# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ed2ccffb-e9d7-5aaa-b669-f4f02eea8d2b
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-05-28
**Language:** de
**Title:** Die im Gutachten und von den behandelnden Ärzten gestellte Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung ist nicht nachvollziehbar. Aufgrund der diesbezüglichen Unklarheiten kann die Rechtmässigkeit der auferlegten Schadenminderungspflicht nicht überprüft werden.
**Docket/Reference:** IV.2020.00287
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2020.00287.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2020.00287
V. Kammer
Sozialversicherungsrichter Vogel, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Ersatzrichterin Gasser Küffer
Gerichtsschreiber Kübler
Urteil
vom
28. Mai 2021
in Sac
hen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Departement Soziales der Stadt Winterthur
Y.___
, Soziale Dienste, Sozialversicherungsfachstelle
Pionierstrasse 5, 8403 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1970,
arbeitete zuletzt
bis Juni 2016
im Hotel
Z.___
in einem 80 %-Pensum als Frühstücksdame
(Urk. 12/18)
. Ab dem 15. Juni 2016 war die Versicherte krankgeschrieben (Urk. 12/10/1-5).
Am 1. November 2016
(Eingangsdatum)
meldete
sie
sich unter Hinweis auf eine seit 2010 bestehende psychische Störung
sowie eine Fussverletzung
bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Leistungsbezug an (Urk. 12/8).
Das Arbeitsverhältnis wurde von der Arbeitgeberin per Ende Dezember 2016 gekündigt (Urk. 12/
18/8
).
Nachdem die IV-Stelle Abklärungen in medizinischer und erwerblicher Hinsicht vorgenommen
und Akten der Taggeldversicherung eingeholt
hatte (Urk. 12/10, Urk. 12/16-18
, Urk. 12/20
, Urk.
12/31-32), informierte sie die Versicherte mit Mitteilung vom 19. Mai 2017 darüber, dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmass
nahmen
angezeigt seien (Urk. 12/33). Mit Schreiben vom 27. Juni 2017 forderte die IV-Stelle die Versicherte dazu auf, eine sechsmonatige intensive psychiatrische Behandlung zu absolvieren (Urk. 12/34).
Daraufhin teilte die
se
mit, dass sie die betreffende Behandlung bei Dr. med.
A.___
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, absolvieren werde (Urk. 12/35).
Mit Mitteilung vom 19. Juni 2018 informierte die IV-Stelle die Versicherte darüber, dass sie zur Klärung
ihrer
Leistungsansprüche eine
bidisziplinäre
Begutachtung
als notwendig erachte (Urk. 12/49).
Das Gutachten in den Disziplinen Orthopädie und Psychiatrie wurde
am 9. August 2018
von der
B.___
GmbH erstattet (Urk. 12/51). Mit Stellungnahme vom 8. September 2018 antwortete
Prof. Dr. med.
C.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie,
auf Rückfragen der IV-Stelle zum psychiatrischen Gutachten
(Urk. 12/55, vgl. Urk. 12/52).
1.2
Am
1. April 2019
teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass zurzeit nicht
abschliessend
beurteilt werden könne, ob die Einschränkung der Erwerbsfähigkeit bleibend sei oder zumindest längere Zeit andauere.
Gemäss
der medizinischen Einschätzung
könne
ihr
Gesundheitszustand
mit einer störungsspezifischen stationären Behandlung in einer für das Störungsbild spezialisierten Klinik von einer Dauer von mindestens 6 bis maximal 8 Wochen
wesentlich verbessert werden.
Anschliessend sei eine tagesklinische und hochfrequentierte ambulante störungsspezifische psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung von mindestens 4 Monaten angezeigt. Gemäss der gutachterlichen Abklärung könne dadurch innerhalb von 6 Monaten eine 50%ige Arbeitsfähigkeit erreicht werden.
Während der Behandlung werde kein Entscheid über einen allfälligen IV
Rentenanspruch gefällt, sondern erst danach. Die IV-Stelle auferlegte der
Versicherten eine Mitwirkungspflicht/Schadenminderungspflicht und gab ihr auf, bis am
30. April 2019
mitzuteilen,
wo sie die betreffende Behandlung
durchführen
möchte und
wie der Behandlungsplan laute.
Im Säumnisfall
könne
aufgrund der Akten entschieden
und ein allfälliger Leistungsanspruch abgelehnt oder gekürzt
werden
(Urk. 12/63).
Am 8. April 2019 teilte die Versicherte der IV
Stelle telefonisch mit, dass sie
bereits
vom 10.
bis
am
16.
November
2018
sowie vom 15. Dezember 2018 bis am 14. Januar 2019
in der
i
ntegrierten Psychiatrie
D.___
einen
stationären Aufenthalt
absolviert habe und
jetzt auf der Warteliste für die Tagesklinik stehe. Am 3. Mai 2019 habe sie diesbezüglich einen Termin (Urk. 12/64
-66). Mit Schreiben vom 4. Juni 2019 wandte sich die IV-Stelle an die
D.___
und ersuchte um Zustellung eines Behandlungs- beziehungsweise Therapieplans
(Urk. 12/67), woraufhin die
D.___
am 4. Juni 2019 einen Austrittsbericht erstattete
, welchem sich entnehmen lässt, dass die
Beschwerdeführerin
nach absolvierter Probewoche
aus der tages
klinischen Behandlung ausgetreten war
(Urk. 12/69).
Nach
Rücksprache
mit ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst
(
[RAD];
Besprechung mit Dr. med.
E.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 8. Juli 2019 [Urk. 12/71/13]) stellte die IV-Stelle der Versicherten m
it Vorbescheid vom 9. August 2019 die Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 12/72).
D
agegen
erhob die
se
am 29. August 2019
Einwand
(Urk. 12/74
, ergänzende Begründung vom
14. Oktober 2019
[Urk. 12/77]) und legte
diesem
verschiedene Beric
hte
der behandelnden Ärzte bei
(Urk. 12/76). Nach erneuter Vorlage an den RAD (Stellungnahme Dr.
E.___
vom 28. Januar 2020 [Urk. 12/81/4-5]) verneinte die
IV-Stelle
einen Rentenanspruch
mit Verfügung vom 23. M
ärz 2020 (Urk. 2 = Urk. 12/82).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 4. Mai 2020 Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom 23. März 2020 sei aufzuheben und es sei ihr eine Invalidenrente auszurichten. In prozessualer Hinsicht beantragte die
Beschwerdeführerin
–
im Falle des Unterliegens
–
die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1 S. 2).
Mit Eingabe vom 17. Juni 2020
informierte die
Beschwerdeführerin
darüber, dass sie über eine Rechtsschutzversicherung verfüge, welche allfällige Vertretungs- und Gerichtskosten decke (Urk. 10).
Mit Beschwerdeantwort vom 24. Juni 2020 schloss die IV-Stelle auf Abwe
isung der Beschwerde (Urk. 11), worüber die
Beschwerdeführerin
am 29. Juni 2020 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 13). Gleichzeitig wurde das Gesuch der
Beschwerdeführerin
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung abgewiesen (Urk. 13).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderer
seits
-
er
lauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundes
gerichts
9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines renten
begründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grund
lage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl.
BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung
-
da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert
-
abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
rele
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
führte zur Begründung
der angefochtenen
Verfügung an, gestützt auf das Gutachten
vom 9. August 2018
habe sich ergeben, dass die gesundheitliche Beeinträchtigung der
Beschwerdeführerin
noch nicht abschliessend behandelt sei, weshalb sie dazu verpflichtet worden sei,
sich
einer stationären Behandlung gefolgt von einer tagesklinischen Therapie
zu unter
ziehen
. Eine Kontrolle habe ergeben, dass die auferlegte medizinische Massnahme nicht vollumfänglich umgesetzt worden sei.
Dass die Massnahme, wie von Dr.
A.___
angegeben, nicht zumutbar sein soll, sei ni
cht nachvoll
ziehbar und stehe in
Widerspruch
dazu, dass
die
Beschwerdeführerin
im Mai 2019 in Kairo eine Ehe eingegangen
sei
.
Es sei ihr
möglich gewesen, die Anforderungen dafür (Vorbereitung, Planung, Flugreise) zu bewerkstelligen, weshalb ihr auch die Erfüllung der auferlegten Schadenminderungspflicht zuzumuten sei.
Da die
Beschwerdeführerin
gemäss den medizinischen Einschätzungen nach Beendigung der empfohlenen Therapien zu 80 % arbeitsfähig wäre,
werde von einer
dementsprechenden
Arbeitsfähigkeit ausgegangen. Im Haushaltsbereich
bestehe keine Einschränkung. Bei einer im Gesundheitsfall ausgeübten Tätigkeit von
80 %
im Erwerb und 20 % im Haushalt ergebe sich ein nicht rentenbegründender
Invaliditätsgrad von 16 % (Urk. 2).
2.2
Dagegen bringt die
Beschwerdeführerin
vor,
aufgrund der angefochtenen Verfügung sei nicht klar, weshalb die
Beschwerdegegnerin
von einer 80%igen
Arbeitsfähigkeit
ausgehe.
Korrekterweise hätte bei der Ermittlung des Invaliditätsgrades von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % ausgegangen werden müssen
. So sei anzumerken, dass der Gutachter
Prof.
Dr.
C.___
die Arbeitsunfähigkeit bei der Begutachtung vom 9. August 2018 mit 100 % bewertet habe. Er habe prognostiziert, dass die
Beschwerdeführerin
allenfa
lls nach einer mindestens sechs
monatigen psychiatrischen Behandlung/Therapie eine 50%ige Arbeitsfähigkeit erlangen könne.
Weshalb eine erneute stationäre Psychotherapie nicht zumutbar sei, sei durch die behandelnden Ärzte ausführlich erläutert worden. Die Stellungnahmen der behandelnden Ärzte seien von der
Beschwerde
gegnerin
unverständlicherweise nicht berücksichtigt worden. Die Heirat der
Beschwerdeführerin
sei nicht IV-relevant. Trotzdem sei zu erwähnen, dass die
se
aufgrund ihrer Lebens- und Leidensgeschichte soziokulturell beziehungsweise als psychopathologisch einzuordnen sei, indem sie einem Schutzbedürfnis ent
springe.
Die
Beschwerdeführerin
habe dadurch zeitweise Entlastung und eine Hebung ihres Status in der Familie und im Bekanntenkreis erfahren (Urk. 1).
2.3
Strittig und z
u prüfen ist ein Anspruch der
Beschwerdeführerin
auf eine Rente der Invalidenversicherung.
3.
Die Gutachter der
B.___
GmbH stellten in ihrem
bidisziplinären
Gutachten vom 9. August 2018 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 12/51/7):
-
Mässiggradige bis schwere posttraumatische Belastungsstörung
(nach
folgend: PTBS)
; reaktiviert durch
Supina
tionstrauma
des OSG links und Operation
vom
September 2016 (ICD-10 F43.1)
-
Chronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
Rezidivierende depressive Störung; gegenwärtig mittelgradig mit Tendenz zur schweren Depression; beginnend chronifiziert (ICD-10 F33.1)
Daneben stellten die Gutachter folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 12/51/7):
-
Hypertrophe,
kelloidartige
Narbenbildung unterhalb des linken lat.
Malleolus
nach im Jahre 2016 erlittener OSG-Distorsion mit Ruptur der
Peroneus
brevis
Sehne und erfolgtem Transfer der
Peroneus
brevis
auf die
Peroneus
longus Sehne, gegenwärtig ohne Instabilität oder Bewegungs
einschränkung (ICD-10 S93.41)
-
Erworbener Senk-Spreizfuss beidseits (ICD-10 M21.37)
Die Beschwerdeführerin sei in einer Grossfamilie im Irak aufgewachsen. Während der Zeit ihrer Persönlichkeitsbildung habe
sie
multiple physische und psychische Traumatisierungen erlebt.
Die psychische Krankengeschichte der Beschwerde
führerin habe nach dem «Ehrenmord» ihrer jüngeren Schwester durch ihren Vater begonnen. Diese in Schweden lebende und der Beschwerdeführerin wie eine T
ochter nahestehende Schwester hä
tte sich von ihrem Ehemann getrennt und sich einem Schweden zugewandt, weshalb sie der Vater mit 58 Messerstichen getötet habe. Die Symptome einer
PTBS
hätten sich entwickelt, als die Beschwerde
führerin nach Schweden zur Beerdigung der Schwester gereist sei und dort die durch Messerstiche durchsiebte Leiche ihrer Schwester
gesehen habe
.
Der psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin sei bei bereits deutlich geschwächter psychischer Resilie
nz durch die genannten Umstände
und den innerlich ausgetragenen
Ambivalenzkonflikt
(«Mein Vater und gleichzeitig der Mörder meiner geliebten Schwester») jedoch schliesslich
eingebrochen, als es nach einem
Supinationstrauma
im Februar 2016 mit nachfolgender Operation im September 2016 zur Entwicklung körperlicher Schmerzen gekommen sei. Der körperliche Schmerz habe bei herabgesetzter psychischer Resilienz
schnell
Bezug zum psychischen Schmerz gewonnen (Anmerkung: Klassische Entstehung einer Somatisierung), woraus sich
rasch (innerhalb eines Monats)
eine chronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren entwickelt habe. Hierdurch sei es zum Auftreten depressiver Symptome mit nachfolgender weiterer Verschlechterung der
PTBS
gekommen. Somit sei ein sich gegenseitig negativ beeinflussendes komplexes Geflecht an psychischen Störungen entstanden, aus
dem sich die
Beschwerdeführer
in
trotz ambulanter psychiatrischer Behandlung infolge der darniederliegenden psychischen Resilienz
nicht mehr habe befreien können.
Zwar verfüge die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer guten Intelligenz und ihrer kämpferischen Grundeinstellung
prinzipiell
über gute Ressourcen, jedoch könne sie auf diese krankheitsbedingt nicht mehr vollumfänglich zugreifen. Aus medizinischer Sicht sei die Beschwerdeführerin nicht in der Lage, die Symptome ihrer komplexen psychiatrischen Störung aufgrund eigener
Willensbildung zu beherrschen
(Urk. 12/51/
5-
6).
Aus psychiatrischer Sicht könnten die von der behandelnden Psychiaterin mitgeteilten handicapierenden Fähigkeitsstörungen und beruflichen
Handi
capierungen
mit schweren Störungen insbesondere im Bereich der Durchhalte
fähigkeit und der Belastbarkeit, der Durchsetzungsfähigkeit und der Flexibilität
und Umstellungsfähigkeit, der Selbstbehauptungsfähigkeiten sowie in der Planung
und Strukturierung von Aufgaben nachvollzogen werden.
In der ergebnis
offenen Überprüfung der Standardindikatoren liege eine massive Reduktion der psychischen Resilienz der Beschwerdeführerin aufgrund der geschilderten Ereignisse mit deutlicher Aufweichung der Ich-Strukturen vor.
Infolgedessen sei es zu einem starken Einbruch der Affektsteuerung mit Entwicklung einer inzwischen beginnend chronifizierten depressiven Störung in mittelgradigem bis starkem Ausprägungsgrad und erneutem Aufflammen der posttraumatischen Symptome gekommen. Aus gutachterlicher Sicht hätten sich keine Hinweise auf
Verdeutlichungen
,
Aggravationen
oder gar Simulationen ergeben.
Die
Beschwerdeführerin
sei vom Gutachter als werteorientiert und beruflich
motiviert wahrgenommen worden
(Urk. 12/51/
8-
9).
Aufgrund des vorliegenden
komplexen und beginnend chronifizierten psychiatri
schen Störungsbildes liege gegenwärtig für alle Tätigkeiten unter den Bedingungen des ersten Arbeitsmarktes keine Arbeitsfähi
gkeit vor (0 % Arbeitsfähigkeit;
100 % Arbeitsunfähigkeit). Dies gelte seit der Krankschreibung vom 15. Juni 2016 anhaltend. Das Störungsbild sei zwar bereits beginnend chroni
fiziert und komplex mit untereinander negativ interferierenden Anteilen psychodynamisch aktiv, jedoch sei zu erwarten, dass durch eine störungs
spezifische stationäre Behandlung in einer für das Störungsbild
spezialisierten Klinik (zum Beispiel
F.___
) mit nachfolgend tagesklinischer und dann hochfrequenter ambulanter störungsspezifischer (posttraumatischer und schmerz
therapeutischer) psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung eine Verbesserung erreicht werden könne mit positiven Auswirkungen auf die mittel- und langfristige Arbeitsfähigkeit. Die bisher unzureichende Behandlung liege nicht im Verantwortungsbereich der Beschwerdeführerin, sondern sei iatrogen bedingt. Somit könne durch die geschilderten medizinischen Massnahmen innerhalb eines Zeitraumes
von sechs Monaten eine signifikante Besserung erreicht werden, die zumindest mit einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in zuletzt ausgeübter und adaptierter Tätigkeit einhergehe. Die berufliche Eingliederung hätte hernach stufenweise mittels beruflicher Eingliederungsbemühungen (Belastbarkeits- und Aufbautraining) mit dem Ziel der Erreichung der prämorbid bestehenden Arbeitsfähigkeit von 80 % bezogen auf ein Vollpensum zu erfolgen. Eine unverzügliche Eingliederung in den Arbeitsmarkt wäre aufgrund der langen Krankhei
tsepisode nicht leidensgerecht
(Urk. 12/51/10).
Aus orthopädisch-versicherungsmedizinischer Sicht hätten bei der Beschwerde
führerin seit Antragstellung und anhaltend zu keinem Zeitpunkt gesicherte orthopädisch-chirurgische Störungsbilder mit handicapierenden Auswirkungen
vorgelegen, welche die mittel- und langfristige Arbeitsfähigkeit in
der
zuletzt ausgeübte
n
Tätigkeit sowie einer allfällig adaptierten Tätigkeit um mehr als 20 % ei
ngeschränkt hätten (Urk. 12/51/10
).
4.
4.1
4.1
.1
In medizinischer Sicht stützte sich die
Beschwerdegegnerin
bei ihrem Entscheid insbesondere auf das
Gutachten der
B.___
GmbH vom 9. August 2018 (
Urk. 2,
Urk. 12/51)
und die darin enthalten
e
Beurteilung, wonach
bei der
Beschwerdeführerin
seit dem 15. Juni 2016
aus psychischen Gründen
keine Arbeitsfähigkeit
mehr bestehe
, sie
nach
einer
st
örungsspezifischen
Behandlung
mit nachfolgender
Eingliederung
aber
sowohl
in der zuletzt ausgeübten
wie auch in einer adaptierten
Tätigkeit
eine Arbeitsfähigkeit von 80 % erreichen könne.
Als Diagnosen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigke
it wurden eine m
ässiggradige bis schwere
PTBS
, eine chronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren sowie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig mit Tendenz zur schweren Depression
aufgeführt
(E. 3).
Der Diagnose der
PTBS
massen die Gutachter insofern besonderes Gewicht
bei,
als sie
die
Entwicklung des psychischen Krankheitsbildes ursächlich auf ein traumatisierendes Ereignis (
Tötung ihrer Schwester durch den Vater
, vgl. dazu nachfolgend E. 4.1.3) zurückführten und die bei der
Beschwerdeführerin
ausgemachte
deutlich
reduzierte
psychische Resilienz
mit
verschiedene
n seit der Kindheit stattgehabten
Traumatisierungen
begründeten
(Urk. 12/51/
74-
75)
.
Die
Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit erachteten die Gutachter sodann nur nach Durchführung einer
störungsspezifische
n
(post
traumati
sche
n
und schmerztherapeutische
n
; Urk. 12/51/
10+
78
f.
) Behand
lung
als
möglich
(E. 3).
4.1.2
E
ine PTBS
entsteht als eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation a
u
ss
ergewöhnlicher Bedrohung oder
katastrophenartigen Ausma
ss
es (kurz oder langanhaltend), die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Hierzu gehören eine durch Naturereignisse oder von Menschen verursachte Katastrophe, eine Kampfhandlung, ein schwerer Unfall oder Zeuge des gewaltsamen Todes anderer oder selbst Opfer von Folterung, Terrorismus, Vergewaltigung oder anderen
Verbrechen zu sein. Prämorbide
Persönlichkeitsfaktoren wie be
stimmte Persönlichkeitszüge (z.
B. zwanghafte oder asthenische) oder neurotische Erkrankungen in der Vor
geschichte können die Schwelle für die Entwicklung dieses Syndroms senken und
seinen Verlauf verstärken, aber die letztgenannten Faktoren sind weder nötig noch ausreichend, um das Auftreten der Störung zu erklären.
Diese Störung soll nur dann diagnostiz
iert werden, wenn sie innerhalb von sechs
Monaten nach einem traumatisierenden Ereignis von au
ss
ergewöhnlicher Schwere aufgetreten ist. Zusätzlich zu dem Trauma muss eine wiederholte unaus
weichliche Erinnerung oder Wiederinszenierung des Ereignisses in Gedächtnis, Tagträumen oder Träumen auftreten. Ein deutlicher emotionaler Rückzug, Gefühlsabstumpfung, Vermeidung von Reizen, die eine Wieder
erinnerung an das Trauma hervorrufen könnten, sind häufig zu
beobachten, aber für die Diagnose nicht wesentlich
(
Dilling
/
Mombour
/Schmidt,
Internationale
Klassifikation psychi
scher Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagno
stische Leitlinien, 10. überarbeitete Auflage, Bern 2015, S. 207 f.; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_671/2012 vom 15. November 2012 E. 4.3).
4.1.3
Bei der
Beschwerdeführerin
wurde die PTBS gemäss Beurteilung
des psychiatrischen Gutachters Prof. Dr.
C.___
dadurch ausgelöst,
dass sie
die Leiche ihrer
Schwester
sah, welche zahlreiche Messerstiche aufgewiesen habe
(Urk. 12/51/71).
Da die
Beschwerdeführerin
im Zusammenhang mit diesem Ereignis
weder persönlich bedroht wurde
noch
Opfer
oder
direkte Zeugin
eines
gewaltsamen
Angriffs
wurde,
ist zu hinterfragen, ob es sich rechtfertigt, dieses Ereignis als ein solches einzustufen, welches das definitionsgemässe Kriterium der aussergewöhnlichen Bedrohung (E. 4.1.2) erfüllt.
Als Symptome der PTBS nannte
Prof.
Dr.
C.___
Intrusionen,
sich aufdrängende szenische Abläufe
(
Flashbacks
)
,
Hyperarousal
und ein Vermeidungsverhalten
(Urk. 12/51/71). Obwohl er im Zuge des Begutachtungsauftrages
explizit von der IV-Stelle dazu aufgefordert worden war (
«Fragen als integraler Bestandteil des Begutachtungs
auftrages» [
Urk. 12/48
]
, vgl. Urk. 12/71/8), ging Prof.
Dr.
C.___
weder auf die konkrete Ausgestaltung,
die Frequenz
oder allfällige Trigger
der
Intrusionen
respektive der Flashbacks
ein
, noch äusserte er sich dazu
, wie genau sich bei der
Beschwerdeführerin
bezogen auf das erlebte Trauma ein Verm
eidungsverhalten bemerkbar macht
(
Urk. 12/51/72
).
Infolgedessen
wurde
Prof.
Dr.
C.___
von der
IV-Stelle dazu auf
gefordert
, seine Antworten auf die gestellten Zusatzfragen zu den Symptomen der PTBS zu konkretisieren (Urk. 12/52
, vgl.
Urk. 12/71/9
). Nachdem Prof.
Dr.
C.___
in seiner Rückmeldung vom 8. September 2018
lediglich
die an ihn gerichtete Fragestellung
wiederholte
und
ausführte, diese
habe er bereits
im Gutachten beantwortet
(Urk. 12/55), erachtete
RAD-Arzt
Dr.
E.___
die
gutachterlich
berücksichtigte PTBS
folgerichtig
als nach wie vor
(vgl. Urk. 12/71/5)
nicht ausgewiesen (Urk. 12/71/
12-
13).
Ungeachtet dieser
Unklarheiten stellte die
IV
Stelle
hernach
auf
die Expertise
der
B.___
GmbH
vom 9. August 2018 ab (Urk. 12/71/13, Urk. 2).
Die betreffenden
Unklarheiten lassen sich a
uch
gestützt auf die aktenkundigen
Berichte der behandelnden
Ärzte
nicht
beseitig
en
:
Die von Dr.
A.___
vor dem Gutachten
wiederholt
gestellte Diagnose einer Traumafolgestörung
(Urk. 12/10/11-17, Urk. 12/20, Urk. 12/31, Urk. 12/32/12-16
, Urk. 12/39
)
ist bereits deshalb nicht nachzuvollziehen, weil sie
darin
das Belastungskriterium, mithin das auslösende Trauma
,
nicht referierte
(
vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_548/2019 vom 16. Januar 2020 E. 6.3.1).
Entsprechend
hielt
denn auch
Prof.
Dr.
C.___
in seinem psychiatrischen Gutachten fest, dass die traumatisierende Situation im IV-Dossier nicht vorbeschrieben
worden sei
(Urk. 12/51/71)
und erachtete RAD-Arzt Dr.
E.___
die Diagnose einer Traumafolgestörung gestützt
auf die Berichte der behandelnden Ärzte
nicht als plausibel (Urk. 12/71/5
)
.
In den
hernach erstatteten Berichte
n
der behandelnden Ärzte
werden zwar teilweise
Befunde genannt, welche sich mit den Diagnosekriterien f
ür eine PTBS vereinbaren lassen
. Diese beruhen jedoch mehrheitlich auf den Ausführungen der
Beschwerdeführerin
. Die Diagnose einer PTBS wird von den behandelnden Ärzten
sodann
als bekannt vorausgesetzt
, respektive mit Verweis auf das Gutachten von Prof.
Dr.
C.___
nicht hinterfragt (Urk. 12/69, Urk. 3/4, Urk. 7
,
Urk. 12/76/1, Urk. 12/76/9-11,
Urk. 3/7
)
. Entsprechend findet sich
darin
keine sorgfältige Herleitung und Begründung der Diagnose einer PTBS,
welche Aufschluss
über Bestand und Ausprägung derselben geben könnte
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_548/2019 vom 16. Januar 2020 E. 6.3.1)
.
Dies hat insgesamt auch für den Bericht von Dr.
A.___
vom 30. September 2019 zu gelten,
zumal
diese
das die PTBS auslösende Ereignis
wie bereits in ihren Vorberichten
-
nicht referierte, sondern lediglich generell auf wiederholte und schwere Traumatisierungen
verwies
(Urk. 3/6). Ferner darf in diesem Zusammenhang der Erfahrungstatsache Rechnung getragen werden, wonach
behandelnde Arztpersonen mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5 mit Hinweis).
4.1.4
Aus den dargelegten Unklarheiten hinsichtlich der
PTBS
ergibt sich von vornherein,
dass die Rechtmässigkeit der
auferlegten
Sc
hadenminderungspflicht
-
welche
die Absolvierung einer störungsspezifischen (insbesondere post
trauma
tischen [Urk. 12/51/10+78])
Behandlung
zum Inhalt hatte (Urk. 12/63)
nicht überprüft werden kann.
Ferner ist darauf hinzuweisen, dass die
Beschwerde
führerin
nach der Begutachtung zwei stationäre Aufenthalte absolvierte (10. bis 16.
November 2018 [Urk. 12/66/4-5] sowie
15. Dezember 2018 bis 14.
Januar
2019 [Urk. 12/66/2-3]). So verzichtete die Beschwerdegegnerin in diesem Zusammenhang insbesondere auch auf die Einholung des definitiven Austritts
berichts zum stationären Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der
D.___
vom 15.
Dezember 2018 bis 14. Januar 2019 und dies trotz der im Kurz
austrittsbericht vom 14. Januar 2019 gestellten Diagnose einer gegenwärtig schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen (Urk. 12/66/2-3).
Im Verbund
mit den
neueren
Berichte
n
der behandelnden
Ärzte
(
vgl.
Urk. 12/76/9-11, Urk. 3/6-7, Urk. 7) ergeben sich
daraus
Anhaltspunkte
für eine nach der Begutachtung eingetretene
Veränderung
des psychischen Gesundheitszustandes
,
welche
insbesondere im Hinblick auf die Eignung der
am 1. April 2019
auf
erlegten Massnahme
von Belang sein könnte, von der
Beschwerdegegnerin
indes ni
cht medizinisch
abgeklärt
und
gewürdigt wurde (vgl.
Urk. 12/81/4
5)
.
Sodann erweist sich die medizinische Aktenlage auch insoweit als ergänzungsbedürftig, als die am 26. Mai 2019 in Ägypten erfolgte Heirat der Beschwerdeführerin (Urk.
12/80/1), welche nur eine gute Woche nach dem Abbruch der tages
klinischen Behandlung, für welche die Belastbarkeit der Beschwerdeführerin nicht gereicht habe (Urk. 12/69/2), stattfand, psychiatrisch zu referieren und in einen nachvollziehbaren Kontext zu den Diagnosen und der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu stellen ist. Der Erklärungsansatz der Behandler, wonach die Beschwerdeführerin versucht habe, durch die erneute Heirat mit einem ägyptischen Mann Schande abzuwehren und ihre gefühlte Sicherheit zu erhöhen (Urk. 12/76/10), mag zwar im Lichte der Aktenlage psychosozial nachvollziehbar erscheinen, lässt aber die Ungereimtheit hinsichtlich des zeitlichen Ablaufs und des von den Behandlern als verschlechtert beurteilten psychischen Zustandes nicht entfallen.
4.1.5
Nach dem Gesagten lässt sich der psychische Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin
und damit auch die Rechtmässigkeit der auferlegten Schadenminderungspflicht
nicht abschliessend beurteilen.
4.2
Was die gesundheitliche Situation in somatischer Hinsicht betrifft,
konnte
im Gutachten der
B.___
GmbH
vom 9. August 2018
keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden
(Urk. 12/51/125), was sich aufgrund der gutachterlich erhobenen Befunde als nachvollziehbar erweist. So zeigte sich
anlässlich der Exploration
bei der
Beschwerdeführerin
keine massgebliche Bewegungseinschränkung der einzelnen Gelenke oder der Wirbelsäule (Urk. 12/51/128, vgl. Urk. 12/51/107-121) und ergaben sich auch beim Gangbild und den Vitalparametern keine Auffälligkeiten (Urk. 12/
51/
105-106). Nachdem sich die
Beschwerdeführerin
am 24. Februar 2016 bei einem Unfall ein
Supinationstrauma
des oberen Sprunggelenkes zugezogen hatte, welches am
1. September 2016 operativ versorgt wurde (Urk. 12/10/6), war sie
-
gemäss eigenen Angaben anlässlich der Exploration (Urk. 12/51/129) und soweit aufgrund der Aktenlage ersichtlich
-
diesbezüglich letztmals Ende 2016 im Kantonsspital
G.___
in Behandlung und kam es ansonsten zu keinen weiteren orthopädisch-rheumatologischen Konsul
tationen. Physiotherapeutische Behandlungen wurden zuletzt im November 2016 durchgeführt (Urk. 12/51/129) und es liegen von Seiten der behandelnden Ärzte des
G.___
keine über den 15. November 2016 hinaus attestierten
Zeiten
von
Arbeitsunfähigkeit vor (vgl. Urk. 12/10/1-10).
Aus den
vorliegenden Akten
ergeben sich dementsprechend keine Anhaltspunkte für eine andauernde Ein
schränkung der Leistungsfähigkeit
in somatischer Hinsicht
.
Eine solche
wurde beschwerdeweise
denn
auch nicht
geltend gemacht
(vgl. Urk. 1).
4.
3
Zusammengefasst
erweist sich der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt
in psychiatrischer Hinsicht als
ungenügend abgeklärt
und klar ergänzungsbedürftig
. Die angefochtene Verfügung ist demnach aufzuheben und die Sache zu ergänzenden Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen
(E. 1.4)
. Im Anschluss daran wird die IV-Stelle eine neue Beurteilung vorzunehmen und hernach über den Leistungsanspruch der
Beschwerdeführerin
neu zu verfügen haben.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5
.
Da es vorliegend um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungs
leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2). Die Kosten des Verfahrens sind auf
Fr. 7
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzu
erlegen.
Die Zuspr
ache
einer Prozessentschädigung (Art. 6
1
lit
. g ATSG) entfällt, da die Beschwerdeführerin
durch
das Departement Soziales der Stadt Winterthur
und somit durch eine Institution der öffentlichen Sozialhilfe vertreten ist (vgl. BGE 12
6 V 11). Die Beschwerdeführerin
hat zu Recht keinen en
tsprechenden Antrag gestellt
(vgl. Urk. 1 S. 2).
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom 23. März 2020 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, über das Leistungsgesuch neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Departement Soziales der Stadt Winterthur
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
VogelKübler