# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 79673cd7-0d1e-5249-bd9b-c20a28d226ef
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-14
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 14.11.2023 VBE.2023.170
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-170_2023-11-14.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

4. Kammer 

 

VBE.2023.170 / pm / nl 
Art. 138 

 

 

Urteil vom 14. November 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Roth, Präsident  

Oberrichterin Merkofer  

Oberrichter Kathriner  

Gerichtsschreiber Meier 

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____  

vertreten durch Dominique Flach, Rechtsanwältin, Rain 63, 5000 Aarau  

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau  

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 23. Februar 2023) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die 1978 geborene Beschwerdeführerin meldete sich am 8. Mai 2020 unter 

anderem unter Hinweis auf eine Multiple Sklerose bei der Beschwerdegeg-

nerin zum Bezug von Leistungen (Berufliche Integration/Rente) der Eidge-

nössischen Invalidenversicherung (IV) an. Die Beschwerdegegnerin tätigte 

daraufhin erwerbliche und medizinische Abklärungen. Sie liess die Be-

schwerdeführerin in der Folge durch die medexperts ag, St. Gallen, poly-

disziplinär begutachten (Gutachten vom 21. Oktober 2021) und veranlasste 

eine Abklärung an Ort und Stelle betreffend allfällige Einschränkungen im 

Haushaltsbereich (Bericht vom 24. Mai 2022). Nach durchgeführtem Vor-

bescheidverfahren und erneuter Rücksprache mit dem Abklärungsdienst 

verneinte die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 23. Februar 2023 

einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. 

 

2. 

2.1. 

Dagegen erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 30. März 2023 

fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Rechtsbegehren: 

 

 "1. Es sei die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 23. Februar 2023 
aufzuheben und es sei diese zu verpflichten, der Beschwerdeführerin 
die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. 

 
 2. Unter o/e-Kostenfolge." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 28. April 2023 beantragte die Beschwerdegeg-

nerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren 

der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 23. Februar 2023 (Vernehm-

lassungsbeilage [VB] 52) zu Recht abgewiesen hat. 

 

2. 

In medizinischer Hinsicht stützte sich die Beschwerdegegnerin in der an-

gefochtenen Verfügung im Wesentlichen auf das polydisziplinäre medex-

perts-Gutachten vom 21. Oktober 2021, das eine neurologische, eine rheu-

matologische, eine psychiatrisch-psychotherapeutische, eine neuropsy-

chologische sowie eine allgemein-internistische Beurteilung umfasst. Die 

Gutachter stellten folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig-

keit (VB 39 S. 28): 

 - 3 - 

 

 

 

"- Multiple Sklerose schubförmig-remittierend, aktuell ohne Angabe einer  
  Verschlechterung (ICD10 G35.10)" 

 

In der bisherigen Tätigkeit als Hausfrau bestehe (zumindest ab November 

2018) eine Arbeitsfähigkeit von 60 %. Die Einschränkungen ergäben sich 

vorwiegend durch eine Minderung der Leistungsfähigkeit. In einer ange-

passten Tätigkeit bestehe ebenfalls eine 60%ige Arbeitsfähigkeit. Günstig 

wäre bei einer ausserhäuslichen Tätigkeit eine zeitliche Präsenz von 2 x 3 

Stunden täglich, unterbrochen von einer längeren Mittagspause. In diesem 

Fall liege die Leistungsfähigkeit bei 85 %. Auch diese Einschätzung gelte 

ab November 2018. Als angepasst gelte zudem eine körperlich leichte Tä-

tigkeit, welche keine repetitiven Anforderungen stelle, im Wechselrhythmus 

und in Tagesschicht durchgeführt werden könne, ohne enges Zeitlimit, vor-

wiegend im Sitzen, mit der Möglichkeit selbstbestimmbarer Pausen zur Er-

holung, ohne klimatische Belastungsfaktoren, ohne besondere Verantwor-

tung oder Gefährdung, ohne geistig hohe Anforderungen, ohne Überwa-

chungsfunktion, ohne erhöhte Stressbelastung, möglichst mit vorstruktu-

rierten Tätigkeiten und mit mehr serieller Arbeitsweise. Eine angepasste 

Tätigkeit erfordere auch eine individuell möglichst weitgehende freie Zeit-

einteilung (VB 39 S. 29 f.) 

 

3. 

3.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet 

und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V 

231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).  

 

3.2. 

Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-

ten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender 

Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Be-

richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb-

nissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerken-

nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper-

tise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353). 

Den Gutachten kommt somit bei Abklärungen im Leistungsbereich der So-

zialversicherung überragende Bedeutung zu (UELI KIESER, Kommentar 

zum Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-

rechts, 4. Aufl. 2020, N. 13 zu Art. 44 ATSG; vgl. auch BGE 132 V 93 

E. 5.2.8 S. 105). 

 

 - 4 - 

 

 

3.3. 

Die Beschwerdeführerin wurde zur Erstellung des medexperts-Gutachtens 

vom 21. Oktober 2021 fachärztlich umfassend untersucht. Es wurden zu-

dem eigene Zusatzuntersuchungen durchgeführt (Labor- und Röntgenun-

tersuchung; vgl. VB 39 S. 24 f.). Dabei beurteilten die Gutachter die medi-

zinischen Zusammenhänge sowie die medizinische Situation in Kenntnis 

der Vorakten (VB 39 S. 68 ff.) und unter Berücksichtigung der geklagten 

Beschwerden einleuchtend und gelangten zu einer nachvollziehbar be-

gründeten Schlussfolgerung. Dem Gutachten kommt damit grundsätzlich 

Beweiswert im Sinne vorstehender Kriterien zu. 

 

4. 

4.1. 

Die Beschwerdeführerin bringt zusammengefasst vor, auf das medexperts-

Gutachten könne nicht abgestellt werden, da darin insbesondere die Wech-

selwirkungen der beiden Tätigkeitsbereiche Haushalt und Erwerb nicht hin-

reichend berücksichtigt worden seien (Beschwerde S. 7 f.). 

 

4.2. 

Rechtsprechungsgemäss ist eine gegenseitige Beeinflussung der Tätig-

keitsbereiche Haushalt und Erwerb hinsichtlich der Belastung zu berück-

sichtigen. Wenn die Anforderungsprofile der beiden Tätigkeitsgebiete kom-

plementär sind, fällt eine Berücksichtigung solcher Wechselwirkungen je-

doch ausser Betracht. Dies ist namentlich dann der Fall, wenn die Erwerbs-

tätigkeit eher intellektuell ist, denn beim Haushalt wird von eher körperli-

chen Belastungen ausgegangen. Negative gesundheitliche Auswirkungen 

werden hingegen namentlich dann angenommen, wenn auch die Berufsar-

beit körperlich anstrengend ist. Gleiches gilt aber auch, wenn eine psychi-

sche Belastung im Beruf besteht und zusätzlich im Haushalt beispielsweise 

ein kranker Partner oder ein behindertes Kind zu betreuen ist (BGE 134 V 

9 E. 7.3.1 S. 12 f.; Urteil des Bundesgerichts 8C_168/2017 vom 22. Juni 

2017 E. 5.2).  

 

Der Beschwerdeführerin ist gemäss den medexperts-Gutachtern nur noch 

eine körperlich leichte Tätigkeit zumutbar (vgl. E. 2; VB 39 S. 30). Nach 

dem Haushaltsabklärungsbericht vom 24.Mai 2022 ist es ihr im Haushalts-

bereich sodann möglich, körperlich schwerere Tätigkeiten wie Staubsau-

gen, die gründliche Reinigung der Bäder, oder die Fensterreinigung von 

einer verwandten Person durchführen zu lassen (VB 42 S. 6 f.). Damit ent-

fallen auf die Beschwerdeführerin auch im Haushalt im Wesentlichen nur 

noch leichte Tätigkeiten, weshalb eine Wechselwirkung durch körperlich 

anstrengende Arbeiten sowohl im Beruf als auch im Haushalt entfällt (vgl. 

Urteile des Bundesgerichts 8C_168/2017 vom 22. Juni 2017 E. 5.3; 

8C_166/2017 vom 3. Juli 2017 E. 5.2). 

 

 - 5 - 

 

 

Die Gutachter gingen sodann von einer 85%igen Leistungsfähigkeit im 

Rahmen einer 60%igen Arbeitsfähigkeit bei einer Präsenz von 2 x 3 Stun-

den und einer längeren Mittagspause aus (VB 39 S. 30). Nicht nachvoll-

ziehbar ist das diesbezügliche sinngemässe Vorbringen, es sei nicht klar, 

welche Leistungsfähigkeit in einem 60%-Pensum bestehe, wenn die ge-

nannten Pausen nicht erfüllt werden könnten (Beschwerde S. 7), handelt 

es sich dabei doch gerade um das von den Gutachtern definierte Zumut-

barkeitsprofil, in welchem der Beschwerdeführerin eine 60%ige Arbeitsfä-

higkeit bei einer Leistungsfähigkeit von 85 % noch zumutbar ist. Weitere 

Aspekte, welche das medexperts-Gutachten in Zweifel zu ziehen vermöch-

ten werden weder vorgebracht, noch sind solche den Akten zu entnehmen. 

Auf das medexperts-Gutachten kann daher vollumfänglich abgestellt wer-

den. 

 

5. 

5.1. 

Gemäss Bericht über die Abklärung an Ort und Stelle vom 24. Mai 2022 

besteht im Haushaltsbereich seit Mai 2020 eine 15%ige Einschränkung 

(VB 42 S. 9). Weiter wurde in demselben Bericht festgehalten, die Be-

schwerdeführerin habe gegenüber der zuständigen Abklärungsperson an-

gegeben, sie würde im Gesundheitsfall in einem 50%-Pensum einer aus-

serhäuslichen Erwerbstätigkeit nachgehen (VB 42 S. 3). 

 

Dagegen bringt die Beschwerdeführerin neu vor, im Gesundheitsfall würde 

sie ausserhäuslich einem 70%-Pensum nachgehen, seitdem das jüngste 

Kind 10 Jahre alt sei. Dieses Pensum sollte mit dem 15. Geburtstag des 

jüngsten Kindes auf 100%-Pensum aufgestockt werden. Dies habe sie so 

gegenüber der Beschwerdegegnerin denn auch angegeben (Beschwerde 

S. 5). Ferner könne auf den Abklärungsbericht vom 24. Mai 2022 nicht ab-

gestellt werden, da die gutachterlich festgestellte Arbeitsfähigkeit in der bis-

herigen Tätigkeit als Hausfrau von 60 % weit von der im Abklärungsbericht 

attestierten Einschränkung von 15 % im Haushalt abweiche (Beschwerde 

S. 9 f.). 

 

5.2. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Abklärungsberichtes ist wesentlich, 

dass er von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis der örtli-

chen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den medizinischen Diag-

nosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Wei-

ter sind die Angaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei die 

divergierenden Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der 

Berichtstext muss plausibel, begründet und angemessen detailliert bezüg-

lich der einzelnen Einschränkungen sein sowie in Übereinstimmung mit den 

an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Das Gericht greift, sofern 

der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschrie-

 - 6 - 

 

 

benen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Per-

son nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das ge-

bietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklä-

rungsperson näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall 

zuständige Gericht (BGE 140 V 543 E. 3.2.1 S. 547; 133 V 450 E. 11.1.1 

S. 468; Urteil des Bundesgerichts 8C_748/2019 vom 7. Januar 2020 mit 

Hinweisen). 

 

5.3. 

5.3.1. 

Praxisgemäss ist vom Grundsatz auszugehen, dass einem Leistungsan-

sprecher im Rahmen der Schadenminderungspflicht Massnahmen zuzu-

muten sind, die ein vernünftiger Mensch in der gleichen Lage ergreifen 

würde, wenn er keinerlei Entschädigung zu erwarten hätte. Für die im 

Haushalt tätigen Versicherten bedeutet dies, dass sie Verhaltensweisen zu 

entwickeln haben, welche die Auswirkungen der Behinderung im hauswirt-

schaftlichen Bereich reduzieren und ihnen eine möglichst vollständige und 

unabhängige Erledigung der Haushaltsarbeiten ermöglichen. Kann die ver-

sicherte Person wegen ihrer Behinderung gewisse Haushaltsarbeiten nur 

noch mühsam und mit viel höherem Zeitaufwand erledigen, so muss sie in 

erster Linie ihre Arbeit einteilen und in üblichem Umfang die Mithilfe von 

Familienangehörigen in Anspruch nehmen. Ein invaliditätsbedingter Ausfall 

darf bei im Haushalt tätigen Personen nur insoweit angenommen werden, 

als die Aufgaben, welche nicht mehr erfüllt werden können, durch Drittper-

sonen gegen Entlöhnung oder durch Angehörige verrichtet werden, denen 

dadurch nachgewiesenermassen eine Erwerbseinbusse oder doch eine 

unverhältnismässige Belastung entsteht (BGE 133 V 504 E. 4.2 S. 509 f. 

mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_748/2019 vom 7. Januar 

2020 E. 5.3).  

 

Dem vorliegenden Abklärungsbericht ist zu entnehmen, dass die Be-

schwerdeführerin an gesundheitlich besseren Tagen ("ungefähr die Hälfte 

der Woche") ausreichend für ihre Familie kochen kann. Auch die in der 

Wohnung schwergewichtig anfallende Unterhaltsreinigung könne sie bei 

guter Tagesverfassung im Wesentlichen durchführen. Eine Mithilfe der An-

gehörigen der Beschwerdeführerin ist gemäss den schlüssigen Angaben 

der Abklärungsperson im Wesentlichen bei der Mahlzeitenzubereitung (an 

schlechteren Tagen) sowie bei der Grundreinigung der Wohnung erforder-

lich (VB 42 S. 5 f.). Diese Hilfestellungen gehen entgegen den Ausführun-

gen der Beschwerdeführerin (vgl. Beschwerde S. 10) – auch unter Berück-

sichtigung des Vollzeitpensums ihres Ehemannes, sowie des Umstandes, 

dass er aufgrund eines Stellenwechsels über den Mittag nicht (mehr) nach 

Hause komme (Beschwerde S. 10) – nicht über das im Rahmen der Scha-

denminderungspflicht Zumutbare hinaus. Im Lichte der oben dargelegten 

Rechtsprechung ist es der Beschwerdeführerin bzw. deren Angehörigen 

zuzumuten, Mahlzeiten (insbesondere die Mittagessen) jeweils im Voraus 

 - 7 - 

 

 

zu kochen, damit diese gegebenenfalls über Mittag nur noch aufgewärmt 

werden müssen. Die Rechtsprechung stellt denn auch strenge Anforderun-

gen an die Schadenminderungspflicht, vor allem dort wo, wie vorliegend, 

eine erhöhte Inanspruchnahme der Invalidenversicherung in Frage steht 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_80/2021 vom 16. Juni 2021 E. 5.3). Das 

Vorbringen, die Töchter der Beschwerdeführerin würden "auf kürzere oder 

längere Zeit nicht mehr zu Hause wohnen" (Beschwerde S. 11), ist sodann 

nicht stichhaltig, denn zur Beurteilung eines Leistungsanspruchs ist nur der 

Sachverhalt massgebend, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen 

Verfügung entwickelt hat (BGE 129 V 1 E. 1.2 S. 4; Urteil des Bundesge-

richts 9C_141/2021 vom 8. Juli 2021 E. 4.1). 

 

5.3.2. 

Die Abklärung an Ort und Stelle betreffend allfällige Einschränkungen im 

Haushalt wurde am 19. Mai 2022 und somit nach der Begutachtung durch 

die medexperts ag durchgeführt, weshalb davon auszugehen ist, dass der 

Abklärungsperson das medexperts-Gutachten bekannt war. Die darin ge-

stellte Diagnose (VB 39 S. 28) wurde im Abklärungsbericht denn auch wie-

dergeben (VB 42 S. 1).  

 

Die Beschwerdeführerin bringt vor, die Abklärungsperson habe die krank-

heitsbedingten Schübe nicht berücksichtigt (Beschwerde S. 9). Zum einen 

ist diesbezüglich darauf hinzuweisen, dass gemäss medexperts-Gutachten 

aufgrund des schubförmig-remittierenden Verlaufstyps bei guter Reaktion 

auf Kortikoid-Infusionen zur Prophylaxe eine Immunmodulation eingeleitet 

worden sei und sich seither mit Ausnahme einer einzelnen schubartigen 

Verschlimmerung durch Rezidiv der Optikusneuritis links mit Remission kli-

nisch ein stabiler Verlauf ohne Zunahme der Läsionslast im MRT des Neu-

rokraniums gezeigt habe (VB 39 S. 40). Zum anderen hat die Abklärungs-

person insbesondere den von der Beschwerdeführerin angegebenen 

schwankenden Gesundheitszustand mit Tagen guter Verfassung und 

schlechten Tagen mit starken Kopfschmerzen, an denen sie "praktisch 

nichts machen" könne, berücksichtigt (VB 42. S. 2). Das entsprechende 

Vorbringen der Beschwerdeführerin vermag die Ausführungen im Abklä-

rungsbericht daher nicht in Zweifel zu ziehen. 

 

5.3.3. 

Schliesslich rügt die Beschwerdeführerin, die Annahme der zuständigen 

Abklärungsperson, wonach sie im Gesundheitsfall ausserhäuslich einer 

50%igen Erwerbstätigkeit nachgehen würde, sei falsch. Vielmehr wäre sie 

im Gesundheitsfall in einem 70%-Pensum tätig. Diese Frage kann indes 

offen gelassen werden, denn wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird, 

würde auch unter der Annahme einer 70%igen ausserhäuslichen Erwerbs-

tätigkeit kein Rentenanspruch resultieren. Vor diesem Hintergrund ist auch 

auf das Vorbringen wonach erschwerende sprachliche Umstände und das 

Fehlen eines Dolmetschers anlässlich der Haushaltsabklärung zu einem 

 - 8 - 

 

 

Missverständnis hinsichtlich der Anteile der Erwerbs- und der Haushaltstä-

tigkeit geführt hätten (Beschwerde S. 5 ff.), nicht weiter einzugehen.  

 

6. 

6.1. 

Die Beschwerdegegnerin ermittelte den Invaliditätsgrad in der angefochte-

nen Verfügung in Anwendung der gemischten Methode (vgl. Art. 28a 

Abs. 2 und 3 IVG) und ging von je einem 50%igen Anteil im Erwerbs- und 

im Haushaltsbereich aus. Im Erwerbsbereich errechnete sie ausgehend 

von den Tabellenlöhnen der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 

des Bundesamtes für Statistik (BfS), Tabelle TA1, Total, Kompetenzni-

veau 1, unter Berücksichtigung der Lohnentwicklung bis 2019, ein Validen-

einkommen von Fr. 55'249.00. Basierend auf denselben Werten und unter 

zusätzlicher Berücksichtigung einer 60%igen Arbeitsfähigkeit in einer an-

gepassten Tätigkeit sowie eines Abzugs vom Tabellenlohn in der Höhe von 

10 %, ermittelte sie sodann ein Invalideneinkommen von Fr. 29'834.00. Bei 

einer Erwerbseinbusse von Fr. 25'415.00 resultierte eine Einschränkung im 

Erwerbsbereich von 46 %, bzw. gewichtet auf ein 50%-Pensum ein Invali-

ditätsgrad im Erwerbsbereich von 23 %. Die Einschränkung von 15 % im 

Haushaltsbereich gewichtet auf ein 50%-Pensum ergab einen Invaliditäts-

grad von 7.5 % womit gesamthaft ein rentenausschliessender Invaliditäts-

grad von 31 % resultierte. 

 

6.2. 

Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Beschwerde einen leidensbeding-

ten Abzug vom Tabellenlohn in der Höhe von 20 % geltend (Beschwerde 

S. 9). 

 

Die Beschwerdegegnerin gewährte der Beschwerdeführerin bei der Ermitt-

lung des Invalideneinkommens aufgrund der leidensbedingten Einschrän-

kungen einen 10%igen Abzug vom Tabellenlohn. Dies ist nicht zu bean-

standen, denn rechtsprechungsgemäss ist in Fällen, in denen eine versi-

cherte Person wie vorliegend selbst in körperlich leichten, wechselbelas-

tenden Tätigkeiten in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist, ein 

10%-iger Abzug angezeigt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_395/2022 

vom 4. November 2022 E. 4.5.3). Der Bedarf einer längeren Mittagspause 

ist in der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung enthalten und eine doppelte Anrech-

nung ist rechtsprechungsgemäss nicht zulässig (BGE 146 V 16 E. 4.1 

S. 20; Urteil des Bundesgerichts 8C_586/2019 vom 24. Januar 2020 

E. 5.3.2). Den Akten über den bisherigen Verlauf der Multiplen Sklerose 

lassen sich keine unvorhersehbaren und unberechenbaren Absenzen vom 

Arbeitsplatz entnehmen. Insbesondere sind auch keine Anhaltspunkte re-

gelmässiger schubbedingter Absenzen aktenkundig. Vielmehr hat sich ge-

mäss medexperts-Gutachten seit Einleitung einer Immunmodulation – mit 

Ausnahme einer einzelnen schubartigen Verschlimmerung – klinisch ein 

stabiler Verlauf ohne Zunahme der Läsionslast im MRT des Neurokraniums 

 - 9 - 

 

 

gezeigt (VB 39 S. 40). Eine bloss abstrakte Möglichkeit künftiger schwer 

kalkulierbarer Abwesenheiten bei Ausübung einer leidensangepassten Er-

werbstätigkeit rechtfertigt keinen Abzug vom Tabellenlohn (Urteil des Bun-

desgerichts 9C_44/2018 vom 17. Oktober 2018 E. 3.2). Gemäss bundes-

gerichtlicher Rechtsprechung ist bei teilzeitlich tätigen Frauen unter dem 

Titel Beschäftigungsgrad sodann kein leidensbedingter Abzug vorzuneh-

men (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_799/2021 vom 3. März 2021 

E. 4.3.3; 8C_210/2019 vom 11. Juli 2019 E. 7.2; vgl. auch die LSE-Tabellen 

T18, Monatlicher Bruttolohn nach Beschäftigungsgrad, beruflicher Stellung 

und Geschlecht, der Jahre 2018 und 2020). Was die langjährige Absenz 

vom Arbeitsmarkt anbelangt, ist darauf hinzuweisen, dass diese zu einem 

grossen Teil nicht auf gesundheitliche Gründe zurückzuführen ist. Gemäss 

eigenen Angaben anlässlich der Begutachtung war die Beschwerdeführe-

rin seit Einreise in die Schweiz im Jahr 2001 nicht erwerbstätig. Erste 

Symptome der Multiplen Sklerose seien jedoch erst im Jahr 2016 aufgetre-

ten (VB 39 S. 42). Der freiwillige Verzicht auf die Verwertung der Arbeitsfä-

higkeit stellt als invaliditätsfremder Faktor keinen Grund für die Vornahme 

eines leidensbedingten Abzugs dar, zumal sich eine langjährige Abwesen-

heit vom Arbeitsmarkt rechtsprechungsgemäss ohnehin nicht zwingend als 

lohnsenkend auswirkt (Urteil des Bundesgerichts 8C_390/2020 vom 

25. November 2020 E. 4.5.1 mit Hinweis auf 8C_267/2020 vom 9. Septem-

ber 2020 E. 6.3). 

 

Vorliegend bestehen sodann auch lohnsteigernde Faktoren. Die Beschwer-

deführerin ist Schweizerische Staatsangehörige (VB 2 S. 1), was statistisch 

gesehen lohnerhöhend wirkt (vgl. die LSE-Tabelle T12_b, Monatlicher Brut-

tolohn, Schweizer/innen und Ausländer/innen, nach beruflicher Stellung 

und Geschlecht). Die Rechtsprechung verweist im Zusammenhang mit 

dem Alter der Beschwerdeführerin sodann darauf, dass sich dies gemäss 

den LSE-Erhebungen bei Frauen im Alterssegment von 40 bis 64/65 bei 

Stellen ohne Kaderfunktion ebenfalls gar eher lohnerhöhend auswirkt (Ur-

teil des Bundesgerichts 9C_857/2017 vom 24. August 2018 E. 4.3.1). So-

mit erweist sich der von der Beschwerdegegnerin gewährte Abzug vom Ta-

bellenlohn in der Höhe von 10 % bei einer Gesamtbetrachtung (BGE 148 

V 174 E. 6.3 S. 182) als angemessen. 

 

6.3. 

Die übrigen Berechnungen zum Invaliditätsgrad geben zu keinen Bean-

standungen Anlass. Selbst wenn zu Gunsten der Beschwerdeführerin da-

von ausgegangen würde, dass sie im Gesundheitsfall in einem 70%-Pen-

sum ausserhäuslich erwerbstätig wäre (vgl. Beschwerde S. 5 ff.), ergäbe 

dies eine Einschränkung im Erwerbsbereich von 32.2 % (70 % x 46 %), und 

im Haushaltsbereich von 4.5 % (30 % x 15 %). Gesamthaft resultiert auch 

bei dieser Ausgangslage ebenfalls ein nicht rentenbegründender Invalidi-

tätsgrad von 36.7 % (32.2 % + 4.5 %; gerundet 37 %). 

 

 - 10 - 

 

 

7. 

Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass ein Rentenentscheid unabhängig 

von allfälligen Eingliederungsmassnahmen gefällt werden kann, wenn ein 

solcher durch allenfalls noch vorzunehmende berufliche Massnahmen 

nicht mehr beeinflusst werden kann, etwa weil ein rentenbegründender In-

validitätsgrad bereits jetzt nicht gegeben ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

8C_187/2015 vom 20. Mai 2015 E. 3.2.1). Da die Beschwerdegegnerin in 

der angefochtenen Verfügung einen Rentenanspruch der Beschwerdefüh-

rerin – nach dem Gesagten im Ergebnis zu Recht – verneint hat, ist es, 

entgegen den entsprechenden Ausführungen der Beschwerdeführerin (Be-

schwerde S. 7), nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin nicht 

über einen allfälligen Anspruch der Beschwerdeführerin auf berufliche  

Massnahmen befunden hat. 

 

8. 

8.1. 

Nach dem Dargelegten hat die Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung 

vom 23. Februar 2023 einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu 

Recht verneint. Die dagegen erhobene Beschwerde ist daher abzuweisen. 

 

8.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.  

 

8.3. 

Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-

alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf 

Parteientschädigung zu.  

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdeführerin auf-

erlegt. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

  

 - 11 - 

 

 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 

1Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 14. November 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

4. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Roth Meier