# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** af42a43f-113e-5bbc-a5e4-2b9106525afc
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-03-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.03.2015 E-1387/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1387-2015_2015-03-17.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-1387/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 7 .  M ä r z  2 0 1 5  

Besetzung 
 Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), 

Richterin Gabriela Freihofer, Richter Walter Stöckli,    

Gerichtsschreiberin Regina Derrer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Syrien,   

vertreten durch lic. iur. Monique Bremi, (…), 

Gesuchsteller,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für 

Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Wiederaufnahme eines Beschwerdeverfahrens (Abschrei-

bungsentscheid E-3667/2014 vom 8. Januar 2015) /  

N (…). 

 

 

 

E-1387/2015 

Seite 2 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass das BFM das Asylgesuch des Gesuchstellers vom 1. Mai 2011 mit 

Verfügung vom 27. Mai 2014 abwies und dessen Wegweisung aus der 

Schweiz anordnete, den Gesuchsteller indessen wegen derzeitiger Unzu-

mutbarkeit des Wegweisungsvollzuges vorläufig aufnahm, 

dass der Gesuchsteller diesen Entscheid mit Eingabe seiner Rechtsvertre-

terin vom 30. Juni 2014 anfechten liess, 

dass er gemäss Mitteilung des Migrationsamtes des Kantons B._______ 

vom 24. November 2014 seit dem 10. November 2014 unbekannten Auf-

enthaltes war,  

dass seiner Rechtsvertreterin mit Zwischenverfügung vom 16. Dezem-

ber 2014 Frist zur Einreichung einer Erklärung bezüglich des fortbestehen-

den Rechtsschutzinteresses respektive bezüglich des derzeitigen Aufent-

haltsorts des Gesuchstellers angesetzt wurde,  

dass die Rechtsvertreterin dem Bundesverwaltungsgericht mit Schreiben 

vom 6. Januar 2015 mitteilte, dass es ihr nicht gelungen sei, Informationen 

über den derzeitigen Aufenthaltsort des Gesuchstellers zu erhalten, wes-

halb sie auch keine Angaben zu dessen subjektivem Rechtsschutzinte-

resse machen könne,  

dass das Beschwerdeverfahren mit Abschreibungsentscheid E-3667/2014 

vom 8. Januar 2015 androhungsgemäss infolge Gegenstandslosigkeit ab-

geschrieben wurde (Art. 111 Bst. a des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 

[AsylG, SR 142.31]),  

dass zur Begründung ausgeführt wurde, es sei davon auszugehen, der 

Kontakt zwischen dem Gesuchsteller und seiner Rechtsvertreterin bestehe 

nicht mehr, und der Gesuchsteller sei auch seiner Pflicht aus Art. 8 Abs. 3 

AsylG nicht nachgekommen, weshalb praxisgemäss anzunehmen sei, der 

Gesuchsteller sei an der Weiterführung des Asylverfahrens nicht mehr in-

teressiert und habe kein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder 

Änderung der vorinstanzlichen Verfügung,  

dass die Rechtsvertreterin des Gesuchstellers mit Eingabe vom 3. März 

2015 um Wiederaufnahme des Beschwerdeverfahrens ersuchte,  

  

E-1387/2015 

Seite 3 

und zieht in Erwägung, 

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel 

– so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen 

(Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 

[VwVG, SR 172.021]) des BFM respektive SEM entscheidet (Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 31-33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsge-

setzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),  

dass das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde vom 30. Juni 2014 

gegen die Verfügung der Vorinstanz vom 27. Mai 2014 mit Abschreibungs-

entscheid vom 8. Januar 2015 als gegenstandslos geworden abgeschrie-

ben hat,  

dass es daher für die Behandlung des vorliegenden Gesuchs um Wieder-

aufnahme des Beschwerdeverfahrens zuständig ist,  

dass sich das Verfahren nach dem VwVG richtet, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG),  

dass der Gesuchsteller durch den Abschreibungsentscheid vom 8. Ja-

nuar 2015 besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an dessen 

Aufhebung beziehungsweise Änderung hat und daher zur Einreichung ei-

nes Gesuchs legitimiert ist (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 48 

Abs. 1 VwVG),  

dass das Bundesverwaltungsgericht über die Wiederaufnahme abge-

schriebener Verfahren in der Zusammensetzung mit drei Richterinnen und 

Richtern als Spruchgremium entscheidet (Art. 21 Abs. 1 VGG, Art. 23 Abs. 

1 Bst. a VGG und Art. 111 AsylG e contrario), 

dass Abschreibungsbeschlüsse weder in Revision noch in Wiedererwä-

gung gezogen werden können (vgl. die weiterhin gültige Praxis in Entschei-

den und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen Asylrekurskom-

mission [EMARK] 1993 Nr. 33 E. 1a) und die Wiederaufnahme eines Be-

schwerdeverfahrens ein eigenes Verfahren (sui generis) darstellt,  

dass mit Eingabe vom 3. März 2015 geltend gemacht wurde, der Gesuch-

steller sei vor seinem Verschwinden von Kollegen darüber informiert wor-

den, dass zwei seiner Freunde, (…), unter Drogeneinfluss einen Autounfall 

verursacht hätten und dabei gestorben seien, weshalb die Familien dieser 

Freunde den Gesuchsteller nun umbringen wollten, 

E-1387/2015 

Seite 4 

dass der Gesuchsteller die [Polizei des Kantons B._______] deswegen um 

Hilfe ersucht habe, diese ihm jedoch mitgeteilt habe, dass sie ihn nicht vor 

einem allfälligen Übergriff der Familie seiner Freunde schützen könne,  

dass er aus Angst vor der Rache der Familienangehörigen seiner Freunde 

– welche, wie der Gesuchsteller im Nachhinein erfahren habe, nicht ge-

storben, sondern nur schwer verletzt worden seien – und aus der Befürch-

tung heraus, dass jemand von der Mafia zu ihm kommen und ihm etwas 

antun würde, Hals über Kopf nach Österreich geflohen sei,  

dass er am 13. November 2014 in die Abteilung für Psychiatrie [in einer 

Klinik] in Österreich eingeliefert worden sei, wo er bis am 5. Dezember 

2014 stationär behandelt worden sei,  

dass zur Untermauerung dieser Vorbringen ein ärztliches Attest [der Klinik], 

Abteilung für Psychiatrie, vom 4. Dezember 2014 eingereicht wurde, wo-

nach beim Gesuchsteller die Diagnose [einer psychischen Krankheit] so-

wie [einer anderen Krankheit] gestellt wurde und bestätigt wird, dass sich 

der Gesuchsteller vom 13. November 2014 bis 5. Dezember 2014 [in der 

Klinik] in stationärer psychiatrischer Behandlung befand,  

dass das ärztliche Attest [der Klinik] vom 4. Dezember 2014 ferner bestä-

tigt, dass der Gesuchsteller bei Einweisung in die Klinik der Überzeugung 

war, von der Familie seiner beiden Freunde und von der Mafia verfolgt zu 

werden,  

dass der Gesuchsteller mithin entschuldbare Gründe glaubhaft machen 

konnte, weshalb er seiner Pflicht aus Art. 8 Abs. 3 AsylG nicht nachkom-

men konnte und den Kontakt zu seiner Rechtsvertreterin nicht aufrecht-

erhalten hat,  

dass bei der Zeit, die zwischen der möglichen Kenntnisnahme des Ab-

schreibungsentscheids vom 8. Januar 2015 durch den Gesuchsteller und 

dem Gesuch um Wiederaufnahme des Beschwerdeverfahrens vom 

3. März 2015 verstrichen ist, nicht von einer gegen Treu und Glauben spre-

chenden Verspätung die Rede sein kann (vgl. EMARK 2000 Nr. 5 i.V.m. 

EMARK 2003 Nr. 6), 

dass unter diesen Umständen von einem andauernden Interesse des Ge-

suchstellers an der Fortführung des Asylverfahrens auszugehen ist,  

E-1387/2015 

Seite 5 

dass das Gesuch um Wiederaufnahme des Beschwerdeverfahrens dem-

nach gutzuheissen und das Beschwerdeverfahren unter der Verfahrens-

nummer (E-7607/2014) wieder aufzunehmen ist,      

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Kosten aufzuerlegen sind 

(Art. 63 Abs. 1 VwVG),  

dass eine allfällige Parteientschädigung im Rahmen des wieder aufzuneh-

menden Beschwerdeverfahrens (E-7607/2014) zu veranschlagen ist.   

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-1387/2015 

Seite 6 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Das Gesuch um Wiederaufnahme des Beschwerdeverfahrens wird gutge-

heissen. 

2.  

Das Beschwerdeverfahren wird unter der Verfahrensnummer 

(E-7607/2014) wieder aufgenommen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Eine allfällige Parteientschädigung wird im Rahmen des wieder aufgenom-

menen Beschwerdeverfahrens (E-7607/2014) veranschlagt. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Christa Luterbacher Regina Derrer 

 

 

Versand: