# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 39507661-304f-540f-bb43-7ca61a966a61
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-03-04
**Language:** de
**Title:** Eintreten nach Neuanmeldung, Abklärung des Sachverhaltes; geringe Zweifel an RAD-Aktenbeurteilung bejaht; Rückweisung zur polydisziplinären Begutachtung.
**Docket/Reference:** IV.2023.00565
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2023.00565.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2023.00565
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Fehr, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Gerichtsschreiber Würsch
Urteil
vom
4. März 2024
in Sac
hen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Stadt Zürich Soziale Dienste
Rechtsanwältin Kathrin Hohler, Sozialversicherungsrecht, Team Recht
Röschibachstrasse
26, 8037 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1965,
hat keine berufliche Ausbildung absolviert
und war zuletzt vom 1. August 2016 bis 15. März 2017 bei der
Y.___
AG, Z
.___
, als Koch angestellt
(Urk. 10/1, 10/8
-10). Am 27. April 2017 meldete er sich unter Hinweis auf eine Meniskusschädigung erstmals bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 10/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen, wobei sie insbesondere die Akten des Krankentaggeldversicherers
beizog
(Urk. 10/17, 10/46 und 10/67) und bei Dr. med.
A.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie, ein Gutachten in Auftrag gab (Urk. 10/71), welches am 25.
Oktober 2019 erstattet wurde (Urk. 10/74).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(vgl.
Urk. 10/77, 10/84, 10/87 und 10/96)
sprach sie dem Versicherten
mit Verfügung vom 20. August 2020
für den befristeten Zeitraum vom 1. November 2017 bis 30. Juni 2019 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu (Urk.
10/100, 10/109). Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Nachdem sich der Versicherte am
30. November
2020 (Eingangsdatum) unter Hinweis auf
mehrere
Operationen
unter anderem am Knie und an der Lunge
erneut zum Leistungsbezug angemeldet hatte (Urk. 10/111), forderte ihn die IV-Stelle am 17. Dezember 2020 auf, aktuelle Beweismittel nachzureichen, um eine wesentliche Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse glaubhaft zu machen (Urk. 10/112).
Nach Eingang
diverser medizinischer Unterlagen (Urk. 10/114
, 10/116/7-9
)
stellte sie
ihm
die Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht (Urk. 10/120), wogegen dieser am 4. August 2021
unter Beilage von Berichten der behandelnden Ärzte
Einwand erhob (Urk. 10/12
4 f.
).
Zu weiteren in der Folge
von
der IV-Stelle
eingeholten
medizinischen Akten (Urk. 10/127, 10/132/4-10, 10/137, 10/141
, 10/144, 10/147 und 10/151) bezog der Versicherte am 10. August 2022 Stellung (Urk. 10/155).
Nach Rücksprache mit dem regionalen ärztlichen Dienst (RAD; Urk. 10/169/7-9) wurde dem Versicherten mit neuem Vorbescheid vom 16. Juni 2023 wiederum die Abweisung des Renten
begehrens in Aussicht gestellt (Urk. 10/170), wogegen dieser am 21. Juli 2023 opponierte (Urk. 10/173). Nachdem der RAD am 11. und 25. September 2023 erneut zur Sache Stellung genommen hatte (Urk. 10/176/3-5), verfügte die IV-Stelle am 3. Oktober 2023 im angekündigten Sinne (Urk. 2 = Urk. 10/177).
2.
Dagegen erhob
X.___
am 27. Oktober 2023
unter Beilage medizinischer Unterlagen (Urk. 4/4-6)
Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, die angefochtene
Verfügung sei aufzuheben und ihm sei ab Mai
2021 eine ganze Rente der Invali
denversicherung zuzusprechen. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Einholung eines polydisziplinären Gutachtens an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Des Weiteren sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren (Urk. 1 S.
2).
Mit Beschwerdeantwort vom 18. Januar 2024 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 9), worüber der Beschwerdeführer mit Ver
fügung vom 19. Januar 2024 in Kenntnis gesetzt wurde. Gleichzeitig wurde er darüber informiert, dass über den Antrag auf unentgeltliche Prozessführung zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werde (Urk. 11).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten. Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 2022. Entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Grundsätzen (vgl. BGE 144 V 210 E. 4.3.1) ist nach der bis zum 31. Dezember 2021 geltenden Rechtslage zu beurteilen, ob bis zu diesem Zeitpunkt ein Renten
anspruch entstanden ist. Steht ein erst nach dem 1. Januar 2022 entstandener Rentenanspruch zur Diskussion, findet darauf das seit diesem Zeitpunkt geltende Recht Anwendung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_452/2023 vom 24. Januar 2024 E. 3.2.1 mit Hinweisen).
Auf Grund der im
Dezember 2020
erneut
anhängig gemachten IV-Anmeldung
(Urk. 10/111)
könnten allfällige Leistungen frühestens ab
Juni 2021
ausgerichtet werden (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG).
In dieser übergangsrechtlichen Konstellation ist die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesene Rechtslage massgebend, die im Fol
genden
soweit nichts anderes vermerkt ist
jeweils in dieser Version wieder
gegeben, zitiert und angewendet wird.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
1.
4
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig
erscheinen, nach
vollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachver
ständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen
zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung vom
3. Oktober 2023,
gemäss
Aktenb
eurteilung des RAD
sei der Beschwerdeführer infolge von Knieoperationen jeweils vorübergehend während drei Monaten voll in seiner Tätigkeit eingeschränkt gewesen.
Mangels einer langdauernden Einschränkung
könnten diese Zeiten jedoch nicht berücksichtigt werden.
Eine angepasste Tätigkeit sei aus ärztlicher Sicht zu 60 % zumutbar. Der Einkommensvergleich ergebe einen nicht rentenbegründenden Invaliditätsgrad von 35 %, wobei kein leidensbedingter Abzug gerechtfertigt sei (Urk. 2 S. 1 f.).
Mit dem Einwand seien keine neuen medizinischen Erkenntnisse vorgebracht worden.
Der behandelnde Dr. med.
B.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates, habe
die Arbeitsfähigkeit auf fünf Stunden pro Tag abzüglich 20 % definiert. Dies ergebe eine Restarbeitsfähigkeit von 60 %. Eine höhere Arbeitsunfähigkeit sei nicht nachvollziehbar.
Aus psychiatrischer Sicht sei kein psychisches Leiden mit anhaltenden Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit mehr ausgewiesen.
Weitere medizinische Abklärungen seien nicht angezeigt (Urk. 2 S. 2).
2.2
In seiner Beschwerdeschrift vom 27. Oktober 2023
brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor,
es sei nicht korrekt, dass Dr.
B.___
eine Arbeitsun
fähigkeit von 40 % angenommen habe. Vielmehr habe er eine Arbeitsfähigkeit von drei bis fünf Stunden pro Woche attestiert, die aufgrund einer einge
schränkten Leistungsfähigkeit zusätzlich um 20 % zu reduzieren sei. Dies komme einer Arbeitsfähigkeit von maximal 10 % gleich. Selbst wenn Dr.
B.___
eine Arbeitsfähigkeit von drei bis fünf Stunden pro Tag angegeben hätte, wäre die Schlussfolgerung des RAD unzutreffend, da der Durchschnitt von vier Stunden als Basis heranzuziehen wäre. Bei einer zusätzlichen Leistungseinschränkung von 20 %
würde
eine verbleibende Arbeitsfähigkeit von höchstens 40 %
resultieren
(Urk. 1 S. 7 f.).
Ungenügend
abgeklärt sei der Sachverhalt
von
thoraxchirurgischer und schmerzmedizinischer
Seite
(Urk. 1 S. 8 f.).
In psychiatrischer Hinsicht hätten die behandelnden Fachpersonen
sowohl
die von ihnen gestellten Diagnosen
als auch
die attestierte Arbeitsunfähigkeit ausführlich begründet, weshalb darauf abzustellen sei.
Demgegenüber sei die RAD-Stellungnahme nicht nachvollziehbar (Urk. 1 S. 11). Gesamthaft sei aus kniechirurgischer Sicht von einer verbleibenden 10%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen, während aus psychiatrischer Sicht keine Arbeitsfähigkeit mehr
gegeben sei
. Der thoraxchirurgische und schmerzmedi
zinische Sachverhalt sei nicht hinreichend berücksichtigt worden. Es bestehe daher seit Mai 2021 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente
.
E
ventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen der Arbeitsfähigkeit im Rahmen eines polydisziplinären Gutachtens an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Urk. 1 S. 12).
3.
3.1
3.1.1
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts I 659/04 vom 9. Februar 2005 E. 1.1).
Dasselbe gilt, wenn die Verwaltung rückwirkend eine Rente zugesprochen und diese befristet hat (vgl. BGE 133 V 263 E. 6.1 f.). Bei einer Neuanmeldung der versicherten Person bei der IV-Stelle sind die Revisions
regeln demnach analog anwendbar (BGE 141 V 585 E. 5.3 in
fine
, 133 V 108 E. 5.2, je mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_317/2022 vom 7. Septem
ber 2022 E. 2.2 mit Hinweisen).
Mit Verfügung vom
20. August 2020
beurteilte die Beschwerdegegnerin den
Renten
anspruch de
s
Beschwerdeführer
s
letztmals materiell (Urk.
10/100, 10/109
). Dieser rechtskräftige Entscheid bildet damit den zeitlichen Ausgangspunkt für die Beurteilung, ob sich die tatsächlichen Verhältnisse seither in einem für den Ren
ten
anspruch erheblichen Mass verändert haben (vgl. BGE 133 V 108 E. 5.4, Urteil des Bundesgerichts 9C_556/2021 vom 3. Januar 2022 E. 2.1 mit Hinweis).
3.1.2
In psychiatrischer Hinsicht diente in erster Linie das Gutachten von Dr.
A.___
vom 24. April 2019 als Grundlage
(Urk. 10/74)
.
De
m
damalige
n
Befund
ist insbesondere zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer ausführlich
von
seine
n
körperlichen Beschwerden berichtet habe. Die Stimmung sei etwas herabgesetzt, gelegentlich auch leichtgradig depressiv gewesen. Er habe überdies Zukunfts
ängste geäussert und von angstbesetzten Träumen berichtet.
Beeinträchtigungen
konnte Dr.
A.___
namentlich
weder in Bezug auf die Orientierung
noch auf die Konzentration, das Denken oder die Intelligenz erkennen. Ebenso wenig ver
mochte er einen verminderten Antrieb, Störungen der affektiven Modulations
fähig
keit oder Zwangsgedanken bzw. -handlungen
auszumachen
(Urk. 10/74/19).
Er
stellte die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
, wobei er zur Begründung an
merkte
, der Beschwerdeführer leide seit drei Knieoperationen und zwei Operationen im
Thoraxbereich
unter andauernden Schmerzen, weswegen er sich nicht mehr arbeitsfähig fühle. Aus somatischer Sicht
wäre ihm eine adaptierte Tätigkeit uneingeschränkt zumutbar. Der Beschwerdeführer
sei sich bewusst, dass er in seinem Alter und mit seinen körperlichen Einschränkungen kaum mehr Chancen auf einen Arbeitsplatz habe. Er sei auch durch die angespannte finanzielle
Situation belastet. Des Weiteren mache ihm seine Ehefrau Vorwürfe, da er nicht arbeite. Vor dem Hintergrund dieser Belastungen sei von einer psychischen Überlagerung der körperlichen Beschwerden auszugehen. Im Rahmen der chroni
schen Schmerzstörung leide der Beschwerdeführer auch unter leichten depressi
ven Verstimmungen und leichtgradig ausgeprägten Ängsten, v.a.
betreffend
die Zukunft.
Er zeige auch eine gewisse Freudlosigkeit, sei belastet durch die finanziellen Schwierigkeiten, das mangelnde Verständnis seiner Ehefrau und die fehlende Hoffnung auf Besserung (Urk. 10/74/20).
Aus psychiatrischer Sicht sei seit August 2018 sowohl für die angestammte als auch für eine angepasste Tätigkeit von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit
auszugehen
(Urk. 10/74/23).
Dr. med.
C.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, ging i
n seiner RAD-Stellungnahme vom
12. November 2019 von folgenden Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit aus (Urk. 10/75/10):
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
Funktions- und Belastungsminderung
des
linke
n
Kniegelenk
s
mit/bei Status nach Arthroskopie mit Knochenabtragungen (25. Februar 2019), Knie-Totalprothese links (4. Mai 2017), Arthroskopie mit
Teilmeniskek
tomie
(November 2016).
Seit November 2016 sei der Beschwerdeführer
aus s
omatischen Gründen
dauer
haft
zu 100 %
in seiner bisherigen Tätigkeit als Restaurantmitarbeiter
bzw. Koch eingeschränkt.
Für leidensadaptierte Tätigkeiten bestehe seit April 2019
eine gebesserte Situation mit einer gesamthaft
80%ige
n
Arbeitsfähigkeit
, nämlich
einer 100 % somatischen, abzüglich einer 20 %
psychiatrisch bedingte
n
Arbeits
unfähigkeit.
Die psychischen Beschwerden würden durch die somatischen Beschwerden
und die damit verbundene Arbeitsunfähigkeit in angestammter Tätigkeit, die fehlenden beruflichen Perspektiven sowie die wirtschaftlichen Schwierigkeiten ausgelöst (Urk. 10/75/11).
3.1.3
Gestützt auf diese
medizinische
Einschätzung
sprach die Beschwerdegegnerin
dem Beschwerdeführer
mit Verfügung vom
20
.
August
20
20
für den befristeten Zeitraum vom 1. November 2017 bis 30. Juni 2019 ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze
R
ente
zu. Ab April 2019 ging
sie
von einer wesentlichen gesundheitlichen Verbesserung aus, was sich in einer vollumfäng
lich
en
Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste
namentlich körperlich leichte und mehrheitlich sitzend ausgeübte Tätigkeiten
niedergeschlagen habe.
Dem Beschwerdeführer sei es seither möglich gewesen, ein rentenausschliessendes Einkommen zu erwirtschaften
.
Die psychischen Einschränkungen seien psycho
sozialer Natur und daher aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht
unbe
achtlich
(Urk.
10
/
100/1, 10/109
).
3.2
3.2.1
Aus den nach der
erneuten Anmeldung zum Leistungsbezug am
1. Dezember 2020
(Urk. 10/111)
bei der Beschwerdegegnerin ein
gegangenen medizinischen Unterlagen
geht hervor, dass der Beschwerdeführer am 14. Juli 2020
aufgrund persistierender Schmerzen
erneut am linken Knie operiert w
orden war
, wobei Dr.
B.___
einen totalen ein
s
eitigen Wechsel
der im Jahr 2017 implantierten Teilprothese
auf eine
Knietotalendoprothese
vor
genommen hatte
(Operationsbe
richt vom 15. Juli 2020, Urk. 10/114/16-17).
Postoperativ klagte
der Beschwer
deführer im Rahmen von Verlaufskontrollen
nach wie vor über Knieschmerzen (vgl. Urk.
10/114/8, 10/114/11 und
10/
114/13).
Mit Bericht vom 28. April 2021 hielt Dr.
B.___
fest, es bestünden vorwiegend belastungsabhängige Schmerzen am gesamten medialen Gelenkkompartiment
insbesondere des Tibia
kopfes
sowie eine anhaltende Schwellungsneigung. Nach längerer Mobili
sation komme es auch zu Nacht- und Ruheschmerzen. Eine Gelenksinstabilität werde nicht beklagt. Das Treppensteigen sei erschwert und es erfolge eine regelmässige
Analgetikaeinnahme
(Urk. 10/116/8).
Die Steh- und Laufdauer sei deutlich reduziert und es sei nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in einer körperlich anspruchsvollen Tätigkeit wieder eingegliedert werden könne. Eine leidensangepasste Tätigkeit könne ihm für vier bis sechs Stunden täglich zugemutet werden (Urk. 10/116/9).
3.2.2
Dr. med.
D.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, wies mit Bericht vom 15. Juli 2021
ebenfalls auf die linksseitigen chronischen Kniegelenks
schmer
zen hin. Praktisch ständig vorhanden seien darüber hinaus Thoraxschmerzen, die derzeit im Schmerzambulatorium des Univer
sitätsspitals E.___
behandelt würden. Nach erfolglosen lokalen Infiltrationen und Schmerzmedikamenten würden momentan Ketamin-Infusionen durchgeführt, bisher jedoch nur mit sehr kurzfristigem Erfolg.
Weiter wies er auf eine Leistenhernie hin, deren chirurgische Sanierung in die Wege geleitet sei, und auf die reaktive depressive Entwicklung, die mit einer psychiatrischen Behandlung angegangen werde.
Die Arbeits
fähigkeit betrage aktuell 20 % (Urk. 10/124/1-2).
3.2.3
Lic. phil.
F.___
, Fachpsychologe für Psychotherapie, und Dr. med.
G.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierten in ihrem Bericht vom 26. Juli 2021 neben einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10 F32.1) eine Angststörung (ICD-10 F41.9).
Anlässlich der Exploration sei der Leidensdruck spürbar gewesen.
Die Stim
mungs
lage
präsentiere sich
mittelmässig
depressiv
und bedrückt mit reduzierter affektiver Schwingungsfähigkeit. Der Beschwerdeführer wirke im Affekt einge
engt und zeige
einen geminderten Antrieb.
Sowohl die Aufmerksamkeit als auch die Konzentration und Merkfähigkeit seien reduziert.
Frei flottierende oder situativ bzw. interpersonell ausgelöste Ängste seien in Bezug auf die ungewisse Entwicklung der somatischen Beschwerden deutlich spürbar. Im Lebensalltag
trete
eine vermehrte Reizbarkeit mit einer Neigung zu explosi
v
en Gefühls
ausbrüchen
auf
. In der Interaktion zeigten sich Einbussen der sozialen Kontakt
fähigkeit. Der Beschwerdeführer sei kritikunfähig und aufgrund der gesundheit
lichen Probleme in seiner Urteilskraft deutlich eingeschränkt.
Die psychischen Beschwerden seien nicht psychosozialer Natur, sondern eine depressive Reaktion auf die somatischen Diagnosen und deren schwierigen Behandlungsverlauf. A
us psychiatrischer Sicht
sei die Arbeitsfähigkeit
bis auf Weiteres zu 100 % ein
geschränkt (Urk. 10/124/
4-
5).
3.2.4
Gemäss Bericht von Dr.
B.___
vom
15. Juli 2021
habe der Beschwerdeführer
nach wie vor über anhaltende
Knies
chmerzen geklagt
, weswegen das Stehen und Gehen auf maximal 10-15 Minuten beschränkt sei und er auch nicht für längere Zeit sitzen könne.
Röntgenuntersuchungen hätten eine unveränderte
Implantat
lage
, eine zentriert liegende Patella und keine Lockerungszeichen ergeben
(Urk. 10/124/7)
.
Nach Durchführung einer
SPECT-CT-Untersuchung
hielt Dr.
B.___
sodann mit Bericht vom 29. Juli 2021 fest, es
hätten
sich eine gereizte Kniescheibe im Sinne einer Hot Patella
, jedoch keine Hinweise für eine Lockerung des Implantats gezeigt. Es könnten ein sekundärer
Patellarückflächen
ersatz
sowie eine Erhöhung des Inlays empfohlen werden, wobei der Beschwer
deführer zunächst wegen eines Magenleidens operiert werden müsse. Aktuell liege auch für optimal angepasste Tätigkeiten maximal eine 50%ige Arbeits
fähigkeit vor (Urk. 10/127/2).
3.2.5
Vom
5. bis 7. Oktober 2021 war der Beschwerdeführer zwecks operativer Ver
sorgung bilateraler
Inguinalhernien
im Spital
H.___
hospitalisiert, wobei laut Austrittsbericht vom 22. Oktober 2021 bis zum 19. Oktober 2021 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt worden sei (Urk. 10/132/9-10).
Ein weiterer operativer Eingriff fand sodann am
25. November 2021 im
E.___
, Klinik für Thoraxchirurgie statt, als
ein mässig differenziertes Adenokarzinom
an der Lunge entfernt wurde. Gemäss Austrittsbericht vom 28. November 2021 habe sich klinisch postoperativ ein erfreulicher Verlauf mit deutlich gebesserter pulmonaler Leistungsfähigkeit gezeigt (Urk. 10/137/2-3).
Im Rahmen einer Verlaufskontrolle vom 19. Januar 2022 habe sich sowohl klinisch als auch radiologisch ein stabiler postoperativer Verlauf gezeigt, wobei der Beschwerdeführer aber über einen
reduzierten Allgemeinzustand aufgrund gastroenteraler Beschwerden und leich
ter pulmonaler Einschränkungen geklagt habe (Urk. 10/141/13).
Eine daraufhin am 4. April 2022
im
E.___
erfolgte
Abdomensonographie
habe
keine Hinweise auf eine akute Colitis
ergeben
; eine segmentale Colitis sei trotzdem denkbar
(Urk.
10/144/10).
3.2.6
Am 22. April 2022
nahm Dr.
B.___
einen weiteren operativen Eingriff am linken Kniegelenk vor
(
Inlayerhöhung
und
sekundäre
r
Patellarückflächenersatz
;
Urk. 10/144/6-7).
Am 11. Juli 2022 berichtete er sodann von einem verbesserten Gesundheitszustand (Urk. 10/151/1). Das Gangbild sei flüssig; im Seitenvergleich zeige sich aber eine deutliche Hypotrophie des Quadrizeps am linken Bein. Am Kniegelenk bestünden ein Erguss und eine leichte Weichteilschwellung. Die Patella sei zentriert geführt.
Eine sehr schöne Stabilität bestehe in der frontalen und sagit
t
alen Ebene über dem gesamten Bewegungsumfang. Für die bisherige Tätigkeit als Hilfskoch liege eine Arbeitsunfähigkeit vor. In einer angepassten Tätigkeit bestehe nur eine deutlich reduzierte Arbeitsfähigkeit von drei bis fünf Stunden pro Woche.
Die Leistungsfähigkeit sei in Anbetracht der Diagnosen und Nebendiagnosen um
ungefähr
20 % reduziert (Urk. 10/151/2).
3.2.7
In seiner
Stellungnahme vom 12. Juli 2022 ging der RAD-Arzt Dr.
C.___
von folgenden Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aus (Urk. 10/169/7):
-
Funktions- und Belastungsdefizit des linken Kniegelenks mit/bei Status nach Wechsel des
Polyethyleninlays
und sekundärem
Patellarückflächen
ersatz
(20. April 2022) mit/bei
Knietotalprothesen-Wechsel (14. Juli 2020) und medialer Knietotalprothese 2017
-
mässig differenziertes Adenokarzinom linker apikaler Lungenoberlappen mit/bei Operation am 25. November 2021 und
Operation am rechten Oberlappen am 16. Januar 2018
-
schmerzhaft symptomatische postoperative
Thoraxwandhernie
rechts (Erstdiagnose [ED] 22. August 2018)
-
koronare
1-
G
efäss
-E
rkrankung (ED 5. Juni 2018)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41).
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien demgegenüber ein akutes Nieren
versagen (ED 18. Februar 2020), eine arterielle Hypertonie sowie ein Ileitis terminales (Urk. 10/169/7).
Dem Belastungsprofil entsprächen
körperlich sehr leichte, wechselbelastende Tätigkeiten mit Sitzgelegenheit ohne häufiges
Rumpf
vor
beugen/Rumpfdrehen, Knien, Hocken, Kauern, Überkopfarbeit, Leiter-, Gerüst- oder
Podeststeigen
, Begehen unebener abschüssiger Wegstrecken,
schlagend-stossend-rüttelnd-vibrierende Krafteinflüsse, Umgang mit Atemwegs
reiz
stoffen und starken Raumklimaschwankungen.
Für die bisherige Tätigkeit als Hilfskoch bestehe seit 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Für angepasste Tätigkeiten
liege seit November 2020 eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit vor (fünf Stunden täglich abzüglich 20 % Leistungseinschränkung), wobei
nach den Knieoperationen vom 14. Juli 2020 und 20. April 2022 jeweils eine dreimonatige 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bestanden habe
(Urk. 10/169/8).
3.2.8
Gemäss Sprechstundenbericht des
E.___
, Klinik für Thoraxchirurgie, vom 24. Februar 2023 habe der Beschwerdeführer über neuropathische Schmerzen im Bereich der linken
Thorakotomienarbe
und ein
Herniationsgefühl
geklagt
(Urk. 10/158/2).
Aufgrund einer Ground-Glass-Opazität im superioren Unter
lappen
segment links sei e
ine
CT-Untersuchung des Thorax vorgenommen wor
den, die keine grössenrelevanten morphologischen Veränderungen oder Entzün
dungs
prozesse gezeigt habe, welche die bereits bekannten Schmerzen erklären würden. Pulmonal sei der Beschwerdeführer kaum eingeschränkt. Eine
Herniation
im Bereich der apikalen Thorakotomie links könne im Moment ausgeschlossen werden (Urk. 10/158/3).
3.2.9
Am 26. Mai 2023 äusserte sich der RAD-Arzt Dr.
C.___
nochmals zur Sache, wobei er
ausführte, der Orthopäde habe einen verbesserten Gesundheitszustand attestiert. Seitens der Thoraxchirurgie sei der Beschwerdeführer pulmonal kaum eingeschränkt
und es
hätten sich keine morphologischen Veränderungen oder Entzündungsprozesse feststellen lassen
.
F
erner habe eine
Herniation
im Bereich der apikalen Thorakotomie ausgeschlossen werden können.
Damit erscheine die jüngste Annahme des Orthopäden, wonach die Leistungsfähigkeit in Anbetracht der genannten Diagnosen und Nebendiagnosen
auf (gemeint wohl: um) 20 % reduziert sei, nicht schlüssig respektive
da fachübergreifend
nicht nachvoll
ziehbar (Urk. 10/169/9).
Mit
abschliessender
Stellungnahme vom 11. September 2023 hielt Dr.
C.___
sodann
im Wesentlichen an
seiner bisherigen Beurteilung fest
und verwies für den psychiatrischen Sachverhalt auf eine ergänzende fachpsychiatrische Ein
schät
zung (Urk. 10/176/3).
Die RAD-Ärztin
I.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, äusserte sich am 25. September 2023 insbe
sondere zum Bericht von
lic.
phil.
F.___
und Dr.
G.___
vom 26. Juli 2021.
Der psychopathologische Befund mit depressiver Stimmungslage, gemindertem Antrieb und reduzierter Konzentration lasse keine schwere depressive Symp
tomatik gemäss den entsprechenden ICD-10-Kriterien erkennen. Ängste vor einer Operation und vor der ungewissen Entwicklung der somatischen Beschwerden seien weder pathologisch, noch könnten sie eine Angststörung begründen. Die Diagnosen und
Einschränkungen seien aufgrund des Berichtes nicht plausibel nachvollziehbar; es sei ungefähr der gleiche Befund wie im Bericht vom 28.
Januar 2019 beschrieben worden. Da des Weiteren keine chronische Schmerz
störung mit somatischen und psychischen Faktoren mehr diagnostiziert werde, könne davon ausgegangen werden, dass auch diese nicht mehr vorliege. Somit sei kein psychisches Leiden mit anhaltender Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit mehr ausgewiesen (Urk. 10/176/4-5).
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invali
denrente. In medizinischer Hinsicht basiert die Beurteilung der Beschwerde
gegnerin in erster Linie auf de
n
Stellungnahmen
des RAD-Arztes
Dr.
C.___
und der RAD-Ärztin Dr.
I.___
. Praxisgemäss kommt diese
n
der Beweiswert versicherungsinterner ärztlicher Feststellungen zu, weshalb sich die Frage ihres Beweiswerts danach beurteilt, ob wenigstens geringe Zweifel an der Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit der Beurteilungen bestehen (vgl. vorstehende E. 1.
4
). Ergänzend ist überdies festzuhalten, dass eine reine Aktenbeurteilung wie diejenige des RAD beweiskräftig ist, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich fest
stehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befas
sung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_
37
3/2023 vom
9
.
Januar
202
4
E. 3 mit Hinweisen).
4.2
4.2.1
In Bezug auf die angestammte Tätigkeit als
(Hilfs-)
Koch ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit seit November 2016 dauerhaft
eine
100%ige Arbeitsun
fähig
keit
aus somatischen Gründen
aus
gewiesen
, was vom RAD-Arzt Dr.
C.___
sowohl
in
seiner
früheren
Beurteilung
vom 12. November 2019 (
Urk. 10/75/11)
als auch in derjenigen vom
12. Juli 2022 (Urk. 10/169/8)
festgestellt
wurde.
Dies ist angesichts des Umstands, dass de
m
Beschwerdeführer
namentlich aufgrund des Funktions- und Belastungsdefizits
des
linken Knie
gelenk
s
nur noch sehr leichte und wechselbelastende Tätigkeiten zuzumuten sind
, ohne Weiteres nach
vollziehbar
. Die Parteien stellen dies im Übrigen auch nicht in Frage.
4.2.2
Im Gegensatz dazu ist strittig, wie es sich mit der Arbeitsfähigkeit in einer lei
densangepassten Tätigkeit verhält.
Während die Beschwerdegegnerin
zwar von einer gegenüber der gesundheitlichen Situation im Vergleichsjahr 2020 eingetre
tenen Verschlechterung mit einer nur noch
60%igen Arbeitsfähigkeit ausgeht
, jedoch nur
die somatisch bedingten Einschränkungen für
invalidenver
siche
rungsrechtlich
relevant
erachtet (Urk. 2 S. 1 f.),
macht
der Beschwerdeführer
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht und eine 10%ige Restar
beitsfähigkeit aus kniechirurgische
n
Gründen
geltend (Urk. 1 S. 12).
Vorwegzuschicken ist
, dass
die von der Beschwerdegegnerin angenommene Arbeits
fähigkeit von 60 % entgegen ihrer Auffassung nicht
mit einer Arbeits
fähigkeit
von fünf Stunden pro Tag abzüglich
einer 20%igen Leistungsein
schränkung
gleich
gesetzt werden
kann
(Urk. 2 S. 2).
Ausgehend von
der betriebsüblichen Arbeitszeit
von 41.7 Stunden pro Woche bzw. 8.34 Stunden pro Tag
(vgl. Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschafts
abteilungen, Total, T
03.02.03.01.04.01)
entsprechen vier Stunden pro Tag (fünf Stunden abzüglich 20 %) vielmehr einer Arbeitsfähigkeit von rund 4
8
%.
Unabhängig davon
vermag
jedoch
weder die Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit durch die behandelnden Ärzte noch diejenige des RAD zu überzeugen
, wie im Folgenden aufgezeigt wird.
4.2.3
Vom behandelnden Orthopäden Dr.
B.___
sind drei
unterschiedliche
Beurteilungen
aktenkundig.
Zunächst ging er im Bericht vom 28. April 2021 von einer Arbeitsfähigkeit von vier bis sechs Stunden pro Tag für leidensadaptierte Tätigkeiten aus
, wobei er angesichts der deutlichen Belastungsintoleranz des linken Kniegelenks mit Schmerzen am Tibiakopf und einer Schwellungsneigung eine deutlich reduzierte Steh- und Laufdauer als funktionelle Einschränkung umschrieb
(Urk. 10/116/9).
Am 29. Juli 2021
bescheinigte
Dr.
B.___
sodann
eine maximal 50%ige Arbeitsfähigkeit
, wobei sich die Symptomatik
anamnes
tisch
unverändert zur letzten Konsultation präsentiert habe.
Es träten aber auch nach längerem Sitzen Beschwerden auf (Urk. 10/127/2).
Mit Bericht vom 11. Juli 2022
ging
er schliesslich
von
eine
r
deutlich reduzierte
n
Arbeitsfähigkeit von drei bis fünf Stunden pro Woche
sowie eine
r
um 20 %
herabgesetzten
Leistungs
fähigkeit
aufgrund der vorliegenden Diagnosen und Nebendiagnosen
aus
(Urk.
10/151/2).
Dies ist nur schon deswegen nicht nachvollziehbar, da Dr.
B.___
gleichzeitig
auf
einen gebesserten Gesundheitszustand
schloss
(Urk. 10/151/1).
Zudem legte er nicht dar, aufgrund welcher
objektiver
Befunde und
funktionelle
r
Beeinträchtigungen
für angepasste Tätigkeiten eine derart erhebliche Ein
schränkung
der Arbeitsfähigkeit
vorliegen sollte.
Bezüglich
der somatischen RAD-Beurteilung von Dr.
C.___
lassen sich
Zweifel
ebenfalls nicht von der Hand weisen
. Es leuchtet zwar ein, dass
während der Phasen der operationsbedingten Rekonvaleszenz jeweils für drei Monate eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestand
(Urk. 10/169/8)
, wobei der RAD
nur
die Eingriffe am linken Kniegelenk
, nicht jedoch die im Spital
H.___
und im
E.___
im Oktober und November 2021 zwecks Behandlung von
Inguinalhernien
bzw.
Entfernung eines Adenokarzinoms an der Lunge
erfolgten Operationen
einbezog
(vgl. Urk. 10/132/9-10, 10/137).
Nicht näher erläutert
wurde des Weiteren
die ab November 2020
grundsätzlich attestierte 40%ige Arbeitsunfähig
keit. Dr.
C.___
legte
das medizinische Belastungsprofil für leidensadaptierte Tätigkeiten zwar detailliert fest (Urk. 10/169/8),
hinsichtlich der quantitativen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit verwies er
allerdings
einzig auf die
Ein
schätzung von Dr.
B.___
,
der
dafür
in seinen Berichten
ebenfalls keine schlüssige Erklärung lieferte.
Überdies ist auch in Bezug auf die RAD-Beurteilung anzumerken,
dass
eine 40%ige Arbeits
un
fähigkeit nicht einem Pensum von fünf Stunden pro Tag abzüglich einer 20%igen Leistungseinschränkung entspricht.
4.2.4
In psychiatrischer Hinsicht
ist den Akten zu entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer seit August 2018 bei
lic.
phil.
F.___
und Dr. med.
G.___
in Behandlung befindet (Urk. 10/47, 10/52
/2
).
Im Rahmen des
Vorbescheidver
fahrens
legte der Beschwerdeführer
deren Bericht vom 26. Juli 2021 vor, wobei
ihm
vor dem Hintergrund einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischen Symptomen und einer Angststörung
unverändert (vgl. Urk. 10/52/2) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde (Urk. 10/124/5).
Mit Blick auf
den im Wesentlichen gleich
gebliebenen
objektiven
Befund
(
vgl.
Urk. 10/52/2-3, 10/124/4-5
sowie
den im Beschwerdeverfahren eingereichten Bericht vom 9. August 2022 [Urk. 4/5]
)
und die fehlende Auseinandersetzung mit dem psy
chiatrischen Gutachten von Dr.
A.___
, welcher im Oktober 2019 insbesondere bezüglich Arbeitsfähigkeit zu einer abweichenden Einschätzung gekommen war (Urk. 10/74/23),
wird die Erfahrungstatsache bekräftigt, wonach behandelnde Arztpersonen bzw. Therapiekräfte angesichts ihrer auftragsrechtlichen Ver
trau
ens
stellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (
BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Die kritische Sichtweise
auf die Ausführungen der behandelnden Fachpersonen
d
urch die
RAD-Ärztin
I.___
erscheint
unter diesen Umständen
zwar
grund
sätzlich gerechtfertigt.
Dem Beweiswert ihrer
Aktenbeurteilung
vom 25.
Septem
ber 2023
ist jedoch einerseits abträglich, dass
es sich beim aktuellsten ihr vorgelegten medizinischen Bericht um denjenigen der behandelnden Fach
per
sonen vom 26. Juli 2021 handelte
(Urk. 10/176/4).
Insofern erscheint
nur schon in Anbetracht des dazwischenliegenden Zeitraums von über zwei Jahren
fraglich, ob
der praxisgemäss notwendige
lückenlose Befund
(vgl. vorstehende E.
4.1) vorlag
und
daher
auf eine persönliche Untersuchung des Beschwerde
führers verzichtet werden konnte.
Andererseits
greift die Argumentation zu kurz, dass keine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fak
toren
(ICD-10 F45.41)
mehr diagnostiziert worden sei und daher
ihr
Nicht
vor
handensein
angenommen
werden könne (Urk.
10/176/4).
So gingen die behan
delnden Fachpersonen bereits früher nicht von diesem Krankheitsbild aus (vgl.
Urk.
10/52/3)
.
Demgegenüber stellte der psychiatrische Gutachter Dr.
A.___
diese Diagnose
und mass ihr
zusammen mit leichtgradig ausge
prägten depressiv-ängstlichen Verstimmungen eine 20%ige Beeinträch
tigung der Arbeitsfähigkeit zu (Urk. 10/74/20, 10/74/23).
Dr.
I.___
äusserte sich zwar auch
skeptisch
zu dieser Diagnose
; es gilt jedoch zu betonen, dass es für die Belange der Invalidenversicherung nicht
so sehr
auf die Diagnose ankommt, sondern einzig darauf, welche Auswirkungen eine Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit hat
(BGE 136 V 279 E. 3.2.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_571/2023 vom 11. Januar 2024 E. 6.4 mit Hinweisen).
Anhaltspunkte für eine
erhebliche Besserung der Schmerzsituation seit der Begutachtung sind indes nicht ersichtlich
.
V
ielmehr deutet die derzeitige medizinische Aktenlage
eher
darauf hin, dass sie nach wie vor besteht
und von somatischer Seite nicht (vollständig) erklärt
und
therapeutisch angegangen
werden kann (vgl. Urk. 10/158/3, Urk. 4/4 S. 2).
Soweit Dr.
I.___
im Übrigen auf den Schweregrad der depressiven Störung Bezug nimmt,
ist hervorzuheben, dass rechtsprechungsgemäss grundsätzlich sämtliche psy
chischen Erkrankungen
namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressio
nen
für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweis
verfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (BGE 143 V 409, 418).
Daran fehlt es in der RAD-Aktenbeurteilung ebenso,
weshalb darauf insgesamt nicht abgestellt werden kann.
4.2.
5
Vor diesem Hintergrund erweisen sich weitere medizinische Abklärungen in
Nachachtung des geltenden Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1
und Art. 61
lit
. c
ATSG) als unumgänglich,
da aktuell über die für die Beurteilung des streitigen Rentenanspruchs erforderlichen Tatsachen keine hinreichende Klarheit besteht
und
es
insbesondere
an
eine
r
ganzheitliche
n
fachärztliche
n
B
eurteilung
des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers
mit allfälligen Wechselwir
kungen der somatischen und psychischen Störungen
mangel
t. E
ntgegen der Auffassung des Beschwerdeführers
kommt
eine direkte
Leistungszusprache
im Streitfall einzig gestützt auf die
nach dem Gesagten ohnehin
nu
r be
schränkt
aussagekräftigen
Angaben der behandelnden Fachpersonen kaum je in Frage (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5).
Es ist in erster Linie Aufgabe des Versicherungs
trägers, von Amtes
wegen die notwendigen Abklärungen
vorzunehmen, um den rechtserheblichen Sachverhalt vollständig festzustellen (vgl. Urteile des Bundes
gerichts 8C_125/2023 vom 8. August 2023 E. 5.7 [zur Publikation vorgesehen] und 9C_8/2022 vom 6. März 2023 E. 5.3, je mit Hinweisen).
Das von der Beschwerdegegnerin einzuholende polydisziplinäre Gutachten wird sich
zu einer
im Vergleich zum Jahr 2020 allfällig eingetretenen
erheblichen
Verschlechterung in Bezug auf Diagnosen,
vor allem
auf funktionelle Beeinträchtigungen und
Arbeitsfähigkeit während des gesamten Zeitraums
seit 2020
analog zu den Revisionsvorschriften
(Art. 17 Abs. 1 ATSG; Urteil des Bundesgerichts 9C_351/2020 vom 21. September 2020 E. 3.1)
zu äussern und sich
in psy
chia
trischer Hinsicht
insbesondere an den in BGE 141 V 281 definierten Standard
indikatoren zu orientieren haben
.
Im Weiteren wird der Verlauf der Leistungs
fähigkeit näher zu betrachten sein, da ein
wenigstens
befristeter Renten
anspruch nach den Operationen
mit gänzlichen Arbeitsunfähigkeiten postope
rativ
nicht ohne Weiteres ausser Betracht fällt.
5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass
sich die medizinische Sachlage für eine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers und damit des Invaliditätsgrades als ungenügend abgeklärt erweist.
Die angefochtene Verfügung vom
3. Oktober
2023 (Urk. 2) ist
folglich
aufzuheben und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach ergänzender Abklärung im Sinne der obigen Erwägungen eine neue Beurteilung vornehme und sodann über den Leistungsanspruch erneut verfüge.
6.
Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem
kan
tonalen Versicherungsgericht ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Im vorliegenden Verfahren sind sie ermessensweise auf Fr. 800.-- anzusetzen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen
, unabhängig davon, ob sie beantragt oder ob das Begehren im Haupt- oder Eventualantrag gestellt wird
(BGE
141 V 281 E. 11.1,
137 V 210 E. 7.1, 137 V 57 E. 2.2)
. Folglich sind
die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Ausgangsgemäss erweist sich das vom Beschwerdeführer gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessführung (Urk. 1 S. 2)
als gegenstandslos.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird
in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 3. Oktober 2023 aufge
hoben und die Sache an diese zurückgewiesen wird, damit sie nach ergänzenden
Abklärungen im Sinne der Erwägungen über den Rentenanspruch des Beschwerde
führers neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Stadt Zürich Soziale Dienste
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art.
46
BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
FehrWürsch