# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8b8efae1-7d95-53f2-9b9e-bdd3c0b9f364
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-25
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 25.08.2023 SK 2023 6
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2023-6_2023-08-25.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 23 6

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 25. August 2023

Besetzung Oberrichter Gerber (Präsident i.V.), 
Oberrichterin Schwendener, Obergerichtssuppleantin Salzmann
Gerichtsschreiberin Bettler

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________, 

Beschuldigter

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Berufungsführerin 1

und

C.________, 
amtlich vertreten durch Rechtsanwältin D.________

Straf- und Zivilklägerin/Berufungsführerin 2

Gegenstand Gefährdung des Lebens, mehrfache einfache Körperverletzung, 
Tätlichkeiten etc.

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Oberland (Ein-
zelgericht) vom 11. November 2022 (PEN 22 194)

2

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Oberland (Einzelgericht; nachfolgend: Vorinstanz) sprach 
A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) mit Urteil vom 11. November 2022 
(pag. 509 ff.) von der Anschuldigung der Gefährdung des Lebens, angeblich be-
gangen am 22. September 2020 in E.________, zum Nachteil von C.________ 
(Straf- und Zivilklägerin; nachfolgend: Privatklägerin), frei, unter Auferlegung der 
anteilsmässigen Verfahrenskosten von 1/2, insgesamt bestimmt auf CHF 5’260.85, 
an den Kanton Bern sowie unter Ausrichtung einer Entschädigung von 
CHF 7'841.90 an Rechtsanwalt B.________ für die amtliche Verteidigung des Be-
schuldigten (pag. 510, Ziff. I. erstinstanzliches Urteil).

Hingegen erklärte die Vorinstanz den Beschuldigten der mehrfachen einfachen 
Körperverletzung, der mehrfachen Tätlichkeit, der mehrfachen Sachbeschädigung, 
der mehrfachen Beschimpfung, der Hinderung einer Amtshandlung, des Vergehens 
gegen das Betäubungsmittelgesetz, des mehrfachen Ungehorsams gegen amtliche 
Verfügungen, der mehrfachen Übertretung gegen das Personenbeförderungsge-
setz sowie der Übertretung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig. Sie verur-
teilte ihn zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu CHF 120.00, ausmachend to-
tal CHF 7'200.00, teilweise als Zusatzstrafe zum Urteil der Regionalen Staatsan-
waltschaft Bern-Mittelland vom 16. Dezember 2020, unter Anrechnung der Unter-
suchungshaft von 1 Tag, zu einer Übertretungsbusse von CHF 1'061.50 sowie zu 
den auf die Schuldsprüche entfallenden Verfahrenskosten von 1/2, insgesamt be-
stimmt auf CHF 5’260.85. Zudem hat der Beschuldigte der Privatklägerin eine Ent-
schädigung von CHF 9'953.65 für ihre Aufwendungen im Verfahren zu bezahlen 
(pag. 511 f., Ziff. II. erstinstanzliches Urteil).

Im Zivilpunkt stellte die Vorinstanz fest, dass der Beschuldigte anerkannt hat, der 
Privatklägerin einen Betrag von CHF 300.00 zu schulden. Die Zivilklage wurde in-
soweit als gegenstandslos geworden abgeschrieben. Weiter verurteilte die Vor-
instanz den Beschuldigten zur Bezahlung von CHF 1'619.00 Schadenersatz und 
CHF 1'000.00 Genugtuung an die Privatklägerin. Soweit weitergehend wurde die 
Zivilklage abgewiesen. In Anbetracht der unzureichenden Begründung/Bezifferung 
wurde die Zivilklage der Straf- und Zivilklägerin F.________ AG auf den Zivilweg 
verwiesen. Für den Zivilpunkt wurden keine Kosten ausgeschieden (pag. 513 f., 
Ziff. IV. erstinstanzliches Urteil).

Zudem wurde der Antrag der Privatklägerin auf ein Annährungs- und Kontaktverbot 
gemäss Art. 67b des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0) abge-
wiesen (pag. 514, Ziff. V. 1. erstinstanzliches Urteil).

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldeten die Regionale Staatsanwaltschaft Oberland mit 
Schreiben vom 14. November 2022 (pag. 517) und die Privatklägerin, vertreten 
durch Rechtsanwältin D.________, mit Schreiben vom 17. November 2022 
(pag. 518) form- und fristgerecht die Berufung an. Nach Zustellung der schriftlichen 
Urteilsbegründung mit Verfügung vom 5. Januar 2023 (pag. 571 f.) erklärte die Pri-

3

vatklägerin mit Eingabe vom 27. Januar 2023 form- und fristgerecht die Berufung, 
beschränkt auf den Freispruch von der Anschuldigung der Gefährdung des Lebens, 
die Verurteilung zur Bezahlung von CHF 1'000.00 Genugtuung sowie die Abwei-
sung des Antrags auf ein Annährungs- und Kontaktverbot gemäss Art. 67b StGB 
(pag. 581 ff.). Die Generalstaatsanwaltschaft erklärte mit Eingabe vom 30. Januar 
2023 ebenfalls form- und fristgerecht die Berufung, beschränkt auf den Freispruch 
von der Anschuldigung der Gefährdung des Lebens sowie die Strafzumessung. 
Zudem stellte die Generalstaatsanwaltschaft den Verfahrensantrag, der Sachver-
halt gemäss Anklageschrift vom 22. Juni 2022 Ziff. I. 1. sei auch unter dem Tatbe-
stand der versuchten Gefährdung des Lebens rechtlich zu würdigen (pag. 586 ff.). 

Gestützt auf die Verfügung vom 31. Januar 2023 (pag. 589 ff.) teilte die General-
staatsanwaltschaft mit Schreiben vom 6. Februar 2023 mit, sie beantrage kein 
Nichteintreten auf die Berufung der Privatklägerin und verzichte aufgrund der ei-
genständigen Berufung auf das Erklären einer Anschlussberufung (pag. 596 f.). 
Der Beschuldigte verzichtete mit Schreiben vom 17. Februar 2023 auf eine An-
schlussberufung und teilte mit, eine Würdigung des Sachverhalts unter dem Tatbe-
stand der versuchten Gefährdung des Lebens erübrige sich, zumal die Vorinstanz 
im Rahmen der rechtlichen Würdigung treffend ausgeführt habe, dass anlässlich 
des Vorfalls vom 22. September 2020 zu keinem Zeitpunkt eine unmittelbare Ge-
fährdung für die Privatklägerin bestanden habe (pag. 599 f.). Die Privatklägerin teil-
te mit Schreiben vom 17. Februar 2023 mit, dass gegen den Antrag der General-
staatsanwaltschaft keine Einwände bestünden. Sie begrüsse diesen Antrag 
(pag. 602). 

Mit Verfügung vom 2. März 2023 wurde der Antrag der Generalstaatsanwaltschaft, 
der Sachverhalt gemäss Anklageschrift vom 22. Juni 2022 Ziff. I. 1. sei auch unter 
dem Tatbestand der versuchten Gefährdung des Lebens rechtlich zu würdigen, 
gutgeheissen. Zur Begründung wird auf die Ausführungen in der erwähnten Verfü-
gung verwiesen. Ferner stellte die Verfahrensleitung fest, dass gegen den Schuld-
spruch wegen mehrfacher Übertretung gegen das Personenbeförderungsgesetz 
(Ziff. II. 8. erstinstanzliches Urteil) sowie die Verweisung der Zivilklage der Straf- 
und Zivilklägerin F.________ AG auf den Zivilweg (Ziff. IV. 3. erstinstanzliches Ur-
teil) keine (Anschluss-)Berufung gemacht worden ist. Es sei daher beabsichtigt, 
bezüglich dieser Urteilsziffern die Rechtskraft festzustellen und die Straf- und Zivil-
klägerin F.________ AG sowie die Strafklägerin G.________ AG aus dem oberin-
stanzlichen Verfahren zu entlassen. Den Parteien wurde Gelegenheit gegeben, all-
fällige Einwände gegen das beabsichtigte Vorgehen geltend zu machen (pag. 604 
ff.). Der Beschuldigte und die Generalstaatsanwaltschaft hatten keine Einwände 
gegen das beabsichtigte Vorgehen anzubringen (vgl. pag. 615; pag. 618). Die übri-
gen Parteien liessen sich innert Frist nicht vernehmen. 

Mit Beschluss vom 28. März 2023 wurde festgestellt, dass das Urteil des Regional-
gerichts Oberland vom 11. November 2022 betreffend den Schuldspruch wegen 
mehrfacher Übertretung gegen das Personenbeförderungsgesetz (Ziff. II. 8. erstin-
stanzliches Urteil) und die Verweisung der Zivilklage der Straf- und Zivilklägerin 
F.________ AG auf den Zivilweg (Ziff. IV. 3. erstinstanzliches Urteil) in Rechtskraft 
erwachsen ist. Die Straf- und Zivilklägerin F.________ AG sowie die Strafklägerin 

4

G.________ AG wurden aus dem oberinstanzlichen Verfahren entlassen (ohne 
Kostenfolge zu ihren Lasten; pag. 624 ff.).

Die Berufungsverhandlung vor der 1. Strafkammer fand am 24./25. August 2023 
statt (pag. 674 ff.). Die Privatklägerin zog an der Berufungsverhandlung ihren An-
trag auf ein Annäherungs- und Kontaktverbot zurück (pag. 697). 

3. Beweisergänzungen 

Von Amtes wegen wurden oberinstanzlich im Sinne einer Beweisergänzung ein ak-
tueller Leumundsbericht (inkl. Bericht über die wirtschaftlichen Verhältnisse) sowie 
ein aktueller Strafregisterauszug über den Beschuldigten eingeholt (pag. 656 ff.; 
pag. 661 ff.). 

Zudem wurden die Privatklägerin und der Beschuldigte an der oberinstanzlichen 
Verhandlung ergänzend einvernommen (pag. 676 ff.; pag. 682 ff.). 

4. Anträge der Parteien

Staatsanwältin R.________ stellte und begründete an der oberinstanzlichen Ver-
handlung namens der Generalstaatsanwaltschaft folgende Anträge (pag. 702 ff.):

I.

Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Oberland vom 11. November 2022 in 
Rechtskraft erwachsen ist in Bezug auf folgende Schuldsprüche: 

1. wegen einfacher Körperverletzung, mehrfach begangen am 22.09.2020 in E.________, zum 
Nachteil von C.________; 

2. wegen Tätlichkeit, mehrfach begangen am 22.09.2020 in E.________, zum Nachteil von 
C.________; 

3. wegen Sachbeschädigung, mehrfach begangen am 22.09.2020 in E.________, zum Nachteil von 
C.________; 

4. wegen Beschimpfung, mehrfach begangen am 22.09.2020 in E.________, zum Nachteil von 
C.________; 

5. wegen Hinderung einer Amtshandlung, begangen am 23.06.2021 in Bern, Hauptbahnhof; 

6. wegen Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz, begangen in der Woche vom 15.09.2020 in 
E.________; 

7. wegen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen, mehrfach begangen am 13.11.2020 in 
E.________; 

8. wegen Übertretung gegen das Personenbeförderungsgesetz, begangen 

8.1. am 19.08.2020 auf der Strecke E.________ – L.________, zum Nachteil der G.________ 
AG; 

8.2. am 05.03.2021 in E.________, M.________, zum Nachteil der F.________ AG; 

9. wegen Übertretung gegen das Betäubungsmittelgesetz, begangen am 22.09.2020 in E.________. 

II.

A.________ sei zusätzlich zu den in Rechtskraft erwachsenen Schuldsprüchen schuldig zu erklären 
wegen Gefährdung des Lebens, begangen am 22.09.2020 in E.________ zum Nachteil von 
C.________. 

III.

A.________ sei in Anwendung von Art. 34, 40, 42, 44, 47, 49 Abs. 1 und 2, 66a Abs. 1 Bst. b, 106, 
123 Ziff. 1, 126 Abs. 1, 129, 144 Abs. 1, 177, 286 und 292 StGB, Art. 19 Abs. 1 Bst. c und d sowie 
19a Ziff. 1 BetmG, Art. 57 Abs. 3 PBG sowie Art. 426 ff. StPO 

zu verurteilen:

5

1. zu einer Freiheitsstrafe von 21 Monaten, unter Gewährung des bedingten Vollzugs bei einer Pro-
bezeit von 4 Jahren sowie unter Anrechnung der Polizeihaft (vorläufige Festnahme) im Umfang 
von einem Tag; 

2. zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen, teilweise als Zusatzstrafe zum Urteil der Regionalen 
Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 16.12.2020; 

3. zu einer Busse von CHF 1'200.00, unter Festsetzung einer Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter 
Nichtbezahlung auf 12 Tage; 

4. zu einer Landesverweisung von 7 Jahren. Es sei die Ausschreibung der Landesverweisung im 
Schengener Informationssystem anzuordnen; 

5. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. einer angemessenen Ge-
bühr von gemäss Art. 21 VKD). 

IV.

Im Weiteren sei zu verfügen: 

1. Das von A.________ erfasste DNA-Profil ist nach zehn Jahren, gerechnet ab Urteilsdatum, zu lö-
schen (Art. 16 Abs. 2 Bst. a i.V.m. Art. 16 Abs. 3 DNA-ProfilG). 

2. Die von A.________ erfassten biometrischen erkennungsdienstlichen Daten sind nach zehn Jah-
ren, gerechnet ab Urteilsdatum, zu löschen (Art. 354 Abs. 4 Bst. a StGB i.V.m. Art. 16 Abs. 2 
Bst. a und Art. 16 Abs. 3 DNA-ProfilG). 

3. Die Honorare des amtlichen Verteidigers und der amtlichen Rechtsbeiständin seien gerichtlich zu 
bestimmen (Art. 135 und 138 StPO).

Rechtsanwältin D.________ stellte und begründete namens der Privatklägerin 
folgende Anträge (pag. 696): 
1. Der Beschuldigte sei zu verurteilen wegen Gefährdung des Lebens gemäss Art. 129 StGB unter 

Auferlegung der anteilsmässigen Verfahrenskosten (1/2) an den Beschuldigten. 

2. Der Beschuldigte sei zur Bezahlung einer Genugtuung von CHF 8'000.00 an die Berufungskläge-
rin zu verurteilen. 

3. [Antrag auf ein Annäherungs- und Kontaktverbot an der Berufungsverhandlung zurückgezogen].

4. Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten seien vollumfänglich dem Beschuldigten aufzuerlegen 
und er sei zu verpflichten, der Berufungsklägerin eine noch zu beziffernde Entschädigung für die 
ihr entstandenen Parteikosten im oberinstanzlichen Verfahren zu leisten. 

5. Das Urteil des Regionalgerichts Oberland vom 11. November 2022 sei in den übrigen Teilen zu 
bestätigen.

Rechtsanwalt B.________ stellte und begründete namens des Beschuldigten fol-
gende Anträge (pag. 709):
A.________ sei freizusprechen: 

1. von der Anschuldigung der Gefährdung des Lebens z.N. der C.________, angeblich begangen 
am 22. September 2020, zwischen 22:00 und 23:00 Uhr an der N.________ in E.________; 

2. unter Auferlegung der anteiligen Verfahrenskosten an den Kanton Bern; 

3. unter Auferlegung der anteiligen Verteidigungskosten an den Kanton Bern; 

4. im Übrigen sei das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Oberland, Gerichtspräsidentin 
H.________, im Verfahren PEN 22 194 vom 11. November 2022 zu bestätigen; 

und im Weiteren sei zu verfügen:

5. die beigelegte Kostennote des amtlichen Verteidigers sei zu genehmigen. 

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Zufolge der beschränkten Berufung der Generalstaatsanwaltschaft und der be-
schränkten Berufung der Privatklägerin hat die Kammer den Freispruch von der 
Anschuldigung der Gefährdung des Lebens, die Strafzumessung inkl. Landesver-

6

weisung, die Höhe der ausgesprochenen Genugtuung sowie die Kosten und Ent-
schädigungsfolgen zu überprüfen. Praxisgemäss ist zudem über das erstellte DNA-
Profil und die erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten neu zu be-
finden. Abgesehen davon ist das Urteil des Regionalgerichts Oberland vom 
11. November 2022 in Rechtskraft erwachsen. 

Die Kammer verfügt als Berufungsgericht über umfassende Kognition in tatsächli-
cher und rechtlicher Hinsicht (Art. 398 Abs. 2 und 3 der Schweizerischen Strafpro-
zessordnung [StPO; SR 312.0]) und ist aufgrund der Berufung der Generalstaats-
anwaltschaft und der Berufung der Privatklägerin nicht an das Verschlechterungs-
verbot (Verbot der reformatio in peius) gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden, 
d.h. sie darf das Urteil auch zu Ungunsten des Beschuldigten abändern.

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Rechtskräftige Schuldsprüche

Den unangefochten gebliebenen und damit rechtskräftigen Schuldsprüche liegen 
gemäss der Anklageschrift vom 22. Juni 2022 (pag. 403 ff.) die folgenden Sachver-
halte zugrunde:

1. Einfache Körperverletzung, mehrfach (Art. 123 Ziff. 1 StGB) und Tätlichkei-
ten, mehrfach (Art. 126 Abs. 1 StGB) – vgl. pag. 530 ff., S. 7 ff. der erstinstanz-
lichen Urteilsbegründung: 

begangen am 22. September 2020 in der Zeit zwischen 22.00 und 23.00 Uhr in 
E.________, N.________, 2. OG, Wohnung, zum Nachteil der Privatklägerin.

Der alkoholisierte, wütende und stark aufgebrachte Beschuldigte begab sich 
zur Wohnung der Privatklägerin, um sich bei dieser für Prügel, die er zuvor von 
einer Drittperson wegen ihr erhalten habe, zu rächen.

Der Beschuldigte trat in die Wohnung, schlug der Privatklägerin mit der Faust 
mehrmals gegen das Gesicht, so dass sie unter dem linken Auge ein Mono-
kelhämatom von rund 3,5 cm Länge sowie zumindest eine gequetschte Nase 
erlitt. Zudem schlug und stiess er sie zu Boden und trat sie mit den Füssen ge-
gen den Rumpf, so dass sie zumindest eine Rippenquetschung, eine Prellung 
des Ellenbogens rechts und eine 10 x 2 cm sowie eine 5 x 15 cm messende 
Hautverfärbung am Brustkorb erlitt, welche schmerzten und vier Tage nach 
dem Vorfall noch deutlich zu sehen waren. Ausserdem schlug und trat er ge-
gen die Privatklägerin und stiess sie weg, ohne dass sie dabei verletzt worden 
wäre bzw. wodurch sie kleinere Hämatome erlitt.

2. Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 StGB) – vgl. pag. 537 ff., S. 14 ff. der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung:

mehrfach begangen am 22. September 2020 in der Zeit zwischen 22.00 und 
23.00 Uhr in E.________, N.________, 2. OG, zum Nachteil der Privatklägerin.

Der Beschuldigte trat beim unter Ziffer 1. der Anklageschrift beschriebenen 
Vorfall absichtlich gegen das Bett der Privatklägerin im Wert von CHF 119.00, 

7

so dass dieses beschädigt wurde. Zudem beschädigte er ihren Laptop HP im 
Neuwert von CHF ca. 1’800.00, zerriss ihr T-Shirt, warf den Balkontisch um, so 
dass dieser einen Kratzer erlitt, verursachte Schrammen auf dem Sideboard 
und warf diverse Dekorationsgegenstände in der Wohnung herum, so dass 
diese beschädigt wurden. Dadurch entstand an diesen Gegenständen ein 
Sachschaden im Wert von höchstens CHF 500.00.

3. Beschimpfung (Art. 177 StGB) – vgl. pag. 539 ff., S. 16 ff. der erstinstanzli-
chen Urteilsbegründung: 

mehrfach begangen am 22. September 2020 in der Zeit zwischen 22.00 und 
23.00 Uhr in E.________, N.________, 2. OG, zum Nachteil der Privatklägerin.

Der Beschuldigte bezeichnete die Privatklägerin mit den Worten «Nutte», «alte 
Sau», «Schlampe» und «das Allerletzte». 

4. Hinderung einer Amtshandlung (Art. 286 StGB) – vgl. pag. 541 f., S. 18 f. 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung: 

begangen am 23. Juni 2021 um ca. 23.30 Uhr in 3011 Bern, Hauptbahnhof.

Der Beschuldigte belästigte am Bahnhof Passanten, so dass die Mitarbeiten-
den I.________ und J.________ der K.________ AG zur Wahrung der öffentli-
chen Sicherheit und Ordnung entschieden, ihn zu kontrollieren. Der Beschul-
digte verweigerte allerdings dabei, sich auszuweisen und versuchte, sich von 
der Kontrolle zu entfernen. Als er von I.________ zurückgehalten wurde, um 
die Kontrolle durchzuführen, versuchte der Beschuldigte, dessen Griff zu lösen 
und sich zu versperren. Er musste schliesslich zu Boden geführt und in das 
Schliesszeug gelegt werden. Der Beschuldigte hinderte durch sein Verhalten 
die ordnungsgemässe Durchführung der Kontrolle. 

5. Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz (Art. 19 Abs. 1 Bst. c und d 
des Betäubungsmittelgesetzes [BetmG; SR 812.121]) – vgl. pag. 542, S. 19 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung: 

begangen in der Woche vom 15. September 2020 in E.________, 
N.________, 2. OG.

Der Beschuldigte verschaffte einer Bekannten rund 10 Gramm Marihuana für 
CHF 100.00 und übergab ihr dieses auf dem Balkon der Privatklägerin. 

6. Ungehorsam gegen amtliche Verfügungen (Art. 292 StGB) – vgl. pag. 542 
ff., S. 19 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung: 

mehrfach begangen,

6.1. am 13. November 2020 um ca. 17.00 Uhr in E.________, N.________, 
2. OG.

Der Beschuldigte näherte sich der Privatklägerin in einem Abstand von 
weniger als 3 Meter und ihrer Wohnung in einem Abstand von weniger als 
50 Meter, obwohl ihm dies mit Entscheid vom 16. Oktober 2020 des Regi-
onalgerichts Oberland unter Strafandrohung bei Nichtbefolgen verboten 
worden war.

8

6.2. am 13. November 2020 in E.________, N.________, 2. OG (angeklagt 
war der Zeitraum zwischen 29. September 2020 und 25. November 2020).

Der Beschuldigte nahm mit der Privatklägerin über WhatsApp Kontakt auf, 
obwohl ihm dies mit Verfügung der Kantonspolizei Bern vom 29. Septem-
ber 2020 unter Strafandrohung bei Nichtbefolgen verboten worden war.

7. Übertretung gegen das Personenbeförderungsgesetz (Art. 57 Abs. 3 des 
Personenbeförderungsgesetzes [PBG; SR 745.1]) – vgl. pag. 545, S. 22 der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung: 

mehrfach begangen,

7.1. am 19. August 2020 um 12.22 Uhr auf der Strecke E.________ – 
L.________, zum Nachteil der G.________ AG.

Der Beschuldigte benutzte den Zug, ohne über einen gültigen Fahraus-
weis verfügt zu haben.

7.2. am 5. März 2021 um 23.33 Uhr in E.________, M.________, zum Nachteil 
der F.________ AG.

Der Beschuldigte benutzte den Bus, ohne über einen gültigen Fahraus-
weis verfügt zu haben.

8. Übertretung gegen das Betäubungsmittelgesetz (Art. 19a Ziff. 1 BetmG) – 
vgl. pag. 545 f., S. 22 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung:

begangen am 22. September 2020 in E.________, N.________.

Der Beschuldigte konsumierte Marihuana.

Bezüglich der einzelnen Sachverhalte kann auf die erstinstanzlichen Erwägungen 
verwiesen werden. Diese sind – soweit der Sachverhalt erstinstanzlich bestritten 
war – ausführlich, sorgfältig und zutreffend. 

7. Vorwurf der Gefährdung des Lebens, evtl. Versuchs dazu 

7.1 Ausgangslage 

Unter Ziff. I. 1. der Anklageschrift vom 22. Juni 2022 sind mehrere Vorwürfe ange-
klagt, die sich alle am 22. September 2020 in der Zeit zwischen 22.00 und 
23.00 Uhr in E.________, N.________, im 2. OG in der Wohnung und auf dem 
Balkon zum Nachteil der Privatklägerin ereignet haben sollen. Von der Kammer zu 
überprüfen ist der erstinstanzliche Freispruch von der Anschuldigung der Gefähr-
dung des Lebens (Art. 129 StGB). Der diesbezügliche Sachverhalt wird in der An-
klageschrift wie folgt umschrieben (pag. 404): 

[…]

Schliesslich stiess A.________ C.________ auf den Balkon, packte sie und drückte sie über das Bal-
kongeländer, welches sich in einer Höhe von rund 9 Metern über dem Boden befand. Er sagte: «Ich 
bringe dich um, ich schmeisse dich jetzt über den Balkon» und drückte C.________, die sich dagegen 
wehrte, mit dem Rücken weiter gegen das Balkongeländer und versuchte, sie darüber hinaus zu he-
ben bzw. mit dem Oberkörper über das Geländer hinauszudrücken. C.________ wurde dadurch in die 
Höhe gehoben, so dass ein Fuss von ihr den Boden nicht mehr berührte und ihr Oberkörper über dem 

9

Geländer in der Luft hing. Als C.________ die Gegenwehr abbrach und sagte: «Weisch was, dann 
mach es doch», liess er unvermittelt von ihr ab. C.________ erlitt dadurch am unteren Rücken rechts-
seitig eine ca. 10,5 x 3 cm messende Hautverfärbung sowie am unteren Rücken linksseitig eine ca. 
6 x 2,5 cm messende Hautverfärbung. 

Aufgrund seines alkoholisierten und aufgebrachten Zustands sowie der Tatsache, dass sich 
C.________ zu wehren versuchte und ein Handgemenge entstand, hatte A.________ nicht unter 
Kontrolle, wie weit er C.________ über das Balkongeländer drücken konnte, ohne dass sie über das 
Geländer hinaus herunterfällt. Er brachte sie insofern angesichts der Höhe des Balkons und der Be-
schaffenheit des sich unter dem Balkon befindenden Betonbodens durch sein Handeln vorsätzlich, 
ohne vernünftigen Grund, gewissenlos und mithin skrupellos in eine unmittelbare Lebensgefahr.

7.2 Beweismittel

Die Vorinstanz hat die objektiven Beweismittel, die Aussagen des Beschuldigten 
(pag. 142 ff.; pag. 153 ff.; pag. 459 ff.), der Privatklägerin (pag. 165 ff.; pag. 171 ff.; 
pag. 182 ff.; pag. 472 ff.) und die Aussagen von O.________ (pag. 191 ff.; pag. 196 
ff.; pag. 468 ff.) ausführlich und sorgfältig wiedergegeben (pag. 531 ff., S. 8 ff. der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Darauf wird verwiesen. Soweit sich ergän-
zende und/oder präzisierende Ausführungen zu den einzelnen Beweismitteln auf-
drängen, erfolgen diese im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung der 
Kammer. 

Auf eine Zusammenfassung der oberinstanzlichen Einvernahmen der Privatkläge-
rin (pag. 676 ff.) und des Beschuldigten (pag. 682 ff.) wird verzichtet. Die relevan-
ten Aussagen werden in der nachfolgenden Beweiswürdigung direkt gewürdigt.

7.3 Beweiswürdigung der Vorinstanz

Die Vorinstanz hielt zur Szene auf dem Balkon beweiswürdigend fest, sowohl die 
Privatklägerin als auch die Zeugin O.________ hätten übereinstimmend ausgesagt, 
dass der Beschuldigte mit der Privatklägerin auf dem Balkon gewesen sei. Das 
Hämatom der Privatklägerin an ihrer Lende korreliere mit der Höhe des Balkon-
geländers, womit die Aussagen der Privatklägerin sowie die tatnächsten Aussagen 
der Zeugin, wonach der Beschuldigte die Privatklägerin rücklings über das Gelän-
der gedrückt habe, durch objektive Beweismittel gestützt würden (pag. 536 f., S. 13 
f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Die Aussagen der Zeugin O.________ 
anlässlich der Hauptverhandlung seien nicht beachtlich, da die Zeugin selber an-
gegeben habe, sich nicht mehr sicher zu sein und sich nicht mehr genau erinnern 
zu können. Somit sei erstellt, dass der Beschuldigte die Privatklägerin rücklings an 
das Geländer gedrückt habe. Weiter sei gestützt auf die Aussagen der Privatkläge-
rin davon auszugehen, dass sie einen Fuss nicht mehr auf dem Boden gehabt ha-
be, aber ihr Körperschwerpunkt noch innerhalb des Balkons gewesen sei. Nicht er-
stellt sei hingegen der Umstand, dass der Beschuldigte die Situation nicht mehr un-
ter Kontrolle gehabt habe. Der Beschuldigte habe genau gewusst, was er tue und 
habe die Situation nicht gänzlich ausser Kontrolle geraten lassen. Zudem sei der 
Beschuldigte noch orientiert bzw. aufnahmefähig gewesen, da er auf die Äusse-
rung der Privatklägerin «dann mach doch» ohne Weiteres von ihr abgelassen ha-
be. Der Beschuldigte sei gemäss eigenen Angaben zwar alkoholisiert gewesen, je-
doch den Alkoholkonsum gewohnt gewesen. Zudem sei er zwar wütend gewesen, 

10

habe sich aber noch unter Kontrolle gehabt und gewusst, was er mache. Es habe 
sich auf dem Balkon somit nicht um eine für den Beschuldigten nicht mehr kontrol-
lierbare Situation gehandelt (pag. 537, S. 14 der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung). 

Die Vorinstanz erachtete den angeklagten Sachverhalt insoweit als erstellt, als die 
Privatklägerin und der Beschuldigte auf dem Balkon gewesen seien, dieser sie ge-
gen das Balkongeländer gedrückt habe und sie davon ein Hämatom im Lendenbe-
reich erlitten habe. Nicht erstellt sei hingegen der Umstand, dass der Beschuldigte 
die Situation nicht mehr unter Kontrolle gehabt habe (pag. 537, S. 14 der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung).

7.4 Beweiswürdigung der Kammer

7.4.1 Objektive Beweismittel

Die objektiven Beweismittel sind schlüssig und stimmig, vermögen jedoch die sich 
stellenden Beweisfragen im Zusammenhang mit der Anschuldigung der (versuch-
ten) Gefährdung des Lebens für sich alleine nicht zu beantworten. Dem Rapport 
Forensik der Kriminalabteilung der Kantonspolizei Bern vom 22. Oktober 2020 
(pag. 41 f.) ist denn auch unter Schlussfolgerung zu entnehmen: «Über den ge-
nauen Tatablauf kann spurentechnisch keine Angaben gemacht werden, da die 
Spurensicherung vier Tage später erfolgte» (pag. 42). Ähnliches ergibt sich aus der 
Beurteilung des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bern (nachfolgend: IRM) 
im Rahmen des rechtsmedizinischen Gutachtens zur körperlichen Untersuchung 
der Privatklägerin vom 13. Oktober 2020 (pag. 321 ff.): «Eine Entstehung der band-
förmigen Befunde im unteren Rückenbereich beidseits wäre im Rahmen eines An-
stossens und/oder Herandrückens an ein Balkongeländer denkbar. Abschliessende 
Angaben über den genauen Entstehungszeitpunkt der Verletzungen lassen sich 
nicht machen. Eine Entstehung der Befunde wenige bis mehrere Tage vor Durch-
führung der rechtsmedizinischen Untersuchung wäre jedoch denkbar» (pag. 326). 
Auch die Polizei machte in ihrem Nachtrag vom 21. Januar 2021 (pag. 17 ff.) eine 
ähnlich lautende Einschätzung: «Ob jemals eine konkrete Sturzgefahr vom Balkon 
bestand, kann nicht abschliessend gesagt werden» (pag. 19). Entgegen dem Ein-
druck, der sich aus den Ausführungen der Verteidigung ergibt (vgl. pag. 699), sind 
die objektiven Beweismittel dennoch nicht von unwesentlicher Bedeutung. So lässt 
sich aus den auf den Fotoaufnahmen ersichtlichen Blutanhaftungen (pag. 50) bzw. 
den blutverdächtigen Anhaftungen (pag. 49) schliessen, dass sich die Privatkläge-
rin und/oder der Beschuldigte blutend auf dem Balkon aufgehalten haben bzw. hat. 
Auch der zerbrochene Zigarettenstummelaufbewahrer sowie die Häufchen an Ver-
unreinigungen am Boden unter dem Abstelltischchen (Zigarettenkippen und Blu-
menerde oder dergleichen, vgl. pag. 51 f.) sind zumindest ein Indiz dafür, dass eine 
Auseinandersetzung auf dem Balkon stattgefunden haben könnte. Dass es keine 
DNA-Auswertung gegeben hat, mag ein Schönheitsfehler sein. Die Polizei musste 
jedoch zumindest am Tatabend nicht davon ausgehen, dass sich das Geschehen 
auf den Balkon verlagert hat; jedenfalls ergeben sich aus den polizeilichen Unterla-
gen (Anzeige, Wahrnehmungsberichte) keine entsprechenden Anhaltspunkte. Im 
Übrigen scheint die Polizei im weiteren Verlauf der Ermittlungen davon ausgegan-
gen zu sein, dass das Blut vom Opfer stammte, das aus der Nase geblutet hatte 

11

(vgl. pag. 10 f.). Nur am Rande sei erwähnt, dass die Türe zum Balkon beim Ein-
treffen der Polizei offen stand (pag. 31). Schliesslich ergibt sich aus den Fotoauf-
nahmen, dass das Balkongeländer ab Boden bis Oberkante genau einen Meter 
misst, sich nach oben ab einer Höhe von rund 77 cm eine Öffnung im Balkon-
geländer befindet und eine massive, metallene, runde Querstange von rund 4 cm 
Durchmesser den oberen Abschluss des Balkongeländers bildet (pag. 48).

7.4.2 Aussagen der Privatklägerin

Die Vorinstanz wertete die Aussagen der Privatklägerin zutreffend als insgesamt 
glaubhaft, indem diese diverse Details aufwiesen, keine übermässige Belastung 
auszumachen sei und zahlreiche Äusserungen von Emotionen enthalten seien 
(pag. 536, S. 13 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Es trifft zwar zu, dass 
die Privatklägerin anlässlich der polizeilichen Intervention vom 22. September 2020 
den ausgerückten Polizisten nichts von einem Vorfall auf dem Balkon erzählte und 
ausdrücklich erklärte, keine Anzeige einreichen zu wollen bzw. sich bezüglich An-
zeigeerstattung nicht schlüssig war, so dass die Polizei lediglich von Antragsdelik-
ten ausgegangen ist (vgl. dazu den Anzeigerapport vom 11. Oktober 2020 [pag. 11] 
sowie die diversen Wahrnehmungsberichte [pag. 30 ff.; pag. 33 ff. und pag. 36 ff.]). 
Daraus kann der Beschuldigte jedoch nichts zu seinen Gunsten ableiten: Die Pri-
vatklägerin und der Beschuldigte hatten im Tatzeitpunkt eine sexuelle Beziehung 
und lebten faktisch zusammen (vgl. pag. 144 Z. 54 ff.; pag. 145 Z. 57 ff., Z. 63; 
pag. 167 Z. 82 ff.). Aus vielen Fällen häuslicher Gewalt weiss man, dass Opfer 
häufig ambivalent sind und nicht unbedingt sofort alles erzählen. Die Privatklägerin 
wirkte an diesem Abend weinerlich, wies einen ganz markanten Alkoholpegel auf 
(der Atemlufttest ergab ein Ergebnis von 1.41 mg/l; sie roch stark nach genosse-
nem Alkohol [pag. 11]) und stand sichtlich «geschockt» unter den von ihr erwähn-
ten körperlichen Attacken in der Wohnung. Ausserdem passierte die Auseinander-
setzung zu fortgesetzter Stunde. Die Privatklägerin erwähnte nicht nur den Vorfall 
auf dem Balkon nicht, sondern gab den diversen Wahrnehmungsberichten zufolge 
lediglich an, dass sie von ihrem Nachbarn geschlagen worden sei, was aufgrund 
des überall sichtbaren Blutes offensichtlich war. Alles in allem erstaunt es nicht 
bzw. ist durchaus nachvollziehbar, dass die Privatklägerin den Vorfall auf dem Bal-
kon bei der polizeilichen Intervention vom 22. September 2020 nicht erwähnte bzw. 
auch sonst keine weiteren Ausführungen machte und die Polizei auch nicht weiter 
insistierte, ging diese doch offenkundig von Antragsdelikten aus. Mit der Separie-
rung der Privatklägerin und des Beschuldigten bzw. der Aufforderung an Letzteren, 
in seiner Wohnung zu bleiben, war der Einsatz für sie fürs Erste beendet. 

Am späteren Vormittag des Folgetages meldete sich die Privatklägerin telefonisch 
via Notruf 117 bei der regionalen Einsatzzentrale und erklärte, sie wolle nun Anzei-
ge machen, da der Beschuldigte «schon wieder wörtlich gegen sie geworden sei», 
worauf sie an die Polizeiwache E.________ verwiesen wurde (pag. 12). Am 
24. September 2020, knapp eineinhalb Tage nach dem Vorfall, sprach die Privat-
klägerin am Schalter der Polizeiwache in E.________ vor. Weil der EL-Fall nicht im 
Dienst war, wurde sie auf den Folgetag verwiesen (pag. 12). 

Am 25. September 2020 konnte die Privatklägerin dann polizeilich einvernommen 
werden (pag. 165 ff.). Nicht ersichtlich ist, inwiefern die Tatsache, dass die Privat-

12

klägerin im Verlaufe der Einvernahme einräumte, ein Alkoholproblem zu haben, 
und alsdann die Durchführung eines Atemlufttests verweigerte (pag. 167 Z. 96 ff.), 
bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen eine Rolle spielen sollte. 
Aus dem Protokoll ergeben sich keine Hinweise/Verbale auf eine nennenswerte Al-
koholisierung und auch vom Inhalt her ergeben sich keine Anhaltspunkte für eine 
eingeschränkte Aussagetüchtigkeit. Insoweit gab die Privatklägerin naheliegend zu 
Protokoll: «Ich will nur die Anzeige machen, der Alkoholwert spielt hier keine Rolle» 
(pag. 167 Z. 105). Die Einvernahme dauerte insgesamt eine gute Stunde (vgl. 
pag. 165; pag. 170). Dabei fällt auf, dass sich die Schilderungen bezüglich Phase 1 
(im Innern der Wohnung) inhaltlich und strukturell kaum von denjenigen bezüglich 
Phase 2 (auf dem Balkon) unterscheiden. Zur Phase auf dem Balkon führte die Pri-
vatklägerin aus: «Plötzlich stand ich auf dem Balkon mit dem Rücken gegen das 
Geländer und er wollte mich nach unten schubsen. Ich nahm eine Opferrolle ein 
und kauerte so ein wenig zusammen. Er hat mich aber dann gelassen. Meine Len-
den waren am Geländer» (pag. 166 f. Z. 61 ff.), um dann auf spätere Nachfrage hin 
auszuführen: «Er drängte mich zur Balkontüre heraus und sagte zu mir: I bringe di 
iz um, i schmeisse die übere Baukon». Dann war ich wie in einem Schockzustand. 
Ich sagte zu ihm, als ich vor ihm stand, dann mach doch. Das Balkongeländer war 
auf Hüfthöhe von mir, ich hatte dies im Rücken. Ich hing dort drüber, rückwärts» 
(pag. 168 Z. 115 ff.). «Wenn ich in der Opferrolle geblieben wäre, also ich habe 
mich zusammengekauert, dann würde ich jetzt fehlen» (pag. 168 Z. 122 f.). 

Es ist nicht nachvollziehbar, inwiefern diese Aussagen bloss pauschal sein und 
keine oder nur wenig Details enthalten sollen (vgl. pag. 698 f.). Entgegen den Vor-
bringen der Verteidigung (vgl. pag. 698 f.) gab die Privatklägerin bereits in dieser 
ersten Einvernahme an, dass sie rückwärts über das Balkongeländer gehangen sei 
(pag. 168 Z. 117 f.). Auffallend ist, dass sich ihre Schilderungen ohne Weiteres mit 
den objektiven Beweismitteln in Einklang bringen lassen, obwohl die körperliche 
Untersuchung durch das IRM wie auch die kriminaltechnischen Abklärungen (Fotos 
und Ausmessen des Geländers etc.) erst am Tag darauf (am 26. September 2020) 
stattgefunden haben. Die spurenmässige örtliche Kongruenz der Höhe der Verlet-
zungen im Bereich der Lende mit der Höhe der Abschlussstange des Balkongelän-
ders konnte der Privatklägerin so detailliert nicht bekannt sein. Jedenfalls spricht al-
lein schon diese Übereinstimmung ganz stark für die Glaubhaftigkeit der Aussagen 
der Privatklägerin. Die von der Verteidigung als Alternativszenario ins Feld geführte 
Variante der Entstehung durch das Bettgestell (vgl. pag. 699) muss als klare 
Schutzbehauptung abgetan werden. Der Bettrahmen hat eine andere Form und 
Dimension als die Balkonabschlussstange. Überdies befand sich eine Matratze auf 
dem Bettgestell und eine Decke über dem fussseitigen Bettrahmen (pag. 55). Ein 
rückwärts auf das Bett Fallen mit parallelem Anstossen genau auf der Höhe von 
1 Meter und der Verursachung des dokumentierten Verletzungsbildes ist äusserst 
unwahrscheinlich. Die ersten protokollierten Aussagen der Privatklägerin erfolgten 
zwar nicht tatzeitnächst, sondern rund zweieinhalb Tage nach dem Vorfall. Nichts-
destotrotz sind in den Aussagen der Privatklägerin keine Lügensignale ersichtlich. 
Vielmehr sind Realkennzeichen auszumachen. Insgesamt sind die Ausführungen 
der Privatklägerin anlässlich dieser Ersteinvernahme als glaubhaft zu werten und 

13

stehen überdies in Übereinstimmung mit den objektiven Beweismitteln sowie den 
Erstaussagen von O.________ (vgl. Ziff. II. 7.4.4 nachfolgend).

Anlässlich der parteiöffentlichen delegierten Einvernahme vom 14. Oktober 2020 
(pag. 171 ff.), mithin rund drei Wochen nach dem Vorfall, schilderte die Privatkläge-
rin in einem langen Absatz von rund einer Seite aus freien Stücken die Gescheh-
nisse vom Abend des 22. September 2020, und zwar wiederum ohne speziell auf-
fallende Unterschiede zwischen Phase 1 und 2. Zur Phase auf dem Balkon führte 
die Privatklägerin aus: «Ich ging dann auf den Balkon. Aber den genauen Ablauf, 
was zuerst war, das kann ich effektiv nicht mehr genau sagen. Weil es so schnell 
ging. Aber, ich weiss, wo ich das erste Mal auf den Balkon ging, sperrte er mich 
raus. Ich schrie auf dem Balkon draussen, er solle mich wieder rein lassen und die 
Tür aufmachen. Das hat er dann auch gemacht» (pag. 174 Z. 126 ff.). «Irgendwann 
sagte er zu mir: «Ich bringe dich um, ich schmeisse dich jetzt über den Balkon», 
drückte mich raus auf den Balkon und zwar rücklings. Er schob mich nicht, sondern 
schob mich rücklings. Er war mir gegenüber, wir hatten das Gesicht zueinander. 
«Ich bringe dich jetzt um, ich schmeisse dich über den Balkon.» Dies habe ich zu-
erst gar nicht geglaubt. Er hat mich wirklich auf den Balkon rausgedrückt und dann 
hing ich rücklings über dem Balkon. Es war zu diesem Zeitpunkt schon ein Hand-
gemenge, dass muss ich schon sagen. Ich versuchte mich zu schützen, er ver-
suchte auf mich einzuschlagen. Dann sagte ich: «Weisch was, dann mach es 
doch.» Ich hing wirklich schon über den Balkon, ein Fuss war schon in der Luft. In 
dem Moment habe ich wirklich schon abgeschlossen gehabt mit meinem Leben, 
ganz ehrlich. Weil ich weiss, der hätte das gemacht. Aber in dem Moment, als ich 
ihm gesagt habe, er solle das doch machen, war es für ihn wahrscheinlich nicht 
mehr interessant… das ist meine Erklärung» (pag. 174 f. Z. 137 ff.). 

Diese Aussagen imponieren durch ihre logische Konsistenz und Widerspruchsfrei-
heit, die kontextuelle Einbettung sowie die Beschreibung von Interaktionen und ei-
genen psychischen Vorgängen, ohne dass die Privatklägerin den Beschuldigten 
übermässig belasten würde. In Anbetracht ihrer markanten Alkoholisierung und des 
dynamischen (Turbulenz-)Geschehens liegt es auf der Hand, dass die Privatkläge-
rin in Bezug auf den genauen Ablauf und die Zeitverhältnisse unsicher war. Auch 
wenn die Schilderungen ausführlicher und detaillierter waren, blieben sie bezüglich 
des Kerngeschehens im Wesentlichen konstant und ohne nennenswerte Aggravie-
rungen. Soweit die Privatklägerin erstmals erwähnte, sie habe einen Fuss bereits in 
der Luft gehabt (pag. 175 Z. 144 f.), ist dies nicht eine eigentliche Aggravierung. 
Vielmehr handelt es sich um eine Präzisierung. Die Privatklägerin gab schon an der 
polizeilichen Einvernahme vom 25. September 2020 zu Protokoll, dass sie rück-
wärts über das Balkongeländer gehangen sei (pag. 168 Z. 117 f.). Insoweit kann 
dies nicht als Lügensignal gewertet werden. Die Aussagen der Privatklägerin an 
der delegierten Einvernahme vom 14. Oktober 2020 erscheinen insgesamt als 
glaubhaft.

Gut 14 Monate nach dem Vorfall erfolgte am 26. November 2021 eine parteiöffent-
liche staatsanwaltschaftliche Einvernahme der Privatklägerin (pag. 182 ff.). Zum 
Kerngeschehen gab die Privatklägerin zu Protokoll: «Die Balkontüre war offen. Ir-
gendwann hat er mich mit beiden Händen an den Armen gepackt und gesagt, er 

14

schmeisse mich jetzt über den Balkon. Er hat mich zur Balkontüre hinausgedrückt. 
Diese ist vis-à-vis vom Geländer. Er hat mich dann gegen das Geländer gedrückt. 
Er hat nochmals wiederholt «jetzt schmeisse ich dich darüber». Mein ganzer Len-
denbereich war am Geländer, ich hing über dem Geländer. Er hat immer weiterge-
drückt. Ein Bein hatte ich schon in der Luft. Ich hatte Todesängste» (pag. 184 Z. 85 
ff.). «Irgendwann sagte ich dann: «de mach doch». Er hat mich dann angeschaut. 
An seinen Blick kann ich mich noch gut erinnern. Dann liess er von mir ab» 
(pag. 185 Z. 93 f.). «Er hat mich an meinen beiden Oberarmen gepackt und genau 
so hat er mich vom Wohnzimmer auf den Balkon hinausgeschoben. Mit den Wor-
ten: «Ich schmeisse dich über den Balkon». Genau so hat er mich dann über das 
Geländer gedrückt, dass mein Oberkörper über dem Geländer war und ich ein Bein 
schon in der Luft hatte» (pag. 186 Z. 143 ff.). 

Diese Aussagen sind das Kerngeschehen betreffend gleichbleibend, konstant. Be-
züglich ihrer expliziten Aussage, sie habe Todesangst gehabt, liegt keine Aggravie-
rung vor. Die Privatklägerin erwähnte schon an der ersten polizeilichen Einvernah-
me, sie sei nach der Aussage des Beschuldigten, wonach er sie umbringe und sie 
über den Balkon schmeisse, wie in einem Schockzustand gewesen und habe dies 
sehr ernst genommen. Wenn sie in der Opferrolle geblieben wäre, würde sie jetzt 
fehlen (pag. 168 Z. 115 f., Z. 122 ff.). Auch an der delegierten Einvernahme gab die 
Privatklägerin zu Protokoll, sie habe in dem Moment abgeschlossen gehabt mit ih-
rem Leben (pag. 175 Z. 145 f.). Alles in allem sind auch in dieser Einvernahme kei-
ne Lügensignale auszumachen. Vielmehr handelt es sich um authentische Schilde-
rungen von tatsächlich Erlebtem, ohne den Anschein von etwas Erfundenem zu 
machen.

An der Einvernahme anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 
11. November 2022, zwei Jahre nach dem Vorfall, äusserte sich die Privatklägerin 
wie folgt: «Irgendeinmal hat er gesagt, ich schmeisse dich über den Balkon, ich 
bringe dich um. Er hat mich vorne gepackt, an den Oberarmen und mich nach 
draussen auf den Balkon ans Geländer gestossen» (pag. 472 Z. 43 ff.). «Ich bin 
rücklings am Geländer gestanden, ich bin über das Geländer gehangen, hatte den 
Rücken/die Lende am Geländer. Ich habe nur die Wut gesehen in seinen Augen. 
Ich werde den Blick niemals mehr vergessen, er war nicht mehr er selber. Er hat 
immer mehr gedrückt. Und nicht losgelassen und ich habe mit dem Leben schon 
abgeschlossen. Ein Fuss war schon in der Luft. Er hat mich nicht hochgehoben, 
aber er hat so weit gedrückt, bis ich über dem Geländer gehangen bin. Ich habe 
dann gesagt, mach doch und dann hat er nach 2 oder 3 Sekunden losgelassen» 
(pag. 473 Z. 1 ff.). «Wenn er losgelassen hätte, wäre ich nicht nach hinten gefallen, 
sondern nach vorne. Ich hätte wieder Stand erhalten auf dem Balkon, ich wäre 
nicht über den Balkon aus gefallen. Den Körperschwerpunkt hatte ich noch auf 
dem Balkon, es war ja erst ein Fuss in der Luft. Es kam mir so vor, als hätte er das 
Interesse verloren, als ich gesagt habe, mach doch» (pag. 473 Z. 33 ff.). 

Auch diese Aussagen imponieren durch ihre Konstanz bezüglich des Kerngesche-
hens. Aggravierungen sind ebenso wenig auszumachen wie unnötige oder über-
triebene Belastungen des Beschuldigten. Vielmehr imponiert gerade die vorer-
wähnte letzte Aussage als sachlich zurückhaltende Schilderung eines Geschehens, 

15

das bei der Privatklägerin Todesangst ausgelöst hatte. Solche Aussagen sprechen 
sehr stark für die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin.

An der oberinstanzlichen Verhandlung vom 24. August 2023 schilderte die Privat-
klägerin die Geschehnisse auf dem Balkon wie folgt: «Er hat mich an den Oberar-
men gepackt und mich rückwärts zum Balkon hinausgedrückt mit den Worten «ich 
schmeisse dich über den Balkon, ich bringe dich jetzt um». Ich kann mich noch an 
den Gesichtsausdruck erinnern. Es war ein richtiger Hass im Gesicht und in den 
Augen. Er hat mich direkt an das Geländer gedrückt. Er hat gedrückt und gedrückt 
und gedrückt. Irgendwann war mein linkes Bein in der Luft. Ich habe mit dem Le-
ben abgeschlossen, weil ich gemerkt habe, er meint es ernst. Dann habe ich ihm 
gesagt, «weisch was, dann mach doch». Dann hat er mich noch ein paar Sekun-
den gehalten, hat mir in die Augen geschaut und dann hat er mich losgelassen und 
seine ganze Wut am Balkonmobiliar ausgelassen» (pag. 678 Z. 8 ff.). «Er hat mich 
am Oberkörper gehalten und dort wo die Verletzungen nachgewiesen wurden, hat 
das Geländer in den Rücken gedrückt. Ich bin gerade gestanden und mein 
Oberkörper ging immer weiter nach hinten und hinten und hinten. Dann habe ich 
gemerkt, dass ich mit dem linken Bein am Boden keinen Halt mehr hatte» (pag. 
678 Z. 22 ff.). «Die Stange war bei der Lende. Von dort bin ich immer mehr und 
mehr zurück. Ja, ich wurde mit dem Kopf und mit dem oberen Bereich über die 
Stange hinausgedrückt» (pag. 678 Z. 34 f.). Auf Nachfrage des Verfahrensleiters, 
was passiert wäre, wenn sie in dieser Position unvermittelt losgelassen worden wä-
re, meinte die Privatklägerin: «Ich wäre nicht darüber hinausgefallen. Aber wenn er 
weiter gedrückt hätte, wäre ich darüber hinausgefallen. Als ich in dem Moment sag-
te, «weisch was, dann mach es doch», hat er das Interesse verloren. Aber er hätte 
weiter gedrückt, bis ich wirklich darüber hinaus wäre» (pag. 678 Z. 37 ff.). Sie kön-
ne nicht sagen, wieviel noch gefehlt hätte, bis der Schwerpunkt über dem Geländer 
gewesen wäre. Sie habe damals mit dem Leben abgeschlossen gehabt, weil sie 
gewusst habe, in ein paar Sekunden liege sie da unten auf dem Beton (pag. 679 
Z. 1 ff.).

Auch diese Aussagen sind das Kerngeschehen betreffend stimmig und konstant. 
Ein stereotypes Aussageverhalten ist ebenso wenig erkennbar wie allfällige sonsti-
ge Lügensignale. Die Privatklägerin hätte mehrmals Gelegenheit gehabt, den Vor-
fall schlimmer darzustellen und die Handlungen des Beschuldigten schwerwiegen-
der erscheinen zu lassen, als sie dies gemacht hat. Der Umstand, dass die Privat-
klägerin den Beschuldigten nicht unnötig belastete und klar differenzierte, deutet 
darauf hin, dass sie die Wahrheit sagte. Hätte sie den Vorfall erfunden, wäre es ein 
Einfaches gewesen, die Erzählungen aufzubauschen. Zudem konnte die Kammer 
anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung einen persönlichen Eindruck von der 
Privatklägerin gewinnen. Die Privatklägerin wirkte sehr gefasst, ruhig und sehr prä-
sent. Sie schien ein bisschen empört darüber zu sein, dass es erstinstanzlich zu 
einem Freispruch gekommen ist und fühlte sich offensichtlich unverstanden. Ferner 
war eine gewisse Traumatisierung der Privatklägerin nach wie vor spürbar. 

Zusammenfassend erscheinen die Aussagen der Privatklägerin über insgesamt 
fünf Einvernahmen über einen Zeitraum von beinahe drei Jahren als erlebnisba-
siert, zahlreiche Realkennzeichen enthaltend, frei von Lügensignalen, konstant und 

16

in Einklang stehend mit den objektiven Beweismitteln, mithin als sehr glaubhaft. 
Überdies werden ihre konstanten Aussagen abgerundet durch die Aussagen von 
O.________ an der polizeilichen Einvernahme vom 26. September 2020 (vgl. 
Ziff. II. 7.4.4 nachfolgend).

7.4.3 Aussagen des Beschuldigten

Auch vom Beschuldigten liegen keine tatnächsten Aussagen vor. Eine erste, dele-
gierte Einvernahme fand am 28. September 2020 statt (pag. 142 ff.), und gut 
14 Monate nach dem Vorfall fand am 26. November 2021 die staatsanwaltschaftli-
che Einvernahme statt (pag. 153 ff.). Betreffend die Glaubhaftigkeit der Aussagen 
des Beschuldigten kam die Vorinstanz zu Recht zum Schluss, dass diese gerade in 
Bezug auf das Kerngeschehen unglaubhaft sind (pag. 536, S. 13 der erstinstanzli-
chen Urteilsbegründung). Zwar bestritt der Beschuldigte über alle Einvernahmen 
hinweg konstant, dass er am Abend des 22. September 2020 zur fraglichen Zeit 
auf dem Balkon gewesen sei, geschweige denn dass es dort zu einer handgreifli-
chen Auseinandersetzung mit der Privatklägerin gekommen sei, in deren Verlauf er 
sie rücklings gegen das Balkongeländer gedrückt und ihr gedroht habe, sie über 
das Geländer hinunterzustossen (vgl. pag. 147 Z. 193 ff.; pag. 148 Z. 208, Z. 218 
f., Z. 231 f.; pag. 155 Z. 67 ff.; pag. 158 Z. 172 ff., Z.188 ff., Z. 193 ff.; pag. 462 
Z. 15 ff.; pag. 690 Z. 27 ff.; pag. 691 Z. 39 ff.). Aus diesem konstanten Bestreiten 
kann der Beschuldigte aussagewürdigend jedoch nichts zu seinen Gunsten ablei-
ten. Neben der Tatsache, dass sein Bestreiten mit den objektiven Beweismitteln 
nicht in Einklang zu bringen ist, imponiert sein Aussageverhalten durch pauschale 
Behauptungen, massive Bagatellisierungen und Beschönigung des eigenen Ver-
haltens (vgl. pag. 146 Z. 111 f., Z. 118 ff.; pag. 149 Z. 294 ff.; pag. 156 Z. 118 ff., 
Z. 126 ff.; pag. 157 Z. 132 f.), Gegenangriffe und Schlechtmachen der Privatkläge-
rin (vgl. pag. 149 Z. 289, Z. 305; pag. 150 Z. 331 ff., Z. 345; pag. 158 Z. 197 ff.; 
pag. 160 Z. 253, Z. 255 f.; pag. 463 Z. 9, Z. 13 f., Z. 31; pag. 465 Z. 1 ff., Z. 31), 
Aggravierung bezüglich eigener Verletzungen (vgl. pag. 155 Z. 56 ff.) sowie auffäl-
lige Kargheit der Ausführungen zum Kerngeschehen und grössere Aussagefreu-
digkeit zum Rahmengeschehen. Der Beschuldigte machte zudem von Anfang an 
geltend, die Privatklägerin und O.________ hätten sich gegen ihn verschworen 
(pag. 147 Z. 165 ff.; vgl. dazu Ziff. II. 7.4.4 nachfolgend). Teilweise ist sein Aussa-
geverhalten auch widersprüchlich, so beispielsweise, wenn er geltend macht, nicht 
mit der Privatklägerin auf dem Balkon gewesen zu sein, um dann im nächsten Satz 
auszuführen, er könne sich nicht daran erinnern, sie gegen das Balkongeländer 
gedrückt zu haben (pag. 148 Z. 231 ff.) oder als er an der erstinstanzlichen Haupt-
verhandlung zu Protokoll gab: «Ich war nicht mit ihr auf dem Balkon und wollte sie 
nicht hinunterstossen» (pag. 462 Z. 15), um dann zwei Zeilen später auszuführen: 
«Ich weiss auch nicht mehr, dass ich mit ihr auf dem Balkon war» (pag. 462 Z. 17 
f.) bzw. «Sie sagt ja, ich hätte sie auf dem Balkon über die Brüstung gehangen, 
daran kann ich mich gar nicht erinnern. Das kann nur damit zusammenhängen, 
dass es so nicht passiert ist» (pag. 463 Z. 39 ff.). Für den Beschuldigten scheint of-
fensichtlich zu gelten: «Es ist nicht, was nicht sein darf». 

17

Insgesamt ist festzuhalten, dass die Aussagen des Beschuldigten zum Kernge-
schehen nicht glaubhaft wirken und für die Beurteilung des Sachverhalts daher 
nicht darauf abgestellt werden kann. 

7.4.4 Aussagen von O.________

Schliesslich liegen noch die Aussagen von O.________ vor. Sie wurde am 
26. September 2020 polizeilich als Auskunftsperson einvernommen (pag. 191 ff.). 
Auffallend ist, dass O.________ bereits zu Beginn der Einvernahme auf die Frage, 
ob sie der Einvernahme folgen könne, zu Protokoll gab: «Ich habe etwas Mühe 
beim Verstehen. Ich würde es sagen, wenn ich es nicht verstehe. Ich habe eine 
Beiständin» (pag. 192 Z. 17 ff.). Dass die Auskunftsperson verbeiständet und ko-
gnitiv vermutlich etwas eingeschränkt ist, sagt aber nichts über ihre Aussagetüch-
tigkeit aus, zumal die Beistandschaft in erster Linie für administrative Angelegen-
heiten bestehen dürfte. O.________ war an der polizeilichen Einvernahme in der 
Lage, ihre Beobachtungen zu schildern. Sie verstand die ihr gestellten Fragen und 
konnte darauf antworten. Auf ihre Aussagen kann ohne Weiteres abgestellt wer-
den. Sie schilderte, der Beschuldigte habe die Privatklägerin vom Balkon werfen 
wollen (pag. 192 Z. 44). Die Privatklägerin sei mit dem Rücken zum Balkongelän-
der gestanden. Der Beschuldigte habe zur Privatklägerin gesagt, er wolle sie vom 
Balkon stossen und die Privatklägerin habe daraufhin gesagt «dann mach das 
doch» (pag. 192 Z. 53 f.). Damit bestätigte O.________ im Grundsatz die Aus-
führungen der Privatklägerin und widerspricht den Aussagen des Beschuldigten, 
wonach er nicht auf dem Balkon gewesen sei und dort nichts vorgefallen sei. Darü-
ber hinaus konnte O.________ das Geschehen nicht mehr verfolgen, weil sie nicht 
mehr hinschauen bzw. es nicht mehr ertragen konnte (pag. 192 Z. 49 f., Z. 58). Sie 
gab an, sie sei in ihre Wohnung gegangen, habe die Türe abgeschlossen und den 
Fernseher angeschaltet, damit sie nichts mehr höre (pag. 192 Z. 58 ff.). 

An der erstinstanzlichen Hauptverhandlung wurde O.________ als Zeugin einver-
nommen (pag. 468 ff.). Sie bestätigte, dass der Beschuldigte mit der Privatklägerin 
auf den Balkon gewesen sei, um dann allerdings fürs Erste geltend zu machen, die 
Privatklägerin sei bäuchlings über das Balkongeländer gehangen (pag. 469 Z. 28 f., 
Z. 40 ff.). Auf Nachfrage der Gerichtspräsidentin, ob die Privatklägerin den Bauch 
oder den Rücken zum Geländer gehabt habe, erklärte die Zeugin, das wisse sie 
doch nicht mehr bzw. sie sei sich jetzt auch nicht mehr ganz sicher (pag. 469 Z. 46 
f.; pag. 470 Z. 4). Aus diesem widersprüchlichen Aussageverhalten kann der Be-
schuldigte jedoch nichts zu seinen Gunsten ableiten. Die unterschiedlichen Aussa-
gen beruhen nicht auf einer bewussten Falschaussage, die gegen die Glaubhaftig-
keit der Angaben von O.________ sprechen würde. Vielmehr liegt es auf der Hand, 
dass der Zeitablauf sowie die eingeschränkte geistige Gesundheit zu diesen wider-
sprechenden Angaben geführt haben. Daraus ergibt sich auch ohne Weiteres, dass 
eine Absprache bzw. ein eigentliches Komplott der Privatklägerin mit O.________ 
eine Schutzbehauptung ist. O.________ wäre dazu kognitiv gar nicht in der Lage. 
Im Weiteren wies die Rechtsvertretung der Privatklägerin zu Recht auf folgenden 
Umstand hin: O.________ wurde erstmals am 26. September 2020 einvernommen, 
d.h. zwei Tage vor dem Beschuldigten. Am 28. September 2020 gab der Beschul-
digte vorab ohne Kenntnis der Aussagen der Auskunftsperson zu Protokoll: «Das 

18

ist völlig falsch. Das stimmt nicht. Da würde ich mich aber gerne auf die 
O.________ beziehen, die ja beim Vorfall anwesend war» (pag. 146 Z. 132 f.). «Ich 
weiss, dass O.________ bei der kompletten körperlichen Auseinandersetzung 
komplett anwesend war, d.h. es gibt eine Zeugin» (pag. 146 Z. 152 ff.). Als der Be-
schuldigte im Folgenden mit den Aussagen von O.________ konfrontiert wurde, er-
folgte seinerseits eine Kehrtwende: «Die Aussagen sind doch gar nicht an dem Tag 
gemacht worden. Die sind Tage später gemacht worden, oder? Das stimmt so 
nicht. Die zwei haben sich verschworen gegen mich, das habe ich schon meinem 
Anwalt gesagt. Ich habe via Balkon gehört, wie C.________ zu O.________ gesagt 
hat, was alles vorgefallen sein soll» (pag. 147 Z. 156 ff.). «Ich habe in den letzten 
Tagen gehört, dass die beiden Frauen miteinander gesprochen haben. Es verwun-
dert mich also nicht, dass ihre beiden Aussagen übereinstimmen» (pag. 148 Z. 226 
ff.). Ein solches Aussageverhalten spricht klar gegen die Glaubhaftigkeit der Aus-
sagen des Beschuldigten und entlarvt die Verschwörungstheorie bzw. das Komplott 
als klare Schutzbehauptung.

7.4.5 Konkrete Beweiswürdigung und erwiesener Sachverhalt 

Zusammenfassend ist beweiswürdigend auf die stimmigen und glaubhaften Aussa-
gen der Privatklägerin abzustellen, die zwanglos mit den objektiven Beweismitteln 
in Einklang stehen und abgerundet werden durch die Aussagen von O.________ 
anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 26. September 2020. Demgegenüber 
sind die Aussagen des Beschuldigten als unglaubhaft zu werten und müssen als 
Schutzbehauptung abgetan werden. Letztlich erfolgt das Bestreiten der Vorkomm-
nisse auf dem Balkon seitens des Beschuldigten wider alle Evidenz. 

Die Kammer kommt demnach zum Beweisergebnis, dass der Beschuldigte die Pri-
vatklägerin an den Oberarmen packte, auf den Balkon stiess und rückwärts gegen 
das Balkongeländer drückte, welches sich in einer Höhe von neun Metern über der 
gegen das Mehrfamilienhaus schräg abfallenden, geteerten Garageneinfahrt be-
fand. Dieses Drücken führte dazu, dass die Privatklägerin rücklings mit dem 
Oberkörper teilweise über das Balkongeländer hinaushing und nur noch mit einem 
Fuss auf dem Balkonboden stand. Während des körperlichen Einwirkens auf die 
Privatklägerin sagte der Beschuldigte ihr: «Ich bringe dich um, ich schmeisse dich 
jetzt über den Balkon» (pag. 53; pag. 168 Z. 115 ff.; pag. 174 f. Z. 137 ff.; pag. 184 
Z. 85 ff.; pag. 186 Z. 143 ff.; pag. 472 Z. 44 f.; pag. 473 Z. 1 ff.; pag. 678 Z. 8 ff.). 
Nachdem die Privatklägerin in Todesangst sagte: «Weisch was, dann mach doch», 
liess der Beschuldigte unvermittelt von ihr ab (pag. 175 Z. 143 ff.; pag. 185 Z. 193 
f.; pag. 678 Z. 14 ff., Z. 41 f.). Die Privatklägerin zog sich dabei Hautein- und               
-unterblutungen an der Lende (auf Höhe des Balkongeländers) zu (pag. 42, pag. 47 
f.; pag. 67; pag. 325 f.). Beweismässig nicht erstellt ist, dass sich der Körper-
schwerpunkt der Privatklägerin zu irgendeinem Zeitpunkt auf der Aussenseite des 
Balkongeländers befunden hätte und sie insoweit bei blossem Loslassen des Be-
schuldigten vom Balkon in die Tiefe gestürzt wäre (vgl. pag. 473 Z. 31 ff.; pag. 678 
Z. 37 ff.). Dass es auf dem Balkon zu einem weitergehenden Gerangel bzw. akti-
ven Abwehrbewegungen seitens der Privatklägerin gekommen wäre, ist beweis-
mässig ebenfalls nicht erstellt (vgl. pag. 167 Z. 62 f.; pag. 168 Z. 116; pag. 175 
Z. 142 f.; pag. 186 Z. 156 ff.).

19

Die Vorinstanz erachtete es nicht als erstellt, dass der Beschuldigte die Situation 
nicht mehr unter Kontrolle gehabt habe (pag. 537, S. 14 der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung). Die Vorinstanz verkennt dabei allerdings, dass die Frage des 
Kontrollverlustes nicht gleichzusetzen ist mit der Frage der Schuldfähigkeit. Sowohl 
der Beschuldigte als auch die Privatklägerin waren im Tatzeitpunkt stark alkoholi-
siert. Bei der Privatklägerin ergab der um 23:30 Uhr durchgeführte Atemlufttest ein 
Ergebnis von 1.41 mg/l (pag. 11). Der Beschuldigte weigerte sich einen Atemluft-
test durchführen zu lassen. Gemäss der Polizei sei jedoch klar ersichtlich gewesen, 
dass der Beschuldigte angetrunken gewesen sei. Er habe sichtlich Mühe bekundet, 
das Gleichgewicht zu halten (pag. 11). Der Beschuldigte gab an der staatsanwalt-
schaftlichen Einvernahme zu Protokoll, er sei damals mittel bis schwer alkoholisiert 
gewesen (pag. 155 Z. 90 f.). Wahrscheinlich habe er an diesem Tag auch Drogen 
genommen. Er habe zu der Zeit ein Drogenproblem gehabt und sei in Therapie 
gewesen. Gekifft habe er sicher an diesem Tag und vielleicht auch noch Medika-
mente genommen (pag. 156 Z. 98 ff.). Auch anlässlich der oberinstanzlichen Ver-
handlung gab der Beschuldigte an, er sei an diesem Abend stark alkoholisiert ge-
wesen (pag. 692 Z. 4, Z. 8). Damals seien auch Amphetamine ein grosses Thema 
gewesen (pag. 626 Z. 5 f.). Zudem war Beschuldigte im Zeitpunkt des Vorfalls 
gemäss eigenen Aussagen wütend, enttäuscht, aufgebracht und emotional 
(vgl. pag. 156 Z. 106 f.; pag. 462 Z. 25; pag. 692 Z. 5). Schliesslich ist auch zu 
berücksichtigen, dass die Privatklägerin dem Beschuldigten körperlich klar unterle-
gen war (vgl. pag. 159 Z. 208 ff.; pag. 186 Z. 148 ff.). 

Aufgrund seines alkoholisierten und aufgebrachten Zustands hatte der Beschuldig-
te nicht unter Kontrolle, wie weit er die Privatklägerin über das Balkongeländer drü-
cken konnte, ohne dass sie über das Geländer hinunterfällt. Ferner konnte der Be-
schuldigte nicht abschätzen, wie sich die stark alkoholisierte und unter Todesangst 
stehende Privatklägerin verhalten wird. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz ist 
damit erstellt, dass der Beschuldigte die Situation nicht mehr unter Kontrolle hatte. 
Daran vermag auch der Umstand, dass der Beschuldigte von der Privatklägerin ab-
liess, als diese ihm sagte: «Weisch was, dann mach es doch», nichts zu ändern. 

III. Rechtliche Würdigung

8. Rechtliche Grundlagen

Den Tatbestand der Gefährdung des Lebens erfüllt, wer einen Menschen in skru-
pelloser Weise in unmittelbare Lebensgefahr bringt (Art. 129 StGB). 

In objektiver Hinsicht erfordert der Tatbestand den Eintritt einer konkreten, unmit-
telbaren Lebensgefahr. Eine solche liegt vor, wenn sich aus dem Verhalten des 
Täters nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge direkt die Wahrscheinlichkeit oder 
nahe Möglichkeit der Todesfolge ergibt (BGE 133 IV 1 E. 5.1; Urteile des Bundes-
gerichts 6B_665/2022 vom 14. September 2022 E. 7.3; 6B_196/2021 vom 25. April 
2022 E. 2.3.1; je mit Hinweisen). Die Wahrscheinlichkeit des Todes muss nicht 
grösser sein als jene seiner Vermeidung (BGE 121 IV 67 E. 2b/aa; Urteil des Bun-
desgerichts 6B_1036/2014 vom 16. Februar 2015 E. 1.2.2). 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_665%2F2022&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-IV-1%3Ade&number_of_ranks=0#page1
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_1036%2F2014&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-IV-67%3Ade&number_of_ranks=0#page67

20

Im Zusammenhang mit dem Einsatz von Schusswaffen bejaht die Rechtsprechung 
eine unmittelbare Lebensgefahr etwa bei der Bedrohung eines Menschen mit einer 
geladenen und entsicherten Pistole aus kürzester Distanz, dies unabhängig davon, 
ob der Täter den Finger am Abzug hat oder nicht. Richtet der Täter eine schussbe-
reite Waffe auf einen Menschen, kann sich auch ohne weitere zielgerichtete Hand-
lungen desselben – etwa zufolge Aufregung, unvorhergesehener Reaktion des Op-
fers, Intervention Dritter oder Defekts der Waffe – jederzeit ungewollt ein Schuss 
lösen. Es hängt demnach nur vom Zufall ab, ob das Opfer durch einen Schuss 
getötet werden kann, sodass eine unmittelbare Lebensgefahr für den Bedrohten 
beim Einsatz von schussbereiten Waffen stets gegeben ist (Urteile des Bundesge-
richts 6B_665/2022 vom 14. September 2022 E. 7.3; 6B_824/2016 vom 10. April 
2017 E. 10.2, nicht publ. in: BGE 143 IV 214; 6B_317/2012 vom 21. Dezember 
2012 E. 3.2 f.). 

Die Gefährdung des Lebens erfordert in subjektiver Hinsicht direkten Vorsatz in 
Bezug auf die unmittelbare Lebensgefahr. Eventualvorsatz genügt nicht (BGE 133 
IV 1 E. 5.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_665/2022 vom 14. September 2022 
E. 7.3). Bei sicherem Wissen um den Eintritt der tödlichen Verletzung liegt 
Tötungsvorsatz vor, sodass die Art. 111 ff. StGB greifen. Eine Verurteilung wegen 
Art. 129 StGB kommt daher nur in Betracht, wenn der Täter trotz der erkannten Le-
bensgefahr handelt, aber darauf vertraut, die Gefahr (der Todeseintritt) werde sich 
(im Gegensatz zu jener der Lebensgefahr) nicht realisieren (BGE 136 IV 76 E. 2.4; 
Urteile des Bundesgerichts 6B_665/2022 vom 14. September 2022 E. 7.3; 
6B_196/2021 vom 25. April 2022 E. 2.4.2; 6B_1038/2009 vom 27. April 2010 
E. 1.2, nicht publ. in: BGE 136 IV 76). Weiter erfordert der Tatbestand skrupelloses 
Handeln. Skrupellos ist ein in schwerem Grad vorwerfbares, ein rücksichtsloses 
oder hemmungsloses Verhalten (BGE 133 IV 1 E. 5.1). Je grösser die vom Täter 
geschaffene Gefahr ist und je weniger seine Beweggründe zu billigen sind, desto 
eher ist die Skrupellosigkeit zu bejahen. Diese liegt stets vor, wenn die Lebensge-
fahr aus nichtigem Grund geschaffen wird oder deutlich unverhältnismässig er-
scheint, sodass sie von einer tiefen Geringschätzung des Lebens zeugt (Urteile des 
Bundesgerichts 6B_665/2022 vom 14. September 2022 E. 7.3; 6B_758/2018 vom 
24. Oktober 2019 E. 2.1; 6B_698/2017 vom 13. Oktober 2017 E. 4.2; je mit Hinwei-
sen).

Ein Versuch liegt vor, wenn der Täter sämtliche subjektiven Tatbestandsmerkmale 
erfüllt und seine Tatentschlossenheit manifestiert hat, ohne dass alle objektiven 
Tatbestandsmerkmale verwirklicht sind (Art. 22 Abs. 1 StGB; BGE 140 IV 150 
E. 3.4; 137 IV 113 E. 1.4.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_1239/2021 vom 5. Juni 
2023 E. 3.3.1; je mit Hinweisen). 

Ob beim Tatbestand der Gefährdung des Lebens ein vollendeter (tauglicher) Ver-
such möglich ist, kann nicht allgemein bejaht oder verneint werden. Entscheidend 
sind die konkreten Tatumstände: Liegt zwischen der Tathandlung und dem Er-
folgseintritt eine gewisse Zeitspanne, ist Versuch möglich. Verwirklicht sich die un-
mittelbare Lebensgefahr hingegen praktisch gleichzeitig mit der Tatausführung, 
scheidet ein Versuch aus (Urteile des Bundesgerichts 6B_208/2014 vom 28. Janu-
ar 2015 E. 1.2.2; 6S.467/2005 vom 7. Juni 2006 E. 2; je mit Hinweisen). 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_665%2F2022&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-IV-214%3Ade&number_of_ranks=0#page214
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_665%2F2022&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-IV-1%3Ade&number_of_ranks=0#page1
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_665%2F2022&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-IV-1%3Ade&number_of_ranks=0#page1
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_665%2F2022&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-IV-76%3Ade&number_of_ranks=0#page76
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_665%2F2022&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-IV-76%3Ade&number_of_ranks=0#page76
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_665%2F2022&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-IV-1%3Ade&number_of_ranks=0#page1
https://www.swisslex.ch/doc/aol/008837eb-f26d-44bb-97d8-9f2a16614746/564c189e-a29d-4671-9de2-ba95ae975807/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/previews/e0030ae6-853b-40ab-9602-f86df4d76022%2C1374204f-aec9-4a83-9369-688e41a3ccb9/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/previews/e0030ae6-853b-40ab-9602-f86df4d76022%2C1374204f-aec9-4a83-9369-688e41a3ccb9/source/document-link

21

9. Subsumtion

9.1 Auffassung der Vorinstanz

Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass keine unmittelbare Lebensgefahr für die 
Privatklägerin bestanden hatte und begründete dies wie folgt (pag. 547 f., S. 24 f. 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung): 

Diesbezüglich gilt es vorab nochmals zu betonen, dass der Körperschwerpunkt der Privatklägerin 
noch auf dem Balkon war als der Beschuldigte von ihr abliess, sie mithin zurück auf den Balkon gefal-
len wäre und nicht rücklings auf den Asphaltboden (pag. 473 Rz. 31 ff.). Denkbar sind also zwei Sze-
narien, welche im Absturz der Privatklägerin hätten gipfeln können. Der Sturz der Privatklägerin vom 
Balkon hätte entweder, ausgehend vom Beschuldigten, durch weiteres Drücken gegen ihren 
Oberkörper oder durch ein eigenhändiges Anheben des zweiten Beines durch die Privatklägerin 
C.________ selber erfolgen können. Dem Beschuldigten wurde seitens der Staatsanwaltschaft kein 
Tötungswille angelastet (vgl. pag. 482), zumal dann auf versuchte vorsätzliche Tötung zu plädieren 
gewesen wäre. Der Beschuldigte hatte demnach keine Veranlassung den Druck auf den Körper der 
Privatklägerin weiter zu erhöhen, da er sein Tun noch unter Kontrolle hatte und nicht beabsichtigte, 
diese zu töten. Somit ist hinsichtlich dieses Szenarios keine unmittelbare Gefährdung gegeben. Hin-
sichtlich des zweiten Szenarios, dem Anheben des zweiten Beines (gewissermassen des Standbei-
nes), hat die Staatsanwaltschaft ausgeführt, die Privatklägerin hätte dieses im Gerangel anheben 
können, um sich zu wehren (vgl. pag. 481). Dabei verweist die Staatsanwaltschaft auf den Umstand, 
dass es sich um ein dynamisches Tatgeschehen gehandelt habe; beide Parteien seien alkoholisiert 
gewesen, was Gleichgewicht und Koordination beeinträchtige und auch zur Zuspitzung der Situation 
geführt habe; zudem sei der Beschuldigte wütend gewesen. Der Beschuldigte habe so nicht abschät-
zen können, wie sich die Privatklägerin verhalte. Dem ist entgegenzuhalten, dass der Beschuldigte 
gemäss Beweisergebnis genau wusste, was er tat und die Kontrolle über die Situation – trotz allem – 
innehatte; zumal er auf die spontane Äusserung der Privatklägerin «dann mach doch» auch sofort von 
ihr abliess. Die Privatklägerin hat sich zudem nicht aktiv verhalten und z.B. wild herumgezappelt oder 
gefuchtelt, sondern gemäss ihren Aussagen eine Art Opferrolle eingenommen und sich etwas zu-
sammengekauert und in eine schützende Position begeben (vgl. pag. 167 Rz. 62 f.). Warum die Pri-
vatklägerin bei Einnahme einer schützenden Position und dem Zusammenkauern das zweite Bein, 
das Standbein, hätte anheben sollen, was gleichsam ein Absprung darstellen würde, erschliesst sich 
dem Gericht nicht. Dies gilt umso mehr, als auch die Privatklägerin trotz erheblichen Alkoholkonsums 
noch räumlich und zeitlich orientiert war und gemäss Angaben der Polizei sicher auf den Beinen stand 
und recht klare Angaben machen konnte (pag. 11). Auch sie hatte die Situation, was ihr Verhalten an-
belangt, mithin noch unter Kontrolle. Daran vermag auch Urteil BGer 6S.454/2004 vom 21.03.2006, 
worauf die Staatsanwältin anlässlich ihres Plädoyers Bezug nahm, nichts zu ändern. Gemäss diesem 
Urteil behändigte der dortige Beschuldigte bei einer Auseinandersetzung ein Küchenmesser und hielt 
dieses seiner Tochter unter das Kinn und ihr drohte, sie umzubringen, wenn sei nicht aufhöre zu wei-
nen. Vorliegend handelt es sich beim Opfer nicht um ein Kind, dessen kindliche Reaktion immer unbe-
rechenbar ist, sondern um eine erwachsene Person, deren Reaktionen und Bewegungen absehbarer 
sind, die mithin in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen bzw. abzuwägen. Genau das hat die Privat-
klägerin denn auch getan, indem sie vernünftigerweise eine schützende Position eingenommen hat. 
Zwar ist zutreffend, dass beide Parteien Alkohol konsumiert hatten, jedoch ist nochmals zu betonen, 
dass sich beide Parteien den Konsum gewohnt sind; eine unmittelbare Gefährdung resultiert daraus 
nicht. Insgesamt hat es sich damit zwar um ein dynamisches Geschehen gehandelt, dieses war je-
doch nicht derart unkontrollierbar, dass – bei einer objektiv-nachträgliche Prognose – eine akute, un-

22

mittelbare Gefährdung des Lebens der Privatklägerin durch einen Sturz vorgelegen hatte. Eine bloss 
abstrakte Gefährdung reicht indes nicht aus. Mangels unmittelbarer Lebensgefahr ist der objektive 
Tatbestand nicht erfüllt und es hat ein Freispruch zu ergehen. 

9.2 Beurteilung der Kammer 

Der Vorinstanz ist beizupflichten, dass eine Lebensgefahr bei einem Sturz von ei-
nem Balkon in neun Meter Höhe auf den Asphaltboden in abstrakter Weise ohne 
Weiteres zu bejahen ist (pag. 547, S. 24 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

Entgegen der Ansicht der Vorinstanz kann allerdings aus dem Umstand, dass der 
Beschuldigte von der Privatklägerin abliess, als diese ihm sagte: «Weisch was, 
dann mach es doch», nicht geschlossen werden, der Beschuldigte habe die Situa-
tion unter Kontrolle gehabt. Diese Schlussfolgerung greift zu kurz: Beim Tatbestand 
der Gefährdung des Lebens handelt es sich um ein konkretes Gefährdungsdelikt. 
Da geht es nicht an, retrospektiv einfach festzustellen, dass alles unter Kontrolle 
gewesen sei und der Beschuldigte auf einmalige Äusserung der Privatklägerin hin 
von ihr abgelassen habe. Gleich verhält es sich beispielsweise beim Richten einer 
schussbereiten Waffe auf einen Menschen. Die konkreten Verhältnisse während 
des Richtens sind massgebend und nicht ein allfälliges abschliessendes Ablassen 
vom Opfer. 

Das Beweisverfahren hat ergeben, dass der Beschuldigte die Privatklägerin an den 
Oberarmen packte, auf den Balkon stiess und rückwärts gegen das Balkongelän-
der drückte. Der Beschuldigte sagte dabei: «Ich bringe dich um, ich schmeisse dich 
jetzt über den Balkon». Gestützt auf die glaubhaften Aussagen der Privatklägerin 
ist zwar davon auszugehen, dass ihr Körperschwerpunkt noch auf dem Balkon war. 
Wenn der Beschuldigte die Privatklägerin in dieser Position losgelassen hätte, wäre 
sie mithin auf dem Balkon gelandet und nicht in die Tiefe gestürzt. Zu berücksichti-
gen ist allerdings, dass der Beschuldigte die Privatklägerin so gegen das Balkon-
geländer drückte, dass ein Fuss der Privatklägerin den Boden nicht mehr berührte 
und sie rücklings mit dem Oberkörper teilweise über das Geländer hinaushing. Das 
Balkongeländer wies eine Höhe von einem Meter (gemessen ab Boden bis Ober-
kante Geländer) auf. Sowohl der Beschuldigte als auch die Privatklägerin waren im 
Tatzeitpunkt stark alkoholisiert. Die Staatsanwaltschaft wies zu Recht darauf hin, 
dass die Alkoholisierung das Gleichgewicht und die Koordination der Privatklägerin 
und des Beschuldigten beeinträchtigt hat, auch wenn beide den Konsum von Alko-
hol gewohnt waren (pag. 481). Zudem konsumierte der Beschuldigte an diesem 
Tag zumindest Marihuana und war gemäss eigenen Aussagen wütend, enttäuscht, 
aufgebracht und emotional. 

Entgegen der Auffassung der Vorinstanz ist nicht davon auszugehen, dass der Be-
schuldigte sein Tun und die Situation noch unter Kontrolle hatte. Aufgrund seines 
alkoholisierten und aufgebrachten Zustands hatte der Beschuldigte nicht unter Kon-
trolle, wie weit er die Privatklägerin über das Balkongeländer drücken konnte, ohne 
dass sie über das Geländer hinunterfällt – plötzlich verschiebt sich ihr Körper-
schwerpunkt, sei dies durch Zutun der Privatklägerin, durch Handlungen des Be-
schuldigten oder aus einer Kombination von beidem. Ferner konnte der Beschul-
digte nicht abschätzen, wie sich die stark alkoholisierte und unter Todesangst ste-

23

hende Privatklägerin verhalten wird. Durch eine unvorhergesehene Reaktion ihrer-
seits hätte sich ihr Körperschwerpunkt ohne Weiteres verschieben können, etwa 
indem sie sich mit ihrem zweiten Fuss gegen den Beschuldigten zu wehren ver-
sucht hätte. Die Privatklägerin hätte deshalb auch ohne weitere nennenswerte ziel-
gerichtete Handlungen des Beschuldigten abstürzen können. Nach der vorgängi-
gen wüsten Auseinandersetzung im Innern der Wohnung konnte der Beschuldigte 
nicht davon ausgehen, dass sich die Privatklägerin ergibt, ruhig verhält oder sich 
sonstwie nicht nach Kräften zu wehren versucht, um nicht abzustürzen. Die Staats-
anwaltschaft hielt zutreffend fest, dass die Situation insgesamt, und unter dem Ein-
fluss von Alkohol umso mehr, unberechenbar war (pag. 481). Es hing letztlich im 
Wesentlichen vom Zufall ab, dass der Körperschwerpunkt der Privatklägerin noch 
diesseits des Balkongeländers bzw. auf dem Balkon war. 

Nichtsdestotrotz kann noch nicht von einer objektiv vollendeten Gefährdung des 
Lebens im Sinne einer unmittelbaren Lebensgefahr ausgegangen werden, d.h. der 
objektive Tatbestand wurde gerade noch nicht erfüllt. Vielmehr schickte sich der 
Beschuldigte an, die Privatklägerin in eine unmittelbare Lebensgefahr zu bringen. 
Indes brachte er die Privatklägerin nicht oder noch nicht in eine Position, in der sich 
ihr Körperschwerpunkt auf der Aussenseite des Balkongeländers befunden hätte 
und sie bei blossem Loslassen des Beschuldigten vom Balkon in die Tiefe gestürzt 
wäre. Mit dem Ablassen von der Privatklägerin liegt folglich ein Versuch vor, wenn-
gleich damit das Verhalten des Beschuldigten keineswegs verharmlost bzw. baga-
tellisiert werden soll. 

Der Beschuldigte wusste aus allgemeiner Lebenserfahrung, dass ein Sturz von ei-
nem Balkon neun Meter in die Tiefe auf den Asphaltboden zu einer lebensgefährli-
chen Situation führen würde und wollte diese Gefahr auch. So sagte er der Privat-
klägerin: «Ich bringe dich um, ich schmeisse dich jetzt über den Balkon». Direkter 
Vorsatz in Bezug auf die unmittelbare Lebensgefahr ist zu bejahen. 

Ferner handelte der Beschuldigte skrupellos. Er ging ohne Vorwarnung auf die Pri-
vatklägerin los, schlug und trat sie zuerst in der Wohnung und drohte ihr dann, sie 
umzubringen und über den Balkon zu werfen. Der Beschuldigte wollte sich bei der 
Privatklägerin rächen, weil diese ihn angeblich denunziert hatte und er daraufhin 
von einem Dritten geschlagen wurde. Er versuchte mithin aus unbeachtlichem bzw. 
nichtigem Grund zum Nachteil der Privatklägerin eine Lebensgefahr zu schaffen, 
so dass das Handeln des Beschuldigten von einer tiefen Geringschätzung des Le-
bens zeugt.

Rechtfertigungs- oder Schuldausschliessungsgründe sind keine ersichtlich.

Der Beschuldigte ist somit – in Abänderung des erstinstanzlichen Urteils – der ver-
suchten Gefährdung des Lebens gemäss Art. 129 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB 
schuldig zu sprechen. 

24

IV. Strafzumessung

10. Allgemeines 

Die allgemeinen Ausführungen der Vorinstanz zur Strafzumessung sind zutreffend. 
Darauf kann verwiesen werden (pag. 554 ff., S. 31 ff. der erstinstanzlichen Urteils-
begründung). 

Bereits an dieser Stelle kann vorweggenommen werden, dass für die versuchte 
Gefährdung des Lebens aufgrund der Schwere des Verschuldens vorliegend einzig 
eine Freiheitsstrafe in Frage kommt (vgl. Ziff. IV. 11. nachfolgend).

Für die Schuldsprüche wegen mehrfacher einfacher Körperverletzung, mehrfacher 
Sachbeschädigung, mehrfacher Beschimpfung, Hinderung einer Amtshandlung, 
und Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz ist hingegen – in Übereinstim-
mung mit der Vorinstanz und der Generalstaatsanwaltschaft – eine Geldstrafe aus-
zusprechen (pag. 556, S. 33 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 695). 
Eine solche erscheint unter Berücksichtigung der in der Rechtsprechung genann-
ten Kriterien (vgl. BGE 147 IV 241 E. 3) als angemessen und zweckmässig.

Bei den Schuldsprüchen wegen mehrfacher Tätlichkeiten, mehrfachen Ungehor-
sams gegen amtliche Verfügungen, mehrfacher Übertretung gegen das Personen-
beförderungsgesetz sowie Übertretung gegen das Betäubungsmittelgesetz handelt 
es sich um Übertretungen (vgl. Art. 126 Abs. 1 StGB, Art. 292 StGB, Art. 57 Abs. 3 
PBG und Art. 19a Ziff. 1 BetmG). Für diese Delikte ist eine Busse auszusprechen.

11. Strafe für versuchte Gefährdung des Lebens

11.1 Konkretes Vorgehen

Gefährdung des Lebens ist mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe 
bedroht (Art. 129 StGB). Da es vorliegend nur beim Versuch geblieben ist, ist das 
Gericht gemäss Art. 48a StGB grundsätzlich nicht an die angedrohte Mindeststrafe 
gebunden und kann auf eine andere als die angedrohte Strafart erkennen, wobei 
es an das gesetzliche Höchst- und Mindestmass der Strafart gebunden ist (Art. 22 
i.V.m. Art. 48a StGB). Trotz Versuchs sind vorliegend keine aussergewöhnlichen 
Umstände ersichtlich, die es gebieten würden, den ordentlichen Strafrahmen zu 
verlassen (vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.8 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 
6B_853/2014 vom 9. Februar 2015 E. 4.2). Der Strafrahmen reicht somit bis zu fünf 
Jahre Freiheitsstrafe (Art. 129 StGB).

Ist ein versuchtes Delikt zu beurteilen, ist nach der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung in einem ersten Schritt die schuldangemessene Strafe für das vollendete 
Delikt festzulegen. Die derart ermittelte hypothetische Strafe ist in der Folge unter 
Berücksichtigung des fakultativen Strafmilderungsgrunds von Art. 22 Abs. 1 StGB 
zu reduzieren (Urteil des Bundesgerichts 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.1). 

11.2 Objektive Tatkomponenten

Das von Art. 129 StGB erfasste Rechtsgut ist das Leben (MAEDER, in: Basler 
Kommentar, Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N. 6 zu Art. 129 StGB mit Hinweisen).

https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_853%2F2014&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-IV-55%3Ade&number_of_ranks=0#page55

25

Die unmittelbare Lebensgefahr ist deliktsimmanent und deshalb neutral zu gewich-
ten. Betreffend die Art und Weise des Vorgehens bzw. die Verwerflichkeit des 
Handelns ist zu berücksichtigen, dass es sich um einen für die Privatklägerin über-
raschenden Angriff in der eigenen Wohnung bzw. auf dem eigenen Balkon handel-
te. Die Tat war von einem erheblichen Aggressions- und Gewaltpotential des Be-
schuldigten getragen. Nach einem vorgängigen massiven körperlichen Übergriff in 
der Wohnung packte der stark alkoholisierte Beschuldigte die ebenfalls stark alko-
holisierte Privatklägerin an den Oberarmen, stiess sie auf den Balkon und drückte 
sie gegen das Balkongeländer, so dass die Privatklägerin nur noch mit einem Fuss 
auf dem Boden stand und rücklings mit dem Oberkörper teilweise über das Bal-
kongeländer hinaushing. Dabei stiess der Beschuldigte Todesdrohungen aus. Das 
Verhalten des Beschuldigten ist verwerflich und zeugt von erheblicher krimineller 
Energie. 

Bei einem vollendeten Delikt wäre vorliegend von einem mittelschweren objektiven 
Verschulden im unteren Bereich und einer Strafe von 24 Monaten auszugehen. 

11.3 Subjektive Tatkomponenten

Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich und aus niederen, egoistischen Be-
weggründen. Er war wütend und wollte sich bei der Privatklägerin rächen, weil die-
se ihn angeblich denunziert hatte und er daraufhin von einem Dritten geschlagen 
wurde. Es liegt ein krasses Missverhältnis zwischen den Beweggründen des Be-
schuldigten und der unmittelbaren Lebensgefahr vor. Vorsätzliches und skrupello-
ses Handeln ist indes tatbestandsimmanent und deshalb neutral zu gewichten. 

Im Rahmen von Art. 47 StGB ist der starken Alkoholisierung des Beschuldigten im 
Umfang von zwei Monaten leicht strafmindernd Rechnung zu tragen. Eine vermin-
derte Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 StGB lag indes nicht vor. 

11.4 Fazit Tatkomponenten

Das Tatverschulden ist im Verhältnis zum Strafrahmen von bis zu fünf Jahren Frei-
heitsstrafe insgesamt als leicht bis mittelschwer zu bezeichnen. Unter 
Berücksichtigung sämtlicher Umstände erachtet die Kammer für die hypothetisch 
vollendete Gefährdung des Lebens eine Strafe von 22 Monaten als dem 
Tatverschulden des Beschuldigten angemessen.

11.5 Strafminderung zufolge Versuch

Vorliegend ist der tatbestandsmässige Erfolg – eine Gefährdung des Lebens – 
nicht eingetreten. Es liegt ein Versuch vor. Das Gesetz sieht für den Versuch ledig-
lich eine fakultative Strafmilderung vor (Art. 22 Abs. 1 i.V.m. Art. 48a StGB; vgl. 
BGE 137 IV 113 E. 1.4.2). Das Bundesgericht hielt in seinem Grundsatzentscheid 
BGE 121 IV 49 indes fest, dass dem Versuch bzw. dem Ausbleiben des Erfolgs 
zumindest strafmindernd Rechnung getragen werden muss. Das Mass der zulässi-
gen Reduktion hängt dabei unter anderem von der Nähe des tatbestandsmässigen 
Erfolgs und von den tatsächlichen Folgen der Tat ab (BGE 121 IV 49 E. 1 b; Urteil 
des Bundesgerichts 6B_260/2012 vom 19. November 2012 E. 5.3).

Der Versuch als verschuldensunabhängiger Strafminderungsgrund ist vorliegend 
nicht allzu stark zu berücksichtigen. Auch wenn der Körperschwerpunkt der Privat-

26

klägerin noch diesseits des Balkongeländers bzw. auf dem Balkon war, befand sie 
sich doch rücklings über das Balkongeländer nach aussen gebeugt und hatte nur 
noch einen Fuss auf dem Boden. Der körperlich unterlegenen Privatklägerin wäre 
es in dieser Situation nicht möglich gewesen, sich gegen ein festeres Drücken und 
damit ein Verlagern ihres Schwerpunktes nach aussen erfolgversprechend zu weh-
ren bzw. bei einem Überhang den Absturz zu vermeiden. Demgegenüber ist auch 
zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte auf die Worte der Privatklägerin     
«Weisch was, dann mach doch» von ihr abliess. Die Kammer erachtet für den Ver-
such insgesamt eine Strafminderung im Bereich von vier Monaten als angemes-
sen.

11.6 Täterkomponenten

Der Beschuldigte weist gemäss Strafregisterauszug vom 10. August 2023 für die 
Zeit von November 2019 bis Juli 2020 vier nicht einschlägige Vorstrafen auf, in de-
nen er jeweils zu Geldstrafen verurteilt worden ist (pag. 661 ff.): 

- mit Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Oberland vom 12. Novem-
ber 2019 wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln zu einer bedingten 
Geldstrafe von 43 Tagessätzen zu CHF 110.00 und einer Busse von 
CHF 1’100.00; 

- mit Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Oberland vom 15. April 
2020 wegen Verletzung der Verkehrsregeln, Übertretung des Betäubungsmit-
telgesetzes und Fahrens eines Motorfahrzeugs in fahrunfähigem Zustand zu 
einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu CHF 120.00 und einer Bus-
se von CHF 1’000.00;

- mit Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Oberland vom 5. Mai 2020 
wegen Führens eines Motorfahrzeugs trotz Verweigerung, Entzug oder Aber-
kennung des Ausweises zu einer bedingten Geldstrafe von 8 Tagessätzen zu 
CHF 110.00 und einer Busse von CHF 300.00, als Zusatzstrafe zum Grundur-
teil vom 15. April 2020;

- mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zofingen - Kulm vom 24. Juli 2020 we-
gen mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes, Führens eines 
Motorfahrzeugs trotz Verweigerung, Entzug oder Aberkennung des Ausweises, 
Fahrens eines Motorfahrzeugs in fahrunfähigem Zustand und Missachtung des 
Verbots, unter Alkoholeinfluss zu fahren zu einer Geldstrafe von 140 Tages-
sätzen zu CHF 130.00 und einer Busse von CHF 800.00, als Zusatzstrafe zu 
den Grundurteilen vom 5. Mai 2020 und 15. April 2020 sowie als Gesamtstrafe 
zum Grundurteil vom 12. November 2019;

Der Beschuldigte handelte am 22. September 2020 einerseits während laufenden 
Verfahrens (insbesondere die Begehungszeit bezüglich eines Vergehens gegen 
das Betäubungsmittelgesetz datiert vom 10. September 2020 [vgl. pag. 274 f.; 
pag. 665]), andererseits wurde er erst gerade zwei Monate zuvor, am 24. Juli 2020, 
zu einer unbedingten Geldstrafe von 140 Tagessätzen verurteilt (pag. 664 f.). Die 
Vorstrafen und die Delinquenz trotz laufenden Verfahrens sind nicht stark, aber 
doch immerhin im Umfang von zwei Monaten leicht straferhöhend zu berücksichti-
gen. Ansonsten sind das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Beschul-

27

digten neutral zu werten. Betreffend die persönlichen Verhältnisse zum Tatzeit-
punkt kann auf die Angaben des Beschuldigten zur Person anlässlich der polizeili-
chen Einvernahme vom 28. September 2020 verwiesen werden (pag. 143 f.).

Das Verhalten des Beschuldigten nach der Tat und im Strafverfahren ist nicht zu 
beanstanden. Er hat sich stets korrekt und soweit möglich auch kooperativ verhal-
ten. Ein solches Verhalten darf jedoch erwartet werden und führt deshalb gemäss 
ständiger Praxis nicht zu einer Strafminderung. Den Vorwurf der (versuchten) Ge-
fährdung des Lebens bestritt der Beschuldigte auch im oberinstanzlichen Verfah-
ren, was allerdings von seinem Recht, sich nicht selber belasten zu müssen, ge-
deckt ist und deshalb nicht zu seinen Ungunsten berücksichtigt werden darf. Dies 
bedeutet aber auch, dass unter dem Titel Geständnisbereitschaft keine Strafminde-
rung erfolgen kann und weder Einsicht noch Reue auszumachen sind. 

Nach konstanter Rechtsprechung des Bundesgerichts ist eine erhöhte Strafemp-
findlichkeit nur bei aussergewöhnlichen Umständen zu bejahen (Urteile des Bun-
desgerichts 6B_1107/2019 vom 27. Januar 2020 E. 2.6.4; 6B_675/2019 vom 
17. Juli 2019 E. 3.1; je mit Hinweisen). Solche Umstände sind vorliegend nicht er-
sichtlich. Die Strafempfindlichkeit des Beschuldigten ist deshalb als neutral zu beur-
teilen.

Die Täterkomponenten führen letztlich zu einer leichten Straferhöhung im Umfang 
von zwei Monaten.

11.7 Konkretes Strafmass

Zusammenfassend erachtet die Kammer für den Schuldspruch wegen versuchter 
Gefährdung des Lebens eine Freiheitsstrafe von 20 Monaten als angemessen.

11.8 Strafvollzug

Das Gericht schiebt den Vollzug einer Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren in 
der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den 
Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 
Abs. 1 StGB).

Bei der Prüfung, ob der Verurteilte für ein dauerndes Wohlverhalten Gewähr bietet, 
hat das Gericht eine Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände vorzuneh-
men. In die Beurteilung miteinzubeziehen sind neben den Tatumständen auch das 
Vorleben und der Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige Schlüsse auf 
den Charakter des Täters und die Aussichten seiner Bewährung zulassen. Rele-
vante Faktoren sind etwa strafrechtliche Vorbelastung, Sozialisationsbiographie 
und Arbeitsverhalten, das Bestehen sozialer Bindungen, Hinweise auf Suchtge-
fährdungen usw. (BGE 135 IV 180 E. 2.1 = Pra 99 [2010] Nr. 44; 134 IV 1 E. 4.2.1; 
Urteile des Bundesgerichts 6B_485/2022 vom 12. September 2022 E. 6.1.5; 
6B_245/2022 vom 21. Juni 2022 E. 2.1; je mit Hinweisen).

Trotz der vier (nicht einschlägigen) Vorstrafen muss dem Beschuldigten noch gera-
de keine Schlechtprognose gestellt werden: Einerseits wurde er noch nie zu einer 
Freiheitsstrafe verurteilt und andererseits hat er sich seit der Hinderung einer 
Amtshandlung, begangen am 23. Juni 2021, nichts mehr zu Schulden kommen 
lassen, d.h. kein anderes laufendes Verfahren und keine weitere Verurteilung 

28

(vgl. pag. 661 ff.). Beim Beschuldigten ist denn auch eine gewisse Stabilisierung 
und Besserung seiner persönlichen Situation auszumachen. Aus seinen Aussagen 
anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung geht hervor, dass der Beschuldigte 
bemüht ist, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Er hat zwei stationäre 
Suchtbehandlungen gemacht und ist aktuell in psychiatrischer und medikamentö-
ser Behandlung. Der Beschuldigte nimmt gemäss eigenen Aussagen keine Drogen 
mehr und trinkt relativ selten ein Bier, räumte aber freimütig ein, hin und wieder 
doch einen Joint zu rauchen. Dies gehöre zu seiner Suchtgeschichte (pag. 685 
Z. 37 ff.). 

Die Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten Vollzugs der Freiheitsstra-
fe sind somit erfüllt. Allerdings ist den bestehenden Unsicherheiten in Bezug auf 
künftiges Wohlverhalten durch eine Erhöhung der Probezeit Rechnung zu tragen. 
Unter Berücksichtigung des Wohlverhaltens seit der Begehung der Hinderung einer 
Amtshandlung am 23. Juni 2021 von doch nunmehr gut zwei Jahren erscheint eine 
Probezeit von drei Jahren als angemessen.

11.9 Anrechnung vorläufige Festnahme

Die vorläufige Festnahme, Vorführung oder Anhaltung sind bei der Bemessung der 
Sanktion ebenfalls anzurechnen, sofern der Beschuldigte länger als drei Stunden in 
seiner Freiheit eingeschränkt wurde (BGE 124 IV 269 E. 4 = Pra 1999 Nr. 38, E. 4). 
Bei der Berechnung dieser Dauer ist die für eine allfällige formelle Einvernahme 
verwendete Zeit nicht zu berücksichtigen. Ausschlaggebend ist einzig die Dauer, 
während der sich der Betroffene den Behörden zur Verfügung halten muss 
(BGE 143 IV 339 E. 3; Urteil des Bundesgerichts 6B_53/2013 vom 8. Juli 2013 
E. 2.2).

Der Beschuldigte wurde am 28. September 2020 um 08:20 Uhr polizeilich angehal-
ten und gleichentags um 13:40 Uhr aus der vorläufigen Festnahme entlassen 
(pag. 6; pag. 8). Von 10:25 Uhr bis 13:00 Uhr fand indes eine delegierte Einver-
nahme statt (pag. 142; pag. 151). Der Beschuldigte wurde somit nicht länger als 
drei Stunden in seiner Freiheit eingeschränkt. Die vorläufige Festnahme ist folglich 
nicht anzurechnen.

12. Strafe für Vergehen 

12.1 Konkretes Vorgehen 

Für die Schuldsprüche wegen mehrfacher einfacher Körperverletzung, mehrfacher 
Sachbeschädigung, mehrfacher Beschimpfung, Hinderung einer Amtshandlung, 
und Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz ist, wie bereits erwähnt, eine 
Geldstrafe auszusprechen (vgl. Ziff. IV. 10. vorne). 

Entsprechend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist zunächst der Strafrah-
men für die schwerste Straftat zu bestimmen und alsdann die Einsatzstrafe für die 
schwerste Tat innerhalb dieses Strafrahmens festzusetzen (Urteil des Bundesge-
richts 6B_1079/2016 vom 21. März 2017 E. 1.3 mit Hinweisen). Die Kammer erach-
tet vorliegend in Übereinstimmung mit der Vorinstanz die einfache Körperverlet-
zung zum Nachteil der Privatklägerin als konkret schwerste Straftat (pag. 557, 
S. 34 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 

https://www.swisslex.ch/doc/unknown/21a2b404-e99a-47ff-a83b-e0d45dd2aec2/citeddoc/f786f046-d0ac-4002-8548-c20d765cc3ab/source/document-link

29

In einem zweiten Schritt ist die Einsatzstrafe aufgrund der weiteren Schuldsprüche 
in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB angemessen zu erhöhen. Trotz Asperation 
sind vorliegend keine aussergewöhnlichen Umstände ersichtlich, die es gebieten 
würden, den ordentlichen Strafrahmen zu verlassen (vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.8 mit 
Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 6B_853/2014 vom 9. Februar 2015 E. 4.2). 

Entgegen der Auffassung der Vorinstanz ist indes keine Zusatzstrafe zum Strafbe-
fehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 16. Dezember 2020 
auszusprechen, da dieser seinerseits bereits eine Teilzusatzstrafe enthält (vgl. 
pag. 665 f.). Die Kammer teilt in konstanter Praxis die in der Lehre vertretene Auf-
fassung, wonach keine Zusatzstrafe zu einer (teilweisen) Zusatzstrafe auszufällen 
ist (vgl. etwa Urteile des Obergerichts des Kantons Bern SK 22 200 vom 27. Fe-
bruar 2023 E. 14; SK 22 34 vom 1. November 2022 E. 24.2; SK 20 119 vom 1. De-
zember 2021 E. 19.2; SK 18 425 vom 20. Dezember 2019 E. 16; RIEDO, Retro-
spektive Intransparenz, Bemerkungen zu Art. 49 Abs. 2 StGB, in: Droit pénal et di-
versités culturelles, Mélanges en l’honneur de José Hurtado Pozo, Zürich 2012, 
S. 358). Andernfalls käme der Beschuldigte für die gleichen Straftaten mehrfach in 
den Genuss einer für ihn günstigen Asperation. Der Beschuldigte würde mithin 
durch die Beurteilung der Delikte in verschiedenen Verfahren bessergestellt, was 
nicht dem Sinn und Zweck von Art. 49 Abs. 2 StGB entspricht.

12.2 Einsatzstrafe: mehrfache einfache Körperverletzung 

Einfache Körperverletzung ist mit Freiheitsstrafe bis zur drei Jahren oder Geldstrafe 
bedroht (Art. 123 Ziff. 1 StGB).

Die Richtlinien für die Strafzumessung des Verbands Bernischer Richterinnen und 
Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte (Stand per 1. Januar 2023; nachfol-
gend: VBRS-Richtlinien) sehen für den Tatbestand der einfachen Körperverletzung 
gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB eine Strafe von 60 Strafeinheiten für folgenden Refe-
renzsachverhalt vor: «Der Täter verliert bei einem verbalen Streit in einer Bar die 
Beherrschung und verpasst dem Opfer einen Faustschlag ins Gesicht. Dieses er-
leidet einen Nasenbeinbruch. Ambulante Behandlung im Spital und drei Tage Ar-
beitsunfähigkeit» (VBRS-Richtlinien, S. 46).

Vorliegend schlug der Beschuldigte der Privatklägerin mit der Faust mehrmals ge-
gen das Gesicht, so dass sie unter dem linken Auge ein Monokelhämatom von 
rund 3,5 cm Länge sowie zumindest eine gequetschte Nase erlitt. Zudem schlug 
und stiess er sie zu Boden und trat sie mit den Füssen gegen den Rumpf, so dass 
sie zumindest eine Rippenquetschung, eine Prellung des Ellenbogens rechts und 
eine 10 x 2 cm sowie eine 5 x 15 cm messende Hautverfärbung am Brustkorb erlitt. 
Die Privatklägerin musste aufgrund der Verletzungen einen Arzt aufsuchen und 
hatte insbesondere an der Nase und an den Rippen während mehrerer Wochen 
Schmerzen (vgl. pag. 188 Z. 206 ff., Z. 215 ff.). Mittlerweile sind die körperlichen 
Beschwerden verheilt (pag. 677 Z. 21 f.). 

Die Tat war von einem erheblichen Aggressions- und Gewaltpotential des Beschul-
digten getragen. Er ging ohne Vorwarnung auf die Privatklägerin los und traktierte 
sie mehrfach und massiv. Sein Verhalten ist verwerflich und zeugt von erheblicher 
krimineller Energie.

https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_853%2F2014&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-IV-55%3Ade&number_of_ranks=0#page55

30

Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich und aus rein egoistischen Gründen, 
was indes tatbestandsimmanent und deshalb neutral zu gewichten ist. Er war 
wütend und wollte sich bei der Privatklägerin rächen, weil diese ihn angeblich de-
nunziert hatte und er daraufhin von einem Dritten geschlagen wurde. 

Der starken Alkoholisierung des Beschuldigten ist im Rahmen von Art. 47 StGB 
leicht strafmindernd Rechnung zu tragen. Eine verminderte Schuldfähigkeit im Sin-
ne von Art. 19 StGB lag indes nicht vor.

Das Tatverschulden ist im Verhältnis zum Strafrahmen von bis zu drei Jahren Frei-
heitsstrafe insgesamt als leicht zu bezeichnen. Unter Berücksichtigung sämtlicher 
Umstände erachtet die Kammer für die mehrfache einfache Körperverletzung zum 
Nachteil der Privatklägerin in Übereinstimmung mit der Vorinstanz eine Einsatzstra-
fe von 100 Strafeinheiten als dem Tatverschulden des Beschuldigten angemessen 
(pag. 557, S. 34 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 

12.3 Asperation aufgrund der weiteren Schuldsprüche 

12.3.1 mehrfache Sachbeschädigung 

Sachbeschädigung ist mit Freiheitsstrafe bis zur drei Jahren oder Geldstrafe be-
droht (Art. 144 Abs. 1 StGB). 

Die VBRS-Richtlinien sehen für folgenden Referenzsachverhalt eine Strafe von 
15 Strafeinheiten vor: «Der Täter zerkratzt den Lack eines fremden Personenwa-
gens. Schaden: knapp über CHF 300.00» (VBRS-Richtlinien, S. 47).

Der Beschuldigte beging bei der Auseinandersetzung vom 22. September 2020 
mehrere Sachbeschädigungen. Er beschädigte das Bett, den Laptop, Kleider, den 
Balkontisch, ein Sideboard sowie diverse Dekorationsgegenstände der Privatkläge-
rin und verursachte einen Sachschaden von rund CHF 2'000.00. Die Sachbeschä-
digungen waren nicht geplant. Der Beschuldigte handelte spontan und aus der Wut 
heraus. Nichtsdestotrotz ging der Beschuldigte letztlich brachial und hemmungslos 
vor und wütete richtiggehend durch die Wohnung der Privatklägerin. 

Betreffend die subjektiven Tatkomponenten ist zu Gunsten des Beschuldigten le-
diglich von Eventualvorsatz auszugehen und seine starke Alkoholisierung ist wie-
derum leicht strafmindernd zu berücksichtigen. 

Auch wenn das Tatverschulden im Verhältnis zum Strafrahmen von bis zu drei Jah-
ren Freiheitsstrafe insgesamt noch als sehr leicht zu bezeichnen ist, erscheinen die 
von der Vorinstanz festgesetzten sechs Strafeinheiten für die mehrfachen Sachbe-
schädigungen deutlich zu milde (pag. 558, S. 35 der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung). Die Kammer erachtet für den Schuldspruch wegen mehrfacher Sach-
beschädigung für sich alleine beurteilt eine Strafe von 30 Strafeinheiten als ange-
messen, welche mit 20 Strafeinheiten zu asperieren ist.

12.3.2 mehrfache Beschimpfung

Beschimpfung ist mit Geldstrafe bis zu 90 Tagessätzen bedroht (Art. 177 Abs. 1 
StGB). 

Die VBRS-Richtlinien sehen eine Referenzstrafe von zehn Strafeinheiten vor, wenn 
der Täter den Geschädigten in Anwesenheit einer kleinen Gruppe von Personen 

31

als «Arschloch», «Wixer» oder «Dumme Siech» bezeichnet (VBRS-Richtlinien, 
S. 48).

Der Beschuldigte bezeichnete die Privatklägerin während der Auseinandersetzung 
vom 22. September 2020 mit den Worten «Nutte», «alte Sau», «Schlampe» und 
«das Allerletzte». Abgesehen von O.________ waren keine weiteren Personen 
anwesend. 

Der Beschuldigte handelte mit direktem Vorsatz und mit dem Ziel, die Privatkläge-
rin zu verunglimpfen, was indes tatbestandsimmanent ist und deshalb neutral zu 
gewichten ist. Die starke Alkoholisierung des Beschuldigten ist wiederum leicht 
strafmindernd zu berücksichtigen. 

Das Tatverschulden ist im Verhältnis zum Strafrahmen von bis zu 90 Tagessätzen 
Geldstrafe insgesamt als sehr leicht zu bezeichnen. Die Kammer erachtet für den 
Schuldspruch wegen mehrfacher Beschimpfung – in Übereinstimmung mit der    
Vorinstanz – für sich alleine beurteilt eine Strafe von sechs Strafeinheiten als an-
gemessen, welche mit vier Strafeinheiten zu asperieren ist (pag. 559, S. 36 der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 

12.3.3 Hinderung einer Amtshandlung

Hinderung einer Amtshandlung ist mit Geldstrafe bis zu 30 Tagessätzen bedroht 
(Art. 286 StGB). 

Die VBRS-Richtlini