# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f3740ebd-2a1c-5166-ba17-e42f3a6a1c70
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-12-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.12.2010 D-103/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-103-2007_2010-12-10.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-103/2007
law/mah
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 0 .  D e z e m b e r  2 0 1 0

Richter Walter Lang (Vorsitz),
Richterin Muriel Beck Kadima,
Richter Gérald Bovier,
Gerichtsschreiberin Sarah Mathys.

A._______, geboren (...),
Ruanda und Kamerun,
vertreten durch lic. iur. Matthias Münger, Rechtsanwalt, 
Berner Rechtsberatungsstelle für, Asylsuchende,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
6. Dezember 2006 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-103/2007

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer, eigenen Angaben zufolge ein ursprünglich aus 
Z._______ (Y._______, Ruanda) stammender Staatsangehöriger von 
Ruanda  und  Kamerun  mit  letztem Wohnsitz  in  Yaoundé  (Kamerun), 
reiste  am  14. Juni  2006  auf  dem  Luftweg  nach  Frankreich  und  via 
Italien  am 15. Juni  2006 in  die Schweiz  ein,  wo er  gleichentags um 
Asyl nachsuchte.

B.
Am  22. Juni  2006  erhob  das  BFM  im  Empfangs-  und  Verfahrens-
zentrum (EVZ)  Vallorbe die Personalien des Beschwerdeführers und 
befragte ihn summarisch zum Reiseweg und zu den Gründen für das 
Verlassen  des Heimatlandes. Am 31. August  2006  hörte  ihn  die  zu-
ständige kantonale Behörde zu den Asylgründen an.

Der Beschwerdeführer machte zur Begründung seines Asylgesuches 
im  Wesentlichen  geltend,  er  sei  in  Ruanda  mit  seiner  Mutter  und 
seinem  jüngeren  Bruder  aufgewachsen  und  sei  Angehöriger  der 
Ethnie Twa. Seinen Vater habe er nicht gekannt. Während des Geno-
zids in Ruanda im April 1994 seien seine Mutter und sein Bruder er -
mordet  worden. Er  sei  mit  seinem Onkel, B._______ nach Kamerun 
geflüchtet.  Dort  seien  sie  von C._______ (Tonton),  einem 
Brigadenbefehlshaber, in Obhut genommen worden. Dieser habe auch 
dafür  gesorgt,  dass  sie  die  kamerunische  Staatsbürgerschaft  im 
Oktober 1997 und eine Geburtsurkunde erhalten hätten. Zudem habe 
er ihn bei der katholischen Schule angemeldet und sie hätten bei ihm 
und seiner Tante, D._______ in X._______ gewohnt. Im Februar 2003 
habe er einen einflussreichen kamerunischen Geschäftsmann namens 
E._______  kennengelernt.  Er  sei  mit  diesem  eine  homosexuelle 
Beziehung eingegangen und habe dafür Geld und andere Geschenke 
sowie  eine  Zweizimmerwohnung mit  einem Geschäft  in  Yaoundé er-
halten. Am 17. März 2006 sei er von der "police judiciaire" vorgeladen 
worden,  ohne zu Wissen,  was der  Grund dafür  sei. Aus dem Radio 
habe  er  erfahren,  dass  E._______  am 15. März  2006  wegen  eines 
Korruptionsverdachts festgenommen worden sei. Als er bei der Polizei 
vorgesprochen habe, habe er ihnen seine Identitätspapiere zusammen 
mit  der  Vorladung abgegeben. Während fünf  Tagen, vom 17. bis  am 
22. März 2006, sei er dort festgehalten, zur Beziehung mit E._______ 
befragt  und  auf  verschiedene  Arten  misshandelt  worden. Sie  hätten 

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ihm mit einem Gummiknüppel  auf  die Fusssohlen geschlagen, seien 
mit  dem Fuss  auf  seinen  Nacken  getreten,  seien  über  seine  Füsse 
gefahren, so dass er Zehennägel verloren habe, und hätten ihm einen 
Gummiknüppel  in  den  Anus  gesteckt.  Er  habe  eingestanden,  mit 
E._______  eine  homosexuelle  Beziehung  geführt  zu  haben. Zudem 
wurde  ihm  vorgeworfen,  Zeuge  der  Korruption  von  E._______ 
gewesen zu sein, und davon profitiert zu haben. Am 22. März 2006 sei 
er entlassen worden, nachdem D._______ eine Kaution für ihn bezahlt 
habe.  Anschliessend  sei  er  aufgrund  seiner  gesundheitlichen 
Beschwerden ins Spital von X._______ überführt worden. Am 4. April 
2006  habe  sein  Onkel  B._______  auch  eine  Vorladung  erhalten. 
D._______  habe  ihm abgeraten  dieser  zu  folgen.  Tags darauf  habe 
sich  B._______  auf  den  Polizeiposten  begeben  und  sei  nicht  mehr 
zurückgekehrt.  D._______  habe  sich  am  7. April  2006  auf  dem 
Kommissariat  nach  ihm  erkundigt.  Sie  habe  dabei  erfahren,  dass 
B._______  entlassen  worden  sei.  Seine  Leiche  sei  neben  dem (...) 
gefunden worden. Dieser  habe  Schussverletzungen  am Kopf  und in 
der Brust gehabt. Nach seiner Entlassung aus dem Spital am 16.  April 
2006  sei  ihm  (dem  Beschwerdeführer)  eine  wöchentliche 
Unterschriftspflicht  sowie  der  gerichtlich  verfügte  Aufenthaltsort 
X._______ auferlegt worden. Seiner Meldepflicht sei  er letztmals am 
10. Juni  2006  nachgekommen,  bevor  er  aus  Furcht  vor  einer 
Verurteilung  und  Gefängnisstrafe  am 14. Juni  2006  mit  einem Pass 
einer Drittperson ausgereist sei.

Der  Beschwerdeführer  reichte  anlässlich  der  Anhörung  eine 
Geburtskurkunde,  einen  Ausweis  des  Roten  Kreuzes,  ein  Be-
stätigungsschreiben  des  Roten  Kreuzes  vom 14. Januar  2006,  zwei 
Schreiben des Tribunal de grande instance de Yaoundé vom (...) 2006, 
ein ärztliches Zeugnis vom 23. März 2006, je einen ärztlicher Bericht 
von  Dr. med. F._______  vom  4. Juli  2006  und  vom  Psychiatrischen 
Dienst (...) von med. pract. G._______ vom 18. Juli 2006 zu den Akten.

C.
Am 11. Oktober 2006 ersuchte das BFM die Schweizer Vertretung in 
Yaoundé  um  Abklärungen  gemäss  Art. 41  Abs. 1  des  Asylgesetzes 
vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31).

D.
Mit  Schreiben  vom  3. November  2006  beantwortete  die  Schweizer 
Vertretung in Yaoundé die Fragen des BFM vom 11. Oktober 2006. 

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E.
Das BFM gewährte dem Beschwerdeführer hierzu am 14. November 
2006 das rechtliche Gehör.

F.
Am  24. November  2006  nahm  der  Beschwerdeführer  durch  seinen 
Rechtsvertreter  zu  den  Abklärungsergebnissen  der  Schweizer  Ver-
tretung Stellung.

G.
Das BFM stellte mit Verfügung vom 6. Dezember 2006 – eröffnet am 
7. Dezember  2006  –  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flücht-
lingseigenschaft nicht und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig ver-
fügte es die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und 
ordnete deren Vollzug an. Die Bestätigung und der Ausweis des Roten 
Kreuzes sowie die zwei Schreiben des Tribunal de grande instance de 
Yaoundé zog das BFM gestützt auf Art. 10 Abs. 4 AsylG ein.

H.
Der  Beschwerdeführer  liess  gegen  diese  Verfügung  mittels  seines 
Rechtsvertreters  mit  Eingabe  vom 4. Januar  2007  beim  Bundesver-
waltungsgericht Beschwerde erheben und beantragen, es sei die an-
gefochtene Verfügung aufzuheben,  die Flüchtlingseigenschaft  festzu-
stellen und dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. Eventualiter sei 
die  Unzulässigkeit  respektive  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvoll-
zugs  festzustellen  und  der  Beschwerdeführer  sei  vorläufig  aufzu-
nehmen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchte  er  um  die  Ge-
währung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  um  Verzicht  auf  die 
Erhebung eines Kostenvorschusses.

Der  Beschwerde  wurden  ein  Arztbericht  von  H._______,  Fachärztin 
FMH, Psychiatrie  und Psychotherapie  vom 2. Januar  2007 mit  einer 
Entbindung  der  ärztlichen  Schweigepflicht,  ein  Brief  von  I._______ 
(Sprechstunde  für  MigrantInnen)  vom  8. Dezember  2006  mit  einer 
Auswertung  eines  diagnostischen  Fragebogens  vom  5. Dezember 
2006,  eine  Fürsorgebestätigung  vom  3. Januar  2007  und  eine 
Kostennote vom 4. Januar 2007 beigelegt.

I.
Am  12. Februar  2007  reichte  der  Beschwerdeführer  durch  seinen 
Rechtsvertreter  ergänzend  zum  bereits  eingereichten  Arztbericht 

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einen weiteren Bericht  von H._______ vom 25. Januar  2007 zu den 
Akten.

J.
Mit  Verfügung  vom  26. Februar  2007  stellte  der  zuständige 
Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  fest,  der  Be-
schwerdeführer  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz 
abwarten, und hiess die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen 
Rechtspflege  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvor-
schusses gut. Gleichzeitig stellte er dem BFM die Akten der Vorinstanz 
zur Vernehmlassung zu.

K.
In  der  Vernehmlassung  vom 2. März  2007  beantragte  das  BFM die 
Abweisung  der  Beschwerde.  Der  Instruktionsrichter  gab  dem  Be-
schwerdeführer  mit  Verfügung  vom  6. März  2007  Gelegenheit,  zur 
Vernehmlassung eine Replik einzureichen.

L.
Am 21. März 2007 nahm der Beschwerdeführer durch seinen Rechts-
vertreter Stellung zur Vernehmlassung.

M.
Mit  Eingabe  vom  8. Mai  2008  reichte  der  Beschwerdeführer  durch 
seinen  Rechtsvertreter  einen  ärztlich-psychiatrischer  Verlaufsbericht 
von  H._______  vom  10. März  2008,  einen  Austrittsbericht  der  Uni-
versitären  Psychiatrischen  Dienste  (...)  vom 10. Januar  2008,  einen 
Operationsbericht  des  (...)  vom 13. Februar  2007,  einen  Bericht  der 
Klinik für Orthopädische Chirurgie des (...) vom 23. März 2007, einen 
Zeitungsbericht  aus  "Der  Bund"  vom  13. März  2008  und  je  einen 
Internetartikel von Amnesty International (AI) vom 13. März 2008 und 
Outfront Seattle vom Januar 2008 zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 

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SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde;  es  entscheidet  auf  dem 
Gebiet  des Asyls endgültig (Art. 105 AsylG;  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  un-
richtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG).

2.
Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung  und  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 50 Abs. 1 sowie Art. 52 
Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

3.
Die  Schweiz  gewährt  Flüchtlingen  unter  Vorbehalt  von  Ausschluss-
gründen auf Gesuch hin Asyl (vgl. Art. 2 Abs. 1 und Art. 49 AsylG). Wer 
um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder 
zumindest  glaubhaft  machen  (Art.  7  Abs. 1  AsylG). Die  Flüchtlings-
eigenschaft  erfüllen  Personen,  welche in  ihrem Heimatstaat  oder  im 
Land, wo sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali -
tät,  Zugehörigkeit  zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen 
ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt 
sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu 
werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung 
von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg-
lichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

4.
4.1 Das BFM lehnte das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit der 
Begründung  ab,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  würden  den 
Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art. 7  AsylG  nicht 
standhalten, so dass ihre Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse.

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Im Einzelnen führte es aus, Vorbringen die sich massgeblich auf ge-
fälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abstützten,  seien nicht  glaub-
haft.  Die  Schweizer  Vertretung  in  Yaoundé  habe  verschiedene 
Dokumente überprüft, welche sich allesamt als Fälschungen erwiesen 
hätten.  Die  Bestätigung  des  kamerunischen  Roten  Kreuzes  vom 
14. Januar 2006 von Dr. J._______ weise einen falschen Briefkopf auf. 
Zudem  sei  Dr.  J._______  beim  kamerunischen  Roten  Kreuz  nicht 
bekannt. Die Schreiben des Tribunal de grande instance von Yaoundé 
vom  22. März  2006  betreffend  "assignation  à  résidence" 
beziehungsweise  "notification  de  mise  en  examen"  seien  gefälscht, 
weil es kein Gericht mit einer solchen Bezeichnung gebe. Zudem sei 
falsches Briefpapier  benutzt  worden. Die Formulierungen des Textes 
seien falsch. Insbesondere existiere der Titel  "Juges de libertés" auf 
der "assignation à résidence" nicht beziehungsweise auf der "notifica-
tion de mise en examen" sei der genannte Richter unbekannt. Der auf 
dem  Arztzeugnis  vom  23. März  2006  des  Spitals  in  X._______ 
genannte  Arzt,  Dr. K._______,  figuriere  nicht  auf  der  Liste  der  zu-
gelassenen Ärzte. Es sei normales Briefpapier benutzt, anstatt solches 
mit  einem  Briefkopf  verwendet  worden.  Beim  Ausweis des  Roten 
Kreuzes handle es sich um eine Fälschung, da das Rot auf der Karte 
nicht  übereinstimme; echte  Karten  würden  auf  der  Personalienleiste 
ein  Emblem aufweisen.  Die  Karte  werde  nicht  mit  Schreibmaschine 
ausgefüllt.  Zudem  werde  der  Name  des  Präsidenten  falsch  an-
gegeben.  Dr. J._______  sei  beim  kamerunischen  roten  Kreuz  nicht 
bekannt.  Diese  Dokumente  seien  zur  Glaubhaftmachung  eines 
asylrechtlich  relevanten  Sachverhalts  –  vorliegend  der  Verfolgung  in 
Kamerun  wegen  Mitbeteiligung  am  Korruptionsverdacht  gegen 
E._______,  Haft,  Folter  aufgrund  derselben,  ärztliche  Konsultation 
nach  Folter,  homosexuelle  Beziehung  zu  E._______  –  eingereicht 
worden. Als gefälschte Dokumente vermöchten sie indessen die Vor-
bringen  des  Beschwerdeführers  nicht  glaubhaft  nachzuweisen.  Aus 
der durchgeführten Botschaftsanfrage gehe ferner Folgendes hervor: 
E._______ sei im März 2006 wegen Korruptionsverdacht verhaftet und 
anschliessend sei ein Gerichtsverfahren gegen ihn eingeleitet worden, 
welches zurzeit noch hängig sei. Der Name des Beschwerdeführers – 
A._______ –  werde  in  diesem  Zusammenhang  nirgends  erwähnt. 
Nach  Rücksprache  mit  dem  Sekretär  des  kamerunischen  roten 
Kreuzes  habe festgestellt  werden können,  dass  Dr. J._______  dort 
unbekannt  sei.  Der  Name  des  Präsidenten  sei  in  den  vom 
Beschwerdeführer  eingereichten  Dokumenten  falsch  angegeben 
worden. Der  Beschwerdeführer  sei  nie  Mitglied  beim kamerunischen 

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Roten Kreuz und auch nicht tätig für dieses gewesen. Ferner sei die 
vom Beschwerdeführer  eingereichte Geburtsurkunde Nr. (...)  vor  Ort 
genauer  untersucht  worden.  Dabei  hätten  sich  folgende 
Ungereimtheiten gezeigt: Zum Zeitpunkt des Eintrages – 10. Oktober 
1997 – hätte die Überschreibung von Geburtsurkunden ausländischer 
Personen in einem speziellen Register stattfinden müssen. Ausserdem 
hätte der Eintrag damals nicht bei der Stadtverwaltung, sondern beim 
zuständigen  Verwaltungskreis  erfolgen  müssen.  Die  Erklärung  des 
Beschwerdeführers hierzu,  aufgrund seiner  Geburt  in  Ruanda sei  er 
erst  auf  dem  Gerichtsweg  zu  seiner  eingereichten  "kamerunischen 
Geburtsurkunde"  gelangt,  weshalb  es  möglich  sei,  dass  diese  in 
formalen  Punkten  gewisse  Abweichungen  zu  "normal  ausgestellten 
Geburtsurkunden"  aufweise,  vermöge  die  besagten  Ungereimtheiten 
nicht  aufzulösen.  Es  sei  deswegen  auch  zu  bezweifeln,  dass  der 
Beschwerdeführer  ursprünglich  aus  Ruanda  stamme  und  erst  in 
Kamerun  naturalisiert  worden  sei.  Der  Beschwerdeführer  begründe 
seine Verfolgung im Wesentlichen mit der Festnahme von E._______. 
Dazu äussere er sich aber in diversen Punkten nicht korrekt. So gehe 
aus allgemein zugänglichen Quellen hervor, dass dieser am 14. März 
2006 – nicht wie vom Beschwerdeführer behauptet am 15. März 2006 
–  festgenommen  worden  sei.  Auch  zu  seiner  letzten  beruflichen 
Tätigkeit  sowie  seinem Werdegang äussere  er  sich  nicht  vollständig 
korrekt.  Zum  einen  werde  jedoch  in  der  kamerunischen  Presse 
wiederholt  und regelmässig  über  E._______ berichtet. Zum anderen 
wolle  der  Beschwerdeführer  seit  Monaten  eine  homosexuelle 
Beziehung mit ihm unterhalten haben. In diesem Blickpunkt besehen, 
sei nicht nachvollziehbar, wieso er nicht tatsachengerecht und genau 
Auskunft  über  diese  Person  habe  geben  können.  Auch  diese  im 
tatsächlich  vorgefallenen  kamerunischen Kontext  als  tatsachenwidrig 
erscheinenden Aussagen würden mit  Nachdruck aufzeigen, dass die 
diesbezüglichen Vorbringen des Beschwerdeführers nicht der Wahrheit 
entsprächen.  Angesichts  dieser  Ungereimtheiten,  der  gefälschten 
Dokumente sowie des Berichts der Schweizer Vertretung in Yaoundé 
seien  die  Kernvorbringen  des  Beschwerdeführers  nicht  glaubwürdig. 
Zudem seien auch erhebliche Zweifel an seiner behaupteten Herkunft  
aus Ruanda angebracht.

4.2 In der Beschwerde wird demgegenüber an der Glaubhaftigkeit der 
Vorbringen des Beschwerdeführers  festgehalten und ausgeführt,  der 
Beschwerdeführer  könne sich die angebliche Fälschung seiner zahl-
reichen Unterlagen nicht erklären. Er habe diese von seinem Ziehvater 

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zugeschickt  bekommen  und  sei  gutgläubig  von  deren  Echtheit  aus-
gegangen. Die  Vorinstanz moniere,  der  Beschwerdeführer  habe sich 
betreffend das Datum der Festnahme um einen Tag geirrt. Diese Un-
genauigkeit  für  sich alleine genommen erschüttere die Glaubwürdig-
keit  des  Beschwerdeführers  wohl  nicht nachhaltig,  selbst  wenn  auf-
grund der Nähe des Beschwerdeführers zu E._______ ein besonders 
strenger  Massstab  angesetzt  werde,  sei  die  zeitliche  Differenz 
vorliegend  einfach  zu  gering.  Der  Beschwerdeführer  sei  aufgrund 
seiner sexuellen Neigung Opfer einer gezielten Verfolgung geworden. 
Die  erlebten  Diskriminierungen  und  Schikanen  unter  denen  der  Be-
schwerdeführer  gelitten  habe,  könnten  unmittelbar  der  staatlichen 
Verantwortung  zugerechnet  werden  und  würden  jenes  erforderliche 
Mass  an  Intensität  erreichen,  um  als  ernsthafte  Nachteile  im  asyl -
rechtlichen  Sinn  gewürdigt  zu  werden.  Den  Ausführungen  der  Vor-
instanz,  wonach  die  ärztlich  festgestellte  posttraumatische  Be-
lastungsstörung (PTBS) ihre Ursache nicht  in der als unglaubwürdig 
erwogenen Verfolgung haben könne, sondern anderen Ursprungs sei, 
seien die Arztberichte von Dr. med. F._______, med. pract. G._______ 
sowie  Dr. med. H._______  vom 2. Januar  2007  entgegen zu halten. 
Sie alle seien unabhängig voneinander zum Schluss gekommen, der 
Beschwerdeführer  leide  aufgrund  der  geltend  gemachten 
Gewalterfahrung  an  den  Symptomen  eine  PTBS  sowie  an  starken 
Schuldgefühlen.  Des  Weiteren  sei  unabhängig  von  der  er littenen 
Vorverfolgung relevant, dass der Beschwerdeführer als Homosexueller 
bei  einer  Rückkehr  in  sein  Heimatland  nicht  nur  weitere 
Diskriminierungen,  sondern  aufgrund  des  kamerunischen  Straf-
gesetzes  eine strafrechtliche Verfolgung  und  Verurteilung  befürchten 
müsse. Homosexualität sei nach Artikel 347 des Strafgesetzbuches mit 
Gefängnisstrafen  von  sechs  Monaten  bis  zu  fünf  Jahren  belegt. 
Gemäss  Angaben  des  deutschen  auswärtigen  Amtes  werde  Homo-
sexualität  in  der  Praxis  nicht  systematisch,  jedoch  regelmässig  in 
Einzelfällen  bestraft.  Der  Länderbericht  des  britischen  Innen-
ministeriums  vom Oktober  2006  berichte  auf  S. 51  ausführlich  über 
"the  hunt  for  gays"  in  Kamerun.  Die  Schweizerische  Flüchtlingshilfe 
(SFH)  schreibe  in  ihrem Update  vom Oktober  2006:  "Homosexuelle 
werden ohne Anklage inhaftiert. Zur Feststellung einer homosexuellen 
Orientierung werden männliche Homosexuelle zu Analuntersuchungen 
gezwungen,  die  schwere  Verletzungen der  Privatsphäre  der  Männer 
darstellen  und  die  als  grausame  und  unmenschliche  Behandlung 
gelten, die gegen das Übereinkommen vom 10. Dezember 1984 gegen 
Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende 

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Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und gegen den UNO-Pakt II 
verstossen.  Ihnen  werde  der  Zugang  zu  einem  Anwalt  verwehrt. 
Personen würden aufgrund ihrer tatsächlichen oder einer vermuteten 
homosexuellen Orientierung der Unzucht angeklagt. Es gibt Berichte, 
dass  homosexuelle  Gefangene  im  Gefängnis  vergewaltigt  und 
anderweitig  misshandelt  werden.“  Aufgrund  dieser  Praxis  habe  der 
Beschwerdeführer begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung.

4.3 In der Vernehmlassung hielt das BFM zu den zwei ärztlichen Be-
richten von H._______ vom 2. und 25. Januar 2007 fest,  es habe in 
seinem  Entscheid  eingehend  und  ausführlich  begründet,  dass  die 
geltend gemachten Übergriffe auf den Beschwerdeführer in Kamerun 
wegen  der  angeblichen  homosexuellen  Beziehung  zu  dem 
kamerunischen  Geschäftsmann  E._______  nicht  glaubhaft  seien. 
Insbesondere seien sämtliche diesbezüglichen vom Beschwerdeführer 
eingereichten Dokumente durch eine Botschaftsanfrage des BFM als 
Fälschungen  erkannt  worden.  Ferner  habe  der  Beschwerdeführer 
sowohl im EVZ als auch vor den kantonalen Behörden die Möglichkeit  
gehabt, weitere Asylgründe darzulegen. Davon habe er jedoch keinen 
Gebrauch gemacht. Zudem habe er  im EVZ angegeben,  ihm sei  es 
egal  bezüglich  der  geschlechtsspezifischen  Übergriffe  von  einem 
Mann oder einer Frau befragt zu werden. Die kantonale Anhörung sei 
in  der  Folge durch einen männlichen Befrager  durchgeführt  worden. 
Somit hätte der Beschwerdeführer die Möglichkeit  gehabt, den – ge-
mäss ärztlichem Bericht von H._______, Fachärztin FMH, Psychiatrie 
und Psychotherapie vom 25. Januar 2007 vom Beschwerdeführer er-
wähnten  –  angeblichen  sexuellen  Missbrauch  durch  seinen  Pflege-
vater in  Kamerun geltend zu machen. Dies habe er im Rahmen der 
einzelnen Befragungen aber nicht getan, so dass die diesbezüglichen 
Vorbringen als nachgeschoben und somit nicht glaubwürdig zu werten 
seien.  Insbesondere  liessen  sich  diese  aufgrund  vorheriger  Aus-
führungen  nicht  durch "Schamgefühle"  rechtfertigen. Das  BFM halte 
daher nach wie vor an seinen Schlussfolgerungen fest, dass der Be-
schwerdeführer  keine  glaubwürdige  Verfolgung  beziehungsweise 
Übergriffe  seitens  der  kamerunischen  Behörden  oder  von  Dritt-
personen  wegen  allfälligen  homosexuellen  Kontakten  und  Praktiken 
nachgewiesen  habe.  Seine  in  der  Schweiz  ärztlich  festgestellten 
psychischen Beschwerden dürften daher anderen Ursprungs sein und 
seien in Kamerun behandelbar.

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4.4 In der Replik wird geltend gemacht, dass bei näherer Betrachtung 
festgestellt  werden  müsse,  dass  das  Aussageverhalten  des  Be-
schwerdeführers bezüglich der als traumatisierend erlebten Verfolgung 
durchaus glaubwürdig sei. Die Beschreibung der erlittenen Folter auf 
dem Polizeiposten als Ereignis mit hoher affektiver Intensität habe er 
beispielsweise  detailliert  geschildert.  Es  sei  klar  dass  mit 
psychiatrisch-therapeutischen Mitteln nicht sicher erschlossen werden 
könne,  ob  die  Traumatisierung  des  Beschwerdeführers  auf  der  be-
schriebenen Folter  und unmenschlichen Behandlung im Verfolgungs-
kontext beruhe. Trotzdem müsse festgehalten werden, dass zwei Ärzte 
und  eine  Ärztin  unabhängig  voneinander  die  Authentizität  des  Be-
schwerdeführers  sowie  das  Vorliegen  einer  PTBS  aufgrund  der  er-
littenen  Verfolgung  und  Erniedrigung  wegen  dessen  sexueller 
Orientierung  bestätigen  würden.  Abgesehen  davon  sei  unabhängig 
von  der  geltend  gemachten  Vorverfolgung  relevant,  dass  der  Be-
schwerdeführer  als  Homosexueller  bei  einer  Rückkehr  nicht  nur 
weitere Diskriminierungen, sondern eine strafrechtliche Verfolgung zu 
befürchten habe. Am Rande sei bemerkt, dass die Ausführungen der 
Vorinstanz zum angeblichen Nachschieben des sexuellen Missbrauchs 
durch  den  Pflegevater  nicht  nachvollziehbar  seien.  Vor  dem  Hinter-
grund, dass die Verfolgungsverjährung von sexuellen Handlungen an 
Kindern nach schweizerischen Strafrecht in jedem Fall mindestens bis 
zum  25. Lebensjahr  des  Opfers  dauere,  müsse  wohl  davon  aus-
gegangen  werden,  dass  das  Vorkommen  von  Schamgefühlen  in 
diesem höchst intimen Bereich ganz allgemein anerkannt sei.

5.
5.1 Glaubhaft sind die Vorbringen eines Asylsuchenden grundsätzlich 
dann, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel 
sind;  sie  dürfen  sich  nicht  in  vagen  Schilderungen  erschöpfen,  in 
wesentlichen  Punkten  nicht  widersprüchlich  sein  oder  der  inneren 
Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen 
Erfahrung  widersprechen. Darüber  hinaus muss die  gesuchstellende 
Person  persönlich  glaubwürdig  erscheinen,  was  insbesondere  dann 
nicht  der  Fall  ist,  wenn sie  ihre  Vorbringen auf  gefälschte  oder  ver-
fälschte  Beweismittel  abstützt,  aber  auch  dann,  wenn  sie  wichtige 
Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Ver-
fahrens  Vorbringen  auswechselt,  steigert  oder  unbegründet  nach-
schiebt,  mangelndes  Interesse  am  Verfahren  zeigt  oder  die  nötige 
Mitwirkung  verweigert.  Glaubhaftmachung  bedeutet  ferner  –  im 
Gegensatz  zum  strikten  Beweis  –  ein  reduziertes  Beweismass  und 

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lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vor-
bringen  des  Gesuchstellers.  Entscheidend  ist,  ob  im  Rahmen  einer 
Gesamtwürdigung  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der  Sachver-
haltsdarstellung des Asylsuchenden sprechen, überwiegen oder nicht. 
Dabei  ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise  abzustellen  (vgl.  Art.  7 
Abs. 2 und 3 AsylG; EMARK 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.).

5.2
5.2.1 Aus  Berichten  geht  hervor,  dass  E._______  am  (...)  2006  in 
Douala  festgenommen  und  am  15. März  2006  in  Yaoundé  befragt 
wurde. Da  im Zusammenhang mit  dem Verfahren von E._______  in 
den  Medien  beide  Daten  erwähnt  worden  sind,  ist  durchaus 
nachvollziehbar,  dass  der  Beschwerdeführer,  der  aus  dem  Radio 
davon erfahren haben soll, irrtümlich den 15. März 2006 als Datum der 
Festnahme von E.________ bezeichnete. Allein daraus ergeben sich 
noch keine begründeten Zweifel betreffend die Glaubhaftigkeit  seiner 
Asylbegründung.

5.2.2 Das BFM ist der Ansicht, es sei nicht nachvollziehbar, dass der 
Beschwerdeführer  die  letzten  beruflichen  Tätigkeiten  sowie  den 
Werdegang  E._______  nicht  vollständig  und  korrekt  habe  angeben 
können, obwohl er mit  diesem eine homosexuelle Beziehung gehabt 
haben  solle  und  in  der  kamerunischen  Presse  wiederholt  über 
E._______  berichtet  worden  sei.  Es  trifft  tatsächlich  zu,  dass  der 
Beschwerdeführer  insbesondere allgemeine Angaben zu E._______, 
welche er aus der Presse hätte in Erfahrung bringen können, wie zum 
Beispiel, dass dieser zuerst in W._______ (...) und später in V._______ 
(...)  gewesen  sei,  nicht  erwähnte. Dies  spricht  jedoch  gerade  dafür, 
dass  er  in  Bezug  auf  die  Person von E._______  keine  anhand von 
Presseerzeugnissen konstruierte Biografie vortrug. Im Gegenteil: Der 
Beschwerdeführer schilderte anlässlich der kantonalen Anhörung sehr 
umfangreich  und  detailliert,  wie  er  diesen  einflussreichen 
Geschäftsmann im Jahre 2003 kennen lernte, sich eine homosexuelle 
Beziehung entwickelt und er dafür Geld und andere Güter bekommen 
hat.  Aufgrund  der  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  ist  davon 
auszugehen,  dass  sein  Verhältnis  zu  E._______  nicht  durch  eine 
partnerschaftliche  Bindung  geprägt  war,  sondern  die  Beziehung  zu 
E._______ auf persönlicher Ebene oberflächlich und im Wesentlichen 
auf  Sex  gegen  Bezahlung  ausgerichtet  war.  Es  ist  vor  diesem 
Hintergrund nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer die früheren 
Tätigkeiten seines "Financiers"  nicht  vollständig  korrekt  wiedergeben 

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konnte. Hinsichtlich der Feststellung der Botschaft in Yaoundé, wonach 
der  Name  des  Beschwerdeführers  im  Zusammenhang  mit  dem 
Verfahren  von  E._______  nirgends  erwähnt  werde,  ist  festzuhalten, 
dass  aus  der  Botschaftsantwort  vom  3. November  2006  nicht 
hervorgeht, ob diese Erkenntnis auf Medieninformationen basiert oder 
ob  hierfür  bei  der  kamerunischen  Polizei  Erkundigungen  eingeholt 
wurden.  Immerhin  kann  angenommen  werden,  dass  dies  in  der 
Antwort  so  erwähnt  worden wäre,  wenn Letzteres  der  Fall  gewesen 
wäre.  Aus  der  Information,  dass  der  Beschwerdeführer  in  der 
Öffentlichkeit  nicht  im  Zusammenhang  mit  dem  Verfahren  von 
E._______ erwähnt worden ist, kann somit nicht der Schluss gezogen 
werden,  der  Beschwerdeführer  sei  nicht  von  der  Polizei  vorgeladen 
worden.  Dem  kantonalen  Anhörungsprotokoll  lässt  sich  zudem 
entnehmen, dass der Beschwerdeführer seine Schilderung mit objektiv 
betrachtet  nebensächlichen,  aus  seiner  subjektiven  Optik  jedoch 
wesentlichen  Einzelheiten  anreicherte  und  Gespräche  zwischen  ihm 
und  E._______  oder  seinen  Peinigern  auf  der  "police  judiciaire"  in 
einer  Art  wiedergeben  konnte,  die  darauf  hindeutet,  dass  seine 
diesbezüglichen  Schilderungen  auf  seiner  Erinnerung  basieren,  was 
einer Person, die eine konstruierte Geschichte vorträgt, nicht möglich 
wäre (vgl. act. A8/24 S. 11-15). So erzählte er detailliert, was ihn die 
"police  judiciaire"  alles  gefragt  habe.  Dabei  reicherte  er  seine 
Ausführungen  auch mit  Aussagen seiner  Peiniger  an wie  "Setz dich 
hin  und  zieh  dich  aus."  oder  "Wenn  du  nicht  mit  deinem  Mund 
sprechen  willst,  wirst  du  dann  mit  deinem  Anus  sprechen!"  (vgl.  
act. A8/24 S. 13 und 15). Ferner äusserte sich der Beschwerdeführer 
auch  zu  verschiedenen  Gefühlen,  die  er  empfand.  Er  erwähnte 
beispielsweise  seine  Wut  auf  E._______,  als  er  wegen  ihm  seine 
Prüfungen verpasst hatte, das Jahr nicht wiederholen wollte und ihn 
fragte: "Was werde  ich  beim nächsten  Schulanfang machen?",  oder 
dass es ihn verunsichert habe, weil er seinen Onkel angelogen habe,  
als er diesem gesagt habe, dass er die Prüfungen gemacht hätte (vgl.  
act. A8/24  S. 11).  Er  berichtete  ausserdem  von  Schmerzen  und 
Müdigkeit  nach  einem  Treffen  mit  E._______  und  erklärte,  dass  er 
danach  niemanden  habe  sehen  wollen  und  Schamgefühle  gehabt 
habe (vgl. act. A8/24 S. 12). Seine Scham und Selbstbeschuldigungen 
sowohl  im  Zusammenhang  mit  seiner  sexuellen  Beziehung  mit 
E._______  wie  auch  wegen  des  Todes  seines  Onkels  bringt  er 
anlässlich  der  Befragung  im  EVZ  und  der  Anhörung  und  auch 
gegenüber den Ärzten beziehungsweise der Ärztin immer wieder zum 
Ausdruck. Damit bleiben seine Schilderungen nicht an der Oberfläche 

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und weisen eine persönliche Betroffenheit  auf, was darauf hindeutet, 
dass er das Geschilderte selbst erlebt hat. Die substanziierte und mit 
Realkennzeichen versehene Schilderung des Erlebten spricht deshalb 
für die Glaubhaftigkeit seiner Asylvorbringen. 

5.2.3 Im Rahmen der Beweiswürdigung sind auch Ausführungen eines 
Arztes  zur  Frage  der  Plausibilität  der  Vorbringen  des  Patienten  im 
Rahmen der Prüfung der Glaubhaftigkeit der asylsuchenden Person zu 
berücksichtigen  (vgl.  Entscheide  des  Schweizerischen  Bundesver-
waltungsgerichts  [BVGE] 2007/31 E. 5.1  S. 378). Aufgrund der  Arzt-
berichte  von  Dr. med. F._______  vom  4. Juli  2006,  vom 
Psychiatrischen  Dienst  Region  (...)  von med. pract.  G._______  vom 
18. Juli  2006,  von  H._______,  Fachärztin  FMH,  Psychiatrie  und 
Psychotherapie  vom 2. Januar  2007,  25. Januar  2007  und  10. März 
2008  sowie  der  (...)  vom 10. Januar  2008,  an deren  Zuverlässigkeit 
keine Zweifel bestehen, ist erstellt, dass beim Beschwerdeführer eine 
PTBS  ICD  F43.1  mit  Angst  und  Depressionen  vorliegt.  Gleichzeitig 
ergibt sich aus den von verschiedenen Ärzten und Ärztinnen erstellten 
Berichten,  dass  der  Beschwerdeführer  seine  zur  Begründung  des 
Asylgesuches  geltend  gemachten  Vorbringen  auch  den  Ärzten  und 
Ärztinnen  gegenüber  im  Kern  immer  gleichbleibend  schilderte.  Dies 
stützt  den  aus  den  im  Asylverfahren  protokollierten  Aussagen 
gewonnenen  Eindruck,  wonach  der  Beschwerdeführer  aus  eigener 
Erinnerung  detailliert  und  anschaulich  über  jene  einschneidenden 
Ereignisse  berichtet,  welche  ihn  bewogen  haben,  Kamerun  zu 
verlassen. In seinen Gesprächen mit den Ärzten und der Ärztin sowie 
anlässlich der Befragung im EVZ und der Anhörung 

5.2.4 Der  Beschwerdeführer  hat  alsdann  den  sich  aus  den  Ab-
klärungen der  Schweizer Vertretung in  Yaoundé ergebenden Befund, 
wonach  es  sich  bei  den  anlässlich  der  kantonalen  Anhörung  ein-
gereichten  vier  Dokumenten  (Ausweis  des  Roten  Kreuzes,  Be-
stätigungsschreiben  des  Roten  Kreuzes  vom 14. Januar  2006,  zwei 
Schreiben des Tribunal de grande instance de Yaoundé vom (...) 2006) 
um  Fälschungen  handle,  nicht  bestritten  und  erklärte,  er  habe  die 
Dokumente  von  seinem  Pflegevater  im  Laufe  des  Asylverfahrens 
zugeschickt  bekommen und habe diese im Glauben, es handle sich 
um echte Dokumente, beim BFM eingereicht. Diese Behauptung wirkt 
wenig überzeugend, da realistischerweise unwahrscheinlich ist,  dass 
der Pflegevater dem Beschwerdeführer Beweismittel zukommen lässt, 
ohne  ihn  darüber  zu  orientieren,  dass  diese  nicht  authentisch  sind. 

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Auch wenn deshalb zu bezweifeln ist, dass der Beschwerdeführer die 
als  gefälscht  erachteten  Beweismittel  in  gutem  Glauben  eingereicht 
hat,  diese seien echt, ist  festzustellen, dass aufgrund der bisherigen 
Erwägungen insgesamt  überwiegende  Indizien  bestehen,  welche  für 
die  Glaubhaftigkeit  des  zur  Begründung  des  Asylgesuches  geltend 
gemachten Sachverhalts sprechen. Es ist  in diesem Zusammenhang 
festzuhalten,  dass  das  Gewicht,  welches  den  Ergebnissen  der 
Abklärungen  der  Botschaft  mit  Blick  auf  die  Beurteilung  der 
Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführer beizumessen ist, 
ohnehin  zu  relativieren  ist.  Die  Schweizer  Vertretung  hat  zwar 
festgestellt,  dass  der  im  Ausweis  des  Roten  Kreuzes  und  auf  der 
Bestätigung  aufgeführte  Dr.  J._______  beim  Roten  Kreuz  nicht 
bekannt sei, der im Arztzeugnis erwähnte Dr. K._______ nicht auf der 
Liste  der  zugelassenen Ärzte  figuriere,  und  das  Tribunal  de  grande 
instance  de Yaoundé  nicht  existiere.  Diesbezüglich  ist  einerseits 
festzuhalten,  dass  der  auf  dem  Zeugnis  aufgeführte  Arzt  nicht  Dr. 
K._______,  sondern  L._______ heisst.  Andererseits  hat  der 
Beschwerdeführer  weder  im  EVZ  noch  anlässlich  der  kantonalen 
Anhörung  den  Erhalt  eines  Schreibens  eines  Tribunal  de  grande 
instance  de Yaoundé  oder  die  Namen  Dr. J._______  oder 
Dr. K._______  bzw.  L._______  erwähnt.  Der  Beschwerdeführer  gab 
einzig  an,  dass  er  vom Roten  Kreuz  einen  Ausweis  erhalten  habe, 
machte aber nie geltend, er sei Mitglied des Roten Kreuzes oder sei in 
einem  Arbeitsverhältnis  mit  diesem  gestanden.  Vielmehr  erklärte  er 
lediglich,  er  habe  sich  als  Freiwilliger  für  das  Rote  Kreuz  engagiert  
(vgl. act. A8/24 S. 6). 

5.2.5 Das BFM hegt  schliesslich Zweifel  an der  ursprünglichen Her-
kunft  des  Beschwerdeführers  aus  Ruanda  aufgrund  von  durch  die 
Schweizer  Vertretung  mittels  einer  Vertrauensperson  festgestellten 
Unstimmigkeiten betreffend seine Geburtsurkunde. Der  Beschwerde-
führer  erklärte  in  diesem  Zusammenhang,  dass  er  aufgrund  seiner 
Geburt  in  Ruanda  erst  auf  dem  Gerichtsweg  zu  diesem  Dokument 
gekommen  sei,  weshalb  möglich  sei,  dass  es  in  formalen  Punkten 
gewisse  Abweichungen  zu  "normal  ausgestellten"  Geburtsurkunden 
gebe. Aus dem Schreiben  der  Vertrauensperson  der  Schweizer  Ver-
tretung geht hervor, dass im Zeitpunkt der Ausstellung am 10. Oktober 
1997  die  Überschreibung  von  Geburtsurkunden  ausländischer 
Personen in einem speziellen Register  hätte stattfinden müssen und 
"une Mairie  d'Arrondissement" die Überschreibung im Register  hätte 
durchführen sollen,  was bei der vorliegenden Urkunde nicht  der Fall 

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sei.  Zu  diesem  Schluss  dürfte  die  Vertrauensperson  wahrscheinlich 
deshalb  gekommen  sein,  weil  sie  –  wie  aus  ihrem  Schreiben  zu 
schliessen ist  (pièce jointe: copie certifiée non conforme de l'acte) – 
nur im Besitz  einer  Kopie  der  Geburtsurkunde gewesen sein  dürfte, 
auf  welcher  ein  Stempel  nicht  vollständig  ersichtlich  ist.  Aus  dem 
Original der Geburtsurkunde geht hingegen hervor, dass die Mairie de 
Yaoundé die  Geburtsurkunde abgestempelt  hat. Dies würde gemäss 
den  Informationen  der  Vertrauensperson  wiederum  für  die  Echtheit 
des  Dokuments  sprechen.  Es  ist  deshalb  zweifelhaft,  ob  die 
Vertrauensperson  anhand  der  ihr  vorliegenden  Kopie  der 
Geburtsurkunde  überhaupt  in  der  Lage  war,  die  Authentizität  der 
Geburtsurkunde  verlässlich  zu  überprüfen.  Das  BFM  hat  die 
Geburtsurkunde denn auch  nicht  als  gefälschtes  Dokument  gemäss 
Art. 10 Abs. 4 AsylG eingezogen. Ausserdem spricht  die Darstellung 
des Beschwerdeführers,  er  gehöre der Ethnie der Twa an,  für  seine 
Herkunft aus Ruanda, da diese vor allem in Ruanda ansässig ist. Der  
Beschwerdeführer  ist  zwar  der  von den  Twa gesprochenen  Sprache 
Kinyarwanda nicht mächtig. Dies spricht aber angesichts dessen, dass 
er  Ruanda  mit  elf  Jahren  verlassen  und  von  da  an  nur  noch  Eton, 
Ewondo  und  Französisch,  die  Sprachen  seines  Pflegevaters, 
gesprochen  hat,  nicht  zwingend  gegen  eine  Herkunft  aus  Ruanda. 
Ferner hat der Beschwerdeführer seine Flucht aus dem kleinen Dorf 
Z._______ in der Nähe von Y._______ auf Pfaden durch die Wälder 
und  Berge  der  Region  um  U._______  und  T._______  nach  Zaire 
(heute  Demokratische  Republik  Kongo)  in  den  (...)  nachvollziehbar 
beschrieben.  Schliesslich  geht  aus  dem  Arztbericht  vom  2. Januar 
2007 hervor, dass  der  Beschwerdeführer  lebhaft  und detailliert  über 
ein einfaches und naturnahes Leben am Rande eines Nationalparks 
berichtet und authentisch seine Kindheitserlebnisse geschildert hat. In 
der  Gesamtbeurteilung  ist  deshalb  von  der  Glaubhaftigkeit  der 
Angaben  des  Beschwerdeführers  zu  seiner  ursprünglichen  Herkunft 
aus Ruanda auszugehen.

5.3 Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  bei  einer  gesamtheitlichen 
Würdigung  sowohl  die  Angaben  des  Beschwerdeführers  zu  seiner 
Herkunft  und seiner Staatsangehörigkeiten wie auch – trotz der ein-
gereichten  gefälschten  Dokumente  –  der  zur  Begründung  des  Asyl-
gesuches  geltend gemachte  Sachverhalt  als  glaubhaft  zu  beurteilen 
ist.

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6.
6.1 Die Flüchtlingseigenschaft  gemäss Art. 3 AsylG erfüllt  eine asyl-
suchende  Person  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  dann,  wenn  sie 
Nachteile  von bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise mit 
beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  be-
gründeterweise befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund be-
stimmter  Verfolgungsmotive  durch  Organe  des  Heimatstaates  oder 
durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind beziehungsweise 
zugefügt  zu  werden  drohen  (vgl.  BVGE  2008/4  E. 5.2  S. 37,  Ent-
scheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurs-
kommission [EMARK] 2006 Nr. 18 E. 7 und 8 S. 190 ff., EMARK 2005 
Nr. 21  E. 7  S. 193).  Aufgrund  der  Subsidiarität  des  flüchtlingsrecht-
lichen  Schutzes  setzt  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft 
ausserdem voraus,  dass  die  betroffene  Person  in  ihrem Heimatland 
keinen  ausreichenden  Schutz  finden  kann  (vgl.  BVGE  2008/12 
E. 7.2.6.2 S. 174 f., BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37 f., EMARK 2006 Nr. 18 
E. 10 S. 201 ff., EMARK 2005 Nr. 21 E. 7.3 S. 194 und E. 11.1 S. 201 
f.).  Ausgangspunkt  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  ist 
die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung 
oder begründeten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt 
des  Asylentscheides  ist  jedoch  im  Rahmen  der  Prüfung  nach  der 
Aktualität  der  Verfolgungsfurcht  ebenfalls  wesentlich.  Veränderungen 
der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asyl -
entscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der das Asylgesuch 
stellenden  Person  zu  berücksichtigen  (vgl.  BVGE  2008/4  E. 5.4 
S. 38 f.,  EMARK  2000  Nr. 2  E. 8a  S. 20,  WALTER STÖCKLI,  Asyl,  in: 
Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 
Basel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 

6.2
6.2.1 Nicht alle staatliche Massnahmen, die in Leib, Leben und Frei-
heit des Einzelnen eingreifen, sind asylrechtlich relevant. Jeder Staat 
darf  legitimerweise  Massnahmen  zur  Verbrechensbekämpfung,  zur 
Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, Ruhe und Sicherheit und 
zum  Schutz  der  Einheit  des  Staates  ergreifen  (vgl.  Handbuch  zum 
Asyl-  und  Wegweisungsverfahren,  Schweizerische  Flüchtlingshilfe 
SFH [Hrsg.], Bern/Stuttgart/Wien 2009, S. 182, WALTER KÄLIN, Grundriss 
des  Asylverfahrens,  Basel/Frankfurt  a.M.  1990,  S. 99;  ALBERTO 
ACHERMANN/CHRISTINA HAUSAMMANN,  Handbuch  des  Asylrechts,  2. Aufl., 
Bern/Stuttgart  1991, S. 100). Legitim sind Normen und Massnahmen 
aber  nur,  solange  sie  ihre  Adressaten  respektieren.  Sobald  sie  in 

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deren  Gesinnung  oder  Existenzrecht  eingreifen,  verlieren  sie  den 
Charakter  der  Legitimität.  Ein  Eingriff  wird  dann  zu  asylrelevantem 
Unrecht, wenn im Handeln des Verfolgers das Motiv, die Absicht oder 
die  Tendenz  zugrunde  liegt,  den  Verfolgten  aufgrund  seiner  Rasse, 
Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen 
Gruppe oder wegen seiner politischen Anschauungen zu treffen (vgl. 
SAMUEL WERENFELS,  Der  Begriff  des  Flüchtlings  im  Schweizerischen 
Asylrecht,  Bern u. a. 1987 S. 244 ff.). Dabei  kommt es nicht  auf  die 
Sichtweise  des  Verfolgten  an,  relevant  ist  einzig,  was  ihm  die 
Verfolgungsbehörden  unterstellen  (WALTER STÖCKLI,  a.a.o.  S. 329). 
Bestrafung  für  abweichendes  Sexualverhalten  kann  im  Fall  von 
Homosexuellen als Verfolgung wegen Zugehörigkeit zu einer  sozialen 
Gruppe eingestuft  werden; blosse Diskriminierung Homosexueller  ist 
allerdings  zu  wenig  intensiv,  um  eine  Verfolgung  darzustellen.  Zu 
beachten gilt  es in diesem Bereich auch die weitgehenden legitimen 
Befugnisse  des  Staates  zum Schutze  der  öffentlichen  Ordnung  und 
Moral.  Hinrichtung,  Misshandlung  oder  Inhaftierung  von  Personen 
allein wegen ihrer gleichgeschlechtlichen Neigung, die als besonders 
verderblich  angesehen  wird,  ist  aber  Verfolgung  (vgl.  WALTER KÄLIN, 
a.a.o. S. 97 f.).

6.2.2 Soweit  dem Beschwerdeführer  von den Behörden vorgeworfen 
wurde,  Zeuge  der  Korruption  von E._______  gewesen  zu  sein,  und 
davon profitiert  zu haben, liegt den gegen den Beschwerdeführer er-
griffenen  Untersuchungsmassnahmen  grundsätzlich  ein  legitimes 
Interesse an der Aufklärung der genauen Umstände zugrunde. Anders 
verhält es sich indessen, soweit der Beschwerdeführer wegen seiner – 
anlässlich  der  Befragung  auf  der  "police  judiciaire"  unter  Miss-
handlungen  eingestandenen  –  homosexuelle  Beziehung,  die  er  mit 
E._______ unterhielt, ins Blickfeld der Behörden rückte. 

6.2.3 In Kamerun sind homosexuelle Handlungen illegal und werden 
gemäss  Art. 347bis  des  kamerunischen  Strafgesetzbuches  mit  Ge-
fängnis von sechs Monaten bis fünf Jahren und einer Geldstrafe von 
20'000 bis 200'000 CFA (ca. Fr. 40.-- bis Fr. 400.--) bestraft (vgl. U.S. 
Departement  of  State,  2009  Human  Rights  Report:  Cameroon, 
11. März 2010, S. 24; Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH], Kamerun: 
Situation  von  Homosexuellen,  6. Oktober  2009,  S. 1).  In  der  Praxis 
werden  Personen  jedoch  bereits  aufgrund  ihrer  tatsächlichen  oder 
einer  vermuteten  homosexuellen  Orientierung  ohne  Anklage  in 
Untersuchungshaft  genommen  und  der  Unzucht  angeklagt,  bevor 

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überhaupt  nach  Beweisen  für  homosexuelle  Handlungen  der 
Inhaftierten gesucht wird (vgl. SFH a.a.o., S. 1). Allerdings kommt es 
heutzutage  nur  selten  zu  Verurteilungen  (vgl.  U.S.  Departement  of 
State,  a.a.o.,  S. 25;  SFH,  S. 3),  weshalb  auch  nicht  von  einer 
systematischen  Verfolgung  homosexueller  Personen  in  Kamerun  im 
Sinne  des  Asylgesetzes  ausgegangen  werden  kann  (vgl.  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  D-5727/2006  vom  19. Oktober  2009 
E. 4.10).  Nichtsdestotrotz  werden  homosexuelle  Menschen  in 
Kamerun  diskriminiert,  stigmatisiert  und  marginalisiert  und oft  ohne 
Haftbefehl in unter teilweise prekären Bedingungen in Haft genommen. 
Um eine homosexuelle Orientierung nachzuweisen, wird bei Männern 
eine Analuntersuchung richterlich angeordnet  (vgl. SFH, a.a.o. S. 1-3; 
AI,  Cameroon,  Jahresbericht  2010).  Im  Übrigen  erpressen  und 
schikanieren  Polizeibeamte  "verdächtige"  Homosexuelle  (U.S. 
Departement  of  State  a.a.o.  S. 24  f.).  Dass  mit  "verdächtigen" 
homosexuellen Personen nicht zimperlich umgegangen wird, geht aus 
den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  hervor,  wonach  ihm  unter 
anderem  ein  Sicherheitsbeamte  der  "police  judiciaire"  einen 
Gummiknüppel in den Anus gesteckt und zu seinem Kollegen gesagt 
habe, dass er doch Recht gehabt habe, als er festgestellt  habe, die 
Jungen von heute würden nur noch vom Anus Gebrauch machen (vgl.  
act. A8/24  S. 13).  Die  in  Art. 347bis  des  kamerunischen 
Strafgesetzbuches vorgesehene  strafrechtliche Sanktionierung von – 
selbst  im  privatem Rahmen  und  im  gegenseitigen  Einverständnis  – 
begangenen  homosexuellen  Handlungen  Erwachsener  verstösst 
gegen  das  in  Art. 8  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum 
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) 
statuierte Recht auf Achtung des  Privatlebens (vgl. EGMR,  Dudgeon 
gegen The United Kingdom, Urteil vom 22. Oktober 1981, Beschwerde 
Nr. 7525/76,  §§  41  ff.,  Norris  gegen  Irland,  Urteil  vom 26.  Oktober 
1988,  Beschwerde  Nr.  10581/83,  §§  28  ff.  Modinos  gegen  Zypern, 
Urteil  vom 22. April  1993,  Beschwerde Nr. 15070/89,  §§ 20 ff.). Ein 
solches Verbot  greift  in  den intimsten  Bereich  einer  Person  ein  und 
beschneidet  deren  Selbstbestimmung  bezüglich  ihrer  sexuellen 
Ausrichtung  und  Betätigung  massiv,  ohne  dass  hierfür  ein  legitimes 
Interesse des Staates zum Schutz der öffentlichen Ordnung und Moral 
vorliegt. Gleichzeitig sind die zum Nachweis der Homosexualität einer 
Person  angewandten  Methoden  wie  namentlich  eine 
Analuntersuchung  (vgl.  SFH,  a.a.O.  S. 1),  aber  auch  die  vom 
Beschwerdeführer  geschilderten  weiteren  Misshandlungen, 
Massnahmen,  die  gegen  Art. 3  EMRK  verstossen,  welcher  besagt, 

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dass  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender 
Strafe oder Behandlung unterworfen werden darf. 

6.2.4 Aufgrund  der  Sachverhaltsdarstellung  des  Beschwerdeführers 
ergibt sich im Übrigen, dass die bereits erlittenen Misshandlungen auf 
der "police judiciaire" beziehungsweise befürchtete Verurteilung gezielt 
gegen seine Person gerichtet waren oder sein würden, um ihn wegen 
seiner  Homosexualität  –  mithin  seiner  Zugehörigkeit  zu  einer  be-
stimmten sozialen Gruppe im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG (WALTER 
KÄLIN, a.a.O., S. 97 f.), zu bestrafen. 

6.2.5 Die vom Beschwerdeführer subjektiv empfundene Furcht, wegen 
seiner  homosexuellen Beziehung zu E._______ in Kamerun in  einer 
sein  Leben,  seine  körperliche  Integrität  oder  seine  Freiheit  ge-
fährdenden Weise belangt  zu werden,  kann sowohl  für  den Moment 
der Ausreise als auch für den heutigen Zeitpunkt aufgrund der bereits 
erlittenen  Misshandlungen  als  begründet  bezeichnet  werden.  Ange-
sichts  der  als  glaubhaft  zu  erachteten  Vorbringen  des  Beschwerde-
führers ist vor dem Hintergrund der aktuellen Lage in Kamerun und in 
Abwägung der individuellen Umstände des Beschwerdeführers davon 
auszugehen, dass er bei einer Wiedereinreise von den kamerunischen 
Behörden  aufgrund  seines  Geständnisses,  mit  E._______  eine 
homosexuelle Beziehung eingegangen zu sein, und weil er flüchtete, 
als  er  auf  Kaution  freigelassen  wurde,  inhaftiert  und  wegen  homo-
sexueller  Handlungen bestraft  wird,  wobei  ein  hohes Risiko besteht, 
dass er dabei mit  weiteren Misshandlungen zu rechnen hätte. Daran 
ändert auch der Umstand nichts, das E._______ heute wieder in der 
Gunst  der  kamerunischen  Regierung  steht  und  offenbar  nicht  damit 
rechnen  muss,  aufgrund  der  gegen  ihn  erfolgten  Ermittlungen  im 
Zusammenhang mit  Korruptionsvorwürfen zur Rechenschaft  gezogen 
zu werden. 

6.3 Gestützt  auf  Art. 1  A Abs. 2 des  Abkommens vom 28. Juli  1951 
über  die  Rechtsstellung der  Flüchtlinge (FK,  SR 0.142.30)  sind Per-
sonen  von  der  Anerkennung  der  Rechtsstellung  als  Flüchtling  aus-
geschlossen, die mehrere Staatsangehörigkeiten besitzen und die den 
Schutz  von  wenigstens  einem  dieser  Länder  in  Anspruch  nehmen 
können.  Soweit  verfügbar,  hat  der  Schutz  des  Landes,  dessen 
Staatsangehörigkeit  eine  Person  besitzt,  Priorität  gegenüber  dem 
internationalen  Schutz  beziehungsweise  dem  Schutz  durch  einen 
Drittstaat (siehe UNHCR, Handbuch über Verfahren und Kriterien zur 

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Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft,  Rz. 106  f.,  WALTER KÄLIN, 
Grundriss des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a. M. 1990, S. 35). 

Der  Beschwerdeführer  gab  anlässlich  der  Befragung  zu  seinen 
Personalien an, Staatsangehöriger von Ruanda und Kamerun zu sein 
(vgl.  act. A1/11  S. 1).  Wie  bereits  ausgeführt  (vgl.  E. 5.2.5),  ist  die 
Herkunft des Beschwerdeführers aus Ruanda nicht zu bezweifeln. Er 
gab an, er sei mit elf Jahren aus Ruanda während des Genozids im 
Jahre  1994  nach  Kamerun  geflüchtet.  Ansonsten  machte  der  Be-
schwerdeführer keine Gefährdung in Ruanda geltend. Homosexuellen 
Personen  gegenüber  ist  die  ruandische  Regierung  zwar  ablehnend 
eingestellt  und  das  Parlament  debattierte  über  eine  Strafnorm,  die 
gleichgeschlechtliche  Beziehungen  verbieten  würde  (vgl.  AI  Jahres-
bericht 2009 Rwanda). Aufgrund der aktuellen Lage in Ruanda droht 
dem Beschwerdeführer jedoch keine gegen ihn gerichtete Verfolgung, 
zumal nicht ersichtlich ist, warum die ruandischen Behörden Kenntnis 
von seiner homosexuellen Neigung haben sollte und nicht  von einer 
systematischen  Verfolgung  homosexueller  Personen  in  Ruanda  die 
Rede sein kann. Der Beschwerdeführer könnte demnach in Ruanda – 
seinem  anderen  Heimatstaat  –  Zuflucht  vor  Verfolgung  durch  die 
kamerunischen Behörden finden. Unter diesen Umständen ist die  An-
erkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Asylgewährung  von 
vornherein  ausgeschlossen, da der Beschwerdeführer nicht auf inter-
nationalen Schutz angewiesen ist.

6.4 Der Beschwerdeführer bringt somit keine Gründe vor, die zur An-
erkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  führen  könnten.  Das  BFM hat 
somit  im  Ergebnis  zu  Recht  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Be-
schwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 

7.
7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet  den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der 
Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

7.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrecht-
liche Aufenthaltsbewilligung noch über  einen Anspruch auf  Erteilung 
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. EMARK 2001 Nr. 21). 

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8.
8.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des 
Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer [AuG, SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss ständiger  Praxis  des Bundesverwaltungsgerichts  und seiner 
Vorgängerorganisation  ARK der  gleiche  Beweisstandard wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der 
strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu 
machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, 
Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.148).

8.2
8.2.1 Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Ver-
pflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 
Ausländers  in  den  Heimat-,  Herkunfts-  oder  in  einen  Drittstaat  ent -
gegenstehen (Art. 83  Abs. 3  AuG).  Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der 
Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 
18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom 
10. Dezember  1984  gegen Folter  und andere grausame,  unmensch-
liche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und 
der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter  oder unmensch-
licher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  unterworfen 
werden.

8.2.2 Wie bereits festgestellt  (vgl. E. 6),  ist davon auszugehen, dass 
der  Beschwerdeführer  im  Falle  der  Rückkehr  nach  Kamerun  wegen 
seiner  Homosexualität  erneut  inhaftiert  und  bestraft  wird,  wobei  ein 
hohes  Risiko  besteht,  dass  er  erneut  Misshandlungen  über  sich  er-
gehen lassen müsste. Es ist demnach festzustellen, dass der Vollzug 
der Wegweisung nach Kamerun im Sinne von Art.  83 Abs. 3 AuG un-
zulässig  ist,  weil  die  Bestrafung  und  Misshandlungen  die  der  Be-
schwerdeführer dort wegen seiner Homosexualität zu erwarten hätte, 
gegen Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 FoK und Art. 3 EMRK verstösst.

8.3

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8.3.1 Da  der  Beschwerdeführer  Staatsangehöriger  Kameruns  und 
Ruandas ist und er in Ruanda Zuflucht vor den ihm drohenden Nach-
teilen  seitens  der  kamerunischen  Behörden  finden  kann,  bleibt  zu 
prüfen, ob der Vollzug der Wegweisung nach Runda in Betracht fällt.

8.3.2 Gemäss Rechtsprechung  sind  die  Bedingungen  für  einen  Ver-
zicht auf den Vollzug der Wegweisung (Unmöglichkeit, Unzulässigkeit,  
Unzumutbarkeit; vgl. Art. 83 Abs. 2-4 AuG) alternativer Natur. Sobald 
eine der Bedingungen erfüllt  ist,  ist  der Vollzug der Wegweisung als 
undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit  in  der 
Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu 
regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4, EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2 S. 54 f.). 

8.3.3 Gemäss  Art.  83  Abs.  4  AuG ist  der  Vollzug  der  Wegweisung 
insbesondere  dann  nicht  zumutbar,  wenn  die  beschwerdeführende 
Person bei einer Rückkehr in ihren Heimatstaat  einer konkreten Ge-
fährdung ausgesetzt wäre. Diese Bestimmung wird vor allem bei Ge-
waltflüchtlingen angewendet, das heisst bei Ausländerinnen und Aus-
ländern,  die  mangels  persönlicher  Verfolgung  weder  die  Voraus-
setzungen der Flüchtlingseigenschaft noch jene des völkerrechtlichen 
Non-Refoulement-Prinzips  erfüllen,  jedoch  wegen  der  Folgen  von 
Krieg,  Bürgerkrieg  oder  einer  Situation  allgemeiner  Gewalt  nicht  in 
ihren  Heimatstaat  zurückkehren  können. Im  Weiteren  findet  sie  An-
wendung  auf  andere  Personen,  die  nach  ihrer  Rückkehr  ebenfalls 
einer  konkreten  Gefahr  ausgesetzt  wären,  weil  sie  die  absolut  not-
wendige medizinische Versorgung nicht erhalten könnten oder – aus 
objektiver Sicht – wegen der vorherrschenden Verhältnisse mit grosser 
Wahrscheinlichkeit  unwiederbringlich  in  völlige  Armut  gestossen 
würden,  dem Hunger  und  somit  einer  ernsthaften  Verschlechterung 
ihres  Gesundheitszustands,  der  Invalidität  oder  sogar  dem Tod aus-
geliefert  wären (vgl. BVGE 2009/52 E. 10.1 S. 756 f., BVGE 2009/51 
E. 5.5 S. 748). Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter 
Vorbehalt  von Art. 83  Abs. 7 AuG – die  vorläufige  Aufnahme zu ge-
währen.

8.3.3.1 Vorweg ist  festzuhalten,  dass in  Ruanda keine Situation des 
Krieges,  Bürgerkrieges  oder  eine  Situation  allgemeiner  Gewalt 
herrscht.

8.3.3.2 Der 27-jährige Beschwerdeführer wuchs eigenen Angaben zu-
folge in Z._______ in der Nähe von Y._______ auf, wo er mit  seiner 
Mutter,  ihrem  Partner,  seinem Bruder  und  Onkel  B._______  bis  zu 

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seinem elften  Lebensjahr  wohnte. Bis  auf  seinen Onkel,  mit  dem er  
nach  Kamerun  flüchtete,  wurden  während  des  Genozids  im  Jahre 
1994 seine  Familienangehörigen umgebracht. Der  Beschwerdeführer 
gab  an,  niemanden  mehr  in  Ruanda  zu  kennen,  was  angesichts 
dessen, dass während des Genozids beinahe eine Million Menschen 
umgebracht  wurden  und  er  im  Jahre  1994  Ruanda  verliess, 
nachvollziehbar ist. Nebst dem fehlenden Beziehungsnetz in Ruanda 
ist  zu  berücksichtigen,  dass  der  Beschwerdeführer  gemäss  den 
eingereichten Arztberichten seit  dem 4. Juli  2006 wegen einer PTBS 
begleitet  von  Depressionen,  Suizidalität  und  Schamgefühlen  in 
ärztlicher  Behandlung  ist  und  vom  21. Dezember  2007  bis  am 
8. Januar  2008  im  Kriseninterventionszentrum  der  Universitären 
Psychiatrischen  Dienste  (...)  hospitalisiert  werden  musste  (vgl. 
Austrittsbericht  von Dr. med. H._______  vom 10. Januar  2008). Wie 
bereits  erwähnt,  besteht  kein  Anlass,  an  den  von  verschiedenen 
Ärzten und Ärztinnen getroffenen Diagnosen zu zweifeln. Hinsichtlich 
der  Möglichkeit  einer  Behandlung  einer  PTBS  in  Ruanda  ist 
festzuhalten,  dass  dem  Gesundheitsministerium  in  Ruanda  zwar 
inzwischen  das  Problem  der  in  den  letzten  Jahren  rapid 
zugenommenen  psychischen  Beschwerden  ruandischer  Bürger 
bewusst geworden ist  und es diverse Pläne gibt,  um die Möglichkeit 
einer Behandlung von psychischen Problemen zu verbessern. So soll 
nebst dem einzigen Spital für psychische Probleme in Ndera nun auch 
in  den  Spitälern  in  den  Distrikten  psychiatrische  Hilfe  angeboten 
werden.  Allerdings  gibt  es  gemäss  dem  Direktor  des  Ndera  Spitals 
bloss fünf  Psychiater  in  Ruanda. Es herrscht  ein grosser Mangel  an 
ausgebildetem  Personal  von  der  Krankenschwester  bis  zum 
Psychiater,  weshalb  in  der  Regel  auch  nur  eine  elementare 
Behandlung psychischer Probleme möglich ist. Die Chance, dass ein 
Psychiater  die  Behandlung  durchführt  ist  dementsprechend  klein. 
Unter  diesen  Umständen  ist  festzustellen,  dass  in  Ruanda  zwar 
elementare  Einrichtungen  zur  Behandlung  von  psychischen 
Problemen existieren, diese allerdings massiv überlastet sind, weshalb 
realistischerweise  nicht  davon  ausgegangen werden  kann,  dass  der 
Beschwerdeführer  in  Ruanda  in  den  Genuss  einer  psychiatrischen 
Behandlung kommen würde. Es ist angesichts dieser erschwerenden 
Umstände  davon  auszugehen,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  im 
Falle  der  Rückkehr  nach  16-jähriger  Landesabwesenheit  nicht 
gelingen  wird,  aus  eigener  Kraft  eine  wirtschaftliche 
Existenzgrundlage  aufzubauen,  zumal  er  auch  über  kein 
Beziehungsnetz mehr in Ruanda verfügt, welches ihm eine soziale und 

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wirtschaftliche  Integration  in  die  Gesellschaft  unterstützen  könnte. 
Unter  diesen  Umständen  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  des 
Beschwerdeführers unzumutbar.

8.4 Aufgrund  des  Gesagten  ergibt  sich,  dass  sich  der  Vollzug  der 
Wegweisung nach Kamerun als im Sinne von Art. 83 Abs. 3 AuG un-
zulässig und der Vollzug der Wegweisung nach Ruanda als im Sinne 
von Art. 83 Abs. 4 AuG unzumutbar erweist.  Aus den Akten ergeben 
sich ferner keine Hinweise auf ein unbotmässiges Verhalten des Be-
schwerdeführers,  welches eine nähere Prüfung unter  dem Gesichts-
punkt  von Art. 83 Abs. 7 AuG bedingen würde,  weshalb die Voraus-
setzungen für eine vorläufige Aufnahme in der Schweiz gemäss Art. 
83 Abs. 3 und 4 AuG gegeben sind.

9.
Zusammenfasst ist festzuhalten, dass die Beschwerde abzuweisen ist, 
soweit  im  Hauptbegehren  beantragt  wird,  es  sei  die  angefochtene 
Verfügung  aufzuheben,  die  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und 
dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. Sie ist jedoch gutzuheissen, 
soweit im Eventualbegehren beantragt wird, es sei die Unzulässigkeit 
respektive die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen 
und der Beschwerdeführer sei vorläufig aufzunehmen. Demnach sind 
die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung vom 
6. Dezember  2006  aufzuheben  und  das  BFM  ist  anzuweisen,  den 
Aufenthalt  des  Beschwerdeführers  nach  den  gesetzlichen  Be-
stimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  zu  regeln  (vgl.  Art. 44 
Abs. 2 AsylG und Art. 83 Abs. 3 und 4 AuG). 

10.
10.1 Im Hinblick  auf  die  Kostenliquidation  ist  der  Ausgang  des  Ver-
fahrens  im  Asylpunkt  als  teilweises  Unterliegen  (vgl.  Art.  63  Abs. 1, 
Satz 2 VwVG) zu werten, wobei das Bundesverwaltungsgericht nach 
seiner Praxis im Asylbeschwerdeverfahren bei Konstellationen wie der 
vorliegenden  den  partiellen  Misserfolg  mit  der  Hälfte  veranschlagt. 
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind somit grundsätzlich 
die um die Hälfte zu ermässigenden Kosten dem Beschwerdeführer zu 
überbinden.  Mit  Verfügung  vom  26. Februar  2007  hiess  der 
Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  das  Gesuch  um 
Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65 
Abs. 1  VwVG  gut.  Dementsprechend  ist  von  der  Erhebung  von 
Verfahrenskosten ganz abzusehen (vgl. Art. 63 Abs. 2 VwVG). 

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10.2 Dem Beschwerdeführer ist – als teilweise obsiegender Partei – in 
Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG eine Parteientschädigung für die 
ihm erwachsenen notwendigen Vertretungskosten zuzusprechen (vgl. 
Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 
und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]).  Diese  ist  praxisgemäss  infolge  des  Unterliegens  im 
Asylpunkt  um  die  Hälfte  zu  kürzen  (vgl.  Art. 7  Abs. 2  VGKE).  Der 
Rechtsvertreter hat bei der Einreichung der Beschwerde am 4. Januar 
2007  eine  Kostennote  beigelegt  (Art. 14  Abs. 1  VGKE).  Er  beziffert 
darin  den Zeitaufwand auf  7 Stunden à  Fr. 150.--  und eine Dossier-
eröffnungspauschale  und  Spesen  von  je  Fr. 50.--,  total  Fr. 1'150.-- 
(nicht  mehrwertsteuerpflichtig),  was  angemessen  erscheint  (Art.  10 
Abs. 2  VGKE).  Im  Verlaufe  des  Beschwerdeverfahrens  tätigte  der 
Rechtsvertreter  noch  weitere  Abklärungen  und  reichte  weitere  Ein-
gaben ein. Die Vertretungskosten (Art. 9 VGKE) sind deshalb auf ins-
gesamt Fr. 1'400.--  (inkl. Auslagen) zu bemessen. Die vom BFM ge-
schuldete Parteientschädigung ist alsdann nach hälftiger Kürzung auf 
insgesamt Fr. 700.-- festzusetzen. 

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird  abgewiesen,  soweit  beantragt  wird,  es  sei  die 
angefochtene Verfügung aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft  fest-
zustellen und dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren.

2.
Die Beschwerde wird  gutgeheissen, soweit beantragt wird, es sei die 
Unzulässigkeit  respektive  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvoll-
zugs  festzustellen  und  der  Beschwerdeführer  sei  vorläufig  aufzu-
nehmen. 

3.
Die  Ziffern  4  und  5  des  Dispositivs  der  Verfügung  des  BFM  vom 
6. Dezember  2006  werden  aufgehoben. Das  BFM wird  angewiesen, 
den Beschwerdeführer vorläufig in der Schweiz aufzunehmen.

4.
Es  werden  keine  Verfahrenskosten  erhoben.  Das  BFM  wird  an-
gewiesen  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung  von 
Fr. 700.-- auszurichten.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- (...)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Sarah Mathys

Versand: 

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