# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c067081b-a9ae-5f4c-bddc-7ffe4744db1e
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-17
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Sonstiges 17.03.2022 IV 2021/176
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Publikationen/SG_KGN_999_IV-2021-176_2022-03-17.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 1/9

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2021/176

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 21.07.2022

Entscheiddatum: 17.03.2022

Entscheid Versicherungsgericht, 17.03.2022
Art. 18 IVG. Arbeitsvermittlung. Voraussetzungen für die Gewährung einer 
Arbeitsvermittlung durch die Invalidenversicherung (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 17. März 2022, IV 
2021/176). Aufgehoben durch Urteil des Bundesgerichts 9C_184/2022.

Entscheid vom 17. März 2022

Besetzung

Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-

Studerus; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Geschäftsnr.

IV 2021/176

Parteien

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Rufener, Amparo Anwälte und Notare, 

Neugasse 26, Postfach 148, 9001 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

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St.Galler Gerichte

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

berufliche Massnahmen

Sachverhalt

A.  

A.___ bezog ab dem 1. Oktober 2001 eine ganze Rente bei einem Invaliditätsgrad 

von 100 Prozent (IV-act. 19 f.). Im Oktober 2010 eröffnete die IV-Stelle ein 

Verwaltungsverfahren zur Überprüfung des Rentenanspruchs des Versicherten. Im 

Auftrag der IV-Stelle erstattete das medizinische Zentrum B.___ am 19. Juli 2012 ein 

polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 113). Die Sachverständigen hielten fest, der 

Versicherte leide anamnestisch an chronifizierten Missempfindungen im Bereich der 

thorakalen Wirbelsäule sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an einem 

mässiggradig ausgeprägten Hallux valgus beidseits und an einem Status nach einer im 

November 2001 diagnostizierten schweren depressiven Episode. Körperlich leichte bis 

mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten seien ihm uneingeschränkt zumutbar. 

Der Hausarzt habe jeweils in seinen Berichten in den Jahren 2003, 2006 und 2009 

darauf hingewiesen, dass sich die depressive Symptomatik stark gebessert habe, 

weshalb retrospektiv davon auszugehen sei, dass die schwere depressive Episode im 

Verlauf des Jahres 2002 abgeklungen sei. Überwiegend wahrscheinlich sei der 

Versicherte seit Januar 2003 uneingeschränkt arbeitsfähig. Mit einer Verfügung vom 12. 

Februar 2013 hob die IV-Stelle die laufende Rente per 31. März 2013 auf (IV-act. 122). 

Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen wies eine dagegen erhobene 

Beschwerde mit einem Entscheid vom 5. Mai 2015 ab (IV 2013/128; vgl. IV-act. 144). 

Mit einem Urteil vom 22. September 2015 (9C_423/2015; vgl. IV-act. 147) wies das 

Bundesgericht eine Beschwerde gegen den Entscheid des St. Galler 

Versicherungsgerichtes vom 5. Mai 2015 ab. Die zuständige Ausgleichskasse erhielt 

erst im Juni 2017 Kenntnis von der Rentenaufhebung, weshalb sie die 

Rentenzahlungen erst im Juni 2017 einstellte und die in der Zeit vom 1. April 2013 bis 

zum 30. Juni 2017 bezogenen Rentenleistungen zurückforderte (vgl. dazu den 

A.a. 

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Entscheid IV 2018/137 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 27. August 2019 und 

das Urteil des Bundesgerichtes 9C_625/2019 vom 18. Mai 2020; IV-act. 307 und 340).

Im August 2017 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von Leistungen 

der Invalidenversicherung an (IV-act. 163). Die IV-Stelle forderte ihn im September 2017 

auf, eine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes seit dem 12. Februar 2013 

glaubhaft zu machen (IV-act. 165). Der Hausarzt Dr. med. C.___ berichtete am 13. 

September 2017 (IV-act. 174), die psychische Symptomatik habe sich in den letzten 

fünf Jahren deutlich verschlechtert; der Versicherte leide an nächtlichen Anfällen mit 

einer Atemnot, einem Erstickungsgefühl und einer Tachykardie sowie an vermehrten 

Ängsten und an einer verstärkten depressiven Symptomatik. Die Psychiaterin Dr. med. 

D.___ hatte im Mai 2015 berichtet (IV-act. 176), der Versicherte leide an einer 

chronifizierten Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, an 

Problemen bei psychosozialen Umständen sowie an einer Benzodiazepin-

Abhängigkeit. Am 28. September 2017 hielt die RAD-Ärztin Dr. med. E.___ fest (IV-act. 

188), die eingereichten Berichte enthielten keine Hinweise auf eine relevante 

Veränderung des Gesundheitszustandes nach dem 12. Februar 2013. Weitere 

Abklärungen seien nicht angezeigt. Mit einem Vorbescheid vom 3. Oktober 2017 teilte 

die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie vorsehe, nicht auf sein neues 

Leistungsbegehren einzutreten (IV-act. 190). Dagegen liess der Versicherte am 17. 

November 2017 einwenden (IV-act. 207), sein Gesundheitszustand habe sich 

wesentlich verschlechtert. Er liess einen Bericht des behandelnden Psychologen vom 

31. Oktober 2017 einreichen (IV-act. 206–6), in dem eine rezidivierende depressive 

Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen Episode, eine chronifizierte 

Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sowie eine Störung durch 

Sedativa diagnostiziert und eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden 

waren. Der Rheumatologe Dr. med. F.___ hatte am 4. Oktober 2017 über ein 

chronisches Panvertebralsyndrom mit einer lumbo-spondylogenen Komponente, 

rezidivierende depressive Episoden mit somatischen Symptomen, eine Thalassaemia 

minor, eine chronische Refluxkrankheit, ein Asthma bronchiale und chronische frontale 

Kopfschmerzen berichtet (IV-act. 206–1 ff.). Die RAD-Ärztin Dr. E.___ notierte am 23. 

November 2017, die neu eingereichten Berichte machten keine wesentliche 

Veränderung des Gesundheitszustandes glaubhaft (IV-act. 208). Mit einer Verfügung 

A.b. 

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vom 24. November 2017 trat die IV-Stelle nicht auf das neue Leistungsbegehren ein 

(IV-act. 209). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in formelle Rechtskraft.

Im April 2019 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (IV-act. 

276). Der Anmeldung lag ein Bericht der Kriseninterventionsstation St. Gallen vom 12. 

März 2018 betreffend eine psychiatrische Behandlung vom 30. Januar 2018 bis zum 3. 

März 2018 bei (IV-act. 281). Die behandelnden Ärzte hatten eine rezidivierende 

depressive Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen Episode und einem 

somatischen Syndrom diagnostiziert. Sie hatten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit 

attestiert. Am 1. Mai 2019 berichtete die Tagesklinik G.___ über eine tagesklinische 

Behandlung im Zeitraum vom 21. Januar 2019 bis zum 5. April 2019 (IV-act. 293). Die 

behandelnden Ärzte diagnostizierten eine rezidivierende depressive Störung mit einer 

gegenwärtig mittelgradigen Episode sowie eine chronische Schmerzstörung mit 

somatischen und psychischen Faktoren. Sie empfahlen eine von der IV-Stelle 

begleitete berufliche Integrationsmassnahme, beginnend mit einem Pensum von 20 

Prozent. Die RAD-Ärztin Dr. E.___ notierte am 26. Juli 2019 (IV-act. 301), die aktuellen 

medizinischen Berichte wiesen keine anhaltende relevante Veränderung des 

Gesundheitszustandes aus. Weitere medizinische Abklärungen seien nicht notwendig. 

Mit einem Vorbescheid vom 13. August 2019 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, 

dass sie vorsehe, nicht auf sein neues Leistungsbegehren einzutreten (IV-act. 304). Am 

11. September 2019 liess der Versicherte einwenden (IV-act. 311), dass er gemäss der 

Auffassung des Bundesgerichtes einen Anspruch auf berufliche Massnahmen habe, 

selbst wenn sich der Sachverhalt nicht wesentlich verändert habe. Er sei bereit, an 

beruflichen Massnahmen mitzuwirken. Die behandelnde Psychiaterin der Tagesklinik 

habe eine schrittweise Reintegration empfohlen. Als „nicht gerade hilfreich“ erweise 

sich der Umstand, dass das Strassenverkehrsamt dem Versicherten auf eine Meldung 

der IV-Stelle hin den Führerausweis entzogen habe und dass der Versicherte nicht in 

der Lage sei, die Kosten für eine verkehrsmedizinische Untersuchung zu bezahlen, 

durch die er wieder in den Besitz des Führerausweises gelangen könnte. Mit einer 

Verfügung vom 21. Oktober 2019 trat die IV-Stelle nicht auf das neue 

Leistungsbegehren ein (IV-act. 315). Mit einem Entscheid vom 17. März 2020 hob das 

Versicherungsgericht die Verfügung vom 21. Oktober 2019 auf (IV 2019/284; vgl. IV-

act. 328). Es hielt fest, bezüglich des Nichteintretens auf sein Rentenbegehren habe 

A.c. 

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der Versicherte die Verfügung akzeptiert, weshalb sie diesbezüglich in formelle 

Rechtskraft erwachsen sei. Bezüglich des Nichteintretens auf sein Begehren um 

berufliche Massnahmen erweise sich die Verfügung als rechtswidrig, da der Art. 87 

Abs. 3 IVV keine „Eintretenshürde“ für eine Neuanmeldung betreffend berufliche 

Massnahmen vorsehe, weshalb eine entsprechende Neuanmeldung materiell zu prüfen 

sei, auch wenn keine relevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft gemacht worden 

sei. Das Bundesgericht trat nicht auf eine von der IV-Stelle gegen den Entscheid IV 

2019/284 vom 21. Oktober 2019 erhobene Beschwerde ein (Urteil 9C_287/2020 vom 

22. September 2020; vgl. IV-act. 351).

Am 6. November 2020 beantragte der Versicherte eine Vergütung der Kosten für 

die Fahreignungsuntersuchung als ersten Schritt zur beruflichen Wiedereingliederung 

(IV-act. 356). Die IV-Stelle antwortete am 5. Januar 2021, diese Kosten seien „IV-

fremd“ und könnten deshalb nicht übernommen werden (IV-act. 357). Am 19. Januar 

2021 forderte die IV-Stelle den Versicherten auf anzugeben (IV-act. 359), bei welchen 

Ärzten er sich in Behandlung befinde, ob er mehrheitlich in der Schweiz oder in H.___ 

lebe, in welchem Pensum er sich aktuell arbeitsfähig sehe, auf welches Pensum er 

seine Arbeitsfähigkeit in den nächsten Monaten werde steigern können, ob er sich 

aktuell auf Stellensuche befinde und welche Erwartungen er an die 

Invalidenversicherung habe. Am 18. Februar 2021 antwortete der Versicherte (IV-act. 

366 f.), er könne sich eine Beschäftigung in einem Pensum von 50 Prozent vorstellen. 

Aufgrund der langen Absenz vom Arbeitsmarkt sei es wohl notwendig, die Integration 

schrittweise vorzunehmen respektive ein Arbeitstraining durchzuführen. Er lebe 

mehrheitlich in der Schweiz. Er befinde sich nicht auf Stellensuche, weil seine Situation 

schwierig sei; er sei krank. Er erhoffe sich ein besseres Leben. Die IV-Stelle forderte die 

vom Versicherten genannten Ärzte am 23. Februar 2021 auf, aktuelle Berichte 

einzureichen (IV-act. 369 ff.). Die Psychiaterin Dr. med. I.___ berichtete am 2. März 

2021 (IV-act. 381), eine Wiederaufnahme einer Arbeitstätigkeit erscheine als kaum 

wahrscheinlich. Die Prognose sei trotz einer aktuell intensiven Therapie sehr unsicher. 

Der Neurochirurg Dr. med. J.___ hatte am 6. November 2020 berichtet (IV-act. 395), die 

bildgebenden Befunde könnten natürlich formell die geklagten Beschwerden 

verursachen. Angesichts der langen Anamnese und der Begleitumstände seien die 

Chancen für Behandlungen aber ehrlicherweise schlecht. Um eine möglicherweise 

A.d. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 6/9

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B.  

noch vorhandene somatische Ursache abzuklären, habe er, Dr. J.___, dem 

Versicherten eine Facettengelenksinfiltration L4/5 vorgeschlagen. Der Versicherte habe 

sich aber noch nicht entscheiden können. Am 9. März 2021 teilte Dr. med. K.___ mit, 

dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten seit der letzten Berichterstattung 

nicht verändert habe (IV-act. 404). Die RAD-Ärztin Dr. E.___ notierte am 30. Mai 2021 

(IV-act. 436), die neu eingeholten medizinischen Berichte zeigten, dass sich der 

Gesundheitszustand des Versicherten seit dem Jahr 2013 nicht wesentlich verändert 

habe. Aufgrund der bekannten Rückenproblematik seien wechselbelastende leichte bis 

mittelschwere Tätigkeiten ohne Zwangshaltungen und Heben und Tragen von Lasten 

als adaptiert einzustufen.

Mit einem Vorbescheid vom 8. Juni 2021 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, 

dass sie die Abweisung seines Begehrens um berufliche Massnahmen vorsehe, da ihm 

leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeiten im Vollpensum zumutbar sei 

(IV-act. 440). Dagegen liess der Versicherte am 12. Juli 2021 einwenden (IV-act. 446), 

er sei nur zu 50 Prozent arbeitsfähig und nach der langen Absenz vom Arbeitsmarkt 

zwingend auf eine Unterstützung bei einer schrittweisen Reintegration angewiesen. Mit 

einer Verfügung vom 6. August 2021 wies die IV-Stelle das Begehren um berufliche 

Massnahmen ab (IV-act. 449).

A.e. 

Am 14. September 2021 liess der Versicherte (nachfolgend: der 

Beschwerdeführer) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 6. August 2021 

erheben (act. G 1). Sein Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen 

Verfügung und die Gewährung von beruflichen Massnahmen. Zur Begründung führte er 

aus, nach der bundesgerichtlichen Auffassung bestehe nach einer Rentenrevision ein 

Anspruch auf berufliche Massnahmen. Der Beschwerdeführer habe während mehr als 

15 Jahren eine Rente bezogen. Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) 

habe einen Entzug des Führerausweises in die Wege geleitet und es dem 

Beschwerdeführer dadurch zusätzlich erschwert, wieder Anschluss auf dem 

Arbeitsmarkt zu finden. Da der Beschwerdeführer erneut unter psychischen Problemen 

leide, verfüge er nicht über ausreichend Ressourcen, um selbständig wieder in den 

Arbeitsmarkt zurückzukehren.

B.a. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 7/9

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Erwägungen

1.

Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung der angefochtenen Verfügung 

vom 6. August 2021 auf deren Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem des 

vorangegangenen Verwaltungsverfahrens entsprechen muss, das der 

Beschwerdeführer mit seiner Anmeldung zum Leistungsbezug im April 2019 

angestossen hatte. Der Beschwerdeführer hat sich zwar – infolge des gesetzlichen 

Zwangs zur Verwendung des entsprechenden Anmeldeformulars – unspezifisch für alle 

in Frage kommenden Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet, aber er hat 

dem Anmeldeformular einen Bericht der Kriseninterventionsstation St. Gallen vom 12. 

März 2018 beigelegt, in dem eine von der Beschwerdegegnerin begleitete berufliche 

Integrationsmassnahme empfohlen worden war. Im September 2019 hat der 

Versicherte bekräftigt, dass er an beruflichen Massnahmen zur Reintegration in den 

Arbeitsmarkt interessiert sei. Im November 2020 hat er erneut erklärt, dass er um eine 

Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess ersuche. Im Februar 2021 hat er 

ausdrücklich ein Arbeitstraining beantragt. Ihm ist angesichts der „Vorgeschichte“ 

bewusst gewesen, dass er keinen Anspruch auf eine Umschulung, auf eine Kapitalhilfe 

oder dergleichen, sondern nur einen Anspruch auf eine Arbeitsvermittlung und ein 

Arbeitstraining mit einem allfälligen Einarbeitungszuschuss haben konnte. 

Zusammenfassend ist sein im April 2019 gestelltes (unspezifisches) Begehren um 

Leistungen der Invalidenversicherung folglich als ein Begehren um eine 

Arbeitsvermittlung (Art. 18 IVG) und um einen Arbeitsversuch (Art. 18a IVG) mit einem 

allfälligen Einarbeitungszuschuss (Art. 18b IVG) zu qualifizieren. Die 

Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 6. August 2021 zwar 

ganz unspezifisch einen Anspruch des Beschwerdeführers auf berufliche 

Eingliederungsmassnahmen verneint. Die Akten belegen aber mit dem erforderlichen 

Die Beschwerdegegnerin beantragte am 16. November 2021 die Abweisung der 

Beschwerde (act. G 7). Zur Begründung führte sie an, die vom Beschwerdeführer 

angeführte bundesgerichtliche Rechtsprechung sei hier nicht massgebend, da er schon 

längst keinen Rentenanspruch mehr habe. Der Beschwerdeführer sei seit Jahren voll 

arbeitsfähig für leidensadaptierte Tätigkeiten. Er benötige keine Unterstützung bei der 

Stellensuche.

B.b. 

Am 23. November 2021 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche 

Rechtspflege bewilligt (act. G 8).

B.c. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 8/9

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Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit, dass sie den Gegenstand des 

Verwaltungsverfahrens nicht über den eigentlichen Gegenstand des 

Leistungsbegehrens hinaus ausgedehnt hat. Da eine Leistungspflicht im 

Zusammenhang mit einem Arbeitsversuch (mit oder ohne Einarbeitungszuschuss) noch 

gar nicht in Frage gekommen ist, bevor überhaupt mit der Arbeitsvermittlung begonnen 

worden wäre, hat diese nicht zum Gegenstand der angefochtenen Verfügung gehören 

können. Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin also nur einen 

Anspruch auf eine Arbeitsvermittlung verneint. Der Beschwerdeführer hat in seiner 

Beschwerdeschrift ebenso unspezifisch die Gewährung von beruflichen 

Eingliederungsmassnahmen beantragt, was nur so interpretiert werden kann, dass er 

die Verfügung vom 6. August 2021 in toto angefochten hat. Den Gegenstand dieses 

Beschwerdeverfahrens bildet also die Frage, ob der Beschwerdeführer einen Anspruch 

auf eine Arbeitsvermittlung gehabt hat.

2.

Dem Wortlaut des Art. 18 IVG nach sind die Voraussetzungen für die Gewährung einer 

Arbeitsvermittlung vorliegend erfüllt. Das Bundesgericht vertritt seit Jahren die 

Auffassung, ein Anspruch auf eine Arbeitsvermittlung bestehe nur, wenn die versicherte 

Person krankheitsbedingte besondere Schwierigkeiten bei der Stellensuche habe. Der 

Gesetzgeber hat diese Auffassung verworfen und den Anspruch auf eine 

Arbeitsvermittlung im Zuge der fünften IVG-Revision deutlich ausweiten wollen (vgl. BBl 

2005 4522), wobei er ausdrücklich festgehalten hat, dass auch „Hilfsarbeiter, die in 

einer angepassten Hilfstätigkeit noch voll arbeitsfähig sind“, einen Anspruch auf eine 

Arbeitsvermittlung hätten, sofern sie die letzte Arbeitsstelle krankheitsbedingt verloren 

hätten (BBl 2005 4524). Das Bundesgericht hat in der Folge allerdings behauptet, die 

fünfte IVG-Revision habe an den von seiner Rechtsprechung vorgegebenen 

Anspruchsvoraussetzungen für eine Arbeitsvermittlung nichts geändert (vgl. etwa das 

Urteil des Bundesgerichtes 9C_142/2015 vom 5. Juni 2015, E. 4.3, mit Hinweisen). 

Nach der bundesgerichtlichen Auffassung setzt der Anspruch auf eine 

Arbeitsvermittlung also nach wie vor voraus, dass sich die versicherte Person mit 

krankheitsbedingten Erschwernissen bei der Stellensuche konfrontiert sieht. Da dies 

beim Beschwerdeführer nicht der Fall ist, müsste sein Begehren um eine 

Arbeitsvermittlung abgewiesen werden, wenn der bundesgerichtlichen Auffassung 

gefolgt würde. Nachdem der Gesetzgeber aber im Rahmen der fünften IVG-Revision 

ausdrücklich erklärt hat, dass diese Auffassung des Bundesgerichtes gesetzwidrig sei, 

sieht sich das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen ausserstande, der 

bundesgerichtlichen Auffassung zu folgen. Der Beschwerdeführer hat einen Anspruch 

auf eine Arbeitsvermittlung. Diesbezüglich ist die Beschwerde gutzuheissen.

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 9/9

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3.

Auf die Frage, ob der Beschwerdeführer einen Anspruch auf einen Arbeitsversuch und 

allenfalls auch auf Einarbeitungszuschüsse habe, ist nicht einzugehen, denn eine 

entsprechende Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin wäre erst zu prüfen, wenn 

sich im Rahmen der Arbeitsvermittlung die Gelegenheit für einen solchen 

Arbeitsversuch (mit oder ohne Einarbeitungszuschüsse) ergäbe. Auch auf die Frage, ob 

die Beschwerdegegnerin die Kosten für eine verkehrsmedizinische Untersuchung zu 

vergüten habe, ist nicht einzugehen, denn die Beschwerdegegnerin hat den 

entsprechenden Antrag vom 6. November 2020 am 5. Januar 2021 formlos 

abgewiesen. Diesbezüglich hätte der Beschwerdeführer die Eröffnung einer 

anfechtbaren Verfügung verlangen oder aber eine Rechtsverweigerungsbeschwerde 

(Art. 56 Abs. 2 ATSG) erheben müssen, was er jedoch nicht gemacht hat, weshalb es 

an einem für dieses Beschwerdeverfahren relevanten Streitgegenstand fehlt.

4.

Die Gerichtskosten, die angesichts des durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf 

600 Franken festzusetzen sind, sind der unterliegenden Beschwerdegegnerin 

aufzuerlegen. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine 

Parteientschädigung auszurichten. Der erforderliche Vertretungsaufwand ist – im 

Vergleich zu einem durchschnittlich aufwendigen IV-Rentenfall – als weit 

unterdurchschnittlich zu qualifizieren, da nur ein kleiner Teil der Akten für die hier zur 

Diskussion stehende Rechtsfrage relevant gewesen ist und da die Sache dem 

Rechtsvertreter aus früheren Beschwerdeverfahren bestens bekannt gewesen ist. Die 

Parteientschädigung ist deshalb auf 1’500 Franken (einschliesslich Barauslagen und 

Mehrwertsteuer) festzusetzen.

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1. Die angefochtene Verfügung vom 6. August 2021 wird aufgehoben und dem 

Beschwerdeführer wird eine Arbeitsvermittlung zugesprochen.

2. Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von 600 Franken zu bezahlen.

3. Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer mit 1’500 Franken zu 

entschädigen.

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