# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** be7f3c26-58db-541b-949b-751f2581feca
**Source:** Zug (ZG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-12-21
**Language:** de
**Title:** Zug Obergericht Strafabteilung 21.12.2023 S 2023 25
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZG_Obergericht/ZG_OG_002_S-2023-25_2023-12-21.pdf

## Full Text

20230818_085052_ANOM.docx

Strafabteilung S 2023 25

Oberrichter A. Sidler, Abteilungspräsident
Oberrichter St. Dalcher
Oberrichter A. Staub
Gerichtsschreiber F. Eller

Urteil vom 21. Dezember 2023

in Sachen

Staatsanwaltschaft des Kantons Zug, An der Aa 4, Postfach, 6301 Zug, 
vertreten durch den Leitenden Staatsanwalt A.________, 
Anklägerin, Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin,

und

B.________, geb. tt.mm.2005,
unentgeltlich verbeiständet durch Rechtsanwalt C.________, 
Privatklägerin im Zivil- und Strafpunkt und Berufungsbeklagte, 

gegen

D.________, geb. tt.mm.1980 in E.________, portugiesischer Staatsangehöriger, wohnhaft in 
F.________,  
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt G.________,
Beschuldigter, Berufungskläger und Anschlussberufungsbeklagter,

betreffend

sexuelle Handlungen mit Kindern, sexuelle Nötigung

(Berufung des Beschuldigten und Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des 
Strafgerichts des Kantons Zug, Kollegialgericht, vom 30. Juni 2023; SG 2022 8)

Seite 2/58

Prozessgeschichte 

1. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) wirft D.________ 
(nachfolgend: Beschuldigter) in der Anklage vom 23. August 2022 (nachfolgend: Anklage) 
vor, er habe zwischen dem 22. März 2017 und 3. Dezember 2019 (nachfolgend: Tatzeitraum) 
ca. 40 bis 50 sexuelle Handlungen zum Nachteil von B.________ (nachfolgend: Privatkläge-
rin) vorgenommen. Die Privatklägerin habe jeweils eine Trainerhose anziehen und sich an-
schliessend bei heruntergezogener Trainer- und Unterhose rücklings im Wohnzimmer auf 
dem Sofa hinlegen müssen, wobei sie die Beine angewinkelt und gespreizt in die Höhe habe 
halten müssen. Danach habe der Beschuldigte unter dem Vorwand, ihre Jungfräulichkeit 
überprüfen zu wollen, jeweils seinen Finger oder seine Zunge in die Vagina der Privatkläge-
rin gesteckt. Zwei Vorfälle hätten auf dem Bett des Beschuldigten stattgefunden. Während 
der Übergriffe habe er jeweils die Kamera des Mobiltelefons der Privatklägerin abgeklebt, 
sodass sie zwar dieses habe benutzen, jedoch keine Aufnahmen habe machen können. 
Einmal habe der Beschuldigte versucht, mit seinem entblössten Penis den entblössten Vagi-
nalbereich der Privatklägerin zu berühren, wobei sie ihn mit den Füssen weggedrückt habe. 
Zudem habe er einmal über den Kleidern die Brüste der Privatklägerin berührt. Der Beschul-
digte habe der Privatklägerin gedroht, diverse Informationen über sie an ihre Mutter heranzu-
tragen, wenn sie die Überprüfung der Jungfräulichkeit nicht über sich ergehen lasse. Er habe 
gewusst, dass zwischen den als Druckmittel eingesetzten Informationen und seiner Forde-
rung jeglicher Zusammenhang gefehlt habe (SG GD 1). 

2. Mit Verfügung vom 1. September 2022 zog die zuständige Verfahrensleiterin des Strafge-
richts des Kantons Zug die Akten des Amts für Migration bei (SG GD 2/2). Mit Schreiben vom 
26. Mai 2023 wurde den Parteien von der Verfahrensleitung mitgeteilt, dass über den Antrag 
der Verteidigung auf Entfernung einer Tonaufzeichnung im Rahmen der Hauptverhandlung 
entschieden werde. Gleich werde auch mit dem Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit 
durch die Privatklägerin verfahren (SG GD 2/6). Mit Verfügung vom 23. Juni 2023 wurde der 
Privatklägerin die unentgeltliche Prozessführung und die Bestellung von Rechtsanwalt 
C.________ als unentgeltlicher Rechtsbeistand gewährt (SG GD 2/7).

3. Zur Hauptverhandlung am Strafgericht des Kantons Zug, Kollegialgericht (nachfolgend: Vor-
instanz), am 7. Juni 2023 erschienen der Beschuldigte, sein amtlicher Verteidiger, der zu-
ständige Staatsanwalt sowie die Privatklägerin mit ihrem Rechtsbeistand. Die Vorinstanz be-
schloss nach Eröffnung der Hauptverhandlung, den Antrag der Privatklägerin gutzuheissen 
und die Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchzuführen (SG GD 8/1 S. 1). 
Auf Antrag der amtlichen Verteidigung beschloss die Vorinstanz zudem vorfrageweise, dass 
die Tonaufzeichnungen vom 3. Dezember 2019 verwertbar seien und demzufolge nicht aus 
den Akten entfernt werden müssen (SG GD 8/1 S. 3). Nach der Befragung des Beschuldigten 
wurden die Anträge der Staatsanwaltschaft und der Privatklägerin auf Befragung der Privat-
klägerin betreffend den Ausdruck "esse merda" unter dem Vorbehalt von Art. 349 StPO vor-
läufig abgewiesen. Der Antrag des Beschuldigten auf erneute Befragung der Privatklägerin 
wurde ebenfalls abgewiesen (SG GD 8/1 S. 4). Nach Abschluss des Beweisverfahrens hiel-
ten die Parteien ihre Plädoyers und der Beschuldigte konnte ein Schlusswort halten (SG GD 
8/1 S. 8). 

Seite 3/58

4. Das Urteil wurde am 30. Juni 2023 gefällt und anschliessend den anwesenden Parteien im 
Dispositiv eröffnet und mündlich begründet (SG GD 9/1). Mit Schreiben vom 4. Juli 2023 
meldete der amtliche Verteidiger Berufung gegen das Urteil vom 30. Juni 2023 an (SG GD 
4/14). 

5. Das am 28. Juli 2023 versandte, schriftlich auf 109 Seiten begründete Urteil der Vorinstanz 
wurde dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten am 31. Juli 2023 zugestellt (SG GD 
9/3/1). Der Urteilsspruch der Vorinstanz lautete wie folgt (OG GD 1 S. 107): 

"1. Der Beschuldigte D.________ wird freigesprochen von den Vorwürfen:

1.1 der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB (betreffend die Zeiträume 

22. März 2017 bis Ende Juni 2017 und 9. November 2019 bis 3. Dezember 2019);

1.2 der mehrfachen sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB (betreffend die Zeiträume 22. März 2017 

bis Ende Juni 2017 und 9. November 2019 bis 3. Dezember 2019).

2. Der Beschuldigte D.________ wird schuldig gesprochen

2.1 der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB;

2.2 der mehrfachen sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB. 

3. Er wird dafür bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 35 Monaten. Davon sind 12 Monate zu vollziehen, unter 

Anrechnung von 100 Tagen für die erstandene Untersuchungshaft sowie von 10 Tagen für die angeordne-

ten Ersatzmassnahmen. Für die restlichen 23 Monate wird dem Beschuldigten der bedingte Strafvollzug für 

eine Probezeit von zwei Jahren gewährt.

4. Gegenüber dem Beschuldigten D.________ wird ein Tätigkeitsverbot gemäss Art. 67 Abs. 3 lit. b und c 

StGB angeordnet. Ihm wird lebenslänglich jede berufliche und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit 

verboten, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst.

5. Der Beschuldigte D.________ wird gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB für die Dauer von 7 Jahren aus 

der Schweizerischen Eidgenossenschaft verwiesen. 

6.1 Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B.________ eine Genugtuung von CHF 10'000.00 zu-

züglich 5 % Zins ab dem 15. September 2018 zu zahlen.

6.2 Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B.________ Schadenersatz von CHF 604.00 zu zah-

len. Im darüber hinausgehenden Betrag wird die Schadenersatzforderung der Privatklägerin abgewiesen. 

6.3 Auf den Antrag der Privatklägerin B.________ auf Feststellung, dass der Beschuldigte ihr gegenüber aus 

den Ereignissen vom 22. März 2017 bis 3. Dezember 2019 dem Grundsatz nach schadenersatzpflichtig sei, 

wird nicht eingetreten. 

7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, die Privatklägerin B.________ für ihre anwaltlichen Aufwendungen mit 

CHF 1'208.00 zu entschädigen. 

8. Der Beschuldigte wird für die erstandene Untersuchungshaft nicht entschädigt.

Seite 4/58

9. Die Sicherheitsleistung in Höhe von CHF 20'000.00 wird nach Antritt des Strafantritts des Beschuldigten 

freigegeben und ist alsdann der H.________ durch die Gerichtskasse zurückzuzahlen.

10. Die Verfahrenskosten betragen

CHF 10'642.85 Untersuchungskosten

CHF 3'115.00 Kosten der Dolmetschertätigkeit (keine Fremdsprachigkeit des Beschuldigten)

CHF 7'500.00 Entscheidgebühr 

CHF 865.00 gerichtliche Auslagen

CHF 22'122.85 Total

und werden dem Beschuldigten auferlegt.

11.1 Der (ehemalige) amtliche Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt MLaw I.________, wird für seine 

Bemühungen mit CHF 17'618.40 (inkl. MWST) aus der Staatskasse entschädigt. Es wird davon Vormerk 

genommen, dass ihm à conto bereits CHF 17'746.60 ausgerichtet wurden; die entsprechende Differenz hat 

er dem Kanton Zug zurückzuzahlen. 

11.2 Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt Dr.iur. G.________, wird für seine Bemühungen 

mit CHF 25'192.25 (inkl. MWST) aus der Staatskasse entschädigt.

11.3 Der Beschuldigte hat dem Staat die Kosten seiner amtlichen Verteidigung zurückzuzahlen, sobald es seine 

wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben.

12.1 Der unentgeltliche Rechtsbeistand der Privatklägerin B.________, Rechtsanwalt C.________, wird für seine 

Bemühungen mit CHF 5'369.10 (inkl. MWST) aus der Staatskasse entschädigt. 

12.2 Die Kosten der unentgeltlichen Verbeiständung der Privatklägerin werden im Umfang von CHF 537.00 defi-

nitiv und im Umfang von CHF 4'832.10 einstweilen auf die Staatkasse genommen. Der Beschuldigte hat 

dem Staat von den Kosten der unentgeltlichen Verbeiständung der Privatklägerschaft CHF 4'832.10 zurück-

zuzahlen, wenn er sich in günstigen wirtschaftlichen Verhältnissen befindet.

[Rechtsmittel]

6. Mit Schreiben vom 16. August 2023 reichte der amtliche Verteidiger bei der Strafabteilung 
des Obergerichts des Kantons Zug (nachfolgend: Gericht) die Berufungserklärung für den 
Beschuldigten ein (OG GD 2). Der amtliche Verteidiger stellte folgende Anträge: 

1. [Feststellungsantrag Rechtskraft]

2. Es sei die Berufung des Beschuldigten gutzuheissen und es sei das Urteil des Strafgerichts hinsichtlich den 

Dispositivziffern 1, 1.1, 1.2, 2, 2.1, 2.2, 3, 4, 5, 6.1, 6.2, 7, 8, 9, 10, 11.3 und 12.2 aufzuheben.

3. Es sei der Beschuldigte D.________ von Schuld und Strafe vollumfänglich freizusprechen. 

4. Es sei auf die Anordnung eines Tätigkeitsverbots zu verzichten. 

Seite 5/58

5. Es sei auf die Anordnung einer Landesverweisung zu verzichten. 

6. Es sei die Forderung der Privatklägerin auf Ausrichtung einer Parteientschädigung abzuweisen. 

7. Es sei die Forderung der Privatklägerin auf Ausrichtung von Schadenersatz abzuweisen, soweit darauf ein-

getreten werden kann. 

8. Es sei die Forderung der Berufungsklägerin [recte: Privatklägerin] auf Ausrichtung einer Parteientschädi-

gung abzuweisen. 

9. Der Beschuldigte sei für die wirtschaftlichen Einbussen, die ihm infolge der notwendigen Beteiligung am 

Strafverfahren entstanden sind, für die Verletzung seiner Persönlichkeit, den Freiheitsentzug im Rahmen 

der Untersuchungshaft und die Ersatzmassnahmen zu entschädigen. 

10. Die Sicherheitsleistung in Höhe von CHF 20'000.00 sei nach Rechtskraft der H.________ durch die Ge-

richtskasse zurückzuzahlen. 

11. Die bisher angefallenen Verfahrenkosten seien auf die Staatskasse zu nehmen. 

12. Der amtliche Verteidiger sei für seine Aufwendung[en] zu entschädigen. 

13. Die Kosten der unentgeltlichen Verbeiständung seien auf die Staatskasse zu nehmen. 

14. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MWST zu Lasten der Staatskasse"

7. Mit Präsidialverfügung vom 17. August 2023 übermittelte die Verfahrensleitung des Gerichts 
der Staatsanwaltschaft und der Privatklägerin die Berufungserklärung des Beschuldigten und 
setzte Fristen für Anschlussberufung, Nichteintretensanträge und Stellungnahmen zu den di-
versen Beweisanträgen des Beschuldigten. Die Parteien wurden aufgefordert, innert Frist 
weitere Beweisanträge einzureichen (OG GD 3).

8. Mit Eingabe vom 5. September 2023 erhob die Staatsanwaltschaft Anschlussberufung und 
stellte die folgenden Anträge (OG GD 4): 

"1. Es seien Ziff. 1.1, 1.2 und 3 des angefochtenen Urteils aufzuheben und es sei der Beschuldigte angemes-

sen zu bestrafen 

2. Kostenfolge zulasten des Beschuldigten"

9. Mit Präsidialverfügung vom 25. September 2023 wurde festgestellt, dass die Parteien keine 
Anträge auf Nichteintreten auf die Berufung des Beschuldigten vom 16. August 2023 stellten. 
Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft wurde den Parteien eröffnet und Fristen für 
Nichteintretensanträge angesetzt. Der Beweisantrag der amtlichen Verteidigung auf erneute 
Einvernahme der Privatklägerin wurde gutgeheissen, die weiteren Beweisanträge abgewie-
sen. Der Privatklägerin wurde die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Berufungsverfah-
ren gewährt (OG GD 8).

Seite 6/58

10. Mit Präsidialverfügung vom 19. Oktober 2023 wurden die Parteien darüber informiert, dass 
die amtliche Verteidigung am 16. Oktober 2023 Nichteintreten auf die Anschlussberufung der 
Staatsanwaltschaft vom 5. September 2023 beantragte. Ferner wurde der Termin für die Be-
rufungsverhandlung festgesetzt und der Spruchkörper bekannt gegeben (OG GD 10, 11).

11. Mit Beschluss vom 15. November 2023 entschied das Gericht, auf die Anschlussberufung 
der Staatsanwaltschaft einzutreten (OG GD 18). 

12. Der Beschuldigte erschien am 4. Dezember 2023 in Begleitung der amtlichen Verteidigung 
zur Berufungsverhandlung. Ebenfalls anwesend waren die Privatklägerin, ihr unentgeltlicher 
Rechtsbeistand, eine Dolmetscherin sowie der zuständige Staatsanwalt. Der unentgeltliche 
Rechtsbeistand zog zu Beginn der Berufungsverhandlung den Antrag auf Ausschluss der Öf-
fentlichkeit zurück (OG GD 16, 17, 23). Der Antrag der amtlichen Verteidigung, die Tonauf-
zeichnung der Privatklägerin aus den Akten zu verweisen, wurde abgewiesen. Nach Behand-
lung der Vorfragen erfolgte die Befragung der Privatklägerin und des Beschuldigten. Nach 
Abschluss der Einvernahmen wurden keine weiteren Beweisanträge gestellt. Im Rahmen der 
Parteivorträge hielt die amtliche Verteidigung an der Berufungserklärung für den Beschuldig-
ten fest (OG GD 23/2). Die Staatsanwaltschaft hielt ebenfalls an der Anschlussberufung fest 
und präzisierte, dass sie eine Sanktion von 45 Monaten Freiheitsstrafe für angemessen er-
achte (OG GD 23/3). Der unentgeltliche Rechtsbeistand der Privatklägerin beantragte für 
diese die Abweisung der Berufung des Beschuldigten unter Bestätigung des Urteils der Vor-
instanz; dies unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschuldigten (OG GD 
23/4). Nach den Parteivorträgen hielt der Beschuldigte ein kurzes Schlusswort. Die Parteien 
erklärten sich im Anschluss mit der schriftlichen Eröffnung des Urteils einverstanden (OG GD 
23 S. 24). 

Erwägungen

I. Formelles 

1. Eintreten auf die Berufung 

1.1 Der Beschuldigte hat fristgerecht Berufung bei der Vorinstanz angemeldet und innert 20 Ta-
gen ab Zustellung des schriftlich begründeten Urteils die Berufung erklärt. Die beiden für eine 
Berufung notwendigen Prozesshandlungen nach Art. 399 Abs. 1 StPO und Art. 399 Abs. 3 
StPO wurden formgültig ausgeführt. Die Staatsanwaltschaft hat zudem innert 20 Tagen nach 
Zustellung der Berufungserklärung des Beschuldigten Anschlussberufung erhoben. 

1.2 Wie im Beschluss vom 15. November 2023 festgestellt, erfolgte die Anschlussberufung der 
Staatsanwaltschaft nicht mit rechtsmissbräuchlichen Absichten. Erstens hatte die Staatsan-
waltschaft die Aufhebung von zwei Freisprüchen beantragt, wozu sie ohne weiteres befugt 
ist. Bereits schon unter diesem Punkt besteht eine nachvollziehbare Beschwer der Staats-
anwaltschaft bezüglich des Urteils der Vorinstanz. Zudem beantragte die Staatsanwaltschaft 
bei der Vorinstanz eine Sanktion von 48 Monaten Freiheitsstrafe, wobei die Vorinstanz auf 35 
Monate Freiheitsstrafe erkannte. Auch unter diesem Punkt scheint eine Beschwer der 
Staatsanwaltschaft durch den Urteilsspruch der Vorinstanz vom 30. Juni 2023 als nachvoll-

Seite 7/58

ziehbar. Es lag mithin keine Konstellation vor, bei der die Staatsanwaltschaft bereits bei der 
Vorinstanz vollumfänglich obsiegt hatte und eine Anschlussberufung allenfalls – würde man 
der Rechtsauffassung des Bundesgerichts folgen – problematisch wäre (vgl. Urteil des Bun-
desgerichts 6B_1498/2020 vom 29. November 2021 E. 4.4.3). Die Staatsanwaltschaft war 
entsprechend berechtigt, Anschlussberufung zu erheben (vgl. OG GD 18). 

1.3 Die Parteien machten darüber hinaus keine Nichteintretensgründe geltend und solche sind 
auch nicht ersichtlich. Auf die Berufung des Beschuldigten und die Anschlussberufung der 
Staatsanwaltschaft ist einzutreten. 

2. Rechtskraft 

2.1 Im Berufungsverfahren gilt die Dispositionsmaxime. Der Berufungskläger muss in seiner Be-
rufungserklärung angeben, ob er das Urteil vollumfänglich oder nur in Teilen anficht (Art. 399 
Abs. 3 lit. a StPO). Ficht er nur Teile des Urteils an, hat er in der Berufungserklärung verbind-
lich anzugeben, auf welche Teile (Schuldpunkt, allenfalls bezogen auf einzelne Handlungen, 
Bemessung der Strafe, etc.) sich die Berufung beschränkt (Art. 399 Abs. 4 StPO). Das Beru-
fungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 
Abs. 1 StPO). Es kann zugunsten der beschuldigten Person auch nicht angefochtene Punkte 
überprüfen, um gesetzwidrige oder unbillige Entscheidungen zu verhindern (Art. 404 Abs. 2 
StPO). Soweit die Einschränkung der Berufung auf einzelne Punkte eindeutig und der 
Grundsatz der Untrennbarkeit oder inneren Einheit nicht verletzt ist, muss die Einschränkung 
durch das Berufungsgericht respektiert werden. Die nicht angefochtenen Urteilspunkte wer-
den, unter dem Vorbehalt von Art. 404 Abs. 2 StPO, rechtskräftig. Eine spätere Ausdehnung 
der Berufung ist ausgeschlossen, nicht aber eine weitere Beschränkung (vgl. dazu um fas-
send Urteil des Bundesgerichts 6B_1403/2019 vom 10. Juni 2020 E. 1.3 m.H.).

2.2 Die Berufung des Beschuldigten ist darauf ausgerichtet, die zu seinen Lasten erfolgten 
Schuldsprüche, die Sanktion, die Landesverweisung und das Tätigkeitsverbot, die Zivilforde-
rung sowie die Kosten- und Entschädigungsfolgen aufzuheben. Anstelle der entsprechenden 
Dispositivziffern fordert der Beschuldigte einen Freispruch von sämtlichen Vorwürfen sowie 
eine angemessene Entschädigung für wirtschaftliche Einbussen, für Persönlichkeitsverlet-
zungen und für den Freiheitsentzug in Form von Untersuchungshaft und der Ersatzmass-
nahmen (OG GD 2 S. 2 f.). 

2.3 Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft zielt auf die Aufhebung der beiden Frei-
sprüche gemäss Dispositivziffern 1.1 und 1.2 sowie auf die Aufhebung der Sanktion der Vor-
instanz unter Ansetzung einer angemessenen Sanktion ab. 

2.4 Von den Verfahrensparteien nicht angefochten wurden die Dispositivziffern 6.3 (Nichteintre-
ten auf Antrag auf Feststellung der Schadenersatzpflicht dem Grundsatz nach), 11.1 (Hono-
rar amtliche Verteidigung), 11.2 (Honorar amtliche Verteidigung) und 12.1 (Honorar unent-
geltlicher Rechtsbeistand). 

2.5 Der Beschuldigte beantragte zudem (wie die Staatsanwaltschaft in ihrer Anschlussberufung) 
die Aufhebung der Dispositivziffern 1.1-1.2 des Urteils der Vorinstanz (d.h. Freispruch des 
Beschuldigten vom Vorwurf der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern betreffend 

Seite 8/58

den Zeitraum 22. März 2017 bis Ende Juni 2017 und 9. November 2019 bis 3. Dezember 
2019 sowie der mehrfachen sexuellen Nötigung betreffend den Zeitraum 22. März 2017 bis 
Ende Juni 2017 sowie 9. November 2019 bis 3. Dezember 2019). Gleichzeitig beantragte der 
Beschuldigte einen vollumfänglichen Freispruch. Der Berufungsantrag des Beschuldigten ist 
in diesem Punkt nicht zulässig, denn ein Antrag auf Aufhebung eines Freispruchs bei gleich-
zeitiger Beantragung eines vollumfänglichen Freispruchs verfolgt kein praktisches Rechts-
schutzinteresse. Auf die Berufung des Beschuldigten betreffend Aufhebung der Dispositivzif-
fern 1.1-1.2 ist gestützt auf Art. 382 Abs. 1 StPO nicht einzutreten. 

2.6 Der Beschuldigte beantragte darüber hinaus die Feststellung der Rechtskraft bestimmter 
Dispositivziffern (OG GD 2 S. 3). Die materielle Rechtskraft der nicht angefochtenen Punkte 
eines Urteils tritt gemäss Art. 437 Abs. 1 lit. a-b StPO unabhängig von den deklaratorischen 
Feststellungen eines Gerichts ein, wird jedoch praxisgemäss entgegen Art. 438 Abs. 1 StPO 
jeweils im Urteil der Berufungsinstanz bestätigt. Mithin wird der entsprechende Antrag des 
Beschuldigten im Urteilsdispositiv behandelt. Dem Antrag der amtlichen Verteidigung, es sei 
auch festzustellen, dass die Dispositivziffern 13.1 (Rechtsmittel Berufung) und 13.2 (Rechts-
mittel Beschwerde) in Rechtskraft erwachsen seien, ist hingegen nicht zu folgen. Eine 
Rechtsmittelbelehrung hat einzig eine deklaratorische Wirkung. Diese legt insbesondere kei-
ne Rechte und Pflichten der Parteien im Rahmen eines Urteilsspruchs fest und kann somit 
nicht in Rechtskraft erwachsen. 

2.7 Die materielle Rechtskraft der Dispositivziffern 6.3, 11.1, 11.2 und 12.1 des Urteils der Vor-
instanz ist im vorliegenden Urteil festzustellen. Die materielle Rechtskraft der Dispositivziffern 
13.1 und 13.2 ist nicht festzustellen. Betreffend den Schuld- und Sanktionspunkt gilt das Ver-
schlechterungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO aufgrund der Anschlussberufung der 
Staatsanwaltschaft nicht. 

3. Verwertbarkeit der erhobenen Beweise 

3.1 Die Vorinstanz stellte in ihrer Beweiswürdigung auf eine Tonbandaufzeichnung ab, welche 
die Privatklägerin am 3. Dezember 2019 erstellte und welche ein privates Gespräch mit dem 
Beschuldigten zum Gegenstand hatte. Sie wertete diese Tonbandaufzeichnung als gewichti-
ges Indiz für die Richtigkeit der Behauptungen der Privatklägerin (OG GD 1 E. II.3. Ziff. 3.3.1 
ff., S. 65 ff.).

3.2 Die amtliche Verteidigung stellt sich auf den Standpunkt, dass die Audioaufnahme vom 
3. Dezember 2019 mit Blick auf das strafprozessuale Fairnessgebot beweisrechtlich nicht 
verwertet werden dürfe. Es habe keine rechtfertigende Notstandssituation bestanden. Es hät-
te legale Handlungsalternativen gegeben. Es treffe nicht zu, dass die Gefahr der drohenden 
Beweislosigkeit nicht auf andere Art hätte abgewendet werden können. Insbesondere hätte 
die Möglichkeit bestanden, dass die Strafverfolgungsbehörden beim Zwangsmassnahmenge-
richt technische Überwachungsmassnahmen beantragt hätten. Eine solche Beweiserhebung 
wäre auch möglich gewesen, da es nach Auffassung der Vorinstanz etwa alle zwei Wochen 
zu einem vollendeten Delikt gekommen sei. Es stehe sodann auch nicht fest, dass nur eine 
kurze beweisrelevante Aufnahme erstellt worden sei, zumal nicht ausgeschlossen werden 
könne, dass noch weitere Aufnahmen erstellt worden seien oder die Aufnahme zusammen-
geschnitten worden sei. Im Übrigen könne die Schwere des Delikts bei der Interessenabwä-
gung kein valides Argument sein, denn bei schweren Delikten seien auch die drohenden 

Seite 9/58

Konsequenzen wesentlich einschneidender, und bei der Interessenabwägung müssten auch 
die Konsequenzen eines Nötigungserfolgs als Handlungsalternative miteinbezogen werden 
(OG GD 2 S. 8; OG GD 23/2 Ziff. 107-111).

3.3 Die Privatklägerin erstellte die umstrittene Tonaufzeichnung ohne Mitwirkung des Staats. Die 
gesetzlichen Verwertbarkeitsvorschriften für geheime staatliche Beweiserhebungen, insb. 
Art. 280 Abs. 4 i.V.m. Art. 277 StPO, finden keine Anwendung. 

3.4 Die Strafprozessordnung regelt grundsätzlich nur die Beweiserhebung durch Strafbehörden. 
Daraus kann aber nicht geschlossen werden, dass privat erhobene Beweise kategorisch ei-
nem Beweisverwertungsverbot im Strafverfahren unterliegen würden. Nach der Rechtspre-
chung wird zwischen rechtmässig und unrechtmässig erhobenen privaten Beweismitteln un-
terschieden. Rechtmässig von Privaten erhobene Beweismittel sind ohne Einschränkung 
verwertbar (bspw. Urteil des Bundesgerichts 6B_902/2019 vom 8. Januar 2020 E. 1.2). Von 
privaten Parteien rechtswidrig erhobene Beweise sind indessen nur verwertbar, wenn sie von 
den Strafverfolgungsbehörden rechtmässig hätten erlangt werden können und kumulativ da-
zu eine Interessenabwägung für deren Verwertung spricht (bspw. BGE 146 IV 226 E. 2.1; Ur-
teil des Bundesgerichts 6B_1468/2019 vom 1. September 2020 E. 1.3.1). 

3.5 Per 1. September 2023 ist während der Hängigkeit des Berufungsprozesses das revidierte 
Datenschutzgesetz in Kraft getreten (Bundesratsbeschluss vom 31. August 2022 betreffend 
Inkraftsetzung des neuen Datenschutzgesetzes). Die Datenbearbeitung durch Privatperso-
nen untersteht nach Art. 30 ff. DSG weiterhin dem Datenschutzgesetz des Bundes. Eine Ver-
letzung des Datenschutzgesetzes durch eine Privatperson lässt sich im revidierten Gesetz 
gemäss Art. 31 DSG mittels eines überwiegenden privaten oder öffentlichen Interesses 
rechtfertigen (früher: Art. 13). Eine private Partei darf Daten nicht entgegen den Grundsätzen 
von Art. 6 und 8 DSG bearbeiten. So muss die Datenbearbeitung verhältnismässig sein und 
für die betroffene Person zu einem erkennbaren Zweck beschafft werden und hinsichtlich 
dieses Zwecks bearbeitet werden (Art. 6 Abs. 2 und 3 DSG; früher: Art. 4 Abs. 2 und Art. 4 
Abs. 4). Die entsprechenden Bestimmungen sind neu formuliert, beinhalten indessen aber 
keine Änderung des bereits geltenden materiellen Rechts (Botschaft DSG, BBl 2017 6941 ff. 
S. 7024 f. und S. 7073). Gemäss Art. 73 DSG sind die neuen Bestimmungen am 1. Septem-
ber 2023 in Kraft getreten. Wesentlich ist indessen die Frage, ob die Datenerhebung zum 
Zeitpunkt der Tonaufzeichnungen im Dezember 2019 nach den Bestimmungen des Daten-
schutzgesetzes rechtmässig erfolgte. Folglich ist die alte Fassung des Datenschutzgesetzes 
vorliegend massgeblich. Art. 2 Abs. 2 StGB findet auf die Bestimmungen des Datenschutz-
gesetzes keine Anwendung.  

3.6 Die Beweiserhebung vom 3. Dezember 2019 durch die Privatklägerin erfolgte in Verletzung 
von Art. 179ter StGB und von Art. 12 Abs 2 lit. a i.V.m. Art. 4 Abs. 4 des Datenschutzgesetzes 
(SR 235.1; in der Fassung vor dem 1. September 2023, nachfolgend: aDSG). Sie zeichnete 
wissentlich und willentlich ein nichtöffentliches Gespräch mit dem Beschuldigten in der ge-
meinsamen Wohnung mit ihrem Mobiltelefon auf, was nach Art. 179ter StGB grundsätzlich 
verboten ist und was bei (1.) schuldhaftem Handeln, (2.) fehlendem Rechtfertigungsgrund 
und (3.) bei einem gültigen Strafantrag als Prozessvoraussetzung als Straftat sanktioniert 
werden kann. Sodann zeichnete sie die Stimme des Beschuldigten auf einem Tonträger auf, 
was gemäss Art. 3 lit. a aDSG eine Sammlung von Daten über eine bestimmbare Person 

Seite 10/58

darstellt. Sie tat dies entgegen der Transparenzvorschrift von Art. 4 Abs. 4 aDSG im Gehei-
men.  

3.7 Der Verstoss der Privatklägerin gegen Art. 179ter StGB ist – isoliert betrachtet – grundsätzlich 
nicht strafbar. Denn für eine Strafbarkeit ist es wie dargelegt zwingend notwendig, dass der 
Täter schuldhaft handelte (Art. 19 Abs. 1 StGB) und dass für seine Handlungen keine Recht-
fertigungsgründe vorhanden sind (Art. 14-17 StGB). Für ein Urteil muss sodann eine Pro-
zessvoraussetzung in Form eines Strafantrags vorliegen (Art. 30 StGB; Art. 179ter StGB). 
Ferner ist auch nicht jeder Verstoss gegen Art. 4 Abs. 4 aDSG eine Rechtsverletzung. Denn 
die Verletzung des datenschutzrechtlichen Transparenzgebots nach Art. 4 Abs. 4 aDSG 
kann gemäss Art. 13 Abs. 1 aDSG gerechtfertigt werden, so dass insgesamt keine Verlet-
zung des Datenschutzrechts vorliegt und weitergehende Rechtsbehelfe nach Art. 15 aDSG 
mangels Verletzung nicht zulässig sind. So liegt unter anderem keine Widerrechtlichkeit nach 
Art. 13 Abs. 1 aDSG vor, wenn die Datenverarbeitung durch ein überwiegendes privates In-
teresse gerechtfertigt werden kann. Mithin ergibt sich bereits aus dem genannten Wortlaut 
und der gesetzlichen Systematik, dass eine geheime Audioaufzeichnung zwar gegen das 
Transparenzgebot nach Art. 4 Abs. 4 aDSG verstösst, indessen datenschutzrechtlich bei ei-
nem privaten Datenbearbeiter nicht rechtswidrig ist, wenn die Videoaufzeichnung auf über-
wiegenden privaten Interessen beruht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1133/2021 vom 1. 
Februar 2023 E. 2.3.2 und 2.4). 

3.8 Zu Recht prüfte damit die Vorinstanz in einem ersten Schritt, ob sich die Privatklägerin auf 
Rechtfertigungsgründe im Sinne von Art. 17 StGB und Art. 13 Abs. 1 aDSG berufen konnte. 

3.8.1 Zu diesem Themenkreis ist vorab festzuhalten, dass die Tonbandaufnahme, welche die Pri-
vatklägerin als 14-jährige Jugendliche erstellte, nicht ausschliesslich der strafprozessualen 
Beweisaufnahme diente, auch wenn die Aufnahme wohl primär deswegen erstellt wurde (vgl. 
bspw. act. 2/37 Ziff. 153). Der Kontext war vorliegend der Vorwurf des jahrelangen sexuellen 
Missbrauchs innerhalb der Familie. Der Beschuldigte war der Partner der Mutter der Privat-
klägerin und hatte für deren Kinder die Rolle eines Ersatzvaters eingenommen. Bereits aus 
diesen Hintergründen erhellt, dass die Tonbandaufzeichnung nicht einzig dem strafprozes-
sualen Beweis diente, sondern auch zusätzlich als Beweismittel für eine soziale Rechtferti-
gung der Privatklägerin gegenüber der gesamten Familie. Aus diesem Grund wird die Privat-
klägerin auch zeitnah die Aufnahme ihrer Schwester J.________ zugesendet haben (vgl. act. 
2/130 Ziff. 46). So erscheint es plausibel, dass die Privatklägerin die Ächtung durch ihre Fa-
milie (insb. durch ihre Mutter und ihre Schwestern) fürchtete, wenn sie ohne Beweise derart 
gravierende Anschuldigungen gegen den faktischen Ersatzvater erheben würde. Es stand 
damit nicht nur ein strafprozessuales Verfahren im Vordergrund, sondern auch die berechtig-
ten Interessen der Privatklägerin als noch nicht auf eigenen Füssen stehende Jugendliche 
am Fortbestehen der sozialen Bindung zu ihren Verwandten. Bereits schon dieses private In-
teresse der Privatklägerin erscheint als gewichtig und überwiegt etwaige private Interessen 
des Beschuldigten auf Wahrung des Transparenzgebots im Rahmen einer kurzen Tonauf-
zeichnung seiner privaten Unterhaltung mit der Privatklägerin nach Art. 4 Abs. 4 aDSG deut-
lich. 

3.8.2 Ein nach den besonderen Bestimmungen des Schweizerischen Strafgesetzbuches tatbe-
standsmässiges Verhalten kann nach Art. 17 StGB gerechtfertigt werden (bzw. derjenige 

Seite 11/58

"handelt rechtmässig"), um in unverschuldeter Lage ein eigenes Rechtsgut oder das Rechts-
gut einer anderen Person aus einer unmittelbaren, nicht anders abwendbaren Gefahr zu ret-
ten. Es müssen dabei höherwertige Interessen gewahrt werden. Die Notstandshandlung 
muss zudem verhältnismässig sein. Die entsprechende Prüfung des Gerichts über die Gefah-
renlage hat sich nicht einzig anhand der subjektiven Angaben der betroffenen Person zu rich-
ten, sondern die Notstandslage muss auch objektiv nachvollziehbar sein, d.h. sie hat sich 
nach dem hypothetischen ex-ante Urteil eines Dritten in der Lage des Täters zu richten (vgl. 
auch Niggli/Göhlich, Basler Kommentar, 4. A. 2019, Art. 17 StGB N. 11). 

3.8.3 Nach den Schilderungen der Privatklägerin wurde sie am 3. Dezember 2019 bereits seit ca. 
zwei Jahren durch den Beschuldigten sexuell missbraucht, indem dieser mittels Finger und 
Zunge ihre Vagina berührte und teilweise mit den Fingern eindrang. Die Handlungen waren 
demnach kontinuierlich und fortgesetzt. Der Zeitpunkt, wann der Beschuldigte diese vor-
nahm, war dabei vor allem davon abhängig, wann seine Partnerin, die Mutter der Privatklä-
gerin, nach Hause kam. Dies konnte die Privatklägerin nicht zuverlässig abschätzen. Es 
drohte somit nach den Schilderungen der Privatklägerin jederzeit eine weitere sexuelle Aus-
beutung mit unklarem Ausgang. Die bestehende Gefahr für die sexuelle Integrität der Privat-
klägerin war damit am 3. Dezember 2019 real und unmittelbar. Sie bezog sich sodann nicht 
nur auf die Art der sexuellen Handlungen in der Vergangenheit, sondern es wäre auch eine 
Steigerung des Verhaltens des Beschuldigten denkbar gewesen. Aufgrund der von der Pri-
vatklägerin geschilderten Lage bestand offensichtlich ein hoher Leidensdruck, sich gegen die 
Handlungen des Beschuldigten zu wehren, was sich bspw. darin äusserte, dass sie abends 
nicht mehr nach Hause gehen wollte (bspw. act. 2/50 ff.). 

3.8.4 Eng mit dieser Feststellung verwandt ist der Beweisnotstand, in welchem sich die Privatklä-
gerin am 3. Dezember 2019 befand. Wer sich juristisch gegen eine Person wehren will, der 
muss Beweise haben. Auch wenn diese Auffassung in objektiver Hinsicht nicht vollumfäng-
lich korrekt sein mag (zumal auch die eigene Aussage als Beweismittel zulässig ist), handelt 
es sich um eine Laienauffassung, die keineswegs unüblich ist. Dabei gilt zu erwägen, dass 
die damals 14-jährige Privatklägerin Rat bei ihrer Schwester J.________ suchte und diese ihr 
im Chat mitteilte, "wir müssen einen Plan kreieren um einen Beweis zu haben um 
D.________ zu erwischen" (act. 1/1/19/28-39). Die Idee der Privatklägerin, dass ein Beweis 
notwendig sei, damit sie sich letztlich aus ihrer misslichen Lage befreien könne, stammte 
mithin von der älteren Schwester. Insgesamt ist es aufgrund der konkreten Lage – d.h. insb. 
(1.) 14-jähriges Mädchen, (2.) missliche Situation mit Leidensdruck, (3.) Ratschlag der älte-
ren Schwester – nachvollziehbar, dass eine andere Jugendliche in einer vergleichbaren Si-
tuation ebenfalls von der Gefahr eines Beweisnotstands ausgegangen wäre und irrigerweise 
geglaubt hätte, es sei unbedingt notwendig, dass sie ihre missliche Lage mittels einer Ton-
aufzeichnung müsse dokumentieren können, damit ihr sowohl von der Familie als auch vom 
Justizsystem geglaubt werde. 

3.8.5 Es kann offen bleiben, inwiefern die Privatklägerin über zumutbare Handlungsalternativen 
verfügte, um sich der unmittelbaren Gefahr weiterer sexueller Übergriffe zu entziehen. So ist 
wesentlich, dass zumindest der damit eng verbundene Beweisnotstand im vorliegenden Kon-
text nicht anders abwendbar war als mittels einer Tonaufnahme. Es bestanden ausser ihren 
eigenen Wahrnehmungen keine objektiven Beweise, welche die Verletzungen ihrer sexuellen 
Integrität nachweisen konnten. Die amtliche Verteidigung führte aus, dass solche Beweise 

Seite 12/58

jedoch in absehbarer Zeit durch die Strafverfolgungsbehörden mittels einer geheimen Über-
wachung hätten beschafft werden können, so dass der Beweisnotstand in Zukunft hätte be-
hoben werden können. Das wäre allerdings für die Privatklägerin nicht zumutbar gewesen. 
So bestand vorliegend nach den Darstellungen der Privatklägerin die übergeordnete Gefahr 
von weiteren sexuellen Übergriffen. Der Beweisnotstand kann nicht isoliert betrachtet wer-
den, sondern spielte sich vor diesem Hintergrund ab. Entsprechend war der Beweisnotstand 
auch dringlich. Entgegen der Auffassung der amtlichen Verteidigung war es somit für die Pri-
vatklägerin nicht zumutbar, abzuwarten, bis (1.) die Polizei den Sachverhalt aufnahm, (2.) die 
Staatsanwaltschaft zur gegebenen Zeit den Sachverhalt prüfte und (3.) vielleicht einen An-
trag an das Zwangsmassnahmengericht stellte, dieses (4.) den Antrag ebenfalls prüfte und 
vielleicht bewilligte, (5.) der Auftrag zum technischen Einsatz an den zuständigen Spezial-
dienst der Polizei gelangte, (6.) die Polizei zur Vorbereitung des Einsatzes Pläne des Hau-
ses, eine Eintrittsmöglichkeit und ein geeignetes Einsatzfenster (während dem die Wohnung 
leer war) organisieren musste und (7.) der Einsatz dann auch effektiv ausgeführt werden 
konnte. Während dieser Zeit bestand nicht nur die Gefahr von weiteren sexuellen Übergrif-
fen, sondern auch, dass ein auffälliges Verhalten der Privatklägerin oder der bereits einge-
weihten Schwestern J.________ und K.________ den Zweck der Massnahme hätten verei-
teln können. Aus diesen Gründen bestanden keine anderen zumutbaren Handlungsalternati-
ven für die Privatklägerin. 

3.8.6 Spekulativ und nicht erwiesen sind die Einwendungen der amtlichen Verteidigung, dass die 
Privatklägerin mehr oder länger dauernde Aufnahmen gemacht hätte, als aktenkundig sind. 
Der Inhalt des Mobiltelefons der Privatklägerin wurde ausgewertet und es fanden sich dies-
bezüglich keinerlei Hinweise (act. 1/1/1 ff.).  

3.8.7 Das Recht des Beschuldigten, dass sein gesprochenes privates Wort nicht kurzzeitig aufge-
nommen wird, erscheint vor dem Hintergrund der Interessen der Privatklägerin auf Unver-
sehrtheit ihrer sexuellen Integrität und des damit eng verbundenen Beweisnotstands als 
zweitrangig. Die Disparität zwischen den beiden Interessenslagen ist vorliegend derart stark, 
dass ohne weiteres davon ausgegangen werden kann, dass die Privatklägerin durch die 
Tonaufzeichnung höherwertige Interessen schützte. Ihr Verhalten war auch verhältnismässig, 
zumal die Tonaufzeichnung ein geeignetes Beweismittel war und die vom amtlichen Verteidi-
ger aufgezeigte Alternativmöglichkeit einer möglicherweise wochenlangen staatlichen Audio- 
und Videoüberwachung des Wohn- und Schlafzimmers der Wohnung – und damit des intims-
ten Bereichs der Privatsphäre des Beschuldigten, der Privatklägerin und der weiteren dort le-
benden Drittbetroffenen – von der Eingriffsintensität deutlich invasiver gewesen wäre, als ei-
ne kurzfristige Aufnahme eines privaten Gesprächs in der Wohnung. Im Übrigen ist nicht er-
sichtlich, dass sich der Beschuldigte wegen der Tonaufzeichnung in seinen Rechten verletzt 
fühlte, zumal er nie eine Strafverfolgung der Privatklägerin deswegen anstrebte. 

3.8.8 Das allgemeine Fairnessgebot gemäss Art. 3 Abs. 2 lit. c StPO wird durch die Handlungen 
der Privatklägerin (und indirekt, indem der Staat die entsprechenden Beweismittel beweis-
rechtlich verwendet) nicht tangiert. Ein Straftäter muss grundsätzlich damit rechnen, dass 
seine Aussagen gegenüber einem Opfer oder einer Drittperson in einem Strafverfahren Ein-
gang finden werden. Die Aussagen von Opfern oder Drittpersonen über eine belastende 
Konversation mit dem Täter können im Strafverfahren mittels Einvernahme erhoben werden 
und unterliegen dabei grundsätzlich der freien richterlichen Beweiswürdigung nach Art. 10 

Seite 13/58

Abs. 2 StPO. Dass so der Inhalt eines solchen vertraulichen Gesprächs mit dem Täter wie-
dergegeben wird, betrifft damit die generelle Fairness des Verfahrens nicht. Es besteht auch 
grundsätzlich keine Pflicht der privaten Drittpersonen, den Straftäter auf ein Aussageverwei-
gerungsrecht oder dergleichen aufmerksam zu machen, wenn sie sich mit ihm über die Straf-
tat austauschen (Urteil des Bundesgerichts 6B_48/2020 vom 26. Mai 2020 E. 5.3). Auch der 
Umstand, dass die Konversation aufgezeichnet wurde, führt zu keinem anderen Ergebnis. Es 
trifft nicht zu, dass die Tonaufzeichnung selbst einen höheren Beweiswert hätte als eine Aus-
sage einer der beiden Parteien über die Konversation. Sowohl die Wiedergabe der Konver-
sation in einer Einvernahme wie auch die Tonaufzeichnung der Konversation unterliegen der 
freien richterlichen Beweiswürdigung. Das Gesetz kennt dabei weder einen numerus clausus 
der Beweismittel noch eine Hierarchie derselben (Art. 139 Abs. 1 StPO; Art. 10 Abs. 2 StPO). 
Eine Tonaufzeichnung führt mithin nicht generell dazu, dass unrechtmässig ein per se besse-
rer Beweis geschaffen wird. Im Übrigen muss ein Täter generell damit rechnen, dass sich 
das Opfer wehrt, indem es Beweise gegen ihn sammelt und diese Abwehrhandlung aufgrund 
einer Notstandssituation gerechtfertigt sein könnte. Dies entspricht dem generellen Not-
standsrecht, wonach tatbestandsmässige Handlungen gerechtfertigt werden können, so dass 
insgesamt keine rechtswidrige Handlung vorliegt. Auf der anderen Seite werden auch Verde-
ckungshandlungen der Täter grundsätzlich nicht als rechtswidrig qualifiziert. So hat vorlie-
gend der Beschuldigte gemäss den Aussagen der Privatklägerin jeweils die Kamera des Mo-
biltelefons abgeklebt, um die Gefahr von Filmaufnahmen der Tathandlungen zu mindern. Das 
Fairnessgebot wird durch solche faktischen Handlungen der Parteien nicht tangiert. 

3.9 Die Tonaufzeichnung der Privatklägerin war damit nicht rechtswidrig und damit auch nicht 
strafbar im Sinne des Strafgesetzbuches. Auch aus datenschutzrechtlicher Perspektive kann 
die Tonaufzeichnung nach Art. 12 aDSG aufgrund der dargelegten überwiegenden privaten 
Interessen der Privatklägerin gerechtfertigt werden. Eine Verletzung des Datenschutzgeset-
zes liegt mithin nicht vor und die Tonaufzeichnung ist auch unter diesen Gesichtspunkten 
rechtmässig durch eine Privatperson erhoben worden. Dabei ist auch zu würdigen, dass es 
sich um eine einmalige und kurze Tonaufzeichnung handelt und der Beschuldigte – von dem 
keine weiteren Personendaten erfasst wurden – dabei einzig aufgrund seiner Stimme über-
haupt identifizierbar ist, weswegen sein privates Interesse an der Geheimhaltung des ge-
sprochen Wortes gering ist. Die Tonaufzeichnung erfolgte mithin auch nicht in Verletzung des 
Datenschutzgesetzes. Der Beweis wurde damit durch eine Privatperson rechtmässig erho-
ben und ist durch das Gericht verwertbar. 

3.10 Als Eventualerwägung muss letztlich darauf hingewiesen werden, dass vorliegend auch ein 
gesetzes- oder rechtswidrig erhobener Privatbeweis strafprozessual verwertet werden dürfte. 

3.10.1 Aufgrund der Aussagen der Privatklägerin bestand ein dringender Tatverdacht, dass der 
Beschuldigte fortgesetzt über einen längeren Zeitraum mit einem Kind im Sinne von Art. 187 
Ziff. 1 StGB sexuelle Handlungen vornahm und dieses Kind dabei im Sinne von Art. 189 
Abs. 1 StGB sexuell nötigte. Die Strafandrohung von Art. 187 Ziff. 1 StGB und Art. 189 
Abs. 1 StGB sieht Maximalstrafen von fünf und zehn Jahren vor, wobei die mehrfache Tat-
begehung nach Art. 49 Abs. 1 StGB zu einem Überschreiten dieses Strafrahmens führen 
kann. Es handelt sich mithin um eine schwere Straftat. Entgegen der Auffassung der amtli-
chen Verteidigung ist die Schwere der Straftat das vom Gesetzgeber statuierte Element, wel-
ches die Verwertbarkeit von rechtswidrig oder sogar strafbar erlangten Beweisen im Sinne 

Seite 14/58

von Art. 141 Abs. 2 StPO ausnahmsweise rechtfertigen kann. Diese Regelung entspricht da-
bei einer langen Rechtstradition. Schon vor Inkrafttreten der Schweizerischen Strafprozess-
ordnung galt: Je schwerer die zu beurteilende Straftat ist, umso eher überwiegt das öffentli-
che Interesse an der Wahrheitsfindung das private Interesse des Angeklagten daran, dass 
der fragliche Beweis unverwertet bleibt (BGE 131 I 272 E. 4.1.2, BGE 130 I 126 E. 3.2). Bei 
schweren Delikten die Wahrheitsfindung wegen formell-rechtlichen, prozessualen Bagatellen 
stark einzuschränken, wäre weder mit der Wahrheitsfindung als zentralem Ziel eines Straf-
prozesses noch mit der hierorts verbreiteten Rechtstradition und dem allgemeinen Rechts-
empfinden vereinbar. Das öffentliche Interesse an der Verwertung eines rechtswidrig erho-
benen Beweises wäre mithin vorliegend gewichtig. Zudem besteht im vorliegenden Fall nicht 
nur ein erhebliches öffentliches Interesse an der Verwertbarkeit des Beweises zur Wahrheits-
findung, sondern darüber hinaus liegt auch ein wesentliches Opferinteresse, welches als ge-
nauso gewichtig erscheint, auf der Hand. Insgesamt überwiegen die Interessen an einer 
Verwertung der Tonaufzeichnung deutlich. 

3.10.2 Die Beweiserhebung vom 3. Dezember 2019 durch die Privatklägerin wäre – rein theore-
tisch – alternativ auch durch die Staatsanwaltschaft möglich gewesen. Dies mittels einer 
technischen Überwachung nach Art. 280 Abs. 1 StPO, insbesondere der Installation von ge-
heimen Audio- und Videogeräten in der Wohnung des Beschuldigten über mehrere Wochen 
hinweg. Dabei hätte die fragliche Tonaufzeichnung des Gesprächs zwischen der Privatkläge-
rin und dem Beschuldigten auch durch den Staat erhoben werden können. Mit den detaillier-
ten Aussagen der Privatklägerin gegenüber der Polizei hätte wie dargelegt ein dringender 
Tatverdacht gegen den Beschuldigten bestanden, die Schwere der Straftaten gemäss 
Art. 187 und 189 StGB würden die Überwachung rechtfertigen und mildere Mittel standen 
damals nicht zur Verfügung, da der Tatort der vermuteten Straftaten in der Familienwohnung 
lag. Ferner sind sowohl Art. 187 wie auch Art. 189 StGB Katalogstraftaten im Sinne von 
Art. 269 Abs. 2 StPO (vgl. Art. 281 Abs. 4 StPO i.V.m. Art. 269 Abs. 1 und 2 StPO). Wie auch 
die amtliche Verteidigung ausführt, wäre es theoretisch möglich, dass eine technische Über-
wachung des Wohnzimmers des Beschuldigten mittels Audio- und/oder Videoaufzeichnun-
gen vom Zwangsmassnahmengericht genehmigt worden wäre. Die theoretische alternative 
Erhebbarkeit des umstrittenen Beweises durch den Staat ist mithin gegeben. Dies wird auch 
von den Parteien nicht in Abrede gestellt. 

3.10.3 Der Entscheid der Vorinstanz ist somit – im Sinne einer Eventualerwägung – auch unter 
dem Gesichtspunkt der Rechtsprechung zur Verwertbarkeit von gesetzeswidrig erhobenen 
Privatbeweisen nicht zu beanstanden. 

4. Beweisanträge 

4.1 Die amtliche Verteidigung beantragte im Berufungsverfahren die Einholung eines Glaubhaf-
tigkeitsgutachtens. So seien bei Fällen, bei denen es um die Beurteilung von Aussagen ge-
he, welche von Kindern oder Jugendlichen gemacht worden seien oder es um Aussagen von 
Opfern von Sexualstraftaten gehe, eine aussagepsychologische Begutachtung Pflicht. So 
könne es sein, dass die Privatklägerin teilweise oder nur abgeleitet erlebnisbasierte Ereignis-
se schildere. Die Gegenargumente der Vorinstanz seien nicht überzeugend (OG GD 2 S. 9).

Seite 15/58

4.1.1 Die Verfahrensleitung des Gerichts hat mit Präsidialverfügung vom 25. September 2023 den 
Antrag der amtlichen Verteidigung auf ein aussagepsychologisches Gutachten abgewiesen. 
Der amtliche Verteidiger stellte den Antrag an der Berufungsverhandlung nicht erneut. Auch 
zum Zeitpunkt der Urteilsberatung bestand kein Anlass, auf den Antrag der amtlichen Vertei-
digung von Amtes wegen zurückzukommen. 

4.1.2 Gemäss Bundesgericht ist die Prüfung der Glaubhaftigkeit von Aussagen einer Person 
grundsätzlich die Aufgabe des Gerichts. Eine Glaubwürdigkeitsbegutachtung dränge sich nur 
in besonderen Umständen auf, bspw. bei (1.) einem Kleinkind, (2.) bei ernsthaften Anzeichen 
von geistigen Störungen, welche Einfluss auf die Aussageehrlichkeit haben könnten oder 
(3.) bei Anzeichen, dass die befragte Person unter dem Einfluss von Drittpersonen stehen 
könnte (Urteil des Bundesgerichts 6B_1090/2018 vom 17. Januar 2019 E. 1.2 m.w.H).

4.1.3 Die Privatklägerin war zum Zeitpunkt ihrer Aussagen 14 Jahre alt und mithin kein Kleinkind 
mehr. Sie verstand die Bedeutung ihrer Aussagen und die daraus erwachsenen Konsequen-
zen, zumal ihr die Ernsthaftigkeit der Situation bereits kurz vor der Anzeigeerstattung am 
25. November 2019 von ihrer Schwester J.________ eindrücklich erläutert wurde (vgl. Chat, 
act. 1/1/19/28-39: "Das ist sehr schwerwiegend Schwester! Wirklich gravierend" […] "Ich 
weiss dass du Angst hast, aber du darfst nicht haben Schwester, das ist sehr sehr schwer-
wiegend" […] "Das ist wirklich sehr schwerwiegend Schwester…ernsthaft…wenn er beschul-
digt wird, kommt er in Haft Schwester"). Es ist ferner aufgrund der Zeugenaussage von 
L.________ belegt, dass sich die Privatklägerin wegen des Schicksals des Beschuldigten 
und den Auswirkungen auf ihre Mutter und ihren Stiefbruder sorgte und mithin über das gan-
ze Verfahren und dessen Bedeutung für ihre Mitmenschen emotional differenziert reflektierte 
(act. 2/56 Ziff. 13). Sie wurde darüber hinaus von der befragenden Kriminalpolizistin auch al-
tersgerecht über die Konsequenzen einer falschen Anschuldigung belehrt (act. 2/18 Ziff. 3-6). 
Es gibt keine Anzeichen, dass die Privatklägerin geistig-intellektuell die gravierende Bedeu-
tung ihrer Aussagen nicht verstand. Aus den Zeugenbefragungen der Lehrpersonen der Pri-
vatklägerin und ihren Schwestern ergeben sich darüber hinaus keine Hinweise, dass die Pri-
vatklägerin zum Zeitpunkt ihrer Aussagen an einer psychischen Krankheit litt, welche ihre 
Aussagetüchtigkeit beeinflussen könnte. Auch die Video-Aufzeichnungen der Privatklägerin 
anlässlich ihrer beiden Einvernahmen bei der Polizei geben keinen Anlass zu spekulieren, 
dass dies der Fall sein könnte. Die Privatklägerin wirkt orientiert, konzentriert und beantwor-
tete die Fragen der fallzuständigen Polizisten sozialadäquat. 

4.1.4 Es gibt darüber hinaus keine Hinweise, dass die Privatklägerin zum Zeitpunkt der Einver-
nahmen unter dem Einfluss einer Drittperson gestanden haben könnte. So wurden die Chat-
nachrichten der Privatklägerin im Zusammenhang mit der Anzeigeerstattung sichergestellt 
und befinden sich in den Akten. Darüber hinaus wurden die zuständigen Lehrerinnen und die 
Schwestern als Zeuginnen befragt. Aus den Chatnachrichten wie auch aus den Zeugenver-
nehmungen ergeben sich keine Anhaltspunkte, dass eine Drittperson einen Einfluss auf den 
Prozess der Anzeigeerstattung und die darauf folgenden Aussagen bei der Polizei gehabt 
haben könnte. Die Beteiligung ihrer Schwestern K.________ und J.________ und ihrer Leh-
rerin L.________ sowie die sich ab dem 25. November 2019 entwickelnde Dynamik bis zur 
Erstaussage am 6. Dezember 2019 wurde ausreichend durch Mobiltelefonauswertungen der 
Privatklägerin untersucht (act. 1/1/2) und die beteiligten Personen als Zeugen einvernom-
men. Ein Dritteinfluss kann somit verlässlich ausgeschlossen werden. 

Seite 16/58

4.1.5 Die Theorie des amtlichen Verteidigers, wonach die Privatklägerin nur teilweise oder abgelei-
tet erlebnisbasierte Ereignisse erzählt haben könnte, ist nicht überzeugend und derart speku-
lativ, dass sie bei jedem beliebigen Belastungszeugen geltend gemacht werden könnte (vgl. 
unten, E. II.3.5 Ziff. 3.5.1 ff.). 

4.1.6 Zusammenfassend sind vorliegend keine Gründe ersichtlich, ein aussagepsychologisches 
Glaubhaftigkeitsgutachten über die Aussagen der Privatklägerin zu erstellen. Es kann auf die 
Erwägungen betreffend mögliche Suggestionsprozesse in der nachfolgenden Beweiswürdi-
gung verwiesen werden (vgl. unten, E. II.3.6 ff.).

4.2 Die amtliche Verteidigung beantragte die Auswertung des Mobiltelefons des Beschuldigten, 
insb. betreffend ein eingereichtes Foto von einer Zigarettenschachtel, bei dem die Vorinstanz 
Bedenken geäussert habe (OG GD 2 S. 10). Die Verfahrensleitung des Gerichts hat den An-
trag in der Präsidialverfügung vom 25. September 2023 abgewiesen. Der amtliche Verteidi-
ger wiederholte den Beweisantrag an der Berufungsverhandlung nicht. Es besteht auch kein 
Anlass, von Amtes wegen auf den Beweisantrag zurückzukommen. Wie noch in der Beweis-
würdigung aufzuzeigen ist, geht das Gericht davon aus, dass das vom Beschuldigten einge-
reichte Foto von einer Zigarettenschachtel authentisch ist. Die entsprechende Darlegung ist 
indessen irrelevant, da damit kein wesentlicher Widerspruch in den Aussagen der Privatklä-
gerin aufgezeigt wird. Es ist dadurch auch nicht erstellt, dass der Beschuldigte den Umstand 
mit den Zigaretten nicht bereits früher kannte. Darüber hinaus wurde nicht geltend gemacht, 
dass entlastende Beweise auf dem Mobiltelefon des Beschuldigten vorhanden seien. Der 
Beweisantrag der amtlichen Verteidigung ist mithin abzuweisen.

4.3 Der Beweisantrag der amtlichen Verteidigung, die Privatklägerin erneut einzuvernehmen, 
wurde von der Verfahrensleitung gutgeheissen und die Privatklägerin wurde an der Beru-
fungsverhandlung erneut befragt. Die Parteien erhoben gegen diese Befragung keinen Wi-
derspruch. Es war notwendig, dass sich das Gericht – im Wissen, dass die Einvernahme im 
Berufungsverfahren vier Jahre nach der Einleitung des Strafverfahrens erfolgte – einen per-
sönlichen Eindruck der Privatklägerin verschafft. Zwar handelt es sich vorliegend nicht um 
ein klassisches Vier-Augen-Delikt, da mit der Tonaufzeichnung ein zusätzliches objektives 
Beweismittel besteht, welches einen nahen Bezug zum Anklagevorwurf aufweist. Trotzdem 
nehmen die Aussagen der Privatklägerin eine zentrale Stellung im Verfahren ein, und zwar 
sowohl was den Tatnachweis als auch die Tatfolgen betrifft. 

4.4 Die amtliche Verteidigung beantragte letztlich ein Sprachgutachten bezüglich der Wörter "es-
se" und "esta" in der portugiesischen Sprache (OG GD 2 S. 11). Die Verfahrensleitung hat 
den Antrag auf Einholung eines Sprachgutachtens in der Präsidialverfügung vom 25. Sep-
tember 2023 abgewiesen. Die amtliche Verteidigung wiederholte den Antrag an der Beru-
fungsverhandlung nicht. Es bestand überdies zum Zeitpunkt der Urteilsberatung kein Anlass, 
von Amtes wegen auf den Beweisantrag zurückzukommen. In der umstrittenen Tonaufzeich-
nung sagte die Privatklägerin folgendes: "O D.________, eu não sei porque tu queres ver 
esse merda" (dt. "Hey D.________, ich weiss nicht, warum du diese Scheisse sehen möch-
test"). Die amtliche Verteidigung vertritt die Auffassung, die Unterscheidung zwischen "esse" 
und "esta" sei wichtig, denn mit "esse" könne grammatikalisch in der portugiesischen Spra-
che kein Körperteil angesprochen werden. Allerdings ergibt sich aus der Tonaufzeichnung, 

Seite 17/58

dass die Privatklägerin unmittelbar vorher ausführte "Não vou mostrar merda nenhuma" (dt. 
"Ich werde keinen Scheiss zeigen"). Es ist somit möglich, dass die Privatklägerin die Fäkal-
ausdrücke verwendete, um nicht das Objekt, sondern den gesamten ihr unangenehmen Vor-
gang zu bezeichnen, was auch die amtliche Übersetzerin so auffasste und die Passage folg-
lich wie dargelegt übersetzte. Gestützt wird dies zusätzlich durch den Umstand, dass auch 
die Privatklägerin den Inhalt der Tonaufzeichnung im Kontext der Sachverhaltsdarstellung 
der Anklage schilderte (act. 2/37 Ziff. 151). Entscheidend ist – wie in der Beweiswürdigung 
noch aufzuzeigen ist – ohnehin nicht der genaue Wortlaut der Tonaufzeichnung, zumal die-
ser offensichtlich verklausuliert war ("Scheiss" anstatt "Jungfernhautüberprüfung" bzw. 
"Jungfernhaut"). Entscheidend sind die widersprüchlichen und letztlich belastenden Aussa-
gen, welche der Beschuldigte zur Tonaufzeichnung zu Protokoll gab (vgl. unten, E. II.2. Ziff. 
2.1 ff.). Der Beweisantrag des Beschuldigten ist somit abzuweisen.   

II. Beweiswürdigung 

1. Beweiswürdigungsregeln, Beweislage und Verweisung auf die Feststellungen der Vor-
instanz 

1.1 Die Normen zur Beweiswürdigung im Schweizer Strafprozess sowie die Besonderheit bei der 
beweisrechtlichen Würdigung von Aussagen wurden von der Vorinstanz zutreffend dargelegt. 
Darauf kann verwiesen werden (OG GD 1 E. I.4. Ziff. 4.1-4.3 S. 21-25). Ergänzt werden kann 
Folgendes:  

1.2 Der Richter würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen 
Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Er hat weder Beweisregeln noch einen numerus clausus 
der Beweismittel zu beachten, sondern soll einzig nach seiner persönlichen Überzeugung 
aufgrund gewissenhafter Prüfung darüber entscheiden, ob er eine Tatsache für bewiesen 
hält. Er ist dabei, wie erwähnt, an den in der Anklageschrift umschriebenen Sachverhalt ge-
bunden, nicht aber an dessen rechtliche Würdigung (Art. 9 Abs. 1; Art. 350 StPO), und auch 
nicht an die Anträge der Parteien. Die Organe der Strafrechtspflege sollen frei von Beweisre-
geln und nur nach ihrer persönlichen Überzeugung aufgrund gewissenhafter Prüfung der vor-
liegenden Beweise darüber entscheiden, ob sie eine Tatsache für bewiesen halten. Dabei 
sind sie freilich nicht nur der eigenen Intuition verpflichtet, sondern auch an (objektivierende) 
Denk-, Natur- und Erfahrungssätze sowie wissenschaftliche Erkenntnisse gebunden (BGE 
144 IV 345 E. 2.2.3.1).

1.3 Nach Art. 10 Abs. 3 StPO geht das Gericht von der für die beschuldigte Person günstigeren 
Sachlage aus, wenn unüberwindliche Zweifel daran bestehen, dass die tatsächlichen Vor-
aussetzungen des Anklagesachverhalts erfüllt sind. Diese Bestimmung operationalisiert den 
verfassungsmässigen Grundsatz der Unschuldsvermutung ("in dubio pro reo"). Sie verbietet 
es, bei der rechtlichen Würdigung eines Straftatbestands von einem belastenden Sachverhalt 
auszugehen, wenn nach objektiver Würdigung der gesamten Beweise ernsthafte Zweifel be-
stehen, ob sich der Sachverhalt tatsächlich so verwirklicht hat, oder wenn eine für die be-
schuldigte Person günstigere Tatversion vernünftigerweise nicht ausgeschlossen werden 
kann. Eine einfache Wahrscheinlichkeit genügt somit nicht. Auf der anderen Seite kann auch 

Seite 18/58

keine absolute Gewissheit verlangt werden; abstrakte und theoretische Zweifel sind kaum je 
ganz auszuräumen (BGE 144 IV 345 E. 2.2.1).

1.4 Der vorerwähnte "In-dubio-Grundsatz" wird indessen erst anwendbar, nachdem alle aus 
Sicht des Gerichts notwendigen Beweise erhoben und ausgewertet worden sind. Insoweit 
stellt er gerade keine Beweiswürdigungsregel dar. Im Falle einer uneinheitlichen, wider-
sprüchlichen Beweislage muss das Gericht die einzelnen Gesichtspunkte gegeneinander 
abwägen und als Resultat dieses Vorgangs das Beweisergebnis feststellen. Eine tatbe-
standsmässige, zum Schuldspruch beitragende Tatsache ist rechtserheblich festgestellt, so-
bald das Gericht erkennt, dass die Zuverlässigkeit des Beweisergebnisses nicht ernsthaft zu 
bezweifeln ist. Die freie Beweiswürdigung ermächtigt den Richter schon bei vernünftig schei-
nenden Zweifeln an der Schuld des Angeklagten, diesen freizusprechen. Mit Blick auf die 
Ausprägung des In-dubio-Grundsatzes als Beweislastregel muss ein Sachverhalt nach Über-
zeugung des Gerichts umgekehrt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erstellt 
sein, damit er dem Beschuldigten zur Last gelegt werden kann. Die "In-dubio-Regel" ist mit-
hin eine Anforderung zum Beweismass. Für die richterliche Überzeugung ist ein jeden ver-
nünftigen Zweifel ausschliessendes Urteil eines besonnenen und lebenserfahrenen Beob-
achters erforderlich. Ein im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO relevanter Zweifel kann sich nicht 
nur aus dem Ergebnis der Beweiswürdigung bezüglich des Vorhandenseins oder Nichtvor-
handenseins eines Lebenssachverhalts ergeben. Das Beweisergebnis kann auch darum 
zweifelhaft sein, weil es durch ernsthaft in Betracht fallende Sachverhaltsalternativen relati-
viert wird (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.2-4).

1.5 Das Gericht darf bei seiner Entscheidung auch indirekte, mittelbare Beweise, sogenannte 
Beweisanzeichen oder Indizien, d.h. Tatsachen, die einen Schluss auf eine andere, unmittel-
bar entscheiderhebliche Tatsache zulassen, berücksichtigen. Indizien sind sogar unentbehr-
lich zur Aufdeckung innerer Tatsachen wie des Vorsatzes. Dabei können einzelne Indizien 
praktisch mit Sicherheit auf ein Beweisthema hinweisen, während andere dies nur mit einer 
gewissen (mehr oder weniger grossen) Wahrscheinlichkeit tun. Es ist zulässig, aus der Ge-
samtheit der verschiedenen Indizien, welche je für sich allein betrachtet nur mit einer gewis-
sen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und inso-
fern Zweifel offen lassen, auf den vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat oder Täter zu 
schliessen. Somit ist der Indizienbeweis dem direkten Beweis gleichwertig. Der Indizienpro-
zess als solcher verletzt weder die Unschuldsvermutung noch die aus ihr abgeleiteten Teil-
rechte. Der Grundsatz "in dubio pro reo" ist dabei nur auf die ganze Beweisführung anwend-
bar, nicht jedoch auf einzelne Indizien (vgl. im Wesentlichen Urteil des Bundesgerichts 
6B_605/2016 vom 15. September 2016 E. 2.8 mit Hinweisen, aber auch ZR 106/2007 Nr. 46 
mit Hinweisen; Walder, Der Indizienbeweis im Strafprozess, ZStR 108/1991 S. 299 ff.).

1.6 Die Vorinstanz fasste auch die im Untersuchungsverfahren erhobenen Aussagen der Klas-
senlehrerin L.________ (OG GD 1 E. II.2. Ziff. 2.3.1 S. 36-37), der Schwester K.________ 
(OG GD 1 E. II.2. Ziff. 2.3.2 S. 37-38), der Mutter M.________ (OG GD 1 E. II.2. Ziff. 2.3.3 
S. 39), des leiblichen Vaters N.________ (OG GD 1 E. II.2. Ziff. 2.3.4 S. 39), der älteren 
Schwester J.________ (OG GD 1 E. II.2. Ziff. 2.3.5 S. 39-41), der Aufklärungsunterrichtsleh-
rerin O.________ (OG GD 1 E. II.2. Ziff. 2.3.6 S. 41), der Freundin P.________ (OG GD 1 
E. II.2. Ziff. 2.3.7 S. 41-42) und der ehemaligen Primarschullehrerin der Privatklägerin, 

Seite 19/58

Q.________ (OG GD 1 E. II.2. Ziff. 2.38 S. 42), zutreffend zusammen. Darauf kann verwie-
sen werden. 

1.7 Im Zentrum der Sachbeweise steht die Audiodatei vom 3. Dezember 2019, welche die Pri-
vatklägerin aufnahm. Aus der Audiodatei ergibt sich, dass der Beschuldigte der Privatklägerin 
mitteilte, sie solle sich umziehen, um zeigen zu kommen. Die Privatklägerin machte deutlich, 
dass sie das nicht wolle und teilte dem Beschuldigten mit, dass sie von der Schule her wisse, 
dass man "es" gar nicht sehen könne. Der Beschuldigte entgegnete darauf, dass er "es" 
nicht sehen möchte (vgl. Übersetzung in act. 1/1/4/2/4). 

1.8 Weitere Beweismittel sind Textnachrichten zwischen der Privatklägerin und ihrer älteren 
Schwester J.________ (OG GD 1 E. II.2. Ziff. 2.4.2 S. 44-46), der Fotobericht der Polizei zu 
den Tatorten (OG GD 1 E. II.2. Ziff. 2.4.3 S. 46), der Befund und das Gutachten über die 
ärztliche Untersuchung der Privatklägerin (OG GD 1 E. II.2. Ziff. 2.4.4 S. 46) sowie das Schü-
lerdossier der Privatklägerin (OG GD 1 E. II.2. Ziff. 2.4.5 S. 46-47). Die Vorinstanz fasste 
diese Beweismittel zutreffend zusammen, weswegen darauf verwiesen werden kann.  

1.9 Die Vorinstanz fasste die Aussagen der Privatklägerin an den beiden polizeilichen Einver-
nahmen im Untersuchungsverfahren zutreffend zusammen bzw. druckte die wesentlichen 
Aussagen in den beiden Einvernahmen thematisch geordnet im Urteil ab. Darauf kann ver-
wiesen werden (OG GD 1 E. II.2. Ziff. 2.1 S. 27-31). Die Privatklägerin wurde an der Beru-
fungsverhandlung am 4. Dezember 2023, vier Jahre nach der Tonaufzeichnung vom 3. De-
zember 2019 und der nachfolgenden Einleitung eines Strafverfahrens, erneut befragt (OG 
GD 23 S. 6 ff.). Sie sagte zusammengefasst aus, dass es ihr eine Zeitlang schlecht gegan-
gen sei, als sie (nach der Anzeigeerstattung) zu ihrem Vater gezogen sei. Sie habe psycho-
logische Hilfe gesucht und würde heute noch alle zwei Wochen die Psychologin aufsuchen. 
Sie sei damals mit der Absicht zur Polizei gegangen, weil sie ihren Stiefvater habe anzeigen 
wollen. Sie wolle, dass er bestraft werde für das, was er getan habe. Ihre damalige Vorstel-
lung sei gewesen, dass sie bei einer Anzeigeerstattung frei werde, dass sie nicht immer in 
Angst leben müsse, wenn sie nach Hause komme. Am Tag der Tonaufzeichnung (3. Dezem-
ber 2019) sei sie nach Hause gelaufen. Sie habe ihren Stiefvater auf dem Balkon rauchen 
gesehen und ihre Schwester telefonisch kontaktiert. Diese habe ihr mitgeteilt, zu warten und 
nichts zu machen. Sie sei dann reingegangen. Sie habe fast keinen Akku mehr gehabt. Sie 
habe begonnen, das Sprachmemo aufzunehmen. Der Beschuldigte sei dann gekommen und 
habe ihr gesagt, sie solle sich umziehen, weil er sehen wolle, ob sie noch Jungfrau sei. Dann 
hätten die Diskussionen begonnen, die es immer gegeben habe. Üblicherweise (d.h. als 
Standardablauf) sei bei den Übergriffen Folgendes geschehen: Sie sei nach Hause gekom-
men. Er sei entweder schon zuhause gewesen oder nicht. Er sei dann meistens zu ihr ge-
kommen und habe ihr gesagt, sie solle sich umziehen, er würde es gerne sehen. Sie habe 
sich dann umgezogen, er habe ihr Handy mit einem Stück Altpapier abgeklebt, sie habe sich 
aufs Sofa legen und die Beine so ein bisschen nach innen beugen müssen. Sie habe die Ho-
sen ein bisschen runterziehen müssen und er sei immer mit dem Finger an ihren Privatbe-
reich gegangen. Sie habe immer gesagt, es tue weh. Dann sei er mit der Zunge rangegan-
gen, um es ein bisschen nass zu machen, damit es nicht mehr weh tue. Er sei auch immer 
wieder ins Zimmer, um zu schauen, ob die Mutter eingefahren sei oder nicht. Sobald es fertig 
gewesen sei, habe es geheissen, sie solle ins WC, kurz abwischen und putzen. Sie könne 
sich erinnern, dass der geschilderte Standardablauf sich teilweise anders abgespielt habe, 

Seite 20/58

bspw. seien sie mindestens einmal nicht im Wohnzimmer, sondern in seinem Zimmer gewe-
sen. Einmal habe sie seinen Privatbereich an ihrem Privatbereich gespürt. Sie habe ihn dann 
mit den Füssen weggestossen. Sie könne sich nicht erinnern, was er damals bei dieser Epi-
sode gesagt habe. Das Verhältnis mit dem Beschuldigten sei ansonsten immer gut gewesen. 
Betreffend Druckmittel gab die Privatklägerin zu Protokoll, dass er einmal ihr Handy kontrol-
liert habe. Im Verlauf des Browsers habe er gesehen, dass sie Sexvideos geschaut habe. Ein 
paar Tage später habe er sie gefragt, ob sie noch Jungfrau sei. Sie habe damals nicht ge-
wusst, was das sei. Er habe es ihr erklärt und habe das kontrollieren wollen. Er habe auch 
weitere Druckmittel verwendet, wobei sie hässig gewesen sei, weil er diesbezüglich ihr Zim-
mer durchsucht habe. Sie habe erst in der Sexualkunde bei ihrer Lehrerin gelernt, dass man 
"es" nicht nachschauen könne. Sie habe diesbezüglich vorher schon Gedanken gehabt, dass 
dies nicht möglich sei, aber erst ihre Lehrerin habe ihr das bestätigt. Sie habe ihre Schwester 
J.________ kontaktiert, weil sie dieser am meisten vertraut habe. Nachdem sie nach den 
Vorfällen zu ihrem leiblichen Vater gezogen sei, habe sie die Schule wechseln müssen. Sie 
habe schlechte Noten gehabt, sei immer wieder zusammengebrochen und habe geweint. Es 
sei dann auch die Corona-Pandemie ausgebrochen. Sie habe weder vorher noch später je-
mals andere Personen bei der Polizei beanzeigt. 

1.10 Die Vorinstanz legte die Aussagen des Beschuldigten im Untersuchungsverfahren und im 
erstinstanzlichen Gerichtsverfahren zutreffend dar. Darauf kann verwiesen werden (OG GD 1 
E. II.2. Ziff. 2.2 S. 31-36). Der Beschuldigte wurde ebenfalls an der Berufungsverhandlung 
vom 4. Dezember 2023 befragt (OG GD 23 S. 16 ff.). Er bestritt die Vorwürfe der Privatkläge-
rin, deren Aussagen er vorher im Gerichtssaal anhören konnte. Nach dem Vorspielen der 
Tonaufzeichnung sagte der Beschuldigte aus, dass er nur ihr Mobiltelefon habe kontrollieren 
wollen. Auf Vorhalt der Passage, dass sie in der Schule gelernt habe, dass man "diesen 
Scheiss" nicht sehen könnte, sagte der Beschuldigte aus, er sei bei diesem Teil des Ge-
sprächs in der Küche gewesen. Auf Vorhalt, dass er auf den Kommentar der Privatklägerin 
gemäss der Tonaufzeichnung eine sachlich nachvollziehbare Antwort gegeben habe, sagte 
der Beschuldigte aus, dass er bemerkt habe, dass sie sich über irgendetwas beschwert ha-
be. Aber wenn er gewusst hätte, dass sie über die Schule gesprochen hätte, hätte er ge-
wusst, dass sie nicht über Mobiltelefone sprechen würden. Auf Vorhalt, dass auf der vorher 
vorgespielten Tonaufzeichnung die Stimmen deutlich zu hören seien, sagte der Beschuldigte 
aus, dass er dazu nichts zu sagen habe; die Privatklägerin habe die Tonaufzeichnung ver-
wendet, um ihn zu belasten. Sie habe keine konkreten Ausdrücke verwendet und habe ihn in 
die Falle locken wollen. Motive dafür könne er keine nennen, allenfalls habe sie beim leibli-
chen Vater wohnen wollen, weil sie dort keine Regeln befolgen müsse. Die Privatklägerin sei 
eine normale Teenagerin gewesen. Er habe heute noch Kontakt zu den Schwestern und zur 
Mutter der Privatklägerin, die Privatklägerin habe er ab und zu in Portugal gesehen. Das ers-
te Mal dort habe sie ihm den Mittelfinger gezeigt. Die Situation mit den Anschuldigungen sei 
sehr schwierig für ihn, insbesondere in der ländlichen Region von Portugal, wo er und die 
Familie der Privatklägerin herstammen würden. 

2. Würdigung der Aussagen des Beschuldigten

2.1 Vom Beschuldigten sind – abgesehen von (1.) seinem Beschuldigtenstatus im laufenden 
Strafverfahren, (2.) den damit verbundenen Sanktionen und Massnahmen sowie (3.) den Im-
plikationen eines Tatnachweises auf sein Familienleben und seine Beziehungen zur Familie 

Seite 21/58

seiner Lebenspartnerin – keine weiteren Elemente aus den Akten erkennbar, welche seine 
generelle Glaubwürdigkeit beeinflussen könnten. 

2.2 Der Beschuldigte bestritt den Tathergang während des Untersuchungs- und Gerichtsverfah-
rens. Seine Aussagen sind betreffend das Kerngeschehen konstant und der Beschuldigte 
verwickelte sich nicht in wesentliche Widersprüche. Es sind zwar Tendenzen des Beschuldig-
ten erkennbar, argumentativ bei Aussagen zu seinen Gunsten etwas zu übertreiben (bspw. 
SG GD 8/1: "[…] da die Vorhänge komplett durchsichtig sind […]", vgl. dazu act. 1/1/8), was 
indessen wohl seinem Verfahrensstatus geschuldet ist und ihm nicht direkt als Tendenz zur 
Falschaussage anzulasten ist. Wie die Vorinstanz richtig dargelegt hat, sind die Aussagen 
des Beschuldigten zum Kerngeschehen sehr kurz (weil seiner Darlegung nach nichts pas-
siert sei) und kaum einer eingehenden Aussagewürdigung zugänglich. 

2.3 Hingegen sind gewisse Unstimmigkeiten in den Aussagen des Beschuldigten betreffend den 
Einsatz von Druckmitteln gegen die Privatklägerin ersichtlich. In der Hafteinvernahme sagte 
der Beschuldigte aus, dass er die Privatklägerin nie mit der Preisgabe von vertraulichen In-
formationen (insb. den Zigaretten) unter Druck gesetzt habe (act. 2/9 Ziff. 21). An der 
Schlusseinvernahme und während der Hauptverhandlung vor Strafgericht sagte der Be-
schuldigte hingegen aus, er habe die Privatklägerin mit den Zigaretten unter Druck gesetzt, 
damit diese ihm ihr Mobiltelefon zur Kontrolle zeige (act. 2/224 Ziff. 5; SG GD 8/1 S. 5). Die-
se Änderung in den Aussagen ist nicht ganz unwesentlich, zumal die Privatklägerin ebenfalls 
eine Drucksituation mittels Offenlegung ihrer Geheimnisse gegenüber ihrer Mutter im Verfah-
ren behauptete. Diese Aussageänderung des Beschuldigten erscheint aber nicht von aus-
schlaggebender Bedeutung. So handelte es sich beim genannten Thema aus Sicht des Be-
schuldigten an der Hafteinvernahme wohl eher um eine Nebensächlichkeit. 

2.4 Wesentlich auffälliger sind indessen die unterschiedlichen Darlegungen des Beschuldigten 
bei der Konfrontation mit dem Wortlaut der Tonaufzeichnung. 

2.4.1 Bei der Hafteinvernahme vom 6. Dezember 2019 sagte der Beschuldigte dazu aus, dass er 
zum mutmasslichen Tatzeitpunkt das Mobiltelefon der Privatklägerin habe kontrollieren wol-
len, um herauszufinden, warum sie seit Wochen immer so spät nachhause komme. Er habe 
ihr an dem Abend (d.h. am 3. Dezember 2019) gesagt: "Du wirst mir dein Handy zeigen 
müsse[n]. Du hast 5 Minuten dazu" […]. Der Beschuldigte ergänzte, dass die Privatklägerin 
zu diesem Zeitpunkt bereits die Kleider gewechselt gehabt habe (act. 2/5 Ziff. 18).

2.4.2 Bei der Einvernahme vom 17. Mai 2022 bestätigte der Beschuldigte, dass es zum Zeitpunkt 
der Tonaufzeichnung kontextual um die Kontrolle des Mobiltelefons der Privatklägerin ge-
gangen sei (act. 2/225 Ziff. 11). Auf konkreten Vorhalt der Passage aus der Tonaufzeich-
nung, wonach die Privatklägerin dem Beschuldigten mitteilte, dass sie "dieses Thema" in der 
Schule gehabt hätten und man "es" nicht sehen könne, sagte der Beschuldigte an der Ein-
vernahme aus, dass die Privatklägerin dies nur deswegen gesagt habe, um ihn durch die 
gleichzeitige Tonaufzeichnung zu Unrecht zu inkriminieren (act. 2/225 Ziff. 225). 

2.4.3 An der erstinstanzlichen Hauptverhandlung sagte der Beschuldigte nach konkretem Vorhalt 
des transkribierten Textes der Tonaufzeichnung, insbesondere der Passage "Ich weiss nicht, 
warum du diese Scheisse sehen möchtest, weil ich sehr wohl weiss, dass man dies nicht 

Seite 22/58

einmal wenn man es wollte, sehen kann. Weil ich dieses Thema bereits in der Schule hatte", 
hingegen erstmalig aus, dass er in der Küche gewesen sei und er nicht richtig verstanden 
habe, was die Privatklägerin ihm gesagt habe (SG GD 8/1 S. 6). Während der Berufungsver-
handlung wurde dem Beschuldigten die Tonaufzeichnung vorgespielt. Er bestätigte 
grundsätzlich seine Aussagen im erstinstanzlichen Gerichtsverfahren, d.h. er sagte aus, dass 
er die eingangs genannte Passage nicht richtig verstanden habe (OG GD 23 S. 6 ff.; vgl. 
oben, Ziff. 1.10). 

2.4.4 Mit der Aussage an der Hauptverhandlung bei der Vorinstanz, wonach er die Privatklägerin 
nicht richtig verstanden habe, weicht der Beschuldigte nicht nur von seinen früheren Aussa-
gen zur genannten Textpassage ab, sondern setzt sich auch hinsichtlich der Tonaufzeich-
nung in einen unauflösbaren Widerspruch. Denn aus der Tonaufzeichnung ergibt sich, dass 
die Privatklägerin fortdauernd laut sprach, weswegen sie auch vom Beschuldigten (erfolglos) 
aufgefordert worden ist, leiser zu sprechen. Die entsprechende Aufforderung wäre nicht zu 
erwarten gewesen, wenn laute Geräusche in der Küche die Stimme der Privatklägerin über-
deckt hätten. So ist auch der Beschuldigte auf der Tonaufzeichnung gut hörbar. Störende 
und die Tonaufzeichnung überlagernde Hintergrundgeräusche können nicht festgestellt wer-
den (so auch die Vorinstanz, OG GD 1 E. II.2. Ziff. 2.4.1.2 S. 43). Nach der genannten Pas-
sage, wonach die Privatklägerin aufgrund ihres Schulunterrichts nun wisse, dass man "es" 
nicht sehen könne, gab der Beschuldigte zudem auch eine im Rahmen der Konversation 
stimmige Folgeantwort, indem er sagte, dass er in dem Fall "es" nicht sehen möchte. Hätte 
er die Konversation – wie von ihm an der Schlusseinvernahme behauptet – nicht verstanden, 
wäre diese kontextual stimmige Antwort nicht zu erwarten gewesen. Insgesamt ergeben sich 
keine Zweifel, dass der Beschuldigte während der Tonaufzeichnung die Privatklägerin hörte 
und sie inhaltlich auch verstand. 

2.4.5 Im gleichen Kontext konnte der Beschuldigte zudem auch nicht überzeugend erläutern, war-
um er die Privatklägerin gemäss dem Wortlaut der Tonaufzeichnung zum "umziehen" und 
anschliessenden "zeigen" aufforderte. Es ist kein sachlicher Grund ersichtlich, warum sich 
die Privatklägerin in ihrem Zimmer erst umziehen musste, bevor sie ihr Mobiltelefon zeigen 
konnte. Eine Kontrolle des Mobiltelefons aus erzieherischen Gründen wäre auch nicht son-
derlich sinnvoll, wenn der Privatklägerin die Gelegenheit gegeben wird, vorgängig nachteilige 
Chats oder Bilder noch zu löschen. Demgegenüber wäre das Anziehen einer elastischen 
Trainerhose eine schlüssige Handlung, wenn die Tathandlungen, wie sie die Privatklägerin 
schildert, tatsächlich stattgefunden haben (vgl. dazu act. 2/25 Ziff. 50-52). Der Beschuldigte 
konnte den Punkt mit dem "umziehen und zeigen" auch während den Befragungen nicht 
schlüssig klären. So legte der Beschuldigte zuerst an der Hafteinvernahme vom 6. Dezember 
2019 (als er noch nichts von der Tonaufzeichnung vom 3. Dezember 2019 wusste) den 
Sachverhalt so dar, dass die Privatklägerin sich schon von sich aus vorher umgezogen hatte 
(vgl. act. 2/8 Ziff. 18). Auf konkreten Vorhalt der Tonaufzeichnung vom 3. Dezember 2019, 
insbesondere der Passage "Du hast 5 Minuten um dich umzuziehen und zeigen zu kom-
men.", sagte der Beschuldigte hingegen an der Schlusseinvernahme vom 17. Mai 2022 aus, 
dass die Privatklägerin schon dabei gewesen sei, sich umzuziehen oder sich darauf vorberei-
tet habe (act. 2/225 Ziff. 11). Diese Anpassung der Aussage nach Vorhalt der Tonaufzeich-
nung ist nicht unwesentlich, da der Beschuldigte an der Hafteinvernahme die Angelegenheit 
so darstellte, dass sich die Privatklägerin bereits schon vorher von sich aus umgezogen hat-

Seite 23/58

te, womit er nicht mit der Anweisung an die Privatklägerin, sich umzuziehen, in Verbindung 
gebracht werden konnte. 

2.5 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass der Beschuldigte keine überzeugenden Angaben 
machte, mit denen er die Tonaufzeichnung und die belastenden Angaben der Privatklägerin 
dazu widerlegen konnte. Eine Alternativmöglichkeit, die mit den belastenden Tonaufzeich-
nungen vereinbar wäre und diese in einem harmlosen Zusammenhang stellen könnte, kann 
der Beschuldigte nicht glaubhaft aufzeigen. Seine Aussagen zu den Tonaufzeichnungen sind 
vielmehr wechselhaft, widersprüchlich und weisen damit typische Merkmale einer spontanen 
Schutzbehauptung auf, welche er in einzelnen Aspekten zudem der Beweislage anpasste. 
Die Kombination der Aussagen der Privatklägerin zum Inhalt der Tonaufzeichnung, die mit 
diesen Aussagen vereinbare Tonaufzeichnung sowie die ungenügenden und widersprüchli-
chen Aussagen des Beschuldigten zur Tonaufzeichnung belasten diesen erheblich. Gleich-
zeitig stützt die Tonaufzeichnung die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin deut-
lich. 

2.6 Nicht überzeugend ist die von der amtlichen Verteidigung an der Berufungsverhandlung vor-
gebrachte Interpretation der Tonaufzeichnung (OG GD 23/2 S. 29). Es trifft zu, dass die Pri-
vatklägerin nicht schilderte, dass der Beschuldigte am 3. Dezember 2019 ihre Mutter vorab 
telefonisch kontaktierte, um zu prüfen, wann sie nach Hause komme. Dies bedeutet indessen 
nicht, dass der Beschuldigte nicht darüber informiert war. So war der Beschuldigte am 3. De-
zember 2019 bereits zu Hause, als die Privatklägerin eintraf. Ebenfalls ist spekulativ, ob sich 
die Familienmitglieder (insb. die Privatklägerin) jeweils gleich umgezogen haben, als sie 
nach Hause kamen. Fakt ist diesbezüglich, dass der Beschuldigte die Privatklägerin gemäss 
der Tonaufzeichnung aktiv aufforderte, sich umzuziehen und "zu zeigen". Ein Umziehen ist 
wie dargelegt beim Zeigen des Mobiltelefons eher unwahrscheinlich, während es hingegen 
für den von der Privatklägerin geschilderten Tathergang notwendig war, dass sie elastische 
Trainerhosen oder kurze Hosen anzog. Ebenfalls wurde bereits dargelegt, dass der Beschul-
digte die Sequenz, dass die Privatklägerin in der Schule gelernt habe, dass man "es" gar 
nicht sehen könne, ausreichend klar verstand, zumal er in seiner Antwort darauf Bezug 
nahm. Bei dieser Ausgangslage ist es ausgeschlossen, dass der Kontext der Tonaufzeich-
nung von einer Kontrolle des Mobiltelefons (als "Nullhypothese") handelte, denn die Bezug-
nahme auf die Schule macht kontextual nur im Zusammenhang mit den belastenden Aussa-
gen der Privatklägerin Sinn. Aus dem Umstand, dass die damals 14-jährige Privatklägerin 
nicht konkret von "Jungfräulichkeitskontrolle" oder "Vagina" sprach, kann der Beschuldigte 
nichts für sich ableiten. So schilderte die Privatklägerin den eigentlichen Tathergang (d.h. 
dem Einführen der Finger in ihre Vagina) sowohl gegenüber ihrer Schwester wie auch ge-
genüber der befragenden Polizistin zurückhaltend, was als altersgerecht erscheint. 

3. Würdigung der Aussagen der Privatklägerin 

3.1 Glaubwürdigkeit

3.1.1 Betreffend die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin ist festzuhalten, dass diese ebenfalls ein 
Interesse am Ausgang des vorliegenden Verfahrens hat. Gemäss ihrer Mutter M.________ 
habe die Privatklägerin lieber bei ihrem leiblichen Vater wohnen wollen als bei ihr und dem 
Beschuldigten (act. 2/95 Ziff. 6). Ihre Tochter habe dies mehrfach gesagt (act. 2/99 Ziff. 21), 

Seite 24/58

was diese auch bestätigte (act. 2/36 Ziff. 149). Auch die Lehrerin L.________ bestätigte, 
dass die Privatklägerin zu ihrem Vater gewollt habe, interpretierte dieses Bedürfnis indessen 
nachträglich mit den sexuellen Handlungen des Beschuldigten (act. 2/58 Ziff. 23). Diesbezüg-
lich ist wesentlich, dass soweit ersichtlich eher das Verhältnis der Privatklägerin zu ihrer ob-
hutsberechtigten Mutter problembehaftet war und nicht zum Beschuldigten (act. 2/152 
Ziff. 36). Ansonsten zeigen die Schilderungen des Zusammenlebens der Familie .________ 
zusammen mit dem Beschuldigten ein eher unauffälliges Bild (bspw. act. 2/152 Ziff. 32 ff.). 
Ebenfalls gibt es keine Anzeichen, dass die Privatklägerin über die Äusserung ihrer Wünsche 
hinausgehend handelte, bspw. indem sie von zuhause weglief. So muss auch gewürdigt 
werden, dass die Privatklägerin sich in ihrer Schulklasse im Kanton Zug wohl fühlte, gut inte-
griert war und sich keinen Klassenwechsel wünschte (act. 2/53). Dies spricht dezidiert gegen 
das Motiv, dass die Privatklägerin um jeden Preis zu ihrem leiblichen Vater in den Kanton 
R.________ umziehen wollte. Gesamthaft gewürdigt kann trotzdem nicht mit Sicherheit aus-
geschlossen werden, dass die Privatklägerin allenfalls hätte denken können, Anschuldigun-
gen gegen den Beschuldigten würde sie einem Umzug zu ihrem leiblichen Vater näherbrin-
gen. 

3.1.2 Weiter sind Aussagen der Mutter M.________ betreffend das Sozialverhalten der Privatklä-
gerin aktenkundig. Demnach habe die Privatklägerin sie betreffend Erfüllung der Hausaufga-
ben ab und zu belogen (act. 2/95 Ziff. 5), was ihre Lehrerin indessen nicht bestätigen konnte 
(act. 2/61). Sodann soll die Privatklägerin gemäss ihrer besten Freundin P.________ einmal 
im Sommer 2018 ihre Schminksachen unrechtmässig behändigt haben (act. 2/154 Ziff. 50). 
Beide Vorfälle sind indessen als Bagatellen einzustufen, welche die generelle Glaubwürdig-
keit der Privatklägerin nicht wesentlich erschüttern können. So schilderten auch die Lehrerin-
nen der Privatklägerin keine ausgefallenen Charaktereigenschaften, welche man bei einer 
14-jährigen Jugendlichen nicht erwarten würde (vgl. act. 2/139 [O.________]: "[…] Sie ist 
clever und schöpft leider ihr volles Potential nicht aus. Sie ist herzlich aber auch impulsiv. Sie 
ist meines Erachtens in der Klasse gut integriert. Ich würde sie als fröhliches Mädchen be-
zeichnen […]" oder act. 2/173 [Q.________]: "[…] Offen. Auch ehrlich. Sie ist tough und kann 
sich gegen verbale Angriffe wehren. Sie hat ihre Emotionen oft gezeigt; vor allem wenn sie 
wütend war. Sie lebte vielfach ihren Willen aus. Wenn sie auf etwas keine Lust hatte, dann 
machte sie es auch nicht" […]; act. 2/62 [L.________] "[…] Aber sie ist allgemein in einer gu-
ten Entwicklung […]). Zusammenfassend geben die Lehrerinnen der Privatklägerin ein Cha-
rakterzeugnis ab, welches zwar auf Temperament, nicht aber auf Manipulationsfähigkeit hin-
deutet.  

3.1.3 Wie bereits dargelegt, verstand die zum Zeitpunkt der Anschuldigungen 14-jährige Privatklä-
gerin die Bedeutung ihrer Aussagen bei der Polizei und die damit zusammenhängenden 
Konsequenzen (E. I.4. Ziff. 4.1.3). Sie wurde darüber hinaus zu Beginn der ersten Einver-
nahme altersgerecht über die Konsequenzen einer falschen Anschuldigung aufgeklärt (vgl. 
act. 1/1/19/28-39; act. 2/18 Ziff. 3-6). Ihr wurde von der Polizei erklärt, dass es Alternativlö-
sungen gebe, damit sie zu ihrem Vater gehen könne und sie die belastenden Aussagen zum 
Nachteil des Beschuldigten nicht machen müsse, um von zu Hause wegzukommen. Die Pri-
vatklägerin bestätigte, dass sie diese Möglichkeiten kenne (act. 2/40 Ziff. 172). Die Privatklä-
gerin war auch in der Lage, vertieft über die Konsequenzen ihrer Aussagen zu reflektieren. 
So schilderte sie gegenüber der Lehrerin L.________ ihre Sorgen im Zusammenhang mit ei-
nem Strafverfahren, insb. auch betreffend mögliche negative Auswirkungen auf ihre Mutter 

Seite 25/58

und ihren Stiefbruder, falls der Stiefvater ins Gefängnis müsse (act. 2/56 Ziff. 13). Diese Um-
stände stärken die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin. 

3.1.4 Insgesamt sind vorliegend keine Gründe ersichtlich, der Privatklägerin die Glaubwürdigkeit 
abzusprechen. Diese kann höchstens als leicht eingeschränkt beurteilt werden. In sprachli-
cher Hinsicht spricht die Privatklägerin zwar Schweizerdeutsch, es ist indessen erkennbar, 
dass Deutsch nicht ihre Muttersprache ist und sie (allenfalls auch aufgrund ihres damaligen 
Alters von 14 Jahren) teilweise Probleme hatte, sich sprachlich präzise auszudrücken (bspw. 
act. 2/22 Ziff. 22). 

3.2 Schilderung der zeitlichen und örtlichen Komponente 

3.2.1 Aus den Befragungsprotokollen ergibt sich, dass die Privatklägerin Schwierigkeiten hatte, die 
von ihr geschilderten mehrfachen Vorfälle, die sich im Alter von 12 bis 14 Jahre ereignet ha-
ben sollen, in zeitlicher Hinsicht präzise einzuordnen. Sie nennt jeweils den üblichen Tatzeit-
raum (Abend zwischen 17:00 Uhr und 18:30 Uhr, act. 2/21 Ziff. 15) und ihre subjektive Ein-
schätzung der üblichen Zeitdauer (5-10 Minuten) der Vorfälle. Wie die amtliche Verteidigung 
korrekt aufzeigt (OG GD 23/2 Ziff. 32 ff.; Ziff. 55), hatte die Privatklägerin jedoch erhebliche 
Mühe, die Gesamtanzahl und die Kadenz der Vorfälle zu schildern (act. 2/42 Ziff. 184 ff.; act. 
2/33 Ziff. 122 ff.). Die Privatklägerin verwies in den Einvernahmen darauf, dass sie die An-
zahl der Vorfälle nicht gezählt habe und legte während den Befragungen ihre Unsicherheit 
betreffend die Gesamtanzahl offen (act. 2/43 Ziff. 192). Zudem fügte die Privatklägerin auch 
an, dass die Übergriffe in zeitlicher Hinsicht nicht regelmässig waren und u.a. von ihrer Peri-
ode abhingen und es in den Ferien in Portugal keine Übergriffe gegeben habe (act. 2/33 
Ziff. 122).

3.2.2 Bei der Prüfung der zeitlichen Darlegungen der Privatklägerin ist zu berücksichtigen, dass 
sich die Übergriffe gemäss der Anklage zwischen dem 22. März 2017 und dem 3. Dezember 
2019 ereigneten und es sich um ca. 40-50 Übergriffe gehandelt haben soll. Die Privatklägerin 
war damals 12- bis 14-jährig. In einem solchen Kontext kann nicht erwartet werden, dass die 
Privatklägerin jeden einzelnen Übergriff genau zeitlich einordnen und exakt schildern kann. 
Die Privatklägerin musste die eigentlichen Handlungen des Beschuldigten in ihren Einver-
nahmen somit sowohl vom Zeitpunkt wie auch vom Ablauf her generalisieren. Der von der 
Privatklägerin geschilderte, ritualmässige Ablauf ist im Übrigen auch aufgrund des vorgebli-
chen Charakters der Handlungen als (ungeliebte und unangenehme) Erziehungsmassnahme 
glaubhaft. 

3.2.3 Wesentliche Abweichungen von diesem Standardvorgehen konnte die Privatklägerin dabei 
entgegen der Auffassung der amtlichen Verteidigung auf angemessene Art und Weise schil-
dern. So beispielsweise (1.) die Episode, wo der Beschuldigte ihre Vagina mit seinem Penis 
berührt haben soll und die jeweiligen Reaktionen darauf, (2.) was der Beschuldigte ihr sagte, 
als die Mutter unten parkierte, (3.) was sie während ihren Monatsblutungen sagen musste, 
damit der Beschuldigte von seinem Vorhaben abliess und (4.) ihre Reaktion, als der Be-
schuldigte sie über den Kleidern an den Brüsten berührte (act. 2/30 Ziff. 96; act. 2/32 
Ziff. 112; act. 2/33 Ziff. 125; act. 2/26 Ziff. 61 ff.). Entgegen der Auffassung der amtlichen 
Verteidigung schilderte die Privatklägerin mithin durchaus besondere Vorkommnisse, welche 
vom Standardablauf abwichen. Ob diese Aufzählung abschliessend ist, kann offenbleiben. 

Seite 26/58

Dass die Privatklägerin nicht mehr genau darlegen konnte, wann diese Besonderheiten auf-
traten, ist angesichts der dargelegten Umstände nachvollziehbar. Ferner ist es auch plausi-
bel, dass sich das ansonsten serielle Verhalten und der Kontext der Übergriffe mit dem Ver-
lauf der Zeit jeweils leicht änderten. So legte auch die Privatklägerin dar, dass der Beschul-
digte zu unbekannten späteren Zeitpunkten weitere Geheimnisse in Erfahrung bringen konn-
te (act. 2/20 Ziff. 12), dass er erst zu einem unbekannten späteren Zeitpunkt seine Zunge im 
Rahmen der Jungfräulichkeitsprüfung verwendete (act. 2/27 Ziff. 67) und sie schliesslich zu 
einem unbekannten Zeitpunkt ca. im Sommer 2019 in der Schule lernte, dass eine Jungfräu-
lichkeitsprüfung mittels Finger kein taugliches Mittel sei, um zu überprüfen, ob sie noch Jung-
frau ist. 

3.2.4 Dass von der Privatklägerin teilweise nicht genau geklärt werden konnte, ob das zusätzliche 
Druckmittel mit den Zigaretten erst im Sommer 2018 oder im März 2019 hinzukam, ist vor 
diesem Kontext nicht relevant, da zu unterschiedlichen Zeiten diverse Druckmittel eingesetzt 
wurden und die entsprechenden Angaben der Privatklägerin letztlich grobe Schätzungen 
sind. So schilderte die Privatklägerin eindrücklich, dass es vor den Handlungen jeweils ein 
Hin- und Her zwischen ihr und dem Beschuldigten gab, da sie sich den Handlungen nicht un-
terziehen wollte. Es ist somit durchaus plausibel, dass sich sowohl Dauer wie auch Inhalt 
dieser Diskussionen und der jeweils vorgebrachten Druckelemente vor den Tathandlungen 
(d.h. bis die Privatklägerin einlenkte) änderte. Im Übrigen ist durch das Foto mit Zigaretten 
vom März 2019 keineswegs belegt, dass der Beschuldigte erst ab diesem Zeitpunkt vom Zi-
garettenkonsum wusste. Auch dass die Privatklägerin die genaue Anzahl der Vorfälle nicht 
genau angeben kann (wobei sie ihre diesbezügliche Unsicherheit auch adäquat zum Aus-
druck brachte), spricht angesichts des Umstandes, dass sie diese für längere Zeit als Erzie-
hungsmassnahme interpretierte und darüber keine Aufzeichnungen verfasste, nicht gegen 
die Glaubhaftigkeit ihrer Schilderungen. 

3.2.5 Gesamthaft gewürdigt ergeben sich aus den zeitlichen Komponenten keine Hinweise darauf, 
dass die Darstellungen der Privatklägerin unwahr sein könnten. Es trifft wie dargelegt zu, 
dass die Privatklägerin bei ihren Aussagen teilweise generalisierte, indem sie bspw. schilder-
te, der Beschuldigte habe immer die Mutter kontaktiert, um zu fragen, ob sie nach Hause 
komme (act. 2/29 Ziff. 89). Dies wird wohl meistens, aber nicht immer der Fall gewesen sein. 
Gleichfalls liegt es bspw. auch im Bereich des Möglichen, dass der Beschuldigte nicht immer 
Trainerhose und T-Shirts trug oder die Privatklägerin vereinzelt während den Tathandlungen 
keine Youtube- oder Tiktok-Videos schaute. Angesichts des langen Zeitraums und der hohen 
Anzahl der behaupteten Übergriffe ist indessen die Generalisierungstendenz der Privatkläge-
rin nicht als Lügensignal aufzufassen. So lag es wie dargelegt in der Natur der Vorwürfe, 
dass diese nicht einzeln geschildert werden konnten. 

3.2.6 Auch die Räumlichkeiten, die Positionen und den physischen Ablauf der Handlungen des 
Beschuldigten schilderte die Privatklägerin stimmig. Eindrücklich ist beispielsweise die Be-
fragungsphase, wo die Privatklägerin darlegte, dass sie die Hosen jeweils nur bis zum 
Schienbein runtergezogen habe. Auf die kritische Nachfrage der Polizistin hin, dass dies bei 
gespreizten Beinen nur schwer möglich sei, konnte die Privatklägerin schlüssig antworten, 
dass dies mit elastischen Trainerhosen durchaus möglich sei (act. 2/21 Ziff. 50-52). Die Pri-
vatklägerin plausibilisiert mit dieser Aussage gleichzeitig die zu Beginn der Befragung 
getätigte Aussage, dass der Beschuldigte sie jeweils aufgefordert habe, sich umzuziehen 

Seite 27/58

und sie jeweils Trainerhosen angezogen habe (act. 2/21 Ziff. 16 und act. 2/25 Ziff. 46). Ein 
Umziehen wäre offensichtlich nicht notwendig gewesen, wenn die Privatklägerin die Hosen 
(bspw. Jeans) jeweils ganz ausgezogen hätte. Ein Abgleich der Aussagen der Privatklägerin 
mit den festgestellten Sachbeweisen ergibt keine überzeugenden Hinweise darauf, dass die 
von der Privatklägerin wiedergegebenen Sachverhalte auf reiner Phantasie beruhen könnten. 
Es kann diesbezüglich auf die detaillierten Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden 
(OG GD 1 E. II.3. Ziff. 3.1.1 S. 51-54). 

3.2.7 Entgegen der Auffassung der amtlichen Verteidigung trifft es nicht zu, dass der von der Pri-
vatklägerin beschriebene Ort für sexuelle Übergriffe ungeeignet wäre. Es ist nicht ersichtlich, 
aus welchen zwingenden Gründen die Übergriffe nicht hauptsächlich im Wohnzimmer statt-
finden konnten (vgl. dazu die Aufnahmen in act. 1/1/8 ff; bzw. SG GD 4/13/3). So ist der 
Sichtbereich auf eine liegende Person auf dem Sofa im Wohnzimmer sowohl durch zwei 
Vorhänge (weiss, dunkel, welche gemäss der Privatklägerin vom Beschuldigten zugemacht 
worden seien, vgl. act. 2/30 Ziff. 90 ff.) sowie durch die Balkonbrüstung verdeckt, so dass die 
Tathandlungen nicht vom weit entfernten Nachbarhaus beobachtet werden konnten (act. 
1/1/8, oberes Bild). Die Schlussfolgerung der amtlichen Verteidigung, dass es auch vom 
Wohnzimmer aus möglich gewesen wäre, auf den Parkplatz zu schauen, mag zutreffend 
sein. Vom Zimmer des Beschuldigten aus konnte der Parkplatz der Mutter indessen auch gut 
überblickt werden (act. 1/1/13). Ein Grund, warum der Beschuldigte in sein Zimmer ging, 
könnte darin gelegen haben, (1.) dass sich vor dem Fenster im Wohnzimmer noch das Sofa 
befand, (2.) dass der Vorhang des Fensters gezogen oder der Fensterladen verschlossen 
war (vgl. act. 1/1/8; dies war zum Zeitpunkt der Fotoaufnahmen der Polizei der Fall) oder 
(3.) dass der Beschuldigte nicht wollte, dass die Privatklägerin ihn dabei sah, wie er nach der 
Mutter Ausschau hielt, und deswegen dafür kurz in sein Zimmer ging. Zumindest ergeben 
sich aus den Einwendungen der amtlichen Verteidigung keine überzeugenden Gründe, die 
Darstellung der Privatklägerin zu den räumlichen Verhältnissen zu widerlegen. 

3.2.8 Weitere kleinere Widersprüche in den Aussagen der Privatklägerin sind ohne wesentliche 
Bedeutung für die Beweiswürdigung (Verweis auf OG GD 1 E. II.3 Ziff. 3.1.2 S. 56-57). 

3.3 Realkennzeichen und Lügensignale 

3.3.1 Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass die Aussagen der Privatklägerin eine erhebliche 
Quantität und Qualität hinsichtlich Realkennzeichen aufweisen, wodurch diese glaubhaft wir-
ken.

3.3.2 Der Sachverhalt mit den Jungfräulichkeitsprüfungen bzw. den Jungfräulichkeitskontrollen des 
Beschuldigten, welche die Privatklägerin der Polizei darlegte, weist einen hohen Grad an 
Originalität und an Individualität auf. Es erscheint nur schwer vorstellbar, dass die damals 14-
jährige Privatklägerin eine fiktive Geschichte mit Jungfräulichkeitskontrollen frei erfinden 
könnte, um den Beschuldigten zu Unrecht zu belasten. Wesentlich ist dabei, dass die Privat-
klägerin zu weiten Teilen keinen klaren Lustfokus der Handlungen des Beschuldigten schil-
dert, sondern routinemässige Handlungen, die – bis auf die Berührungen ihrer Geschlechts-
organe, welche aber mit einer Erziehungsmassnahme kontextual gerechtfertigt wurden – 
wenig mit sexueller Lust zu tun haben. Bei einer falschen Anschuldigung wäre eine schema-
tischere Belastung mit einem anhand seiner Handlungen klar erkennbaren sexuellen Motiv 

Seite 28/58

des Beschuldigten zu erwarten gewesen (bspw. sexuell konnotiertes Ausgreifen der Ge-
schlechtsorgane, gleichzeitiges Onanieren etc.). 

3.3.3 Auch ansonsten weisen einzelne Aussagen der Privatklägerin einen hohen Grad an Origina-
lität und Individualität aus, womit sie von schematischen Vorwürfen im Sexualstrafbereich er-
heblich abweichen. So schilderte die Privatklägerin, dass sie bei der Vornahme der Tathand-
lungen jeweils Youtube- oder Tiktok-Videos auf ihrem Mobiltelefon geschaut habe, wobei der 
Beschuldigte jeweils die Kamera ihres Mobiltelefons mit dem gelben Klebestreifen aus der 
Küche abgeklebt habe (act. 2/41 Ziff. 179; vgl. zum gelben Klebeband: Fotobericht, act. 
1/1/14; act. 2/29 Ziff. 79 ff.). Diese Ausführungen wirken auf den ersten Blick überraschend, 
da es keineswegs als üblich erscheint, dass ein Opfer eines sexuellen Übergriffs während 
der Tatausführung Youtube- oder Tiktok-Videos auf dem Mobiltelefon anschaut. Diese über-
raschenden Aussagen der Privatklägerin sind aber dennoch nachvollziehbar, da die Privat-
klägerin gemäss ihren Darlegungen bis ca. im Sommer 2019 nicht wusste, dass eine Jung-
fräulichkeitsprüfung durch Austasten der Vagina mit dem Finger nicht durchführbar war. Die 
Privatklägerin ging folglich davon aus, dass die Handlungen des de facto erziehungsberech-
tigten Beschuldigten aus sachgerechten Gründen (bzw. als Reaktion auf ihren Pornokonsum) 
erfolgten und er die Prüfung ihrer Jungfräulichkeit im Sinne einer Erziehungsmassnahme 
ausführte, wie ihre Mutter und der Beschuldigte beispielsweise auch den Inhalt ihres Mobilte-
lefons kontrollierten (act. 2/96 Ziff. 10). Darüber hinaus gab die Privatklägerin selber zu Pro-
tokoll, dass sie damals noch "handysüchtig" gewesen sei und diese Art von Gerät folglich 
häufig privat verwendete (act. 2/19 Ziff. 12). Diese Schilderungen der Tathandlungen durch 
die Privatklägerin sind insgesamt in hohem Ausmass individuell und ausgefallen, aber den-
noch plausibel und nachvollziehbar, so dass insgesamt nicht von einer realitätsfremden 
Phantasterei ausgegangen werden muss. 

3.3.4 Die Privatklägerin beantwortete die Fragen der Polizei an der Ersteinvernahme vom 6. De-
zember 2019 zuerst etwas schüchtern, legte dann im Verlauf der Befragung bei der Be-
schreibung der Tathandlungen die jeweiligen Aktionen und Reaktionen zwischen ihr und dem 
Beschuldigten anschaulich dar. Diese anfängliche Zurückhaltung macht – wie auch die Be-
fragung an der Berufungsverhandlung, wo die Privatklägerin von "Privatbereich" (anstelle der 
konkreten Bezeichnung der Geschlechtsteile) sprach – einen authentischen Eindruck. Die 
Ausführungen der Privatklägerin beinhalteten keine einseitige, stereotype und chronologi-
sche Abhandlung der Tatausführung aus Opferperspektive. So schilderte die Privatklägerin 
immer wieder (von ihr frei übersetzte, da in portugiesischer Sprache ausgesprochene) Ent-
gegnungen des Beschuldigten während den Tathandlungen. Die Privatklägerin legte mehr-
fach spontan ihre jeweiligen Reaktionen zu den Handlungen des Beschuldigten dar und sie 
schilderte, was sie über die Handlungen des Beschuldigten dachte und wie sie sich fühlte. So 
führte die Privatklägerin aus, dass sie zu Beginn nicht das gesamte Verfahren mit der Jung-
fräulichkeitsprüfung in Frage gestellt, sondern sich nur am Umstand gestört habe, dass der 
Beschuldigte nicht ihr leiblicher Vater sei (act. 2/27 Ziff. 68) und die Angelegenheit jeweils 
Schmerzen bereitet habe (act. 2/28 Ziff. 75). Dies deckt sich auch mit dem altersgerechten 
Umstand, dass die Privatklägerin bis zum Aufklärungsunterricht bei der Lehrerin O.________ 
ca. im Sommer 2019 nicht genau wusste, ob die Jungfräulichkeitskontrolle, wie sie der Be-
schuldigte vornahm, überhaupt physiologisch möglich war und sie mithin in diesem Zusam-
menhang kein primär sexuelles Motiv (oder eine sonst wie verbotene oder bösartige Hand-
lung) vermuten musste (vgl. act. 2/149 Ziff. 13). Die Privatklägerin schilderte überdies auch, 

Seite 29/58

wie der Beschuldigte auf diese geäusserten Schmerzen reagierte, indem er erst seinen Fin-
ger mit Spucke benetzte und zu einem späteren Zeitpunkt dann die Zunge verwendete (act. 
2/35 Ziff. 137). Die Privatklägerin schilderte somit entgegen der Auffassung der amtlichen 
Verteidigung durchaus, welche inneren Gefühle sie aufgrund der Handlungen des Beschul-
digten erlebte. Sie schilderte auch, wie sich ab Sommer 2019 nach dem Aufklärungsunter-
richt der Verdacht verdichtete, wonach es sich bei den Jungfräulichkeitskontrollen um etwas 
Verbotenes handelte, was sie innerlich beunruhigte, verängstigte und veranlasste, sich ihrer 
Schwester und ihrer Lehrerin anzuvertrauen. 

3.3.5 Die Wiedergabe der Tathandlungen durch die Privatklägerin erfolgte jeweils reflektiert und 
überzeugend. So ist bspw. auf der Videoaufzeichnung der Einvernahme deutlich erkennbar, 
wie sich die Privatklägerin an einen in portugiesischer Sprache ausgesprochenen Satz des 
Beschuldigten erinnerte und versuchte, diesen in deutscher Sprache wiederzugeben (bspw. 
act. 2/22 Ziff. 20, wo die Privatklägerin eine Übersetzung des Wortes "erregt" suchte). Auch 
ist erkennbar, wie die Privatklägerin versuchte, eine in ihren Gedanken enthaltene räumliche 
Situation mitsamt ihrer Position zu den Tatzeitpunkten akkurat zu beschreiben, wobei sie sich 
spontan verbesserte, indem sie sagte, es sei die linke Seite aus dem Blickwinkel vor dem So-
fa (bspw. act. 2/22 Ziff. 22). Ebenfalls anschaulich und als Realkennzeichen zu werten sind 
die Beschreibungen, wo die Privatklägerin darlegte, wie sich die Berührungen des Beschul-
digten jeweils anfühlten (bspw. act. 2/28 Ziff. 75 und 76; act. 2/32 Ziff. 115).  

3.3.6 Die Privatklägerin stellte sich während den Einvernahmen nicht einseitig als fehlerfrei dar, 
sondern sie gab in den Vernehmungen ungeschönt auch Details über eigene Verfehlungen 
preis, welche vom Beschuldigten für den Aufbau einer Drucksituation verwendet wurden 
(bspw. 2/19 Ziff. 12; act. 2/36 Ziff. 146 f.; act. 2/199 Ziff. 35). Es mag dabei sein, dass die 
Elemente, mit welchen vom Beschuldigten Druck aufgebaut wurde, nicht übermässig stark 
waren. Allerdings bezeichnete sich die im Tatzeitraum 12- bis 14-jährige Privatklägerin selber 
als "handysüchtig" und fürchtete eine Wegnahme des Geräts (act. 2/20 Ziff. 12). Vor de