# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8fe57d9b-1f5a-5f1e-9811-4067a45246f6
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-12-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.12.2008 D-4655/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4655-2007_2008-12-23.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-4655/2007
law/bah
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 3 .  D e z e m b e r  2 0 0 8

Richter Walter Lang (Vorsitz), 
Richterin Marianne Teuscher,
Richterin Claudia Cotting-Schalch,
Gerichtsschreiber Christoph Basler.

A._______, geboren (...),
B._______, geboren (...),
C._______, geboren (...),
D._______, geboren (...),
Türkei,
vertreten durch Klausfranz Rüst-Hehli, 
Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende, (...),
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), vormals Bundesamt 
für Flüchtlinge (BFF),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
6. Juni 2007 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-4655/2007

Sachverhalt:

A.
Die Beschwerdeführerin, eine ethnische Kurdin alevitischen Glaubens 
mit letztem Wohnsitz in A._______ (Provinz Kahramanmaras), verliess 
die Türkei  zusammen mit  ihrem Ehemann und der  jüngeren Tochter 
nach  eigenen  Angaben  am  18.  Juni  2001  auf  dem  Luftweg  nach 
Bosnien  und  Herzegowina  und  gelangte  von  dort  über  Italien  am 
25. Juni 2001 in die Schweiz, wo sie am 28. Juni 2001 schriftlich um 
Asyl nachsuchen liess. 

A.a Bei  der  Kurzbefragung  vom  3.  Juli  2001  im  Empfangszentrum 
(vormals Empfangsstelle) B._______ und der Anhörung zu den Asyl-
gründen  durch  die  zuständige  kantonale  Behörde  vom  14. August 
2001  und  deren  Fortsetzung  vom  17. August  2001  machte  die  Be-
schwerdeführerin  zur  Begründung  ihres  Gesuches  im  Wesentlichen 
geltend, sie habe schon als Kind mit ihrer Familie zusammen Guerillas 
der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK; Partia Karkeren Kurdistan) unter-
stützt. Ein jüngerer Bruder habe sich vor ungefähr zwei Jahren dieser 
Organisation angeschlossen. Im Zusammenhang mit  Aktivitäten ihrer 
Familie sei sie bereits vor 12 Jahren einmal drei Tage in Haft gewesen. 
Nach ihrer Heirat im Jahr 1992 habe sie mit ihrem Ehemann, einem 
Mitglied der HADEP (Halkin Demokrasi Partisi), die Unterstützung der 
Guerillas fortgesetzt. Sie seien deswegen von Soldaten wiederholt be-
schimpft und beleidigt und ihr Ehemann vom Militär mitgenommen und 
geschlagen worden. Anfangs Juni 2001 habe ihr Ehemann im Auftrag 
von  Guerillas  in  C._______  Ware  bezogen,  worunter  sich  auch 
Munition befunden habe. Die Ware sei  noch am gleichen Abend von 
den Guerillas abgeholt worden. Ihr Ehemann, der diese noch ein Stück 
auf  ihrem Weg begleitet  habe,  sei  auf  deren Rat  hin  in  jener  Nacht 
nicht  mehr  nach Hause zurückgekehrt.  Am folgenden Tag habe  das 
Militär  bei  ihr  eine  Hausdurchsuchung  vorgenommen  und  dabei  die 
Pässe  beschlagnahmt.  Sie  selbst  habe  man  zunächst  auf  den 
Dorfposten gebracht  und dann auf  den Militärposten von D._______ 
überführt,  wo  sie  drei  Tage  festgehalten  und  von  sieben  Männern 
vergewaltigt  worden  sei.  Ihre  Schwiegermutter  habe  wegen  der 
Krankheit  ihrer  Tochter  ihre  Freilassung  erwirken  können.  Bei  ihrer 
Rückkehr  nach  Hause  habe  sie  eine  Mitteilung  ihres  Ehemanns 
erhalten, wonach sie zu ihm nach C._______ kommen solle. Mit ihrer 
jüngeren  Tochter  sei  sie  nach  C._______  gegangen,  wobei  sie  die 
Militärkontrollen mit  dem Hinweis habe passieren können, sie bringe 

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ihr  krankes Kind zum Arzt. Noch am gleichen Tag seien sie und ihr 
Ehemann  von  C._______  nach  Istanbul  weitergereist,  wo  sie  die 
Türkei mit Hilfe eines Schleppers verlassen hätten.

A.b Am 20. August  2001 übermittelte  Dr. med. E._______, Facharzt 
FMH Allgemeinmedizin, der kantonalen Fremdenpolizei ein ärztliches 
Zeugnis betreffend die Beschwerdeführerin.

A.c Die  ältere  Tochter  der  Beschwerdeführerin  reiste  am  4. August 
2002 in die Schweiz ein und suchte um Asyl nach. Anlässlich ihrer An-
hörung durch die zuständige kantonale Behörde vom 28. August 2002 
erklärte sie unter anderem, in der Schule vom Lehrer und den Schul-
kameraden immer wieder wegen ihrer kurdischen Abstammung und ih-
rer Eltern geschlagen und beschimpft worden zu sein.

A.d Am 24. September 2002 wurde der Sohn der Beschwerdeführerin 
geboren.

A.e Am  8. Mai  2003  hörte  das  BFF  die  Beschwerdeführerin  ergän-
zend an. Dabei wiederholte sie im Wesentlichen ihre bisherigen Vor-
bringen und erklärte, ihre in der Türkei lebenden Angehörigen würden 
nach ihrem Aufenthaltsort gefragt.

B.
Das BFF stellte mit Verfügung vom 23. Juni 2003 fest, die Beschwer-
deführenden  würden  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllen,  und 
lehnte die Asylgesuche ab. Gleichzeitig  verfügte es die Wegweisung 
aus der Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug an. 

C.
Mit Urteil vom 16. Juni 2005 hiess die Schweizerische Asylrekurskom-
mission  (ARK)  eine  gegen  diese  Verfügung  erhobene  Beschwerde 
vom 24. Juli 2003 gut, soweit die Aufhebung der angefochtenen Verfü-
gung beantragt wurde. Die Verfügung des BFF vom 23. Juni 2003 wur-
de aufgehoben und die Akten zur weiteren Abklärung und Neubeurtei-
lung an das BFM zurückgewiesen.

II

D.
D.a Die Beschwerdeführerin übermittelte dem BFM am 13. September 
2005 zwei Zeitungsartikel aus "Özgür Politika" vom 10. Juli 2002.

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D.b Am  15.  August  2006  reichte  die  Beschwerdeführerin  ein  türki-
sches Gerichtsdokument (Entscheid des ...) vom 20. April 2006 ein.

D.c Mit Schreiben vom 11. Oktober 2006 gab die Beschwerdeführerin 
einen  Bericht  des  (...)  vom  6.  September  2006  und  ein  ärztliches 
Zeugnis  von  Dr.  med.  F._______  vom  30. September  2006  zu  den 
Akten.

E.
Das BFM hörte die Beschwerdeführerin am 9. November 2006 ein wei-
teres Mal an. Dabei machte sie neben den bisherigen Vorbringen unter 
anderem geltend, mit dem Dokument vom 20. April 2006 könne sie be-
legen, dass ihre in der Türkei verbliebene Mutter belästigt werde. Die 
Polizei habe bei dieser eine Hausdurchsuchung durchgeführt und da-
bei eine Tasche ihres Bruders, der bei der PKK sei, mitgenommen.

F.
F.a Mit  Schreiben  vom  28.  Dezember  2006  ersuchte  das  BFM  die 
Schweizerische Botschaft in Ankara um die Vornahme von Abklärun-
gen in der Türkei. 

F.b Die Botschaft informierte das BFM am 23. März 2007 über die Er-
gebnisse ihrer Abklärungen. 

F.c Am 12. April  2007 gab das BFM gab den Beschwerdeführenden 
den wesentlichen Inhalt der Botschaftsabklärung bekannt und räumte 
ihnen Gelegenheit ein, sich dazu innert Frist zu äussern und Gegen-
beweismittel zu bezeichnen.

F.d Am 23. April  2007 reichten die Beschwerdeführenden eine Stel-
lungnahme ein.

G.
Das BFM stellte mit Verfügung vom 6. Juni 2007 fest, die Beschwerde-
führenden würden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, und lehnte 
die Asylgesuche ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung der Be-
schwerdeführenden aus der Schweiz und ordnete den Wegweisungs-
vollzug an.

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H.
H.a Mit Eingabe vom 9. Juli 2007 (Poststempel) liessen die Beschwer-
deführenden gegen diese Verfügung durch ihren Rechtsvertreter Be-
schwerde erheben und beantragen,  es sei  ihnen unter  Anerkennung 
der Flüchtlingseigenschaft Asyl zu gewähren, eventuell sei die Streit-
sache zur substanziellen Erweiterung der Sachverhaltsabklärung ge-
mäss dem Urteil der ARK vom 16. Juni 2005 an die Vorinstanz zurück-
zuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht liessen sie zudem beantra-
gen, es sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, es sei Ein-
sicht in die Botschaftsanfrage und die Botschaftsantwort zu gewähren 
und  es  sei  die  Beschwerdeführerin  von  einer  Fachperson  befragen 
bzw. diese von einer forensisch einschlägig qualifizierten Expertin be-
gutachten zu lassen. Der Eingabe lag unter anderem (vgl. S. 6 unten 
der Beschwerde) ein ärztlicher Bericht des (...) vom 6. Juli 2007 bei.

H.b Mit  Eingabe vom 12. Juli  2007 ergänzte der Rechtsvertreter  die 
Beschwerde.

I.
Der Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  wies  das Ge-
such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 
Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwal-
tungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  mit  Zwischenverfügung  vom 
17. Juli  2007  ab. Gleichzeitig  verzichtete  er  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses, lehnte den Antrag auf erweiterte Akteneinsicht ab 
und räumte dem BFM Gelegenheit ein, innert  Frist eine Vernehmlas-
sung einzureichen.

J.
Das BFM beantragte in  seiner  Vernehmlassung vom 2. August  2007 
die Abweisung der Beschwerde.

K.
In  ihrer  Stellungnahme  vom  23. August  2007,  der  ein  Artikel  über 
transkulturelle Psychiatrie beilag, hielten die Beschwerdeführenden an 
ihren Anträgen fest. Gleichzeitig liessen sie beantragen, es sei die Be-
gutachtung der Beschwerdeführerin durch eine Fachperson mit Kennt-
nissen der Psychotraumatologie anzuordnen.

L.
Mit Eingabe vom 11. September 2007 ersuchte die Beschwerdeführe-

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rin um Entscheid über ihren Beweisantrag in Sachen einer amtlichen 
Begutachtung.

M.
Der Instruktionsrichter  gewährte  dem Rechtsvertreter  der  Beschwer-
deführenden  mit  Verfügung  vom  30.  Oktober  2008  Gelegenheit  zur 
Einreichung  einer  Kostennote.  Dieser  übermittelte  seine  Kostennote 
am 12. November 2008.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt  Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5  VwVG. Das BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorins-
tanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende 
Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesver-
waltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegen-
den  Beschwerde  und  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig 
(Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG,  SR 142.31]; 
Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 2005 
[BGG, SR 173.110]).

1.2 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Die  Be-
schwerdeführenden  sind durch  die  angefochtene  Verfügung  berührt 
und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie-
hungsweise Änderung. Die Beschwerdeführenden sind daher zur Ein-
reichung der Beschwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1, 
Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-
treten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  
3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-

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kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt 
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei-
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist  Rechnung 
zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet  oder in sich wider-
sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 
AsylG).

4.
4.1
4.1.1 Das BFM führt zur Begründung seines Asylentscheides aus, es 
erscheine im türkischen Kontext realitätsfremd, dass der Ehemann der 
Beschwerdeführerin während Jahren unter dem Verdacht der PKK-Un-
terstützung immer wieder kurz und ohne Einleitung weiter greifender 
Untersuchungsmassnahmen festgenommen worden sei. Ebenso wirke 
es lebensfremd, dass Guerillas der PKK über Jahre hinweg die Hilfe-
leistungen eines unter Beobachtung der heimischen Sicherheitskräfte 
stehenden Dorfbewohners in Anspruch genommen hätten, da das Ri-
siko einer Enttarnung und Festnahme zu hoch gewesen wäre. Die an-
gebliche Unterstützungstätigkeit ihres Ehemannes müsse als unglaub-
haft  eingestuft  werden,  weshalb  auch die  von ihr  geltend gemachte 
Reflexverfolgung nicht glaubhaft sei. 

4.1.2 Die Beschwerdeführerin habe im Laufe des Asylverfahrens so-
wohl  zum  Auftauchen  der  Guerillas  wie  auch  zur  anschliessenden 
Festnahme  unterschiedliche  Angaben  gemacht.  Bei  der  kantonalen 
Anhörung habe sie angegeben, sie habe die vier Guerillas, die im Juni 
2001 zu ihnen nach Hause gekommen seien, von früheren Besuchen 
her gekannt,  und es seien die gleichen Männer  gewesen, die ihrem 
Mann den Auftrag gegeben und die Sachen abgeholt hätten. Bei der 

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zweiten ergänzenden Anhörung habe sie behauptet, nur einen Guerilla 
von früher gekannt zu haben. Zudem habe sie angegeben, neben zwei 
vom ersten Besuch bekannten Männern  seien bei  der Abholung der 
Waren  zwei  andere  Guerillas  mitgekommen. Bei  der  Kurzbefragung 
habe  sie  gesagt,  sie  sei  auf  dem  Posten  von  D._______  -  ausser 
während der Misshandlungen - immer in einem sehr kleinen Raum, in 
dem sie  gerade habe sitzen können,  untergebracht  gewesen. In der 
zweiten ergänzenden Anhörung habe sie gesagt, sie sei in der Regel 
in einem Raum gewesen, der etwa die Grösse des Anhörungsraumes 
beim BFM gehabt habe. Bei dieser Anhörung habe sie auch erklärt, es 
habe  auf  dem  Posten  einen  Raum  gehabt,  in  den  sie  jeweils  zum 
Rauchen  gegangen  sei.  Davon  habe  sie  früher  nie  gesprochen. 
Anlässlich  der  Kurzbefragung  habe  sie  gesagt,  man  habe  sie  in 
D._______  wiederholt  vergewaltigt  und  immer  wieder  für  dreissig 
Minuten in ihre Zelle zurückgebracht. Diesen klaren zeitlichen Ablauf 
habe  sie  später  nicht  mehr  schildern  können.  Sie  habe  vielmehr 
erklärt, während ihrer Haft keinerlei Zeitgefühl mehr gehabt zu haben, 
da sie ohne Uhr in einem fensterlosen Raum festgehalten worden sei. 
Unter  diesen  Umständen  stelle  sich  die  Frage,  wie  die 
Beschwerdeführerin  bei  der  Kurzbefragung  zur  Aussage  gekommen 
sei,  nach den Misshandlungen regelmässig für eine halbe Stunde in 
die Zelle zurückgebracht worden zu sein. Schliesslich habe sie bei der 
Kurzbefragung  angegeben,  sie  sei  auf  dem  Posten  von  sieben 
Männern,  die  sich  abgewechselt  hätten,  vergewaltigt  worden.  Im 
Rahmen  der  zweiten  ergänzenden  Anhörung  habe  sie  hingegen 
behauptet,  nicht  genau  zu  wissen,  wie  viele  Polizisten  sie  damals 
vergewaltigt  hätten.  Die  zahlreichen  widersprüchlichen  und 
ungereimten  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  zu  zentralen 
Elementen  der  Verfolgungsgeschichte  führten  zum  Schluss,  sie 
beziehe sich mit  den Aussagen auf  einen konstruierten Sachverhalt. 
Es  könne  nicht  geglaubt  werden,  dass  sie  im  Zusammenhang  mit 
politischen  Aktivitäten  ihres  Ehemannes  einer  Reflexverfolgung 
ausgesetzt gewesen sei. Insbesondere müssten auch die angebliche 
Haft  und  die  damit  verbundenen  Misshandlungen  als  unglaubhaft 
gewertet werden. Diese Einschätzung werde durch die Ergebnisse der 
Abklärungen der Schweizer Vertretung in Ankara erhärtet.

4.1.3 Die Abklärungen der Schweizerischen Botschaft hätten ergeben, 
dass  weder  gegen  die  Beschwerdeführerin  noch  gegen  ihren  Ehe-
mann Datenblätter vorlägen. Weder sie noch ihr Ehemann würden ge-
sucht  und  sie  unterstünden  keinem  Passverbot.  Das  von  ihr  einge-

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reichte  Dokument  des  (...)  aus  dem  Jahr  2006  sei  authentisch.  Es 
wurde  darin  nach  einer  Denunziation  die  richterliche  Erlaubnis  zu 
einer Hausdurchsuchung bei ihrer Mutter erteilt. Die Durchsuchung sei 
offenbar  ergebnislos  verlaufen.  Gemäss  den  Erkenntnissen  der 
Botschaft liege auch gegen die Mutter der Beschwerdeführerin bei den 
türkischen Behörden nichts vor. Im Hinblick auf die Stellungnahme der 
Beschwerdeführerin sei festzuhalten, dass es vorliegend keine Gründe 
gebe,  an  den  Abklärungsergebnissen  der  Schweizer  Vertretung  in 
Ankara  zu  zweifeln,  die  sich  über  Jahre  hinweg  als  äusserst 
zuverlässig erwiesen hätten. Der Einwand, es gebe in der Türkei noch 
weitere  Registrierungssysteme,  in  welche  die  Schweizer 
Verbindungsbeamten gar keinen Einblick hätten, habe sich bisher als 
reine  Behauptung  erwiesen,  für  die  keine  überzeugenden  Beweise 
geliefert worden seien.

4.1.4 Insgesamt sei der Schluss zu ziehen, dass die Beschwerdefüh-
rerin und ihr Ehemann gegenüber den heimatlichen Behörden als un-
bescholtene Bürger gälten. Sie hätten keine Verfolgung bzw. Reflexver-
folgung durch die türkischen Behörden glaubhaft machen können. Auf-
grund der Aktenlage gebe es auch keine konkreten Hinweise auf eine 
begründete Furcht  vor einer wahrscheinlichen,  in Zukunft  drohenden 
asylrelevanten Verfolgung.

4.2
4.2.1 In der Beschwerde wird demgegenüber im Wesentlichen geltend 
gemacht, die am 9. November 2006 mit der Befragung der Beschwer-
deführerin  befasste  Sachbearbeiterin  des  BFM habe  verkannt,  dass 
die interindividuellen Unterschiede in der Tatverarbeitung von Verge-
waltigungsopfern  erheblich seien. Sie habe die Aussagefähigkeit  der 
Beschwerdeführerin  blockiert,  indem  sie  ihr  zu  verstehen  gegeben 
habe, sie glaube ihr nicht, dass es ihr schwer falle, über die Vergewal-
tigung zu sprechen. Sie habe auch zu Protokoll gegeben, dass sie auf 
Anweisung  der  ARK die  Vergewaltigung  zur  Sprache  bringe;  es  sei 
aber offensichtlich, dass sie dieser Anweisung keinen Kredit entgegen-
bringe und nicht in der Lage gewesen sei, von ihrer Befangenheit inne-
ren  und  intellektuellen  Abstand  zu  nehmen.  Die  Aussagen  der  Be-
schwerdeführerin  in  der  Befragung  vom  9. November  2006  würden 
mehrere  Realitätsmerkmale und Wahrheitszeichen  aufweisen. Es  sei 
auf die ungesteuerten Körpersignale (Weinen, Ohnmacht) und von ihr 
genannte Details (Lachen, Beschimpfen, Trinken, Klatschen, Duschen, 
Vaterschaftsbeanspruchung durch die Guerillas) zu verweisen, die sie 

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niemals  erfunden  haben  könne.  Ihre  Schilderung  sei  geprägt  von 
Homogenität, die wesentlichen Elemente der erlittenen Folter passten 
zusammen. Ihre  Aussagen seien von  Konstanz geprägt,  soweit  man 
sie  habe  aussagen  lassen.  Die  Arztberichte  stützten  die 
Vergewaltigungsvorbringen.  Im  Übrigen  gehöre  es  zu  den 
unumstösslichen  Erkenntnissen  der  Aussagepsychologie,  dass 
traumatisierte  Personen  nicht  ausschliesslich  mit  den  für  Gesunde 
geltenden  Beurteilungsstandards  in  ihrer  Glaubhaftigkeit  gemessen 
werden  dürften.  Die  vergewaltigenden  Folterer  hätten  nicht  nur  die 
Beschwerdeführerin  erniedrigt,  die  Vergewaltigungen  seien  vielmehr 
eine  Ersatzmassnahme  gegen  den  Ehemann  und  den  Bruder 
gewesen,  weil  eine  gesetzeskonforme  Sanktion  der  PKK-
Unterstützung  dem  Staat  offenbar  zu  wenig  abschreckend  erschien 
oder  sonst  hätte  scheitern  müssen.  Durch  Urkundenbeweis  sei 
dargetan,  dass  die  Sicherheitskräfte  die  Familie  ins  Fadenkreuz 
antikurdischer Verfolgung genommen hätten.

Ausserdem wird geltend gemacht, die angefochtene Verfügung verlet-
ze den Untersuchungsgrundsatz und das rechtliche Gehör, indem die 
von der ARK geforderte Befragung von einer Person durchgeführt wor-
den sei, die unübersehbare Zeichen der Befangenheit gesetzt habe. In 
der angefochtenen Verfügung seien alle noch so klaren Hinweise auf 
die  erlittene  Verfolgung  ausgeklammert.  Die  Beschwerdeführerin  sei 
von einer Fachperson zu befragen, falls die Vergewaltigung trotz der 
Guerillatätigkeit ihres Bruders nicht schon als naheliegend angesehen 
werde. Im Schreiben vom 12. Juli 2007 macht der Rechtsvertreter zu-
dem  ergänzend  geltend,  er  habe  von  Frau  G._______,  welche  die 
Beschwerdeführerin  als  Privatperson  an  der  Anhörung  vom  9. No-
vember 2006 begleitet hatte, erfahren, dass sich die Sachbearbeiterin 
des BFM anlässlich eines Telefongesprächs von Anfang 2007 ihr ge-
genüber  dahingehend  geäussert  habe,  die  Beschwerdeführerin  sei 
eine begnadete Schauspielerin, lüge wie gedruckt und sie glaube ihr 
kein  Wort;  der  ausschliessliche  Grund  für  deren  Aufenthalt  in  der 
Schweiz sei eine Nasenoperation. Frau G._______ sei dazu als Zeugin 
zu befragen. Da ihm Frau G._______ dies erst  in den letzten Tagen 
mitgeteilt habe, sei die Geltendmachung des Ausstandsgrundes nicht 
verspätet.

4.3 Das  BFM  führt  in  seiner  Vernehmlassung  aus,  die  zuständige 
Sachbearbeiterin  habe  die  im  Schreiben  vom 12. Juli  2007  zitierten 
Äusserungen  entweder  gar  nicht  gemacht  oder  diese seien sinnver-

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zerrt  dargestellt.  Insbesondere stellten  die  von ihr  am Telefon geäu-
sserten Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen der Beschwer-
deführerin  lediglich  eine Wiederholung der  aus  dem ersten  Asylent-
scheid bekannten Einschätzung ihrer Asylbegründung dar. Die jüngste 
Anhörung vor dem BFM sei in einem guten Klima und unter fairen Be-
dingungen erfolgt, so dass auch seitens der Hilfswerksvertretung keine 
Beanstandungen  gemacht  worden  seien. Was den  auf  Beschwerde-
ebene  eingereichten  Arztbericht  anbelange,  sei  darauf  hinzuweisen, 
dass  ein  mit  medizinischen  Methoden  diagnostiziertes  posttraumati-
sches Belastungssyndrom nicht  als Beweismittel  für  die Glaubhaftig-
keit von Asylvorbringen herangezogen werden könne, da es einzig im 
Ermessen der zuständigen Asylbehörden liege, diese mit ihren spezifi-
schen aussageanalytischen Methoden zu prüfen und beurteilen. Sollte 
die Beschwerdeführerin tatsächlich unter psychischen Problemen lei-
den, so seien diese den Erkenntnissen des BFM zufolge in der Türkei 
adäquat behandelbar.

5.
5.1 Nach Art. 10 Abs. 1 VwVG haben Personen, die eine Verfügung zu 
treffen  oder  diese  vorzubereiten  haben,  in  den  Ausstand  zu  treten, 
wenn sie in der Sache ein persönliches Interesse haben (Bst. a), mit 
einer  Partei  durch  Ehe  oder  eingetragene  Partnerschaft  verbunden 
sind oder  mit  ihr  eine faktische Lebensgemeinschaft  führen (Bst. b), 
mit einer Partei in gerader Linie oder bis zum dritten Grade in der Sei-
tenlinie  verwandt  oder  verschwägert  sind  (Bst.  bbis),  Vertreter  einer 
Partei  sind  oder  für  eine  Partei  in  der  gleichen  Sache  tätig  waren 
(Bst. c) oder aus anderen Gründen in der Sache befangen sein könn-
ten (Bst. d).

Diese Ausstandsvorschriften sind sowohl auf Personen, welche einen 
Entscheid  alleine  oder  zusammen mit  anderen  zu  fällen  haben,  an-
wendbar,  als  auch  auf  Personen,  welche  an  einem  Entscheid  in  ir-
gendeiner Form mitwirken und auf den Ausgang des Verfahrens Ein-
fluss nehmen können, sei es beratend oder instruierend  (RETO FELLER 
in:  AUER/MÜLLER/ SCHINDLER [HRSG.], VwVG, Kommentar zum  Bundesge-
setz  über  das  Verwaltungsverfahren,  Zürich/St.  Gallen  2008,  N 5  zu 
Art. 10  VwVG;  BENJAMIN SCHINDLER,  Die  Befangenheit  der  Verwaltung, 
Zürich / Basel / Genf 2002, S. 74).

Ausstandsgründe sind in der Regel im Verfahren vor der betroffenen 
Behörde geltend zu machen, im Streitfall entscheidet darüber die Auf-

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sichtsbehörde  (Art. 10  Abs. 2  VwVG).  Erfährt  die  Partei  von  einem 
möglichen Ausstandsgrund erst  mit  der  Endverfügung von allfälligen 
Ausstandsgründen,  so  kann  sie  eine  Verletzung  von  Art. 10  VwVG 
auch noch mit dem Rechtmittel gegen den Entscheid in der Hauptsa-
che  geltend  machen,  sofern  ihr  für  die  verspätete  Entdeckung  des 
Ausstandsgrundes  keine  Unsorgfalt  anzulasten  ist  (RETO FELLER in: 
AUER/MÜLLER/ SCHINDLER [HRSG.], VwVG, Kommentar zum Bundesgesetz 
über  das  Verwaltungsverfahren,  Zürich/St.  Gallen  2008,  N 38  zu 
Art. 10  VwVG).  Erfährt  die  Partei  von  einem  Ausstandsgrund  erst, 
nachdem  sie  gegen  den  Entscheid  in  der  Hauptsache  bereits  Be-
schwerde  erhoben  hat,  ist  der  Ausstandsgrund  bei  der 
Rechtsmittelinstanz ohne Verzug geltend zu machen.

5.2 Es  trifft  nicht  zu,  dass  die  Sachbearbeiterin  des  BFM  der  Be-
schwerdeführerin zu verstehen gegeben hat, sie glaube ihr nicht, dass 
es ihr schwer falle, über die Vergewaltigung zu sprechen. Sie hat im 
Gegenteil  auf  die  Bemerkung  der  Beschwerdeführerin,  es  falle  ihr 
schwer, über die Vergewaltigung zu sprechen, geanwortet: „Das glau-
be ich ihnen.“ Gleichzeitig hat die Sachbearbeiterin der Beschwerde-
führerin erläutert, es sei ihre Aufgabe, ihr hier dazu Fragen zu stellen 
(act. A56/10, S. 5). Aus dem Protokoll der Anhörung vom 9. November 
2008 ergeben sich  auch sonst  keine Anhaltspunkte,  welche  die  Be-
hauptung in der Beschwerde, die Sachbearbeiterin habe in der Befra-
gung  „unübersehbare  Zeichen  der  Befangenheit“  gesetzt  bzw. diese 
sei nicht in der Lage gewesen, von ihrer Befangenheit inneren und in-
tellektuellen Abstand zu nehmen, stützen würden. Diesbezüglich ist er-
gänzend darauf hinzuweisen, dass die bei der Anhörung anwesende 
Hilfswerkvertreterin  in  ihrer  Bestätigung keinerlei  Einwände  hinsicht-
lich des Befragungsstils oder der Korrektheit der Anhörung anbrachte. 

Festzuhalten ist sodann, dass die Sachbearbeiterin des BFM nach der 
Anhörung der Beschwerdeführerin vom 9. November 2006 die Schwei-
zerische Botschaft in Ankara am 28. Dezember 2006 um die Vornah-
me von Abklärungen in der Türkei ersuchte, wobei sie erklärte, von In-
teresse sei insbesondere, ob gegen die Beschwerdeführerin und/oder 
ihren Ehemann in der Türkei Datenblätter bestünden, sie von den hei-
matlichen Behörden gesucht würden, oder ob gegen sie ein Passver-
bot bestehe. Zudem ersuchte sie um Beurteilung der Authentizität des 
beim  BFM  am  18.  August  2006  eingegangenen  Gerichtsdokuments 
(...)  vom 20.  April  2006).  Auch  wenn  sich  die  Sachbearbeiterin  des 
BFM im Januar 2007 gegenüber Frau G._______ - in welcher Form 

Seite 12

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auch immer  -  kritisch  zur  Person der  Beschwerdeführerin  geäussert 
bzw. Zweifel an der Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen angebracht haben 
sollte, besteht unter diesen Umständen noch kein Grund, welcher bei 
objektiver  Betrachtung  den  Verdacht  begründen  würde,  die 
Sachbearbeiterin  habe  sich  bereits  aufgrund  der  Anhörung  eine 
abschliessende  Meinung  betreffend  den  Ausgang  des  Verfahrens 
gebildet. Eine Befangenheit  der Sachbearbeiterin des BFM im Sinne 
von Art. 10 Abs. 1 Bst. d VwVG lässt sich mithin nicht feststellen. Eine 
Befragung von Frau G._______ als Zeugin erweist sich damit nicht als 
notwendig; der entsprechende Antrag ist abzuweisen. Eine Verletzung 
des  rechtlichen  Gehörs  der  Beschwerdeführerin  im  Rahmen  der 
Anhörung  vom  9. November  2006  oder  eine  daraus  resultierende 
Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes liegt nicht vor.

6.
6.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie sei von den heimatli-
chen Sicherheitsbehörden anlässlich einer Hausdurchsuchung festge-
nommen, drei Tage inhaftiert und dabei vergewaltigt worden, nachdem 
ihr Ehemann von PKK-Aktivisten beauftragt worden sei, in C._______ 
Waren für sie zu besorgen, die Behörden davon erfahren und deshalb 
eine Hausdurchsuchung vorgenommen hätten. 

6.2 Glaubhaft sind die Vorbringen eines Asylsuchenden grundsätzlich 
dann, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel 
sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in we-
sentlichen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik 
entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfah-
rung widersprechen. Darüber hinaus muss die gesuchstellende Person 
persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der 
Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Be-
weismittel abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen un-
terdrückt oder bewusst falsch darstellt,  im Laufe des Verfahrens Vor-
bringen  auswechselt,  steigert  oder  unbegründet  nachschiebt,  man-
gelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung ver-
weigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner - im Gegensatz zum strik-
ten Beweis - ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für 
gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. 
Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürdigung die Gründe, 
die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Asylsuchenden 
sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sicht-
weise abzustellen (vgl. Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG; Entscheidungen und 

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Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 
2005 Nr. 21 E. 6.1. S. 190 f.). 

6.2.1 Bei der Erstbefragung sagte die Beschwerdeführerin aus, sie sei 
drei Tage auf dem Militärposten von D._______ festgehalten worden. 
Sie  sei  auf  dem Posten vergewaltigt  worden. Man habe sie  in  einer 
ganz kleinen Zelle festgehalten, aus der sie jeweils geholt worden sei, 
wenn  man  sie  vergewaltigt  habe.  Man  habe  sie  immer  wieder  30 
Minuten  in  der  Zelle  gelassen  und  dann  wieder  geholt.  Sie  sei 
abwechslungsweise von sieben Personen vergewaltigt worden. Sie sei 
einmal  bewusstlos  geworden  und  wisse  nicht  mehr,  wie  oft  sie 
vergewaltigt worden sei. Zwei Personen hätten sie mitgenommen und 
sie gebadet. Als sie aufgewacht sei, sei sie unter ihrer Decke gewesen 
(act. A6/10 S. 5 f.). Im Rahmen der kantonalen Anhörung machte sie 
am 14. August 2001 geltend, sie sei  von Gendarmen festgenommen 
und auf den Posten gebracht worden, wo sie nicht geschlagen worden 
sei. Dann habe man sie ins Gefängnis gebracht, wo sieben Männer sie 
geschlagen,  vergewaltigt  und alles Mögliche mit  ihr  gemacht hätten. 
Sie sei  von zwei  Männern in  die Dusche mitgenommen worden,  wo 
man sie habe duschen wollen. Nachher sei sie ohnmächtig geworden. 
Als  sie  aufgewacht  sei,  sei  sie  mit  einem weissen Leintuch bedeckt 
gewesen. Die Männer hätten immer getrunken und geklatscht. Sie sei 
gefragt  worden,  ob  man  ihren  Bruder  umbringen  oder  sie 
vergewaltigen solle. Am dritten Tag habe man ihr  gesagt,  sie  werde 
nach Hause gehen können und sieben Guerillas bekommen. Danach 
sei  sie  wieder  dem  Polizeiposten  übergeben  worden,  wo  man  sie 
freigelassen  habe  (act.  A19/21  S.  10  f.).  Bei  der  Fortsetzung  der 
Befragung am 17. August 2001 führte die Beschwerdeführerin aus, sie 
sei  im  Gefängnis  von  D._______  zuerst  eine  halbe  Stunde  lang  in 
einem  kleinen  Zimmer  festgehalten  worden.  Dann  sei  sie  von  zwei 
Gendarmen zur Befragung mitgenommen worden; anschliessend habe 
man sie  mitgenommen und sie  am Kopf  geschlagen. Nachher  habe 
man alles Mögliche mit  ihr  gemacht. Sie wisse, dass sie von sieben 
Männern vergewaltigt worden sei, da man ihr gesagt habe, sie werde 
sieben  Guerillas  bekommen.  Man  habe  alles  mit  ihr  gemacht  (act. 
A19/21 S. 17 f.). Im Rahmen der Bundesanhörung vom 9. November 
2006 führte die Beschwerdeführerin aus, es sei schwierig zu erzählen, 
was auf dem Posten geschehen sei. Sie hätten alles Mögliche mit ihr 
gemacht.  Auf  dem  Posten  von  D._______  seien  ihr  die  Kleider 
ausgezogen worden. Dieser Schmutz sei  in ihr geblieben. Sie könne 
sich daran erinnern, dass man ein „Eau de Cologne“ auf sie gespritzt 

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habe. Damit habe man sie wieder zu sich bringen wollen. Sie hätten 
Alkohol  getrunken  und  sie  ausgelacht.  Als  man  sie  habe  freilassen 
wollen,  habe einer  zu  ihr  gesagt,  sie  werde nun schwanger  werden 
und  sieben  Jungen  zur  Welt  bringen,  die  als  Kämpfer  aktiv  sein 
würden.  Sie  wisse  nicht  genau,  von  wie  vielen  Polizisten  sie 
vergewaltigt worden sei. Sie könne sich an eine Art Sofa aus Holz und 
an eine Dusche erinnern, weil man sie ja zum Duschen gebracht habe. 

6.2.2 Im  Protokoll  der  Erstbefragung  wurde  festgehalten,  die  Be-
schwerdeführerin habe zu weinen begonnen, als sie erwähnte, verge-
waltigt worden zu sein. Bei der kantonalen Befragung wurde (am 14. 
August 2001) festgehalten, dass sie zu weinen begonnen und laut ge-
atmet habe, als sie über die Vergewaltigung zu erzählen begann. Sie 
habe während ihrer Erzählung die ganze Zeit geweint. Am 17. August 
2001 wurde protokolliert, die Augen der Beschwerdeführerin seien wie 
zu  kleinen  Schlitzen  geworden,  als  sie  aufgefordert  worden  sei,  die 
Vergewaltiger zu beschreiben. Ihre Lippen seien plötzlich blass gewor-
den und ihre Augenlider hätten zu zittern begonnen. Plötzlich sei sie 
nicht mehr ansprechbar gewesen und ihr Kopf sei auf die Tischplatte 
gefallen. Währenddem sie gehalten worden sei, sei sie bewusstlos zu-
sammengesunken, sie habe kalten Schweiss gehabt. Man habe sie in 
Seitenlage  gebracht;  als  sie  auf  dem  Boden  gelegen  habe,  sei  sie 
schreckhaft  zusammengezuckt und habe geseufzt. Sie sei  wieder zu 
sich gekommen und habe sich langsam beruhigt. Auf die Frage, ob die 
Befragung fortgesetzt werden könne, habe sie geantwortet, sie wolle 
den „Dreck rausbringen“. Die Befragerin protokollierte, sie habe eine 
Fortsetzung  der  Befragung  nicht  verantworten  können,  weshalb  sie 
sich  zu  deren  Abbruch  entschlossen  habe.  Die  Beschwerdeführerin 
habe umgehend zu einem Arzt gebracht werden müssen. Dem ärztli-
chen  Zeugnis  von  Dr. med. E._______  vom 20. August  2001  ist  zu 
entnehmen, dass aufgrund seiner Beurteilung am 17. und 20. August 
2001 bzw. des aktuellen Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin 
aus medizinischer Sicht von einer Fortführung der Befragung bis auf 
weiteres abgesehen werden müsse. Die bei der Bundesanhörung vom 
8. Mai  2003  anwesende  Hilfswerksvertreterin  hielt  auf  ihrer 
Teilnahmebestätigung  fest,  die  psychische  Verfassung  der 
Beschwerdeführerin  sei  schlecht  gewesen.  Sie  habe  mehrmals  zu 
weinen begonnen bzw. sei den Tränen nahe gewesen. Die Befragerin 
hielt  in  einem  Zusatzblatt  zur  Befragung  (act.  A36/1)  fest,  die  Be-
schwerdeführerin  habe  ab  und  zu  ein  wenig  gegen  die  Tränen  ge-
kämpft. Nach Abschluss dieser Befragung habe sie die Beschwerde-

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führerin und das Team herausbegleiten wollen. Als sich die Beschwer-
deführerin erhoben habe, sei sie zu Boden gefallen, wo sie kurze Zeit 
bewusstlos liegen geblieben sei. Nachdem sie zu sich gekommen sei, 
habe sie sich weder im Sanitätszimmer hinlegen noch von ihrem Ehe-
mann gestützt werden wollen. Man habe sie nach unten begleitet und 
sie habe das Gebäude ohne Umschweife verlassen.

6.2.3 Gemäss dem Bericht  des (...)  vom 6. September 2006 trat  die 
Beschwerdeführerin  auf  Veranlassung  der  Gemeindeverwaltung  (...) 
am 30. August 2006 ins (...) ein. Am 1. September 2006 sei sie wieder 
nach Hause zurückgekehrt. In den Gesprächen mit ihr sei festgestellt 
worden,  dass  sie  nicht  in  der  Lage  gewesen  sei,  für  sich  einen 
Entscheid zu fällen, sie habe total verloren gewirkt. Aus diesem Grund 
sei für sie ein Termin bei einer Fachärztin vereinbart worden. Man sei 
der  Ansicht,  dass  die  Beschwerdeführerin  dringend  Hilfe  benötige, 
habe  man  doch  bei  ihr  Symptome  einer  schweren  Traumatisierung 
beobachtet,  die  mit  den  Symptomen  einer  Depression 
übereinstimmten.  Es  sei  aufgefallen,  dass  ihr  Erinnerungsvermögen 
beeinträchtigt  sei.  In  der  Arbeit  mit  traumatisierten  Frauen  werde 
immer  wieder  festgestellt,  dass  diese  nicht  in  der  Lage  seien,  die 
Geschichte erlebter Gewalt zusammenhängend zu schildern. 

Dr. med. F._______ attestierte der Beschwerdeführerin in ihrem ärztli-
chen Zeugnis vom 30. September 2006 eine Posttraumatische Belas-
tungsstörung (PTBS) und erklärte, sie benötige eine intensive psycho-
therapeutische Behandlung. Dem auf Beschwerdeebene eingereichten 
ärztlichen Bericht des (...) vom 6. Juli 2007 ist zu entnehmen, dass die 
Beschwerdeführerin sich von August 2006 bis Mai 2007 bei Dr. med. 
F._______ in Therapie begeben hat. Die Diagnosen der PTBS (ICD-10: 
F43.1) und einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10: F32.1) 
wurden bestätigt. Die PTBS sei durch die drohende Ausweisung in die 
Türkei  und  die  damit  einhergehende  Wiederbelebung  der 
traumatischen  Erlebnisse  der  erlittenen  Repressalien  und  der 
Vergewaltigung  ausgebrochen.  Sie  äussere  sich  bei  der 
Beschwerdeführerin  durch  die  bei  dieser  Krankheit  typischen 
Symptome. Zudem bestehe eine deutliche depressive Symptomatik mit 
massiven  Schuld-  und  Insuffizienzgefühlen,  Hoffnungslosigkeit  und 
erhöhter  Suizidalität.  Im  Falle  eines  Wegweisungsvollzugs  in  das 
Herkunftsland  sei  mit  einer  weiteren  Verschlechterung  des 
Gesundheitszustands mit akuter Suizidalität zu rechnen. 

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6.2.4 Die Beschwerdeführerin schilderte das ihr auf dem Posten von 
D._______ Widerfahrene im Kerngehalt in sämtlichen Befragungen im 
Wesentlichen übereinstimmend. Ihre Angaben sind in einigen Punkten 
detailreich und enthalten mehrere Realkennzeichen. Es entsteht trotz 
durchaus vorhandener Unstimmigkeiten nicht  der Eindruck,  als hätte 
sie die Ereignisse übersteigert zu schildern gesucht oder gar erfunden. 
Ihre  Schilderungen erwecken den Eindruck innerer Betroffenheit  von 
der geltend gemachten Festnahme und den Misshandlungen. Sowohl 
dem kantonalen  Protokoll  als  auch dem Beiblatt  der  Befragerin  des 
Bundesamtes kann eindrücklich entnommen werden, in welch aufge-
wühlter Gemütsverfassung sich die Beschwerdeführerin beim Erzählen 
ihrer  Erlebnisse  befand.  Dieser  durch  die  Befragungen  gewonnene 
Eindruck  wird  durch  die  eingereichten  Berichte  des  (...),  der 
behandelnden Ärztin und des (...) bestätigt. Dem kantonalen Protokoll 
kann  zudem  entnommen  werden,  dass  die  Schilderungen  der 
Beschwerdeführerin mit körperlichen Symptomen korrelierten.

In Lehre und Praxis wird anerkannt, dass schwer traumatisierte Perso-
nen nicht ohne weiteres offen und widerspruchsfrei über ihre Erlebnis-
se zu berichten vermögen (vgl. WALTER KÄLIN, Grundriss des Asylverfah-
rens, Basel und Frankfurt  a.M. 1990, S. 297 f.;  UDO RAUCHFLEISCH,  Die 
Folter und ihre Folgen, ASYL 1995/1, S. 8 ff.; BVGE 2007/31 E. 5.1 S. 
376 f.; EMARK 2005 Nr. 21 S. 191 f.; EMARK 2004 Nr. 1 E. 5. b.dd S. 
8; EMARK 2003 Nr. 17 E. 4b S. 106). Von einer PTBS betroffene Fol-
ter-  und Gewaltopfer  weisen eine ausgeprägte  Tendenz auf,  der  be-
wussten  Auseinandersetzung  mit  traumatischen  Erlebnissen  auszu-
weichen. Durch eine Vielzahl von Studien und Erfahrungsberichten ist 
belegt,  dass  Folter-  und  Gewaltopfer  weitgehend  unfähig  sind,  über 
das Erlebte zu berichten, solange nicht ein Klima des Vertrauens her-
gestellt ist, um das Vorgefallene in so sensiblen Bereichen zu offenba-
ren.  Zu  den  häufigsten  Traumata  gehören  entweder  eine  ernsthafte 
Bedrohung des eigenen Lebens beziehungsweise der körperlichen In-
tegrität  (etwa  Folter  und  Vergewaltigungen),  ernsthafte  Bedrohung 
oder Schädigung der eigenen Kinder, des Ehepartners oder naher Ver-
wandter  sowie  die  plötzliche  Zerstörung  des  eigenen  Zuhauses. Zu 
den Folgen gehören auch Gedächtnisschwäche oder Konzentrations-
schwierigkeiten (vgl.  JÜRGEN HEINRICHS, Vergewaltigung - die Opfer und 
die Täter, Braunschweig 1986, S. 41 f.; HANS-RUDOLF WICKER, Die Spra-
che extremer Gewalt, Bern, 1993, S. 24 und 52; HASIM SANCAR, Sozialar-
beit mit gefolterten und kriegstraumatisierten Flüchtlingen, Bern 1996, 
S. 33,  35  f.  mit  weiteren  Hinweisen).  Diese  wurden  der 

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Beschwerdeführerin denn auch von Fachleuten attestiert, was bei der 
Beurteilung  der  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  der 
Beschwerdeführerin zu berücksichtigen ist.

6.2.5 Aufgrund dieser Erwägungen erscheint insgesamt überwiegend 
wahrscheinlich und damit glaubhaft, dass die Beschwerdeführerin ent-
sprechend ihrer  Darstellung festgenommen und von türkischen Gen-
darmen vergewaltigt worden ist. Der Antrag auf Begutachtung der Be-
schwerdeführerin durch eine Fachperson mit Kenntnissen der Psycho-
traumatologie ist bei dieser Würdigung ihrer Vorbringen abzuweisen.

6.2.6 Nicht glaubhaft ist demgegenüber die Darstellung der Beschwer-
deführerin, sie sei anlässlich einer Hausdurchsuchung deshalb festge-
nommen und inhaftiert worden, weil die Behörden ihren Ehemann we-
gen der von ihm für die PKK in C._______ bezogenen Waren gesucht 
hätten. Im den Ehemann der Beschwerdeführerin  betreffenden Urteil 
D-4666/2007 vom 23. Dezember 2008 wird eingehend dargelegt, dass 
seine  diesbezüglichen  Vorbringen  angesichts  zahlreicher,  eklatanter 
Widersprüche  und  Ungereimtheiten  in  seinen  Aussagen  unglaubhaft 
sind. Damit  ist  auch ausgeschlossen,  dass  Festnahme und Inhaftie-
rung der Beschwerdeführerin Folge der angeblichen Hilfeleistung ihres 
Ehemannes zugunsten der PKK waren. Die Einschätzung der Glaub-
haftigkeit der Vorbringen des Ehemannes wird auch durch Ungereimt-
heiten in den Aussagen der Beschwerdeführerin bestärkt. So erklärte 
sie  bei  der  kantonalen  Anhörung  beispielsweise,  sie  habe  die  vier 
Guerillas die ihrem Mann den Auftrag gegeben hätten, etwas für sie zu 
besorgen, vom Sehen her gekannt; sie seien schon öfters bei ihnen zu 
Hause gewesen (act. A19/21 S. 14). Bei der Anhörung durch das BFM 
sagte sie hingegen, sie habe nur einen der vier Guerillas gekannt (act. 
A56/10 S. 3).

6.2.7 Zusammenfassend ist  davon auszugehen,  dass  die  Beschwer-
deführerin im Rahmen einer Hausdurchsuchung im Juni 2001 festge-
nommen,  zunächst  auf  den  Dorfposten  gebracht  und  anschliessend 
auf den Militärposten von D._______ überführt worden ist, wo sie drei 
Tage festgehalten und von türkischen Gendarmen vergewaltigt worden 
ist. Die Festnahme und Inhaftierung der Beschwerdeführerin  erfolgte 
entgegen der diesbezüglich nicht glaubhaften Aussagen des Eheman-
nes  der  Beschwerdeführerin  indessen  nicht,  wegen  dessen  angebli-
chen  Hilfeleistung  zugunsten  der  PKK. Festzustellen  ist  indes,  dass 
die  Beschwerdeführerin  wiederholt  darauf  hingewiesen  hat,  ihr 

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jüngerer Bruder G.______ habe sich der PKK angeschlossen, und ihre 
Aussage,  man habe ihr vorgeworfen, ihr Bruder, der bei der Guerilla 
sei, sei am Vorabend bei ihr gewesen (act. A6/10 S. 5), deutet - was 
das  Bundesamt  offenbar  übersehen  hat  -  darauf  hin,  dass  sich  die 
Sicherheitskräfte  wegen  dieses  Bruders  veranlasst  sahen,  bei  der 
Beschwerdeführerin eine Hausdurchsuchung vorzunehmen.

7.
7.1 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-
chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nach-
teile von bestimmter Intensität erlitten hat bzw. mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürchten 
muss, welche ihr gezielt  und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive 
durch  Organe des Heimatstaates  oder  durch nichtstaatliche Akteure 
zugefügt  worden  sind  bzw. zugefügt  zu  werden  drohen  (vgl.  BVGE 
2008/4 E. 5.2 S. 37; EMARK 2006 Nr. 18 E. 7 und 8 S. 190 ff.; EMARK 
2005 Nr. 21  E. 7  S. 193). Aufgrund der  Subsidiarität  des  flüchtlings-
rechtlichen Schutzes setzt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft 
ausserdem voraus,  dass  die  betroffene  Person  in  ihrem Heimatland 
keinen ausreichenden Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 
S. 37 f.; EMARK 2006 Nr. 18 E. 10 S. 201 ff.; 2005 Nr. 21 E. 7.3. S. 194 
und E. 11.1. S. 201 f.). Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flücht-
lingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vor-
handenen Verfolgung oder  begründete  Furcht  vor einer solchen. Die 
Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Rahmen der 
Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls wesentlich. 
Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Aus-
reise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der das 
Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen  (vgl. BVGE 2008/4 
E. 5.4 S. 38 f.; EMARK 2000 Nr. 2 E. 8a S. 20; KÄLIN, a.a.O., S. 135 ff.).

7.2 Die  Beschwerdeführerin  ist  in  der  Türkei  durch  Angehörige  der 
Gendarmerie  vergewaltigt,  mithin  Opfer  von  massiven  Übergriffen 
durch Vertreter der lokalen Sicherheitsbehörden geworden. Die wäh-
rend der Haft erlittenen und im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG fraglos 
als ernsthaft zu bezeichnenden Nachteile wurden ihr mutmasslich des-
halb zugefügt, weil die Sicherheitskräfte davon wussten, dass die Be-
schwerdeführerin einen Bruder hat, der sich der PKK angeschlossen 
hat, und von dem sie vermuteten, er halte sich bei ihr zu Hause auf 
bzw. habe  sich  dort  aufgehalten.  Die  Beschwerdeführerin  ist  mithin 
Opfer  einer  Verfolgungspraxis  der  türkischen  Behörden  geworden, 

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welche als  sogenannte  Reflexverfolgung bezeichnet  wird,  und deren 
Zweck  insbesondere  etwa  darin  bestehen  kann,  den  Aufenthaltsort 
von flüchtigen Angehörigen der PKK zu ergründen (vgl. dazu EMARK 
2005 Nr. 21 E. 10.2.3. S. 199 f., mit weiteren Hinweisen; EMARK 1994 
Nr. 5 E. 3h S. 47 f.).

7.3 Da die  Beschwerdeführerin in der von ihr geltend gemachten Art 
und  Weise  bereits  staatlichen  Verfolgungsmassnahmen  ausgesetzt 
war, kann sie sich zwar auf für eine - im Vergleich zu einer bislang un-
behelligten Person - ausgeprägtere (subjektive) Furcht berufen, wes-
halb bei ihr die Schwelle für die Begründetheit der von ihr empfunde-
nen  Ängste  entsprechend  tiefer  anzusetzen  ist  (vgl.  EMARK  2005 
Nr. 21 E 7.1. S. 93, mit weiteren Hinweisen). Die von ihr aufgrund des 
Erlebten empfundene Furcht vor künftiger Verfolgung im Falle des Ver-
bleibs in der Heimat bzw. bei einer Rückkehr dorthin war und ist jedoch 
objektiv nicht begründet. 

Vorweg ist festzuhalten, dass gemäss den Abklärungen der Schweize-
rischen Botschaft in Ankara über die Beschwerdeführerin kein Daten-
blatt erstellt und kein Passverbot ausgesprochen wurden und sie auch 
nicht gesucht wird. Bei den im Anschluss an die Hausdurchsuchung im 
Juni  2001  von  der  Beschwerdeführerin  auf  dem  Militärposten  von 
D._______ erlittenen Übergriffen handelt es sich sodann um Massnah-
men, die ausschliesslich darauf zurückzuführen sind, dass die Sicher-
heitskräfte  nach  ihrem  jüngeren  Bruder  G._______  gesucht  haben, 
welcher  sich  der  PKK  angeschlossen  hat.  Das  ihr  von  Gendarmen 
zugefügte Leid ist  mithin Folge einer Reflexverfolgung, die sich lokal 
auf  die  unmittelbar  engere  Heimat  der  Beschwerdeführerin 
beschränkte.  Es  ist  deshalb  nicht  davon  auszugehen,  dass  die 
Beschwerdeführerin  in  der  Türkei  ausserhalb  ihrer  engeren  Heimat 
wegen des Bruders G._______ mit irgendwelchen Benachteiligungen 
hätte rechnen müssen. Da sie landesweit nicht gesucht wird, hätte sie 
sich ohne weiteres durch Verlegung ihres Wohnsitzes in einen anderen 
Teil  der  Türkei  -  namentlich  in  eine  der  im  Westen  des  Landes 
gelegenen  Grossstädte  -  allfälligen  weiteren  Nachteilen  seitens  der 
Sicherheitskräfte wegen ihres Bruders G._______ entziehen können, 
ohne befürchten zu müssen, dort denjenigen staatlichen Schutz nicht 
in Anspruch nehmen zu können, der jedem Bürger der Türkei zusteht, 
bzw.  ohne  befürchten  zu  müssen,  in  ihre  engere  Heimat 
zurückgeschoben zu werden.

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Auch  die  Gefahr  einer  künftigen,  landesweiten  Reflexverfolgung 
erscheint  unrealistisch.  Die  Beschwerdeführerin  hat  zwar  darauf 
hingewiesen,  dass  drei  Brüder  (H._______,  I._______  und 
J._______),  eine  Halbschwester  (K._______)  und  ein  Halbbruder 
(L._______), sowie zwei Cousins (M._______ und N._______) in der 
Schweiz  leben.  Es  bestehen  jedoch  keine  hinreichenden 
Anhaltspunkte  dafür,  dass  sie  dieser  Geschwister  und  Verwandten 
wegen  in  der  Türkei  einer  in  asylrechtlicher  Hinsicht  relevanten 
Verfolgungssituation  ausgesetzt  ist.  Die  Beschwerdeführerin  hat  nie 
geltend  gemacht,  in  der  Türkei  jemals  nach  ihren  im  Ausland 
befindlichen  Familienangehörigen  befragt  bzw.  in  der  Türkei  wegen 
diesen staatlichen Repressalien ausgesetzt gewesen zu sein. Ihre in 
der Schweiz lebenden Brüder (H._______ und I._______) verliessen 
die Türkei teilweise bereits in den frühen Neunzigerjahren des letzten 
Jahrhunderts und zwei von ihren Brüdern (I._______ und J._______) 
wurde  im  Jahr  2005  das  Asyl  widerrufen  sowie  die 
Flüchtlingseigenschaft aberkannt. Ergänzend ist festzuhalten, dass die 
Mutter  und  eine  Schwester  nach  wie  vor  in  E._______,  einem 
Nachbardorf  von  A._______,  dem  ehemaligen  Wohnort  der 
Beschwerdeführerin, leben. Soweit im Rahmen des Asylverfahrens der 
Beschwerdeführerin  darauf  hingewiesen  wurde,  dass  die  türkischen 
Behörden  bei  ihrer  Mutter  eine  Hausdurchsuchung  durchgeführt 
hätten,  ist  festzuhalten,  dass  das  zuständige  Gericht  die 
Sicherheitskräfte  am  20. April  2006  zur  Vornahme  der 
Hausdurchsuchung  ermächtigte.  Die  Abklärungen  der 
Schweizerischen Botschaft in Ankara ergaben, dass die Mutter zuvor 
denunziert worden war. Da die Gendarmerie kein belastendes Material 
fand, wurde gegen die Mutter  kein Verfahren eröffnet,  weshalb nicht 
ersichtlich ist,  dass der Beschwerdeführerin aus der bei ihrer Mutter 
durchgeführten  Hausdurchsuchung  eine  Gefährdung  erwachsen 
würde. 

Der  Beschwerdeführerin  kann  nach  dem  Gesagten  weder  für  den 
Ausreisezeitpunkt  noch  aktuell  eine  objektiv  begründete  Furcht  vor 
zukünftiger, asylrechtlich relevanter Verfolgung zuerkannt werden.

7.4 Bei dieser Sachlage erübrigt es sich, auf weitere Vorbringen in den 
Eingaben der Beschwerdeführenden und die eingereichten Beweismit-
tel näher einzugehen, da sie an der Würdigung des Sachverhalts und 
somit am Ergebnis nichts zu ändern vermögen. Der Beschwerdeführe-
rin  kann nach dem Gesagten weder  für  den Ausreisezeitpunkt  noch 

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aktuell  eine  objektiv  begründete  Furcht  vor  zukünftiger,  asylrechtlich 
relevanter  Verfolgung  zuerkannt  werden.  Die  Vorinstanz  hat  die 
Asylgesuche  der  Beschwerdeführerin  und  ihrer  Kinder  demnach  zu 
Recht abgelehnt.

8.
8.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein-
heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Ist der Vollzug der Wegweisung 
nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bun-
desamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestim-
mungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 
AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 
über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]).

8.2 Die  Beschwerde  enthält  keine  Anträge,  welche  auf  Aufhebung 
oder Änderung der vom BFM verfügten Wegweisung und dem ange-
ordneten Wegweisungsvollzug lauten. Auch der  Begründung der  Be-
schwerde lässt sich nicht entnehmen, inwiefern die angefochtene Ver-
fügung  diesbezüglich  Bundesrecht  verletzen,  den  rechtserheblichen 
Sachverhalt  unrichtig oder unvollständig feststellen oder unangemes-
sen sein soll. Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen 
Entscheid jedoch grundsätzlich in vollem Umfang überprüfen. Es stellt 
den Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 12 VwVG) und es wendet 
das Recht von Amtes wegen an (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Das Bundes-
verwaltungsgericht  ist  demzufolge verpflichtet,  auf  den festgestellten 
Sachverhalt jene Rechtsnormen anzuwenden, die es als den zutreffen-
den erachtet, und ihnen jene Auslegung zu geben, von der es über-
zeugt ist (vgl. BVGE 2007/41 E. 2 S. 529 f.). Es kann dabei die ange-
fochtene fehlerhafte Verfügung zugunsten einer Partei ändern (Art. 62 
Abs. 1 VwVG), auch wenn diese kein entsprechendes Begehren formu-
liert  hat  (MADELEINE CAMPRUBI in:  AUER/MÜLLER/  SCHINDLER [HRSG.],  a.a.O., 
N 6 zu Art. 62 VwVG). Es ist allerdings  auf Beschwerde hin nicht ge-
halten, über die Vorbringen der Parteien hinaus den Sachverhalt voll-
kommen neu zu erforschen noch hat es nach allen möglichen Rechts-
fehlern zu suchen; vielmehr prüft es von den Parteien nicht aufgewor-
fene Rechtsfragen nur dann,  wenn hierzu aufgrund bestimmter,  sich 
aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichend Anlass besteht 
(vgl.  ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER,  Prozessieren vor 

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dem  Bundesverwaltungsgericht,  Basel  2008,  Rz. 1.54  ff.;  EMARK 
2003 Nr. 15 E. 2.a S. 94).

9.
9.1 Gemäss Rechtsprechung sind die Bedingungen für einen Verzicht 
auf den Vollzug der Wegweisung (Unmöglichkeit,  Unzulässigkeit, Un-
zumutbarkeit; vgl. Art. 83 Abs. 2-4 AuG) alternativer Natur. Sobald eine 
der  Bedingungen  erfüllt  ist,  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  un-
durchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit  in  der 
Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu 
regeln  (vgl. EMARK 2006 Nr. 6  E. 4.2 S. 54 f.)  Gegen eine allfällige 
Aufhebung der vorläufigen Aufnahme durch das BFM steht dem weg-
gewiesenen  Asylsuchenden  wiederum die  Beschwerde  an  das  Bun-
desverwaltungsgericht offen (vgl. Art. 105 AsylG). In diesem Verfahren 
wäre  dann der  Wegweisungsvollzug vor  dem Hintergrund sämtlicher 
Vollzugshindernisse von Amtes wegen nach Massgabe der in diesem 
Zeitpunkt herrschenden Verhältnisse zu prüfen.

9.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete Gefährdung festgestellt, ist - unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 
7  AuG -  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum 
Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 
2002, BBl 2002 3818).

9.2.1 Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug Kinder betroffen, 
so bildet im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung das Kindeswohl einen 
Gesichtspunkt  von gewichtiger  Bedeutung. Dies ergibt  sich nicht  zu-
letzt  aus  einer  völkerrechtskonformen  Auslegung  des  Art. 83  Abs. 4 
AuG im Licht von Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. Novem-
ber 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107). Unter dem As-
pekt des Kindeswohls sind demnach sämtliche Umstände einzubezie-
hen und zu würdigen, die im Hinblick auf eine Wegweisung wesentlich 
erscheinen. In Bezug auf das Kindeswohl können namentlich folgende 
Kriterien  im Rahmen einer gesamtheitlichen Beurteilung von Bedeu-
tung sein: Alter, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähig-
keit) seiner Beziehungen, Eigenschaften seiner Bezugspersonen (ins-
besondere Unterstützungsbereitschaft und -fähigkeit), Stand und Prog-
nose bezüglich Entwicklung/Ausbildung, Grad der erfolgten Integration 

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bei einem längeren Aufenthalt in der Schweiz. Gerade letzterer Aspekt, 
die  Dauer  des  Aufenthaltes  in  der  Schweiz,  ist  im  Hinblick  auf  die 
Prüfung  der  Chancen  und  Hindernisse  einer  Reintegration  im 
Heimatland  bei  einem  Kind  als  gewichtiger  Faktor  zu  werten,  da 
Kinder nicht  ohne guten Grund aus einem einmal  vertrauten Umfeld 
herausgerissen  werden  sollten.  Dabei  ist  aus 
entwicklungspsychologischer  Sicht  nicht  nur  das  unmittelbare 
persönliche  Umfeld  des  Kindes  (d.h.  dessen  Kernfamilie)  zu 
berücksichtigen, sondern auch dessen übrige soziale Einbettung. Die 
Verwurzelung  in  der  Schweiz  kann  eine  reziproke  Wirkung  auf  die 
Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs haben, indem eine 
starke Assimilierung in der Schweiz eine Entwurzelung im Heimatstaat 
zur Folge haben kann, welche unter Umständen die Rückkehr dorthin 
als  unzumutbar  erscheinen  lässt  (vgl.  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts  D-7272/2006  vom  28.  Mai  2008; 
E-3262/2008 vom 11. März 2008; E-4858/2006 vom 30. Januar 2008; 
D-7298/2006 vom 2. November 2007; EMARK 2005 Nr. 6 E. 6. S. 55 
ff.).

9.2.2 Bezüglich des Aspekts des Kindeswohls ergibt sich aus den Ak-
ten  folgende  Sachlage:  Die  Beschwerdeführerin  reiste  am  25.  Juni 
2001 mit ihrer damals fünfjährigen Tochter C._______ in die Schweiz 
ein.  Die  Tochter  B._______,  die  in  der  Zwischenzeit  bei  ihrer 
Grossmutter lebte, gelangte am 4. August 2002 in die Schweiz; sie war 
damals  gut  acht  Jahre  alt.  Der  Sohn  der  Beschwerdeführerin 
(D._______)  kam im  September  2002  in  der  Schweiz  zur  Welt.  Die 
beiden  nunmehr  zwölf-  und  vierzehnjährigen  Töchter  der 
Beschwerdeführerin absolvierten in den vergangenen Jahren somit die 
gesamte  bzw. den  grössten  Teil  ihrer  Schulzeit  in  der  Schweiz  und 
haben somit einen prägenden Teil ihres Lebens hier erfahren. Es kann 
davon  ausgegangen  werden,  dass  bei  ihnen  eine  weitgehende 
Assimilierung  an  die  schweizerische  Kultur  und  Lebensweise  erfolgt 
ist.  Namentlich  ist  davon  auszugehen,  dass  sie  sich  während  ihrer 
sechs- bzw. siebenjährigen Anwesenheit  in  der Schweiz ein eigenes 
persönliches  Beziehungsnetz  geschaffen  haben.  Demgegenüber 
werden  sie  kaum  über  jene  -  namentlich  schriftlichen  -  Kenntnisse 
ihrer  Muttersprache  verfügen,  welche  für  eine  erfolgreiche 
Weiterführung der schulischen Ausbildung in der Heimat vorauszuset-
zen wären. Im vorliegenden Fall wäre eine Integration der Kinder zu-
sätzlich dadurch erschwert, dass ihre Mutter - die Beschwerdeführerin 
- gesundheitlich angeschlagen ist und sich ihre gesundheitlichen Prob-

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leme vor und nach einer Rückkehr in die Türkei mit hoher Wahrschein-
lichkeit akzentuieren würden (vgl. ärztlichen Bericht vom 6. Juni 2007). 
Der Beschwerdeführerin ist es aufgrund ihrer traumatisierenden Erleb-
nisse, die sich in ihrer  Heimatprovinz zugetragen haben,  nicht  zuzu-
muten,  dorthin zurückzukehren. Ein im Westen der  Türkei  bestehen-
des, tragfähiges Beziehungsnetz, welches die Beschwerdeführerin und 
ihre Familie nach einer Rückkehr stützen könnte, ist nicht aktenkundig. 
Bei  dieser Sachlage besteht  für  die Töchter  der Beschwerdeführerin 
somit die konkrete Gefahr, dass die mit einem Vollzug der Wegweisung 
verbundene Entwurzelung aus dem gewachsenen sozialen Umfeld in 
der Schweiz einerseits und die sich gleichzeitig abzeichnende Proble-
matik einer Integration in die ihnen weitgehend fremde Kultur und Um-
gebung im Heimatland anderseits zu Belastungen führen würden, die 
mit dem Schutzanliegen des Kindeswohls nicht zu vereinbaren wären. 

9.2.3 In Würdigung der vorstehenden Ausführungen ist von Amtes we-
gen festzustellen, dass sich der Vollzug der Wegweisung der Töchter 
der Beschwerdeführerin in die Türkei als nicht zumutbar im Sinne von 
Art. 83 Abs. 4 AuG erweist. Nachdem sich aus den Akten keine Hin-
weise auf das Vorliegen von Ausschlussgründen im Sinne von Art. 83 
Abs. 7 AuG ergeben und die vorläufige Aufnahme eines Familienmit-
glieds auch zur vorläufigen Aufnahme der anderen Familienangehöri-
gen führt (vgl. EMARK 1998 Nr. 31 E. 8 c ee S. 258; 1995 Nr. 24 E. 9 
S. 229, die sich noch auf Art. 17 Abs. 1 AsylG in der Fassung gemäss 
Ziff. I des BB vom 22. Juni 1990 über das Asylverfahren [AS 1990 938] 
beziehen, welcher inhaltlich indessen Art. 44 Abs. 1 AsylG entspricht), 
sind die Beschwerdeführerin und ihre Kinder vorläufig aufzunehmen.

10.
Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Beschwerde,  in  der  aus-
schliesslich  beantragt  wird,  es  sei  den  Beschwerdeführenden  unter 
Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft  Asyl  zu gewähren, eventuell 
sei die Streitsache zur substanziellen Erweiterung der Sachverhaltsab-
klärung gemäss dem Urteil der ARK vom 16. Juni 2005 an die Vorins-
tanz zurückzuweisen, abzuweisen ist. Hingegen ist von Amtes wegen 
festzustellen, dass sich der Vollzug der Wegweisung der Töchter der 
Beschwerdeführerin in die Türkei als nicht zumutbar im Sinne von Art. 
83 Abs. 4 AuG erweist. Die Ziffern 4 und 5 der Verfügung des BFM 
vom 6. Juni 2007 sind demnach aufzuheben und das BFM ist anzuwei-
sen den Aufenthalt der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder nach den 

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gesetzlichen Bestimmungen über  die vorläufige Aufnahme zu regeln 
(vgl. Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 Abs. 4 AuG).

11.
Nachdem die Beschwerdeführenden mit ihren in der Beschwerde for-
mulierten Begehren nicht durchgedrungen sind, sind ihnen die Kosten 
des Verfahrens aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG), und es ist 
ihnen keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG). 
Die Verfahrenskosten sind auf insgesamt Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 
1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen abgewiesen.

2.
Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der vorinstanzlichen Verfügung vom 
6. Juni 2007 werden aufgehoben.

3.
Das BFM wird angewiesen, die Beschwerdeführenden vorläufig aufzu-
nehmen.

4.
Die Verfahrenskosten von Fr. 600.-- werden den Beschwerdeführenden 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

5.
Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.

6.
Dieses Urteil geht an: 

- den  Rechtsvertreter  der  Beschwerdeführenden  (eingeschrieben; 
Beilage: angefochtene Verfügung im Original)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-
ten Ref.-Nr. N (...) (per Kurier; in Kopie)

- (die kantonale Behörde)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Walter Lang Christoph Basler

Versand: 

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