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**Case Identifier:** bd552b83-8aff-5f88-8832-6188ea04c111
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-02-14
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 14.02.2023 SST.2022.121
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-121_2023-02-14.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 2. Kammer 

 

SST.2022.121 
(ST.2021.225; StA.2019.2716) 

 

 

Urteil vom 14. Februar 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Plüss, Präsidentin  

Oberrichter Fedier  

Oberrichter Egloff  

Gerichtsschreiber i.V. Hoffet        

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau, 

Seetalplatz, Bahnhofstrasse 4, 5600 Lenzburg 1  

 

Privatklägerin   A._____, 

[…] 

vertreten durch Rechtsanwalt Matthias Becker,  

[…] 

 

    
    

Beschuldigter   B._____,  

geboren am tt.mm.jjjj, von Erlenbach ZH, 

[…] 

verteidigt durch Rechtsanwalt Christian Lüscher,  

[…] 

 

 

  

 
 

Gegenstand  Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau erhob am 10. Dezember 2021 fol-

gende Anklage gegen den Beschuldigten: 

 

 "I. Zur Last gelegte strafbare Handlungen (Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO) 
 
 Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde 
 (Art. 229 Abs. 1 StGB) 
 

Der Beschuldigte hat bei der Leitung eines Bauwerkes erkannt und in 
Kauf genommen, dass die anerkannten Regeln der Baukunde ausser 
Acht gelassen werden und dadurch wissentlich Leib und Leben von 
Mitmenschen gefährdet. 
 
Ort:   S., X-Strasse 9 
 
Zeitraum: Ab Sanierung der Liegenschaft im Mai 2015 

(Kauf der Liegenschaft durch die C.) bis min-
destens Sommer 2019 (Behebung der Mängel 
Elektroinstallationen) 

 
Zivil- und Strafklägerin: A., v.d. lic. iur. Matthias Becker 
 
Der Beschuldigte ist Geschäftsführer mit Einzelunterschrift der C. 
(CHE-xxx.xxx.xxx). In dieser Funktion ist es seine Aufgabe, im Namen 
der C. Liegenschaften zu finden, diese umzubauen bzw. zu sanieren 
und weiter zu verkaufen. Als Geschäftsführer der C. verteilt der Be-
schuldigte während des Umbaus einer Liegenschaft Aufträge an Unter-
nehmen und Personen; er kontrolliert die Geldflüsse und die jeweiligen 
Arbeiten auf den Baustellen während der Sanierung der Liegenschaf-
ten. Als Geschäftsführer der C. ist der Beschuldigte dafür verantwort-
lich, dass im Rahmen der Umbaumassnahmen die Sicherheitsbestim-
mungen eingehalten werden. 

 
Die C. hatte mit Kaufvertrag vom 28.05.2015 die Liegenschaft X-
Strasse 9 in S. (GB S., Grundstück Nr. 3401, fortan: Liegenschaft) er-
worben. Im Anschluss an den Erwerb wurde die mit Gebäuden (Wohn- 
und Geschäftshaus, Schopf) überbaute Liegenschaft während rund 
acht bis neun Monaten unter der Leitung des Beschuldigten vollständig 
saniert. Der Beschuldigte vergab im Rahmen dieser Sanierung Arbeits-
aufträge an die damalige E., suchte aber auch selber Handwerker aus 
und verhandelte mit diesen direkt, wie z.B. mit dem Gesellschafter und 
Geschäftsführer der F., G.. Der Beschuldigte war ca. alle zwei Wochen 
selbst auf der Baustelle anwesend und nahm teilweise auch selber die 
von den Handwerkern geleisteten Arbeiten ab. 

 
Am 02.11.2015 fand eine erste, am 02.03.2016 eine zweite Bauab-
nahme durch die Gemeinde S. (Bauverwaltung) statt. Anwesend waren 
neben der Bauverwaltung, v.d. H., auch der Architekt, I., und der Be-
schuldigte als Vertreter der C. (Bauherrschaft). Es wurde sowohl am 
02.11.201 als auch am 02.03.2016 ein Abnahmeprotokoll geführt, wo-
bei beim Abnahmetermin am 02.11.2015 diverse Mängel und bauliche 
Abweichungen gegenüber den bewilligten Plänen festgestellt wurden. 

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Es wurde vor Ort auch eine Checkliste mit den erwähnten Nachbesse-
rungen erstellt, welche vom Beschuldigten unterzeichnet wurde. Im Ab-
nahmeprotokoll vom 02.03.2016 wurde vermerkt, dass die Verantwor-
tung für die fachgerechte Bauausführung einzig bei der Bauherrschaft 
liegt, wobei als Bauherr die C., v.d. den Beschuldigten, aufgeführt 
wurde. 

 
Seit der Sanierung befinden sich fünf Wohnungen und ein Gewerbeob-
jekt (Tankstellenshop) in der Liegenschaft. Nach Abschluss der Sanie-
rung bzw. vor dem Weiterverkauf der Liegenschaft vermietete der Be-
schuldigte den Tankstellenshop an J., die 4.5-Zimmer Wohnung im ers-
ten Obergeschoss rechts an K., die 3.5-Zimmer Wohnung im ersten 
Obergeschoss links an L. und die 3.5-Zimmer Dachwohnung links an 
M.. Seit der Sanierung bzw. seit anfangs 2016 gab es diverse Mieter-
wechsel, es waren jedoch stets mindestens eine bis zwei Wohnungen 
vermietet und damit bewohnt.  

 
Mit Kaufvertrag vom 17.03.2016 erwarb die Zivil- und Strafklägerin von 
der C., v.d. den Beschuldigten, die Liegenschaft X-Strasse 9 in S. (GB 
S., Grundstück Nr. 3401), wobei sie auch die bereits bestehenden vor-
erwähnten Mietverhältnisse übernahm. Der Beschuldigte fungierte im 
Zusammenhang mit diesem Verkauf als Verkäufer bzw. Vertreter der 
C.. Im Rahmen der vorgängigen Verhandlungen über den Kauf der Lie-
genschaft versicherte der Beschuldigte der Zivil- und Strafklägerin 
mehrfach, dass das Kaufobjekt mängelfrei sei. Tatsächlich wies die Lie-
genschaft X-Strasse 9 in S. nach dem vom Beschuldigten geleiteten 
und überwachten Umbau jedoch gravierende Mängel auf, die durch 
eine nicht fachgerechte Ausführung der vom Beschuldigten überwach-
ten Arbeiten entstanden waren: 

 
-  Die Elektroinstallationen, welche vom Beschuldigten in Auftrag gege-

ben wurden, sind nicht fachgerecht bzw. von einem Laien ausgeführt 
worden. Abweichungen von den geltenden Regeln der Technik bestan-
den in folgenden Punkten: fehlende Installationsanzeige, fehlende 
Anschlussgesuche (Wärmepumpe), fehlende Sicherheitsnachweise, 
fehlende Beschriftungen, Sperrungen, fehlender Potenzialausgleich, 
lose Leitungen, Leitungen auf Pumpen / Mischer und Leitung beim Mi-
scher nicht fachgemäss und dauerhaft montiert / befestigt, fehlender 
Anlageschalter, fehlende Konformitätserklärung, ungenügende Reini-
gung, vorhandene Fremdkörper, fehlendes Typenschild, fehlendes 
Schema, unvollständige Legende, fehlende Steuerlegende, fehlende 
Sicherungsköpfe, fehlende Kennzeichnungen, unklar Zuordnungen, 
einzelne Schutzleiter nicht fachgemäss montiert, falsche Sicherung, 
lose Klemmen, Hauptverteilung nicht klar und übersichtlich verdrahtet 
(laienhafte Installation), fehlende Zugentlastung, vereinzelte zu kleine 
Querschnitte, Sicherungen keine Spannung (nicht fachgerecht mon-
tiert), defekte Fehlerschutzschalter wegen viel Staub und Dreck (keine 
Auslösung), Türen der Hauptverteilung für Laien nicht zugänglich, kein 
Brandschutz im Bereich Schaltergerätkombination, fehlender Kanalde-
ckel, Steckdosen nicht fachgemäss montiert, fehlende Deckel, fehlende 
Typenschilder, fehlende Kennzeichnungen, zu kleiner Leiterquer-
schnitt, Steckdosen ausländischer Herkunft, fehlender IP-Schutz 
(mehrfach), fehlende Abdeckstreifen, verletzte Leitung (fehlende Abde-
ckung, deshalb direkte Berührung möglich), Ordnungstrennungen 
Starkstrom-Schwachstrom-Leitungen-EDV-Telefon nicht normgemäss, 
ungenügende Gruppenaufteilung, fehlende Schalter, fehlende Isolation 

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(Lampenstellen), keine Isolation der freien Leiterenden bei Lampenstel-
len ohne montierte Leuchten, Licht und Steckdosen nicht auf Allgemei-
nem Zähler. Die Anlage wurde zudem nicht geprüft, weshalb auch kein 
Nachweis erbracht wurde, dass die Elektroinstallation mängelfrei ist. 
Die Mängel an den Elektroinstallationen, insbesondere der fehlende 
Potenzialausgleich und die freien Leiterenden bei Lampenstellen, hät-
ten zu einer elektrischen Durchströmung (Stromschlag) bei einem Men-
schen und damit zu dessen Tod oder einem Sturz mit folgenschweren 
Verletzungen führen können. Auch hätten diverse der vorerwähnten 
Mängel zu einem Brand in der Liegenschaft führen können, wobei in 
der Wohnung im Dachgeschoss hinter einem Einbauspot (Klemmver-
bindungen) bereits Brandspuren und unten in der Hauptverteilung eine 
Brandstelle eines Kurzschlusses vorhanden waren. 

 
Die vorerwähnten von der N. am 28.11.2018 festgestellten Mängel wur-
den im Auftrag der O. (Verwaltung der Liegenschaft) im Sommer 2019 
von der P. vollumfänglich behoben. Bis dahin bzw. bereits seit Ab-
schluss der Sanierung anfangs 2016 bewohnten verschiedene Mieter 
die Wohnungen, welche durch die bautypischen, vorerwähnten Mängel 
konkret gefährdet wurden. 
 

- Der Beschuldigte beauftragte eine Person oder ein Unternehmen mit 
dem Erstellen bzw. Sanieren der Dachanlage, die bzw. das laienhaft 
arbeitete und die entsprechenden Sicherheitsvorschriften nicht kannte 
oder aber wissentlich nicht einhielt, indem die Dachanlage nicht mit den 
Sicherheitselementen ausgerüstet wurde, um zu gewährleisten, dass 
spätere Interventionen auf dem Dach vorschriftsgemäss ausgeführt 
werden konnten. Zum einen wurden die Sicherheitsbestimmungen 
(SIA 271 und SIA 11B / 271, 2007) nicht eingehalten, zum anderen wur-
den keine fest installierten Anlagen zur Absturzsicherung eingerichtet. 
Diese Mängel hätten bei der Begehung des Daches durch die Hand-
werker der AA., welche am 16.09.2019 wie auch am 04.12.2019 das 
Dach zur Problemanalyse bzw. Reparatur / Montage betraten, zu einem 
Sturz und damit zu einer Körperverletzung oder gar zum Tod führen 
können. 

 
- Der Beschuldigte beauftragte für die Sanierung bzw. das Bauen der 

Treppe vom ersten Obergeschoss zum Dachgeschoss eine Person / 
ein Unternehmen, welche / welches die entsprechenden Arbeiten nicht 
fachgerecht bzw. laienhaft ausführte. Die Treppe vom ersten Oberge-
schoss ins Dachgeschoss weist unterschiedliche Trittverhältnisse auf, 
was den Sicherheitsanforderungen SIA 414/2 (Masstoleranzen im 
Hochbau) nicht entspricht. Im Dachgeschoss befinden sich zwei Woh-
nungen, die seit anfangs Januar 2016 vermietet wurden, weshalb die 
Gefahr bestand, dass insbesondere die Mieter beim Begehen dieser 
Treppe hätten stürzen, sich dabei verletzten oder gar zu Tode kommen 
können. 

 
-  Im Estrich fehlte im Bereich der Galerie eine Absturzsicherung, was 

SIA 358 verletzt, nach der ein Geländer überall dort nötig ist, wo die 
Gefahr eines Absturzes für Personen besteht.  
Aufgrund dieses Mangels bestand beim Begehen oder Benutzen des 
Estrichs, insbesondere durch die Mieter, die Gefahr, dass diese vom 
Estrich in den Wohnraum stürzen und sich dabei hätten verletzen oder 
gar zu Tode kommen können. 
 

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Der Beschuldigte liess es als der für den Umbau der Liegenschaft X-
Strasse 9 in S. (GB S., Grundstück Nr. 3401) Verantwortliche zu, dass 
der Umbau bzw. die genannten Arbeiten von Personen ausgeführt wur-
den, die, wie er wusste, nicht über die entsprechende Fachausbildung 
verfügten und die entsprechenden Regeln und Vorschriften nicht kann-
ten oder aber diese mindestens grobfahrlässig missachteten. Trotz die-
ses Wissens unterliess es der Beschuldigte, die Ausführung der jewei-
ligen Arbeiten zu kontrollieren und abzunehmen. Der Beschuldigte 
nahm dabei bewusst in Kauf, dass andere Handwerker und spätere Be-
wohner der Liegenschaft aufgrund der nicht fachgerecht ausgeführten 
Arbeiten an den Elektroinstallationen, dem Dach, der Treppe zum Est-
rich und dem Estrich selbst Gefahren für Leib und Leben ausgesetzt 
waren. 
 

II. Entstandene Untersuchungskosten (Art. 326 Abs. 1 lit. d StPO) 
 

Bis anhin sind Untersuchungskosten in der Höhe von CHF 6'115.25 
entstanden. 

 
III. Anträge 
 
1. Der Beschuldigte sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen. 
 
2. Der Beschuldigte sei in Anwendung der in Ziff. I genannten Gesetzes-

bestimmung sowie von Art. 40 StGB, Art. 42 Abs. 1 und Abs. 4 StGB 
i.V.m. Art. 106 StGB, Art. 44 StGB und Art. 47 StGB zu verurteilen zu: 

 
- einer bedingten Freiheitsstrafe von 8 Monaten sowie 
- einer Busse von CHF 2'000.00, ersatzweise 20 Tage Freiheits-

strafe 
 
3. Die Verfahrenskosten inkl. der Untersuchungskosten von 

CHF 6'115.25 (Ziff. II.) sowie die Anklagegebühr von CHF 1'700.00 
seien dem Beschuldigten aufzuerlegen. 

 
IV. Privatklägerschaft (Art. 326 Abs. 1 lit. a StPO) 
 

Zivil- und Strafklägerin: A., […] 
  

v.d. lic. iur. Matthias Becker, […] 
 

 (act. 138 ff.; Zivilforderung siehe act. 
139)" 

 

2. 

2.1. 

Am 24. Februar 2022 fand die Hauptverhandlung vor der Präsidentin des 

Bezirksgerichts Aarau mit Befragung des Beschuldigten sowie der Privat-

klägerin statt. Zudem wurde den Parteien eröffnet, dass der angeklagte 

Sachverhalt auch unter dem Aspekt der fahrlässigen Tatbegehung gemäss 

Art. 229 Abs. 2 StGB geprüft werde. 

 

 - 6 - 

 

 

2.2. 

Der Beschuldigte stellte anlässlich der Hauptverhandlung folgende An-

träge: 

 

 "1. B. sei freizusprechen vom Vorwurf der Gefährdung durch Verletzung 
der Regeln der Baukunde. 

 
2. Die Zivilforderungen der Privatklägerin seien auf den Zivilweg zu ver-

weisen. 
 
3. B. sei mit Fr. 16'710.40 (inkl. MwSt.) aus der Staatskasse zu entschä-

digen. 
 
4. Die Verfahrenskosten seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu neh-

men." 

 

2.3. 

Die Privatklägerin stellte anlässlich der Hauptverhandlungen folgende An-

träge: 

 

 "1. Der Beschuldigte sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen. 
 
2. Der Beschuldigte sei angemessen zu bestrafen. 
 
3. Es sei festzustellen, dass der Beschuldigte der Zivil- und Strafklägerin 

dem Grundsatz nach für ihren Schaden haftet (Art. 126 Abs. 3 StPO). 
 
4. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Zivil- und Strafklägerin für das 

erstinstanzliche Verfahren eine Pateientschädigung gemäss beiliegen-
der Honorarnote (zzgl. MwSt. und Auslagen) zu bezahlen." 

 

2.4. 

Die Präsidentin des Bezirksgerichts Aarau fällte gleichentags das folgende 

Urteil: 

 

 "1. 
Der Beschuldigte ist schuldig: 
- Der fahrlässigen Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Bau-

kunde gemäss Art. 229 Abs. 2 StGB, betreffend die Mängel an den 
Elektroinstallationen. 
 

2. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 1 erwähnten Bestimmun-
gen und gestützt auf Art. 34 und Art. 47 StGB zu 120 Tagessätzen Geld-
strafe verurteilt. Der Tagessatz wird auf Fr. 70.00 festgesetzt. Die Geld-
strafe beläuft sich auf Fr. 8'400.00. 
 
3. 
Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 StGB für die Geldstrafe der 
bedingte Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf Art. 44 Abs. 
1 StGB auf 2 Jahre festgesetzt. 
 
Der Beschuldigte wird entsprechend der Vorschrift von Art. 44 Abs. 3 StGB 
über die Bedeutung und die Folgen der bedingten Strafe aufgeklärt. Wenn 

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er sich bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, d.h. keine Verbrechen oder 
Vergehen mehr begeht, so wird gemäss Art. 45 StGB die aufgeschobene 
Strafe nicht mehr vollzogen. Begeht er aber während der Probezeit ein 
Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere 
Straftaten verüben wird, so widerruft das Gericht die bedingte Strafe (Art. 
46 Abs. 1 StGB). 
 
4. 
Die Schadenersatzansprüche der Zivil- und Strafklägerin A. werden auf 
den Zivilweg verwiesen (Art. 126 Abs. 2 StPO). 
 
5. 
Der Beschuldigte hat der Zivil- und Strafklägerin A. 1/3 der gerichtlich in 
der Höhe von Fr. 10'781.45 festgesetzten Parteikosten, dementsprechend 
Fr. 3'593.80 (inkl. MwSt.), zu ersetzen (Art. 433 StPO). 
 
6. 
Die Verfahrenskosten bestehen aus: 
a) der Gerichtsgebühr von Fr.  2'000.00 
b) der Anklagegebühr von Fr.  1'700.00 
c) den Kosten für Gutachten von Fr.  5'815.80 
d) andere Auslagen Fr.  344.45 
 
Total Fr.  9'860.25 
 
Dem Beschuldigten werden die Gerichtsgebühr und die Anklagegebühr 
sowie die Kosten gemäss lit. c+d im Umfang von 1/3 von Fr. 3'286.75 auf-
erlegt. 
 
7. 
7.1. 
Der Beschuldigte trägt seine Parteikosten im Umfang von gesamthaft 
Fr. 10'781.45 (Aufwand Fr. 9'350.00, Auslagen Fr. 660.65 und MwSt. von 
Fr. 770.80)  zu 1/3, im Umfang von Fr. 3'593.80, selbst. Zu 2/3, im Umfang 
von Fr. 7'187.65, wird er aus der Staatskasse entschädigt. 
 
7.2. 
Dem Verteidiger des Beschuldigten wird eine Entschädigung von 
Fr. 7'187.65 (inkl. Fr. 513.85 MwSt.) zu Lasten der Staatskasse zugespro-
chen. 
 
Berücksichtigt wird dabei, dass dem Verteidiger bereits am 27. April 2020 
ein Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2'000.00. gewährt wurde, wes-
halb ihm gestützt auf das vorliegende Urteil noch Fr. 5'187.65 ausbezahlt 
werden. Die Gerichtskasse wird entsprechend angewiesen." 

     

2.5. 

Der Beschuldigte meldete am 25. Februar die Berufung an. Das begrün-

dete Urteil wurde ihm in der Folge am 2. Juni 2022 zugestellt. 

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 3. Juni 2022 stellte der Beschuldigte die fol-

genden Anträge: 

 

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 " 1. B. sei freizusprechen vom Vorwurf der Gefährdung durch Verletzung 
der Regeln der Baukunde. 

 
2. Die Zivilforderungen der Privatklägerin seien auf den Zivilweg zu ver-

weisen. 
 
3. B. sei für die angemessene Ausübung seiner Verfahrensrechte vollum-

fänglich zu entschädigen. 
 
4. Die Verfahrenskosten seien auf die Staatskasse zu nehmen." 

 

3.2. 

Mit Eingabe vom 1. Juli 2022 teilte die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau 

mit, dass sie darauf verzichte, einen Nichteintretensantrag zu stellen oder 

die Anschlussberufung zu erklären. 

 

3.3. 

Mit Verfügung vom 25. Juli 2022 ordnete die Verfahrensleiterin im Einver-

ständnis der Parteien das schriftliche Berufungsverfahren an. 

 

3.4. 

Mit Berufungsbegründung vom 24. August 2022 stellte der Beschuldigte 

die folgenden Anträge: 

 

 " 1. Das von der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau, STA1ST.2019.2718 
gegen den Beschuldigten geführte Verfahren wegen Betrugs und Ur-
kundenfälschung sei einzustellen. 

 
Eventualiter sei die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau anzuweisen, 
das unter der Nummer STA1ST.2019.2718 gegen den Beschuldigten 
geführte Verfahren einzustellen. 

 
2. Der Beschuldigte B. sei vollumfänglich freizusprechen vom Vorwurf der 

Gefährdung durch Verletzung von Regeln der Baukunde nach Art. 229 
StGB. 

 
3. Die Zivilansprüche der Privatklägerin seien auf den Zivilweg zu verwei-

sen. 
 
4. B. sei für die angemessene Ausübung seiner Verfahrensrechte im Vor-

, Haupt- und Berufungsverfahren zu entschädigen. 
 
5. Die Verfahrenskosten seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu neh-

men." 

 

3.5. 

Mit Berufungsantwort vom 16. September 2022 stellte die Zivilklägerin die 

folgenden Anträge: 

 

" 1. Die Berufung vom 24.08.2022 sei vollumfänglich abzuweisen. 
 

2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beschuldigten." 

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3.6. 

Mit Berufungsantwort vom 26. September 2022 stellte die Staatsanwalt-

schaft Lenzburg-Aarau die folgenden Anträge: 

 

" 1. Auf Ziff. 1 der Berufungsanträge des Beschuldigten sei nicht einzutre-
ten. 

 
2. Im Übrigen (Ziff. 2 bis 5. der Berufungsanträge) sei die Berufung des 

Beschuldigten abzuweisen. 
 
3. Unter Kostenfolge zu Lasten des Beschuldigten." 
 

3.7. 

Mit Replik vom 4. Oktober 2022 nahm der Beschuldigte Stellung zu den 

Anträgen der Privatklägerin.  

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten hinsichtlich des Vorwurfs wegen 

mangelhafter Elektroinstallationen (vgl. Anklage, 1. Spiegelstrich) gemäss 

Art. 229 Abs. 2 StGB der fahrlässigen Gefährdung durch Verletzung der 

Regeln der Baukunde schuldig gesprochen. Der Beschuldigte beantragt ei-

nen Freispruch vom Vorwurf der fahrlässigen Gefährdung durch Verletzung 

der Regeln der Baukunde nach Art. 229 Abs. 2 StGB. Das Urteil ist somit 

in diesem Umfang zu überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

 

1.2. 

Hinsichtlich der Vorwürfe betreffend das Dach (vgl. Anklage, 2. Spiegel-

strich), die Treppe vom ersten Obergeschoss in das Dachgeschoss (vgl. 

Anklage, 3. Spiegelstrich) und die fehlende Absturzsicherung im Estrich 

(vgl. Anklage, 4. Spiegelstrich) hat die Vorinstanz, indem sie festgehalten 

hat, dass die entsprechenden Vorwürfe der Staatsanwaltschaft nicht erstellt 

seien (vgl. vorinstanzliches Urteil, E. 2.5), den Beschuldigten diesbezüglich 

sinngemäss vom Vorwurf der Gefährdung durch Verletzung der Regeln der 

Baukunde (Art. 229 Abs. 1 StGB) freigesprochen. Von Amtes wegen wird 

das Urteilsdispositiv um diese Freisprüche ergänzt.  

 

2. 

2.1. 

Der Beschuldigte beantragt, dass das von der Staatsanwaltschaft Lenz-

burg-Aarau gegen ihn geführte Verfahren wegen Betrugs und Urkundenfäl-

schung einzustellen sei; eventualiter sei die Staatsanwaltschaft Lenzburg-

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Aarau anzuweisen, das unter der Nummer STA1ST.2019.2718 gegen den 

Beschuldigten geführte Verfahren einzustellen (Berufung, S. 2 und S. 7 ff.). 

 

2.2. 

Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegen-

stand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 29 Abs. 2 

und Art. 32 Abs. 2 BV; Art. 9 und Art. 325 StPO; Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. 

a und b EMRK). Gestützt darauf können nur Sachverhalte Gegenstand ei-

nes Verfahrens sein, die dem Angeklagten in der Anklageschrift vorgewor-

fen werden (MARCEL ALEXANDER NIGGLI/STEFAN HEIMGARTNER, in: Basler 

Kommentar Strafprozessordnung/Jugendstrafprozessordnung, 2. Aufl. 

2014, N. 36 zu Art. 9 StPO).  

 

2.3. 

Sachverhalte, die unter die Tatbestände des Betrugs und der Urkundenfäl-

schung zu subsumieren wären, finden in der Anklage keinerlei Erwähnung. 

Indem der Beschuldigte die gerichtliche Beurteilung anderer als der ihm in 

der Anklage vorgehaltenen Sachverhalte beantragt, ist demnach darauf 

nicht einzutreten. Entsprechende Anträge wären, wenn nicht schon gestellt 

und/oder beurteilt (vgl. Verfügung der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau 

vom 02. Juni 2022, Beilage zur Berufungsantwort vom 26. September 

2022), vom Beschuldigten bei der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau gel-

tend zu machen. 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte bringt weiter vor, dass die Anklageschrift unvollständig 

sei. So fehle es u.a. an der Darlegung eines konkreten Gefährdungserfolgs, 

weiter sei nicht dargetan, dass die fahrlässige Missachtung einer konkret 

bezeichneten Regel der Baukunde kausal für die Gefährdung von Leib und 

Leben gewesen sei. Schliesslich sei die Garantenstellung des Beschuldig-

ten nicht klar definiert (Berufung, S. 3 ff.). 

 

3.2. 

Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in 

ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe im objek-

tiven und subjektiven Bereich genügend konkretisiert sind. Das bedingt 

eine zureichende Umschreibung der Tat. Entscheidend ist, dass die be-

troffene Person genau weiss, welcher konkreter Handlungen sie beschul-

digt und welchen Straftatbestand sie durch ihr Verhalten erfüllt haben soll. 

Gemäss Art. 325 Abs. 1 lit. g StPO hat die Anklage die nach Auffassung 

der Staatsanwaltschaft erfüllten Straftatbestände unter Angabe der an-

wendbaren Gesetzesbestimmungen anzugeben. Die Angabe des Tatbe-

stands ist ein Teilaspekt des Anklagegrundsatzes und dient der Informa-

tionsfunktion. Das Anklageprinzip bezweckt damit zugleich den Schutz der 

Verteidigungsrechte der beschuldigten Person und dient dem Anspruch auf 

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rechtliches Gehör (BGE 143 IV 63 E. 2.2 mit Hinweisen). Die Anklageschrift 

ist nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck der Umgrenzung des Pro-

zessgegenstandes und der Information der beschuldigten Person (Urteile 

des Bundesgerichts 6B_1423/2017 vom 9. Mai 2018 E. 1.4; 6B_361/2017 

vom 2. November 2017 E. 2.4.1). 

 

3.3. 

Gemäss Anklage soll der Beschuldigte im Rahmen der Sanierung der Lie-

genschaft X-Strasse 9 in S. Elektroinstallationsarbeiten in Auftrag gegeben 

haben, die nicht fachgerecht bzw. von einem Laien ausgeführt worden sein 

sollen. Dadurch sollen diverse Mängel entstanden sein, wobei insbeson-

dere der fehlende Potenzialausgleich und die offenen Leiterenden bei Lam-

penstellen zu einer elektrischen Durchströmung (Stromschlag) bei einem 

Menschen und damit zu dessen Tod oder einem Sturz mit folgenschweren 

Verletzungen hätten führen können. Zudem habe die Gefahr eines Brandes 

in der Liegenschaft bestanden, wobei in der Dachgeschosswohnung hinter 

einem Einbauspot und in der Hauptverteilung bereits Brandspuren sichtbar 

gewesen seien (Anklage, S. 2 f.). Betreffend die Missachtung einer konkre-

ten Sorgfaltspflicht, welche kausal für die Gefährdung von Leib und Leben 

gewesen sei, wird in der Anklageschrift darauf hingewiesen, dass der Be-

schuldigte als Verantwortlicher für den Umbau bzw. die entsprechenden 

Arbeiten, die Arbeiten an der Liegenschaft hätte kontrollieren und abneh-

men müssen. Der Beschuldigte habe es als für den Umbau der Liegen-

schaft X-Strasse 9 in S. Verantwortlicher zugelassen, dass der Umbau bzw. 

die genannten Arbeiten von Personen ausgeführt worden seien, die, wie er 

gewusst habe, nicht über die entsprechende Fachausbildung verfügt hätten 

und die entsprechenden Regel und Vorschriften nicht gekannt hätten oder 

aber diese mindestens grobfahrlässig missachtet hätten. Trotz dieses Wis-

sens habe es der Beschuldigte unterlassen, die Ausführung der jeweiligen 

Arbeiten zu kontrollieren und abzunehmen.  

 

3.4. 

Entgegen der Auffassung des Beschuldigten entspricht die Anklage dem 

Anklageprinzip vollumfänglich. Der Beschuldigte wusste genau, welcher 

konkreter Handlungen er beschuldigt und welchen Straftatbestand er durch 

sein Verhalten erfüllt haben soll. Auch die fahrlässige Tatbegehung wird 

durch die Umschreibung der Sorgfaltspflichtverletzung (Anklage, S. 4, letz-

ter Absatz) genügend konkretisiert; der Beschuldigte wurde von der Vo-

rinstanz zudem zu Beginn der Verhandlung noch auf den Tatbestand der 

fahrlässigen Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde ge-

mäss Art. 229 Abs. 2 StGB hingewiesen (act. 643). 

 

3.5. 

Im Hinblick auf die Rüge der fehlenden Umschreibung der Garantenstel-

lung kann schliesslich auf E. 5.2.2 nachfolgend verwiesen werden. Vorlie-

gend kann die Frage, ob der Beschuldigte eine Garantenstellung innehatte 

 - 12 - 

 

 

und falls ja, ob diese in der Anklageschrift genügend umschrieben wurde, 

offenbleiben, da der Tatbestand nicht durch ein Unterlassen, sondern ein 

aktives Handeln erfüllt wurde (vgl. hierzu auch unten, E. 5.2). 

 

3.6. 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Anklagegrundsatz nicht ver-

letzt wurde.  

 

4. 

4.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten wegen fahrlässiger Verletzung der 

anerkannten Regeln der Baukunde gemäss Art. 229 Abs. 2 StGB verurteilt, 

wobei sie hinsichtlich des (vorliegend noch relevanten) Sachverhalts im 

Wesentlichen festgestellt hat, dass der Beschuldigte die Elektroinstallatio-

nen pflichtwidrig durch eine Person ohne Bewilligung und ohne entspre-

chende Fachkompetenz erstellen lassen habe. Dadurch habe er in vorher-

sehbarer Weise eine Gefahr für Leib und Leben geschaffen, die durch eine 

ordnungsgemässe Übertragung der Arbeiten an eine Fachperson vermeid-

bar gewesen wäre.  

 

4.2. 

Hinsichtlich des massgeblichen Sachverhalts ist unbestritten (vgl. dazu 

auch im Detail vorinstanzliches Urteil, E. 2.4.3.1), dass der Beschuldigte 

als Geschäftsführer der C. die Aufgabe hatte, Liegenschaften zu finden, 

diese zu sanieren und im Anschluss weiterzuverkaufen. Ebenfalls unbe-

stritten ist, dass die C. die Liegenschaft X-Strasse 9 in S. von Mai 2015 bis 

März 2016 sanierte und im Anschluss, am 17. März 2016, an die Privatklä-

gerin veräusserte (act. 155). Nicht streitig ist weiter, dass im Anschluss an 

den Verkauf – teilweise bereits davor – zahlreiche, teilweise gravierende 

bauliche Mängel auftraten. 

 

4.3. 

Der Beschuldigte bringt im Wesentlichen vor, dass nicht erwiesen sei, dass 

eine konkrete Gefahr im Sinne von Art. 229 StGB bestanden habe (Beru-

fung, S. 10 ff.). Im Weiteren sei nicht erstellt, dass der Beschuldigte für die 

korrekte Ausführung der Elektroinstallationen verantwortlich gewesen sei 

(Berufung, S. 14 ff.). Schliesslich könne dem Beschuldigten keine Sorg-

faltspflichtverletzung nachgewiesen werden (Berufung, S. 18).  

 

5. 

5.1.  

Der fahrlässigen Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde 

nach Art. 229 Abs. 2 StGB macht sich strafbar, wer als Leiter oder Ausfüh-

render eines Bauwerks anerkannte Regeln der Baukunde missachtet und 

dabei ungewollt eine Gefährdung von Leib und Leben von Mitmenschen 

bewirkt. Dabei muss der Täter eine Sorgfaltspflicht missachten, wobei für 

 - 13 - 

 

 

ihn voraussehbar gewesen sein muss, dass das Ausserachtlassen dieser 

Regel eine Gefahr mit sich bringt. Zudem muss bei pflichtgemässem Han-

deln des Täters eine hohe Wahrscheinlichkeit vorliegen, dass es zu keiner 

Gefährdung von Leib und Leben gekommen wäre. 

 

5.2. 

5.2.1. 

Die Tathandlung gemäss Art. 229 StGB besteht in der Nichtbeachtung an-

erkannter Regeln der Baukunde bei der Leitung oder Ausführung eines 

Bauwerkes. Der Tatbestand kann sowohl durch aktives unsachgemässes 

Handeln als auch durch Unterlassen gebotener Schutzmassnahmen erfüllt 

werden. Art. 229 StGB statuiert im Ergebnis eine Garantenstellung des Tä-

ters, indem er Personen, die im Rahmen der Leitung oder Ausführung von 

Bauwerken Gefahren schaffen, anhält, für ihren Verantwortungsbereich die 

Sicherheitsregeln einzuhalten. Art. 229 StGB beschränkt die Strafbarkeit 

dabei aufgrund der Konzeption als echtes Sonderdelikt von vornherein auf 

Personen, bei denen eine Garantenstellung aus Ingerenz zu bejahen ist. 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_543/2012 vom 11. April 2013 E. 1.3.3 mit 

Hinweisen).   

 

5.2.2. 

Vorab gilt es festzuhalten, dass dem Beschuldigten von der Anklagebe-

hörde ein aktives Tun vorgehalten wird. So soll der Beschuldigte gemäss 

Anklage Personen mit der Installation der Elektronik beauftragt haben, wel-

che nicht über die entsprechende Fachausbildung verfügt hätten; dies habe 

dazu geführt, dass die Elektroinstallationen nicht fachgerecht gemacht wor-

den und grobe Mängel entstanden seien (act. 610 f.). Zu prüfen ist daher 

entgegen der Berufung nicht ein (unechtes) Unterlassungsdelikt (vgl. Beru-

fung, S. 17). 

 

5.3. 

Unbestritten ist, dass es sich bei der Liegenschaft X-Strasse 9 in S., welche 

im Zeitraum von Mai 2015 bis März 2016 saniert wurde, um ein Bauwerk 

im Sinne von Art. 229 StGB handelt. Weitere Ausführungen hierzu erübri-

gen sich deshalb. 

 

5.4. 

In einem nächsten Schritt ist daher zu prüfen, ob der Beschuldigte Leiter 

oder Ausführer dieses Bauwerks im Sinne von Art. 229 StGB war. 

 

5.4.1. 

Bei Art. 229 StGB handelt es sich um ein echtes Sonderdelikt. Daher 

kommt nur derjenige als Täter infrage, in dessen Verantwortungsbereich 

die Einhaltung von Regeln der Baukunde fällt (Urteil des Bundesgerichts 

6B_566/2011 vom 13. März 2012 E. 2.3.3). Der Verantwortungsbereich des 

einzelnen Baubeteiligten ist deswegen auch im Einzelfall abzuklären. Der 

 - 14 - 

 

 

Verantwortungsbereich bestimmt sich durch gesetzliche Vorschrift, Vertrag 

oder aus den Umständen (BRUNO ROELLI, in: Basler Kommentar Strafrecht, 

4. Aufl. 2019, N. 21 zu Art. 229 StGB). Strafbar macht sich, wer selber ma-

nuell/maschinell arbeitet oder diese Arbeit überwacht und lenkt (STEFAN 

TRECHSEL/ANNA CONINX, Praxiskommentar, N. 6 zu Art. 229 StGB). Die 

Tathandlung muss im Rahmen der Leitung oder Ausführung von Bau- 

oder Abbrucharbeiten erfolgen. Zu den Bauarbeiten gehören sowohl 

Planung, Berechnung und technische Konstruktion als auch die Ausfüh-

rung der Arbeiten selber, nicht aber spätere Kontrollen von Bauten auf 

deren Zustand (ANDREAS DONATSCH/MARC THOMMEN/WOLFGANG WOHL-

ERS, Strafrecht IV, Ziff. 1.3. zu § 14, S. 65). Gemäss bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung ist von einer Funktion als Bauleiter auszugehen, wenn die 

betreffende Person die Ausführenden der anfallenden Arbeiten auswählt, 

die notwendigen Anweisungen und Empfehlungen abgibt, die Ausführung 

der Arbeiten überwacht und die Tätigkeit der involvierten Unternehmer ko-

ordiniert (Urteil des Bundesgerichts 6B_145/2015 vom 29. Januar 2015 

E. 2.1.2 mit Verweis auf Urteil des Bundesgerichts 6B_1016/2009 vom 11. 

Februar 2010 E. 5.2.2). Die Funktion eines Bauleiters besitzt folglich, wer 

die unmittelbare Befehlsgewalt über die Ausführenden ausübt.  

 

5.4.2. 

Vorliegend trat der Beschuldigte als Geschäftsführer der C. auf (act. 231.2, 

Frage 9). Die C. war Grundeigentümerin der Liegenschaft X-Strasse 9 in 

S. bis zum Verkauf an die Privatklägerin (act. 500 und act. 155). Die Auf-

gabe des Beschuldigten bei der C. bestand einerseits im Auffinden neuer 

Liegenschaften, welche nach einer Sanierung weiterverkauft würden (act. 

231.3, Frage 16). Anderseits kontrollierte er die Geldflüsse der Gesell-

schaft, weiter auch die Arbeiten der beauftragten Bauunternehmen auf den 

jeweiligen Baustellen (act. 231.3, Frage 17). Schliesslich nahm er teilweise 

die ausgeführten Arbeiten auch ab (act. 231.5, Frage 34). 

 

Der Beschuldigte war ausserdem ab 2015 nach eigenen Angaben auch als 

Geschäftsführer bei der E. tätig (act. 231.3, Frage 12). Die E. war von der 

C. 2015 mit der Renovation der Liegenschaft X-Strasse 9 in S. beauftragt 

worden (act. 231.4, Frage 26). Die E. als Generalunternehmerin musste die 

ausführenden Handwerker auswählen, die notwendigen Anweisungen und 

Empfehlungen abgeben, die Ausführung sämtlicher Arbeiten überwachen 

und die Tätigkeit der involvierten Subunternehmer koordinieren und über-

wachen. Dementsprechend hatte der Beschuldigte beim Bauprojekt X-

Strasse 9 in S. eine Doppelrolle inne: Einerseits trat er als Geschäftsführer 

der Bauherrin C. auf, anderseits war er aber auch Geschäftsführer bei der 

E., die als Generalunternehmerin für die Renovation der Liegenschaft zu-

ständig war. 

 

 - 15 - 

 

 

Demnach steht fest, dass der Beschuldigte auf der Baustelle der Liegen-

schaft X-Strasse 9 in S. eine Leitungsfunktion innehatte: Einerseits als Ge-

schäftsführer der C., deren Geschäftsmodell das Sanieren und den Wie-

derverkauf von Altliegenschaften darstellt. Im Zusammenhang mit dieser 

Funktion hat der Beschuldigte auch die Arbeiten auf der Baustelle kontrol-

liert und teilweise abgenommen. In Würdigung seiner Aussagen zu seiner 

Funktion bei der C. ist davon auszugehen, dass er als Geschäftsführer der 

Bauherrin C. auch die Rolle eines Bauleiters einnahm. Hinzu kommt nun 

aber, dass der Beschuldigte nach eigener Aussage im selben Zeitraum 

auch Geschäftsführer mit Einzelunterschrift bei der E. war und in dieser 

Funktion bei der E. entsprechend für die Auswahl der Subunternehmer zu-

ständig war (vgl. act. 231.3, Frage 12 und act. 231.4, Frage 26). Zusam-

menfassend ist die gemäss Art. 229 StGB vorausgesetzte Leitungsfunktion 

des Beschuldigten im Hinblick auf die Sanierung der Liegenschaft X-

Strasse 9 in S. erfüllt. 

 

5.5. 

Da die mit der Leitung und Ausführung eines Bauwerks betrauten Per-

sonen auch dafür verantwortlich sind, dass in ihrem Bereich die Regeln 

der Baukunde eingehalten werden (BGE 109 IV 15 E. 2a), ist in einem 

nächsten Schritt ist zu prüfen, ob der Beschuldigte «anerkannte Regeln der 

Baukunde» verletzt hat. Gemäss Anklage soll er im Rahmen der Sanierung 

der Liegenschaft X-Strasse 9 in S. Elektroinstallationsarbeiten an Personen 

in Auftrag gegeben haben, die, wie er gewusst habe, nicht über die ent-

sprechende Fachausbildung verfügt hätten und die entsprechenden Re-

geln und Vorschriften nicht gekannt hätten oder dies aber grobfahrlässig 

missachtet hätten. 

 

5.5.1. 

Unter «anerkannten Regeln der Baukunde» versteht man jene Grundsätze, 

die die betreffende Tätigkeit regeln, das heisst, Regeln, die einen reibungs-

losen Ablauf des Bauvorgangs gewährleisten sollen. Die entsprechenden 

Regeln verfolgen zweierlei Ziele: Einerseits sollen sie die Sicherheit auf der 

Baustelle gewährleisten und anderseits dienen sie dem Schutz der Nutzer 

der Baute nach deren Fertigstellung (AUDE PAREIN-REYMOND/LOIC 

PAREIN/JOELLE VUILLE, in: Commentaire romand, Code pénal II, 2017, 

N. 11 zu Art. 229 StGB). 

 

«Anerkannte Regeln der Baukunde» stellen im Wesentlichen die akkumu-

lierte bisherige Erfahrung in der Baukunde und in der Technik dar (BRUNO 

ROELLI, in: Basler Kommentar Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N. 13 zu Art. 229 

StGB). Sie sind deshalb häufig in Verordnungen festgelegt (STEFAN TRECH-

SEL/ANNA TRECHSEL/ANNA CONNIX, in: Schweizerisches Strafgesetzbuch 

Praxiskommentar, 4. Auflage, 2021, N. 5 zu Art. 229 StGB). So hat auch 

das Bundesgericht in verschiedenen Fällen die Verletzung anerkannter Re-

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 - 16 - 

 

 

geln der Baukunde angenommen, wenn gegen Vorschriften, welche in Ver-

ordnungen enthalten sind, verstossen wurde (z.B. BGE 101 IV 28 E. 1; 

BGE 104 IV 96 E. 1; BGE 109 IV 125 E. 1). Entsprechende Regeln können 

sich aber auch in Regelwerken von halböffentlichen oder privaten Verbän-

den finden (so z.B. SUVA-Richtlinien) oder aus Verträgen abgeleitet wer-

den (z.B. allgemeine Pflichten eines Architekten) (AUDE PAREIN-REY-

MOND/LOIC PAREIN/JOELLE VUILLE, in: Commentaire romand, Code pénal II, 

2017, N. 13 zu Art. 229 StGB). In Ermangelung von kodifizierten Regeln 

muss festgestellt werden, wie eine Person mit angemessenen Kenntnissen 

in den Umständen des Einzelfalls handeln würde. Dabei kann auf Kennt-

nisse, welche im Rahmen der Berufsbildung vermittelt werden, abgestellt 

werden (AUDE PAREIN-REYMOND/LOIC PAREIN/JOELLE VUILLE, in: Commen-

taire romand, Code pénal II, 2017, N. 14 zu Art. 229 StGB). Die Tatsache, 

dass nur ein Fachmann in der Lage wäre, die verletzte Regel zu kennen, 

entlastet den Täter nicht. In einem solchen Fall hätte er entweder entspre-

chende Fachpersonen hinzuziehen müssen oder auf die entsprechende 

Tätigkeit verzichten müssen (BGE 106 IV 264 E. 2c). 

 

5.5.2. 

Gemäss Art. 3 der Verordnung über elektrische Niederspannungsinstallati-

onen (SR 734.27, hiernach "NIV") müssen elektrische Installationen nach 

den anerkannten Regeln der Technik erstellt, geändert, in Stand gehalten 

und kontrolliert werden. Art. 6 NIV sieht vor, dass Personen, welche elekt-

rische Installationen erstellen, elektrische Erzeugnisse anschliessen oder 

Anschlüsse unterbrechen oder ändern, über eine Installationsbewilligung 

des Inspektorats verfügen müssen. Sobald Elektroinstallationen fertigge-

stellt worden sind, ist gemäss Art. 24 Abs. 4 NIV eine Schlusskontrolle 

durchzuführen, deren Ergebnisse in einem Sicherheitsnachweis festzuhal-

ten sind. 

 

5.5.3. 

Der Beschuldigte stellte anlässlich der Einvernahme klar, dass ihm bewusst 

war, dass für die Erstellung von elektrischen Installationen die verantwort-

liche Person über eine entsprechende Bewilligung verfügen müsse 

(act. 231.7, Frage 52). Statt jedoch sämtliche Elektroinstallationen durch 

die F. oder einen anderen Betrieb mit entsprechender Bewilligung ausfüh-

ren zu lassen, entschied sich der Beschuldigte, AF. mit seiner damaligen 

Firma AG. beizuziehen und liess die Elektroinstallationen weitgehend durch 

ihn ausführen. 

 

Dass die eigentlichen Elektroinstallationen - mit Ausnahme des Tableaus 

(Hauptverteiler) und vereinzelter Nachbesserungsarbeiten - durch AF., wel-

cher über keine Bewilligung für Elektroinstallationen verfügte, und nicht 

durch die fachkundige F., ausgeführt worden waren, hat die Vorinstanz 

feinsäuberlich und in Würdigung der Aussagen der Beteiligten sowie der 

eingereichten Unterlagen, insbesondere der Offerte der F., nachvollziehbar 

 - 17 - 

 

 

dargelegt; es kann deshalb auf ihre Ausführungen verwiesen werden (vo-

rinstanzliches Urteil, E. 2.4.3.3, zweiter Absatz).  

 

Abzustellen ist entsprechend auf die glaubhaften Aussagen von G., ge-

mäss welchen durch die F. lediglich zu Beginn der Bauarbeiten ein Tableau 

montiert und die Installationsanzeige gemacht wurden (act. 105.20, act. 

105.62 – 105.65). Die F. wurde bei der fraglichen Liegenschaft erst wieder 

ab August 2016 tätig, um diverse Nachbesserungen zu tätigen (act. 105.20, 

act. 105.67 – 105.80). Dazwischen wurden die Arbeiten an den Elektroin-

stallationen von AF. ausgeführt. Dafür sprechen auch die fehlenden Rech-

nungen der F. für den Zeitraum Herbst 2015 bis Sommer 2016, in welchem 

ein Grossteil der Renovationsarbeit stattgefunden hat (act. 231.4, Frage 

27). Hierfür spricht zudem die handschriftliche Notiz «Hilfe AF., da er vieles 

falsch gemacht hat» (act. 494 f.) aus welcher ergeht, dass AF. weitgehend 

selbstständig die Elektroinstallationen vornahm und dabei zahlreiche Feh-

ler machte, die in der Folge von der F. ausgebessert werden mussten. Die 

Aussagen von AF., wonach dieser lediglich Hilfsarbeiter der F. gewesen sei 

(act. 397 f., Frage 25 ff.), sind daher als Schutzbehauptung zu werten. Die 

F. hatte denn auch bereits mit Schreiben vom 8. Oktober 2015 die AH. dar-

über informiert, dass sie keine weiteren Arbeiten an der Liegenschaft 

durchführen würde (act. 105.65). Damit ist auch erstellt, dass der Beschul-

digte für die Elektroinstallationen (mit Ausnahme des Tableaus und der 

Nachbesserungsarbeiten) AF. beauftragt und eingesetzt hat. 

 

5.5.4. 

Der Beschuldigte war aufgrund seiner Leitungsfunktion dafür zuständig, 

dass die Elektroinstallationen bei den Sanierungsarbeiten nach den aner-

kannten Regeln der Technik erstellt, geändert, in Stand gehalten und kon-

trolliert wurden. Der Beschuldigte hat die Elektroinstallationen durch AF., 

der nicht fachkundig war (act. 397, Fragen 14 ff.), vornehmen lassen. Damit 

hat der Beschuldigte Art. 3 und 6 NIV verletzt, indem er trotz Kenntnis der 

Tatsache, dass elektrische Installationen nur durch bestimmte Unterneh-

men, welche über eine entsprechende Bewilligung verfügen, installiert wer-

den können, solche durch AF. vornehmen liess, der, wie er wusste, nicht 

über eine solche Bewilligung verfügte. Der Beizug eines Unternehmens mit 

einer entsprechenden Bewilligung war aber, wie auch der Beschuldigte 

wusste (act. 231.7, Frage 52), zwingend notwendig. Da der Beschuldigte 

bewusst keinen Experten beizog, hat er die in dieser Situation notwendige 

Vorsicht missachtet, welche aufgrund seiner persönlichen Verhältnisse 

auch geboten und zumutbar gewesen wäre. Im Ergebnis ist festzuhalten, 

dass der Beschuldigte als die mit der Leitung der Sanierung betraute Per-

son in seinem Bereich die Regeln der Baukunde durch Beizug eines Laien 

nicht eingehalten hat. 

 

 - 18 - 

 

 

5.6. 

Nachdem erstellt ist, dass der Beschuldigte Leiter eines Bauwerks war und 

in diesem Zusammenhang auch anerkannte Regeln der Baukunde ausser 

Acht gelassen hat, ist als nächstes Tatbestandselement zu prüfen, ob 

dadurch eine Gefährdung von Leib und Leben entstanden ist. 

 

5.6.1. 

Bei Art. 229 StGB handelt es sich um ein konkretes Gefährdungsdelikt (Ur-

teil des Bundesgerichts 1C_208/2011 vom 1. Februar 2012 E. 3.5.3). Aus 

der Missachtung der Regeln der Baukunde muss sich demnach eine kon-

krete Gefahr für Leib und Leben ergeben. Dabei muss es sich um eine Ge-

meingefahr handeln (BRUNO ROELLI, in: Basler Kommentar Strafrecht, 

4. Aufl. 2019, N. 41 zu Art. 229 StGB). 

 

Eine Gemeingefahr liegt vor, wenn ein Zustand geschaffen wird, der die 

Verletzung einer Mehrheit von rechtlich geschützten Gütern, so auch Leib 

und Leben, in einem nicht zum Voraus bestimmten und abgegrenzten Um-

fang wahrscheinlich macht, wobei im Augenblick der Tat eine unbestimmte 

Gefährdung genügt (BRUNO ROELLI, in: Basler Kommentar Strafrecht, 

4. Aufl. 2019, N. 10 zu Vor Art. 221 StGB). Bei der Gemeingefährlichkeit ist 

entscheidend, dass die Gefahr ein nicht individuell vorbestimmtes Rechts-

gut betrifft, sondern das gefährdete Rechtsgut als Repräsentant der Allge-

meinheit zufällig ausgewählt wird (BRUNO ROELLI, in: Basler Kommentar 

Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N. 11 zu Vor Art. 221 StGB).  

 

5.6.2. 

Die N. hatte am 28. November 2018 einen Bericht, inkl. Fotos, über die 

vorhandenen Mängel an den Elektroinstallationen erstellt (vgl. act. 16 ff.). 

Dieser listete in 76 Punkten all die festgestellten Mängel auf. U.a. sei kein 

Schutz-Potenzialausgleich (Hauptpotenzialausgleich) vorhanden gewesen 

(Ziff. 7). Es habe lose Leitungen und fehlende Anlageschalter sowie feh-

lende Konformitätserklärungen gegeben (Ziff. 76). Am 4. Dezember 2019 

hatte die P. eine Schlussrechnung mit entsprechendem Bericht erstellt, 

nachdem sie mit der Behebung der vorerwähnten Mängel (gemäss Kon-

trollbericht der N. vom 4. November 2019) beauftragt worden war. Der Be-

richt hält mitsamt Fotos fest, welche Mängel wie behoben wurden (act. 69 

ff.). 

 

5.6.3. 

Ausgehend vom Kontrollbericht der N. sowie vom Mängelbehebungsbe-

richt der P. wurde von der D., basierend auf dem Gutachtenauftrag der 

Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 9. April 2020, ein amtliches Gut-

achten zu diversen Fragen erstellt (vgl. act. 105.12 ff.). Gemäss dem Gut-

achten der D. sei die erste Sanierung in den Jahren 2015 und 2016 nicht 

fachgerecht ausgeführt worden. Die Installationen hatten gemäss dem Gut-

achten insbesondere zwei schwerwiegende Mängel aufgewiesen, wobei 

 - 19 - 

 

 

auf den Mangel gemäss Ziff. 7 und den Mangel gemäss Ziff. 76 im Kontroll-

bericht der N. hingewiesen wurde: Einerseits hätte der fehlende Schutzpo-

tenzialausgleich beim Berühren zweier unterschiedlicher metallener Ge-

bäudeteile (z.B. Heizkörper und Badewanne) eine Durchströmung des 

menschlichen Körpers zur Folge gehabt. Eine solche Durchströmung hätte 

für den Betroffenen tödlich verlaufen oder zu weiteren schlimmen Verlet-

zungen infolge eines Sturzes führen können (act. 105.16). Anderseits hätte 

auch ein Berühren von unter Spannung stehenden Lampendrähten bei ei-

ner Durchströmung den Tod hervorrufen können (act. 105.16). Bei beiden 

Mängeln habe eine akute Gefahr für Leib und Leben bestanden (act. 

105.16). 

 

5.6.4. 

Auf das Gutachten der D. kann abgestellt werden. So stützt es sich einer-

seits auf den Kontrollbericht der N. vom 27. Januar 2019 und anderseits 

auf den Mängelbehebungsbericht der P. vom 4. Dezember 2019 (act. 

105.12). Diese Berichte wurden zwar beide von der Privatklägerin in Auf-

trag gegeben. Sie beinhalten aber im Wesentlichen – teilweise untermauert 

durch Fotos - all jene Mängel, welche seitens AI. anlässlich seiner Kontrolle 

vom 27. Januar 2019 sowie von der P. anlässlich der Behebung festgestellt 

worden waren. Es handelt sich bei diesen Berichten somit nicht um Gut-

achten, sondern um wertneutrale Berichte mit dazugehörigen Feststellun-

gen, wo welche Mängel festgestellt wurden respektive behoben werden 

konnten.  

 

Es lag gestützt auf den Fragenkatalog der Staatsanwaltschaft am Gutach-

ter der D., die Frage zu beantworten, wie die entsprechenden Mängel ein-

zustufen waren (vgl. insbesondere Frage 7; act. 105.2). Im Gutachten wird 

nachvollziehbar und schlüssig festgehalten, weshalb der fehlende Schutz-

potenzialausgleich und die freien Leiterenden bei den Lampenstellen eine 

akute Gefahr für Leib und Leben dargestellt hätten. Nichts zu ändern ver-

mag der Hinweis von AM. in seiner E-Mail vom 4. November 2019 (act. 13), 

in welchem dieser (und nicht der Verfasser des Kontrollberichts, AI.) Stel-

lung zum Kontrollbericht der N. bezog und festhielt, dass zu keinem Zeit-

punkt eine unmittelbare und erhebliche Gefahr bestanden habe. Einerseits 

handelte es sich bei AM. nicht um einen ausgewiesenen Gutachter, der 

unter Hinwies auf die Straffolgen bei falschen Sachverständigenaussagen 

eine Bewertung der festgestellten Mängel abzugeben hatte, anderseits war 

er auch nicht der Verfasser des Kontrollberichts vom 28. November 2018. 

Im entsprechenden Bericht war von AI. unter «Bemerkung» denn auch 

noch festgehalten worden, dass die Mängel «unverzüglich» zu beheben 

seien (act. 16), was ebenfalls auf ein dringendes Bedürfnis auf Behebung 

und wohl auch auf eine akute Gefahr schliessen lässt. 

 

Aus den Akten ergibt sich zudem, dass die festgestellten Mängel erst im 

Laufe des Jahres 2019 behoben wurden (act. 16 ff. und act. 69 ff.). Die 

 - 20 - 

 

 

ersten Mieter wohnten bereits in der Liegenschaft, als die Privatklägerin im 

März 2016 die Liegenschaft kaufte (act. 155 ff. und act. 231.15). Dadurch 

waren ab Sanierung bis mindestens Januar 2019 sämtliche Bewohner der 

Liegenschaft, deren Gäste und sämtliche Handwerker, welche die Liegen-

schaft zwecks Mängelbehebung betreten mussten, gefährdet. Die be-

schriebenen Mängel in Ziff. 7 und 76 des Kontrollberichts hätten gemäss 

Gutachten im fraglichen Zeitraum zum Tode oder zu einer schweren Kör-

perverletzung irgendeiner dieser Personen führen können. Damit lag aus 

rechtlicher Sicht eine konkrete Gefahr für deren Leib und Leben vor und ist 

von einer Gemeingefährlichkeit im oben dargelegten Sinne (E. 5.6.1) aus-

zugehen. Das Tatbestandselement einer gemeingefährlichen Gefährdung 

ist damit ebenfalls erfüllt. 

 

5.6.5. 

Abschliessend ist festzuhalten, dass es für den Beschuldigten ohne Weite-

res voraussehbar war, dass der Einsatz einer Person ohne Fachausbildung 

(AF.) zu schwerwiegenden Mängeln bei den Elektroinstallationen und da-

mit zu einer Gefährdung von Leib und Leben von Mitmenschen führen 

würde. Der Eintritt dieser Gefährdung war denn für den Beschuldigten auch 

ohne Weiteres vermeidbar. 

 

5.7. 

Zusammenfassend hat der Beschuldigte – als für die Leitung der Sanierung 

der Liegenschaft an der X-Strasse 9 in S. zuständige Person – die Elektro-

installationen, mit Ausnahme des Tableaus und Nachbesserungsarbeiten, 

bewusst nicht von einem hierfür zuständigen Fachspezialisten ausführen 

lassen, sondern AF. zugewiesen, welcher, wie der Beschuldigte wusste, 

über keine entsprechende Ausbildung und Bewilligung verfügte. Es be-

stand deshalb über mehrere Jahre aufgrund mindestens zwei gravierenden 

Mängeln eine akute Gefährdung für Leib und Leben von Mietern, deren 

Gästen und den Handwerkern vor Ort. Diesen Gefährdungserfolg hat der 

Beschuldigte in Kauf genommen. Ein direkter Vorsatz, wonach der Be-

schuldigte ohne Zweifel wusste, dass sein Verhalten Leib und Leben von 

anderen Menschen gefährdete, ist mit der Vorinstanz allerdings nicht nach-

weisbar (vgl. vorinstanzliches Urteil, E. 3.2.2.2). Entsprechend ist der Tat-

bestand der fahrlässigen Gefährdung durch Verletzung der Regeln der 

Baukunde gemäss Art 229 Abs. 2 StGB erfüllt. Der vorinstanzliche Schuld-

spruch ist daher zu bestätigen. 

 

6. 

Die Vorinstanz verurteilte den Beschuldigten zu einer bedingten Geldstrafe 

von 120 Tagessätzen à Fr. 70.00. Der Beschuldigte beantragt im Rahmen 

der Berufung im Falle eines Schuldspruchs keine Anpassung der vor-

instanzlichen Strafe.  

 

 - 21 - 

 

 

6.1. 

Das fahrlässige Ausserachtlassen von anerkannten Regeln der Baukunde 

gemäss Art. 229 Abs. 2 StGB ist mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren 

oder Geldstrafe bedroht.   

  

Bei der Wahl der Sanktionsart sind unter Beachtung des Prinzips der Ver-

hältnismässigkeit als wichtige Kriterien die Zweckmässigkeit einer be-

stimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Um-

feld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 97 

E. 4.2; 134 IV 82 E. 4.1). Mit der Vorinstanz erscheint eine Geldstrafe 

zweckmässig und angemessen (vgl. vorinstanzliches Urteil, E. 4.3.1). 

 

6.2. 

6.2.1. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 144 IV 217; 141 IV 61 E. 6.1.1; 136 IV 55 

E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen). Darauf kann verwiesen werden. Es liegt im 

Ermessen des Sachgerichts, in welchem Umfang es die verschiedenen 

Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt. 

 

6.2.2. 

Der Beschuldigte liess bewusst Arbeiten an Elektroinstallationen während 

der Sanierung der Liegenschaft X-Strasse 9 in S. durch einen Laien aus-

führen. Dadurch kam es zu groben Mängeln, welche zu einer Gefährdung 

von Leib und Leben von vielen Mitmenschen, so der Bewohner der Liegen-

schaft, deren Gäste sowie der Handwerker, welche die Liegenschaft betre-

ten mussten, führte. Dass es lediglich bei einer Gefährdung blieb und sich 

die durch die mangelhaften Elektroinstallationen geschaffene Gefahr einer 

Verletzung oder des Todes einer Person nicht verwirklicht hat, ist dem Zu-

fall geschuldet. Straferhöhend wirkt sich die grosse Zahl an gefährdeten 

Personen sowie die lange Dauer der Gefährdung aus. Gesamthaft ist das 

Verschulden des Beschuldigten als nicht mehr leicht einzustufen und – aus-

gehend von einem Maximum von 180 Tagessätzen – im oberen mittleren 

Bereich anzusiedeln. Im Hinblick auf die Tatkomponente erscheint eine 

Einsatzstrafe von 100 Tagessätzen angemessen. Im Übrigen kann an die-

ser Stelle auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. vo-

rinstanzliches Urteil, E. 4.3.2.2).  

 

6.2.3. 

Mit Blick auf die Täterkomponente ist Folgendes festzuhalten: Der Beschul-

digte lebt in stabilen Verhältnissen und ist Vater eines Sohnes, welcher bei 

ihm wohnt (act. 231.12, Frage 100). Der Beschuldigte ist zwar vorbestraft, 

es handelt sich dabei jedoch um eine Vorstrafe wegen Führens eines Mo-

torfahrzeugs in fahrunfähigem Zustand und wegen einer Übertretung nach 

Art. 19a BetmG (act. 637). Diese Vorstrafe, obwohl sie nicht einschlägig ist 

und bereits länger zurückliegt, wirkt sich leicht straferhöhend aus. Dass der 

 - 22 - 

 

 

Beschuldigte die Verantwortung für die Mängel bis heute der F. zuschiebt 

(vgl. Berufung, S. 14), ist verschuldenserhöhend zu berücksichtigen. In Be-

rücksichtigung der Täterkomponente erscheint eine Erhöhung der Einsatz-

strafe um 20 Tagessätze auf insgesamt 120 Tagessätze angebracht.  

 

6.3. 

Der von der Vorinstanz errechnete Tagessatz von Fr. 70.00 (vgl. vo-

rinstanzliches Urteil, E. 4.3.2.5) erscheint nach wie vor angemessen und ist 

zu bestätigen. Dieser wird mit der Berufung auch nicht gerügt. 

 

6.4.  

Zusammenfassend ist die durch die Vorinstanz verhängte bedingte Geld-

strafe von 120 Tagessätzen à Fr. 70.00 zu bestätigen. 

 

7. 

Der Verweis der Zivilansprüche der Privatklägerin auf den Zivilweg ist un-

angefochten geblieben und nicht mehr zu überprüfen. 

 

8. 

8.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei 

im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon 

ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge gutgeheis-

sen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_330/2016 vom 10. November 

2017 E. 4.3). 

 

8.2. 

8.2.1. 

Im Berufungsverfahren unterliegt der Beschuldigte mit seinen Berufungs-

anträgen beinahe vollumfänglich. Einzig in Bezug auf die vorinstanzlichen 

Parteikosten erwirkt er einen günstigeren Entscheid (vgl. unten E. 8.3.2). 

Dadurch wird der vorinstanzliche Entscheid jedoch nur unwesentlich abge-

ändert, weshalb es sich rechtfertigt, dem Beschuldigten die obergerichtli-

chen Verfahrenskosten vollumfänglich aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 2 lit. b 

StPO). 

 

Ausgangsgemäss hat er seine Parteikosten nach Massgabe von Art. 428 

Abs. 1 StPO selber zu tragen.  

 

8.2.2. 

Die Straf- und Zivilklägerin macht für ihre Aufwendungen im Zusammen-

hang mit dem Berufungsverfahren einen Betrag von Fr. 2'772.10 geltend 

(Kostennote vom 16. Januar 2023).   

 

 - 23 - 

 

 

Gemäss Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO hat die Privatklägerschaft Anspruch auf 

angemessene Entschädigung für notwendige Aufwendungen im Verfahren, 

wenn sie obsiegt. Art. 436 Abs. 1 StPO verweist hinsichtlich von Ansprü-

chen auf Entschädigung im Rechtsmittelverfahren auf Art. 429 – 434 StPO. 

Bei der Entschädigung der Aufwendungen einer Straf- und Zivilklägerin gilt 

es, sofern das Gericht die Zivilforderung auf den Zivilrechtsweg verweist, 

zwischen den Aufwendungen, welche im Zusammenhang mit dem Straf-

punkt und jenen, welche im Zusammenhang mit dem Zivilpunkt entstanden 

sind, zu unterscheiden. Durch den unterliegenden Beschuldigten zu ent-

schädigen sind lediglich Aufwendungen, welche den Strafpunkt betreffen 

(STEFAN WEHRENBERG/FRIEDRICH FRANK, in: Basler Kommentar Strafpro-

zessordnung/Jugendstrafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 11 zu Art. 433 

StPO).  

 

Die von der Straf- und Zivilklägerin geltend gemachten Aufwendungen in 

der Höhe von Fr. 2'772.10 erscheinen angemessen und betreffen aus-

schliesslich den Strafpunkt. Der Beschuldigte hat die Straf- und Zivilkläge-

rin daher für ihre Aufwendungen betreffend den Strafpunkt im Berufungs-

verfahren mit Fr. 2'772.10 zu entschädigen.  

 

8.3. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO).  

 

8.3.1. 

Dem Beschuldigten wurden für das erstinstanzliche Verfahren 1/3 der Ver-

fahrenskosten von gesamthaft Fr. 9'860.25, d.h. Fr. 3'286.75, auferlegt (vgl. 

vorinstanzliches Urteil, E. 7.1.2). Der Beschuldigte wurde im Weiteren ver-

pflichtet, der Zivil- und Strafklägerin A. 1/3 der gerichtlich in der Höhe von 

Fr. 10'781.45 festgesetzten Parteikosten, d.h. Fr. 3'593.80 (inkl. MwSt), zu 

erstatten (vgl. vorinstanzliches Urteil, E. 6.4).  

 

Diese Kostenverteilung ist nach wie vor korrekt.  

 

8.3.2. 

Dem Beschuldigten wurden zu Lasten der Staatskasse für das erstinstanz-

liche Verfahren eine Entschädigung von 2/3, d.h. Fr. 7'187.65 (inkl. MwSt) 

der ihm entstandenen Parteikosten zugesprochen. Dabei hat die Vo-

rinstanz einen Kostenvorschuss vom 27. April 2020 in der Höhe von 

Fr. 2'000.00 in Abzug gebracht, weshalb dem Beschuldigten lediglich ein 

Betrag von Fr. 5'187.65 zugesprochen wurde.  

 

Der Beschuldigte rügt im Rahmen der Berufung, dass die Vorinstanz zu 

Unrecht Fr. 2'000.00 von seiner Parteientschädigung abgezogen habe. Er 

 - 24 - 

 

 

selber habe seinem Anwalt einen Vorschuss von Fr. 2'000.00 geleistet, die-

ser sei nicht durch die Staatskasse bezahlt worden.  

 

In der Tat finden sich keinerlei Hinweise darauf, dass ein Vorschuss von 

Fr. 2'000.00 durch die Staatskasse geleistet wurde. Der Beschuldigte war 

auch nicht amtlich vertreten, weshalb nicht ersichtlich ist, aufgrund welcher 

Rechtsgrundlage die Staatskasse seinem Verteidiger diesen Vorschuss 

hätte leisten sollen. Somit ist dem Beschuldigten für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Entschädigung von Fr. 7'187.65 zuzusprechen.  

 

9. 

Tritt das Berufungsgericht auf die Berufung ein, so fällt es ein neues Urteil, 

welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, Art. 81 StPO). 

Das ist auch der Fall, wenn eine Berufung abgewiesen wird (BGE 141 IV 

244 E. 1.3.3, Urteil des Bundesgerichts 6B_761/2017 vom 17. Januar 2018 

E. 4 mit Hinweisen). 

  

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

1.1. 

Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf der vorsätzlichen Ge-

fährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde gemäss Art. 229 Abs. 

1 StGB (Dachanlage, Treppe vom Ober- ins Dachgeschoss und fehlende 

Absturzsicherung im Estrich). 

 

1.2. 

Der Beschuldigte ist schuldig der fahrlässigen Gefährdung durch Verlet-

zung der Regeln der Baukunde gemäss Art. 229 Abs. 2 StGB (Elektroin-

stallationen). 

 

2. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss der in Ziffer 1.2 genannten Geset-

zesbestimmung sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 34 StGB und 

Art. 42 StGB zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 

Fr. 70.00, gesamthaft Fr. 8'400.00, bei einer Probezeit von 2 Jahre, verur-

teilt. 

 

3. 

Die Schadenersatzansprüche der Straf- und Zivilklägerin A. werden auf den 

Zivilweg verwiesen.  

 

 - 25 - 

 

 

4. 

4.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten, bestehend aus der Gerichtsge-

bühr von Fr. 1'500.00 sowie den Auslagen von Fr. 151.00, gesamthaft 

Fr. 1'651.00, werden dem Beschuldigten auferlegt.  

 

4.2. 

Die Parteikosten, welche dem Beschuldigten im Rahmen des Berufungs-

verfahrens entstanden sind, hat er selber zu tragen. 

 

4.3. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, die Straf- und Zivilklägerin A. für das 

Berufungsverfahren mit Fr. 2'772.10 (inkl. MwSt) zu entschädigen.  

 

5. 

5.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten werden zu 1/3 in der Höhe von 

Fr. 3'286.75 dem Beschuldigten auferlegt. Der Rest geht zu Lasten der 

Staatskasse. 

 

5.2. 

Für das erstinstanzliche Verfahren wird der Beschuldigte mit Fr. 7'187.65 

(inkl. MwSt) aus der Staatskasse entschädigt.  

 

5.3. 

Der Beschuldigte hat die Straf- und Zivilklägerin A. für das erstinstanzliche 

Verfahren mit Fr. 3'593.80 (inkl. MwSt) zu entschädigen. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der voll-

ständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das Schweize-

rische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 Abs. 1 und 

Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

 - 26 - 

 

 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerd-

elegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 14. Februar 2023 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 2. Kammer 

Die Präsidentin    Der Gerichtsschreiber i.V.: 

 

 

 

Plüss     Hoffet