# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b96bd2cf-5d25-55fd-a3c2-efbc8c399389
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-06-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.06.2024 D-2993/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2993-2024_2024-06-12.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2993/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 2 .  J u n i  2 0 2 4  

Besetzung 
 Einzelrichter Simon Thurnheer, 

mit Zustimmung von Richterin Roswitha Petry;  

Gerichtsschreiberin Bettina Hofmann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei,  

(…),   

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (beschleunigtes Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 10. Mai 2024 / N (…). 

 

 

 

D-2993/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer suchte am 4. April 2024 in der Schweiz um Asyl 

nach und bevollmächtigte am 10. April 2024 die ihm zugewiesene Rechts-

vertretung. Am 30. April 2024 fand die Anhörung zu den Asylgründen statt. 

A.b Zu seinem persönlichen Hintergrund und zur Begründung seines Asyl-

gesuchs brachte er im Wesentlichen vor, er sei türkischer Staatsangehöri-

ger kurdischer Ethnie und alevitischen Glaubens. Seine obligatorische 

Schulzeit habe er in B._______ (in der gleichnamigen Provinz) absolviert. 

Danach habe er aufgrund von Diskriminierungen und Ausgrenzungen in 

verschiedenen Städten der Türkei gelebt und in der (…) und (...) gearbeitet. 

Da sich die Situation nicht gebessert habe, sei er nach ein paar Jahren 

wieder nach B._______ zurückgekehrt. Gegen Ende des Jahres 2022 

seien drei unbekannte Personen an seinem Wohnort erschienen und hät-

ten ihn mit vorgehaltenem Messer als «schmutziger Kurde und Alevit» be-

schimpft und bedroht. Obschon er den Vorfall der Polizei gemeldet habe, 

habe diese nach einer Bestandesaufnahme bei ihm zu Hause nichts weiter 

unternommen. Mutmasslich auch, weil einer seiner [Verwandten] Mitglied 

der PKK (Partiya Karkerên Kurdistan) gewesen sei. Aus diesem Grund 

habe er sich nicht mehr an die Polizei gewandt, als sich derselbe Vorfall 

anfangs 2024 wiederholt habe. Stattdessen habe er die Türkei am 1. April 

2024 – aus Angst um seine persönliche Sicherheit – verlassen.  

A.c Im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens reichte er seine türkische 

Identitätskarte (im Original), diverse Ausbildungs- und Arbeitsunterlagen 

sowie zwei Beschwerden an die Kommunikationsabteilung des Staatsprä-

sidiums (CIMER) betreffend die erlittenen Übergriffe seitens unbekannter 

Drittpersonen (datiert vom 29. Dezember 2022 und 24. Februar 2024) ins 

Recht.  

B.  

B.a Am 7. Mai 2024 übermittelte das SEM den ablehnenden Verfügungs-

entwurf – zusammen mit den editionspflichtigen Akten – an die Rechtsver-

tretung des Beschwerdeführers zur Stellungnahme. 

B.b Die Stellungnahme des darauffolgenden Tages beschränkte sich auf 

eine sinngemässe Wiederholung der bisherigen Ausführungen in der An-

hörung.  

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Seite 3 

C.  

Mit Verfügung vom 10. Mai 2024 (gleichentags eröffnet) stellte das SEM 

fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte 

sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ord-

nete den Vollzug an. 

D.  

Ebenfalls am 10. Mai 2024 teilte die zugewiesene Rechtsvertretung dem 

SEM die Beendigung des Mandatsverhältnisses mit. 

E.  

Mit handschriftlich ergänzter Formular-Eingabe vom 13. Mai 2024 (Datum 

des Poststempels) erhob der Beschwerdeführer gegen die ablehnende 

Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, 

die Verfügung sei aufzuheben und das SEM anzuweisen, sein Asylgesuch 

zu prüfen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der 

aufschiebenden Wirkung der Beschwerde sowie um Gewährung der un-

entgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses. 

Der Beschwerde lagen – nebst einer Kopie der angefochtenen Verfügung 

– diverse Medienberichte betreffend die Religionsgemeinschaft der Alevi-

ten respektive Angriffe auf Angehörige derselben in der Türkei bei. 

F.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

14. Mai 2024 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG [SR 

142.31]). Gleichentags bestätigte es den Eingang der Beschwerde.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und auch vor- 

liegend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Be-

schwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legiti-

miert (Art. 48 VwVG). 

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1.2 Die Eingabe des Beschwerdeführers beruht auf einer Rechtsmittelvor-

lage für Nichteintretensentscheide. Unter Berücksichtigung der Umstände, 

dass an eine Laienbeschwerde keine hohen Anforderungen zu stellen sind 

und aus den handschriftlichen Ausführungen klar hervorgeht, dass die Auf-

hebung der angefochtenen Verfügung beantragt und diese im Asyl- und 

Wegweisungspunkt angefochten wird, ist auf die frist- und (im Übrigen) 

formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG 

und Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

1.3 Soweit in der Rechtsmitteleingabe beantragt wird, der Beschwerde sei 

die aufschiebende Wirkung zu gewähren, kann festgestellt werden, dass 

ihr von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zukommt (vgl. Art. 6 

AsylG i.V.m. Art. 55 Abs. 1 VwVG) und das SEM diese vorliegend nicht 

entzogen hat. Auf den entsprechenden Antrag ist daher mangels Rechts-

schutzinteresses nicht einzutreten.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Die vorliegende Beschwerde erweist sich – wie nachstehend aufgezeigt – 

als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zu-

ständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin beziehungsweise eines 

zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weiterungen und mit sum-

marischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

4.  

4.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum 

Schluss, dass das SEM zutreffend festgehalten hat, die Vorbringen des 

Beschwerdeführers genügten den Anforderungen an die Flüchtlingseigen-

schaft im Sinne von Art. 3 AsylG nicht. Die Rechtsmitteleingabe hält dem 

nichts Stichhaltiges entgegen. Der Beschwerdeführer beschränkt sich 

grösstenteils darauf, den aktenkundigen Sachverhalt zu wiederholen.  

4.2 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder 

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begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

Eine nichtstaatliche Verfolgung ist nur dann asylrelevant, wenn der Staat 

unfähig oder nicht willens ist, davor Schutz zu bieten, beziehungsweise 

wenn die Betroffenen aus einem asylrechtlichen Motiv nicht geschützt wer-

den. Es kann dabei nicht eine faktische Garantie für langfristigen individu-

ellen Schutz der von nichtstaatlicher Verfolgung bedrohten Personen ver-

langt werden, weil es keinem Staat gelingen kann, die absolute Sicherheit 

seiner Bürger und Bürgerinnen jederzeit und überall zu garantieren. Erfor-

derlich ist aber, dass eine funktionierende und effiziente Schutzinfrastruktur 

zur Verfügung steht, wobei in erster Linie an ein Rechts- und Justizsystem 

zu denken ist, welches eine effektive Strafverfolgung ermöglicht (vgl. 

BVGE 2011/51 E. 7.3 m.w.H.). Die Inanspruchnahme dieses Schutzsys-

tems muss der betroffenen Person objektiv zugänglich und individuell zu-

mutbar sein, was jeweils im Rahmen einer Einzelfallprüfung unter Berück-

sichtigung des länderspezifischen Kontextes zu beurteilen ist.  

4.3 Hinsichtlich der geltend gemachten gewalttätigen Übergriffe und Be-

drohungen durch unbekannte Drittpersonen (vgl. SEM-Akte […]-15/10 

[nachfolgend A15] F44 ff.) geht auch das Bundesverwaltungsgericht von 

der grundsätzlichen Schutzfähigkeit und -willigkeit der türkischen Strafver-

folgungs- und Justizbehörden aus (vgl. etwa die Urteile des BVGer  

D-6861/2023 vom 25. April 2024 E. 7.3, D-7268/2023 vom 24. Januar 2024 

E. 6.2, E-5733/2023 vom 28. November 2023 E. 6.4 und E-4548/2020 vom 

23. Oktober 2023 E. 5.1).  

Sodann geht aus den vorliegenden Akten hervor, dass sich die türkischen 

Behörden dem Beschwerdeführer gegenüber in der Vergangenheit als 

schutzfähig und -willig zeigten (vgl. SEM-Akte A15 F44), weshalb nicht auf 

eine generelle Schutzverweigerung geschlossen werden kann. Der Um-

stand, dass sich der Beschwerdeführer umfassendere Schutzmassnah-

men gewünscht hätte, vermag daran nichts zu ändern. Etwas anderes 

ergibt sich auch nicht aus den eingereichten Beschwerden an die Kommu-

nikationsabteilung des Staatspräsidiums (vgl. Prozessgeschichte, 

Bst. A.c), zumal diese lediglich die Version des Beschwerdeführers wieder-

geben. Auch die in der Beschwerde angerufenen Medienberichte (vgl. Pro-

zessgeschichte, Bst. E.) vermögen die Vermutung der bestehenden 

Schutzfähigkeit und -willigkeit der türkischen Behörden nicht umzustossen, 

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zumal sie keinen konkreten Bezug zur Person des Beschwerdeführers und 

dessen individuellen Asylvorbringen aufweisen. Entgegen der Auffassung 

des Beschwerdeführers hat das SEM im Übrigen zu Recht ergänzend da-

rauf hingewiesen, dass er sich alternativ auch in einer anderen Region in 

der Türkei aufhalten könnte, falls er sich in B._______ – am Ort der Über-

griffe – trotz der Schutzmassnahmen unsicher fühlen sollte. 

4.4 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, als kurdischer Alevit wie-

derholt Benachteiligungen im Alltag ausgesetzt gewesen zu sein (vgl. 

SEM-Akte A15 F44 f., F59 f.), ist in Übereinstimmung mit dem SEM festzu-

halten, dass die geltend gemachten Probleme – wie Schikanen in der 

Schule und am Arbeitsplatz – in ihrer Intensität nicht über die Nachteile 

hinausgehen, welche weite Teile der kurdischen und alevitischen Bevölke-

rung in der Türkei in ähnlicher Weise treffen und gemäss gefestigter Praxis 

für sich allein nicht zur Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft führen (vgl. 

etwa Urteile des BVGer E-182/2021 vom 30. April 2024 E. 6.1 und E-

1037/2024 vom 12. März 2024 E. 7.3).  

Im Übrigen gelten für die Annahme einer Kollektivverfolgung praxisgemäss 

sehr hohe Anforderungen (vgl. BVGE 2014/32 E. 7.2 und 2013/21 E. 9.1), 

welche im Falle der Kurden und Aleviten in der Türkei nicht erfüllt sind; dies 

auch unter Berücksichtigung der jüngsten politischen Entwicklungen im 

Land (vgl. statt vieler Urteile BVGer E-182/2021 vom 30. April 2024 E. 6.1, 

D-5067/2023 vom 29. April 2024 E. 7.4 und E-445/2024 vom 4. April 2024 

E. 6.3). 

4.5 Das SEM hat demzufolge die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerde-

führers zu Recht verneint und sein Asylgesuch folgerichtig abgelehnt.  

5.  

Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus 

der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt. Der Beschwerdeführer ver-

fügt in der Schweiz weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewil-

ligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. BVGE 

2013/37 E. 4.4; BVGE 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die Wegweisung wurde 

demnach ebenfalls zu Recht angeordnet. 

6.  

6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

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gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

6.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-

rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin 

oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-

gegenstehen. 

6.2.1 Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist 

– wie vom SEM zutreffend festgehalten – das flüchtlingsrechtliche Rück-

schiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 

über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG 

nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzugs der Wegweisung beurteilt 

sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrechtlichen 

Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 

10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). 

6.2.2 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde-

führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer 

Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 

einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-

lung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes 

für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-

sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter 

oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR 

Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, 

§§ 124–127 m.w.H.). Nach den vorstehenden Ausführungen gelingt ihm 

das nicht. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat 

lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig 

erscheinen.  

6.2.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im 

Sinne der landes- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

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Seite 8 

6.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.  

6.3.1 Gemäss konstanter Praxis ist auch unter Berücksichtigung der Ent-

wicklungen im Nachgang des Putschversuchs vom Juli 2016 nicht davon 

auszugehen, dass in der Türkei eine landesweite Situation allgemeiner Ge-

walt herrscht (vgl. Referenzurteil E-1948/2018 vom 12. Juni 2018 E. 7.3 

sowie statt vieler Urteile des BVGer E-87/2023 vom 29. März 2023 E.8.3.1; 

E-6224/2019 vom 19. April 2023 E. 8.3.2, je m.w.H.). Davon ausgenommen 

sind die Provinzen Hakkari und Sirnak; den Wegweisungsvollzug dorthin 

erachtet das Bundesverwaltungsgericht aufgrund einer anhaltenden Situa-

tion allgemeiner Gewalt als unzumutbar (vgl. BVGE 2013/2 E. 9.6). Der 

Beschwerdeführer stammt indessen nicht aus einer dieser zwei Provinzen, 

sondern lebte zuletzt in der Provinz B._______ (vgl. SEM-Akte A15 F6 ff.). 

6.3.2 Auch sprechen – wie vom SEM zutreffend dargelegt – keine individu-

ellen Gründe gegen einen Wegweisungsvollzug. Beim Beschwerdeführer 

handelt es sich um einen (…)-jährigen Mann, der in der Türkei mit seinen 

nächsten Familienangehörigen ([…] und [...]) auf ein tragfähiges Bezie-

hungsnetz zurückgreifen kann (vgl. SEM-Akte A15 F14, F18, F38). Weiter 

hat er in seinem Heimatland verschiedene Arbeitserfahrungen gesammelt 

(vgl. SEM-Akte A15 F27-29), was ihm beim Aufbau einer neuen wirtschaft-

lichen Existenz entgegenkommen wird. Eigenen Angaben zufolge lebte er 

vor der Ausreise stets in guten finanziellen Verhältnissen und war auch in 

der Lage, die Reisekosten selbst zu bezahlen (vgl. SEM-Akte A15 F16, F31 

ff.). Was die geltend gemachten psychischen Probleme anbelangt (vgl. 

SEM-Akte A15 F40), bleiben diese auch auf Beschwerdeebene unbelegt. 

Im Übrigen weist das türkische Gesundheitssystem grundsätzlich westeu-

ropäische Standards auf und verfügt über eine hinreichende medizinische 

und psychiatrisch-psychologische Versorgung (vgl. u.a. Urteil des BVGer 

E-158/2024 vom 4. April 2024 E. 9.4.2). Nach dem Gesagten erweist sich 

der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar. 

6.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

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6.5 Zusammenfassend hat das SEM den Wegweisungsvollzug zu Recht 

als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der vorläu-

figen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist 

(Art. 106 Abs. 1 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 

8.  

8.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Aufgrund der vorstehenden Erwä-

gungen ergibt sich, dass seine Begehren als aussichtslos zu gelten haben. 

Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht gege-

ben, weshalb das Gesuch ungeachtet der geltend gemachten Mittellosig-

keit abzuweisen ist.  

8.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– 

festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). Das Gesuch um Erlass des Kostenvorschusses ist mit vor-

liegendem Direktentscheid gegenstandslos geworden. 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen.  

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Simon Thurnheer Bettina Hofmann 

 

 

Versand: