# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f1e1f0ed-fa67-5286-b465-f3673b69ebc0
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-09-16
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 16.09.2021 SB190554
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB190554_2021-09-16.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
    
 
 

 

Geschäfts-Nr.: SB190554-O/U/ad 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, Oberrichter lic. iur. Wenker 

und Ersatzoberrichterin lic. iur. Mathieu sowie Gerichtsschreiber 

MLaw Huter 

Urteil vom 16. September 2021 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigter und Berufungskläger 

 

ab 10. Januar 2020 amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin lic. iur. X1._____,  

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland,  
Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 

betreffend gewerbsmässige Erpressung etc. 
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Andelfingen vom 
10. Dezember 2018 (DG180009) 
 

 

- 2 - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 10. August 

2018 (Urk. 1/49) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz:  

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

− des gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in 

Verbindung mit Art. 146 Abs. 2 StGB und 

− der versuchten gewerbsmässigen Erpressung im Sinne von Art. 156 

Ziff. 1 und 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB. 

2. Der Beschuldigte A._____ ist nicht schuldig und wird freigesprochen, von 

den Vorwürfen des gewerbsmässigen Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 

und 2 StGB sowie eventualiter Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB ge-

mäss Anklage S. 7-8 (Dossier Nr. 1) sowie Anklage S. 9-10 (Dossier Nr.1). 

3. Der Beschuldigte A._____ wird, teilweise als Zusatzstrafe zum Strafbefehl 

des Untersuchungsamtes St. Gallen vom 1. Dezember 2008 und zum Straf-

befehl der Staatsanwaltschaft Solothurn vom 25. November 2010, mit 30 

Monaten Freiheitsstrafe bestraft, wovon bis und mit heute 572 Tage durch 

Untersuchungs- und Sicherheitshaft erstanden sind. 

4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 15 Monaten aufgescho-

ben und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (15 Monate) wird 

die Freiheitsstrafe vollzogen, und es wird davon Vormerk genommen, dass 

sie in diesem Umfang durch die bisherige Untersuchungs- und Sicherheits-

haft bereits erstanden ist.  

5. Der Beschuldigte A._____ wird im Sinne von Art. 5 Anh. I FZA sowie 

Art. 66a StGB für 6 Jahre des Landes verwiesen. 

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Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssys-

tem wird angeordnet. 

6. Die Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen des Beschuldigten 

A._____ werden abgewiesen. 

7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom 

15. Juni 2017 beschlagnahmten Gegenstände werden eingezogen und ver-

nichtet: 

− A010390155, Mobiltelefon der Marke Nokia, schwarz 

− A010390144, Mobiltelefon der Marke Wiko 

8. Allfällige Zivilforderungen des Privatklägers B._____ werden auf den Weg 

des Zivilprozesses verwiesen. 

9. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 4'000.–. Die Gerichtsgebühr 

wird, zusammen mit der hälftigen dem Zeugen C._____ ausbezahlten Ent-

schädigung von Fr. 620.–, dem Beschuldigten A._____ auferlegt. Über allfäl-

lige weitere Kosten wird die Gerichtskasse Rechnung stellen. 

10. Die Kosten der Untersuchung bestehend aus Fr. 20'000.- (Gebühr für das 

Vorverfahren) und Fr. 100.– (Auslagen) werden dem Beschuldigten A._____ 

auferlegt. Die Dolmetscherkosten für das Vorverfahren von Fr. 556.50 wer-

den auf die Gerichtskasse genommen. 

11. Die Entschädigung der amtlichen Verteidigerin Rechtsanwältin X2._____ 

wird auf den Betrag von Fr. 54'331.35 (inklusive Barauslagen und Mehrwert-

steuer) festgesetzt. 

12. Die Kosten der amtlichen Verteidigung (gemäss Dispositiv-Ziffer 11) werden 

auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung 

gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.  

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Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 80 S. 1; Urk. 102/1) 

1. Die Dispositiv-Ziffern 1, 3 bis 7 sowie 9 bis 10 des Urteils des Bezirksgerich-

tes Andelfingen vom 10. Dezember 2018 seien aufzuheben und der Be-

schuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen. 

2. Dem Beschuldigten sei für 573 Tage erstandener Untersuchungshaft eine 

angemessene Genugtuung (Tagesansatz nicht unter Fr. 150.–) sowie eine 

Entschädigung für Arbeitsausfall von Fr. 11'000.– aus der Staatskasse zu-

zusprechen, jeweils zuzüglich 5 % Zins seit dem 17. Mai 2017. 

3. Eventualiter: Der Beschuldigte sei milde zu bestrafen und es sei auf die An-

ordnung einer Landesverweisung zu verzichten. Im Falle eines Teilschuld-

spruchs sei er mit einer nicht über 6 Monaten liegenden Freiheitsstrafe zu 

bestrafen und es sei ihm für die Dauer der Überhaft eine angemessene Ge-

nugtuung (Tagesansatz nicht unter Fr. 150.–) und Schadenersatz für Ar-

beitsausfall aus der Staatskasse zuzusprechen, jeweils zuzüglich 5 % Zins 

seit Beginn der Überhaft. 

4. Unabhängig vom Verfahrensausgang: Dem Beschuldigten sei für rechtswid-

rige Zwangsmassnahmen (Haftdauer von 22 Tagen, Tagesansatz Fr. 200.–) 

eine Genugtuung von Fr. 4'400.– sowie Schadenersatz für entgangenen 

Verdienst von Fr. 400.– aus der Staatskasse zuzusprechen, jeweils zuzüg-

lich 5 % Zins seit dem 15. Februar 2018. 

5. Die Kosten des Strafverfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen. 

6. Die amtliche Verteidigerin sei gemäss der beiliegenden Aufwandaufstellung 

aus der Staatskasse zu entschädigen. 

_________________________________ 

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Erwägungen: 

1. Prozessverlauf 

1.1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Andelfingen vom 10. Dezember 2018 wurde 

der Beschuldigte des gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 146 Abs. 2 StGB und der versuchten gewerbsmässi-

gen Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 und 2 StGB in Verbindung mit 

Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen. Von den Vorwürfen des gewerbsmäs-

sigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB sowie eventualiter Nöti-

gung im Sinne von Art. 181 StGB gemäss Anklage S. 7-8 (Dossier Nr. 1) sowie 

Anklage S. 9-10 (Dossier Nr. 1) wurde der Beschuldigte freigesprochen. Das Be-

zirksgericht Andelfingen bestrafte den Beschuldigten mit 30 Monaten Freiheits-

strafe, teilweise als Zusatzstrafe zum Strafbefehl des Untersuchungsamtes 

St. Gallen vom 1. Dezember 2008 und zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Solothurn vom 25. November 2010. Der Vollzug der Freiheitsstrafe schob es im 

Umfang von 15 Monaten auf und setzte die Probezeit auf 3 Jahre fest. Schliess-

lich verwies es den Beschuldigten für 6 Jahre des Landes und ordnete die Aus-

schreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem an 

(Urk. 77). 

1.2. Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte noch vor Schranken Beru-

fung an (Prot. I S. 40). Das begründete Urteil wurde dem Beschuldigten am 

15. November 2019 zugestellt (Urk. 76/1). Die Berufungserklärung des Beschul-

digten datiert vom 4. Dezember 2019 und ging innert Frist ein (Urk. 80). Die 

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland (nachfolgend Staatsanwaltschaft) und 

der Privatkläger verzichteten auf Anschlussberufung (Urk. 86; Urk. 90).  

1.3. Nachdem das amtliche Mandat der vormaligen Verteidigerin infolge Todes 

erloschen war, wurde dem Beschuldigten mit Verfügung vom 30. Januar 2020 

Rechtsanwältin X1._____ als neue amtliche Verteidigerin bestellt (Urk. 92). Mit 

Verfügung vom 30. Januar 2020 wurde – nachdem der Privatkläger beantragte, 

auf die Berufung des Beschuldigten sei nicht einzutreten (Urk. 90) – auf die Beru-

fung des Beschuldigten eingetreten (Urk. 94). Mit Verfügung vom 2. April 2020 

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wurde – nachdem sich sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Beschuldigte 

damit einverstanden erklärten (Urk. 99) – das schriftliche Verfahren angeordnet 

(Urk. 100). Die Berufungsbegründung datiert vom 23. April 2020 (Urk. 102/1), die 

Berufungsantwort der Staatsanwaltschaft vom 4. Mai 2020 (Urk. 106). Die Vo-

rinstanz verzichtete auf Vernehmlassung (Urk. 105). Beweisanträge wurden keine 

gestellt. Die Urteilsberatung fand am 16. September 2021 statt (Prot. S. 8 ff.). 

2. Berufungserklärung 

2.1. In der Berufungsschrift ist anzugeben, welche Abänderungen des erstin-

stanzlichen Urteils verlangt werden (Art. 399 Abs. 3 lit. b StPO). Gemäss 

Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wir-

kung. 

2.2. Mit Ausnahme der Freisprüche und der Verweisung der Zivilforderungen 

des Privatklägers auf den Weg des Zivilprozesses (Urk. 80) sowie der Entschädi-

gung der amtlichen Verteidigung (Urk. 102/1 S. 2) ficht der Beschuldigte das vor-

instanzliche Urteil vollumfänglich an (Urk. 80). Es ist deshalb vorab festzustellen, 

dass das vorinstanzliche Urteil bezüglich der Dispositivziffern 2 (Freisprüche), 

8 (Zivilansprüche) und 11 (Entschädigung amtliche Verteidigung) in Rechtskraft 

erwachsen ist. 

3. Prozessuales 

3.1. Verletzung des Anklagegrundsatzes 

3.1.1. Die Verteidigung rügt eine Verletzung des Anklagegrundsatzes. Sie macht 

geltend, dass die Anklage dem Beschuldigten bei Sachverhalt Seite 4 bis 5 und 

Sachverhalt Seite 5 bis 7 zwar Betrug vorwerfe, aber nicht sage, er hätte den Ge-

schädigten arglistig getäuscht resp. falsche Angaben gemacht. Weiter werde in 

der Anklage auch nicht umschrieben, weshalb der Beschuldigte jeweils gewerbs-

mässig gehandelt haben soll. Bei Sachverhalt Seite 4 bis 5 sei der Zeitrahmen der 

Tatbegehung mit zwei Jahren angegeben, obwohl der Zeitpunkt mit einer Genau-

igkeit von eins bis zwei Tagen hätte ermittelt werden können. Die ganze zwei Jah-

re umfassende Zeitspanne, ohne jegliche präzisierende Ergänzung (Jahreszeit 

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etc.) verletze das Anklageprinzip. Wo sich sodann der Tatzeitpunkt ermitteln las-

se, müsse genau dieser Zeitpunkt und keine Zeitspanne (und schon gar nicht eine 

solche von zwei Jahren) genannt werden. Bei Sachverhalt Seite 5 bis 7 behaupte 

die Anklage sodann nicht, dass der Geschädigte die Beträge tatsächlich auch 

ausbezahlt resp. dem Beschuldigten übergeben habe. Bezüglich Anklagesach-

verhalt Seite 2 bis 4 sei der Zeitpunkt vom 12. Mai 2017 nicht und Mittäterschaft 

nicht rechtsgenügend angeklagt. Schliesslich liege ein Widerspruch in der Ankla-

ge, nachdem vollendete Tatbegehung angeklagt werde, obwohl gesagt werde, 

dass keine Geldübergabe erfolgt sei (Urk. 102/1 S. 5 ff.). 

3.1.2. Die Staatsanwaltschaft wendet ein, dass die Anklageschrift die Tatbe-

standsmerkmale umschreiben und nicht die im Tatbestand enthaltenen Worte auf-

führen müsse. Der angeklagte Sachverhalt enthalte die umfassende Umschrei-

bung des Lügengebäudes inklusive Begleitumstände, die der Beschuldigte aufge-

baut habe. Die Anklage behaupte eine fehlende Zahlungswilligkeit und -fähigkeit. 

Der Anklagesachverhalt enthalte auch die Umschreibung der Gewerbsmässigkeit 

anklagegenügend mit den Ausführungen zur Deckung des Lebensunterhaltes. 

Weiter werde auf Seite 6 der Anklage aufgeführt, dass der Geschädigte den Be-

trag in diversen Tranchen ausbezahlt habe. Der in der Anklage enthaltene Ablauf 

des 12. Mai 2017 enthalte die Umschreibung des Forderungsgrundes, nicht je-

doch einen separaten Anklagesachverhalt; es sei auch keine mehrfache Erpres-

sung eingeklagt. Schliesslich gehe aus der Anklageschrift mit konkreten Formulie-

rungen des jeweiligen Handelns deutlich hervor, dass der Beschuldigte und sein 

Mittäter D._____ die Handlungen allesamt gemeinsam ausgeführt hätten 

(Urk. 106 S. 1 ff.). 

3.1.3. Nach dem aus Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV sowie Art. 6 Ziff. 1 und 

3 lit. a und b EMRK abgeleiteten und nunmehr in Art. 9 Abs. 1 StPO festgeschrie-

benen Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des Ge-

richtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion). Die Anklage hat die der beschuldigten 

Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, 

dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert 

sind. Das Akkusationsprinzip bezweckt zugleich den Schutz der Verteidigungs-

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rechte der beschuldigten Person und dient dem Anspruch auf rechtliches Gehör 

(Informationsfunktion). Die beschuldigte Person muss unter dem Gesichtspunkt 

der Informationsfunktion aus der Anklage ersehen können, wessen sie angeklagt 

ist. Das bedingt eine zureichende Umschreibung der Tat. Entscheidend ist, dass 

der Betroffene genau weiss, welcher konkreter Handlungen er beschuldigt und 

wie sein Verhalten rechtlich qualifiziert wird, damit er sich in seiner Verteidigung 

richtig vorbereiten kann. Er darf nicht Gefahr laufen, erst an der Gerichtsverhand-

lung mit neuen Anschuldigungen konfrontiert zu werden (BGE 143 IV 63 E. 2.2. 

m.w.H.). 

3.1.4. Anklagesachverhalt Seite 2 bis 4 

3.1.4.1. Vorab ist festzuhalten, dass strafrechtlich – wie es sich aus der Anklage 

unmissverständlich ergibt (Urk. 1/49 S. 2 f.) – lediglich das Verhalten des Be-

schuldigten am 16./17. Mai 2017 zu beurteilen ist (vgl. auch Urk. 106 S. 2 f.). Wie 

weit sich der bezüglich 12. Mai 2017 geschilderte Sachverhalt erstellen lässt und 

– im Zusammenhang mit dem zu beurteilenden Verhalten des Beschuldigten vom 

16./17. Mai 2017 – strafrechtlich relevant ist, ist im Rahmen der Sachverhaltser-

stellung und rechtlicher Würdigung zu prüfen.  

3.1.4.2. Bei der angegebenen Tatform "vollendet" handelt es sich um ein Verse-

hen (Urk. 49 S. 2), ändert am umschriebenen, vom Gericht zu würdigenden 

Sachverhalt, jedoch nichts. 

3.1.4.3. Nach der Rechtsprechung ist Mittäter, wer bei der Entschliessung, Pla-

nung oder Ausführung eines Deliktes vorsätzlich und in massgebender Weise mit 

anderen Tätern zusammenwirkt, so dass er als Hauptbeteiligter dasteht. Dabei 

kommt es darauf an, ob der Tatbeitrag nach den Umständen des konkreten Falles 

und dem Tatplan für die Ausführung des Deliktes so wesentlich ist, dass sie mit 

ihm steht oder fällt. Das blosse Wollen der Tat, der subjektive Wille allein genügt 

zur Begründung von Mittäterschaft jedoch nicht. Der Mittäter muss vielmehr bei 

der Entschliessung, Planung oder Ausführung der Tat auch tatsächlich mitwirken. 

Dass der Mittäter bei der Fassung des gemeinsamen Tatentschlusses mitwirkt, ist 

nicht erforderlich; es genügt, dass er sich später den Vorsatz seiner Mittäter zu 

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eigen macht (BGE 135 IV 152 E. 2.3.1.). Der Tatbeitrag begründet Tatherrschaft, 

wenn er "nach den Umständen des konkreten Falles und dem Tatplan für die 

Ausführung des Deliktes so wesentlich ist, dass sie mit ihm steht oder fällt" 

(BGE 133 IV 76 E. 2.7).  

3.1.4.4. Zutreffend hält die Verteidigung fest, dass das blosse Wollen der Tat, der 

subjektive Wille allein zur Begründung von Mittäterschaft nicht genüge. Dem Be-

schuldigten wird jedoch in der Anklage vorgehalten, zusammen mit D._____ am 

Wohnort des Geschädigten erschienen zu sein, vom Geschädigten EUR 900.– 

gefordert zu haben und, als der Geschädigte nicht habe bezahlen wollen, sich mit 

D._____ dahingehend geäussert zu haben, dass wenn er das geforderte Geld 

nicht bezahle, Bilder, die sexuelle Handlungen zwischen dem Geschädigten und 

anderen Männern zeigten, sowie entsprechende Texte an die Öffentlichkeit ge-

langen würden (Urk. 1/49 S. 3). Dem Beschuldigten werden damit konkrete eige-

ne Handlungen und ein Zusammenwirken mit D._____ vorgeworfen. Ob die 

Handlungen des Beschuldigten auf einem gemeinsamen Tatentschluss gründe-

ten, oder sich der Beschuldigte in der Folge den Vorsatz von D._____ zu eigen 

machte oder umgekehrt, ist dabei nicht relevant, wenn sich das von der Staats-

anwaltschaft geltend gemachte Zusammenwirken erstellen lässt. Es ist nicht er-

forderlich, dass der Mittäter an der Planung des Delikts beteiligt ist; er kann später 

dazu stossen. Es ist auch nicht notwendig, dass bereits ein Vorsatz besteht; der 

Mittäter kann sich den Vorsatz auch erst während der Ausführung zu eigen ma-

chen. Massgeblich ist, dass der Mittäter am Entschluss, ein Delikt zu begehen, 

oder an seiner Ausführung unter Umständen oder in einem Mass beteiligt ist, die 

ihn als Hauptbeteiligten erscheinen lassen (Pra 2010 Nr. 11 = BGE 135 IV 152 

E. 2.3.1).  

3.1.4.5. Das dem Beschuldigten konkret vorgeworfene Verhalten wird in der An-

klage genügend konkret umschrieben. Massgebend ist (einzig), dass die beschul-

digte Person genau weiss, was ihr angelastet wird (BGE 143 IV 63 E. 2.3.), was 

vorliegend der Fall ist. Der Anklagesachverhalt ist klar umrissen und führt die 

Handlungen des Beschuldigten sowie die Umstände auf, unter denen die dem 

Beschuldigten vorgeworfenen Handlungen begangen wurden. Ob von einem Zu-

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sammenwirken des Beschuldigten mit D._____ auszugehen ist, ist im Rahmen 

der Sachverhaltserstellung zu beurteilen. Ob der dem Beschuldigten vorgehaltene 

Tatbeitrag Tatherrschaft begründet, wird sodann anhand des erstellten Sachver-

halts im Rahmen der rechtlichen Würdigung zu prüfen sein. Eine Verletzung des 

Anklageprinzips ist zu verneinen. 

3.1.5. Anklagesachverhalt Seite 4 bis 5 

3.1.5.1. Die Verteidigung bemängelt, dass dem Beschuldigten in der Anklage-

schrift keine Arglist vorgeworfen werde (Urk. 102/1 S. 5 f.). Arglist ist nach ständi-

ger Rechtsprechung gegeben, wenn der Täter ein ganzes Lügengebäude errich-

tet oder sich besonderer Machenschaften oder Kniffe bedient. Bei einfachen fal-

schen Angaben ist das Merkmal erfüllt, wenn deren Überprüfung nicht oder nur 

mit besonderer Mühe möglich oder nicht zumutbar ist, sowie dann, wenn der Tä-

ter den Getäuschten von der möglichen Überprüfung abhält oder nach den Um-

ständen voraussieht, dass dieser die Überprüfung der Angaben aufgrund eines 

besonderen Vertrauensverhältnisses unterlassen werde (BGE 142 IV 153). Die 

Anklageschrift hat bloss die tatsächlichen Elemente, also den Lebenssachverhalt 

als historisches Ereignis zu schildern. Es ist deshalb nicht erforderlich, dass das 

Wort "arglistig" in der Anklageschrift explizit aufgeführt wird.  

3.1.5.2. Die Anklage führt an, dass der Beschuldigte mit dem Geschädigten ver-

einbart habe, dass er – der Beschuldigte – nach der Regelung der finanziellen Be-

langen in E._____ [Ort] in die Schweiz zurückzukehren und in F._____ oder 

G._____ in einem Baugeschäft eine Arbeitstätigkeit aufnehmen werde (die ihm 

der Geschädigte durch seine Beziehungen vermittelt hätte) und solchermassen 

monatlich das Darlehen zurückbezahlen würde. Der Beschuldigte habe den Ge-

schädigten über seine Zahlungsfähigkeit, insbesondere aber über seine Zah-

lungswilligkeit getäuscht, habe er doch nie im Sinn gehabt, mit einer regelmässi-

gen Arbeitstätigkeit in der Schweiz ein Erwerbseinkommen zu generieren und 

solchermassen durch regelmässige Rückzahlung das Darlehen zurückzubezah-

len, so dass der Geschädigte in einen diesbezüglichen Irrtum über die Rückzah-

lung des Darlehens verfallen sei und dem Beschuldigten den Betrag von ca. 

Fr. 25'000.– ausbezahlt habe. Der Beschuldigte habe dabei gewusst und auch 

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darauf vertraut, dass der Geschädigte als katholischer Pfarrer der Menschenliebe 

und der Hilfe gegenüber Notleidenden aus Glauben und Beruf verpflichtet gewe-

sen sei, weshalb der Beschuldigte auch gewusst habe und auch davon ausge-

gangen sei, dass der Geschädigte die Angaben nicht überprüfen würde und die 

Angaben auch nicht habe überprüfen können, konkret insbesondere die fehlende 

Zahlungswilligkeit unter keinen Umständen objektiv habe überprüfen können 

(Urk. 1/49 S. 5).  

3.1.5.3. Auch wenn die Formulierung "gab vor" am Anfang der Sachverhaltsschil-

derung (Urk. 1/49 S. 4) durchaus so verstanden werden kann, dass die gemach-

ten Angaben, weshalb der Beschuldigte Geld benötige, nicht stimmen würden, 

wird dem Beschuldigten nicht vorgeworfen, dass die vorgebrachten Gründe falsch 

gewesen seien (Urk. 1/49 S. 4 f.; Urk. 106 S. 2). Gemäss Anklageschrift wird dem 

Beschuldigten vorgehalten, den Geschädigten über seine Zahlungsfähigkeit und 

insbesondere über seine Zahlungswilligkeit getäuscht zu haben und gewusst 

resp. darauf vertraut zu haben, dass der Geschädigte diese Angaben nicht über-

prüfen werde resp. insbesondere die fehlende Zahlungswilligkeit unter keinen 

Umständen habe objektiv überprüfen können (Urk. 1/49 S. 5). Aus der Anklage-

schrift ergibt sich somit klar, welches Verhalten dem Beschuldigten vorgeworfen 

wird und wie dieses seitens der Staatsanwaltschaft rechtlich qualifiziert wird. Ob 

das (erstellbare) Verhalten des Beschuldigten als Betrug im Sinne von Art. 146 

StGB zu qualifizieren ist, wird im Rahmen der rechtliche Würdigung zu prüfen 

sein. 

3.1.5.4. Sodann sieht die Verteidigung eine Verletzung des Anklageprinzips im 

Umstand, dass der Zeitrahmen der Tatbegehung mit zwei Jahren angegeben 

wurde, obwohl der Zeitpunkt mit einer Genauigkeit von ein bis zwei Tagen hätte 

ermittelt werden können (Urk. 102/1 S. 6 ff.).  

3.1.5.5. Ungenauigkeiten in der Zeitangabe sind solange nicht von entscheiden-

der Bedeutung, als für die beschuldigte Person keine Zweifel darüber bestehen, 

welches Verhalten ihr angelastet wird (BGer-Urteil 6B_684/2017 vom 13. März 

2018,E. 2.2; BGer-Urteil 6B_907/2013 vom 3. Oktober 2014 E. 1.5). Ob die zeitli-

che Umschreibung ausreicht, ist nicht abstrakt, sondern zusammen mit dem übri-

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gen Inhalt der Anklage zu beurteilen (BGer-Urteil 6B_432/2011 vom 26. Oktober 

2011 E. 2.2). Die Zeitangabe ist nur eine der Angaben zur Umschreibung der Tat-

ausführung. Es hängt wesentlich von Beweissituation und Gewährleistung effekti-

ver Verteidigungsmöglichkeiten und damit von der Verfahrensfairness ab, ob ein 

längerer Zeitrahmen noch als im Sinne von Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO genügend 

bestimmt beurteilt werden kann. Die (noch) zulässige Zeitangabe bestimmt sich 

nach Massgabe des konkreten Anklagesachverhalts (BGer-Urteil 6B_489/2018 

vom 31. Oktober 2018 E. 2.3.).  

3.1.5.6. Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, dass er vom Geschädigten in 

den Jahren 2009 oder 2010 Fr. 25'000.– als Darlehen erhalten habe. Dabei habe 

er angegeben, dass er dringend Geld benötige, da in der Heimat, in der H._____ 

[Staat], seine Eltern leben würden, die in argen Schulden leben würden, und die 

Zwangs-versteigerung des Hauses unmittelbar bevorstehe, wenn die Schulden 

nicht beglichen würden. Er habe zudem vorgebracht, dass sein Vater herzkrank 

sei. Weiter führt die Anklage an, dass der Beschuldigte mit dem Geschädigten 

vereinbart habe, dass er nach der Regelung der finanziellen Belangen in E._____ 

in die Schweiz zurückkehre und in F._____ oder G._____ in einem Baugeschäft 

eine Arbeitstätigkeit aufnehmen und solchermassen monatlich das Darlehen zu-

rückbezahlen würde, welche Arbeitstätigkeit der Geschädigte durch seine Bezie-

hungen vermittelt hätte und hätte vermitteln können (Urk. 1/49 S. 4 f.).  

3.1.5.7. Der Zeitraum ist auf eine bestimmte Dauer einzugrenzen, was vorliegend 

der Fall ist. Der Vorwurf ist sodann, unter genauer Bezeichnung des Deliktsortes, 

so umschrieben, dass eine hinreichende Individualisierung der zu beurteilenden 

Tat möglich ist. Nachdem der Beschuldigte sodann vollumfänglich bestreitet, vom 

Geschädigten jemals einen Betrag in dieser Grössenordnung und vor 2013 jemals 

Geld erhalten zu haben (Urk. 102/1 S. 13 f.; Urk. 1/7/7 S. 20), ist nicht ersichtlich 

– und wird vom Beschuldigten auch nicht dargetan (Urk. 102/1 S. 6 ff.) – inwiefern 

die weiträumige Umschreibung des Tatzeitpunkts auf die Jahre 2009 / 2010 der 

im Übrigen ausführlich umschriebenen Tat des Beschuldigten ihn in einer wirksa-

men Verteidigung eingeschränkt haben soll. Eine mögliche Differenzierung be-

züglich verschiedener entsprechender Zahlungen steht nicht im Raum. Nicht ent-

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scheidend ist sodann, ob sich der Beschuldigte ein Alibi beschaffen kann oder 

sich an den Tatzeitraum erinnert. Dies ist oftmals schon nach kurzer Frist nicht 

mehr der Fall. Selbst bei einem kürzeren Zeitraum kann ein Beschuldigter nie lü-

ckenlos nachweisen, wo er sich befunden hat. Indessen ist es ihm bei einem Zeit-

raum von zwei Jahren aber möglich, anhand seines Terminkalenders und beson-

derer Ereignisse (wie namentlich besondere Termine, Ferien, Arbeitstätigkeit) zu 

rekonstruieren und zu belegen, wann ungefähr er wo war (BGer-Urteil 

6B_432/2011 vom 26. Oktober 2011 E. 2.5).  

3.1.5.8. Soweit die Verteidigung geltend macht, der (angebliche) Tatzeitpunkt wä-

re aufgrund der Aussagen des Geschädigten präzise zu ermitteln gewesen 

(Urk. 102/1 S. 6 ff.), ist anzumerken, dass es der Untersuchungsbehörde offen-

sichtlich nicht gelang, den genauen Tatzeitpunkt zu eruieren. Au den Bankunter-

lagen konnte der Zeitpunkt nicht ermittelt werden (Urk. 1/17/13). Auf den Um-

stand, dass im entsprechenden Zeitraum keine Überweisung einer Versiche-

rungssumme auf das Bankkonto des Geschädigten ersichtlich ist und die entspre-

chenden Angaben des Geschädigten, wird im Rahmen der Sachverhaltserstellung 

zurückzukommen sein. Eine Verletzung des Anklageprinzips ist zu verneinen. 

3.1.5.9. Schliesslich bringt die Verteidigung vor, dass die Gewerbsmässigkeit in 

der Anklage nicht umschrieben sei (Urk. 102/1 S. 8).  

3.1.5.10. Nach der neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung handelt der Tä-

ter gewerbsmässig, wenn sich aus der Zeit und den Mitteln, die er für die delikti-

sche Tätigkeit aufwendet, aus der Häufigkeit der Einzelakte innerhalb eines be-

stimmten Zeitraums sowie aus den angestrebten und erzielten Einkünften ergibt, 

dass er die deliktische Tätigkeit nach der Art des Berufs ausübt. Es muss das Be-

streben erkennbar sein, aus der deliktischen Tätigkeit mit einer gewissen Regel-

mässigkeit Einkünfte erzielen zu wollen, die geeignet sind, einen namhaften Teil 

der Lebenskosten zu decken. Wesentlich ist, dass der Täter relativ regelmässige 

Einnahmen anstrebt. Er muss sich darauf eingerichtet haben, durch die delikti-

sche Tätigkeit einen namhaften Beitrag an die Kosten zur Finanzierung seiner 

Lebensgestaltung zu erzielen. Ob dies der Fall ist, entscheidet sich nach der Ge-

samtheit der Umstände (Häufigkeit begangener Delikte innerhalb eines bestimm-

- 14 - 

ten Zeitraumes, Art und Weise des Vorgehens, erzielte und angestrebte Delikts-

summe). Der Täter muss zur Verübung einer Vielzahl von Delikten der fraglichen 

Art bereit sein. Sodann kann Gewerbsmässigkeit laut Bundesgericht nur ange-

nommen werden, wenn der Täter bereits mehrfach delinquiert hat (BSK StGB-

Niggli/Riedo, Art. 139 N 89 ff. m.w.H.). 

3.1.5.11. Die Anklage führt an, dass der Beschuldigte ohne Einkommen und Ver-

dienst gewesen sei und durch den solchermassen erwirkten Geldbetrag seinen 

Lebensunterhalt und jener seiner Familie sowie der Eltern bestritten habe, was er 

gewusst und gewollt habe, handle es sich doch beim Betrag von Fr. 25'000.– um 

mehr als das durchschnittliche Jahreseinkommen in der H._____ von 

USD 16'070.– pro Jahr im 2011 oder das durchschnittliche Bruttomonatseinkom-

men im Jahr 2010 von EUR 769.– in der H._____ oder in der Region I._____ von 

EUR 613.– im Jahr 2012 (Urk. 1/49 S. 5).  

3.1.5.12. Die Anklageschrift hat die Qualifikationsmerkmale der Gewerbsmässig-

keit zu schildern. Dies umfasst beim Vorwurf eines gewerbsmässigen Handelns 

insbesondere die Zeit und Mittel, die der Beschuldigte für die deliktische Tätigkeit 

aufwendete, die Häufigkeit der Einzelakte innerhalb eines bestimmten Zeitraums 

sowie die erzielten und angestrebten Einkünfte. Der Umstand allein, dass der Be-

schuldigte mit dem in einer einmaligen Handlung erhältlich gemachten Betrag von 

Fr. 25'000.– seinen Lebensunterhalt decken wollte und für die Dauer von über ei-

nem Jahr auch decken konnte (Urk. 106 S. 2), begründet noch keine Gewerbs-

mässigkeit. Soweit die Vorinstanz ausführt, der Beschuldigte habe den Geschä-

digten über einen Zeitraum von mehreren Jahren hinweg mehrfach betrogen und 

sich dabei einen Vermögensvorteil von rund Fr. 40'000.– verschafft (Urk. 77 S. 63 

mit Verweis auf Urk. 77 S. 40), ist anzumerken, dass die Anklage dem Beschul-

digten dies nicht vorwirft und die entsprechenden Feststellungen der Vorinstanz 

das Anklageprinzip verletzen. Es ist mit der Verteidigung davon auszugehen, 

dass ein gewerbsmässiges Handeln nicht rechtsgenügend angeklagt wurde. 

  

- 15 - 

3.1.6. Anklagesachverhalt Seite 5-7 

3.1.6.1. Die Verteidigung bringt auch bezüglich Anklagesachverhalt Seite 5 bis 7 

vor, dass der Vorwurf der Arglist nicht erhoben und nicht gesagt werde, dass der 

Beschuldigte falsche Angaben gemacht habe. Auch hier sei der Anklagegrund-

satz aufs Gröbste verletzt (Urk. 102/1 S. 8 f.). 

3.1.6.2. Die Anklage führt an, der Geschädigte habe mit dem Beschuldigten die 

Rückzahlung des Darlehens vereinbart, indem der Beschuldigte eine Arbeitstätig-

keit aufnehmen würde und solchermassen monatlich das Darlehen zurückbezah-

len würde. Der Beschuldigte habe dabei den Geschädigten über seine Zahlungs-

fähigkeit, insbesondere aber über seine Zahlungswilligkeit getäuscht, habe er 

doch nie im Sinne gehabt, mit einer regelmässigen Arbeitstätigkeit in der Schweiz 

oder anderswo ein Erwerbseinkommen zu generieren und solchermassen durch 

regelmässige Rückzahlung das Darlehen zurückzubezahlen, so dass der Ge-

schädigte in einen diesbezüglichen Irrtum über die Rückzahlung des Darlehens 

verfallen sei und dem Beschuldigten den Betrag von Fr. 16'400.– in diversen 

Tranchen ausbezahlt habe. Der Beschuldigte habe dabei gewusst und auch da-

rauf vertraut, dass der Geschädigte als katholischer Pfarrer der Menschenliebe 

und der Hilfe gegenüber Notleidenden aus Glauben und Beruf verpflichtet gewe-

sen sei, weshalb der Beschuldigte auch gewusst habe und auch davon ausge-

gangen sei, dass der Geschädigte die Angaben nicht überprüfen würde und die 

Angaben auch nicht habe überprüfen können, konkret insbesondere die fehlende 

Zahlungswilligkeit unter keinen Umständen objektiv habe überprüfen können. 

Ebenfalls habe der Geschädigte nicht gewusst und habe dies auch nicht objektiv 

überprüfen können, dass der Beschuldigte bereits von anderen Personen aus der 

Schweiz rückzahlbare Darlehen aufgenommen gehabt habe (Urk. 1/49 S. 6).  

3.1.6.3. Soweit die Anklage aufführt, dass der Beschuldigte bereits von anderen 

Personen aus der Schweiz rückzahlbare Darlehen aufgenommen habe, bleibt sie 

zu unbestimmt. Es wird nicht ersichtlich, welche konkreten Darlehen die Staats-

anwaltschaft meint, so dass es dem Beschuldigten nicht möglich ist, sich zu die-

sem Vorhalt angemessen zu verteidigen. Dieser Vorhalt verletzt deshalb das An-

klageprinzip und hat unberücksichtigt zu bleiben. 

- 16 - 

3.1.6.4. Im Übrigen kann auf die Ausführungen in Ziffer 3.1.5.1. und Ziffer 3.1.5.3. 

verwiesen werden. Aus der Anklageschrift ergibt sich im weiteren klar, welches 

Verhalten dem Beschuldigten vorgeworfen wird und wie dieses seitens der 

Staatsanwaltschaft rechtlich qualifiziert wird. Ob das (erstellbare) Verhalten des 

Beschuldigten als Betrug im Sinne von Art. 146 StGB zu qualifizieren ist, wird im 

Rahmen der rechtlichen Würdigung zu prüfen sein. 

3.1.6.5. Nicht zutreffend ist sodann das Vorbringen der Verteidigung, es werde in 

der Anklage nicht behauptet, dass der Geschädigte dem Beschuldigten die Beträ-

ge tatsächlich auch ausbezahlt habe (Urk. 102/1 S. 9). Die Anklage führt unmiss-

verständlich aus, "… dass der Geschädigte in einen diesbezüglichen Irrtum über 

die Rückzahlung des Darlehens verfiel und dem Beschuldigten den genannten 

Betrag von Fr. 16'400.– in diversen Tranchen ausbezahlte, …". Dabei werden 

diese Tranchen im Anklagevorwurf im ersten Absatz einzeln aufgeführt (Urk. 1/49 

S. 6).  

3.1.6.6. Schliesslich bringt die Verteidigung auch bezüglich Sachverhalt Seite 5 

bis 7 vor, dass die Gewerbsmässigkeit nicht rechtsgenügend umschrieben sei. In 

der Anklage werde erwähnt, der Beschuldigte habe mit dem Geld seinen Lebens-

unterhalt bestritten. Dies sei aber keine rechtsgenügende Umschreibung des 

Qualifikationsmerkmals der Gewerbsmässigkeit (Urk. 102/1 S. 9).  

3.1.6.7. Die Anklage führt an, dass der Beschuldigte durch das vorgenannte Ver-

halten und den solchermassen erwirkten Geldbetrag seinen Lebensunterhalt und 

jener seiner Familie bestritten habe, was er gewusst und gewollt habe, handle es 

sich doch beim Betrag von Fr. 16'400.– um das durchschnittliche Jahreseinkom-

men in der H._____ von USD 16'070.– pro Jahr im Jahr 2011 oder das durch-

schnittliche Bruttoeinkommen im Jahr 2010 von EUR 769.– in der H._____ oder in 

der Region I._____ von EUR 613.– im Jahr 2012 (Urk. 1/49 S. 6 f.). Zudem ergibt 

sich aus der Anklage, dass der Beschuldigte zwischen Ende Juni / anfangs Juli 

2013 und Ende Juli/anfangs August 2013 Darlehen erhalten habe, so am 10. Juli 

2013 in Höhe von EUR 3'000.–, am 11. Juli 2013 ein solches in Höhe von 

EUR 600.–, Fr. 6'000.– in bar sowie drei Mal Fr. 1'500.– und Fr. 1'048.–, zwei Mal 

(per Western Union) am 23. Juli 2013 (Urk. 1/49 S. 6). 

- 17 - 

3.1.6.8. Die Anklage zeigt somit die Häufigkeit der Einzelakte innerhalb eines be-

stimmten Zeitraums sowie die erzielten Einkünfte auf. Ob diese Einzelakte – so-

fern und soweit sie erstellt werden können – als gewerbsmässiges Handeln zu 

qualifizieren sind, wird im Rahmen der rechtlichen Würdigung zu prüfen sein.  

3.2. Einvernahme des Geschädigten als Auskunftsperson 

3.2.1. Die Verteidigung macht geltend, dass der Geschädigte J._____ als Aus-

kunftsperson hätte einvernommen werden müssen, da er als Täter einer anderen 

damit zusammenhängenden Straftat nicht habe ausgeschlossen werden können. 

Die abzuklärende Straftat betreffe den Vorwurf der Erpressung mit Fotos. In die-

sem Zusammenhang habe ein strafrechtlich relevantes Verhalten des Geschädig-

ten nicht ausgeschlossen werden können. Es liege auf der Hand, dass nicht habe 

ausgeschlossen werden können, dass sich während der Untersuchung heraus-

stellen könnte, dass der Geschädigte sexuelle Beziehungen zu Personen im 

Schutzalter gehabt habe. So habe der Geschädigte eingeräumt, dass ihm auch 

Kinder angeboten worden seien, was er aber nicht gewollt habe. Die Aussage, 

dass beim Geschädigten oft zahlreiche jüngere Roma (auch in dessen Bett) über-

nachtet hätten, habe der Geschädigte nicht bestritten. Schliesslich habe der Be-

schuldigte ausgesagt, dass jemand beim Kirchensekretariat angerufen und ge-

sagt habe, dass der Geschädigte Sex mit kleinen Kindern habe (Urk. 102/1 S. 10 

ff.). 

3.2.2. Wer ohne selber beschuldigt zu sein, als Täterin, Täter, Teilnehmerin oder 

Teilnehmer der abzuklärenden Straftat oder einer anderen damit zusammenhän-

genden Straftat nicht ausgeschlossen werden kann, wird als Auskunftsperson 

einvernommen (Art. 178 lit. d StPO). Ob eine Person als Zeuge, als Auskunfts-

person oder als Beschuldigter zu befragen ist, hat der Einvernehmende, d.h. die 

zuständige Strafbehörde zu entscheiden. Dieser Entscheid wird aufgrund der im 

Zeitpunkt der Befragung bestehenden Sach- und Rechtslage getroffen. Ist von ei-

ner Konstellation gemäss Art. 178 StPO auszugehen, muss der Einzuverneh-

mende zwingend als Auskunftsperson befragt werden (Donatsch in: Donatsch/ 

Hansjakob/Lieber, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO), 

2. Aufl., 2014, Art. 178 N 10 f.). Der Entscheid, eine Person zu Unrecht als Zeu-

- 18 - 

gen anstatt als Auskunftsperson zu befragen, soll nach herrschender Lehre ungül-

tig und die gestützt darauf erlangten Aussagen unter dem Vorbehalt von Art. 141 

Abs. 2 nicht verwertbar sein (Donatsch, a.a.O., Art. 178 N 16). Massgebend dafür, 

ob eine Person als Zeuge oder Auskunftsperson einzuvernehmen ist, ist ein Kon-

nex zwischen der durch die Untersuchung abzuklärenden Handlung und derjeni-

gen, deren Verübung dem Einzuvernehmenden nicht konkret zum Vorwurf ge-

macht wird, weil es hierfür an einem hinreichenden Tatverdacht fehlt (Donatsch, 

a.a.O., Art. 178 N 31).  

3.2.3. Wie die Verteidigung zutreffend festhält, wurde der Geschädigte in sämtli-

chen staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen als Zeuge einvernommen 

(Urk. 1/9/7, Urk. 1/9/8 und Urk. 1/9/10). Die erste staatsanwaltschaftliche Einver-

nahme fand am 3. November 2017 statt (Urk. 1/9/7). Die Vorladung zu dieser Ein-

vernahme erfolgte am 6. Oktober 2017 (Urk. 1/36/1). Bis zu diesem Zeitpunkt 

ergaben sich keine weiteren Hinweise, dass an der Behauptung des Beschuldig-

ten, wonach jemand beim Kirchensekretariat angerufen und gesagt habe, dass 

der Geschädigte Sex mit kleinen Kindern habe (Urk. 1/32/9 S. 3), etwas dran ist. 

Einzig der Beschuldigte stellte diese Behauptung auf. Und das auch nur einmal. 

Zunächst verneinte der Beschuldigte, dass der Geschädigte homosexuell sei 

(Urk. 1/7/1 S. 6). Auf Vorhalt, er hätte dem Geschädigten angedroht, es würden 

Bilder, welche sexuelle Handlungen des Geschädigten mit einer männlichen Dritt-

person zeige, veröffentlicht, gab er an, jemand habe im Sekretariat angerufen und 

gesagt, dass der Geschädigte homosexuell sei. Seine Frau, die in P._____ lebe, 

hätten sie auch angerufen und ihr gesagt, dass er ein Verhältnis mit dem Ge-

schädigten habe (Urk. 1/7/3 S. 2). Die nur wenige Tage zuvor bei der Einvernah-

me vor dem Zwangsmassnahmengericht gemachte Aussage, wonach es bei die-

sem Telefongespräch um Sex mit kleinen Kindern gegangen sein soll, wiederholte 

er nicht, sondern er behauptete nun mehr einen anderen Inhalt dieses Gesprächs. 

Später passte er seine Aussage nochmals an und gab an, der Anrufer habe ge-

sagt, dass er eine Beziehung zum Geschädigten habe. Seine Ex-Frau habe ihm 

das per Facebook geschrieben (Urk. 1/7/5 S. 4). Weiter erklärte er, dass er zwar 

mal im Bett des Geschädigten gelegen habe, aber weder er noch der Geschädig-

te dabei nackt gewesen seien (Urk. 1/7/3 S. 3). Auch in der Einvernahme vom 

- 19 - 

9. August 2017 führte er auf entsprechende Frage aus, er habe dann auch im 

Doppelbett des Geschädigten im gleichen Bett geschlafen, ohne dass er mit ihm 

intim geworden wäre (Urk. 1/7/4 S. 29). Ebenso erklärte er in der Einvernahme 

vom 27. September 2017 auf die Homosexualität des Geschädigten angespro-

chen, ja der Geschädigte habe solche Neigungen gehabt und er habe ihnen 

nichts angetan. Sie hätten nie etwas Intimes oder eine intime Beziehung gehabt. 

Er habe von ihm nichts befürchtet (Urk. 1/7/5 S. 4 f.). In keiner dieser Einvernah-

men erwähnte der Beschuldigte auch nur andeutungsweise, dass der Geschädig-

te mit Minderjährigen intim geworden sein könnte. Jedoch fällt auf, dass er zum 

Inhalt des Telefongesprächs Angaben macht, obwohl er weder beim Anruf dabei 

noch der Anrufer gewesen war (Urk. 1/7/5 S. S. 4). Die Sekretärin des Geschädig-

ten, K._____, hielt demgegenüber in ihrer Notiz zum Gespräch – dessen Korrekt-

heit sie anlässlich der Einvernahme vom 18. April 2017 bestätigte (Urk. D2.7 S. 2 

f.) – fest, dass dem Geschädigten am Telefon gesagt worden sei, "Hast du wieder 

Sex gehabt mit C._____…" und "Du hast Sexspiele in der Schublade." Weiter ha-

be der unbekannte Anrufer gesagt, er habe Föteli. Mit keinem Wort erwähnt 

K._____, dass in irgendeiner Weise Sex mit Minderjährigen ein Thema gewesen 

sein soll (Anhang 3 zu Urk. D2.7). Es ist nicht ersichtlich, warum sie darüber fal-

sche Aussagen gemacht haben soll. Es bestand somit im Zeitpunkt der Einver-

nahmen des Geschädigten durch die Staatsanwaltschaft keinerlei plausiblen An-

haltspunkte, dass an der – im Übrigen einmaligen – Aussagen des Beschuldigten, 

der Geschädigte habe mit kleinen Kindern Sex gehabt, etwas dran sein soll.   

3.3. Es ist somit nicht zu beanstanden, dass die Staatsanwaltschaft den Ge-

schädigten in ihren Einvernahmen als Zeuge einvernahm. Im weiteren hielt das 

Bundesgericht im Entscheid 6B_269/2018 vom 24. Oktober 2018 fest, dass der 

dortige Beschuldigte aus dem Umstand, dass die einvernommene Person unzu-

treffenderweise als Zeuge und nicht als Auskunftsperson befragt worden sei, 

nichts zu seinen Gunsten ableiten könne. Dem Beschuldigten stehe es nicht zu, 

Vorschriften, die den Schutz anderer Verfahrensbeteiligter wie etwa der Aus-

kunftsperson bezwecken würden, in deren Namen als verletzt anzurufen und ge-

stützt darauf die Unverwertbarkeit der unter falscher Rechts- und Pflichtbelehrung 

durchgeführten Einvernahmen geltend zu machen (BGer-Urteil 6B_269/2018 vom 

- 20 - 

24. Oktober 2018 E. 1.4.). Die entsprechenden Aussagen des Geschädigten sind 

verwertbar. 

4. Vorbemerkungen 

4.1. Die Tatvorwürfe ergeben sich aus der Anklageschrift vom 10. August 2018 

(Urk. 1/49). Zusammengefasst wird dem Beschuldigten (noch) vorgeworfen, dass 

er vom Geschädigten J._____ Geld gefordert und diesem gedroht habe, wenn er 

es nicht mache, Bilder von ihm veröffentlicht und weitere Informationen an die Öf-

fentlichkeit gelangen würden. Nachdem der Geschädigte die Geldzahlung verwei-

gert gehabt habe, habe der Beschuldigte erneut Geld vom Geschädigten gefor-

dert. Als der Geschädigte nicht habe bezahlen wollen, hätten sich der Beschuldig-

te und sein Mittäter dahingehend geäussert, wenn er das geforderte Geld nicht 

bezahle, Bilder, welche Aufnahmen sexueller Handlungen zwischen dem Ge-

schädigten und anderen Männern zeigen würden sowie entsprechende Texte an 

die Öffentlichkeit gelangen würden. Zur Geldübergabe sei es nicht gekommen, da 

der Beschuldigte und dessen Mittäter verhaftet worden seien (Anklagesachverhalt 

Dossier 1, Anklage S. 2-4). Sodann wird dem Beschuldigten vorgeworfen, mit 

dem Geschädigten ein Darlehen über einen Betrag von ca. Fr. 25'000.– und des-

sen Rückzahlung vereinbart zu haben. Im Zusammenhang mit der Rückzahlung 

sei vereinbart worden, dass der Beschuldigte eine Arbeitstätigkeit in der Schweiz 

aufnehmen würde, die ihm durch den Geschädigten vermittelt worden wäre. Je-

doch habe der Beschuldigte nie im Sinne gehabt, mit einer regelmässigen Ar-

beitstätigkeit in der Schweiz ein Einkommen zu generieren und solchermassen 

durch regelmässige Rückzahlung das Darlehen zurückzuzahlen (Anklagesach-

verhalt Dossier 3, Anklage S. 4-5). Schliesslich wird dem Beschuldigten vorgewor-

fen, den Geschädigten an verschiedenen Tagen im Jahr 2013 um mehrere Darle-

hen in einem Gesamtbetrag von ca. Fr. 16'400.– ersucht zu haben und dabei dem 

Geschädigten gegenüber vorgegeben zu haben, er benötige das Geld, weil er 

Alimente an seine Ehefrau und Kinder bezahlen resp. eine Rückkehr zwecks Ar-

beitsaufnahme in der Schweiz aus P._____ finanzieren müsse. Der Geschädigte 

habe mit dem Beschuldigten die Rückzahlung des Darlehens vereinbart, indem 

der Beschuldigte eine Arbeitstätigkeit aufnehmen und solchermassen monatlich 

- 21 - 

das Darlehen zurückbezahlen würde. Jedoch habe er nie im Sinne gehabt, mit ei-

ner regelmässigen Arbeitstätigkeit in der Schweiz oder anderswo ein Erwerbsein-

kommen zu generieren und solchermassen durch regelmässige Rückzahlung das 

Darlehen zurückzubezahlen (Anklagesachverhalt Dossier 3, Anklage S. 5-7). Bei 

seinem Vorgehen habe der Beschuldigte jeweils darauf vertraut, dass der Ge-

schädigte als katholischer Pfarrer der Menschenliebe und der Hilfe gegenüber 

Notleidenden aus Glauben und Beruf verpflichtet gewesen sei, weshalb der Be-

schuldigte gewusst habe und auch davon ausgegangen sei, dass der Geschädig-

te die Angaben nicht überprüfen werde und die Angaben auch nicht habe über-

prüfen können (Urk. 1/49).  

4.2. Der Beschuldigte bestreitet, den Geschädigten im Zusammenhang mit den 

von diesem – unbestrittenermassen – erfolgten verschiedenen Geldzahlungen an 

ihn getäuscht, unter Druck gesetzt, gedroht und/oder genötigt zu haben. 

4.3. Es ist deshalb nachfolgend aufgrund der vorliegenden Beweismitteln zu 

prüfen, ob die noch strittigen angeklagten Sachverhalte rechtsgenügend erstellt 

werden können. Mit den Grundsätzen der Beweiswürdigung, insbesondere der 

Würdigung von Aussagen hat sich die Vorinstanz ausführlich und korrekt befasst, 

so dass grundsätzlich darauf verwiesen werden kann (Urk. 77 S. 24 ff.; Art. 82 

Abs. 4 StPO). 

4.4. Auch wenn es sich vorliegend nicht um klassische "Vier-Augen-Delikte" 

handelt, stützt sich die Anklage hauptsächlich auf die Aussagen des Geschädig-

ten. Stützt sich die Beweisführung im Wesentlichen auf die Aussagen von Betei-

ligten, so sind diese frei zu würdigen. Beim Abwägen von Aussagen ist im Beson-

deren zwischen der Glaubwürdigkeit einer Person und der Glaubhaftigkeit ihrer 

Aussagen zu unterscheiden. Während Erstere Grundlage dafür liefert, ob einer 

Person getraut werden kann, ist Letztere für die im Prozess massgebende Ent-

scheidung bedeutungsvoll, ob sich der behauptete Sachverhalt zur Hauptsache 

so zugetragen hat oder nicht (Hauser, Der Zeugenbeweis im Strafprozess, Zürich 

1974, S. 312 ff.). Der allgemeinen Glaubwürdigkeit einer Person kommt dabei ei-

ne eher untergeordnete Rolle zu. Nach der Lehre und Rechtsprechung ist viel-

mehr auf die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen abzustellen. Um eine Aussage als 

- 22 - 

zuverlässig taxieren zu können, ist sie insbesondere auf das Vorhandensein einer 

hinreichenden Anzahl Realitätskriterien zu überprüfen (Bender, Die häufigsten 

Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, in: SJZ 81, S. 53 ff.; vgl. auch 

ZR 72 Nr. 80 mit Verweisen). 

5. Sachverhaltserstellung 

5.1. Anklagesachverhalt Dossier 1, Anklage Seite 2-4, Erpressung zum Nach-

teil von J._____ 

5.1.1. Vorab ist festzuhalten, dass die Verteidigung zurecht darauf hinweist, dass 

die Anklageschrift dem Beschuldigten bezüglich der in der Anklageschrift geschil-

derten Handlungen vom 12. Mai 2017 kein (eigenständiges) strafbares Verhalten 

vorwirft (Urk. 1/49 S. 2 f.; Urk. 106 S. 3). 

5.1.2. Die Vorinstanz hat die Aussagen der beteiligten Personen zutreffend zu-

sammengefasst. Es kann – um Wiederholungen zu vermeiden – darauf verwiesen 

werden (Urk. 77 S. 8 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

5.1.3. Unbestritten ist, dass der Beschuldigte den Geschädigten immer mal wie-

der kontaktierte, um von diesem Geld zu erhalten, und dass er vom Geschädigten 

dieses regelmässig auch bekam. Der Beschuldigte bestreitet aber, dass er und 

D._____ dem Geschädigten am Abend des 16. Mai 2017 mit Bildern mit sexuellen 

Handlungen gedroht hätten, um von diesem Geld zu erhalten. Sodann bestreitet 

der Beschuldigte, am Morgen des 17. Mai 2017 telefonisch erneut Geld vom Ge-

schädigten gefordert zu haben, durch persönliches Erscheinen den Geschädigten 

unter Druck setzen gewollt und vor Ort erneut die Zahlung von EUR 900.– gefor-

dert zu haben, ansonsten Bilder mit sexuellen Handlungen zwischen dem Ge-

schädigten und Dritten sowie Informationen über eine sexuelle Beziehung zwi-

schen dem Beschuldigten und dem Geschädigten herausgegeben würden (Urk. 

1/7/1 S. 8 f.; Urk. 1/7/3 S. 2 f.; Urk. 1/7/7 S. 5 ff.; Urk. 32 S. 10 ff.). Ebenfalls be-

streitet der Beschuldigte, den Geschädigten am 12. Mai 2017 telefonisch aufge-

fordert zu haben, ihm EUR 1'500.– zu bezahlen, und gedroht zu haben, wenn er 

- 23 - 

es nicht mache, Bilder von ihm veröffentlicht und weitere Informationen an die Öf-

fentlichkeit gelangen würden (Urk. 32 S. 9 f.). 

5.1.4. Die Vorinstanz hat sich im Rahmen der Beweiswürdigung ausführlich mit 

den vorliegenden Beweismitteln, insbesondere den Aussagen des Beschuldigten, 

des als Mittäter angeklagten D._____, des Geschädigten sowie des Zeugen 

C._____, auseinandergesetzt (Urk. 77 S. 26 ff.). Auf diese zutreffenden Ausfüh-

rungen kann grundsätzlich verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Im Folgen-

den wird jedoch im Sinne einer Zusammenfassung und teilweise ergänzend, ver-

tiefend oder präzisierend nochmals auf die vorliegenden Beweismittel, insbeson-

dere die Aussagen der Beteiligten, und die Einwände der Verteidigung eingegan-

gen. 

5.1.5. Gemäss unstrittigem Sachverhalt war der Beschuldigte zusammen mit 

D._____ (als Mittäter angeklagt) am Abend des 16. Mai 2017 zusammen mit einer 

Drittperson (L._____) am Wohnort des Geschädigten J._____ (Urk. 1/7/1 S. 3; 

Urk. 1/7/7 S. 5 f.; Urk. 32 S. 10). Unstrittig ist sodann, dass der Beschuldigte und 

D._____ den Geschädigten am nächsten Tag, 17. Mai 2017, ca. zwischen 8.15 

und 8.30 Uhr angerufen haben (Urk. 1/7/1 S. 6; Urk. 1/7/3 S. 3). Weiter bestätigte 

der Beschuldigte, dass er Kontakt mit dem Geschädigten aufgenommen hatte, 

weil er (erneut) Geld von diesem gewollt habe (Urk. 1/7/1 S. 7) resp. er den Ge-

schädigten wegen der Scheidung um finanzielle Hilfe gebeten habe (Urk. 1/7/3 

S. 2; Urk. 1/7/7 S. 6 f.), und dass sie am 17. Mai 2017 um 9.00 Uhr resp. 9.30 Uhr 

einen Termin mit dem Geschädigten gehabt hätten (Urk. 1/7/3 S. 3; Urk. 32 S. 

11).  

5.1.6. Auch wenn der Beschuldigte geltend machte, dass er gesagt habe, er 

brauche 700 (Urk. 1/7/7 S. 7), ergibt sich aus den übereinstimmenden Aussagen 

von D._____ und dem Geschädigten, dass sowohl D._____ als auch der Be-

schuldigte den Geschädigten jeweils um EUR 900.– gebeten respektive vom Ge-

schädigten EUR 900.– gefordert haben (Urk. 32C S. 10; Urk. 1/9/1 S. 4). In der 

Einvernahme vom 18. Mai 2017 hatte dann der Beschuldigte den Betrag von 

EUR 900.– auch nicht bestritten (Urk. 1/7/3 S. 3 f.).  

- 24 - 

5.1.7. Sodann erklärte der Beschuldigte, dass mit dem Geschädigten vereinbart 

worden sei, sich am nächsten Tag bei einer Schaffhauser Bank zu treffen 

(Urk. 1/7/7 S. 7) resp. er um 9.30 Uhr einen Termin mit dem Geschädigten gehabt 

habe (Urk. 1/7/3 S. 3), und dass er, vielleicht aber auch noch D._____, am 

17. Mai 2017 nochmals mit dem Geschädigten telefoniert habe (Urk. 1/7/1 S. 6; 

Urk. 1/7/7 S. 8 f.). Zum Inhalt dieses Telefongesprächs sagten sodann sowohl der 

Beschuldigte als auch der Geschädigte aus, dass der Geschädigte gesagt habe, 

der Beschuldigte und D._____ sollen nicht kommen, und dass er ihnen nicht hel-

fen resp. kein Geld geben werde (Urk. 1/7/7 S. 8 f.; Urk. 1/9/1 S. 5; Urk. 1/9/7 

S. 15). Schliesslich ist unstrittig, dass der Beschuldigte und D._____ dennoch 

zum Wohnort des Geschädigten fuhren (Urk. 1/7/1 S. 6; Urk. 1/7/7 S. 9). Dort 

wurde der Beschuldigte schliesslich zusammen mit D._____ von der Polizei ver-

haftet (Urk. 1/5 S. 3; Urk. 1/32/1).  

5.1.8. Der äussere Ablauf der Begegnungen zwischen dem Beschuldigten, 

D._____ und dem Geschädigten am 16. und 17. Mai 2017 ist somit unstrittig und 

aufgrund der vorliegenden Aussagen erstellbar. Der Beschuldigte bestreitet je-

doch, den Geschädigten mit Fotos, die den Geschädigten bei sexuellen Handlun-

gen zeigen würden, unter Druck gesetzt respektive erpresst zu haben, damit ihm 

dieser den geforderten Geldbetrag bezahle (Urk. 1/7/7 S. 7 ff.; Urk. 32 S. 10 f.). 

Dies wird nachfolgend zu prüfen sein. 

5.1.9. Zu den Aussagen des Beschuldigten ist festzuhalten, dass er diese immer 

wieder (nachgewiesenen) Gegebenheiten anpasste und sich seine Aussagen ins-

gesamt als unstimmig, widersinnig sowie sich widersprechend erweisen und da-

mit (insgesamt) unglaubhaft sind.  

5.1.9.1. So gab er (unter anderem) zunächst an, er sei am 16. Mai 2017 beim Ge-

schädigten vorbeigegangen, um ein bisschen zu plaudern. Sie hätten über die 

Scheidung gesprochen (Urk. 1/7/1 S. 5). Am nächsten Tag hätten sie einen Ter-

min gehabt, weil der Geschädigte ihm habe helfen wollen. Er habe ihm Papiere 

für die Scheidung und auch finanziell für die Scheidung Geld geben wollen. Um 

welchen Geldbetrag es gegangen sei, wisse er nicht. Sie seien ja nicht dazu ge-

kommen, beim Stadtamt in der H._____ anzurufen (Urk. 1/7/1 S. 6). Anlässlich 

- 25 - 

der Hafteinvernahme gestand er dann ein, dass er vom Geschädigten habe 

EUR 900.– erhältlich machen wollen (Urk. 1/7/3 S. 3). Es ist nicht ersichtlich, wa-

rum der Beschuldigte diesbezüglich nicht von vornherein die Wahrheit sagte, 

sondern den wahren Grund für den Besuch zunächst verschwieg, wenn er bei 

seinen Besuchen am 16. und 17. Mai 2017 keine unlauteren Absichten hatte.  

5.1.9.2. Widersprüchlich sind die Aussagen des Beschuldigten (unter anderem), 

wenn dieser zunächst ausführt, der Geschädigte habe am Telefon gesagt, sie sol-

len nicht kommen (Urk. 1/7/1 S. 6), dann aber behauptet, der Geschädigte habe 

vor Ort zu ihnen gesagt, dass sie noch bleiben sollen (Urk. 1/7/1 S. 9). Auch die 

Erklärung, warum sie dennoch zum Geschädigten gefahren sind, obwohl dieser 

ihnen am Telefon gesagt habe, dass er ihm nicht helfen resp. kein Geld geben 

werde, ist nicht einleuchtend. So gab er zunächst an, der Geschädigte habe ge-

sagt, er werde über das Telefon erpresst. Sie seien hingefahren um das abzuklä-

ren (Urk. 1/7/1 S. 6; Urk. 1/7/3 S. 3). Warum es den Beschuldigten hierfür brauch-

te, nachdem – so nach Darstellung des Beschuldigten – bereits die Polizei vor Ort 

war (Urk. 1/7/3 S. 3), ist nicht nachvollziehbar. Seinen eigenen Aussagen wider-

sprechend erklärte er in einer späteren Einvernahme, er sei extra hingefahren, 

damit er feststellen könne, warum die Polizei dort sei (Urk. 1/7/7 S. 8 f.). Er kenne 

den Geschädigten gut. Er habe gewusst, wenn die Polizei bei ihm gewesen sei, 

dass etwas nicht in Ordnung sei, dass etwas nicht stimme. Er habe wissen wollen 

warum (Urk. 1/7/7 S. 10 f.). 

5.1.9.3. Auch konnte er keine plausible Erklärung dafür liefern, warum er den Ge-

schädigten – nachdem sie nach seiner Darstellung ja bereits einen Zeitpunkt und 

Ort für die Übergabe des Geldes abgemacht hatten – am Morgen des 17. Mai 

2017 nochmals angerufen hat. Eine Information, dass er zu ihm fahre (vgl. 

Urk. 1/7/7 S. 8), war entbehrlich, nachdem sie – wie der Beschuldigte selber an-

gab – am 16. einen Zeitpunkt und Ort für den 17. abgemacht haben sollen 

(Urk. 1/7/7 S. 7 f.). Dasselbe gilt für die Erklärung, er habe ihm sagen wollen, 

dass er zu ihm nach G._____ komme, und dass sie dann zusammen fahren wür-

den (Urk. 1/7/7 S. 8), nachdem dies nach Darstellung des Beschuldigten so schon 

am 16. besprochen worden sein soll. Jedoch gestand er in der nämlichen Einver-

- 26 - 

nahme ein, dass er dem Geschädigten am Telefon gesagt habe, dass er die EUR 

900.– brauche (Urk. 1/7/7 S. 9). Auch dies wäre entbehrlich gewesen, wenn sie 

die Geldübergabe bereits am 16. Mai 2017 konkret besprochen hätten, wie der 

Beschuldigte behauptet. 

5.1.9.4. Auffällig ist in diesem Zusammenhang auch, dass der Beschuldigte nie 

aussagte, dass die Polizei entgegen dem Telefongespräch mit dem Geschädigten 

gar nicht vor Ort gewesen sei, als sie dort eingetroffen seien (Urk. 1/7/1 S. 6 f.; 

Urk. 1/7/3 S. 3 f.; Urk. 1/7/7 S. 9 ff.). Dies insbesondere, nachdem der Beschuldig-

te – nicht nachvollziehbar – erklärte, er würde es akzeptieren (nicht zu kommen), 

wenn die Polizei nicht da gewesen wäre; weil die Polizei dagewesen sei, sei er 

extra hingefahren (Urk. 1/7/7 S. 10 f.) resp. er habe feststellen wollen, warum die 

Polizei dort sei (Urk. 1/7/7 S. 9).  

5.1.9.5. In der Einvernahme vom 24. Juli 2018 gab er zunächst an, dass von Bil-

dern und Aufnahmen keine Rede gewesen sei (Urk. 1/7/7 S. 6). Später gab er auf 

Frage an, es sei nicht über Fotos, auf welchen der Geschädigte und eine Drittper-

son beim Sex abgebildet wären, gesprochen worden. Er habe dem Geschädigten 

gesagt, es könne sein, dass es ein Foto geben könne, das seine Frau auf Face-

book gesehen habe. Sie könnten auf dem Foto am Tisch sitzen oder auf dem Bett 

liegen, jeder auf einer Seite (Urk. 1/7/7 S. 7). Auf die Frage, zu welchem Zweck er 

dies dem Geschädigten erzählt habe, führte er an, als er zu ihm gegangen sei, 

habe er ihm gesagt, er möchte ihn um Hilfe bitten und über Fotos sei nicht ge-

sprochen worden. Er habe ihn um Hilfe gebeten, und der Geschädigte habe wis-

sen wollen, warum er sich scheiden lasse. Dann habe er ihm gesagt, dass seine 

Frau glaube, dass er mit ihm eine Beziehung habe. Aber darüber, dass er ein Fo-

to habe, und wenn er ihm das Geld nicht gebe, dass er das veröffentlichen würde, 

darüber sei überhaupt nicht geredet worden, kein einziges Wort (Urk. 1/7/7 

S. 7 f.). Ein solches Aussageverhalten spricht nicht für die Glaubhaftigkeit der 

Aussagen. Zunächst sollen Aufnahmen und Bilder kein Thema gewesen sein. 

Dann spricht der Beschuldigte doch von einer Aufnahme, die er gegenüber dem 

Geschädigten erwähnt habe, auf der er und der Geschädigte abgebildet sein 

könnten, nur um diese Aussage dann wieder zu dementieren. Auch bezüglich des 

- 27 - 

Wissens seiner Ehefrau machte er unterschiedliche Aussagen. So gab er in der 

Untersuchung an, man habe seiner Ehefrau am Telefon gesagt, dass ein Foto 

existiere, das ihn mit dem Geschädigten im Bett zeige (Urk. 1/7/3 S. 2). Anlässlich 

der vorinstanzlichen Hauptverhandlung verneinte er dann, dass seine Ehefrau et-

was von Fotos von ihm und dem Geschädigten gewusst habe. Der Geschädigte 

habe ihn mal angerufen und gesagt, er liebe ihn und er vermisse ihn, und sie ha-

be es gehört (Urk. 32 S. 14). Aus den Aussagen des Beschuldigten ergibt sich, 

dass inkriminierende Fotos am 16. Mai 2017 anlässlich des Besuchs beim Ge-

schädigten ein Thema waren. Warum dies vom Beschuldigten und D._____ zum 

Thema gemacht wurde, konnte der Beschuldigte nicht nachvollziehbar erklären. 

5.1.9.6. Auffällig ist sodann, dass der Beschuldigte zunächst mehrmals ausführte, 

dass der Geschädigte für ihn Arbeit gesucht habe; dieser kenne die Leute 

(Urk. 1/7/1 S. 5) resp. der Geschädigte habe sehr schnell Arbeit besorgen können 

(Urk. 1/7/4 S. 39) resp. sowohl der Geschädigte als auch B._____ hätten ihm ge-

holfen, Arbeit zu finden (Urk. 1/7/7 S. 14). Dann sagte er aber plötzlich aus – 

nachdem ihm vorgehalten worden war, dass der Geschädigte ausgesagt habe, 

dass vereinbart worden sei, dass er dem Beschuldigten helfe, eine Arbeit zu fin-

den und dieser dann das Geld zurückzahle – der Geschädigte habe ihm geholfen, 

habe ihm Arbeit gesucht, aber er habe keine gefunden (Urk. 1/7/7 S. 20). Dies 

obwohl er zuvor noch aussagte, dass bezüglich Rückzahlung vereinbart worden 

sei, dass der Geschädigte ihm eine Arbeit finde, und sie dann vereinbaren wür-

den, wie er ihm das Geld zurückzahle (Urk. 1/7/7 S. 18). Bezüglich des schluss-

endlich anerkannten Darlehens bestritt er sodann zunächst, je einmal ein Darle-

hen erhalten zu haben resp. gab er zunächst an, er wisse es nicht, ob er je einmal 

Geld vom Geschädigten ausgeliehen habe (Urk. 1/7/7 S. 17). Darauf angespro-

chen, warum er, wenn er nie ein Darlehen erhalten habe, zunächst ausgesagt ha-

be, dies nicht zu wissen, gestand er ein, dass es so gewesen sei, dass er ihm 

vielleicht einmal Geld geliehen habe; er habe ihm oft geholfen, mehrfach. Es sei 

Anfang 2008 oder 2009 oder 2010 gewesen, er erinnere sich nicht genau. Er – 

der Geschädigte – habe ihm 3000 bar auf die Hand gegeben und 3000 zusätzlich 

über Western Union geschickt (Urk. 1/7/7 S. 17 f.). In der Folge machte er – 

nachdem er damit konfrontiert worden war, dass der Geschädigte geltend mache, 

- 28 - 

ihm ca. im Jahr 2009/2010 Fr. 25'000.– geliehen zu haben – geltend, dass es 

(das anerkannte Darlehen in Höhe von Fr./EUR 6'000.–) nicht 2009/2010 gewe-

sen sei, sondern 2013 (Urk. 1/7/7 S. 20), ohne jedoch erklären zu können, wie es 

zu dieser Korrektur seiner eigenen Aussagen über den Zeitpunkt kommt. Von ei-

nem im Jahr 2008, 2009 oder 2010 erhaltenen Darlehen wollte er plötzlich nichts 

mehr wissen. 

5.1.9.7. In der Einvernahme vom 17. Mai 2017 erklärte er auf die Frage, ob er vor 

zwei Wochen den Geschädigten angerufen habe, lediglich um diesen zu fragen, 

wie es ihm ginge, ja, und er habe ihn gefragt, ob er ihm helfe könne. Der Geschä-

digte habe ihm damals Fr. 700.– gegeben (Urk. 1/7/1 S. 7). Diese Aussage mach-

te er, ohne dass ihm diesbezüglich etwas vorgehalten worden wäre. In der Ein-

vernahme vom 24. Juli 2018 bestritt er dann aber, dass er zwei Wochen vor dem 

17. Mai 2017 vom Geschädigten Geld gewollt und bekommen habe. Er habe ihm 

helfen können, am 10. oder 12. Mai. Das seien aber nicht 600 sondern 200 gewe-

sen (Urk. 1/7/7 S. 11 f.). Auffällig ist dabei, dass er nicht ausführte, sich nicht 

mehr erinnern zu können, sondern vehement bestritt, vom Geschädigten – entge-

gen seiner ursprünglichen von sich aus erfolgten Aussage – Fr. 700.– erhalten zu 

haben.  

5.1.9.8. Die Unstetigkeit und Unglaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten 

ergibt sich auch aus dessen Aussagen im Zusammenhang mit dem Auto, dass er 

ca. Ende April/Anfangs Mai 2017 gekauft hatte. So gab er zunächst an, dass er 

vor zwei Wochen (= ca. Ende April/Anfangs Mai 2017) ein Auto gekauft habe, in 

M._____, einen Renault Scenic. Dieser habe Fr. 400.– gekostet. Das Geld dafür 

habe er von Zuhause gehabt; von seiner Mutter, diese lebe von ihrer Rente. Sie 

habe ihm das Geld gegeben (Urk. 1/7/1 S. 4). Später gab er an, das Geld für das 

Auto habe er wahrscheinlich von B._____ erhalten. Gleichzeitig gab er nunmehr 

an, nicht den vollen Preis sondern nur eine Anzahlung von Fr. 100.– bezahlt zu 

haben. Sein Mobiltelefon habe er auch hinterlassen und vereinbart, dass er mit 

Ratenzahlungen den vollen Preis bezahle. Auf Vorhalt, wie er das denn hätte ma-

chen wollen, nachdem er nicht einmal das Geld für die Scheidung und die Alimen-

te gehabt habe, gab er dann an, B._____ hätte ihm Fr. 100.– in die Hand gege-

- 29 - 

ben. Ein Cousin, der hier [Anmerkung: Musik] spiele, habe ihm zudem Fr. 200.– 

oder Fr. 300.– gegeben (Urk. 1/7/7 S. 12). Aber auch schon die Aussage, seine 

Mutter lebe von einer Rente und habe genügend Geld um ihm Fr. 400.– zu leihen, 

steht in einem krassen Widerspruch dazu, dass der Beschuldigte den Geschädig-

ten und auch andere Personen immer wieder um Geld anging, um seinen Le-

bensunterhalt und denjenigen seiner Familie zu finanzieren und zur Aussage des 

Beschuldigten, dass seine Eltern und er keine Möglichkeit hätten, den Mietzins für 

die Wohnung zu bezahlen (Urk. 1/7/7 S. 21). Umso weniger wird die Mutter Geld 

dafür gehabt haben, um dem Beschuldigten mit Geld für einen Autokauf auszu-

helfen. 

5.1.9.9. Unstimmig und unglaubhaft sind auch die weiteren Aussagen im Zusam-

menhang mit dem gekauften Auto, das er gekauft haben will, um es nachher zu 

verkaufen und das – nunmehr von B._____ und einem Cousin (Urk. 1/7/7 S. 12) – 

geliehene Geld zurückzubezahlen (Urk. 1/7/7 S. 16). So hätte er gemäss seinen 

Aussagen das Auto für EUR 800.– bis 1'000.– verkaufen können. Weiter gab er 

an, dass das Auto aber unverkäuflich sei, solange es nicht registriert sei in der EU 

und solange es keine H._____ Kennnummer habe. Und das würde Monate dau-

ern (Urk. 1/7/7 S. 18 f.). Es ist jedoch nicht ersichtlich, warum die Einlösung eines 

Fahrzeugs Monate dauern soll.  

5.1.9.10. Auch bezüglich seines Aufenthaltes in der Schweiz machte er unter-

schiedliche Angaben. So gab er auf die Frage, wann er das letzte Mal hier gewe-

sen sei, an, letzten November, 2016. Aktuell sei er seit fast einer Woche in der 

Schweiz, eingereist mit seinem Fahrzeug Renault Scenic (Urk. 1/7/1 S. 2). In der 

Folge gab er an, er sei vor zwei Wochen hier gewesen, um ein Auto zu kaufen 

(Urk. 1/7/1 S. 4). Er sei mit einem Freund, N._____, hier gewesen (Urk. 1/7/1 

S. 7). In einer späteren Einvernahme gab er an, er sei zusammen mit einem Pas-

tor, der eine Ehefrau aus der Schweiz habe, in die Schweiz gekommen. Er habe 

ihm geholfen zu fahren, und der Pastor sei dann zu seiner Frau gegangen, und er 

sei bei Freunden im Auto geblieben und habe dort übernachtet (Urk. 1/7/7 S. 13). 

5.1.9.11. Nicht nachvollziehbar und unsinnig ist sodann die Behauptung des Be-

schuldigten, der Geschädigte habe ihnen mehr Geld angeboten, als diese von 

- 30 - 

ihm verlangten. Der Geschädigte habe ihnen – nachdem er gesagt habe, dass er 

700 brauche und D._____, dass er 500 oder 600 brauche – zusammen EUR 

1'500 bis EUR 1'800 geben wollen (Urk. 1/7/3 S. 3 f.; Urk. 1/7/7 S. 7). Es ist nicht 

ersichtlich, warum sich der Geschädigte zu einem solchen Verhalten veranlasst 

gesehen haben soll. Der Beschuldigte lieferte denn auch keine Erklärung hierfür.  

5.1.9.12. In diesem Zusammenhang kann noch darauf hingewiesen werden, dass 

der Beschuldigte auch verschiedentlich versuchte, verschiedene Personen (konk-

ret oder pauschal) schlecht darzustellen. So gab er auf die Frage, warum er nicht 

in ein Hotel gegangen sei, um zu übernachten, an, manchmal hätten sie keinen 

Platz, manchmal würde sie keine Gäste aus der H._____ nehmen (Urk. 1/7/7 

S. 13). Den Lebenspartner des Geschädigten stellte er als eifersüchtig dar und 

schob diesem die Schuld für die ganze Angelegenheit in die Schuhe (Urk. 1/7/7 

S. 15 f.). Obwohl der Beschuldigte in der Einvernahme vom 24. Juli 2018 akzep-

tierte, dass der Geschädigte bei der Polizei Anzeige erstattet hatte (Urk. 1/7/7 

S. 15), bezichtigte er in der Einvernahme vor der Vorinstanz C._____, Strafanzei-

ge erstattet zu haben. Der Geschädigte habe von nichts gewusst. Dass sie ihn 

erpresst haben sollen, komme alles vom Partner des Geschädigten (Urk. 32 

S. 13). Schon in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme machte er geltend, 

dass der Geschädigte sich unter Druck von C._____ befinde, ohne jedoch hierfür 

eine plausible Erklärung liefern zu können (Urk. 1/7/7 S. 15). Schliesslich verun-

glimpfte er auch B._____, der ihm – anerkanntermassen – ebenfalls mehrere Ma-

le unterstützt hatte. So bezeichnete er diesen als geldgierig und geizig (Urk. 1/7/8 

S. 6 f.). 

5.1.9.13. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschuldigte in den Ein-

vernahmen seine Aussagen immer wieder den neuen Erkenntnissen anpasste 

und versuchte, sich mit der Anpassung seiner Antworten aus offensichtlich zu Ta-

ge tretenden Widersprüchlichkeiten und Unstimmigkeiten herauszureden, was 

ihm jedoch nicht gelang. Die Aussagen des Beschuldigten sind unglaubhaft. Auf 

dessen Behauptung, weder am 16. noch am 17. Mai 2017, insbesondere nicht mit 

Nacktfotos, Druck auf den Geschädigten ausgeübt zu haben, kann deshalb nicht 

abgestellt werden. Aus den Aussagen des Beschuldigten ergibt sich sodann, dass 

- 31 - 

kompromittierende Fotos am 16. Mai 2017 Thema waren, ohne dass der Be-

schuldigte hierfür einen plausiblen Grund angeben konnte. 

5.1.9.14. Soweit der Beschuldigte anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhand-

lung vorbrachte, er könne sich nicht vorstellen, was der Geschädigte nach seiner 

Entlassung als Pfarrer noch zu verlieren gehabt habe (Urk. 32 S. 15), ist klarzu-

stellen, dass diese Aussage erst auf ausdrücklichen Hinweis der Verteidigung auf 

diesen Umstand hin erfolgte (Urk. 32 S. 15) und der Beschuldigte zunächst bejah-

te, dass es für den Geschädigten eine massive Drohung gewesen wäre, wenn es 

die Drohung, dass man Bilder veröffentliche, gegeben hätte (Urk. 32 S. 12). Es 

war dem Beschuldigten somit sehr wohl klar, dass kompromittierende Bilder dem 

Geschädigten sowohl beruflich als auch privat massiv hätte schaden können, und 

er mit seinen Äusserungen, wenn der Geschädigte das geforderte Geld nicht be-

zahle, Bilder, die Aufnahmen sexueller Handlungen zwischen dem Geschädigten 

und anderen Männern zeigen würden sowie entsprechende Texte an die Öffent-

lichkeit gelangen würden, Druck auf den Geschädigten ausüben wollte, damit die-

ser ihm die geforderten EUR 900.– gibt. Sodann ist klarzustellen, dass der Ge-

schädigte zwar angab, davon auszugehen, dass keine solchen Bilder existieren 

würden (Urk. 1/9/1 S. 4 f.; Urk. 1/9/2 S. 12; Urk. 1/9/7 S. 22; Urk. 1/9/8 S. 5, S. 7), 

er jedoch gleichzeitig auch ausführte, dass heute sehr vieles möglich sei. Es sei 

ihm bewusst, dass man mit Computertechnik und Fototechnik sehr viel machen 

könne (Urk. 1/9/8 S. 8). Zudem ist notorisch, dass bereits entsprechende Behaup-

tungen Personen diskreditieren können und daher glaubhaft ist, dass sich der 

Geschädigte durch die Aussage unter Druck gesetzt fühlte, auch wenn er sich 

schlussendlich entschied, nicht zu bezahlen, weil er gewusst habe, dass es keine 

Fotos gebe, und er nie ein eheähnliches Verhältnis zum Beschuldigten gehabt 

habe (Urk. 1/9/8 S. 6). 

5.1.10. Die Anklage stützt sich insbesondere auf die Aussagen des Geschädigten.  

5.1.10.1. Der Geschädigte wurde von der Polizei erstmals am 17. Mai 2017 be-

fragt (Urk. 1/9/1). Dabei erklärte er, dass der Beschuldigte, D._____ und ein ge-

wisser L._____ bei ihm gewesen seien und erneut Geld gefordert hätten. Der Be-

schuldigte habe wieder von dem Geld angefangen. Er habe EUR 900.– für das 

- 32 - 

Gericht gewollt. D._____ habe dann auch Geld von ihm gefordert. Dabei sei von 

beiden eine Summe von EUR 1'800.– zusammengekommen. Er hätte das Geld 

an diesem Morgen, 9.30 Uhr, beim Bahnhof in O._____ den beiden übergeben 

sollen. Der Beschuldigte habe angegeben, dass er seinetwegen die Ehe mit sei-

ner Frau auflösen müsse, weil ihm eine Beziehung zu ihm angelastet worden sei. 

Eigentlich habe er schon vorgehabt, das Geld nach O._____ zu bringen, er habe 

das Problem lösen wollen. Er sei dann geschwankt und habe seine Meinung noch 

vor 7 Uhr an diesem Morgen geändert. Auf die Frage, ob er erpresst worden sei, 

erklärte er, ja, beide seien sehr fordernd gewesen und hätten ihm mit der Heraus-

gabe von Bildern gedroht, falls er nicht zahlen sollte. Zum einen sei er mit der an-

geblichen Beziehung zwischen dem Beschuldigten und ihm und zum anderen mit 

kompromittierenden Bildern von sich erpresst worden, wobei er aber nicht wisse, 

wie die Bilder entstanden seien. Er habe keine Kenntnis von solchen Bildern 

(Urk. 1/9/1 S. 4 f., S. 7). Nochmals darauf angesprochen, wer ihn wann erpresst 

habe, erklärte der Geschädigte, dass der Beschuldigte am letzten Freitag telefo-

nisch mit ihm Kontakt aufgenommen habe, das sei der Freitag, der 12. Mai 2017 

gewesen, abends. Der Beschuldigte habe ihm gesagt, er wolle EUR 1'500.– für 

die ausstehenden Gerichtskosten, und er müsse ihm das bezahlen, da er an sei-

ner Scheidung mitschuldig sei, weil er mit ihm eine Beziehung gehabt habe. Er 

habe zu ihm gesagt: "Du musst mir die 1500 Euro bezahlen, es kommt später 

noch ein weiterer Geldbetrag dazu, der noch festgelegt werden muss, wenn du es 

nicht machst, dann werden Bilder von dir veröffentlicht, und es werden weitere In-

formationen an die Öffentlichkeit gelangen, und du darfst niemanden informieren, 

keinen Anwalt und keine Polizei." Am 16. Mai 2017 habe der Beschuldigte zu ihm 

gesagt: "Du musst mir das Geld für das Gericht geben, ich brauche das Geld, das 

müsse Morgen überwiesen werden." D._____ habe ebenfalls Geld gewollt, weil er 

etwas habe bezahlen müssen. Er habe gesagt, er würde es ihm auch gleich wie-

der zurück bezahlen. Er solle sich nicht zieren, sondern ihm das Geld einfach ge-

ben. Es sei je um EUR 900.– gegangen. Auf die Frage, wer ihn wann und wo mit 

welchem Wortlaut erpresst habe, führte er an, gestern Abend, 21.00 Uhr, bei ihm 

zu Hause im Wohnzimmer. Der Beschuldigte und D._____ seien sehr eindringlich 

gewesen und hätten beide gesagt, er müsse jetzt bezahlen, ansonsten würde das 

- 33 - 

Material (Bilder, Texte usw.) an die Öffentlichkeit gelangen. Er sei von beiden, 

dem Beschuldigten und D._____, gleichermassen und zeitgleich erpresst worden. 

Am damaligen Morgen, 9.20 Uhr, seien dann wieder beide bei ihm zu Hause auf-

getaucht und hätten ihn erneut verbal, direkt und frontal erpresst (Urk. 1/9/1 S. 8 

f.).  

5.1.10.2. In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 3. November 2017 

bestätigte der Geschädigte seine Aussagen im Grossen und Ganzen (Urk. 1/9/7 

S. 14 ff.). Dass sich der Geschädigte dabei nicht mehr an jedes Detail zu erinnern 

vermochte und gewisse Umstände erst nach Vorhalt seiner polizeilichen Aussa-

gen bestätigte, macht seine Aussagen nicht unglaubhaft. So konnte er sich denn 

auch auf einzelne Vorhalte hin wieder erinnern und von sich aus weitere – in 

Übereinstimmung mit seinen polizeilichen Aussagen stehende – Aussagen ma-

chen. Er gestand auch ein, wenn er sich an etwas nicht mehr zu erinnern ver-

mochte (Urk. 1/9/7 S. 15, S. 16). Auch in der staatsanwaltschaftlichen Einver-

nahme vom 27. November 2017 bestätigte der Geschädigte den Sachverhalt 

nochmals, wenn auch nicht mehr gleich detailliert (Urk. 1/9/8 S. 3 ff.).  

5.1.10.3. In Würdigung der Aussagen des Geschädigten kann festgehalten wer-

den, dass diese glaubhaft sind. Seine Schilderungen sind im Kerngehalt überein-

stimmend geblieben. Dass sich aus den vielen polizeilichen und staatsanwaltli-

chen Einvernahmen sowie der Befragung des Geschädigten an der Hauptver-

handlung Abweichungen ergeben, lässt sich durch die vergangene Zeit erklären 

und macht dessen Aussagen nicht unglaubhaft. Der Geschädigte gab bereits in 

der ersten Einvernahme an, dass ihm der Beschuldigte und D._____ gedroht ha-

ben, mit kompromittierenden Bildern an die Öffentlichkeit zu treten (Urk. 1/9/1 

S. 3, S. 5). Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass der Beschuldigte in der 

Einvernahme vom 24. Juli 2018 angab, dass er dem Geschädigten gesagt habe, 

dass es sein könne, dass es ein Foto geben könne, welches seine Frau auf Fa-

cebook gesehen habe. Sie könnten auf dem Foto am Tisch sitzen oder auf dem 

Bett liegen, jeder auf einer Seite (Urk. 1/7/7 S. 7). Wie ausgeführt, ergibt sich da-

mit bereits aus den Aussagen des Beschuldigten, dass kompromittierende Fotos 

am 16. Mai 2017 Thema waren. Dies stützt die Aussagen des Geschädigten, 

- 34 - 

dass ihm der Beschuldigte und D._____ mit der Veröffentlichung von kompromit-

tierenden Bildern drohten. Demgegenüber vermag die Erklärung des Beschuldig-

ten, zu welchem Zweck er dies dem Geschädigten erzählt habe, nicht überzeu-

gen. So erklärte der Beschuldigte, als er zu ihm (dem Geschädigten) gegangen 

sei, habe er ihm gesagt, er möchte ihn um Hilfe bitten und über Fotos würde nicht 

gesprochen. Er habe ihn um Hilfe gebeten und der Geschädigte habe wissen wol-

len, warum er sich scheiden lasse. Dann habe er ihm gesagt, seine Frau glaube, 

dass er mit ihm (dem Geschädigten) eine Beziehung habe. Aber darüber, dass er 

ein Foto habe und wenn er ihm das Geld nicht gebe, dass er das veröffentlichen 

würde, darüber sei überhaupt nicht geredet worden, kein einziges Wort (Urk. 1/7/7 

S. 8). Mit dieser Aussage dementierte er seine ursprüngliche Aussage über die 

gemachte Bemerkung über das Vorhandensein eines Fotos, wieder. Hierfür gibt 

es keine nachvollziehbare Erklärung. Es drängt sich auf, dass der Beschuldigte 

wohl realisierte, dass seine Aussage die Aussage des Geschädigten stützt, und 

seine Aussage daher wieder korrigieren wollte.  

5.1.10.4. Es ist sodann nicht ersichtlich, warum der Geschädigte diesbezüglich 

falsche Angaben machen sollte. So gestand er von Anfang an ein, dass er dem 

Beschuldigten und weiteren H._____ in der Vergangenheit immer wieder – freiwil-

lig – Geld geliehen resp. gegeben hatte (Urk. 1/9/1 S. 3 ff.) und verzichtete er auf 

die Geltendmachung von Schadenersatz im Rahmen des Strafverfahrens. Nach-

dem der Geschädigte sodann auch in den weiteren Einvernahmen eingestand, 

dem Beschuldigten und weiteren H._____ – freiwillig – teilweise auch grössere 

Geldbeträge übergeben zu haben (Urk. 1/9/2 S. 6; Urk. 1/9/3 S. 5 ff.; Urk. 1/9/8 S. 

9 f.), ergibt sich kein Motiv für eine falsche Belastung des Beschuldigten (und 

D._____). Vielmehr scheint, dass der Geschädigte an diesem 16./17. Mai 2017 

eingesehen hatte, dass er vom Beschuldigten und den weiteren H._____ hem-

mungslos ausgenützt wird (Urk. 1/9/8 S. 8), wodurch er sich auch in finanzielle 

Schwierigkeiten gebracht hatte (Urk. 1/9/2 S. 6; Urk. 1/9/8 S. 12), und nunmehr 

nicht mehr bereit war, diese weiterhin zu unterstützen und der Beschuldigte und 

D._____ deshalb versuchten, Druck auf den Geschädigten auszuüben. Die Aus-

führungen des Geschädigten, dass er vom Beschuldigten, der bis dahin erhebli-

che finanzielle Mittel vom Geschädigten erhältlich machen konnte, mit der Veröf-

- 35 - 

fentlichung von kompromittierendem Material unter Druck gesetzt worden sei, 

ergibt deshalb ein stimmiges Bild. Der Geschädigte, katholischer Pfarrer, ist ho-

mosexuell, was der Beschuldigte wusste (Urk. 1/7/5 S. 4), obwohl der Beschuldig-

te dies in der ersten Einvernahme bestritt (Urk. 1/7/1 S. 6). Diese anfängliche Be-

streitung erscheint äusserst fragwürdig, da es hierfür keinen rationalen Grund 

gibt. Sodann fällt auf, dass der Beschuldigte bereits in der Einvernahme vom 

18. Mai 2017 aussagte, man habe seiner Ehefrau am Telefon gesagt, dass ein 

Foto existiere, das ihn mit dem Geschädigten im Bett zeige (Urk. 1/7/3 S. 2). Die-

se Behauptung verneinte er dann aber anlässlich der vorinstanzlichen Hauptver-

handlung (Urk. 32 S. 14). Weiter erklärte der Beschuldigte einerseits, er (der Ge-

schädigte) habe ihnen nichts angetan, und er habe auch nichts von irgendwel-

chen Beziehungen gewusst (Urk. 1/7/5 S. 4), andererseits behauptete er ins 

Blaue hinaus, dass jemand beim Kirchensekretariat angerufen und gesagt habe, 

dass der Geschädigte Sex mit kleinen Kindern habe (Urk. 1/32/9 S. 3; vgl. 

Ziff. 3.2.3.). Diese Aussagen zeigen, dass die Homosexualität des Geschädigten 

vom Beschuldigten (und D._____) bewusst ausgenutzt und – zunächst unter-

schwellig, später ausdrücklich – eingesetzt wurde, um zu seinem Ziel, Geld vom 

Geschädigten zu erhalten, zu gelangen. Dafür, dass der Geschädigte nicht mehr 

bereit war, den Beschuldigten und die H._____ weiterhin bedingungslos mit Geld 

zu unterstützen, spricht auch die Aussage des Beschuldigten, dass alles den 

Bach hinunter gegangen sei, als C._____ informiert worden sei (Urk. 1/7/5 S. 5). 

Es war für den Beschuldigten sicher äusserst ärgerlich, eine so lukrative Geld-

quelle zu verlieren, hat doch der Geschädigte dem Beschuldigten in den vergan-

genen Jahren immer wieder mit Geldzahlungen ausgeholfen und ihm über die 

Jahre gemäss eigener Aussage um die Fr. 30'000.– gegeben (Urk. 1/7/3 S. 2 ff.; 

Urk. 1/7/5 S. 7; Urk. 1/7/7 S. 28).  

5.1.10.5. An diesem Beweisergebnis vermag auch nichts zu ändern, dass der 

Geschädigte in der Einvernahme vom 3. November 2017 verneint hatte, etwas 

angedroht erhalten zu haben (Urk. 102/1 S. 32), bezog sich diese Verneinung des 

Geschädigten doch auf den 12. Mai 2017 (Urk. 1/9/7 S. 21). 

- 36 - 

5.1.10.6. Der Umstand, dass sowohl der Beschuldigte als auch D._____ dem Ge-

schädigten erstelltermassen mit der Veröffentlichung von kompromittierenden Fo-

tos drohten, und sie gemeinsam am nächsten Tag wiederum beim Geschädigten 

erschienen, lässt sich schliesslich nicht anders deuten, als dass beide mit dem 

Handeln des andern einverstanden waren, ansonsten hätte sich der Beschuldigte 

am nächsten Tag nicht mit D._____ wieder zum Geschädigten begeben. 

5.1.11. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass der Sachverhalt Seite 2-4 

der Anklage insbesondere betreffend den 16./17. Mai 2017 anklagegemäss er-

stellt werden kann.  

5.2. Anklagesachverhalt Dossier 3, Anklage Seite 4-5, gewerbsmässiger Betrug 

zum Nachteil von J._____ 

5.2.1. Vorab kann auf die zutreffende Zusammenfassung/Wiedergabe des Ankla-

gesachverhaltes und der Aussagen des Geschädigten und des Beschuldigten 

durch die Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 77 S. 42 ff.; soweit die Vorinstanz 

auf Dossier 1 verweist, handelt es sich um einen Verschrieb).  

5.2.2. Der Beschuldigte bestreitet, vom Geschädigten Fr. 25'000.– erhalten zu 

haben (Urk. 1/7/7 S. 20; Urk. 32 S. 4).  

5.2.2.1. Das erste Mal mit dem Vorwurf konfrontiert, erklärte der Beschuldigte, 

dass er (der Geschädigte) ihm das Geld gegeben habe, aber keine Fr. 25'000.–. 

Er habe ihm Fr. 6'000.– gegeben. Fr. 3'000.– habe er ihm übergeben und 

Fr. 3'000.– habe er ihm überwiesen. Der Geschädigte habe ihm keine 

Fr. 25'000.– gegeben. Dieser irre sich auch in der Zeitangabe, es sei nicht 

2009/2010 sondern 2013 gewesen. Weiter erklärte er, der Geschädigte habe ihm 

nie gesagt, das Geld sei geliehen und er wolle es bis dann und dann zurück. Der 

Geschädigte habe gewusst, dass er Geld brauche, und habe gesagt, ja ich gebe 

dir Geld, aber versprich mir, dass du Arbeit suchst und arbeiten wirst. Er habe ihm 

nie Fr. 25'000.– gegeben. Er habe ihm mit Fr. 6'000.– geholfen. Es sei auch keine 

Zwangsversteigerung gewesen, es sei nur eine Schuld am Haus gewesen. Es sei 

eine Zahlungsaufforderung gewesen mit der Androhung, dass sie andernfalls in-

- 37 - 

nerhalb eines Monats zwangsausgewiesen würden. Für EUR 26'000.– könne er 

in der H._____ ein Einfamilienhaus bauen. Diese EUR 26'000.– seien ihm nicht 

bezahlt worden (Urk. 1/7/7 S. 20 ff.).  

5.2.2.2. Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung hielt der Beschuldigte 

daran fest, dass der Geschädigte ihm für die Wohnung/Haus seiner Eltern 

Fr. 3'000.– in die Hand gegeben und nochmals Fr. 3'000.– per Western Union ge-

schickt habe. Dieses Geld übernehme er als Schuld, das andere habe der Ge-

schädigte ihm geschenkt. Der Betrag, mit dem er seinen Eltern geholfen habe, 

nehme er als Anleihe, aber der Rest habe er ihm geschenkt. Er (der Geschädigte) 

habe einen Kredit aufgenommen bei einer Bank in Winterthur und das müsse er 

(der Beschuldigte) zurückbezahlen. Das sei für die Schuld auf der Wohnung ge-

wesen. Das sei so etwa 2012 gewesen. Der Geschädigte habe ihm gesagt, dass 

er in Winterthur Fr. 6'000.– bis Fr. 7'000.– aufgenommen habe (Urk. 32 S. 4 f.). 

Auch auf erneuten Vorhalt hielt er daran fest, dass es Fr. 6'000.– gewesen seien 

(Urk. 32 S. 17).  

5.2.3. Die Staatsanwaltschaft stützt sich insbesondere auf die Aussagen des Ge-

schädigten.  

5.2.3.1. Dieser erklärte in der polizeilichen Einvernahme vom 17. Mai 2017, er 

kenne den Beschuldigten seit sieben Jahren. Damals hätten sie für eine ganz 

kurze Zeit, für ca. eine Woche, miteinander verkehrt. Damals hätten sie auch von 

einer Freundschaft gesprochen, die eventuell aufgebaut werden könne. Damals 

sei der Beschuldigte in einer finanziellen Notlage gewesen und er habe ihm da-

raufhin Fr. 25'000.– gegeben. Mit diesem Geld sei der Beschuldigte in die 

H._____ verschwunden und habe dort die Probleme seiner Familie mit seinem 

Geld gelöst. Anstatt zurückzukehren sei er mit weiteren H._____ Bekannten nach 

P._____ gefahren und sei dort verblieben, wobei er immer wieder finanzielle 

Probleme gehabt habe und sich dann bei ihm gemeldet habe. Anfänglich habe er 

ihm finanziell ausgeholfen. Vor ca. vier Jahren sei dann der Kontakt abgebrochen. 

Vor ca. einem Jahr habe der Kontakt wieder angefangen, indem er immer wieder 

mit anderen H._____ bei ihm aufgetaucht sei (Urk. 1/9/1 S. 2). In der gleichen 

- 38 - 

Einvernahme erklärte er auf die Frage, wie viel Geld an den Beschuldigten ge-

flossen sei, erneut, zuerst einmal die Fr. 25'000.– (Urk. 1/9/1 S. 6).  

5.2.3.2. In der Einvernahme vom 20. Juni 2017 erklärte der Geschädigte auf die 

Frage, ob er mit dem Beschuldigten befreundet, verfeindet oder verwandt sei, sie 

seien bekannt gewesen. Er sei einer von denjenigen gewesen, der mal bei ihm 

vor der Haustüre gestanden sei. Er habe ihn zum Spaghetti-Essen eingeladen. 

Bei dieser Gelegenheit habe ihm der Beschuldigte erzählt, dass er zu Hause El-

tern habe, die in argen Schulden leben würden und der Vater herzkrank sei. Er 

habe dem Beschuldigten damals einen stattlichen Betrag von ca. Fr. 22'000.– bis 

Fr. 23'000.– gegeben mit der Abmachung, dass der Beschuldigte dieses Geld zu-

rückbezahlen werde und dies durch Einkünfte aus seiner Arbeit auch machen 

werde. Er sei sich das aus der Landwirtschaft gewohnt, dass geliehene Gelder 

auf diese Art und Weise zurückbezahlt würden, nur mit den H._____ in der 

Schweiz gehe sowas nicht (Urk. 1/9/2 S. 12).  

5.2.3.3. In einer weiteren Einvernahme am gleichen Tag (20. Juni 2017) antworte-

te der Geschädigte auf die Frage, wie hoch er den Bargeldbetrag insgesamt 

schätze, den er dem Beschuldigten im Laufe der Zeit habe zukommen lassen, 

dieser sei relativ gross gewesen. Das habe angefangen, als er ihn kennen gelernt 

habe, das sei vor ungefähr acht Jahren gewesen. Damals habe er ihm einen Kre-

dit in der Höhe von Fr. 25'000.– gegeben, um die Schulden und den Executor in 

E._____ vom Wohnhaus seiner Eltern abzuwenden. Es sei vereinbart gewesen, 

dass der Beschuldigte nach der finanziellen Regelung in E._____ nach G._____ 

zurückkehre und hier in G._____ oder F._____ in einem Baugeschäft arbeiten 

und den Betrag monatlich abbezahlen werde. Der Beschuldigte sei dann nach 

P._____ abgehauen. Er habe dann sofort in P._____ immer wieder neue Schwie-

rigkeiten gehabt. Er habe mal Geld für Pneu gebraucht, mal sei er verunfallt. Er 

habe ihm immer wieder Geld geschickt (Urk. 1/9/3 S. 10 f.). Auf die Frage, ob er 

keine Zweifel über die Rückzahlung der Gelder gehabt habe, erklärte er, im Grun-

de genommen nein. Es sei immer wieder das Versprechen im Raum gewesen, 

dass gearbeitet werde, um die Schulden zurück zu bezahlen. Er habe das jedoch 

nicht kontrollieren können. Auch habe er dafür die Zeit nicht gehabt. Eigentlich 

- 39 - 

hätte es ihm gereicht, wenn er gewusst hätte, dass der Schuldner arbeite, um 

seine Schulden zu bezahlen. Natürlich habe er immer wieder gefragt, um auch 

Sicherheit zu erlangen. Es habe aber immer an dem Punkt geendet, dass ihm ge-

sagt worden sei: "Du musst das jetzt bezahlen, und dann kommt das schon gut." 

Auch seien ihm Versprechen gemacht und gesagt worden, dass er sich keine 

Sorgen machen müsse. Er sei auch immer unter Druck gewesen, dass diese Te-

lefongespräche nicht ins Geschäft gemacht worden seien, da bekanntlich Frau 

K._____ auch entsprechend grosse Ohren gehabt habe. Auf die Frage, wie er 

sich bei diesen Geldforderungen/Zahlungen gefühlt habe, erklärte er, er zahle und 

dann habe er seine Ruhe. Das sei das eine gewesen. Zum Beispiel beim Be-

schuldigten, als er das letzte Mal seine Forderungen bezüglich Alimentenzahlun-

gen an ihn gestellt habe, sei er zornig, sauer und verstimmt geworden und habe 

ihm gesagt, dass er nicht zahlen werde, auch wenn er ständig neue Forderungen 

stellen werde (Urk. 1/9/3 S. 15). Auf die Frage, mit welcher Erwartung er den 

H._____ Geld gegeben habe, führte er aus, dass eine sei gewesen, dass er sich 

dazu verpflichtet gefühlt habe, weil er sich bei seiner Ordination dazu verpflichtet 

habe, Menschen in Bedrängnis und Not zu helfen, und das andere sei gewesen, 

dass es eine Überbrückung, eine Hilfe zur Selbsthilfe darstelle und er selbstver-

ständlich das Geld auch zurückerhalten hätte. Das sei die Idee gewesen… nun 

wisse er heute, dass da wohl kein Geld mehr kommen werde. Geschenkt habe er 

das Geld, das von ihm stammte, nie. Das Geld aus der Q._____-Kasse, das sei 

geschenkt gewesen. Natürlich immer mit der entsprechenden Erwartung verbun-

den. Ihm sei immer die Rückzahlung versprochen worden. Die Rückzahlung sei 

nicht immer schriftlich festgehalten worden, wegen des Zeitdrucks und der Ar-

beitsmenge, die bei ihm vorhanden gewesen sei (Urk. 1/9/3 S. 16). 

5.2.3.4. In der Einvernahme vom 23. Juni 2017 erklärte der Geschädigte, er habe 

die Geschichten nicht überprüfen können. Er habe nicht nach E._____ reisen 

können bzw. wollen, auch weil er die Sprache nicht beherrsche. Wenn er nachge-

fragt habe, sei er immer wieder beschwichtigt worden, z.B. mit den Worten: "Du 

kannst uns doch vertrauen… Du kennst uns doch… wir kommen doch schon drei, 

vier Jahre zu dir." Sie hätten ihm auch immer Honig, angeblich aus der H._____, 

zum Weiterverkauf überlassen wollen. Den habe er aus Hygienegründen nicht 

- 40 - 

angenommen. Solange ihn jemand nicht körperlich angreife oder bestehle, dass 

er es sehe, habe er keinen Grund, misstrauisch zu sein (Urk. 1/9/4 S. 5). Sodann 

führte er nochmals aus, dass er dem Beschuldigten Fr. 25'000.– in bar bezahlt 

habe. Das Geld habe aus einer Ausschüttung aus einer Altersvorsorge in Form 

einer Lebensversicherung gestammt. Er habe jedoch nichts schriftlich fixiert. Das 

sei alles sehr schnell gegangen. Er habe das Geld erhalten, habe es dem Be-

schuldigten bei einem Abendessen gegeben und der Beschuldigte habe dann so-

fort nach E._____ abreisen müssen. Es sei abgemacht gewesen, dass er nach 

zwei Tagen wieder zurückkommen werde und ihm auch den Wohnungsschlüssel, 

den er von seiner Wohnung gehabt habe, wieder zurückbringe. Den habe der Be-

schuldigte damals einfach mitgenommen. Angesprochen, wann er ihm sein Geld 

zurückgeben werde, sei der Beschuldigte immer mit der gleichen Masche ge-

kommen, dass er zuerst eine Wohnung haben müsse, um arbeiten zu können. Er 

sei immer wieder vertröstet worden, dass das Geld schon wieder kommen werde. 

Bald sei dann jedoch die Aussage gekommen, dass er das Geld nicht zahlen 

könne, weil er Alimentenschulden habe. Dann sei das mit der Zahlung von Ali-

mentengeldern losgegangen, wo er ihm letztlich wieder Fr. 20'000.– bezahlt habe. 

Der Beschuldigte habe ihm gesagt, dass er arbeiten werde, dass er arbeitsmässig 

versuche eine Existenz aufzubauen. Es sei nicht machbar gewesen, diese Anga-

ben zu überprüfen. Die Betreuung von solchen Leuten hätte ja alleine einen Voll-

zeitjob ausgemacht, da wäre ein Sozialarbeiter voll beschäftigt gewesen. Er habe 

nebst seinem Fulltime-Job schlicht und ergreifend die Zeit nicht dazu gehabt. Er 

sei davon ausgegangen, dass der Beschuldigte das Geld durch Einkünfte aus 

seiner Arbeit zurückbezahlen werde. Er müsse jedoch dazu ehrlicherweise auch 

sagen, dass er sich diesbezüglich auch nie wirklich Kalkulationen gemacht habe. 

Er habe Unterlagen gehabt, zweifelslos. Oft habe er sich Geldzahlungen quittie-

ren lassen, die seien aber praktisch alle verschwunden (Urk. 1/9/4 S. 8 f.).  

5.2.3.5. In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 3. November 2017 er-

klärte der Geschädigte, er habe vom Beschuldigten vernommen, dass dieser we-

gen dessen Eltern in grossen Schwierigkeiten stecke. Er habe sich gedacht, dass 

es möglich sein müsse, dass man helfe. Da der Beschuldigte in der Schweiz auf-

grund der neuen Bedingungen auch habe arbeiten dürfen, habe er das Gefühl 

- 41 - 

gehabt, dass der Beschuldigte auf dem Bau arbeiten solle und er ihm finanziell 

helfen könne, damit seine Eltern im Konkurs nicht enteignet und ihre Wohnung 

nicht verlieren würden. Er habe zufällig an jenem Tag oder am Tag zuvor von ei-

ner Versicherung altershalber einen Geldbetrag ausbezahlt erhalten. Er habe dem 

Beschuldigten dann ziemlich genau das gegeben, was er erhalten habe. Er wisse 

nicht mehr genau, es seien ca. Fr. 25'000.– oder Fr. 26'000.– gewesen, um seine 

Eltern auszulösen. Dies mit der klaren Anweisung, zu Hause die Angelegenheit in 

Ordnung zu bringen und sodann gleich wieder zu kommen und mit dem Arbeiten 

zu beginnen. Eine Quittung für die Auszahlung habe er nicht erstellt und unter-

zeichnen lassen. Er sei zeitlich immer dermassen unter Druck gewesen, dass er 

nicht noch Papiere erstellt habe. Er habe dem Beschuldigten das Geld gegeben. 

Dieser sei dann sofort losgefahren und habe das Problem mit den Eltern, soweit 

er informiert sei, geregelt (Urk. 1/9/7 S. 4 f.).  

5.2.3.6. Es liegt sodann eine Aufstellung "Geldausleihe für die Eltern von 

A._____" des Geschädigten vor (Beilage zu Urk. 1/9/10). Hierzu erklärte der Ge-

schädigte, dass es sich um eine Aufzählung von Geldbeträgen handle, die ihm in 

den Sinn gekommen seien, die er gegeben habe. Dabei handle es sich beim 

grösseren Betrag um die Zahlung an die Eltern, damit deren Haus nicht zwangs-

versteigert werde. Der Beschuldigte sei ja dann in P._____ gewesen, und da sei 

offenbar vieles schief gegangen, so dass dann wieder Anfragen für Reifen und 

Solches gekommen sei. Das Schriftstück habe er erstellt, bevor D._____ den Be-

schuldigten abholen gegangen sei. Da habe er nochmals einen Geldbetrag be-

zahlen müssen. Auf die Frage, ob es sich beim aufgeführten Datum, 1. Juli 2013, 

um das Erstellungsdatum handle, erklärte der Geschädigte, das sei durchaus 

denkbar (Urk. 1/9/10 S. 6). 

5.2.3.7. Schliesslich erklärte der Geschädigte am 4. Dezember 2018 vor Vorin-

stanz, dass der Beschuldigte ihm erzählt habe, dass seine Eltern vor dem Kon-

kurs stehen würden und der Verlust der Wohnung drohe. Dann habe er ihm Geld 

gegeben, ca. Fr. 22'000.– bis Fr. 25'000.–, um die Eltern vor dem Schlimmsten zu 

bewahren. Es sei abgemacht gewesen, dass er zurückkomme und sie dann 

schauen würden, dass er auf dem Bau arbeiten könne. Das sei 5 bis 6 Jahre her. 

- 42 - 

Die Jahreszahl könne er nicht sagen. Der Beschuldigte sei dann 2 Jahre nach 

P._____ gegangen und habe auch dort finanzielle Probleme gehabt und auch da 

habe er Geld geschickt (Urk. 56 S. 4).  

5.2.4. Würdigung 

5.2.4.1. Erstellter- und anerkanntermassen hatte der Geschädigte dem Beschul-

digten immer wieder Geld gegeben. So auch um dessen Eltern im Zusammen-

hang mit deren Wohnung zu helfen. Das dem Beschuldigten nach seiner Darstel-

lung hierfür im Jahr 2009 oder 2010 gewährte Darlehen erwähnte der Geschädig-

te an der Einvernahme vom 17. Mai 2017. Entsprechend lag der Vorgang zu die-

sem Zeitpunkt rund sieben Jahre zurück. Der Geschädigte bestätigte in mehreren 

Einvernahmen, dass er dem Beschuldigten rund Fr. 25'000.– als Darlehen über-

geben habe, damit dieser die Probleme seiner Eltern im Zusammenhang mit de-

ren Haus lösen könne (Urk. 1/9/1 S. 2, S. 6; Urk. 1/9/2 S. 12; Urk. 1/9/3 S. 10 f.; 

Urk. 1/9/4 S. 8 f.; Urk. 1/9/7 S. 4 f.; Urk. 56 S. 4). Jedoch fällt in diesem Zusam-

menhang auf, dass der Geschädigte nie genau angeben konnte, wann er dem 

Beschuldigten dieses Geld übergeben hatte. In der ersten Einvernahme im Jahr 

2017 sprach er davon, dass er den Beschuldigten seit 7 Jahren kennen würde 

und er ihm damals, als er ihn kennengelernt gehabt habe, die Fr. 25'000.– über-

geben habe. Weiter gab er an, dass der Kontakt zum Beschuldigten vor ca. vier 

Jahren abgebrochen sei. Vor ca. einem Jahr habe der Kontakt wieder angefan-

gen, indem er immer wieder mit anderen H._____ bei ihm aufgetaucht sei 

(Urk. 1/9/1 S. 2). Diese Aussage bestätigte er in der gleichen Einvernahme noch-

mals. Der Beschuldigte sei vor sieben Jahren kurz in der Schweiz gewesen und 

sei danach nach P._____ gegangen. Er sei seit rund einem Jahr wieder hier 

(Urk. 1/9/1 S. 3). In der Einvernahme vom 21. Mai 2017 erklärte er dann, erst mit 

der Zeit, d.h. in den letzten 2 bis 3 Jahren seien dann die Geldforderungen der 

H._____ gekommen (Urk. 1/9/3 S. 3). In der gleichen Einvernahme gab er dann 

aber auf den Beschuldigten angesprochen an, dass dieser angefangen habe, als 

er ihn kennen gelernt habe, das sei vor ungefähr 8 Jahren gewesen. Damals ha-

be er ihm einen Kredit in Höhe von Fr. 25'000.– gegeben (Urk. 1/9/3 S. 11). Wei-

ter führte er entgegen seinen Aussagen einige Tage zuvor (dass der Beschuldigte 

- 43 - 

seit rund einem Jahr wieder hier sei) aus, dass der Beschuldigte vor ca. 3 Jahren 

(wieder) bei ihm zu Hause aufgetaucht sei und ihm erzählt habe, dass er Alimente 

bezahlen müsse. Er glaube, es seien ca. Fr. 20'000.– gewesen (Urk. 1/9/3 S. 11). 

In der Einvernahme vom 23. Juni 2017 erklärte der Geschädigte dann, dass er 

den Beschuldigten vor ca. 8 Jahren kennengelernt habe. Es sei abgemacht ge-

wesen, dass er nach zwei Tagen wieder zurückkomme. Er habe den Beschuldig-

ten jedoch erst nach zwei, drei Jahren wieder gesehen und ihm für Alimenten-

schulden letztlich dann Fr. 20'000.– bezahlt (Urk. 1/9/4 S. 8 f.). 

5.2.4.2. In der Einvernahme vom 27. November 2017 erklärte der Geschädigte 

sodann, dass der Kontakt zum Beschuldigten abgebrochen sei, als dieser nach 

P._____ gegangen sei. Er habe zum einen kein Interesse daran gehabt, dass der 

Kontakt weitergehe, wenn der Beschuldigte sich in P._____ aufhalte und einfach 

nicht mehr zurückkomme. Anlässlich eines Telefonats habe er dann auch Frauen- 

und Kinderstimmen gehört. Er habe sich gedacht, dass der Beschuldigte eine 

neue Familiensituation gefunden habe, und er habe auch gedacht, das sei OK. 

Der Beschuldigte habe zudem gesagt, dass er in einer …-fabrik arbeiten würde 

(Urk. 1/9/8 S. 11). Diese Aussage erscheint doch schwer nachvollziehbar, wenn 

der Geschädigte dem Beschuldigten kurz davor einen Betrag von rund 

Fr. 25'000.– als Darlehen gewährt hatte. In Anbetracht dieses Betrages hätte der 

Geschädigte ein erhebliches Interesse daran haben müssen, die berufliche Ent-

wicklung des Beschuldigten zu verfolgen und mit diesem in Kontakt zu bleiben, 

um die Rückzahlung des Darlehens absichern zu können. Die Aussage, er habe 

die Idee gehabt, dass der Beschuldigte dann mal komme und ihm das Geld zu-

rückgebe, wenn er sich etabliert habe (Urk. 1/9/8 S. 12), erscheint insbesondere 

in Anbetracht des Umstands, dass ihn der Beschuldigte immer wieder wegen 

Geld kontaktierte (Urk. 1/9/8 S. 11), sehr naiv, und lässt sich mit der Grösse des 

Darlehens schwerlich in Einklang bringen.  

5.2.4.3. Auch wenn nachvollziehbar ist, dass es nach so langer Zeit schwierig ist, 

sich an den genauen Termin der Übergabe zu erinnern, leuchtet aufgrund der 

Angaben des Geschädigten nicht ein, warum die Übergabe vom Geschädigten 

nicht genauer eingegrenzt werden kann. Der Geschädigte erklärte, dass das Geld 

- 44 - 

aus der Auszahlung einer Lebensversicherung stammte. Dennoch konnte er das 

Jahr der Gewährung des Darlehens resp. der Auszahlung nicht genau angeben. 

Auch konnte der Geschädigte weder Bank- noch Versicherungsunterlagen über 

die Lebensversicherung und dessen Auszahlung vorlegen. Dies obwohl die Ban-

ken als auch die Versicherungen ihre Unterlagen 10 Jahre aufbewahren müssen 

und diese Aufbewahrungsdauer im Jahr 2017 noch nicht abgelaufen war, wenn 

die Auszahlung im Jahr 2009 oder 2010 erfolgt sein soll. Das Fehlen von entspre-

chenden Unterlagen lässt gewisse Zweifel aufkommen, ob der Geschädigte dem 

Beschuldigten tatsächlich im Jahr 2009 oder 2010 ca. Fr. 25'000.– übergeben 

hatte. Hierzu kann noch angemerkt werden, dass der Geschädigte in den Einver-

nahmen nicht nur unterschiedliche zeitliche Angaben machte, sondern dass er 

sich bereits in der Einvernahme vom 3. November 2017 nicht mehr genau an den 

Ablauf des Kontakts mit dem Beschuldigten und D._____ am 16./17. Mai 2017 er-

innern konnte. So konnte er zunächst nicht sagen, wer einen Geldbetrag einge-

fordert habe und in welcher Höhe (Urk. 1/9/7 S. 14 f.). Es kann deshalb nicht aus-

geschlossen werden, dass sich der Geschädigte nicht mehr richtig zu erinnern 

vermag, insbesondere da der Geschädigte gemäss eigenen Angaben Kontakt mit 

diversen H._____ hatte, die immer wieder Geld von ihm forderten und mit denen 

immer alles schnell habe gehen müssen. In der Einvernahme vom 20. Juni 2017 

führte der Geschädigte sodann aus, dass er mit R._____ zwischen 2010 und 

2017 Kontakt gehabt habe. Der sei immer wieder bei ihm zu Besuch gewesen. 

Der habe unterschiedlich bei ihm Geld geborgt, zum Beispiel zur Bezahlung eines 

Hauszinses (Urk. 1/9/3 S. 7). Gemäss weiterer Aussage des Geschädigten hatte 

dieser R._____ bei ihm Schulden in Höhe von Fr. 30'000.– (Urk. 1/9/3 S. 7 f.). Der 

Geschädigte verkehrte somit im Jahr 2010 auch noch mit mindestens einem an-

deren H._____, dem er ebenfalls grössere Geldsummen überlassen hatte. In die-

sem Zusammenhang kann auch noch auf die Aussage des Partners des Geschä-

digten verwiesen werden, der aussagte, dass sich der Geschädigte nicht gut erin-

nern könne und Sachen durcheinander bringe (Urk. 57 S. 8). 

5.2.4.4. Wie erwähnt, kann sodann den edierten Bankunterlagen des Geschädig-

ten (vgl. Urk. 1/17/13) nicht entnommen werden, dass dem Geschädigten im Jahr 

2009 oder 2010