# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 88313c7f-fe0e-5219-9a1a-36933ed3e9fc
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2006-04-05
**Language:** de
**Title:** Zürich Kassationsgericht 05.04.2006 AC050073
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_KSG_001_AC050073_2006-04-05.pdf

## Full Text

Kassationsgericht des Kantons Zürich

Kass.-Nr. AC050073/U/cap

Mitwirkende: die Kassationsrichter Herbert Heeb, Vizepräsident, Bernhard Gehrig,

Andreas Donatsch, Paul Baumgartner und Rudolf Ottomann sowie der

Sekretär Roland Götte

Zirkulationsbeschluss vom 5. April 2006

in Sachen

A.,
Angeklagter und Beschwerdeführer
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt X.

gegen

1. Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,

Anklägerin und Beschwerdegegnerin 1
vertreten durch den Leitenden Staatsanwalt Dr. iur. Ulrich Weder, Staatsanwaltschaft IV des Kantons

Zürich, Molkenstr. 15/17, Postfach 1233, 8026 Zürich

2. B.,

Geschädigter und Beschwerdegegner 2
vertreten durch Rechtsanwalt Y.

betreffend versuchte vorsätzliche Tötung

Nichtigkeitsbeschwerde gegen ein Urteil des Geschworenengerichts des Kantons
Zürich vom 15. September 2004 (WG030013/U)

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Das Gericht hat in Erwägung gezogen:

 I.

1. Gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich vom

22. Oktober 2003 wurde B. (alias C.; künftig: Geschädigter) am späten Abend des

11. November 2002 an der D.-Strasse in Zürich von A. (künftig: Angeklagter) mit

einem Steakmesser angegriffen und mit zwei Stichen in den Nacken, einem Stich

in den Rücken und einem Stich in den rechten Mundwinkel verletzt. Der Geschä-

digte - so die Staatsanwaltschaft - habe daraufhin im Universitätsspital Zürich

notfallmässig behandelt und während fünf Tagen hospitalisiert bleiben müssen.

Weil der Angeklagte gewusst habe, dass er den Geschädigte mit den fraglichen

Messerstichen hätte töten können und eine solche Folge zumindest in Kauf ge-

nommen habe, habe er sich der versuchten vorsätzlichen Tötung i.S.v. Art. 111

StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gemacht (GG act. 25).

2. Mit Urteil vom 15. September 2004 wurde der Angeklagte vom Ge-

schworenengericht des Kantons Zürich der versuchten vorsätzlichen Tötung i.S.v.

Art. 111 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen. Er wurde mit 9

Jahren Zuchthaus bestraft, unter Anrechnung von 673 Tagen erstandener Unter-

suchungs- und Sicherheitshaft. Sodann wurde er für die Dauer von 12 Jahren des

Landes verwiesen (GG act. 64 = KG act. 2; künftig: KG act. 2).

3. Gegen dieses Urteil hat der Verteidiger des Angeklagten nicht nur

eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde (vgl. KG act. 1 S. 3), sondern auch frist-

gerecht kantonale Nichtigkeitsbeschwerde angemeldet (GG act. 65) und begrün-

det (KG act. 1). In seiner Beschwerdeschrift verlangt er die Aufhebung des ange-

fochtenen Entscheides (KG act. 1 S. 3).

Die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich und der Geschädigte

haben auf Vernehmlassung bzw. Beantwortung der Beschwerde verzichtet (KG

act. 9 bzw. 13). Das Geschworenengericht weist in seiner Vernehmlassung darauf

hin, dass sich die Verteidigung verschiedentlich auf Aktenstellen berufe, welche

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weder in der Hauptverhandlung vorgetragen noch produziert worden seien. Im

Übrigen verzichtet es auf Vernehmlassung (KG act. 10).

 II.

1. Die Verteidigung macht mit der vorliegenden Beschwerde geltend,

dass die auf S. 57 des angefochtenen Urteils getroffene Feststellung, wonach der

Angeklagte den Geschädigten mit dem Steakmesser angegriffen habe und die

beim Letzteren festgestellten Verletzungen verursacht habe, auf einer willkürli-

chen Beweiswürdigung basiere bzw. gegen den Grundsatz von "in dubio pro reo"

verstosse (KG act. 1 S. 4). Zur Begründung macht die Verteidigung einerseits

geltend, dass das Geschworenengericht in seinem Entscheid auf Aussagen der

Zeuginnen E. und F. sowie auf Aussagen des Geschädigten abstelle, obwohl die

allgemeine Glaubwürdigkeit der genannten Personen zu verneinen sei (siehe

nachfolgend Ziff. 3.1). Sodann sei auch die konkrete Würdigung der Beweismittel

unhaltbar (siehe nachfolgend Ziff. 4.1 [Bewaffung der Tatbeteiligten] und Ziff. 5.1

[Tatablauf und Beweggrund]).

2. Die Beweiswürdigung des vorinstanzlichen Sachrichters kann nach

der Praxis des Kassationsgerichtes aufgrund von § 430 Abs. 1 Ziff. 4 StPO mit

Erfolg gerügt werden, wenn sie sich nicht mehr im Rahmen des Gesetzes hält,

sondern willkürlich, d.h. offensichtlich abwegig ist und einer missbräuchlichen

Handhabung des richterlichen Ermessens gleichkommt (ZR 64 Nr. 54). Die Ver-

neinung eines den Freispruch bedingenden Zweifels wird als Kassationsgrund

angesehen, wenn diese bei ernsthafter Abwägung des "Für" und "Wider"

schlechthin unverständlich ist (Schmid, in: Donatsch/Schmid, Kommentar zur

Strafprozessordnung des Kantons Zürich, Zürich 1996, N 21 zu § 430 StPO). Es

ist zu berücksichtigen, dass mit menschlichen Erkenntnismitteln keine absolute

Sicherheit in der Beweisführung erreicht werden kann; daher muss genügen, dass

das Beweisergebnis über jeden vernünftigen Zweifel erhaben ist (BGE 124 IV 88

E. 2a mit Hinweisen; ZR 72 Nr. 80, 69 Nr. 50; von Rechenberg, Die Nichtigkeits-

beschwerde in Zivil– und Strafsachen nach zürcherischem Recht, 2. Auflage, Zü-

rich 1986, S. 34). Weiter geht auch die Unschuldsvermutung im Sinne von Art. 6

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Ziff. 2 EMRK und Art. 4 Abs. 1 aBV bzw. Art. 32 Abs. 1 BV nicht, denn diese Be-

stimmungen schliessen einen Schuldspruch nur dann aus, wenn bei objektiver

Betrachtung erhebliche und unüberwindliche Zweifel am Tat– oder Schuldbeweis

zurückbleiben (BGE 120 Ia 35 ff. mit Hinweisen). Soweit der Grundsatz von "in

dubio pro reo" als Beweiswürdigungsregel angerufen wird, kommt dem Kassati-

onsgericht ebenfalls nur eine auf Willkür begrenzte Überprüfungsbefugnis zu

(eingehend ZR 102 Nr. 12; vgl. auch BGE 127 I 38 E. 2c und 3a).

Aus der Natur des Beschwerdeverfahrens, das keine Fortsetzung des

Verfahrens vor dem Sachrichter darstellt, folgt sodann, dass sich der Nichtigkeits-

kläger konkret mit dem angefochtenen Entscheid auseinandersetzen und den be-

haupteten Nichtigkeitsgrund in der Beschwerdeschrift selbst nachweisen muss

(§ 430 Abs. 2 StPO). In der Beschwerdebegründung sind insbesondere die an-

gefochtenen Stellen des vorinstanzlichen Entscheides zu bezeichnen und diejeni-

gen Aktenstellen, aus denen sich ein Nichtigkeitsgrund ergeben soll, im Einzelnen

anzugeben. Es ist nicht Sache der Kassationsinstanz, in den vorinstanzlichen

Akten nach den Grundlagen des geltend gemachten Nichtigkeitsgrundes zu su-

chen. Wer die vorinstanzliche Beweiswürdigung als willkürlich rügt, muss in der

Beschwerde genau darlegen, welche tatsächlichen Annahmen des angefochte-

nen Entscheides auf Grund welcher Aktenstellen willkürlich sein sollen. Wird Ak-

tenwidrigkeit einer tatsächlichen Annahme behauptet, so sind ebenfalls die Be-

standteile der Akten, die nicht oder nicht in ihrer wahren Gestalt in die Beweis-

würdigung einbezogen worden sein sollen, genau anzugeben (ZR 91/92 Nr. 6;

vgl. auch BGE 127 I 42 E. 3b sowie ZR 81 Nr. 88 E. 6; Schmid, a.a.O., N 32 zu

§ 430 StPO; von Rechenberg, a.a.O., S. 16 ff.). Wird ein Urteil des Geschwore-

nengerichtes angefochten, genügt der alleinige Hinweis auf polizeiliche oder un-

tersuchungsrichterliche Einvernahmeprotokolle zum Nachweis eines Nichtigkeits-

grundes (insbesondere willkürliche Beweiswürdigung) nicht. Vielmehr muss - als

Folge des im geschworenengerichtlichen Verfahren geltenden Unmittelbarkeit-

sprinzips - in der Beschwerdebegründung unter Hinweis auf die entsprechenden

Protokollstellen aufgezeigt werden, inwieweit die in der Untersuchung gemachten

Aussagen Eingang ins geschworenengerichtliche Verfahren gefunden haben

(RB 2002 Nr. 134).

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3.1.a) Die Verteidigung bringt zunächst vor, die Zeugin E. habe bei der

bezirksanwaltschaftlichen Einvernahme vom 10. Januar 2003 trotz Strafandro-

hung wegen falschen Zeugnisses behauptet, den Geschädigten lediglich zu ken-

nen (GG act. 4/3 S. 2). Selbst bei ihrer Befragung durch den Staatsanwalt anläss-

lich der geschworenengerichtlichen Verhandlung habe sie zunächst ausgesagt,

lediglich eine freundschaftliche Beziehung zum Geschädigten zu haben. Die Fra-

ge nach einer intimen Beziehung habe sie erst bejaht, nachdem sie den Staats-

anwalt gefragt habe, weshalb er diese Frage stelle (GG Prot. S. 198, 201 und

202). Die Annahme des Geschworenengerichts auf S. 18 des angefochtenen Ur-

teils, wonach die Zeugin E. gleich zu Beginn der Befragung des Staatsanwaltes

offengelegt habe, mit dem Geschädigten auf Jamaika eine intime Beziehung ge-

habt zu haben, sei damit aktenwidrig. Fragen betreffend die Dauer dieser Bezie-

hung habe die Zeugin E. sodann nur ausweichend und widersprüchlich beant-

wortet. So habe sie sinngemäss ausgesagt, die Beziehung habe im Jahr 2002

begonnen und bis zur Rückkehr aus den Ferien gedauert. An den Zeitpunkt der

Rückkehr könne sich die Zeugin allerdings angeblich nicht erinnern und behaupte

an anderer Stelle gar, im Jahr 2002 gar nicht in den Ferien gewesen zu sein (GG

Prot. S. 228). Vollends unglaubwürdig sei die Zeugin E., soweit sie behaupte, die

Beziehung sei beendet worden, als sie von Jamaika in die Schweiz gezogen sei,

was gar nicht sein könne, da dies vor dem Jahr 2002 gewesen sein müsse (GG

Prot. S. 202). Dieses Aussageverhalten gebe Anlass, an der Aufrichtigkeit der

Zeugin zu zweifeln. Entgegen der auf S. 18 des angefochtenen Entscheides ge-

äusserten Ansicht müsse davon ausgegangen werden, dass die (intime) Bezie-

hung zum Geschädigten im Zeitpunkt des Tatgeschehens noch immer bestanden

habe (KG act. 1 S. 5-7).

Die von der Zeugin E. geäusserte Angst, in jamaikanischen Kreisen als

Spitzel zu gelten, müsse sodann auf diejenigen Personen bezogen werden, wel-

che diese Gefühle tatsächlich auslösen könnten. Während die Zeugin vom inhaf-

tierten Angeklagten nichts zu befürchten habe, sei sie vom Geschädigten und

dessen Umfeld weit konkreter gefährdet. Soweit die Vorinstanz auf S. 21 eine sol-

che Gefährdung mit dem Hinweis auf den unbekannten Aufenthalt des Geschä-

digten verneine, widerspreche sie sich selbst, halte sie auf S. 23 doch fest, dass

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sich der Geschädigte gemäss der Aussage der Zeugin F. in Jamaika aufhalte -

dort, wo auch die Familie der Zeugin E. lebe. Zudem lebe G., der Bruder des Ge-

schädigten, wie die Zeugin E. in Zürich. Der Umstand, dass dieser dem Zeugen

H. in offenkundiger Einschüchterungsabsicht eine Waffe gezeigt habe (GG Prot.

S. 248-251), konkretisiere die Angstgefühle der Zeugin E. in nicht zu überbieten-

der Weise (KG act. 1 S. 7/8).

Nach dem Gesagten sei davon auszugehen, dass die allgemeine

Glaubwürdigkeit der Zeugin E. entgegen der auf S. 19 des angefochtenen Ent-

scheides vertretenen Ansicht generell beeinträchtigt sei - sei es im Hinblick auf ih-

re Beziehung zum Geschädigten oder wegen ihrer Angst, vor diesem oder dessen

Verwandtschaft als Spitzel zu gelten. Ihr Interesse, zu Gunsten des Geschädigten

auszusagen, zeige sich sodann im Umstand, dass sie als einzige Zeugin be-

hauptet habe, der Angeklagte habe nach Beendigung des Messerkampfes zwei

Bierflaschen geholt und diese als Waffe gegen den Geschädigten einsetzen wol-

len (KG act. 1 S. 9/10, mit Verweis auf GG Prot. S. 219). Soweit das Geschwore-

nengericht auf S. 57 grundsätzlich auf die Aussagen der Zeugin E. abstelle, sei

diese Beweiswürdigung willkürlich (KG act. 1 S. 4).

b) Die Zeugin F. habe zum Inhalt des Telefongespräches am Tatabend

Folgendes ausgesagt: "A. rief mich an und sagte, mein Freund sei in der Woh-

nung, er steche ihn jetzt ab - so irgendwie, ich bin mir nicht mehr sicher - und ich

sei die Nächste, die drankomme" (GG Prot. S. 173). Weil diese Aussage weder

vom Geschädigten noch von der Zeugin E. bestätigt worden sei, sei es entgegen

der auf S. 24 des angefochtenen Urteils vertretenen Ansicht ganz offensichtlich,

dass die Zeugin F. den Angeklagten in ein schlechtes Licht zu rücken versuche.

Dieses Interesse sei zudem insofern offenkundig, als sich die Zeugin F. vom An-

geklagten scheiden lassen wolle und ihr Geliebter - der Geschädigte - vom Ange-

klagten verletzt worden sei. Im Weiteren habe die Zeugin F. den Geschädigten

kurz nach der Tat bei sich aufgenommen und ein Strafverfahren für dessen ille-

gale Beherbergung in Kauf genommen. Soweit das Geschworenengericht der

Zeugin F. auf S. 25 einen glaubwürdigen Eindruck attestiere, sei dies vollkommen

haltlos (KG act. 1 S. 28/29).

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c) Der Geschädigte habe seit Beginn der Untersuchungen sämtliche

Behörden über seine wahre Identität belogen und dies durch einen zumindest in-

haltlich verfälschten Pass untermauert. Selbst als er von der Bezirksanwältin zur

Wahrheit ermahnt worden sei, habe er daran festgehalten, C. zu heissen (GG

act. 3/1 und 3/2). Zudem habe er hinsichtlich der Beziehung zur Zeugin E. beharr-

lich gelogen und sie nur als "allgemeine Freundin" bezeichnet (GG act. 3/2 S. 2).

Soweit das Geschworenengericht auf S. 17 seines Entscheides festhalte, die all-

gemeine Glaubwürdigkeit des Geschädigten sei zwar eingeschränkt, lasse aber

keine generellen Rückschlüsse auf die Verwertbarkeit einzelner Aussagen zu,

und auf S. 37 gewissen Aussagen des Geschädigten zum Kerngeschehen Glau-

ben schenke, würdige sie die Beweise willkürlich (KG act. 1 S. 21, 23).

3.2 a) Die Zeugin E. räumte anlässlich der geschworenengerichtlichen

Verhandlung ein, mit dem Geschädigten auf Jamaika eine intime Beziehung ge-

habt zu haben. Auch wenn sie die entsprechende Frage des Staatsanwalts erst

bejahte, nachdem sie nachgefragt hatte, weshalb dies von Bedeutung sei (GG

Prot. S. 202), spricht dies nicht gegen die Feststellung des Geschworenenge-

richts, wonach sie die Beziehung gleich zu Beginn der Befragung eingestanden

habe (KG act. 2 S. 18 [Ziff. 3.1]). Auf das Vorbringen der Verteidigung, wonach

die Zeugin E. die intime Beziehung gegenüber der Bezirksanwaltschaft noch ge-

leugnet habe, ist sodann nicht weiter einzugehen, da nicht dargelegt wird, inwie-

fern die dazu zitierten Aussagen überhaupt Eingang ins geschworenengerichtli-

che Verfahren gefunden haben. Soweit die Zeugin E. vor Geschworenengericht

ausführte, in der Schweiz keine intime Beziehung zum Geschädigten mehr ge-

pflegt zu haben, trifft es zwar zu, dass sie - wie von der Verteidigung geltend ge-

macht - hinsichtlich Beginn und Ende der Beziehung keine präzisen Angaben

machte (vgl. GG Prot. S. 202 f., 227 f.). Dieser Umstand lässt für sich alleine aber

nicht zwingend darauf schliessen, dass die intime Beziehung entgegen der An-

nahme des Geschworenengerichts (KG act. 2 S. 18 [Ziff. 3.1]) auch in der

Schweiz weitergeführt wurde.

Sodann wird die Annahme des Geschworenengerichts, wonach die

Zeugin E. vom Geschädigten keine Repressalien zu befürchten habe, weil sich

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dieser infolge seiner Ausschaffung nicht mehr in der Schweiz befinde (KG act. 2

S. 21 [Ziff. 3.6]), von der Verteidigung nicht in Frage gestellt. Soweit sie jedoch

sinngemäss geltend macht, die in Jamaika lebenden Familienangehörigen der

Zeugin E. wären im Falle einer zu Ungunsten des Geschädigten lautenden Aus-

sage vom nunmehr wieder dort lebenden Geschädigten bedroht gewesen, ist

darauf nicht einzugehen, denn es wird nicht dargelegt, woraus sich überhaupt er-

geben soll, dass die Zeugin E. Verwandte auf Jamaika hat, deren Aufenthaltsort

dem Geschädigten bekannt sind. Ob es sich ohnehin um eine unzulässige neue

tatsächliche Behauptung handelt (vgl. dazu von Rechenberg, a.a.O., S. 17), kann

damit offen bleiben. Als durchaus vertretbar erweist sich im Weiteren die Fest-

stellung des Geschworenengerichtes, wonach die potentielle Bedrohung der Zeu-

gin E. durch das Umfeld des Geschädigten nicht grösser sei als diejenige durch

das Umfeld des Angeklagten (KG act. 2 S. 21 [Ziff. 3.6]): Die Verteidigung hält

dem zwar entgegen, dass G. - der Bruder des Geschädigten - den Zeugen H.

unter Druck habe setzen wollen, indem er ihm im Auto seine Waffe gezeigt habe.

Den etwas umständlichen Ausführungen des Zeugen H. ist jedoch nicht eindeutig

zu entnehmen, dass er das angebliche Zeigen der Waffe als Drohung interpretiert

hat, zumal er G. als ruhigen und besonnenen Typen beschrieben hat (GG Prot.

S. 248 ff.). Hinzu kommt, dass gerade der Zeuge H. eher zu Gunsten des Ange-

klagten ausgesagt hat (vgl. dazu KG act. 2 S. 21 ff. [Ziff. 4] und S. 47 ff.

[Ziff. 4.3.6]), was dagegen spricht, dass aus dem Umfeld des Geschädigten (wirk-

sam) Druck auf die Zeugen ausgeübt wurde.

Auf das Vorbringen, wonach die Zeugin E. als einzige behauptet habe,

dass der Angeklagte gegen den Geschädigten gar noch Bierflaschen habe ein-

setzen wollen, ist sodann nicht einzugehen, da gar nicht dargelegt wird, an wel-

cher Stelle die übrigen Zeugen eine anderslautende Darstellung zu Protokoll ge-

geben hätten. Soweit das Geschworenengericht die Zeugin E. als grundsätzlich

glaubwürdig eingestuft hat, vermag die Verteidigung nach dem Gesagten somit

keine Willkür darzutun.

b) Das Geschworenengericht hat durchaus zur Kenntnis genommen,

dass sich die Zeugin F. vom Angeklagten scheiden lassen will und mit dem Ge-

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schädigten eine intime Beziehung pflegt. Ebenso hat es zur Kenntnis genommen,

dass sie den Geschädigten gesetzeswidrig bei sich aufgenommen hat und dafür

auch bestraft wurde. Es mass dieser Interessenlage aber insofern kein massgeb-

liches Gewicht bei, als die Zeugin F. zurückhaltende Aussagen gemacht und nicht

den Eindruck erweckt habe, den Angeklagten übermässig belasten zu wollen (KG

act. 2 S. 23/24 [Ziff. 5.2], mit entsprechenden Aussagezitaten). Sodann ist es dem

Geschworenengericht nicht entgangen, dass die Zeugin F. als Einzige behauptet

hat, dass ihr der Angeklagte während des kurz vor der Auseinandersetzung ge-

führten Telefonates gesagt habe, er werde jetzt den Geschädigten abstechen und

sie sei die Nächste. Es verwies aber auf den Umstand, dass F. diese Drohung

anlässlich der noch in der Tatnacht durchgeführten polizeilichen Einvernahme

nicht erwähnt habe. Das Geschworenengericht erklärte den Widerspruch mit den

Unzulänglichkeiten des menschlichen Langzeitgedächtnisses und wies zudem

darauf hin, dass die Zeugin F. die behauptete Drohung ohnehin selbst relativiert

habe, indem sie gesagt habe, sie sei sich der genauen Wortwahl nicht mehr si-

cher (KG act. 2 S. 24/25 [Ziff. 5.3]). Soweit die Verteidigung dem Geschworenen-

gericht vorwirft, es habe die allgemeine Glaubwürdigkeit von F. fälschlicherweise

bejaht, setzt sie sich mit der Argumentation des Geschworenengerichtes gar nicht

konkret auseinander, weshalb nach dem unter Ziff. 2 vorstehend Gesagten auf

dieses Vorbringen nicht einzutreten ist.

c) Das Geschworenengericht hat schliesslich erkannt, dass die Glaub-

würdigkeit des Geschädigten - etwa aufgrund seiner Angabe einer falschen Iden-

tität - eingeschränkt sei. Es hat aber - zu Recht - festgehalten, dass dieser Um-

stand keine generellen Rückschlüsse auf den Wahrheitsgehalt einzelner Aussa-

gen zulasse (KG act. 2 S. 17 [Ziff. 2]); von Willkür kann diesbezüglich nicht die

Rede sein.

d) Im Sinne eines Zwischenfazits kann damit festgehalten werden,

dass die Verteidigung hinsichtlich der vorinstanzlichen Beurteilung der allgemei-

nen Glaubwürdigkeit der genannten Personen keinen Nichtigkeitsgrund darzutun

vermag.

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4.1 a) Die Verteidigung macht im Weiteren geltend, die Zeugin E. habe

anlässlich der bezirksanwaltschaftlichen Einvernahme vom 10. Januar 2003 be-

jaht, dass sie und der Geschädigte vom Wohnzimmer direkt auf den Laubengang

gegangen seien. Sodann habe sie verneint, dass der Geschädigte auf dem Weg

zum Laubengang noch einen anderen Raum betreten habe (GG act. 4/3 S. 3). So

klar habe sie dies auch gegenüber der Polizei ausgesagt (GG act. 4/2 S. 2). Erst

anlässlich der geschworenengerichtlichen Verhandlung habe sie die Frage, ob

der Geschädigte beim gemeinsamen Hinausgehen auf den Laubengang die Kü-

che - mithin einen anderen Raum - betreten habe, nicht mehr klar beantworten

können (GG Prot. S. 208). Dennoch erachte das Geschworenengericht die Be-

hauptung des Geschädigten, wonach er sich in der Küche mit dem Fleischmesser

bewaffnet habe, auf S. 30 des angefochtenen Urteils als erstellt (KG act. 1

S. 10/11).

Sodann habe der Geschädigte bezüglich des auf ihm gefundenen
Fleischmessers anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahme gelogen und

ausgesagt, er habe das Fleischmesser vom Boden aufgehoben. Später sei er

noch weiter gegangen und habe behauptet, zu keinem Zeitpunkt ein Messer auf

sich getragen zu haben (GG act. 3/1 S. 8). Soweit die Vorinstanz auf S. 39 fest-

halte, der Geschädigte habe sich bereits nach zwei Tagen zu seiner Lüge be-

kannt und seine Aussage richtig gestellt, sei diese Berichtigung gar nicht rechts-

genüglich bewiesen, da sie nicht an einer protokollierten Einvernahme erfolgt sei,

sondern als der Geschädigte mit der Zeugin F. nach der Tat am Ort des Gesche-

hens gewesen sei (GG act. 10/2). Wie und weshalb der Geschädigte seine Lüge

zum Fleischmesser berichtigt habe, könne aufgrund der fehlenden Protokollierung

nicht beurteilt werden (KG act. 1 S. 22).

Zudem habe der polizeiliche Sachbearbeiter J. nicht darlegen können,

ob das Fleischmesser tatsächlich aus der Wohnung gestammt habe. So habe er

lediglich seine Überlegungen zur Herkunft des Steakmessers erläutert (Teil eines

vierteiligen Messersets), während er den Umstand, dass das Fleischmesser we-

der zu diesem Set gehört habe noch von IKEA gewesen sei, nicht habe erklären

können (GG Prot. S. 390/391). Weil die Herkunft des Fleischmessers somit unklar

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sei, könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Geschädigte zu Beginn der

Auseinandersetzung (nicht mit dem Fleischmesser, sondern) mit dem Steakmes-

ser bewaffnet gewesen sei (KG act. 1 S. 22/23).

b) Es treffe zwar zu, dass der Angeklagte der Zeugin K. nach der Tat

das (Steak-)Messer gezeigt habe und dieses dabei aus der Hosentasche geholt

habe. Damit sei jedoch nicht bewiesen, wo der Angeklagte das Messer vor der

Tat gehabt habe. Es bestünden keine objektiven Anhaltspunkte dafür, dass er ein

Messer in seiner Tasche gehabt habe, als er mit seiner Frau, F., telefoniert habe.

So habe der Zeuge H. klar ausgesagt, beim Angeklagten kein Messer gesehen

und auch an keiner Stelle seiner Bekleidung eine Erhebung erkannt zu haben,

welche auf das Mittragen eines Messers hätte schliessen lassen (Hervorhebun-

gen gemäss Beschwerdeschrift, KG act. 1 S. 27/28). Sodann habe die Zeugin E.

zunächst zwar ausgeführt, ein Messer in der Hand des Angeklagten gesehen zu

haben (GG act. 4/1 S. 3). In der Folge habe sie aber gesagt, sie habe nie ein

Messer in der Hand des Angeklagten gesehen (GG act. 4/2 S. 7). Dies habe sie

bei der bezirksanwaltschaftlichen Einvernahme und vor Geschworenengericht

wiederholt (GG act. 4/3 S. 8 und GG Prot. S. 222). Es sei willkürlich, E.'s Äusse-

rungen lediglich zum Nachteil des Angeklagten zu werten; vielmehr müssten die-

se dahingehend interpretiert werden, dass der Angeklagte zu Beginn des Kamp-

fes tatsächlich kein Messer in der Hand gehabt habe (KG act. 1 S. 13/14).

c) Die Vorinstanz nehme auf S. 52 des angefochtenen Entscheides an,

dass die DNA-Spuren auf dem Fleisch- und dem Steakmesser sowohl die Sach-

verhaltsvariante des Angeklagten wie auch diejenige des Geschädigten zuliessen.

Diese Feststellung - so die Verteidigung - sei insofern falsch, als der Geschädigte

nach Aussage der Zeugin F. erst nach dem Vorfall vom 11. November 2003 in de-

ren Wohnung gelebt habe (GG Prot. S. 165), womit nicht klar sei, wie der Ge-

schädigte auf dem Griff des Steakmessers hätte Kontaktspuren hinterlassen kön-

nen. Erklärbar sei dies nur durch die Schilderung des Angeklagten, wonach er mit

dem Steakmesser angegriffen worden sei und dieses dem Geschädigten in der

Folge habe abringen können. Indem sich die Vorinstanz willkürlich über diese

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Möglichkeit hinwegsetze, habe sie den Grundsatz "in dubio pro reo" verletzt (KG

act. 1 S. 16).

4.2 a) Soweit die Verteidigung behauptet, gewisse Aussagen der Zeu-

gin E. widersprächen der Annahme der Vorinstanz, wonach sich der Geschädigte

in der Küche mit dem Fleischmesser bewaffnet habe, legt sie gar nicht dar, in-

wiefern die zitierten, im Rahmen der Untersuchung gemachten Aussagen E.'s

überhaupt Eingang ins geschworenengerichtliche Verfahren gefunden haben. Aus

diesem Grund ist auf diese Argumentation nicht weiter einzugehen.

Sodann hat der Geschädigte anlässlich seiner bezirksanwaltschaftli-

chen Einvernahme vom 10. Januar 2003 bestätigt, seine Aussage betreffend die

Herkunft des Fleischmessers gegenüber dem polizeilichen Sachbearbeiter am

16. November 2002 berichtigt zu haben (vgl. dazu KG act. 2 S. 38/39

[Ziff. 4.3.2.b]). Die Annahme des Geschworenengerichts, wonach sich der Ge-

schädigte schon nach zwei Tagen zu seiner Lüge bekannt habe, kann deshalb

nicht als willkürlich bezeichnet werden.

Unzutreffend ist sodann die Behauptung der Verteidigung, wonach der

polizeiliche Sachbearbeiter J. nicht habe erklären können, weshalb das Fleisch-

messer aus der Küche der Wohnung F. stammen sollte. So hat J. an der von der

Verteidigung zitierten Stelle nämlich ausgeführt, die Zeugin F. habe bestätigt,

dass das fragliche Messer aus ihrem Haushalt stamme (GG Prot. S. 392).

b) Es mag sodann sein, dass die Aussage der Zeugin K., wonach ihr

der Angeklagte nach der Tat das (Steak-)messer gezeigt und dieses dabei aus

der Hosentasche gezogen habe (GG Prot. S. 293), für sich alleine keinen Beweis

dafür darstellen würde, dass der Angeklagte das Messer schon zu Beginn der

Auseinandersetzung dort aufbewahrte. Eine solche Beweiswürdigung hat die Vo-

rinstanz aber auch gar nicht vorgenommen; mit dem Hinweis auf die Aussage von

K. hat sie lediglich den Einwand der Verteidigung entkräftet, wonach der Ange-

klagte vor Beginn der Auseinandersetzung unmöglich ein Messer auf sich getra-

gen haben könne (KG act. 2 S. 45 [Ziff. 4.3.4.f]). Diese Argumentation kann nicht

als unhaltbar bezeichnet werden. Daran vermag die Aussage der Zeugin E., wo-

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nach sie zu keiner Zeit ein Messer in der Hand des Angeklagten gesehen habe

(vgl. KG act. 2 S. 43, mit Verweis auf GG Prot. S. 222 und 230) und die Aussage

des Zeugen H., wonach er beim Angeklagten vor Beginn der Auseinandersetzung

kein Messer erkannt habe (GG Prot. S. 274), nichts zu ändern. Der Umstand,

dass die beiden Zeugen das Tatmesser nicht gesehen haben, schliesst jedenfalls

nicht aus, dass der Angeklagte dieses zu Beginn der Auseinandersetzung auf

sich getragen oder in der Hand gehalten haben kann. Dabei ist insbesondere zu

beachten, dass seitens der Verteidigung gar nicht bestritten wird, dass die Stich-

verletzungen des Geschädigten vom Angeklagten mit dem Steakmesser herbei-

geführt wurden (es wird lediglich die vom Geschädigten und der Zeugin E. ge-

schilderte Vorgehensweise in Frage gestellt, vgl. Ziff. 5.1 nachstehend). Es ist

somit davon auszugehen, dass der Angeklagte das Steakmesser zumindest im

Verlaufe der Auseinandersetzung in der Hand gehalten haben muss. Wenn die

Zeugen E. und H. das Steakmesser aber nicht einmal während des Kampfes ha-

ben erkennen können, erstaunt es nicht, wenn sie es auch vor Beginn der Aus-

einandersetzung nicht bemerkt haben.

c) Das Geschworenengericht hielt fest, dass sich sowohl der Ange-

klagte als auch der Geschädigte schon vor der Tat im Haushalt von F. bewegt

hätten, weshalb nicht ausgeschlossen werden könne, dass sie dabei DNA-

Kontaktspuren auf dem Griff des Steakmessers zurückgelassen hätten (KG act. 2

S. 51/52 [Ziff. 4.4.2]). Weil sich die Verteidigung mit dieser Überlegung nicht aus-

einandersetzt, ist auf ihre Argumentation, wonach die DNA-Spuren darauf schlie-

ssen lassen würden, dass der Angeklagte dem Geschädigten das Steakmesser

abgenommen habe, nicht einzugehen.

d) Soweit dem angefochtenen Entscheid die Annahme zugrunde liegt,

der Geschädigte habe vor Beginn der Auseinandersetzung ein Fleischmesser auf

sich getragen, während der Angeklagte im Besitze des Steakmessers gewesen

sei, vermag die Verteidigung nach dem Gesagten somit keine Willkür darzutun.

5.1 a) In der Beschwerdeschrift wird weiter vorgebracht, die Zeugin E.

habe anlässlich ihrer bezirksanwaltschaftlichen Einvernahme vom 11. Januar

2003 ausgeführt, dass es plötzlich viele Bewegungen zwischen dem Angeklagten

-   14   -

und dem Geschädigten gegeben habe. Auf die Frage, wer den Angriff begonnen

habe, habe sie erst nach längerem Überlegen ausgeführt: "Gemäss dem, was ich

gesehen habe, hat A. die erste Bewegung gemacht" (GG act. 4/3 S. 4/5). Erst vor

Geschworenengericht habe die Zeugin E. klar ausgesagt, der Angeklagte habe

den Angriff begonnen bzw. den Geschädigten von hinten angegriffen (GG Prot.

S. 211/212). Das Geschworenengericht übergehe diese beträchtlichen Unter-

schiede in der Schilderung des Geschehens völlig. Soweit die Zeugin E. zuerst

nur von Bewegungen gesprochen habe, würde dies ebenso gut für die Darstel-

lung des Angeklagten, wonach er zuerst angegriffen worden sei, sprechen (KG

act. 1 S. 11/12).

Ein wesentlicher Widerspruch in der Darstellung der Zeugin E. liege

sodann darin, dass sie anlässlich der bezirksanwaltschaftlichen Einvernahme

nicht habe sagen können, ob der Angeklagte den Geschädigten beim Ausführen

der Stichbewegungen festgehalten habe (GG act. 4/3 S. 5). Anders vor Geschwo-

renengericht: Hier habe die Zeugin E. ausgesagt, der Geschädigte habe versucht,

loszukommen - was ein Festhalten impliziere (GG Prot. S. 212). Dieser Unter-

schied sei letztlich auf die Nähe zum Geschädigten zurückzuführen (KG act. 1

S. 12). Die Zeugin E. habe sodann ausgeführt, dass sich der Geschädigte umge-

dreht habe und in die Hocke gegangen sei. Zudem habe sie ausgesagt, dass der

Geschädigte schützend die Hände in die Höhe gehalten habe, als der Angeklagte

ein weiteres Mal auf ihn eingestochen habe. Wenn das Geschworenengericht

diese anschauliche Schilderung auf S. 43 ihres Urteils als Beleg dafür werte, dass

die Zeugin E. die Situation tatsächlich beobachtet habe, sei dies insofern willkür-

lich, als diese Darstellung nicht einmal vom Geschädigten selbst bestätigt worden

seien (KG act. 1 S. 13).

Die Annahme des Geschworenengerichtes, wonach die Zeugin E. den

Vorfall aus eigener Erfahrung geschildert habe, sei sodann insofern willkürlich, als

E. anlässlich ihrer bezirksanwaltschaftlichen Einvernahme zugegeben habe, erst

vom Geschädigten erfahren zu haben, wer wen zuerst gestochen habe. So habe

E. ausgesagt, sie habe mit dem Geschädigten über den Vorfall gesprochen und

-   15   -

dieser habe ihr gesagt, der Angeklagte habe zuerst gestochen (KG act. 1

S. 14/15, mit Verweis auf GG act. 4/3 S. 7).

b) Das Geschworenengericht halte auf S. 50 fest, dass der Blutspuren-

bericht (GG act. 10/5) die Version des Geschädigten und der Zeugin E. stütze.

Dazu sei vorab festzuhalten, dass dieser Bericht gar nicht verwertbar sei, weil er

in Anwesenheit des Geschädigten und F. erstellt worden sei (KG act. 1 S. 17).

Doch selbst wenn von der Verwertbarkeit des Berichtes auszugehen wäre, sei zu

beachten, dass sich der Geschädigte anlässlich seiner polizeilichen Befragung

vom 14. November 2002 nicht habe erinnern können, wann er unter anderem den

Stich ins Gesicht erhalten habe (GG act. 3/1 S. 6). Soweit sich im Blutspurenbe-

richt der Hinweis finde, die am Tatort gefundenen Spuren würden dem vom Ge-

schädigten behaupteten Tatablauf nicht widersprechen, müsse der Geschädigte

folglich einen anderen Tatverlauf geschildert haben. Es könne nicht ausgeschlos-

sen werden, dass sich der Geschädigte anlässlich der Spurenaufnahme vom

15. November 2002 beim informellen Gespräch mit den Sachverständigen vom

wissenschaftlichen Dienst der Stadtpolizei Zürich eine Tatversion zurechtgelegt

habe, die dem Spurenbild entsprochen habe. Sofern der Geschädigte eine andere

Tatversion geschildert habe, hätte er auf seine Wahrheitspflicht hingewiesen wer-

den müssen, was nicht der Fall gewesen sei (KG act. 1 S. 17/18). Zudem gehe

aus dem Urteil nicht hervor, welche der verschiedenen Schilderungen des Ge-

schädigten des Tatablaufs mit dem Blutspurenbericht vereinbar sei (KG act. 1

S. 19).

Die Verteidigung macht sodann sinngemäss geltend, dass das Spu-

renbild insofern nicht mit der Schilderung des Geschädigten vereinbar sei, als sich

die Blutspritzer auf der Treppe vor der Wohnungstür nicht mit dessen Aussagen

erklären liessen. So habe der Geschädigte weder an den Einvernahmen vom

14. November 2003 (GG act. 3/1 S. 6) und vom 10. Januar 2003 (GG act. 3/2

S. 5. 5 und 6) noch anlässlich der Fotorekonstruktion (GG act. 53B) behauptet, im

Bereiche der Wohnungstür einen Stich in den Mundbereich erhalten zu haben.

Soweit er den Mundstich anlässlich der Tatrekonstruktion in Abbildung 17 habe

darstellen lassen, sei das Gesicht sodann zwar nicht gegen die Strasse, aber

-   16   -

auch nicht zur Wohnungstüre, sondern vielmehr parallel zur Balkonbrüstung ge-

richtet. Mit dieser Blickrichtung hätten die Blutspritzer aber nicht auf die vor der

Türe liegende Treppe fallen können, wie dies das Geschworenengericht auf S. 50

annehme, sondern vielmehr auf der Balkonbrüstung ersichtlich sein müssen (KG

act. 1 S. 20, 26). Wenig aufschlussreich - so die Verteidigung sinngemäss - sei in

diesem Zusammenhang sodann die Aussage der Zeugin E., denn als sie ausge-

führt habe, der Geschädigte sei in die Hocke gegangen und dann in den Mund-

winkel gestochen worden, habe sie nicht gesagt, wo das passiert sei (KG act. 1

S. 20). Im Gegensatz zur Aussage des Geschädigten und der Zeugin E. würden

sich die Blutspritzer vor der Türe mit der Darstellung des Angeklagten erklären

lassen. So habe dieser ausgeführt, dass ihm der Geschädigte auf dem Lauben-

gang mit dem Gesicht zur Wohnungstüre gerichtet gegenüber gestanden sei.

Diese Möglichkeit werde von der Vorinstanz allerdings in willkürlicher Weise au-

sser Acht gelassen (KG act. 1 S. 21, 27).

c) Das Geschworenengericht halte auf S. 40 fest, dass der Geschä-

digte auf keinem der von ihm nachgestellten Bilder eine enge Umklammerung

durch den Angeklagten habe schildern lassen. Anlässlich der bezirksanwalt-

schaftlichen Einvernahme vom 10. Januar 2003 habe der Geschädigte an der

Übersetzerin aber gezeigt, wie die Umklammerung gewesen sei. So habe er ge-

mäss Protokollnotiz seinen linken Arm von hinten um deren linke Schulter quer

über ihren Oberkörper vorn gelegt und diese mit der linken Hand auf der Höhe der

rechten Schulter gefasst. Als er nach der Möglichkeit des Stechens in den Nacken

in dieser Position gefragt worden sei, sei er "zurückgekrebst" und habe ausge-

führt, er sei nur so eng gehalten worden, dass er dennoch habe gestochen wer-

den können (GG act. 3/2 S. 6). Indem die Vorinstanz einzig auf die vom Geschä-

digten nachgestellten Bilder (GG act. 5/1 Abb. 16, 19 und 20) abstelle, welche im

Widerspruch zu seiner früheren Darstellung stünden, verletze sie den Grundsatz

"in dubio pro reo" und würdige die Beweise willkürlich. Dies gelte erst recht, wenn

man berücksichtige, dass die Zeugin E. anlässlich ihrer bezirksanwaltschaftlichen

Einvernahme vom 10. Januar 2003 (GG act. 4/3 S. 5) nicht habe sagen können,

ob der Angeklagte den Geschädigten festgehalten habe, als er die Stichbewe-

gungen ausgeführt habe (KG act. 1 S. 24).

-   17   -

d) Das Geschworenengericht halte auf S. 39 in unhaltbarer Weise fest,

es sei in keiner Weise sonderbar, dass der Geschädigte dem Angeklagten den

Rücken zugedreht habe, als Letzterer mit seiner Frau, F., gesprochen habe. Es

begründe dies damit, dass ein solches Verhalten durchaus den hiesigen Gepflo-

genheiten entspreche. Selbst wenn eine solche Gepflogenheit überhaupt existie-

ren würde, übergehe das Geschworenengericht aber den Umstand, dass der Ge-

schädigte als Jamaikaner, welcher erst eine Woche vor der Tat in die Schweiz

eingereist sein wolle (GG act. 3/1 S. 2), mit den hiesigen Gepflogenheiten nicht

habe vertraut sein können. Zudem erscheine die Annahme, wonach der Geschä-

digte dem Angeklagten den Rücken zugedreht haben soll, insofern als realitäts-

fremd, als es der Geschädigte kurz vorher für nötig befunden habe, sich zu be-

waffnen (KG act. 1 S. 25/26, mit Verweis auf GG act. 3/2 S. 2).

e) Das Geschworenengericht unterstelle dem Angeklagten auf S. 54

als Tatmotiv Eifersucht und verletzten Stolz und stütze sich dabei massgeblich auf

die Aussagen der Zeugin F. ab. Soweit auf deren Aussagen vor dem Hintergrund

ihrer beschränkten Glaubwürdigkeit überhaupt abgestellt werden könne, sei aber

zu beachten, dass sie den Angeklagten zwar als eifersüchtig, aber nicht in extre-

mem Ausmass, beschrieben habe (GG Prot. S. 193). Die von der Zeugin E. ge-

äusserte Vermutung, wonach der Vorfall aus Eifersucht passiert sei (GG

Prot. S. 215), sei aufgrund des Umstandes, dass sie den Angeklagten gemäss ei-

genen Angaben nicht gekannt habe, sodann als reine Mutmassung zu bezeich-

nen. Der mit dem Angeklagten befreundete Zeuge H. habe diesen schliesslich

ausdrücklich als nicht eifersüchtig eingeschätzt (GG Prot. S. 275). Unter Berück-

sichtigung des Umstandes, dass der Angeklagte bereits seit zwei Monaten eine

neue Freundin, die Zeugin K., gehabt habe, müsse Eifersucht als Tatmotiv somit

ausscheiden. Hinzu komme, dass der Angeklagte wohl nicht die Wohnung verlas-

sen und zuerst seinen Begleiter geholt hätte, damit dieser die angetroffene Situa-

tion ebenfalls sehen konnte, wenn er tatsächlich so eifersüchtig und jähzornig

gewesen wäre. Schliesslich verdrehe die Vorinstanz die Aussagen des Ange-

klagten auf S. 54 in ihr Gegenteil, habe dieser doch erklärt, dass er ruhig gewe-

sen sei und einfach seine Dinge wieder gewollt habe (KG act. 1 S. 28-31).

-   18   -

Dem Geschädigten werde auf S. 54 zwar auch ein Tatmotiv attestiert,

doch nehme die Vorinstanz auf S. 57 an, dasjenige des Angeklagten sei nahelie-

gender. Dies sei insofern willkürlich, als der Geschädigte gemäss den Ausführun-

gen von H. schon mehrfach in gewalttätige Auseinandersetzungen verwickelt ge-

wesen sei und offensichtlich wegen einer Messerstecherei verurteilt und des Lan-

des verwiesen worden sei (KG act. 1 S. 31/32).

f) Die Verteidigung macht schliesslich sinngemäss geltend, dass die

dem Angeklagten vorgeworfene Messerattacke gar nicht zu dessen Charakter

passen würde: So habe der Zeuge L. - ein Kollege des Angeklagten, welcher ins-

besondere im Sommer 2002 häufig bei diesem zu Hause gewesen sei - den An-

geklagten als ruhigen, lustigen Typen beschrieben, bei welchem er sich nicht vor-

stellen könne, dass er vor Wut plötzlich explodiere. Auch habe L. ausgeführt, den

Angeklagten nie wütend oder zornig erlebt zu haben (GG Prot. S. 455). Der Zeu-

ge M., welcher den Angeklagten als Angestellten erlebt habe und gemäss eigener

Einschätzung über gute Menschenkenntnisse verfüge, habe ihn als ruhigen, ein-

satzfreudigen und stets korrekten Mitarbeiter beschrieben (GG Prot. S. 417 ff.).

Der Zeuge H. habe schliesslich klar verneint, seinen Freund je impulsiv oder ex-

plosiv erlebt zu haben. Vielmehr habe er ausgesagt, dass es bei der Roten Fabrik

einmal eine Situation gegeben habe, bei welcher der Angeklagte hätte "explodie-

ren" können, dies aber nicht getan habe (GG Prot. S. 274). Soweit das Geschwo-

renengericht dem Angeklagten auf S. 14 zwei Gesichter bzw. eine Neigung zur

Aggressivität und Jähzorn unterstelle, stütze es sich einzig auf die Ausführungen

von F. ab. Die Erwägung, wonach die Aussagen von F. aufgrund des Detailreich-

tums überzeugend seien, sei aber insofern willkürlich, als die Zeugin F. zwar be-

hauptet habe, mehrfach vom Angeklagten "verschlagen" worden zu sein, die Hin-

weise betreffend Ort und Zeit jedoch mehr als unbestimmt geblieben seien. Auch

bezüglich der Spuren, welche die Schläge hinterlassen haben sollen, habe sie le-

diglich auf die Mutmassungen des Staatsanwalts geantwortet, ohne eigene Dar-

stellungen oder genauere Angaben preiszugeben (KG act. 1 S. 33-35).

5.2 a) Soweit die Verteidigung geltend macht, die Beobachtungen der

Zeugin E. würden insofern nicht auf einen Angriff des Angeklagten schliessen las-

-   19   -

sen, als sie noch gegenüber der Bezirksanwaltschaft nur von "Bewegungen",

nicht aber von einem Angriff gesprochen habe, ist darauf nicht einzugehen, weil

nicht dargelegt wird, inwiefern die betreffenden Aussagen Eingang ins geschwo-

renengerichtliche Verfahren gefunden haben.

Ähnliches gilt, soweit die Verteidigung gegen die Glaubhaftigkeit der

Schilderung der Zeugin E. ins Feld führt, diese habe hinsichtlich der Frage einer

Umklammerung des Geschädigten durch den Angeklagten widersprüchlich aus-

gesagt: Auch hier fehlen Aktenzitate, welche belegen würden, dass die bei der

Bezirksanwaltschaft gemachten Aussagen überhaupt anlässlich der geschwore-

nengerichtlichen Verhandlung vorgetragen bzw. produziert wurden.

Soweit gegen die Glaubhaftigkeit der Schilderung der Zeugin E. vorge-

bracht wird, die von ihr beschriebene Hocke sei vom Geschädigten nicht bestätigt

worden, ist darauf ebenfalls nicht einzugehen, da nicht dargelegt wird, an welcher

Stelle der Geschädigte eine abweichende Darstellung zu Protokoll gegeben habe.

Nicht einzutreten ist schliesslich auf die Argumentation, wonach die

Zeugin E. gegenüber der Bezirksanwaltschaft zum Ausdruck gegeben habe, dass

sie gar nicht selbst beobachtet habe, wie der Geschädigte vom Angeklagten an-

gegriffen worden sei; auch hier werden keine Aktenstellen genannt, welche bele-

gen würden, inwiefern die betreffende Aussage Eingang ins geschworenenge-

richtliche Verfahren gefunden haben soll.

b) Das Geschworenengericht legte auf S. 10 des angefochtenen Urteils

dar, weshalb der Blutspurenbericht entgegen der Meinung der Verteidigung als

Beweismittel verwertbar sei. Soweit sich die Verteidigung im vorliegenden Be-

schwerdeverfahren auf die Unverwertbarkeit dieses Berichtes beruft, übt sie le-

diglich appellatorische Kritik, ohne sich mit der Argumentation des Geschwore-

nengerichtes im Einzelnen auseinanderzusetzen. Auf diese Rüge ist somit nicht

weiter einzugehen.

Unzutreffend ist sodann die Behauptung der Verteidigung, wonach

dem Urteil nicht entnommen werden könne, welche Schilderung des Geschädig-

-   20   -

ten mit dem Blutspurenbericht vereinbar sei. So hat das Geschworenengericht

klar ausgeführt, dass der Spurenbericht insofern mit der Schilderung der Zeugin

E. und des Geschädigten vereinbar sei, als der Vorfall gemäss diesen beiden

Personen ausserhalb der Wohnung bei der Laubenbrüstung und vor dem Trep-

penhausabgang stattgefunden habe. Demgegenüber - so das Geschworenenge-

richt weiter - laufe die Darstellung des Angeklagten, wonach der Kampf mit Aus-

nahme des Mundstichs innerhalb des Türrahmens stattgefunden habe, dem Spu-

renbericht zuwider (KG act. 2 S. 51 [Ziff. 4.4.1.c], mit entsprechenden Aussage-

zitaten). Entgegen der Meinung der Verteidigung hat die Vorinstanz auf S. 50 ih-

res Urteils sodann keine Feststellungen betreffend die Übereinstimmung der Aus-

sage des Geschädigten mit dem Spurenbild getroffen; an der genannten Stelle

finden sich lediglich Zitate des polizeilichen Sachbearbeiters J.. Das Geschwore-

nengericht führte jedoch auf den S. 41/42 (Ziff. 4.3.2.g) aus, inwiefern die Blut-

spritzer vor der Treppe bzw. das Fehlen von Blutspritzern auf der Balkonbrüstung

mit den Aussagen des Geschädigten zum erlittenen Mundstich vereinbar seien.

Soweit die Verteidigung das Gegenteil behauptet, setzt sie sich mit diesen Erwä-

gungen nicht auseinander, weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist. Im Übrigen

ist ohnehin nicht ohne Weiteres ersichtlich, inwiefern die Frage nach dem genau-

en Ort des Mundstichs überhaupt von Bedeutung sein sollte, zumal gar nicht be-

stritten wird, dass der Angeklagte dem Geschädigten den fraglichen Mundstich

zugefügt hat (zum Erfordernis der Erheblichkeit des geltend gemachten Mangels

vgl. von Rechenberg, a.a.O., S. 23 ff.).

c) Die Frage nach der Erheblichkeit des geltend gemachten Mangels

stellt sich sodann auch im Zusammenhang mit dem Vorbringen, wonach die vom

Geschädigten geschilderte Umklammerung durch den Angeklagten unglaubhaft

sei, denn auch bezüglich der Nackenstiche wird die Täterschaft des Angeklagten

letztlich nicht in Frage gestellt. Doch selbst wenn man auf dieses Vorbringen

grundsätzlich eintreten wollte, vermöchte die Verteidigung keinen Nichtigkeits-

grund darzutun:

Das Geschworenengericht äusserte sich auf den S. 39/40 zum Ein-

wand der Verteidigung, wonach die Nackenstiche nicht auf die vom Geschädigten

-   21   -

anlässlich der bezirksanwaltschaftlichen Einvernahme geschilderte Art und Weise

(sehr enge Umklammerung durch den Angeklagten von hinten links über die

Schulter) hätten entstanden sein können. Dabei zog es in Erwägung, dass die

Stiche mit einer derartigen Umklammerung tatsächlich nicht hätten ausgeführt

werden können. Es hielt aber fest, dass der Geschädigte besagte Umklammerung

noch im Verlauf derselben Einvernahme relativiert habe. Sodann sei auch auf

keinem der vom Geschädigten nachgestellten Bilder die von der Verteidigung be-

schriebene (enge) Umklammerung ersichtlich - ein Nackenstich sei stets noch

möglich gewesen. Schliesslich habe auch die Zeugin E. anlässlich der Fotorekon-

struktion eine Umklammerung darstellen lassen, aber ebenfalls nicht mit der von

der Verteidigung geltend gemachten Nähe. Das Geschworenengericht kam sinn-

gemäss zum Schluss, dass es sich um eine eher lockere Umklammerung gehan-

delt habe und bezeichnete die vom Geschädigten erwähnte Umklammerung als

mit den festgestellten Nackenstichen vereinbar. Diese Beweiswürdigung könnte

nicht als willkürlich bezeichnet werden; aufgrund des Umstandes, dass es auch

für direkt Beteiligte schwierig ist, sich im Nachhinein an jedes einzelne Detail einer

tätlichen Auseinandersetzung genau zu erinnern, vermöchte der Umstand, dass

der Angeklagte zunächst eine enge Umklammerung schilderte, keine unüber-

windbaren Zweifel an der Richtigkeit seiner späteren, relativierten Darstellung zu

begründen. Soweit schliesslich vorgebracht wird, die Zeugin E. habe sich anläss-

lich ihrer bezirksanwaltschaftlichen Befragung vom 10. Januar 2003 gar nicht an

eine Umklammerung erinnern können, wäre darauf ohnehin nicht einzugehen,

denn es wird gar nicht dargelegt, inwiefern diese Aussagen Eingang ins geschwo-

renengerichtliche Verfahren gefunden haben sollen.

d) Es ist im Weiteren durchaus üblich, dass man sich während eines

Telefonats eines Dritten abdreht. Soweit die Vorinstanz gestützt auf diesen notori-

schen Umstand zum Schluss gekommen ist, es sei nicht sonderbar, dass sich der

Geschädigte während des Telefongespräches des Angeklagten von diesem ab-

gedreht habe (KG act. 2 S. 39 [Ziff. 4.3.2.c]), kann diese Erwägung nicht als will-

kürlich bezeichnet werden. Daran vermag die Tatsache, dass es sich beim Ge-

schädigten um einen Jamaikaner handelt, nichts zu ändern. Aus dem Umstand,

dass sich der Geschädigte vor Beginn der Auseinandersetzung präventiv mit ei-

-   22   -

nem Messer bewaffnet hatte (vgl. KG act. 2 S. 30 [Ziff. 2.2]), vermag die Verteidi-

gung ebenfalls nichts zu Gunsten des Angeklagten abzuleiten, zumal der Ge-

schädigte möglicherweise schlicht nicht mit einem Überraschungsangriff gerech-

net hat.

e) Das Geschworenengericht hat sich auf den S. 53 ff. eingehend zu

den möglichen Tatmotiven der Beteiligten geäussert. So wurde insbesondere

dargelegt, welche Verhaltensweisen und Aussagen des Angeklagten darauf

schliessen lassen würden, dass ihn die in der Wohnung angetroffene Situation

emotional mehr berührt habe als er habe eingestehen wollen. Zudem wurde dar-

auf hingewiesen, dass auch verschiedene Aussagen von K., F., E. und des Ge-

schädigten auf einen erregten Gemütszustand des Angeklagten schliessen lassen

würden. Eine emotionale Reaktion - so das Geschworenengericht weiter - sei

auch vor dem Hintergrund des Umstandes, dass der Angeklagte die Wohnung

gemäss eheschutzrichterlicher Verfügung bis spätestens 12. November 2002 ha-

be verlassen bzw. räumen müssen, nachvollziehbar (KG act. 2 S. 54/55

[Ziff. 4.5.b]). Unter Hinweis auf verschiedene Aussagen von E. und H. wurde so-

dann ausgeführt, dass sich Eifersucht und verletzter Stolz auch vor dem kulturel-

len Hintergrund als Tatmotiv erklären liessen (KG act. 2 S. 55/56 [Ziff. 4.5.c]). So-

weit die Verteidigung geltend macht, Eifersucht und verletzter Stolz müssten ent-

gegen der Ansicht der Vorinstanz als Motiv ausscheiden, übt sie im Wesentlichen

appellatorische Kritik, ohne auf die Erwägungen des Geschworenengerichts in

rechtsgenügender Weise Bezug zu nehmen; auf dieses Vorbringen ist deshalb

nicht einzutreten. Nicht weiter einzugehen ist sodann auch auf die Rüge, wonach

die Vorinstanz das Motiv des Angeklagten zu Unrecht stärker eingestuft habe als

dasjenige des Geschädigten. Auch hier fehlt es an einer Auseinandersetzung mit

den entsprechenden Überlegungen der Vorinstanz (vgl. dazu KG act. 2 S. 56/57

[Ziff. 4.5.d]).

f) Das Geschworenengericht führte aus, der Angeklagte habe anläss-

lich der Hauptverhandlung einen guten, ruhigen Eindruck hinterlassen. Dieses

Bild eines ruhigen, kontrollierten Menschen werde durch verschiedene Aussagen

von L., M. und K. bestätigt. Es sei aufgrund der detailreichen und glaubhaften

-   23   -

Schilderungen von F. aber davon auszugehen, dass der Angeklagte zwei Ge-

sichter habe bzw. auch eine impulsive, wenn nicht gar explosive Seite aufweise

(KG act. 2 S. 14 ff. [Ziff. 1]). Die Verteidigung stellt die Glaubhaftigkeit der von F.

behaupteten Übergriffe in Frage und macht unter Hinweis auf GG Prot. S. 144 ff.

geltend, die Zeugin F. habe hinsichtlich Zeit und Ort der behaupteten körperlichen

Übergriffe des Angeklagten entgegen der Meinung des Geschworenengerichtes

keine detailreichen Angaben gemacht. Dabei handelt es sich allerdings um eine

pauschale Behauptung, welche nicht näher mit einzelnen Aussagen belegt wird.

Dasselbe gilt, soweit die Verteidigung ausführt, die Zeugin habe lediglich auf die

Mutmassungen des Staatsanwaltes geantwortet. Weil es nicht Sache des Kassa-

tionsgerichtes ist, nach entsprechenden Aussagen zu suchen, ist auf dieses Vor-

bringen nicht einzutreten.

g) Nach dem Gesagten vermag die Verteidigung somit auch hinsicht-

lich der geschworenengerichtlichen Beurteilung des Tatablaufes keine Willkür

i.S.v. § 430 Abs. 1 Ziff. 4 StPO darzutun. Nicht zu beanstanden ist insbesondere

die Annahme, wonach der Angeklagte den Geschädigten aus Eifersucht und ver-

letztem Stolz mit dem Steakmesser angegriffen habe.

 III.

Da sich die Beschwerde als unbegründet erweist, soweit darauf einzu-

treten ist, sind die Kosten des vorliegenden Verfahrens, einschliesslich derjenigen

der amtlichen Verteidigung, dem Angeklagten aufzuerlegen (§ 396a StPO).

Das Gericht beschliesst:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann.

-   24   -

2. Die Gerichtsgebühr für das Kassationsverfahren wird festgesetzt auf:

Fr. 2'500.-- ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 570.--   Schreibgebühren,

Fr. 285.--   Zustellgebühren und Porti.

3. Die Kosten des Kassationsverfahrens, einschliesslich derjenigen der amtli-

chen Verteidigung, werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

4. Schriftliche Mitteilung an die Parteien, das Geschworenengericht des Kan-

tons Zürich, das Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewäh-

rungs- und Vollzugsdienste, das Migrationsamt des Kantons Zürich und das

Schweizerische Bundesgericht, je gegen Empfangsschein.

______________________________________

KASSATIONSGERICHT DES KANTONS ZÜRICH
Der juristische Sekretär: