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**Case Identifier:** 56d6f9a9-e67f-5c9d-b0e1-e0012c126acf
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-12-19
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 19.12.2022 100 2022 157
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_100-2022-157_2022-12-19.pdf

## Full Text

100.2022.157/158U
BUC/SBE/SPR

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil des Einzelrichters vom 19. Dezember 2022

Verwaltungsrichter Bürki
Gerichtsschreiberin Streun

A.________ und B.________
Beschwerdeführende

gegen

Steuerverwaltung des Kantons Bern
Brünnenstrasse 66, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

und

Steuerrekurskommission des Kantons Bern
Nordring 8, 3013 Bern 

betreffend Nichteintreten auf Rekurs und Beschwerde (Entscheide der 
Steuerrekurskommission des Kantons Bern vom 10. Mai 2022; 100 22 24, 
200 22 22)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.12.2022, Nrn. 100.2022.157/158U, 
Seite 2

Prozessgeschichte:

A.

Mit Nachsteuer- und Bussenverfügungen vom 29. Juli 2021 auferlegte die 
Steuerverwaltung des Kantons Bern A.________ und B.________ wegen 
vollendeter (eventualvorsätzlich begangener) Steuerhinterziehung für das 
Steuerjahr 2015 Steuerbussen von Fr. 3'882.85 bei den Kantons- und 
Gemeindesteuern und Fr. 1'794.-- bei der direkten Bundessteuer. Die 
dagegen erhobenen Einsprachen wies die Steuerverwaltung mit (den 
Ehegatten gemeinsam eröffneten) Einspracheentscheiden vom 11. Januar 
2022 ab. Zugleich trennte sie die Nachsteuer- von den Bussenverfahren ab. 
Die Nachsteuerverfahren führte sie gegen beide Ehegatten weiter, die Bus-
senverfahren indes nur gegen A.________; gegen B.________ stellte sie 
diese ein.

B.

Am 11. Februar 2022 gelangten A.________ und B.________ mit Rekurs 
und Beschwerde an die Steuerrekurskommission des Kantons Bern (StRK). 
Diese sistierte die Verfahren betreffend Nachsteuern bis zur Erledigung der 
Steuerstrafverfahren (Verfügung vom 16.2.2022). Mit Entscheiden vom 
10. Mai 2022 trat die StRK wegen Fristversäumnis auf die gegen die 
Bussenentscheide gerichteten Rechtsmittel nicht ein. 

C.

Dagegen haben A.________ und B.________ am 31. Mai 2022 
Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben. Sie beantragen sinngemäss, die 
Nichteintretensentscheide der StRK vom 10. Mai 2022 seien aufzuheben 
und die Angelegenheit sei zur materiellen Prüfung des Rekurses bzw. der 
Beschwerde an die StRK zurückzuweisen.

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Am 2. Juni 2022 hat die stellvertretende Abteilungspräsidentin die Verfahren 
betreffend die Kantons- und Gemeindesteuern sowie die direkte Bundes-
steuer vereinigt. 

Die StRK und die Steuerverwaltung beantragen mit Vernehmlassung vom 
4. Juli 2022 bzw. Beschwerdeantwort vom 28. Juli 2022 je die Abweisung 
der Beschwerden. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat sich nicht ver-
nehmen lassen.

Erwägungen:

1.

1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerden als 
letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Ge-
setzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; 
BSG 155.21) zuständig (vgl. auch Art. 201 Abs. 1 des Steuergesetzes vom 
21. Mai 2000 [StG; BSG 661.11] und Art. 145 des Bundesgesetzes vom 
14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer [DBG; SR 642.11] sowie 
Art. 9 Abs. 3 der Verordnung vom 18. Oktober 2000 über den Vollzug der 
direkten Bundessteuer [BStV; BSG 668.11]). Da die StRK auf die Rechtsmit-
tel der Beschwerdeführenden nicht eingetreten ist, ergibt sich deren Be-
schwerdebefugnis für die verwaltungsgerichtlichen Verfahren unmittelbar 
aus den negativen Prozessentscheiden (vgl. BVR 2017 S. 418 E. 1.1, 
2017 S. 459 E. 1.2; Michael Pflüger, in Herzog/Daum [Hrsg.], Kommentar 
zum bernischen VRPG, 2. Aufl. 2020, Art. 79 N. 2 und Art. 65 N. 23). Die 
Bestimmungen über Form und Frist sind eingehalten (Art. 151 StG i.V.m. 
Art. 81 Abs. 1 und Art. 32 VRPG; Art. 145 Abs. 2 i.V.m. Art. 140 DBG). Auf 
die Beschwerden ist einzutreten.

1.2 Sind sowohl Entscheide bezüglich der kommunalen und kantonalen 
Steuern als auch der direkten Bundessteuer angefochten, so muss das Ver-
waltungsgericht zwei Urteile fällen, zumal es sich um verschiedene Steuern 
handelt, die unterschiedlichen Gemeinwesen zustehen und in getrennten 

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Verfahren veranlagt werden. Allerdings können die Entscheide in ein und 
derselben Urteilsschrift getroffen werden (vgl. BGE 142 II 293 E. 1.2, 
135 II 260 E. 1.3.1, 130 II 509 E. 8.3). Weil vorliegend die einschlägigen Be-
stimmungen des kantonalen und eidgenössischen Rechts weitgehend gleich 
lauten, rechtfertigt sich die gemeinsame Beurteilung der Streitigkeit hinsicht-
lich kommunaler, kantonaler und eidgenössischer Steuern.

1.3 Die Beurteilung von Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide 
fällt in die einzelrichterliche Zuständigkeit (Art. 57 Abs. 2 Bst. c des Geset-
zes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der 
Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).

1.4 Das Verwaltungsgericht überprüft die angefochtenen Entscheide auf 
Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG).

2.

Streitgegenstand der verwaltungsgerichtlichen Verfahren bildet einzig die 
Frage, ob die StRK zu Recht wegen Fristversäumnis nicht auf den Rekurs 
und die Beschwerde eingetreten ist. Den Akten lässt sich dazu folgender 
Sachverhalt entnehmen:

2.1 Am 11. Januar 2022 wies die Steuerverwaltung die gegen die Nach-
steuer- und Bussenverfügung vom 29. Juli 2021 betreffend die kommunalen 
und kantonalen Steuern bzw. direkte Bundessteuer 2015 erhobenen Ein-
sprachen ab. Die Einspracheentscheide betreffend Steuerhinterziehung tru-
gen folgende Rechtsmittelbelehrung (Vorakten StRK [act. 5A] pag. 23 ff., 
26): 

«Rechtsmittel

Gegen diese Einspracheverfügung kann innerhalb von 30 Tagen seit 
ihrer Zustellung Rekurs bzw. Beschwerde bei der Steuerrekurskommis-
sion des Kantons Bern erhoben werden. 

Der Rekurs bzw. die Beschwerde ist schriftlich bei der Steuerrekurskom-
mission des Kantons Bern, Nordring 8, 3013 Bern, einzureichen. Die 
Eingabe muss die Anträge und eine Begründung enthalten; Beweismit-
tel sind anzugeben (Art. 197 Abs. 3 StG bzw. Art. 140 Abs. 2 DBG). 
Ausserdem ist bei vertraglicher Vertretung eine schriftliche Vollmacht 
einzureichen.»

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Diese Entscheide wurden den Beschwerdeführenden gemeinsam mit A-Post 
Plus an die von ihnen angegebene Postadresse eröffnet; sie wurden gemäss 
Sendungsverfolgung der Schweizerischen Post am 12. Januar 2022 zuge-
stellt (Auszug «Track & Trace» vom 10.2.2022, Vorakten StRK [act. 5A] 
pag. 33). Die von den Beschwerdeführenden dagegen erhobenen Rechts-
mittel wurden am 12. Februar 2022 der schweizerischen Post übergeben 
(vgl. Briefumschlag mit Poststempel 12.2.2022, Vorakten StRK [act. 5A] 
pag. 21). Auf diesen Eingang reagierte die StRK mit Schreiben vom 14. Feb-
ruar 2022 wie folgt (Vorakten StRK [act. 5A] pag. 41): 

«Eingangsbestätigung – Widerhandlungsverfahren pro 2015

[Anrede]

Sie haben bei uns mit Brief vom 11. Februar 2022 Rekurs und Be-
schwerde betreffend die Widerhandlung pro 2015 eingereicht. 
Weitere Verfügungen erfolgen zu einem späteren Zeitpunkt. 

[…]»

Am 16. Februar 2022 forderte die StRK die Steuerverwaltung auf, sich zur 
gemeinsamen Eröffnung der Einspracheentscheide an beide Ehegatten zu 
äussern (Vorakten StRK [act. 5A] pag. 42). Die von der Steuerverwaltung 
hierauf eingereichte Stellungnahme vom 2. März 2022 (Vorakten StRK 
[act. 5A] pag. 45 f.) übermittelte die StRK am Folgetag (je separat) zur 
Kenntnis an die Beschwerdeführenden und hielt zudem fest, weitere Verfü-
gungen erfolgten zu einem späteren Zeitpunkt (Vorakten StRK [act. 5A] 
pag. 47 f.). Alsdann gelangte die StRK mit Schreiben vom 25. April 2022 an 
die Beschwerdeführenden und begründete einerseits, weshalb nach ihrer 
Auffassung Rekurs und Beschwerde nach Ablauf der dreissigtägigen 
Rechtsmittelfrist und damit verspätet eingereicht worden seien; andererseits 
räumte sie ihnen Gelegenheit ein, allfällige Entschuldigungs- bzw. Fristwie-
derherstellungsgründe mitzuteilen, unter Beilage massgeblicher Beweismit-
tel (Vorakten StRK [act. 5A] pag. 49). In ihrer Eingabe vom 5. Mai 2022 hiel-
ten die Beschwerdeführenden zunächst fest, es treffe zwar zu, dass die Ein-
spracheentscheide am 12. Januar 2022 zugestellt worden seien und der für 
die Berechnung der dreissigtägigen Frist «ausschlaggebende Tag» somit 
dieser Tag sei. Da Fristen jedoch am Folgetag ausgelöst würden, sei der 
13. Januar 2022 bestimmend, womit die Frist am Samstag, 12. Februar 2022 
(30. Tag), geendet habe und folglich bis am nächstfolgenden Werktag ver-
längert worden sei. Rekurs bzw. Beschwerde seien somit fristgerecht erho-

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ben worden (Vorakten StRK [act. 5A] pag. 50 f.). Mit Entscheiden vom 
10. Mai 2022 trat die StRK wegen Fristversäumnis auf Rekurs und Be-
schwerde nicht ein (vgl. vorne Bst. B).

2.2 In den angefochtenen Entscheiden prüfte die StRK, ob der Rekurs 
bzw. die Beschwerde fristgerecht eingereicht wurden und ob – im Fall einer 
verspäteten Einreichung – Gründe für eine Fristwiederherstellung gegeben 
waren. Sie stellte fest, dass die Rechtsmittelfristen am 13. Januar 2022 zu 
laufen begannen (1. Tag) und am Freitag, 11. Februar 2022, endeten (letzter 
bzw. 30. Tag). Die Rekurs- und Beschwerdeschrift seien zwar auf den 
11. Februar 2022 datiert, jedoch erst am 12. Februar 2022 und damit ver-
spätet der Schweizerischen Post übergeben worden (angefochtene Ent-
scheide E. 2.2). Da die Beschwerdeführenden keine gesetzlich vorgesehe-
nen Entschuldigungsgründe für ihre Fristversäumnis vorgebracht hätten, 
könnten die missachteten Rechtsmittelfristen nicht wiederhergestellt werden. 
Daher seien die Einspracheentscheide vom 11. Januar 2022 in Rechtskraft 
erwachsen; auf Rekurs bzw. Beschwerde könne nicht eingetreten werden 
(angefochtener Entscheid E. 2.3). – Die Beschwerdeführenden rügen, die 
Nichteintretensentscheide der StRK missachteten das Prinzip der Rechts-
sicherheit und den Grundsatz von Treu und Glauben (Beschwerden 
Rz. 19 ff.). Weiter erachten sie die Einspracheentscheide vom 11. Januar 
2022 als (form)mangelhaft (Rz. 22 ff.) und erheben materiell-rechtliche Rü-
gen (Rz. 25 ff.). Überdies kritisieren sie die Verweigerung der Fristwieder-
herstellung und beantragen die nachträgliche Gewährung einer Notfrist 
(Rz. 28 ff.).

3.

Zu prüfen ist zunächst, ob Rekurs und Beschwerde fristgerecht erhoben wur-
den. 

3.1 Gegen Einspracheentscheide der Steuerverwaltung kann innert 
30 Tagen seit der Eröffnung schriftlich Rekurs bzw. Beschwerde an die StRK 
erhoben werden (Art. 195 i.V.m. Art. 196 Abs. 1 StG bzw. Art. 140 
Abs. 1 DBG). Diese Frist beginnt am folgenden Tag zu laufen, d.h. am Tag, 

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nachdem sich der fristauslösende Sachverhalt (Mitteilung, amtliche Publika-
tion oder Eintritt eines Ereignisses) ereignet hat (vgl. Art. 151 StG i.V.m. 
Art. 41 Abs. 1 VRPG und dazu Michel Daum, in Herzog/Daum [Hrsg.], Kom-
mentar zum bernischen VRPG, 2. Aufl. 2020, Art. 41 N. 6; Art. 133 Abs. 1 
Satz 1 DBG und dazu statt vieler Hunziker/Bigler, in Zweifel/Beusch [Hrsg.], 
Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, 4. Aufl. 2022, Art. 140 DBG 
N. 30). Fristgebundene Eingaben müssen vor Ablauf der Frist der Behörde, 
der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder 
konsularischen Vertretung übergeben werden (Art. 151 StG i.V.m. Art. 42 
Abs. 2 VRPG; Art. 140 Abs. 4 i.V.m. Art. 133 Abs. 1 DBG). Verfügungen und 
Entscheide der Steuerbehörden werden der steuerpflichtigen Person in der 
Regel mit gewöhnlicher Post zugestellt (Art. 159 Abs. 2 StG bzw. Art. 3 BStV 
i.V.m. Art. 159 Abs. 2 StG; anders: Art. 44 Abs. 2 VRPG, Art. 138 Abs. 1 der 
Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 [Zivilpro-
zessordnung, ZPO; SR 272] und Art. 85 Abs. 2 der Schweizerischen Straf-
prozessordnung vom 5. Oktober 2007 [Strafprozessordnung, StPO; 
SR 312.0]). Zulässig ist namentlich auch der Versand mit A-Post Plus (vgl. 
BGer 2C_430/2009 vom 14.1.2010, in StR 65/2010 S. 396 E. 2.3 f. auch 
zum Folgenden). Im Unterschied zu eingeschriebenen Sendungen wird aber 
hier der Empfang nicht quittiert, sondern lediglich elektronisch erfasst, wenn 
die Sendung in das Postfach oder in den Briefkasten der Empfängerin bzw. 
des Empfängers gelegt wird (BGE 144 IV 57 E. 2.3.1, 142 III 599 E. 2.2; 
BVR 2019 S. 82 E. 1.3.2). Gemäss Rechtsprechung gilt die Zustellung in 
den Briefkasten oder in das Postfach und damit in den Machtbereich der 
Adressatin bzw. des Adressaten als fristauslösend (BGE 142 III 599 E. 2.4.1, 
122 I 139 E. 1; BGer 2C_570/2011 und 2C_577/2011 vom 24.1.2012, in 
StR 67/2012 S. 301 E. 4.1; zum Ganzen VGE 2019/321 vom 22.4.2020, in 
StE 2020 B. 92.8 Nr. 25 E. 3.1).

3.2 Es ist aufgrund des Track & Trace-Auszugs (vorne E. 2.1, auch zum 
Folgenden) erstellt und unbestritten, dass die Einspracheentscheide den Be-
schwerdeführenden am 12. Januar 2022 zugestellt worden sind. Folglich be-
gann die dreissigtägige Beschwerdefrist am 13. Januar 2022 zu laufen und 
endete am Freitag, 11. Februar 2022. Die auf den 11. Februar 2022 datierten 
Rechtsmittel wurden gemäss Poststempel unstreitig erst am 12. Februar 
2022 der Post übergeben und damit nicht innert der dreissigtägigen Rechts-

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mittelfrist gemäss Art. 196 Abs. 1 StG bzw. Art. 140 Abs. 1 DBG erhoben. 
Soweit sich die Beschwerdeführenden zunächst mit ihren Vorbringen, die 
Einspracheentscheide seien ohne Unterschrift und mit einer unzulänglichen 
Rechtsmittelbelehrung versehen worden, auf Eröffnungsfehler berufen, wel-
che sich zu ihren Gunsten auf den Beginn des Fristenlaufs ausgewirkt hät-
ten, kann ihnen nicht gefolgt werden: Zwar zählt die eigenhändige Unter-
schrift eines vertretungsbefugten Behördenmitglieds grundsätzlich zu den 
Gültigkeitserfordernissen; bei Verfügungen und Entscheiden im Bereich der 
Massenverwaltung – wozu auch Einspracheentscheide der Steuerverwal-
tung gehören – ist die Unterschrift jedoch entbehrlich (Art. 151 StG i.V.m. 
Art. 52 Abs. 1 Bst. g VRPG; VGE 2017/334/335 vom 8.8.2018 E. 3.4; Michel 
Daum, a.a.O., Art. 52 N. 18 f.). Entgegen den Beschwerdeführenden genügt 
sodann die Rechtsmittelbelehrung den diesbezüglichen Anforderungen ohne 
Weiteres, enthält sie doch Angaben zu den zulässigen Rechtsmitteln, der 
Rechtsmittelinstanz und der Anfechtungsfrist (Art. 159 Abs. 1 StG i.V.m. 
Art. 52 Abs. 1 Bst. d VRPG; Art. 116 Abs. 1 DBG i.V.m. Art. 35 Abs. 2 des 
Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren 
[Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021]; vgl. BVR 2018 S. 79 
E. 3.1; Michel Daum, a.a.O., Art. 44 N. 54, Art. 52 N. 14; Zweifel/Hunziker, 
in Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, 
4. Aufl. 2022, Art. 116 DBG N. 13, Art. 135 DBG N. 12). 

3.3 Zu Recht erblicken die Beschwerdeführenden keinen sich auf die (für 
die Fristauslöung relevante) Eröffnung oder die materielle Wirkung der Ein-
spracheentscheide auswirkenden Mangel darin, dass die Einspracheent-
scheide betreffend die Steuerwiderhandlung pro 2015 an beide Ehegatten 
bzw. Beschwerdeführende gemeinsam (und nicht individuell) eröffnet wur-
den (vorne Bst. A und E. 2.1): Zwar sind Steuerstrafverfahren stets gegen-
über jedem Ehegatten persönlich zu eröffnen und durchzuführen (vgl. 
BVR 2005 S. 317 E. 2 f. mit Hinweisen) und haftet den Einspracheentschei-
den insofern ein Mangel an, wie die Steuerverwaltung in ihrem Schreiben 
vom 2. März 2022 (Vorakten StRK [act. 5A] pag. 45 f.) festhält. Dieser Man-
gel ist jedoch nur geringfügig und auf jeden Fall nicht derart schwerwiegend, 
als dass die Entscheide als geradezu nichtig zu qualifizieren wären. Letzte-
res ist erst anzunehmen, wenn das Anfechtungsrecht der betroffenen Person 
vereitelt wurde und sie keine Gelegenheit zur Verfahrensteilnahme hatte. 

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Bestehen hingegen – wie hier – ausreichende Möglichkeiten der Anfechtung 
auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg, so sollen die Betroffenen diese nut-
zen (vgl. BVR 2015 S. 193 E. 4; VGE 2015/298/299 vom 3.8.2016 E. 2; 
BGE 122 I 97 E. 3a/aa; vgl. auch BGer 2C_827/2015 und 2C_828/2015 vom 
3.6.2016 E. 3.3 ff.). Dies gilt umso mehr, wenn ihnen aus dem Mangel kein 
Rechtsnachteil erwachsen ist. Davon ist hier ohne weiteres auszugehen, ist 
doch weder dargetan noch ersichtlich, inwiefern die gemeinsame statt eine 
individuelle Eröffnung in einem kausalen Verhältnis zur Fristversäumnis ste-
hen könnte (vgl. Art. 44 Abs. 6 VRPG).

3.4 Zusammenfassend wurden Rekurs und Beschwerde gegen die Ein-
spracheentscheide betreffend Steuerhinterziehung im Steuerjahr 2015 einen 
Tag nach Ablauf der Rechtsmittelfrist und damit verspätet erhoben, wie die 
StRK zutreffend erwogen hat (vgl. angefochtene Entscheide E. 2.2).

4.

Zu prüfen bleibt, ob die StRK die Rechtsmittel insbesondere aufgrund allen-
falls zu bejahender Fristwiederherstellungsgründe dennoch hätte materiell 
beurteilen müssen. 

4.1 Bei den vorliegenden Rechtsmittelfristen handelt es sich um gesetz-
liche Fristen (vgl. E. 3.1), die nicht erstreckt werden können (vgl. Art. 161 
Abs. 1 StG; Art. 119 Abs. 1 DBG). Ein Fristversäumnis wird entschuldigt, 
wenn die steuerpflichtige Person die versäumte Handlung innert 30 Tagen 
seit Wegfall des Hinderungsgrundes nachholt und gleichzeitig nachweist, 
dass sie durch Militärdienst, Krankheit, Landesabwesenheit oder andere er-
hebliche Gründe am rechtzeitigen Handeln verhindert war (vgl. Art. 161 
Abs. 3 StG sowie die damit im Wesentlichen übereinstimmenden Art. 43 
Abs. 2 VRPG und Art. 133 Abs. 3 DBG; BGer 2C_451/2016 und 
2C_452/2016 vom 8.7.2016, in StR 2016 S. 811 E. 3; BVR 2014 S. 130 
E. 3.2.1 auch zum Folgenden). Erhebliche Gründe im Sinn der vorgenannten 
Bestimmungen liegen vor, wenn die säumige Person aus hinreichenden, ob-
jektiven oder subjektiven Gründen davon abgehalten worden ist, fristgerecht 
zu handeln oder eine Vertretung zu bestellen. Es muss sich um Gründe von 

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einigem Gewicht handeln, z.B. schwere Erkrankung oder Unfall, höhere Ge-
walt, plötzlich eintretende Handlungsunfähigkeit oder unerwarteter Tod na-
her Angehöriger (BVR 2014 S. 130 E. 3.2.1, 2003 S. 553 E. 2.1, je mit Hin-
weisen; VGE 2019/256/257 vom 10.1.2020 E. 3.2). Voraussetzung einer 
Fristwiederherstellung ist dabei immer, dass die Fristversäumnis nicht auf 
ein Verschulden der steuerpflichtigen Personen zurückzuführen ist; es be-
darf klarer Schuldlosigkeit und gilt ein strenger Massstab (vgl. Peter Locher, 
Kommentar zum DBG, III. Teil, 2015, Art. 133 N. 30; Michel Daum, a.a.O., 
Art. 43 N. 16, je mit Hinweisen; Regina Schlup Guignard, in 
Leuch/Kästli/Langenegger [Hrsg.], Praxis-Kommentar zum Berner Steuerge-
setz, Band 2, 2011, Art. 161 N. 19 f.; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Hand-
kommentar zum DBG, 3. Aufl. 2016, Art. 133 N. 25). 

4.2 Die Beschwerdeführenden führen keine der vorerwähnten Säumnis-
gründe an, sondern berufen sich zunächst auf einen Beschluss (mutmass-
lich) des Obergerichts des Kantons Zürich vom 25. Januar 2018, wonach bei 
der Frage der «Fristwiederherstellung bzw. nachträglichen Gewährung einer 
Notfrist» nach Art. 319 ZPO ein erheblicher Nachteil vorausgesetzt werde, 
wobei zwischen den Interessen der Beklagten bzw. Beschwerdeführenden 
und der Verzögerung des Verfahrens abzuwägen sei. Einen solchen – pro-
zessökonomischen Überlegungen vorgehenden – Nachteil erblicken sie ne-
ben den Verfahrenskosten im drohenden Reputationsschaden für das Un-
ternehmen des Beschwerdeführers im Fall einer zu Unrecht erfolgenden 
Verurteilung wegen Steuerhinterziehung. Dabei gelte es auch zu berücksich-
tigen, dass die StRK das Verfahren an die Hand genommen und über zwei 
Monate weitergeführt habe, bevor sie auf die nicht eingehaltene Frist auf-
merksam gemacht habe (Beschwerde Rz. 28 f.). 

4.3 Den Beschwerdeführenden ist zunächst entgegenzuhalten, dass die 
zitierten Gesetzesbestimmungen (vorne E. 4.1) als spezialgesetzliche 
Bestimmungen allgemeinen verfahrensrechtlichen Bestimmungen – wie je-
nen der Zivilprozessordnung, auf die sich die Beschwerdeführenden berufen 
– vorgehen; ganz abgesehen davon, dass die Zivilprozessordnung das kan-
tonale zivilrechtliche Verfahren zum Gegenstand hat (vgl. Art. 1 ZPO) und in 
öffentlich-rechtlichen Verfahren wie den steuerrechtlichen Rechtsmittelver-
fahren ohnehin nicht zur Anwendung gelangt. Auch sonst legen die Be-

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schwerdeführenden weder dar noch ist ersichtlich, dass es ihnen im Sinn der 
gesetzlichen Gründe unverschuldeterweise nicht möglich gewesen wäre, die 
Rechtsmittel innert der dreissigtägigen Frist einzureichen. Vielmehr hat die 
StRK das Vorliegen eines Hinderungsgrunds im Sinn von Art. 161 Abs. 3 
StG bzw. Art. 133 Abs. 3 DBG zu Recht verneint. Daran ändern die weiteren 
von den Beschwerdeführenden vorgebrachten Einwände nichts: 

4.3.1 Mit Blick auf die klare, strenge Praxis (vgl. vorne E. 3.1 und 4.1) be-
gründen die Nichteintretensentscheide keinen Verstoss gegen das Rechts-
sicherheitsprinzip oder den Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 5 Abs. 3 
und Art. 9 Abs. 1 der Bundesverfassung [BV; SR 101]; Art. 11 Abs. 2 der 
Verfassung des Kantons Bern [KV; BSG 101.1]). Wohl trifft zu, dass Gründe 
des Vertrauensschutzes eine Fristwiederherstellung unter Umständen im 
Einzelfall zu rechtfertigen vermögen (vgl. BVR 2014 S. 130 E. 3.2.1). So kön-
nen, abgeleitet aus diesem Grundsatz, falsche behördliche Zusicherungen 
oder sonstiges, bestimmte Erwartungen begründendes Verhalten unter be-
stimmten Voraussetzungen eine vom materiellen Recht abweichende Be-
handlung der rechtsuchenden Person gebieten, sofern die betroffene Person 
überdies im Vertrauen auf das behördliche Verhalten Dispositionen getroffen 
hat, die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht werden können (vgl. 
VGE 2021/570 vom 22.6.2021 E. 2.4; BGE 143 V 341 E. 5.2.1). Allein diese 
Voraussetzungen des Vertrauensschutzes sind hier nicht erfüllt: Zunächst 
liegt keine Vertrauensgrundlage vor, auf die sich die Beschwerdeführenden 
mit Erfolg berufen könnten. Mit Schreiben vom 25. April 2022 erklärte die 
StRK, dass ihr die Verspätung erst im Rahmen der Fallbearbeitung aufgefal-
len sei. Weder kann ihrer vorgängigen Korrespondenz (vgl. vorne E. 2.1) 
eine Äusserung entnommen werden, die darauf schliessen liesse, sie habe 
die Verfahrensvoraussetzungen als erfüllt betrachtet, noch hat sie anderwei-
tig den Anschein erweckt oder Zusicherungen gemacht, die Rechtsmittel 
seien materiell zu behandeln. Namentlich kann aus der Bestätigung des 
Empfangs der Rechtsmittel und dem Einholen einer Stellungnahme bei der 
Steuerverwaltung zur Zustellung der Entscheide nicht etwa abgeleitet wer-
den, die Rechtsmittel seien fristgerecht erhoben worden. Das Vorgehen der 
StRK lässt weder begründete Erwartungen erweckendes noch ein wider-
sprüchliches Verhalten erkennen, zumal nur bei geradezu offensichtlich un-
zulässigen Beschwerden auf einen Schriftenwechsel verzichtet werden kann 

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(vgl. Art. 198 Abs. 1 StG; Art. 142 Abs. 1 DBG; vgl. auch Art. 151 StG i.V.m. 
Art. 69 Abs. 1 VRPG). Überdies ist eine getroffene Disposition der Beschwer-
deführenden, die nicht ohne Nachteil hätte rückgängig gemacht werden kön-
nen, weder dargetan noch ersichtlich. Hätte die StRK in einem früheren Zeit-
punkt festgestellt, dass die Rechtsmittelfristen nicht gewahrt worden sind, 
hätte dies keine abweichende Rechtsfolge nach sich gezogen. Auch in die-
sem Fall wäre mangels Vorliegens von Fristwiederherstellungsgründen auf 
die Rechtsmittel nicht einzutreten gewesen. Unter dem Aspekt des Vertrau-
ensschutzes lässt sich kein Verstoss gegen den Grundsatz von Treu und 
Glauben erkennen. 

4.3.2 Schliesslich begründen die inhaltlichen Ausführungen der Beschwer-
deführenden zur angeblich ungerechtfertigt erfolgten Verurteilung des Be-
schwerdeführers wegen Steuerhinterziehung betreffend das Steuerjahr 2015 
keinen gültigen Fristwiederherstellungsgrund. Auf die materiell-rechtlichen 
Argumente ist nicht weiter einzugehen, da sich die StRK in den angefochte-
nen Entscheiden ausschliesslich zur Frage der fristgerechten Erhebung von 
Rekurs bzw. Beschwerde geäussert hat, so dass Prozessthema in den vor-
liegenden Beschwerdeverfahren allein die Frage bilden kann, ob die Vor-
instanz zu Recht oder zu Unrecht keinen Sachentscheid getroffen hat (BVR 
2017 S. 459 E. 2.3; neuerdings etwa VGE 2021/308 vom 8.8.2022 E. 1.3; 
Michel Daum, a.a.O., Art. 20a N. 45). 

4.4 Zusammenfassend liegen keine erheblichen Gründe vor, die eine 
Wiederherstellung der missachteten Rechtsmittelfristen begründen. Die 
StRK ist folglich zu Recht auf Rekurs und Beschwerde nicht eingetreten. Die 
angefochtenen Nichteintretensentscheide halten der Rechtskontrolle stand. 

5.

Nach dem Gesagten erweisen sich die Beschwerden als unbegründet und 
sind abzuweisen. Bei diesem Ausgang der Verfahren werden die Beschwer-
deführenden an sich kostenpflichtig (Art. 151 StG i.V.m. Art. 108 Abs. 1 
VRPG; Art. 145 Abs. 2 i.V.m. Art. 144 Abs. 1 DBG). Die Umstände rechtfer-
tigen jedoch, ihnen keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. Parteikosten sind 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.12.2022, Nrn. 100.2022.157/158U, 
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keine zu sprechen (Art. 151 StG i.V.m. Art. 108 Abs. 3 und Art. 104 Abs. 3 
VRPG; Art. 145 Abs. 2 i.V.m. Art. 144 Abs. 4 DBG und Art. 64 Abs. 1 VwVG).

Demnach entscheidet der Einzelrichter:

1. Die Beschwerde betreffend die Kantons- und Gemeindesteuern 2015 wird 
abgewiesen. 

2. Die Beschwerde betreffend die direkte Bundessteuer 2015 wird abgewie-
sen.

3. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch Parteikosten gespro-
chen. 

4. Zu eröffnen:
- Beschwerdeführende
- Steuerverwaltung des Kantons Bern
- Steuerrekurskommission des Kantons Bern
- Eidgenössische Steuerverwaltung

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

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Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Eröffnung beim Bundesgericht, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss 
Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.