# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e104a364-7106-5f46-8814-9ac79c27a74c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2007-05-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.05.2007 D-52/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-52-2007_2007-05-08.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-52/2007
law/rep
{T 0/2}

Urteil vom 8. Mai 2007

Mitwirkung: Richter Walter Lang, Thomas Wespi, Gérald Bovier
Gerichtsschreiber Philipp Reimann

A._______, geboren (...), Äthiopien,
vertreten durch B._______

Beschwerdeführer

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,

Vorinstanz

betreffend

Nichteintretensverfügung vom 1. Dezember 2006 auf Wiedererwägungsgesuch

(...)

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  das  damalige  Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF:  heute  Bundesamt  für  Migration 
[BFM])  mit  Verfügung vom 8.  März  2001 feststellte,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die 
Flüchtlingseigenschaft nicht, sein Asylgesuch vom 11. Mai 2000 ablehnte, die Wegwei-
sung aus der Schweiz verfügte und deren Vollzug anordnete,

dass die damals zuständige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) eine gegen 
diese Verfügung am 9. April 2001 eingereichte Beschwerde mit Urteil vom 1. April 2004 
abwies,

dass der Beschwerdeführer am 13. November 2006 durch seine Rechtsvertreterin beim 
BFM eine als  "Wiedererwägungsgesuch" betitelte  Eingabe einreichen und beantragen 
liess, die Verfügung des Bundesamtes vom 8. März 2001 sei in Wiedererwägung zu zie-
hen, es sei die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers neu festzustellen und es 
sei (eventuell) die Unzulässigkeit und die Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung 
festzustellen und als Folge davon für den Beschwerdeführer  die vorläufige Aufnahme 
anzuordnen,

dass das BFM mit Verfügung vom 1. Dezember 2006 auf das - als solches behandelte - 
Wiedererwägungsgesuch nicht eintrat, die Verfügung vom 8. März 2001 als rechtskräftig 
und vollstreckbar erklärte und feststellte, einer allfälligen Beschwerde komme keine auf-
schiebende Wirkung zu,

dass der Beschwerdeführer am 3. Januar 2007 beim Bundesverwaltungsgericht durch 
seine Rechtsvertreterin Beschwerde gegen diese Verfügung einreichen und beantragen 
liess, es sei der negative Einscheid des BFM vom 1. Dezember 2006 aufzuheben, es sei 
auf  das  Wiedererwägungsgesuch  einzutreten  und  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Be-
schwerdeführers festzustellen,  es sei  (eventuell)  die Unzulässigkeit  und die Unzumut-
barkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und als Folge sei der Beschwerde-
führer vorläufig aufzunehmen,

dass er ferner in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragen liess, es sei die aufschieben-
de Wirkung der Beschwerde wiederherzustellen, und es sei die unentgeltliche Rechts-
pflege zu gewähren,

dass das Bundesverwaltungsgericht mit  Zwischenverfügung vom 7. Februar 2007 den 
Vollzug der Wegweisung aussetzte, dem Beschwerdeführer mitteilte, er könne den Aus-
gang des Verfahrens in der Schweiz abwarten, auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses verzichtete und die Beschwerde dem BFM zur Vernehmlassung zustellte,

dass das BFM in seiner Vernehmlassung vom 16. Februar 2007 die Abweisung der Be-
schwerde beantragte,

dass die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers am 30. März 2007 auf eine entspre-
chende Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 15. März 2007 hin eine 
Replik sowie eine Kostennote einreichte,

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und zieht in Erwägung,

dass das  Bundesverwaltungsgericht  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen 
(Art.  5  des Bundesgesetzes vom 20.  Dezember  1968 über  das Verwaltungsverfahren 
[VwVG, SR 172.021])  des BFM entscheidet  (Art.  105 des Asylgesetzes vom 26.  Juni 
1998  [AsylG,  SR  142.31]  i.V.m.  Art.  31  -  34  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Verletzung  von  Bundes-
recht, die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden kann (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten ist (Art. 6 AsylG 
i.V.m. Art. 50 ff. VwVG),

dass ein Anspruch auf Wiedererwägung namentlich dann besteht, wenn sich der rechts-
erhebliche Sachverhalt seit dem ursprünglichen Entscheid beziehungsweise - was vor-
liegend  von  Interesse  ist  -  seit  dem  Urteil  der  mit  Beschwerde  angerufenen 
Rechtsmittelinstanz (vgl. EMARK 1995 Nr. 21 E. 1c S. 204) in wesentlicher Weise ver-
ändert hat und mithin die ursprüngliche (fehlerfreie) Verfügung an nachträglich eingetre-
tene Veränderungen der Sachlage anzupassen ist (vgl. EMARK 2003 Nr. 7 E. 1 S. 42 
f.),

dass Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG als lex specialis (vgl. EMARK 1998 Nr. 1 E. 6b S. 11 f., 
welches Urteil die Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG vorausgegangene Bestimmung von Art. 16 
Abs. 1 Bst. d AsylG in der Fassung gemäss Ziff. 1 des BB vom 22. Juni 1990 über das 
Asylverfahren  betraf)  gleichzeitig  besagt,  dass  auf  ein  Asylgesuch  nicht  eingetreten 
wird, wenn Asylsuchende in der Schweiz bereits ein Asylverfahren erfolglos durchlaufen 
oder ihr Gesuch zurückgezogen haben oder während des hängigen Asylverfahrens in 
den Heimat- oder Herkunftsstaat zurückgekehrt sind, ausser die Anhörung ergebe Hin-
weise, dass in der Zwischenzeit Ereignisse eingetreten sind, die für die Begründung der 
Flüchtlingseigenschaft geeignet oder für die Gewährung vorübergehenden Schutzes re-
levant sind,

dass gemäss Praxis im Nachgang zu einem erfolglos durchlaufenen Asylverfahren ein-
gereichte Gesuche um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft,  in denen keine Revisi-
onsgründe geltend gemacht werden, ungeachtet ihrer Bezeichnung nach Art. 32 Abs. 2 
Bst. e AsylG zu behandeln sind (vgl. EMARK 1998 Nr. 1 E. 6 S. 10 ff.),

dass  die  erste  Variante  des  erfolglosen  Durchlaufens  eines  Asylverfahrens  in  der 
Schweiz nicht mehr und nicht weniger bedeutet, als dass in einem ersten Asylverfahren 
rechtskräftig festgestellt oder implizit davon ausgegangen worden ist, dass der Gesuch-
steller nicht Flüchtling ist (vgl. EMARK 1998 Nr. 1 E. 5 S. 5 ff.),

dass im vorliegenden Fall  durch Urteil der ARK vom 1. April 2004 im Rahmen des vom 
Beschwerdeführer  mit  Gesuch  vom 11.  Mai  2000  eingeleiteten  ersten  Asylverfahrens 
das Fehlen der Flüchtlingseigenschaft rechtskräftig festgestellt wurde,

dass der Beschwerdeführer in der dem BFM unterbreiteten und als "Wiedererwägungs-
gesuch" betitelten Eingabe vom 13. November 2006 durch seine Rechtsvertreterin er-
neut den expliziten Antrag stellen liess, es sei die Flüchtlingseigenschaft des Beschwer-

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deführers neu festzustellen,

dass der Beschwerdeführer im Rahmen des vorliegenden Verfahrens begründete Furcht 
vor einer Bestrafung wegen Dienstverweigerung in Eritrea (vgl. hierzu EMARK 2006 Nr. 
3 S. 29 ff.) geltend macht,

dass er damit hinlänglich zum Ausdruck gebracht hat, dass er - nach erfolglos durchlau-
fenem erstem Asylverfahren - erneut um Schutz vor Verfolgung ersucht, weshalb seine 
Eingabe vom 13. November 2006 ungeachtet ihrer Bezeichnung als "Wiedererwägungs-
gesuch" ohne Weiteres unter den Begriff  "Asylgesuch" im Sinne von Art.  18 AsylG zu 
subsumieren ist,

dass die ans BFM gerichtete Eingabe des Beschwerdeführers vom 13. November 2006 
somit nicht ein Wiedererwägungsgesuch, sondern ein neues Asylgesuch darstellt,  wel-
ches vom BFM als solches unter dem Aspekt von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG zu prüfen 
gewesen wäre (vgl. EMARK 2006 Nr. 20 E. 2.3. S. 214),

dass die angefochtene Verfügung demnach Verfahrensvorschriften missachtet und da-
mit Bundesrecht verletzt,

dass sich die Frage stellt, ob dies eine Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die 
Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung an das BFM zur Folge hat oder ob der Ver-
fahrensmangel ausnahmsweise als durch das vorliegende Beschwerdeverfahren geheilt 
betrachtet werden kann,

dass vorliegend bereits in der Zwischenverfügung vom 7. Februar 2007 auf die vorste-
hend  dargestellte  Rechtslage  hingewiesen  wurde und das  BFM in  der  Einladung  zur 
Vernehmlassung ausdrücklich auf die Erwägungen in jener Verfügung aufmerksam ge-
macht wurde,

dass das BFM in seiner Vernehmlassung auf die in der Zwischenverfügung vom 7. Feb-
ruar 2007 enthaltenen Erwägungen mit keinem Wort eingegangen ist,

dass unter diesen Umständen nicht davon ausgegangen werden kann, das BFM habe 
die Eingabe vom 13. November 2006 versehentlich als Wiedererwägungsgesuch behan-
delt,  sondern vielmehr  angenommen werden muss,  dieses nehme die Verletzung von 
Verfahrensvorschriften im vorliegenden Fall in Kauf,

dass unter diesen Umständen der festgestellte Verfahrensmangel von vornherein nicht 
als  durch das vorliegende Beschwerdeverfahren  geheilt  betrachtet  werden kann,  weil 
andernfalls ein Präjudiz geschaffen würde, welches das BFM künftig gleichsam von ei-
ner sorgfältigen Verfahrensführung entbinden würde,

dass die Beschwerde demnach gutzuheissen, die angefochtene Verfügung vom 1. De-
zember 2006 aufzuheben und die Sache an das BFM zur Neubeurteilung zurückzuwei-
sen ist,

dass bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens keine Verfahrenskosten aufzuer-
legen sind (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG), womit das Gesuch um Gewährung der unentgelt-
lichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gegenstandslos wird,

dass obsiegende Parteien Anspruch auf eine Parteientschädigung für die ihnen erwach-
senen notwendigen Kosten haben (Art.  7 Abs.  1 des Reglements vom 11.  Dezember 
2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 
SR 173.320.2]),

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dass die dem Bundesverwaltungsgericht  von der Rechtsvertreterin am 30.  März 2007 
zugesandte Kostennote Arbeitsleistungen im Umfange von 6 ½ Stunden (Fr. 650.--) im 
Zusammenhang mit  dem erstinstanzlichen Verfahren aufführt,  welche im Rahmen des 
vorliegenden  Beschwerdeverfahrens  nicht  berücksichtigt  beziehungsweise entschädigt 
werden können,

dass dem Beschwerdeführer somit aufgrund der im Übrigen unter Berücksichtigung aller 
massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) als angemessen erscheinen-
den  Kostennote  eine  von  der  Vorinstanz  zu  entrichtende  Parteientschädigung  von 
Fr. 650.-- zuzusprechen ist.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2. Die Verfügung des BFM vom 1. Dezember 2006 wird aufgehoben und die Sache 
an die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückgewiesen.

3. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4. Das  BFM  wird  angewiesen,  dem Beschwerdeführer  für  das  Verfahren  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung im Betrage von Fr. 650.-- zu 
entrichten.

5. Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers, 2 Expl. (eingeschrieben) 

- die  Vorinstanz,  Abteilung  Aufenthalt  und  Rückkehrförderung,  mit  den  Akten 
(...) zur Wiederaufnahme des Verfahrens

- ...

Der Richter: Der Gerichtsschreiber:

Walter Lang Philipp Reimann

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