# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a284271b-2b35-51b1-99f6-63309b3b4607
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-02-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.02.2025 D-890/2025
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-890-2025_2025-02-28.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-890/2025 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 8 .  F e b r u a r  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richterin Susanne Bolz-Reimann (Vorsitz), 

Richterin Regina Derrer, Richter Yanick Felley,    

Gerichtsschreiberin Regula Aeschimann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Somalia,   

vertreten durch MLaw Remo Latzke,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug; beschleunigtes Verfahren); 

Verfügung des SEM vom 31. Januar 2025. 

 

 

 

D-890/2025 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 27. November 2024 in der Schweiz um 

Asyl nach. Am 9. Januar 2025 fand eine Erstbefragung in somalischer 

Sprache statt, bei welcher ihm Fragen zu seinen persönlichen Umständen 

und zum Reiseweg gestellt wurden. Nachdem er darum bat, seine Asyl-

gründe in englischer Sprache darlegen zu dürfen, führte das SEM am 

27. Januar 2025 eine separate Anhörung zu den Asylgründen mit einem 

englischsprachigen Dolmetscher durch.  

B.  

B.a Anlässlich dieser Befragungen machte der Beschwerdeführer geltend, 

er sei in einem Flüchtlingscamp in Kenia geboren und als Kleinkind mit 

seinen Eltern in ihren Heimatstaat Somalia zurückgekehrt. Aufgrund der 

Kriegssituation habe es dort keine Schule gegeben, weshalb er im Alter 

von sechs Jahren zu seiner Tante nach B._______ (Kenia) geschickt wor-

den sei, um die Schule zu besuchen. Nach der Matura sei er für drei Mo-

nate nach Somalia zurückgekehrt in der Hoffnung, dort Arbeit zu finden. Er 

sei dann aber zurück nach Kenia und habe zwei Jahre an der Universität 

studiert sowie in einem (…) gearbeitet. Zur Begründung seines Asylge-

suchs führte er aus, er sei homosexuell und deswegen diskriminiert sowie 

einer Verfolgung von Seiten der Gesellschaft und der Behörden ausgesetzt 

gewesen. Ende 2021 habe er in angetrunkenem Zustand einem Motorrad-

Taxifahrer auf dem Heimweg von seinem persönlichen Leben und seiner 

Sexualität erzählt. Dieser habe die Situation ausgenutzt, sich offen gezeigt 

und ihm viele Fragen gestellt. Am nächsten Tag habe er festgestellt, dass 

er über einen Transferdienst eine Geldsumme überwiesen habe. Er habe 

die Nummer des Empfängers angerufen, wobei es sich um den Taxifahrer 

gehandelt habe. Dieser habe ihm eröffnet, er habe einen Beweis für seine 

Homosexualität (eine Aufnahme des Gesprächs am Vorabend) und diesen 

bereits einem Polizeioffizier übermittelt. Letzter habe ihn noch am selben 

Abend kontaktiert und aufgefordert, sich bei der Polizei zu melden. Er sei 

dorthin gegangen und auf den Polizisten sowie den Taxifahrer getroffen. 

Sie hätten ihm gesagt, er habe ein Verbrechen begangen und müsse mit 

einer langjährigen Haftstrafe rechnen, es sei denn, er bezahle ihnen eine 

gewisse Summe. Aus Angst, dass er vor Gericht komme und seine Familie 

von seiner Homosexualität erfahre, habe er sich bereit erklärt, zu zahlen. 

Die Sache habe aber nicht aufgehört, nachdem er die geforderte Summe 

beglichen habe. Während des folgenden Jahres habe er immer wieder An-

rufe und Geldforderungen seitens des Polizisten erhalten. Schliesslich 

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habe er sich im Dezember 2022 geweigert, weiterhin Geld zu schicken. 

Der Polizist sei daraufhin zu seiner Familie gegangen, habe ihnen von sei-

ner Sexualität erzählt sowie ihn – fälschlicherweise – beschuldigt, er sei 

Mitglied der LGBTQ-Community und rekrutiere Leute. Noch gleichentags 

habe er Anrufe von seiner Familie erhalten, welche ihn beschimpft und be-

droht hätten. Aus diesem Grund habe er sich zur Ausreise entschieden. Am 

20. Dezember 2022 habe er Kenia verlassen und sei über verschiedene 

Staaten nach West-Sahara und weiter auf die kanarischen Inseln gelangt. 

Von dort sei er nach Madrid und schliesslich über Frankreich in die Schweiz 

gekommen. Die Reise habe mehr als zwei Jahre gedauert, da er weder 

Reisepapiere noch ausreichend Geld gehabt habe und daher an verschie-

denen Orten eine gewisse Zeit verblieben sei, um zu arbeiten.  

B.b Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer ein Unterstützungs-

schreiben von C._______, D._______, ein.  

C.  

Am 29. Januar 2025 übermittelte das SEM der zugewiesenen Rechtsver-

tretung einen Entwurf für den Asylentscheid zur Stellungnahme. Mit Ein-

gabe vom selben Tag (Eingang beim SEM am 30. Januar 2025) nahm der 

Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertretung dazu Stellung.  

D.  

Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 31. Januar 2025 stellte das 

SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft (Dispo-

sitivziffer 1). Es lehnte sein Asylgesuch indessen wegen des Vorliegens 

von subjektiven Nachfluchtgründen ab und wies ihn aus der Schweiz weg 

(Dispositivziffern 2 und 3). Aufgrund der Unzulässigkeit des Wegweisungs-

vollzugs ordnete es eine vorläufige Aufnahme an (Dispositivziffern 4 und 

5).  

E.  

Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 

11. Februar 2025 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die-

sen Entscheid. Darin beantragte er, die angefochtene Verfügung sei in den 

Dispositivziffern 2-3 aufzuheben und ihm sei Asyl zu gewähren, eventuali-

ter sei die Sache diesbezüglich zur rechtsgenüglichen Begründung sowie 

vollständigen und richtigen Sachverhaltsfeststellung an das SEM zurück-

zuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche 

Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.  

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Seite 4 

F.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 12. Februar 2025 den Ein-

gang der Beschwerde.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das 

AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.  

3.  

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

Die Beschwerde richtet sich gegen die Ablehnung des Asylgesuchs wegen 

subjektiven Nachfluchtgründen sowie die Anordnung der Wegweisung aus 

der Schweiz. Soweit die Vorinstanz festgestellt hat, der Beschwerdeführer 

erfülle die Flüchtlingseigenschaft, ist die angefochtene Verfügung in 

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Seite 5 

Rechtskraft erwachsen. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet 

somit lediglich die Frage, ob ihm Asyl zu gewähren und auf eine Wegwei-

sung zu verzichten ist. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).  

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-

machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt 

dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 

2015/3 E. 6.5.1 sowie 2012/5 E. 2.2).  

6.  

6.1 In der angefochtenen Verfügung führte das SEM aus, die Vorausset-

zungen für die Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft seien in Bezug auf das 

Heimatland des Beschwerdeführers erfüllt. Es sei davon auszugehen, dass 

er unerträglichem psychischen Druck ausgesetzt wäre, wenn er nach So-

malia zurückkehren müsste. Er habe diesen Staat jedoch als kleines Kind 

verlassen und seither nie mehr dort gelebt, weshalb diese Voraussetzung 

erst nach seiner Ausreise entstanden sei. Es handle sich folglich um sub-

jektive Nachfluchtgründe, da sein unfreiwilliges Coming-Out in Kenia statt-

gefunden habe. In seiner Stellungnahme zum Entscheidentwurf habe der 

Beschwerdeführer zwar vorgebracht, dass er nach der High School zurück 

nach Somalia gegangen sei, mithin zu einem Zeitpunkt, als er bereits ge-

wusst habe, dass er homosexuell sei. Er habe dort einen Job bei einer 

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Hilfsorganisation angetreten, sei nach einem Monat aber von Angehörigen 

der Al-Shabaab aufgefordert worden, ihnen Geld zu bezahlen. Zudem 

habe er gespürt, dass sein Leben in Somalia in Gefahr gewesen sei. Er sei 

von verschiedenen Menschen auf seine feminine Art angesprochen sowie 

als schwul und intersexuell beschimpft worden. Ihm sei auch empfohlen 

worden, sich in ein Spital zu begeben, damit er geheilt werden könne. Dies 

habe ihn veranlasst, nach kurzer Zeit wieder nach Kenia zu gehen. Es treffe 

daher nicht zu, dass er nach dem Verlassen seines Heimatstaates im Kin-

desalter nie mehr in Somalia gelebt habe. Hinsichtlich dieser Vorbringen 

sei – so das SEM – jedoch festzustellen, dass er bei der Anhörung nie 

geltend gemacht habe, von der Al-Shabaab bedroht worden zu sein, ob-

wohl er mehrfach die Gelegenheit gehabt habe, zu berichten, was ihm bei 

einer Rückkehr nach Somalia drohen würde. Auf die Frage, ob er in Soma-

lia aufgrund seiner Homosexualität je Probleme gehabt habe, habe er er-

klärt, er sei beim Verlassen seines Heimatstaats noch sehr jung und sich 

seiner sexuellen Orientierung noch nicht bewusst gewesen. Die Ausfüh-

rungen in der Stellungnahme seien daher als nachgeschobene Reaktion 

auf den Entscheidentwurf zu werten.  

6.2 In der Beschwerde wurde geltend gemacht, der Beschwerdeführer er-

fülle die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, da er in Somalia 

aufgrund seiner sexuellen Orientierung ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 

gewesen sei und auch weiterhin wäre. Bei seinem dreimonatigen Aufent-

halt im Heimatstaat nach der Schule habe er Diskriminierungen erlebt und 

sei einem erheblichen Verfolgungsdruck ausgesetzt gewesen. Wegen sei-

nes femininen Auftretens sei er beleidigt worden und man habe ihm nahe-

gelegt, sich einer «Behandlung» zu unterziehen. Dies mache deutlich, 

dass seine sexuelle Orientierung als Abweichung erkannt und entspre-

chend sanktioniert worden sei. Die Verfolgung gründe somit nicht auf ei-

nem Verhalten, welches ausserhalb von Somalia stattgefunden habe, son-

dern auf der Tatsache, dass er als homosexuelle Person identifiziert wor-

den sei. Die Bedrohungslage für homosexuelle Menschen in Somalia sei 

dokumentiert. So führe die islamistische Miliz Al-Shabaab gezielte Hinrich-

tungen von Personen durch, welche der Homosexualität beschuldigt wer-

den. Darüber hinaus verstärkten sowohl die allgemeine gesellschaftliche 

Haltung als auch das Rechtssystem, welches Homosexualität unter Strafe 

stelle, die Gefährdung. Dies werde vom SEM verkannt und es bewerte die 

Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers fälschlicherweise als erst 

nach der Ausreise aus Somalia entstanden. Tatsächlich sei er bereits wäh-

rend seines Aufenthalts dort aufgrund seiner sexuellen Orientierung 

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bedroht worden, weshalb von objektiv bestehenden Fluchtgründen auszu-

gehen sei.  

7.  

7.1 Zunächst ist in Übereinstimmung mit dem SEM festzustellen, dass der 

Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung zu keinem Zeitpunkt geltend 

machte, er sei in Somalia aufgrund seiner sexuellen Orientierung Diskrimi-

nierungen und Bedrohungen ausgesetzt gewesen. Er führte lediglich aus, 

er habe sich nach dem Schulabschluss drei Monate im Heimatstaat aufge-

halten, weil er gedacht habe, er könnte dort Arbeit finden (vgl. SEM-Akte 

[…] [nachfolgend: Akte]-13/8). Auf die Frage, ob er wegen seiner Sexualität 

jemals Probleme in Somalia gehabt habe, erklärte er, dass er sehr jung 

gewesen sei, als er dort gelebt habe, weshalb er sich seiner Orientierung 

nicht bewusst gewesen sei (vgl. Akte 18/11, F47). Es ist nicht nachvollzieh-

bar, weshalb er allfällige Diskriminierungen oder Bedrohungen, welche er 

während seines dreimonatigen Aufenthalts als junger Erwachsener in So-

malia erlebt haben soll, in diesem Zusammenhang nicht erwähnt hätte. 

Diese erstmals in der Stellungnahme zum Entscheidentwurf geltend ge-

machten Vorbringen erscheinen daher, wie die Vorinstanz zu Recht aus-

führte, als nachgeschoben und damit unglaubhaft. Es ist nicht davon aus-

zugehen, dass der Beschwerdeführer seinen Heimatstaat aufgrund einer 

(drohenden) flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung verlassen hat. Viel-

mehr reiste er im Alter von sechs Jahren sowie nach einer kurzen Rückkehr 

als junger Erwachsener aus Somalia aus, um in Kenia die Schule respek-

tive später die Universität zu besuchen. Es liegen somit keine Vorflucht-

gründe vor.  

7.2 Eine asylsuchende Person ist auch dann als Flüchtling anzuerkennen, 

wenn sie erst aufgrund von Ereignissen nach ihrer Ausreise im Falle einer 

Rückkehr in den Heimatstaat in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise ver-

folgt würde. Dabei ist zu unterscheiden zwischen objektiven und subjekti-

ven Nachfluchtgründen. Objektive Nachfluchtgründe liegen vor, wenn 

äussere Umstände, auf welche die asylsuchende Person keinen Einfluss 

nehmen konnte, zur drohenden Verfolgung führen. In diesen Fällen ist der 

betroffenen Person Asyl zu gewähren. Demgegenüber sind subjektive 

Nachfluchtgründe gemäss Art. 54 AsylG dann anzunehmen, wenn eine 

asylsuchende Person erst durch die unerlaubte Ausreise aus dem Heimat-

land oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise aus dem Heimat- oder 

Herkunftsstaat eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten 

hat. Sie begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft, führen jedoch zum 

Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht 

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missbräuchlich gesetzt wurden (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). Bei subjektiven 

Nachfluchtgründen handelt es sich um Tatsachen, welche von den betref-

fenden Personen selbst geschaffen wurden (vgl. CONSTANTIN HRUSCHKA, 

in: Orell Füssli Kommentar zum Migrationsrecht, 5. Auflage, Zürich 2019, 

Art. 54 N 2). In der Praxis werden in diesem Zusammenhang – neben der 

illegalen Ausreise – oft exilpolitische Aktivitäten oder ein Religionswechsel 

(Konversion zum Christentum bei Herkunft aus einem muslimischen Land) 

geltend gemacht. In solchen Fällen bezweckt der Ausschluss vom Asyl, 

dass der Asylstatus von den gesuchstellenden Personen nicht durch eige-

nes Verhalten erzwungen werden kann (vgl. ALBERTO ACHERMANN/CHRIS-

TINA HAUSAMMAN, Handbuch des Asylrechts, 2. Auflage, Bern, 1991, 

S. 112 f.).  

7.3 Vorliegend war der Beschwerdeführer zwar im Zeitpunkt des Verlas-

sens seines Heimatstaates noch keiner flüchtlingsrechtlich relevanten Ge-

fährdung ausgesetzt. Infolge der Ereignisse in Kenia kam das SEM aber 

zum Schluss, dass er bei einer Rückkehr nach Somalia begründete Furcht 

vor erheblichen Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG hätte. Was in Kenia 

vorgefallen ist und schliesslich seine Ausreise aus diesem Staat veranlasst 

hat, ist jedoch nicht auf das Verhalten des Beschwerdeführers zurückzu-

führen. Seine sexuelle Orientierung, welche der drohenden Verfolgung zu-

grunde liegt, ist eine untrennbar mit seiner Persönlichkeit verknüpfte Ei-

genschaft (vgl. dazu auch Referenzurteil D-6539/2018 vom 2. April 2019, 

E. 8.2). Diese wurde von der Vorinstanz nicht in Frage gestellt und es be-

steht für das Gericht keine Veranlassung, seine Homosexualität in Zweifel 

zu ziehen. Grundsätzlich kann von einer Person auch nicht erwartet wer-

den, dass sie ihre sexuelle Orientierung verbirgt, um in einem Staat wie 

Somalia einer Verfolgung durch staatliche Behörden oder Privatpersonen 

zu entgehen (vgl. dazu Urteil des EGMR M.I. v. Switzerland vom 12. No-

vember 2024, No. 56390/21, §49). Im konkreten Fall nutzte ein Taxifahrer 

sein zufällig erlangtes Wissen über die Homosexualität des Beschwerde-

führers aus, um ihn mithilfe eines Polizisten zu erpressen. Nachdem er 

nicht länger zu Zahlungen bereit war, setzten die Erpresser seine musli-

misch geprägte Familie über seine Homosexualität in Kenntnis. Die dro-

hende Verfolgung in Somalia aufgrund seiner sexuellen Orientierung geht 

auf dieses unfreiwillige Outing zurück, welches ohne eigenes Zutun er-

folgte. Bei dieser Sachlage kann dem Beschwerdeführer nicht vorgehalten 

werden, er habe durch sein Verhalten einen Nachfluchtgrund herbeigeführt 

mit dem Ziel, einen Asylgrund zu konstruieren. Die Vorfälle in Kenia, wel-

che sich nach der Ausreise aus dem Heimatstaat Somalia zugetragen ha-

ben und die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft nach sich zogen, sind 

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daher vielmehr als objektiver Nachfluchtgrund zu werten. Sie resultierten 

in einer Gefährdung aufgrund einer mit der Persönlichkeit und der Identität 

des Beschwerdeführers untrennbar verbundenen Eigenschaft, lassen sich 

indessen nicht seinem eigenen Verhalten nach der Ausreise zurechnen.  

7.4 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass das SEM zu Unrecht vom 

Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG ausge-

gangen ist. Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft erfüllt und 

sich den Akten keine Hinweise auf Ausschlussgründe (Art. 53 AsylG) ent-

nehmen lassen, ist ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren (Art. 49 AsylG). 

Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen und die angefochtene Verfü-

gung ist in den Dispositivziffern 2-5 aufzuheben. Das SEM ist anzuweisen, 

dem Beschwerdeführer in der Schweiz Asyl zu gewähren.  

8.  

8.1 Bei diesem Verfahrensausgang sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 

Abs. 1 und 2 VwVG).  

8.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer wäre angesichts seines Obsie-

gens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) grundsätzlich eine Entschä-

digung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspre-

chen. Er war auf Beschwerdeebene jedoch durch seine zugewiesene 

Rechtsvertretung im Sinne von Art. 102h AsylG vertreten. Das SEM richtet 

dem Leistungserbringer – der nach Art. 102f und Art. 102i AsylG für die 

Sicherstellung, Organisation und Durchführung der Rechtsvertretung zu-

ständig ist – eine Entschädigung für die Wahrnehmung der Rechtsvertre-

tung im Beschwerdeverfahren, insbesondere das Verfassen einer Be-

schwerdeschrift, aus (Art. 102k Abs. 1 Bst. d AsylG). Es ist daher davon 

auszugehen, dass dem Beschwerdeführer keine Parteikosten erwachsen 

sind, weshalb keine Parteientschädigung zuzusprechen ist (vgl. BVGE 

2017 VI/3 E. 9.2.4 f.). 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen.  

2.  

Die Verfügung des SEM vom 31. Januar 2025 wird in den Dispositivziffern 

2-5 aufgehoben und das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer in 

der Schweiz Asyl zu gewähren.  

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  

4.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.  

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Susanne Bolz-Reimann Regula Aeschimann 

 

 

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