# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7577847c-c5f1-575d-b1af-c56ba08d5f86
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-05-02
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 02.05.2022 SST.2021.261
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2021-261_2022-05-02.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2021.261 
(ST.2020.241; StA.2020.6519) 

 

 

Urteil vom 2. Mai 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident 

Oberrichterin Vasvary 

Ersatzrichterin Möckli 

Gerichtsschreiberin Gilgen 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau, 

[…] 

 

Privatkläger   A._____, 

[…] 

vertreten durch Rechtsanwältin B._____,  

[…] 

 

 
    

Beschuldigter   C._____,  

geboren am [tt.mm.1999], von Somalia, 

z.Zt.: Justizvollzugsanstalt Lenzburg […] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Emanuel Suter,  

[…] 

 

  

 
 

Gegenstand  Versuchte schwere Körperverletzung usw. 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Am 30. November 2020 erhob die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau 

gegen den Beschuldigten Anklage wegen versuchter schwerer Körper-

verletzung (Art. 122 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), versuchter einfacher 

Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand (Art. 123 Ziff. 1 und 

2 Abs. 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), Drohung (Art. 180 StGB), mehrfacher 

Missachtung einer Eingrenzung (Art. 119 Abs. 1 i.V.m. Art. 74 AIG) und 

Verletzung der Mitwirkungspflicht bei der Beschaffung von Ausweis-

papieren (Art. 120 Abs. 1 lit. e i.V.m. Art. 90 lit. c AIG; GA act. 278 ff.). 

 

2. 

Das Bezirksgericht Aarau fällte am 16. Juni 2021 folgendes Urteil:  

 

1. 
Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf der 
- der Drohung gemäss Art. 180 StGB. 
 
2. 
Der Beschuldigte ist schuldig  
- der versuchten schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 

1 StGB; 
- der versuchten qualifizierten einfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen 

Gegenstand gemäss Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB; 
- der mehrfachen Missachtung der Ein- oder Ausgrenzung gemäss Art. 119 Abs. 1 AIG 

i.V.m. Art. 74 AIG; 
- der Verletzung der Mitwirkungspflicht bei der Beschaffung der Ausweispapiere gemäss 

Art. 120 Abs. 1 lit. e AIG i.V.m. Art. 90 lit. c AIG. 
 
3. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 2 al. 1 - 4 erwähnten Bestimmungen und 
gestützt auf Art. 40, Art. 47 und Art. 49 Abs. 1 StGB zu 2.5 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. 
 
4.  
4.1. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 2 al. 5 erwähnten Bestimmungen und 
gestützt auf Art. 106 StGB zu einer Busse von Fr. 100.00 verurteilt. 
 
4.2. 
Wird die Busse schuldhaft nicht bezahlt, so wird eine Ersatzfreiheitsstrafe von 1 Tag 
vollzogen. 
 
5. 
Die Untersuchungshaft von 199 Tagen (29. August 2020 – 8. Dezember 2020 sowie 12. 
März 2021 – 16. Juni 2021) wird gestützt auf Art. 51 StGB auf die Freiheitsstrafe 
angerechnet.  
 
6. 
6.1. 
Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 7 Jahre des Landes verwiesen. 
 
 

 - 3 - 

 

 

6.2. 
Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) 
im Schengener Informationssystem angeordnet. 
 
7. 
7.1. 
Folgende Gegenstände werden dem Beschuldigten zurückgegeben: 
 
Sneakers rot/schwarz 
Unterleibchen weiss  
schwarze Jacke  
Bluejeans 
 
Die beschlagnahmten Gegenstände können vom Beschuldigten bzw. einer 
bevollmächtigten Person innert 30 Tagen nach Rechtskraft des Urteils auf Voranmeldung 
auf der Gerichtskanzlei abgeholt werden. Bei unbenutztem Ablauf dieser Frist werden die 
Gegenstände vernichtet. 
 
7.2. 
Folgende Gegenstände werden dem Geschädigten D. zurückgegeben: 
 
Bluejeans mit blauem Ledergurt 
Jeansjacke 
1 Paar Turnschuhe "Nike Air" schwarz 
1 T-Shirt weiss 
 
Die beschlagnahmten Gegenstände können vom Geschädigten D. bzw. einer 
bevollmächtigten Person innert 30 Tagen nach Rechtskraft des Urteils auf Voranmeldung 
auf der Gerichtskanzlei abgeholt werden. Bei unbenutztem Ablauf dieser Frist werden die 
Gegenstände vernichtet. 
 
7.3. 
Gestützt auf Art. 69 Abs. 2 StGB wird folgender Gegenstand eingezogen und vernichtet:  
 
Glasscherben zu Corona-Flasche 33cl (Kantonspolizei Zürich, FOR) 
 
8. 
8.1. 
Die Genugtuungsforderung des Zivil- und Strafklägers A. wird abgewiesen (Art. 126 Abs. 
2 StPO).  
 
8.2. 
Der Beschuldigte hat dem Zivil- und Strafkläger A. die gerichtlich auf Fr. 4'997.20 (inkl. 
Fr. 357.28 MwSt.) festgesetzten Parteikosten zu ersetzen (Art. 433 StPO). 
 
9.  
Die Verfahrenskosten bestehen aus: 
a) der Gerichtsgebühr von Fr. 2'500.00 
b) der Anklagegebühr von  Fr. 2'500.00 
c) den Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr. 14'820.05 
d) andere Auslagen Fr.  2'504.05 
Total Fr. 22'324.10 
 
Dem Beschuldigten werden die Gerichtsgebühr und die Anklagegebühr sowie die Kosten 
gemäss lit. d im Gesamtbetrag von Fr. 7'504.05 auferlegt. 
 

 - 4 - 

 

 

Die Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr. 14'820.05 (inkl. Fr. 1'051.40 MwSt.) 
werden einstweilen von der Gerichtskasse bezahlt. Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem 
Kanton Aargau die Kosten für die amtliche Verteidigung zurückzuzahlen, sobald es seine 
wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 
 
10. 
Dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten wird eine Entschädigung von Fr. 14'820.05 
(inkl. Fr. 1'051.40 MwSt.) zu Lasten der Staatskasse zugesprochen.  

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 16. November 2021 beantragte der 

Beschuldigte, die Dispositiv-Ziffern 4.1, 4.2 und 6.1 und 6.2 seien 

aufzuheben und die Dispositiv-Ziffern 2, 3, 8.2 und 9 wie folgt abzuändern: 

Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der versuchten schweren Körper-

verletzung, der versuchten qualifizierten einfachen Körperverletzung mit 

einem gefährlichen Gegenstand und der Verletzung der Mitwirkungs-

pflichten bei der Beschaffung von Ausweispapieren freizusprechen. Er sei 

wegen versuchter einfacher Körperverletzung schuldig zu sprechen und 

dafür zu einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten zu verurteilen. Er sei zu 

verpflichten, dem Privatkläger A. 50 % der beantragten Partei-

entschädigung, somit Fr. 2'498.60 zu ersetzen. Ihm seien 20 % der erst-

instanzlichen Verfahrenskosten aufzuerlegen. Die Kosten für die amtliche 

Verteidigung von Fr. 14'820.05 seien einstweilen aus der Gerichtskasse zu 

bezahlen, wobei der Beschuldigte zu verpflichten sei, dem Kanton Aargau 

20 % dieser Kosten zurückzubezahlen, sobald es seine wirtschaftlichen 

Verhältnisse erlaubten.  

 

3.2. 

Der Privatkläger A. beantragte mit Eingabe vom 13. Dezember 2021 

vorgängig zur Berufungsverhandlung sinngemäss die Abweisung der 

Berufung. 

 

3.3. 

Vorgängig zur Berufungsverhandlung reichte der Beschuldigte am 

23. Dezember 2021 eine schriftliche Berufungsbegründung ein.  

 

3.4. 

Mit vorgängiger Berufungsantwort vom 11. Januar 2022 beantrage die 

Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau die Abweisung der Berufung.  

 

3.5. 

Die Berufungsverhandlung mit Einvernahmen des Beschuldigten, des 

Privatklägers A. und des Zeugen E. fand am 2. Mai 2022 statt. 

 

 

 

 

 - 5 - 

 

 

   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Nicht angefochten und keiner Überprüfung unterzogen (Art. 404 Abs. 1 und 

2 StPO) wird der Freispruch vom Vorwurf der Drohung und die Verurteilung 

wegen mehrfacher Missachtung der Ein- oder Ausgrenzung. Strittig und zu 

prüfen ist hingegen, ob die Vorinstanz den Beschuldigten zu Recht wegen 

versuchter schwerer Körperverletzung am 24. August 2020 (Anklage-Ziffer 

1), versuchter einfacher Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegen-

stand am 29. August 2020 (Anklage-Ziffer 2) und Widerhandlungen gegen 

das Ausländergesetz durch Verletzung der Mitwirkungspflichten bei der 

Beschaffung von Ausweispapieren (Anklage-Ziffer 4) verurteilt hat. 

Aufgrund der beantragten Freisprüche bzw. der beantragten milderen 

rechtlichen Qualifikation fordert der Beschuldigte eine tiefere Strafe und 

einen Verzicht auf eine Landesverweisung. Ferner beanstandet er die 

Kosten- und Entschädigungsfolgen. 

 

2. 

2.1. 

Nach Art. 122 StGB macht sich der schweren Körperverletzung schuldig, 

wer vorsätzlich einen Menschen lebensgefährlich verletzt (Abs. 1), wer 

vorsätzlich den Körper, ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen 

verstümmelt oder ein wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar macht, 

einen Menschen bleibend arbeitsunfähig, gebrechlich oder geisteskrank 

macht, das Gesicht eines Menschen arg und bleibend entstellt (Abs. 2), 

oder wer vorsätzlich eine andere schwere Schädigung des Körpers oder 

der körperlichen oder geistigen Gesundheit eines Menschen verursacht 

(Abs. 3). 

 

Die rechtliche Qualifikation von Körperverletzungen als Folge von 

Faustschlägen oder Tritten hängt von den konkreten Tatumständen ab. 

Massgeblich sind insbesondere die Heftigkeit des Schlages und die 

Verfassung des Opfers. Faustschläge, Fusstritte oder Schläge mit gefähr-

lichen Gegenständen (beispielsweise einer Glasflasche) gegen den Kopf 

eines Menschen sind geeignet, schwere Körperverletzungen oder sogar 

den Tod des Opfers herbeizuführen, wobei dieses Risiko umso grösser ist, 

wenn das Opfer ohne Reaktions- oder Abwehrmöglichkeit am Boden liegt. 

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung entspricht es der all-

gemeinen Lebenserfahrung, dass Fusstritte und Faustschläge in den Kopf-

bereich eines am Boden liegenden Opfers – selbst wenn dieses sich 

zusammenrollt und den Kopf mit den Händen zu schützen versucht – zu 

schwerwiegenden Beeinträchtigungen der körperlichen Integrität führen 

können. Für die Erfüllung des Tatbestandes der versuchten (Art. 22 Abs. 1 

StGB) schweren Körperverletzung setzt die bundesgerichtliche Recht-

sprechung nicht voraus, dass neben den eigentlichen Fusstritten oder 

Schlägen gegen den Kopf ein aggravierendes Moment, etwa eine 

 - 6 - 

 

 

besondere Heftigkeit der Tritte, die Wehrlosigkeit des Opfers, die 

Traktierung mit weiteren Gegenständen oder die Einwirkung mehrerer 

Personen, hinzutreten muss (Urteil des Bundesgerichts 6B_1314/2020 

vom 8. Dezember 2021 E. 1.2.2 mit Hinweisen). 

 

2.2. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den 

Beschuldigten günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Bloss 

abstrakte und theoretische Zweifel sind nicht massgebend, weil solche 

immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. 

Nicht verlangt wird indes, dass bei sich widersprechenden Beweismitteln 

unbesehen auf den für den Angeklagten günstigeren Beweis abzustellen 

ist (BGE 144 IV 345 E. 2.2.1). 

 

2.3. 

Der Beschuldigte soll gemäss der Anklageziffer 1 (GA act. 279) am 24. 

August 2020 um ca. 23.45 Uhr an der Bahnhofstrasse 56 in Aarau vor dem 

Penny Farthing Pub D. mehrmals mit der Faust auf dessen Oberkörper 

geschlagen haben, bis dieser nahe des Pubs zu Boden gegangen sei. Als 

D. am Boden gelegen sei, habe ihn der Beschuldigte mehrmals mit der 

Faust gegen den Oberkörper und den Kopf geschlagen. Zudem habe er 

zwei bis drei Mal mit den Füssen auf ihn eingetreten, wovon mindestens 

ein Fusstritt gegen den Kopf des Opfers gegangen sei. D. habe dabei unter 

anderem ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma, eine Fraktur des Nasenbeins 

und des Nasendornfortsatzes sowie eine beidseitige Kniekontusion erlitten. 

Dem Beschuldigten habe bewusst sein müssen, dass mehrere Schläge 

gegen den Kopf oder Oberkörper zu schweren Verletzungen führen 

können. Er habe gewollt bzw. zumindest bewusst in Kauf genommen, dass 

er das Opfer durch seine Handlungen schwer verletzen würde. Es sei 

lediglich dem Zufall zu verdanken, dass das Opfer durch die Schläge oder 

die Tritte gegen den Kopf keine schweren Verletzungen, insbesondere 

keine irreversible Verletzung des Auges oder schwere Kopfverletzungen 

erlitten habe. 

 

2.4. 

Die Vorinstanz erachtete diesen Sachverhalt aufgrund der als glaubhaft 

eingestuften Aussagen des Zeugen E. als erstellt (Urteil Vorinstanz S. 16-

18. E. 2.2.3) und verurteilte den Beschuldigten wegen versuchter schwerer 

Körperverletzung (Urteil Vorinstanz S. 21 E. 2.3.3.2). Der Beschuldigte 

bestreitet in der schriftlichen Berufungsbegründung nicht, dass er am 

fraglichen Abend D. antraf und das Blut auf seiner Kleidung von diesem 

stammt. Mit Hinweis auf Widersprüche in den Aussagen des Zeugen E. 

macht er jedoch geltend, dass er (der Beschuldigte) nicht derart auf D. 

 - 7 - 

 

 

eingewirkt habe, wie dies der Zeuge darstelle bzw. er diesen nicht 

geschlagen habe. Er fordert einen Freispruch in dubio pro reo (Berufungs-

begründung S. 1-3 Ziff. 1.1).  

 

2.5. 

2.5.1. 

Zum Vorfall vom 24. August 2020 liegen die Aussagen von D. vom 26. 

August 2020 (UA act. 182 ff.) und 16. Juni 2021 (GA act. 467 ff.), des 

Beschuldigten vom 25. August 2020 (UA act. 170 ff.), 16. Juni 2021 (GA 

act. 471 ff.) und 2. Mai 2022 (Protokoll Berufungsverhandlung S. 8 ff.) sowie 

des Zeugen E. vom 25. August 2020 (UA act. 191 ff.), 24. September 2020 

(UA act. 198 ff.), 16. Juni 2020 (GA act. 464 ff.) und 2. Mai 2022 (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 5 ff.) vor.  

 

D. konnte nicht vorgeladen werden. Sein Aufenthalt ist seit dem 26. Januar 

2022 unbekannt und er konnte trotz Nachforschungen des Obergerichts 

nicht ausfindig gemacht werden. Eine erneute Befragung war deshalb nicht 

möglich. 

 

2.5.2. 

Mit der Vorinstanz sind die Aussagen von D. unglaubhaft und deuten darauf 

hin, dass er den Beschuldigten – aus welchen Gründen auch immer – 

entlasten will (Urteil Vorinstanz S. 18 E. 2.2.3). Die Verletzungen (leichtes 

Schädel-Hirn-Trauma, Nasenbeinfraktur, Fraktur des Nasendornfortsatzes, 

Rissquetschwunde an der Oberlippe, oberflächliche Hautverletzungen an 

beiden Knien) sind durch den Bericht des Kantonsspitals Aarau vom 25. 

August 2020 ausgewiesen (UA act. 208 f.). Mit der Aussage von D. vom 

26. August 2020 – er fühle sich gesund, es sei gar nichts passiert (UA act. 

185 Ziff. 23) – versucht er offensichtlich, das Vorgefallene zu bagatel-

lisieren. Gleiches gilt, soweit er bei seiner Befragung am 16. Juni 2021 

ausführte, er habe sich nur eine Verletzung an der Lippe zugezogen (GA 

act. 468), wenn dies den dokumentierten Verletzungen doch klar wider-

spricht. Unglaubhaft scheint auch die Aussage von D., der Beschuldigte sei 

sein (bester) Freund (UA act. 184, GA act. 467). Denn gemäss dem 

Beschuldigten würden sie sich nicht näher kennen (UA act. 174, GA act. 

472). Weitere sachdienliche Hinweise ergeben sich aus den Aussagen von 

D. nicht, nachdem er sich angeblich nicht daran erinnern kann, wie er sich 

die Verletzungen zugezogen hat (vgl. etwa: UA act. 185 Ziff. 16, 187, GA 

act. 468).  

 

2.5.3. 

Der Beschuldigte sagte am 25. August 2020 zusammengefasst aus, er 

habe D. (am fraglichen Abend) beim C&A bereits blutend angetroffen (UA 

act. 175 Ziff. 30). Dieser habe ihm Vorwürfe gemacht, weshalb er ihm nicht 

geholfen habe. Er (der Beschuldigte) habe ihm gesagt, er (D.) solle 

 - 8 - 

 

 

weggehen. D. habe angefangen ihn zu packen, habe an seinem Unter-

leibchen und der Jacke gezogen. Er (der Beschuldigte) habe versucht 

wegzugehen. D. sei ihm gefolgt, habe ihn angefasst und gepackt. Dieser 

sei sehr betrunken gewesen und habe fast keine Kraft mehr gehabt, sich 

zu verteidigen. Er (der Beschuldigte) habe ihn (D.) dann auf den Boden 

gelegt und gesagt, er solle ihn in Ruhe lassen. D. sei dann aufgestanden 

und habe ihn verlassen (UA act. 172 f. Ziff. 12). Es stimme nicht, dass er 

D. mit den Füssen und Händen traktiert habe (UA act. 175 Ziff. 34). Er habe 

ihn nicht geschlagen (UA act. 176 Ziff. 44). Diese Sachverhaltsdarstellung 

des Beschuldigten deckt sich mit seinen Aussagen anlässlich der erst-

instanzlichen Verhandlung vom 16. Juni 2021 (GA act. 471-473) sowie 

denjenigen anlässlich der Berufungsverhandlung (Protokoll Berufungs-

verhandlung S. 9 ff.). Bei der Einvernahme anlässlich der Berufungs-

verhandlung gab er jedoch an, D. sei ihm nach dem ersten Zusammen-

treffen unbemerkt zum Penny Farthing Pub gefolgt, wo er (der 

Beschuldigte) ihn draussen hingesetzt habe, jedoch sei D. verschwunden 

gewesen, als er (der Beschuldigte) aus dem Pub herausgekommen sei.  

 

Diesen Angaben des Beschuldigten stehen die Aussagen des Zeugen E. 

gegenüber. In seinen Einvernahmen vom 25. August 2020 gab dieser an, 

dass sich zwei Personen zuerst gegenseitig schlugen. Er habe sie dann 

aufgefordert aufzuhören. Er habe den Eindruck gehabt, dass es jetzt gleich 

gut sei und sie sich beruhigen werden. Die beiden seien dann zurück in 

Richtung Penny, Bahnhofstrasse, gekommen. Dort seien sie kurz 

auseinandergegangen, bis der Kleinere wieder zum Grösseren zurück-

gekommen sei. Der Grössere habe dann fester zu schlagen angefangen. 

Der Grössere habe den Kleineren Richtung Mauer, Eingang Penny, 

gedrängt. Da sei der Kleinere zwischen Treppe und Hauswand gestürzt 

und der Grössere habe nun mit den Füssen auf den Kleineren ins Gesicht 

einzuwirken begonnen. Der Grössere habe auf den Kleineren, der am 

Boden lag, mit den Fäusten und mit den Füssen geschlagen bzw. getreten. 

Ein Fusstritt sei seiner Meinung bewusst gegen das Kinn gegangen (UA 

act. 193 Ziff. 11). Vergleichbares schildert der Zeuge bei den weiteren 

Einvernahmen am 24. September 2020, 16. Juni 2021 (UA act. 200 f. 

Ziff. 1, GA act. 464 ff.) und anlässlich der Berufungsverhandlung (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 5 ff.).  

 

2.5.4. 

Zunächst ist festzuhalten, dass beim Zeugen E. kein Motiv für eine 

Falschaussage ersichtlich ist. Er kennt weder D. noch den Beschuldigten 

und ist damit unbeteiligt, was in besonderem Masse für die Glaubhaftigkeit 

seiner Aussagen spricht (UA act. 192 Ziff. 7). Seine Aussagen sind zudem 

bei allen Einvernahmen hinsichtlich des Kerngeschehens gleichbleibend. 

Er schilderte dies im freien Vortrag jeweils nachvollziehbar, wobei er auf 

Nachfrage den Sachverhalt schlüssig präzisiert oder ergänzt hat. Der 

Geschehensablauf wurde von ihm detailliert mit räumlich-zeitlichen 

 - 9 - 

 

 

Verknüpfungen beschrieben. Ein Belastungseifer gegen den Beschuldigten 

ist zudem nicht ersichtlich. So gab der Zeuge etwa an, dass sich D. und der 

Beschuldigte zu Beginn gegenseitig schlugen (UA act. 193), der Kleinere 

(D.) die Möglichkeit gehabt hätte, sich aus der Auseinandersetzung «aus-

zuklinken» (UA act. 194 Ziff. 20; vgl. auch UA act. 202 Ziff. 7, Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 6), die Tritte hart waren, aber auch noch stärker 

hätten sein können (203 Ziff. 17) und der Beschuldigte dann von selbst von 

D. abgelassen habe (UA act. 202 Ziff. 9, Protokoll Berufungsverhandlung 

S. 6), womit er den Beschuldigten entlastete, was ein Realkennzeichen 

darstellt und für die Glaubwürdigkeit seiner Aussagen spricht.  

 

Der Beschuldigte meint einen Widerspruch zwischen der Aussage von E. 

insbesondere vom 25. August 2020 (UA act. 193 Ziff. 11) und 

24. September 2020 (UA act. 204 Ziff. 25) hinsichtlich des angegebenen 

Beginns der Blutung bei D. zu erblicken (Berufungsbegründung S. 2). Dem 

kann nicht gefolgt werden. Aus sämtlichen Aussagen des Zeugen E. geht 

hervor, dass er noch keine bzw. lediglich leichte Verletzungen sah, als er 

die Streitbeteiligten aufforderte, mit den Streitereien aufzuhören. Gemäss 

Aussage vom 25. August 2020 blutete D. aber auffällig, nachdem dieser 

erneut auf den Beschuldigten zugegangen und alsdann vom Beschuldigten 

hart geschlagen worden war (UA act. 204 Ziff. 11, Protokoll Berufungs-

verhandlung S. 7). Aufgrund der unübersehbaren Verletzungen (vgl. 

Bilddokumentation in: UA act. 29-31) und des vom Zeugen angegebenen 

Abstands zwischen ihm sowie D. und dem Beschuldigten bei der Auf-

forderung, mit den Streitereien aufzuhören, von zwischenzeitlich nur zwei 

bzw. weniger als fünf Metern (GA act. 466; vgl. auch UA act. 204 Ziff. 25, 

Protokoll Berufungsverhandlung S. 5), kann ausgeschlossen werden, dass 

D. anfänglich der vom Zeugen gemachten Beobachtungen bereits derart 

schwere Gesichtsverletzungen hatte. Der Zeuge hat dies auch mit aller 

Deutlichkeit verneint (GA act. 466, Protokoll Berufungsverhandlung S. 5 

ff.). Der Zeuge erklärte vielmehr schlüssig und nachvollziehbar, dass er die 

Schläge und Tritte auf den am Boden liegenden D. schräg von der Seite 

aus gesehen habe (Protokoll Berufungsverhandlung S. 7). 

 

Die Aussage des Beschuldigten, D. habe die Verletzungen schon gehabt, 

als er diesen angetroffen habe bzw. habe überall Blut im Gesicht gehabt 

(GA act. 471, Protokoll Berufungsverhandlung S. 9), erscheint mit Blick auf 

die schlüssigen und nachvollziehbaren Zeugenaussagen von E. somit nicht 

glaubhaft. 

 

Der Beschuldigte zweifelt die Aussagen des Zeugen ferner an, da dieser 

den Sturz von D. nicht immer gleich geschildert habe («Er [D.] wurde 

gestossen und stürzte möglicherweise über eine Bank» [UA act. 195 Ziff. 

24]; «Er [D.] ist, so wie ich es vermute, über die Bänke gestossen worden 

und gestürzt» [UA act. 202 Ziff. 8]; «Er [D.] sei gegen die Wand geflüchtet 

vor dem Beschuldigten und fiel dann von selbst über die Bänke» [GA act. 

 - 10 - 

 

 

465]; «Der eine wurde dann über die Bank geschubst und fiel hin» 

[Protokoll Berufungsverhandlung S. 6]; Berufungsbegründung S. 2). Der 

Beschuldigte verkennt damit, dass der Zeuge von Anfang an darauf 

hinwies, diesen Teil des Vorfalls möglicherweise nicht genau gesehen zu 

haben. Ein Widerspruch, der Zweifel an den Aussagen des Zeugen zu 

erwecken vermag, liegt ohnehin nicht vor, zumal er den Sturz insgesamt 

doch fast deckungsgleich beschrieb, wobei die kleineren Abweichungen 

den üblichen Abweichungen in einer Zeugenaussage entsprechen. Auch 

der Beschuldigte räumte diesen Sturz teilweise ein («Ich [der Beschuldigte] 

habe ihn dann auf den Boden gelegt [...]» [UA act. 173 Ziff. 12] bzw. «Ich 

[der Beschuldigte] habe versucht, dass er [D.] sich hinsetzt. Plötzlich sass 

er am Boden» [GA act. 472]; dagegen gab er anlässlich der Berufungs-

verhandlung an «Ich habe ihn dann zum Sitzen gebracht und bin in die Bar 

gegangen. » [Protokoll S. 9]). 

 

Der Beschuldigte stellt die Aussagen des Zeugen zudem in Frage, da 

keiner der anderen sich vor dem Pub befindenden Personen eingegriffen 

habe (Berufungsbegründung S. 3 Ziff. 1.1). Dieser Umstand kann jedoch 

verschiedene nachvollziehbare Erklärungen haben: Denn gemäss dem 

Zeugen E. dauerte die massive Gewalteinwirkung, als D. auf dem Boden 

lag, nur kurz an (UA act. 205 Ziff. 33). Möglich wäre es auch, dass der 

Beschuldigte die Gäste vor dem Pub kannte und sie deshalb nicht 

eingriffen. Gemäss dem Zeugen habe der Beschuldigte diese mit einem 

Faustschlag begrüsst (UA act. 196 Ziff. 34). Der Zeuge selbst vermutete, 

dass die weiteren Personen sich in ihrer Freizeit nicht stören lassen wollten 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 8), was ebenfalls möglich ist. Ebenso 

ist die Richtigkeit der vorinstanzlichen Annahme mangelnder Zivilcourage 

möglich. So oder anders vermag dies keine Zweifel an den schlüssigen 

Aussagen des Zeugen zu begründen.  

 

Ausgeschlossen ist im Übrigen, dass eine Verwechslung des 

Beschuldigten vorliegt. Der Zeuge E. hat diesen vielmehr anlässlich der 

Berufungsverhandlung – wie bereits zuvor – zweifelsfrei erkannt (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 7). Auch wurde der Beschuldigte unmittelbar 

nach der Tat anhand der Beschreibung polizeilich angehalten und konnte 

vom Zeugen identifiziert werden. Auch der Beschuldigte bestreitet seine 

Anwesenheit nicht grundsätzlich und konnte keine andere Person nennen, 

die auf D. losgegangen sein soll (Protokoll Berufungsverhandlung S. 11). 

 

Das Obergericht erachtet aufgrund der konsistenten, schlüssigen und 

nachvollziehbaren und damit glaubhaften Aussagen von E. den 

angeklagten Sachverhalt als erstellt.  

 

2.6. 

Die harten Schläge und Tritte des Beschuldigten gegen den Oberkörper 

des auf dem Boden liegenden D., wobei mindestens ein Fusstritt gegen 

 - 11 - 

 

 

den Kopfbereich gerichtet war, sind als versuchte schwere Körper-

verletzung einzustufen. Denn diese Gewalteinwirkung war gemäss der 

zitierten Rechtsprechung des Bundesgerichts ohne Weiteres geeignet, zu 

schwerwiegenden Beeinträchtigungen der körperlichen Integrität von D. zu 

führen. Obwohl keine Verletzungen im Sinne von Art. 122 StGB entstanden 

sind, hat der Beschuldigte die Schwelle zum Versuch mit seinem Handeln 

zweifelsohne überschritten. Es kann ergänzend auf die unbestrittenen 

rechtlichen Erwägungen der Vorinstanz zur Qualifizierung des hiervor 

erstellen Sachverhalts verwiesen werden (Urteil Vorinstanz S. 19 ff. E. 

2.3.3.1 f.). Der subjektive Tatbestand ist ebenfalls erfüllt. Denn der 

Beschuldigte hat bei einem derart gewalttätigen Verhalten eine schwere 

Körperverletzung zumindest in Kauf genommen. Der Beschuldigte ist somit 

nach Art. 122 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB zu verurteilen. 

 

3. 

3.1. 

Nach Art. 123 Ziff. 1 und 2 StGB wird von Amtes wegen verfolgt und mit 

einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer 

vorsätzlich einen Menschen durch den Gebrauch von Gift, einer Waffe oder 

eines gefährlichen Gegenstands an Körper oder Gesundheit schädigt. 

 

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die Verwendung von 

leichteren und schwereren Gläsern sowie von Glasflaschen als Wurf- oder 

Schlaginstrument gegen den Kopf bzw. das Gesicht einer Person als 

gefährlicher Gegenstand im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 1 StGB zu 

qualifizieren (Urteil des Bundesgerichts 6B_181/2017 vom 30. Juni 2017 E. 

2.2 und E. 2.4 mit Hinweisen).  

 

3.2. 

Der Beschuldigte soll gemäss Anklage (GA act. 279 f.) am 29. August 2020, 

ca. 06.05 bis 06.25 Uhr, in R. an der X Adresse vor der Bar H. auf A. 

zugegangen sein und ihm nach einer kurzen Aussprache mit erhobenem 

Finger mehrmals «Aufpassen» und «ich komme» gesagt haben, wodurch 

A. in Sorge um sein körperliches Wohl versetzt worden sei. Ungefähr 

zwanzig Minuten später sei der Beschuldigte erneut vor Ort erschienen und 

habe seine Drohung wahrgemacht, indem er eine Glasflasche umgekehrt 

am Flaschenhals festgehalten, mit dem Arm über die Schulter ausgeholt 

und diese gezielt gegen den vor dem Eingang der Bar stehenden A. 

geworfen habe. Dank der raschen Reaktion von A., der sich geduckt habe, 

sei die Flasche an dessen Kopf vorbeigeflogen und an der Wand zerschellt. 

Dem Beschuldigten habe bewusst sein müssen, dass eine auf eine Person 

geworfene Flasche mindestens eine einfache Körperverletzung beim 

Betroffenen hätte verursachen können. Durch den Wurf der Flasche in 

Richtung von A. habe der Beschuldigten diesen treffen und verletzen 

wollen, zumindest habe er dies bewusst in Kauf genommen. 

 

 - 12 - 

 

 

3.3. 

Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass dieser Sachverhalt erstellt sei 

(Urteil Vorinstanz S. 31 E. 3.2.4) und verurteilte den Beschuldigten wegen 

versuchter einfacher Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand 

(Urteil Vorinstanz S. 32 f. E. 3.3.1.4). Der Beschuldigte rügt eine Verletzung 

des Anklagegrundsatzes und bringt weiter vor, er habe die Flasche nicht 

gezielt gegen den Kopf von A. geworfen, sondern lediglich in dessen 

Richtung. Eine Verurteilung nach Art. 123 Ziff. 2 Abs. 1 StGB falle daher 

nicht in Betracht. Zudem habe er nicht vorsätzlich gehandelt, sei er doch 

wegen seines alkoholisierten Zustandes nicht in der Lage gewesen, seine 

Handlungen bewusst zu steuern. Stattdessen habe er sich einer 

versuchten einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB 

schuldig gemacht (Berufungsbegründung S. 3 Ziff. 1.2).  

 

3.4. 

3.4.1. 

Nach dem aus Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV sowie aus Art. 6 Ziff. 1 

und 3 lit. a und b EMRK abgeleiteten und in Art. 9 Abs. 1 StPO fest-

geschriebenen Grundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand 

des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion). Die Anklage hat die der 

beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so 

präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver 

Hinsicht genügend konkretisiert sind. Zugleich bezweckt das Anklage-

prinzip den Schutz der Verteidigungsrechte der angeschuldigten Person 

und garantiert den Anspruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion). 

Gemäss Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO bezeichnet die Anklageschrift möglichst 

kurz, aber genau die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit 

Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung 

(BGE 141 IV 132 E. 3.4.1 mit Hinweisen). 

 

3.4.2. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, er habe die Flasche gezielt gegen 

den vor dem Eingang der Bar stehenden A. geworfen und diese sei, da 

dieser sich duckte, an seinem Kopf vorbeigefolgen. Entgegen dem 

Beschuldigten wirft die Anklage ihm somit nicht nur vor, er habe die Flasche 

in Richtung von A. geworfen, sondern ihm wird ein gezielter Wurf zur Last 

gelegt. Aus dem in der Anklage Vorgehaltenen («Dank der raschen 

Reaktion von A., der sich duckte, flog die Flasche an seinem Kopf vorbei 

…») ergibt sich ohne Weiteres, dass die Staatsanwaltschaft davon aus-

geht, dass A. ohne seine Reaktion am Kopf getroffen worden wäre. Mithin 

wird dem Beschuldigten ein «gezielter» Wurf gegen den Kopf von A. 

vorgehalten. Entgegen der vom Beschuldigten vertretenen Ansicht genügt 

die Anklageschrift den gesetzlichen Anforderungen. 

 

 - 13 - 

 

 

3.5. 

3.5.1. 

A. hat den Vorfall vom 29. August 2020 bei seinen Einvernahmen am 29. 

August 2020 (UA act. 250 ff.), 24. September 2020 (UA act. 256 ff.), 16. 

Juni 2021 (GA act. 468 ff.) und anlässlich der Berufungsverhandlung 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 2 ff.) im Kerngehalt konsistent 

geschildert. So konnte er genau angeben, wie der Beschuldigte die Flasche 

gehalten hat (am Flaschenhals), wie der Bewegungsablauf war (Aus-

richtung der Aggression gegen A., Verzögerung beim Wurf), wie er (A.) 

darauf reagierte (Verschiebung weg vom Eingang zur Seite, Ducken) und 

dass die Flasche ihn knapp verfehlt hat (UA act. 251 Ziff. 6, UA act. 258 

Ziff. 11, GA act. 469, Protokoll Berufungsverhandlung S. 3). In seinen 

Aussagen sind keine wesentlichen Widersprüche zu erkennen. Dies gilt 

auch für den anlässlich der Berufungsverhandlung vorgebrachten 

angeblichen Widerspruch in den Aussagen betreffend Flughöhe der 

Flasche (Protokoll Berufungsverhandlung S. 14). A. führte stets aus, diese 

sei direkt über seinen Kopf geflogen, wobei er sich geduckt habe. 

Offenbleiben kann demgegenüber wie tief er sich genau geduckt hat, zumal 

dies nichts daran ändert, dass der Beschuldigte A. offensichtlich auf den 

Kopf gezielt hatte. Die Schilderungen von A. stimmen auch mit den 

Videoaufnahmen aus zwei Perspektiven überein (UA act. 232). Darauf ist 

zu sehen, dass der Beschuldigte, eine Flasche am Flaschenhals haltend, 

schnellen Schrittes auf den Eingang der Bar H. zu ging, mit der Flasche 

eine Ausholbewegung wie beim Speerwerfen machte, kurz abwartete, mit 

einem Schritt nach rechts der Seitwärtsbewegung von A. folgte, erneut 

aufzog und die Flasche sodann mit grosser Wucht gegen den einige Meter 

entfernt stehenden A. schleuderte. Insbesondere durch das kurze 

Abwarten und erneute Zielen vor der Wurfabgabe wird auch deutlich, dass 

der Beschuldigte gezielt auf den Bereich des Kopfs von A. zu zielen 

versucht hat. 

 

Die Ausführung des Beschuldigten in der Berufungsbegründung, die 

Flasche sei lediglich in Richtung von A. geworfen worden, ist nicht 

nachvollziehbar und als reine Schutzbehauptung zu qualifizieren. Nichts 

anders ergibt sich aus den Angaben des Beschuldigten bei den 

Einvernahmen, bei denen er entweder den Wurf der Flasche generell 

bestritt (UA act. 243 Ziff. 22 f.) oder sich daran nicht erinnerte (UA act. 49, 

GA act. 473, Protokoll Berufungsverhandlung S. 11 ff.). Nicht näher einge-

gangen werden braucht zudem auf die Ausführungen des Beschuldigten, 

A. habe ihm Pfefferspray ins Gesicht gesprayt. Hierfür bestehen keinerlei 

Hinweise, insbesondere war die Sehkraft des Beschuldigten gemäss der 

Videoaufnahme klar vorhanden, sodass auch kein Grund für die angebliche 

Erinnerungslücke besteht (Protokoll Berufungsverhandlung S. 12). Auch 

hierbei handelt es sich nach Überzeugung des Obergerichts um reine 

Schutzbehauptungen. 

 

 - 14 - 

 

 

Der angeklagte Sachverhalt ist für das Obergericht gestützt auf die 

konsistenten, schlüssigen und nachvollziehbaren und damit glaubhaften 

Aussagen von A. und der Videoaufnahme erstellt.  

 

3.5.2. 

Durch den gezielten Flaschenwurf gegen den anvisierten Kopf von A. hat 

der Beschuldigte den objektiven Tatbestand der versuchten einfachen 

Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand erfüllt.  

 

3.5.3. 

Der Bewegungsablauf des Beschuldigten beim Wurf der Flasche war 

koordiniert und er folgte gezielt dem Bewegungsablauf von A.. Daraus ist 

zu schliessen, dass der Beschuldigte die Flasche vorsätzlich und auf den 

Kopf von A. zielend geworfen hat. Wer auf diese Art und Weise eine 

Glasflasche aus vergleichsweise kurzer Distanz wirft, will die anvisierte 

Person empfindlich treffen, sodass der subjektive Tatbestand grundsätzlich 

erfüllt ist. 

 

Daran ändert der alkoholisierte Zustand des Beschuldigten nichts 

(Berufungsbegründung S. 3 Ziff. 1.2). Aufgrund des pharmakologisch-

toxikologisches Gutachtens vom 25. September 2020 (UA act. 100.1) bzw. 

11. September 2020 (UA act. 100.8) mit einem um 10.25 Uhr nach-

gewiesenen Blutalkoholwert 0.69 ‰ (Mittelwert) liegt kein Anhaltspunkt für 

eine massgeblich eingeschränkte Einsichts- und Steuerungsfähigkeit vor, 

auch wenn im Gutachten eine Rückrechnung des Blutalkoholwertes auf 

den Tatzeitpunkt (6.25 Uhr) fehlt. Denn eine Einschränkung der 

Zurechnungsfähigkeit ist gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts 

erst bei einer Blutalkoholkonzentration zwischen 2 und 3 ‰ anzunehmen 

(BGE 122 IV 49 E. 1b). Ferner ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte 

in anderem Zusammenhang selbst einräumte, er habe Erfahrung im 

Umgang mit Alkohol (UA act. 176 Ziff. 38). Es gibt somit keine Hinweise auf 

eine relevante Beeinträchtigung der Willensbildung beim Beschuldigten.  

 

3.6. 

Der Beschuldigte hat den Flaschenwurf gezielt und vorsätzlich 

vorgenommen. Obwohl er bei A. dadurch keine Verletzungen verursachte, 

hat er die Schwelle zum Versuch mit dem Wurf überschritten. Der 

Beschuldigte hat sich damit der versuchten einfachen Körperverletzung mit 

einem gefährlichen Gegenstand gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 i.V.m. Ziff. 

2 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gemacht. 

 

4.  

4.1. 

Gemäss Art. 90 AIG sind Ausländer sowie an Verfahren nach dem AIG 

beteiligte Dritte verpflichtet, an der Feststellung des für die Anwendung des 

AIG massgebenden Sachverhalts mitzuwirken. So müssen sie unter 

 - 15 - 

 

 

anderem Ausweispapiere im Sinne von Art. 89 AIG beschaffen oder bei 

deren Beschaffung durch die Behörden mitwirken. Wer der Mitwirkungs-

pflicht bei der Beschaffung der Ausweispapiere (Art. 90 lit. c AIG) 

vorsätzlich oder fahrlässig nicht nachkommt, wird gemäss Art. 120 Abs. 1 

lit. e AIG mit Busse bestraft. 

 

4.2. 

Gemäss angeklagtem Sachverhalt (Anklageziffer 4, GA act. 280 f.) sei das 

Asylgesuch des Beschuldigten mit Verfügung des Staatssekretariats für 

Migration (SEM) vom 28. Januar 2019 abgewiesen und der Beschuldigte 

aufgefordert worden, die Schweiz bis am 21. März 2019 zu verlassen. Der 

Entscheid sei am 6. März 2019 rechtskräftig geworden. Am 7. März 2019 

sei der Beschuldigte durch das Amt für Migration und Integration schriftlich 

aufgefordert worden, Reisepapiere zu beschaffen. Der Beschuldigte habe 

in einem Schreiben, welches am 12. März 2019 beim Amt für Migration und 

Integration eingegangen sei, angegeben, dass er keine Reisepapiere habe 

und nicht bereit sei, in sein Heimatland zu gehen. Anlässlich des Ausreise-

gesprächs vom 8. Januar 2020 beim Amt für Migration und Integration sei 

dem Beschuldigten nochmals eröffnet worden, dass er Reisepapiere 

beschaffen müsse, was dieser verweigert habe. Somit habe der 

Beschuldigte bei der Beschaffung von Ausweispapieren durch das Amt für 

Migration und Integration pflichtwidrig nicht mitgeholfen. 

 

4.3. 

Die Vorinstanz erachtete diesen Sachverhalt als erstellt und sprach den 

Beschuldigten entsprechend schuldig. Der Beschuldigte ist grundsätzlich 

der Auffassung, er habe zu keinem Zeitpunkt willentlich und wissentlich die 

Mitwirkung bezüglich der Beschaffung der Ausweispapiere verweigert. Ihm 

sei hierfür nie eine Frist angesetzt worden. Zudem sei es faktisch 

unmöglich, an die Ausweispapiere zu kommen (Berufungsbegründung S. 

3 Ziff. 1.3).  

 

4.4. 

Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschuldigte mit unangefochtenem 

Ausweisungsentscheid vom 28. Januar 2019 aufgefordert wurde, die 

Schweiz bis zum 21. März 2019 zu verlassen (UA act. 277 S. 148). Der 

Beschuldigte wusste somit ohne Weiteres, bis wann er der mit Schreiben 

vom 7. März 2019 gemachten Aufforderung nachzukommen hatte, 

Ausweispapiere zu beschaffen. Denn auch in diesem Schreiben wurde er 

nochmals explizit auf die Ausreisefrist aufmerksam gemacht (UA act. 277 

S. 157). Der Beschuldigte erklärte mit am 12. März 2019 beim Amt für 

Migration eingegangen Schreiben jedoch, dass er nicht bereit sei, die 

Schweiz zu verlassen (UA act. 277 S. 162). Vor diesem Hintergrund 

erscheinen seine Angaben – er verfüge über keinen Pass und seine 

implizite Behauptung mangels Information habe er nicht gewusst, was zu 

 - 16 - 

 

 

tun sei – als Vorwand (vgl. GA act. 514 ff.). Anlässlich der Berufungs-

verhandlung führte er denn auch aus, er sei orientiert worden, dass er die 

Dokumente bringen müsse, er habe jedoch nicht gewusst woher (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 12). Massgebend ist, dass sich der Beschuldigte 

um die Beschaffung von Ausweispapieren schlicht nicht gekümmert hat 

(beispielsweise mit Nachfragen zum Vorgehen beim Amt für Migration oder 

Vorstellung auf der Botschaft seines Heimatlandes) und damit seinen 

Mitwirkungspflichten nicht nachgekommen ist. Diese Mitwirkung wäre auch 

während der Verbüssung einer Freiheitsstrafe möglich gewesen, können 

solche Informationen und Gesuche doch auch telefonisch oder schriftlich 

eingeholt bzw. eingereicht werden. Anhaltspunkte, dass eine Beschaffung 

der Ausweispapiere aus objektiven Gründen – der Beschuldigte macht 

geltend, er habe «ja keine Sicherheit in seiner Heimat», weshalb dies nicht 

möglich gewesen sei (Protokoll Berufungsverhandlung S. 13) – nicht 

möglich war, bestehen zudem nicht. Der Beschuldigte substantiiert sein 

diesbezügliches Vorbringen auch nicht weiter. Der Beschuldigte handelte 

vorsätzlich, weil er nicht ausreisen wollte, was er offen angab. Der 

Tatbestand von Art. 120 Abs. 1 lit. e AIG ist damit erfüllt. Es liegt auch kein 

Rechtfertigungsgrund vor. 

 

5. 

5.1. 

Der Beschuldigte hat sich der versuchten schweren Körperverletzung, der 

versuchten qualifizierten einfachen Körperverletzung mit einem gefähr-

lichen Gegenstand, der mehrfachen Missachtung der Eingrenzung und der 

Verletzung der Mitwirkungspflicht bei der Beschaffung der Ausweispapiere 

schuldig gemacht und ist dafür angemessen zu bestrafen. 

 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten zu einer unbedingten Freiheitsstrafe 

von 2 ½ Jahren sowie zu einer Busse von Fr. 100.00, ersatzweise 1 Tag 

Freiheitsstrafe, verurteilt. Der Beschuldigte beantragt – ausgehend von den 

beantragten Freisprüchen – für die seiner Ansicht nach verbleibenden 

Schuldsprüche der versuchten einfachen Körperverletzung und der Miss-

achtung der Eingrenzung eine unbedingte Freiheitsstrafe von 6 Monaten 

angemessen. Sodann rügt er eine Verletzung des Beschleunigungsgebots. 

 

5.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen). 

Darauf kann verwiesen werden. 

 

Insoweit vorliegend Tatbestände sowohl mit Freiheitsstrafe oder Geldstrafe 

bedroht sind, ist in Anbetracht der Vielzahl von Vorstrafen und der offen-

sichtlichen Ungerührtheit des Beschuldigten gegenüber dem hiesigen 

Straf- und Vollzugssystem (siehe Strafregisterauszug) mit der Vorinstanz 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6b_1233%2F2017&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-IV-61%3Ade&number_of_ranks=0#page61
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6b_1233%2F2017&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-IV-55%3Ade&number_of_ranks=0#page55

 - 17 - 

 

 

davon auszugehen, dass nicht eine Geldstrafe, sondern nur eine Freiheits-

strafe als angemessene und zweckmässige Sanktion in Frage kommt, was 

auch vom Beschuldigten nicht angefochten wird (vgl. Urteil des Bundes-

gerichts 6B_782/2011 vom 3. April 2012 E. 4.1). 

 

Für die Verletzung der Mitwirkungspflicht bei der Beschaffung der Ausweis-

papiere gemäss Art. 120 Abs. 1 lit. e AIG i.V.m. Art. 90 lit. c AIG, einer 

Übertretung, ist kumulativ eine Busse auszusprechen. 

 

5.3. 

Hinsichtlich der versuchten schweren Körperverletzung vom 24. August 

2020 (Anklageziffer 1), für welche die Einsatzstrafe festzusetzen ist, ergibt 

sich Folgendes: 

 

Ausgangspunkt für die Strafzumessung bildet die Verletzung oder 

Gefährdung des betroffenen Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB), wobei 

vorerst vom vollendeten Delikt auszugehen ist. Der Tatbestand der 

schweren Körperverletzung schützt die körperliche und gesundheitliche 

Integrität des Menschen als sein höchstes Gut neben dem Leben. Der 

Beschuldigte hat mehrfach auf die Beine, den Rumpf und den Kopf von D. 

eingeschlagen und getreten. Er erlitt folgende Verletzungen: leichtes 

Schädel-Hirn-Trauma, Nasenbeinfraktur, Fraktur des Nasendornfortsatzes, 

Rissquetschwunde an der Oberlippe, oberflächliche Hautverletzungen an 

beiden Knien (UA act. 208 f.). Auch wenn diese Verletzungen nicht 

lebensbedrohend waren und ihrer Gesamtheit nicht zu einer schweren 

Körperverletzung geführt haben, wären insbesondere als Folge der 

Schläge und Tritte gegen den Kopf von D. ohne Weiteres gravierende Kopf-

verletzungen oder eine Entstellung des Gesichts möglich gewesen, da es 

sich um ein dynamisches Geschehen handelte und D. dabei auf den Boden 

gefallen ist. Der Eingriff in die körperliche Unversehrtheit als höchstes 

Rechtsgut wäre für den vollendeten Versuch im Rahmen der schweren 

Körperverletzung unter Berücksichtigung der davon erfassten Ver-

letzungen als nicht mehr leicht bis mittelschwer einzustufen. 

 

Der Beschuldigten hat sein Vorgehen nicht von langer Hand geplant. 

Vielmehr ist dieses in erster Linie dem Umstand geschuldet, dass er in 

Aarau auf D. getroffen ist, und sich in diesem Rahmen ein Streit mit gegen-

seitigen Schubsereien entwickelt hat. Wenngleich auch D. seinen Teil zur 

tätlichen Auseinandersetzung beigetragen und diese mitunter selbst neu 

befeuert hat, so agierte der Beschuldigte offenkundig mit unnötiger und 

unkontrollierter Gewalt. D. war durch seine körperliche Unterlegenheit und 

seinen erkennbar alkoholisierten Zustand (0,84 mg/l, entsprechend 1,68 

Promille) nicht in der Lage, sich ebenbürtig zur Wehr zu setzen. Indem der 

Beschuldigte auch dann noch, als D. wehrlos am Boden lag, auf diesen 

eintrat und einschlug, hat er ein relativ hohes Mass an krimineller Energie 

gezeigt. Allerdings ist das Verhalten des Beschuldigten nicht wesentlich 

 - 18 - 

 

 

über die Erfüllung der für eine (versuchte) schwere Körperverletzung 

hinausgehende Einwirkung hinausgegangen, was sich neutral auswirkt.  

 

Die Beweggründe des nicht geständigen Beschuldigten bleiben im 

Dunkeln. Fest steht hingegen, dass er über ein erhebliches Mass an 

Entscheidungsfreiheit verfügte, zumal er D. körperlich überlegen war. 

Spätestens als die beiden Streitenden fast auseinandergegangen wären, 

hätte er von D. ablassen und sich entfernen können, stattdessen hat er 

danach noch stärkere Gewalt angewendet. Das erhebliche Mass an 

Entscheidungsfreiheit wirkt sich verschuldenserhöhend aus, denn je 

leichter es für den Beschuldigten gewesen wäre, die körperliche Integrität 

von D. zu respektieren, desto schwerer wiegt die Entscheidung dagegen 

und damit einhergehend sein Verschulden (vgl. BGE 117 IV 112 E. 1 S. 

114 mit Hinweisen). 

 

Im breiten Spektrum der vom Tatbestand der schweren Körperverletzung 

erfassten Sachverhalte ist – für die vollendete Tatbegehung – von einem 

mittelschweren Verschulden und – in Relation zum Strafrahmen von bis zu 

10 Jahren Freiheitsstrafe – einer dafür angemessenen Freiheitsstrafe von 

5 Jahren auszugehen. 

 

Da es vorliegend bei einer versuchten schweren Körperverletzung 

geblieben ist, ist die Strafe angemessen zu reduzieren (Art. 22 Abs. 1 

StGB). Dabei hat die Strafminderung umso geringer auszufallen, je näher 

der tatbestandsmässige Erfolg und je schwerer die tatsächlichen Folgen 

der Tat waren (BGE 121 IV 49 E. 1b). Der Beschuldigte liess schliesslich 

aus freien Stücken von D. ab, jedoch erst, nachdem er mehrfach auf den 

bereits am Boden liegenden D. eingetreten und geschlagen hatte, also zu 

einem vergleichsweise späten Zeitpunkt. Auch dürfte der Umstand, dass 

sich mehrere andere Personen in Sichtweite befanden, eine Rolle gespielt 

haben. Was die tatsächlichen Folgen der Tat betrifft, so sind zwar 

glücklicherweise keine schweren, sondern nur relativ leichte Verletzungen 

eingetreten; die gegenwärtige Gefahr für Leib und Leben war insbesondere 

aufgrund der Tritte und Schläge gegen den Kopf jedoch präsent. Insgesamt 

rechtfertigt es sich unter den vorliegenden Umständen, den Versuch im 

Umfang von 2 Jahren strafmindernd zu berücksichtigen, so dass die 

Einsatzstrafe für die versuchte schwere Körperverletzung auf 3 Jahre 

festzusetzen wäre. 

 

5.4. 

Die Einsatzstrafe wäre nunmehr in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB 

aufgrund der weiteren Straftaten (versuchte qualifizierte einfache Körper-

verletzung mit einem gefährlichen Gegenstand, mehrfache Missachtung 

der Eingrenzung) angemessen zu erhöhen. Jedoch hat nur der 

Beschuldigte ein Rechtsmittel erhoben, weshalb es aufgrund des 

Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) bei der von der 

 - 19 - 

 

 

Vorinstanz ausgefällten Freiheitsstrafe von 2 ½ Jahren sein Bewenden hat, 

zumal sich die Täterkomponente nicht zu Gunsten des Beschuldigten aus-

wirken kann (siehe dazu sogleich). 

 

5.5. 

Hinsichtlich der Täterkomponente ist festzuhalten, dass der heute 23 Jahre 

alte Beschuldigte zahlreiche Male und zum Teil einschlägig vorbestraft ist. 

Es handelt sich bei seinen Vorstrafen u.a. um solche wegen Diebstahls, 

Hausfriedensbruchs, Tätlichkeiten, Sachbeschädigung, Beschimpfung, 

Drohung sowie Missachtung der Ein- oder Ausgrenzung (siehe aktueller 

Strafregisterauszug). Im Zeitraum vom 22. März 2018 bis zum 31. Mai 2018 

wurde der Beschuldigte zu drei bedingten Geldstrafen verurteilt, welche 

allesamt widerrufen wurden. Zudem wurden im Zeitraum 14. Juni 2018 bis 

17. Juli 2020 insgesamt sechs unbedingte Freiheitsstrafen gegen den 

Beschuldigten verhängt. Auch wenn diese jeweils verhältnisweise tief 

angesetzt waren, ist die Renitenz und Unbelehrbarkeit des Beschuldigten 

bemerkenswert; er ist als unbelehrbarer Wiederholungstäter zu bezeich-

nen. Nur einen Monat nach der letzten Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe 

beging er die vorliegend zu beurteilenden Straftaten. Als die Strafunter-

suchung bezüglich des Vorfalls vom 24. August 2020 in Aarau gemäss 

Ziff. 1 der Anklage bereits lief, delinquierte der Beschuldigte wenige Tage 

später einschlägig weiter, was auf eine ausgeprägte Einsichtslosigkeit 

schliessen lässt. Die Vorstrafen sind somit straferhöhend zu berück-

sichtigen, da der Beschuldigte keine genügende Lehre daraus gezogen hat 

(BGE 136 IV 1 E. 2.6.2). Es ist jedoch zu beachten, dass aus dem 

täterbezogenen Strafzumessungskriterium der Vorstrafen nicht indirekt ein 

tatbezogenes Kriterium gemacht werden darf. Mithin dürfen die Vorstrafen 

nicht wie eigenständige Delikte gewürdigt werden (Urteile des Bundes-

gerichts 6B_510/2015 vom 25. August 2015 E. 1.4 und 6B_325/2013 vom 

13. Juni 2013 E. 4.3.2). 

 

Der ledige und kinderlose Beschuldigte hat keine Ausbildung absolviert und 

war als abgewiesener Asylbewerber vor der Inhaftierung von der «Nothilfe» 

abhängig, womit sich seine finanzielle und persönliche Situation schwierig 

gestaltet. Im Übrigen geben die persönlichen Verhältnisse des Beschul-

digten zu keinen besonderen Bemerkungen Anlass. 

 

Der Beschuldigte befindet sich seit dem 29. August 2020 in Haft und 

scheint sich seither wohlverhalten zu haben. Ein Wohlverhalten nach der 

Tat und auch im Strafvollzug stellt allerdings keine besondere Leistung dar 

und wirkt sich deshalb neutral aus (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_87/2010 vom 17. Mai 2010 E. 5.4). 

 

Der Beschuldigte hat sich in der Strafuntersuchung grundsätzlich korrekt 

verhalten, hat die Vorwürfe jedoch geleugnet. Wer nicht geständig ist, kann 

hinsichtlich des begangenen Unrechts auch nicht einsichtig und reuig sein. 

 - 20 - 

 

 

Eine Strafminderung, wie sie bei einem von Anfang an geständigen und 

einsichtigen Straftäter möglich ist, kommt vorliegend somit nicht in Frage.  

 

Schliesslich erscheint die Strafempfindlichkeit des Beschuldigten durch-

schnittlich. Die Rechtsprechung des Bundesgerichts hat wiederholt betont, 

dass eine erhöhte Strafempfindlichkeit nur bei aussergewöhnlichen 

Umständen zu bejahen ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_1079/2016 

vom 21. März 2017, E. 4.5; 6B_249/2016 vom 19. Januar 2017, E. 1.4.4.; 

6B_243/2016 vom 8. September 2016 E. 3.4.2; 6B_748/2015 vom 

29. Oktober 2015, E. 1.3). Solche aussergewöhnlichen Umstände sind 

nicht ersichtlich. 

 

Insgesamt überwiegen die negativen Faktoren, womit sich die Täter-

komponente insgesamt straferhöhend auswirken würde. Eine Erhöhung 

der Strafe ist jedoch aufgrund des Verschlechterungsverbots ausge-

schlossen. 

 

5.6. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze des Beschleunigungsgebots 

wiederholt dargelegt (statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 

6B_1003/2020 vom 21. April 2021 E. 3.3.1 sowie 6B_855/2020 vom 25. 

Oktober 2021 E. 1.5.4; BGE 143 IV 373). Darauf kann verwiesen werden. 

 

Zwar erscheint insbesondere die Dauer zwischen Anklageerhebung (30. 

November 2020) und erstinstanzlicher Hauptverhandlung (16. Juni 2021) 

von 6 ½ Monaten in einem Haftfall als eher lang. Es ist allerdings nicht so, 

dass die Vorinstanz einfach untätig geblieben wäre. Vielmehr sind gewisse 

Verzögerungen der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden 

Schwierigkeiten bei der Terminsuche geschuldet. Entgegen dem 

Beschuldigten ist unter den vorliegenden Umständen knapp nicht von einer 

Verletzung des Beschleunigungsgebots auszugehen. 

 

Selbst wenn vorliegend jedoch von einer Verletzung des Beschleunigungs-

gebots auszugehen wäre, so würde diese nicht so schwer wiegen, dass die 

von der Vorinstanz festgesetzte Strafe von 2 ½ Jahren herabgesetzt 

werden könnte, nachdem die dem Verschulden und den persönlichen 

Umständen angemessene Strafe an sich deutlich höher hätte ausfallen 

müssen (siehe dazu oben). 

 

5.7. 

Die Vorinstanz hat die Freiheitsstrafe unbedingt ausgesprochen, was mit 

Berufung zurecht nicht angefochten worden ist. Bei einer Gesamt-

würdigung aller wesentlichen Umstände, namentlich gestützt auf die zahl-

reichen Vorstrafen, die eindrückliche Unbelehrbarkeit des Beschuldigten, 

seine aufenthaltsrechtliche, wirtschaftliche und persönliche Situation, ist 

 - 21 - 

 

 

mit der Vorinstanz von einer eigentlichen Schlechtprognose auszugehen, 

weshalb die Freiheitsstrafe zu vollziehen ist. 

 

5.8. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft von 102 Tagen (29. August 2020 

bis 8. Dezember 2020) und die Sicherheitshaft von 417 Tagen (12. März 

2021 bis 2. Mai 2022), gesamthaft 519 Tage, sind auf die Freiheitsstrafe 

anzurechnen (Art. 51 StGB i.V.m. Art. 110 Abs. 7 StGB). 

 

Da keine Überhaft vorliegt, ist auf die vom Beschuldigten anlässlich der 

Berufungsverhandlung beantragte Entschädigung nicht weiter einzugehen. 

 

5.9. 

Bei der Verletzung der Mitwirkungspflicht bei der Beschaffung von 

Ausweispapieren gemäss Art. 120 Abs. 1 lit. e AIG i.V.m. Art. 90 lit. c AIG 

handelt es sich um eine Übertretung gemäss Art. 106 StGB, für welche 

auch im ordentlichen Strafverfahren eine Ordnungsbusse von Fr. 100.00 

auszusprechen ist (Art. 14 OBG; Ziff. 1001/Anhang 2 OBV). 

 

Die Ersatzfreiheitstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung ist auf einen Tag 

festzusetzen (Art. 106 Abs. 2 StGB). 

 

5.10. 

Der Beschuldigte ist zusammengefasst zu einer unbedingten Freiheits-

strafe von 2 ½ Jahren und einer Busse von Fr. 100.00, ersatzweise 1 Tag 

Freiheitsstrafe, zu verurteilen. 

 

6. 

6.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten für die Dauer von 7 Jahren des 

Landes verwiesen. Der Beschuldigte wendet sich berufungsweise gegen 

die angeordnete Landesverweisung. Er führte in seiner Einvernahme 

sinngemäss aus, in seinem Herkunftsland Somalia herrsche Bürgerkrieg 

und er fürchte bei einer Rückkehr um seine Sicherheit bzw. sein Leben. 

Weiter verfüge er dort ohnehin über kein soziales Netzwerk (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 9 ff. und S. 13). Damit beruft er sich sinngemäss 

einerseits auf das Vorliegen eines persönlichen Härtefalls andererseits 

insbesondere auf das Vorliegen eines Vollzugshindernisses.  

 

6.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Landesverweisung nach 

Art. 66a StGB unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des EGMR zu 

Art. 8 EMRK wiederholt dargelegt (BGE 146 IV 311; BGE 146 IV 172; BGE 

146 IV 105; BGE 146 II 1; BGE 145 IV 455; BGE 145 IV 364; BGE 145 IV 

161; BGE 144 IV 332; statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_513/2021 

vom 31. März 2022). Darauf kann verwiesen werden. 

 - 22 - 

 

 

 

6.3. 

Der Beschuldigte ist Somalier. Er hat mit der versuchten schweren 

Körperverletzung eine Katalogtat für eine obligatorische Landesverweisung 

gemäss Art. 66a Abs. 1 StGB begangen. Er ist somit grundsätzlich für fünf 

bis 15 Jahre aus der Schweiz zu verweisen.  

 

Von der Anordnung der Landesverweisung kann ausnahmsweise unter 

den kumulativen Voraussetzungen abgesehen werden, dass sie (1) einen 

schweren persönlichen Härtefäll bewirken würde und (2) die öffentlichen 

Interessen an der Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen 

des Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen (Art. 66a 

Abs. 2 erster Satz StGB). Art. 66a StGB ist EMRK-konform auszulegen. 

Die Interessenabwägung im Rahmen der Härtefallklausel von Art. 66a 

Abs. 2 StGB hat sich daher an der Verhältnismässigkeitsprüfung nach 

Art. 8 Ziff. 2 EMRK zu orientieren. 

 

Das Sachgericht prüft die rechtliche Durchführbarkeit der Landes-

verweisung, soweit sie definitiv bestimmbar ist (BGE 145 IV 455 E. 9; Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1024/2019 vom 29. Januar 2020 E. 1.3.5). Im 

Übrigen ist dem Non-refoulement-Gebot und anderen völkerrechtlich 

zwingenden Bestimmungen auf der Ebene des Vollzugs Rechnung zu 

tragen (Urteil des Bundesgerichts 6B_423/2019 vom 17. März 2020 E. 

2.2.2). 

 

6.4. 

6.4.1. 

Der 1999 geborene, 23-jährige Beschuldigte ist abgewiesener Asyl-

suchender mit Sozialhilfestopp (ZEMIS-Nr. aaa). Er reiste am 15. März 

2017 via Italien mit dem Zug in die Schweiz ein und beantragte am 17. März 

2017 Asyl (MIKA-Akten, UA act. 277). Am 5. Mai 2017 wurde das Dublin-

Verfahren abgebrochen (MIKA-Akten S. 17) und dem Beschuldigten am 8. 

Juni 2017 ein N-Ausweis für Asylsuchende ausgestellt (MIKA-Akten S. 21). 

Am 25. Mai 2018 wurde aufgrund der fortlaufenden Straffälligkeit des 

Beschuldigten eine erste Eingrenzung auf den Bezirk S. verfügt (MIKA-

Akten S. 55 ff.). Mit Asylentscheid des Staatssekretariats für Migration 

(SEM) vom 28. Januar 2019 (MIKA-Akten, S. 135 ff.), welcher am 6. März 

2019 rechtskräftig wurde, wurde das Asylgesuch des Beschuldigten abge-

lehnt, und er wurde aufgefordert, die Schweiz bis zum 21. März 2019 zu 

verlassen. 

 

Der Beschuldigte ist ledig und hat keine Kinder. Er hat in Somalia gemäss 

eigenen Angaben drei Jahre lang die Schule besucht, verfügt aber über 

keine Berufsausbildung. Er lebt als abgewiesener Asylbewerber von 

«Nothilfe» und geht keiner Arbeit nach. In der Schweiz hat er zudem keine 

Familienangehörigen (UA act. 12.1 ff., Protokoll Berufungsverhandlung S. 

 - 23 - 

 

 

8). Wie der Beschuldigte selbst angab, hat er keine vertieften Beziehungen 

zur Schweiz. Als Grund für den Aufenthalt hat der Beschuldigte pauschal 

auf die prekäre Situation in seinem Heimatland verwiesen (GA act. 474) 

und führte mehrfach aus, er wäre nicht mehr hier, hätte er in seinem 

Heimatland Sicherheit (Protokoll Berufungsverhandlung S. 11 und 13). 

 

Sodann ist er zahlreiche Male vorbestraft und liess sich von den ausge-

sprochenen Geld- und Freiheitsstrafen in keiner Weise beeindrucken, 

weshalb er als unbelehrbarer Wiederholungstäter zu betrachten ist (siehe 

dazu E. 5.5 und 5.7). Auch manifestierte er mit seinem Verhalten einen 

Ungehorsam gegen behördliche Anordnungen. Insbesondere zeigt der 

Beschuldigte bis auf die Tatfolgenreue auch keine Einsicht und Reue, 

sondern leugnet seine Schuld bis heute praktisch vollständig. Von einer 

gelungenen Integration in die Schweizer Werte- und Rechtsordnung kann 

dementsprechend nicht gesprochen werden. Auch von einer positiven 

Persönlichkeitsentwicklung in der Schweiz ist nach dem Ausgeführten nicht 

auszugehen. Die vom Beschuldigten begangenen Straftaten, insbesondere 

die versuchte schwere Körperverletzung sowie auch die versuchte einfache 

Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand, wiegen mit Blick auf 

die hochstehenden gefährdeten Rechtsgüter schwer. Mit Blick auf die 

zahlreichen Vorstrafen kann nicht von einer positiven Legalprognose 

ausgegangen werden. Vielmehr ist aufgrund der Vorstrafen, der persön-

lichen Verhältnisse und der Tatausführung auf eine erhebliche Rückfall-

gefahr zu schliessen und eine eigentliche Schlechtprognose zu stellen. 

 

Der Beschuldigte, der erst im Alter von 18 Jahren in die Schweiz einreiste, 

verbrachte die meiste Zeit seines Lebens, insbesondere die prägenden 

Kinder- und Jugendjahre, in seiner Heimat und ist folglich mit der dortigen 

Kultur vertraut. Demgegenüber beschränken sich seine sozialen Kontakte 

in der Schweiz auf Landsleute bzw. andere Afrikaner; trotz Anwesenheit in 

der Schweiz seit 5 Jahren verfügt er lediglich über elementarste Deutsch-

kenntnisse, was der Beizug eines Dolmetschers für beide Verfahren belegt. 

Ungeachtet seines jungen Alters und seiner guten Gesundheit war er nur 

ganz vereinzelt arbeitstätig und erheblich von der Sozialhilfe abhängig 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 8), was jedoch teilweise auch mit 

seinem Aufenthaltsstatus in Zusammenhang steht. Seine persönliche und 

wirtschaftliche Integration in der Schweiz muss damit als ungenügend 

bezeichnet werden. Dagegen lebt seine Verwandtschaft, insbesondere 

seine Grossmutter, zu der er noch Kontakt pflegt, in seiner Herkunftsregion 

(MIKA-Akten S. 135 ff., Protokoll Berufungsverhandlung S. 8), sodass eine 

Reintegration in die dortige Gesellschaft ohne weiteres möglich ist. Seine 

Mutter lebe mutmasslich in Kenia und einen Vater habe er nicht (GA 

act. 474). Er ist zudem jung und gesund, weshalb er bei gehöriger 

Anstrengung auch in seiner Heimat – auch ohne Berufsausbildung – in der 

Lage sein dürfte, ein Auskommen zu erzielen und sich gesellschaftlich zu 

integrieren. Die Resozialisierungschancen des Beschuldigten in Somalia 

 - 24 - 

 

 

erscheinen mithin – insbesondere aufgrund der Sprachkenntnisse – 

keineswegs schlechter, wenn nicht sogar besser wie diejenigen in der 

Schweiz. Das SEM hat mithin im Januar 2019 die Wegweisung in die 

Herkunftsregion des Beschuldigten als zumutbar, durchführbar und 

möglich erachtet, dies nicht zuletzt wegen seines dortigen intakten sozialen 

Netzes (MIKA-Akten S. 135 ff.). Nicht entscheidend ist, dass der 

Beschuldigte erklärte, im Falle einer Landesverweisung lieber in ein 

anderes Land, beispielsweise Libyen, gehen zu wollen (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 11). Insgesamt ist dementsprechend das Vor-

liegen eines Härtefalls zu verneinen.  

 

Der Beschuldigte hat mehrere Taten begangen, von denen insbesondere 

die versuchte schwere Körperverletzung und die versuchte einfache 

Körperverletzung mit gefährlichem Gegenstand schwer wiegen. Es hing 

vorliegend lediglich vom Zufall und möglicherweise von der Anwesenheit 

Dritter ab, dass niemand schwerer verletzt wurde. Auch waren seine Opfer 

mehr oder weniger zufällig gewählt. Entsprechend ist er zu einer mehr-

jährigen Freiheitsstrafe zu verurteilen. Die aktuellen Straftaten hat er noch 

während der Probezeit zahlreicher weiterer Delikte verübt und seine fort-

laufende Delinquenz wurde mutmasslich lediglich dadurch gebremst, dass 

er sich aktuell in Gefangenschaft befindet. Beim Beschuldigten bestehen 

bezüglich seines künftigen Wohlverhaltens erhebliche Zweifel. Es ist von 

einer eigentlichen Schlechtprognose auszugehen (siehe oben). 

Zusammenfassend ist damit von einer Gefährdung für die öffentliche 

Sicherheit durch den Beschuldigten auszugehen, womit ein hohes öffen-

tliches Interesse an der Landesverweisung gegeben ist. Dieses überwiegt 

das (eher geringe) private Interesse des Beschuldigten an einem Verbleib 

in der Schweiz, zumal die Resozialisierungschancen des Beschuldigten in 

seinem Heimatland durchaus vorhanden sind. 

 

Nach dem Gesagten liegt weder ein persönlicher Härtefall vor, noch 

überwiegen die persönlichen Interessen des Beschuldigten an einem 

Verbleib in der Schweiz. Der Umstand, dass eine Wegweisung aus der 

Schweiz vom Beschuldigten als Härte empfunden wird, kann daran nichts 

ändern. Eine Landesverweisung bewirkt in den meisten Fällen eine 

gewisse Härte. Sie hat ihren Grund jedoch in der Delinquenz der 

betroffenen Person selber und kann für sich alleine nicht zur Annahme 

eines Härtefalls im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB führen. 

 

6.4.2. 

Auch ein Vollzugshindernis ist vorliegend zu verneinen. Beim 

Beschuldigten handelt es sich nicht um einen anerkannten Flüchtling, 

sondern um einen abgewiesenen Asylsuchenden, womit das Non-

Refoulement-Gebot grundsätzlich nicht greift, zumal eine Gefahr für Leib, 

Leben oder Freiheit bei Ausreise in das Heimatland für diese Personen 

verneint wurde. 

 - 25 - 

 

 

 

Das SEM hat mit seinem Asylentscheid vom 28. Januar 2019 (MIKA-Akten, 

S. 135 ff.) die Wegweisung in die Herkunftsregion des Beschuldigten, 

Region T. von Puntland / Somalia, als zumutbar, durchführbar und möglich 

erachtet. Die im Asylverfahren vom Beschuldigten dargelegten Flucht-

gründe wurden als nicht asylrelevant erachtet. Es bestünden auch keine 

Anhaltspunkte für eine entsprechende Gefährdung im Heimatland. 

Angesichts der Situation in Puntland, woher der Clan des Beschuldigten 

stamme und wo der Beschuldigte noch immer über ein familiäres 

Beziehungsnetz verfüge, erachtete das SEM den Vollzug der Wegweisung 

eines abgewiesenen somalischen Asylsuchenden grundsätzlich als zumut-

bar. Zudem sei der Beschuldigte volljährig und bei guter Gesundheit, so 

dass nichts gegen den Wegweisungsvollzug in Region T. von Puntland / 

Somalia spreche. Diese Ausführungen haben weiterhin uneingeschränkt 

Gültigkeit und das Obergericht stützt sich darauf ab. 

 

Der Beschuldigte zeigt nicht auf, dass er bei einer Rückkehr nach Somalia 

konkret an Leib und Leben gefährdet wäre (statt vieler: Urteile des 

Bundesgerichts 6B_507/2020 vom 17. August 2020 E. 3.2 mit weiteren 

Hinweisen). Er verfügt vielmehr über die persönlichen Voraussetzungen 

(Alter, Gesundheit, Sprache), die ihm eine erfolgreiche Wiederein-

gliederung in die somalische Gesellschaft ermöglichen. Auch anlässlich der 

Berufungsverhandlung konnte er diesbezüglich nichts Entscheid-

wesentliches vorbringen. Soweit der Beschuldigte geltend macht, er werde 

von sogenannten Familienangehörigen am Leben bedroht (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 9), würde dies nicht gegen eine Rückkehr nach 

Somalia im Allgemeinen sprechen. Er konnte dieses Vorbringen jedoch 

ohnehin nicht substantiieren. Daneben wurde keine staatliche Verfolgung 

geltend gemacht. Es ist zudem festzuhalten, dass sich zumindest nicht das 

gesamte Land Somalia im Bürgerkrieg befindet, wie er dies ausführt. Somit 

liegen entgegen dem Beschuldigten keine Vollzugshindernisse i.S.v. Art. 

66d StGB vor, welche bei der Anordnung der Landesverweisung berück-

sichtigt werden müssten. 

 

6.4.3. 

Zusammenfassend liegt weder ein persönlicher Härtefall vor, noch über-

wiegen die persönlichen Interessen des Beschuldigten an einem Verbleib 

in der Schweiz und es bestehen auch keine Vollzugshindernisse. Die 

Landesverweisung ist mit der Vorinstanz deshalb anzuordnen. 

 

6.5. 

Bei einer Gesamtbetrachtung aller wesentlichen Umstände erscheint die 

von der Vorinstanz angeordnete Dauer der Landesverweisung von 

7 Jahren als angemessen. Das Verschulden des Beschuldigten sowie die 

von ihm ausgehende Gefährdung der Öffentlichkeit ist als erheblich zu 

betrachten und entsprechend hoch wiegt das öffentliche Interesse an einer 

 - 26 - 

 

 

langen Wegweisung. Demgegenüber ist das private Interesse des 

Beschuldigten am Verbleib in der Schweiz als eher gering zu veran-

schlagen, zumal keine über die blosse Anwesenheit hinausgehende 

Integration in der Schweiz stattgefunden hat. Eine Erhöhung der Dauer 

entfällt jedoch bereits aufgrund des Verschlechterungsverbots, zumal nur 

der Beschuldigte die Berufung erhoben hat, eine Reduktion der Dauer 

rechtfertigt sich nicht. 

 

6.6. 

Der Beschuldigte wird vorliegend zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 

2 ½ Jahren verurteilt und es wird eine obligatorische Landesverweisung 

angeordnet. Entsprechend ist davon auszugehen, dass er eine Gefahr für 

die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 24 Ziff. 2 SIS-II-

Verordnung darstellt. Gründe, welche eine Ausschreibung im SIS als 

unverhältnismässig erscheinen lassen würden, sind keine ersichtlich (vgl. 

BGE 146 IV 172 E. 3.2). Somit ist die Ausschreibung der Landes-

verweisung im Schengener Informationssystem (SIS) anzuordnen. 

 

7. 

7.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens und Unterliegens. Erwirkt eine Partei, die ein Rechtsmittel 

ergriffen hat, einen für sie günstigeren Entscheid, so können ihr die 

Verfahrenskosten auferlegt werden, wenn der angefochtene Entscheid nur 

unwesentlich abgeändert wird (Art. 428 Abs. 2 lit. b StPO). Vorliegend 

obsiegt der Beschuldigte mit seiner Berufung im Vergleich zu seinen 

Anträgen nur in untergeordnetem Umfang, namentlich hinsichtlich der 

erstinstanzlichen Parteientschädigung des Privatklägers A. (siehe E. 8.3 

unten) und da die Rückzahlungspflicht an den amtlichen Verteidiger für die 

Entschädigung für das erstinstanzliche Verfahren im Umfang der Über-

setzungskosten entfällt (siehe E. 8.2 unten); es handelt sich dabei aber um 

vergleichsweise untergeordnete Punkte und der vorinstanzliche Entscheid 

wird nur unwesentlich abgeändert. Insbesondere bleibt es bei den 

vorinstanzlichen Schuldsprüchen, der vorinstanzlich ausgesprochenen 

Strafe und der Landesverweisung. Nach dem Ausgang des Verfahrens 

rechtfertigt es sich deshalb, dem Beschuldigten die Gerichtskosten von 

Fr. 4'000.00 (ohne Übersetzungskosten) vollumfänglich aufzuerlegen (Art. 

428 Abs. 1 StPO i.V.m. § 18 VKD).  

 

7.2. 

Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten ist für das obergerichtliche 

Verfahren gestützt auf die anlässlich der Berufungsverhandlung einge-

reichte Kostennote, jedoch angepasst an die effektive Dauer der 

Berufungsverhandlung (4 Stunden statt 3 ½ Stunden) und angepasst an 

eine angemessene Nachbesprechungs- und Nachbearbeitungsdauer (1 

Stunde statt 1 ½ Stunden), mit gerundet Fr. 4'700.00 aus der Staatskasse 

 - 27 - 

 

 

zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 2bis 

AnwT). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten mit Ausnahme der Über-

setzungskosten von Fr. 124.10 zurückzufordern, sobald es seine 

wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO; Art. 426 

Abs. 3 lit. b StPO). 

 

7.3. 

7.3.1. 

Gemäss Art. 436 Abs. 1 StPO richten sich die Entschädigungsansprüche 

der Privatklägerschaft im Rechtsmittelverfahren nach den Artikeln 429-434 

StPO. Gemäss Art. 433 Abs. 1 StPO hat die Privatklägerschaft gegenüber 

der beschuldigten Person Anspruch auf angemessene Entschädigung für 

die notwendigen Aufwendungen im Verfahren, wenn sie (lit. a.) obsiegt 

oder (lit. b.) die beschuldigte Person nach Art. 426 Abs. 2 StPO kosten-

pflichtig ist.  

 

7.3.2. 

Die Vertreterin des Privatklägers A., Rechtsanwältin B., war anlässlich der 

Berufungsverhandlung anwesend und hat für das Berufungsverfahren eine 

Entschädigung von Fr. 1'773.35 geltend gemacht. Eine Vertretung des 

Privatklägers zur Durchsetzung seiner Zivilansprüche war vorliegend 

jedoch nicht angezeigt, nachdem seine Genugtuungsforderung erst-

instanzlich abgewiesen worden ist und er weder Berufung noch 

Anschlussberufung erhoben hat. Zur Geltendmachung des Strafanspruchs 

ist primär die Staatsanwaltschaft zuständig, welche anlässlich der 

Berufungsverhandlung ebenfalls anwesend war. Es sind auch keine 

anderweitigen Gründe ersichtlich, weshalb im Berufungsverfahren eine 

Vertretung des Privatklägers notwendig gewesen wäre, zumal der 

Beschuldigte bereits erstinstanzlich verurteilt worden war, der Zivilpunkt 

nicht mehr Gegenstand der Berufung war und sich der Privatkläger 

hinsichtlich des Strafmasses und der Landesverweisung ohnehin nicht hat 

äussern dürfen (vgl. Art. 382 Abs. 2 StPO). Auch konnte sich der 

Privatkläger hinsichtlich seiner persönlichen Einvernahme als Auskunfts-

person nicht vertreten lassen. Mithin erweisen sich die geltend gemachten 

Aufwendungen nicht als notwendig i.S.v. Art. 433 Abs. 1 StPO. Der 

Privatkläger A. hat seine obergerichtlichen Parteikosten dementsprechend 

selber zu tragen. 

 

8. 

8.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz einen neuen Entscheid, so befindet sie darin 

auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 

3 StPO). Nachdem die vorinstanzlichen Schuldsprüche bestätigt werden, 

 - 28 - 

 

 

ist die vorinstanzliche Kostenverlegung nach wie vor korrekt. Der Frei-

spruch hinsichtlich der Drohung stand in engem Zusammenhang mit der 

versuchten einfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegen-

stand, sodass für den Vorwurf der Drohung keine, für diesen Schuldspruch 

nicht notwendigen Untersuchungshandlungen erkennbar sind. Dem 

Beschuldigten sind deshalb die gesamten erstinstanzlichen Verfahrens-

kosten von Fr. 7'504.05 (exkl. Kosten für die amtliche Verteidigung und 

Übersetzung) aufzuerlegen (Art. 426 Abs. 1 StPO; vgl. Urteil des Bundes-

gerichts 6B_993/2016 vom 24. April 2017 E. 5.3 f.).  

 

8.2. 

Die Höhe der dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochenen Entschädigung wurde mit der Berufung nicht ange-

fochten, weshalb darauf nicht zurückgekommen werden kann (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019 E. 2.4).  

 

Die Entschädigung wird vom Beschuldigten entsprechend dem 

Verfahrensausgang zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen 

Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Wie aus der detaillierten 

Kostennote des amtlichen Verteidigers im erstinstanzlichen Verfahren 

hervorgeht, sind in dieser auch Dolmetscherkosten von insgesamt 

Fr. 1'051.40 enthalten (GA act. 522 ff.). Diese sind – abweichend von der 

Vorinstanz – von der Rückforderung auszunehmen.  

 

8.3. 

8.3.1. 

Der Beschuldigte rügt die dem Privatkläger A. erstinstanzlich zuge-

sprochene Parteientschädigung. Er macht insbesondere geltend, ein 

grosser Teil des Aufwandes der Vertreterin des Privatklägers gehe auf die 

abgewiesene Genugtuungsforderung und den von diesem beantragten 

Schuldspruch wegen Drohung zurück. Der Beschuldigte fordert deshalb, 

dass er lediglich die Hälfte der vorinstanzlich zugesprochenen Partei-

entschädigung zu bezahlen habe (Berufungsbegründung S. 4 Ziff. 5). 

 

8.3.2. 

Der Privatkläger A. hat sich im Straf- und Zivilpunkt konstituiert. Er forderte 

erstinstanzlich einen Schuldspruch wegen versuchter einfacher Körper-

verletzung mit einem gefährlichen Gegenstand und wegen Drohung sowie 

eine Genugtuung von Fr. 700.00. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten 

vom Vorwurf der Drohung freigesprochen, ihn jedoch der versuchten 

qualifizierten Körperverletzung zum Nachteil von A. schuldig gesprochen. 

Die Genugtuungsforderung hat die Vorinstanz abgewiesen. 

 

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts stellt die Strafuntersuchung 

in der Regel eher bescheidene juristische Anforderungen an die Wahrung 

der Mitwirkungsrechte von Geschädigten. Eine durchschnittliche Person 

 - 29 - 

 

 

sollte daher in der Lage sein, ihre Interessen als Geschädigte in einer 

Strafuntersuchung selbst wahrzunehmen (BGE 123 I 145 E. 2b/bb; Urteil 

des Bundesgerichts 1B_450/2015 vom 22. April 2016 E. 2.3; je mit 

Hinweisen). Vorliegend verhält es sich nicht anders. Es sind keine 

Umstände ersichtlich, weshalb der Privatkläger zur Wahrung seiner 

Interessen auf den Beizug einer Rechtsvertreterin angewiesen gewesen 

wäre. Richtigerweise hätte deshalb kein Anspruch auf Ersatz seiner 

Parteikosten bestanden, zumal er mit seinen Anträgen im Strafpunkt teil-

weise und jenen im Zivilpunkt vollständig unterlegen ist. Nachdem der 

Beschuldigte selbst jedoch beantragt hat, er habe dem Privatkläger die 

Hälfte der erstinstanzlichen Parteikosten, zu ersetzen, ist er aufgrund der 

Dispositionsmaxime auch dazu zu verpflichten. Im Übrigen hat der Privat-

kläger A. seine Kosten selbst zu tragen. 

 

9. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). 

 

  

 - 30 - 

 

 

   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. [in Rechtskraft erwachsen] 

Der Beschuldigte wird vom Vorwurf der Drohung freigesprochen. 

 

2. 

Der Beschuldigte ist schuldig  

- der versuchten schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB 

i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB; 

- der versuchten qualifizierten einfachen Körperverletzung mit einem ge-

fährlichen Gegenstand gemäss Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 22 

Abs. 1 StGB; 

- der mehrfachen Missachtung der Ein- oder Ausgrenzung gemäss 

Art. 119 Abs. 1 AIG i.V.m. Art. 74 AIG [in Rechtskraft erwachsen]; 

- der Verletzung der Mitwirkungspflicht bei der Beschaffung der Ausweis-

papiere gemäss Art. 120 Abs. 1 lit. e AIG i.V.m. Art. 90 lit. c AIG. 

 

3.  

3.1. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss den in Ziff. 2 genannten Gesetzes-

bestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, 

Art. 40 StGB, Art. 106 StGB und Art. 14 OBG zu 

 

einer unbedingten Freiheitsstrafe von 2 ½ Jahren und einer Busse von 

Fr. 100.00, ersatzweise 1 Tag Freiheitsstrafe, 

 

verurteilt. 

 

3.2.  

Die Untersuchungshaft von 519 Tagen (29. August 2020 bis 8. Dezember 

2020 sowie 12. März 2021 bis 2. Mai 2022) wird gestützt auf Art. 51 StGB 

auf die Freiheitsstrafe angerechnet. 

 

4.  

4.1. 

Der Beschuldigte wird gemäss Art. 66a StGB für 7 Jahre des Landes 

verwiesen. 

 

4.2. 

Die Landesverweisung wird im Schengener Informationssystem (SIS) 

ausgeschrieben. 

 

5. [in Rechtskraft erwachsen] 

5.1.  

Folgende Gegenstände werden dem Beschuldigten zurückgegeben: 

 

 - 31 - 

 

 

- Sneakers rot/schwarz 

- Unterleibchen weiss  

- schwarze Jacke  

- Bluejeans 

 

Diese Gegenstände können vom Beschuldigten bzw. einer bevoll-

mächtigten Person innert 30 Tagen nach Rechtskraft bei der Vorinstanz 

abgeholt werden. 

 
5.2. 

Folgende Gegenstände werden D. zurückgegeben: 

 

- Bluejeans mit blauem Ledergurt 

- Jeansjacke 

- 1 Paar Turnschuhe «Nike Air» schwarz 

- 1 T-Shirt weiss 

 

Diese Gegenstände können von D. bzw. einer bevollmächtigten Person 

innert 30 Tagen nach Rechtskraft bei der Vorinstanz abgeholt werden. 

 

5.3. 

Folgende Gegenstände werden eingezogen:  

 

- Glasscherben zu Corona-Flasche 33cl (Kantonspolizei Zürich, FOR) 

 

5.4. 

Die Staatsanwaltschaft trifft die sachgemässen Verfügungen. 

 

6. [in Rechtskraft erwachsen] 

Die Genugtuungsforderung des Privatklägers A. wird abgewiesen.  
 
7. 

7.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 werden dem 

Beschuldigten auferlegt.  

 

7.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des 

Beschuldigten für das Berufungsverfahren eine Entschädigung von 

Fr. 4'700.00 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten ohne Übersetzungskosten 

mit Fr. 4'575.90 zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhält-

nisse erlauben.  

 

 - 32 - 

 

 

7.3. 

Der Privatkläger A. hat seine obergerichtlichen Parteikosten selber zu 

tragen. 

 

8. 

8.1. 

Die vorinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 7'504.05 (Anklagegebühr 

Fr. 2'500.00; exkl. Kosten der amtlichen Verteidigung und der Übersetzung) 

werden dem Beschuldigten auferlegt. 

 
8.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Entschädigung von Fr. 14'820.05 auszurichten.  

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten ohne Übersetzungskosten 

mit Fr. 13'768.65 zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen 

Verhältnisse erlauben. 

 

8.3. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger A. für das erst-

instanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 2'498.60 auszurichten. 

Im Übrigen hat der Privatkläger A. seine Kosten selbst zu tragen. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 

 

 - 33 - 

 

 

   

Aarau, 2. Mai 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Six Gilgen