# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a482247b-6d19-5c18-9a2c-dd4361b3ce67
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-10
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 10.11.2023 SST.2023.2
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2023-2_2023-11-10.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2023.2 
(ST.2021.227; StA.2021.3907) 

 

 

Urteil vom 10. November 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichterin Vasvary  

Ersatzrichterin Jacober  

Gerichtsschreiber Fehlmann        

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Baden, 

Mellingerstrasse 207, 5405 Dättwil AG  

 

    
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.1992, von Afghanistan, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Markus Häfliger,  

[…] 

 

  

 
 

Gegenstand  Versuchte schwere Körperverletzung 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft Baden erhob am 22. November 2021 Anklage 

gegen den Beschuldigten wegen versuchter vorsätzlicher Tötung sowie 

mehrfacher Drohung. 

 

2. 

Das Bezirksgericht Baden stellte mit Urteil vom 12. Juli 2022 das Verfahren 

hinsichtlich des Vorwurfs der mehrfachen Drohung mangels Strafantrags 

ein, sprach den Beschuldigten wegen versuchter schwerer Körper-

verletzung schuldig und verurteilte ihn zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe 

von 3 Jahren bei einem vollziehbaren sowie einem bedingten Anteil von je 

18 Monaten. Es verwies ihn für die Dauer von 8 Jahren des Landes, 

auferlegte ihm ein Kontakt- sowie Annäherungsverbot, entschied über den 

beschlagnahmten Gegenstand und verwies die Zivilklage auf den Zivilweg. 

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 23. Dezember 2022 beantragte der 

Beschuldigte einen Schuldspruch wegen einfacher Körperverletzung, eine 

Verurteilung zu einer bedingten Geldstrafe von 100 Tagessätzen und den 

Verzicht auf eine Landesverweisung. 

 

3.2. 

Mit vorgängig zur Berufungsverhandlung eingereichter Berufungs-

begründung vom 27. Februar 2023 beantragte der Beschuldigte weiterhin 

als Hauptantrag eine Geldstrafe und neu eventualiter eine bedingte 

Freiheitsstrafe von 22 Monaten. 

 

3.3. 

Mit Berufungsantwort vom 1. März 2023 beantragte die Staatsanwaltschaft 

die Abweisung der Berufung. 

 

3.4. 

Die Berufungsverhandlung mit Einvernahme von B._____ als 

Auskunftsperson, C._____ als Zeugin und des Beschuldigten fand am 

10. November 2023 statt. Der Beschuldigte beantragte neu subeventualiter 

bei einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren den unbedingt zu vollziehenden 

Anteil auf 12 Monate festzusetzen. 

  

 - 3 - 

 

 

   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Berufung richtet sich gegen die Qualifikation der Tatbegehung als 

versuchte schwere Körperverletzung statt als einfache Körperverletzung 

und damit einhergehend die Strafzumessung und die Landesverweisung. 

Im Übrigen ist das Urteil der Vorinstanz unangefochten geblieben. Eine 

Überprüfung dieser unbestrittenen Punkte findet somit grundsätzlich nicht 

statt (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

 

2. 

2.1. 

Wer vorsätzlich einen Menschen lebensgefährlich verletzt, macht sich der 

schweren Körperverletzung schuldig (Art. 122 Abs. 1 StGB [in der 

vorliegend im Tatzeitpunkt geltenden Fassung]). Eine lebensgefährliche 

Körperverletzung im Sinne dieser Bestimmung darf nur angenommen 

werden, wenn die Verletzung zu einem Zustand geführt hat, in dem sich die 

Möglichkeit des Todes dermassen verdichtet hat, dass sie zur ernstlichen 

und dringlichen Wahrscheinlichkeit wurde, was aber nicht bedeutet, dass 

die Lebensgefahr notwendigerweise eine zeitlich unmittelbare, akute sein 

muss. Massgebend ist vielmehr die erhebliche Wahrscheinlichkeit des 

tödlichen Verlaufs (BGE 131 IV 1 E. 1.1; Urteil des Bundesgerichts 

6B_953/2013 vom 17. März 2014 E. 1.1). 

 

Wer vorsätzlich einen Menschen in anderer als schwerer Weise an Körper 

oder Gesundheit schädigt und dabei einen gefährlichen Gegenstand 

gebraucht, macht sich der qualifiziert einfachen Körperverletzung schuldig 

(Art. 123 Ziff. 2 Abs. 1 StGB). Ob ein Gegenstand gefährlich ist, hängt von 

der konkreten Art seiner Verwendung ab. Ein Gegenstand ist gefährlich, 

wenn er so verwendet wird, dass die Gefahr einer schweren Körper-

verletzung gemäss Art. 122 StGB besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_617/2019 vom 14. November 2019 E. 1.3.2). 

 

Strafbar ist auch der Versuch (Art. 22 StGB). Ein Versuch liegt vor, wenn 

der Täter, nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder 

Vergehens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende führt oder 

der Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt oder nicht eintreten 

kann. Beim Versuch erfüllt der Täter sämtliche subjektiven Tatbestands-

merkmale und manifestiert seine Tatentschlossenheit, ohne dass alle 

objektiven Tatbestandsmerkmale verwirklicht sind (BGE 140 IV 150; Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1159/2018 vom 18. September 2019 E. 2.2.2, 

nicht publ. in: BGE 145 IV 424; je mit Hinweisen). 

 

Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen 

und Willen ausführt. Vorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der 

Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB; vgl. BGE 

 - 4 - 

 

 

147 IV 439 E. 7.3.1; BGE 137 IV 1 E. 4.2.3; BGE 133 IV 9 E. 4.1). Die 

Abgrenzung zwischen einer vorsätzlichen einfachen Körperverletzung mit 

einem gefährlichen Gegenstand, bei welcher aufgrund der Verwendung 

des Gegenstands die Gefahr einer schweren Körperverletzung besteht, zu 

einer eventualvorsätzlichen schweren Körperverletzung kann im Einzelfall 

schwierig sein. 

 

2.2. 

2.2.1. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und unbestritten geblieben, dass es am 

1. Juni 2021 zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen dem 

Beschuldigten und B._____, dem damaligen Freund seiner Ex-Freundin, 

gekommen ist und B._____ mitunter Stich- und Schnittverletzungen an der 

linken Handfläche erlitten hat. 

 

Wie genau es zu diesen Verletzungen gekommen ist, wie der genaue 

Tatablauf gewesen ist und insbesondere ob es zu eigentlichen 

Stichbewegungen gegen B._____ gekommen ist, ist umstritten. 

 

2.2.2. 

Vorab ist festzuhalten, dass sich der Beschuldigte ohne Messer zur 

Wohnung seiner Ex-Freundin C._____ begeben hatte. Es ist deshalb 

auszuschliessen, dass er B._____ von Anfang mit einem Messer hat 

attackieren wollen. Das Messer hat er vielmehr erst ergriffen, nachdem sich 

das Handgemenge vom Treppenhaus in die Wohnung verschoben hatte, 

wobei der genaue zeitliche Ablauf aufgrund der unterschiedlichen 

Schilderungen zum Teil im Dunkeln bleibt. Das Wissen um die 

Gefährlichkeit eines Messers mit einer Klingenlänge 18 cm ist offensichtlich 

und muss nicht weiter begründet werden. Beim Schluss auf den Willen ist 

aber zu beachten, dass gestützt auf den erstellbaren Sachverhalt die 

Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung, nämlich das 

Einstechen in den Oberkörper bzw. einen besonders gefährlichen Bereich 

nicht sehr gross war. Dies deshalb, weil B._____ gestützt auf seine 

tatnahen Aussagen beinahe zeitgleich mit dem Ergreifen des Messers 

durch den Beschuldigten hat intervenieren können. Denn B._____ habe, 

als der Beschuldigte – wie er es zuvor gesagt hatte – ein freiliegendes 

Messer in der Küche habe behändigen wollen, versucht, diesen zu 

blockieren, was ihm nicht gelungen sei. Der Beschuldigte habe sodann 

versucht, mit dem Messer in seiner rechten Hand auf ihn einzustechen, was 

er zweimal habe abwehren bzw. blockieren können. Dank dieser 

Blockierung habe der Beschuldigte keine Schwungbewegung ausführen 

können. Nachdem B._____ zwischenzeitlich auf den Boden gefallen sei, 

habe er seine Hand auf Kopfhöhe gehalten, wobei der Beschuldigte ihn an 

der linken Hand verletzt habe (vgl. Untersuchungsakten [UA] act. 274, 

276). Dabei blieb er im Wesentlichen auch in der zweiten delegierten 

Einvernahme vom 13. Juli 2021 (UA act. 282 ff.) sowie vor Obergericht 

 - 5 - 

 

 

(Protokoll der Berufungsverhandlung [Protokoll], S. 4 f., 8 f.). Ob es, 

nachdem B._____ ausgerutscht bzw. gestolpert sei, zu einem weiteren 

Versuch des Beschuldigten gekommen ist, gegen den nun am Boden 

sitzenden B._____ einzustechen – wie B._____ in den ersten beiden 

Einvernahmen ausgesagt hat –, oder ob er direkt – wie er es vor 

Obergericht ausgesagt hat – weggegangen sei, ist vorliegend nicht 

entscheidend. Denn nach Aussage von B._____ ist es ihm jeweils 

gelungen, den Beschuldigten so früh zu blockieren, dass der Beschuldigte 

gar keine Schwung- oder Stichbewegung hat ausführen können. So führte 

er explizit aus, dass der Beschuldigte zwar probiert habe, 

Stichbewegungen zu machen, er ihm den Arm aber habe zurückhalten 

können, bzw. er den Beschuldigten vor Stichbewegungen habe abfangen 

können (insbesondere Protokoll, S. 4 f.; vgl. bereits UA act. 289, wonach 

«keine aktive Bewegung mit dem Messer» in seine Richtung erfolgt sei). 

Anlässlich der Berufungsverhandlung zeigte B._____ bildlich, wie er als 

Linkshänder den nach oben gestreckten Arm des Beschuldigten am 

Handgelenk gehalten habe. Mithin lassen sich gestützt auf die Aussagen 

von B._____ sowie seine bildliche Darstellung keine eigentlichen Stich-

bewegungen gegen den Oberkörper oder allgemein gegen B._____, die 

über ein Heben des Arms hinausgegangen sind, erstellen. Dies lässt sich 

auch mit dem Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der D._____ AG 

vom 19. Juli 2021 (UA act. 361 ff.) in Übereinstimmung bringen, wonach 

B._____ mitunter drei (Abwehr-)Verletzungen infolge scharfer Gewalt wie 

durch ein Messer an der linken Handfläche aufgewiesen hat, nämlich 

daumenseitig eine tangentiale Stichwunde sowie kleinfingerseitig zwei 

tangentiale Schnitt- bzw. Stichwunden. 

 

Die Aussagen von C._____, der Ex-Freundin des Beschuldigten und 

Ehefrau von B._____, erweisen sich als nicht sehr konstant (beispielsweise 

in zeitlicher Hinsicht: Protokoll, S. 14 ff.), stimmen aber zum Teil im 

Grundsatz mit den vorstehenden Aussagen von B._____ überein (vgl. UA 

act. 321), während sich im Übrigen aus ihren Aussagen zweifelsfrei ergibt, 

dass der Beschuldigte mit dem behändigten Messer B._____ verletzt hat. 

Zuletzt lassen sich auch den Aussagen des Beschuldigten keine 

Stichbewegungen gegen B._____ entnehmen. 

 

Auch sonst liegen keine weiteren Umstände vor, die auf einen 

Eventualvorsatz hinsichtlich einer schweren Körperverletzung oder gar 

einer Tötung schliessen lassen. Der Beschuldigte wurde bereits so früh von 

B._____ am Handgelenk gepackt, so dass es zu keiner Stichbewegung 

gegen B._____ oder dessen Oberkörper oder eine andere empfindliche 

Stelle gekommen ist, bei welcher der Beschuldigte das ihm bekannte Risiko 

nicht mehr hätte kalkulieren oder dosieren können. Es ist auch im Gegenteil 

gerade nicht so, dass B._____ keine Abwehrchancen mehr gehabt hätte. 

Schliesslich spricht auch der Umstand, dass sich B._____ hat entfernen 

 - 6 - 

 

 

können und der Beschuldigte ihm – ohne Messer – nachgerannt ist, 

ebenfalls gegen einen Eventualvorsatz auf eine schwere Körperverletzung. 

 

Der vorliegende Fall unterscheidet sich denn auch wesentlich von jenen 

Fällen, in denen es im Rahmen einer dynamischen und aggressiven 

Auseinandersetzung bereits zu eigentlichen Stichverletzungen gekommen 

ist, wodurch ein hohes Risiko einer tödlichen Verletzung geschaffen wird, 

und das Bundesgericht regelmässig eine versuchte eventualvorsätzliche 

Tötung angenommen hat. 

 

B._____ erlitt neben den erwähnten Schnitt- bzw. Stichwunden infolge 

stumpfer Gewalt fleckenförmig akzentuierte Blutergüsse am linken 

Scheitel, der ihm Schmerzen verursacht hat (UA act. 366), sowie entlang 

des linken Unterkieferasts, schwach durchschimmernde Blutergüsse an 

der linken Wange und streifenförmige Hautabschürfungen an der rechten 

Wange, im Bereich des linken Mundwinkels sowie am rechten Handgelenk 

(UA act. 361 ff.). Bei den erlittenen Verletzungen handelt es sich, auch 

wenn sie nicht gravierend waren, angesichts des nicht unbedeutenden 

Angriffs auf den Körper von B._____ um eine einfache Körperverletzung. 

Der Beschuldigte hat durch die Verwendung eines gefährlichen 

Gegenstands den objektiven und subjektiven Tatbestand der qualifizierten 

einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 2 StGB erfüllt. 

 

3. 

3.1. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 

144 IV 217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit 

Hinweisen). Darauf kann verwiesen werden. 

 

3.2. 

Ausgangspunkt für die Bestimmung des Verschuldens ist die Schwere der 

Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 

StGB). Der Tatbestand der (qualifizierten) einfachen Körperverletzung 

schützt sowohl die körperliche Integrität als auch die psychische 

Gesundheit (BGE 134 IV 189 E. 1.4). 

 

Der Beschuldigte hat am 1. Juni 2021 um ca. 6:00 Uhr mit einem Messer 

B._____ mitunter mehrere Stich- bzw. Schnittwunden an der linken Hand 

zugefügt. B._____ liess seine Verletzungen im Spital H._____ versorgen. 

Unter Berücksichtigung des breiten Spektrums möglicher Verletzungen 

und Verletzungsfolgen im Rahmen des Tatbestands der (qualifizierten) 

einfachen Körperverletzung ist von einem knapp noch leichten Taterfolg 

auszugehen. 

 

 - 7 - 

 

 

Da die qualifizierte einfache Körperverletzung im Vergleich zum 

Grundtatbestand keinen höheren Strafrahmen vorsieht, ist der Einsatz des 

Messers innerhalb des ordentlichen Strafrahmens als verschuldens-

erhöhender Faktor zu berücksichtigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_1193/2021 vom 7. März 2023 E. 5.4.4). Durch den Einsatz des 

Messers wurde B._____ verletzt, jedoch keinem schlimmeren 

Verletzungsrisiko ausgesetzt, da B._____ das Handgelenk des 

Beschuldigten hat halten bzw. packen können. Dass B._____ nicht 

schwerer verletzt worden ist, wie dies beim vom Beschuldigten benutzten 

Messer mit einer Klingenlänge von 18 cm (vgl. UA act. 354) ohne Weiteres 

hätte der Fall sein können, ist jedoch nicht einem bewussten Entscheid des 

Beschuldigten zuzuschreiben, sondern ist allein dem schnellen, 

unterbindenden Verhalten von B._____ zu verdanken. Die Art und Weise 

der Tatbegehung und damit einhergehend die Verwerflichkeit des 

Handelns wirkt sich vorliegend bei einer Verwendung eines Messers 

erheblich verschuldenserhöhend aus. 

 

Der Beschuldigte war mit B._____, dem damaligen Freund seiner Ex-

Freundin, in eine tätliche Auseinandersetzung verwickelt, in deren Verlauf 

er ein Messer behändigte. Der Beschuldigte dürfte daher – auch angesichts 

seiner elektronischen Nachrichten an seine Ex-Freundin (vgl. UA 

act. 259 ff.) – aus Eifersucht oder Missgunst gehandelt haben. Jedenfalls 

ändert dies nichts daran, dass der Beschuldigte über ein erhebliches Mass 

an Entscheidungsfreiheit verfügte. Mithin hat kein Grund dafür bestanden, 

im Rahmen der bereits tätlichen Auseinandersetzung auch noch ein 

Messer zu ergreifen. Je leichter es aber für ihn gewesen wäre, die 

körperliche Integrität von B._____ zu respektieren, desto schwerer wiegt 

die Entscheidung dagegen und damit das Verschulden (vgl. BGE 

127 IV 101 E. 2a; BGE 117 IV 112 E. 1 S. 114; Urteil des Bundesgerichts 

6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3). 

 

Insgesamt ist in Relation zum Strafrahmen von bis zu drei Jahren 

Freiheitsstrafe und unter Berücksichtigung der davon erfassten 

Verletzungsfolgen und Handlungsweisen von einem nicht mehr leichten bis 

mittelschweren Verschulden und einer dafür angemessenen Geldstrafe 

von 180 Tagessätzen sowie einer Verbindungsbusse (siehe nachstehend) 

als in ihrer Gesamtheit angemessene Sanktion auszugehen. 

 

3.3. 

Hinsichtlich der Täterkomponente ergibt sich Folgendes: 

 

Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft, was allerdings den Normalfall 

darstellt und deshalb neutral zu beurteilen ist (BGE 136 IV 1). 

  

 - 8 - 

 

 

Wer wie der Beschuldigte nicht geständig ist und vielmehr B._____ 

(zumindest) eine Mitverantwortung anzulasten versucht, kann hinsichtlich 

des begangenen Unrechts auch nicht nachhaltig einsichtig und aufrichtig 

reuig sein. Mehr als eine blosse Tatfolgenreue ist beim Beschuldigten denn 

auch nicht erkennbar. Eine erhebliche Strafminderung, wie sie bei einem 

von Anfang an geständigen und einsichtigen Straftäter möglich ist, kommt 

vorliegend somit nicht in Frage. 

 

Aus den persönlichen und familiären Verhältnissen des Beschuldigten 

ergeben sich keine für die Strafzumessung relevante Faktoren. Er ist 

verheiratet, hat vier Kinder und ist arbeitstätig. Seine Strafempfindlichkeit 

erscheint – erst recht bei Ausfällung einer (bedingten) Geldstrafe – nur 

durchschnittlich. 

 

Die Täterkomponente wirkt sich neutral aus. 

 

3.4. 

Die Höhe des Tagessatzes ist gemäss Art. 34 Abs. 2 StGB nach den 

persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt 

des Urteils zu bemessen, insbesondere nach dem Einkommen, dem 

Vermögen, dem Lebensaufwand, allfälligen Familien- und Unterstützungs-

pflichten sowie dem Existenzminimum. Das Bundesgericht hat die Kriterien 

für die Bemessung der Geldstrafe dargelegt (BGE 142 IV 315 E. 5; BGE 

135 IV 180 E. 1.4; BGE 134 IV 60 E. 5 f.). Darauf kann verwiesen werden. 

 

Ausgehend von einem durchschnittlichen Nettoeinkommen des 

Beschuldigten von rund Fr. 3'400.00 plus 13. Monatslohn und einer 

unregelmässigen Erwerbstätigkeit an den Wochenenden bei einem 

Stundenlohn von Fr. 20.00 (vgl. Protokoll, S. 21), einem allgemeinen Abzug 

in Höhe von 20 % für Krankenkasse, Steuern und notwendige Berufskosten 

und unter Berücksichtigung eines Unterstützungsabzugs für die Ehefrau, 

die zu arbeiten beabsichtigt, samt den Kindern sowie eines Abzugs wegen 

der hohen Anzahl Tagessätze (vgl. BGE 134 IV 60 E. 6.5.2), ergibt sich ein 

Tagessatz von gerundet Fr. 60.00. 

 

3.5. 

Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe in der Regel auf, wenn 

eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der 

Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 

StGB). Der Beschuldigte weist keine Vorstrafen auf. Er lebt in stabilen 

Verhältnissen (siehe vorstehend). Es ist davon auszugehen, dass ihm das 

vorliegende Verfahren und die auszusprechende Verbindungsbusse (siehe 

nachstehend) Warnung genug sind. Ihm ist deshalb der bedingte 

Strafvollzug zu gewähren. Die Probezeit ist auf das gesetzliche Minimum 

von 2 Jahren festzusetzen (Art. 44 Abs. 1 StGB). 

 

 - 9 - 

 

 

3.6. 

Vorliegend ist die Verbindung der bedingt ausgesprochenen Geldstrafe mit 

einer Busse angezeigt, um dem Beschuldigten die Ernsthaftigkeit der 

Sanktion und die Konsequenzen seines Handelns deutlich vor Augen zu 

führen und angesichts der bestehenden Rückfallgefahr (vgl. 

psychiatrisches Gutachten von Dr. med. E._____ vom 7. Oktober 2021, UA 

act. 101) die Legalprognose zu verbessern. Zudem soll er gegenüber 

einem Täter, der sich bloss wegen einer Übertretung – hier einer Tätlichkeit 

gemäss Art. 126 StGB – zu verantworten hat und dafür mit einer Busse 

bestraft wird, nicht besser gestellt werden (sog. Schnittstellenproblematik). 

 

Unter Berücksichtigung der Denkzettelfunktion, der untergeordneten 

Bedeutung der Verbindungsbusse, der wirtschaftlichen Verhältnisse und 

des Verschuldens des Beschuldigten sowie des Umstands, dass das 

Bundesgericht die Obergrenze der Verbindungsstrafe auf 20 % der in der 

Summe schuldangemessenen Sanktion – bestehend aus einer bedingt 

ausgesprochenen Hauptstrafe kombiniert mit einer Verbindungsbusse – 

festgelegt hat (BGE 135 IV 188 E. 3.4.4; zur Publikation vorgesehenes 

Urteil des Bundesgerichts 6B_337/2022 vom 12. Juli 2023 E. 1.3), ist die 

Verbindungsbusse auf Fr. 2'500.00 festzusetzen. 

 

Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhaftem Nichtbezahlen der Busse ist 

ausgehend vom als Umrechnungsschlüssel zu verwendenden Tagessatz 

von Fr. 60.00 (BGE 134 IV 60 E. 7.3.3) auf 42 Tage festzusetzen (Art. 106 

Abs. 2 StGB). 

 

3.7. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft von gesamthaft 154 Tagen (1. Juni 

2021 bis 1. November 2021) ist auf die Geldstrafe anzurechnen (Art. 51 

StGB i.V.m. Art. 110 Abs. 7 StGB). Das als Ersatzmassnahme anstelle von 

Untersuchungshaft verhängte Kontakt- und Rayonverbot betreffend 

B._____ stellt im Vergleich zum Freiheitsentzug bei Untersuchungshaft 

keinen schweren Eingriff bzw. keine schwere Beschränkung der 

persönlichen Freiheit des Beschuldigten dar. Eine Anrechnung der Ersatz-

massnahmen rechtfertigt sich unter diesen Umständen nicht. Da keine 

Überhaft vorliegt, ist auf die vom Beschuldigten beantragte Entschädigung 

oder Genugtuung nicht weiter einzugehen (Art. 431 Abs. 2 StPO 

e contrario). 

 

4. 

Die obligatorische Landesverweisung wird gemäss Art. 66a Abs. 1 lit. b 

StGB ausgesprochen, wenn ein Ausländer wegen schwerer Körperver-

letzung verurteilt wird (vgl. zur Anwendung auf den Versuch: BGE 

144 IV 168 E. 1.4.1). Der Beschuldigte, der afghanischer Staatsbürger ist, 

 - 10 - 

 

 

wird vorliegend «nur» wegen qualifizierter einfacher Körperverletzung ge-

mäss Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB verurteilt, so dass keine Katalogtat mehr 

vorliegt und eine obligatorische Landesverweisung ausser Betracht fällt. 

 

5. 

Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten ein Kontakt- und Rayonverbot 

gemäss Art. 67b StGB betreffend B._____ auferlegt und begründete dies 

im Wesentlichen mit der Rückfallgefahr. 

 

Der Beschuldigte hat B._____ seither nicht mehr kontaktiert, was er auch 

nicht machen werde (vgl. Protokoll, S. 27). Auch für B._____ besteht keine 

Notwendigkeit mehr (vgl. Protokoll, S. 10). Ein strafrechtliches Kontakt- und 

Rayonverbot erweist sich unter diesen Umständen weder als geeignet noch 

als notwendig und damit als unverhältnismässig. Das strafrechtliche 

Kontakt- und Rayonverbot ist in Anwendung von Art. 404 Abs. 2 StPO 

ersatzlos aufzuheben. 

 

6. 

6.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der 

Beschuldigte, der eine Verurteilung wegen einfacher Körperverletzung zu 

einer bedingten Geldstrafe von 100 Tagessätzen sowie ein Absehen von 

einer Landesverweisung beantragt hat, erwirkt mit seiner Berufung eine 

Verurteilung wegen qualifizierter einfacher Körperverletzung zu einer 

bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen samt einer Verbindungsbusse 

sowie ein Absehen von einer Landesverweisung. Bei diesem Ausgang des 

Verfahrens, rechtfertigt es sich, die obergerichtlichen Verfahrenskosten 

von Fr. 5'000.00 (§ 18 VKD) zu ¼ mit Fr. 1'250.00 dem Beschuldigten 

aufzuerlegen und im Übrigen auf die Staatskasse zu nehmen. 

 

6.2. 

Der amtliche Verteidiger ist für das Berufungsverfahren gestützt auf die von 

ihm eingereichte Kostennote – ergänzt um die effektive Dauer der 

Berufungsverhandlung – mit gerundet Fr. 6'725.00 aus der Staatskasse zu 

entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 3bis AnwT). 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zu ¼ mit Fr. 1'681.25 

zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 

(Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

7. 

7.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO).   

 - 11 - 

 

 

Für den zur Anklage gebrachten Sachverhalt der tätlichen Auseinander-

setzung erfolgt ein Schuldspruch wegen qualifizierter einfacher 

Körperverletzung. Eine andere rechtliche Würdigung des angeklagten 

Sachverhalts hat auf die Verteilung der Verfahrenskosten keinen Einfluss. 

In Bezug auf den Vorwurf der mehrfachen Drohung wurde das Verfahren 

zwar eingestellt. Es handelt sich aber um Handlungen, die in einem engen 

sowie direkten Zusammenhang zur tätlichen Auseinandersetzung stehen 

(auch bezüglich eines möglichen Motivs), und es sind keine 

ausscheidbaren Untersuchungskosten ersichtlich. Nach dem Gesagten 

sind die erstinstanzlichen Verfahrenskosten vollumfänglich dem 

Beschuldigten aufzuerlegen. 

 

7.2. 

Die dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochene Entschädigung von Fr. 19'432.85 ist mit Berufung nicht 

angefochten worden, weshalb darauf im Berufungsverfahren nicht mehr 

zurückgekommen werden kann (Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 

vom 28. Januar 2019). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

7.3. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten gemäss Art. 433 StPO verpflichtet, 

dem unentgeltlich vertretenen B._____ aufgrund des Ausgangs des 

Verfahrens die Hälfte der an den vormaligen unentgeltlichen 

Rechtsbeistand ausbezahlten Entschädigung von Fr. 1'257.50 und die 

Hälfte der auf Fr. 1'887.75 festgesetzten sowie zulasten der Gerichtskasse 

auszubezahlenden Entschädigung der ehemaligen Rechtsbeiständin zu 

bezahlen. Mithin hat die Vorinstanz den Beschuldigten verpflichtet, an 

B._____ die Hälfte der Entschädigungen für seine durch den Staat 

entschädigten unentgeltlichen Rechtsbeistände zu bezahlen. 

 

Der unentgeltliche Rechtsbeistand ist nach Art. 138 Abs. 1 i.V.m. Art. 135 

StPO vom Staat zu entschädigen. Entgegen der Vorinstanz gelangt 

Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO (vgl. zur Entschädigung der Privatklägerschaft: 

Urteil des Bundesgerichts 6B_226/2017 vom 10. Juli 2017 E. 4.1, 

E. 4.3.1 f. mit Hinweisen) diesfalls nicht zur Anwendung. Fallen keine 

Kosten für einen Rechtsbeistand an, besteht mangels eines Schadens 

auch kein Anspruch auf eine Entschädigung. Es bleibt kein Raum für eine 

(teilweise) Verpflichtung des Beschuldigten zur Zahlung einer 

Entschädigung für die unentgeltlichen Rechtsbeistände an B._____ (Urteile 

des Bundesgerichts 6B_234/2013 vom 8. Juli 2013 E. 5.2, 6B_1292/2016 

vom 2. Oktober 2017 E. 3.1 sowie 6B_1274/2017 vom 24. September 2018 

E. 4.4.3). Eine Rückerstattungspflicht von B._____ entfällt (Art. 30 Abs. 3 

OHG, BGE 141 IV 262). 

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Der Beschuldigte befindet sich nicht in günstigen wirtschaftlichen 

Verhältnissen, weshalb er die Kosten für die unentgeltliche Verbeiständung 

von B._____ nicht zu tragen hat (Art. 426 Abs. 4 StPO).  

 

8. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Das Verfahren wird in Bezug auf den Vorwurf der mehrfachen Drohung 

eingestellt. 

 

2. 

Der Beschuldigte ist der qualifizierten einfachen Körperverletzung gemäss 

Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB schuldig. 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB sowie in 

Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 34 StGB, Art. 42 StGB und Art. 44 StGB 

 

zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à Fr. 60.00, d.h. 

Fr. 10'800.00, Probezeit 2 Jahre, 

 

und einer Verbindungsbusse von Fr. 2'500.00, ersatzweise 42 Tage 

Freiheitsstrafe, verurteilt. 

 

3.2. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft von 154 Tagen (1. Juni 2021 bis 

1. November 2021) wird an die Geldstrafe angerechnet. 

 

4. 

Es wird keine Landesverweisung angeordnet. 

 

5. 

Das beschlagnahmte Küchenmesser Victorinox wird eingezogen. 

 

Die Staatsanwaltschaft trifft die sachgemässen Verfügungen. 

 

6. 

Die Zivilklage von B._____ wird auf den Zivilweg verwiesen.   

 - 13 - 

 

 

7. 

7.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'000.00 werden zu ¼ mit 

Fr. 1'250.00 dem Beschuldigten auferlegt und im Übrigen auf die 

Staatskasse genommen. 

 

7.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das 

Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 6'725.00 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zu ¼ mit Fr. 1'681.25 

zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

8. 

8.1. 

Die vorinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 25'595.00 (inkl. Anklage-

gebühr von Fr. 2'250.00) werden dem Beschuldigten auferlegt. 

 

8.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Entschädigung von Fr. 19'432.85 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

8.3. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, der ehemaligen unentgeltlichen Rechtsbeiständin 

von B._____, Rechtsanwältin Michèle Wehrli Roth, für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Entschädigung von Fr. 1'887.75 auszurichten.  

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Hinweis zur Bedeutung der bedingt ausgesprochenen Strafe  

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer ausgefällten bedingten Geld- oder Freiheitsstrafe wird der Vollzug aufgeschoben. 

Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren angesetzt. Hat 

sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird die aufgeschobene Strafe 

nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass die Geldstrafe dann nicht zu 

bezahlen bzw. die Freiheitsstrafe nicht anzutreten ist. Begeht der Verurteilte während der 

Probezeit aber ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere 

Straftaten verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 

Abs. 1 StGB).  

 - 14 - 

 

 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 10. November 2023 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Six Fehlmann