# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c872b14d-f6ce-5e96-9222-4196959f04b8
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-06-27
**Language:** de
**Title:** kommunale Steuerhoheit (ab 1.1.2012)
**Docket/Reference:** GS.2013.1
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_1390578724.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

1 GS.2013.1 

Entscheid 

27. Juni 2013 

Mitwirkend: 
Abteilungspräsident Anton Tobler, Steuerrichter Walter Balsiger, Steuerrichter Michael 
Ochsner und Gerichtsschreiberin Christina Hefti 

A,   

vertreten durch B,  

G e m e i n d e s t e u e r a m t   C ,  

In Sachen 

gegen 

und 

Rekurrentin,  

Rekursgegnerin,  

G e m e i n d e s t e u e r a m t  D, 

Mitbeteiligte, 

betreffend 
kommunale Steuerhoheit (ab 1.1.2012) 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 2 - 

hat sich ergeben: 

A. Die 19… geborene, ledige sowie kinderlose A (nachfolgend die Rekurren-

tin) ist seit anfangs 2008 in der Gemeinde C, wo sie über eine 3-Zimmerwohnung ver-

fügt,  als Wochenaufenthalterin  angemeldet  und arbeitet  als  Büroangestellte  in  E.  Ihre 

Schriften  und  damit  ihr  Steuerdomizil  verlegte  sie,  der  Familie  von  B  folgend,  per  ... 

April  2010  von  F  nach  D.  In  der Wohnung  der  Familie  B  in  D  verfügt  sie  über  einen 

eigenen Wohnbereich. 

Mit  Entscheid  vom  29.  Oktober  2012  nahm  das  Steueramt  der  Gemeinde  C 

die unbeschränkte kommunale Steuerpflicht über die Rekurrentin ab 1. Januar 2012 in 

Anspruch.  

B. Eine hiergegen erhobene Einsprache wies das Steueramt der Gemeinde C 

am 28. Februar 2013 ab. 

C. Am 27./28. März 2013 liess die Rekurrentin dagegen Rekurs erheben und 

beantragte,  es  sei  als  Wohnsitz  sowie  Steuerdomizil  wie  bis  anhin  die  Gemeinde  D 

anzuerkennen. Das Steueramt der Gemeinde C schloss am 25. April 2013 auf Abwei-

sung des Rekurses. Das Gemeindesteueramt D liess sich nicht vernehmen. 

Auf  die  weiteren  Vorbringen  der  Parteien  wird  –  soweit  rechtserheblich  –  in 

den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.  

1 GS.2013.1 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 3 - 

Die Kammer zieht in Erwägung: 

1.  a)  Die  Rekurrentin  bemängelt  in  ihrer  Rekursschrift,  die  Rekursgegnerin 

habe  im  Einspracheentscheid  ihre  Ausführungen  vollkommen  übergangen  und  damit 

ihr rechtliches Gehör verletzt. 

b)  Die  aus  dem  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  abgeleitete  Begründungs-

pflicht  verlangt  keineswegs,  dass  sich  die  rechtsanwendende  Behörde  mit  jeder  tat-

beständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand im Einzelnen auseinander-

setzen  muss.  Vielmehr  kann  sie  sich  auf  die  für  den  Entscheid  wesentlichen 

Gesichtspunkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich der 

Betroffene  über  die  Tragweite  des  Entscheids  Rechenschaft  geben  und  ihn  in  voller 

Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinn müssen 

wenigstens  kurz  die  Überlegungen  genannt  werden,  von  denen  sich  die  Behörde  hat 

leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (BGE 130 II 530 E. 4.3; BGE 136 I 

229 E. 5.2, je mit Hinweisen). Dieser Pflicht ist das Steueramt der Gemeinde C im Ein-

spracheentscheid vom 28. Februar 2013 nachgekommen, indem es knapp auf die aus 

seiner  Sicht  wesentlichen  Punkte  verwies,  namentlich  auf  die  Tatsache,  dass  die  al-

leinstehende,  nicht  mit  der  Familie  B  verwandte  Rekurrentin  seit  4  Jahren  eine  

3-Zimmerwohnung in C bewohnt und in E arbeitet sowie auf die natürliche Vermutung, 

der  steuerrechtliche  Wohnsitz  einer  alleinstehenden  Person  befinde  sich  dort,  wo  sie 

sich für längere oder unbestimmte Zeit zum Erwerb des Lebensunterhalts aufhält, so-

mit  für  die  Rekurrentin  in  der  Gemeinde  C.  Aus  der  Abweisung  der  Einsprache  lässt 

sich ebenfalls folgern, dass es der Rekurrentin aus Sicht des Steueramts der Gemein-

de C nicht gelungen ist, diese natürliche Vermutung umzustossen. Damit ist das Steu-

eramt  –  wenn auch  in  knapper  Form  –  seiner  Pflicht  nachgekommen,  die Überlegun-

gen  zu  nennen,  auf  die es  den  Entscheid  stützt.  Den  Ausführungen  im  Rekurs  ist  zu 

entnehmen,  dass  die  Rekurrentin  in  voller  Kenntnis  der  Sache  den  Einspracheent-

scheid anfechten konnte, ist sie doch offensichtlich bemüht, die natürliche Vermutung 

umzustossen.  Inwiefern  der  angefochtene  Einspracheentscheid  ungenügend  begrün-

det sein soll, ist somit nicht ersichtlich. 

1 GS.2013.1 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 4 - 

2. a) Gemäss § 189 Abs. 1 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) gelten 

die Bestimmungen über die Steuerpflicht für die Staatssteuern unter Vorbehalt abwei-

chender Bestimmungen in den §§ 190 – 204 StG auch für die allgemeinen Gemeinde-

steuern.  Ob  eine  natürliche  Person  der  uneingeschränkten  Steuerhoheit  einer  Ge-

meinde  untersteht,  bestimmt  sich  deshalb  nach  §  3  StG:  Die  Gemeindesteuerhoheit 

über  eine  natürliche  Person  kommt  darnach  jener  Gemeinde  zu,  in  welcher  sich  der 

steuerrechtliche  Wohnsitz,  d.h.  der  Mittelpunkt  der  Lebensverhältnisse  dieser  Person 

befindet  (VGr,  28.  April  1986  =  StE  1987  B  11.1  Nr.  7,  auch  zum  Folgenden). Ist  die 

Gemeindesteuerhoheit  streitig,  sind  insbesondere  die  sich  aus  dem  Verbot  der  Dop-

pelbesteuerung im interkantonalen Verhältnis ergebenden bundesgerichtlichen Grund-

sätze  für  das  interkommunale  Verhältnis  sinngemäss  heranzuziehen.  Die  unbe-

schränkte Gemeindesteuerpflicht beginnt in sinngemässer Anwendung von § 10 Abs. 1 

StG mit dem Zeitpunkt, in welchem der Steuerpflichtige in einer Gemeinde steuerrecht-

lichen  Wohnsitz  nimmt.  Endet  die  Anwesenheit  in  der  Gemeinde,  indem  der  Steuer-

pflichtige  seinen  steuerrechtlichen  Wohnsitz  aufgibt,  hört  damit  die  unbeschränkte 

Steuerpflicht in der Gemeinde grundsätzlich auf. Für den Fall der Verlegung des steu-

errechtlichen  Wohnsitzes  innerhalb  des  Kantons  ist  diesfalls  aber  zu  beachten,  dass 

gemäss § 190 StG die Steuerhoheit der Wegzugsgemeinde für die laufende Steuerpe-

riode  unverändert  fortdauert.  Massgeblich  für  die  Bestimmung  des  steuerrechtlichen 

Wohnsitzes  für  die  Steuerperiode  2012  sind  demnach  die  Verhältnisse,  wie  sie  am  

1. Januar 2012 geherrscht haben.  

b) Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum Verbot der interkanto-

nalen Doppelbesteuerung (Art. 127 Abs. 3 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 

[BV])  ist  der  steuerrechtliche  Wohnsitz  (das  Steuerdomizil)  einer  unselbstständig  er-

werbenden  Person  derjenige  Ort,  wo  sie  sich  mit  der  Absicht  dauernden  Verbleibens 

aufhält  (vgl.  auch  Art.  23  Abs.  1  ZGB  und  Art.  3  Abs.  2  des  Bundesgesetzes  vom  

14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer [DBG]) bzw. wo sich der Mittelpunkt 

ihrer Lebensinteressen befindet (BGr, 20. Januar 1994 = ASA 63, 836 ff.). Dieser Mit-

telpunkt der Lebensinteressen bestimmt sich nach der Gesamtheit der objektiven, äus-

seren  Umstände,  aus  denen  sich  diese  Interessen  erkennen  lassen,  nicht  nach  den 

bloss erklärten Wünschen der steuerpflichtigen Person. Auf die gefühlsmässige Bevor-

zugung eines Ortes kommt es nicht an; der steuerrechtliche Wohnsitz ist insofern nicht 

1 GS.2013.1 

 
 
 
 
 
 
- 5 - 

frei wählbar. Dem polizeilichen Domizil, wo die Schriften hinterlegt sind oder die politi-

schen  Rechte  ausgeübt  werden,  kommt  dagegen  in  steuerlicher  Hinsicht  keine  ent-

scheidende  Bedeutung  zu,  da  es  sich  hierbei  bloss  um  äussere  Merkmale  handelt, 

welche  aber  immerhin  ein  Indiz  für  den  steuerrechtlichen  Wohnsitz  bilden  können, 

wenn  auch  das  übrige  Verhalten  der  Person  dafür  spricht  (BGr,  2.  November  2011, 

2C_178/2011  E.  2.2;  BGE  125  I  54  E.  2;  BGE  123  I  293  E.  2a,  mit  Hinweisen;  

StE 1998 A 24.21 Nr. 11 E. 2a). 

c)  aa)  Das  Bundesgericht  misst  in  seiner  Praxis  zur  interkantonalen  Doppel-

besteuerung den wirtschaftlichen Gegebenheiten ein etwas grösseres Gewicht bei, als 

sie es bei der Bestimmung des zivilrechtlichen Wohnsitzes haben (BGE 121 I 14 E. 4a 

=  StE  1995  A  24.24.3  Nr.  1).  Das  Steuerdomizil  von  unselbstständig  erwerbenden 

Steuerpflichtigen befindet sich grundsätzlich am Ort, an dem sie für längere oder unbe-

stimmte Zeit Aufenthalt nehmen, um von dort aus der täglichen Arbeit nachzugehen, ist 

doch  der  Zweck  des  Lebensunterhalts  dauernder  Natur  (BGr,  2.  November  2011, 

2C_178/2011 E. 2.2; BGE 125 I 54 E. 2b). Dies gilt auch, wenn der Steuerpflichtige die 

Absicht  hat,  später  wieder  wegzuziehen  und  seinen  Lebensunterhalt  andernorts  zu 

verdienen (VGr, 16. April 2008, SB.2008.00006 E. 2.2). In allen Fällen setzt die Festle-

gung  des  Steuerdomizils  sodann  voraus,  dass  der  Steuerpflichtige  am  fraglichen  Ort 

eine Wohnung oder ein Zimmer unterhält (Martin Arnold, Der steuerrechtliche Wohnsitz 

natürlicher  Personen  im  interkantonalen  Verhältnis,  in:  ASA  68,  449  ff.,  478).  Wenn 

sich  eine  Person  nicht  bloss  gelegentlich,  sondern  abwechslungsweise  an  zwei  oder 

mehreren Orten aufhält, namentlich wenn Arbeitsort [nachfolgend: Arbeitsort = Arbeits-

ort i.e.S. sowie Ort an dem eine Person für längere oder unbestimmte Zeit Aufenthalt 

genommen hat, um von dort aus der täglichen Arbeit nachzugehen] und sonstiger Auf-

enthaltsort  auseinander  fallen,  ist  für  die  Bestimmung  des  Steuerwohnsitzes  darauf 

abzustellen, zu welchem Ort die Person die stärkeren Beziehungen unterhält (BGE 123 

I 289 ff. E. 2b).  

bb) Übernachtet ein Steuerpflichtiger nicht bloss sporadisch und berufsbedingt 

am Arbeitsort, so ist Voraussetzung für die Situierung des Steuerdomizils am Familien- 

oder  Wohnort  (mithin  regelmässig  dem  polizeilichen  Domizil),  dass  die  persönlichen 

und  gesellschaftlichen  Beziehungen  zum  Familien-  oder  Wohnort  diejenigen  zum  Ar-

1 GS.2013.1 

 
 
 
 
 
 
 
- 6 - 

beitsort  überwiegen  (BGE  125  I  54  E.  2b,  auch  zum  Folgenden).  Als  Familie  gelten 

auch  die  elterliche  Familie  und  Geschwister.  Bei  ledigen  Steuerpflichtigen  erhält  der 

Grundsatz,  wonach  das  Hauptsteuerdomizil  von  unselbstständig  Erwerbstätigen  am 

Arbeitsort  liegt,  grösseres  Gewicht  als  bei  Verheirateten:  Selbst  wenn  ledige  Steuer-

pflichtige  allwöchentlich  zu  den  Eltern  oder  Geschwistern  zurückkehren,  können  die 

Beziehungen  zum  Arbeitsort  überwiegen.  Dies  kann  namentlich  zutreffen,  wenn  sie 

sich  am  Arbeitsort  eine  Wohnung  eingerichtet  haben  oder  über  einen  besonderen 

Freundes-  und  Bekanntenkreis  verfügen  (BGr,  2.  November  2011,  2C_178/2011  

E.  2.2;  VGr,  16.  April  2008,  SB.2008.00006  E.  2.3).  Von  ganz  besonderem  Gewicht 

sind auch die Dauer der Anstellung am Arbeitsort und das Alter des Steuerpflichtigen. 

Mit der Berücksichtigung der Dauer des Aufenthalts am Arbeitsort trägt das Bundesge-

richt  dem  Umstand  Rechnung,  dass  sich  mit  zunehmender  Dauer  die  Bindungen  zur 

Familie erfahrungsgemäss lockern, während sich diejenigen zum Arbeitsort verdichten  

(StE  1994  A  24.21  Nr.  7  E.  3b,  auch  zum  Folgenden).  Die  ständige  regelmässige 

Rückkehr  an  den  elterlichen  Wohnort  vermag  deshalb  nach  einer  bestimmter  Dauer 

des  Aufenthalts  am  Arbeitsort  das  Steuerdomizil  am  Ort  der  Familie nicht  mehr  ohne 

Weiteres  zu  begründen,  wenn  nicht  weitere  Umstände  schlüssig  darauf  hinweisen, 

dass die Beziehungen zum Familienort diejenigen zum Arbeitsort überwiegen. 

3.  In  Bezug  auf  die  Beweisführung  sind  folgende  Grundsätze  massgebend 

(BGr,  2.  November  2011,  2C_178/2011  E.  2.3,  auch  zum  Folgenden):  Der  Umstand, 

dass ein unverheirateter Steuerpflichtiger vom Ort aus, wo er sich während der Woche 

aufhält, einer unselbstständigen Erwerbstätigkeit nachgeht, begründet nach der Recht-

sprechung eine natürliche Vermutung, dass er dort seinen Lebensmittelpunkt und – als 

rechtliche Folge davon – sein Hauptsteuerdomizil hat. Diese Vermutung lässt sich nur 

entkräften,  wenn  er  regelmässig,  mindestens  einmal  pro  Woche,  an  den  Ort  zurück-

kehrt,  wo  seine  Familie  lebt,  mit  welcher  er  aus  bestimmten  Gründen  besonders  eng 

verbunden ist, und wo er andere persönliche und gesellschaftliche Beziehungen pflegt. 

Wenn der steuerpflichtigen Person der Nachweis solcher familiärer und gesellschaftli-

cher Beziehungen am Ort, wo die Familie wohnt, gelingt, obliegt es der Gemeinde des 

Wochenaufenthalts-  oder  Arbeitsorts  nachzuweisen,  dass  die  Person  gewichtige  wirt-

schaftliche und allenfalls persönliche Beziehungen zu diesem Ort unterhält. 

1 GS.2013.1 

 
 
 
 
 
 
- 7 - 

4.  a)  Aus  den  erwähnten  Grundsätzen  ergibt  sich  zunächst  die  natürliche 

Vermutung,  dass  sich  der  Lebensmittelpunkt  der  Rekurrentin  in  der  Steuerperiode 

2012 in C befand: Die über 50-jährige ist seit 2008 in C als Wochenaufenthalterin ge-

meldet, wo sie allein eine gemietete 3-Zimmerwohnung bewohnt. Sie arbeitet in E. Bei 

dieser Ausgangslage obliegt es der  Rekurrentin nachzuweisen, dass sich ihr Lebens-

mittelpunkt nach der erwähnten Rechtsprechung in D befindet. 

b) Die Rekurrentin führt aus, sie habe 19… nach dem Tod der Ehefrau ihres 

Vertreters  B  bei  diesem  eine  100%  Stelle  als  Kinder-  und  Haushaltsbetreuerin  ange-

nommen. Sie habe von 19… bis 20… im Haushalt der Familie B (bestehend aus dem 

Vater und drei Söhnen, der jüngste davon 19… … Monate alt) in G gelebt und sei für 

die  Kinder  eine  Ersatzmutter  gewesen.  20…  bis  20…  habe  sie  nur  noch  zu  50%  als 

Kinder- und Haushaltsbetreuerin bei der Familie B gearbeitet. Seit anfangs 20… arbei-

te  sie  in  E,  indessen  sei  ihre  Rolle  als  Ersatzmutter  für  die  drei  Kinder  nach  wie  vor 

sehr wichtig. Da die drei Kinder noch bei ihrem Vater wohnten und nach wie vor eine 

Mutter bräuchten, stünde der Rekurrentin in der 7-Zimmerwohnung der Familie B in D 

ein ganzer Wohnbereich in der oberen Etage zur Verfügung. Zwischen der Rekurrentin 

und ihrem Vertreter B habe jedoch nie eine private Beziehung bestanden. Sie habe die 

3-Zimmerwohnung  in  C  gemietet,  damit  sie  sich  immer  wieder  zurückziehen  und  ge-

wisse Auszeiten/Ferien nehmen könne. 

c)  Die  von  der  Rekurrentin  vorgebrachten  persönlichen  Verhältnisse  vermö-

gen die natürliche Vermutung eines steuerrechtlichen Wohnsitzes in der Gemeinde  C 

nicht  umzustossen.  Insbesondere  erscheint  fragwürdig,  weswegen  die  Rekurrentin 

überhaupt eine Wohnung in C braucht, wenn sie, wie sie ausführt, eine mutterähnliche 

emotionale Bindung zur Familie B hat, ja gar zur Familie gehört. Während sie im Fra-

gebogen für Wochenaufenthalt der Gemeinde C aufführte, sie habe die Wohnung in C 

aufgrund des [kürzeren] Arbeitswegs nach E gemietet, gab sie in der Einsprache- und 

in der  Rekursschrift  an,  die Wohnung  diene nur  dem  gelegentlichen Rückzug.  Mit  öf-

fentlichen  Verkehrsmitteln  sei  der  Arbeitsweg  von  C  nach  E  sogar  länger  als  von  D 

nach E. Letzteres trifft nicht zu. Während man mit dem Auto von D zu E etwa doppelt 

so lang hat wie von C aus, beträgt die Zeitersparnis von E zur Wohnadresse der Re-

kurrentin  in  C  mit  öffentlichen  Verkehrsmitteln  etwa  13  Minuten,  mithin  mehr  als  ein 

1 GS.2013.1 

 
 
 
 
 
 
 
 
- 8 - 

Drittel  der  Reisezeit  von  insgesamt  ca.  32  Min.  Dass  die  Rekurrentin  in  der  Rekurs-

schrift  auf  ganz  andere  Reisezeiten  kommt,  liegt  daran,  dass  nur  die  Fahrten  von 

Bahnhof zu Bahnhof berücksichtigt, die Strecken zu Fuss oder mit dem Bus dagegen 

weggelassen  wurden.  So  muss  für  die  Fahrt  von  E  nach  D  zunächst  die  Strecke  bis 

zum  Bahnhof  E  zurückgelegt  werden,  dann  geht  es  mit  der  S-Bahn  zum  Bahnhof  D 

weiter. Von dort aus fährt der Bus Nr. … bis zur Haltestelle D, H. Die Mindestdauer der 

Fahrt  wird  mit  45  Minuten  angegeben  (Quelle:  fahrplan.search.ch).  Hingegen  dauert 

die Fahrt von der E zur Wohnadresse der Rekurrentin in C wie erwähnt 32 Minuten (ca. 

2  Min.  Fussweg,  Bus  Nr.  …,  dann  Bus  Nr.  …  und  schliesslich  ca.  4  Min.  Fussweg). 

Somit ist der Arbeitsweg von C nach E nachweisbar kürzer als der von D nach E. 

Notwendig wäre die Wohnung in C allerdings bloss aufgrund der  (geringfügi-

gen)  Zeitersparnis  des  Arbeitswegs  nicht.  Es  wäre  für  die  Rekurrentin  durchaus  zu-

mutbar, täglich von D nach E zu fahren. Nach dem Gesagten kann davon ausgegan-

gen  werden,  dass  die  Wohnung  in  C  der  Rekurrentin  sowohl  einen  kürzeren 

Arbeitsweg als auch die von ihr erwähnten Rückzugsmöglichkeiten bietet. 

Offen bleibt indessen noch die Frage, weswegen die Rekurrentin für gelegent-

liche  Rückzugsmöglichkeiten  eine  3-Zimmerwohnung  braucht,  steht  ihr  doch  nach  ei-

gener  Angabe  ein  ganzer  Wohnbereich  in  der  oberen  Etage  der  Maisonettewohnung 

von  Familie  B  zur  Verfügung.  Sie  hat  somit  genügend  Rückzugsmöglichkeiten  im 

Haushalt der Familie B. Selbst wenn Letzteres allerdings nicht der Fall wäre, würde ein 

einziges  Zimmer  für  diesen  Zweck  genügen.  Sinn  einer  Wohnung  mit  drei  Zimmern 

kann nur sein, ein eigenes Leben, getrennt von der Familie B, zu führen. Dies schliesst 

selbstverständlich nicht aus, dass sich die Rekurrentin aufgrund ihrer emotionalen Bin-

dung zu den Kindern öfters bei der Familie B aufhält. Ähnliches ist allerdings bei nahen 

Familienfreunden und Verwandten regelmässig der Fall, ohne dass solche Besuche zu 

einer  Verlagerung  des  Lebensmittelpunktes  führen  würden.  Die  Rekurrentin  hat  sich 

bewusst von der Familie B räumlich getrennt, um einen eigenen Haushalt bzw. ein ei-

genes  Leben  zu  führen.  Gewichtiges  Indiz  dafür  ist  ebenfalls  die  Tatsache,  dass  sie 

wohl mit ihrer Adresse in C im Telefonbuch eingetragen ist, nicht aber mit der Adresse 

in  D  (Quelle:  local.ch).  Die  Behauptung,  ihr  Lebensmittelpunkt  befinde  sich  in  D,  er-

scheint unter diesen Umständen als nicht glaubhaft. 

1 GS.2013.1 

 
 
 
 
 
 
 
- 9 - 

d) Gemäss Fragebogen für Wochenaufenthalt der Gemeinde  C will die Rekur-

rentin  jedes  Wochenende  bei  Familie  B  verbracht  haben.  In  ihrer  Einsprache  und  in 

ihrem Rekurs wiederholt sie dies nicht mehr. Vielmehr macht sie geltend, sie erledige 

für  die  Familie  die  dringenden  Haushaltsarbeiten  (Einkaufen,  Kochen,  Wäsche  etc.) 

während  der  Auslandsabwesenheiten  von  B.  Weder  behauptet  sie,  je  (geschweige 

denn  regelmässig)  in  D  zu  übernachten,  noch  erbringt  sie  einen  Beweis  dafür.  Eine 

regelmässige Rückkehr an den Wohnort (mindestens einmal pro Woche) ist indessen 

Grundvoraussetzung  für  Annahme  eines  Hauptsteuerdomizils  dort  (vgl.  dazu  E.  3). 

Mangels Behauptung in der Einsprache und im Rekurs trifft die Steuerbehörden auch 

keine  Pflicht,  ein  Beweisverfahren  zu  führen,  setzt  dieses  doch  eine  substanziierte 

Sachdarstellung  voraus.  Eine  Auflage  mit  der  Aufforderung,  den  Sachverhalt  hinrei-

chend darzulegen, wäre unzulässig: Eine solche Darstellung kann nicht im Beweisver-

fahren nachgeholt werden, da dieses einzig die Richtigkeit eines hinreichend behaup-

teten  Sachverhalts  zu  erforschen  erlaubt  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Kommentar 

zum Zürcher Steuergesetz, 3. A., 2013, § 132 N 14 ff.). 

5. Die Rekurrentin vermag somit durchaus eine gewisse Verbundenheit zu  D 

darzutun. Diese erscheint jedoch nicht derart aussergewöhnlich, dass sie die natürliche 

Vermutung umstossen kann, wonach sich der Lebensmittelpunkt einer unselbstständig 

erwerbstätigen,  unverheirateten  und  über  50-jährigen  Steuerpflichtigen  am  Ort  befin-

det, an dem sich diese aufgrund der Nähe zum Arbeitsort seit mehreren Jahren unun-

terbrochen  aufhält.  Es  ist  demnach  festzustellen,  dass  die  Rekurrentin  ab  1.  Janu-

ar 2012  in  der  Gemeinde  C  steuerpflichtig  ist  (womit  nicht  gesagt  ist,  dass  sie  der 

Steuerhoheit der Gemeinde C nicht schon vorher unterstanden wäre). 

Diese  Erwägungen  führen  zur  Abweisung  des  Rekurses.  Ausgangsgemäss 

sind die Kosten des Verfahrens der Rekurrentin aufzuerlegen (§ 151 Abs. 1 StG). 

1 GS.2013.1 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 10 - 

Demgemäss erkennt die Kammer: 

1.  Der Rekurs wird abgewiesen 

[…] 

1 GS.2013.1