# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 74c498b1-dc4f-5146-b3f1-cf3d8ca14c35
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-02-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.02.2024 E-2354/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2354-2022_2024-02-28.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2354/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 8 .  F e b r u a r  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richter Lorenz Noli (Vorsitz), 

Richterin Chiara Piras,  

Richterin Regina Derrer,    

Gerichtsschreiber Kevin Schori. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Somalia,   

vertreten durch MLaw Lara Märki, Rechtsanwältin,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 13. April 2022 / N (…). 

 

 

 

E-2354/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer suchte am 30. Oktober 2021 in der Schweiz um 

Asyl nach und wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region 

B._______ zugewiesen. 

A.b Am 5. November 2021 wurde der Beschwerdeführer zu seinen Perso-

nalien befragt (Personalienaufnahme, PA) und am 10. November 2021 

fand das persönliche Gespräch (Dublin-Gespräch) gemäss Art. 5 der Ver-

ordnung (EU) Nr. 604/2013 vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien 

und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-

nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestellten An-

trags auf internationalen Schutz zuständig ist (Dublin-III-VO), statt. 

B.  

B.a Am 15. Dezember 2021 fand die Anhörung zu den Asylgründen statt 

(Erstanhörung). Am 3. März 2022 wurde eine ergänzende Anhörung 

(Zweitanhörung) durchgeführt. Dabei machte der Beschwerdeführer im 

Wesentlichen Folgendes geltend:  

Er stamme aus Mogadischu, wo er mit einer älteren Schwester aufgewach-

sen sei. Zu seinen Verwandten habe er keinen Kontakt. Sein Vater habe 

psychische Probleme gehabt und sei eines Tages plötzlich verschwunden. 

Bis heute habe er keine Informationen über seinen Aufenthaltsort und 

wisse nicht, ob er überhaupt noch lebe. Die Verwandten seines Vaters hät-

ten die Familie nie unterstützt, nachdem sein Vater Probleme bekommen 

habe. Er habe in Mogadischu die Universität besucht und dort im (…) das 

Studium in «(…)» abgeschlossen. Danach habe er in einer (…) mit (…) 

Mitarbeitern gearbeitet; anfänglich als (…) und (…), zuletzt als (…). Am (…) 

2020 habe er seine jetzige Ehefrau geheiratet.  

Am (…) 2020 habe er einen Anruf von einer unbekannten Nummer erhal-

ten. Der Anrufer habe sich als Mitglied der islamischen Regional-Verwal-

tung der al-Shabaab vorgestellt und von ihm verlangt, einen Ausweis (…) 

zu (…). Er habe dem Anrufer erklärt, dass er dies nicht tun könne und habe 

aufgelegt. Die Person habe sich erneut bei ihm gemeldet und ihm gedroht, 

dass er die Verantwortung tragen müsse, wenn er wieder auflegen würde. 

Man würde ihm am folgenden Tag nähere Informationen zum Auftrag ge-

ben und erwarte von ihm, dass er die Arbeit baldmöglichst erledige. Sicher-

heitshalber sei er an diesem Tag nicht nachhause gegangen, sondern habe 

bei einem Freund übernachtet. Am folgenden Tag sei er nicht arbeiten 

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Seite 3 

gegangen und habe sein Telefon ausgeschaltet. Einen Tag später habe 

sich die Person erneut telefonisch gemeldet und ihm eine Frist von einem 

Tag gegeben, um den Auftrag zu erledigen. Am nächsten Tag sei er wiede-

rum nicht zur Arbeit gegangen. An diesem Tag habe er einen weiteren An-

ruf erhalten, wobei man ihn bedroht habe. Vergeblich habe er dem Anrufer 

klarzumachen versucht, dass er wegen seiner Ehefrau und seiner Mutter, 

welche auf seine Unterstützung angewiesen sei, seine Arbeitsstelle nicht 

verlieren wolle und er den Auftrag deshalb nicht erledigen könne. Der An-

rufer habe ihm daraufhin zu verstehen gegeben, dass eine Reaktion folgen 

würde. 

Am folgenden Tag – es sei der (…) 2020 gewesen – habe er sich bereitge-

macht, um zur Arbeit zu gehen. Als er unter der Dusche gewesen sei, habe 

es an der Türe geklopft. Er habe gehört wie seine Frau geschrien habe, 

dass jemand mit einer Pistole an der Türe sei. Sofort habe er sich ein Ge-

wand geschnappt, sei über die Mauer der offenen Dusche gesprungen und 

mittels Motorrad-Taxi zu einem Freund in den Stadtteil C._______ geflüch-

tet. Dort habe er seine Ehefrau angerufen und von ihr erfahren, dass der 

Angreifer nach ihm gesucht und ihr dabei mit seiner Pistole gegen den Kopf 

geschlagen habe. Auch seine (…), die gerade zu Besuch gewesen sei, sei 

geschlagen worden. Seine Mutter sei aufgrund des Vorfalls zusammenge-

brochen und ins Spital gebracht worden. Der Eindringling habe gegenüber 

seiner Frau geäussert, dass er (der Beschwerdeführer) zum Tode verurteilt 

sei. Nachdem er sich zwölf Tage lang versteckt gehalten habe, sei er am 

(…) 2020 mit dem Bus an die somalische Grenze gefahren. Bei D._______ 

habe er die Grenze auf illegale Weise ohne Dokumente überquert und sei 

nach Kenia gelangt, wo er sich ungefähr einen Monat lang aufgehalten 

habe. Anschliessend sei er nach Uganda weitergereist und von Schleppern 

nach Libyen gebracht worden. In Libyen sei er in Gefangenschaft geraten 

und erst nach elf Monaten und einer Lösegeldzahlung freigekommen. Auf 

einem Boot sei er übers Mittelmeer nach Lampedusa gefahren und 

schliesslich nach Mailand gelangt, wo er nach einem Monat Aufenthalt am 

(…) 2021 einen Zug in die Schweiz bestiegen habe. 

Nach dem Vorfall vom (…) 2020 seien seine Ehefrau und seine Mutter zu 

seiner Schwester gezogen. Seine Mutter sei aufgrund des Vorfalls, und 

nachdem sie zweimal im Koma gelegen sei, am (…) 2021 verstorben. 

B.b Der Beschwerdeführer reichte neben Kopien seines somalischen Pas-

ses und seiner Identitätskarte folgende Dokumente und Beweismittel ein: 

– einen Schülerausweis und ein High-School-Diplom,  

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Seite 4 

– zwei Ausbildungszertifikate,  

– ein Abschlussdiplom und Zeugnis der Universität, 

– einen Mitarbeiterausweis, ein Arbeitszeugnis sowie ein «Framework 

Agreement» der (…), 

– vier Fotos seiner Arbeitstätigkeit, 

– Todesschein seiner der Mutter. 

C.  

Am 17. Dezember 2021 wurde der Beschwerdeführer dem erweiterten Ver-

fahren zugeteilt.  

D.  

Am 1. Februar 2022 zeigte die rubrizierte Rechtsvertretung mit Vollmacht 

vom 26. Januar 2022 ihr Mandat an und reichte zwei der vorgenannten 

Beweismittel (vgl. Bst. B.b) zu den Akten.  

E.  

Mit Verfügung vom 13. April 2022 – eröffnet am 26. April 2022 – verneinte 

die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und 

lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte sie seine Wegweisung aus 

der Schweiz, deren Vollzug jedoch wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer 

vorläufigen Aufnahme aufgeschoben wurde. Darüber hinaus ordnete die 

Vorinstanz die Aushändigung der editionspflichtigen Akten an den Be-

schwerdeführer an.  

F.  

Mit (elektronischer) Eingabe vom 25. Mai 2022 erhob der Beschwerdefüh-

rer Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte darin die 

Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung vom 13. April 2022 unter An-

weisung an die Vorinstanz, seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und 

ihm Asyl zu gewähren, sowie eventualiter die Aufhebung der angefochte-

nen Verfügung und die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neu-

beurteilung. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung der un-

entgeltlichen Rechtspflege inklusive Kostenvorschussverzicht und die Bei-

ordnung der rubrizierten Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin. 

G.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

27. Mai 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG). 

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Seite 5 

H.  

H.a Aufgrund eines Eintrags im zentralen Migrationsinformationssystem 

(ZEMIS), demzufolge der Beschwerdeführer seit dem (…) 2023 einer Er-

werbstätigkeit nachgeht, forderte der Instruktionsrichter den Beschwerde-

führer mit Zwischenverfügung vom 6. November 2023 auf, innert Frist ent-

weder eine aktuelle Fürsorgebestätigung einzureichen oder seine Prozess-

armut mittels wahrheitsgetreu ausgefülltem Formular «Gesuch um unent-

geltliche Rechtspflege» unter Beilage gehöriger Beweismittel darzulegen. 

H.b Mit fristgerechter Eingabe vom 21. November 2023 gab der Beschwer-

deführer Auskunft über seine Einkommens- und Vermögenssituation und 

reichte eine Kopie seines Arbeitsvertrags vom (…) 2023 sowie vier Lohn-

abrechnungen der Monate Juli, August, September und Oktober 2023 ein. 

H.c Mit Zwischenverfügung vom 11. Dezember 2023 forderte der Instrukti-

onsrichter den Beschwerdeführer aufgrund widersprüchlicher Angaben 

auf, innert Frist zu seiner aktuellen Arbeitstätigkeit Stellung zu nehmen und 

entsprechende Beweismittel (insb. einen aktuellen Arbeitsvertrag) einzu-

reichen. 

H.d Mit fristgerechter Eingabe vom 27. Dezember 2023 gab der Beschwer-

deführer Auskunft zu seinem Arbeitsverhältnis und reichte eine E-Mail an 

seine Rechtsvertreterin vom 26. Dezember 2023 sowie eine Rechnung der 

Krankenkassenprämie vom November 2023 ein. 

H.e Mit Eingabe vom 15. Januar 2024 reichte der Beschwerdeführer wei-

tere Dokumente betreffend seine finanzielle Situation (Lohnabrechnungen 

vom November und Dezember 2023, Kontoauszüge vom Oktober, Novem-

ber und Dezember 2023, eine Kaufquittung für einen E-Scooter) ein und 

stellte die Einreichung eines aktuellen Arbeitsvertrags in Aussicht.  

H.f Mit Eingabe vom 14. Februar 2024 reichte der Beschwerdeführer einen 

auf den (…) 2024 datierten Arbeitsvertrag sowie eine Lohnabrechnung und 

einen Kontoauszug vom Januar 2024 ein. 

  

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Seite 6 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-

tig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung 

eines Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

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Seite 7 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Entscheid im Wesentli-

chen damit, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderun-

gen von Art. 7 AsylG an das Glaubhaftmachen nicht standhalten würden. 

Zwar wurde von der Vorinstanz grundsätzlich nicht in Zweifel gezogen, 

dass der Beschwerdeführer bis zu seiner Ausreise tatsächlich (…) einer 

(…) gewesen sei, zumal er dies mittels verschiedener Unterlagen habe be-

legen können. Zudem erscheine es durchaus plausibel, dass jemand von 

ihm verlangt haben könnte, offizielle Dokumente zu illegalen Zwecken zu 

plagiieren. Allerdings erscheine fraglich, dass eine ihm unbekannte Person 

ihn anrufen und gleich im ersten Gespräch den Plan der al-Shabaab offen-

legen würde, (…) zu kopieren und missbrauchen zu wollen. Der Anrufer 

habe davon ausgehen müssen, dass ihm (dem Beschwerdeführer) sofort 

klar sein würde, dass es sich dabei um eine illegale Aktion handle und er 

diesen Auftrag deshalb ablehnen würde oder sogar die Behörden informie-

ren könnte. Ausserdem erscheine es abwegig, dem Beschwerdeführer ei-

nerseits einen konkreten Auftrag zu erteilen, andererseits aber keine wei-

terführenden Informationen darüber zu geben oder nachzufragen, ob er 

dazu technisch überhaupt in der Lage wäre. Dies gelte umso mehr, als 

dass das Plagiieren von Ausweisen in der Regel gewisse Fertigkeiten so-

wie bestimmte Materialien erfordere. Auch habe er keine Vorlage erhalten 

und es sei nie näher umschrieben worden, um was für einen Ausweis es 

sich überhaupt handle oder wie dieser genau auszusehen habe. Insofern 

erstaune die Vorgehensweise der al-Shabaab. Tatsächlich habe der Be-

schwerdeführer später einen Bekannten, einen (…)-Offizier, über die An-

rufe informiert. Diesbezüglich erstaune, dass dieser Offizier ihm sogleich 

zur Flucht ins Ausland geraten haben soll, ohne dass dieser mit ihm weitere 

Optionen besprochen, sich näher über den Anrufer und seine Absichten 

informiert oder allenfalls Nachforschungen zu den Plänen der al-Shabaab 

angestellt habe. Dies erscheine realitätsfern, zumal es im Interesse eines 

hochrangigen Militärangehörigen sein müsse, die Pläne der al-Shabaab 

frühzeitig aufzudecken und mögliche terroristische Aktionen zu unterbin-

den. Bezüglich des Gesprächs mit dem Offizier habe er nur sehr knappe 

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Seite 8 

und oberflächliche Angaben gemacht, was die Zweifel an seiner Darstel-

lung verstärke. Schwer nachvollziehbar erscheine überdies, dass er immer 

wieder die Anrufe eines Unbekannten entgegengenommen habe, obschon 

ihm klar gewesen sei, dass ihn dies in Schwierigkeiten bringen würde und 

er deswegen sein Mobiltelefon zeitweise sogar ganz ausgeschaltet habe. 

Ausserdem habe er seinen Arbeitgeber erst informiert, nachdem ein Unbe-

kannter in seine Wohnung eingedrungen sei und seine Ehefrau attackiert 

habe. Dieses Verhalten sei auch deshalb nicht logisch, da er bereits nach 

dem ersten Anruf als Sicherheitsmassnahme ausser Haus übernachtet 

habe. Als (…) einer (...) sei er für die Sicherheit seiner Mitarbeiter verant-

wortlich gewesen, sodass schwer nachvollziehbar sei, dass er diese nicht 

über die Drohanrufe informiert habe, zumal er hätte davon ausgehen müs-

sen, dass man auch andere Mitarbeiter der (...) kontaktieren und unter 

Druck setzen würde.  

Seine Aussagen zu den zentralen Punkten der Asylvorbringen, aber insbe-

sondere zum letzten fluchtauslösenden Ereignis, seien insgesamt schema-

tisch, wirklichkeitsfremd und knapp ausgefallen. Den Darstellungen fehlten 

die typischen Merkmale (Realkennzeichen) wie Detailreichtum, die Be-

schreibungen von Emotionen und Gedankengängen, die räumliche und 

zeitliche Verknüpfung der erzählten Ereignisse sowie die Schilderungen 

von nebensächlichen und ausgefallenen Einzelheiten, die normalerweise 

die Erzählungen von tatsächlich erlebten Begebenheiten prägten. Seine 

Aussagen könnten in der gemachten Form ohne weiteres von irgendje-

mandem nacherzählt werden. Diese einfach gehaltene Sachverhaltsdar-

stellung sei mit der erfahrungsgemäss um ein Vielfaches komplexeren 

Wirklichkeit nicht zu vereinbaren. Im vorliegenden Fall untermauere weder 

persönliche Betroffenheit noch subjektives Empfinden das Geschilderte. 

Insgesamt sei davon auszugehen, dass er sich bei den Schilderungen auf 

einen konstruierten Sachverhalt und nicht auf tatsächlich Erlebtes stütze. 

Insbesondere habe er den fluchtauslösenden Vorfall plakativ und wirklich-

keitsfremd dargestellt. Es stelle sich hierbei die Frage, weshalb er derart 

überstürzt geflüchtet sei, ohne überhaupt zu wissen, wer an der Türe ge-

wesen sei, zumal er nicht unbedingt davon habe ausgehen können, dass 

der Eindringling etwas mit den vorangegangenen Anrufen zu tun gehabt 

habe. Es habe sich genauso gut um irgendeinen Kriminellen handeln kön-

nen, was angesichts der fragilen Situation in Mogadischu ebenfalls nahe-

liegend scheine. Obschon er mitbekommen habe, dass der Eindringling mit 

einer Pistole seine Ehefrau bedroht habe, habe er seine Ehefrau, seine 

Mutter und die (…) alleine in der Wohnung zurückgelassen, sich auf ein 

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Seite 9 

Motorrad gesetzt und sei während rund dreissig Minuten in einen anderen 

Stadtteil gefahren. In einer solchen Situation wäre zu erwarten gewesen, 

dass er sich in der Nachbarschaft oder auf andere Weise Hilfe gesucht 

hätte, zumal sich seine Familie offensichtlich in akuter Gefahr befunden 

habe. Es scheine zudem wirklichkeitsfremd, dass er in diesem Moment of-

fenbar keine Gedanken an seine Familie verschwendet, sondern nur an 

sich gedacht habe. Seine Ausführungen zu seinen Gedankengängen seien 

trotz mehrmaliger Nachfrage einsilbig und mit der geschilderten Situation 

höchster Anspannung schwer vereinbar geblieben. Darüber hinaus er-

scheine wirklichkeitsfremd, dass die al-Shabaab einen Bewaffneten zu ihm 

nach Hause hätten schicken sollen, um ihn aus dem Weg zu räumen, was 

diese ihrem Ziel, Ausweise kopieren zu können, nicht nähergebracht hätte. 

Auch wirke realitätsfremd, dass die al-Shabaab einen derartigen Aufwand 

hätte betreiben sollen, ihn immer wieder telefonisch zu kontaktieren und 

zuletzt sogar zuhause umzubringen. Es wäre um ein Vielfaches einfacher 

gewesen, jemanden in die (...) zu schicken und dort dafür zu sorgen, dass 

der Auftrag unter Zwang auch wirklich ausgeführt werde.  

Schliesslich hielt die Vorinstanz fest, dass die Vorbringen des Beschwer-

deführers selbst bei Wahrunterstellung die Voraussetzungen von Art. 3 

AsylG nicht erfüllen würden. Die al-Shabaab habe ihn nicht aus einem in 

Art. 3 AsylG genannten Motiv zu treffen versucht, sondern bloss wegen 

seiner Funktion als (…) einer (...).   

5.2 Dem entgegnete der Beschwerdeführer, dass seine Aussagen zahlrei-

che Realkennzeichen enthielten. So habe er unter anderem unter Nennung 

genauer Daten, Reisewege und Transportmittel von seiner Flucht erzählt. 

Er habe seine Identität, seinen Werdegang und seine Arbeit glaubhaft mit 

Beweismitteln belegt. Weiter habe er in freier Rede unter Nennung von Or-

ten, genauen chronologischen Zeitabläufen, Wochentagen sowie der Ver-

wendung direkter Rede von seiner Verfolgung respektive dem fluchtauslö-

senden Ereignis berichtet. Seine Antworten auf einzelne Fragen bei der 

Zweitanhörung deckten sich allesamt mit seinem freien Bericht der Erstan-

hörung. Er habe in der Zweitanhörung weitere zahlreiche Details und Ne-

bensächlichkeiten erwähnt, ohne dass ihm hierzu konkrete Fragen gestellt 

worden seien. Er habe seine inneren Gedankengänge und Gefühle im Mo-

ment der Flucht und bei einem Gespräch mit seiner Frau umschrieben. Die 

eher knappe Erzählweise liege offensichtlich in seiner Natur. Weiter habe 

die Vorinstanz ihren Entscheid nahezu ausschliesslich mit der angeblich 

fehlenden Plausibilität der Vorkommnisse begründet, ohne sich dabei auf 

objektivierbare Kriterien abzustützen. Sie verkenne dabei offensichtlich die 

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Seite 10 

Realität in Somalia respektive Mogadischu. Die al-Shabaab habe in Soma-

lia viel Macht und fürchte sich nicht vor den Behörden. Ihm wäre es nicht 

möglich gewesen, die Behörden zu informieren, da dies für ihn mit zu viel 

Unsicherheit und Gefahr verbunden gewesen wäre. Weiter sei dem SEM 

betreffend die Detailliertheit des Auftrags zu entgegnen, dass der Anrufer 

ihm mitgeteilt habe, der Auftrag würde ihm genauer erläutert. Wäre er am 

nächsten Tag zur Arbeit erschienen, hätte er weitere Informationen zum 

konkreten Auftrag erhalten; dies habe er an der Anhörung erklärt. An den 

Befragungen habe er auch ausgeführt, dass seine (...) in der Lage gewe-

sen wäre, diese Dokumente herzustellen, da sie spezielle (…) sowie das 

nötige Wissen gehabt hätten. Seine (...) sei in Mogadischu bekannt und 

«gut situiert» gewesen. Auch hinsichtlich des Gesprächs mit dem (…)-Of-

fizier bediene sich das SEM subjektiver Plausibilitätskriterien, welche auf 

die Situation in Somalia nicht anwendbar seien. Er habe den Offizier auch 

als Freund – und nicht als Beamten – um dessen Hilfe und Meinung gebe-

ten. Daher sei die oberste Priorität gewesen, dem Beschwerdeführer zu 

helfen, am Leben zu bleiben, und nicht, der Straftat der al-Shabaab nach-

zugehen. Ob sein Freund den Fall später weiterverfolgt habe, sei ihm nicht 

bekannt, könne aber nicht ausgeschlossen werden. Inwiefern seine Aus-

sagen zu diesem Gespräch oberflächlich seien, sei nicht ersichtlich. So-

dann habe er die Telefonanrufe beantwortet, um zu versuchen, den Anrufer 

umzustimmen und Zeit zu gewinnen. Hätte er die Anrufe nicht beantwortet, 

hätte er mit schlimmen Konsequenzen rechnen müssen. Ferner habe er 

seine Mitarbeiter nicht informiert, da er nach den Drohanrufen niemandem 

mehr vertraut habe; auch in seiner Firma habe es korrupte Leute oder al-

Shabaab Mitglieder geben können. Zudem habe er nicht gewollt, dass 

seine Mitarbeiter Angst hätten und die Arbeit verweigern würden. Der An-

griff an seinem Wohnort sei naheliegenderweise mit den Anrufen in Verbin-

dung gestanden. Er habe in diesem Moment nicht gedacht, dass seine Fa-

milie in Gefahr sei, da die al-Shabaab für den Auftrag ja nur ihn benötigt 

hätten. Um diese Uhrzeit hätte er zudem niemanden gefunden in der Nach-

barschaft, da alle ausser Haus gewesen seien. Schliesslich verkenne das 

SEM, dass der von ihm geschilderte Angriff der typischen Vorgehensweise 

der al-Shabaab entspreche. Über das genaue Ziel des Angriffs (Wahrma-

chung der Drohung oder zwangsweise Mitnahme) könne lediglich speku-

liert werden. Sodann könne von einer nicht nachvollziehbaren Verhaltens-

weise des Verfolgungsakteurs nicht direkt auf die Unglaubhaftigkeit der 

Vorbringen geschlossen werden. Als (…) habe er zudem zwingend in den 

Plan der al-Shabaab involviert werden müssen, da es ohne sein Zutun sei-

nen Mitarbeitern kaum möglich gewesen wäre, den Auftrag auszuführen. 

Gesamthaft betrachtet würden die Realkennzeichen deutlich überwiegen. 

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Seite 11 

Das SEM habe diese bei der einseitigen Glaubhaftigkeitsprüfung nicht be-

rücksichtigt. Er habe begründete Furcht vor weiteren Vergeltungsaktionen 

der al-Shabaab. Er sei bedroht und verfolgt worden, da er sich geweigert 

habe, die Befehle der al-Shabaab auszuführen. Das SEM verkenne, dass 

bereits das Vertreten einer neutralen Haltung oder die Weigerung, politisch 

Position zu beziehen, eine politische Meinung sei. Angesichts der Verhält-

nisse in Somalia könne er auch keinen Schutz durch die staatlichen Behör-

den erlangen; eine innerstaatliche Schutzalternative sei nicht ersichtlich.   

6.  

6.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie ge-

nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich 

nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht 

widersprüchlich sein, nicht der inneren Logik entbehren oder den Tatsa-

chen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Vorbringen sind sub-

stanziiert, wenn sie sich auf detaillierte, präzise und konkrete Schilderun-

gen stützen. Als schlüssig gelten Vorbringen, wenn sie innerhalb einer An-

hörung, zwischen Anhörungen oder im Vergleich zu Aussagen Dritter keine 

Widersprüche aufweisen. Allerdings sollten kleine, marginale Widersprü-

che sowie solche, die nicht die zentralen Asylvorbringen betreffen, zwar in 

die Gesamtbetrachtung einfliessen, jedoch nicht die alleinige Begründung 

für die Verneinung der Glaubhaftigkeit darstellen. Darüber hinaus muss die 

gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbe-

sondere dann nicht der Fall ist, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt 

oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen aus-

wechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mitwir-

kung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachen bedeutet ferner – im Ge-

gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der 

gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die 

Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. 

Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5 

E. 2.2, BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3; ANNE KNEER und LINUS SONDEREG-

GER, Glaubhaftigkeitsprüfung im Asylverfahren – Ein Überblick über die 

Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, Asyl 2/2015 S. 5). 

6.2 Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum 

Schluss, dass die angefochtene Verfügung im Resultat zu stützen ist. Die 

Vorinstanz ist darin mit ausführlicher, gehörig auf die Akten und die Recht-

sprechung abgestützter sowie im Wesentlichen überzeugender Begrün-

dung zum Schluss gelangt, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers 

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Seite 12 

den Anforderungen von Art. 7 AsylG an das Glaubhaftmachen nicht zu ge-

nügen vermögen. Der Beschwerdeführer vermag dem in seiner Beschwer-

deeingabe insgesamt nichts entgegenzusetzen, was zu einer anderen Ein-

schätzung führen könnte. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann da-

her – mit den nachfolgenden Ergänzungen – auf die Erwägungen der Vor-

instanz (vgl. a.a.O. Ziff. II) verwiesen werden. 

6.3 Eingangs ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass die Schilderungen 

des Beschwerdeführers zumindest stellenweise einzelne Realkennzeichen 

wie beispielsweise Interaktionsschilderungen (vgl. vorinstanzliche Akten 

[…]-16/14 [nachfolgend: act. 16] F85; act. 28 F95) und spontane Präzisie-

rungen (vgl. act. 16 F91, F104, F108) enthalten. Diese vermögen jedoch 

die ansonsten auffallend substanzlosen, simpel gehaltenen und konturlos 

verbleibenden übrigen Schilderungen des Beschwerdeführers klarerweise 

nicht aufzuwiegen. Besonders die Schilderungen zum fluchtauslösenden 

Vorfall vom (…) 2020 verblieben trotz expliziter Aufforderung des SEM, das 

Geschehene so detailliert wie möglich zu erzählen (vgl. act. 28 F26, F35), 

über beide Anhörungen hinweg stereotyp und eindimensional. An der 

Zweitanhörung wiederholte der Beschwerdeführer im Wesentlichen bloss 

seine Vorbringen, ohne dem bisher geschilderten neue Details oder eine 

neue Dimension hinzuzufügen (vgl. a.a.O. F26 ff.). Er beschränkte sich auf 

die Aneinanderreihung von Handlungssträngen. Glaubhafte Schilderungen 

zeichnen sich allerdings auch durch die Wiedergabe von Gedanken oder 

Gefühlen aus. Diese persönliche Dimension fehlt – mit einzelnen Ausnah-

men (vgl. act. 28 F63 und F117) – vorliegend weitestgehend. Dies ist vor 

dem Hintergrund, dass anlässlich des Überfalls bei ihm Zuhause seine 

Frau, seine Mutter sowie seine (…) direkt unter Anwendung von Gewalt 

bedroht worden seien und er den Tod seiner Mutter auf dieses Ereignis 

zurückführte (vgl. act. 16 F112 und diesbezügliche Anmerkung während 

der Rückübersetzung, a.a.O. S. 14) nicht nachvollziehbar. Ebenso ist nicht 

nachvollziehbar, dass er nicht versucht habe, seiner Familie zu helfen oder 

sie nach Ankunft bei seinem Freund zumindest zu kontaktieren, um sich 

nach deren Wohlergehen zu erkundigen (vgl. act. 28 F44 f., F48).  

Die Eindimensionalität und fehlende persönliche Tiefe der Schilderungen 

zeigt sich beispielsweise auch dort, wo er aufgefordert wurde, das Treffen 

mit seinem besten Freund nach der Flucht auf dem Motorrad oder das Ge-

spräch mit seiner Ehefrau, wo er ihr seine Ausreisepläne offenbart habe, 

zu beschreiben (vgl. a.a.O. F43-48, F54-61). Die an dieser Stelle ver-

schlossene und einsilbige Erzählweise auf die zahlreichen Nachfragen des 

SEM kontrastiert stark mit den Schilderungen zum Vorfall vom (…) 2020 in 

E-2354/2022 

Seite 13 

der freien Rede, was allenfalls als Indiz für einen erfundenen respektive 

einstudierten Sachverhalt gewertet werden kann. Entgegen der Behaup-

tung in der Beschwerde ist daher nicht von einer grundsätzlich knappen 

Erzählweise des Beschwerdeführers auszugehen. In dieser Hinsicht ist 

weiter anzuführen, dass der Beschwerdeführer seiner Erzählung jeweils 

erst auf mehrfache Nachfragen gewisse Details (beispielsweise Badetuch 

und Gewand, Komplikationsschilderungen; vgl. act. 28 F26-43) hinzuge-

fügt hat, obschon zu erwarten gewesen wäre, dass er diese bereits beim 

ersten Mal erwähnt hätte (vgl. a.a.O. F36 f., F40 f.). Auch die Schilderung 

des angeblichen Gesprächs mit dem befreundeten Offizier blieb substanz-

los (vgl. act. 16 F88; act. 28 F46, F63-67, F69). Angesichts dessen, dass 

dieses Gespräch – anlässlich dessen ihm der befreundete Offizier zur 

Flucht geraten habe – ausschlaggebend für den Entschluss zur Ausreise 

gewesen sei, wären hierzu ausführliche und lebensnahe Schilderungen zu 

erwarten gewesen.  

6.4 Die Schilderungen des Beschwerdeführers offenbaren jedoch nicht nur 

ein augenscheinliches Fehlen einer zu erwartenden Substanz. Erschwe-

rend kommt hinzu, dass er sich in seinen Schilderungen mehrfach in zent-

ralen Aspekten der Asylvorbringen in Widersprüche verstrickt beziehungs-

weise diese klare Unstimmigkeiten aufweisen.  

Betreffend den Vorfall vom (…) 2020 offenbart sich zunächst ein klarer Wi-

derspruch hinsichtlich der Schilderungen zum Geschehen an der Haus-

türe. Wenn der Beschwerdeführer ausführt, seine Frau habe dem Angreifer 

zunächst die Türe geöffnet, weil sie ihn für einen Bekannten von ihm ge-

halten habe und ihm etwas zu Essen und zu Trinken habe anbieten wollen, 

steht dies in offenem Widerspruch zu der Behauptung, der Angreifer habe 

die Türe aufgebrochen (vgl. act. 16 F85; act. 28 F26 und F113). Die ent-

sprechenden Darstellungen schliessen sich denklogisch aus.  

Auch die Art und Weise, wie die al-Shabaab dem Beschwerdeführer an-

geblich einen Auftrag erteilt habe, unterliegen Behauptungen, die mit ei-

nem realen Geschehen nicht zu vereinbaren sind. Anlässlich mehrerer Te-

lefonanrufe sei dem Beschwerdeführer der Auftrag zum Plagiieren von 

Ausweisen von (…) erteilt worden. Anlässlich von Folgetelefonaten hätten 

die Anrufer ihn gar getadelt, dass der Auftrag noch nicht ausgeführt worden 

sei (vgl. act. 16 F91). Hierzu führte der Beschwerde-führer aus, die Perso-

nen seien ihm gar nicht bekannt gewesen und ihm sei nicht einmal mitge-

teilt worden, was für Ausweise er hätte fälschen sollen. Auch sei ihm gar 

nie eine Vorlage abgegeben worden (vgl. act. 16 F97). Diesbezüglich ist 

E-2354/2022 

Seite 14 

festzuhalten, dass die Nachbildung eines amtlichen Ausweises sehr ge-

naue Kenntnisse hinsichtlich Erscheinungsbild, Farbe, Papier, Drucktech-

nik, Material, Sicherheitsmerkmale und anderer Besonderheiten des Doku-

ments erfordern, ohne diese ein Auftrag gar nicht ausgeführt werden 

könnte. Entsprechendes kann per Telefon denklogisch gar nicht vermittelt 

werden. Weiter ist kaum nachvollziehbar, inwiefern die angeblichen Auf-

traggeber den Beschwerdeführer getadelt haben sollten, wenn dieser noch 

nicht einmal wusste, was er überhaupt hätte fälschen sollen und für wen. 

Bemerkenswert erscheint auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer 

letztlich nicht einmal benennen konnte, welche Ausweise (…) er überhaupt 

hätte fälschen sollen (vgl. act. 28, F99). Dies obwohl sich das Erschei-

nungsbild dieser Ausweise voneinander unterscheiden dürfte. Die Art und 

Weise wie der angebliche Auftrag erteilt worden sein soll, erweist sich als 

kaum lebensnah und dürfte sich kaum so zugetragen haben.   

Weiter ist nicht nachvollziehbar, weshalb sich die al-Shabaab einzig auf 

den Beschwerdeführer fokussiert und nicht auch andere Mitarbeiter des 

(…) ins Auge gefasst haben soll. In der Beschwerde wird dies damit erklärt, 

dass es ohne sein Zutun nicht möglich gewesen wäre, den Auftrag der al-

Shabaab auszuführen. Eine Begründung für diese nicht überzeugende Be-

hauptung lässt sich der Beschwerde allerdings nicht entnehmen. Sie findet 

auch keine Stütze in den Akten, zumal der Beschwerdeführer weder in der 

Erst- noch der Zweitanhörung einen entsprechenden Einwand anbrachte 

(vgl. act. 16 F102; act. 28 F79, F84, F99). Hätte es, wie der Beschwerde-

führer behauptet, in seiner Firma tatsächlich korrupte Leute oder gar al-

Shabaab-Mitglieder gegeben, hätte sich die al-Shabaab wohl kaum an den 

Beschwerdeführer, sondern vielmehr an diese Personen gewandt.  

Ferner ist unerklärlich, weshalb die al-Shabaab tagelang versucht haben 

sollte, den Beschwerdeführer telefonisch durch Drohungen zur Ausführung 

des Auftrags zu bewegen, wenn sie stattdessen ganz einfach selbst per-

sönlich bei der (...) hätte erscheinen und vor Ort die Anfertigung der Aus-

weiskopie erzwingen können. In diesem Zusammenhang ist erneut darauf 

hinzuweisen, dass eine telefonische Auftragserteilung schon aus prakti-

schen Gründen nicht zielführend sein kann. Wie dargelegt, bedingt die 

Ausführung dieses Auftrags denknotwendig, dass genaue Vorlagen, klare 

Angaben, detaillierte Inhalte und aktuelle Muster zu den konkret zu plagi-

ierenden Ausweisen übergeben werden. Dies ist telefonisch nicht möglich.  

Augenscheinliche Unstimmigkeiten ergeben sich letztlich auch in Bezug 

auf das angebliche Geschehen vom (…) 2020, als der Beschwerdeführer 

E-2354/2022 

Seite 15 

behauptungsweise direkt aus der Dusche seines Wohnhauses heraus die 

Flucht ergriffen habe, als sich eine Person an der Haustür gewaltsam habe 

Zutritt verschaffen wollen. So erscheint hierbei kaum nachvollziehbar, wes-

halb der Beschwerdeführer, der fast nackt und noch «mit Seife beschmiert» 

(vgl. act. 28 F36) das Haus verlassen haben will, nicht direkt in der unmit-

telbaren Nachbarschaft bei Freunden und Bekannten Zuflucht gesucht 

oder sich dort versteckt habe, sondern er in diesem überaus auffälligen 

Erscheinungsbild (vgl. a.a.O.: «Ich sah wie eine verrückte Person aus»), 

zuerst umständlich ein Motorradtaxi gemietet haben und danach damit – 

wohlgemerkt halb nackt und noch eingeseift – rund eine halbe Stunde lang 

in die Stadt gefahren sein will (vgl. act. 28 F39). Eine solche Verhaltens-

weise erscheint in Bezug auf das Vorhaben, rasch und unauffällig zu ent-

kommen, kaum lebensnah, hätte er, wenn er sich tatsächlich so verhalten 

hätte, doch erst recht die volle Aufmerksamkeit auf sich gelenkt und sich 

so selber zum potentiellen Ziel gemacht. Auch im Lichte dessen, dass er 

gar nicht gewusst haben will, wer an seiner Haustüre stand, ist ein solches 

Verhalten kaum glaubhaft. Auch vor diesem Hintergrund erscheint das be-

hauptete Geschehen als konstruiert und klar überzeichnet. 

Kaum lebensnah erscheint sodann die Schilderung des Beschwerdefüh-

rers, er habe zwar in dieser nahezu filmreifen Flucht nur knapp dem Tode 

entrinnen können, sei dann aber die nächsten zwei Wochen wann immer 

es ihm möglich gewesen sei (vgl. act. 28 F50) bedenkenlos zu seiner Ehe-

frau zurückgekehrt, um gemeinsam mit ihr Zeit zu verbringen (vgl. act. 28, 

F49 f.). Ein solch argloses Verhalten ist mit dem behaupteten Geschehen 

nicht in Einklang zu bringen. Eine Person, die effektiv an Leib und Leben 

gefährdet und nur knapp dem Zugriff seiner Feinde entkommen ist, würde 

kaum das Risiko eingehen, sich auf diese Weise selber freiwillig und ohne 

Not regelmässig einer eklatanten Ergreifungsgefahr aussetzen.   

In Bezug auf seine Ehefrau erscheint letztlich auch bemerkenswert, dass 

der Beschwerdeführer zwar quasi unter Lebensgefahr regelmässig zu die-

ser zurückgekehrt sein will, er aber dann keinerlei Gedanken darauf ver-

schwendet habe, seine Ehefrau auf seiner Flucht auch mitzunehmen (vgl. 

act. 28 F55 ff.). Dass seine Ehefrau, die behauptungsweise an der Haus-

türe von einem Mitglied der Al-Shabaab verletzt und sogar mit dem Tod 

bedroht worden sein soll (act. 28 F118), ihrerseits keinerlei Notwendigkeit 

erkannt habe, zu fliehen, sondern sich beinahe teilnahmslos von ihrem 

Ehemann verabschiedet habe (vgl. act. 28 F55 ff.), erscheint im Lichte des 

behaupteten Geschehens kaum lebensnah.   

E-2354/2022 

Seite 16 

Schliesslich ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer nach 

Ankunft in der Schweiz mit seinem Arbeitgeber – mit welchem er telefoni-

schen Kontakt pflege – nicht über allfällige Ereignisse nach seiner Ausreise 

gesprochen oder in Erfahrung gebracht haben will, ob die al-Shabaab nach 

wie vor auf der Durchführung des Auftrags bestehe respektive ob die Be-

drohung überhaupt noch weiter bestehe (vgl. act. 28 F86-89).  

6.5 Insgesamt ist festzustellen, dass die Asylvorbringen des Beschwerde-

führers sowohl eine auffallende Substanzlosigkeit, wie zusätzlich erschwe-

rend auch mehrfache Widersprüche und Ungereimtheiten in den Kernvor-

bringen aufweisen, so dass die entsprechenden Sachbehauptungen kaum 

auf einem realiter vorgefallenen Geschehen basieren können.  

6.6  

6.6.1 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer somit nicht gelun-

gen, eine Verfolgung durch die al-Shabaab glaubhaft zu machen. Das SEM 

hat demzufolge seine Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint und sein 

Asylgesuch folgerichtig abgelehnt. 

6.6.2 Die Berücksichtigung des psychischen Gesundheitszustandes des 

Beschwerdeführers führt zu keinem anderen Schluss. Er machte an der 

Erstanhörung zwar geltend, in letzter Zeit vermehrt Albträume zu haben 

(vgl. act. 16 F4-6) und dem Protokoll des Dublin-Gesprächs lässt sich ent-

nehmen, dass er in Libyen Schlimmes erlebt habe (vgl. act. 12 S. 2) – da-

raus lässt sich aber nicht auf eine posttraumatische Belastungsstörung 

oder anderweitige psychische Beschwerden schliessen, welche sein Aus-

sageverhalten in relevantem Masse negativ beeinträchtigt hätten. Er wurde 

an der Zweitanhörung explizit gefragt, ob sich seine Schlafstörungen be-

ziehungsweise Albträume in der Zwischenzeit gebessert hätten, was er be-

jahte. Die ihm von seiner Rechtsvertretung empfohlenen Teesorten hätten 

ihm geholfen. Er sei deswegen auch nicht beim Arzt gewesen, habe an-

sonsten keine Beschwerden und es gehe ihm gut (vgl. act. 28 F4-8). Dem-

entsprechend ist die Rüge der Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes 

unbegründet. Eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz fällt ausser 

Betracht, der entsprechende Eventualantrag ist abzuweisen. 

6.7 Nach dem Ausgeführten kann offenbleiben, ob die Schlussfolgerung 

des SEM, wonach die Verfolgung selbst bei Wahrunterstellung der Aussa-

gen mangels erkennbaren Verfolgungsmotivs im Sinne von Art. 3 AsylG 

nicht flüchtlingsrelevant wäre, zutreffend ist.  

E-2354/2022 

Seite 17 

7.  

Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 

es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz. Der Beschwerdeführer 

verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch 

über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 

2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die Wegweisung wurde demnach 

ebenfalls zu Recht angeordnet. 

8.  

Nachdem das SEM den Beschwerdeführer wegen Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufgenommen hat, stellt 

sich die Frage nach dem Vorliegen von anderen Vollzugshindernissen – 

Unzulässigkeit oder Unmöglichkeit – im vorliegenden Fall nicht. Die Weg-

weisungsvollzugshindernisse sind alternativer Natur; ist eines erfüllt, gilt 

der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar (vgl. BVGE 2009/51 

E. 5.4). 

 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

10.  

10.1 Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung ist abzuweisen, da es dem Beschwerdeführer 

nicht gelungen ist, die behauptete prozessuale Bedürftigkeit nachzuwei-

sen, womit die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind.  

Den mit Eingaben vom 21. November 2023, 15. Januar 2024 und 14. Feb-

ruar 2024 eingereichten Lohnabrechnungen (vgl. Bst. H.b, H.e und H.f) ist 

zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer während der ausgewiesenen 

sieben Monate Erwerbstätigkeit ein Bruttoeinkommen in der Höhe von 

durchschnittlich Fr. 4’793.– erzielen konnte. Darüber hinaus ist den Konto-

auszügen zu entnehmen, dass er jeden Monat regelmässig hohe Bargeld-

beträge abhob und gemäss seinen Auskünften seine in der Heimat verblie-

bene Ehefrau respektive Familie mit Beträgen von monatlich Fr. 1'000.– 

unterstütze. Trotz dieser ausserordentlich hohen Unterstützungsleistungen 

verfügte er noch über genügend finanzielle Reserven, um ein kaputtes Bett 

sowie einen gestohlenen E-Scooter zu ersetzen. Darüber hinaus ist dem 

eingereichten Arbeitsvertrag vom (…) 2023 zu entnehmen, dass die 

E-2354/2022 

Seite 18 

Einsatzdauer auf drei Monate befristet war und danach ohne Kündigung 

geendet hätte, es sei denn, die Parteien hätten die Einsatzdauer durch 

schriftliche Vereinbarung unbefristet verlängert. Mit Eingabe vom 14. Feb-

ruar 2024 reichte der Beschwerdeführer einen aktuellen, auf den (…) 2024 

datierten Arbeitsvertrag ein, welcher – wohl versehentlich – nach wie vor 

als Arbeitsbeginn den (…) 2023 ausweist und die Einsatzdauer auf drei 

Monate befristet. Die Erwerbstätigkeit im ZEMIS ist zudem nach wie vor 

aktiv. Da der Beschwerdeführer bereits seit über sieben Monaten dieser 

Erwerbstätigkeit nachgeht, ist davon auszugehen, dass der Arbeitgeber ein 

Interesse an der Weiterführung des Arbeitsverhältnisses hat und der Ar-

beitsvertrag entweder stillschweigend in einen unbefristeten Arbeitsvertrag 

umgewandelt wurde oder zumindest bis auf Weiteres Bestand hat. Nach 

dem Gesagten ist der Beschwerdeführer ohne Weiteres in der Lage, die 

Prozesskosten zu tragen (wobei auch eine Ratenzahlung möglich ist).  

10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-

deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– 

festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses wird mit dem vorliegenden Entscheid in der Sache gegen-

standslos. 

10.3 Nachdem die Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung nach Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind ist auch 

das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung 

nach Art. 102m Abs. 1 Bst. a AsylG abzuweisen. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-2354/2022 

Seite 19 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und 

Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Lorenz Noli Kevin Schori 

 

 

Versand: