# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 09ced37c-e189-5937-b9ef-c0df9bc7368f
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1997-11-19
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Steuerrekurskommission 19.11.1997 JAAC 62.81
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_015_JAAC-62-81--_1997-11-19.pdf

## Full Text

JAAC 62.81

Entscheid der Eidgenössischen Steuerrekurskommission
vom 19. November 1997

Art. 5 al. 1 let. a et al. 2 let. b LT. Art. 4 al. 1 let. b LIA. Commerce d’un
manteau d’actions. Société de production.

- Il y a commerce d’un manteau d’actions lorsque les participants
majoritaires renoncent à leur société, cessent son exploitation et cèdent
leurs droits de participation. Une société de production est liquidée
de fait lorsqu’elle met un terme à son activité principale, à savoir la
production de biens, lorsque la majorité des actifs figurant au bilan
ne sont plus investis dans la production et lorsque ses recettes ne
consistent plus qu’en revenus neutres (produit des intérêts par ex;
consid. 2a-c).

- Lorsque les indices économiques conduisent clairement à la conclusion
qu’il y a eu liquidation de fait, les éléments formels tels que la
modification des statuts avec transformation du but social, les
changements au sein du conseil d’administration et la réactivation de
l’entreprise après un changement de mains passent alors au second
plan (consid. 3c).

- En cas de commerce d’un manteau d’actions, l’admissibilité de ce que
l’on appelle «le point de vue économique» ne dépend pas de ce que les
conditions d’une évasion fiscale sont remplies (consid. 4b).

- Prescription de la créance d’impôt anticipé; interruption de la
prescription (consid. 4a/5a).

- Détermination de l’excédent de liquidation imposable déterminant en
cas de commerce d’un manteau d’actions (consid. 4c/5b-c).

- Exécution de l’obligation fiscale d’impôt anticipé par une déclaration
de la prestation imposable (procédure de déclaration selon l’art. 20 LIA
et les art. 24 al. 1 et 25 al. 1 OIA; consid. 4e/5e).

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Art. 5 Abs. 1 Bst. a und Abs. 2 Bst. b StG. Art. 4 Abs. 1 Bst. b VStG.
Mantelhandel. Produktionsgesellschaft.

- Ein Mantelhandel liegt vor, wenn die massgeblich Beteiligten ihre
Gesellschaft aufgeben, den Betrieb einstellen und die Beteiligungsrechte
veräussern. Eine Produktionsgesellschaft ist faktisch liquidiert, wenn
sie ihre Kerntätigkeit, mithin die Produktion von Gütern, einstellt, die
Aktivseite der Bilanz zum überwiegenden Teil nicht mehr im Betrieb
investierte Aktiven aufweist und deren Erträge nur mehr aus neutralen
Erträgen (z. B. Zinserträgen) besteht (E. 2a-c).

- Führen die wirtschaftlichen Indizien zum klaren Schluss, dass
eine faktische Liquidation gegeben ist, so treten die formalen
Gegebenheiten wie Statutenänderung mit Zweckänderung, Mutationen
im Verwaltungsrat und Reaktivierung der Unternehmung nach erfolgter
Änderung der Besitzverhältnisse in den Hintergrund (E 3c).

- Beim Mantelhandel hängt die Zulässigkeit der «wirtschaftlichen
Betrachtungsweise» nicht davon ab, ob die Voraussetzungen der
Steuerumgehung gegeben sind (E. 4b).

- Verjährung der Verrechnungssteuerforderung bzw. Unterbrechung der
Verjährung (E. 4a/5a).

- Ermittlung des massgebenden steuerbaren Liquidationsüberschusses
beim Mantelhandel (E. 4c/5b-c).

- Erfüllung der Verrechnungssteuerpflicht durch Meldung der
steuerbaren Leistung (Meldeverfahren gemäss Art. 20 VStG und Art. 24
Abs. 1 und Art. 25 Abs. 1 VStV; E. 4e/5e).

Art. 5 cpv. 1 lett. a e cpv. 2 lett. b LTB. Art. 4 cpv. 1 lett. b LIP. Commercio
di un mantello di azioni. Società di produzione.

- Vi è commercio di un mantello di azioni quando i partecipanti
maggioritari rinunciano alla loro società, cessano l’esercizio e alienano
i diritti di partecipazione. Una società di produzione è liquidata
di fatto quando pone fine alla sua attività principale, vale a dire
la produzione di beni, quando la maggioranza degli attivi iscritti
nel bilancio non sono più investiti nell’azienda e quando i ricavi
derivano esclusivamente dalla gestione straordinaria (ad es. interessi;
consid. 2a-c).

- Qualora gli indizi economici inducano chiaramente a concludere
che si tratta di una liquidazione di fatto, gli elementi formali come
la modifica degli statuti con il cambiamento dello scopo sociale,
i mutamenti all’interno del consiglio d’amministrazione e la
riattivazione dell’impresa susseguente al trasferimento della proprietà
diventano secondari (consid 3c).

- In caso di commercio di un mantello di azioni l’ammissibilità del
cosiddetto «criterio economico» non dipende dalla realizzazione delle
condizioni dell’evasione fiscale (consid. 4b).

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- Prescrizione del credito d’imposta preventiva e interruzione della
prescrizione (consid. 4a/5a).

- Determinazione dell’eccedenza di liquidazione imponibile in caso di
commercio di un mantello di azioni (consid. 4c/5b-c).

- Adempimento dell’obbligo d’imposta preventiva mediante la notifica
della prestazione imponibile (procedura di notifica secondo l’art. 20 LIP,
l’art. 24 cpv. 1 e l’art. 25 OIPrev; consid. 4e/5e).

Zusammenfassung des Sachverhalts:

A. Am 16. Juli 1963 wurde die X AG mit dem Sitz in O. gegründet. Sie verfügte
bei der Gründung über ein voll liberiertes Aktienkapital von Fr. 180 000.-,
eingeteilt in 180 Inhaberaktien zu Fr. 1000.-. Diese Gesellschaft erwarb
anlässlich der Gründung das Geschäft der Einzelfirma «X» mit Aktiven und
Passiven gemäss Bilanz vom 31. Dezember 1962. Die X AG bezweckte die
Fabrikation von und den Handel mit Kunststoff- und Metallwaren jeder Art,
sie kann sich an anderen Unternehmungen beteiligen und insbesondere
Liegenschaften erwerben, verwalten und veräussern.

Anlässlich der Generalversammlung vom 28. November 1980 wurden die
Statuten geändert. Der Firmenname wurde von X AG in Y AG geändert. Der
Zweck wurde neu auf die Fabrikation von Kunststoff- und Metallwaren
aller Art beschränkt. Gleichzeitig wurden Mutationen im Verwaltungsrat
vorgenommen.

B. Am 23. Februar 1976 wurde die A AG mit dem Sitz in Z. gegründet.
Sie verfügte bei der Gründung über ein voll liberiertes Aktienkapital
von Fr. 100 000.-, eingeteilt in 100 Namensaktien zu Fr. 1000.-. Diese
Gesellschaft übernahm das unter der Firma «A» in Z. geführte Geschäft gemäss
Übernahmebilanz per 1. Januar 1976. Die A AG bezweckte die Verarbeitung
von Acrylglas und Polystyrol und Handel mit Feuchtraumleuchten; sie kann
sich an gleichen und verwandten Unternehmungen beteiligen, Vertretungen
aller Art übernehmen und Grundstücke erwerben und veräussern.

Anlässlich der Generalversammlung vom 28. November 1980 wurden die
Statuten geändert. Der Firmenname wurde von A AG in B AG geändert,
der Sitz wurde von Z. nach O. verlegt. Die Generalversammlung vom
18. November 1988 änderte erneut die Statuten, die neue Zweckumschreibung
lautete: Verarbeitung von Acrylglas und Polystyrol und Handel mit
Feuchtraumelementen; die Gesellschaft kann sich an gleichen oder
verwandten Unternehmungen beteiligen, Vertretungen aller Art übernehmen
und Grundstücke erwerben und veräussern; sie kann ferner Kredite gewähren
und Finanzgeschäfte tätigen sowie in diesem Zusammenhang Pfandleistungen
erbringen.

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Mit Verfügung des Konkursrichters des Bezirksgerichts Z. vom 14. September
1992 wurde der Konkurs über die B AG eröffnet. Die Verlautbarung der
Löschung dieser Gesellschaft im Handelsregister erfolgte im Schweizerischen
Handelsamtsblatt (SHAB) am 18. Februar 1993.

C. Sämtliche Aktien der A AG (später: B AG) standen im Eigentum von
Herrn K., als diese Gesellschaft im Jahr 1977 das Eigentum aller Aktien der
X AG (später Y AG) erworben hatte. Bei der X AG (bzw. Y AG) handelte es
sich mithin um die Tochtergesellschaft der A AG (bzw. B AG), die als deren
Muttergesellschaft zu bezeichnen ist. K. kontrollierte ab diesem Zeitpunkt
als Alleinaktionär die A AG (bzw. B AG) direkt. Durch das bestehende
Beteiligungsverhältnis zwischen der Muttergesellschaft (A AG bzw. B AG) an
der ihr zu 100% gehörenden Tochtergesellschaft (X AG bzw. Y AG) kontrollierte
K. die X AG (bzw. Y AG) indirekt.

In der Bilanz per 31. Dezember 1987 wies die Y AG an Aktiven folgende
Positionen auf: Maschinen, Werkzeuge und Formen sowie Einrichtungen, je
Fr. 1.-, Darlehen (gegenüber der B AG) Fr. 732 038.55. Weitere Aktiven wurden
nicht ausgewiesen, sodass die Bilanzsumme Fr. 732 041.55 betrug.

D.Mit Schreiben vom 25. März 1992 an die Y AG hielt die Eidgenössische
Steuerverwaltung (ESTV) fest, dass sie aufgrund der ihr zur Verfügung
stehenden Jahresrechnungen annehmen müsse, dass diese Gesellschaft seit
dem 1. Januar 1987 keine Tätigkeit mehr ausgeübt habe. Gegebenenfalls
ersuche sie um Bestätigung dieser Tatsache und verlangte gleichzeitig
verschiedene Unterlagen. Mit Brief vom gleichen Tag an die B AG verlangte
die ESTV Auskunft über die Position Beteiligungen, welche mit Fr. 680 000.-
in der Bilanz zu Buche stand. Nachdem sie auf diese beiden Schreiben
keine Antwort erhielt, ersuchte sie mit Zuschriften vom 13. Mai 1992 beide
Gesellschaften unter Bussenandrohung und Hinweis auf Art. 62 Abs. 1 des
Bundesgesetzes vom 13. Oktober 1965 über die Verrechnungssteuer (VStG, SR
642.21) um Beibringung der angeführten Unterlagen bzw. um Einreichung der
angeforderten Stellungnahmen.

Im Antwortschreiben vom 21. Mai 1992 an die ESTV bestätigte der damalige
Vertreter der Y AG, dass seit dem 1. Januar 1987 durch die Y AG weder im In-
noch im Ausland eine Tätigkeit ausgeübt worden sei. Weiter wies er darauf
hin, dass seit dem Jahre 1987 bis zum 30. Juni 1990 keine Bankverbindungen
mehr bestanden hätten, wobei er die betreffenden Unterlagen (Bankauszüge)
als Beweis beilegte. In der Begründung machte er weiter geltend, dass die
Firmen Y AG und B AG, welche beide demselben Aktionär gehörten, auch das
gleiche Produkt herstellten, weshalb man eine Aufteilung in eine Produktions-
und eine Vertriebsgesellschaft ins Auge gefasst habe. Bei der Umsetzung
hätten sich interne Abwicklungsprobleme ergeben, weshalb man die Y AG
stillgelegt habe und nur die B AG die Fabrikation und den Handel weiter
betrieben hätte.

Der damalige Vertreter der Y AG vertrat auch die B AG. Er teilte der ESTV in
einem weiteren Schreiben vom 21. Mai 1992 mit, dass K von der B AG die
Beteiligung an der Y AG zum Buchwert von Fr. 68 000.- (recte Fr. 680 000.-) per
31. Dezember 1987 bzw. 1. Januar 1988 übernommen habe. Gleichzeitig habe
K. die bestehende Schuld von Fr. 732 038.55 (Schuldnerin: B AG; Gläubigerin: Y

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AG) persönlich übernommen. Diese Schuld sei über das Kontokorrent-Konto
von K. bei der B AG ausgebucht worden. Gleichzeitig legte der Vertreter
diverse Kontenblätter der ESTV vor.

E. In einem Brief vom 9. Juni 1992 an den Vertreter beider Gesellschaften
hält die ESTV fest, dass die B AG per 31. Dezember 1987 bzw. 1. Januar 1988
alle Aktien der Y AG zum Buchwert von Fr. 680 000.- an K übertragen habe.
Nachdem die Y AG zum damaligen Zeitpunkt inaktiv gewesen sei, unterliege
diese Transaktion als sogenannter Mantelhandel den Stempelabgaben
(Emissionsabgabe) und der Verrechnungssteuer. Die Emissionsabgabe
gemäss Art. 5 Abs. 2 Bst. b des Bundesgesetzes vom 27. Juni 1973 über
die Stempelabgaben (StG, SR 641.10) zum Steuersatz von 3% wurde mit
Fr. 21 321.- veranlagt, die Verrechnungssteuer gemäss Art. 4 Abs. 1 Bst. b
VStG auf Fr. 175 000.- festgesetzt. Die Verrechnungssteuer wurde durch
die ESTV dadurch errechnet, als der Buchwert der Aktien der Y AG, der
in der Bilanz der B AG mit Fr. 680 000.- eingetragen war, als Wert dieser
Aktien bzw. Kaufpreis herangezogen wurde. Von diesem Betrag wurde der
Nominalwert (Fr. 180 000.-) der Aktien der Y AG in Abzug gebracht, sodass
sich nach Ansicht der ESTV ein steuerbarer Liquidationsüberschuss von
Fr. 500 000.- ergeben hätte. Bei einem Steuersatz von 35% errechnete die ESTV
eine Steuerforderung an Verrechnungssteuer von Fr. 175 000.-. Die gesamte
Steuerforderung belief sich demnach auf Fr. 196 321.-. Gleichzeitig erfolgte
der Hinweis, dass die Verrechnungssteuer gestützt auf Art. 14 Abs. 1 VStG auf
die Leistungsbegünstigte B AG zu überwälzen sei und dass auf Gesuch hin die
Möglichkeit bestehe, die Steuerpflicht durch Meldung zu erfüllen. Gleichzeitig
wurde der Vertreter beider Gesellschaften aufgefordert, das vorbereitete
Gesuch betreffend das Meldeverfahren binnen einer Frist von 30 Tagen seit
Erhalt dieses Schreibens unterzeichnet einzureichen.

F. Der Vertreter beider Gesellschaften machte in einem Schreiben vom
3. Juli 1992 geltend, dass kein Mantelhandel vorliege, weil die Y AG weder
liquidiert noch in liquide Form gebracht worden sei, zumal die Gesellschaft
nebst Aktiv-Darlehen auch noch über Fabrikationsmaschinen und Anlagen
verfügt habe. Die ESTV verlangte deshalb mit Brief vom 3. August 1992
verschiedene Angaben zu den Anlagegütern und zur Tätigkeit der Y AG,
welche sie trotz Mahnschreiben vom 12. Oktober 1992 bzw. 9. November
1992 nicht erhielt. In einem Brief vom 9. November 1992 wurde der Vertreter
beider Gesellschaften ausserdem aufgefordert, bis längstens 25. November
1992 die gestellten Fragen zu beantworten oder den gesamten Steuerbetrag
von Fr. 196 321.- bis zu diesem Termin zu überweisen. Mit Schreiben vom
14. Januar 1993 wurde er nochmals aufgefordert, bis spätestens 29. Januar
1993 die gestellten Fragen zu beantworten oder den gesamten Steuerbetrag zu
bezahlen. Nachdem der Vertreter beider Gesellschaften auf dieses Schreiben
nicht reagierte, stellte die ESTV am 26. Februar 1993 ein Betreibungsbegehren
beim Betreibungsamt O. Gegen den Zahlungsbefehl vom 2. März 1993 wurde
durch die Y AG Rechtsvorschlag ohne Angabe von Gründen erhoben.

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In der Folge erliess die ESTV am 30. März 1993 einen förmlichen Entscheid,
mit welchem die steuerbaren Beträge von Fr. 21 321.- (Emissionsabgabe) und
Fr. 175 000.- (Verrechnungssteuer) sowie Fr. 158.- Betreibungskosten gemäss
Abgabe- und Steuerrechnung vom 9. Juni 1992 bestätigt wurden.

G. Gegen diesen Entscheid erhob die Y AG am 28. April 1993 frist- und
formgerecht Einsprache und verlangte die Aufhebung der verfügten
Steuerbeträge. Eventualiter wurde die blosse Erhebung der Emissionsabgabe
bzw. Erledigung der Verrechnungssteuer im Meldeverfahren verlangt.
Zur Begründung wurde eine ungenügende Motivierung des förmlichen
Entscheides der ESTV geltend gemacht. Weiter wurde darauf hingewiesen,
dass zwar unbestritten sei, dass es sich bei der Y AG um eine inaktive
Gesellschaft gehandelt habe, was aber noch lange nicht bedeute, dass
diese in liquide Form gebracht worden sei. Nur wenn diese Voraussetzung
erfüllt sei, könne ein Mantelhandel angenommen werden. Die Y AG habe
aber im massgeblichen Zeitpunkt über Produktionsmaschinen verfügt,
die zwar abgeschrieben gewesen seien; auf dem Buchwert hätten aber
stille Reserven bestanden. Im übrigen sei nicht ersichtlich, weshalb als
massgebliche Bemessungsgrundlage für die Emissionsabgabe auf das
Reinvermögen abgestellt werde, allenfalls könne die Emissionsabgabe
nur auf dem Aktienkapital (Nominalbetrag) erhoben werden. Wenn die
Verrechnungssteuer wider Erwarten dennoch erhoben würde, so bestehe
ein Anspruch auf die Anwendung des Meldeverfahrens.

In der Folge teilte die ESTV am 11. September 1995 im Sinne einer reformatio
in peius und unter Einräumung des rechtlichen Gehörs eine Neuberechnung
des geschuldeten Verrechnungssteuerbetrages mit. Diese Neufestlegung des
Verrechnungssteuerbetrages durch die ESTV basierte auf der Rechtsansicht,
wonach K. als Kaufpreis für den Kauf der Aktien der Y AG von der B AG
eine Schuld der B AG bei der Y AG im Betrag von Fr. 732 038.- übernommen
habe. Dieser Betrag von Fr. 732 038.- sei als Basis für die Berechnung der
Verrechnungssteuer heranzuziehen. Abzüglich Fr. 180 000.- (Nominalwert
der Aktien der Y AG) ergebe sich ein steuerbarer Liquidationsüberschuss von
Fr. 552 038.-; davon 35% Verrechnungssteuer errechne sich auf den Betrag von
Fr. 193 213.-.

Mit Eingabe vom 11. Oktober 1995 verlangte der Vertreter der Y AG erneut
die Erledigung der Verrechnungssteuer im Meldeverfahren und machte
geltend, dass bei Vorliegen der Voraussetzungen ein Anspruch darauf bestehe.
Nachdem aufgrund einer schweren Krankheit des damaligen Vertreters beider
Gesellschaften heute nicht mehr festgestellt werden könne, ob das hierfür
notwendige Formular eingereicht worden sei, ersuche man um Zustellung
desselben, sofern sich dieses nicht bei den Akten der ESTV befinde.

In der Folge teilte die ESTV mit Schreiben vom 26. Oktober 1995 mit, dass die
Verrechnungssteuerpflicht auf Gesuch hin mit dem Meldeverfahren erledigt
werden könne, was aber eines förmliches Gesuchs sowie des Bestehens der
hierfür notwendigen subjektiven und objektiven Voraussetzungen bzw.
der Anerkennung der Steuerpflicht oder des Eintritts der Rechtskraft des
die Steuer begründenden Entscheides bedürfe. Da zum gegenwärtigen
Zeitpunkt die Steuerpflicht durch die Y AG bestritten werde und mithin
der Entscheid der ESTV vom 30. März 1993 noch nicht rechtskräftig sei,
könne über die Anwendung des Meldeverfahrens noch nicht endgültig

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entschieden werden. Die Bewilligung des Meldeverfahrens setze das Bestehen
der Steuerpflicht voraus. Weiter wurde festgestellt, dass die Voraussetzungen
für die Anwendung des Meldeverfahrens vorliegendenfalls nicht erfüllt seien.
Nachdem die Leistungsempfängerin infolge Konkurs im Handelsregister
(Publikation im SHAB vom 9. Februar 1993) gelöscht worden sei, sei eine
Überwälzung der Verrechnungssteuer heute nicht mehr möglich. Dies führe
dazu, dass in der Unterlassung der Überwälzung eine weitere geldwerte
Leistung liege, was zur Prüfung der Frage führe, ob der ausgerichtete
Liquidationsüberschuss somit einen um die Steuerbelastung von 35%
gekürzten Nettobetrag, also 65% der steuerbaren Bruttoleistung, darstelle.

H. Innert erstreckter Frist führte die Y AG in der Eingabe vom 14. Februar
1996 aus, dass nach wie vor daran festgehalten werde, dass kein Mantelhandel
vorliegen würde. K. hätte ursprünglich geplant, im Sinne einer vertikalen
Trennung die Produktionsstufen auf zwei verschiedene Unternehmen
zu verteilen, wobei die Fabrikationstätigkeit selbst durch die B AG hätte
wahrgenommen werden sollen, während die Handelstätigkeit durch die Y AG
hätte ausgeübt werden sollen. Bei der organisatorischen Realisierung dieses
Vorhabens sei es durch die Trennung der Arbeitsgebiete zu grossen internen
Problemen gekommen, so dass sich K. entschlossen habe, sich nur noch auf
die Produktion zu konzentrieren und die Handelstätigkeit aufzugeben. Da
die Produktionsfaktoren (Maschinen, Einrichtungen, etc.) im Besitz der Y AG
gewesen seien, unter deren Namen auch produziert worden sei, hätte K. zu
einem geeigneten Zeitpunkt die Y AG aus der B AG herauslösen wollen. Die
B AG sollte dann in der Folge verkauft werden, um die erlösten Mittel für
weitere Investitionen einzusetzen. Bis zum Zeitpunkt der geplanten Trennung
per Ende 1987 sollte nur eine der beiden Firmen Produktion und Handel
weiterführen, wobei es auf der Hand gelegen sei, diese Tätigkeiten bei der B
AG zu konzentrieren, da dieses Unternehmen bei den Abnehmern der Waren
entsprechend bekannt gewesen sei. Die im Eigentum der Y AG stehenden
Produktionsfaktoren seien in der Folge der B AG vorübergehend ausgeliehen
worden, dies seit Anfang 1987.

K. hätte grundsätzlich die Absicht verfolgt, mit der im Markt eingeführten
Produktionsfirma Y AG neuerlich in der Kunststoff- und Metallwarenbranche
zu expandieren. Es hätte keinen Sinn gemacht, zuerst diese bekannte
Produktionsfirma zu liquidieren und anschliessend eine neue Firma mit
derselben Geschäftstätigkeit aufzubauen, auch wenn eine Liquidation der
Y AG für K. wahrscheinlich steuerlich günstiger ausgefallen wäre. Diese
Vorgehensweise entspreche durchaus der wirtschaftlichen Realität und
könne weder als ungewöhnlich, sachwidrig oder absonderlich bezeichnet
werden. Der Aktienkauf der Aktien der Y AG durch K. von der B AG sei keine
Steuerumgehung, da diese Transaktion K. mehr Steuern gekostet hätte, als er
mittels eines Mantelhandels hätte einsparen können. Die Y AG sei nach dem
Kauf aller Aktien dieser Gesellschaft durch K. von der B AG nicht (faktisch)
liquidiert worden. Der Umstand, dass die Y AG in der Folge die Produktion
selbst nicht mehr aufgenommen habe, sei darauf zurückzuführen, dass
K. wegen seines angeschlagenen Gesundheitszustandes und des Fehlens
eines Firmennnachfolgers mit Kaufvertrag vom 4. November 1988 die ihm
gehörenden sämtlichen Aktien an der B AG an die C-Holding AG (in Gründung)
verkauft habe. Gleichzeitig habe sich K. persönlich verpflichten müssen, ab
der Übertragung der Aktien kein eigenes Geschäft in derselben Branche

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mehr zu eröffnen, zu betreiben oder sich an einem solchen Unternehmen
in irgendeiner Form zu beteiligen. Für den Fall des Verstosses sei eine
Konventionalstrafe in beträchtlicher Höhe vereinbart worden.

I.Mit Einspracheentscheid vom 28. Mai 1996 wurde die Einsprache der Y
AG vom 28. April 1993 abgewiesen und eine Verrechnungssteuerpflicht von
Fr. 297 251.-, eine Emissionsabgabe von Fr. 21 321.- sowie Betreibungskosten
von Fr. 158.- und eine Verzugszinspflicht von 6% seit dem 9. November 1992
festgestellt. In den Erwägungen wird dargelegt, weshalb die Einsprecherin im
fraglichen Zeitpunkt faktisch liquidiert gewesen sei und die Voraussetzungen
des Mantelhandels erfüllt seien. In der Begründung wurde ausgeführt,
weshalb auf das Reinvermögen gemäss Bilanz per 31. Dezember 1987
abgestellt werde und warum die Voraussetzungen für die Gewährung
des Meldeverfahrens vorliegendenfalls nicht erfüllt seien. Des weiteren
wurde dargestellt, dass im Falle der Unmöglichkeit der Überwälzung der
Verrechnungssteuer auf die Begünstigte (B. AG) infolge Konkurses der
Nettobetrag des Liquidationsüberschusses von Fr. 552 038.- ins Hundert
aufzurechnen sei, woraus sich ein Verrechnungssteuerbetrag von Fr. 297 251.-
ergebe (35% von Fr. 849 289.-).

J. Gegen den Einspracheentscheid vom 28. Mai 1996 führt die Y AG
(Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom 20. Juni 1996 Beschwerde bei
der Eidgenössischen Steuerrekurskommission (SRK). Sie beantragt darin
die vollumfängliche Aufhebung des Einspracheentscheides betreffend
Emissionsabgaben, Verrechnungssteuern, Betreibungskosten und
Verzugszinsen; ferner sei die Betreibung Nr. (...) des Betreibungsamtes O.
aufzuheben. Im Abweisungsfalle sei die Erledigung der Verrechnungssteuer
im Meldeverfahren zu bewilligen. In der Begründung wird zu den bisher
vorgebrachten Argumenten zusätzlich ausgeführt, dass K. durch den Kauf
sämtlicher Aktien der Y AG von der ihm zu 100% gehörenden B AG nur
eine (formelle) Umschichtung in seinem Vermögen vorgenommen habe.
Wirtschaftlich habe sich keine Änderung der Vermögensverhältnisse ergeben,
da er vor dem Kauf der Aktien die Y AG indirekt im Wege der B AG vollständig
unter seiner Kontrolle gehabt hätte. Der Handwechsel der Aktien und die
Schuldübernahme seien im übrigen nicht im Rahmen einer einheitlichen
Transaktion, eines einzigen Vertrages, vorgenommen worden; vielmehr
handle es sich beim Kauf der Aktien der Y AG durch K. von der B AG einerseits
und der Übernahme einer Schuld der B AG bei der Y AG durch K. andererseits
um zwei voneinander völlig getrennte Vorgänge bzw. Verträge.

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Die ESTV schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 12. September 1996 auf
Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge.

Aus den Erwägungen:

1. (...)

2. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass kein Mantelhandel im Sinne
des StG vorliege und demnach die veranlagte Steuer (Emissionsabgabe) von
3% bzw. Fr. 21 321.- nicht geschuldet sei.

a. Eine (entgeltliche oder unentgeltliche) Begründung oder Erhöhung
des Nennwertes von Beteiligungsrechten unter anderem von Aktien
inländischer Aktiengesellschaften unterliegt gemäss Art. 5 Abs. 1 Bst. a StG
der Stempelsteuer von 2% (vor dem 1. Januar 1996 3%). Der Begründung von
Beteiligungsrechten gleichgestellt sind verschiedene Ersatztatbestände, so
der Handwechsel der Mehrheit der Aktien an einer inländischen Gesellschaft,
die wirtschaftlich liquidiert oder in liquide Form gebracht worden ist (Art. 5
Abs. 2 Bst. b StG). In der Praxis findet man diesen Tatbestand unter dem Begriff
«Mantelhandel». Ein Mantelhandel liegt vor, wenn die massgeblich Beteiligten
ihre Gesellschaft aufgeben, den Betrieb einstellen und ihre Beteiligungsrechte
an Dritte veräussern, welche sodann eine aktive Unternehmenstätigkeit
ausüben (vgl. Ernst Höhn, Steuerrecht, 7. Aufl., Bern 1993, S. 451 f., § 33
Rz. 11; Archiv für Schweizerisches Abgaberecht [ASA] 52, S. 649; Francis
Cagianut / Ernst Höhn, Unternehmenssteuerrecht, 3. Aufl., Bern 1993, S. 469 f.;
Conrad Stockar, Übersicht und Fallbeispiele zu den Stempelabgaben und zur
Verrechnungssteuer, 2. Aufl., Basel 1993, S. 16, Ziff. 3.11 f. sowie Fallbeispiel 3,
S. 53 f. und S. 92 f.).

Die Voraussetzungen, die in Art. 5 Abs. 2 Bst. b. StG genannt werden, bedürfen
der Auslegung. Das Ziel jeder Auslegung besteht darin, Sinn und Zweck des zur
Diskussion stehenden Rechtssatzes als Ganzes zu erkennen. Als massgebendes
Kriterium dazu dienen neben demWortlaut der Norm vor allem die
systematische Eingliederung, die Entstehungsgeschichte und der Zweck
derselben (Höhn, a.a.O., S. 92 ff., § 3 Rz. 43 ff.; Ernst Blumenstein / Peter Locher,
System des Steuerrechts, 5. Aufl., Zürich, 1995, S. 23 ff.). Für das Steuerrecht
ist - neben den allgemeinen methodischen Prinzipien - die enge Beziehung
zum Zivilrecht von besonderer Bedeutung (Blumenstein/Locher, a.a.O.,
S. 23). Anders verhält es sich dort, wo das Steuerrecht mit «steuerrechtlichen
Wirtschaftsbegriffen» operiert. Diese sind nach wirtschaftlichen Kriterien
auszuleuchten (Blumenstein/Locher, a.a.O., S. 31 ff. und die dort zitierte
Judikatur; Höhn, a.a.O., S. 96, § 3 Rz. 50 und ASA 53 S. 441). Mit Bezug auf
die Auslegung der Emissionsabgabe gilt es im weiteren zu beachten, dass es
sich bei dieser um eine Rechtsverkehrssteuer handelt, die ohne Rücksicht auf
die persönlichen Verhältnisse der Beteiligten und auf ihre Motive geschuldet
ist, sobald der vom Gesetz bezeichnete Tatbestand erfüllt ist. Entsprechend
dem formalen Charakter der Abgabe ist der eine Abgabepflicht auslösende
Vorgang für sich allein zu betrachten (ASA 58 S. 716 E. 2, 61 S. 832 f. E. 5c;
Conrad Stockar, Der Erlass der eidgenössischen Emissionsabgabe, in: der

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Schweizer Treuhänder [ST], 56. Jg., 5/1982, S. 2; Conrad Stockar / Hans Peter
Hochreutener, Stempelabgaben und Verrechnungssteuer, Bd. 1, in: Die Praxis
der Bundessteuern, II. Teil, Art. 1 StG, Rz. 1 f.).

b. Wortlaut und systematische Stellung der auszulegenden Norm tragen
nicht wesentlich zur Auslegung der zur Diskussion stehenden Norm bei. Doch
lassen sich die beiden für einen Mantelhandel wesentlichen Kriterien der
Handänderung bzw. der liquiden Form vor allem anhand des Zwecks der
Norm auslegen. Die Rechtsprechung stellt darauf ab, ob die Umstände aus
wirtschaftlicher Sicht für die Neugründung einer Gesellschaft und nicht
für deren Weiterführung sprechen. Neben rein formellen Kriterien (z. B.
Sitzverlegung, Zweck- und Namensänderung, Mutationen im Verwaltungsrat)
wird ebenfalls auf wirtschaftliche Indizien in bezug auf die faktische
Liquidation abgestellt. Ein Mantelhandel ist stets dann zu bejahen, wenn die
Aktionäre die Aktiven in eine liquide Form gebracht haben, danach aber nicht
zur Auflösung der Gesellschaft schreiten, sondern die Aktien der wirtschaftlich
liquidierten Gesellschaft veräussern (vgl. Stockar/Hochreutener, a.a.O., Art. 5
Abs. 2 Bst. b StG, Rz. 3; ASA 62 S. 631 f.).

Bei der Handänderung handelt es sich um einen nicht nur im
Stempelsteuerrecht bekannten Rechtsbegriff, der auf zivilrechtliche Vorgänge
abstellt. Im Rahmen von Art. 5 Abs. 2 Bst. b StG geht es primär um die
zivilrechtliche Eigentumsübertragung in Erfüllung eines Kaufvertrages.
Dieser Tatbestand ist erfüllt, wenn die Eigentumsübertragung abgeschlossen
ist. Dem formalen Charakter der Stempelsteuer folgend, ist in diesem
Zusammenhang einzig die zivilrechtliche Gestaltung massgebend. Sinn
und Zweck dieser Bestimmung bestehen darin, Eigentumsübertragungen
von Beteiligungsrechten - ohne Rücksicht auf die persönlichen Verhältnisse
und deren Motive - zu besteuern. Als typische Rechtsverkehrssteuer
(Rechtsbegründungssteuer) knüpft die Emissionsabgabe einzig und allein
an den Vorgang an, der unmittelbar oder mittelbar zur Entstehung eines
Rechts führt oder damit zusammenhängt (Blumenstein/Locher, a.a.O.,
S. 177 ff.). Beim Mantelhandel ist dies die zivilrechtliche Handänderung. Daran
ändert auch der Umstand nichts, dass die Beteiligungsrechte vom bisherigen
Aktionär erworben werden (vgl. ASA 52 S. 649), zumal die ESTV die frühere
Praxis, wonach der Handwechsel zwischen nahestehenden Personen nicht
der Emissionsabgabe unterliegt, seit einiger Zeit aufgegeben hat und die
Emissionsabgabe auch dann geschuldet ist, wenn der Aktienmantel innerhalb
eines Konzerns die Hand wechselt (Stockar/Hochreutener, a.a.O., Art. 5 Abs. 2
Bst. b StG, Rz. 9).

In der massgebenden Literatur ist unbestritten, dass von einem Mantelhandel
im Sinne von Art. 5 Abs. 2 Bst. b StG nur dann gesprochen wird, wenn auch das
weitere Erfordernis erfüllt ist, wonach die Gesellschaft die Geschäftstätigkeit
aufgegeben hat, ohne dass die Gesellschaft formell liquidiert wird, bzw.
wenn sie die Aktiven wirtschaftlich liquidiert oder in liquide Form gebracht
hat (Cagianut/Höhn, a.a.O., S. 469 f.; Stockar, a.a.O., S. 16, Ziff. 3.11 sowie
Fallbeispiel 3, S. 53 f. und S. 92 f.). Gemäss Höhn (Höhn, a.a.O., S. 451 f.,
§ 33 Rz. 11) handelt es sich dabei um einen vom zivilrechtlichen Begriff
losgelösten Tatbestand, obwohl die faktische Liquidation auch im Zivilrecht
eine Rolle spielt (Peter Forstmoser / Arthur Meier-Hayoz / Peter Nobel,
Schweizerisches Aktienrecht, Bern 1996, S. 870 ff., § 56, Rz. 166 ff.; Peter

10

Böckli, Schweizer Aktienrecht, 2. Aufl., Zürich 1996, S. 834, Rz. 1580a, S. 1046,
Rz. 1962c; Theo Guhl / Alfred Kummer / Jean Nicolas Druey, Das Schweizerische
Obligationenrecht, 8. Aufl., Zürich 1991, S. 633).

Im gleichen Sinn äussert sich auch die in der Rechtsprechung konkretisierte
Praxis. Sie geht davon aus, dass die Umstände aus wirtschaftlicher Sicht
für die Neugründung einer Gesellschaft und nicht für deren Weiterführung
sprechen, wenn neben den rein formalen Kriterien (wie Sitzverlegung, Zweck-
und Namensänderung, Wechsel im Verwaltungsrat) auch wirtschaftliche
Indizien für eine faktische Liquidation sprechen. So ist ein Mantelhandel
stets dann zu bejahen, wenn die Aktionäre die Aktiven in liquide Form
gebracht haben, danach aber nicht zur Auflösung der Gesellschaft schreiten,
sondern die Aktien der wirtschaftlich liquidierten Gesellschaft veräussern
(Stockar/Hochreutener, a.a.O., Art. 5 Abs. 2 Bst. b StG, Rz. 3).

c. Zusammenfassend gilt als Mantelhandel typischerweise die Veräusserung
von Beteiligungen an Gesellschaften, die wirtschaftlich liquidiert oder
in liquide Form gebracht worden sind, wobei sie zum einen ihren
Geschäftsbetrieb eingestellt, zum anderen aber - ohne formell gefassten
und im Handelsregister eingetragenen Auflösungsbeschluss - ihre Aktiven
liquidiert haben. Nach erfolgtem Mantelerwerb werden regelmässig Zweck
und Firma der Gesellschaft geändert und der Verwaltungsrat ausgewechselt
(Entscheid des Schweizerischen Bundesgerichts [BGer] vom 5. Mai 1993 in
Sachen S. Treuhand AG, publiziert in ASA 62 S. 628 ff., insbesondere S. 631,
mit Hinweisen auf die Literatur). Es geht in solchen Fällen im wesentlichen
darum, zu verhindern, dass zwecks Umgehung der bei der Neugründung
anfallenden Emissionsabgabe (sowie weiterer Kosten und gegebenenfalls
Steuern) die Aktien stillgelegter Aktiengesellschaften bei der Inbetriebnahme
einer Gesellschaft mit verändertem Gesellschaftszweck verwendet werden
(ASA 62 S. 630). Der Tatbestand des Mantelhandels ist nach anerkannter Lehre
mithin dann erfüllt, wenn die massgeblich an einer Gesellschaft Beteiligten
ihre Gesellschaft aufgeben, den Betrieb einstellen und ihre Beteiligungsrechte
veräussern. Die faktisch liquidierte Gesellschaft zeichnet sich in der Praxis
durch folgende Wesensmerkmale aus: Die Gesellschaft hat ihre Kernbereiche
abgestossen, ohne die eine Fortführung der Geschäftstätigkeit erschwert oder
nicht mehr sinnvoll ist; die Aktivseite der Bilanz besteht zum überwiegenden
Teil aus nicht mehr im Betrieb investierten Aktiven bzw. sie zeigt nach
dem Desinvestitionsvorgang das Bild, das eine in Liquidation stehende
Gesellschaft kennzeichnet; der Veräusserungserlös ist nicht für Reinvestitionen
im weiteren Tätigkeitsbereich der Gesellschaft bestimmt, sondern wird
entweder als nichtbetriebliche Finanzanlage verwaltet oder an die Beteiligten
verteilt (vgl. Böckli, a.a.O., S. 1047, Rz. 1962c; Thomas Hilty, Die Besteuerung
geldwerter Leistungen, Diss. St. Gallen, 1988, S. 268 f.).

d. Nach Art. 29 StG (in der hier massgebenden Fassung) sind fällig gewordene
Stempelsteuern, die 15 Tage nach behördlicher Mahnung noch ausstehen,
zu den vom Eidgenössischen Finanzdepartement festgesetzten Sätzen
vom Zeitpunkt der rechtsgenüglich erfolgten Mahnung zu verzinsen. Der
massgebende Zinssatz betrug gemäss der Verordnung des Eidgenössischen
Finanzdepartements (EFD) vom 30. April 1990 über die Verzinsung

11

ausstehender Stempelabgaben (AS 1990 1017) vom 1. Juli 1990 bis
31. Dezember 1996 6% und gemäss der neuen Verordnung vom 29. November
1996 (SR 641.153) seit dem 1. Januar 1997 5%.

3.a. Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass (zivilrechtlich) sämtliche Aktien
der Beschwerdeführerin zum Buchwert von Fr. 680 000.- von der B AG an K.
übertragen wurden. Buchhalterisch wurden dabei sowohl die Beteiligung an
der Beschwerdeführerin wie auch die damit verbundene Kaufpreisschuld
über das Kontokorrent-Konto von K. ausgebucht. Bereits damit haben die
Parteien den zivilrechtlichen Eigentumsübergang vollzogen, wobei betreffend
die Stempelsteuern die Frage offen gelassen werden kann, wie die im gleichen
Zeitraum erfolgte Schuldübernahme einer Schuld der B AG von Fr. 732 038.55
bei der Beschwerdeführerin durch K. rechtlich zu bewerten ist. Die formellen
Anforderungen, welche an eine (zivilrechtliche) Handänderung im Sinne von
Art. 5 Abs. 2 Bst. b StG gestellt werden, sind damit vollumfänglich erfüllt.

b. Mit Bezug auf die wirtschaftliche Liquidation ist davon auszugehen, dass
die Beschwerdeführerin im massgebenden Zeitpunkt Ende 1987 in ihrer Bilanz
unter den Aktiven Maschinen, Werkzeuge und Formen sowie Einrichtungen
mit je Fr. 1.- und daneben ein Darlehen gegenüber der Muttergesellschaft
B AG über Fr. 732 038.55 bilanziert hatte. Auf der Passivseite werden
Eigenkapitalpositionen von insgesamt Fr. 732 041.55 ausgewiesen. Die
Erfolgsrechnung weist auf der Ertragsseite als einzige Position Zinsen
im Umfange von Fr. 41 564.- aus. Die diesem Ertrag gegenüberstehenden
Aufwendungen von Fr. 500.- (Verwaltungskosten) bzw. Fr. 5472.25 (Steuern)
führen zu einem Reingewinn im Jahre 1987 von Fr. 35 591.75. Die Bilanz für
das Jahr 1986 bzw. die Erfolgsrechnung für die Zeit vom 1. Januar 1986 bis
31. Dezember 1986 zeigen das gleiche Bild. In den früheren Jahren (1982
bis 1985) werden neben Mietaufwendungen auch noch Abschreibungen auf
Maschinen und geringfügige Lohnkostenanteile verbucht. Die Erlösseite weist
dagegen nur neutrale Erträge auf, konkret weder Erlöse aus Produktions- noch
aus Handelstätigkeit. Demgegenüber verbuchte die Gesellschaft noch vor der
Stillegung der geschäftlichen Aktivitäten, das heisst in den Jahren 1980 Erlöse
im Umfang von Fr. 1,46 Mio., Fr. 1,39 Mio. im Jahr 1979 bzw. Fr. 1,231 Mio. im
Jahr 1978.

Die ESTV geht aufgrund dieser Tatsachen zu Recht davon aus, dass die
Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Handänderung wirtschaftlich in liquide
Form gebracht war bzw. faktisch liquidiert worden ist.

c. Daran ändern auch das Vorbringen der Beschwerdeführerin nichts, die
insbesondere einwendet, dass die Gesellschaft über Aktiven (Maschinen)
verfügt habe, auf welchen noch beträchtliche stille Reserven vorhanden
gewesen seien, dass man zu keiner Zeit eine Entleerung bzw. Versilberung
der wirtschaftlichen Substanz angestrebt habe, und dass auch aufgrund der
unentgeltlichen Überlassung der Maschinen an die Muttergesellschaft (B AG)
bzw. der Höhe des Kaufpreises nicht auf die von der ESTV angenommene
Inaktivität der Beschwerdeführerin geschlossen werden könne.

Entscheidend für die Annahme einer faktischen Liquidation sind im
vorliegenden Falle die wirtschaftlichen Indizien, die hierfür sprechen.
Eine Produktionsgesellschaft, die ihre Kerntätigkeit, mithin die Produktion
von Gütern, einstellt, deren Aktivseite in der Bilanz zum überwiegenden
Teil aus nicht mehr im Betrieb investierten Aktiven besteht und deren

12

Erträge nur mehr aus neutralen Erträgen (Zinserträgen) bestehen, kann
wirtschaftlich nicht mehr anders denn als Gesellschaft bezeichnet werden, die
faktisch liquidiert wurde. Führen die wirtschaftlichen Indizien zum klaren
Schluss, dass eine faktische Liquidation gegeben ist, so treten die formalen
Gegebenheiten wie die Statutenänderung mit Zweckänderung, Reaktivierung
der Unternehmung nach erfolgter Änderung der Besitzverhältnisse und des
Verwaltungsrates vor diesen tatsächlichen Verhältnissen in den Hintergrund.
Bei einer Beurteilung darf dabei nicht nur auf die Aktivseite der Bilanz
abgestellt werden, wie es die Beschwerdeführerin tut, sondern es sind alle
Umstände, insbesondere auch die effektive Tätigkeit der Unternehmung, wie
sie sich in der Erfolgsrechnung manifestiert, zu berücksichtigen.

Auch der Einwand der Beschwerdeführerin, wonach es sich beim Verkauf
der Aktien der Beschwerdeführerin von der B AG an K. lediglich um eine
Umschichtung im Vermögen von K. gehandelt habe, da er zum Zeitpunkt des
Verkaufs im Besitz sämtlicher Aktien der B AG gewesen sei, die wiederum
alle Aktien der Beschwerdeführerin hielt, ist nicht stichhaltig. Da bei
der Stempelsteuer (Emissionsabgabe) die Eigentumsübertragung von
Beteiligungsrechten besteuert wird, ist einzig und allein der Vorgang der
(zivilrechtlichen) Handänderung selbst der Auslöser für die Besteuerung.
Dieser Überlegung entspricht auch die von der ESTV gehandhabte Praxis,
wonach der Handel eines Aktienmantels innerhalb eines Konzerns
der Emissionsabgabe unterliegt. Die Beschwerdeführerin kann daher
von der durch K. - aus seiner Sicht - seinerzeit ausgeübten indirekten
Kontrolle der Beschwerdeführerin imWege der B AG nichts für sich
ableiten. K. wollte im übrigen offensichtlich im Rahmen einer von ihm
beabsichtigten Umstrukturierung «seiner Unternehmen» sämtliche Aktien
der Beschwerdeführerin selbst direkt kontrollieren und nicht nur indirekt
imWege der B AG. Im Hinblick auf die geplante Veräusserung der Aktien
der B AG beabsichtigte K. die (direkte) Kontrolle über die Aktien der
Beschwerdeführerin zu übernehmen, so dass selbst aus wirtschaftlicher
Sicht dieser Vorgang als Handänderung anzusehen ist. Die Stempelsteuer
(Emissionsabgabe) ist daher geschuldet, wobei auch die Berechnung der Höhe
der Steuer durch die ESTV zu keinen Beanstandungen Anlass gibt.

Gemäss Art. 29 StG (in der hier massgebenden Fassung) sind Steuerbeträge, die
15 Tage nach behördlicher Mahnung noch ausstehen, von der Mahnung an zu
verzinsen. Die ESTV hat die Beschwerdeführerin mit der Steuerrechnung
vom 9. Juni 1992 darauf aufmerksam gemacht, dass die geschuldeten
Steuerbeträge innert 30 Tagen zu bezahlen seien. Nachdem keine Zahlung
seitens der Beschwerdeführerin erfolgte, wurde der damalige Vertreter der
Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 9. November 1992 per Einschreiben
gemahnt und ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die fällig gewordenen
Steuerbeträge, die 15 Tage nach behördlicher Mahnung noch ausstehen, von
der Mahnung an zu verzinsen sind. Damit ist die Beschwerdeführerin im
Sinne von Art. 29 StG gemahnt worden. Weil sie den ausstehenden Betrag

13

bis heute nicht bezahlt hat, wird sie grundsätzlich verzugszinspflichtig. Der
Verzugszins läuft allerdings nicht bereits vom Datum der Ausfertigung der
Mahnung an, sondern vom Datum der Zustellung.

4. Die Beschwerdeführerin vertritt weiter die Auffassung, dass auch keine
Verrechnungssteuerpflicht gegeben sei.

a. Die Verrechnungssteuerforderung verjährt gemäss Art. 17 Abs. 1
VStG fünf Jahre nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem sie entstanden
ist. Die Verjährung wird unterbrochen durch jede Anerkennung der
Steuerforderung von Seiten des Steuerpflichtigen sowie durch jede auf
Geltendmachung des Steueranspruchs gerichtete Amtshandlung, die einem
Steuerpflichtigen zur Kenntnis gebracht wird; mit der Unterbrechung beginnt
die Verjährung von neuem (Art. 17 Abs. 3 VStG). Ein in der Praxis wichtiger
Unterbrechungsgrund ist die briefliche Geltendmachung des Steueranspruchs
im Kontrollverfahren. Der Steueranspruch ist geltend gemacht, sobald
die ESTV dem Abgabepflichtigen unzweideutig, wenn auch provisorisch,
mitteilt, dass nach ihrer Auffassung ein bestimmt bezeichneter Tatbestand
der Steuer unterliege; nicht nötig ist, dass der Tatbestand bereits nach allen
Richtungen abgeklärt und die Steuer ziffernmässig festgesetzt ist. Mit jeder
Unterbrechung beginnt die Verjährungsfrist von fünf Jahren neu zu laufen;
das VStG kennt keine absolute Verjährung der Steuerforderung. Blosse
Untersuchungsmassnahmen der ESTV (Einforderung von Belegen oder
von Auskünften über bestimmte Rechnungsposten, Prüfen der Bücher,
Besprechung zwischen dem Steuerpflichtigen und einem Beamten der
ESTV) bereiten die Geltendmachung des Steueranspruchs erst vor und
vermögen die Verjährung nicht zu unterbrechen. Ist ein die Steuerpflicht
begründender Tatbestand dem Steuerpflichtigen angegeben worden, so
wird die Verjährung auch dann für den vollen Steuerbetrag unterbrochen,
wenn der nachgeforderte Betrag zunächst zu niedrig bemessen oder wenn
die Steuerforderung rechtlich nicht zutreffend begründet worden ist (vgl.
W. Robert Pfund, Die Eidgenössische Verrechnungssteuer, I. Teil, Basel 1971,
S. 461 ff., Rz. 4.1 ff., mit Hinweisen). Etwas anderes ergibt sich auch nicht
aus Art. 11 Abs. 2 und 3 sowie Art. 12 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes vom
22. März 1974 über das Verwaltungsstrafrecht (VStrR, SR 313.0).

b. Geldwerte Leistungen einer Aktiengesellschaft an ihre Aktionäre
unterliegen der Verrechnungssteuer (Art. 4 Abs. 1 Bst. b VStG in Verbindung
mit Art. 20 Abs. 1 der Vollziehungsverordnung vom 19. Dezember 1966
zum Bundesgesetz über die Verrechnungssteuer [VStV], SR 642.211). Als
geldwerte Leistung gilt dabei jene Leistung, die sich ausschliesslich oder
vorwiegend aus dem Beteiligungsrecht erklären lässt und die nicht eine
Rückzahlung der im Zeitpunkt der Leistung bestehenden Anteile am
einbezahlten Grundkapital darstellt. Als geldwerte Leistung gilt auch der
bei einer Gesellschaftsliquidation erzielte Liquidationsüberschuss (vgl. Art. 20
VStV). Bei der Auslegung von Art. 4 Abs. 1 Bst. b VStG sind die Steuerbehörden
nicht strikte an die zivilrechtliche Gestaltung gebunden; vielmehr haben sie
den Sachverhalt entsprechend seinem wirtschaftlichen Gehalt zu würdigen.
Bei steuerrechtlichen Normen, die an wirtschaftliche und nicht vorab an
zivilrechtliche Gegebenheiten anknüpfen, ist die Zulässigkeit der sogenannten
«wirtschaftlichen Betrachtungsweise» zudem nicht davon abhängig, ob die

14

Voraussetzungen einer Steuerumgehung gegeben sind (Entscheid des BGer
vom 15. Dezember 1994 in Sachen S.-W. AG, publiziert in ASA 64 S. 493 ff. und
in der Revue de droit administratif et de droit fiscal [RDAF] 1996, S. 423 ff.).

Es entspricht konstanter Lehre und Rechtsprechung, dass das Vorliegen einer
verrechnungssteuerpflichtigen Leistung auch im Fall eines Mantelhandels
angenommen wird (Höhn, a.a.O., S. 407, § 28 Rz. 11; Cagianut/Höhn, a.a.O.,
S. 470; Pfund, a.a.O., S. 113 f. Rz. 3.48; Stockar, a.a.O., Fallbeispiel 3, S. 92 f.). Der
Mantelhandel wird steuerrechtlich wie eine Liquidation mit anschliessender
Neugründung behandelt, wobei die zu diesem Tatbestand bestehende
Rechtsprechung vom BGer verschiedentlich bestätigt wurde (ASA 55
S. 649 f. E. 2a, mit Hinweisen). Als steuerbarer Liquidationsüberschuss gilt
demnach jener Betrag, den die Aktionäre beim Verkauf der Aktien über ihre
Anteile am Grundkapital hinaus als Kaufpreis erhalten. Unerheblich für die
Besteuerung einer geldwerten Leistung ist, ob die handelnden Organe eine
Steuerumgehung beabsichtigt haben (ASA 64 S. 496 f.; vgl. auch Pfund, a.a.O.,
S. 119 Rz. 3.55 betreffend die «verdeckte Gewinnausschüttung»).

Das BGer hat früher den Mantelhandel immer als einen Anwendungsfall
der Steuerumgehung betrachtet. Zwar hat es in seinem - soweit ersichtlich -
letzten Entscheid zur Frage des Mantelhandels bei der Verrechnungssteuer
(ASA 55 S. 646 ff.) nicht ausdrücklich auf das Steuerumgehungskonzept
Bezug genommen. Andererseits hat es aber auch keine Änderung seiner
bisherigen Rechtsprechung vorgenommen und insbesondere auch auf seinen
früheren Entscheid (ASA 52 S. 649 ff.) verwiesen, wo eine Steuerumgehung
ausdrücklich vorausgesetzt wurde. Die ESTV geht denn auch selber davon
aus, dass eine Steuerumgehung vorliegen muss (vgl. Einspracheentscheid
vom 28. Mai 1996, S. 6 E. 2d; Vernehmlassung vom 12. September 1996,
S. 6 E. 6a), was die Beschwerdeführerin denn auch veranlasst hat, ihre
Argumentation entsprechend aufzubauen. Der Grund dafür, dass der
Mantelhandel bisher - im Unterschied zu anderen Fällen von geldwerten
Leistungen - als Anwendungsfall der Steuerumgehung angesehen wurde,
dürfte darin liegen, dass beim Mantelhandel dem verkaufenden Aktionär
eben nicht die Aktiengesellschaft, deren Aktien übertragen werden, sondern
ein - meistens ihm nahestehender - Dritter eine Leistung erbringt. Die
Qualifikation der Kaufpreiszahlung durch den Aktienerwerber als «Ertrag der
von einem Inländer ausgegebenen Aktien» im Sinne von Art. 4 Abs. 1 Bst. b
VStG geht denn auch wesentlich über die Behandlung von Leistungen der
Gesellschaft als geldwerte Leistungen im Sinne dieser Bestimmung hinaus.
Aus dem Entscheid in ASA 64 S. 493 ff. folgt dies jedenfalls nicht unmittelbar,
denn dieser betrifft klarerweise eine «Zuwendung der Gesellschaft» (vgl. ASA
64 S. 496 E. 2b). Demnach gelangt die SRK zur Auffassung, dass (abgestützt
auf den Entscheid des BGer ASA 64 S. 493 ff.) auch beim Mantelhandel die
Zulässigkeit der «wirtschaftlichen Betrachtungsweise» nicht davon abhängig
ist, ob die Voraussetzungen für die Steuerumgehung gegeben sind.

c. Bei der Ermittlung des massgebenden steuerbaren
Liquidationsüberschusses ist auf denjenigen Betrag abzustellen, den ein
Aktionär beim Verkauf der Aktien über seine Anteile am Grundkapital hinaus
als Kaufpreis erhält (vgl. Pfund, a.a.O., S. 110, Rz. 3.42). Muss der steuerbare
Liquidationsüberschuss ermittelt werden, so sind die Aktiven nicht zum
Buchwert und auch nicht zum Liquidationswert, sondern zum Verkehrswert
einzusetzen; soweit sie versilbert werden, ist der erzielte Erlös massgebend,

15

falls der Erwerber ein unbeteiligter Dritter ist (Pfund, a.a.O., S. 114 f.,
Rz. 3.49). Nach Art. 14 Abs. 1 VStG ist die steuerbare Leistung grundsätzlich
obligatorisch um die Verrechnungssteuer zu kürzen, das heisst die Steuer
ist auf den Empfänger der Leistung zu überwälzen. Vereinbarungen,
welche dieser Verpflichtung widersprechen, sind nichtig. Unterbleibt die
Überwälzung, so entsteht eine öffentlich-rechtliche Regressforderung des
Leistungserbringers gegenüber dem Leistungsempfänger in Höhe der nicht
überwälzten Verrechnungssteuer (Pfund, a.a.O., S. 392, Rz. 1.3; vgl. Stockar,
a.a.O., Fallbeispiel 18, S. 58 und S. 105; indirekt ergibt sich dies aus Art. 46
Abs. 1 VStG). Möglich ist allerdings die Vereinbarung einer Nettoleistung,
die dann 65% der effektiven Bruttoleistung entspricht. Diesfalls muss die
Bruttoleistung durch «Aufrechnung ins Hundert» der Nettoleistung ermittelt
werden (Pfund, a.a.O., S. 376 f., Rz. 3.5). In gewissen Fällen, insbesondere
bei verdeckten Gewinnausschüttungen, erfolgt in der Praxis seit längerem
eine nachträgliche Aufrechnung ins Hundert, wobei dem Empfänger dann
selbstverständlich die Rückerstattung der auf der Bruttoleistung berechneten
Verrechnungssteuer zusteht (Pfund, a.a.O., S. 377 f., Rz. 3.6). Während Pfund
diese Aufrechnung ins Hundert bei verdeckten Gewinnausschüttungen (bzw.
geldwerten Leistungen) als zulässig erachtet, erscheint ihm die nachträgliche
Aufrechnung dort als kaum vertretbar, wo die steuerbare Leistung in ihrer
Höhe zum voraus vertraglich fest vereinbart worden ist (Pfund, a.a.O., S. 378 f.,
Rz. 3.7).

d. Mit Art. 62 Abs. 2 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren
(VwVG, SR 172.021) ist davon auszugehen, dass eine reformatio in peius
zulässig ist, wenn die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt oder auf
einer unrichtigen oder unvollständigen Feststellung des Sachverhalts beruht.
Im weiteren muss die Gewährung des rechtlichen Gehörs erfolgt sein (Art. 62
Abs. 3 VwVG; vgl. auch Alfred Kölz / Isabelle Häner, Verwaltungsverfahren
und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, Zürich 1993, S. 178 f., Rz. 301 f.; zur
Anwendung auf das Einspracheverfahren, S. 124, Rz. 204).

e. Gemäss Art. 20 VStG und den dazugehörigen Vollzugsbestimmungen (Art. 24
Abs. 1 und Art. 25 Abs. 1 VStV) ist davon auszugehen, dass in bestimmten
Fällen die Steuerpflicht durch Meldung der steuerbaren Leistung erfüllt
werden kann (vgl. dazu auch Pfund, a.a.O., S. 495 ff., Rz. 5 ff.;Max Kramer,
Die Voraussetzungen des Meldeverfahrens bei Kapitalerträgen, ASA 54
S. 335 ff.). Für die Durchführung des Meldeverfahrens ist unumgänglich,
dass zumindest eine der objektiven Voraussetzungen nach Art 24 Abs. 1 VStV
und alle subjektiven sowie verfahrensmässigen Voraussetzungen nach Art. 24
Abs. 2 VStV vorliegen (Kramer, a.a.O., S. 336). Wesentlich ist sodann, dass die in
den vorgenannten Bestimmungen dargestellte Ordnung abschliessend ist und
weder die ESTV noch die richterlichen Instanzen die Meldung statt Entrichtung
der Steuer in weiterem Umfang (z. B. bei Härtefällen) zulassen können (Pfund,
a.a.O., S. 495, Rz. 5; ASA 62 S. 287). Die Meldung statt Steuerentrichtung
kann sowohl für zurückliegende (schon fällig gewordene) als auch für
erst bevorstehende Leistungen bewilligt werden. Zu den zurückliegenden
Leistungen gehören vor allem die anlässlich eines Kontrollverfahrens oder
einer Buchprüfung erfassten Leistungen (Pfund, a.a.O., S. 501 f., Rz. 14.2).

Wenn über die Begünstigte, auf die als Empfängerin der Leistung die
Verrechnungssteuer zu überwälzen ist, ein in der Folge eröffnetes
Konkursverfahren bereits abgeschlossen ist und nachträglich noch

16

Vermögenswerte der Konkursitin (Verrechnungssteueranspruch) entdeckt
werden, kann unter bestimmten Voraussetzungen die Beschwerdeführerin
als Gläubigerin der Regressforderung eine Wiedereintragung der Konkursitin
im Handelsregister (vgl. BGE 87 I 301 ff. mit weiteren Hinweisen) beantragen
und einen «Nachkonkurs» durchführen lassen (Kurt Amonn / Dominik Gasser,
Grundriss des Schuldbetreibungs- und Konkursrechts, 6. Aufl., Bern 1997,
S. 402 f., § 50 Rz. 5 ff.).

f. Nach Art. 16 Abs. 2 VStG sind fällig gewordene Verrechnungssteuern, die
15 Tage nach der Zustellung der behördlichen Mahnung noch ausstehen,
zu den vom Eidgenössischen Finanzdepartement festgesetzten Sätzen zu
verzinsen. Gemäss der Verordnung des Eidgenössischen Finanzdepartements
über die Verzinsung ausstehender Verrechnungssteuern vom 30. April
1990 (AS 1990 1019) betrug der massgebende Zinssatz vom 1. Juli 1990 bis
31. Dezember 1996 6% und gemäss der neuen Verordnung vom 29. November
1996 (SR 642.212) seit dem 1. Januar 1997 5%.

5.a. Im vorliegenden Fall ist zur Prüfung der Frage der allfälligen Verjährung
(allenfalls nur eines Teilbetrages) der Verrechnungssteuerforderung für deren
Beginn zuerst auf den Ablauf des Kalenderjahres abzustellen, in dem diese
Forderung entstanden ist. Der Handwechsel der Beteiligungsrechte an der
Beschwerdeführerin bzw. die Schuldübernahme durch K. fand per Jahresende
1987 / Jahresanfang 1988 statt. Mit Schreiben vom 9. Juni 1992 machte die
ESTV gegenüber dem seinerzeitigen Vertreter der Beschwerdeführerin geltend,
dass ein Mantelhandel betreffend die Beschwerdeführerin stattgefunden habe,
sodass eine Unterbrechung der fünfjährigen Verjährungsfrist rechtsgültig
erfolgt ist. Die ESTV stützte sich in diesem Schreiben zwar auf einen
Wert dieser Beteiligungsrechte ab, der dem Buchwert von Fr. 680 000.-
entspricht, doch wurde der Beschwerdeführerin unmissverständlich
mitgeteilt, dass im behandelten Vorgang ein Mantelhandel erblickt wird.
Betreffend eine weitergehende Nachforderung sprach die ESTV in diesem
Brief keinen ausdrücklichen Vorbehalt aus. Im Schreiben vom 3. August
1992 (sowie den folgenden Mahnungen) an den seinerzeitigen Vertreter
der Beschwerdeführerin forderte die ESTV zwar weitere Informationen an,
wobei jedoch neuerlich kein ausdrücklicher Vorbehalt betreffend die mögliche
Ausdehnung der Steuerforderung angebracht wurde.

Mit diesem Schreiben vom 9. Juni 1992, das innerhalb der fünfjährigen
Verjährungsfrist, berechnet ab dem Jahresende jenes Jahres, in dem
der Mantelhandel stattgefunden hat, dem seinerzeitigen Vertreter der
Beschwerdeführerin zugestellt wurde, teilt die ESTV der Beschwerdeführerin
mit, dass ein bestimmter Tatbestand (Mantelhandel betreffend die
Beschwerdeführerin) ihrer Ansicht nach der Steuer unterliegt. Der
steuerbegründende Tatbestand musste noch nicht in allen Richtungen
abgeklärt sein; er musste lediglich im wesentlichen festgelegt sein, damit
die Steuerpflichtige weiss, worum es sich handelt, wobei die Steuer noch nicht
einmal ziffernmässig hätte festgelegt sein müssen. Diesen Anforderungen
entspricht das Schreiben der ESTV vom 9. Juni 1992 um die Verjährung der
Steuerforderung rechtswirksam zu unterbrechen, da der steuerpflichtige
Tatbestand der Steuerpflichtigen allgemein mitgeteilt wurde. Auch der
Umstand, dass der Steuerbetrag in diesem Schreiben zu niedrig bemessen
bzw. rechtlich nicht zutreffend begründet war, hindert die Unterbrechung der
Verjährung für den vollen Steuerbetrag nicht.

17

In der Folge begann die Verjährungsfrist neu zu laufen, wobei die
betragsmässige Ausdehnung der Steuerforderung endgültig mit dem
Einspracheentscheid vom 28. Mai 1996 vorgenommen wurde, womit die (neu
begonnene) Verjährungsfrist von fünf Jahren wiederum eingehalten wurde,
sodass die durch die ESTV geltend gemachte Forderung nicht verjährt ist.

b. An K. wurden sämtliche Aktien der Beschwerdeführerin von der B AG
zum Buchwert von Fr. 680 000.- übertragen, wobei sowohl die Beteiligung
an der Beschwerdeführerin wie auch die damit verbundene nominelle
Kaufpreisschuld über das Kontokorrent-Konto von K. bei der B AG ausgebucht
wurden. Im gleichen Zeitraum - wenn auch (zivilrechtlich) durch einen
weiteren Rechtsakt - hat K. die von der B AG als Schuldnerin gegenüber der
Beschwerdeführerin als Gläubigerin bestehende Schuld von Fr. 732 038.55
übernommen. Zivilrechtlich wurde eine Handänderung betreffend die Aktien
der Beschwerdeführerin durchgeführt, die Beschwerdeführerin befand sich
zu diesem Zeitpunkt wirtschaftlich in liquider Form bzw. sie war faktisch
liquidiert worden (siehe vorne E. 3a und b).

Diese beiden Transaktionen stehen in einem engen wirtschaftlichen (und
auch zeitlichen) Zusammenhang, da die B AG einerseits durch den Verkauf
der Aktien der Beschwerdeführerin an K. ein sehr bedeutendes Aktivum
aufgegeben hat und andererseits durch die Übernahme der Schuld der B
AG bei der Beschwerdeführerin durch K. die Bilanz der B AG wieder «ins
Lot» gebracht wurde. Gleichzeitig mit dem Handwechsel der Aktien der
Beschwerdeführerin von der B AG an K. musste daher eine «Lösung» für
das drohende Ungleichgewicht in der Bilanz gefunden werden, wobei der Weg
der Schuldübernahme des Darlehens durch die beteiligten Parteien gewählt
wurde. Diese Abwicklung hatte zur Folge, dass sich der Verkauf der Aktien
der Beschwerdeführerin nicht auf die Erfolgsrechnung der B AG auswirkte,
da auf dem Papier kein Gewinn erzielt worden war. Die Kontokorrentschuld
von K. gegenüber der B AG reduzierte sich als Ergebnis dieser Transaktion
um den Betrag von Fr. 52 038.55 (Fr. 732 038.55 abzüglich Fr. 680 000.-).
Der erhobene Einwand, wonach K. bzw. die Beschwerdeführerin einen
steuerschonenderen Weg für die Abwicklung dieser Transaktion hätten planen
können, ist unbehelflich, da die tatsächlich gewählte Vertragsgestaltung
nach ihren steuerlichen Konsequenzen zu beurteilen ist und im übrigen
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung die Voraussetzungen einer
Steuerumgehung bei der Prüfung der «wirtschaftlichen Betrachtungsweise»
im Zusammenhang mit der Beurteilung der Verrechnungssteuerpflicht
eines Sachverhaltes nicht massgebend ist (vgl. ASA 64 S. 493 ff.). Die
Vertragsparteien haben - unter dem Blickwinkel der wirtschaftlichen
Betrachtungsweise - als «wirtschaftliche Substanz» der Beschwerdeführerin
zum Zeitpunkt des Handwechsels sämtlicher Beteiligungsrechte den
Wert jenes Darlehens angesehen, das von K. parallel zum Kauf der Aktien
übernommen wurde; dieser Betrag ist als Erlös für den Verkauf der Aktien der
Beschwerdeführerin anzusehen.

Auch wenn der vorliegende Sachverhalt nicht unbedingt dem typischen
Fall des Mantelhandels entspricht, ist davon auszugehen, dass beim
Handwechsel sämtlicher Aktien der Beschwerdeführerin von der B AG
an K. der Kaufpreis demWert jenes Darlehens entspricht, das K. imWege
der Schuldübernahme zugunsten der B AG von der Beschwerdeführerin
übernommen hat (Fr. 732 038.55). Von diesem Betrag ist der Nennwert

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der Aktien der Beschwerdeführerin (Fr. 180 000.-) abzuziehen, sodass sich
der steuerbare Liquidationsüberschuss auf Fr. 552 038.55 errechnet; 35%
Verrechnungssteuer ergeben den Betrag von Fr. 193 213.- (abgerundet).

c. Die ESTV führt im angefochtenen Entscheid die «Aufrechnung ins Hundert»
des Liquidationsüberschusses von Fr. 552 038.55 mit der Begründung durch,
dass infolge Unterbleibens der Überwälzung der Verrechnungssteuer auf die
Begünstigte der um 35% gekürzte Nettobetrag des Liquidationsüberschusses
als Basis für die Berechnung der Verrechnungssteuer heranzuziehen sei.
Der Liquidationsüberschuss von Fr. 552 038.55 würde also nur 65% des
steuerbaren Betrages darstellen. Die Aktien der Beschwerdeführerin wiesen
einen Buchwert von Fr. 680 000.- auf, gemäss Bilanz der Beschwerdeführerin
betrug deren Substanzwert Fr. 732 041.55, wobei stille Reserven offensichtlich
nicht oder kaum vorhanden waren. Bei einer liquidierten Gesellschaft
dürfte kein Ertragswert vorliegen. Die Vertragsparteien vereinbarten
bei einer Bewertung des Sachverhalts (auch aus dem Blickwinkel der
wirtschaftlichen Betrachtungsweise) als fixen Kaufpreis für sämtliche Aktien
der Beschwerdeführerin den Gegenwert des von K. übernommenen Darlehens
(Fr. 732 038.55).

Mithin verbietet sich die Annahme, es sei ein höherer Preis als der
Betrag von Fr. 732 038.55 für den Kauf sämtlicher Beteiligungsrechte der
Beschwerdeführerin durch K. bezahlt worden. Die Vertragsparteien haben
offensichtlich eine Bruttoleistung vereinbart, die steuerbare Leistung war in
ihrer Höhe zum voraus vertraglich fest vereinbart. Auch der Umstand, dass
die Geltendmachung der Regressforderung der Beschwerdeführerin infolge
Konkurses der B AG wahrscheinlich erfolglos sein wird, rechtfertigt eine
derartige Aufrechnung nicht. Daher ist die Aufrechnung ins Hundert unter
diesen Umständen unzulässig.

d. Die durch die ESTV vorgenommene Abänderung im Einspracheverfahren
zuungunsten der Steuerpflichtigen entspricht den Anforderungen des VwVG
betreffend die reformatio in peius sowohl in materieller wie auch in formeller
Hinsicht. Die ESTV hat dem Vertreter der Beschwerdeführerin mit Schreiben
vom 11. September 1995 unter Einräumung des rechtlichen Gehörs eine
Neuberechnung des Verrechnungssteuerbetrages angekündigt und gleichzeitig
eine Frist zur Stellungnahme angesetzt. Die ursprüngliche Berechnung des
Verrechnungssteuerbetrages durch die ESTV erfolgte seinerzeit auf einer
unrichtigen bzw. unvollständigen Feststellung des Sachverhalts und verletzte
Bundesrecht, sodass insgesamt sämtliche Voraussetzungen für die reformatio
in peius erfüllt sind.

e. Die ESTV verneint die Anwendung des Meldeverfahrens mit der
Begründung, dass infolge Konkurses der Leistungsempfängerin (B AG)
keine Überwälzungsmöglichkeit mehr bestehen würde. Des weiteren
bringt sie vor, das Meldeverfahren wäre auch vor dem Konkurs der
Leistungsempfängerin nicht zulässig gewesen, weil ein entsprechendes
Gesuch bis zur Konkurseröffnung bzw. Löschung der B AG im Handelsregister
nicht gestellt worden sei; auch setze das Meldeverfahren das Bestehen eines
Rückerstattungsanspruches voraus. Der von der ESTV angeführte Entscheid
des BGer (ASA 62 S. 287 E. 3d) bezieht sich auf einen Sachverhalt, wo eine
Überwälzungsmöglichkeit nicht bestand, weil die Leistungsempfänger
gar nicht mehr eruierbar waren. Es ist klar, dass in einem derartigen

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Fall das Meldeverfahren nicht durchführbar ist. Hier ist aber die
Leistungsempfängerin bekannt und es kann versucht werden, deren
Wiedereintragung im Handelsregister zu erreichen bzw. einen Nachkonkurs
durchzuführen. Im übrigen ist festzuhalten, dass der Rückerstattungsanspruch
bei Fälligkeit der Leistung gegeben sein muss (vgl. Pfund, a.a.O., S. 499,
Rz. 11.1); ein nachträglicher Wegfall der Berechtigten spielt daher keine Rolle.
Schliesslich ist unter diesen Umständen auch nicht einzusehen, weshalb
das Ersuchen um Bewilligung des Meldeverfahrens verspätet sein sollte,
zumal die ESTV der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 26. Oktober
1995 noch mitgeteilt hatte, bevor nicht rechtsgültig über den Bestand der
Steuerforderung und deren Höhe entschieden worden sei, könne die Art
der Erfüllung - durch Zahlung oder eben durch Meldung - nicht geprüft und
festgelegt werden. Die Argumente der ESTV erweisen sich somit als nicht
stichhaltig.

Es kann nicht Aufgabe der SRK sein, die Voraussetzungen für die
Wiedereintragung der B AG im Handelsregister bzw. die Durchführung des
Nachkonkurses im Rahmen dieses Beschwerdeverfahrens im einzelnen
abzuklären. Betreffend die Anwendung des Meldeverfahrens und zur
weiteren Abklärung der in diesem Zusammenhang auftretenden Rechtsfragen
hat daher in diesem Punkt eine Rückweisung dieser Rechtssache an die ESTV
zu erfolgen.

f. Zusammenfassend ist die Verrechnungssteuer auf Fr. 193 213.- festzusetzen.
Gemäss Art. 16 Abs. 1 Bst. b in Verbindung mit Art. 12 VStG wird die Steuer auf
den Erträgen von Aktien innert 30 Tagen nach dem Zeitpunkt fällig, in dem die
steuerbare Leistung fällig geworden ist. Betreffend die Emissionsabgabe legt
Art. 11 Abs. 1 Bst. c StG die Fälligkeit der Abgabe ebenfalls mit einer Frist
von 30 Tagen nach Entstehen der Abgabeforderung fest. Gemäss Art. 16
Abs. 2 VStG in der hier massgebenden Fassung sind Steuerbeträge, die 15
Tage nach behördlicher Mahnung noch ausstehen, von der Mahnung an zu
verzinsen. Die ESTV hat die Beschwerdeführerin mit der Steuerrechnung
vom 9. Juni 1992 darauf aufmerksam gemacht, dass die geschuldeten
Steuerbeträge innert 30 Tagen zu bezahlen seien. Nachdem keine Zahlung
seitens der Beschwerdeführerin erfolgte, wurde der damalige Vertreter der
Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 9. November 1992 per Einschreiben
gemahnt und ausdrücklich darauf hingewiesen, dass fällig gewordenen
Steuerbeträge, die 15 Tage nach behördlicher Mahnung noch ausstehen, von
der Mahnung an zu verzinsen sind. Damit ist die Beschwerdeführerin im
Sinne von Art. 16 Abs. 2 VStG gemahnt worden. Weil sie den ausstehenden
Betrag bis heute nicht bezahlt hat, wird sie grundsätzlich verzugszinspflichtig.
Der Verzugszins läuft allerdings nicht bereits vom Datum der Ausfertigung der
Mahnung an, sondern vom Datum der Zustellung (Pfund, a.a.O., S. 446, Rz. 3.5).

6.a. (...)

b. Dem Gesagten zufolge ist die Stempelsteuer (Emissionsabgaben) auf den
Betrag von Fr. 21 321.- nebst Zins zu 6% seit dem 13. November 1992 bis
31. Dezember 1996 und Zins zu 5% seit dem 1. Januar 1997 festzusetzen
und die Beschwerde in diesem Punkt (abgesehen von einer geringfügigen
Korrektur betreffend die Verzinsung) abzuweisen. In diesem Umfang
ist der in der Betreibung Nr. 1406 des Betreibungsamtes O. erhobene
Rechtsvorschlag zu beseitigen. Hinsichtlich der Verrechnungssteuer ist der

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Steuerbetrag auf Fr. 193 213.- nebst Zins zu 6% seit dem 13. November 1992
bis 31. Dezember 1996 und Zins zu 5% seit dem 1. Januar 1997 festzusetzen
und der Einspracheentscheid im darüber hinausgehenden Betrag aufzuheben.
Zur Abklärung der Frage, ob die geschuldete Verrechnungssteuer im Wege des
Meldeverfahrens oder durch Zahlung erfüllt wird, ist die Rechtssache an die
ESTV zurückzuweisen.

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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 62.81 - Entscheid der Eidgenössischen Steuerrekurskommission vom 19. November

1997

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 1998
Année

Anno

Band 62
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Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale.

Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.

	Entscheid der Eidgenössischen Steuerrekurskommission vom 19. November 1997
	Zusammenfassung des Sachverhalts:
	Aus den Erwägungen: