# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 87dff668-c5ff-50cb-9abf-f71d139c1ea9
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-09-07
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 07.09.2023 WBE.2022.424
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_WBE-2022-424_2023-09-07.pdf

## Full Text

Verwaltungsgericht 

2. Kammer 

 

WBE.2022.424 / jr / we 
ZEMIS [***] (E.2022.062)  

Art. 71 

 

Urteil vom 7. September 2023 
 
 

Besetzung  Verwaltungsrichter Busslinger, Vorsitz  

Verwaltungsrichter Clavadetscher 

Verwaltungsrichterin Kiefer 

Gerichtsschreiberin Roder 

 

 
   

Beschwerde-

führerin 

 

 A._____, von Sri Lanka,  

 

vertreten durch B._____  

 

gegen 

 

  Amt für Migration und Integration Kanton Aargau, Rechtsdienst, 

Bahnhofplatz 3C, 5001 Aarau    

 

 
 

   

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend Familiennachzug 

 

Entscheid des Amtes für Migration und Integration  

vom 27. September 2022 

  

 - 2 - 

 

 

    

  Das Verwaltungsgericht entnimmt den Akten: 
 

A. 

Der Vater der Beschwerdeführerin reiste am 7. Oktober 1991 illegal in die 

Schweiz ein und stellte gleichentags ein Asylgesuch. Am 15. Dezember 

1995 ersuchte er bei der Fremdenpolizei des Kantons Aargau (Frepo; 

später Migrationsamt des Kantons Aargau [MKA]; heute Amt für Migration 

und Integration Kanton Aargau [MIKA]) um Erteilung einer Aufenthalts-

bewilligung. Am 23. August 1996 zog er sein Asylgesuch zurück, worauf 

das Bundesamt für Flüchtlinge (BFF; später Bundesamt für Migration 

[BFM]; heute Staatssekretariat für Migration [SEM]) das Asylverfahren als 

gegenstandslos abschrieb. Am 23. Januar 1997 erhielt der Vater der Be-

schwerdeführerin eine Aufenthaltsbewilligung und seit dem 24. Juli 2006 ist 

er im Besitz der Niederlassungsbewilligung, deren Kontrollfrist letztmals am 

6. August 2019 bis zum 31. Juli 2024 verlängert wurde (zum Ganzen 

act.  2).  

 

Der Vater der Beschwerdeführerin und seine ebenfalls niederlassungs-

berechtigte Ehefrau C. haben zwei Kinder: C._____ (geb. […] 2001) und 

A._____ (geb. […] 2005), die Beschwerdeführerin. Beide Kinder sind in der 

Schweiz geboren und erhielten wie ihre Eltern am 24. Juli 2006 die 

Niederlassungsbewilligung (act. 2). Am 15. Dezember 2011 ersuchte der 

Vater der Beschwerdeführerin für die beiden Kinder mit Blick auf einen 

Auslandaufenthalt im Heimatland vom 1. April 2012 bis zum 1. April 2016 

um Aufrechterhaltung ihrer Niederlassungsbewilligung (Akten des Amtes 

für Migration und Integration [MI-act.] 13 f.). Dieses Gesuch wurde am 

16. Januar 2012 von der Sektion Aufenthalt (nachfolgend Sektion) formlos 

mit der Begründung abgelehnt, dass der angestrebte Auslandaufenthalt 

zum Besuch der Grundschule nach Praxis des BFM keinen Grund für die 

Aufrechterhaltung der Niederlassungsbewilligung darstelle. Vielmehr 

widerspreche das Absolvieren der Grundschule in Sri Lanka dem 

Integrationsgedanken. Der Vater der Beschwerdeführerin wurde zudem 

darauf aufmerksam gemacht, dass die Niederlassungsbewilligung der 

Kinder erlöschen werde, sollten sie sich länger als sechs Monate im 

Ausland aufhalten (MI-act. 17 f.). Per 15. April 2012 wurden die beiden 

Kinder von Z._____ nach Sri Lanka abgemeldet. Die Eltern verblieben in 

der Schweiz (MI-act. 19).  

 

Am 3. Dezember 2021 stellte der Vater der Beschwerdeführerin beim MIKA 

ein Gesuch um Familiennachzug für die mittlerweile 16-jährige Beschwer-

deführerin (MI-act. 20 ff.), da diese gerne mit den Eltern zusammenleben 

möchte (MI-act. 22). Der Bruder der Beschwerdeführerin war bereits am 

1. August 2018 wieder in die Schweiz eingereist, wobei ihm im Rahmen 

des Familiennachzugs eine Aufenthaltsbewilligung erteilt worden war 

(act. 2). Nach Abklärungen und der Gewährung des rechtlichen Gehörs 

wies das MIKA das Familiennachzugsgesuch für die Beschwerdeführerin 

 - 3 - 

 

 

mit Verfügung vom 25. April 2022 ab (MI-act. 75 f., 79 f., 88 f., 91 f. und 

120 ff.) und verweigerte ihr die Einreise in die Schweiz. 

 

B. 

Gegen die Verfügung des MIKA vom 25. April 2022 erhob der Vater der 

Beschwerdeführerin mit Eingabe seines damaligen Rechtsvertreters vom 

27. Mai 2022 beim Rechtsdienst des MIKA (Vorinstanz) Einsprache (MI-

act. 137 ff.). 

 

Am 27. September 2022 erliess die Vorinstanz folgenden Einspracheent-

scheid (act. 1 ff.):  

 

1.  
Die Einsprache wird abgewiesen 
 
2.  
Es werden keine Gebühren erhoben. 
 
3.  
Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

Auf die Begründung wird, soweit erforderlich, in den folgenden Erwägungen 

eingegangen.  

 

C. 

Mit Eingabe vom 28. Oktober 2022 erhob die Beschwerdeführerin beim 

Verwaltungsgericht des Kantons Aargau (Verwaltungsgericht) Beschwerde 

und stellten folgende Anträge (act. 11 ff.): 

 

1. 
Der Entscheid der Vorinstanz vom 27.09.2022 sei aufzuheben. 
 
2. 
Die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, das Gesuch um Familiennach-
zug zu bewilligen und dem SEM zur Zustimmung zu unterbreiten. 
 
3. 
Der minderjährigen Beschwerdeführerin sei die unentgeltliche Rechts-
pflege zu gestatten. Auf die Einforderung eines Prozesskostenvor-
schusses sei zu verzichten. 

 

Die Begründung ergibt sich, soweit erforderlich, aus den nachstehenden 

Erwägungen.  

 

Mit Verfügung vom 2. November 2022 lehnte der Instruktionsrichter das 

Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege mangels nach-

gewiesener Bedürftigkeit ab (act. 23 ff.). Nach Eingang des Kostenvor-

schusses reichte die Vorinstanz aufforderungsgemäss die Akten ein, hielt 

 - 4 - 

 

 

am Einspracheentscheid fest und beantragte die Abweisung der Be-

schwerde (act. 33). Diese Eingabe wurde der Beschwerdeführerin zuge-

stellt. Ein weiterer Schriftenwechsel wurde nicht angeordnet (act. 34 f.). 

 

Das Verwaltungsgericht hat den Fall auf dem Zirkularweg entschieden 

(vgl. § 7 des Gerichtsorganisationsgesetzes vom 6. Dezember 2011 [GOG; 

SAR 155.200]). 

 

 

  Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung: 
 

I. 

1.  

Einspracheentscheide des MIKA können innert 30 Tagen seit Zustellung 

mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht weitergezogen werden (§ 9 

Abs. 1 des Einführungsgesetzes zum Ausländerrecht vom 25. November 

2008 [EGAR; SAR 122.600]). Beschwerden sind schriftlich einzureichen 

und müssen einen Antrag sowie eine Begründung enthalten; der angefoch-

tene Entscheid ist anzugeben, allfällige Beweismittel sind zu bezeichnen 

und soweit möglich beizufügen (§ 2 Abs. 1 EGAR i.V.m. § 43 des Gesetzes 

über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Dezember 2007 [Verwaltungs-

rechtspflegegesetz, VRPG; SAR 271.200]). 

 

Nachdem sich die vorliegende Beschwerde gegen den Einspracheent-

scheid der Vorinstanz vom 27. September 2022 richtet, ist die Zuständig-

keit des Verwaltungsgerichts gegeben und auf die frist- und formgerecht 

eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 

 

Anzumerken ist, dass sich der Vater der Beschwerdeführerin im Beschwer-

deverfahren nicht mehr als Partei konstituiert hat, sondern lediglich als ge-

setzlicher Vertreter der Beschwerdeführerin. Auch wenn die Beschwerde-

führerin in der Zwischenzeit volljährig geworden ist, hat sich daran aufgrund 

der gesetzlich statuierten Vertretungsbefugnis von Eltern für ihre voll-

jährigen Kinder nichts geändert (vgl. § 14 Abs. 3 lit. a VRPG). 

 

2.  

Unter Vorbehalt abweichender bundesrechtlicher Vorschriften oder 

Bestimmungen des EGAR können mit der Beschwerde an das Verwal-

tungsgericht einzig Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung 

oder Missbrauch des Ermessens, und unrichtige oder unvollständige Fest-

stellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden. Die Ermes-

sensüberprüfung steht dem Gericht jedoch grundsätzlich nicht zu (§ 9 

Abs. 2 EGAR; vgl. auch § 55 Abs. 1 VRPG). Schranke der Ermessensaus-

übung bildet das Verhältnismässigkeitsprinzip (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, 

in: MARTINA CARONI/THOMAS GÄCHTER/DANIELA THURNHERR [Hrsg.], 

Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen 

 - 5 - 

 

 

und Ausländer [AuG], Bern 2010, N. 7 zu Art. 96 mit Hinweisen). In diesem 

Zusammenhang hat das Verwaltungsgericht gemäss bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung insbesondere zu klären, ob die Vorinstanz die gemäss 

Art. 96 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und 

über die Integration vom 16. Dezember 2005 (Ausländer- und Integrations-

gesetz, AIG; SR 142.20) relevanten Kriterien (öffentliche Interessen, per-

sönliche Verhältnisse, Integration) berücksichtigt hat und ob diese rechts-

fehlerfrei gewichtet wurden (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, a.a.O., N. 9 zu 

Art. 96). Schliesslich ist im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zu entschei-

den, ob die getroffene Massnahme durch ein überwiegendes öffentliches 

Interesse gerechtfertigt erscheint (sog. Verhältnismässigkeit im engeren 

Sinn). 

 

II. 

1.  

1.1.  

Die Vorinstanz hält im angefochtenen Entscheid zunächst fest, das Nach-

zugsgesuch sei nicht innert der von Art. 47 Abs. 1 AIG vorgeschriebenen 

Frist gestellt worden. Folglich handle es sich um einen nachträglichen Fa-

miliennachzug im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG. Wichtige Gründe, wie sie 

für die Bewilligung eines nachträglichen Familiennachzugs vorliegen 

müssten, seien nicht gegeben. Dazu führt sie im Wesentlichen aus, die Be-

schwerdeführerin sei im Zeitpunkt der Gesuchstellung fast 17-jährig, in 

jenem des vorinstanzlichen Entscheids bald volljährig gewesen. Es könne 

davon ausgegangen werden, dass sie keine intensive Betreuung mehr be-

nötige. Weder der Tod des Grossvaters, noch die Sicherheitslage in Sri 

Lanka, noch die Erkrankung der Grossmutter würden die Betreuungs-

situation in dem Masse beeinträchtigen, dass sie einen wichtigen familiären 

Grund begründeten (act. 6 f.). Insbesondere seien die ausgewiesenen ge-

sundheitlichen Einschränkungen der Grossmutter nicht derart gravierend, 

als dass sie die allenfalls noch anfallenden Betreuungsaufgaben gegen-

über der zwischenzeitlich 17.5-jährigen Beschwerdeführerin nicht weiter 

übernehmen könnte. Selbst wenn dem plötzlich so wäre, gelte es die bal-

dige Volljährigkeit der Beschwerdeführerin zu bedenken, sowie die weite-

ren in Sri Lanka lebenden Verwandten, von welchen sie bei Bedarf sicher-

lich unterstützt werden könnte (act. 6). Die Betreuungssituation der Be-

schwerdeführerin erfordere damit keine Übersiedlung in die Schweiz. Hinzu 

komme, dass selbst unter Berücksichtigung der hier verbrachten ersten 

sieben Lebensjahre und ihrer Deutschkenntnisse auf dem Niveau A2 mit 

erheblichen Integrationsschwierigkeiten der Beschwerdeführerin zu 

rechnen wäre (act. 7). Schliesslich entspreche der Verbleib der Beschwer-

deführerin in Sri Lanka auch dem Kindswohl (act. 8).  

 

Ferner hält die Vorinstanz fest, dass die Beschwerdeführerin aus dem im 

Jahr 2018 ihren Bruder betreffenden Familiennachzugsgesuch nichts zu 

 - 6 - 

 

 

ihren Gunsten ableiten könne. Der von ihr angerufene Gleichheitssatz ge-

biete gerade, dass das Gesuch abgelehnt werde, wenn nicht sämtliche 

Voraussetzungen erfüllt seien. Selbst wenn die Situationen der Ge-

schwister gleich gewesen sein sollten und das Gesuch betreffend den 

Bruder entsprechend rechtlich falsch gutgeheissen worden wäre, bestünde 

mangels einer allgemeinen vom Gesetz abweichenden Praxis der Sektion 

kein Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht (act. 8). Die Verweigerung 

des Familiennachzugs halte schliesslich auch vor Art. 8 der Konvention 

zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 4. November 

1950 (EMRK; SR 0.101) stand (act. 9).  

 

1.2.  

Die Beschwerdeführerin stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, 

dass wichtige familiäre Gründe für ihren Nachzug vorlägen. Sie weise 

altersgemäss zwar bereits eine gewisse Selbständigkeit auf, sei aber wei-

terhin auf die Unterstützung von Erwachsenen angewiesen und nicht in der 

Lage, neben der Ausbildung den Haushalt alleine zu erledigen und sich 

eigenständig zu versorgen. Aus den Akten ergebe sich, dass seit dem Tod 

des Grossvaters im Jahr 2019 die Grossmutter in ihrer Betreuung und in 

der Haushaltsführung auf sich alleine gestellt sei. Infolge eines schweren 

Herzinfarktes sowie anhaltender Hypertonie sei die nunmehr selbst pflege-

bedürftige 83-jährige Frau dazu nicht länger in der Lage. Diese wesentliche 

Änderung in den Familien- und Betreuungsverhältnissen stelle einen wich-

tigen familiären Grund dar und berechtige zum nachträglichen Familien-

nachzug. Die Zusammenführung der Gesamtfamilie sei, so die Beschwer-

deführerin sinngemäss, auch mit Blick auf das Kindswohl geboten 

(act. 13 f.). Die vorinstanzlichen Erwägungen seien mit Art. 8 EMRK nicht 

vereinbar und verletzten Art. 47 Abs. 4 AIG (act. 15 f.), zudem seien sie mit 

Blick auf die angenommenen anderweitigen Betreuungsmöglichkeiten 

nicht substantiiert (act. 16).  

 

Weiter rügt die Beschwerdeführerin die vorinstanzlich angenommenen In-

tegrationsschwierigkeiten als unbegründet und tatsachenwidrig. Ausweis-

lich der Akten habe sie bis zum 7. Altersjahr (richtig: 8. Altersjahr) in der 

Schweiz gelebt und sei sprachlich und sozial sehr gut integriert gewesen. 

Sie könne deutsche Sprachkenntnisse auf dem Niveau B1 vorweisen. Dies 

reiche aus für die Beantragung des Schweizer Bürgerrechts und befähige 

die Beschwerdeführerin, jegliche Ausbildung zu absolvieren. Weiter kenne 

sie aufgrund ihres siebenjährigen Aufenthalts, dem Besuch in der Schweiz 

im Jahr 2018 und der regelmässigen Pflege von Kontakten mit Freunden 

die hiesigen Gepflogenheiten und habe eine enge Verbindung zum Land. 

Dies spreche entgegen der vorinstanzlichen Annahme für eine reibungs-

lose Integration (act. 14, 17). Entsprechend sei auch die vorinstanzliche In-

teressenabwägung zu beanstanden: Angesichts der zu erwartenden prob-

lemlosen Integration überwiege das öffentliche Interesse an der Verweige-

rung des Familiennachzugs keinesfalls. Der vorinstanzliche Entscheid 

 - 7 - 

 

 

stelle damit einen nicht hinzunehmenden Eingriff in das geschützte Fami-

lienleben dar und verletze Art. 8 EMRK (act. 16 f.).  

 

Schliesslich sieht die Beschwerdeführerin in der unterlassenen Anhörung 

eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes und von Art. 47 Abs. 4 

AIG i.V.m. Art. 73 Abs. 3 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und 

Erwerbstätigkeit vom 24. Oktober 2007 (VZAE; SR 142.201) und rügt auf-

grund der ungleichen Behandlung ihres Gesuchs und jenem ihres Bruders 

eine Verletzung des Geleichbehandlungsgebotes nach Art. 8 der Bundes-

verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 

(BV; SR 101) und § 3 Abs. 1 VRPG (act. 14 f.). 

 

2.  

2.1.  

2.1.1.  

Ausländische Ehegatten und ledige Kinder unter 18 Jahren von Personen 

mit Niederlassungsbewilligung haben gemäss Art. 43 Abs. 1 AIG Anspruch 

auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit 

diesen zusammenwohnen (lit. a), eine bedarfsgerechte Wohnung vorhan-

den ist (lit. b), sie nicht auf Sozialhilfe angewiesen sind (lit. c), sie sich in 

der am Wohnort gesprochenen Landesprache verständigen können (lit. d) 

und die nachziehende Person keine jährlichen Ergänzungsleistungen nach 

dem Bundesgesetz über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlas-

senen- und Invalidenversicherung vom 6. Oktober 2006 (ELG; SR 831.30) 

bezieht oder wegen des Familiennachzugs beziehen könnte (lit. e). Bei le-

digen Kindern unter 18 Jahren findet die Voraussetzung nach Art. 43 

Abs. 1 lit. d keine Anwendung (Art. 43 Abs. 3 AIG). Kinder unter zwölf Jah-

ren haben Anspruch auf Erteilung der Niederlassungsbewilligung (Art. 43 

Abs. 6 AIG). 

  

Für die Frage, ob die Altersgrenze von 18 Jahren eingehalten wurde, ist 

das Alter des Kindes bei der Gesuchseinreichung massgeblich 

(BGE 136 II 497, Erw. 3.4; MARC SPESCHA, in: MARC SPESCHA/ANDREAS 

ZÜND/PETER BOLZLI/CONSTANTIN HRUSCHKA/FANNY DE WECK [Hrsg.], Kom-

mentar Migrationsrecht, 5. Aufl., Zürich 2019, N. 1 zu Art. 47 AIG). Gleiches 

gilt für die besondere Altersgrenze von zwölf Jahren gemäss Art. 43 Abs. 6 

AIG (vgl. MARC SPESCHA, a.a.O., N. 18 zu Art. 42 AIG). Die übrigen mate-

riellen Voraussetzungen für einen Familiennachzug gestützt auf Art. 43 

Abs. 1 AIG müssen zu einem beliebigen Zeitpunkt zwischen der Gesuchs-

einreichung und der Vollendung des 18. Altersjahres des nachzuziehenden 

Kindes bzw. dem Entscheidzeitpunkt alle zugleich erfüllt sein (Entscheide 

des Verwaltungsgerichts WBE.2015.341 vom 3. Februar 2017, Erw. II/3.3, 

und WBE.2019.83 vom 2. September 2020, Erw. II/4.2). 

 

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2.1.2.  

Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass die materiellen Voraussetzungen 

von Art. 43 Abs. 1 AIG erfüllt sind bzw. zwischen dem Zeitpunkt der Ge-

suchseinreichung am 3. Dezember 2021 und der Volljährigkeit der Be-

schwerdeführerin am […] 2023 erfüllt waren (MI-act. 121; act. 4): Bei der 

Einreichung des Gesuchs um Familiennachzug war die Beschwerde-

führerin 16 Jahre und 9 Monate alt und ledig (MI-act. 1, 21). Weiter ist die 

3.5-Zimmer Wohnung des Vaters der Beschwerdeführerin (MI-act. 22, 47 

ff.) für vier Personen bedarfsgerecht (Weisungen und Erläuterungen des 

SEM zum Ausländerbereich [Weisungen AIG] vom Oktober 2013 [Stand 

1. September 2023; <http://www.sem.admin.ch>], Ziff. 6.3.1.2 und 6.1.4; 

Urteil des Bundesgerichts 2C_304/2021 vom 29. Juli 2021, Erw. 4.1 

m.w.H.). Schliesslich bezieht der Vater der Beschwerdeführerin weder So-

zialhilfe (MI-act.  24) noch Ergänzungsleistungen (MI-act. 20) und ist sei-

tens der Vorinstanzen unbestritten, dass das erzielte Einkommen gemäss 

Bedarfsberechnung des MIKA zur vollständigen Deckung des Lebensun-

terhalts der ganzen Familie genügt (MI-act. 74). Damit hat die Beschwer-

deführerin grundsätzlich Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbe-

willigung zwecks Verbleibs bei ihren Eltern, sofern die Nachzugsfrist ge-

mäss Art. 47 Abs. 1 AIG eingehalten wurde. 

 

2.2.  

2.2.1.  

Gesuche um Familiennachzug von Ehegatten und Kindern gestützt auf 

Art. 43 AIG müssen innerhalb von fünf Jahren eingereicht werden. Für Kin-

der über zwölf Jahre muss das Nachzugsgesuch innerhalb von zwölf Mo-

naten eingereicht werden (Art. 47 Abs. 1 AIG). Die Fristen beginnen mit der 

Erteilung der Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung an die nachzie-

hende Person oder mit der Entstehung des Familienverhältnisses (Art. 47 

Abs. 3 lit. b AIG). Ist die Einreise der nachziehenden Person (sowie die Er-

teilung der Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung) vor dem 1. Ja-

nuar 2008 erfolgt bzw. das Familienverhältnis vor dem 1. Januar 2008 ent-

standen, beginnen die Nachzugsfristen am 1. Januar 2008 (Art. 126 Abs. 3 

AIG). Werden die Fristen nicht eingehalten, liegt ein nachträglicher Fami-

liennachzug vor. Dieser ist nur bei Vorliegen wichtiger familiärer Gründe zu 

bewilligen (Art. 47 Abs. 4 AIG). 

 

Hinsichtlich Fristberechnung und Fristwahrung kommen gemäss verwal-

tungsgerichtlicher Praxis die Vorschriften der Schweizerischen Zivilpro-

zessordnung vom 19. Dezember 2008 (ZPO; SR 272) analog zur Anwen-

dung (eingehend Entscheid des Verwaltungsgerichts WBE.2019.410 vom 

27. April 2020, Erw. II/2.2). 

 

2.2.2.  

Mit der Vorinstanz kann offengelassen werden (act. 4 f.), wann die fünfjäh-

rige Frist (vorne Erw. II/2.2.1) genau zu laufen begann (ob mit Inkrafttreten 

 - 9 - 

 

 

der Nachzugsfristen am 1. Januar 2008, der freiwilligen Ausreise der Be-

schwerdeführerin am 15. April 2012, oder sogar erst im spätest möglichen 

Erlöschenszeitpunkt ihrer Niederlassungsbewilligung am 15. Oktober 

2012). Mit der Einreichung des Gesuchs um Familiennachzug am 3. De-

zember 2021 für die damals über 16-jährige Beschwerdeführerin war die 

Frist nach Art. 47 Abs. 1 AIG ohnehin in jedem Fall abgelaufen. Die Be-

schwerdeführerin anerkennt dies implizit und geht selbst von einem nach-

träglichen Familiennachzug im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG aus (act. 13).  

 

Es ist damit lediglich streitig und nachfolgend zu klären, ob wichtige fami-

liäre Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG vorliegen, die die Bewilligung 

des Familiennachzugs trotz verpasster Frist gebieten.  

 

2.3.  

2.3.1.  

2.3.1.1.  

Wichtige familiäre Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG liegen gemäss 

Art. 75 VZAE vor, wenn das Kindswohl nur durch einen Nachzug in die 

Schweiz gewahrt werden kann. Entgegen dem Wortlaut der Verordnungs-

bestimmung ist der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zufolge jedoch 

nicht ausschliesslich auf das Kindswohl abzustellen. Vielmehr bedarf es 

einer Gesamtschau unter Berücksichtigung aller relevanten Elemente im 

Einzelfall. Dabei soll nach dem Willen des Gesetzgebers die Bewilligung 

eines Familiennachzugs, der nach Ablauf der gesetzlichen Fristen bean-

tragt wurde, die Ausnahme und nicht die Regel bilden (zum Ganzen Urteil 

des Bundesgerichts 2C_767/2015 vom 19. Februar 2016, Erw. 5.1.1). 

 

2.3.1.2.  

In Bezug auf den massgeblichen Zeitpunkt, in welchem wichtige familiäre 

Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG vorliegen müssen, ist zunächst auf 

den Sachverhalt im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung abzustellen 

(vgl. BGE 136 II 497, Erw. 3.4). Waren sämtliche Voraussetzungen für den 

nachträglichen Familiennachzug bereits zu jenem Zeitpunkt erfüllt, ist das 

Gesuch zu bewilligen bzw. eine Einsprache oder Beschwerde gutzuheis-

sen. Andernfalls ist die Entwicklung ab Gesuchseinreichung in die Beurtei-

lung miteinzubeziehen. Stellt sich nämlich heraus, dass im Zeitpunkt der 

Gesuchseinreichung noch keine wichtigen familiären Gründe vorlagen, 

diese jedoch im Laufe des Verfahrens eingetreten sind, ist eine Einsprache 

oder Beschwerde gutzuheissen, sofern in jenem Zeitpunkt auch die übrigen 

Voraussetzungen für den Familiennachzug zeitgleich erfüllt waren. Geht es 

um den Nachzug eines Kindes, darf in jenem Zeitpunkt zudem das nach-

zuziehende Kind noch nicht 18 Jahre alt gewesen sein. Dieselben Überle-

gungen gelten auch, wenn eine andere Voraussetzung für den Familien-

nachzug (Wohnung, finanzielle Mittel etc.) im Zeitpunkt der Gesuchsein-

reichung noch nicht erfüllt war (vgl. vorne Erw. II/2.1.1). 

 

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Ein nachträgliches Familiennachzugsgesuch ist mit anderen Worten dann 

zu bewilligen, wenn zu einem beliebigen Zeitpunkt zwischen der Gesuchs-

einreichung und dem Entscheidzeitpunkt – beim Kindernachzug zwischen 

der Gesuchseinreichung und der Vollendung des 18. Altersjahres des 

nachzuziehenden Kindes bzw. dem Entscheidzeitpunkt – sämtliche Vo-

raussetzungen für den (nachträglichen) Familiennachzug gleichzeitig erfüllt 

waren. Dies geht auch aus dem Gebot der rechtsgleichen Behandlung her-

vor, da andernfalls der Ausgang eines Familiennachzugsverfahrens vom 

jeweiligen Zeitpunkt abhängig wäre, in welchem die zuständige Behörde 

über das Gesuch befindet (Entscheid des Verwaltungsgerichts 

WBE.2015.341 vom 3. Februar 2017, Erw. II/3.3). 

 

Für die Beurteilung der wichtigen familiären Gründe beim Kindernachzug 

bedeutet dies, dass im Hinblick auf die altersspezifische Betreuungsbedürf-

tigkeit auf das jeweilige Alter des Kindes in dem Zeitpunkt abzustellen ist, 

in dem die wichtigen familiären Gründe behaupteter weise eintraten und 

sämtliche weiteren Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt waren – und nicht 

auf den Entscheidzeitpunkt.  

 

2.3.1.3.  

In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob wichtige familiäre Gründe vorliegen, 

die den Familiennachzug offensichtlich gebieten. Hinsichtlich des nachträg-

lichen Nachzugs eines Kindes ist dies der Fall, wenn das Kindswohl bzw. 

das übergeordnete Kindsinteresse nur durch einen Nachzug in die Schweiz 

gewahrt werden kann (Art. 75 VZAE), wobei diese Voraussetzung gemäss 

Rechtsprechung des Bundesgerichts erfüllt ist, wenn das Kindswohl 

schwergewichtig nur durch den Nachzug in die Schweiz sachgerecht ge-

wahrt werden kann (Urteil des Bundesgerichts 2C_182/2016 vom 11. No-

vember 2016, Erw. 2.2 m.w.H.; zum übergeordneten Kindsinteresse vgl. 

MARTINA CARONI, Die vorrangige Berücksichtigung des übergeordneten 

Kindesteresses im Migrationsrecht – Menschenrechtliche Praxis, in: 

ALBERTO ACHERMANN/CESLA AMARELLE/VÉRONIQUE BOILLET/MARTINA 

CARONI/ASTRID EPINEY/PETER UEBERSAX [Hrsg.], Jahrbuch für Migrations-

recht 2022/2023, Bern 2023, S. 3 ff., S. 6 ff.). Angesprochen sind hier ins-

besondere Fälle, in denen die bisherige Betreuungssituation des nachzu-

ziehenden Kindes wegfällt, ohne dass im Heimatland eine adäquate Alter-

native gegeben wäre, oder in denen sich der Gesundheitszustand des 

nachzuziehenden Kindes wesentlich verschlechtert, ohne dass im Heimat-

land adäquate Behandlungsmöglichkeiten bestünden. Der nachträgliche 

Familiennachzug ist nach ständiger Rechtsprechung indes nicht erst 

zuzulassen, wenn überhaupt keine Alternativen zur Betreuung durch den 

oder die in der Schweiz lebenden Familienangehörigen mehr ersichtlich 

sind (Urteile des Bundesgerichts 2C_493/2020 vom 22. Februar 2021, 

Erw. 2.5.2; 2C_591/2017 vom 16. April 2018, Erw. 2.2.2; 2C_467/2016 

vom 13. Februar 2017, Erw. 3.1.3; 2C_767/2015 vom 19. Februar 2016, 

Erw. 5.1.2). 

 - 11 - 

 

 

 

Liegen keine derartigen Umstände vor, würde aber Art. 8 EMRK durch die 

Verweigerung des Familiennachzugs tangiert, ist zu prüfen, ob die Verwei-

gerung des Familiennachzugs zu einer Verletzung von Art. 8 EMRK führen 

würde und deshalb vom Vorliegen wichtiger familiärer Gründe auszugehen 

ist.  

 

2.3.1.4.  

2.3.1.4.1. 

Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist das nationale Gesetzes-

recht möglichst verfassungs- und konventionskonform auszulegen (vgl. Ur-

teile des Bundesgerichts 2C_432/2016 vom 26. Januar 2018, Erw. 5.3.1, 

und 2C_1050/2016 vom 10. März 2017, Erw. 5.1). Wird der Familiennach-

zug eines Kindes zu einem Elternteil oder des einen Ehegatten zum ande-

ren verweigert, geht damit regelhaft ein Eingriff in das durch Art. 8 EMRK 

geschützte Familienleben einher. Die Fristenregelung von Art. 47 AIG bil-

det indes eine ausreichende gesetzliche Grundlage für den Eingriff im 

Sinne von Art. 8 Ziff. 2 EMRK. Entsprechend gilt der Eingriff nach Mass-

gabe von Art. 8 Ziff. 2 EMRK als gerechtfertigt, sofern er sich im konkreten 

Einzelfall in einer demokratischen Gesellschaft als notwendig, d.h. als ver-

hältnismässig, erweist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_323/2018 vom 

21. September 2018, Erw. 6.5.1). Ist dies zu bejahen, hält die Verweige-

rung des Familiennachzugs vor Art. 8 EMRK stand. 

 

Nach dem Gesagten ist bei der Beurteilung, ob nach nationalem Recht der 

Familiennachzug eines Kindes oder des Ehegatten trotz Verpassens der 

Nachzugsfrist gemäss Art. 47 Abs. 1 AIG zu bewilligen ist, die Ausnahme-

regelung von Art. 47 Abs. 4 AIG so zu handhaben – mithin der unbestimmte 

Rechtsbegriff der wichtigen familiären Gründe so auszulegen –, dass das 

durch Art. 8 EMRK geschützte Familienleben der Betroffenen nicht verletzt 

wird. Um dies sicherzustellen, ist im Rahmen der Gesamtschau, derer es 

hinsichtlich des allfälligen Vorliegens wichtiger Gründe für einen nachträg-

lichen Familiennachzug bedarf (siehe vorne Erw. II/2.3.1.1), grundsätzlich 

eine umfassende Interessenabwägung vorzunehmen (vgl. zum Ganzen Ur-

teil des Bundesgerichts 2C_889/2018 vom 24. Mai 2019, Erw. 3.1 mit Hin-

weisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 2C_386/2016 vom 22. Mai 

2017, Erw. 2.3.2). Erweist sich unter Berücksichtigung aller relevanten Um-

stände im Einzelfall die Verweigerung des nachträglichen Familiennach-

zugs als unverhältnismässig und damit als konventionswidrig (Art. 8 Ziff. 2 

EMRK), ist gleichsam davon auszugehen, dass bei gesamthafter Betrach-

tung wichtige familiäre Gründe für den nachträglichen Familiennachzug im 

Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG vorliegen. Mit anderen Worten: Vermag das 

öffentliche Interesse an der Verweigerung des verspätet beantragten Fa-

miliennachzugs das private Interesse an dessen Bewilligung nicht zu über-

wiegen, ist dieser bereits unter nationalem Recht – gestützt auf Art. 47 

Abs. 4 AIG – zu bewilligen. 

 - 12 - 

 

 

 

Das Bundesgericht hat diesbezüglich festgehalten, dass das Vorliegen 

wichtiger familiärer Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG mit Blick auf 

Art. 8 EMRK nicht auf Gründe zu beschränken ist, die nicht vorhersehbar 

waren. Lassen die Gesamtumstände darauf schliessen, dass die Familie 

über längere Zeit freiwillig getrennt gelebt hat, geht das Interesse des 

Staates an einer restriktiven Einwanderungspolitik, der ratio legis von 

Art. 47 Abs. 4 AIG folgend, den verspätet vorgebrachten Interessen der Be-

troffenen an einer Familienzusammenführung in der Schweiz jedoch regel-

mässig vor. Werden demgegenüber objektiv nachvollziehbare Umstände 

glaubhaft gemacht, die darauf schliessen lassen, dass das Getrenntleben 

nicht freiwillig erfolgte, ist der Familiennachzug bei Wegfallen dieser Um-

stände in der Regel zu bewilligen (BGE 146 I 185, Erw. 7.1.1). Als nach-

vollziehbare Umstände fallen insbesondere das Fehlen einer materiellen 

Nachzugsvoraussetzung wie einer bedarfsgerechten Wohnung oder genü-

gender finanzieller Ressourcen für den Familienunterhalt in Betracht 

(BGE 146 I 185, Erw 7.1.2). Liegen derartige Umstände vor, erübrigt sich 

eine umfassende Interessenabwägung und ist – ähnlich wie bei Vorliegen 

von Umständen, die den nachträglichen Familiennachzug offensichtlich ge-

bieten (vgl. vorne Erw. II/2.3.1.3) – ohne weiteres von wichtigen familiären 

Gründen im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG auszugehen. 

 

Das Vorliegen wichtiger familiärer Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG 

hängt zudem nicht davon ab, ob es den Betroffenen unmöglich ist, das 

Familienleben im Ausland zu führen, da dies keine gesetzliche Voraus-

setzung für den Familiennachzug darstellt (vgl. BGE 146 I 185, Erw. 7.2). 

 

Zu den entgegenstehenden öffentlichen und privaten Interessen betreffend 

den nachträglichen Familiennachzug eines Kindes ist mit der bundesge-

richtlichen Rechtsprechung das Folgende festzuhalten: 

 

2.3.1.4.2.  

Was das öffentliche Interesse angeht, soll mit der gesetzlichen Befristung 

des Familiennachzugs die rasche Integration der nachzuziehenden Ange-

hörigen und insbesondere der Kinder gefördert werden. Durch einen früh-

zeitigen Nachzug sollen diese unter anderem eine möglichst umfassende 

Schulbildung in der Schweiz geniessen. Gleichzeitig kommt den Nachzugs-

fristen die Funktion zu, den Zuzug ausländischer Personen zu steuern bzw. 

zu beschränken. Die Fristenregelung von Art. 47 AIG bildet einen Kompro-

miss zwischen den genannten, legitimen, öffentlichen Interessen und dem 

konträren Anliegen der Ermöglichung des Familienlebens (Urteil des Bun-

desgerichts 2C_889/2018 vom 24. Mai 2019, Erw. 3.1 mit Hinweisen). Vor 

diesem Hintergrund ist rechtsprechungsgemäss von einem entsprechend 

grossen öffentlichen Interesse an der Verweigerung des Familiennachzugs 

auszugehen, wenn die Fristen von Art. 47 Abs. 1 AIG nicht eingehalten 

wurden (vgl. Entscheide des Verwaltungsgerichts WBE.2019.410 vom 

 - 13 - 

 

 

27. April 2020, Erw. II/2.3.1.4.2 und WBE.2019.1 vom 22. Januar 2020, 

Erw. II/3.4.1). Dies gilt – im Ergebnis – beim Ehegattennachzug ebenso wie 

beim Kindernachzug, derweil bei ersterem migrationsregulatorische und 

bei letzterem integrationspolitische Aspekte im Vordergrund stehen (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 2C_914/2014 vom 18. Mai 2015, Erw. 4.1, wo 

das Gericht die Geltung von Art. 47 AuG [heute AIG] auch für Ehegatten 

unter Verweis auf die Materialien auf das öffentliche Interesse an einer Be-

grenzung der Einwanderung zurückführt; vgl. auch MARC SPESCHA, a.a.O., 

N. 17 zu Art. 47 AIG).  

 

Abhängig vom Alter des nachzuziehenden Kindes im Gesuchszeitpunkt 

bzw. im Zeitpunkt, da sämtliche Nachzugsvoraussetzungen erfüllt gewesen 

sein sollen (siehe vorne Erw. II/2.3.1.2), kann sich sodann das öffentliche 

Interesse an der Verweigerung eines nachträglichen Kindernachzugs im 

Einzelfall weiter erhöhen oder kann tiefer zu veranschlagen sein. Entschei-

dend sind dabei wiederum die im Fall einer Bewilligung des nachträglichen 

Familiennachzugs zu erwartenden Integrationsschwierigkeiten in der 

Schweiz, welche grundsätzlich mit dem Alter des nachzuziehenden Kindes 

zunehmen. Als Ausgangs- und Scheidepunkt für die Bemessung der zu er-

wartenden Integrationsschwierigkeiten drängt sich die Vollendung des 

13. Lebensjahres auf, hat doch der Gesetzgeber mit der Fristverkürzung 

auf zwölf Monate für Kinder über zwölf Jahre (Art. 47 Abs. 1 Satz 2 AIG) 

festgelegt, dass der Nachzug eines Kindes prinzipiell vor dessen 13. Ge-

burtstag zu beantragen ist (vgl. Botschaft vom 8. März 2002 zum Bundes-

gesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [Botschaft AuG], Bundes-

blatt [BBl] 2002 3709 ff., 3754 f, 3794). Nach dem Gesagten erhöht sich 

das öffentliche Interesse mit Blick auf die zu erwartenden Integrations-

schwierigkeiten in der Schweiz entsprechend weiter, wenn das nachträg-

lich nachzuziehende Kind im massgeblichen Zeitpunkt bereits wesentlich 

älter als 13 Jahre ist. Ist demgegenüber das Kind noch wesentlich jünger 

als 13 Jahre, sind grundsätzlich keine erheblichen Integrationsschwierig-

keiten zu erwarten und ist das öffentliche Interesse an der Verweigerung 

des nachträglichen Familiennachzugs entsprechend tiefer zu veranschla-

gen. 

 

Eine zusätzliche Höher- oder Tieferveranschlagung des öffentlichen Inte-

resses an der Verweigerung des nachträglichen Familiennachzugs kann 

sich sodann aufdrängen, wenn das nachzuziehende Kind – wie vorliegend 

die Beschwerdeführerin – bereits einmal während einer gewissen Zeit in 

der Schweiz gelebt hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_340/2017 vom 

15. Juni 2018, Erw. 3.4). Geht in einem solchen Fall aus den Akten hervor 

oder wird rechtsgenügend dargelegt, dass sich das nunmehr nachzuzie-

hende Kind anlässlich seines letzten Aufenthalts erfolgreich in der Schweiz 

integriert hat, sind bei diesem im Nachzugsfall – vorbehaltlich der konkreten 

Umstände – unterdurchschnittlich grosse Integrationsschwierigkeiten zu 

erwarten. Folglich ist das öffentliche Interesse an einer Verweigerung des 

 - 14 - 

 

 

Nachzugs entsprechend tiefer zu veranschlagen. Von einer erfolgreichen 

Integration im Rahmen des vormaligen Aufenthalts ist jedenfalls dann aus-

zugehen, wenn das nachzuziehende Kind die an seinem damaligen Wohn-

nort gesprochene Landessprache erlernt hat, am Erwerb von Bildung (oder 

auch bereits am Wirtschaftsleben) teilgenommen hat und sich in sicher-

heits- sowie ordnungspolitischer Hinsicht nichts Erhebliches hat zu Schul-

den kommen lassen (vgl. Art. 58a Abs. 1 lit. c, lit. d bzw. lit. a AIG; vgl. auch 

Art. 77a, 77d und 77e VZAE). Sollte demgegenüber aktenkundig sein, dass 

das nachzuziehende Kind bei seinem letzten Aufenthalt in der Schweiz 

nicht fähig oder nicht bereit war, sich zu integrieren – wovon, unter ange-

messener Berücksichtigung des Alters, namentlich fehlende Bemühungen 

zum Spracherwerb und zum Erwerb von Bildung und/oder Verstösse gegen 

die öffentliche Sicherheit und Ordnung zeugen können –, würde sich der 

umgekehrte Schluss aufdrängen: Diesfalls wäre grundsätzlich damit zu 

rechnen, dass bei einer Bewilligung des Nachzugs in die Schweiz erneut 

überdurchschnittlich grosse Integrationsschwierigkeiten auftreten würden, 

weshalb sich das öffentliche Interesse an einer Verweigerung ent-

sprechend erhöhen würde (vgl. zum Ganzen Entscheid des Verwaltungs-

gerichts WBE.2021.52 vom 22. November 2021, Erw. II/5.3.1.4.2).  

 

2.3.1.4.3.  

Dem öffentlichen Interesse ist das private Interesse an der Bewilligung des 

nachträglichen Familiennachzugs gegenüberzustellen. Da die Verweige-

rung eines Kindernachzugs regelhaft das geschützte Familienleben ge-

mäss Art. 8 EMRK tangiert (siehe vorne Erw. II/2.3.1.4.1), ist – in einem 

ersten Schritt – grundsätzlich von einem grossen privaten Interesse des 

nachzuziehenden Kindes und des nachziehenden Elternteils am Zusam-

menleben in der Schweiz auszugehen. Lebt eine Familie jedoch jahrelang 

freiwillig voneinander getrennt, bringt sie damit rechtsprechungsgemäss ihr 

geringes Interesse an einem gemeinsamen Familienleben zum Ausdruck 

und ist das private Interesse in der Regel entsprechend tiefer zu veran-

schlagen. Anders verhält es sich lediglich dann, wenn objektive, nachvoll-

ziehbare Gründe für das bisherige Getrenntleben bestehen, welche da-

gegen sprechen, dieses zu Lasten der Betroffenen zu würdigen (siehe wie-

derum vorne Erw. II/2.3.1.4.1; vgl. BGE 146 I 185, Erw. 7.1.1 am Schluss; 

Urteil des Bundesgerichts 2C_889/2018 vom 24. Mai 2019, Erw. 3.1 mit 

Hinweisen; Entscheide des Verwaltungsgerichts WBE.2019.1 vom 22. Ja-

nuar 2020, Erw. II/3.4.2 und WBE.2021.52 vom 22. November 2021, Erw. 

5.3.1.4.3).  

 

Gegebenenfalls sind zudem sämtliche weiteren Umstände des Einzelfalls 

zu beachten, welche sich – namentlich unter dem Gesichtspunkt des Kinds-

wohls bzw. des übergeordneten Kindsinteresses (Art. 3 des Übereinkom-

mens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes [Kinderrechts-

konvention, KRK; SR 0.107]; vgl. BGE 144 I 91, Erw. 5.2; Urteil des Euro-

 - 15 - 

 

 

päischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) Nr. 56971/10 in Sa-

chen El Ghatet gegen die Schweiz vom 8. November 2016, §§ 27 f. und 

46 f.) – auf das private Interesse an der Bewilligung eines nachträglichen 

Familiennachzugs auswirken. 

 

2.3.1.5.  

Soll ein nachträglicher Familiennachzug bewilligt werden, obliegt es auf-

grund der weitreichenden Mitwirkungspflichten gemäss Art. 90 AIG den 

Gesuchstellenden, ihre entsprechenden Vorbringen zu substanziieren und 

zu belegen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_214/2019 vom 5. April 

2019, Erw. 3.3, 2C_303/2014 vom 20. Februar 2015, Erw. 6.1, und 

2C_906/2012 vom 5. Juni 2013, Erw. 2.2; vgl. auch Urteil des Bundesge-

richts 2C_50/2010 vom 17. Juni 2010, Erw. 2.2; BGE 130 II 482, Erw. 3.2; 

Entscheid des Verwaltungsgerichts WBE.2023.165 vom 6. Juli 2023, Erw. 

3.3.1.5). 

 

2.3.2.  

2.3.2.1.  

Das Gesuch um Familiennachzug für die Beschwerdeführerin wurde am 

3. Dezember 2021 eingereicht. Zu diesem Zeitpunkt waren bei der gut 16-

jährigen, ledigen Beschwerdeführerin die materiellen Nachzugsvoraus-

setzungen von Art. 43 Abs. 1 AIG erfüllt – und blieben erfüllt, bis sie am 

[…] 2023 18 Jahre alt wurde (siehe vorne Erw. II/2.1.2). Bei der Prüfung, 

ob wichtige familiäre Gründe für einen nachträglichen Familiennachzug der 

Beschwerdeführerin vorliegen bzw. vorlagen, ist demnach der Zeitraum 

vom 3. Dezember 2021 bis zum […] 2023 zu berücksichtigen (siehe vorne 

Erw. II/2.3.1.2). 

 

2.3.2.2.  

2.3.2.2.1.  

Während die Vorinstanz in Bezug auf die wichtigen familiären Gründe der 

Ansicht ist, solche lägen nicht vor und die Betreuungssituation der Be-

schwerdeführerin erfordere kein Übersiedeln in die Schweiz (act. 7), sieht 

die Beschwerdeführerin in der wesentlich veränderten Betreuungssituation 

im Herkunftsstaat einen wichtigen familiären Grund im Sinne von Art. 75 

VZAE (act. 15 f.; siehe zu den Parteistandpunkten vorne Erw. II/1).  

 

Die Beschwerdeführerin ist seit ihrer Ausreise aus der Schweiz nach Sri 

Lanka von ihren Grosseltern betreut worden (MI-act. 142). Aus den Akten 

ergibt sich, dass der Grossvater der Beschwerdeführerin im Jahr 2019 ver-

starb (MI-act. 178) und ihre Grossmutter im gleichen Jahr einen Herzinfarkt 

erlitt (Mi-act. 142, 110 ff.). Nach Angaben der Beschwerdeführerin habe die 

Grossmutter das Spital zwar wenige Tage nach dem Infarkt wieder verlas-

sen können und sei ihr Gesundheitszustand während rund eines halben 

Jahres stabil geblieben. Danach habe sich ihr Gesundheitszustand jedoch 

verschlechtert. Sie habe seither Schwierigkeiten mit den Augen, die Beine 

 - 16 - 

 

 

versagten oft und sie habe einen Sturz erlitten. Als Folge davon könne sie 

nicht mehr selbst einkaufen. Es müsse sich nun die Beschwerdeführerin 

um ihre Grossmutter kümmern (MI-act. 142 f.). Diese Vorbringen werden 

durch die eingereichten medizinischen Unterlagen (MI-act. 92-115) grund-

sätzlich bestätigt: Es ergibt sich daraus sowohl der Infarkt im Jahr 2019 als 

auch die Hospitalisierung und Medikation (MI-act. 110 ff.). Weiter lässt sich 

den z.T. unleserlichen Dokumenten entnehmen, dass es im Jahr 2020 zu 

Nachkontrollen gekommen ist (MI-act. 99 f.). Im vom 20. März 2022 datie-

renden Arztzeugnis der F._____ wird festgehalten, dass die 83-jährige Frau 

an Bluthochdruck leide, einen Infarkt erlitten habe, aufgrund ihrer Krankheit 

Ruhe brauche und kein Kind betreuen könne (MI-act. 92 f.). Der jüngste 

Bericht verweist abermals auf den Bluthochdruck sowie auf 

Schwierigkeiten beim Gehen, Sehen und dem alleinigen Zurechtkommen 

im Alltag. Die Frau sei mehrfach gestürzt, müsse Medikamente einnehmen 

und sei als schwere Herzpatientin auf medizinische Betreuung angewiesen 

(MI-act. 171). 

 

Der Beschwerdeführerin ist zu folgen, dass damit einschneidende Verän-

derungen im Betreuungssystem erstellt sind. Zwar hat die Vorinstanz zu-

treffend erwogen, dass die Intensität der Betreuung der Beschwerde-

führerin aufgrund ihres zunehmenden Alters im massgeblichen Zeitraum 

laufend abnahm. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass auch 

Jugendliche und junge Erwachsene noch erzieherischen Beistand benöti-

gen. Dieser besteht mit Blick auf das Kindswohl bzw. das übergeordnete 

Kindsinteresse insbesondere darin, ihnen mit Rat und Tat beiseite zu 

stehen, wenn es erforderlich ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_60/2021 

vom 8. Juni 2021, Erw. 6.2.1). Diese Betreuung mag weniger umfassend 

und körperlich weniger anspruchsvoll sein als jene von jüngeren Kindern, 

erfordert aber genau gleich die physische Präsenz der betreuenden Person 

(vgl. dazu auch unten Erw. II/2.3.2.2.3) und deren mentale Kapazität, Be-

reitschaft und Fähigkeit, das Kind in den sich stellenden Themen kinds-

wohlgerecht zu unterstützen. Es ist offensichtlich, dass die betagte Gross-

mutter der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer vielseiteigen sowohl krank-

heits- als auch altersbedingten gesundheitlichen Einschränkungen und 

ihrer Pflegebedürftigkeit spätestens ab Verschlechterung ihres Gesund-

heitszustandes im Sommer 2020 nicht mehr in der Lage war, die Betreuung 

ihrer Enkeltochter im erforderlichen Rahmen zu gewährleisten. Entgegen 

der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass im massgeblichen Zeitraum 

eine kindswohlgerechte Betreuung der Beschwerdeführerin durch deren 

Grossmutter nicht mehr gewährleistet war.  

 

2.3.2.2.2.  

Praxisgemäss liegt in der Regel kein wichtiger familiärer Grund für den 

nachträglichen Familiennachzug vor, wenn im Heimatland alternative Be-

treuungsmöglichkeiten gefunden werden können (statt vieler Urteil des 

Bundesgerichts 2C_837/2022 vom 19. April 2023, Erw. 5.3). Wenn die 

 - 17 - 

 

 

Vorinstanz diesbezüglich festhält, die Beschwerdeführerin könnte bei Be-

darf sicherlich auch von den noch in Sri Lanka lebenden Verwandten 

unterstützt werden (act. 6), so ist dies, wie die Beschwerdeführerin zu 

Recht moniert, eine reine Mutmassung basierend auf einer mangelhaften 

Sachverhaltsfeststellung: Ausweislich der Akten ist nur bekannt, dass wei-

tere Verwandte der Beschwerdeführerin in Sri Lanka wohnen (MI-act. 79), 

nicht aber wo, um wen es sich handelt, sowie ob und bejahendenfalls in 

welchem Umfang diese Person(en) die erforderliche Betreuung der Be-

schwerdeführerin tatsächlich übernehmen könnten bzw. hätten überneh-

men können. Nachdem die Vorinstanz nicht einmal ansatzweise darlegt, 

durch welche Verwandten eine alternative Betreuung im Heimatland über-

nommen werden könnte, ist davon auszugehen, dass eine solche nicht vor-

handen ist. 

 

2.3.2.2.3.  

Das Bundesgericht hat überdies in konstanter Rechtsprechung festge-

halten, dass mit zunehmenden Alter der Kinder die gebotene Betreuungs-

intensität abnehme (ausführlich dazu Urteil des Bundesgerichts 

2C_767/2015 vom 19. Februar 2016, Erw. 5.3.2 und 5.3.3) und sich primär 

darin erschöpfe, dass die Eltern dem Kind mit Rat und Tat zur Seite stün-

den, wenn es erforderlich sei. Diese Unterstützung könne, so das Bundes-

gericht, problemlos aus dem Ausland oder durch Besuche gewährleistet 

werden (vgl. z.B. Urteil des Bundesgerichts 2C_106/2021 vom 25. Juni 

2021, Erw. 3.5.2; oder 2C_60/2021 vom 8. Juni 2021, Erw. 6.2.1). Dem ist 

grundsätzlich zuzustimmen, sofern die individuell konkreten Grundbedürf-

nisse des Kindes sichergestellt sind (insbesondere Wohnung, Verpflegung, 

gesundheitliche Versorgung, Ausbildungsbegleitung und Tagesstruktur). 

Eine Betreuung aus dem Ausland durch Besuche ist zudem nur dann mög-

lich, wenn die Distanz zwischen der Schweiz und dem Heimatland und die 

konkreten finanziellen Mittel der Familie regelmässige Besuche effektiv zu-

lassen. Die Voraussetzungen für eine Betreuung durch die Eltern von der 

Schweiz aus sind vorliegend nicht erfüllt. Auch wenn die finanziellen Mittel 

der Familie regelmässige Besuche in Sri Lanka offenbar zulassen, steht 

fest, dass die Grossmutter seit der Verschlechterung ihres Gesundheitszu-

standes insbesondere nicht mehr in der Lage ist, die Verpflegung der Be-

schwerdeführerin und ihre Ausbildungsbegleitung sicherzustellen. 

 

2.3.2.2.4.  

Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist festzuhalten, dass die 

Betreuungssituation im Heimatland nicht mehr gewährleistet ist, dort keine 

alternative Betreuungsmöglichkeit ersichtlich ist und die Voraussetzungen 

für eine Betreuung durch die Eltern im Heimatland von der Schweiz aus 

nicht erfüllt sind. Damit ist erstellt, dass ein offensichtlich wichtiger fami-

liärer Grund für den nachträglichen Familiennachzug im Sinne von Art. 47 

Abs. 4 AIG vorliegt. 

 

 - 18 - 

 

 

2.3.2.3.  

Selbst wenn aufgrund vorhandener alternativer Betreuungsmöglichkeiten 

in Sri Lanka offensichtlich wichtige familiären Gründe, die den Nachzug der 

Beschwerdeführerin gebieten, zu verneinen wären, wäre dieser unter Be-

rücksichtigung von Art. 8 EMRK zu bewilligen, wie nachfolgend der Voll-

ständigkeit halber aufgezeigt wird.  

 

Der nachziehende Vater der Beschwerdeführerin verfügt über die Nieder-

lassungsbewilligung und damit über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht im 

Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum geschützten Familien-

leben nach Art. 8 EMRK (BGE 144 II 1, Erw. 6.1 m.w.H.). Weiter gehörte 

die Beschwerdeführerin im massgeblichen Zeitraum als minderjährige 

Tochter zum geschützten Familienkreis. Damit ist die familiäre Beziehung 

der Beschwerdeführerin zu ihrem Vater grundsätzlich durch Art. 8 EMRK 

geschützt und es ist, um zu eruieren, ob wichtige familiäre Gründe vorlie-

gen bzw. im massgeblichen Zeitraum vorlagen, aufgrund derer der Nach-

zug der Beschwerdeführerin trotz verpasster Frist zu bewilligen ist, in kon-

ventionskonformer Auslegung von Art. 47 Abs. 4 AIG eine umfassende In-

teressenabwägung vorzunehmen (siehe vorne Erw. II/2.3.1.4). 

 

2.3.2.3.1.  

Im Zeitpunkt des eingereichten Nachzugsgesuchs am 3. Dezember 2021 

war die Beschwerdeführerin (geb. […] 2005) gut 16.5 Jahre alt. Damit war 

sie bereits erheblich älter als 13 -jährig. Grundsätzlich würde sich unter 

diesen Umständen das bereits aufgrund des Verpassens der Nachzugsfrist 

von Art. 47 Abs. 4 AIG grosse öffentliche Interesse an der Verweigerung 

des nachträglichen Familiennachzugs der Beschwerdeführerin mit Blick auf 

die altersbedingt zu erwartenden Integrationsschwierigkeiten in der 

Schweiz zusätzlich erhöhen. Vorliegend ist indes zu berücksichtigen, dass 

die Beschwerdeführerin in der Schweiz geboren ist und die ersten sieben 

Jahre ihres Lebens hier verbracht hat. Sie besuchte den ersten und zweiten 

Kindergarten in der Schweiz, bevor sie mit ihrem Bruder im Frühling 2012 

nach Sri Lanka übersiedelte. In Sri Lanka hat sie ihre Deutschkenntnisse 

aufrechterhalten und fortlaufend verbessert. Es sind Sprachzertifikate des 

Niveaus A1 aus dem Jahr 2013 (MI-act. 83) und des Niveaus A2 aus dem 

Jahr 2014 (MI-act. 82) aktenkundig. Weiter wurde im Beschwerdeverfahren 

ein provisorisches Notenblatt von Pearson, International General Certifi-

cate of Secondary Education (IGCSE) vom 17. August 2022 eingereicht, 

gemäss welchem die Beschwerdeführerin im Juni 2022 den Deutschkurs 

mit Bestnote (Grade 9) abschloss (act. 22). Nach Angaben der Beschwer-

deführerin entspricht dies dem Niveau B1 des Gemeinsamen Europäischen 

Referenzrahmens. Weiter war die Beschwerdeführerin eigenen Angaben 

zufolge im August 2018 in der Schweiz und pflegt regelmässig Kontakt zu 

hier lebenden Freunden (act. 16 f.). Diese Ausführungen erscheinen, so-

weit sie nicht ohnehin durch Beweismittel belegt sind, glaubhaft.  

 

 - 19 - 

 

 

Angesichts der in der Schweiz verbrachten frühen Kindheit, des lang-

jährigen Aufenthalts ihrer Eltern in der Schweiz sowie des Besuchs der Be-

schwerdeführerin in der Schweiz im Jahr 2018 ist mit der Beschwerdefüh-

rerin davon auszugehen, dass sie die Sitten und Gebräuche der Schweiz 

kennt. Mit den guten Sprachkenntnissen verfügt sie zudem über die 

zentralste Fähigkeit für eine rasche (Re-)Integration. Ferner bekundet sie 

durch das Weiterentwickeln der deutschen Sprachkenntnisse aus dem 

Ausland und Kontakthalten zu mindestens einer Bekannten in der Schweiz 

auch ihr Interesse am Land. Es ist vor diesem Hintergrund entgegen den 

vorinstanzlichen Erwägungen gerade nicht mit erheblichen Integrations-

schwierigkeiten zu rechnen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_340/2017 

vom 15. Juni 2018, Erw. 3.4). Vielmehr ist von einer raschen Integration 

auszugehen, wie sie offensichtlich auch dem Bruder der Beschwerdefüh-

rerin gelungen ist. Damit reduziert sich das öffentliche Interesse an der Ver-

weigerung des nachträglichen Familiennachzugs und ist lediglich noch als 

mittel einzustufen. 

 

2.3.2.3.2.  

2.3.2.3.2.1.  

Was das private Interesse an einer Bewilligung des Nachzugs der Be-

schwerdeführerin betrifft, ist in einem ersten Schritt zunächst ein Rechts-

missbrauch auszuschliessen. Von einem solchen ist gemäss Recht-

sprechung unter Umständen auszugehen, wenn das Gesuch um Nach-

zug des Kindes (erst) kurz vor Erreichen des erwerbsfähigen Alters ge-

stellt wird und in Wirklichkeit nicht eine echte Familienzusammenfüh-

rung beabsichtigt ist (BGE 136 II 497, Erw. 4.3). Die Vorinstanz prüfte 

den Rechtmissbrauch zwar nicht explizit, erachtete die Angaben des 

Vaters der Beschwerdeführerin zu den Gründen für den Familiennach-

zug aber als widersprüchlich und ging davon aus, dass es ihm primär 

darum gegangen sei, seinen Kindern in Sri Lanka den Schulbesuch zu 

ermöglichen, um dann, nachdem die Aufrechterhaltung der Niederlas-

sungsbewilligung nicht möglich gewesen war, kurz vor der Volljährigkeit 

den nachträglichen Familiennachzug zu beantragen (act. 8). Ob dem 

tatsächlich so ist, kann offengelassen werden, da sich aus den Akten 

keine genügenden Hinweise auf ein rechtmissbräuchliches Vorgehen 

ergeben und ohnehin zweifelhaft erscheint, dass das geschilderte Vor-

gehen alleine einen Rechtmissbrauch zu begründen vermöchte.  

 

Vorliegend waren die Kindseltern stets mit der Beschwerdeführerin in Kon-

takt. Sie telefonierten täglich und besuchten sie mindestens zwei Mal pro 

Jahr, während die Beschwerdeführerin auch einmal in der Schweiz war (MI-

act. 80). Nebst dem Wunsch, zusammen zu leben, wurde das Familien-

nachzugsgesuch auch mit den Gebrechen der betreuenden Grossmutter 

begründet, welche sich rund ein halbes Jahr nach ihrem Herzinfarkt, also 

 - 20 - 

 

 

im Frühjahr 2020, verschlimmert und die Betreuung der Beschwerde-

führerin verunmöglicht hätten. Der ins Feld geführte Infarkt von September 

2019 ist belegt (siehe vorne Erw. II/2.3.2.2.1). Weiter ist die Ausführung, 

wonach der Vater der Beschwerdeführerin das Nachzugsgesuch schon im 

Frühjahr 2020 hätten stellen wollen, dies aufgrund der Corona-Pandemie, 

die eine Ausreise aus Sri Lanka absolut verunmöglicht habe (MI-act. 143), 

aber nicht getan haben, zumindest nicht unplausibel. Vor dem Hintergrund 

der gelebten engen familiären Beziehung, der belegten Veränderung in den 

Betreuungsverhältnissen und der gerichtsnotorischen weltweiten Pande-

mie ab Frühling 2020, welche mit massiven weltweiten Reiseein-

schränkungen bis ins Jahr 2022 einherging, ist nicht von einem rechtsmiss-

bräuchlichen Nachzugsgesuch, sondern vielmehr von einer echten Fami-

lienzusammenführung auszugehen. 

 

2.3.2.3.2.2.  

Sodann ist weiter festzuhalten, dass mit vorliegendem Nachzugsgesuch 

die Vereinigung der Gesamtfamilie angestrebt wird: Sowohl die Eltern als 

auch das einzige Geschwister der Beschwerdeführerin leben in der 

Schweiz. Grundsätzlich ist damit der Beschwerdeführerin ein grosses pri-

vates Interesse an einem Zusammenleben in der Schweiz zuzugestehen. 

Allerdings reduziert sich dieses angesichts des langjährigen Getrennt-

lebens: Die Beschwerdeführerin wurde von ihren Eltern im Vorschulalter 

nach Sri Lanka geschickt, um dort die Schule zu durchlaufen. Dies im 

Wissen darum, dass ein entsprechendes Vorgehen dem Integrations-

gedanken des Migrationsrechts widerspricht und die Niederlassungsbewil-

ligung der Beschwerdeführerin nicht aufrechterhalten werden wird. Der Ent-

scheid zur Ausreise wird heute damit begründet, dass die Beschwerdefüh-

rerin eine starke Beziehung zu ihren Grosseltern aufgewiesen habe, wel-

che wiederum eine gute Verbindung zu einer privaten internationalen 

Schule in Sri Lanka gehabt hätten (MI-act. 79). Aus diesem Umstand wird 

deutlich, dass die Familie jahrelang freiwillig getrennt gelebt hat. Daran 

ändert auch die Erklärung für das Getrenntleben ab Ausbruch der Pande-

mie bis zur Einreichung des Nachzugsgesuchs nichts: Die Pandemie stellt 

hier offensichtlich keinen nachvollziehbaren objektiven Grund für den Ent-

scheid zum Getrenntleben an sich dar. Selbst ohne Berücksichtigung der 

pandemiebedingt verlängerten Trennung beträgt die Zeit des Getrennt-

lebens acht Jahre. Durch diese lange Zeit, in der die familiäre Beziehung 

freiwillig über die Grenzen hinweg gelebt wurde, kommt das beschränkte 

Interesse der Familie der Beschwerdeführerin an einem ortsgebundenen 

gemeinsamen Familienleben zum Ausdruck, sodass das private Interesse 

an einem nachträglichen Familiennachzug tiefer zu veranschlagen und le-

diglich noch als mittel einzustufen ist (siehe vorne Erw. II/2.3.1.4.3). 

 

 - 21 - 

 

 

2.3.2.3.2.3.  

Sodann sind bei der Bemessung des privaten Interesses sämtliche weite-

ren Umstände zu beachten, welche im Einzelfall relevant sind. Zu einer Er-

höhung führt dabei namentlich, wenn das Kindswohl bzw. das übergeord-

nete Kindsinteresse eine Übersiedlung des nachzuziehenden Kindes ge-

bietet. 

 

Die hier geborene Beschwerdeführerin lebte bis zu ihrer Ausreise im Alter 

von sieben Jahren in der Schweiz und besuchte hier den Kindergarten. 

Während dieser Zeit lebte sie zusammen mit ihrem Bruder bei den Eltern. 

Die anschliessenden gut neuneinhalb Jahre bis zur Einreichung des vorlie-

genden Familiennachzugsgesuchs verbrachte sie in Sri Lanka, wo sie eine 

internationale Schule besuchte und durch ihre Grosseltern bzw. ab 2019 

bis zur Verschlechterung des Gesundheitszustandes durch die Gross-

mutter betreut wurde. Dies bis ins Jahr 2018 zusammen mit ihrem Bruder. 

Zu ihren Eltern hatte die Beschwerdeführerin in dieser Zeit besuchsweise 

Kontakt: Mehrmals jährlich besuchten diese sie im Heimatland, einmal war 

sie bei ihnen in der Schweiz (siehe vorne Erw. 2.3.2.3.2.1). Ausweislich der 

Akten spricht die Beschwerdeführerin sowohl Deutsch als auch Englisch 

und Singhalesisch (vgl. MI-act. 80).  

 

Die Beschwerdeführerin hat damit die prägenden Kinderjahre in der 

Schweiz verbracht, wo sie den Kindergarten besuchte, die Sprache erwarb, 

Kontakte knüpfte, die sie eigenen Angaben zufolge heute noch pflegt und 

wo ihre Kernfamilie lebt. Die prägenden Jugendjahre hat sie in Sri Lanka 

verbracht, wo sie die gesamte Schulbildung absolviert und sicherlich auch 

Kontakte aufgebaut hat und wo ihre Grosseltern lebten bzw. ihre Gross-

mutter noch lebt. Bei objektiver Betrachtung ist davon auszugehen, dass 

sie im Gesuchszeitpunkt in ihrem Heimatland in kultureller und sozialer Hin-

sicht fest verwurzelt war. Aus den in der Schweiz verbrachten ersten Le-

bensjahren, dem aufrechterhaltenen Kontakt zur Familie und Bekannten 

und den noch weiterentwickelten Sprachkenntnissen ist aber auch auf 

einen starken Bezug zur Schweiz zu schliessen. Entsprechend halten sich 

die unter diesem Gesichtspunkt zu erwartenden Vor- und Nachteile eines 

nachträglichen Familiennachzugs mit Blick auf das Kindswohl bzw. das 

übergeordnete Kindsinteresse in etwa die Waage. Demgegenüber spricht 

die während der gesamten Jugend und Pubertät gelebte Betreuungs-

situation der Beschwerdeführerin bei ihren Grosseltern mit Blick auf das 

aktuelle Kindswohl bzw. übergeordnete Kindsinteresse entgegen dem 

vorinstanzlichen Entscheid eher für eine Übersiedlung in die Schweiz: Der 

Grossvater ist gestorben, die Grossmutter betagt und gesundheitlich stark 

angeschlagen und der Bruder in die Schweiz zurückgereist. Mit anderen 

Worten existierten im massgeblichen Zeitraum in Sri Lanka das familiäre 

Umfeld und die Betreuungssituation in der gelebten Form gar nicht mehr. 

Demgegenüber lebten alle Mitglieder der Kernfamilie der Beschwerdefüh-

rerin in der Schweiz. Angesichts dessen wird dem Kindswohl bzw. dem 

 - 22 - 

 

 

übergeordneten Kindsinteresse durch eine Bewilligung des nachträglichen 

Familiennachzugs besser entsprochen als bei einem Verbleib der Be-

schwerdeführerin in Sri Lanka. Dies auch deshalb, weil es dem grund-

legenden Bedürfnis des Kindes und damit dem Kindswohl bzw. dem über-

geordneten Kindsinteresse entspricht, in möglichst engem Kontakt mit 

beiden Eltern aufwachsen zu können (BGE 143 I 21, Erw. 5.5.1 m.w.H.). 

Das übergeordnete Kindsinteresse ist, wie die Beschwerdeführerin richtig 

ausführt, gemäss Art. 3 Abs. 1 KRK bei allen Entscheiden vorrangig zu be-

rücksichtigen. Da die Kinderrechtskonvention praxisgemäss keine über die 

Garantien von Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV hinausgehenden eigen-

ständigen Bewilligungsansprüche verschafft, findet diese Berücksichtigung 

im Rahmen der vorliegenden Interessenabwägung statt und wirkt sich 

dahingehend aus, dass sich das private Interesse der Beschwerdeführerin 

an der Bewilligung des nachträglichen Familiennachzugs aufgrund des 

Kindswohls bzw. des übergeordneten Kindsinteresses erhöht und als mittel 

bis gross zu bezeichnen ist (vgl. zum Kindswohl im migrationsrechtlichen 

Kontext MARC SPESCHA, a.a.O., N. 16 zu Art. 47 AIG; Urteil des Bundes-

gerichts 2C_182/2016 vom 11. November 2016, Erw. 2.2).  

 

Schliesslich ist neben dem Kindswohl bzw. dem übergeordneten Kindsin-

teressen bei der Bemessung des privaten Interesses zu berücksichtigen, 

dass der Vater der Beschwerdeführerin seit über 30 Jahren in der Schweiz 

lebt und seit mehr als 17 Jahren hier niederlassungsberechtigt ist. Er weist 

keine Verlustscheine und keine Betreibungen auf, war nie sozialhilfeab-

hängig und befindet sich in einem langjährigen Arbeitsverhältnis. Er ist 

mithin wirtschaftlich bestens integriert. Es ist deshalb von einer engen Bin-

dung des Vaters der Beschwerdeführerin zur Schweiz auszugehen, auf-

grund welcher ihm ein erhöhtes privates Interesse an einer Familienzusam-

menführung in der Schweiz zuzubilligen ist. Das private Interesse erhöht 

sich demnach von mittel bis gross auf gross. 

 

Weitere Umstände, welche mit Blick auf das private Interesse der Be-

schwerdeführerin relevant wären, sind nicht ersichtlich. 

 

2.3.2.3.2.4.  

Insgesamt besteht nach dem Gesagten ein grosses privates Interesse der 

Beschwerdeführerin an der Bewilligung des nachträglichen Familiennach-

zugs. 

 

2.3.2.4.  

Im Ergebnis vermag das festgestellte mittlere öffentliche Interesse an der 

Verweigerung des nachträglichen Familiennachzugs der Beschwerde-

führerin das entgegenstehende grosse private Interesse der Beschwerde-

führerin an der Familienzusammenführung nicht zu überwiegen. Dies ins-

besondere deshalb nicht, weil dem Sinn und Zweck der Fristenregelung, 

der verstärkten Förderung der Integration der Kinder bzw. Jugendlichen 

 - 23 - 

 

 

durch einen möglichst frühen Nachzug (Urteil des Bundesgerichts 

2C_386/2016 vom 22. Mai 2017, Erw. 2.3.1 m.w.H.) vorliegend auch mit 

einem ausnahmsweisen Nachzug nach Ablauf der ordentlichen Nachzugs-

frist entsprochen werden kann: Aufgrund der Biografie der Beschwerdefüh-

rerin sowie unter Berücksichtigung des langjährigen Aufenthalts ihrer Eltern 

in der Schweiz und der offenbar problemlos verlaufenen Reintegration ihres 

Bruders nach dessen Rückkehr in die Schweiz ist vorliegend nur von 

äusserst beschränkten Integrationsschwierigkeiten auszugehen (vgl. Urteil 

des Bundesgerichts 2C_340/2017 vom 15. Juni 2018, Erw. 3.4 am 

Schluss).  

 

Die vorinstanzliche Verweigerung des Familiennachzugs würde sich des-

halb unter Beachtung von Art. 8 EMRK als unverhältnismässig und kon-

ventionswidrig erweisen, weshalb auch mit Blick auf Art. 8 EMRK auf einen 

wichtigen familiären Grund für den Familiennachzug zu schliessen wäre.  

 

2.3.3.  

Nach dem Gesagten steht fest, dass aufgrund der fehlenden Betreuungs-

situation im Heimatland offensichtlich ein wichtiger familiärer Grund für den 

nachträglichen Familiennachzug im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG vorliegt. 

Selbst wenn dem nicht so wäre, läge ein wichtiger familiärer Grund für den 

nachträglichen Familiennachzug darin begründet, dass die Verweigerung 

des Familiennachzugsgesuchs zu einem Verstoss gegen Art. 8 EMRK 

führen würde. Der Familiennachzug ist deshalb gestützt auf Art. 43 Abs. 1 

i.V.m. Art. 47 Abs. 4 AIG zu bewilligen. 

 

3.  

Die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung an Drittstaatsangehörige 

(d.h. Staatsangehörige von Nichtmitgliedstaaten der EU oder der EFTA) im 

Rahmen des Familiennachzugs nach Ablauf der Nachzugsfrist gemäss 

Art. 47 AIG oder Art. 73 VZAE steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung 

des Bundes. Mit anderen Worten hat das SEM vor Erteilung der Bewilligung 

durch den Kanton seine Zustimmung zu erteilen (Art. 40 Abs. 1 AIG; Art. 99 

AIG i.V.m. Art. 85 Abs. 1 und 2 VZAE; Art. 6 lit. a ZV-EJPD; vgl. Weisungen 

AIG, a.a.O., Ziff. 1.3.1). 

 

Vorliegend unterliegt demnach die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung 

an die Beschwerdeführerin, welche gemäss Art. 43 Abs. 1 i.V.m. Art. 47 

Abs. 4 AIG einen entsprechenden Anspruch hat, der Zustimmung des 

SEM. Die Gutheissung der Beschwerde durch das Verwaltungsgericht hat 

deshalb nicht unmittelbar die Erteilung der Bewilligung durch das MIKA zur 

Folge, sondern führt einzig dazu, dass das MIKA die Erteilung der Bewilli-

gung dem SEM mit dem Antrag auf Zustimmung zu unterbreiten hat, wobei 

das SEM nicht an die Beurteilung der kantonalen Behörden gebunden ist 

(Art. 99 Abs. 2 AIG). 

 

 - 24 - 

 

 

4.  

Die Beschwerde ist gutzuheissen und das MIKA in Aufhebung des Ein-

spracheentscheids der Vorinstanz vom 27. September 2022 anzuweisen, 

dem SEM die Erteilung der Aufenthaltsbewilligung an die Beschwerde-

führerin mit dem Antrag auf Zustimmung zu unterbreiten. 

 

Bei diesem Verfahrensausgang erübrigt es sich, auf die weiteren Rügen 

der Beschwerdeführerin einzugehen, wonach mit dem vorinstanzlichen 

Entscheid das Rechtsgleichheitsgebot und der Untersuchungsgrundsatz 

verletzt worden seien. 

 

III. 

Nachdem die Beschwerdeführerin obsiegt, sind die Verfahrenskosten auf 

die Staatskasse zu nehmen (§ 31 Abs. 2 VRPG). Ein Parteikostenersatz 

fällt mangels Vertretung nicht in Betracht (§ 32 Abs. 1 i.V.m. § 29 VRPG). 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht erkennt: 

 

1. 

In Gutheissung der Beschwerde wird der vorinstanzliche Einspracheent-

scheid vom 27. September 2022 aufgehoben und das MIKA angewiesen, 

dem SEM die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung an die Beschwerde-

führerin mit dem Antrag auf Zustimmung zu unterbreiten. 

 

2. 

Die Kosten des Verfahrens vor Verwaltungsgerichts gehen zu Lasten des 

Kantons.  

 

3. 

Es werden keine Parteikosten ersetzt. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

die Beschwerdeführerin (Vertreter) 

die Vorinstanz (mit Rückschein)  

das Staatssekretariat für Migration, 3003 Bern 
 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung 

 

Migrationsrechtliche Entscheide können wegen Verletzung von Bundes-

recht, Völkerrecht, kantonalen verfassungsmässigen Rechten sowie inter-

kantonalem Recht innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Beschwerde in 

 - 25 - 

 

 

öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Schweizerischen Bun-

desgericht, 1000 Lausanne 14, angefochten werden, soweit nicht eine 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 lit. c des Bundesgesetzes über das Bun-

desgericht vom 17. Juni 2005 (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) 

vorliegt. Die Frist steht still vom 7. Tag vor bis und mit 7. Tag nach Ostern, 

vom 15. Juli bis und mit 15. August und vom 18. Dezember bis und mit 2. 

Januar. Das Bundesgericht tritt auf Beschwerden nicht ein, wenn weder 

das Bundesrecht noch das Völkerrecht einen Anspruch auf die in Frage 

stehende Bewilligung einräumt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

2C_694/2008 vom 25. September 2008). 

 

In allen anderen Fällen können migrationsrechtliche Entscheide wegen 

Verletzung von verfassungsmässigen Rechten innert 30 Tagen seit Zustel-

lung mit der subsidiären Verfassungsbeschwerde beim Schweize-

rischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, angefochten werden. 

 

Die unterzeichnete Beschwerde muss das Begehren, wie der Entscheid zu 

ändern sei, sowie in gedrängter Form die Begründung, inwiefern der ange-

fochtene Akt Recht verletzt, mit Angabe der Beweismittel enthalten. Der 

angefochtene Entscheid und als Beweismittel angerufene Urkunden sind 

beizulegen (Art. 82 ff. BGG bzw. Art. 113 ff. BGG). 

 

 
 

   

Aarau, 7. September 2023 

 

Verwaltungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Vorsitz: Gerichtsschreiberin:  

 

 

 

Busslinger Roder