# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0079cd8d-d950-53ed-a7c6-ecbc696e870c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-08-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.08.2011 D-2192/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2192-2009_2011-08-23.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­2192/2009
law/mah

U r t e i l   v om   2 3 .   Augus t   2 0 1 1

Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz),
Richter Kurt Gysi, 
Richter Gérald Bovier,
Gerichtsschreiberin Sarah Mathys.

Parteien A._______, geboren am (…),
China,
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Gegenstand Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 9. März 2009 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der Beschwerdeführer,  ein  ethnischer  Tibeter  aus  dem Dorf  Z._______ 
(Provinz  Y._______),  verliess China  gemäss  eigenen Angaben  im April 
2008 Richtung Nepal und gelangte schliesslich am 28. September 2008 
in die Schweiz, wo er tags darauf um Asyl nachsuchte.

B. 
Am  2. Oktober  2008  erhob  das  BFM  im  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum  (EVZ)  Kreuzlingen  die  Personalien  des 
Beschwerdeführers und befragte  ihn summarisch zum Reiseweg und zu 
den Gründen  für  das  Verlassen  des  Herkunftslandes.  Am  8. Dezember 
2008 hörte ihn das BFM einlässlich zu den Asylgründen an.

Der  Beschwerdeführer  machte  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im 
Wesentlichen geltend, er habe in einem Kloster als Koch gearbeitet. Vom 
10. bis 15. März 2008 habe er mit ungefähr 30 Mönchen des Klosters an 
einer  Demonstration  in  X._______ mit  über  tausend  anderen  Personen 
demonstriert.  Nachdem  chinesische  Sicherheitskräfte  eingegriffen  und 
Tibeter  geschlagen  hätten,  sei  die  anfänglich  friedliche  Demonstration 
ausser Kontrolle geraten. Er habe Steine auf Polizisten geworfen und ein 
chinesisches  Geschäft  demoliert.  Viele  Mönche  seines  Klosters  seien 
verhaftet worden, weshalb er nicht ins Kloster habe zurückkehren können 
und  sich  zu Hause bei  seiner Mutter  und  seinem Bruder  im Heimatdorf 
versteckt gehalten habe. Aufgrund der Welle  von Verhaftungen habe er 
Angst gekriegt. Sein Bruder habe ihm dann zur Ausreise verholfen.

C. 
Das BFM stellte mit Verfügung vom 9. März 2009 – eröffnet am 12. März 
2009 – fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht 
und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung 
des Beschwerdeführers aus der Schweiz und schob deren Vollzug wegen 
Unzumutbarkeit  zu  Gunsten  einer  vorläufigen  Aufnahme  auf.  Es  stellte 
zudem  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  bei  Aufhebung  der  vorläufigen 
Aufnahme  die  Schweiz  –  unter  Androhung  von  Zwangsmitteln  im 
Unterlassungsfall  –  zu  verlassen  habe,  und  beauftragte  den  Kanton 
W._______ mit der Umsetzung der vorläufigen Aufnahme.

D. 
Der  Beschwerdeführer  erhob  mit  Eingabe  vom  2. April  2009  (Datum 
Poststempel)  gegen  dieses  Verfügung  beim  Bundesverwaltungsgericht 

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Beschwerde und beantragte, die Ziffern 1, 2, 3, und 6 der angefochtenen 
Verfügung seien aufzuheben, es sei ihm Asyl zu gewähren und die Sache 
zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen.  In 
verfahrensrechtlicher  Hinsicht  beantragte  er  zudem,  es  sei  ihm  die 
unentgeltliche  Rechtspflege  zu  bewilligen  und  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses  zu  verzichten.  Der  Beschwerde  legte  er  eine 
Fürsorgebestätigung bei.

E. 
Am 8. April  2009 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht  den Eingang 
der Beschwerde.

F. 
Mit  Verfügung  vom  15. April  2009  stellte  der  zuständige 
Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  fest,  der 
Beschwerdeführer  könne  den Ausgang  der Beschwerde  in  der Schweiz 
abwarten,  und  hiess  die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  und  um  Verzicht  der  Erhebung  eines  Kostenvorschusses 
gut. Gleichzeitig stellte er die Akten der Vorinstanz zur Vernehmlassung 
zu.

G. 
In  der  Vernehmlassung  vom  17. April  2009  beantragte  das  BFM  die 
Abweisung der Beschwerde. 

H. 
Der  Instruktionsrichter  gab  dem  Beschwerdeführer  mit  Verfügung  vom 
22. April  2009  Gelegenheit,  eine  Stellungnahme  zur  Vernehmlassung 
einzureichen.

I. 
Am  4. Mai  2009  nahm  der  Beschwerdeführer  Stellung  zur 
Vernehmlassung.

J. 
Mit  Schreiben  vom  30. Oktober  2010  wies  der  Beschwerdeführer 
nochmals auf seine Gefährdung und die Lage im Tibet hin.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde;  es  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]). 

1.2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

2. 
Der  Beschwerdeführer  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  und  ist  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 37  VGG  und  Art. 48 
Abs. 1  VwVG).  Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
(Art. 108  Abs. 1  AsylG;  Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 37  VGG  und  Art. 52 
Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 

3. 
3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person 
anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie 
zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit 
zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen 
Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 

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bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen 
(Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

3.3.  Die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  erfüllt  eine 
asylsuchende  Person  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  dann,  wenn  sie 
Nachteile  von  bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise  mit 
beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  befürchten 
muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund  bestimmter  Verfolgungsmotive 
durch  Organe  des  Heimatstaates  oder  durch  nichtstaatliche  Akteure 
zugefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. 
BVGE  2008/4  E. 5.2  S. 37).  Aufgrund  der  Subsidiarität  des 
flüchtlingsrechtlichen  Schutzes  setzt  die  Zuerkennung  der 
Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person  in 
ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz  finden kann (vgl. BVGE 
2008/12  E. 7.2.6.2  S. 174  f.,  BVGE  2008/4  E. 5.2  S. 37 f.). 
Ausgangspunkt  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  ist  die 
Frage nach der  im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder 
begründeten  Furcht  vor  einer  solchen.  Die  Situation  im  Zeitpunkt  des 
Asylentscheides  ist  jedoch  im  Rahmen  der  Prüfung  nach  der  Aktualität 
der  Verfolgungsfurcht  ebenfalls  wesentlich.  Veränderungen  der 
objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid 
sind  deshalb  zugunsten  und  zulasten  der  das  Asylgesuch  stellenden 
Person  zu  berücksichtigen  (vgl.  BVGE  2008/4  E. 5.4  S. 38  f.,  WALTER 
STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, Basel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18).

4. 
4.1.  Das  BFM  lehnte  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  mit  der 
Begründung  ab,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  würden  den 
Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art. 7  AsylG  nicht 
standhalten und der Asylrelevanz entbehren.

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Im  Einzelnen  führte  es  aus,  der  Beschwerdeführer  habe  sich  bei  der 
Frage nach der Planung der Demonstration  in Widersprüche verwickelt. 
Einmal  habe  er  erklärt,  er  sei  eigentlich  von  einer  friedlichen 
Demonstration  ausgegangen.  Ein  anderes  Mal  habe  er  demgegenüber 
erklärt,  sie  hätten  bereits  bei  den  Vorbereitungen  im  Kloster  geplant, 
chinesische Geschäfts­ und Amtsgebäude in Brand zu setzen. Auch habe 
sich der Beschwerdeführer hinsichtlich der Zeitdauer, welche er noch  in 
seinem  Heimatdorf  nach  den  Demonstrationen  verbracht  habe, 
widersprochen. Während er bei der Befragung  im EVZ 30 Tage geltend 
gemacht  habe,  habe  er  sich  gemäss Aussagen  bei  der Anhörung  noch 
15 Tage in seinem Heimatdorf aufgehalten. Auch habe er erklärt, er habe 
nicht gewusst, dass so zu demonstrieren "so strafbar" sei. Allerdings sei 
dem  Beschwerdeführer  sicher  nicht  unbekannt  geblieben,  dass  bereits 
kleinere Aktionen  für mehr  tibetische Autonomie durch die  chinesischen 
Behörden unterbunden würden. Es könne dem Beschwerdeführer daher 
nicht  geglaubt  werden,  dass  er  einerseits  geplant  habe,  Häuser 
niederzubrennen,  aber  gleichzeitig  keine  Gegenaktion  der  Behörden 
erwartet  habe.  Der  Beschwerdeführer  habe  zu  Protokoll  gegeben,  er 
habe nie Ausweis­ oder Reisepapiere besessen. Nach den Unruhen sei 
er  im  April  2008  per  Bus  nach  V._______  gefahren.  In  Anbetracht  der 
verstärkten  Sicherheitskontrollen  nach  den  Auseinandersetzungen  im 
März  2008  sei  davon  auszugehen,  dass  es  für  Tibeter  sehr  schwierig 
gewesen  sei,  sich  innerhalb  des  Landes  zu  bewegen.  Es  sei  nicht 
glaubhaft,  dass  der  Beschwerdeführer  trotz  der  Teilnahme  an  einer 
gewalttätigen Demonstration sich ohne Ausweispapiere frei in Tibet habe 
bewegen können. Immerhin sei er sieben Tage gereist. Daher wäre er mit 
Bestimmtheit  kontrolliert  worden.  Ferner  habe  der  Beschwerdeführer 
erklärt, er sei nach den Unruhen von den chinesischen Behörden gesucht 
worden. Auch dies sei angesichts der langen Reise innerhalb Tibets nicht 
glaubhaft. Seine Schilderungen seien  in wesentlichen Punkten zu wenig 
konkret,  detailliert  und  differenziert  dargelegt  worden  und  würden  nicht 
den  Eindruck  vermitteln,  der  Beschwerdeführer  habe  das  Geschilderte 
selbst  erlebt.  Die  Vorbringen  hielten  daher  den  Anforderungen  an  die 
Glaubhaftigkeit  gemäss Art. 7 AsylG nicht  stand. Der Beschwerdeführer 
halte  sich  zudem  erst  seit  April  2008  ausserhalb  von  Tibet  auf.  Es  sei 
somit  nicht  von  einer  "längeren Zeit"  im Sinne  der Entscheidungen und 
Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2006 
Nr. 1  auszugehen.  Somit  liege  auch  kein  begründeter  Anlass  für  die 
Annahme  einer  beachtlichen  zukünftigen  Verfolgung  vor,  weshalb  die 
Vorbringen  auch  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft 
gemäss Art. 3 AsylG nicht standhielten.

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4.2.  In  der  Beschwerde  wird  demgegenüber  im  Wesentlichen  geltend 
gemacht,  der Beschwerdeführer  sei  bei  der Planung der Demonstration 
nicht dabei, sondern nur ein Mitläufer gewesen. Wie sollten Tibeter eine 
gewalttätige  Demonstration  gegen  die  chinesischen  Behörden  und 
Polizisten planen können, wenn die Chinesen Gewehre besässen und die 
Tibeter nichts. Er habe an der Demonstration  teilgenommen, weil er der 
Meinung  sei,  die  Tibeter  hätten  ein  Recht  auf  ein  "freies  Tibet".  Als  er 
habe  zusehen  müssen,  wie  Chinesen  auf  offener  Strasse  Tibeter 
abgeschossen hätten, habe er sich nicht mehr beherrschen können und 
deshalb auch Steine geworfen und ein chinesisches Geschäft demoliert. 
Anlässlich  der  Anhörung  sei  es  bei  der  Frage  F28  zu  einem 
Missverständnis  gekommen.  Er  habe  sich  bei  seiner  Antwort  darauf 
bezogen,  was  dann  passiert  sei,  als  die  Demonstration  schon  ausser 
Kontrolle geraten sei. Er könne von keiner Planung erzählt haben, weil er 
nicht dabei gewesen sei. Er habe dies  immer so ausgesagt. Hinsichtlich 
der Zeitdauer habe er bei der Befragung im EVZ keine Zahl angegeben, 
sondern  auf  Tibetisch  "Dawa  scheka"  (Dawa  =  Monat,  scheka  =  halb) 
gesagt.  Er  habe  deshalb  schon  damals  15 Tage  gemeint.  Der 
Dolmetscher habe anstatt "halb" "knapp" verstanden. Er habe weder eine 
Identitätskarte  noch  einen  Ausweis  besessen  und  er  habe  auch  nie 
Gelegenheit gehabt, ein solches Papier zu beantragen. Das sei aber bei 
den meisten Tibetern so. In der Verfügung des BFM stehe, er sei mit dem 
Bus nach V._______ unterwegs gewesen. Er wisse nicht, wieso dies so 
stehe. Er  sei mit  einem PW von  seinem Dorf  bis V._______ unterwegs 
gewesen und nicht mit dem Bus, da dies viel gefährlicher gewesen wäre. 
Mit  dem PW sei es  für  ihn viel  sicherer gewesen, weil man vorsichtiger 
sein  könne.  Er  habe Glück  gehabt  und  habe  keine  Sicherheitskontrolle 
angetroffen.  Es  sei  ihm  zu  glauben,  dass  er  von  den  chinesischen 
Behörden  im Kloster gesucht worden sei. Er sei nicht gefunden worden, 
weil  er  nicht  dorthin  zurückgekehrt  sei. Die Behörden hätten nach einer 
solchen  Demonstration  natürlich  alle  Beteiligten  finden  und  bestrafen 
wollen,  damit  solche  Unruhen  nicht  wieder  vorkämen,  und  die  Tibeter 
damit abschrecken wollen. Er sei ein einfacher Koch gewesen und habe 
im Kloster gelebt. Er sei vom Typ her nicht gesprächig und könne seine 
freudigen  oder  traurigen Emotionen  nicht  ausdrücken. Er  sei  sehr  ruhig 
und sei Einzelgänger und rede nicht viel. Er sei auch nicht dafür geschult. 
Seit  der  Publizierung  des  EMARK  2006  Nr. 1  sei  bekannt,  dass  die 
Asylbehörden bei illegal aus China ausgereisten Tibetern, welche – ohne 
sich  vorher  länger  in  Indien  oder  Nepal  aufgehalten  zu  haben  –  in  der 
Schweiz  ein  Asylgesuch  gestellt  hätten,  zumindest  vom  Vorliegen 
subjektiver Nachfluchtgründe gemäss Art. 54 AsylG auszugehen sei. Neu 

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sei  mit  dem  publizierten  Entscheid  festgestellt  worden,  dass  durch  die 
chinesischen  Behörden  allen  Exil­Tibetern  eine  Dalai­Lama­freundliche 
Haltung  unterstellt  werde,  sie  aufgrund  der  illegalen  Ausreise  mit  einer 
massiven  Gefängnisstrafe  zu  rechnen  hätten,  die  landesabwesenden 
Tibeter/innen  beobachtet  würden  und  der  langjährige  Aufenthalt  in  der 
Schweiz und das Einreichen eines Asylgesuchs vom chinesischen Staat 
asylrelevant geahndet werde. Nebst der Bestrafung wegen Republikflucht 
und dem Einreichen eines Asylgesuchs in der Schweiz, würde ihm sicher 
auch vorgeworfen, dass er im Ausland politisch tätig sei. Es sei bekannt, 
dass die  lediglich  rund 4000  jedoch politisch sehr aktiven Tibeter  in der 
Schweiz  von  den  chinesischen  Behörden  streng  beobachtet  würden. 
Separatismus werde  in China hart bestraft. Es seien deshalb subjektive 
Nachfluchtgründe festzustellen.

4.3.  In  der  Vernehmlassung  hielt  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer 
halte sich erst seit April 2008 ausserhalb der Volksrepublik China auf. Ein 
längerer  Aufenthalt  im  Sinne  von  EMARK  2006  Nr. 1  sei  daher  nicht 
gegeben.  Ausserdem  gebe  es  keine  Hinweise  darauf,  dass  der 
Beschwerdeführer  sich  seit  seinem  Aufenthalt  in  der  Schweiz  politisch 
betätigt  oder  Kontakt  zu  exiltibetischen  Gruppierungen  in  der  Schweiz 
habe.  Daher  sei  nicht  anzunehmen,  dass  er  unter  Beobachtung  der 
chinesischen  Behörden  stehen  würde.  Ferner  vermerke  der 
Beschwerdeführer, dass es sich bei den festgestellten Widersprüchen um 
Missverständnisse  bei  der  Übersetzung  handle.  Dazu  sei  festzuhalten, 
dass  dem  Beschwerdeführer  das  gesamte  Protokoll  rückübersetzt 
worden  sei  und  er  die  Richtigkeit  der  Angaben  mit  seiner  Unterschrift 
bestätigt  habe.  Die  Angaben  im  Protokoll  würden  daher  mit  seinen 
Aussagen übereinstimmen.

4.4.  In  der  Replik  wird  im  Wesentlichen  geltend  gemacht,  der 
Beschwerdeführer  komme  aus  Osttibet,  weshalb  er  dem  Osttibetverein 
angehöre. Er habe sich in U._______ am (…) und in W._______ (…) und 
am (…) exilpolitisch betätigt. Er habe nicht sagen wollen, dass es bei der 
Übersetzung nur  zu Missverständnissen gekommen sei. Es betreffe nur 
die Frage F28 anlässlich der Anhörung und die Ausführungen hinsichtlich 
der Zeitdauer.

5. 
5.1.  Festzuhalten  ist  zunächst,  dass  Angehörige  der  tibetischen 
Minderheit  in  China  nicht  der  Kollektivverfolgung  unterliegen.  Die 
allgemeinen  Benachteiligungen  und  die  Diskriminierungen,  denen  die 

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Tibeterinnen und Tibeter in China ausgesetzt sein können, sind entweder 
von verhältnismässig geringer Intensität oder hängen vom Verhalten des 
Einzelnen  ab.  Begründete  Furcht  vor  Verfolgung  allein  aufgrund  der 
Zugehörigkeit  zur  tibetischen  Ethnie  und  ungeachtet  individueller 
Vorbringen kann deshalb nicht bejaht werden (vgl. BVGE 2009/29 E. 4.4 
S. 376, EMARK 2006 Nr. 1 E. 4.3 S. 3 f. und 4.6 S. 7 f.).

5.2. Es trifft zu, dass es im März 2008 im Vorfeld der olympischen Spiele 
in  Peking  zu  Unruhen  im  Tibet  und  anderen  Landesteilen  Chinas 
gekommen  ist,  die  von  heftigen  Auseinandersetzungen  zwischen  den 
chinesischen Behörden und Personen tibetischer Ethnie begleitet waren. 
Insofern  können  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  mit  der  Realität 
übereinstimmen. Es ist jedoch unabhängig davon, ob seine Angaben zur 
Begründung des Asylgesuches in allen Teilen glaubhaft sind, nicht davon 
auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  zum  Zeitpunkt  der  Ausreise 
seitens  der  chinesischen  Behörden  asylrechtlich  erhebliche  Nachteile 
erlitten oder solche zu befürchten hatte. Einerseits führte er nämlich aus, 
dass  an  der  Demonstration  im  März  über  tausend  Personen 
teilgenommen  hätten  (vgl.  act. A15/11  S. 4  F27),  er  anlässlich  der 
Demonstration  von  Sicherheitskräften  nicht  angehalten  worden  sei  (vgl. 
act. A15/11 S. 4 F26, S. 5 F34) und er sich nie  in der vordersten Reihe 
aufgehalten  habe  (vgl.  act. A15/11  S. 5  F34).  Es  ist  deshalb 
unwahrscheinlich,  dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der 
Demonstration seitens der Behörden  identifiziert werden konnte. Zudem 
hatte  er  zuvor  in  seinem  Leben  keine  Probleme  mit  den  chinesischen 
Behörden  gehabt,  war  nie  inhaftiert  oder  vor  Gericht  und  er  war  auch 
nicht religiös oder politisch tätig (vgl. act. A1/10 S. 6). Es besteht insofern 
kein Grund zur Annahme, der Beschwerdeführer sei bei den chinesischen 
Behörden  registriert  gewesen.  Soweit  der  Beschwerdeführer  geltend 
macht,  chinesische  Beamte  hätten  nach  ihm  gesucht  (vgl.  act. A1/10 
S. 5),  ist  festzuhalten,  dass  es  sich  dabei  um  eine  blosse  Behauptung 
handelt.  Jedenfalls  hat  er  nicht  erläutert,  wie  er  zu  dieser  Information 
gelangt  ist.  Hätten  die  chinesischen  Behörden  tatsächlich  nach  ihm 
gesucht,  hätten  sie  zudem den Wohnort  seiner Mutter, wo er  sich nach 
der Demonstration bis  zur Ausreise aufgehalten haben soll  (vgl. A15/11 
S. 5  F33),  ausfindig  gemacht  und  ihn  dort  festgenommen.  Der 
Beschwerdeführer  gab  jedoch  an,  er  sei  bei  seiner  Mutter  in  Ruhe 
gelassen worden (vgl. act. A1/10 S. 5, A15/11 S. 6 F41). 

5.3.  Vor  diesem  Hintergrund  ist  nicht  davon  auszugehen,  dass  der 
Beschwerdeführer  infolge  seiner  Beteiligung  an  einer  Demonstration  im 

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März 2008 von einer gezielt gegen  ihn gerichteten Verfolgung durch die 
chinesischen Behörden in Tibet betroffen war und er sich – da er offenbar 
als Demonstrationsteilnehmer  individuell nicht  identifiziert werden konnte 
– auch nicht vor Verfolgung zu fürchten brauchte. Aufgrund der Aktenlage 
besteht  im  Übrigen  auch  kein  Grund,  die  Sache  diesbezüglich  zur 
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.

6. 
6.1.  Massgeblich  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  nach 
Art. 3  AsylG  ist  indessen  nicht  die  Situation  im  Zeitpunkt  der  Ausreise, 
sondern die Situation  im Zeitpunkt des Asylentscheids. So  ist auch eine 
asylsuchende  Person  als  Flüchtling  anzuerkennen,  die  aufgrund 
subjektiver  Nachfluchtgründe  nach  Art. 54  AsylG,  das  heisst  erst  durch 
die  unerlaubte  Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  oder 
wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise, eine Verfolgung im Sinne von 
Art. 3  AsylG  befürchten  muss.  In  diesen  Fällen  hat  jedoch,  trotz 
Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft,  ein  Ausschluss  vom  Asyl  zu 
erfolgen.  Als  subjektive  Nachfluchtgründe  im  Sinne  von  Art. 54  AsylG 
gelten  insbesondere  unerwünschte  exilpolitische  Betätigungen,  illegales 
Verlassen  des Heimatlandes  (sog.  Republikflucht)  oder  die  Einreichung 
eines  Asylgesuchs  im  Ausland,  wenn  sie  die  Gefahr  einer  zukünftigen 
Verfolgung begründen (BVGE 2009/29 E. 5.1 S. 376 f.).

6.2. Die Praxis der ehemaligen Schweizerischen Asylrekurskommission, 
wonach  begründete  Furcht  vor  asylrechtlich  relevanter  Verfolgung  für 
eine  asylsuchende Person  tibetischer  Ethnie  bei  einer  Rückkehr  in  ihre 
Heimat dann anzunehmen ist, wenn sie sich illegal aus Tibet nach Nepal 
oder  Indien  begeben  hat  und,  ohne  sich  dort  während  längerer  Zeit 
aufgehalten zu haben,  in die Schweiz weiter gereist  ist, wo sie um Asyl 
nachgesucht hat und über eine  „längere Zeit“  in der Schweiz verblieben 
ist  (EMARK  2006  Nr. 1  E. 6.4),  wurde  durch  das 
Bundesverwaltungsgericht  mittlerweile  präzisiert  (BVGE  2009/29  E. 6 
S. 13). Danach hängt die Gefährdung nicht entscheidend von der Dauer 
des  Auslandaufenthaltes  ab.  Massgeblich  ist  vielmehr,  dass  die 
chinesischen  Behörden  illegal  ausgereisten  tibetischen  Asylsuchenden 
wegen ihres Auslandaufenthaltes – namentlich in einem für die tibetische 
Exilgemeinde  bedeutsamen  Land  wie  der  Schweiz  –  unterstellen,  sie 
hätten mit  als Dissidenten  behandelten  exiltibetischen Kreisen Kontakte 
gepflegt, und hierin eine oppositionelle Haltung und eine Zugehörigkeit zu 

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als separatistisch betrachteten Kreisen erblicken. Mit anderen Worten ist 
davon  auszugehen,  dass  illegal  ausgereiste  Asylsuchende  tibetischer 
Ethnie  unabhängig  von  der  zeitlichen  Dauer  ihres  Auslandaufenthaltes 
bei  einer  Rückkehr  nach  China  oppositioneller  politisch­religiöser 
Anschauungen verdächtigt würden und aus diesem Grund mit Verfolgung 
in  einem  flüchtlingsrechtlich  relevanten  Sinn  zu  rechnen  hätten  (BVGE 
2009/29  E. 6.5  S. 383).  Ferner  wurde  auch  in  Bezug  auf  tibetische 
Asylsuchende, die China auf legalem Weg verlassen haben, präzisierend 
festgehalten, dass diese sich – und zwar mit längerem Auslandaufenthalt 
in zunehmendem Ausmass – dem Verdacht der chinesischen Behörden 
ausgesetzt  sehen,  sie  hätten  sich  im  Ausland  in  exiltibetischen,  Dalai­
Lama­freundlichen Kreisen bewegt. Die betreffenden Personen müssten 
gegenüber  den  chinesischen  Behördenentsprechende  Verdächtigungen 
glaubhaft widerlegen können. Bezüglich eines Aufenthalts in der Schweiz 
wurde  im  Übrigen  hervorgehoben,  dass  hier  die  grösste  exiltibetische 
Gemeinschaft  Europas  lebt,  die  vom  Dalai  Lama  wiederholt  besucht 
worden ist und mit dem Kloster in Rikon ein wichtiges spirituelles Zentrum 
besitzt (BVGE 2009/29 E. 6.6 S. 383 f.).

6.3. Der  Beschwerdeführer  führte  bezüglich  seiner  Ausreise  aus  China 
aus,  er  habe  die  Grenze  zwischen  China  und  Nepal  nicht  bei  einem 
Grenzposten, sondern zu Fuss in den Bergen überquert (vgl. act. A15/11 
S. 7  F50  f.).  Das  BFM  bezweifelte  die  illegale  Ausreise  des 
Beschwerdeführers aus China in der Verfügung nicht. Sodann sind nach 
Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts seit der Verschärfung der 
Lage  in  Tibet  im März  2008  legale  Ausreisen  aus  Tibet  offenbar  kaum 
noch möglich (vgl. BVGE 2009/29 E. 6.6 S. 383 f.). Es ist deshalb davon 
auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  im  April  2008  China  illegal 
verlassen hat. Ausserdem befindet  sich der Beschwerdeführer  nunmehr 
seit  drei  Jahren  in  der  Schweiz,  wo  er  im  Übrigen  –  wie  er  in  der 
Beschwerde geltend macht – an verschiedenen Manifestationen der Exil­
Tibeter  in  der  Schweiz  teilgenommen  hat.  Es  dürfte  ihm  daher  nicht 
gelingen,  den  von  den  chinesischen  Behörden  bei  einer  allfälligen 
Rückkehr  gehegten  Verdacht,  er  habe  sich  in  Dalai­Lama­freundlichen 
Kreisen bewegt, auszuräumen. Unter diesen Umständen ergibt sich, dass 
er  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllt,  da  er  begründete  Furcht  hat,  bei 
einer Rückkehr in die Heimat aufgrund seiner illegalen Ausreise und des 
mehrjährigen  Aufenthaltes  in  der  Schweiz  der  oppositionellen  Haltung 
verdächtig  und  aus  diesem  Grund  asylrechtlich  relevanten  Übergriffen 
ausgesetzt zu werden.

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6.4.  Das  BFM  hat  demnach  die  Flüchtlingseigenschaft  des 
Beschwerdeführers gemäss den Voraussetzungen von Art. 3 und 7 AsylG 
zu  Unrecht  verneint.  Wie  bereits  erwähnt  (E. 6.1)  bleibt  die 
Asylberechtigung  des  Beschwerdeführers  jedoch  aufgrund  der 
Ausschlussklausel  von  Art. 54  AsylG  verwehrt,  wonach  subjektive 
Nachfluchtgründe  zwar  zur  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft, 
jedoch  nicht  zur  Asylgewährung  führen.  Das  BFM  hat  demnach  das 
Asylgesuch zu Recht abgelehnt.

7. 
7.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 

7.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  vom  BFM  zu  Recht 
angeordnet  (Art. 44  Abs. 1  AsylG;  BVGE  2009/50  E.  9  S. 733,  BVGE 
2008/34 E. 9.2 S. 510, EMARK 2001 Nr. 21). 

8. 
8.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

8.2.  Das  BFM  hat  den  Beschwerdeführer  mit  der  angefochtenen 
Verfügung  vom  9. März  2009  wegen  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  vorläufig  aufgenommen.  Ein  Vollzug  der 
Wegweisung  des  Beschwerdeführers  nach  China  ist  jedoch  überdies 
aufgrund  der  festgestellten  Flüchtlingseigenschaft  des 
Beschwerdeführers auch unzulässig (vgl. Art. 5 AsylG und Art. 83 Abs. 3 
AuG). 

8.3. Gemäss Art. 84 Abs. 2 AuG hebt das BFM die vorläufige Aufnahme 
auf  und  ordnet  den  Vollzug  der  Weg­  oder  Ausweisung  an,  wenn  die 
Voraussetzungen  nicht mehr  gegeben  sind.  Vorliegend  hat  das BFM  in 

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Ziffer 6  des  Dispositivs  der  angefochtenen  Verfügung  den  Vollzug  der 
Wegweisung  bereits  im  Hinblick  auf  die  künftige  Aufhebung  der 
vorläufigen  Aufnahme  angeordnet,  obschon  gemäss  klarem 
Gesetzeswortlaut  der  Vollzug  der  Wegweisung  zusammen  mit  der 
Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  anzuordnen  ist.  Die  Ziffer  6  des 
Dispositivs erweist sich demnach als bundesrechtswidrig und ist deshalb 
aufzuheben.

9. 
Nach  dem  Gesagten  ist  die  Beschwerde  abzuweisen,  soweit  die 
Aufhebung  der  Ziffern  2  und  3  des  Dispositivs  der  angefochtenen 
Verfügung beziehungsweise die Asylgewährung beantragt werden. Sie ist 
hingegen  gutzuheissen,  soweit  die  Aufhebung  der  Ziffern  1  und  6  des 
Dispositivs  der  angefochtenen  Verfügung  beantragt  werden.  Die 
Dispositivziffern 1 und 6 der Verfügung des BFM vom 9. März 2009 sind 
somit  aufzuheben,  und  es  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer 
die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllt.  Das  BFM  ist  anzuweisen,  den 
Beschwerdeführer als Flüchtling vorläufig aufzunehmen.

10. 
10.1.  Im  Hinblick  auf  die  Kostenliquidation  ist  der  Ausgang  des 
Verfahrens  im  Asylpunkt  als  teilweises  Unterliegen  (vgl.  Art. 63  Abs. 1 
Satz  2  VwVG)  zu  werten,  wobei  das  Bundesverwaltungsgericht  nach 
seiner  Praxis  im  Asylbeschwerdeverfahren  bei  Konstellationen  wie  der 
vorliegenden  den  partiellen  Misserfolg  mit  der  Hälfte  veranschlagt.  Mit 
Zwischenverfügung  vom 15. April  2009  hiess  der  Instruktionsrichter  des 
Bundesverwaltungsgerichts  das  Gesuch  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG  unter 
Vorbehalt einer nachträglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse 
des Beschwerdeführers gut. Der Beschwerdeführer  ist seit Mai 2010 als 
Hilfsarbeiter  in  einem  Brockenhaus  tätig.  Es  ist  jedoch  nicht  davon 
auszugehen,  dass  er  dadurch  Einkünfte  erzielt,  die  über  den  für 
Alleinstehende geltenden Grundbetrag von Fr. 1'100.­ hinausgehen. Der 
Beschwerdeführer  ist somit weiterhin als prozessual bedürftig einzustufen. 
Die ihm gewährte unentgeltliche Rechtspflege nach Art. 65 Abs. 1 VwVG 
ist  deshalb  nicht  zu  widerrufen  und  es  sind  ihm  folglich  keine 
Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

10.2. Obsiegende Parteien haben Anspruch auf  eine Entschädigung  für 
die ihnen erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten 
(Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 

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2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Der 
Beschwerdeführer hat seine Beschwerde selbst eingereicht. Es sind ihm 
mithin  keine  Kosten  aus  einer  Vertretung  entstanden  (vgl.  Art. 9  Abs. 1 
VGKE).  Weitere  notwendige  Auslagen  (vgl.  Art. 13  VGKE),  die  dem 
Beschwerdeführer  erwachsen  sein  könnten,  sind  aufgrund  der  Akten 
nicht  ersichtlich.  Folglich  ist  ihm  trotz  teilweisen  Obsiegens  keine 
Parteientschädigung zuzusprechen. 

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird  gutgeheissen,  soweit  die Aufhebung  der  Ziffern  1 
und 6 der Verfügung des BFM vom 9. März 2009 beantragt werden.  Im 
Übrigen wird sie abgewiesen.

2. 
Die Ziffern 1 und 6 des Dispositivs der Verfügung des BFM vom 9. März 
2009  werden  aufgehoben.  Das  BFM  wird  angewiesen,  den 
Beschwerdeführer als Flüchtling vorläufig aufzunehmen.

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4. 
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Sarah Mathys

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