# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c7aeb922-8e3b-5238-bb47-321b13320766
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-09-30
**Language:** de
**Title:** Arbeitsfähigkeit unklar, Arztberichte nehmen keine Stellung zu den Indikatoren, Berichte über berufliche Massnahmen genügen zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht. Rückweisung.
**Docket/Reference:** IV.2022.00182
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2022.00182.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2022.00182
II. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Käch
Ersatzrichterin Lienhard
Gerichtsschreiberin Keller
Urteil
vom
30. September 2022
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Manuel Bader
Streichenberg
und Partner
Stockerstrasse 38, 8002 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der 1961 geborene
X.___
war zuletzt
von Juli
2016
bis September
2019 (letzter effektiver Arbeitstag 1
3.
Juli 2018, Urk.
7/20 Ziff. 2.1) als Lehrperson
an einer Pflegefachschule
täti
g
(Urk. 7/20)
. Am
21.
Mai 2019
meldete er sich unter Hinweis auf
Gemütsleiden und Angstzustände
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
7/1
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinis
che und erwerbliche Abklärungen, zog die Akten der Krankentaggeldversicherung bei (Urk. 7/15
, Urk. 7/35
, Urk. 7/91-124
)
und
teilte dem Versicherten am 23.
Oktober 2019
mit,
a
ufgrund des Gesundheitszustandes
seien keine Eingliederungsmassnahmen möglich (Urk. 7/19).
Nach einem Gesuch des Versicherten
um
Eingliederungsmassnahmen
(Urk. 7/41)
erteilte die IV-Stelle am 28. Dezember
2020
Kostengutsprache
für
ein
Belastbarkeitstraining
(Urk. 7/43)
und am 29. April 2021 für ein Aufbautraining (Urk. 7/62).
Am 25. Oktober 2021 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, a
ufgrund
sein
es Gesundheitszustandes
seien keine Eingliederungsmassnahmen möglich
(Urk. 7/88)
.
Nach durchge
führ
tem Vorbescheidverfahren (Urk.
7/129, Urk. 7/138
) wies sie das Leistungs
begeh
ren mit Verfügung vom
21.
F
ebruar 2022
(Urk. 7/141
= Urk.
2) ab.
2.
Der Versicherte erhob am
25. März
2022
Beschwerde gegen die Verfügung vom
2
1.
F
ebruar
2022
(
Urk.
2) und beantragte,
diese sei aufzuheben und ihm seien die Leistungen aus dem
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG)
zuzu
sprechen, insbesondere eine ganze IV-Rente. Es sei ein psychiatrisches Gutachten einzuholen. Eventuell sei die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit diese nach erfolgter Abklärung neu verfüge (Urk. 1 S. 2).
Am
16. Mai 2022
(Urk.
6
) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerde
führer mit Verfügung vom
20. Mai 2022
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
8
).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des
rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen).
Da der Zeit
punkt des Invaliditätseintritts (Art. 28 Abs. 1 und 1
bis
IVG) und jener des Renten
anspruchs nicht unbedingt identisch sind, fällt eine Invalidenrente unter das neue Recht, wenn der Anspruchsbeginn ab dem 1. Januar 2022 liegt, auch wenn die Invalidität vor diesem Zeitpunkt eingetreten ist. Neurechtliche Invalidenrenten sind somit Renten, auf die gemäss Art. 29 Abs. 1 und 2 IVG der Anspruch ab dem 1. Januar 2022 entsteht (
vgl.
Rz
. 1008
des Kreisschreibens
zu den Übergangsbe
stimmungen zur Einführung des linearen Rentensystems
, K
S ÜB WE IV
, gültig ab 1. Januar 2022
).
Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 202
2.
Da der frühest
mögliche Rentenanspruch vorliegend bereits vor dem 1. Januar 2022 entstanden
sein könnte
, sind die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.
2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähig
keit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
4
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich unter
suchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober
2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE
135 V 254 E. 3.3.2).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwal
tung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entschei
den haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdi
gen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bun
desgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den pra
xisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1).
Soll ein Versicherungsfall ohne Einho
lung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswür
digung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Fest
stel
lungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1 mit Hinweisen).
1.5
Berufsberatung ist Aufgabe der IV-Stelle und nicht des begutachtenden Arztes oder der Ärztin. Zwischen diesen und den Fachleuten der Berufsberatung ist aber eine enge, sich gegenseitig ergänzende Zusammenarbeit erforderlich (BGE 107 V 17 E. 2b; vgl. BGE 140 V 193 E. 3.2 mit weiterem Hinweis). Nach der Rechtspre
chung ist die Frage nach den noch zumutbaren Tätigkeiten und Arbeitsleistungen nach Massgabe der objektiv feststellbaren Gesundheitsschädigung in erster Linie
durch die Ärzte und nicht durch die Eingliederungsfachleute auf der Grundlage der von ihnen erhobenen, subjektiven Arbeitsleistung zu beantworten (Urteile des Bundesgerichts 9C_396/2014 vom 15. April 2015 E. 5.4 und 9C_401/2014 vom 26. November 2014 E. 4.2.2; je mit Hinweis). Hingegen ist für die Evaluation von kon
kreten geeigneten Tätigkeiten die Verwaltung zuständig, die dazu allenfalls Fach
personen der beruflichen Integration und Berufsberatung beizuziehen hat (Urteil des Bundesgerichts 8C_545/2012 vom 25. Januar 2013 E. 3.2.1, nicht publiziert in BGE 139 V 28; vgl. BGE 140 V 193 E. 3.2). Der Arzt oder die Ärztin sagen somit, inwiefern die versicherte Person in ihren körperlichen respektive geistigen Funktionen durch das Leiden eingeschränkt ist, wobei es als selbst
verständlich gilt, dass sie sich vor allem zu jenen Funktionen äussern, welche für die nach ihrer Lebenserfahrung im Vordergrund stehenden Arbeits
möglichkeiten der ver
sicherten Person wesentlich sind (so etwa, ob diese sitzend oder stehend, im Freien oder in geheizten Räumen arbeiten kann oder muss, ob sie Lasten heben und tragen kann). Die Fachleute der Berufsberatung dagegen sagen, welche kon
kreten beruflichen Tätigkeiten aufgrund der ärztlichen Angaben und unter Berücksichtigung der übrigen Fähigkeiten der versicherten Person in Frage kom
men, wobei unter Umständen entsprechende Rückfragen beim Arzt oder der Ärz
tin erforderlich sind (BGE 107 V 17 E. 2b; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 27 E. 1 mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 8C_119/2008 vom 22. September
2008 E. 6.2 und I 588/05 vom 27. April 2006 E. 3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung vom 21. Februar
2022 (Urk. 2) damit, dass
keine gesundheitliche Beeinträchtigung vor
han
den sei, welche sich längerfristig auf
die
Arbeitsfähigkeit
des Be
schwer
deführers
im bisherigen Beruf auswirke
. Einige der gesundheitlichen Beeinträch
ti
gungen hät
ten ihren Ursprung im beruflichen und privaten Umfeld
(S. 2).
2.2
Demgegenüber machte
der Beschwerdeführer
geltend
, vorliegend seinen keine psychosozialen Faktoren erkenntlich, welche direkt negative funktionelle Folgen hätten. Er sei seit längerer Zeit arbeitslos, womit auch keine Konflikte am Arbeitsplatz gegeben seien (S. 6
Rz
20). Er leide seit Jahren
an einer Depression und die beruflichen Massnahmen hätten aufgrund seines Gesundheitszustandes abgebrochen werden müssen. Seite Arbeitsunfähigkeit seit dem 1
6.
Juli 2018 sei, mit Unterbrüchen durch Arbeitsversuche, ausgewiesen. Die behandelnden Fach
personen würden nicht einmal in Erwägung ziehen, dass in angepasster Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit ausgewiesen sein würde (S. 8
Rz
26). Die letzte Abklärung
des Regionalen Ärztlichen Dienstes liege über ein Jahr zurück (S. 8
Rz
27). Die aufgezählten psychosozialen Faktoren seien aus dem Zusammenhang gerissene Passagen aus verschiedenen Akten (S. 8
Rz
28).
Die IV-Stelle habe es unterlassen, ein strukturiertes Beweisverfahren durchzuführen (S. 9
Rz
35).
2.3
Strittig und zu prüfen ist ein Rentenanspruch des Beschwerdeführers und ob wei
tere Abklärungen nötig sind.
3.
3.
1
Dr.
med. univ. Y.___
, Fachärztin für
Allgemeine Innere Medizin
, führte mit
ärztlich
em Zeugnis zuhanden der Krankentaggeld
versicherung
vom
11.
September
2018 (Urk. 7/8) aus, sie behandle den Beschwerdeführer seit November 2016 (Ziff. 1)
,
und nannte als Diagnose
n
eine depressive Episode (ICD
10 F32) und Panik (Ziff. 5). Seit 1
0.
Juli 2018 und bis auf weiteres bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 8). Es bestehe seit Jahren eine rezidi
vie
rende D
epres
sion. Aktuell sei sie
ex
a
zerbiert
seit April 201
8. Dr.
Y.___
erwähnte e
ine Erschöpfungsdepression und ein Burn-Out,
ex
a
zerbiert
durch Mobbing am Arbeitsplatz (Ziff. 3).
3.
2
Die Fachpersonen der
Z.___
AG
führten mit Bericht vom
2
7.
Novem
ber
2018
zuhanden der Krankentaggeldversicherung des Beschwerdeführers (
Urk. 7/35/80-83
) aus, vom 27. August bis 4. Oktober 2018 habe ein stationärer Aufenthalt des Beschwerdeführers stattgefunden (S. 2 Ziff. 3). Sie nannten als Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
,
und psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak, Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F17.2; S. 1 Ziff. 2). Der Beschwerdeführer leide seit der Jugendzeit an rezidivierenden depressiven Episoden vor dem Hintergrund eines belastenden Elternhauses sowie Konflikten bei den verschiedenen Arbeits
stellen (S. 1 Ziff. 1). Während der stationär-psychiatrischen Behandlung sei der Beschwerdeführer aufgrund seines deprimierten Affekts, reduzierten Antriebs, reduzierter Konzentrationsfähigkeit zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Er habe die Klinik in stark gebessertem psychopathologischen Zustand verlassen. Der Beschwerdeführer sei noch bis am 1
0.
Oktober 2018 vollständig arbeitsunfähig. Der weitere Verlauf sei beim
Nachbehandler
Dr.
med. A.___
zu erfragen. Grundsätzlich werde von einer positiven Prognose bezüglich der Arbeitsfähigkeit ausgegangen (S. 3 Ziff. 4).
Die Fachpersonen der
Z.___
AG
führten im Austrittsbericht vom
3. Dezember 2018 (Urk. 7/6)
aus,
d
ie Depression könne im Zusammenhang mit Belastungen und Spannungen bei der Arbeit gesehen werden, vermutlich mitbe
dingt durch
interaktionelle Schwierigkeiten des Beschwerdeführers
und unter
stützt durch die soziale Phobie. Psychopathologisch habe Grübeln, ein
dysthymer
Affekt, eine stark reduzierte Belastbarkeit und ein gestörter Nachtschlaf im Vor
dergrund gestanden. Von einer Pharmakotherapie habe der Beschwerdeführer Abstand genommen. Die depressive Symptomatik sei in den Hintergrund getre
ten. Der
dysthyme
Affekt und die innere Unruhe hätten abgenommen
. Der Beschwerdeführer sei noch bis und mit 3
0.
September 2018 vollständig arbeits
unfähig.
Dr. A.___
, welcher die ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Weiterbehandlung übernehme, werde um Evaluation der weiteren Krankschrei
bung gebeten
(S. 3).
3.
3
Dr.
med.
A.___
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, führte mit Bericht vom 19.
Dezember 2019 (Urk.
7/24
/7-12
)
zuhanden der Beschwerde
gegnerin
aus, er behandle den Beschwerdeführer seit Juni 2016 (Ziff. 1.1), wobei die Sitzungen gegenwärtig zirka alle zwei Wochen stattfänden (Ziff. 1.2).
Er nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 2.5):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig anhaltende mittel- bis schwergradige depressive Episode (ICD-10 F33.2); Grunderkrankung bestehend seit vielen Jahren
-
soziale Phobie (ICD-10 F40.1); dokumentiert durch ihn seit 2016
Der Beschwerdeführer sei ein gepflegter Mann, wach, allseits orientiert. Konzent
ration und emotionale Schwingungsfähigkeit seien reduziert. Affektiv sei er nie
dergeschlagen, geplagt von Zukunftsängsten. Die Stimmung sei deprimiert, bedrückt und hoffn
ungsarm und lustlos. Es bestünden
deutliche Insuffizienz- und Minderwertigkeitsgefühle. Der Antrieb sei erheblich reduziert, psychomotorisch wirke er angespannt, etwas fassadenhaft. Er sei
inappetent
, indifferent der Ernäh
rung gegenüber. Morgentief, abends deutlich besser. Er habe ausgeprägte Durch
schlafstörungen mit stundenlangem Wachliegen und Gedankenkreisen. Gelegent
liche Sterbenswünsche, jedoch keine akute Suizidalität (Ziff. 2.4).
Grundsätzlich sei die
Prognose
zur Arbeitsfähigkeit
eher ungünstig
. Der Beschwerdeführer habe wiederholt mobbingartige Situationen am Arbeitsplatz erlebt und habe weitge
hend resigniert. Hinzu komme die aktuell
weitgehend therapieresistente Depres
sion
(Ziff. 2.7). Er sei vollständig arbeitsunfähig und übe derzeit keine Erwerbs
tätigkeit aus (Ziff. 3.1). Aufgrund der Erkrankung (vor allem Antriebsmangel) vernachlässige der Beschwerdeführer die Haushaltführung, ernähre sich nur noch von Sandwiches (habe früher für sich gekocht), habe keinen Appetit und sei lust
los der Ernährung gegenüber. Ebenso vernachlässige er die Körperpflege (dusche und rasiere sich nur wenn zum Beispiel Arzttermine anstünden; Ziff. 4.5).
3.
4
Die Fachpersonen der
Z.___
AG berichteten am 17.
April
2020 (Urk. 7/27)
über eine stationäre Behandlung vom 1
0.
Februar bis 1
3.
März
2020 (Ziff. 1.1) und nannten
als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1; Ziff. 2.5).
Der Beschwerdeführer berichte, seit der Jugendzeit an wieder
kehrenden depressiven Verstimmungen vor dem Hintergrund eines belastenden Elternhauses mit emotionaler Vernachlässigung sowie emotionalem Missbrauch zu leiden (Ziff. 2.1). Zum Befund bei Eintritt wurde unter anderem erwähnt, es bestünde eine leichte Konzentrations- und M
erkfähigkeitsminderung und formal
gedanklich Grübeln. Im Affekt niedergeschlagen mit Interessensverlust, Selbst
vorwürfen und Perspektivlosigkeit. Die emotionale Schwingungsfähigkeit sei redu
ziert, der Antrieb gemindert.
Es bestünden
Ein- und Durchschlafstörungen mit Alpträumen und Morgentief,
der
Appetit sei vermindert und Libidoverlust.
Weiter
b
estünden
Zukunfts- und soziale Ängste
und
sozialer Rückzug. Der Beschwerdeführer sei vorzeitig ausgetreten aufgrund der sich zu diesem Zeitpunkt angekündigten Einschränkungen in der Behandlung und Anpassungen der The
rapie, sowie möglicher Quarantänemassnahmen insgesamt bedingt durch die SARS-Cov2 Pandemie (Ziff. 2.2.).
Nach erfolgter Stabilisierung werde die schritt
weise Wiedereingliederung in einer angepassten Tätigkeit empfohlen (Ziff. 2.7).
Im Rahmen eines Fremdbeur
teilungsinstrumentes zur Erfassung der Funktionsfä
higkeit bei psychischen Störungen habe sich insgesamt ein auffälliges Ergebnis ergeben. Dies bedeute, dass der Beschwerdeführer in seiner beruflichen Funk
tionalität stark eingeschränkt sei. Zum Behandlungszeitpunkt hätten deutliche Einschränkungen in den Bereichen Gruppenfähigkeit, Flexibili
tät/Umstellungs
fähig
keit, Selbstbehauptungsfähigkeit, Kontaktfähigkeit zu Drit
ten, Durchhalte
fähig
keit, Selbstbehauptungsfähigkeit, familiäre/intim
e
Beziehun
gen sowie Urteils
fähig
keit bestanden (Ziff. 3.4). Bei Fortführung der psychiat
risch-psycho
thera
peutischen Behandlung im stationären und/oder amb
ulanten Rahmen werde mit einer weiteren Stabilisierung sowie der Möglichkeit eines beruflichen Wiederein
stiegs mit schrittweiser Erhöhung des Arbeitspensums an einer dem Leiden des Beschwerdeführers angepassten Arbeitsstelle gerechnet (Ziff. 4.2). Es werde empfohlen das
Duloxetin
im Rahmen der Weiterbehandlung bei
Dr. A.___
zu evaluieren und allenfalls auf eine alternative antidepressive Medi
kation umzu
stellen (Ziff. 2.8).
3
.
5
Dr. A.___
nannte mit Bericht vom
9.
September 2020 (
Urk.
7/38) zuhanden der Beschwerdegegnerin dieselben Diagnosen und Befunde wie im vorhergehenden Bericht (Ziff. 1.2,
Ziff.
1.3
, vgl. vorstehend E. 3.3
). Der Gesundheitszustand sei stationär (Ziff. 1.1). Die Pro
gnose sei praktisch unverändert. T
rotz erheblicher
Zweifel, Ängste und Unsicherheiten sei der Beschwerdeführer jedoch bereit, sich auf Integrationsmassnahmen einzulassen (Ziff. 3.3). Die Arbeitsfähigkeit könne durch medizinische Massnahmen nicht verbessert werden (Ziff. 4.1). Für die bis
herige Tätigkeit als Dozent an
einer
Pflegefachschule
/
einem
Gesundheitszen
trum bleibe er zu 100 % arbeitsunfähig. Für angepasste Tätigkeiten mit möglichst wenigen sozialen Kontakten bestehe aktuell eine Arbeitsfähigkeit von zirka 20 % mit einer Leistungsfähigkeit von zirka 60 bis 80
%
.
Aufgrund von relativ rasch auftretenden Ermüdungsgefühlen seien stündliche Pausen von fünf bis zehn Minuten erforderlich.
Die Arbeitsfähigkeit sei schwierig einzuschätzen und müsste erprobt werden (Ziff. 2.1).
Der Beschwerdeführer werde mit
Duloxetin
in steigender Dosierung behandelt (Ziff. 3.2).
3.6
Pract
. med. B.___
, Facharzt für
Arbeitsmedizin
,
Regionaler Ärztlicher Dienst (
RAD
),
führte mit
Stellungnahme
vom 21.
September 2020 (Urk. 7/127
/4
5
)
aus,
mit der ausgewiesenen Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung mittel- bis schwergradige Episode (ICD-10 F33.2), gegenwärtig therapiere
sistent, sei ein Gesundheitsschaden ausgewiesen, welcher die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit längerfristig einschränken könne
(S. 1)
. Aufgrund der Bericht
erstattung sei von einer dauerhaften Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in bisheriger Tätigkeit auszugehen. In einer angepassten Tätigkeit sei eine Arbeits
fähigkeit umsetzbar, detaillierte Angaben zum Pensum seien nicht mög
lich. Die behandelnden Ärzte würden Massnahmen zur beruflichen Wiederein
gliederung empfehlen, das Prüfen entsprechender Massnahmen erscheine somit sinnvoll. Falls der Rechtsanwender zusätzlich eine medizin-theoretische Ein
schätzung zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit benötig
e
, werde bei der aktuellen Aktenlage wohl eine Begutachtung (Fachgebiet Psychiatrie) not
wendig werden (S. 2).
3.7
Die Fachpersonen der
C.___
AG führten in ihrem Abschlussbericht vom 3. Mai
2021 (Urk. 7/65) über ein vom
1.
Februar bis 3
0.
April 2021 durch
ge
führtes Belastbarkeitstraining aus, die Ziele seien erreicht worden. Im Anschluss werde daher ein Aufbautraining empfohlen (S. 4).
3.8
Dr. A.___
nannte mit Bericht vom
2
8.
Oktober 2021 (Urk. 7/126)
folgende Diagno
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 2.5):
-
rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig anhaltende schwergradige depressive Episode (ICD-10 F33.2) mit ausgeprägtem anhaltendem psychophysischem Erschöpfungssyndrom
-
soziale Phobie (ICD-10 F40.1)
Dr. A.___
nannte dieselben Befunde wie in den vorangehenden Berichten und erwähnte zusätzlich, dass der Beschwerdeführer innert 12 Wochen 10 kg abge
nommen habe (Ziff. 2.4).
In der ursprünglichen Tätigkeit als Dozent an einer Pflegefachschule als auch als Pflegefachperson bleibe der Beschwerdeführer vollstän
dig arbeitsunfähig.
Die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers müsse vor dem Hintergrund der Erfahrungen im Rahmen der Integrationsmassnahmen bei 20 % mit 80 bis 100 % Leistungsfähigkeit angesetzt werden (Ziff. 2.7).
3.9
Die Fachpersonen der
C.___
AG führten in ihrem Abschlussbericht vom 29. Okto
ber 2021 (Urk. 7/125) über ein vom
1.
Mai 2021 bis 3
1.
Oktober 2021 durchgeführtes Aufbautraining aus, die Ziele hätten aufgrund der gesundheitli
chen Verschlechterung nicht umfassend erreicht werden können (S. 4 Ziff. 11). Die Präsenzzeit von vier Stunden täglich sei zu Beginn der Berichtsperiode mit
konstant anhaltenden Erschöpfungstendenzen
umsetzbar gewesen, woraufhin die weitere Präsenzsteigerung zu einer Verschlechterung des gesundheitlichen Zustan
des geführt habe. Für eine nachfolgende Tagesstruktur oder die Wieder
aufnahme der beruflichen Integration werde daher der Einstieg mit maximal vier Stunden täglich empfohlen, mit der Möglichkeit zur Steigerung. Aktuell bestehe aus gesundheitlichen Gründen keine relevante Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt (S. 2 Ziff. 8). Unter Methodenkompetenz aufgeführt wurden Pünkt
lichkeit, sorgfältige Arbeitsweise, Selbständigkeit, gute Auffassungsgabe, Verant
wortungsbereitschaft und hohe Motivation (S. 3).
3.10
Nach Verfü
gungserlass
wurde ein Bericht von
Dr. A.___
vom 1
4.
März
2022 (Urk. 3)
eingereicht.
Für die richterliche Beurteilung eines Falles sind grundsätz
lich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsver
fahrens massgebend. Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, sind jedoch insoweit zu berücksichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzu
sammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Ent
scheiderlasses
zu beeinflussen (BGE 121 V 362 E. 1b; 99 V 98).
Diese Voraussetzungen sind hinsichtlich des im Rahmen des Beschwerdeverfah
rens eingereichten Berichts erfüllt, weshalb diese
r
vorliegend berücksichtigt wer
den k
a
nn.
Dr. A.___
nahm zu den Ausführungen der
Kundenberaterin der Beschwerdegegnerin (Urk. 7/127/6 unten
)
S
tellung und hielt insbesondere fest,
a
usgewiesen und belegt sei eine schwere psychische Erkrankung, eben die mittel- bis schwergradige Depression, die mit Antriebsmangel und erhöhter Ermüdbarkeit einhergehe
. Ähnlich verhalte es sich mit den konstanten Erschöpfungstendenzen. Da die Depression weiterhin im mittel- bis schwergradigen A
usmass fortd
auere,
bestehe eben auch eine andauernde erhöhte Ermüdbarkeit, was nichts mit psy
chosozialen Faktoren zu tun habe (die seien ja längst nicht mehr vorhanden), sondern eben nur mit der Depression (S. 2).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin vertrat in der angefochtenen Verfügung die Ansicht,
beim Beschwerdeführer sei
keine gesundheitliche Beeinträchtigung vorhanden, welche sich längerfristig auf
die
Arbeitsfähigkeit im bisherigen Beruf auswirke. Einige der gesundheitlichen Beeinträchtigungen hätten ihren Ursprung im beruf
lichen und privaten Umfeld
(vorstehend E. 2.1). Dabei stützte sie sich auf
die Beurteilung einer Kundenberaterin. Diese hat
in einer Stellungnahme vom 5. November 2021 festgehalten
, es würden
diverse psychosoziale Faktoren und
daher kein
IV
-relevanter Gesundheitsschaden vor
liegen
(vgl. Urk. 7/127/6 unten).
4.2
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Über die
(längerfristige)
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
in der bisherigen und einer angepassten Tätigkeit
nach Durchführung der beruflichen Massnahmen
von Februar bis Oktober 2021
liegen - wie auch für den Zeitraum vorher - keine verlässlichen Arztberichte vor
.
Die F
achpersonen
der
Z.___
AG
gingen im November
2018 von einer
rezidivierende
n
depressive
n
Störung,
dannzumal
mittelgradige Episode
,
aus. Sie attestierten bis
am 1
0.
Oktober 2018
eine
voll
ständig
e
A
rbeitsunfähig
keit und verwiesen für den weiteren
Verlauf
auf den
Nachbehandler
Dr. A.___
(vorstehend E. 3.2).
Im April 2020 nannten sie dieselbe Diagnose und sprachen sich für eine
schrittweise Wiedereingliederung in einer angepassten Tätigkeit
aus, wobei sie darauf hinweisen, dass der Beschwerdeführer
in seiner beruflichen Funktionalität stark eingeschränkt sei
(vorstehend E. 3.4)
.
Der behandelnde Psychiater
Dr. A.___
ging im Dezember 2019 von einer
rezidivie
rende
n
depressive
n
Störung,
dannzumal
anhaltende mittel- bis schwergradige depressive Episode
,
und einer sozialen Phobie
aus und attestierte eine vollstän
dige Arbeitsunfähigkeit (vorstehend E. 3.3)
. Im September 2020
erachtete er die Situation als praktisch unverändert
und
d
ie Arbeitsfähigkeit
als
schwierig
ein
schätzbar
(vorstehend E. 3.5).
In einem
Aufbautraining
konnten
die Ziele aufgrund der gesundheitlichen Ver
schlechterung nicht umfassend erreicht werden
. Die Fachpersonen erachteten
aus gesundheitlichen Gründen keine relevante Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeits
markt
als gegeben
(
vorstehend E.
3.9
).
Im Oktober 2021 ging
Dr. A.___
von einer
rezidivierende
n
depressive
n
Störung,
dannzumal
anhaltende schwergradige depressive Episode
,
mit ausgeprägtem anhaltendem psychophysischem Erschöpfungssyndrom aus (vorstehend E. 3.9). Er erachtete vor dem Hintergrund der Erfahrungen im Rahmen der Integrations
massnahmen eine Arbeitsfähigkeit von 20 % mit 80 bis 100 % Leistungsfähigkeit als gegeben
(vorstehend E. 3.8)
.
In den Akten findet sich keine
aktuelle
Stellungnahme eines RAD-Arztes
, was unverständlich ist
.
Die Stellungnahme von
pract
. med.
B.___
stammt von Sep
tem
ber 2020 (vorstehend E. 3.6), die angefochtene Verfügung von Februar 202
2.
Es ist Aufgabe des RAD, nicht der Sachbearbeitung, die Arbeitsfähigkeit
zu beurteilen (vorstehend E. 1.4
), was insbesondere darin begründet ist, dass - wie hier - vorab medizinische Fragen und die dazu ergangenen fachlichen Stellung
nahmen zu würdigen und gegebenenfalls weiterführende Abklärungen zu veran
lassen sind.
Zudem ist
p
ract
. med.
B.___
nicht Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
.
Der Beizug eines solchen wäre angesichts der
im Vordergrund stehenden psychischen Beeinträchtigung angebracht gewesen.
4.3
Zudem
fehlt es den genannten medizinischen Berichten
an den erforderlichen Angaben zu den Standardindikatoren.
Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechtsanwendung hat sich das Bundesgericht ver
schiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorgegebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Abschätzung der Folgen aus den dia
gnos
tizierten gesundheitlichen Beeinträchtigungen nimmt zuerst der Arzt Stel
lung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der ver
sicherten Person
noch zugemutet werden kann (BGE
141 V 281 E.
5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen
anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen las
sen. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswür
digung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rah
men des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht be
antwortet werden kann. Nach BGE
141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenans
prechenden Person auswirkt (BGE
144 V 50 E. 4.3
).
4.4
Die vorhandenen Berichte über die Eingliederungsmassnahmen ver
mögen zwar wichtige Hinweise auf die Fähigkeiten des Beschwerdeführers im Arbeits
leben zu vermitteln, ersetzen aber die genaue medizinische Beurteilung und das darauf basierende strukturierte Beweisverfahr
en nicht (vgl. vorstehend E. 1.5
).
Auf
die Berichte des behandelnden Psychiaters und die von ihm attestierte
rund
20%ige Arbeits
fähigkeit
kann nicht nur aufgrund den fehlenden
Angaben zu den Standardindikatoren
nicht allein abgestellt werden
, sondern auch wegen der Tat
sache, dass d
ie behandelnden Ärztinnen und Ärzte in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur versicherten Person
stehen
und sich zudem in erster Linie auf die Behandlung zu konzentrieren
haben
. Ihre Berichte verfolgen daher nicht den Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die Versicherungsansprüche erlaubenden objektiven Beurteilung des Gesundheitszustandes und erfüllen des
halb kaum je die materiellen Anforderungen an ein Gutachten gemäss BGE 125 V 351 E. 3a. Aus diesen Gründen und aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte - beziehungsweise regelmässig behandelnde Spezialärzte (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 551/06 vom
2.
April 2007 E. 4.2) - mitunter
wegen
ihre
r
auftragsrechtliche
n
Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, kommt im Streitfall ein direktes Abstellen einzig gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärztinnen und Ärzte nur selten in Frage (vgl.
Urteil des Bundesgericht 8C_1055/2010 vom 1
7.
Februar 2011 E. 4.1). Der Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit durch den behandelnden Psychiater kann daher nicht ohne Weiteres gefolgt werden.
Die Fachpersonen der
Z.___
AG
äusserten sich nicht konkret zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit.
Insgesamt geht aus den Berichten
aller behandelnden Ärzten und Fachpersonen
aber hervor, dass die Ausprägung der Beschwerden derart schwer ist, dass weitere Abklärungen angezeigt gewesen wären
.
Bereits
pract
. med.
B.___
wies darauf hin, dass eine Begutachtung notwendig sein könnte (vgl. vorstehend E. 3.6)
.
Dementsprechend findet die Begründung in der angefochtenen Verfügung, wonach
keine gesundheitliche Beeinträchtigung vorhanden sei, welche sich längerfristig auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im bisherigen Beruf auswirke,
in den medizinischen Akten keine Stütze.
Zusammenfassend
fehlt es demnach an einer verlässlichen medizinischen Grund
lage zur Beurteilung der gesundheitlichen Situation und der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers und damit an der Grundlage für einen Entscheid.
5.
5.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
5.2
Nach dem Gesagten
ist
die Beschwerdegegnerin mit ihrem Vorgehen
der
ihr obliegenden Abklärungspflicht
in keiner Weise
ausreichend nachgekommen.
Die angefochtene Verfügung ist deshalb aufzuheben und die Sache
ist
a
n die Beschwerdegegnerin zurückzuwei
sen, damit sie die Arbeitsfähigkeit des Be
schwer
de
führers abkläre und hernach über seinen Rentenanspruch erneut ver
füge.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
6.1
Die Gerichtskosten nach
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind auf
Fr.
600.-- anzusetzen und ausgangsgemäss der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3 GSVGer) und ist beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (ohne
MWSt
) ermessensw
eise auf Fr. 2’000
.-- (inkl.
MWSt
und Auslagenersatz) festzusetzen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die Verfügung vom
2
1.
Februar 2022
aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgten Abklärungen im Sinne der Erwägungen, neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
ei
ne Prozessentschä
digung von Fr. 2’000
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Manuel Bader
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind bei
zulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
Grieder-MartensKeller