# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 34c71f02-0624-5093-bc52-e14a9cf48cd2
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2009-09-29
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 1. Kammer 29.09.2009 U 2009 67
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_001_U-2009-67_2009-09-29.pdf

## Full Text

U 09 67

1. Kammer 

URTEIL
vom 29. September 2009

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Einleitung Disziplinarverfahren

1. Seit Oktober 2000 führte Rechtsanwalt … im Auftrag der Baugesellschaft … 

verschiedene Arbeiten als Notar aus. So wirkte er auch an der Begründung 

von Stockwerkeigentum der Liegenschaft Nr. 17 in … mit und beurkundete 

diese als Notar. Ferner beurkundete er am 21. Februar 2007 einen 

Kaufvertrag über zwei Parkplätze in der Einstellhalle der Überbauung auf der 

Parzelle Nr. 17 zwischen der Baugesellschaft … (Verkäuferin) und der … SA 

(Käuferin und Eigentümerin der benachbarten Parzelle Nr. 18). Gleichentags 

beurkundete er einen weiteren Kaufvertrag, mit welchem die Baugesellschaft 

… drei Einstellplätze an … (Vater der Gründer der … SA) verkaufte. 

Im Frühjahr 2008 leitete die Gemeinde … ein Verfahren ein betreffend die 

Änderung des Quartierplans …. Dies geschah mit dem Ziel, dass die 

Erschliessung der Parzelle Nr. 18 (Eigentümerin … SA) mit einer eigenen 

Autoeinstellhalle und deren Anschluss an die bestehende Einstellhalle der 

Parzelle Nr. 17 realisiert werden könne. Dagegen erhoben sowohl die 

Stockwerkeigentümergemeinschaft … sowie die Baugesellschaft … 

Einsprache. Im Rahmen des weiteren Verfahrens beantragte … als Vertreter 

der … SA die Abweisung dieser Einsprachen. 

2. Am 20. November 2008 reichte die Baugesellschaft … bei der Bündner 

Aufsichtskommission über die Rechtsanwälte (AKR) eine Anzeige gegen … 

ein. Dieser habe infolge rechtswidriger Interessenvertretung und unzulässiger 

Kontaktaufnahme mit der anwaltlich vertretenen Gegenpartei die anwaltlichen 

Berufsregeln verletzt. Da die AKR der Ansicht war, dass Anhaltspunkte für 

eine Verletzung anwaltlicher Berufsregeln im Sinne des eidgenössischen 

Anwaltsgesetzes bestünden, eröffnete sie mit Beschluss vom 16. März 2009 

ein Disziplinarverfahren gegen … Dieser machte in seiner Stellungnahme 

vom 6. April 2009 geltend, dass er zwei verschiedene Mandanten in zwei 

voneinander getrennten Rechtsgebieten vertreten habe. In den Jahren 2000 

bis 2002 habe er einzelne Notariatsgeschäfte für die Baugesellschaft … 

ausgeführt, wobei er aber keinen Einblick in die Geschäftstätigkeit dieser 

Baugesellschaft gehabt habe. Was die Stellungnahme im 

Abänderungsverfahren betreffe, habe die durch ihn vertretene … SA lediglich 

zu öffentlich-rechtlichen Fragen des Quartierplansverfahrens bzw. des 

Raumplanungsrechts Stellung bezogen. Es habe in diesem Rahmen keine 

Veranlassung bestanden, auf Informationen oder vertrauliche Akten aus den 

Notariatsgeschäften zurückzugreifen. 

3. Mit Beschuss vom 15 Mai 2009 stellte die AKR fest, dass … gegen die 

anwaltlichen Berufspflichten verstossen habe und ahndete dieses 

Fehlverhalten disziplinarisch mit einer Verwarnung. … sei sowohl für die 

Baugesellschaft … wie auch für die … SA als Notar tätig gewesen. Die 

Bestimmungen über die Berufsregeln im eidgenössischen Anwaltsgesetz 

beziehen sich nicht nur auf die Beziehungen des Anwalts zum eigenen 

Klienten, sondern es sei die gesamte Berufstätigkeit des Anwalts davon 

erfasst, demzufolge also auch dessen sämtlichen beruflichen Handlungen. Mit 

Verweis auf die Bundesgerichtspraxis hielt die AKR fest, dass ein Notar, der 

gleichzeitig als Rechtsanwalt praktiziere, in einer streitigen Angelegenheit, die 

einen von ihm zuvor öffentlich beurkundeten Sachverhalt betreffe, keine der 

beteiligten Parteien vertreten dürfe. Eine Verletzung des Verbots von 

Interessenkollisionen sei gegeben, wenn ein sich aus den gesamten 

Umständen ergebender konkreter Interessenkonflikt vorliege, wie es für den 

vorliegenden Fall zu bejahen sei. Gegenstand des Abänderungsverfahrens 

bilde die Gewährung eines Durchfahrtsrechtes durch die Einstellehalle auf der 

Parzelle Nr. 17 (Baugesellschaft …) zu Gunsten der Parzelle Nr. 18 (… SA). 

Die Einsprecher machten geltend, im bestehenden Quartierplan sei die Frage 

der Pflichtparkplätze zu Gunsten der Parzelle Nr. 18 eindeutig geregelt. 

Demnach habe der Eigentümer der Parzelle Nr. 17 dem Eigentümer der 

Parzelle Nr. 18 die notwendige Anzahl Pflichtparkplätze zur Verfügung zu 

stellen. Dabei seien die Parteien davon ausgegangen, dass es sich um zwei 

Pflichtparkplätze handle. In Kenntnis dieser Regelung sowie gestützt auf die 

Begründungserklärung und das Reglement der Stockwerkeinheit hätten die 

Käufer der Stockwerkeinheiten der Parzelle Nr. 17 diese dann auch erworben. 

Neben der Begründung des Stockwerkeigentums sowie der Beurkundung der 

Kaufverträge über die Parkplätze habe … als Notar fungiert. Dabei habe er 

nicht nur die Verträge beurkundet, sondern als Notar habe er auch die 

Aufgabe gehabt, als neutrale Person deren rechtlichen Konsequenzen zu 

erläutern. Er habe die Beteiligten gestützt auf das Notariatsgesetz über Inhalt 

und erkennbare Tragweite des Geschäftes zu belehren gehabt sowie auf die 

Beseitigung von Widersprüchen oder Unklarheiten hinwirken müssen. Wenn 

… in seiner Stellungnahme vom 10. Juni 2008 geltend mache, dass bei einer 

umfassenden Rechtsgüterabwägung das öffentliche Interesse zur Lösung der 

Garagierungsfrage im Sinne der von der Gemeinde … vorgelegten Revision 

des Quartierplans … im Verhältnis zu den individuellen Interessen der 

Stockwerkeigentümer an der Abwehr eines Mehrverkehrs überwiege, so 

zeige gerade diese Argumentation deutlich das Vorliegen gegensätzlicher 

Interessenlagen der beiden ehemaligen Vertragsparteien. Es bestehe folglich 

zwischen den beurkundeten Verträgen und dem Gegenstand des 

Abänderungsprozesses ein Sachzusammenhang und damit ein konkreter 

Interessenkonflikt, womit … gegen die Berufsregeln gemäss 

eidgenössischem Anwaltsgesetz verstossen habe. Unbegründet sei hingegen 

der Vorwurf, dass sich Rechtsanwalt … ohne Einwilligung des 

Rechtsvertreters mit der Gegenpartei telefonisch in Verbindung gesetzt habe. 

Ein Gespräch mit der anwaltlich vertretenen Gegenpartei sei nämlich immer 

dann zulässig, wenn diese den direkten Kontakt suche oder andere triftige 

Gründe vorlägen. In casu habe sich … direkt an … gewandt und dieser habe 

in der Folge telefonisch Rücksprache genommen, weshalb die Berufsregeln 

gemäss eidgenössischem Anwaltsgesetz nicht verletzt seien. 

4. Gegen diesen Beschluss erhob … (nachfolgend Beschwerdeführer) am 25. 

August 2009 Beschwerde und beantragte dessen Aufhebung sowie die 

Einstellung des gegen ihn anhängigen Disziplinarverfahrens. Die Ansicht der 

AKR, dass zwischen den von ihm beurkundeten Verträgen (Begründung von 

Stockwerkeigentum, Verkauf der Einstellplätze) und dem Gegenstand des 

Abänderungsprozesses ein Sachzusammenhang bestehe, sei unzutreffend. 

Die Begründung der AKR sei nicht nachvollziehbar. Darüber hinaus habe sie 

sich diesbezüglich nicht mit seinen Argumenten auseinandergesetzt, was 

einer Verweigerung des rechtlichen Gehörs gleichkomme. Von Belang sei im 

vorliegenden Verfahren ausserdem nur der Kaufvertrag über die beiden 

Parkplätze an die … SA, und nicht etwa auch jene drei an ... Der 

Beschwerdeführer bemängelte ferner, dass die AKR auf BGE 134 II 108 

verweise, obwohl sich dieses Urteil auf den Fall einer Doppelvertretung 

beziehe und daher auf den vorliegenden Fall nicht anwendbar sei. In casu 

bestehe kein konkreter Zusammenhang zwischen der Begründung des 

Stockwerkeigentums und dem Verkauf der zwei Autoabstellplätze einerseits 

und dem Quartierplanabänderungsverfahren andererseits und somit sei auch 

ein konkreter Interessenkonflikt zu verneinen. Es handle sich vorliegend um 

ein Problem des Parteiwechsels. In der Stellungnahme habe er einlässlich 

dargetan, unter welchen Voraussetzungen ein Rechtsanwalt ein Mandat 

gegen einen früheren Klienten annehmen dürfe. Auch dazu habe die AKR 

nicht Stellung genommen. Die Weitergabe bzw. Verwendung von geheimen 

Informationen aus den früheren Notariatsgeschäften im späteren 

Quartierplanverfahren werde ihm nicht vorgeworfen, weshalb auch keine 

Verletzung des Berufsgeheimnisses vorliege. Auch ein enger 

Zusammenhang zwischen den beiden Mandaten sei nicht ersichtlich. Wie 

erwähnt, sei auch der zeitliche Abstand zwischen den Rechtsfällen zu 

beachten. In einem Zeitabstand von sechs Jahren habe die frühere Tätigkeit 

an Aktualität und Erinnerungsvermögen verloren. Auch von „Identität der 

Streitmaterien“ könne nicht gesprochen werden, zumal es sich beim einen um 

ein Notariatsgeschäft handle und beim anderen ein Quartierplanverfahren. 

Betreffend Fortbestand der Treuepflicht gegenüber dem früheren Mandanten 

bestehe zwischen dem Rechtsanwalt und dem früheren Klienten gemäss 

übereinstimmender Lehre kein Treueverhältnis schlechthin. Der 

Beschwerdeführer führte ferner aus, dass die AKR zutreffend festhalte, dass 

der Notar bei der Beurkundung als neutrale Person die rechtlichen 

Konsequenzen des Geschäftes erläutern und den Inhalt und deren rechtliche 

Konsequenzen erklären müsse. Das habe er auch getan. Eine spezielle 

Aufklärung in Bezug auf die Ergänzung des Quartierplanverfahrens sei zu 

jenem Zeitpunkt aber nicht möglich gewesen, da sich damals die Frage der 

Durchfahrt durch die Autoeinstellhalle noch gar nicht gestellt habe. Erst auf 

Grund des Baugesuches der … SA habe die Gemeinde das 

Abänderungsverfahren eingeleitet. Abschliessend hielt der Beschwerdeführer 

zu den Ausführungen der AKR fest, dass diese gestützt auf seine 

Äusserungen in der Stellungnahme zur Güterabwägung zwischen dem 

öffentlichen Interesse an der Lösung der Garagierungsfrage im Quartierplan 

einerseits und den Anliegen der Stockwerkeigentümer der Liegenschaft … an 

der Abwehr von Mehrverkehr auf das Vorliegen gegensätzlicher 

Interessenlagen geschlossen habe. Diese Ausführungen seien jedoch richtig 

zu stellen: Eine Interessenkollision habe zweifellos bestanden zwischen den 

Bedürfnissen der Stockwerkeigentümergemeinschaft an einer 

Verkehrsberuhigung einerseits und jenen der Öffentlichkeit an der 

Beschränkung der Ausfahrten in die Kantonsstrasse andererseits. Die 

Stockwerkeigentümergemeinschaft … dürfe aber nicht mit der 

Baugesellschaft … gleichgesetzt werden, wie dies die AKR getan habe. Zur 

Stockwerkeigentümergemeinschaft habe er nie in einem Rechtsverhältnis 

gestanden.

5. In ihrer Vernehmlassung beantragte die AKR die Abweisung der Beschwerde, 

soweit überhaupt darauf einzutreten sei. Sie verwies auf die Erwägungen des 

angefochtenen Beschlusses und verzichtete auf weitere Ausführungen. 

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Anfechtungsobjekt ist im vorliegenden Verfahren der Beschluss der AKR vom 

15. Mai 2009 betreffend Disziplinarverfahren. 

Gemäss Art. 7 Abs. 2 des kantonalen Anwaltgesetzes (AnwG; BR 310.100) 

können Entscheide der Aufsichtskommission über die Rechtsanwälte (AKR) 

mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht weitergezogen werden. 

Ausgenommen sind jene Fälle betreffend Bewertung der Anwaltsprüfung (Art. 

7 Abs. 2 AnwG). Ein solcher Ausnahmefall liegt in casu nicht vor, weshalb das 

Verwaltungsgericht die zuständige Rechtsmittelinstanz ist. 

2. a) Der Beschwerdeführer hält in seiner Beschwerde fest, dass sich die AKR nicht 

auf seine juristischen Erwägungen betreffend die Problematik des 

Parteiwechsels (Stellungnahme vom 19. Januar 2009, Ziffer 11 bis 15) 

eingegangen sei. Dass sie sich zu solch wesentlichen materiell-rechtlichen 

Fragen des Rechtsfalles nicht geäussert habe, komme einer Verweigerung 

des rechtlichen Gehörs gleich. Es ist deshalb einleitend zu prüfen, ob die AKR 

das rechtliche Gehör verletzt hat. 

b) Der Grundsatz des Anspruchs auf rechtliches Gehör ist auf Bundesebene in 

Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft 

(BV; SR 101) geregelt. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist das Recht der 

Privaten, in einem vor einer Verwaltungs- oder Justizbehörde geführten 

Verfahren mit ihrem Begehren angehört zu werden, Einblick in die Akten zu 

erhalten und zu den für die Entscheidung wesentlichen Punkten Stellung 

nehmen zu können. Vor Erlass einer Verfügung ist den Betroffenen in der 

Regel Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Aus dem Recht auf 

vorgängige Anhörung folgt, dass die Behörde die Äusserungen der 

Betroffenen tatsächlich zur Kenntnis nehmen und sich damit in 

Entscheidfindung und -begründung sachgerecht auseinandersetzen muss 

(BGE 123 I 31 E. 2c S. 34 m.w.H.; Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines 

Verwaltungsrecht, 5. Auflage 2006, Rz. 1672 ff. m.w.H.). Der Anspruch auf 

rechtliches Gehör enthält ferner auch einen Mindestanspruch auf Begründung 

der Verfügung, der auf kantonaler Ebene ausdrücklich in Art. 22 Abs. 1 des 

Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) geregelt ist. 

Die Begründung einer Verfügung entspricht den Anforderungen, wenn die 

Betroffenen dadurch in der Lage versetzt werden, die Tragweite der 

Entscheidung zu beurteilen und sie in voller Kenntnis der Umstände an eine 

höhere Instanz weiterzuziehen. Die Behörde kann sich auf die für den 

Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Es genügt, wenn ersichtlich ist, 

von welchen Überlegungen sie sich leiten liess (BGE 117 Ib 481 E. 6b, bb; 

Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., Rz. 1705 f.). Ob die Begründung dann auch 

rechtlich zutreffend und haltbar ist, ist nicht eine Frage des formellen 

Anspruches auf rechtliches Gehör, sondern der materiellen Beurteilung der 

Streitfrage.

c) Entscheidend ist gemäss den obigen Ausführungen, dass die AKR nicht 

verpflichtet war, sich zu allen Rechtsvorbringen des Beschwerdeführers zu 

äussern. Sie hat sich in ihrem Entscheid neben allgemeinen prozessualen 

Ausführungen vor allem zur Verletzung der Berufspflichten nach Art. 12 lit. c 

des Bundesgesetzes über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte 

(BGFA; SR 935.61) Stellung genommen. Ferner wurde die Verletzung von 

Art. 12 lit. a BGFA sowie das Strafmass und die Festsetzung der 

Verfahrenskosten behandelt. Der Beschwerdeführer rügt im Speziellen, dass 

die AKR im Rahmen der Prüfung von Art. 12 lit. c BGFA nicht auf seine 

detaillierten Ausführungen betreffend die Problematik des Parteiwechsels 

eingegangen sei. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers kann 

diesbezüglich jedoch nicht von einer Verletzung des rechtlichen Gehörs 

gesprochen werden. Die AKR hat in ihrem Entscheid nämlich durchaus 

erläutert, wenn auch etwas kurz, warum der Beschwerdeführer ihrer Ansicht 

nach die Treuepflicht nach Art. 12 lit. c BGFA verletzt hat. Es war für den 

Beschwerdeführer somit ersichtlich, von welchen Überlegungen sich die 

Vorinstanz leiten liess. Dass die Möglichkeit bestand, diesen Entscheid 

gestützt auf seine Begründung weiterzuziehen, zeigt auch die eingereichte 

Beschwerde. Zusammenfassend hat sich die AKR zu den massgebenden 

Punkten geäussert und ihren Entscheid hinreichend begründet, weshalb der 

Einwand des Beschwerdeführers unbegründet ist. Ob der Entscheid als 

solches richtig ist, ist nachfolgend zu überprüfen. 

3. a) Nach Ansicht der AKR lässt es sich unter anderem nicht mit dem Grundsatz 

des Verbots von Interessenkonflikten vereinbaren, wenn ein Notar, der 

gleichzeitig als Anwalt praktiziert, in einer streitigen Angelegenheit, die einen 

von ihm zuvor öffentlich beurkundeten Sachverhalt betrifft, eine der beteiligten 

Parteien anschliessend anwaltlich vertritt. Dem hält der Beschwerdeführer 

entgegen, dass ein Anwalt ein Mandat gegen einen ehemaligen Klienten dann 

annehmen dürfe, wenn er keine Kenntnisse aus dem früheren Mandat, die er 

als Berufsgeheimnis erfahren habe, verwenden müsse. Es ist demnach zu 

prüfen, ob im vorliegenden Fall eine Verletzung der Treuepflicht des Anwalts 

im Sinne von Art. 12 lit. c BGFA vorliegt. 

b) Art. 12 lit. c BGFA regelt das Verbot von Interessenkonflikten und verlangt von 

Anwälten, jeden Konflikt zwischen den Interessen des Klienten und den 

Interessen von Personen, mit denen sich geschäftlich oder privat in 

Beziehung stehen, zu vermeiden. Die daraus resultierende Treuepflicht 

gegenüber dem Klienten ist umfassender Natur und erstreckt sich auf alle 

Aspekte des Mandatsverhältnisses. Sie steht im Zusammenhang mit der 

Generalklausel von Art. 12 lit. a BGFA, gemäss welcher die Rechtsanwälte 

ihren Beruf sorgfältig und gewissenhaft auszuüben haben, wie auch mit Art. 

12 lit. b BGFA, der sie zur Unabhängigkeit verpflichtet (BGE 134 II 108 E. 3 

m.w.H.). Das Gebot zur Vermeidung widerstreitender Interessen ist einer der 

Grundpfeiler der Berufspflichten des Anwalts. Es ist Ausfluss der 

Unabhängigkeit, welche dem Anwalt im Rahmen seiner Interessenwahrung 

die grösstmögliche Freiheit und Sachlichkeit geben soll. Diese Freiheit 

bedingt, dass der Anwalt nebst der Wahrung der Unabhängigkeit auch die 

Pflicht hat, von Aufträgen mit Interessenkonfliktspotenzial Abstand zu nehmen 

(Georg Pfister, Aus der Praxis der Aufsichtskommission über Anwältinnen und 

Anwälte des Kantons Zürich zu Art. 12 BGFA, in: SJZ 105 (2009), S. 291). 

Neben dem primären Ziel des Verbots, nämlich jenes einer unbeeinflussten 

Interessenwahrung, kann es auch ein Element des Vertraulichkeitsschutzes 

aufweisen. Während das Berufsgeheimnis die Weitergabe von Vertraulichem 

und den Zugang unbefugter Dritter zu Vertraulichem verhindern soll, hat das 

Verbot von Interessenkonflikten den Schutz vor Verwendung von 

Vertraulichem durch den Anwalt selber zum Zweck (Schiller, Schweizerisches 

Anwaltsrecht, Zürich/Basel/Genf 2009, Rz. 779 f.). Grundsätzlich besteht ein 

verbotener Interessenkonflikt immer dann, "wenn der Anwalt die Wahrung der 

Interessen eines Klienten übernommen hat und dabei Entscheidungen zu 

treffen hat, mit denen er sich potentiell in Konflikt zu eigenen oder anderen 

ihm zur Wahrung übertragenen Interessen begibt." (Fellmann / Zindel (Hrsg.), 

Kommentar zum Anwaltsgesetz, Zürich 2005, Art. 12 Rz. 84). 

c) Die im BGFA geregelten Berufspflichten beziehen sich nicht nur auf die 

Beziehung des Anwalts zum eigenen Klienten, sondern auf die gesamte 

Berufstätigkeit des Rechtsanwalts. Dies hat zur Folge, dass ein Anwalt diese 

Berufsregeln nicht nur im Rahmen seiner Anwaltstätigkeit, der 

berufsmässigen Vertretung von Parteien vor Gericht zu berücksichtigen hat, 

sondern bei sämtlichen beruflichen Handlungen (BGE 131 I 223 E. 3.4; 

Fellmann / Zindel, a.a.O., Art. 12 Rz. 6). Notare, die gleichzeitig als Anwälte 

tätig sind, haben die Unvereinbarkeitsbestimmungen sowohl des 

Notariatsrechts als auch des Anwaltsrechts zu respektieren 

(Bundesgerichtsurteil 2C_407/2008 vom 23. Oktober 2008, E. 3.3). Das 

BGFA spricht sich nicht explizit über eine Treuepflicht des Anwaltes 

gegenüber Klienten, die er zuerst als Notar betreut hatte, aus. Trotzdem wird 

in solchen Fällen mit der Mandatsübernahme eine Situation geschaffen, in 

welcher der Anwalt unter Umständen Kenntnisse gegen die Interessen der 

einen Partei aus dem früheren Notariatsmandat zur Ausübung des neuen 

Mandats verwenden könnte (vgl. Entscheid der Anwaltskommission Aargau 

vom 14. November 2007, E. 3.1.2, AGVE 2007, S. 51). Im zuvor zitierten Urteil 

(2C_407/2008, E. 3.3) hat das Bundesgericht diesbezüglich festgehalten, 

dass ein Notar, der gleichzeitig als Anwalt praktiziere, in einer streitigen 

Angelegenheit, die einen von ihm zuvor öffentlich verurkundeten Sachverhalt 

betreffe, keine der beteiligten Parteien vertreten dürfe. Diese Konstellation sei 

vergleichbar mit jener, in welcher ein Anwalt vorgängig der 

Mandatsübernahme eine richterliche Funktion wahrnehme. Auch hier erlange 

er als Richter Kenntnis von wesentlichen Tatsachen, welche auch die spätere 

Gegenpartei beträfen, was einer Übernahme eines Anwaltsmandates 

entgegen stehe. 

d) Sowohl die Vorinstanz wie auch der Beschwerdeführer weisen darauf hin, 

dass im bundesgerichtlichen Urteil 2C_407/2008 ausdrücklich verlangt werde, 

dass nicht nur die abstrakte Möglichkeit des Auftretens gegensätzlicher 

Interessenlagen gegeben sei, sondern dass vielmehr ein sich aus den 

gesamten Umständen ergebender konkreter Interessenkonflikt bestehen 

müsse (vgl. dazu BGE 134 II 108). Während die AKR zum Schluss kommt, 

dass ein konkreter Interessenkonflikt in casu zu bejahen sei, führt der 

Beschwerdeführer aus, dass ein solcher mangels Sachzusammenhang der 

zur Diskussion stehenden Geschäfte nicht gegeben sei.

Das Verwaltungsgericht hat in einem aktuellen ähnlich gelagerten Fall (U 09 

46) die vorliegende Konstellation als äusserst heikel beurteilt. Während eine 

Urkundsperson die Interessen der Beteiligten gleichmässig und objektiv 

wahren müsse (Art. 24 Abs. 2 des kantonalen Notariatsgesetzes [NotG; BR 

210.300]), sei ein Anwalt primär Verfechter von Parteiinteressen und sei als 

solcher einseitig für seinen Mandanten tätig (BGE 106 Ia 100 E. 6b, S. 106; 

131 IV 164 E. 1.3.2, S. 185). Dass diese Konstellation äussert heikel, wenn 

nicht gar untersagt, sei, dürfte bzw. müsste jedem Notar bekannt sein. Das 

Verwaltungsgericht kam zum Schluss, dass die reine Konstellation einer 

anwaltlichen Vertretung durch den beurkundenden Notar ausreiche um eine 

Verletzung der Interessenwahrungspflicht nach Art. 24 Abs. 2 NotG zu 

bejahen. Die Gefahr eines (bewussten oder unbewussten) Missbrauchs des 

als Notar erlangten Wissens sei so gross, dass bereits die abstrakte 

Möglichkeit des Auftretens gegensätzlicher Interessenlagen ausreichen 

müsse, um auf eine unzulässige Vertretung zu schliessen. Darüber hinaus 

bejahte das Verwaltungsgericht im zitierten Fall auch einen konkreten 

Interessenkonflikt. Diese Rechtsprechung kann auf das Anwaltsrecht 

übertragen werden. Trotz dieser Senkung der Schwelle zu einer Bejahung der 

Verletzung des Gebots der Interessenwahrungspflicht nach Art. 12 lit. c 

BGFA, ist nicht in jedem Fall, in welchem ein Anwalt bereits zuvor für eine 

oder mehrere Partei(en) als Notar tätig war, eine Verletzung dieser Pflicht 

anzunehmen. Es bleibt nämlich nach wie vor erforderlich, dass zwischen dem 

beurkundeten Geschäft und der folgenden Anwaltstätigkeit ein 

Sachzusammenhang besteht. Es ist nachfolgend deshalb zu prüfen, ob in 

casu ein solcher vorliegt. 

e) Die Argumentation der Vorinstanz zum Vorliegen eines 

Sachzusammenhangs zwischen den beurkundeten Verträgen und den sich 

stellenden Fragen im Abänderungsverfahren fällt eher kurz aus. Es wird 

primär auf eine Bemerkung des Beschwerdeführers in seiner Stellungnahme 

vom 10. Juni 2008 hingewiesen, wo er ausführte, dass bei einer umfassenden 

Rechtsgüterabwägung das öffentliche Interesse zur Lösung der 

Garagierungsfrage im Sinne der von der Gemeinde … vorgelegten Revision 

des Quartierplans … im Verhältnis zu den individuellen Interessen der 

Stockwerkeigentümer an der Abwehr eines Mehrverkehrs überwiege. Nach 

Auffassung der AKR zeige dies mit aller Deutlichkeit das Vorliegen 

gegensätzlicher Interessenlagen der beiden ehemaligen Vertragsparteien. 

Diese Argumentation überzeugt nicht. Zum einen ist zu beachten, dass 

damals nicht die Stockwerkeigentumsgemeinschaft oder die einzelnen 

Stockwerkeigentümer Vertragspartei waren, sondern die Baugesellschaft … 

sowie die … SA. Zum anderen ist es für das Gericht nicht ersichtlich, inwiefern 

diese Argumentation das Vorliegen eines Interessenkonflikts des 

Rechtsvertreters belegt. Die seinerzeitige Stockwerkeigentumsbegründung 

(2002) und die beiden Verträge betreffend den Verkauf von Einstellplätzen in 

der Einstellhalle auf der Parzelle Nr. 18 (21. Februar 2007) stehen in keiner 

direkten und rechtlich relevanten Verbindung zur Revision den Quartierplans 

(Einleitung des Abänderungsverfahrens am 3. März 2008). Dem Quartierplan 

kam im Zusammenhang mit den Notariatsgeschäften keinerlei Bedeutung zu. 

Erst mit der nachfolgenden Entwicklung stellte sich im Zusammenhang mit 

der Projektierung der Überbauung der Parzelle Nr. 18 sowohl die Frage nach 

den Pflichtparkplätzen als auch nach der konkreten Erfüllung der 

Parkplatzpflicht und es entstand damit die Notwendigkeit einer Abänderung 

des Quartierplans. 

f) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die aktuelle Streitigkeit 

(Quartierplanabänderung) mit den damaligen notariellen Mandaten 

(beurkundete Verträge) nicht in einem ausreichend engen 

Sachzusammenhang steht. Es geht um eine Streitigkeit, die weder einen der 

beurkundeten Verträge noch deren direkten Folgen betrifft (vgl. diesbezüglich 

auch Entscheid der Anwaltskommission Aargau vom 14. November 2007, E. 

3.3.1, AGVE 2007, S. 53). Mangels des erforderlichen Sachzusammenhangs 

zwischen der Begründung von Stockwerkeigentum und dem Verkauf der 

Einstellplätze einerseits und dem Quartierplanabänderungsverfahren 

andererseits ist das Vorliegen eines abstrakten Interessenkonflikts und 

demnach erst recht eines konkreten Interessenkonflikts zu verneinen. Die 

durch die AKR im angefochtenen Beschluss ausgesprochene Verwarnung 

entbehrt somit einer sachlichen Grundlage. Aus diesem Grund ist die 

Beschwerde gutzuheissen und der angefochtene Entscheid aufzuheben. 

4. Bei diesem Ausgang gehen die Verfahrenskosten gemäss Art. 73 Abs. 1 VRG 

zulasten der Beschwerdegegnerin. Den Parteien steht keine 

aussergerichtliche Entschädigung zu. 

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und der angefochtene Entscheid 

aufgehoben. 

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 800.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 302.--

zusammen Fr. 1'102.--

gehen zulasten der Aufsichtskommission über die Rechtsanwälte und sind 

innert 30 Tagen seit Zustellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung 

des Kantons Graubünden, Chur, zu bezahlen.