# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9958c17e-8883-5888-9106-43a6cff1c873
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-11-18
**Language:** de
**Title:** Hilflosigkeit bei kognitiv-neuropsychologischen Funktionsdefiziten nach unter anderem einer Hirnverletzung ohne aktuellen ärztlichen Bericht nur ungenügend abgeklärt.
**Docket/Reference:** UV.2020.00145
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2020.00145.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2020.00145
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Romero-Käser
Ersatzrichterin Lienhard
Gerichtsschreiberin Tiefenbacher
Urteil
vom
1
8.
November 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
Ronald
Pedergnana
Rorschacher
Strasse 21, Postfach 27, 9004 St. Gallen
gegen
Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG
Richtiplatz
1, 8304 Wallisellen
Beschwerdegegnerin
Zustelladresse: Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG
Postfach, 8010 Zürich
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1966, stürzte am 13. April 1991 mit seinem Gleitschirm ab und
zog sich dabei
eine Rotationsfraktur mit partie
ller Spinalkanalverlegung L1 sowie eine
Contusio
cerebri bei Kontusionsblutung der links
seitigen Stamm
ganglien zu (
Urk. 9/1 und Urk. 9/19 S. 12).
Die
Elvia
Schweizerische Versiche
rungsgesellschaft respektive die
Allianz Su
isse Versicherungs-Gesellschaft
AG (im Folgenden: Allianz) richtet ihm seit April 1995 eine Invalidenrente aus: bis August 1998 basierend auf einem Invaliditätsgrad von 35 % und ab September 1998 basierend auf einem Invaliditätsgrad von 93 %
(
Einspracheentscheid
vom 12. Januar 1998, Urk. 9/1100 S. 3
Ziff.
1a und Verfügung vom 7. Dezember 2000, Urk.
9/1148)
.
Am 12. April 2014 erlitt der Versicherte einen ischämischen
cerebrovaskulären
Insult (
Urk. 9/
1163 Beilage) und a
m
10. Juli 2017 wurde eine dorsale
Aufrich
tungsspondylodese
und
transpedikuläre
Instrumentierung Th8-L4 (
Expedium
), eine
Pedikelsubtraktions
-Osteotomie L1 und eine Ponte-Osteotomie Th11/12 durchgeführt (Urk. 9/72). Am
26. September 2017 stellte der Versicherte
unter anderem
einen Antrag
auf eine
Hilflosenentschädigung
(Urk. 9/1197)
.
Die
Allianz
holte in der Folge
medizinische Berichte
(Urk. 9/7
8-80 und Urk. 9/1209
) ein und führte eine Abklärung vor Ort durch (Urk. 9/
1224-1225
).
Mit Verfügung vom 19. Oktober 2018 verneinte
sie
den Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
(Urk. 9/1234)
. Dagegen erhob der Versicherte am 19. November 2018 Einsprache und beantragte die Ausrichtung einer
Hilflosenentschädigung
aufgrund einer mittleren, eventuell leichten Hilflosigkeit
(Urk. 9/1236)
. Die Allianz wies die Ein
sprache mit Entscheid vom 8. Mai 2020 ab (
Urk. 9/1243 =
Urk. 2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 8. Mai 2020 (Urk. 2) erhob der Versicherte am 10. Juni 2020 Beschwerde und beantragte, die Sache sei zu weiteren Abklä
rungen zur Hilflosigkeit, namentlich zur Einholung eines neurologischen Gutach
tens, an die Allianz zurückzuweisen (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 17. September 2020 schloss die Allianz auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 8).
Mit Verfügung vom 21. September 2020 zog das Gericht die A
kten der Invali
denversicherung
(Urk. 13/1-135)
bei (Urk. 11).
3.
Der Beschwerdeführer bezog von September bis November 1998 ein Viertels- und bezieht seit Dezember 1998 eine ganze Rente der Invalidenversicherung (Verfü
gungen vom 24. Oktober 2000, Urk. 13/56 S. 1 und 3). Am 20. April 2015 sprach
ihm die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
eine
Hilflo
senentschädigung
basierend auf einer leichten Hilflosigkeit zu (Urk. 13/122).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebro
chen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Über
gangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
13. April 1991
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss
Art.
26
Abs.
1 UVG hat der Versicherte bei Hilflosigkeit Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
. Als hilflos gilt eine Person, die wegen der Beein
trächtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (
Art.
9 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die
Hilflo
senentschädigung
bemisst sich nach dem Grad der Hilflosigkeit (
Art.
27 UVG).
Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs all
täglichen Lebensverrichtungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V
297
E.
4a):
1.
Ankleiden, Auskleiden;
2.
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
3.
Essen;
4.
Körperpflege;
5.
Verrichtung der Notdurft;
6.
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
Bei Lebensverrichtungen, welche mehrere Teilfunktionen umfassen, ist nach der Rechtsprechung (BGE 121 V 91 E. 3c mit Hinweisen) nicht verlangt, dass der Versicherte bei der Mehrzahl dieser Teilfunktionen fremder Hilfe bedarf; vielmehr ist bloss erforderlich, dass er bei einer dieser Teilfunktionen regelmässig in erheblicher Weise auf direkte oder indirekte Dritthilfe angewiesen ist.
1.3
Gemäss
Art.
38 UVV gilt die Hilflosigkeit als leicht
(Abs. 4)
, wenn der Versicherte trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrich
tungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (
lit
. a) oder einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf (
lit
. b) oder einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf (
lit
. c)
oder wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körper
lichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Drit
ter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann
(
lit
.
d).
Die Hilflosigkeit gilt als
mittelschwer
(Abs. 3)
, wenn der Versicherte trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen regel
mässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (
lit
. a) oder in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persön
lichen Überwachung bedarf (
lit
. b). Nach der Rechtsprechung setzt Hilflosigkeit mittelschweren Grades im Sinne von
Art.
38
Abs.
3
lit
. a UVV eine Hilfsbedürf
tigkeit in mindestens vier alltäglichen Lebensverrichtungen voraus (BGE 121
V
88 E. 3b, 107 V 145 E. 2).
D
ie Hilflosigkeit
gilt
als schwer, wenn der Versicherte vollständig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn er in allen alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies der dauernden Pflege oder der persönlichen Überwachung bedarf (
Abs.
2).
1.4
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt einen natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden voraus (BGE 129 V 177 E. 3.1 und 3.2).
Massgebende Ursachen im Rahmen des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein die gesundheitliche Beeinträchtigung nicht oder nicht in gleicher Weise oder nicht zur gleichen Zeit eingetreten wäre. Daher ist nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist, sondern reicht es aus, dass das versicherte Ereignis zusammen mit anderen Fak
toren für die Schädigung verantwortlich ist. Mit anderen Worten ist der natürli
che Kausalzusammenhang gegeben, sobald der Unfall nicht weggedacht werden
kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (Conditio sine qua non; BGE 129 V 177 E.
3.1
, 402 E.
4.3.1 mit Hinweisen). Bei organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, das heisst rechtserhebliche Kausalität im Übrigen weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier prak
tisch keine selbständige Bedeutung (BGE 122 V 415 E.
2c mit Hinweisen; RKUV 2004 Nr. U
505 S. 249 E.
2.1, U
116/03).
1.5
Ein Abklärungsbericht unter dem Aspekt der Hilflosigkeit hat folgenden Anfor
derungen zu genügen:
Als Berichterstatterin wirkt eine qualifizierte Person, wel
che Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigung
en und
Hilfsbedürftigkeiten
hat. B
ei Unklarheiten über physische oder psychische Stö
rungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern not
wendig. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichti
gen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind
. D
er Berichtstext muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebensverrichtungen sein. Schliesslich hat er in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen.
Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung täti
genden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsper
son näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (Urteil des Bundesgerichts 9C_562/2016 vom 1
3.
Januar 2017 E. 4.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren Entscheid damit
(Urk. 2)
, dass sich der Beschwerdeführer anlässlich
der Abklärung vor Ort
zu allen alltäglichen Lebens
verrichtungen habe äussern können und die Abklärung ergeben habe, dass er einzig in einer alltäglichen Lebensverrichtung (Verrichtung der Notdurft) hilflos sei (S. 4 Ziff. 13). Auch der Vater des Beschwerdeführers habe sich während der Abklärung äussern können
,
und die Erhebungen stützten sich im Wesentlichen
auf die
Angaben des behandelnden Arztes und d
ie
Erhebungen der Invalidenver
sicherung (S. 5 Ziff. 15). Er habe nicht dargelegt
,
in welchen weiteren alltäglichen Lebensverrichtungen er auf regelmässige Dritthilfe angewiesen sein soll
e,
und mache auch nicht geltend, er bedürfe einer dauernden persönlichen Überwachung
oder einer ständigen und besonders aufwendigen Pflege. Es sei auch nicht ersichtlich, dass er wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen könne (S. 5 Ziff. 16).
2.2
Dagegen brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor (Urk. 1), er leide, was für ein Frontalhirnsyndrom typisch sei, an einer schweren Sinnesschädigung, auch wenn diese nicht aus einer Gehörlosigkeit oder Blindheit bestehe (S. 3 Ziff. 10). Dies führe dazu, dass er sich mit seinen Auftritten nach aussen ständig in Schwierigkeiten bringe (S. 4 Ziff. 16). Die Pflege sozialer Kontakte gelinge nur mit der Kernfamilie, die Verständnis habe für seinen Zustand (S. 5 Ziff. 24). Ohne die Familie müsste er in eine betreute Wohneinrichtung ziehen oder würde gar zwangsweise in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden müssen (S. 5 Ziff. 23).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Hilflo
senentschädigung
hat
.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer erlitt anlässlich seines Absturzes mit dem Gleitschirm
eine L1-Rotationsfraktur mit part
ie
ller Spinalkanalverlegung
(Urk. 9/1)
.
Dr.
med.
Y.___
, Lei
t
ender Arzt Orthopädie am
Zentrum
Z.___
,
diagnostizierte im Gutachten vom 15. Juli 1994 (Urk. 9/19) einen Zustand nach LWK-2 Berstungsfraktur im Rahmen einer Rotationsverletzung mit konse
kutivem
Conus
-Syndrom mit persistierenden neurogenen Blasen-, Darm- und Sexualfunktionsstörungen und einen Zustand nach
Contusio
cerebri bei Kontu
sionsblutung der linksseitigen Stammganglien (S. 11 f.).
Anlässlich einer neuropsychologischen Untersuchung (Bericht vom 3. Januar 1995, Urk. 9/20) erhob
lic
. phil.
A.___
, Institut
B.___
, eine mittelschwere posttraumatische neuropsychologische Funktionsstö
rung mit linksseitigem Schwergewicht und hielt fest, dass der Beschwerdeführer noch nicht in der Lage sei, eine auch nur einfachere Tätigkeit genügend kontrol
liert und mit genügender Zuverlässigkeit auszuführen (S. 6).
Lic
. phil.
C.___
, Psychologe FSP
,
hielt im neurologischen Teilgutachten vom 28. April 1999 (Urk. 9/29) fest, die kognitiv-neurologischen Testbefunde (welche, wo sie direkt vergleichbar seien, weitestgehend in Art und Gewichtung
denjenigen
von
lic
. phil.
A.___
erhobenen Befunden entsprächen), die in der Fremdanamnese, in der eigenen Verhaltensbeobachtung sowie im Verlauf seit
dem Unfall dokumentierten, allgemeinen Verhaltensauffälligkeiten und emotio
nalen Reaktionsweisen bewiesen ohne Zweifel, dass beim Beschwerdeführer infolge des erlittenen Unfalls nebst den hirnorganisch bedingten, kognitiv-neu
ropsychologischen Funktionsdefiziten auch eine hirnorganisch bedingte Persön
lichkeitsveränderung eingetreten sei, welche unabhängig von den kognitiven Defiziten seine psychosoziale und psychoemotionale Kompetenz und damit auch seine psychosoziale Integrationsfähigkeit im Beruf und im Privatleben zusätzlich beeinträchtigten (S. 6 Mitte).
Dr.
med.
D.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
diag
nostizierte im Gutachten vom 16. Mai 1999 (Urk. 9/36) eine organisch bedingte Persönlichkeitsveränderung (F07.0), differentialdiagnostisch ein organisches Psy
chosyndrom nach Schädel-Hirn-Trauma (F.07.2)
,
und kam zum Schluss, dass eine eingeschränkte Selbstkontrolle (1), eine eingeschränkte soziale Kompetenz (2), ein vermehrtes situationsgebundenes Verhalten, d.h. die Motivation komm
e
mehr von aussen als von innen (Apathie, Gleichgültigkeit) (3), eine emotionale Wesensveränderung (4) und eine Unfähigkeit, aus Erfahrungen zu lernen
,
(5) auf ein Frontallappensyndrom hinwiesen (S.
24 und S.
27 unten f.). Der Beschwerde
führer sei vordergründig kompetent, zuverlässig und fleissig, könne aber seine psychische Regression auf Dauer in der Realität nicht unter Beweis stellen (S. 28). Die Prognose betreffend Wesensveränderung sei sehr ernst. Es werde keine wesentlichen Veränderungen der heutigen Situation mehr geben, es sei denn eine Verschlechterung, insbesondere dann, wenn die psychosozialen Massnahmen nicht an die Hand genommen würden (S. 30).
Laut Austrittsbericht des Kantonsspitals
E.___
, Departement Medizin
, vom 28. April 20
1
4 (Urk.
13
/91) wurde der Beschwerdeführer am 8. April 2014 nach unklarer Liegedauer notfallmässig zugewiesen. Die Ursache sei ein
hyperosmola
res
Koma bei neu entdecktem Diabetes Mellitus Typ 2 gewesen. Die Computerto
mographie des Schädels sei ohne Hinweise auf eine Infarzierung oder Blutung gewesen. Nach problemloser
Extubation
am 12. April 2014 hätten sich eine links
seitige Hemiplegie, eine Aphasie, eine zentrale
Fazialisparese
sowie ein linkssei
tiger
Hemineglect
gezeigt. Die Computertomograph
i
e des Schädels habe ausge
dehnte Infark
t
areale
frontoparietal
sowie
pa
r
ieto
o
ccipital
rechts gezeigt (S. 2 Mitte).
3.2
Laut der undatierten und ohne Absender versehenen Checkliste für die Beurtei
lung der Hilflosigkeit (Urk. 9/1209), wahrscheinlich von PD
Dr.
med.
F.___
,
Oberarzt Wirbelsäulenchirurgie und Neurochirurgie an der
Kli
nik
G.___
,
ausgefüllt (vgl. Urk. 9/1212)
,
benötigt der Beschwerdeführer im Bereich Ankleiden/Auskleiden erhebliche Hilfe beim An- und Ausziehen der Schuhe und
beim An- und Ausziehen der Hosen (S. 1) sowie im Bereich Fortbewegung beim Autofahren (S. 2). Der Beschwerdeführer sei tags und nachts inkontinent und bed
ürfe
eine Stunde pro Tag der persönlichen Überwachung (S. 3).
3.3
Dem Abklärungsbericht über die Abklärung der Hilflosigkeit vor Ort vom
12. Juni 2018 (Urk. 9/1224) kann entnommen werden, dass der Beschwerdeführer im Bereich An-/Auskleiden keiner Hilfe bed
ürfe
, das Anziehen der Schuhe indessen dreimal so lang dauere
wie
bei gesunden Menschen (S. 1). Die Nahrung könne er selber zubereiten und selber einnehmen. Seit 1991 nehme er täglich
Medikamente
gegen Durchfall ein. Die Körperpflege führe er selbständig durch, er sei dabei allerdings sehr langsam. Beim Verrichten der Notdurft sei er im
Moment selb
ständig, er bediene
den Katheter selbst. Er habe Probleme bei der Spontanentlee
rung (S. 2). Auch bei der Fortbewegung sei er selbständig, es gehe alles viel lang
samer. Er habe Probleme, weil das Sichtfeld links beeinträchtigt sei, dadurch stosse er hie und da an. Auch bei der Pflege gesellschaftlicher Kontakte sei er selbständig. Er habe zwar keine Kollegen mehr
,
er gehe aber selbständig auf Rei
sen, z.B. auf Bodenseeschifffahrten. Medizinisch-pflegerische Hilfe benötige er keine (S. 3). Er müsse nicht persönlich überwacht werden (S. 4). Er sei nicht bett
lägerig
. Als Hilfsmittel benötige er Greifzangen, um S
achen vom Boden aufzuhe
ben, da
er sich nicht genügend bücken könne (S. 5).
Er benötige lebenspraktische Begleitung, jedoch seien keine Hilfeleistungen notwendig, damit er selbständig wohnen könne, er müsse aber bei Amtsgängen unterstützt werden. Er brauche auch keine Unterstützung, um eine Isolation zu verhindern (S. 6). Er werde unterstützt durch eine Pu
tzhilfe (2 Stunden/Monat),
durc
h seine Mutter (
Vorhän
gewaschen:
4 Stunden/Jahr) und
bei der Gartenpflege (ca. 10 Stunden pro Jahr). Er verfüge über ein Dusch-WC und die Steuererklärung gebe er auswärts in Auf
trag (S. 7). Die Abklärung vor Ort fand im Beisein des Vaters des Beschwerdefüh
rers statt (S. 8).
Gemäss Aktennotiz der Abklärungsperson vom 12. Juni 2018 (Urk. 9/1225) habe der Vater des Beschwerdeführers um eine Vorbesprechung gebeten und darüber informiert, dass der Beschwerdeführer sehr ungehalten und nicht angepasst rea
gieren könne, das
s
er ein
Schädel-Hirn-Trauma
erlitten habe und
sich
deswegen sei
ne
Wahrnehmungen/Reaktionen verändert hätten. Der Vater spreche von einem Paraphrasieren, dass der Beschwerdeführer seine Einschrän
k
ungen nicht wahrhaben wolle, dass er diese negiere und über
all
Gegner sehe, mit dem Haus
arzt verkracht sei und alle Kollegen verloren habe. Er dürfe keine
Fahrzeuge (Auto und Velo)
lenken, die Seite links sei neurologisch beeinträchtigt, unter anderem sei sein Sichtfeld eingeschränkt, was immer wieder zum Anstossen führe.
Die Besprechung vor Ort habe ergeben, dass man sich mit dem Beschwerdeführer gut
unterhalten könne, bei Widerspre
chen aber eine gewisse Aggressivität spür
bar sei. Er könne seine Einschränkungen gut benennen und er wisse auch, dass er keine Freunde mehr habe. Aus diesem Grund habe er sich ein Generalabonne
ment angeschafft und komme auf Reisen mit Fremden gut ins Gespräch. Er
lebe
sichtbar in einer eigenen Welt. Er benötige wenig
bis
keine tägliche Hilfe vor Ort. Ab und zu strande er auf Reisen und erlaube sich dann, mit einem Taxi nach Hause zu fahren.
3.4
Die Invalidenversicherung ging in ihrem Entscheid bezüglich
Hilflosenentschädi
gung
davon aus (Urk. 13/121), dass die Notwendigkeit der lebenspraktischen Begleitung seit April 2014 bejaht werden könne. Zudem könne eine Hilflosigkeit im Bereich der Notdurft anerkannt werden. Die Dauer, Intensität und Rege
lmäs
sigkeit von mindestens 2 St
unden pro Woche an le
benspraktischer Begleitung sei
erfüllt. In den restlichen alltäglichen Lebensverrichtungen sei der Beschwerde
führer selbständig. Zudem könne eine Pflege- und Überwachungsbedürftigkeit ni
cht bejaht werden (S. 2 unten).
Dem Abklärungsbericht der IV-Stelle vom 31. März 2015 (Urk. 13/114) kann bezüglich der Lebensverrichtung Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kon
takte entnommen werden, dass der Beschwerdeführer innerhalb der Wohnung
frei gehen
könne. Auch Treppensteigen mit dem Handlauf gelinge ihm. Aus
serhalb der Wohnung könne er sich ohne Hilfsmittel gehend fortbewegen. Auf die Fortbewegung bei ausserhäuslichen Terminen sowie die Pflege der gesell
schaftlichen Kontakte werde im Bereich lebenspraktischer Begleitung detaillierter eingegangen (S. 4 oben). Bezüglich Begleitung bei ausserhäuslichen Verrichtun
gen wurde festgehalten, kleinere Einkäufe erledige der Beschwerdeführer selber. Er wisse rudimentär, was er benötige
,
und könne die Lebensmittel und die Toilet
tenartikel besorgen. Bei grösseren Einkäufen werde er durch einen Elternteil begleitet
. Bei der Wahrung ausserhäuslicher Termine bestehe die Problematik darin, dass er für seine Arzttermine motiviert werden müsse. Ohne Aufforderung würde er keine Termine wahrnehmen. Seit dem Gleitschirmunfall leide er an einer Antriebsstörung, die sich seit dem Koma im April 2014 massiv verstärkt habe. Trotz der Führung einer Agenda gelinge es ihm nicht, die Therapien selbständig fristgerecht wahrzunehmen. Betreffend das soziale Umfeld werde er durch die Eltern so gut es gehe integriert. Er besuche den Stammtisch im Dorf zwei- bis dreimal pro Woche. Ausser
einem guten Freund
habe er nur wenige Freunde oder Hobbies. Er verbringe seine Freizeit am liebsten zu Hause und spiele mit der Play Station. Mit dem Bruder bestehe ebenfalls ein guter Kontakt (S. 5 unten f.).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin anerkannte
eine Hilflosigkeit
lediglich im Bereich Ver
richten der Notdurft
(Urk. 2 S
. 4 Ziff. 13). Der
Beschwerdeführer
stellte sich dagegen auf den Standpunkt,
dass
die Auswirkungen des Frontalhirnsyndroms
einer schweren Sinnesschädigung
gleichkomme
,
die für sich alleine zu einer leichten Hilflosigkeit führ
e
,
auch wenn es sich dabei nicht um Gehörlosigkeit oder Blindheit handle (Urk. 1 S. 3 Ziff. 10).
4.2
Der Beschwerdeführer bezieht eine Entschädigung der Invalidenversicherung basierend auf einer leichten Hilflosigkeit. Ausschlaggebend für die
Leistungszu
sprache
war
das Bedürfnis des
Beschwerdeführer
s
auf lebenspraktische Beglei
tung. Das Erfordernis einer lebenspraktischen Begleitung findet im Bereich der Unfallversicherung keine Berücksichtigung (vgl. E.
1.3)
, allerdings
können Ein
schränkungen in der Kontaktaufnahme ein auslösendes Element
des Erfordernis
ses
einer lebenspraktischen Begleitung sein (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_184/2019 vom 22. Juli 2019 E. 5.1).
4.3
D
ie Bemessung der Hilflosigkeit im Unfallversicherungsrecht
richtet sich
nach den gleichen Kriterien wie in der Alters- und Hinterlassenen- sowie in der Inva
lidenversicherung (
BGE 127 V 115
E.
1d; SVR 2004 AHV Nr.
19 S.
61 E
.
1.2)
. Eine sch
were Sinnesschädigung liegt vor
bei Blinden und hochgradig Sehschwa
chen sowie bei Körperbehinderten, die sich in einer weiteren Umgebung der Woh
nung wegen ihrer schweren
k
örperlichen Behinderung trotz Benützung eines Rollstuhls nicht ohne Dritthilfe fortbewegen können (Kreisschreiben
über Invali
dität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung, KSIH,
des Bundesamtes für Sozialversicherungen
, BSV,
Rz
8064, gültig ab 1. Januar 2015)
.
Eine hochgradige Sehschwäche liegt vor bei einem korrigierten
Visus
von beidseitig weniger als 0.2 und unter Umständen auch bei einem
Visus
von mehr als 0.2, wenn gleichzeitig Gesichtsfeldeinschränkungen
vorliegen (BGE 108 V 222 E. 1).
Keine
s
dieser
Kriterien ist
beim Beschwerdeführer
erfüllt.
Die Frage, ob die
behauptete
Fehlverarbeitung
der Wahrnehmung, indem
der Beschwerdeführer
zwar sehen und hören, das Gesehene oder Gehörte indessen nicht adäquat ein
ordnen könne (vgl. Urk. 1 S. 3 Ziff. 10),
als schwere Sinnesschädigung qualifiziert werden kann,
ist zu verneinen.
Denn dass
bei Vorliegen einer schweren Sinnes
schädigung nicht mehr besonders zu prüfen ist, ob die Pflege gesellschaftlicher Kontakte dem Versicherten nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleis
tungen Dritter möglich ist
, dient der Praktikabilität (BGE 108 V 222 E. 2). Ein offensichtliches, klar definiertes Kriterium löst die Rechtsfolge aus. Dies ist bei einer
Gehirnschädigung
eben gerade nicht der Fall, ist sie doch nicht objektiv
messbar. Das Vorliegen einer schweren Sinnesschädigung ist beim Beschwerde
führer
damit
zu verneinen.
Zu prüfen bleibt, ob er im Teilbereich der Fortbewe
gung
/
Kontaktaufnahme mit der Umwelt eingeschränkt ist.
4.4
Der Beschwerdeführer ist zweifelsfrei in der Lage, sich ohne Hilfe im oder ausser Haus fortzubewegen.
Die alltägliche Lebensverrichtung der Kontaktaufnahme beinhaltet die zwischen
menschlichen Beziehungen, wie sie der Alltag mit sich bringt. Darunter fallen z.B. Gespräche mit bekannten und fremden Personen, Besuche bei Freunden und Bekannten sowie von Veranstaltungen (Konzerten sowie politischen und religiö
sen Anlässen), das Telefonieren, das Lesen, die Erledigung der eigenen Korres
po
ndenz usw. (BGE 107 V 136 E. 1c
, 145 E.
1b; SVR 2004 AHV Nr.
19 S. 61 E.
4.1 [H 150/03]; Urteile
des Bundesgerichts
U 595/06 vom 1
9.
Juni 2007 E.
3.2.1 und I
379/91 vom 24.
März 1992 E.
4c;
KSIH
Rz
. 8023
).
Zu diesen Fähigkeiten ist dem Abklärungsbericht der Beschwerdegegnerin (E. 3.3)
lediglich zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer keine Kollegen mehr habe und er sich auf (selbständig unternommenen) Reisen mit Fremden gut unterhalten könne. In der Rubrik
lebenspraktische Begleitung wird darauf hingewiesen, dass für
Amtsgänge Begleitung erforderlich sei. Dem IV-Abklärungsbericht (E. 3.4) kann entnommen werden, dass der Beschwerdeführer bei grösseren Einkäufen unterstützt werden müsse und er ohne Aufforderung keine Arzttermine wahr
nehme. Beschwerdeweise machte der Beschwerdeführer schliesslich geltend (Urk. 1), er bringe sich mit seinem Auftritt gegen aussen ständig in Schwierigkei
ten (S. 4 Ziff. 16), so habe er sich mit seinem Hausarzt überworfen (S. 4 Ziff. 18), habe in allen Apotheken in seiner Region Anstoss erregt (S. 4 Ziff. 21), stehe im Clinch mit den Nachbarn (S. 5 Ziff. 25) und sei nicht mehr in der Lage, sich um seine Angelegenheiten zu kümmern (Urk. 3/3 unten).
Neben dem Abklärungsbericht lag der Beschwerdegegnerin ein
e Checkliste für die Beurteilung der Hilflosigkeit vor, mutmasslich ausgefüllt von
Dr.
F.___
(E. 3.2). Dieser konnte als Facharzt Wirbelsäulenchirurgie und Neurochirurgie
wohl
Angaben zur Hilflosigkeit aufgrund des
körperlichen Zustand
s
des Beschwerde
führers
machen
, nicht jedoch zu den kognitiv-neurologischen Einschränkungen. Zu diesen äusserte sich letztmals
lic
. phil.
C.___
im April 1999 (E. 3.1) und
ging davon aus,
dass
der Beschwerdeführer
durch
die Hirnverletzung nebst den kog
nitiv-neuropsychologischen Funktionsd
efiziten auch
in den
psychosozialen
und psychoemotionale
n
Kompeten
zen
und damit
in
seine
r
psychosoziale
n
Integrati
onsfähigkeit im Beruf und im Privatleben
beeinträchtigt sei
.
Die Abklärungsperson stellte
zwar
fest,
dass der Beschwerdeführer sichtbar in seiner eigenen Welt lebe.
Wie sich dies
auf die alltäglichen Lebensfunktionen und insbesondere auf die Pflege gesellschaftlicher Kontakte auswirkt
, wurde nicht erklärt.
Auch fand im Bericht keine Auseinandersetzung mit den in Bezug auf die gesellschaftlichen Kontakte divergierenden Feststellungen der Invalidenversiche
rung
statt.
Und schliesslich setzte sich die Beschwerdegegnerin auch nicht mit den vom Beschwerdeführer geltend gemachten Defizite
n
auseinander, sondern verwies lediglich auf
die Abklärungen vor Ort, welche
ihrer Ansicht nach
mit den Angaben des behandelnden
Dr.
F.___
(E. 3.2) und den Erhebungen der Invaliden
versicherung
(E. 3.4)
übereinstimmten (Urk. 2 S. 5 Ziff. 15), was
in Bezug auf die Erhebungen der Invalidenversicherung
gerade nicht zutrifft. Indem die Beschwer
degegnerin nur auf den medizinischen Bericht von
Dr.
F.___
hinw
ies
, sch
ien
sie sich nicht gewahr
gewesen
zu sein, dass der Beschwerdeführer
seit
dem Unfall erwiesenermassen an kognitiv-neuropsychologischen Funktionsdefiziten leidet. Sie hat den
n
auch nicht abgeklärt, ob sich diese
verschlimmert haben
und der Beschwerdeführer dadurch
in der Kontaktfähigkeit eingeschränkt
sein könnte
.
4.5
Angesichts der seit langem bestehenden kognitiv-neurops
ychologischen Funkti
onsdefizite
und dem Umstand, dass
Dr.
D.___
(E. 3.1) bereits im Frühling 1999 in Aussicht stellte, dass es keine wesentlichen Veränderungen der Situation mehr geben werde, es sei denn
,
eine Verschlechterung, und
der Beschwerdeführer im Frühling 2014 einen ischämischen Insult erlitt, ist eine aktuelle ärztliche Ein
schätzung über die kognitiv-neuropsychologischen Einschränkungen des Beschwerdeführers unentbehrlich.
Die Sache erweist sich
damit
als nicht spruch
reif, weshalb
sie an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit sie abkläre, ob der Beschwerdeführer aufgrund der Auswirkungen seiner Hirnverlet
zung und des später hinzugetretenen ischämischen Insults in den lebensprakti
schen Verrichtungen, insbesondere in der Kontaktpflege
,
eingeschränkt ist
,
und her
nach über den Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
neu entscheide.
5.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Dem Beschwerdeführer steht ausgangsgemäss eine Prozessent
schädigung zu, welche vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeit
aufwand und den Barauslagen festgesetzt wird (
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Entsprechend ist ihm eine Pro
zessentschädigung von Fr.
1
’
500.
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) auszurichten.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der angefochtene
Einsprache
entscheid
vom 8. Mai 2020 aufgehoben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird, damit diese nach erfolgte
n
Abklärungen im Sinne der Erwägun
gen über den Anspruch des Beschwerdeführers auf Ausrichtung einer
Hilflosenentschä
digung
neu verfüge.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Prozessentschä
digung von
Fr.
1’500
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt
Dr.
Ronald
Pedergnana
-
Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG
-
Bundesamt für Gesundheit
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannTiefenbacher