# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 749a5a08-bac2-5e2d-8556-50eb314718f8
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-11-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.11.2010 D-7876/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-7876-2010_2010-11-12.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-7876/2010
sch/bah/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 2 .  N o v e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Hans Schürch, 
mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer;
Gerichtsschreiber Christoph Basler.

A.___________, geboren (...),
Libyen,
vertreten durch lic. iur. Yassin Abu-Ied, Rechtsanwalt, 
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin); 
Verfügung des BFM vom 2. November 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-7876/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass das  BFM mit  Verfügung vom 2. November  2010 –  eröffnet  am 
folgenden  Tag –  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  des  Asyl-
gesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf  das Asylgesuch 
des Beschwerdeführers vom 13. August  2010 nicht  eintrat,  die Weg-
weisung nach Italien verfügte, den Beschwerdeführer – unter Andro-
hung  von  Zwangsmitteln  im  Unterlassungsfall  –  aufforderte,  die 
Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu ver-
lassen, feststellte, der Kanton B._________ sei verpflichtet, die Weg-
weisungsverfügung  zu  vollziehen,  und  eine  allfällige  Beschwerde 
gegen die vorliegende Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung, 
und  dem  Beschwerdeführer  die  editionspflichtigen  Akten  gemäss 
Aktenverzeichnis aushändigte,

dass für die Begründung der Verfügung auf die Akten zu verweisen ist,

dass der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe 
vom 9. November 2010 gegen diesen Entscheid beim Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerde erheben und beantragen liess, die angefoch-
tene  Verfügung  sei  aufzuheben  und  auf  sein  Asylgesuch  sei  einzu-
treten, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen 
und ihm sei in der Person des Unterschreibenden ein unentgeltlicher 
Rechtsbeistand und ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewäh-
ren,

dass für den Inhalt der Beschwerde auf die Akten zu verweisen und, 
soweit entscheidwesentlich, nachfolgend darauf einzugehen ist,

dass das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug der Wegweisung ge-
stützt auf Art. 56 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über 
das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  mit  Verfügung  vom 
10. November 2010 vorsorglich aussetzte,

dass die vorinstanzlichen Akten am 12. November 2010 beim Bundes-
verwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

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und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5  VwVG) des BFM 
entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichts-
gesetzes vom 17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst.  d  Ziff.  1 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders  berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten  ist  (Art.  108  Abs.  2  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art. 52 
VwVG),

dass  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  einzig  zu  prüfen  ist,  ob 
das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch 
des  Beschwerdeführers  zu  Recht  nicht  eingetreten  ist  und  infolge-
dessen die Wegweisung aus der Schweiz zu Recht verfügt hat,

dass  über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art.  111 Bst. e 
AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt,  um eine 
solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen 
Schriftenwechsel verzichtet wurde,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass gestützt auf die einleitenden Bestimmungen sowie Art. 1 Abs. 1 
des Abkommens vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die 
Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für 

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die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten 
Asylantrags (DAA; SR 0.142.392.68) i.V.m. Art. 29a Abs. 1 der Asylver-
ordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 
142.311)  die  Prüfung  der  staatsvertraglichen  Zuständigkeit  zur  Be-
handlung  eines  Asylgesuches  nach  den  Kriterien  der  Verordnung 
Nr. 343/2003  des  Rates  vom 18.  Februar  2003  zur  Festlegung  von 
Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die 
Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat 
gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin-II-VO) zu erfolgen hat,

dass Art. 34 Abs. 2 Bst. d  AsylG im Weiteren voraussetzt,  dass der 
staatsvertraglich zuständige Staat  einer Übernahme der  asylsuchen-
den Person zugestimmt hat (vgl. Art. 29a Abs. 2 AsylV 1),

dass für  den Fall,  dass ein Asylbewerber ein gültiges Visum besitzt, 
der Mitgliedstaat, der das Visum erteilt hat, für die Prüfung des Asyl -
antrages zuständig ist, es sei denn, das Visum sei in Vertretung oder 
mit schriftlicher Zustimmung eines anderen Mitgliedstaates erteilt wor-
den; in diesem Fall ist der letztgenannte Mitgliedstaat für die Prüfung 
des  Asylantrages  zuständig  (vgl.  Art.  9  Abs.  2  Satz  1  und  2 
Dublin-II-VO),

dass  sich  den  Akten  entnehmen  lässt,  dass  der  Beschwerdeführer 
über ein von Italien ausgestelltes Schengen-Visum, gültig vom 30. Juli  
2010 bis am 29. August 2010, verfügte und sich vor seiner Einreise in 
die  Schweiz  in  Italien,  einem Mitgliedstaat  der  Europäischen Union, 
aufgehalten hat (vgl. act. A2/9 S. 6),

dass das BFM gestützt auf Art. 9 Abs. 2 Dublin-II-VO die italienischen 
Behörden  am  20. September  2010  um  Rückübernahme  des  Be-
schwerdeführers  ersuchte  und  diese  am 15.  Oktober  2010  ihre  Zu-
stimmung erteilten,

dass das BFM aufgrund dieser Sachlage zu Recht von der Zuständig-
keit Italiens ausging,

dass  die  in  der  Beschwerde  vertretene  Auffassung,  die  Vorinstanz 
wende die von ihr zitierten Verordnungen falsch an, da diese (nur) auf  
Personen  anwendbar  seien,  die  in  Italien  ein  Asylgesuch  gestellt 
hätten, in Anbetracht der vorstehenden Erwägungen unzutreffend ist,

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dass  in  der  Beschwerde  nichts  Stichhaltiges  geltend  gemacht  wird, 
das in Bezug auf die Zuständigkeit Italiens für die Durchführung des 
Asylverfahrens zu einer anderen Beurteilung führen könnte,

dass das Bundesverwaltungsgericht die in der Beschwerde geäusserte 
Befürchtung,  der  Beschwerdeführer  würde  von  Italien  –  ohne  dass 
sein  Asylgesuch  dort  geprüft  würde  –  nach  Libyen zurückgeschickt, 
nicht teilt,

dass keine Gründe vorliegen, die einen Selbsteintritt des BFM gemäss 
Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO nahegelegt hätten, da Italien unter anderem 
Signatarstaat  des  Abkommens  vom  28.  Juli  1951  über  die  Rechts-
stellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30),  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei-
heiten (EMRK, SR 0.101) und des Übereinkommens vom 10. Dezem-
ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, 0.105) ist  und keine kon-
kreten Hinweise dafür bestehen, Italien würde sich nicht an die daraus 
resultierenden Verpflichtungen halten,

dass das BFM demnach in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG 
zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten 
ist,

dass  das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  in  der  Regel  die  Weg-
weisung aus der  Schweiz zur  Folge hat  (Art. 44 Abs. 1 AsylG),  vor-
liegend der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem 
kein Anspruch auf Erteilung einer solchen besteht (vgl. EMARK 2001 
Nr. 21), weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetz-
lichen Bestimmungen steht  und demnach vom Bundesamt zu Recht 
angeordnet wurde,

dass im Rahmen des Dublin-Verfahrens, bei dem es sich um ein Über-
stellungsverfahren  in  den für  die  Prüfung des  Asylgesuches  zustän-
digen Staat handelt, systembedingt kein Raum bleibt für Ersatzmass-
nahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer [AuG, SR 142.20]), 

dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung 
nach Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnete,

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dass  nach  dem Gesagten  der  vom Bundesamt  verfügte  Vollzug  der 
Wegweisung zu bestätigen ist,

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist, 

dass das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Be-
schwerde angesichts des Direktentscheids in der Hauptsache gegen-
standslos wird,

dass  die  Gesuche  um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege 
gemäss Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG zufolge Aussichtslosigkeit der Be-
schwerde abzuweisen sind,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.-- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art.  63 
Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege 
gemäss Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG werden abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beilage: 
Einzahlungsschein)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten  Ref.-Nr. N (...)  (per 
Kurier; in Kopie)

- (zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Hans Schürch Christoph Basler

Versand: 

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