# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9e6f8a4a-4123-5d64-bad3-bb9c59103d80
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-10-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.10.2010 D-3078/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3078-2007_2010-10-28.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-3078/2007
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 8 .  O k t o b e r  2 0 1 0

Richter Robert Galliker (Vorsitz), 
Richter Kurt Gysi, Richter Fulvio Haefeli, 
Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler.

A._______, geboren (...),
Russland,
vertreten durch lic. iur. Christian Wyss, Fürsprecher, (...),
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), vormals Bundesamt 
für Flüchtlinge (BFF),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
29. März 2007 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-3078/2007

Sachverhalt:

A.
Die Beschwerdeführerin verliess ihren Heimatstaat eigenen Angaben 
zufolge  am  (...)  und  gelangte  über  ihr  unbekannte  Länder  am 
24. Februar 2003 in die Schweiz, wo sie gleichentags ein Asylgesuch 
einreichte.

Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte die Beschwerdeführerin im 
Wesentlichen  geltend,  sie  sei  ethnische  Tschetschenin  islamischen 
Glaubens und habe bis im September (...) als Assistentin am Lehrstuhl 
für  (...)  an  der  tschetschenischen  staatlichen  Universität  in  Grosny 
gearbeitet. Ihr (...) sei im ersten Tschetschenienkrieg im Februar 1995 
umgekommen. Insbesondere sei  aber  ihr  (...),  welcher  seit  dem Tod 
seiner  Eltern  in  ihrem  Elternhaus  gewohnt  habe,  im  Februar  (...) 
verschwunden  und  im  März  (...)  ermordet  aufgefunden  worden.  Er 
habe  unter  Maschadow  zunächst  bei  der  tschetschenischen  und 
später  bei  der  russischen  OMON  (Otrjad  Milizii  Osobogo 
Nasnatschenija; Spezialeinheit der Polizei) gearbeitet. Im Sommer (...) 
habe  eine  Hausdurchsuchung  ihres  Elternhauses  stattgefunden. Am 
(...) sei sie vom russischen Militär festgenommen worden. Sie sei unter  
anderem nach Informationen über ihren (...) gefragt und während der 
Inhaftierung beschimpft und geschlagen worden. Am folgenden Tag sei 
es  einem  entfernten  Verwandten  gelungen,  sie  aus  der  Haft 
freizukaufen. Zu Beginn des Jahres (...) hätten die russischen Militärs 
im Zusammenhang mit  dem bevorstehenden Referendum begonnen, 
Personen festzunehmen. Freunde ihres verstorbenen (...), welche bei 
der  OMON  arbeiteten,  hätten  ihr  mitgeteilt,  dass  auch  sie  wieder 
festgenommen werden könne und sie ihr in einem solchen Fall nicht  
mehr helfen könnten. Aus Angst vor weiteren Verfolgungsmassnahmen 
habe sie Grosny am (...) in Richtung Schweiz verlassen.

B.
Das  Bundesamt  liess  am  5. Mai  2003  durch  einen  Experten  eine 
Herkunftsanalyse  (LINGUA)  in  Bezug  auf  die  Beschwerdeführerin 
durchführen.  Der  Experte  gelangte  aufgrund  der  landeskundlich-
kulturellen  und  einer  linguistischen  Analyse  zum  Schluss,  die 
Hauptsozialisation  der  Beschwerdeführerin  habe  eindeutig  in 
Tschetschenien stattgefunden.

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C.
Mit  Verfügung  vom 16. September  2004  lehnte  das  Bundesamt  das 
Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab, ordnete ihre Wegweisung aus 
der  Schweiz  an,  schob  jedoch  den  Wegweisungsvollzug  zufolge 
Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf.

Die Beschwerdeführerin liess gegen diese Verfügung bei der damals 
zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  Be-
schwerde erheben, mit welcher sie unter anderem beantragte, es sei 
ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihr Asyl zu gewähren. In 
ihrer  Beschwerde  liess  sie  insbesondere  neu  vorbringen,  sie  sei  in 
Grosny für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) tätig 
gewesen.

D.
Mit Urteil  vom 10. Juli  2006 hiess die ARK die Beschwerde gut, hob 
die angefochtene Verfügung auf und wies die Sache zur vollständigen 
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung 
an die Vorinstanz zurück.

E.
Das BFM führte  in  der  Folge  am 20. September  2006  eine  weitere 
Anhörung der Beschwerdeführerin durch.

F.
Mit  Verfügung  vom  29. März  2007  –  eröffnet  am  30. März  2007  – 
stellte das Bundesamt (erneut) fest, die Beschwerdeführerin erfülle die 
Flüchtlingseigenschaft nicht, wies das Asylgesuch ab und ordnete die 
Wegweisung aus der Schweiz an. Der Vollzug der Wegweisung wurde 
wegen  Unzumutbarkeit  zugunsten  einer  vorläufigen  Aufnahme 
aufgeschoben.

G.
Mit Eingabe vom 30. April  2007 (Poststempel) liess die Beschwerde-
führerin  durch  ihren  Rechtsvertreter  beim  Bundesverwaltungsgericht 
Beschwerde  gegen  die  Verfügung  vom 29. März  2007  erheben. Sie 
beantragte, die Dispositiv-Ziffern 1 bis 3 der angefochtenen Verfügung 
seien aufzuheben und es sei ihr das nachgesuchte Asylrecht zu ge-
währen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchte  die  Beschwerde-
führerin um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (unentgelt-
liche Prozessführung und unentgeltliche Rechtsvertretung).

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Am  3. Mai  2007  ging  eine  Bestätigung  über  die  finanzielle 
Unterstützung  der  Beschwerdeführerin  durch  die  zuständige 
Gemeinde beim Bundesverwaltungsgericht ein.

Auf  die  Begründung  der  Beschwerdebegehren  wird,  soweit 
entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

H.
Mit  Zwischenverfügung  vom  14. Mai  2007  teilte  der  zuständige 
Instruktionsrichter  der  Beschwerdeführerin  unter  anderem  mit,  über 
das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im 
Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 
1968 über  das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  werde zu 
einem späteren  Zeitpunkt  befunden. Gleichzeitig  wurde das Gesuch 
um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  im  Sinne 
von  Art. 65  Abs. 2  VwVG  abgewiesen  und  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses verzichtet.

I.
Das  Bundesamt  beantragte  in  seiner  Vernehmlassung  vom  31. Mai 
2007 die Abweisung der Beschwerde. 

J.
Mit  Zwischenverfügung  vom  5. Juni  2007  räumte  der  Instruktions-
richter  der  Beschwerdeführerin  Gelegenheit  zur  Stellungnahme  zur 
vorinstanzlichen  Vernehmlassung  ein.  Mit  Replik  vom 20. Juni  2007 
hielt die Beschwerdeführerin an ihren Beschwerdeanträgen fest.

K.
Mit  Schreiben vom 12. Februar  2009 ersuchte der Instruktionsrichter 
die  Beschwerdeführerin  um  Mitteilung,  ob  sie  angesichts  der  ihr 
erteilten Aufenthaltsbewilligung B an der Beschwerde festhalten wolle. 
Gleichzeitig  wurde  sie  darauf  hingewiesen,  dass  die  angeordnete 
Wegweisung aufgrund der Aufenthaltsbewilligung als dahingefallen zu 
betrachten sei,  weil  sie  gegenüber  dem neu erteilten  Aufenthaltstitel 
keinen Bestand habe.

Die Beschwerdeführerin liess durch ihren Rechtsvertreter mit Eingabe 
vom  24. Februar  2009  mitteilen,  sie  halte  an  der  Beschwerde  im 
Asylpunkt fest.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungs-
gericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM 
gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG und  ist  daher  eine  Vor-
instanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet 
betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das 
Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der 
vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls 
endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG, 
SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2  Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 6 AsylG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
Beschwerdeführerin ist durch die angefochtene Verfügung besonders 
berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung;  sie  ist  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG,  Art. 48 
Abs. 1  sowie  Art. 50  und  52  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist 
einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  
3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person 
anerkannt,  wenn sie in ihrem Heimatstaat  oder im Land, in  dem sie 
zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität, 
Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder 
begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 
ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib, 
Leben  oder  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen 

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psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist 
Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in 
sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder 
massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt 
werden (Art. 7 AsylG).

4.  
4.1 Zur Begründung seiner Verfügung weist das Bundesamt zunächst 
darauf hin, dass die geltend gemachten schwierigen Lebensumstände 
in Tschetschenien wie beispielsweise die häufigen Personenkontrollen 
Ausfluss  der  allgemeinen  Lage  seien  und  als  allgemeine,  alle  dort 
lebenden  Personen  gleichermassen  treffende  Nachteile  keine 
Asylrelevanz  erlangten.  Zudem  könne  nach  den  Erkenntnissen  des 
Bundesamtes  nicht  von  einer  asylrelevanten  Gefährdung  aller 
Angehörigen  der  tschetschenischen  Ethnie  in  (ganz)  Russland 
gesprochen werden.

4.1.1 Hinsichtlich  der  konkreten  Asylvorbringen  der  Beschwerde-
führerin, sie sei im Oktober 2002 festgehalten und geschlagen worden, 
führt  das  BFM  aus,  es  müsse  mit  Nachdruck  darauf  hingewiesen 
werden,  dass  die  Beschwerdeführerin  kaum  nach  kurzer  Zeit  hätte 
freigekauft werden können, hätten die zuständigen Behörden in der Tat 
Informationen gehabt,  dass sie mit  ihrem – politisch vorbelasteten – 
(...) zusammengearbeitet habe. Im Zusammenhang mit den Aktivi täten 
dieses  (...)  habe  sie  anlässlich  der  ergänzenden  Bundesanhörung 
bloss  ausgesagt,  sie  habe  im  Jahre  (...)  in  seinem  Auftrag  einige 
Personen warnen müssen. Bestärkt werde diese Argumentation durch 
den Umstand,  dass  die  Beschwerdeführerin  zwischen  (...)  und ihrer 
Ausreise im Februar 2003 in dieser Angelegenheit nicht mehr von den 
russischen  Behörden  belangt  worden  sei.  Anzumerken  sei  im 
Weiteren,  dass  die  aktuelle  tschetschenische  Verwaltung  zahlreiche 
Personen aufgenommen habe, die früher gegen Russland Widerstand 
geleistet  hätten.  Ebenso  hätten  sich  ehemalige  Kämpfer  Kadyrov 
angeschlossen.  Hinzu  komme,  dass  die  Wahrscheinlichkeit,  Opfer 
einer Reflexverfolgung zu werden, vor allem dann gegeben sei, wenn 

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nach  einem  flüchtigen  Familienmitglied  gefahndet  werde  und  die 
Behörden  Anlass  für  die  Vermutung  hätten,  es  bestehe  ein  enger 
Kontakt zum Gesuchten. Mit dem Tod, respektive der Eliminierung des 
(...)  dürfte  ein  allfälliges  Verfolgungsinteresse  an  der 
Beschwerdeführerin  weggefallen  sein,  was  aber  nicht  ausschliesse, 
dass  es  noch  zu  einem  Verhör  gekommen  sei.  Anhaltspunkte  für 
weiterreichende  Verfolgungsmassnahmen  gebe  es  jedoch  nicht.  Aus 
den genannten Gründen kommt die Vorinstanz zum Schluss, dass für 
die Beschwerdeführerin keine individuelle  Gefährdungssituation asyl-
relevanten Ausmasses, welche sich auf  das gesamte Territorium der 
Russischen  Föderation  beziehe,  herleiten  lasse.  Vielmehr  müssten 
ihre  Probleme  vor  dem  Hintergrund  der  im  Kriegsgebiet  von 
Tschetschenien  häufig  vorkommenden  Personenkontrollen  durch  die 
Sicherheitskräfte betrachtet werden. Daran ändere auch der Umstand 
nichts, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der dargelegten Vorfälle 
psychisch  belastet  gewesen  sei,  weshalb  sie  die  Hilfe  einer  Fach-
person habe beanspruchen und Medikamente einnehmen müssen.

4.1.2 In  Bezug auf  die  Tätigkeit  der  Beschwerdeführerin  als  (...)  für 
das  IKRK in  Grosny  führt  das  BFM aus,  die  ergänzende  Anhörung 
vom  20. September  2006  habe  keine  neuen  Tatsachen  und 
Erkenntnisse  zu  Tage gefördert,  die  auf  eine  asylrechtlich  relevante 
Verfolgungsgefahr  schliessen liessen. Den  Akten  sei  zu  entnehmen, 
dass  die  Beschwerdeführerin  vorab  Nachrichten  aus  den  lokalen 
Massenmedien  zur  Weiterleitung  nach  Naltschik  aufbereitet  habe. 
Bekanntlich  arbeite  das  IKRK legal,  auch  wenn seine  Aktivitäten  in 
Tschetschenien mit gewissen Einschränkungen verbunden seien. Die 
Beschwerdeführerin  habe  somit  keinerlei  illegale  Aktivitäten  aus-
geführt.  Es  habe  sich  auch  nicht  um  vertrauliche   Informationen 
gehandelt,  sondern  um  Informationen  allgemeiner  Art,  wie  sie  in 
ähnlicher Form auch den öffentlich zugänglichen Medien hätten ent-
nommen  werden  können.  Es  sei  davon  auszugehen,  dass  die 
Beschwerdeführerin  aufgrund  ihrer  Funktion  keinen  Zugang  zu 
geheimen Informationen gehabt haben könne. Ähnliches gelte für die 
angeblich beschlagnahmten Tonbänder. Dabei  habe es sich um Auf-
nahmen der  lokalen  tschetschenischen Nachrichten  gehandelt,  wes-
halb  nicht  einsehbar  sei,  weshalb  die  Beschlagnahme  dieser  Ton-
bänder die Beschwerdeführerin hätte kompromittieren sollen. In diesen 
Zusammenhang müsse auch das Verhör gestellt werden, das der FSB 
(Federalnaja  Sluschba  Besopasnosti  Rossijskoj  Federazii;  Inland-
geheimdienst  der  Russischen  Föderation)  im  (...)  mit  der 

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Beschwerdeführerin  an  ihrem  Arbeitsplatz  durchgeführt  habe.  Die 
Beschlagnahme  der  Tonbänder  sei  überdies  zu  bezweifeln,  da  die 
Beschwerdeführerin  diese  erst  anlässlich  der  ergänzenden  Bundes-
anhörung  vorgebracht  habe.  Aus  diesem  Grund  sei  auch  die 
Befürchtung der Beschwerdeführerin, die Nachforschungen der ROWD 
(Bezirksabteilung  für  innere  Angelegenheiten)  stünden  im 
Zusammenhang mit  den  Tonbandkassetten,  in  keiner  Art  und Weise 
nachvollziehbar,  zumal  zwischen  dem  Fund  der  Kassetten  und  der 
Vorladung mehr als drei Jahre verstrichen seien. Schliesslich sei hin-
sichtlich  der  in  der  Wohnung  der  Beschwerdeführerin  gefundenen 
arabischen Literatur festzuhalten, dass sie diesen Sachverhalt anläss-
lich  des erstinstanzlichen Verfahrens an keiner  Stelle  erwähnt  habe, 
weshalb dieses Vorbringen zu bezweifeln sei. Abgesehen davon könne 
die  Beschwerdeführerin  daraus  keine  individuelle  Gefährdungs-
situation asylrelevanten Ausmasses herleiten, zumal sie anscheinend 
im  Anschluss  an  den  Fund  in  diesem  Zusammenhang  keinerlei 
Probleme gehabt habe. Auch die erst  auf  Beschwerdeebene geltend 
gemachten  Vorbringen  liessen  es  folglich  nicht  zu,  eine  individuelle 
Gefährdungssituation herzuleiten, die sich auf das gesamte Territorium 
der  Russischen  Föderation  beziehe;  hinreichende  Anhaltspunkte  für 
eine konkrete Verfolgung fehlten.

4.1.3 Schliesslich  führt  die  Vorinstanz  an,  die  von  der 
Beschwerdeführerin  eingereichten  Beweismittel  (Arbeitsbestätigung, 
IKRK-Schreiben,  Arztzeugnis)  vermöchten nichts zu ändern,  stützten 
sie doch lediglich Vorbringen, welche nicht  in  Frage gestellt  würden. 
Der eingereichten Vorladung und dem Brief der Mutter könne keinerlei 
Beweiswert zukommen, zumal bekannt sei, dass derartige Dokumente 
(Vorladung) leicht  käuflich erwerbbar seien und persönlichen Briefen 
von Drittpersonen generell wenig Beweiswert zukomme.

4.2  
4.2.1 Die  Beschwerdeführerin  bemängelt  auf  Beschwerdeebene  zu-
nächst,  dass  die  Vorinstanz  sie  zwar  erneut  befragt,  jedoch  keine 
weiteren  Abklärungen  vorgenommen  habe.  So  sei  nicht  einmal  ein 
Kontakt  mit  dem IKRK zur Abklärung der Situation des Personals in 
Grosny,  etwa  über  den  verschwundenen  Mitarbeiter  U.S.A., 
aktenkundig  geworden.  Trotz  der  eingereichten  Beweismittel  (Vor-
ladung,  Schreiben  der  Mutter)  und  obwohl  die  Beschwerdeführerin 
darauf hingewiesen habe, dass dem FSB auch Tonbänder mit den von 
ihr gesammelten Nachrichten aus Grosny in die Hände gefallen seien, 

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habe die Vorinstanz das damit verbundene Gefährdungspotenzial nicht 
abgeklärt.  Der  Hinweis  des  BFM,  dass  die  Tonbänder  aktuelle 
Nachrichten aus Grosny festhielten und deshalb keinen gefährlichen 
Inhalt  enthalten  könnten,  sei  naiv. Damit  übergehe es  die  Tatsache, 
dass in  Russland wiederholt  Journalisten umgebracht  worden seien, 
weil  sie  nichts  anderes  gemacht  hätten,  als  in  Grosny  allgemein 
bekannte  Informationen  zusammenzustellen  und  bekanntzugeben. 
Das  verdichtete  Sammeln  von  Nachrichten  sei  in  Grosny  für  die 
Machthaber  äusserst  kompromittierend.  Wer  Wahrheiten  über  die 
sogenannte  "Bekämpfung  des  Terrorismus"  in  Grosny  sammle  und 
weiterleite, sei dem Regime gefährlich. Aus diesen Gründen hätte das 
Bundesamt  beim IKRK in  Naltschik  recherchieren  müssen,  was  die 
Beschlagnahmung der Nachrichtentonbänder der Beschwerdeführerin 
für  Konsequenzen  seitens  des  FSB  befürchten  lasse.  Indem  die 
Vorinstanz ausser  der  Befragung der  Beschwerdeführerin  nichts  zur 
Vertiefung  der  Wahrheitsfindung  vorgekehrt  habe,  habe  sie  das 
Offizialprinzip erneut verletzt.

4.2.2 Weiter  kritisiert  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  setze  sich 
überhaupt nicht mit ihrer offenkundigen, der Flucht vorausgegangenen 
Traumatisierung auseinander. Es äussere sich nicht zum Arztzeugnis, 
welches einen tiefen psychologischen Schock und eine entsprechende 
Nachbehandlung  bestätige.  Ohne  ernsthafte  Gefährdung  be-
ziehungsweise  Angst  vor  erneuter  Festnahme,  Folter  und  Ver-
schleppung  hätte  die  Beschwerdeführerin  ihre  interessante  und  ge-
messen am Lohnniveau in Grosny gut bezahlte Arbeit beim IKRK nicht  
aufgegeben.  Die  Vorinstanz  habe  es  schliesslich  auch  unterlassen, 
sich  zur  eingereichten  Vorladung  zu  äussern.  Auch  hier  wäre  nach 
Auffassung  der  Beschwerdeführerin  eine  Überprüfung  angezeigt  ge-
wesen, bevor die Vorladung in Zweifel gezogen worden sei.

4.2.3 Im  Weiteren  macht  die  Beschwerdeführerin  geltend,  sie  sei 
offensichtlich  gezielt  wegen  ihres  getöteten  (...)  und  dessen 
Doppelrolle  festgenommen  und  gefoltert  worden,  wovon  sie  heute 
noch traumatisiert sei. Die Vorinstanz bagatellisiere dieses Schlüssel-
erlebnis  völlig.  Es  hätten  massive  Eingriffe  stattgefunden,  die  Be-
schwerdeführerin  sei  bewusstlos  geschlagen  worden.  Die  Sicher-
heitskräfte hätten versucht, von ihr gewaltsam, unter Folter, Aussagen 
zu  erpressen.  Trotz  Freikauf  habe  eine  Traumatisierung  resultiert, 
welche  die  Hilfe  eines  Psychiaters  und  relativ  starke  Medikamente 
nötig gemacht habe. Erlebte Folter dieser Art stelle einen ernsthaften 

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Nachteil im Sinne von Art. 3 AsylG dar. Die Spekulation der Vorinstanz 
über die Wiederholungswahrscheinlichkeit  wirke zynisch und sie ver-
kenne,  dass  bei  einer  zweiten  Verhaftung  ein  Freikaufen  praktisch 
unmöglich sei.

5.
In seiner Vernehmlassung vom 31. Mai 2007 legt das Bundesamt dar, 
ausser der Durchführung einer ergänzenden Anhörung habe kein An-
lass  bestanden,  weitere  Abklärungen  vorzunehmen,  nachdem  auch 
die neuen Vorbringen der Beschwerdeführerin keine individuelle  Ge-
fährdungssituation  begründeten.  Eine  Unterlassung  von  Unter-
suchungsmassnahmen liege nicht vor, der Sachverhalt sei vollständig 
festgestellt. In Bezug auf  die Tonbänder fügte die Vorinstanz an,  die 
Beschwerdeführerin habe nicht plausibel erklären können, weshalb sie 
diesen  Sachverhalt  nicht  bereits  anlässlich  des  ersten  Beschwerde-
verfahrens, als sie ihre Tätigkeit beim IKRK dargelegt habe, angeführt  
habe.  Im  Übrigen  ergebe  sich  auch  daraus  keine  individuelle  Ge-
fährdungssituation  asylrelevanten  Ausmasses.  Abschliessend  weist 
das BFM darauf hin, im angefochtenen Entscheid werde vor allem vom 
Fehlen von hinreichenden Anhaltspunkten für eine konkrete Verfolgung 
ausgegangen,  von  einer  undifferenzierten  Bestreitung  der  Glaub-
würdigkeit der Beschwerdeführerin könne folglich keine Rede sein.

6.
In  ihrer  Replik  macht  die  Beschwerdeführerin  geltend,  sie  sei  von 
maskierten  Leuten  festgenommen  und  gefoltert  worden. Ein  Schlag 
auf  den  Kopf,  welcher  zur  Bewusstlosigkeit  geführt  habe,  sei  ein 
gezielter  und  intensiver  Angriff  auf  die  Gesundheit.  Dieses  Erlebnis 
rechtfertige bereits die Flucht und die Flüchtlingsqualität. Weiter habe 
sie  durch  die  Mitteilung,  eine  zweite  Verhaftung  stehe  bevor, 
begründeten Anlass zur Furcht  gehabt,  zumal  ein Freikauf  bei  einer 
zweiten  Festnahme  praktisch  unmöglich  sei.  In  der  Folge  lässt  die 
Beschwerdeführerin  nochmals  darlegen,  weshalb  sie  ihre  Tätigkeit 
beim  IKRK  sowie  das  Auffinden  der  Tonbandaufnahmen  zunächst 
verschwiegen habe. Sie gibt zudem zu bedenken, dass das Auffinden 
der  Tonbänder  anlässlich  einer  Säuberungsaktion  nicht  der  zentrale 
Fluchtgrund bilde, sondern ein weiterer Mosaikstein eines gesamthaft 
glaubhaften Bildes der objektiven Gefährdung. Schliesslich beantragt 
die Beschwerdeführerin, ihre Mutter sei durch Vertrauenspersonen des 
IKRK zu befragen, es seien Befragungen von Mitarbeitern des IKRK in 
Naltschik  vorzunehmen,  das  Verschwinden  von  R.B.  sei  durch 

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Vertrauensleute in Grosny überprüfen zu lassen und es sei ein Bericht 
der behandelnden Psychiaterin in der Schweiz einzuholen.

7.  
Der  Grundsatz  des  rechtlichen  Gehörs  (Art. 29  Abs. 2  der  Bundes-
verfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April 
1999 [BV, SR 101], Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt unter 
anderem,  dass  die  verfügende  Behörde  die  Vorbringen  des  Be-
troffenen  tatsächlich  hört,  sorgfältig  und  ernsthaft  prüft  und  in  der 
Entscheidfindung  berücksichtigt,  was  sich  entsprechend  in  der  Ent-
scheidbegründung  niederschlagen  muss  (vgl.  Art. 35  Abs. 1  VwVG; 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurs-
kommission [EMARK]  2004 Nr. 38 E. 6.3 S. 264). Ferner soll  die Ab-
fassung der Begründung dem Betroffenen ermöglichen, den Entscheid 
gegebenenfalls  sachgerecht  anzufechten,  was nur der  Fall  ist,  wenn 
sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die 
Tragweite  des  Entscheides  ein  Bild  machen  können,  wobei  sich  die 
verfügende  Behörde  allerdings  nicht  ausdrücklich  mit  jeder 
tatbeständlichen  Behauptung  und  jedem  rechtlichen  Einwand  aus-
einander  setzen  muss,  sondern  sich  auf  die  wesentlichen Gesichts-
punkte beschränken kann. Die  Begründungsdichte  richtet  sich dabei 
nach dem Verfügungsgegenstand, den Verfahrensumständen und den 
Interessen des Betroffenen, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in 
die rechtlich geschützten Interessen des Betroffenen – und um solche 
geht  es  bei  der  Frage nach  der  Gewährung des Asyls  –  eine sorg-
fältige  Begründung  verlangt  wird  (vgl.  EMARK  2006  Nr. 24  E. 5.1 
S. 256).

Im  Asylverfahren  –  wie  im  übrigen  Verwaltungsverfahren  –  gilt  im 
Weiteren  der  Untersuchungsgrundsatz,  das  heisst,  die  Asylbehörde 
hat den rechtserheblichen Sachverhalt vor ihrem Entscheid von Amtes 
wegen vollständig  und richtig  abzuklären (Art. 6  AsylG i.V.m. Art. 12 
VwVG, Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Dabei muss sie für das Verfahren 
erforderlichen  Sachverhaltsunterlagen  beschaffen  und  die  rechtlich 
relevanten Umstände abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis 
führen.  Gemäss  Art. 8  AsylG  hat  die  asylsuchende  Person  dem-
gegenüber die Pflicht und unter dem Blickwinkel des rechtlichen Ge-
hörs im Sinne von Art. 29 VwVG und Art. 29 Abs. 2 BV das Recht, an 
der  Feststellung  des  Sachverhalts  mitzuwirken  (vgl.  BVGE  2008/24 
E. 7.2; BVGE 2007/21 E. 11.1.3, mit Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 13; 
vgl. auch EMARK 2004 Nr. 16 E. 7a und EMARK 2004 Nr. 30 E. 5.3.1).

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7.1 Vorab ist  darauf hinzuweisen, dass die ARK in ihrem Urteil  vom 
10. Juli  2006  –  entgegen  der  Auffassung  in  der  Beschwerdeschrift  
(S. 4)  –  der  Vorinstanz  keine  konkreten  Weisungen  für  ihr  weiteres 
Vorgehen  erteilte.  Vielmehr  führte  sie  in  der  angerufenen  E.  5.1 
allgemein und lediglich beispielhaft aus, welcher Art Abklärungen zur 
Feststellung  des  Sachverhaltes  sein  könnten.  Insofern  kann  keine 
Rede davon sein, die Vorinstanz sei den Anweisungen der ARK nicht 
nachgekommen.

7.2 Die Beschwerdeführerin wendet ein, das Bundesamt habe sich in 
der  angefochtenen  Verfügung  zur  eingereichten  Vorladung  nicht  ge-
äussert  und  sich  mit  der  offenkundigen  Traumatisierung  der  Be-
schwerdeführerin  überhaupt  nicht  auseinandergesetzt.  Beide  Kritik-
punkte erweisen sich jedoch als unbegründet. So hat das Bundesamt 
einerseits festgehalten, die eingereichten Beweismittel (u.a. auch das 
Arztzeugnis) vermöchten am Ergebnis nichts zu ändern, da sie ledig-
lich  Vorbringen  stützten,  welche  nicht  in  Frage  gestellt  würden. 
Anderseits wurde zur Vorladung ausgeführt,  dieser könne – aus ver-
schiedenen  Gründen  (vgl.  angefochtene  Verfügung)  –  keinerlei  Be-
weiswert zukommen. Damit ist das BFM der Begründungspflicht ohne 
weiteres in genügendem Umfang nachgekommen.

7.3 Soweit die Beschwerdeführerin die ungenügende Feststellung des 
Sachverhaltes durch das BFM kritisiert, ist auf die nachfolgende E. 9.6 
zu verweisen.

8.  
Die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  erfüllt  eine  asyl-
suchende  Person  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  dann,  wenn  sie 
Nachteile  von bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise mit 
beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  be-
gründeterweise befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund be-
stimmter  Verfolgungsmotive  durch  Organe  des  Heimatstaates  oder 
durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind beziehungsweise 
zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37; EMARK 
2006 Nr. 18 E. 7 und 8 S. 190 ff.; EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193). 
Aufgrund  der  Subsidiarität  des  flüchtlingsrechtlichen  Schutzes  setzt 
die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft  ausserdem voraus, dass 
die  betroffene  Person  in  ihrem  Heimatland  keinen  ausreichenden 
Schutz  finden kann  (vgl.  BVGE 2008/12  E. 7.2.6.2  S. 174  f.; BVGE 
2008/4  E. 5.2  S. 37 f.; EMARK 2006 Nr. 18 E. 10 S. 201 ff.;  EMARK 

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2005 Nr. 21 E. 7.3 S. 194 und E. 11.1 S. 201 f.). Ausgangspunkt für die 
Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeit -
punkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht 
vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist 
jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität  der Verfolgungs-
furcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation im 
Heimatstaat  zwischen  Ausreise  und  Asylentscheid  sind  deshalb  zu-
gunsten und zulasten der  das Asylgesuch stellenden Person zu be-
rücksichtigen  (vgl.  BVGE 2008/4  E. 5.4  S. 38  f.;  EMARK 2000  Nr. 2 
E. 8a S. 20;  WALTER STÖCKLI,  Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser 
[Hrsg.],  Ausländerrecht,  Basel/Bern/Lausanne  2009,  Rz. 11.17  und 
11.18).

Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur 
Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeit -
punkt  der  Ausreise  –  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und in  ab-
sehbarer  Zeit  verwirklicht  beziehungsweise  werde  sich  –  auch  aus 
heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zu-
kunft  verwirklichen.  Eine  bloss  entfernte  Möglichkeit  künftiger  Ver-
folgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen,  welche 
den Eintritt  der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufge-
zählten Motive erfolgenden – Benachteiligung als wahrscheinlich und 
dementsprechend die Furcht davor als realistisch und nachvollziehbar 
erscheinen  lassen  (vgl.  EMARK  2005  Nr. 21  E. 7  S. 193 f.,  EMARK 
2004 Nr. 1 E. 6a S. 9).

9.  
9.1 Vorauszuschicken  ist,  dass  das  Bundesamt  den  von  der 
Beschwerdeführerin  geschilderten  Sachverhalt  in  Bezug  auf  die 
Festnahme  von  Ende  (...)  nicht  in  Zweifel  gezogen  hat.  Für  das 
Bundesverwaltungsgericht besteht kein Anlass, davon abzuweichen.

9.1.1 Weiter ist bezüglich der Festnahme der Beschwerdeführerin am 
(...) und der dabei erlittenen Übergriffe (Schläge)  zunächst im Sinne 
einer  Klarstellung  vorab  anzumerken,  dass  es  sich  um  Nachteile 
handelt,  die mit  der Freilassung (beziehungsweise dem Freikauf) am 
nächsten  Tag ihren  Abschluss  gefunden  haben. Es  liegt  somit  eine 
vergangene Verfolgung in der Variante der bereits abgeschlossenen, 
d.h. im Ausreisezeitpunkt nicht mehr andauernden Verfolgung vor (so 
genannte  "Vorverfolgung",  vgl.  zur  diesbezüglichen  Differenzierung 
WALTER KÄLIN,  Grundriss  des  Asylverfahrens,  Basel/Frankfurt  a. M. 

Seite 13

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1990, S. 126 f.; EMARK 1993 Nr. 31 E. 10 S. 222). Auch eine solche 
Vorverfolgung  kann  zur  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  im 
Sinne  von  Art. 3  AsylG  führen,  wenn  eine  darauf  zurückgehende 
begründete Furcht vor künftiger Verfolgung im Zeitpunkt der Ausreise 
vorliegt  und auch bei  Erlass  des Asylentscheides noch Bestand hat 
oder  unterdessen  –  infolge  einer  grundlegenden  Veränderung  im 
Heimatstaat nach der Einreise in die Schweiz – zwar weggefallen ist,  
indes eine Person betrifft,  die  sich  auf  zwingende Gründe  im Sinne 
von Art. 1 C Ziff. 5 Abs. 2 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die 
Rechtsstellung der  Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30)  berufen kann (vgl. 
EMARK 2005 Nr. 21 E. 7.2, EMARK 2000 Nr. 2 E. 8b S. 20 f., EMARK 
1999 Nr. 7 E. 4d.aa S. 46 f., jeweils mit weiteren Hinweisen).

9.1.2 Zu ihrer Festnahme am (...) führte die Beschwerdeführerin in der 
summarischen Befragung aus, sie sei verhört worden. Sie kenne den 
Mann nicht, auch an sein Gesicht könne sie sich nicht richtig erinnern. 
Sie habe einen Schlag auf  den Kopf bekommen, es sei  ihr  schlecht 
geworden.  Sie  habe  während  fünf  Minuten  nichts  sehen  können. 
Eigentlich  sei  ihr  während  der  Festnahme  nichts  passiert,  was  sie 
einem Mann lieber nicht erzählen wolle. Einer habe zwar versucht, an 
sie  ranzukommen,  aber  der  andere  habe  ihn  daran  gehindert  (vgl. 
A1/9  S. 5).  Anlässlich  der  Anhörung  vom  7. April  2004  gab  die 
Beschwerdeführerin  zu  Protokoll,  anlässlich  des  Verhörs  habe  sie 
einer auf der linken Seite auf den Kopf geschlagen. Zunächst sei es 
dunkel vor ihren Augen gewesen. Dann habe man ihr wieder Fragen 
gestellt.  Dann  habe  man  sie  an  den  Haaren  gegriffen.  Ihr  linker 
Oberschenkel sei blau gewesen und sie erinnere sich auch, dass man 
ihr auf den Bauch geschlagen habe, es habe sehr weh getan und sie 
habe nicht atmen können. Als sie zurück ins Zimmer abgeführt worden 
sei, habe einer sie zu Boden gestürzt und sie glaube, er habe sie zu 
vergewaltigen  versucht.  Er  sei  betrunken  gewesen  und  der  zweite 
Mann  habe  ihn  weggezerrt  (vgl.  A 10/17  S. 6).  Dieser  einmaligen 
Festnahme von einem Tag fehlt es – trotz der dabei erlittenen Schläge 
–  als  verhältnismässig  kurzem  Eingriff  in  die  physische 
Bewegungsfreiheit  an  der  für  die  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft  erforderlichen  Intensität  (vgl.  WALTER STÖCKLI, 
Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 
2. Aufl.,  Basel  2009,  Rz. 11.14;  MARIO GATTIKER,  Das  Asyl- und 
Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 65; vgl. auch Urteil des 
Bundesverwaltungsgerichts  E-3781/2006  vom  28. November  2008 
E. 4.2.1). Damit  soll  der  Übergriff  nicht  bagatellisiert  werden und es 

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wird auch nicht in Abrede gestellt, dass die Beschwerdeführerin in der 
Folge  mit  psychischen  Problemen  zu  kämpfen  hatte,  welche  sie 
allerdings  im  Heimatland  behandeln  lassen  konnte.  Die 
Beschwerdeführerin macht aber selber nicht geltend, sie habe sofort 
ausreisen  wollen.  Es  ist  damit  nicht  davon  auszugehen,  dass  die 
geschilderten  Verfolgungsmassnahmen  ein  menschenunwürdiges 
Leben im Verfolgerstaat  absolut  verunmöglicht  oder in  unzumutbarer 
Weise erschwert  haben, so dass sich die Beschwerdeführerin dieser 
Situation nur durch Flucht ins Ausland hätte entziehen können.

9.2 Gemäss  konstanter  Praxis  der  ARK,  die  vom 
Bundesverwaltungsgericht weitergeführt wird, liegt mit Bezug auf den 
Zeitpunkt der Ausreise eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne 
von  Art. 3  Abs. 1  AsylG  vor,  wenn  konkreter  Anlass  zur  Annahme 
besteht, Letztere hätte sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in 
absehbarer Zeit verwirklicht. Dabei genügt es nicht, dass diese Furcht 
lediglich  mit  Vorkommnissen  oder  Umständen,  die  sich  früher  oder 
später möglicherweise ereignen könnten, begründet wird. Ob in einem 
bestimmten Falle eine solche Wahrscheinlichkeit besteht, ist aufgrund 
einer objektivierten Betrachtungsweise zu beurteilen. Es müssen damit 
hinreichende  Anhaltspunkte  für  eine  konkrete  Bedrohung  vorhanden 
sein,  die  bei  jedem  Menschen  in  vergleichbarer  Lage  Furcht  vor 
Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden. 
Dennoch ist  für die Bestimmung der begründeten Furcht  nicht  allein 
massgebend,  was  ein  hypothetischer  Durchschnittsmensch  in 
derselben  Situation  empfinden  würde.  Diese  rein  objektive 
Betrachtungsweise ist zusätzlich durch das von der betroffenen Person 
bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren 
Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungsmassnahmen 
ausgesetzt  war,  hat  objektive  Gründe  für  eine  ausgeprägtere 
(subjektive)  Furcht.  Die  subjektive  Furcht  ist  diesfalls  bereits  dann 
begründet,  wenn  sie  zwar  diejenige  eines  in  der  gleichen  Situation 
befindlichen  Durchschnittsmenschen  übersteigt,  aber  trotzdem 
nachvollziehbar  bleibt  (vgl.  statt  vieler  EMARK  2005  Nr. 21  E. 7.1. 
S. 193, mit weiteren Hinweisen).

9.2.1 Die Beschwerdeführerin bringt einerseits vor, es habe vor ihrer 
Ausreise  wieder  vermehrt  Festnahmen  gegeben  und  Freunde  ihres 
getöteten (...) hätten ihr gesagt, wenn sie noch einmal festgenommen 
werde, könnten sie ihr nicht mehr helfen. Zudem habe R.B., ebenfalls 
ein  Freund  ihres  (...),  gesagt,  sie  könnte  wieder  festgenommen 

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werden,  wenn  wieder  irgendwo  ein  Terrorakt  geschehen  würde.  Er 
habe von zwei Personen erzählt,  die ein zweites Mal  festgenommen 
worden seien (vgl. A 10/17 S. 8). Vor diesem Hintergrund kann nicht 
davon  ausgegangen werden,  dass  die  Beschwerdeführerin  in  einem 
bestimmbaren  oder  wenigstens  eingrenzbaren  Zeitpunkt  einer 
ernsthaften Gefahr  ausgesetzt  war,  in  asylrechtlich  relevanter  Weise 
belangt zu werden. Die Befürchtungen der Beschwerdeführerin gehen 
nicht  über  den Grad blosser Spekulationen hinaus. Insbesondere ist 
nicht ersichtlich, inwiefern die Beschwerdeführerin im Zusammenhang 
mit  den  Aktivitäten  ihres  (...)  –  auf  ihre  Tätigkeit  für  das  IKRK wird 
nachfolgend  eingegangen  –  seit  ihrer  ersten  Festnahme  Anlass  für 
eine  zweite  Verhaftung  geboten  hätte.  Es  versteht  sich  vor  dem 
Hintergrund  der  Situation  in  Tschetschenien  von  selbst,  dass  eine 
(allfällig  weitere)  Verhaftung  nicht  mit  Sicherheit  ausgeschlossen 
werden  kann,  dies  reicht  jedoch  für  die  Annahme  von  begründeter 
Furcht in asylrelevanten Ausmass – auch angesichts der vormaligen 
kurzzeitigen Festnahme – nicht aus.

9.3 Zu  prüfen  bleibt  demnach,  ob  die  Gefahr  einer  Verfolgung  der 
Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Tätigkeit für das IKRK, welche vom 
BFM nicht in Frage gestellt wird, zu bejahen ist. 

9.3.1 Die Beschwerdeführerin führt  zu ihrem Aufgabengebiet anläss-
lich  der  ergänzenden  Befragung  vom  20. September  2006  aus,  sie 
habe  einen  "Daily  Report"  verfassen  und  diesen  nach  Naltschik 
weiterleiten müssen. In ihrem Bericht habe sie einerseits persönliche 
Erkenntnisse  geschildert  und  anderseits  lokale  Nachrichten 
zusammengefasst. Sie sei im (...) vom FSB in den Räumlichkeiten des 
IKRK zu ihrer Tätigkeit befragt worden. Schliesslich habe am (...) eine 
Säuberung in  ihrem Quartier  stattgefunden,  während sie  bereits  auf 
dem Arbeitsweg gewesen sei. Sie habe allerdings zwei Tonbänder mit 
aufgenommenen Nachrichten zu Hause gelassen, welche vom Militär 
beschlagnahmt worden seien. Auf den Tonbändern hätten sich lokale 
tschetschenische  Nachrichten  befunden,  welche  im  Fernsehen 
ausgestrahlt  worden  seien.  Tags  darauf  hätten  sich  vier  Männer  in 
Militäruniform  bei  der  Nachbarin  nach  der  Beschwerdeführerin 
erkundigt.

9.3.2 Das  Bundesverwaltungsgericht  gelangt,  wie  die  Vorinstanz 
bereits  mit  zutreffenden  Argumenten  darlegt,  zum Schluss,  dass  es 
auch  in  Bezug  auf  die  geschilderte  Tätigkeit  für  das  IKRK  an 

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substanziellen Hinweisen darauf,  der Beschwerdeführerin hätte dies-
bezüglich eine ernsthafte Gefahr gedroht, fehlt. Es ist – entgegen der 
Darstellung  auf  Beschwerdeebene  –  nicht  ersichtlich,  inwiefern  die 
beiden beschlagnahmten Tonbänder irgendwelche Informationen ent-
halten hätten, welche die Gefahr einer Verfolgung nahe legten, zumal 
der  FSB  im  Zeitpunkt  der  Beschlagnahme  bereits  von  der  –  im 
Übrigen auch nicht geheimen – Tätigkeit der Beschwerdeführerin für 
das IKRK wusste. Die Behauptung in der Beschwerdeschrift, es habe 
sich um vertrauliches Tonbandmaterial gehandelt, findet weder in den 
Aussagen der Beschwerdeführerin noch in dem von einem Mitarbeiter 
des IKRK verfassten Schreiben (vgl. ARK act. 85) eine Stütze.

9.4 Damit  lässt  sich  zusammenfassend  festhalten,  dass  die 
Beschwerdeführerin  bei  ihrer  Ausreise  am (...)  nicht  in  begründeter 
Weise  befürchten  musste,  einer  asylrechtlich  relevanten  Verfolgung 
ausgesetzt zu werden.

9.5 Zu prüfen bleibt, ob sich aus der Entwicklung im Herkunftsgebiet 
der  Beschwerdeführerin  für  diese  eine  begründete  Verfolgungsfurcht 
ergibt. Hinsichtlich der allgemeinen Situation in Tschetschenien kann 
grundsätzlich auf die Lageanalyse im Urteil  des Bundesverwaltungs-
gerichts  BVGE  E-4476/2006  vom  23.  Dezember  2009  E.  10.2  ver-
wiesen  werden.  Im  heutigen  Zeitpunkt  kann  insgesamt  davon  aus-
gegangen  werden,  dass  sich  die  Lage  in  den  Nachkriegsjahren 
immerhin insofern konsolidiert hat, als ein gewisses Mass an Sicher -
heit  und  Stabilität  auszumachen  ist.  Soweit  die  Beschwerdeführerin 
auf das Verschwinden anderer Personen hinweist, ist nicht ersichtlich, 
inwiefern  deren Hintergrund mit  demjenigen der  Beschwerdeführerin 
vergleichbar wäre. Die Tätigkeit der Beschwerdeführerin für das IKRK 
liegt  sodann  schon  mehrere  Jahre  zurück  und  lässt  sich  mit  den 
Aktivitäten  von  exponierten  Menschenrechtsaktivisten  wie  etwa  der 
entführten und ermordeten  Natalia  Estemirowa Mitte  Juli  2009 nicht 
vergleichen. Die Befürchtungen der Beschwerdeführerin sind vor dem 
Hintergrund  ihrer  persönlichen  Erlebnisse  und  der  allgemein 
angespannten  Lage  in  Teilen  der  Russischen  Föderation  zwar 
verständlich;  sie  können  im  vorliegenden  Fall  indessen  nicht  als 
objektiv  begründete  Furcht  vor  asylrechtlich  relevanter  Verfolgung 
anerkannt werden.

9.6 Nach  dem  vorstehend  Gesagten  erweist  sich  der  Vorwurf,  das 
Bundesamt  habe  den  Sachverhalt  nicht  genügend  abgeklärt,  als 

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unbegründet.  Insbesondere  ist  daran  zu  erinnern,  dass 
Sachverhaltselemente,  die  für  den  Ausgang  des  Verfahrens  nicht 
wesentlich  sind,  nicht  erhoben  zu  werden  brauchen  (vgl.  CHRISTOPH 
AUER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz 
über das Verwaltungsverfahren [VwVG], Zürich 2008, Rz. 2 zu Art. 12 
VwVG). So bedeutet das (behauptete) Verschwinden des Mitarbeiters 
U.S.A.  nicht,  dass  sich  für  die  Beschwerdeführerin  dadurch  eine 
besondere  Bedrohungssituation  ergeben  hätte,  jedenfalls  ergibt  sich 
solches  nicht  aus  den  Akten.  Ebenso  wenig  drängte  es  sich  auf, 
Mitarbeitende des IKRK Vermutungen darüber anstellen zu lassen, ob 
die Beschwerdeführerin aufgrund der Beschlagnahme ihrer Tonbänder 
Massnahmen zu befürchten hätte. Es versteht  sich  im Weiteren von 
selbst,  dass  in  Bezug  auf  Beweismittel,  welche  unbestrittene 
Sachverhalte  stützen,  keine  weiteren  Abklärungen  erforderlich  sind. 
Angesichts  der  aufgezeigten  Sachlage  erübrigte  es  sich  für  die 
Vorinstanz, weitere Abklärungen zu tätigen. Der rechtsrelevante Sach-
verhalt  erweist  sich  als  genügend  abgeklärt,  und  das  BFM  konnte 
ohne Willkür vorweg die Annahme treffen, weitere Beweiserhebungen 
vermöchten keine wesentlichen Erkenntnisse zu vermitteln und mithin 
zu  keinem  anderen  Prüfungsergebnis  zu  führen  (sog.  antizipierte 
Beweiswürdigung;  vgl.  BVGE  2008/24  E.  7.2,  EMARK  2003  Nr. 13 
E. 4a  S. 84).  Aus demselben  Grund  sind  die  auf  Beschwerdeebene 
gestellten Beweisanträge abzuweisen.

10.  
10.1 Lehnt  das  Bundesamt  das  Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf 
nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz  
und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der 
Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Gemäss Art. 32 Bst. a der 
Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 
1, SR 142.311) wird die Wegweisung aus der Schweiz nicht verfügt, 
wenn die Asyl suchende Person im Besitz einer gültigen Aufenthalts- 
oder Niederlassungsbewilligung ist.

10.2 Die Beschwerdeführerin verfügt  seit  dem 21. Januar 2009 über 
eine  fremdenpolizeiliche  Aufenthaltsbewilligung,  welche  durch  die 
zuständige kantonale Behörde mit Zustimmung des BFM gestützt auf 
Art. 84 Abs. 5 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die 
Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) i.V.m. Art.  30 Abs. 1 
Bst. b  AuG  ausgestellt  wurde.  Die  Anordnungen  des  Bundesamtes 
betreffend Wegweisung und Vollzug derselben (Ziffern 3-5 des Dispo-

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sitivs der angefochtenen Verfügung) sind unter diesen Umständen als 
dahin gefallen zu betrachten, da diese gegenüber dem neu erteilten 
Aufenthaltstitel (Aufenthaltsbewilligung B) keinen Bestand haben kön-
nen (vgl. EMARK 2001 Nr. 21 E. 11c S. 178; EMARK 2000 Nr. 30 E. 4 
S.  251).  Die  Beschwerde  ist  somit  zufolge  Wegfalls  des 
Streitgegenstandes insoweit  gegenstandslos geworden,  als  darin die 
Aufhebung  der  Verfügung  vom  29. März  2007  im  Umfang  der 
Anordnung der Wegweisung aus der Schweiz beantragt wurde.

11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
hinsichtlich der Nichterfüllung der Flüchtlingseigenschaft sowie der Ab-
lehnung des Asylgesuchs Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheb-
lichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist 
(Art. 106 AsylG). Die Verfügung der Vorinstanz vom 29. März 2007 ist 
demzufolge in Bezug auf die Nichterfüllung der Flüchtlingseigenschaft 
und Abweisung des Asyls zu bestätigen und die Beschwerde abzuwei-
sen.  Hinsichtlich  der  Anordnung  der  Wegweisung  ist  sie  jedoch  als 
gegenstandslos geworden abzuschreiben.

12.
Die  Beschwerdeführerin  liess  im  Rahmen  der  Beschwerdebegehren 
ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege stellen. 
Gemäss  Art. 65  Abs. 1  VwVG  befreit  die  Beschwerdeinstanz  nach 
Einreichung  der  Beschwerde  eine  Partei,  die  nicht  über  die 
erforderlichen  Mittel  verfügt,  auf  Antrag  von  der  Bezahlung  der 
Verfahrenskosten,  sofern  ihr  Begehren  nicht  aussichtslos  erscheint. 
Zwar  bestätigte  die  zuständige  Gemeinde  mit  Eingabe  vom  1.  Mai 
2007,  dass  die  Beschwerdeführerin  seit  Februar  2005  unterstützt 
werde, doch ergibt sich aus den Unterlagen betreffend Erteilung einer 
Aufenthaltsbewilligung, dass die Beschwerdeführerin seit 2007 arbeitet 
und  seitdem  auch  finanziell  selbstständig  ist.  Bei  dieser  Sachlage 
muss  die  prozessuale  Bedürftigkeit  der  Beschwerdeführerin  als 
unbelegt betrachtet werden, weshalb das Gesuch um Gewährung der 
unentgeltlichen Rechtspflege abzuweisen ist.

13.
13.1 Die  Beschwerdeführerin  ist  im  vorliegenden  Verfahren 
unterlegen, soweit sie beantragt, die Verfügung des Bundesamtes vom 
29. März  2007  sei  aufzuheben  und  es  sei  ihr  Asyl  zu  gewähren, 

Seite 19

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weshalb  sie  insoweit  kostenpflichtig  wird  (vgl.  Art.  63  Abs. 1  und  5 
VwVG).

13.2 Wird das Verfahren – wie wie im vorliegenden Fall – ohne Zutun 
der Parteien gegenstandslos, sind die Kosten aufgrund der Sachlage 
vor  Eintritt  des  Erledigungsgrundes  festzulegen  (Art.  5  zweiter  Satz 
des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]). Im konkreten Fall ist  aufgrund der Aktenlage vor Eintritt  
der Gegenstandslosigkeit hinsichtlich der Anordnung der Wegweisung 
davon  auszugehen,  dass  Ziffer  3  der  angefochtenen  Verfügung  der 
Vorinstanz  zu  bestätigen  gewesen  wäre,  da  gemäss  Art.  44  Abs. 2 
AsylG in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zu verfügen ist, 
wenn  das  Asylgesuch  abgewiesen  wird.  In  diesem  Punkt  wäre  die 
Beschwerdeführerin somit unterlegen. Deshalb rechtfertigt es sich, ihr 
die gesamten Kosten aufzuerlegen. Diese sind auf insgesamt Fr. 600.-- 
festzusetzen (Art. 1-3 VGKE).

14.
Aufgrund  der  Abweisung  der  Beschwerde  ist  keine 
Parteientschädigung zuzusprechen. 

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 20

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit sie nicht als gegenstandslos 
geworden abgeschrieben wird.

2.
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- den  Rechtsvertreter  der  Beschwerdeführerin  (Einschreiben; Beila-
gen:  Einzahlungsschein,  angefochtene  Verfügung  im  Original 
[Beilage zur Beschwerdeschrift])

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 
Kurier; in Kopie)

- den (...) des Kantons B._______ ad (...) (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Robert Galliker Daniela Brüschweiler

Versand: 

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