# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e72a917f-569d-5ca8-a029-aa4f790f1ec2
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-07-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.07.2010 D-4624/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4624-2010_2010-07-06.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-4624/2010/wif
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  6 .  J u l i  2 0 1 0

Einzelrichter Daniel Schmid, 
mit Zustimmung von Richter Martin Zoller;
Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg.

A._______, geboren [...], Kosovo,
vertreten durch lic. iur. Bernhard Zollinger, Rechtsanwalt, 
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 
(Dublin-Verfahren); 
Verfügung des BFM vom 21. Mai 2010 / N [...].

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-4624/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass die Beschwerdeführerin – eine ethnische Albanerin – gemäss ei-
genen Angaben Ende Juli 2008 von X._______ (Kosovo) aus auf dem 
Luftweg  nach  Y._______  (Deutschland)  reiste  und  von  dort  aus  zu 
ihrem in Z._______ wohnhaften Ehemann gelangte, bei dem sie sich 
bis Ende Juli 2009 aufhielt, 

dass sie Ende Juli 2009 Deutschland verliess und mit dem Zug in die 
Schweiz gelangte, wo sie am 7. Februar 2010 im Empfangs- und Ver-
fahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen um Asyl nachsuchte,

dass sie im EVZ Kreuzlingen am 11. Februar 2010 summarisch zu ihren 
Asylgründen befragt wurde, wobei sie im Wesentlichen darlegte, sie sei 
in  Kosovo mit  einem derzeit  in  der  Schweiz  lebenden Mann namens 
B._______ liiert gewesen, ihr Vater habe sie jedoch gezwungen, am 12. 
Dezember 2007 den in Deutschland wohnhaften C._______ in Kosovo 
zu heiraten und sich Ende Juli  2008 zu diesem nach Deutschland zu 
begeben, 

dass sie  sich  in  Deutschland zunächst  aufgrund eines dreimonatigen 
Visums und danach mittels eines einjährigen Aufenthaltstitels, der spä-
ter für sechs Monate verlängert worden sei, habe aufhalten können, 

dass ihr  Ehemann gegen sie gewalttätig gewesen sei und sie sexuell 
missbraucht habe, weshalb sie diesen Ende Juli 2009 verlassen habe 
und zu ihrem in der Schweiz wohnhaften Freund, B._______, von dem 
sie zwischenzeitlich ein Kind erwarte, gereist sei, 

dass sie befürchte, von ihrem Ehemann und ihrer Familie umgebracht 
zu werden, zumal ihr Vater ihr bereits mitgeteilt habe, sie umzubringen, 
da sie die Ehre der Familie beschmutzt habe, 

dass die Beschwerdeführerin zur Stützung ihrer Vorbringen einen Füh-
rerschein, ausgestellt durch die UNMIK (United Nation Interim Admini-
stration Mission in  Kosovo) am 17. Januar  2008, eine Identitätskarte, 
ausgestellt durch die UNMIK am 28. Dezember 2008 und einen Reise-
pass ausgestellt am 10. Juni 2009 in X._______, enthaltend eine Auf-
enthaltserlaubnis  der  Ausländerbehörde  der  Stadt  Z._______  vom 
23. Juli 2009 und gültig bis am 30. Januar 2010, beim BFM einreichte, 

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dass der Beschwerdeführerin in der Befragung vom 11. Februar 2010 
durch das BFM das rechtliche Gehör zu einer allfälligen Wegweisung 
nach Deutschland gewährt  wurde, wobei die  Beschwerdeführerin wie-
derholte, sie habe Angst vor ihrem Ehemann und fürchte zudem Über-
griffe durch ihre drei Brüder, die in V._______ leben und dort über ein  
gefestigtes Aufenthaltsrecht verfügen würden, 

dass  das  BFM  gestützt  auf  Art.  9  Abs.  4  Dublin-II-VO  (Verordnung 
Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Krite-
rien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prü-
fung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat ge-
stellten Asylantrags zuständig ist) die zuständigen deutschen Behörden 
am 3. Mai 2010 um Rückübernahme der Beschwerdeführerin ersuchte, 

dass die deutschen Behörden am 6. Mai  2010 dem Übernahmeersu-
chen des BFM gestützt auf Art. 9 Abs. 4 Dublin-II-VO zustimmten und 
dem  BFM  zugleich  eine  offizielle  Erklärung  des  Ehemannes  vom 
11. November 2009, in welcher dieser angibt, seit August 2009 von der 
Beschwerdeführerin getrennt zu leben, übermittelten, 

dass das BFM mit Verfügung vom 21. Mai 2010 – eröffnet am 22. Juni 
2010 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch der Beschwer-
deführerin  vom 7. Februar  2010 nicht  eintrat,  die  Wegweisung nach 
Deutschland  verfügte,  den  Vollzug  der  Wegweisung  anordnete,  fest-
stellte, einer allfälligen Beschwerde komme keine  aufschiebende Wir-
kung zu  sowie  der  Beschwerdeführerin  die  editionspflichtigen  Akten 
gemäss Aktenverzeichnis aushändigte, 

dass  das  BFM  zur  Begründung  hauptsächlich  ausführte,  die  Be-
schwerdeführerin habe in Deutschland über einen bis am 30. Januar 
2010 gültigen Aufenthaltstitel verfügt und sei eigenen Angaben zufolge 
mittels Visum im Juli 2008 in Deutschland eingereist, weshalb gestützt 
auf das Abkommen vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizeri-
schen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über 
die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates 
für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz ge-
stellten  Asylantrags  (Dublin-Assoziierungsabkommen  [DAA, 
SR 0.142.392.68]) bzw.  auf  das  Übereinkommen  vom 17. Dezember 
2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Republik 
Island  und  dem Königreich  Norwegen  über  die  Umsetzung,  Anwen-
dung und Entwicklung des Schengen-Besitzstands und über die Krite-

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rien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für  die 
Prüfung eines in der Schweiz, in Island oder in Norwegen gestellten 
Asylantrags (SR 0.360.598.1), Deutschland für die Durchführung des 
Asylverfahrens zuständig sei, 

dass Deutschland zudem am 6. Mai 2010 einer Übernahme der Be-
schwerdeführerin gestützt auf Art. 9 Dublin-II-VO zugestimmt habe, 

dass die  Rückführung  – vorbehältlich  einer  allfälligen Unterbrechung 
oder einer Verlängerung (Art. 19 Dublin-II-VO)  – bis  spätestens zum 
6. November 2010 zu erfolgen habe, 

dass der Einwand der Beschwerdeführerin im Rahmen des ihr gewähr-
ten  rechtlichen  Gehörs  vom  11.  Februar  2010,  bei  einer  Rückkehr 
Übergriffe von ihrem Ehemann und ihren Brüdern zu befürchten,  an 
der Zuständigkeit Deutschlands nichts zu ändern vermöge, da sich die 
Beschwerdeführerin diesfalls an die zuständigen deutschen Behörden 
wenden könne, 

dass die Beschwerdeführerin zudem noch mit ihrem Ehemann verhei-
ratet sei und gemäss Angaben der deutschen Ausländerbehörde keine 
Anhaltspunkte für Gewalttätigkeiten in den Akten vermerkt seien, 

dass  nach Art. 2 Bst. i der Dublin-II-VO als Familienangehörige ledig-
lich Ehegatten, Lebenspartner und Lebenspartnerinnen, minderjährige 
Kinder und – bei unverheirateten minderjährigen Asylsuchenden – der 
Vater, die Mutter oder der Vormund zu erachten seien, indessen vorlie-
gend keine Anerkennung des Kindes durch den Vater vorliege,  

dass das BFM den Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin 
nach Deutschland zudem als zulässig, zumutbar und möglich erachte-
te,

dass die Beschwerdeführerin gegen diesen Entscheid mit Eingabe ih-
res Rechtsvertreters vom 29. Juni  2010 beim Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerde erheben und dabei beantragen liess, die vorinstanzli-
che Verfügung sei aufzuheben, das Verfahren sei an das BFM zurück-
zuweisen und der Beschwerdeführerin sei – nach Eintreten auf deren 
Asylgesuch – Asyl zu gewähren; eventualiter sei die Beschwerdeführe-
rin nicht wegzuweisen und ihr die vorläufige Aufnahme zu gewähren,

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dass in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragt wurde, der Beschwer-
de sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen, 

dass  –  unter  Beilegung  einer  Geburtsbestätigung  des  Spitals 
W._______ – zur Begründung im Wesentlichen geltend gemacht wur-
de,  aufgrund  des  zwischenzeitlich  geborenen  Kindes  habe  sich  der 
Kindsvater entschlossen, die Beschwerdeführerin zu heiraten, was ihr 
zu einer B-Bewilligung verhelfen werde, 

dass  sich  die  Beschwerdeführerin  nicht  an die  deutschen Behörden 
wenden könne, da die Polizei erst bei wiederholten Drohungen ermit-
teln würde, 

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Instruktionsverfügung vom 
30. Juni 2010 den Vollzug der Wegweisung im Sinne einer vorsorgli-
chen Massnahme aussetzte, 

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgül-
tig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes 
vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG, 
SR 172.021])  des  BFM entscheidet  (Art. 105  AsylG i.V.m.  Art. 31-33 
des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG, 
SR 173.32]);  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  die  Beschwerdeführerin  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG),

dass auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzutre-
ten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG 
und 52 Abs. 1 VwVG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichter li-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung eines zweiten Richters entschie-
den wird (Art. 111 Bst. e AsylG), und es sich vorliegend, wie nachfol-

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gend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeent-
scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich 
Missbrauch  und  Überschreitung  des Ermessens,  die  unrichtige  oder 
unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass im Asylverfahren – wie  im übrigen Verwaltungsverfahren –  der 
Untersuchungsgrundsatz  gilt,  das  heisst,  die  Asylbehörde  hat  den 
rechtserheblichen Sachverhalt vor ihrem Entscheid von Amtes wegen 
vollständig und richtig abzuklären (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG, 
Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG), wobei sie die für das Verfahren erforder li-
chen Sachverhaltsunterlagen beschaffen und die rechtlich relevanten 
Umstände  abklären  und  darüber  ordnungsgemäss  Beweis  führen 
muss, 

dass in der Beschwerde argumentiert wird, das BFM habe den rechts-
erheblichen Sachverhalt  zwar  nicht  falsch aber  unvollständig erstellt, 
da die Beschwerdeführerin zwischenzeitlich ein Kind von einem in der 
Schweiz Niederlassungsberechtigten geboren habe und dieser sie hei-
raten wolle, womit sie einen Anspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung 
erhalten werde, 

dass sich das BFM in der angefochtenen Verfügung vom 21. Mai 2010 
bereits  mit  der  von  der  Beschwerdeführerin  angeführten  Tatsache, 
dass  diese  schwanger  war  und  demnächst  ein  Kind gebären würde 
(vgl. act. A1/10 S. 3 und 5, act. A7/1), auseinandersetzte und diesbe-
züglich  unter anderem erwog,  es läge bis  heute keine Anerkennung 
des Kindes durch den Vater vor (vgl. Ziffer I S. 3 der angefochtenen 
Verfügung), 

dass  das  BFM in  seinem Entscheid  vom 21. Mai  2010  im Weiteren 
feststellte, die Beschwerdeführerin sei derzeit immer noch mit ihrem in 
Deutschland wohnhaften Ehemann verheiratet  und in  der  Folge  ver-
neinte, dass sie im Sinne von Art. 2 Bst. i Dublin-II-VO als Familienan-
gehörige ihres in der Schweiz wohnhaften Freundes gelten könne, 

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dass  das  BFM  damit  –  wenn  auch  lediglich  implizit  –  den  auf  Be-
schwerdeebene geltend gemachten Heiratsplänen seitens des Kinds-
vaters  respektive  die  von  der  Beschwerdeführerin  bereits  im  vorin-
stanzlichen Verfahren angekündigte Absicht,  den Kindsvater heiraten 
zu wollen (vgl. act. A1/10 S. 5), Rechnung trug, 

dass sich somit  die Rüge des unvollständig erstellten Sachverhaltes 
als unbegründet erweist, 

dass im vorliegenden Beschwerdeverfahren im Weiteren einzig zu prü-
fen ist, ob das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das 
Asylgesuch der Beschwerdeführerin zu Recht nicht eingetreten ist  und 
infolgedessen die Wegweisung aus der Schweiz zu Recht verfügt hat,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass gestützt auf die einleitenden Bestimmungen sowie Art. 1 Abs. 1 
DAA i.V.m. Art. 29a Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 
über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311)  die  Prüfung der staats-
vertraglichen Zuständigkeit zur Behandlung eines Asylgesuches nach 
den Kriterien der Dublin-II-VO zu erfolgen hat, 

dass Art. 34 Abs. 2 Bst. d  AsylG im Weiteren voraussetzt,  dass der 
staatsvertraglich zuständige Staat  einer Übernahme der  asylsuchen-
den Person zugestimmt hat (vgl. Art. 29a Abs. 2 AsylV 1),

dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-II-VO die Mitgliedstaaten jeden Asyl-
antrag prüfen, den ein Drittstaatsangehöriger an der Grenze oder im 
Hoheitsgebiets  eines Mitgliedstaates stellt,  wobei  der  Antrag von ei -
nem einzigen Mitgliedstaat  geprüft  wird,  der  nach  den Kriterien  des 
Kapitels III der Dublin-II-VO als zuständiger Staat bestimmt wird, 

dass das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates 
eingeleitet wird, sobald ein Asylantrag erstmals in einem Mitgliedstaat 
gestellt wurde (Art. 4 Abs. 1 Dublin-II-VO), wobei die Kriterien in der in  
Kapitel III der Dublin-II-VO genannten Rangfolge (vgl. Art. 5-14 Dublin-
II-VO) anzuwenden sind sowie von der Situation zum Zeitpunkt, in dem 
der Asylbewerber erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat stellt, 
auszugehen ist (Art. 5 Abs. 1 und 2 Dublin-II-VO), 

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dass für den Fall, dass ein Asylbewerber einen gültigen Aufenthaltstitel 
besitzt, der Mitgliedstaat für die Prüfung des Asylgesuches zuständig 
ist, der den Aufenthaltstitel ausgestellt hat (Art. 9 Abs. 1 Dublin-II-VO), 

dass für  den Fall,  dass ein Asylbewerber ein gültiges Visum besitzt, 
der Mitgliedstaat, der das Visum erteilt hat, für die Prüfung des Asylan-
trages zuständig ist, es sei denn, das Visum sei in Vertretung oder mit 
schriftlicher Zustimmung eines anderen Mitgliedstaates erteilt worden; 
in diesem Fall ist der letztgenannte Mitgliedstaat für die Prü fung des 
Asylantrages zuständig (vgl. Art. 9 Abs. 2 Satz 1 und 2 Dublin-II-VO), 

dass die Bestimmung von Art. 9 Abs. 1 und 2 Dublin-II-VO unter den in 
Art. 9 Abs. 4 Dublin-II-VO genannten Voraussetzungen selbst bei ab-
gelaufenen Aufenthaltstitel oder Visa zur Anwendung gelangen, 

dass gemäss des ersten Abschnitts von Art. 9 Abs. 4 Dublin-II-VO ein 
Asylbewerber, der einen oder mehrere Aufenthaltstitel besitzt, die we-
niger  als  zwei  Jahre  zuvor  abgelaufen  sind  oder  der  über  ein  oder 
mehrere Visa verfügt, die seit weniger als sechs Monaten abgelaufen 
sind, aufgrund deren er in das Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaates ein-
reisen konnte, die Absätze 1, 2 und 3 des Art. 9 Dublin-II-VO anwend-
bar sind, solange der Antragsteller das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaa-
ten nicht verlassen hat, 

dass aufgrund der  Angaben der  Beschwerdeführerin  (vgl. act. A1/10 
S. 6) sowie des von ihr eingereichten Reisepasses – auf dem auf S. 4 
ersichtlich ist, dass ihr die Ausländerbehörde der Stadt Z._______ am 
23. Juli  2009 eine Aufenthaltserlaubnis gültig bis am 30. Januar 2010 
ausstellte – feststeht, dass sich die Beschwerdeführerin vor ihrer Ein-
reise in die Schweiz mittels eines gültigen Aufenthaltstitels in Deutsch-
land, einem Mitgliedstaat der Europäischen Union, aufgehalten hat, in  
den  sie  zuvor  im  Rahmen  der  Familienzusammenführung  einreisen 
konnte, 

dass demnach das BFM die deutschen Behörden am 3. Mai 2010 zu 
Recht  um  Rückübernahme  der  Beschwerdeführerin  ersuchte,  da 
Deutschland aufgrund der – nunmehr über fünf Monate – abgelaufe-
nen  Aufenthaltserlaubnis  gestützt  auf  Art.  9  Abs. 4  Dublin-II-VO zur 
Prüfung des Asylgesuches zuständig ist, 

dass die Anfrage des BFM zudem innerhalb der in Art. 17 Abs. 1 Dub-
lin-II-VO vorgegebenen Frist erfolgte, 

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dass die deutschen Behörden mit Schreiben vom 6. Mai 2010  –  und 
damit innerhalb der in Art. 18 Abs. 1 Dublin-II-VO vorgesehenen Frist – 
einer  Rückübernahme der  Beschwerdeführerin  zustimmten  (vgl.  act. 
A14/3 S. 1) und damit Deutschland die Zuständigkeit zur Prüfung des 
Asylgesuches der Beschwerdeführerin anerkannte,

dass das BFM aufgrund dieser Sachlage zu Recht von der Zuständig-
keit Deutschlands ausging, 

dass auch keine Gründe vorliegen,  die  einen Selbsteintritt  des BFM 
gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO nahegelegt hätten, da Deutschland 
unter anderem Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 
die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), der EMRK und 
des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder 
Strafe (FoK, SR 0.105) ist und keine konkreten Hinweise dafür beste-
hen, Deutschland würde sich nicht an die daraus resultierenden Ver-
pflichtungen halten, 

dass der Rechtsanwalt in der Beschwerde erklärt, die Beschwerdefüh-
rerin  habe  über  massive  Gewalt  durch  ihren  Ehemann berichtet,  die 
"nun leider zu wenig Wirkung gezeigt" habe, so dass sie "hier fremd" 
gegangen sei und "gar ausserehelich ein Kind produziert" habe, was in 
"balkanischen Verhältnissen" das Todesurteil bedeute, 

dass  dazu zunächst  zu  bemerken  ist,  dass  solche  Äusserungen des 
Rechtsvertreters gegenüber seiner  Mandantin zumindest  befremdend, 
wenn nicht gar frauenfeindlich anmuten, 

dass sodann in der Sache – in Übereinstimmung mit dem BFM – fest-
zustellen  ist,  dass  gemäss  Angaben  der  deutschen  Behörden  vom 
6. Mai  2010,  keine  Anhaltspunkte  für  Gewalttätigkeiten  seitens  des 
Ehemannes bestehen (vgl. act. A14/3 S. 1) sowie auffällt, dass die Be-
schwerdeführerin bis anhin immer noch mit diesem verheiratet ist und 
aufgrund der derzeitigen Aktenlage auch nicht davon auszugehen ist, 
sie habe das von ihr beabsichtigte Scheidungsverfahren nunmehr ein-
geleitet (vgl. act. A1/10 S. 5), 

dass  ungeachtet  der  Frage,  ob  die  Beschwerdeführerin  tatsächlich 
durch  ihren Ehemann in  Deutschland misshandelt  wurde,  dem BFM 
beizupflichten ist, dass sich die Beschwerdeführerin diesbezüglich an 
die deutschen Behörden wenden kann, 

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dass häusliche Gewalt in Deutschland − ebenso wie in der Schweiz − 
unter Strafe und damit für die Beschwerdeführerin die Möglichkeit be-
steht, polizeiliche Anzeige zu erstatten sowie den Zivilrichter respek ti-
ve das Familiengericht anzurufen, 

dass es der Beschwerdeführerin zudem frei steht, das breite Angebot 
von Beratungsstellen oder Frauenhäusern in Deutschland in Anspruch 
zu nehmen, 

dass im Weiteren auch der Einwand, die Beschwerdeführerin habe in 
der Schweiz ein Kind geboren und der angebliche Kindsvater, der über 
ein Niederlassungsrecht verfüge, wolle sie heiraten, die Zuständigkeit 
der Schweiz nicht zu begründen vermag, 

dass  gemäss Ziffer  6 der  einleitenden Bestimmung der  Dublin-II-VO 
die  Einheit  der  Familie  gewahrt  werden  muss,  soweit  dies  mit  den 
sonstigen Zielen vereinbar ist, die mit der Festlegung von Kriterien und 
Verfahren zur Bestimmung des für die Prüfung eines Asylantrages zu-
ständigen Mitgliedstaates angestrebt werden, 

dass nach Art. 2 Bst. i (i) und (ii) der Dublin-II-VO grundsätzlich auch 
nicht verheiratete Partner – sowie deren minderjährige, ledige und un-
terhaltsberechtigte  Kinder  –  als  Familienangehörige verstanden  wer-
den, 

dass der Schutz des Familienlebens im Sinne von Art. 8 EMRK auch 
Beziehungen zwischen unverheirateten Personen umfasst, die eine "de 
facto-Familie" bilden, die zusammenleben und bei denen eine enge per-
sönliche Beziehung besteht; auch stellt der gegenseitige Umgang zwi-
schen den Elternteilen und dem Kind ein grundlegendes Element des 
Familienlebens dar  (vgl. Entscheide des Schweizerischen Bundesver-
waltungsgerichts, BVGE 2008/47 E. 4.1.1; CARONI MARTINA, Schriften zum 
Europäischen  Recht,  Band  58,  Privat-  und  Familienleben  zwischen 
Menschenrecht und Migration, Berlin 1999, S. 21 ff. mit Hinweisen auf 
Urteile  des  Europäischen  Gerichtshofs  für  Menschenrechte,  Strass-
burg),

dass diese Bestimmungen indes vorliegend nicht zur Anwendung gelan-
gen können, da nach Kenntnis des Bundesverwaltungsgerichts sowohl 
die Beschwerdeführerin als auch der von ihr angegebene Kindsvater – 
immer noch – mit jeweils anderen Partnern verheiratet sind, 

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dass Mehrfachehen in der Schweiz nicht zulässig sind, womit die Einlei-
tung  eines  Ehevorbereitungsverfahrens  zwecks  Heirat  oder  der  An-
spruch auf  Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung an die Beschwerde-
führerin zurzeit ausser Frage steht, 

dass  sich  der  eingereichten  Geburtsbestätigung  lediglich  entnehmen 
lässt,  dass das Kind der Beschwerdeführerin am (...)  geboren wurde, 
indessen  damit  die  Vaterschaft  von  B._______  nicht  belegt  wird  und 
dem Bundesverwaltungsgericht bis anhin auch keine Vaterschaftsaner-
kennung vorliegt, 

dass, selbst wenn es sich bei B._______ tatsächlich um den Vater des 
Kindes der Beschwerdeführerin handeln sollte, ein Familienleben – in 
beschränktem Rahmen – zunächst auch durch Besuche des Kindsva-
ters in Deutschland gelebt werden könnte, 

dass schliesslich darauf hinzuweisen ist, dass für den Fall, dass die Be-
schwerdeführerin zwischenzeitlich von ihrem Ehemann geschieden wür-
de,  deren Wegweisung auch keinen unzulässigen Eingriff in das Recht 
auf Eheschliessung gemäss Art. 12 EMRK darstellen würde, da allfällige 
Heiratspläne auch ausserhalb der Schweiz verwirklicht werden könnten 
und es der Beschwerdeführerin und deren Partner denn auch zumutbar 
respektive unbenommen wäre,  die Ehe im Ausland,  beispielsweise in 
Deutschland, zu vollziehen,

dass das BFM demzufolge zu Recht in Anwendung von Art.  34 Abs. 2 
Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, 

dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein 
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge 
hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend der Kanton keine Aufenthaltsbe-
willigung erteilt  hat  und zudem – wie vorstehend dargelegt  – derzeit 
kein Anspruch auf  Erteilung einer solchen besteht (vgl. Entscheidun-
gen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
[EMARK] 2001 Nr. 21), weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang 
mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und demnach vom Bundes-
amt zu Recht angeordnet wurde,

dass  im  Rahmen des  Dublin-Verfahrens,  bei  dem es  sich  –  wie  er-
wähnt  –  um  ein  Überstellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des 
Asylgesuches  zuständigen  Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum 
bleibt für Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. 

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Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die 
Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]), 

dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung 
nach Deutschland zu Recht  als  zulässig,  zumutbar  und möglich be-
zeichnete,

dass es der Beschwerdeführerin demzufolge nicht gelungen ist darzu-
tun,  inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist, 

dass mit  dem Urteil  in  der  Hauptsache das Gesuch um Gewährung 
der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde gegenstandslos gewor-
den ist,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.– 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63 
Abs. 1 und 5 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 12

D-4624/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.– werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den  Rechtsvertreter  der  Beschwerdeführerin  (Einschreiben;  Bei-
lagen: angefochtene Verfügung im Original, Einzahlungsschein)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N [...]  (per 
Kurier; in Kopie)

- [die zuständige kantonale Behörde] (in Kopie)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Daniel Schmid Claudia Jorns Morgenegg

Versand: 

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