# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5c5f9131-86bb-5e9e-bcc3-6bc750105cfa
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-09-15
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 15.09.2021 200 2021 66
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2021-66_2021-09-15.pdf

## Full Text

200 21 66 IV
LOU/SHE/SEE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 15. September 2021

Verwaltungsrichter Loosli, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Jakob, Verwaltungsrichter Knapp
Gerichtsschreiber Schnyder

A.________
vertreten durch Rechtsanwältin B.________
Beschwerdeführer

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 30. November 2020

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Sept. 2021, IV/21/66, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Der 1975 geborene A.________ (nachfolgend Versicherter bzw. 
Beschwerdeführer) meldete sich im Dezember 1999 unter Hinweis auf ein 
seit der Kindheit bestehendes psychisches Leiden bei der IV-Stelle Bern 
(nachfolgend IVB oder Beschwerdegegnerin) zum Leistungsbezug an 
(Akten der IVB, Antwortbeilage [AB] 2). In der Folge tätigte die IVB 
erwerbliche und medizinische Abklärungen. Insbesondere holte sie bei Dr. 
med. C.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ein 
Gutachten vom 7. Januar 2003 (AB 18) ein, gewährte Beratung und 
Unterstützung bei der Stellensuche durch die Stellenvermittlung der IVB 
(AB 20) und veranlasste eine vierwöchige und eine dreimonatige Abklärung 
der Eingliederungs- und Arbeitsfähigkeit (AB 26, 37) sowie ein 
dreimonatiges Arbeitstraining (AB 54). Mit Verfügung vom 10. Oktober 
2006 (AB 61) verneinte die IVB bei einem Invaliditätsgrad von 36% einen 
Rentenanspruch. Die Verfügung blieb unangefochten. 

B.

Im Januar 2015 (AB 64) meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf ei-
ne seit ca. 15 Jahren bestehende fehlende Belastbarkeit erneut bei der IVB 
zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 22. Mai 2015 (AB 71) und der 
Begründung, der Versicherte habe nicht glaubhaft dargelegt, dass sich die 
tatsächlichen Verhältnisse seit der Verfügung vom 10. Oktober 2006 in ei-
ner für den Anspruch erheblichen Weise verändert hätten, trat die IVB auf 
das Leistungsbegehren nicht ein. Die Verfügung blieb unangefochten.

C.

Im April 2018 (AB 77) meldete sich der Versicherte abermals bei der IVB 
zum Leistungsbezug an. Diese tätigte in der Folge erwerbliche und 
medizinische Abklärungen. Insbesondere gewährte sie Arbeitsvermittlung 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Sept. 2021, IV/21/66, Seite 3

(AB 99) sowie Support am Arbeitsplatz (AB 105, 110). Mit Mitteilung vom 7. 
November 2019 (AB 116) schloss die IVB die beruflichen Massnahmen ab, 
da aus gesundheitlichen Gründen im ersten Arbeitsmarkt keine 
Grundarbeitsfähigkeit bzw. Vermittlungsfähigkeit habe erreicht werden 
können. Weiter holte sie bei den Dres. med. D.________, Facharzt für 
Psychiatrie und Psychotherapie, sowie E.________, Facharzt für 
Neurologie, ein bidisziplinäres Gutachten vom 1. resp. 3. Juli 2020 (AB 
131.1, 132.1) ein. Mit Vorbescheid vom 24. Juli 2020 (AB 133) stellte die 
IVB in Aussicht, bei einem Invaliditätsgrad von 0% einen Rentenanspruch 
zu verneinen. Nach dagegen erhobenem Einwand (AB 134, 136) holte die 
IVB Stellungnahmen bei den Dres. med. D.________ vom 29. Oktober 
2020 (AB 140) und E.________ vom 19. November 2020 (AB 142) sowie 
beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) vom 26. November 2020 (AB 
144) ein und verfügte am 30. November 2020 (AB 145) dem Vorbescheid 
entsprechend. 

D.

Mit Eingabe vom 21. Januar 2021 erhob der Versicherte, vertreten durch 
Rechtsanwältin B.________, hiergegen Beschwerde mit folgenden 
Rechtsbegehren:

1. Die Verfügung vom 30. November 2020 sei aufzuheben und die 
Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer rückwirkend ab 1. 
Oktober 2018 eine zumindest halbe Invalidenrente auszurichten.

2. Eventualiter: Die Verfügung vom 4. September (recte: 30. November) 2020 sei 
aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ergänzende 
Abklärungen vorzunehmen und anschliessend über den Rentenanspruch neu 
zu entscheiden.

3. Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen, auf 
die Erhebung von Verfahrenskosten sei zu verzichten und die Unterzeichnende 
als unentgeltliche Rechtsvertreterin einzusetzen.

- unter Kosten- und Entschädigungsfolgen -

Die Beschwerdegegnerin schliesst mit Beschwerdeantwort vom 15. 
Februar 2021 auf Abweisung der Beschwerde. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Sept. 2021, IV/21/66, Seite 4

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von 
Sozialversicherungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche 
Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des 
Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des 
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des 
kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der 
Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) 
Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist im 
vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträgen nicht durchgedrungen, 
durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges 
Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 
59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des 
Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; 
SR 831.20]). Da unter Berücksichtigung des Fristenstillstandes auch die 
Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG; vgl. Art. 38 Abs. 4 lit. c ATSG 
sowie Art. 38 Abs. 2bis ATSG; vgl. auch Sendungsverfolgung der 
Schweizerischen Post [in den Gerichtsakten]) sowie Form (Art. 61 lit. b 
ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 
1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten 
sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

1.2 Anfechtungsgegenstand bildet die Verfügung vom 30. November 
2020 (AB 145). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine 
Invalidenrente. 

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 
80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Sept. 2021, IV/21/66, Seite 5

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauern-
de ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbs-
unfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder 
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung 
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der 
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur 
Arbeitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen 
Tätigkeitsbereich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung 
verbleibende Erwerbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person 
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der 
volle oder bloss teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als 
Erwerbsunfähigkeit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).

2.2 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine 
Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im 
Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare 
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern 
können (lit. a) und die zusätzlich während eines Jahres ohne wesentlichen 
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) 
gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid 
(Art. 8 ATSG) sind (lit. b und c). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der 
Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 
70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60% invalid 
ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht Anspruch auf 
eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein 
solcher auf eine Viertelsrente.

2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen 
haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand 
zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Sept. 2021, IV/21/66, Seite 6

bezüglich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im 
Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die 
Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch 
zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 
99; SVR 2018 IV Nr. 27 S. 87 E. 4.2.1).

2.4

2.4.1 Wird ein Gesuch um Revision eingereicht, so ist darin glaubhaft zu 
machen, dass sich der Grad der Invalidität des Versicherten in einer für den 
Anspruch erheblichen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 2 der Verordnung 
vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). 
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, 
so wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzung nach 
Abs. 2 erfüllt ist (Art. 87 Abs. 3 IVV, vgl. auch BGE 130 V 343 E. 3.5.3 S. 
351).

2.4.2 Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung oder das 
Revisionsgesuch ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu 
vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte 
Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist. Stellt 
sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen 
Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch 
ab. Andernfalls hat sie zusätzlich noch zu prüfen, ob die festgestellte 
Veränderung genügt, um nunmehr eine rentenbegründende (bzw. 
anspruchsrelevant höhere) Invalidität zu bejahen, und hernach zu 
beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle 
Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a S. 198; SVR 2008 
IV Nr. 35 S. 117 E. 2.1).

2.4.3 Ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den 
Invaliditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt sich im 
Neuanmeldungsverfahren – analog zur Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 
ATSG – durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der letzten 
materiellen Beurteilung und rechtskräftigen Ablehnung bestanden hat, mit 
demjenigen zur Zeit der streitigen neuen Verfügung (BGE 133 V 108 E. 5.3 
S. 112; 130 V 71 E. 3.2.3 S. 77; AHI 1999 S. 84 E. 1b).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Sept. 2021, IV/21/66, Seite 7

2.4.4 Liegt eine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist der 
Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter 
Berücksichtigung des gesamten für die Leistungsberechtigung 
ausschlaggebenden Tatsachenspektrums neu und ohne Bindung an 
frühere Invaliditätsschätzungen zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11, 117 V 
198 E. 4b S. 200; SVR 2019 IV Nr. 39 S. 124 E. 5).

3.

3.1 Da die Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung vom April 2018 
(AB 77) eingetreten ist und über den Anspruch materiell entschieden hat, 
ist die Eintretensfrage gerichtlich nicht zu überprüfen (BGE 109 V 108 E. 2b 
S. 114). Weiter ist durch das psychiatrische Teilgutachten des Dr. med. 
D.________ vom 1. Juli 2020 erstellt und von den Parteien zu Recht nicht 
bestritten, dass sich der Gesundheitszustand wie auch die Arbeitsfähigkeit 
nach der Verfügung vom 10. Oktober 2006 (AB 61) massgeblich verändert 
hat, indem der Beschwerdeführer bis 2007 ein ausgeprägtes 
Konsumverhalten psychotroper Substanzen aufwies, nun aber abstinent 
lebt (AB 131.1/23 Ziff. 8.4; vgl. u.a. AB 94/5, 98, 131.1/19 Ziff. 6, 132.1/24 
Ziff. 6). Insofern ist von einer revisionsrechtlich relevanten Änderung 
auszugehen, und ist der Rentenanspruch nachfolgend in rechtlicher und 
tatsächlicher Hinsicht allseitig und ohne Bindung an frühere Beurteilungen 
zu prüfen (E. 2.4.4 hiervor). 

3.2 Aus medizinischer Sicht ergibt sich im Wesentlichen das Folgende:

3.2.1 Dr. med. F.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie 
des RAD, stellte in der Aktenbeurteilung vom 27. August 2018 (AB 94) 
folgende Diagnosen und Verdachtsdiagnosen:

- Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 
F33.1)

- Verdacht auf organische Persönlichkeitsstörung, Differentialdiagnose: 
organisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma

- Psychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch: 
Abhängigkeitssyndrom gegenwärtig abstinent (ICD-10 F19.20).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Sept. 2021, IV/21/66, Seite 8

Beim Versicherten seien mit hoher Wahrscheinlichkeit schon seit Kindheit 
bestehende Einschränkungen im Bereich der kognitiven Leistungsfähigkeit 
und im Verhalten anzunehmen. Eine Intelligenzminderung habe 2003 
ausgeschlossen werden können. Mit der Schilderung eines 
Schädelhirntraumas im Alter von acht Jahren, einem sprunghaften und vor 
allem umständlichen Denken, den schulischen Leistungsproblemen 
jenseits einer Intelligenzminderung, der Einnahme potentiell neurotoxischer 
Drogen und auch den Konversionssymptomen spreche vieles für eine 
hirnorganische Unterlegung der aktuellen Psychopathologie. Dabei stehe 
der unauffällige MRI-Befund des Schädels vom September 2017 dem nicht 
entgegen. Insgesamt sei nachvollziehbar, dass die Auffälligkeiten im 
Verhalten bzw. im Persönlichkeitsbereich anfangs als 
Persönlichkeitsstörung gefasst worden seien. Mit der Zeit hätten sich die 
depressiven Symptome intensiviert. Aktuell sei auf der Basis der objektiven 
Befunde von einer mittelgradigen Ausprägung der depressiven 
Symptomatik auszugehen. Ein überdauernder Gesundheitsschaden sei 
unabhängig von der genauen diagnostischen Einschätzung der 
anzunehmenden Hirnorganik aufgrund der depressiven Störung aus 
versicherungsmedizinischer Sicht ausgewiesen. Dieser führe auch zu 
deutlichen Defiziten und Beeinträchtigungen. Eine längerdauernde 
Arbeitsunfähigkeit von über 20% liege vor. Als funktionelle 
Einschränkungen bestünden depressive Reaktionen auf Belastungen, 
neurokognitive Defizite mit einer generellen Verlangsamung, eine 
Reduktion der verbalen Gedächtnisleistungen im Sinne einer 
Speicherstörung, eine Reduktion der Auffassungsgabe, eine rasche 
Neigung zur Überforderung und konflikthafte Interaktionen. Aktuell sei der 
Versicherte wieder motiviert, sich behandeln und eingliedern zu lassen. 
Ausreichende intellektuelle Fähigkeiten lägen vor. Der Versicherte 
verzichte auf den Konsum von Suchtmitteln als Konfliktlösung. Die Tätigkeit 
als ... sei aufgrund der aktuell anzunehmenden Defizite und 
Beeinträchtigungen nicht geeignet. Auf der Basis der bei der Testung 
festgestellten Auffassungsprobleme sollte eine Tätigkeit nicht hauptsächlich 
in Form eines Kundenkontaktes ausgestaltet sein. Manuelle Tätigkeiten 
seien kognitiv strukturierten Arbeiten klar vorzuziehen. Er bedürfe einer 
umfangreichen Anleitung. Bezüglich Zumutbarkeitsprofil sollte im Sinne 
eines Belastungstrainings überprüft werden, zu welchen Leistungen der 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Sept. 2021, IV/21/66, Seite 9

Versicherte in der Lage sei. Dabei könne eine Mindestpräsenzzeit von vier 
Stunden aktuell angenommen werden. Mit den Ergebnissen dieser 
Massnahmen könne ein definitives Zumutbarkeitsprofil erstellt werden. 

3.2.2 Dr. med. D.________ führte im psychiatrischen Teilgutachten vom 
1. Juli 2020 (AB 131.1) aus, mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 
bestünden Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60), am 
ehesten im Sinne einer gemischten Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.8) 
oder einer abhängigen Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7). Ohne 
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit liege eine Abhängigkeitsstörung (ICD-
10 F19), aktuell weitgehend abstinent, aus klinisch psychiatrischer 
Untersuchung keine Hinweise auf aktuelles aktives Konsumverhalten, vor. 
Anderweitige primär psychische Störungen seien nicht zu benennen (S. 18 
Ziff. 6). Es müsse angenommen werden, dass der Versicherte nur für sehr 
angepasste und auf ihn spezifisch zugeschnittene Tätigkeiten als 
arbeitsfähig zu betrachten sei, während allgemein für normale 
Arbeitstätigkeiten vergleichbar mit anderen Arbeitssuchenden keine 
andauernde Arbeitsfähigkeit resultieren werde (S. 21 Ziff. 7). Es sei unklar, 
was als bisherige Tätigkeit zu verstehen sei, da ... in der G.________ eine 
besondere Nischenarbeit zu sein scheine. Formal habe dort eine 
Arbeitsfähigkeit von 40% bestanden. Theoretisch wäre ihm eine 
vergleichbare Tätigkeit wieder zu 50% zumutbar (S. 22 Ziff. 8.1). Bei einer 
maximalen Anpassung des Arbeitsplatzes wäre ihm eine Tätigkeit zu 
100%, d.h. achteinhalb Stunden täglich, zumutbar (Ziff. 8.2).

Dr. med. E.________ stellte im neurologischen Teilgutachten vom 3. Juli 
2020 (AB 132.1) keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. 
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden episodische 
Spannungskopfschmerzen seit der Kindheit (ICD-10 G44.2). Aktuell liege 
aus neurologischer Sicht kein Hinweis auf ein relevantes anhaltendes 
Suchtleiden vor; der Versicherte konsumiere lediglich noch ca. 15 
Zigaretten am Tag und sonst keine Suchtmittel (S. 24 Ziff. 6). Aus 
neurologischer Sicht bestehe für sämtliche Tätigkeiten ein zumutbares 
zeitliches Pensum von 100% ohne Einschränkungen der Leistungsfähigkeit 
(S. 31 ff. Ziff. 8).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Sept. 2021, IV/21/66, Seite 10

Aus interdisziplinärer Sicht kamen die Dres. med. D.________ und 
E.________ zum Schluss, aktuell bestünden keine Einschränkungen der 
Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit; solche angepassten Tätigkeiten 
sollten auf die Einschränkungen der Stressresistenz und des 
Arbeitstempos Rücksicht nehmen. In der bisherigen Arbeit als ... in der 
G.________ werde aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 50% 
als zumutbar erachtet. Aus neurologischer Sicht bestehe aktuell keine 
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit und dementsprechend 
auch keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten. 
Somit sei bei der interdisziplinären Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auf 
die psychiatrische Beurteilung abzustellen (AB 131.1/24 f. Ziff. 10, AB 
132.1/34 Ziff. 10).

3.2.3 Dr. med. H.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin 
sowie Psychiatrie und Psychotherapie, führte im Schreiben vom 18. 
September 2020 (AB 136) an die IVB aus, der Vorbescheid, d.h. dass der 
Versicherte zu 100% arbeitsfähig sei, sei für alle mit dem Versicherten auf 
praktischer Ebene in den letzten Jahren befassten Fachpersonen 
„(medizinisch, arbeitsagogisch, sozialarbeiterisch, IV-Abt. Eingliederung)“ 
völlig unverständlich. Sie alle attestierten dem Versicherten unter optimal 
strukturierten Rahmenbedingungen, wie sie in der freien Wirtschaft (erster 
Arbeitsmarkt) realistischerweise kaum irgendwo zu finden seien, ein 
Leistungsvermögen von ca. 50%. 

3.2.4 Dr. med. D.________ nahm am 29. Oktober 2020 (AB 140) Stellung 
zu den Einwänden des Versicherten wie des Dr. med. H.________. Daraus 
würde sich keine veränderte Einschätzung im Vergleich zum Gutachten 
ergeben. Die von Dr. med. H.________ angesprochene Unklarheit, ob 
denn nun eine Arbeitstätigkeit zumutbar sei oder aus rein psychiatrischer 
Sicht nur eine 50%-ige Arbeitsfähigkeit bestehe, sei der Unklarheit der 
Begrifflichkeiten „zuletzt erbrachte bisherige Tätigkeit“ und/oder 
„angepasste Tätigkeit“ geschuldet. Im Gutachten sei ausgeführt worden, es 
gäbe neben der unbestrittenen Abhängigkeitsstörung von psychotropen 
Substanzen früherer Jahre Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung, die 
womöglich die bisherige Tätigkeit bzw. eine dieser Arbeit vergleichbare 
Tätigkeit zu 50% einschränken würde, während eine angepasste Tätigkeit 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Sept. 2021, IV/21/66, Seite 11

zu 100% zumutbar wäre. Aus psychiatrischer Sicht habe er (Dr. med. 
D.________) weder über die neurologische Einschätzung zu befinden, die 
seines Erachtens nach im Gutachten ausreichend und nachvollziehbar 
dargelegt worden sei, noch über die versicherungsmedizinische oder gar 
juristische Interpretation vor dem Hintergrund der Termini „bisherige 
Tätigkeit“, „angepasste Tätigkeit“, „Zumutbarkeit“ oder „maximale 
Willensanstrengung“. Ebenso beurteilte er die von Dr. med. H.________ 
benannte „praktische Ebene“, wie es sich in der freien Wirtschaft des 
sogenannten ersten Arbeitsmarktes unter Aspekten etwa eines 
Ausbildungsabschlusses, früherer beruflicher Tätigkeiten oder des 
Lebensalters des Versicherten verhalten würde, als krankheitsfremd. 
Zusammenfassend ändere der Arztbericht des behandelnden Psychiaters 
wie auch der Einwand gegen den Vorbescheid durch den Versicherten 
selbst nichts an der Einschätzung, wonach der Versicherte eine mit der 
bisher erbrachten Arbeit vergleichbare Tätigkeit zu 50% und eine auf ihn 
individuell angepasste Tätigkeit zu 100% erbringen könne.

3.2.5 Dr. med. E.________ nahm am 19. November 2020 (AB 142) 
Stellung zu den Einwänden des Versicherten wie des Dr. med. 
H.________. Er (Dr. med. E.________) habe die Berichte des Spitals 
I.________ in seinem Gutachten ausführlich gewürdigt. Weiter werde im 
Gutachten ausführlich auf die Problematik einer allenfalls hirnorganischen 
(posttraumatischen) und neuropsychologischen Störung eingegangen, 
welche in Anbetracht der Tatsache, dass ein MRI des Kopfes im 
September 2017 normal gewesen sei ohne Nachweis von 
posttraumatischen zerebralen Verändern, nicht ohne Weiteres 
aufrechterhalten werde könne. Soweit die neuropsychologische 
Untersuchung vom 23. November 2017 im Spital I.________ betreffend, 
habe diese ein knapp unauffälliges kognitives Leistungsprofil ergeben. Im 
besagten Bericht werde zudem darauf hingewiesen, dass die ursächliche 
Zuordnung der Befunde nur ansatzweise möglich sei, so dass aus 
neurologischer Sicht keine konkrete Einschränkung der Arbeitsfähigkeit 
konstruiert werden könne. Dies umso mehr, als von den untersuchenden 
Neuropsychologen keine diesbezügliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit 
vorgenommen worden sei. Dementsprechend könne nicht im Nachhinein 
eine kognitive Einschränkung der Arbeitsfähigkeit konstruiert werden, wenn 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Sept. 2021, IV/21/66, Seite 12

diese anlässlich einer detaillierten und quantitativen neuropsychologischen 
Untersuchung nicht formuliert worden sei. Weiter sei die Hypothese einer 
traumatischen zerebralen Schädigung jedenfalls im vorliegenden Fall nicht 
aufrecht zu erhalten, dies trotz dieser Angaben im Austrittsbericht des 
Spitals I.________ vom 4. Dezember 2017 mit der Angabe eines 
Schädelhirntraumas 1983. Zusammenfassend würden sich aus den 
vorliegenden Unterlagen keine Änderungen der Ausführungen im 
neurologischen Teilgutachten ergeben. Die von Dr. med. H.________ 
vorgebrachten Einwände würden auch insofern keine Veränderung 
ergeben, als er keine mögliche neurologische Diagnose mit Auswirkung auf 
die Arbeitsfähigkeit erwähne. Die Hypothese der von ihm formulierten 
hirnorganischen Schädigungen könne nicht ohne weiteres nachvollzogen 
werden. Ein Schädelhirntrauma lasse sich aktuell nicht nachweisen. Ob 
allenfalls eine frühkindliche Entwicklungsverzögerung vorliege, könne 
aktuell aus neurologischer Sicht nicht näher beurteilt werden. Das 
Vorliegen von möglichen Verdachtsdiagnosen erlaube jedenfalls im 
versicherungsmedizinischen Kontext, in dem der Beweisgrad der 
überwiegenden Wahrscheinlichkeit gefordert werde, keinen Rückschluss 
auf eine resultierende eingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Dementsprechend 
seien im neurologischen Teilgutachten keine neurologischen Diagnosen mit 
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit formuliert. 

3.2.6 Dr. med. F.________ vom RAD führte in der Beurteilung vom 26. 
November 2020 (AB 144) aus, nach Durchsicht der beiden Stellungnahmen 
der Dres. med. D.________ und E.________ zeige sich, dass man aus 
versicherungsmedizinischer Sicht darauf und somit auch auf die beiden 
Teilgutachten inkl. die interdisziplinäre Gesamtbeurteilung abstellen könne. 

3.3 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, un-
abhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander wi-
dersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Sept. 2021, IV/21/66, Seite 13

anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische 
These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht 
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. 
Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die 
Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder 
in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352). Den im Verwaltungsverfahren eingeholten 
Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender 
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten 
Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen 
Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft 
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit 
der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4 S. 227, 135 V 465 E. 4.4 
S. 470, 125 V 351 E. 3b bb S. 353; SVR 2019 IV Nr. 40 S. 128 E. 3, 2018 
IV Nr. 27 S. 87 E. 4.2.2).

3.4

3.4.1 Das neurologische Teilgutachten von Dr. med. E.________ vom 3. 
Juli 2020 (AB 132.1) inkl. dessen ergänzende Stellungnahme vom 19. 
November 2020 (AB 142) erfüllt die Voraussetzungen der Rechtsprechung 
an Expertisen (vgl. E. 3.3 hiervor). Die Feststellungen des Gutachters 
beruhen auf eigenen spezialärztlichen Abklärungen und sind in Kenntnis 
der Vorakten sowie unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden 
getroffen worden. Die Ausführungen in der Beurteilung der medizinischen 
Zusammenhänge sind für die streitigen Belange umfassend, und die 
gezogenen Schlussfolgerungen zum Gesundheitszustand werden 
nachvollziehbar und einleuchtend begründet. Dem neurologischen 
Teilgutachten vom 3. Juli 2020 inkl. Ergänzung vom 19. November 2020 
kommt damit voller Beweiswert zu und es ist in der Folge darauf 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Sept. 2021, IV/21/66, Seite 14

abzustellen. Danach ist erstellt, dass aus neurologischer Sicht kein Leiden 
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vorliegt. Die dagegen vom 
Beschwerdeführer vorgebrachten Einwände und genannten Berichte (vgl. 
Berichte des Spitals I.________ vom 4. Dezember 2017 [AB 84/9] und 10. 
Mai 2018 [AB 86], von Dr. med. J.________, Facharzt für Allgemeine 
Innere Medizin, vom 14. April 2018 [AB 84] und von Dr. med. H.________ 
vom 18. September 2020 [AB 136]; vgl. auch Beschwerde S. 3 ff.) lagen 
dem Gutachter vor (AB 132.1/11 ff., 142/5) und wurden von ihm im 
Gutachten wie in der nachfolgenden Ergänzungsstellungnahme gewürdigt 
(AB 132.1/24 ff., 142/2 ff.). Er legte nachvollziehbar und überzeugend dar, 
dass keine neurologischen Diagnosen mit Auswirkung auf die 
Arbeitsfähigkeit vorliegen.

3.4.2 Ebenfalls erfüllt das psychiatrische Teilgutachten von Dr. med. 
D.________ vom 1. Juli 2020 (AB 131.1) inkl. dessen ergänzende 
Stellungnahme vom 29. Oktober 2020 (AB 140) die Voraussetzungen der 
Rechtsprechung an Expertisen (vgl. E. 3.3 hiervor). Die Feststellungen des 
Gutachters beruhen auf eigenen spezialärztlichen Abklärungen und sind in 
Kenntnis der Vorakten sowie unter Berücksichtigung der geklagten 
Beschwerden getroffen worden. Die Ausführungen in der Beurteilung der 
medizinischen Zusammenhänge sind für die streitigen Belange umfassend, 
und die gezogenen Schlussfolgerungen zum Gesundheitszustand werden 
nachvollziehbar und einleuchtend begründet. Dem psychiatrischen 
Teilgutachten vom 1. Juli 2020 inkl. Ergänzung vom 29. Oktober 2020 
kommt damit grundsätzlich voller Beweiswert zu und es ist in der Folge 
darauf abzustellen. Danach ist dem Beschwerdeführer aus medizinischer 
Sicht die in der G.________ ausgeübte Tätigkeit als ... wie auch eine 
vergleichbare Tätigkeit zu 50% zumutbar. Bei einer maximalen Anpassung 
des Arbeitsplatzes kann er eine Tätigkeit zu 100%, d.h. achteinhalb 
Stunden am Tag ausüben. Was der Beschwerdeführer dagegen vorbringt, 
vermag nicht zu überzeugen und die von ihm angegebenen medizinischen 
Berichte der behandelnden Ärzte (Berichte der Psychiatrischen Dienste 
K.________ vom 27. Juli 2018 [AB 91] sowie von Dr. med. H.________ 
vom 7. November 2019 [AB 118] und 18. September 2020 [AB 136]) 
vermögen nichts an den Feststellungen des Gutachters zu ändern. Dr. 
med. D.________ war denn auch im Besitz der besagten Berichte (AB 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Sept. 2021, IV/21/66, Seite 15

131.1/4 ff. Ziff. 2, 140/12) und sie wurden von ihm gewürdigt und bei seinen 
Schlussfolgerungen berücksichtigt (AB 131/18 ff. Ziff. 7, 140/2). Soweit 
schliesslich die Beschwerdegegnerin die Meinung vertritt, mit Einfluss auf 
die Arbeitsfähigkeit habe Dr. med. D.________ einzig eine 
Verdachtsdiagnose gestellt und es handle sich damit um ein beweismässig 
nicht gesichertes Leiden, welches keine rechtsgenügliche Grundlage bilde, 
um eine mögliche Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nachzuweisen 
(Beschwerdeantwort S. 2 f. Ziff. 7), trifft dies vorliegend nicht zu. Bei der 
diagnostizierten Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60) handelt es sich nicht 
um eine Verdachtsdiagnose, sondern um die Grunderkrankung, deren 
Ausprägung sowohl Elemente der gemischten (ICD-10 F60.7) wie auch der 
anderen/sonstigen Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.8) enthält, was im 
psychiatrischen Teilgutachten ausführlich und einleuchtend abgehandelt 
wird (AB 131.1/18 ff. Ziff. 7). 

3.4.3 Aufgrund des Dargelegten ist medizinisch erstellt, dass der 
Beschwerdeführer in der bisherigen Tätigkeit als ... in der G.________ 
(besondere Nischenarbeit) wie auch in ähnlichen Arbeiten zu 50% 
eingeschränkt ist. In einer maximal auf ihn angepassten Tätigkeit, welche 
die Einschränkung der Stressresistenz wie auch des Arbeitstempos 
berücksichtigt, ist er zu 100%, d.h. achteinhalb Stunden pro Tag, arbeits- 
und leistungsfähig (AB 131.1/22 Ziff. 8.1 f. i.V.m. AB 131.1/24 Ziff. 10). 
Indem hier eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise 
verneint wird, bedarf es praxisgemäss keiner Indikatorenprüfung und damit 
keines strukturierten Beweisverfahrens (BGE 143 V 409 E. 4.5.3). 

3.5 Was die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit im ersten 
Arbeitsmarkt betrifft, äussert sich der Gutachter nicht. Die 
Beschwerdegegnerin weist aber zu Recht darauf hin (Beschwerdeantwort 
S. 3 Ziff. 8), es liege – entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers 
(Beschwerde S. 9) – nicht am Arzt zu beurteilten, ob einer versicherten 
Person die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit auf dem ersten oder zweiten 
Arbeitsmarkt verwerten kann. Vielmehr handelt es sich dabei um eine 
rechtliche Frage, die nicht vom Mediziner zu beantworten ist (Entscheid 
des Bundesgerichts [BGer] vom 26. Juli 2019, 9C_798/2018, E. 4.1.2). 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Sept. 2021, IV/21/66, Seite 16

Diesbezüglich verweist der psychiatrische Gutachter jedoch ausdrücklich 
(AB 131.1/21 Ziff. 7) auf den Abschluss-Coachingbericht der 
psychiatrischen Dienste L.________ vom 16. Oktober 2019, was im 
vorliegenden Gesamtzusammenhang nicht unbeachtlich bleiben kann: 
Bereits der RAD-Psychiater Dr. med. F.________ befürwortete nämlich in 
seiner Beurteilung vom 27. August 2018 ein Belastungstraining, um zu 
überprüfen, zu welchen Leistungen der Beschwerdeführer in der Lage sei 
(AB 94/6). Im besagten Coachingbericht wird festgehalten, der 
Beschwerdeführer habe als „Mitarbeiter ...“ in der „M.________“ bei einem 
Beschäftigungsgrad von 55% einen Leistungsgrad von 85% erreicht. 
Voraussetzung für die Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit seien klar 
strukturierte, wiederholende und planbare Aufgaben, die der 
Beschwerdeführer autonom und ohne Zeitdruck ausführen könne. Diese 
Bedingungen seien äusserst selten im ersten Arbeitsmarkt anzutreffen und 
würden nicht der Arbeitsmarktrealität entsprechen. Während fünf Wochen 
des sechsmonatigen Coachings hätten die Bedingungen dem ersten 
Arbeitsmarkt entsprochen. Unter diesen Umständen habe sich die 
Belastbarkeit stark reduziert und der Leistungsgrad habe bei einem 
Pensum von 45% bei 65% gelegen (AB 114/4 Ziff. 3). Die Vermittelbarkeit 
des Beschwerdeführers in den ersten Arbeitsmarkt sei nicht gegeben. Die 
Stressresistenz sowie das Arbeitstempo seien unzureichend und 
entsprächen nicht den Anforderungen des ersten Arbeitsmarktes (AB 114/5 
Ziff. 5). Des Weiteren verwies der psychiatrische Gutachter Dr. med. 
D.________ betreffend die konkrete Frage nach einer Erwerbstätigkeit in 
der freien Wirtschaft zurück auf das Gesagte (AB 131.1/23 Ziff. 8.4). An 
einer anderen Stelle des Teilgutachtens (S. 20 f. Ziff. 7) kam er jedoch zum 
Schluss, dass, wenn die beruflichen Massnahmen in der „M.________“ 
ergeben hätten, dass der Beschwerdeführer keine Leistung erbracht habe, 
die ein wirtschaftliches Umsetzen erlauben würde, so müsse in der 
Gesamtschau angenommen werden, dass er nur für sehr angepasste und 
auf ihn spezifisch zugeschnittene Tätigkeiten als arbeitsfähig betrachtet 
werde. Allgemein für normale Arbeitstätigkeiten vergleichbar mit anderen 
Arbeitssuchenden würde damit keine andauernde Arbeitsfähigkeit 
resultieren. Gleich argumentieren die behandelnden Ärzte, indem diese 
einen geschützten Arbeitsplatz (Bericht von Dr. med. J.________ vom 14. 
April 2018 [AB 84/5 Ziff. 4.3]) bzw. eine Tätigkeit in geschütztem Bereich 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Sept. 2021, IV/21/66, Seite 17

(Bericht der Psychiatrischen Dienste K.________ vom 27. Juli 2018 [AB 
91/2 Ziff. 11]) bzw. im zweiten Arbeitsmarkt für nötig erachten (Bericht von 
Dr. med. H.________ vom 7. November 2019 [AB 118/7 f. Ziff. 3.5 und 
4.3]) und auf dem ersten Arbeitsmarkt längerfristig eine schlechte Prognose 
abgeben (Bericht des Spitals I.________ vom 10. Mai 2018 [AB 86/5 Ziff. 
4.3]). 

Diese während den beruflichen Massnahmen getätigten Feststellungen wie 
auch von ärztlicher Seite her gemachten Schlussfolgerungen werden denn 
auch durch die berufliche Biografie des Beschwerdeführers unterstrichen 
und bestätigt. So wurde anlässlich der von der Beschwerdegegnerin 2005 
gewährten dreimonatigen Abklärungsmassnahme (AB 37) eine 
Reintegration im geschützten Rahmen befürwortet (vgl. Bericht der 
Abklärungsstelle N.________ vom 30. November 2005 [AB 52/7]). 
Ebenfalls gewährte die Beschwerdegegnerin 2006 ein dreimonatiges 
Arbeitstraining bei einer Stiftung (AB 54). Nach dessen Abschluss wurde 
dem Beschwerdeführer dort die Möglichkeit geboten, eine auf acht Monate 
befristete Stelle als Praktikant anzutreten. Im diesbezüglichen 
Schlussbericht der Beschwerdegegnerin vom 8. Mai 2006 wird dargelegt, 
der Beschwerdeführer könne in der Stiftung in einem beschützten Umfeld 
arbeiten; in der freien Wirtschaft wäre seine Anstellung nicht denkbar (AB 
56). Nach der letzten Rentenabweisung 2006 war der Beschwerdeführer 
zwar immer wieder erwerbstätig gewesen, indem er ab 2008 bis 2015 in 
der G.________ unter dem Titel Praktikant in verschiedenen einfachen 
Tätigkeiten im geschützten Rahmen zu einem Lohn von maximal Fr. 
11‘200.-- pro Jahr arbeitete (AB 64/7, 83). Weiter absolvierte er 2017 in 
einer ... ein Praktikum als Hilfskraft als Versuch der Eingliederung in den 
ersten Arbeitsmarkt. Laut verschiedenen Berichten dazu erscheint eine 
Tätigkeit im freien Arbeitsmarkt nicht möglich (AB 84/3, 86/13 f., 101/10 ff.). 
Die weitere Tätigkeit im ... von April bis September 2019 wurde von der 
Beschwerdegegnerin getragen als Job-Coaching (AB 105 f., 110) mit dem 
Resultat, dass keine Grundarbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt erreicht 
werden konnte (AB 114) und der Folge, dass ein Anspruch auf Fortsetzung 
der beruflichen Massnahmen durch die Beschwerdegegnerin am 7. 
November 2019 verneint wurde, da die Vermittelbarkeit im ersten 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Sept. 2021, IV/21/66, Seite 18

Arbeitsmarkt nicht möglich war (AB 116). Danach wurde er wieder von der 
Sozialhilfe unterstützt (AB 132.1/21).

Zusammenfassend ist festzustellen, dass aus medizinischer Sicht in einer 
angepassten Tätigkeit zwar eine 50%-ige bzw. bei einer maximalen 
Anpassung sogar eine vollständige Arbeitsfähigkeit besteht, der 
ausgeglichene Arbeitsmarkt jedoch eine solche Tätigkeit entsprechend den 
erheblichen Einschränkungen des Beschwerdeführers realistischerweise 
nicht zur Verfügung stellt und eine solche nur im geschützten Rahmen, d.h. 
im zweiten Arbeitsmarkt, vorhanden ist. Daher ist die Verwertbarkeit der 
Restarbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft zu verneinen und es besteht 
Anspruch auf eine ganze Rente (vgl. Entscheide des BGer vom 20. Januar 
2020, 9C_644/2019, E. 4.3.2 f. und vom 16. Oktober 2018, 9C_321/2018, 
E. 5). 

Unter Berücksichtigung der Neuanmeldung vom April 2018 (AB 77) und der 
sechsmonatigen Karenzfrist von Art. 29 Abs. 1 IVG fällt der frühestmögliche 
Rentenbeginn auf Oktober 2018. Infolge der seit Jahren bestehenden ge-
sundheitlichen Einschränkungen war das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 
lit. b IVG zu diesem Zeitpunkt offenkundig bereits erfüllt. Ab dem 1. Oktober 
2018 (Art. 29 Abs. 3 IVG) hat der Beschwerdeführer daher Anspruch auf 
eine ganze Invalidenrente. 

3.6 Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde gegen die Verfügung 
vom 30. November 2020 (AB 145) gutzuheissen, die angefochtene Verfü-
gung aufzuheben und dem Beschwerdeführer ab dem 1. Oktober 2018 
eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Da der Beschwerdeführer seit 
Jahren kein Einkommen über der Eintrittsschwelle im Sinne von Art. 2 des 
Bundesgesetzes vom 25. Juni 1982 über die berufliche Alters-, Hinterlas-
senen- und Invalidenvorsorge (BVG; SR 831.40) erzielte, entfällt die Beila-
dung einer Vorsorgeeinrichtung von vornherein (vgl. dazu SVR 2007 IV Nr. 
8 S. 27).

4.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Sept. 2021, IV/21/66, Seite 19

4.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und 
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- 
festzulegen.

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, hat bei diesem 
Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG; BVR 2009 S. 186 E. 4). 

4.2 Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf Er-
satz der Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG).

Entsprechend der angemessenen Kostennote von Rechtsanwältin 
B.________ vom 22. Februar 2021 wird die Parteientschädigung auf Fr. 
3'410.55 festgesetzt (Aufwand von 12.5 Stunden à Fr. 250.-- zuzüglich 
Auslagen von Fr. 41.70 sowie Mehrwertsteuer von Fr. 243.85). Diesen 
Betrag hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer zu ersetzen.

4.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist das Gesuch um 
unentgeltliche Rechtspflege als gegenstandslos geworden abzuschreiben.

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der 
IV-Stelle Bern vom 30. November 2020 aufgehoben und dem Be-
schwerdeführer ab dem 1. Oktober 2018 eine ganze Invalidenrente 
zugesprochen.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdegegnerin 
zur Bezahlung auferlegt.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Sept. 2021, IV/21/66, Seite 20

3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer die Parteikosten, 
gerichtlich bestimmt auf Fr. 3'410.55 (inkl. Auslagen und MWST), zu 
ersetzen.

4. Das Verfahren betreffend das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege 
und Beiordnung von Rechtsanwältin B.________ als amtliche Anwältin 
wird vom Geschäftsverzeichnis abgeschrieben.

5. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwältin B.________ z.H. des Beschwerdeführers
- IV-Stelle Bern  
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen 
Begründung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde 
in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des 
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) 
geführt werden.