# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5b39d6dd-134c-5513-8792-1e9d290a62a9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-05-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.05.2010 D-3634/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3634-2010_2010-05-31.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-3634/2010
law/bah/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 1 .  M a i  2 0 1 0

Richter Walter Lang (Vorsitz),
Richter Hans Schürch, Richter Pietro Angeli-Busi;
Gerichtsschreiber Christoph Basler.

A.___________, geboren (...),
Irak,
vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar, Rechtsberatung, 
(...)
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Aufhebung der vorläufigen Aufnahme; Verfügung des 
BFM vom 15. April 2010 (Beschwerde gegen 
Wiedererwägungsentscheid) / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-3634/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass das BFM mit Verfügung vom 6. Februar 2006 das Asylgesuch des 
Beschwerdeführers  vom  2. August 2004  ablehnte,  die  Wegweisung 
aus der Schweiz verfügte, den Vollzug der Wegweisung jedoch wegen 
Unzumutbarkeit  desselben  zu  Gunsten  einer  vorläufigen  Aufnahme 
aufschob,

dass  das  BFM mit  Verfügung vom 7. Februar 2008  die  angeordnete 
vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers aufhob,

dass der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht gegen die 
Verfügung  des  BFM  vom  7. Februar 2008  am  12.  März  2008  Be-
schwerde einreichen liess,

dass das BFM mit Verfügung vom 14. Oktober 2009 die Zustimmung 
zur  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  wegen  Vorliegens  eines 
schwerwiegenden persönlichen Härtefalles gemäss Art. 84 Abs. 5 des 
Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und  Ausländer  [AuG,  SR  142.20]  i.V.m. Art.  30  Abs.  1  Bst.  b  AuG 
verweigerte,  und  das  Bundesverwaltungsgericht  die  gegen  diese 
Verfügung  erhobene  Beschwerde  mit  Abschreibungsentscheid  C-
6935/2009  vom  17.  November  2009  zufolge  Rückzugs  als  gegen-
standslos geworden abschrieb,

dass das Bundesverwaltungsgericht die gegen die Verfügung des BFM 
vom 7. Februar 2008 eingereichte Beschwerde vom 12. März 2008 mit 
Urteil D-1642/2008 vom 5. März 2010 abwies,

dass der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter am 31. März 
2010  beim  BFM  ein  Wiedererwägungsgesuch  einreichen  (Eingang: 
6. April  2010)  und  beantragen  liess,  die  Verfügung  des  BFM  vom 
14. Oktober 2009 sei aufzuheben, es sei festzustellen, dass seit Erlass 
der  ursprünglichen  Verfügung  eine  wiedererwägungsrechtlich  mass-
gebliche Veränderung der Sachlage eingetreten sei, dem Beschwerde-
führer  sei  die Zustimmung zur  Erteilung einer  Aufenthaltsbewilligung 
gemäss Art. 84 Abs. 5 AuG in Verbindung mit Art. 30 Abs. 1 Bst. b AuG 
zu erteilen  und es  sei  auf  die  Erhebung eines Verfahrenskostenvor-
schusses zu verzichten,

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dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  15.  April  2010  das  Wiederer-
wägungsgesuch  abwies,  feststellte,  die  Verfügung  vom  6. Februar 
2006  sei  rechtskräftig  und  vollstreckbar,  eine  Gebühr  von  Fr. 600.-- 
erhob,  feststellte,  einer  allfälligen  Beschwerde  komme  keine  auf-
schiebende  Wirkung  zu,  und  die  Rechtsbegehren  hinsichtlich  der 
Härtefallregelung würden vom BFM mittels  separater  Verfügung ent-
schieden,

dass  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  beim 
Bundesverwaltungsgericht  gegen diesen Entscheid am 20. Mai  2010 
Beschwerde einreichen und beantragen liess, die Verfügung des BFM 
vom  15. April  2010  sei  in  den  Punkten  1-4  aufzuheben,  der  Be-
schwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen und auf die Er -
hebung eines Verfahrenskostenvorschusses sei zu verzichten,

und zieht in Erwägung,

dass gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 
2005  (VGG,  SR  173.32)  das  Bundesverwaltungsgericht  unter  Vor-
behalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen 
Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  beurteilt, welche 
von einer in Art. 33 VGG aufgeführten Behörde erlassen wurden,

dass  darunter  auch  Verfügungen  fallen,  mit  denen  das  BFM  (vgl. 
Art. 33  Bst.  d  VGG)  ein  Gesuch  um Wiedererwägung  eines  rechts-
kräftigen Entscheides betreffend den Vollzug einer nach Verweigerung 
des Asyls angeordneten Wegweisung abgewiesen hat,

dass das Bundesverwaltungsgericht  über  gegen solche Verfügungen 
erhobene Beschwerden endgültig entscheidet (Art. 83 Bst. c Ziff. 3 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde  legitimiert  ist  (Art. 112  Abs. 1  AuG  i.V.m.  Art. 48  Abs. 1 
VwVG), 

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dass  auf  die  frist-  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzu-
treten ist (Art. 112 Abs. 1 AuG i.V.m. Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 
VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 112  Abs. 1 
AuG i.V.m. Art. 49 VwVG),

dass  die  Wiedererwägung  im  Verwaltungsverfahren  einen  gesetzlich 
nicht geregelten Rechtsbehelf darstellt, auf dessen Behandlung durch 
die verfügende Behörde grundsätzlich kein Anspruch besteht,

dass gemäss herrschender Lehre und ständiger Praxis des Bundes-
gerichts  jedoch  aus  Art. 29  der  Bundesverfassung  der  Schweizeri-
schen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 (BV, SR 101) unter be-
stimmten  Voraussetzungen  ein  verfassungsmässiger  Anspruch  auf 
Wiedererwägung abgeleitet wird (vgl. BGE 127 I 133 E. 6 mit weiteren 
Hinweisen),

dass  gemäss  diesem  Anspruch  die  zuständige  Behörde  zunächst 
dann eine selbst getroffene Verfügung in Wiedererwägung zu ziehen 
hat,  wenn  sich  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  seit  Eintritt  der 
Rechtskraft – am Tag nach Ablauf der nicht genutzten Rechtsmittelfrist 
oder  durch  bestätigendes  Urteil  der  mit  Beschwerde  angerufenen 
Rechtsmittelinstanz – in wesentlicher Weise verändert hat und mithin 
eine Anpassung der (fehlerfreien) Verfügung erforderlich ist, ohne dass 
deren Gegenstand neu beurteilt wird,

dass sodann auch Revisionsgründe einen Anspruch auf Wiedererwä-
gung begründen können, sofern sie sich auf  eine rechtskräftige Ver-
fügung  beziehen,  die  entweder  unangefochten  geblieben  oder  des-
wegen niemals einer materiellen Prüfung unterzogen worden ist, weil 
das angehobene Beschwerdeverfahren mit  einem formellen Prozess-
urteil  geendet  hat,  wobei  ein  derartiges,  als  qualifiziertes  Wieder-
erwägungsgesuch zu bezeichnendes Rechtsmittel grundsätzlich nach 
den Regeln des Revisionsverfahrens zu behandeln ist,

dass  auf  ein  Wiedererwägungsgesuch  gar  nicht  erst  einzutreten  ist,  
wenn zu dessen Begründung lediglich unsubstanziierte Behauptungen 
aufgestellt  werden  und  aus  der  Rechtsschrift  die  tatsächlichen  An-
haltspunkte,  die  auf  das  Vorliegen  eines  Wiedererwägungsgrundes 

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hindeuten  sollen,  nicht  ersichtlich  sind  (zum  Ganzen  vgl.  Ent-
scheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskom-
mission [EMARK] 2005 Nr. 25 E. 4.2. S. 227 f.,  EMARK 2003 Nr. 17 
E. 2a S. 103 f. mit weiteren Hinweisen, EMARK 2001 Nr. 20 E. 3c.dd 
S. 156),

dass das Bundesverwaltungsgericht unter Befolgung des Grundsatzes 
der  Rechtsanwendung von Amtes wegen (Art.  62  Abs. 4 VwVG)  auf 
den festgestellten  Sachverhalt  jene Rechtsnormen anwendet,  die es 
als  zutreffend  erachtet,  und  ihnen  jene  Auslegung  gibt,  von  der  es 
überzeugt  ist  (vgl.  Entscheide  des  Schweizerischen  Bundesver-
waltungsgerichts [BVGE] 2007/41 E. 2 S. 529 f.),

dass der Beschwerdeführer im Rahmen des Gesuches um Erteilung 
einer Aufenthaltsbewilligung wegen Vorliegens eines schwerwiegenden 
persönlichen Härtefalls  am  2. November 2009  seinen  irakischen 
Reisepass (...) zu den Akten reichte,

dass im Wiedererwägungsgesuch vom 31. März 2010 unter anderem 
geltend  gemacht  wurde,  dem  erwähnten  Reisepass  sei  unmissver-
ständlich zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer – wie von ihm im 
Verlaufe des Asylverfahrens erwähnt – aus Kirkuk stamme,

dass sich der Beschwerdeführer damit sinngemäss darauf beruft, der 
eingereichte  Reisepass  sei  ein  neues  erhebliches  Beweismittel  im 
Sinne von Art. 65 Abs. 2 Bst. a VwVG, welches ihm einen Anspruch 
auf  Wiedererwägung  der  rechtskräftigen  Verfügung  des  BFM  vom 
7. Februar 2008 verleihe,

dass die Verfügung vom 7. Februar 2010, deren Wiedererwägung der 
Beschwerdeführer  verlangt,  vom  Bundesverwaltungsgericht  auf  Be-
schwerde hin im Urteil D-1642/2008 vom 5. März 2010 materiell über-
prüft wurde,

dass unter diesen Umständen das BFM von vornherein nicht  befugt 
gewesen  wäre,  seine Verfügung vom 14. Oktober  2009  gestützt  auf 
Art. 65 Abs. 2 Bst. a  VwVG in Wiedererwägung zu ziehen (HANSJÖRG 
SEILER,  in: Praxiskommentar VwVG, Waldmann/Weissenberger (Hrsg.), 
Zürich  2009,  Art. 54  N 21,  URSINA BEERLI-BONORAND,  Die  ausser-
ordentlichen Rechtsmittel in der Verwaltungsrechtspflege des Bundes 
und der Kantone, Zürich 1985, S. 56, vgl. EMARK 1995 Nr. 21 E. 1c 
S. 204), 

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dass der  Beschwerdeführer gestützt  auf  Art. 45 VGG i.V.m. Art. 123 
Abs.  2  Bst.  a  BGG  beim  Bundesverwaltungsgericht  lediglich  die 
Revision des Urteils D-1642/2008 vom 5. März 2010 hätte verlangen 
können,  sofern  er  seinen  Reisepass  im  Beschwerdeverfahren 
D-1642/2008 nicht hätte beibringen können,

dass  der  erwähnte  Reisepass  jedoch  im  Beschwerdeverfahren  be-
treffend die Verfügung des BFM vom 7. Februar 2008 Eingang in die 
Akten  gefunden  hat und  vom  Bundesverwaltungsgericht  im  Zusam-
menhang mit der Darstellung des Beschwerdeführers, er stamme aus 
Kirkuk,  gewürdigt  wurde  (vgl.  Urteil  D-1642/2008  vom 5. März  2010 
insb.  E. 6.4),  der  Reisepass  somit  kein  Beweismittel  im  Sinne  von 
Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG darstellt,

dass der im Urteil  D-1642/2008 vom 5. März 2010 betreffend die Be-
schwerde  gegen  die  Verfügung  des  BFM vom 7.  Februar  2008  ge-
würdigte  Reisepass  mithin  von  vornherein  keinen  Anspruch  auf 
Wiedererwägung  der  nämlichen  Verfügung  zu  begründen  vermag, 
weshalb  das BFM gar  nicht  erst  verpflichtet  gewesen wäre,  auf  das 
Wiedererwägungsgesuch vom 31. März 2010 einzutreten,

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletze,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststelle 
oder  unangemessen  sei,  weshalb  die  offensichtlich  unbegründete 
Beschwerde  ohne  Durchführung  eines  Schriftenwechsels  (Art.  57 
Abs. 1 VwVG e contrario) abzuweisen ist,

dass die Gesuche um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung 
der  Beschwerde und  um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses aufgrund des direkten Entscheids in der Hauptsache gegen-
standslos geworden sind,

dass entsprechend dem Ausgang des Verfahrens die auf Fr. 1'200.-- zu 
bestimmenden Kosten (Art.  1,  2  und  3  Bst.  a  des  Reglements  vom 
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  im  gesamten  Umfang 
dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art.  63  Abs.  1  und 5 
VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 1'200.-- werden dem Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beilage: 
Einzahlungsschein)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten  Ref.-Nr. N  (...) (per 
Kurier; in Kopie)

- (zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Walter Lang Christoph Basler

Versand: 

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