# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3e75d0e8-bdc5-57c6-9ba8-ccf4c1a0f12c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-08-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.08.2010 D-3023/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3023-2010_2010-08-03.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-3023/2010/
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 .  A u g u s t  2 0 1 0

Richter Hans Schürch (Vorsitz), 
Richter Pietro Angeli-Busi, Richter Bendicht Tellenbach, 
Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut.

A._______, geboren (...),
unbekannter Herkunft, angeblich Guinea,
c/o (...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 19. April 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-3023/2010

Sachverhalt:

A.
A.a Der  Beschwerdeführer,  welcher  seinen  Angaben  zufolge 
guineischer  Staatsangehöriger  mit  letztem  Wohnsitz  in  B._______, 
Guinea,  ist,  verliess  sein  Heimatland  im  Oktober  2009  in  Richtung 
Senegal  und  reiste  am  6.  Dezember  2009  von  dort  sowie  Mali, 
Tunesien,  Libyen und Italien herkommend illegal  in  die Schweiz ein. 
Gleichentags  stellte  er  im  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum 
C._______  ein  Asylgesuch,  wurde  dort  am  22.  Dezember  2009 
summarisch  befragt  und  in  der  Folge  für  die  Dauer  des  Verfahrens 
dem Kanton D._______ zugewiesen. 

A.b Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  machte  der  Beschwerde-
führer im Wesentlichen geltend, er stamme aus dem Dorf B._______ 
in Guinea. Bis zur Ausreise im Oktober 2009 habe er sein Dorf nie ver -
lassen. Im Alter von 12 Jahren sei er auf eine Mine getreten, wodurch 
er den unteren Teil seines rechten Beins verloren habe. Er habe des-
halb nicht regulär arbeiten können, sondern habe betteln müssen. Er 
habe als Behinderter nicht mehr in seinem Heimatland bleiben können. 
Ausserdem herrsche dort Krieg, und der Präsident lasse keine freien 
Wahlen zu. Er  habe kein Vertrauen in sein Heimatland. Ausser  dem 
Minenunfall  sei  ihm  im  Heimatland  jedoch  nichts  Konkretes  zu-
gestossen. Für die Ausreise habe er seine Ersparnisse verwendet. Er 
sei  mit  seinen eigenen Identitätsdokumenten (Reisepass und Identi-
tätskarte)  ausgereist,  diese  seien  ihm  jedoch  in  Mailand  gestohlen 
worden. 

A.c Der  Beschwerdeführer  reichte  weder  Identitäts-  oder  Reise-
papiere noch Beweismittel zur Sache zu den Akten.

A.d Aufgrund von Zweifeln an der Herkunftsangabe des Beschwerde-
führers beauftragte das BFM seine interne Fachstelle LINGUA mit der 
Durchführung einer  Sprach-  und Herkunftsanalyse; der  Beschwerde-
führer  wurde  daraufhin  am  8.  Januar  2010  von  einem  LINGUA-
Experten  telefonisch  befragt.  Mit  Verfügung  vom 22. März  2010  ge-
währte  das  BFM dem Beschwerdeführer  das  rechtliche  Gehör  zum 
Inhalt  des  LINGUA-Gutachtens  vom  15.  März  2010  sowie  zum  be-
absichtigten Nichteintretensentscheid infolge Identitätstäuschung (Art.  
32  Abs.  2  Bst.  b  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG, 

Seite 2

D-3023/2010

SR 142.31]). Diese Verfügung wurde dem BFM von der Post jedoch als 
"nicht abgeholt" retourniert. 

B.
Das  BFM  trat  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  mit  Ver-
fügung vom 19. April 2010 – eröffnet am 24. April 2010 – gestützt auf 
Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG nicht ein und ordnete die Wegweisung aus 
der Schweiz sowie den Vollzug an.

Zur  Begründung  ihres  Entscheids  führte  die  Vorinstanz  im  Wesent-
lichen  aus,  im  LINGUA-Gutachten  werde  eine  Herkunft  aus  Guinea 
ausgeschlossen, vielmehr stamme der Beschwerdeführer mit  Sicher-
heit  aus  Nordsenegal.  Während  der  Direktanhörung  habe  er  aus-
gesagt,  er  habe  sein  Dorf  vor  Oktober  2009  nie  verlassen.  Dem 
LINGUA-Experten  habe  er  dagegen  erklärt,  er  sei  im  Alter  von  elf  
Jahren  nach  Senegal  umgezogen  und  habe  fortan  dort  gelebt.  Im 
Weiteren habe er in der Anhörung angegeben, Peul sei seine Mutter-
sprache respektive er spreche ein wenig Peul. Anlässlich des LINGUA-
Interviews  habe  sich  jedoch  herausgestellt,  dass  er  überhaupt  kein 
Peul spreche und in Tat und Wahrheit Wolof seine Muttersprache sei.  
Das vom Beschwerdeführer  erwähnte Dorf  B._______ in Guinea sei 
dem Experten  nicht  bekannt.  Der  Beschwerdeführer  sei  im  Übrigen 
auch nicht in der Lage gewesen, nähere Angaben zu diesem Dorf zu 
machen.  Er  erklärte  lediglich,  dieses  Dorf  liege  in  der  Nähe  der  
Grenze  zu  Angola,  was  jedoch  aufgrund  der  geographischen  Ge-
gebenheiten  nicht  der  Realität  entsprechen  könne.  Das  vom  Be-
schwerdeführer  gesprochene  Französisch  sei  mit  Wolof-Wörtern 
durchwirkt, was mit Sicherheit auf eine Sozialisierung in Nordsenegal 
hinweise.  Aufgrund  dieser  Ausführungen  stehe  fest,  dass  der  Be-
schwerdeführer  die  Behörden  über  seine  Identität  getäuscht  habe, 
weshalb auf sein Asylgesuch in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. b 
AsylG nicht einzutreten sei. Der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, 
zumutbar und möglich, soweit dies angesichts der falschen Angaben 
des  Beschwerdeführers  über  seine  Herkunft  überhaupt  überprüft 
werden könne. 

C.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 28. April 2010 
liess der  Beschwerdeführer  beantragen,  die  angefochtene Verfügung 
sei aufzuheben und die Sache sei zur materiellen Prüfung an die Vor-
instanz  zurückzuweisen.  Sinngemäss  wurde  zudem die  Feststellung 

Seite 3

D-3023/2010

der  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  beantragt.  In 
prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung 
der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des 
Bundesgesetzes  vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsver-
fahren  (VwVG,  SR  172.021),  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses  sowie  um  Einräumung  einer  Frist  zur  Nach-
reichung eines Arztberichtes. 

Der Beschwerde lagen eine Medikamentendosierungskarte sowie ein 
Schreiben des Orthopädischen Ateliers E._______ vom 23. April 2010 
(Kopien) bei. 

D.
Der Instruktionsrichter verzichtete mit Zwischenverfügung vom 3. Mai 
2010 antragsgemäss auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und 
teilte  dem  Beschwerdeführer  gleichzeitig  mit,  über  das  Gesuch  um 
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege werde im Endentscheid 
befunden.  Der  Beschwerdeführer  wurde  in  diesem  Zusammenhang 
aufgefordert,  umgehend  einen  Beleg  für  die  geltend  gemachte 
prozessuale  Bedürftigkeit  nachzureichen.  Dem  Beschwerdeführer 
wurde ausserdem eine Frist zur Einreichung des in Aussicht gestellten 
ärztlichen  Zeugnisses  gesetzt.  Zudem  teilte  der  Instruktionsrichter 
dem Beschwerdeführer mit, es werde erwogen, den relevanten Sach-
verhalt unter dem Blickwinkel von Art. 32 Abs. 1 AsylG zu prüfen; dem 
Beschwerdeführer  wurde  Gelegenheit  gegeben,  zur  beabsichtigten 
Motivsubstitution innert Frist Stellung zu nehmen. 

E.
Mit Eingabe vom 18. Mai 2010 nahm der Beschwerdeführer Stellung 
zur  in  Aussicht  gestellten  Motivsubstitution  und  reichte  zudem  ein 
ärztliches  Attest  von  Med. Pract.  G. K. vom 18. Mai  2010,  eine  Er -
klärung über  die Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht  vom 
17. Mai  2010 sowie eine Bestätigung der  Fürsorgeabhängigkeit  vom 
18. Mai 2010 (Kopien) ein.

F.
In  der  Vernehmlassung  vom  1.  Juni  2010  hielt  die  Vorinstanz  voll -
umfänglich an ihrer Verfügung fest und beantragte die Abweisung der 
Beschwerde.

G.
Der  Beschwerdeführer  replizierte  darauf  mit  Eingabe  vom  15.  Juni 

Seite 4

D-3023/2010

2010,  wobei  er  an  den  gestellten  Begehren  festhielt  und  um  Gut-
heissung seiner Beschwerde ersuchte.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Das  Bundesverwaltungsgericht  beurteilt  gestützt  auf  Art. 31  des 
Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32) 
Beschwerden gegen Verfügungen im Sinne von  Art. 5 VwVG, welche 
von  einer  Vorinstanz  im  Sinne  von  Art.  33  VGG  erlassen  wurden, 
sofern  keine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von 
Art. 32 VGG vorliegt. Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zu-
ständig für  die Beurteilung von Beschwerden gegen Entscheide des 
BFM,  welche  in  Anwendung  des  AsylG  ergangen  sind,  und  ent-
scheidet  in  diesem Bereich  endgültig  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 6 sowie 105 AsylG).

1.3 Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  können  die 
Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Fest-
stellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  sowie  die  Unan-
gemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

1.4 Bei  der  Beurteilung  von  Beschwerden  gegen  Nichteintretens-
entscheide  des  BFM  hat  die  Beschwerdeinstanz  hinsichtlich  des 
Nichteintretenstatbestandes einzig zu beurteilen, ob die Vorinstanz zu 
Recht  auf  das  Asylgesuch  nicht  eingetreten  ist.  Im  Falle  der  Be-
gründetheit  des  Rechtsmittels  in  diesem Punkt  ist  die  angefochtene 
Verfügung  demzufolge  aufzuheben  und  die  Sache  zur  neuen  Ent-
scheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen (vgl. Entscheidungen und 
Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 
2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.). Nicht  beschränkt  ist  die Beurteilungs-
zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts dagegen hinsichtlich der 
Frage der Wegweisung und deren Vollzugs, da das BFM diesbezüglich 
eine materielle Prüfung und Entscheidung vorzunehmen hat (vgl. Art. 
44  AsylG  i.V.m.  Art.  83  Abs.  1-4  des  Bundesgesetzes  vom 

Seite 5

D-3023/2010

16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 
142.20]). 

2.
Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art.  108 Abs. 2 
AsylG  und  Art. 52  VwVG).  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  an-
gefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges 
Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist 
daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 48  Abs. 1 
VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

3.
3.1 Gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG wird auf Asylgesuche nicht 
eingetreten,  wenn  Asylsuchende  die  Behörden  über  ihre  Identität 
täuschen  und  diese  Täuschung  aufgrund  der  Ergebnisse  der  er-
kennungsdienstlichen  Behandlung  oder  anderer  Beweismittel  fest-
steht.

3.2 Der Begriff  der Identität im asylrechtlichen Sinn umfasst Namen, 
Vornamen, Staatsangehörigkeiten, die Ethnie, das Geburtsdatum, den 
Geburtsort  und  das  Geschlecht  (Art.  1  Bst.  a  der  Asylverordnung 1 
vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311). 

3.3 Der  Nachweis  der  Täuschung  über  die  Identität  kann  unter 
anderem  auch  durch  eine  Herkunftsanalyse  der  BFM-Fachstelle 
LINGUA erbracht werden (vgl. EMARK 1998 Nr. 34 E. 5 ff. S. 284 ff., 
EMARK 1999 Nr. 19 E. 3d S. 125 f.). 

3.4 LINGUA-Analysen  gelten  der  von  der  ehemaligen 
Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) begründeten und vom 
Bundesverwaltungsgericht  weitergeführten  Praxis  zufolge  nicht  als 
Sachverständigengutachten  im  Sinne  von  Art. 12  Bst. e  VwVG  und 
Art. 57 ff. des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Zivil-
prozess (BZP, SR 273) i.V.m. Art. 19 VwVG, sondern als  schriftliche 
Auskünfte  einer  Drittperson  im  Sinne  von  Art. 12  Bst.  c  VwVG be-
ziehungsweise Art. 49 BZP i.V.m. Art. 19 VwVG. Derartigen Analysen 
ist  indessen ein erhöhter Beweiswert zuzumessen, sofern bestimmte 
Anforderungen  an  die  fachliche  Qualifikation,  Objektivität  und 
Neutralität des Experten wie auch an die inhaltliche Schlüssigkeit und 
Nachvollziehbarkeit  der  Analyse  erfüllt  werden  (vgl.  EMARK  2003 
Nr. 14 E. 7 S. 89, EMARK 1998 Nr. 34 S. 284 ff.).

Seite 6

D-3023/2010

4.
4.1 In  der  Beschwerde  wird  vorgebracht,  es  gehe  aus  den 
protokollierten Angaben des Beschwerdeführers nicht klar hervor, ob 
er bis zur Einreise in die Schweiz tatsächlich immer in Guinea gelebt  
habe. Zwar habe er gesagt, er habe sein Dorf vor dem Oktober 2009 
nie verlassen,  aber es sei nicht klar, welches Dorf er  damit  gemeint 
habe. Im Weiteren verfüge der Beschwerdeführer als Analphabet über 
keinerlei geografische Kenntnisse. Seine Aussage, wonach Angola an 
Guinea  angrenze,  sei  vor  diesem  Hintergrund  zu  relativieren.  Der 
Umstand, dass der Beschwerdeführer anlässlich der LINGUA-Analyse 
aus  eigener  Initiative  dem  Experten  gegenüber  offen  gelegt  habe, 
dass er im Alter von 11 Jahren nach Senegal umgezogen sei und bis  
zu seiner Einreise in die Schweiz dort gelebt habe, zeige im Übrigen,  
dass  der  Beschwerdeführer  keine  Täuschung  der  Behörden  be-
absichtigt habe. Die Angaben zu den persönlichen Verhältnissen des 
Beschwerdeführers  seien  zutreffend.  Hervorzuheben  sei  ins-
besondere, dass er in Senegal über kein tragfähiges Beziehungsnetz 
verfüge, da seine Mutter im Jahr 2005 verstorben sei und er mit Aus-
nahme seines alten Vaters keine weiteren Familienangehörigen habe. 
Insgesamt  stehe  nach  dem  Gesagten  nicht  fest,  dass  der  Be-
schwerdeführer die Behörden über seine Identität getäuscht habe. In 
Bezug auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ver-
weist  der  Beschwerdeführer  auf  die  eingereichten  Beweismittel  und 
macht geltend, er befinde sich in einem labilen Gesundheitszustand. 
Er  werde medikamentös behandelt  und stehe unter  spezialärztlicher 
Beobachtung. Zurzeit  werde für ihn eine Prothese angefertigt. Es sei 
fraglich,  ob  er  die  benötigte  medizinische  Behandlung  auch  im 
Heimatland erhalten könnte, zumal er nicht arbeitsfähig sei und keine 
Unterstützung durch die Familie erwarten könnte. 

4.2 Das  BFM geht  in  seiner  Vernehmlassung  lediglich  auf  die  Aus-
führungen in der  Beschwerde zur Frage der Zumutbarkeit  des Weg-
weisungsvollzugs näher ein und weist dabei darauf hin, dass der Voll-
zug nur dann als unzumutbar zu erachten sei, wenn die Rückkehr in 
den Heimatstaat  für  den Betroffenen eine konkrete  Gefährdung dar-
stelle.  Der  Standard  der  medizinischen  Versorgung  im  Heimatland 
müsse  nicht  dem  schweizerischen  entsprechen.  Fakt  sei,  dass  der 
Beschwerdeführer längere Zeit mit seiner Behinderung im Heimatland 
gelebt habe. Der Vollzug der Wegweisung sei daher zumutbar.

Seite 7

D-3023/2010

4.3 In  der  Replik  wird  entgegnet,  der  Beschwerdeführer  habe  in 
seinem Heimatland keine medizinische Behandlung erhalten und habe 
wegen  seiner  Behinderung  unter  starken  Schmerzen  und  wieder-
kehrenden Entzündungen gelitten. In  der  Schweiz  habe er  nun eine 
Oberschenkelamputation  erhalten.  In  Zukunft  benötige  er  eine 
konsequente  physiotherapeutische  Behandlung  sowie  adäquate 
Schmerztherapie.  Bei  einem  Behandlungsabbruch  sei  mit 
Komplikationen  zu  rechnen.  Der  Beschwerdeführer  leide  dem  Arzt-
bericht zufolge auch noch an weiteren gesundheitlichen Beschwerden. 

5.
Nachfolgend  ist  zu  prüfen,  ob  der  Nichteintretenstatbestand  von 
Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG vorliegend erfüllt ist.

5.1 Vorab ist  festzustellen,  dass  die  LINGUA-Analyse vom 15. März 
2010  einen  nachvollziehbaren  und  überzeugenden  Eindruck  hinter-
lässt  und zu keinen  Beanstandungen Anlass  gibt,  weshalb  ihr  nach 
den  erwähnten  Kriterien  erhöhter  Beweiswert  zuzumessen  ist  (vgl. 
dazu  vorstehend  E. 3.4).  Die  Vorinstanz  hat  dem Beschwerdeführer 
ausserdem  den  Werdegang  und  die  Qualifikation  der  sachver-
ständigen  Person  offen  gelegt  und  ihm  in  Anwendung  von  Art.  28 
VwVG  den  wesentlichen  Inhalt  der  Analyse  zur  Kenntnis  gebracht, 
wobei  ihm  Gelegenheit  gegeben  wurde,  sich  dazu  zu  äussern  und 
Gegenbeweise zu bezeichnen (vgl. A16). 

5.2 Im  Rahmen  der  Befragung  an  der  Empfangsstelle  vom 
22. Dezember  2009 machte der  Beschwerdeführer geltend,  er  sei  in 
B._______,  Guinea,  geboren  worden  und  sei  guineischer  Staats-
angehöriger  und  ethnischer  Peul  (Fulbe). Seine Mutter  sei  ebenfalls 
eine Peul, sein Vater ein Soussou (vgl. A1 S. 2). Im Weiteren gab er zu 
Protokoll, er habe von seiner Geburt bis zur Ausreise im Oktober 2009 
im Dorf B._______ in Guinea gelebt und habe das Dorf nie verlassen 
(vgl. A1 S. 1 und 2). Ausserdem brachte er vor, seine Muttersprache 
sei Peul, allerdings habe er nur geringe Peul-Kenntnisse (vgl. A1 S. 3). 

Mit Blick auf das Ergebnis der LINGUA-Analyse vom 15. März 2010 ist  
in  Bezug  auf  die  Sprachkenntnisse  des  Beschwerdeführers  festzu-
stellen,  dass  dieser  entgegen  seinen  Ausführungen  in  der  Erst-
befragung  über  praktisch  gar  keine  Peul-Kenntnisse  verfügt,  obwohl 
Peul  –  eine  von  mehreren  in  Guinea  gesprochenen  Sprachen  –
angeblich seine Muttersprache ist und sein Vater mit ihm immer Peul 
gesprochen habe (vgl. A1 S. 6). (Im Widerspruch zur  Erstbefragung 

Seite 8

D-3023/2010

gab  der  Beschwerdeführer  im  LINGUA-Interview  an,  sein  Vater  sei 
Peul, während seine Mutter eine Soussou sei.) Er war überdies nicht 
imstande,  auch  nur  ein  Wort  in  der  Sprache  Soussou  zu  äussern.  
Dagegen  spricht  der  Beschwerdeführer  den  Ausführungen  des 
LINGUA-Experten zufolge perfekt Wolof, und zwar die im Norden von 
Senegal gebräuchliche Form; der Experte kam sogar zum Schluss, es 
müsse  sich  dabei  um  die  tatsächliche  Muttersprache  des  Be-
schwerdeführers  handeln.  In  der  Erstbefragung  erwähnte  der 
Beschwerdeführer Senegal lediglich im Rahmen der Schilderung des 
Reiseweges,  indem  er  geltend  machte,  er  habe  sein  Heimatland 
Guinea im Oktober 2009 in Richtung Senegal verlassen (vgl. A1 S. 6). 
Anlässlich des LINGUA-Interviews brachte er dagegen vor, er sei  im 
Alter  von  elf  Jahren  zusammen  mit  seinen  Eltern  von  B._______, 
Guinea, nach F._______, Senegal, umgezogen. Fünf Jahre später (d.h. 
ungefähr mit 16 Jahren) sei er nochmals für ein Jahr nach B._______ 
zurückgekehrt  und  habe  dort  bei  der  Familie  eines  verstorbenen 
Freundes gelebt. Dieser nachträglich geltend gemachte Umzug nach 
Senegal vermag jedoch die offensichtlich fehlende Sprachkompetenz 
in  Peul  respektive  die  im  Gegensatz  dazu  ausgezeichneten  Wolof-
Kenntnisse  des  Beschwerdeführers  nicht  zu  erklären.  Denn  selbst 
wenn  der  Beschwerdeführer  nur  bis  zum  elften  Lebensjahr  (sowie 
später  noch  ein  Jahr  lang)  in  Guinea  gelebt  hätte,  ist  davon 
auszugehen,  dass  er  sich in  seiner  angeblichen Muttersprache Peul 
besser verständigen könnte, zumal sein Vater wie erwähnt immer mit 
ihm Peul  sprach,  er  in  B._______  angeblich  zwei  Jahre  die  Schule 
besuchte und anschliessend als Schmied arbeitete. Andererseits ist es 
kaum  denkbar,  dass  ein  elfjähriger  Neuzuzüger  in  Senegal  mit 
Peul-/Soussou-Eltern, welcher eigenen Angaben zufolge grösste Mühe 
bekundet,  Sprachen zu lernen  (vgl. A1 S. 6),  die  ihm zuvor  fremde 
Sprache  Wolof  ohne  in  Senegal  eine  Schule  zu  besuchen  derart 
perfekt lernt, dass er als Erwachsener von einem Muttersprachler nicht 
mehr  zu  unterscheiden  ist.  Aufgrund  des  Gesagten  ist  daher  davon 
auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  als  erste  Sprache  be-
ziehungsweise  Muttersprache  Wolof  gelernt  hat,  und  zwar  (gemäss 
LINGUA-Analyse) diejenige Variante des Wolof, welche im Norden von 
Senegal  gesprochen  wird.  Das  Vorbringen  des  Beschwerdeführers, 
wonach  er  in  Guinea  geboren  und  bis  zu  seiner  Ausreise  in  die 
Schweiz (vgl. Erstbefragung) respektive bis zum elften Lebensjahr (vgl. 
LINGUA-Bericht) dort  aufgewachsen sei, ist unter diesen Umständen 
nicht glaubhaft. 

Seite 9

D-3023/2010

Für die Unglaubhaftigkeit dieses Vorbringens spricht im Weiteren auch 
die  Tatsache,  dass  das  vom  Beschwerdeführer  gesprochene 
Französisch  den  Ausführungen  des  LINGUA-Experten  zufolge  der-
jenigen  Abwandlung  von  Französisch  entspricht,  wie  sie  von  un-
gebildeten Senegalesen gesprochen wird. Schliesslich ist  darauf hin-
zuweisen,  dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Erstbefragung 
zwar  den  guineischen  Präsidenten  korrekt  benennen,  im  Übrigen 
jedoch  nur  sehr  spärliche  Angaben  zu  seinem  angeblichen 
Herkunftsort  B._______  respektive  seinem  angeblichen  Heimatland 
Guinea machen konnte. Er kannte weder die Hauptstadt von Guinea, 
noch konnte er sagen, in welcher Region Guineas B._______ liegt. Er 
erklärte, dieses Dorf liege an der Grenze zu Angola und bestand auf 
dieser Aussage auch nachdem ihm vorgehalten wurde, Guinea habe 
keine gemeinsame Grenze mit  Angola (vgl. A1 S. 2). Anlässlich des 
LINGUA-Interviews  nannte  er  zwar  den  Namen  Koundara  (eine 
Präfektur in der guineischen Region Boké), konnte aber keine Dörfer 
oder  Städte  in  der  Umgebung  seines  angeblichen  Heimatdorfes 
B._______  benennen.  Seine  weiteren  Angaben  zu  B._______  (es 
gebe  dort  einen  Markt,  zwei  Moscheen  und  keine  Elektrizität)  sind 
derart  unspezifisch,  dass  sie  nicht  als  Indiz  für  seine  Herkunft  aus 
Guinea  gewertet  werden  können.  Hätte  der  Beschwerdeführer 
tatsächlich die elf ersten Lebensjahre (sowie später noch ein Jahr) in 
B._______,  Guinea,  verbracht,  müsste  er  zweifellos  mehr  und 
genauere  Kenntnisse  über  sein  angebliches  Heimatdorf  B._______ 
respektive sein Heimatland Guinea haben, zumal er angeblich dort zur 
Schule  ging,  als  Schmied  arbeitete  und  sich  dort  –  zusammen  mit 
seinen Eltern – in einem sozialen Umfeld bewegte. Der Einwand in der 
Beschwerde,  er  sei  Analphabet,  vermag die  krassen  Wissenslücken 
betreffend  seinen  angeblichen  Heimatstaat  offensichtlich  nicht  zu 
erklären; denn die Kenntnisse über das eigene geographische Umfeld 
werden in der  Regel  nicht  auf  schriftlichem Weg erworben,  sondern 
beruhen  auf  mündlichen  Informationen,  welche  zwanglos  aus 
natürlichen sozialen Interaktionen gewonnen werden. 

5.3 Der  LINGUA-Experte  kam  in  seinem  Bericht  zum  Schluss,  der 
Beschwerdeführer  sei  mit  Sicherheit  im Norden von Senegal  haupt-
sozialisiert  worden. Gestützt  auf  diese Einschätzung sowie mit  Blick 
auf  die  vorstehenden  Erwägungen  ist  das  Vorbringen  des  Be-
schwerdeführers, wonach er bis im Oktober 2009 (vgl. Erstbefragung) 
respektive  die  ersten  elf  Lebensjahre  sowie  später  noch  einmal  ein 
Jahr (vgl. LINGUA-Bericht) in Guinea gelebt habe, als tatsachenwidrig 

Seite 10

D-3023/2010

zu  erachten;  eine  guineische  Herkunft  ist  damit  mit  Sicherheit 
auszuschliessen. Da der Beschwerdeführer gleichzeitig geltend macht, 
Guinea sei sein Heimatstaat, kann daraus geschlossen werden, dass 
die Täuschung über den Ort seiner Sozialisation vorliegend mit einer 
Täuschung  über  die  Staatsangehörigkeit  –  einem Identitätsmerkmal 
gemäss Art. 1 AsylV 1 – einhergeht. Somit hat der Beschwerdeführer 
die Asylbehörden im Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG über seine 
Identität getäuscht.

5.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass im vorliegenden Fall von 
einer  mit  genügender  Sicherheit  feststehenden  Identitätstäuschung 
auszugehen  ist  (vgl.  EMARK 2003  Nr. 27  E.  4a;  1999  Nr. 19  E. 3d 
S. 125 f.). An dieser Einschätzung vermögen auch die weiteren Aus-
führungen auf Beschwerdeebene nichts zu ändern, weshalb darauf an 
dieser  Stelle  nicht  mehr  näher  einzugehen  ist.  Die  Vorinstanz  ist 
demnach zu Recht gestützt  auf  Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG auf  das 
Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. 

Da  nach  dem  Gesagten  bereits  der  Nichteintretenstatbestand  von 
Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG erfüllt ist, erübrigt es sich, den Sachverhalt  
alternativ unter dem Blickwinkel von Art. 32 Abs. 1 AsylG zu prüfen.  
Der  Anwendung  dieses  Tatbestandes  steht  im  Übrigen  ohnehin  die 
Tatsache entgegen, dass mit dem Beschwerdeführer keine Anhörung 
im Sinne von Art. 29 AsylG durchgeführt worden ist (vgl. Art. 36 Abs. 1 
Bst. a AsylG).

6.
6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet den Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

6.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrecht-
liche Aufenthaltsbewilligung noch hat er Anspruch auf Erteilung einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 
44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 

7.
Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder 
nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis 
nach den gesetzlichen Bestimmungen über  die vorläufige  Aufnahme 
von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG).

Seite 11

D-3023/2010

In Bezug auf die Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt 
gemäss ständiger  Praxis  des Bundesverwaltungsgerichts  und seiner 
Vorgängerorganisation  ARK der  gleiche  Beweisstandard wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der 
strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu 
machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, 
Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.148).

Grundsätzlich  ist  von  Amtes  wegen  zu  prüfen,  ob  der  Vollzug  der  
Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  im 
Sinne  von  Art.  83  Abs.  2-4  AuG  ist.  Allerdings  findet  diese  Unter-
suchungspflicht  nach  Treu  und  Glauben  ihre  Grenze  an  der  Mit-
wirkungspflicht der asylsuchenden Person (vgl. Art. 8 AsylG), welche 
im Übrigen auch die Substanziierungslast trägt (vgl. Art. 7 AsylG). Bei 
fehlenden oder falschen Angaben zur Herkunft sind die Behörden nicht 
gehalten,  nach  allfälligen  Wegweisungshindernissen  in  möglichen 
Heimatstaaten zu forschen (vgl. dazu EMARK 2005 Nr. 1 E. 3.2.2). 

7.1 Für den vorliegenden Fall ist festzustellen, dass der Beschwerde-
führer  zwar  geltend  machte,  er  stamme  aus  Guinea,  für  diese  Be-
hauptung  indessen  keinerlei  Beweismittel,  namentlich  keine  Identi-
tätsdokumente, zu den Akten reichte. Gleichzeitig kam ein Experte der 
Fachstelle  LINGUA  nach  einem  Telefoninterview  mit  dem  Be-
schwerdeführer  zum  Schluss,  dieser  sei  mit  Sicherheit  in  Senegal 
hauptsozialisiert  worden.  Bei  dieser  Sachlage  hat  der  Beschwerde-
führer  die  Folgen  seiner  mangelhaften  Mitwirkung  respektive  Ver-
heimlichung seiner wahren Identität und Herkunft zu tragen hat, indem 
vermutungsweise davon auszugehen ist, es würden einem Vollzug der 
Wegweisung  in  den  tatsächlichen  Heimatstaat  keine  landes-  oder 
völkerrechtlichen  Vollzugshindernisse  im  Sinne  von  Art. 44  Abs.  2 
AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 2-4 AuG entgegenstehen (vgl. EMARK 2005 
Nr. 1 E. 3.2.2 S. 5 f.). Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerde-
führers ist damit ohne weiteres als zulässig und zumutbar zu erachten. 

7.2 Der Vollständigkeit halber ist hinsichtlich der Frage der Zumutbar-
keit (vgl. Art. 83 Abs. 4 AuG) trotzdem noch darauf hinzuweisen, dass 
der  Beschwerdeführer  über  Verwandte  verfügt  (anlässlich  der  Be-
fragung  erwähnte  er  seinen  Vater  sowie  einen Onkel;  vgl.  A1  S. 3), 
welche  ihn  bei  Bedarf  unterstützen  könnten.  Da  es  ihm  zudem  im 
Heimatland eigenen Angaben zufolge trotz seiner Behinderung mög-
lich war, durch Betteltätigkeit nicht nur seinen Lebensunterhalt zu be-

Seite 12

D-3023/2010

streiten, sondern ausserdem genügend Geld zu sparen, um sich die 
Reise in die Schweiz zu finanzieren (vgl. A1 S. 7), ist eine Rückkehr 
ins Heimatland auch mit Blick auf sein wirtschaft liches Auskommen als 
zumutbar zu erachten, zumal sich seine wirtschaftliche Wettbewerbs-
fähigkeit  im  Heimatland  dank  der  in  der  Schweiz  erhaltenen  Bein -
prothese im heutigen Zeitpunkt besser darstellen dürfte als vor seiner 
Ausreise.  In  Bezug  auf  die  auf  Beschwerdeebene  vorgebrachten 
medizinischen  Probleme  des  Beschwerdeführers  ist  festzustellen, 
dass  dieser  vor  der  Einreise  in  die  Schweiz  jahrelang  mit  den  vor-
bestandenen  gesundheitlichen  Problemen  (Status  nach  Ober-
schenkelamputation, Phantomschmerz, Hypertonie, Herzbeschwerden 
und Atemnot; vgl. das Arztzeugnis von Med. pract. G. K. vom 18. Mai 
2010) im Heimatstaat gelebt hat, weshalb davon auszugehen ist, dass 
eine  Rückkehr  ins  Heimatland  keine  konkrete  und  ernsthafte,  un-
mittelbare  Gesundheitsgefährdung  bewirken  würde,  zumal  der  Be-
schwerdeführer zwischenzeitlich in der Schweiz medizinisch behandelt 
wurde.  Es  steht  dem  Beschwerdeführer  frei,  allenfalls  medizinische 
Rückkehrhilfe  im  Sinne  von  Art.  75  der  Asylverordnung  2  über 
Finanzierungsfragen vom 11. August 1999 (AsylV 2, SR 142.312) zu 
beantragen. 

7.3 Der Vollzug in  den Heimatstaat der Wegweisung ist  im Weiteren 
ohne weiteres möglich im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AuG, da es dem 
Beschwerdeführer  obliegt,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des 
Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu 
beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG).

7.4 Zusammenfassend ergibt  sich,  dass der  von der  Vorinstanz ver-
fügte  Wegweisungsvollzug  in  Übereinstimmung  mit  den  zu  be-
achtenden Bestimmungen steht und zu bestätigen ist. Eine Anordnung 
der vorläufigen Aufnahme fällt damit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 
AuG).

8.
Aus  diesen  Erwägungen  folgt,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist demnach abzuweisen.

9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten dem Be-
schwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs. 1  VwVG). Nachdem aber 

Seite 13

D-3023/2010

aufgrund der Aktenlage (vgl. die Bestätigung der Fürsorgeabhängigkeit 
vom 18. Mai  2010)  von seiner  Bedürftigkeit  auszugehen ist  und die 
Beschwerde  nicht  als  aussichtslos  bezeichnet  werden  konnte,  ist  in 
Gutheissung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  von  einer  Kostenauflage  abzusehen  (Art.  65  Abs.  1 
VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 14

D-3023/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im 
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- die kantonale Behörde (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Hans Schürch Anna Dürmüller Leibundgut

Versand:

Seite 15