# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 84f64b11-3d89-5851-9bdc-06a0665fbd11
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-11-02
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 02.11.2022 E-4184/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4184-2022_2022-11-02.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-4184/2022 

 

 
nd  

  U r t e i l  v o m  2 .  N o v e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Einzelrichterin Roswitha Petry, 

mit Zustimmung von Richter Markus König;   

Gerichtsschreiberin Regina Seraina Goll. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Marokko,  

EVAM group AFM, (…), 

(…),   

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Verweigerung vorübergehender Schutz; Verfügung des SEM 

vom 17. August 2022 / N (…). 

 

 

 

E-4184/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, ein marokkanischer Staatsangehöriger mit zeitlich 

begrenzter Aufenthaltsbewilligung in der Ukraine, reiste am (…) Juli 2022 

in die Schweiz ein und ersuchte tags darauf um Gewährung des vorüber-

gehenden Schutzes. Er reichte dem SEM seine marokkanische Identitäts-

karte (gültig bis […] 2028) sowie eine ukrainische Aufenthaltsbewilligung 

(«Temporary Residence Permit», gültig bis […] 2025) ein.  

B.  

Im Rahmen der Kurzbefragung vom 3. August 2022 führte der Beschwer-

deführer zur Begründung seines Gesuches aus, er sei marokkanischer 

Staatsangehöriger und verfüge über eine Aufenthaltsbewilligung in der Uk-

raine. Gleich nach Absolvierung der Matura habe er sich für die Universität 

immatrikuliert und sei einen Monat später in die Ukraine gereist. Dort lebe 

er seit 2019, studiere (…) und arbeite nebenbei als (…). Das Studium 

daure noch drei weitere Jahre. Seine Eltern und Geschwister lebten noch 

in Marokko, in B._______. Sein Vater arbeite als (…) und er selbst unter-

stütze die Familie gelegentlich finanziell. Es sei unmöglich nach Marokko 

zurückzukehren, da er dort nicht studieren könne und keine Arbeit finden 

würde. Er könnte dort seine Familie nicht mehr finanziell unterstützen und 

möchte ihr nicht zur Last fallen. Ausserdem habe er Probleme mit seinen 

drogenabhängigen Brüdern. Einer seiner Brüder habe ihn einmal im Zuge 

einer Auseinandersetzung derart stark gewürgt, dass er sich im Kranken-

haus habe behandeln lassen müssen. Deshalb pflege er auch nur noch mit 

seinen Eltern Kontakt. Mit Behörden, Organisationen oder Drittpersonen 

habe er in seinem Heimatstaat nie Probleme gehabt. 

C.   

Mit Verfügung vom 17. August 2022 – eröffnet am 22. August 2022 – 

lehnte das SEM das Gesuch um Gewährung vorübergehenden Schutzes 

ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug 

der Wegweisung an.  

D.   

Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 20. September 2022 

erhob der Beschwerdeführer Beschwerde gegen diese Verfügung. Er be-

antragt, der Entscheid der Vorinstanz sei aufzuheben und ihm sei vorüber-

gehender Schutz zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte 

er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Verzicht auf 

die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

E-4184/2022 

Seite 3 

Der Eingabe legt er ein ärztliches Rezept vom 15. September 2022 sowie 

eine Einladung zu einer ärztlichen Besprechung am 20. September 2022 

bei.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – end-

gültig (Art. 72 i.V.m. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 72 i.V.m. Art. 108 

Abs. 6 AsylG, Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich, soweit die Verweigerung vorübergehenden Schutzes betref-

fend, nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (i.V.m. Art. 72 AsylG), im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 72 i.V.m. Art. 111 Bst. e AsylG). Wie 

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Seite 4 

nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche Beschwerde, wes-

halb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 72 i.V.m. Art. 111a 

Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG (i.V.m. Art. 72) wurde auf die Durchfüh-

rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

Gestützt auf Art. 4 AsylG kann die Schweiz Schutzbedürftigen für die Dauer 

einer schweren allgemeinen Gefährdung, insbesondere während eines 

Kriegs oder Bürgerkriegs sowie in Situationen allgemeiner Gewalt, vo-

rübergehenden Schutz gewähren. Der Bundesrat entscheidet, ob und nach 

welchen Kriterien Gruppen von Schutzbedürftigen vorübergehender 

Schutz gewährt wird (Art. 66 Abs. 1 AsylG). 

Am 11. März 2022 hat der Bundesrat gestützt auf Art. 66 Abs. 1 AsylG eine 

Allgemeinverfügung zur Gewährung des vorübergehenden Schutzes im 

Zusammenhang mit der Situation in der Ukraine erlassen (BBI 2022 586). 

Gemäss Ziff. I dieses Erlasses gilt der Schutzstatus für folgende Personen-

kategorien: 

a. schutzsuchende ukrainische Staatsbürgerinnen und -bürger und ihre 

Familienangehörige (Partnerinnen und Partner, minderjährige Kinder 

und andere enge Verwandte, welche zum Zeitpunkt der Flucht ganz 

oder teilweise unterstützt wurden), welche vor dem 24. Februar 2022 

in der Ukraine wohnhaft waren; 

b. schutzsuchende Personen anderer Nationalität und Staatenlose sowie 

ihre Familienangehörige gemäss Definition in Buchstabe a, welche vor 

dem 24. Februar 2022 einen internationalen oder nationalen Schutz-

status in der Ukraine hatten; 

c. Schutzsuchende anderer Nationalität und Staatenlose sowie ihre Fa-

milienangehörige gemäss Definition in Buchstabe a, welche mit einer 

gültigen Kurzaufenthalts- oder Aufenthaltsbewilligung belegen können, 

dass sie über eine gültige Aufenthaltsberechtigung in der Ukraine ver-

fügen und nicht in Sicherheit und dauerhaft in ihre Heimatländer zu-

rückkehren können. 

5.  

5.1 Das SEM führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung aus, 

der Beschwerdeführer gehöre nicht zu der vom Bundesrat definierten 

E-4184/2022 

Seite 5 

Gruppe schutzberechtigter Personen. Er verfüge zwar über eine temporäre 

Aufenthaltsbewilligung in der Ukraine, könne aber in Sicherheit und dauer-

haft in seinen Heimatstaat zurückkehren. Er habe keine Probleme mit den 

marokkanischen Behörden. Betreffend die Situation mit seinen Brüdern 

führte das SEM aus, es gebe gemäss dem Nationalen Strategischem Plan 

zur Prävention und Behandlung von Suchtstörungen 2018-2022 derzeit 

zehn ambulante Suchtzentren in Marokko, an die sich seine Familie wen-

den und Unterstützung bei der Bewältigung der Drogensucht der Brüder 

beantragen könne. Ausserdem könne er sich an die schutzwilligen und 

schutzfähigen marokkanischen Behörden wenden, sollten seine Brüder er-

neut Gewalt gegen ihn ausüben. Des Weiteren sei davon auszugehen, 

dass er dort eine wirtschaftliche Existenz werde aufbauen können.  

5.2 In seiner Beschwerdeschrift macht der Beschwerdeführer geltend, es 

sei für ihn gefährlich, nach Marokko zurückzukehren. Als er einmal zu Be-

such gewesen sei, hätten ihn seine Brüder verprügelt. Ausserdem sei seine 

Mutter (…) und er zahle ihre medizinische Behandlung, indem er neben 

seinem Studium arbeite. Sein Ziel sei es nicht, sich dauerhaft in der 

Schweiz niederzulassen, sondern hier vorübergehend Schutz zu suchen. 

Er wolle überdies die Ankunft seiner Frau und seiner Tochter in der Schweiz 

abwarten.  

6.  

6.1 Nach Durchsicht der Akten schliesst sich das Bundesverwaltungs-

gericht der Argumentation in der angefochtenen Verfügung an, welcher der 

Beschwerdeführer letztlich nichts Entscheidendes entgegenzuhalten 

vermag. 

6.2 Der Beschwerdeführer ist nicht ukrainischer Staatsangehöriger und 

verfügt auch nicht über einen Schutzstatus dieses Staats, womit die An-

wendung von Ziff. I Bstn. a und b der Allgemeinverfügung vom 11. März 

2022 ausser Betracht fällt. Eine Anwendung von Ziff. I Bst. c der Allgemein-

verfügung würde unter anderem voraussetzen, dass er nicht in Sicherheit 

und dauerhaft nach Marokko zurückkehren könnte.  

Den anlässlich der Befragung vom 3. August 2022 protokollierten Ausfüh-

rungen ist zu entnehmen, dass eine dauerhafte Rückkehr in den Heimat-

staat unter dem Aspekt der Sicherheit grundsätzlich problemlos möglich 

ist. Der Beschwerdeführer ist marokkanischer Staatsbürger und hat in der 

Befragung angegeben, in Marokko nie Probleme mit staatlichen oder an-

deren Stellen und Drittpersonen gehabt zu haben. Die Probleme mit seinen 

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Seite 6 

Brüdern vermögen nichts an der Annahme, dass er dauerhaft und in Si-

cherheit nach Marokko zurückkehren kann, zu ändern. Hierzu kann auf die 

Ausführungen des SEM verwiesen werden. Die auf Beschwerdeebene neu 

geltend gemachte Ankunft seiner Ehefrau und Tochter ändert daran eben-

falls nichts, zumal er bei Gesuchstellung angegeben hat, ledig zu sein (vgl. 

Personalienblatt in den SEM-Akten 1185378-5/14, S. 2) und nie eine ei-

gene Familie erwähnt hat. Schliesslich spricht auch die allgemeine Sicher-

heitslage nicht gegen seine Rückkehr nach Marokko.  

6.3 Das SEM hat das Gesuch um Gewährung des vorübergehenden 

Schutzes zu Recht abgelehnt.  

7.  

Die Ablehnung des Gesuchs um Gewährung des vorübergehenden Schut-

zes hat in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge (Art. 69 

Abs. 4 AsylG). Da dem Beschwerdeführer vorliegend keine Aufenthaltsbe-

willigung erteilt wurde und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen besteht (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.), steht 

die verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen 

und wurde demnach von der Vorinstanz ebenfalls zu Recht angeordnet. 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (vgl. Art. 69 

Abs. 4 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.2  

8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

8.2.2 Der Beschwerdeführer hat in der Schweiz kein Asylgesuch gestellt. 

Den Akten sind demnach keine Hinweise auf eine Verletzung des flücht-

lingsrechtlichen Refoulement-Verbots zu entnehmen. Sodann ergeben 

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Seite 7 

sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten 

Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Marokko 

dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 

FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis 

des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener 

des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine kon-

krete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im 

Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen 

würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse 

Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.).  

8.2.3 Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt 

den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig er-

scheinen.  

8.2.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im 

Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

8.3  

8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

8.3.2 Die allgemeine Lage in Marokko lässt nicht auf eine konkrete Gefähr-

dung im Falle einer Rückkehr schliessen, weshalb eine Rückkehr dorthin 

grundsätzlich zumutbar ist (vgl. statt vieler die Urteile des BVGer  

D-2391/2022 vom 24. Juni 2022 E. 9.5 und D-4062/2020 vom 10. Februar 

2021 E. 7.3.1).  

8.3.3 Auch individuelle Gründe sprechen vorliegend nicht gegen die Zu-

mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Die Vorinstanz hält zu Recht fest, 

dass der Beschwerdeführer in Marokko über ein tragfähiges Beziehungs-

netz verfügt und er mit seiner Ausbildung auch in Marokko wieder Fuss 

fassen können wird. Entsprechend gelang es dem Beschwerdeführer auch 

in der Ukraine für seinen Lebensunterhalt aufzukommen und dabei noch 

seine Familie zu unterstützen, obwohl er über keine abgeschlossene Aus-

bildung verfügte (vgl. SEM-Akten 1185378-4/5, F15, F19, F22 und F26).  

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Seite 8 

Im vorinstanzlichen Verfahren gab der Beschwerdeführer an, keine medi-

zinischen Probleme zu haben (vgl. SEM-Akten 1185378-5/14, S. 5 und 

S. 8). In der Befragung vom 3. August 2022 erwähnte er beiläufig, dass er 

(…) sei (vgl. SEM-Akten 1185378-4/5, F26). Dies bestätigt auch das ärztli-

che Rezept vom 15. September 2022. Auf Beschwerdeebene erklärt er, 

dass er unter medizinischen Problemen leide, die in Marokko nicht behan-

delbar wären. Er führt aber nicht näher aus, um welche Leiden es sich da-

bei handle, sondern erwähnt lediglich einen Arzttermin vom 20. September 

2022. Aus gesundheitlichen Gründen kann nur dann auf Unzumutbarkeit 

des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG geschlossen 

werden, wenn eine dringend notwendige medizinische Behandlung im Hei-

matland nicht zur Verfügung steht und die fehlende Möglichkeit der Weiter-

behandlung bei einer Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden 

Beeinträchtigung des Gesundheitszustands, zur Invalidität oder gar zum 

Tod der betroffenen Person führt, wobei Unzumutbarkeit jedenfalls nicht 

vorliegt, wenn im Heimatstaat eine nicht dem schweizerischen Standard 

entsprechende Behandlung grundsätzlich möglich ist (vgl. BVGE 2011/50 

E. 8.3, 2009/52 E. 10.1, 2009/51 E. 5.5, 2009/28 E. 9.3.1, 2009/2 E. 9.3.2). 

Von einer solchen existenziellen medizinischen Notlage ist vorliegend auf-

grund der Aktenlage klar nicht auszugehen. Asthma kann in Marokko ohne 

Weiteres behandelt werden (vgl. Urteil BVGer E-2647/2020 vom 2. Sep-

tember 2020 E. 9.3.3). Für eine funktionierende medizinische Versorgung 

im Heimatland spricht auch, dass die Mutter des Beschwerdeführers, wel-

che anscheinend (…) ist, die nötige medizinische Hilfe erhalten hat (vgl. 

Beschwerdeschrift). Schliesslich hat der Beschwerdeführer bis heute kei-

nen aktuellen Arztbericht eingereicht, der seine Vorbringen substanziieren 

würde.  

8.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch 

als zumutbar. 

8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art 72 i.V.m. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu 

auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als 

möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

E-4184/2022 

Seite 9 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 72 i.V.m. Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit 

diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuwei-

sen. 

10.   

10.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist 

unbesehen der finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers abzuwei-

sen, da die Beschwerde – gemäss den vorstehenden Erwägungen – als 

aussichtslos zu bezeichnen ist und es daher an einer gesetzlichen Grund-

lage zu dessen Gewährung fehlt. Mit dem vorliegenden Direktentscheid ist 

das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ge-

genstandslos geworden.  

10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem 

Beschwerde-führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-4184/2022 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung wird abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Roswitha Petry Regina Seraina Goll 

 

 

Versand: