# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 416b39e9-56b7-5517-add9-4c44cff20077
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht Praxis des Verwaltungsgerichts (PVG) 00.00.0000 PVG 2003 3
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_006_PVG-2003-3_0000-00-00.pdf

## Full Text

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Konzessionen und Bewilligungen 3
Concessioni e autorizzazioni

Apotheker-Stellvertreterbewilligung.
– Das kantonale Recht darf die Bewilligung zur fachlich 

selbständigen Tätigkeit als Apotheker-Stellvertreter an den 
Besitz eines eidgenössischen Diploms oder eines 
anderen gleichwertigen Diploms knüpfen.

Autorizzazione per supplente farmacista.
– Il diritto cantonale può far dipendere l’autorizzazione a 

praticare l’attività indipendente qualificata di supplente 
farmacista dal possesso di un diploma federale o di un 
altro diploma equivalente.

Erwägungen:
3. a) Der Rekurrent erblickt in der Verweigerung der Ertei-

lung einer Apotheker-Stellvertreterbewilligung u.a. eine Verlet- 
zung der verfassungsrechtlich garantierten Wirtschaftsfreiheit 
(Art. 27 BV). Zu prüfen ist, ob die Verweigerung verfassungsrecht- 
lich zulässig ist. Die Wirtschaftsfreiheit (Art. 27 BV) schützt – wie 
bereits die noch in Art. 31 aBV verankerte Handels- und Gewerbe- 
freiheit – jede gewerbsmässig ausgeübte, privatwirtschaftliche 
Tätigkeit (in Handel, Gewerbe, Landwirtschaft, Industrie etc.), die 
der Erzielung eines Gewinns oder eines Erwerbseinkommens 
dient (BGE 124 I 310; 119 Ia 378 Erw. 4b). Sie gilt nach bestätigter 
Praxis auch für unselbständig Erwerbende (BGE 84 l 18), und 
somit auch für die gewerbsmässige Ausübung des Berufes eines 
Apotheker-Stellvertreters. Einschränkungen der Wirtschaftsfrei- 
heit müssen, entsprechend den allgemeinen verfassungsrecht- 
lichen Regeln (vgl. Art. 36 BV), auf einer genügenden gesetzlichen 
Grundlage beruhen, im öffentlichen Interesse liegen und verhält- 
nismässig sein (BGE 125 I 322). Sie müssen zudem den unan- 
tastbaren Kerngehalt (Art. 36 Abs. 4 BV) der Wirtschaftsfreiheit 
wahren (Jörg Paul Müller, Grundrechte in der Schweiz, 3. Aufl., 
Bern 1999, S. 667 f.; René A. Rhinow/Gerhard Schmid/Giovanni 
Biaggini, Öffentliches Wirtschaftsrecht, Basel/Frankfurt a.M., 1998,
S. 127 f., je m. w. H.). Zu diesen vier allgemeinen Voraussetzungen 
kommt – im Regelfall – eine fünfte Voraussetzung hinzu: Staatliche

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Massnahmen müssen den Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit wah- 
ren (Art. 94 Abs. 1 BV), es sei denn, sie seien in der Bundesverfas- 
sung vorgesehen (sog. Verfassungsvorbehalt für abweichende 
Massnahmen; Art. 94 Abs. 4 BV; vgl. hiezu Giovanni Biaggini, § 49 
Wirtschaftsfreiheit, N 17, in: Daniel Thürer/Jean-François Aubert/ 
Jörg Paul Müller, Verfassungsrecht der Schweiz, Zürich 2001,
S. 786). Unzulässig bleiben – wie auch schon unter der alten 
Bundesverfassung – wirtschafts- oder standespolitische Massnah- 
men, die den freien Wettbewerb behindern, um gewisse Gewer- 
bezweige oder Bewirtschaftungsformen zu sichern oder zu be- 
günstigen.

b) Dass das kantonale Departement für die Erteilung ge- 
sundheitspolizeilicher Bewilligungen (so u.a. die anbegehrte Stell- 
vertreterbewilligung) zuständig ist, ergibt sich aus Art. 6 Abs. 3 lit. 
b GesG. Einer Bewilligung für die Berufsausübung im Kanton 
Graubünden bedürfen Medizinalpersonen. Als solche gelten 
Ärzte, Zahnärzte und Apotheker (Art. 29 Abs. 1 und 2 GesG). Das 
Departement kann Medizinalpersonen die Bewilligung erteilen, 
insbesondere zu Ausbildungszwecken einen Assistenten zu be- 
schäftigen und bei Krankheit oder vorübergehender Abwesenheit 
einen Stellvertreter einzustellen. Die Bewilligungen können befri- 
stet werden (Art. 32 Abs. 1 GesG). Das Nähere, insbesondere die 
fachlichen Voraussetzungen für die Tätigkeit als Stellvertreter 
oder Assistent, wird von der Regierung durch Verordnung gere- 
gelt (Art. 32 Abs. 2 GesG). Dem letztgenannten Auftrag ist die Re- 
gierung mit der am 27. Oktober 1998 revidierten Verordnung über 
Stellvertreter und Assistenten von Medizinalpersonen nachge- 
kommen. Nach Art. 2 dieser Verordnung werden als Stellvertreter 
oder als Assistenten zugelassen:

a) Inhaber des eidgenössischen Diploms
b) Inhaber eines gleichwertigen anderen Diploms.
Art. 29 GesG in Verbindung mit Art. 32 GesG und Art. 2 der 

erwähnten kantonalen Verordnung stellen eine hinreichende ge- 
setzliche Grundlage dafür dar, dass grundsätzlich nur Personen, 
welche über ein eidgenössisches Diplom verfügen bzw. Inhaber 
eines anderen gleichwertigen Diploms sind, eine Bewilligung zur 
(fachlich) selbständigen Berufsausübung als Apotheker Stellver- 
treter erhalten. Indem dieser Vorbehalt auf alle als Apotheker- 
Stellvertreter tätigen Personen in Graubünden, unabhängig da- 
von ob sie (wirtschaftlich) selbständig oder im Angestelltenver- 
hältnis tätig sind und ohne Rücksicht auf Kantonszugehörigkeit 
und/oder Nationalität einheitlich zur Anwendung gebracht wird,

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können diese Bestimmungen weder als diskriminierend noch als 
rechtsungleich noch als verfassungswidrig betrachtet werden. Die 
Regelung steht, wie die Vorinstanz zu Recht erkannt hat, im Ein- 
klang mit Art. 2a des Bundesgesetzes betreffend die Freizügigkeit 
des Medizinalpersonals in der Schweiz, wonach lediglich Inhaber 
eines eidgenössischen Diploms zur (fachlich und wirtschaftlich) 
selbständigen Tätigkeit als Apotheker zugelassen sind.

c) Das öffentliche Interesse, auch die Tätigkeit eines Apo- 
theker-Stellvertreters an den Diplomabschluss als Apotheker zu 
knüpfen, entspricht zweifellos dem gesundheitspolitischen Inter- 
esse, die Bevölkerung vor unzureichend qualifizierten Medizinal- 
personen zu schützen, ansonsten – wie vorliegend – eine so ge- 
nannte Verwalterapotheke von einer nicht über das erforderliche 
Diplom verfügenden Person geführt werden könnte, was der kan- 
tonale Gesetzgeber mit dem Erlass von Art. 2 der Verordnung ge- 
rade verhindern wollte.

d) Die getroffene Regelung erweist sich auch als verhält- 
nismässig. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes kön- 
nen die Kantone die Ausübung gewisser Tätigkeiten vom Besitze 
eines Fähigkeitsausweises abhängig machen, dies jedoch nur, 
wenn die fragliche Tätigkeit Gefahren für das Publikum mit sich 
bringt, die nur durch beruflich besonders befähigte Personen in 
erheblichem Masse vermindert werden können (BGE 112 Ia 322 
Erw. 4b). Diese Überlegungen gelten auch für den Bereich des Ge- 
sundheitswesens. Es besteht ein erhebliches öffentliches Inter- 
esse daran, dass im Gesundheitswesen nur fähige Personen tätig 
sind. Dieses darf jedoch nicht dazu missbraucht werden, aus stan- 
despolitischen Überlegungen den Zugang zu den Berufen des Ge- 
sundheitswesens stärker einzuschränken, als dies zur Wahrung 
der berechtigten gesundheitspolizeilichen Interessen gerechtfer- 
tigt ist. Ohne weiteres zulässig ist es, die Ausübung von Berufen 
der Gesundheitspflege bewilligungspflichtig zu erklären und die 
Erteilung der Bewilligung an den Nachweis fachlicher Fähigkeiten 
zu knüpfen. Aus dem Verhältnismässigkeitsprinzip folgt jedoch, 
dass nicht Anforderungen gestellt werden dürfen, die sachlich  
zum Schutz von Polizeigütern nicht gerechtfertigt sind.

Vorliegend darf der Inhaber einer Assistentenbescheini- 
gung als Assistent (damit aber unter fachlicher Aufsicht) in einer 
Apotheke tätig sein. Verwehrt ist ihm hingegen – aus gesund- 
heitspolizeilichen Gründen – die Tätigkeit eines fachlich selbstän- 
digen Apotheker-Stellvertreters. Diese vom kantonalen Recht vor- 
gegebene Einschränkung ist zweifellos geeignet und erforderlich,

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das angestrebte Ziel zu erreichen, zumal die (wirtschaftlich und 
fachlich) selbständige Führung einer Apotheke auch von Bundes- 
rechts wegen dem Inhaber eines entsprechenden eidgenössi- 
schen Diploms vorbehalten ist. Dass eine Assistentenbescheini- 
gung mitnichten ein solches Diplom darstellt, weil es dem Inhaber 
lediglich attestiert, auf dem Weg zum eidgenössischen Diplomab- 
schluss als Apotheker einen Zwischenabschluss erfolgreich absol- 
viert zu haben, ist offenkundig. Nicht entscheidend ist, dass der 
vorgesehene Stellvertreter bereits über eine reiche Praxiserfah- 
rung als Apothekerassistent verfügt. Diese vermag den verlangten 
Diplomabschluss nicht aufzuwiegen.

4. a) Auch der Einwand, dass der vorgesehene Stellvertre- 
ter in anderen Kantonen eine entsprechende Bewilligung erhalten 
habe, ist nicht entscheidend. Die Kantone können in ihrem Zu- 
ständigkeitsbereich innerhalb der verfassungsrechtlichen Schran- 
ken durchaus unterschiedliche Regelungen erlassen (BGE 125 I 
278 Erw. 3d; 122 I 44 Erw. 3b/cc). Eine gesetzliche Vorschrift – 
namentlich diejenige, welche die Erteilung einer Bewilligung als 
Apotheker-Stellvertreter an den erfolgreichen eidgenössischen 
Diplomabschluss und damit an dieselbe Voraussetzung wie für 
die (fachlich und wirtschaftlich) selbständige Berufsausübung 
knüpft – kann nicht allein schon deshalb verfassungswidrig sein, 
weil andere Kantone eine andere Lösung für dieselbe Frage ge- 
troffen haben.

b) Ebenso wenig kann der Rekurrent etwas zu Gunsten sei- 
ner Begehren aus dem Umstand ableiten, dass seinem Mitarbei- 
ter noch 1992 eine kantonale Stellvertreter-Bewilligung erteilt 
worden ist, nachdem zwischenzeitlich sowohl das übergeordnete 
Recht (Bilaterale Verträge, Bundesgesetz über die Freizügigkeit 
des Medizinalpersonals) als auch die damals geltende kantonale 
Regelung (letztere per 1. Dezember 1998) geändert worden sind. 
Auch soweit er in diesem Zusammenhang das Bundesgesetz über 
den Binnenmarkt (BGBM) anruft, kann ihm nicht geholfen werden. 
Abgesehen davon, dass im konkreten Fall nicht die Anerkennung 
eines eidgenössischen (Apotheker-)Diploms zur Diskussion steht, 
hat die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest- 
gehalten, dass das Bundesgesetz betreffend die Freizügigkeit des 
Medizinalpersonals in der Schweizerischen Eidgenossenschaft 
dem BGBM vorgeht und dass daher dem vorgesehenen Stell- 
vertreter, weil er nicht über ein eidgenössisches Apothekerdiplom 
verfügt, die anbegehrte Stellvertreterbewilligung, welche die 
fachlich selbständige Berufsausübung ermöglichen würde, ver-

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weigert werden müsse. Selbst wenn das BGBM aber anwendbar 
wäre, könnte der Rekurrent daraus keinen Anspruch auf Erteilung 
der anbegehrten Bewilligung ableiten. Gestützt auf Art. 3 Abs. 1 
BGBM haben die Kantone nämlich die Möglichkeit, den freien Zu- 
gang zum Markt einzuschränken. Dabei haben die entsprechen- 
den Bestimmungen gleichermassen auch für ortsansässige An- 
bieter zu gelten und sie müssen zur Wahrung überwiegender 
öffentlicher Interessen unerlässlich sowie verhältnismässig sein. 
Vorliegend ist offenkundig, dass Art. 2 der kantonalen Verordnung 
auch für ortsansässige Personen gilt. Ihr liegen überwiegende öf- 
fentliche Interessen (Schutz der Gesundheit und des Lebens von 
Menschen; Gewährleistung eines hinreichenden Ausbildungs- 
standes für eine bewilligungspflichtige Berufstätigkeit) zugrunde. 
Die Einschränkung ist – wie oben ausgeführt – letztlich auch ohne 
weiteres als verhältnismässig zu betrachten.

c) Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Vor- 
instanz dem vom Rekurrenten vorgeschlagenen Stellvertreter die 
Bewilligung als Apothekerstellvertreter zu Recht verweigert hat. 
Der Rekurs erweist sich daher als unbegründet und ist abzuwei- 
sen.
U 02 97 Urteil vom 14. Januar 2003