# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0ea88dc8-fc2b-59f2-bfe4-bb142e60e66b
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1994-12-29
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Rekurskommission Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement 29.12.1994 JAAC 59.106
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_028_JAAC-59-106--_1994-12-29.pdf

## Full Text

JAAC 59.106

Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der
Rekurskommission EVD vom 29. Dezember 1994 in
Sachen Bundesamt für Landwirtschaft und S. gegen
Thurgauer Milchproduzentenverband und Regionale

Rekurskommission Nr. 15; 93/8D-001 und 93/8D-004

Taxe pour dépassement du contingent; notion de lait commercialisé;
obligations auxquelles est soumis le producteur qui vend directement
son lait; contrôle par l’autorité du rapport fourni par le producteur.

1. Art. 20 de l’ordonnance sur la terminologie agricole: notion de lait
commercialisé.

La notion de lait commercialisé implique deux éléments: la volonté
du producteur d’aliéner son lait et la livraison du lait à autrui.
On considère également que le lait est commercialisé lorsque
le producteur livre son lait à un centre collecteur à des fins de
transformation et que le produit transformé est tout de même utilisé
pour l’auto-approvisionnement du producteur; il en va de même
lorsque le producteur vend directement son lait sans le livrer au centre
collecteur (consid. 5.1).

2. Art. 20 al. 1 de l’ordonnance sur la perception de taxes et de
contributions des producteurs de lait: obligations auxquelles est soumis
le producteur qui vend directement son lait.

L’obligation faite aux producteurs de livrer leur lait aux centres
collecteurs est compensée par le fait que l’Etat garantit le prix du lait
et que les centres collecteurs sont tenus d’accepter les livraisons des
producteurs. Le producteur qui vend directement son lait n’est pas
soumis à l’obligation de livrer à un centre collecteur; il est toutefois
astreint à tenir des registres de contrôle, à fournir des rapports et des
renseignements (consid. 6.1).

3. Constatation par l’autorité des dépassements du contingent.

1

Seuls deux contrôles effectués par l’autorité durant une année laitière
ne lui permettent pas d’estimer de façon fiable la quantité de lait qui
a été produite durant ce laps de temps par le producteur. D’autres
facteurs sont à prendre en considération dans cette estimation
(consid. 7-8).

Abgabe für Überschreitung des Milchkontingents; Begriff der
Verkehrsmilch; Pflichten des Selbstausmessers; behördliche Kontrolle
der Meldungen des Produzenten.

1. Art. 20 landwirtschaftliche Begriffsverordnung: Begriff der
Verkehrsmilch.

Zuordnung der Milch zur Verkehrsmilch setzt Veräusserungswillen des
Produzenten und Ablieferung der Milch voraus. Darüber hinaus gilt
Milch, die zwecks Verarbeitung in die Sammelstelle geliefert wird, das
Verarbeitungsprodukt jedoch der Selbstversorgung dient, ebenso als
Verkehrsmilch, wie die selbstausgemessene Milch, die nicht abgeliefert
wird (E. 5.1).

2. Art. 20 Abs. 1 Verordnung über die Erhebung von Abgaben und
Beiträgen der Milchproduzenten: Pflichten des Selbstausmessers.

Staatliche Milchpreisgarantie und generelle Abnahmepflicht als
Gegenstück zur Ablieferungspflicht des Milchproduzenten. Der
Selbstausmesser unterliegt dieser Ablieferungspflicht nicht; für ihn
besteht jedoch eine Kontrollführungs-, Meldungs- und Auskunftspflicht
(E. 6.1).

3. Behördliche Feststellung von Kontingentsüberlieferungen.

Zwei behördliche Kontrollmessungen pro Milchjahr reichen nicht aus,
um eine zuverlässige Hochrechnung der produzierten Milchmenge
anstellen zu können. Weitere Faktoren, welche bei der Hochrechnung
zu berücksichtigen sind (E. 7-8).

Tassa per il superamento del contingente; nozione di latte commerciale;
obblighi a cui è sottoposto il produttore che vende direttamente il suo
latte; controllo dei rapporti del produttore da parte delle autorità.

1. Art. 20 dell’ordinanza sulla terminologia agricola: nozione di latte
commerciale.

La nozione di latte commerciale implica due elementi: la volontà del
produttore di vendere il suo latte e la fornitura del latte ad altri. Il latte
che viene fornito al centro di raccolta a scopi di trasformazione, il cui
prodotto trasformato viene utilizzato per l’autoapprovvigionamento
del produttore è pure considerato latte commerciale; lo stesso dicasi
quando il produttore vende direttamente il suo latte senza fornirlo a un
centro di raccolta (consid. 5.1).

2

2. Art. 20 cpv. 1 dell’ordinanza sulla riscossione di tasse e contributi dei
produttori lattieri: obblighi a cui è sottoposto il produttore che vende
direttamente il suo latte.

L’obbligo che incombe ai produttori di fornire il loro latte ai centri di
raccolta è compensato dal fatto che lo Stato garantisce il prezzo del
latte e che i centri di raccolta sono tenuti ad accettare le forniture
dei produttori. Il produttore che vende direttamente il suo latte non
è sottoposto all’obbligo di fornire ad un centro di raccolta; esso è
nondimeno obbligato a tenere registri di controllo, a fare rapporti e ad
informare (consid. 6.1).

3. Constatazione da parte dell’autorità dei superamenti di contingente.

Due controlli effettuati dall’autorità durante un anno lattiero non
sono sufficienti per stimare in modo attendibile la quantità di latte
che è stata prodotta in questo periodo dal produttore. In questa stima
occorre prendere in considerazione altri fattori (consid. 7-8).

Aus dem Sachverhalt:

Auf Intervention des Zentralverbandes schweizerischer Milchproduzenten
und des Bundesamtes für Landwirtschaft erhob der Thurgauer
Milchproduzentenverband mit Verfügung vom 11. Januar 1993 von S. für
Kontingentsüberlieferungen in den Milchjahren 1990/91 und 1991/92 eine
Gesamtabgabe von Fr. ...

Die Regionale Rekurskommission Nr. 15 hiess die von S. am 2. Februar
1993 eingereichte Beschwerde mit Entscheid vom 26. Mai 1993 teilweise
gut und hob die vom Milchverband festgestellte Überlieferungsabgabe
für das Milchjahr 1991/92 mangels Beweisen einer Überlieferung auf. Im
weiteren verpflichtete sie S., für das Milchjahr 1990/91 die vom Milchverband
errechnete Überlieferungsabgabe von Fr. 11 168.10 zu bezahlen.

Gegen diesen Entscheid erhob das Bundesamt am 11. August
1993 Verwaltungsbeschwerde bei der Oberrekurskommission i. S.
Milchkontingentierung (hiernach: Oberrekurskommission) und beantragt die
Aufhebung des Entscheides der Rekurskommission Nr. 15 beziehungsweise die
Bestätigung der Verfügung des Milchverbandes. Am 27. August 1993 gelangte
S. ebenfalls an die Oberrekurskommission und beantragt sinngemäss die
Aufhebung des angefochtenen Entscheides und die Ungültigerklärung der
Milchmengenberechnungen der Milchjahre 1990/91 und 1991/92 unter Kosten-
und Entschädigungsfolge.

3

Die Rekurskommission EVD übernahm am 9. Februar 1994 das Verfahren als
zuständige Behörde.

Aus den Erwägungen:

1. (Gemeinsame Beurteilung der Beschwerden)

2. (Zuständigkeit und Beschwerdelegitimation)

3. (Verfahrensgegenstand)

4. (Gesetzliche Grundlagen; vgl. REKO/EVD 93/8B-004 E. 3, veröffentlicht in:
VPB 59.90[18])

Ein Einzelkontingent (Kontingent) ist die Verkehrsmilchmenge, die ein
Produzent ab einem Betrieb im Laufe eines Milchjahres (1. Mai bis 30. April)
zum garantierten Preis abliefern kann (Art. 3 der Verordnung vom 26. April
1993 über die Milchkontingentierung im Talgebiet und in der Bergzone I;
Milchkontingentierung-Talverordnung 93 [MKTV 93], SR 916.350.101). Nach
Art. 3 Abs. 1 des Milchwirtschaftsbeschlusses 1988 vom 16. Dezember 1988
(Milchwirtschaftsbeschluss 1988 [MWB 1988], SR 916.350.1) in Verbindung
mit Art. 11 Abs. 1 der Verordnung vom 20. Dezember 1989 über die Erhebung
von Abgaben und Beiträgen der Milchproduzenten (Abgabeverordnung, SR
916.350.11), hat ein Produzent für jedes KilogrammMilch, das er in einem
Milchjahr über sein Kontingent hinaus liefert, eine Abgabe zu entrichten.

5. Im vorliegenden Fall ist vorab strittig, ob die von S. produzierte
Vorzugsmilch unter den Begriff «Verkehrsmilch» fällt und somit der
Kontingentierung unterliegt.

5.1. Art. 2 Abs. 1 der Milchkontingentierung-Talverordnung 93 verweist
für die Begriffe Verkehrsmilch und Verkehrsmilchproduzent (Produzent)
auf die Verordnung vom 26. April 1993 über landwirtschaftliche Begriffe
(Begriffsverordnung, SR 910.91). Diese legt in Art. 20 fest, dass als
Verkehrsmilch jene Milch gilt, die zum Frischkonsum, zur Verarbeitung
oder zur Verfütterung vom Betrieb weggeführt oder im eigenen Betrieb
verarbeitet wird, soweit die hergestellten Produkte nicht der Selbstversorgung
dienen. Die Milch, die den Betrieb zum Zweck des Konsums oder der
Verarbeitung verlässt, gilt somit als Verkehrsmilch. Die Zuordnung der Milch
zur Verkehrsmilch setzt den Veräusserungswillen des Produzenten (subjektive
Leistungspflicht) und die Ablieferung der Milch (objektive Leistungspflicht)
voraus. Nach geltender Rechtspraxis wird aber auch der Tatbestand, wonach
die Milch zwecks Verarbeitung in die Sammelstelle geliefert wird, das
Verarbeitungsprodukt aber ausschliesslich dem Zweck der Selbstversorgung
dient, als Inverkehrbringen von Milch betrachtet. Umgekehrt kann das
Element der Ablieferung der Milch fehlen und trotzdem handelt es sich um
Verkehrsmilch (Selbstausmesser). Grundsätzlich gilt als abgelieferte Milch
im Sinn der Kontingentierungsbestimmungen diejenige Milch, welche für
den Verkauf bestimmt ist (vgl. dazu Spörri Philipp, Milchkontingentierung,
Freiburg 1992, S. 126 ff.).

4

https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002819.pdf?ID=150002819

5.2. Es ist somit festzustellen, dass die von S. produzierte Vorzugsmilch
Verkehrsmilch darstellt und der Milchkontingentierung unterliegt.
Überschreitet die von S. in Verkehr gesetzte Milchmenge sein Milchkontingent,
so hat er grundsätzlich Abgaben zu leisten.

6. Im weiteren ist zu prüfen, ob die zuständigen Behörden zu Recht davon
ausgegangen sind, dass S. die ihm zugeteilten Milchkontingente überliefert
und eine Überlieferungsabgabe von Fr. ... zu entrichten hat.

6.1. Ziel der Produktionslenkung in der Milchwirtschaft ist die Anpassung der
Milcheinlieferung an die Absatzverhältnisse. Durch das Rechtsinstrument der
Milchkontingentierung wird die Milchmenge, welche der Milchproduzent
zu einem festgesetzten Preis abliefern kann, behördlich festgelegt. Wird
diese Menge überschritten, wird eine Lenkungsabgabe erhoben, die
prohibitiv wirken soll. Neben diesem Produktionslenkungsziel soll mit
der Milchkontingentierung dem Milchproduzenten ein paritätisches
Einkommen zugesichert werden, indem die Abnahme der kontingentierten
Menge zu Basispreisen garantiert wird. Es besteht somit gleichsam ein
Ausgleich zwischen belastenden und begünstigenden Massnahmen. Der
Staat als Leistungsstaat hat sich insofern zur Milchpreisgarantie und
der generellen Abnahmepflicht der Milchproduktion und somit zur
Unterstützung der Milchproduzenten verpflichtet. Auf der anderen Seite
ist der Milchproduzent grundsätzlich verpflichtet, seine Milchproduktion
abzuliefern. Diese Ablieferungspflicht der Milchproduzenten bildet eine
notwendige Voraussetzung für die geordnete Milcherfassung und ohne
diese wäre weder eine Qualitätskontrolle noch die Milchkontingentierung
möglich (vgl. dazu Spörri, a. a. O., S. 52 ff.). Eine Ausnahme besteht jedoch
für den Selbstausmesser, der seine Milch direkt ab Hof verkaufen kann
und sie nicht abzuliefern braucht. Wer eine Selbstausmessbewilligung
besitzt, ist jedoch verpflichtet, seine verkaufte Milch selbst zu rapportieren.
Dies sieht Art. 20 Abs. 1 der Abgabeverordnung ausdrücklich vor («Die
Milchsammel- und Milchverwertungsstellen sowie die keiner Sammelstelle
angeschlossenen Einzellieferanten und Selbstverwerter, die Milch oder
Milchprodukte in Verkehr bringen, sind zur Kontrollführung, Meldung und
Auskunft verpflichtet»). Das Privileg des Selbstausmessers, seine Milch nicht
abliefern zu müssen, lässt sich aber nur so lange rechtfertigen und aufrecht
erhalten, als der Selbstausmesser die in Art. 20 Abs. 1 der Abgabeverordnung
vorgeschriebene Mitwirkungspflicht korrekt und gewissenhaft erfüllt.

6.2. In casu hat S. Angaben zu seiner Milchproduktion gemacht und dem
Milchverband monatlich die von ihm produzierten Milchmengen gemeldet
(...). S. hat somit zwar seine von Art. 20 Abs. 1 der Abgabeverordnung
vorgeschriebene Meldepflicht erfüllt. Aufgrund der Tatsache, dass S. aber
seine Buchhaltung nicht vorlegen konnte - gemäss des Protokolls vom
18. August 1992 vernichte er seine Buchhaltung nach Ablauf eines Jahres -
und sich zudem weigerte, die Namen der Abnehmer der von ihm produzierten
Vorzugsmilch zu nennen, ist er seiner Kontrollführungs- und Auskunftspflicht
nicht nachgekommen. Somit hat S. nachweislich seine Mitwirkungspflicht
verletzt.

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6.3. Zudem bestand bei den zuständigen Behörden der Verdacht, dass die
von S. gemachten Angaben betreffend seiner monatlichen Milchproduktion
nicht den Tatsachen entsprächen. Dies veranlasste die zuständigen Behörden,
die monatlichen Meldungen vom Betrieb von S. zu überprüfen und
Kontrollmessungen durchzuführen.

Deshalb wurden auf dem Betrieb S. sowohl im Milchjahr 1990/91 wie
auch im Milchjahr 1991/92 durch das Inspektorat des Zentralverbandes
jeweils zwei Kontrollmessungen vorgenommen. Im Milchjahr 1990/91
fanden die Kontrollen am 22. November 1990 und am 22. März 1991 und
im Milchjahr 1991/92 am 20. März 1992 und am 8. April 1992 statt, wobei
diese Kontrollen jeweils am Morgen durchgeführt wurden. Die festgestellten
Milchmengen wurden auf das jeweilige Milchjahr hochgerechnet. Weitere
Beweiserhebungen wurden nicht getätigt.

(...)

7. Die Rekurskommission Nr. 15 kam denn in ihrem Entscheid zum
Schluss, dass die Überschreitung des Milchkontingents von S. betreffend
das Milchjahr 1991/92 ungenügend bewiesen sei, weshalb die geforderte
Überlieferungsabgabe nicht erhoben werden könne. Diesem Entscheid
der Rekurskommission Nr. 15 ist beizustimmen. Zwei Messungen pro
Milchjahr vermögen nicht genügend Aufschluss darüber zu geben, wieviel
Milch produziert worden ist. Dies um so mehr, als die Milchproduktion
erfahrungsgemäss in den einzelnen Monaten stark variiert und die
errechneten Milchmengen für die betreffenden Monate nur minim von
den von S. deklarierten Mengen abweichen. Um eine zuverlässige und
seriöse Berechnung durchführen zu können, hätten mehr Kontrollen
durchgeführt werden müssen. Die aufgrund zweier Kontrollen durchgeführte
Hochrechnung ist um so stossender, als die beiden Kontrollen innerhalb
einer so kurzen Zeitspanne vorgenommen wurden. Überdies wurde
eine der Messungen im Monat April (8. April 1992) durchgeführt, in dem
erfahrungsgemäss am meisten Milch produziert wird.

Die Rekurskommission Nr. 15 hat daher zu Recht die Überlieferung der
Milchmenge im Milchjahr 1991/92 als nicht genügend bewiesen erachtet
und die Beschwerde des S. für das Milchjahr 1991/92 gutgeheissen.

8. Die Beschwerde von S. betreffend das Milchjahr 1990/91 hat die
Rekurskommission Nr. 15 jedoch abgelehnt, da sie die vom Milchverband
vorausgesetzte produzierte Milchmenge von ... kg als realistisch erachtet.
Dieser Auffassung kann jedoch nicht gefolgt werden.

Zum einen hat die Rekurskommission Nr. 15 die Beschwerde von S. für
das Milchjahr 1991/92 auch mit der Begründung gutgeheissen, dass die
Hochrechnung der erhobenen Milchmengen unter den von S. deklarierten
Mengen lägen. Dies trifft für den Monat März 1992 zu. Für den Monat April
1992 ergibt sich eine geringfügige Differenz zuungunsten von S. Mit der
gleichen Begründung hätte die Rekurskommission Nr. 15 auch die Beschwerde
betreffend das Milchjahr 1990/91 gutheissen müssen. Denn auch für dieses
Milchjahr ergibt sich nur eine geringfügige Abweichung für den Monat
November 1990 und im Monat März 1991 liegt die errechnete Milchmenge
wiederum unter der von S. gemeldeten Menge.

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Zum anderen erscheinen die von den Behörden ermittelten Resultate aus
folgenden Gründen nicht als zuverlässig. Wie bereits ausgeführt (Ziff. 7),
sind zwei Kontrollen nicht genügend, um eine Berechnung der im Milchjahr
1990/91 produzierten Milchmenge vorzunehmen. Zudem wurde auch
in diesem Milchjahr eine Messung (22. November 1990) in einem Monat
vorgenommen, in dem die Milchproduktion erfahrungsgemäss hoch ist.
Die Messungen wurden im weiteren auch nur am Morgen, nie am Abend
durchgeführt. Das Bundesamt hat dem Umstand, dass S. am Morgen 25 bis
30% mehr Milch melke als am Abend, wohl insofern Rechnung getragen, als es
die errechneten Jahresmengen entsprechend kürzte. Um eine verlässliche
Hochrechnung anstellen zu können, hätten die Behörden aber sowohl
am Morgen wie auch am Abend Messungen durchführen müssen. Das
von S. nachträglich eingereichte Stalltagebuch zeigt zudem auf, dass die
Anzahl der in Laktation stehenden Kühe in den einzelnen Monaten sehr
unterschiedlich ist. Die Behörden haben es auch unterlassen, Abklärungen
über die Milchleistung der einzelnen Kühe durchzuführen. Ebenfalls haben
die zuständigen Behörden nicht abgeklärt, wie S. seinen Betrieb führt, das
heisst, ob er allenfalls Mastkälber hinzukauft oder ob die Kühe gealpt werden.
Im weiteren haben die Behörden nicht geprüft, ob S., wie er behauptet, die
Milchprodukte, die er auf dem Hof für 12 bis 14 Personen brauche, aus
Überschussmilch selbst herstellt. Entgegen der Darstellung des Bundesamtes
hat S. nämlich nie explizit geäussert, dass er keine Milchprodukte für den
Eigenbedarf herstelle. Anlässlich der Einvernahme vom 18. August 1992 durch
das Bundesamt sagte S. aus:

«Ich führe Buch frankenmässig bezüglich meinen Kunden, da ich nebst der Milch
auch andere Produkte wie Obst, Kartoffeln und Getreide verkaufe. Ich verkaufe
ausschliesslich Frischmilch, Produkte stelle ich keine her. Mein Verkaufspreis pro
Liter beträgt Fr. 2.30.» (Protokoll vom 18. August 1992)

Aus dieser Aussage ergibt sich, dass S. keine Produkte für den Verkauf herstellt.
Daraus kann jedoch nicht abgeleitet werden, dass er keine Milchprodukte für
den Eigenbedarf herstellt. Diesem Umstand wurde in der Berechnung der
produzierten Milchmenge nicht Rechnung getragen.

Die Rekurskommission Nr. 15 ist somit zu Unrecht davon ausgegangen, dass
die Überlieferung des Kontingents von S. im Milchjahr 1990/91 erwiesen sei,
und hat die Beschwerde betreffend dieses Milchjahres zu Unrecht abgewiesen.

9. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass S. seine
Mitwirkungspflicht verletzt hat, indem er den zuständigen Behörden keine
Buchhaltung vorgelegt und sich zudem geweigert hat, die Namen seiner
Kunden preiszugeben. Gleichzeitig muss aber festgestellt werden, dass die
zwei durchgeführten Kontrollmessungen pro Milchjahr nicht ausreichen, um
auf eine Überlieferung des Kontingents von S. in den Milchjahren 1990/91
und 1991/92 zu schliessen. Ob eine grössere Anzahl von Kontrollmessungen
vorgenommen oder allenfalls ein anderes System der Erfassung von
Überlieferungen entwickelt werden müsste, kann im vorliegenden Fall offen
gelassen werden.

(Die Rekurskommission EVD weist die Beschwerde des Bundesamtes ab und
heisst die Beschwerde des S., soweit darauf einzutreten ist, gut)

[18] Vgl. oben S. 758.

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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 59.106 - Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der Rekurskommission EVD vom 29.

Dezember 1994 in Sachen Bundesamt für Landwirtschaft und S. gegen Thurgauer

Milchproduzentenverband und Regionale Rekurskommission Nr. 15; 93/8D-001 und

93/8D-004

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 1995
Année

Anno

Band 59
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	Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der Rekurskommission EVD vom 29. Dezember 1994 in Sachen Bundesamt für Landwirtschaft und S. gegen Thurgauer Milchproduzentenverband und Regionale Rekurskommission Nr. 15; 93/8D-001 und 93/8D-004
	Aus dem Sachverhalt:
	Aus den Erwägungen: