# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7d9aa3b8-3aa0-5837-9a37-b150d22cc9e4
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-02-15
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Kammer für Kindes-und Erwachsenenschutz 15.02.2024 XBE.2023.81
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_002_XBE-2023-81_2024-02-15.pdf

## Full Text

Obergericht 

Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz 

 

XBE.2023.81 
(KEMN.2023.346)  

Art. 9 

 

 

Entscheid vom 15. Februar 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Merkofer, Präsidentin  

Oberrichter Lindner  

Oberrichter Giese 

Gerichtsschreiber Hüsler         

 

 
   

Beschwerde-

führer  

 A._____,  

[…]   

 

 
   

Betroffene 

Person  

 B._____,  

[…]   

 

 

Mutter   C._____,  

[…] 

 

 

Beistand  D._____,  

[…]   

 

 

Anfechtungsge-

genstand 

 Entscheid des Familiengerichts Zofingen vom 14. September 2023 

 

 

Betreff  Anordnung einer neuropsychologischen Abklärung 
 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Die Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz entnimmt den 

Akten: 

 

1. 

B._____ (nachfolgend: der Betroffene), geboren am tt.mm.2011, ist der 

Sohn der unverheirateten, getrennt lebenden Eltern C._____ (nachfolgend: 

die Mutter) und A._____ (nachfolgend: der Beschwerdeführer) mit gemein-

samem Sorgerecht (vgl. KEKV.2015.57). Seit Januar 2022 wird der Be-

troffene im Homeschooling unterrichtet, wobei sich die Eltern über dessen 

Fortführung uneinig sind. 

 

2. 

2.1. 

Mit Entscheid vom 22. Dezember 2022 (KEMN.2022.624) erkannte das Fa-

miliengericht Zofingen als Kindesschutzbehörde unter anderem: 

 

   " 1. 
Für B._____, geboren am tt.mm.2011, wird eine Beistandschaft ge-
mäss Art. 308 Abs. 1 und 2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches 
(ZGB) errichtet. 
 
2. 
Die Beistandschaft umfasst folgende Aufgabenbereiche und die ent-
sprechenden Befugnisse: 
- eine kinderpsychiatrische oder kinderpsychologische Abklärung zu 

organisieren (z.B. bei der Praxis Q._____ oder Praxis R._____); 
- unter Einbezug der daraus resultierenden Ergebnisse in Zusam-

menarbeit mit dem Schulpsychologischen Dienst sowie der ehema-
ligen Schule Abklärungen bezüglich einer geeigneten Schullösung 
(allenfalls Sonderbeschulung) vorzunehmen; 

- die kindzentrierte Kommunikation zwischen den Eltern zu fördern. 
 

[…] 
 
4. 
Der Bericht der Beistandsperson betreffend einer geeigneten Schullö-
sung und einer allfälligen Therapie ist dem Familiengericht bis Ende 
März 2023 einzureichen." 
 

2.2. 

Am 27. Januar 2023 fand eine Anhörung des Betroffenen durch eine Fach-

richterin des Familiengerichts Zofingen statt (act. 77 f. in KEMN.2022.624). 

 

2.3. 

Am 28. März 2023 erstattete der eingesetzte Beistand Bericht "betreffend 

Schullösung" an das Familiengericht Zofingen (act. 8 ff. in KE.2015.238) 

mit dem Fazit: 

 
 
 

 - 3 - 

 

 

   " 1. 
Eine allfällige Therapie konnte aufgrund fehlenden Kapazitäten der 
Praxen und rechtlichen Befugnissen der Beistandsperson nicht aufge-
gleist werden. 
 
2. 
Die geeignete Schullösung konnte nicht besprochen werden, weil die 
Kindseltern unterschiedliche Meinungen vertreten. 
 
3. 
B._____ wird am tt.mm.2023 12 Jahre alt, weshalb seine Äusserungen 
angehört werden sollten. 
 
4. 
Eine Regelung des Besuchsrechts durch das Familiengericht würde 
eine Basis zur weiteren Zusammenarbeit schaffen und womöglich die 
Schullösung klären." 
 

2.4. 

Mit Verfügung vom 9. Juni 2023 kündigte der Präsident des Familienge-

richts Zofingen an, die Fachpsychologin E._____ mit einer Begutachtung 

betreffend eine mögliche Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung so-

wie eine mögliche Teilleistungsstörung zu beauftragen, und gab den Eltern 

Gelegenheit, sich dazu zu äussern und Ergänzungsfragen zu beantragen 

(act. 2 in KEMN 2023.346). 

 

2.5. 

Mit Eingabe vom 7. Juli 2023 äusserte sich der Beschwerdeführer zur vor-

gesehenen Begutachtung und beantragte diverse Ergänzungsfragen 

(act. 14 ff. in KEMN.2023.346). 

 

2.6. 

Mit Eingabe vom 25. Juli 2023 äusserte sich die Mutter zur vorgesehenen 

Begutachtung (act. 21 f. in KEMN.2023.346). 

 

2.7. 

Mit Entscheid vom 14. September 2023 erkannte das Familiengericht Zo-

fingen (KEMN.2023.346): 

 

   " 1. 
Für B._____ wird eine neuropsychologische Abklärung betreffend eine 
mögliche Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung sowie eine 
möglichen Teilleistungsstörung angeordnet. 
 
2. 
Mit der neuropsychologischen Abklärung wird E._____, Fachpsycholo-
gin für Neuropsychologie und Psychotherapie FSP, Praxis Q._____, 
beauftragt, wobei sich E._____ in Zusammenarbeit mit dem Schulpsy-
chologischen Dienst nach Möglichkeit auch zu den Voraussetzungen 
einer geeigneten Schullösung zu äussern hat. 
 
 

 - 4 - 

 

 

3. 
Auf die Erhebung von Gerichtskosten wird verzichtet." 
 

3. 

3.1. 

Gegen diesen ihm am 15. September 2023 zugestellten Entscheid erhob 

der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 15. Oktober 2023 Beschwerde mit 

den Anträgen: 

 

   " 1. 
In Gutheissung der Beschwerde sei der angefochtene Entscheid wie 
folgt aufzuheben: 
 
2. 
Dispositiv Ziff. 1 des angefochtenen Entscheids sei vollumfänglich auf-
zuheben. 
 
3. 
Dispositiv-Ziff. 2 des angefochtenen Entscheids sei vollumfänglich auf-
zuheben. 
 
4. 
Dispositiv-Ziff. 3 des angefochtenen Entscheids sei vollumfänglich auf-
zuheben. 
 
5. 
Eventualiter zu Ziff. 2: Dispositiv-Ziff. 1 des angefochtenen Urteils sei 
vollumfänglich aufzuheben und es sei die Sache zur Fällung eines er-
neuten Sachentscheids an die Vorinstanz zurückzuweisen. 
 
6. 
Eventualiter zu Ziff. 3: Dispositiv-Ziff. 2 des angefochtenen Urteils sei 
vollumfänglich aufzuheben und es sei die Sache zur Fällung eines er-
neuten Sachentscheids an die Vorinstanz zurückzuweisen. 
 
7. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge der Mutter." 
 

3.2. 

Mit Eingabe vom 13. November 2023 verzichtete die Vorinstanz auf eine 

Vernehmlassung unter Hinweis auf die Begründung des angefochtenen 

Entscheids. 

 

3.3. 

Die Mutter liess sich nicht vernehmen. 

 
 
 
 
 
 
 
 

 - 5 - 

 

 

 
 

   

Die Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz zieht in Erwä-

gung: 

 

1. 

1.1. 

Zuständig für Beschwerdeverfahren gegen Entscheide der Kindes- und Er-

wachsenenschutzbehörde wie das vorliegende ist die Kammer für Kindes- 

und Erwachsenenschutz des aargauischen Obergerichts als einzige Be-

schwerdeinstanz (Art. 314 Abs. 1 i.V.m. Art. 450 Abs. 1 ZGB i.V.m. § 41 

Abs. 1 EG ZGB i.V.m. § 10 Abs. 1 lit. c EG ZPO und § 10 Abs. 1 der Ge-

schäftsordnung des Obergerichts des Kantons Aargau 

[GKA 155.200.3.101] i.V.m. deren Anhang 1 Ziff. 5 Abs. 7 lit. b). 

 

1.2. 

Der Beschwerdeführer ist als am Verfahren beteiligte Person zur Be-

schwerde legitimiert (Art. 314 Abs. 1 i.V.m. Art. 450 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB) und 

die Beschwerde gegen den angefochtenen Entscheid wurde form- sowie 

fristgerecht eingereicht. Die Übrigen Eintretensvoraussetzungen geben zu 

keinen Bemerkungen Anlass, es ist somit auf die Beschwerde einzutreten. 

 

1.3. 

Die Rechtsmittelinstanz prüft den erstinstanzlichen Entscheid von Amtes 

wegen in Anwendung der Untersuchungs- und Offizialmaxime – in der Re-

gel beschränkt auf den Umfang der Anfechtung – in rechtlicher und tatsäch-

licher Hinsicht umfassend und beurteilt ihn neu (Art. 314 Abs. 1 i.V.m. 

Art. 446 ZGB; Botschaft vom 28. Juni 2006 zur Änderung des Schweizeri-

schen Zivilgesetzbuches [Erwachsenenschutz, Personenrecht und Kindes-

recht], BBl 2006 7083). 

 

2. 

Angefochten ist die Anordnung eines Gutachtens durch die Vorinstanz, wo-

bei es sich um eine Abklärungsmassnahme im Kindesschutzverfahren han-

delt. 

 

3. 

Gemäss Art. 314 Abs. 1 i.V.m. Art. 446 Abs. 1 und 2 ZGB erforscht die 

Kindesschutzbehörde den Sachverhalt von Amtes wegen. Sie zieht die er-

forderlichen Erkundigungen ein und erhebt die notwendigen Beweise. Nö-

tigenfalls ordnet sie das Gutachten einer sachverständigen Person an. 

 

Welche Beweise die Kindesschutzbehörde erhebt, steht grundsätzlich in 

ihrem Ermessen. Es können alle geeigneten, erforderlichen Beweismittel 

beigezogen werden, sofern deren Erhebung für die Beteiligten zumutbar 

ist. Ist die elterliche Sorge oder die Betreuung des Kindes Verfahrensge-

genstand, sollten Gutachten zurückhaltend angeordnet werden. Eine 

 - 6 - 

 

 

Begutachtung kann lange Zeit dauern. Dies kann im Einzelfall dazu beitra-

gen, dass Schwierigkeiten verschleppt werden und sich chronifizieren (MA-

RANTA, in: Basler Kommentar, 7. Aufl. 2022, N. 13 und 21 zu Art. 446 ZGB). 

 

4. 

4.1. 

Die Vorinstanz ist als Kindesschutzbehörde seit Ende Juli 2022 mit dem 

Betroffenen befasst, weil sich die Eltern über die Beschulung und damit 

zusammenhängend auch über das Betreuungsmodell für ihn nicht einig 

sind (vgl. Gesuch der Mutter vom 25. Juli 2022, act. 2 ff. in KEMN.2022.624; 

Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 25. August 2022, act. 9 ff. in 

KEMN.2022.624; Empfehlungen im Schulpsychologischen Fachbericht 

vom 17. Oktober 2022, act. 12 ff. in KEMN.2022.624, S. 3).  

 

4.2. 

Der Betroffene hatte zunächst die öffentliche Schule besucht, verweigerte 

dann jedoch die Maskenpflicht und wollte nicht mehr zur Schule gehen; 

daraufhin entschieden die Eltern im Januar 2022, mindestens vorüberge-

hend die Beschulung des Betroffenen zusammen mit den drei weiteren Kin-

dern im väterlichen Haushalt (zwei Halbgeschwister und ein Kind der Ehe-

frau des Beschwerdeführers aus einer früheren Beziehung) per Home-

schooling sicherzustellen (Schulpsychologischer Fachbericht vom 17. Ok-

tober 2022, act. 12 ff. in KEMN.2022.624, S. 1; Protokoll vom 25. Novem-

ber 2022, act. 34 ff. in KEMN.2022.624, S. 4). 

 

4.3. 

Ursprünglich vereinbarten die Eltern eine (annähernd) hälftige alternie-

rende Betreuung des Betroffenen gemäss folgendem Konzept: Montag bis 

Mittwochmorgen beim Beschwerdeführer, Donnerstag und Freitag bei der 

Mutter sowie Mittwochnachmittag und Wochenenden alternierend (Schul-

psychologischer Fachbericht vom 17. Oktober 2022, act. 12 ff. in 

KEMN.2022.624, S. 2). Die Mutter hat jedoch in ihrer Eingabe vom 25. Juli 

2023 (act. 21 f. in KEMN.2023.346, S. 1) ausgeführt, der Betroffene sei 

– aufgrund einer Entscheidung des Beschwerdeführers – nur noch jedes 

zweite Wochenende sowie je einen Werktag pro Woche (alternierend Mitt-

woch oder Freitag) bei ihr.  

 

4.4. 

Im Haushalt der Mutter lebt zudem eine Halbschwester des Betroffenen 

aus einer späteren Beziehung der Mutter; diese Halbschwester wird von 

der Mutter sowie ihrem Vater ebenfalls alternierend betreut und die Mutter 

arbeitet (in der Zeit, in welcher sie ihre Kinder nicht betreut) zu 60%. Der 

Beschwerdeführer ist selbständigerwerbend und richtet seine Arbeitszeiten 

nach der Kinderbetreuung bzw. dem Homeschooling (welches teilweise 

auch von seiner Ehefrau übernommen wird; vgl. Protokoll vom 25. Novem-

ber 2022, act. 34 ff. in KEMN.2022.624, S. 2 f.).  

 - 7 - 

 

 

 

4.5. 

Gemäss den Angaben der Mutter stimmte sie dem Homeschooling stets 

nur als kurzfristige, vorübergehende Lösung zu, zunächst für einige Wo-

chen, dann in einem Gespräch mit der Schulleitung im "Spätwinter 2022" 

"maximal bis zu den Frühlingsferien" und schliesslich an der Verhandlung 

vom 25. November 2022 bis zum Entscheid des Familiengerichts "über 

eine passende Beschulungslösung" (vgl. Protokoll vom 25. November 

2022, act. 34 ff. in KEMN.2022.624, S. 12; Eingabe der Mutter vom 25. Juli 

2023, act. 21 f. in KEMN.2023.346, S. 1). An der alternierenden Obhut für 

den Betroffenen möchte sie festhalten (vgl. Protokoll vom 25. November 

2022, act. 34 ff. in KEMN.2022.624, S. 2). 

 

4.6. 

Der Beschwerdeführer lehnt demgegenüber einen Besuch der Regelschule 

des Betroffenen bei fortgesetzter alternierender Betreuung ab. Er stellt sich 

auf den Standpunkt, dass er mit der Regelschule einverstanden wäre, 

wenn die Mutter die volle Betreuung des Betroffenen unter der Woche über-

nehme. Alternativ könne auch er die volle Betreuung an den Werktagen 

übernehmen mit fortgesetztem Homeschooling. Hingegen ist er aufgrund 

der Koordination mit der Betreuung und Beschulung der anderen Kinder in 

seinem Haushalt nicht bereit, den Betroffenen im Falle des Besuchs der 

Regelschule unter der Woche zu betreuen (Protokoll vom 25. November 

2022, act. 34 ff. in KEMN.2022.624, S. 5; Schulpsychologischer Fachbe-

richt vom 17. Oktober 2022, act. 12 ff. in KEMN.2022.624, S. 2; Bericht des 

Beistands vom 28. März 2023, act. 8 ff. in KE.2015.238, S. 3). 

 

4.7. 

Der Schulpsychologische Dienst empfahl den Eltern, sich an das Familien-

gericht zu wenden, damit die Betreuung und Beschulung verbindlich gere-

gelt würden. Im Übrigen empfahl er mit seinem Bericht vom 17. Oktober 

2022 (act. 12 ff. in KEMN.2022.624, S. 3) Folgendes: 

 

   " Aufgrund der motivationalen und sozialen Schwierigkeiten benötigt 
B._____ eine Gruppe ausserhalb der Familie, welche ihm mit seinen 
Defiziten konfrontiert und dadurch Entwicklung ermöglicht. Die gemein-
same, gleichwertige Betreuung des Jungen durch beide Eltern sollte 
wie bisher weitergeführt werden. 

 
Zur Unterstützung von B._____ empfehlen wir eine psychotherapeuti-
sche Massnahme, damit er die familiären Erlebnisse aufarbeitet und für 
sich selbst einen konstruktiven Umgang damit findet." 

 

4.8. 

Bei seiner Anhörung vom 27. Januar 2023 äusserte sich der Betroffene 

dahingehend, dass er im Homeschooling bleiben möchte. Dieses sei nicht 

ganz so stressig wie die Schule (act. 77 f. in KEMN.2022.624, S. 3). 

 

 - 8 - 

 

 

4.9. 

Gemäss dem Bericht des Beistands vom 28. März 2023 (act. 8 ff. in 

KE.2015.238) fragte der Beistand im Januar 2023 erfolglos verschiedene 

jugendpsychologische oder -psychiatrische Praxen für eine Abklärung an, 

erhielt jedoch infolge mangelnder Kapazitäten überall abschlägige Antwor-

ten. Der psychiatrische Dienst S._____ habe für eine Anmeldung die 

schriftliche Einwilligung der Eltern vorausgesetzt, welche der Beschwerde-

führer verweigert habe, da der Betroffene seiner Meinung nach gesund sei 

und keine Abklärung brauche. 

 

4.10. 

Zur Begründung des hier angefochtenen Entscheids vom 14. September 

2023, mit welcher die Vorinstanz eine neuropsychologische Abklärung be-

treffend eine mögliche Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung sowie 

eine mögliche Teilleistungsstörung anordnete, führte die Vorinstanz insbe-

sondere aus, der Betroffene habe in der Vergangenheit in der Schule häufig 

angeeckt und insbesondere Mühe gehabt, konzentriert zu bleiben. Dies de-

cke sich mit dem Eindruck, den die Fachrichterin F._____ anlässlich der 

Anhörung des Betroffenen im Januar 2023 habe gewinnen können. Es sei 

für den Betroffenen schwierig gewesen, sich im Gespräch zu fokussieren 

und er habe eine deutliche motorische Unruhe gezeigt. Es hätten sich wäh-

rend der Anhörung, anamnestisch und in der Verhaltensbeobachtung deut-

liche Symptome gezeigt, welche auf ein mögliches Aufmerksamkeitsdefizit 

und Hyperaktivitätssyndrom hindeuteten. Bei der beschriebenen Sympto-

matik sei es indiziert, auch mögliche Teilleistungsstörungen abzuklären 

(angefochtener Entscheid, E. 3.3). 

 

5. 

5.1. 

Im Vordergrund des vorliegenden Kindesschutzverfahrens stehen nicht ge-

sundheitliche oder schulische Schwierigkeiten des Betroffenen, sondern 

die trotz allen Vermittlungsbemühungen nicht miteinander zu vereinbaren-

den Meinungen der Eltern über die Ausgestaltung der Betreuung und der 

Beschulung des Betroffenen (vgl. für die im Wesentlichen unverändert ge-

bliebenen Standpunkte der Eltern bereits die Eingaben der Mutter vom 

25. Juli 2022, act. 2 ff. in KEMN.2022.624, und des Beschwerdeführers 

vom 25. August 2022, act. 9 ff. in KEMN.2022.624).  

 

Zwar fiel es dem Betroffenen gemäss dem Schulpsychologischen Fachbe-

richt während seines Besuchs der Regelschule schwer, am Unterricht teil-

zunehmen, sich in die Klassengemeinschaft einzufügen und an Regeln zu 

halten; er störte den Unterricht durch unruhiges und impulsives Verhalten 

und zeigte stark lustorientiertes Lernverhalten. Er erbrachte jedoch gute 

schulische Leistungen. Seit der 1. Klasse wurde er durch die Schulsozial-

arbeit begleitet und er absolvierte ein Emotionsregulationstraining. Zudem 

nahm er an der Begabtenförderung teil. Dem Betroffenen sei es im Umgang 

 - 9 - 

 

 

mit Gleichaltrigen schwergefallen, auf das Gegenüber einzugehen und 

Rücksicht zu nehmen, Ausraster seien jedoch selten geworden (act. 12 ff. 

in KEMN.2022.624). Gemäss den Aussagen des Betroffenen selbst hat er 

in der ersten Klasse Probleme gehabt, er habe Schlägereien angefangen. 

Es sei aber besser geworden, als er ab der zweiten Klasse zur Schulsozi-

alarbeiterin gegangen sei (Protokoll vom 27. Januar 2023, act. 77 f. in 

KEMN.2022.624, S. 2). 

 

Der Wechsel von der öffentlichen Schule zum Homeschooling erfolgte nicht 

aufgrund der erwähnten Verhaltensauffälligkeiten, sondern weil sich der 

Betroffene der Maskenpflicht widersetzte (Schulpsychologischer Fachbe-

richt vom 17. Oktober 2022, act. 12 ff. in KEMN.2022.624, S. 1; Protokoll 

vom 27. Januar 2023, act. 77 f. in KEMN.2022.624, S. 3; vgl. auch die Aus-

sagen der Eltern gemäss Protokoll vom 25. November 2022, act. 34 ff. in 

KEMN.2022.624, S. 4). Diesen Widerstand entwickelte der Betroffene of-

fenbar nicht unbeeinflusst, denn das Homeschooling wurde gleichzeitig 

auch für die anderen drei Kinder im väterlichen Haushalt aufgenommen; 

ausschlaggebend für diese Entscheidung war gemäss den Aussagen des 

Beschwerdeführers eines dieser anderen Kinder, welches unter den Covid-

Massnahmen massiv gelitten habe (Protokoll vom 25. November 2022, 

act. 34 ff. in KEMN.2022.624, S. 9). 

 

Dem Betroffenen war bis im Januar 2022 der Besuch der Regelschule da-

mit möglich, wenn sein auffälliges Verhalten auch Begleitmassnahmen 

(Schulsoziarbeit, Emotionsregulationstraining) erforderte, weshalb grund-

sätzlich davon auszugehen ist, dass er noch immer an der Regelschule 

beschult werden könnte (wovon auch beide Eltern soweit ersichtlich aus-

gehen). Die Rückkehr an die Regelschule (oder der Eintritt in eine andere 

Schule mit Klassenverband) scheiterte bisher am Widerstand des Be-

schwerdeführers bzw. an seiner Bedingung, dass ein solcher Wechsel mit 

einer Änderung des Betreuungsmodells von einer alternierenden Betreu-

ung zur alleinigen Betreuung unter der Woche durch die Mutter einherge-

hen müsse. Im Übrigen erscheint eine Rückkehr in die Regelschule oder 

der Eintritt in eine andere Schule auch dadurch erschwert, dass das Home-

schooling bereits zwei Jahre andauert und der Betroffene selbst daran 

nichts ändern möchte. 

 

5.2. 

Eine psychologische Abklärung des Betroffenen ist als Grundlage für den 

Schulpsychologischen Fachbericht vom 17. Oktober 2022 bereits durch 

den Schulpsychologischen Dienst erfolgt. Gemäss diesem Bericht (S. 2) 

fanden Gespräche mit den Eltern und testdiagnostische Abklärungen von 

Mai bis Juli 2022 statt. Hinweise darauf, dass sich der zu beurteilende 

Sachverhalt in der Zwischenzeit verändert hätte, sind nicht ersichtlich. Mit 

dem Schulpsychologischen Fachbericht wird weder ein Verdacht auf ADHS 

geäussert, noch diesbezügliche Abklärungen angeregt (act. 12 ff. in 

 - 10 - 

 

 

KEMN.2022.624). Gemäss den Aussagen der Eltern habe der Schulpsy-

chologische Dienst nicht den Eindruck gehabt, dass man ADHS weiterver-

folgen müsse. Die Schulsozialarbeiterin habe gesagt, eine Diagnose sei 

nicht gewinnbringend für den Unterricht, da eine Regulation von innen aus-

gehen müsse (Protokoll vom 25. November 2022, act. 34 ff. in 

KEMN.2022.624, S. 10).  

 

Die Mutter hat in ihrer Eingabe an die Vorinstanz vom 25. Juli 2023 ausge-

führt (act. 21 f. in KEMN.2023.346, S. 2), es solle nicht in erster Linie eine 

Entwicklungsstörung abgeklärt werden, denn dies habe bereits beim Schul-

psychologischen Dienst stattgefunden und es hätten sich diesbezüglich 

keine Auffälligkeiten ergeben. Sie erachte jedoch eine psychologische Un-

terstützung für den Betroffenen für sinnvoll. Es sei gut, wenn der Betroffene 

seine Bedürfnisse, sein Befinden und seine Meinung einer neutralen, aus-

senstehenden Person schildern könne und diese dann vom Beistand bei 

der Entscheidungsfindung miteinbezogen werden könne. 

 

Auch die mit dem angefochtenen Entscheid beauftragte Psychologin 

E._____ und/oder der Beistand gingen ursprünglich offenbar nicht von der 

Notwendigkeit einer Abklärung im Bereich ADHS aus. Gemäss den sinn-

gemässen Ausführungen im Bericht des Beistands vom 28. März 2023 

lehnte E._____ einen Abklärungsauftrag am 11. Januar 2023 ab, da sie 

"eher im Bereich ADHS Abklärungen machen würde" und verwies auf eine 

Spezialistin für psychiatrische Abklärungen (act. 9 in KE.2015.238). 

 

5.3. 

Da sich die Eltern des Betroffenen darüber seit längerer Zeit nicht einig 

sind, wird die Vorinstanz darüber entscheiden müssen, ob das Home-

schooling für den Betroffenen fortgesetzt wird oder ob er entweder an die 

Regelschule zurückkehrt oder in eine andere Schule eintritt. Die Verhal-

tensauffälligkeiten des Betroffenen sind aus seiner Schulzeit vor Januar 

2022 bekannt, standen aber bereits damals einer Regelbeschulung (mit 

begleitenden Massnahmen) grundsätzlich nicht entgegen. Unabhängig da-

von, ob der Betroffene die Diagnosekriterien für ADHS erfüllt oder nicht, ist 

demnach sowohl eine Beschulung in der Regel- oder einer anderen Schule 

als auch Homeschooling grundsätzlich möglich.  

 

Ein Wechsel in die Regelschule würde allerdings mutmasslich eine Ände-

rung der Betreuungsregelung erforderlich machen, da der Beschwerdefüh-

rer eine alternierende Betreuung für diesen Fall ablehnt; entsprechend 

müsste unter der Woche diesfalls eine Fremdbetreuung organisiert werden, 

soweit die Mutter ihr Arbeitspensum nicht so anpassen kann, dass sie die 

Betreuung allein sicherstellen kann.  

 

Alternativ kann das Homeschooling (nicht nur als Übergangslösung, son-

dern grundsätzlich definitiv) fortgesetzt werden. Diesfalls stellt sich die 

 - 11 - 

 

 

Frage, wie dem im Schulpsychologischen Fachbericht vom 17. Oktober 

2022 (act. 12 ff. in KEMN.2022.624, S. 3) festgehaltenen Bedarf des Be-

troffenen nach einer Gruppe ausserhalb der Familie, welche ihn mit seinen 

Defiziten (motivationale und soziale Schwierigkeiten) konfrontiert und 

dadurch Entwicklung ermöglicht, begegnet werden kann.  

 

5.4. 

Insgesamt erscheint die mit dem angefochtenen Entscheid angeordnete 

neuropsychologische Abklärung weder erforderlich noch zielführend. Die 

von der Vorinstanz aufgrund der Uneinigkeit der Eltern zu treffende Schu-

lungs- und Betreuungsregelung setzt keine solche Abklärung voraus, son-

dern die dafür zu berücksichtigenden Stärken und Schwächen des Be-

troffenen ergeben sich bereits genügend aus der vorliegenden Schulpsy-

chologischen Abklärung, den Beobachtungen aus seiner früheren Schul-

zeit an der Regelschule sowie den Aussagen der Eltern (nicht abschlies-

send, vorbehalten sind andere verfügbare Beweise). Eine allfällige auf 

ADHS oder eine ähnliche Störung lautende Diagnose könnte weder für die 

Wahl der Beschulung noch der Betreuungsregelung ausschlaggebend 

sein. Der angefochtene Entscheid ist damit in Gutheissung der Beschwerde 

aufzuheben. 

 

6. 

6.1. 

Im Schulpsychologischen Fachbericht wird eine psychotherapeutische 

Massnahme (nicht eine Abklärung) empfohlen, damit der Betroffene die fa-

miliären Erlebnisse aufarbeite und für sich selbst einen konstruktiven Um-

gang damit finde. Der Schulpsychologische Dienst erwog in diesem Bericht 

(act. 12 ff. in KEMN.2022.624, S. 3), der Betroffene spüre den elterlichen 

Konflikt und reagiere darauf. Er sei verunsichert und leide unter der Zerris-

senheit (Loyalitätskonflikt) und Ungewissheit bezüglich seines familiären 

Verbleibs und der weiteren Beschulung. Im Übrigen habe er häufige Wut-

ausbrüche und mache Äusserungen, nicht mehr leben zu wollen. Der Be-

troffene ecke auch in der Freizeit an. Er provoziere andere Kinder und sei 

aus dem […]-Training ausgeschlossen worden. 

 

6.2. 

Der Konflikt der Eltern über die Beschulung des Betroffenen und damit zu-

sammenhängend auch seine Betreuung dauert nun (nachdem die Mutter 

mit dem Homeschooling ganz zu Beginn als vorübergehende Lösung noch 

einverstanden war) seit mindestens 1 ½ Jahren an. Dabei blieb auch die 

Aufteilung der Betreuungstage in dieser Zeit offenbar nicht konstant, son-

dern scheint ein regelmässiger Streitpunkt zu sein (vgl. Protokoll vom 

25. November 2022, act. 34 ff. in KEMN.2022.624, S. 3 f. und die Eingabe 

der Mutter vom 25. Juli 2023, act. 21 f. in KEMN.2023.346, S. 1, wonach 

der Beschwerdeführer ihre Betreuungszeit eigenmächtig reduziert habe, da 

das Hin und Her zwischen den Haushalten seiner Ansicht nach zu 

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umständlich sei, sowie auch das Protokoll der Kinderanhörung vom 27. Ja-

nuar 2023, act. 77 f. in KEMN.2022.624). Durch diesen Konflikt wird insbe-

sondere die Beziehung des Betroffenen zur Mutter belastet (vgl. ihre Ein-

gabe vom 25. Juli 2022, act. 2 ff. in KEMN.2022.624, S. 2 f.; Schulpsycho-

logischer Fachbericht vom 17. Oktober 2022, act. 12 ff. in KEMN.2022.624, 

S. 3; Protokoll vom 25. November 2022, act. 34 ff. in KEMN.2022.624, S. 7; 

Bericht des Beistands vom 28. März 2023, act. 8 ff. in KE.2015.238, S. 4).  

 

Auch sind die sozialen Schwierigkeiten des Betroffenen seit dem Austritt 

aus der Regelschule nicht gelöst, wie der Ausschluss aus dem […]-Training 

gezeigt hat, sondern es fehlt ihm (vorbehältlich geeigneter Hobbies o.Ä.) 

an einem dringend notwendigen Übungsfeld für die soziale Interaktion aus-

serhalb der Familie.  

 

Solange er noch die Regelschule besuchte, wurde er von der Schulsozial-

arbeit begleitet und besuchte ein Emotionsregulationstraining. Diese Be-

gleitung erlebten sowohl der Betroffene (Protokoll vom 27. Januar 2023, 

act. 77 f. in KEMN.2022.624, S. 2) als auch die Eltern als förderlich. Die 

Konflikte mit den Mitschülern hätten sich extrem gebessert und bis zur vier-

ten Klasse abgenommen (Protokoll vom 25. November 2022, act. 34 ff. in 

KEMN.2022.624, S. 4). Seit dem Homeschooling fehlt offenbar auch eine 

vergleichbare sozialarbeiterische oder psychologische Begleitung des Be-

troffenen. 

 

6.3. 

Im Ergebnis sprechen gewichtige Gründe für eine kinderpsychologische 

Begleitung des Betroffenen. Einerseits als Hilfestellung im Umgang mit 

dem elterlichen Konflikt um seine Schulungs- und Betreuungsregelung, an-

dererseits, um ihn zu unterstützen bei den für seine soziale Entwicklung 

notwendigen ausserfamiliären Kontakten zu Gleichaltrigen. Die Vorinstanz 

wird auch darüber möglichst rasch zu entscheiden haben. 

 

Daran ändert nichts, dass eine erste ähnliche Suche des Beistands erfolg-

los geblieben ist, denn diese ist bereits rund ein Jahr her und der Bedarf 

des Betroffenen erscheint nach wie vor ausgewiesen. Soweit der Beistand 

in seinem Bericht vom 28. März 2023 (act. 8 ff. in KE.2015.238, S. 4) aus-

führt, eine Anmeldung des Betroffenen beim psychiatrischen Dienst 

S._____ sei am fehlenden Einverständnis des Beschwerdeführers geschei-

tert, ist auf Folgendes hinzuweisen: Wenn sich die gemeinsam sorgebe-

rechtigten Eltern nicht einig sind, das Kindeswohl aber eine (medizinische 

oder anderweitige) Massnahme erfordert, kann ein Entscheid der Kindes-

schutzbehörde die Zustimmung des ablehnenden Elternteils nötigenfalls 

ersetzen (vgl. BGE 146 III 313 E. 6), was von einer staatlichen Stelle wie 

dem psychiatrischen Dienst S._____ grundsätzlich auch akzeptiert werden 

müsste.  

 

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7. 

Bei diesem Verfahrensausgang und unter Berücksichtigung, dass sich die 

Mutter am obergerichtlichen Verfahren nicht beteiligt und folglich auch 

keine Gegenposition zur Beschwerde übernommen hat, sind die Verfah-

renskosten auf die Staatskasse zu nehmen. Mangels entschädigungsfähi-

ger Parteikosten im Sinne von Art. 95 Abs. 3 ZPO ist keine Parteientschä-

digung auszurichten. 

 

 
 

   

Die Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz entscheidet: 

 

1. 

In Gutheissung der Beschwerde wird der Entscheid des Familiengerichts 

Zofingen als Kindesschutzbehörde vom 14. September 2023 ersatzlos auf-

gehoben. 

 

2. 

Die Sache wird zurückgewiesen an die Vorinstanz zum Entscheid über die 

Beschulung und Betreuung von B._____ sowie die Prüfung der Anordnung 

einer kinderpsychologischen Begleitung. 

 

3. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

4. 

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.