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**Case Identifier:** a4b672a9-61b2-5098-b473-6ef9915021e6
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-03-20
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 20.03.2023 SN.2023.6
**Docket/Reference:** SN.2023.6
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_SN-2023-6_2023-03-20

## Full Text

Entschädigung von Dritten (Art. 434 StPO);;Entschädigung von Dritten (Art. 434 StPO);;Entschädigung von Dritten (Art. 434 StPO);;Entschädigung von Dritten (Art. 434 StPO)

Verfügung vom 20. März 2023 
Strafkammer 

Besetzung 

 

Bundesstrafrichter Stefan Heimgartner, 

Gerichtsschreiber Friedo Breitenfeldt  

Parteien  B. AG 

  

 

 

   

Gegenstand 

 

Entschädigung von Dritten 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

Geschäftsnummer:  SN.2023.6 

(Hauptgeschäftsnummer: SK.2022.30) 

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SN.2023.6 

Sachverhalt: 

A. Mit Verfügung vom 12. Oktober 2022 forderte das Bundesstrafgericht zunächst 

die C. AG (hinfort: «C.») unter Verweis auf Art. 265 Abs. 1 und 2 lit. c StPO auf, 

umgehend diverse Daten betreffend das vor der Strafkammer hängige Strafver-

fahren SK.2022.30 zu edieren. In letzterem Verfahren zu beurteilen sind nament-

lich mutmassliche Zuwiderhandlungen gegen Art. 154 des Bundesgesetzes vom 

9. Juni 2015 über die Finanzmarktinfrastrukturen und das Marktverhalten im Ef-

fekten- und Derivatehandel (Finanzmarktinfrastrukturgesetz, FinfraG; SR 958.1) 

(TPF pag. 24.264.1.023 ff.). 

B. Nachdem die an C. adressierte Editionsverfügung innerhalb der D. an B. AG (hin-

fort: «die Antragstellerin») zugestellt wurde, kontaktierte letztere das Bun-

desstrafgericht zur Klärung diverser Fragen. 

C. Mit angepasster Editionsverfügung vom 26. Oktober 2022, welche die Verfügung 

vom 12. Oktober 2022 an C. ersetzte, ersuchte das Bundesstrafgericht schliess-

lich die Antragstellerin unter Verweis auf Art. 265 Abs. 1 und 2 lit. c StPO um 

Edition der relevanten Daten (TPF pag. 24.264.1.045 ff.). 

D. Am 11. November 2022 edierte die Antragstellerin die einverlangten Daten 

(TPF pag. 24.264.1.071 ff.). 

E. Mit Eingabe vom 7. März 2023 stellte die Antragstellerin folgende Anträge: «Es 

sei B. AG eine Entschädigung in Höhe von Fr. 20’759.20 nebst Zins zu 5 % seit 

11. November 2022 zu Lasten der Staatskasse zuzusprechen; unter Kosten- und 

Entschädigungsfolgen zu Lasten der Staatskasse». 

F. Zur Begründung ihrer Anträge führte die Antragstellerin an, dass es sich bei der 

Editionsverfügung vom 26. Oktober 2022 um eine Verfahrenshandlung des Bun-

desstrafgerichts gehandelt habe. Die der Antragstellerin dadurch entstandenen 

Aufwendungen seien unmittelbare Folge dieser Verfahrenshandlung gewesen, 

wobei sich deren Handlungen nicht in der blossen Herausgabe bereits vorhan-

dener Daten erschöpft hätten. Vielmehr seien besondere Fachkenntnisse erfor-

derlich gewesen, um die gewünschten Daten für den massgeblichen und um-

fangreichen Zeitraum edieren zu können und so die Indexdaten, Kursinformatio-

nen sowie Markdaten zu produzieren. Diese Aufwendungen seien erforderlich 

gewesen, damit die Antragstellerin der Editionsverfügung des Bundesstrafge-

richts überhaupt habe nachkommen können. Mit anderen Worten seien sie über 

das blosse Kopieren oder Zusammenstellen von bereits vorhandenen Unterla-

gen hinausgegangen, wobei die Aufklärung von Insiderdelikten bekanntermas-

sen mit einem erheblichen Untersuchungsaufwand verbunden sei. Im Umfang 

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SN.2023.6 

der Bemühungen sei der Antragstellerin gestützt auf Art. 434 Abs. 1 StPO eine 

Entschädigung zuzusprechen. Ausgehend von einem Ansatz von Fr. 300.00 pro 

Stunde und Person sowie einem Aufwand von 64 Stunden und 15 Minuten resul-

tiere somit unter Berücksichtigung der Mehrwertsteuer eine Entschädigungsfor-

derung von Fr. 20’759.20. 

Der Vorsitzende erwägt: 

1. Gemäss Art. 434 Abs. 1 StPO haben Dritte Anspruch auf angemessenen Ersatz 

ihres nicht auf andere Weise gedeckten Schadens sowie auf Genugtuung, wenn 

sie durch Verfahrenshandlungen oder bei der Unterstützung von Strafbehörden 

Schaden erlitten haben. Art. 433 Abs. 2 StPO ist sinngemäss anwendbar. Erfor-

derlich ist ein enger Konnex zwischen Strafverfahren und Schaden sowie dass 

der Schaden adäquat kausal verursacht worden ist. Dabei ist für die blosse Her-

ausgabe von zu edierenden Unterlagen keine Entschädigung geschuldet. Hinge-

gen hat der Dritte gestützt auf Art. 434 Abs. 1 StPO grundsätzlich Anspruch auf 

Entschädigung für diejenigen Bemühungen, die aufgrund der betreffenden Editi-

onsverfügung zwingend erforderlich waren und die über die blosse Herausgabe 

der betreffenden Unterlagen hinausgehen. Wie der «angemessene Ersatz» zu 

berechnen und zu bemessen ist, geht aus dem Wortlaut von Art. 434 StPO nicht 

hervor. Da vorliegend eine Verfahrenshandlung des Bundesstrafgerichts Anlass 

zu den Bemühungen der Antragstellerin gegeben hat, ist das Reglement des 

Bundesstrafgerichts über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bun-

desstrafverfahren (BStKR; SR 173.713.162) vom 31. August 2010 anzuwenden. 

Gemäss Art. 10 BStKR sind auf die Berechnung der Entschädigung der Drittper-

son im Sinne von Art. 434 StPO die Bestimmungen über die Entschädigung der 

amtlichen Verteidigung anwendbar. 

2. Der seitens der Antragstellerin geltend gemachte Aufwand von 64 Stunden und 

15 Minuten erscheint angemessen und aufgrund der Honorarnote vom 

7. März 2023 ausreichend substantiiert. Gemäss Art. 12 Abs. 1 BStKR beträgt 

der anwaltliche Stundenansatz zwischen Fr. 200.00 und Fr. 300.00. Im Normal-

fall (in Ermangelung ausserordentlicher Umstände) betragen die Stundenan-

sätze für Rechtsanwälte praxisgemäss Fr. 230.00 pro Stunde für Anwaltstätigkeit 

(anstelle vieler s. z.B. Entscheide des Bundesstrafgerichts BB.2019.45 vom 

18.09.2019 E. 3.1 und SK.2018.47 vom 26.04.2019 E. 6.1, jeweils mit weiteren 

Hinweisen; vgl. auch BGE 142 IV 163 E. 3.1.2). Werden höhere Stundenansätze 

beantragt, sind die ausserordentlichen Umstände darzulegen. Solche sind vor-

liegend weder ersichtlich noch werden sie von der Antragstellerin substantiiert 

dargelegt. Die Entschädigung ist nicht zu verzinsen (vgl. Entscheid des Bundes-

gerichts 6B_47/2017 vom 13. Dezember 2017 E. 2.2.4). 

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SN.2023.6 

Der Vorsitzende verfügt:  

1. Die B. AG wird mit Fr. 15'915.40 (inkl. 7.7 % MWST) entschädigt. 

2. Die Kosten werden vorläufig auf die Staatskasse genommen, wobei die Kosten-

folgen im Endentscheid geregelt werden. 

3. Im Übrigen werden die Anträge der B. AG abgewiesen. 

Im Namen der Strafkammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

 

 

Der Vorsitzende   Der Gerichtsschreiber 

  

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SN.2023.6 

Zustellung an 

− B. AG 

Kopie an 

− Bundesanwaltschaft, Herrn Oliver Otto, a.o. Staatsanwalt des Bundes 

− Herrn Rechtsanwalt Hans Hofstetter, Verteidiger von A. (Beschuldigter)  

− E. (Privatklägerschaft) 

− Herrn Rechtsanwalt Manuel Stengel, Rechtsbeistandschaft der F. (Privatklägerschaft) 

− Herrn Rechtsanwalt Sandro Abegglen und Frau Rechtsanwältin Anja Vogt, Rechtsbei-

standschaft der G. AG (Privatklägerschaft) 

− Frau H. (beschwerte Dritte)  

Nach Eintritt der Rechtskraft an 

− den Finanzdienst des Bundesstrafgerichts zum Vollzug 

Beschwerde an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts 

Gegen Verfügungen und Beschlüsse sowie die Verfahrenshandlungen der Strafkammer des Bundesstrafge-

richts als erstinstanzliches Gericht, ausgenommen verfahrensleitende Entscheide, kann innert 10 Tagen 

schriftlich und begründet Beschwerde bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts geführt werden 

(Art. 393 Abs. 1 lit. b und Art. 396 Abs. 1 StPO; Art. 37 Abs. 1 StBOG). 

 

Gegen den Entschädigungsentscheid kann die amtliche Verteidigung innert 10 Tagen schriftlich und begrün-

det Beschwerde bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts führen (Art. 135 Abs. 3 lit. a und Art. 

396 Abs. 1 StPO; Art. 37 Abs. 1 StBOG). 

 

Mit der Beschwerde können gerügt werden: Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Miss-

brauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung; die unvollständige oder unrichtige 

Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit (Art. 393 Abs. 2 StPO). 

Einhaltung der Fristen 

Eingaben müssen spätestens am letzten Tag der Frist bei der Strafbehörde abgegeben oder zu deren Handen 

der Schweizerischen Post, einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung oder, im 

Falle von inhaftierten Personen, der Anstaltsleitung übergeben werden (Art. 91 Abs. 2 StPO). 

 

 

 

 

Versand: 20. März 2023