# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 20c0d92e-b49a-53db-8afb-4ec3c9d381a4
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-05-04
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 04.05.2021 S 2020 117
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2020-117_2021-05-04.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 20 117

2. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitzende von Salis

Richter Meisser, Audétat

Aktuarin ad hoc Hartmann

URTEIL

vom 4. Mai 2021

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____,

vertreten durch Rechtsanwalt LL.M. Eric Stern,

Beschwerdeführerin

gegen

B._____ AG,

Beschwerdegegnerin

betreffend Versicherungsleistungen nach UVG

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I. Sachverhalt:

1. A._____ wohnhaft in C._____, ist über ihre Arbeitgeberin, D._____ (Ver-

waltung), bei der B._____ AG (nachfolgend: B._____) berufs- und nichtbe-

rufsunfallversichert. Gemäss Unfallmeldung vom 18. März 2020 ist sie am 

14. März 2020 auf dem Weg vom Auto zum Haupteingang der Jugendher-

berge C._____ umgeknickt. Gleichentags erfolgte die Erstbehandlung in 

der Arztpraxis Dr. med. E._____, C._____, durch Dr. med. F._____. Letz-

terer attestierte A._____ infolge des Unfalls eine 100%ige Arbeitsunfähig-

keit ab dem 14. März 2020 bis zum 17. März 2020. In der Folge wurde der 

Verlauf regelmässig durch die Arztpraxis Dr. med. E._____ untersucht. In 

der Unfallmeldung an die B._____ vom 18. März 2020 wurde A._____ eine 

Zerrung am rechten Fussknöchel diagnostiziert. Die diagnostizierte 

100 %ige Arbeitsunfähigkeit von A._____ wurde daraufhin weitere Male 

durch Dr. med. E._____ und Dr. med. G._____ bis zum 30. Juni 2020 ver-

längert. Die B._____ erbrachte gesetzliche Leistungen (Heilbehandlung 

und Taggeld).

2. Gestützt auf die Stellungnahme ihres beratenden Arztes Dr. med. H._____, 

Facharzt für Chirurgie und Spez. Allgemeinchirurgie und Traumatologie 

FMH, vom 20. Mai 2020 stellte die B._____ mit Verfügung vom 26. Mai 

2020 ihre Leistungen an A._____ aus der obligatorischen Unfallversiche-

rung per Ende Mai 2020 ein. Dabei lehnte die B._____ den natürlichen Kau-

salzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 14. März 2020 und 

den geklagten Fussbeschwerden von A._____ ab.

3. Im MRI-Bericht von Dr. med. I._____ vom 17. Juni 2020 wird A._____ eine 

leichte Reizung der Plantarfaszie, allenfalls im Sinne einer leichten Fasziitis 

bei kleinem Fersensporn, diagnostiziert. Neu sei eine osteochondrale Lä-

sion der Talusrolle mediozentral nachweisbar, welche gut mit den posttrau-

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matischen Veränderungen vereinbar sei. Eine Zerrung sei weiterhin nach-

weisbar.

4. Mit Einsprache vom 23. Juni 2020 beantragte der anwaltliche Rechtsver-

treter von A._____ (nachfolgend: Rechtsvertreter), die angefochtene Ver-

fügung vom 26. Mai 2020 sei dahingehend aufzuheben, dass die UVG-

Leistungen auch nach Ende Mai 2020 weiterhin zu erbringen seien. Ver-

fahrensmässig werde um die Zustellung der gesamten Unfallakten und 

eine Nachfrist von sieben Tagen ab Zugang der Akten zur Ergänzung der 

Einsprache nachgesucht. Begründend wurde ausgeführt, dass die ange-

fochtene Verfügung auf der Erwägung beruhe, dass die aktuellen Be-

schwerden rechts nicht mehr mit dem erforderlichen Beweisgrad der über-

wiegenden Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis vom 14. März 2020 

zurückgeführt werden könnten, sondern vielmehr durch einen unfallfrem-

den Vorzustand, insbesondere durch die Fasziitis der Plantarfaszie zu er-

klären seien. Der Status quo sine vel ante gelte nach einem leichten OSG-

Distorsionstrauma nach 6 bis 12 Wochen als erreicht und die Fasziitis der 

Plantarfaszie sei bereits 2 Tage nach dem Ereignis diagnostiziert worden 

und habe sich nicht in so kurzer Zeit nach dem Unfall entwickeln können. 

Diese medizinische Beurteilung widerspreche derjenigen von Dr. med. 

E._____ und Dr. med. G._____, die nach wie vor eine volle Arbeitsunfähig-

keit bescheinigten. Sofern die B._____ sich dieser Einschätzung ver-

schliesse, werde eine fachärztliche orthopädische Begutachtung beantragt, 

um die Kausalitätsfrage objektiv beurteilen zu lassen. Der Einsprache bei-

gelegt war der MRI-Bericht von Dr. I._____ vom 17. Juni 2020.

5. Mit E-Mail vom 26. Juni 2020 ersuchte die B._____ den Rechtsvertreter um 

Einreichung einer von seiner Mandantin unterschriebenen Vollmacht, wel-

che dieser am 30. Juni 2020 der B._____ zukommen liess.

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6. Am 1. Juli 2020 wurden die Akten der B._____ dem Rechtsvertreter elek-

tronisch zugestellt unter Hinweis, dass die Frist von sieben Tagen ab 

Download der Akten gewährt werde.

7. Am 15. Juli 2020 lud der Rechtsvertreter die Akten herunter.

8. Mit Nichteintretensverfügung vom 9. September 2020 hielt die B._____ 

fest, dass die Einsprache vom 23. Juni 2020 aufgrund fehlender Begrün-

dung als unzulässig betrachtet werde. Innert der Frist bis 22. August 2020 

sei keine Einsprachebegründung eingetroffen. Die Einsprache vom 23. 

Juni 2020 genüge den gesetzlichen Anforderungen nicht. Die Verfügung 

vom 26. Mai 2020 gelte somit als rechtskräftig. 

9. Dagegen erhob A._____ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 21. Okto-

ber 2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden 

und beantragte die Aufhebung der Nichteintretensverfügung vom 9. Sep-

tember 2020 und die Rückweisung der Sache an die B._____ zur neuen 

Entscheidung über die Ansprüche der Beschwerdeführerin aus UVG; unter 

Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Be-

gründend wurde ausgeführt, dass die Einsprache vom 23. Juni 2020, ent-

gegen der Ansicht der B._____, genügend begründet worden sei. Auf S. 2 

und S. 3 der Einsprache vom 23. Juni 2020 sei ausgeführt worden, dass 

die massgeblichen Erwägungen in der Verfügung der B._____ vom 26. Mai 

2020, wonach der status quo sine vel ante vorliegend nach 6 bis 12 Wo-

chen als erreicht gelten könne und die Fasziitis der Plantarfaszie sich gar 

nicht innert so kurzer Zeit (zwei Tage nach dem Ereignis diagnostiziert) 

habe entwickeln können, der medizinischen Beurteilung von Dr. med. 

E._____ und Dr. med. G._____ widerspreche. Der Einsprache sei zusätz-

lich der Bericht des MRI am Bahnhof Chur vom 17. Juni 2020 beigelegt 

worden. Der Einspracheantrag sei zwar kurz, aber durchaus klar und do-

kumentiert begründet worden. Daran ändere nichts, dass keine Ergänzung 

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der Einsprachebegründung eingereicht worden sei. Das Nichteintreten der 

B._____ erweise sich als rechtswidrig und komme einer Rechtsverweige-

rung gleich. Die Beschwerdeführerin habe einen Anspruch darauf, dass 

ihre Ansprüche aus UVG positiv materiell beurteilt würden.

10. In der Beschwerdeantwort vom 16. November 2020 beantragte die 

B._____ (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Be-

schwerde und somit die Bestätigung der angefochtenen Nichteintretens-

verfügung vom 9. September 2020. Es seien keine Kosten zu vergüten. Zur 

Begründung brachte sie vor, dass bis zum Ablauf der Nachfrist am 24. Au-

gust 2020 keine Einspracheergänzung eingegangen sei. Die vorsorgliche 

Einsprache vom 23. Juni 2020 sei formell als ungenügend zu betrachten. 

Diese habe sich mit dem Hinweis auf den Widerspruch zwischen der Beur-

teilung des beratenden Arztes der Beschwerdegegnerin und der behan-

delnden Ärzte der Beschwerdeführerin begnügt. Zu diesem Zeitpunkt habe 

der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin noch gar nicht über die erfor-

derlichen Akten verfügt, was bei der Beurteilung einer medizinischen Frage 

unabdingbar sei.

11. In der Replik vom 30. November 2020 führte die Beschwerdeführerin aus, 

dass sich die Beschwerdegegnerin auf die Frage der Fristwahrung be-

schränke, um ihre Nichteintretensverfügung vom 9. September 2020 zu 

rechtfertigen. Die Einsprache vom 23. Juni 2020 sei rechtzeitig erfolgt, was 

die Beschwerdegegnerin selbst anerkannt habe. Richtig sei einzig, dass 

die in Aussicht gestellte Ergänzung der Einsprachebegründung nicht bis 

zum Zeitpunkt der Nichteintretensverfügung vom 9. September 2020 er-

folgt sei. Es gehe nicht um die Ergänzung einer Einsprachebegründung, 

sondern darum, ob auf die rechtzeitig ergangene Einsprache seitens der 

Beschwerdegegnerin zu Recht nicht eingetreten worden sei. Die Be-

schwerdegegnerin vermöge nicht zu begründen, weshalb die formellen 

Voraussetzungen der Einsprache vom 23. Juni 2020 nicht erfüllt gewesen 

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sein sollen. Sie verweise lediglich darauf, dass zu diesem Zeitpunkt noch 

keine umfassende Akteneinsicht vorgelegen habe und eine solche in An-

gelegenheiten, in denen es um die Verneinung des natürlichen Kausalzu-

sammenhangs ginge und mithin um eine medizinische Frage, unabdingbar 

sei. Die Beschwerdegegnerin räume aber implizit selber ein, dass die Ein-

sprache neben dem Antrag auch eine Begründung enthalten habe, indem 

auf widersprüchliche ärztliche Auffassungen verwiesen worden sei, die bei 

Fortbestehen durch eine Expertise geklärt werden müssten. Auch eine 

kurze, aber klare Begründung genüge den Anforderungen gemäss Art. 10 

Abs. 1 ATSV. Dass eine Begründungsergänzung ausgeblieben sei, ändere 

daran nichts.  Indem die Beschwerdegegnerin die Einsprache materiell 

überhaupt nicht behandelt habe, sondern wegen vermeintlich fehlender for-

meller Voraussetzung von der Hand gewiesen habe, liege eine Gehörsver-

letzung der Beschwerdeführerin vor.

12. Am 3. Dezember 2020 reichte die Beschwerdegegnerin – unter Verweis 

auf die Begründung in ihrer Beschwerdeantwort vom 16. November 2020 – 

die Duplik ein. Es werde nicht bestritten, dass die vorsorgliche und nicht 

begründete Einsprache vom 23. Juni 2020 rechtzeitig erfolgt sei, vielmehr 

sei diese aber formell mangelhaft, indem sie ungenügend begründet wor-

den sei.

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften und 

auf die angefochtene Nichteintretensverfügung vom 9. September 2020 

wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

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II. Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Nichteintretensverfü-

gung der Beschwerdegegnerin vom 9. September 2020. Gegen solche so-

zialversicherungsrechtlichen Entscheide kann Beschwerde beim Versiche-

rungsgericht desjenigen Kantons erhoben werden, in dem die Versicherte 

zur Zeit der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat (Art. 1 Abs. 1 des 

Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20] i.V.m. 

Art. 56 Abs. 1 sowie Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge-

meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Be-

schwerdeführerin wohnt im Kanton Graubünden, womit die örtliche Zustän-

digkeit des angerufenen Gerichts für die Beurteilung der vorliegenden Be-

schwerde gegeben ist. Dessen sachliche Zuständigkeit ergibt sich aus Art. 

57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungs-

rechtpflege (VRG; BR 370.100), wonach das Verwaltungsgericht als kan-

tonales Versicherungsgericht Beschwerden gegen Einspracheentscheide 

und Verfügungen in Sozialversicherungssachen beurteilt, die gemäss Bun-

desrecht der Beschwerde unterliegen. Damit fällt die Beurteilung der vor-

liegenden Beschwerde in die Zuständigkeit des angerufenen Gerichts. Als 

Adressatin der angefochtenen Nichteintretensverfügung ist die Beschwer-

deführerin berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhe-

bung auf (Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht einge-

reichte Beschwerde (Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG) ist somit einzutreten.

2. Anfechtungsobjekt im vorliegenden Beschwerdeverfahren bildet die Nicht-

eintretensverfügung der Beschwerdegegnerin vom 9. September 2020. 

Streitig und zu prüfen ist einzig, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht nicht 

auf die Einsprache der Beschwerdeführerin vom 23. Juni 2020 eingetreten 

ist.

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3. Gemäss Art. 52 Abs. 1 ATSG kann gegen Verfügungen innerhalb von 

30 Tagen bei der verfügenden Stelle Einsprache erhoben werden. Diese 

muss spätestens am letzten Tag der Frist dem Versicherungsträger einge-

reicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder einer 

schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung überge-

ben werden (Art. 39 Abs. 1 ATSG). Eine gesetzliche Frist kann gemäss 

Art. 40 Abs. 1 ATSG nicht erstreckt werden. Die fristgerechte Eingabe der 

Einsprache vom 23. Juni 2020 wird von der Beschwerdegegnerin zu Recht 

nicht bestritten.

4.1. Die Beschwerdegegnerin macht vorliegend geltend, die Einsprache vom 

23. Juni 2020 sei ungenügend begründet worden. Zu prüfen ist, ob die Be-

schwerdegegnerin somit zu Recht nicht auf die Einsprache eingetreten ist.

4.2. Art. 52 Abs. 1 ATSG stellt in formeller Hinsicht keinerlei Anforderungen an 

die Einsprache. Der Bundesrat hat allerdings in Art. 10 bis 12 der Verord-

nung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV; 

SR 830.11) Bestimmungen zu Form und Inhalt der Einsprache sowie zum 

Einspracheverfahren erlassen. Gemäss Art. 10 Abs. 1 ATSV muss die Ein-

sprache ein Rechtsbegehren und eine Begründung enthalten. Abgesehen 

von den hier nicht massgebenden Fällen von Art. 10 Abs. 2 ATSV kann die 

Einsprache laut Art. 10 Abs. 3 ATSV wahlweise schriftlich oder bei persön-

licher Vorsprache mündlich erhoben werden. Die schriftlich erhobene Ein-

sprache muss die Unterschrift der Einsprache führenden Person oder ihres 

Rechtsbeistands enthalten (Art. 10 Abs. 4 Satz 1 ATSV). Genügt die Ein-

sprache den Anforderungen nach Art. 10 Abs. 1 ATSV nicht oder fehlt die 

Unterschrift, so setzt der Versicherer eine angemessene Frist zur Behe-

bung des Mangels an und verbindet damit die Androhung, dass sonst auf 

die Einsprache nicht eingetreten wird (Art. 10 Abs. 5 ATSV). Das Einspra-

cheverfahren wird mit einem Nichteintretensentscheid abgeschlossen, 

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wenn die Eintretensvoraussetzungen nicht erfüllt sind (Urteil des Bundes-

gerichts 8C_28/2011 vom 26. Mai 2011 E.2.1).

4.3.1. Gemäss Lehre und Rechtsprechung dürfen an Einsprachen keine hohen 

formellen Voraussetzungen gestellt werden. Beim Einspracheverfahren, 

dessen Zweck u.a. darin liegt, das rechtliche Gehör zu erweitern und die 

übergeordneten Gerichte zu entlasten, handelt es sich weitestgehend um 

ein formloses Verfahren (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungs-

gerichts I 3/05 vom 17. Juni 2005 E.3.2.2 m.w.H; vgl. auch Urteil des Ver-

sicherungsgerichts des Kantons St. Gallen EL 2015/14 vom 21. September 

2016 E.3.3 m.w.H.). Die Einsprache ist zudem ein niederschwelliges 

Rechtsmittel, weshalb die formellen Anforderungen an diese geringer sein 

müssen als jene an eine Beschwerde. Anzumerken ist, dass selbst bei ei-

ner Beschwerde im Sinne von Art. 61 lit. b ATSG lediglich eine kurze Be-

gründung gefordert wird. An die Form der Einsprache dürfen aufgrund des 

Rügeprinzips nur minimale Anforderungen gestellt werden (KIESER, ATSG-

Kommentar, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 52 Rz 48 f. m.w.H.; Ent-

scheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft 725 18 64/213 vom 9. Au-

gust 2018 E.3.2 m.w.H.). Steht der Wille der Partei fest, die angefochtene 

Verfügung nicht akzeptieren zu wollen, gilt diese als insgesamt angefoch-

ten (KIESER, a.a.O., Art. 52 Rz 49 f. m.w.H.), zumal im Einspracheverfahren 

sich Inhalt und Dichte einer rechtsgenüglichen Begründung der Einsprache 

nicht pauschal, sondern nur in der Relation zur konkreten materiell-, be-

weis- und verfahrensrechtlichen Lage bestimmen lassen (GEHRING, in: 

FREY/MOSIMANN/BOLLINGER [Hrsg.], AHVG und IVG Kommentar, Schaff-

hausen/Zürich/Winterthur 2018, Art. 52 Rz 7). Rechtsanwälte sind gehal-

ten, eine Einsprache mindestens summarisch zu begründen (vgl. Ent-

scheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft 725 18 64/213 vom 9. Au-

gust 2018 E.7.1). So soll ein Arztbericht bzw. der Ausdruck des Willens, 

eine Verfügung anzufechten, den Anforderungen einer Einsprache genü-

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gen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_475/2007 vom 23. April 2008 

E.4.2). 

4.3.2. Der von der Beschwerdegegnerin eingenommene Standpunkt überzeugt 

nicht. Mit der Beschwerdeführerin ist festzuhalten, dass die Einsprache in-

nert Einsprachefrist bei der Beschwerdegegnerin eingegangen ist, was die 

Beschwerdegegnerin bestätigte. Aus den gesamten Umständen lässt sich 

überdies schliessen, dass die Beschwerdegegnerin selbst davon ausging, 

dass eine "vorsorgliche Einsprache" vorlag, die die Einsprachevorausset-

zungen von Rechtsbegehren und Begründung erfüllte, setzte sie selbst der 

Beschwerdeführerin nur eine Nachfrist an, die der Vertiefung der Begrün-

dung dienen und nicht zu einem Nichteintreten führen sollte, denn es un-

terlieb, entgegen Art. 10 Abs. 5 ATSV, die Androhung eines möglichen 

Nichteintretens. Dass es bei der angesetzten Nachfrist nicht um eine Er-

streckung der Einsprachefrist gehen konnte, bedarf angesichts der Un-

zulässigkeit der Erstreckung einer gesetzlichen Frist (Art. 40 Abs. 1 ATSG) 

keiner weiteren Ausführungen. Und dass die mit der Nachfrist eingeräumte 

Möglichkeit, die Einsprachebegründung zu vertiefen, nicht wahrgenommen 

wurde, tut der Rechtmässigkeit der erhobenen Einsprache keinen Abbruch.  

Der Wille der Beschwerdeführerin, die Verfügung vom 26. Mai 2020 anzu-

fechten, geht aus der Einsprache vom 23. Juni 2020 klar hervor, indem sie 

anbegehrt, dass ihr entgegen der Verfügung vom 26. Mai 2020 weiterhin 

Leistungen aus der Unfallversicherung auch nach Ende Mai 2020 auszu-

richten seien. Auch begründet sie ihren Antrag mit dem Hinweis auf den 

Widerspruch zwischen der Beurteilung des beratenden Arztes der Be-

schwerdegegnerin vom 20. Mai 2020 und der behandelnden Ärzte der Be-

schwerdeführerin vom 4. Mai 2020 (Beschwerdegegnerische Akten [Bg-

act.] 10, 11) und dem Antrag auf eine fachärztliche orthopädische Begut-

achtung im Falle der Beibehaltung der beschwerdegegnerischen Einschät-

zung (Bg-act. 17 S. 1 ff.). Sodann wird die Begründung untermauert mit 

dem MRI-Bericht vom 17. Juni 2020, auf welchen in der Einsprache ver-

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wiesen wird und welcher ins Recht gelegt wird (Bg-act. 17 S. 4). So kurz 

die Begründung des Antrags auf Weiterausrichtung der Leistungen gemäss 

UVG auch über Ende Mai 2020 hinaus sein mag, sie genügt den minimalen 

formellen Anforderungen an eine Einsprache, wie sie die Praxis entwickelt 

hat. Damit ist auch eine knapp begründete Einsprache eine rechtsgültige 

Einsprache.  

4.4. Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin 

gehalten gewesen wäre, auf die Einsprache vom 23. Juni 2020 einzutreten 

und die Ansprüche der Beschwerdeführerin nach UVG auch nach Ende 

Mai 2020 zu prüfen und darüber zu entscheiden. Dies wird nachzuholen 

sein. 

5. Aufgrund der vorstehenden Ausführungen erweist sich der angefochtene 

Nichteintretensentscheid vom 9. September 2020 als unrichtig, was zur 

Gutheissung der dagegen erhobenen Beschwerde unter Aufhebung des 

Nichteintretensentscheids vom 9. September 2020 und zur Rückweisung 

der Sache zum Entscheid über die unfallversicherungsrechtlichen An-

sprüche der Beschwerdeführerin auch nach Ende Mai 2020 führt. 

6. Gerichtskosten werden keine erhoben, da das Verfahren vor dem kantona-

len Versicherungsgericht – ausser bei mutwilliger oder leichtsinniger Pro-

zessführung – gemäss aArt. 61 lit. a i.V.m. Art. 83 ATSG kostenlos ist. 

7. Die obsiegende Beschwerdeführerin hat Anspruch auf einen Parteikosten-

ersatz (Art. 61 lit. g ATSG). Bei der Festsetzung dieses Parteikostenersat-

zes ist grundsätzlich auf die Honorarnote des Rechtsvertreters der Be-

schwerdeführerin vom 30. November 2020 abzustellen. Gemäss Kosten-

note macht der Rechtsanwalt eine Parteientschädigung von total 

CHF 1'781.25 für einen Aufwand von 5.45 Stunden zu einem Stundenho-

norar von CHF 300.00 geltend. Wenn keine Honorarvereinbarung einge-

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reicht wird, legt das Gericht eine allfällige aussergerichtliche Entschädi-

gung nach Ermessen fest (Art. 2 bis 4 der Verordnung über die Bemessung 

des Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte [Honorarverord-

nung, HV; BR 310.250]). Da aktenkundig keine Honorarvereinbarung mit-

eingereicht wurde, ist vorliegendenfalls der Stundenansatz gemäss verwal-

tungsgerichtlicher Praxis (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons 

Graubünden S 18 37 vom 20. August 2019 E.3.2) auf CHF 240.00 zu re-

duzieren, was einen Parteikostenersatz von CHF 1'429.10 (bestehend aus: 

Arbeits-/Zeitaufwand 5.45 Std. à CHF 240.00 [CHF 1'308.00] plus Baraus-

lagen [3 Porti à CHF 6.30=CHF 18.90] plus 7.7 % MWST [CHF 102.20]) 

ergibt. 

III. Demnach erkennt das Gericht:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Nichteintretensentscheid der 

B._____ AG vom 9. September 2020 aufgehoben und die Sache zum Ent-

scheid über die unfallversicherungsrechtlichen Ansprüche von A._____ an 

die B._____ AG zurückgewiesen.

2. Es werden keine Kosten erhoben.

3. Die B._____ AG hat A._____ einen Parteikostenersatz von CHF 1'429.10 zu 

leisten.

4. [Rechtsmittelbelehrung] 

5. [Mitteilungen]