# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3254bae3-5be3-5ee9-9142-c6190e378e3d
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-01-22
**Language:** de
**Title:** Steuerhoheit (ab 1.1.2011)
**Docket/Reference:** ST.2012.290
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_ST_2012_290_uw.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

2. Abteilung 

2 ST.2012.290 

Entscheid 

 22. Januar 2013 

Mitwirkend: 

Abteilungspräsident Christian Mäder, Steuerrichterin Micheline Roth,  
Steuerrichter Marcus Thalmann und Gerichtsschreiber Fabian Steiner 

In Sachen 

A ,    

vertreten durch RA Dr.iur. Ulrich Weiss,  
Tösstalstrasse 23, Postfach 27, 8402 Winterthur,  

Rekurrent,  

gegen 

S t a a t   Z ü r i c h ,    

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Süd,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Rekursgegner,  

betreffend 

Steuerhoheit (ab 1.1.2011) 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A. A (nachfolgend der Pflichtige),  unverheiratet, Jahrgang 1952, ist seit 1983 

in  der  zürcherischen  Gemeinde  B  als  Wochenaufenthalter  gemeldet  und  arbeitet  seit 

Jahren  als  Leiter  des  Schwimmbads  in  der  Gemeinde  B.  Zudem  ist  er  Mieter  der  4-

Zimmer-Betriebswohnung, welche sich auf dem Areal des Schwimmbads befindet.  

Auf  Ersuchen  des  Steueramts  der  Gemeinde  B  füllte  der  Pflichtige  am 

9. Januar  2012  den  "Fragebogen  zur  Feststellung  des  steuerrechtlichen  Wohnsitzes" 

aus. Mit Vorentscheid vom 26. April 2012 nahm das kantonale Steueramt die Steuer-

hoheit  des  Kantons  Zürich  und  der  Gemeinde  B  ab  der  Steuerperiode  2011  in  An-

spruch. 

B.  Am  21.  Mai  2012  liess  der  Pflichtige  Einsprache  gegen  diesen  Entscheid 

erheben und beantragen, es sei festzustellen, dass sich der steuerrechtliche Wohnsitz 

des  Pflichtigen  in  der  Gemeinde  C,  Kanton  Graubünden,  befinde.  Der  Pflichtige 

verbringe seine gesamte Freizeit im Engadin. Im Kanton Zürich habe er keine Freunde 

und  Bekannten.  Seine  Eltern  seien  verstorben.  Geschwister  habe  er  keine.  Ausser 

einem Onkel im Kanton Bern lebten alle Freunde und näheren Bekannten im Engadin. 

Da  die  Betriebswohnung  direkt  über  dem  lärmigen  Schwimmbadrestaurant  und  Kühl-

aggregaten  liege,  was  Immissionen  verursache,  könne  er  nur  Ruhe  finden,  wenn  er 

den Arbeitsort  verlasse und  sich  in  seine  Eigentumswohnung  in der Gemeinde  C  be-

gebe.  Nach  sieben  Tagen  Arbeit  verbringe  er  jeweils  die  zwei  bis  drei  freien  Tage  in 

der  Gemeinde  C.  Als  er  die  Arbeitsstelle  in  der  Gemeinde  B  angetreten  habe,  sei  er 

gezwungen  gewesen,  auch  die  Betriebswohnung  zu  beziehen.  Diverse  Personen 

könnten  als  Zeugen  bestätigen,  dass  er Woche  für Woche  seine  Freizeit  im  Engadin 

verbringe.  

Mit Entscheid vom 5. September 2012 wies das kantonale Steueramt die Ein-

sprache ab. Zur Begründung verwies es auf das Alter des Pflichtigen von über 50 Jah-

ren, auf den Aufenthalt im Kanton Zürich seit 1983, auf das ungekündigte und unbefris-

tete Arbeitsverhältnis, auf die Arbeitskollegen und auf den Umstand, dass er seit 1983 

beim selben Arbeitgeber beschäftigt sei.  

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C.  Am  3.  Oktober  2012  erhob  der  Pflichtige  Rekurs  gegen  diesen  Entscheid 

und  beantragte,  es  sei  festzustellen,  dass  sich  sein  steuerrechtlicher Wohnsitz  in  der 

Gemeinde  C,  Kanton  Graubünden,  befinde.  Die  Begründung  des  Einspracheent-

scheids  sei  äusserst  dürftig.  Es  würden  keine  neuen  Argumente  vorgebracht,  und  es 

fehle eine Auseinandersetzung mit den Argumenten des Einsprechers. Die Vorinstanz 

habe keine Gründe vorgebracht, weshalb sich der Mittelpunkt der Lebensbeziehungen 

nach so langer Zeit vom Bündnerland in die Gemeinde B verlagert habe. Im Gegenteil 

habe der Pflichtige seine Beziehungen zu den bündnerischen Freunden und Bekann-

ten intensiviert und verstärkt. Im Kanton Zürich habe er keine Beziehungen. Die Vorin-

stanz habe sich nicht einmal die Mühe gemacht, die im Einspracheverfahren offerierten 

Zeugen zu befragen.  

In  der  Rekursantwort  vom  25.  Oktober  2012  beantragte  das  kantonale Steu-

eramt  die  Abweisung  des  Rekurses.  Zur  Begründung  machte  es  geltend,  dass  der 

Pflichtige im Kanton Zürich aufgewachsen sei. In der Gemeinde C verfüge er über kei-

ne  familiären  Beziehungen.  Es  sei  unklar,  wie  eng  die  persönlichen  Beziehungen  zu 

den Bekannten und Freunden im Engadin sei. Umgekehrt sei nicht glaubhaft, dass der 

Pflichtige  in  B,  wo  er  seit  1983  bei  der  Gemeinde  angestellt  sei,  keine  Freunde  und 

Bekannte habe.  

Mit  Eingabe  vom  19.  November  2012  nahm  der  Pflichtige  Stellung  zur  Re-

kursantwort und rügte eine Rechtsverweigerung und eine Verletzung des Grundsatzes 

des rechtlichen Gehörs, da die im Einspracheverfahren offerierten Zeugen nicht befragt 

worden  seien.  Ohne  Zeugenbefragung  könne  das  kantonale  Steueramt  nicht  wissen, 

wer die Freunde und Bekannten des Pflichtigen seien. Bei der Tätigkeit des Pflichtigen 

als Schwimmbadleiter würden naturgemäss im Sommer Überstunden generiert, welche 

dann im Winterhalbjahr abgebaut würden. Zusammen mit den 5 Wochen Ferien führe 

dies zu längeren Freizeitperioden im Winterhalbjahr. Im Vergleich zu anderen Steuer-

hoheitsfällen  liege  vorliegend  das  Spezielle  zum  einen  in  der  Person  des  Pflichtigen, 

zum  anderen  in  dessen besonderen  beruflichen Stellung  als  Schwimmbadmeister  mit 

Dienstwohnung  im  Betriebsgebäude.  Die  Einschätzung  müsse  individuell-konkret  und 

nicht nach "Schema F" erfolgen.  

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Die Kammer zieht in Erwägung: 

1. a) Gemäss Art. 3 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der 

direkten Steuern der Kantone und Gemeinden vom 14. Dezember 1990 (StHG) sowie 

§ 3  Abs. 1  des  Steuergesetzes  vom  8.  Juni  1997  (StG)  sind  natürliche  Personen  im 

Kanton  Zürich  aufgrund  persönlicher  Zugehörigkeit  steuerpflichtig,  wenn  sie  ihren 

steuerrechtlichen  Wohnsitz  oder  Aufenthalt  im  Kanton  haben.  Der  steuerrechtliche 

Wohnsitz befindet sich laut Art. 3 Abs. 2 StHG und § 3 Abs. 2 StG dort, wo die Person 

sich mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält. In diesem Fall ist die Steuerpflicht 

kraft § 5 Abs. 1 StG unbeschränkt, d.h. sie erstreckt sich grundsätzlich auf das gesam-

te Einkommen und Vermögen des Steuerpflichtigen.  

b) Aufgabe des interkantonalen Steuerrechts ist es, die Kollision  von konkur-

rierenden Besteuerungsansprüchen zweier oder mehrerer Kantone zu vermeiden. Eine 

solche Kollision besteht namentlich dann, wenn zwei Kantone die unbeschränkte Steu-

erhoheit  über  dieselbe  Person  während  der  nämlichen  Steuerperiode  beanspruchen. 

Dies kommt häufig dann  vor, wenn sowohl der Arbeitsortkanton, in welchem eine na-

türliche Person während der Woche übernachtet, als auch der Kanton des zivilrechtli-

chen Wohnorts, in welchen sie am Wochenende zurückkehrt, zur unbeschränkten Be-

steuerung  schreiten.  Art.  3  StHG  enthält  eine  Regel  zur  Schlichtung  eines  solchen 

Streits.  Diese  bestimmt,  dass  sich  das  Hauptsteuerdomizil  an  jenem  Ort  befindet,  in 

welchem  sich  die  Person  mit  der  Absicht  dauernden  Verbleibens  aufhält,  wobei  der 

steuerrechtliche  Wohnsitz  dem  qualifizierten  Aufenthalt  (im  Sinn  von  Art.  3  Abs. 1 

Halbsatz 2 StHG) vorgeht (Bauer-Balmelli/Nyffenegger, in: Kommentar zum Schweize-

rischen Steuerrecht, Band I/1, 2. A., 2002, Art. 3 N 11 StHG). Dergestalt liegt eine bun-

desrechtliche  Kollisionsnorm  zum  interkantonalen  Steuerrecht  vor  (StRG,  17. Mai 

2011, 2 ST.2010.27 E. 2b; a.M.: Bauer-Balmelli/Nyffenegger, Art. 3 N 15; Höhn/Mäusli, 

Interkantonales  Steuerrecht,  4.  A.,  2000,  S.  16  f.).  Somit  bildet  Art.  3  Abs.  1  und  2 

StHG  die  Grundlage  für  die  Abgrenzung  der  unbeschränkten  Steuerhoheit.  Die  lang-

jährige bundesgerichtliche Rechtsprechung, welche sich gestützt auf Art. 46 Abs. 2 der 

Bundesverfassung vom 29. Mai 1874 (aBV) sowie später Art. 127 Abs. 3 der Bundes-

verfassung vom 18. April 1999 (BV) entwickelt hat, dient weiterhin als Auslegungshilfe. 

Jedoch  vermag  sie  nur  insoweit  zu  greifen,  als  sie  nicht  der  erwähnten  StHG-Norm 

widerspricht (so auch Höhn/Mäusli, S. 17). 

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c) Nach Art. 68 Abs. 1 StHG (in der ab 1. Januar 2001 gültigen Fassung) be-

steht  die  Steuerpflicht  aufgrund  persönlicher  Zugehörigkeit  bei  Wechsel  des  steuer-

rechtlichen Wohnsitzes innerhalb der Schweiz für die laufende Steuerperiode im Kan-

ton, in welchem der Steuerpflichtige am Ende dieser Periode wohnt. Mithin kommt es 

für  die  Bestimmung  des  steuerrechtlichen  Wohnsitzes  im  interkantonalen  Verhältnis 

auf die tatsächlichen Umstände am Ende der jeweiligen Steuerperiode an. 

2. a) Nach der massgeblichen Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Dop-

pelbesteuerungsverbot gemäss Art. 127 Abs. 3 BV bzw. Art. 46 Abs. 2 aBV steht die 

Besteuerung  des  Einkommens  und  beweglichen  Vermögens  unselbstständig  erwer-

bender Personen dem Kanton zu, in welchem sich deren Steuerdomizil befindet. Dar-

unter  ist  in  der  Regel  der  zivilrechtliche  Wohnsitz  zu  verstehen,  d.h.  der  Ort,  an  wel-

chem  sich  die  Person  in  der  Absicht  dauernden  Verbleibens  aufhält  (Art.  23  Abs. 1 

ZGB; so auch Art. 3 Abs. 2 StHG und § 3 Abs. 2 StG) bzw. wo sich der Mittelpunkt der 

Lebensinteressen befindet. Dieser bestimmt sich nach der Gesamtheit der objektiven, 

äusseren Umstände, aus denen sich die Lebensinteressen erkennen lassen, und nicht 

bloss nach den erklärten Wünschen der steuerpflichtigen Person. Auf die gefühlsmäs-

sige Bevorzugung eines Ortes kommt es nicht an; der steuerliche Wohnsitz ist nicht frei 

wählbar Dem polizeilichen Domizil, wo die Schriften hinterlegt sind und die politischen 

Rechte ausgeübt werden, kommt dagegen keine entscheidende Bedeutung zu. Beides 

sind  bloss äussere  Merkmale,  die  ein  Indiz  für  den  steuerrechtlichen Wohnsitz  bilden 

können, wenn auch das übrige Verhalten der Person dafür spricht. Hält sich eine Per-

son  abwechslungsweise  an  zwei  oder  mehreren  Orten  auf,  namentlich  wenn  Arbeits- 

und  sonstiger  Aufenthaltsort  auseinander  fallen,  ist  für  die  Bestimmung  des  Steuer-

wohnsitzes darauf abzustellen, zu welchem Ort die Person die stärkeren Beziehungen 

unterhält.  Bei  unselbstständig  erwerbstätigen  Steuerpflichtigen  handelt  es  sich  dabei 

gewöhnlich um den Ort, an dem sie sich für längere oder unbestimmte Zeit aufhalten, 

um von dort aus der täglichen Arbeit nachzugehen, ist doch der Zweck des Lebensun-

terhalts dauernder Natur. Die Frage, zu welchem Aufenthaltsort der Steuerpflichtige die 

stärkeren  Beziehungen  unterhält,  ist  jeweils  aufgrund  der  Gesamtheit  der  Umstände 

des  Einzelfalls  zu  beurteilen  (BGr,  8.  Mai  2012,  2C_26/2012  E. 3.1,  www.bger.ch; 

BGr, 2. November 2011, 2C_178/2011 E. 2.2, www.bger.ch; BGE 125 I 54 E. 2).  

Bei der Bestimmung des Steuerdomizils kann neben den Verhältnissen in der 

Bemessungsperiode auf die weiteren, bis zum letztinstanzlichen Entscheid eingetrete-

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nen  Entwicklungen  abgestellt  werden  (BGr,  17.  Juni  2004,  1P.179/2003  E. 1.2, 

www.bger.ch; BGE 123 I 289 E. 1c).  

b)  Bei  verheirateten  Personen  mit  Beziehungen  zu  mehreren  Orten  werden 

die persönlichen und familiären Kontakte zum Ort, wo sich ihre Familie (Ehegatte und 

Kinder) aufhält, als stärker erachtet als derjenige zum Arbeitsort, wenn sie nicht in lei-

tender  Stellung  unselbstständig erwerbstätig sind  und täglich oder  zumindest  am  den 

Wochenenden  regelmässig  an  den  Familienort  zurückkehren.  Demnach  unterstehen 

verheiratete Pendler oder Wochenaufenthalter grundsätzlich ausschliesslich der Steu-

erhoheit des Kantons, in dem sich ihre Familie aufhält (BGr, 8. Mai 2012, 2C_26/2012 

E. 3.2,  www.bger.ch;  BGr, 2. November  2011,  2C_178/2011  E. 2.2,  www.bger.ch; 

BGE 125 I 54 E. 2b/aa).  

c) Diese Praxis findet auch auf ledige Personen Anwendung, zählt die Recht-

sprechung  doch  Eltern  und  Geschwister  ebenfalls  zur  Familie  des  Steuerpflichtigen. 

Die beruflichen Interessen dürfen nicht vor die affektiven Beziehungen gestellt werden, 

bloss  weil  der  Steuerpflichtige  ledig  ist  (BGr,  2. September  1997,  Praxis  1998  Nr. 4 

E. 2b; 20. Januar 1994, StE 1994 A 24.21 Nr. 7 = ASA 63, 836). Allerdings werden die 

Kriterien,  nach  denen  das  Bundesgericht  entscheidet,  wann  anstelle  des  Arbeitsorts 

der Aufenthaltsort der Familie als Hauptsteuerdomizil anerkannt werden kann, beson-

ders  streng  gehandhabt;  dies,  weil  die  Bindung  zur  elterlichen  Familie  in  der  Regel 

lockerer  ist  als  jene  unter  Ehegatten.  Bei  ledigen  Personen  ist  vermehrt  noch  als  bei 

verheirateten  Personen  zu  berücksichtigen,  ob  weitere  als  nur  familiäre  Beziehungen 

für  ein  Übergewicht  der  Bindungen  zum  einen  oder  anderen  Ort  sprechen.  Dadurch 

erhält  der  Grundsatz,  wonach  das  Hauptsteuerdomizil  von  Unselbstständigerwerben-

den am Arbeitsort liegt, grösseres Gewicht: Selbst wenn ledige Steuerpflichtige allwö-

chentlich  zu  den  Eltern  oder  Geschwistern  zurückkehren,  können  die  Beziehungen 

zum  Arbeitsort  überwiegen.  Dies  kann  namentlich  dann  zutreffen,  wenn  sie  sich  am 

Arbeitsort eine Wohnung eingerichtet haben oder dort über einen grösseren Freundes- 

und Bekanntenkreis verfügen. Besonderes Gewicht haben in diesem Zusammenhang 

auch die Dauer des Arbeitsverhältnisses und das Alter des Steuerpflichtigen. Die bun-

desgerichtliche Praxis geht dabei davon aus, dass die Beziehungen des Steuerpflichti-

gen  zur  elterlichen  Familie  regelmässig  nicht  mehr  so  stark  sind,  wenn  der  Steuer-

pflichtige das 30. Altersjahr überschritten hat, oder aber sich seit mehr als fünf Jahren 

ununterbrochen  am  selben  Arbeitsort  aufhält  (BGr,  8. Mai  2012,  2C_26/2012  E. 3.2, 

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www.bger.ch;  BGr, 2. November  2011,  2C_178/2011  E. 2.2,  www.bger.ch;  BGE 125 I 

54 E. 2b/bb). 

d)  Erfahrungsgemäss  führt  die  Pflege familiärer  Beziehungen  zu  einer  enge-

ren Verbundenheit mit einem Ort als andere Kontakte; Konsequenz dieses Umstandes 

ist,  dass  bei  ledigen  Steuerpflichtigen  kaum  Ausnahmen  vom  Steuerdomizil  am  Ar-

beitsort vorkommen, wenn sie an jenem Ort, wo sie die Wochenenden verbringen, kei-

ne  familiären  Beziehungen  unterhalten.  Nur  mit  Zurückhaltung  ist  anzunehmen,  dass 

die  Beziehungen  zum  Ort  des  Wochenendaufenthalts  stärker  sind  als  jene  zum  Ar-

beitsort. Dies ist im Übrigen durchaus sachgerecht: Sinn und Zweck der direkten Steu-

ern  ist  es,  die  allgemeinen  Leistungen  abzugelten,  die  das  Gemeinwesen  für  seine 

Mitglieder erbringt. Der ledige Steuerpflichtige ohne Familie beansprucht die öffentliche 

Infrastruktur und die Leistungen des Gemeinwesens stärker am Ort, an dem er seiner 

Erwerbstätigkeit nachgeht und sich demzufolge mehrheitlich aufhält, als am Ort, wo er 

seine  Freizeit  verbringt.  Diesbezüglich unterscheidet  er  sich von  jenem  Steuerpflichti-

gen,  der  über  enge  familiäre  Bindungen  am  Leben  teilnimmt,  dass  sich  am  Aufent-

haltsort der Familie abspielt (BGr, 25. Januar 2006, 2P.171/2005, E. 2.3, www.bger.ch; 

BGE 125 I 54 E. 2b/cc, auch zum Folgenden). Dergestalt hat das Bundesgericht denn 

auch festgestellt, dass das Steuerdomizil einer ledigen 43-jährigen Frau, die über keine 

näheren Familienangehörigen verfügt, dort liege,  wo sie seit acht Jahren arbeitet und 

während der Woche in einer möblierten 1-Zimmer-Wohnung lebt; ungeachtet dessen, 

dass  sie  andernorts  eine  2-Zimmer-Eigentumswohnung  erworben  hat,  in  welcher  sie 

regelmässig Wochenenden und Ferien verbringt, und dass sie ihren ganzen Freundes- 

und Bekanntenkreis auch dort unterhält (BGr, 2. September 1997, Praxis 1998 Nr. 4).  

e)  Die  geltend  gemachten  Kontakte  müssen  sich  auf  einen  bestimmten  Ort 

beziehen;  es  genügt  nicht,  dass  die  Beziehungen  zu  einer  ganzen  Region  bestehen, 

mit  der  sich  der  Steuerpflichtige  verbunden  fühlt  (StRK II,  8.  September  2004, 

2 ST.2004.381; vgl. BGr, 28. April 2005, 2P.260/2004 E. 3, www.bger.ch). Werden am 

Wochenende  und  in  der  Freizeit  Beziehungen  zu  mehreren  Orten  gepflegt,  ist  eher 

anzunehmen,  dass  der  Wochenaufenthaltsort  der  Lebensmittelpunkt  und  damit  der 

steuerrechtliche Wohnsitz ist.  

f) Generell ist somit gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nur mit 

Zurückhaltung anzunehmen, die Beziehungen zum Familien- bzw. Wochenendaufent-

haltsort seien stärker als diejenigen zum Arbeitsort. Dementsprechend sind bei ledigen 

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Steuerpflichtigen  auch  die  weiteren  Erfordernisse  für  einen  Wohnsitz  am  Ort,  wo  sie 

die  Wochenenden  verbringen,  namentlich  hinsichtlich  der  regelmässigen  Rückkehr, 

besonders  streng  zu  handhaben  (BGr,  2. September  1997,  Praxis  1998  Nr. 4; 

BGr, 25. Januar 2006, 2P.171/2005, E. 2.3, auch zum Folgenden). Von ganz besonde-

rem  Gewicht  sind  die  Dauer  der  Anstellung  am  Arbeitsort  und  das  Alter  des  Steuer-

pflichtigen.  Mit  Berücksichtigung  der  Dauer  des  Aufenthalts  am  Arbeitsort  trägt  das 

Bundesgericht  dem  faktischen  Umstand  Rechnung,  dass  sich mit  dessen  zunehmen-

der Dauer die Bindungen zur Familie erfahrungsgemäss lockern, während sich diejeni-

gen zum Arbeitsort verdichten. Die ständige regelmässige Rückkehr an den elterlichen 

Wohnort  vermag  deshalb  nach  einer  gewissen  Dauer  des  Aufenthalts  am  Arbeitsort 

das  Steuerdomizil  am  Ort  der  Familie  nicht  mehr  ohne  weiteres  zu  begründen,  wenn 

nicht weitere Umstände schlüssig darauf hinweisen, dass die Beziehungen zum Fami-

lienort diejenigen zum Arbeitsort überwiegen (BGr, 26. Januar 1994, StE 1994 A 24.21 

Nr. 7 = ASA 63, 836). Dies gilt in noch stärkerem Masse für Steuerpflichtige ohne fami-

liäre  Beziehungen  zum  Ort,  wo  sie  sich  in  ihrer  Freizeit  bzw.  Wochenende  aufhalten 

(BGE 125 I 54 E. 3a; BGr, 2. September 1997, Praxis 1998 Nr. 4).  

3. a) In Bezug auf die Beweisführung sind folgende Grundsätze massgebend: 

Die  Umstände,  welche  die  unbeschränkte  Steuerhoheit  über  eine  Person  begründen, 

stellen eine steuerbegründende Tatsache dar und müssen daher vom entsprechenden 

Gemeinwesen  bzw.  von  der  zuständigen  Steuerbehörde  bewiesen  werden  (Rich-

ner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Kommentar  zum  harmonisierten  Zürcher  Steuergesetz, 

2. A., 2006, § 3 N 83). Geht jedoch ein unverheirateter Steuerpflichtiger vom Ort aus, 

wo  er  sich  während  der Woche  aufhält,  einer  unselbständigen  Erwerbstätigkeit  nach, 

begründet dieser Umstand nach der Rechtsprechung eine natürliche Vermutung, dass 

er dort seinen Lebensmittelpunkt und – als rechtliche Folge davon – sein Hauptsteuer-

domizil hat. Diese Vermutung lässt sich nur entkräften, wenn er regelmässig, mindes-

tens  ein  Mal  pro Woche  oder  zumindest  (bei  unregelmässiger  Arbeitszeit)  an  den  ar-

beitsfreien  Tagen,  an  den  Ort  zurückkehrt,  wo  seine  Familie  lebt,  mit  welcher  er  aus 

bestimmten Gründen besonders eng verbunden ist, und wo er andere persönliche und 

gesellschaftliche  Beziehungen  pflegt  (BGr,  8. Mai  2012,  2C_26/2012  E. 3.3.1, 

www.bger.ch;  BGr, 2. November  2011,  2C_178/2011  E. 2.3,  www.bger.ch;  BGr, 

6. Dezember 2010, 2C_397/2010 E. 2.3, www.bger.ch; Martin Arnold, Der steuerrecht-

liche  Wohnsitz  natürlicher  Personen  im  interkantonalen  Verhältnis  nach  der  neueren 

bundesgerichtlichen  Rechtsprechung,  ASA  68,  462  ff.).  Die  Anforderungen  an  die 

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Überzeugungskraft  der  für  die  Kontakte  zum  Wochenendort  geltend  gemachten  Um-

stände  werden  dabei  mit  zunehmender  Länge  des  Aufenthalts  am  Arbeitsort  höher, 

geht doch mit wachsender Dauer des Wochenaufenthalts regelmässig eine Lockerung 

der Bindungen zur elterlichen Familie einher (BGr, 26. Januar 1994, StE 1994 A 24.21 

Nr. 7 = ASA 63, 836).  

Dem  Entscheid  über  die  Feststellung  des  Wohnsitzes  an  einem  bestimmten 

Ort liegt eine Gewichtung der Gesamtheit der objektiven, äusseren Umstände zugrun-

de,  die  auf  den faktischen  Lebensmittelpunkt  hinweisen.  Bei  der  Prüfung,  ob  die  ein-

zelnen Sachverhaltselemente erfüllt sind, gilt die freie Beweiswürdigung. Die Behörde 

zieht  aus  dem  Beweisergebnis  ihre  Schlüsse  in  freier  Überzeugung,  ohne  an  starre 

Beweisregeln gebunden zu sein. Ist eine rechtserhebliche Tatsache nach der Beweis-

würdigung  nicht  erwiesen,  greifen  die  Beweislastregeln  ein,  welche  bestimmen,  zu 

wessen Nachteil im Falle der Beweislosigkeit zu entscheiden ist (Arnold, ASA 68, 462).  

Es  ist  indessen  eine  Tendenz  erkennbar,  für  den  Nachweis  von  Behauptun-

gen der Steuerpflichtigen, die nach der allgemeinen Lebenserfahrung als wenig glaub-

würdig  erscheinen,  das  Beweismass  zu  erhöhen.  So  erachtet  das  Bundesgericht  die 

Behauptung der steuerpflichtigen Person, dass sie während der schon mehrere Jahre 

dauernden  Erwerbstätigkeit  am  Wochenaufenthaltsort  weder  zu  Berufskollegen  noch 

zu  Nachbarn  irgendwelche  Beziehungen  geknüpft  habe,  zum  Vornherein  als  wenig 

glaubwürdig. Vor allem mit zunehmendem Alter und steigender Dauer des Verweilens 

am Wochenaufenthaltsort  könne  kaum  mehr  angenommen  werden,  dass  der  Steuer-

pflichtige dort keine Kontakte pflege und einzig an ihrem Wochenendort verwurzelt sei, 

an dem sie sich bei voller Beschäftigung doch den kleineren Teil der Zeit aufhalte (Ar-

nold, ASA 68, 466, mit Hinweis auf BGE 125 I 54 und BGr, 2. September 1997, Praxis 

1998 Nr. 4). 

Für  den  Fall,  dass  die  steuerpflichtige  Person  an  ihrem Wochenendort  keine 

familiären Kontakte pflegt, entband das Bundesgericht den Kanton, in dem die steuer-

pflichtige Person während der Arbeitswoche wohnt, vom Nachweis überwiegender per-

sönlicher Beziehungen zum Arbeitsort. In diesem Fall obliegt es dem Steuerpflichtigen, 

den Beweis zu erbringen, dass sich der Lebensmittelpunkt nicht am Arbeitsort befindet 

(Arnold,  ASA  68,  464,  mit  Hinweis  auf  BGE  125  I  54  und  BGr,  2. September  1997, 

Praxis 1998 Nr. 4).  

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b)  Der  unverheiratete  Pflichtige  ist  seit  dem  Jahr  1983  bei  der  Gemeinde  B 

angestellt  und  hält  sich  deshalb  mindestens  während  der  Arbeitszeit  dort  auf.  Selbst 

wenn seine Behauptung zutrifft, wonach er im Kanton Zürich keine freundschaftlichen 

Beziehungen  pflegt,  so  bringt  allein  schon  eine  langjährige  berufliche  Tätigkeit  einen 

vielfältigen  menschlichen  Kontakt  zu  Berufskollegen  und  weiteren  Personen  mit  sich. 

Bei einem Schwimmbadmeister dürfte dies ebenfalls der Fall sein. Die vom Pflichtigen 

geltend  gemachten  persönlichen  Beziehungen  zu  Personen  im  Engadin  sind  freund-

schaftlicher und kollegialer Natur. Familiäre Beziehungen oder ein Konkubinatsverhält-

nis bestehen nach den Darlegungen des Pflichtigen nicht. Zwar kreuzte dieser auf dem 

Fragebogen zur Feststellung des steuerrechtlichen Wohnsitzes bei der Frage "Welche 

persönlichen  Beziehungen  verbinden  Sie  zu  Ihrem  Wohnort?"  die  Antwort  "Ehegat-

te/Lebenspartner(in)" an. Im weiteren Verfahrensverlauf machte er jedoch kein Konku-

binats- oder Partnerschaftsverhältnis geltend. Aus der Tatsache, dass der Pflichtige mit 

D  und  E  seine  Freizeit  verbringt,  kann  auf  jeden  Fall  keine  partnerschaftliche  Bezie-

hung abgeleitet werden (vgl. Arnold, ASA 68, 460). Es ist davon auszugehen, dass der 

Steuerpflichtige die zu seinen Gunsten sprechenden Umstände von sich aus vorbringt 

(Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  §  138  N  21).  Würde  der  Pflichtige  im  Kanton  Grau-

bünden  eine  Partnerschaftsbeziehung  pflegen,  so  hätte  er  dies  mit  der  notwendigen 

Klarheit  zum  Ausdruck  gebracht.  Sodann  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  der  Pflichtige 

nicht nur während der Öffnungszeit des Schwimmbads im Sommer, sondern auch im 

Winterhalbjahr  seinem  Beruf  in  der  Gemeinde  B  nachgeht.  Dass  im  Winterhalbjahr 

Überstunden  abgebaut  werden,  ist  im  Hinblick  auf  die  Frage  des  steuerrechtlichen 

Wohnsitzes  eher  von  untergeordneter  Bedeutung.  Der  Behauptung  des  kantonalen 

Steueramts, der Pflichtige sei im Kanton Zürich aufgewachsen, ist dieser in der Einga-

be vom 19. November 2012 nicht entgegengetreten. Es ist daher  davon auszugehen, 

dass die Behauptung zutrifft.  

Dem Pflichtigen gelingt es insgesamt nicht, eine stärkere Verbindung mit  der 

Gemeinde  C  als  mit  dem  Arbeitsort  B  nachzuweisen.  Im  Wesentlichen  verbringt  der 

Pflichtige  im  Engadin  seine  Freizeit  zusammen  mit  Freunden  und  Kollegen.  Wenn-

gleich die freundschaftlichen Beziehungen zu diesen eng sein mögen, so besteht keine 

familiäre  oder  partnerschaftliche  Beziehung  zu  diesen  Personen.  Damit  erscheint  die 

Verbindung zum Kanton Zürich und zur Gemeinde B, wo der Pflichtige seit Jahrzehn-

ten  beim  gleichen  Arbeitgeber  erwerbstätig  ist  und  eine  eigene  Wohnung  bewohnt, 

enger als zum Kanton Graubünden und zur dortigen Gemeinde C.  

2 ST.2012.290 

 
 
 
 
 
 
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Eine  Abnahme  des  vom  Pflichtigen  offerierten  Zeugenbeweises  erscheint 

nicht angebracht, da das diesbezügliche Vorbringen in der Eingabe vom 19. November 

2012  grundsätzlich  nicht  umstritten  ist.  Zudem  ist  das  Vorbringen  insofern  nicht  we-

sentlich,  als  auch  eine  hohe  Intensität  der  freundschaftlichen  Beziehungen  zu  Perso-

nen  im  Engadin  nichts  an  der  Einschätzung  der  Sachlage  ändern  würde  (vgl.  Rich-

ner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 132 N 18).  

Unerheblich ist, wie die Sachlage von den Steuerbehörden in früheren Jahren 

beurteilt wurde. Die Einschätzungsbehörde kann den rechtserheblichen Sachverhalt in 

jeder  Steuerperiode  neu  würdigen  und  allenfalls  zu  einer  abweichenden  Beurteilung 

kommen, selbst wenn sich der Sachverhalt nicht geändert hat. Ein Anspruch auf eine 

in  diesem  Sinn  rechtsgleiche  Behandlung  besteht  nicht.  Die  richtige  Anwendung  des 

materiellen Rechts geht somit dem Vertrauen in eine vorhersehbare Rechtanwendung 

vor (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Vorbemerkungen zu §§ 119-131 N 87). 

4.  Diese  Erwägungen  führen  zur  Abweisung  des  Rekurses.  Entsprechend 

dem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  des  Rekursverfahrens  dem  Pflichtigen 

aufzuerlegen (§ 151 Abs. 1 StG). Eine Parteientschädigung ist keiner Partei zuzuspre-

chen (§ 152 StG i.V.m. § 17 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 

1959/22. März 2010).  

Demgemäss erkennt die Kammer: 

1.  Der Rekurs wird abgewiesen.  

[…] 

2 ST.2012.290