# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 01734ad5-44fc-5d89-a877-9ea9a7ab0bd5
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-06-18
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 18.06.2019 SB180194
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB180194_2019-06-18.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 
 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB180194-O/U/cs 
 

Mitwirkend: die Oberrichter Dr. Bussmann, Präsident, lic. iur. Stiefel und  

Ersatzoberrichter lic. iur. Wenker sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw Baechler 

 

Urteil vom 18. Juni 2019 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigter und Erstberufungskläger 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt X._____,  

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich, vertreten durch Staatsanwältin lic. 
iur. Arce,  

Anklägerin und Zweitberufungsklägerin 

 

sowie 

 

1. B._____,  
2. [...] 

Privatkläger  

 

1 vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Y._____,  

 

betreffend mehrfache versuchte schwere Körperverletzung etc. und Widerruf   
 

- 2 - 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung, vom 
8. November 2017 (DG170178) 
 

 

- 3 - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 26. Juni 

2017 (Urk. 36) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig 

− der mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von 

Art. 122 Abs. 1 und Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 

StGB, 

− des Vergehens gegen das Bundesgesetz über die obligatorische Ar-

beitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung (AVIG) im Sinne 

von Art. 105 Abs. 1 AVIG.  

2. Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf der einfachen Körperver-

letzung zu Lasten des Privatklägers 2 C._____. 

3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten, wo-

von 20 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Geldstrafe von 

20 Tagessätzen zu Fr. 50.–. 

4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 18 Monaten aufgescho-

ben und die Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt. Im Restumfang (18 Monate, 

abzüglich 20 Tage, die durch Untersuchungshaft erstanden sind) wird die 

Freiheitsstrafe vollzogen. 

5. Die Geldstrafe ist zu bezahlen. 

6. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Urteil des Bezirksgerichts Luzern 

vom 25. Februar 2013 ausgefällten Freiheitsstrafe von 18 Monaten wird 

nicht widerrufen, die Probezeit wird um 1 Jahr verlängert. 

- 4 - 

7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 1 B._____ Fr. 15'000.– 

zuzüglich 5 % Zins ab 3. Oktober 2014 als Genugtuung zu bezahlen. Im 

Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

8. Das Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren des Privatklägers 2 

C._____ wird abgewiesen. 

9. Allfällige noch bei der Polizei befindliche Kleidungsstücke müssen vom Be-

schuldigten dort selbständig herausverlangt werden. 

10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 1 B._____ für das ge-

samte Verfahren eine Prozessentschädigung von pauschal Fr. 18'300.– 

(inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen. 

11. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 5'000.– ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr. 4'500.–   Gebühr für das Vorverfahren 

Fr. 14'122.35   Auslagen (Gutachten) 

Fr. 301.05   Auslagen  

Fr. 31.95   Auslagen (Gutachten)  

Fr. 6.20   Entschädigung Zeuge 

Fr. 600.–   Beschwerdeverfahren Geschäfts Nr. UH140389 

Fr. 10'004.–   amtliche Verteidigung (Vorverfahren) 

Fr.    amtliche Verteidigung (ausstehend) 
 
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

12. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-

nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten 

zu 4/5 auferlegt. 

13. Über die Höhe der Kosten der amtlichen Verteidigung wird mit einem sepa-

raten Beschluss entschieden. 

- 5 - 

14. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-

nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 

StPO im Umfang von 4/5 der Kosten der amtlichen Verteidigung. 

Berufungsanträge: 

a) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich: 

(Urk. 78 S. 1) 

"1. Der mit Urteil des Bezirksgerichts Luzern vom 25. Februar 2013 für ei-

ne Freiheitsstrafe von 18 Monaten unter Ansetzung einer Probezeit von 

4 Jahren gewährte bedingte Strafvollzug sei zu widerrufen. 

2. Der Beschuldigte sei unter Einbezug der zu widerrufenden Strafe - un-

ter Anrechnung der erstandenen Haft - mit einer Freiheitsstrafe von 

5 Jahren als Gesamtstrafe zu bestrafen. 

3. Die übrigen Punkte des vorinstanzlichen Urteils seien zu bestätigen." 

b) Der amtlichen Verteidigung: 

(Urk. 79 S. 2) 

"1. sei aufzuheben 

2. nicht angegriffen 

3. sei aufzuheben 

4. sei aufzuheben 

5. sei aufzuheben 

6. sei aufzuheben 

7. sei aufzuheben 

- 6 - 

8. nicht angegriffen 

9. nicht angegriffen 

10. sei aufzuheben 

11. nicht angegriffen 

12. sei aufzuheben 

13. nicht angegriffen 

14. sei dahingehend abzuändern, dass die eine Nachforderung gemäss 

Art. 135 Abs. 4 StPO entfällt 

15. nicht angegriffen 

16. nicht angegriffen." 

 

___________________________________ 

 

Erwägungen:  

I. Verfahrensgang 

 Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene, mündlich eröffnete Ur-

teil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung, vom 8. November 2017 meldeten 

sowohl die amtliche Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft mit Eingabe 

vom 12. resp. 16. November 2017 (Poststempel) je Berufung an (Prot. I S. 15 ff.; 

Urk. 53; Urk. 56; Art. 399 Abs. 1 StPO). Nach der Zustellung des begründeten Ur-

teils am 27. April 2018 resp. 2. Mai 2018 reichten die Staatsanwaltschaft mit Ein-

gabe vom 8. Mai 2018 und die Verteidigung mit solcher vom 18. Mai 2018 (Post-

stempel: 21.05.2018) fristgerecht ihre jeweilige Berufungserklärung im Sinne von 

- 7 - 

Art. 399 Abs. 3 StPO ein (Urk. 66/1+2; Urk. 68; Urk. 70). Der Beschuldigte liess 

einen Freispruch beantragen. Die Anklagebehörde beschränkte ihre Berufung auf 

den Strafpunkt, inkl. Widerruf. Mit Präsidialverfügung vom 29. Mai 2018 wurden 

dem Beschuldigten und den Privatklägern die Berufungserklärung der Staatsan-

waltschaft sowie dieser und den Privatklägern jene des Beschuldigten zugestellt 

sowie Frist für Anschlussberufung oder einen Nichteintretensantrag angesetzt 

(Urk. 71; Urk. 72/1-4). Der Beschuldigte liess ausdrücklich auf eine Anschlussbe-

rufung verzichten (Urk. 73). Die Staatsanwaltschaft und die Privatkläger liessen 

sich nicht vernehmen. Beweisanträge wurden von keiner Partei gestellt. Am 

18. März 2019 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 18. Juni 2019 vorgela-

den (Urk. 75). Anlässlich derselben stellten die Parteien die eingangs aufgeführ-

ten Anträge (Prot. II S. 4 f.; Urk. 78 S. 1; Urk. 79 S. 2). 

II. Prozessuales 

 1. Der Beschuldigte liess mit seiner auf Freispruch lautenden Berufung ein-

zig den Teilfreispruch vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung zum Nachteil 

des Privatklägers 2 und die Abweisung von dessen Zivilansprüchen (Dispositivzif-

fer 2 und 8), die Herausgabe (Dispositivziffer 9) sowie die Kostenfestsetzung und 

die Entschädigung der amtlichen Verteidigung (Dispositivziffern 11, 13 und 14, 

teilweise), nicht anfechten (Urk. 70 S. 1 f.; Urk. 79 S. 2). Zudem blieb die Abwei-

sung des Genugtuungsbegehrens des Privatklägers 1 im Fr. 15'000.– überstei-

genden Mehrbetrag (Dispositivziffer 7, 2. Satz) unangefochten. 

 2. Die Staatsanwaltschaft hat mit ihrer Berufung das vorinstanzliche Urteil im 

Strafpunkt angefochten und beantragt, der mit Urteil des Bezirksgerichtes Luzern 

vom 25. Februar 2013 für eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten unter Ansetzung 

einer Probezeit von 4 Jahren gewährte bedingte Strafvollzug sei zu widerrufen, 

und der Beschuldigte sei unter Einbezug der widerrufenen Strafe mit einer Frei-

heitsstrafe von 5 Jahren als Gesamtstrafe zu bestrafen, wobei die wegen des 

Vergehens gegen das Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversi-

cherung und Insolvenzentschädigung kumulativ ausgefällte Geldstrafe nicht ange-

fochten werde (Urk. 68 S. 2 und S. 4; Urk. 78 S. 1). 

- 8 - 

 3. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-

kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Nachdem 

die Urteilsdispositivziffern 2 (Freispruch betr. Privatkläger 2), 7, 2. Satz  (Abwei-

sung der Genugtuung des Privatklägers 1 im Mehrbetrag), 8 (Abweisung Zivilan-

sprüche des Privatklägers 2), 9 (Herausgabe) sowie 11 , 13 und 14 teilweise 

(Kostenfestsetzung und Honorar amtliche Verteidigung) unangefochten blieben, 

ist mittels Beschluss festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil sowie der vor-

instanzliche Beschluss vom 4. Dezember 2017 betr. Honorar der amtlichen Ver-

teidigung (Urk. 59 S. 2) in diesem Umfang in Rechtskraft erwachsen sind. 

III. Sachverhalt 

 1. Infolge rechtskräftigen Freispruchs vom Anklagevorwurf der einfachen 

Körperverletzung zum Nachteil des Privatklägers 2, C._____ (Dossier 1), verblei-

ben die nachfolgenden Vorwürfe betreffend versuchte schwere Körperverletzung 

zum Nachteil des Privatklägers 1, B._____ (Dossier 1), sowie des Geschädigten 

D._____ (Dossier 1) und Vergehen gegen das AVIG (Dossier 2) Gegenstand des 

Berufungsverfahrens. 

2. Gemäss Dossier 1 (versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil 

des Privatklägers 1) wird dem Beschuldigten zusammengefasst vorgeworfen, in 

der Nacht vom Freitag, dem 3. Oktober 2014, auf der Tanzfläche des Clubs 

E._____ an der …-strasse … in … Zürich um ca. 02.06 Uhr in eine tätliche Ausei-

nandersetzung zwischen seinem Kollegen F._____ und dem Geschädigten 

D._____ eingegriffen zu haben, indem er mit seinem rechten Arm – und in der 

rechten Hand ein mutmasslich bereits defektes, massives Trinkglas haltend – ei-

ne heftige, voll durchgezogene Schwungbewegung nach rechts in die Men-

schenmenge ausgeführt haben soll, wobei er mit diesem Glas den in seiner un-

mittelbaren Nähe stehenden und völlig unbeteiligten Privatkläger 1 im Gesicht, 

beim linken Auge getroffen habe. Der Privatkläger 1 habe durch diesen Schlag 

mit dem Glas ins Gesicht eine perforierende schwere Augenverletzung links mit 

langer Skleraperforation, multiplen Glasfremdkörpern und ausgedehnten Riss- 

und Quetschwunden im Bereich des Oberlides, Unterlides, Augenbrauenberei-

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ches, Hals und Ohr mit Absprengung eines Knochenfragmentes im Bereich des 

Jochbeinbogens erlitten, sodass die Sehschärfe des linken Auges bzw. dessen 

Funktion bleibend erheblich beeinträchtigt sei, sich die Sehschärfe bei ca. 60% 

etabliert habe, ein erhöhtes Risiko für eine Netzhautablösung sowie zur Entwick-

lung eines grünen Stars (Glaukom) bestehen bleibe, und mit einem operativen 

Ersatz der Kunstlinse im Laufe der Zeit infolge Instabilität zu rechnen sei. Der Be-

schuldigte habe anlässlich der heftigen und dynamischen Schwungbewegung mit 

dem Glas in der Hand um die Möglichkeit gewusst, damit jemanden in der dichten 

Menschenmenge im Gesicht bzw. am Kopf zu treffen und damit einhergehend um 

die Möglichkeit der Entstehung von möglicherweise ein wichtiges Organ oder 

Glied eines Menschen verstümmelnde und unbrauchbarmachende bzw. arg ent-

stellende, schwere oder lebensgefährliche Folgen für eine in der Nähe stehende 

Person. Er habe diese Folgen gewollt bzw. habe solche in Kauf genommen, wo-

bei sie jedoch nicht eingetreten seien (Urk. 36 S. 2 f.). 

2.1. Der Beschuldigte bestreitet den ihm vorgeworfenen Sachverhalt 

(Urk. D1/12/5 S. 6; Urk. 47 S. 4 f.). Die Verletzungen des Privatklägers 1 seien 

nicht durch ihn verursacht worden, sondern durch den Wurf eines Trinkglases 

seines Kollegen F._____. Er habe damit nichts zu tun. Er sei gestanden und habe 

aus dem Glas getrunken. Auf einmal habe er eine Faust ins Gesicht bekommen. 

Das Glas sei dann natürlich heruntergefallen. Er habe es nicht mehr in der Hand 

gehabt. Er wisse nicht, ob das Glas dabei kaputtgegangen sei. Er habe eine 

Schwungbewegung nach rechts in die Menschenmenge gemacht, weil ihn der 

Geschädigte D._____ geschlagen und er diesen gepackt und nach hinten gezo-

gen habe. Er habe diesen gepackt und auf den Boden geschmissen (Urk. 47 S. 5 

ff.; Urk. 51 S. 3 ff.). An dieser Darstellung hielt der Beschuldigte auch anlässlich 

der Berufungsverhandlung fest (Prot. II S. 13 ff.; Urk. 79 S. 5 ff., insbes. S. 7). 

2.2. Die bestrittenen Elemente des Anklagesachverhaltes sind mit Hilfe der 

Untersuchungsakten sowie der Aussagen der Befragten und den vor Gericht vor-

gebrachten Argumenten nach den allgemeingültigen Beweisregeln zu überprüfen. 

Im angefochtenen Urteil wurden die Grundsätze der Beweiswürdigung und die 

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allgemeingültigen Beweisregeln korrekt wiedergegeben, weshalb darauf verwie-

sen werden kann (Urk. 67 S. 22 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).  

2.2.1. Zu korrigieren ist einzig die vorinstanzliche Erwägung, wonach Zeu-

gen, welche auf die strengen Straffolgen bei wissentlich falscher Zeugenaussage 

gemäss Art. 307 StGB hingewiesen wurden, aufgrund dieses Hinweises in der 

Regel eine generell gesteigerte Glaubwürdigkeit aufweisen würden (Urk. 67 S. 27 

und S. 39). Eine solche Strafandrohung dürfte je nach Adressat ganz unterschied-

lich aufgenommen werden und nicht bei allen Zeugen den gleichen Eindruck und 

dieselbe Wirkung hinterlassen. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung wird 

bei der Würdigung von Aussagen nicht mehr wie früher Gewicht auf die generelle 

Glaubwürdigkeit des Einvernommenen im Sinne einer dauerhaften personalen 

Eigenschaft gelegt, sondern diesem Gesichtspunkt kommt kaum mehr relevante 

Bedeutung zu. Weitaus bedeutender für die Wahrheitsfindung ist die Glaubhaf-

tigkeit der konkreten Aussage, welche durch methodische Analyse ihres Inhalts 

darauf überprüft wird, ob die auf ein bestimmtes Geschehen bezogenen Angaben 

einem tatsächlichen Erleben des Aussagenden entspringen (BGE 133 I 33 

E. 4.3). 

2.2.2. Ergänzend bleibt festzuhalten, dass auch indirekte, mittelbare Bewei-

se, sogenannte Anzeichen oder Indizien, einen für die Beweisführung bedeutsa-

men Schluss erlauben. Da ein Indiz immer nur mit einer gewissen Wahrschein-

lichkeit auf die Täterschaft oder die Tat hinweist, lässt es, einzeln betrachtet, die 

Möglichkeit des Andersseins offen, enthält daher auch den Zweifel (WALDER, Der 

Indizienbeweis im Strafprozess, ZStrR 108/1991, S. 309; DERSELBE, Die Beweis-

führung in Strafsachen, insbesondere der Indizienbeweis, Zürich 1974/75, S. 49). 

Es ist jedoch zulässig, aus der Gesamtheit der verschiedenen Indizien, welche je 

für sich allein betrachtet nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine be-

stimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offenlassen, 

auf den vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat oder Täter zu schliessen (Urtei-

le des Bundesgerichtes 6B_365/2009 vom 12. November 2009 E. 1.4, 

6B_332/2009 vom 4. August 2009 E. 2.3 mit Hinweisen, und 6B_297/2007 vom 

4. September 2007 E. 3.4). Der Indizienbeweis ist dem direkten Beweis gleich-

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wertig (HAUSER/SCHWERI/HARTMANN, Schweizerisches Strafprozessrecht, Ba-

sel/Genf/München 2005, § 59 N 14 f.). 

2.3. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 67 S. 11) liegen folgende, 

für die Erstellung des Sachverhaltes relevanten Beweismittel vor: Bericht der Kan-

tonspolizei Zürich betr. ergänzende Angaben zu den sichergestellten Videodaten 

aus dem Club E._____ (Urk. D1/10), Aufnahmen der Überwachungskameras im 

Club E._____ (Urk. D1/18/2), Fotodokumentation des Privatklägers 1 (Urk. 

D1/19/3), Operationsbericht der Augenklinik Universitätsspital Zürich (Urk. 

D1/21/6), Operationsbericht der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie 

Universitätsspital Zürich (Urk. D1/21/7), Verlaufseintrag der Augenklinik Universi-

tätsspital Zürich (Urk. D1/21/8), Gutachten zur körperlichen Untersuchung des In-

stituts für Rechtsmedizin (IRM), Universität Zürich (Urk. D1/21/11), ärztlicher Be-

fund der Augenklinik Universitätsspital Zürich (Urk. D1/21/14), Ergänzungsgutach-

ten des IRM (Urk. D1/21/22), Gutachten der G._____ gmbh (Urk. D1/21/24), ärzt-

licher Bericht des H._____ Zürich (Urk. D1/21/25) sowie die Aussagen des Be-

schuldigten (Urk. D1/12/1-5; Urk. D1/14; Urk. 47 S. 4-8; Prot. II S. 13-18), des Pri-

vatklägers 1 (Urk. D1/15/3; Urk. D1/15/5) und der Zeuginnen I._____ (Urk. 

D1/16/11), J._____ (Urk. D1/16/6; Urk. D1/16/26) und K._____ (Urk. D1/16/8; 

Urk. D1/16/27). 

2.4. Das Gericht berücksichtigt die im Vorverfahren und im Hauptverfahren 

erhobenen Beweise (Art. 351 Abs. 2 StPO) und hat diese frei zu würdigen (Art. 10 

Abs. 2 StPO). Wie bereits aus den zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz her-

vorgeht (Urk. 67 S. 11 f.), hat das Gericht aufgrund seiner eigenen unmittelbaren 

Wahrnehmung sachdienliche Erkenntnisse zu ziehen und diese entsprechend zu 

würdigen. Somit läuft auch die Kritik der Verteidigung, dass die Polizei angewie-

sen worden sei, sich das Video so lange anzusehen, bis ein mit dem Gutachten 

übereinstimmendes Ergebnis erzielt worden sei, zumal sich die Erkenntnisse die-

ses Gutachtens nicht mit dem Erstbefund der Videoauswertung gedeckt hätten 

(Urk. 51 S. 9 ff.), ins Leere. Zutreffend ist allerdings, worauf auch die Verteidigung 

hingewiesen hat (Urk. 79 S. 6 und S. 8), dass sich sämtliche Geschehnisse im 

Club E._____ auf der Tanzfläche inmitten einer dichtgedrängten Menschenmenge 

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abgespielt haben, wo aufgrund der Clubbeleuchtung schlechte und teilweise dif-

fuse Lichtverhältnisse geherrscht haben, was sich entsprechend auf die Qualität 

der Videoaufnahmen ausgewirkt hat. Dennoch sind die entscheidenden Vorgänge 

bei genauer Betrachtung sichtbar (vgl. nachfolgend, Erw. III.2.5. ff.). 

2.5. Aus den dem Beschuldigten im Beisein seines Verteidigers im Vorver-

fahren im Einzelnen zur Stellungnahme vorgehaltenen Videosequenzen 

(Urk. D1/18/2, Videovorfall 2 ab der Kamera E._____ Club ab 02:06:20 Uhr), zu 

welchen sich der Beschuldigte im Laufe der staatsanwaltschaftlichen Einvernah-

me vom 22. September 2015 teilweise nicht äussern wollte (Urk. D1/12/4 S. 5), 

ergibt sich folgender Geschehensablauf: Der Beschuldigte, welcher aufgrund sei-

ner Körpergrösse von knapp 2 m (Urk. D1/22/9 S. 2) und seiner weissen Kapu-

zenjacke (Urk. D1/19/7) gut zu erkennen ist, und F._____ gehen auf der linken 

Seite der Tanzfläche in Richtung des DJ-Pultes, wobei F._____ vor dem Beschul-

digten hergeht, bis sie wenige Meter vor dem DJ-Pult stehen bleiben 

(Urk. D1/18/2, ab 02:06:10). Der Privatkläger 1, erkennbar an seiner Frisur und 

seinem hellen Hemd (Urk. D1/19/3), steht auf der Tanzfläche, ziemlich genau in 

der Bildmitte, zusammen mit einer Frau in einem Abstand von ca. 1-2 m vom Be-

schuldigten entfernt, mit Blick weg vom Beschuldigten in Richtung Frau bzw. der 

Bar 2 (ebenda, 02:06:35.114). Später führt der Beschuldigte seine rechte Hand 

mit einem Glas zu seinem Mund (ebenda, 02:06:39.298). Der Geschädigte 

D._____, mit gestreiftem T-Shirt (Urk. D1/19/5), hält sich in unmittelbarer Nähe 

des Beschuldigten und von F._____ auf (ebenda, 02:06:46.517). Der Beschuldig-

te hält weiterhin das Glas in der Hand (ebenda, 02:06:46.646). F._____, welcher 

sich auf der linken Seite des Beschuldigten aufhält, erhält einen Stoss, wodurch 

sich sein Körper nach hinten bewegt. F._____ reagiert, indem er auf den Geschä-

digten D._____ zurennt und diesen wegstösst (ebenda, ab 02:06:48.684). Der 

Beschuldigte winkelt seinen rechten Unterarm gegen die Brust an (ebenda, 

02:06:48.742) und fährt diesen von innen nach aussen in voller Länge aus, wobei 

er voll durchzieht, sodass ein starker Schwung seines rechten Armes entsteht 

(ebenda, ab 02:06:49.447). Sein kraftvoller Rundumschlag nach rechts, in Rich-

tung des Geschädigten D._____, ist deutlich erkennbar. Die rechte Hand des Be-

schuldigten trifft auf der Höhe des Kopfes des Privatklägers 1 auf (ebenda, 

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02:06:50.311), welcher immer noch seitlich abgewandt in etwa 1 m Entfernung 

zum Beschuldigten steht, wobei er seinen Kopf in Richtung des Schlages dreht, 

bevor sein Kopf nach unten geht. Der Beschuldigte zeigt anschliessend mit sei-

nem Arm in Richtung des Geschädigten D._____, wobei links von seiner Hand 

der Kopf des Privatklägers 1 wieder zu sehen ist. Der Privatkläger 1 geht leicht 

nach vorne in eine gebeugte Stellung, wobei er sich mit beiden Armen den Kopf 

hält (ebenda, ab 02:06:53.494), bevor sein Kopf wiederum nach unten geht, wäh-

rend der Beschuldigte den Arm in Richtung des Geschädigten D._____ streckt 

(ebenda, ab 02:06:55.559). Anschliessend springt F._____ neben dem Beschul-

digten hervor und geht auf den Geschädigten D._____ los, gibt diesem einen kräf-

tigen Stoss, bevor er sich mit dem Beschuldigten zurückzieht, gefolgt vom Ge-

schädigten D._____ (ebenda, ab 02:06:59.726). Der Privatkläger 1 löst sich aus 

der Menschenmenge, hält seinen Kopf, und geht zu einer Säule, an welcher er 

sich festhält (ebenda, ab 02:07:07.419). 

2.5.1. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 67 S. 14) und entgegen 

der Verteidigung (Urk. 51 S. 4 f.; Urk. 79 S. 7) ist auf der Videoaufnahme nicht zu 

erkennen, dass der Beschuldigte kurz vor seinem Schlag in die Menschenmenge 

einen Faustschlag vom Geschädigten D._____ erhalten, infolgedessen er das 

Glas in seiner Hand fallengelassen, und diesen anschliessend herumgeschleudert 

haben soll. Der Schlag des Beschuldigten nach rechts in die Menschenmenge ist 

auf der Videoaufnahme eindeutig zu erkennen (Urk. D1/18/2, ab 02:06:49.447), 

wobei nur knapp eine Sekunde später der Privatkläger 1 mit seinem Kopf nach 

unten geht. Aus der Aufnahme geht klar hervor, dass der Privatkläger 1 vor dem 

schwungvollen Schlag des Beschuldigten noch unverletzt war, während er unmit-

telbar nach dem Schlag verletzt wieder im Bild auftaucht und sich mit den Händen 

ins Gesicht fasst. Eine andere Gewalteinwirkung gegen das Gesicht des Privat-

klägers 1 respektive dass eine Drittperson einen Schlag mit einem Glas gegen 

dessen Gesicht ausgeführt haben soll, ist der Videoaufnahme nicht zu entneh-

men. 

2.5.2. Zeitlich mit der Verletzung des Privatklägers 1 ebenfalls nicht verein-

bar ist der Sprung von F._____. Der Privatkläger 1 taucht bereits verletzt im Bild 

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auf, bevor erst Sekunden später der Sprung von F._____ in Richtung des Ge-

schädigten D._____ zu sehen ist. Zu jenem Zeitpunkt hat der verletzte Privatklä-

ger 1 die Tanzfläche allerdings bereits verlassen. Entsprechend läuft auch die Ar-

gumentation der Verteidigung, wonach die Verletzungen des Privatklägers 1 vom 

Wurf eines Glases durch F._____, welcher wie ein "Handballer" gesprungen sei 

(Urk. 51 S. 6), verursacht worden seien, ins Leere, da dies bereits von der zeitli-

chen Abfolge her nicht möglich ist. Zudem wird diese Version der Verteidigung 

auch durch die eingeholten Gutachten (Urk. D1/21/11; Urk. D1/21/22; 

Urk. D1/21/24) verworfen (vgl. nachfolgend, Erw. III.2.5.3. und III.2.5.7.). 

2.5.3. Das Gutachten zur körperlichen Untersuchung des IRM vom 

21. Dezember 2014 hält fest, dass die Verletzungen des Privatklägers 1 in ihrer 

Gesamtheit aus rechtsmedizinischer Sicht zum einen vereinbar mit einem relativ 

starken Schlag gegen das Gesicht mit stumpfer Gewalt seien, indem es zu einem 

mehrfragmentären Schädelbruch gekommen sei, wobei konkrete sturztypische 

Verletzungen fehlen würden. Zum zweiten seien die Verletzungen für das direkte 

Einwirken scharfer Gewalt beweisend. Die Gesamtheit der Befunde sei am ehes-

ten vereinbar mit einem zerbrochenen und somit scharfe Kanten und Zacken, so-

wie anhaftende Glassplitter aufweisenden Gegenstand wie einer Flasche, Vase 

oder Ähnlichem. Aufgrund der relativ tief in die Augenhöhle des Privatklägers 1 

gelangten Glassplitter stehe ein Richtung Auge geführter Schlag mit einem gehal-

tenen gebrochenen Glasobjekt sehr weit im Vordergrund. Ein starker Schlag mit 

einem derartigen Gegenstand könne sowohl die stumpfe wie scharfe Gewaltein-

wirkung miteinander bzw. zeitgleich erklären (Urk. D1/21/11 S. 7). Auch das Er-

gänzungsgutachten des IRM vom 29. Juni 2016 hält fest, dass die Versuche ge-

zeigt hätten, dass keines der intakten Gläser, weder durch Schlag oder Wurf, am 

Gesicht zerbrochen sei. Weiter sei festzustellen gewesen, dass Glas und Augen-

region so gestaltet gewesen seien, dass ein tiefes Eindringen eines intakten Gla-

ses ins Innere des Auges ausgeschlossen werden könne. Beim Zuschlagen mit 

zerbrochenen Gläsern liessen sich einerseits Zeichen einer stumpfen Gewaltein-

wirkung und andererseits solche einer scharfen Gewalteinwirkung mit bis tief in 

das Gewebe reichende Glassplitter finden. Der Vergleich der Verletzungen des 

Privatklägers 1 und den Versuchsergebnissen deute darauf hin, dass dieser mit 

- 15 - 

einem vorne teilweise abgebrochenen, aber auch intakte Randteile aufweisenden 

Glas in der Augenregion so geschlagen worden sei, dass es im Bereich des intak-

ten Glasrandes zu Quetschungen der Weichteile und Knochenabriss am Augen-

höhlenrand mit Knochensplittern, im Bereich des Auges aber zum Eindringen 

scharfer Kantenteile nach vorherig stattgehabtem Glasbruch gekommen sei. Ein 

Wurf mit einem intakten Glas, auch nicht bei Wurf mit Handballertechnik, erkläre 

die Befunde des Privatklägers 1 nicht (Urk. D1/21/22 S. 4 f. und S. 8). Damit lässt 

sich – entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 51 S. 6 ff.; Urk. 79 S. 9 ff.) 

– nicht nur vom zeitlichen Ablauf her gestützt auf die Videoaufnahme, sondern 

auch durch das erlittene Verletzungsbild des Privatklägers 1 ausschliessen, dass 

dessen Verletzungen durch einen Glaswurf von F._____ verursacht worden sein 

könnten. 

2.5.4. Gemäss Ergänzungsgutachten des IRM kann zudem auch ausge-

schlossen werden, dass das Glas abgeprallt, dabei zerbrochen und dann das Au-

ge des Privatklägers 1 getroffen habe, da sich am Ereignisort in der dafür taugli-

chen Distanz, neben oder über dem Auge des Privatklägers 1, keine Wand oder 

elastische Anprallfläche befunden habe. Zerbreche ein Glas an der Wand, pralle 

es zudem nicht weit ab, sondern falle zu Boden (Urk. D1/21/22 S. 5). Gestützt auf 

dieses Gutachten lässt sich damit auch ausschliessen, dass das Glas an einer 

Wand oder vom Boden abgeprallt und so den Privatkläger 1 verletzt haben könn-

te, was allerdings auch nicht geltend gemacht wurde. 

2.5.5. Entgegen der Auffassung der Verteidigung wird dem Beschuldigten 

nicht vorgeworfen, den Schlag mit der Rückhand ausgeführt zu haben (Urk. 51 

S. 15). Entsprechend kann die Verteidigung aus den Ausführungen des Ergän-

zungsgutachtens, wonach es bei einem Schlag mit dem Handrücken zuerst zu ei-

nem Kontakt mit dem Handrücken gegen den Kopf gekommen wäre und demzu-

folge der Handrücken das Gesicht vor dem Glas geschützt hätte, sodass es we-

der zu einer Fraktur am Augenhöhlenrand noch zu ausgeprägten Verletzungen 

als Folge sicher scharfer Gewalt mit Anspiessen bzw. Aufstechen des Augapfels 

gekommen wäre (Urk. D1/21/22 S. 7), auch nichts zugunsten des Beschuldigten 

ableiten. Anklagegemäss wird dem Beschuldigten vorgeworfen, mit seinem rech-

- 16 - 

ten Arm, wobei er in seiner rechten Hand ein – mutmasslich bereits defektes – 

massives Trinkglas gehalten habe, eine heftige, voll durchgezogene Schwungbe-

wegung nach rechts in die Menschenmenge ausgeführt zu haben, wobei er mit 

diesem Glas den in seiner unmittelbaren Nähe stehenden und völlig unbeteiligten 

Privatkläger 1 im Gesicht beim linken Auge getroffen habe (Urk. 36 S. 3). In der 

Anklage steht somit nichts von einem Schlag mit dem Handrücken. Gemäss Vi-

deoaufnahmen (Urk. D1/18/2) machte der Beschuldigte mit seinem rechten Arm 

auch eine Schwungbewegung respektive einen Schlag weg von seinem Körper 

nach aussen auf die rechte Seite, sodass bereits aufgrund seiner Schlagrichtung 

nach vorne unwahrscheinlich ist, dass er zuerst mit dem Handrücken das Gesicht 

des Privatklägers 1 getroffen haben könnte. 

2.5.6. Das Ergänzungsgutachten hält weiter fest, dass es sich beim Tat-

werkzeug aufgrund der Dicke der Glassplitter um ein "Eisteeglas" gehandelt ha-

ben dürfte, welches relativ dickwandig und ausserordentlich stabil sei. Nur ein 

Schlag mit einem vorgängig anteilweise gebrochenen Glas würde sowohl Zeichen 

einer stumpfen, wie auch einer scharfen Gewalt mit tiefem Eindringen von Split-

tern in den Augapfel erklären (Urk. D1/21/22 S. 6). Die Schlussfolgerung aus dem 

Ergänzungsgutachten, wonach es sich um ein dickwandiges "Eisteeglas" gehan-

delt haben dürfte, stimmt auch mit den Aussagen des Beschuldigten überein, wel-

cher zu Protokoll gab, dass er und F._____ auf ihrem Rundgang auf der Tanzflä-

che zwei Gläser mit Whisky dabeigehabt hätten, welche unten etwas schmaler 

und relativ dick gewesen seien (Urk. D1/12/2 S. 4; Urk. D1/12/3 S. 2, Antw. auf 

Fragen 15 und 16). Dass der Beschuldigte – wie die Verteidigung geltend macht 

(Urk. 51 S. 15) – keinen Schlag mit einem Scherbenhaufen ausgeführt haben 

könne, da er selbst keine Verletzungen davongetragen habe, oder ohne dass sich 

dabei Glassplitterrückstände an den Kleidern finden liessen, läuft ebenfalls ins 

Leere, zumal keine Rede von einem Scherbenhaufen ist, sondern von einem 

massiven – mutmasslich bereits defekten – Trinkglas (Urk. 36 S. 3), wobei ge-

stützt auf das Ergänzungsgutachten ein Schlag mit einem gehaltenen gebroche-

nen Glasobjekt durchaus möglich ist, ohne dass sich der Angreifer bei einem der-

artigen Schlag selber verletzt. Zudem hätten beim Zuschlagen mit zerbrochenen 

- 17 - 

Gläsern auch keine Glassplitter an den Kleidern der Testperson festgestellt wer-

den können (Urk. D1/21/22 S. 7 f.). 

2.5.7. Gemäss Gutachten (Urk. D1/21/11; Urk. D1/21/22) kommt für die Ver-

letzungen des Privatklägers 1 lediglich ein Schlag mit einem vorgängig anteilwei-

se gebrochenen Glas infrage. Der Vorinstanz kann nicht gefolgt werden, wenn sie 

einzig erwägt, dass nicht erstellt werden könne und müsse, ob und wie das Glas 

genau kaputtgegangen sei, da eine Verletzung immer eine Ursache brauche 

(Urk. 67 S. 28), ohne weitere Erwägungen diesbezüglich zu machen. Zutreffend 

ist, dass nicht festgestellt werden konnte, ob und wie das Glas vor dem Schlag 

des Beschuldigten zerbrochen ist. Es ist allerdings nicht auszuschliessen, dass 

das Glas vorgängig entweder durch den Beschuldigten selber oder eine Drittper-

son beschädigt worden ist. Naheliegender ist aber, dass das Glas erst durch den 

heftigen Aufprall im Gesicht des Privatklägers 1 teilweise oder gar vollständig zer-

brochen ist (vgl. nachfolgend, Erw. III.2.5.7.1. ff.). 

2.5.7.1. Das Ergänzungsgutachten des IRM (Urk. D1/21/22 S. 4) hält zwar 

fest, dass die Versuche gezeigt hätten, dass keines der intakten Gläser, weder 

durch Schlag oder Wurf, am Gesicht zerbrochen sei. Allerdings wurden die Ver-

suche lediglich mit einem intakten Glas durchgeführt. Es wurde nicht getestet, ob 

auch ein Schlag mit einem bereits angeschlagenen Glas respektive bei Vorhan-

densein eines Risses oder mit Spannung auf dem Glas zu einem Zerspringen des 

Glases im Gesicht des Privatklägers 1 hätte führen können. Es besteht nicht nur 

die Möglichkeit, dass das vom Beschuldigten verwendete Glas bereits vorgängig 

beschädigt war, etwa einen Riss aufgewiesen hat, sondern es kann durchaus 

auch ein intaktes Glas bei einem Schlag ins Gesicht zerbrechen, was mit Gutach-

ten von Dr. med. … [weitere akademische Titel] L._____, G._____ gmbh vom 23. 

Februar 2017 (Urk. D1/21/24) bestätigt worden ist. Im Ergänzungsgutachten des 

IRM wird auch klar festgehalten, dass für die Eingrenzung eines Wurfes oder 

Schlages weitere Experimente von Dr. L._____ in Zusammenarbeit mit dem Zent-

rum für Forensische Physik und Ballistik des Instituts für Rechtsmedizin Bern 

durchgeführt würden (Urk. D1/21/22 S. 8).  

- 18 - 

2.5.7.2. Das Gutachten von Dr. L._____ hält klar fest, dass aus physikali-

schen Gründen ein Schlag grundsätzlich mehr Energie besitze als ein Wurf. Dies 

sei durch die Messungen bestätigt worden, bei welchen die Schlagenergie 

1.6 Mal grösser gewesen sei als der Mittelwert der Wurfenergie des Sportlers und 

2.7 Mal grösser als jener der übrigen Probanden. Das Zerschlagen von M-1-

Gläsern am Kopfmodell gelang den beiden damit betrauten Personen denn auch 

bei den 5 Versuchen problemlos. Aufgrund der durchgeführten Untersuchung 

und der physikalischen Gesetzmässigkeit sei ein Schlag damit sehr viel wahr-

scheinlicher als ein Wurf, der nur bei einem sehr sportlichen Werfer und auch da 

nur äusserst selten zum Zerbersten des Glases am Kopf führen würde 

(Urk. D1/21/24 S. 6). Gestützt auf dieses Gutachten lässt sich nicht nur erneut der 

Schluss ziehen, dass die Verletzungen des Privatklägers 1 nicht – wie von der 

Verteidigung geltend gemacht – durch einen Glaswurf von F._____ verursacht 

worden sein können, sondern es bestätigt auch, dass selbst ein intaktes Glas 

beim heftigen Aufprall durch einen Schlag im Gesicht des Privatklägers 1 hätte 

zerbrechen können, was so auch die Aussagen des Privatklägers 1 erklärt, wo-

nach er von irgendetwas getroffen worden sei, das in seinem Gesicht zerplatz sei; 

so habe es sich zumindest angefühlt (Urk. D1/15/5 S. 4). Er würde sagen, der 

Gegenstand sei über seiner linken Augenbraue aufgetroffen und dann vermute er, 

dass der Gegenstand zerplatzt sei. Dann habe er eigentlich überall auf der linken 

Gesichtshälfte etwas gespürt. Der Aufprall sei schon sehr heftig gewesen. Es sei 

dann viel Energie verloren gegangen, als der Gegenstand in seinem Gesicht zer-

platzt sei (ebenda, S. 5). Zudem bestätigte der Beschuldigte, dass er früher ein-

mal Kampfsport in Form von Kickboxen betrieben habe (Urk. 47 S. 10; Prot. II 

S. 20), was dafür spricht, dass der Beschuldigte geübt ist im Ausführen von ge-

zielten und kräftigen Schlägen und Tritten. 

2.5.7.3. Dass der Beschuldigte kurz vor dem Schlag noch aus seinem Glas 

getrunken hat, lässt entgegen der Verteidigung nicht offenkundig darauf schlies-

sen, dass das Glas nicht beschädigt gewesen sein kann (Urk. 51 S. 14; Urk. 79 

S. 14). Es ist nicht auszuschliessen, dass der Beschuldigte aus einem Glas ge-

trunken hat, welches bereits einen Riss oder eine Bruchstelle aufgewiesen haben 

kann, was er angesichts der Lichtverhältnisse nicht einmal bemerkt haben müss-

- 19 - 

te. Da gemäss Gutachten von Dr. L._____ das Glas aber auch beim Aufprall 

durch einen Schlag im Gesicht zerbrechen kann (vorstehend, Erw. III.2.5.7.2.), ist 

nicht weiter relevant, ob der Beschuldigte bereits vor dem Schlag ein beschädig-

tes Glas in der Hand hielt oder dieses erst beim Schlag zu Bruch ging, und es er-

übrigen sich weitere Erwägungen dazu. 

2.5.8. Gestützt auf die Videoaufzeichnung ergibt sich, dass der Privatklä-

ger 1 unmittelbar nach dem Schlag des Beschuldigten mit dessen rechter Hand 

an der linken Gesichtshälfte verletzt war. Da nicht nur aufgrund des zeitlichen Ab-

laufs, sondern auch gestützt auf die eingeholten Gutachten ausgeschlossen wer-

den kann, dass die Verletzungen des Privatklägers 1 durch einen Glaswurf von 

F._____ verursacht worden sein könnten, verbleiben keine ernsthaften Zweifel im 

Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO an der eingeklagten Tathandlung, zumal keinerlei 

Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass die beim Privatkläger 1 eingetretenen Verlet-

zungen auf eine andere Weise als durch den Schlag des Beschuldigten mit dem 

Glas in seiner Hand respektive durch eine Drittperson verursacht worden sein 

könnten. 

2.6. Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten (Urk. 67 S. 15 ff.), 

jene des Privatklägers 1 (Urk. 67 S. 17 f.) sowie jene der Zeuginnen I._____, 

J._____ und K._____ (Urk. 67 S. 19-22) korrekt zusammengefasst und zutreffend 

erwogen, dass sich die Geschehnisse in einer grossen Menschenmenge spät-

nachts in einem Club, in welchem Lärm und schlechte Lichtverhältnisse herrsch-

ten, zugetragen haben, was bei der Aussagenwürdigung entsprechend zu be-

rücksichtigen sei (Urk. 67 S. 11). Da sich der Sachverhalt gemäss Dossier 1, ver-

suchte schwere Körperverletzung zum Nachteil des Privatklägers 1, bereits ge-

stützt auf die objektiven Beweismittel (vorstehend, Erw. III.2.5.-2.5.8.) anklage-

gemäss erstellen lässt und der Privatkläger selber sowie die Zeuginnen nur be-

schränkt sachdienliche Aussagen zum Vorfall mit dem Privatkläger 1 machen 

konnten, sind ihre Aussagen lediglich kurz zu würdigen. 

2.6.1. Die Zeugin I._____ gab anlässlich ihrer Einvernahme vom 22. Oktober 

2014 zu Protokoll, dass F._____ an besagtem Abend ein weisses, dickes Was-

serglas geworfen habe. F._____ habe dem Geschädigten D._____ ein Glas auf 

- 20 - 

dem Kopf ausgeleert, und der Geschädigte D._____ sei dann weggestossen wor-

den. Danach habe sie gesehen, wie F._____ dieses Wasserglas nach dem Ge-

schädigten D._____ geworfen habe. Sie habe gesehen, dass dieser nicht getrof-

fen worden und das Glas irgendwo nach unten geflogen sei. Wohin es genau ge-

flogen sei, wisse sie nicht (Urk. D1/16/11 S. 2 ff.). Dabei identifizierte sie F._____ 

zweifelsfrei als denjenigen, der das Gals geworfen hatte und beschrieb, dass die-

ser am Tatabend ein rotes T-Shirt getragen habe, was zutreffend ist (ebenda, 

S. 2; Urk. D1/19/6).  

2.6.1.1. Auch die Zeugin J._____ führte anlässlich ihrer Einvernahme vom 

19. November 2014 aus, dass der Wurf nicht vom Beschuldigten, also dem Gros-

sen, ausgegangen sei. Der Kleinere von beiden habe von hinten einen Sprung 

gemacht, um besser werfen zu können, und gleichzeitig ausgeholt. Das Glas 

müsse heftig geworfen worden sein, weil es anschliessend zersplittert sei. Das 

Glas habe jenen mit dem karierten Hemd getroffen. Sie habe gesehen, wie das 

Glas an der Hand kaputtgegangen sei. Gleichzeitig habe sie bemerkt, dass eine 

vierte unbeteiligte Person die Hand ans Auge gehalten habe, wobei sie nicht ge-

sehen habe, dass ein Splitter oder das Glas selber dieser Person ins Auge geflo-

gen sei (Urk. D1/16/26 S. 8). Entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 79 

S. 24) sagte die Zeugin J._____ gerade nicht aus, dass sie das Glas im Gesicht 

des Privatklägers 1 habe zerbersten sehen, da sie auf die Frage, wen das Glas 

getroffen habe, antwortete: "Jenen mit dem karierten Hemd" (Urk. D1/16/26 S. 8), 

was klar gegen den Privatkläger 1 spricht, welcher an besagtem Abend ein helles 

Hemd ohne Muster getragen hat (Urk. D1/19/3). Aufgrund des gut sichtbaren 

Grössenunterschiedes zwischen dem Beschuldigten und F._____ (Urk. D1/19/6; 

Urk. D1/19/7) ist eine Verwechslung dieser beiden ebenfalls ausgeschlossen. 

2.6.1.2. Die Zeuginnen I._____ und J._____ haben keine eigenen Interes-

sen am Verfahrensausgang und stehen in keinerlei persönlichen Beziehung we-

der zum Beschuldigten oder dessen Kollege F._____ noch zum Privatkläger 1  

oder dem Geschädigten D._____. Zudem sagten sie jeweils unter der Strafandro-

hung von Art. 307 StGB aus (Urk. D1/16/11 S. 1 f.; Urk. D1/16/26 S. 1 f.). Es sind 

keine Gründe ersichtlich, weshalb sie den Beschuldigten oder F._____ zu Unrecht 

- 21 - 

belasten sollten. Die Zeugin I._____ beschrieb die Situation, wonach F._____ 

dem Geschädigten D._____ das Glas angeworfen haben soll, ausführlich und de-

tailliert und räumte auch ein, wenn sie etwas nicht mehr wusste oder etwas nicht 

genau gesehen hatte (Urk. D1/16/11 S. 3 ff.), was ebenfalls für die Glaubhaftigkeit 

ihrer Aussagen spricht. Auch in den Aussagen der Zeugin J._____ lassen sich 

keine Widersprüche ausmachen. So sagte sie bereits gegenüber der Polizei aus, 

dass F._____ ein Glas geworfen habe und dieses an der Hand des Geschädigten 

D._____ zersplittert sei (Urk. D1/6/6 S. 2 ff.). Zudem decken sich ihre Aussagen 

zum Glaswurf von F._____ im Kern mit denjenigen der Zeugin I._____. 

2.6.2. Wie bereits die Staatsanwaltschaft zutreffend ausführte (Urk. 48 S. 5), 

sprechen die Aussagen der Zeuginnen nicht gegen die Täterschaft des Beschul-

digten. Im Gegenteil, sie beschreiben einen Glaswurf von F._____ gegen den 

Geschädigten D._____, was gemäss Gutachten nicht zu den Verletzungen des 

Privatklägers 1 geführt haben kann (vorstehend, Erw. III.2.5.3. und III.2.5.7.2.). 

Aufgrund der Aussagen der Zeuginnen I._____ und J._____ ergibt sich, dass 

F._____ das Glas dem Geschädigten D._____ und nicht dem Privatkläger 1 an-

geworfen haben muss, zumal die Zeugin I._____ glaubhaft aussagte, der Ge-

schädigte D._____ sei weggestossen worden und F._____ habe dann das Was-

serglas nach diesem geworfen. Beim Privatkläger 1 handelt es sich um einen un-

beteiligten Dritten, welcher in keine vorgängige Auseinandersetzung involviert 

war, und der zuvor auch nicht von F._____ gestossen worden ist. Auch passt die 

Kleiderbeschreibung der Zeugin J._____, wonach jener, der getroffen worden sei, 

ein kariertes Hemd getragen habe, nicht zum Privatkläger 1, da dieser ein helles 

Hemd ohne Muster getragen hat (Urk. D1/19/3; vgl. vorstehend, Erw. III.2.6.1.1.). 

Dass die Zeuginnen den Geschädigten D._____ mit dem Privatkläger 1 verwech-

selt haben könnten, ist gestützt auf ihre Aussagen ausgeschlossen. Beim Privat-

kläger 1 wird es sich gemäss Aussagen der Zeugin J._____ um diejenige vierte 

unbeteiligte Person gehandelt haben, welche zwar die Hand ans Auge gehalten 

hat, bei welcher sie aber nicht gesehen hat, wovon diese tatsächlich getroffen 

worden ist. 

- 22 - 

2.6.3. Wie bereits die Vorinstanz zutreffend erwogen hat (Urk. 67 S. 26), 

können der Privatkläger 1, der nicht gesehen habe, wie es zu seinen Verletzun-

gen gekommen sei (Urk. D1/15/5 S. 5), und auch der Geschädigte D._____, wel-

cher aussagte, dass ihm das Glas angeworfen worden sei, was ihm von den bei-

den Zeuginnen J._____ und K._____ beschrieben worden sei (Urk. D1/15/4 S. 10 

f.), welcher ansonsten aber selber keinen Wurf wahrgenommen hat, keine sach-

dienlichen Aussagen dazu machen, wie es zu den Verletzungen des Privatklä-

gers 1 gekommen ist. 

2.6.4. Hinsichtlich der generellen Glaubwürdigkeit des Beschuldigten erwo-

gen die Vorderrichter zutreffend, dass diesen als beschuldigte Person keine ge-

setzliche Pflicht trifft, zur eigenen Überführung beizutragen, und er als solche 

auch keiner Wahrheitspflicht unterliegt (Art. 163 Abs. 2 StPO), er aber ein Interes-

se daran haben dürfte, die Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzu-

stellen (Urk. 67 S. 24), zumal ihm im Falle einer anklagegemässen Verurteilung 

eine Freiheitsstrafe droht. So beschrieb der Beschuldigte sämtliche Handlungsab-

läufe nur knapp. Auffallend sind auch – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz 

(Urk. 67 S. 24 f.) – die Ungereimtheiten und Widersprüche in seinen Aussagen 

zur Frage, in welchem Zeitpunkt er aufgrund des angeblichen Faustschlages vom 

Geschädigten D._____ sein in der Hand gehaltenes Glas zu Boden fallen gelas-

sen haben soll (Urk. D1/12/3 S. 3; Urk. D1/12/4 S. 3; Urk. D1/12/3 S. 3; 

Urk. D1/12/4 S. 3 ff.; Urk. 47 S. 5 f.). Die Aussagen des Beschuldigten zum Kern-

geschehen sind nicht schlüssig und erscheinen wenig glaubhaft. Zudem erweist 

sich die Version des Beschuldigten über einen angeblichen Faustschlag von 

D._____ und seine Abwehrreaktion mit dem Rundumschlag unter Einbezug der 

entsprechenden Videosequenz als blosse Schutzbehauptung. 

2.7. Die in der Anklageschrift aufgeführten Verletzungen des Privatklägers 1 

sind eingehend dokumentiert (Urk. D1/21/6; Urk. D1/21/7; Urk. D1/21/8; 

Urk. D1/21/11; Urk. D1/21/14; Urk. D1/21/25). 

2.8. Der objektive Anklagesachverhalt gemäss Dossier 1 (versuchte schwe-

re Körperverletzung zum Nachteil des Privatklägers 1; Urk. 36 S. 2 f.) ist damit er-

stellt. 

- 23 - 

2.9. In Bezug auf den subjektiven Anklagesachverhalt ist darauf hinzuwei-

sen, dass die Frage, was ein Täter wusste, wollte oder in Kauf nahm, sog. innere 

Tatsachen betrifft und damit eine Tatfrage ist. Da sich aber diese inneren Tatsa-

chen bei ungeständigen Tätern regelmässig nur gestützt auf äusserlich feststell-

bare Indizien und Erfahrungsregeln ermitteln lassen, die Rückschlüsse von den 

äusseren Umständen auf die innere Einstellung des Täters erlauben (Urteil des 

Bundesgerichtes 6S.133/2007 vom 11. August 2008 E. 2.4), und die Beurteilung, 

ob im Lichte dieser äusseren Umstände der Schluss auf Vorsatz begründet ist, 

eine Rechtsfrage darstellt, ist das Bestehen eines Vorsatzes nachfolgend im 

Rahmen der rechtlichen Würdigung (Erw. IV.2.4. f.) zu beurteilen (vgl. 

BGE 133 IV 1 E. 4.1; BGE 130 IV 58 E. 8.5; BGE 125 IV 242 E. 3c, je m.H.). 

3. Gemäss Dossier 1 (versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil 

des Geschädigten D._____) wird dem Beschuldigten weiter vorgeworfen, in der 

Folge mit seinem Kollegen F._____ in Richtung Bar 2 des Clubs E._____ gegan-

gen zu sein, wobei ihnen der Geschädigte D._____ nachgegangen sei. Bei der 

Theke der Bar 2 sei es dann zu einer weiteren tätlichen Auseinandersetzung zwi-

schen dem Beschuldigten, seinem Kollegen F._____ und dem Geschädigten 

D._____ gekommen, im Rahmen welcher der Geschädigte D._____ aufgrund von 

Schlägen oder Stössen des Beschuldigten und F._____s, oder nur von einem der 

beiden, zu Boden gegangen sei. Anschliessend hätten zumindest der Beschuldig-

te und eine weitere, nicht näher bekannte Person auf den am Boden liegenden 

Geschädigten D._____ mehrmals heftig mit den Füssen eingetreten, wobei der 

Beschuldigte diesen mit seinen Fusstritten mehrmals am Kopf getroffen habe. 

Aufgrund des gewaltsamen Vorgehens des Beschuldigten, F._____s und des wei-

teren, nicht näher bekannten Mannes, habe der Geschädigte D._____ Prellungen 

im Gesicht erlitten und für mehrere Tage an Kopfschmerzen gelitten, wobei diese 

Verletzungen bzw. Folgen weder lebensgefährlich gewesen seien noch zu einer 

schweren Schädigung oder einem bleibenden Nachteil geführt hätten. Der Be-

schuldigte habe anlässlich seiner Fusstritte gegen den Kopf des Geschädigten 

D._____ um die möglicherweise schweren oder lebensgefährlichen Folgen für 

diesen gewusst und diese Folgen auch gewollt oder zumindest in Kauf genom-

men (Urk. 36 S. 3 f.). 

- 24 - 

3.1. Der Beschuldigte bestreitet den ihm vorgeworfenen Sachverhalt und 

macht geltend, sich gegenüber dem Geschädigten D._____ nur gewehrt zu ha-

ben. Er habe diesen ein paar Mal auf den Boden geworfen, worauf dieser aber 

wieder aufgestanden und auf ihn losgegangen sei. Sein Verhalten falle deshalb 

noch unter Notwehr (Urk. D1/12/5 S. 6). Im Laufe des Vorverfahrens räumte der 

Beschuldigte aber ein, er denke, den Geschädigten D._____ ein Mal mit dem 

Fuss getreten zu haben. Er habe mit dem Fuss getreten, und es könne sein, dass 

er den am Boden liegenden Geschädigten D._____ getroffen habe. Sein Fuss 

schmerze immer noch. Er habe nicht geschlagen, ausser mit dem Fuss, als dieser 

am Boden gelegen sei (Urk. D1/12/1 S. 2, Antw. auf Frage 7, S. 5, Antw. auf Fra-

gen 40, 47 und 48, und S. 6, Antw. auf Frage 59). Auf die Frage, wie er auf den 

Geschädigten eingetreten habe, führte er aus, falls er auf diesen eingetreten ha-

be, dann mit dem Fuss und zwar so, wie wenn man auf einen Fussball eintreten 

würde. Er habe ausgeholt, aber nicht allzu fest "zugeschlagen" (Urk. D1/12/2 

S. 6). Er habe einen Fusskick ausgeführt, dies wisse er zu 100%. Er habe die 

Verletzung immer noch (Urk. D1/12/3 S. 1, Antw. auf Frage 5, und S. 5, Antw. auf 

Frage 36). Vor Vorinstanz führte der Beschuldigte aus, es könne schon sein, dass 

er Fusstritte gemacht habe, aber sicher nicht gegen den Kopf, vielleicht auf den 

Körper oder so, und auf die Frage, weshalb er überhaupt nach dem Geschädigten 

D._____ getreten habe, führte er aus, dass dieser sonst wieder aufgestanden und 

ihm hinterhergerannt wäre (Urk. 47 S. 9 f.). Auf diesen Zugaben ist der Beschul-

digte zu behaften, zumal diese mit dem übrigen Beweisergebnis (nachfolgend, 

Erw. III.3.3. ff.) übereinstimmen. 

Anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigte der Beschuldigte zudem, es 

könne schon sein, dass auf den Videoaufnahmen zumindest zwei seiner Tritte er-

sichtlich seien. Er wisse nicht mehr, wohin er getreten habe. Sicher nicht an den 

Kopf, an den Rücken. Das mit dem Geschädigten D._____ könne schon alles 

sein, aber es sei alles Notwehr gewesen. Dieser sei nicht nur ein Mal auf dem 

Boden gelegen, sondern immer wieder aufgestanden und auf ihn losgegangen 

(Prot. II S. 19). 

- 25 - 

3.2. Als Beweismittel liegen der Bericht der Kantonspolizei Zürich betr. er-

gänzende Angaben zu den sichergestellten Videodaten aus dem Club E._____ 

(Urk. D1/10), die Aufnahmen der Überwachungskameras im Club E._____ 

(Urk. D1/18/2) und die Aussagen des Beschuldigten (Urk. D1/12/1-5; Urk. D1/14; 

Urk. 47 S. 8-11; Prot. II S. 18-20), des Geschädigten D._____ (Urk. D1/15/1; 

Urk. D1/15/4) sowie der Zeugin M._____ (Urk. D1/16/1; Urk. D1/16/12) vor. 

3.3. Aus den dem Beschuldigten im Beisein seines Verteidigers im Vorver-

fahren im Einzelnen zur Stellungnahme vorgehaltenen Videosequenzen 

(Urk. D1/18/2, Videovorfall 3 ab der Kamera E._____ Club ab 02:07:10 Uhr sowie 

Kamera Bar 2 ab 02:07:21 Uhr), zu welchen sich der Beschuldigte im Laufe der 

staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 22. September 2015 nicht äussern 

wollte (Urk. D1/12/4 S. 7 ff.), ergibt sich folgender Geschehensablauf: Der Be-

schuldigte und F._____ begeben sich nach dem Vorfall mit dem Privatkläger 1 an 

den rechten äusseren Rand der Tanzfläche, gefolgt vom Geschädigten D._____, 

welcher quer durch die Tanzfläche in ihre Richtung geht (Urk. D1/18/2, Kamera 

E._____ Club, 02:07:10.839). Der Beschuldigte erreicht dann eine Säule, von 

welcher er verdeckt wird, hinter welcher er nach vornegebückt allerdings wieder 

hervorkommt, und es hat sich eine Gasse in der Menschenmenge gebildet (eben-

da, ab 02:07:27). Eine ausgestreckte Hand einer am Boden liegenden Person ist 

zu sehen (ebenda, 02:07:27.951). Der Beschuldigte führt mit dem rechten Bein 

einen Tritt aus, welcher von oben nach unten führt, auf jemanden, welcher vor 

ihm am Boden liegt, was auch sein Blick Richtung Boden verrät. Auch die herum-

stehenden Leute blicken Richtung Boden, dorthin, wohin der Beschuldigte tritt 

(ebenda, ab 02:07:30, insbes. 02:07:30.698). Anschliessend folgt ein weiterer 

kräftiger Tritt. Der Beschuldigte holt dafür gut sichtbar mit dem ganzen Körper aus 

(ebenda, ab 02:07:34.538 bis 02:07:35.446). Danach zieht der Beschuldigte 

F._____ vom Geschehen weg und entfernt sich von der Tanzfläche, bevor die am 

Boden liegende Person aufsteht und sich rechts von der Säule entfernt. Bei dieser 

Person ist kurz ein gestreiftes T-Shirt sichtbar (ebenda, ab 02:07:37.692). Auch 

auf den Videosequenzen ab der Kamera Bar 2 ist erkennbar, wie der Beschuldig-

te am oberen rechten Bildrand in den Kamerabereich kommt (Urk. D1/18/2, Ka-

mera Bar 2, ab 02:07:21), bevor er jemanden wegstösst, einige Schritte macht, 

- 26 - 

um danach einen Tritt von oben nach unten auszuführen (ebenda, ab 

02:07:24.951, insbes. 02:07:27.289), gefolgt von einem weiteren Tritt (ebenda, ab 

02:07:35.098). 

3.3.1. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 67 S. 34) ist auf den Vi-

deoaufnahmen eindeutig zu erkennen, dass der Beschuldigte mindestens zwei 

Tritte Richtung einer vor ihm am Boden liegenden Person ausführt. Dass vor ihm 

eine Person am Boden liegen muss, lässt sich nicht nur aufgrund der Gasse, wel-

che sich in der Menschenmenge gebildet hat, sondern auch aufgrund der Blick-

richtung des Beschuldigten und der herumstehenden Leute Richtung Boden 

schliessen. 

3.3.2. Die Vorinstanz hat die Aussagen des Geschädigten D._____ (Urk. 67 

S. 36 f.) sowie diejenigen der Zeugin M._____ (Urk. 67 S. 37) korrekt wiederge-

geben, weshalb darauf verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO). 

3.3.2.1. Der Geschädigte D._____ konnte sowohl den Beschuldigten als 

auch F._____ zweifelsfrei identifizieren (Urk. D1/15/4 S. 2) und gab mehrmals und 

konstant zu Protokoll, dass er Tritte gegen den Kopf bekommen habe (ebenda, 

S. 6). Am Boden liegend sei ihm mehrmals gegen den Kopf getreten worden. Er 

habe ca. fünf Tritte erhalten, wovon ihn vielleicht drei direkt am Kopf getroffen hät-

ten. Die anderen Tritte hätten ihn am Arm getroffen. Die Tritte seien von oben 

ausgeführt worden, und der Beschuldigte sei direkt vor ihm gestanden. Die Tritte 

seien sehr heftig gewesen; er habe Prellungen im Gesicht, Kratzer am linken Ohr 

und starke Kopfschmerzen davongetragen (ebenda, S. 6 f. und S. 9). Der Ge-

schädigte D._____ hat darauf verzichtet, sich als Privatkläger zu konstituieren 

(Urk. D1/24/4), sodass er seine Aussagen als Zeuge unter der Strafandrohung 

von Art. 307 StGB machte, und er steht in keinerlei persönlichen Beziehung we-

der zum Beschuldigten noch zu dessen Kollege F._____ (Urk. D1/15/4 S. 1 f.). Er 

schilderte das Geschehene sachlich, gestand Unsicherheiten und sein eigenes 

provozierendes sowie aggressives Verhalten ein (ebenda, S. 4 f.), und er belaste-

te weder den Beschuldigten noch F._____ übermässig. So relativierte er bei-

spielsweise selber, dass er nicht alle Tritte gegen den Kopf erhalten habe und 

nicht wisse, ob der Beschuldigte für diese Tritte ausgeholt habe (ebenda, S. 7). 

- 27 - 

Seine Aussagen sind glaubhaft. Sie stimmen im Wesentlichen mit den Videoauf-

nahmen überein und werden von den Aussagen der Zeugin M._____ gestützt.  

3.3.2.2. Auch die Zeugin M._____ sagte unter der Strafandrohung von Art. 

307 StGB aus und steht in keinerlei persönlichen Beziehung zum Beschuldigten, 

F._____ oder dem Geschädigten D._____ (Urk. D1/16/12 S. 1 f.). Es ist kein 

Grund ersichtlich, weshalb sie den Beschuldigten zu Unrecht belasten sollte. Sie 

erkannte den Beschuldigten aufgrund seiner Grösse und gab zu Protokoll, gese-

hen zu haben, wie dieser den Geschädigten D._____, mit dem gestreiften T-Shirt, 

welches dieser in der Tatnacht tatsächlich trug (vgl. Urk. D1/19/5), gegen den 

Oberkörper getreten habe (Urk. D1/16/12 S. 2 f.). Der Geschädigte D._____ sei 

am Boden gelegen, und der Beschuldigte habe auf diesen eingetreten. Der Be-

schuldigte habe "einmal mit Auslauf, so richtig" auf diesen eingetreten (ebenda, S. 

4 f.). Sie habe 3-4 Tritte gesehen, welche zum oberen Oberkörper bis hin zum 

Kopf gegangen seien. Der Tritt mit "Auslauf" sei schon heftig gewesen, die ande-

ren nicht. Der Beschuldigte sei mit dem Bein zurück und habe dann getreten 

(ebenda, S. 5). Ihre Aussagen sind schlüssig und glaubhaft, insbesondere ver-

mied sie Übertreibungen oder zusätzliche Belastungen des Beschuldigten, indem 

sie beispielsweise angab, nur ein Tritt sei mit "Auslauf" und heftig gewesen. Sie 

konnte das Vorgefallene detailliert beschreiben, zumal sie gemäss eigenen Anga-

ben freie Sicht auf die Geschehnisse hatte. Zudem führte auch sie aus, dass sich 

der Geschädigte D._____ nicht nur passiv verhalten, sondern ebenfalls habe zu-

rückschlagen wollen (Urk. D1/16/12 S. 5), was so auch schon von diesem einge-

räumt wurde. 

3.3.3. Gestützt auf die Videoaufnahmen ergibt sich, dass der Beschuldigte 

zwei Tritte gegen den am Boden liegenden Geschädigten D._____ ausführte, wo-

bei einer davon heftig ausfiel. Unter Berücksichtigung der glaubhaften Aussagen 

des Geschädigten D._____ sowie der Zeugin M._____ (vorstehend, Erw. III.3.3.2. 

ff.) ist erstellt, dass der Beschuldigte mehrere teils heftige Tritte gegen den Ober-

körper und den Kopf des Geschädigten D._____ ausführte, zumal der Beschuldig-

te anlässlich seiner Einvernahmen selber eingestand, den am Boden liegenden 

Geschädigten D._____ getreten zu haben und sein Fuss von diesem Tritt immer 

- 28 - 

noch schmerze (vorstehend, Erw. III.3.1.), was ebenfalls ein Indiz für die Heftig-

keit des Trittes ist. 

3.4. Der objektive Anklagesachverhalt gemäss Dossier 1 (versuchte schwe-

re Körperverletzung zum Nachteil des Geschädigten D._____; Urk. 36 S. 3 f.) ist 

damit erstellt. 

3.5. In Bezug auf den subjektiven Anklagesachverhalt ist darauf hinzuwei-

sen, dass die Frage, was ein Täter wusste, wollte oder in Kauf nahm, sog. innere 

Tatsachen betrifft und damit eine Tatfrage ist. Da sich aber diese inneren Tatsa-

chen bei ungeständigen Tätern regelmässig nur gestützt auf äusserlich feststell-

bare Indizien und Erfahrungsregeln ermitteln lassen, die Rückschlüsse von den 

äusseren Umständen auf die innere Einstellung des Täters erlauben (Urteil des 

Bundesgerichtes 6S.133/2007 vom 11. August 2008 E. 2.4), und die Beurteilung, 

ob im Lichte dieser äusseren Umstände der Schluss auf Vorsatz begründet ist, 

eine Rechtsfrage darstellt, ist das Bestehen eines Vorsatzes nachfolgend im 

Rahmen der rechtlichen Würdigung (Erw. IV.2.4. und IV.2.4.2.) zu beurteilen 

(vgl. BGE 133 IV 1 E. 4.1; BGE 130 IV 58 E. 8.5; BGE 125 IV 242 E. 3c, je m.H.). 

4. Gemäss Dossier 2 (Vergehen gegen das AVIG) wird dem Beschuldigten 

ferner vorgeworfen, er habe an seinem ehemaligen Wohnort an der alten …-

strasse … in … [Ort] auf dem Formular "Angaben der versicherten Person" am 

21. März 2013 für den Monat März 2013 und am 24. April 2013 für den Monat Ap-

ril 2013 jeweils unter Punkt 1 deklariert, dass er bei keinem Arbeitgeber gearbeitet 

habe, obwohl er im März und April 2013 bei der Firma N._____ AG in … [Ort] 

gemäss Arbeitgeberbescheinigung einer entlöhnten Erwerbstätigkeit nachgegan-

gen sei. Durch dieses Verhalten habe er die Arbeitslosenkasse des Kantons Zü-

rich veranlasst, ihm für diese Monate insgesamt Fr. 1'302.60 zu Unrecht auszu-

bezahlen, was er zumindest in Kauf genommen habe (Urk. 36 S. 5). 

4.1. Der Beschuldigte anerkannte den ihm zur Last gelegten Sachverhalt im 

Laufe des Vorverfahrens (Urk. D2/6/1 S. 5, Antw. auf Frage 31; Urk. D2/6/2 S. 5; 

Urk. 47 S. 15). Bei diesem Geständnis blieb er auch anlässlich der Berufungsver-

handlung (Prot. II S. 20). 

- 29 - 

4.2. Der Sachverhalt hinsichtlich Dossier 2 ist in Übereinstimmung mit der 

Vorinstanz (Urk. 67 S. 7) gestützt auf das Geständnis des Beschuldigten und die 

von ihm ausgefüllten Formulare der Arbeitslosenversicherung betreffend Angaben 

der versicherten Person für die Monate März und April 2013 (Urk. D2/2/5.1; 

Urk. D2/2/5.3) anklagegemäss erstellt. 

5. Die Anklagesachverhalte gemäss Dossier 1 (versuchte schwere Körper-

verletzung zum Nachteil des Privatklägers 1 und des Geschädigten D._____) und 

2 (Vergehen gegen das AVIG) sind somit vollumfänglich erstellt. 

IV. Rechtliche Würdigung 

 1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten der mehrfachen versuchten schwe-

ren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 und Abs. 2 StGB in Verbin-

dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie des Vergehens gegen das Bundesgesetz 

über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung 

(AVIG) im Sinne von Art. 105 Abs. 1 AVIG schuldig gesprochen (Urk. 67 S. 66). 

Da die Staatsanwaltschaft das vorinstanzliche Urteil einzig im Strafpunkt ange-

fochten hat (vorstehend, Erw. II.2.), steht einer strengeren rechtlichen Würdigung 

das Verschlechterungsverbot entgegen (Verbot der reformatio in peius; Art. 391 

Abs. 2 StPO). 

2. Eine schwere Körperverletzung begeht derjenige, der bei einer anderen 

Person die in Art. 122 Abs. 1 bis Abs. 3 StGB aufgeführten Verletzungen verur-

sacht. Namentlich gemäss Art. 122 Abs.1 und Abs. 2 StGB macht sich derjenige 

strafbar, der vorsätzlich einen Menschen lebensgefährlich verletzt oder den Kör-

per, ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein wichti-

ges Organ oder Glied unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend arbeitsunfä-

hig, gebrechlich oder geisteskrank macht, das Gesicht eines Menschen arg und 

bleibend entstellt. 

2.1. Zur Beurteilung der versuchten schweren Körperverletzung zum Nach-

teil des Privatklägers 1 ergibt sich aus dem Bericht von PD Dr. med. O._____ vom 

29. März 2017, dass der Schlag des Beschuldigten mit einem Glas in der Hand in 

- 30 - 

das Gesicht des Privatklägers 1 bei diesem zu einer schweren bis schwersten 

Augenverletzung geführt hat, welche mehrere Operationen erforderte (vgl. Opera-

tionsberichte Urk. D1/21/6 und der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie 

Urk. D1/21/7 sowie Verlaufsbericht Urk. D1/21/8). Das Auge des Privatklägers 1 

musste im Verlaufe der Genesung mit Silikonöl zur Tamponierung der Verletzun-

gen gefüllt werden. Es musste zudem eine graue Star Operation durchgeführt 

sowie eine Kunstlinse ins Auge eingepflanzt werden. Die Sehschärfe des Privat-

klägers 1 hat sich trotz der erlittenen Augenverletzung mittlerweile bei 60% etab-

liert (Urk. D1/21/25). Auch das Gutachten zur körperlichen Untersuchung des IRM 

vom 21. Dezember 2014 hält fest, dass beim Privatkläger 1 teils flächige Unter-

blutungen vorlagen, teils mit unterliegenden Knochenbrüchen, sowie teils parallel 

zueinander verlaufende Kratzer, Schnitt- und Stichwunden, bei welchen neben 

der Gesichtshaut auch das linke Auge penetriert und der Augapfel schwer verletzt 

wurde. Zudem würden sich an der linken Halsseite wenige kratzerartige Hautab-

schürfungen zeigen (Urk. D1/21/11 S. 7 f.). 

2.1.1. Diesem Bericht ist weiter zu entnehmen, dass sich die Sehschärfe 

nach der Verletzung nicht mehr auf diejenige erholen werde, welche vor dem Un-

fall vorhanden gewesen sei. Es bleibe ein erhöhtes Risiko für eine Netzhautablö-

sung, zur Entwicklung eines grünen Stars (Glaukom), und es sei damit zu rech-

nen, dass die Kunstlinse im Laufe der Zeit instabil werden dürfte, welche dann mit 

einer erneuten Operation ersetzt werden müsste. Die Kunstlinse sei unter gewis-

sen Bedingungen sichtbar, und es bestehe eine Verziehung der Pupille, welche 

ebenfalls für einen Beobachter ersichtlich sei. Grundsätzlich bestehe nach einer 

solch schweren Verletzung immer die Gefahr einer kompletten Erblindung bei 

Komplikationen (Urk. D1/21/25). Aus dem Gutachten zur körperlichen Untersu-

chung des IRM geht weiter hervor, dass nicht zu unterschätzen sei, dass bei ein-

seitiger Schädigung des Auges mit Verlust der Sehkraft, insbesondere bei Verlet-

zung gewisser Augapfelinnenstrukturen, auch das noch unverletzte rechte Auge 

derart, als direkte Folge der Verletzung des linken Auges, mitgeschädigt werden 

könne, dass schlimmstenfalls ein beidseitiger Verlust des Augenlichtes resultieren 

könne (Urk. D1/21/11 S. 8). 

- 31 - 

2.1.2. Wie bereits die Staatsanwaltschaft zutreffend ausführte (Urk. 48 S. 9) 

und in Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 67 S. 29) handelt es sich bei ei-

nem Auge um ein wichtiges Organ im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB. Der Pri-

vatkläger 1 erlitt durch den Schlag des Beschuldigten mit einem Glas eine schwe-

re bis schwerste Augenverletzung, sodass auf diesem Auge nur noch eine Seh-

kraft von 60% vorhanden ist und damit eine dauerhafte Einschränkung vorliegt. 

Die vom Privatkläger 1 erlittenen Verletzungen stellen objektiv unbestrittenermas-

sen Verletzungen im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB dar. Aufgrund des geltenden 

Verschlechterungsverbotes, wodurch eine strengere rechtliche Würdigung ausge-

schlossen ist (vgl. vorstehend, Erw. IV.1.), kann offenbleiben, ob seine Verletzun-

gen objektiv nicht gar Verletzungen im Sinne von Art. 122 StGB darstellen. 

2.2. Der Geschädigte D._____ erlitt durch die vom Beschuldigten ausgeführ-

ten Tritte Prellungen im Gesicht, sodass er an den darauffolgenden Tagen an 

starken Kopfschmerzen gelitten habe (Urk. D1/15/4 S. 9), und Kratzer am Ohr 

(Urk. D1/15/1 S. 2; Urk. D1/24/1). Seine erlittenen Verletzungen stellen objektiv 

Verletzungen im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB dar, wobei in Übereinstimmung 

mit der Vorinstanz (Urk. 67 S. 40 f.) die Gewalteinwirkung des Beschuldigten mit 

teilweise kräftigen Tritten gegen den Kopf des Geschädigten D._____ in objekti-

ver Hinsicht grundsätzlich geeignet gewesen wäre, bei diesem Verletzungen im 

Sinne von Art. 122 StGB zu verursachen. 

2.3. Ein Versuch liegt u.a. vor, wenn der zur Vollendung der Tat gehörende 

tatbestandsmässige Erfolg nicht eintritt oder die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende 

geführt wird, nachdem der Täter mit der Ausführung des Verbrechens begonnen 

hat (Art. 22 Abs. 1 StGB). Vorausgesetzt wird damit, dass der Täter alle subjekti-

ven Merkmale der Tat erfüllt, ohne dass die objektiven Merkmale vollumfänglich 

verwirklicht wurden. Die schwere Körperverletzung setzt Vorsatz voraus, wobei 

Eventualvorsatz genügt (Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 12 Abs. 1 und 2 

StGB). 

2.4. Die Anklage wirft dem Beschuldigten eventualvorsätzliches Vorgehen 

vor. Nach ständiger Rechtsprechung ist Eventualvorsatz gegeben, wenn der Täter 

den Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolges für möglich hält, aber dennoch 

- 32 - 

handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintrittes in Kauf nimmt, sich mit 

ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein (BGE 134 IV 26 E. 3.2.2 m.H.). 

Auf der Wissensseite genügt es, wenn dem Täter die wesentlichen Umstände im 

Sinne eines dauernden Begleitwissens mitbewusst waren (BGE 125 IV 242 E. 3e 

mit Hinweis). Zu diesen wesentlichen äusseren Umständen gehören die Beweg-

gründe des Täters, die Art der Tathandlung (z.B. die Heftigkeit des Schlages und 

die Verfassung des Opfers) und insbesondere das Risiko der Tatbestandsverwirk-

lichung bzw. des Erfolgseintrittes. Nach der Rechtsprechung darf vom Wissen des 

Täters auf dessen Willen geschlossen werden, wenn sich ihm die Verwirklichung 

der Gefahr als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft, sie als Folge 

hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des tatbestandsmässigen 

Erfolges ausgelegt werden kann. Je grösser das Risiko der Tatbestandsverwirkli-

chung ist, desto eher darf gefolgert werden, der Täter habe nicht darauf vertrauen 

können, dass sich das ihm bekannte Risiko nicht verwirklichen werde (vgl. Urteil 

des Bundesgerichtes 6B_802/2013 vom 27. Januar 2014 E. 2.3.3; BGE 137 IV 1 

E. 4.2.3; BGE 125 IV 242 E. 3c; BGE 101 IV 46; vgl. auch BGE 122 IV 122; 

BGE 121 IV 253; BGE 119 IV 3; BGE 114 IV 153; BGE 109 IV 140; BGE 104 IV 

159). 

2.4.1. Beim Beschuldigten ist die Wissensseite in Bezug auf die versuchte 

schwere Körperverletzung zum Nachteil des Privatklägers 1 zu bejahen, wenn 

davon ausgegangen werden kann, dass er um die potentielle Gefährlichkeit eines 

Schlages mit einem Glas in eine dichte Menschenmenge und um die Heftigkeit 

seines Schlages wusste. Aufgrund seiner Körpergrösse von knapp 2 m 

(Urk. D1/22/9 S. 2) musste dem Beschuldigten bewusst sein, dass er mit einem 

Schlag in einer dichten Menschenmenge jemanden auf Kopfhöhe, und damit auf 

eine äusserst empfindliche Körperstelle, treffen könnte, was er in Kauf nahm. Das 

Wissen bezüglich der potentiellen Gefährlichkeit kann dem Beschuldigten als All-

gemeinwissen, mithin als dauerndes Begleitwissen zugerechnet werden. Trotz 

dieses Wissens setzte er bei seinem Schlag zusätzlich das Glas ein, was als Indiz 

für eine Inkaufnahme von Verletzungen im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB zu 

deuten ist. So wird denn auch im Gutachten zur körperlichen Untersuchung des 

IRM festgehalten, dass ausgehend von den eingetretenen Verletzungen die Ge-

- 33 - 

fahr bestanden habe, dass der Privatkläger 1 seine Sehkraft links sowie unter 

Umständen seinen Augapfel verliere. Inwiefern die Gesichtshaut bleibend durch 

Narben entstellt sein werde, sei zurzeit nicht vorherzusagen. Auch hätte bei einer 

Hautdurchtrennung an der linken Halsseite aufgrund der Lage, direkt oberhalb der 

grossen Halsgefässe, mit Verletzungen der unter der Haut gelegenen grösseren 

Gefässe am Hals ein schwerer Blutverlust (bis hin zum Versterben) eintreten kön-

nen (Urk. D1/21/11 S. 8). Diese möglichen Verletzungen sind als mögliche An-

wendungsfälle von Art. 122 Abs. 2 StGB zu qualifizieren. Auf eine Inkaufnahme 

solcher Verletzungen weist ferner auch die Art der Tathandlung hin (vgl. Urteil des 

Bundesgerichtes 6S.133/2007 vom 11. September 2008 E. 2.6., unter Hinweis auf 

BGE 131 IV 1 E. 2.2.). Gemäss erstelltem Sachverhalt führte der Beschuldigte mit 

seinem rechten Arm, wobei er in seiner rechten Hand ein massives Trinkglas 

hielt, eine heftige, voll durchgezogene Schwungbewegung in eine dichte Men-

schenmenge aus, wobei er mit seinem Schlag und dem Glas den unmittelbar in 

seiner Nähe stehenden Privatkläger 1 im Gesicht beim linken Auge traf. Gestützt 

auf die Gutachten, insbesondere dasjenige von Dr. L._____, wonach das Glas 

auch durch den Aufprall eines Schlages im Gesicht zerbrechen kann, und die er-

littenen Verletzungen des Privatklägers 1, lässt sich auf eine gewisse Wucht des 

Schlages schliessen. Bei einem wuchtigen Schlag in eine dichte Menschenmenge 

auf Kopfhöhe der herumstehenden Personen mit einem zerbrechlichen Gegen-

stand aus Glas, ist das Risiko einer schweren Körperverletzung der genannten Art 

derart hoch, dass nicht mehr ernsthaft zu seinen Gunsten davon ausgegangen 

werden kann (Art. 10 Abs. 3 StPO), der Beschuldigte hätte auf ein Ausbleiben 

solcher Verletzungen vertraut. Vernünftigerweise ist dieses Verhalten als Inkauf-

nahme dieses Erfolges und damit als eventualvorsätzliches Handeln auszulegen. 

Der subjektive Tatbestand der schweren Körperverletzung zum Nachteil des Pri-

vatklägers 1 ist somit erfüllt. Der Beschuldigte hat sich tatbestandsmässig im Sin-

ne von Art. 122 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB verhalten. 

2.4.2. Im Hinblick auf die versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil 

des Geschädigten D._____ ist zu berücksichtigen, dass es zum Allgemeinwissen 

zählt, dass heftiges Treten gegen den Kopfbereich zu lebensgefährlichen Verlet-

zungen führen kann. Dieses Wissen ist dem Beschuldigten anzurechnen. Der Be-

- 34 - 

schuldigte musste aufgrund der mehrfachen Tritte und deren Heftigkeit auch ge-

gen den Kopf des Geschädigten D._____ nicht nur damit rechnen, dass es dabei 

zu gefährlichen Kopfverletzungen, sondern auch zu groben Gesichtsverletzungen 

oder bleibenden Schädigungen des Gehirns hätte kommen können. So räumte 

der Beschuldigte auf die Frage, was passieren könne, wenn gegen jemanden, der 

am Boden liege, Tritte gegen den Oberkörper und Kopf ausgeführt würden, ein, 

dass alles Mögliche passieren könne; es könne sein, dass er tot ist oder "behin-

dert" (Urk. D1/12/2 S. 6). Das Risiko und die Wahrscheinlichkeit des Eintrittes des 

tatbestandsmässigen Erfolges ist bei mehreren, teilweise heftigen Fusstritten der-

art gross und naheliegend, dass das Verhalten des Beschuldigten nur als Inkauf-

nahme dieses Erfolges ausgelegt werden kann. Umso mehr, als er mehrfach auf 

den Geschädigten D._____ eingetreten hat, während dieser schutzlos vor ihm auf 

dem Boden gelegen hat. Unter diesen Umständen kann dem Beschuldigten auch 

nicht zuerkannt werden, er habe auf das Ausbleiben des tatbestandsmässigen Er-

folges vertraut. Wer sich so verhält, nimmt die Verursachung schwerer oder le-

bensgefährlicher Verletzungen zumindest in Kauf. Der subjektive Tatbestand der 

versuchten schweren Körperverletzung zum Nachteil des Geschädigten D._____ 

ist somit erfüllt. Der Beschuldigte hat sich tatbestandsmässig im Sinne von Art. 

122 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB verhalten. Daran vermag 

auch das vom Beschuldigten geltend gemachte Notwehrrecht (vgl. Prot. II S. 19) 

nichts zu ändern, zumal der Geschädigte D._____ im Zeitpunkt der Tritte bereits 

schutz- und wehrlos vor ihm auf dem Boden lag, entsprechend kein rechtswidriger 

Angriff im Gange oder der Beschuldigte unmittelbar mit einem Angriff bedroht war. 

Selbst wenn der Geschädigte D._____ immer wieder aufgestanden und dem Be-

schuldigten auf der Tanzfläche gefolgt ist, respektive diesen teilweise selber pro-

voziert hat, ist die aggressive und durch den Alkohol enthemmte Reaktion des 

Beschuldigten mit mehreren teils kräftigen Tritten gegen den Oberkörper und 

auch den Kopf des Geschädigten D._____ völlig unverhältnismässig. Daran ver-

mögen auch die Ausführungen der Verteidigung, wonach der Geschädigte 

D._____ aufgrund seiner bipolaren affektiven Persönlichkeitsstörung Medikamen-

te eingenommen und sich am Tatabend trotzdem in einen nicht unerheblich alko-

holisierten Zustand versetzt habe, wobei dieser habe wissen müssen, dass dies 

- 35 - 

mit seiner Medikation kontraindiziert sei (Urk. 79 S. 31), nichts zu ändern. Ent-

sprechend kann sich der Beschuldigte – entgegen der Auffassung der Verteidi-

gung (Urk. 51 S. 17 ff.; Urk. 79 S. 29 ff.) – auf keine Notwehrsituation im Sinne 

von Art. 15 StGB berufen. 

2.5. Der Beschuldigte hat sich somit der mehrfachen (eventualvorsätzlich) 

versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 und Abs. 2 

StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gemacht. 

3. Die rechtstheoretischen Erwägungen der Vorinstanz zu den Vorausset-

zungen des Anspruchs auf Arbeitslosengeld gemäss Art. 8 AVIG sowie zum ob-

jektiven Tatbestand von Art. 105 Abs. 1 AVIG sind zutreffend, weshalb darauf 

verwiesen werden kann (Urk. 67 S. 7 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Wie die Vorinstanz 

zudem zutreffend erwogen hat (Urk. 67 S. 8), waren die Angaben des Beschuldig-

ten unwahr, da er bei den Formularen "Angaben der versicherten Person" für die 

Monate März und April 2013 bei der Frage, ob er in diesen beiden Monaten bei 

einem oder mehreren Arbeitgebern gearbeitet habe, jeweils nein ankreuzte 

(Urk. D2/2/5.1; Urk. D2/2/5.3), obwohl er in diesen Monaten bei der N._____ AG 

angestellt war und entlöhnt wurde (Urk. D2/2/4.0-4.2). Durch diese unwahren 

bzw. unvollständigen Angaben erwirkte der Beschuldigte, dass ihm für die beiden 

Monate März und April 2013 von der Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich zu 

Unrecht eine Arbeitslosenentschädigung von insgesamt Fr. 1'302.60 ausbezahlt 

worden ist (Urk. D2/1), zumal er aufgrund seiner Anstellung und Entlöhnung der 

N._____ AG keinen Anspruch auf diese Entschädigung hatte. 

3.1. In subjektiver Hinsicht muss der Beschuldigte mit Wissen und Willen 

gehandelt haben (Art. 12 Abs. 1 StGB), wobei Eventualvorsatz genügt. Der Be-

schuldigte ging in den Monaten März und April 2013 einer entlöhnten Erwerbstä-

tigkeit nach und kreuzte trotzdem jeweils "nein" auf den entsprechenden Formula-

ren an. Er wusste, dass es sich dabei um eine unwahre Angabe handelt. Auch 

nahm er durch sein Handeln zumindest in Kauf, dass es zu einer unrechtmässi-

gen Auszahlung einer Arbeitslosenentschädigung kommt. Die Behauptung, er ha-

be dies aus Versehen bzw. aufgrund von Nachlässigkeit getan (Urk. 51 S. 24), ist 

als reine Schutzbehauptung zu werten. 

- 36 - 

3.2. Auch die Argumentation der Verteidigung, wonach aufgrund der gering-

fügigen Verfehlung und des in der Hauptsache zu erfolgenden Freispruches auf 

eine Bestrafung zu verzichten sei (Urk. 51 S. 24 f.; Urk. 79 S. 4), läuft ins Leere, 

da es in den Hauptanklagevorwürfen der mehrfachen versuchten schweren Kör-

perverletzung zu Schuldsprüchen kommt (vorstehend, Erw. IV.2.5.), weshalb in 

Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 67 S. 9) kein Raum für die Anwendung 

des Opportunitätsprinzips besteht. 

3.3. Der Beschuldigte hat sich somit des Vergehens gegen das Bundesge-

setz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschä-

digung im Sinne von Art. 105 Abs. 1 AVIG schuldig gemacht. 

4. Demzufolge ist der Beschuldigte der mehrfachen versuchten schweren 

Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 und Abs. 2 StGB in Verbindung mit 

Art. 22 Abs. 1 StGB sowie des Vergehens gegen das Bundesgesetz über die ob-

ligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung im Sinne 

von Art. 105 Abs. 1 AVIG schuldig zu sprechen. 

V. Strafzumessung 

1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 

36 Monaten, unter Anrechnung der erstandenen Haft von 20 Tagen, sowie einer 

Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 50.–, wobei der Vollzug der Freiheitsstrafe 

im Umfang von 18 Monaten aufgeschoben und die Probezeit auf 4 Jahre festge-

setzt wurde (Urk. 67 S. 66). Der Beschuldigte beantragt mit seiner Berufung einen 

vollumfänglichen Freispruch (Urk. 70; Urk. 79). Die Staatsanwaltschaft hat mit ih-

rer Berufung das vorinstanzliche Urteil einzig im Strafpunkt angefochten und be-

antragt, der Beschuldigte sei unter Einbezug der widerrufenen Strafe mit einer 

Freiheitsstrafe von 5 Jahren als Gesamtstrafe zu bestrafen, wobei die wegen des 

Vergehens gegen das Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversi-

cherung und Insolvenzentschädigung kumulativ ausgefällte Geldstrafe nicht ange-

fochten werde (Urk. 68; Urk. 78). 

- 37 - 

2. Am 1. Januar 2018 sind die neuen Bestimmungen des Allgemeinen Teils 

des Strafgesetzbuches (Änderung des Sanktionenrechts) in Kraft getreten 

(AS 2016 1249). Der Beschuldigte hat die zu beurteilenden Straftaten vor Inkraft-

treten des revidierten Rechts verübt. Nach Art. 2 Abs. 1 StGB wird nach neuem 

Recht nur beurteilt, wer nach dessen Inkrafttreten ein Verbrechen oder Vergehen 

begangen hat. Hat der Täter ein Verbrechen oder Vergehen vor Inkrafttreten des 

neuen Rechts begangen, erfolgt die Beurteilung aber erst nachher, ist das neue 

Recht anzuwenden, wenn es für den Täter milder ist (Art. 2 Abs. 2 StGB). Wie 

sich nachfolgend ergibt, ist der Beschuldigte mit einer mehrjährigen Freiheitsstra-

fe sowie einer Geldstrafe zu bestrafen. In diesem Bereich erweist sich das neue 

Recht nicht als milder, weshalb das alte, bis zum 31. Dezember 2017 geltende 

Sanktionenrecht anzuwenden ist. 

3. Die allgemeinen Regeln und Kriterien der Strafzumessung wurden im vor-

instanzlichen Urteil unter Hinweis auf Rechtsprechung und Lehre zutreffend wie-

dergegeben und der massgebliche Strafrahmen gemäss Art. 122 Abs. 4 StGB 

korrekt mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht unter 180 Ta-

gessätzen abgesteckt (Urk. 67 S. 48 ff.). Dies braucht nicht wiederholt zu werden. 

Strafmilderungs- und Strafschärfungsgründe sind innerhalb des gegebenen Straf-

rahmens strafmindernd bzw. straferhöhend zu berücksichtigen. Beim Beschuldig-

ten sind trotz des Vorliegens der Strafmilderungsgründe der verminderten Schuld-

fähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB (nachfolgend, Erw. V.4.2.1. ff. und 

Erw. V.5.2.1.) und des Versuches im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB (nachfolgend, 

Erw. V.4.3. und Erw. V.5.3.) keine ausserordentlichen Umstände gegeben, wel-

che eine Unterschreitung des regulären Strafrahmens als angezeigt erscheinen 

liessen. 

3.1. Die Vorinstanz ist angesichts des heftigen Schlages mit einem Glas in 

der Hand in eine dichte Menschenmenge und dabei gegen den Kopf und das Ge-

sicht des Privatklägers 1 sowie aufgrund dessen dadurch erlittenen schweren 

Verletzungen zu Recht von der versuchten schweren Körperverletzung zum 

Nachteil des Privatklägers 1 als schwerstes Delikt ausgegangen. Es ist daher zu-

nächst die hypothetische Einsatzstrafe für dieses schwerste Delikt zu bestimmen 

- 38 - 

und diese hernach in Anwendung des Asperationsprinzips (Art. 49 Abs. 1 StGB) 

für das weitere Delikt der versuchten schweren Körperverletzung zum Nachteil 

des Geschädigten D._____ angemessen zu erhöhen. 

3.2. Bei der Wahl der Sanktionsart sind die Zweckmässigkeit einer bestimm-

ten Sanktion, ihre Auswirkung auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre 

präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 97 E. 4.2). Ist eine Gesamt-

strafe auszufällen, sind die Voraussetzungen für eine kurze unbedingte Freiheits-

strafe gemäss Art. 41 aStGB unbeachtlich, solange die Gesamtstrafe mindestens 

sechs Monate beträgt (Urteil des Bundesgerichtes 6B_808/2017 vom 16. Oktober 

2017 E. 2.1.3). 

4. Somit ist zunächst die Tatkomponente der versuchten schweren Körper-

verletzung zum Nachteil des Privatklägers 1 zu prüfen. 

4.1. Mit Bezug auf die objektive Tatschwere ist vorauszuschicken, dass der 

Tatbestand der schweren Körperverletzung die körperliche (und psychische) In-

tegrität und damit eines der wichtigsten Rechtsgüter des Menschen schützt. Der 

Beschuldigte hat bei seinem unkontrollierten und heftigen Schlag mit einem Glas 

in der Hand in die dichte Menschenmenge dem völlig unbeteiligten Privatkläger 1 

diverse Kratzer und Schnittverletzungen in dessen Gesicht und an dessen Hals 

sowie schwere bis schwerste Augenverletzungen zugefügt, wodurch die Seh-

schärfe und Funktion seines linken Auges bleibend erheblich beeinträchtigt wur-

de. Die Sehkraft hat sich nach zahlreichen Operationen und Untersuchungen bei 

ca. 60% etabliert, wobei gestützt auf die ärztlichen Berichte und Gutachten nicht 

ausgeschlossen werden kann, dass sich dieser Zustand zukünftig weiter ver-

schlechtern wird. Die Gewalteinwirkung auf den Privatkläger 1 war äusserst hef-

tig, und die erlittenen Verletzungen bewegen sich nahe an der Grenze zur schwe-

ren Körperverletzung. Die Handlung des Beschuldigten erscheint brutal und auch 

äusserst rücksichtslos, da dieser aufgrund seiner Körpergrösse von fast 2 m sei-

nen wuchtigen Schlag mit einem Glas in der Hand in einer dichten Menschen-

menge auf Kopfhöhe anderer ausführte, wobei je nach Auftreffen des Schlages 

mit schwersten Verletzungen am Kopf oder im Gesicht von Dritten zu rechnen ist. 

Sein Tatvorgehen zeugt von unbedachtem, aus dem Augenblick heraus triebhaf-

- 39 - 

tem und unreflektiertem Handeln. Die Intensität und Wucht des von ihm ausge-

führten Schlages mit einem Glas in eine Menschenmenge bringt ferner die bei 

ihm zum Tatzeitpunkt vorhandene spontane Gewaltbereitschaft und Aggressivität 

sowie eine erstaunliche Gleichgültigkeit gegenüber der körperlichen Integrität an-

derer Personen zum Ausdruck. Zugunsten des Beschuldigten ist festzuhalten, 

dass er die Tat nicht im Voraus plante und vorbereitete, sondern es sich um eine 

spontane Aktion handelte und es sich beim Privatkläger 1 um ein Zufallsopfer 

handelte. Vorausgesetzt, der tatbestandsmässige Erfolg der schweren Körperver-

letzung wäre durch eine im Sinne von Art. 122 StGB schwere oder lebensgefähr-

liche Verletzung eingetreten, läge insgesamt eine erhebliche objektive Tatschwe-

re vor. 

4.2. Was die subjektive Tatschwere anbelangt, ist zu gewichten, dass der 

Beschuldigte mit einem Glas in der Hand in eine dichte Menschenmenge schlug 

und dadurch schwere Kopfverletzungen in Kauf nahm. Die Beweggründe und Zie-

le des Beschuldigten für seine Handlung sind nicht nachvollziehbar. Zwar wurde 

er im Vorfeld durch den Geschädigten D._____ provoziert, was seinen Schlag 

keinesfalls gerechtfertigt hätte, zumal ein vorgängiger Faustschlag des Geschä-

digten D._____ auf den Videoaufnahmen auch nicht zu sehen ist, und deshalb ei-

ne reine Schutzbehauptung des Beschuldigten darstellt. Er handelte aus einem 

nichtigen Anlass und seine Handlung offenbart ein erhebliches Gewaltpotential. 

Dass der Beschuldigte das Glas absichtlich beschädigen wollte oder beschädigt 

hat, um seinen Schlag auszuführen, kann ihm nicht vorgeworfen werden. Der 

Schlag galt nicht dem Privatkläger 1, war dieser doch ein unbeteiligter Dritter, der 

zur "falschen Zeit" am "falschen Ort" war, verursachte bei diesem aber schwere 

Augenverletzungen. Allerdings ist merklich verschuldensmindernd in die Gewich-

tung miteinzubeziehen, dass der Beschuldigte hinsichtlich einer schweren Kör-

perverletzung bloss eventualvorsätzlich handelte. Die Berücksichtigung der sub-

jektiven Schwere der Tat wirkt sich demzufolge merklich verschuldensmindernd 

aus und führt zu einem insgesamt keineswegs mehr leichten Tatverschulden. 

4.2.1. Der Beschuldigte machte im Vorverfahren geltend, dass er am Tat-

abend Alkohol getrunken habe (Urk. D1/12/1 S. 3; Urk. 47 S. 12 f.). Laut dem 

- 40 - 

ärztlichen Bericht zur Blutalkoholanalyse des IRM über den Beschuldigten vom 

27. Oktober 2014 wies dieser zur Tatzeit (3. Oktober 2014, 02.15 Uhr) eine Blut-

alkoholkonzentration von maximal 1.91 Gewichtspromille auf (Urk. D1/22/8). Von 

diesem Wert ist zu seinen Gunsten auszugehen (Art. 10 Abs. 3 StPO). 

4.2.1.1. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung fällt erst bei einer 

Blutalkoholkonzentration von über 2 Gewichtspromille eine Verminderung der Zu-

rechnungsfähigkeit in Betracht. Der Blutalkoholkonzentration kommt bei der Beur-

teilung der Zurechnungsfähigkeit allerdings keine vorrangige Bedeutung zu. Sie 

bietet lediglich eine grobe Orientierungshilfe. Im Sinne einer groben Faustregel 

geht die Rechtsprechung lediglich davon aus, dass bei einer Blutalkoholkonzent-

ration von unter 2 Gewichtspromille in der Regel keine Beeinträchtigung der 

Schuldfähigkeit gegeben ist und dass bei einer solchen von über 3 Promille meist 

Schuldunfähigkeit vorliegt. Bei einer Blutalkoholkonzentration im Bereich zwi-

schen 2 und 3 Promille besteht somit im Regelfall die Vermutung für eine Vermin-

derung der Schuldfähigkeit. Diese Vermutung kann jedoch im Einzelfall durch 

Gegenindizien umgestossen werden. Im medizinischen Schrifttum wird hervorge-

hoben, dass es keine feste Korrelation zwischen Blutalkoholkonzentration und da-

rauf beruhender forensisch relevanter Psychopathologie gibt. Gewöhnung, Per-

sönlichkeit und Tatsituation sind stets in die Beurteilung einzubeziehen (Urteil des 

Bundesgerichtes 6B_725/2009 vom 26. November 2009 E. 2.2 mit Verweis auf 

BGE 122 IV 49 E. 1b S. 50 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichtes 6S.17/2002 

vom 7. Mai 2002 E. 1.c.aa). In BGE 122 IV 49 hat das Bundesgericht die Vernei-

nung einer verminderten Schuldfähigkeit aufgrund von Gegenindizien sogar bei 

einer Blutalkoholkonzentration von 2,09 bis 2,32 Promille geschützt (E. 1c). 

4.2.1.2. Im Zeitpunkt des Tatgeschehens befand der Beschuldigte sich auf-

grund der vor der Tat sich eingeflössten alkoholischen Getränke und der daraus 

resultierenden Blutalkoholkonzentration von maximal 1.91 Gewichtspromille somit 

in einem mittelschweren Rauschzustand, was eine allerhöchstens in leichtem 

Masse beeinträchtigte Steuerungsfähigkeit verursachte und daher maximal zu ei-

ner leicht verminderten Schuldfähigkeit im Tatzeitpunkt führen konnte. Im Rah-

men der Tathandlungen führte die mittelschwere Alkoholintoxikation des Beschul-

http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_725%2F2009&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-IV-49%3Ade&number_of_ranks=0#page49

- 41 - 

digten offenkundig zu einer gewissen Enthemmung, erhöhter Impulsivität und af-

fektiver Veränderungen im Sinne von Wut und Aggression. Die Verminderung der 

Schuldfähigkeit ist daher höchstens leicht. 

4.2.2. Unter Berücksichtigung der höchstens leicht verschuldensmindernd 

wirkenden Verminderung der Schuldfähigkeit ist das Verschulden gesamthaft im-

mer noch als keineswegs mehr leicht einzustufen. Dies rechtfertigt eine hypotheti-

sche Einsatzstrafe im Bereich von 3 Jahren Freiheitsstrafe. 

4.3. Als verschuldensunabhängige Tatkomponente ist zu berücksichtigen, 

dass der Privatkläger 1 keine schweren Verletzungen im Sinne von Art. 122 

Abs. 2 StGB erlitt, sondern ein Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB vorliegt. 

Dies ist strafmindernd zu berücksichtigen. Das Ausmass der Strafreduktion hängt 

dabei von der Nähe des tatbestandsmässigen Erfolges und von der Schwere der 

tatsächlichen Folgen der Tat ab. Die Reduktion der Strafe hat umso geringer aus-

zufallen, je näher der tatbestandsmässige Erfolg und je schwerwiegender die Fol-

gen der tatsächlichen Tat waren (BGE121 IV 49 E. 1.b). Der Beschuldigte hat 

durch sein Verhalten das Risiko einer schweren Körperverletzung im Sinne von 

Art. 122 StGB, insbesondere des Verlustes der Sehkraft des linken Auges des 

Privatklägers 1 geschaffen. Es ist nicht dem Zutun des Beschuldigten, sondern 

einzig dem Zufall zu verdanken, dass der Privatkläger 1 nicht noch schwerere 

Verletzungen erlitten und das Augenlicht auf dem linken Auge nicht vollständig 

verloren hat. Der Versuch ist demgemäss nur leicht verschuldensmindernd zu 

werten. Somit ist die Strafe nur leicht, auf 2 ¾ Jahre Freiheitsstrafe zu reduzieren 

(Art. 22 Abs. 1 StGB). 

5. Im Rahmen der Asperation ist die Gewichtung der Tatkomponente der 

versuchten schweren Körperverletzung zum Nachteil des Geschädigten D._____ 

vorzunehmen. 

5.1. Bei der objektiven Tatschwere ist zu gewichten, dass der Beschuldigte 

den vor ihm auf dem Boden liegenden Geschädigten D._____ mehrmals, teilwei-

se heftig, gegen den Oberkörper und auch den Kopf trat. Diesem Vorfall ging be-

reits eine körperliche Auseinandersetzung zwischen dem Geschädigten D._____ 

- 42 - 

und F._____, dem Kollegen des Beschuldigten, voraus, sodass der Geschädigte 

D._____ kein völlig unbeteiligter Dritter war, zumal er auch den Beschuldigten 

provozierte. Allerdings ändert dies nichts daran, dass das Vorgehen des Beschul-

digten einen üblen Gewaltexzess darstellt und von seiner erheblichen Gewaltbe-

reitschaft sowie von beträchtlicher Brutalität und Geringschätzung der körperli-

chen Integrität eines anderen Menschen, der obendrein wehr- und schutzlos am 

Boden lag, zeugt. Andererseits hinterlässt dieses Geschehen den Eindruck eines 

unbedachten, aus dem Augenblick heraus triebhaften, unreflektierten und von 

Kontrollverlust geprägten Handelns des Beschuldigten. Mit seinen brutalen 

Fusstritten verursachte dieser beim Geschädigten D._____ Prellungen im Gesicht 

und Kratzer am Ohr. Die vom Geschädigten D._____ erlittenen Verletzungen wa-

ren leicht im Sinne von Art. 123 StGB und zogen keine längere Beeinträchtigung 

mit sich. Dieser musste sich auch nicht in ärztliche Pflege begeben. Vorausge-

setzt, der tatbestandsmässige Erfolg der schweren Körperverletzung wäre durch 

eine im Sinne von Art. 122 StGB schwere oder lebensgefährliche Verletzung ein-

getreten, wäre insgesamt eine mittlere objektive Tatschwere gegeben. 

5.2. Bei der subjektiven Tatschwere ist nochmals klarzustellen, dass im 

Zeitpunkt der Fusstritte keine das Verschulden mindernde Notwehrsituation vorlag 

(vorstehend, Erw. IV.2.4.2.). Der Beschuldigte handelte mit dem Ziel, den Ge-

schädigten D._____ loszuwerden. So gab der Beschuldigte selber an, er habe 

diesen getreten, damit dieser nicht wieder aufstehe und ihm nicht mehr hinterher-

renne (Urk. 47 S. 10). Der Beschuldigte handelte damit aus absolut niedrigen Be-

weggründen. Zwar fügte er die im Sinne des Gesetzes einfachen Verletzungen 

dem Geschädigten D._____ direktvorsätzlich zu. Merklich verschuldensmindernd 

fällt indessen ins Gewicht, dass er hinsichtlich einer schweren Körperverletzung 

nicht direkt-, sondern nur eventualvorsätzlich, aus dem Augenblick heraus und 

damit planlos handelte. Die Berücksichtigung der subjektiven Schwere der Tat 

wirkt sich demzufolge stark verschuldensmindernd aus und führt zu einem insge-

samt nicht mehr leichten Tatverschulden. 

5.2.1. Der Umstand, dass sich der Beschuldigte im Zeitpunkt des Tatge-

schehens aufgrund der vor der Tat sich eingeflössten alkoholischen Getränke und 

- 43 - 

der daraus resultierenden Blutalkoholkonzentration von maximal 1.91 Ge-

wichtspromille somit in einem mittelschweren Rauschzustand befand, ist wiede-

rum zu berücksichtigen. Die Verminderung der Schuldfähigkeit ist aber höchstens 

leicht (vorstehend, Erw. V.4.2.1.2.). 

5.2.2. Unter Berücksichtigung der höchstens leicht verschuldensmindernd 

wirkenden Verminderung der Schuldfähigkeit ist das Verschulden gesamthaft im-

mer noch als nicht mehr leicht einzustufen. Dies rechtfertigt eine hypothetische 

Einsatzstrafe im Bereich von 1 ¾ Jahren Freiheitsstrafe. 

5.3. Als verschuldensunabhängige Tatkomponente ist ebenfalls zu berück-

sichtigen, dass der Geschädigte D._____ keine schweren Verletzungen im Sinne 

von Art. 122 Abs. 2 StGB erlitt, sondern ein Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 

StGB vorliegt (vgl. vorstehend, Erw. V.4.3.). Der Geschädigte D._____ erlitt durch 

die Fusstritte des Beschuldigten nur leichte Verletzungen, welche keine längeren 

Beeinträchtigungen der körperlichen Integrität zur Folge hatten. Der Eintritt des 

tatbestandsmässigen Erfolges einer schweren Körperverletzung ist daher weit 

entfernt, was entsprechend strafmindernd zu gewichten ist. Somit ist die Strafe 

auf 1 ¼ Jahre Freiheitsstrafe zu reduzieren (Art. 22 Abs. 1 StGB). 

6. Insgesamt lässt die versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil 

des Geschädigten D._____ im Rahmen der Asperation eine Erhöhung der hypo-

thetischen Einsatzstrafe auf etwas über 3 Jahre Freiheitsstrafe als angemessen 

erscheinen. 

7. Bei der Würdigung der Täterkomponente kann die verschuldensange-

messene Strafe aufgrund von Umständen, die mit der Tat grundsätzlich nichts zu 

tun haben, erhöht oder herabgesetzt werden. Massgebend hierfür sind im We-

sentlichen täterbezogene Komponenten, wie die persönlichen Verhältnisse, Vor-

strafen, Leumund, Strafempfindlichkeit und Nachtatverhalten, wie Geständnis, 

Einsicht, Reue etc. (HEIMGARTNER, in: DONATSCH/HEIMGARTNER/ISENRING/WEDER, 

StGB Kommentar, 20. Auflage, Zürich 2018, N 14 ff. zu Art. 47 StGB). 

- 44 - 

7.1. Zum Werdegang und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldig-

ten ist bekannt, dass er am tt. August 1993 in … [Ort] geboren wurde und zu-

sammen mit einer jüngeren Schwester bei seinen Eltern aufwuchs. Er habe die 

Primarschule und die Oberstufe besucht, sei dann aber von der Schule geflogen 

und habe einen schlechten Kollegenkreis gehabt. Er habe immer mal wieder ei-

nen Job bzw. eine Lehrstelle gesucht. Dann habe er mit einer Lehre als Betriebs-

praktiker begonnen, welche er aber nicht abgeschlossen habe. Er sei dann ar-

beitslos gewesen und habe mal hier, mal dort gearbeitet. Dabei habe es sich vor 

allem um handwerkliche Jobs auf Montage oder auf der Baustelle gehandelt. Seit 

er nun seine Frau habe, seit ca. 3 ½ Jahren, arbeite er in einer Zügelfirma und 

auch noch in einer Sicherheitsfirma. Bei der Zügelfirma habe er knapp zweiein-

halb Jahre gearbeitet, dann habe er sich selbständig gemacht. In der Zwischen-

zeit sei er verheiratet, habe einen Sohn, und in seiner Transportfirma beschäftige 

er 5 Angestellte. Seine Firma heisse P._____ GmbH, und er zahle sich monatlich 

einen Lohn von Fr. 5'500.– aus. Er habe nach wie vor Schulden. Diese würden 

sich auf ca. Fr. 30'000.– belaufen (Urk. D1/12/5 S. 8 f.; Urk. 47 S. 2). 

7.2. Ergänzend fügte der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung 

an, dass er seit knapp 5 Jahren verheiratet sei und sie ein zweites Kind bekom-

men würden. Seit 4 Jahren habe er eine eigene Firma, die P._____ GmbH. Aktu-

ell gebe es aber ein paar Probleme mit ausstehenden Kundenzahlungen in der 

Höhe von ungefähr Fr. 50'000.–. Er beschäftige 4 Angestellte zu 100%, und es 

seien auch noch stundenweise Aushilfen bei ihm tätig. Er zahle sich pro Jahr net-

to ca. Fr. 60'000.– bis Fr. 70'000.– als Lohn aus. Private Schulden habe er keine 

mehr. Ersparnisse habe er auch keine, da er laufend in seine Firma investiere 

(Prot. II S. 8 ff.). 

7.3. Der Werdegang und die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten 

weisen keine strafzumessungsrelevanten Besonderheiten auf, weshalb sie neutral 

zu würdigen sind. 

7.4. Der Beschuldigte ist im aktuellen Schweizerischen Strafregister mit zwei 

Vorstrafen verzeichnet. Mit Urteil der Jugendanwaltschaft Dietikon vom 25. Juni 

2010 wurde er wegen Diebstahls (mehrfache Begehung), Hausfriedensbruchs, 

- 45 - 

Vergehens gegen das Waffengesetz, Entwendung zum Gebrauch (mehrfache 

Begehung), Fahrens ohne Haftpflichtversicherung (mehrfache Begehung), wider-

rechtlicher Aneignung von Kontrollschildern und/oder Fahrradkennzeichen (mehr-

fache Begehung), Fahrens ohne Führerausweis (mehrfache Begehung), Verlet-

zung der Verkehrsregeln sowie pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall zu 3 Monaten 

Freiheitsentzug, bedingt vollziehbar, mit einer Probezeit von 2 Jahren, unter An-

rechnung der erstandenen Haft von 20 Tagen bestraft. Mit Urteil des Bezirksge-

richtes Luzern vom 25. Februar 2013 wurde er wegen Verletzung der Verkehrsre-

geln (mehrfache Begehung), grober Verletzung der Verkehrsregeln (mehrfache 

Begehung), Fahrens in fahrunfähigem Zustand (Motorfahrzeug, qualifizierte Blut-

alkoholkonzentration), Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrun-

fähigkeit (Motorfahrzeugführer, Versuch), Führens eines nicht betriebssicheren 

Fahrzeuges, Entwendung zum Gebrauch (mehrfache Begehung), Führens eines 

Motorfahrzeuges ohne erforderlichen Führerausweis (mehrfache Begehung), so-

wie widerrechtlicher Aneignung von Kontrollschildern mit 18 Monaten Freiheits-

strafe, bedingt vollziehbar, bei 4 Jahren Probezeit, unter Anrechnung eines er-

standenen Hafttages, und Fr. 3'000.– Busse bestraft (Urk. 69). Erschwerend 

kommt hinzu, dass der Beschuldigte während dieser laufenden Probezeit weiter 

delinquiert hat und die zu beurteilenden Straftaten beging. Diese zwei – wenn 

auch nicht einschlägigen – Vorstrafen sowie das weitere Delinquieren während 

laufender Probezeit sind straferhöhend zu berücksichtigen. 

7.5. Beim Nachtatverhalten ist dem Verhalten des Täters nach der Tat und 

im Strafverfahren Rechnung zu tragen. Ein Geständnis, das kooperative Verhal-

ten eines Täters bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht und Reue 

wirken strafmindernd. Umfangreiche und prozessentscheidende Geständnisse 

können eine Strafreduktion von bis zu einem Drittel bewirken (BGE 121 IV 202 

E. 2d/cc). Der Grad der Strafminderung hängt aber insbesondere davon ab, in 

welchem Stadium des Verfahrens das Geständnis erfolgte. Ein Geständnis kann 

bei der Analyse des Nachtatverhaltens im Rahmen der Strafzumessung somit zu-

gunsten des Täters berücksichtigt werden, wenn es Ausdruck von Einsicht und 

Reue ist. 

- 46 - 

 7.5.1. Ein Verzicht auf Strafminderung kann sich demgegenüber aufdrän-

gen, wenn das Geständnis die Strafverfolgung nicht erleichtert hat, namentlich 

weil der Täter nur aufgrund einer erdrückenden Beweislage oder erst nach Ausfäl-

lung des erstinstanzlichen Urteils gestand (Urteil des Bundesgerichtes 

6B_426/2010 vom 22. Juli 2010 E. 1.5 mit Hinweisen). 

 7.5.2. Die bundesgerichtliche Praxis zeigt, dass nur ein ausgesprochen posi-

tives Nachtatverhalten zu einer maximalen Strafreduktion von einem Drittel führen 

kann. Zu einem solchen gehört ein umfassendes Geständnis von allem Anfang an 

und aus eigenem Antrieb, also nicht erst auf konkrete Vorwürfe hin oder nach 

Vorlage entsprechender Beweise oder gar erst nach Ergehen eines erstinstanzli-

chen Schuldspruches. Ferner gehört kooperatives Verhalten in der Untersuchung 

dazu, wenn beispielsweise aufgrund des Verhaltens eines Beschuldigten weitere 

Delikte aufgeklärt oder Mittäter zur Rechenschaft gezogen werden können, was 

ohne sein kooperatives Mitwirken nicht möglich gewesen wäre. Schliesslich ge-

hört Einsicht ins Unrecht der Tat und Reue dazu. Nur wenn all diese Faktoren er-

füllt sind, kann eine Strafreduktion von einem Drittel erfolgen. Fehlen einzelne 

Elemente, ist die Strafe entsprechend weniger stark zu mindern (WIPRÄCHTI-

GER/KELLER, in: Basler Kommentar Strafrecht I, 4. Auflage 2019, N 169 ff. zu 

Art. 47 StGB). 

 7.5.3. Der Beschuldigte hat die ihm zur Last gelegten Vorwürfe stets bestrit-

ten. Lediglich bezüglich eines Fusstrittes gegen den Geschädigten D._____ sowie 

hinsichtlich seiner unwahren Angaben gegenüber der Arbeitslosenkasse des Kan-

tons Zürich zeigte er sich geständig. Allerdings war dieses Teilgeständnis weitge-

hend der Beweislage geschuldet, da ein Leugnen aufgrund der vorhandenen Vi-

deoaufnahmen respektive der Formulare und der Besc