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**Case Identifier:** 68e68d6e-c266-5c2c-a735-598d6e83f8fe
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-11-16
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 16.11.2017 100 2017 153
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_100-2017-153_2017-11-16.pdf

## Full Text

100.2017.153U publiziert in BVR 2018 S. 5
HER/BLO/RAP

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 16. November 2017

Verwaltungsrichter Burkhard, Abteilungspräsident
Verwaltungsrichterin Arn De Rosa, Verwaltungsrichterin Herzog
Gerichtsschreiberin Blum

A.________
Beschwerdeführerin

gegen

Kanton Bern
handelnd durch die Gesundheits- und Fürsorgedirektion, Rathausgasse 1, 
3011 Bern
Beschwerdegegner

betreffend Opferhilfe; Entschädigung und Genugtuung (Verfügung der 
Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern vom 5. Mai 2017; 
2017-13110)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16.11.2017, Nr. 100.2017.153U, 
Seite 2

Sachverhalt:

A.

A.________ erstattete am 8. Februar 2016 bei der Kantonspolizei Bern 
Strafanzeige gegen Dr. med. B.________ wegen fahrlässiger schwerer 
Körperverletzung angeblich begangen am 6. April 2011 anlässlich einer 
kardiologischen Intervention. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, 
Region Bern-Mittelland (nachfolgend: Staatsanwaltschaft), verfügte am 
7. März 2016 die Nichtanhandnahme des Strafverfahrens, weil der an-
gezeigte Tatbestand der fahrlässigen schweren Körperverletzung eindeutig 
nicht erfüllt sei. Die am 11. März 2016 dagegen erhobene Beschwerde von 
A.________ wies das Obergericht des Kantons Bern mit Beschluss vom 
23. Mai 2016 ab.

Am 20. Februar 2017 reichte A.________ bei der Gesundheits- und 
Fürsorgedirektion des Kantons Bern (GEF) ein Gesuch um Entschädigung 
in der Höhe von Fr. 120ʹ000.-- ein. Zudem ersuchte sie um eine 
Genugtuung für sich und für Angehörige in der Höhe von Fr. 70'000.-- bzw. 
Fr. 35ʹ000.--.

Mit Verfügung vom 5. Mai 2017 wies die GEF das Gesuch um Entschädi-
gung und Genugtuung infolge Anspruchsverwirkung wegen verspäteter 
Gesuchseinreichung ab.

B.

Hiergegen hat A.________ am 30. Mai 2017 Verwaltungsgerichts-
beschwerde erhoben und die Zusprechung einer Entschädigung von min-
destens Fr. 120ʹ000.-- sowie einer Genugtuung für sich von mindestens 
Fr. 70ʹ000.-- sowie für Angehörige von mindestens Fr. 35ʹ000.-- beantragt.

Die GEF schliesst namens des Kantons Bern mit Beschwerdeantwort vom 
30. Juni 2017 auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten 
sei. A.________ hält mit Eingabe vom 22. Juli 2017 an ihren Anträgen fest.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16.11.2017, Nr. 100.2017.153U, 
Seite 3

Erwägungen:

1.

1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als 
letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des 
Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; 
BSG 155.21) zuständig (vgl. auch Art. 15 des Einführungsgesetzes vom 
2. September 2009 zum Bundesgesetz über die Hilfe an Opfer von Straf-
taten [EG OHG; BSG 326.1]). Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanz-
lichen Verfahren teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung be-
sonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG). Streitgegenstand bildet ungeachtet 
dessen, dass nicht «konkrete Opferhilfeleistungen» Gegenstand der an-
gefochtenen Verfügung sind, die Verweigerung der anbegehrten Entschä-
digungs- und Genugtuungsleistungen, weshalb die Beschwerdeanträge der 
Beschwerdeführerin zulässig und auf das Rechtsmittel entgegen dem Vor-
bringen in der Beschwerdeantwort (vgl. S. 4) integral einzutreten ist. Daran 
ändert nichts, dass das Verwaltungsgericht, käme es zum Schluss, die 
grundlegenden Anspruchsvoraussetzungen seien erfüllt, die Sache voraus-
sichtlich gestützt auf Art. 84 Abs. 1 VRPG an die Vorinstanz zurückweisen 
würde, damit diese erstmals über die Höhe der Leistungen entscheide, da 
das Gericht dazu funktionell grundsätzlich nicht zuständig und es in der 
Regel nicht seine Sache ist, die diesbezüglichen erforderlichen Abklärun-
gen als erste Instanz vorzunehmen (vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, 
Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 84 N. 4; BVR 2007 S. 226 
E. 5.4; für eine Ausnahme VGE 2013/408-411 vom 8.7.2015 E. 5.1). Diese 
Frage betrifft nicht die Zulässigkeit des Rechtsmittels, sondern die Art des 
Entscheids der Rechtsmittelinstanz (VGE 23211/23212 vom 14.5.2008 
E. 1.1 ist insoweit missverständlich). Auf die form- und fristgerecht ein-
gereichte Beschwerde ist einzutreten.

1.2 Das Verwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf 
Rechtsverletzungen und Unangemessenheit hin (Art. 80 VRPG i.V.m. 
Art. 29 Abs. 3 des Bundesgesetzes vom 23. März 2007 über die Hilfe an 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16.11.2017, Nr. 100.2017.153U, 
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Opfer von Straftaten [Opferhilfegesetz, OHG; SR 312.5]). Es wendet das 
Recht von Amtes wegen an (Art. 20a Abs. 1 VRPG) und kann – auch bei 
gleichbleibendem Ergebnis – die Begründung der Vorinstanz durch seine 
eigene ersetzen (sog. Substitution der Motive; vgl. statt vieler BVR 2015 
S. 66 E. 2.3 mit Hinweis).

2.

Im Streit liegt, ob die Beschwerdeführerin den opferhilferechtlichen An-
spruch auf Entschädigung und Genugtuung rechtzeitig geltend gemacht 
hat. Aufgrund der Akten ist von folgendem Sachverhalt auszugehen:

Bei der Beschwerdeführerin wurde am 6. April 2011 eine kardiologische 
Intervention (Herzkatheteruntersuchung/Koronarangiographie) durchgeführt 
(Akten GEF [act. 3C] pag. 335, 337 und 347). Am 4. Dezember 2014 nahm 
sie erstmals mit der Beratungsstelle Opferhilfe Bern Kontakt auf. Im Sep-
tember 2015 wurde im Rahmen der Soforthilfe ein Betrag in der Höhe von 
Fr. 864.-- an ihren damaligen Rechtsvertreter ausgerichtet (Akten GEF 
[act. 3A] pag. 14 und 19). Mit Schreiben vom 20. September 2015 und 
23. Oktober 2015 reichte die Beschwerdeführerin beim Kantonsarztamt des 
Kantons Bern eine aufsichtsrechtliche Anzeige gegen Dr. med. B.________ 
ein. Sie führte aus, dieser habe anlässlich der bei ihr durchgeführten 
kardiologischen Intervention seine Sorgfaltspflichten verletzt (Akten GEF 
[act. 3C] pag. 581 ff.). Das Kantonsarztamt informierte sie am 16. Dezem-
ber 2015 über die Erledigung des Verfahrens (Akten GEF [act. 3C] 
pag. 593). Am 8. Februar 2016 erstattete die Beschwerdeführerin bei der 
Kantonspolizei Bern Strafanzeige gegen Dr. med. B.________ wegen 
fahrlässiger schwerer Körperverletzung. Sie gab ein Schreiben (datiert vom 
6.2.2016) zu den Akten, in dem sie die aus ihrer Sicht relevanten Fakten 
darlegte (Akten GEF [act. 3C] pag. 305 ff. und 327 f.). Die Kantonspolizei 
machte Meldung an die Beratungsstelle Opferhilfe Bern und händigte der 
Beschwerdeführerin in Anwendung von Art. 8 Abs. 1 OHG das Merkblatt 
betreffend Opferhilfe aus (Akten GEF [act. 3C] pag. 313 und 323). Die 
Staatsanwaltschaft verfügte am 7. März 2016 die Nichtanhandnahme des 
Verfahrens wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung gestützt auf 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16.11.2017, Nr. 100.2017.153U, 
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Art. 310 Abs. 1 Bst. a der Schweizerischen Strafprozessordnung vom 
5. Oktober 2007 (Strafprozessordnung, StPO; SR 312.0). Sie hielt fest, aus 
den gesamten Unterlagen ergäbe sich kein Verdacht auf einen Be-
handlungsfehler, weshalb der angezeigte Tatbestand der fahrlässigen 
schweren Körperverletzung eindeutig nicht erfüllt sei (Akten GEF [act. 3C] 
pag. 441 ff.). Das Obergericht wies eine von der Beschwerdeführerin da-
gegen erhobene Beschwerde mit Beschluss vom 23. Mai 2016 ab. Es er-
wog, nach eingehender Auseinandersetzung mit den Medizinal- und Straf-
akten sei es davon überzeugt, dass kein Behandlungsfehler vorliege (Akten 
GEF act. 3C] pag. 557 ff., 567). Der Beschluss des Obergerichts ist in 
Rechtskraft erwachsen.

3.

3.1 Nach Art. 25 Abs. 1 OHG müssen das Opfer und seine Angehörigen 
das Gesuch um Entschädigung und Genugtuung innert fünf Jahren nach 
der Straftat oder nach Kenntnis der Straftat einreichen; andernfalls ver-
wirken die Ansprüche. Demnach beginnt die Frist mit der Verübung der 
Straftat zu laufen, spätestens jedoch im Zeitpunkt, in dem das Opfer 
Kenntnis von der Straftat erhält (Botschaft des Bundesrats zur Totalrevision 
des OHG [nachfolgend: Botschaft OHG], in BBl 2005 S. 7165 ff., S. 7229). 
Mit dem zusätzlichen Anknüpfungspunkt der «Kenntnis der Straftat» hat die 
bundesgerichtliche Rechtsprechung zu Art. 16 Abs. 3 des alten Bundes-
gesetzes vom 4. Oktober 1991 über die Hilfe an Opfer von Straftaten (Op-
ferhilfegesetz, aOHG; AS 1992 S. 2465), wonach ein Opfer die massge-
bliche Schädigung bzw. Verletzung erkennen können muss, bevor es sich 
auf das Vorliegen einer Straftat im Sinn des OHG berufen kann, Eingang in 
die gesetzlichen Grundlagen gefunden (vgl. BGE 134 II 308 E. 5.5). Aus-
gestaltet als Verwirkungsfrist kann die fünfjährige Frist von Art. 25 Abs. 1 
OHG weder unterbrochen werden noch stillstehen (Botschaft OHG, 
S. 7228; Peter Gomm, in Handkommentar OHG, 3. Aufl. 2009, Art. 25 N. 3; 
vgl. auch BGE 126 II 348 E. 2b/aa zum aOHG). 

3.2 Die Beschwerdeführerin reichte ihr Gesuch um Entschädigung und 
Genugtuung am 20. Februar 2017 bei der GEF ein (Akten GEF [act. 3A] 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16.11.2017, Nr. 100.2017.153U, 
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pag. 9). Unbestritten ist, dass sie damit die Frist von fünf Jahren nach dem 
als Straftat vorgebrachten Ereignis (kardiologische Intervention vom 
6.4.2011, vgl. vorne E. 2) verpasst hat (vgl. E. 3.1 hiervor). Sie bringt indes 
vor, sie habe erst am 1. September 2014 Kenntnis vom Vorliegen einer 
Straftat erlangt (Beschwerde S. 1; Replik S. 1). Die Vorinstanz hält dem-
gegenüber fest, die Beschwerdeführerin sei seit Dezember 2014 (erster 
Kontakt mit der Beratungsstelle Opferhilfe Bern), spätestens jedoch seit 
Februar 2016 über ihre Opferrechte informiert gewesen. Sie führt aus, das 
Opfer sei nach vollständiger Information über seine Rechte gemäss Treu 
und Glauben gehalten, möglichst rasch ein Entschädigungsgesuch einzu-
reichen. Indem die Beschwerdeführerin trotz Soforthilfe durch die Bera-
tungsstelle Opferhilfe Bern im September 2015 bis zum 20. Februar 2017 
für die Gesuchseinreichung zugewartet habe, habe sie die zeitliche Spann-
weite, die nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung zur Wahrung der Frist 
noch angemessen erscheinen würde, eindeutig überschritten, weshalb ihr 
Anspruch auch aus diesem Grund verwirkt sei (Beschwerdeantwort S. 3 f.).

3.3 Dieser Argumentation kann nicht gefolgt werden. Die GEF scheint 
zu übersehen, dass sich die von ihr angeführte Rechtsprechung auf die 
kürzere Frist von Art. 16 Abs. 3 aOHG bezieht und zur Anwendung ge-
langte, wenn ein Opfer erst nach Verstreichen der damals massgeblichen 
Zweijahresfrist ein Gesuch einreichte, weil ihm die notwendigen Informatio-
nen hinsichtlich seiner Opferrechte fehlten. Dies kann nicht unbesehen auf 
die heute geltende Rechtslage übertragen werden. Wie dargelegt, beginnt 
die Frist mit der Straftat oder, sollte ein Opfer erst später Kenntnis davon 
erlangen, ab diesem Zeitpunkt zu laufen (vgl. vorne E. 3.1). Wohl erscheint 
es sinnvoll, wenn ein Opfer seine Ansprüche zeitnah geltend macht, damit 
z.B. allfällige Sachverhaltsabklärungen unverzüglich erfolgen können; dazu 
verpflichtet ist das Opfer aber nicht. Innerhalb der Frist ist es dem Opfer 
überlassen, wann es ein Gesuch um Entschädigung und Genugtuung stel-
len möchte. Seine Ansprüche verwirken erst mit Ablauf der fünf Jahre nach 
der Straftat oder nach Kenntnis der Straftat.

3.4 Für die Frage der Verwirkung ist somit entscheidend, ob die Be-
schwerdeführerin tatsächlich, wie sie geltend macht, erst am 1. September 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16.11.2017, Nr. 100.2017.153U, 
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2014 von der angeblichen Straftat Kenntnis erlangt hat. Dies kann jedoch 
mit Blick auf das Folgende dahingestellt bleiben.

4.

4.1 Nach Art. 1 Abs. 1 OHG hat jede Person, die durch eine Straftat in 
ihrer körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität unmittelbar be-
einträchtigt worden ist (Opfer), Anspruch auf Unterstützung nach diesem 
Gesetz (Opferhilfe). Der Anspruch besteht unabhängig davon, ob der Täter 
oder die Täterin: a. ermittelt worden ist; b. sich schuldhaft verhalten hat; 
c. vorsätzlich oder fährlässig gehandelt hat (Abs. 3). Das Vorliegen einer 
Straftat ist unabdingbare Voraussetzung für die Anerkennung der Opfer-
qualität einer durch ein Ereignis geschädigten Person (BGer 1C_9/2017 
vom 4.4.2017 E. 2). Unter einer Straftat ist ein tatbestandsmässiges, 
rechtswidriges Verhalten im Sinn des Strafgesetzbuchs zu verstehen. Der 
Begriff der Straftat setzt neben der Verwirklichung des objektiven Straf-
tatbestands auch vorsätzliches oder fahrlässiges Handeln voraus (vgl. 
BGE 134 II 308 E. 5.5, 134 II 33 E. 5.4 f. sowie BVR 2007 S. 226 E. 3.1, je 
zum aOHG; BGer 1C_9/2017 vom 4.4.2017 E. 2). Die Anforderungen an 
den Nachweis einer die Opferstellung begründenden Straftat sind je nach 
dem Zeitpunkt sowie nach Art und Umfang der beanspruchten Hilfe unter-
schiedlich hoch. Während die Zusprechung einer Genugtuung oder einer 
Entschädigung den Nachweis der Opferstellung und damit einer tatbe-
standsmässigen sowie rechtswidrigen Straftat voraussetzt, genügt es für 
die Wahrnehmung der Rechte des Opfers im Strafverfahren, dass eine die 
Opferstellung begründende Straftat ernsthaft in Betracht fällt. Gleiches gilt 
für Soforthilfen (BGer 1C_348/2012 vom 8.5.2013 E. 2.4; vgl. auch Bot-
schaft OHG, S. 7203; BVR 2007 S. 226 E. 4.3). Kam es nicht zu einem 
Strafverfahren, z.B. weil kein Strafantrag gestellt, das Verfahren eingestellt 
oder gar nicht an die Hand genommen wurde, ist bei Entschädigungs- und 
Genugtuungsansprüchen für den Nachweis einer Straftat im Sinn von Art. 1 
Abs. 1 OHG vom Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit aus-
zugehen (BVR 2007 S. 226 E. 4.4 und 4.5 mit Hinweisen; Peter Gomm, 
a.a.O., Art. 29 N. 16; Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons 
St. Gallen vom 3.4.2014, OH 2012/1 E. 1.5).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16.11.2017, Nr. 100.2017.153U, 
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4.2 Nach der Rechtsprechung sind die Verwaltungsbehörden bei der 
Beweiswürdigung in reinen Rechtsfragen nicht an die Beurteilung durch die 
Strafbehörden gebunden, da sie sonst in ihrer freien Rechtsanwendung 
beschränkt würden. Im Interesse der Rechtssicherheit und Rechtseinheit 
sollen sie jedoch nicht ohne sachliche Gründe vom Entscheid der Straf-
behörde abweichen. Eine Abweichung rechtfertigt sich dann, wenn die 
Opferhilfebehörden aufgrund eigener Beweiserhebungen Tatsachen fest-
stellen, die dem Strafgericht unbekannt waren und die es nicht beachtet 
hat; wenn neue Tatsachen vorliegen, deren Würdigung zu einem abwei-
chenden Entscheid führen; wenn die Beweiswürdigung des Strafgerichts 
feststehenden Tatsachen klar widersprechen oder wenn dieses bei der 
Anwendung des geltenden Rechts auf den Sachverhalt nicht alle Rechts-
fragen abgeklärt hat (vgl. betreffend Opferhilfe BGE 124 II 8 E. 3d, 
134 II 33 [BGer 1C_45/2007 vom 30.11.2007]  nicht publ. E. 4.3 sowie 
VGE 2013/408-411 vom 8.7.2015 E. 3.6; für andere Rechtsgebiete etwa 
BGE 137 I 363 E. 3.2.3; BGer 8C_98/2016 vom 15.12.2016 E. 4.2.2). Im 
Grundsatz trifft dies auch zu, wenn ein Verfahren eingestellt wurde. We-
sentlich ist dabei in erster Linie, ob die Strafbehörde Feststellungen zum 
Sachverhalt getroffen hat, an den auch die Opferhilfebehörde anknüpft. 
Das kann namentlich der Fall sein, wenn die Staatsanwaltschaft das Ver-
fahren einstellt, weil sie zum Schluss kommt, es liege ein Fall von Straf-
losigkeit vor, weil kein Tatverdacht erhärtet ist, der eine Anklage rechtfer-
tigt, oder weil kein Straftatbestand erfüllt ist (Art. 319 Abs. 1 Bst. a und b 
StPO; vgl. betreffend polizeiliches Rayonverbot BVR 2016 S. 247 E. 5.5 mit 
Hinweis u.a. auf BGE 138 IV 186 E. 4.1). Umso mehr muss dies gelten, 
wenn eine Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft vorliegt 
(vgl. BVR 2016 S. 247 E. 5.5), sind doch die Anforderungen an eine solche 
strenger als an die Verfahrenseinstellung. Gemäss Art. 310 Abs. 1 StPO 
verfügt die Staatsanwaltschaft die Nichtanhandnahme unter anderem, so-
bald aufgrund der Strafanzeige feststeht, dass die fraglichen Straftatbe-
stände eindeutig nicht erfüllt sind (Bst. a). Eine Nichtanhandnahme darf 
somit nur in sachverhaltsmässig und rechtlich klaren Fällen ergehen. Im 
Zweifelsfall ist insbesondere bei Ereignissen mit schwerwiegenden Folgen 
eine Untersuchung zu eröffnen (BGE 137 IV 285 E. 2.3; 
BGer 6B_1407/2016 vom 21.9.2017 E. 3.2). Demnach müssen klare Hin-
weise auf eine fehlerhafte Beurteilung der Staatsanwaltschaft oder neue 

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Beweise vorliegen, damit die Opferhilfebehörden dennoch von den Er-
kenntnissen der Strafbehörden abweichen können und sollen.

4.3 Die Beschwerdeführerin ersucht um Ausrichtung einer Entschädi-
gung und um Genugtuungsleistungen für sich und Angehörige. Es ist dem-
nach der Nachweis der tatbestandsmässigen und rechtswidrigen Straftat zu 
erbringen; die blosse Möglichkeit, dass sie Opfer einer Straftat geworden 
ist, reicht als Anspruchsbegründung nicht aus, vielmehr muss der Nach-
weis einer Straftat im Sinn von Art. 1 Abs. 1 OHG mit dem Beweisgrad der 
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erbracht werden (vgl. vorne E. 4.1). – 
Die Beschwerdeführerin sieht als Ursprung ihrer gesundheitlichen Be-
schwerden eine am 6. April 2011 durchgeführte kardiologische Intervention 
(vgl. vorne E. 2). Anlässlich dieser Behandlung seien ihr toxische Elemente 
zugeführt worden und in ihrem Körper verblieben (Beschwerde S. 1 f.). Die 
Staatsanwaltschaft gelangte bei der Prüfung der Strafanzeige wegen fahr-
lässiger schwerer Körperverletzung zum Schluss, aus den gesamten Unter-
lagen ergäbe sich kein Verdacht auf einen Behandlungsfehler; der an-
gezeigte Tatbestand der fahrlässigen schweren Körperverletzung sei ein-
deutig nicht erfüllt. Sie verfügte deshalb die Nichtanhandnahme des 
Strafverfahrens (vorne E. 2; Akten GEF [act. 3C] pag. 445). Die Staats-
anwaltschaft legte in ihrer Verfügung dar, es bestünden keine Anhalts-
punkte, dass bei der kardiologischen Intervention ein Fremdteil im Körper 
der Beschwerdeführerin zurückgelassen worden sei. Diese Möglichkeit 
oder die Möglichkeit, dass ihre Leiden auf ein Fremdteil zurückzuführen sei, 
werde auch in keinem der vorliegenden medizinischen Berichte und Gut-
achten erwähnt, obschon über Jahre hinweg verschiedenste fachärztliche 
Untersuchungen stattgefunden haben (Akten GEF [act. 3C] pag. 443). Das 
Obergericht, welches die Nichtanhandnahmeverfügung bestätigte (vgl. vor-
ne E. 2), führte aus, dass die Strafverfolgungsbehörden auf Basis der 
umfangreichen Aktenlage zutreffend zum Ergebnis gelangt seien, es läge 
kein Verdacht auf einen Behandlungsfehler vor. Der Straftatbestand der 
fahrlässigen schweren Körperverletzung sei damit eindeutig nicht erfüllt. Es 
beurteilte den Umstand als bezeichnend, dass die Beschwerdeführerin bis 
etwa Herbst 2014 ihre Beschwerden auf eine andere (im September 2011 
durchgeführte) Operation zurückgeführt habe und erst seither auf die Idee 
fixiert sei, die Behandlung vom 6. April 2011 habe ihre Leiden verursacht 

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(Akten GEF [act. 3C] pag. 557, 565 ff.). Aus dem Gesagten erhellt, dass 
aus Sicht der Strafbehörden keine Straftat vorliegt, weil es an einem tatbe-
standsmässigen und rechtswidrigen Verhalten klar fehlt.

4.4 Die Beschwerdeführerin hat weder im Verwaltungsverfahren noch 
im verwaltungsgerichtlichen Verfahren Elemente vorgebracht, die nicht be-
reits den Strafbehörden bekannt gewesen waren. Wiewohl in der ange-
fochtenen Verfügung die Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwalt-
schaft Erwähnung findet, hält sie fest, dass die beim Kantonsarztamt an-
hängig gemachte «Strafanzeige» noch «ausstehend» sei (vgl. dazu vorne 
E. 2), und verweist im Übrigen in erster Linie auf verschiedene Analyse-
ergebnisse, wonach gewisse Werte Abweichungen von der Norm zeigten. 
Sie hält daran fest, dass nach der kardiologischen Intervention vom 6. April 
2011 Fremdteile in ihrem Körper verblieben seien (Beschwerde S. 1 f.). 
Auch im Nachgang zur Erklärung der Vorinstanz, Leistungen nach OHG 
fielen angesichts der Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft 
ebenfalls mangels Straftat ausser Betracht (Beschwerdeantwort S. 4), legt 
sie mit keinem Wort dar, weshalb die Auffassung der Strafbehörden unzu-
treffend sei. Für das Verwaltungsgericht besteht unter den gegebenen Um-
ständen kein Grund, weitere Abklärungen zu veranlassen oder von den 
tatsächlichen Feststellungen der Strafbehörden hinsichtlich der Verfah-
rensnichtanhandnahme abzuweichen. Mithin ist auch aus opferhilferecht-
licher Sicht das erforderliche tatbestandsmässige und rechtswidrige Ver-
halten nicht gegeben. Da der Nachweis einer Straftat mit dem Beweisgrad 
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht erbracht ist, fehlt es an einer 
anspruchsbegründenden Voraussetzung für die Ausrichtung einer Ent-
schädigung und Genugtuung nach dem Opferhilfegesetz.

5.

Nach dem Gesagten hält die angefochtene Verfügung im Ergebnis der 
Überprüfung stand. Die Beschwerde erweist sich als unbegründet und ist 
abzuweisen. Verfahrenskosten sind keine zu erheben (vgl. Art. 30 Abs. 1 
und 2 OHG). Ersatzfähige Parteikosten sind keine angefallen (Art. 108 
Abs. 3 i.V.m. Art. 104 VRPG).

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Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch Parteikosten gespro-
chen.

3. Zu eröffnen:
- der Beschwerdeführerin
- dem Beschwerdegegner
- dem Bundesamt für Justiz

Der Abteilungspräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen 
Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 
17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.