# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ce9119a8-855d-50c4-a2ca-a187f74026e0
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-02-24
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Kantonsgericht Zivilkammern (inkl. Einzelrichter) 24.02.2015 KES.2015.1
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_KG_002_KES-2015-1_2015-02-24.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/4

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: KES.2015.1

Stelle: Kantonsgericht

Rubrik: Zivilkammern (inkl. Einzelrichter)

Publikationsdatum: 24.02.2015

Entscheiddatum: 24.02.2015

Entscheid Kantonsgericht, 24.02.2015
Art. 298 Abs. 1 ZPO: Eine Kindesanhörung hat in allen familienrechtlichen 
Verfahren zu erfolgen und ist grundsätzlich zwingend (Kantonsgericht, 
Einzelrichter im Familienrecht, 24. Februar 2015, KES.2015.1).

Aus den Erwägungen:

1.    Die Mutter rügt insbesondere, die Vorinstanz habe keine Kinderanhörung 

vorgenommen, obschon sie bereits vor Vorinstanz eine solche beantragt habe (…).

Die Vorinstanz begründet die fehlende Kinderanhörung (im Massnahmeverfahren) 

damit, dass sie das Kind im Hauptverfahren anhören werde und es nicht der Belastung 

einer mehrfachen Anhörung habe aussetzen wollen (…).

2.    Nach Art. 298 Abs. 1 ZPO wird das Kind durch das Gericht oder durch eine 

beauftragte Drittperson in geeigneter Weise persönlich angehört, sofern sein Alter oder 

andere wichtige Gründe nicht dagegen sprechen.

Eine Kindesanhörung hat in allen familienrechtlichen Verfahren zu erfolgen 

(BaslerKomm ZPO/Steck, Art. 298 ZPO, N 3). Sie dient nicht nur der 

Sachverhaltsfeststellung, sondern ist, als Ausfluss aus dem Persönlichkeitsrecht 

(Schweighauser, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Schweighauser, ZPO Komm., Art. 298 

ZPO, N 8; Steck, Die Kinderbelange in der Schweizerischen Zivilprozessordnung, 

FamPra.ch 2010, 800, 804; Bodenmann/Rumo-Jungo, Die Anhörung von Kindern aus 

rechtlicher und psychologischer Sicht, FamPra.ch 2003, 22, 24), vor allem ein 

persönliches Mitwirkungsrecht des Kindes, welches diesem einen besonderen 

Anspruch auf rechtliches Gehör verleiht (BaslerKomm ZPO/Steck, Art. 298 ZPO, N 5). 

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Begründet wird der Einbezug des Kindes damit, dass es vom Verfahren direkt betroffen 

bzw. unmittelbar berührt und seine Persönlichkeit ernst zu nehmen sei (Schweighauser, 

in: Sutter-Somm/Hasenböhler/ Schweighauser, ZPO Komm., Art. 298 ZPO, N 7; 

BaslerKomm ZPO/Steck, Art. 298 ZPO, N 8). Dem Kind soll gezeigt werden, dass seine 

Wünsche und Bedürfnisse wahrgenommen und in die Entscheidung mit einfliessen 

werden (Schweighauser, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Schweighauser, ZPO Komm., 

Art. 298 ZPO, N 12).

Die Pflicht zur Anhörung gilt als generelle Maxime und ist grundsätzlich zwingend 

(BaslerKomm ZPO/Steck, Art. 298 ZPO, N 5, 7). Sie darf weder unterbleiben, wenn sie 

nach Auffassung des Gerichts keinen entscheidenden Einfluss auf den Ausgang des 

Verfahren erwarten lässt (BaslerKomm ZPO/Steck, Art. 298 ZPO, N 8; Steck, Die 

Kinderbelange in der Schweizerischen Zivilprozessordnung, FamPra.ch 2010, 800, 

805), noch, wenn eine Kindesvertretung eingesetzt wurde (Schweighauser, in: Sutter-

Somm/Hasenböhler/Schweighauser, ZPO Komm., Art. 298 ZPO, N 17; BaslerKomm 

ZPO/Steck, Art. 298 ZPO, N 13). Eine Kindesanhörung hat selbst dann zu erfolgen, 

wenn Kinderbelange 'nur' in einem vorsorglichen Massnahmeverfahren betroffen sind 

(Schweighauser, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Schweighauser, ZPO Komm., Art. 298 

ZPO, N 27). Im anschliessenden Hauptverfahren ist dann unter Umständen ein zweites 

Gespräch vorzunehmen, namentlich, wenn inzwischen viel Zeit verstrichen ist 

(Schweighauser, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Schweighauser, ZPO Komm., Art. 298 

ZPO, N 27). Dabei ist unbestritten, dass eine Anhörung nicht vor einem 

Richterkollegium, sondern durch eine Einzelperson, allenfalls mit Beizug eines 

Gerichtsschreibers, zu erfolgen hat (Schweighauser, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/ 

Schweighauser, ZPO Komm., Art. 298 ZPO, N 16; BaslerKomm ZPO/Steck, Art. 298 

ZPO, N 20). Nach überwiegender Meinung, der mit Blick auf die in Kinderbelangen 

geltenden Offizialmaxime beizupflichten ist, ist für eine Kindesanhörung sodann nicht 

einmal ein Antrag nötig (BernerKomm ZPO/Spycher, Art. 209 ZPO, N 10; 

Schweighauser, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Schweighauser, ZPO Komm., Art. 298 

ZPO, N 9; BaslerKomm ZPO/Steck, Art. 298 ZPO, N 7; FamKomm Scheidung/

Schweighauser, Anh. ZPO, Art. 298 ZPO, N 9).

3.    Auf eine Kindesanhörung kann nur in Ausnahmefällen verzichtet werden, nämlich 

erstens, wenn das Kind noch zu jung ist und zweitens, wenn andere wichtige Gründe 

gegen eine Anhörung sprechen.

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Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung liegt die Altersgrenze (für eine Anhörung) 

bei sechs Jahren (BGE 131 III 553, E. 1.2; Schweighauser, in: Sutter-Somm/

Hasenböhler/Schweighauser, ZPO Komm., Art. 298 ZPO, N 29; Leuenberger/Uffer-

Tobler, Schweizerisches Zivilprozessrecht, N 11.256). Ab diesem Alter sind 

grundsätzlich sämtliche Kinder anzuhören.

Wegleitend für die sonstigen wichtigen Gründe ist das Kindeswohl (BaslerKomm ZPO/

Steck, Art. 298 ZPO, N 14). Solche werden zum Beispiel in einer strikten Weigerung 

des Kindes, einer sichtlich grossen Belastung oder seiner gesundheitlichen Situation 

gesehen (Leuenberger/Uffer-Tobler, Schweizerisches Zivilprozessrecht, N 11.257). Der 

wichtige Grund hat also in der Person des Kindes zu liegen (Schweighauser, in: Sutter-

Somm/Hasenböhler/Schweighauser, ZPO Komm., Art. 298 ZPO, N 31).Die Anhörung 

muss dem Kind nach den gesamten Umständen zumutbar sein, d.h. keine Gefährdung 

für seine physische oder psychische Gesundheit bedeuten (BaslerKomm ZPO/Steck, 

Art. 298 ZPO, N 16). Unnötige Belastungen durch wiederholte Anhörungen sind zu 

vermeiden (BGE 133 III 553, E. 4; Schweighauser, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/

Schweighauser, ZPO Komm., Art. 298 ZPO, N 31). Vor einer erneuten Befragung sind 

demnach der erhoffte Gewinn durch neue Erkenntnisse und die Belastung des Kindes 

sorgfältig gegeneinander abzuwägen (BGE 133 III 553, E. 4; Schweighauser, in: Sutter-

Somm/Hasenböhler/Schweighauser, ZPO Komm., Art. 298 ZPO, N 27).

4.    Hier sprechen weder das Alter des Kindes noch andere wichtige Gründe gegen 

eine Kindesanhörung. Die Anhörung vor der KESB (…) geschah zudem bereits (…), als 

K erst zwei Tage bei der Pflegefamilie weilte. Inzwischen hat er sich eingelebt und es ist 

geraume Zeit verstrichen. Die damalige Anhörung war also bereits zum 

Verfügungszeitpunkt der (Vorinstanz) nicht mehr aktuell.

Die Kindesanhörung gehört zum verfahrensrechtlichen Mindeststandard (BGE 131 III 

409, E. 4.4.3). Die Unterlassung stellt eine formelle Rechtsverweigerung dar; sie verletzt 

den Anspruch des Kindes auf rechtliches Gehör, auch wenn es nicht als Partei am 

Verfahren beteiligt, sondern als Person davon betroffen ist. Die formelle Natur des 

Anspruchs bewirkt grundsätzlich, dass eine Verfügung, in der dieser missachtet wurde, 

aufgehoben werden muss. Die nachträgliche Gewährung des rechtlichen Gehörs wäre 

nur ein unvollkommener Ersatz. Wohl ist es möglich, eine Kindesanhörung im 

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Rechtsmittelverfahren nachzuholen, wenn sie wegen zeitlicher Dringlichkeit unterblieb 

(BGE 131 III 413, E. 4.4.2; BGer 5C.149/2006, E. 1.3). Hier erschiene das aber als 

wenig sachgerecht, weil K im Hauptverfahren ohnehin anzuhören ist, damit die 

(Vorinstanz) einen persönlichen Eindruck (von ihm) gewinnen und er sich ins Verfahren 

einbringen kann. Eine mehrfache Anhörung durch verschiedene Personen (…) soll K 

aber möglichst erspart bleiben.

Es liegt ein schwerwiegender Verfahrensmangel vor und der Sachverhalt erscheint 

zugleich in wesentlichen Teilen als unvollständig (Reetz/Hilber, in: Sutter-Somm/

Hasenböhler/Schweighauser, ZPO Komm., Art. 318 ZPO, N 35, 37). Der angefochtene 

Entscheid wird somit aufgehoben und die Angelegenheit zur neuen Beurteilung an die 

Vorinstanz zurückgewiesen.

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