# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5da6ae64-2386-5693-ba1a-d5284a41b0f3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-09-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.09.2014 D-6855/2013
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6855-2013_2014-09-01.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-6855/2013/mel 

 

 

  U r t e i l  v o m  1 .  S e p t e m b e r  2 0 1 4  

Besetzung 

 
Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 

Richter Walter Stöckli, Richter Hans Schürch,    

Gerichtsschreiberin Sara Steiner. 

   Parteien 
 

A._______, geboren (…), 

Eritrea,   

handelnd durch seine Mutter B._______,  

und vertreten durch lic. iur. Tarig Hassan, LL.M.,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM),  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisung);  

Verfügung des BFM vom 4. November 2013 / N (…). 

 

 

D-6855/2013 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der aus Eritrea stammende Vater des Beschwerdeführers 

(C._______; N […]) wurde mit Verfügung des BFM vom 29. September 

2008 als Flüchtling gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 Asylgesetz (AsylG, 

SR 142.31) anerkannt und ihm wurde in der Schweiz Asyl gewährt. Dar-

aufhin beantragte dieser eine Einreisebewilligung zwecks Familienverei-

nigung für seine sich im Sudan aufhaltende Lebenspartnerin und die ge-

meinsame Tochter - die Mutter und die Schwester des Beschwerdefüh-

rers. Die Einreise wurde bewilligt und erfolgte am 27. Februar 2009.  

A.b Am 5. März 2009 stellten die Mutter und die Schwester des Be-

schwerdeführers Asylgesuche in der Schweiz. Sie begründeten diese 

damit, dass sie von den eritreischen Behörden nach der Ausreise ihres 

Lebenspartners beziehungsweise Vaters mehrfach belästigt und unter 

Druck gesetzt worden seien, weshalb sie illegal in den Sudan gereist sei-

en. Mit Verfügung des BFM vom 13. Juli 2009 wurde die originäre Flücht-

lingseigenschaft der Mutter und Schwester verneint, sie wurden jedoch in 

die Flüchtlingseigenschaft des Lebenspartners beziehungsweise Vaters in 

Anwendung von Art. 51 Abs. 1 AsylG einbezogen und ihnen wurde Asyl 

gewährt. Die Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.   

B.  

Der Beschwerdeführer wurde am (…) in der Schweiz geboren und am 

(…) wurde die Vaterschaft durch C._______ anerkannt. 

C.  

Aus der Korrespondenz zwischen den Eltern des Beschwerdeführers, der 

zuständigen kantonalen Migrationsbehörde, dem Sozialamt und dem 

BFM zwischen dem 24. September 2010 und dem 5. Dezember 2011 

geht hervor, dass die Mutter des Beschwerdeführers aufgefordert worden 

war, ein schriftliches Gesuch um dessen Einbezug in ihre Flüchtlingsei-

genschaft beim BFM einzureichen, dass ein entsprechendes Gesuch vom 

15. Dezember 2010 vom BFM unbehandelt blieb beziehungsweise in 

dessen Akten keinen Eingang fand, dass ein weiteres Gesuch vom 

27. Juli 2011 nur von der Mutter des Beschwerdeführers unterzeichnet 

wurde und eine Aufforderung des BFM vom 5. Dezember 2011, das Ge-

such sei auch vom Vater zu unterschreiben, unbeantwortet geblieben ist.  

D.  

Gemäss Verzeichnung in der massgeblichen Datenbank – dem Zentralen 

D-6855/2013 

Seite 3 

Migrationsinformationssystem (ZEMIS) – lebt der Vater des Beschwerde-

führers seit dem (…) 2013 nicht mehr mit der Mutter und seinen zwei 

Kindern zusammen und hat einen Wohnsitz in einem anderen Kanton be-

gründet. 

E.  

Mit Verfügung vom 4. November 2013 (eröffnet am folgenden Tag) lehnte 

das BFM das Gesuch der Mutter des Beschwerdeführers vom 27. Juli 

2011 um dessen Einbezug in ihre Flüchtlingseigenschaft und die Gewäh-

rung von Asyl in Anwendung der Bestimmung von Art. 51 Abs. 1 AsylG 

ab. Ein Einbezug in die originäre Flüchtlingseigenschaft des Vaters wurde 

nicht geprüft. 

F.  

Mit Eingabe vom 5. Dezember 2013 erhob der Beschwerdeführer – han-

delnd durch seine Mutter respektive durch seinen von ihr mandatierten 

Rechtsvertreter – gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsge-

richt Beschwerde, wobei er in seiner Eingabe die Aufhebung der ange-

fochtenen Verfügung und die Gewährung von Asyl (aufgrund seiner Be-

ziehung zu seiner Mutter), eventualiter den Einbezug in die Flüchtlingsei-

genschaft und das Asyl seines Vaters beantragte. In formeller Hinsicht er-

suchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, Verzicht auf 

die Erhebung eines Kostenvorschusses und Beiordnung seines Rechts-

vertreters als amtlichen Rechtsbeistand. 

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 20. Dezember 2013 wurde das Gesuch um 

Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 

und 2 VwVG auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, der Beschwerde-

führer aufgefordert, die von ihm in Aussicht gestellte Fürsorgebestätigung 

nachzureichen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzich-

tet. Gleichzeitig wurde das BFM zu einem Schriftenwechsel eingeladen. 

Dabei habe es namentlich zu erläutern, nach welchen Überlegungen es 

die angefochtene Verfügung ausdrücklich in Anwendung der Bestimmung 

von Art. 51 Abs. 1 AsylG erlassen habe, obwohl es sich beim Beschwer-

deführer um das in der Schweiz geborene Kind eines Flüchtlings handle 

(vgl. dazu Art. 51 Abs. 3 AsylG). Im Übrigen sei es gehalten, sich zur Fra-

ge der Abgrenzung der Bestimmungen von Art. 51 Abs. 1 und Art. 51 

Abs. 3 AsylG zu äussern.  

D-6855/2013 

Seite 4 

H.  

In seiner Vernehmlassung vom 9. Januar 2014, welche dem Beschwerde-

führer am 15. Januar 2014 zur Kenntnis gegeben wurde, hielt das BFM 

ohne weitere Ausführungen an seinen Erwägungen vollumfänglich fest. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu 

den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bun-

desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im 

Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist 

daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen ei-

nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerde-

führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 

BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 

AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges 

Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher 

zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten. 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

 

D-6855/2013 

Seite 5 

3.  

3.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten, eingetragene Part-

nerinnen oder Partner von Flüchtlingen und ihre minderjährigen Kinder 

als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl, wenn keine besonderen Um-

stände dagegen sprechen. 

3.2 Auch in der Schweiz geborene Kinder von Flüchtlingen werden als 

Flüchtlinge anerkannt, sofern keine besonderen Umstände dagegen 

sprechen (Art. 51 Abs. 3 AsylG). 

4.  

4.1 Das BFM führte zur Begründung seiner Verfügung aus, Vorausset-

zung für einen Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft minderjähriger Kin-

der gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG sei insbesondere, dass mindestens ein 

Elternteil die originäre Flüchtlingseigenschaft besitze. Bei Flüchtlingen, 

welche bereits aufgrund eines Einbezuges als solche anerkannt worden 

seien, finde grundsätzlich keine automatische weitere Übertragung der 

Flüchtlingseigenschaft statt. Den Akten sei zu entnehmen, dass die Be-

schwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 

AsylG nicht erfülle. Sie sei mit Verfügung vom 13. Juli 2009 in die Flücht-

lingseigenschaft ihres damaligen Lebenspartners einbezogen worden. 

Sie habe also nicht die originäre Flüchtlingseigenschaft erhalten, sondern 

lediglich in Anwendung von Art. 51 Abs. 1 AsylG Asyl. Unter diesen Um-

ständen rechtfertige es sich nicht, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewäh-

ren. Das Gesuch um Einbezug ihres Sohnes in ihre Flüchtlingseigen-

schaft sei somit abzulehnen. Demzufolge liege die Regelung seines Auf-

enthalts in der Kompetenz des Aufenthaltskantons. 

4.2 In der Rechtsmitteleingabe wurde festgehalten, die Vorinstanz stelle 

richtig fest, dass der Beschwerdeführer nicht gestützt auf Art. 51 Abs. 1 

AsylG in die Flüchtlingseigenschaft seiner Mutter einbezogen werden 

könne. Dagegen verkenne die Vorinstanz, dass das Recht auf Einheit der 

Familie gestützt auf Art. 8 EMRK und Art. 9 Abs. 1 und Art. 10 Abs. 1 des 

Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes 

(SR 0.107) einen Anspruch auf Asylerteilung begründeten. Gemäss Art. 8 

EMRK bestehe ein Recht auf Einheit der Familie. Zur Familie zählten ins-

besondere auch minderjährige Kinder. Die Beziehung zwischen dem Be-

schwerdeführer und seiner Mutter werde offensichtlich davon erfasst und 

geschützt. Dass dieses Recht auch vom BFM anerkannt werde zeige sich 

an der Tatsache, dass seiner Schwester bereits Asyl gewährt worden sei. 

Es bestehe denn auch kein in Art. 8 Abs. 2 EMRK aufgeführter Grund, 

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Seite 6 

welcher ein Eingriff in das Recht auf Einheit der Familie rechtfertigen 

würde. Art. 9 Abs. 1 der Kinderrechtskonvention schütze das Recht des 

Kindes, bei seinen Eltern zu sein und dessen Art. 10 Abs. 1 besage, dass 

Gesuche zwecks Familienzusammenführung wohlwollend, human und 

beschleunigt bearbeitet werden sollten. Diese beiden Garantien seien 

zwar nicht justiziabel, unterstrichen aber den Anspruch des Beschwerde-

führers auf Asyl. Zum Eventualantrag um Einbezug in die Flüchtlingsei-

genschaft des Vaters sei festzuhalten, dass die Mutter das alleinige Sor-

gerecht für den Beschwerdeführer habe und daher in seinem Namen 

Prozesshandlungen vornehmen könne. Zum Vater bestehe unbestritte-

nermassen ein Kindsverhältnis und er sei im Besitz der originären Flücht-

lingseigenschaft. Der Beschwerdeführer könne daher gestützt auf Art. 51 

Abs. 1 AsylG in diese eingezogen werden, genauso wie es die Tochter 

bereits worden sei. 

5.  

Zunächst gilt es festzuhalten, dass das BFM indem es sich auf Art. 51 

Abs. 1 AsylG beruft, vorliegend die falsche Bestimmung anwendet, geht 

es hier doch klarerweise um ein in der Schweiz geborenes Kind von 

Flüchtlingen, womit Art. 51 Abs. 3 AsylG zur Anwendung kommen muss. 

6.   

6.1 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts zu Art. 51 Abs. 3 

AsylG wird verlangt, dass dem Flüchtling, von dem die Flüchtlingseigen-

schaft abgeleitet werden soll, die originäre (materielle) Flüchtlingseigen-

schaft zukommt. In der Schweiz geborene Kinder erhalten daher kein 

Familienasyl, wenn deren Eltern ihrerseits bloss die abgeleitete (derivati-

ve, formelle) Flüchtlingseigenschaft besitzen; einer solchen Übertragung 

stehen besondere Umstände entgegen (vgl. BVGE 2013/21 E. 3.3 

S. 262).  

6.2 Das BFM hat in der angefochtenen Verfügung demnach grundsätzlich 

zu Recht festgestellt, dem Einbezug des Beschwerdeführers in die 

Flüchtlingseigenschaft der Mutter stehe entgegen, dass der Mutter mit 

Verfügung vom 13. Juli 2009 lediglich die derivative Flüchtlingseigen-

schaft zuerkannt worden war. Diese Verfügung war unangefochten in 

Rechtskraft erwachsen. Angesichts der nachfolgenden Erwägungen kann 

an dieser Stelle offengelassen werden, ob sich allenfalls eine Prüfung zur 

Frage aufgedrängt hätte, ob die materielle Flüchtlingseigenschaft der 

Mutter auch aufgrund der aktuellen Situation weiterhin zu verneinen wäre 

oder ob diese aus heutiger Sicht aufgrund der illegalen Ausreise aus dem 

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Seite 7 

Heimatstaat Eritrea die originäre Flüchtlingseigenschaft wegen subjekti-

ver Nachfluchtgründe erfüllen würde. Weiter würde sich wohl die Frage 

stellen, ob diesfalls dem Einbezug des Beschwerdeführers in das Asyl der 

Mutter tatsächlich besondere Umstände entgegenstehen würden (vgl. 

BVGE 2013/21 E. 3.2 f. S. 260 f. und EMARK 1997 Nr. 1 E. 6a S. 9 f.). 

6.3 Weiter stellt sich die Frage, ob das BFM zu Recht darauf verzichtet 

hat, über die Wegweisung des Beschwerdeführers und deren Vollzug zu 

befinden, und diese Regelung in die Kompetenz der kantonalen Behör-

den verwiesen hat. Vorliegend wurde ein Gesuch um (Familien-)Asyl ge-

mäss den Regelungen des Asylgesetzes abgelehnt, weshalb wohl auch 

das BFM gemäss Art. 44 AsylG über die Wegweisung zu befinden bezie-

hungsweise in Anwendung von Art. 44 Abs. 1 AsylG die vorläufige Auf-

nahme zum Verbleib bei der asylberechtigten Mutter anzuordnen gehabt 

hätte. In dieser Richtung sind wohl auch die Beschwerdeeinwendungen 

mit Verweisen auf Art. 8 und 3 EMRK zu verstehen, aus denen sich zwar 

kein Anspruch auf Asyl ableiten lassen dürfte, offensichtlich aber ein An-

spruch auf Verbleib in der Schweiz. Auch diese Fragen können jedoch 

letztlich offen bleiben. 

7.  

Was das BFM jedenfalls zu Unrecht unterlassen hat, ist die Prüfung eines 

Einbezugs in die originäre Flüchtlingseigenschaft des Vaters des Be-

schwerdeführers gemäss Art. 51 Abs. 3 AsylG.  

7.1 Das BFM scheint diese Prüfung auszuschliessen, weil von Seiten des 

Vaters kein entsprechendes schriftliches Gesuch vorliegt. Zu bemerken 

ist zunächst, dass in Art. 51 Abs. 3 AsylG wie im Übrigen auch in Art. 51 

Abs. 1 AsylG die Bedingung der Gesuchstellung nicht explizit erwähnt 

wird. Allerdings wird in der Botschaft zur Totalrevision des Asylgesetzes 

vom 4. Dezember 1995 ausgeführt, dem Flüchtlingskind werde auf ent-

sprechendes Gesuch hin Asyl gewährt (vgl. dazu BBL 1996 II 1, S. 70 

[ad: Art. 48 Abs. 2]). Dies kann jedoch nicht dahingehend verstanden 

werden, dass der originäre Flüchtling ein schriftliches Gesuch um Einbe-

zug des Kindes stellen muss. Vielmehr kann hier nur von einem Gesuch 

um Asyl die Rede sein. Praxisgemäss wird denn auch von Amtes wegen 

geprüft, ob der Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft und das Asyl eines 

Familienangehörigen in Frage kommt, wenn die Zuerkennung der originä-

ren Flüchtlingseigenschaft abgelehnt wurde (vgl. EMARK 2000 Nr. 27). 

Es genügt demnach bereits, ein Asylgesuch zu stellen, um eine entspre-

chende Prüfung auszulösen. Vorliegend hat die Mutter als Inhaberin des 

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Seite 8 

Sorgerechts und als gesetzliche Vertreterin des Beschwerdeführers am 

27. Juli 2011 im Interesse des Kindes um Familienasyl beziehungsweise 

dessen Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft und das Asyl des Vaters 

ersucht. Ein Gesuch im Sinne von Art. 51 Abs. 3 AsylG wurde demnach 

rechtsgenüglich gestellt. 

7.2 Zu prüfen ist jedoch, ob in dem Sinne besondere Umstände gegen 

den Einbezug sprechen, als der Vater offenbar zwischenzeitlich nicht 

mehr mit dem Beschwerdeführer im gleichen Haushalt lebt.  

7.2.1 In diesem Zusammenhang ist vorauszuschicken, dass der Vorbe-

halt der besonderen Umstände gemäss Art. 51 AsylG insbesondere dar-

auf abzielte, Missbrauchstatbestände zu unterbinden, indem den Behör-

den die Möglichkeit gegeben werden sollte, Personen kein Asyl zu ge-

währen, die in objektiver Hinsicht des spezifischen Schutzes des Asyls 

nicht bedürfen (vgl. BBL 1996 II 1, S. 70 [ad: Art. 48 Abs. 2]).  

7.2.2 Vorliegend hatte die Familiengemeinschaft im Zeitpunkt der Geburt 

des Beschwerdeführers und darüber hinaus noch längere Zeit Bestand. 

Der Vater begründete offiziell erst am (…) 2013 und damit erst nach Ein-

reichung des Gesuchs um Familienasyl einen neuen Wohnsitz. Gemäss 

Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist – mit Ausnahme der 

Bedingung der Minderjährigkeit – für die Prüfung der übrigen Vorausset-

zungen für den Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft jedoch nicht der 

Zeitpunkt der Gesuchstellung sondern grundsätzlich der Zeitpunkt des 

Entscheides massgeblich (vgl. EMARK 2002 Nr. 20 E. 5a S. 167). Es 

stellt sich damit weiter die Frage, ob aufgrund dessen vorliegend von ei-

nem besonderen Umstand im Sinne von Art. 51 Abs. 3 AsylG auszugehen 

ist. Gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts zum 

Abs. 1 dieser Bestimmung kann der Einbezug in die Flüchtlingseigen-

schaft und die Asylgewährung verweigert werden, wenn die familiäre Ver-

bindung aufgelöst wurde und erkennbar ist, dass die Familienmitglieder 

nicht den Willen haben, als Familie zusammenzuleben (vgl. BVGE 

2012/32 E. 5.1 S. 598; EMARK 2002 Nr. 20 E. 4b S. 165 f.). Diese Recht-

sprechung bezieht sich aber insbesondere auf in die Flüchtlingseigen-

schaft beziehungsweise das Asyl einzubeziehende Ehegattinnen, ge-

meinsame Kinder waren jedoch mitbetroffen. So geht es in EMARK 2002 

Nr. 20 um die Ehefrau, die nach der Scheidung zusammen mit ihrem Kind 

ins Asyl ihres Ex-Mannes einbezogen werden wollte. Und in BVGE 

2012/32 geht es um eine konkludent, durch das Eingehen einer neuen 

Beziehung, abgebrochene Beziehung zur Ehefrau und deren Kindern, die 

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Seite 9 

durch das Familienasyl wieder aufgenommen werden sollte. Vorliegend 

steht aber nicht der Status der Lebenspartnerin und Mutter zur Debatte, 

welche die derivative Flüchtlingseigenschaft bereits zu einem früheren 

Zeitpunkt erhalten hat, sondern nur der des Kindes. Bei einem alleinigen 

Einbezug von einem Kind in die Flüchtlingseigenschaft eines Elternteils 

stellt sich denn die Lage etwas anders dar, als beim Lebenspartner be-

ziehungsweise der Lebenspartnerin. Zur Letzteren wird die familiäre Be-

ziehung durch Scheidung oder Trennung beendet, während die familiäre 

Beziehung zum Kind weiterhin besteht, auch wenn Vater und Kind nicht 

im gleichen Haushalt leben. Auch wenn der Vater des Beschwerdeführers 

seit dem (…) 2013 einen anderen Wohnsitz hat, bleibt der Beschwerde-

führer dennoch sein Kind, was der Vater am (…) auch offiziell anerkannt 

hatte. Die familiäre Gemeinschaft zwischen dem Vater und dem Kind 

kann somit nicht als aufgelöst im Sinne der Rechtsprechung gelten. So 

wurde denn in BVGE 2012/32 auch implizit darauf hingewiesen, dass 

trotz einer neu eingegangenen Beziehung, die familiäre Verbindung zu 

Kindern aus einer früheren Ehe fortdauern kann und diese entsprechend 

in die Flüchtlingseigenschaft einbezogen werden können (vgl. E. 5.4.3 

S. 602). Hinzu kommt, dass im vorliegenden Fall alle Familienangehöri-

gen des Beschwerdeführers (Mutter, Vater und Geschwister) den Asylsta-

tus geniessen und der Beschwerdeführer mithin der einzige wäre, der ei-

nen anderen Status hätte. Dies würde offensichtlich der erklärten Absicht 

des Gesetzgebers entgegenstehen, dass Familienmitglieder einen mög-

lichst einheitlichen Status haben sollten. Vorliegend handelt es sich so-

dann klarerweise nicht um missbräuchliches Verhalten. In casu liegen 

demnach keine besonderen Umstände im Sinne von Art. 51 AsylG vor, 

die einem Einbezug des Beschwerdeführers in die Flüchtlingseigenschaft 

des Vaters entgegenstehen würden.  

7.3 Diesen Erwägungen gemäss ist der Beschwerdeführer in die originäre 

Flüchtlingseigenschaft des Vaters gemäss Art. 51 Abs. 3 AsylG einzube-

ziehen.  

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht verletzt (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist demnach gut-

zuheissen und das BFM anzuweisen, die derivative Flüchtlingseigen-

schaft des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 51 Abs. 3 AsylG anzuer-

kennen. 

 

D-6855/2013 

Seite 10 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 VwVG). 

9.2 Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteientschädigung 

für die ihnen erwachsenen notwendigen Kosten (Art. 64 Abs. 1 VwVG, 

Art. 7 Abs. 1 und 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-

ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, 

SR 173.320.2). Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht. Auf 

entsprechende Nachforderung kann verzichtet werden, da der notwendi-

ge Vertretungsaufwand aufgrund der Akten zuverlässig abgeschätzt wer-

den kann. Unter Berücksichtigung der massgebenden Berechnungsfakto-

ren (Art. 8, 9 und 11 VGKE) ist die Parteientschädigung auf Fr. 600.– 

(inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Die Vorinstanz ist an-

zuweisen, dem Beschwerdeführer diesen Betrag als Parteientschädigung 

zu entrichten.  

9.3 Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-

geltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG wird 

damit gegenstandslos. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  

3.  

Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädi-

gung von Fr. 600.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu entrichten. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Sara Steiner 

 

 

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