# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3a1be3ca-e3ab-547a-8d5b-8d3d8f4cf200
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-10-29
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 29.10.2021 SK 2020 373
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2020-373_2021-10-29.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 20 373

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 29. Oktober 2021 

Besetzung Oberrichter Schmid (Präsident i.V.), 
Oberrichterin Friederich Hörr,
Oberrichter Studiger
Gerichtsschreiberin Herger

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Fürsprecher B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Anschlussberufungsführerin

und

C.________
v.d. Rechtsanwältin D.________

Straf- und Zivilklägerin/Anschlussberufungsführerin

Gegenstand Vergewaltigung, versuchte Nötigung, Drohung etc.

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Kollegialgericht) vom 10. Juli 2020 (PEN 20 66)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 10. Juli 2020 erkannte das Regionalgericht Bern-Mittelland (Kollegi-
algericht; Dreierbesetzung, nachfolgend Vorinstanz) A.________ (nachfolgend Be-
schuldigter) wie folgt schuldig (pag. 593, Ziff. I des erstinstanzlichen Urteilsdisposi-
tivs):

1. der Vergewaltigung, begangen im Zeitraum von Ende Dezember 2017 bis An-
fang Februar 2018 in M.________ (Ortschaft) zum Nachteil von C.________ 
(Ziff. I.1 AS);

2. der versuchten Nötigung, begangen im Zeitraum von Ende Dezember 2017 bis 
Anfang Februar 2018 in M.________ (Ortschaft) zum Nachteil von C.________ 
(Ziff. I.2 AS);

3. der Drohung, mehrfach begangen zum Nachteil von C.________

3.1 im Zeitraum von Anfang Dezember 2017 bis 11.05.2018 in M.________ 
(Ortschaft) und in unmittelbarer Umgebung (Ziff. I.3 Bst. a AS);

3.2. am 09.05.2018 in M.________ (Ortschaft) (Ziff. I.3 Bst. b AS);

4. der wiederholten Tätlichkeiten, mehrfach begangen im Zeitraum von Ende De-
zember 2017 bis Anfang Februar 2018 zum Nachteil von C.________, nament-
lich

4.1. im Zeitraum von Ende Dezember 2017 bis Anfang Februar 2018 in der 
Stadt Bern und später in der gemeinsamen Wohnung in M.________ 
(Ortschaft) (Ziff. I.4. Bst. b AS);

4.2. am Morgen nach dem unter Ziff. 4.1 genannten Vorfall in der gemeinsa-
men Wohnung in M.________ (Ortschaft) (Ziff. I.4. Bst. c AS);

4.3. im Februar 2018 auf einem Spaziergang und in der gemeinsamen Woh-
nung in M.________ (Ortschaft) (Ziff. I.4. Bst. d AS);

4.4. am 09.05.2018 in der gemeinsamen Wohnung in M.________ (Ortschaft) 
(Ziff. I.4. Bst. e AS);

4.5. am 11.05.2018 im P.________ (Geschäft) in M.________ (Ortschaft) und 
im Auto (Ziff. I.4. Bst. f AS);

und verurteilte ihn in Anwendung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen (Ziff. I 
des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, pag. 593 f.):

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten, wobei für eine Teilstrafe von 24 Mo-
naten der Vollzug aufgeschoben und die Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt 
wurde. Die ausgestandene Polizeihaft von 2 Tagen wurde auf den zu vollzie-
henden Teil der Strafe, mithin 12 Monate, angerechnet;

3

2. Zu einer Busse von CHF 1‘600.00, wobei die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuld-
hafter Nichtbezahlung auf 16 Tage festgesetzt wurde;

3. Zu einer Landesverweisung von 8 Jahren sowie

4. Zur Bezahlung der erstinstanzlichen Verfahrenskosten, insgesamt bestimmt 
auf CHF 20'699.90 (recte: 21'699.90; exkl. Kosten für die amtliche Entschädi-
gung bzw. unentgeltliche Rechtsvertretung der Straf- und Zivilklägerin).

Weiter legte die Vorinstanz die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für 
die amtliche Verteidigung des Beschuldigten durch Fürsprecher B.________ bzw. 
die Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsvertretung der Straf- und Zivilkläge-
rin, C.________ (nachfolgend Straf- und Zivilklägerin oder Privatklägerin) durch 
Rechtsanwältin D.________ fest (Ziff. II des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, 
pag. 595 f.). 

Im Zivilpunkt verurteilte die Vorinstanz den Beschuldigten in Anwendung der ein-
schlägigen Gesetzesbestimmungen sodann zur Bezahlung von CHF 9‘000.00 Ge-
nugtuung zuzüglich 5% Zins seit Rechtskraft des Urteils an die Straf- und Zivilklä-
gerin (Ziff. III des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, pag. 596). 

Schliesslich traf die Vorinstanz die erforderlichen Verfügungen (Ziff. IV des erstin-
stanzlichen Urteilsdispositivs, pag. 596 f.). Sie auferlegte dem Beschuldigten ins-
besondere ein Kontakt- und Rayonverbot gemäss Art. 67b des Schweizerischen 
Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.01) und befristete dieses auf zwei Jahre ab 
Rechtskraft des Urteils (Ziff. IV.1. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs).

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete Fürsprecher B.________ namens und im Auftrag des 
Beschuldigten mit Schreiben vom 10. Juli 2020 fristgerecht die Berufung an 
(pag. 605). Mit Berufungserklärung vom 10. September 2020 teilte die Verteidigung 
mit, das erstinstanzliche Urteil werde vollumfänglich angefochten (pag. 670 ff.).

Die Generalstaatsanwaltschaft schloss sich mit fristgerecht eingelangter Eingabe 
vom 30. September 2020 der Berufung des Beschuldigten an (pag. 678 f.). 

Mit Eingabe vom 5. Oktober 2020 erklärte Rechtsanwältin D.________ namens 
und im Auftrag der Straf- und Zivilklägerin ebenfalls die Anschlussberufung (pag. 
680 ff.). 

Fürsprecher B.________ verzichtete mit Schreiben vom 27. Oktober 2020 darauf, 
ein Nichteintreten auf die Anschlussberufung seitens der Generalstaatsanwalt-
schaft sowie der Straf- und Zivilklägerin zu beantragen (pag. 694).

3. Opferschutzmassnahmen

Mit Eingabe vom 4. Dezember 2020 stellte und begründete Rechtsanwältin 
D.________ den Antrag, die Öffentlichkeit sei von der Gerichtsverhandlung 
vollständig auszuschliessen und die Straf- und Zivilklägerin sei vom persönlichen 
Erscheinen an der Hauptverhandlung mit Ausnahme ihrer Befragung zu 
dispensieren. Sodann sei auf eine Gegenüberstellung mit der beschuldigten 

4

Person zu verzichten und für die Befragung der Straf- und Zivilklägerin eine 
weibliche Übersetzerin zu organisieren (pag. 720 ff.).

Mit Verfügung vom 15. Dezember 2020 wurden die Anträge insofern gutgeheissen, 
als die Öffentlichkeit mit Ausnahme der Urteilseröffnung von der Teilnahme an der 
oberinstanzlichen Hauptverhandlung ausgeschlossen, die Straf- und Zivilklägerin 
mit Ausnahme ihrer eigenen Einvernahme vom persönlichen Erscheinen an der 
Verhandlung dispensiert, eine Konfrontation zwischen der Straf- und Zivilklägerin 
sowie dem Beschuldigten unter Treffen der hierfür nötigen Vorkehren vermieden 
und für die Befragung eine Übersetzerin beigezogen wurde (pag. 724 ff.). 

4. Antrag auf Verschiebung des Verhandlungstermins

Mit Schreiben vom 3. März 2021, persönlich am Schalter des Obergerichts des 
Kantons Bern abgegeben, ersuchte die amtliche Vertretung der Straf- und 
Zivilklägerin, Rechtsanwältin D.________, zufolge Krankheit um Verschiebung des 
Verhandlungstermins (pag. 783 ff.). Mit gleichentags ergangener Verfügung wurde 
die Verhandlung vom 4. und 5. März 2021 abgesetzt (pag. 786 f.) und mit 
Verfügung vom 10. März 2021 auf den 28. und 29. Oktober 2021 neu angesetzt 
(pag. 800 ff.).

5. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Von Amtes wegen wurden über den Beschuldigten ein Leumundsbericht (datierend 
vom 12. Februar 2021; pag. 732 ff.) sowie ein aktueller Strafregisterauszug 
(datierend vom 11. Oktober 2021; pag. 809) eingeholt. Weiter wurden Auszüge aus 
den Akten PEN 14 578 des Regionalgerichts Bern-Mittelland ediert (pag. 739 ff.)

In der oberinstanzlichen Hauptverhandlung vom 28./29. Oktober 2021 wurden die 
Straf- und Zivilklägerin (pag. 815 ff.) und der Beschuldigte (pag. 822 ff.) nochmals 
befragt. Zudem beantragte Rechtsanwältin D.________ namens der Straf- und Zi-
vilklägerin, der psychologisch ärztliche Bericht, datierend vom 18. Februar 2021, 
und dessen Nachtrag seien zu den Akten zu erkennen. Fürsprecher B.________ 
und der stellvertretende Generalstaatsanwalt Schmutz erklärten, keine Einwände 
gegen den Antrag der Straf- und Zivilklägerin zu haben. Daraufhin hiess die Kam-
mer den Antrag von Rechtsanwältin D.________ gut und erkannte den psycholo-
gisch ärztlichen Bericht vom 18. Februar 2021 und dessen Nachtrag (pag. 853 ff.) 
zu den Akten. Die Kammer begründete ihren Beschluss kurz mündlich (pag. 833).

6. Anträge der Parteien

Fürsprecher B.________ beantragte anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung 
namens und im Auftrag des Beschuldigten was folgt (Hervorhebungen im Original; 
pag. 833 f.):

I.

A.________, L.________strasse, M.________ (Ortschaft), sei

frei zu sprechen

von den Vorwürfen:

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1. der Vergewaltigung, angeblich begangen im Zeitraum von Ende Dezember 2017 bis Anfang Fe-
bruar 2018 in M.________ (Ortschaft) zum Nachteil von C.________;

2. der versuchten Nötigung, angeblich begangen im Zeitraum von Ende Dezember 2017 bis Anfang 
Februar 2018 in M.________ (Ortschaft) zum Nachteil von C.________; 

3. der Drohung, angeblich mehrfach begangen zum Nachteil von C.________:

3.1. im Zeitraum von Anfang Dezember 2017 bis 11.05.2018 in M.________ (Ortschaft) und in 
unmittelbarer Umgebung; 

3.2. am 09.05.2018 in M.________ (Ortschaft). 

4. der wiederholten Tätlichkeiten, angeblich mehrfach begangen im Zeitraum von Ende Dezember 
2017 bis Anfang Februar 2018 zum Nachteil von C.________: 

4.1. im Zeitraum von Ende Dezember 2017 bis Anfang Februar 2018 in der Stadt Bern und später 
in der gemeinsamen Wohnung in M.________ (Ortschaft); 

4.2. am Morgen nach dem unter Ziff. 4.1 hiervor genannten Vorfall in der gemeinsamen Wohnung 
in M.________ (Ortschaft); 

4.3. im Februar 2018 auf einem Spaziergang und in der gemeinsamen Wohnung in M.________ 
(Ortschaft); 

4.4. am 09.05.2018 in der gemeinsamen Wohnung in M.________ (Ortschaft); 
4.5. am 11.05.2018 im P.________ (Geschäft) in M.________ (Ortschaft) und im Auto; 

unter Auferlegung der Verfahrenskosten vor erster und oberer Instanz an den Kanton Bern; un-
ter Ausrichtung einer Genugtuung für die ausgestandene Polizeihaft von zwei Tagen; unter 
Ausrichtung einer Entschädigung für die angemessene Verteidigung. 

II.

1. Die Zivilforderung sei auf den Zivilweg zu verweisen. 

2. Es seien die notwendigen Verfügungen zu erlassen. 

3. Es sei das Honorar der amtlichen Verteidigung gerichtlich festzusetzen.

Die Generalstaatsanwaltschaft beantragte ihrerseits Folgendes (Hervorhebungen 
im Original; pag. 839):

I.

A.________ sei schuldig zu erklären: 

1. der Vergewaltigung, begangen in der Zeit von Ende Dezember 2017 bis Anfang Februar 2018 in 
M.________ (Ortschaft) z.N. von C.________; 

2. der versuchten Nötigung, begangen in der Zeit von Ende Dezember 2017 bis Anfang Februar 
2018 in M.________ (Ortschaft) z.N. von C.________; 

3. der Drohung, mehrfach begangen zum Nachteil von C.________

3.1. in der Zeit von Anfang Dezember 2017 bis 11. Mai 2018 in M.________ (Ortschaft) und in 
unmittelbarer Umgebung; 

3.2. am 9. Mai 2018 in M.________ (Ortschaft); 

4. der wiederholten Tätlichkeiten, mehrfach begangen im der Zeit von Ende Dezember 2017 bis 
11. Mai 2018 z.N. von C.________, namentlich 

6

4.1. in der Zeit von Ende Dezember 2017 bis Anfang Februar 2018 in der Stadt Bern und in der 
gemeinsamen Wohnung in M.________ (Ortschaft); 

4.2. am Morgen nach dem unter Ziff. 4.1. genannten Vorfall in der gemeinsamen Wohnung in 
M.________ (Ortschaft); 

4.3. im Februar 2018 auf einem Spaziergang und in der der gemeinsamen Wohnung in 
M.________ (Ortschaft); 

4.4. am 9. Mai 2018 in der der gemeinsamen Wohnung in M.________ (Ortschaft); 
4.5. am 11. Mai 2018 im P.________ (Geschäft) in M.________ (Ortschaft) und im Auto;

und er sei zu verurteilen: 

1. zu einer Freiheitsstrafe von 42 Monaten, abzüglich 2 Tage Polizeihaft; 

2. zu einer Busse von CHF 2'000.00, im Falle des schuldhaften Nichtbezahlens vollziehbar als Er-
satzfreiheitsstrafe von 20 Tagen; 

3. zu einer Landesverweisung von 8 Jahren; 

4. zu den Verfahrenskosten erster und oberer Instanz. 

II.

Im Weiteren sei zu verfügen: 

1. A.________ sei zu verbieten, sich C.________ auf eine Distanz von weniger als 100 m zu nähern; 
bei einer zufälligen Begegnung habe sich A.________ unverzüglich zu entfernen. Ferner sei ihm 
zu verbieten, C.________ telefonisch, schriftlich oder elektronisch zu kontaktieren. Das Kontakt- 
und Rayonverbot sei auf zwei Jahre seit Rechtskraft des Urteils zu befristen. 

2. Der beschlagnahmte Gürtel sei A.________ zurückzugeben. 

3. Es sei die Zustimmung zur Löschung des DNA-Profils und der biometrischen erkennungsdienstli-
chen Daten nach Ablauf der gesetzlichen Frist zu erteilen. 

4. Die Landesverweisung sei im Schengener Informationssystem auszuschreiben.

Rechtsanwältin D.________ schliesslich stellte und begründete für die Straf- und 
Zivilklägerin im Rahmen ihres Parteivortrages die folgenden Anträge (pag. 846 f.):

1. A.________ sei der Vergewaltigung, begangen im Zeitraum von Ende Dezember 2017 bis Anfang 
Februar 2018 in M.________ (Ortschaft) zum Nachteil von C.________ schuldig zu erklären. 

2. A.________ sei der versuchten Nötigung, begangen im Zeitraum von Ende Dezember 2017 bis 
Anfang Februar 2018 in M.________ (Ortschaft) zum Nachteil von C.________ schuldig zu er-
klären. 

3. A.________ sei der Drohung, mehrfach begangen zum Nachteil von C.________ 

3.1. im Zeitraum von Anfang Dezember 2017 bis 11. Mai 2018 in M.________ (Ortschaft) und in 
unmittelbarer Umgebung und 

3.2. am 9. Mai 2018 in M.________ (Ortschaft) 

schuldig zu erklären. 

4. A.________ sei der wiederholten Tätlichkeiten, mehrfach begangen im Zeitraum von Anfang De-
zember 2017 bis am 11. Mai 2018 zum Nachteil von C.________ schuldig zu erklären, namentlich 

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4.1. im Zeitraum von Ende Dezember 2017 bis Anfang Februar 2018 in der Stadt Bern, auf der 
Heimfahrt im Auto und später in der gemeinsamen Wohnung in M.________ (Ortschaft) 

4.2. am Morgen nach dem unter Ziff. 4.1 genannten Vorfalls in der gemeinsamen Wohnung in 
M.________ (Ortschaft) 

4.3. im Februar 2018 auf einem Spaziergang und in der gemeinsamen Wohnung in M.________ 
(Ortschaft) 

4.4. am 9. Mai 2018 in der gemeinsamen Wohnung in M.________ (Ortschaft) 
4.5. am 11. Mai 2018 im P.________ (Geschäft) in M.________ (Ortschaft) und im Auto 

5. A.________ sei zur Bezahlung von Fr. 13'000.00 Genugtuung zuzüglich 5% Zins seit dem 10. Juli 
2020 zu verurteilen. 

6. Die Zivilklage sei im Übrigen dem Grundsatz nach gutzuheissen und für die vollständige Beurtei-
lung der Forderung auf den Zivilweg zu verweisen.

7. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Der Beschuldigte focht das erstinstanzliche Urteil vollumfänglich an. Die General-
staatsanwaltschaft beschränkte ihre Anschlussberufung mit Eingabe vom 30. Sep-
tember 2020 auf die Sanktion (pag. 678 f.). Die Straf- und Zivilklägerin ihrerseits 
focht das Urteil betreffend Ziff. I.4 (hinsichtlich der Dauer und des Ortes der De-
liktsbegehungen) sowie Ziff. III.1 (Genugtuung) an (pag. 681 ff.). Das erstinstanzli-
che Urteil ist durch die Kammer gesamthaft neu zu beurteilen.

Die Kammer verfügt über volle Kognition (Art. 398 Abs. 2 der Schweizerischen 
Strafprozessordnung [StPO; SR 312.0]). Zufolge Anschlussberufung der General-
staatsanwaltschaft sowie der Straf- und Zivilklägerin darf das erstinstanzliche Urteil 
auch zum Nachteil des Beschuldigten abgeändert werden; das Verschlechterungs-
verbot gilt nicht (Art. 391 Abs. 2 StPO e contrario).

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

8. Einleitende Bemerkungen

Die Vorinstanz hat eine umfassende und überzeugende Beweiswürdigung vorge-
nommen (S. 8 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 618 ff.), sodass 
nachfolgend ihre Ausführungen integral übernommen werden (kursive Schrift). Wo 
nötig, werden Ergänzungen angebracht und es wird auf die diesbezüglichen Vor-
bringen der Verfahrensbeteiligten vor oberer Instanz eingegangen (nachfolgend 
Ziff. II.12).

9. Vorwürfe gemäss Anklageschrift

Die Vorinstanz gab die Vorwürfe gegenüber dem Beschuldigten gemäss Anklage-
schrift vom 23. Januar 2020 (pag. 487 ff.) zutreffend chronologisch wie folgt wieder 
(vgl. S. 9 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 619 ff.; AS steht dabei 
für Anklageschrift):

Vorfall nach dem Einkauf in der Stadt Bern (Ziff. I.4 lit. b AS)

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An einem nicht näher bekannten Datum im Zeitraum von ca. Ende Dezember 2017 bis Anfang Febru-

ar 2018 erteilte A.________ seiner Ehefrau C.________ nach einem gemeinsamen Einkaufsbummel 

in der Stadt Bern zuerst eine Ohrfeige, weil sie einen Kollegen des Beschuldigten, den sie in der Stadt 

angetroffen hatten, begrüsst und mit diesem gesprochen hatte. Danach packte der Beschuldigte sei-

ne Frau an der Hand und zerrte sie davon. Auf der Heimfahrt im Auto zum gemeinsamen Domizil 

schlug der Beschuldigte seine Frau mehrfach mit der Faust gegen den Oberschenkel und packte sie 

am Hals bzw. würgte sie. Vor dem gemeinsamen Domizil in M.________ (Ortschaft) angekommen, 

zerrte der Beschuldigte seine Frau vom Auto in die Wohnung, wobei er ihr mit einer Hand den Mund 

zuhielt. In der Wohnung stiess der Beschuldigte seine Frau dann ins Wohnzimmer und schlug sie 

mehrfach (mindestens 3-4 Mal) mit seinem Ledergürtel, welchen er zuvor ausgezogen hatte, indem er 

den Gürtel mit beiden Enden in einer Hand hielt und mit der Schlaufe des Gürtels auf die Beine seiner 

Frau einschlug. Nachdem die damals ebenfalls anwesende Schwester des Beschuldigten interveniert 

hatte, liess der Beschuldigte von C.________ ab, welche sich daraufhin ins Schlafzimmer flüchtete.

Vorfall am nächsten Tag (Ziff. I.1, I.2., I.4 lit. c AS)

Am Morgen nach dem hievor beschriebenen Vorfall (bzw. einem nicht näher bekannten Datum im 

Zeitraum von ca. Ende Dezember 2017 bis Anfang Februar 2018 teilte C.________ dem Beschuldig-

ten mit, dass sie weggehen bzw. ihn verlassen wolle. Daraufhin kam der Beschuldigte in das Schlaf-

zimmer setzte sich rittlings auf seine dort auf dem Rücken im Bett liegenden Ehefrau, drückte ihr die 

Hände zusammen und erteilte ihr mehrere (ca. zwei bis drei) Ohrfeigen, wobei er lachte. Als seine 

Frau anfing zu weinen und ihm sagte, dass er sie loslassen solle, erteilte er ihr weitere Schläge, lach-

te dabei und sagte, es stehe ihr gut, wenn sie weine und man sie immer wieder schlagen solle, weil 

sie nichts verstehe. Nachdem C.________ erneut sagte, dass sie ihn verlassen wolle, schlug der Be-

schuldigte zuerst gegen die Arme seiner Frau, drückte ihr danach während einiger Sekunden ein Kis-

sen auf das Gesicht und drohte ihr damit, sie umzubringen, wenn sie sich von ihm trennen wolle.

Unmittelbar nachdem der Beschuldigte aufgehört hatte, seiner Frau das Kissen auf das Gesicht zu 

drücken und dieses zur Seite gelegt hatte, begann er damit, sich und seine Frau zu entkleiden, indem 

er seiner Frau, die immer noch auf dem Rücken lag und lediglich mit einer Unterhose und einem 

Oberteil bekleidet war, die Unterhose auszog und sich selber seine Pyjamahose und seine Unterhose 

auszog. Als C.________ daraufhin probierte, den Beschuldigten von sich wegzustossen, sagte er, 

dass man es „ihr so zeigen solle wie man es macht“ und vollzog gegen den Willen seiner Frau mit ihr 

den Geschlechtsverkehr, indem er, inzwischen auf ihr liegend, mit seinem Glied in ihre Scheide ein-

drang, nachdem er zuvor mit beiden Händen ihre Beine auseinandergedrückt und festgehalten hatte.

Der seiner Ehefrau körperlich weitaus überlegene Beschuldigte setzte sich dabei durch aktive Ge-

waltanwendung, namentlich durch Festhalten, willentlich über den Widerstand seiner Frau hinweg, die 

bereits aufgrund der unmittelbar vorher stattgefundenen Gewalteinwirkungen und Drohungen ge-

schwächt und verängstigt war sowie während des ganzen Vorfalls und insbesondere auch, während 

und nachdem der Beschuldigte ihre Unterhose ausgezogen hatte und Anstalten machte, in sie einzu-

dringen, versuchte, ihn von sich wegzustossen, weinte, schrie und mehrfach sagte, dass sie das nicht 

wolle. 

Vorwurf der mehrfachen Drohungen (Ziff. I.3 lit. a AS)

Der Beschuldigte drohte seiner Ehefrau von ca. Anfang Dezember 2017 bis 11. Mai 2018 in 

M.________ (Ortschaft) sowie evtl. an weiteren nicht bekannten Orten in der unmittelbaren Umge-

bung von M.________ (Ortschaft) wiederholt verbal damit, sie umzubringen, insbesondere wenn sie 

ihm widersprach oder ihm sagte, dass sie ihn verlassen wolle.

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Vorfall mit Messer am 9. Mai 2018 (Ziff. I.3 lit. b, Ziff. I.4. lit. e AS):

Am 9. Mai 2018 warf der Beschuldigte, nachdem er um ca. 16.00 Uhr nach Hause gekommen war, 

erst einen nicht näher bekannten Gegenstand (eventuell eine Bananenschale) gegen den Kopf seiner 

Frau, die sich auf dem Balkon der gemeinsamen Wohnung aufhielt, packte seine Frau dann an den 

Haaren und zog sie in die Wohnung hinein. Als sich die Ehefrau des Beschuldigten daraufhin im Ba-

dezimmer eingeschlossen hatte, brach der Beschuldigte von aussen her die Badezimmertüre auf, 

packte seine Frau an den Haaren und zog diese an den Haaren aus dem Badezimmer.

Danach behändigte er aus der Küche ein kleines Küchenmesser („Schnitzer“), welches er in der rech-

ten Hand hielt, während er sich in einer Distanz von ca. 5-6 Metern zu seiner Frau befand, und sagte 

dabei zu seiner Frau, dass er sie und ihr ungeborenes Kind umbringen bzw. er sie «aufschlitzen» 

werde.

Vorfall Spaziergang (Ziff. I.4 lit. d AS)

An einem nicht näher bekannten Tag im Februar 2018 erteilte der Beschuldigte seiner Ehefrau bei ei-

nem gemeinsamen Spaziergang in M.________ (Ortschaft) eine Ohrfeige, worauf er seine Frau an 

der Hand, evtl. an der Jacke packte und nach Hause zerrte. In der gemeinsamen Wohnung ange-

kommen würgte der Beschuldigte seine Frau dann im Wohnzimmer auf dem Sofa, und zerrte sie, 

nachdem seine Frau auf den Balkon gegangen war, wieder in die Wohnung, wobei er sie anschrie.

Vorfall P.________ (Geschäft) (Ziff. I.4 lit. f AS)

Am 11. Mai 2018 erteilte der Beschuldigte seiner Ehefrau im Lift des Geschäftes P.________ (Ge-

schäft) in M.________ (Ortschaft) anlässlich eines Streites eine Ohrfeige. Auf dem anschliessenden 

gemeinsamen Nachhauseweg packte der Beschuldigte seine Frau an den Haaren und schlug sie mit 

der Hand ins Gesicht. Ausserdem packte der Beschuldigte seine Frau, als sie sich noch auf der Heim-

fahrt im Auto befanden, mit einer Hand am Hals und würgte sie.

10. Unbestrittener / Bestrittener Sachverhalt

Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, sind die Eckwerte der Ehe der Ver-
fahrensbeteiligten unbestritten. Bereits die Rollenverteilung wird jedoch abwei-
chend geschildert (S. 11 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 621). Nähe-
re Ausführungen zur Ehe der Parteien folgen in der eigentlichen Beweiswürdigung 
(vgl. Ziff. II.12.2 unten). 

Im Weiteren hat die Vorinstanz den bestrittenen Sachverhalt korrekt wie folgt wie-
dergegeben (S. 12 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 622): 

A.________ behauptete stets, er habe seine Frau nie geschlagen, er habe sie geliebt (vgl. bspw. 

p. 183 Z. 132, Z. 197, Z. 202, p. 198 Z. 543, p. 199 Z. 554 ff., p. 200 Z. 619 ff.). Sie habe ihn geschla-

gen (p. 183 Z. 153, Z. 202,). Er stritt zu Beginn ab, dass es überhaupt zu Streit gekommen sei (p. 185 

Z. 248: «Nein, Streit haben wir nicht»). Er bestritt weiter insbesondere auch, seine Frau geschlagen, 

ihr gedroht, sie genötigt oder gar vergewaltigt zu haben (p. 197 Z. 477, p. 206 Z. 902). 

Diese Vorwürfe bestritt der Beschuldigte auch vor oberer Instanz (pag. 826 Z. 16 
ff., pag. 827 Z. 42 ff. und pag. 830 Z. 1 ff.).

10

11. Beweismittel 

Als Beweismittel finden sich neben dem Anzeigerapport vom 21. August 2021 
(pag. 15 ff.) – beinhaltend insbesondere die Auswertungsergebnisse der Mobiltele-
fone des Beschuldigten und der Straf- und Zivilklägerin im Zeitraum vom 1. August 
2017 bis 12. Mai 2018 – in objektiver Hinsicht im Wesentlichen die rechtsmedizini-
schen Gutachten zur körperlichen Untersuchung vom 12. Mai 2018 der Straf- und 
Zivilklägerin und des Beschuldigten durch das Institut für Rechtsmedizin (nachfol-
gend IRM; pag. 39 ff. und pag. 43 ff.), die Rapporte des Kriminaltechnischen Diens-
tes der Kantonspolizei Bern (nachfolgend KTD) vom 16. Mai 2018 samt Fotodoku-
mentation der Verfahrensbeteiligten (pag. 47 ff.) sowie vom 2. Juli 2018 samt Foto-
dokumentation der gemeinsamen Wohnung der Verfahrensbeteiligten (pag. 54 ff.) 
in den Akten. Schliesslich liegt der Kammer der Chatverlauf zwischen dem Be-
schuldigten und der Straf- und Zivilklägerin vom 12. Februar 2017 ab dem Mobilte-
lefon der Straf- und Zivilklägerin (pag. 279 ff.) vor. 

In subjektiver Hinsicht verfügt die Kammer über die Aussagen des Beschuldigten 
(pag. 180 ff., pag. 187 ff., pag. 214 ff., pag. 244 ff., pag. 571 ff., pag. 822 ff.), die 
Aussagen der Straf- und Zivilklägerin (pag. 109 ff., pag. 119 ff., pag. 136 ff., 
pag. 154 ff., pag. 565 ff., pag. 815 ff.), die Aussagen der Schwester des Beschul-
digten G.________ (pag. 96 ff., pag. 99 ff.) sowie über die Aussagen der Nachbarn 
H.________ (pag. 81 ff.), I.________ (pag. 86 ff.) und J.________ (pag. 96 ff.).

Auf eine Zusammenfassung der einzelnen Beweismittel wird an dieser Stelle ver-
zichtet. Die Vorinstanz hat sowohl die objektiven wie auch die subjektiven Beweis-
mittel ausführlich wiedergegeben, weshalb darauf verwiesen wird (S. 12-27 der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 622 ff.). Soweit sich ergänzende 
und/oder präzisierende Ausführungen zu den einzelnen Beweismitteln aufdrängen, 
erfolgen diese im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen der Kammer.

12. Konkrete Beweiswürdigung

12.1 Theoretische Grundlagen der Beweiswürdigung 

Hinsichtlich der Ausführungen zur freien Beweiswürdigung und den allgemeinen 
Beweiswürdigungsregeln, insbesondere auch zum Grundsatz «in dubio pro reo», 
zum Indizienbeweis und zur Aussagenanalyse, wird vorab auf die zutreffenden Er-
wägungen der Vorinstanz verwiesen (S. 8 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung; pag. 618 f.).

12.2 Zur Ehe der Parteien

Die Parteien haben sich im Jahr 2016 in Serbien (Bujanovac/Bujanoc) kennenge-
lernt und haben am 1. August 2017 daselbst geheiratet. Anschliessend zog die Pri-
vatklägerin zum Beschuldigten in die Schweiz (u.a. pag. 111 Z. 67 ff. und 182 Z. 65 
f.). Tagsüber arbeitete der Beschuldigte als Gerüstbauer und die Privatklägerin war 
zu Hause. Daselbst wohnte die Privatklägerin, der Beschuldigte und dessen 
Schwester. Kontakt scheint die Privatklägerin einzig zu ihrer Schwester und ihrer 
Freundin K.________, welche beide in Zürich wohnten, gehabt zu haben. Der Be-
schuldigte weiss nicht, wie die Freundin, die die Privatklägerin während der Dauer 
der Ehe nie getroffen hat, heisst (pag. 193 Z. 274 ff.). Seine anfängliche Aussage, 

11

er sei natürlich der Chef zu Hause (pag. 182 Z. 87) will der Beschuldigte im Nach-
gang nur auf das Finanzielle bezogen wissen (pag. 182 Z. 87-88, pag. 196 Z. 422) 
oder auf Sachen, die nötig sind, um die Familie aufrecht zu erhalten (pag. 196, 
Z. 422). Anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung äusserte er sich hierzu wie 
folgt: «Ich kann Ihnen eine Geschichte erzählen: Als ich ganz klein war, hat mein 
Vater bei uns zu Hause vor meiner Mutter und vor meiner Schwester zu mir gesagt, 
A.________, du bist der einzige Mann hier im Haus. Ich war noch ganz klein. Er hat 
gesagt, das Portemonnaie gehört dir. Ich habe meinen Vater beim Wort genommen 
bis 2005. Als ich 2005 in die Schweiz kam, hat mein Vater gesagt, jetzt schaue ich 
wieder zur Familie. Dieses Wort von meinem Vater habe ich aber immer im Kopf 
behalten.» sowie «Für das Finanzielle und für die Gründung der Familie, bin ich der 
Mann.» (pag. 829 Z. 25 ff. und Z. 32). Dies belegt, dass sich der Beschuldigte als 
das Oberhaupt der Familie sah. Als irritierend ist zu bezeichnen, dass der Beschul-
digte die Privatklägerin auf das Finanzielle zu reduzieren, resp. sie als Investment 
zu betrachten scheint und sie eher despektierlich beschreibt, was nicht unbedingt 
von tiefen Gefühlen zeugt. So soll es dem Beschuldigten am 12. Mai 2018 sehr 
schlecht gegangen sein. Seine Frau habe ihn viel Geld gekostet. Er habe sehr viel 
in sie investiert (pag. 181 Z. 29 f.). Gleich äusserte er sich auch an der delegierten 
Einvernahme am 19. Juni 2018, wonach diese Frau ihn viel Geld gekostet habe. 
Bis jetzt ca. CHF 20'000.00 (pag. 200 Z. 603 ff.). Es sei die Frage, was die blöde 
Kuh ihm gemacht habe. Wer die Kosten übernehme (pag. 182 Z. 104 f.). Er habe 
gedacht, er habe eine gute Frau gefunden, aber er sei falsch gewesen. Er habe ei-
ne blöde Kuh (pag. 183 Z. 113 f.). Sie sei dumm im Kopf (pag. 185 Z. 253). Streit 
hätten sie nie gehabt (u.a. pag. 185 Z. 247 f.). Letzteres wird von der Schwester 
des Beschuldigten bestätigt (pag. 101 Z. 57). Aggressiv habe sie ihren Bruder nie 
erlebt (pag. 102 Z. 106 f.). Die Aussagen des Beschuldigten und seiner Schwester 
sind indessen als beschönigend zu qualifizieren. H.________ und I.________ ha-
ben zu Protokoll gegeben, in der Wohnung E.________ habe es «ernsthafte Dis-
kussionen» gegeben (pag. 82 f. Z. 44 ff. und Z. 95) bzw. man höre immer laute 
Stimmen von einem Mann und einer Frau und «Unter uns sind es immer laute Dis-
kussionen und Schreie» (pag. 89 f. Z. 105 f. und Z. 166). J.________ führte aus, in 
der Wohnung habe man immer sehr laut gesprochen (pag. 94 Z. 58). Sie (die Pri-
vatklägerin) sei einfach mega jung. Sie (J.________) habe auch nie mit ihr reden 
können, weil sie kein Deutsch spreche (pag. 94 Z. 52 f.). Die ursprüngliche Aussa-
ge des Beschuldigten, er sei natürlich der Chef wird sodann durch die Nachrichten, 
die er der Privatklägerin im Februar 2017, als sich diese offensichtlich noch in ihrer 
Heimat befand, zukommen liess, bestätigt (vgl. pag. 279 ff.). So darf die Privatklä-
gerin eine Kollegin für eine halbe Stunde besuchen und als sie länger bleiben will, 
wird ihr das verboten, wobei sie als Lügnerin bezeichnet wird und sie und ihre Kol-
legin gefickt werden sollten (pag. 280 ff.). Wenn er (der Beschuldigte) ihr (der Pri-
vatklägerin) nein sage, dann sei Nein und Punkt (pag. 285) und wenn er sie ges-
tern in der Nähe gehabt hätte, hätte er sie geschlagen (pag. 286). Der Beschuldigte 
stellte der Privatklägerin Schläge in Aussicht und teilte ihr in derben Worten sinn-
gemäss mit, er werde sie erziehen. Sie dürfe (am 12. Februar 2017) nicht mehr aus 
dem Haus (pag. 286 ff.). Angesprochen auf diese Nachrichten antwortete der Be-
schuldigte vor Berufungsgericht, er könne sich nicht erinnern und er habe das nicht 

12

gesagt (pag. 825 Z. 30 ff.). Weiter stellte er die (abstruse) Vermutung an, jemand 
anderes habe dies von seinem Handy geschrieben (pag. 825 Z. 41 f. und pag. 826 
Z. 1 ff.). Ob die Ehe der Parteien arrangiert worden ist, ist ohne Belang und kann 
offenbleiben. Als Quintessenz ist so oder anders festzuhalten, dass die Privatkläge-
rin vom Beschuldigten finanziell abhängig war, ohne Kenntnis der deutschen Spra-
che und Beschäftigung unter der Woche tagsüber isoliert in M.________ (Orts-
chaft) gelebt hat und es zwischen den Parteien zu Streitereien kam. Vor dem Zu-
sammenleben in der Schweiz war es vorgekommen, dass der Beschuldigte der 
Privatklägerin aus der Ferne Verhaltensanweisungen gegeben und Schläge in 
Aussicht gestellt hat. Weiter ist erstellt, dass die Privatklägerin die eheliche Woh-
nung am 12. Mai 2018 nach ca. 9-monatiger Ehe verlassen und diese dergestalt 
faktisch beendet hat. Hierzu ist auch auf die zutreffenden Ausführungen der Vorin-
stanz zu verweisen (S. 11 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 621 f.).

12.3 Würdigung der Aussagen der Privatklägerin

Bezüglich der privatklägerischen Aussagen ist deren Entstehungsgeschichte von 
Bedeutung. Die Privatklägerin hat am 12. Mai 2018 zu Fuss die knapp zwei Kilome-
ter zwischen der L.________strasse in M.________ (Ortschaft), ihrer Wohnadres-
se, und der N.________strasse in Bern, der O.________ (Botschaft), zurückgelegt. 
Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 28. Oktober 2021 bestätigte sie dies auf 
entsprechende Nachfrage des Vorsitzenden sowie führte aus, «kein Geld für ein 
Tram 
oder so» gehabt zu haben (pag. 816 Z. 35 f.). Ihr sei immer wieder ein Polizist 
durch den Kopf gegangen. Er sei immer dort gewesen, immer in dem Häuschen. 
Das sei ihr Ziel gewesen (pag. 816 Z. 38 ff.). Daselbst hat sie einen Botschafts-
schützer angesprochen und ihm von Drohungen und Schlägen seitens des Ehe-
mannes erzählt (Berichtsrapport vom 15. Mai 2018; pag. 36). Die erste polizeiliche 
Einvernahme erfolgte gleichentags um 14.00 Uhr. Zu Beginn gab die Privatklägerin 
zu Protokoll, im Moment gehe es ihr sehr schlecht. Sie sei sehr traurig und habe 
Angst. Sie sei wütend. Aber vor allem sehr traurig (pag. 110 Z. 48 ff.). Dann be-
gann die Privatklägerin zu weinen und schilderte hernach sie sei geschlagen wor-
den. Sie sei schwanger in der zweiten Schwangerschaftswoche. Er habe ihr ge-
sagt, sie solle es herausnehmen, aber das wolle sie gar nicht. Er habe sie mit dem 
Messer bedroht und gesagt, wenn sie es nicht beim Arzt abtreiben lasse, nehme er 
es ihr heraus. Und er habe sie geschlagen. Sie habe sich in ihr Zimmer einge-
schlossen und er habe gegen die Türe geschlagen. Die Distanz zwischen dem 
Messer und ihr sei ca. 5 Meter gewesen. Es habe sich dabei um ein kleines 
Küchenmesser gehandelt (pag. 110 f. Z. 56-63). Mit anderen Worten schilderte die 
Privatklägerin anlässlich ihrer ersten Einvernahme vorerst eindrücklich die am kür-
zesten zurückliegenden Geschehnisse. Dabei waren ihre Schilderungen nachvoll-
ziehbar und mit Emotionen (Weinen) verbunden. Sie machte auch sprunghafte 
Aussagen und schonte den Beschuldigten teilweise. Es ist nicht davon auszuge-
hen, dass die Privatklägerin bei einer falschen Bezichtigung einen Botschaftsschüt-
zer auf der Strasse, sondern einen echten Polizisten, mutmasslich auf einem Poli-
zeiposten, kontaktiert hätte. Auch wäre bei einer Falschaussage zu erwarten ge-
wesen, dass das «kleine Küchenmesser» bei der Drohung am Hals und nicht in ei-
ner Entfernung von 5 Metern gewesen wäre und weiter, dass der gemeinhin als 

13

gravierendster erachtete Vorfall, die Vergewaltigung, zu Beginn der Einvernahme 
genannt worden wäre und nicht am Schluss und eher zufällig (pag. 115 Z. 262 ff.). 
Es ist anzunehmen, dass die Privatklägerin das eheliche Domizil am 12. Mai 2018 
unplanmässig verlassen hat, was einen Auslöser impliziert. Einen solchen benennt 
die Privatklägerin mit dem Ereignis am Vortag im P.________ (Geschäft) (vgl. 
pag. 112 Z. 136 ff.), nicht aber der Beschuldigte. Bereits die Entstehungsgeschich-
te legt daher nahe, dass die privatklägerischen Aussagen als glaubhaft zu qualifi-
zieren sind. Die Kammer folgt der Vorinstanz, wenn sie anführt (pag. 637):

Das Gericht erachtet die Aussagen von C.________ als glaubhaft. Sie hat in den wesentlichen Punk-

ten konstant und widerspruchsfrei ausgesagt. Es gibt im Kerngeschehen keine unerklärlichen Wider-

sprüche, weder in den jeweiligen Einvernahmen, noch im Vergleich der Einvernahmen untereinander. 

Die Aussagen sind sehr detailliert, wobei in praktisch jeder Einvernahme die gleichen Details erwähnt 

werden. Bereits die erste freie Erzählung, weshalb sie zur Polizei gekommen sei, ist voller ausgefalle-

ner und nicht zielgerichteter Details (Früchtekorb, sie lief vor ihm, er sagte auf sehr schlimme Art 

«Nein», er schaute fern, die Geschichte mit der Abtreibung), welche immer wieder wiederholt wurden 

und es wurden bereits Anspielungen auf diverse andere Vorwürfe gemacht (wollte die Schlafzimmer-

tür auch kaputtschlagen, drohte mit Keller, hatte Probleme mit der Polizei wegen «dem anderen», 

sagte sie und ihre Familie seien blöd, machte ihre Kette kaputt; vgl. p. 112 Z. 136), welche im Verlauf 

des Verfahrens mehrmals thematisiert wurden.

Wenn der Beschuldigte die Badezimmertür nicht kaputtgemacht hätte, wäre wohl 
kaum eine Aussage der Privatklägerin des Inhalts, der Beschuldigte habe gesagt 
«Mach die Tür auf, oder soll ich diese auch noch kaputt machen?» (pag. 112 
Z. 145-146) zu erwarten gewesen. Die Privatklägerin hat den Vorfall mit der Bade-
zimmertür anlässlich der ersten Einvernahme gar nicht erwähnt und eine erfundene 
Verknüpfung ohne realen Hintergrund würde keinen Sinn machen. Weiter wäre 
nicht zu erwarten, dass die Privatklägerin ohne realen Hintergrund den Beschuldig-
ten mit den Worten «Er fing dann wieder damit an, dass ich Schuld sei, dass er 
mich geschlagen habe.» (pag. 113 Z. 170-171) zitierte. Auch schonte die Privatklä-
gerin den Beschuldigten, indem sie zu Protokoll gab, dieser sei nach den Schlägen 
immer wieder zu ihr gekommen und habe ihr gesagt, dass er dies nicht hätte ma-
chen dürfen und sie eine gute Frau sei, aber dann sei es wieder passiert (pag. 113 
Z. 191-193). Auch die Empfindungen, die die Privatklägerin schildert, zeugen von 
der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen: «Ich denke nicht, dass er dies [die Drohungen] 
wirklich umsetzen würde. Aber ich fühlte mich trotzdem unwohl. Er beachtet mich 
auch gar nicht als Frau. Ich bin nichts wert für ihn.» (pag. 114 Z. 258-259). 

Die Kammer verkennt mit der Verteidigung (pag. 835) nicht, dass die Aussagen der 
Privatklägerin teilweise widersprüchlich sind. Jedoch lassen sich diese Wider-
sprüche aufgrund der Tatsache, dass die Einvernahmen nicht chronologisch, son-
dern nach thematischen Komplexen durchgeführt wurden, erklären. Die Kammer 
kommt somit mit der Vorinstanz zum Schluss, dass die privatklägerischen Aussa-
gen erlebnisbasiert sind. Dies zeigte sich auch anlässlich der oberinstanzlichen 
Verhandlung. Anlässlich ihrer Einvernahme beantwortete die Privatklägerin jede 
Frage nachvollziehbar und einleuchtend sowie in Übereinstimmung mit den vorhe-
rigen Aussagen.

Die Vorinstanz hat weiter korrekt ausgeführt (pag. 637 f.): 

14

Ein solches Netz von Details und Anspielungen, welche in der Folge wiederholt werden können, ist 

schwer zu erfinden. Ferner schilderte C.________ insbesondere die Ereignisse «Schläge mit dem 

Gurt» und die Misshandlung mit dem Kissen am folgenden Tag stets gleich, ferner auch den Sach-

verhalt im P.________ (Geschäft) und mit der Badzimmertür und dem Messer. Es war ihr scheinbar 

wichtig, dass Missverständnis aus ihrer ersten Einvernahme, sie sei direkt nach den Schlägen mit 

dem Gurt vergewaltigt worden, aus dem Weg zu räumen, obwohl die befragende Person selbst durch 

ihr wiederholtes Nachhaken Skepsis signalisierte. Wäre die Geschichte erfunden gewesen, hätte 

C.________ sicher nicht derart ohne Rücksicht auf (Glaubhaftigkeits-)Einbussen auf der anderen 

Version beharrt (Vergewaltigung erst am nächsten Tag). 

Anzumerken bleibt, dass die Befragung am 12. Mai 2018 von zwei Polizisten 
durchgeführt wurde und die Privatklägerin offenbar mit sich rang, ob sie überhaupt 
Aussagen machen soll oder nicht (pag. 115 Z. 271-273). In der nachfolgenden 
Passage, in welcher die Privatklägerin schildert, was passiert ist, kommt überdies 
der Gurt nicht mehr vor (pag. 115 Z. 275-281). 

Aus ihren Aussagen geht allgemein ihr konsequent verfolgtes Ziel hervor, dass die Ereignisse korrekt 

geschildert und protokolliert wurden, weshalb sie auch nicht davor zurückschreckte, vergangene Aus-

sagen zu korrigieren, selbst wenn sie dadurch im ersten Moment widersprüchlich wirkte oder 

A.________ damit entlastete. 

Frau C.________ schildert ferner zahlreiche Dialoge und insbesondere ihre Gefühle bzw. ihre psychi-

sche Verfassung anlässlich der Gewalthandlungen ihres Ehemannes. Es geht aus ihren Aussagen 

auch hervor, dass sie sich mit den Gründen für das Verhalten von A.________ beschäftigt hat («Er ist 

bei seiner Mutter aufgewachsen.», Eifersucht, RAV, wird schnell aggressiv). 

Der Beschuldigte führte vor Berufungsinstanz aus, sein Vater sei in der Schweiz 
gewesen und seine Mutter in Serbien. Sie seien alle zusammen am 20. Juni 2005 
in die Schweiz gekommen. Seine Mutter sei im März 2008 gestorben (pag. 828 
Z. 31 ff.). Demnach stimmt die Aussage der Privatklägerin, der Beschuldigte sei bei 
seiner Mutter aufgewachsen, nicht ganz. Diese Unstimmigkeit vermag ihre Glaub-
würdigkeit jedoch nicht zu schwächen, beschlägt sie doch eine Hypothese und 
nicht den Sachverhalt an sich.

Die Erzählungen sind stringent und dadurch nachvollziehbar, mit anderen Worten logisch konsistent, 

wobei sie ihr Verhalten und das ihres Ehepartners oft anhand von Emotionen schildert bzw. mit die-

sen verknüpft (sowohl im Rahmengeschehen als auch im Kerngeschehen). So konnte sie namentlich 

begründen, weshalb sie persönlich das eine Mal keinen Geschlechtsverkehr mit A.________ gewollt 

habe, da er sie zuvor geschlagen habe. Vergewaltigt habe sie A.________, nachdem sie ihm ihre 

Trennungsabsicht mitgeteilt habe. Sie konnte auch erklären, weshalb sie sich nicht übermässig zur 

Wehr setzen konnte, da sie aufgrund der vorhergehenden Misshandlungen bereits geschwächt war. 

Als ausgefallen und stimmig imponiert auch die privatklägerische Aussage anläss-
lich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung, wonach es nach der «Vergewaltigung» 
zu einvernehmlichem Geschlechtsverkehr gekommen sei. Sie habe sich aber 
schlecht gefühlt, weil es so den Anschein gemacht habe, als hätte sie ihm verzie-
hen (pag. 566 Z. 24-27). Der letzte Zusatz wäre bei einer erfundenen Vergewalti-
gung nicht zu erwarten.

Auch die Vergewaltigung betreffend sind keine Aggravierungstendenzen ersicht-
lich. So sagte die Privatklägerin bei ihrer zweiten polizeilichen Einvernahme aus, 

15

der Sexualakt der Vergewaltigung sei eigentlich gleich gewesen, wie der «norma-
le» Sex mit dem Beschuldigten, ausser dass sie diesen Akt nicht gewollt habe, weil 
er sie vorgängig geschlagen habe (pag. 128 Z. 453-456).

Weiter erklärte die Privatklägerin denn auch mehrmals, nicht die Vergewaltigung 
als das Schlimmste wahrgenommen zu haben, sondern das Lachen, die Schläge, 
die Drohungen, die Respektlosigkeit. So beispielsweise bei der Polizei: «Das 
Schlimmste ist, dass er lachte, als er mich schlug.» (pag. 114 Z. 211 vgl. auch 
pag. 124 Z. 228), und bei der Staatsanwaltschaft, als sie äusserte, am 12. Mai 
2018 nicht nur die Vergewaltigung, sondern die ganze Situation anzeigen haben zu 
wollen (pag. 176 Z. 799-801). Ein weiteres Beispiel folgte an der oberinstanzlichen 
Hauptverhandlung, an welcher sie auf die Frage, was das Schlimmste gewesen 
sei, was sie während der Ehe erlebt habe, nicht die Vergewaltigung nannte, son-
dern sagte: «Als er mich mit dem Gurt geschlagen hat und als ich das Messer in 
seiner Hand gesehen habe. Und als er mir das Kissen über das Gesicht gehalten 
hat. Ich kann das nicht beschreiben, so schlimm ist es gewesen.» (pag. 817 Z. 1-
5). Weiter führte die Privatklägerin auf die Frage, was ihr am meisten im Gedächt-
nis geblieben sei, wenn Sie an die Zeit an der L.________strasse zurückdenke, 
u.a. aus: «Sehr schlechte Gedanken. Gewalt. Respektlosigkeit. Wie eine Sklavin.» 
(pag. 818 Z. 10-12).

Ihre Aussagen sind ferner immer von gleich guter Qualität, ob sie nun die Übergriffe schildert oder et-

was beschreibt, das strafrechtlich nicht relevant ist; dies erstaunt nicht, da das von ihr persönlich als 

«schlimm» Erlebte oft nicht die strafrechtlich gravierenden Vorwürfe sind. Diese sog. Strukturgleich-

heit der Aussagen ist ebenfalls ein wichtiges Realkennzeichen.

Ihre Aussagen sind ferner insbesondere auch nicht zielgerichtet. Die Vergewaltigung wurde anlässlich 

der ersten Einvernahme gegen das Ende hin eher zufällig thematisiert, da die Polizeibeamten die (Ka-

talog-)Frage stellten, ob sie zu etwas genötigt worden sei. Sie sagte nachvollziehbar aus und es geht 

auch allgemein aus ihren Aussagen hervor, dass sie eigentlich nicht die Vergewaltigung per se son-

dern insbesondere auch die Umstände darum herum – die Schläge zuvor und danach, die weiteren 

Misshandlungen in Kombination mit ihrer Schwangerschaft – zur Anzeige bringen wollte, mit anderen 

Worten zur Polizei ging, weil sie die gesamte Drucksituation nicht mehr aushielt. Nicht primär wegen 

der Vergewaltigung, deren Strafbarkeit in der Ehe ihr zuerst möglicherweise nicht einmal bekannt war. 

Eine Person «in den Schuhen von C.________», welche zum Ziel hätte, A.________ zu Unrecht zu 

belasten um als Opfer im Sinne von Art. 50 Abs. 2 AIG einen Aufenthaltstitel zu erlangen, hätte viel 

früher und eindringlicher auf die (juristisch) im Vordergrund stehende Vergewaltigung abgezielt, statt 

der Polizei ihre «Gesamtsituation» zur Anzeige zu bringen und erst am Ende der Einvernahme mehr 

zufällig auf Frage des Polizisten eine Vergewaltigung zu schildern. 

Im Zusammenhang mit der Interessenlage von C.________ sei auch noch erwähnt, dass sie aus AIG-

Sicht genauso gut bei A.________ hätte bleiben können, hätten sie denn tatsächlich die von ihm ge-

schilderte harmonische Ehe gelebt. Es ist nicht nachvollziehbar, wie jemand, der die juristischen Zu-

sammenhänge kennt, ihr zum Schritt mit der Falschbeschuldigung hätte raten können, da dies nun 

auch unweigerlich das Leben in einem Frauenhaus in Verbindung mit der damit einhergehenden 

Trennung von Verwandten und Freunden sowie die ständige Furcht vor zufälligen Begegnung mit ei-

nem der ungefähr 50 Verwandten von A.________ in der Schweiz mit sich bringt. Fraglich ist weiter, 

ob C.________ aus ihrem eigenen Verwandtenkreis - welcher sich abgesehen von der Schwester 

noch in Serbien befindet - auf viel Unterstützung betreffend die Abtreibung und die Flucht von ihrem 

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Ehemann hoffen darf. Ein Rat zu diesem Vorgehen – etwa von ihrer Schwester –, unter der Prämisse, 

dass A.________ sie nicht misshandelte, ist auch aus diesen Gründen schlicht unvorstellbar.

C.________ belastet A.________ auch nicht übermässig, obschon sie dies ohne weiteres hätte tun 

können. So sagte sie aus, mit einem Messer habe er sie nur einmal bedroht. In den Keller habe er sie 

trotz Drohung nie gesperrt. Sie wisse nicht genau, wo die blauen Flecken herrührten, sie könnten 

auch von einer Tischkante stammen (eigentlich eine Steilvorlage für eine Falschbeschuldigung). Er 

habe sich immer wieder dafür entschuldigt, sie geschlagen zu haben bzw. habe Frieden schliessen 

wollen. Er habe dann gesagt, sie habe eigentlich nicht verdient, geschlagen zu werden; dies habe sie 

allerdings gekränkt. Sie erwähnte auch nur einen Vorfall von sexueller Gewalt. Am 12.05.2018 sagte 

sie, sie habe zurzeit keine Verletzungen. Gestern (am 11.05.2018) habe er sie nicht so stark geschla-

gen. Er halte sich zurück, seit sie mit ihrer Familie über die Probleme mit ihm gesprochen habe. 

Bei einer falschen Anschuldigung hätten der Privatklägerin zudem nicht nur juristi-
sche, sondern auch Konsequenzen vom Umfeld des Beschuldigten oder vom Be-
schuldigten selber gedroht. Es ist davon auszugehen, dass die Privatklägerin die-
ses Risiko nicht eingegangen wäre.

Ein weiteres Glaubhaftigkeitsmerkmal sind die Raum-/zeitlichen Verknüpfungen der verschiedenen 

Ereignisse, welche in einer erfundenen Schilderung fehlen würden:

• die Übergriffe während und nach dem Einkauf in der R.________ (Geschäft) (effektiv war es im 

P.________ (Geschäft)) oder im Q.________ (Geschäft);

• der Vorfall wenige Tage zuvor, als die Badezimmertür kaputtging, wo C.________ das Vorge-

schehen schilderte (er sei um 16:00 Uhr nach Hause gekommen, sie sei ein wenig wütend ge-

wesen, weil er sie schon wieder allein gelassen hatte und habe deshalb nicht mit ihm gespro-

chen);

• die Übergriffe während und nach einem Spaziergang in der Wohnumgebung;

Demgegenüber findet man in den Aussagen von C.________ kaum Lügensignale. Die von Fürspre-

cher B.________ im Parteivortrag genannten (scheinbaren) Widersprüche, lassen keine unüberwind-

lichen Zweifel an der Tatsachenbasis der Darstellungen von C.________ aufkommen:

Zur Frage, wann die Gewalthandlungen angefangen haben, hat C.________ tatsächlich scheinbar 

widersprüchlich ausgesagt, es war nicht immer klar, ob dies schon der Fall war, als die Eheleute noch 

verlobt waren oder erst nach der Heirat im August 2017 oder sogar erst Ende Dezember 2017. Auffal-

lend dabei ist jedoch, dass C.________ ihren Mann in Bezug auf den Zeitraum je länger je weniger 

belastet hat. Das ist atypisch. Normalerweise stellt man das Gegenteil fest und dies wird als Lügensi-

gnal gewertet.

Hierzu ist zu ergänzen, dass die Privatklägerin die strafrechtlich nicht relevante 
Frage nach der ersten aggressiven Handlung konstant und gleichbleibend schil-
dert. Der seitens der Verteidigung monierte Widerspruch, wonach die Aussagen 
der Privatklägerin betreffend den Beginn der Übergriffe eine zeitliche Diskrepanz 
aufweise (pag. 835), geht sodann auch nach Ansicht der Kammer fehl: Der Be-
schuldigte wurde kurz vor dem Eheschluss gegenüber der Privatklägerin aggressiv, 
nachdem sich ein Autofahrer bei ihr entschuldigte, weil er bei McDonald’s nahe an 
ihr vorbeifuhr (pag. 122 Z. 154 ff.; pag. 159 Z. 177 ff.). Dieser Vorfall ereignete sich 
vor, alle weiteren nach der Hochzeit der Verfahrensbeteiligten. Dies ist zeitlich 
nachvollziehbar. Auch die Aussagen der Privatklägerin, während der ganzen Ver-

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lobungszeit sei er ein vorbildlicher Mann gewesen (pag. 140 Z. 176) sowie der Be-
schuldigte habe sie vor der Hochzeit noch nicht geschlagen, aber sie habe damals 
gemerkt, dass er sehr impulsiv sei, dass er Wutausbrüche haben könne (pag. 159 
Z. 189 f.), erachtet die Kammer entgegen der Verteidigung nicht als widersprüch-
lich. Zudem passen sie zum Auftreten des Beschuldigten vor oberer Instanz. Der 
Beschuldigte zeigte hier, dass er sich anständig zu benehmen weiss. Seine auf-
brausende Art war aber ebenfalls zu beobachten. Beispielsweise als er im Rahmen 
seiner Einvernahme auf die Rollenverteilung in der Familie angesprochen wurde 
(pag. 829 Z. 11 ff.). Der vorgenannte Vorfall bei McDonald’s zeichnet überdies als 
Ereignis, welches nicht zur Anklage gebracht wurde, bereits ein grobes Bild vom 
Wesen des Beschuldigten. Der Privatklägerin müsste eine sehr hohe kriminelle 
Energie zugeschrieben werden, wenn man davon ausginge, dass sie alles erfun-
den hätte. Hierfür sind jedoch keine Anhaltspunkte ersichtlich. Auch wären hierzu 
aussergewöhnliche intellektuelle, bei der Privatklägerin nicht vermutete, Fähigkei-
ten von Nöten. Weiter ist davon auszugehen, dass ihre Aussagen diesfalls strin-
genter ausgefallen wären. Die Privatklägerin verbrachte ihre Tage jedoch alleine in 
der gemeinsamen Wohnung in M.________ (Ortschaft). Ihr einziger Draht zur Aus-
senwelt war ihr Mobiltelefon. Es erstaunt angesichts dieser langwierigen, gleich ab-
laufenden Tage nicht, dass die Privatklägerin die Tage der gewaltsamen Ausein-
andersetzungen nicht genau benennen kann. Ihre Aussagen lassen sich aber auf-
grund deren Detailreichtum auf objektivierbare Art und Weise zeitlich einordnen. 
Beispielsweise verknüpfte sie den Vorfall mit der Bedrohung mit dem Messer, bei 
welchem auch die Badezimmertüre kaputtging, mit einem am nächsten Tag erfolg-
ten Polizeieinsatz wegen Gartenschläuchen (pag. 129 Z. 509 ff.). Anschaulich ist 
hierzu auch ihre Ausführung «Mit dem Gurt schlug er mich, als er zwei Monate lang 
beim RAV war.» (pag. 123 Z. 173-174).

Weiter sind die Aussagen zur Anzahl Vorfälle mit dem Gurt prima vista widersprüchlich. Wenn man 

den ganzen Abschnitt «Fragen zum Vorfall mit dem Gurt» auf p. 124 f. liest, wird allerdings schnell 

klar, dass es nur um einen solchen Vorfall ging. Er ist passiert, nachdem die Parteien vom Einkaufen 

im Q.________ (Geschäft) nach Hause zurückgekehrt waren. «Es waren acht oder neun Mal», sagte 

C.________. Aus dem Zusammenhang ergibt sich, dass sie damit acht oder neun Schläge gemeint 

hat. Das Gericht kann hier keinen echten Widerspruch erkennen. 

Hinsichtlich diesem Vorfall ist ergänzend zu den Ausführungen der Vorinstanz dar-
auf hinzuweisen, dass die Privatklägerin die Veranlassung für die Gurtschläge – 
beim Einkaufen hätten sie einen Freund ihres Ehemannes getroffen, weil sie die-
sen begrüsst bzw. mit diesem gesprochen habe, habe sie daraufhin Schläge be-
kommen (pag. 124 Z. 213-215, pag. 125 Z. 263 und Z. 287, pag. 161 Z. 232 ff., 
pag. 171 f. Z. 642 ff.) – und auch, wie sie mit dem Gurt geschlagen worden sei – 
der Beschuldigte habe den Gurt halbiert, also die Schnalle und das Ende in der 
Hand gehalten und sie mit der Schlaufe geschlagen (pag. 125 Z. 302-303, pag. 172 
Z. 652 f.) – immer gleich schilderte. Letzteres ein Realkennzeichen erster Güte. 
Zwar bringt die Verteidigung zutreffend vor, die Privatklägerin habe zur Anzahl der 
Schläge widersprüchlich ausgesagt. Zunächst gab sie an, es seien acht oder neun 
Mal gewesen (pag. 125 Z. 307), später sagte sie, er habe sie sicherlich drei Mal, 
vielleicht vier Mal geschlagen (pag. 172 Z. 651). Gerade weil die Privatklägerin bei 
der späteren Einvernahme weniger Schläge nannte, erachtet die Kammer auch 

18

diese Aussagen als glaubhaft. Die Privatklägerin aggraviert in keiner Art und Wei-
se. Massgebend ist indessen das An-und-für-sich, die nachfolgende Hilfestellung 
der Schwägerin (pag. 125 Z. 283, pag. 172 Z. 653 f.) und nicht die genaue Anzahl 
der Schläge. Die Kammer erachtete es dann auch als zu viel verlangt, wenn nicht 
sogar als zynisch, von einem Opfer zu fordern, es müsse sich an die genaue An-
zahl der Schläge erinnern können.

Weitere scheinbare Ungereimtheiten gibt es beim Mobiltelefon von C.________. Die Auswertung hat 

ergeben, dass das Gerät vom 1. bis zum 12. Februar 2018 inaktiv war (vgl. Anzeigerapport p. 20), 

was mit ihrer Angabe im Widerspruch stand, A.________ habe ihr das Mobiltelefon im Dezember 

2017 für eine Woche weggenommen (p. 164 Z. 341 f.) und dies wiederum im (scheinbaren) Wider-

spruch damit, er habe ihr das Mobiltelefon wochenlang weggenommen (p. 111 Z. 77). Das Beispiel 

zeigt jedoch erneut deutlich die Glaubwürdigkeit von C.________, da ihre Aussage zwar in zeitlicher 

Hinsicht (Dezember 2017 statt Februar 2018; 12 Tage statt wochenlang) sehr unverlässlich ist, jedoch 

– und dies ist viel wichtiger – die grundsätzliche Behauptung, man habe ihr das Handy für einen län-

geren Zeitraum weggenommen, mit dem Resultat der Auswertung ihres Mobiltelefons übereinstimmt, 

da vom 01.02.2018 bis am 12.02.2018 tatsächlich eine längere Inaktivität zu erkennen war. 

C.________ gab ferner auf Vorhalt der Telefonauswertung offen zu, sie habe sich wohl in der Zeit ver-

tan. Das Zugeben von Irrtümern ist ein Merkmal für Glaubhaftigkeit, nicht ein Lügensignal. Es ist dies-

bezüglich ergänzend festzuhalten, dass C.________ oft Mühe hatte, Zeiträume richtig einzugrenzen 

(Dezember oder Februar), was aufgrund ihres Alltags hauptsächlich in der gemeinsamen Wohnung, 

ohne Arbeitsleben oder ähnlich, erklärbar ist (die chronologischen Abfolgen der Ereignisse innerhalb 

dieser Zeiträume sind jedoch wiederum nachvollziehbar). Als Beispiel kann hier die Schwangerschaft 

bzw. der Schwangerschaftsabbruch dienen. Die zeitlichen Angaben von C.________ dazu machten 

auch anlässlich ihrer Einvernahme an der Hauptverhandlung nicht viel Sinn (Sie müsste ihre Schwan-

gerschaft innert weniger Tage nach der Zeugung festgestellt haben.) – dennoch ist unbestritten, dass 

sie schwanger war.

In die gleiche Richtung gehen die Aussagen zum erzwungenen Geschlechtsverkehr: Zuerst sagte 

C.________, dies sei gleich nach den Schlägen mit dem Gurt passiert, später korrigierte sie, der un-

gewollte Geschlechtsverkehr habe am Tag darauf stattgefunden. Das Gericht sieht darin kein Lügen-

signal. Die Berichtigung eigener Aussagen ist ein Glaubhaftigkeitsmerkmal. Es ist ferner plausibel, 

dass C.________ unter mehreren geschilderten Ereignissen (R.________ (Geschäft), Küchenmesser, 

Gurt) die Vergewaltigung dem geschilderten Ereignis mit dem Gurt zuordnete, da ein enger zeitlicher 

(am nächsten Tag) und sachlicher (der gleiche Streit) Zusammenhang bestand. Ausserdem wurde 

C.________ anlässlich der Einvernahme vom 12.05.2018 nur kurz zur Vergewaltigung befragt, es gab 

also auch keine Gelegenheit, die Schilderung zu präzisieren (vgl. p. 115 Z. 263 ff.).

Nach Ansicht der Kammer führt es zwar zu weit, im Zusammenhang mit den Zeit-
angaben der Privatklägerin von einem Glaubhaftigkeitsmerkmal zu sprechen. Auch 
ist das Zugeben von Irrtümern bzw. die Berichtigung eigener Aussagen nicht immer 
ein Merkmal für Glaubhaftigkeit. Hingegen erstaunt es, wie vorgängig bereits ange-
führt, nicht, dass die Privatklägerin Mühe mit der zeitlichen Einordnung der Vorfälle 
hat. Ihre Tage waren lang und eintönig, was es schwierig macht, Daten an Ereig-
nissen festzumachen. Auch führt die Vorinstanz zu Recht an, dass die wesentlichs-
ten Punkte der privatklägerischen Aussagen schliesslich in objektivierbarer Weise 
nachvollzogen werden konnten. Hinsichtlich des Mobiltelefons ist die privatklägeri-
sche Kernaussage, dieses sei ihr für eine Woche resp. wochenlang weggenommen 

19

worden (pag. 111 Z. 77), durch die Auswertung des Mobiltelefons (vgl. S. 6 des 
Anzeigerapports vom 21. August 2018; pag. 20) objektiviert. Es ist auch nachvoll-
ziehbar, dass der Privatklägerin, die keiner Beschäftigung nachging, diese 12-
tägige Wegnahme «wochenlang» vorgekommen ist. Auch sprechen, entgegen der 
Ansicht der Verteidigung (pag. 837), 150 Anrufe bzw. Nachrichten pro Tag nicht 
gegen eine Isoliertheit der Privatklägerin. Das Mobiltelefon war, wie ebenfalls vor-
gängig bereits genannt, ihr Nabel zur Welt, ihre einzige Möglichkeit Kontakte zu 
pflegen.

Ihre Ausführung in ihrer ersten Einvernahme, die Vergewaltigung sei nach dem 
Vorfall mit dem Gurt gewesen, korrigierte die Privatklägerin vehement (pag. 126 
Z. 349 und Z. 357 f.), wobei sie aber bei der ersten Einvernahme auch schon die 
Schläge und das Kissen vor dem ungewollten Geschlechtsverkehr schilderte 
(pag. 114 Z. 211 ff.). Es kann sich durchaus um ein Missverständnis anlässlich der 
ersten Einvernahme gehandelt haben. Die Privatklägerin sagte sehr sprunghaft aus 
und war sich offenbar nicht im Klaren, ob sie zum Geschlechtsverkehr überhaupt 
aussagen will (pag. 115 Z. 265 f.). Die teilweisen privatklägerischen Widersprüche 
sind auch nach Ansicht der Kammer nicht geeignet, das starke Fundament der 
Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin zu tangieren, geschweige denn zu 
erschüttern.

Fürsprecher B.________ hat auch im Zusammenhang mit dem sexuellen Übergriff auf Widersprüche 

in den Aussagen von C.________ hingewiesen. Einmal habe sie gesagt, sie habe sich nur verbal 

wehren können, ihr Körper habe nicht mitgemacht. Ein anderes Mal habe sie gesagt, sie habe ver-

sucht, ihn wegzustossen. Dies sei nicht gelungen, weil er zu stark sei. Es sei auch nicht klar, wie 

C.________ gekleidet war und ob A.________ ihr das Oberteil ausgezogen habe. Dem ist zwar 

grundsätzlich zuzustimmen, dabei handelt es sich jedoch um Nuancen und keine echten Wider-

sprüche. Ob sie sagt, ihr Körper habe nicht mitgemacht (p. 128 Z. 429) oder ob sie sagt, sie habe ver-

sucht, ihn wegzustossen (p. 144 Z. 376), macht aufgrund der starken körperlichen Überlegenheit des 

Beschuldigten und der Schwächung des Opfers durch die Schläge mit dem Gurt am Vortag und dem 

Aufdrücken des Kissens unmittelbar vor dem sexuellen Übergriff keinen Unterschied. Entscheidend 

ist, dass die Aussagen zum Kern der Sache konstant geblieben sind und das ist der Fall. Die Kleider-

frage spielt dabei eine untergeordnete Rolle. 

Die Privatklägerin hat bei ihrer zweiten polizeilichen Einvernahme zu Protokoll ge-
geben, sie habe sich nur verbal wehren können (pag. 128 Z. 429). Wird diese Ant-
wort aber im Kontext mit der gestellten Frage: «Sie gaben zuvor und bei der Ein-
vernahme vom 12.05.2018 an, wonach Sie ihm gesagt hätten, dass Sie den Sex 
nicht wollten und versucht hätten, ihn wegzustossen. Hatten Sie sich sonst noch ir-
gendwie gewehrt?» (pag. 128 Z. 426-428) gelesen, lösen sich die von der Verteidi-
gung auch oberinstanzlich vorgebrachten Widersprüche (pag. 837) auf. Bei den 
weiteren Befragungen hat die Privatklägerin überdies konstant ausgeführt, sie habe 
sich verbal gewehrt und habe versucht, den Beschuldigten wegzustossen, wobei 
dieser gemerkt habe, dass sie keinen Geschlechtsverkehr wolle, was angesichts 
dessen, dass sie geschlagen wurde, ihr ein Kissen auf den Kopf gedrückt worden 
ist und der Beschuldigte die Beine der Privatklägerin auseinanderdrücken musste, 
nachvollziehbar ist (pag. 124 Z. 235, pag. 127 Z. 364, pag. 144 Z. 361 ff., pag. 172 
Z. 661 ff.). Zudem ist auch auf das ungleiche Kräfteverhältnis der Verfahrensbetei-

20

ligten hinzuweisen. Die Privatklägerin ist ca. 1.65 Meter gross und wiegt ca. 61 Ki-
logramm. Der Beschuldigte hingegen ist ca. 1.85 Meter gross und ist ca. 86 Kilo-
gramm schwer (vgl. die rechtsmedizinischen Gutachten des IRM vom 26. Juni 
2018; pag. 40 und pag. 44). Der Beschuldigte übt als Gerüstbauer überdies einen 
körperlich strengen Beruf aus, weshalb es die Kammer nicht als gewagt erachtet, 
beim Beschuldigten von einem kräftigen Mann auszugehen. Schliesslich beein-
druckt die Aussage der Privatklägerin, der Beschuldigte habe gelacht: «Das 
Schlimmste ist, dass er lachte, als er mich schlug.» (pag. 114 Z. 211); «Auch meine 
Tränen weggewischt und dabei gelacht» (pag. 124 Z. 228); «Er hat mir die Hände 
zusammengedrückt, gab mir zwei, drei Ohrgeigen und hat gelacht.» (pag. 172 
Z. 662 f.); «Und ich weiss nicht, ob er vorher oder nachher gelacht hat.» (pag. 818 
Z. 30). Derartiges scheint in diesem Kontext nicht erfindbar und zeugt von Selbster-
lebtem.

Schliesslich bleiben betreffend die Besuche der Schwester in Zürich Fragen im Raum, auch das ist 

nicht zu bestreiten. Dies ist aber nicht geeignet, die Glaubhaftigkeit der Aussagen von C.________ 

grundsätzlich in Frage zu stellen.

Auch wenn sich die Privatklägerin zur Anzahl der Besuche, wie die Verteidigung 
auch im oberinstanzlichen Verfahren weiterhin moniert (pag. 838), tatsächlich un-
terschiedlich äusserte und anlässlich der delegierten Einvernahme vom 12. Juli 
2018 aussagte, sie sei «oft» da gewesen (pag. 142 Z. 295), vor der Staatsanwalt-
schaft am 10. September 2019 dann aber zunächst verneinte ihre Schwester öfters 
besucht zu haben und weiter ausführte: «Mein Mann hat mich ca. zwei Mal dorthin 
gebracht» (pag. 162 Z. 295), ist der Vorinstanz zu folgen, wenn sie ausführt, dies 
sei nicht geeignet, die Glaubhaftigkeit der privatklägerischen Aussagen in Frage zu 
stellen. Zudem sprach die Beschuldigte auch am 12. Juli 2018 von zwei Besuchen 
bzw. Rückfahrten. Sie führte an, einmal habe sie ihre Schwester zurückgefahren 
und beim zweiten Mal habe der Beschuldigte sie wiedergeholt (pag. 143 Z. 315 f.). 
Wie viele Besuche tatsächlich vorgenommen wurden und wie diese stattgefunden 
haben ist nicht verifizierbar, kann aber auch, da nicht das Kerngeschehen betref-
fend, offen gelassen werden. Fakt ist, wie auch der Beschuldigte bestätigte (u.a. 
pag. 193 Z. 291, pag. 826 Z. 40 ff.), dass Besuche zwischen den Schwestern statt-
gefunden haben.

Vor Berufungsinstanz machte die Verteidigung weiter geltend (pag. 836), die Pri-
vatklägerin habe einerseits gesagt, die Übergriffe seien zu Hause geschehen, weil 
der Beschuldigte Angst vor der Polizei gehabt habe (pag. 114 Z. 220 ff.), anderer-
seits sei den Akten zu entnehmen, dass diese auch ausserhalb vorgekommen sein 
sollen (Anklageschrift Ziff. 4, pag. 490). Die Kammer erachtet die privatklägeri-
schen Ausführungen hierzu jedoch nicht als diskrepant. So sind die Übergriffe nach 
ihren Angaben mehrheitlich in der gemeinsamen Wohnung geschehen. Ausserhalb 
sei sie vom Beschuldigten im Auto, bei einem gemeinsamen Spaziergang sowie in 
einem Lift gewalttätig angegangen worden und damit an Örtlichkeiten, an welchen 
sich der Beschuldigte in Sicherheit wähnen konnte, von keiner anderen Person be-
obachtet zu werden. Zumeist wurden die ausserhalb begonnenen Gewalttätigkeiten 
auch in der gemeinsamen Wohnung fortgesetzt. 

21

Zusammenfassend ist auf die überzeugenden, nachvollziehbaren und einleuchten-
den, mithin glaubhaften Aussagen der Privatklägerin abzustellen.

12.4 Würdigung der Aussagen des Beschuldigten

Als Quintessenz hat die Vorinstanz festgehalten, auf die Aussagen des Beschuldig-
ten könne nicht ansatzweise abgestellt werden. Nach Ansicht der Kammer kann in-
dessen sogar gesagt werden, die Aussagen des Beschuldigten stützten diejenigen 
der Privatklägerin.

A.________ beschränkte sich in seinen Aussagen im Wesentlichen darauf, die Vorwürfe zu bestrei-

ten. Eigene Darstellungen eines Vorfalls fehlen weitestgehend. Fürsprecher B.________ ist 

grundsätzlich zuzustimmen, dass es nicht möglich ist, Aussagen zu einem Vorfall zu machen, welcher 

nicht stattgefunden hat. Trotzdem ist eine Bewertung der Aussagen des Beschuldigten möglich.

Schon zu Beginn der ersten Einvernahme hat A.________ seine Frau als blöde Kuh bezeichnet 

(p. 182 Z. 104). Zur Polizei sei sie gegangen, weil sie einfach dumm sei im Kopf (pag. 185 Z. 253). 

Sie habe ihn gar nie geliebt, ihr sei es nur um den B-Ausweis gegangen. Mehrere Mal warf er ihr vor, 

sie koste zu viel. Solche Verunglimpfungen sind häufig Lügensignale.

Im vorliegenden Fall gemahnt die Ausdrucksweise nicht unbedingt an ein Lügensi-
gnal. Die Worte belegen indessen, dass der Beschuldigte die Privatklägerin nicht 
gross wertschätzte, was mit deren Aussagen übereinstimmt (vgl. insb. pag. 114 
Z. 259).

Es fallen ferner eklatante Widersprüche auf, die nicht erklärt werden können. Dies zeigt sich am ein-

drücklichsten bei den Aussagen zum kaputten Rahmen der Badezimmertür. Der Rahmen wurde im 

Bereich um das sog. Schliessblech herum gesprengt. Das zeigen die Fotos des KTD deutlich (vgl. 

p. 71). Es ist leicht erkennbar, dass für einen solchen Schaden nur rohe Gewalt in Frage kommt. Ein 

Beweis für die Richtigkeit der Aussagen von C.________ ist dies zwar nicht, aber es ist ein starkes 
Indiz. Einmal behauptete A.________, der Schaden habe bereits beim Bezug der Wohnung bestan-

den (p. 203 Z. 752). Das kann man ausschliessen, denn im Wohnungs-Abnahmeprotokoll (p. 297), 

das in Zusammenhang mit dem Mieterwechsel (F.________ / Geschwister E.________) erstellt wur-

de, wird kein entsprechender Schaden erwähnt. Ein solcher wäre von A.________ mit Sicherheit be-

anstandet worden und die Hausverwaltung hätte den Schaden umgehend reparieren lassen. Offenbar 

hat A.________ erkannt, dass seine Aussagen nicht überzeugen. In der späteren polizeilichen Ein-

vernahme hat er eine völlig andere Version zu Protokoll gegeben und erklärt, er sei bei der früheren 

Einvernahme gestresst gewesen (p. 215 Z. 45 ff.).

Man habe die Tür abgeschlossen, damit die Kinder der Besucher nicht dauernd ins Bad gehen, dann 

hätten die Kinder aber den Schlüssel verlegt und es sei ihm nichts Anderes übriggeblieben, als die 

Tür aufzudrücken, als er aufs WC musste.

Auf Vorhalt, dass dies wenig glaubhaft sei, erklärte er, seine Frau habe den Schlüssel verlegt. Die 

Schwester des Beschuldigten, G.________ hat zuerst auch die Version des vorbestehenden Scha-

dens vorgebracht. Das lässt auf eine Absprache unter den beiden Geschwistern schliessen. Dies, ob-

schon nach Aussage des Beschuldigten seine Schwester nichts von dieser Angelegenheit gewusst 

habe. Ihre weitere Erklärung, es könnte sich um einen Frostschaden handeln, erscheint absurd. Auf 

Vorhalt der unterschiedlichen Versionen antwortete A.________, er wisse nicht, was er bei der Polizei 

gesagt habe. Er glaube, dass er dasselbe gesagt habe. A.________ hat demzufolge in Bezug auf 

22

diesen Schaden an der Badezimmertür offensichtlich gelogen. Die Version von C.________ ist um ei-

niges glaubhafter.

Ergänzend ist anzuführen, dass zwischen den beiden Einvernahmen des Beschul-
digten am 19. Juni 2018 und am 15. August 2018, die Einvernahme mit seiner 
Schwester am 20. Juni 2018 stattgefunden hat, an welcher ihr das Wohnungsüber-
nahmeprotokoll vorgehalten wurde (pag. 105 Z. 281 ff.). Die spätere Abkehr des 
Beschuldigten von seiner ursprünglichen Erklärung, dürfte aller Voraussicht nach 
darauf zurückzuführen sein, dass er durch seine Schwester über den Stand der 
Ermittlungen Kenntnis erlangt hat. 

An der Berufungsverhandlung wiederholte der Beschuldigte die Version mit den 
spielenden Kindern. Ergänzend rechtfertigte er den Schaden mit dem schlechten 
Zustand der Türe: «Ich habe es schon einmal gesagt und dann habe ich ein wenig 
gewechselt. Die Badezimmertür war wirklich eine alte Tür, sie ist immer noch alt. 
Sie ist sicher ungefähr 60 Jahre alt. Die Türe ist keine gute Qualität. Wir hatten Be-
such und die Türe wurde geschlossen. Die kleinen Kinder der Schwester waren da. 
Am Schluss war der Schlüssel verloren. Ich musste die Türe aber trotzdem öffnen, 
dann habe ich selber gestossen.» (pag. 827 Z. 6 ff.). Die Kleinen des Besuchs hät-
ten mit dem Schlüssel gespielt: «Sie sind in die Toilette rein raus, rein raus. Die Tü-
re haben sie dann geschlossen und den Schlüssel rausgenommen. Der Schlüssel 
war dann weg, versteckt oder verloren. Dann war die Türe geschlossen. Dann ha-
be ich die Türe gestossen und sie ist wieder aufgegangen, hatte dann aber einen 
Riss.» (pag. 827 Z. 17 ff.).

Nur ein Drücken oder Stossen der Türe ist jedoch mit dem Schadensbild (pag. 69 
ff.) nicht vereinbar. Dem Rapport des KTD ist zu entnehmen, dass mit recht massi-
ver Gewalt von aussen auf die Badezimmertüre eingewirkt worden ist. Dabei stehe 
eingesetzte Körpergewalt, beispielsweise – wie überdies von der Privatklägerin be-
reits von Beginn weg vorgebracht (pag. 129 Z. 502) – Fusstritte im Schlossbereich 
im Vordergrund (pag. 55). Auch seitens der Verteidigung wird im oberinstanzlichen 
Parteivortrag der Vorfall mit der Badezimmertüre als sehr unglücklich bezeichnet 
(pag. 834). Weiter ist die nachfolgende Erklärung des Beschuldigten, weshalb er 
die Türe nicht geflickt habe, in keiner Weise nachvollziehbar: «Ich war ein fauler 
«Siech», ich habe lange überlegt, soll ich das heute flicken oder morgen. Als sie 
[die Privatklägerin] weg ging, habe ich mit meiner Schwester gesprochen und ge-
sagt, die Türe flicke ich nicht. Meine Schwester hat mich gefragt, wieso? Ich habe 
gesagt, sie meldet das dem Gericht.» (pag. 827 Z. 20 ff.). Er habe ganz genau ge-
wusst, dass die das beim Gericht als Zeugin melde. Manchmal könne er das in den 
Augen lesen. Er sehe manchmal Sachen zum Voraus (pag. 827 Z. 31 ff.). Die Wi-
dersprüchlichkeit zu seiner ersten Aussage tat er mit der simplen Bemerkung ab, 
eigentlich müsse nicht viel darüber geredet werden, man könne auch Fehler ma-
chen (pag. 827 Z. 39 f.).

Es wird einen Grund haben, warum der Beschuldigte abstruse Theorien angestellt, 
mithin gelogen hat, nämlich die Stichhaltigkeit der privatklägerischen Aussagen.

Das gleiche Aussagenmuster findet man auch bei den übrigen angeklagten Vorfällen: Während bzw. 

nach dem Einkauf im P.________ (Geschäft) sei gemäss A.________ gar nichts passiert, seine Frau 

23

sei eifersüchtig geworden, weil er eine Kassiererin gegrüsst habe – erneut ein klassischer Gegenan-

griff. Bei diesem Vorfall wurde die Halskette von C.________ beschädigt. So wie es Frau C.________ 

schilderte, wäre von einer unabsichtlichen Beschädigung auszugehen. Sie hat ihren Mann also we-

gen der Halskette nicht belastet. Trotzdem behauptet A.________, seine Frau habe die Halskette ka-

putt gemacht.

Der Gegenangriff des Beschuldigten ging sogar noch weiter als von der Vorinstanz 
angeführt. Er behauptete: «Ja, gestern Abend schlug sie [die Privatklägerin] mich 
beim P.________ (Geschäft) mit der flachen Hand ins Gesicht.» Er habe dann ge-
dacht, er sei ein Gentleman und schenke ihr den (pag. 183 Z. 153 f.).

Im Gesamtzusammenhang sehr aufschlussreich sind die Chatnachrichten zwischen C.________ und 

dem Beschuldigten vom 12.02.2017. Daraus geht zum einen hervor, dass A.________ die Bewe-

gungsfreiheit seiner damals Verlobten einschränken wollte, zum andern, droht er ihr schon damals 

unmissverständlich mit Schlägen, falls sie nicht tut, was er sagt. Dazu sagte A.________, evtl. habe 

seine Frau dies im Auftrag eines Mannes geschrieben. Es könne auch sein, dass seine Frau dies sel-

ber von seinem Handy aus geschrieben habe. Das sei aber ein ganz anderes Thema, darauf müsse 

er sich nicht einlassen. An die angedrohten Schläge erinnerte er sich nicht. Man solle nicht so genau 

auf diese Kurzmitteilung eingehen, sagte er. 

Die Nachrichten belegen, dass die Privatklägerin damals in ihrer Heimat, in ihrem 
Geburtsort in Serbien (pag. 282 Z. 874, vgl. auch pag. 573 Z. 34 «S.________ 
(Ortschaft)» bzw. pag. 815 Z. 32 ff. und pag. 817 Z. 13 «T.________ (Ortschaft)» 
gleich an der Grenze zum Kosovo) und der Beschuldigte in der Schweiz war. Der 
Privatklägerin war es daher nicht möglich, wie vom Beschuldigten auch vor Beru-
fungsinstanz geäussert (pag. 825 Z. 40 ff., pag. 826 Z. 1 ff.), die Nachrichten mit 
dem Mobiltelefon des Beschuldigten selber zu verfassen. Mit Blick auf die zeitli-
chen Verhältnisse kann seiner Darstellung schon deshalb nicht gefolgt werden, da 
die Privatklägerin ansonsten bereits kurz nach ihrer Verlobung, im Februar 2017, 
mit dem Plan, den Beschuldigten nach der Heirat anzuzeigen, diese Nachrichten 
hätte verfassen müssen. Wie bereits vorgehend angeführt, sind keine Anhaltspunk-
te ersichtlich, die auf ein solches, von langer Hand geplantes, Vorgehen seitens der 
Privatklägerin schliessen lassen. Hingegen sind die Äusserungen des Beschuldig-
ten als klare Dreistigkeitssignale zu werten. Hierzu passt denn auch seine nachge-
schobene Erklärung, die Familie seiner Frau habe ihm Druck gemacht, bevor seine 
Frau den B-Ausweis bekommen habe (pag. 254 Z. 348 ff.). 

Die Nachrichten decken sich im Übrigen mit den späteren Anschuldigungen der 
Privatklägerin, wonach ihre Bewegungsfreiheit eingeschränkt und sie geschlagen 
worden sei. Bezeichnenderweise will der Beschuldigte nicht auf diese Nachrichten 
eingehen (pag. 221 Z. 326 f., pag. 254 Z. 350 f., pag. 825 f. Z. 31 ff.). Auch diesbe-
züglich ist klar warum. Die Nachrichten sind schwarz auf weiss und können nicht 
missverstanden werden. Bände spricht desgleichen, dass der Beschuldigte die Pri-
vatklägerin am 12. Mai 2018 umgehend, nachdem er bemerkt hat, dass sie die 
eheliche Wohnung verlassen hatte, gesucht hat (pag. 181 Z. 46 ff.). Vor Berufungs-
instanz bestätigte er dies, ohne jedoch für sein Verhalten, welches mit der angebli-
chen Bewegungsfreiheit der Privatklägerin schlecht vereinbar ist, eine logische Er-
klärung anzuführen (pag. 824 Z. 18 ff.). Der Beschuldigte hat überdies selber zu 
Protokoll gegeben, er werde sonst schon ein wenig aggressiv, aber gestern sei er 

24

sehr tolerant gewesen. Er habe gedacht, weil sie schwanger sei, dürfe er nichts 
machen (pag. 183 Z. 126 ff.). Im Umkehrschluss geht daraus hervor, dass er ohne 
Schwangerschaft etwas machen darf. Warum der Beschuldigte aggressiv werden 
soll, wenn sich die Privatklägerin an seinem Grüssen einer Verkäuferin stört, ist 
überdies nicht einleuchtend. Ebenfalls leuchtet nicht ein, dass der Beschuldigte im 
Wohnzimmer geschlafen habe, um die Privatklägerin in Ruhe zu lassen, weil sie 
mit ihm habe reden wollen (pag. 183 Z. 145 f.). Nachdem er vom Vorsitzenden an 
der Berufungsverhandlung darauf angesprochen wurde, brachte er, mit seiner Er-
zählung über seinen ehemaligen Lehrer, der zwei Schlafzimmer gehabt habe 
(pag. 825 Z. 19 ff.), auch nicht mehr Licht ins Dunkel. Sodann ist auch nicht über-
zeugend, dass er im Wohnzimmer geschlafen habe, weil die Privatklägerin nicht 
zusammen habe schlafen wollen und er sie dann im «ganz schönen Bett» alleine 
habe schlafen lassen (pag. 825 Z. 23 ff.).

Die Aussage des Beschuldigten, er habe noch nie eine Waffe oder einen gefährli-
chen Gegenstand besessen (pag. 183 Z. 137), ist mit Verweis auf das Verfahren 
PEN 14 578 des Regionalgerichts Bern-Mittelland schlicht falsch. 

Daneben muten die Ausführungen des Beschuldigten, offenbar «vergessen» zu 
haben, dass er mit der Privatklägerin am Vortag zwecks Abtreibung im U.________ 
(Spital) war, eigenartig an (pag. 185 Z. 218 ff.).

Schliesslich ist unter den vorliegenden Umständen – der Beschuldigte hatte ein 
100%-Pensum, während die Privatklägerin keiner Arbeit nachging – nicht wirklich 
davon auszugehen, dass der Beschuldigte, wie er angab, noch im Haushalt mitge-
holfen hat (pag. 182 Z. 81 f.). Bände spricht des Weiteren auch die Aussage des 
Beschuldigten, er habe nicht gewollt, dass sie danach mit seinem Kind weg von 
ihm gehe und jemand anderes sein Kind erziehe (pag. 251 Z. 243 ff.). Die Fragen 
lauteten, warum er mit einer Abtreibung, die die Privatklägerin gewollt habe, ein-
verstanden gewesen sei und weshalb die Privatklägerin das Kind nicht gewollt ha-
be (pag. 251 Z. 232, Z. 236 ff. und Z. 241). Vor Berufungsinstanz sagte er ähnlich 
aus, er sei mit einer Abtreibung einverstanden gewesen, weil es ihm lieber sei, eine 
Abtreibung zu machen, als dass das Kind alleine aufwachse. Er habe es nicht gern, 
wenn sein Kind irgendwo mit einer anderen Person aufwachse. Wenn er ein Kind 
habe, wolle er, dass es mit ihm aufwachse (pag. 828 Z. 23 ff.). Einen Trennungs-
wunsch hat nur die Privatklägerin geäussert. Der Beschuldigte wollte davon an-
fänglich nichts wissen. Anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung war seitens 
des Beschuldigten diesbezüglich jedoch ein Strategiewechsel zu beobachten. 
Plötzlich sei die Ehe manchmal gut und manchmal wirklich schlecht gewesen 
(pag. 826 Z. 27). Auch die Verteidigung gestand im oberinstanzlichen Parteivortrag 
ein, dass der Beschuldigte nicht so eine harmonische Ehe geführt habe, wie er es 
im Verfahren habe Glauben machen wollen (pag. 838). So sei es unglücklich, dass 
der Beschuldigte einen Streit, den es offensichtlich gegeben habe, bestritten habe 
(pag. 834).

Zusammenfassend macht das Rahmengeschehen, wie vom Beschuldigten zu Pro-
tokoll gegeben wurde, keinen Sinn. 

25

Der Verteidigung ist insoweit zuzustimmen, dass einer unschuldigen Person, oft le-
diglich die Möglichkeit verbleibt, die Vorwürfe zurückzuweisen (pag. 834). Vorlie-
gend sind die Aussagen bzw. die Abstreitungen des Beschuldigten jedoch in keins-
ter Weise einsilbig geblieben. Im Gegenteil, er hat mehrmalig mit Gegenangriffen 
und nicht nachvollziehbaren Erklärungen auf die Vorwürfe reagiert. Darüber hinaus 
hat der Beschuldigte mehrmals gelogen und dadurch die privatklägerischen Aus-
sagen (u.a. zur aufgewuchteten Türe) untermauert. Die Aussagen des Beschuldig-
ten sind unglaubhaft, darauf ist nicht abzustellen. 

12.5 Würdigung der Aussagen von G.________

Vorab ist festzuhalten, dass es für die Privatklägerin keinen Grund gegeben hätte, 
den ehelichen Haushalt zu verlassen, wenn die Ehe der Parteien wirklich so gut 
gewesen wäre und der Beschuldigte so hilfsbereit und nett, wie ihn seine Schwes-
ter bezeichnete (pag. 100 Z. 45 ff., pag. 101 Z. 57 ff.). 

G.________ schildert auf Vorhalt der Aussagen ihres Bruders, gleich wie er, es 
könne sein, dass der Schaden an der Badezimmertür bereits beim Einzug vorhan-
den gewesen resp. beim Einzug erfolgt sei (pag. 105 Z. 271 ff., Z. 285 f., Z. 292 f.). 
Fügt aber auch die Frage an: «Oder ist es von der Kälte im Winter?» (pag. 105 
Z. 258). Es wird einen Grund für die abstrusen, unlogischen Erklärungen der 
Schwester des Beschuldigten geben. Sie muss realisiert haben, dass die Bade-
zimmertür auf einmal defekt war und sie hat sich sicher danach erkundigt, was 
passiert ist. Es ist weiter naheliegend, dass G.________ ihren Bruder, der nach ihr 
sicher nie gesagt haben soll, seine Frau sei eine blöde Kuh (pag. 101 Z. 63), deckt. 
Auffällig ist überdies, wie wenig G.________ mitbekommen haben will, weil sie so 
viel gearbeitet hat (pag. 97 Z. 27 ff., pag. 102 Z. 111 ff.). Die Kammer erachtet dies, 
insbesondere nach Würdigung der Aussagen der Nachbarin Frau I.________, nicht 
als glaubhaft. Diese führte aus, bei einem Vorfall zwei Frauen und einen Mann 
schreien gehört zu haben (pag. 89 Z. 112). Sie gab zu Protokoll: «Ich hörte einen 
Mann schreien. Dann eine Frau schreien. Dann hörte ich eine Frau weinen und ei-
ne zweite schreien.» (pag. 89 Z. 119 ff.).

Daneben erstaunt, dass G.________ nicht wütender über die Privatklägerin ist. 
Hätte es diese wirklich so gut gehabt, wie G.________ es zu Protokoll gegeben 
hat: «Sie hatten es eigentlich auch gut zusammen. Er half ihr auch im Haushalt. Sie 
gingen zusammen einkaufen. Sie machten Ferien zusammen. Sie hat eigentlich 
auch alles von ihm bekommen.» (pag. 101 Z. 57 ff.) oder «Wir haben es alle sehr 
gut.» (pag. 97 Z. 37), «Sie hat alles bekommen, was sie wollte.» (pag. 97 Z. 38), 
wäre grosse Wut auf die Schwägerin, die den Beschuldigten angeblich unerklärlich 
und hinterrücks verlassen hat, angebracht gewesen. In ihren Einvernahmen finden 
sich indessen erstaunlich wenig und eher schwache Unmutsbekundungen gegenü-
ber der Privatklägerin. 

Auch die Aussagen von G.________ erachtet die Kammer somit nicht als glaub-
haft. Indem G.________ ihren Bruder gedeckt hat, untermauert sie überdies die 
Stichhaltigkeit der privatklägerischen Aussagen. Wenn nichts Aussergewöhnliches 
vorgefallen wäre, hätte es keinen Grund für die den Bruder schonenden, nicht zu-
treffenden Aussagen gegeben.

26

12.6 Würdigung der Aussagen von H.________, I.________ und J.________

Die Nachbarn H.________ und I.________ sowie die ehemalige Nachbarin 
J.________, schilderten übereinstimmend Diskussionen (pag. 82 Z. 44 ff., pag. 83 
Z. 95, pag. 90 Z. 158 und Z. 166), Geschrei (pag. 90 Z. 166), sehr laute Stimmen 
teilweise von einem Mann und einer Frau, teilweise auch von zwei Frauen und ei-
nem Mann, manchmal auch ein Weinen einer Frau (pag. 84 Z. 100 und Z. 115, 
pag. 89 Z. 105 f., Z. 112 f. und Z. 119 f., pag. 94 Z. 58) mitbekommen zu haben. 
Dies deckt sich mit den Aussagen der Privatklägerin und widerspricht denjenigen 
des Beschuldigten und dessen Schwester.

12.7 Gesamtwürdigung

Die Kammer beurteilt die Aussagen der Privatklägerin als glaubhaft. Deren Glaub-
haftigkeit werden durch die unglaubhaften Aussagen des Beschuldigten sogar noch 
gestärkt. G.________ deckt ihren Bruder offensichtlich und dies bestimmt nicht 
grundlos. Auch ihren Aussagen kann demnach nicht gefolgt werden. Nach Hinzu-
ziehen der objektiven Beweismittel, insbesondere den WhatsApp-Nachrichten des 
Beschuldigten an die Privatklägerin vom Februar 2017 und der 12-tägigen Funkstil-
le des privatklägerischen Mobiltelefons, verbleiben für die Kammer keine Zweifel, 
dass die Privatklägerin die Wahrheit gesagt hat.

Es ist demnach, wie von der Vorinstanz treffend dargelegt, als erwiesen zu erach-
ten (S. 33 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 643 f): 

12.7.1 Ereignisse in der Stadt Bern und am nächsten Tag (Ziff. I.1, I.2, I.4 Bst. b und c der 
Anklageschrift)

Es gilt als erstellt, dass A.________ seiner Ehefrau C.________ an einem Tag zwischen Ende De-

zember 2017 und Anfang Februar 2018 in der Stadt Bern eine Ohrfeige verpasste und auf der Heim-

fahrt im Auto mit der Faust gegen den Oberschenkel schlug, sie ferner am Hals packte und würgte. In 

der gemeinsamen Wohnung nahm er seinen Ledergurt und schlug mindestens drei Mal damit auf die 

Beine seiner Frau ein. Er liess erst von C.________ ab, als seine Schwester, G.________, interve-

nierte. C.________ flüchtete darauf ins Schlafzimmer, während A.________ noch lange im Wohn-

zimmer blieb. Am nächsten Morgen teilte C.________ ihrem Ehemann mit, dass sie ihn verlassen 

wolle. Darauf setzte sich A.________ auf seine Frau, welche auf dem Bett lag, und gab ihr mindes-

tens zwei Ohrfeigen. Nachdem seine Frau begonnen hatte zu weinen und ihm sagte, dass er sie los-

lassen solle, erteilte er ihr weitere Schläge. Als C.________ erneut sagte, dass sie ihn verlassen wer-

de, schlug A.________ gegen ihre Arme und drückte ihr während ein paar Sekunden ein Kissen auf 

das Gesicht. Dabei drohte er ihr, er werde sie umbringen, wenn sie sich von ihm trenne. Nachdem er 

das Kissen wieder weggelegt hatte, zog er seiner Frau die Unterhose aus und sich selber die Pyja-

mahose und seine Unterhose. C.________ versuchte, A.________ wegzustossen, war allerdings von 

den Misshandlungen des Vorabends und den Malträtierungen unmittelbar zuvor geschwächt, weshalb 

sie keine grosse Kraft mehr aufbringen konnte. C.________ weinte und sagte vor und während dem 

Vorfall, dass sie keinen Geschlechtsverkehr wolle. Aufgrund seiner vorherigen Gewalttätigkeiten, den 

verbalen und körperlichen Widerstand von C.________ war A.________ klar, dass diese keinen Ge-

schlechtsverkehr wollte. Dennoch drückte er C.________ die Beine auseinander, drang mit seinem 

Glied in ihre Scheide ein und vollzog den Geschlechtsverkehr mit ihr, bis er nach ca. einer Minute auf 

ihren Bauch ejakulierte. 

27

12.7.2 Vorwurf der mehrfachen Drohung (Ziff. I.3. Bst. a der Anklageschrift)

In der Zeit von Anfang Dezember 2017 bis zum 12. Mai 2018 drohte A.________ C.________ mehr-

mals, sie umzubringen, namentlich bei Widerspruch oder wenn sie sagte, dass sie sich von ihm tren-

nen wolle. So sagte er ihr etwa, er werde sie aufschlitzen, wie er es mit «dem anderen» gemacht ha-

be.

12.7.3 Vorfall mit einem Messer am 9. Mai 2018 (Ziff. I.4 Bst. e und Ziff. I.3 Bst. b der An-
klageschrift)

Weiter gilt als erwiesen, dass A.________ seiner Ehefrau am 09.05.2018 am Feierabend auf dem 

Balkon einen Gegenstand gegen den Kopf warf, sie an den Haaren packte und in die Wohnung hin-

einzog. Nachdem sich C.________ im Badezimmer eingeschlossen hatte, brach A.________ von 

aussen her die Badezimmertüre auf, packte seine Frau an den Haaren und zog sie aus dem Bade-

zimmer. In der Folge behändigte er ein Küchenmesser und sagte zu seiner Frau, welche sich 5-6 Me-

ter entfernt befand, dass er sie und ihr ungeborenes Kind aufschlitzen werde. 

12.7.4 Vorfall auf einem Spaziergang und im P.________ (Geschäft) (Ziff. I.4 Bst. d und f 
der Anklageschrift)

Es gilt weiter aufgrund der Aussagen von C.________ als erstellt, dass A.________ ihr bei einem 

gemeinsamen Spaziergang in M.________ (Ortschaft) im Februar 2018 eine Ohrfeige verpasste. Zu-

hause in der Wohnung würgte er sie im Wohnzimmer auf dem Sofa. Später zerrte er sie vom Balkon 

in die Wohnung und schrie sie an. Ausserdem verpasste er ihr am 11.05.2018 im Lift des Geschäftes 

P.________ (Geschäft) in M.________ (Ortschaft) eine Ohrfeige. Auf dem anschliessenden Nach-

hauseweg packte er sie an den Haaren und schlug sie mit der Hand ins Gesicht. Ausserdem würgte 

er sie auf der Heimfahrt im Auto.

III. Rechtliche Würdigung

13. Vorbemerkung

Für die theoretischen Grundlagen sowie die konkrete Anwendung der vorliegend 
einschlägigen Gesetzesbestimmungen – Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 
des alten Strafgesetzbuches (aStGB [zur Terminologie aStGB vgl. E. IV.18 unten]), 
versuchte Nötigung gemäss Art. 181 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 aStGB, Drohung nach 
Art. 180 Abs. 1 (a)StGB, Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 
Bst. b (a)StGB – kann ebenfalls auf die korrekten und ausführlichen Erwägungen 
der Vorinstanz verwiesen werden (S. 34 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung; pag. 644 ff.). Ihre Ausführungen werden nachfolgend übernommen (kursive 
Schrift) und falls nötig ergänzt.

14. Vorwurf der Vergewaltigung gemäss Ziff. I.1 der Anklageschrift

14.1 Allgemeine Ausführungen zur Vergewaltigung i.S.v. Art. 190 Abs. 1 aStGB

Eine Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB begeht, wer eine Person weiblichen Ge-

schlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie 

unter psychischen Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht.

Die Strafnorm bezweckt den Schutz der sexuellen Selbstbestimmung und erfasst 
alle erheblichen Nötigungsmittel (TRECHSEL/BERTOSSA, in: Trechsel/Pieth (Hrsg.), 

28

Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 4. Aufl. 2021, Art. 190 N 3 
und Art. 189 N 3 ff. m.H.). 

Gewalt im Sinne von Art. 189 Abs. 1 und Art. 190 Abs. 1 StGB ist nach der Rechtsprechung gegeben, 

wenn der Täter ein grösseres Mass an körperlicher Kraft aufwendet, als zum blossen Vollzug des 

Akts notwendig ist bzw. wenn sich der Täter mit körperlicher Kraftentfaltung über die Gegenwehr des 

Opfers hinwegsetzt. Eine körperliche Misshandlung, rohe Gewalt oder Brutalität etwa in Form von 

Schlägen und Würgen ist indes nicht erforderlich. Es genügt, wenn der Täter seine überlegene Kraft 

einsetzt, indem er die Frau festhält oder sich mit seinem Gewicht auf sie legt. Vom Opfer wird nicht 

verlangt, dass es sich gegen die Gewalt mit allen Mitteln zu wehren versucht. Dieses muss sich nicht 

auf einen Kampf einlassen oder Verletzungen in Kauf nehmen. 

Es genügt prinzipiell der ausdrückliche Wille, den Geschlechtsverkehr nicht zu wol-
len. Dieser Wille muss unzweideutig manifestiert werden (zum Ganzen Urteil des 
Bundesgerichts 6B_95/2015 vom 25. Januar 2016 E. 5.1 m.H.).

Die von der Rechtsprechung geforderte Gegenwehr des Opfers meint eine tatkräftige und manifeste 

Willensbezeugung, mit welcher dem Täter unmissverständlich klargemacht wird, mit sexuellen Hand-

lungen nicht einverstanden zu sein (Urteil 6B_1149/2014 vom 16. Juli 2015 E. 5.1.3 mit Hinweisen). 

Der Tatbestand der sexuellen Nötigung oder Vergewaltigung ist auch erfüllt, wenn das Opfer unter 

dem Druck des ausgeübten Zwangs zum Voraus auf Widerstand verzichtet oder ihn nach anfängli-

cher Abwehr aufgibt (BGE 126 IV 124 E. 3c S. 130; 118 IV 52 E. 2b S. 54 mit Hinweisen; Urteile 

6B_95/2015 vom 25. Januar 2016 E. 5.1; 6B_1149/2014 vom 16. Juli 2015 E. 5.1.3).

Es ist nicht nötig, dass sich das Opfer andauernd oder bis zur Erschöpfung wehrt 
oder widerstandsunfähig wird, unter Umständen gibt das Opfer auf, weil es weitere 
Abwehr für zwecklos hält (TRECHSEL/BERTOSSA, a.a.O., Art. 190 N 3 und Art. 189 
N 5 m.H.).

Die Einwirkung muss zur Folge haben, dass das Opfer den Beischlaf wider Willen 
duldet. Es genügt bereits, wenn das Glied so weit eindringt, dass die Scheide den 
Samen aufnehmen könnte (TRECHSEL/BERTOSSA, a.a.O., Art. 190 N 4 m.H.).

Der Tatbestand der Vergewaltigung ist nur erfüllt, wenn der Täter vorsätzlich han-
delt. Es genügt jedoch auch ein Eventualvorsatz. Wer es für möglich hält, dass das 
Opfer mit dem Beischlaf nicht einverstanden ist bzw. an der Ernsthaftigkeit des Wi-
derstands zweifelt, aber dessen Überwindung in Kauf nimmt, begeht eventualvor-
sätzlich eine Vergewaltigung (TRECHSEL/BERTOSSA, a.a.O., Art. 190 N 12 m.H.).

14.2 Subsumtion

Gestützt auf den erstellten Sachverhalt ist der Tatbestand der Vergewaltigung in objektiver Hinsicht 

erfüllt: A.________ vollzog an seiner Ehefrau vaginalen Geschlechtsverkehr, obwohl sie versuchte ihn 

wegzustossen und obwohl sie weinte, schrie und mehrfach wiederholte, dass sie dies nicht wolle. 

Aufgrund der vorherigen Misshandlungen war sie ausserdem geschwächt und eingeschüchtert. 

Das Nötigungsmittel der Gewalt ist aufgrund der Gesamtumstände klarerweise ge-
geben. Vorliegend war kein grosser Krafteinsatz des Beschuldigten erforderlich. 
Dennoch führte seine Handlung zu einem ausreichenden Zwang im Sinne von 
Art. 190 Abs. 1 aStGB. Zu berücksichtigen sind in diesem Zusammenhang nicht 
nur die ungleichen Grössen-, Gewichts- und Kräfteverhältnisse der Parteien (Be-
schuldigter: ca. 1.85 Meter gross und ca. 86 Kilogramm schwer [pag. 44]; Privat-

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F126-IV-124%3Ade&number_of_ranks=0#page124
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F118-IV-52%3Ade&number_of_ranks=0#page52

29

klägerin: ca. 1.65 Meter gross und ca. 61 Kilogramm schwer [pag. 40]), sondern 
auch die schwierige Situation der Privatklägerin, die ihre Widerstandsfähigkeit er-
heblich reduzierte: Die im Tatzeitpunkt 20-jährige Privatklägerin war erst seit dem 
August 2017 in der Schweiz. Neben dem Beschuldigten und dessen Schwester, 
hatte die Privatklägerin zudem nur physischen Kontakt zu ihrer in Zürich lebenden 
Schwester. Sie ging keiner beruflichen Tätigkeit nach und verbrachte ihre Tage oft 
isoliert in der gemeinsamen Wohnung der Verfahrensbeteiligten in M.________ 
(Ortschaft). Weiter hielt die Vorinstanz zu Recht fest, dass die Privatklägerin infolge 
der vorgehenden Todesdrohung und Tätlichkeiten – Ohrfeigen, Schläge und Kis-
sen gegen das Gesicht drücken – körperlich geschwächt und eingeschüchtert ge-
wesen sein muss.

Unter all diesen Umständen genügte das – vergleichsweise nicht übermässig ge-
waltsame – Vorgehen des Beschuldigten, an einem Tag zwischen Ende Dezem-
ber 2017 und Anfang Februar 2018, um die Privatklägerin gefügig zu machen. Sei-
ne physische Einwirkung erfüllt das Tatbestandsmerkmal der Gewaltanwendung 
ohne Weiteres. 

Der Privatklägerin waren angesichts der bereits mehrfach umschriebenen Gesam-
tumstände keine weitergehenden Abwehrmassnahmen zuzumuten. Vom Opfer 
wird, wie erwähnt, nicht verlangt, dass es sich mit allen Mitteln gegen die Gewalt zu 
wehren versucht. Demnach musste sich die Privatklägerin beispielsweise nicht auf 
einen «Kampf» mit dem Beschuldigten einlassen oder Verletzungen in Kauf neh-
men. Zumal der kräftemässig überlegene Beschuldigte sich zuvor auf die auf dem 
Bett liegende Privatklägerin setzte und sich der Vorfall im Schlafzimmer der ge-
meinsamen Wohnung abspielte, war ein Entweichen oder sich Wehren seitens der 
Privatklägerin aussichtslos. 

Die Privatklägerin machte dem Beschuldigten unmissverständlich klar, den Bei-
schlaf mit ihm nicht zu wollen. Sie teilte dem Beschuldigten Trennungsabsichten 
mit, versuchte ihn wegzustossen, weinte und sagte, dass sie den Geschlechtsver-
kehr nicht wolle. Insgesamt machte die Privatklägerin dem Beschuldigten damit 
wiederholt nachdrücklich verbal und auch nonverbal klar, dass sie keinen Ge-
schlechtsverkehr mit ihm wollte. 

Das Nötigungsmittel der Gewalt, das Erzwingen des Beischlafs und die Kausalität 
sind gegeben, womit der objektive Tatbestand der Vergewaltigung erfüllt ist.

Der Tatbestand ist auch subjektiv erfüllt, da A.________ unter den beschriebenen Umständen wuss-

te, dass er gegen den Willen von C.________ Geschlechtsverkehr mit ihr hatte und da er sich willent-

lich über den Widerstand seiner Frau hinwegsetzte.

Der Beschuldigte nahm die abwehrende Haltung der Privatklägerin nach den vor-
anstehenden Ausführungen wahr. Dennoch setzte er sich über ihren Willen hinweg 
und vollzog den Geschlechtsverkehr. Er erfüllte den subjektiven Tatbestand von 
Art. 190 Abs. 1 aStGB somit in Form des direkten Vorsatzes.

Rechtfertigungs- und/oder Schuldausschliessungsgründe liegen keine vor.

30

14.3 Fazit

Der Beschuldigte ist der Vergewaltigung, begangen im Zeitraum von Ende Dezem-
ber 2017 bis Anfang Februar 2018 in M.________ (Ortschaft) zum Nachteil der Pri-
vatklägerin, schuldig zu sprechen.

15. Vorwurf der versuchten Nötigung Ziff. I.2 der Anklageschrift

15.1 Allgemeine Ausführungen zur Nötigung i.S.v. Art. 181 aStGB

Gemäss Art. 181 StGB wird wegen Nötigung bestraft, wer jemanden durch Gewalt oder Androhung 

ernstlicher Nachteile oder durch andere Beschränkung seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, 

zu unterlassen oder zu dulden. 

Schutzobjekt von Art. 181 StGB ist die Freiheit der Willensbildung und Willensbetätigung des Einzel-

nen (BGE 134 IV 216 E. 4.4.3; BGE 129 IV 6 E. 2.1, BGE 129 IV 262 E. 2.1). Diese ist strafrechtlich 

unabhängig von der Art der (legalen) Tätigkeit geschützt, welche der Betroffene nach seinem frei ge-

bildeten Willen verrichten will (BGE 134 IV 216 E. 4.4.3). Der Tatbestand ist ein Erfolgsdelikt; die An-

wendung des Nötigungsmittels muss den Betroffenen in seiner Handlungsfreiheit beeinträchtigen (Ur-

teil 6B_819/2010 vom 3. Mai 2011 E. 5.1).

Drohung ist das Inaussichtstellen eines Übels, dessen Eintritt (jedenfalls nach der 
beim Opfer geweckten Vorstellung) vom Willen des Täters abhängt (BGE 120 IV 
19, 106 IV 128, 98 IV 58). Nicht erforderlich ist die Absicht, die Drohung wahr zu 
machen, doch muss das Opfer sie ernst nehmen. Massgebend für die Ernstlichkeit 
des angedrohten Nachteils sind grundsätzlich objektive, absolute Kriterien – es ist 
zu fragen, ob «die Androhung geeignet ist, auch eine verständige Person in der 
Lage des Betroffenen gefügig zu machen» (Urteil des Bundesgerichts 
6B_795/2008 vom 27. November 2008, BGE 122 IV 325, 120 IV 19, 107 IV 38, 106 
IV 125, 105 IV 122, 101 IV 48, weniger deutlich noch 81 IV 106). Vollendet ist die 
Nötigung erst, wenn sich das Opfer nach dem Willen des Täters verhält. Misslingt 
die Bestimmung von Willensbildung oder -betätigung, so bleibt es beim Versuch 
(BGE 96 IV 62 f., 106 IV 129; TRECHSEL/MONA in: Trechsel/Pieth (Hrsg.), Schwei-
zerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 4. Aufl. 2021, Art. 181 N 4 f. und N 9 
m.w.H.).

Eine Nötigung ist unrechtmässig, wenn das Mittel oder der Zweck unerlaubt ist oder wenn das Mittel 

zum angestrebten Zweck nicht im richtigen Verhältnis steht oder wenn die Verknüpfung zwischen ei-

nem an sich zulässigen Mittel und einem erlaubten Zweck rechtsmissbräuchlich oder sittenwidrig ist 

(BGE 137 IV 326 E. 3.3.1; BGE 134 IV 216 E. 4.1; BGE 129 IV 6 E. 3.4, BGE 129 IV 262 E. 2.1; BGE 

119 IV 301 E. 2b; je mit Hinweisen).

Gewalt (BGE 101 IV 45) oder Drohung mit Gewalt (BGE 101 IV 49) sind in der Re-
gel rechtswidrige Mittel (TRECHSEL/MONA, a.a.O., Art. 181 N 11). 

Subjektiv ist Vorsatz erforderlich, der sich auf die Beeinflussung und das abge-
nötigte Verhalten beziehen muss. Eventualdolus genügt (BGE 120 IV 22, 101 IV 
46; TRECHSEL/MONA, a.a.O., Art. 181 N 14).

15.2 Allgemeine Ausführungen zum Versuch i.S.v. Art. 22 Abs. 1 aStGB

Ein Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB liegt vor, wenn der Täter sämtliche subjektiven Tatbe-

standsmerkmale erfüllt und seine Tatentschlossenheit manifestiert hat, ohne dass alle objektiven Tat-

https://www.swisslex.ch/doc/previews/bd682199-c8db-4729-bf61-d68723ce72c4%2C1a74eeaf-048d-4e48-b54d-c59de68d0100%2Ce5bc2831-5edd-4e6d-9d37-61663f7d071d/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/previews/bd682199-c8db-4729-bf61-d68723ce72c4%2C1a74eeaf-048d-4e48-b54d-c59de68d0100%2Ce5bc2831-5edd-4e6d-9d37-61663f7d071d/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/previews/337a3da4-9a9f-467a-bc07-303262280a54%2C1a74eeaf-048d-4e48-b54d-c59de68d0100/source/document-link

31

bestandsmerkmale verwirklicht sind (BGE 140 IV 150 E. 3.4; 137 IV 113 E. 1.4.2; je mit Hinweisen). 

Zum Versuch gehört folglich der Entschluss des Täters, eine Straftat zu begehen, und die Umsetzung 

dieses Tatentschlusses in eine Handlung. Der Täter muss mit der Ausführung der Tat (mindestens) 

begonnen haben. Das Vorliegen eines Versuchs ist danach zwar nach objektivem Massstab, aber auf 

subjektiver Beurteilungsgrundlage festzustellen (BGE 140 IV 150 E. 3.4 S. 152). Das unmittelbare 

Ansetzen zur Tatbestandsverwirklichung erfordert ein sowohl in räumlich/örtlicher als auch in zeitli-

cher Hinsicht tatnahes Handeln (BGE 131 IV 100 E. 7.2.1 S. 104, mit Hinweisen).

15.3 Subsumtion

Beweiswürdigend ist erstellt, dass A.________ seiner Ehefrau sagte, er werde sie umbringen, wenn 

sie ihn verlasse. Eine Todesdrohung stellt ohne weiteres einen ernsthaften Nachteil dar. Im Kontext 

mit dem Drücken des Kissens gegen das Gesicht von C.________ (Tätlichkeit, vgl. unten), den vorhe-

rigen Misshandlungen und der Vorstrafe v