# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3c36b2a7-8ffb-54fa-8b1b-3dd138c4ccd0
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-02-23
**Language:** de
**Title:** Gutachtensanorndung: Notwendigkeit einer polydisziplinären Begutachtung, Auswahl der medizinischen Disziplinen.
**Docket/Reference:** IV.2014.01283
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2014.01283.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2014.01283
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Gerichtsschreiberin Meier-Wiesner
Urteil
vom
23. Februar 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwältin
Dr.
Elisabeth
Glättli
glättli
partner
Anwaltskanzlei Mediation
Stadthausstrasse 41, Postfach 1850, 8401 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Mit Urteil I
V.2012.00995 vom 12. Juni 2013 hob das hiesige Gericht die
renten
ablehnende
Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, vom 16. August 2012 auf und wies die Sache an die Verwaltung zur weiteren medizinischen Abklärung und Entscheid über den Anspruch des Versi
cherten
X.___
auf Leistungen
der Invalidenversiche
rung, insbesondere
auch
berufliche Massnahmen, zurück.
Daraufhin erteilte die IV-Stelle zunächst Kostengutsprache für eine Umschulung des Versicherten zum Master
of
Business Studies (Mitteilungen vom 27. Februar, 4. März und 14. Mai 2014, Urk. 7/72
f.
, Urk. 7/79; Verfügung vom 23. Mai 2014, Urk. 7/80). Mit Verfügung vom 11. August 2014 hob sie die Umschulungsmassnahme
wieder
erwägungsweise
auf und kündigte die Durchführung medizinischer Abklärun
gen an (Urk. 7/84).
Daraufhin holte sie aktuelle Auskünfte des behandelnden Arztes ein und schlug dem Versicherten am 29. August 2014 die Durchführung einer polydisziplinären medizinischen Untersuchung vor (Urk. 7/94). D
ies
er stellte sich mit Schreiben v
om 9. September 2014 gegen die
Abklärung und ersuchte um Durchführung einer monodisziplinären orthopädischen oder neuro
chirurgischen
Begutachtung
(Urk. 7/95).
In der Folge wurde der Auftrag über
SuisseMED@P
der
MEDAS
Y.___
erteilt, was dem Versicherten am 6. Oktober 2014 mitgeteilt wurde (Urk. 7/98 ff.). Dagegen wehrte sich der Versicherte am 20. Oktober 2014 (Urk. 7/104), worauf die IV-Stelle mit Zwischenverfügung vom 7. November 2014 die
Begutach
tung
sanordnung
bestätigte (Urk. 2)
.
2.
Gegen die Zwischenverfügung vom 7. November 2014 erhob
X.___
am 2. Dezember 2014 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren um deren Aufhebung und Verpflichtung der Verwaltung, ihn monodisziplinär durch einen Orthopäden mit Fachspezialisierung Wirbelsäulenchirurgie oder durch einen Neurologen mit Fachgebiet Wirbelsäulenchirurgie begutachten zu lassen. Eventualiter sei eine
bidisziplinäre
oder
subeventualiter
eine polydisziplinäre Begutachtung anzuordnen, wobei jedenfalls die Begutachtung durch einen Orthopäden mit Fachspezialisierung Wirbelsäulenchirurgie oder durch einen Neurologen mit Fachgebiet Wirbelsäulenchirurgie vorzusehen sei (Urk. 1 S. 1)
. Mit Beschwerdeantwort vom 13. Januar 2015 schloss die Verwaltung auf Ab
wei
sung der Beschwerde (Urk. 6), worüber der Beschwerdeführer am 19. Januar 2015 orientiert wurde (Urk. 9).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Bei der Anordnung eines Gutachtens handelt es sich um eine
Zwischenverfü
gung
(Art. 5 Abs. 2 und Art. 46 des Bundesgesetzes über das
Verwaltungsver
fah
ren
[
VwVG
] in Verbindung mit Art. 55 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Solche können unter anderem dann angefochten werden, wenn sie einen nicht wieder gutzumachen
den Nachteil bewirken können (Art. 46 Abs. 1
lit
. a
VwVG
). Für die Beurteilung des nicht wieder gutzumachenden Nachteils im Kontext des IV-rechtlichen
Ab
klärungsverfahrens
mit seinen spezifischen Gegebenheiten ist nach der höchst
richterlichen Rechtsprechung zu berücksichtigen, dass das Sachverständi
gen
gutachten im Rechtsmittelverfahren nur beschränkt überprüfbar ist, da der Rechtsanwender mangels ausreichender Fachkenntnisse kaum in der Lage ist, in formal korrekt abgefassten Gutachten objektivfachliche Mängel zu erkennen. Zugleich steht die faktisch vorentscheidende Bedeutung der medizinischen Gut
achten für den Leistungsentscheid in einem Spannungsverhältnis zur grossen Streubreite der Möglichkeiten, einen Fall medizinisch zu beurteilen, und zur entsprechend geringen Vorbestimmtheit der Ergebnisse. Diesen Umständen ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung mit verfahrensrechtli
chen Garan
tien zu begegnen; die Mitwirkungsrechte müssen im
Beschwerde
verfahren
durchsetzbar sein. Ist dies durch Anfechtung des Endentscheids nicht mehr möglich, kann ein nicht wieder gutzumachender Nachteil entstehen, der den Rechtsweg an eine Beschwerdeinstanz eröffnet. Da systemimmanent kein An
spruch auf Einholung eines Gerichtsgutachtens besteht, ist das
Administra
tiv
gutachten
häufig zugleich die wichtigste medizinische
Entscheidungsgrund
lage
im Beschwerdeverfahren. In solchen Fällen kommen die bei der
Beweisein
holung
durch ein Gericht vorgesehenen Garantien zugunsten der privaten Partei im gesamten Verfahren nicht zum Tragen. Um dieses Manko wirksam auszu
gleichen, müssen die gewährleisteten Mitwirkungsrechte vor Eintritt präjudi
zierender Effekte durchsetzbar sein. Mit Blick auf das naturgemäss begrenzte Überprüfungsvermögen der rechtsanwendenden Behörden genügt es daher nicht, die Mitwirkungsrechte erst nachträglich bei der Beweiswürdigung im
Ver
waltungs
- und Beschwerdeverfahren einzuräumen. Für die Annahme eines dro
hen
den unumkehrbaren Nachteils spricht schliesslich auch, dass die mit medizi
nischen Untersuchungen verbundenen Belastungen zuweilen einen er
heb
li
chen Eingriff in die physische und psychische Integrität bedeuten. Aus diesen Grün
den hat das Bundesgericht die Anfechtbarkeitsvoraussetzung des nicht wieder gutzumachenden Nachteils für das erstinstanzliche
Beschwerde
verfahren
in IV
Angelegenheiten bejaht, zumal die nicht sachgerechte Begut
achtung in der Regel einen rechtlichen und nicht nur tatsächlichen Nachteil bewirkt (
BGE 139
V 339 E. 4.4 sowie
BGE 138 V 271 E. 1.2 mit Hinweisen, ins
besondere auf BGE 137 V 210
E.
3.4.2.7
).
1.2
Nach
Artikel 72
bis
der Verord
nung über die Invalidenversiche
rung (IVV)
haben polydisziplinäre medizinische Gutachten, das heisst medizinische Gutachten, an denen drei und mehr Fachdisziplinen beteiligt sind, ausschliesslich bei einer Gutachterstelle zu erfolgen, mit welcher das Bundesamt für Sozialversicherun
gen (BSV) eine Ver
einbarung getroffen hat (Abs. 1). Die Vergabe dieser Aufträge erfolgt nach dem Zufallsprinzip (Abs. 2).
Gemeint sind die Medizinischen
Ab
klärungsstellen
(MEDAS) im Sinne von Art. 59 Abs. 3 des Bundegesetzes über die Invalidenversicherung (IVG). Der gesamte Verlauf der Gutachtenseinholung wird über die vom BSV eingerichtete, webbasierte Vergabeplattform
Suisse
MED@P
gesteuert und kontrolliert (BGE 139 V 349 E. 2.2).
1.3
Wird eine Begutachtung nach den in BGE 137 V 210 festgelegten Regeln veran
lasst und mittels Verfügung angeordnet, so kann die versicherte Person mit Beschwerde an das kantonale Versicherungsgericht formelle
Ausstandsgründe
und
gewisse materielle Einwendungen geltend machen, nämlich den Einwand, es handl
e sich um eine unnötige „
second
opinion
“ sowie Einwendungen gegen Art oder Umfang der Begutachtung (beispielsweise betreffend die Auswahl der me
dizinischen Disziplinen) oder gegen einzelne Sachverständige (etwa betreffend deren
Sachkompetenz, BGE 138 V 271 E. 1.1). Vorbehalte, die sich allein auf die in BGE 137 V 210 genannten strukturellen Umstände beziehen, also in angebli
chen Fehlleistungen sich manifestierende systemimmanente Gefährdungen der Verfahrensfairness (vgl. BGE 137 V 210 E. 2.4 und E. 3.4.2.6), sind keine for
mellen
Ausstandsgründe
(BGE 138 V 271 E. 2.2, 138 V 318 E. 6.1.4) und somit nicht beschwerdefähig.
2
.
Die Beschwerdegegnerin begründete ihr Festhalten an der
im Auftrag gegebe
nen polydisziplinären
Begutachtung
damit, dass
eine allfällige Verselbständi
gung der Schmerzen durch einen Psychiater zu untersuchen sei, während die
Abklärung
durch einen Rheumatologen geeignet sei, eine
n
vollständigen funk
tionellen Befund des Bewegungsapparates zu erheben. Demgegenüber biete eine zusätzliche oder ausschliessliche Begutachtung auf neurochirurgischem Fachge
biet keine Vorteile (Urk. 2).
Der Beschwerdeführer lässt dagegen geltend machen,
sein Leiden betreffe aus
schliesslich den Rücken, weshalb nicht ersichtlich sei, warum eine Begutachtung durch einen Internisten erfolgen soll
e
. Weiter sei der
Beizug
eines Psychiaters erst dann sinnvoll, wenn die fachärztliche Abklärung ergebe, dass die Schmer
zen nicht erklärbar seien. Vorliegend lägen sowohl mit Bezug auf die Innere
Medizin als auch auf die Psychiatrie keine Befunde vor. Schliesslich sei nicht ersichtlich, weshalb
unter Verzicht auf die Fachrichtung Orthopädie
ein Rheumatologe beigezogen werden solle. Er sei bisher durch einen Orthopäden behandelt und operiert worden (Urk. 1 S. 5 f.).
3
.
3
.1
Anfechtungsgegenstand in diesem Verfahren ist die Verfügung vom 7.
November
201
2
(Urk. 2), mit welcher die Beschwerdegegnerin an der
polydis
ziplinären
(internistischen, rheumatologischen und psychiatrischen)
Begutach
tung des Beschwerdeführers
in
einer
MEDAS
festgehalten hat. Hierbei handelt es sich um eine Zwischenverfügung, welche bei Bejahung des nicht wieder gut
zumachenden Nachteils grundsätzlich selbständig mit Beschwerde angefochten werden kann.
Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerde
materielle
Einwendungen ge
gen die von der Beschwerdegegnerin angeordnete Begutachtung geltend, indem
er die Notwendigkeit einer polydisziplinären Begutachtung bestreitet und die Auswahl der medizinischen Disziplinen bemängelt
. An der
Eintretensvorausset
zung
des nicht w
ieder gutzumachenden Nach
teils ist daher praxisgemäss
nicht zu zweifeln
.
3
.2
Im Folgenden ist auf Grund der medizinischen
Aktenlage zu prüfen, ob zur Be
ur
teilung der Frage nach
dem Art und Umfang des Restleistungsvermögens des Beschwerdeführers bezüglich einer leidensangepassten, rückenschonenden Tätigkeit nach Abschluss einer angemessenen Rehabilitationszeit nach der am 1. November 2011 erfolgten Rückenoperation
(vgl. E. 4.3 des Urteils IV.2012.00995 vom 12. Juni 2013)
die Anord
nung einer
polydisziplinären inter
nistisch
/
rheumatologisch
/
psych
iatrischen Begutach
tung gerechtfertigt war, beziehungsweise ob
eine mono-
oder allenfalls
bidisziplinäre
Begutachtung
genügt
hätte, sowie welche medizinische Disziplinen vom Gesundheitszustand des Beschwerdeführers betroffen
sind
.
4
.
4
.1
Gemäss
BGE 139 V 349 E. 3.2 wird die umfassende administrative
Erstbegut
achtung
regelmässig polydisziplinär anzulegen sein. Eine polydisziplinäre Expertise ist auch dann einzuholen, wenn der Gesundheitsschaden zwar bloss als auf eine oder zwei medizinische Disziplinen fokussiert erscheint, die Be
schaffenheit der Gesundheitsproblematik aber noch nicht vollends gesichert ist. In begründeten Fällen kann von einer polydisziplinären Begutachtung abgese
hen und eine mono- oder
bidisziplinäre
Abklärung
durchgeführt werden, sofern die medizinische Situation offenkundig ausschliesslich ein oder zwei Fachge
biete beschlägt; weder dürfen weitere interdisziplinäre Bezüge (z.B. internisti
scher Art) notwendig sein noch darf ein besonderer arbeitsmedizinischer bzw. eingliederungsbezogener Klärungsbedarf bestehen. Diese Voraussetzungen wer
den vor allem bei Verlaufsbegutachtungen erfüllt sein
.
4
.2
4
.2.1
Den dem Urteil IV.2012.00995 vom 12. Juni 2013 zugrundeliegenden ärztlichen Stellungnahmen (
vgl.
E. 3) konnte entnommen werden, dass sich der Beschwer
deführer am 1. November 2011 einer Rückenoperation
unterzog
(instrumentierte
interkorporelle
Fusion L3-L5 von rechts, dynamische Stabilisierung L2/L3 und rigide Stabilisierung L3
L5
; vgl.
Austrittsbericht des
Z.___
vom 18. November 2011
,
Urk. 7/50/8-10). Trotz der erfolgreichen Operation und der vom Beschwerdeführer angegebenen deutlichen Reduktion der Schmerzintensität attestierte
ihm
der behandelnde
Orthopäde Dr.
A.___
infolge der persistierenden Schmerzen selbst in leidensangepasster Tätigkeit eine entgegen den anfänglichen Erwartungen
fortdauernde
hohe Arbeitsunfä
higkeit (Berichte vom 12. April 2012 sowie vom 12. Juli 2012, Urk. 7/52 und Urk. 7/58/15-16). Daher wurde
die Beschwerdegegnerin
im Rückweisungsurteil
aufgefordert, die medizinischen Abklärungen mit Blick auf das
Restleistungs
vermögen
des Beschwerdeführers bezüglich einer leidensangepassten,
rücken
schonenden
Tätigkeit nach Abschluss einer angemessenen Rehabilitationszeit nach der am 1. November 2011 erfolgten Rückenoperation zu ergänzen
(E.
4.3).
4
.2.2
Ein erster Versuch
der Beschwerdegegnerin
, diese Frage
durch aktuelle Stellung
nahmen der
behandelnden Ärzten
zu klären,
ergab
keine befriedigende Ant
wort
:
PD Dr. med.
B.___
,
Facharzt für Neurochirurgie, der den Beschwerdeführer im November 2011 operiert hatte, berichtete am 18. Oktober 2012 nach einer kli
nischen und bildgebenden Untersuchung zwar, dass die Ursache für die nach wie vor geklagte
lumbosakrale
Schmerzsymptomatik nicht ganz klar sei. Jedoch
ging er von einer wahrscheinlichen
Schmerzursache im Segment L5/S1
aus
(Urk. 7/91/10-11).
Im Bericht vom 10. September 2013 diagnostizierte PD Dr.
B.___
neu eine begin
nende Segmentdegeneration L1/2 (Kernspintomographie vom 3. Juli 2013)
. Er
empfahl primär eine Behandlung mit konservativen Massnahmen
und
äusserte
Zurückhaltung mit Bezug auf erneute interoperative Interventionen
(Urk. 7/91/8-9).
Laut Bericht vom 20. Mai 2014
klagte
der Beschwerdeführer
über
etwas zuneh
mende Schmerzen im Bereich der mittleren Lendenwirbelsäule (Urk. 7/91/6-7).
Den jüngsten Stellungnahmen von Dr.
A.___
(undatierter Bericht; Urk. 7/91/1-5) und PD Dr.
B.___
(Bericht vom 7. Oktober 2014; Urk. 7/102) las
sen
sich keine neuen Gesichtspunkte
entnehmen. Beide
Ärzte
attestierten dem Beschwerdeführer weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit als Sportlehrer
.
4
.2.3
Angesichts des protrahierten Beschwerdeverlaufs mit
nicht gesicherter bzw. noch
unsicherer Schmerzursache und der
abschliessende Aussagen zum
Rest
leistungsvermögen
nicht erlaubenden Aktenlage
ist
eine Begutachtung
notwen
dig
, welche nicht nur zum Rückenleiden
Stellung nimmt
, sondern auch
über
eine
allfällige
weitere Genese
beziehungsweise
eine
psychische Überlagerung der Beschwerden
Auskunft gibt
.
Es ist daher nicht zu beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin diese
(
Erst
-)B
egutachtung polydisziplinär an
ge
leg
t hat
.
4
.
3
4
.3.1
Mit der Abgrenzung z
wischen poly- und mono-/
bidiszipli
nären
Gutachten eng verbunden ist die (vorge
lagerte) Frage, wer für die Aus
wahl der Fachdisziplinen überhaupt zuständig ist.
Die beauftragten Sachverständigen sind
letztverant
wortlich
einerseits für die fachliche Güte und die Vollständigkeit der interdis
ziplinär erstellten Entscheidungsgrundlage, anderseits aber auch für eine wirt
schaftliche Abklärung. Mit dieser Gutachterpflicht nicht vereinbar wäre es, wenn den Sachverständigen eine
Disziplinenwahl
aufgezwungen würde, die sie
auch nach pflichtgemässer Würdigung der für den Auftrag ausschlaggebenden Überlegungen
für (
versicherungs
)medizinisch nicht vertretbar hielten.
Aus diesen Gründen stellte das Bundesgericht in
BGE 139 V 349 E.
3.3
fest, dass es den Gutachtern
sowohl bei po
lydisziplinären als auch bei
bidisziplinären
Expertisen frei
steht
, die von der IV-Stelle oder dem
Regionalen Ärztlichen Dienst
(
RAD)
oder im Beschwerdefall durch e
in Gericht bezeichneten Diszip
linen gegenüber der
den Auftrag gebenden Behörde
zur Diskussion zu stellen, wenn ihnen die Vorgaben nicht einsichtig sind.
4
.3.2
Vorliegend spielt dies insofern eine untergeordnete Rolle, als die RAD-Ärztin (welcher es seitens der IV-Stelle grundsätzlich obliegt, eine umfassende Einord
nung vorzunehmen, welche Fachdisziplinen an einer erforderlichen Begut
achtung zu beteiligen sind; vgl. Bundesgerichtsurteile 9C_656/2013 vom 11. Dezember 2013 E. 3.2 und 9C_344/2012 vom 24. Oktober 2012 E. 4.2 mit Hinweis) Dr. med.
C.___
,
Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Trau
matologie, ein polydisziplinäres Gutachten auf internistischem, rheumatologi
schen und psychiatrischen Fachgebiet empfahl (Urk. 8 S. 3)
.
Letztenendlich
oblag es der Gutachterstelle,
nach Sichtung des
ihr von de
r
Beschwerdeführerin
zugestellten Aktendossiers (vgl.
Beilagenverzeichnis
in Urk. 7/98) und
auf Grund der konkreten Fragestellung
sowie
der erforderlichen Untersuchungen Art und Umfang der Fachdisziplinen festzulegen, was sie mit
der am 6. Oktober 2014 via
SuisseMED@P
erfolgten Auftragsbestätigung (Urk. 7/100) mit Be
kannt
gabe der Namen der Gutachterinnen und Gutachter
auch getan hat.
4
.3.3
Weiter ist zu berücksichtigen, dass
sich die fachärztlichen Disziplinen der ortho
pädischen Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates beziehungs
weise der Neurochirurgie und der Rheumatologie in verschiedenen Bereichen überschneiden. Denn die Rheumatologie beinhaltet auch interdisziplinäre Kennt
nisse, insbesondere der inneren Medizin, Orthopädie, Neurologie und Neuro
chirurgie, der physikalis
chen Medizin und Rehabilitation sowie
der psy
chosomatischen Medizin. B
eim Beschwerdeführer
findet aktuell
infolge der
vom Neurochirurgen PD Dr.
B.___
geäusserten
Zurückhaltung mit Bezug auf eine erneute Rückenoperation (Urk. 7/91/8-9) „lediglich“
eine schmerzlindernde konservative Therapie
statt
(Medikation und physikalische Massnahmen
; Urk. 7/91/1-5 S.
3
, Urk. 7/102 S. 1)
. Somit sind keine Gründe für Zweifel an der Befähigung des von der MEDAS beigezogenen rheumatologischen Konsiliar
arztes ersichtlich, die vorliegend bestehenden degenerativen Erkrankungen der Wirbelsäule fachmedizinisch richtig zu beurteilen.
Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass bei der Begutachtung die
Fachrich
tung Rheumatologie anstelle der orthopädischen Chirurgie oder der Neurochi
rur
gie
vertreten
sein wird
.
Sollte sich eine konsiliarische Abklärung durch Ver
treter
einer der letzten
beide
n
Disziplinen
als
notwendig
erweisen
, wird es Auf
gabe der für die fachliche
Qualität
und
die Vollständigkeit
der polydisziplinären Expertise
verantwortlichen MEDAS sein,
eine
entsprechende
Erweiterung des Begutachtungsumfangs zu
veranlassen
.
Aus diesen Gründen ist d
ie Beschwerde abzuweisen.
5
.
Da es vorliegend nicht um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Beschwerdeverfahren
in Abweichung von Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
gemäss Art. 61
lit
. a ATSG kostenlos.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin
Dr.
Elisabeth
Glättli
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubMeier-Wiesner