# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f5e3e15e-9d32-5e8a-909e-da48f44a74e2
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-07-17
**Language:** de
**Title:** RAD-Untersuchungen orthopädisch und psychiatrisch, es bestehen zumindest geringe Zweifel daran (keine Indikatorenprüfung, widersprüchliche und nicht nachvollziehbare Angaben). Medizinischer Sachverhalt insgesamt ungenügend abgeklärt.
**Docket/Reference:** IV.2018.00330
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2018.00330.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2018.00330
V. Kammer
Sozialversicherungsrichter Vogel, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Sozialversicherungsrichterin Senn
Gerichtsschreiberin Meier
Urteil
vom
1
7.
Juli 2019
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwältin Lotti Sigg
Sigg Schwarz
Advokatur
Theaterstrasse 3, Postfach 2336, 8401 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sac
hverhalt:
1.
Der 1959 geborene
X.___
war seit
dem
1.
Februar 2011 bis zum 31.
Juli 2017 als Verpacker bei der
Y.___
in
Z.___
tätig. Am
2.
Juni 2015 (Eingangsdatum) meldete er sich bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf Depressionen und eine unfall
bedingte Schulterverletzung zum Leistungsbezug an (
Urk.
14/4). Die IV-Stelle traf in der Folge medizinische und berufliche Abklärungen und zog die Akten des Unfallversicherers bei.
Insbesondere liess sie den Versicherten durch den regio
nalen ärztlichen Dienst (RAD) in den Fachbereichen Orthopädie/Rheumatologie und Psychiatrie abklären (
Urk.
14/73 und 14/74). Nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(Vorbescheid vom 2
7.
Oktober 2017,
Urk.
14/78; Einwand vom
3.
November 2017,
Urk.
14/82;
Einwandergänzung
vom
3.
Januar 2018,
Urk.
14/9
0) w
ies sie das Leistungsgesuch von
X.___
mit Verfügung vom 2
3.
Februar 2018 ab (
Urk.
2 [=
Urk.
14/97]).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 1
0.
April 2018 Beschwerde (
Urk.
1)
und liess beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm rückwir
kend auf den
1.
März 2016 eine Rente zuzusprechen. Eventualiter seien weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und unentgeltliche
n
Rechtsverbei
ständung
in der Person von Rechtsanwältin Lotti Sigg. Am 1
7.
April 201
8
(
Urk.
7) liess der Beschwerdeführer einen weiteren ärztlichen Bericht (Urk. 8) auflegen. In ihrer Beschwerdeantwort vom
6.
Juni 2018 schloss die Beschwerdegegnerin auf teilweise Gutheissung der Beschwerde im Sinne der
Zusprache
einer von März 2016 bis April 2017 befristeten ganzen Rente der Invalidenversicherung (
Urk.
12). Mit Verfügung vom
8.
Juni 2018 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege und unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
in der Person von Rechts
anwältin Lotti Sigg
gewährt
(Urk. 15). Mit Replik vom
4.
September 2018 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest (
Urk.
17).
Mit Schreiben vom 2
7.
November 2018 (
Urk.
19) sowie 1
0.
Dezember 2018 liess der Beschwerdefüh
rer weitere ärztliche Berichte (
Urk.
21 und
Urk.
23/1-2) auflegen.
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung,
IVG)
. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunfts
ängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vorder
grund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträch
tigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturel
len Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklä
rung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad sei
ner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren einerseits
und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines ren
tenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.6
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funkti
onelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
beurteilen die RAD die medi
zinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmetho
den können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allge
meinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Unter
suchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den pra
xisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
1.7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung (
Urk.
2) damit, das Wartejahr sei am 2
6.
März 2016 erfüllt gewesen.
Zu diesem Zeitpunkt sei dem Beschwerdeführer eine angepasste Tätigkeit bereits wieder zumutbar gewesen. Aus dem Einkommensvergleich resultiere ein –
rentenausschliessender – Invali
ditätsgrad von 16 %. Der Beschwerdeführer sei durch
Ärzte des
RAD untersucht worden. Deren Berichte seien ausführlich und die Befunde und Diagnosen seien plausibel und nachvollziehbar. Die vorhandenen medizinischen Akten seien darin gewürdigt worden. Auf die Berichte könne abgestellt werden.
2.2
Demgegenüber brachte der Beschwerdeführer vor (
Urk.
1), er leide seit Jahren an psychischen Problemen und befinde sich regelmässig in Behandlung. Am 2
6.
März 2015 habe er einen Arbeitsunfall erlitten und sich eine Verletzung an der rechten Schulter zugezogen. Die angefochtene Verfügung sei ungenügend begründet, da sich
die Beschwerdegegnerin nicht mit seinen Einwänden ausei
nandergesetzt habe. Diese Verletzung des rechtlichen Gehörs müsse zur Aufhe
bung der angefochtenen Verfügung führen.
Weiter sei es
aktenwidrig, dass er im März 2016 wieder arbeitsfähig gewesen sein soll
e
. Er habe sich zu jenem Zeit
punkt in intensiver Behandlung aufgrund der Unfallfolgen und der psychischen Probleme befunden. Er habe im Juni 2016 erneut an der Schulter operiert werden müssen. Die Kreisärztin der Suva sei von einer Arbeitsfähigkeit drei Monate post
operativ, vermutlich eher später, ausgegangen. Auch aufgrund seiner psychischen Beschwerden sei er nicht arbeitsfähig gewesen. Der RAD-Arzt sei auch nicht in der Lage die Arbeitsfähigkeit retrospektiv einzuschätzen, habe dessen Untersu
chung doch erst im Oktober 2017 stattgefunden und die in den Akten liegenden psychiatrischen Berichte nicht berüc
ksichtigt. Sein behandelnder Psychiater habe eine schwere depressive Störung diagnostiziert. Die RAD-Berichte würden den von der Rechtsprechung entwickelten Qualitätsansprüchen nicht genügen. Die Untersuchungen sei
en
äusserst kurz gewesen (orthopädisch 5
10 Minuten, psy
chiatrisch knapp 20 Minuten) und der während der psychiatrischen Untersuchung ebenfalls anwesende Orthopäde sei währenddessen sogar eingeschlafen. Allen
falls hänge die mangelnde Qualität auch mit der mangelnden Erfahrung des
RAD-Psychiaters zusammen, habe dieser im Zeitpunkt der Untersuchung doch erst seit einem Jahr über seinen Facharzttitel verfügt.
Der Psychiater stelle wilde Vermu
tungen und Behauptungen auf ohne diese zu begründen.
Er setze sich weder mit den Berichten des behandelnden Psychiaters
noch
mit den Klinik
-
berichten ausei
nander. Unverständlich sei etwa auch, dass der Psychiater angebe, ein Tagesab
lauf könne nicht geschildert werden, während ein solcher im orthopädischen Gut
achten detailliert wi
e
dergegeben werde. Auch der orthopädische Gutachter mache in seinem Bericht abschätzige Bemerkungen, ohne diese zu begründen. Er, der Beschwerdeführer, habe der
Beschwerdeegnerin
zudem vor dem Verfügungser
lass mitgeteilt, dass er sich in der
A.___
befinde, die Beschwerdegegnerin habe dort jedoch keine Berichte eingeholt.
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort beantragte
die Beschwerdegegnerin
(
Urk.
12), die Beschwerde sei teilweise gutzuheissen. Gemäss (neuer) Stellungnahme des RAD (
Urk.
13/1) sei der Beschwerdeführer ab dem
1.
Mai 2017 in einer angepassten Tätigkeit wieder zu 100 % arbeitsfähig gewesen, zuvor sei er nicht arbeitsfähig gewesen. Folglich bestehe von März 2016 bis April 2017 Anspruch auf eine ganze Rente
der Invalidenversicherung
. Die attestierte Arbeitsunfähigkeit von 20 % in psychiatrischer Hinsicht sei aus rechtlicher Sicht nicht nachvollziehbar. In der
psychiatrischen Untersuchung hätten sich deutliche Inkonsistenzen gezeigt und es liege ein subjektiver Krankheitsgewinn vor. Ausserdem bestünden ein geregel
ter Tagesablauf und einige Freizeitaktivitäten, weshalb davon auszugehen sei, dass die Arbeitsfähigkeit aus psychischen Gründen nicht eingeschränkt sei. Die Berichte der
A.___
würden an dieser Einschätzung nichts ändern, da darin vorwie
gend auf – nicht relevante – psychosoziale Belastungsfaktoren verwiesen werde. Der IV-Grad sei neu zu berechnen, da das
Valideneinkommen
nicht vom zuletzt erzielten Lohn herzuleiten sei (da dem Beschwerdeführer schon vor Eintritt der Gesundheitsschädigung gekündigt worden sei)
,
sondern von einem Tabellenlohn. Ab Mai 2017 liege ein rentenausschliessender IV-Grad vor, weshalb der Beschwerdeführer ab diesem Zeitpunkt keinen Anspruch auf eine Invalidenrente mehr habe.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer erlitt am 2
6.
März 2015 während der Arbeit
einen Unfall
, als er über den Luftschlauch der Nagelpistole gestolpert sei und versucht habe
sich
mit dem Arm aufzufangen. Danach habe er Schmerzen in der Schulter ver
spürt (
Urk.
14/7/46).
Dr.
med. B.___
, Facharzt für Rheumatologie, diagnosti
zierte in der Folge
eine Teilruptur der
Supraspinatussehne
, eine kleine
SLAP-Läsion und
weitere Schäden an der rechten Schulter. Er hielt den Beschwerdefüh
rer ab dem 2
6.
März 2015 bis voraussichtlich 3
1.
Mai 2015 für 100 % arbeitsun
fähig (
Urk.
14/7/28-29).
Aufgrund erfolgloser kons
ervativer Massnahmen wurde am
9.
Juli 2015 eine Operation (Schulterarthroskopie) durchgeführt und eine Ruhigstellung für sechs Wochen angeordnet (Urk. 14/13/4-5).
Dr.
B.___
berich
tete am 1
3.
Oktober 2015, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auf
grund des Unfalles und der darauffolgenden Operation seit dem 2
6.
März 2015 und voraussichtlich bis Januar 2016 eingeschränkt sei. Die angestammte Tätigkeit (als Zimmermann) könne gar nicht ausgeübt werden, eine angepasste Tätigkeit sei vermutlich ab Januar 2016 zu 50 % zumutbar und eine Steigerung realistisch (
Urk.
14/13/10-11).
3.2
Vom
2.
Juni bis
2.
Juli 2015 befand sich der Be
schwerdeführer in der
C.___
zur stationären psychosomatischen Rehabilitation (
Bericht vom 2
0.
August 2015,
Urk.
14/21). Die dortigen Ärzte diagnostizierten eine rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig mittelgradiger Episode
, e
inen riskanten Konsum von Tabak und äusserten einen Verdacht auf eine (narzisstische) Persönlichkeitsstö
rung. Sie
berichteten, der Beschwerdeführer fühle sich seit längerer Zeit erschöpft, er habe mit einem Arbeitsplatzwechsel und Stellenverlust zu kämpfen gehabt. Ausserdem habe er einen Arbeitsunfall erlitten und seine Frau habe sich von ihm scheiden lassen.
Der Beschwerdeführer habe bei Eintritt eine depressive Sympto
matik mit Aufmerksamkeitsstörungen, Gedankenkreisen und starken Insuffizi
enz- und Einsamkeitsgefühlen gezeigt. Unter stationären Bedingungen habe eine leichte Stabilisierung des psychischen und physischen Zustandsbildes erreicht werden können. Bei Austritt seien die Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörun
gen verbessert gewesen, ebenso wie der Antrieb. Die Ein-
und Durchschlafstö
rungen seien remittiert, es bestehe kein Morgentief und der Beschwerdeführer sei sozial unauffällig. Der Beschwerdeführer sei vom
2.
Juni bis 1
0.
Juli 2015 zu 100 % arbeitsunfähig
gewesen
.
3.3
Am 2
1.
Juli 2015 berichtete
Dr.
med. D.___
, praktischer Arzt, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
(
Urk.
14/26/88)
, er betreue den Beschwerdeführer seit dem
9.
April 201
5.
Es bestehe eine Anpassungsstörung, welche mittels wöchentlicher Einzelsitzungen und antidepressiver Therapie behandelt werde. Im Vordergrund des Krankheitsgeschehens stehe ein Arbeitsunfall, die Kündigung durch den Arbeitge
ber und die Scheidung von der Ehe
frau. Die psychische Krise habe zu einem stationären Aufenthalt in der
C.___
geführt.
3.4
Im Bericht vom 1
2.
Oktober 2016
(
Urk.
14/34/1-4)
führte
Dr.
D.___
die Diag
nose einer rezidivierenden depressiven Störung mit
Erstdiagnose vom 9.
April 2015 und Erstsymptomatik im Jahr 2011 auf. Die Stimmung des Beschwerdefüh
rers sei gedrückt, Antrieb und Energie
seien
vermindert und die Belastbarkeit
sei
reduziert.
Aktuell und seit Krankheitsbeginn sei keine Arbeitstätigkeit möglich.
3.5
Anlässlich der Schultersprechstunde im Januar 2016 wurden noch leichte Defiz
ite festgestellt. Die Ärzte hielten den Beschwerdeführer bis zur nächsten Sprech
stunde (drei
Monate später) für weiterhin zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 14/37/7).
In der Folge wurde eine Re-Ruptur der
Supraspinatussehne
festgestellt (
Urk.
14/37/28 bzw. 14/37/34) und der Beschwerdeführer deswegen am
2
0.
Juni 2016
erneut
operiert
(Schulterarthroskopie)
.
Wiederum für sechs Wochen wurde eine Erholung (keine Physiotherapie) angeordnet
(
Urk.
14/34/18-19
resp.
Urk. Urk.
14/37/37-38
).
Sechs Wochen postoperativ zeigte sich ein planmässiger Rehabili
tationsstand
und es wurde
Physiotherapie initiiert (
Urk.
14/37/46-47). In der Kon
trolluntersuchung vom 2
5.
November 2016 habe sich ein
sehr
schön rehabilitier
tes Schultergelenk mit noch eingeschränkter Belastbarkeit gezeigt. Die Wieder
aufnahme der Tätigkeit als
Zimmermann sei für den Beschwerdeführer noch nicht möglich, die Arbeitsunfähigkeit werde verlängert (
Urk.
14/43/8-9).
3.6
Am 1
2.
Januar 201
7 wurde der Beschwerdeführer durch
Dr.
med.
E.___
, Fachärzt
in für Neurochirurgie, Kreisärztin
der Suva, untersucht (
Urk.
14/43/17-21).
Dr.
E.___
stellte belastungsabhängige Restbeschwerden am rechten Schulter
gelenk fest. Der Beschwerdeführer habe von der Operation im Juni 2016 profitiert und im weiteren Verlauf hätten sich Beweglichkeit und Schmerz in der rechten Schulter verbessert.
Erst seit zwei Wochen bestünden wieder vermehrt Schmer
zen.
In der klinischen Untersuchung zeige sich nur eine leichte Einschränkung der Schulterbeweglichkeit.
Die erneute
Schmerzexazerbation
stehe am ehesten im Zusammenhang mit einer trainingsbedingten Überbelastung. In seiner (schweren) Tätigkeit als Zimmermann sei der Beschwerdeführer weiterhin nicht arbeitsfähig. Die vollumfängliche Aufnahme der Tätigkeit als Zimmermann sei nicht realis
tisch.
3.7
Am 2
0.
Februar 2017 fand eine
Schulter-
Verlaufskontrolle statt, anlässlich wel
cher sich ein schön rehabilitiertes Gelenk bei allerdings noch eingeschränkter Belastbarkeit präsentiert habe. Bis Ende April 2017 sei der Beschwerdeführer wei
terhin arbeitsunfähig (
Urk.
14/46/10-11).
3.8
Am 2
2.
Juni 2017 führte
Dr.
E.___
die kreisärztliche Abschlussuntersuchung durch (
Urk.
14/58/5-9). Im Vergleich zur Voruntersuchung habe sich für den Beschwerdeführer subjektiv die Kraftentwicklung im rechten Arm verbessert. Die Schmerzsituation und die Bewegungseinschränkungen
würden als
unverändert
angegeben, wobei die Kreisärztin zugleich festhielt, der Schmerzmittelkonsum sei deutlich rückläufig.
Zusammenfassend sei ein stabiler medizinischer Zustand erreicht. Die angestammte Tätigkeit als Kistenmacher/Packer sei dem Versicher
ten nicht mehr vollumfänglich zumutbar. Weiterhin zumutbar seien ganztags leichte bis mittelschwere Tätigkeiten mit Arbeiten bis Brusthöhe bis 5
kg und Überkopfarbeiten ohne Gewichtsbelastung. Arbeiten über Brusthöhe sollten nicht repetitiv vorkommen und Arbeiten an schlagenden/vibrierenden Maschinen seien zu vermeiden.
3.9
Dr.
D.___
berichtete am 2
4.
Januar 2017 (
Urk.
14/46/13)
,
der Beschwerdefüh
rer stehe seit April 2015 in seiner psychiatrischen/psychotherapeutischen Behandlung
mit 14-täglicher Einzeltherapie
.
Unterstützend bestehe eine medika
mentöse Therapie mit Antidepressiva. Die anfangs bestehende Psychopathologie mit kognitiven Einbussen, Schlafstörungen, Ein- und Durchschlafstörungen, Antriebs- und Energieverlust, Stimmungsschwankungen, insges
amt gedrückte Stimmung, sozialem
Rückzug
und
Schuldgefühle
n
gegenüber dem Sohn habe trotz intensivierter Therapie und stationärem Aufenthalt in der
C.___
nur unwesentlich zur Remission gebracht werden können. Prognostisch werde der Beschwerdeführer, auch in Anbetracht seines Alters und der körperlichen Prob
lematik
,
keine Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt mehr ausführen können.
In einem Bericht unbekannten Datums (eingegangen bei der Beschwerdegegnerin am 3
1.
Mai 2017,
Urk.
14/51) führte
Dr.
D.___
als Diagnose eine schwere rezidivierende depressive Störung auf. Im Verlauf bestehe eine Verschlechte
rungstendenz;
e
s bestünden ein Antriebs- und Energieverlust, kognitive Einbus
sen und eine durchgehend gedrückte Stimmung bei sozialer Isoliertheit, geringer Belastbarkeit und latenter Eigengefährdung. Das Zustandsbild sei
chronifiziert
bei aktuell deutlicher Verschlechterungstendenz. Der Beschwerdeführer sei nicht arbeitsfähig.
Im Bericht vom 2
5.
Juli 2017 (
Urk.
14/68) wies
Dr.
D.___
erneut auf eine Ver
schlechterung de
r Befunde respektive de
s Zustandes
des Beschwerdeführers
hin
. Aktuell und prognostisch bestehe in
d
er angestammten Tätigkeit keine Arbeits
fähigkeit. In einem geschützten Rahmen sei eine Tätigkeit von 20 % - 50 % mög
lich. Auf dem ersten Arbeitsmarkt sei keine ausreichende Stabilität gegeben. Er,
Dr.
D.___
, müsse den Beschwerdeführer regelmässig in dessen Wohnung besu
chen, da
dieser aus gesundheitlichen Gründen
nicht in der Lage sei, in die Praxis zu kommen.
3.10
Am 1
6.
Oktober 2017 wurde der Beschwerdeführer von
Dr.
med.
F.___
, Facharzt für Allgemeine Chirurgie, Arzt des RAD
,
untersucht (
Urk.
14/73). Dieser
stellte an der rechten Schu
lter positive
Impingement
zeichen
fest und
diagnosti
zierte
belastungsabhängige Restbeschwerden des rechten Schultergelenks. In der bisherigen Tätigkeit sei de
r Beschwerdeführer seit dem 26.
März 2015 nicht mehr arbeitsfähig. In einer angepassten, körperlich leichten, wechselbelastenden Tätig
keit ohne regelmässige Hebe- und Tragebelastungen über 10 kg, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne häufiges Treppensteigen, ohne Zwangshaltungen, ohne Überkopfarbeiten, ohne Arbeiten in Armvorhalte
und
ohne dauernde Vib
rationsbelastungen sei der Beschwerdeführer seit dem
1.
Mai 2017 zu 100 % arbeitsfähig.
3.11
Ebenfalls am 1
6.
Oktober 20
1
7 wurde der Besc
hwerdeführer von med.
pract
.
G.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
, RAD,
untersucht (
Urk.
14/74). Med.
pract
.
G.___
hielt fest, Beschwerden und Krankheitsverlauf würden durch den Beschwerdeführer wechselhaft, vage, unpräzis-ausweichend und diffus geschildert.
Auf konkrete Fragen der Beschwerden und des zeitlichen Verlaufs antworte der Kunde nicht und rede oftmals vorbei. Es falle weiterhin eine undifferenzierte Symptombeschreibung in Form global
er
, plakativer und ste
reotyper Symptomdarstellung auf.
Den Tagesablauf könne der Beschwerdeführer nicht angeben, er passe diesen jeweils an die aktuellen Termine an. Der Beschwer
deführer spreche mit leiser Stimme, der Affekt sei verarmt, Gestik und Mimik
seien
reduziert. Die Orientierung sei unauffällig. Die Angaben zu Aufmerksam
keit, Konzentration und Gedächtnis seien inkonsistent; persönliche und familiäre Daten würden auf Nachfrage unscharf erinnert, betriebliche Ereignisse
hingegen
würden genau erinnert.
Das formale und inhaltliche Denken sei unauffällig. Es bestünden weder Ich-Störungen noch Wahrnehmungsstörungen oder Sinnestäu
schungen. Der Affekt sei verarmt mit Ausdruck von Traurigkeit und reduzierter emotionaler Schwingungsfähigkeit. Die Stimme sei leise mit wenig Modulation und die Psychomotorik
sei
verarmt. Es bestünden weder Selbst- noch
Fremdge
fährdung. Aufgrund des a
u
s
weichenden Antwortverhaltens liessen sich die kon
kret zu benennenden Befunde nur schwer explorieren. Der Beschwerdeführer werde rasch aggressiv, habe Schuldgefühle, müsse manchmal weinen und fühle sich kraftlos. Eine
Be
- oder Umschreibung der Beschwerden oder Benennung typ
is
cher Situationen gelinge nicht. Die Verrichtung alltäglicher Tätigkeiten könne nicht festgelegt werden; ein Tagesablauf nicht benannt werden. Seit wann die depressive Symptomatik bestehe
,
werde unterschiedlich beantwortet, teils seit einigen Jahren, teils seit der Kindheit. Med.
pract
.
G.___
diagnostizierte vor diesem Hintergrund
e
i
ne leichte depressive Episode. Insgesamt sei e
ine
zuverläs
sige
Diagnostik bei ausweichendem
Antwortverhalten und ohne konkret zu benennende Befunde erschwert. Angaben zur Krankheitsentwicklung, zu den subjektiven Beschwerden und dem Tagesablauf seien inhalt
l
ich vage, allgemein, oberflächlich und pauschal geblieben.
Eine erhebliche Mitbeteiligung psychoso
zialer, IV-fremder Faktoren (Alter, fehlende Ausbildung, allgemeine Lage auf dem Arbeitsmarkt, Scheidung, minderjähriges Kind bei der Mutter und damit vermut
lich finanzielle Belastung) sei überwiegend wahrscheinlich. Regression und sekundärer Krankheitsgewinn seien anzunehmen. Ebenso mangelnde Leistungs
bereitschaft und Selbstlimitierung. Der
Kunde
berichte
über Aktivitäten, während der Sohn bei ihm sei, sehe sich fähig Auto
zu fahren und sei im Sommer 2017 in Sizilien in den Ferien gewesen. Die vom Behandler getroffene Diagnose einer schweren rezidivierenden Störung sei mit den gemachten Angaben nicht verein
bar. Mit den vorliegenden Informationen unter Beachtung der Inkonsistenzen und dem ausweichenden Antwortverhalten sei eine mittel- bis
schwergradige
Depression unwahrscheinlich.
Eine leichtgradige depressive Störung könne nicht ausgeschlossen werden. Die Arbeitsfähigkeit betrage 80 %.
3.12
In der
–
abschliessenden – Stellungnahme des RAD vom 1
8.
Oktober 2017 (Urk.
14/77/
9-10) hielt
Dr.
F.___
fest, aufgrund der RAD-Untersuchungen sei
von
belastungsabhängigen Restbeschwerden im rechten Schultergelenk auszuge
hen, welche Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers hätten. Zudem bestehe eine leichte depressive Episode ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit.
Für die
angestammte Tätigkeit
habe
vom 2
6.
März 2015 bis
zum
3
0.
April 2017
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden
. In einer angepass
ten Tätigkeit sei der Beschwerdeführer vom
9.
Juli bis 1
7.
August 2015 sowie vom 2
0.
Juni bis 2. August 2016 (jeweils 6 Wochen postoperativ) nicht arbeitsfähig gewesen; ansonsten habe eine volle Arbeitsfähigkeit bestanden.
3.13
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens liess der Beschwerdeführer den Austritts
bericht der
A.___
über seinen Aufenthalt vom 2
1.
bis 2
7.
April 2017 (Urk.
3/12) auflegen. Die Ärzte diagnostizierten eine rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig mittelgradiger Episode. Der Beschwerdeführer sei auf Empfehlung seines ambulanten Therapeuten aufgrund einer Zustandsver
schlechterung
vor zwei Monaten eingetreten. Als besonders belastend beschreibe der Beschwerde
führer eine starke Antriebslosigkeit, welche es ihm auch verunmöglich
e
sich um seinen Sohn zu kümmern, welcher ihn 14-täg
lich
übers Wochenende besuchen komme. Der Beschwerdeführer sei in leicht gebessertem Zustand entlassen wor
den.
Ebenfalls im Rahmen des Beschwerdeverfahrens liess der Beschwerdeführer den Austrittsbericht de
r
A.___
über seinen Aufenthalt vo
m 1
4.
bis 2
1.
Januar 2018 (Urk.
3/13
)
auflegen. In diesem diagnostizierten die Ärzte eine rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig mittelgradiger bis schwerer Episode.
Grund für den Eintritt sei ein zunehmend depressives Zustandsbild gewesen. Im Oktober
2017
sei er durch den RAD untersucht worden und kurz darauf sei ein negativer Entscheid ergangen. Kurz nach Silvester seien konkrete Suizidgedanken und auch Absichten aufgetreten; der Beschwerdeführer sei zweimal auf einer Brücke gestanden, habe sich aber nicht getraut runter zu springen und habe seinen Therapeuten angerufen. Der Beschwerdeführer wirke im Kontakt müde, nach
denklich und niedergeschlagen. Er schildere wiederholt massive Schlafprobleme. Suizidgedanken seien während des Aufenthalts nicht aufgetreten. Der Beschwer
deführer sei in leicht stabilerem Zustand ohne akute Suizidalität entlassen wor
den.
Vom 2
7.
Februar bis
9.
März 2018 befand sich der Beschwerdeführer erneut
in
stationäre
m
Aufent
halt in der
A.___
(
Urk.
8). Die Ärzte diagnostizierten wiederum eine mittel- bis
schwergradige
,
rezidivierende depressive Störung. Es sei zu einer Zustandsverschlechterung gekommen. Die bestehenden Belastungsfaktoren (negativer IV-Entscheid im Herbst 2017, Sozialamt, Neueinschätzung der
Alimen
tenansprüche
) würden dem Beschwerdeführer zu viel. Die Schlafstörungen seien medikamentös behandelt worden, was der Beschwerdeführer als hilfreich emp
funden habe. Aufgrund der persistierenden depressiven Symptomatik werde ein längerer Aufenthalt auf einer Psychotherapiestation empfohlen.
3.14
Mit der Beschwerdeantwort (
Urk.
12) liess die Beschwerdegegnerin eine neue Stellungnahme von
Dr.
F.___
auflegen (
Urk.
13/1).
Dr.
F.___
führte darin aus, nach erneutem Aktenstudium ergebe sich, dass der Beschwerdeführer seit dem 1. Mai 2017 in einer angepassten Tätigkeit 100
%
arbeitsfähig sei.
Diese Feststel
lung beruhe auf den letzten Zeugnissen zur Arbeitsunfähigkeit in den Suva-Akten. Das vormals durch ihn benannte Datum vom
3.
August 2016 (ab welchem eine volle Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit zu erwarten sei) sei zu nahe an der letzten operativen Behandlung gelegen. Im Normalfall sei eine zwei
monatige
Rekonvaleszenzzeit
zumutbar, erscheine im vorliegenden Fall mit mehrfachen Rekonstruktionsversuchen jedoch zu
kurz
. Es werde daher empfoh
len, ab dem
1.
Mai 2017 von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit auszugehen.
3.15
Vom
5.
bis 1
1.
September 2018 befand sich der Beschwerdeführer erneut zur Behandlu
ng in der
A.___
(
Urk.
21). Er sei auf Anraten seines Psychiaters bei wei
terbestehender depressiver Symptomatik mit vermindertem Antrieb, Lustlosigkeit, sozialem Rückzug und erhöhter Anspannung eingetreten. Es bestünden weiterhin Stimmungsschwankungen, sodass die Tagesstruktur nicht planbar sei.
Sodann befand sich der Beschwerdeführer nochmals vom
6.
bis 3
0.
November 2018 zur Behandlung im
A.___
(
Urk.
23/1). Erneut wurde eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert.
4.
4.1
Vorab ist die Rüge des Beschwerdeführers, die angefochtene Verfügung sei ungenügend begründet
(vgl.
Urk.
1 S.
4 f.)
, zu prüfen.
4.1.1
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Par
teien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten, das heisst eine Darstel
lung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der rechtlichen Erwä
gungen (
Art.
49
Abs.
3 Satz 2 ATSG). Die Begründung eines Ent
scheides muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person ihn gegebenenfalls anfechten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechts
mittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Verwaltung ausdrücklich mit jeder
tatbeständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Ein
wand auseinander setzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 V 75 E. 5b/
dd
mit Hinweis, 118 V
56
E.
5b).
Der Mangel eines nicht oder nur ungenügend begründeten Entscheides kann gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung im Rechtsmittelverfahren geheilt werden, sofern die fehlende Begründung in der Vernehmlassung der entscheiden
den Behörde zum Rechtsmittel enthalten ist oder den
beschwerdeführenden
Par
teien auf andere Weise zur Kenntnis gebracht wird, diese dazu Stellung nehmen können und der Rechtsmittelinstanz volle Kognition zukommt (BGE 107
Ia
1).
Von der Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Verwaltung ist nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann abzusehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem gleichlaufenden und der Anhörung gleichgestellten Interesse der versicherten Person an einer möglichst
beförderli
chen
Beurteilung ihres Anspruchs nicht zu vereinbaren sind (BGE 120 V
357
E.
2b, 116 V 182 E. 3c und d).
4.1.2
In der angefochtenen Verfügung wird dem Beschwerdeführer mitgeteilt,
auf wel
che Erkenntnisse die Beschwerdegegnerin abstellte (RAD-Berichte), welchen Ein
kommensvergleich sie durchführte und welcher Invaliditätsgrad daraus resul
tierte.
Zudem
nahm die Beschwerdegegnerin auch Stellung zu den Einwänden, welche der Beschwerdeführer gegen ihren Vorbescheid erheben liess
,
und begrün
dete, weshalb sie weiterhin an ihrer
Entscheidgrundlage
festhalte (die
RAD-Untersuchungsberichte seien beweistauglich, vgl.
Urk.
2 S. 2). Mit der angefoch
tenen Verfügung wurde dem Beschwerdeführer daher mitgeteilt, weshalb und in
welchem Verfahren er sich mit der Beschwerdegegnerin befand (Rentenan
spruchsverfahren), welcher
entscheidrelevante
Sachverhalt zugrunde gelegt wurde (Erkenntnisse aus RAD-Untersuchungen) und welche Schlussfolgerung daraus gezogen wurde (100 % Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit, daraus resultierender Invaliditätsgrad von 16 %) sowie was die daraus folgende Rechts
folge ist (kein Rentenanspruch). Die
Überlegungen, von denen sich d
ie IV-Stelle leiten liess und auf welche sich ihr
Entscheid stützt, wurden genannt, weshalb sich die angefochtene Verfügung
als hinreichend begründet erweist.
Nicht erforderlich war
, dass sich die Beschwerdegegnerin mit jedem einzelnen Aspekt des Einwan
des des Beschwerdeführers auseinandersetzte, zumal der Beschwerdeführer mit seinem Einwand gesamthaft auf die fehlende Beweiswertigkeit der RAD-Untersuchungen abzielte
, wozu die Beschwerdegegnerin auch Stellung bezog
. Eine ungenügende Verfügungsbegründung kann nicht festgestellt werden
, wes
halb folglich auch keine Gehörsverletzung besteht
.
4.2
Sodann ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin in ihrer
Entscheidfindung
berechtigterweise auf die Erkenntnisse aus den RAD-Untersuchungen (E. 3.10 und 3.11) sowie die Stellungnahmen der RAD-Ärzte (E.
3.12 und 3.14) abstellen durfte.
4.2.1
Dr.
F.___
kam in orthopädischer Hinsicht (E. 3.10) zum Schluss, dass beim Beschwerdeführer noch
belastungsabhängige
Restbeschwerden an der rechten Schulter bestünden. Eine eigentliche Begründung, weshalb dem Beschwerdefüh
rer die angestammte Tätigkeit nicht mehr zumutbar sein soll, fehlt
, erscheint mit Blick auf die
zuletzt ausgeübt
e – mindestens mittelschwere
–
Tätigkeit (Packer) aber
nachvollziehbar
.
Nicht nachvollziehbar ist
demgegenüber
, weshalb
Dr.
F.___
in seiner abschliessenden Stellungnahme (E. 3.12) lediglich zwei Tage nach der Untersuchung (unbegründet)
erklärte,
der Beschwerdeführer sei bis zum 3
0.
April 2017 in seiner angestammten Arbeitstätigkeit nicht arbeitsfähig (und demnach ab dem
1.
Mai 2017 wieder arbeitsfähig, vgl.
Urk.
14/77/9).
Dr.
F.___
hielt in seinem Untersuchungsbericht sodann dafür, dass eine angepasste Tätig
keit ab dem
1.
Mai 2017 zu 100 % zumutbar sei. Weshalb er diesen Zeitpunkt
als zumutbar für die Wiederaufnahme einer Arbeitstätigkeit wählte, führt
e
er nicht aus (vgl.
Urk.
14/73/5). In der abschliessenden RAD-Stellungnahme
(E.
3.12) k
am
Dr.
F.___
dann
jedoch
zum Schluss, die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit sei lediglich für jeweils 6 Wochen postoperativ eingeschränkt gewesen
.
O
hne auf seine Feststellungen a
us dem RAD-Untersuch Bezug zu nehmen, schloss er auf eine Arbeitsfähigkeit von 100 % ab dem
3.
August 2016
(vgl.
Urk.
14/77/10)
.
In seiner
Stellungnahme während des Beschwerdeverfahrens
(E.
3.14)
hielt
Dr.
F.___
sodann
aber
dafür
, die Arbeitsfähigkeit in einer ange
pass
ten
Tätigkeit sei erst ab dem
1.
Mai 2017
erstellt
. Sowohl für den eigenen Unter
such (E. 3.10) als auch für die beiden Stellungnahmen (E. 3.12 und 3.14) lagen
Dr.
F.___
sämtliche Berichte und Akten vor. Weshalb er seine Einschätzung bei gleichbleibender Sachlage mehrfach – um immerhin 9 Monate – änderte, ist daher nicht verständlich. Nicht nachvollzogen werden kann zudem seine Begründung für die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ab dem
1.
Mai 2017
, wofür
er sich auf die Arbeitsunfähigkeitszeugnisse in den Suva-Akten bez
og
(vgl. E. 3.14). Zwar wurde dem Beschwerdeführer seitens seines Behandlers bis zum 3
0.
April 2017
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
attestiert (
Urk.
14/46/5)
,
im Untersuch, wel
cher zu diesem Zeugnis geführt hat
te
, wurde jedoch lediglich ausgeführt, es bestehe noch ein leichtes Kraftdefizit; das Gelenk sei schön rehabilitiert bei noch eingeschränkter Belastbar
keit (vgl.
Urk.
14/46/10-11, E.
3.7). Ob sich die Att
e
s
tierung der Arbeitsunfähigkeit daher auf die angestammte schwere Tätigkeit als Packer bezog oder
auch
eine angepasste leichte Tätigkeit
umfasste
, ist
nicht klar
. Wenn
Dr.
F.___
gestützt darauf und ohne weitere Begründung auf eine Arbeits
unfähigkeit
bis 3
0.
April 2017
auch in einer angepassten Tätigkeit schloss, ist dies nicht ohne Weiteres nachvollziehbar.
Auch
Dr.
E.___
(Kreisärztin der Suva) äus
serte sich in ihren Untersuchungen (E.
3.6 und 3.8) zunächst nur zur Arbeitsfä
higkeit als Zimmermann. Erst im Juni 2017 definierte sie ein
zumutbares Belast
barkeitsprofil, hielt aber fest, dass sich die Situation (seit der Untersuchung im Januar 2017) nicht verändert habe (vgl. E. 3.8), womit ebenfalls nicht geklärt wird,
ab
welchem
frühesten
Zeitpunkt dem Beschwerdeführer eine angepasste Tätigkeit zumutbar
w
ar
.
4.2.2
Wie bereits ausgeführt
,
sind grundsätzlich
sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren zu unterziehen (vgl. E. 1.3). Zwar war diese Rechtsprechung (BGE 143 V 418 vom 3
0.
November 2017) im Zeitpunkt der psychiatrischen RAD-Untersuchung vom 1
6.
Oktober 2017 (E. 3.11) noch nicht in Kraft; im Zeitpunkt des Verfügungser
lasses am 2
3.
Februar 2018 (
Urk.
2) jedoch schon. Die Arbeitsunfähigkeit in psy
chiatrischer Hinsicht hätte daher anhand einer
Indikatorenprüfung
erfolgen müs
sen, was jedoch nicht geschah. Damit leidet die Beurteilung der Arbeitsunfähig
keit ohnehin schon an einem Mangel.
Eine
Indikatorenprüfung
durch das Gericht
ist
ebenfalls nicht möglich,
da
sich den aufliegenden Akten nicht genügend Informationen zu sämtlichen relevanten Standardindikatoren (vgl. E. 1.3) entneh
men
lassen
.
Nicht zu hören ist der Beschwerdeführer soweit er gelten
d
macht, med.
pract
.
G.___
sei für die Begutachtung
ungenügend qualifiziert
gewesen
. Wie er richtigerweise anführt, verfügt med.
pract
.
G.___
seit 2016 über den Facharzttitel
im
Bereich Psychiatrie und Psychotherapie (vgl.
Urk.
3/11). Dass er zum Zeitpunkt der Untersuchung erst sei
t rund einem Jahr im Besitze dieses
Fach
arzttitels war, lässt an se
iner Qualifikation keine Zweifel entstehen; ebenso wenig finden sich andere Anhaltspunkte hierfür.
Med.
pract
.
G.___
schloss – mehrheitlich mit dem Hinweis auf Inkonsistenzen
–
darauf, dass beim Beschwerdeführer eine leichte depressive Episode nicht aus
geschlossen werden könne. Weshalb er deswegen von einer Arbeitsfähigkeit von 80 % ausging
, begründete er nicht; ebenso wenig
,
ob diese (quantitativ beschränkte) Arbeitsfähigkeit in qualitativer Hinsicht ebenfalls eingeschränkt
ist
. Weshalb
Dr.
F.___
in der RAD-Stellungnahme vom 1
8.
Oktober 2017 (E. 3.12) fachfremd darauf schloss, die leichte Depression habe keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (vgl.
E. 3.10)
,
kann nicht nachvollzogen werden.
M
ed.
pract
G.___
hielt eine mittel- bis
schwergradige
depressive Störung für nicht wahr
scheinlich, da
d
er Beschwerdeführer über A
ktivitäten während der Besuche seines Sohnes und von Ferien in Sizilien
berichtet habe. In der Anamneseerhebung fin
den sich jedoch keine Ausführungen zu
Aktivitäten
mit dem Sohn
resp. Ferien
(
vgl.
Urk.
14/74).
Mi
thin wurden
solche Angaben nicht
ge
macht oder
fanden
ent
scheidrelevante
Angaben
nich
t Eingang in dem
Bericht
; beides lässt
Zweifel
an der
Zuverlässig
keit des RAD-Untersuchungsberichts
aufscheinen
.
Im Widerspruch zur Feststellung von med.
pract
.
G.___
, dass beim Beschwerdeführer keine mittel- oder
schwergradige
Depression vorliege, stehen sodann die Ausführungen von
Dr.
D.___
und des
A.___
, welche beide auf eine jeweils mindestens mittel
gradige depressive Störung schlossen.
Ob ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden vorliegt, kann jedoch auch nicht gestützt auf diese Berichte
abschliessend
beurteilt werden. Insbesondere den Berichten der
A.___
(E.
3.13 und 3.15
) sind psychosoziale Belastungsfaktoren zu entnehmen, welche das Krankheitsbild
offensichtlich
mitbeeinflussen
bei der Beurteilung eines inva
lidenversicherungsrechtlich relevanten Leidens
aber
nicht zu berücksichtigen
sind
(vgl. E. 1.2).
4.2.3
Der Beschwerdeführer brachte weiter vor, die Untersuchungen durch den RAD hätten lediglich 5-10 Minuten (orthopädische Untersuchung) respektive knapp 20 Minuten (psychiatrische Untersuchung) gedauert. Di
es
stellt zwar eine blosse Behauptung seitens des Beschwerdeführers dar, wird von der Beschwerdegegne
rin aber nicht explizit bestritten. Den aufliegenden Akten kann nicht entnommen werden, wie lange die jeweilige Untersuchung durch den RAD dauerte. Zuzustim
men ist dem
Beschwerdeführer dahingehend, dass eine fundierte ärztliche Beur
teilung in der Regel länger als 5-10 Minuten dauer
n dürf
t
e
.
Ob dies in
casu
der Fall war, kann aber
–
angesichts der ohnehin zu erfolgenden Rückweisung
–
offen bleiben
.
Wie der Beschwerdeführer ebenfalls darauf hinwies, ist es nicht verständlich, wes
halb in der orthopädischen Untersuchung die Schilderung des Tagesablaufs mög
lich war (vgl.
Urk.
14/73/2), in der psychiatrischen Untersuchung jedoch nicht (
Urk.
14/74/2), zumal die beiden Untersuchun
gen am gleichen Tag stattfanden
.
Mit Blick auf die aufliegenden Akten stellt sich zudem die Frage, ob und in wel
chem Umfang der Beschwerdeführer seit seiner Anmeldung bei der Beschwerde
gegnerin
allenfalls
arbeitstätig war respektive ist. Während er gegenüber der Beschwerdegegnerin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit seit dem Unfall im März 2015 vortragen lässt, führte er gegenüber seinem Behandler (Schulterprob
lematik) im November 2016 aus, es werde ihm mit hoher Wahrscheinlichkeit gekündigt, wenn er sich wieder am Arbeitsplatz zeige (Urk. 14/43/9
, woraufhin ihm weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde
). Zu diesem Zeitpunkt war das Arbeitsverhältnis mit der
Y.___
aber bereits seit Längerem beendet (Kündigung per 3
0.
April 2015,
Urk.
14/7/14; Beendigung per 3
1.
Juli 2015 aufgrund Verlängerung infolge Unfalls).
Es stellt sich daher die Frage, ob der Beschwerdeführer zwischenzeitlich anderweitig arbeitstätig war.
4.3
Zusammenfassend bestehen an den Untersuchungsberichten des RAD und deren Einschätzungen in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit zumindest geringe Zweifel
in Bezug auf ihre
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit
, weshalb darauf nicht abgestellt werden kann (vgl. E. 1.6). Eine schlüssige Beurteilung der Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers seit Eintritt der Gesundheitsschädigung ist jedoch auch mit Blick auf die übrigen medizinischen Akten nicht
abschliessend
möglich.
Es ist somit festzuhalten,
dass der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführ
ers
und des
sen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
– und mithin die Frage, ob ein ren
tenbegründender Invaliditätsgrad besteht
–
nicht hinreichend beurteilt werden können. Es sind daher weitere medizinische Abklärungen erforderlich.
5.
In Aufhebung der angefochtenen Verfügung ist die Sache demnach an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese im Sinne der Erwägungen weitere Abklärungen vornimmt.
Danach hat die Beschwerdeg
egnerin über einen An
spruch
des
Beschwerdeführer
s
auf Leistungen der Invalidenversicherung neu zu entscheiden.
Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen.
6
.
6
.1
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG
ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von
Art.
61
lit
. a ATSG kostenpflichtig.
Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhän
gig vom Streitwert im Rahmen von
Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt und vor
liegend auf Fr. 6
00.-- festgesetzt.
Die Rückweisung an die Verwaltung gilt nach ständiger Rechtsprechung als voll
ständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der Besch
werdegegnerin aufzuerlegen sind.
6.2
Der obsiegende Beschwerdeführer hat Anspruch auf eine Parteientschädigung (§ 34 Abs. 1
GSVGer
).
Mit Honorarnote vom
27
.
November 2018
(Urk.
20
) machte
die unentgeltliche Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (vgl. Urk. 15),
Rechts
anwältin
Lotti Sigg
,
einen Aufwand von Total Fr. 3'091.25 (Fr. 2'786.65 Arbeits
aufwand für 12 Stunden und 40 Minuten plus F
r. 83.60 Barauslagen zzgl.
MwSt
) geltend. Unter Berücksichtigung der Bedeutung der
Streitsache und der Schwie
rigkeit des Pro
zesses (
§
34
Abs.
3
GSVGer
) ist eine Entschädigung in dieser Höhe nicht mehr angemessen.
Rechtsanwältin Lotti Sigg war bereits im
Einwandver
fahren
vor der Beschwerdegegnerin als unentgeltliche Rechtsvertretung involviert
(vgl.
Urk.
14/102)
. Somit konnte sie für die Beschwerdeerhebung sowohl von ihrer Aktenkenntnis profitieren, als auch bereits vorgetragene Elemente aus dem Einwand in die Beschwerdeschrift übernehmen.
Ins
gesamt ist ein Gesamtarbeits
aufwand von rund
9
Stunden für Besprechungen mit dem Klienten, dem Ausar
beiten der Beschwerdeschrift sowie weiteren Arbeiten im Zusammenhang mit dem Beschwerdeverfahren anzurech
nen, was unter Berücksichtigung des gerichtsüblichen Ansatzes von
Fr.
220.-- sowie einem Anteil für Barauslagen und Mehrwertsteuer eine Entschädigung von
rund
Fr.
2’3
0
0
.-- ergibt. In dieser Höhe
hat die Beschwerdegegnerin
die unentgeltliche Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers, Rechtsanwältin Lotti Sigg,
zu entschä
digen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird
in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom
2
3.
Februar 2018
aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons
Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgten Abklärungen im Sinne
der Erwägungen
, über den Leistungsanspruch des
Beschwer
deführers
neu ver
füge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr. 600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der unentgeltlichen Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers, Rechtsanwältin Lotti Sigg,
eine Prozessentschädigung von
Fr. 2’300
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Lotti Sigg
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
VogelMeier