# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** aff6a1c7-f424-550f-aa56-97a821c78d29
**Source:** Appenzell Ausserrhoden (AR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2001-04-17
**Language:** de
**Title:** Appenzell Ausserrhoden Kantonsgericht Sammlung ARGVP 17.04.2001 OG ARGVP 2001 3392
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AR_Gerichte/AR_KG_005_OG-ARGVP-2001-3392_2001-04-17.pdf

## Full Text

B. Gerichtsentscheide 3392 

 

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sich aber der Verurteilte, was erfahrungsgemäss mehrheitlich der Fall 
ist, bleibt die Anordnung betreffend Anrechnung ohne Wirkung. Das 
Gericht sieht im vorliegenden Fall keinen Anlass, davon abzusehen, 
sowohl die Haftentschädigung wie auch die Anrechnung der Untersu-
chungshaft zuzugestehen. 
 Im übrigen bleibt festzuhalten, dass der Angeklagte gemäss Art. 
242 StPO gestützt auf den Freispruch teilweise von der Kostenpflicht 
befreit worden ist. Eine Entschädigung für die erlittene Untersu-
chungshaft erscheint somit auch unter diesem Aspekt konsequent. 

OGer 30.10.2001 

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Sicherstellung von Prozesskosten im Strafverfahren, insbeson-
dere im Ehrverletzungsprozess. Die  Leistung einer Sicherheit für 
die im Appellationsverfahren entstehenden Prozesskosten ist in Art. 
215 Abs. 1 StPO abschliessend geregelt. Dasselbe gilt auch für das 
Ehrverletzungsverfahren, weshalb nicht über Art. 2 StPO die weiter-
gehenden Bestimmungen der Zivilprozessordnung herangezogen 
werden können (Art. 2, 189 und  215 Abs. 1 StPO, Art. 93 ZPO). 

 Aus den Erwägungen: 
 1. Mit Urteil vom 07. Dezember 2000 hat das Kantonsgericht Ap-
penzell A.Rh. X. der üblen Nachrede zum Nachteil von Y. schuldig 
erklärt und zu drei Tagen Haft, bedingt erlassen auf eine Probezeit 
von zwei Jahren, und zu Fr. 300.-- Busse verurteilt. Gegen dieses 
Urteil hat X. die Appellation an das Obergericht erklärt. Nachdem dem 
Kläger Y. die Appellationsanzeige vom 21. März 2001 zugegangen 
war, hat er mit Eingabe vom 29. März 2001 ein Gesuch um Sicherstel-
lung der zweitinstanzlichen Prozesskosten eingereicht. Dieses Ge-
such wurde im Wesentlichen damit begründet, dass X. zahlungsunfä-
hig sei. An der erstinstanzlichen Hauptverhandlung habe X. zudem 
erklärt, dass er über kein Einkommen verfüge und völlig mittellos sei. 
Die Strafprozessordnung des Kantons Appenzell A.Rh. (StPO, bGS 
321.1) sehe zwar die Leistung einer Prozesskaution nicht vor. Nach 
Art. 2 StPO würden indessen die Bestimmungen der Zivilprozessord-

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nung (ZPO, bGS 231.1) ergänzend zur Anwendung gelangen. Damit 
gelte Art. 93 ZPO, wonach eine Partei, die gegen einen erstinstanzli-
chen Entscheid appelliere, zur Sicherstellung der mutmasslichen Pro-
zesskosten verpflichtet werden könne, wenn sie zahlungsunfähig sei. 
Der Verweis auf die Zivilprozessordnung dürfte im besonderen Masse 
in einem Ehrverletzungsverfahren gelten, das zivilprozessähnliche 
Züge aufweise.  
 2. Wie der Gesuchsteller richtig festhält, kennt die StPO die Pro-
zesskaution nicht. Weiter trifft es zu, dass Art. 2 StPO die Regeln der 
Zivilprozessordnung als ergänzende Bestimmungen zur Strafprozess-
ordnung bezeichnet. Trotzdem kann im Strafprozess nicht über den 
Art. 2 StPO eine Kautionspflicht eingeführt werden. Die Strafprozess-
ordnung enthält in Art. 215 Abs. 1 selbst Bestimmungen über die Si-
cherheitsleistung. Danach hat ein Geschädigter, der gegen einen 
Freispruch appellieren will, die voraussichtlichen Kosten des Appella-
tionsverfahrens und die Parteikosten des Angeklagten sicherzustellen. 
Weitere Kautionspflichten sind im Strafverfahren nicht vorgesehen. Es 
ist davon auszugehen, dass der Gesetzgeber die Sicherheitsleistung 
auf den Geschädigten, der gegen einen Freispruch appellieren will, 
beschränkt hat. Die Kautionspflicht kann demzufolge nicht über Art. 2 
StPO auf andere Personen ausgedehnt werden.  
 3. Etwas anderes gilt auch nicht im Verfahren bei Ehrverletzun-
gen. Die Sicherstellung von Prozesskosten ist eine besondere Art der 
Kostenbevorschussung. Die besonderen Regeln in Verfahren bei 
Ehrverletzungen (Art. 185 ff. StPO) enthalten eigene Bestimmungen 
über die Vorschusspflicht (Art. 189 StPO). Damit bleibt auch in diesem 
Verfahren kein Platz, um über Art. 2 StPO widersprechende Bestim-
mungen der Zivilprozessordnung heranzuziehen. Im übrigen kennt 
auch das Ehrverletzungsverfahren verschiedener anderer Kantone 
keine Kautionspflicht (vgl. etwa SG GVP 1983, Nr. 66).  

OGP 17.4.2001