# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ad71e291-858e-5a95-a4d2-57fc806a37ab
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-08-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.08.2011 D-2589/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2589-2010_2011-08-17.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­2589/2010/wif

U r t e i l   v om   1 7 .   Augus t   2 0 1 1

Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz),
Richter Fulvio Haefeli, Richterin Nina Spälti Giannakitsas,
Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut.

Parteien A._______, geboren am _______,
Afghanistan,
_______,
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Gegenstand Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 22. März 2010 / N _______.

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Sachverhalt:

A. 
A.a  Der  Beschwerdeführer,  ein  afghanischer  Staatsangehöriger  und 
ethnischer Hazara mit letztem Wohnsitz in B._______ (Provinz Herat), 
verliess  seinen  Heimatstaat  eigenen  Angaben  zufolge  am 
12. Dezember  2009  in  Richtung  Iran  und  reiste  am  8.  Februar  2010 
von  dort  sowie  der  Türkei  und  Italien  herkommend  illegal  in  die 
Schweiz  ein.  Am  10.  Februar  2010  stellte  er  im  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum  C._______  ein  Asylgesuch  und  wurde  dort  am 
16. Februar 2010 summarisch befragt. Am 19. Februar 2010 hörte ihn 
das  BFM  gestützt  auf  Art.  29  Abs.  1  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 
1998  (AsylG,  SR  142.31)  ausführlich  zu  seinen  Asylgründen  an  und 
wies  ihn  gleichentags  für  die  Dauer  des  Verfahrens  dem  Kanton 
D._______ zu.

A.b  Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  brachte  der 
Beschwerdeführer  im Wesentlichen  vor,  er  habe  in  der Region Herat 
als  Schafhirte  gearbeitet.  Anfang  Dezember  2009  habe  er  während 
seiner Arbeit ein Versteck der Taliban entdeckt. Er sei dabei von den 
Taliban gesehen und daraufhin bedroht worden. Trotzdem habe er den 
afghanischen  Behörden  sowie  den  NATO­Soldaten  umgehend  von 
diesem  Versteck  erzählt,  da  er  sich  an  den  Taliban  habe  rächen 
wollen;  denn  diese  hätten  im  Jahr  2005  seinen  Vater  entführt  und 
umgebracht. Zwei Tage später hätten die Behörden zusammen mit der 
NATO  das  Taliban­Versteck  bombardiert.  Dabei  seien  mehrere 
Taliban,  darunter  ein  Kommandant,  getötet  worden.  Daraufhin  hätten 
die Taliban ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Er habe die Behörden am 
10. Dezember  2009  um  Schutz  ersucht,  doch  sie  hätten  ihm  nicht 
helfen können. Da sein Leben  in Afghanistan  in Gefahr gewesen sei, 
habe er sich entschlossen, ins Ausland zu flüchten und in der Schweiz 
um Asyl nachzusuchen. Um seine Flucht zu  finanzieren, habe er sein 
Haus, sein Grundstück sowie seine Tiere verkauft. Bei einer Rückkehr 
ins Heimatland müsse er befürchten,  von den Taliban umgebracht  zu 
werden.

A.c  Der  Beschwerdeführer  reichte  im  Verlauf  des  vorinstanzlichen 
Verfahrens seine Tazkirah (Original) zu den Akten.

B. 
Mit  Verfügung  vom 22. März  2010  –  gleichentags  eröffnet  –  stellte  das 
BFM  fest,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  seien  unglaubhaft, 

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weshalb die Flüchtlingseigenschaft  zu verneinen sei. Demzufolge  lehnte 
das BFM das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz 
und ordnete den Vollzug an.

C. 
Mit  Beschwerde  vom  15.  April  2010  (Poststempel)  an  das 
Bundesverwaltungsgericht  beantragte  der  Beschwerdeführer,  die 
angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben,  es  sei  Asyl  zu  gewähren  und 
von einer Wegweisung abzusehen, eventuell sei zumindest die vorläufige 
Aufnahme  anzuordnen.  In  prozessualer  Hinsicht  wurde  um Gewährung 
der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des 
Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  sowie  um  Verzicht  auf  die 
Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht.

Der  Beschwerde  lagen  ein  Schreiben  der  afghanischen  Behörden 
(Kopie),  ein  Positionspapier  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  (SFH) 
betreffend  Asylsuchende  aus  Afghanistan  vom  26.  Februar  2009  sowie 
eine Unterstützungsbestätigung vom 7. April 2010 bei.

D. 
Der  Instruktionsrichter  verzichtete  mit  Verfügung  vom  20.  April  2010 
antragsgemäss  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  teilte 
dem Beschwerdeführer gleichzeitig mit, über das Gesuch um Gewährung 
der unentgeltlichen Rechtspflege werde  im Endentscheid befunden. Der 
Beschwerdeführer wurde ausserdem aufgefordert,  innert Frist das  in der 
Beschwerde  in  Aussicht  gestellte  Original­Beweismittel  inklusive 
Übersetzung und Zustellumschlag nachzureichen.

E. 
Mit  Eingabe  vom  6.  Mai  2010  reichte  der  Beschwerdeführer  ein 
undatiertes  Schreiben  des  Bürgermeisters  I.  S.  im  Original  (inkl. 
Übersetzung und Zustellumschlag) zu den Akten.

F. 
Das  BFM  hielt  in  seiner  Vernehmlassung  vom  17.  Mai  2010 
vollumfänglich  an  seiner  Verfügung  fest  und  beantragte  die  Abweisung 
der Beschwerde.

G. 
Der  Beschwerdeführer  replizierte  darauf mit  Eingabe  vom  1.  Juni  2010 
und hielt dabei sinngemäss an seinen Anträgen fest.

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H. 
Mit  Eingabe  vom  9.  August  2011  bat  der  Beschwerdeführer  um  einen 
baldigen Abschluss seines Beschwerdeverfahrens.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Das  Bundesverwaltungsgericht  beurteilt  gestützt  auf  Art. 31  des 
Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32) 
Beschwerden gegen Verfügungen  im Sinne von Art. 5 VwVG, welche 
von  einer  Vorinstanz  im  Sinne  von  Art.  33  VGG  erlassen  wurden, 
sofern  keine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von 
Art. 32  VGG  vorliegt.  Demnach  ist  das  Bundesverwaltungsgericht 
zuständig für die Beurteilung von Beschwerden gegen Entscheide des 
BFM, welche in Anwendung des AsylG ergangen sind, und entscheidet 
in  diesem  Bereich  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines 
Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Das Verfahren  richtet  sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und 
Art. 6 AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht  (Art. 108 
Abs. 1 AsylG, Art. 52 VwVG). Der Beschwerdeführer hat am Verfahren 
vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist  durch  die  angefochtene 
Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an 
deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur 
Einreichung  der Beschwerde  legitimiert  (Art.  105 AsylG  i.V.m. Art. 48 
Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung 
von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des 
rechtserheblichen  Sachverhalts  sowie  die  Unangemessenheit  gerügt 
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

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3. 
3.1. Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person 
anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie 
zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität, 
Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  ihrer 
politischen  Anschauungen  wegen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt 
ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung 
von  Leib,  Leben  oder  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken;  den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen,  die  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in 
sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder 
massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt 
werden (Art. 7 AsylG).

4. 
4.1.  Die  Vorinstanz  führte  zur  Begründung  ihres  ablehnenden 
Entscheids  im  Wesentlichen  aus,  die  vom  Beschwerdeführer 
geschilderten  Fluchtgründe  seien  nicht  nachvollziehbar, 
unsubstanziiert  und  widersprüchlich.  So  habe  sich  der 
Beschwerdeführer  beispielsweise  in  Bezug  auf  den  Ort,  an  dem  die 
Leiche seines Vaters gefunden worden sei, widersprochen. Es sei  im 
Übrigen  auch  nicht  nachvollziehbar,  weshalb  er  nicht  schon  damals 
eine Anzeige bei den Behörden gemacht habe, da die Leiche offenbar 
an derselben Stelle gefunden worden sei, wo sich auch das Versteck 
der Taliban befunden habe. Der Beschwerdeführer habe sodann  trotz 
mehrmaligen  Nachfragens  nicht  detailliert  angeben  können,  wo  und 
wie  er  das  Versteck  der  Taliban  gefunden  habe.  Auch  sei  nicht 
nachvollziehbar,  wie  und  wem  er  das  Entdecken  des  Verstecks 
gemeldet  habe.  Der  Beschwerdeführer  habe  zudem  nicht  schlüssig 
darlegen können, wie die Taliban erfahren hätten, dass er sie verraten 
habe. Die Aussage, wonach die Taliban  ihn dabei beobachtet und  ihn 
anschliessend bedroht hätten, sei als nachgeschoben zu erachten, da 
er  dies  anlässlich  der  ersten  Befragung  nicht  geltend  gemacht  habe. 

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Die Angaben  über  das  angeblich  auf  ihn  ausgesetzte Kopfgeld  seien 
ebenfalls  widersprüchlich  ausgefallen.  Die  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers  seien  insgesamt als unglaubhaft  zu erachten. Die 
Unglaubhaftigkeit  werde  zudem  durch  die  Ausführungen  des 
Beschwerdeführers  gegenüber  der  Kantonspolizei  E._______ 
untermauert.  Demzufolge  sei  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  verneinen 
und das Asylgesuch abzulehnen. Den Wegweisungsvollzug erachtete 
die Vorinstanz als zulässig, zumutbar und möglich.

4.2. In der Beschwerde wird gerügt, das BFM habe bei der Prüfung der 
Glaubhaftigkeit  einen  falschen  Massstab  angewendet.  Es  bestehe 
nämlich  eine  überwiegende  Wahrscheinlichkeit,  dass  der 
Beschwerdeführer die Wahrheit gesagt habe. Die Asylvorbringen seien 
daher  von  der  Beschwerdeinstanz  einer  erneuten  Überprüfung  zu 
unterziehen.  Die  nachgereichte  Kopie  einer  Bestätigung  der 
afghanischen  Regierung  und  Sicherheitskräfte  belegten  die 
geschilderten  Probleme  in  Afghanistan.  Das  Original  dieses 
Dokuments  werde  in  einigen  Wochen  eintreffen  und  umgehend 
nachgereicht.  Der  Beschwerdeführer  bringt  vor,  er  werde  in 
Afghanistan  in  asylrelevanter  Weise  verfolgt.  Das  Asyl  sei  ihm  zu 
Unrecht  verweigert  worden.  Die  Ausführungen  der  Vorinstanz  zur 
Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  seien  ebenfalls 
unzutreffend:  In  Afghanistan  herrsche  eine  Situation  allgemeiner 
Gewalt. Daher sei zumindest die vorläufige Aufnahme zu verfügen.

4.3.  In seiner Vernehmlassung erklärt das BFM, das neu eingereichte 
Beweismittel  sei  nicht  geeignet,  zu  einer  Änderung  des  vom  BFM 
vertretenen Standpunktes zu führen. Einerseits enthalte das Dokument 
keine  konkreten  Angaben,  andererseits  könnten  derartige  Schreiben 
leicht  gefälscht  werden,  weshalb  der  Beweiswert  gering  sei. 
Ausserdem  sei  festzustellen,  dass  die  im  Schreiben  enthaltenen 
Aussagen  betreffend  Festnahme  und  Tod  des  Vaters  nicht  ganz  mit 
den  diesbezüglichen  Vorbringen  des  Beschwerdeführers 
übereinstimmten.

4.4.  Der  Beschwerdeführer  entgegnet  in  der  Replik,  die  von  ihm 
gemachten  Aussagen  seien  richtig,  er  werde  in  Afghanistan  verfolgt. 
Allfällige Ungereimtheiten  zwischen  seinen Aussagen  und  dem  Inhalt 
des  eingereichten  Bestätigungsschreibens  müsse  wohl  auf 
Übersetzungsfehler zurückgeführt werden. Es mache  ihn  ratlos, wenn 
von  ihm  zunächst  wiederholt  verlangt  werde,  er  solle  Beweismittel 

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einreichen,  diesen  dann  jedoch  unter  Hinweis  auf  die  leichte 
Fälschbarkeit  der  Beweiswert  abgesprochen  werde.  Der 
Beschwerdeführer  hält  fest,  das  von  ihm  eingereichte  Schreiben  sei 
echt und geeignet, seine Asylvorbringen zu belegen.

5. 
Nachfolgend  ist  zu  prüfen,  ob  der  Beschwerdeführer  die 
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt.

5.1.  Wie  das  BFM  zu  Recht  erwog,  sind  die  Asylvorbringen  des 
Beschwerdeführers  unsubstanziiert,  realitätsfremd  und  teilweise  auch 
widersprüchlich  ausgefallen.  So  konnte  er  beispielsweise  nicht  in 
nachvollziehbarer  und  anschaulicher Weise  beschreiben, wo  und wie 
er das Versteck der Taliban gefunden hat und wie dieses aussah (vgl. 
A11  S. 10).  Ausserdem  bestehen  Unstimmigkeiten  bezüglich  seiner 
Beschreibung  des  Fundortes:  Nachdem  er  zunächst  sinngemäss 
erklärte  hatte,  das  Taliban­Versteck  befinde  sich  in  einer Steinwüste, 
räumte  er  auf  die  Frage,  weshalb  er  denn  seine  Schafe  in  einer 
Steinwüste  habe  weiden  lassen,  ein,  er  sei  selber  nicht  bei  den 
Steinen gewesen, sondern habe sich etwas weiter entfernt aufgehalten 
(vgl. A11 S. 11). Ausserdem fällt auf, dass der Beschwerdeführer erst 
in  der Direktanhörung  –  und  sogar  erst  auf  die  entsprechende Frage 
hin  –  geltend  machte,  die  Taliban  hätten  ihn  bei  ihrem  Versteck 
entdeckt  und  daraufhin  bedroht  (vgl.  A11  S.  10).  Dies  erstaunt  doch 
sehr,  da  davon  auszugehen  ist,  die  Konfrontation  mit  den  Taliban, 
namentlich deren Drohungen, hätten den Beschwerdeführer nachhaltig 
genug  beeindruckt,  um  von  diesem  Erlebnis  ungefragt  und 
insbesondere  bereits  in  der  Erstbefragung  zu  erzählen.  Der 
Beschwerdeführer  brachte  ferner  vor,  er  habe  das  Taliban­Versteck 
umgehend den Behörden gemeldet. Seine diesbezüglichen Aussagen 
sind  indessen  äusserst  unsubstanziiert  und  wenig  kohärent 
ausgefallen: Zunächst gab er zu Protokoll, er habe die NATO­Soldaten 
und die Regierung informiert. Wenig später erklärte er, er habe es den 
Soldaten der afghanischen Regierung gemeldet, es seien jedoch auch 
NATO­Soldaten  anwesend  gewesen  (vgl.  A1  S.  7).  In  der 
Direktanhörung gab er wiederum zunächst an, er habe die NATO und 
die  Regierung  informiert  (A11  S.  8),  während  er  später  aussagte,  er 
habe zwei Regierungssoldaten vom Versteck der Taliban erzählt (A11 
S.  12).  Den  Akten  ist  weiter  zu  entnehmen,  dass  der 
Beschwerdeführer  nicht  in  der  Lage  war  anzugeben,  wo  sich  in 
geografischer  Hinsicht  sein  Wohnort  im  Vergleich  zur  Stadt  Herat 

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befindet  (vgl.  A11  S.  5).  Angesichts  dessen  ist  allerdings  sein 
Vorbringen, wonach er den Soldaten auf der Landkarte gezeigt habe, 
wo  sich  das  Versteck  der  Taliban  befand,  als  realitätsfremd  zu 
erachten  (vgl.  A11 S  12). Der Beschwerdeführer  gab  im Weiteren  zu 
Protokoll, die Taliban hätten gewusst, dass er sie verraten habe, und 
hätten  nach  der  Bombardierung  ihres Verstecks  ein  Kopfgeld  auf  ihn 
ausgesetzt. Aufgrund der Aussagen des Beschwerdeführers  (vgl. A11 
S. 11) ist jedoch nicht nachvollziehbar, wie die Taliban die Identität des 
Beschwerdeführers  hätten  ausfindig  machen  können,  zumal  sie  ihn, 
als er angeblich ihr Versteck fand, ohne Weiteres laufen liessen. Es ist 
überdies nicht plausibel, dass die Taliban ein Kopfgeld aussetzten, da 
sie  den  Beschwerdeführer  mit  Sicherheit  ohne  fremde  Hilfe  hätten 
ausfindig  machen  können.  An  dieser  Stelle  ist  im  Übrigen  darauf 
hinzuweisen, dass sich der Beschwerdeführer bezüglich der Höhe des 
Kopfgeldes widersprach,  indem er zunächst von 50'000 Kaldar sprach 
(vgl.  A1  S. 7),  während  er  in  der  Direktanhörung  die  Summe  von 
40'000  Kaldar  erwähnte  (vgl.  A11  S.  8).  Erst  auf  Vorhalt  des 
Widerspruchs  korrigierte  er  den  Betrag  wiederum  auf  50'000  Kaldar 
(vgl.  A11  S.  10).  Den  Angaben  des  Beschwerdeführers  ist  zu 
entnehmen, er habe am 10. Dezember 2009 die Behörden um Schutz 
ersucht  (vgl.  A1  S.  7).  Diese  hätten  ihm  jedoch  nicht  helfen  können. 
Daraufhin  sei  er  am  12. Dezember  2009  ausgereist  (vgl.  A11 S.  13). 
Gleichzeitig  brachte  der  Beschwerdeführer  vor,  er  habe  eine  Woche 
benötigt, um sein Haus, seine Herde und sein Land zu verkaufen (vgl. 
A1 S. 13). Das heisst, er hätte bereits ungefähr am 5. September 2009 
damit  beginnen  müssen,  sein  Hab  und  Gut  zu  veräussern.  Dies  ist 
indessen  aufgrund  der  Aktenlage  nicht  plausibel,  da  er  zu  diesem 
Zeitpunkt  seinen  Zeitangaben  zufolge  noch  nicht  einmal  von  dem 
angeblich  auf  ihn  ausgesetzten  Kopfgeld  wusste  (vgl.  dazu  seine 
Ausführungen in A1 S. 7). Es ist schliesslich auch nicht plausibel, dass 
der Beschwerdeführer seine Familie schutzlos am Herkunftsort zurück 
liess.  Entgegen  der  anderslautenden,  wenig  plausiblen  Behauptung 
des  Beschwerdeführers  (vgl.  A11  s.  13)  ist  es  nämlich  durchaus 
wahrscheinlich,  dass  sich  die  Taliban  an  seinen  Familienmitgliedern 
rächen  würden,  wenn  der  vom  Beschwerdeführer  dargelegte 
Sachverhalt  der  Wahrheit  entsprechen  würde.  Der  Einwand  des 
Beschwerdeführers,  er  habe  seine Familie  zuhause  gelassen, weil  er 
selber schon Mühe genug gehabt habe, nach Europa zu gelangen (vgl. 
A11  S.  7)  überzeugt  nicht,  zumal  er  vor  Antritt  der  Reise  noch  nicht 
wissen  konnte,  wie  einfach  oder  beschwerlich  die  Reise  werden 
würde.  Mit  Blick  auf  die  gemachten  Ausführungen  sind  die 

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Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  insgesamt  als  unglaubhaft  zu 
qualifizieren.  Dieser  Befund  wird  im  Übrigen  bestätigt  durch  die 
Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  der  Kantonspolizei  Zürich 
gegenüber  vorbrachte,  die  Taliban  hätten  ihn  umbringen  wollen,  weil 
er wegen der Tötung seines Vaters eine Anzeige gemacht habe  (vgl. 
A2 S.  26);  dies widerspricht  offensichtlich  seinen Ausführungen  beim 
BFM.

5.2.  Das  auf  Beschwerdeebene  eingereichte  Bestätigungsschreiben 
trägt nicht dazu bei, die dargelegten Zweifel an der Glaubhaftigkeit der 
Asylvorbringen zu beseitigen, zumal der Inhalt dieses Schreibens nicht 
mit  den  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  übereinstimmt:  In 
besagtem  Bestätigungsschreiben  steht,  der  Vater  des 
Beschwerdeführers  sei  von  den  Taliban  inhaftiert  und  in  der  Folge 
misshandelt  und  gefoltert  worden;  davon  hat  der  Beschwerdeführer 
nichts  gesagt.  Andererseits  wird  ein  zentrales  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers,  nämlich  das  angeblich  auf  ihn  ausgesetzte 
Kopfgeld,  im Schreiben  des Bürgermeisters  überhaupt  nicht  erwähnt. 
In  formeller  Hinsicht  fällt  zudem  auf,  dass  das  Schreiben  von  einem 
Bürgermeister  der  Provinz  Herat  ausgestellt  wurde,  während  in  der 
Überschrift  des  Schreibens  die  Provinz  Daii  Kundi  genannt  wird. 
Insgesamt  entsteht  der  Eindruck,  es  handle  sich  bei  diesem 
Bestätigungsschreiben um ein reines Gefälligkeitsschreiben.

5.3.  Gestützt  auf  die  vorstehenden  Erwägungen  ist  die  vom 
Beschwerdeführer  geltend  gemachte  Verfolgung  im  Heimatland 
insgesamt  als  unglaubhaft  zu  erachten.  Der  Beschwerdeführer  konnte 
demnach  keine  Gründe  nach  Art.  3  AsylG  nachweisen  oder  glaubhaft 
machen.  Die  Vorinstanz  hat  daher  zu Recht  das  Asylgesuch  abgelehnt 
und die Flüchtlingseigenschaft verneint.

6. 
6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

6.2.  Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine 
ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  hat  er  Anspruch  auf 
Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht 
angeordnet  (Art. 44  Abs.  1  AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen 
der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21).

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7. 
Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht 
möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den 
gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

In  Bezug  auf  die  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der 
vormals  im  Bereich  des  Asylrechts  zuständigen  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  (ARK)  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser, 
Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.148

7.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  möglich,  wenn  die  Ausländerin  oder  der 
Ausländer  weder  in  den  Herkunfts­  oder  in  den  Heimatstaat  noch  in 
einen Drittstaat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 
Abs.  2  AuG).  Er  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche 
Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin  oder 
des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  in  einen  Drittstaat 
entgegenstehen  (Art.  83  Abs.  3  AuG).  Der  Vollzug  kann  für 
Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie  im Heimat­ 
oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, 
allgemeiner Gewalt oder medizinischer Notlage konkret gefährdet sind 
(Art. 83 Abs. 4 AuG).

7.2.  Die  vorstehend  genannten  drei  Bedingungen  für  einen 
(vorläufigen)  Verzicht  auf  den  Vollzug  der  Wegweisung – 
Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und Unmöglichkeit  –  sind  alternativer 
Natur:  ist  eine  dieser  Voraussetzungen  erfüllt,  so  ist  der  Vollzug  der 
Wegweisung  als  undurchführbar  zu  erachten  und  die  weitere 
Anwesenheit  in  der  Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die 
vorläufige  Aufnahme  zu  regeln  (vgl.  BVGE  2009/51  E.  5.4  S.  748, 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 6 E. 4.2 S. 54 f.).

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8. 
Im  Folgenden  ist  zu  prüfen,  ob  der  Wegweisungsvollzug  nach 
Afghanistan für den Beschwerdeführer zumutbar (Art. 83 Abs. 4 AuG) ist.

8.1. Betreffend  die  allgemeine  Lage  in  Afghanistan  ist  auf  das  kürzlich 
ergangene, zur Publikation vorgesehene Länderurteil BVGE E­7625/2008 
vom 16. Juni 2011 zu verweisen. Nach eingehender Lageanalyse stellte 
das Bundesverwaltungsgericht darin fest, dass die Sicherheitslage sowie 
die  humanitären  Bedingungen  in  weiten  Teilen  Afghanistans  –  ausser 
allenfalls in den Grossstädten Kabul, Herat oder Mazar­i­Sharif – äusserst 
schlecht  seien.  Es  kam  deshalb  zum  Schluss,  dass  die  Situation  in 
Afghanistan  praktisch  flächendeckend  als  existenzbedrohend  im  Sinne 
von  Art.  83  Abs.  4  AuG  zu  qualifizieren  sei.  Von  dieser  allgemeinen 
Feststellung sei die Situation  in der Hauptstadt Kabul zu unterscheiden. 
Angesichts  dessen,  dass  sich  dort  die  Sicherheitslage  im  Verlauf  des 
vergangenen Jahres nicht weiter verschlechtert habe und die humanitäre 
Situation  im  Vergleich  zu  den  übrigen  Gebieten  etwas  weniger 
dramatisch  sei,  könne  der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Kabul  unter 
Umständen als  zumutbar  qualifiziert werden. Solche Umstände  könnten 
grundsätzlich  namentlich  dann  gegeben  sein,  wenn  es  sich  beim 
Rückkehrer  um  einen  jungen,  gesunden  Mann  handle.  Angesichts  der 
konstanten  Verschlechterung  der  Lage  über  die  vergangenen  Jahre 
hinweg und der auch in Kabul schwierigen Situation verstehe es sich aber 
von  selbst,  dass  die  bereits  von  der  vormaligen  Beschwerdeinstanz  in 
EMARK  2003  Nr.  10  formulierten  strengen  Bedingungen  in  jedem 
Einzelfall  sorgfältig  geprüft  werden  und  erfüllt  sein  müssten,  um  die 
Zumutbarkeit  eines  Wegweisungsvollzugs  nach  Kabul  bejahen  zu 
können.  Unabdingbar  sei  in  erster  Linie  ein  soziales  Netz,  das  sich  im 
Hinblick auf die Aufnahme und Wiedereingliederung des Rückkehrers als 
tragfähig erweise; denn ohne Unterstützung durch Familie oder Bekannte 
würden die schwierigen Lebensverhältnisse auch in Kabul unweigerlich in 
eine  existenzielle  beziehungsweise  lebensbedrohende  Situation  führen. 
Für einen Rückkehrer aus Europa bestehe nach der Ankunft in Kabul ein 
erhöhtes Risiko, entführt oder überfallen zu werden, da vermutet werde, 
er trage Devisen auf sich. Verfüge er über keine genügenden finanziellen 
Mittel,  hätte  er  ohne  soziale  Vernetzung  kaum  Aussicht  auf  eine 
zumutbare  –  das  heisst  winterfeste  und  mit  minimaler  sanitärer 
Einrichtung ausgestattete  – Unterkunft. Auch  für  die Arbeitssuche  seien 
persönliche  Beziehungen  unerlässlich,  da  eine  Einstellung  (sogar  von 
unqualifizierten  Arbeitskräften)  regelmässig  nur  aufgrund  persönlicher 
Empfehlungen erfolge. Eine auch nur einigermassen gesunde Ernährung 

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wäre  ohne  die  Hilfe  von  nahestehenden  Personen  ebenfalls  kaum 
möglich,  der  Zugang  zu  sauberem  Trinkwasser  schwierig; 
Unterstützungsmassnahmen  der  Regierung  oder  internationaler 
Organisationen könnten  laut zuverlässigen Quellen daran nichts ändern. 
Ohne  eine  soziale  Vernetzung  würde  daher  auch  ein  junger  und 
grundsätzlich gesunder Mann unweigerlich innert absehbarer Zeit in eine 
existenzbedrohende Situation  geraten.  Im Übrigen  betone  auch  der  (für 
Afghanistan  zuständige)  Schweizer  Botschafter  in  Islamabad  die 
vorrangige  Bedeutung  eines  tragfähigen  sozialen  Netzes  für  einen 
Rückkehrer  zur  Vermeidung  unüberbrückbarer  Schwierigkeiten  (vgl.  E. 
9.3 ff.).

8.2. Der  Beschwerdeführer  stammt  den  Akten  zufolge  aus  der  Provinz 
Herat, allerdings nicht (wie vom BFM fälschlicherweise festgestellt wurde) 
aus der Grossstadt Herat, sondern aus dem Ort F._______ (vgl. A1 S. 2). 
Gemäss  seinen  Angaben  befindet  sich  dieser  Ort  an  der  Strasse  nach 
Islam  Qala,  welches  ungefähr  110  km  westlich  von  Herat  liegt. 
Demzufolge dürfte es sich beim Herkunftsort des Beschwerdeführers um 
die  15  km  westlich  von  Herat  gelegene  Hazara­Siedlung  B._______ 
handeln. Nach dem Gesagten stammt der Beschwerdeführer somit nicht 
aus einer Grossstadt, sondern aus einer kleinen Siedlung  in der Provinz 
Herat.  Mit  Blick  auf  die  vorstehenden  Ausführungen  ist  ein 
Wegweisungsvollzug dorthin von vornherein als generell  unzumutbar zu 
qualifizieren.  Damit  bleibt  zu  prüfen,  ob  es  dem  Beschwerdeführer 
zumutbar  wäre,  sich  im  Sinne  einer  innerstaatlichen 
Aufenthaltsalternative  in  einer  Grossstadt  seines  Heimatlandes  (Kabul 
oder  allenfalls  auch  Herat  oder  Mazar­i­Sharif)  niederzulassen. 
Anknüpfungspunkte bestehen in dieser Hinsicht lediglich in Bezug auf die 
Stadt  Herat,  da  gemäss  Aussagen  des  Beschwerdeführers  eine 
verheiratete Schwester dort lebt (vgl. A1 S. 5). Aus der blossen Tatsache, 
dass der Beschwerdeführer  in Herat über eine nahe Verwandte verfügt, 
kann indessen nicht geschlossen werden, dass er bei einer Ausschaffung 
nach  Herat  dort  ein  tragfähiges  Beziehungsnetz  vorfinden  würde. 
Insbesondere  erscheint  es  aufgrund  der  Aktenlage  keineswegs 
gewährleistet,  dass  die  Schwester  den  Beschwerdeführer  über  einen 
längeren  Zeitraum  hinweg  beherbergen  und  unterstützen  könnte. 
Gleichzeitig  ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer mit Blick 
auf  seine  dürftige  Schulbildung  und  bisherigen  Erwerbstätigkeiten  als 
Gelegenheitsarbeiter  und  Schafhirte  sowie  unter  Berücksichtigung  der 
schwierigen  Arbeitsmarktlage  in  Herat  wohl  Mühe  haben  dürfte,  innert 
angemessener Frist eine Anstellung zu finden, mit welcher er sich seinen 

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Lebensunterhalt  selbständig  verdienen  könnte.  Konkrete  Hinweise 
darauf,  dass  die  in  Shahrak  lebenden  Verwandten  des 
Beschwerdeführers diesen bei einer Ausschaffung nach Herat zumindest 
finanziell  unterstützen könnten,  sind nicht aktenkundig. Damit  ist  bereits 
die  individuelle  Zumutbarkeit  eines  Wegweisungsvollzugs  in  die  Stadt 
Herat  zu  verneinen.  Die  Frage  nach  der  generellen  Zumutbarkeit  eines 
Wegweisungsvollzugs  in  diese  Grossstadt  kann  damit  offengelassen 
werden. 

8.3.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  der  Vollzug  der 
Wegweisung  des  Beschwerdeführers  nach  Afghanistan  im  heutigen 
Zeitpunkt  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  eine  konkrete 
Gefährdung  zur  Folge  hätte  und  deshalb  als  unzumutbar  im Sinne  von 
Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren ist. 

9. 
Nach dem Gesagten  ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit damit der 
Vollzug der Wegweisung angefochten wurde; soweit weitergehend ist sie 
abzuweisen. Folglich sind die Dispositivziffern 4 und 5 der angefochtenen 
Verfügung  aufzuheben,  und  das  BFM  ist  anzuweisen,  den 
Beschwerdeführer  wegen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs 
vorläufig aufzunehmen.

10. 
10.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens (hälftiges Obsiegen) wären die 
um  die  Hälfte  reduzierten  Verfahrenskosten  dem  Beschwerdeführer 
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 
2  und  3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]). Nachdem aber aufgrund der Aktenlage weiterhin von der 
prozessualen  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  auszugehen  ist  und 
die Beschwerde  nicht  als  aussichtslos  bezeichnet werden  konnte,  ist  in 
Gutheissung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege von einer Kostenauflage abzusehen (Art. 65 Abs. 1 VwVG).

Mangels anderweitiger Hinweise  ist  nicht davon auszugehen, dass dem 
hälftig  obsiegenden,  aber  nicht  vertretenen Beschwerdeführer  durch die 
Beschwerdeführung  verhältnismässig  hohe  Kosten  entstanden  sind. 
Demnach  ist  ihm  keine  Parteientschädigung  zuzusprechen  (vgl.  Art.  64 
Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 4 VGKE).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen,  soweit  die  Aufhebung  des 
angeordneten Wegweisungsvollzugs und die Gewährung der vorläufigen 
Aufnahme beantragt werden. Im Übrigen wird sie abgewiesen. 

2. 
Die  Ziffern  4  und  5  des  Dispositivs  der  angefochtenen  Verfügung  vom 
22. März 2010 werden aufgehoben, und das BFM wird angewiesen, den 
Beschwerdeführer vorläufig aufzunehmen.

3. 
Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne 
von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen.

4. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

5. 
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

6. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Hans Schürch Anna Dürmüller Leibundgut

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