# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d97bd798-eab1-5600-b614-786eb6b09ac7
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-02-21
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Kantonsgericht 21.02.2024 BO.2022.57-K3
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Publikationen/SG_KGN_001_BO-2022-57-K3_2024-02-21.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 1/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: BO.2022.57-K3

Stelle: Kantonsgericht

Rubrik: Zivilkammern (inkl. Einzelrichter)

Publikationsdatum: 03.05.2024

Entscheiddatum: 21.02.2024

Entscheid Kantonsgericht, 21.02.2024
Art. 398 Abs. 2 i.V.m. 97 OR: Der Rechtsanwalt haftet seinem Auftraggeber 
für getreue und sorgfältige Ausführung des ihm übertragenen Geschäfts. 
Dem beklagten Rechtsanwalt wurde eine unsorgfältige 
Sachverhaltsabklärung und ein verspätetes Tätigwerden betreffend 
Taggeldansprüche gegenüber der Suva vorgehalten. Der Kläger konnte 
indessen nicht belegen, dass er aufgrund der damals verfügbaren 
Arztberichte Anspruch auf ein höheres Taggeld gehabt und insofern einen 
Schaden im Rechtssinne erlitten hat. Da die Ausrichtung eines höheren 
Taggeldes auch bei Vorliegen bzw. Einholen weiterer ärztlicher Berichte 
nicht überwiegend wahrscheinlich gewesen wäre, konnte sich zudem selbst 
eine (unbelegte und bestrittene) unzureichende Sachverhaltsabklärung 
durch den Beklagten nicht adäquat-kausal auf einen Schadenseintritt 
auswirken (E.III.1 ff.). Einen vom Beklagten anerkannten anderen Schaden 
konnte jener mit seinen offenen Honorarforderungen verrechnen (E.III.6 ff.).

Entscheid siehe PDF

Kanton St.Gallen 
Gerichte 
 
 

 

 
 
Kantonsgericht St. Gallen 

III. Zivilkammer 

 

 

 

 
 
 
 

 Entscheid vom 21. Februar 2024 

   

Geschäfts- 
nummer  

 BO.2022.57-K3 (OV.2021.33) 
 

   

Verfahrens-
beteiligte 

 A.___, 
 

Kläger und  
Berufungskläger,  

 
vertreten von Rechtsanwalt B.___, 
 

  gegen 
 

  C.___, 
 

Beklagter und 
Berufungsbeklagter,  

 
vertreten von Rechtsanwalt D.___,  
 
 

Gegenstand  Forderung 
 
 

 

  

 
 
 
 
 

BO.2022.57-K3 2/17 

  

Anträge vor Kreisgericht 

 
a) des Klägers 
 
1. Der Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger den Betrag von Fr. 128'181.60 nebst 

Zins zu 5% seit 6. Dezember 2014 (mittlerer Verfall) und Fr. 3'314.00 nebst Zins zu 
5% seit 1. Juli 2015 unter Vorbehalt der Nachklage zu bezahlen. 

2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich MWST zu Lasten des Beklagten. 

b) des Beklagten 
 
1. Die Klage vom 22. September 2021 sei vollumfänglich abzuweisen. 

2. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich 7.7% MWST zu Lasten des Klä-
gers. 

Entscheid Kreisgericht E.___, vom 28. Juni 2022 

 
1. Die Klage wird abgewiesen. 

2. Die Gerichtskosten von Fr. 13'750.00 (Fr. 400.00 Gebühr Vermittleramt; Fr. 13'350.00 
Entscheidgebühr Kreisgericht) hat der Kläger unter Verrechnung der geleisteten Kos-
tenvorschüsse von Fr. 9'300.00 (Fr. 400.00 Vermittleramt; Fr. 8'900.00 Kreisgericht) 
zu bezahlen. 

3. Der Kläger bezahlt dem Beklagten eine Parteientschädigung von Fr. 12'672.50.  

Anträge vor Kantonsgericht 

 
a) des Klägers 
 
1. Der Entscheid des Kreisgerichts E.___ vom 28. Juni 2022 (Verfahren OV.2021.33) 

sei aufzuheben und der Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, dem Berufungskläger 
den Betrag von Fr. 128'181.60 nebst Zins zu 5% seit 6. Dezember 2014 (mittlerer 
Verfall) und Fr. 3'314.00 nebst Zins zu 5% sei 1. Juli 2015 unter Vorbehalt der Nach-
klage zu bezahlen. 

2. Eventualiter sei der Entscheid des Kreisgerichts E.___ vom 28. Juni 2022 (Verfahren 
OV.2021.33) aufzuheben und an die Vorinstanz zur neuen Beurteilung zurückzuwei-
sen. 

3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zzgl. MWST) für das vorinstanzliche 
Verfahren und das Berufungsverfahren zu Lasten des Berufungsbeklagten. 

b) des Beklagten 
 
1. Die Berufung vom 4. November 2022 sei vollumfänglich abzuweisen. 

2. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich MWST zu Lasten des Berufungs-
klägers.  

 
 
 
 
 

BO.2022.57-K3 3/17 

  

Erwägungen 

 

I. 

 

1.a)  Am 11. Mai 2012 erlitt A.__ (Kläger) bei einem Verkehrsunfall eine Trümmerfraktur 

am linken Fuss, welche operativ versorgt werden musste. Am 25. Januar 2013 beauftrag-

te er in dieser Sache Rechtsanwalt C.___ (Beklagter) mit der Wahrung seiner Interessen. 

Der Kläger ist der Ansicht, der Beklagte habe im Rahmen der Mandatsführung die anwalt-

lichen Sorgfaltspflichten verletzt, weil er die von der Suva festgelegte Taggeldberech-

nungsgrundlage erst zu spät gerügt und ihm dadurch einen finanziellen Schaden verur-

sacht habe. Zudem seien ihm durch eine verspätete IV-Anmeldung seitens des Beklagten 

Fr. 3'314.00 entgangen. Diesen Schaden will sich der Kläger vom Beklagten ersetzen 

lassen. 

b) Konkret machte der Kläger vor Vorinstanz im Hauptpunkt geltend, er habe der Suva 

anlässlich des Erstgesprächs vom 18. Juni 2012 mitgeteilt, dass er seit fünf Jahren an 

Fussbeschwerden leide und seine Anstellung deshalb per April 2012 auf 50% reduziert 

worden sei. Am 25. Januar 2013 habe er den Beklagten als Rechtsanwalt mandatiert und 

dieser habe am 18. Februar 2013 Akteneinsicht erhalten. Am 17. April 2013 habe die 

Suva ihre Leistungspflicht anerkannt und das Taggeld auf Fr. 68.40 pro Kalendertag fest-

gelegt. Mit Schreiben vom 29. April 2015 habe der Beklagte der Suva mitgeteilt, er habe 

festgestellt, dass dieses Taggeld auf dem reduzierten Lohn von Fr. 2'600.00 beruhe und 

deshalb gestützt auf Art. 23 UVV auf Basis des vollen Einkommens von Fr. 5'200.00 fest-

zusetzen sei. Die Suva habe dies aber in der Folge mit der unzutreffenden Begründung 

abgelehnt, die erfolgte Pensums- und Einkommensreduktion sei selbst gewählt und nicht 

auf einer medizinischen Grundlage erfolgt. Der Beklagte habe daher mit Schreiben vom 

28. Mai 2015 eine anfechtbare Verfügung verlangt, was die Suva als Wiedererwägungs- 

sowie Revisionsgesuch behandelt habe und worauf sie nicht eingetreten sei. Die dagegen 

gerichtete Einsprache und Beschwerde seien von der Suva sowie vom Versicherungsge-

richt des Kantons St. Gallen abgelehnt worden, soweit darauf eingetreten worden sei. Der 

Kläger wirft dem Beklagten daher vor, dieser habe die falsche Berechnungsgrundlage für 

das Taggeld sorgfaltspflichtwidrig zu spät bemerkt und sei deshalb erst zu spät und damit 

erfolglos dagegen vorgegangen. Ihm, dem Kläger, sei dadurch ein Schaden von 

Fr. 128'181.60 entstanden. Ausserdem seien ihm durch eine verspätete IV-Anmeldung 

seitens des Beklagten Fr. 3'314.00 entgangen. Der Beklagte wiederum bestritt seine 

Schadenersatzpflicht mit der Begründung, das Arbeitspensum sei nicht aus gesundheitli-

 
 
 
 
 

BO.2022.57-K3 4/17 

  

chen Gründen reduziert worden, sondern auf Druck des Arbeitgebers, der mit den Arbeits-

leistungen des Klägers nicht zufrieden gewesen sei (vi-Entscheid, S. 7 f.). 

2.  Der Kläger stellte am 26. März 2021 beim Vermittleramt F.___ ein Schlichtungsbe-

gehren, wobei die Sache anlässlich der am 1. Juni 2021 durchgeführten Verhandlung 

unvermittelt blieb und deshalb gleichentags die Klagebewilligung ausgestellt wurde (vi-

act. 1). Am 22. September 2021 gelangte der Kläger mit den eingangs erwähnten 

Rechtsbegehren ans Kreisgericht E.___ (Vorinstanz; vi-act. 2). Mit Klageantwort vom 

7. Februar 2022 beantragte der Beklagte die (kostenfällige) Klageabweisung (vi-act. 14). 

Mit Replik vom 31. März 2022 (vi-act. 19) und Duplik vom 22. April 2022 (vi-act. 23) äus-

serten sich beide Parteien erneut, wobei die Rechtsbegehren unverändert blieben. Nach-

dem beide Parteien auf eine mündliche Parteiverhandlung verzichtet hatten (vi-act. 25 

und 28), fällte das Gericht am 28. Juni 2022 seinen Entscheid, welcher im Dispositiv er-

öffnet wurde (vi-act. 32 und 33). Auf entsprechendes Ersuchen des Klägers vom 6. Juli 

2022 (vi-act. 34) wurde der Entscheid schriftlich begründet und am 3. Oktober 2022 an die 

Parteien versandt (vi-Entscheid). 

3.  Dagegen erhob der Kläger am 4. November 2022 mit eingangs angeführten Rechts-

begehren Berufung (B/1), woraufhin das Kantonsgericht am 7. November 2022 den ver-

fahrensleitenden Richter bezeichnete (B/3) und bei der Vorinstanz die Vorakten einholte. 

Nach deren Übermittlung am 9. November 2022 (B/5) verlangte das Kantonsgericht vom 

Kläger einen Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 18'000.00 (B/6), der in der Folge fristge-

recht geleistet wurde (B/7). Der Beklagte erstattete am 9. Januar 2023 seine Berufungs-

antwort mit eingangs genannten Rechtsbegehren (B/8), woraufhin den Parteien mitgeteilt 

wurde, dass weder ein zweiter Schriftenwechsel noch eine mündliche Verhandlung vor-

gesehen sei (B/10). Der Kläger liess sich gleichwohl Frist für eine weitere Stellungnahme 

ansetzen (B/11 ff.), die er am 21. Februar 2023 auch einreichte (B/14). Der Beklagte repli-

zierte am 17. März 2023 innert ebenfalls erstreckter Frist (B/20).  

 

II. 

 

1.  Die von Amtes wegen zu prüfenden Prozessvoraussetzungen für das Berufungsver-

fahren sind erfüllt (Art. 59 f., Art. 308 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 sowie Art. 311 Abs. 1 ZPO). 

Auf die Berufung ist einzutreten. Zuständig ist die III. Zivilkammer des Kantonsgerichts 

(Art. 16 Abs. 1 EG-ZPO i.V.m. Art. 14 Abs. 1 lit. d GO). 

 
 
 
 
 

BO.2022.57-K3 5/17 

  

2. Mit der Berufung nach Art. 308 ff. ZPO können die unrichtige Rechtsanwendung 

und/oder die unrichtige Feststellung des Sachverhaltes geltend gemacht werden (Art. 310 

ZPO). Den Berufungskläger trifft dabei eine Begründungspflicht (Art. 311 Abs. 1 ZPO). Er 

hat sich daher sachbezogen mit dem Entscheid der Vorinstanz auseinanderzusetzen und 

unter Bezugnahme auf die erstinstanzlichen Erwägungen im Einzelnen darzulegen, wa-

rum dieser in den angefochtenen Punkten unrichtig sein soll (BGE 138 III 374 E. 4.3.1; 

BGer 4A_651/2012 E. 4.2; REETZ/THEILER, ZPO Komm., Art. 311 N 36). 

3.  Im Berufungsverfahren sind neue Tatsachenbehauptungen und neue Beweismittel 

nur zulässig, wenn sie trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgetra-

gen werden konnten sowie ohne Verzug geltend gemacht werden (Art. 317 Abs. 1 ZPO). 

4.a)  Gemäss dem aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör fliessenden sogenannten 

Replikrecht hat eine Partei Anspruch darauf, von jeder dem Gericht eingereichten Stel-

lungnahme der Gegenseite Kenntnis zu nehmen und sich dazu zu äussern, und zwar 

unabhängig davon, ob die Stellungnahme neue Tatsachen oder Argumente enthält und 

ob sie das Gericht tatsächlich zu beeinflussen vermag. Dieses Replikrecht führt dazu, 

dass ein Berufungskläger nach Erstattung der Berufungsantwort zu den darin gemachten 

Ausführungen selbst dann Stellung beziehen darf, wenn das Gericht keinen zweiten 

Schriftenwechsel oder eine Verhandlung angeordnet hat. Allerdings wird eine solche Stel-

lungnahme inhaltlich nur soweit berücksichtigt, als sie Ausführungen enthält, die nicht 

schon früher hätten vorgebracht werden können und müssen. Dabei hat sich der Beru-

fungskläger unverzüglich zu äussern und, weil es nicht Aufgabe des Gerichts ist, danach 

zu forschen, darzutun, inwiefern der Gehörsanspruch die weitere Eingabe rechtfertigt. Die 

Replik darf im Übrigen nicht dazu verwendet werden, die Berufung zu ergänzen oder zu 

verbessern (BGE 142 III 413 E. 2.2.4; BGE 142 III 48 E. 4.1.1; BGE 139 I 189 E. 3.2; 

BGE 137 I 195 E. 2.3.1; BGer 4A_213/2015 E. 2.1.2; BGer 4A_278/2014 E. 2.2; BGer 

4A_510/2011 E. 1; vgl. auch REETZ/HILBER, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, 

ZPO Komm., 3. Aufl., Art. 316 N 8 und 45 sowie Art. 317 N 12 und 25; LEUENBERGER/

UFFER-TOBLER, Schweizerisches Zivilprozessrecht, 2. Aufl., N 4.63).  

b) Weder der Kläger noch der Beklagte äussern sich in ihren weiteren Stellungnahmen 

dazu, wieso ihre neuerlichen Eingaben erforderlich sein sollen. Es sind darin auch keine 

neuen Ausführungen zu erkennen, zumal solche, die nicht bereits früher hätten geltend 

gemacht werden können. Die Stellungnahme des Klägers vom 21. Februar 2023 (B/14) 

und jene des Beklagten vom 17. März 2023 (B/20) bleiben daher unbeachtlich. 

  

 
 
 
 
 

BO.2022.57-K3 6/17 

  

III. 

 

1.  Der Kläger wirft dem Beklagten vor, er habe das ihm übertragene Anwaltsmandat 

unsorgfältig besorgt und ihm damit einen Schaden verursacht. Diesen Schaden habe der 

Beklagte daher zu ersetzen. 

a) Das Rechtsverhältnis zwischen Anwalt und Klient untersteht dem Auftragsrecht 

gemäss Art. 394 ff. OR. Dies gilt nicht nur, wenn der Anwalt seinen Klienten vor Gericht 

oder vor Verwaltungsbehörden vertritt; seine Tätigkeit untersteht vielmehr im ganzen Be-

reich der forensischen und nicht forensischen Tätigkeit dem Auftragsrecht. Dieses ist 

durch die Treuepflicht des Beauftragten geprägt. Auch der Anwalt ist daher verpflichtet, 

die Interessen des Auftraggebers umfassend zu wahren und alles zu unterlassen, was 

dem Auftraggeber Schaden zufügen könnte. Er muss den Interessen des Auftraggebers 

gegenüber allen andern Belangen stets den Vorrang einräumen – selbst gegenüber den 

eigenen Interessen (FELLMANN, Anwaltsrecht, 2. Aufl., N 1139 und 1142 m.w.H.). 

b) Anspruchsgrundlage für die vertragliche Haftung des Anwalts bildet Art. 398 Abs. 2 

i.V.m. Art. 97 OR. Danach haftet der Beauftragte dem Auftraggeber für getreue und sorg-

fältige Ausführung des ihm übertragenen Geschäfts. Während sich die Vertragsverletzung 

in der Regel als "Ausbleiben der Erfüllung" manifestiert, steht beim einfachen Auftrag die 

nicht gehörige Erfüllung durch unsorgfältiges Verhalten im Vordergrund. Diese nicht gehö-

rige Erfüllung kann darin bestehen, dass der Beauftragte den Auftrag selbst (und damit 

die geschuldete Hauptleistung) nicht sorgfältig erbringt. Die Vertragsverletzung kann aber 

auch in der Verletzung allgemeiner Verhaltenspflichten bestehen, die sich aus der Treue-

pflicht des Beauftragten ableiten. Der beauftragte Anwalt hat demnach die Interessen des 

Auftraggebers nach besten Kräften zu wahren und alles zu tun, was zur Bewirkung der 

geschuldeten Leistung erforderlich ist, und alles zu vermeiden, was diese Leistung beein-

trächtigen könnte. Daneben erstreckt sich Art. 398 Abs. 2 OR auch auf die Tatbestände 

der Nichterfüllung im Sinne nachträglicher Unmöglichkeit oder des Verzugs (FELLMANN, 

a.a.O., N 1455 und 1469). 

c) Fordert der Klient vom Anwalt gestützt auf Art. 398 Abs. 2 i.V.m. Art. 97 OR Scha-

denersatz, so hat er zu beweisen, dass jener den Anwaltsvertrag verletzt und er dadurch 

einen Schaden erlitten hat und zwischen dem Schaden und der Vertragsverletzung ein 

adäquater Kausalzusammenhang besteht. Dass der Anwalt die Vertragsverletzung ver-

schuldet hat, muss er demgegenüber nicht beweisen. Bei der Haftung nach Art. 398 

Abs. 2 OR handelt es sich vielmehr um einen vertraglichen Haftungstatbestand im Sinne 

von Art. 97 OR und damit um eine Verschuldenshaftung mit umgekehrter Beweislast: Bei 

 
 
 
 
 

BO.2022.57-K3 7/17 

  

Vorliegen einer Vertragsverletzung wird ein Verschulden vermutet. Die Haftung des An-

walts entfällt daher nur, wenn dieser beweist, dass ihm keinerlei Verschulden zur Last fällt 

(FELLMANN, a.a.O., N 1456 f.; SUMMERMATTER/GERBER, Grundfragen des Anwaltshaf-

tungsprozesses, HAVE 2017, S. 3 ff., 3). 

d) Zu den Sorgfaltspflichten des Anwalts gehört insbesondere die Abklärung des 

Sachverhalts. Anwalt und Klient haben die massgebenden Fakten gemeinsam zusam-

menzutragen, wobei den Klienten die Pflicht zur vollständigen Information trifft und der 

Anwalt mit Blick auf die Tatbestandsvoraussetzungen der massgebenden Rechtsnormen 

die notwendigen Fragen zu stellen hat. Soweit erforderlich hat der Anwalt den Sachverhalt 

mittels Studiums der ihm übergebenen Akten und Beizugs der verfügbaren Beweisstücke 

zu klären. Erscheinen diese Unterlagen lückenhaft oder ungenügend, muss er bei seinem 

Klienten weitere Informationen verlangen. Nötigenfalls hat der Anwalt den Mandanten 

zielgerichtet zu befragen, da er als Rechtskundiger weiss, welche Tatsachen für die Beur-

teilung der sich stellenden Rechtsfragen von Bedeutung sind, während Letzterer i.d.R. 

nicht über diese Kenntnisse verfügt. Dabei hat er den Klienten auch auf die drohenden 

Nachteile einer unvollständigen Anspruchsgrundlage aufmerksam zu machen. Grund-

sätzlich darf der Anwalt sodann auf die Richtigkeit der Ausführungen seines Klienten ver-

trauen. Zumindest bei ungenauen Angaben des Mandanten oder bei begründetem Anlass 

zu Zweifeln an deren Wahrheitsgehalt ist eine Überprüfung jedoch geboten und hat der 

Anwalt auf die Unstimmigkeiten hinzuweisen und zur Klärung der Sachlage aufzufordern 

(FELLMANN, a.a.O., N 1498 ff. m.w.H.; WALTER/SCHMID, Unsorgfältige Führung eines An-

waltsmandats – Anwaltshaftung, in: Weber/Münch, Haftung und Versicherung, 2. Aufl., 

N 20.30). Ferner hat der Anwalt den Klienten umfassend zu beraten und diesem die 

Schritte zu empfehlen, die geeignet sind, das angestrebte Ziel zu erreichen. Er hat dafür 

Sorge zu tragen, dass alle voraussehbaren und somit vermeidbaren Nachteile für den 

Klienten auch tatsächlich vermieden werden. Im Rahmen der Prozessführung muss er die 

tatsächliche Situation gewissenhaft prüfen und mit Blick auf die gewünschte rechtliche 

Subsumtion in seinen Rechtsschriften sorgfältig darstellen. Er hat den Klienten daher auf 

die verschiedenen möglichen Anspruchsgrundlagen hinzuweisen und ihm Gelegenheit zu 

geben, alle sachdienlichen Informationen bekannt zu geben und mögliche Beweismittel 

vorzulegen (FELLMANN, a.a.O., N 1517 und 1529 m.w.H.). 

2.a)  Der Kläger beanstandet, die Vorinstanz habe den Sachverhalt falsch festgestellt 

und zu Unrecht darauf geschlossen, dass der Beklagte die erforderlichen Beweismittel zu 

spät erhalten habe. Er macht dabei insbesondere geltend, der Bericht von Hausarzt 

Dr. G.___ vom 2. April 2012 (kläg.act. 7) sei als Aktenstück Nr. 20 bei den Suva-Akten 

 
 
 
 
 

BO.2022.57-K3 8/17 

  

gelegen, als der Beklagte in diese Einsicht genommen habe. Auch die Berichte von 

Dr. H.___ vom 22. März 2012 (kläg.act. 35, S. 9) und Dr. I.___ vom 26. April 2012 

(kläg.act. 35, S. 6) hätten sich im Zeitpunkt des formlosen Suva-Entscheids vom 17. April 

2013 bei den Akten befunden, weshalb davon ausgegangen werden könne, dass der Be-

klagte diese gekannt habe. Jener habe dies gar ausdrücklich bestätigt (Berufung, S. 4-7). 

Der Beklagte macht hingegen geltend, er habe sich beim Hausarzt des Klägers schriftlich 

nach einer medizinischen Begründung der Arbeitszeitreduktion erkundigt, darauf aber 

keine Antwort erhalten (kläg.act. 19). Der Kläger habe ihm im vorinstanzlichen Verfahren 

ohnehin keine mangelhafte Sachverhaltsabklärung vorgeworfen, weshalb diese Frage 

nun nicht neu aufgebracht werden könne (Berufungsantwort, S. 3 ff.). 

b) Die Suva legte das Taggeld des Klägers mit Schreiben vom 17. April 2013 auf 

Fr. 68.40 fest (kläg.act. 28). Selbst wenn dieses Schreiben (nur) als formlose teilweise 

Verweigerung von Leistungen zu qualifizieren wäre, hätte der Kläger sein fehlendes Ein-

verständnis damit dennoch innerhalb eines Jahres erklären müssen. Dann hätte der Ver-

sicherer eine förmliche Verfügung erlassen müssen, gegen welche Einsprache hätte er-

hoben werden können. Ohne eine solche fristgerechte Intervention erlangt ein (formloser) 

Entscheid der Suva rechtliche Wirksamkeit, wie wenn er zulässigerweise in Verfügungs-

form ergangen wäre (BGE 134 V 145 ff.; ferner kläg.act. 46, E. 2). Die Vorinstanz be-

zeichnete damit zu Recht und unbestrittenermassen den 17. April 2014 – also das Datum 

ein Jahr nach Erlass des vorgenannten Schreibens bzw. der formlosen Verfügung – als 

Stichtag für die Beurteilung einer allfälligen Sorgfaltspflichtverletzung durch den Beklagten 

(vi-Entscheid, S. 11). 

c) Unbestritten ist, dass der Beklagte am 18. Februar 2013 Einsicht in die Akten der 

Suva erhielt. In diesen befanden sich gemäss Einspracheentscheid der Suva vom 

25. Juni 2015 im hier interessierenden Zeitpunkt (April 2014) offenbar der Bericht bzw. 

das Schreiben von Dr. G.___ vom 2. April 2012 (kläg.act. 7) sowie die Arztberichte von 

Dr. H.___ vom 22. März 2012 (kläg.act. 35, S. 9) und Dr. I.___ vom 26. April 2012 

(kläg.act. 35, S. 6). Nicht aktenkundig waren demgegenüber der damals bereits erstellte 

Bericht von Dr. I.___ vom 15. Mai 2012 (kläg.act. 35, S. 5) sowie der erst später entstan-

dene Bericht von Dr. G.___ vom 27. Mai 2015 (kläg.act. 35, S. 4). Der Beklagte übermit-

telte diese mit Schreiben vom 28. Mai 2015 (kläg.act. 35) nochmals bzw. erstmalig an die 

Suva. Dies weist daraufhin, dass der Beklagte im April 2014 von den genannten Berichten 

mit Ausnahme jenes von Dr. G.___ vom 27. Mai 2015, tatsächlich Kenntnis hatte oder 

hätte haben können. Aufgrund des Schreibens des Beklagten an Dr. G.___ vom 25. Ja-

nuar 2013 (kläg.act. 19) ist aktenmässig sodann erstellt, dass der Beklagte die Schilde-

 
 
 
 
 

BO.2022.57-K3 9/17 

  

rung des Klägers kannte, wonach dieser sein Arbeitspensum aus gesundheitlichen Grün-

den reduziert habe. Aus demselben Schreiben ergibt sich indessen auch, dass der Be-

klagte dieser Schilderung skeptisch gegenüberstand (kläg.act. 19: "Herr A.___ ist ein be-

gabter Erzähler und wir werden uns dann vermutlich einmal telefonisch unterhalten müs-

sen, was wie medizinisch zusammenhängt, sobald ich die Akten habe."). Darauf wird an 

anderer Stelle noch näher einzugehen sein (vgl. hernach E.  3).  

d) Der Kläger machte vor Vorinstanz ferner geltend, der Beklagte habe, auch aufgrund 

der Suva-Akten und des dort befindlichen Protokolls des Opening-Gesprächs, von der 

medizinisch bedingten Pensumsreduktion auf 50% und den weiteren relevanten Umstän-

den gewusst. Er machte indessen nicht substantiiert geltend, der Beklagte hätte über sei-

ne tatsächlich getätigten Abklärungen hinaus, also insbesondere über das Studium der 

damals vorliegenden Suva-Akten samt Arztberichten und der unbeantwortet gebliebenen 

Nachfrage beim Hausarzt, weitere Sachverhaltsermittlungen anstellen müssen. Der Klä-

ger legte auch in keiner Weise dar, welche zusätzlichen Abklärungen erforderlich und 

aussichtsreich gewesen wären. Er hielt dem Beklagten damit nicht in substantiierter Wei-

se eine unzureichende Sachverhaltsermittlung vor. Da er dies vor Vorinstanz nicht geltend 

machte, kann dieser Einwand im Berufungsverfahren nun nicht mehr geprüft werden. 

3.a)  Die Vorinstanz erwog sodann, das Einspracheverfahren gegen die Festsetzung des 

Taggelds hätte nur dann gute Erfolgsaussichten gehabt, wenn die Reduktion des Arbeits-

pensums aufgrund von gesundheitlichen Beschwerden medizinisch notwendig gewesen 

sei. Solche echtzeitlichen ärztlichen Bescheinigungen hätten damals aber nicht vorgele-

gen (vi-Entscheid, S. 11 f.). Diese Auffassung, die auch vom Beklagten vertreten wird, 

überzeugt. Bekannt war damals das Schreiben von Hausarzt Dr. G.___ vom 2. April 2012 

(kläg.act. 7), mit welchem der Kläger an einen Facharzt überwiesen wurde. Aus diesem 

ergibt sich zwar, dass der Kläger an Fussbeschwerden litt. Eine Arbeitsunfähigkeit oder 

die medizinische Erforderlichkeit einer Pensumsreduktion ist ihm aber nicht zu entneh-

men. Auch aus den weiteren damals offenbar vorliegenden Arztberichten von Dr. H.___ 

und Dr. I.___ (vgl. hiervor E. III. 2.c) ergibt sich kein abweichendes Ergebnis. Am 26. April 

2012 berichtete Dr. I.___, der Kläger leide an einer Fasciitis plantaris und äusserte den 

Verdacht auf ein Tarsaltunnelsyndrom, die für den Beklagten schmerzhaft sei(en). Eine 

Arbeitsunfähigkeit bescheinigte er dem Beklagten aber nicht und er empfahl auch keine 

Reduktion des Arbeitspensums (kläg.act. 35, S. 6). Am 15. Mai 2012 berichtete er sodann 

von einer geplanten Operation und verwies in diesem Zusammenhang auf "sich allenfalls 

abzeichnende Probleme am Arbeitsplatz". Auch dieser Befund veranlasste ihn indessen 

nicht, eine Arbeitsunfähigkeit auszusprechen oder eine Pensumsreduktion zu empfehlen 

 
 
 
 
 

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(kläg.act. 35, S. 5). Auch Dr. H.___ sprach am 22. März 2012, als er über den radiologi-

schen Untersuch des Fusses berichtete, keine derartigen Empfehlungen aus (kläg.act. 35, 

S. 9). Erst im Bericht von Dr. G.___ vom 27. Mai 2015 wurde davon gesprochen, dass die 

Belastbarkeit des Fusses klar beeinträchtigt gewesen sei und somit "die Reduktion der 

Arbeitsbelastung vernünftig und situationsgerecht war" (kläg.act. 35, S. 4). Dieser Bericht 

entstand aber erst rund ein Jahr nach dem hier interessierenden Zeitpunkt im April 2014, 

weshalb er vom Beklagten damals nicht verwendet werden konnte. Die schriftliche Kon-

taktaufnahme des Beklagten mit Dr. G.___ vom 25. Januar 2013 führte noch nicht zu der-

artigen Einschätzungen (vgl. kläg.act. 19). Daraus ergibt sich, dass im hier interessieren-

den Zeitpunkt keine verwertbaren Arztberichte oder andere Beweismittel vorlagen oder 

hätten beschafft werden können, die eine medizinisch begründete Reduktion des Arbeits-

pensums belegt hätten. Dies findet seine Bestätigung darin, dass auch der Arbeitgeber 

des Beklagten am 16. Juli 2012 gegenüber der Suva telefonisch erklärte, dem Kläger 

könnten im Betrieb keine leichteren Arbeiten zugewiesen werden und er würde ohnehin – 

aufgrund von Vorkommnissen vor seinem Unfall – nicht weiter beschäftigt werden 

(kläg.act. 8, S. 3). Nach Angaben der Suva habe der Arbeitgeber bereits zuvor, nämlich in 

einem nicht bei den Akten dieses Verfahrens liegenden Brief, angegeben, dass die Pen-

sumsreduktion nicht auf einer medizinischen Grundlage oder Empfehlung basiere 

(kläg.act. 34).  

b) Damit konnte der Kläger im vorinstanzlichen Verfahren insgesamt nicht belegen, 

dass er tatsächlich Anspruch auf ein höheres Taggeld gehabt hätte und ihm daher im 

Differenzbetrag zu den tatsächlich ausgerichteten Taggeldern ein finanzieller Schaden 

entstand. 

4.a)  Der Kläger bringt des Weiteren vor, der Beklagte hätte aufgrund der ihm zur Kennt-

nis gebrachten Umstände bei der Suva rechtzeitig eine Neuberechnung des Taggelds 

verlangen müssen. Dies gelte auch dann, wenn er zu diesem Zeitpunkt noch nicht über 

alle dafür erforderlichen ärztlichen Berichte verfügt habe (Berufung, S. 12 und 14 f.). Die-

se hätten von der Suva im Zuge deren Abklärungen von Amtes wegen beschafft werden 

müssen. Da der Beklagte nicht diese Vorgehensweise gewählt habe, habe er sein Mandat 

nicht sorgfältig geführt. Diesbezüglich ist allerdings auf vorstehende Erwägungen zu ver-

weisen, wonach damals keine Arztberichte verfügbar waren, aus denen sich eine echtzeit-

liche ärztliche Empfehlung zur Pensumsreduktion hätte ergeben können. Selbst wenn 

also die Sachverhaltsabklärung durch den Beklagten unzureichend und unsorgfältig und 

die verlangte Neuberechnung des Taggelds verspätet gewesen sein sollten, was nicht 

feststeht, wäre diese für den Eintritt des behaupteten Schadens nicht adäquat-kausal: 

 
 
 
 
 

BO.2022.57-K3 11/17 

  

Auch weitere Abklärungen hätten – im Lichte der nun aktenkundigen Arztberichte – eine 

medizinisch begründete Reduktion des Arbeitspensums nicht belegen können. Der (weite-

re) Einwand des Klägers, durch das Untätigbleiben des Beklagten sei es ihm, dem Kläger, 

verunmöglicht worden, die erforderlichen Beweismittel rechtzeitig zu beschaffen (Beru-

fung, S. 16), vermag ebenfalls nicht zu überzeugen. Zwar hätten in diesem Zeitpunkt tat-

sächlich noch echtzeitliche Arztatteste erlangt werden können. Diese wären inhaltlich aber 

kaum über die späteren (rückwirkenden) Arztberichte hinausgegangen. Diese späteren 

Berichte waren, wie das Versicherungsgericht in seinem Entscheid vom 10. August 2017 

(kläg.act. 46, S. 10) feststellte, recht unbestimmt, weshalb wohl auch zu einem früheren 

Zeitpunkt nicht mit taggelderhöhenden Berichtsinhalten zu rechnen gewesen wäre.  

b) Entgegen der Darstellung des Klägers ist auch in der Situationsanalyse der Suva 

vom 9. August 2012 (kläg.act. 11), in welcher jene von einer aufgrund des Fussleidens 

erfolgten Anpassung des Arbeitspensums sprach, keine "schriftliche Anerkennung der 

krankheitsbedingten Reduktion des Arbeitspensums" zu erkennen. Der Bericht dürfte ein-

zig eine Zusammenstellung des im bisherigen IV-Verfahren Vorgebrachten darstellen. 

Zwar wird in der "Analysis – Situationsanalyse" eine krankheitsbedingte Einschränkung 

erwähnt. Alleine daraus ergibt sich – zumal es sich beim entsprechenden Dokument nach 

seiner Bezeichnung um eine Zusammenfassung des vorgebrachten handeln dürfte und es 

auch nicht vollständig bei den Akten liegt (kläg.act. 11 nicht vollständig) – jedenfalls nicht 

mit der gebotenen Deutlichkeit (Beweismass der vollen Überzeugung), dass eine krank-

heitsbedingte Einschränkung auch wirklich anerkannt war.  Hätte die Suva die medizini-

sche Indikation der Pensumsreduktion damals tatsächlich anerkannt, hätte sie wohl an-

standslos das volle Taggeld zugesprochen (vgl. auch Berufung, S. 17) und der anschlies-

sende Rechtsstreit hätte gar nicht entstehen können.  

c) Schliesslich macht der Kläger geltend, der Beklagte hätte das Verfahren vor Versi-

cherungsgericht kaum eingeleitet, wenn er es als nicht aussichtsreich beurteilt hätte und 

auch habe das Versicherungsgericht dem Kläger die unentgeltliche Rechtspflege gewährt, 

womit es die Angelegenheit ebenfalls als erfolgversprechend beurteilt habe (Berufung, 

S. 17 f.). Ein Rechtsmittel kann in Absprache mit der Mandantschaft allerdings auch bei 

unsicheren Erfolgsaussichten erfolgen. Welche diesbezüglichen Absprachen die Parteien 

trafen, ist aber nicht bekannt und wurde vom Kläger auch nicht substantiiert behauptet 

und die blosse anwaltliche Einschätzung der Erfolgsaussichten ändert von vornherein 

nichts an der tatsächlichen Rechtslage. Sie alleine vermag folglich keine Schadenersatz-

pflicht für nicht zugesprochene Taggelder zu begründen, ist beim Auftrag doch kein be-

stimmter Erfolg, sondern nur ein sorgfältiges Tätigwerden geschuldet. Dass der Beklagte 

 
 
 
 
 

BO.2022.57-K3 12/17 

  

die Prozesschancen wider die Sorgfalt falsch eingeschätzt hätte, hat der Kläger weder 

behauptet noch nachgewiesen. Das Versicherungsgericht hat seinen Entscheid betreffend 

unentgeltlicher Rechtspflege sodann vorab mit der für einen Laien hohen Komplexität des 

Verfahrens begründet, im Übrigen aber nur festgehalten, dass die Sache "nicht geradezu 

als aussichtslos erachtet" werden könne (kläg.act. 46, S. 11). 

d) Damit ist erstellt, dass eine Verbesserung des Taggelds auch dann nicht zu erwar-

ten gewesen wäre, wenn der Beklagte damals alle vorgenannten Beweismittel gekannt 

und rechtzeitig bei der Suva eingereicht oder dort bzw. über den Kläger (vgl. S. 12 Mitte) 

deren Beschaffung beantragt hätte. Die vom Kläger erst im Berufungsverfahren (verspä-

tet) behauptete aber bestrittene und nicht belegt vorgetragene sorgfaltspflichtwidrige 

Sachverhaltsabklärung durch den Beklagten war für den Eintritt des behaupteten Scha-

dens folglich nicht adäquat-kausal. 

5.  Zusammenfassend ergibt sich damit, dass der Kläger nicht belegen konnte, auf-

grund der damals verfügbaren Arztberichte Anspruch auf ein höheres Taggeld gehabt und 

insofern einen Schaden im Rechtssinne erlitten zu haben. Da die Ausrichtung eines höhe-

ren Taggeldes auch bei Vorliegen bzw. Einholen weiterer ärztlicher Berichte nicht über-

wiegend wahrscheinlich gewesen wäre, konnte sich selbst eine (unbelegte und bestritte-

ne) diesbezüglich unzureichende Sachverhaltsabklärung durch den Beklagten nicht adä-

quat-kausal auf einen Schadenseintritt auswirken. Gegenteiliges konnte der Kläger jeden-

falls nicht nachweisen. Der angefochtene Entscheid ist daher zu schützen und die dage-

gen erhobene Berufung abzuweisen. 

6.  Im vorinstanzlichen Verfahren blieb unbestritten, dass der Beklagte die IV-Anmel-

dung des Klägers zu spät veranlasste und diesem deshalb zwei Monatsrenten im Ge-

samtbetrag von Fr. 3'314.00 entgingen (vi-Entscheid, S. 13). Im Berufungsverfahren strit-

tig ist hingegen, ob unter diesen Voraussetzungen die Klage im Dispositiv vollumfänglich 

abgewiesen werden durfte (oder ob von der Anerkennung hätte Vormerk genommen wer-

den müssen) und ob die vom Beklagten geltend gemachte Honorarforderung damit ver-

rechnet werden konnte. 

7.  Wird eine Klage (teilweise) anerkannt, führt dies gemäss Art. 241 ZPO zur gerichtli-

chen Abschreibung des Verfahrens(teils). Da die Verfahrensabschreibung gesetzlich 

zwingend ist, kommt dem eigentlichen Abschreibungsentscheid blosse deklaratorische 

Bedeutung zu. Er hat auch keine Entscheidqualität i.S.v. Art. 236 ff. ZPO, weshalb er nicht 

rechtsmittelfähig ist (BSK ZPO-GSCHWEND/STECK, 3. Aufl., Art. 241 N 16 und 20 m.w.H.). 

Die von der Vorinstanz diesbezüglich gewählte Formulierung des Dispositivs bleibt daher 

 
 
 
 
 

BO.2022.57-K3 13/17 

  

– mit Ausnahme für die Verteilung der Prozesskosten – ohne praktische Relevanz und 

bedarf folglich keiner weiteren Prüfung. Hinsichtlich der Kostenverteilung bleibt allerdings 

anzumerken, dass ein nur geringfügiges Unterliegen im Umfang von einigen Prozenten in 

der Regel ohnehin nicht berücksichtigt wird (vgl. JENNY, ZPO Komm., Art. 106 N 10; BSK 

ZPO-RÜEGG/RÜEGG, Art. 106 N 3).  

8.a) Die Verrechnung aufgrund einseitiger Erklärung als materiell-rechtliches Institut ist 

primär in Art. 120 ff. OR geregelt. Stehen sich zwei gleichartige Forderungen zwischen 

denselben Parteien gegenüber, ist durch die Verrechnungserklärung die Tilgung der bei-

den Forderungen im Umfang, in dem sie sich decken, möglich. Die Verrechnung stellt ein 

einseitiges, empfangsbedürftiges, aufhebendes Gestaltungsrecht dar. Die Verrechnungs-

erklärung kann grundsätzlich jederzeit erfolgen. Folglich kann auch in einem rechtshängi-

gen Zivilprozess unter der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO) Verrechnung er-

klärt werden. Zu unterscheiden ist die Verrechnung im Vorfeld oder ausserhalb eines Pro-

zesses (Zivilverrechnung) von der erstmals während eines hängigen Zivilprozesses er-

klärten Verrechnung (Prozessverrechnung). Üblicherweise wird im hängigen Zivilprozess 

die Verrechnungserklärung von der Beklagten gegenüber der klägerischen Hauptforde-

rung geltend gemacht. Die Verrechnung im Prozess stellt damit ein materiell-rechtliches 

Verteidigungsmittel dar. Sie ist insofern ein Doppeltatbestand, als sie einerseits eine pro-

zessrechtliche Funktion hat und andererseits die materiell-rechtlichen Verrechnungswir-

kungen auslöst. Die Verrechnungserklärung im Zivilprozess führt nicht zur Rechtshängig-

keit der Verrechnungsforderung, sie wird indessen im Umfang ihrer gerichtlichen Beurtei-

lung – nicht aber einem allfälligen Mehrbetrag – rechtskräftig erledigt (STANISCHEWSKI, Die 

Verrechnung im Zivilprozess unter der Schweizerischen ZPO, ZZZ 55/2021, S. 647 ff., 

647-649). Für die verrechnungsweise geltend gemachte Forderung ist folglich gemäss 

Art. 8 ZGB der Beklagte beweisbelastet, für geleistete Zahlungen hingegen der Kläger. 

b) Der Beklagte stellt der von ihm anerkannten Schadenersatzforderung von 

Fr. 3'314.00 (nebst Zins) seine noch offenen Honorarforderungen im Gesamtbetrag von 

5'675.55 (nebst Zins) zur Verrechnung gegenüber (Klageantwort, S. 9 f.; bekl.act. 4). Der 

Kläger bemängelte die Honorarrechnungen des Beklagten bereits in seiner Klage (Klage, 

S. 9 ff.) und bestritt die Verrechnungsforderung ausdrücklich in seiner vorinstanzlichen 

Replik (vi-act. 19, S. 6). Das Honorar sei nicht nachvollziehbar und bereits ein weiterer mit 

dem Mandat befasster Anwalt sowie die den Unfall regulierende Basler Versicherung hät-

ten diese konkret beanstandet. Dabei wurde insbesondere geltend gemacht, der Beklagte 

sei bereits durch die Basler Versicherung entschädigt worden, in der Honorarnote würden 

mehrere den Kläger betreffende Mandate vermengt, die Verrechnung von Leistungen 

 
 
 
 
 

BO.2022.57-K3 14/17 

  

erfolge trotz bewilligter unentgeltlicher Rechtspflege und die Aufwände seien teils durch 

eine – aus Sicht der Basler Versicherung – verspätete und damit sorgfaltspflichtwidrige 

Mandatsführung verursacht worden. Die verrechneten Aufwände seien zudem überhöht 

und die Stundensätze nicht einheitlich (kläg.act. 42-44).  

c) Da sich die vom Beklagten geltend gemachte Honorarforderung aufgrund der ge-

leisteten Stunden berechnet und dies durch den Kläger nicht bestritten bzw. bemängelt 

wurde, ist vom Bestehen einer dahingehenden Honorarvereinbarung auszugehen (Art. 2 

Abs. 3 HonO). Die Parteien wichen damit von der in der kantonalen Honorarordnung 

standardmässig vorgesehenen Entschädigung in Form einer streitwertabhängigen Pau-

schale ab (Art. 13 ff. und Art. 23 Abs.1 lit. a HonO). Die gesamte Honorarforderung – vor 

Abzug der Kostenvorschüsse – beläuft sich auf Fr. 18'373.75 und umfasst 74.50 Stunden. 

Der verrechnete Stundensatz liegt damit bei (knapp) Fr. 250.00, was Art. 24 Abs. 1 HonO 

entspricht. Da dem Beklagten gemäss den vorstehenden Erwägungen keine Sorgfalts-

pflichtverletzung nachgewiesen werden konnte, fällt eine Reduktion des Honorars aus 

diesem Grund ausser Betracht. Für die Anwaltsentschädigung im Verfahren vor Versiche-

rungsgericht wurde die unentgeltliche Rechtspflege gewährt und der Beklagte auf diese 

Weise entschädigt. Gemäss Art. 11bis HonO darf der Rechtsanwalt von seiner Mandant-

schaft keine zusätzlichen Entschädigungen für Tätigkeiten fordern, die von der unentgelt-

lichen Rechtspflege erfasst waren. Der Kläger behauptet vorliegend zwar, der Beklagte 

habe genau dies getan, legt aber nicht konkret dar, welche Positionen abgerechnet wor-

den sein sollen, obwohl sie bereits durch die unentgeltliche Rechtspflege entschädigt 

wurden. Für das klägerische Vorbringen, der Beklagte sei bereits durch die Basler Versi-

cherung entschädigt worden und die Forderung daher nicht mehr geschuldet, ist (eben-

falls) der Kläger beweisbelastet. Er vermag dies aber nicht konkret aufzuzeigen und zu 

belegen, weshalb er damit nicht zu hören ist. Der Kläger macht zudem geltend, in der 

Honorarnote würden mehrere ihn betreffende Mandate vermengt. Da es sich dabei aber 

gleichwohl um Forderungen des Beklagten gegen den Kläger handelt, können auch diese 

– soweit sie geschuldet sind – in diesem Verfahren zur Verrechnung gestellt werden. Un-

einheitliche Stundensätze vermögen die Honorarforderung ebenfalls nicht in Zweifel zu 

ziehen. Diese können ohne weiteres durch die Mandatsbearbeitung durch verschiedene 

Personen (z.B. durch fallführenden Anwalt, Sekretariat, Praktikanten) entstehen. Auch 

daraus ergeben sich noch keine Zweifel an der Honorarforderung.  

d) Der Kläger hat es damit insgesamt unterlassen, die vom Beklagten behaupteten 

Leistungen konkret zu beanstanden und beispielsweise aufzuzeigen, welche der abge-

rechneten Leistungen im Zusammenhang mit dem im Rahmen der unentgeltlichen 

 
 
 
 
 

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Rechtspflege geführten Verfahren vor Versicherungsgericht gestanden haben oder wel-

che Leistungen überhöht, unnötig oder sonst unrichtig abgerechnet worden sein sollen. Er 

vermag damit die zur Verrechnung gestellte Honorarforderung nicht in Frage zu stellen. 

Daran vermag auch ein Vergleichsangebot (vgl. kläg.act. 45) nichts zu ändern. Der Be-

klagte seinerseits behauptet seine Honorarforderung durch den detaillierten Stundenauf-

schrieb hinreichend. Damit ist der vorinstanzliche Entscheid, wonach die anerkannte 

Schadenersatzforderung wegen verspäteter IV-Anmeldung im Betrag von Fr. 3'482.00 

(Forderung von Fr. 3'314.00 nebst Verzugszins vom 1. Juni 2015 bis 6. Juli 2016 von 

Fr. 168.00) durch Verrechnung mit der Honorarforderung des Beklagten (Honorarnote 

vom 14. November 2016, Rg. Nr. 12066/R191987, im Restbetrag von Fr. 5'676.55; 

bekl.act. 4) im Umfang von Fr. 3'482.00 gerichtlich beurteilt und getilgt wurde, korrekt. Die 

Berufung ist daher auch diesbezüglich abzuweisen. 

9.  Insgesamt wies die Vorinstanz daher die Schadenersatzforderung von 

Fr. 128'181.60 nebst Zins zu Recht ab und anerkannte die Verrechnung der durch den 

Beklagten anerkannten Schadenersatzforderung von Fr. 3'314.00 nebst Zins ebenfalls zu 

Recht. Die klägerische Rüge, das vorinstanzliche Entscheiddispositiv, das die Verrech-

nung nicht erwähnt, sei unpräzis, mag zwar allenfalls zutreffen, bleibt aber ohne prakti-

sche Relevanz, weshalb sich ein Eingreifen der Berufungsinstanz erübrigt. Die Berufung 

ist damit vollumfänglich abzuweisen. 

 

IV. 

 

1.  Bei diesem Verfahrensausgang bleibt die Regelung der Entschädigungsfolgen im 

angefochtenen Entscheid unverändert. Daran ändert auch die Anerkennung eines Scha-

denersatzanspruchs durch den Beklagten im Betrag von Fr. 3'314.00 nichts, da ein bloss 

geringfügiges Unterliegen im Umfang von einigen Prozenten – wie bereits dargelegt – in 

der Regel nicht berücksichtigt wird.  

2.  Die Prozesskosten des Berufungsverfahrens hat ausgangsgemäss der Beklagte zu 

tragen (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Die Gerichtskosten für das Berufungsverfahren werden bei 

einem Streitwert von Fr. 128'181.60 in Anwendung von Art. 10 Ziff. 221 i.V.m. 11 Abs. 1 

lit. b GKV auf Fr. 18'000.00 festgesetzt und mit dem vom Beklagten in gleicher Höhe ge-

leisteten Kostenvorschuss verrechnet (Art. 111 Abs. 1 ZPO).  

3.  Der Kläger hat den Beklagten sodann für dessen Parteikosten zu entschädigen 

(Art. 95 ZPO). Der Rechtsvertreter des Beklagten hat keine Kostennote eingereicht. An-

 
 
 
 
 

BO.2022.57-K3 16/17 

  

gemessen ist eine Entschädigung von Fr. 5'600.00 (Streitwert: Fr. 128'181.60, mittleres 

Honorar: Fr. 13'430.00 [Art. 14 lit. d HonO], davon 40% = Fr. 5'372.00 [Art. 26 lit. a HonO], 

zuzüglich 4% pauschal für Barauslagen von Fr. 214.90 [Art. 28bis Abs. 1 HonO], gerun-

det). Ein Mehrwertsteuerzuschlag wurde vom Beklagten zwar beantragt, aber – entgegen 

Art. 29 HonO – nicht näher begründet. Da davon auszugehen ist, dass der Beklagte sel-

ber mehrwertsteuerpflichtig ist und daher den Vorsteuerabzug geltend machen kann, ist 

der Anspruch auf einen Mehrwertsteuerzuschlag auch nicht ersichtlich. 

 

  

 
 
 
 
 

BO.2022.57-K3 17/17 

  

 
Entscheid 

 

1. Die Berufung wird abgewiesen. 
 
2. A.___ hat die Gerichtskosten des Berufungsverfahrens von Fr. 18'000.00 zu bezah-

len, unter Verrechnung des von ihm geleisteten Kostenvorschusses in gleicher Höhe. 
 
3. A.___ hat C.___ für dessen Parteikosten im Berufungsverfahren mit Fr. 5'600.00 zu 

entschädigen. 
 

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Kantonsgericht, 21.02.2024
	Art. 398 Abs. 2 i.V.m. 97 OR: Der Rechtsanwalt haftet seinem Auftraggeber für getreue und sorgfältige Ausführung des ihm übertragenen Geschäfts. Dem beklagten Rechtsanwalt wurde eine unsorgfältige Sachverhaltsabklärung und ein verspätetes Tätigwerden betreffend Taggeldansprüche gegenüber der Suva vorgehalten. Der Kläger konnte indessen nicht belegen, dass er aufgrund der damals verfügbaren Arztberichte Anspruch auf ein höheres Taggeld gehabt und insofern einen Schaden im Rechtssinne erlitten hat. Da die Ausrichtung eines höheren Taggeldes auch bei Vorliegen bzw. Einholen weiterer ärztlicher Berichte nicht überwiegend wahrscheinlich gewesen wäre, konnte sich zudem selbst eine (unbelegte und bestrittene) unzureichende Sachverhaltsabklärung durch den Beklagten nicht adäquat-kausal auf einen Schadenseintritt auswirken (E.III.1 ff.). Einen vom Beklagten anerkannten anderen Schaden konnte jener mit seinen offenen Honorarforderungen verrechnen (E.III.6 ff.).

		2024-05-26T20:08:09+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen