# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3977f19c-c8d5-5dda-aa07-4cd78ac92318
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-02-20
**Language:** de
**Title:** Aargau Spezialverwaltungsgericht Steuern 20.02.2025 3-RV.2023.150
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_SVWG_002_3-RV-2023-150_2025-02-20.pdf

## Full Text

Spezialverwaltungsgericht 

Steuern 

 

3-RV.2023.150       
P 21 
 

 

 

 

Urteil vom 20. Februar 2025 
 
 

 
 

Besetzung  Präsident Heuscher  

Richter Loser  

Richter Schorno  

Gerichtsschreiberin Betsche 

 

 
 

   

Rekurrentin   A._____  

 

vertreten durch lic. iur. Dieter Egloff, Rechtsanwalt, 

Voser Rechtsanwälte, Stadtturmstrasse 19, 5401 Baden    

   

 

 
 
 

Gegenstand  Einspracheentscheid der Steuerkommission V._____ 

vom 29. September 2023 

betreffend Kantons- und Gemeindesteuern 2019 

 

  

 - 2 - 

 

 

 
   

Das Gericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Mit Verfügung vom 23. September 2022 wurde A._____ von der Steuer-

kommission V._____ für die Kantons- und Gemeindesteuern 2019 zu 

einem steuerbaren Einkommen von CHF 122'400.00 (satzbestimmendes 

Einkommen CHF 208'100.00) und zu einem steuerbaren und satz-

bestimmenden Vermögen von CHF 350'000.00 veranlagt. Dabei wurde 

dem Kanton Aargau ein Vorausanteil (Präzipuum) am Gewinn der Einzel-

unternehmung G._____ (EU G._____) von 20 % zugewiesen. 

 

2. 

Gegen die Veranlagungsverfügung vom 23. September 2022 liess A._____ 

mit Schreiben vom 20. Oktober 2022 Einsprache erheben. Sie liess unter 

anderem beantragen, der Vorausanteil sei von 20 % auf 5 % zu reduzieren. 

 

3. 

Mit Entscheid vom 29. September 2023 hiess die Steuerkommission 

V._____ die Einsprache teilweise gut. Das steuerbare Einkommen wurde 

auf CHF 120'230.00 (satzbestimmendes Einkommen CHF 204'300.00) 

reduziert. Dabei wurde die Einsprache in Bezug auf den Vorausanteil 

abgewiesen. 

 

4. 

Den Einspracheentscheid vom 29. September 2023 (Zustellung am 24. Ok-

tober 2023) liess A._____ mit Rekurs vom 21. November 2023 (Postauf-

gabe gleichentags) an das Spezialverwaltungsgericht, Abteilung Steuern, 

weiterziehen. Sie liess folgende Anträge stellen: 

 
"1. Das im Kanton Aargau steuerbare Einkommen der Rekurrentin sei ohne   

Präzipuum zu ermitteln und entsprechend herabzusetzen (satzbestimmendes 
Einkommen CHF 204'328). 

 
2. Eventualiter: Das im Kanton Aargau steuerbare Einkommen der Rekurrentin 

sei   mit einem Präzipuum von 5% zu ermitteln und entsprechend herabzuset-
zen (satzbestimmendes Einkomme CHF 204'328). 

 
3.  Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inklusive Ersatz der Mehrwert-

steuer)." 

 

Auf die Begründung wird, soweit für den Entscheid erforderlich, in den Er-

wägungen eingegangen. 

 

5. 

Das Gemeindesteueramt V._____ und das Kantonale Steueramt 

beantragen die Abweisung des Rekurses. 

 

 - 3 - 

 

 

6. 

A._____ liess eine Replik einreichen. 

 

7. 

Das Spezialverwaltungsgericht hat beim Gemeindesteueramt Q._____ und 

beim Regionale Steueramt R._____ weitere Abklärungen vorgenommen. 

 

 

 

  

 - 4 - 

 

 

 
   

Das Gericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Der vorliegende Rekurs betrifft die Kantons- und Gemeindesteuern 2019. 

Massgebend für die Beurteilung ist das Steuergesetz vom 15. Dezember 

1998 (StG). 

 

2. 

2.1. 

Die Rekurrentin ist Inhaberin der EU G._____ mit Sitz in S._____. Diese 

bezweckt "[...]". 

 

2.2. 

Die Rekurrentin ist als [...] selbständig erwerbend. 2019 führte sie ihre 

selbständige Erwerbstätigkeit an zwei Geschäftsorten aus. An zwei Tagen 

(Dienstag und Mittwoch) war sie in der F._____ in S._____ (F._____ AG) 

und an zwei Tagen (Montag und Donnerstag) in der E._____ in U._____ 

(E._____) tätig.  

 

2.3. 

Beide Tätigkeiten wurden von der Rekurrentin in einer Buchhaltung –

jedoch getrennt nach Geschäftsort – abgerechnet. 2019 generierte sie in 

beiden Tierkliniken vergleichbare Umsätze: 

 

 

 

 

 

 

 

 

2.4. 

Die Rekurrentin deklarierte in ihrer Steuererklärung 2019 Einkünfte aus 

selbständiger Erwerbstätigkeit von CHF 304'585.00 (CHF 120'000.00 [Ei-

genlohn EU G._____] + CHF 134'585.00 [Gewinn EU G._____] + 

CHF 50'000.00 [BVG Einkaufsbeiträge]). 

 

3. 

3.1. 

3.1.1. 

Im Auftrag des Gemeindesteueramtes V._____ nahm das Kantonale 

Steueramt, Sektion Natürliche Personen (KStA NP) eine Buchprüfung vor 

und erstattete mit Schreiben vom 18. Juli 2022 darüber Bericht. Es wurde 

ein Vorausanteil (Präzipuum) pro Aargau von 20 % beantragt. 

 

Umsatz E._____ CHF 

  

Tierärztliche Tätigkeiten 243'259.79 

Medikamentenverkauf 20'502.77 

  

Total 263'762.56 

Umsatz F._____ AG CHF 

  

Tierärztliche Tätigkeiten 244'610.49 

Medikamentenverkauf 18'017.78 

  

Total 262'628.27 

 - 5 - 

 

 

3.1.2. 

Gestützt auf den Bericht des KStA NP schied die Steuerkommission 

V._____ im Veranlagungsverfahren CHF 185'337.00 des Reingewinnes 

aus selbständiger Erwerbstätigkeit an den Kanton Aargau aus. Dabei 

wurde wie vom KStA NP in seinem Bericht beantragt, ein Vorausanteil pro 

Aargau von 20 % berücksichtigt. 

 

3.2. 

3.2.1. 

Mit Einsprache liess die Rekurrentin geltend machen, die Infrastruktur (in-

klusive Assistenz) werde von den Kliniken zur Verfügung gestellt. Die Re-

kurrentin habe daher kein eigenes Personal angestellt. Somit habe die EU 

G._____ keinen eigentlichen Hauptsitz. Die administrativen Tätigkeit wie 

die Erfassung der Leistungen und die Erstellung der Rechnungen nehme 

die Rekurrentin gleich vor Ort in den Tierkliniken über den Laptop vor. Eine 

für das Geschäftsergebnis überaus wesentliche Tätigkeit, welche einen 

Vorausanteil von 20 % rechtfertigen würde, werde nicht im Kanton Aargau 

ausgeführt. Sonstige administrative Tätigkeiten wie Buchführung, Selbst-

studium nehme die Rekurrentin in geschäftlich genutzten Räumlichkeiten 

an ihrem Wohnort in V._____ wahr. Ein Vorausanteil von 20 % sei daher 

nicht gerechtfertigt. Stattdessen sei ein Vorausanteil von 5 % zu be-

rücksichtigen. Damit werde der Bedeutung des Wohnortes mit Büroräum-

lichkeiten ausreichend Rechnung getragen. 

 

Der Kanton W._____ habe die Steuerausscheidung mit Gewinnaufteilung 

für die Steuerperiode 2019 wie bereits in den Vorperioden nach der reinen 

Umsatzquote vorgenommen. Sofern der Kanton Aargau keine Korrektur 

des Vorausanteils vornehme, ergebe sich eine tatsächliche Doppelbesteu-

erung. 

 

3.2.2. 

Die Steuerkommission V._____ hielt in ihrem Einspracheentscheid fest, sie 

könne nachvollziehen, dass administrative Arbeiten in Zeiten der digitalen 

Verarbeitung von Daten mit Hilfe des Laptops direkt vor Ort ausgeführt 

würden. Dabei dürfe es sich aber nach menschlichem Ermessen um die 

kunden- bzw. patientenbezogene Erfassung von individuellen Daten, 

beispielsweise über erbrachte tiermedizinische Leistungen, handeln. Diese 

Arbeiten würden einen gewissen, aber wohl eher einen kleineren zeitlichen 

Teil der gesamten administrativen Tätigkeiten ausmachen. Weiter hält die 

Vorinstanz fest, dass in der Buchhaltung der EU G._____ für die geschäftli-

che Nutzung privater Räumlichkeiten (Home-Office 2019) CHF 9'200.00 

verbucht worden seien. Die Verbuchung dieses Betrages stehe nach An-

sicht der Vorinstanz in Widerspruch zur Aussage, wonach eine für das Ge-

schäftsergebnis überaus wesentliche Tätigkeit nicht im Kanton Aargau aus-

geführt werde. Es sei vielmehr davon auszugehen, dass umfassende be-

triebsplanerische Arbeiten, die Administration, das Rechnungswesen, das 

 - 6 - 

 

 

Studium von fachspezifischen und notwendigen Publikationen sowie Wei-

terbildungen von zu Hause aus ausgeübt werden. Diese Überlegung werde 

im Weiteren dadurch gestützt, dass die Rekurrentin während vier Tagen in 

der Woche in den Kliniken arbeite, am fünften Wochentag wohl zu einem 

beachtlichen Teil daheim die erwähnten Arbeiten ausführe. Auch wenn die 

Rekurrentin kein Personal beschäftige, dürfe trotzdem ein wesentlicher und 

wichtiger Teil der selbständigen Erwerbstätigkeit zu Hause ausgeübt wer-

den. Dies lasse es durchaus zu, dass der Wohnsitz der Rekurrentin als 

Hauptsitz der EU G._____ zu betrachten sei. Weiter weist die Vorinstanz 

darauf hin, dass an den Klinikorten keine eigenen Büro- und bzw. oder 

Lagerräumlichkeiten zur Verfügung stünden. Dies unterstreiche, dass am 

Wohnort betriebsrelevante – wenn auch nicht rein medizinische – Arbeiten 

ausgeführt würden. 

 

Weiter hält die Vorinstanz fest, sie teile die Auffassung, dass wegen der 

Berücksichtigung des Vorausanteils im Kanton Aargau bzw. dessen Nicht-

berücksichtigung im Kanton W._____ eine Doppelbesteuerung für einen 

Teil des Einkommens erfolge. Auf Anfrage habe die kantonale 

Steuerverwaltung des Kantons W._____ bestätigt, dass der Kanton 

W._____ die Ausscheidung bzw. Verfügung für die Steuerperiode 2019 

entsprechend anpassen werde, sofern die Rekurrentin die Zuteilung der 

Gewinnanteile gemäss der aargauischen Steuerausscheidung akzeptiere. 

 

3.3. 

3.3.1. 

Mit Rekurs liess die Rekurrentin einen vollständigen Verzicht eines Voraus-

anteils beantragen. Da die Rekurrentin in beiden Kliniken rund die Hälfte 

ihrer Einnahmen erziele, führe die Aufteilung des Gewinnes nach dem Um-

satz zu einem sachgerechten Ergebnis. Es lägen keine besonderen Ver-

hältnisse vor, die einen Vorausanteil rechtfertigen würden. Im Gegenteil: Im 

Homeoffice erledige die Rekurrentin nur Buchhaltungsarbeiten und die 

MWST-Abrechnungen. Diese Tätigkeiten kämen für ihre Praxistätigkeit und 

für die Gewinnerzielung der EU G._____ nur untergeordnete Bedeutung 

zu. Es sei nicht angezeigt, diesen untergeordneten Tätigkeiten mit einem 

Vorausanteil Rechnung zu tragen. Die Steuerbehörden der Kantone Aar-

gau und W._____ hätten die Steuerausscheidung des Einkommens der 

Rekurrentin bis 2018 zu Recht nach der indirekten Methode mit dem Hilfs-

faktor Umsatz und ohne Vorausanteil vorgenommen. Es gebe keinen 

Grund und keine Grundlage dafür, das für die Steuerperiode 2019 zu än-

dern. 

 

Weiter liess die Rekurrentin ausführen, dass entgegen der Ansicht der Vor-

instanz die administrativen Arbeiten im Zusammenhang mit der klinischen 

Tätigkeit den Hauptteil der administrativen Arbeiten ausmachen würden. 

Generell gehe die Vorinstanz zu Unrecht davon aus, dass die Rekurrentin 

in V._____ einen wesentlichen oder wichtigen Teil ihrer selbständigen 

 - 7 - 

 

 

Erwerbstätigkeit ausübe. Auch nehme die Vorinstanz zu Unrecht an, dass 

der Rekurrentin in den Tierkliniken keine Büro- oder Lagerräumlichkeiten 

zur Verfügung stünden. Sie habe in beiden Kliniken sowohl Räumlichkeiten 

für die administrativen Arbeiten im Zusammenhang mit der klinischen 

Tätigkeit (Konsultationszimmer) wie auch Raum für die Lagerung von 

Medikamenten, Geräten und Instrumenten zur Verfügung. Die verbuchten 

Kosten für das Homeoffice seien rein rechnerisch aus den Wohnkosten 

bzw. der Miete der Rekurrentin hergeleitet worden. Sie hätten keinen 

Zusammenhang mit dem Umfang der administrativen Arbeiten, welche die 

Rekurrentin im Homeoffice erledige.  

 

Weiter wurde ausgeführt, dass die Rekurrentin jeweils die Freitage (Tage 

ohne Sprechstunde) für Freizeitaktivitäten nutze und vorwiegend ehren-

amtliche Tätigkeiten ausführe. In einem geringen Ausmass nutzte die Re-

kurrentin diese Zeit für Literaturstudium, das Erstellen von Vorträgen und 

erledige quartalmässig buchhalterische Arbeiten. Das ehrenamtliche Enga-

gement der Rekurrentin rechtfertige es nicht, 20 % ihres Gewinnes als Vo-

rausanteil dem Wohnort zuzuweisen. Die Rekurrentin übe am Wohndomizil 

keine betriebsrelevanten Arbeiten aus. 

 

3.3.2. 

Das Gemeindesteueramt V._____ führte in seiner Vernehmlassung aus, 

die Rekurrentin habe gegenüber der Revisorin des KStA geäussert, dass 

der Freitag in erster Linie für administrative Tätigkeiten reserviert sei, 

welche im extra dafür eingerichteten Büro daheim ausgeführt worden 

seien. Weiter wurde ausgeführt, da die Rekurrentin sehr respektable Um-

sätze an vier Tagen in der Woche generiere, sei nicht davon auszugehen, 

dass der Hauptteil der administrativen Tätigkeiten jeweils vor Ort in den 

Kliniken erledigt worden sei. Die Rekurrentin dürfte sich an den Kliniktagen 

hauptsächlich der tierärztlichen Aufgabe und nicht administrativen Arbeiten 

gewidmet haben. Die Tatsache, dass die Rekurrentin eine sehr akribisch 

und aufwändig gestaltete Buchhaltung mit überaus detailliertem Inventar 

und ausführlicher Dokumentation führe, untermaure diese Ansicht. Die ad-

ministrativen Arbeite hätten wohl kaum an den ausgefüllten Tagen mit tier-

ärztlichen Praxistätigkeiten nebenbei erfolgen können. So mache es auch 

Sinn, dass am Wohndomizil der Rekurrentin ein entsprechend eingerichte-

tes und mit entsprechender Infrastruktur ausgestattetes Büro vorhanden 

sei. Die in den Kliniken vorhandenen Schreibtische bzw. Schreibflächen 

dürften diese doch adäquateren Verhältnisse im Büro daheim nicht ersetzet 

haben. In beiden Kliniken sei keine Miete für administrative Arbeitsplätze 

vorgesehen. Unter Berücksichtigung, dass die Rekurrentin ihre Fachvor-

träge und Publikationen, welche zweifelsfrei ihrer selbständiger Erwerbstä-

tigkeit dienten, ebenfalls in ihrem Büro daheim erstelle, könne nicht mehr 

daran gezweifelt werden, dass ein Vorausanteil von 20 % zu Gunsten des 

Kantons Aargau gerechtfertigt sei. 

 

 - 8 - 

 

 

3.3.3. 

Die Rekurrentin liess mit Replik geltend machen, das Gemeindesteueramt 

V._____ nehme in seiner Vernehmlassung zu verschiedenen Punkten 

Stellung, die es infolge fehlender Teilnahme an der Buchprüfung gar nicht 

beurteilen könne. Die Vernehmlassung enthalte denn auch verschiedene 

Aussagen und Vermutungen, die nicht stimmten. So sei es unzutreffend, 

dass die Rekurrentin der Revisorin mitgeteilt habe, dass sie ihren freien 

Wochentag (Freitag) in erster Linie für administrative Tätigkeiten verwende. 

Auch habe die Rekurrentin nie die Aussage gemacht, dass sie die 

administrativen Arbeiten im extra hierfür eingerichteten Büro daheim erle-

dige. Eine entsprechende Aussage könne gar nicht stimmen, da das Büro 

und dessen Einrichtung bereits vor dem Zuzug der Rekurrentin in die Lie-

genschaft ihres Lebenspartners bestanden hätten. 

 

Weiter wurde ausgeführt, dass die Rekurrentin auch während der Behand-

lungstage und Sprechstunden mit ihrem Laptop und dem darauf installier-

ten Praxisprogramm [...] arbeite. Sie erledige den Grossteil der admi-

nistrativen Arbeiten ihrer Praxis (wie z.B. Krankengeschichten, Tierhalte-

berichte, Rechnungsdruck) während der Behandlungstage vor Ort in den 

Kliniken. Das gelte insbesondere für alle patienten- und praxisbezogenen 

Arbeiten. Dabei erledige das Praxisprogramm [...] einen grossen Teil der 

Arbeiten – wie die Buchungen und Kontierung sämtlicher Einnahmen sowie 

Zahlungseingängen oder die Inventur der Medikamente – automatisiert. 

Aufgrund der umfangreichen Funktionen des Praxisprogrammes [...] 

müsse lediglich ein kleiner Teil der für die Erwerbstätigkeit relevanten ad-

ministrativen Arbeiten (Buchung von Ausgaben, MWST-Einreichung und 

Jahresabschluss) manuell und im Homeoffice erledigt werden. Der dafür 

benötigte Zeitaufwand betrage jährlich zwischen 34 und 39 Stunden. Wei-

ter sei zu beachten, dass die Rekurrentin seit 2009 die Buchhaltung ihrer 

Praxis selbst führe und vor ihrem Studium eine wirtschaftliche Ausbildung 

(Handelsakademie) absolviert habe. Dies bringe es mit sich, dass die Re-

kurrentin die manuell zu erledigenden administrativen Arbeiten mit einer 

nicht unerheblichen Routine und Effizienz ausführe. 

 

Der Laptop der Rekurrentin benötige eine kleine Arbeitsfläche, welche in 

den Konsultationszimmern vorhanden sei. Die Rekurrentin habe in beiden 

Kliniken dafür genügend Platz. Sie brauche dafür entgegen der Ansicht des 

Gemeindesteueramtes V._____ keinen separaten Büroraum und keinen 

zusätzlichen Arbeitsplatz. Hinzu komme, dass es einen grossen 

Mehraufwand mit sich bringen würde, wenn die Rekurrentin sich nach bzw. 

zwischen den Behandlungen jeweils für administrative Tätigkeiten aus dem 

Sprechzimmer in einen separaten Büroraum begeben würde. 

 

Der Zeitaufwand für Literaturstudium und Publikationen sei sehr unregel-

mässig und betrage ca. 4-5 Stunden pro Monat. Ihre ehrenamtliche Tätig-

keiten (E-Mail-Verkehr mit Mitgliedern, Vorträge und Präsentationen) be-

 - 9 - 

 

 

anspruche zwischen 10-20 Stunden pro Monat. Die ehrenamtlichen Arbei-

ten würden keine Kunden bzw. Einnahmen generieren und seien nur für 

internationale Beziehungen von Bedeutung. 

 

4. 

Steuerbehörden steht es frei, Sachverhalte in jeder Steuerperiode neu zu 

beurteilen. Sie sind berechtigt und verpflichtet, die massgeblichen Verhält-

nisse bei jeder Veranlagung neu und ohne formelle Bindung an die früheren 

Veranlagungen zu beurteilen. Die Steuerbehörden sind in den nachfolgen-

den Steuerperioden grundsätzlich nicht an frühere Veranlagungen gebun-

den. So können sie insbesondere eine korrekte(re) Rechtsanwendung auf-

grund an sich bekannter Tatsachen, die bisher allzu sehr zugunsten des 

Steuerpflichtigen gewürdigt (bzw. übersehen und nicht gewürdigt) wurden, 

vornehmen (zum Ganzen: StE 1997 B 93.4 Nr. 4; StE 1990 B 23.2 Nr. 8 = 

AGVE 1989 S. 162; VGE vom 7. Dezember 2007 [WBE.2007.4], mit Hin-

weis; Bundesgerichtsurteil vom 19. September 2007 [2A.126/2007]). Aus 

der Tatsache, dass der Kanton Aargau in den Vorperioden keinen Voraus-

anteil beansprucht hat, kann die Rekurrentin daher nichts zu ihren Gunsten 

ableiten. Eine Überprüfung und Neubeurteilung für die Kantons- und Ge-

meindesteuern 2019 war daher zulässig. 

 

5. 

5.1. 

Eine gegen Art. 127 Abs. 3 BV verstossende Doppelbesteuerung liegt vor, 

wenn eine steuerpflichtige Person von zwei oder mehreren Kantonen für 

das gleiche Steuerobjekt und für die gleiche Zeit zu Steuern herangezogen 

wird (aktuelle Doppelbesteuerung) oder wenn ein Kanton in Verletzung der 

geltenden Kollisionsnormen seine Steuerhoheit überschreitet oder eine 

Steuer erhebt, die einem anderen Kanton zusteht (virtuelle Doppelbesteu-

erung). Ausserdem darf ein Kanton eine steuerpflichtige Person grundsätz-

lich nicht deshalb stärker belasten, weil sie nicht in vollem Umfang seiner 

Steuerhoheit untersteht, sondern zufolge ihrer territorialen Beziehungen 

auch noch in einem anderen Kanton steuerpflichtig ist (Schlechterstellungs-

verbot; BGE 130 I 409). 

 

5.2. 

Mit interkantonaler Steuerausscheidung vom 20. Juli 2020 wies die Steu-

erverwaltung des Kantons W._____ für das Steuerjahr 2019 die Einkünfte 

aus selbstständiger Erwerbstätigkeit (EU G._____) zu 50.11 % 

(CHF 161'786.00) dem Kanton Aargau (S._____) und zu 49.89 % 

(CHF 161'075.00) dem Kanton W._____ zu. Seitens der Veranlagungs-

behörden des Kanton W._____ wurde kein Vorausanteil dem Kanton 

Aargau zugewiesen. Unter Berücksichtigung des Vorausanteils von 20 % 

wies die Steuerkommission V._____ CHF 183'945.00 als Einkünfte aus 

selbständiger Erwerbstätigkeit dem Kanton Aargau zu. Durch die Berück-

sichtigung des Vorausanteils im Kanton Aargau bzw. dessen Nichtberück-

 - 10 - 

 

 

sichtigung im Kanton W._____ liegt eine effektive Doppelbesteuerung für 

einen Teil des Einkommens vor. Daran ändert auch die mit E-Mail vom 

30. August 2023 erklärte Bereitschaft der kantonalen Steuerverwaltung des 

Kantons W._____ ihre Steuerausscheidung um den strittigen Vorausanteil 

von 20 % zu Gunsten des Kantons Aargau zu revidieren, nichts. 

 

6. 

Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind das Einkommen aus selb-

ständiger Erwerbstätigkeit, das in einer Geschäftsniederlassung mit stän-

digen Einrichtungen erzielt wird, und das dieser Tätigkeit dienende Vermö-

gen am Geschäftsort zu versteuern (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 4. März 

2009 [2C_770/2008]). Vorliegend ist unbestritten, dass die Rekurrentin ihre 

selbständige augentierärztliche Erwerbstätigkeit an zwei Geschäftsorten – 

im Kanton Aargau sowie im Kanton W._____ – ausführt. Administrative Tä-

tigkeiten werden unbestrittenermassen auch am Wohnort ausgeführt. Strit-

tig ist hingegen, ob der vom Kanton Aargau festgesetzte Vorausanteil von 

20 % gerechtfertigt ist. 

 

7. 

7.1. 

Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Zuweisung des Vorausanteils sowie des-

sen festgesetzte Höhe von 20 % gerechtfertigt ist. 

 

7.2. 

Die bei einer interkantonalen Steuerausscheidung ermittelte Quote kann zu 

einem Ergebnis führen, welches für die Tätigkeit der Zentralleitung und de-

ren Einfluss auf das Geschäftsergebnis zu wenig Rechnung trägt, weil die 

Bedeutung des Hauptsitzes für das Gesamtunternehmen in der rechne-

risch ermittelten Quote zu wenig zum Ausdruck kommt. Um in diesen Fällen 

einen Ausgleich zu schaffen, ist nach der bundesgerichtlichen Rechtspre-

chung dem Hauptsitz vorweg ein Vorausanteil (Präzipuum) am Gesamtge-

winn zur Besteuerung zuzuweisen. Bei einem Vorausanteil handelt es sich 

daher um einen Korrekturfaktor, der dazu bestimmt ist, einen Ausgleich zu 

schaffen, wo besondere Verhältnisse bei der ordentlichen Ausscheidung 

nicht genügend zur Geltung kommen. Die Zuweisung eines Vorausanteils 

ist stets eine Ermessensfrage, welche in zweierlei Hinsicht zu beantworten 

ist: Erstens ist zu entscheiden, ob überhaupt ein Vorausanteil gerechtfertigt 

und zweitens die Höhe des Vorausanteil zu bestimmen ist (vgl. zum Gan-

zen: Zweifel/Beusch/de Vries Reilingh, Kommentar zum Schweizerischen 

Steuerrecht, Interkantonales Steuerrecht, 2. Auflage, Basel 2021, § 23 

N 20 ff., mit weiteren Hinweisen). 

 

7.3. 

7.3.1. 

Vorliegend ist unbestritten, dass die Rekurrentin kein eigenes Personal an-

gestellt hat. Die notwendigen Leistungen werden (pauschal) eingekauft 

 - 11 - 

 

 

(vgl. Rechnung vom 1. Juli 2019 der F._____ AG an die Rekurrentin). Den 

Hauptteil der Tätigkeiten, welche im Zusammenhang mit ihrer Berufstätig-

keit als selbständige Augentierärztin (Belegärztin) stehen, erledigt die Re-

kurrentin jedoch selbst. Darunter fallen nebst den medizinischen Tätigkei-

ten auch administrative Tätigkeiten, wie die Protokollierung von Behand-

lungen, die Erstellung von Berichten, die Beantwortung von Rückfragen 

von Tierhaltern bzw. von zuweisenden Tierärzten, die Rechnungsstellung, 

die Aufsicht über Zahlungseingänge, das Mahnwesen, die laufende Buch-

führung und der Jahresabschluss. Obschon nachvollziehbar ist, dass für 

alle diese Tätigkeiten Software existiert, welche Teilschritte dieser Arbeiten 

übernehmen kann, brauchen solche EDV-gesteuerten Abläufe nach allge-

meiner Lebenserfahrung zumindest eine menschliche Aufsicht und Kon-

trolle. So ist das Vorbringen der Rekurrentin, wonach sie eine Software 

nutzt, welche automatisiert viele Aufgaben für die Rekurrentin übernimmt, 

glaubwürdig. Jedoch ist zu beachten, dass die Aufsicht und Kontrolle der 

durch die Software übernommenen Arbeitsschritte – was als administrative 

Tätigkeit anzusehen ist – ebenfalls Zeit beansprucht. Auch ist nachvollzieh-

bar, dass die Rekurrentin als erfahrene Tierärztin Arbeiten wie die Proto-

kollierung von Behandlungen vor Ort am Behandlungstag erledigen kann. 

Hingegen ist nicht davon auszugehen, dass die Rekurrentin an ausgelas-

teten Arbeitstagen in den Kliniken immer sämtliche administrativen Tätig-

keiten bzw. die Aufsicht und Kontrolle der durch die Software durchgeführ-

ten Arbeitsschritte erledigen kann. Es ist vielmehr sehr wahrscheinlich, 

dass diese Arbeiten durch die Rekurrentin jeweils mindestens teilweise am 

Freitag im Homeoffice erledigt werden. Nicht bestritten ist, dass die Rekur-

rentin jeweils die Buchhaltung der EU G._____ sowie MWST-

Abrechnungen von ihrem Büro am Wohnort aus erledigt. Dort bereitet sie 

zudem Fachvorträge und Publikationen vor, welche ebenfalls ihrer 

selbständigen Erwerbstätigkeit als Tierärztin zuzurechnen sind.  

 

7.3.2. 

Insgesamt ist festzuhalten, dass die Rekurrentin verschiedene administra-

tive Tätigkeiten sowie die Vorbereitung von Fachvorträgen und Publikatio-

nen – und damit für den Geschäftsbetrieb wesentliche Arbeiten – an ihrem 

Wohnsitz im Kanton Aargau erledigt. Insofern ist ein Vorausanteil pro Aar-

gau gerechtfertigt. 

 

7.4. 

Die Festsetzung der Höhe des Vorausanteils ist eine Ermessensfrage. Im 

Wesentlichen ist zu bestimmen, welche Bedeutung die Tätigkeiten der 

Zentralleitung am Hauptsitz für das Gesamtunternehmen hat. Vorliegend 

erledigt die Rekurrentin verschiedene administrative Tätigkeiten sowie die 

Vorbereitung von Fachvorträgen und Publikationen an ihrem Wohnsitz im 

Kanton Aargau (vgl. Erw. 6.3). Da der konkret dafür benötigte Zeitaufwand 

nicht bekannt ist, ist eine genaue Festlegung des Anteils nicht möglich. Bei 

der Festlegung des Vorausanteil von 20 % durch die Vorinstanz, kann da-

 - 12 - 

 

 

von ausgegangen werden, dass die Vorinstanz die Ansicht vertritt, dass die 

Rekurrentin einen vollständigen Arbeitstag pro Woche für diese Arbeiten 

benötigt. Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden.  

 

Es ist glaubwürdig, dass die Rekurrentin vor Ort in den Tierkliniken admi-

nistrative Arbeiten wie insbesondere die Protokollierung von Behandlungen 

erledigt. Weiter ist nachvollziehbar, dass die von der Rekurrentin genutzte 

Software verschiedene Arbeitsschritte automatisiert vornimmt und so der 

Rekurrentin Arbeit abnimmt. Zudem wurde die Tatsache, dass die Rekur-

rentin bereits seit mehreren Jahren ihre Buchhaltung selbst führt und 

dadurch eine gewisse Routine hat, bei der Festsetzung des Vorausanteils 

zu wenig berücksichtigt. Unter Beachtung dieser Punkte ist die Bedeutung 

der durch die Rekurrentin vorgenommenen Tätigkeiten an ihrem Wohnsitz 

im Kanton Aargau für die EU G._____ wesentlich, jedoch weniger 

bedeutend als von der Vorinstanz angenommen. Insgesamt erscheint ein 

Vorausanteils von 10 % als gerechtfertigt. 

 

8. 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass durch die Berücksichtigung eines 

Vorausanteils von 20 % zugunsten des Kantons Aargau bzw. dessen Nicht-

berücksichtigung im Kanton W._____ eine effektive Doppelbesteuerung für 

einen Teil der Einkünfte aus selbständiger Erwerbstätigkeit vorliegt. Die 

Vorinstanz hat zu Recht einen Vorausanteil dem Wohnsitzkanton Aargau 

zugeteilt. Die Bedeutung der durch die Rekurrentin vorgenommenen Tätig-

keiten an ihrem Wohnsitz für die EU G._____ wurde von der Vorinstanz zu 

hoch bewertet. Der Vorausanteil ist daher von 20 % auf 10 % zu reduzieren. 

 

9. 

Im Ergebnis ist der Rekurs teilweise gutzuheissen. Die Steuerkommission 

V._____ hat eine neue Steuerausscheidung vorzunehmen. 

 

10. 

Bei diesem Verfahrensausgang obsiegt die Rekurrentin gemessen an ihren 

Anträgen zu 50 %. Sie hat daher 50% der Kosten des Rekursverfahrens zu 

tragen (§ 189 Abs. 1 StG). 

 

11. 

Der Rekurrentin ist sodann für die Vertretung im Rekursverfahren eine Par-

teientschädigung auszurichten (§ 189 Abs. 2 StG). Bei der Vertretung durch 

Rechtsanwälte stellt der Anwaltstarif gemäss dem Dekret über die Entschä-

digung der Anwälte vom 10. November 1987 (Anwaltstarif, AnwT) die obere 

Grenze des Parteikostenersatzes dar (vgl. AGVE 1981 S. 281 ff.; SGE vom 

21. Juli 2016 [3-RV.2015.160]). 

 

Vorliegend beträgt der Streitwert rund CHF 3'100.00. Der Fall hat einen 

mittleren Schwierigkeitsgrad und eine mittlere Bedeutung. Zudem ist von 

 - 13 - 

 

 

einem mittleren erforderlichen Aufwand auszugehen. Es rechtfertigt sich 

daher, die Parteientschädigung in Anwendung von § 8a Abs. 1 lit. a Ziff. 1 

und Abs. 2 AnwT sowie § 8c Abs. 1 AnwT auf CHF 1'000.00 (inkl. 8.1 % 

MWSt und Auslagen) festzusetzen. Davon sind der Rekurrentin 50 % mit 

CHF 500.00 auszurichten. 

 

 

 

  

 - 14 - 

 

 

 
   

Das Gericht erkennt: 

 

1. 

In teilweiser Gutheissung des Rekurses wird der Vorausanteil auf 10 % 

festgesetzt. 

 

2. 

Die Steuerkommission V._____ wird angewiesen, eine neue Steu-

erausscheidung vorzunehmen. 

 

3. 

Die Rekurrentin hat die Kosten des Rekursverfahrens, bestehend aus einer 

Staatsgebühr von CHF 400.00, der Kanzleigebühr von CHF 180.00 und 

den Auslagen von CHF 100.00, zusammen CHF 680.00, zu 50 % mit 

CHF 340.00 zu bezahlen. 

 

4. 

Es wird eine Parteientschädigung von CHF 500.00 (inkl. 8.1 % MWSt) aus-

gerichtet. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

der Vertreter der Rekurrentin (2) 

das Kantonale Steueramt  

das Gemeindesteueramt V._____ 

 

 

 
 

   

Rechtsmittelbelehrung  

 

Dieser Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Be-

schwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Aargau angefochten 

werden. Die Beschwerde ist in doppelter Ausfertigung beim Spezialver-

waltungsgericht, Obere Vorstadt 37, 5001 Aarau, einzureichen. Die 

Frist steht still vom 7. Tag vor bis und mit dem 7. Tag nach Ostern, vom 

15. Juli bis und mit 15. August und vom 18. Dezember bis und mit dem 

2. Januar. Die unterzeichnete Beschwerdeschrift muss einen Antrag, wie 

der Entscheid zu ändern sei, sowie eine Begründung enthalten. Der ange-

fochtene Entscheid und als Beweismittel angerufene Urkunden sind beizu-

legen (§§ 28 und 43 f. des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 

4. Dezember 2007 [VRPG] in Verbindung mit Art. 145 Abs. 1 der Schwei-

zerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 [ZPO]; §§ 187, 

196 und 198 des Steuergesetzes vom 15. Dezember 1998 [StG]). 

 - 15 - 

 

 

 

 
   

Aarau, 20. Februar 2025 

 

Spezialverwaltungsgericht 

Steuern 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Heuscher Betsche