# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cbec9325-390e-55b4-bf96-2854064b85bb
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-07-01
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Sonstiges 01.07.2021 IV 2019/229
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Publikationen/SG_KGN_999_IV-2019-229_2021-07-01.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 1/11

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2019/229

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 06.01.2022

Entscheiddatum: 01.07.2021

Entscheid Versicherungsgericht, 01.07.2021
Art. 28 IVG. Unvollständige Angaben zur Arbeitsfähigkeit bezüglich des 
Verlaufs der Arbeitsfähigkeit seit Ablauf des Wartejahres. Rückweisung zur 
weiteren Ergänzung (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. 
Gallen vom 1. Juli 2021, IV 2019/229).

 Entscheid vom 1. Juli 2021

Besetzung

Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-

Studerus; a.o. Gerichtsschreiberin Melanie Rickenbach

Geschäftsnr.

IV 2019/229

Parteien

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, Anwaltskanzlei St. Jakob, 

St. Jakob Strasse 37, 9000 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

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Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.  

A.___ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich am 12. Mai 2016 (Eingang IV-Stelle) 

zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Zu seinem 

erlernten Beruf oder seiner bisherigen Tätigkeit machte er keine Angaben. Seine letzte 

Arbeitgeberin gab an, den Versicherten bis zum März 2016 als Gleisbauer beschäftigt 

zu haben (IV-act. 8). PD Dr. med. B.___, Facharzt für Gastroenterologie und innere 

Medizin FMH, notierte im Bericht vom 24. Mai 2016, dass beim Versicherten seit 

November 2012 eine chronische Colitis ulcerosa bekannt sei. Aus 

gastroenterologischer Sicht sei der Versicherte mittels medikamentöser Behandlung 

aktuell beschwerdefrei und voll arbeitsfähig (IV-act. 63, 71). Dr. med. C.___, Facharzt 

für Orthopädische Chirurgie FMH, gab am 27. Mai 2016 an, der Versicherte leide an 

einer Acromioclaviculargelenksarthrose mit einem komplexen regionalen 

Schmerzsyndrom (nachfolgend: CRPS) im Stadium I links. In seiner angestammten 

Tätigkeit sei der Versicherte seit dem 30. November 2015 zu 100 % arbeitsunfähig; 

adaptierte Tätigkeiten seien noch möglich (IV-act. 11). Im Verlaufsbericht vom 

30. November 2016 ergänzte Dr. med. C.___, beim Versicherten liege nun beidseitig 

eine AC-Gelenksarthrose mit CRPS I vor (IV-act. 50). Dr. med. D.___, Facharzt für 

Psychiatrie und Psychotherapie FMH, diagnostizierte beim Versicherten eine 

mittelgradige depressive Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10: F32.11) seit 

November 2016. Aus rein psychiatrischer Sicht schätzte er den Versicherten in 

adaptierter Tätigkeit zu 50 % arbeitsunfähig; mit einer Erhöhung der Arbeitsfähigkeit 

rechnete er innert ca. zwei bis drei Monaten (Arztbericht vom 3. Januar 2017, IV-act. 

55). Diese Diagnose bestätigte er im Verlaufsbericht vom 7. Juni 2017 (IV-act. 81). Die 

RAD-Ärztin Dr. med. E.___ notierte am 15. Juni 2017, die Arbeitsfähigkeit des 

A.a. 

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Versicherten könne unter adäquater Behandlung von 50 % auf 80-100 % gesteigert 

werden (IV-act. 84).

Vom 14. August bis zum 13. November 2017 nahm der Versicherte an einer 

berufspraktischen Abklärung im F.___ teil (IV-act. 101). Das unmittelbar danach 

gestartete Aufbautraining (IV-act. 112) wurde aufgrund einer Verschlechterung des 

psychischen sowie gastroenterologischen Gesundheitszustandes abgebrochen (IV-act. 

120 ff.) Anschliessend wurde eine fünfwöchige tagesklinische Begleitung in der Klinik 

G.___ aufgegleist (IV-act 136). Im Schlussbericht des F.___ wurde festgehalten, dass 

dem Versicherten keine Vermittelbarkeit im ersten Arbeitsmarkt mehr attestiert werden 

könne (IV-act. 132). Mit einem Vorbescheid vom 23. März 2018 teilte die IV-Stelle dem 

Versicherten mit, dass er keinen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen habe (IV-

act. 137). Am 25. Mai 2018 verfügte sie gemäss ihrem Vorbescheid (IV-act. 138).

A.b. 

Am 14. November 2018 empfahl die RAD-Ärztin Dr. med. E.___ eine 

polydisziplinäre Begutachtung des Versicherten (IV-act. 151). Im Auftrag der IV-Stelle 

erstattete die Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH, Basel, (nachfolgend: ABI) am 

2. Mai 2019 ein Gutachten in den Disziplinen Allgemeine Innere Medizin, 

Gastroenterologie, Orthopädie und Psychiatrie (IV-act. 159). Im Rahmen der 

Begutachtung gab der Versicherte an, keine berufliche Grundausbildung 

abgeschlossen zu haben (IV-act. 159-9). Der allgemeininternistische Sachverständige 

diagnostizierte ein inkomplettes metabolisches Syndrom. Dieses beinhaltete eine 

Adipositas, eine arterielle Hypertonie sowie eine Hyperlipidämie. Insgesamt gab der 

allgemeininternistische Sachverständige nur qualitative Einschränkungen der 

Arbeitsfähigkeit an (IV-act. 159-30). Der gastroenterologische Sachverständige 

bestätigte die Diagnose einer Colitis ulcerosa. Diese sei in der Vergangenheit in Form 

von intermittierenden Entzündungsschüben aufgetreten. Klinisch bestehe seit Ende 

2018 eine vermehrte Aktivität, die eine Intensivierung der medikamentösen Behandlung 

nach sich gezogen habe (IV-act. 129-34). Obwohl der Versicherte in der Vergangenheit 

gut auf die Behandlung angesprochen habe, könne sich die Erkrankung auch 

unerwartet verschlimmern. Weitere Schübe seien nicht ausgeschlossen, weshalb nicht 

von einer eigentlichen Heilung gesprochen werden könne (IV-act. 159-35). Er schätzte 

die aktuelle Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit auf 70 %. Die maximal 

mögliche Präsenz pro Tag belaufe sich aktuell auf 6-7 Stunden. Während dieser 

A.c. 

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Anwesenheitszeit bestehe eine Einschränkung der Leistung von 10 % wegen 

vermehrter Toilettengänge (IV-act. 159-36). Zudem empfahl er als medizinische 

Massnahme eine erneute gastroenterologische Standortbestimmung; allenfalls sei 

dann eine Therapieanpassung angezeigt (IV-act. 159-37). Der orthopädische 

Sachverständige hielt fest, dass der Versicherte an Nacken-Schulter-Armbeschwerden 

leide. Radiologisch sei jedoch keine höhergradige Veränderung erkennbar (IV-act. 

159-42). Der früheren Diagnose eines CRPS I könne er nicht folgen (IV-act. 159-44). Für 

die angestammte Tätigkeit bestehe keine Arbeitsfähigkeit mehr. In einer angepassten 

Tätigkeit mit sehr leichter und wechselnder Belastung betrage die Arbeitsfähigkeit 

100 % (IV-act. 159-45). Der psychiatrische Sachverständige diagnostizierte beim 

Versicherten eine leichte depressive Episode sowie eine chronische Schmerzstörung 

mit somatischen und psychischen Faktoren (IV-act. 159-50). Auffällig sei eine 

ausgeprägte Krankheits- und Behinderungsüberzeugung (IV-act. 159-51). Aus 

psychiatrischer Sicht bestehe sowohl in der angestammten als auch in einer 

adaptierten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 100 % (IV-act. 159-52 f.). Insgesamt 

kamen die Sachverständigen zum Schluss, für die angestammte Tätigkeit als 

Maschinist/Gleisbauer bestehe spätestens seit dem 30. November 2015 keine 

Arbeitsfähigkeit mehr. In einer angepassten Tätigkeit mit einer sehr leichten und 

wechselnden Belastung und der Möglichkeit, jederzeit die Tätigkeit zum Aufsuchen 

einer Toilette unterbrechen zu können, betrage die Arbeitsfähigkeit aktuell 70 % (IV-act. 

159-10). Nach der Ausschöpfung der medikamentösen Massnahmen sei eine 

Präsenzzeit von 7-8 Stunden pro Tag möglich, die Arbeits- und Leistungsfähigkeit 

betrage dann 85 %. Von einer Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 85 % könne 

gemittelt seit November 2015 ausgegangen werden (IV-act. 159-12).

Am 16. Mai 2019 notierte Dr. med. E.___ vom RAD, dass auf das Gutachten vom 

2. Mai 2019 abgestellt werden könne (IV-act. 160). Mit einem Vorbescheid vom 20. Mai 

2019 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie die Abweisung des 

Rentenbegehrens vorsehe. Unter Berücksichtigung einer Arbeitsfähigkeit von 85 % 

sowie eines Tabellenlohnabzuges von 15 % betrage der Invaliditätsgrad nur 37 % (IV-

act. 163). Dagegen erhob die Rechtsschutzversicherung CAP in Namen des 

Versicherten Einwand mit der Begründung, es sei auf die Schätzung der aktuellen 

Arbeitsfähigkeit von 70 % und nicht auf die Prognose von 85 % abzustellen. Zudem sei 

A.d. 

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B.  

Erwägungen

1.  

ein Tabellenlohnabzug von 25 % zu gewähren (IV-act. 170). Mit einer Verfügung vom 

25. Juli 2019 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des Versicherten ab (act. G 1.1).

Dagegen liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 5. September 

2019 eine Beschwerde erheben und die Aufhebung der Verfügung vom 25. Juli 2019 

sowie die Zusprache einer ganzen Invalidenrente beantragen. Eventualiter sei die 

Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen an die IV-Stelle (nachfolgend: 

Beschwerdeführerin) zurückzuweisen. Zur Begründung liess er ausführen, das 

psychiatrische ABI-Teilgutachten sei nicht einschlägig; stattdessen sei auf die 

Einschätzung von Dr. med. D.___ abzustützen, welcher aus psychiatrischer Sicht die 

Arbeitsfähigkeit auf 50 % schätze. Auch die Annahme, dass die gastroenterologischen 

medizinischen Massnahmen noch nicht ausgeschöpft seien, werde bestritten. 

Stattdessen sei auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung von 70 % abzustellen. Die 

verbliebene Arbeitsfähigkeit sei aufgrund der zahlreichen Adaptionskriterien nur sehr 

erschwert verwertbar (act. G 1).

B.a. 

Die Beschwerdegegnerin beantragte am 23. Dezember 2019 die Abweisung der 

Beschwerde. Sie machte geltend, das ABI-Gutachten sei beweiskräftig, weshalb darauf 

und nicht auf die Einschätzung des behandelnden Psychiaters abzustellen sei. Gründe 

für einen Tabellenlohnabzug von 25 % lägen nicht vor (act. G 7).

B.b. 

In der Replik vom 21. Januar 2020 liess der Beschwerdeführer an seinen Anträgen 

festhalten. Er liess ergänzen, das psychiatrische Teilgutachten setze sich nicht mit der 

Arbeitsfähigkeitsschätzung des behandelnden Psychiaters auseinander, was nicht 

nachvollziehbar sei (act. G 11). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die 

Einreichung einer Duplik (vgl. act. G 13).

B.c. 

Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die ihre 

Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch 

zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern 

1.1. 

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2.  

können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 

mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu 

mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die 

Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Für die Bemessung der Invalidität wird das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der 

Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen 

Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare 

Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu 

jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben 

wäre.

Gestützt auf Art. 54 des Gerichtsgesetzes des Kantons St. Gallen (GerG, sGS 

941.1) hat das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die Praxis begründet, dass 

Versicherte, die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 

mindestens zu 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und die nach Ablauf dieses Jahres 

weiterhin zu mindestens 40 % arbeitsunfähig sind, grundsätzlich Anspruch auf eine 

Rente haben, auch wenn zumutbare medizinische Eingliederungsmassnahmen, welche 

die Arbeitsfähigkeit wiederherstellen, erhalten oder verbessern können, nicht 

abgeschlossen sind. Voraussetzung ist allerdings, dass diese Arbeitsfähigkeit von 

mindestens 40 % längere Zeit andauert. Die Beschwerdegegnerin ist verpflichtet, diese 

im Sinne einer die Parteien bindende (Art. 56 Abs. 2 Satz 2 VRP) Rechtsauffassung 

umzusetzen.

1.2. 

Demnach ist massgebend, ob der Beschwerdeführer unmittelbar nach dem Ablauf 

des Wartejahres weiterhin in einer behinderungsadaptierten Tätigkeit zu mindestens 

40% arbeitsunfähig gewesen ist. Ist das der Fall gewesen, hat er – in analoger 

Anwendung des Art. 28 Abs. 2 IVG – bei einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 40% bis 

49% einen Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 50% 

bis 59% einen Anspruch auf eine halbe Rente und so weiter (vgl. hierzu den Entscheid 

des Versicherungsgerichts St. Gallen vom 23. September 2019, IV 2016/328, E. 2.2). 

Während im Wartejahr der Arbeitsunfähigkeitsgrad am letzten Arbeitsplatz für den 

Rentenanspruch massgebend ist, ist nach Abschluss des Wartejahrs zur Bemessung 

des zumutbaren Invalideneinkommens auf die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten 

Tätigkeit abzustellen.

1.3. 

Zur Ermittlung der Arbeitsfähigkeit hat die Beschwerdegegnerin ein 

polydisziplinäres Gutachten erstellen lassen (IV-act. 159). Im Gutachten der ABI GmbH 

2.1. 

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ist dem Beschwerdeführer zum Begutachtungszeitpunkt aus gastroenterologischer 

Sicht eine 70%ige Arbeitsfähigkeit attestiert worden (IV-act. 159-37). Nach der 

Ausschöpfung der medizinischen Massnahmen, also offenbar im Sinne einer Prognose 

für die Zeit nach der Begutachtung, ist gemittelt seit November 2015 eine 85%ige 

Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit angegeben worden (IV-act. 159-12). Aus 

psychiatrischer Sicht ist eine 100%ige Arbeitsfähigkeit ermittelt worden (IV-act. 

159-53). Die Beschwerdegegnerin stellt sich auf den Standpunkt, das Gutachten der 

ABI GmbH sei beweistauglich, und hat die Abweisung des Rentenbegehrens 

ausgehend vom prognostizierten Arbeitsfähigkeitsgrad von 85 % verfügt (vgl. act. G 

1.1 und 7).

 Der Beschwerdeführer bestreitet die Beweiskraft des psychiatrischen 

Teilgutachtens. Insbesondere habe sich der psychiatrische ABI-Sachverständige 

ungenügend mit den Einschätzungen des behandelnden Psychiaters 

auseinandergesetzt (act. G 1, S. 7). Im Ergebnis verlangt der Beschwerdeführer, dass 

auf die Einschätzung des behandelnden Psychiaters abgestellt werde, welcher die 

Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht auf 50 % geschätzt hat (vgl. act. G 1; IV-act. 

55, 80-4 f., 123-2 f., 140). Der Beschwerdeführer kritisiert auch die Einschätzung im 

gastroenterologischen Gutachten, laut der die medizinischen Möglichkeiten noch nicht 

ausgeschöpft seien und die Arbeitsfähigkeit schliesslich 85 % betragen werde. Der 

Beschwerdeführer erhalte weder falsche Medikamente noch falsche Therapien. 

Deshalb sei die ermittelte Arbeitsfähigkeit von 85 % nicht nachvollziehbar (act. G 1, S. 

10).

2.2. 

Der psychiatrische Sachverständige hat beim Beschwerdeführer eine leichte 

depressive Diagnose diagnostiziert. Gestützt darauf hat er die Arbeitsfähigkeit aus 

psychiatrischer Sicht auf 100 % geschätzt (IV-act. 154-51 f.). Dies steht für den 

Beschwerdeführer im Widerspruch zur Diagnose des behandelnden Psychiaters, 

welcher eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert und die Arbeitsfähigkeit 

aus psychiatrischer Sicht auf 50 % geschätzt hat. In Bezug auf die Einschätzung des 

behandelnden Psychiaters darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung 

tragen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche 

Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 

125 V 351 E. 3b/cc; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 6. 

April 2006, I 803/05, E. 5.5). Widersprechen Berichte behandelnder Ärzte dem von der 

Verwaltung bei externen Spezialärzten eingeholten Gutachten, ist die unterschiedliche 

Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Ärzte einerseits und 

Begutachtungsauftrag der amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits zu 

2.3. 

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beachten (Urteil des EVG vom 18. April 2006, I 783/05, E. 2.2). Es ist deshalb nicht 

zulässig, ein medizinisches Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu 

stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden 

Ärzte später zu anderslautenden Einschätzungen gelangen oder an vorgängig 

geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten. Vorbehalten bleiben aber Fälle, in 

denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte 

wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte 

benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben 

sind (Urteil des Bundesgerichts vom 20. August 2018, 9C_86/2018, E. 5.4.1 mit 

Hinweisen). Vorliegend hat der psychiatrische Sachverständige zur Einschätzung des 

behandelnden Arztes Stellung genommen und angemerkt, dass unter genauer 

Berücksichtigung der ICD-10 Kriterien lediglich eine leichte depressive Episode 

vorliege. Weiter hat er psychosoziale Faktoren benannt, welche allenfalls eine Rolle 

spielen könnten, aber er hat sie korrekterweise nicht in die Diagnosestellung 

miteinfliessen lassen (IV-act. 154-51). Den Berichten des behandelnden Psychiaters 

sind denn auch keine wichtigen Aspekte zu entnehmen, die im Rahmen der 

Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben wären. Somit ist die 

Einschätzung des psychiatrischen Sachverständigen im ABI-Gutachten überwiegend 

wahrscheinlich richtig.

Die aktuelle Schätzung der Arbeitsfähigkeit aus gastroenterologischer Sicht bleibt 

unklar. Der Sachverständige schätzt die aktuelle Arbeitsfähigkeit in einer angepassten 

Tätigkeit auf 70 %. Diese Tätigkeit solle eine sehr leichte und wechselnde Belastung 

und die Möglichkeit, jederzeit die Tätigkeit zum Aufsuchen einer Toilette unterbrechen 

zu können, aufweisen (IV-act. 159-36). Die maximale Präsenzzeit beträgt gemäss dem 

Sachverständigen 6-7 Stunden. Zudem sei mit einer Einschränkung der Leistung im 

Umfang von 10 % wegen Toilettengängen zu rechnen. Nicht erklärt wird, weshalb die 

Präsenz auf 6-7 Stunden beschränkt ist, wenn Toilettengänge lediglich eine 10 %ige 

Leistungseinschränkung bedeuten. Ausser den Toilettengängen werden nämlich keine 

Faktoren benannt, welche in einer Einschränkung der Präsenzzeit resultieren würden. 

Die Beschwerdegegnerin wird den gastroenterologischen Sachverständigen bzw. die 

ABI GmbH auffordern müssen, diese Unklarheit auszuräumen, d.h. die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung überzeugend zu begründen.

2.4. 

Bei der Anwendung der Praxis des Versicherungsgerichts zur Invalidität während 

der laufenden medizinischen Eingliederung (vgl. E. 1.2 f.) muss der Verlauf der 

Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Erwerbstätigkeit unmittelbar ab der Erfüllung des 

Wartejahres nachgewiesen sein. Es könnte nämlich sein, dass der Beschwerdeführer 

2.5. 

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3.  

einen Anspruch auf eine befristete Rente hat, weil er nach dem Ablauf des Wartejahres 

während längerer Zeit, d.h. während wenigstens sechs Monaten in einer adaptierten 

Erwerbstätigkeit zu mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen ist. Aus dem 

gastroenterologischen Gutachten geht der genaue Verlauf der Arbeitsfähigkeit nach 

Ablauf des Wartejahrs, also ab Oktober 2016, nicht hervor. Es wird lediglich darauf 

hingewiesen, dass der behandelnde Gastroenterologe in der Vergangenheit nicht 

Stellung zu einer allfälligen Arbeitsunfähigkeit genommen habe (IV-act. 159-36). Weiter 

wird in der Konsensbesprechung pauschal eine gemittelte Arbeitsfähigkeit von 85 % 

seit November 2015 festgehalten. Ob es ab dem Oktober 2016 Phasen gegeben hat, in 

denen der Beschwerdeführer längerdauernd, also mehr als sechs Monate in einer 

adaptierten Tätigkeit zu über 40 % arbeitsunfähig gewesen ist, geht aus dem 

Teilgutachten nicht hervor. Die Angaben zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in 

der massgebenden Zeit ab Oktober 2016 genügen im Lichte der obgenannten Praxis 

des Versicherungsgerichts nicht zur Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens 

(und damit des Invaliditätsgrades). Um das zumutbare Invalideneinkommen bemessen 

zu können, haben die Sachverständigen möglichst präzise Angaben zum - offenbar 

schwankenden - Verlauf der Arbeitsfähigkeit seit dem Abschluss des Wartejahres (ab 

Oktober 2016) zu machen, idealerweise Monat für Monat. Die Angabe eines gemittelten 

Wertes genügt nicht.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die gastroenterologische 

Arbeitsfähigkeitsschätzung und damit auch das Ergebnis der Konsensbesprechung 

des ABI-Gutachtens die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit belegen. Die Angaben zur Arbeitsfähigkeit sind 

unvollständig bezüglich des Verlaufs seit Ablauf des Wartejahres (ab Oktober 2016). Es 

ist durch den Sachverständigen zu ergänzen, ob es längere Phasen ab Oktober 2016 

gegeben hat, in denen der Beschwerdeführer längerdauernd, also mehr als sechs 

Monate, über 40 % arbeitsunfähig in einer adaptierten Tätigkeit gewesen ist.

3.1. 

Die blosse Ergänzung eines Gutachtens rechtfertigt nach der aktuellen 

bundesgerichtlichen Auffassung eine Rückweisung (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4 S. 264 f. 

mit Hinweisen). Die Sache ist deshalb aus Gründen der Verhältnismässigkeit zur 

näheren Begründung der Arbeitsfähigkeitsschätzung und zur dazu allenfalls 

notwendigen ergänzenden Abklärung gastroenterologischer Natur an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese wird die notwendige Ergänzung des 

gastroenterologischen Teilgutachtens und der Konsensbeurteilung des ABI gemäss 

den obenstehenden Erwägungen anfordern.

3.2. 

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4.  

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom 

Demnach ist die angefochtene Verfügung wegen der Verletzung des 

Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) aufzuheben. Die Beschwerde ist 

teilweise gutzuheissen und die Sache ist zur ergänzenden Abklärung im Sinne der 

Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

4.1. 

Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 

1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint 

in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die 

Rückweisung der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die 

Verwaltung als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei zu werten (BGE 132 V 

215 E. 6.2). Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der 

Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.

4.2. 

Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei 

Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Auch hier gilt, dass eine Rückweisung zur 

weiteren Abklärung als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei zu betrachten 

ist. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne 

Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der 

Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das 

Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) 

pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter hat keine Honorarnote 

eingereicht. Mit Beschluss vom 25. Mai 2021 haben die Versicherungsrichterinnen und 

Versicherungsrichter entschieden, die durchschnittlichen Ansätze für die 

Parteientschädigungen um 500 Franken zu erhöhen. Aus Praktikabilitätsgründen findet 

diese Praxisänderung sofort auf alle hängigen Fälle Anwendung. Für den vorliegenden 

Fall ist die Parteientschädigung deshalb auf 4’000.-- Franken (einschliesslich 

Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Der notwendige Vertretungsaufwand 

(Sachverhaltsstudium, rechtliche Begründung) ist nämlich als durchschnittlich zu 

qualifizieren. Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin somit mit 

Fr. 4'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.

4.3. 

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25. Juli 2019 aufgehoben und die Sache wird im Sinne der Erwägungen zur 

Weiterführung des Verwaltungsverfahrens an die Beschwerdegegnerin 

zurückgewiesen.

2.

Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen. Dem 

Beschwerdeführer wird der von ihm geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- 

zurückerstattet.

3.  

Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin mit Fr. 4'000.-- zu entschädigen.

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