# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ce8361b4-fc06-5a4b-bc32-e2b9f47f444c
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-05-09
**Language:** de
**Title:** Freiflächenziffer. Anrechenbare Flächen.
**Docket/Reference:** BRGE III Nr. 0063/2012
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRGE_III_0063_2012_415.pdf

## Full Text

BRGE III Nr.0063/2012 vom 9. Mai 2012 in BEZ 2012 Nr. 42 

5. Die  Rekurrentin  macht  geltend,  das  Bauvorhaben  unterschreite  die  für
die  Zone W1  vorgeschriebene  Mindestfreiflächenziffer  von  35  Prozent  (Art.  14 
BZO). 

5.1. Ausnützungsziffer, Überbauungsziffer und Freiflächenziffer geben das 
Verhältnis der anrechenbaren Fläche zur massgeblichen Grundfläche wieder (§ 
254 PBG).  

Gemäss  §  257  PBG  sind  offene  Flächen  für  dauernde  Spiel-  und 
Ruheplätze sowie Gärten bei der Freiflächenziffer anrechenbar (Abs. 1). Ausser 
Ansatz  fallen  Flächen  von  Gebäuden, Wäldern  und  Gewässern  (Abs.  2).  §  11 
ABV  umschreibt  Spiel-,  Ruhe-  und  Gartenflächen  näher.  Demnach  sind 
einfache  Garten-  und  kleine  Gerätehäuschen  sowie  überdeckte  und  seitlich 
mindestens  zur  Hälfte  der  Abwicklung  offene  Gartensitzplätze  (lit.  a)  sowie 
Spiel-,  Ruhe-  und  Gartenanlagen  auf  Dachflächen,  soweit  sie  mit  der  übrigen 
diesem  Zwecke  dienenden  Fläche  zusammenhängen  und  über  einen  freien 
Zugang verfügen (lit. b), der Freiflächenziffer anrechenbar. 

5.2  Die  unter  den  Attikaterrassen  geplanten  Sitzplatzflächen  sind  – 
entgegen  der  rekurrentischen  Auffassung  –  sehr  wohl  den  Freiflächen 
anrechenbar.  Der  für  die  Berechnung  der  Freiflächen  von  der  Rekurrentin 
angestellte Vergleich mit der Überbauungsziffer ist verfehlt. Gemäss § 256 PBG 
ergibt  sich  die  für  die  Überbauungsziffer  anrechenbare  Fläche  aus  der 
senkrechten Projektion der grössten oberirdischen Gebäudeumfassung auf den 
Erdboden  (Abs.  1);  ausser  Ansatz  fallen  dabei  oberirdische  geschlossene 
Vorsprünge bis zu einer Tiefe von 1,5 m, oberirdische Vorsprünge wie Balkone 
bis zu einer Tiefe von 2 m, Erker und Laubengänge jedoch nur, soweit sie nicht 
mehr  als  ein  Drittel  der  betreffenden  Fassade  messen  (Abs.  2).  Bei  der 
Freiflächenziffer,  welche  der  Lenkung  der  Umgebungsgestaltung  dient,  fällt 
dagegen  nur  die  flächenmässige  Ausdehnung  eines  Hauptgebäudes  ausser 
Ansatz;  vorspringende  Gebäudeteile  sind  hiervon  ausgenommen.  Diese 
Berechnungsweise  geht  unmissverständlich  aus  den  entsprechenden  Skizzen 
im Anhang ABV hervor. 

Das  Baugrundstück  weist  eine  massgebliche  Grundfläche  von  1005  m2 
auf. Die Mindestfreifläche hat daher 351,75 m2 zu betragen. Das Bauvorhaben 
weist  nach  Abzug  aller  ausser  Ansatz  fallenden  Erschliessungsflächen  bereits 
im  Erd-  bzw.  Gartengeschoss  –  samt  der  überdachten  Sitzplatzflächen  – 
Freiflächen im Umfang von über 420 m2 auf. Die vorgeschriebene Freiflächen-

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ziffer  ist  damit  eingehalten.  Der  Rekurs  erweist  sich  auch  in  diesem  Punkt 
unbegründet. 

5.3 Nicht nachvollziehbar ist, weshalb − wie von der Rekurrentin behauptet 
− § 11 ABV gesetzeswidrig sein sollte. Dass gemäss dieser Vorschrift auch frei 
zugängliche  Dachflächen  hinzugerechnet  werden  dürfen,  widerspricht 
keineswegs  dem  Zweck  der  Freiflächenziffer.  Es  bedarf  keiner  ausführlichen 
Auseinandersetzung  mit  dem  Begriff  «Freifläche»,  um  zu  erkennen,  dass  die 
aus «frei» und «Fläche» zusammengesetzte Wendung jede nicht durch massiv 
mit  dem  Boden  verankerte  Baute  überstellte  sowie 
jede  nicht  einem 
besonderen  Zweck  dienende  Fläche  umfasst.  Die  Begrünung  der  Freiflächen 
wird  durch  §  257  PBG  ausdrücklich  nicht  gefordert.  Gerade  die  eigens 
erwähnten  Spielplätze  sind  in  aller  Regel  –  wenn  überhaupt  –  nur  minimal 
begrünt.  Folgerichtig  ist  dagegen,  dass  sowohl  Verkehrsflächen  als  auch 
Fahrzeugabstellplätze,  welche  der  internen  Grundstückserschliessung  dienen 
und  daher  ein  gänzlich  anderes  Bedürfnis  erfüllen,  nicht  dem  Zweck  der 
Freiflächen  entsprechen.  Es  spricht  damit  nichts  dagegen,  wenn  der 
Verordnungsgeber  ausdrücklich  die  auf  einem  Gebäude 
frei 
zugänglichen  Dachflächen  den  Freiflächen  eines  Grundstückes  hinzuzählt. 
Diese  Flächen  –  wie  im  Übrigen  Dachterrassen  allgemein  –  werden  in  der 
Freizeit  benutzt  und  dienen  der  Erholung;  dies  entspricht  dem  Zweck  der 
Vorschrift  von  §  257  PBG.  Um  den  Freiflächen  zurechenbar  zu  sein,  müssen 
sie  allerdings  nicht  nur  vom  Wohngebäude  begehbar,  sondern  (auch)  von 
aussen her und somit jederzeit und ohne Einschränkungen erreichbar sein. Da 
bereits im Erd- bzw. Gartengeschoss genügend Freiflächen vorhanden sind, ist 
es  im  vorliegenden  Fall  indessen  irrelevant,  ob  Aussentreppen  erstellt  werden 
oder nicht.  

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