# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9d3f61b3-8d88-5f5f-9732-2154ac3b658a
**Source:** Aargau (entscheidsuche) (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2026-01-14
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 14.01.2026 SBK.2025.321
**Docket/Reference:** SBK.2025.321
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SBK-2025-321_2026-01-14.pdf

## Full Text

Obergericht
Beschwerdekammer in Strafsachen

SBK.2025.321
(STA.2025.3382)
Art. 16

Entscheid vom 14. Januar 2026

Besetzung Oberrichter Richli, Präsident
Oberrichterin Massari
Oberrichterin Schär
Gerichtsschreiber Burkhard

Beschwerde-
führerin

A._____, […]
verteidigt durch Rechtsanwältin Barbara Schnitter Weber,
[…]

Beschwerde-
gegnerin

Staatsanwaltschaft Baden,
Mellingerstrasse 207, 5405 Dättwil AG

Anfechtungs-
gegenstand

Verfügung der Staatsanwaltschaft Baden vom 4. November 2025
betreffend Abweisung des Gesuchs um amtliche Verteidigung

in der Strafsache gegen A._____

- 2 -

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:

1.
1.1.
A._____ (Beschwerdeführerin) und B._____ haben zwei gemeinsame Kin-
der (C._____, geb. tt.mm.jjjj; D._____, geb. tt.mm.jjjj). Die Beschwerdefüh-
rerin verliess offenbar im April 2024 die gemeinsame Familienwohnung in
Q._____. Am 7. Juni 2024 meldete sie der Stadt Q._____ mit unterzeich-
netem Formular eine neue Wohnadresse beider Kinder. Darin bestätigte
sie folgenden Satz:

" Der andere Elternteil ist über den Wechsel des Aufenthaltsortes informiert
(Art. 301a ZGB)."

1.2.
B._____ erstattete deswegen am 17. April 2025 bei der Staatsanwaltschaft
Baden Strafanzeige gegen die Beschwerdeführerin. Er beantragte die Er-
öffnung einer Strafuntersuchung wegen Art. 251 Ziff. 1 StGB und anderer
in Frage kommender Straftatbestände. Die Beschwerdeführerin sei unter
Wahrung seiner Teilnahmerechte zu befragen, schuldig zu sprechen und
angemessen zu bestrafen.

2.
Die Beschwerdeführerin stellte am 31. Oktober 2025 bei der Staatsanwalt-
schaft Baden (sinngemäss) ein Gesuch um Gewährung der amtlichen Ver-
teidigung. Die Staatsanwaltschaft Baden wies dieses mit Verfügung vom
4. November 2025 ab.

3.
3.1.
Die Beschwerdeführerin beantragte mit Beschwerde vom 10. November
2025 die Aufhebung der ihr am 6. November 2025 zugestellten Verfügung
der Staatsanwaltschaft Baden vom 4. November 2025, unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Ihre freigewählte Verteidigerin sei als ihre amtliche
Verteidigerin einzusetzen.

3.2.
Die Staatsanwaltschaft Baden beantragte mit Beschwerdeantwort vom
17. November 2025 die Abweisung der Beschwerde, unter Kostenfolgen
zu Lasten der Beschwerdeführerin.

- 3 -

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:

1.
Die Verfügung der Staatsanwaltschaft Baden vom 4. November 2025 un-
tersteht dem Beschwerderecht (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO). Die Beschwer-
deführerin ist als beschuldigte Person durch die darin verfügte Abweisung
ihres Gesuchs um amtliche Verteidigung beschwert (Art. 382 Abs. 1 StPO).
Beschwerdeausschlussgründe nach Art. 394 StPO liegen nicht vor. Auf die
frist- (Art. 396 Abs. 1 StPO) und formgerecht (Art. 385 Abs. 1 StPO) erho-
bene Beschwerde ist einzutreten.

2.
2.1.
Die Staatsanwaltschaft Baden führt gegen die Beschwerdeführerin eine
Strafuntersuchung wegen Falschbeurkundung, mithin wegen eines Verbre-
chens, welches mit Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe bestraft
wird (Art. 251 Ziff. 1 StGB). Die Abweisung des Gesuchs um amtliche Ver-
teidigung begründete sie damit, dass es offensichtlich um einen Bagatellfall
gehe und dass in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht einfache Fallver-
hältnisse vorlägen.

2.2.
Die Beschwerdeführerin bestritt mit Hinweis auf den abstrakten Strafrah-
men von Art. 251 Ziff. 1 StGB, dass es um einen Bagatellfall gehe. Weiter
führte sie aus, dass sie rechtlich eine Laiin sei und noch nie mit dem Straf-
recht in Konflikt geraten sei. Bei der "hohen Haftandrohung" sei sie auf Hilfe
angewiesen. Die Staatsanwaltschaft Baden habe ihr zudem keine Akten-
einsicht gewährt. Mit welchen Anträgen der Staatsanwaltschaft Baden sie
nach ihrer Einvernahme zu rechnen habe, sei nicht vorauszusehen. In Hin-
blick auf die "gleich langen Spiesse" sei festzuhalten, dass sowohl der an-
waltlich vertretene B._____ als auch die Staatsanwaltschaft Baden ihr
"rechtlich überlegen" seien.

2.3.
Die Staatsanwaltschaft Baden führte mit Beschwerdeantwort aus, dass
sich das Vorliegen eines Bagatellfalls nicht nach der abstrakten Strafandro-
hung bestimme, sondern nach der konkret zu erwartenden Strafe. Sie hielt
daran fest, dass die Beschwerdeführerin nicht mit einer Geldstrafe über
120 Tagessätzen zu rechnen habe. Die Akteneinsicht sei ihr nicht gewährt
worden, weil sie noch nicht befragt worden sei und weil die wichtigsten Be-
weise noch nicht erhoben worden seien. Mit Schreiben vom 18. August
2025 habe sie die Beschwerdeführerin über die Vorwürfe informiert. Auch
das Argument der "gleich langen Spiesse" überzeuge angesichts der ein-
fach gelagerten Fallverhältnisse nicht.

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3.
Die Verfahrensleitung ordnet die amtliche Verteidigung an, wenn die be-
schuldigte Person nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und die Ver-
teidigung zur Wahrung ihrer Interessen geboten ist
(Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO). Zur Wahrung der Interessen der beschuldig-
ten Person ist die Verteidigung namentlich geboten, wenn es sich nicht um
einen Bagatellfall handelt und der Straffall in tatsächlicher oder rechtlicher
Hinsicht Schwierigkeiten bietet, denen die beschuldigte Person allein nicht
gewachsen wäre (Art. 132 Abs. 2 StPO). Ein Bagatellfall liegt jedenfalls
dann nicht mehr vor, wenn eine Freiheitsstrafe von mehr als 4 Monaten
oder eine Geldstrafe von mehr als 120 Tagessätzen zu erwarten ist
(Art. 132 Abs. 3 StPO).

Ob ein Bagatellfall vorliegt oder nicht, ist entgegen den Ausführungen der
Beschwerdeführerin mit Beschwerde hauptsächlich nicht nach der abstrak-
ten Sanktionsandrohung zu beurteilen, sondern nach den konkret zu er-
wartenden Sanktionen (BGE 143 I 164 E. 3.3). Erreichen diese die im Ge-
setz genannten Schwellenwerte nicht, ist zwar nicht automatisch von einem
Bagatellfall auszugehen. Auch ist nicht ausgeschlossen, neben den beiden
genannten Kriterien (kein Bagatellfall; tatsächliche und rechtliche Schwie-
rigkeiten, denen die beschuldigte Person allein nicht gewachsen wäre) wei-
tere Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Erforderlich ist eine Beurteilung
der konkreten Umstände des Einzelfalls, die sich einer strengen Schemati-
sierung entzieht. Je schwerwiegender der Eingriff in die Interessen der be-
troffenen Person ist, desto geringer sind die Anforderungen an die erwähn-
ten tatsächlichen und rechtlichen Schwierigkeiten, und umgekehrt
(BGE 143 I 164 E. 3.6).

4.
4.1.
Nach Art. 251 Ziff. 1 StGB macht sich unter anderem strafbar, wer in der
Absicht, jemanden am Vermögen oder an anderen Rechten zu schädigen
oder sich oder einem andern einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaf-
fen, eine rechtlich erhebliche Tatsache unrichtig beurkundet (Falschbeur-
kundung).

4.2.
Laut Strafanzeige lebten B._____, die Beschwerdeführerin und die beiden
gemeinsamen Kinder bis zum 14. April 2024 gemeinsam an der aktuellen
Wohnadresse von B._____ (Rz. 5). Weil B._____ und die Beschwerdefüh-
rerin die elterliche Sorge und die Obhut über die gemeinsamen Kinder auch
nach dem Auszug der Beschwerdeführerin aus der gemeinsamen Woh-
nung teilten und offensichtlich weiterhin teilen wollen (Entscheid des Stadt-
rates der Stadt Q._____ vom 5. August 2024 [Strafanzeigebeilage 4],
Ziff. 1; Schlichtungsgesuch vom 22. Mai 2024 [Strafanzeigebeilage 9],
Rz. 5), veränderte die Beschwerdeführerin mit ihrem Umzug auch den

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(faktischen) Aufenthaltsort der gemeinsamen Kinder zumindest teilweise.
Lebten die gemeinsamen Kinder zuvor ausschliesslich an der aktuellen
Wohnadresse von B._____, leben sie nun auch an der Wohnadresse der
Beschwerdeführerin. Für die Herbeiführung dieser Veränderung war die
Beschwerdeführerin nicht auf die Zustimmung von B._____ angewiesen,
ging es doch einzig um einen innerstädtischen Umzug
(Art. 301a Abs. 2 ZGB e contrario) und wird von ihm nicht geltend gemacht,
dass der Wechsel des Aufenthaltsortes erhebliche Auswirkungen auf die
Ausübung der elterlichen Sorge und den persönlichen Verkehr hat. Zudem
besteht kein begründeter Zweifel daran, dass B._____ den Umzug der Be-
schwerdeführerin und die sich daraus ergebenden Implikationen für den
Aufenthaltsort der gemeinsamen Kinder (kein ausschliesslicher Aufenthalt
mehr an seiner Adresse) kannte und billigte. B._____ wirft der Beschwer-
deführerin denn auch nicht vor, in strafbarer Weise den Aufenthaltsort der
gemeinsamen Kinder verändert zu haben. Es geht einzig um den Vorwurf,
ohne sein Wissen und gegen seinen Willen bei der Stadt Q._____ eine
neue Meldeadresse (Wohnsitzadresse) für die gemeinsamen Kinder er-
wirkt zu haben. Waren diese zuvor an seiner Wohnadresse gemeldet, sind
sie es nun an der Wohnadresse der Beschwerdeführerin.

4.3.
Die Beschwerdeführerin bestätigte gegenüber der Stadt Q._____ mit For-
mular vom 7. Juni 2024 (Strafanzeigebeilage 2) nicht, B._____ über ihr Ge-
such um Änderung der Wohnadresse (Wohnsitz) informiert zu haben, son-
dern einzig, dass B._____ "über den Wechsel des Aufenthaltsortes infor-
miert" sei. Weil diese Erklärung in Beachtung von E. 4.2 soweit ersichtlich
"wahr" war, bleibt weitestgehend unklar, warum B._____ der Beschwerde-
führerin in diesem Zusammenhang die Begehung einer Falschbeurkun-
dung oder einer anderen Straftat vorwirft. Dies gilt auch dann, wenn die
Beschwerdeführerin, wie von B._____ behauptet (Strafanzeige Rz. 15), die
Stadt Q._____ bewusst um ein nur von ihr zu unterzeichnendes Formular
ersucht haben sollte, um sich über das angebliche Erfordernis der Zustim-
mung von B._____ hinwegzusetzen. Kommt hinzu, dass Art. 301a Abs. 3
ZGB, auf welchen im Formular hinsichtlich der Informationspflicht verwie-
sen wird, vorliegend gar nicht einschlägig war, weil die Beschwerdeführerin
die elterliche Sorge nicht allein ausübte. Der im Formular in kursiver Schrift
wiedergegebene Text von Art. 301a Abs. 3 ZGB, in welchem bloss von el-
terlicher Sorge die Rede ist, ist insofern nicht korrekt. Damit stellt sich be-
reits die Frage, ob die Beschwerdeführerin B._____ überhaupt hat infor-
mieren müssen. Selbst die Verletzung einer (hier allerdings nicht ohne Wei-
teres ersichtlichen) Informationspflicht zieht keine Sanktionen nach sich (IN-
GEBORG SCHWENZER/MICHELLE COTTIER, in: Basler Kommentar, ZGB I,
7. Aufl. 2022, N. 20 zu Art. 301a ZGB). Wenn die Verletzung der (hier nicht
ohne Weiteres ersichtlichen) Informationspflicht aber keine Sanktion nach
sich zieht, dürfte sie auch nicht von strafrechtlicher Relevanz sein. Ein mehr
oder weniger offensichtlich strafbares Verhalten der Beschwerdeführerin,

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welches konkret eine einschneidende (einen Bagatellfall ausschliessende)
Strafe erwarten liesse, liegt jedenfalls nicht vor.

4.4.
Auch aus anderen Gründen ist – wenn überhaupt – höchstens von einem
Bagatellfall auszugehen:

 Als Vor- bzw. Nachteil erwähnte B._____ in seiner Strafanzeige,
dass die Kinderzulagen nun an die Beschwerdeführerin anstatt an
ihn ausbezahlt würden (Rz. 16). Dem ist entgegenzuhalten, dass
die Kinderzulagen für den Unterhalt der Kinder verwendet werden
müssen. Der Elternteil, der die Familienzulagen bezieht, muss die
Zulagen dem Elternteil weiterleiten, der mit dem Kind lebt. Werden
die Familienzulagen nicht weitergeleitet, kann der Elternteil, der für
das Kind sorgt, beantragen, dass ihm die Familienzulagen direkt aus-
gerichtet werden (vgl. hierzu < https://www.bsv.admin.ch/ de/familien-
zulagen-leistungen-und-voraussetzungen >). Dementsprechend
kann ein allfälliger Anspruch von B._____ auf die Kinderzulagen
nicht durch einen Wechsel beim Bezug der Kinderzulagen vereitelt
worden sein. Ein gewichtiger finanzieller Vor- oder Nachteil lässt
sich auf diese Weise nicht dartun.

 Weiter machte B._____ mit Strafanzeige den Wegfall von Versiche-
rungsrabatten für "Kinder im gleichen Haushalt" geltend (Rz. 17).
Dieser finanzielle Nachteil dürfte gering sein. Zudem erscheint es
geradezu abwegig, dass die Beschwerdeführerin eine allfällige
Falschbeurkundung mit einer solchen Schädigungsabsicht began-
gen haben könnte.

 Als Hauptnachteil nannte B._____ mit Strafanzeige den Verlust
sämtlicher Informationen in Kindesbelangen. Die Beschwerdefüh-
rerin habe ihm mit der eigenmächtigen und gesetzeswidrigen Um-
meldung der Wohnadresse der gemeinsamen Kinder die Kontrolle
über die Kinderbelange entreissen wollen. Sie habe die neue
Hauptwohnsitzbestätigung der gemeinsamen Kinder bei Behörden-
stellen und Dritten hinterlegt. Sämtliche Post gehe an die neue Ad-
resse. Er werde nicht mehr über aktuelle Geschehnisse und Ent-
wicklungen betreffend die Kinder informiert. Teilweise verweigerten
ihm die Behörden sogar Auskünfte (Rz. 17).

Mit seinen Ausführungen beschreibt B._____ Informationsnach-
teile, die bei getrenntlebenden Eltern mit gemeinsamem Sorge-
recht, die nicht ausreichend miteinander über Kinderbelange kom-
munizieren, regelmässig vorkommen. Gelingt es nicht, solche Kom-
munikationsprobleme zu lösen, ist die Kindesschutzbehörde einzu-
schalten (SCHWENZER/COTTIER, a.a.O.).

https://www.bsv.admin.ch/%20de/familienzulagen-leistungen-und-voraussetzungen
https://www.bsv.admin.ch/%20de/familienzulagen-leistungen-und-voraussetzungen

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Zwar erscheint es möglich, dass die Beschwerdeführerin bei der
Änderung der Wohnadresse eine Schädigungs- bzw. Vorteilsab-
sicht hatte, wie von B._____ behauptet. Auch ist nicht gänzlich aus-
zuschliessen, dass eine solche Schädigungs- bzw. Vorteilsabsicht
eine tatbestandsmässige Absicht im Sinne einer Falschbeurkun-
dung sein kann (vgl. beispielshaft MARKUS BOOG, in: Basler Kom-
mentar, Strafrecht II, 4. Aufl. 2019, N. 185 ff. zu Art. 251 StGB).
Festzuhalten ist aber, dass B._____ den Wohnsitzwechsel gar nicht
hätte verhindern können, denn die Beschwerdeführerin war ja ge-
mäss Formular nur verpflichtet, ihn darüber zu informieren. Seine
Zustimmung war nicht nötig. Der Stadtrat der Stadt Q._____ führte
hierzu in seinem Entscheid vom 5. August 2024 denn auch ganz in
diesem Sinne aus, dass der Änderung der Meldeadresse in erster
Linie nur eine administrative Bedeutung zukomme, um die korrekte
Zustellung von Post durch die Stadtverwaltung Baden zu ermögli-
chen (Ziff. 2.2). Mehr als ein Bagatellfall einer Falschbeurkundung
lässt sich damit sicher nicht begründen.

Die von der Staatsanwaltschaft Baden vertretene Auffassung, dass es um
einen Bagatellfall gehe und dass die Beschwerdeführerin höchstens eine
Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu befürchten habe, ist somit nicht zu be-
anstanden.

4.5.
4.5.1.
An möglichen Fallschwierigkeiten ist einzig zu erwähnen, dass die Falsch-
beurkundung von einer einfachen schriftlichen Lüge abzugrenzen ist
(MARKUS BOOG, a.a.O., N. 68 zu Art. 251 StGB). Sollte sich die von der
Beschwerdeführerin abgegebene Erklärung wider Erwarten als eine Fal-
scherklärung herausstellen, könnte diese Abgrenzungsschwierigkeit zwar
auch vorliegend relevant werden. "Ex ante" betrachtet (zur Massgeblichkeit
dieser Sichtweise vgl. Urteil des Bundesgerichts 1B_66/2015 vom 12. Au-
gust 2015 E. 2.3) erscheint dies aber in Beachtung von E. 4.3 wenig wahr-
scheinlich.

Weiter ist zu beachten, dass die Staatsanwaltschaft Baden zwar wegen der
Strafanzeige von B._____ gegen die Beschwerdeführerin wegen Falsch-
beurkundung bzw. eines Verbrechens ermittelt. Nichtsdestotrotz hat sie
von Beginn weg deutlich gemacht, von einem Bagatellfall auszugehen.
Dies zeigt, dass auch die Staatsanwaltschaft Baden gewichtige entlastende
Umstände sieht. Sie hat sich mit anderen Worten nicht die Position von
B._____ angeeignet, sondern steht dieser weiterhin kritisch gegenüber.
Dementsprechend ist zu erwarten, dass sie willens und fähig ist, die sich
allenfalls stellende Frage, ob eine Falschbeurkundung oder eine einfache
schriftliche Lüge vorliegt, gemäss ihrer eigenen Rechtsauffassung objektiv

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zu beurteilen. Dass eine (amtliche) Verteidigerin der Beschwerdeführerin
hierauf massgeblich Einfluss nehmen könnte, erscheint angesichts der in
tatsächlicher Hinsicht sehr einfachen und klaren Fallverhältnisse ebenso
unwahrscheinlich, wie dass dies der Rechtsvertreterin von B._____ gelin-
gen könnte.

4.5.2.
Auch in prozessualer Hinsicht liegen einfache Verhältnisse vor. Der von
B._____ erhobene Vorwurf ist nicht komplex, klar verständlich und war mit
den mit Strafanzeige eingereichten Unterlagen von Beginn weg gut doku-
mentiert. Das deswegen geführte Strafverfahren dauert noch nicht lange.
Der Aktenumfang ist gering. Hinweise, dass die Beschwerdeführerin mit
ihrer Verteidigung überfordert sein könnte, gibt es nicht, zumal sie der deut-
schen Sprache mächtig ist und offenbar als Buchhalterin arbeitet (Einver-
nahme vom 4. November 2025 [Beschwerdeantwortbeilage], S. 1). Dass
sie nicht vorbestraft ist, ändert an ihren diesbezüglichen Fähigkeiten nichts.

Verfahrensfehler der Staatsanwaltschaft Baden sind summarisch betrach-
tet nicht zu erkennen. Dies gilt auch für die am 11. August 2025 erfolgte
Abweisung des am 8. August 2025 gestellten Akteneinsichtsgesuchs, die
mit Verweis auf Art. 101 Abs. 1 StPO nachvollziehbar damit begründet
wurde, dass der Beschwerdeführerin erst nach ihrer Befragung und der Er-
hebung der wichtigsten Beweise Akteneinsicht gewährt werden könne.

Auch die delegierte Einvernahme der Beschwerdeführerin vom 4. Novem-
ber 2025 verlief soweit ersichtlich problemlos und dauerte überdies nur
knapp eine Stunde. Die Beschwerdeführerin konnte sich dabei erwartungs-
gemäss klar zur Sache äussern. Sie verwehrte sich gegen die Vorwürfe,
B._____ über den Umzug der gemeinsamen Kinder nicht informiert zu ha-
ben (zu Frage 12) und das Formular betreffend die Änderung der Wohna-
dresse der gemeinsamen Kinder ohne vorgängige Information von B._____
eingereicht zu haben (zu Frage 19). Die Ausgangslage für den weiteren
Gang der Strafuntersuchung dürfte damit im Wesentlichen feststehen. Mit
unerwarteten Weiterungen oder erst noch auftretenden rechtlichen oder
tatsächlichen Schwierigkeiten ist nicht zu rechnen.

4.5.3.
Somit liegen keine rechtlichen oder tatsächlichen Schwierigkeiten vor, ge-
stützt auf welche eine amtliche Verteidigung der Beschwerdeführerin trotz
des Bagatellcharakters der Vorwürfe ausnahmsweise geboten wäre.

4.6.
Auch ist nicht zu erkennen, dass eine allfällige Verurteilung wegen Falsch-
beurkundung für die Beschwerdeführerin mit besonderen Nachteilen ein-
hergehen könnte, die über die eigentlichen Sanktionen hinausgingen und
die eine amtliche Verteidigung – trotz des Bagatellcharakters der Vorwürfe

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und des weitestgehenden Fehlens von rechtlichen oder tatsächlichen
Schwierigkeiten – ausnahmsweise geboten erscheinen liessen.

4.7.
Die Beschwerde gegen die Verfügung der Staatsanwaltschaft Baden vom
4. November 2025 ist damit unbegründet und abzuweisen.

5.
Die Kosten des Beschwerdeverfahrens sind ausgangsgemäss der mit ihrer
Beschwerde unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen
(Art. 428 Abs. 1 StPO). Entschädigungen sind keine auszurichten.

Die Beschwerdekammer entscheidet:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestehend aus einer Gerichtsge-
bühr von Fr. 1'000.00 und den Auslagen von Fr. 48.00, zusammen
Fr. 1'048.00, werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

Zustellung an:
[…]

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG)

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-
lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-
schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. Dieselbe Beschwerde
kann erhoben werden gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide, wenn
diese einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können oder wenn die Gutheis-
sung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeuten-
den Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde
(Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 93, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG).

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-
gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren
Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte
elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen,
inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf
die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen
hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde-
legitimation ist Art. 81 BGG massgebend.

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Aarau, 14. Januar 2026

Obergericht des Kantons Aargau
Beschwerdekammer in Strafsachen
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Richli Burkhard