# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f2d7e1ac-3407-5c41-94ae-cdcc9b161762
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-10-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.10.2008 D-5773/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5773-2008_2008-10-03.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5773/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 .  O k t o b e r  2 0 0 8

Einzelrichter Robert Galliker, 
mit Zustimmung von Richter Blaise Pagan;
Gerichtsschreiber Matthias Jaggi.

A._______, geboren (...),
Iran,
vertreten durch Dr. Ursula Kohlbacher Iten, Rechtsanwäl-
tin, (...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Zuweisung an den Kanton; Zwischenverfügung des BFM 
vom 2. September 2008 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5773/2008

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer mit schriftlicher Eingabe seiner Rechtsver-
treterin vom 11. August 2008 beim BFM um Asyl nachsuchen liess,

dass das BFM den Beschwerdeführer mit Zwischenverfügung vom 2. 
September 2008 - eröffnet am 3. September 2008 - in Anwendung von 
Art. 27 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) und 
Art. 21 und 22 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfah-
rensfragen (AsylV 1, SR 142.311) dem Kanton B._______ zuwies und 
dabei  erwog,  dass  aus  der  Abklärung  im  Empfangszentrum  keine 
spezifisch  schützenswerten  Interessen  des  Beschwerdeführers 
ersichtlich seien,  die für  die Zuweisung in  einen bestimmten Kanton 
sprechen würden,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  10.  September  2008 
(Poststempel)  beim  Bundesverwaltungsgericht  gegen  diesen  Ent-
scheid Beschwerde erhob, worin er dessen Aufhebung und die Zuwei-
sung in den Kanton C._______ beantragte,

dass in der Beschwerde im Weiteren darum ersucht wurde, es sei fest-
zustellen,  dass  die Beziehung zwischen dem Beschwerdeführer  und 
seiner im Kanton C._______ wohnhaften Verlobten, D._______, unter 
den von Art. 8 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der 
Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (Europäische  Men-
schenrechtskonvention,  EMRK,  SR 0.101)  geschützten  Familiengbe-
griff  falle und sich der  Beschwerdeführer  auf  den Schutz dieser Be-
stimmung bei der Kantonszuweisung berufen könne,

dass überdies beantragt wurde, es seien die Akten des mit Entscheid 
des BFM vom 4. Juni 2008 abgewiesenen Asylgesuchs des Beschwer-
deführers beizuziehen, 

dass in prozessualer Hinsicht um Verzicht auf die Erhebung von Ver-
fahrenskosten sowie um Bewilligung der "unentgeltlichen Prozessver-
tretung" ersucht wurde,

dass der Beschwerdeführer zur Stützung seiner Vorbringen unter an-
derem ein Schreiben von Dr. med. E._______ vom 30. August 2008 so-
wie ein Schreiben von D._______ an das BFM vom 9. September 2008 
zu den Akten reichte,

Seite 2

D-5773/2008

und zieht in Erwägung, 

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  ent-
scheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-34 des Verwaltungsgerichtsge-
setzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass es sich beim Entscheid über die erstmalige Zuteilung an einen 
Kanton (Art. 27 Abs. 3 AsylG) um eine selbständig beim Bundesver-
waltungsgericht anfechtbare Zwischenverfügung handelt (Art. 107 Abs. 
1 AsylG, Art. 32 VGG e contrario),

dass für die Behandlung von Beschwerden, welche sich gegen einen 
Zuweisungsentscheid des BFM nach Art. 27 Abs. 3 AsylG richten, die 
asylrechtlichen Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts zuständig 
sind (Art. 23 Abs. 4 des Geschäftsreglements für das Bundesverwal-
tungsgericht vom 17. April 2008 [VGR, SR 173.320.1]),

dass der in casu selbständig anfechtbare Zuweisungsentscheid indes 
nur  mit  der  Begründung  angefochten  werden  kann,  er  verletze  den 
Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 106 Abs. 2 i.V.m. Art. 27 Abs. 3 
AsylG),

dass  der  Beschwerdeführer  vorliegend den Zuweisungsentscheid  im 
Wesentlichen  mit  der  Begründung  angefochten  hat,  seine  Verlobte 
D._______  lebe  im  Kanton  C._______,  weshalb  der  Entscheid  den 
Grundsatz  der  Einheit  der  Familie  verletze,  und  die  eingereichte 
Beschwerde deshalb zulässig ist,

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung berührt 
ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei-
se  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legiti-
miert ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  form-  und  fristgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG sowie Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 52 
VwVG),

Seite 3

D-5773/2008

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e 
AsylG) und es sich vorliegend,  wie nachfolgend aufgezeigt,  um eine 
solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass in der Beschwerde im Wesentlichen geltend gemacht wird, dass 
der Beschwerdeführer in dem von ihm in der Schweiz gestellten Asyl-
gesuch vom 11. August 2008 um Zuweisung in den Kanton C._______ 
ersucht habe, 

dass der Beschwerdeführer wegen seiner Atembeschwerden und we-
gen  starker  Kopfschmerzen  in  C._______  den  Hausarzt  der  Familie 
von D._______, Dr. med. E._______, aufgesucht habe, der festgestellt 
habe, dass der Beschwerdeführer an einer chronischen Sinusitis leide 
und  einen  grossen  Nasenpolypen  aufweise,  der  unbedingt  entfernt 
werden müsse,

dass überdies der Beschwerdeführer wegen seiner traumatisierenden 
Erlebnisse im Irak und der diversen Gefängnisaufenthalte unter einer 
posttraumatischen  Belastungsstörung  zu  leiden  scheine,  für  deren 
psychiatrische  Behandlung  die  Familie  von  D._______  besorgt  sein 
würde,

dass Frau D._______ mit Schreiben vom 9. September 2008 das BFM 
ersucht  habe,  dem  Beschwerdeführer  den  Kantonswechsel  zu 
bewilligen, mit der Begründung, der Beschwerdeführer habe während 
acht  Jahren  als  anerkannter  Flüchtling  in  C._______  gelebt  und 
beherrsche daher die deutsche, nicht aber die französische Sprache,

dass der Beschwerdeführer sich in der vorliegenden Beschwerde auf 
den Grundsatz der Einheit der Familie berufe, 

dass es sich bei seiner Beziehung zu Frau D._______ und zu deren 
Familie nicht um eine verwandtschaftliche Beziehung im eigentlichen 
Sinn handle, insbesondere weil er noch mit einer anderen Frau verhei-
ratet sei, 

Seite 4

D-5773/2008

dass er jedoch beabsichtige, sich von seiner Ehefrau, die er seit Jah-
ren nicht mehr gesehen habe, scheiden zu lassen,

dass die Familie von Frau D._______, die ihn unter grösster Aufopfe-
rung in den letzten Jahren finanziell  und moralisch unterstützt habe, 
faktisch seine Familie darstelle und zu dieser Familie und insbesonde-
re zu Frau D._______ ein eigentliches Abhängigkeitsverhältnis beste-
he, weshalb er davon ausgehe, sich auf den Schutz von Art. 8 EMRK 
berufen zu können,

dass das BFM gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG bei  der Zuweisung der 
Asylsuchenden  in  die  Kantone  den  schützenswerten  Interessen  der 
Kantone und der Asylsuchenden Rechnung zu tragen hat, 

dass  sich  jedoch  aus dem vorliegend  massgeblichen Art.  27  Abs. 3 
AsylG kein Rechtsanspruch auf Zuteilung zu einem bestimmten Kan-
ton ableiten lässt und der Entscheid deshalb nur beschränkt auf den 
Aspekt der Familieneinheit anfechtbar ist (vgl. die immer noch Gültig-
keit  entfaltende  Rechtsprechungspraxis  der  Schweizerischen  Asylre-
kurskommission (ARK) in  Entscheidungen und Mitteilungen der ARK 
[EMARK] 2001 Nr. 7 S. 42 ff.),

dass es beim Zuweisungsentscheid des BFM im Übrigen einzig um die 
Zuweisung an einen bestimmten Kanton - und nicht an einen bestimm-
ten Ort innerhalb eines Kantons - geht,

dass  die  Berücksichtigung  der  schützenswerten  Interessen  des  Be-
schwerdeführers, insoweit  sie  mit  seiner Gesundheit,  seinen Sprach-
kenntnissen  oder  dem  Bedürfnis,  in  der  Nähe  von  Frau  D._______ 
beziehungsweise deren Familie zu leben und der damit erhofften posi-
tiven  Auswirkungen  für  den  Beschwerdeführer  begründet  werden, 
demnach  mangels  Anfecht-  und  Überprüfbarkeit  rechtlich  nicht  er-
zwingbar  sind,  weshalb  diesbezüglich  auf  die  Beschwerde  vom  10. 
September 2008 insoweit nicht einzutreten ist,

dass der  Beschwerdeführer  sodann die  Verletzung des Grundsatzes 
der Einheit  der Familie  rügt  und dies im Wesentlichen mit  dem Um-
stand begründet, er sei mit Frau D._______ verlobt beziehungsweise 
die Familie von D._______stelle faktisch seine Familie dar, 

dass  beim Zuweisungsentscheid  gemäss  Art.  27  Abs. 3  AsylG dem 
Prinzip der Einheit der Familie Rechnung zu tragen ist,

Seite 5

D-5773/2008

dass der Kreis der Personen, die sich auf eine Verletzung des Grund-
satzes der Einheit  der Familie gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG berufen 
können, nach Artikel 8 EMRK beziehungsweise Art. 44 Abs. 1 AsylG 
bestimmt wird, 

dass abgesehen von der Kernfamilie, das heisst den Beziehungen zwi-
schen  Ehepartnern  sowie  zwischen  Eltern  und  ihren  minderjährigen 
Kindern (vgl. Art. 1 Bst. e AsylV 1), von Art. 8 EMRK auch die Bezie-
hungen zwischen allen nahen Verwandten, die in der Familie eine we-
sentliche Rolle spielen können, erfasst werden,

dass  im Verhältnis  zwischen  Verwandten  ausserhalb  der  Kernfamilie 
die Berufung auf den Grundsatz der Familieneinheit - über die nahe, 
echte und tatsächlich gelebte Beziehung hinaus - indes ein besonde-
res  Abhängigkeitsverhältnis  voraussetzt  (vgl.  Urteil  des  Bundesge-
richts vom 24. Oktober 2002 [2A.145/2002] E. 3.2-3.5, BGE 129 II 11 
E. 2 S. 14, 120 Ib 257 E. 1d-f S. 260 ff.),

dass  es  sich  beim  zwischen  dem  Beschwerdeführer  und  Frau 
D._______ angeblich bestehenden Verlöbnis zwar um ein Institut des 
Familienrechts  handelt  (vgl.  PETER TUOR/BERNHARD SCHYDER/JÖRG 
SCHMID/ALEXANDRA RUMO-JUNGO, Das Schweizerische Zivilgesetzbuch, 12. 
Aufl.,  Zürich/Basel/Genf, S. 174), dieses jedoch keine Verwandtschaft 
zwischen den Verlobten entstehen lässt,

dass es sich beim geltend gemachten, zwischen dem Beschwerdefüh-
rer  und Frau D._______ bestehenden Verlöbnis  somit  nicht  um eine 
Beziehung handelt,  die  vom Schutzbereich des Art. 8  EMRK erfasst 
wird, 

dass auch das vom Beschwerdeführer zudem geltend gemachte, zwi-
schen  ihm  und  der  Familie  von  D._______  bestehende  faktische 
Familienverhältnis  keine  Beziehung  darstellt,  die  den  Art.  8  EMRK 
tangiert, 

dass somit daraus folgt, dass der Zuweisungsentscheid der Vorinstanz 
den Grundsatz der Einheit  der Familie gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG 
nicht verletzt, da weder die Beziehung des Beschwerdeführers zu Frau 
D._______ noch zur  Familie  von D._______ vom Schutzbereich des 
Art. 8 EMRK erfasst wird,

Seite 6

D-5773/2008

dass es sich bei dieser Sachlage erübrigt, auf die Frage einzugehen, 
ob  zwischen  dem  Beschwerdeführer  und  Frau  D._______  bezie-
hungsweise der Familie von D._______ ein besonderes Abhängigkeits-
verhältnis besteht,

dass zusammenfassend festzustellen ist, dass die Zuweisung des Be-
schwerdeführers an den Kanton B._______ den Grundsatz der Einheit 
der Familie im Sinne von Art. 27 Abs. 3 AsylG nicht verletzt, sich die 
angefochtene Zwischenverfügung als rechtmässig erweist und die Be-
schwerde demnach abzuweisen ist, soweit darauf einzutreten ist,

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen wären (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m Art. 16 Abs. 1 
Bst. a VGG i.V.m. Art. 1 bis 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge-
richt [VGKE, SR 173.320.2]),

dass jedoch gestützt auf Art. 6 Bst. b VGKE auf die Auferlegung von 
Verfahrenskosten zu verzichten ist, weshalb das Gesuch um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG 
gegenstandslos wird,

dass der Beschwerdeführer in der Beschwerde sinngemäss um unent-
geltliche Rechtsverbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG ersucht, 
unter Beiordnung der bezeichneten Rechtsanwältin als Rechtsvertrete-
rin,

dass  gemäss  Art.  65  Abs. 2  VwVG die  unentgeltliche  Rechtsverbei-
ständung nur dann gewährt wird, wenn es zur Wahrung der Rechte der 
gesuchstellenden Person notwendig ist, 

dass im vorliegenden Fall diese Voraussetzung nicht gegeben ist, da 
es sich nicht um einen komplexen Sachverhalt handelt, der zur Wah-
rung der  Rechte des  Beschwerdeführers notwendigerweise den Bei-
zug eines Rechtsanwalts beziehungsweise einer Rechtsanwältin erfor-
derte,

dass es dem Beschwerdeführer vielmehr möglich gewesen wäre, sei-
ne  Rechte  selber  zu  wahren  beziehungsweise  durch  seine  Verlobte 
wahrnehmen zu lassen,

Seite 7

D-5773/2008

dass deshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
verbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG abzuweisen ist.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 8

D-5773/2008

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2.
Es werden keine Kosten erhoben.

3.
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeistän-
dung gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG wird abgewiesen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-

ten Ref.-Nr. N (...) (per Kurier; in Kopie)
- (...)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Robert Galliker Matthias Jaggi

Versand:

Seite 9