# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3fa643eb-aaf1-533a-8f7e-47ccefddd815
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-08-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.08.2020 D-6264/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6264-2018_2020-08-05.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-6264/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  5 .  A u g u s t  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richterin Mia Fuchs (Vorsitz), 

Richterin Roswitha Petry,  

Richter Simon Thurnheer,  

Gerichtsschreiberin Teresia Gordzielik. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch Advokat MLaw Reto Ragettli,  

HEKS Rebaso - Rechtsberatungsstelle  

für Asylsuchende Solothurn,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 28. September 2018 / N (…). 

 

 

 

D-6264/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer ersuchte am 2. November 2015 in der Schweiz um 

Asyl. Am 12. November 2015 wurde er summarisch befragt und am 13. Juli 

2016 einlässlich angehört. 

Zur Begründung seines Gesuchs gab er im Wesentlichen an, er sei afgha-

nischer Staatsangehöriger paschtunischer Ethnie und in B._______, Be-

zirk C._______, Provinz Nangarhar geboren. Seit seinem zweiten Lebens-

jahr habe er mit seiner Familie in Kabul gelebt. Dort habe er 2013 geheira-

tet und im Abendstudium (…) studiert, welches er 2015 abgeschlossen 

habe. Von Oktober 2013 bis August 2015 habe er für die D._______, einer 

westlichen Firma, welche unter anderem mit Geldern der US-Armee für die 

afghanische Armee Gebäude für Schulungszwecke gebaut habe, als (…) 

gearbeitet. Dies habe den Taliban nicht gepasst und er sei – ähnlich wie 

viele andere Mitarbeitende der D._______ – Mitte 2015 wiederholt telefo-

nisch anonym mit dem Tode bedroht worden. Zuvor sei sein Nachbar, wel-

cher beim Militär gearbeitet habe, entführt und getötet worden, was ihm 

grosse Angst bereitet habe. Nach dem ersten Anruf, bei dem er abgenom-

men habe, habe er die Drohungen noch nicht so ernst genommen. Bei ei-

nem weiteren Drohanruf rund zwei Wochen später habe der Anrufer viel 

über ihn gewusst und ihm sei auch bekannt gewesen, dass sein Bruder als 

Dolmetscher für die Amerikaner gearbeitet habe. Daraufhin habe er (der 

Beschwerdeführer) sich um Schutz an seinen Arbeitgeber gewandt, wel-

cher ein Schreiben an das Polizeihauptquartier in Kabul verfasst habe. Das 

Schreiben sei jedoch unbeantwortet geblieben. Aus Sorge um seine Si-

cherheit habe er zum 5. August 2015 seine Arbeit vorzeitig gekündigt. Am 

12. September 2015 habe er einen Drohbrief der Taliban erhalten. Damit 

habe er endgültig erkannt, wie ernst seine Lage sei, und sich in der Folge 

– trotz der Schwangerschaft seiner Frau – zur Ausreise entschlossen. 

Nachdem er sich noch eine Weile bei Verwandten in Kabul versteckt ge-

halten und Geld gesammelt habe, habe er die Stadt am 28. September und 

Afghanistan am 29. September 2015 illegal via Pakistan, Iran und Türkei 

Richtung Europa verlassen. Am (…) sei sein Sohn geboren. 

Zum Nachweis seiner Identität und zur Stützung seiner Vorbringen reichte 

er eine Tazkera samt englischer Übersetzung, einen Drohbrief der Taliban 

in Paschtu, zwei Arbeitsbestätigungen der D._______ in Englisch, ein 

D-6264/2018 

Seite 3 

Schreiben (letter of request) der Firma in Englisch und Farsi an die Poli-

zeihauptstation in Kabul, eine Ausweiskopie sowie einen Arbeitsvertrag 

ein. 

B.  

Mit Schreiben vom 13. September 2018 gewährte das SEM dem Be-

schwerdeführer das rechtliche Gehör zu zwei Vorhalten betreffend Unge-

reimtheiten in seinen Vorbringen (Anzahl der erfolgten Drohanrufe sowie 

Angaben im letter of request gegenüber seinen Aussagen). Am 25. Sep-

tember 2018 trafen die Antworten innert gesetzter Frist beim SEM ein. 

C.  

Mit Verfügung vom 28. September 2018 – eröffnet am 3. Oktober 2018 – 

verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, 

lehnte dessen Asylgesuch ab und ordnete seine Wegweisung aus der 

Schweiz sowie deren Vollzug an. 

D.  

Mit Eingabe seines ersten Rechtsvertreters MLaw Ruedi Bollack von der 

HEKS Rebaso – Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende Solothurn vom 

2. November 2018 erhob der Beschwerdeführer Beschwerde gegen den 

Entscheid vom 28. September 2018 beim Bundesverwaltungsgericht und 

beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihm sei in 

Feststellung der Flüchtlingseigenschaft Asyl zu gewähren, eventualiter sei 

die vorläufige Aufnahme wegen Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs anzuordnen, subeventualiter sei die Sache zur Neu-

beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.  

In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgelt-

lichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses sowie um Beiordnung seines Rechtsvertreters als amtlichen 

Rechtsbeistand.  

Mit der Beschwerdeschrift reichte er eine Bestätigung der E._______ über 

die Teilnahme an einem Arbeits- und Qualifizierungsprojekt vom 17. März 

2016, ein Arbeitszeugnis der F._______ AG vom 3. August 2018, ein Emp-

fehlungsschreiben der Deutschkursleiterin an der Volkshochschule 

G._______, Frau H._______, vom 5. Oktober 2018 sowie die Kopie der 

Anfrage an das zuständige Amt für (…) zur Ausstellung einer Unterstüt-

zungsbestätigung vom 2. November 2018 ein und stellte die Übersendung 

Letzterer in Aussicht. 

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Seite 4 

E.  

Am 7. November 2018 traf die Unterstützungsbestätigung beim Gericht 

ein. 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 7. November 2018 stellte die zuständige In-

struktionsrichterin fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Ver-

fahrens in der Schweiz abwarten, hiess die Gesuche um Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung und um amtliche Rechtsverbeiständung 

gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und setzte 

Herrn MLaw Ruedy Bollack als amtlichen Rechtsbeistand des Beschwer-

deführers ein. Zudem lud sie die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein. 

G.  

Mit Vernehmlassung vom 15. November 2018 nahm das SEM zur Be-

schwerde Stellung.  

H.  

Nach einmaliger Fristerstreckung replizierte der Beschwerdeführer am 

20. Dezember 2018 und reichte eine Kostennote zu den Akten.  

I.  

Am 18. März 2019 ersuchte der amtliche Rechtsbeistand um Entlassung 

aus seinem Mandat per Ende Februar 2019 und um Einsetzung des rubri-

zierten Rechtsvertreters, Herrn MLaw Reto Ragettli, Rechtsanwalt und ju-

ristischer Mitarbeiter bei der HEKS Rebaso, als amtlichen Rechtsbeistand 

des Beschwerdeführers. Weiter erklärte er, sein Anspruch auf das amtliche 

Honorar sei der HEKS Rebaso zu überweisen. 

J.  

Mit Zwischenverfügung vom 4. April 2019 entband die Instruktionsrichterin 

den bisherigen Rechtsbeistand von seinem Mandat. Von der Einsetzung 

des rubrizierten Rechtsvertreters liess sie angesichts der fehlenden Not-

wendigkeit weiterer Vertretungshandlungen ab und behielt sich die Ent-

schädigung des amtlichen Rechtsbeistands im Endentscheid vor. 

 

 

D-6264/2018 

Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für Beschwerden gegen 

Verfügungen auf dem Gebiet des Asyls und entscheidet regelmässig – so 

auch hier – endgültig (Art. 5 VwVG, Art. 31 ff. VGG, Art. 105 AsylG [SR 

142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden und der 

Beschwerdeführer ist beschwerdelegitimiert (Art. 105 und aArt.  108 Abs. 1 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Im Sinne eines Eventualantrags begehrt der Beschwerdeführer die Rück-

weisung der Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz wegen unvoll-

ständiger Sachverhaltsabklärung und Verletzung des rechtlichen Gehörs. 

Diese Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls zur Kassation des an-

gefochtenen Entscheids führen können.  

3.1 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen 

Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet ei-

nen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die 

Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-

ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-

den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-

sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-

SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 

3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 

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Seite 6 

Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, 

welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei ein-

zuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur 

Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 

m.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vor-

bringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfin-

dung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die 

Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und 

jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 

E. 2.2.1). 

3.2 Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe im Rahmen einer Ge-

samtwürdigung nicht die für die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen spre-

chenden Elemente berücksichtigt. Vorliegend hat das SEM jedoch die we-

sentlichen Vorbringen des Beschwerdeführers festgestellt und entspre-

chend gewürdigt. Es hat dabei nachvollziehbar und hinreichend differen-

ziert aufgezeigt, von welchen Überlegungen es sich in seinem Entscheid 

leiten liess. Dass es dabei zu einer anderen rechtlichen Einschätzung ge-

langte als der Beschwerdeführer, beschlägt nicht die Frage der Sachver-

haltsfeststellung oder den Anspruch auf rechtliches Gehör, sondern die 

materiell-rechtliche Würdigung der Sache. Schliesslich versetzte die Be-

gründung der Vorinstanz den Beschwerdeführer auch in die Lage, diese in 

seiner Beschwerde sachgerecht anzufechten. 

3.3 Nach dem Gesagten erweisen sich die Rügen als unbegründet. Mithin 

fällt die beantragte Rückweisung der Sache an das SEM ausser Betracht. 

Das Gericht hat in der Sache zu entscheiden (Art. 61 Abs. 1 VwVG).  

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35

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Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.3 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge-

gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des 

Beschwerdeführers. Für die Glaubhaftmachung reicht es nicht aus, wenn 

der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesam-

ten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorge-

brachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. dazu ausführlich BVGE 

2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 

5.  

5.1 Das SEM zweifelte in seiner Verfügung nicht an, dass der Beschwer-

deführer für die D._______ und somit für eine ausländische Firma gearbei-

tet habe, weshalb er grundsätzlich ein erhöhtes Risiko haben könnte, einer 

Verfolgung durch nichtstaatliche Akteure ausgesetzt gewesen zu sein.  

Im Weiteren erachtete es die geschilderte Verfolgungssituation des Be-

schwerdeführers jedoch als unglaubhaft. So habe er einmal von zwei, dann 

von drei Drohanrufen gesprochen. Seine Erklärungen im Schreiben vom 

24. September 2018 (möglicherweise Verständigungsschwierigkeiten; 

Probleme seinerseits, sich gut zu erklären) seien nicht geeignet, die Unge-

reimtheiten aufzulösen, zumal den Protokollen keine Verständigungsprob-

leme zu entnehmen seien. Auch erscheine sein Erklärungsversuch unbe-

holfen und lebensfern, die ersten beiden Anrufe als Telefonscherze einge-

ordnet zu haben, umso mehr, da er damals Mitarbeiter einer westlichen 

Firma gewesen sei. Im Schreiben des Arbeitgebers würden Drohanrufe, 

Drohschreiben in Form von Flugblättern, die Taliban und der Islamische 

Staat (IS) erwähnt, hingegen habe der Beschwerdeführer nur die Drohan-

rufe und den Drohbrief der Taliban angegeben und auf Nachfrage weitere 

Ereignisse verneint. Seine Argumentation in der Eingabe vom 24. Septem-

ber 2018 (letter of request diene der Sicherheit der Mitarbeiter; Erwähnung 

des IS, weil sie eine terroristische Organisation sei) sei offensichtlich nicht 

stichhaltig, werde in casu doch auf die persönliche Situation des Beschwer-

deführers eingegangen und nicht einfach auf potenzielle Gefahren für jeg-

liche Mitarbeitende. Weiter sei nur schwer nachvollziehbar, dass er erst 

nach fast drei Jahren Arbeit für die Firma von den Taliban bedroht worden 

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Seite 8 

sei. Ebenso unplausibel sei, dass er überall in Afghanistan leicht durch die 

Taliban hätte ausfindig gemacht werden können. Ferner ergäben sich auf-

grund ungereimter Aussagen auch Bedenken an der Echtheit der einge-

reichten Identitätskarte und somit seiner Identität. Angesichts der Unglaub-

haftigkeit der Vorbringen könne auf eine eingehende Würdigung der einge-

reichten Dokumente verzichtet werden. Der letter of request stelle abgese-

hen davon ein Gefälligkeitsschreiben dar, bei dem sich der Verfasser vor-

liegend wohl auf die Aussagen des Beschwerdeführers und nicht auf un-

abhängige Berichte gestützt habe. Das Schreiben müsse danach als un-

taugliches Beweismittel bewertet werden. Der Drohbrief könne seinerseits 

von jeder beliebigen Drittperson verfasst worden sein. Im Übrigen sei an-

gesichts der Beweismittel und Aussagen in den Anhörungen davon auszu-

gehen, dass der Beschwerdeführer seine Stelle nicht selbst gekündigt 

habe, sondern sein Vertrag nach drei Jahren ausgelaufen sei. 

Selbst bei Annahme der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen sei nicht von ei-

nem weiteren Verfolgungsinteresse seitens der Taliban auszugehen. Der 

Beschwerdeführer habe seine Arbeit 2015 niedergelegt und arbeite seit 

über drei Jahren nicht mehr für die D._______. Bis zur Ausreise habe er 

keine über die verbalen und schriftlichen Drohungen hinausgehenden kon-

kreten Verfolgungsmassnahmen durch die Taliban zu beklagen gehabt. 

Dies gelte auch für seine Aussagen betreffend die Bedrohungen der weite-

ren Mitarbeitenden der Firma. Seinen Angehörigen sei seit der Ausreise 

nichts widerfahren. Die Taliban bildeten zudem keine dauerhaften Einhei-

ten und veränderten sich ständig. Es sei demnach unwahrscheinlich, dass 

der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr durch sie verfolgt würde.  

5.2 In seiner Beschwerdeschrift entgegnete der Beschwerdeführer, nicht 

nur seine Angaben zur Anstellung bei der D._______, sondern auch zu den 

fluchtauslösenden Ereignissen und der Ausreise seien widerspruchsfrei, in 

sich stimmig, äusserst genau und von einer Vielzahl an Realkennzeichen 

geprägt. In Bezug auf die Situation bei Kenntnis vom Drohbrief habe er 

etwa von seinen Gefühlen berichtet, was auf das eigene Erleben der ge-

schilderten Ereignisse hindeute (mit Hinweis auf A11 F126 und F130). Bei 

der Ungereimtheit betreffend die Anzahl der Drohanrufe handle es sich of-

fensichtlich um ein Missverständnis. Er habe effektiv drei Drohanrufe er-

halten, davon jedoch nur zwei entgegengenommen. Wie bereits in der An-

hörung angegeben, habe er beim ersten Anruf nicht abgenommen, da er 

sich im Unterricht befunden habe. Es könne nicht davon die Rede sein, 

dass er die Anrufe als Scherz aufgefasst habe. Er habe die Bedrohungssi-

tuation anfangs einfach nicht richtig beurteilt, wobei er von einem Kollegen 

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darin bestärkt worden sei, dass das bereits Vorgefallene womöglich nicht 

von grosser Bedeutung sei. Das Schreiben der Firma (letter of request) sei 

einheitlich für alle betroffenen Mitarbeiter vorab verfasst und, mehr oder 

weniger auf die individuelle Situation angepasst, an den Sicherheitskom-

mandanten geschickt geworden. Angesichts der Vielzahl bedrohter Mitar-

beitender erscheine dieses Vorgehen nur logisch. Mit den erwähnten Flug-

blättern könne zudem genauso gut ein Drohbrief gemeint gewesen sein 

und es handle sich schlicht um eine sprachliche Differenz in der Überset-

zung. Der IS hätte hypothetisch ebenso eine Gefahr für ihn dargestellt. So-

weit das SEM das späte Interesse der Taliban an ihm erst nach drei Jahren 

Tätigkeit für die Firma moniere, sei darauf hinzuweisen, dass zuvor vor al-

lem deren Standort in der Provinz Nangarhar betroffen gewesen sei. Er 

habe in Kabul lange studiert und währenddessen gearbeitet, um seinem 

Land dienen zu können. Zudem sei er bei seiner Ausreise jung verheiratet 

und in Erwartung eines gemeinsamen Kindes mit seiner Frau gewesen. 

Angesichts dieser Umstände erscheine es äusserst unplausibel, dass er 

ohne Vorliegen einer ernsthaften Gefahr ausgereist wäre. Nach seiner Tä-

tigkeit für die D._______ gelte er als Kollaborateur der amerikanischen und 

Unterstützer der afghanischen Armee und gehöre somit zu einer beson-

ders gefährdeten Personengruppe, welche im Visier der Taliban stehe. 

5.3 In ihrer Vernehmlassung merkte die Vorinstanz an, keine Realkennzei-

chen in den Schilderungen A11 F126 und F130 zu erkennen. Die Erklärung 

betreffend die Anzahl der Telefonanrufe wirke behelfsmässig. Dies gelte 

umso mehr, als sich diese weder mit den Antworten des Beschwerdefüh-

rers in der Anhörung noch in seinem Schreiben vom 24. September 2018 

deckten. Dort habe er auch erwähnt, er sei bei den Drohanrufen von einem 

Spiel Dritter ausgegangen. In der angefochtenen Verfügung würde abge-

sehen davon auf die fehlende Plausibilität der Aussage, als Angestellter 

einer westlichen Firma habe er die anonymen Drohanrufe anfangs nicht 

ernst genommen, abgestellt. Schliesslich seien den Ausführungen auch in 

der Beschwerdeschrift keine Hinweise zu entnehmen, wie der Beschwer-

deführer plötzlich in den Fokus der Taliban geraten sei.  

5.4 In seiner Replik kritisierte der Beschwerdeführer die Auffassung des 

SEM in der Vernehmlassung betreffend Realkennzeichen und bekräftigte 

seine Beschwerdevorbringen dazu unter Verweis auf weitere Aussagen in 

der Anhörung. Im Weiteren wiederholte er seine Beschwerdevorbringen 

zur Glaubhaftigkeit seiner Angaben, namentlich zu den Drohanrufen und 

zur Einschätzung der Bedrohungssituation. Zum Fokus der Taliban auf ihn 

verwies er ebenfalls auf seine Beschwerdeschrift und konkret den Hinweis, 

D-6264/2018 

Seite 10 

dass vor den Behelligungen in Kabul die Niederlassungen der D._______  

in anderen Provinzen betroffen gewesen seien. 

6.  

6.1 Eine einlässliche Prüfung der Akten ergibt, dass die Vorbringen des 

Beschwerdeführers nicht geeignet sind, eine asylrelevante Verfolgung 

nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. 

6.2 Zunächst geht das Gericht mit der Vorinstanz einig, dass die Angaben 

des Beschwerdeführers zu seiner Tätigkeit bei der D._______ als glaubhaft 

zu erachten sind. Diese sind von Detailreichtum geprägt und in sich schlüs-

sig. Zudem belegen diverse Dokumente betreffend seine Arbeit seine sub-

stantiierten Schilderungen (vgl. Bst. A für die Aufzählung der Dokumente). 

Allerdings ist auch für das Gericht nicht ganz klar, ob der Beschwerdeführer 

tatsächlich selbst gekündigt hat oder sein Arbeitsvertrag ausgelaufen ist. 

Bereits in der Anhörung fand einmal Erwähnung, dass ihm gekündigt 

wurde. Erst später sagte er auf konkrete Nachfrage aus, selbst gekündigt 

zu haben. Nach eigenen Angaben des Beschwerdeführers wurden die Ver-

träge aber jeweils nur für ein Jahr verlängert (vgl. A11 F149) und lief das 

Projekt, für welches er angestellt war, im Juni 2015 aus (A11 F83). Seine 

weiteren Ausführungen, dass er tatsächlich noch über diesen Zeitpunkt 

hinaus beschäftigt wurde, fallen des Weiteren eher ausweichend unter Be-

zug auf noch auszuführende Bauarbeiten aus, denn auf seine eigenen Tä-

tigkeiten in diesem Zeitraum (vgl. A11 F114).  

6.3 Die Einschätzung der Vorinstanz zu den Ungereimtheiten betreffend 

die Drohanrufe teilt das Gericht hingegen nicht. Bereits in den Aussagen in 

der Anhörung finden sich deutliche Hinweise darauf, dass der Beschwer-

deführer dreimal angerufen wurde, wobei er zweimal abnahm (vgl. A11 

insb. F115 ff.). Seine diesbezüglichen Schilderungen der Situationen, in 

denen er die Anrufe erhielt, sind zudem von vielen Details und diversen 

Realkennzeichen geprägt, welche darauf schliessen lassen, dass er das 

Erzählte tatsächlich erlebt hat. Trotz kleinerer Unstimmigkeiten namentlich 

betreffend Verständigungsprobleme und den Erklärungsversuch zur Be-

drohungssituation im Schreiben vom 24. September 2018 kann sich das 

Gericht der Vorinstanz auch nicht darin anschliessen, Letzterer sei als un-

plausibel zu erachten. Gerade da sich der Beschwerdeführer nach eigenen 

Angaben am Ende seiner Anstellung bei der D._______ befand, erscheint 

es durchaus nachvollziehbar, dass er die Drohanrufe am Anfang nicht ganz 

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Seite 11 

ernst nahm. Abgesehen davon reagierte er gemäss seinen Aussagen be-

reits nach dem zweiten Anruf, verständigte seinen Vorgesetzten und er-

suchte über seinen Arbeitgeber um Hilfe beim Sicherheitskommandanten.  

Demgegenüber stellt sich auch für das Gericht die Frage, warum die Tali-

ban erst zu so einem späten Zeitpunkt mit ihren Behelligungen der Mitar-

beitenden der Firma in Kabul begonnen haben sollen. Die vorgängigen Be-

drohungen an anderen Standorten sind als nachgeschoben zu erachten 

und werden auch nicht belegt. Zudem sind sie für sich nicht geeignet, diese 

Frage nachvollziehbar zu beantworten, bestand doch angesichts der Aus-

breitung und Vernetzung der Taliban die Möglichkeit der zeitgleichen Be-

drohungen. Weiter fällt auf, dass die zeitlichen Angaben zu den Drohanru-

fen – von den Abständen zwischen den Anrufen abgesehen – sehr vage 

ausfallen, was insoweit verwundert, als diese zusammen mit dem Drohbrief 

als jene Verfolgungsmassnahmen dargestellt werden, welche den Be-

schwerdeführer letztlich zur Ausreise veranlasst haben sollen.  

6.4 Zudem können die Differenzen zwischen den Angaben des Beschwer-

deführers in der Anhörung und jenen im letter of request nicht überzeugend 

ausgeräumt werden. Zwar ist nicht vollkommen auszuschliessen, dass es 

sich um einen Standardbrief handelt, der auf die individuelle Situation der 

Bedrohten angepasst wurde. Immerhin brachte der Beschwerdeführer 

auch schon in der Anhörung zum Ausdruck, dass sämtliche Mitarbeitende 

bedroht wurden. Möglich erscheint aber ebenso, dass es sich bei dem Brief 

um ein Gefälligkeitsschreiben handelt. Abgesehen davon überzeugt der 

Hinweis nicht, mit Flugblättern könnten auch Drohbriefe gemeint gewesen 

sein. Dies gilt ebenso für den Hinweis auf eine hypothetische Gefährdung 

durch den IS, zumal diese während des erstinstanzlichen Asylverfahrens 

gerade nicht geltend gemacht wurde. Nicht zuletzt ist der Vorinstanz zuzu-

stimmen, dass die Anmerkungen in der Beschwerdeschrift nicht in Einklang 

gebracht werden können mit den Erklärungen des Beschwerdeführers in 

seinem Schreiben vom 24. September 2018 (letter of request diene der 

Sicherheit der Mitarbeiter; Erwähnung des IS, weil sie eine terroristische 

Organisation sei). 

6.5 Weitergehende Zweifel sind zu seinen Vorbringen betreffend den Droh-

brief angebracht. Zwar finden sich auch hier nähere Angaben zum Erhalt. 

Die erwähnten Gefühlsreaktionen sind in der Tat aber nicht zwingend nur 

dahingehend auszulegen, dass sie von einem persönlichen Erleben zeu-

gen. Der eingereichte Drohbrief erweckt zudem mit seinem unscharfen 

Briefkopf dem äusseren Erscheinen nach den Anschein einer Fälschung, 

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Seite 12 

welche genauso gut käuflich erworben worden sein könnte. Der Brief ist 

mithin nicht geeignet, die diesbezüglichen Aussagen des Beschwerdefüh-

rers zu stützen, sondern legt eher den Schluss nahe, dass er zur Stützung 

der Asylvorbringen angefertigt wurde.  

6.6 Auffällig ist weiter, dass das Projektende und das Auslaufen seines be-

fristeten Vertrags, der Abschluss seines Studiums und die Schwanger-

schaft seiner Frau in etwa die gleiche Zeit fallen wie die geltend gemachten 

Bedrohungen durch die Taliban. Dass der Beschwerdeführer selbst die 

schwierige wirtschaftliche Lage namentlich von Hochschulabsolventen 

zum Zeitpunkt seines Ausreiseentschlusses schilderte, legt die Annahme 

nahe, er habe sich eher aufgrund seiner bevorstehenden wirtschaftlichen 

Lage und der Notwendigkeit der Lebensunterhaltsbestreitung für seine ei-

gene Familie zur Ausreise entschlossen. 

6.7 Nach dem Gesagten erscheint eine Verfolgung des Beschwerdeführers 

durch die Taliban aufgrund seiner Tätigkeit für die D._______ durchaus 

möglich. Zugleich sind aber die erwähnten Zweifel an seinen Schilderun-

gen und den eingereichten Dokumenten anzubringen, welche es nicht als 

überwiegend wahrscheinlich erscheinen lassen, dass er sich einer zuspit-

zenden Gefährdungssituation ausgesetzt sah.   

7.  

Letztlich ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass auch ungeachtet der 

Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen nicht von einer asylrelevanten Verfol-

gung bei Ausreise und auch nicht bei einer Rückkehr nach Afghanistan 

ausgegangen werden kann. Den Akten ist nicht zu entnehmen, dass der 

Beschwerdeführer und seine Familie bis zu seiner Ausreise weiteren Be-

drohungen oder darüber hinausgehenden Verfolgungsmassnahmen aus-

gesetzt waren, die den Eindruck einer sich zuspitzenden Bedrohungslage 

erweckten. Auch in Bezug auf andere Kollegen, welche ebenfalls von den 

Taliban bedroht worden sein sollen, hat er sich nicht dementsprechend ge-

äussert. Hinzukommt, dass der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben 

bei seiner Ausreise von den Taliban an der afghanisch-pakistanischen 

Grenze kontrolliert wurde, ohne dass er in irgendeiner Weise behelligt 

wurde, geschweige denn, eine entsprechende Furcht geäussert hat. Dass 

es sich dabei um Taliban aus Pakistan gehandelt haben soll, stellt eine un-

bewiesene Behauptung dar, welche auch insoweit nicht verfängt, als das 

Einflussgebiet der Taliban nicht an der Grenze Halt machen dürfte. Der Be-

schwerdeführer arbeitet des Weiteren seit mittlerweile über fünf Jahren 

nicht mehr für die D._______. Seiner Familie ist seit der Ausreise ebenso 

D-6264/2018 

Seite 13 

nichts widerfahren, was darauf schliessen lassen dürfte, dass er nicht im 

Fokus der Taliban ist, dies trotz des wiedererstarkenden Einflusses der Ta-

liban in Teilen Afghanistan. 

8.  

Das Bundesverwaltungsgericht stellt zusammenfassend fest, dass der Be-

schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft gemäss den Voraussetzungen 

von Art. 3 und 7 AsylG aus den soeben erwähnten Gründen nicht erfüllt, 

weshalb das SEM das Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat. 

9.  

Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 

es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug 

an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 

AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine aus-

länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-

teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

10.  

10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).  

10.2 Bei der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt 

gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstan-

dard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu 

beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

10.3  

10.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 

D-6264/2018 

Seite 14 

Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen 

Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-

lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-

mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-

handlung unterworfen werden. 

10.3.2 Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine flüchtlings-

rechtlich relevante Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, 

findet das flüchtlingsrechtliche Refoulementverbot vorliegend keine An-

wendung. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwer-

deführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall 

einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrschein-

lichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Be-

handlung ausgesetzt wäre. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation 

in Afghanistan lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht 

als unzulässig erscheinen. Entsprechend ist der Vollzug der Wegweisung 

sowohl im Sinne der flüchtlingsrechtlichen als auch der menschenrechtli-

chen Bestimmungen zulässig.  

10.4  

10.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

10.4.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil D-5800/2016 

vom 13. Oktober 2017 die Lage in der afghanischen Hauptstadt Kabul aus-

führlich analysiert (vgl. E. 6.3 ff. des genannten Urteils). Diese Lageanalyse 

und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen sind weiterhin zutreffend. 

Gemäss Einschätzung des Gerichts haben sich sowohl die Sicherheitslage 

– die als volatil und von zahlreichen Anschlägen geprägt zu bezeichnen ist 

– als auch die humanitäre Situation in Kabul im Vergleich zu der in BVGE 

2011/7 beschriebenen Situation noch einmal verschlechtert. Die Lage in 

Kabul ist daher grundsätzlich als existenzbedrohend und somit unzumut-

bar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG zu qualifizieren. Von dieser Regel kann 

abgewichen werden, falls besonders begünstigende Faktoren vorliegen, 

aufgrund derer ausnahmsweise von der Zumutbarkeit des Vollzugs ausge-

gangen werden kann.  

http://links.weblaw.ch/BVGer-D-5800/2016
http://links.weblaw.ch/BVGE-2011/7
http://links.weblaw.ch/BVGE-2011/7

D-6264/2018 

Seite 15 

Solche besonders begünstigenden Faktoren können nach dem genannten 

Referenzurteil namentlich dann gegeben sein, wenn es sich bei der zurück-

kehrenden Person um einen jungen, gesunden Mann handelt. Unabding-

bar ist ferner in jedem Fall ein soziales Netz, das sich im Hinblick auf die 

Aufnahme und Wiedereingliederung der zurückkehrenden Person als trag-

fähig erweist. Dieses soziale Netz muss der zurückkehrenden Person ins-

besondere eine angemessene Unterkunft, Grundversorgung sowie Hilfe 

zur sozialen und wirtschaftlichen Reintegration bieten können. Allein auf-

grund von losen Kontakten zu Bekannten, Verwandten oder auch Mitglie-

dern der Kernfamilie kann nicht von einem tragfähigen sozialen Bezie-

hungsnetz ausgegangen werden. Entscheidrelevant ist zudem, über wel-

che Berufserfahrung die rückkehrende Person verfügt beziehungsweise in-

wiefern eine wirtschaftliche Wiedereingliederung mit einer bezahlten Arbeit 

im Zusammenspiel mit dem Beziehungsnetz begünstigt werden kann. An-

gesichts der festgestellten Verschlechterung der Lage in Kabul ist das Vor-

liegen dieser strengen Anforderungen in jedem Einzelfall sorgfältig zu prü-

fen und diese müssen erfüllt sein, um einen Wegweisungsvollzug nach Ka-

bul als zumutbar zu qualifizieren (Referenzurteil des Bundesverwaltungs-

gerichts D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017 E. 8.4.1). Dies gilt weiterhin 

unter Berücksichtigung der aktuellen Lage in Kabul, wie sie vom Beschwer-

deführer in der Beschwerdeschrift unter Bezug auf diverse Länderberichte 

dargelegt wird. 

10.4.3 Der Beschwerdeführer ist in B._______, Bezirk C._______, Provinz 

Nangarhar geboren, wohin der Wegweisungsvollzug generell als unzumut-

bar zu erachten ist. Er hat aber ohnehin seit seinem zweiten Lebensjahr 

bis zu seiner Ausreise in Kabul gelebt, worauf bei der Prüfung der Zumut-

barkeit des Wegweisungsvollzugs im Weiteren abzustellen ist. Der Be-

schwerdeführer ist jung und gesund. Er hat in Kabul 2009 seinen Schulab-

schluss gemacht und danach ein (…)studium absolviert. Zugleich hat er 

berufliche Erfahrungen in seiner Funktion als (…) bei der D._______ er-

worben und die vier Jahre davor (…)- und (…)kurse gegeben. Wie die Vo-

rinstanz zutreffend festgehalten hat, verfügt er mithin über eine sehr hohe 

Schul- und universitäre Bildung sowie mehrjährige Arbeitserfahrung, wel-

che ihm auch unter Berücksichtigung der schwierigen wirtschaftlichen 

Lage in Kabul und in Afghanistan allgemein eine rasche Reintegration in 

den Arbeitsmarkt erleichtern dürfte. Seine Frau und sein Sohn ebenso wie 

mehrere Geschwister leben weiterhin bei seinen Eltern in Kabul und er 

steht in fortdauerndem Kontakt mit ihnen. Zwar ist der Vater des Beschwer-

deführers seit einigen Jahren arbeitslos, doch hat er zuvor ein (…)unter-

http://links.weblaw.ch/BVGer-D-5800/2016

D-6264/2018 

Seite 16 

nehmen betrieben und scheint weiterhin Frau und Kind des Beschwerde-

führers unterstützen zu können. Darüber hinaus leben weitere Onkel und 

eine Tante in Kabul. Der Beschwerdeführer verfügt demnach über eine ge-

sicherte Wohnsituation und ein tragfähiges Beziehungsnetz. Nicht zuletzt 

könnte er sich im Bedarfsfall auf seinen in den USA lebenden Bruder und 

auch seinen Cousin für finanzielle Hilfe stützen. Dass Ersterer die Familie 

bereits unterstützt, steht dem nicht entgegen, sondern bekräftigt nur des-

sen Unterstützungsbereitschaft und -fähigkeit. Schliesslich steht die – mit 

Dokumenten untermauerte – Integration des Beschwerdeführers in der 

Schweiz nicht der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs entgegen, wird 

diese doch im Hinblick auf die seine Reintegration befördernden Umstände 

im Heimatland beurteilt, welche nach dem zuvor Gesagten als besonders 

begünstigend zu erachten sind. Mithin erweist sich der Vollzug der Weg-

weisung auch als zumutbar. 

10.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

10.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

11.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

12.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da der Antrag auf unentgeltli-

che Prozessführung jedoch gutgeheissen wurde und die Bedürftigkeit des 

Beschwerdeführers auch heute weiterhin zu bejahen ist, werden keine Ver-

fahrenskosten auferlegt. 

D-6264/2018 

Seite 17 

13.  

13.1 Da der ehemalige Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Herr 

MLaw Ruedy Bollack, dem Beschwerdeführer als amtlicher Rechtsbei-

stand beigeordnet worden war, ist er für seinen Aufwand unbesehen des 

Ausgangs des Verfahrens zu entschädigen, soweit dieser sachlich notwen-

dig war (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2 VGKE). In der Kostennote vom 

22. Dezember 2018 machte er einen Aufwand von 11.16 Stunden zu 

Fr. 250.– sowie Auslagen in Höhe von Fr. 38.– geltend. Seither sind durch 

den neuen Rechtsvertreter keine weiteren Aufwendungen geltend gemacht 

worden. Wie in der Zwischenverfügung vom 4. April 2019 festgehalten, 

konnte demnach von seiner Verbeiständung abgesehen werden. 

13.2 Das Gericht geht bei amtlicher Vertretung praxisgemäss von einem 

Stundenansatz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht-anwaltliche Vertreterin-

nen und Vertreter und von Fr. 200.- bis Fr. 220.- für anwaltliche Vertreterin-

nen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Der in der 

Kostennote geltend gemachte Aufwand ist danach in finanzieller Hinsicht 

zu kürzen. In zeitlicher Hinsicht erscheint er angemessen. Für den Aufwand 

des ehemaligen Rechtsbeistands ist somit ein amtliches Honorar in Höhe 

von Fr. 1'713.– (11.16 Stunden à Fr. 150.–, Auslagen von Fr. 38.–) festzu-

setzen. 

13.3 Der ehemalige Rechtsbeistand, MLaw Ruedy Bollack, nahm die Ver-

beiständung des Beschwerdeführers im Rahmen seiner Anstellung bei der 

HEKS Rebaso – Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende Solothurn wahr. 

Zudem erklärte er in seinem Gesuch um Entlassung aus dem Mandat, sein 

Honoraranspruch sei an Letztere zu überweisen. Mithin ist der HEKS Re-

baso zu Lasten der Gerichtskasse das amtliche Honorar auszurichten. 

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-6264/2018 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Das amtliche Honorar für den ehemaligen Rechtsbeistand des Beschwer-

deführers, Herrn MLaw Ruedy Bollack, ist der HEKS Rebaso – Rechtsbe-

ratungsstelle für Asylsuchende Solothurn auszurichten. 

Das amtliche Honorar zulasten der Gerichtskasse wird auf insgesamt 

Fr. 1'713.– festgesetzt. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Mia Fuchs Teresia Gordzielik 

 

 

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