# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 17dc367b-9954-51e9-ab5e-e48f13b670fc
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-01-16
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 16.01.2018 SK1 2017 44
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SK1-2017-44_2018-01-16.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

1 / 43

Ref.: Chur, 16. Januar 2018 Schriftlich mitgeteilt am:
SK1 17 44 [nicht mündlich eröffnet] 18. Oktober 2018

(Mit Urteil 6B_1175/2018 vom 28. Januar 2019 hat das Bundesgericht die gegen die-
ses Urteil erhobene Beschwerde abgewiesen, soweit darauf einzutreten war.)

Urteil 
I. Strafkammer

Vorsitz Schnyder
RichterInnen Michael Dürst und Pedrotti
Aktuarin Thöny

In der strafrechtlichen Berufung

des X._____, Berufungskläger, amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. Dieter 
Marty, Alexanderstrasse 8, 7001 Chur, 

gegen

das Urteil des Regionalgerichts Landquart vom 19. Juli 2017, mitgeteilt am 2. Okto-
ber 2017, in Sachen der S t a a t s a n w a l t s c h a f t  G r a u b ü n d e n , Sennhof-
strasse 17, 7001 Chur, Berufungsbeklagte, gegen den Berufungskläger, und der 
Y._____, Privatklägerin, vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. Silvia Däppen, 
Bahnhofstrasse 8, 7000 Chur, sowie der Z._____,  vertreten durch Martina Näf-
Ryffel, KESB Nordbünden, Gäuggelistrasse 1, 7000 Chur, gegen den Berufungsklä-
ger,

betreffend mehrfache Vergewaltigung etc.,

hat sich ergeben:

2 / 43

I. Sachverhalt

A. X._____ wurde am _____ 1986 in O.1_____/L.1_____ geboren und wuchs 
dort als zweitjüngstes Kind zusammen mit fünf Schwestern bei seinen als Bauern 
tätigen Eltern auf. Er ging sechs Jahre zur Schule. Weil seine Eltern kein Geld für 
eine weiterführende Ausbildung hatten, begann X._____ zu arbeiten. Er erlernte in 
drei Jahren das Zusammensetzen von Strom-Generatoren. Weil er wenig verdiente 
und die Welt sehen wollte, zog er nach O.2_____, wo er in einem Hotel als 
Schwimmbad-Reiniger arbeitete. Zusammen mit anderen Personen zog er weiter 
nach L.2_____, wo er sich eine Zeit lang in O.3_____ aufhielt. Mit Hilfe von Schlep-
pern gelangte seine Gruppe in einem Schlauchboot via Mittelmeer nach L.3_____. Er 
galt noch als Jugendlicher und konnte in einem Flüchtlingslager in O.4_____ 
während 6 Monaten eine Sprachschule besuchen. Zusammen mit anderen Personen 
gelangte er mit einem Reisebus in die Schweiz, wo er am 28. März 2012 ein Asylge-
such stellte. Er war zunächst im Aufnahmezentrum in O.5_____ untergebracht und 
unter dem Namen A._____, geboren am _____ 1994, gemeldet. In Graubünden war 
er unter dem gleichen Namen in den Durchgangsheimen in O.6_____ und O.7_____ 
untergebracht. 

In der Schweiz lernte X._____ B._____ geb. C._____ kennen. Zusammen mit den 
aus einer früheren Beziehung seiner Partnerin stammenden Kindern Y._____, gebo-
ren am _____ 2005, und Z._____, geboren am _____ 2006, wohnte er ab dem 
_____ 2013 in O.8_____. Dort arbeite er als Küchengehilfe. Seine Partnerin war als 
Medienberaterin und in der Inserate-Akquisition tätig. Die Kinder wurden durch eine 
Bekannte betreut. Am _____ 2013 wurde die gemeinsame Tochter D._____ gebo-
ren. X._____ beschaffte sich auf der L._____ Botschaft in Bern aus seiner Heimat 
auf diesen Namen lautende Papiere und heiratete B._____. Am 21. März 2014 gab 
X._____ anlässlich einer Befragung durch das kantonale Amt für Migration seinen 
heute verwendeten Namen an und wurde wegen Täuschung der Behörden gemäss 
Art. 118 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG; 
SR 142.20) verzeigt und in der Folge bestraft. Ende 2014 zog die gesamte Familie 
nach O.9_____, wo die Kinder zeitweise ebenfalls durch Bekannte betreut wurden. 
X._____ fand durch Vermittlung seiner Frau Arbeit bei der Firma E._____ in 
O.10_____. Sie fuhr ihren Mann in der Folge zur Arbeit und holte ihn auch wieder ab. 
Wegen der Untersuchungshaft und dem damit verbundenen – gegenüber dem Ar-
beitgeber verschwiegenen - Fernbleiben von der Arbeit wurde ihm die Stelle gekün-
digt. Anfangs April 2016 zog die Familie nach O.6_____. In der Folge wurde den 
Eheleuten ein weiteres Kind geboren. Y._____ ist zurzeit, nachdem die KESB Nord-

3 / 43

bünden der Mutter das Aufenthaltsbestimmungsrecht entzogen hatte, im Kinderhaus 
F._____ untergebracht. 

Bei der Firma E._____ verdiente X._____ 2015 netto CHF 47'226.00. Von einer Kre-
ditschuld in Höhe von CHF 20'000.00 werden monatlich CHF 681.00 zurückbezahlt. 
Die Leasing-Kosten für den Personenwagen G._____ betragen im Monat CHF 
760.00. Im April 2016 betrug eine beim Betreibungsamt Landquart offene Schuld 
CHF 1'101.45. In L.1_____ besitzt X._____ ein Haus, das sein Vater gebaut hat, so-
wie ein weiteres, sich noch im Bau befindliches Haus. Die Familie beabsichtigt, dort-
hin auszuwandern.

Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist X._____ mit einer Eintragung verzeichnet. 
Am 15. April 2014 wurde er von der Staatsanwaltschaft Graubünden, Abteilung I, 
Chur, wegen mehrfacher Täuschung der Behörden gemäss Art. 118 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG; SR 142.20) mit einer 
bedingten Gelstrafe von 80 Tagessätzen zu je CHF 30.00, Probezeit 2 Jahre, und 
CHF 300.00 Busse bestraft. 

B. Am 20. Januar 2016 erhielt die Staatsanwaltschaft Graubünden ein Schreiben 
der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Nordbünden, in welchem der 
Verdacht sexueller Übergriffe von X._____ an seiner Stieftochter Y._____ geäussert 
wurde. In der Folge wurden unverzüglich polizeiliche Ermittlungen eingeleitet und 
erste Befragungen durchgeführt. Am 22. Januar 2016 wurde zudem eine ambulante 
Untersuchung von Y._____ im Kantonsspital K.1_____ veranlasst. Dabei konnte in 
der Scheide des Mädchens das Bakterium Ureaplasma parvum nachgewiesen wer-
den, welches nur durch Geschlechtsverkehr übertragen werden kann. Eine mikrobio-
logische Abklärung bei X._____ ergab, dass dieser ebenfalls Träger dieses Bakteri-
ums ist. Bei der zweiten Stieftochter Z._____ wie auch bei der Tochter D._____ 
konnte das genannte Bakterium nicht nachgewiesen werden. 

C. Am 22. Januar 2016 stellte die KESB Nordbünden, vertreten durch Martina 
Näf-Ryffel, für Y._____ Strafantrag gegen X._____ wegen Tätlichkeiten etc. und 
konstituierte sich als Privatklägerin im Zivil- und Strafpunkt. Am 27. Januar 2016 stell-
te sie auch für Z._____ Strafantrag gegen X._____ wegen Tätlichkeiten etc. und 
konstituierte sich ebenfalls als Privatklägerin im Zivil- und Strafpunkt.

D. Am 25. Januar 2016 eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden eine Stra-
funtersuchung gegen X._____ wegen sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss 
Art. 187 Ziff. 1 StGB etc..

4 / 43

E. Gleichentags wurde X._____ vorläufig festgenommen und mit Entscheid des 
Zwangsmassnahmengerichts vom 28. Januar 2016 in Untersuchungshaft versetzt. 
Am 4. April 2016 um 08.00 Uhr wurde er aus der Untersuchungshaft entlassen und 
auf freien Fuss gesetzt. 

F. Ebenfalls am 25. Januar 2016 wurde am Wohnort von X._____ eine Haus-
durchsuchung durchgeführt. Dabei wurden diverse elektronische Geräte, Kleider und 
sonstige Spurenträger sichergestellt. Das sichergestellte Notebook wurde am 27. 
Januar 2016 an B._____, die restlichen sichergestellten Gegenstände am 6. April 
2016 an X._____ ausgehändigt. Einzig ein sichergestelltes Badetuch, auf welchem 
Spermaspuren nachgewiesen werden konnten, wurde beschlagnahmt (Referenz GR 
_____). Des Weiteren wurden diverse polizeiliche Einvernahmen durchgeführt.

G. Mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 19. Februar 2016 wurde Rechts-
anwalt lic. iur. Dieter Marty mit Wirkung ab dem 26. Januar 2016 als amtlicher Vertei-
diger von X._____ bestellt.

H. Mit Schreiben vom 19. April 2016 erteilte die Staatsanwaltschaft Graubünden 
lic. phil. Anna Barbara Amstutz, forio AG, Forensisches Institut Ostschweiz, Frauen-
feld, den Auftrag, als sachverständige Gutachterin über Y._____ ein Glaubhaftig-
keitsgutachten zu erstellen, um die Frage beantworten zu können, ob die von 
Y._____ im Rahmen der von einer Spezialistin der Kantonspolizei vorgenommenen 
Zeugenbefragungen gemachten Aussagen als glaubhaft zu qualifizieren seien. Das 
entsprechende Gutachten ging am 16. August 2016 ein. 

I. Mit Parteimitteilung vom 15. September 2016 kündigte die Staatsanwaltschaft 
den Abschluss der gegen X._____ geführten Strafuntersuchung an und stellte in 
Aussicht, dass sie beim Gericht Anklage erheben werde. In der Folge stellte der amt-
liche Verteidiger, Rechtsanwalt lic. iur. Dieter Marty bei der Staatsanwaltschaft die 
Anträge, es sei X._____ ebenfalls gutachterlich dahingehend beurteilen zu lassen, 
ob er zu den ihm vorgeworfenen Straftaten fähig sei und es sei die Ausmessung des 
erigierten Gliedes von X._____ zu veranlassen. Die Staatsanwaltschaft Graubünden 
wies diese Beweisergänzungsanträge am 28. Oktober 2016 ab. 

J. Am 28. Februar 2017 erliess die Staatsanwaltschaft Graubünden eine weitere 
Parteimitteilung, in welcher sie die Strafuntersuchung für abgeschlossen erklärte und 
die Anklageerhebung bei Gericht in Aussicht stellte. 

K. Am 28. April 2017 erhob die Staatsanwaltschaft Graubünden beim Regional-
gericht Landquart Anklage gegen X._____ wegen mehrfachen sexuellen Handlungen 
mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB, mehrfacher sexueller Nötigung gemäss 

5 / 43

Art. 189 Abs. 1 StGB sowie mehrfacher Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 
StGB zum Nachteil von Y._____ sowie wegen mehrfachen Tätlichkeiten gemäss Art. 
126 Abs. 2 lit. a StGB. Der Anklageschrift liegt folgender Sachverhalt zugrunde:

Zwischen dem 04.01.2013 und dem 25.10.2014 waren der Beschuldigte, sei-
ne Partnerin C._____ und deren in die Beziehung mitgebrachten Mädchen 
Y._____ (im folgenden Y._____), geb. _____2005, Z._____ (im folgenden 
Z._____), geb. _____.2006, sowie die gemeinsame Tochter D._____ (im fol-
genden D._____), geb. _____ 2013, in O.8_____ gemeldet. Der Beschuldigte 
und C._____ heirateten am _____.2014. Dadurch wurde der Beschuldigte der 
Stiefvater von Y._____ und Z._____. Die Kindsmutter ist alleinige Inhaberin 
der elterlichen Sorge für Y._____ und Z._____. Nach dem _____.2014 lebten 
die genannten Personen – bis zur Anmeldung am _____.2016 in O.6_____ – 
in O.9_____.

1.1. Mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 
StGB, mehrfache sexuelle Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB sowie 
mehrfache Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 StGB z. N. Y._____

Zwischen Januar 2014 und dem _____ 2015 setzte der Beschuldigte bis 
zum _____.2014 am _____wäg 6 in O.8_____ und danach an der 
_____gasse 25 in O.9_____ das Mädchen Y._____ ohne eigentliche 
Gewaltanwendung aufgrund physischer Dominanz, Y._____ kognitiver 
Unterlegenheit und emotionaler sowie sozialer Abhängigkeit unter psy-
chischen Druck, um an und mit der zum Widerstand unfähigen Y._____ 
rund 60 sexuelle Übergriffe vorzunehmen. Hin und wieder weinte 
Y._____ wegen dieser Übergriffe. Dann drohte ihr der Beschuldigte mit 
Schlägen, damit sie sich ruhig verhalte. Bat Y._____ den Beschuldigten 
aufzuhören, hörte er manchmal auf und manchmal machte er einfach 
weiter.

Im Einzelnen:

1.1.1 a) Zwischen Januar 2014 und dem 25. Oktober 2014 begab sich 
der Beschuldigte mindestens einmal im Monat mit Y._____ in 
den Keller ihrer damaligen Wohnung am _____wäg 6 in 
O.8_____ und schloss jeweils die Türe ab. Er hiess Y._____ 
mit dem Gesicht zur Wand stehen und zog ihre Hosen und Un-
terhosen sowie seine Hose runter. Danach hielt der Beschuldig-
te Y._____ an deren Schultern und penetrierte sie anal.

In der Zeit, in der der Beschuldigte ohne Arbeit war, verging er 
sich an Y._____ tagsüber, als er arbeitete, abends.

Der Beschuldigte gab Y._____ etwas Geld, oftmals einen 
Fünfliber, oder er versprach ihr etwas zu kaufen. Zudem sagte 
der Beschuldigte Y._____ nach Beendigung der Penetrationen 
jeweils, dass etwas Schlimmes passiere, sollte sie jemandem 
vom Geschehenen erzählen.

b) In der Zeitspanne zwischen Januar 2014 und dem 25. Oktober 
2014 war Y._____ Grossvater zu Besuch, als der Beschuldigte 
am Abend die anale Penetration an Y._____ in seinem Bett in 
O.8_____ vollzog, wobei das Opfer auf dem Bauch lag und der 
Beschuldigte auf ihm. 

6 / 43

Auch damals sagte der Beschuldigte zu Y._____, dass etwas 
Schlimmes passiere, sollte sie jemandem vom Vorgefallenen 
erzählen. Sie erhielt etwas Geld.

1.1.2 Zwischen dem 25. Oktober 2014 und dem 16. Dezember 2015, 
in der Regel nachts, wenn alle in der Wohnung an der 
_____gasse 25 in O.9_____ schliefen, weckte der Beschuldigte 
Y._____ mindestens einmal pro Woche und begab sich mit ihr 
ins Wohnzimmer. Dort zog der Beschuldigte Y._____ aus und 
legte sie in der ersten Zeit auf dem Sofa – und später zwischen 
dem Sofa und der Wand auf eine Decke am Boden – auf den 
Rücken. Er kniete zwischen Y._____ gespreizten Beinen und 
rieb sie mit benetzten Mittel- und Zeigefinger im oberen Teil der 
Vagina. Danach legte er sich auf Y._____ und bewegte seinen 
Penis zumindest im Vorhof der Scheide rein und raus. Dies 
verursachte Y._____ grosse Schmerzen. Nach der jeweiligen 
Ejakulation putzte der Beschuldigte Y._____ Schambereich mit 
einem Tüchlein ab und zog sie wieder an. 

Einmal wachte Mutter B._____ auf und kam in das Wohnzim-
mer. Zuvor hatte der Beschuldigte schnell eine Decke auf 
Y._____ geworfen, damit sie von der Mutter nicht bemerkt wer-
de. Die Mutter, die den Beschuldigten nach Y._____ fragte, 
aber nicht nachsah, ob Y._____ sich im oberen Geschoss auf-
hielt, ging dann wieder ins Zimmer zurück.

Tagsüber begab sich der Beschuldigte wenige Male mit 
Y._____ in den Keller, dessen Türe er nicht abschloss, weil 
niemand in diesen Keller kam. In diesem Keller musste sich 
Y._____ mit dem Rücken zur Wand stellen und der Beschuldig-
te rieb seinen Penis zumindest im Vorhof von Y._____ Scheide. 
Nach dem Abputzen seines Ejakulats mit einem Tüchlein hiess 
er Y._____ zu duschen.

Auch in diesen Fällen beschenkte der Beschuldigte Y._____. Er 
sagte zu ihr immer wieder, dass etwas Schlimmes passiere, 
wenn sie vom Vorgefallenen etwas erzählen sollte. 

1.2 Mehrfache Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 2 lit. a StGB

1.2.1 Zum Nachteil von Y._____ schlug der Beschuldigte, ab dem 2. 
April 2014 als ihr im gleichen Haushalt wohnende Stiefvater, sie 
zwischen Januar 2014 und dem 25. Oktober 2014 in der dama-
ligen Wohnung am _____wäg 6 in O.8_____ mehrere Male, 
oftmals ins Gesicht. Wiederholt öffnete der Beschuldigte 
Y._____ und Z._____ Zimmer, machte Licht, hob ein Bein der 
im Kajütenbett unten liegenden Y._____ und trat mehrere Male 
gegen das angehobene Schienbein. Zudem packte der Be-
schuldigte Y._____ derart fest am rechten Arm, dass am 29. 
August 2014 die Ärzteschaft im Kinderspital in O.6_____ an 
Y._____ rechten Ober- und Unterarm zwei kleine Hämatome 
feststellte. 

Zwischen dem 25. Oktober 2014 und dem 16. Dezember 2015 
schlug und trat der Beschuldigte Y._____ mehrmals auch in der 
Wohnung an der _____gasse 25 in O.9_____. Letztmals wurde 
Y._____ vom Beschuldigten ins Gesicht geschlagen, nachdem 

7 / 43

er entdeckt hatte, dass sie auf ihrem Mobile Filmausschnitte ei-
nes Pornofilms betrachtete.

1.2.2 Zum Nachteil von Z._____ schlug der Beschuldigte, ab dem 2. 
April 2014 als ihr im gleichen Haushalt wohnende Stiefvater, sie 
zwischen Januar 2014 und dem 25. Oktober 2014 am 
_____wäg 6 in O.8_____ und zwischen dem 25. Oktober 2014 
und dem 16. Dezember 2015 in O.9_____ mehrmals. 

L. Mit prozessleitender Verfügung vom 15. Mai 2017 lud das Regionalgericht 
Landquart die Parteien zur Hauptverhandlung vom 19. Juli 2017 vor und räumte ih-
nen eine Frist von 10 Tagen ein, um Beweisanträge zu stellen. Mit Eingabe vom 23. 
Mai 2017 erneuerte Rechtsanwalt lic. iur. Dieter Marty seine bereits im Untersu-
chungsverfahren gestellten Beweisanträge um psychiatrische Begutachtung sowie 
um Ausmessung des erigierten Gliedes von X._____. Beide Beweisanträge wies das 
Regionalgericht Landquart mit Verfügung vom 2. Juni 2017 ab. 

M. Mit Verfügung des Einzelrichters am Regionalgericht Landquart vom 12. Juni 
2017 wurde Y._____, gesetzlich vertreten durch ihre Mutter B._____, die unentgeltli-
che Rechtspflege gewährt und Rechtsanwältin Dr. iur. Silvia Däppen als Rechtsver-
treterin eingesetzt. 

N. Mit Eingabe vom 13. Juli 2017 liess Y._____ beim Regionalgericht Landquart 
eine Adhäsionsklage mit folgendem Rechtsbegehren einreichen:

1. Der Adhäsionsbeklagte sei unter dem ausdrücklichen Vorbehalt eines 
Nachklagerechts zu verpflichten, der Adhäsionsklägerin Schadenersatz in 
Höhe von CHF 4'405.10 zu bezahlen.

2. Der Adhäsionsbeklagte sei zu verpflichten, der Adhäsionsklägerin für 
atemtherapeutische Sitzungen der Adhäsionsklägerin während zwei Jah-
ren CHF 12'000.00 zu bezahlen.

3. Der Adhäsionsbeklagte sei zu verpflichten, der Adhäsionsklägerin eine 
Genugtuung von CHF 25'000.00 zuzüglich Zins von 5% ab 31. Januar 
2014 zu bezahlen. 

4. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Adhä-
sionsbeklagten. 

O. Ebenfalls am 13. Juli 2017 teilte die KESB Nordbünden dem Regionalgericht 
Landquart mit, dass sie die Zivilklage von Z._____ unter dem Vorbehalt der Gel-
tendmachung von Zivilansprüchen auf dem Zivilweg zurückziehe.

P. Am 19. Juli 2017 fand die Hauptverhandlung vor dem Regionalgericht Land-
quart statt. Y._____ und ihre Rechtsvertreterin sowie Z._____ waren im Vorfeld von 
der persönlichen Teilnahme dispensiert worden. Die Schlussanträge der anwesen-
den Parteien lauteten wie folgt:

Anträge Staatsanwaltschaft Graubünden

8 / 43

1. X._____ sei der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss 
Art. 187 Ziff. 1 StGB, der mehrfachen sexuellen Nötigung gemäss Art. 
189 Abs. 1 StGB, der mehrfachen Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 
1 StGB sowie der mehrfachen Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 2 lit. a 
StGB schuldig zu sprechen.

2. Dafür sei er mit einer Freiheitsstrafe von 9 Jahren, unter Anrechnung der 
Polizei- und Untersuchungshaft von 70 Tagen, zu bestrafen.

3. X._____ sei zudem mit einer Busse von CHF 500.00, ersatzweise zu ei-
ner Freiheitsstrafe von 5 Tagen, zu bestrafen.

4. Der X._____ mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft am 15. April 2014 
gewährte bedingte Vollzug einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 
CHF 30.00, entsprechend CHF 2'400.00, sei zu widerrufen.

5. Das beschlagnahmte Badetuch sei gerichtlich einzuziehen und zu ver-
nichten.

6. Kostenfolge sei die gesetzliche.

Anträge beschuldigte Person 

1. X._____ sei von Schuld und Strafe freizusprechen.

1.1. Eventualiter sei X._____ der Tätlichkeit schuldig zu sprechen.

1.2 Er sei dafür milde zu bestrafen.

2. Die Zivilklage sei abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.

3. Die Honorarnote des Vertreters sei im Umfang von 140.45 Stunden zu-
züglich Spesen, zuzüglich Mehrwertsteuer zu genehmigen.

4. Kostenfolge sei die gesetzliche.

Q. Gegen das am 19. Juli 2017 gefällte, gleichentags mündlich eröffnete und oh-
ne schriftliche Begründung mitgeteilte Urteil des Regionalgerichtes Landquart liess 
X._____ am 20. Juli 2017 Berufung anmelden. Daraufhin teilte das Regionalgericht 
Landquart den Parteien am 2. Oktober 2017 das begründete Urteil mit. Darin erkann-
te es, wie folgt:

1. X._____ ist schuldig der mehrfachen Vergewaltigung gemäss Art. 190 
Abs. 1 StGB, der mehrfachen sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 
StGB, der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 
187 Ziff. 1 StGB sowie der mehrfachen Tätlichkeiten gemäss Art. 126 
Abs. 2 lit. a StGB. 

2. Dafür wird X._____ mit einer Freiheitsstrafe von 12 Jahren sowie mit ei-
ner Busse von CHF 1'000.00, Ersatzfreiheitsstrafe 10 Tage, bestraft. Die 
erstandene Polizei- und Untersuchungshaft von 70 Tagen wird an den 
Vollzug der Freiheitsstrafe angerechnet. 

3. Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 15. April 
2014 verfügte Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je CHF 30.00 mit einer 
Probezeit von zwei Jahren wird widerrufen und ist zu vollziehen. 

4. Das am 28. Februar 2017 anlässlich einer durch die Kantonspolizei 
Graubünden am 25. Januar 2016 durchgeführten Hausdurchsuchung si-

9 / 43

chergestellte Badetuch (Referenz GR _____) wird gerichtlich eingezogen 
und ist zu vernichten. 

5. Die Zivilklage von Y._____, vertreten durch RA Dr. iur. Silvia Däppen-
Müller, Bahnhofstrasse 8, 7000 O.6_____, wird im Umfang von CHF 
30'365.10 (Schadenersatz CHF 5'365.10, Genugtuung CHF 25'000.00) 
zuzüglich 5% Zins auf CHF 25'000.00 ab 31. Januar 2014 teilweise gut-
geheissen. Bezüglich des darüber hinausgehenden Forderungsbetrages 
wird die Adhäsionsklage auf den Zivilweg verwiesen. 

6. Es wird gerichtlich davon Vormerk genommen, dass die Zivilklage von 
Z._____, _____strasse 27, O.6_____, vertreten durch die Kinder- und 
Erwachsenenschutzbehörde KESB Nordbünden, Martina Näf-Ryffel, 
Gäuggelistrasse 1, O.6_____, zurückgezogen wurde.

7. Angesichts der Verurteilung zu einer längeren unbedingten Freiheitsstrafe 
in Verbindung mit einer offensichtlich bestehenden Fluchtgefahr wird 
X._____ bis zum definitiven Antritt der zu verbüssenden Strafe, längstens 
aber für die Dauer von sechs Monaten, in Sicherheitshaft behalten (vgl. 
Art. 231 Abs. 1 lit. a StPO). Vorbehalten bleibt eine Verlängerung der Si-
cherheitshaft durch die zuständige Instanz. 

8. Die Verfahrenskosten, bestehend aus:
 der Untersuchungsgebühr der 

Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 6'350.00

 den Auslagen der Staatsanwaltschaft 
Graubünden CHF 16'605.35

 der Gerichtsgebühr des Regionalgerichts 

Landquart CHF 13'000.00

 total somit CHF 35'955.35

werden vollumfänglich dem Verurteilten auferlegt, welchem keine Pro-
zessentschädigung ausgerichtet wird.

9. Die Kosten der angerechneten Untersuchungshaft von CHF 17'260.00 
sowie des Strafvollzugs gehen zu Lasten des Kantons Graubünden. Die 
beschuldigte Person hat sich daran nach Massgabe von Art. 380 Abs. 2 
StGB zu beteiligen. 

10. Kostenfolge amtlicher Verteidiger und unentgeltliche Rechtsbeiständin:

a) RA lic. iur. Dieter Marty, Alexanderstrasse 8, 7000 Chur, wird als amt-
licher Verteidiger von X._____ zu Lasten des Kantons Graubünden 
mit CHF 22'851.30 (inkl. Barauslagen und MwSt.) entschädigt. Die 
Entschädigung wird aus der Gerichtskasse bezahlt. Art. 135 Abs. 4 
StPO bleibt vorbehalten.

b) RA Dr. iur. Silvia Däppen-Müller, Bahnhofstrasse 8, 7000 Chur, wird 
als unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin Y._____ zu 
Lasten des Kantons Graubünden mit CHF 1'500.00 (inkl. Barausla-
gen und MwSt.) entschädigt. Die Entschädigung wird aus der Ge-
richtskasse bezahlt. Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten. 

c) Da der Verurteilte zur Tragung der Verfahrenskosten verpflichtet wur-
de, wird er – sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben – 
verpflichtet, dem Kanton die Entschädigung für seinen amtlichen Ver-
teidiger zurückzuzahlen (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO) und seinem Ver-

10 / 43

teidiger die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem 
vollen Honorar zu erstatten (Art. 125 Abs. 4 lit. b StPO). Der An-
spruch des Kantons verjährt in 10 Jahren nach Rechtskraft des Ent-
scheids (Art. 135 Abs. 5 StPO). 

d) (Rechtsmittelbelehrung Kostenentscheid).

11. (Rechtsmittelbelehrung).

12. (Mitteilung). 

R. Am 23. Oktober 2017 liess X._____ beim Kantonsgericht von Graubünden 
eine Berufungserklärung einreichen, wobei er das folgende Rechtsbegehren stellte:

1. Das angefochtene Urteil sei auf zu heben.

2. Eventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung im Sinne 
der Erwägungen zurück zu weisen.

3. X._____ sei von Schuld und Strafe frei zu sprechen.

4. Die Zivilklage sei ab zu weisen soweit darauf eingetreten werden kann.

5. Der Berufungskläger sei psychiatrisch begutachten zu lassen.

6. Als Gutachten: Es sei die Ausmessung des erigierten Gliedes des Beru-
fungsklägers durch zu führen.

6.1. Die Ergebnisse seien in Relation zum Anus und Hymen von Y._____ zu 
bringen.

7. Dem amtlichen Verteidiger sei für das Verfahren vor dem Regionalgericht 
Landquart eine Entschädigung von 140.45 Std à Fr. 200.00 zuzüglich der 
Spesen und der 8% Mehrwertsteuer zu zu sprechen. 

8. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen für das Verfahren vor Kantons-
gericht gemäss Gesetz. 

S. Mit Schreiben vom 14. November 2017 beantragte die Staatsanwaltschaft 
Graubünden unter Hinweis auf die entsprechende Begründung in den Entscheiden 
der Staatsanwaltschaft und der Vorinstanz die Abweisung der Beweisanträge und 
verzichtete im Weiteren auf die Einreichung einer Stellungnahme. 

T. Y._____ liess mit Berufungsantwort vom 16. November 2017 die vollumfängli-
che Abweisung der Berufung sowie die Abweisung der Beweisanträge unter gesetz-
licher Kosten- und Entschädigungsfolge für das erst- und zweitinstanzliche Verfahren 
zulasten des Berufungsklägers beantragen. 

U. Bereits am 6. Oktober 2017 reichte der amtliche Verteidiger von X._____, 
Rechtsanwalt lic. iur. Dieter Marty beim Kantonsgericht von Graubünden eine Be-
schwerde gegen den Kostenentscheid betreffend die Entschädigung der amtlichen 
Verteidigung ein. Mit Verfügung vom 17. November 2017 sistierte der Vorsitzende 
der II. Strafkammer das Beschwerdeverfahren (SK2 17 43) bis zum Vorliegen eines 
Urteils im Berufungsverfahren.

11 / 43

V. Mit Schreiben vom 27. November 2017 ersuchte der Vorsitzende der I. Straf-
kammer den Chefarzt Rechtsmedizin am Kantonsspital O.6_____ sowie die an der 
Untersuchung von Y._____ beteiligte Ärztin um einen erläuternden Bericht zum Er-
gebnis der Untersuchung von Y._____. Dieser Bericht ging am 15. Dezember 2017 
beim Kantonsgericht von Graubünden ein und wurde den Parteien am 18. Dezember 
2017 zur Kenntnisnahme zugestellt.

W. Mit Verfügung des Vorsitzenden der I. Strafkammer des Kantonsgerichts von 
Graubünden vom 27. November 2017 wurden der Berufungskläger, sein Verteidiger 
sowie der Vertreter der Staatsanwaltschaft zur mündlichen Berufungsverhandlung 
auf den 16. Januar 2018 vor Kantonsgericht vorgeladen. Des Weiteren wurde die 
Schwägerin von X._____, H._____, als Zeugin aufgeboten. Nicht vorgeladen wurden 
die minderjährigen Privatklägerinnen Y._____ und Z._____. Zudem wurde den Par-
teien mitgeteilt, dass die Berufungsverhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit 
stattfinden werde. 

X. Am 12. Dezember 2017 reichte Rechtsanwalt lic. iur. Fortunat Schmid beim 
Kantonsgericht eine Vollmacht von X._____ ein und stellte namens seines Mandan-
ten den Antrag auf Wechsel der amtlichen Verteidigung und Verschiebung der ange-
setzten Hauptverhandlung. Diese Begehren wies der Vorsitzende der I. Strafkammer 
mit Verfügung vom 5. Januar 2018 ab. Eine dagegen erhobene Beschwerde in Straf-
sachen wies das Bundesgericht mit Urteil 5. März 2018 ab, soweit es darauf eintrat. 

Y. Am 16. Januar 2018 fand die mündliche Berufungsverhandlung vor der 
I. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden statt. Der amtliche Verteidiger 
von X._____ hielt an seinen in der Berufungserklärung gestellten Beweisanträgen 
fest. Die Einvernahme der Zeugin H._____ fand in einem separaten Raum statt und 
wurde per Video in den Gerichtssaal übertragen. Diesbezüglich wird auf das separa-
te Zeugeneinvernahmeprotokoll verwiesen. Die Parteien erhielten die zudem Mög-
lichkeit, Ergänzungsfragen zu stellen. Im Anschluss wurde die Verhandlung zwecks 
Beratung über die Beweisanträge kurz unterbrochen. Nach Wiederaufnahme der 
Verhandlung teilte der Vorsitzende der I. Strafkammer mit, dass die Beweisanträge 
abgewiesen und die Begründung hierfür im Urteil erfolgen werde. Bezüglich des wei-
teren Ganges der Berufungsverhandlung wird auf das separate Verhandlungsproto-
koll und das Protokoll zur Einvernahme des Berufungsklägers als beschuldigte Per-
son verwiesen. Die Schlussanträge der Parteien lauteten wie folgt:

Anträge Berufungskläger

1. Das angefochtene Urteil sei aufzuheben.

2. Eventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung im Sinne 
der Erwägungen zurückzuweisen.

12 / 43

3. X._____ sei von Schuld und Strafe freizusprechen.

3.1 Eventualiter sei X._____ der Tätlichkeit schuldig zu sprechen.

3.2 Er sei dafür milde zu bestrafen.

3.3 Wird der Berufungskläger wider Erwarten schuldig gesprochen, so sei er 
milde, das heisst unter der von der Staatsanwaltschaft beantragten Frei-
heitsstrafe zu bestrafen. 

4. Die Zivilklage sei abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden könne.

5. (Beweisantrag; bereits abgewiesen).

6. (Beweisantrag; bereits abgewiesen).

7. Dem amtlichen Vertreter sei für das Verfahren vor dem Regionalgericht 
Landquart eine Entschädigung von 140.45 Std à Fr. 200.00 zuzüglich der 
Spesen und der 8% Mehrwertsteuer zuzusprechen.

8. Die Honorarnote des Vertreters sei für das Berufungsverfahren im Um-
fange von 49.85 Stunden zuzüglich Spesen, zuzüglich Mehrwertsteuer zu 
genehmigen.

9. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen für das Verfahren vor Kantons-
gericht gemäss Gesetz.

Anträge Staatsanwaltschaft

1. Die Berufung sei kostenpflichtig zu Lasten des Berufungsklägers abzu-
weisen.

2. Der Berufungskläger sei in Sicherheitshaft zu belassen.

Anträge Y._____

(schliesst sich den Anträgen der Staatsanwaltschaft an).

Z. Im Anschluss an die Hauptverhandlung ordnete der Vorsitzende der 
I. Strafkammer mit separater Verfügung vom 17. Januar 2018 an, dass X._____ bis 
zum Antritt des Strafvollzugs oder bis zu einem anderslautenden Entscheid der zu-
ständigen Behörde in Sicherheitshaft zu belassen sei. Die Regelung der Kosten- und 
allfälliger Entschädigungsfolgen erfolge im Endentscheid. Diese Verfügung erwuchs 
unangefochten in Rechtskraft.

Auf das Ergebnis der Zeugeneinvernahme, der persönlichen Befragung des Be-
schuldigten durch den Vorsitzenden der I. Strafkammer, auf die weitere Begründung 
der Anträge in den Rechtsschriften sowie anlässlich der mündlichen Berufungsver-
handlung und auf die Ausführungen im angefochtenen Urteil wird, soweit erforderlich, 
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

13 / 43

II. Erwägungen

1. Die Berufung ist zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen 
das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist (vgl. Art. 398 Abs. 1 
StPO). Die Berufung bezieht sich somit auf Entscheide, in denen über Straf- und Zi-
vilfragen materiell befunden wird (vgl. Art. 80 Abs. 1 Satz 1 StPO), in erster Linie auf 
Urteile, die auf Verurteilung oder Freispruch lauten und der Fall vor der ersten In-
stanz damit abgeschlossen wird (vgl. Luzius Eugster, in: Niggli/Heer/
Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar zur Schweizerischen Strafprozess-ordnung, 
2. Aufl., Basel 2014, N 2 zu Art. 398 StPO). 

1.1. Gemäss Art. 399 Abs. 1 StPO ist die Berufung dem erstinstanzlichen Gericht 
innert zehn Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich zu Protokoll 
anzumelden, worauf das erstinstanzliche Gericht die Anmeldung nach Ausfertigung 
des begründeten Urteils zusammen mit den Akten dem Kantonsgericht als Beru-
fungsinstanz übermittelt (vgl. Art. 399 Abs. 2 StPO, Art. 22 des Einführungsgesetzes 
zur Schweizerischen Strafprozessordnung [EGzStPO; BR 350.100]). Nach Art. 399 
Abs. 3 StPO reicht die Partei, die Berufung angemeldet hat, dem Kantonsgericht in-
nert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils eine schriftliche Beru-
fungserklärung ein, worin sie anzugeben hat, ob sie das Urteil vollumfänglich oder 
nur in Teilen anficht (lit. a), welche Abänderungen des erstinstanzlichen Urteils sie 
verlangt (lit. b) und welche Beweisanträge sie stellt (lit. c). 

1.2. Gegen das am 19. Juli 2017 gefällte und gleichentags ohne schriftliche Be-
gründung mitgeteilte Urteil des Regionalgerichts Landquart meldete der Berufungs-
kläger am 20. Juli 2017 Berufung an. Die Berufungsanmeldung erfolgte damit recht-
zeitig. Nach Mitteilung des begründeten Urteils am 2. Oktober 2017 reichte der Beru-
fungskläger am 23. Oktober 2017 – mithin ebenfalls fristgerecht – seine Berufungs-
erklärung ein. Der Berufungskläger ist als beschuldigte Person Partei im Strafverfah-
ren (Art. 104 Abs. 1 lit. a StPO) und durch den vorinstanzlichen Schuldspruch offen-
sichtlich beschwert, sodass er zur Berufungserhebung legitimiert ist. Die übrigen 
Prozessvoraussetzungen geben im vorliegenden Zusammenhang zu keinen weiteren 
Bemerkungen Anlass, weshalb auf die frist- und formgerecht eingereichte Berufung 
einzutreten ist.

2. Als Berufungsgericht kann das Kantonsgericht das erstinstanzliche Urteil in 
allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen (Art. 398 Abs. 2 StPO). Die Be-
rufung ist somit ein vollkommenes Rechtsmittel, mit welchem erstinstanzliche Urteile 
in sachverhaltsmässiger wie auch in rechtlicher Hinsicht mit freier Kognition überprüft 
werden. 

14 / 43

2.1. Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den ange-
fochtenen Punkten (vgl. Art. 404 Abs. 1 StPO). Die nicht angefochtenen Punkte sind 
rechtskräftig geworden und stehen damit nicht länger zur Diskussion (vgl. Eugster, 
a.a.O., N 3 zu Art. 404 StPO). Tritt das Berufungsgericht auf die Berufung ein, so fällt 
es ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO). Weist 
das erstinstanzliche Verfahren aber wesentliche Mängel auf, die im Berufungsverfah-
ren nicht geheilt werden können, so hebt das Berufungsgericht das angefochtene 
Urteil auf und weist die Sache zur Durchführung einer neuen Hauptverhandlung und 
zur Fällung eines neuen Urteils an das erstinstanzliche Gericht zurück (Art. 409 Abs. 
1 StPO).

2.2. Im vorliegenden Fall kann das Berufungsgericht – wie sich nachstehend ergibt 
– selber ein Urteil fällen. Die Vorinstanz sprach den Berufungskläger schuldig der 
mehrfachen Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 StGB, der mehrfachen sexuel-
len Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB, der mehrfachen sexuellen Handlungen 
mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB sowie der mehrfachen Tätlichkeiten 
gemäss Art. 126 Abs. 2 lit a StGB und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 12 
Monaten sowie einer Busse von CHF 1'000.00. Der Berufungskläger beantragt mit 
seiner Berufung einen (vollumfänglichen) Freispruch und damit eine uneingeschränk-
te Überprüfung des erstinstanzlichen Urteils. 

3. In seiner Berufungserklärung stellte der Berufungskläger zwei Beweisanträge, 
an welchen er auch anlässlich der Berufungsverhandlung vom 16. Januar 2018 fest-
hielt. Zum einen verlangte er eine psychiatrische Begutachtung des Berufungsklä-
gers. Eine solche erscheine deshalb nötig, um abzuklären, ob er überhaupt zu einer 
Tat wie der vorgeworfenen fähig sei. Zum anderen beantragte er die Ausmessung 
seines erigierten Gliedes, wobei die Ergebnisse in Relation zum Anus und Hymen 
von Y._____ (nachfolgend: Privatklägerin 1) zu bringen seien. Dass dies im konkre-
ten Einzelfall von Bedeutung sei, ergebe sich bereits aus dem medizinischen Bericht 
vom 15. Dezember 2017. Das Kantonsgericht wies diese Beweisanträge anlässlich 
der Berufungsverhandlung ab und verwies zur Begründung auf das vorliegende Ur-
teil. Die Begründung ist somit an dieser Stelle nachzuholen. 

3.1. Zum Antrag der psychiatrischen Begutachtung ist auszuführen, dass das Prü-
fen der Glaubhaftigkeit von Aussagen Teil der Beweiswürdigung ist und damit primär 
zum Aufgabenbereich des Gerichts gehört. Nach der Rechtsprechung drängt sich der 
Beizug eines Sachverständigen für die Prüfung der Glaubhaftigkeit von Beweisaus-
sagen in der Regel erst auf, wenn das Gericht aufgrund besonderer Umstände auf 
zusätzliches medizinisches oder psychologisches Fachwissen angewiesen ist. Dies 
gilt namentlich, wenn Anzeichen dafür bestehen, die betreffende Person könnte we-

15 / 43

gen einer ernsthaften geistigen Störung, Drogensucht oder sonstiger Umstände in 
ihrer Wahrnehmungs-, Erinnerungs- oder Wiedergabefähigkeit beeinträchtigt und zur 
wahrheitsgemässen Aussage nicht fähig oder nicht willens sein. So ist beispielsweise 
– wie dies im Falle der Privatklägerin 1 geschehen ist – ein Glaubhaftigkeitsgutach-
ten einzuholen, wenn es um die Interpretation von Äusserungen eines Kindes geht. 
Dem Gericht steht bei der Frage, ob aufgrund der konkreten Umstände eine Begut-
achtung notwendig ist oder nicht, ein Ermessensspielraum zu (vgl. zum Ganzen das 
Urteil des Bundesgericht 6B_354/2016 vom 6. Dezember 2016 E. 3.1. mit Hinweis 
auf BGE 129 IV 179 E. 2.4). Im Falle des Berufungsklägers sind keinerlei Gründe 
ersichtlich, welche die Erstellung eines Gutachtens als notwendig erscheinen liessen. 
Seine Aussagen werden – wie alle übrigen Beweismittel auch – im Sinne von Art. 10 
Abs. 2 StPO vom Gericht frei gewürdigt. Auch aus dem Grundsatz der Waffengleich-
heit (Art. 29 Abs. 1 BV) kann der Berufungskläger keinen Anspruch auf eine psychia-
trische Begutachtung ableiten. Dieser Grundsatz soll sicherstellen, dass sich alle 
Verfahrensbeteiligten mit gleicher Wirksamkeit am Verfahren beteiligten können und 
keine Partei gegenüber einer anderen bevorteilt wird (vgl. BGE 139 I 121 E. 4.2.1.). 
Wie bereits ausgeführt, drängte sich bei der Privatklägerin 1 infolge ihres Alters die 
Einholung eines Glaubhaftigkeitsgutachtens auf. Inwieweit der Berufungskläger da-
durch benachteiligt worden sein soll, ist nicht ersichtlich. Der Beweisantrag ist dem-
zufolge abzuweisen. 

3.2. Was den Beweisantrag um Ausmessung des erigierten Gliedes des Beru-
fungsklägers und der Vergleich des Ergebnisses mit Anus und Hymen der Privatklä-
gerin 1 betrifft, ist auf den Bericht des Facharztes Rechtsmedizin des Kantonsspitals 
Graubünden, Dr. med. Daniel Wyler, vom 15. Dezember 2017 (act. J.1) zu verwei-
sen. Darin wird erläutert, dass die bei medizinischen Laien verbreitete Vorstellung, 
wonach jeder erste vaginale Geschlechtsverkehr zu einer Hymenalverletzung führe, 
nicht als Regel betrachtet werden dürfe. Dies weil der Durchmesser der Hymenallich-
tung von Mädchen zu Mädchen erheblich variieren könne und das Gewebe eines 
Hymenalsaumes sehr elastisch sei, aber auch das Kaliber des Gegenstandes oder 
Körperteiles, welcher eine Dehnung des Hymenalsaumes bewirke, sehr unterschied-
lich sein könne. In Analogie könne auch nicht gefolgert werden, dass eine anale Pe-
netration stets sichtbare Verletzungen hinterlasse. Ausserdem schliesse die Feststel-
lung eines intakten Hymenalsaumes bei einer Pubertierenden oder Adoleszenten 
eine vaginale Penetration im Kindesalter nicht aus, selbst wenn früher eine Hymenal-
verletzung eingetreten sei. Aufgrund dieser Ausführungen steht fest, dass die bean-
tragten körperlichen Untersuchungen keine verlässlichen Rückschlüsse auf die Tat-
begehung zulassen würden, weshalb darauf verzichtet werden kann. Daher ist auch 
dieser Beweisantrag abzuweisen. 

16 / 43

4. Das Gericht würdigt die Beweise gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO frei nach seiner 
aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung. Jede Person gilt bis zu 
ihrer rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig (vgl. Art. 10 Abs. 1 StPO). Bestehen 
unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der an-
geklagten Tat, so geht das Gericht von der für die beschuldigte Person günstigeren 
Sachlage aus (vgl. Art. 10 Abs. 3 StPO). Als Beweislastregel folgt aus der derart sta-
tuierten Unschuldsvermutung, dass es nicht Sache der beschuldigten Person ist, ihre 
Unschuld zu beweisen, sondern dass die Strafbehörden verpflichtet sind, den Nach-
weis der Schuld zu führen (vgl. Wolfgang Wohlers, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber 
[Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO], 2. Aufl., 
Zürich/Basel/Genf 2014, N 6 zu Art. 10 StPO). An diesen Nachweis sind hohe Anfor-
derungen zu stellen. Verlangt wird mehr als eine blosse Wahrscheinlichkeit, nicht 
aber ein absoluter Beweis der Täterschaft. Nach der aus Art. 32 Abs. 1 BV, Art. 6 
Ziff. 2 EMRK und Art. 10 Abs. 3 StPO fliessenden Beweiswürdigungsregel in dubio 
pro reo darf sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Angeklagten 
ungünstigen Sachverhaltes überzeugt erklären, wenn bei objektiver Betrachtung 
Zweifel an den tatsächlichen Voraussetzungen für ein verurteilendes Erkenntnis be-
stehen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil 
solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es 
müssen vielmehr erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel vorliegen. Relevant 
sind mithin nur unüberwindliche Zweifel, das heisst solche, die sich nach der objekti-
ven Sachlage aufdrängen. Die Entscheidregel besagt indes nicht, dass bei sich wi-
dersprechenden Beweismitteln unbesehen auf den für den Angeklagten günstigeren 
Beweis abzustellen ist; sie kommt nur zur Anwendung, wenn nach erfolgter Beweis-
würdigung als Ganzem relevante Zweifel verbleiben (Urteil des Bundesgerichts 
6B_253/2016 vom 29. März 2017 E. 1.3.2 mit Verweis auf BGE 138 V 74 E. 7).

5. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen den Berufungskläger wegen 
mehrfacher Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 StGB, mehrfacher sexueller 
Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB, mehrfacher sexueller Handlungen mit Kin-
dern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB sowie mehrfacher Tätlichkeiten gemäss Art. 126 
Abs. 2 lit a StGB. Was den Anklagesachverhalt betrifft, so stützte sie sich weitgehend 
auf die Aussagen der Privatklägerin 1. Auch die Vorinstanz beurteilte deren Schilde-
rungen als glaubhaft und qualifizierte das hierüber erstellte Glaubhaftigkeitsgutach-
ten als schlüssig und auch für Laien ohne weiteres nachvollziehbar. Demgegenüber 
habe sich der Berufungskläger auch vor Schranken in Widersprüche verstrickt. Für 
die Vorinstanz stand deshalb fest, dass sich der Vorfall so zugetragen hat, wie er von 
der Privatklägerin 1 geschildert worden war, und stützte sich bei der Verurteilung des 
Berufungsklägers daher auf den in der Anklageschrift enthaltenen Sachverhalt. Der 

17 / 43

Berufungskläger bringt dagegen in grundsätzlicher Hinsicht vor, es stehe vorliegend 
Aussage gegen Aussage. Bei dieser Ausgangslage seien keine gültigen Schlussfol-
gerungen möglich. Es gebe zu den Beschuldigungen, mit denen er konfrontiert wer-
de, keinen einzigen Beweis, sondern nur Indizien, welche aus den Aussagen der Pri-
vatklägerin gezogen würden. Ausserdem weise das Glaubhaftigkeitsgutachten ver-
schiedene Mängel auf. Aus diesem Grunde sei er von Schuld und Strafe freizuspre-
chen. 

5.1. Im Verlaufe des Vorverfahrens respektive der Strafuntersuchung wurde zwei-
mal eine Videobefragung der Privatklägerin 1 durchgeführt (staatsanwaltschaftliche 
Akten act. 6.10 und 6.13). Beide Befragungen wurden zudem schriftlich zusammen-
gefasst (staatsanwaltschaftliche Akten act. 6.11 und 6.14), und es wurde von der be-
fragenden Person jeweils ein Bericht dazu erstellt (staatsanwaltschaftliche Akten act. 
6.9 und 6.12).

5.1.1. Hinsichtlich dieser Videobefragungen rügt der Berufungskläger zunächst, dass 
die beiden Befragungen der Privatklägerin 1 nicht von einer Spezialistin oder einem 
Spezialisten für Kinderpsychologie, sondern von einer Polizistin durchgeführt worden 
seien. Diesbezüglich ist zunächst anzumerken, dass gemäss Art. 154 Abs. 4 lit. d 
StPO Einvernahmen von Kindern von einer zu diesem Zweck ausgebildeten Ermitt-
lungsbeamtin oder einem entsprechenden Ermittlungsbeamten durchgeführt werden. 
Dementsprechend sollte die befragende Person über Erfahrung mit Einvernahmen 
sowie eine Spezialausbildung für die Einvernahme von Kindern verfügen (vgl. Stefan 
Wehrenberg, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar Schweizerische 
Strafprozessordnung, a.a.O., N 20 zu Art. 154). Weitere Anforderungen werden nicht 
gestellt, insbesondere wird nicht verlangt, dass die Befragung von einer Kinderpsy-
chologin oder einem Kinderpsychologen durchgeführt wird. Die Staatsanwaltschaft 
führte anlässlich der mündlichen Berufungsverhandlung aus, dass Kpl I._____, wel-
che die Einvernahme der Privatklägerin 1 durchgeführt habe, eigens für derartige 
Befragungen ausgebildet und auf diesem Gebiet eine Fachkraft sei. Sie habe zwar 
keinen universitären Abschluss, dies werde aber auch nirgends gefordert. Diese Auf-
fassung ist zu teilen. Es bestehen vorliegend keinerlei Anhaltspunkte dafür dass die 
befragende Polizistin den Anforderungen von Art. 154 Abs. 4 lit. d StPO nicht zu 
genügen vermöchte. 

5.1.2. Auch der Einwand des Berufungsklägers, es hätte die Ermittlungsbeamtin 
spätestens bei der zweiten Einvernahme durch eine ausgebildete Fachkraft ersetzt 
werden müssen, erweist sich als unbegründet. Der Berufungskläger beanstandet, 
dass bei einem Wechsel der befragenden Person die zweite Befragung nicht ein 
"simpler Abklatsch" der ersten Videobefragung geworden wäre. Gemäss Art. 154 

18 / 43

Abs. 4 lit. c StPO sollte eine zweite Befragung – soweit möglich – durch die gleiche 
Person vorgenommen werden, welche auch schon die erste Einvernahme durchge-
führt hat. Demzufolge ist nicht zu beanstanden, dass Kpl I._____ beide Einvernah-
men durchgeführt hat. Ausserdem sollte nach herrschender Lehre wenn möglich so-
gar nur eine einzige Einvernahme stattfinden. Gründe, die eine erneute Vernehmung 
notwendig machen, sind das Auftreten neuer, relevanter Umstände, zu denen das 
Kind noch nicht befragt wurde, sowie – wie im vorliegenden Fall gegeben – die Not-
wendigkeit, ein aussagepsychologisches Gutachten zu erstellen (vgl. Wolfgang 
Wohlers, a.a.O., N 5 zu Art. 154). 

5.1.3 Des Weiteren beanstandet der Berufungskläger, dass sich bei den beiden 
Einvernahmen weder im Befragungsraum noch im Nebenzimmer ein Spezialist oder 
eine Spezialistin für Kinderpsychologie aufgehalten habe. Zwar trifft es zu, dass Ein-
vernahmen, welche zu einer schweren psychologischen Belastung führen könnten, 
gemäss Art. 154 Abs. 4 lit. d StPO im Beisein einer Spezialistin oder eines Spezialis-
ten durchgeführt werden sollten. Allerdings liegt eine Erklärung bei den Akten 
(staatsanwaltschaftliche Akten act. 6.8), aus welcher hervorgeht, dass sowohl die 
KESB Nordbünden, vertreten durch Martina Näf-Ryffel, wie auch die Privatklägerin 1 
selber ausdrücklich auf die Anwesenheit einer Spezialistin oder eines Spezialisten 
verzichtet haben. Kommt hinzu, dass die Vorgaben des Art. 154 StPO allein dem 
Schutz des kindlichen Opfers und nicht auch der beschuldigten Person dienen. 
Dementsprechend kann eine beschuldigte Person aus einer allfälligen Verletzung der 
Regeln von Art. 154 StPO nichts für sich ableiten. Sie kann insbesondere nicht gel-
tend machen, die Angaben seien unverwertbar (vgl. zum Ganzen Stefan Wehren-
berg, a.a.O., N 25 zu Art. 154, ferner Wolfgang Wohlers, a.a.O., N 17 zu Art. 154). 

5.1.4. Ein weiterer Einwand des Berufungsklägers betrifft den Umstand, dass der 
Privatklägerin 1 die Videobefragung am Ende der Einvernahme nicht nochmals vor-
gespielt wurde respektive dass sie das Protokoll nicht unterschrieben und damit ihre 
Aussagen bestätigt hat. Dass die Videoaufnahmen zwingend in Schriftform zu über-
tragen wären, ergibt sich jedoch aus Art. 154 Abs. 4 lit. d StPO nicht und ist wie auch 
bei Art. 144 StPO, welcher Einvernahmen mittels Videokonferenz zum Gegenstand 
hat, zu verneinen (vgl. Niklaus Schmid/Daniel Jositsch, Schweizerische Strafpro-
zessordnung, Praxiskommentar, 3. Auflage, Zürich 2018, N 11 zu Art. 154). Auch auf 
das Vorspielen der Videoaufnahmen kann in Analogie zu Art. 78 Abs. 5bis StPO ver-
zichtet werden, umso mehr als damit eine zusätzliche Belastung des Opfers verbun-
den sein kann

5.1.5. Schliesslich beanstandet der Berufungskläger, er und sein Rechtsvertreter 
seien weder schriftlich noch telefonisch zur ersten Befragung der Privatklägerin 1 

19 / 43

eingeladen worden. Die beschuldigte Person wie auch deren Verteidiger haben das 
Recht, bei Beweiserhebungen anwesend zu sein und einvernommenen Personen 
Fragen zu stellen (Art. 147 Abs. 1 StPO). Kein Anspruch auf Parteiöffentlichkeit be-
steht jedoch im polizeilichen Ermittlungsverfahren, soweit es sich um selbständige 
Ermittlungen nach Art. 306 f. StPO handelt (vgl. Franz Riklin, Kommentar StPO, 2. 
Auflage, Zürich 2014, N 1 zu Art. 147; Wolfgang Wohlers, in: Do-
natsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessord-
nung [StPO], a.a.O., N 2 zu Art. 147). Bei Einvernahmen, welche die Staatsanwalt-
schaft an die Polizei delegiert, besteht dagegen das Teilnahmerecht der Parteien 
(Art. 312 Abs. 2 StPO). Sodann gilt das Recht nach Art. 159 Abs. 1 StPO, wonach 
die Verteidigung des Beschuldigten bei polizeilichen Einvernahmen anwesend sein 
und Fragen stellen kann, lediglich für die Befragung der beschuldigten Person selbst, 
nicht aber für die Einvernahme von Mitbeschuldigten, Zeugen oder Auskunftsperso-
nen (vgl. Riklin, a.a.O., N 3 zu Art. 159; Gunhild Godenzi in: Do-
natsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessord-
nung [StPO], a.a.O., N 12 zu Art. 159). Im konkreten Fall fand die 1. Videobefragung 
am 22. Januar 2016 (vgl. staatsanwaltschaftliche Akten act. 6.10) und damit vor 
Eröffnung der Strafuntersuchung am 25. Januar 2016 (vgl. staatsanwaltschaftliche 
Akten act. 1.1) und vor Erlass des Ermittlungsauftrags der Staatsanwaltschaft 
gemäss Art. 312 StPO am 27. Januar 2016 (vgl. staatsanwaltschaftliche Akten act. 
4.11) statt. Es handelte sich somit – wie auch die Staatsanwaltschaft anlässlich der 
Hauptverhandlung (vgl. act. H.2 Ziff. 3) ausführte – um eine Beweiserhebung im poli-
zeilichen Ermittlungsverfahren im Sinne von Art. 306 StPO, welche lediglich dazu 
diente, den Ermittlungsbehörden ein Bild zu verschaffen, ob etwas passiert sei und, 
wenn ja, was. Somit hatten sowohl der Berufungskläger wie auch sein Rechtsvertre-
ter keinen Anspruch darauf, der ersten Befragung der Privatklägerin 1 beizuwohnen. 
Kommt hinzu, dass Rechtsanwalt lic. iur. Dieter Marty gemäss Vollmacht (staatsan-
waltschaftliche Akten act. 1.2) erst am 25. Januar 2016 – und somit nach der 1. Be-
fragung der Privatklägerin 1 – vom Berufungskläger mit der Interessenvertretung be-
auftragt und mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 19. Februar 2016 (mit Wir-
kung ab dem 26. Januar 2016) als amtlicher Verteidiger eingesetzt wurde. Die Befra-
gung wurde sodann – wie sich aus den Akten ergibt und auch vom Berufungskläger 
nicht bestritten wird – am 17. Februar 2016 wiederholt, wobei sowohl der Berufungs-
kläger wie auch sein Rechtsvertreter im Übertragungsraum anwesend waren (staats-
anwaltschaftliche Akten act. 6.12). Damit wurde dem Teilnahmerecht gemäss Art. 
147 Abs. 1 StPO hinreichend Rechnung getragen. 

20 / 43

5.1.6. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Videobefragungen der Privatklägerin 
1 in Beachtung sämtlicher Verfahrensvorschriften und damit gesetzeskonform durch-
geführt wurden und demzufolge uneingeschränkt verwertbar sind. 

5.2. Im vorliegenden Verfahren besteht die Schwierigkeit darin, dass die Anklage 
im Wesentlichen auf den Aussagen eines im Tatzeitpunkt zehn- bis elfjährigen Mäd-
chens basiert. Diese besondere Beweislage hat die Staatsanwaltschaft Graubünden 
– richtigerweise – veranlasst, ein Glaubhaftigkeitsgutachten in Auftrag zu geben, 
welches sich über die Aussagetüchtigkeit der Privatklägerin zu äussern hatte. Die 
Gutachter stützten sich für ihre Einschätzung auf die vorerwähnten polizeilichen Ein-
vernahmen der Privatklägerin 1, welche jeweils in Bild und Ton aufgenommen wor-
den waren (staatsanwaltschaftliche Akten act. 6.10 und 6.13). Die Gutachter kom-
men in ihrem Glaubhaftigkeitsgutachtachtens vom 16. August 2016 (staatsanwalt-
schaftliche Akten act. 6.25) zum Ergebnis, dass nach der Analyse der Aussagen 
gemäss den Realkennzeichen insgesamt eine hohe Qualität der Aussagen der Pri-
vatklägerin 1 betreffend der vermeintlichen sexuellen Handlungen und vermeintlichen 
Tätlichkeiten vor dem Hintergrund ihrer individuellen Zeugenkompetenz resultiere. 
Diese ergebe sich insbesondere aus der logisch und konsistent berichteten Hand-
lungsabfolge sowie vor dem Hintergrund des als hoch zu beurteilenden Detaillie-
rungsgrades, der Schilderungen von Reaktionsketten und der Schilderungen von 
Komplikationen im Handlungsablauf, Wiedergabe von Gesprächen, von ausgefalle-
nen und nebensächlichen Merkmalen bezüglich des Kerngeschehens, phänomen-
gemässen Schilderungen unverstandener Handlungselementen und indirekt hand-
lungsbezogenen Schilderungen. Des Weiteren gestehe sie Erinnerungslücken ein 
und beschreibe delikttypische Aspekte. Daraus zogen die Gutachter die Schlussfol-
gerung, dass die Aussagen der Privatklägerin 1, so wie sie berichtet worden seien, 
mit hoher Wahrscheinlichkeit als erlebnisfundiert und somit glaubhaft gelten würden. 
Die Vorinstanz hielt im Zusammenhang mit dem Gutachten fest, dass darin weder 
Widersprüche zu erblicken seien, noch Fragen zu einzelnen Punkten offen blieben. 
Die begutachtenden und dafür qualifizierten Fachpersonen hätten sich sehr detailliert 
und verständlich mit den Aussagen der Privatklägerin 1 auseinandergesetzt und die-
se aufgrund wissenschaftlich anerkannter Grundlagen beleuchtet. Im Rahmen der 
Beweiswürdigung könne somit festgestellt werden, dass an der Richtigkeit der Ein-
schätzung im Gutachten keine ernsthaften Zweifel bestünden, welche das Ergebnis 
des Gutachtens in irgendeiner Form in Frage stellen würden. 

5.2.1. Der Berufungskläger beanstandet im Zusammenhang mit dem Gutachten, 
dass dieses lediglich auf den Videobefragungen der Privatklägerin 1 basiere und kei-
ne eigene Befragung durch die Gutachter stattgefunden habe. Alles, was im Gutach-

21 / 43

ten verwendet worden sei, stamme aus zweiter Hand. Nicht eine einzige unmittelbare 
Erfahrung liege diesem Gutachten zugrunde. Der Berufungskläger verkennt dabei, 
dass Gegenstand der aussagepsychologischen Beurteilung nicht die allgemeine 
Glaubwürdigkeit einer Person, sondern die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage 
zum Sachverhalt bildet (vgl. Revital Ludewig/Sonja Baumer/Daphna Tavor, in: Lu-
dewig/Baumer/Tavor [Hrsg.], Aussagepsychologie für die Rechtspraxis, Zürich 2017, 
S. 26 f.). Es geht somit um die Analyse des vorhandenen Aussagematerials, das 
möglichst in Form von Tonband- und Videoaufzeichnungen dokumentiert und vor-
zugsweise wörtlich protokolliert ist (vgl. Marianne Herr, in Ludewig/Baumer/Tavor 
[Hrsg.], a.a.O., S. 525). Insofern bedarf es in der Regel keiner zusätzlichen Einver-
nahme. Dem Gutachten (staatsanwaltschaftliche Akten act. 6.25) selbst lässt sich auf 
S. 9 entnehmen, dass eine erneute Befragung der Privatklägerin 1 nicht indiziert sei. 
Glaubhaftigkeitsbegutachtungen würden sich auf vorliegende Aussagen stützen. Ei-
gens erhobene Aussagen seien nur dann von Nöten, wenn kein Material zur Verfü-
gung stehe, das analysiert werden könne. Je mehr Aussagen vorliegen, bezie-
hungsweise je mehr Befragungen zum selben Sachverhalt gemacht würden, desto 
breiter werde die Variabilität der Aussagen und desto unschärfer die Erinnerung. Die 
vorliegende Aktenlage erlaube den Gutachtern einen umfassenden Einblick in die 
Entwicklungsgeschichte der Aussagen sowie in die Entwicklung der Aussagen selbst 
und in die Grundlagen der Ermittlungen bezüglich des vorliegenden Verdachtsfalles. 
Die zur Diskussion stehenden Aussagen könnten chronologisch und hinreichend ex-
akt eingeordnet und analysiert werden. Aufgrund dieser Darlegungen ist nicht ersicht-
lich, weshalb die Privatklägerin 1 ein weiteres Mal hätte befragt werden müssen, 
stellt doch eine Einvernahme im Kontext mit Straftaten gegen die sexuelle Integrität 
für ein Kind regelmässig eine schwere psychische Belastung dar. Aus diesem Grund 
sieht die Strafprozessordnung denn auch die besonderen Schutzmassnahmen bei 
Opfern unter 18 Jahren vor (vgl. Art. 154 StPO). Gemäss Art. 154 Abs. 4 lit. b StPO 
darf ein unter diesen Umständen während des ganzen Verfahrens in der Regel nicht 
mehr als zweimal einvernommen werden. Mehr als zwei Einvernahmen dürfen nur 
dann durchgeführt werden, wenn besondere Gründe vorliegen. Solche sind vorlie-
gend – insbesondere für die Erstellung eines Glaubhaftigkeitsgutachtens – nicht er-
kennbar. Kommt hinzu, dass die Videoaufzeichnungen von guter Qualität sind und 
sowohl Mimik wie auch Gestik des befragten Kindes gut erkennbar sind. Die Auf-
nahmen waren daher für die Erstellung eines Gutachtens hinreichend aussagekräf-
tig. 

5.2.2. Des Weiteren rügt der Berufungskläger, dass den Gutachterinnen sämtliche 
Untersuchungsakten zur Verfügung gestellt worden seien. Sie seien also bestens 
darüber informiert gewesen, das alles gegen ihn spreche. Sie hätte auch gewusst, 

22 / 43

dass er sämtliche Vorwürfe vollumfänglich bestreite. Mit diesem Wissen seien sie an 
die Videobefragungen herangegangen. Auch diese Vorgehensweise ist entgegen der 
Auffassung des Berufungsklägers nicht zu beanstanden. Im Gegenteil hat eine Ana-
lyse unter Berücksichtigung der gesamten Unterlagen und unter Einbezug aller be-
kannten Anknüpfungstatsachen zu erfolgen (Marianne Herr, in Lu-
dewig/Baumer/Tavor [Hrsg.], a.a.O., S. 525). Um eine zuverlässige Analyse erstellen 
zu können, ist eine lückenlose und chronologische Dokumentation aller Informatio-
nen zur Aussageentstehung erforderlich (vgl. Marianne Herr, in Lu-
dewig/Baumer/Tavor [Hrsg.], a.a.O., S. 525). 

5.2.3. Ein weiterer Einwand des Berufungsklägers umfasst die Art der Fragestellung 
hinsichtlich Häufigkeit und zeitlicher Einordnung der vermeintlichen Vorfälle. Seines 
Erachtens hätte eine Unterteilung nach Arbeitszeiten vorgenommen werden sollen, 
um so zu ermitteln, wann er abends nach Hause gekommen sei. Dies hätte die Fra-
gen an die Privatklägerin 1 konkreter werden lassen. So hätte gefragt werden kön-
nen, ob es draussen noch hell oder bereits Nacht gewesen sei. Die Privatklägerin 1 
habe auch nicht sagen können, in welcher Jahreszeit sich die Vorfälle abgespielt hät-
ten. Erst nach mehrmaligem Fragen habe sie geantwortet, dass es wohl einmal im 
Monat gewesen sein müsse. Insofern hätte die Befragung präziser geführt werden 
müssen. Dem Gutachten lässt sich bezüglich dieses Punktes entnehmen, dass das 
Merkmal der raum-zeitlichen Verknüpfung im konkreten Fall nicht beurteilt werden 
könne. Aufgrund des Umstandes, dass die von der Privatklägerin 1 berichteten, ver-
meintlichen sexuellen Handlungen und vermeintlichen Tätlichkeiten laut ihren Aus-
sagen lediglich in ihrem alltäglichen Umfeld (zu Hause), das zugleich Wohnort des 
Beschuldigten darstelle, stattgefunden hätten, sei dieses Merkmal hinsichtlich der 
Beurteilung der Aussagequalität aussagepsychologisch als nicht relevant zu be-
zeichnen (vgl. staatsanwaltschaftliche Akten act. 6.25 S. 28). Es ist zudem notorisch, 
dass sich Kinder und Jugendliche weniger an die Häufigkeit und den Zeitpunkt von 
Handlungen als an die Umstände sowie die beteiligten Personen erinnern, insbeson-
dere wenn diese sich über mehrere Monate oder gar Jahre hinziehen und immer 
nach dem gleichen Muster abspielen. Die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen wird da-
durch nicht reduziert (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_350/2011 vom 22. Dezem-
ber 2011, E. 2.9.). Immerhin konnte die Privatklägerin 1 angeben, dass die Übergriffe 
häufig erfolgten und nicht nur einmal im Monat. Diese Angabe veranlasste die 
Staatsanwaltschaft denn auch dazu, von rund 60 sexuellen Übergriffen auszugehen. 
Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es sich dabei um eine Schätzung han-
delt, ist letzten Endes die Grössenordnung (nämlich, dass es sich um eine Vielzahl 
handelte) von Belang und nicht deren genaue Anzahl. 

23 / 43

5.2.4. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das Gutachten nach den 
aktuellen Standards erstellt worden ist. Es ist in allen Teilen nachvollziehbar und 
schlüssig. Die Kritik des Berufungsklägers am Gutachten erweist sich als unberech-
tigt, zumal keine offensichtlichen Mängel erkennbar sind. Es liegen demzufolge keine 
triftigen Gründe vor, die ein Abweichen vom Gutachten rechtfertigen würden (vgl. 
dazu BGE 138 III 193 E. 4.3.1). Gestützt auf das Gutachten ist davon auszugehen, 
dass die von der Privatklägerin 1 geäusserten Belastungen des Berufungsklägers 
glaubhaft sind. Wie die nachfolgende Erwägung zeigt, werden diese zudem durch die 
medizinischen Berichte des Kantonsspitals Graubünden vom 2. Februar 2016 
(staatsanwaltschaftliche Akten 5.5) und vom 15. Dezember 2017 (act. J.1) wie auch 
durch die Schilderungen von H._____ (vgl. act. H.5) bekräftigt. 

5.3. Gemäss Bericht des Kantonsspitals Graubünden vom 2. Februar 2016 
(staatsanwaltschaftliche Akten act. 5.5) konnte bei der Privatklägerin 1 das Bakterium 
Ureaplasma parvum nachgewiesen werden. Es handle sich dabei zwar um einen 
harmlosen Erreger, der nach Erachten der untersuchenden Ärztin jedoch bei einem 
Mädchen ohne sexuelle Kontakte nicht vorkommen sollte. Bei Z._____ (nachfolgend: 
Privatklägerin 2) fiel der Befund negativ aus (staatsanwaltschaftliche Akten act. 5.6). 
Mikrobiologische Abklärungen haben sodann ergeben, dass der Berufungskläger 
Träger dieses Bakteriums ist (staatsanwaltschaftliche Akten act. 5.8). Dieses habe in 
seinem Urin nachgewiesen werden können. Er könne als Überträger von Ureaplas-
ma parvum auf die betroffene Tochter nicht ausgeschlossen werden (staatsanwalt-
schaftliche Akten act. 5.8). Demgegenüber konnte bei J._____, der vom Berufungs-
kläger als möglicher Überträger genannt wurde, das entsprechende Bakterium nicht 
nachgewiesen werden (staatsanwaltschaftliche Akten act. 5.9). Im Rahmen des Be-
rufungsverfahrens wurden der Chefarzt Rechtsmedizin am Kantonsspital O.6_____ 
sowie die an der Untersuchung beteiligte Ärztin um einen erläuternden Bericht zum 
Ergebnis der Untersuchung der Privatklägerin 1 gebeten. Darin sollten sie sich unter 
anderem aufgrund ihrer persönlichen Erfahrung unter Berücksichtigung des aktuellen 
Standes der medizinischen Erkenntnis die Wahrscheinlichkeit einschätzen, dass die 
Infizierung der Privatklägerin 1 mit dem Bakterium Ureaplasma parvum durch sexuel-
le Kontakte erfolgt sei, beziehungsweise wie hoch ist die gegenteilige Wahrschein-
lichkeit einer nichtsexuellen Übertragung anzusetzen sei. Im entsprechenden Bericht 
vom 15. Dezember 2017 (act. J.1) führten die beiden Ärzte diesbezüglich aus, dass 
die Übertragung des Bakteriums Ureaplasma parvum durch Geschlechtsverkehr, 
meistens durch Penetration, gelegentlich auch durch oralen Verkehr, erfolge. Eine 
weitere Art der Übertragung des Bakteriums, die aber im konkreten Fall keine Rolle 
spiele, erfolge von einer infizierten Mutter während der Geburt auf ihr Neugeborenes 
über die Luftwege. Andere Übertragungsmechanismen seien nicht bekannt. Eine 

24 / 43

nicht sexuelle Übertragungsart sei gestützt auf die Angaben in der Fachliteratur so-
wie die allgemeine und gängige medizinische Erfahrung nicht in Betracht zu ziehen. 
Der medizinische Bericht fällt somit in dieser Frage eindeutig aus und unterstützt die 
Sachverhaltsdarstellung der Privatklägerin 1. Die Behauptung des Berufungsklägers, 
wonach das Bakterium auch an der Luft überleben und über die Hände übertragen 
werden könne, bleibt dagegen unbewiesen und vermag die medizinischen Berichte 
nicht zu entkräften, zumal ein entsprechender Eintrag in Wikipedia nicht als wissen-
schaftlich fundierte Quelle qualifiziert werden kann. Die medizinischen Berichte des 
Kantonsspitals Graubünden sind somit als weiterer Nachweis für die Täterschaft des 
Berufungsklägers zu werten. 

5.4. Ein weiteres Indiz für die Glaubhaftigkeit der Schilderungen der Privatklägerin 
1 ergibt sich aus den Zeugenaussagen von H._____, der Tante der beiden Privatklä-
gerinnen. Diese berichtete in ihrer Befragung anlässlich der Berufungsverhandlung 
vom 16. Januar 2018, wie ihr die Privatklägerin erstmalig von den vermeintlichen 
Vorfällen erzählt habe. Dabei ist zu beachten, dass sie hinsichtlich ihrer eigenen 
Wahrnehmungen über die Erzählungen der Privatklägerin 1 eine unmittelbare Zeugin 
darstellt. Mittelbar ist ihr Zeugnis nur in Bezug auf das ihr geschilderte Tatgeschehen. 
In Bezug auf dieses Tatgeschehen kann sie vom Hörensagen somit nur bekunden, 
was sie gehört hat, nicht aber, ob das Gehörte auch wahr ist (vgl. Urteil des Bundes-
gericht 6B_905/2010 vom 16. Juni 2011 E. 2.3.2.). Im konkreten Fall bezieht sich die 
Aussage von H._____ darauf, was die Privatklägerin 1 ihr persönlich anvertraut hat. 
Bezüglich des Tatgeschehens deckt sich die Schilderung von H._____ in den we-
sentlichen Punkten mit den Aussagen, welche die Privatklägerin 1 anlässlich der Vi-
deobefragungen gemacht hat. Dies ist als weiteres Indiz dafür zu werten, dass die 
Ausführungen der Privatklägerin 1 glaubhaft sind. Daran vermag auch nichts zu än-
dern, dass die Zeugin in ihrer Wiedergabe des Gesprächs, welches sie mit der Pri-
vatklägerin 1 geführt hat, andere Begriffe zur Bezeichnung der Geschlechtsorgane 
verwendet hat als das Mädchen in ihrer Einvernahme.

5.5. Der Berufungskläger bringt im Berufungsverfahren vor, gegen die Erzählun-
gen der Privatklägerin 1 würde die Feststellung der behandelnden Ärzte sprechen, 
wonach der Anus des Mädchens keinerlei Läsionen aufweise. Der Experte habe eine 
anale Penetration ohne sichtbare Verletzungen ausgeschlossen. Wie dem medizini-
schen entsprechenden Bericht vom 15. Dezember 2017 (act. J.1) entnommen wer-
den kann, trifft diese Aussage des Berufungsklägers jedoch nicht zu. Die Gutachter 
erörtern vielmehr, dass entgegen der bei medizinischen Laien herrschenden Vorstel-
lung nicht jeder erste vaginale Geschlechtsverkehr zu einer Hymenalverletzung füh-
re, da der Durchmesser der Hymenallichtung von Mädchen zu Mädchen erheblich 

25 / 43

variieren könne und das Gewebe eines Hymenalsaumes sehr elastisch sei. In Analo-
gie könne auch nicht gefolgert werden, dass eine anale Penetration stets sichtbare 
Verletzungen hinterlasse. Des Weiteren weisen die Gutachter darauf hin, dass nach 
Eintreten der Pubertät eine kindliche Hymenalverletzung infolge eines Wiederauf-
baus des Hymenalsaumes durch hormonelle Stimulation (Östrogenisierung) nicht 
mehr erkennbar sein könne. Folglich schliesse die Feststellung eines intakten Hyme-
nalsaumes bei einer Pubertierenden oder Adoleszenten eine vaginale Penetration im 
Kindesalter nicht aus, selbst wenn früher eine Hymenalverletzung eintreten sei. Die-
se Erklärung ist entgegen der Auffassung des Berufungsklägers auch für das vorlie-
gende Verfahren von Bedeutung, zumal notorisch ist, dass die Pubertät bei einem 
Mädchen nicht erst mit der ersten Monatsblutung beginnt, sondern die Östrogenpro-
duktion schon sehr viel früher einsetzt. Damit muss aufgrund der medizinischen Gut-
achten davon ausgegangen werden, dass die Tatsache, dass bei der Privatklägerin 1 
keine Verletzungen festgestellt werden konnten, für sich allein noch nicht ausreicht, 
um einen sexuellen Übergriff ausschliessen zu können. 

5.6. Als weiteres Argument gegen die Sachverhaltsdarstellung der Privatklägerin 1 
führt der Berufungskläger die sich bei den Akten befindliche Kinderzeichnung auf 
(staatsanwaltschaftliche Akten act. 6.1). Diese könne nicht von einem Kind stammen, 
da sowohl die Strichmännchen wie auch die Einrichtungsgegenstände immer gleich 
und in gleicher Grösse dargestellt würden. Die Auswertung von Kinderzeichnungen 
stellt gemäss heutigem Standard keine adäquate und sinnvolle Analyse dar, um her-
auszufinden, ob ein Kind sexuell missbraucht worden ist. Kinderzeichnungen haben 
keinen diagnostischen Hinweiswert (vgl. Revital Ludewig/Sonja Baumer/Daphna Ta-
vor, a.a.O., S 91). Aus diesem Grund wird im konkreten Fall auch nicht darauf abge-
stellt, weshalb sich weitere Ausführungen hierzu erübrigen. 

5.7. Was die eigenen Aussagen des Berufungsklägers im Verlaufe der Strafunter-
suchung und während des erstinstanzlichen Verfahrens betrifft, so kann vollumfäng-
lich auf die entsprechende Erwägung der Vorinstanz (act. F.1 E. 4.12 und 4.13) ver-
wiesen werden. Demnach beschränkte sich der Berufungskläger im Wesentlichen 
darauf, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu bestreiten. Obschon ihn seine Stief-
tochter schwer belastete, ging er gemäss Darlegungen der Vorinstanz nicht auf ihre 
Darstellung ein, sondern tat diese lediglich als Lüge ab. Weiter lässt sich sowohl den 
Einvernahmen im Verlaufe der Strafuntersuchung (staatsanwaltschaftliche Akten act. 
6.4, 6.6, 6.20 und 6.26 wie auch dem Protokoll seiner Einvernahme anlässlich der 
Hauptverhandlung vom 19. Juli 2017 (vorinstanzliche Akten act. 5 entnehmen, dass 
seine Aussagen durchwegs sehr knapp und stereotyp ausfielen und er keine Stellung 
zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen nahm. Er bestritt sämtliche gegen ihn erho-

26 / 43

bene Vorwürfe in pauschaler Weise, obwohl sich einige seiner Äusserungen (bei-
spielsweise ob er seine Kinder oder seine Ehefrau schlage und ob er regelmässig zu 
viel Alkohol konsumiere) aufgrund übereinstimmender Aussagen der übrigen Famili-
enmitglieder als unwahr erwiesen. Auch bei seiner Befragung anlässlich der Beru-
fungsverhandlung bestritt er die gegen ihn gerichteten Vorwürfe vollumfänglich, wo-
bei er sich auch hiermit den belastenden Aussagen nicht auseinandersetzte, sondern 
sich weitgehend auf die Aussage beschränkte, dass er seine Frau und seine Töchter 
liebe, dass er unschuldig sei und dass er die Privatklägerin 1 nicht angerührt habe. 
Diese Erklärung wiederholte er auch auf Vorhalt und Übersetzung des medizinischen 
Berichts, wonach das bei ihm und bei der Privatklägerin 1 gefundene Bakterium nur 
durch sexuelle Kontakte übertragen werden könne. Eine plausible Erklärung für die-
sen Befund konnte er nicht abgeben. In Übereinstimmung mit der Schlussfolgerung 
der Vorinstanz kann festgehalten werden, dass die Aussagen des Berufungsklägers 
die Sachverhaltsdarstellung der Privatklägerin 1 weder zu entkräften noch ernsthafte 
Zweifel daran zu wecken vermögen. 

5.8. Zusammenfassend ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass die wiederholt 
wiedergegebenen und weitgehend übereinstimmenden Aussagen der Privatklägerin 
1 als glaubhaft einzustufen sind und dass diese überzeugen. Insbesondere ergeben 
sich daraus keinerlei Anhaltspunkte, das geschilderte Kerngeschehen der mehrfa-
chen Übergriffe und Tätlichkeiten hätte keinen realen Hintergrund. Nennenswerte 
Widersprüche sind keine feststellbar. Ausserdem wird die Sachverhaltsdarstellung 
durch die medizinischen Berichte des Kantonsspitals Graubünden vom 2. Februar 
2016 (staatsanwaltschaftliche Akten 5.5) und vom 15. Dezember 2017 (act. J.1) wie 
auch durch die Schilderungen von H._____ (vgl. act. H.5) untermauert. Mit anderen 
Worten bestehen keine unüberwindbaren Zweifel, dass sich der Sachverhalt wie in 
der Anklageschrift dargelegt, zugetragen hat. Es ist dementsprechend davon auszu-
gehen, dass der Berufungskläger zwischen Januar 2014 und dem 16. Dezember 
2015 rund 60 sexuelle Übergriffe auf seine Stieftochter begangen hat, wobei es von 
Januar 2014 bis zum 25. Oktober 2014 zu rund 12 analen Penetrationen und zwi-
schen dem 25. Oktober 2014 und dem 16. Dezember 2015 zu rund 48 vaginalen Pe-
netrationen kam. Des Weiteren hat er in der gleichen Zeitspanne sowohl die Privat-
klägerin 1 wie auch seine zweite Stieftochter, die Privatklägerin 2, mehrmals ge-
schlagen. 

6. Die Vorinstanz hat die tatbestandsmässigen Voraussetzungen von sexuellen 
Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB korrekt erläutert (angefochte-
nes Urteil E. 5). Darauf kann in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StGB verwiesen wer-
den. Im konkreten Fall ist erstellt, dass der Berufungskläger an der Privatklägerin 1 in 

27 / 43

der Zeit zwischen Januar 2014 und dem 16. Dezember 2015 rund 60 sexuelle Über-
griffe (anale und vaginale Penetrationen, Reiben mit benetztem Mittel- und Zeigefin-
ger im oberen Teil der Vagina) vorgenommen hat. Was die rechtliche Qualifikation 
dieser Übergriffe anbelangt, bringt der Berufungskläger keine Einwände gegen das 
angefochtene Urteil vor. Auch bestehen keine Zweifel, dass der Tatbestand von Art. 
187 Ziff. 1 StGB hinsichtlich sämtlicher der eingeklagten Handlungen erfüllt ist. Unter 
diesen Umständen ist der Vorinstanz beizupflichten, wenn sie zum Ergebnis gelang-
te, dass der Berufungskläger sich der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern 
gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB schuldig gemacht hat. 

7. Auch die tatbestandsmässigen Voraussetzungen der sexuellen Nötigung 
gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB wurden von der Vorinstanz korrekt dargestellt (ange-
fochtenes Urteil E. 6), weshalb in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StGB ebenfalls dar-
auf verwiesen werden kann. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist erstellt, 
dass der Berufungskläger in der Zeit von Januar 2014 bis zum 25. Oktober 2014 
rund 12 anale Penetrationen an der Privatklägerin 1 vornahm und sie mit benetztem 
Mittel- und Zeigefinger im oberen Teil der Vagina rieb. Dass diese Handlungen nicht 
unter den Tatbestand der sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB fallen, 
wird vom Berufungskläger nicht geltend gemacht; ebenso wenig, dass das Tatbe-
standsmerkmal der Nötigung vorliegend nicht erfüllt sein soll. Wie die Vorinstanz zu-
treffend ausführt (vgl. angefochtenes Urteil E. 6.1), machen insbesondere das Alter 
der Privatklägerin 1, die Stellung des Berufungsklägers als Stiefvater, seine physi-
sche und psychische Überlegenheit sowie die Art und Weise des Vorgehens, na-
mentlich die Androhung von Nachteilen für den Fall der Mitteilung des Missbrauchs 
an Dritte, die bei jeder weiteren Handlung eine Vorwirkung erzeugten, klar, dass der 
Berufungskläger das Mädchen unter Druck setzte und keinen effektiven Widerstand 
erwartete. In diesem Zusammenhang ebenfalls zu bestätigen ist die Annahme der 
Vorinstanz, wonach Art. 187 Ziff. 1 StGB und Art. 189 Abs. 1 StGB zueinander im 
Verhältnis der Idealkonkurrenz stehen, zumal zwar nur eine Handlung vorliegt, die 
entsprechenden Normen indessen nicht dieselben Rechtsgüter schützen sollen. 
Während im Fall von Art. 189 StGB das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung 
schützt, dient Art. 187 StGB dazu, die Gefährdung der sexuellen Entwicklung von 
Unmündigen zu verhindern (vgl. dazu Philipp Maier, in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], 
Basler Kommentar Strafrecht II, 3. Aufl., Basel 2013, N 1 zu Art. 189 und N 1 zu Art. 
187). Der Berufungskläger hat sich somit ausserdem der mehrfachen sexuellen Nöti-
gung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB schuldig gemacht.

8. Ebenfalls von der Vorinstanz zutreffend dargelegt wurden die tatbestands-
mässigen Voraussetzungen der Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 StGB (ange-

28 / 43

fochtenes Urteil E. 7), weshalb in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StGB darauf ver-
wiesen werden kann. Gestützt auf den vorstehend ermittelten Sachverhalt ist im kon-
kreten Fall erstellt, dass der Berufungskläger zwischen dem 25. Oktober 2014 und 
dem 16. Dezember 2015 rund 48 Mal gegen den Willen der Privatklägerin 1 eine va-
ginale Penetration in deren Scheidenvorhof vorgenommen hat. Dass der Tatbestand 
von Art. 190 Abs. 1 StGB bereits dann erfüllt ist, wenn der Täter seinen Penis im 
Vorhof der Vagina seines Opfers hin und her bewegt, ohne das das Hymen des Op-
fers verletzt wurde, hat die Vorinstanz ebenfalls zu Recht festgehalten. Der Beru-
fungskläger bringt hierzu keine Einwände vor, weshalb sich unter Verweis auf E. 7.1 
des angefochtenen Urteils weitere Ausführungen erübrigen. Auch nicht zu beanstan-
den ist die Ausführung der Vorinstanz, wonach auch die Vergewaltigung gemäss Art. 
190 Abs. 1 StGB im Verhältnis der Idealkonkurrenz zur Art. 187 Ziff. 1 StGB steht, 
zumal Art. 190 StGB das Recht auf die sexuelle Selbstbestimmung schützt, während 
Art. 187 StGB – wie bereits dargelegt wurde – dazu dient, die Gefährdung der sexu-
ellen Entwicklung von Unmündigen zu verhindern (vgl. dazu Philipp Maier, a.a.O., N 
1 zu Art. 190 und N 1 zu Art. 187). Der Berufungskläger hat sich somit der mehrfa-
chen Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 StGB schuldig gemacht.

9. Schliesslich verbleibt der Vorwurf der mehrfachen Tätlichkeiten gemäss 
Art. 126 Abs. 2 lit. a StGB. Auch diesbezüglich ist auf die Sachverhaltsdarstellung der 
Privatklägerin 1 abzustellen, da der Berufungskläger dazu nichts vorbrachte und 
auch keine entlastenden Umstände ersichtlich sind. Demnach hat der Berufungsklä-
ger sowohl sie wie auch ihre Schwester, die Privatklägerin 2, in der Zeit von Januar 
2014 und dem 25. Oktober 2014 mehrere Male geschlagen und getreten, womit der 
Tatbestand der mehrfachen Tätlichkeiten sowohl objektiv wie auch subjektiv erfüllt 
ist. Der Berufungskläger hat sich demzufolge der mehrfachen Tätlichkeiten gemäss 
Art. 126 Abs. 2 lit. a StGB schuldig gemacht. Wie die Vorinstanz in E. 8 des ange-
fochtenen Urteils zutreffend ausführte, sind die dem Berufungskläger vorgeworfenen 
Tätlichkeiten zwischen Januar 2014 und dem 19. Juli 2014 bereits verjährt, weshalb 
er mit dem vorliegenden Urteil nur noch für die Tätlichkeiten ab dem 20. Juli 2014 zu 
bestrafen ist. 

10. Der Berufungskläger wurde von der Vorinstanz mit einer (unbedingten) Frei-
heitsstrafe von 12 Jahren sowie mit einer Busse von CHF 1'000.00 bestraft.  Der 
amtliche Verteidiger führte zur Strafzumessung lediglich im Rahmen seines Plädoy-
ers aus, dass sein Mandant im Falle einer Verurteilung milder als von der Staatsan-
waltschaft gefordert zu bestrafen sei.

29 / 43

10.1. Die Vorinstanz hat die allgemeinen Grundsätze, nach welchen eine Strafe zu-
zumessen ist, richtig dargestellt (vgl. angefochtenes Urteil E. 10). Die entsprechen-
den Ausführungen können unverändert übernommen werden. 

10.2. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für 
mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der 
schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass der 
angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen und ist an das gesetzliche 
Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Bei der Bildung der Ge-
samtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB ist vorab der Strafrahmen für die schwerste 
Straftat zu bestimmen und alsdann die Einsatzstrafe für die schwerste Tat innerhalb 
dieses Strafrahmens festzusetzen. Als schwerste Tat gilt diejenige, die gemäss abs-
trakter Strafandrohung des Gesetzes mit der höchsten Strafe bedroht ist und nicht 
jene, die nach den konkreten Umständen verschuldensmässig am schwersten wiegt 
(Urteile des Bundesgerichts 6B_885/2010 E. 4.4.1 und 6B_323/2010 E. 2.2). Bei 
mehreren Delikten mit gleicher Strafandrohung besteht ein gewisses Ermessen, von 
welchem Delikt auszugehen ist. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, vom konkret 
schwersten Delikt auszugehen oder, bei ähnlicher Schwere aller Delikte, vom chro-
nologisch ersten Delikt. Die Einsatzstrafe ist unter Einbezug der anderen Straftaten in 
Anwendung des Asperationsprinzips angemessen zu erhöhen. Das Gericht hat mit-
hin in einem ersten Schritt gedanklich die hypothetische Einsatzstrafe für das 
schwerste Delikt festzulegen, indem es alle verschuldensrelevanten (straferhöhen-
den und strafmindernden) Umstände berücksichtigt. In einem zweiten Schritt sind die 
übrigen Delikte zu beurteilen und ist in Anwendung des Asperationsprinzips aufzu-
zeigen, in welchem Ausmass die Einsatzstrafe zu erhöhen ist. Auch insoweit muss 
es den jeweiligen Umständen Rechnung tragen. Erst nach der Festlegung der Ge-
samtstrafe für sämtliche Delikte sind endlich die allgemeinen Täterkomponenten zu 
berücksichtigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_42/2016 vom 26. Mai 2016 E. 
5.1. mit Hinweis auf BGE 127 IV 101 E. 2.b mit weiteren Hinweisen; Urteil 
6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.2). In diesem Zusammenhang gilt es zu be-
achten, dass die Anwendung des Asperationsprinzips nicht zu einer Höchststrafe 
führen kann, die höher ist als die Höchststrafe, die bei Anwendung des Kumulations-
prinzips möglich wäre. Denn ratio legis des Asperationsprinzips ist es, das Kumulati-
onsprinzip abzuschwächen; die Gesamtstrafe darf die Summe der Einzelstrafen nicht 
erreichen (vgl. BGE 143 IV 145 E. 8.2.3.). 

10.3. Bei der Bildung der Einsatzstrafe ging die Vorinstanz vom schwersten Delikt 
der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB und damit von einem Straf-
rahmen von 1 bis 10 Jahren aus. 

30 / 43

10.3.1. Die Vorinstanz qualifiziert die objektive und subjektive Tatschwere insgesamt 
als sehr erheblich. Sie erwog, dass es sich beim Opfer um ein neun- beziehungswei-
se zehnjähriges Kind handle, der Berufungskläger knapp 20 Jahre älter und zudem 
der Stiefvater des Opfers sei. Der Berufungskläger habe aufgrund der familiären 
Konstellation faktisch die Stellung eines (mit)erziehungsberechtigten Elternteils inne-
gehabt. Das Mädchen sei von ihm in erzieherischer wie auch in kognitiver, emotiona-
ler Hinsicht abhängig gewesen. Der Berufungskläger habe diese absolut überlegene 
Stellung sowie den enormen Altersunterschied und das altersbedingt kindliche We-
sen seines Opfers schamlos ausgenutzt. Er habe offensichtlich aus reinem Selbstbe-
friedigungsdrang gehandelt und habe seinen persönlichen Lustgewinn und seine se-
xuellen Triebe über das physische und psychische Wohl seiner Stieftochter gestellt. 
In Beachtung sämtlicher verschuldensrelevanten Umstände gelangte die Vorinstanz 
zum Schluss, dass das Verschulden des Berufungsklägers schwer bis sehr schwer 
wiege, was angesichts des ordentlichen Strafrahmens von mindestens einem bis zu 
zehn Jahren Freiheitsstrafe für den Tatbestand der Vergewaltigung eine hypotheti-
sche Einsatzstrafe von 8 Jahren rechtfertige (vgl. angefochtenes Urteil E. 10.4.). 

10.3.2. Der Unrechtsgehalt einer Vergewaltigung, welche zu den gravierendsten De-
likten im Schweizerischen Strafgesetzbuch gehören, kann per se nicht als leicht be-
zeichnet werden. Allerdings sind dabei gleichwohl sämtliche Elemente zu berücksich-
tigen, die als besonders gravierend oder aber auch als verschuldensrelativierend er-
scheinen. Im vorliegenden Fall ist – wie die Vorinstanz zutreffend darlegt – zu 
berücksichtigen, dass der Berufungskläger seine Stellung innerhalb der Familie aus-
nutzte und sich mit seinen Handlungen in egoistischer Weise über das sexuelle 
Selbstbestimmungsrecht seiner Stieftochter ohne Rücksicht auf deren Befindlichkeit 
hinwegsetzte. Er nutzte aus, dass sie ihm hilflos ausgeliefert war. Allerdings darf der 
Umstand, dass es sich beim Opfer um ein Kind handelt, welches naturgemäss be-
sonders schutzbedürftig ist, wegen des Doppelverwertungsverbots nicht als ver-
schuldenserhöhend berücksichtigt werden, weil dieser – wie sich aus den nachfol-
genden Ausführungen ergibt – über den Tatbestand der sexuellen Handlungen mit 
Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB abgegolten wird. Die Tatfolgen für die Pri-
vatklägerin 1 waren gravierend. Dass es für sie äusserst traumatische Erlebnisse 
waren, ist ohne weiteres nachvollziehbar. Jedoch ist zu ebenfalls zu berücksichtigen, 
dass sich die objektive Tatschwere bei der Vergewaltigung wesentlich nach den ein-
gesetzten Nötigungsmitteln und deren Auswirkungen auf das Opfer bestimmt. Han-
delt der Täter zusätzlich grausam, erhöht sich das Verschulden entsprechend dem 
Grad der Grausamkeit (vgl. Hans Mathys in: Leitfaden Strafzumessung, Basel 2016, 
N 69 mit weiteren Hinweisen). Vorliegend kam es zu keiner physischen Gewaltein-
wirkung und der Berufungskläger ist nicht besonders brutal vorgegangen. Insbeson-

31 / 43

dere liegt keine qualifizierte Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 3 StGB vor. 
Es wären somit noch grausamere Vorgehensweisen (physische Gewalt, Einsatz von 
Waffen, etc.) denkbar. Auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Ober-
grenze des ordentlichen Strafrahmens bei der qualifizierten Vergewaltigung ebenfalls 
bei 10 Jahren liegt, ist im konkreten Fall die objektive Tatschwere trotz der zweifellos 
gravierenden Tatumstände als mittelschwer zu bezeichnen. Die hypothetische Ein-
satzstrafe ist deshalb auf rund 5 Jahre anzusetzen. Bei der subjektiven Tatschwere 
ist zu berücksichtigen, dass der Berufungskläger direktvorsätzlich und aus rein egois-
tischen Beweggründen handelte, um seine eigenen sexuellen Bedürfnisse zu befrie-
digen. Dabei ging er äusserst hemmungs- und rücksichtslos vor. Verschuldensmin-
dernde Aspekte, wie eine Verminderung der Schuldfähigkeit oder andere Strafmilde-
rungsgründe, liegen nicht vor. Die subjektive Tatschwere führt daher zu keiner Rela-
tivierung des objektiven Tatverschuldens.

10.3.3. Massiv straferhöhend wirkt sich vorliegend aus, dass der Berufungskläger 
seine Stieftochter über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr rund 48 Mal verge-
waltigte. Durch diese schwerwiegenden Übergriffe verletzte er die sexuelle Integrität 
der Privatklägerin 1 in erheblicher Weise und gefährdete mit seinem Handeln ihre 
ungestörte Entwicklung massiv. Mit der Vorinstanz ist als verwerflich zu werten, dass 
der Berufungskläger nicht davor zurückschreckte, seiner Stieftochter Nachteile anzu-
drohen, sollte sie sich jemandem über das Geschehene anvertrauen, oder versuchte, 
sich ihr Schweigen mit Geld und Geschenken zu erkaufen. Das objektive Tatver-
schulden für alle Vergewaltigungen wiegt zumindest mittelschwer.  Die Mehrfachbe-
gehung führt somit zu einer deutlichen Erhöhung der hypothetischen Einsatzstrafe 
für die Vergewaltigung. Unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips erscheint 
eine Erhöhung um 2 Jahre als angemessen. Dies führt zu einer hypothetischen Ein-
satzstrafe von 7 Jahren. Da mit dieser Einsatzstrafe der ordentliche Strafrahmen 
nicht verlassen wird, erübrigt es sich, auf die Voraussetzungen für eine Überschrei-
tung näher einzugehen. 

10.3.4. Beim Tatbestand der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB 
umfasst der ordentliche Strafrahmen eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren. Da 
der Berufungskläger in analoger Weise wie bei den vorstehend beschriebenen Ver-
gewaltigungen vorging, kann bezüglich objektiver und subjektiver Tatschwere auf 
diese Ausführungen verwiesen werden. Sowohl die objektive als auch die subjektive 
Tatschwere wiegen erneut mittelschwer. Weiter fällt die wiederum die Mehrfachbe-
gehung – vorliegend handelt es sich um rund 12 anale Penetrationen über einen 
Zeitraum von 10 Monaten – massiv straferhöhend ins Gewicht. In Anwendung des 
Asperationsprinzips hat demzufolge eine Erhöhung der hypothetischen Einsatzstrafe 

32 / 43

um ein weiteres Jahr auf insgesamt 8 Jahre zu erfolgen. Verschuldensmindernde 
Aspekte liegen nicht vor. 

10.3.5. Genau dieselben Handlungen, welche als Vergewaltigungen respektive se-
xuelle Nötigungen qualifiziert wurden, erfüllen gleichzeitig auch den Tatbestand der 
sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB. Mit anderen Worten 
verwirklichte der Berufungskläger mit jedem Übergriff gleichzeitig zwei verschiedene 
Tatbestände, welche unterschiedliche Rechtsgüter schützen. Er beging keine zusätz-
lichen strafbaren Handlungen, beeinträchtigte jedoch ein zusätzliches weiteres 
Rechtsgut – nämlich der Schutz der sexuellen Entwicklung von Kindern – in erhebli-
chem Masse. Es ist demnach – wie bereits vorstehend ausgeführt wurde – von ech-
ter Konkurrenz auszugehen, weshalb die hypothetische Einsatzstrafe gemäss Art. 49 
Abs. 1 StGB unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips zu erhöhen ist. Auch 
bezüglich der sexuellen Handlungen mit Kindern ist das Verschulden des Berufungs-
klägers als mittelschwer zu bewerten. Es liegt wiederum eine Mehrfachbegehung vor, 
wobei besonders berücksichtigt werden muss, dass der Berufungskläger in einem 
Zeitraum von knapp zwei Jahren rund 60 sexuelle Übergriffe an seiner minderjähri-
gen Stieftochter vornahm. Daher erscheint eine Erhöhung der hypothetische Einsatz-
strafe um ein weiteres Jahr auf insgesamt 9 Jahre als den konkreten Umständen an-
gemessen. 

10.3.6. Im Rahmen der Täterkomponenten ist zunächst zu berücksichtigen, dass sich 
der Berufungskläger im ganzen Verfahren und auch noch anlässlich der Berufungs-
verhandlung uneinsichtig zeigte. Er bestreitet nach wie vor jegliche Schuld und zeigt 
auch gegenüber seiner Stieftochter keine Betroffenheit, was keinen Raum für eine 
Strafminderung lässt. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz kann auch der Um-
stand, dass er verheiratet und Vater von teils noch sehr jungen Kindern und Stiefkin-
dern ist, nicht strafmindernd berücksichtigt werden. Familiäre Gründe führen 
grundsätzlich nicht zu einer erhöhten Strafempfindlichkeit und somit zu keiner 
Strafreduktion (vgl. Mathys, a.a.O., N 261 mit Verweis auf das Urteil des Bundesge-
richts 6B_738/2014 vom 25. Februar 2015 E. 3.4.). Damit ergibt sich, dass sich die 
Täterkomponente weder straferhöhend noch strafmindernd auswirkt.

10.4. Die vom Berufungskläger begangenen Tätlichkeiten zum Nachteil der Privat-
klägerinnen 1 und 2 (E. 9) sind mit einer Busse zu ahnden, wobei diese CHF 
10'000.00 nicht übersteigen darf (Art. 106 Abs. 1 StGB). Die Vorinstanz berücksich-
tigte dabei zu Recht, dass die Übergriffe mehrfach und über einen längeren Zeitraum 
hinweg vorkamen. Auch erwähnte sie zutreffend, dass der Berufungskläger die Pri-
vatklägerin 1 mit den Füssen getreten habe und beide Mädchen nicht nur leicht ins 
Gesicht geschlagen habe. Die objektive Tatschwere ist damit als erheblich zu be-

33 / 43

zeichnen. Nachdem der Beschuldigte in subjektiver Hinsicht mit direktem Vorsatz 
handelte, erfährt sein objektives Verschulden keine Strafminderung. Zur Täterkom-
ponente ist auf die vorstehende Erwägung zu verweisen. Die von der Vorinstanz 
ausgefällte Busse von CHF 1'000.00 nimmt auf die wirtschaftliche Situation des Be-
schuldigten Rücksicht und ist damit zu bestätigen.

10.5. In Würdigung sämtlicher Strafzumessungsfaktoren erweist sich eine Freiheits-
strafe von 9 Jahren als dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des 
Berufungsklägers als angemessen. Die Berufung ist in diesem Punkt gutzuheissen. 
Die vom Berufungskläger bis zum Urteilsdatum erstandene Polizei-, Untersuchungs- 
und Sicherheitshaft von 252 Tagen wird an den Vollzug der Freiheitsstrafe ange-
rechnet, ebenso die auch nach Urteilsfällung weiterhin andauernde Sicherheitshaft. 
Zusätzlich ist er für die Tätlichkeiten mit einer Busse von CHF 1'000.00 zu bestrafen, 
wobei eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen für den Fall anzusetzen ist, dass der 
Berufungskläger diese Busse schuldhaft nicht bezahlt. 

10.6. In einer separaten Verfügung vom 16. Januar 2018, mitgeteilt am 17. Januar 
2018, hat die Verfahrensleitung entschieden, die von der Vorinstanz angeordnete 
Sicherheitshaft (vgl. Ziff. 7 des Dispositivs des angefochtenen Urteils) bis zum Antritt 
des Strafvollzugs oder bis zu einem anderslautenden Entscheid der zuständigen 
Behörde zu verlängern.

10.7. Begeht der Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen 
und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten verüben wird, so widerruft das 
Gericht die bedingte Strafe. Ist nicht zu erwarten, dass der Verurteilte weitere Strafta-
ten begehen wird, so kann das Gericht auf einen Widerruf verzichten und den Verur-
teilten verwarnen oder stattdessen die Probezeit verlängern (Art. 46 Abs. 1 und 2 
StGB). Ein Widerruf hat nur zu erfolgen, wenn aufgrund des neuen Delikts zu erwar-
ten ist, dass der Beschuldigte weitere Straftaten verüben wird. Dabei ist das Fehlen 
einer ungünstigen Prognose zu prüfen, mithin ob aufgrund einer negativen Einschät-
zung der Bewährungsaussichten eine eigentliche Schlechtprognose besteht. Die 
Prüfung der Bewährungsaussichten ist anhand einer Gesamtbetrachtung aller we-
sentlicher Umstände vorzunehmen (vgl. BGE 134 IV 140 E. 3). Die Vorinstanz kam 
zum Schluss, dass der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 
Graubünden vom 15. April 2014 verfügten Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je CHF 
30.00 wegen Täuschung von Behörden gemäss Art. 118 Abs. 1 AuG widerrufen wird. 
Sie hat in diesem Zusammenhang in E. 10.12. zutreffend festgestellt, dass sich der 
Berufungskläger über Monate hinweg an seiner Stieftochter verging und regelmässig 
Tätlichkeiten gegenüber beiden Stieftöchtern beging. Die an den Tag gelegte Bereit-
schaft, während langer Zeit wiederholt in schwerer Weise zu delinquieren, schliesst 

34 / 43

eine günstige Prognose aus. Der Entscheid der Vorinstanz hinsichtlich des Widerrufs 
ist damit vollumfänglich zu bestätigen.

10.8. Das am 28. Februar 2017 anlässlich einer durch die Kantonspolizei Graubün-
den am 25. Januar 2016 durchgeführten Hausdurchsuchung sichergestellte Bade-
tuch (Referenz GR _____) wird gerichtlich eingezogen und ist zu vernichten.

11. Die Vorinstanz hat mit zutreffender Begründung den Berufungskläger zur Leis-
tung von Schadenersatz in Höhe von CHF 5'365.00 und von Genugtuung in Höhe 
von CHF 25'000.00 an die Privatklägerin 1 verpflichtet und die Adhäsionsklage be-
züglich des darüber hinausgehenden Forderungsbetrags auf den Zivilweg verwiesen 
(vgl. angefochtenes Urteil E. 11 ff.). Der Berufungskläger hat diesen Punkt nur mit 
seinem Antrag auf Freispruch anfechten lassen, jedoch keine weiteren Ausführungen 
zur zivilrechtlichen Problematik im engeren Sinne gemacht. Die zugesprochene 
Schadenersatzposition sowie die Genugtuungsforderung sind vorliegend ausgewie-
sen und daher zu bestätigen. Es kann an dieser Stelle vollumfänglich auf die zutref-
fenden Ausführungen der Vorinstanz (angefochtener Entscheid E. 11-11.10.) verwie-
sen werden.

12. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Berufung teilweise gutgeheissen und 
die von der Vorinstanz ausgesprochene, unbedingt zu vollziehende Freiheitsstrafe 
aus den dargelegten Gründen um 3 Jahre reduziert wird. Im Übrigen wird die Beru-
fung abgewiesen. Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 15. 
April 2014 verfügte bedingte Vollzug einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je CHF 
30.00 wird widerrufen und die Geldstrafe ist zu vollziehen. Das am 28. Februar 2017 
anlässlich einer durch die Kantonspolizei Graubünden am 25. Januar 2016 durchge-
führten Hausdurchsuchung sichergestellte Badetuch wird gerichtlich eingezogen und 
ist zu vernichten. Die Zivilklage der Privatklägerin 1 wird im Umfang von CHF 
30'365.10 (Schadenersatz CHF 5'365.10, Genugtuung CHF 25'000.00) zuzüglich 5% 
Zins auf CHF 25'000.00 ab 31. Januar 2014 teilweise gutgeheissen. Bezüglich des 
darüber hinausgehenden Forderungsbetrages wird die Adhäsionsklage auf den Zi-
vilweg verwiesen.

13. Schliesslich ist über die Kosten- und Entschädigungsfolgen zu entscheiden. 
Dabei ist in einem ersten Schritt auf die Kosten des Untersuchungs- und des erstin-
stanzlichen Verfahrens sowie auf die Entschädigungen in jenem Verfahrensabschnitt 
einzugehen.

13.1. Hinsichtlich der Kosten des Untersuchungs- und des erstinstanzlichen Verfah-
rens verbleibt es bei der vorinstanzlichen Kostenregelung, da - ungeachtet der teil-

35 / 43

weisen Gutheissung der Berufung hinsichtlich der Strafzumessung - die Kosten in 
gleicher Höhe ohnehin entstanden wären. Die Kosten des Untersuchungs- und des 
vorinstanzlichen Verfahrens von CHF 35'955.35 (Untersuchungsgebühr der Staats-
anwaltschaft Graubünden von CHF 6'350.00, Auslagen der Staatsanwaltschaft 
Graubünden von CHF 16'605.35, Gerichtsgebühr des Regionalgerichts Landquart 
von CHF 13'000.00) gehen vollumfänglich zu Lasten des Berufungsklägers. 

13.2. Der Berufungskläger hat die Privatklägerin 1 zudem für ihre notwendigen Auf-
wendungen im Untersuchungs- sowie im erstinstanzlichen Verfahren angemessen zu 
entschädigen (Art. 433 Abs. 1 StPO). Die Vorinstanz hat ihr zu Lasten des Beru-
fungsklägers eine ausseramtliche Entschädigung in Höhe von CHF 1'500.00 (inkl. 
Barauslagen und Mehrwertsteuer)  zugesprochen, was nicht zu beanstanden ist und 
vom Berufungskläger denn auch nicht näher thematisiert wurde. Auf die entspre-
chende Begründung der Vorinstanz (angefochtenes Urteil E. 11.11) kann daher ver-
wiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).

13.3. Die Vorinstanz kürzte den vom amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche 
Verfahren geltend gemachten Honoraranspruch von CHF 31'588.50 ohne nähere 
Begründung um rund 40 Stunden auf CHF 22'851.30 (inkl. Barauslagen und Mehr-
wertsteuer). Diesen Entscheid focht Rechtsanwalt lic. iur. Dieter Marty mit Beschwer-
de vom 6. Oktober 2017 an. Mit Verfügung der II. Strafkammer des Kantonsgerichts 
vom 17. November 2017 (SK2 17 43) wurde das Beschwerdeverfahren bis zum Urteil 
im vorliegenden Berufungsverfahren sistiert. 

13.3.1. Wegen des Umstandes, dass die amtliche Verteidigung nicht Partei im Beru-
fungsverfahren ist und weil sie Höhe der amtlichen Entschädigung immer nur in ei-
genem Namen, somit eben gerade nicht im Berufungsverfahren, anfechten kann, 
wird auch klar, dass der Entschädigungsentscheid in jedem Fall separat mittels Be-
schwerde anzufechten ist, also auch dann, wenn in der Hauptsache Berufung erho-
ben wird. Der Staatsanwaltschaft steht dagegen sowohl für die Anfechtung der 
Hauptsache wie auch für die Anfechtung des Entschädigungsentscheids die Beru-
fung zur Verfügung. Damit entsteht eine Spaltung des Rechtsmittelweges, indem die 
Beschwerdeinstanz die Beschwerde der amtlichen Verteidigung zu beurteilen hätte 
und die Berufungsinstanz die Berufung der Staatsanwaltschaft, beide Male zur Höhe 
der amtlichen Entschädigung. Diese Spaltung behebt das Bundesgericht damit, dass 
dann, wenn beide Rechtsmittel ergriffen werden (Beschwerde gegen den Entschädi-
gungsentscheid und Berufung in der Hauptsache) wegen der Subsidiarität der Be-
schwerde die Berufung vorgehen soll und die Berufungsinstanz auch für den Ent-
schädigungspunkt reformatorisch entscheiden muss. Das Beschwerdeverfahren wird 
dann wegen seiner Subsidiarität gegenüber der Berufung obsolet, wenn die Beru-

36 / 43

fungsinstanz auf die Berufung eintritt und ein neues Urteil fällt (vgl. Niklaus Ruck-
stuhl, in: Basler Kommentar Schweizerische Strafprozessordnung, a.a.O., N 15 zu 
Art. 135 mit Verweis auf BGE 139 IV 199 E. 4 f.). Demzufolge ist somit im vorliegen-
den Berufungsverfahren zu prüfen, ob der von Rechtsanwalt lic. iur. Dieter Marty gel-
tend gemachte Honoraraufwand rechtmässig gekürzt wurde. 

13.3.2. Zunächst ist festzuhalten, dass Rechtsanwalt lic. iur. seinen Aufwand für die 
Mandatsführung in allen Einzelheiten dargelegt hat. Gemäss ständiger bundesge-
richtlicher Rechtsprechung wäre die Vorinstanz daher unter dem Gesichtspunkt von 
Art. 29 Abs. 2 BV verpflichtet gewesen, sich damit auseinanderzusetzen und in Be-
zug auf die geltend gemachten Aufwendungen des amtlichen Verteidigers nachvoll-
ziehbar darzulegen, aus welchem Grund es diese als übertriebenen Aufwand nicht 
entschädigt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_107/2010 vom 22. Februar 2011 E. 
6.4 und 6B_136/2009 vom 12. Mai 2009 E. 3.3; sowie Art. 5 Abs. 2 der Verordnung 
über die Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte [HV; 
BR 310.250] e contrario). Insofern ist die Rüge von Rechtsanwalt lic. iur. Dieter Mar-
ty, wonach das vorinstanzliche Urteil in diesem Punkt ungenügend begründet worden 
sei, berechtigt. 

13.3.3. Der amtliche Anwalt erfüllt eine staatliche Aufgabe, welche durch das kanto-
nale öffentliche Recht geregelt wird. Mit seiner Einsetzung entsteht zwischen ihm und 
dem Staat ein besonderes Rechtsverhältnis. Gestützt darauf hat der Anwalt eine öf-
fentlich-rechtliche Forderung gegen den Staat auf Entschädigung im Rahmen der 
anwendbaren kantonalen Bestimmungen (vgl. BGE 131 I 217 E. 2.4). Die amtliche 
Verteidigung wird nach dem Anwaltstarif des Bundes oder desjenigen Kantons ent-
schädigt, in dem das Strafverfahren geführt wurde (Art. 135 Abs. 1 StPO). Gemäss 
Art. 5 Abs. 1 HV wird der Rechtsanwältin oder dem Rechtsanwalt für den berechtig-
ten Aufwand der amtlichen Verteidigung ein Honorar von CHF 200.00 pro Stunde 
zuzüglich notwendige Barauslagen und Mehrwertsteuer ausgerichtet; Zuschläge 
werden keine gewährt. Reicht der amtliche Verteidiger keine Honorarnote ein, die 
eine umfassende Überprüfung der Aufwendungen erlaubt, wird die Entschädigung 
nach Ermessen festgesetzt (Art. 5 Abs. 2 HV). Unter verfassungsmässigen Ge-
sichtspunkten (Art. 29 Abs. 3 BV) hat das Bundesgericht entschieden, dass kein An-
spruch auf eine unverhältnismässig teure und aufwendige amtliche Verteidigung be-
stehe (vgl. B