# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 953c19a8-6be4-51c7-b29f-df0e34ef1c6e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-06-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.06.2020 E-2723/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2723-2020_2020-06-29.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2723/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 9 .  J u n i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Einzelrichter Markus König, 

mit Zustimmung von Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger;  

Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

und deren Kinder 

B._______, geboren am (…), 

C._______, geboren am (…), 

Somalia,  

Dornacherstrasse 43, 4053 Basel,  

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 24. April 2020 / N (…). 

 

 

 

E-2723/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

I. 

A.  

Die Beschwerdeführerin verliess ihr Heimatland eigenen Angaben zufolge 

Anfang des Jahres 2013. Nach rund zweijährigem Aufenthalt in Italien 

reiste die Beschwerdeführerin am 26. April 2015 in die Schweiz ein, wo sie 

am Folgetag um Asyl nachsuchte.  

B.  

B.a Im Rahmen der Befragung zur Person (BzP) wurde die Beschwerde-

führerin am 6. Mai 2015 summarisch befragt. Dabei machte sie im Wesent-

lichen geltend, eines Abends von der Al-Shabaab aus dem familieneigenen 

(…), das sie geführt habe, entführt worden zu sein. Sie sei während ihrer 

siebentägigen Inhaftierung zunächst beschuldigt worden, mit der Regie-

rung zusammenzuarbeiten und eine Informantin derselben zu sein. Später 

habe man sie der Unzucht bezichtigt und ihr vorgeworfen, eine Liebesbe-

ziehung mit einem Regierungsvertreter zu haben. Aufgrund dieses 

Verstosses gegen die Scharia habe ihr eine Peitschenstrafe gedroht. Am 

Vorabend der Auspeitschung sei sie von zwei vermummten Al-Shabaab-

Angehörigen aus ihrer Zelle geführt und von einem von ihnen vergewaltigt 

worden. Am Morgen vor der Auspeitschung sei ihr unter dem Vorwand, ihr 

Gebet verrichten zu wollen, die Flucht gelungen. Als sie bereits in Äthiopien 

gewesen sei, habe sie erfahren, dass ihre Fotografie zu Fahndungs- 

zwecken veröffentlicht worden sei. 

B.b Abklärungen der Vorinstanz zufolge, die sich auf die Aussagen der Be-

schwerdeführerin anlässlich der BzP stützten, verfügte diese in Italien über 

einen subsidiären Schutzstatus. 

C.  

Mit Verfügung vom 25. August 2016 trat das SEM in Anwendung von 

Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht ein und 

ordnete die Wegweisung der Beschwerdeführerin und ihres damals einzi-

gen Kindes aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an, unter An-

drohung der zwangsweisen Rückführung nach Italien. 

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Seite 3 

D.  

Gemäss Mitteilung der zuständigen kantonalen Behörde vom 20. Dezem-

ber 2016 galten die Beschwerdeführerin und ihr Kind seit dem 12. Dezem-

ber 2016 als verschwunden. 

 

II. 

E.  

E.a Mit einem als "Gesuch um Wiedererwägung oder 2. Asylgesuch" be-

zeichneten Schreiben gelangten die Beschwerdeführenden am 22. Juni 

2017 an die Vorinstanz. Darin beantragten sie die Aufhebung der Verfü-

gung vom 25. August 2016 im Wegweisungspunkt und die Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme, eventualiter die vollumfängliche Aufhebung der Ver-

fügung und die Durchführung des Asylverfahrens in der Schweiz, eventua-

liter die Qualifikation der Eingabe als zweites Asylgesuch und die Durch-

führung des Asylverfahrens in der Schweiz. 

E.b Diese Eingabe begründeten die Beschwerdeführenden im Wesentli-

chen mit den prekären Lebensbedingungen, die sie nach ihrer freiwilligen 

Rückkehr nach Italien am 5. Dezember 2016 dort trotz subsidiärem Schutz-

status vorgefunden hätten.  

F.  

Mit Schreiben vom 10. Juli 2019 informierte die Vorinstanz die Beschwer-

deführenden über die Beendigung des Rückübernahme-Verfahrens und 

die Durchführung des nationalen Asyl- und Wegweisungsverfahrens. 

G.  

G.a Am 11. Oktober 2019 wurde die Beschwerdeführerin eingehend zu ih-

ren Asylgründen angehört. Dabei machte sie im Wesentlichen Folgendes 

geltend: 

Sie habe nach ihrem Schulbesuch ab 2010 in Beled Hawo das familien-

eigene (…) geführt. In der Folge habe sie eine aussereheliche  

Beziehung mit dem verheirateten Regierungsmitarbeiter D._______, der 

oft das (…) besucht habe, aufgenommen. 2012 habe sie diesem Mann mit-

geteilt, dass sie dieses Verhältnis nicht länger weiterführen wolle, worauf-

hin dieser ihr gedroht habe, die Beziehung publik zu machen und insbe-

sondere auch die Al-Shabaab darüber zu informieren. Im Dezember 2012 

sei sie von der Al-Shabaab aus dem (…) entführt und eine Woche lang 

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Seite 4 

gefangen gehalten worden. Während ihrer Inhaftierung sei sie mehrmals 

vergewaltigt worden. Unter dem Vorwand, ihr Gebet verrichten zu wollen, 

sei ihr am Morgen vor der ihr drohenden Auspeitschung die Flucht gelun-

gen. Zwei Tage nach ihrem Entkommen sei D._______ von der Al-Shabaab 

umgebracht worden. Nach ihrer Ausreise habe sie erfahren, dass auf sie 

ein Kopfgeld ausgesetzt und ihr Foto zur Fahndung ausgeschrieben  

worden sei. Die Familie von D._______ habe nach ihrer Ausreise ihre Fa-

milie angegriffen und im Jahr 2014 deren Haus niedergebrannt.  

Im November 2014 habe sie in E._______ einen somalischen Staatsange-

hörigen religiös geheiratet. Dieser sei auch der Vater ihrer beiden Kinder, 

verfüge in Italien über einen subsidiären Schutzstatus und halte sich in Ita-

lien und Frankreich auf.  

G.b Zur Untermauerung ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin 

eine Bestätigung der somalischen Vertretung in der Schweiz über ihre so-

malische Staatszugehörigkeit sowie eine Bestätigung derselben Vertretung 

mit der Bezeichnung "Attestation de passeport" zu den Akten (beides im 

Original). Zudem reichte sie eine Kopie des somalischen Reisepasses ih-

res Ehemannes sowie eine Kopie seiner Aufenthaltsbewilligung für Italien 

ein.  

H.  

Mit Verfügung vom 24. April 2020 – am 27. April 2020 eröffnet – verneinte 

das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden, wies ihr 

Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an, wobei 

es den Wegweisungsvollzug infolge Unzumutbarkeit zugunsten einer vor-

läufigen Aufnahme aufschob. 

I.  

Die Beschwerdeführenden erhoben mit Eingabe an das Bundesverwal-

tungsgericht vom 26. Mai 2020 Beschwerde gegen die vorinstanzliche Ver-

fügung. Sie beantragten darin die Aufhebung der angefochtenen Verfü-

gung und die Asylgewährung unter Anerkennung ihrer Flüchtlingseigen-

schaft. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses. 

J.  

Am 5. Juni bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Be-

schwerde. 

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Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-

tig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur 

summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

  

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Seite 6 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Entscheid im Wesentli-

chen mit der mangelnden Glaubhaftigkeit der Vorbringen. Sowohl die  

aussereheliche Beziehung mit D._______ als auch die Auseinanderset-

zung ihrer Familie mit seinen Angehörigen nach seinem Tod und die mehr-

maligen Vergewaltigungen habe die Beschwerdeführerin erst anlässlich 

der Anhörung vorgebracht, weshalb diese als nachgeschoben zu qualifi-

zieren seien. Unstimmigkeiten in Bezug auf ihre Biografie und Herkunft 

würden überdies den Eindruck erwecken, sie versuche, die wahren dies-

bezüglichen Umstände zu verschleiern. Die Schilderungen bezüglich des 

Ablaufs der Entführung und der Inhaftierung würden entscheidende Wider-

sprüche aufweisen. Ihr Vorbringen, wonach ihr die Flucht unter dem Vor-

wand gelungen sei, das Morgengebet verrichten zu wollen, widerspreche 

der Handlungslogik. Überdies seien die Schilderungen der Beschwerde-

führerin vielerorts unsubstanziiert und ausweichend gewesen. 

5.2 Die Beschwerdeführenden führen zur Begründung ihres Rechtsmittels 

im Wesentlichen aus, während der BzP sei die Beschwerdeführerin krank, 

traumatisiert sowie verwirrt gewesen und habe unter starken Kopfschmer-

zen gelitten. Dies erkläre die bisweilen unvollständigen und widersprüchli-

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Seite 7 

chen Angaben in Bezug auf ihre Biografie und Herkunft. Traumatische Er-

eignisse, wie etwa die geltend gemachte Inhaftierung und die Vergewalti-

gungen, hätten sich auf ihr Aussageverhalten ausgewirkt, was bei der Be-

urteilung der Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen berücksichtigt werden 

müsse. Hinsichtlich der ausserehelichen Beziehung habe sie bereits zu 

Beginn der Anhörung darauf hingewiesen, in der BzP aus Angst nicht über 

alle ihre Probleme gesprochen zu haben. Überdies sei der Übersetzer ein 

Mann gewesen, weshalb sie sich geschämt habe, über die aussereheliche 

Beziehung und die Vergewaltigungen zu berichten. Die besonders strikte 

Haltung der Al-Shabaab gegenüber dem islamischen Glauben – und somit 

die Seriosität, welche die anwesenden Wachen dem Gebet entgegen- 

gebracht hätten – sei bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit ihrer Flucht 

aus dem Gefängnis zu berücksichtigen. Vor diesem Hintergrund seien ihre 

Vorbringen insgesamt glaubhaft, womit sie vor ihrer Ausreise Opfer einer 

flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung geworden sei und sie somit wei-

terhin begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung habe. Überdies wäre 

sie in ihrem Heimatland ohne männliche Familienmitglieder exponiert und 

ihr Gefährdungsprofil werde dadurch geschärft, dass ihr Vater aufgrund 

seiner früheren Tätigkeit für die Regierung von der Al-Shabaab inhaftiert 

und gefoltert worden und im Gefängnis verstorben sei.  

6.  

6.1 Nach Prüfung sämtlicher Akten der Beschwerdeführenden kommt das 

Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die Vorinstanz die Vorbrin-

gen der Beschwerdeführerin zu Recht als unglaubhaft qualifiziert hat. Die 

Ausführungen in der Beschwerdeschrift vermögen den Erwägungen des 

SEM letztlich nichts Stichhaltiges entgegenzusetzen. Somit kann vorab auf 

die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen 

werden.  

6.2 Ergänzend hält das Bundesverwaltungsgericht Folgendes fest: 

6.2.1 Die Beschwerdeführerin machte anlässlich der BzP und der Anhö-

rung unterschiedliche Angaben darüber, was ihr seitens der Al-Shabaab 

vorgeworfen worden sei. Während der BzP gab die Beschwerdeführerin 

zunächst zu Protokoll, man habe ihr die Zusammenarbeit mit der Regie-

rung vorgeworfen und sie beschuldigt eine Informantin zu sein. Im Laufe 

ihrer einwöchigen Inhaftierung sei die Al-Shabaab von diesem Vorwurf ab-

gewichen und habe ihr Unzucht vorgeworfen und eine Liebesbeziehung 

"mit Regierungsvertretern" (vgl. act. A8/17 7.01) unterstellt, ohne diesen 

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Vorwurf näher zu konkretisieren oder eine tatsächliche aussereheliche Be-

ziehung – wie sie bei der Anhörung vorgebracht wird – geltend zu machen 

(vgl. a.a.O. S. 12 f.). Demgegenüber findet der angeblich ursprüngliche 

Vorwurf der Regierungszusammenarbeit während der Anhörung keine Er-

wähnung.  

6.2.2 Vor diesem Hintergrund vermag der Einwand der Beschwerdeführe-

rin, sich aufgrund des männlichen Dolmetschers während der BzP nicht 

getraut beziehungsweise sich geschämt zu haben, über die aussereheli-

che Beziehung (und die mehrfachen Vergewaltigungen) zu berichten, nicht 

zu überzeugen (vgl. act. B15/27 F259 und Beschwerde S. 4). Obwohl der-

artige Scham- oder Angstreaktionen in Bezug auf geschlechterspezifische 

Vorbringen und die personelle Zusammensetzung des Befragungsteams 

nicht grundsätzlich in Abrede zu stellen sind, ergibt sich die Unglaubhaf-

tigkeit des diesbezüglichen Vorbringens vorliegend nicht allein aus dem 

nachgeschobenen Charakter der ausserehelichen Beziehung. Vielmehr ist 

es die unterschiedliche Darstellung hinsichtlich der anfänglichen Vorhalte 

der Al-Shabaab gegen die Beschwerdeführerin, die erhebliche Zweifel an 

diesem Vorbringen aufkommen lässt. So erwähnt die Beschwerdeführerin 

im Rahmen der Anhörung nicht – wie noch in der BzP dargetan – dass die 

Al-Shabaab zunächst Details zu ihrer geheimen Tätigkeit als Informantin 

der Regierung habe in Erfahrung bringen wollen und erst im weiteren Ver-

lauf ihrer Inhaftierung auf den Vorwurf der Unzucht umgeschwenkt sei. Je-

doch ist der Sachverhalt, der in den Augen der Al-Shabaab zu ihrer Entfüh-

rung respektive Inhaftierung geführt haben soll, von zentraler Bedeutung 

und diesbezügliche Abweichungen in den Schilderungen der Beschwerde-

führerin wiegen entsprechend schwer.  

6.2.3 Die zwischen BzP und Anhörung unterschiedlich dargestellten Vor-

bringen lassen sich – wie bereits dargelegt – weder durch das Geschlecht 

des Übersetzers bei der BzP noch durch den Einwand auf Beschwerde-

ebene erklären, die Beschwerdeführerin sei während der BzP krank gewe-

sen (vgl. Beschwerde S. 2 f.). Dieses Vorbringen findet zudem im Protokoll 

insofern keine Stütze als die Beschwerdeführerin bei dieser ersten Befra-

gung auf die Frage nach gesundheitlichen Beeinträchtigungen antwortete: 

"Ich bin gesund." (vgl. act. A8/17 8.02; allerdings reagierte sie auf die An-

kündigung, dass ihrem Wunsch, dem Aufenthaltsort ihrer Cousine zugeteilt 

zu werden, eventuell nicht entsprochen werden könne, mit den Worten "Ich 

bin traumatisiert, verwirrt. Ich brauche meine Cousine." [vgl. a.a.O. 9.01]). 

Ebenfalls keine hinreichende Erklärung ergibt sich aus der Aussage der 

Beschwerdeführerin zu Beginn der Anhörung, wonach sie bei der ersten 

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Befragung nicht alle ihre Probleme habe darlegen können (vgl. act. B15/27 

F2 f.). Wie aus den obenstehenden Erwägungen hervorgeht, können die 

Aussagen im Rahmen der Anhörung nicht bloss als Ergänzungen zu den-

jenigen in der BzP verstanden werden, sondern stehen diesen vielmehr 

unvereinbar gegenüber. Insofern wird der entsprechende Hinweis der Be-

schwerdeführerin entkräftet und er vermag die Zweifel an der Glaubhaf-

tigkeit der Schilderungen nicht auszuräumen. Ferner führt auch der pau-

schale Hinweis in der Beschwerde, der Beschwerdeführerin sei "auch Zu-

sammenarbeit mit der Regierung vorgeworfen" worden, nicht zu einer an-

deren Einschätzung (vgl. Beschwerde S. 2 und S. 5).  

6.3 Ebenfalls widersprüchlich fielen im Rahmen der Anhörung die Angaben 

zum eigentlichen Entführungshergang durch die Al-Shabaab aus. Zu-

nächst gab die Beschwerdeführerin an, sich zum Zeitpunkt ihrer Entfüh-

rung aus dem (…) gemeinsam mit D._______ dort aufgehalten zu haben 

(vgl. act. B15/27 F106: "Eines Abends war ich in meinem (…). Dieser Mann 

war auch da. Plötzlich kamen die Al-Shabaab."). Im weiteren Verlauf der 

Anhörung gab sie auf Nachfrage zu Protokoll, alleine im (…) gewesen zu 

sein (vgl. act. B15/27 F133 und F257 f.). Auf diesen Widerspruch ange-

sprochen erklärte die Beschwerdeführerin, allein gewesen zu sein und ge-

meint zu haben "dass sie uns gesehen haben" (vgl. act. B15/27 F257). In 

der Beschwerdeschrift konkretisierte sie diese Aussage dahin-gehend, die 

Al-Shabaab müsse sie und D._______ an einem anderen Abend vor der 

Entführung zusammen im (…) gesehen haben, weshalb sie die ausserehe-

liche Beziehung zwischen ihnen vermutet haben müsse. Dieser Erklä-

rungsversuch überzeugt indes nicht. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb 

die Beschwerdeführerin mit ihrer Aussage "Dieser Mann war auch da. 

Plötzlich kam die Al-Shabaab." gemeint haben soll, der Mann sei an einem 

anderen Abend als demjenigen der angeblichen Entführung zugegen ge-

wesen.  

6.4 Hinsichtlich der geltend gemachten ausserehelichen Beziehung fallen 

die Aussagen der Beschwerdeführerin – wie von der Vorinstanz zutreffend 

festgestellt – vage und oberflächlich aus. Mitunter erscheint nicht nachvoll-

ziehbar, weshalb D._______ ihr gedroht haben soll, die Al-Shabaab über 

die aussereheliche Beziehung zu informieren, wenn sie diese nicht weiter-

führe (vgl. act. B15/27 F120). Als verheirateter Mann hätte er sich ebenso 

wie sie einer Straftat im Sinn der Scharia schuldig gemacht, weshalb nicht 

logisch erscheint, dass er sich selbst vor der Al-Shabaab belasten würde, 

um ihr zu schaden. Dieser Eindruck verstärkt sich vor dem Hintergrund, 

dass die Beschwerdeführerin denn auch angibt, D._______ sei aufgrund 

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Seite 10 

der ausserehelichen Beziehung schliesslich von der Al-Shabaab umge-

bracht worden (vgl. act. B15/27 F106). In den Aussagen der Beschwerde-

führerin finden sich keine Hinweise auf konkrete Vorsichtsmassnahmen zur 

Geheimhaltung dieser angeblichen ausserehelichen Treffen. Im Lichte die-

ser Bedrohung durch die Al-Shabaab vermag der pauschale Einwand auf 

die Frage nach konkreten Sicherheitsvorkehrungen, sie hätten "das ge-

heim halten. Er kam mit dem Auto und brachte mich in sein Haus.", nicht 

zu überzeugen (vgl. act. B15/27 F116). 

6.5 Ebenfalls als der Handlungslogik zuwiderlaufend zeigt sich – wie von 

der Vorinstanz bereits zutreffend festgestellt – die Schilderung der Flucht 

der Beschwerdeführerin unter dem Vorwand, das morgendliche Gebet  

verrichten zu wollen. Auch vor dem Hintergrund der in der Beschwerde  

thematisierten gesteigerten Religiosität der Al-Shabaab-Angehörigen wird 

nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdeführerin kurz vor ihrer Aus-

peitschung unbewacht das Gefängnisgelände hätte durchstreifen können. 

Ihre diesbezüglichen Aussagen blieben insgesamt oberflächlich und erwe-

cken nicht den Eindruck, sie gebe persönliche Erlebnisse wieder.  

6.6 Aus den Schilderungen der Beschwerdeführerin ergeben sich weitere 

Ungereimtheiten, wobei bezüglich dieser Unglaubhaftigkeitselemente 

(etwa hinsichtlich ihres Schulbesuchs oder dem Zeitpunkt der Festnahme 

des Vaters) auf die Argumentation der Vorinstanz zu verweisen ist. Insge-

samt ist jedoch festzuhalten, dass diese Unstimmigkeiten in den protokol-

lierten Aussagen der Beschwerdeführerin ihrer persönlichen Glaubwürdig-

keit abträglich sind. 

6.7 Soweit die Beschwerdeführerin auf Beschwerdeebene geltend macht, 

als alleinstehende Frau im Falle einer Rückkehr flüchtlingsrelevante Ver-

folgung zu befürchten, ist Folgendes festzuhalten: Aufgrund des unglaub-

haften Kerns der Sachverhaltsdarstellung ist nicht davon auszugehen, 

dass die erweiterte Verwandtschaft sie aufgrund einer ausserehelichen Be-

ziehung verstossen hat (vgl. act. B15/27 F231 ff.). Die Mutter und ihr mitt-

lerweile volljähriger Bruder leben, den Aussagen der Beschwerdeführerin 

zufolge, mittlerweile im Heimatdorf der Mutter (vgl. act. B15/27 F29). Vor 

dem Hintergrund der Unglaubhaftigkeit des Verstosses der erweiterten Fa-

milie kann davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin sich 

im Falle einer – angesichts ihrer vorläufigen Aufnahme gänzlich hypotheti-

schen – Rückkehr unter den Schutz ihres erwachsenen Bruders stellen 

könnte (vgl. BVGE 2014/27 E. 5.4).  

E-2723/2020 

Seite 11 

6.8 Was die in der Beschwerde thematisierten gesundheitlichen (psychi-

schen) Aspekte anbelangt (vgl. Beschwerde S. 2 f.), ergibt sich aus den 

Akten Folgendes:  

6.8.1 Im Rahmen des rechtlichen Gehörs zu einer Wegweisung nach  

Italien liess die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 4. Juni 2015 ausfüh-

ren sie sei im (…) Monat schwanger und es gehe ihr "psychisch schlecht" 

(vgl. act. A20/4 S. 1) In der Folge wurde ein Arztbericht der F._______ vom 

7. Juli 2015 eingereicht, in welchem bei ihr eine leicht- bis mittelgradige 

depressive Episode (F32.1 nach ICD-10) diagnostiziert und überdies fest-

gestellt wurde, die Verdachtsprognose einer Posttraumatischen Belas-

tungsstörung habe nicht bestätigt werden können (vgl. act. A21/5 S. 4). In 

einem Arztzeugnis der F._______ vom 22. August 2016 wurden "ausge-

prägte[…] Schlafstörungen im Rahmen einer Depression" thematisiert (vgl. 

A34/2 S. 2).  

6.8.2 Nach der Wiedereinreise in die Schweiz reichte die Beschwerdefüh-

rerin den Kurzbericht eines Facharztes FMH für Lungenkrankheiten und 

Innere Medizin vom 21. Juni 2017 zu den Akten, in welchem unter anderem 

die Verdachtsdiagnose einer "postpartalen Depression 11/2015" gestellt 

wurde (vgl. B1/16 Beilage 7).  

6.8.3 In der Beschwerde vom 26. Mai 2020 wird ausgeführt, aktuell leide 

die Beschwerdeführerin noch unter Schlafstörungen und sei deswegen bei 

ihrem Hausarzt in Behandlung (der hierzu noch einen aktuellen Bericht ein-

reichen werde).  

6.8.4 Bei dieser Aktenlage ist einerseits festzustellen, dass die früher diag-

nostizierten Gesundheitsbeschwerden offenkundig nicht geeignet sind, die 

vielen klaren Unglaubhaftigkeitsindizien plausibel zu erklären. Andererseits 

gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin im Falle 

einer Rückkehr aufgrund einer besonderen Vulnerabilität asylrelevante ge-

schlechtsspezifische Verfolgung zu befürchten hätte (vgl. Beschwerde 

S. 6 ff.). Die Nachreichung des angekündigten Arztzeugnisses braucht  

unter diesen Umständen nicht abgewartet zu werden. 

6.9 Zusammenfassend ist nach dem Gesagten festzuhalten, dass die  

Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden 

verneint und ihr Asylgesuch abgewiesen hat. 

  

E-2723/2020 

Seite 12 

7.  

Lehnt das SEM ein Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 

es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug 

an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 

AsylG). 

Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine aus-

länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-

teilung einer solche. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

Nachdem das SEM in seiner Verfügung vom 24. April 2020 die Unzumut-

barkeit des Wegweisungsvollzugs festgestellt und die vorläufigen Aufnah-

men der Beschwerdeführenden angeordnet hat, erübrigen sich praxisge-

mäss weitere Ausführungen zur Zulässigkeit und Möglichkeit des Wegwei-

sungsvollzugs.  

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt.  

Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerde-

führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). 

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-2723/2020 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns-

ten der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Markus König Eveline Chastonay 

 

 

Versand: