# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 954f40bf-9473-5d2d-81c6-c7ca4b5dd67d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-11-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.11.2023 D-6331/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6331-2023_2023-11-20.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-6331/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 0 .  N o v e m b e r  2 0 2 3   

Besetzung 
 Einzelrichter Simon Thurnheer, 

mit Zustimmung von Richterin Claudia Cotting-Schalch;   

Gerichtsschreiberin Leslie Werne. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Marokko,  

(…),   

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 7. November 2023 / N (…). 

 

 

 

D-6331/2023 

Seite 2 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass der Beschwerdeführer am 26. September 2023 in der Schweiz um 

Asyl nachsuchte, 

dass ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zent-

raleinheit Eurodac) vom 28. September 2023 ergab, dass er am  

21. November 2022 bereits in Österreich um Asyl nachgesucht hatte, 

dass die Vorinstanz dem Beschwerdeführer am 6. Oktober 2023 – im Bei-

sein seiner damaligen Rechtsvertretung – das rechtliche Gehör zu einem 

allfälligen Nichteintretensentscheid und einer Überstellung nach Österreich 

gewährte, 

dass er sich zu einer Überstellung nach Österreich ablehnend äusserte, da 

er dort gar kein Asylgesuch habe stellen wollen, zudem sei er in Österreich 

nicht gut aufgenommen worden und habe nicht einmal Sandalen erhalten, 

dass er seinen Gesundheitszustand betreffend angab, er sei seit einem 

Verkehrsunfall im Kindesalter traumatisiert, 

dass das SEM die österreichischen Behörden am 13. Oktober 2023 um 

Übernahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b der 

Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra-

tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-

stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-

staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-

trags auf internationalen Schutz zuständig ist (Dublin-III-VO) ersuchte, 

dass das Übernahmeersuchen am 17. Oktober 2023 von Österreich abge-

lehnt wurde, da das Ersuchen der Schweiz keine Information zum zwi-

schenzeitlichen Aufenthaltsort des Beschwerdeführers beinhaltet habe und 

ein Erlöschen der Zuständigkeit Österreichs nicht ausgeschlossen werden 

könne, weshalb zusätzliche Angaben von der Schweiz benötigt würden,  

dass das SEM die österreichischen Behörden am 31. Oktober 2023 erneut 

um Übernahme des Beschwerdeführers ersuchte, 

dass dem Remonstrationsgesuch am 4. November 2023 durch Österreich 

gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO entsprochen wurde, 

dass das SEM mit Verfügung vom 7. November 2023 – eröffnet am 10. No-

vember 2023 – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) 

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Seite 3 

auf sein Asylgesuch nicht eintrat, seine Wegweisung nach Österreich an-

ordnete und den Beschwerdeführer aufforderte, die Schweiz am Tag nach 

Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, 

dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent-

scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändigung 

der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Beschwer-

deführer verfügte, 

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 15. November 2023 gegen 

diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und 

beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Vor- 

instanz anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten,  

dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht um Erteilung der aufschiebenden 

Wirkung und Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive 

Kostenvorschussverzicht ersuchte, 

dass die vorinstanzlichen Akten dem Bundesverwaltungsgericht am 

17. November 2023 in elektronischer Form vorlagen (vgl. Art. 109 Abs. 3 

AsylG), 

 

und zieht in Erwägung, 

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-

gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-

gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 

VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), 

dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 

AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), 

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-

treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), 

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Seite 4 

dass mit der vorliegenden Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht 

(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die 

unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-

halts gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), 

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), die Beurteilungskompetenz der Beschwerde- 

instanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.w.H.), 

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise  

einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es 

sich, wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb 

das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), 

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-

zichtet wurde, 

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht einzutreten ist, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG), 

dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-

gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird,  

dass das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates ein-

geleitet wird, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt 

wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO),  

dass im Fall des sogenannten Wiederaufnahmeverfahrens nach Art. 23, 24 

und 25 Dublin-III-VO (engl.: take back) grundsätzlich keine (erneute) Zu-

ständigkeitsprüfung nach Kapitel III stattfindet, der zuständige Mitgliedstaat 

vielmehr direkt gestützt auf Art. 18 Bst. b bis d beziehungsweise Art. 20 

Abs. 5 Dublin-III-VO zu bestimmen ist (vgl. EuGH [Grosse Kammer] vom 

2. April 2019, H. und R., C‑582/17 und C-583/17, EU:C:2019:280, Rn. 61, 

67, 80, 84; BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.),  

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Seite 5 

dass ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der «Eu-

rodac»-Datenbank ergab, dass er am 21. November 2022 in Österreich um 

Asyl nachgesucht hatte (vgl. A6/1 und A13/2), was er denn auch nicht be-

streitet, 

dass, nachdem die österreichischen Behörden dem Gesuch um Rücküber-

nahme gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO ausdrücklich zuge-

stimmt haben (vgl. A16/2), die staatsvertragliche Zuständigkeit Österreichs 

zur Behandlung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens grundsätzlich ge-

geben ist, zumal das Dublin-System auf klaren Zuständigkeitsregeln beruht 

und den Gesuchstellenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfen-

den Staat selbst auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3), 

dass der Vollständigkeit halber festzuhalten ist, dass seit der Gesuchstel-

lung in Österreich rund zwölf Monate vergangen sind, der Beschwerde- 

führer aber zu keinem Zeitpunkt geltend machte, das Hoheitsgebiet der 

Mitgliedstaaten während einer Dauer von mindestens drei Monaten verlas-

sen zu haben, 

dass der Beschwerdeführer zu Recht nicht geltend macht, in Österreich 

lägen systemische Schwachstellen i.S.v. Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter 

Satz Dublin-III-VO vor, die eine Gefahr einer unmenschlichen Behandlung 

im Sinne von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta und Art. 3 EMRK mit sich 

bringen würden (vgl. Urteile des BVGer F-3813/2023 vom 3. August 2023 

E. 5 m.H. auf F-3706/2023 vom 12. Juli 2023 E. 5.1 und F-3130/2023 vom 

22. Juni 2023 E. 5.1), 

dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO be-

schliessen kann, einen bei ihm gestellten Antrag auf internationalen Schutz 

zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kri-

terien nicht für die Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-

VO; sog. Selbsteintrittsrecht), 

dass Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, 

SR 142.311) das Selbsteintrittsrecht landesrechtlich konkretisiert und ge-

mäss dieser Bestimmung das SEM das Asylgesuch «aus humanitären 

Gründen» auch dann behandeln kann, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO 

ein anderer Staat zuständig wäre, 

dass der Selbsteintritt zwingend ist, wenn individuelle völkerrechtliche 

Überstellungshindernisse vorliegen (vgl. BVGE 2015/9 E. 8.2.1), 

D-6331/2023 

Seite 6 

dass die österreichischen Behörden der Wiederaufnahme des Beschwer-

deführers zustimmten und damit zu erkennen gaben, die Verantwortung für 

das Asylverfahren übernehmen zu wollen, 

dass der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang kein konkretes und 

ernsthaftes Risiko dargetan hat, die österreichischen Behörden würden 

sich weigern ihn wiederaufzunehmen und seinen Antrag auf internationa-

len Schutz unter Einhaltung der Regeln der erwähnten Richtlinien zu prü-

fen, 

dass den Akten auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen sind, 

Österreich werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement 

missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, 

sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG 

gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein sol-

ches Land gezwungen zu werden, 

dass ferner sein Gesundheitszustand einer Überstellung nach Österreich 

nicht entgegensteht, zumal sich in den Akten keine Hinweise auf einen 

akuten Behandlungsbedarf der lediglich behaupteten Traumatisierung fin-

den, 

dass Österreich ohnehin über eine ausreichende medizinische Infrastruk-

tur verfügt und keine Anhaltspunkte bestehen, dass dem Beschwerde- 

führer dort (im Bedarfsfall) eine adäquate medizinische Behandlung – auch 

nicht eine psychiatrisch-psychologische – verweigert würde, 

dass insgesamt somit keine zwingenden Gründe für die Anwendung der 

Ermessensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO vorliegen, 

dass gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts das SEM bei der An-

wendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspielraum 

(vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) verfügt und die angefochtene Verfügung auch 

unter diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden ist,  

dass nach dem Gesagten die angefochtene Verfügung zu bestätigen und 

die Beschwerde als offensichtlich unbegründet abzuweisen ist,  

dass die Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung sowie Ver-

zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses mit dem vorliegenden 

Entscheid in der Sache gegenstandslos geworden sind, 

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Seite 7 

dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ab-

zuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägun-

gen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind und dies bereits im Zeit-

punkt der Gesuchstellung waren (Art. 65 Abs. 1 VwVG), 

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.– 

(Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-6331/2023 

Seite 8 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Simon Thurnheer Leslie Werne 

 

 

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