, wer einem 

Berechtigten ohne Aneignungsabsicht eine bewegliche Sache entzieht und 

ihm dadurch einen erheblichen Nachteil zufügt. Richtet sich die Tat nur auf 

einen geringen Vermögenswert, so wird der Täter gemäss Art. 172ter Abs. 1 

StGB, auf Antrag, mit Busse bestraft. 

 

3.9.2. 

Der Beschuldigte hat, bevor er am 23. Dezember 2019 aus der Wohnung 

ging, A._____ das Mobiltelefon weggenommen und es ihr erst 

wiedergegeben, als diese gegen Mittag die Wohnung verlassen hat. Mithin 

hat er mit der nicht bloss kurzen Wegnahme des Mobiltelefons von A._____ 

den Tatbestand der geringfügigen Sachentziehung erfüllt. Nachdem weder 

Rechtfertigungs- noch Schuldausschlussgründe ersichtlich sind, ist der 

Beschuldigte der der geringfügigen Sachentziehung gemäss Art. 141 

i.V.m. Art. 172ter StGB schuldig zu sprechen. 

 

3.10.  

3.10.1. 

Nach Art. 180 Abs. 1 StGB wird auf Antrag bestraft, wer jemanden durch 

schwere Drohung in Schrecken oder Angst versetzt. Subjektiv muss der 

Täter im Bewusstsein handeln, dass eine bestimmte Drohung geeignet ist, 

einen bestimmten Menschen mindestens möglicherweise in Angst und 

 - 15 - 

 

 

Schrecken zu versetzen und er muss dies wollen bzw. in Kauf nehmen. Ein 

Wille, die Drohung in die Tat umzusetzen, ist hingegen nicht erforderlich 

(BGE 137 IV 258 E. 2.6). 

 

3.10.2. 

Die im Rahmen des Vorfalles vom 23. Dezember 2019 in der Wohnung des 

Beschuldigten geäusserte Todesdrohung des Beschuldigten, welche er 

zusätzlich mit einem Messer unterstrich und wodurch er A._____ 

wissentlich und willentlich in Angst und Schrecken versetzte (vgl. act. 179; 

Protokoll, S. 20 f.), diente dazu, sie daran zu hindern, die Wohnung des 

Beschuldigten zu verlassen (siehe Ziffer 3.7.2), weshalb diese Drohung 

vom Tatbestand der Freiheitsberaubung konsumiert wird (vgl. 

DELNON/RÜDY, in: Basler Kommentar, StGB, 4. Auflage 2019, N. 74 zu 

Art. 183 StGB).  

 

Weiter schrieb der Beschuldigte A._____, nachdem diese gegen Mittag des 

23. Dezembers 2019 die Wohnung des Beschuldigten verlassen hatte, am 

gleichen Tag sowie am Folgetag diverse Nachrichten, in welchen er sie 

weiter massiv bedrohte («i fahre jetzt uf F._____ und de holi dich use & 

denn wirsch gseh», «i bringe dich um njeri», «& du weisch dass mer so 

oder so über de weg laufe wirsch früehner oder spöter entweder schuel 

schaffe dihei G._____ irgendwo wirdi dich scho finde A._____ & denn 

garantier ich dir nämlich für gar nüt meh» usw.). A._____ sagte aus, die 

WhatsApp-Nachrichten ernst genommen zu haben und dass sie Angst 

gehabt habe (act. 364; Protokoll, S. 9), was unter Berücksichtigung des 

zuvor erlebten tätlichen Angriffs und der Freiheitsberaubung ohne Weiteres 

nachvollziehbar erscheint. Dass sie die Drohungen ernst genommen hat, 

zeigt sich schliesslich auch daran, dass sie dem Beschuldigten nicht 

verraten wollte, wo sie sich aufhielt (vgl. act. 129). Der Beschuldigte hat 

denn auch nicht bestritten, dass A._____ Angst gehabt habe (Protokoll, S. 

20 f.). Mit seinen massiven Drohungen hat der Beschuldigte A._____ 

wissentlich und willentlich in Angst und Schrecken versetzt. 

 

Die Drohungen, welche der Beschuldigte A._____ per WhatsApp in kurzer 

Abfolge zugesendet hat, sind zwar inhaltlich voneinander abgrenzbar, 

weisen aber einen engen zeitlichen und situativen Zusammenhang auf und 

haben mutmasslich auf ein- und demselben Willensentschluss beruht, 

weshalb von einer Handlungseinheit auszugehen ist. 

 

Nach dem Gesagten hat sich der Beschuldigte der Drohung gemäss 

Art. 180 Abs. 1 StGB schuldig gemacht. 

 

3.11.  

3.11.1. 

Eine Nötigung nach Art. 181 StGB begeht, wer jemanden durch Gewalt 

oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere Beschränkung 

 - 16 - 

 

 

seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu 

dulden. In subjektiver Hinsicht verlangt Art. 181 StGB, dass der Täter mit 

Vorsatz handelt, das heisst, dass er im Bewusstsein um die 

Unrechtmässigkeit seines eigenen Verhaltens, sein Opfer zu einem 

bestimmten Verhalten zwingen will; Eventualvorsatz genügt (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_28/2021 vom 29. April 2021 E. 2.1 mit weiteren 

Hinweisen).  

 

3.11.2. 

Der Beschuldigte liess A._____ am 23. Dezember 2019 erst aus der 

Wohnung gehen, nachdem diese ihm versprochen hatte, zu ihm zurück-

zukehren bzw. die Beziehung zu ihm nicht zu beenden, wobei ihre 

Handlungsfreiheit aufgrund der zuvor erfahrenen Gewalt, der 

Todesdrohung und des Einsperrens in der Wohnung massiv beschränkt 

war. Damit hat sich der Beschuldigte zwar der Nötigung gemäss Art. 181 

strafbar gemacht, diese ist aber subsidiär zum Tatbestand der 

Freiheitsberaubung und wird von dieser konsumiert (TRECHSEL/MONA, in: 

TRECHSEL/PIETH, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 

4. Auflage, 2021, N. 18 zu Art. 181 StGB).  

 

Der Beschuldigte drohte A._____ einen Tag später, am 24. Dezember 

2019, damit, zu ihr nach Hause zu fahren und ihre Mutter abzustechen, 

wenn sie die Polizei anrufe (act. 134). Die Todes- und Gewaltandrohungen 

stellen – insbesondere in Anbetracht des einen Tag zuvor Vorgefallenen – 

zweifellos einen ernstlichen Nachteil dar, der geeignet ist, die Willens-

freiheit von A._____ einzuschränken, zumal A._____ angab, dass die 

Drohung der Grund gewesen sei, dass sie die Polizei nicht verständigt habe 

(Protokoll, S. 9). Der Beschuldigte führte sodann ebenfalls aus, dass er sich 

vorstellen können, dass A._____ damit gerechnet haben könnte, dass er 

die Drohungen umsetzen werde bzw. dass er sie mit seinen Drohungen 

(mit Sicherheit) in Angst und Schrecken versetzt habe (act. 112; Protokoll, 

S. 20 f.). Indem der Beschuldigte sich wissentlich und willentlich dieses 

unzulässigen Mittels bedient hat, um A._____ davon abzuhalten, zur 

Polizei zu gehen – was ihm im Übrigen auch gelungen ist, hat A._____ 

doch erstmals am 26. Februar 2020 die Polizei alarmiert – hat sich der 

Beschuldigte der Nötigung gemäss Art. 181 StGB schuldig gemacht.  

 

3.12. 

Zusammenfassend hat sich der Beschuldigte hinsichtlich des Vorfalles vom 

23. und 24. Dezember 2019 der Freiheitsberaubung gemäss Art. 183 Ziff. 1 

Abs. 1 StGB (Anklageziffer 1.1), der Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB 

(Anklageziffer 3.1, in Bezug auf die WhatsApp-Nachrichten), der Nötigung 

gemäss Art. 181 StGB (Anklageziffer 4.1, in Bezug auf die WhatsApp- 

Nachrichten), der (unbestritten gebliebenen) Beschimpfung gemäss 

Art. 177 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 5.1) sowie der geringfügigen Sach-

entziehung (Anklageziffer 7.1) schuldig gemacht.  

 - 17 - 

 

 

4. 

4.1. 

Die Vorinstanz erachtete den in Ziffer 1.2 zur Anklage erhobene Sach-

verhalt gestützt auf die glaubhaften Aussagen von A._____ und den 

WhatsApp-Chatverlauf vom 23. und 24. Dezember 2019 als erstellt und 

sprach den Beschuldigten gestützt darauf der Freiheitsberaubung gemäss 

Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 1.2), der Drohung gemäss 

Art. 180 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 3.2), der Nötigung gemäss Art. 181 

StGB (Anklageziffer 4.2), der Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB 

(Anklageziffer 5.2) und der Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB 

(Anklageziffer 6.1) schuldig.  

 

Der Beschuldigte bestreitet den Anklagesachverhalt grundsätzlich nicht. Er 

macht einzig geltend, dass in rechtlicher Hinsicht der Tatbestand der 

Freiheitsberaubung aufgrund der kurzen Dauer nicht erfüllt sei (Berufungs-

begründung, S. 6). 

 

4.2. 

Unbestrittenermassen ist es am 1. Januar 2020 zu einer weiteren 

Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und A._____ 

gekommen. Der Beschuldigte stellte A._____ in der Nacht vom 1. Januar 

2020 ab 2:37 Uhr nahezu ununterbrochen WhatsApp-Nachrichten zu, 

wobei er unter anderem schrieb: «nem ab du schlampe», «i ficn dini 

muetter», «i fick dis läbe», «i bringe dich um», «du fahrsch jez zu mir hei & 

wartisch dört», «sötsch ned dört siii weni chume rasti richtig us njeri», «oh 

njeri setsch ned bi mir dihei sei vorem block weni jez chume wirsch es 

richtig grusig bereue njeri», «setsch binme type penne schlitzli euch ali uf», 

«ich schlitze dir de Hals uf», «du wirsch es ned überlebe A._____» usw. 

(act. 154 ff.). A._____ reagierte ab 4:09 Uhr auf die Nachrichten des 

Beschuldigten (act. 159 ff.). Sie antwortete dem Beschuldigten unter 

anderem, dass sie nicht zum Beschuldigten gehen könne, weil er sie 

schlagen werde (act. 162 ff.). Auf weiteres hartnäckiges Drängen des 

Beschuldigten hin gab A._____ schliesslich dem Beschuldigten an, bald zu 

Hause zu sein (act. 165), woraufhin er sie zusammen mit seinem Cousin 

abholte und zu sich nach Hause brachte (act. 114, 165 ff.). In der Wohnung 

des Beschuldigten kam es zu einem Streit, wobei er sie mehrfach mit der 

flachen Hand schlug (act. 114 f., 368 f.). Als A._____ die Wohnung des 

Beschuldigten verlassen wollte, stellte er sich während rund 5 Minuten vor 

die Haustüre, womit er ihr verunmöglichte, die Wohnung zu verlassen. Er 

liess sie erst gehen, nachdem sie ihm versprochen hatte, ihn nicht zu 

verlassen (act. 114, 368). Dabei handelt es sich in zeitlicher Hinsicht um 

einen sehr kurzen Eingriff in die Fortbewegungsfreiheit von A._____. 

Jedoch ist zu berücksichtigen, dass A._____ in diesem Zeitpunkt unter 

einem enormen psychischen Druck stand, hat der Beschuldigte sie doch 

zuerst während Stunden fast ununterbrochen in aggressiver Art und Weise 

verbal bedroht und belästigt, sodass sie sich schliesslich – und obwohl sie 

 - 18 - 

 

 

bereits befürchtete, dass er sie schlagen werde – in die Wohnung des 

Beschuldigten begeben hat. Hinzu kommt, dass er sodann auch tatsächlich 

Gewalt gegen sie angewendet hat. Als sie schliesslich die Wohnung 

verlassen wollte, übte er weiter Druck auf sie aus, indem er sich vor die 

Türe stellte und sie ihm versprechen musste, ihn nicht zu verlassen. Unter 

Berücksichtigung dieser Begleitumstände bzw. der erheblichen 

Zwangslage, in der sich A._____ befand, ist trotz der (Minimal-) Dauer des 

Eingriffs von 5 Minuten die erforderliche Intensität für die Annahme einer 

Freiheitsberaubung zu bejahen (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 

6B_140/2021 vom 24. Februar 2022 E. 3.4, in welchem eine Eingriffsdauer 

in die Fortbewegungsfreiheit von 5 Minuten aufgrund der weiteren 

Umstände, wie unter anderem aggressiv verbale Drohungen und 

Gewaltanwendung, als erheblich und damit tatbestandsmässig bejaht 

wurde). 

 

4.3. 

Indem der Beschuldigte sich vor die Wohnungstüre gestellt hat und 

A._____ die Wohnung erst verlassen durfte, nachdem sie ihm hat 

versprechen müssen, dass sie nicht Schluss machen werde, hat der 

Beschuldigte den Tatbestand der Nötigung erfüllt. Dieser ist jedoch 

subsidiär zum Tatbestand der Freiheitsberaubung und wird von diesem 

konsumiert (siehe oben E. 3.11.2). 

 

Vor diesem Ereignis hat der Beschuldigte – was von ihm auch nicht 

bestritten wird – A._____ in der Silvesternacht unter Androhung ernstlicher 

Nachteile («ich fick dis läbe», «i bringe dich um», «i fick dir alles wass du 

hesh», «wenn du wilsch dass ich ruhig blibe den lüt jetzt ah bevori mi 

vergiss» etc., act. 154 ff.) dazu genötigt, ihn zu kontaktieren bzw. ihm ihren 

Aufenthaltsort mitzuteilen. Obwohl A._____ fürchtete, dass der 

Beschuldigte sie schlagen werde (act. 163 f.), kam sie schliesslich seiner 

Aufforderung nach und liess sich von ihm abholen und zu ihm nach Hause 

fahren. Damit hat der Beschuldigte – was von ihm ebenfalls nicht bestritten 

wird – den Tatbestand der Nötigung erfüllt, womit es hinsichtlich des 

Vorfalles vom 1. Januar 2020 bei einem Schuldspruch wegen Nötigung 

bleibt. 

 

4.4. 

Zusammenfassend hat sich der Beschuldigte hinsichtlich des Vorfalles vom 

1. Januar 2020 der Freiheitsberaubung gemäss Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB 

(Anklageziffer 1.2), der (unbestritten gebliebenen) Drohung gemäss 

Art. 180 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 3.2), der Nötigung gemäss Art. 181 

StGB (Anklageziffer 4.2), der (unbestritten gebliebenen) Beschimpfung 

gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 5.2) und der (unbestritten 

gebliebenen) Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 

6.1) schuldig gemacht. Insbesondere werden die Drohung bzw. die 

Nötigung aufgrund der zeitlichen Distanz zur Freiheitsberaubung (die 

 - 19 - 

 

 

Drohung und Nötigung wurden ausgesprochen, bevor A._____ überhaupt 

in seine Wohnung war) nicht von dieser konsumiert. Ferner erfolgten die 

Tätlichkeiten zwar in der Wohnung des Beschuldigten, jedoch zeitlich vor 

der eigentlichen Freiheitsberaubung und sodann als Reaktion darauf, dass 

sie ihn mutmasslich betrogen haben soll. Insofern besteht bei einer 

objektiven Gesamtbetrachtung mithin kein Zusammenhang zur 

Freiheitsberaubung, weshalb auch betreffend die Tätlichkeiten ein 

separater Schuldspruch zu erfolgen hat. 

 

5.  

5.1. 

Die Vorinstanz hat den in Ziffer 3.3 zur Anklage erhobenen Sachverhalt 

gestützt auf die glaubhaften Aussagen von A._____ als erstellt erachtet und 

den Beschuldigten gestützt darauf der Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 

StGB (Anklageziffer 3.3), Nötigung gemäss Art. 181 StGB (Anklageziffer 

4.3), Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 5.3), 

Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 6.2) sowie der 

geringfügigen Sachentziehung gemäss Art. 141 StGB i.V.m. Art. 172ter 

StGB (Anklageziffer 7.2) schuldig gesprochen.  

 

Der Beschuldigte bestreitet sämtliche Vorwürfe (Berufungsbegründung, 

S. 7 ff.).  

 

5.2. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und unbestritten geblieben, dass es am 

26. Februar 2020 vor der Bar X._____ in Q._____ zu einer Auseinander-

setzung zwischen dem Beschuldigten und A._____ gekommen ist. 

Anlässlich derer schlug A._____ dem Beschuldigten vor, wieder in die 

Psychiatrische Klinik D._____ einzutreten und rief dort ohne sein 

Einverständnis an, woraufhin er ihr das Mobiltelefon wegnahm. A._____ 

begab sich daraufhin ohne den Beschuldigten in die Bar X._____ (act. 110, 

367; Protokoll, S. 19). Weiter ist erstellt, dass die Psychiatrische Klinik 

D._____ nach dem Anruf von A._____ die Polizei alarmiert hat, woraufhin 

diese ausgerückt ist (act. 110, 370). Umstritten ist hingegen, ob der 

Beschuldigte A._____ laut und aggressiv dazu aufgefordert hat, in das Auto 

zu steigen und sie zudem bedroht, beschimpft, ihr mit der flachen Hand ins 

Gesicht geschlagen und an den Haaren gezogen hat. 

 

5.3. 

Mit der Vorinstanz ist in Bezug auf den Vorfall am 26. Februar 2020 auf die 

im Kerngeschehen schlüssigen und nachvollziehbaren Aussagen von 

A._____ abzustellen: 

 

A._____ schilderte anlässlich ihrer ersten Einvernahme am 5. März 2020, 

also rund eine Woche nach dem Vorfall, im Rahmen eines freien Berichts 

detailliert, dass sie den Beschuldigten zwischen 16:00 Uhr und 17:00 Uhr 

 - 20 - 

 

 

in der Psychiatrischen Klinik D._____, in welcher sich der Beschuldigte 

freiwillig zehn Tage aufgehalten habe, abgeholt habe. Während der 

Autofahrt habe er dann plötzlich aussteigen wollen, wobei er seine 

Bauchtasche unbemerkt im Auto liegen gelassen habe. Als sich A._____ – 

schliesslich ohne den Beschuldigten – auf der Autobahn in Richtung 

R._____ befunden hätte, habe der Beschuldigte ihr mit dem Telefon seines 

Bruders angerufen und sie massiv beleidigt. Sie habe dann an einer 

Tankstelle angehalten und ihm mit Facetime angerufen und seine 

Bauchtasche im Auto gesucht. Der Beschuldigte habe sie irgendwann 

davon überzeugt, zu ihm zurückzugehen und mit ihm zu sprechen. Ca. 10 

Minuten bevor sie bei ihm gewesen sei, habe er nochmals angerufen und 

sie davor gewarnt, dass die Polizei da sei, weil er durchgedreht sei. Dort 

angekommen habe der Beschuldigte gewollt, dass sie ihn zu einem 

Kollegen fahre. Die Polizisten hätten sie gefragt, ob das in Ordnung für sie 

sei, was sie bejaht habe, weil der Beschuldigte sich beruhigt habe. Der 

Beschuldigte habe im Auto dann zu ihr gesagt: «Jetzt bin ich auf der 

Strasse, ich habe nichts». A._____ habe dann im Auto mit dem Bruder des 

Beschuldigten telefoniert und mit ihm vereinbart, sich in der Nähe der Bar 

X._____ zu treffen. Während der Autofahrt habe sie dem Beschuldigten 

vorgeschlagen, wieder zurück in die Psychiatrische Klinik zu gehen. 

Daraufhin sei er durchgedreht und habe ihr – auf Höhe des Bahnhofes – 

ins Steuerrad gegriffen und die Handbremse angezogen. Sie habe das 

Fahrzeug noch auf den Parkplatz vor der Bar X._____ lenken können. Dort 

hätten sie dann mit dem Bruder gesprochen und A._____ habe erneut 

vorgeschlagen, dass der Beschuldigte in die Klinik zurückgehen solle. Der 

Beschuldigte habe dann angefangen zu schreien und sei so durchgedreht, 

dass selbst sein Bruder wieder in sein Auto gestiegen sei. Der Beschuldigte 

habe A._____ dann wiederholt und aggressiv befohlen ins Auto zu steigen 

(«steig sofort ein, steig sofort ein», act. 174). Aus Angst vor ihm, 

insbesondere, dass er sie zusammenschlagen werde, sei sie dann auch 

eingestiegen. Sie habe versucht, ihn zu beruhigen und habe ihm 

vorgeschlagen, die Klinik anzurufen. Er habe dann gesagt: «Du Schlampe, 

ich bringe dich um», «ich bringe dich und mich um». Er habe ihr vom 

Beifahrersitz aus an den Haaren gerissen – wobei er sie gleich wieder 

losgelassen habe – und ihr eine Ohrfeige ins Gesicht gegeben. Sie sei 

dann voller Panik ausgestiegen, wobei sie noch ihr Mobiltelefon in der Hand 

gehalten habe, weil sie mit der Psychiatrischen Klinik am Telefon gewesen 

sei. Der Klinik habe sie am Telefon gerade noch sagen können, dass der 

Beschuldigte am Durchdrehen sei, dann habe er ihr das Mobiltelefon aus 

der Hand gerissen. Panisch sei sie dann in die Bar gerannt, wobei er ihr 

nachgelaufen sei, obwohl er dort ein Hausverbot habe. Die Chefin der Bar 

habe ihn dann aus der Bar getrieben und A._____ habe in der Bar 

herumgefragt, ob jemand die Polizei verständigen könne, wobei niemand 

reagiert habe. Erst die Chefin, welche zuvor damit beschäftigt gewesen sei, 

dass der Beschuldigte die Bar verlasse, sei dann zu ihr gekommen 

(act. 173 ff.).  

 - 21 - 

 

 

Im Rahmen ihrer weiteren Einvernahmen konnte sich A._____ nicht mehr 

im Detail an den Vorfall erinnern. Stets konstant schilderte sie aber, dass 

sie für den Beschuldigten, welcher aufgrund einer Auseinandersetzung mit 

seinen Eltern keinen Schlafplatz gehabt habe, einen Platz in der 

Psychiatrischen Klinik habe organisieren wollen. Sie habe – wobei sie sich 

nicht mehr erinnern konnte, wie es genau dazu gekommen sei – damals 

sehr grosse Angst verspürt, weshalb sie an diesem Tag auch in die Bar 

gerannt sei, damit jemand die Polizei verständigen könne, da der 

Beschuldigte ihr das Mobiltelefon weggenommen habe. Es habe aber 

lange niemand reagiert. Erst eine Frau, welche dort gearbeitet habe, habe 

sie ernst genommen und den Beschuldigten aus der Bar geworfen, da 

dieser ohnehin mit einem Hausverbot belegt gewesen sei (act. 194.7, 362; 

Protokoll, S. 12).  

 

Die von Anfang an eingestandenen Erinnerungslücken von A._____ lassen 

sich mit dem Zeitablauf und dem daraus folgenden Verblassen der 

Erinnerungen begründen und vermögen im Übrigen die Glaubhaftigkeit der 

Aussagen von A._____ nicht in Zweifel zu ziehen. So gab sie im Kern 

konstant wieder, dass sie am Nachmittag vor dem Ereignis den 

Beschuldigten in der Psychiatrischen Klinik D._____ abgeholt habe und 

dass er gleichentags von seinen Eltern aus der Wohnung geworfen worden 

sei, wobei sie sich dann um ihn gekümmert habe. Ferner führte sie jeweils 

gleichbleibend aus, dass sie sich im Nachgang zum Vorgefallenen in die 

Bar begeben habe, um Hilfe zu holen, da er ihr Mobiltelefon an sich 

genommen habe. Dabei erwähnt sie auch immer wieder die Frau, welche 

in der Bar gearbeitet habe und die ihr schliesslich geholfen bzw. sich um 

sie gekümmert habe (act. 194.7, 362; Protokoll, S. 12). Weiter schilderte 

sie übereinstimmend ihre Gefühlslage an diesem Tag bzw. dass sie grosse 

Angst vor dem Beschuldigten verspürt habe und dass sie sich, nachdem 

sie in die Bar geflüchtet sei, nicht ernst genommen gefühlt habe, als sie 

dort um Hilfe gebeten habe (act. 194.7, 362; Protokoll, S. 12). Ihre tatnahen 

Aussagen anlässlich der polizeilichen Einvernahme am 5. März 2020, auf 

welche in erster Linie abzustellen ist, sind für das Obergericht sodann 

nachvollziehbar und konsistent. So konnte sie die Ereignisse des Tages 

chronologisch und detailliert wiedergeben. Ihre Schilderungen enthalten 

zahlreiche Einzelheiten, wie beispielsweise, welche Worte der 

Beschuldigte wählte («steig sofort ein, steig sofort ein», «du Schlampe, ich 

bringe dich um», «ich bringe dich und mich um», act. 174 f.) sowie Zeit- 

und Ortsangaben (der Beschuldigte habe ihr auf der Höhe des Bahnhofes 

ins Steuerrad gegriffen; sie habe ihn zwischen 16.00 und 17.00 Uhr in der 

Psychiatrischen Klinik D._____ abgeholt; um ca. 22:00 Uhr habe sich der 

Vorfall auf dem Parkplatz ereignet, act. 173 f.). Ihre Aussage wirkt 

insgesamt weder einstudiert noch konstruiert. Dies ergibt sich bereits 

daraus, dass A._____ zwar sichtlich darum bemüht war, sich bei ihrer 

Aussage an einen zeitlichen Ablauf zu halten. Dennoch fügte sie auch 

sprunghafte, chronologisch nicht passende Ergänzungen ein («dann fing 

 - 22 - 

 

 

es an, dass er mich am Arm gepackt hat. Ich muss noch erwähnen, dass 

ich während der Fahrt dem Bruder von B._____ angerufen habe, um mit 

ihm abzuklären, wie es nun weitergeht mit B._____», act. 173 f.). 

Schliesslich verzichtete A._____ auf naheliegende Mehrbelastungen, 

führte sie beispielsweise aus, dass er sie zwar an den Haaren gezogen, 

aber sogleich wieder losgelassen habe und ihr dabei keine Haare 

ausgerissen habe (act. 175). Motive für eine Falschbelastung sind keine 

ersichtlich, insbesondere gibt A._____ an, dass sie trotz mehrerer Vorfälle 

mit dem Beschuldigten immer wieder Mitleid mit ihm gehabt habe 

(act. 176). Darüber hinaus hat sie erst nach einem weiteren Vorfall am 

3. März 2020 Strafantrag gegen den Beschuldigten gestellt (act. 91). 

 

Mit den Aussagen von A._____ steht sodann im Einklang, dass gemäss 

Polizeirapport vom 26. Mai 2020 am Abend des 26. Februar 2020 ein 

Mitarbeiter der Psychiatrischen Klinik D._____ der Polizei gemeldet habe, 

dass er soeben einen verzweifelten Anruf der Freundin des Beschuldigten 

erhalten habe. Der Beschuldigte sei ihr gegenüber gewalttätig geworden, 

wobei die «Gewalt» im Hintergrund «hörbar» gewesen sei. Dem Bericht ist 

weiter zu entnehmen, dass A._____ um ca. 22:06 Uhr via PFK gemeldet 

habe, dass sie sich in der Bar X._____ in S._____ befinde, woraufhin die 

Kantonspolizei sowie eine Patrouille der Stadtpolizei an den genannten Ort 

ausgerückt sei, wo der Beschuldigte habe angetroffen werden können. 

Dieser habe sich aufbrausend verhalten und herumgeschrien. Gegenüber 

der Polizei habe er sich dann zwar ruhig und kooperativ gezeigt, sei aber 

jedes Mal wütend und ausfällig geworden, wenn ihm die Aussagen von 

A._____ vorgehalten worden seien (act. 91). Dies passt zum gewonnen 

allgemeinen Eindruck des Verhaltens des Beschuldigten gegenüber 

A._____ (siehe z.B. die massiv aggressiven WhatsApp-Nachrichten des 

Beschuldigten ein paar Wochen zuvor, act. 154 ff.). Der Beschuldigte führte 

sodann auch selbst aus, dass er ihr gegenüber oft Drohungen 

ausgesprochen habe, wobei ihm die Wörter einfach herausgerutscht seien, 

wenn er enttäuscht gewesen sei (act. 111), was die Darstellungen, wie sie 

A._____ schilderte, umso glaubhafter erscheinen lässt. 

 

Zusammengefasst erweisen sich die Aussagen von A._____ hinsichtlich 

des Vorfalles vom 26. Februar 2020, bei welchem der Beschuldigte sie laut 

und aggressiv aufgefordert haben soll, in das Auto zu steigen, sie als 

Schlampe bezeichnet und gesagt haben soll, dass er sie (und sich) 

umbringen werde sowie A._____ an den Haaren gezogen und sie mit der 

flachen Hand in Gesicht geschlagen haben soll, unter Berücksichtigung des 

Verhaltens des Beschuldigten gegenüber der Polizei an besagtem Tag 

sowie des allgemeinen gewonnen Eindrucks des Verhaltens des 

Beschuldigten, als sehr glaubhaft. 

 

 - 23 - 

 

 

5.4. 

Der Beschuldigte bestreitet demgegenüber kategorisch, A._____ befohlen 

zu haben, wieder in das Auto zu steigen, sie an den Haaren gezogen und 

mit der flachen Hand gegen das Gesicht geschlagen zu haben, sie als 

«Schlampe» bezeichnet zu haben und zu ihr gesagt zu haben, dass er sie 

umbringen werde (act. 110, 370). Seine Aussagen vermögen jedoch die 

glaubhaften Aussagen von A._____ nicht ernsthaft in Zweifel zu ziehen, 

zumal er sich zumindest teilweise in unerklärliche Widersprüche verstrickt. 

So gab er anlässlich der Einvernahme vom 14. Mai 2020 einerseits an, 

dass er und A._____ auf dem Weg in die Bar X._____ gewesen seien, 

A._____ aber schliesslich nicht dorthin gefahren sei, weil sie angefangen 

hätten zu streiten. Gleichzeitig schildert er unmittelbar nach dieser Aussage 

eine Unterhaltung zwischen ihm, seinem Bruder und A._____ in der Bar 

X._____ und dass A._____, nachdem sie ohne seine Erlaubnis in der 

Psychiatrischen Klinik D._____ angerufen habe und er zur ihr sagte, sie 

soll das Gespräch beenden, ins Bar X._____ gegangen sei (act. 110). Ein 

weiterer Widerspruch ergibt sich sodann hinsichtlich des Mobiltelefons von 

A._____, gab der Beschuldigte doch anlässlich seiner ersten Einvernahme 

an, A._____ das Mobiltelefon weggenommen zu haben, um selbst mit der 

Klinik zu sprechen und ihr im Anschluss daran ihr das Mobiltelefon 

wiedergegeben habe (act. 111). Den Polizisten vor Ort gab er an, dass sie 

das Mobiltelefon auf dem Zigarettenautomaten im Pub hingelegt hätte. 

Gefunden wurde das Mobiltelefon schliesslich aber in seinem Rucksack 

(act. 111). 

 

5.5. 

Nach dem Gesagten ist für das Obergericht bei einer aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung zweifellos erstellt, dass der 

Beschuldigte am 26. Februar 2020 A._____ laut und aggressiv mehrmals 

aufgefordert hat, in das Auto zu steigen, wobei sie aus Angst vor ihm, 

insbesondere, dass er sie zusammenschlagen werde, eingestiegen ist. Der 

Beschuldigte hat sie darüber hinaus als «Schlampe» bezeichnete sowie zu 

ihr gesagt hat, dass er sie umbringen werde, sie an den Haaren gezogen 

und sie mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen sowie ihr Mobiltelefon 

entwendet.  

 

5.6. 

Bei der vom Beschuldigten laut und in aggressiver Weise ausgestossenen 

Aufforderung an A._____, sie solle ins Auto einsteigen, handelt es sich 

unter den vorliegenden Umständen um eine Nötigungshandlung. So darf 

diese Aufforderung nicht losgelöst von seinem gegenüber A._____ in der 

Vergangenheit – wie auch an diesem Tag – sehr unberechenbar 

erscheinendes Verhalten gewürdigt werden. Mit seiner lauten und 

aggressiven Aufforderung, sie solle in das Auto einsteigen, setzte er 

A._____ bewusst unter einen enormen psychischen Druck, war aufgrund 

der vergangenen Vorfälle doch auch ohne eine explizit geäusserte Drohung 

 - 24 - 

 

 

offensichtlich, dass es sich nicht um einen blossen Wunsch des 

Beschuldigten handelte. A._____ führte denn auch aus, dass sie aus Angst 

vor ihm, insbesondere, dass er sie zusammenschlagen werde, 

eingestiegen sei (act. 174 f.). Mit seinem Verhalten hat der Beschuldigte 

wissentlich und willentlich bewirkt, dass sich A._____ genötigt fühlte, 

wieder in das Auto einzusteigen, was sie ohne die lautstarke Aufforderung 

und der darin enthaltenen impliziten Drohung nicht getan hätte, womit er 

den Tatbestand der Nötigung gemäss Art. 181 StGB erfüllt hat.  

 

Weiter hat der Beschuldigte A._____ im Auto als «Schlampe» bezeichnet, 

womit er sie in ihrer Geltung als ehrbarer Mensch herabsetzte, was er 

wusste und wollte. Damit hat der Beschuldigte den Tatbestand der Be-

schimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB erfüllt. Ferner hat der 

Beschuldigte mit seiner Äusserung, er werde sie umbringen, unter 

Berücksichtigung der gesamten Umstände (siehe vorstehende Aus-

führungen) den Tatbestand der Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB 

erfüllt. Weiter hat er sie im Auto an den Haaren gezogen und mit der flachen 

Hand ins Gesicht geschlagen, womit er den Tatbestand der Tätlichkeiten 

erfüllt hat. Schliesslich hat sich der Beschuldigte mit der vorübergehenden, 

jedoch nicht bloss ganz kurzen Wegnahme des Mobiltelefons von A._____ 

der geringfügigen Sachenentziehung gemäss Art. 141 StGB i.V.m. 

Art. 172ter StGB schuldig gemacht. 

 

5.7. 

Zusammenfassend hat sich der Beschuldigte hinsichtlich des Vorfalles vom 

26. Februar 2020 der Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB (Anklage-

ziffer 3.3), der Nötigung gemäss Art. 181 StGB (Anklageziffer 4.3), der Be-

schimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 5.3), der 

Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 6.2) sowie der 

geringfügigen Sachentziehung gemäss Art. 141 StGB i.V.m. Art. 172ter 

StGB (Anklageziffer 7.2) schuldig gemacht.  

 

6. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten gestützt auf die Anklageziffer 8 der 

geringfügigen Sachbeschädigung gemäss Art. 144 StGB i.V.m. Art. 172 ter 

StGB schuldig gesprochen. 

 

Der Beschuldigte beantragt diesbezüglich einzig, dass das Verfahren 

mangels gültigen Strafantrags (siehe dazu E. 2.2) einzustellen sei. Im 

Übrigen bestreitet er nicht, die Armlehne beim Fahrersitz des Personen-

wagens von A._____ abgerissen und sie auf das Armaturenbrett 

geschlagen zu haben, wodurch die Armlehne beschädigt und ein 

Sachschaden von maximal Fr. 300.00 entstand. Der Beschuldigte hat sich 

somit der geringfügigen Sachbeschädigung gemäss Art. 144 StGB i.V.m. 

Art. 172ter StGB schuldig gemacht.  

 

 - 25 - 

 

 

7. 

7.1. 

Zusammenfassend hat sich der Beschuldigte der mehrfachen Freiheits-

beraubung gemäss Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, mehrfachen Drohung 

gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB, mehrfachen Nötigung gemäss Art. 181 

StGB, mehrfachen Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB, 

mehrfachen Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB, mehrfachen 

geringfügigen Sachentziehung gemäss Art. 141 i.V.m. Art. 172ter und 

geringfügigen Sachbeschädigung gemäss Art. 144 StGB i.V.m. Art. 172 ter 

StGB schuldig gemacht und ist dafür angemessen zu bestrafen.  

 

7.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.). Darauf kann 

verwiesen werden. 

 

7.3. 

7.3.1. 

Der Beschuldigte hat sich – bis auf die Beschimpfung, bei welcher nur eine 

Geldstrafe in Frage kommt, und die Tätlichkeiten, die geringfügige 

Sachentziehung und die geringfügige Sachbeschädigungen, bei denen es 

sich um mit Busse bedrohte Übertretungen handelt – mehrerer 

Straftatbestände schuldig gemacht, die alternativ mit Freiheitsstrafe oder 

Geldstrafe bedroht werden. Bei der Wahl der Sanktionsart sind neben dem 

Verschulden unter Beachtung des Prinzips der Verhältnismässigkeit als 

wichtige Kriterien die Zweckmässigkeit und Angemessenheit einer be-

stimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein soziales 

Umfeld sowie ihre Wirksamkeit unter dem Gesichtswinkel der Prävention 

zu berücksichtigen (BGE 147 IV 241 E. 3; BGE 134 IV 97 E. 4.2; BGE 134 

IV 82 E. 4.1).  

 

7.3.2. 

Wie zu zeigen sein wird, kommt für die Freiheitsberaubung gemäss 

Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB vom 23. Dezember 2019 (Anklageziffer 1.1) 

aufgrund der Schwere des Verschuldens eine Geldstrafe nicht mehr 

infrage, sondern ist auf eine Freiheitstrafe zu erkennen. Hingegen kommt 

für die weitere Freiheitsberaubung vom 1. Januar 2020 (Anklageziffer 1.2) 

und die übrigen Delikte, welche alternativ mit Geldstrafe oder Freiheits-

strafe geahndet werden, bei einer konkreten Einzelbetrachtung aufgrund 

des Verschuldens je noch eine Geldstrafe von maximal 180 Tagessätzen 

in Betracht. Auch unter dem Gesichtspunkt der präventiven Effizienz und 

Zweckmässigkeit ist – entgegen den Ausführungen der Vorinstanz (siehe 

vorinstanzliches Urteil E. 5.3.2.2) – nicht ersichtlich, weshalb sich der 

Beschuldigte nur von der Ausfällung einer Freiheitsstrafe beeindrucken 

liesse. Zwar weist der aktuelle Strafregisterauszug des Beschuldigten zwei 

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 - 26 - 

 

 

teilweise einschlägige Vorstrafen auf. So wurde er mit Strafbefehl der 

Jugendanwaltschaft des Kantons Aargau vom 10. März 2016 wegen 

mehrfachen Raubs und mehrfacher, z.T. versuchter Widerhandlungen 

gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einem bedingten Freiheitsentzug 

von 70 Tagen, Probezeit 1 Jahr, und einer Busse von Fr. 150.00 verurteilt. 

Mit Strafbefehl vom 14. Dezember 2017 verurteilte ihn die Staats-

anwaltschaft Lenzburg-Aarau wegen Mitfahrt in einem entwendeten 

Fahrzeug zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen, Probezeit 

3 Jahre, und einer Busse von Fr. 300.00. Die weitere im Strafregister-

auszug eingetragene Strafe betrifft den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Lenzburg-Aarau vom 19. März 2020. Dieser wurde jedoch erst nach den 

vorliegenden zu beurteilenden Delikten ausgesprochen, wobei er dabei für 

Delikte bestraft wurde, welche er vor den vorliegenden zu beurteilenden 

Straftaten begangen hat. Insofern handelt es sich beim Strafbefehl vom 

19. März 2020 weder um eine Vorstrafe, noch können die damals 

begangenen Delikte im Rahmen des Nachtatverhaltens berücksichtigt 

werden. Zudem hat er die vorliegend zu beurteilenden Delikte innert der mit 

Strafbefehl vom 14. Dezember 2017 ausgesprochenen dreijährigen 

Probezeit begangen. Jedoch ist zu berücksichtigen, dass er bis im 

Zeitpunkt der vorliegend zu beurteilenden Taten weder zu einer 

unbedingten Geldstrafe noch zu einer unbedingten Freiheitsstrafe verurteilt 

worden ist. Von einer Unzweckmässigkeit einer unbedingten Geldstrafe 

kann unter diesen Umständen nicht gesprochen werden. 

 

7.4. 

7.4.1. 

Hinsichtlich der Freiheitsberaubung gemäss Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB 

vom 23. Dezember 2019 (Anklageziffer 1.1), für welche eine Freiheitsstrafe 

auszusprechen ist, ergibt sich Folgendes: 

 

Die Freiheitsberaubung gemäss Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB wird mit 

Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe bestraft. Ausgangspunkt für 

die Strafzumessung innerhalb dieses Strafrahmens bildet die Verletzung 

oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB). 

Geschütztes Rechtsgut der Freiheitsberaubung ist die körperliche 

Fortbewegungsfreiheit (BGE 141 IV 10 E. 4.3) und da die Freiheits-

beraubung vorliegend auch die damit einhergegangen Drohungen, 

Nötigungen und Tätlichkeiten abgilt, die davon geschützten Rechtsgüter 

der Handlungsfreiheit bzw. freien Willensbildung sowie der körperlichen 

Integrität. 

 

Der Beschuldigte hat A._____ am 23. Dezember 2019 in seiner Wohnung 

eingeschlossen. Zuvor hat er sie mit Fäusten gegen den Bauch und Kopf 

geschlagen und mit dem Fuss gegen die Oberschenkel und den 

Oberkörper getreten. Darüber hinaus hat er ihr gedroht sie umzubringen, 

wobei er seine Todesdrohung mit einem Messer unterstrich, welches er vor 

 - 27 - 

 

 

ihr herumfuchtelte und ihr an den Oberschenkel hielt. Dabei setzte er 

A._____ unter einen enormen psychischen Druck, rechnete sie aufgrund 

seiner ausgesprochenen Drohungen ernsthaft damit, dass er sie erheblich 

verletzen oder gar töten werde und war es ihr während der Dauer dieser 

Drohungen nicht möglich, die Wohnung zu verlassen. Der Beschuldigte 

verliess sodann für mehrere Stunden die Wohnung und schloss A._____ 

darin ein. In dieser Zeit (welche in subjektiver Hinsicht aus Sicht des Opfers 

erfahrungsgemäss nochmals als viel länger empfunden wird), in der 

A._____ sich alleine in der abgeschlossenen Wohnung befand, musste sie 

mit der Befürchtung zurechtkommen, dass der Beschuldigte bei seiner 

Rückkehr aufgrund seines unberechenbaren erscheinenden Verhaltens 

seine Drohung in die Tat umsetzen oder ihr zumindest anderweitig etwas 

antun werde, was nebst dem Umstand, dass sie die Wohnung nicht hat 

verlassen können, eine zusätzliche schwere psychische Belastung für sie 

dargestellt hat. Weiter nutzte der Beschuldigte, nachdem er in die Wohnung 

zurückgekehrt ist, die psychische Stresssituation, in der sich A._____ 

befand, weiter aus, indem er ihr sagte, sie dürfe die Wohnung erst 

verlassen, wenn sie nicht mit ihm Schluss machen werde. Unter diesen 

Umständen ist von einer nicht unerheblichen Verletzung der vorliegend 

durch den Tatbestand der Freiheitsberaubung geschützten Rechtsgüter 

auszugehen. Das Verschulden des Beschuldigten ist nach dem Gesagten 

entsprechend hoch zu veranschlagen.  

 

Das Verhalten des Beschuldigten zeugt zwar von einer gewissen 

Verwerflichkeit und Kaltblütigkeit. Die Art und Weise der Tatbegehung bzw. 

die Verwerflichkeit des Handelns ist aber nicht wesentlich über die Erfüllung 

des Tatbestandes der Freiheitsberaubung und der von ihm mitab-

gegoltenen Drohungen, Nötigungen und Tätlichkeiten hinausgegangen.  

 

Die Beweggründe des Beschuldigten für sein Handeln bleiben zum Teil im 

Dunkeln, sind aber wohl am ehesten auf seine Verzweiflung sowie auf 

seine im Hinblick auf seine Beziehung mit A._____ subjektiv empfundene 

Enttäuschung, die sich sodann in einem aggressiven Verhalten 

niedergeschlagen hat, zurückzuführen. Hinzu kommt, dass er offensichtlich 

nicht akzeptieren wollte, dass A._____ sich von ihm trennen wollte (vgl. 

act. 111). Es handelt sich dabei um eine überaus egoistische Einstellung, 

zumal A._____ ihm immer wieder Chancen gegeben hat, sich zu ändern, 

was er offenbar nicht tat (siehe act. 139). Zu berücksichtigen ist, dass der 

Beschuldigte gemäss dem Austrittsbericht der E._____ AG vom 3. März 

2020 (act. 314 ff.) an einer leichten depressiven Episode und einer Störung 

des Sozialverhaltens litt. Auch wenn seine Einsichts- und 

Steuerungsfähigkeit nicht eingeschränkt waren, so erscheint das Mass an 

Entscheidungsfreiheit aufgrund der Situation, in welcher er sich befand und 

in welcher er sich subjektiv nicht mehr anders zu verhalten wusste, doch 

als eingeschränkt.  

 

 - 28 - 

 

 

Unter Berücksichtigung des weiten ordentlichen Strafrahmens bis zu 

5 Jahren Freiheitsstrafe und den davon erfassten Handlungen, 

Tatvorgehen und Tatumständen, ist insgesamt von einem mittelschweren 

Verschulden und einer dafür angemessenen Freiheitsstrafe von 

18 Monaten auszugehen. Aufgrund des Verschlechterungsverbots 

(Art. 391 Abs. 2 StPO) hat es jedoch – zumal sich die Täterkomponente 

nicht strafmindernd auswirkt (siehe dazu sogleich) – bei der von der 

Vorinstanz ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 12 Monaten sein 

Bewenden. 

 

7.4.2. 

Zur Täterkomponente ergibt sich Folgendes: 

 

Der Beschuldigte wies im Tatzeitpunkt zwei teilweise einschlägige 

Vorstrafen auf. So wurde er mit Strafbefehl der Jugendanwaltschaft des 

Kantons Aargau vom 10. März 2016 wegen mehrfachen Raubs und 

mehrfacher, z.T. versuchter Widerhandlungen gegen das Betäubungs-

mittelgesetz zu einem bedingten Freiheitsentzug von 70 Tagen, Probezeit 

1 Jahr, und einer Busse von Fr. 150.00 verurteilt. Mit Strafbefehl vom 

14. Dezember 2017 verurteilte ihn die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau 

wegen Mitfahrt in einem entwendeten Fahrzeug zu einer bedingten 

Geldstrafe von 20 Tagessätzen, Probezeit 3 Jahre, und einer Busse von 

Fr. 300.00. Diese sind straferhöhend zu berücksichtigen, hat der 

Beschuldigte daraus doch keine Lehren gezogen (BGE 136 IV 1 E. 2.6.2). 

Es ist jedoch zu beachten, dass aus dem täterbezogenen 

Strafzumessungskriterium der Vorstrafe nicht indirekt ein tatbezogenes 

Kriterium gemacht wird. Mithin dürfen Vorstrafen nicht wie eigenständige 

Delikte gewürdigt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_18/2022 vom 

23. Juni 2022 E. 2.6.1 mit Hinweisen). Der Beschuldigte hat sich nunmehr 

– soweit ersichtlich – wohl verhalten. Dies stellt aber keine besondere 

Leistung dar und ist deshalb neutral zu werten (Urteil des Bundesgerichts 

6B_196/2021 vom 25. April 2022 E. 5.4.4). 

 

Der Beschuldigte hat zwar einzelne Sachverhaltselemente anerkannt, die 

ihm vorgeworfene Freiheitsberaubung zum Nachteil von A._____ jedoch 

auch noch im Berufungsverfahren und zum Teil sehr hartnäckig bestritten. 

So hat er sich mithin auf den Standpunkt gestellt, dass alles, was A._____ 

gesagt habe, von A-Z gelogen sei. Unter diesen Umständen ist eine 

Strafminderung, wie sie bei einem von Anfang an geständigen, nachhaltig 

einsichtigen und aufrichtig reuigen Täter möglich ist, ausgeschlossen. 

 

Aus den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ergeben sich keine 

für die Strafzumessung relevante Faktoren. Der 25 Jahre alte Beschuldigte 

ist ledig, kinderlos und wohnt zusammen mit seiner Mutter und seinem 

Bruder (Protokoll, S. 24, 26). Nach eigenen Angaben hat er seit mehreren 

Jahren eine Freundin (Protokoll, S. 24). Er verfügt weder über eine 

 - 29 - 

 

 

abgeschlossene Lehre noch über eine Festanstellung. Seit August 2023 ist 

er (wieder, vgl. act. 373) als Temporärmitarbeiter auf Abruf angestellt, 

womit er ein durchschnittliches Einkommen von Fr. 4'800.00 erzielt 

(Protokoll, S. 26). Zuvor war er arbeitslos und erhielt zwischen Fr. 500.00 

und Fr. 550.00 vom Sozialamt, wovon Fr. 300.00 für Wohnkosten direkt an 

seinen Vater ausbezahlt wurden (act. 10, 16). Zudem hat er nach eigenen 

Angaben Schulden in der Höhe von Fr. 20'000.00 (Protokoll, S. 23). Die für 

die Annahme einer erhöhten Strafempfindlichkeit notwendigen ausser-

gewöhnlichen Umstände liegen nicht vor (vgl. statt vieler: Urteil des 

Bundesgerichts 6B_18/2022 vom 23. Juni 2022 E. 2.6.1 mit Hinweisen). 

 

Nach dem Gesagten wirkt sich die insgesamt negative Täterkomponente 

leicht straferhöhend aus. Aufgrund des Verschlechterungsverbots bleibt es 

jedoch bei der von der Vorinstanz ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 12 

Monaten.  

 

7.4.3. 

Der Beschuldigte hat die vorliegend zu beurteilende Freiheitsberaubung 

am 23. Dezember 2019 und somit in einem Zeitpunkt verübt, bevor er mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 19. März 2020 zu 

einer unbedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen und einer Busse von 

Fr. 500.00 verurteilt worden ist. Da es sich bei der vorliegenden 

Freiheitsstrafe und der am 19. März 2020 ausgesprochenen Geldstrafe und 

Busse nicht um gleichartige Strafen handelt, liegt kein Fall retrospektiver 

Konkurrenz vor, weshalb eine eigenständige Strafe und nicht eine 

Zusatzstrafe auszufällen ist (BGE 145 IV 1 E. 1.3 mit weiteren Hinweisen). 

 

7.5. 

7.5.1. 

Die Freiheitsberaubung vom 1. Januar 2020 (Anklageziffer 1.2), die 

Nötigungen (Anklageziffer 4), die Drohungen (Anklageziffer 3) und die 

Beschimpfungen (Anklageziffer 5) sind bei einer konkreten Einzel-

betrachtung aufgrund des jeweiligen Verschuldens je mit einer Geldstrafe 

zu bestrafen (zur Zweckmässigkeit der Geldstrafe siehe oben). 

 

Der Beschuldigte hat diese Delikte verübt, bevor er mit Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 19. März 2020 u.a. zu einer 

unbedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen (und einer Busse von 

Fr. 500.00) verurteilt worden ist. Infolge gleichartiger Strafen liegt damit ein 

Fall retrospektiver Konkurrenz vor, so dass die Geldstrafe als Zusatzstrafe 

zum vorgenannten Strafbefehl (Ersturteil) auszusprechen ist. Die 

schwerste mit einer Geldstrafe zu bestrafende Straftat ist – bei (mit 

Ausnahme der Beschimpfung) gleichem Strafrahmen – die Nötigung vom 

24. Dezember 2019 (Anklageziffer 4.1). Die Zusatzstrafe ist deshalb die 

gedankliche Gesamtstrafe der neuen mit einer Geldstrafe zu bestrafenden 

Straftaten abzüglich der bei der Grundstrafe (d.h. der Geldstrafe gemäss 

 - 30 - 

 

 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 19. März 2020) 

durch Asperation eingetretenen Reduzierung (vgl. BGE 145 IV 1 E. 1.4; 

BGE 142 IV 265 E. 2.4.4). 

 

Der Tatbestand der Nötigung gemäss Art. 181 StGB schützt die 

Handlungsfreiheit bzw. die Freiheit der Willensbildung des Einzelnen (BGE 

141 IV 1 E. 3.3.1). Der Beschuldigte hat A._____ gezielt daran gehindert, 

zur Polizei zu gehen, indem er ihr damit drohte, zu ihr nach Hause zu fahren 

und ihre Mutter abzustechen. Bei der Drohung, einen nahen 

Familienangehörigen zu töten, handelt es sich um eine sehr schwere Form 

der Drohung. Die vom Beschuldigten geschaffene Zwangssituation und die 

damit einhergehende Einschränkung der Handlungsfreiheit geht mit dieser 

massiven Todes- bzw. Gewaltdrohung des Beschuldigten gegen die Mutter 

von A._____ deutlich über die blosse Erfüllung des Tatbestands der 

Nötigung hinaus, zumal erfahrungsgemäss Drohungen gegen Angehörige 

subjektiv als schwerer wiegend empfunden werden können als Drohungen, 

die sich direkt an den Betroffenen selbst richten. Hinsichtlich des 

eingeschränkten Masses an Entscheidungsfreiheit kann auf die obigen 

Ausführungen in E. 7.4.1 verwiesen werden. 

 

Insgesamt ist in Relation zum Strafrahmen von bis zu 3 Jahren Freiheits-

strafe und den in diesem Rahmen denkbaren Erscheinungsformen von 

Nötigungen von einem nicht mehr leichten bis mittelschweren Verschulden 

und einer dafür angemessenen Strafe von 180 Tagessätzen Geldstrafe 

auszugehen. Grundsätzlich wäre diese Einsatzstrafe für die weiteren mit 

einer Geldstrafe zu ahndenden Delikte angemessen zu erhöhen. Dies ist 

jedoch nicht möglich, da die gesetzliche Strafobergrenze der Geldstrafe 

von 180 Tagen bereits erreicht ist (Art. 34 Abs. 1 StGB). Da ein Wechsel 

der Strafart ausgeschlossen ist (vgl. BGE 144 IV 313), bleibt es – bei 

neutraler Berücksichtigung der Täterkomponente (die teilweise 

Geständnisse des Beschuldigten haben die Strafverfolgung aufgrund der 

bereits erdrückenden Beweislage [WhatsApp-Nachrichten bzw. Vorfall in 

Anwesenheit der Polizei] nicht wesentlich erleichtert, demgegenüber 

wurden die Vorstrafen des Beschuldigten bereits berücksichtigt, siehe 

E. 7.4.2) – bei einer hypothetischen Gesamtgeldstrafe von 180 Tages-

sätzen. Damit steht auch fest, dass eine Erhöhung der Strafe für die 

weiteren Delikte ausgeschlossen ist. Dass dieses Ergebnis zu einer unbillig 

milden (hypothetischen) Gesamtgeldstrafe führt, ist nach der Recht-

sprechung des Bundesgerichts hinzunehmen und rechtfertigt kein 

systemwidriges und ergebnisorientiertes Abweichen vom Willen des 

Gesetzgebers und dem Wortlaut der Norm (vgl. BGE 144 IV 217 E. 3.6; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_244/2021 vom 17. April 2023 E. 5; zur 

Zulässigkeit des Verzichts, die weiteren Delikte nach deutlichem 

Überschreiten der Höchstgrenze im Einzelnen zu asperieren, vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3 [betr. 

Verschlechterungsverbot]).  

 - 31 - 

 

 

Von der hypothetischen Gesamtgeldstrafe von 180 Tagessätzen ist die 

rechtskräftige Grundstrafe von 40 Tagessätzen gemäss Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 19. März 2020 in Abzug zu 

bringen, was eine Zusatzstrafe von 140 Tagessätzen ergibt. Diese liegt 

hinsichtlich der neu begangenen Straftaten über der von der Vorinstanz 

ausgesprochenen Zusatzstrafe von 50 Tagessätzen, weshalb es aufgrund 

des Verschlechterungsverbot bei einer Zusatzstrafe von 50 Tagessätzen 

sein Bewenden hat. 

 

7.5.2. 

Die Höhe des Tagessatzes bemisst sich nach den Verhältnissen des Täters 

im Urteilszeitpunkt (Art. 34 Abs. 2 StGB). Massgebende Kriterien für die 

Bestimmung der Tagessatzhöhe sind das Einkommen, das Vermögen und 

der Lebensaufwand des Beschuldigten, seine Unterstützungspflichten und 

persönlichen Verhältnisse sowie sein Existenzminimum (BGE 142 IV 315 

E. 5 = Pra 2018 Nr. 52, Bestätigung der bisherigen Rechtsprechung). 

Ausgangspunkt ist das Nettoeinkommen, das der Täter im Zeitpunkt des 

Urteils durchschnittlich erzielt bzw. alle geldwerten Leistungen, die ihm 

zufliessen (BGE 134 IV 60 E. 6.1). 

 

Der ledige und kinderlose Beschuldigte arbeitet aktuell als temporär 

Angestellter auf Abruf und erzielt damit ein durchschnittliches Einkommen 

von Fr. 4'800.00 (Protokoll, S. 26). Die Wohnungskosten teilt er zusammen 

mit seiner Mutter und seinem Bruder, mit welchen er gemeinsam wohnt 

(Protokoll, S. 26). Unterhaltspflichten hat er keine. Ausgehend von einem 

massgeblichen monatlichen Nettoeinkommen von Fr. 4'800.00 und einem 

Pauschalabzug von 20% für Krankenkasse, Steuern und notwendige 

Berufsauslagen resultiert damit ein Tagessatz in Höhe von gerundet 

Fr. 130.00. Diese gegenüber der von der Vorinstanz auf Fr. 30.00 

festgesetzte Erhöhung des Tagessatzes verletzt das Verschlechterungs-

verbot nicht, ist diese doch auf die nach dem erstinstanzlichen Urteil 

eingetretenen verbesserten finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten 

zurückzuführen (Art. 391 Abs. 2 StGB; BGE 144 IV 198 E. 5.4). 

7.6.  

Die Vorinstanz hat die ausgesprochene Geldstrafe unbedingt und die 

Freiheitsstrafe von 12 Monaten teilbedingt bei einem vollziehbaren und 

einem bedingt zu vollziehenden Anteil von je 6 Monaten sowie einer 

Probezeit von 3 Jahren ausgesprochen. 

 

Der Beschuldigte ist teilweise einschlägig vorbestraft, was sich mit Blick auf 

seine Legalprognose ungünstig auswirkt. Er wurde mit Strafbefehl der 

Jugendanwaltschaft des Kantons Aargaus vom 10. März 2016 wegen 

mehrfachen Raubs sowie mehrfacher, teilweiser versuchter Wider-

handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einem bedingten 

Freiheitsentzug von 70 Tagen, Probezeit 1 Jahr, und einer Busse von 

Fr. 150.00 verurteilt. Mit Strafbefehl vom 14. Dezember 2017 verurteilte ihn 

 - 32 - 

 

 

die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau wegen Mitfahrt in einem 

entwendeten Fahrzeug zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen, 

Probezeit 3 Jahre, und einer Busse von Fr. 300.00. Die bedingt 

ausgesprochene Geldstrafe wurde sodann wegen Nichtgewährung mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 19. März 2020, zu 

welchem vorliegend eine Zusatzstrafe auszusprechen ist, widerrufen. 

 

Angesichts der Tatsache, dass der Beschuldigte mit den vorliegend zu 

beurteilenden Delikten erneut und im teilweise einschlägigen Bereich 

delinquierte, wobei er nebst Übertretungen und Vergehen insbesondere 

auch mehrfach Verbrechen begangen hat, ist die Warnwirkung des 

bedingten Vollzugs offensichtlich ausgeblieben. Der Beschuldigte nahm die 

ihm gewährte Chance, sich zu bewähren, nicht wahr. Im Gegenteil hat er 

nunmehr gleich mehrere schwere Straftaten begangen, was auf eine 

erhebliche Gleichgültigkeit und Unbelehrbarkeit schliessen lässt. 

 

Soweit der Beschuldigte die ihm vorgeworfenen Straftaten nicht sowieso in 

Abrede stellt (siehe dazu oben), übernimmt er keinerlei Verantwortung für 

seine bisherigen Taten, sondern verdrängt diese oder versucht, diese zu 

rechtfertigen oder weist anderen die Schuld dafür zu (vgl. act. 368 f., 371 

f.; Protokoll, S. 16 f., 19 f.). Mithin fehlt es dem Beschuldigten an einem 

eigentlichen Schuldbewusstsein und damit einhergehend auch an 

aufrichtiger Reue und nachhaltiger Einsicht. Dies zeigt sich besonders gut 

darin, dass er im Berufungsverfahren die Aussagen von A._____ trotz 

teilweise erdrückender Beweislage als von A-Z gelogen bezeichnet hat. 

Daran ändert auch nichts, dass er die A._____ von der Vorinstanz 

zugesprochene Zivilforderung (Schadenersatz von Fr. 300.00 und 

Genugtuung von Fr. 1'000.00 nebst Zins zu 5% seit dem 3. März 2020) mit 

Berufung nicht angefochten hat. 

 

Der Beschuldigte wohnt gemeinsam mit seinem Bruder und seiner Mutter. 

Seit mehreren Jahren hat er – nach eigenen Angaben – wieder eine 

Freundin (Protokoll, S. 23, 26). In beruflicher Hinsicht hat er weder eine 

Lehre abgeschlossen, noch verfügte er über eine Festanstellung. Zurzeit 

arbeitet er als Temporärmitarbeiter. Zudem hat er nach eigenen Angaben 

Schulden im Umfang von Fr. 20'000.00 (Protokoll, S. 23 f.). Die 

Lebensumstände des Beschuldigten erweisen sich damit aktuell zwar als 

beständig, eine besonders positive Veränderung seiner Lebensumstände 

ist darin jedoch nicht zu erblicken. Der Beschuldigte hat sich – soweit 

ersichtlich – zwar nichts mehr zu Schulden kommen lassen. Dies stellt 

jedoch den Normalfall dar. Auch ist zu berücksichtigen, dass die seither 

vergangene Zeit noch nicht sehr lang ist und der Beschuldigte unter dem 

Druck des hängigen Verfahrens gestanden hat. Es wird sich zuerst noch 

weisen müssen, ob sich der Beschuldigte dauerhaft und auch dann 

bewährt, wenn er erneut in eine berufliche oder persönliche Krise geraten 

sollte.  

 - 33 - 

 

 

Im Rahmen einer Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umständen 

bestehen ganz erhebliche Zweifel an der Legalbewährung des 

Beschuldigten. Die Ausfällung einer bloss bedingten Sanktion würde unter 

den vorliegenden Umständen beim Beschuldigten offensichtlich jede Warn-

wirkung verfehlen. Folglich wäre dem Beschuldigten – auch unter 

Berücksichtigung der Wechselwirkung des Vollzugs der Geldstrafe und der 

Freiheitsstrafe – eine eigentliche Schlechtprognose zu stellen. Die 

persönlichen und beruflichen Perspektiven des Beschuldigten sowie sein 

neutral zu wertendes Nachtatverhalten vermögen die ihm aufgrund der 

Vorstrafen, der Tatumstände, der fehlenden Reue und fehlenden 

nachhaltigen Einsicht zu stellende eigentliche Schlechtprognose nicht 

ausreichend zu verbessern. Mithin wäre nebst der Geldstrafe auch die 

gesamte Freiheitsstrafe zu vollziehen, um so einer zukünftigen Delinquenz 

entgegenzuwirken. Angesichts des vorliegend geltenden Verschlech-

terungsverbotes (Art. 391 Abs. 2 StPO) muss es an dieser Stelle 

hinsichtlich der Freiheitsstrafe jedoch mit dem vorinstanzlich gewährten 

teilbedingten Vollzug von 12 Monaten, bei einem bedingt zu vollziehenden 

Anteil von 6 Monaten, entsprechend dem gesetzlichen Minimum, und einer 

Probezeit von 3 Jahren, sein Bewenden haben. Es liegt allein am 

Beschuldigten, das von der Vorinstanz in ihn gesetzte Vertrauen nicht zu 

enttäuschen und sich zu bewähren, was auch für die Form des Vollzugs 

des unbedingt ausgesprochenen Strafanteils von 6 Monaten in 

Halbgefangenschaft gilt (vgl. Art. 77b StGB). 

 

7.7. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten für die Tätlichkeiten gemäss Art. 126 

Abs. 1 StGB, die geringfügige Sachenentziehung gemäss Art. 141 i.V.m. 

Art. 172ter und die geringfügige Sachbeschädigung gemäss Art. 144 StGB 

i.V.m. Art. 172ter StGB mir einer Busse von Fr. 500.00 bestraft. Diese Busse 

wurde vom Beschuldigten mit seiner Berufung nicht angefochten (vgl. 

Berufungserklärung, S. 3), weshalb es damit sein Bewenden hat (Art. 404 

Abs. 1 StPO), zumal sich die Busse am unteren Ende des Strafrahmens 

von bis zu Fr. 10'000.00 Busse befindet und auch unter Annahme eines 

jeweils leichten Verschuldens als sehr mild erweist, mithin unter keinem 

Titel herabgesetzt werden kann. Daran ändert sodann nichts, dass auch 

die Busse als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Lenzburg-Aarau vom 19. März 2020 auszufällen ist. 

 

Allerdings ist aufgrund der aktuellen finanziellen Verhältnisse (siehe 

E. 7.5.2) die für den Fall der unentschuldigten Nichtbezahlung der Busse 

festzusetzende Ersatzfreiheitsstrafe, ausgehend von einem dem 

Tagessatz von Fr. 130.00 entsprechenden Umrechnungsschlüssel (vgl. 

BGE 134 IV 60 E. 7.3.3 S. 77), auf 4 Tage festzusetzen. 

 

 - 34 - 

 

 

7.8. 

Zusammenfassend ist der Beschuldigte mit einer teilbedingten Freiheits-

strafe von 12 Monaten bei einem vollziehbaren und einem bedingt zu 

vollziehenden Anteil von je 6 Monaten sowie einer Probezeit von 3 Jahren 

und als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-

Aarau vom 19. März 2020 zu einer unbedingten Geldstrafe von 50 Tages-

sätzen à Fr. 130.00, d.h. Fr. 6'500.00, und einer Busse von Fr. 500.00, 

ersatzweise 4 Tage Freiheitsstrafe, zu verurteilen.  

 

7.9. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft von insgesamt 4 Tagen (3. März 

2020 bis 4. März 2020 sowie 13. Mai 2020 bis 14. Mai 2020) ist dem 

Beschuldigten an die Freiheitsstrafe anzurechnen (Art. 51 StGB; BGE 135 

IV 126 E. 1.3.6). 

 

8. 

Die der Privatklägerin A._____ von der Vorinstanz zugesprochene 

Zivilforderung (Schadenersatz von Fr. 300.00 und Genugtuung von 

Fr. 1'000.00 nebst Zins zu 5% seit dem 3. März 2020) ist mit Berufung nicht 

angefochten worden, was deshalb nicht zu überprüfen ist (Art. 404 Abs. 1 

StPO). 

 

9. 

9.1. 

Die Berufung des Beschuldigten erweist sich als unbegründet und ist 

abzuweisen. Ausgangsgemäss hat der Beschuldigte die Kosten des 

Berufungsverfahrens von Fr. 5'000.00 vollumfänglich zu tragen (Art. 428 

Abs. 1 StPO; § 18 VKD). 

 

9.2. 

Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten ist für das obergerichtliche 

Verfahren gestützt auf die anlässlich der Berufungsverhandlung 

eingereichte Kostennote und angepasst an die effektive Dauer der 

Berufungsverhandlung mit gerundet Fr. 4'300.00 (inkl. Auslagen und 

Mehrwertsteuer) aus der Staatskasse zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 

StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 3bis AnwT). Diese Entschädigung ist vom 

Beschuldigten zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen 

Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

9.3. 

Ausgangsgemäss hat der Beschuldigte seine Parteikosten im Berufungs-

verfahren für seinen freigewählten Verteidiger selbst zu tragen (Art. 436 

Abs. 1 i.V.m. Art. 429 Abs. 1 StPO e contrario). Zudem hat er der 

Privatklägerin die von ihr beantragte und mit eingereichter Kostennote 

substanzierte Parteientschädigung von Fr. 2'577.25 (inkl. Auslagen und 

 - 35 - 

 

 

Mehrwertsteuer) zu bezahlen (Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 433 Abs. 1 

lit. a StPO). 

 

10. 

10.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). Die beschuldigte Person trägt die Kosten, wenn sie verurteilt 

wird (Art. 426 Abs. 1 StPO). 

 

Nachdem der Beschuldigte schuldig gesprochen wird, sind ihm die 

erstinstanzlichen Verfahrenskosten im Umfang von Fr. 3'954.00 (inkl. 

Anklagegebühr von Fr. 1'400.00) aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 3 i.V.m. 

Art. 426 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte ist zwar entgegen der Anklage 

nicht zusätzlich wegen Körperverletzung bzw. Tätlichkeiten (Anklageziffer 

2) und geringfügiger Sachentziehung (Anklageziffer 7.1) schuldig zu 

sprechen, da diese von der Freiheitsberaubung (Anklageziffer 1.2) 

konsumiert werden. Diesbezüglich haben aber keine Freisprüche von den 

Vorwürfen der Tätlichkeiten und der geringfügigen Sachentziehung zu 

ergehen (vgl. BGE 142 IV 378), weshalb sich an der vollumfänglichen 

Auferlegung der erstinstanzlichen Kosten nichts ändert (Art. 426 Abs. 1 

StPO e contrario). 

 

10.2. 

Der Beschuldigte hat seine erstinstanzlichen Parteikosten für den 

freigewählten Verteidiger selbst zu tragen (Art. 429 Abs. 1 StPO e 

contrario). 

 

10.3. 

Der unentgeltliche Rechtsbeistand der Privatklägerin ist für das 

erstinstanzliche Verfahren aus der Staatskasse zu entschädigen. Entgegen 

der Vorinstanz befindet sich der Beschuldigte nicht in günstigen 

wirtschaftlichen Verhältnissen, weshalb er die Kosten für die unentgeltliche 

Verbeiständung der Privatklägerin nicht zu tragen hat (Art. 426 Abs. 4 

StPO). 

11. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). 

 

  

 - 36 - 

 

 

   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- der mehrfachen Freiheitsberaubung gemäss Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 

StGB; 

- der mehrfachen Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB [teilweise in 

Rechtskraft erwachsen]; 

- der mehrfachen Nötigung gemäss Art. 181 StGB [teilweise in 

Rechtskraft erwachsen]; 

- der mehrfachen Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB; 

- der mehrfachen Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB [teilweise 

in Rechtskraft erwachsen]; 

- der geringfügigen Sachbeschädigung gemäss Art. 144 StGB i.V.m. 

Art. 172ter StGB; 

- der mehrfachen geringfügigen Sachentziehung gemäss Art. 141 i.V.m. 

Art. 172ter [teilweise in Rechtskraft erwachsen]. 

 

2. 

2.1. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss den in Ziffer 1 erwähnten 

Gesetzesbestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 49 

Abs. 1 und 2 StGB, Art. 40 StGB, Art. 34 StGB, Art. 42 StGB, Art. 43 StGB, 

Art. 44 StGB und Art. 106 StGB  

 

zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 12 Monaten mit einem vollzieh-

baren und einem bedingt zu vollziehenden Anteil von je 6 Monaten, 

Probezeit 3 Jahre,  

 

und als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-

Aarau vom 19. März 2020 

 

zu einer unbedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen à Fr. 130.00, d.h. 

Fr. 6'500.00, und einer Busse von Fr. 500.00, ersatzweise 4 Tage 

Freiheitsstrafe, 

 

verurteilt. 

 

2.2. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft von insgesamt 4 Tagen (3. März 

2020 bis 4. März 2020 sowie 13. Mai 2020 bis 14. Mai 2020) wird dem 

Beschuldigten an die Freiheitsstrafe angerechnet. 

 

 - 37 - 

 

 

3. [in Rechtskraft erwachsen] 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin A._____ einen 

Schadenersatz von Fr. 300.00 und eine Genugtuung von Fr. 1'000.00 

zuzüglich 5% Zins seit 3. März 2020 zu bezahlen.  

 

4. 

4.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'000.00 werden dem 

Beschuldigten vollumfänglich auferlegt. 

 

4.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des 

Beschuldigten für das obergerichtliche Verfahren eine Entschädigung von 

Fr. 4'300.00 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten.  

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückverlangt, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

4.3. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin für das Berufungs-

verfahren eine Parteientschädigung von Fr. 2'577.25 zu bezahlen. 

 

5. 

5.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 3'954.00 (inkl. Anklage-

gebühr von Fr. 1'400.00) werden dem Beschuldigten vollumfänglich 

auferlegt.  

 

5.2. 

Der Beschuldigte hat seine erstinstanzlichen Parteikosten selbst zu tragen.  

 

5.3. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird angewiesen, dem unentgeltlichen 

Rechtsbeistand der Privatklägerin für das erstinstanzliche Verfahren eine 

Entschädigung von Fr. 3'124.40 auszurichten.  

 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin die übrigen nicht auf 

die unentgeltliche Rechtspflege entfallenden Parteikosten im Umfang von 

Fr. 5'998.90 zu bezahlen. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 
 
 

 - 38 - 

 

 

 
   

Hinweis zur Bedeutung der teilbedingt ausgesprochenen Strafe  

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer teilbedingt ausgefällten Freiheitsstrafe wird der Vollzug teilweise aufgeschoben. 

Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren angesetzt. Hat 

sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird der aufgeschobene 

Strafteil nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass die Freiheitsstrafe im 

aufgeschobenen Anteil dann nicht anzutreten ist. Begeht der Verurteilte während der 

Probezeit aber ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere 

Straftaten verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 

Abs. 1 StGB). 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG