# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5a664183-2c47-5ccd-b35f-2d66d87b29a7
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-03-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.03.2010 D-1751/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1751-2010_2010-03-29.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-1751/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 9 .  M ä r z  2 0 1 0

Einzelrichter Thomas Wespi, 
mit Zustimmung von Richter Fulvio Haefeli;
Gerichtsschreiberin Regula Frey.

A._______, geboren X._______,
Türkei,
vertreten durch Annelise Gerber,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin); 
Verfügung des BFM vom 5. März 2010 / N_______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-1751/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer, ein türkischer Staatsangehöriger, gemäss 
eigenen Angaben sein  Heimatland am 4. Juli  2009 verliess  und auf 
dem Luftweg nach B._______ gelangte,

dass  er  am 6. Juli  2009 von B._______ her  kommend illegal  in  die 
Schweiz einreiste und am 20. Juli 2009 im C._______ ein Asylgesuch 
stellte,

dass  er  am  23.  Juli  2009  im  C._______  summarisch  zu  seinen 
Asylgründen  befragt  wurde,  wobei  er  darlegte,  aufgrund  der  PKK-
Mitgliedschaft seines Vaters, Onkels und Cousins seien er und seine 
Familie  in  den neunziger  Jahren von den Behörden unterdrückt  und 
schikaniert worden,

dass der Beschwerdeführer während dieser Zeit in der Schule diskri-
miniert worden sei, weshalb er diese verlassen habe,

dass im Jahr Y._______ sogar auf ihr Haus geschossen worden sei,

dass er keinen Militärdienst habe leisten wollen, sich jedoch dem Auf-
gebot zum Militärdienst nicht habe entziehen können,

dass er sich auch der Aufforderung seines Regimentskommandanten, 
fortan für die Militärs zu arbeiten, nicht habe widersetzen können, da 
er  gewusst  habe,  was  ihm  drohen  würde,  falls  er  der  Aufforderung 
nicht nachkommen würde, 

dass viele kurdische Soldaten auf mysteriöse Weise gestorben seien, 
von  denen  behauptet  worden  sei,  sie  hätten  Selbstmord  begangen, 
was er jedoch nie geglaubt habe,

dass  er  an  einem  Treffen  der  D._______  deren  Mitglied  er  seit 
Z._______ sei und für die er seit seinem 16. oder 17. Lebensjahr tätig 
gewesen  sei,  teilgenommen  und  die  Anwesenden  um  Rat  gefragt 
habe,

dass ihm die Partei zur Flucht verholfen habe, indem sie ihm eine "Ein-
ladung" nach B._______ organisiert habe, worauf ihm ein Visum erteilt 
worden sei,

Seite 2

D-1751/2010

dass er  am 4. Juli  2009 bei seiner Ankunft  in B._______ von einem 
Landsmann empfangen worden sei, 

dass  er  diesem erklärt  habe,  psychisch  sehr  angeschlagen  zu  sein 
und dass er sowohl in E._______ wie auch in der Schweiz Brüder ha-
be, worauf ihm dieser empfohlen habe, in die Schweiz zu reisen, 

dass dem Beschwerdeführer anlässlich der summarischen Befragung 
vom 23. Juli  2009 das rechtliche Gehör  zu einer  allfälligen Wegwei-
sung nach B._______ gewährt wurde, 

dass der Beschwerdeführer erklärte, er sei psychisch stark angeschla-
gen und habe in B._______ keinerlei Angehörige, hingegen lebe in der 
Schweiz einer seiner Brüder, der ihm helfen könnte, 

dass das BFM die Behörden von B._______ am 16. Oktober 2009 um 
Rückübernahme des Beschwerdeführers ersuchte,

dass  die  Behörden  von  B._______  einer  Rückübernahme  mit 
Schreiben vom 4. Dezember 2009 zustimmten,

dass das BFM mit Verfügung vom 5. März 2010 – eröffnet am 16. März 
2010 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwer-
deführers  nicht  eintrat,  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  nach 
B._______ spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist sowie 
den Vollzug anordnete und festhielt, eine allfällige Beschwerde gegen 
diese Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung,

dass das BFM zur Begründung anführte, der Beschwerdeführer sei am 
4. Juli  2009 mit  einem von B._______ ausgestellten Schengenvisum 
nach B._______ gereist, von wo aus er auf dem Landweg zwei Tage 
später in die Schweiz gelangt sei,

dass  B._______ gestützt  auf  das  Abkommen vom 26. Oktober  2004 
zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäi-
schen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 
des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat 
oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin-Assoziierungsab-
kommen [DAA, SR 0.142.392.68]) und auf  das Übereinkommen vom 
17.  Dezember  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossen-
schaft,  der  Republik  Island  und dem Königreich  Norwegen über  die 

Seite 3

D-1751/2010

Umsetzung, Anwendung und Entwicklung des Schengen-Besitzstands 
und über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen 
Staates für die Prüfung eines in der Schweiz, in Island oder in Norwe-
gen gestellten Asylantrags (SR 0.360.598.1), für die Durchführung des 
Asylverfahrens zuständig sei, und am 4. Dezember 2009 einer Über-
nahme des Beschwerdeführers zugestimmt habe,

dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung 
(Art.  19  Abs.  3  der  Verordnung  (EG)  Nr.  343/2003  des  Rates  vom 
18. Februar 2003 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren zur Be-
stimmung des Mitgliedstaats, der für  die Prüfung eines Asylantrages 
zuständig  ist,  den  ein  Staatsangehöriger  eines  Drittlandes  in  einem 
Mitgliedstaat  gestellt  hat  [Dublin-II-Verordnung])  oder  Verlängerung 
(Art.  19  Abs.  4  Dublin-II-Verordnung)  –  bis  spätestens  zum  5.  Juni 
2010 zu erfolgen habe,

dass  dem Beschwerdeführer  am 23. Juli  2009  das  rechtliche  Gehör 
gewährt  worden  sei,  wobei  er  erklärte  habe,  er  wolle  nicht  nach 
B._______ zurückkehren, da er psychisch angeschlagen sei, indessen 
einer seiner Brüder in der Schweiz sei, der ihm helfen könne, und er in 
B._______ keine Angehörigen habe,

dass zum Aufenthalt von Familienangehörigen des Beschwerdeführers 
in  der  Schweiz festzuhalten sei,  dass die Dublin-II-Verordnung unter 
Art. 2 Bst. i  den Begriff  „Familienangehörige“ auf die Kernfamilie ein-
schränke,  wozu  lediglich  Ehegatten,  Lebenspartner  sowie  Lebens-
partnerinnen, minderjährige Kinder und – bei unverheirateten minder-
jährigen  asylsuchenden  Personen  –  der  Vater,  die  Mutter  oder  der 
Vormund gehörten,

dass somit die in der Verordnung vorgesehenen Zuständigkeitskriteri-
en bezüglich Familie vorliegend nicht anwendbar seien, da Geschwis-
ter keine Familie im Sinne der Dublin-II-Verordnung bilden würden,

dass der Vollzug der Wegweisung zulässig, zumutbar und möglich sei,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom 22.  März  2010  (Post-
stempel  und  Faxeingang)  gegen  diesen  Entscheid  beim Bundesver-
waltungsgericht  Beschwerde  erhob  und  dabei  beantragte,  auf  das 
Asylgesuch vom 20. Juli 2009 sei einzutreten, gegebenenfalls sei die 
Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen und es 
sei die Unzulässigkeit und die Unzumutbarkeit des Vollzuges der Weg-

Seite 4

D-1751/2010

weisung festzustellen und dem Beschwerdeführer die vorläufige Auf-
nahme zu gewähren,

dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht die Anordnung vorsorglicher 
Massnahmen,  gegebenenfalls  die  Gewährung  der  aufschiebenden 
Wirkung  und  die  unentgeltliche  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65 
Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwal-
tungsverfahren (VwVG, SR 172.021) beantragte, 

dass  die  Akten  der  Vorinstanz  am 23. März  2010  beim Bundesver-
waltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgül-
tig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM ent-
scheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsge-
setzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten ist  (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 
VGG und Art. 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

Seite 5

D-1751/2010

dass sich die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintretensent-
scheid  als  unrechtmässig  erachtet  – einer  selbständigen materiellen 
Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu 
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. Entscheidun-
gen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
[EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e 
AsylG) und es sich vorliegend,  wie nachfolgend aufgezeigt,  um eine 
solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl-
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), 

dass  aufgrund  der  Abklärungen  des  BFM  feststeht  und  vom  Be-
schwerdeführer auch nicht bestritten wird, dass er am 4. Juli 2009 mit 
einem Schengenvisum nach B._______ einreiste,

dass  angesichts  des  zuvor  festgestellten  Sachverhalts  und  der  ein-
schlägigen  Staatsverträge  (vgl.  DAA,  Dublin-II-Verordnung  und 
Verordnung  [EG]  Nr. 1560/2003  der  Kommission  vom  2.  September 
2003  mit  Durchführungsbestimmungen  zur  Verordnung  [EG] 
Nr. 343/2003 des Rates [Dublin-DVO]) B._______ als für die Durchfüh-
rung des Asylverfahrens zuständig zu erachten ist, 

dass B._______ der Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gemäss 
Art. 16 Abs. 1 Bst. e Dublin-II-Verordnung zugestimmt hat, 

dass keine Hinweise darauf bestehen, B._______ halte sich hinsicht-
lich  bereits  eingereister  Asylsuchender  nicht  an  die  massgebenden 
völkerrechtlichen Bestimmungen,  insbesondere  an das  Refoulement-
Verbot oder die einschlägigen Normen der Konvention vom 4. Novem-
ber  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten 
(EMRK, SR 0.101),

Seite 6

D-1751/2010

dass,  wie  nachfolgend  aufgezeigt  wird,  der  Beschwerdeführer  auch 
keine  anderen  Gründe  vorbringen  kann,  die  die  Zuständigkeit  der 
Schweiz  zur  Durchführung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens 
nach  sich  ziehen  würden  beziehungsweise  die  der  Ausreise  in  den 
Drittstaat entgegen stünden,

dass weder angesichts der Verhältnisse in B._______ noch zufolge der 
individuellen  Situation  des  Beschwerdeführers  Anlass  zur  Ausübung 
des  Selbsteintrittsrechts  im  Sinne  von  Art. 3  Abs. 2  Dublin-II-
Verordnung besteht, 

dass der Umstand, dass sich ein Bruder in der Schweiz aufhält, einer 
Rückübernahme  des  Beschwerdeführers  durch  B._______  nicht 
entgegensteht, 

dass die in der Rechtsmittelschrift angeführte Argumentation, der Be-
schwerdeführer habe nie gedacht, nach B._______ zu gehen, da sich 
seine Verwandten ja in E._______ und in der Schweiz aufhalten wür-
den, nicht  gegen eine Rückübernahme des Beschwerdeführers durch 
B._______ spricht, 

dass  gemäss  Ziffer  6  der  einleitenden  Bestimmungen  der  Dublin-II-
Verordnung die Einheit der Familie gewahrt werden muss, soweit dies 
mit den sonstigen Zielen vereinbar ist, die mit der Festlegung von Kri-
terien und Verfahren zur Bestimmung des für die Prüfung eines Asyl-
antrages zuständigen Mitgliedstaates angestrebt werden, 

dass nach Art. 2 Bst. i Dublin-II-Verordnung der Bruder des volljährigen 
Beschwerdeführers grundsätzlich nicht als Familienangehöriger zu er-
achten ist,  da darunter  lediglich der Ehegatte oder -  unter  gewissen 
Voraussetzungen -  der  nicht  verheiratete Partner des Asylbewerbers 
(vgl. Bst. i[i]) und die minderjährigen Kinder von solchen Paaren oder 
des Asylbewerbers (vgl. Bst. i [ii]) sowie der Vater, die Mutter oder der 
Vormund  eines  minderjährigen  unverheirateten  Antragssteller  (vgl. 
Bst. i [iii]) zu subsumieren sind, 

dass zwar  im Gegensatz zu vorher erwähntem Art. 2 Bst. i Dublin-II-
Verordnung bei Vorliegen besonderer Umstände, die ein Verhältnis von 
Hilfsbedürftigkeit und Abhängigkeit bewirken, der Begriff der Familien-
angehörigen gemäss Art. 8 EMRK auch weitere Angehörige umfassen 
kann  (wie  beispielsweise  die  Beziehung  zwischen  Eltern  und  ihrem 

Seite 7

D-1751/2010

volljährigen behinderten Kind), sofern eine nahe, echte und tatsächlich 
gelebte Beziehung besteht, 

dass ein solches Abhängigkeitsverhältnis vorliegend jedoch zu vernei-
nen ist, da weder die vom Beschwerdeführer bis dato nicht belegten 
gesundheitlichen  Probleme  (psychische  Schwierigkeiten)  noch  sonst 
Anhaltspunkte  dafür  vorliegen,  der  volljährige  Beschwerdeführer  sei 
zwingend  auf  die  persönliche  Hilfe  seines  in  der  Schweiz  lebenden 
Bruders angewiesen respektive seine Fähigkeit, selbständig zu leben, 
hänge in entscheidendem Masse von dessen Betreuung ab,

dass der Umstand, wonach der Beschwerdeführer in B._______ kein 
Asylgesuch  stellte  und  sich  dort  eigenen  Angaben  zufolge  lediglich 
einen Tag lang aufgehalten habe,  nicht  gegen die Zuständigkeit  von 
B._______ spricht,

dass allfällige psychische Schwierigkeiten auch in B._______ behan-
delt werden können,

dass die Ausführungen in der Beschwerde, wonach die Beziehung zwi-
schen  B._______  und  der  Türkei  im  jetzigen  Zeitpunkt  sehr  ange-
spannt sei, da das Parlament von B._______ am W._______ die Mas-
saker der Türkei an Armeniern und anderen christlichen Minderheiten 
als Völkermord bezeichnet habe, am vorinstanzlichen Entscheid nichts 
zu ändern vermögen, zumal  nicht  aufgezeigt  wird,  inwiefern der Be-
schwerdeführer  persönlich  konkret  von  Benachteiligungen  betroffen 
sein  könnte,  beziehungsweise  inwiefern  sich  daraus  ableiten  liesse, 
B._______ würde sich nicht an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen 
halten,

dass in  der Beschwerde auch sonst  nichts  Stichhaltiges geltend ge-
macht wird, was allenfalls zu einer anderen Beurteilung führen könnte, 
da die auf Beschwerdeebene nochmals dargelegten Asylgründe in der 
Schweiz im Rahmen des Asylverfahrens in B._______, welcher Staat – 
wie  dargelegt  –  staatsvertraglich  dafür  zuständig  ist,  zu  prüfen sein 
werden,

dass das BFM demzufolge zu Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 
Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, 

dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein 
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge 

Seite 8

D-1751/2010

hat  (Art. 44  Abs. 1 AsylG),  vorliegend der  Kanton keine Aufenthalts-
bewilligung  erteilt  hat  und  zudem kein  Anspruch auf  Erteilung einer 
solchen besteht (vgl. EMARK 2001 Nr. 21), weshalb die verfügte Weg-
weisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und 
demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde,

dass im Rahmen des Dublin-Verfahrens, bei dem es sich um ein Über-
stellungsverfahren in den für die Prüfung des Asylgesuches zuständi-
gen Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum bleibt  für  Ersatzmass-
nahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer [AuG, SR 142.20]), 

dass eine entsprechende Prüfung soweit  notwendig vielmehr  bereits 
im Rahmen des Dublin-Verfahrens stattfinden muss (vgl. vorgehende 
Erwägungen),

dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung 
nach B._______ zu Recht als zulässig und möglich bezeichnete,

dass es sich erübrigt, auf die weiteren Vorbringen in der Beschwerde 
zum Wegweisungsvollzug einzugehen, da diese an der Würdigung des 
vorliegenden Sachverhalts nichts zu ändern vermögen,

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist, 

dass mit dem vorliegenden Entscheid in der Hauptsache das Gesuch 
um  Anordnung  vorsorglicher  Massnahmen  beziehungsweise  um 
Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  gegen-
standslos wird,

dass  mit  vorliegendem  Direktentscheid  ohne  vorgängige  Instruktion 
auch  das  Gesuch  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvor-
schusses ebenfalls gegenstandslos geworden ist,

dass  schliesslich  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG ungeachtet einer allfälligen 
Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  abzuweisen  ist,  da  die 

Seite 9

D-1751/2010

Beschwerdebegehren  nach  dem  Gesagten  als  aussichtslos  zu  be-
zeichnen sind,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.-- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 
und 5 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 10

D-1751/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss 
Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers  (Einschreiben;  Bei-
lage: Einzahlungsschein)

- das  BFM,  Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N_______ 
(per Kurier; in Kopie)

- F._______ (in Kopie)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Thomas Wespi Regula Frey

Versand: 

Seite 11