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**Case Identifier:** 3afb081a-ccca-5ee1-b56f-5569c3da1e9f
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-01-24
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 24.01.2017 BB.2016.92
**Docket/Reference:** BB.2016.92
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_BB-2016-92_2017-01-24

## Full Text

Teilnahme bei Beweiserhebungen im Rechtshilfeverfahren (Art. 107 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 148 StPO).;;Teilnahme bei Beweiserhebungen im Rechtshilfeverfahren (Art. 107 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 148 StPO).;;Teilnahme bei Beweiserhebungen im Rechtshilfeverfahren (Art. 107 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 148 StPO).;;Teilnahme bei Beweiserhebungen im Rechtshilfeverfahren (Art. 107 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 148 StPO).

Beschluss vom 24. Januar 2017 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, 

Andreas J. Keller und Tito Ponti,  

Gerichtsschreiber Stefan Graf  

   
 

Parteien 

  

A. SA, vertreten durch die Rechtsanwälte Pascal 

Maurer und Pedro da Silva Neves,  

Beschwerdeführerin 

 

 gegen 

   

BUNDESANWALTSCHAFT,  

Beschwerdegegnerin 

 

 

 

 

Gegenstand  Teilnahme bei Beweiserhebungen im Rechtshilfever-

fahren (Art. 107 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 148 StPO) 

 
 
 
  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BB.2016.92 

(Nebenverfahren: BP.2016.28)  

 

 

 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Die Bundesanwaltschaft führt eine Reihe von Strafuntersuchungen im Zu-

sammenhang mit den mutmasslichen Bestechungsvorgängen in Brasilien 

rund um die (halb-)staatliche Unternehmung B. So eröffnete sie diesbezüg-

lich am 2. Juli 2015 die Strafuntersuchung Nr. SV.15.0775 gegen die C. Inc., 

die D. Corp., die E. SA und gegen weitere unbekannte Unternehmen wegen 

des Verdachts der Strafbarkeit der Unternehmen sowie gegen F. und gegen 

weitere unbekannte Personen wegen des Verdachts der Bestechung, der 

Falschbeurkundung und der qualifizierten Geldwäscherei (BB.2015.81, 

act. 7.6; vgl. act. 1.2). Am 10. Juli 2015 wurde diese Untersuchung auf die 

A. SA und auf G. ausgedehnt (BB.2015.81, act. 7.7). Mit Eingabe vom 

23. Juli 2015 zeigten die Rechtsanwälte Pascal Maurer und Pedro da Silva 

Neves der Bundesanwaltschaft an, in dieser Untersuchung mit der Wahrung 

der Interessen der A. SA mandatiert worden zu sein (act. 1.5). 

 

 

B. Im Rahmen dieser Untersuchung richtete die Bundesanwaltschaft am 

16. Juli 2015 ein internationales Rechtshilfeersuchen in Strafsachen an die 

brasilianischen Strafbehörden. Darin bat die Bundesanwaltschaft u. a. um 

Einvernahme einer Reihe von Personen, nebst anderen namentlich von G., 

H. und I. Die Bundesanwaltschaft ersuchte diesbezüglich, ihr seien mindes-

tens zwei Wochen zum Voraus durch die zuständige Staatsanwaltschaft die 

Einvernahmetermine der zu befragenden Personen bekannt zu geben und 

es sei ihr zu gestatten, an diesen Befragungen persönlich teilzunehmen, an-

lässlich der Einvernahme den zu befragenden Personen zusätzliche eigene 

Fragen zu stellen und weitere Unterlagen zur Stellungnahme vorzuhalten. 

Am 29. Februar 2016 ergänzte die Bundesanwaltschaft ihr Ersuchen und bat 

um die Durchführung von zusätzlichen Einvernahmen. Dabei sei ihr Gele-

genheit zur persönlichen Teilnahme zu geben, wobei die Befragungen min-

destens drei Wochen zum Voraus anzukündigen wären (act. 1.24). 

 

 

C. Am 1. April 2016 teilte die Bundesanwaltschaft der A. SA u. a. Folgendes mit 

(act. 1.26): 

 

Ich orientiere Sie gleichzeitig darüber, dass vorgesehen ist, die rechtshilfeweise bereits bean-

tragten oder noch zu beantragenden Einvernahmen in Brasilien in der Woche vom 9. bis 

13. Mai 2016 durchzuführen. Dabei ist die Befragung der folgenden Personen vorgesehen: 

 

a. J. (als Zeugin) 

b. G. (als Beschuldigter) 

- 3 - 

 

 

c. K. (als Beschuldigter) 

d. H. (als Zeuge) 

e. I. (als Zeuge) 

 

Es wird Ihnen im Sinne von Art. 148 StPO hiermit Gelegenheit eingeräumt, bis zum 18. April 

2016 zuhanden der ersuchten ausländischen Behörde Fragen zu formulieren. Da diese noch 

übersetzt und der ersuchten Behörde über die Zentralbehörden zuzustellen sind, besteht die 

Gefahr, dass später eingehende Fragen der ersuchten Behörde nicht rechtzeitig übermittelt 

werden können. 

 

Am 8. April 2016 hielt die Bundesanwaltschaft in einem Schreiben an den 

Verteidiger der A. SA fest, das Rechtshilfeersuchen vom 16. Juli 2015 mit 

der Darstellung des rechtsrelevanten Sachverhalts sei diesem bereits be-

kannt, und übermittelte ihm gleichzeitig eine Kopie des ergänzenden Ersu-

chens vom 29. Februar 2016 (act. 1.25). Gleichentags erliess die Bundesan-

waltschaft eine Verfügung, mit welcher sie den Parteien teilweise Aktenein-

sicht gewährte. Eine vollständige Akteneinsicht wies sie gestützt auf Art. 101 

Abs. 1 StPO vor Durchführung der Einvernahmen in Brasilien jedoch ab 

(act. 1.27). Die von der A. SA gegen diese Verfügung betreffend Aktenein-

sicht erhobene Beschwerde (act. 1.28) wies die Beschwerdekammer mit Be-

schluss BB.2016.84 vom 18. Oktober 2016 ab. 

 

Unter Bezugnahme auf das Schreiben der Bundesanwaltschaft vom 1. April 

2016, auf die Art. 147 und 148 StPO sowie auf Art. 8 Abs. 2 des Vertrags 

vom 12. Mai 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und 

der Föderativen Republik Brasilien über Rechtshilfe in Strafsachen (SR 

0.351.919.81; nachfolgend «RV-BRA») ersuchte die A. SA mit Eingabe vom 

15. April 2016 um die Gewährung der Möglichkeit, sich anlässlich der rechts-

hilfeweise durchzuführenden Einvernahmen durch ihre Verteidiger vertreten 

zu lassen (act. 1.29).  

 

Mit Schreiben vom 18. April 2016 hielt die Bundesanwaltschaft gegenüber 

dem Verteidiger der A. SA u. a. Folgendes fest (act. 1.1): 

 

(…) 3. Ihre Klientin ist in Brasilien anwaltlich vertreten und hat insofern die Möglichkeit, sich 

anlässlich der durchzuführenden Einvernahme von ihrem dortigen Anwalt begleiten bzw. ver-

treten zu lassen. Sie wird insofern ihr Fragerecht in den vorgesehenen Einvernahmen auch 

über ihre brasilianischen Anwälte wahrnehmen können. Weitere Schritte unsererseits sind 

auch deshalb weder vorgesehen noch opportun. 

 

4. Mit Art. 8 Abs. 2 des von Ihnen angesprochenen RV-BRA wird nach hier vertretener Auf-

fassung Art. 148 StPO nicht ausser Kraft gesetzt. Der ersuchenden Behörde wird mit dieser 

- 4 - 

 

 

Bestimmung zwar die Möglichkeit eingeräumt jedoch in der hier relevanten Konstellation kei-

neswegs verpflichtet, dem ersuchten Staat ein entsprechendes Ersuchen zu unterbreiten. Mit 

der Einhaltung der für Rechtshilfeersuchen lex specialis geltenden Bestimmungen von 

Art. 148 StPO und der Gewährung des darin vorgesehenen Fragerechts werden die einzu-

haltenden Parteirechte in Anbetracht der Ausführungen in Ziff. 3 vorstehend ohne Weiteres 

gewahrt. Weitergehende Parteirechte als in Art. 148 StPO vorgesehen hätten zudem innert 

nützlicher Frist seit Bekanntwerden des Rechtshilfeersuchens vom 16. Juli 2015 geltend ge-

macht werden müssen, weshalb Ihr Ersuchen auch als verspätet zu bezeichnen wäre und 

diesem auch deshalb nicht stattgegeben werden könnte. Es besteht deshalb weder in formel-

ler noch in materieller Hinsicht Anlass dazu, auf das Rechtshilfeersuchen vom 16. Juli 2015 

mit Ergänzungsersuchen vom 29. Februar 2016 zurück zu kommen. (…) 

 

6. Es ist keinesfalls aussergewöhnlich sondern in komplexen Untersuchungen mit zahlreichen 

Beteiligten eher die Regel, dass eine umfassende Akteneinsicht vor ersten einlässlichen Ein-

vernahmen nicht gewährt wird. Eine solche ist im vorliegenden Fall zurzeit nach wie vor nicht 

angezeigt, nachdem bereits mit Verfügung vom 8. April 2016 über Art und Umfang der Akten-

einsicht eine beschwerdefähige Verfügung erlassen worden ist. (…) 

 

 

D. Hiergegen gelangte die A. SA mit Beschwerde vom 28. April 2016 an die 

Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts. In materieller Hinsicht bean-

tragt sie was folgt (act. 1): 

 

Au fond: 

5. Annuler et mettre à néant la décision du 18 avril 2016 du Ministère public de la Confédéra-

tion en ce qu’elle refuse de requérir, auprès des autorités compétentes brésiliennes, que les 

parties à la procédure SV.15.0775 et leurs Conseils puissent participer aux auditions qui in-

terviendront au Brésil du 9 au 13 mai 2016. 

 

Cela fait: 

6. Ordonner au Ministère public de la Confédération de requérir, auprès des autorités brési-

liennes compétentes, que les parties à la procédure SV.15.0775 et leurs Conseils puissent 

participer aux auditions qui interviendront au Brésil du 9 au 13 mai 2016 et/ou ultérieurement. 

7. Ordonner au Ministère public de la Confédération d’aviser la recourante des dates de toutes 

autres auditions à intervenir sur commission rogatoire, immédiatement après en avoir été in-

formé par les autorités requises. 

8. Dire et constater que les procès-verbaux d’auditions diligentées sur commissions rogatoires 

émanant des autorités helvétiques dans le cadre de la procédure SV.15.0775, sans que les 

autorités compétentes suisses n’aient requis, auprès de leurs homologues brésiliens, la pos-

sibilité pour les parties et leurs Conseils d’assister à ces auditions, sont inexploitables et doi-

vent être retirés du dossier de la procédure SV.15.0775. 

- 5 - 

 

 

9. Condamner tout opposant aux dépens de la présente procédure de recours, comprenant 

une équitable indemnité à titre de participation aux honoraires d’avocats de la recourante. 

 

Das mit Beschwerde gestellte Gesuch um Erlass vorsorglicher Massnahmen 

wies der zuständige Referent mit Verfügung vom 29. April 2016 ab (act. 2).  

 

In ihrer Stellungnahme vom 23. Mai 2016 beantragt die Bundesanwaltschaft, 

auf die Beschwerde sei nicht einzutreten, eventualiter sei sie abzuweisen, 

unter Kostenfolge (act. 5). Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels halten 

die Parteien an ihren jeweiligen Rechtsbegehren fest (act. 8 und 10). Im An-

schluss daran liess sich die A. SA mit unaufgeforderter Eingabe vom 22. Juli 

2016 nochmals vernehmen (act. 14), was der Bundesanwaltschaft am 

26. Juli 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (act. 15). 

 

Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genommen. 

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Bundesanwaltschaft 

kann bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde 

nach den Vorschriften der Art. 393 ff. StPO erhoben werden (Art. 393 Abs. 1 

lit. a StPO i.V.m. Art. 20 Abs. 1 lit. b StPO und Art. 37 Abs. 1 StBOG). Zur 

Beschwerde berechtigt ist jede Partei oder jeder andere Verfahrensbetei-

ligte, welche oder welcher ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhe-

bung oder Änderung des angefochtenen Entscheides haben (Art. 382 Abs. 1 

StPO; Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung des Straf-

prozessrechts, BBl 2006 S. 1308). Die Beschwerde gegen schriftlich oder 

mündlich eröffnete Entscheide ist innert zehn Tagen schriftlich und begrün-

det einzureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO). Mit ihr gerügt werden können ge-

mäss Art. 393 Abs. 2 StPO Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschrei-

tung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsver-

zögerung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sach-

verhalts (lit. b) sowie die Unangemessenheit (lit. c). 

 

1.2  

1.2.1 Die Beschwerdegegnerin macht in formeller Hinsicht geltend, beim Anfech-

tungsobjekt handle es sich um ein schweizerisches Rechtshilfeersuchen an 

eine ausländische Behörde. Dessen Anfechtbarkeit richte sich nach Art. 25 

- 6 - 

 

 

Abs. 2 IRSG bzw. nach der hierzu ergangenen Praxis. Vorliegend seien die 

Voraussetzungen der Anfechtbarkeit eines solchen Ersuchens aber nicht er-

füllt, weshalb auf die Beschwerde nicht einzutreten sei (act. 5, Ziff. I.7 ff.). 

 

1.2.2 In der Sache geht es jedoch nicht um die an Brasilien gestellten Rechtshil-

feersuchen als solche. Diese werden durch die Beschwerdeanträge der Be-

schwerdeführerin nicht berührt. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens 

bilden lediglich die im schweizerischen Recht vorgesehenen Teilnahme-

rechte der beschuldigten Person an den zu Gunsten eines schweizerischen 

Strafverfahrens durchgeführten Beweiserhebungen im Ausland. Diesbezüg-

liche Verfügungen der Bundesanwaltschaft unterliegen grundsätzlich der Be-

schwerde nach Art. 393 ff. StPO (GUIDON, Die Beschwerde gemäss Schwei-

zerischer Strafprozessordnung, Berner Diss., Zürich/St. Gallen 2011, N. 100 

m.w.H.; DERS., Basler Kommentar, 2. Aufl., Basel 2014, Art. 393 StPO N. 10; 

vgl. im Ergebnis auch schon den Beschluss des Bundesstrafgerichts 

BB.2016.328 vom 2. September 2016, E. 1.5). Art. 25 Abs. 2 IRSG kommt 

grundsätzlich nur insoweit zur Anwendung als die Begründetheit des Rechts-

hilfeersuchens selber betroffen ist (MOREILLON/CRUCHET/REYMOND, Com-

mentaire romand, Basel 2011, Art. 148 StPO N. 2). 

 

1.3 Die übrigen Prozessvoraussetzungen geben vorliegend zu keinen Bemer-

kungen Anlass. Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.  

 

 

2.  

2.1 Art. 147 StPO regelt die Teilnahmerechte der Parteien an Beweiserhebun-

gen im Allgemeinen. Demnach haben die Parteien das Recht, bei Beweiser-

hebungen durch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend zu sein 

und einvernommenen Personen Fragen zu stellen (Art. 147 Abs. 1 StPO). 

Gemäss Art. 148 Abs. 1 StPO ist dem Teilnahmerecht der Parteien im Falle 

der Beweiserhebung im Rahmen eines Rechtshilfegesuchs im Ausland  je-

doch Genüge getan, wenn die Parteien zuhanden der ersuchten ausländi-

schen Behörde Fragen formulieren können, nach Eingang des erledigten 

Rechtshilfegesuchs Einsicht in das Protokoll erhalten und schriftliche Ergän-

zungsfragen stellen können. Art. 148 StPO verleiht den Parteien mithin kei-

nen Anspruch auf persönliche Teilnahme an im Ausland durchgeführten Be-

weiserhebungen (siehe auch den Beschluss des Bundesstrafgerichts 

BB.2016.328 vom 2. September 2016, E. 1.5.4 m.w.H.).  

 

2.2 In der Literatur wird diesbezüglich jedoch mehrheitlich die Auffassung ver-

treten, dass Art. 148 StPO einer persönlichen Teilnahme an der Beweiser-

- 7 - 

 

 

hebung im Ausland nicht entgegensteht, sofern eine solche am Ort der Aus-

führung vorgesehen ist (vgl. hierzu DONATSCH/HEIMGARTNER/MEYER/SIMO-

NEK, Internationale Rechtshilfe unter Einbezug der Amtshilfe im Steuerrecht, 

2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2015, S. 49; WOHLERS, Kommentar zur Schwei-

zerischen Strafprozessordnung [StPO], 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, 

Art. 148 StPO N. 4 [er spricht diesfalls sogar von einem Anspruch auf Teil-

nahme]; SCHMID, Praxiskommentar, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, Art. 148 

StPO N. 2 [er meint, die Partei könne beantragen, über den Termin orientiert 

zu werden, um im ersuchten Staat ihr Teilnahmerecht auszuüben]; JEANNE-

RET/KUHN, Précis de procédure pénale, Bern 2013, N. 10002; MOREIL-

LON/CRUCHET/REYMOND, a.a.O., Art. 148 StPO N. 4 [demnach bleibe 

Art. 148 StPO «lettre morte», wenn der ersuchte Staat die persönliche Teil-

nahme zulasse]; GALLIANI/MARCELLINI, Codice svizzero di procedura penale 

[CPP] – Commentario, Zürich/St. Gallen 2010, Art. 148 StPO N. 1).  

 

Zu beachten ist in diesem Zusammenhang auch die Bestimmung von Art. 54 

StPO, welche vorsieht, dass sich die Gewährung der internationalen Rechts-

hilfe und das Rechtshilfeverfahren nur so weit nach der StPO richten, als 

andere Gesetze des Bundes und völkerrechtliche Verträge dafür keine Be-

stimmungen enthalten (siehe u. a. BGE 141 IV 108 E. 5.13). Der hier ein-

schlägige Art. 8 Abs. 2 RV-BRA sieht vor, dass der ersuchte Staat auf Ver-

langen des ersuchenden Staates den Behördenvertretern des ersuchenden 

Staates sowie den am Verfahren beteiligten Personen und deren Rechtsver-

tretern gestattet, bei der Ausführung des Ersuchens in seinem Hoheitsgebiet 

anwesend zu sein. Der RV-BRA ist damit offenbar zu den neueren Rechts-

hilfeverträgen zu zählen, welche den ausländischen Prozessbeteiligten ei-

nen Anspruch auf Anwesenheit einräumen (vgl. hierzu INGLESE, Teilnahme 

ausländischer Prozessbeteiligter am Verfahren der internationalen Rechts-

hilfe, Basler Diss., Basel 2015, S. 76 m.w.H.). 

 

2.3 Abhängig ist die persönliche Teilnahme der Parteien an der Beweiserhebung 

in Brasilien aber von einem entsprechenden Verlangen des ersuchenden 

Staates (Art. 8 Abs. 2 RV-BRA). Im umgekehrten Fall würden auch die 

schweizerischen Behörden ein solches Teilnahmerecht grundsätzlich von ei-

nem ausdrücklichen Ersuchen des ausländischen Staates abhängig machen 

(siehe Art. 65a Abs. 1 IRSG). Ob es sich bei der Frage, ob der ersuchende 

Staat ausdrücklich die persönliche Teilnahme von Parteien an der Beweis-

erhebung verlangt, um einen reinen Ermessensentscheid handelt, wie dies 

die Beschwerdegegnerin geltend macht (act. 5, Ziff. IV.3 f.), erscheint im 

Lichte des grundsätzlich (gegenüber der schriftlichen Fragestellung) besse-

ren Anspruchs einer persönlichen Teilnahme (siehe vorstehend E. 2.2) eher 

fraglich. Zumindest müsste die ersuchende Behörde die Ablehnung eines 

- 8 - 

 

 

Antrags einer Partei auf persönliche Teilnahme an der Beweiserhebung im 

Ausland wohl mit einer gesetzlich vorgesehenen Einschränkung des rechtli-

chen Gehörs begründen (beispielsweise unter Hinweis auf Art. 108 StPO 

oder Art. 149 ff. StPO). Selbstverständlich müsste die betreffende Partei ge-

gebenenfalls auch über den Termin der Beweiserhebung informiert werden, 

damit sie ihr Teilnahmerecht im Ausland auch tatsächlich wahrnehmen kann 

(siehe SCHMID, a.a.O.). 

 

 

3.  

3.1 Geht man im vorliegenden Fall von einem grundsätzlichen Anspruch der Par-

teien auf persönliche Teilnahme an der Beweiserhebung in Brasilien aus, so 

erweist sich die Beschwerde gegen die Ablehnung der Beschwerdegegnerin, 

bei den brasilianischen Behörden um die persönliche Teilnahme des Vertre-

ters der Beschwerdeführerin an den Beweiserhebungen in Brasilien zu ersu-

chen, als begründet. Der diesbezüglichen Auffassung der Beschwerdegeg-

nerin, wonach es sich bei Art. 148 StPO gegenüber den völkerrechtlichen 

Verträgen um eine lex specialis handelt, kann nach dem Gesagten nicht zu-

gestimmt werden (siehe E. 2.2). Weiter lehnte sie den diesbezüglichen An-

trag der Beschwerdeführerin ab, ohne dies mit einer gesetzlich vorgesehe-

nen Einschränkung des rechtlichen Gehörs zu begründen. Sollte ihr in dieser 

Frage ein Ermessen zustehen, so hätte sie dieses durch ihre grundsätzliche 

und nicht weiter begründete Ablehnung nicht pflichtgemäss wahrgenommen. 

 

3.2 Die von der Beschwerdegegnerin unter Hinweis auf ein Schreiben der brasi-

lianischen Behörden gemachte, aber inhaltlich nicht näher begründete Aus-

sage, wonach das brasilianische Recht die Teilnahme der Schweizer Vertre-

ter der Beschwerdeführerin an den Einvernahmen in Brasilien nicht erlaube 

(act. 10, 10.1), erstaunt. Zumindest steht sie in offenem Widerspruch zum 

von Brasilien ratifizierten RV-BRA. Dem selben Schreiben kann zudem nicht 

hinreichend deutlich entnommen werden, ob das Recht auf Teilnahme an 

den Beweiserhebungen in Brasilien vor Ort durch brasilianische Anwälte 

auch den in der Schweiz Beschuldigten zusteht. Im umgekehrten Falle wür-

den die Teilnahmerechte der in Brasilien beschuldigten Personen – abgese-

hen von der Anwesenheit gestützt auf Art. 65a IRSG – anhand von Art. 80b 

Abs. 1 i.V.m. Art. 80h lit. b IRSG umschrieben (vgl. hierzu den Entscheid des 

Bundesstrafgerichts RR.2015.105 vom 23. Juni 2015, E. 3 m.w.H.). Gegen-

stand des vorliegenden Verfahrens ist zudem allein die Frage, ob die Be-

schwerdegegnerin die brasilianischen Behörden gestützt auf Art. 8 Abs. 2 

RV-BRA hätte darum ersuchen sollen, anlässlich der Einvernahmen in Bra-

silien die Anwesenheit des schweizerischen Vertreters der Beschwerdefüh-

rerin zuzulassen. Ob und weshalb die ersuchte Behörde ein gerade nicht 

- 9 - 

 

 

gestelltes Ersuchen in diese Richtung abgelehnt hätte, ist vorliegend nicht 

bekannt. Nicht zu überzeugen vermag schliesslich der Hinweis der Be-

schwerdegegnerin, wonach eine Vertretung der Beschwerdeführerin durch 

ihre schweizerischen Vertreter hinsichtlich der anfallenden Kosten nicht zu 

rechtfertigen sei (act. 5, Ziff. IV.6). Diesbezüglich ist selbstverständlich, dass 

die der betreffenden Partei bzw. deren Vertreter erwachsenden Kosten in 

erster Linie von der Partei selbst zu tragen sind (vgl. SCHMID, a.a.O.). Ange-

sichts der Tatsache, dass der Partei auch das Vorgehen nach Art. 148 Abs. 1 

StPO immer noch offen steht, stellen die so entstandenen Mehrkosten ge-

gebenenfalls nicht zwingend entschädigungsberechtigten Aufwand gemäss 

Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO oder notwendige Auslagen im Sinne von Art. 11 

Abs. 1 des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über 

die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren 

(BStKR; SR 173.713.162) dar. Unter dem Gesichtspunkt der Prozessökono-

mie ist ebenso am Grundsatz festzuhalten, dass eine Partei, welche ein Teil-

nahmerecht geltend macht, daraus keinen Anspruch auf Verschiebung der 

Beweiserhebung ableiten kann (vgl. Art. 147 Abs. 2 StPO). 

 

 

4. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen. Demnach 

ist die Beschwerdegegnerin anzuweisen, die Ersuchen der Beschwerdefüh-

rerin bzw. ihres Vertreters um persönliche Anwesenheit anlässlich noch 

durchzuführender Einvernahmen in Brasilien an die brasilianischen Behör-

den weiterzuleiten oder aber deren Abweisung durch sie selber unter Hin-

weis auf in der StPO gesetzlich vorgesehene Einschränkungen des rechtli-

chen Gehörs zu begründen. Abzuweisen ist dagegen das Begehren der Be-

schwerdeführerin, allfällige bisherige Protokolle aus Brasilien von Einvernah-

men, an denen die Beschwerdeführerin bzw. deren Vertreter nicht persönlich 

teilnehmen konnten, als unverwertbar zu bezeichnen. Eine solche wäre vor-

liegend wohl nur anzunehmen, wenn der Beschwerdeführerin auch die in 

Art. 148 StPO zustehenden Rechte verweigert worden wären (Art. 148 

Abs. 2 i.V.m. Art. 147 Abs. 4 StPO). Im vorliegenden Fall ist die Frage der 

Beweisverwertbarkeit gegebenenfalls durch den Sachrichter zu entschei-

den. 

 

 

5.  

5.1 Die Kosten des vorliegenden Beschwerdeverfahrens sind nach Massgabe 

des Obsiegens und Unterliegens der Parteien festzulegen (Art. 428 Abs. 1 

StPO). Die Beschwerdeführerin unterliegt lediglich mit einem Teil ihrer Be-

schwerdebegehren. Dem Grundsatze nach erwies sich ihre Beschwerde als 

begründet. Ihr ist daher nur eine reduzierte Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.– 

- 10 - 

 

 

(wovon Fr. 500.– für das Nebenverfahren betreffend vorsorgliche Massnah-

men) zur Bezahlung aufzuerlegen (Art. 73 StBOG und Art. 5 und 8 Abs. 1 

BStKR). 

 

5.2 Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend hat die Beschwerdegegnerin 

der Beschwerdeführerin eine Entschädigung für einen Teil ihrer Aufwendun-

gen im vorliegenden Beschwerdeverfahren auszurichten (Art. 436 Abs. 1 

i.V.m. Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO). Diese ist pauschal auf Fr. 1‘500.– festzu-

setzen (Art. 10 und 12 Abs. 2 BStKR). 

 

 

 

- 11 - 

 

 

Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. 

 

Die Beschwerdegegnerin wird angewiesen, die Ersuchen der Beschwerdefüh-

rerin bzw. ihres Vertreters um persönliche Anwesenheit anlässlich noch durch-

zuführender Einvernahmen in Brasilien an die brasilianischen Behörden wei-

terzuleiten oder aber deren Abweisung durch sie selber unter Hinweis auf in 

der StPO gesetzlich vorgesehene Einschränkungen des rechtlichen Gehörs 

zu begründen. 

 

2. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 

 

3. Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.– wird der Beschwerdeführerin auferlegt. 

 

4. Die Bundesanwaltschaft hat der Beschwerdeführerin für das vorliegende Ver-

fahren eine Parteientschädigung von Fr. 1‘500.– zu bezahlen. 

 

 

Bellinzona, 24. Januar 2017 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Rechtsanwälte Pascal Maurer und Pedro da Silva Neves 

- Bundesanwaltschaft 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.