# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 987b85ad-4f12-59f6-9cff-aa1148e605fd
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2004-12-10
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesrat 10.12.2004 JAAC 69.35
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_008_JAAC-69-35--_2004-12-10.pdf

## Full Text

JAAC 69.35

Auszug aus einem Entscheid des Bundesrates vom 10.
Dezember 2004 [exe 2004.2129]

Examen de maturité. Plagiat en guise de travail de maturité.

Art. 22 al. 2 let. c et art. 23 de l’O sur l’examen suisse de maturité.

- La qualité déterminante du travail de maturité ne saurait en rien
découler de l’évaluation erronée dudit travail par la personne, choisie
par la candidate ou le candidat, compétente dans le domaine traité. Le
groupe d’examinateurs n’en est pas lié dans son évaluation (consid. 5).

- Si, lors d’un examen de maturité, un plagiat est remis en tant que
travail de maturité, il n’est pas inopportun de déclarer comme non
réussi un premier examen partiel déjà passé avec succès (consid. 6 et
7).

Maturitätsprüfung. Plagiat als Maturaarbeit.

Art. 22 Abs. 2 Bst. c und Art. 23 V über die schweizerische
Maturitätsprüfung.

- Aus einer fehlerhaften Beurteilung einer Maturaarbeit durch die
von der Kandidatin oder dem Kandidaten gewählte sachkundige
Person kann nichts hinsichtlich der massgeblichen Qualität der Arbeit
abgeleitet werden. Die Examinatorengruppe bleibt in ihrem Urteil frei
(E. 5).

- Wird bei einer Maturitätsprüfung als Maturaarbeit ein Plagiat
eingereicht, so ist es nicht unangemessen, auch eine bereits erfolgreich
absolvierte erste Teilprüfung als nicht bestanden zu erklären (E. 6 und
7).

1

Esame di maturità. Plagio quale lavoro di maturità.

Art. 22 cpv. 2 lett. c e art. 23 dell’O sull’esame svizzero di maturità.

- Da una valutazione errata di un lavoro di maturità, effettuata dalla
persona esperta designata dalla candidata o dal candidato, non può
essere dedotto nulla circa la qualità determinante del lavoro. Il gruppo
di esaminatori resta libero nella propria valutazione (consid. 5).

- Se, in occasione di un esame di maturità, è presentato un plagio quale
esame di maturità, non è sproporzionato dichiarare non superato
anche un primo esame parziale sostenuto con successo (consid. 6 e 7).

Zusammenfassung des Sachverhalts:

A. Frau A. (im Folgenden: Beschwerdeführerin) entschied sich im Hinblick auf
die eidgenössische Maturitätsprüfung für die Variante mit zwei Teilprüfungen.
Der ersten Teilprüfung unterzog sie sich im Herbst 2003 und absolvierte sie
erfolgreich.

Mit der Anmeldung zur zweiten Teilprüfung hatte die Beschwerdeführerin
ihre Maturaarbeit einzureichen. Diese hatte sie zum Thema «Schwarze
Löcher» verfasst und mit schriftlicher Erklärung vom 14. November 2003
als echt bestätigt. Sie erklärte dabei, dass sie die Maturaarbeit persönlich
erarbeitet habe, dass diese kein Plagiat darstelle und dass sämtliche
Zitate beziehungsweise Ideen, die nicht von ihr stammten, als solche
gekennzeichnet seien. Der von ihr für die Maturaarbeit ausgewählte Betreuer,
L., bewertete ihre Maturaarbeit als ausgezeichnet und leitete sie mit seinem
Bewertungsbericht an die Schweizerische Maturitätskommission weiter.

Als der für die Beschwerdeführerin bestimmte Examinator im Frühjahr
2004 kurz vor der zweiten Teilprüfung - die das Thema Maturaarbeit
(mündlich) umfasste - die Maturaarbeit der Beschwerdeführerin prüfte,
stellte er aufgrund von Internet-Recherchen fest, dass die Arbeit mit wenigen
Ausnahmen dem Internet entnommen war, und qualifizierte sie als Plagiat.

Aufgrund einer entsprechenden Mitteilung des Examinators verfügte die
Schweizerische Maturitätskommission am 23. Februar 2004 nach Art. 23 der
Verordnung über die schweizerische Maturitätsprüfung vom 7. Dezember
1998 (SR 413.12, im Folgenden: Maturitätsprüfungs-Verordnung), die
Beschwerdeführerin von der Schweizerischen Maturitätsprüfung Frühjahr
2004 zurückzuweisen, und erklärte die Prüfung ein erstes Mal als nicht
bestanden.

B. Gegen diese Verfügung der Schweizerischen Maturitätskommission erhob
Frau A. am 24. März 2004 Beschwerde beim Eidgenössischen Departement
des Innern (EDI). Sie beantragte, die von ihr eingereichte Maturaarbeit
«Schwarze Löcher» als formell und materiell ausreichende Maturaarbeit
entgegenzunehmen und sie umgehend, zu einem ausserordentlichen Termin,
eventualiter zum nächsten ordentlichen Termin im August 2004, zur zweiten
Teilprüfung zuzulassen. Subeventualiter sei ihr eine angemessene Frist zur
Einreichung einer neuen Maturaarbeit einzuräumen, und sie sei zum nächsten

2

ordentlichen Termin im August 2004 zur zweiten Teilprüfung zuzulassen.
ImWeiteren beantragte die Beschwerdeführerin Einsicht in den von der
Schweizerischen Maturitätskommission zitierten Expertenbericht.

Nachdem ihr Akteneinsicht gewährt worden war, hielt die
Beschwerdeführerin mit Replik vom 20. Mai 2004 an ihren
Beschwerdeanträgen fest und berief sich noch einmal auf den
Bewertungsbericht von L. Am 15. Juli 2004 präzisierte sie ihre
Beschwerdeanträge: Der nächste ordentliche Termin sei nun jener im Februar
2005, und die Frist für das Ablegen der zweiten Teilprüfung müsse wegen des
Ablaufs der in der Verordnung gesetzten Jahresfrist (Art. 22 Abs. 2 Bst. d der
Maturitätsprüfungs-Verordnung) verlängert werden.

C. Mit Entscheid vom 20. August 2004 wies das EDI die Beschwerde ab.

Unter Hinweis auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts (BGE 121 I 225)
machte das EDI geltend, der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasse bei
negativen Prüfungsentscheiden keine vorgängige Akteneinsicht oder ein Recht
auf vorgängige Stellungnahme zum Prüfungsergebnis.

Die Maturaarbeit sei anlässlich der Anmeldung zur zweiten Teilprüfung
einzureichen, bei welcher sie dann auch zu präsentieren sei. Bei der
Anmeldung würden daher nur die formellen Voraussetzungen geprüft,
wogegen die materielle Überprüfung durch den Examinator stattfinde, und
zwar unabhängig vom Bewertungsbericht des Betreuers. Es sei durchaus
möglich und auch sinnvoll, dass die materielle Prüfung durch den Examinator
erst kurz vor der zweiten Teilprüfung stattfinde, weil dieser so den Inhalt der
Arbeit anlässlich der mündlichen Prüfung noch präsent habe.

Eine Verletzung der Begründungspflicht liege nicht vor, weil der Begriff
«Plagiat» die Begründung bereits enthalte.

Ein Plagiat liege vor, wenn ein fremdes Werk als eigenes oder Teil
eines eigenen Werks vorgelegt werde. Dies sei bei der Maturaarbeit der
Beschwerdeführerin offensichtlich der Fall. Lediglich das Glossar und
das Inhaltsverzeichnis seien Eigenleistungen. Dass der Betreuer seiner
Verantwortung nicht nachgekommen sei und die Arbeit als ausgezeichnet
bewertet habe, sei für die Frage, ob ein Plagiat vorliege, ohne Belang.

Die Sanktion für Plagiate bei Maturaarbeiten sei nach 22 Abs. 2 Bst. c und
Art. 23 Abs. 1 der Maturitätsprüfungs-Verordnung die Zurückweisung des
Kandidaten beziehungsweise der Kandidatin und das Nichtbestehen der
Prüfung, bei einer Teilprüfung das Nichtbestehen der ganzen Prüfung, weil die
Prüfung nur als Ganzes bestanden werden könne.

Selbst bei genauer Quellenangabe wäre die Maturaarbeit der
Beschwerdeführerin im Übrigen nicht zu einer Eigenleistung und damit zu
einer qualitativ genügenden Maturaarbeit geworden.

D. Gegen diese Verfügung erhob Frau A. am 22. September 2004 Beschwerde
beim Bundesrat und beantragte, die von ihr eingereichte Maturaarbeit
«Schwarze Löcher» als formell und materiell ausreichende Maturaarbeit
entgegenzunehmen und sie unter Verlängerung der Frist für deren
Absolvierung zum nächsten ordentlichen Termin zur zweiten Teilprüfung
zuzulassen. Eventualiter sei ihr eine angemessene Frist zur Einreichung
einer neuen Maturaarbeit einzuräumen, und sie sei unter Verlängerung

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_121_I_225&resolve=1

der dazu gesetzten Frist zum nächsten ordentlichen Termin zur zweiten
Teilprüfung zuzulassen. Die Beschwerdeführerin erneuerte die gegenüber
dem EDI erhobenen Rügen, welche sie noch einmal begründete.

Aus den Erwägungen:

1.1. Nach Art. 29 der Maturitätsprüfungs-Verordnung können die
Kandidaten und Kandidatinnen gegen Verfügungen der Schweizerischen
Maturitätskommission beim EDI Beschwerde führen. Für das
Beschwerdeverfahren finden die Bestimmungen des Bundesgesetzes vom
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)
Anwendung.

Nach Art. 99 Abs. 1 Bst. f des Bundesgesetzes über die Organisation der
Bundesrechtspflege vom 16. Dezember 1943 (OG, SR 173.110) ist die
Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen Verfügungen über das Ergebnis von
Prüfungen nach dem Berufsbildungsgesetz vom 13. Dezember 2002 (BBG, SR
412.10) sowie von andern Fähigkeitsprüfungen ausgeschlossen.

Die angefochtene Verfügung des EDI unterliegt daher nach Art. 5, 44 und 72
Bst. a VwVG der Beschwerde an den Bundesrat.

1.2. (…).

2. Gemäss Art. 49 VwVG kann die Beschwerdeführerin mit der
Verwaltungsbeschwerde die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich
Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, unrichtige oder
unvollständige Feststellung des Sachverhaltes sowie die Unangemessenheit des
angefochtenen Entscheids rügen.

Bei der Beurteilung von Examensleistungen auferlegt sich der Bundesrat
- wie die Vorinstanz - regelmässig Zurückhaltung und weicht nicht ohne
Not von der Beurteilung der Prüfungen durch Examinatoren und Experten
ab. Er räumt der Verwaltungsbehörde denselben Beurteilungsspielraum
ein wie im Bereich von Fragen technischer Natur (BGE 115 Ib 131 ff.). Der
Bundesrat hebt in solchen Fällen einen Entscheid nur auf, wenn zu hohe
Anforderungen gestellt wurden oder die Arbeit des Kandidaten im Rahmen
korrekter Anforderungen offensichtlich unterbewertet wurde. Dies entspricht
der Praxis des Bundesgerichts in dieser Frage (BGE 106 Ia 1 ff., BGE 105 Ia
190 ff. und BGE 99 Ia 586 ff.).

Die dargelegte zurückhaltende Überprüfung von Examensentscheiden
rechtfertigt sich jedoch nur in Bezug auf die Prüfungsleistungen selbst.
Werden Verfahrensfehler gerügt oder geht es wie hier um die Beurteilung von
Rechtsfragen, muss die Beschwerdeinstanz ihre Kognition voll ausschöpfen.
Die Nichtausschöpfung der Kognition würde eine Rechtsverweigerung
darstellen (BGE 106 Ia 3; VPB 45.43; Fritz Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege,
2. Aufl., Bern 1983, S. 70; Arthur Haefliger, Alle Schweizer sind vor dem
Gesetze gleich, Bern 1985, S. 147;Max Imboden/René Rhinow/Beat Krähenmann,
Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, Basel/Frankfurt am Main 1990,
Nr. 80/B/I/Bst. f).

3.1. Mit der Maturitätsprüfung soll festgestellt werden, ob die Kandidatinnen
und Kandidaten die Hochschulreife erlangt haben (Art. 8 Abs. 1 der
Maturitätsprüfungs-Verordnung).

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_115_Ib_131&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_106_Ia_1&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_105_Ia_190&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_105_Ia_190&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_99_Ia_586&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_106_Ia_3&resolve=1

Nach Art. 8 Abs. 2 der Maturitätsprüfungs-Verordnung setzt diese
Hochschulreife voraus:

a. den sicheren Besitz der für die Sekundarstufe II grundlegenden Kenntnisse;

b. die Beherrschung einer Landessprache und grundlegende Kenntnisse in
anderen nationalen und fremden Sprachen; die Fähigkeit, sich klar, treffend
und einfühlsam zu äussern sowie den Reichtum und die Besonderheit der mit
einer Sprache verbundenen Kultur zu erkennen;

c. geistige Offenheit, ein unabhängiges Urteil, eine entwickelte Intelligenz
sowie Sensibilität in ethischen und musischen Belangen;

d. Einsicht in die Methodik wissenschaftlicher Arbeit, Übung im Abstrahieren
sowie im logischen, intuitiven, analogen und vernetzten Denken;

e. die Fähigkeit, sich in der natürlichen, gesellschaftlichen und kulturellen
Umwelt zurechtzufinden und dies in Bezug auf die Gegenwart und die
Vergangenheit, auf schweizerischer und internationaler Ebene;

f. Dialogfähigkeit sowie eine offene und kritische Haltung gegenüber
Kommunikation und Information.

3.2. Nach Art. 4 der Maturitätsprüfungs-Verordnung melden sich die
Kandidatinnen und Kandidaten beim Bundesamt für Bildung und
Wissenschaft (im Folgenden: Bundesamt) zur Prüfung an, wobei sie unter
anderem eine Maturaarbeit einzureichen haben (Bst. f).

Die Einzelheiten der Maturaarbeit regeln Art. 15 der
Maturitätsprüfungs-Verordnung sowie die von der Schweizerischen
Maturitätskommission erlassenen Richtlinien[14] vom 7. Juni 2002 (im
Folgenden: Richtlinien).

Nach Art. 15 Abs. 1 der Maturitätsprüfungs-Verordnung verfassen die
Kandidaten und Kandidatinnen vor der Anmeldung zur Prüfung persönlich
eine grössere eigenständige Arbeit. Diese Arbeit wird nach Abs. 2 im Rahmen
der Maturitätsprüfung bewertet. Die Ziele, die Kriterien und das Verfahren
der Bewertung werden in den Richtlinien näher dargestellt (Abs. 3 der
Maturitätsprüfungs-Verordnung).

Gemäss Art. 20 Abs. 1 der Maturitätsprüfungs-Verordnung können die
Kandidaten und Kandidatinnen nach eigener Wahl die ganze Prüfung in
einer einzigen Prüfungssession ablegen (Gesamtprüfung) oder sie auf zwei
Sessionen verteilen (Teilprüfungen). Werden zwei Teilprüfungen abgelegt,
umfasst die zweite Teilprüfung die Präsentation der Maturaarbeit (Art. 20
Abs. 4 Bst. d der Maturitätsprüfungs-Verordnung).

Ergibt die Prüfung der Anmeldeunterlagen, dass die Zulassungsbedingungen
erfüllt sind, teilt das Bundesamt dies dem Kandidaten oder der Kandidatin
unter gleichzeitiger Angabe unter anderem von Ort und Zeit der Prüfung
schriftlich mit (Art. 5 der Maturitätsprüfungs-Verordnung).

Der Verfahrensablauf bei der Maturaprüfung der Beschwerdeführerin
entsprach dieser Regelung. Dass die Examinatoren Maturaarbeiten erst kurz
vor der Prüfung beziehungsweise der zweiten Teilprüfung näher prüfen,

5

um deren Inhalt anlässlich der Präsentation durch den Kandidaten oder die
Kandidatin noch präsent zu haben, erscheint als sachgerecht und ist nicht zu
beanstanden.

4.1. Ein Plagiat (lat. plagium, Menschenraub) ist die Vorlage fremden
geistigen Eigentums beziehungsweise eines fremden Werkes als eigenes
Werk oder als Teil eines eigenen Werkes; es ist abzugrenzen von Zitaten, mit
welchen im wissenschaftlichen Bereich durch Quellenangabe - in begrenztem
Umfang - auf den Urheber beziehungsweise die Urheberin verwiesen
wird. (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Plagiat). Ein fremdes, zum Beispiel
wissenschaftliches Werk, wird als eigenes Werk ausgegeben. Die Usurpation
der Urheberschaft stellt einerseits eine Verletzung von Urheberrechten dar,
andererseits auch unlauteren Wettbewerb (s. Denis Barrelet/Willy Egloff, Das
neue Urheberrecht, Bern 2000, N. 14 zu Art. 9).

4.2. Prüfungsordnungen aller Stufen sehen für das Vorlegen von
Plagiaten Sanktionen vor (z. B. Art. 20 des Statuts der Universität
Bern vom 26. November 1997; § 19 der Promotionsordnung der
Philosophisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel vom
16. Dezember 2003; Art. 20 der Maturitätsprüfungs-Verordnung über die
Zulassung zur Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne vom 8. Mai
1995, SR 414.110.422.3 und Art. 6a der Allgemeinen Prüfungsordnung der
Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich vom 8. Oktober 1996 [APrV
ETHZ], SR 414.132.1).

Die Verordnung über die schweizerische Maturitätsprüfung regelt unlauteres
Verhalten bei der Prüfung in Art. 23 (Sanktionen). Nach Abs. 1 haben
das Mitbringen und die Benützung unerlaubter Hilfsmittel sowie andere
Unredlichkeiten die sofortige Zurückweisung von der Prüfung zur Folge, und
die Prüfung gilt als nicht bestanden.

Der Beschwerdeführerin wurden die Bestimmungen dieses Artikels vor
der Prüfung - wie in Art. 23 Abs. 3 der Maturitätsprüfungs-Verordnung
vorgeschrieben - bekannt gemacht. Sie hat denn auch eine Erklärung
unterzeichnet, in welcher sie bestätigte, dass ihre Maturaarbeit kein Plagiat
darstelle.

Die in Art. 23 der Maturitätsprüfungs-Verordnung festgelegte Sanktion
ist zwingend formuliert. Es sind keine Hinweise erkennbar, dass diese
Bestimmung entgegen deren Wortlauts eine blosse Kannvorschrift darstellte.

4.3. Der für die Beurteilung der Maturaarbeit «Schwarze Löcher» zuständige
Examinator hat festgestellt, dass diese zu einem überwiegenden Teil
dem Internet entnommen ist. Im Einzelnen haben der Examinator
beziehungsweise die Instruktionsbehörde des Bundesrates festgestellt[15]:

- dass der I. Abschnitt, Einführung (S. 3), fast wörtlich einem Text auf
der Homepage von Andreas Müller über Schwarze Löcher entspricht
(http://www.lsw.uni-heidelberg.de/users/amueller/);

- dass im II. Abschnitt, Schwarze Löcher, Ziff. 1. Historie der Schwarzen Löcher
(S. 4-7), bei einigen Auslassungen, ebenfalls diesem Text von Andreas Müller
über Schwarze Löcher entspricht;

6

- dass im II. Abschnitt, Schwarze Löcher, Ziff. 2. Was sind Schwarze Löcher?
(S. 8), dem Text eines Referats von Martin Semmernegg entspricht (http://
yourbestman.de/000/bnice/wurml/sl1.htm ); hinsichtlich der Bemerkung
des Examinators, dass sich der Ursprung der letzten 12 Zeilen von S. 8 nicht
nachweisen lasse, hat die Instruktionsbehörde des Bundesrates festgestellt,
dass deren Inhalt ebenfalls dem Internet zu entnehmen ist, und zwar den
ebenfalls im Literaturverzeichnis angeführten Seiten http://www.quarks.de/
relativ/05.htm beziehungsweise http://www.usm.uni-muenchen.de/people/
saglia/dm/galaxien/alldt/node65.html );

- dass im II. Abschnitt, Schwarze Löcher, Ziff. 3. Die Entstehung eines
Schwarzen Lochs (S. 9), ebenfalls fast wörtlich dem zitierten Referat von
Martin Semmernegg entspricht;

- dass im II. Abschnitt, Schwarze Löcher, Ziff. 4. Die drei Arten der Schwarzen
Löcher (S. 10), der zitierten Seite http://www.quarks.de zu entnehmen ist;

- dass im II. Abschnitt, Schwarze Löcher, Ziff. 5. Die Relativitätstheorie
im Zusammenhang mit Schwarzen Löchern (S. 11-13), wiederum, mit
Auslassungen, fast wörtlich dem zitierten Text von Andreas Müller über
Schwarze Löcher entspricht;

- dass im II. Abschnitt, Schwarze Löcher, Ziff. 6. Das Ende eines Schwarzen
Lochs (S. 14) wörtlich dem zitierten Referat von Martin Semmernegg
entspricht;

- dass der III. Abschnitt, Schlusswort (S. 15), mit Auslassungen, fast wörtlich
dem zitierten Text von Andreas Müller über Schwarze Löcher entspricht;

- dass - wie die Instruktionsbehörde des Bundesrates festgestellt hat - auch die
Texte des Glossars weitgehend dem Internet entnommen wurden, und zwar
dem von Andreas Müller erstellten Glossar (Lexikon) über Schwarze Löcher
(http://www.lsw.uni-heidelberg.de/users/amueller/lexdt.html#top);

- dass die einseitige Zusammenfassung (S. 21) aus Textpassagen der Einleitung,
der Abschnitte II.2 und II.4 und des Schlussworts zusammengesetzt ist und

- dass demnach nur das Inhaltsverzeichnis und das Literaturverzeichnis
individuell erarbeitet worden sind.

4.4. Aufgrund dieser Sachverhaltsfeststellungen steht ausser Zweifel, dass die
von der Beschwerdeführerin eingereichte Maturaarbeit ein Plagiat darstellt.

Dass Plagiate wegen der Möglichkeiten des «Cut and Paste»
ein ständiges Phänomen der heutigen «Wissensproduktion»
darstellten (s. NZZ Nr. 258 vom 6. November 2001, S. 79
(http://www.nzz.ch/2001/11/06/hc/page-article7Q4QX.html), ist im Hinblick auf
die Anforderungen, die für die Hochschulreife zu setzen sind, ohne Belang.

5. Die Maturaarbeit der Beschwerdeführerin wurde von ihrem Betreuer
als ausgezeichnet bewertet. Aufgrund dieser Feststellung macht die
Beschwerdeführerin geltend, ihre Arbeit stelle formell und materiell eine
genügende Maturaarbeit dar, so dass der angefochtene Entscheid aufzuheben
sei.

Das Institut des Betreuers bei Maturaarbeiten ergibt sich aus den Richtlinien,
wobei der die Maturaarbeit betreffende Teil der Loseblattsammlung für die
Kandidaten und Kandidatinnen in einem Separatdruck zusammengefasst ist.

7

http://yourbestman.de/000/bnice/wurml/sl1.htm
http://yourbestman.de/000/bnice/wurml/sl1.htm
http://www.quarks.de/relativ/05.htm
http://www.quarks.de/relativ/05.htm
http://www.usm.uni-muenchen.de/people/saglia/dm/galaxien/alldt/node65.html
http://www.usm.uni-muenchen.de/people/saglia/dm/galaxien/alldt/node65.html
http://www.quarks.de/

Unter dem Abschnitt II., Verfahren, wird festgehalten, dass der Anmeldung
zur zweiten Teilprüfung oder zur Gesamtprüfung unter anderem der
Bewertungsbericht einer in der gewählten Thematik sachkompetenten Person
beizulegen ist. Dieser Bericht ist auf dem dafür vorgesehenen Formular nach
vorgegebenen Beurteilungskriterien (Abschnitt III.) abzugeben.

Die eingereichte Arbeit und der Bewertungsbericht werden von der ad hoc
gebildeten Examinatorengruppe gelesen und beurteilt (Abschnitt III. der
Richtlinien).

Da in den Richtlinien nichts Näheres über die Bestellung dieser
sachkompetenten Person gesagt wird, steht deren Bestimmung - im
Rahmen der Richtlinien - dem Kandidaten oder der Kandidatin frei. Die
Vorinstanz sieht in diesem Institut zutreffend in erster Linie eine besondere
Betreuung bei der Maturaarbeit, wobei der Bewertungsbericht zudem eine
Arbeitserleichterung für die Examinatoren darstellt. Eine Mitwirkung an der
für die Maturitätsprüfung massgeblichen Beurteilung der Maturaarbeit kann
darin jedenfalls nicht gesehen werden.

Aus einer fehlerhaften Beurteilung einer Maturaarbeit durch die von der
Kandidatin oder dem Kandidaten gewählte sachkundige Person kann daher
nichts hinsichtlich der massgeblichen Qualität der Arbeit abgeleitet werden.
Die Examinatorengruppe bleibt in ihrem Urteil frei.

6. Die Beschwerdeführerin rügt die Unangemessenheit der in Art. 23 der
Maturitätsprüfungs-Verordnung vorgesehenen Sanktion.

Nach Art. 8 Abs. 1 der Maturitätsprüfungs-Verordnung soll mit der Prüfung
festgestellt werden, ob die Kandidaten und Kandidatinnen die Hochschulreife
erlangt haben (s. vorne E. 3.1).

Aufgrund dieses Zwecks der Maturitätsprüfung und der in den Richtlinien
formulierten Bildungsziele, welchen die Erstellung einer Maturaarbeit dient
(Abschnitt I.), ergibt sich ohne weiteres, dass die Rüge der Unangemessenheit
haltlos ist. Die Vorlage eines Plagiats entspricht diesen Zielen in keiner Weise.

7. Stellt aber die von der Beschwerdeführerin eingereichte Maturaarbeit
«Schwarze Löcher» ein Plagiat dar - was von der massgeblichen
Examinatorengruppe festgestellt wurde - und ist die Zurückweisung des
Kandidaten oder der Kandidatin sowie das Nichtbestehen der ganzen Prüfung
die zwingende Sanktion, so ergibt sich, dass die Beschwerde vollumfänglich
abzuweisen ist.

8. Nicht näher zu prüfen ist bei diesem Ausgang des Verfahrens, ob die
Maturaarbeit der Beschwerdeführerin bei korrekter Quellenangabe eine
genügende Eigenleistung enthalten hätte oder ob sie dennoch eine materiell
ungenügende Maturaarbeit dargestellt hätte, und welches die entsprechenden
Rechtsfolgen gewesen wären.

(…)

[14] http://www.sbf.admin.ch/htm/bildung/matur/richtlinien/einfuehrung-d.
pdf bzw. http://www.bbw.admin.ch/html/pages/bildung/matur/richtlinien/
einfuehrung-d.pdf
[15] Anm. der VPB-Redaktion: Die Gültigkeit der Verweise auf nachfolgende
Internet-Ressourcen bezieht sich auf den Zeitpunkt der Entscheidfällung.

8

http://www.sbf.admin.ch/htm/bildung/matur/richtlinien/einfuehrung-d.pdf
http://www.sbf.admin.ch/htm/bildung/matur/richtlinien/einfuehrung-d.pdf
http://www.bbw.admin.ch/html/pages/bildung/matur/richtlinien/einfuehrung-d.pdf
http://www.bbw.admin.ch/html/pages/bildung/matur/richtlinien/einfuehrung-d.pdf

9

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 69.35 - Auszug aus einem Entscheid des Bundesrates vom 10. Dezember 2004 [exe

2004.2129]

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 2005
Année

Anno

Band 69
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	Auszug aus einem Entscheid des Bundesrates vom 10. Dezember 2004 [exe 2004.2129]