# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 44b56cdc-b15f-5c6f-b2ca-b5a6ab8876c7
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240147-O1
**Docket/Reference:** SB240147-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240147-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240147-O/U/cwo

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. B. Gut, Präsident, lic. iur. B. Amacker und 

Oberrichterin lic. iur. M. Knüsel sowie Gerichtsschreiberin MLaw 

A. Sieber

Urteil vom 17. Januar 2025

in Sachen

A._____, 

Beschuldigte und Berufungsklägerin

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____

Staatsanwaltschaft See/Oberland, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte

gegen

sowie

B._____, 

Privatklägerin und Anschlussberufungsklägerin

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwalt MLaw Y._____

betreffend versuchte schwere Körperverletzung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Uster, Einzelgericht, 

vom 5. September 2023 (GG230015)

- 2 -

Antrag:
(Urk. 22)

Der  Antrag  der  Staatsanwaltschaft  See  /  Oberland  auf  Anordnung  einer  Mass-

nahme für eine schuldunfähige Person vom 7. März 2023 (Urk. 22) ist diesem Urteil 

beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 58 S. 46 ff.)

Es wird erkannt:

1.

Es wird festgestellt, dass die Beschuldigte folgende Tatbestände objektiv erfüllt hat: 





versuchte schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 lit. a StGB i.V.m. Art. 22 

Abs. 1 StGB

Schreckung der Bevölkerung im Sinne von Art. 258 StGB.

2.

Von einer Strafe wird aufgrund der nicht selbstverschuldeten Schuldunfähigkeit im Sinne von 

Art. 19 Abs. 1 StGB abgesehen. 

3.

Es  wird  eine  ambulante  Behandlung  der  Beschuldigten  im  Sinne  von  Art. 63  StGB 

(Suchtbehandlung)  verbunden  mit  der  Möglichkeit  zur  stationären  Einleitung  im  Sinne  von 

Art. 63 Abs. 3 StGB angeordnet. 

4.

Die beiden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom 16. September 2022 

beschlagnahmten  Küchenmesser  (Asservat  Nrn.  A016'175'658  und  A016'175'670)  werden 

eingezogen  und  dem  Forensischen  Institut  Zürich  (FOR)  zur  gutscheinenden  Verwendung 

überlassen.

5.

Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom 16. September 2022 beschlag-

nahmten Betäubungsmittel (Asservat Nr. A016'175'692) werden eingezogen und dem Foren-

sischen Institut Zürich (FOR) zur Vernichtung überlassen.

6.

7.

Die Zivilklage der Privatklägerin wird auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr. 

Fr.

Fr.

Fr.

1'800.–

; die weiteren Kosten betragen:

4'000.–

  Gebühr für das Vorverfahren,

12'592.40

  Auslagen (div. Gutachten inkl. IRM, Blutentnahme Spital und Gutach-

ten Dr. C._____), 

100.–

  Entschädigung Zeuge.

- 3 -

8.

Die  Entscheidgebühr  und  die  weiteren  Kosten  werden  der  Beschuldigten  auferlegt  aber 

definitiv abgeschrieben.

9.

Rechtsanwalt lic. iur. X._____ wird für seine Bemühungen als amtlicher Verteidiger der Be-

schuldigten  mit  Fr.  12'123.40  (inklusive  Barauslagen  und  Mehrwertsteuer)  aus  der 

Gerichtskasse entschädigt. 

Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden definitiv auf die Gerichtskasse genommen.

10.

Rechtsanwalt  MLaw  Y.______  wird 

für  seine  Bemühungen  als  unentgeltlicher 

Geschädigtenvertreter  der  Privatklägerin  1  mit  Fr. 4'679.65  (inklusive  Barauslagen  und 

Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt. 

Die  Kosten  der  unentgeltlichen  Geschädigtenvertretung  werden  definitiv  auf  die  Gerichts-

kasse genommen.

11.

(Mitteilungen)

12.

(Rechtsmittel)

Berufungsanträge:

a)

der amtlichen Verteidigung der Beschuldigten:

(Urk. 70 S. 2)

1.

Es sei festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerichts Uster, Ein-

zelgericht in Strafsachen, vom 5. September 2023 betreffend die 

Dispositivziffern 2, 3, 4, 5, 7, 8, 9 und 10 in Rechtskraft erwachsen 

ist.

2.

Die Beschuldigte und Berufungsklägerin sei vom Vorwurf der ver-

suchten  schweren  Körperverletzung  im  Sinne  von  Art.  122  lit. a 

i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB und vom Vorwurf der Schreckung der 

Bevölkerung im Sinne von Art. 258 StGB freizusprechen.

3.

Es sei festzustellen, dass die Beschuldigte und Berufungsklägerin 

den Tatbestand der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB 

und  der  Tätlichkeiten  im  Sinne  von  Art.  126  Abs.  1  StGB  im 

Zustand der nicht selbstverschuldeten Schuldunfähigkeit erfüllt hat.

- 4 -

4.

Die Kosten des Berufungsverfahrens seien auf die Staatskasse zu 

nehmen.

b)

der Privatklägerin 1:

(Urk. 75 S. 2)

1.

2.

(…)

Es sei das Urteil des Bezirksgerichts Uster, Einzelgericht in Straf-

sachen, vom 5. September 2023, Dispositivziffer 6 aufzuheben und 

die  Beschuldigte  sei  zur  Leistung  einer  Genugtuung  in  der  Höhe 

von CHF 12'000.00 zu verurteilen.

3.

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.).

c)

der Privatklägerin 2:

(Urk. 63)

Verzicht auf Anträge.

d)

der Staatsanwaltschaft See / Oberland:

(Urk. 64)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

Erwägungen:

I. Verfahrensgang, Berufungsumfang

1.

Verfahrensgang

1.1. Der Verfahrensgang bis zum Erlass des erstinstanzlichen Urteils ergibt sich 

aus  dem  angefochtenen  Entscheid  (Urk. 58  S.  4).  Mit  Urteil  des  Bezirksgerichts 

Uster,  Einzelgericht  in  Strafsachen,  vom  5.  September  2023  wurde  festgestellt, 

dass die Beschuldigte die Tatbestände der versuchten schweren Körperverletzung 

im Sinne von Art. 122 lit. a StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB sowie der Schreckung 

der Bevölkerung im Sinne von Art. 258 StGB in nicht selbstverschuldeter Schuld-

- 5 -

unfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 1 StGB objektiv erfüllt hat. Demzufolge wurde 

von  einer Strafe  abgesehen. Gleichzeitig  wurde  eine  ambulante Behandlung der 

Beschuldigten  im  Sinne  von  Art.  63  StGB  (Suchtbehandlung)  verbunden  mit  der 

Möglichkeit zur stationären Einleitung im Sinne von Art. 63 Abs. 3 StGB angeord-

net. Die Zivilklage der Privatklägerin B._____ (nachfolgend: Privatklägerin 1 bzw. 

Privatklägerin) wurde auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. Das Urteil wurde 

anlässlich der Hauptverhandlung vom 5. September 2023 mündlich eröffnet, kurz 

begründet  und  den  Anwesenden  im  Dispositiv  übergeben  (Prot.  I  S. 23; 

Urteilsdispositiv: Urk. 51). 

1.2. Gegen dieses Urteil liess die Beschuldigte mit Eingabe vom 13. September 

2023 (Datum Poststempel) innert Frist Berufung anmelden (Urk. 52; Art. 399 Abs. 1 

StPO).  Nach  Erhalt  des  begründeten  vorinstanzlichen  Urteils  (Urk. 54  =  Urk. 58) 

reichte die amtliche Verteidigung der Beschuldigten am 6. März 2024 (Datum Post-

stempel) fristgerecht die Berufungserklärung ein und beantragte die Durchführung 

eines  schriftlichen  Berufungsverfahrens  (vgl.  Urk. 55,  erhalten  am  16.  Februar 

2024; Urk. 60; Art. 399 Abs. 3 StPO und Art. 406 Abs. 2 StPO). 

1.3. Mit  Präsidialverfügung  des  Obergerichts  des  Kantons  Zürich  vom  4.  April 

2024  wurde  der  Staatsanwaltschaft  See  /  Oberland  (nachfolgend:  Staatsanwalt-

schaft)  sowie  den  Privatklägerinnen  eine  Kopie  der  Berufungserklärung  der 

Beschuldigten zugestellt und Frist angesetzt, um schriftlich im Doppel zu erklären, 

ob Anschlussberufung erhoben wird oder um begründet ein Nichteintreten auf die 

Berufung zu beantragen. Gleichzeitig wurde Frist zur Stellungnahme zum Antrag 

der  Beschuldigten  auf  Durchführung  eines  schriftlichen  Berufungsverfahrens 

gesetzt (Urk. 62). Mit Eingabe vom 19. April 2024 teilte die Staatsanwaltschaft mit, 

auf  Anschlussberufung  zu  verzichten  und  beantragte  die  Bestätigung  des 

vorinstanzlichen Urteils (Urk. 64). Die Privatklägerin 1 beantragte mit Eingabe vom 

25. April 2024 durch Rechtsanwalt MLaw Y._____, auf die Berufung sei nicht ein-

zutreten  und  erhob  im  Falle  des  Eintretens  auf  die  Berufung  (innert  Frist) 

Anschlussberufung. Zudem stellte sie ein Gesuch auf Gewährung der unentgelt-

lichen Rechtspflege und den Beweisantrag, die Beschuldigte sei zur Einreichung 

von sämtlichen Unterlagen betreffend ihre finanzielle Verhältnisse zu verpflichten 

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(Urk.  65).  Die  Privatklägerin  D._____  (nachfolgend:  Privatklägerin  2;  vertreten 

durch ihre Mutter E._____) liess sich nicht vernehmen. In der Folge wurde mit Prä-

sidialverfügung vom 8. Mai 2024 der Antrag der Privatklägerin 1 auf Nichteintreten 

auf die Berufung abgewiesen, ihr die unentgeltliche Rechtspflege gewährt und in 

der Person von Rechtsanwalt MLaw Y._____  ein unentgeltlicher Rechtsbeistand 

bestellt sowie ihr Beweisantrag abgewiesen (Urk. 66). 

1.4. Mit Präsidialverfügung vom 14. Mai 2024 wurde aufgrund des Einverständnis-

ses  der  Parteien  gestützt  auf  Art. 406  Abs. 2  StPO  die  schriftliche  Durchführung 

des vorliegenden Verfahrens angeordnet sowie die Beschuldigte aufgefordert, die 

Berufung  zu  begründen  (Urk. 68).  Fristgerecht  ging  sodann  am  7.  Juni  2024  die 

Berufungsbegründung der Beschuldigten ein (Urk. 70, Datum Poststempel: 6. Juni 

2024).  Mit  Präsidialverfügung  vom  10. Juni  2024  wurde  der  Staatsanwaltschaft 

sowie den Privatklägerinnen Frist zur Berufungsantwort sowie der Privatklägerin 1 

zur Begründung ihrer Anschlussberufung angesetzt, unter dem Hinweis, dass im 

Säumnisfall gestützt auf die Akten entschieden werde bzw. die Anschlussberufung 

der Privatklägerin 1 als zurückgezogen gelte. Der Vorinstanz wurde Gelegenheit 

zur freigestellten Vernehmlassung eingeräumt (Urk. 71). Innert zweimalig erstreck-

ter Frist (Urk. 73 und Urk. 74) ging am 20. August 2024 die Berufungsantwort sowie 

die Anschlussberufungsbegründung der Privatklägerin 1 ein (Urk. 75, Datum Post-

stempel:  19.  August  2024).  Die  Staatsanwaltschaft,  die  Privatklägerin  2  und  die 

Vorinstanz verzichteten stillschweigend auf eine Vernehmlassung. Mit Präsidialver-

fügung  vom  20.  August  2024  wurde  der  Beschuldigten  sowie  der  Staatsanwalt-

schaft eine Kopie der Berufungsantwort und Anschlussberufungsbegründung der 

Privatklägerin  1  zugestellt  und  Frist  angesetzt,  um  Stellung  zu  nehmen.  Am 

11. September  2024  ging  die  Stellungnahme  der  Beschuldigten  fristgerecht  ein 

(Urk. 80). In der Folge wurde mit Präsidialverfügung vom 26. September 2024 der 

Staatsanwaltschaft sowie den Privatklägerinnen eine Kopie der Stellungnahme der 

Beschuldigten zugestellt und Frist angesetzt, um dazu Stellung zu nehmen. Innert 

Frist ging keine Vernehmlassung ein. Damit erweist sich das vorliegende Verfahren 

als spruchreif.

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2.

Umfang der Berufung

2.1. Die  Beschuldigte  wendet  sich  gegen  die  Dispositivziffer  1  des  vorinstanz-

lichen Urteils und damit gegen die Feststellung der Erfüllung der objektiven Tatbe-

stände der versuchten schweren Körperverletzung i.S.v. Art. 122 lit. a StGB i.V.m. 

Art. 22 Abs. 1 StGB sowie der Schreckung der Bevölkerung i.S.v. Art. 258 StGB 

(Urk. 60 S. 2). Die Beschuldigte beantragt die Feststellung der Erfüllung der Tatbe-

stände der Drohung i.S.v. Art. 180 Abs. 1 StGB und der Tätlichkeiten i.S.v. Art. 126 

Abs. 1 StGB im Zustand der nicht selbstverschuldeten Schuldunfähigkeit (Urk. 60 

S. 2). 

Es ist unzulässig, die Berufung isoliert auf den Schuldpunkt oder auf die rechtliche 

Beurteilung zu beschränken (BÄHLER in: BSK StPO, 3. Aufl., 2023, Art. 399 StPO 

N 11).  Die  Berufung  ist  auf  die  untrennbar  zusammenhängenden  Punkte  auszu-

dehnen. Auch wenn sich die Beschuldigte explizit nicht dagegen wendet, so gelten 

die Dispositivziffern 2 und 3 (Absehen von einer Strafe im Sinne von Art. 19 Abs. 1 

StGB  und  Anordnung  einer  ambulanten  Suchtbehandlung  mit  Möglichkeit  zur 

stationären  Einleitung  im  Sinne  von  Art.  63  Abs.  3  StGB)  als  mitangefochten. 

Bestätigt das Berufungsgericht den Schuldpunkt bzw. vorliegend die Erfüllung der 

Tatbestände in nicht selbstverschuldeten Schuldfähigkeit, sind die weiteren nicht 

angefochtenen Urteilspunkte bei einer Beschränkung der Berufung nicht zu über-

prüfen (vgl. SCHMID/JOSITSCH in: PK StPO, 4. Aufl., 2023, Art. 399 StPO N 18; Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019).

2.2. Die Privatklägerin 1 wendet sich im Rahmen ihrer Anschlussberufung gegen 

die Dispositivziffer 6 (den Verweis der Zivilklage auf den Weg des Zivilprozesses) 

und beantragt die Verpflichtung der Beschuldigten zur Leistung einer Genugtuung 

in Höhe von Fr. 12'000.– (Urk. 75 S. 2).

2.3. Unangefochten  blieben  die  Entscheide  über  das  beschlagnahmte  Küchen-

messer und die beschlagnahmten Betäubungsmittel (Dispositivziffer 4 und 5) sowie 

das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv (Dispositivziffern 7 bis 

10). In diesem Umfang ist der vorinstanzliche Entscheid in Rechtskraft erwachsen, 

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was  mittel  Beschlusses  vorab  vorzumerken  ist  (Art. 399  Abs. 3  i.V.m.  Art. 437 

StPO). 

2.4.

In den übrigen Punkten steht der angefochtene Entscheid – unter Vorbehalt 

des  Verbots  der  "reformatio  in  peius"  bzw.  des  Verschlechterungsverbotes 

(Art. 391 Abs. 2 Satz 1 und Abs. 3 StPO) – zur Disposition. 

II. Prozessuales

1.

Verwertbarkeit der polizeilichen Einvernahmen

1.1. Die Verteidigung machte – wie auch vor Vorinstanz (Urk. 47 S. 1 Rz. 2 f.) – 

geltend, die polizeilichen Einvernahmen von F._____ (Urk. 9/1) und G._____ (Urk. 

10/1) seien nicht zu Ungunsten der Beschuldigten verwertbar, da der Anspruch der 

Beschuldigten  auf  Konfrontation  mit  den  beiden  einvernommenen  Personen 

verletzt worden sei. Entgegen der Vorinstanz habe die Beschuldigte nicht auf die 

Konfrontation verzichtet; es sei nicht notwendig, einen Antrag auf Konfrontation zu 

stellen, wenn die Staatsanwaltschaft dies gemacht habe. Die beiden Zeugen seien 

unentschuldigt  von 

ihrer  Zeugeneinvernahme 

ferngeblieben  und  sodann 

telefonisch  nicht  erreichbar  gewesen,  dies  habe  nicht  die  Beschuldigten  zu 

vertreten (Urk. 70 S. 2 f. Rz. 3 ff.).

1.2. Die beschuldigte Person hat gemäss Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK ein Recht darauf, 

dem  Belastungszeugen  Fragen  zu  stellen.  Dieser  Anspruch  ist  ein  besonderer 

Aspekt  des  Rechts  auf  ein  faires  Verfahren  gemäss  Art.  6  Ziff.  1  EMRK.  Eine 

belastende  Zeugenaussage 

ist  grundsätzlich  nur  verwertbar,  wenn  die 

beschuldigte  Person  wenigstens  einmal  während  des  Verfahrens  angemessene 

und hinreichende Gelegenheit hatte, das Zeugnis in Zweifel zu ziehen und Fragen 

an den Belastungszeugen zu stellen. Auf das Konfrontationsrecht kann vorgängig 

oder  auch  im  Nachhinein  ausdrücklich  oder  stillschweigend  verzichtet  werden, 

wobei der Verzicht des Beschuldigten auch von seinem Verteidiger ausgehen kann. 

Die  beschuldigte  Person  kann  den  Behörden  grundsätzlich  nicht  vorwerfen, 

gewisse  Zeugen  zwecks  Konfrontation  nicht  vorgeladen  zu  haben,  wenn  sie  es 

unterlässt,  rechtzeitig  (d.h.  spätestens  im  Berufungsverfahren)  und  formgerecht 

- 9 -

entsprechende Anträge zu stellen (vgl. anstatt vieler die Urteile des Bundesgerichts 

6B_92/2022  vom  5.  Juni  2024;  6B_1110/2023  vom  23. Mai  2024  E.3.3.5; 

7B_259/2022 vom 8. April 2024 E. 2; 7B_253/2022 vom 8. Februar 2024 E. 2.3.5; 

je mit Hinweisen). Entscheidend ist nämlich, dass es sich beim Konfrontationsrecht 

um  ein  Mitwirkungsrecht  der  beschuldigten  Person  handelt.  Dessen  Ziel  ist  die 

Wahrung  der  Waffengleichheit  und  die  Gewährung  eines  fairen  Verfahrens 

(BGE 131  I  476  E. 2.2,  mit  Hinweis).  Nicht  eigentlicher  Sinn  und  Zweck  des 

Konfrontationsrechts ist es dagegen, der beschuldigten Person bei unterlassener 

Konfrontation die Entfernung eines womöglich belastenden Beweismittels aus den 

Akten  zu  ermöglichen.  Ob  die  beschuldigte  Person  das  Recht  auf  Konfrontation 

effektiv  wahrnehmen  will,  steht  ihr  demnach  frei  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts 

7B_253/2022 vom 8. Februar 2024 E. 2.3.5, mit weiteren Hinweisen)

1.3. Entgegen  der  Ansicht  der  Verteidigung  hätte  die  Beschuldigte  gemäss 

bundesgerichtlicher Rechtsprechung einen Antrag auf Befragung der Zeugen bis 

spätestens vor Abschluss des Beweisverfahrens des Berufungsverfahrens stellen 

müssen.  Wenn 

die 

Strafbehörden 

nicht 

von 

Amtes 

wegen 

Konfrontationseinvernahmen 

durchführen 

oder  wie 

vorliegend 

nach 

unentschuldigtem  Fernbleiben  nicht  erneut  zur  Konfrontationseinvernahme 

vorladen, verlangt die Wahrnehmung dieses Rechts ein aktives Tätigwerden. Da 

die Beschuldigte es unterlassen hat, einen entsprechenden Antrag rechtzeitig und 

formgerecht  zu  stellen, 

ist  von  einem  Verzicht  auf  Ausübung  des 

Konfrontationsrechts  auszugehen.  Die  polizeilichen  Einvernahmen  von  F._____ 

(Urk. 9/1) und G._____ (Urk. 10/1) sind einschränkungslos verwertbar.

1.4. Wie  die  Vorinstanz  zutreffend  feststellte  (Urk. 58  S.  9  f.)  und  wie  noch  zu 

zeigen sein wird (vgl. nachfolgend in E. III.5.), lässt sich der Sachverhalt gemäss 

Antrag der Staatsanwaltschaft auch ohne die strittigen polizeilichen Einvernahmen 

erstellen.

2.

Verletzung des Anklageprinzips

2.1. Die  Verteidigung  rügte  ferner,  dass  das  im  Rahmen  der  vorinstanzlichen 

Sachverhaltserstellung festgestellte vermeintliche Halten des Messers an den Hals 

- 10 -

der  Privatklägerin  in  der  Anklageschrift  nicht  erwähnt  werde  und  die  Vorinstanz 

damit das Anklageprinzip verletze (Urk. 70 S. 7 Rz. 32).

2.2. Unter  dem  Gesichtspunkt  der  Informationsfunktion  des  Anklageprinzips  ist 

massgebend, dass die beschuldigte Person genau weiss, was ihr angelastet wird, 

damit sie ihre Verteidigungsrechte angemessen ausüben kann. Ungenauigkeiten 

in den Zeitangaben sind solange nicht von entscheidender Bedeutung, als für die 

beschuldigte Person keine Zweifel darüber bestehen können, welches Verhalten 

ihr  vorgeworfen  wird  (vgl.  anstatt  vieler  die  Urteile  des  Bundesgerichts 

6B_997/2019  vom  8.  Januar  2020  E.  2.3;  6B_441/2013  vom  4.  November  2013 

E. 3.2; je mit Hinweisen).

2.3. Entgegen der Ansicht der Verteidigung liegt keine Verletzung des Anklage-

prinzips vor. Gemäss Antrag der Staatsanwaltschaft wird der Beschuldigten unter 

anderem zumindest eine Stichbewegung mit einem Küchenmesser in Richtung der 

linken Halsseite der Privatklägerin unterhalb von deren Ohr sowie ein Stoppen mit 

dem  Messer  ca.  6 cm  vom  Hals  der  Privatklägerin  entfernt  vorgeworfen  (Urk. 22 

S. 3). Damit sind die der Beschuldigten inkriminierenden Handlungen vom 17. Mai 

2022  im  Antrag  der  Staatsanwaltschaft  klar  umschrieben  und  die  Beschuldigte 

wusste, was ihr vorgeworfen wurde. Mithin liegt keine Verletzung des Anklageprin-

zips  vor.  Wenn  die  Vorinstanz  –  im  Übrigen  zugunsten  der  Beschuldigten  –  von 

einem Halten des Messers an den Hals der Privatklägerin 1 anstatt von einer bis 

mehreren Stichbewegungen ausgeht, handelt es sich um eine Frage der Beweis-

würdigung und nicht des Anklageprinzips. 

3.

Prozessuales 

3.1. Am 1. Januar 2024 traten die revidierten Bestimmungen der StPO in Kraft 

(AS 2023 468; BBl 2019 6697). Gemäss Art. 453 Abs. 1 StPO werden Rechtsmit-

tel gegen Entscheide, die vor Inkrafttreten der neuen Regelungen gefällt wurden, 

nach bisherigem Recht beurteilt. Infolgedessen ist für das vorliegende Rechtsmit-

telverfahren das frühere Prozessrecht massgebend.

- 11 -

3.2. Soweit  für  die  tatsächliche  und  die  rechtliche  Würdigung  des  eingeklagten 

Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, erfolgt dies in 

Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, ohne dass dies explizit Erwähnung findet.

3.3. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 3 Abs. 2 lit. c 

StPO)  folgt  die  Pflicht  des  Gerichts,  seinen  Entscheid  zu  begründen.  Die 

Begründung  muss  kurz  die  wesentlichen  Überlegungen  nennen,  von  denen  sich 

das Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid stützt. Es darf sich 

aber  auf  die  wesentlichen  Gesichtspunkte  beschränken  und  muss  sich  nicht 

ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand 

auseinandersetzen  und  diese  widerlegen.  Es  kann  sich  mithin  auf  die  für  den 

Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Ebenso wenig lässt sich Art. 6 Ziff. 1 

EMRK in der Weise auslegen, dass eine detaillierte Antwort auf jedes Argument 

gefordert würde (BGE 146 IV 297 E. 2.2.7; 143 III 65 E. 5.2; 141 IV 249 E. 1.3.1; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_689/2019 vom 25. Oktober 2019 E. 1.5.2, mit Hin-

weisen).

1.

Sachverhalt

III. Sachverhalt

1.1. Verfahrensgegenstand ist ein Vorfall, der sich gemäss Antrag der Staatsan-

waltschaft am 17. Mai 2022, ca. 19:20 Uhr bis 19:35 Uhr, beim Park entlang der 

H._____, weiter über die Brücke auf der I._____-strasse und in der Unterführung 

des Bahnhofs J._____ ereignet haben soll. Die Beschuldigte soll dabei die Tatbe-

stände  der  Schreckung  der  Bevölkerung,  eventualiter  Drohung  (Sachverhaltsab-

schnitt 1) sowie der versuchten schweren Körperverletzung, eventualiter Drohung 

und Tätlichkeiten (Sachverhaltsabschnitt 2) im Zustand der nicht selbstverschulde-

ten Schuldunfähigkeit objektiv erfüllt haben (Urk. 22 S. 2 ff.).

1.2.

Zusammengefasst  habe  sich  die  Beschuldigte  am  17.  Mai  2022,  um  ca. 

19:20 Uhr, deutlich unter der Wirkung von Kokain stehend, in J._____ beim Park 

entlang der H._____ sowie auf der I._____-strasse aufgehalten und bei der Brücke 

über der H._____ mit einem unbekannten Mann lautstark gestritten. Dabei habe sie 

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mit einem ca. 29.5 cm oder 31 cm langen Küchenmesser in ihrer Hand herumge-

fuchtelt. In der Folge sei die Beschuldigte der I._____-strasse entlang zum Bahnhof 

J._____ und dort in die Unterführung gelaufen, wobei sie das Küchenmesser stets 

in ihrer Hand gehalten habe. Die Beschuldigte habe das Küchenmesser teilweise 

mit der Klinge vor sich oder nach unten gerichtet oder dieses auch zeitweise an 

ihren  eigenen  Hals  gehalten.  Ferner  habe  sie  wiederholt  zu  Passanten  "Ich  töte 

euch alle" sowie "Ich töte dich" gesagt bzw. geschrien. Dadurch habe sie mehrere 

an  der  H._____,  auf  der  I._____-strasse  und  in  der  Unterführung  des  Bahnhofs 

J._____ anwesende Personen, so auch K._____, L._____, E._____ resp. D._____ 

(die  Privatklägerin  2),  F._____,  M._____  und  G._____,  verängstigt  und  in  deren 

Sicherheitsgefühl 

tangiert  bzw.  beeinträchtigt  (erster  Sachverhaltsabschnitt; 

Urk. 22 S. 2 f.).

1.3.

Ferner wird der Beschuldigten vorgeworfen, um ca. 19:30 Uhr in der Unter-

führung des Bahnhofs J._____ unvermittelt auf die nichtsahnende Privatklägerin 1, 

die sich auf dem Weg zu den Gleisen befunden habe, zu gerannt zu sein und hier-

bei das Küchenmesser in ihrer rechten Hand drohend hoch gehalten und mit ihrer 

linken Hand die Privatklägerin an deren rechten Unterarm festgehalten zu haben. 

Die Privatklägerin habe versucht, die Beschuldigte abzuwehren und sei die Rampe 

zu  den  Gleisen  3/4  hinauf  zurückgewichen.  Die  Beschuldigte  sei  ihr  gefolgt  und 

habe mit dem Küchenmesser von oben herab mehrfach, zumindest aber einmal, 

eine Stichbewegung in Richtung der linken Halsseite der Privatklägerin unterhalb 

von deren Ohr gemacht, habe hierbei allerdings die Messerspitze gerade noch, ca. 

6 cm vom Hals der Privatklägerin entfernt, schliesslich gestoppt und doch nicht zu-

gestochen. Daraufhin habe die Privatklägerin zu schreien begonnen, die Beschul-

digte habe sie losgelassen, allerdings hierauf sogleich noch einmal deren Unterarm 

gepackt, sie jedoch aufgrund des erneuten Schreiens wieder losgelassen. Die Pri-

vatklägerin habe durch das Tun der Beschuldigten einerseits Rötungen an ihrem 

rechten Unterarm erlitten und Todesängste ausgestanden (zweiter Sachverhalts-

abschnitt; Urk. 22 S. 3 f.).

- 13 -

2.

Ausgangslage

2.1. Die Vorinstanz sah den ersten Sachverhaltsabschnitt – mit Ausnahme der 

Bedrohung  des  Fahrradfahrers  mit  dem  Messer  –  als  erstellt  an.  Sie  kam  zum 

Schluss,  dass  die  Beschuldigte  die  in  der  Unterführung  anwesenden  Personen, 

sicher fünf bis sechs Personen, mit dem Tod bedroht habe (Urk. 58 S. 18 ff.). Hin-

sichtlich des zweiten Sachverhaltsabschnitts erwog die Vorinstanz, dass zugunsten 

der Beschuldigten von keiner Stichbewegung auszugehen sei, im Übrigen sich der 

Sachverhalt erstellen lasse (Urk. 58 S. 20 ff.).

2.2. Die  Verteidigung  führte  vor  Vorinstanz  aus,  der  Sachverhalt  betreffend 

Schreckung  der  Bevölkerung  gemäss  Antrag  der  Staatsanwaltschaft  lasse  sich 

anhand  der  verwertbaren  Beweismittel  nicht  erstellen.  Die  Todesdrohungen  der 

Beschuldigten hätten einzig F._____ und G._____ in ihren polizeilichen Einvernah-

men geschildert, welche mangels Konfrontation nicht zulasten der Beschuldigten 

verwertbar seien. Damit sei nur eine konkludente Drohung möglich (Urk. 47 S. 6 f. 

Rz. 16  ff.).  Im  Rahmen  der  Berufungsbegründung  hielt  die  Verteidigung  sodann 

fest, der Zeuge M._____ habe zwar geschildert, dass die Beschuldigte in der Un-

terführung gesagt habe, dass sie verfolgt werde und jeden umbringen werde, je-

doch nicht erstellt werden könne, dass dies von den Personen in der Unterführung 

wahrgenommen worden sei bzw. diese in Schrecken versetzt worden seien. Durch 

die Aussagen der befragten Personen ergebe sich, dass sich maximal fünf Perso-

nen in der Unterführung befunden hätten, wovon nur zwei Personen, die Privatklä-

gerin 1 und die Zeugin L._____, in Schrecken versetzt worden seien (vgl. Urk. 70 

S. 4 f. Rz. 10 ff.). Hinsichtlich des Vorwurfs der versuchten schweren Körperverlet-

zung führte die Verteidigung vor Vorinstanz sowie auch im Berufungsverfahren aus, 

dass sich eine Stichbewegung der Beschuldigten nicht erstellen liesse und taxierte 

die  Aussagen  der  Privatklägerin  1  als  widersprüchlich  und  unglaubhaft,  weshalb 

darauf nicht abgestellt werden könne (Urk. 47 S. 4 ff. Rz. 5 ff.; Urk. 70 S. 8 ff. Rz. 

36 ff.). Aufgrund der Aussagen der Privatklägerin und des Zeugens M._____ lasse 

sich ferner nicht erstellen, dass die Beschuldigte das Messer in die Nähe des Hal-

ses  der  Privatklägerin  gehalten  habe,  sondern  –  wenn  überhaupt  –  in  die  Nähe 

ihres Gesichts. Ferner sei die Distanz des Messers zum Gesicht und die Stelle des 

- 14 -

Gesichts unklar sowie ob die stumpfe oder scharfe Seite des Messers ans Gesicht 

der Privatklägerin gerichtet gewesen sein soll (Urk. 70 S. 9 f. Rz. 43 ff.).

2.3. Nachdem beide Sachverhaltsabschnitte auch in zweiter Instanz umstritten 

blieben, ist im Folgenden nochmals zu prüfen, ob sich die Vorwürfe des Antrags 

der Staatsanwaltschaft gestützt auf die allgemeinen Grundsätze der Beweiswürdi-

gung in Berücksichtigung der verwertbaren und relevanten Beweismittel rechtsge-

nügend erstellen lassen.

3.

Beweisgrundsätze und Beweismittel 

3.1. Die  Vorinstanz  hat  die  massgebenden  Grundsätze  der  Beweiswürdigung 

dargestellt (Urk. 58 S. 7 f.), worauf in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO verwie-

sen werden kann. 

3.2.

Ferner  hat  die  Vorinstanz  die  massgeblichen  vorhandenen  Beweismittel 

korrekt aufgelistet (Urk. 58 S. 9). Mit der Videoaufzeichnung der Überwachungs-

kamera  der  Unterführung  des  Bahnhofs  J._____  (Urk. 3/2)  sowie  den  Aussagen 

der  Beschuldigten  (Urk.  5/1-2),  der  Privatklägerin  1  (Urk.  7/1  und  Urk. 7/6),  der 

Zeugin L._____ (Urk. 8/1 und Urk. 8/3), der Auskunftspersonen F._____ (Urk. 9/1) 

und  G._____  (Urk. 10/1),  der  Zeugen  M._____  (Urk. 11/1  und  Urk. 11/6)  sowie 

K._____ (Urk. 12/2) hat die Vorinstanz sodann die relevanten Beweismittel zutref-

fend zusammenfassend wiedergegeben (Urk. 58 S. 10 ff.). Darauf kann vorab ver-

wiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).

3.3. Sämtliche Beweismittel können für die Erstellung der Sachverhalte vollum-

fänglich  verwertet  werden  (vgl.  die  voranstehenden  Erwägungen  in  E. II.1.  zur 

Verwertbarkeit der polizeilichen Einvernahmen von F._____ und G._____).

4. Glaubwürdigkeit der befragten Personen

Die  vorinstanzlichen  theoretischen  Erwägungen  zur  Glaubwürdigkeit  sowie  zur 

Glaubwürdigkeit der Beschuldigten, der Privatklägerin 1 sowie der Auskunftsperso-

nen und Zeugen können grundsätzlich übernommen werden (Urk. 58 S. 10 f.). So-

weit die Vorinstanz erwog, die Privatklägerin 1 habe ein grundsätzliches Interesse 

- 15 -

am Ausgang des Strafverfahrens, ist dem entgegenzuhalten, dass die Privatkläge-

rin Aussagen getätigt hat, bevor sie anwaltlich vertreten war und Zivilforderungen 

geltend  gemacht  hat.  Insgesamt  spricht  a  priori  nichts  gegen  die  grundsätzliche 

Glaubwürdigkeit der verschiedenen befragten Personen. Ohnehin aber kommt der 

Glaubwürdigkeit  gemäss  höchstrichterlicher  Rechtsprechung  gegenüber  der 

Bewertung  der  Glaubhaftigkeit  der  einzelnen  Aussagen  lediglich  untergeordnete 

Bedeutung zu. 

5.

Beweiswürdigung betreffend den ersten Sachverhaltsabschnitt (Schrecken 

der Bevölkerung)

5.1. Hinsichtlich der objektiven Beweismittel ist es vorab festzuhalten, dass die 

von der Beschuldigten mitgeführten zwei ca. 29.5 cm und 31 cm langen Küchen-

messer mit einer Klingenlänge von ca. 15 cm und ca. 20 cm beim Bahnhof J._____ 

in der Unterführung sowie bei der Rampe bzw. beim Aufgang zu den Gleisen si-

chergestellt werden konnten (vgl. Urk. 2 S. 2 ff. Foto 3-10; Urk. 14/4). Ausserdem 

konnte  gemäss  pharmakologisch-toxikologischem  Gutachten  des  Instituts  für 

Rechtsmedizin der Universität Zürich vom 5. August 2022 festgestellt werden, dass 

die  Beschuldigte  im  Zeitraum  des  Ereignisses  deutlich  unter  der  Wirkung  von 

Kokain stand (Urk. 4/7 S. 1 ff.).

5.2.

Ferner  liegt  eine  Videoaufzeichnung  der  Unterführung  des  Bahnhofs 

J._____ vom 17. Mai 2022 bei den Akten (Urk. 3/2). Darin ist die Beschuldigte zu 

erkennen. Sie läuft hinter zwei Männern – offenbar hinter G._____ und F._____ –, 

die mehrmals zur Beschuldigten zurückschauen. Eine junge Frau – die Privatklä-

gerin 1 –, welche mit dem Mobiltelefon in der Hand Richtung Rampe rechts zu den 

Gleisen geht, kreuzt die links entgegenkommenden Männer und die Beschuldigte. 

Als die Beschuldigte die Privatklägerin bereits im Rücken hat, dreht sich die Be-

schuldigte ruckartig um und rennt auf die Privatklägerin zu. Die Beschuldigte hält 

dabei ein langes Messer in der Hand zumindest auf Schulterhöhe erhoben und mit 

der Klinge leicht nach vorne auf die Privatklägerin gerichtet. Auf dem Video ist wei-

ter  erkennbar,  dass  die  Beschuldigte  die  Privatklägerin,  welche  sich  sodann  zur 

Beschuldigten umdreht, körperlich angeht. Danach verschwinden die Beschuldigte 

- 16 -

wie auch die Privatklägerin aus dem Bild der Überwachungskamera. Ausserdem 

ist noch ein weiterer Mann – mutmasslich der Zeuge M._____ – ersichtlich, welcher 

der Beschuldigten und der Privatklägerin hinterherrennt (vgl. Urk. 3/2).

5.3.

Im Antrag wird der Beschuldigten zunächst vorgeworfen, mit einem unbe-

kannten  Mann  bei  der  Brücke  über  der  H._____  gestritten  und  dabei  mit  einem 

29.5 cm oder 31 cm langen Küchenmesser in der Hand herumgefuchtelt zu haben. 

5.4. Die Beschuldigte bestätigte zu Beginn ihrer polizeilichen Einvernahme vom 

20. Mai  2022  den  Vorhalt  der  Polizei,  beim  Bahnhof  J._____  sowie  entlang  der 

H._____ diverse Passanten in Angst und Schrecken versetzt zu haben, indem sie 

mit einem Messer in der Hand eine Gefahr für Leib und Leben angedroht und in der 

Unterführung eine Passantin am Unterarm festgehalten habe (Urk. 5/1 F/A 3: "Es 

ist  schon  so  wie  Sie  sagen.").  Anlässlich  ihrer  staatsanwaltschaftlichen  Einver-

nahme vom 19. September 2022 gab sie sodann von sich aus an, mit einem älteren 

Mann mit einem Fahrrad einen Streit gehabt zu haben, da sie gedacht habe, dass 

er schlecht über sie rede und Lügen erzähle (Urk. 5/2 F/A 42). Dies sei passiert, 

nachdem  sie  aufgrund  eines  Streits  mit  ihrem  Freund  zu  viel  Kokain  (ca. 

1.7 Gramm) konsumiert und daraufhin Paranoia bekommen habe (Urk. 5/2 F/A 42 

und  73).  Sie  habe  gedacht,  dass  überall  Kameras  seien  und  die  Menschen  sie 

beobachten würden und gegen sie seien. Sie habe zwei Messer in ihre Handtasche 

eingepackt, mit denen sie sich einfach habe wehren wollen (Urk. 5/2 F/A 42, 48 und 

56). Sie habe nur weg von J._____, an einen sicheren Ort gehen wollen und sei 

zum  Bahnhof  gegangen,  da  sie  spontan  irgendwohin  mit  dem  Zug  habe  fahren 

wollen (Urk. 5/2 F/A 48 ff.). Im Übrigen gab sie in der Untersuchung an, erst wieder 

ab  ihrer  Verhaftung  Erinnerungen  zu  haben  (Urk. 5/2  F/A  42)  oder  sich  an  den 

Vorfall nicht mehr genau erinnern zu können (Urk. 5/3 F/A 5 f.; Urk. 5/4 F/A 28 ff.; 

Prot. I S. 9 f.).

5.5. Der von der Beschuldigte erwähnte Streit mit einem Fahrradfahrer konnte 

vom Zeugen K._____ sowie von den Auskunftspersonen G._____ und F._____ be-

obachtet werden. Der Zeuge K._____  gab anlässlich seiner staatsanwaltschaftli-

chen Einvernahme zu Protokoll, dass er die Beschuldigte beobachtet habe, wie sie 

mit  einem  Messer  in  der  Hand  auf  der  Brücke  der  H._____  herumgelaufen  sei 

- 17 -

(Urk. 12 F/A 12 ff.). Ferner bestätigte er seine bei der Polizei getätigten Aussagen, 

die  Beschuldigte  mit  einem  Mann  gesehen  zu  haben,  während  die  Beschuldigte 

laut geschrien und dabei mit einem Messer in der Hand gefuchtelt habe. Als er – 

der Zeuge K._____ – versucht habe, die Beschuldigte zu beruhigen, habe sie auch 

vor ihm mit dem Messer gefuchtelt (Urk. 12 F/A 25; vgl. Urk. 1 S. 6). Er habe ge-

merkt, dass sie panisch und nicht richtig im Kopf gewesen sei, worauf er sich habe 

schützen wollen und wieder weggegangen sei (Urk. 12/2 F/A 27). Gemäss eigenen 

Aussagen des Zeugen sei er beim Vorfall unter Schock gestanden (Urk. 12/2 F/A 2 

und  17).  Die  Beschuldigte  sei  sodann  mit  dem  Messer  in  der  Hand  in  Richtung 

Bahnhof  gelaufen  und  er  sei  ihr  nachgegangen,  um  zu  sehen,  ob  sie  jemanden 

verletzen würde, wobei die Polizei dann aber schon eingetroffen sei (Urk. 12/2 F/A 

16 f. und 21; vgl. auch Urk. 1 S. 6).

5.6. Übereinstimmend mit den Beobachtungen des Zeugen K._____ sowie den 

Aussagen der Beschuldigten schilderten auch G._____ und F._____ einen Streit 

der Beschuldigten mit einem alten Mann im Park, wobei G._____ ebenfalls gese-

hen habe, wie die Beschuldigte beim Streit bereits das Messer in der Hand gehabt 

habe (vgl. Urk. 9/1 F/A 1; Urk. 10/1 F/A 1). 

5.7. Entgegen der Vorinstanz (Urk. 58 S. 19) kann somit auch das im Antrag der 

Staatsanwaltschaft geschilderte Verhalten gegenüber dem unbekannten Mann mit 

dem Fahrrad der Beschuldigten ohne Weiteres erstellt werden. Aufgrund der über-

einstimmenden  Aussagen  lässt  sich  klar  erstellen,  dass  die  Beschuldigten  beim 

Park bzw. bei der Brücke über der H._____ mit einem unbekannten Mann mit einem 

Fahrrad gestritten und dabei mit dem Messer in der Hand herumgefuchtelt hat. Aus-

serdem gilt aufgrund der glaubhaften Aussagen des Zeugen K._____ als erstellt, 

dass die Beschuldigte auch vor ihm bei der Brücke über der H._____ mit dem Mes-

ser herumfuchtelt hat und in der Folge stets mit dem Messer in der Hand entlang 

der I._____-strasse zum Bahnhof J._____ gelaufen ist. Dass der Zeuge K._____ 

während des Vorfalls unter Schock stand und sich schützen wollte, ist seinen Aus-

führungen zu entnehmen (Urk. 12/2 F/A 2 und 17). Damit ist entgegen der Ansicht 

der Verteidigung (Urk. 70 S. 4 Rz. 13) davon auszugehen, dass der Zeuge K._____ 

– wenn auch nur kurzzeitig – in seinem Sicherheitsgefühl tangiert war. Da der un-

- 18 -

bekannte Mann mit dem Fahrrad nicht befragt werden konnte und hinsichtlich des-

sen inneren Vorgangs kein direkter Beweis zugänglich ist, muss dieser anhand des 

äusseren Verhaltens der Tatbeteiligten sowie weiterer äusserer Umstände des Tat-

geschehens erschlossen werden (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3.). Dass das Verhalten der 

Beschuldigten, die sichtlich unter dem Einfluss von Drogen mit einem Messer in der 

Hand lautstark einen Streit angezettelt hat, den unbekannten Mann mit dem Fahr-

rad verängstigt und ihn in seinem Sicherheitsgefühl beeinträchtigt hat, liegt auf der 

Hand und ergibt sich auch aus den Aussagen des Zeugen K._____, der aufgrund 

des Verhaltens der Beschuldigten unter Schock gestanden sei.

5.8. Der weitere Sachverhaltsablauf in der Unterführung des Bahnhofs J._____ 

gemäss  Antrag  der  Staatsanwaltschaft  zum  Vorwurf  der  Schreckung  der 

Bevölkerung ergibt sich – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – einerseits auf-

grund der Videoaufnahme der Unterführung des Bahnhofs J._____ sowie anderer-

seits  aufgrund  der  diversen  detailreichen  und  sich  deckendenden  Aussagen  der 

befragten Personen. Aus den Aussagen der Privatklägerin 1, des Zeugen M._____, 

der Auskunftspersonen G._____ und F._____ sowie der Zeugin L._____ ergibt sich 

ein in sich stimmiges Gesamtbild: Die Beschuldigte sei unvermittelt auf die Privat-

klägerin  mit  erhobenem  Messer  losgegangen,  der  Zeuge  M._____  und  die  Aus-

kunftspersonen G._____ sowie F._____ hätten mit der Beschuldigten gesprochen, 

während die Beschuldigte die Privatklägerin und auch die Männer mit dem Messer 

bedroht und dieses sodann gegen ihren eigenen Hals gerichtet habe. Die Privat-

klägerin habe sich von der Situation lösen und in Richtung Gleise weggehen kön-

nen.  F._____  sei  es  in  einem  Moment  gelungen,  der  Beschuldigten  das  Messer 

wegzunehmen, als G._____ diese abgelenkt habe. In der Folge habe die Beschul-

digte ein weiteres Messer hervorgenommen und erneut damit herumgefuchtelt. Die 

Beschuldigte sei mit dem zweiten Messer die Rampe Richtung Gleise hochgegan-

gen  bzw.  hochgerannt,  wo  sich  die  Zeugin  L._____  befunden  habe.  Kurz  darauf 

habe die Beschuldigte gezittert und sei zu Boden gefallen, worauf die Polizei ge-

kommen  sei  (vgl.  insb.  Urk. 9/1  F/A 1;  Urk. 10/1  F/A 1;  Urk. 11/1  F/A 1  und 

Urk. 11/6 F/A 13; Urk. 8/1 F/A 4 und Urk. 8/3 F/A 10 und 16 ff.; Urk. 7/1 F/A 4 und 

14 sowie Urk. 7/6 F/A 23 f.).

- 19 -

5.9.

Zum weiteren Verhalten der Beschuldigten schilderte der Zeuge M._____, 

dass  die  Beschuldigte  immer  wieder  Passanten  beim  Aufgang  zu  den  Gleisen 

bedroht und gesagt habe, sie werde verfolgt und werde jeden umbringen. Sie habe 

einen aggressiven Eindruck gemacht (Urk. 11/1 F/A 1; Urk. 11/6 F/A 22 und 31). 

Gleiches geht aus den Schilderungen von G._____ und F._____ hervor; die Be-

schuldigte habe die Passanten angeschrien, beleidigt und immer wieder gesagt "ich 

töte euch alle" und "ich töte dich", wobei sie mit dem Messer herumgefuchtelt und 

dieses  auch  an  ihren  eigenen  Hals  gehalten  habe  (Urk. 9/1  F/A 1,  5  und  9  f.; 

Urk. 10/1 F/A 1 und 10). Die Zeugin L._____ hat das Geschehen von den Gleisen 

herkommend von oben auf der Rampe zur Unterführung beobachtet, nachdem sie 

mit dem Zug in J._____ angekommen war. Sie beschrieb, dass sie ein Geschrei 

gehört habe und die Leute, die in den Zug hätten einsteigen wollen, zum Abgang 

zur Unterführung hinuntergeschaut hätten. Sie habe sodann gesehen, wie die Be-

schuldigte mit dem Messer in der Hand gegen zwei Männer herumgefuchtelt habe, 

welche versucht hätten, die Beschuldigte zu beruhigen. Die Beschuldigte habe sich 

sodann umgedreht und sei mit dem Messer in der Hand zu ihr – der Zeugin L._____ 

– sowie den Personen neben ihr gelaufen, bis sie ca. einen Meter von ihr entfernt 

gewesen sei. Aus Angst sei die Zeugin zurück zu den Gleisen gerannt (Urk. 8/1 F/A 

4; Urk. 8/3 F/A 10 und 17 ff.).

5.10. Hinsichtlich der Anzahl der bedrohten Personen in der Unterführung führte 

F._____ aus, die Beschuldigte habe Passanten angeschrien, beleidigt und bedroht, 

sicher fünf bis sechs Personen, ferner habe es viele Kinder gehabt (Urk. 9/1 F/A 5 

f. und 12). Der Zeuge M._____ führte ebenfalls aus, es seien zum Zeitpunkt, als 

die Privatklägerin 1 mit dem Messer angegriffen worden sei, sicher fünf oder sechs 

Personen in der Unterführung gewesen (Urk. 11/6 F/A 30). Die Zeugin L._____ er-

klärte  sodann,  dass  neben  ihr  sicher  zwei  Personen  gewesen  seien,  als  die  Be-

schuldigte mit dem Messer in ihre Richtung die Rampe hochgerannt sei. Es seien 

sicherlich fünf oder sechs Personen bei der Unterführung gewesen (Urk. 8/3 F/A 10 

und 37). Aus den Aussagen der Privatklägerin 1 ergeht sodann, dass noch eine 

Frau mit einer kleinen Tochter auf der Rampe gewesen sei, wobei die Frau sie dann 

zum Zug hochgezogen habe (Urk. 7/6 F/A 24 und 35; vgl. auch Urk. 7/1 F/A 4). Bei 

dieser  Frau  handelt  es  sich  offensichtlich  um  E._____,  die  für  ihre  Tochter 

- 20 -

D._____– die Privatklägerin 2 – einen Strafantrag gestellt hat (Urk. 6/1, vgl. auch 

den Polizeirapport Urk. 1 S. 3 und 7).

5.11.

Insgesamt ergeht aus den Aussagen der befragten Personen hervor, dass 

in der Unterführung bzw. bei der Rampe zu den Gleisen zumindest die fünf befrag-

ten Personen – die beiden Auskunftspersonen G._____ und F._____, der Zeuge 

M._____, die Privatklägerin 1 und die Zeugin L._____ – durch die Beschuldigten 

direkt mit dem Messer bedroht wurden. Darüber hinaus ergibt sich, dass ein Kind 

bzw. die Privatklägerin 2 – F._____ spricht aber von Kindern – und die Mutter der 

Privatklägerin 2 anwesend waren. Ferner ergibt sich, dass mit der Zeugin L._____ 

mindestens  zwei  weitere  Personen,  die  wie  sie  gerade  mit  dem  Zug  in  J._____ 

angekommen sind, die Rampe zur Unterführung hinabgehen wollten, als die Be-

schuldigte mit dem Messer entgegenlief. Ausserdem geht aus den Aussagen der 

Zeugin  L._____  hervor,  dass  die  Beschuldigte  durch  ihr  Verhalten  auch  die  Auf-

merksamkeit von weiteren Personen bei den Gleisen in der Nähe der Rampe auf 

sich gezogen hat.

5.12. Entgegen  der  Ansicht  der  Verteidigung  (Urk. 70  S.  5  Rz. 17)  beschrieben 

– neben der Privatklägerin 1 und der Zeugin L._____ (vgl. Urk. 7/1 F/A 10 f. und 

Urk. 7/6 F/A 46 f.; Urk. 8/1 F/A 16 f. und Urk. 8/3 F/A 10, 20 und 26) – auch die 

übrigen befragten Personen, dass das Verhalten der Beschuldigten sie verängstigt 

hätte und sie in ihrem Sicherheitsgefühl beeinträchtigt gewesen seien. So gab der 

Zeuge  M._____  an,  dass  die  Beschuldigte  einen  aggressiven  Eindruck  gemacht 

habe und es bedrohlich gewesen sei. Er habe wegen den anderen Personen Angst 

gehabt  (Urk. 11/1  F/A 2;  Urk. 11/6  F/A 24).  G._____  und  F._____  beschrieben 

beide, dass sie Angst gehabt hätten, die Beschuldigte könne sie oder andere ver-

letzen (Urk. 9/1 F/A 6; Urk. 10/1 F/A 7 ff.). Wie bereits erwähnt (vgl. voranstehend 

E.  III.  5.7.),  lässt  sich  auch  erstellen,  dass  die  Beschuldigte  mit  ihrem  Verhalten 

auch den Zeugen K._____ sowie einen unbekannten Mann mit einem Fahrrad in 

ihrem Sicherheitsgefühl tangiert hat.

5.13. Zusammenfassend  ist  im  Rahmen  einer  Gesamtwürdigung  festzuhalten, 

dass  sich  der  erste  Sachverhaltsabschnitt  (Urk. 22  S. 2  f.)  aufgrund  der  sich 

deckenden  Aussagen  der  befragten  Personen,  inklusive  der  Aussagen  der 

- 21 -

Beschuldigten,  und  der  Videoaufnahme  der  Unterführung  im  Bahnhof  J._____ 

zweifellos erstellen lässt. 

6.

Beweiswürdigung betreffend den zweiten Sachverhaltsabschnitt (versuchte 

schwere Körperverletzung zum Nachteil der Privatklägerin 1)

6.1. Hinsichtlich des weiteren Sachverhaltsabschnittes der versuchten schweren 

Körperverletzung ist unbestritten, dass die Beschuldigte mit einem 29.5 cm oder 

31 cm langen Küchenmesser mit einer Klingenlänge von ca. 15 cm und ca. 20 cm 

in der Hand auf die Privatklägerin 1 losgegangen ist und diese dabei am Unterarm 

gepackt hat (vgl. Urk. 47 S. 8 f. Rz. 29). Im Übrigen wurde die erlittene Rötung am 

rechten Unterarm der Privatklägerin fotografisch festgehalten (Urk. 2 S. 7, Foto 13).

6.2. Wie erwähnt, bestätigte die Beschuldigte zu Beginn der polizeilichen Einver-

nahme den Vorhalt, insbesondere auch eine Passantin am Unterarm festgehalten 

zu haben, mit "Es ist schon so wie Sie sagen." (Urk. 5/1 F/A 3). Ferner bestätigte 

sie, dass auf der Videoaufzeichnung der Unterführung des Bahnhofs J._____ er-

sichtlich sei, wie sie auf die Privatklägerin zu gerannt sei (Urk. 5/2 F/A 63 und 65). 

Dazu  erklärte  die  Beschuldigte  jedoch,  dass  sie  das  Messer  auf  Brusthöhe  und 

nicht über dem Kopf gehalten habe. Sie habe niemanden verletzen wollen, sondern 

Stimmen gehört und sich selber schützen wollen (Urk. 5/2 F/A 64).

6.3. Die  Videoaufzeichnung  gibt  über  das  Kerngeschehen  nicht  weiter 

Aufschluss,  da  die  Beschuldigte  und  die  Privatklägerin  1  beim  Angriff  aus  dem 

Blickwinkel der Überwachungskamera der Unterführung in Richtung Rampe zu den 

Gleisen verschwinden. Wie voranstehend beschrieben (vgl. E. III. 5.2.) lässt sich 

jedoch noch erkennen, wie die Beschuldigte mit dem zumindest auf Schulterhöhe 

erhobenen  Messer  auf  die  Privatklägerin  losging.  Ausserdem  ist  –  entgegen  der 

Verteidigung (Urk. 70 S. 10 Rz. 46) – klar ersichtlich, dass die spitzige Seite bzw. 

die Klinge des grossen Messers nach vorne gerichtet war. Dies ergibt sich auch 

aus  der  Aussage  des  Zeugen  M._____,  der  angab,  die  Beschuldigte  habe  das 

Messer so gehalten, wie wenn man Zwiebeln schneiden wolle (Urk 11/6 F/A 16).

- 22 -

6.4. Die Ausführungen der Privatklägerin 1 zum vorgefallenen Angriff erscheinen 

angesichts der Videoaufzeichnung, der Aussagen der befragten Personen sowie 

der  festgestellten  Rötung  am  Unterarm  der  Privatklägerin  als  äusserst  glaubhaft 

und erlebt. Wenn die Verteidigung die Aussagen der Privatklägerin gesamtheitlich 

als widersprüchlich und unglaubhaft beurteilte (Urk. 70 S. 8 f. Rz. 36 und 43), ist ihr 

nicht zu folgen. 

6.5. Der  Verteidigung  ist  zwar  zuzustimmen,  dass  in  Bezug  auf  die  der 

Beschuldigten vorgeworfenen Stichbewegung(en) und die Körperstelle der Privat-

klägerin, auf welche das Messer gerichtet gewesen sein soll, Ungereimtheiten in 

den Aussagen der Privatklägerin vorzufinden sind (so die Verteidigung in Urk. 70 

S.  8  ff.  Rz.  37  ff.).  Die  Privatklägerin  1  verneinte  zunächst  am  Abend  nach  dem 

Vorfall bei der polizeilichen Befragung eine Stichbewegung der Beschuldigten und 

gab an, das Messer habe sich aber ziemlich nahe am Gesicht befunden (Urk. 7/1 

F/A  9).  Einige  Monate  später  führte  sie  anlässlich  der  staatsanwaltschaftlichen 

Einvernahme aus, die Beschuldigte habe eine oder zwei Stichbewegungen gegen 

ihren Kopf gemacht (Urk. 7/6 F/A 35) und das Messer 6 cm von ihr entfernt gehal-

ten (Urk. 7/6 F/A 30 f.). Die Privatklägerin war sich jedoch auf Nachfrage in dersel-

ben Einvernahme nicht mehr sicher, ob es eine, zwei oder mehr Stichbewegungen 

gewesen seien (Urk. 7/6 F/A 59 ff.). Dass ihre Aussagen diesbezüglich inkonsistent 

ausfielen, spricht hingegen nicht gegen deren Glaubhaftigkeit. Insbesondere ist in 

ihren Aussagen auch keine Aggravierung zu sehen (Urk. 70 S. 9 Rz. 41). Vielmehr 

erklärte die Privatklägerin nachvollziehbar, dass sie bei der Polizei aufgrund des 

Schocks Mühe gehabt habe zu sprechen (Urk. 7/6 F/A 59). 

6.6. Der Zeuge M._____ beschrieb zwar, gesehen zu haben, wie die Beschul-

digte unvermittelt mit einem auf Höhe des Kopfes erhobenen Messer auf die an ihr 

vorbeigehende  Passantin  – die  Privatklägerin  1  –  losgegangen  sei  (Urk. 11/6 

F/A 13, 15 und 18). Die Verteidigung hielt jedoch zutreffend fest (Urk. 70 S. 8 Rz. 

34), dass der Zeuge M._____ den eigentlichen Vorfall sodann nicht sehen konnte 

(vgl. Urk. 11/6 F/A 32). Soweit die Zeugin L._____ ausführte, die Beschuldigte habe 

keine Stichbewegung gemacht, beschrieb sie eine Situation, nachdem die Beschul-

digte bereits das zweite Messer hervorgezogen hat und die Privatklägerin sich be-

- 23 -

reits in Richtung Gleise bzw. Zug entfernen konnte (Urk. 8/3 F/A 41). Aus den Aus-

sagen von F._____ und G._____ geht zum Angriff auf die Privatklägerin 1 hervor, 

dass die Beschuldigte das Messer über ihren Kopf drohend erhoben habe, wobei 

F._____  ausführte,  die  Beschuldigte  habe  mit  dem  Messer  herumgefuchtelt 

(Urk. 9/1  F/A 1;  Urk. 10/1  F/A 1).  Die  Aussagen  der  befragten  Personen  helfen 

zwar im Kerngeschehen nicht direkt weiter, sie lassen sich jedoch im Gegensatz 

zur Darstellung der Beschuldigten vielmehr mit derjenigen der Privatklägerin in Ein-

klang bringen. Letztlich lässt sich aufgrund der inkonsistenten Aussagen der Pri-

vatklägerin 1 zu allfälligen Stichbewegungen nicht zweifelsfrei erstellen, ob es zu 

einer Stichbewegung der Beschuldigten gekommen ist. 

6.7. Abgesehen davon schilderte die Privatklägerin 1 seit der polizeilichen Ein-

vernahme konstant und nachvollziehbar, dass die Beschuldigte mit einem Messer 

in der rechten Hand auf sie zu gekommen sei und sie mit der linken Hand festge-

halten  habe.  Sie  –  die  Privatklägerin 1  –  habe  geschrien  und  sei  unter  Schock 

gestanden (Urk. 7/1 F/A 4 und 11; Urk. 7/6 F/A 23, 26, und 34). Dass sie sich nicht 

mehr  sicher  gewesen  sei,  ob  sie  sich  dabei  vielleicht  abgewehrt  habe  (Urk. 7/6 

F/A 32), erscheint – entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 70 S. 9 Rz. 42) – 

angesichts des dynamischen Vorgehens und des glaubhaft geschilderten Schocks 

nachvollziehbar. Bereits bei der polizeilichen Einvernahme führte die Privatklägerin 

aus, die Beschuldigte habe das Küchenmesser ziemlich nahe an ihr Gesicht gehal-

ten, weshalb sie grosse Angst gehabt und gedacht habe, dass sie ihr das Messer 

in den Kopf stechen werde (Urk. 7/1 F/A 9 f.). Dass die Beschuldigte der Privatklä-

gerin mit dem Messer ganz nahe, mit ca. 6 cm Abstand, gekommen sei, bestätigte 

sie  auch  vor  der  Staatsanwaltschaft;  sie  seien  Gesicht  an  Gesicht  gewesen 

(Urk. 7/6  F/A  24  und  28  ff.).  Sodann  führte  sie  aus,  die  Beschuldigte  habe  eine 

Bewegung  in  Richtung  ihres  Kopfes  gemacht,  präzisierte  jedoch  auf  Nachfrage, 

das Messer sei ganz nahe gegen ihren Hals gerichtet gewesen (Urk. 7/6 F/A 35 f.). 

Diese Aussagen der Privatklägerin zur Position des Messers sind zwar nicht ganz 

übereinstimmend, aber keineswegs widersprüchlich. Schon durch die Länge des 

Messers (29.5 cm oder 31 cm) wären diese Ungereimtheiten in den Aussagen der 

Privatklägerin erklärbar. Aus den Aussagen der Privatklägerin geht zweifelsfrei her-

vor, dass die Beschuldigte das lange Küchenmesser sehr nahe an den Kopf der 

- 24 -

Privatklägerin auf die linke Kopf- bzw. Halsregion gerichtet hat. Dies lässt sich – wie 

gesagt – mit den Aussagen der befragten Personen sowie auch mit der Videoauf-

zeichnung  in  Einklang  bringen.  Zugunsten  der  Beschuldigten  ist  jedoch  mit  der 

Vorinstanz  (Urk. 58  S. 22)  von  keiner  Stichbewegung  der  Beschuldigten  auszu-

gehen.

6.8.

Im  Rahmen  einer  Gesamtwürdigung  ist  zusammenfassend  festzuhalten, 

dass  die  Aussagen  der  Privatklägerin  zum  Angriff  der  Beschuldigten  mit  dem 

Messer,  insbesondere  auch  angesichts  der  Videoaufzeichnung,  der  erlittenen 

Rötungen  am  Unterarm  der  Privatklägerin  sowie  der  weiteren  Aussagen  der 

befragten Personen, sehr glaubhaft und der von ihr geschilderte Sachverhalt als 

real  erlebt  erscheinen.  Es  ist  auf  die  glaubhaften  Aussagen  der  Privatklägerin 

abzustellen.  Der  im  Antrag  der  Staatsanwaltschaft  aufgeführte  zweite  Sachver-

haltsabschnitt (Urk. 22 S. 3 f.) ist hingegen insoweit zu präzisieren, als sich keine 

Stichbewegung,  sondern  sich  nur  ein  Halten  des  Messers  sehr  nahe  gegen  die 

linke Kopf- bzw. Halsregion der Privatklägerin erstellen lässt. Wie noch zu zeigen 

sein wird, ist es für die rechtliche Würdigung jedoch unerheblich, ob die Beschul-

digte das Messer nahe an den Hals oder ans Gesicht der Privatklägerin gehalten 

hat (vgl. nachstehend in E. IV. 3.6.). 

IV. Rechtliche Würdigung

1.

Vorbemerkung

1.1.

Zunächst hat das Gericht festzustellen, ob die Beschuldigte die ihr zur Last 

gelegten Straftaten begangen hat. In einem zweiten Schritt ist die Schuldunfähig-

keit  im  Sinne  von  Art. 19  Abs.  1  StGB  zu  prüfen.  Hernach  hat  das  Gericht  die 

Notwendigkeit  der  beantragten  oder  einer  anderen  Massnahme  zu  prüfen 

(vgl. SCHMID in: StPO Praxiskommentar, 4. Aufl., 2023, Art. 375 StPO N 1).

1.2. Vorwegzunehmen ist, dass die Frage, ob die Beschuldigte mit Wissen und 

Willen im Sinne von Art. 12 Abs. 2 StGB gehandelt hat, von der Frage der Schuld-

fähigkeit zu unterscheiden ist. Schuldunfähigkeit bedeutet nicht, dass die Beschul-

digte keinen tatbestandsmässigen Vorsatz bilden könnte; vielmehr kann auch eine 

- 25 -

völlig Schuldunfähige vorsätzlich handeln (BGE 115 IV 221 E. 1). Die Schuldfähig-

keit bezieht sich nicht auf die Tatbestandsmässigkeit des Verhaltens, sondern auf 

dessen Vorwerfbarkeit (Urteil des Bundesgerichts 6B_1363/2019 vom 19. Novem-

ber 2020 E. 1.2.1).

2.

Schreckung der Bevölkerung 

2.1. Die Staatsanwaltschaft sowie die Vorinstanz würdigten das im ersten Sach-

verhaltsabschnitt  vorgeworfene  Verhalten  der  Beschuldigten  als  Schreckung  der 

Bevölkerung im Sinne von Art. 258 StGB (Urk. 22 S. 2 f.; Urk. 58 S. 27 ff.). 

2.2. Die Verteidigung beanstandet die Annahme der Vorinstanz, dass die "Bevöl-

kerung" in Angst und Schrecken versetzt worden sei. Es handle sich bei zwei bis 

drei in Schrecken versetzte Personen nicht um einen grösseren Personenkreis, wo-

mit das Tatbestandsmerkmal der Bevölkerung nicht erfüllt sei (Urk. 70 S. 6 Rz. 21 

ff.).

2.3. Die Vorinstanz hat richtige Ausführungen zu den rechtlichen Grundlagen der 

Schreckung der Bevölkerung im Sinne von Art. 258 StGB gemacht (Urk. 22 S. 27 

f.),  darauf  ist  vorab  zu  verweisen.  Rekapitulierend  und  auch  ergänzend  gilt  es 

festzuhalten, dass nach Art. 258 StGB strafbar ist, wer die Bevölkerung durch An-

drohen oder Vorspiegeln einer Gefahr für Leib, Leben oder Eigentum in Schrecken 

versetzt.  Bei  Art.  258  StGB  geht  es  um  das  allgemeine  Sicherheitsgefühl  der 

Bevölkerung.  Darunter  wird  üblicherweise  das  "Gefühl  der  Geborgenheit  in  der 

rechtlichen Ordnung und das Vertrauen in ihren Bestand" bzw. das "in der Bevöl-

kerung  allgemein  bestehende  Sicherheitsgefühl"  oder  "das  Gefühl  angstfreier 

Daseinsgewissheit" verstanden. Der Täter zwinge durch die Androhung "Menschen 

in seinen Bann" und gefährde dadurch den öffentlichen Frieden, insb. das Gefühl 

der Rechtssicherheit. Dieses Sicherheitsgefühl wird also als Teil des öffentlichen 

Friedens aufgefasst (FIOLKA in: BSK StGB/JStG, 4. Aufl., 2019, Art. 258 StGB N 5). 

Bei der Formel des allgemeinen Sicherheitsgefühls geht es immer um das Sicher-

heitsgefühl von Individuen. (…) Es ist das Vertrauen des Einzelnen darin, keinen 

eine unbestimmte Vielzahl von Personen betreffenden Gefährdungen ausgesetzt 

zu sein (FIOLKA in: BSK StGB/JStG, a.a.O., Art. 258 StGB N 8). 

- 26 -

2.4. Sowohl die Androhung wie auch das Vorspiegeln einer Gefahr müssen eine 

derartige Schwere aufweisen, dass sie geeignet sind, einen grösseren Personen-

kreis in Angst und Schrecken zu versetzen. Dieser erforderliche Schweregrad ist 

im  Einzelfall  anhand  der  konkreten  Umstände  zu  beurteilen.  Als  Massstab  muss 

dabei eine besonnene Bevölkerung gelten, die weder besonders schreckhaft noch 

gar  mimosenhaft  reagiert.  Dass  der  Täter  willens  oder  in  der  Lage  ist,  auf  die 

angedrohte oder vorgespiegelte Gefahr Einfluss zu nehmen, ist nicht massgeblich. 

Entscheidend ist allein, dass er dies ausdrücklich oder konkludent vorgibt, und die 

Äusserung von den Adressaten ernst genommen, d.h. als ernst gemeint verstan-

den wird. Die angedrohte oder vorgespiegelte Gefahr muss sich nicht auf die ganze 

Bevölkerung  beziehen.  Diese  muss  zur  Vollendung  des  Tatbestands  allein  in 

Schrecken versetzt werden, was auch bei der Androhung oder Vorspiegelung einer 

Gefahr  für  Einzelne  der  Fall  sein  kann  (WEDER  in:  Donatsch  [Hrsg.],  StGB/JStG 

Kommentar, Orell Füssli Kommentar, 21. Aufl., Zürich 2022, Art. 258 StGB N 4 ff.). 

Als ungeschriebenes Tatbestandsmerkmal muss die Äusserung mindestens öffent-

lich erfolgen (FIOLKA in: BSK StGB/JStG, a.a.O., Art. 258 StGB N 29; VEST in: Schu-

barth  [Hrsg.],  Delikte  gegen  den  öffentlichen  Frieden  (Art. 258-263  StGB),  Bern 

2007, Art. 258 StGB N 18)

2.5. Art.  258  StGB  ist  ein  Erfolgsdelikt.  Der  Tatbestand  setzt  voraus,  dass  die 

Bevölkerung  in  Schrecken  versetzt  wurde.  Da  die  Bevölkerung  nicht  fähig  ist, 

gemeinsam einheitlich zu empfinden, ist darauf abzustellen, wie viele Einzelne in 

Schrecken versetzt werden. Nach Lehre und Rechtsprechung handelt es sich dabei 

um  eine  grössere,  nicht  genau  bestimmbare  Anzahl  von  Personen  (FIOLKA  in: 

BSK StGB/JStG, a.a.O., Art. 258 StGB N 21 f.; vgl. BGE 141 IV 215 E. 2.3.2.). Im 

BGE  141  IV  215  definierte  das  Bundesgericht  den  Begriff  der  "Bevölkerung" 

gemäss Art. 258 StGB; dieser erfasse "die Bewohner eines bestimmten, mehr oder 

weniger  grossen  Gebiets"  sowie  "Personen,  die  sich,  als  Repräsentanten  der 

Allgemeinheit, eher zufällig und kurzfristig an einem bestimmten Ort befinden, etwa 

in  einem  Kaufhaus,  in  einem  öffentlichen  Verkehrsmittel  oder  in  einem  Sport-

stadium", nicht dagegen Freunde oder Bekannte "im realen oder virtuellen Leben" 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_256/2014 vom 8. April 2015, publiziert als BGE 141 

IV 215 E. 2.3.4.). 

- 27 -

2.6. Dabei  wird  nicht  unterschieden,  ob  das  Zielpublikum  gemeint  ist  oder  die 

Gruppe  der  Personen,  die  tatsächlich  in  Schrecken  versetzt  werden  (absolute 

Kriterien)  oder  aber  der  Anteil,  der  in  Schrecken  Versetzten  am  Zielpublikum 

(relatives Kriterium). Bei den beiden absoluten Kriterien werden kleinere Gruppen 

nicht geschützt, auch wenn sie effektiv in Schrecken versetzt werden. (…) Vor dem 

Hintergrund, dass Art. 258 StGB nicht den öffentlichen Frieden direkt, sondern die 

Einzelnen vor Schreckung schützt, ist von der relativen Betrachtungsweise auszu-

gehen (FIOLKA in: BSK StGB/JStG, a.a.O., Art. 258 StGB N 24). Es ist nicht erfor-

derlich,  dass  alle  Angehörigen  des  Zielpublikums  in  Schrecken  versetzt  wurden, 

sondern es genügt, wenn eine Mehrheit von ihnen die Gefahr ernst nahm (FIOLKA 

in: BSK StGB/JStG, a.a.O., Art. 258 StGB N 27; Donatsch/Thommen/Wohlers in: 

Jositsch [Hrsg.], Strafrecht IV, Delikte gegen die Allgemeinheit, 5. Aufl., 2017, § 44 

S. 185).

2.7. Die Vorinstanz hat die Tatbestandsmässigkeit im Sinne der zitierten Bestim-

mungen bejaht. Den vorinstanzlichen Erwägungen kann grundsätzlich gefolgt und 

darauf vorab verwiesen werden (Urk. 58 S. 28 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Offensicht-

lich  war  das  erstellte  Verhalten  der  Beschuldigten  geeignet,  einen  grösseren 

Personenkreis in Angst und Schrecken zu versetzen: Die Beschuldigte lief in einem 

wahrnehmbar wirren Zustand mit einem gut sichtbaren, langen Küchenmesser in 

der Hand im öffentlichen Raum, fuchtelte mit dem Messer vor Passanten herum 

und  drohte  zumindest  in  der  Unterführung  beim  Bahnhof  J._____  immer  wieder 

damit, alle umzubringen. Dabei ist es unerheblich, ob die von ihr ausgesprochenen 

Todesdrohungen  von  allen  Passanten  gehört  wurde  (vgl.  die  Verteidigung  in 

Urk. 70 S. 4 Rz. 11), zumal schon die konkludente Drohung der Beschuldigte mit 

dem Messer geeignet ist, einen grösseren Personenkreis in Angst und Schrecken 

zu  versetzen.  Entgegen  der  Ansicht  der  Verteidigung  ist  auch  das  Tatbestands-

merkmal  der  "Bevölkerung"  erfüllt.  Die  Beschuldigte  hat  sich  an  einem  bzw. 

mehreren öffentlichen Ort(en) aufgehalten, an welchen sie einem ihr unbekannten 

Personenkreis  begegnete.  Vorliegend  erschreckte  die  Beschuldigte  mit  ihrem 

Verhalten diverse Passanten, die sich – im Sinne der bundesgerichtlichen Recht-

sprechung (BGE 141 IV 215 E. 2.3.4.) – als Repräsentanten der Allgemeinheit zu-

fällig und kurzfristig bei der H._____ bzw. der I._____-strasse und in der Unterfüh-

- 28 -

rung bzw. der Rampe zu den Gleisen des Bahnhofs J._____s befunden haben. Das 

Zielpublikum waren alle in der Nähe der Beschuldigten anwesende Passanten auf 

ihrem Weg zum Bahnhof J._____. Bereits im Rahmen der Sachverhaltserstellung 

wurde aufgezeigt, dass zumindest ein unbekannter Mann mit einem Fahrrad, der 

Zeuge K._____, die Privatklägerin 1, die beiden Auskunftspersonen G._____ und 

F._____, der Zeuge M._____ und die Zeugin L._____ durch das bedrohliche Ver-

halten der Beschuldigten in Schrecken versetzt worden sind. Diese Personen ha-

ben die von der Beschuldigten (teilweise) ausdrücklich und konkludent angedrohte 

schwerwiegende Gefahr für Leib und Leben – eine Verletzung durch das von ihr 

offen getragene bzw. herumgefuchtelte Messer – durchaus ernst genommen bzw. 

als ernst gemeint verstanden (vgl. voranstehend E. III. 5.7. und 5.12.). Ohne weite-

res erfüllte die Beschuldigte mit ihrem Verhalten den objektiven Tatbestand, auch 

wenn die festgestellte Anzahl der unmittelbar bedrohten Personen noch beschau-

lich war; der Tatbestand soll auch kleinere Gruppen schützen, geht es doch um das 

Sicherheitsgefühl von Individuen (vgl. FIOLKA in: BSK StGB/JStG, a.a.O., Art. 258 

StGB N 8 und 24). 

2.8.

In  subjektiver  Hinsicht  ist  Vorsatz  erforderlich,  welcher  sich  namentlich 

darauf beziehen muss, einen grösseren Personenkreis in Schrecken zu versetzen. 

Eventualvorsatz  genügt  (WEDER  in:  Donatsch  [Hrsg.],  StGB/JStG  Kommentar, 

a.a.O.,  Art. 258  StGB  N 8).  Zum  Vorsatz  der  Beschuldigten  gilt  es  festzuhalten, 

dass sie gemäss eigenen Aussagen die Messer gerade dafür mitgenommen habe, 

um sich gegen anderen Menschen zu wehren (Urk. 5/2 F/A 42 und 64). Zudem gab 

sie an, dass sie auf den Zug habe gehen wollen (Urk. 5/2 F/A 50). Sie packte somit 

die Küchenmesser im Bewusstsein ein, dass es sich um gefährliche Gegenstände 

handelt und sie diese gegen Menschen zur Wehr einsetzen kann. Damit wusste 

sie,  dass  sie  mit  dem  Einsatz  der  Messer  Menschen  verängstigen  und  in  ihrem 

Sicherheitsgefühl beeinträchtigen kann. Ferner musste sie – entgegen der Ansicht 

der Verteidigung (Urk. 70 S. 6 f. Rz. 24 und 26) – zumindest davon ausgehen bzw. 

in  Kauf  nehmen,  dass  ein  grösserer  Personenkreis  in  Schrecken  versetzt  wird, 

wenn sie mit einem einsatzbereiten, langen Messer in der Hand durch einen öffent-

lichen  Ort  wie  die  I._____-strasse  bzw.  der  Bahnhof  J._____  geht  und  mit  dem 

Messer vor Passanten herumfuchtelt und Todesdrohungen ausspricht.

- 29 -

2.9. Die Schreckung der Bevölkerung im Sinne von Art. 258 StGB ist zu bejahen. 

Die Drohungen gegenüber der Privatklägerin 1 sowie der Zeugin L._____, für wel-

che gültige Strafanträge vorliegen (Urk. 7/2 und Urk. 8/2), werden durch Art. 258 

StGB als qualifizierter Spezialfall bzw. lex specialis konsumiert.

3.

Versuchte schwere Körperverletzung 

3.1. Die Vorinstanz würdigte das im zweiten Sachverhaltsabschnitt vorgeworfene 

Verhalten  der  Beschuldigten  zum  Nachteil  der  Privatklägerin  1  als  versuchte 

schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 lit. a StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 

StGB (Urk. 22 S. 3 f.; Urk. 58 S. 25 ff.). 

3.2. Die Beschuldigte hat das ihr vorgeworfene Delikte am 17. Mai 2022 began-

gen (Urk. 22 S. 3 f.). Per 1. Juli 2023 wurde das Bundesgesetz vom 17. Dezember 

2021 über die Harmonisierung der Strafrahmen (AS 2023 259) in Kraft gesetzt. Die 

revidierten Bestimmungen des Strafgesetzbuches kommen auch auf Straftaten zur 

Anwendung, die vor ihrem Inkrafttreten begangen wurden, aber erst nachher beur-

teilt werden, sofern das neue Recht das mildere ist (Art. 2 Abs. 2 StGB).

3.3.

Im Rahmen der seit 1. Juli 2023 geltenden Harmonisierung der Strafrahmen 

wurde  auch  der  Tatbestand  der  schweren  Körperverletzung  nach  Art. 122  StGB 

revidiert.  Da  das  neue  Recht  eine  Mindeststrafe  von  einem  Jahr  anstatt  –  wie 

früher – sechs Monaten Freiheitsstrafe vorsieht, erweist sich das neue Recht nicht 

als das mildere (Art. 2 Abs. 2 StGB), weshalb – entgegen der Vorinstanz (Urk. 22 

S. 46) – nachfolgend aArt. 122 StGB zu prüfen ist. Die Vorinstanz hält jedoch richtig 

fest, dass die Änderung vorliegend unerheblich ist, da keine Sanktion, sondern eine 

Massnahme für eine schuldunfähige Person zu prüfen ist.

3.4. Die Vorinstanz hat richtige Ausführungen zu den rechtlichen Grundlagen der 

vorgeworfenen  versuchten  eventualvorsätzlichen  schweren  Körperverletzung  im 

Sinne von aArt. 122 StGB i.V.m. Art. 22 StGB gemacht (Urk. 22 S. 24 f.), darauf ist 

zu  verweisen.  Mit  ebenfalls  zutreffender  Begründung  hat  sie  die  objektive  und 

subjektive  Tatbestandsmässigkeit  im  Sinne  der  zitierten  Bestimmungen  bejaht 

(Urk. 22 S. 24 ff.), auch darauf ist zu verweisen. Die nachfolgenden Erwägungen 

sind deshalb teilweise ergänzende und rekapitulierende.

- 30 -

3.5. Gemäss aArt. 122 StGB macht sich der schweren Körperverletzung schul-

dig,  wer  einen  Menschen  lebensgefährlich  verletzt  (Abs. 1);  wer  den  Körper,  ein 

wichtiges Organ oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein wichtiges Organ 

oder Glied unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend arbeitsunfähig, gebrech-

lich  oder  geisteskrank  macht,  das  Gesicht  eines  Menschen  arg  und  bleibend 

entstellt (Abs. 2); oder wer eine andere schwere Schädigung des Körpers oder der 

körperlichen oder geistigen Gesundheit eines Menschen verursacht (Abs. 3).

3.6.

Im vorliegenden Fall ist der Taterfolg der schweren Körperverletzung nicht 

eingetreten. Die Beschuldigte packte die Privatklägerin 1 an deren rechten Unter-

arm, hielt sie fest und hielt das 29.5 cm oder 31 cm lange Küchenmesser mit einer 

Klingenlänge von mindestens 15 cm in ihrer rechten Hand sehr nahe an den linken 

Hals-  bzw.  Kopfbereich  der  Privatklägerin.  Es  bestand  mithin  eine  grosse  Ver-

letzungsgefahr, insbesondere auch weil es sich um ein dynamisches Geschehen 

handelte  und  die  Möglichkeit  bestand,  dass  die  unter  Drogeneinfluss  stehende 

Beschuldigte  aber  auch  die  Privatklägerin  unkontrollierte  Bewegungen  hätten 

machen können. Sodann hätte die Beschuldigte mit dem Messer mit grosser Wahr-

scheinlichkeit in den Hals, ins Gesicht oder in naheliegende Strukturen der Privat-

klägerin  stechen  bzw.  diese  verletzen  können.  Eine  Verletzung  des  Halses,  des 

Kopfes oder von unmittelbar naheliegenden Körperteilen mit einem Küchenmesser 

mit einer Klingenlänge von ca. 15 cm bis 20 cm hätte möglicherweise Lebensgefahr 

oder eine arge und bleibende Entstellung des Gesichts zur Folge (aArt. 122 Abs. 1 

und Abs. 2 StGB).

3.7.

In subjektiver Hinsicht ist mit der Vorinstanz von einem Eventualvorsatz aus-

zugehen.  Wie  erwähnt,  nahm  die  Beschuldigte  gemäss  eigenen  Aussagen  die 

Messer  gerade  dafür  mit,  um  sich  gegen  die  anderen  Menschen  zu  wehren 

(Urk. 5/2 F/A 42 und 64). Dabei wusste sie, dass es sich bei den Küchenmessern 

um gefährliche Gegenstände handelt. Ferner musste sie davon ausgehen bzw. hat 

sie in Kauf genommen, dass sie die Privatklägerin 1 bei diesem äusserst dynami-

schen Vorgehen – die Beschuldigte rannte im Drogenwahn auf die Privatklägerin 

zu  –  mit  dem  Hinhalten  des  grossen  Küchenmessers  wenige  Zentimeter  vom 

Gesicht  bzw.  Hals  der  Privatklägerin  entfernt  hätte  lebensgefährlich  verletzen 

- 31 -

können.  Die  Beschuldigte  wusste  um  die  Gefährlichkeit  ihres  Vorgehens  und 

konnte aufgrund der Dynamik des Geschehens nicht darauf vertrauen, die Privat-

klägerin nicht zu verletzen. Auch wenn die Beschuldigte dies nicht tun wollte, nahm 

sie mit ihrem gefährlichen Tun billigend in Kauf, dass sie durch ein Abrutschen bzw. 

eine unkontrollierte Bewegung ihrerseits oder eine Abwehrhandlung der Privatklä-

gerin  andererseits  der  Privatklägerin  ins  Gesicht  oder  in  den  Hals  hätte  stechen 

können. Wer ein Messer mit solcher Klingenlänge nahe an das Gesicht bzw. den 

Hals eines Menschen hält, muss aufgrund der empfindlichen und für schwere Ver-

letzungen anfällige Kopfregion damit rechnen oder nimmt zumindest in Kauf, das 

Opfer lebensgefährlich zu verletzen. 

3.8. Der  Versuch  einer  schweren  Körperverletzung  ist  daher  zu  bejahen.  Die 

erfolgte Tätlichkeit zum Nachteil der Privatklägerin tritt infolge unechter Konkurrenz 

zurück.

4.

Fazit 

Es  ist  festzustellen,  dass  die  Beschuldigte  die  Tatbestände  der  Schreckung  der 

Bevölkerung im Sinne von Art. 258 StGB sowie der versuchten schweren Körper-

verletzung im Sinne von aArt. 122 Abs. 1 und Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 

StGB im Zustand der nicht selbstverschuldeten Schuldunfähigkeit (dazu nachfol-

gend E. V.) erfüllt hat. 

V. Schuldunfähigkeit, Massnahme

Da die von der Beschuldigten angefochtenen Tatbestände zu bestätigen sind und 

die  Beschuldigte  ihre  Berufung  darauf  beschränkt  hat,  sind  die  weiteren  damit 

zusammenhängenden,  aber  nicht  angefochtenen  Urteilspunkte  –  das  heisst  die 

Schuldfähigkeit und die Anordnung einer Massnahme – nicht mehr zu überprüfen 

(vgl.  SCHMID/JOSITSCH  in:  PK  StPO,  a.a.O.,  Art. 399  StPO  N 18).  Die  Vorinstanz 

stellte gestützt auf das forensisch-psychiatrische Gutachten von Dr. med. C._____ 

vom  7.  Februar  2023  (Urk.  13/7)  die  vollumfängliche  nicht  selbstverschuldete 

Schuldunfähigkeit der Beschuldigten im Sinne von Art. 19 Abs. 1 StGB fest (Urk. 58 

S. 30 ff.). Die vorinstanzliche Feststellung ist zu bestätigen. Mit der Vorinstanz ist 

- 32 -

im Sinne von Art. 19 Abs. 1 StGB keine Strafe auszufällen. Ferner wird die Anord-

nung einer ambulanten Behandlung der Beschuldigten im Sinne von Art. 63 StGB 

(Suchtbehandlung)  verbunden  mit  der  Möglichkeit  zur  stationären  Einleitung  im 

Sinne von Art. 63 Abs. 3 StGB bestätigt. 

VI. Zivilklage

1.

Ausgangslage

1.1. Die Vorinstanz verwies die Zivilklage der Privatklägerin 1 aufgrund mangeln-

der  Unterlagen  zu  den  finanziellen  Verhältnissen  bzw.  fehlender  Beurteilungs-

grundlage  für  die  Prüfung  der  Billigkeitshaftung  auf  den  Weg  des  Zivilprozesses 

(Urk. 58 S. 41 ff. und S. 47).

1.2. Die Privatklägerin 1 wendet sich im Rahmen ihrer Anschlussberufung gegen 

den  vorinstanzlichen  Entscheid  über  ihre  Zivilklage  und  liess  –  wie  bereits  vor 

Vorinstanz (Urk. 45 S. 1 und 4 ff.) – beantragen, die Beschuldigte sei zur Leistung 

einer  Genugtuung  in  der  Höhe  von  Fr. 12'000.–  zu  verpflichten  (Urk. 65  S. 2; 

Urk. 75 S. 2). An der vorinstanzlichen Beurteilung kritisierte sie, dass hinsichtlich 

der Zivilklage der Privatklägerin kein Billigkeitsentscheid zu fällen gewesen wäre. 

Das  Gutachten  habe  sich  zur  Frage  der  Schuldunfähigkeit  nicht  zur  versuchten 

schweren  Körperverletzung  geäussert,  sondern  sich  auf  die  Tatbestände  der 

Schreckung der Bevölkerung, der Drohung und Tätlichkeiten beschränkt. Sinnge-

mäss  bringt  die  Privatklägerin  vor,  die  Beschuldigte  habe  ihre  Schuldunfähigkeit 

durch ihren Kokainkonsum selbstverschuldet vorübergehend herbeigeführt und sei 

gemäss Art. 54 Abs. 2 OR vollumfänglich haftbar (Urk. 75 S. 6 f. Rz. 13 ff. und S. 9 

Rz. 28 ff.). Sofern eine Billigkeitshaftung geprüft werde, seien die finanziellen Ver-

hältnisse der Beschuldigten bekannt gewesen und es sei gerichtsnotorisch, dass 

die Privatklägerin, die als abgewiesene Asylsuchende einem Arbeitsverbot unter-

liege,  über  keine  Einkünfte  verfüge.  Die  finanziellen  Verhältnisse  liegen  gemäss 

Rechtsprechung zwar im Vordergrund, so könne jedoch auch bei Mittellosigkeit der 

Schädigerin  (teilweise)  opferschutzrechtlich  eine  Genugtuungsforderung  geltend 

gemacht werden, womit ein (weiterer) wirtschaftlicher Ruin der Beschuldigten nicht 

herbeigeführt werde (Urk. 75 S. 8 Rz. 25 f.).

- 33 -

1.3. Die Beschuldigte wies in ihrer Stellungnahme darauf hin, dass das Gutach-

ten ausdrücklich festhalte, dass bei der Beschuldigten zur Zeit der Taten von einer 

gesamten Schuldunfähigkeit auszugehen sei  und  die Vorinstanz daher zu Recht 

einen Billigkeitsentscheid geprüft habe. Ferner machte sie geltend, dass angesichts 

der schlechten finanziellen Lage der Beschuldigten keine besonderen Umstände 

vorlägen,  welche  die  ausnahmsweise  Anwendung  der  Billigkeitshaftung  nach 

Art. 54 Abs. 1 OR rechtfertigen würden. Ausserdem wies die Beschuldigte darauf 

hin, dass nie Unterlagen zu den finanziellen Verhältnissen der Privatklägerin ein-

gereicht worden seien (Urk. 80 S. 3 f. Rz. 7 ff.).

2.

Billigkeitshaftung

2.1. Das  Vorbringen  der  Privatklägerin  1,  die  gutachterliche  Feststellung  der 

nicht selbstverschuldeten Schuldunfähigkeit der Beschuldigten beziehe sich nicht 

auf die versuchte schwere Körperverletzung, ist unbehelflich. Wie vorstehend aus-

geführt, ist aufgrund der Beschränkung der Berufung nicht mehr auf die Beurteilung 

der Schuldunfähigkeit gemäss Art. 19 Abs. 1 StGB zurückzukommen (vgl. voran-

stehend  in  E. V.).  Im  Übrigen  ist  der  Verteidigung  beizupflichten  (Urk. 80  S. 3 

Rz. 7),  dass  die  nicht  selbst  verschuldete  Schuldunfähigkeit  der  Beschuldigten 

zweifellos  für  sämtliche  Taten  vom  17. Mai  2022  gutachterlich  festgestellt  wurde 

(vgl.  Urk. 13/7  S.  44  und  51;  so  lautete  auch  der  Gutachtensauftrag  gemäss 

Urk. 13/7 S. 2). 

2.2. Sowohl  Schadenersatzansprüche  (Art. 41  bis  46  OR)  wie  auch  Genug-

tuungsansprüche (Art. 47 und 49 OR) erfordern ein Verschulden und damit Urteils-

fähigkeit  des  widerrechtlich  handelnden  Schädigers  (BREHM  in:  Hausheer/Walter 

[Hrsg.],  Berner  Kommentar  zum  schweizerischen  Privatrecht,  Obligationenrecht, 

Die  Entstehung  durch  unerlaubte  Handlungen,  Art. 41-46  OR,  5. Auflage,  Bern 

2021,  Art. 41  N  179  sowie  Art. 47  N 15  f.  und  18).  Diese  Voraussetzung  ist  bei 

einem schuldunfähigen Täter nicht gegeben. 

2.3. Aus Billigkeit kann der Richter auch eine nicht urteilsfähige Person, die einen 

Schaden  verursacht  hat,  zu  teilweisem  oder  vollem  Ersatz  verurteilen  (Art. 54 

Abs. 1  OR).  Der  Schadensbegriff  dieser  Bestimmung  umfasst  dabei  auch  die 

- 34 -

seelische  Unbill, weshalb  gemäss  Art. 54  OR  auch  eine  Genugtuung  geschuldet 

werden kann (BREHM in: Hausheer/Walter [Hrsg.], a.a.O., Art. 54 N 14). Als Beur-

teilungskriterium für die Frage nach der Billigkeitshaftung hat das Bundesgericht in 

seiner seit langem konstanten Rechtsprechung festgehalten, dass der finanziellen 

Situation der Parteien im Zeitpunkt des Urteils vorrangige Bedeutung zukomme. So 

spreche etwa der Umstand, dass die geschädigte Partei wohlhabend sei und die 

schädigende  Partei  in  bescheidenen  finanziellen  Verhältnissen  lebe,  gegen  eine 

Billigkeitshaftung (BGE 102 III 226 E. 2.b; BGE 113 Ia 76 E. 2.a; BGE 122 III 262 

E. 2.a/aa).  Der  Umstand,  dass  die  schädigende  Person  finanziell  nicht  besser 

situiert ist als die geschädigte Person, führt meistens bereits zum Schluss, dass die 

Billigkeitshaftung  nicht  angenommen  wird.  Massgebend  ist,  dass  der  Urteilsun-

fähige nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügt (BREHM in: Hausheer/Walter 

[Hrsg.],  a.a.O.,  Art. 54  N 23;  FELLMANN/KOTTMANN,  Schweizerisches  Haftpflicht-

recht, Bd I, Bern 2012, N 700).

2.4. Die geschädigte Person kann zivilrechtliche Ansprüche aus der Straftat als 

Privatklägerschaft  adhäsionsweise  im  Strafverfahren  geltend  machen  (Art. 122 

Abs. 1 StPO). Das Gericht entscheidet über die anhängige Zivilklage, wenn es die 

beschuldigte  Person  schuldig  spricht  (Art. 126  Abs. 1  lit. a  StPO).  Die  Zivilklage 

wird  auf  den  Zivilweg  verwiesen,  wenn  die  Privatklägerschaft  ihre  Klage  nicht 

hinreichend begründet oder beziffert hat (Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO). Wäre die voll-

ständige  Beurteilung  des  Zivilanspruchs  unverhältnismässig  aufwendig,  so  kann 

das Gericht die Zivilklage nur dem Grundsatz nach entscheiden und sie im Übrigen 

auf den Zivilweg verweisen (Art. 126 Abs. 3 StPO).

2.5. Soweit für die Beurteilung des Zivilanspruchs nicht bereits auf die im Straf-

verfahren gewonnenen Erkenntnisse abgestellt werden kann, hat die Privatkläger-

schaft die hierfür notwendigen Sachverhaltselemente zu substantiieren und dazu 

Beweismittel zu nennen, ansonsten keine hinreichende Begründung und Beziffe-

rung  vorliegt.  Bezüglich  Beweislast  und  Beweiswürdigung  ist  das  Strafgericht  im 

Adhäsionsprozess an seine Feststellungen zum Schuldpunkt gebunden (LIEBER in: 

Donatsch,  Lieber,  Summers,  Wohlers  [Hrsg.],  Kommentar  zur  Schweizerischen 

Strafprozessordnung (StPO), 3. Aufl. 2020, Art. 122 StPO N 4b ff.). 

- 35 -

2.6. Die  Beschuldigte  weist  zu  Recht  darauf  hin,  dass  die  Privatklägerin  keine 

Unterlagen zu ihren finanziellen Verhältnissen  eingereicht hat. Die Privatklägerin 

trifft  hinsichtlich  einzelner  nur  zivilrechtlich  bedeutsamer  Tatsachen  die  Behaup-

tungs-, Substantiierungs- und Beweislast (Art. 8 ZGB; LIEBER, a.a.O., Art. 122 StPO 

N 4d). Mangels genügender Substantiierung fehlen auch dem Berufungsgericht die 

notwendigen  Angaben  zum  vorrangigen  Beurteilungskriterium  für  die  Billigkeits-

haftung. Die Privatklägerin ist mit ihrer Zivilklage – wie vor Vorinstanz (Urk. 58 S. 43 

und  47)  –  auf  den  Weg  des  Zivilprozesses  zu  verweisen  (Art. 126  Abs. 2  lit. b 

StPO).

VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.1.

Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres 

Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Beschuldigte unterliegt 

mit  ihren  Anträgen  betreffend  Freispruch  von  den  Tatbeständen  der  versuchten 

schweren Körperverletzung und der Schreckung der Bevölkerung und betreffend 

Feststellung der Erfüllung der Tatbestände der Drohung und der Tätlichkeiten im 

Zustand der nicht selbstverschuldeten Schuldunfähigkeit. Auch die Privatklägerin 

unterliegt in Bezug auf ihre Zivilforderung.

1.2. Bei schuldunfähigen Personen kann eine Kostenauflage nur in den Schran-

ken  von  Art.  419  StPO  erfolgen  (BOMMER  in:  BSK  StPO/JStPO,  a.a.O.,  Art. 375 

StPO N 22 ff.; SCHMID, Praxiskommentar StPO, 4. Aufl., 2023, Art. 426 N 13). Nach 

dieser Bestimmung können der schuldunfähigen Person Kosten auferlegt werden, 

wenn dies nach den gesamten Umständen billig erscheint. Aus Billigkeitsgründen 

ist  eine  Kostenauflage  gerechtfertigt,  wenn  die  wirtschaftlichen  Verhältnisse  der 

beschuldigten schuldunfähigen Person so gut sind, dass eine Kostenübernahme 

durch  den  Staat  als  stossend  erscheint  (DOMEISEN  in:  BSK  StPO/JStPO,  a.a.O., 

Art. 419  StPO  N 7,  mit  Hinweisen).  Dies  ist  vorliegend  nicht  der  Fall.  Über  die 

finanziellen Verhältnisse der Beschuldigten ist bekannt, dass sie eine jährliche IV-

Rente  von  Fr. 15'456.–  sowie  monatliche  Ergänzungsleistungen  zur  AHV/IV  in 

Höhe von Fr. 1'918.– erhält (Urk. 48/5 und Urk. 48/7). Der Anteil der Beschuldigten 

- 36 -

der Kosten des Berufungsverfahrens sowie die Kosten der amtlichen Verteidigung 

sind daher definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen.

1.3.

In Nachachtung der besonderen Umstände dieses Strafverfahrens, in des-

sen Rahmen die Privatklägerin 1 als Opfer einer Gewalttat einer schuldunfähigen 

Täterin beim Obergericht um die Zusprechung von Genugtuung ersuchte, gepaart 

mit  dem  überschaubaren  Aufwand  in  diesem  schriftlichen  Berufungsverfahren, 

erscheint  es  angemessen,  auf  eine  Kostenauflage  an  die  unterliegende  Privat-

klägerin zu verzichten. Folglich ist auch der Anteil der Privatklägerin der Kosten des 

Berufungsverfahrens  sowie  die  Kosten  deren  unentgeltlichen  Vertretung  definitiv 

auf die Gerichtskasse zu nehmen.

2.1. Die amtliche Verteidigung macht im Berufungsverfahren einen Aufwand von 

11.3 Stunden und Barauslagen von Fr. 64.70 geltend (Urk. 83). Dies ergibt einen 

Aufwand von Fr. 2'757.30 (inkl. Barauslagen und MwSt.; die Verteidigung kommt 

fälschlicherweise  auf  einen  Betrag  von  Fr. 3'123.75),  was  ausgewiesen  ist  und 

angemessen erscheint. Rechtsanwalt lic. iur. X._____ ist für seine Aufwendungen 

im Berufungsverfahren im beantragten Umfang von Fr. 2'757.30 aus der Gerichts-

kasse zu entschädigen.

2.2. Die  Honorarnote  der  Privatklägerin  1  (Urk.  77)  erweist  sich  ebenfalls  als 

angemessen. Der unentgeltliche Vertreter der Privatklägerin 1, Rechtsanwalt MLaw 

Y._____,  ist  für  seine  Aufwendungen  im  Berufungsverfahren  mit  insgesamt 

Fr. 3'952.95 (inkl. MwSt. und Barauslagen) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.

Es wird beschlossen:

1.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts des Bezirksgerichts 

Uster, Einzelgericht, vom 5. September 2023 wie folgt in Rechtskraft erwach-

sen ist: 

1.-3.

(…)

Es wird erkannt:

- 37 -

4.

Die beiden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom 16. September 

2022 beschlagnahmten Küchenmesser (Asservat Nrn. A016'175'658 und 

A016'175'670) werden eingezogen und dem Forensischen Institut Zürich (FOR) zur 

gutscheinenden Verwendung überlassen.

5.

Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom 16. September 2022 

beschlagnahmten Betäubungsmittel (Asservat Nr. A016'175'692) werden eingezogen 

und dem Forensischen Institut Zürich (FOR) zur Vernichtung überlassen.

6.

7.

(…)

Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr. 

Fr.

Fr.

Fr.

1'800.–

; die weiteren Kosten betragen:

4'000.–

  Gebühr für das Vorverfahren,

12'592.40

  Auslagen (div. Gutachten inkl. IRM, Blutentnahme Spital und Gut-

achten Dr. C._____), 

100.–

  Entschädigung Zeuge.

8.

Die Entscheidgebühr und die weiteren Kosten werden der Beschuldigten auferlegt 

aber definitiv abgeschrieben.

9.

Rechtsanwalt lic. iur. X._____ wird für seine Bemühungen als amtlicher Verteidiger 

der Beschuldigten mit Fr. 12'123.40 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus 

der Gerichtskasse entschädigt. 

Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden definitiv auf die Gerichtskasse genom-

men.

10.

Rechtsanwalt MLaw Y._____ wird für seine Bemühungen als unentgeltlicher 

Geschädigtenvertreter der Privatklägerin 1 mit Fr. 4'679.65 (inklusive Barauslagen 

und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt. 

Die Kosten der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung werden definitiv auf die 

Gerichtskasse genommen.

11.

(Mitteilungen)

12.

(Rechtsmittel)

2.

Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.

- 38 -

Es wird erkannt:

1.

Es wird festgestellt, dass die Beschuldigte A._____ folgende Tatbestände im 

Zustand der nicht selbst verschuldeten Schuldunfähigkeit erfüllt hat:





Schreckung der Bevölkerung im Sinne von Art. 258 StGB,

versuchte schwere Körperverletzung im Sinne von aArt. 122 Abs. 1 

und Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB.

2.

Aufgrund der nicht selbst verschuldeten Schuldunfähigkeit wird von einer 

Strafe abgesehen. 

3.

Es wird eine ambulante Behandlung der Beschuldigten im Sinne von Art. 63 

StGB (Suchtbehandlung) verbunden mit der Möglichkeit zur stationären 

Einleitung im Sinne von Art. 63 Abs. 3 StGB angeordnet. 

4.

Die Zivilklage der Privatklägerin B._____ wird auf den Weg des 

Zivilprozesses verwiesen.

5.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz. Die weiteren 

Kosten betragen:

Fr.

Fr.

2'757.30   amtliche Verteidigung

3'952.95   unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin.

6.

Die Kosten des Berufungsverfahrens werden definitiv auf die Gerichtskasse 

genommen. 

7.

Schriftliche Mitteilung in vollständiger Ausfertigung an









die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der 
Beschuldigten 

die Staatsanwaltschaft See/Oberland 

die unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin 1 im Doppel für sich 
und zuhanden der Privatklägerin 1

die Vertretung bzw. die Inhaberin der elterlichen Sorge der Privatkläge-
rin 2 im Doppel für sich und zuhanden der Privatklägerin 2

- 39 -

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung 

allfälliger Rechtsmittel an







die Vorinstanz

den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 
Vollzugsdienste 

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A.

8. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebe-

nen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 17. Januar 2025

Der Präsident:

Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. B. Gut

MLaw A. Sieber