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**Case Identifier:** 2fe5a490-357b-5e20-b86f-3c44e26c3aca
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-03-16
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 16.03.2010 S 2009 161
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2009-161_2010-03-16.pdf

## Full Text

S 09 161

3. Kammer als Versicherungsgericht

URTEIL
vom 16. März 2010

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend IV-Rente

1. a) Der heute 44-jährige … (geb. 1966) stammt aus Kroatien und ist gelernter 

Kranführer. Ab Februar 1997 war er als Kranführer und Arbeiter bei einer 

Baufirma in … angestellt, wobei er zuletzt (2005) als Gesunder angeblich 

einen Monatslohn von Fr. 4'778.-- erzielte. Wegen eines Weichteiltumors am 

rechten Oberarm wurde er im Januar 2004 operiert und darauf einer 

Radiotherapie unterzogen. Die Einsatz- und Gebrauchsfähigkeit des rechten 

Arms (Schwäche/Schmerzen) war seither indes eingeschränkt, weshalb er 

seine bisherige Tätigkeit aufgab. Später mussten auch noch Metastasen auf 

der Lunge operativ entfernt werden.

b) Am 02.03.2005 meldete sich der Genannte bei der Invalidenversicherung zum 

Bezug von IV-Leistungen (Rente) an.

c) Im Bericht vom 04.05.2005 hielt der Hausarzt Dr. … fest, dass eine 

anhaltende Schwäche im rechten Arm des Versicherten vorliege. Bereits bei 

mässiger Belastung schwelle der Arm an und verursache Schmerzen. 

Prognostisch sei eine bleibende stark verminderte Belastbarkeit des rechten 

Arms anzunehmen. Als Bauarbeiter sei er zu 100% arbeitsunfähig. Ganztags 

einsetzbar wäre er noch als Kranführer, bei einer verminderten 

Leistungsfähigkeit um 30%, womit die Arbeitsfähigkeit noch 60% bis 70% 

betrage. Adaptierte Tätigkeiten ohne starke Belastung des rechten Arms 

seien ihm ganztags noch „voll“ – abzüglich 30%, also zu 70% - zumutbar.

d) Mit Verfügung vom 16.11.2005 teilte die Invalidenversicherung dem 

Gesuchsteller mit, dass eine Arbeitsvermittlung für ihn derzeit nicht möglich 

sei. Ausgehend von einem mutmasslichen Jahresverdienst als Gesunder von 

Fr. 62'114.-- (sog. Valideneinkommen) und einem trotz 

Gesundheitsbeeinträchtigungen noch erzielbaren Jahreseinkommen von Fr. 

41'277.60 (sog. Invalideneinkommen) ergebe sich ein Invaliditätsgrad (IV-

Grad) von 33.55%, was nicht zum Bezug einer Rente berechtige; zumal die 

Arbeitsfähigkeit als Kranführer weiterhin 70% betrage.

e) Im Bericht vom 07.12.2005 hielt Prof. Dr. …, Chefarzt Chirurgie am 

Kantonsspital in Chur, fest: Der Patient wirke schwer depressiv, schildere sehr 

häufige Schmerzen sowie Sensibilitätsverlust. Nach einer Resektion des 

Sarkoms liege zwar objektiv ein gutes Resultat vor; subjektiv sei der Patient 

durch den Eingriff jedoch invalid geworden. Als Bauarbeiter könne er definitiv 

nicht mehr eingesetzt werden. Aufgrund des Heilungsverlaufs sei er 

überzeugt, dass der Patient nicht mehr in den Arbeitsprozess eingegliedert 

werden könne, da er an einem chronifizierten Schmerzsyndrom mit 

eindrücklichen Auswirkungen auf die Psyche leide.

f) Mit Einsprache vom 15.12.2005 verlangte der Gesuchsteller (Versicherte) die 

Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zusprechung einer ganzen 

IV-Rente ab 01.02.2005. Zur Klärung des Sachverhalts sei noch ein 

medizinisches Gutachten (inkl. Abklärung des psychischen Zustands) 

einzuholen. In wirtschaftlicher Beziehung sei das Valideneinkommen zu tief 

ausgefallen, falls das Invalideneinkommen nach den Lohnstrukturerhebungen 

(LSE) berechnet werde. Überdies sei noch ein Leidensabzug vorzunehmen.

g) Im Bericht vom 02.04.2006 hielt der Hausarzt Dr. … fest, dass der Versicherte 

als Kranführer bleibend 100% arbeitsunfähig seit 10.11.2004 sei. Derzeit sei 

er selbst für leichte Arbeiten voll arbeitsunfähig. Die belastungsabhängigen 

Dauerschmerzen am rechten Arm seien zunehmend.

h) Mit Einspracheentscheid vom 29.06.2007 teilte die Vorinstanz dem 

Versicherten mit, dass das ermittelte Valideneinkommen von Fr. 62'114.-- 

nicht zu beanstanden sei, weil es dem erzielbaren Jahresverdienst (2005) 

beim letzten Arbeitgeber entspreche. Bis zum 01.09.2005 sei der Versicherte 

in einer adaptierten Tätigkeit zu 70% arbeitsfähig gewesen, womit auch das 

Invalideneinkommen mit Fr. 40'481.60 (laut LSE und ohne Leidensabzug) 

nicht unrealistisch hoch bemessen worden sei. Daraus resultiere aber nur ein 

IV-Grad von 34.83%, was noch nicht zum Bezug einer Rente berechtige. Für 

die Zeit ab 01.09.2005 werde aber noch eine medizinische Begutachtung 

durchgeführt bzw. ein Rentenanspruch ab 01.12.2005 geprüft.

i) Im Bericht vom 14./18.09.2007 stellte Dr. …, Leitender Arzt sowie Oberarzt 

Onkologie im Kantonsspital Chur, folgende Diagnose ohne Auswirkung auf 

die Arbeitsfähigkeit: Angststörung und depressive Symptome. Er stellte 

zudem eine verminderte Belastbarkeit mit eingeschränkter Kraft beim rechten 

Arm fest. Zur Zumutbarkeit der früheren Tätigkeit (Kranführer/Bauarbeiter) sei 

keine Aussage möglich. In der Baubranche sei eine Tätigkeit nur noch 

erschwert möglich. In einer adaptierten Tätigkeit (ohne viel Armarbeit) sei er 

aber noch ca. 4-5 Std./pro Tag einsatz-/arbeitsfähig. Seit Febr. 2004 seien 

jedoch Millimeter grosse intrapulmonale Rundherde bekannt, die in den 

letzten drei Jahren leicht angewachsen und metastasenverdächtig seien. 

Sofern dies tatsächlich Metastasen sein sollten, läge mit grosser 

Wahrscheinlichkeit ein unheilbares Leiden vor und es wäre in den nächsten 

Monaten/Jahren mit einer Verschlechterung des Allgemeinzustands und 

allenfalls mit dem Tod des Versicherten zu rechnen.

j) Im Bericht vom 20.10.2007 bestätigte der Hausarzt Dr. … nochmals, dass der 

Patient zu 100% arbeitsunfähig seit 10.11.2004 bis auf weiteres als 

Kranführer/Bauarbeiter sei. Die Kraftlosigkeit am rechten Arm sei anhaltend. 

Schon bei geringer Belastung träten zunehmend Schmerzen auf, die erst 

nach 1-2 Tagen wieder abklängen. Er leide ferner an innerer Unruhe und 

Schlaflosigkeit. Es sei ihm keine andere Arbeit mehr zumutbar, da er mit dem 

rechten Arm keine repetitiven Bewegungen mehr ausüben könnte. Eine 

geeignete Alternativtätigkeit sei deshalb nicht denkbar.

k) Im ABI-Gutachten vom 05.12.2008 wurde die Diagnose eines 

neuropathischen Schmerzsyndroms (mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit) 

bzw. eine Anpassungsstörung bei Weichteilsarkom, Nikotinkonsum, mit 

Lungenrundherden unklarer Ätiologie gestellt. Als zunehmend 

unwahrscheinlich wurde das Vorliegen anamnestischer Sarkommetastasen 

angesehen, was bereits Dr. .. im Verlaufsbericht vom 19.09.2008 festgestellt 

habe. In der bisherigen Tätigkeit als Bauarbeiter und in jeder anderen 

schweren bis mittelschweren Tätigkeit wurde dem Versicherten eine 100%-

ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt; in einer adaptierten Tätigkeit (körperlich 

leicht, vorwiegend mit linkem Arm, ohne Überkopfarbeiten) sei der Versicherte 

seit Juni 2004 (Bestrahlungsabschluss) aber noch zu 70% arbeitsfähig; dies 

jeweils ganztags mit erhöhtem Pausenbedarf.

l) Im Attest des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 23.01.2009 hielt 

Frau Dr. … fest, dass sie den Versicherten in der bisherigen Tätigkeit 

(Kranführer/Bauarbeiter) zu 100% als arbeitsunfähig einstufe; in einer 

leidensangepassten Tätigkeit sei ihm aber noch eine 70%-ige Arbeitsfähigkeit 

ab September 2004 (dreimonatige Rekonvaleszenz nach 

Bestrahlungsabschluss) zumutbar.

m) Mit Vorbescheid vom 30.01.2009 verneinte die Invalidenversicherung den 

Anspruch auf eine Rente, weil der ermittelte IV-Grad dafür zu niedrig sei (70%-

ige Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit; Valideneinkommen Fr. 62'114.--; 

Invalideneinkommen Fr. 40'481.60; IV-Grad 34.83%).

n) Damit konnte sich der Versicherte laut Einwandschreiben vom 12.02.2009 

nicht einverstanden erklären. Er stützte sich dabei auf ein Attest des 

behandelnden Psychiaters, Dr. …, vom 06.02.2009, worin ihm eine 

Anpassungsstörung mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bescheinigt 

wurde. Die depressive Symptomatik erhöhe die bisherige Arbeitsunfähigkeit 

von 40% auf neu mindestens 50%, wenn nicht sogar auf 60%.

o) Laut Verlaufskontrolle vom 29.09.2009 stellte Dr. … beim Versicherten eine 

fortschreitende, deutliche Vergrösserung der Lungenrundherde 

(Grössenprogredienz) fest, weshalb eine Operation zu prüfen sei.

p) Am 01.10.2009 hielt Prof. Dr. … (vgl. früherer Bericht vom Dez. 2005) noch 

fest, dass 3 grössenprogrediente Lungenherde zu entfernen seien. Er 

äusserte den Verdacht auf Lungenmetastasen, was für den Versicherten eine 

psychische Belastung darstelle.

q) Mit Verfügung vom 05.10.2009 bestätigte die IV (Vorinstanz) den Vorbescheid 

vom Januar 2009, wonach keine Rentenberechtigung bestehe. Da eine 

Gesundheitsverschlechterung geltend gemacht worden sei, habe für den 

Zeitraum vom 01.09.2005 bis 01.12.2005 der Anspruch neu geprüft werden 

müssen. Strittig seien die Arbeitsfähigkeit und das festgelegte 

Invalideneinkommen geblieben. Die Vorinstanz habe zu Recht auf das ABI-

Gutachten vom Dez. 2008 abgestellt, worin auf eine volle Arbeitsunfähigkeit 

als Bauarbeiter/Kranführer bzw. eine Arbeitsfähigkeit von 70% in einer 

adaptierten Tätigkeit erkannt worden sei. Was die Kritik der neurologischen 

Untersuchung angehe, so könne der Versicherte den rechten Gebrauchsarm 

- wenn auch eingeschränkt - durchaus noch verwenden, z.B. zum Autofahren. 

Bei der erwähnten „depressiven Symptomatik“ handle es sich lediglich um 

eine Anpassungsstörung ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Auf die 

gegenteilige Meinung des Psychiaters Dr. … sei nicht abzustellen, zumal die 

übereinstimmenden Beurteilungen des ABI und des RAD dadurch nicht 

widerlegt oder erschüttert würden. Auf die Einholung eines aktuellen 

Abklärungsberichts könne daher ebenfalls verzichtet werden. Der 

wirtschaftliche Einkommensvergleich (Valideneinkommen Fr. 62'114.--; 

Invalideneinkommen Fr. 40'481.60) sei korrekt und zu Recht ohne 

Berücksichtigung eines separaten Leidensabzugs erfolgt, was eben keinen 

höheren IV-Grad als 34.83% ergeben habe. Auch liege keine unzulässige 

Parallelisierung vor, weil das angenommene Valideneinkommen nur 

unwesentlich (7.3%) vom selbst angeführten Einkommen (Fr. 67'028.--) 

abweiche. Die Grenze zu einem „deutlich“ unterdurchschnittlichen 

Valideneinkommen sei noch nicht erreicht worden. Zudem sei fraglich, ob das 

Valideneinkommen im Schnitt mittels der abstrakten Lohnstrukturerhebungen 

im Baugewerbe, Niveau 3, hätte ermittelt werden dürfen.

2. Dagegen liess der Versicherte am 27.10.2009 Beschwerde beim 

Verwaltungsgericht erheben, mit den Anträgen um Aufhebung der 

angefochtenen Verfügung und um Zusprechung einer Dreiviertelsrente auf 

der Basis eines IV-Grads von 65%. Nicht bestritten werde das 

Valideneinkommen (Fr. 62'114.--). Die Schätzung des Invalideneinkommens 

sei mit Fr. 40'481.60 aber viel zu optimistisch bzw. viel zu hoch ausgefallen. 

Der Beschwerdeführer habe stets körperlich schwere Arbeit verrichtet, könne 

nun aber den rechten, dominanten Gebrauchsarm praktisch nicht mehr 

einsetzen. Er sei daher faktisch heute einarmig. Er sei auch bei den 

adaptierten Tätigkeiten eingeschränkt, da diese im Alltag alle die 

Beidhändigkeit voraussetzten. Dem Beschwerdeführer stehe deshalb – 

abgesehen von den manuellen und schweren Arbeiten – ebenso auch nicht 

der gesamte Fächer an Tätigkeiten offen, welche die Basis für den gewählten 

Tabellenlohn gebildet hätten. Als Korrektur müsse deshalb noch ein 

beträchtlicher Leidensabzug vorgenommen werden. Laut ABI-Gutachten sei 

ein vermehrter Pausenbedarf erstellt. Es sei dann aber realitätsfremd zu 

glauben, der Beschwerdeführer könne eine Arbeitsstelle finden, bei der er zu 

100% präsent sein müsste (Blockierung Arbeitsplatz/-geräte), aber dabei nur 

70% Leistung erbringen könnte. Unter solchen Bedingungen könnte er sicher 

nicht 70% des Lohns eines gesunden Mitarbeiters erzielen. Ein potentieller 

Arbeitgeber habe erhebliche Nachteile zu gewärtigen, weshalb ein 

Leidensabzug von 25% gerechtfertigt wäre. Dazu kämen noch die 

psychischen Leiden wegen der fortschreitenden Krebserkrankung mit 

Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. In diesem Punkt sei daher auf die 

Beurteilung des betreuenden Psychiaters (Dr. …) abzustellen. Die Depression 

sei nicht allein auf den Gebrauchsverlust des rechten Arms, sondern auf die 

Angst vor den Metastasen zurückzuführen. Die Gesamtsituation habe sich 

aufgrund des jüngsten Krankheitsverlaufs (Lungenmetastasen; häufige CT-

Kontrollen; bevorstehende Operationen) noch weiter verschärft. In einer 

adaptierten Tätigkeit, d.h. in einer körperlich leichten Arbeit ohne 

Inanspruchnahme des rechten Arms, sei der Beschwerdeführer daher 

höchstens noch zu 40-50% arbeitsfähig. Im Zweifelsfall sei dazu noch ein 

aktuelles Medizinalgutachten einzuholen und die Sache zu diesem Zweck an 

die Vorinstanz zurückzuweisen. Andernfalls sei von einem 

Invalideneinkommen von maximal Fr. 21'686.-- (bei einer Leistungsfähigkeit 

von 50% und einem separaten Leidensabzug von 25%) auszugehen, was 

zum erwähnten IV-Grad von 65% und zur Bezugsberechtigung einer ¾ -Rente 

geführt hätte.

3. In ihrer Vernehmlassung (Beschwerdeantwort) vom 18.11.2009 liess die 

Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde beantragen. Streitpunkt sei allein 

die Rentenfrage mit Wirkung ab 01.12.2005, wobei einzig der sich bis 

05.10.2009 (Erlass angefochtene Verfügung) verwirklichte Sachverhalt zu 

berücksichtigen sei. Gemäss ABI-Gutachten vom Dez. 2008 habe die 

diagnostizierte Anpassungsstörung keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 

des Beschwerdeführers. Im Gegensatz zum Attest des Psychiaters Dr. … 

handle es sich bei der Beurteilung im ABI-Gutachten um eine objektivierte 

Einschätzung der Arbeitsfähigkeit. Die Angst des Beschwerdeführers 

aufgrund des Tumors am rechten Arm und auf der Lunge sei dem ABI bekannt 

gewesen und in die Beurteilung bereits miteinbezogen worden. Eine 

Depression sei nirgends diagnostiziert worden. Die Schätzung des ABI und 

des RAD (70%-ige Arbeitsfähigkeit ganztags mit verminderter 

Leistungsfähigkeit seit Juni 2004) sei deshalb nicht zu beanstanden. Die 

zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Kranführer sei keine körperliche Schwerarbeit 

gewesen. Ein weiterer Teilzeitabzug sei nicht gerechtfertigt, da dem 

Beschwerdeführer bei ganztägiger Arbeit eine 70%-ige Leistung zuzumuten 

sei. Die eingeschränkte Nutzung des rechten Arms sei durch den 

grosszügigen Abzug von 30% bereits berücksichtigt worden (Arbeitsfähigkeit 

von 70%). Ein potentieller Arbeitgeber müsse mit keinen zusätzlichen 

Einbussen rechnen, weshalb auch kein gesonderter Leidensabzug in Frage 

käme; zumal ein Teilzeitabzug laut höchstrichterlicher Rechtsprechung auf 

Vollzeittätigkeiten mit reduzierter Leistungsfähigkeit nicht anwendbar sei. Eine 

derartige Stellenbesetzung sei vielmehr auch für einen potentiellen 

Arbeitgeber vorteilhaft, weil er von einer grösseren Flexibilität bei der 

Einsatzplanung bei vollzeitlicher Präsenz profitieren könne. Am eruierten IV-

Grad von 34.83% (Valideneinkommen Fr. 62'114.--; Invalideneinkommen Fr. 

40'481.57; kein Leidensabzug) gebe es folglich nichts zu rütteln, was den 

Bezug einer Rente (mind. 40% IV-Grad) ausschliesse. 

4. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels (mit Replik vom 22.12.2009 und 

Duplik vom 11.01.2010) vertieften und bekräftigten die Parteien noch einmal 

ausführlich ihre gegensätzlichen Standpunkte, wobei insbesondere die 

medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers bis zum 

Zeitpunkt des massgeblichen Verfügungserlasses (05.10.2009), die 

Notwendigkeit eines ärztlichen Obergutachtens über die somatischen 

und/oder psychischen Beschwerden als auch im Besonderen die Berechnung 

des Invalideneinkommens (mit/ohne Leidensabzug) für die korrekte 

Ermittlung des IV-Grads bis zuletzt allseits strittig geblieben sind.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Als Invalidität gilt die durch einen körperlichen oder geistigen 

Gesundheitsschaden verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere 

Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 des Bundesgesetzes über den 

Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] und Art. 4 

des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Bei 

erwerbstätigen Versicherten erfolgt die Ermittlung der Invalidität in der Regel 

nach der Methode des Einkommensvergleiches (Art. 16 ATSG; Art. 28 Abs. 2 

IVG). Bei dieser Methode wird das gegenwärtig trotz Behinderung noch 

zumutbare Erwerbseinkommen mit jenem ohne Behinderung verglichen, 

wobei die daraus resultierende Differenz in Prozenten den IV-Grad ergibt. Ist 

ein Versicherter danach mindestens 40% invalid, so hat er Anspruch auf eine 

Viertelsrente, bei mindestens 50% auf eine halbe Rente, bei mindestens 60% 

auf eine Dreiviertelsrente und ab 70% auf eine ganze IV-Rente (Art. 28 Abs. 

1 IVG). Für die Festsetzung des IV-Grads kommt es dabei in erster Linie auf 

die wirtschaftliche Erwerbsunfähigkeit und nicht auf die medizinische 

Arbeitsunfähigkeit an (PVG 2005 Nr. 11, 1982 Nr. 80; BGE 132 V 395 E. 2.1). 

Ohne zuverlässige und beweistaugliche Bestimmung der graduellen 

Arbeitsfähigkeit durch die Ärzte als Beurteilungsgrundlage ist eine seriöse 

Ermittlung der Erwerbsunfähigkeit (IV-Grad) jedoch zum Voraus überhaupt 

nicht möglich (BGE 125 V 261 E. 4, 122 V 160 f. E. 1c, 115 V 134 E. 2).

2. Gegenstand der Beschwerde bildet vorliegend die Frage, ob der 

Beschwerdeführer mit Wirkung ab 01.12.2005 Anspruch auf eine 

Invalidenrente hat. Für den Zeitraum vor dem 01.09.2005 verfügte die IV 

bereits mit Einspracheentscheid vom 29.06.2007, sodass die hier 

angefochtene Verfügung zu Recht nur mehr den darauffolgenden Zeitraum 

betrifft (vgl. Art. 88a IVV). Massgebend ist dabei der sich bis zum Zeitpunkt 

des Verfügungserlasses am 05.10.2009 verwirklichte Sachverhalt. Eine 

möglicherweise erst später eingetretene Verschlechterung des physischen 

oder psychischen Gesundheitszustands nach der Lungenoperation am 

06.11.2009 kann in diesem Verfahren also nicht mehr berücksichtigt werden, 

sondern müsste allenfalls Thema eines neuen Gesuches sein. Die gemäss 

Hausarzt Dr. … seither offenbar bestehende Einschränkung der 

Lungenfunktion kann daher hier nicht berücksichtigt werden. Zu prüfen und 

zu entscheiden ist aber, ob eine psychische Verschlechterung bereits früher 

eingetreten ist. Sowohl im Verlaufsbericht vom 29.09.2009 (Dr. …) als auch 

im Zweitbericht vom 01.10.2009 (Prof. Dr. …) wurde der Verdacht auf 

Lungenmetastasen geäussert. Allerdings bescheinigte Dr. … dem 

Beschwerdeführer darin auch einen unveränderten Allgemeinzustand im 

Verlaufe der letzten vier Jahre (2005-2009). Auch Prof. Dr. … spricht „erst“ 

bzw. immer noch von einem Verdacht auf Metastasen. Die Lungenrundherde 

waren aber bereits seit 2004 (vgl. Bericht Dr. … vom 14./18.09.2007 sowie 

RAD-Bericht vom 23.01.2009) bekannt und wurden wegen 

Metastasenverdachtes auch regelmässig fachärztlich untersucht. Diese 

Belastungssituation bestand somit schon im Zeitpunkt der ABI-Begutachtung 

(Dez. 2008) und wurde dort bereits miteinbezogen. Zum damaligen Zeitpunkt 

tendierten die Fachleute aber aufgrund der Grössenkonstanz der 

Gewebewucherungen eher zu einer Verneinung von Metastasen. Erst kurz 

vor Verfügungserlass am 05.10.2009 hat sich die Situation nach zeitweiliger 

Beruhigung wieder verschärft. Der Beschwerdeführer schätzte seine 

psychische Befindlichkeit aber schon im Zeitpunkt der Begutachtung als 

schlecht ein und schilderte seine grosse Angst vor Metastasen. Bei dieser 

Aktenlage ist jedoch davon auszugehen, dass bis Herbst 2009 immer noch 

nur die diagnostizierte Anpassungsstörung laut ABI-Gutachten vorgelegen 

hat und bis dahin darum keine wesentliche Verschlechterung des 

Allgemeinzustands mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eingetreten ist. 

Daraus folgt, dass die Vorinstanz in der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu 

Recht auf das schlüssige, umfassende und widerspruchsfreie ABI-Gutachten 

abstellte, worin der Beschwerdeführer in der bisherigen Tätigkeit als 

Bauarbeiter/Kranführer zu 100% arbeitsunfähig, in einer auf seine Leiden 

Rücksicht nehmenden Ersatztätigkeit aber noch zu 70% arbeitsfähig taxiert 

wurde. An dieser Beurteilung des ABI vermögen die gegenteiligen 

Erkenntnisse und Schlussfolgerungen des aufgesuchten Psychiaters Dr. … 

(Arbeitsunfähigkeit mindestens 50-60% in jeder Tätigkeit) nichts zu ändern, 

da seine Darlegungen äusserst knapp und zu vage ausgefallen sind, um das 

ABI-Gutachten inhaltlich erschüttern oder gar widerlegen zu können. An der 

prinzipiellen Feststellung, wonach der Beschwerdeführer für jede schwere 

oder mittelschwere Tätigkeit zu 100% arbeitsunfähig sei; in einer körperlich 

leichten, vorwiegend mit dem linken Arm zu bewältigenden Arbeit ohne 

Überkopfarbeiten aber noch zu 70% arbeitsfähig sei (ganztags mit erhöhtem 

Pausenbedarf), gibt es aus medizinisch-theoretischer Sicht daher nichts zu 

korrigieren. Daraus folgt in Bezug auf die Berechnung des 

Invalideneinkommens aber ebenso klar, dass die Vorinstanz zu Recht auf die 

einschlägigen Lohnstrukturerhebungen, Anforderungsniveau 4, abstellte, 

woraus als Ausgangswert für 2005 effektiv ein noch erzielbares 

Invalideneinkommen von Fr. 40'481.60 pro Jahr resultiert hätte. 

3. a) Zu klären bleibt damit noch die Frage nach der Berechtigung eines allfälligen 

Leidensabzugs, der vom ermittelten Invalideneinkommen in Abzug zu bringen 

wäre und deshalb für die Höhe des IV-Grads von Bedeutung sein könnte. Ob 

ein behinderungsbedingt oder anderweitig begründeter Leidensabzug 

vorzunehmen sei, ist eine Rechtsfrage, während jene nach der Höhe des 

Abzugs eine typische Ermessensfrage darstellt, deren Beantwortung einer 

Korrektur nur mehr dort zugänglich ist, wo das Ermessen rechtsfehlerhaft oder 

gar willkürlich ausgeübt wurde (Urteil des Bundesgerichtes vom 06.03.2009 

[9C_24/2009] Erw. 1.2; vom 19.08.2008 [9C_189/2008] Erw. 1 am Ende und 

BGE 132 V 393 E. 3.3 S. 399). Die Frage, ob und in welchem Ausmass die 

Tabellenlöhne für die Ermittlung des Invalideneinkommens herabzusetzen 

sind, hängt von allen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten 

Einzelfalles ab (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, 

Nationalität, Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach 

pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Dabei kann ein 

Leidensabzug von höchstens 25% gestattet werden, um den verschiedenen 

Merkmalen – die das Erwerbseinkommen zu beeinflussen vermögen – 

Rechnung zu tragen. Ein Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen, sondern 

nur dann, wenn im Einzelfall genügend Anhaltspunkte dafür bestehen, dass 

der Versicherte wegen eines oder mehrerer der genannten Merkmale seine 

gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen 

Arbeitsmarkt nur noch mit unterdurchschnittlichem Erwerbserfolg verwerten 

kann (Urteil des Bundesgerichts vom 15.12.2008 [8C_559/2008] Erw. 5.2 am 

Ende; BGE 126 V 75 Erw. 5 b/aa S. 80 und 129 V 472 Erw. 4.2.3 S. 481).

b) Nach Ansicht des Gerichts rechtfertigt sich im konkreten Fall ein 

Leidensabzug auf das ermittelte Invalideneinkommen von Fr. 40'481.60. Dies 

einerseits deshalb, weil der Beschwerdeführer früher als Gesunder (bis 2004) 

körperlich schwere Arbeit leistete und nun bloss noch leichte Arbeiten – meist 

gar nur noch „einarmig“ - ausführen kann. Aus den Akten ergibt sich, dass er 

zuvor nicht nur als Kranführer, sondern stets auch als Bauarbeiter tätig war, 

was bezüglich einer kleineren Bauunternehmung auch der allgemeinen 

Lebenserfahrung entspricht. Im Weiteren ist das Berufsfeld, welches dem 

Beschwerdeführer noch offen steht – nebst der Einschränkung der 

Leistungsfähigkeit von 30% wegen vermehrter Pausen – markant 

eingeschränkt. Dabei steht im Vordergrund, dass eine adaptierte 

Ersatztätigkeit künftig nur mit dem linken Arm erledigt werden kann. Die 

Gebrauchs- und Einsatzfähigkeit des rechtens Arms ist zwar nicht gänzlich, 

aber doch beträchtlich eingeschränkt. Dabei ist insbesondere festzustellen, 

dass der Gebrauch des rechten Arms jeweils zu einer Zunahme der 

Schmerzproblematik geführt hat. Die von der Vorinstanz angeführten 

Referenztätigkeiten sind deshalb mit dem Mangel behaftet, dass sie einen 

regelmässigen (Mit-) Gebrauch des Zweitarms notwendig machen. Was 

andererseits den in den Vorbringen der Parteien thematisierten sogenannten 

Teilzeitabzug anbelangt, ist zwar richtig, dass das Bundesgericht im Urteil I 

69/2007 vom 2. November 2007 die Praxis begründet hat, wonach ein solcher 

Abzug bei Personen mit einer Teilarbeitsfähigkeit, welche jedoch in einem 

vollen Pensum tätig sind, grundsätzlich nicht zulässig ist. Eine 

Berücksichtigung des Beschäftigungsgrads schloss aber selbst das 

Bundesgericht im genannten Urteil nicht kategorisch aus (vgl. auch VGU S 09 

49 Erw. 4d). Zur Kritik an dieser Praxis hat das Bundesgericht kürzlich im 

Urteil 9C_708/2009 vom 19. November 2009 Stellung genommen. Da es im 

konkreten Fall im Ergebnis keine Änderung ergeben hätte, liess es die Frage 

einer Änderung der Gerichtspraxis zwar offen. Es bezeichnete indes die Kritik 

als berechtigt. Es führte aus, dass es sich nicht zu Ungunsten der betroffenen 

versicherten Person auswirken könne, dass die vergleichsweise tiefere 

Entlöhnung von Teilzeitarbeit statistisch belegt sei (zuletzt: 

Lohnstrukturerhebung (LSE) 06 Tabelle T2* S. 16), solche Angaben in Bezug 

auf Vollzeitarbeit bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit hingegen fehlten 

(Urteil 9C_708/2009 Erw. 2.5.2 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil 9C_603/2007 

Erw. 4.2.3. vom 8. Januar 2008 sowie Entscheid des Versicherungsgerichts 

des Kantons St. Gallen vom 13. August 2009, IV 2007/505). Diese 

Ausführungen des Bundesgerichts dürften auch auf den vorliegenden Fall 

zutreffen. Unter Würdigung der Gesamtumstände ist das Gericht deshalb 

ermessensweise zu einem Leidensabzugs von 20% gelangt (Urteil des 

Bundesgerichts vom 6. März 2009 [Proz.-Nr. 9C_24/2009 Erw. 1.2 am Ende). 

Rechnerisch führt dies neu zu einem IV-Grad von 47.86% (nicht bloss 34.83% 

wie von der Vorinstanz ermittelt), womit der Beschwerdeführer laut Art. 28 

Abs. 2 IVG Anspruch auf eine Viertelsrente hat (Differenz: Valideneinkommen 

Fr. 62’114.-- und Invalideneinkommen neu Fr. 32'385.30 [Fr. 40'481.60 minus 

20% Leidensabzug [Fr. 8'096.30] = IV-Grad 47.86%). 

4. a) Die angefochtene Verfügung erweist sich damit nicht als rechtens, was zu 

ihrer Aufhebung und zur Gutheissung der Beschwerde im Sinne der 

Erwägungen führt. Die Vorinstanz wird demnach verpflichtet, dem 

Beschwerdeführer eine IV-Viertelsrente ab dem 01.12.2005 auszurichten. 

b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens werden die Kosten von Fr. 700.-- 

gestützt auf Art. 69 Abs. 1bis IVG vollumfänglich der Vorinstanz auferlegt. 

c) Die Vorinstanz hat den Beschwerdeführer zudem aussergerichtlich 

angemessen zu entschädigen, was bedeutet, dass sie die laut Honorarnote 

vom 12.01.2010 erhobene Entschädigung von Fr. 2'853.80 gestützt auf Art. 

61 lit. g ATSG an den anwaltlich vertretenen und obsiegenden 

Beschwerdeführer zu bezahlen hat. 

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, die angefochtene Verfügung aufgehoben 

und die Vorinstanz verpflichtet, dem Beschwerdeführer … eine Viertelsrente 

ab 01.12.2005 zu gewähren.   

2. Die Kosten von Fr. 700.-- gehen zulasten der Sozialversicherungsanstalt des 

Kantons Graubünden und sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses 

Entscheids an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu 

bezahlen.

3. Die Vorinstanz hat den Beschwerdeführer zudem aussergerichtlich noch mit 

insgesamt Fr. 2'853.80 (inkl. MWST) zu entschädigen.