# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 95fd1752-7987-5434-a8cd-b2e3cf87587a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-12-02
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 02.12.2010 D-8247/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-8247-2010_2010-12-02.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-8247/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 .  D e z e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Fulvio Haefeli, 
mit Zustimmung von Richterin Muriel Beck Kadima;
Gerichtsschreiberin Karin Schnidrig.

A._______, geboren (...),
Nigeria,
(...),
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung
(Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom
23. November 2010 / N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-8247/2010

Sachverhalt:

A.
A.a Eigenen Angaben zufolge verliess die Beschwerdeführerin ihren 
Heimatstaat  im Jahr 2006 und reiste am 1. Oktober 2010 nach Auf-
enthalten  in  der  Republik  Niger,  Libyen  und  Italien  illegal  in  die 
Schweiz  ein,  wo  sie  gleichentags  im  Empfangs-  und  Verfahrens-
zentrum  (EVZ)  B._______  um  Asyl  nachsuchte.  Anlässlich  der 
Befragung vom 19. Oktober 2010 zur Person (BzP) im EVZ B._______ 
machte die Beschwerdeführerin insbesondere geltend, nachdem sie in 
C._______ angekommen sei, sei sie nach D._______ verlegt worden, 
wo  sie  ein  Asylgesuch  eingereicht  habe.  Sie  habe  weder  eine 
Aufenthaltsbewilligung  noch  einen  Ausweisungsbescheid  erhalten. In 
Italien habe sie sich während etwa zwei Jahren aufgehalten.

A.b Das BFM gewährte der Beschwerdeführerin am 19. Oktober 2010 
das  rechtliche  Gehör  zum bevorstehenden  Nichteintretensentscheid, 
zur Zuständigkeit Italiens für die Durchführung des Asylverfahrens be-
ziehungsweise  zu  einer  allfälligen  Wegweisung  dorthin  und  gab  ihr 
Gelegenheit, sich dazu zu äussern. In diesem Zusammenhang erklärte 
die  Beschwerdeführerin,  sie  habe  die  Zuständigkeit  Italiens  für  die 
Durchführung des Asylverfahrens verstanden. Dennoch wolle sie nicht 
nach  Italien  zurückkehren,  da  sie  dort  keine  Dokumente  habe  und 
ausserdem schwanger sei.

A.c Gestützt  auf  die  Akten  dürfte  sich  die  Beschwerdeführerin 
mittlerweile im sechsten/siebten Schwangerschaftsmonat befinden.

B.
Aufgrund der Treffer aus der Zentraleinheit Eurodac und der Aussagen 
der  Beschwerdeführerin  stellte  das  BFM am  3.  November  2010  an 
Italien ein Ersuchen um Übernahme der Beschwerdeführerin im Sinne 
von Art. 16 Abs. 1 Bst. c der Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates 
vom  18.  Februar  2003  [Dublin-II-Verordnung] zur  Festlegung  der 
Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die 
Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat 
gestellten  Asylantrags  zuständig  ist  (vgl.  Akte  A15).  Bis  am 
18. November 2010 ging keine Antwort Italiens auf das Ersuchen ein.

C.
Mit  Verfügung vom 23. November 2010 trat  das BFM in Anwendung 

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von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, 
SR 142.31) auf  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  vom 
1. Oktober  2010  nicht  ein  und  ordnete  die  Wegweisung  aus  der 
Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug nach Italien an. Gleichzeitig 
wurde  festgestellt,  einer  allfälligen  Beschwerde  komme  keine  auf-
schiebende Wirkung zu.

D.
Mit  Beschwerde  vom 29. Oktober  2010  (recte: 29. November  2010) 
ans Bundesverwaltungsgericht beantragte die Beschwerdeführerin, es 
sei  die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben  und  das  BFM  anzu-
weisen, sein Recht zum Selbsteintritt auszuüben und sich für das vor -
liegende Asylgesuch für zuständig zu erachten. Es sei im Sinne vor-
sorglicher  Massnahmen der  Beschwerde die aufschiebende Wirkung 
zu  erteilen  und  die  Vollzugsbehörden  seien  anzuweisen,  von  einer 
Überstellung  nach  Italien  abzusehen,  bis  das  Bundesverwaltungs-
gericht über den Suspensiveffekt der Beschwerde entschieden habe. 
Im Weiteren wurde um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege 
im Sinne von Art. 65 Abs. 1  des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021),  um Ver-
zicht  auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um Beiordnung 
einer amtlichen Rechtsvertretung ersucht.

Auf die Beschwerdebegründung wird, soweit entscheidrelevant, in den 
Erwägungen eingegangen.

E.
Mit  Verfügung  vom  30.  November  2010  setzte  der  zuständige 
Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  den  Vollzug  der 
Wegweisung per sofort aus.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungs-
gericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM 
gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG und  ist  daher  eine  Vor-
instanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  be-

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treffende  Ausnahme im  Sinne  von  Art.  32  VGG liegt  nicht  vor. Das 
Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der 
vorliegenden Beschwerde; es entscheidet  auf  dem Gebiet  des Asyls 
endgültig  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichts-
gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 6 AsylG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht  (Art.  108 
Abs. 2 AsylG,  Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37  VGG und Art. 52  Abs. 1 
VwVG). Die Beschwerdeführerin ist durch die angefochtene Verfügung 
besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren 
Aufhebung beziehungsweise Änderung; sie ist daher zur Einreichung 
der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG und 
Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden  wird  in  einzelrichter-
licher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  be-
ziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art.  111  Bst. e 
AsylG). Wie  nachstehend aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um 
eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch-
führung des Schriftenwechsels verzichtet.

4.
Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 
BFM ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  über-
prüfen  (Art.  32  -  35  AsylG),  ist  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt,  ob die Vor-
instanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. die vom 
Bundesverwaltungsgericht  fortgeführte  Rechtsprechung  der 
Schweizerischen Asylrekurskommission [ARK] in Entscheidungen und 

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Mitteilungen  der  ARK  [EMARK]  2004  Nr. 34  E. 2.1  S.  240  f.  sowie 
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-7878/2008 vom 31. Dezember 
2008).  Die  Beschwerdeinstanz  enthält  sich  einer  selbständigen 
materiellen  Prüfung  und  weist  die  Sache  -  sofern  sie  den  Nichtein -
tretensentscheid als unrechtmässig erachtet - zu neuer Entscheidung 
an die Vorinstanz zurück.

5.  
5.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asyl-
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG).

5.2 Das BFM hielt  zur Begründung seines Nichteintretensentscheids 
im Wesentlichen fest, die Beschwerdeführerin sei am 23. Oktober 2008 
in  C._______  in  den  Dublin-Raum  eingereist  und  habe  am 
11. November  2008  in  D._______  um  Asyl  ersucht.  Die 
entsprechenden  Fingerabdruckdaten  seien  in  die  Zentraleinheit 
Eurodac  aufgenommen  worden.  Italien  habe  innerhalb  der 
festgelegten  Frist  auf  das  Übernahmeersuchen  des  BFM  vom  3. 
November 2010 nicht geantwortet. Somit sei dieser Staat gemäss dem 
"Abkommen  vom  26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die 
Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für 
die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  ge-
stellten  Asylantrags"  und  dem  "Übereinkommen  vom 17.  Dezember 
2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Republik 
Island  und  dem  Königreich  Norwegen  über  die  Umsetzung,  An-
wendung und Entwicklung des Schengen-Besitzstands und über  die 
Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für 
die  Prüfung  eines  in  der  Schweiz,  in  Island  oder  in  Norwegen  ge-
stellten Asylantrags" sowie unter Anwendung von Art. 20 Abs. 1 Bst. c 
Dublin-II-Verordnung  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens 
zuständig.

Der Beschwerdeführerin sei am 19. Oktober 2010 das rechtliche Ge-
hör  gewährt  worden.  Dabei  habe  sie  geltend  gemacht,  dass  sie  in 
Italien keine Dokumente erhalten habe und dass sie schwanger sei.

Gemäss der Dublin-II-Verordnung sei Italien für die Durchführung des 
Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  zuständig.  Es  obliege  somit  den 

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italienischen Behörden, den Aufenthaltsstatus der Beschwerdeführerin 
zu  regeln  oder  gegebenenfalls  eine  Wegweisung  ins  Heimatland  zu 
organisieren. Das Fehlen einer Aufenthaltsbewilligung vermöge keine 
Änderung  der  Zuständigkeit  zu  bewirken.  Die  Schwangerschaft  der 
Beschwerdeführerin  stehe  der  Anwendung  der  Dublin-II-Verordnung 
ebenfalls  nicht  entgegen.  Italien  verfüge  über  eine  adäquate 
medizinische Grundversorgung.

Die Rückführung habe - vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung 
oder Verlängerung (Art. 19 f. Dublin-II-Verordnung) - bis spätestens am 
18. Mai 2011 zu erfolgen. Auf das Asylgesuch sei nicht einzutreten.

Die Folge eines Nichteintretensentscheids sei gemäss Art. 44 Abs. 1 
AsylG  in  der  Regel  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz.  Da  die  Be-
schwerdeführerin in einen Drittstaat reisen könne, in dem sie Schutz 
vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG fände, sei das 
Non-Refoulement-Gebot bezüglich des Heimat- oder Herkunftsstaates 
nicht zu prüfen. Ferner bestünden keine Hinweise auf eine Verletzung 
von Art.  3  der  Konvention vom 4. November  1950 zum Schutze der 
Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) im Falle einer 
Rückkehr  der  Beschwerdeführerin  nach  Italien.  Weder  die  in  Italien 
herrschende Situation  noch andere Gründe sprächen gegen die Zu-
mutbarkeit der Wegweisung in diesen Staat. Ausserdem sei der Voll-
zug  der  Wegweisung  technisch  möglich  und  praktisch  durchführbar. 
Eine entsprechende Zustimmung (recte: stillschweigende Zustimmung) 
Italiens  liege  vor.  Schliesslich  hätten  Beschwerden  gegen  Nichtein-
tretensentscheide  gemäss  Art. 34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  gestützt  auf 
Art. 107a AsylG keine aufschiebende Wirkung.

5.3 In  der  Rechtsmitteleingabe  brachte  die  Beschwerdeführerin  als 
Begründung insbesondere vor,  es  sei  richtig,  dass  sie  in  Italien  ge-
wesen sei und dort ein Asylgesuch eingereicht habe. Die Bedingungen 
für  Asylsuchende  seien  in  Italien  aber  sehr  schlecht.  Sie  bezweifle 
auch nicht, dass Italien über ein Gesundheitswesen verfüge, welches 
ermögliche,  eine  Schwangerschaft  gut  zu  begleiten  und  zu  über-
wachen. Der Zugang für Asylsuchende sei jedoch nicht gewährleistet.

Als  weiteren  Grund  für  einen  Verbleib  in  der  Schweiz  machte  sie 
schliesslich geltend, der Kindsvater halte sich auch hier auf, wo er um 
Asyl  ersucht  habe.  Er  wolle  nichts  mehr  von  ihr  wissen.  Bei  einer 
Wegweisung aus der Schweiz werde es ihr nicht mehr möglich sein, 

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ihn  zur  Verantwortung  zu ziehen. Ihr  Kind  werde dann  keinen  Vater 
haben, worüber sie sehr verzweifelt sei.

5.4
5.4.1 Gemäss den Akten steht fest, dass die Beschwerdeführerin am 
11.  November  2008  in  Italien  ein  Asylgesuch  einreichte,  dort 
daktyloskopiert  wurde  und  sich  in  diesem Staat  während  rund  zwei 
Jahren aufhielt. Da die italienischen Behörden es unterliessen, sich bis 
zum 18. November 2010 zu einer Übernahme der Beschwerdeführerin 
vernehmen zu lassen, ist davon auszugehen, dass dem Ersuchen zu-
gestimmt  worden  ist  (Art.  18  Abs. 7  Dublin-II-Verordnung).  Die  Be-
schwerdeführerin  kann  somit  ohne  Weiteres  in  den  Dublin-Staat 
(Italien) ausreisen,  welcher für  die Prüfung ihres Asylantrags staats-
vertraglich zuständig ist.

5.4.2 Sodann  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  Italien  unter  anderem 
Signatarstaat der EMRK, des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die 
Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR 0.142.30)  und  des  Überein-
kommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR  0.105)  ist.  Es  liegen  keine  konkreten  Anhaltspunkte  vor, 
wonach Italien sich nicht an die daraus resultierenden massgebenden 
völkerrechtlichen  Bestimmungen,  insbesondere  an  das  Rück-
schiebungsverbot  oder  die  einschlägigen Normen der  EMRK,  halten 
würde. Zudem besteht kein Grund zur Annahme, dass Personen, die 
sich im Rahmen eines Asylverfahrens in Italien aufhalten, infolge der 
dortigen Aufenthaltsbedingungen in eine existenzielle Notlage geraten. 
Dublin-Rückkehrende  und  verletzliche  Personen  werden  betreffend 
Unterbringung  von  den  italienischen  Behörden  bevorzugt  behandelt 
und neben den staatlichen Strukturen nehmen sich  auch zahlreiche 
private  Hilfsorganisationen  der  Betreuung  von  Asylsuchenden  und 
Flüchtlingen an. Ebenso wenig bestehen Hinweise dafür, dass Italien 
seinen  Verpflichtungen  im  Rahmen  der  Dublin-II-Verordnung  in 
medizinischer Hinsicht nicht nachkommen würde. Die Befürchtung der 
Beschwerdeführerin, wonach der Zugang zum Gesundheitswesen für 
Asylsuchende nicht  gewährleistet  sei,  erweist  sich  demnach  als  un-
begründet.

Im Weiteren ist in den auf Beschwerdeebene geltend gemachten an-
geblichen Problemen mit dem Kindsvater kein Hindernis für die Über-
stellung im Rahmen eines Dublinverfahrens zu sehen. Sollte  die Be-

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schwerdeführerin  bei  der  Betreuung des Kindes mit  Schwierigkeiten 
konfrontiert  sein,  wird  sie  auch  in  Italien  die  Möglichkeit  haben,  die 
Hilfe der Behörden beziehungsweise karitativer Organisationen in An-
spruch zu nehmen. Da nach Angaben der Beschwerdeführerin keine 
gelebte Lebensgemeinschaft mit dem angeblichen Kindsvater besteht, 
steht auch Art. 8 EMRK einer Überstellung nach Italien nicht entgegen.

Das  von  der  Beschwerdeführerin  anlässlich  der  BzP  geäusserte 
Argument,  in  Italien keine Dokumente zu haben, vermag an der Zu-
ständigkeit  dieses  Staats  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens 
ebenso wenig zu ändern.

Schliesslich hat die Beschwerdeführerin mit dem in Italien ab Oktober 
2008  bis  zur  Einreise  in  die  Schweiz  verbrachten  Aufenthalt  selbst 
gezeigt, dass sie ein Leben in diesem Staat nicht als unzumutbar er-
achtet.  Aus  dem  Vorbringen,  wonach  die  Bedingungen  für  Asyl-
suchende in Italien sehr schlecht seien, kann sie demzufolge nichts zu 
ihren Gunsten ableiten.

Aufgrund der gesamten Umstände erweist sich der Vollzug der Weg-
weisung  nach  Italien  in  Berücksichtigung  der  entscheidrelevanten 
Aspekte unter dem Blickwinkel von Art. 3 EMRK als zulässig, weshalb 
vorliegend kein Anlass zum Selbsteintritt besteht.

6.
Angesichts der Sachlage ist das BFM in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 
Bst.  d  AsylG zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin 
nicht  eingetreten.  Die  Rechtsbegehren,  die  angefochtene  Verfügung 
sei aufzuheben, das BFM sei anzuweisen, sein Recht zum Selbstein-
tritt auszuüben und sich für das vorliegende Asylgesuch für zuständig 
zu erachten, sind somit abzuweisen.

7.
7.1 Das Nichteintreten auf ein Asylgesuch hat in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz zur Folge (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Vorliegend 
ist  keine  Ausnahme von  diesem Grundsatz  ersichtlich  (vgl.  EMARK 
2001  Nr. 21).  In  Verfahren nach Art.  34  Abs. 2  Bst.  d  AsylG ist  die 
Frage nach der Zulässigkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs 
regelmässig  bereits  Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des 
Nichteintretensentscheides  (vgl.  zur  Publikation  vorgesehenes  Urteil  
E-5644/2009 vom 31. August 2010 E. 8.2.3 und 10.2). Auf die Frage 

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einer  drohenden  Verletzung  des  Non-Refoulement-Gebots  muss  an 
dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden.

7.2 Weiter  stellt  sich  die  Frage  nach  der  Zumutbarkeit  des  Weg-
weisungsvollzugs in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht 
unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 1 und 4 des Bundesgesetzes vom 
16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG, 
SR 142.20), sondern ebenfalls vor der Prüfung des Nichteintretens im 
Rahmen  des  Selbsteintrittsrechts  (Art.  29a  Abs.  3  der  Asylver-
ordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV 1, 
SR 142.311]) oder gegebenenfalls -  sofern sich Familienmitglieder in 
verschiedenen  Dublin-Staaten  befinden  und  allenfalls  zusammen-
geführt  werden  sollten  -  bei  der  Ausübung  der  sog.  Humanitären 
Klausel  (Art.  15  Dublin-II-Verordnung).  Nachdem  die  unter  E.  5.4.2 
vorgenommene  Prüfung  keine  Wegweisungsvollzugshindernisse  er-
gab, ist die Zumutbarkeit der Überstellung nach Italien zu bestätigen.

7.3 Nach dem Gesagten sind die vom BFM verfügte Wegweisung und 
deren Vollzug zu bestätigen. Der italienische Staat ist in Bezug auf die 
Schwangerschaft der Beschwerdeführerin vor deren Überstellung an-
gemessen zu informieren.

8.
Der Beschwerdeführerin ist es nicht gelungen darzutun, inwiefern die 
angefochtene Verfügung Bundesrecht  verletzt,  den rechtserheblichen 
Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangemessen 
ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.

9.
Mit dem Urteil in der Hauptsache sind die Gesuche um Verzicht auf die 
Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  um  Erteilung  der  auf-
schiebenden Wirkung der Beschwerde gegenstandslos geworden.

10.
10.1 Aufgrund vorstehender Erwägungen erweist sich die Beschwerde 
als aussichtslos, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgelt -
lichen  Rechtspflege  im  Sinne  von Art.  65  Abs.  1  VwVG unbesehen 
einer allfälligen Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin abzuweisen ist.

10.2 Das  Gesuch  um  Beiordnung  einer  amtlichen  Rechtsvertretung 
gemäss  Art.  65  Abs.  2  VwVG  ist  mangels  Erfüllung  der  Voraus-
setzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG ebenfalls abzuweisen.

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10.3 Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  der  Be-
schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf 
insgesamt  Fr. 600.--  festzusetzen  (Art. 1-3  des  Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 10

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im 
Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG werden abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N _______ 

(per Kurier; in Kopie)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  Dublin-Office,  Ref.-Nr. N _______ 

(per Telefax)
- (...) (unter Hinweis auf E. 7.3), (...) (per Telefax)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Fulvio Haefeli Karin Schnidrig

Versand:

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