# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a31ff01f-029a-5cc9-bbb6-1644e2f0a627
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-05-27
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 27.05.2010 IV 2008/442
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2008-442_2010-05-27.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2008/442

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 14.07.2020

Entscheiddatum: 27.05.2010

Entscheid Versicherungsgericht, 27.05.2010
Art. 16 ATSG. Einkommensvergleich zu Ermittlung des Invaliditätsgrades 
Entgegen der Bundesgerichtspraxis zur Überwindbarkeit somatoformer 
Schmerzstörungen etc. kann die Arbeitsfähigkeitsschätzung eines 
psychiatrischen Sachverständigen, der die Diagnose einer leichten 
depressiven Episode gestellt und daraus auf einen Arbeitsunfähigkeitsgrad 
von 20% geschlossen hat, nicht als falsch qualifiziert und direkt durch eine 
Arbeitsfähigkeit von 100% ersetzt werden. Weder die IV-Stellenmitarbeiter 
noch die Richter und Richterinnen verfügen nämlich über die notwendigen 
medizinischen Kenntnisse, um die Fehlerhaftigkeit einer ärztlichen 
Arbeitsfähigkeitsschätzung nachweisen und sie durch eine eigene 
Arbeitsfähigkeitsschätzung ersetzen zu können. Dies gilt insbesondere dort, 
wo die Diagnose der leichten depressiven Episode nur Teil der 
Gesamtdiagnose ist. Wenn die Arbeitsfähigkeitsschätzung schon zwingend 
als nicht überzeugend gewürdigt werden muss, dann bleibt als Abhilfe nur 
die erneute ärztliche Begutachtung (Entscheid des Versicherungsgerichts 
des Kantons St. Gallen vom 27. Mai 2010, IV 2008/442). Bestätigt durch Urteil 
des Bundesgerichts 8C_515/2010.

Abteilungspräsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichterinnen Miriam 

Lendfers und Lisbeth Mattle Frei; Gerichtsschreiber Ralph Jöhl

Entscheid vom 27. Mai 2010

in Sachen

S.___,

Beschwerdeführerin,

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vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rainer Braun, Oberdorfstrasse 6, Postfach, 

8887 Mels,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

IV-Leistungen

Sachverhalt:

A.   

S.___ (Jg. 1957) meldete sich am 9. Mai 2002 zum Bezug von IV-Leistungen an. Sie 

gab an, sie sei gelernte Krankenschwester. Dr. med. A.___ berichtete der IV-Stelle am 

25. Mai 2002, die Versicherte habe sich bei einem Sturz am 22. Juni 1998 den Kopf 

angeschlagen. Er gab folgende Diagnosen an: chronisches zervikozephales 

Schmerzsyndrom mit St. n. HWS-Distorsion 22. 6. 98, Wirbelsäulenfehlform und -

fehlhaltung, muskuläre Dysbalance, möglicherweise posttraumatische Osteochondrose 

HWK 5/6, Zeichen einer Hypermobilität HWK 4/5 ohne Instabilität, subligamentäre 

Diskusprotrusion C5/6 ohne Nervenwurzelkompression, intermittierendes LVS bei 

Wirbelsäulenfehlhaltung, muskuläre Dysbalance, Adipositas. Als Onkologieschwester 

sei die Versicherte seit dem 11. September 1999 immer wieder zu 50% bzw. zu 100% 

arbeitsunfähig gewesen. Seit dem 19. Januar 2002 liege eine Arbeitsunfähigkeit von 

50% vor. Der Gesundheitszustand sei stationär. Vom 17. April bis 8. Mai 2002 hatte 

sich die Versicherte zur Rehabilitation in Valens aufgehalten. Eine neuropsychologische 

Abklärung hatte ein leicht beeinträchtigtes Leistungsprofil mit Hauptschwierigkeiten in 

der verbalen und figurativen Umstellfähigkeit, in der Resistenz gegen Störreize, im 

Unterscheiden von Wesentlichem und Unwesentlichem, im sprachlichen Lernen, im 

Gedächtnis und in den visuokonstruktiven Funktionen ergeben. Unter Müdigkeit hatten 

sich die Gedächtnisprobleme subjektiv verstärkt. Es war allerdings darauf hingewiesen 

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worden, dass Faktoren wie Krankheits- und Schmerzverarbeitung einen Einfluss auf 

das kognitive Leistungsprofil haben könnten. Das Spital K.___ teilte der IV-Stelle am 

28. Mai 2002 mit, es beschäftige die Versicherte seit 1979 als Krankenschwester. Seit 

2002 betrage der Lohn Fr. 6550.10 (x13). In einem Verlaufsbericht vom 26. März 2003 

führte Dr. med. A.___ aus, trotz Serien von Physiotherapien und ausgedehnten 

rheumatologischen und neurologischen Abklärungen sei es nicht möglich gewesen, der 

Schmerzsymptomatik im Nacken, die für die Arbeitsunfähigkeit ausschlaggebend sei, 

beizukommen. Auch während der Hospitalisation in der Schmerzklinik Kirschgarten in 

Basel seien die Beschwerden nur minimal rückläufig gewesen. Die 

psychotherapeutische Führung zur Verbesserung der Schmerzverarbeitung sei 

eingeleitet worden. Die Arbeitsfähigkeit betrage knapp 50%. Falls die psychische 

Problematik nicht beeinflusst werde, sei eine Verminderung der Arbeitsfähigkeit zu 

erwarten. Am 8. August 2003 berichtete Dr. med. A.___, die Arbeitsfähigkeit sei 

zunächst auf 30% gesunken. Dann habe sich bei einem Versuch der Arbeitssteigerung 

eine Verschlechterung der Kopfschmerzen und der Konzentrationsstörungen 

eingestellt. Seit dem 29. Juli 2003 liege eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vor.

B.   

Die B.___ Versicherung teilte der IV-Stelle am 13. Januar 2004 mit, sie habe weitere 

medizinische Abklärungen durch die MEDAS Bern in Auftrag gegeben. Die IV-Stelle 

übermittelte der B.___ Versicherung am 6. Februar 2004 jene Fragen an die 

Sachverständigen, die IV-rechtlich relevant waren. Die MEDAS berichtete in ihrem 

Gutachten vom 3. August 2005, folgende Diagnosen seien erhoben worden: morbide 

Adipositas (BMI 48), chronisches zervikozephales und rechtsseitiges zervikobrachiales 

Schmerzsyndrom mit pseudoradikulärer Ausstrahlung in den rechten Schultergürtel 

(beginnende Diskopathie der zervikalen Bewegungssegmente C4/5 und C5/6, Zustand 

nach erfolgreicher Fazetteninfiltration C3/4 rechts 11/02, Schmerzverstärkung im 

Liegen durch unphysiologische Achsenverhältnisse Kopf-Hals-Schultergürtel infolge 

morbider Adipositas), ausgedehntes Weichteilschmerzsyndrom, Zustand nach 

Commotio cerebri am 22. Juni 1998 und Insomnie mit periodic leg movement-Syndrom 

und restless legs-Syndrom. Die Gutachter führten dazu aus, beim Unfall am 22. Juni 

1998 habe die Versicherte höchstwahrscheinlich eine Commotio cerebri erlitten. Die 

Computertomographie drei Tage nach dem Unfall sei normal gewesen. Eine Commotio 

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cerebri heile in aller Regel folgenlos ab. Bei der Versicherten habe anfangs Vieles in 

diese Richtung gewiesen. Insbesondere habe die Versicherte schon nach zwei Wochen 

wieder zu 50% und nach sechs Wochen wieder zu 100% als Onkologieschwester 

gearbeitet. Bis 10. Februar 1999 sei sie voll arbeitsfähig geblieben. Dann habe sie über 

vom Nacken ausgehende Kopfschmerzen, begleitet von Schwindel bis zur Übelkeit, zu 

klagen begonnen. schliesslich habe sie aber wieder die volle Arbeitsfähigkeit erlangt. 

Im Jahr 2000 habe sich die Versicherte als Diabetesschwester qualifiziert und Kurse zur 

komplementärmedizinischen Therapie besucht. Ab Januar 2002 habe sie das 

Arbeitspensum reduziert. Die neuropsychologischen Testungen vom Mai und Juli 2002 

hätten nur in einzelnen Gebieten leichte Teilleistungsschwächen aufgezeigt. Im 

Austrittsbericht der Klinik Kirschgarten vom 11. Februar 2003 sei ein mögliches 

Weichteilschmerzsyndrom angedeutet worden. Umfangreiche Untersuchungen hätten 

keinen Hinweis für ein internistisches oder für ein rheumatologisches Grundleiden 

ergeben. Eine ambulante psychiatrische Behandlung sei nach fünf Monaten 

ergebnislos abgebrochen worden. Der behandelnde Psychiater habe keine psychische 

Störung von Krankheitswert diagnostiziert. Die präsentierte leichtgradige depressive 

Symptomatik sei auf die chronischen Schmerzen zurückzuführen. Die Aufgabe der 

Erwerbstätigkeit im Juli 2003 habe die Schmerzen bis heute nur wenig beeinflusst. Der 

Kopfschmerz trete gegen Mittag auf, verstärke sich bis zum Abend und erreiche sein 

Maximum nach dem Hinlegen. Die Versicherte fahre aber immer noch Auto und sie 

betätige sich am PC. Der rechtsbetonte Nackenschmerz werde vorwiegend in 

Kombination mit dem Kopfschmerz verspürt. Nach Überkopfarbeiten komme es zu 

einem Einschlafen der Finger IV und V rechts und nachfolgend zu einem mehrtägigen 

Schmerz und zu einer Kraftlosigkeit der Arme. Die Versicherte habe eine Reintegration 

in den Arbeitsprozess vor allem aus Furcht vor der angeblich ungenügenden 

Hirnleistung unterlassen. Mit Ausnahme der Adipositas habe die internistische 

Begutachtung keine pathologischen Besonderheiten ergeben. Auch der neurologische 

und der rheumatologische Zusatzgutachter hätten keine Befunde erhoben, welche die 

vorhandenen Beschwerden erklären würden. Aufgrund des Verhaltens der Versicherten 

sei auf eine erneute neuropsychologische Testung verzichtet worden. Der 

Rheumatologe habe keine Instabilität zervikaler Bewegungssegmente gefunden. Er 

habe aber ein ausgedehntes Weichteilsyndrom festgestellt, welches das derzeitige 

Beschwerdebild hauptsächlich präge. Auf Wunsch der Versicherten und weil während 

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der mehrstündigen Konsultation keine psychische Auffälligkeit erkennbar gewesen sei, 

habe man auf eine psychiatrische Begutachtung verzichtet. Die Zunahme der Kopf- 

und Nackenschmerzen im Liegen lasse sich ausschliesslich durch den extrem 

unphysiologischen Winkel zwischen Kopf, Hals und Schultergürtel erklären. Nicht mehr 

zumutbar seien sämtliche Arbeiten über Kopf, Arbeiten am Bildschirm während mehr 

als 30 Min. und sämtliche rückenbelastenden Arbeiten. Ebenfalls nicht mehr möglich 

seien Notfallinterventionen mit dem Erfordernis einer raschen Reaktions- und 

Umstellfähigkeit. Als Krankenschwester auf einer Allgemeinstation sei die Versicherte 

zu 50% arbeitsunfähig. In einer angepassten Tätigkeit als Krankenschwester (z.B. als 

Fachschwester Onkologie) sei während einer Wiedereinstiegsphase von sechs 

Monaten von einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 50% auszugehen. Binnen zwölf 

Monaten sollte die Arbeitsfähigkeit dann auf 100% gesteigert werden können.

C.   

Der zuständige Arzt des RAD hielt dazu am 3. Oktober 2005 fest, verwertbar sei nur die 

Angabe einer derzeitigen Arbeitsfähigkeit von 50%. Angaben zu einer 

Steigerungsmöglichkeit seien in der Regel nicht umsetzbar. Die Symptomatik sei hoch 

verdächtig auf eine psychische Erkrankung aus der Gruppe der funktionellen 

Störungen. Die Versicherte teilte am 3. Oktober 2005 mit, sie sei in Behandlung beim 

Psychiater Dr. med. C.___ und bei der Psychologin Frau D.___. Dr. med. C.___ 

berichtete der IV-Stelle am 2. Dezember 2005, die Versicherte leide seit 2002 an einer 

rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode, 

an einem posttraumatischen zervikozephalen Syndrom und an einer schweren 

posttraumatischen Insomnie mit restless legs-Syndrom. Die Arbeitsunfähigkeit habe 

von Juli 2003 bis Juni 2005 100% betragen. Seither belaufe sie sich auf 70%. Die 

Versicherte habe im November 2004 in einem Altersheim zu arbeiten begonnen. Seit 

Juli 2005 sei sie zu 30% fest angestellt. Sie sei für das Verwalten der Apotheke, für das 

Richten der Medikamente und für die Kardexführung verantwortlich. Eingeschränkt sei 

sie vor allem durch starke Kopfschmerzen. Sie habe grosse Mühe, sich zu 

konzentrieren, und sie habe Probleme mit dem Gedächtnis. Häufig passierten ihr 

Fehler, was sie dann noch zusätzlich unruhig und nervös mache. Dadurch würden die 

Schmerzen verstärkt. Dr. med. C.___ gab weiter an, die Versicherte leide vor allem 

unter einer stark verminderten Belastbarkeit. Durch die kognitiven Defekte und durch 

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die Schmerzen sei sie bei der Tätigkeit als Krankenschwester stark eingeschränkt. Die 

jetzige Arbeitsstelle sei sehr flexibel, so dass die Versicherte entsprechend ihrer 

momentanen Belastbarkeit eingesetzt werden könne. Da es wohl keine ähnlich flexible 

Stelle gebe, machten Eingliederungsmassnahmen keinen Sinn.

D.   

Der zuständige Arzt des RAD empfahl am 1. Mai 2006 eine Verlaufsbegutachtung 

durch die MEDAS Bern. Die Versicherte liess am 21. August 2006 mehrere Berichte der 

Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen einreichen. Gemäss diesen Berichten war 

sie am 2. April 2006 erneut gestürzt und im April 2006 hatte sie einen Auffahrunfall 

erlitten. Dadurch hatten sich die Kopf- und Nackenschmerzen verschlimmert. Ein CT 

des Schädels und HWS-Aufnahmen hatten aber mit Ausnahme mässiggradiger 

degenerativer Veränderungen der HWS normale Verhältnisse aufgezeigt. Die 

Versicherte hatte vermehrte Konzentrationsstörungen und zeitweise massive 

Gedächtnisstörungen angegeben. Die IV-Stelle beauftragte das Ärztliche 

Begutachtungsinstitut ABI mit einer polydisziplinären Begutachtung der Versicherten. 

Das Kantonsspital St. Gallen berichtete der IV-Stelle am 8. Januar 2007, die 

Versicherte leide an langdauernden Schmerzen (Zervikozephalien rechtsbetont und 

frontale Kopfschmerzen bds., depressive Entwicklung, kognitive Beeinträchtigung). 

Zudem bestehe ein unklares Zustandsbild mit Konzentrationsstörungen, 

Gedächtnisstörung und Apraxie. Die Versicherte habe vom 13. August bis 2. November 

2006 an einem interdisziplinären Schmerzmanagementprogramm teilgenommen. Zwar 

habe sie davon profitieren und wieder etwas mehr Freiheiten erlangen können. Aber in 

bezug auf die Arbeitsfähigkeit habe sich nicht viel getan. Als Folge der Kopfschmerzen, 

der Konzentrationsstörung und der Gedächtnisstörungen könne die Versicherte keine 

länger dauernde, kognitiv hochstehende Arbeit leisten. Eine neuropsychologische 

Abklärung wäre sinnvoll.

E.  

E.a Das ABI berichtete in seinem Gutachten vom 16. Mai 2007, die Versicherte habe 

angegeben, sie habe praktisch immer Kopfschmerzen unterschiedlicher Intensität. Sie 

habe auch Probleme mit dem Gedächtnis und mit der Konzentration. Zudem leide sie 

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unter Nacken-/Schulterschmerzen rechts mit Ausstrahlung in den rechten Arm und bis 

in den Ring- und Kleinfinger. Sie könne den Arm nicht mehr richtig heben. Seit einem 

Jahr habe sie auch sonst Rückenschmerzen, schmerzhafte Hände morgens und 

Beinschmerzen. Dazu kämen Schwindelprobleme. Sie fühle sich beim Gehen unsicher. 

Bei Anstrengung würden die Konzentrationsprobleme schlimmer. Sie hoffe, dass es ihr 

nach den Abklärungen besser gehen werde und dass sie vielleicht wieder als 

Krankenschwester werde arbeiten können. Der psychiatrische Sachverständige des 

ABI berichtete, die Versicherte sei überzeugt, aufgrund ihrer somatischen Beschwerden 

höchstens noch zu 20-30% arbeiten zu können. Diese Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung 

lasse sich durch die somatischen Untersuchungsbefunde nicht vollständig 

objektivieren, so dass eine psychische Überlagerung angenommen werden müsse. Die 

Versicherte habe Mühe, mit den chronischen Beschwerden umzugehen. Sie sei 

leistungsorientiert gewesen und habe einen grossen Teil ihres Selbstwertgefühls aus 

ihrer Arbeitsleistung bezogen. Die chronischen Beschwerden, der Verlust der 

angestammten Arbeit und die zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten hätten zu 

leichten depressiven Verstimmungen geführt. Die Versicherte sei innerlich unruhig, 

gereizt und leide nachts unter Gedankenkreisen vor allem betreffend die wirtschaftliche 

Situation. Sie könne sich nicht mehr richtig freuen, die Zukunft mache ihr Angst. Sie 

habe nach wie vor eine gute Beziehung zu den Eltern, zum Bruder und zu zahlreichen 

Kolleginnen, mit denen sie sich regelmässig und mehrmals wöchentlich treffe. Sie sehe 

regelmässig fern, lese Zeitungen und löse Kreuzworträtsel. Bei der psychiatrischen 

Untersuchung sei die Versicherte leicht depressiv gewesen. Hinweise auf 

Konzentrations- oder Gedächtnisstörungen hätten sich nicht finden lassen. Da die 

Versicherte früher nicht unter einer langanhaltenden psychosozialen oder emotionalen 

Belastungssituation gelitten habe, sei die Diagnose einer somatoformen 

Schmerzstörung ausgeschlossen. Es sei stattdessen von einer leichten depressiven 

Episode und von einer Schmerzverarbeitungsstörung auszugehen. Der Schwindel und 

die damit verbundenen unklaren Stürze seien somatisch nicht erklärbar. Sie seien im 

Rahmen der Schmerzverarbeitungsstörung zu sehen. Mit den Stürzen, die nie 

beobachtet worden seien, sei die Versicherte in der Lage, vor der Umgebung 

auszudrücken, wie schlecht es ihr gehe. Es handle sich um eine 

Verdeutlichungstendenz. Aufgrund der leichten depressiven Störung sei die 

Arbeitsfähigkeit um 20% eingeschränkt. Die Schmerzverarbeitungsstörung beschränke 

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die Arbeitsfähigkeit nicht. Es wäre der Versicherten zumutbar, die Willensanstrengung 

aufzubringen, um ganztags mit einer Leistungsfähigkeit von 80% tätig zu sein. Es gebe 

entgegen der Auffassung des behandelnden Psychiaters keine Hinweise darauf, dass 

die Versicherte in den letzten Jahren mittelgradig oder schwer depressiv gewesen 

wäre.

E.b Der neurologische Sachverständige führte aus, die Versicherte leide an 

multifaktoriell bedingten chronischen Kopfschmerzen (phänomenologisch 

Spannungstyp-Kopfweh, aktuell medikamenteninduzierte Kopfschmerzen), an einem 

chronischen zervikalen und zervikobrachialen Schmerzsyndrom rechts (degenerative 

HWS-Veränderungen, Torsionsskoliose der WS, St. n. Sturz mit u.a. HWS-

Distorsionstrauma 22.6.98), an rezidivierenden Stürzen unklarer Ursache, an Insomnie/

restless legs-Syndrom laut Angabe und an einem St. n. einem Sturz mit möglicher 

Commotio cerebri 22.6.98. Als Hauptproblem habe die Versicherte die Kopfschmerzen 

angegeben. Dabei handle es sich um eine Überlagerung mit psychischen Faktoren. Die 

Versicherte habe ausserdem über konstant vorhandene, rechtsseitig lokalisierte 

Nackenschmerzen mit intermittierender Ausstrahlung in den rechten Arm und mit 

einem Taubheitsgefühl an den beiden kleinen Fingern geklagt. Klinisch sei die aktive 

HWS-Beweglichkeit eingeschränkt gewesen. Bei der passiven HWS-Beweglichkeit sei 

die Einschränkung geringer gewesen. Radiologisch hätten sich, nebst einer 

Fehlhaltung, degenerative Veränderungen schwerpunktmässig auf der Höhe C5/6 

gefunden. Anhaltspunkte für eine radikuläre Reiz- oder Ausfallsymptomatik fehlten, so 

dass von einem HWS-Distorsionstrauma auszugehen sei. Die aktuell geklagten 

neuropsychologischen Defizite seien aus neurologischer Sicht als unspezifisch zu 

beurteilen. Wahrscheinlich seien sie die Folge von Interferenzfaktoren wie Schmerzen 

und/oder Problemen. Nur so könne der Verlauf mit Akzentuierung über die Zeit erklärt 

werden. Auch für den Schwindel gebe es keine neurologische Erklärung. Anhaltspunkte 

für eine zentrale oder peripher-vestibuläre Funktionsstörung fehlten. Der Schwindel 

könne auch nicht mehr im Rahmen eines postcommotionellen Syndroms interpretiert 

werden. Für die Stürze gebe es keine klare Ursache. Letztlich komme 

differentialdiagnostisch sogar eine konversive Störung in Betracht. Körperlich schwere 

Arbeiten mit Heben und Tragen von Lasten über 15 kg, Arbeiten in Zwangshaltung und 

Arbeiten über Kopf seien der Versicherten nicht mehr zumutbar. Daraus folge, dass die 

Arbeitsfähigkeit für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Krankenschwester mit etwa 60% 

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einzuschätzen sei. Eine genaue Quantifizierung sei nicht möglich, da die konkreten 

Anforderungen relevant seien. In einer angepassten Tätigkeit bestehe keine 

Arbeitsunfähigkeit.

E.c Gestützt auf einen multidisziplinären Konsensus gingen die Sachverständigen des 

ABI für die angestammte Tätigkeit als Krankenschwester von einer Arbeitsfähigkeit von 

50% aus. Die somatisch bedingte Arbeitsunfähigkeit von 40% war durch die 

psychiatrisch ausgewiesene geringe Leistungseinbusse auf 50% zu erhöhen. Für 

körperlich leichte bis nur gelegentlich mittelschwere adaptierte Tätigkeiten wurde von 

einer Arbeitsunfähigkeit von 20% ausgegangen. Die Arbeitsunfähigkeit in der 

angestammten Tätigkeit bestand nach der Auffassung der Sachverständigen seit 

Januar 2002. Diese Einschätzung stimmte ihrer Ansicht nach mit dem Gutachten der 

MEDAS Bern überein, denn dort sei man aus rein somatischer Sicht von einer 

Arbeitsfähigkeit von 100% nach einer zwölfmonatigen Rehabilitationsphase 

ausgegangen.

F.  

Der Berufsberater der IV-Stelle hielt am 18. Juli 2007 fest, berufliche Abklärungen 

würden die Diskrepanzen zwischen der Selbsteinschätzung der Versicherten und der 

objektiv bestehenden Situation nur noch verstärken. Die Chronifizierung sei schon 

längst eingetreten. Deshalb sei über das Rentengesuch zu entscheiden. Die IV-Stelle 

wartete den Gerichtsentscheid in der UV-Sache der Versicherten ab. Dr. med. E.___ 

vom RAD gab am 25. Juni 2008 an, für die angestammte Tätigkeit als 

Krankenschwester sei ab Januar 2002 von einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 50% 

auszugehen. In einer adaptierten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80%. Der 

Berufsberater der IV-Stelle sah am 27. Juni 2008 keine Möglichkeit, die Situation der 

Versicherten durch eine Eingliederung zu verbessern. Die IV-Stelle verglich ein 

Einkommen der Versicherten als (gesunde) Krankenschwester von Fr. 90'116.- mit dem 

im Altersheim theoretisch erzielbaren Einkommen von Fr. 62'881.-. Es resultierte ein 

Invaliditätsgrad von 30%. Mit einem Vorbescheid vom 17. Juli 2008 teilte die IV-Stelle 

der Versicherten mit, dass sie beabsichtige, das Rentenbegehren abzuweisen. Die 

Versicherte liess am 25. August 2008 einwenden, die Arbeit einer Krankenschwester 

sei immer mit schwereren Arbeiten verbunden. Das gelte auch für jede andere Tätigkeit 

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im Pflegebereich. Deshalb stelle sich die Frage, ob im angestammten Bereich 

überhaupt eine verwertbare Arbeitsfähigkeit gegeben sei. Das zumutbare 

Invalideneinkommen betrage nicht Fr. 62'881.-, weil das im Altersheim effektiv erzielte 

Erwerbseinkommen nicht einfach auf 80% hochgerechnet werden könne. Diese 

Arbeitsstelle lasse sich nämlich nicht wesentlich ausbauen. Aus diesem Grund müssten 

die beantragten beruflichen Massnahmen nochmals geprüft werden. Ein Einsatz im 

Gesundheitsbereich dürfte nicht mehr in Frage kommen. Möglich wäre ein Einsatz im 

Sozialwesen. Dort könnte ein Lohn von Fr. 42'500.- erzielt werden. Mit einer Verfügung 

vom 22. September 2008 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der Versicherten ab.

G.   

Die Versicherte liess am 17. Oktober 2008 Beschwerde erheben und die Zusprache 

einer Invalidenrente rückwirkend ab Januar 2003 beantragen. Eventualiter seien 

vorgängig die beantragten beruflichen Massnahmen zu prüfen. Zur Begründung des 

Hauptbegehrens liess die Versicherte ausführen, es hätte nicht auf das ABI-Gutachten 

abgestellt werden dürfen. Darin sei das Gutachten von Dr. F.___ vom 8. Juli 2002 nicht 

einmal erwähnt, geschweige denn diskutiert worden. Ausserdem sei die Begutachtung 

nicht umfassend gewesen. Es fehle nämlich eine neuropsychologische Abklärung, 

obwohl die neuropsychologischen Defizite die Arbeit erheblich beeinträchtigten. Die 

Versicherte werde nach zwei Stunden Arbeit fahrig und unkonzentriert. Sie beginne, 

Fehler zu machen und die Namen der Medikamente zu verwechseln. Im Übrigen sei 

das ABI-Gutachten nicht mehr aktuell. Der Gesundheitszustand habe sich seither 

nämlich verschlechtert. Das ABI-Gutachten sei auch nicht schlüssig, denn die Arbeit 

als Krankenschwester sei immer mit schwereren Arbeiten verbunden. Deshalb sei 

zumindest ab Januar 2002 eine rentenbegründende Einschränkung anzunehmen. Das 

zumutbare Invalideneinkommen könne nicht ausgehend von einem Jahreseinkommen 

von Fr. 78'601.20 ermittelt werden, da es sich dabei um den fiktiven Lohn handle, den 

die Versicherte bei einem Beschäftigungsgrad von 100% im Altersheim erzielen würde. 

Die konkrete Stelle sei aber nicht wesentlich ausbaubar. Unzutreffend sei die Annahme, 

dass die Erwerbsmöglichkeiten durch berufliche Massnahmen nicht verbessert werden 

könnten. Es sei nämlich noch nicht geklärt, welche adaptierten Tätigkeiten in Frage 

kämen und welche zusätzlichen beruflichen Voraussetzungen dafür erforderlich seien. 

Ohne Berufsqualifikation könnte die Versicherte im Sozialbereich höchstens Fr. 

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42'500.- verdienen. Damit würde ein Invaliditätsgrad von wenigstens 50% resultieren. 

Gemäss einem Bericht von Dr. med. G.___ vom 12. September 2008 hatte sich der 

psychische Zustand der Versicherten als Folge der Enttäuschung über den IV-

Entscheid verschlechtert. Dr. med. G.___ stimmte mit der Arbeitsfähigkeitsschätzung 

des ABI überein (50% als Krankenschwester). Wahrscheinlich sei in einem anderen 

Beruf eine höhere Arbeitsfähigkeit möglich, aber das Alter und der psychische Zustand 

sprächen gegen eine Umschulung. Gemäss einer Bestätigung der Klinik Aadorf vom 6. 

Oktober 2008 war die Versicherte durch Dr. med. C.___ zu einer stationären Therapie 

angemeldet worden.

H.   

Die IV-Stelle beantragte am 20. November 2008 die Abweisung der Beschwerde. Sie 

machte geltend, Gegenstand des Beschwerdeverfahrens sei nur ein Rentenanspruch. 

Auf das Eventualbegehren betreffend berufliche Massnahmen könne das Gericht 

deshalb nicht eintreten. Es schade nicht, dass das ABI keine Kenntnis vom Gutachten 

F.___ gehabt habe. Dort sei nämlich in Übereinstimmung mit anderen neurologischen 

Untersuchungen festgestellt worden, dass keine neurologischen Ausfälle vorlägen. Das 

ABI-Gutachten sei nicht unvollständig, nur weil keine neuropsychologische Testung 

vorgenommen worden sei. Eine solche Untersuchung sei nämlich wenig geeignet zur 

Objektivierung geklagter Beschwerden, weil es praktisch unmöglich sei zu bestimmen, 

ob Hirnleistungsschwächen auf fehlende Motivation, auf ein Unfallereignis oder auf 

Erbanlagen zurückzuführen seien. Auch psychische Beeinträchtigungen oder eine 

psychosoziale Problematik führten zwangsläufig zu schwachen neuropsychologischen 

Testergebnissen. Seit der Begutachtung durch das ABI sei keine Verschlechterung des 

Gesundheitszustands eingetreten. Es sei eine Regel, dass Personen mit untauglichen 

Schmerzverarbeitungsmechanismen praktisch dauernd in medizinischer Behandlung 

seien. Die leichte depressive Episode sei zum vornherein nicht invalidisierend. 

Dasselbe gelte für die Schmerzverarbeitungsstörung, weil keine psychische Krankheit 

von erheblicher Schwere, Dauer und Ausprägung vorliege. Aus psychiatrischer Sicht 

sei deshalb von einer vollständig erhaltenen Arbeitsfähigkeit auszugehen. 

Diesbezüglich könne vom ABI-Gutachten abgewichen werden. Der restliche Teil des 

ABI-Gutachtens verliere deshalb seinen Beweiswert nicht. Da Krankenschwestern nicht 

stets Lasten von 15 kg und mehr heben, Zwangshaltungen einnehmen oder 

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Überkopfarbeiten ausführen müssten, sei die geltend gemachte vollständige 

Arbeitsunfähigkeit nicht glaubhaft. In einer adaptierten Tätigkeit sei die Versicherte voll 

arbeitsfähig. Bei einem Valideneinkommen von Fr. 85'151.30 und einem zumutbaren 

Invalideneinkommen von Fr. 60'084.- resultiere ein Invaliditätsgrad von 29%.

I.  

Die Versicherte liess in der Replik vom 19. Januar 2009 einwenden, sie habe seit dem 

Frühsommer 2008 immer mehr Mühe, den Alltag zu bewältigen. Die Ärzte der Klinik 

Aadorf hätten eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion und eine 

anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert. Sie hätten erhebliche 

neuropsychologische Defizite bestätigt. Eine neuropsychologische Abklärung sei 

geplant. Die bestehende Störung könne nach der Ansicht der Ärzte der Klinik Aadorf 

auch durch eine zumutbare Willensanstrengung nicht überwunden werden. Die Ärzte 

der Klinik Aadorf hatten dem Rechtsvertreter der Versicherten am 13. Januar 2009 

angegeben, das ambulante Setting habe nicht mehr ausgereicht, weshalb der 

Versicherten ein stationärer Klinikaufenthalt empfohlen worden sei. Die Diagnose laute: 

Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion und anhaltende somatoforme 

Schmerzstörung. Anamnestisch lägen Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, 

Vergesslichkeit, Paraesthesien im Arm und Konzentrations- und 

Aufmerksamkeitsstörungen vor. Am 14. Januar 2009 werde eine neuropsychologische 

Abklärung erfolgen. Weil sich das depressive Zustandsbild auf kognitive Bereiche 

auswirke, seien Defizite bei der Erwerbsfähigkeit zu erwarten. Trotz einer intensiven 

stationären Therapie sei bisher keine Besserung des Zustandsbildes erreicht worden, 

so dass davon auszugehen sei, dass die Diagnose und die störungsspezifischen 

Symptome durch eine zumutbare Willensanstrengung nicht überwunden werden 

könnten. Weitere Differenzierungen wären durch ein unabhängiges Gutachten zu 

klären.

J.  

Die IV-Stelle verzichtete am 23. Januar 2009 auf eine Duplik.

K.   

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/22

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Die Versicherte liess am 12. Februar 2009 einen Bericht von Dr. phil. H.___ und Dr. 

med. I.___ vom 21. Januar 2009 über eine neuropsychologische Abklärung einreichen. 

Laut diesem Bericht lagen eine knapp genügende Konzentrations- und 

Aufmerksamkeitsleistung, ein erschwertes kognitives Umstellen, Schwierigkeiten beim 

Erlernen abstrakter Konzepte, ein fehlerhaftes verbales Gedächtnis und eine leichte 

psychomotorische Verlangsamung mit Verstimmung vor. Diese leichten Dysfunktionen 

liessen sich weder lokalisatorisch noch aetiologisch einem Muster zuordnen. Eine 

Hirnverletzung konnte mit grosser Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Die 

auffällige Fehlerhäufigkeit, die einzig im verbalen Gedächtnis präsent sei, sei am 

ehesten ein Interferenzeffekt durch verschiedene Hirnleistungstrainings. Die 

dargestellten Befunde seien überwiegend schmerzverbunden und möglicherweise 

durch Medikamente induziert. Als Pflegeassistentin sollte die Versicherte zu 50-60% 

arbeitsfähig sein (verminderte Konzentration, Langsamkeit, eingeschränkte kognitive 

Flexibilität). Die Versicherte liess darauf hinweisen, dass diese Befunde bei ihrem 

effektiven Beruf einer Pflegefachfrau aufgrund der gegenüber einer Pflegeassistentin 

höheren Anforderungen stärkere Auswirkungen hätten.

Erwägungen:

1.  

In der Stellungnahme vom 25. August 2008 zum Vorbescheid hat die 

Beschwerdeführerin neben dem Hauptbegehren, ihr eine Invalidenrente zuzusprechen, 

das Eventualbegehren stellen lassen, es seien vorgängig nochmals die beantragten 

beruflichen Eingliederungsmassnahmen zu prüfen. Das Wort "vorgängig" konnte sich 

nur auf die Prüfung des Rentenbegehrens beziehen, d.h. der Bedarf nach 

Eingliederungsmassnahmen sollte vor dem Rentenanspruch geprüft werden. Dem 

widersprach aber die Ausgestaltung als Eventualbegehren, denn dieses konnte ja erst 

zum Zug kommen, wenn das Hauptbegehren (Zusprache einer Invalidenrente) 

abgelehnt worden war, d.h. es konnte sich nur um eine "nachgängige" Prüfung des 

Bedarfs nach beruflichen Eingliederungsmassnahmen handeln. Dieser unauflösbare 

Widerspruch hätte nur dadurch verhindert werden können, dass die 

Beschwerdegegnerin das Begehren entgegen seinem Wortlaut nicht als 

Eventualbegehren, sondern als Begehren, eine unterlassene Erfüllung des Grundsatzes 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/22

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der Eingliederung vor Rente (vgl. dazu Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2.A., 

Vorbemerkungen N. 47) nachzuholen, bevor über das Rentenbegehren entschieden 

werde, verstanden hätte. Die Beschwerdegegnerin hat das Eventualbegehren aber 

nicht so verstanden. Sie ist davon ausgegangen, dass die beruflichen 

Eingliederungsmassnahmen nicht im Rahmen des Grundsatzes der Eingliederung vor 

Rente zur Diskussion stünden, weil der Invaliditätsgrad auf jeden Fall unter 40% liege. 

Deshalb hat sie einen reinen Anspruch auf berufliche Massnahmen angenommen, der 

völlig unabhängig zu prüfen war. Sie hat die Behandlung eines entsprechenden 

Gesuchs für den Fall zugesichert, dass sich die subjektive 

Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung der Beschwerdeführerin verändere und der objektiven 

medizinischen Einschätzung (wohl im ABI-Gutachten) annähere. Diese Zusicherung 

weist keinen Verfügungscharakter auf, womit eine gerichtliche Beurteilung eines 

allfälligen reinen Anspruchs auf berufliche Eingliederungsmassnahmen im vorliegenden 

Beschwerdeverfahren ausgeschlossen ist. Die Beschwerdeführerin hat ihr 

"Eventualbegehren" auch in der Beschwerde wieder gestellt. Das kann nur so 

interpretiert werden, dass sie erneut sinngemäss geltend gemacht hat, es liege ein – 

vorläufiger – Invaliditätsgrad von 40% oder mehr vor, so dass nach dem Grundsatz der 

Eingliederung vor Rente die Notwendigkeit einer beruflichen Eingliederung zu prüfen 

sei, bevor über die Rentenberechtigung entschieden werden könne. Da die Erfüllung 

der im Grundsatz der Eingliederung vor Rente zum Ausdruck gebrachten IV-

rentenspezifischen Schadenminderungspflicht die zwingende Voraussetzung jeder 

Rentenzusprache ist, muss sie immer von Amtes wegen geprüft werden, bevor 

endgültig über ein Rentenbegehren entschieden werden kann. Das Gericht müsste 

diese Frage also auch dann vorweg beantworten, wenn die Beschwerdeführerin dies 

nicht beantragt hätte. Das bedeutet, dass die Notwendigkeit einer beruflichen 

Eingliederung zur Vermeidung oder Verminderung eines allfälligen Rentenanspruchs 

der Beschwerdeführerin zwingend geprüft werden muss. Insofern gehört die berufliche 

Eingliederung entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin zum notwendigen 

Streitgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens.

2.  

Eine Pflicht zur beruflichen Eingliederung nach dem Grundsatz der Eingliederung vor 

Rente besteht nur, wenn ohne eine solche Eingliederung ein Invaliditätsgrad von 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/22

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mindestens 40%, d.h. ein Rentenanspruch bestehen würde. Das bedeutet, dass 

zunächst eine "vorläufige" Invaliditätsbemessung erfolgen muss. "Vorläufig" bedeutet, 

dass das Invalideneinkommen anhand der aktuellen erwerblichen Situation und der 

darin bestehenden Arbeitsfähigkeit ermittelt werden muss. Die Ermittlung des 

"vorläufigen" Invalideneinkommens setzt die Ermittlung der "vorläufigen" 

Invalidenkarriere voraus. Es muss also feststehen, auf welche Art und mit welchem 

Arbeitsfähigkeitsgrad die Beschwerdeführerin ohne vorgängige berufliche 

Eingliederung zumutbarerweise tätig sein könnte. Die "vorläufige" Invalidenkarriere ist 

in vielen Fällen eine ganz andere als die "definitive" Invalidenkarriere, denn letztere 

stützt sich auf die erwerblichen Umstände nach dem Abschluss der erforderlichen 

beruflichen Eingliederungsmassnahmen. Die Validenkarriere hingegen ist bei der 

"vorläufigen" Invaliditätsbemessung dieselbe wie bei der "definitiven" 

Invaliditätsbemessung. Dabei handelt es sich nämlich um einen rein fiktiven 

Sachverhalt: Wie und in welchem Ausmass könnte eine versicherte Person einer 

Erwerbstätigkeit nachgehen, wenn sie in ihrer Gesundheit nicht beeinträchtigt wäre? 

Die Beschwerdegegnerin ist davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin ohne 

Gesundheitsbeeinträchtigung weiterhin als Krankenschwester in der früheren Abteilung 

und in der früheren Funktion im Spital K.___ tätig wäre. Dabei handelt es sich 

tatsächlich um die wahrscheinlichste Hypothese, denn die Beschwerdeführerin hat 

zwar auch nach dem Ereignis im Jahr 1998 noch Weiterbildungen absolviert, aber mit 

diesen hat sie eine Verbreiterung ihres beruflichen Wissens als Krankenschwester und 

nicht eine höhere berufliche Qualifikation angestrebt. Sie hätte also auch langfristig 

betrachtet weiterhin als Krankenschwester im Spital K.___ gearbeitet. Das hat die 

Beschwerdeführerin indirekt bestätigt, indem sie das von der Beschwerdegegnerin 

angenommene Valideneinkommen als korrekt bezeichnet hat. Problematischer ist die 

Definition der "vorläufigen" Invalidenkarriere. Die Beschwerdeführerin hat vom Spital 

K.___ in das Altersheim L.___ gewechselt. Dort ist sie nicht als Krankenschwester tätig 

gewesen. Vielmehr ist sie gemäss dem Arbeitgeberbericht vom 20. März 2006 für das 

Richten und das Kontrollieren der Medikamente usw. zuständig gewesen. Dabei dürfte 

es sich nur um eine von mehreren Möglichkeiten der Beschwerdeführerin gehandelt 

haben, die beruflichen Fähigkeiten und Erfahrungen trotz der 

Gesundheitsbeeinträchtigung noch zu verwerten. Aus dem Betrag des vom Altersheim 

L.___ ausgerichteten Lohnes, der erheblich unter dem früher am Spital K.___ erzielten 

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Lohn liegt, muss der Schluss gezogen werden, dass die Beschwerdeführerin nicht 

unter voller Ausschöpfung ihrer beruflichen Kenntnisse und Erfahrungen eingesetzt 

wird. Die in Bezug auf das Erwerbseinkommen vorteilhafteste Lösung wäre ein weiterer 

Einsatz als Krankenschwester gewesen. Dabei hätte die Beschwerdeführerin allerdings 

keine körperlich schweren Arbeiten (Lasten über 15 kg), keine Arbeiten in 

Zwangshaltung und keine Arbeiten über Kopf ausführen dürfen. Auch wenn die 

Behauptung des Rechtsvertreters, keine Arbeitsstelle im Pflegebereich erfülle diese 

Anforderungen, offensichtlich nicht stimmen kann, ist doch davon auszugehen, dass 

die eigentliche Arbeit einer qualifizierten Krankenschwester immer wieder auch einzelne 

nicht adaptierte Arbeiten umfasst. Eine Tätigkeit als Krankenschwester ohne Anteile 

von nicht adaptierten Arbeiten würde wohl eine deutlich bessere berufliche 

Qualifikation (insbesondere zur Ausübung einer leitenden Funktion) voraussetzen. Gibt 

es auch auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt keine Stelle für eine 

qualifizierte Krankenschwester, an der keine nicht adaptierten Arbeiten ausgeführt 

werden müssen, so hat die Beschwerdeführerin sowohl in Bezug auf die Verwertung 

der bestehenden beruflichen Fähigkeiten, Kenntnisse und Erfahrungen als auch in 

Bezug auf den erzielbaren Lohn eine adäquate behinderungsadaptierte Tätigkeit 

aufgenommen. Sie hat damit die in Art. 6 Satz 2 ATSG kodifizierte 

Selbsteingliederungspflicht vollumfänglich erfüllt. Die konkret ausgeübte Tätigkeit im 

Altersheim L.___ ist also – zumindest in Bezug auf die Beeinträchtigung der 

körperlichen Gesundheit – die bestmögliche Verwertung der verbliebenen 

Arbeitsfähigkeit ohne berufliche Eingliederung. Diese Erwerbstätigkeit entspricht somit 

der "vorläufigen" Invalidenkarriere.

3.  

Das zumutbare "vorläufige" Invalideneinkommen richtet sich also grundsätzlich nach 

dem im Altersheim L.___ ausgerichteten Lohn. Eine vergleichbare Tätigkeit könnte 

allerdings auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt, anders als im 

Altersheim L.___, zu 100% ausgeübt werden. Deshalb bleibt zur Ermittlung der 

zumutbaren "vorläufigen" Invalideneinkommens noch zu klären, welcher 

Arbeitsfähigkeitsgrad in dieser Tätigkeit besteht. Gemäss den Angaben im ABI-

Gutachten besteht für eine adaptierte Erwerbstätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80%. 

Die Arbeitsunfähigkeit von 20% ist ausschliesslich auf die leichte depressive Episode 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 17/22

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zurückzuführen sein. Die Beschwerdeführerin hat im Verlauf des Verwaltungsverfahrens 

über eine Vielzahl von Beschwerden geklagt. Bei der Würdigung dieser Klagen durch 

die vielen mit dem Fall der Beschwerdeführerin befassten Ärzte ist der 

Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte dazu neigen, die 

Angaben ihrer Patienten als objektiv zu qualifizieren, während abklärende unabhängige 

Sachverständige die Angaben der Exploranden auf ihre Plausibilität prüfen. Das 

Verhalten der behandelnden Ärzte lässt sich damit erklären, dass sie aufgrund ihres 

Therapieauftrages gehalten sind, die Anamnese- und Beschwerdeschilderungen ernst 

zu nehmen, es sei denn, diese Schilderungen enthielten ein deutliches Indiz dafür, dass 

sie nicht zuträfen. Nur in solchen seltenen Ausnahmefällen sind behandelnde Ärzte 

gezwungen, zur Sicherstellung einer erfolgreichen Therapie die Angaben ihrer Patienten 

zu hinterfragen. Demgegenüber besteht der Auftrag der unabhängigen medizinischen 

Sachverständigen ausschliesslich darin, das objektive Krankheitsgeschehen zu 

ermitteln. Dazu ist es erfahrungsgemäss oft notwendig, die Anamnese- und 

Beschwerdeschilderungen der Exploranden auf ihre Objektivität zu prüfen, also u.a. 

Untersuchungsmethoden anzuwenden, die geeignet sind, Widersprüche zwischen den 

Beschwerdeschilderungen und dem objektiven Gesundheitszustand aufzudecken. Eine 

Übereinstimmung zwischen den Angaben der behandelnden Ärzte und der 

Einschätzung der unabhängigen medizinischen Sachverständigen spricht deshalb 

weniger für die Richtigkeit der gutachterlichen Einschätzung als für die Objektivität der 

Angaben des behandelnden Arztes. Ausserdem ist zu berücksichtigen, dass 

behandelnde Ärzte sich oft jahrelang erfolglos bemüht haben, dass sie ebenso lange 

einer konsequent vorgetragenen, beim Untersuch demonstrierten und im Alltag 

umgesetzten Krankheits- und Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung eines Patienten 

ausgesetzt gewesen sind und dass sie eine Rentenausrichtung unbewusst als 

Therapiemittel betrachten. All dies führt dazu, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzungen 

behandelnder Ärzte erfahrungsmäss als weniger überzeugend qualifiziert werden 

müssen als diejenigen der unabhängigen Sachverständigen, wobei natürlich 

vorausgesetzt wird, dass die Begutachtung lege artis erfolgt ist.

4.  

Hier setzt die Kritik der Beschwerdeführerin an. Sie bezeichnet das Gutachten des ABI 

als nicht umfassend, weil eine neuropsychologische Abklärung unterblieben sei und 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 18/22

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weil nicht alle relevanten medizinischen Vorakten Berücksichtigung gefunden hätten. 

Das erste Argument beruht auf der Unterstellung, dass eine neuropsychologische 

Abklärung unbedingt nötig gewesen wäre, um den Gesundheitszustand und damit die 

Arbeitsfähigkeit abschliessend beurteilen zu können. Der neurologische Gutachter des 

ABI hat sich die Frage nach der Notwendigkeit einer neuropsychologischen Abklärung 

gestellt und er hat sie bewusst verneint. Begründet hat er das damit, dass sich 

neuropsychologische Defizite erfahrungsgemäss nach einem organisch-traumatisch 

bedingten Auftreten innert höchstens eines Jahres vollständig zurückbildeten. 

Anlässlich der neuropsychologischen Testung vom 3. Juli 2002 seien die Defizite 

bereits wenig ausgeprägt gewesen. Aktuell seien sie aus neurologischer Sicht als 

unspezifisch zu beurteilen. Sie seien wahrscheinlich die Folge von Interferenzfaktoren 

(Schmerzen und/oder psychische Probleme). Nur so könne die Akzentuierung über die 

Zeit erklärt werden. Diese Begründung für den Verzicht auf eine neuropsychologische 

Untersuchung überzeugt. Der von der Beschwerdeführerin eingereichte Bericht vom 

31. Januar 2009 über eine neuropsychologische Untersuchung bestätigt das. Die 

auffällige Fehlerhäufigkeit, die einzig im verbalen Gedächtnis präsent gewesen ist, ist 

als Interferenzeffekt durch verschiedene Hirnleistungstrainings bzw. als überwiegend 

schmerzverbunden und möglicherweise medikamenteninduziert qualifiziert worden. 

Dabei ist zu berücksichtigen, dass den abklärenden Neuropsychologinnen mit 

Ausnahme des neuropsychologischen Berichts vom 2. Juli 2002 keine medizinischen 

Unterlagen zur Verfügung gestanden haben. Sie sind deshalb nicht umfassend über die 

Krankheitssituation der Beschwerdeführerin informiert gewesen. Demnach sind sie 

auch nicht in der Lage gewesen festzustellen, ob es auch andere Ursachen für die 

festgestellten Defizite geben könnte. Insbesondere ist es ihnen dadurch auch nur 

beschränkt möglich gewesen, objektiv vorhandene von subjektiv empfundenen und 

dargestellten Einschränkungen zu trennen. Sie haben zwar die Auffassung des 

neurologischen Sachverständigen des ABI dem Grundsatz nach bestätigt, aber ihrer 

Arbeitsfähigkeitsschätzung kann aufgrund der fehlenden Kenntnis der medizinischen 

Gesamtsituation der Beschwerdeführerin keine Überzeugungskraft beigemessen 

werden. Die ebenfalls gerügte Unvollständigkeit der medizinischen Vorakten hat keinen 

Einfluss auf die Qualität des ABI-Gutachtens. Das fehlende Gutachten von Dr. med. 

F.___ vom 8. Juli 2002 hatte eine vorwiegend schmerzmittelinduzierte, chronische 

Kopfschmerzproblematik, aber keinen krankhaften neurologischen Befund enthalten. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 19/22

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Dr. med. F.___ hatte eine stationäre Therapie zur Absetzung aller Schmerzmittel 

vorgeschlagen. Sein Gutachten enthielt also nichts, das die Sachverständigen des ABI 

hätte dazu veranlassen können, den Gesundheitszustand und damit die 

Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin anders einzuschätzen. Die Behauptung der 

Beschwerdeführerin, nach spätestens zwei Stunden Arbeit träten 

Konzentrationsprobleme auf, sie verwechsle dann beispielsweise Medikamente, ist 

unglaubwürdig. So wäre sie nämlich eine Gefahr für die Altersheimbewohner und die 

Heimleitung hätte ihr wohl längst gekündigt.

5.  

Die MEDAS Bern hatte in ihrem Gutachten vom 3. August 2005 keine Anzeichen für 

eine Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit der Beschwerdeführerin gefunden. 

Deshalb hatte sie auf eine psychiatrische Abklärung verzichtet. Auch für die Zeit vor der 

Begutachtung durch die MEDAS Bern fehlen Hinweise auf ein psychisches Leiden. Die 

Klinik Valens hatte am 14. Mai 2002 keine psychiatrische Diagnose gestellt. Auch im 

Bericht der Schmerzklinik Kirschgarten vom 11. Februar 2003 fehlte eine solche 

Diagnose. Erst der behandelnde Psychiater Dr. med. C.___ hat am 2. Dezember 2005 

über eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, 

bestehend seit 2002, berichtet. Wäre diese Einschätzung richtig, so hätten die Klinik 

Valens und die Schmerzklinik Kirschgarten dies während der jeweiligen stationären 

Aufenthalte festgestellt. Beide Institutionen sind nämlich in einem Bereich tätig, in 

welchem die Wechselwirkung von körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen 

sehr wichtig ist, so dass das Augenmerk immer auch auf die psychische Situation der 

Patienten gerichtet ist. Auch die MEDAS Bern hätte zumindest eine psychiatrische 

Abklärung empfohlen, wenn Anzeichen für eine eigentliche Depression bestanden 

hätten. Der psychiatrische Sachverständige des ABI hat darauf hingewiesen, dass die 

Beschwerdeführerin in den vergangenen Jahren ein normales Leben geführt habe 

(selbständiges Führen des Haushalts, regelmässige Pflege sozialer Kontakte), was bei 

einer mittelschweren Depression wohl kaum mehr möglich gewesen wäre. Unter diesen 

Umständen vermag die von Dr. med. C.___ gestellte Diagnose samt 

Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht zu überzeugen oder auch nur ernsthafte Zweifel an 

der Richtigkeit der Einschätzung der Sachverständigen des ABI zu wecken. Dasselbe 

gilt für die in der Beschwerdeantwort von der Beschwerdegegnerin geäusserte Kritik an 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 20/22

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der Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen Sachverständigen des ABI. Wenn 

diese Arbeitsfähigkeitsschätzung tatsächlich nicht zu überzeugen vermöchte, hätte das 

korrekte Vorgehen der Beschwerdegegnerin darin bestanden, die Rückweisung der 

Sache zu beantragen und dann eine neue psychiatrische Begutachtung anzuordnen. 

Auf keinen Fall kann es zulässig sein, eine als unzutreffend vermutete 

Arbeitsfähigkeitsschätzung durch eine eigene Arbeitsfähigkeitsschätzung zu ersetzen, 

denn dem Mitarbeiter des Rechtsdienstes der Beschwerdegegnerin und den 

Richterinnen fehlen jene medizinischen Kenntnisse, die nötig sind, um die Unrichtigkeit 

einer Arbeitsfähigkeitsschätzung nachzuweisen und die korrekte Arbeitsfähigkeit zu 

ermitteln. Im vorliegenden Fall fehlt es bereits an den erforderlichen Indizien, die 

berechtigte Zweifel an der Richtigkeit der Arbeitsfähigkeit des psychiatrischen 

Sachverständigen des ABI wecken würden. Dass die Diagnose einer leichten 

depressiven Episode per se nie eine unüberwindbare (Teil-) Arbeitsunfähigkeit bewirken 

kann, wie die Beschwerdegegnerin sinngemäss unterstellt, lässt sich medizinisch wohl 

nicht belegen. Der Umstand, dass der psychiatrische Sachverständige des ABI weder 

auf die einschlägige Bundesgerichtspraxis hingewiesen noch mit der "zumutbaren 

Willensenergie" argumentiert hat, zwingt nicht zum Schluss, dass er die 

Bundesgerichtspraxis ignoriert hätte. Im Gegenteil ist davon auszugehen, dass der 

erfahrene psychiatrische Sachverständige sehr wohl über diese Bundesgerichtspraxis 

orientiert gewesen ist und dass er sie in seine Arbeitsfähigkeitsschätzung hat 

einfliessen lassen. Es ist durchaus möglich, dass die chronische körperliche 

Begleiterkrankung oder die Kombination vieler für sich allein irrelevanter Krankheiten es 

der Beschwerdeführerin verunmöglichen, die aus der leichten depressiven Episode 

fliessende Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung mit einer zumutbaren Willensanstrengung 

vollumfänglich zu überwinden. Die Annahme, dass die Beschwerdeführerin die 

Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung nur zu 80% überwinden kann (z.B. weil sie zusätzliche 

Arbeitspausen benötigt), ist durchaus plausibel. Die für eine adaptierte Erwerbstätigkeit 

angegebene Arbeitsunfähigkeit von 20% ist deshalb überwiegend wahrscheinlich 

korrekt. Indizien dafür, dass sich der psychische Gesundheitszustand nach der 

Begutachtung dauernd verschlechtert haben könnte, fehlen. Erfahrungsgemäss hat die 

Abweisung eines Rentengesuchs oft eine Verstärkung der depressiven Situation zur 

Folge, aber dies bildet sich in aller Regel bald wieder zurück. Davon ist auch im 

vorliegenden Fall auszugehen.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 21/22

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6.  

Strittig ist ein Rentenanspruch ab Januar 2003. Der Einkommensvergleich müsste 

deshalb an sich anhand der Zahlen des Jahres 2003 erfolgen. Nun ist die 

Beschwerdeführerin aber erst seit Ende 2004 beim Altersheim L.___ angestellt. 

Verlässliche Lohnzahlen liegen erst für das Jahr 2005 vor. Dies zwingt dazu, die 

Invaliditätsbemessung ausnahmsweise anhand der Zahlen des Jahres 2005 

vorzunehmen. Eine relevante Unstimmigkeit als Folge einer unterschiedlichen 

Lohnentwicklung ist angesichts der kurzen Zeitspanne nicht zu erwarten. Das Spital 

K.___ hat für das Jahr 2002 einen Lohn der Beschwerdeführerin von Fr. 85'151.30 

angegeben. Gemäss der vom Bundesamt für Statistik ermittelten Lohnentwicklung 

2005, Tabelle T1.93, haben sich die Nominallöhne im Gesundheits- und Sozialwesen 

im Jahr 2003 um 2,25% und im Jahr 2004 und 1,3% erhöht. Daraus resultiert ein 

Valideneinkommen 2005 von Fr. 88'156.-. Das Altersheim L.___ hat für 2005 einen 

Monatslohn der Beschwerdeführerin von Fr. 1809.20 angegeben. Dies hat sich auf 

einen Beschäftigungsgrad von 30% bezogen. Das entspricht einem Jahreseinkommen 

von Fr. 23'520.-. Umgerechnet auf einen Beschäftigungsgrad von 80% resultiert ein 

Jahreseinkommen von Fr. 62'720.-. Die behinderungsbedingte Erwerbseinbusse 

beträgt somit Fr. 25'436.-. Das entspricht einem "vorläufigen" Invaliditätsgrad von 

knapp 30%. Da die Grenze von 40% (Art. 28 Abs. 2 IVG) nicht erreicht ist, "droht" kein 

"Schaden" in der Form eines Rentenanspruchs, so dass keine berufliche 

Eingliederungspflicht besteht. Die Sache muss deshalb nicht zur Abklärung und zur 

Durchführung beruflicher Massnahmen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen 

werden. Das wiederum bedeutet, dass das Resultat der "vorläufigen" 

Invaliditätsbemessung gleichzeitig auch das Resultat der "definitiven" 

Invaliditätsbemessung ist. Da die Beschwerdeführerin nur zu 30% invalid ist, hat die 

Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren zu Recht abgewiesen.

7.  

Entsprechend den vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen. Bei 

diesem Ausgang des Verfahrens trägt grundsätzlich die unterliegende Partei die 

Verfahrenskosten. Diese betragen zwischen Fr. 200.- und Fr. 1000.-. Bemessen 

werden sie nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1  IVG). Dieser rechtfertigt im bis

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 22/22

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vorliegenden Fall eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-. Da der Beschwerdeführerin die 

unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden ist, ist ihr diese Gerichtsgebühr zwar 

aufzuerlegen, aber sie wird von der Bezahlung befreit. Sie ist jedoch zur Nachzahlung 

der Gerichtskosten verpflichtet, wenn ihre wirtschaftlichen Verhältnisse dies später 

gestatten sollten. Dasselbe gilt für die als Folge der Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtsverbeiständung vom Staat zu übernehmenden Parteikosten. Diese bemessen 

sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses 

(Art. 61 lit. g ATSG). Entsprechend der durchschnittlichen Schwierigkeit des Prozesses 

rechtfertigt es sich, die Parteikosten auf Fr. 3500.- festzusetzen. Die Entschädigung 

dieser Parteikosten beläuft sich gemäss Art. 31 Abs. 3 des st. gallischen 

Anwaltsgesetzes auf 80%. Der Staat hat den Rechtsbeistand der Beschwerdeführerin 

also mit Fr. 2800.- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG

entschieden:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Beschwerdeführerin wird im Sinne der Erwägungen von der Bezahlung der 

Gerichtskosten von Fr. 600.- befreit.

3. Der Staat entschädigt den Rechtsbeistand der Beschwerdeführerin mit Fr. 2800.-.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 27.05.2010
	Art. 16 ATSG. Einkommensvergleich zu Ermittlung des Invaliditätsgrades Entgegen der Bundesgerichtspraxis zur Überwindbarkeit somatoformer Schmerzstörungen etc. kann die Arbeitsfähigkeitsschätzung eines psychiatrischen Sachverständigen, der die Diagnose einer leichten depressiven Episode gestellt und daraus auf einen Arbeitsunfähigkeitsgrad von 20% geschlossen hat, nicht als falsch qualifiziert und direkt durch eine Arbeitsfähigkeit von 100% ersetzt werden. Weder die IV-Stellenmitarbeiter noch die Richter und Richterinnen verfügen nämlich über die notwendigen medizinischen Kenntnisse, um die Fehlerhaftigkeit einer ärztlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung nachweisen und sie durch eine eigene Arbeitsfähigkeitsschätzung ersetzen zu können. Dies gilt insbesondere dort, wo die Diagnose der leichten depressiven Episode nur Teil der Gesamtdiagnose ist. Wenn die Arbeitsfähigkeitsschätzung schon zwingend als nicht überzeugend gewürdigt werden muss, dann bleibt als Abhilfe nur die erneute ärztliche Begutachtung (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 27. Mai 2010, IV 2008/442). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 8C_515/2010.

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		2025-07-19T13:46:31+0200
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