# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7abd0ff5-e16e-5470-8ca0-4d6d39a08bee
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-12-10
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 10.12.2021 SK 2021 263
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2021-263_2021-12-10.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 21 263

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 10. Dezember 2021 

Besetzung Oberrichter Zuber (Präsident i.V.), Obergerichtssuppleantin Schär, 
Oberrichter Vicari
Gerichtsschreiber Ruch

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Fürsprecherin B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

und

C.________
vertreten durch Fürsprecherin D.________

Straf- und Zivilkläger 1

und

E.________

Straf- und Zivilklägerin 2

und

F.________

Strafkläger 1

und

2

G.________

Strafkläger 2

Gegenstand versuchte vorsätzliche Tötung, Tätlichkeiten, Drohung etc.

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-
Seeland (Kollegialgericht) vom 31. März 2021 (PEN 20 783)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland, Kollegialgericht in Fünferbesetzung 
(nachfolgend: Vorinstanz), fällte am 31. März 2021 folgendes Urteil (pag. 1272 ff.; 
Hervorhebungen im Original): 

I. 

Das Verfahren gegen A.________ wegen 

1. Tätlichkeiten, angeblich begangen am 27.11.2019 in Biel/Bienne, z.N. E.________,

2. Drohung, angeblich begangen am 27.11.2019 in Biel/Bienne, z.N. H.________

wird mangels Strafantrag eingestellt, ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Aus-
scheidung von Verfahrenskosten.

II. 

Es wird festgestellt, dass A.________ die folgenden Tatbestände erfüllt hat: 

1. Versuchte vorsätzliche Tötung (Art. 111 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), begangen am 
27.11.2019, in Biel/Bienne, z.N. C.________

2. Tätlichkeiten (Art. 126 Abs. 1 StGB), begangen am 27.11.2019, in Biel/Bienne, z.N. 
F.________

3. Drohung, mehrfach begangen (Art. 180 StGB i.V.m Art. 49 Abs. 1 StGB), so:

3.1. am 27.11.2019 in Biel/Bienne, z.N. E.________

3.2. am 27.11.2019 in Biel/Bienne, z.N. F.________ und G.________

4. versuchte Nötigung (Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), begangen am 27.11.2019 in 
Biel/Bienne, z.N. G.________

5. Beschimpfung (Art. 177 Abs. 1 StGB), begangen am 27.11.2019 in Biel/Bienne, z.N. 
E.________

III. 

Es wird festgestellt, dass A.________ im Zeitpunkt der unter Ziff. II. hiervor aufgeführten Taten 
schuldunfähig im Sinne von Art. 19 Abs. 1 StGB war.  

IV. 

Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme gemäss Art. 59 StGB angeordnet. 

V. 

Der Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 66abis StGB zu einer nicht obligatorischen Landesver-
weisung von 10 Jahren verurteilt. 
Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) im 
Schengener Informationssystem angeordnet (Art. 20 N-SIS-Verordnung).

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VI. 

Die Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 20'000.00 und Auslagen (in-
kl. Kosten für die amtliche Verteidigung und inkl. Kosten uR Privatklägerschaft) von CHF 48'079.10, 
insgesamt bestimmt auf CHF 68'079.10, werden dem Kanton Bern auferlegt (Art. 419 StPO). 

[Zusammensetzung der Gebühren und Auslagen] 

VII.

[amtliche Entschädigung]

VIII.

Betreffend Zivilpunkt wird erkannt: 

1. Die Genugtuungsforderung des Straf- und Zivilklägers C.________ wird in Anwendung von 
Art. 54 OR e contrario abgewiesen.

2. Die Zivilklage der Straf- und Zivilklägerin E.________ wird in Anwendung von Art. 54 OR e con-
trario abgewiesen.

3. Für die Beurteilung der Zivilklagen werden keine Kosten ausgeschieden.

IX.

1. A.________ wird in Sicherheitshaft belassen. Die Verlängerung der Sicherheitshaft wird für 
vorerst 6 Monate, d.h. bis zum 30.09.2021, bewilligt (Art. 231 i.V.m. Art. 227 StPO).

2. Folgende beschlagnahmten Gegenstände werden zur Vernichtung eingezogen (Art. 69 StGB):

- Taschenmesser mit Holzgriff «Model EIE KF-753» (Ass. 050; Tatmesser)

3. Folgende Gegenstände werden A.________ nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Ur-
teils zurückgegeben:

- Taschenmesser «Model EIE KF-752» (Ass. 070)

- Diverse Kleidungsstücke sowie Schuhe 

4. Folgende Gegenstände werden mit Einverständnis von C.________ vernichtet:

- Diverse Kleidungsstücke, Schuhe, ein Schlüsselbund mit 3 Schlüsseln und einem elektroni-
schen Schlüssel

5. Folgende Gegenstände werden C.________ nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Ur-
teils zurückgegeben:

- eine Armbanduhr Marke ________ 

[Verfügungen betreffend DNA und der biometrischen erkennungsdienstlichen Daten sowie Eröff-
nungsformel]

2. Berufung

Gegen das Urteil der Vorinstanz meldete A.________ (nachfolgend: Beschuldig-
ter), amtlich verteidigt durch Fürsprecherin B.________, mit Schreiben vom 12. 
April 2021 fristgerecht die Berufung an (pag. 1295). Die erstinstanzliche Urteilsbe-
gründung datiert vom 17. Juni 2021 (pag. 1305 ff.) und wurde dem Beschuldigten 
mit Verfügung vom 18. Juni 2021 (pag. 1374 f.) am 28. Juni 2021 (pag. 1388) zu-

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gestellt. Mit form- und fristgerechter Berufungserklärung vom 19. Juli 2021 focht 
der Beschuldigte sämtliche Punkte – mit Ausnahme der Verfahrenseinstellungen 
gemäss Ziff. I sowie des Zivilpunkts gemäss Ziff. VIII. des Urteils – des vorinstanz-
lichen Urteils an (pag. 1390 f.). 

Die Generalstaatsanwaltschaft teilte mit Eingabe vom 28. Juli 2021 mit, dass sie 
auf die Erklärung der Anschlussberufung verzichte und aus ihrer Sicht kein Grund 
für ein Nichteintreten auf die Berufung bestehe (pag. 1401 f.). Die übrigen Parteien 
(Straf- und Zivilkläger und Strafkläger) liessen sich zur Frage der Anschlussberu-
fung und des Nichteintretens nicht vernehmen. 

Mit Verfügung vom 20. August 2021 wurde die dem Straf- und Zivilkläger 1 gewähr-
te unentgeltliche Rechtspflege widerrufen und Fürsprecherin D.________ aus dem 
amtlichen Mandat entlassen (pag. 1412 ff.). In der Folge stellte Fürsprecherin 
D.________ für den Straf- und Zivilkläger 1 – unter Mitteilung, dass weder sie noch 
der Straf- und Zivilkläger 1 an der Berufungsverhandlung teilnehme werde – mit 
Eingabe vom 31. August 2021 schriftliche Anträge (pag. 1447). 

Die Berufungsverhandlung vor der 1. Strafkammer fand am 9./10. Dezember 2021 
in Anwesenheit der Verteidigung und der Generalstaatsanwaltschaft statt. Der Be-
schuldigte hingegen ist nicht zur Berufungsverhandlung erschienen. Im Einver-
ständnis mit der Verteidigung und der Generalstaatsanwaltschaft wurde die Ver-
handlung in Abwesenheit des Beschuldigten durchgeführt, da seine Anwesenheit 
nicht erforderlich war und eine zwangsweise Vorführung nicht sinnvoll erschien 
(pag. 1514 ff.). 

3. Oberinstanzliche Beweisergänzung 

Von Amtes wegen wurden über den Beschuldigten ein Strafregisterauszug vom 
25. November 2021 (pag. 1488), ein Führungsbericht des Regionalgefängnisses 
Thun vom 19. November 2021 (pag. 1479 f.) und – im Hinblick auf die Prüfung der 
Landesverweisung – ein Bericht der Einwohner- und Spezialdienste (ESD) der 
Stadt Biel vom 15. November 2021 (pag. 1472) sowie des Staatssekretariats für 
Migration (SEM) vom 23. November 2021 (pag. 1482 ff.) eingeholt. In der 
oberinstanzlichen Verhandlung wurde weiter Dr. med. I.________ als 
sachverständige Person einvernommen (pag. 1519 ff.). Dieser hatte den 
Beschuldigten kurz vor der Berfungsverhandlung am 8. Dezember 2021 im 
Regionalgefängis Thun besucht und darüber einen kurzen Bericht, datierend vom 
8. Dezember 2021, verfasst (pag. 1510 ff.).  Der Beschuldigte hingegen blieb der 
oberinstanzlichen Verhandlung unentschuldigt fern, weshalb keine ergänzende 
Einvernahme durchgeführt werden konnte.  

Ferner stellten die Einwohner- und Spezialdienste (ESD) der Stadt Biel dem 
Obergericht des Kantons Bern am 15. November 2021 die Migrationsakten 
betreffend den Beschuldigten (Akten betreffend den Beschuldigten [zugestellt via 
Webtransfer]; Originaldossier der Familie des Beschuldigten betreffend der Jahre 
2014 – 2018) zu. Diesbzezüglich wurde den Parteien mit Verfügung vom 18. No-
vember 2021 mitgeteilt, dass beabsichtigt werde, die fraglichen Akten nach 
Rechtskraft des Urteils an die Einwohner- und Spezialdienste der Stadt Biel zu re-
tournieren bzw. die via Webtransfer zugestellten Akten zu vernichten (pag. 1473 

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ff.). Dagegen erhoben die Parteien anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung 
keine Einwände, weshalb die fraglichen Akten – wie mit Verfügung vom 18. No-
vember 2021 angekündigt – nach Rechtskraft des Urteils an die Einwohner- und 
Spezialdienste der Stadt Biel retourniert bzw. die via Webtransfer zugestellten Ak-
ten vernichtet werden. 

4. Anträge der Parteien

Fürsprecherin B.________ stellte namens des Beschuldigten anlässlich der oberin-
stanzlichen Verhandlung vom 9. Dezember 2021 folgende Anträge (pag. 1537): 

I. 

Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 
31. März 2021 in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich 

1. der Einstellung wegen 

a) Tätlichkeiten, angeblich begangen am 27. November 2019 in Biel, z.N. E.________, 

b) Drohung, angeblich begangen am 27. November 2019 in Biel, z.N. H.________; 

2. des Zivilpunktes. 

3. der weiteren Verfügungen gemäss IX.2. bis 5. 

II. 

A.________ sei unter Auferlegung der erst- und oberinstanzlichen Gerichtskosten an den Staat und 
unter Ausrichtung einer Entschädigung für die erst- und oberinstanzlichen Verteidigungskosten freizu-
sprechen von den Vorwürfen

1. der versuchten vorsätzlichen Tötung, angeblich begangen z.N. C.________ (gem. Ziffer 1 AS), 

2. der einfachen Körperverletzung, ev. Tätlichkeiten, angeblich begangen z.N. F.________ (gem. Zif-
fer 2 AS), 

3. der Drohung, angeblich begangen z.N. E.________ (gem. Ziffer 3.1 AS), 

4. der Drohung, angeblich begangen z.N. F.________ (gem. Ziffer 3.2 AS), 

5. der Nötigung, ev. Versuch dazu, angeblich begangen z.N. G.________ (gem. Ziffer 4 AS), 

6. der Beschimpfung, angeblich begangen z.N. E.________ (gem. Ziffer 5 AS). 

III. 

Es seien die weiteren, notwendigen Verfügungen zu erlassen, insbesondere

- sei A.________ eine Entschädigung bzw. Genugtuung von CHF 100.00 pro Tag für die ausge-
standene Haft ab 27.11.2019 bis 10.12.2021 (ausmachend 746 Tage) auszurichten, 

- sei A.________ sofort aus der Haft zu entlassen

- sei das Honorar der amtlichen Verteidigerin gemäss Kostennote zu bestimmen. 

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Die Generalstaatsanwaltschaft stellte in der Berufungsverhandlung vom 9. Dezem-
ber 2021 folgende Anträge (pag. 1538 ff.): 

I. 

Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland (Kol-
legialgericht in Fünferbesetzung) vom 31. März 2021 in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich 

1. der Einstellung des Strafverfahrens mangels Strafantrag gegen A.________ wegen 

- Tätlichkeiten, angeblich begangen am 27. November 2019 in Biel, z.N. E.________; 
- Drohung, angeblich begangen am 27. November 2019 in Biel, z.N. H.________; 

ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten. 

2. des Zivilpunkts, wonach erkannt wurde, dass

- Die Genugtuungsforderung des Straf- und Zivilklägers C.________ in Anwendung von Art. 
54 OR e contrario abgewiesen wird; 

- Die Zivilklage der Straf- und Zivilklägerin E.________ in Anwendung von Art. 54 OR e contra-
rio abgewiesen wird; 

ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten. 

II. 

Es sei festzustellen, dass A.________ die Straftatbestände der 

1. versuchten vorsätzlichen Tötung (Art. 111 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), begangen am 27. No-
vember 2017 in Biel, z.N. C.________; 

2. Tätlichkeiten (Art. 126 Abs. 1 StGB), begangen am 27. November 2019 in Biel, z.N. F.________; 

3. Drohung mehrfach begangen (Art. 180 StGB i.V.m. Art. 49 Abs. 1 StGB), so: 

3.1 am 27. November 2017 in Biel, z.N. E.________;

3.2 am 27. November 2017 in Biel, z.N. F.________ und G.________; 

4. versuchte Nötigung (Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), begangen am 27. November 
2019 in Biel, z.N. G.________; 

5. Beschimpfung (Art. 177 Abs. 1 StGB), begangen am 27. November 2019 in Biel, z.N. 
E.________

erfüllt hat, er indessen im Zeitpunkt der unter Ziff. II.1 – 5 aufgeführten Taten schuldunfähig im Sin-
ne von Art. 19 Abs. 1 StGB war. 

III.

Demzufolge sein A.________ vom Vorwurf der unter Ziff. II.1 – 5 hiervor aufgeführten Taten freizu-
sprechen. 

IV. 

Es sei gegenüber A.________ eine stationäre therapeutische Massnahme gemäss Art. 59 StGB 
anzuordnen. 

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V.

A.________ sei gemäss Verfügung der 1. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Bern vom 4. 
August 2021 zwecks Sicherung der unter Ziff. IV. beantragten Massnahme in Sicherheitshaft zu be-
lassen. 

VI.

Die erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine Gebühr von CHF 500.00 gemäss Art. 
21 VKD) seien unter Verzicht auf Ausscheidung von Verfahrenskosten zu Lasten des Beschuldigten 
gemäss Art. 413 StPO dem Kanton Bern aufzuerlegen. 

VII. 

Im Weiteren sei zu verfügen: 

1. Das beschlagnahmte Taschenesser mit Holzgriff «Modell ________» (Ass. 050; Tatmesser) sei 
einzuziehen und zu vernichten (Art. 69 StGB). 

2. Das Honorar der amtlichen Verteidigerin sei gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO). 

3. Es sei die Zustimmung zur Löschung der erkennungsdienstlichen Daten und des DNA-Profils zu 
erteilen 

Es seien die weiteren notwendigen Verfügungen von Amtes wegen zu erlassen. 

Fürsprecherin D.________ beantragte namens des Straf- und Zivilklägers 1 mit 
Eingabe vom 31. August 2021 die vollumfängliche Bestätigung des erstinstanzli-
chen Urteils sowie – soweit rechtens – die Auferlegung der oberinstanzlichen Ver-
fahrenskosten an den Beschuldigten (pag. 1447). 

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochte-
nen Punkten (Art. 404 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO; SR 
312.0]).

Damit ist mit Blick auf den Umfang der Berufung (vgl. dazu Ziff. 2 hiervor) vorab 
festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil insoweit in Rechtskraft erwachsen ist, 
als das Verfahren gegen den Beschuldigten wegen Tätlichkeiten sowie wegen 
Drohung eingestellt wurde, ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten und ohne 
Ausrichtung einer Entschädigung (Ziff. I. des erstinstanzlichen Urteils). Mangels 
Anfechtung sind auch der Zivilpunkt (Ziff. VIII. des erstinstanzlichen Urteils) sowie 
die Verfügungen gemäss Ziff. IX.2 bis 5 des erstinstanzlichen Urteils in Rechtskraft 
erwachsen. Soweit der Beschuldigte die Ziff. VI. des erstinstanzlichen Urteils (Tra-
gung der Verfahrenskosten durch den Staat) anficht, fehlt es ihm am rechtlich ge-
schützten Interesse. Diesbezüglich ist auf die Berufung nicht einzutreten und fest-
zustellen, dass die VI. des erstinstanzlichen Urteils ebenfalls in Rechtskraft er-
wachsen ist. Mangels Anfechtung ist schliesslich auch die Festsetzung der amtli-
chen Entschädigungen der Verteidigung des Beschuldigten und der unentgeltlichen 
Rechtsvertretung des Straf- und Zivilklägers 1 in Rechtskraft erwachsen (siehe da-
zu Urteile des Bundesgerichts [BGer] 6B_349/2016 vom 13. Dezember 2016 
E. 2.4.2 und 6B_769/2016 vom 11. Januar 2017 E. 2.3). 

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Durch die Kammer zu überprüfen bleiben damit die einzelnen Vorwürfe (versuchte 
vorsätzlichen Tötung, Tätlichkeiten, mehrfache Drohung, versuchte Nötigung, Be-
schimpfung; Ziff. II. des erstinstanzlichen Urteils), die Frage der Schuldfähigkeit re-
sp. Schuldunfähigkeit (Ziff. III. des erstinstanzlichen Urteils), die Frage der Anord-
nung einer stationären therapeutischen Massnahme (Ziff. IV. des erstinstanzlichen 
Urteils) sowie die Frage der Anordnung einer nicht obligatorischen Landesverwei-
sung. Praxisgemäss neu zu verfügen ist auch über das erstellte DNA-Profil und die 
biometrischen erkennungsdienstlichen Daten. 

Die Kammer verfügt bei der Überprüfung der angefochtenen Punkte über volle Ko-
gnition (Art. 398 Abs. 2 StPO). 

Aufgrund der alleinigen Berufung des Beschuldigten darf die Kammer das Urteil der 
Vorinstanz nicht zu Ungunsten des Beschuldigten abändern; das Verschlechte-
rungsverbot von Art. 391 Abs. 2 StPO kommt zum Tragen.

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Vorbemerkungen 

Dem Beschuldigten werden verschiedene Taten vorgeworfen. So soll er in der 
J.________ (Detailhändler) am 27. November 2019 um ca. 17:00 Uhr eine ver-
suchte vorsätzliche Tötung begangen haben. Rund eine Stunde später soll er ca. 
800 Meter entfernt im K.________ (Warenhaus) weitere Taten verübt haben. In 
Übereinstimmung mit der Vorinstanz wird der Sachverhalt bezüglich der einzelnen 
Vorwürfe nachfolgend chronologisch gewürdigt. 

7. Allgemeine Grundlagen der Beweiswürdigung 

Hinsichtlich der theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung im Allgemeinen 
und der Aussagenanalyse im Speziellen wird auf die zutreffenden Ausführungen 
der Vorinstanz verwiesen (pag. 1323, S. 19 der Urteilsbegründung).

8. Vorfall J.________ (Detailhändler) / Vorwurf der versuchten vorsätzlichen 
Tötung z.N. des Straf- und Zivilklägers 1

8.1 Vorwurf gemäss Antrag der Staatsanwaltschaft 

Dem Beschuldigten wird in Ziff. 1 des Antrags auf Anordnung einer Massnahme im 
Verfahren bei einer schuldunfähigen Person (Art. 374 StPO) vom 18. November 
2020 (nachfolgend: Antrag der Staatsanwaltschaft; pag. 1086 ff.) vorgeworfen, eine 
versuchte vorsätzliche Tötung begangen zu haben. Diesbezüglich wird ihm folgen-
der Sachverhalt zur Last gelegt (pag. 1087 f.): 

Der Beschuldigte begab sich am 27. November 2019, nach 17.00 Uhr, ins J.________ (Detailhändler) 
an der L.________ (Strasse) in Biel. Um ca. 17:35 Uhr näherte er sich im Erdgeschoss, beim Aus-
gang, auf Höhe des Kiosks, dem Privatkläger C.________ unvermittelt von hinten an und fügte die-
sem mit einem 17.4 cm langen Klappmesser EIE KF-753 (Klingenlänge 7.5 cm, Ass. 050) mehrere 
Schnittverletzungen am vorderen Halsbereich und zwei Stichverletzungen im Bereich des Rückens 
und der linken Flanke auf Höhe des Brustkorbes zu, wobei der Privatkläger den Beschuldigten weder 

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kommen sah noch die Möglichkeit hatte, den Angriff abzuwehren. Der Beschuldigte liess erst vom 
Privatkläger ab, als mehrere Drittpersonen intervenierten. 

Der Privatkläger erlitt durch die verschiedenen Messerhiebe eine ca. 28 cm lange Hautdurchtrennung 
am Hals, wobei sich der Schnitt vom rechten Ohr bis über die Mitte des Halses auf die linke Seite zog 
und das rechte Ohrläppchen durchtrennte. Zusätzlich erlitt er eine ca. 4 cm und eine ca. 5 cm lange 
Hautdurchtrennung in der Mitte des Halses. In den Wundtiefen dieser drei Schnittverletzungen wurde 
die rechte Drossel- und Gesichtsvene verletzt sowie die oberflächliche Muskelplatte, die gerade 
Halsmuskulatur linksseitig (Brustbein-Zungenbein und Brustbein-Schildknorpelmuskel), der Schulter-
Zungenbeinmuskel und teilweise der hintere Bauch des rechten zweibäuchigen Muskels durchtrennt. 
Die Hautdurchtrennungen an Hals und Ohr mussten mit über 45 Stichen genäht bzw. teilweise mit 
Klammern versorgt werden. Am Rücken rechtsseitig der Brustwirbelsäule, ca. auf Höhe der 10. Rippe, 
erlitt der Privatkläger eine ca. 1 cm lange und bis ca. 0.2 cm klaffende Hautdurchtrennung und am 
Rücken linksseitig, in der mittleren Schulterpartie, eine ca. 1 cm lange und ca. 0.4 cm klaffende Haut-
durchtrennung. Durch den Blutverlust kam es beim Privatkläger zu einem hämorrhagischen Schock 
und er befand sich in akuter Lebensgefahr. 

Dadurch, dass der Beschuldigte das Messer behändigte, von hinten auf den Privatkläger losging und 
ihm einerseits in der Halsgegend mehrere tiefe Schnittverletzungen sowie zwei Stichverletzungen am 
Rücken im Bereich des Brustkorbes zufügte, nahm er zumindest in Kauf, dass ein lebenswichtiges 
Organ, insbesondere im Bereich der Halsschlagader sowie des Brustbereichs, hätte verletzt werden 
können und dass der Privatkläger als Folge davon den Tod oder eine lebensgefährliche Verletzung 
erlitten hätte. 

8.2 Unbestrittener / bestrittener Sachverhalt 

Der Beschuldigte bestreitet nicht, dass er sich am fraglichen Tag um die besagte 
Zeit im J.________ (Detailhändler) aufhielt und er dem Straf- und Zivilkläger 1 mit 
einem Messer die im Antrag der Staatsanwaltschaft umschriebenen Verletzungen 
zugefügt hat, auch wenn er – so der Beschuldigte – keine genauen Erinnerungen 
mehr daran habe, was genau passiert sei. Der Beschuldigte macht geltend, er ha-
be sich bedroht gefühlt (der Straf-und Zivilkläger habe ihm «ein Gesicht gemacht»). 
Weiter gibt er an, er habe zwar gewusst, dass der Einsatz des Messers zu Verlet-
zungen führen könne, jedoch habe er den Tod des Straf- und Zivilklägers 1 weder 
gewollt noch in Kauf genommen (vgl. pag. 1526). 

8.3 Beweismittel 

Die Vorinstanz brachte die verschiedenen objektiven Beweismittel (insbesondere 
Aufnahmen der Überwachungskamera der M.________ (Uhrengeschäft) sowie 
rechtsmedizinisches Gutachten des IRM zur körperlichen Untersuchung des Straf- 
und Zivilklägers) korrekt ins Verfahren ein und gab diese richtig zusammengefasst 
wieder (pag. 1312 - 1315, S. 8 – 11 der Urteilsbegründung); darauf wird vollum-
fänglich verwiesen. 

Ebenso hat die Vorinstanz die subjektiven Beweismittel vollständig aufgeführt und 
die Aussagen der einvernommenen Personen korrekt zusammengefasst (pag. 
1315 - 1322, S. 11 – 18 der Urteilsbegründung). Auch darauf kann vollumfänglich 
verweisen werden.

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Soweit erforderlich ist im Rahmen der konkreten Beweiswürdigung auf die einzel-
nen Beweismittel einzugehen.

8.4 Konkrete Beweiswürdigung 

Die Vorinstanz hat die vorhandenen Beweise wie folgt gewürdigt (pag. 1323 ff.): 

Zunächst ist an dieser Stelle festzuhalten, dass der Beschuldigte den in der Anklageschrift umschrie-
benen äusseren Sachverhalt nicht bestreitet. Dieser lässt sich überdies anhand der vorliegenden Auf-
nahmen der Videoüberwachung im Uhrengeschäft gut rekonstruieren. Die Aussagen der befragten 
Personen vermögen das grundsätzliche Geständnis des Beschuldigten weiter zu stützen. Sie sind al-
lesamt als glaubhaft zu qualifizieren, dies nicht zuletzt deshalb, weil weder C.________ noch eine der 
übrigen befragen Personen den Beschuldigten kannte und entsprechend ein Interesse daran haben 
könnte, diesen falsch zu belasten. Überdies sind die Ausführungen zum Tatablauf allesamt als detail-
liert zu bezeichnen und lassen sich weitestgehend problemlos mit den Aufzeichnungen der Überwa-
chungskamera in Übereinstimmung bringen.

Was das Tatmesser anbelangt, so hat der Beschuldigte selbst ausgesagt, dass es sich um jenes mit 
dem braunen Holzgriff (Ass. 050) gehandelt habe (pag. 677 Z. 63 f., pag. 697 Z. 276, vgl. auch pag. 
469). Da auf diesem Messer u.a. die DNA von C.________ hat festgestellt werden können, erachtet 
das Gericht es als erstellt, dass es sich dabei effektiv um die Tatwaffe handelt. Zweifellos sprechen 
auch die auf ebendiesem Messer festgestellten DNA-Spuren des Beschuldigten sowie die Blutspuren 
an dessen Kleidung unweigerlich für seine Täterschaft. 

Zuletzt sind die durch C.________ am 27.11.2019 erlittenen Verletzungen gut dokumentiert und kon-
sequenterweise ebenfalls unbestritten geblieben. 

Insgesamt kann somit gesagt werden, dass die dem Gericht vorliegenden objektiven und subjektiven 
Beweismittel betreffend Täterschaft des Beschuldigten sowie betreffend den Tatablauf ein schlüssiges 
Bild zeichnen, welches in sämtlichen Punkten mit dem in der Anklageschrift umschriebenen Sachver-
halt übereinstimmt. Es steht mithin zweifelsfrei fest, dass der Beschuldigte sich am 27.11.2019 in die 
J.________ (Detailhändler) an der L.________ (Strasse) in Biel begeben hat. Um ca. 17:35 Uhr hat er 
sich im Erdgeschoss, beim Ausgang, auf Höhe des Kiosks, dem Privatkläger C.________ unvermittelt 
von hinten angenähert. Daraufhin hat er diesem mit einem 17.4cm langen Klappmesser EIE KF-753 
(Klingenlänge 7.5cm, Ass. 050, vgl. pag. 469) mehrere Schnittverletzungen am vorderen Halsbereich 
und zwei Stichverletzungen im Bereich des Rückens und der linken Flanke auf Höhe des Brustkorbes 
zugefügt. C.________ hat den Beschuldigten weder kommen sehen noch die Möglichkeit gehabt, den 
Angriff abzuwehren. Der Beschuldigte hat erst von C.________ abgelassen, als mehrere Drittperso-
nen interveniert haben.

C.________ hat durch die verschiedenen Messerschnitte eine ca. 28cm lange Hautdurchtrennung am 
Hals erlitten, wobei sich der Schnitt vom rechten Ohr bis über die Mitte des Halses auf die linke Seite 
gezogen und das rechte Ohrläppchen durchtrennt hat (vgl. pag. 500). Zusätzlich hat C.________ eine 
ca. 4cm und eine ca. 5cm lange Hautdurchtrennung in der Mitte des Halses erlitten. In den Wundtie-
fen dieser drei Schnittverletzungen ist die rechte Drossel- und Gesichtsvene verletzt worden. Ausser-
dem sind die oberflächliche Muskelplatte, die gerade Halsmuskulatur linksseitig (Brustbein-
Zungenbein und Brustbein-Schildknorpelmuskel), der Schulter-Zungenbeinmuskel und teilweise der 
hintere Bauch des rechten zweibäuchigen Muskels durchtrennt worden (vgl. pag. 500). Die Haut-
durchtrennungen an Hals und Ohr haben mit über 45 Stichen genäht bzw. teilweise mit Klammern 
versorgt werden müssen (vgl. pag. 500). Durch den Blutverlust ist es bei C.________ zu einem hä-
morrhagischen Schock gekommen und er hat sich in akuter Lebensgefahr befunden (vgl. pag. 503). 

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Am Rücken rechtsseitig der Brustwirbelsäule, ca. auf Höhe der 10. Rippe, hat C.________ aufgrund 
der Messerstiche eine ca. 1cm lange und bis ca. 0.2cm klaffende Hautdurchtrennung und am Rücken 
linksseitig, in der mittleren Schulterpartie, eine ca. 1cm lange und ca. 0.4cm klaffende Hautdurchtren-
nung erlitten (vgl. pag. 500 f.). Diese führten zu einer dezenten Luft- und Blutbrust linksseitig, welche 
ebenfalls zu lebensbedrohlichen Komplikationen, wie etwa einem relevanten Blutverlust, einem Span-
nungspneumothorax oder einer Infektion, führen kann.

Zuletzt bleibt anzumerken, dass es auch gestützt auf die Videoüberwachungsbilder keinerlei Hinweise 
darauf gibt, dass sich der Beschuldigte und C.________ vorher kannten oder dass dem Angriff ein 
Streit oder eine Provokation seitens C.________ vorausgegangen wäre. 

Diesen Erwägungen schliesst sich die Kammer vollumfänglich an, zumal der ent-
sprechende Sachverhalt auch oberinstanzlich nicht strittig blieb. Präzisierend ist 
gestützt auf die von der Vorinstanz zusammengefassten Zeugenaussagen sowie 
die Videoaufnahmen nach Ansicht der Kammer erstellt, dass der Beschuldigte mit 
grosser Brutalität und zielgerichtet vorging. So hat er sich dem Opfer von hinten 
angenähert, dessen Kopf gepackt und nach hinten gezogen, so dass die Kehle frei 
gewesen ist. Mit dem Messer hat der Beschuldigten dann die Kehle des Straf- und 
Zivilklägers aufgeschnitten (siehe dazu insbesondere die Aussagen des Zeugen 
N.________ [pag. 552]). Anschliessend stach der Beschuldigte mehrmals mit dem 
Messer auf das Opfer ein, als es bereits am Boden lag und blutete. Er liess von 
seinem Vorhaben erst ab, als Dritte intervenierten und Stühle nach ihm schmissen 
(siehe dazu insbesondere die Aussagen der Zeugen O.________ [pag. 540 und 
543], P.________ [pag. 579] und Q.________ [pag. 640]). Die Aussagen der Zeu-
gen stehen mit den objektiven Beweismitteln, insbesondere dem rechtsmedizini-
schen Gutachten und den Videoaufnahmen, im Einklang. So hat das Opfer nicht 
nur am Hals, sondern auch an anderen Körperstellen, insbesondere im Bereich des 
Rückens, Verletzungen erlitten (pag. 494). Die entsprechenden Stichverletzungen 
im Bereich des Rückens und der linken Flanke auf Höhe des Burstkorbes muss der 
Beschuldigte dem Opfer zugefügt haben, als es bereits am Boden lag. Das Leben 
des Opfers war akut gefährdet. Der drohende Verblutungstod auf Grund der Hals-
verletzungen wurde durch eine sofortige und notfallmässige ärztliche Versorgung 
abwendet. Auch die Stichverletzungen im Bereich des Brustkorbes hätten lebens-
bedrohliche Komplikationen nach sich ziehen können (pag. 503).

Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten zur Motivlage zusammenfas-
send dargestellt (pag. 1316 f.). Seine diesbezüglichen Angaben sind nur teilweise 
nachvollziehbar und zeugen von seiner psychischen Erkrankung (vgl. nachfolgend 
Ziff. 12 und 19). So hat der Beschuldigte mehrfach angegeben, dass er niemanden 
habe töten wollen. Allerdings zeigt der objektive Ablauf des Geschehens, dass der 
Beschuldigte zielstrebig auf das Opfer losging (vgl. dazu insbesondere die Vi-
deoaufnahme der Überwachungskamera der M.________ (Uhrengeschäft)) und 
diesem von hinten gezielt Schnitte mit dem Messer am Hals versetzte. Auch liess 
er nicht vom Opfer ab, als dieses – nachdem es aufgrund der Attacke gegen den 
Hals zu Boden gegangen war – wehrlos am Boden lag, sondern versetzte diesem 
weitere Stiche in den Oberkörper. Diese äusserst brutale und zielstrebige Attacke 
gegen ein wehrloses Opfer kann nicht anders als dahingehend interpretiert werden, 
als dass der Beschuldigte sein Opfer töten wollte. Dies bestätigt der Beschuldigte 

13

denn auch indirekt mit seiner Aussage, wonach andere Menschen ihn angegriffen 
hätten, um den Mann zu retten (pag. 678 Z. 121 ff.). 

9. Vorfall K.________ (Warenhaus) / Vorwurf der versuchten Nötigung z.N. 
G.________ 

9.1 Vorwurf gemäss Antrag der Staatsanwaltschaft 

Dem Beschuldigten wird in Ziff. 4 des Antrags der Staatsanwaltschaft – soweit obe-
rinstanzlich noch relevant – weiter vorgeworfen, am 27. November 2019, um 18.07 
Uhr, im 2. OG des K.________ (Warenhaus) an der R.________ (Strasse) in Biel, 
eine versuchte Nötigung begangen zu haben, indem er (pag. 1089): 

vom Verkäufer G.________ verlangte, dass er die Polizei rufe und als dieser der Aufforderung nicht 
nachkam, ihn am linken Arm packte, ein Klappmesser (Ass. 050) hervornahm und unvermittelt mit der 
Spitze gegen vorne auf ihn richtete und erneut verlangte, dass dieser die Polizei rufe, worauf 
G.________ telefonisch den internen Sicherheitsdienst herbeirief und sich der Ladenüberwacher 
F.________ vor Ort begab. 

9.2 Unbestrittener / bestrittener Sachverhalt 

Die äusseren Umstände des Vorfalls blieben unbestritten und sind aufgrund der Vi-
deoaufnahmen auch hinreichend objektiviert und dokumentiert. Der Beschuldigte 
anerkennt, dass er damals ein Messer (dasjenige, welches er bereits im 
J.________ (Detailhändler) gegen den Straf- und Zivilkläger 1 eingesetzt hatte) in 
der Hand gehalten und er den Strafkläger 1 aufgefordert habe, die Polizei zu rufen. 
Er macht jedoch geltend, dass er das Messer dem Verkäufer (dem Strafkläger 2) 
nur gezeigt, diesem damit aber nicht gedroht habe. Zudem gibt der Beschuldigte 
an, dass der Strafkläger 2 den Sicherheitsdienst bereits zuvor, also vor dem Zeigen 
des Messers, gerufen habe (pag. 1255 f.; pag. 1526 f.). 

9.3 Beweismittel 

Bezüglich der vorhandenen Beweismittel kann wiederum vollumfänglich auf die   
vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (pag. 1336 – 1339, S. 32 – 35 der 
Urteilsbegründung). Soweit erforderlich ist im Rahmen der konkreten Beweiswürdi-
gung auf die einzelnen Beweismittel einzugehen.

9.4 Konkrete Beweiswürdigung 

Die Vorinstanz hat die vorhandenen Beweise wie folgt gewürdigt (pag. 1339 f., S. 
35 f. der Urteilsbegründung): 

Auf den Aufnahmen der Überwachungskamera der S.________ im 2. OG des K.________ (Waren-
haus) ist der Rahmensachverhalt gut ersichtlich. Betreffend das Kerngeschehen hat die Verteidigung 
des Beschuldigten anlässlich der Hauptverhandlung jedoch vorgebracht, dass der Beschuldigte das 
Messer schon in der Hand gehalten und nicht erst hervorgenommen habe, als er G.________ am 
Arm gepackt habe. Ebenso erklärte sie, dass G.________ den Sicherheitsdienst nicht erst angerufen 
habe, nachdem er am Arm gepackt worden sei und der Beschuldigte ihm das Messer gezeigt habe, 
sondern bereits vorher. Dies sei auf den Aufnahmen der Überwachungskamera der S.________ er-
sichtlich. Entsprechend könne der äussere Sachverhalt, wie im Antrag der Staatsanwaltschaft um-
schrieben, nicht erstellt werden. Zu diesen Vorbringen der Verteidigung ist zu sagen, dass es auf den 
Überwachungsaufnahmen effektiv zunächst den Anschein macht, als ob der Beschuldigte - mit dem 

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Messer bereits in der Hand (vgl. 18:09:00 Uhr) - vor der Kasse auf und ab geht und G.________ erst 
nach dessen Telefonat am Arm packen würde. Während das fragliche Telefon bereits um 18:08:52 
Uhr stattfindet, ist nämlich erst um 18:09:22 Uhr deutlich zu erkennen, wie der Beschuldigte einige 
Schritte auf G.________ zu macht, diesem an den Oberarm fasst und etwas zu ihm sagt. Entspre-
chend sind die Sequenzen, auf welche sich die Verteidigung bezieht, tatsächlich erst nach dem 
getätigten Anruf und kurz vor dem Erscheinen von F.________ zu sehen. 

Fraglich ist aber, ob es möglich ist, dass der Beschuldigte G.________ nicht nur nach, sondern auch 
vor dem Telefonat am Arm gepackt, das Messer hervorgenommen und dieses unvermittelt mit offener 
Klinge auf G.________ gerichtet hat. Dies hat G.________ so zu Protokoll gegeben. Festzuhalten ist, 
dass die Aussagen von G.________ bereits für sich allein als glaubhaft zu bezeichnen sind. Er schil-
dert die Ereignisse allesamt ausführlich und detailliert. Da er zudem den Beschuldigten nicht kannte 
und keinerlei Grund hatte, diesen falsch zu belasten, wären Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Aus-
sagen unbegründet. Gestützt wird dieser Schluss dadurch, dass die Aussagen von G.________ sich 
auch mit jenen von F.________ decken. Dessen Aussagen erachtet das Gericht aufgrund ihres De-
tailreichtums und ihrer Widerspruchsfreiheit ebenfalls als glaubhaft.

Nebst den Aussagen der beteiligten Personen kann auch auf die Videoaufnahmen, welche die Sze-
nen vor dem Telefonat zeigen, abgestellt werden. Zwar wird die Sicht auf die Kasse, an welcher 
G.________ sich zunächst mit dem Beschuldigten unterhält, durch andere Kunden behindert. Was je-
doch beobachtet werden kann, ist, dass G.________ um 18:08:33 Uhr seinen linken Arm ruckartig 
zurückzieht und sich einige Schritte vom zuvor nahe bei ihm stehenden Beschuldigten entfernt. Un-
terdessen hebt der Beschuldigte einen Arm nach vorne; in seiner Hand befindet sich ein Gegenstand. 
In diesem Moment scheint sich die Haltung von G.________ gegenüber dem Beschuldigten zu ver-
ändern. Er macht einen irritierten Eindruck und greift nur kurze Zeit später zum Telefon. Diese objektiv 
erkennbaren Geschehnisse lassen sich problemlos mit den Schilderungen von G.________ in Über-
einstimmung bringen. Es ist evident, dass der Beschuldigte vor dem Telefonat etwas gemacht haben 
muss, was G.________ beunruhigt und ihn zum Anruf bewegt hat. Mittels der vorliegenden Aussagen 
sowie des vorliegenden Videomaterials kann der im Antrag umschriebene Sachverhalt somit problem-
los erstellt werden. Dass der Beschuldigte G.________ nach dem Telefonat erneut an den Arm greift, 
ist nicht von Belang. 

Das Gericht geht entsprechend davon aus, dass der Beschuldigte am 27.11.2019, um 18:07 Uhr, im 
2. OG des K.________ (Warenhaus) an R.________ (Strasse) in Biel, vom Verkäufer G.________ 
verlangt hat, dass dieser die Polizei rufen soll. Als G.________ dieser Aufforderung nicht nachge-
kommen ist, hat der Beschuldigte ihn am linken Arm gepackt, ein Klappmesser (Ass. 050) hervorge-
nommen, dieses unvermittelt mit der Spitze gegen vorne auf ihn gerichtet und erneut verlangt, dass 
G.________ die Polizei ruft. Daraufhin hat dieser telefonisch den internen Sicherheitsdienst herbeige-
rufen. Anschliessend hat sich der Ladenüberwacher F.________ vor Ort begeben. 

Diesen zutreffenden und schlüssigen Erwägungen der Vorinstanz hat die Kammer 
grundsätzlich nichts hinzuzufügen. So sind die Aussagen des Strafklägers 2 bezüg-
lich des Ablaufs lebensnah und ohne jegliche Aggravationstendenzen. Sie lassen 
sich zudem ohne Weiteres mit den Aussagen des Strafklägers 1 sowie insbesonde-
re auch mit den vorhandenen Videoaufnahmen in Einklang bringen. Der Beschul-
digte bestreitet nicht, ein Messer in der Hand gehalten zu haben (vgl. oben Ziff. 
9.2). Wie die Vorinstanz zutreffend festhält, ist auf den Videoaufzeichnungen er-
sichtlich, dass der Beschuldigte seinen Arm nach vorne gegen den Strafkläger 2 
streckt, wobei sich in der Hand des Beschuldigten ein Gegenstand, d.h. das Mes-

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ser, befindet. Daraufhin weicht der Strafkläger 2 zurück. Erst im Anschluss führt der 
Strafkläger 2 dann ein Telefonat. 

Dass der Beschuldigte vor dem fraglichen Telefonat nebst dem Entgegenstrecken 
des Messers auch noch den Arm des Strafklägers 2 gepackt hätte, ist auf den Vi-
deoaufnahmen nicht ersichtlich (den Videoaufnahmen lässt sich zwar entnehmen, 
dass er Beschuldigte den Strafkläger am Arm packte, jedoch fand dieses Anpacken 
nach dem Telefonanruf statt) und lässt sich deshalb auch nicht nachweisen, zumal 
auch der Strafkläger 2 lediglich von einem einmaligen Anpacken am Arm sprach. 
Dies ist aber nicht entscheidend und hat – wie nachfolgend noch zu zeigen sein 
wird – auf die rechtliche Würdigung keinen Einfluss. 

Der Beschuldigte wollte unstrittig, dass der Strafkläger 2 die Polizei avisiert. Die ob-
jektiven Abläufe – insbesondere das Halten des Messers in der Hand sowie die 
Bewegung des Messers gegen den Körper des Strafklägers 2 – zeigen, dass der 
Beschuldigte das Messer nicht einzig vorzeigen, sondern mit diesem seiner Auffor-
derung durchaus auch Nachdruck verleihen wollte. Der Strafkläger 2 wich nach der 
Bewegung des Messers gegen seinen Körper denn auch zurück und alarmierte 
umgehend den Sicherheitsdienst. 

10. Vorfall K.________ (Warenhaus) / Drohung und Beschimpfung z.N. von 
E.________ 

10.1 Vorwurf gemäss Antrag der Staatsanwaltschaft 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten in Ziffer 3.1 sowie 5 ihres Antrags 
(pag. 1088 f.) sodann eine Drohung sowie eine Beschimpfung vor, begangen am 
27. November 2019, um 18.10 Uhr, in Biel, im 2. OG des K.________ (Waren-
haus), indem er (pag. 1088 f.): 

die Privatklägerin E.________ konkludent mit dem Tod bzw. mit einer Schädigung an deren körperli-
chen Integrität bedrohte, dadurch, dass er sie am Arm packte und ein Klappmesser (Ass. 050) auf ih-
ren Bauch- bzw. den Brustbereich richtete. Durch das Verhalten des Beschuldigten und seinen zu-
sätzlichen «Hassblick» wurde die Privatkläger in Angst und Schrecken versetzte (Drohung; Ziff. 3.1 
des Antrags); 

die Privatklägerin E.________ als «Schwarzkopf» bezeichnete (Beschimpfung; Ziff. 5 des Antrags). 

10.2 Unbestrittener / bestrittener Sachverhalt 

Der Beschuldigten bestreitet den vorgeworfenen Sachverhalt vollumfänglich und 
macht geltend, er habe der Straf- und Zivilklägerin 2 weder gedroht noch diese als 
«Schwarzkopf» bezeichnet. Er habe der Straf- und Zivilklägerin 2 lediglich gesagt, 
dass er ein Messer habe und sie die Polizei rufen solle. 

10.3 Beweismittel 

Die Vorinstanz brachte die objektiven und subjektiven Beweismittel auch hier kor-
rekt ins Verfahren ein und gab diese richtig zusammengefasst wieder (pag. 1343 
ff., S. 39 ff. der Urteilsbegründung), worauf wiederum vollumfänglich verwiesen 
werden kann. 

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10.4 Konkrete Beweiswürdigung 

Die Kammer schliesst sich auch hinsichtlich dieser Vorwürfe beweiswürdigend voll-
umfänglich den überzeugenden Überlegungen der Vorinstanz an, welche folgen-
den Sachverhalt als erwiesen erachtete (pag. 1347 f., S. 43 f. der Urteilsbegrün-
dung):  

Im Hinblick auf die Beweiswürdigung ist zunächst zu erwähnen, dass die Videoaufnahmen der 
Kameras C1 und C4 der Beurteilung der Tatvorwürfe z.N. E.________ nicht in wesentlichem Masse 
zuträglich sind. Sie beweisen einzig die Präsenz von drei dunkelhäutigen jungen Frauen sowie die 
Tatsache, dass bei der Rolltreppe im 2. OG des K.________ (Warenhaus) zum Tatzeitpunkt eine 
Unruhe entstanden ist. Das Gericht stützt sich bei der Beurteilung der Tatvorwürfe daher 
grossmehrheitlich auf subjektive Beweismittel in Form der Aussagen der beteiligten Personen. 

Die Aussagen von E.________ beurteilt das Gericht dabei als sehr glaubhaft. Sie schildert das 
Aufeinandertreffen mit dem Beschuldigten äusserst anschaulich und wirklichkeitsnah. Ihre 
Ausführungen enthalten viele Details, sowohl zu äusseren Geschehnissen wie auch zu inneren 
Vorgängen. So erzählt sie beispielsweise, dass sie nicht sofort gemerkt habe, dass der Mann ein 
Messer in der Hand gehabt habe, weil sie diesem in die Augen geschaut habe (pag. 626, Z. 43 f.), 
oder dass sie sich aus Angst vor den Konsequenzen nicht ruckartig habe losreissen wollen (pag 627, 
Z. 51 ff.). Auch den als "Hassblick" umschriebenen Gesichtsausdruck des Beschuldigten kann man 
sich anhand der lebhaften Erzählungen von E.________ gut vorstellen, insbesondere auch daher, 
weil der Beschuldigte sodann offenbar noch verbal seinen Unmut kundgetan und damit gezeigt hat, 
dass er verärgert war. Die Aussagen von E.________ lassen sich zudem ohne Weiteres mit jenen der 
befragten Auskunftspersonen T.________ und U.________ bzw. G.________ und F.________ in 
Übereinstimmung bringen, welche ihre Wahrnehmungen der Geschehnisse ebenso glaubhaft 
geschildert haben. Demgegenüber sind die Aussagen des Beschuldigten als widersprüchlich und 
inkohärent zu bezeichnen und vermögen der Glaubhaftigkeit der Schilderungen von E.________ bzw. 
der befragten Auskunftspersonen nicht entgegenzustehen.

Entsprechend stellt das Gericht vollumfänglich auf die Ausführungen von E.________ ab. Es erachtet 
es als erstellt, dass der Beschuldigte sie am 27.11.2019, um 18.10 Uhr, im 2. OG des K.________ 
(Warenhaus) am Arm gepackt, ein Klappmesser auf sie gerichtet und sie mit einem "Hassblick" 
angeschaut hat. Betreffend die exakte Position des Messers gab E.________ an, der Beschuldigte 
habe es gegen ihren Bauch gerichtet. G.________ sowie U.________ gaben demgegenüber zu Pro-
tokoll, das Messer habe sich auf Brusthöhe von E.________ befunden. Laut F.________ habe der 
Beschuldigte mit dem Messer gar gegen den Kopf von E.________ gedeutet. Da die Frage der exak-
ten Positionierung der Klinge vorliegend nicht nur von der jeweiligen Perspektive, sondern sicherlich 
auch von der situationsinhärenten Dynamik abhängt, kann der Sachverhalt so, wie ihn die Staatsan-
waltschaft umschreibt – inklusive der Formulierung "(…) auf ihren Bauch- bzw. Brustbereich gerichtet 
zu haben (…)" – nach Auffassung des Gerichts als vollumfänglich erstellt gelten (vgl. Antrag der 
Staatsanwaltschaft, Ziff. 3.1., pag. 1101). 

Hinsichtlich des Vorwurfs der Beschimpfung (Ziff. 5 Antrag) führte die Verteidigung des Beschuldigten 
an der Hauptverhandlung sodann aus, dass E.________ in ihrer Aussage nicht wirklich konkret sei. 
Sie habe lediglich ausgesagt, dass der Beschuldigte eine Äusserung "wie Schwarzkopf" gemacht ha-
be. Auch T.________ bzw. U.________ hätten erzählt, dass der Mann so etwas wie "die Schwarze, 
Schwarzkopf oder so ähnlich" bzw. "Schwarzkopf, oder etwas Ähnliches" gesagt habe. Es sei dem-

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nach nicht wirklich klar, welche Äusserung der Beschuldigte denn nun genau gemacht habe. Insge-
samt könne der Sachverhalt, so wie er in Ziff. 5 des Antrags umschrieben sei, nicht erstellt werden.

Dazu ist zu sagen, dass der Verteidigung des Beschuldigten zwar darin zuzustimmen ist, dass die 
drei jungen Frauen sich zur fraglichen Aussage des Beschuldigten eher zurückhaltend äussern. Dies 
vermag aber nichts daran zu ändern, dass alle drei das Wort "Schwarzkopf" ausdrücklich erwähnt ha-
ben. U.________ hat sogar bereits bei ihrem telefonischen Kontakt mit der Regionalpolizei Seeland-
Berner Jura am 29.11.2019 erklärt, dass der Beschuldigte eben dieses Wort gesagt habe (vgl. Be-
richtsrapport vom 29.11.2019, pag. 406). In Anbetracht der Tatsache, dass es sich beim Wort 
"Schwarzkopf" überdies um eine einprägsame und spezifische Äusserung handelt, erachtet das Ge-
richt den Sachverhalt gemäss Ziff. 5 des Antrags der Staatsanwaltschaft als erstellt und geht davon 
aus, dass der Beschuldigte E.________ als "Schwarzkopf" bezeichnet hat. 

Ergänzend und präzisierend ist auszuführen, dass die Aussagen der Straf- und Zi-
vilklägerin 2 lebensnah, detailreich und stimmig sind. Ihren Aussagen stimmen so-
dann mit den übrigen Beweismitteln, insbesondere mit den Aussagen der übrigen 
einvernommenen Zeugen, überein. Das von ihr geschilderte Vorgehen, wonach der 
Beschuldigte sie am Arm gepackt und das Messer gegen sie gerichtet habe 
(pag 626 f.), entspricht denn auch demjenigen, welches der Beschuldigte unmittel-
bar zuvor gegenüber dem Strafkläger 2 praktizierte hatte. Im Übrigen hat – entge-
gen der Ansicht der Verteidigung – auch F.________ (Ladenüberwacher des 
K.________ (Warenhaus); Strafkläger 1), welcher dem Beschuldigten durch den 
K.________ (Warenhaus) gefolgt ist, bestätigt, dass der Beschuldigte das Messer 
gehoben und mit der Spitze gegen den Körper der Straf- und Zivilklägerin gerichtet 
habe (pag. 654 Z. 64 f.). Es ist naheliegend, dass die Straf- und Zivilklägerin 2 
durch das Vorgehen des Beschuldigten (er richtete eine Messerklinge auf sie) in 
Angst und Schrecken versetzt wurde (pag. 627).

Weder die Straf- und Zivilklägerin 2 noch andere anwesende Personen/Passanten 
haben gehört, dass der Beschuldigte die Verständigung der Polizei verlangt haben 
soll. Übereinstimmend haben die Straf- und Zivilklägerin 2 sowie T.________ bzw. 
U.________ als Auskunftspersonen zudem berichtet, dass die Straf- und Zivilkläge-
rin 2 vom Beschuldigten als «Schwarzkopf» oder ähnlich bezeichnet worden sei. 
Gemäss der Straf- und Zivilklägerin 2 hat der Beschuldigte beim Weggehen ihr zu-
dem nachgeschrien: «Du bist schuld, es ist wegen euch!». Ob sich der von der 
Straf- und Zivilklägerin 2 geschilderte «Hassblick» (pag. 627) objektivieren lässt, 
kann offen bleiben. Jedenfalls ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte sie mit 
strengem Gesichtsausdruck ansah. 

Der Beschuldigte bestritt nicht, dass er ein Messer in der Hand hielt. Er konnte sich 
jedoch nicht mehr erinnern, ob er sie am Arm gepackt habe (pag. 702 f.). Die ge-
schilderten Aussagen, wonach die Straf- und Zivilklägerin 2 schuld sei, lässt sich 
ohne Weiteres mit der Stimmungslage des Beschuldigten im Tatzeitpunkt in Ein-
klang bringen, welcher beliebigen Dritten die Schuld für seine Situation gab (pag. 
676 ff.). Bei der polizeilichen Einvernahme bezeichnete der Beschuldigte die Straf- 
und Zivilklägerin 2 zudem ohne entsprechenden Vorhalt als «afrikanisches Ge-
sicht» (pag. 702 Z. 558). Dies zeigt, dass er der Hautfarbe offensichtlich eine hohe 
Bedeutung zumisst. Dass er sich in seiner Erregung zum Ausdruck «Schwarzkopf» 
hinreissen liess, ist deshalb nicht abwegig. Weiter sagten sowohl die Straf- und Zi-

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vilklägerin 2 als auch die befragten Auskunftspersonen übereinstimmend aus, dass 
der Beschuldigte das Wort «Schwarzkopf» oder Ähnliches benutzt habe. Dass sich 
die Straf- und Zivilklägerin 2 und ihre Kolleginnen in diesem Nebenpunkt abgespro-
chen und dann abspracheweise ein erfundenes Wort («Schwarzkopf») zu Protokoll 
gegeben haben sollen, erscheint abwegig, zumal bereits der Polizei kurz nach dem 
Vorfall telefonisch berichtet wurde, dass das Wort «Schwarzkopf» gefallen sei (pag. 
406). Es ist daher gestützt auf die glaubhaften Aussagen der Straf- und Zivilkläge-
rin sowie der befragten Dritten erwiesen, dass der Beschuldigte die Straf- und Zivil-
klägerin 2 als «Schwarzkopf» bezeichnet hat. 

Es bleibt unklar, aus welchen Grund der Beschuldigte die Straf- und Zivilklägerin 2 
anging. Jedenfalls hat er sein angebliches Anliegen, wonach die Polizei zu ver-
ständigen sei, nicht artikuliert. Sein Verhalten – er packte ein junges Mädchen am 
Arm, richtete eine Messerklinge auf sie und blickte sie streng an – war jedoch dar-
auf ausgerichtet, die Straf- und Zivilklägerin 2 in Angst und Schrecken zu verset-
zen. Da diese nach Ansicht des Beschuldigten (Mit-)Schuld an seiner Situation 
trug, liess er sich zudem zu einer Verbalinjurie hinreissen. 

11. Vorfall K.________ (Warenhaus) / Drohung z.N. von F.________ und 
G.________ sowie Tätlichkeit z.N. von F.________

11.1 Vorwurf gemäss Antrag der Staatsanwaltschaft 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten in Ziffer 3.2 ihres Antrags (pag. 
1088) – soweit oberinstanzlich noch relevant – sodann Drohungen zum Nachteil 
der Strafkläger 1 und 2 vor, begangen am 27. November 2019, um 18:11 Uhr, im 
1. OG des K.________ (Warenhaus) in Biel, indem er den Strafklägern 1 und 2 
konkludent mit dem Tod bzw. mit einer Schädigung an deren körperlichen Integrität 
gedroht habe. Dies habe der Beschuldigte dadurch getan, dass er sich auf der 
Flucht vor den Strafklägerin 1 und 2 mehrmals gegen diese umgedreht und mit er-
hobenen Klappmesser (Ass. 050) – mit der Spitze gegen vorne gerichtet – auf sie 
gezeigt habe. Auch habe er mit dem Messer herumgefuchtelt. Die Opfer seien je-
weils zurückgewichen, wenn der Beschuldigte eine Bewegung ausgeführt habe. 
Die Opfer seien durch das Verhalten des Beschuldigten in Angst und Schrecken 
versetzt worden. 

Schliesslich wird dem Beschuldigten in Ziff. 2 des Antrags der Staatsanwaltschaft  
– soweit oberinstanzlich noch relevant – eine Tätlichkeit zur Last gelegt (pag. 
1088), begangen am 27. November 2019, um ca. 18:12 Uhr, im 1. OG des 
K.________ (Warenhaus) in Biel zum Nachteil des Strafklägers 1, welcher im 
K.________ (Warenhaus) als Ladenüberwacher arbeitete, indem er diesem mit der 
Faust ins Gesicht im Bereich des Mundes geschlagen habe, als dieser mit Hilfe von 
zwei weiteren Mitarbeitern den Beschuldigten zu Boden habe führen wollen. Durch 
den Schlag habe der Strafkläger 1 eine blutende Wunde an der Oberlippe erlitten. 
Durch die anschliessende körperliche Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten 
sei ausserdem eine kleine Abschürfung im Bereich des Halses des Strafklägers 1 
entstanden.

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11.2 Unbestrittener / bestrittener Sachverhalt 

Der Beschuldigte bestreitet den ihm vorgeworfenen Sachverhalt weitgehend. Er 
macht insbesondere geltend, dass er auf der Flucht gewesen sei. Er habe das Ge-
fühl gehabt, dass er bedroht werde, was auf Grund der Umstände auch nachvoll-
ziehbar sei. Zwar habe er ein Messer in der Hand gehabt. Damit habe er jedoch 
nicht gedroht. Der Sachverhalt sei deshalb nicht erstellt, jedenfalls würde es am 
Vorsatz fehlen. Bezüglich der Tätlichkeit schloss der Beschuldigte nicht aus, den 
Strafkläger 1 geschlagen zu haben. Dies jedoch nur, um sich zu wehren. 

11.3 Beweismittel 

Die Vorinstanz brachte die objektiven und subjektiven Beweismittel auch hinsicht-
lich dieser Vorwürfe korrekt ins Verfahren ein und gab diese zusammengefasst 
wieder (pag. 1351 ff., S. 47 ff. der Urteilsbegründung), weshalb vollumfänglich dar-
auf verwiesen wird. Soweit erforderlich ist im Rahmen der konkreten Beweiswürdi-
gung auf die einzelnen Beweismittel einzugehen.

11.4 Konkrete Beweiswürdigung

11.4.1 Betreffend die Drohungen 

Die Vorinstanz hat die vorhandenen Beweise bezüglich der Drohungen wie folgt 
gewürdigt (pag. 1357 f., S. 53 f. der Urteilsbegründung): 

Im Hinblick auf die dem Beschuldigten zur Last gelegte Drohung z.N. G.________ und F.________ ist 
zunächst wesentlich, dass das Gericht die Aussagen der dazu befragten Auskunftspersonen 
grundsätzlich als glaubhaft beurteilt. Sowohl G.________ und F.________ als auch H.________ ma-
chen detailreiche und ausführliche Angaben, welche sich gut mit den Aufnahmen der Überwachungs-
kamera in Übereinstimmung bringen lassen. Gleichzeitig geben sie aber auch zu, wenn sie sich an 
etwas nicht erinnern können bzw. gewisse Sachen nicht gesehen haben. Wie die Staatsanwaltschaft 
zutreffend ausgeführt hat, kann dem Beschuldigten anhand der fraglichen Videoaufnahmen auf seiner 
Flucht vor den Mitarbeitern zudem quasi durch das 1. OG des Geschäfts gefolgt werden. Im Besonde-
ren ist gut zu erkennen, wie der Beschuldigte direkt vor seinem Sturz über den Kleiderständer mit 
ausgestrecktem Arm fuchtelnde Bewegungen in Richtung von G.________ macht (vgl. Kamera C14, 
1. Video, 18:11:50 Uhr). Dass der Beschuldigte dabei ein Messer in der Hand hat, ist auf diesen Se-
quenzen kaum ersichtlich; allerdings hat G.________ ebendiese fuchtelnden Bewegungen als "Stich-
bewegungen mit dem Messer" beschrieben. Überdies haben sämtliche befragten Auskunftspersonen 
angegeben, dass der Beschuldigte das Messer im 1. OG des K.________ (Warenhaus) grundsätzlich 
ständig in der Hand gehalten und nur unfreiwillig kurz vor seiner Festnahme losgelassen habe. Auch 
der Beschuldigte selbst hat erklärt, dass er das Messer nicht habe verstauen wollen; schliesslich habe 
dieses als Beweis gedient. Entsprechend geht das Gericht davon aus, dass der Beschuldigte u.a. in 
der Ausführung dieser Bewegungen das Messer mit der Spitze nach vorne gerichtet in der Hand ge-
halten hat. Dass G.________ vor dem Beschuldigten Angst hatte, ergibt sich dabei nicht nur aus sei-
nen Aussagen, sondern kann aufgrund seiner sichtbaren Reaktion, - nämlich der Flucht vor dem Be-
schuldigten - auch den Videoaufnahmen entnommen werden. 

Gegenüber F.________ sind derart deutliche Drohgebärden demgegenüber nicht erkennbar. Auch 
umschreibt F.________ in seinen Ausführungen lediglich (anhand der Videoaufnahmen nicht beur-
teilbare) Schwenkbewegungen, welche der Beschuldigte mit dem Messer in der Hand in Richtung von 
ihm und G.________ im 2. OG des K.________ (Warenhaus) ausgeführt habe. Allfällige Abwehrbe-

20

wegungen des Beschuldigten im 1. OG lässt F.________ unerwähnt. Gleichzeitig bringt aber während 
seiner Einvernahme vom 27.11.2019 selber vor, dass er sich an viele Dinge nicht mehr exakt erinnern 
könne (pag. 656, Z. 149 ff.). So scheint F.________ beispielsweise auch die Anwesenheit von 
G.________ im 1. OG des K.________ (Warenhaus) lange gar nicht bewusst gewesen zu sein; im-
merhin erwähnt er diesen beispielsweise im Zusammenhang mit dem Sturz des Beschuldigten mit 
keinem Wort. Insgesamt dürfte die Tatsache, dass F.________ die Vorfälle im 1. OG nicht in allen 
Einzelheiten zu schildern in der Lage ist, seiner nachvollziehbaren Aufregung geschuldet sein, gab er 
doch auch selbst an, während des gesamten Vorfalls Angst gehabt und danach wohl unter Schock 
gestanden zu haben. Nichtsdestotrotz kann anhand der Videoaufnahmen aus dem 1. OG auch der 
Sachverhalt z.N. F.________, wie er im Antrag der Staatsanwaltschaft umschrieben ist, erstellt wer-
den. Immerhin ist insbesondere auf den Bildern der Überwachungskamera C14 ersichtlich, dass 
F.________ und G.________ sich dem Beschuldigten wiederholt anzunähern versuchen, dann aber 
aufgrund von dessen unruhigen und ruckartigen Bewegungen jeweils zurückweichen. Immer wieder 
ist dabei das Messer in der rechten Hand des Beschuldigten erkennbar, welches dieser mit der Spitze 
nach vorne gegen seine Verfolger ausstreckt (vgl. z.B. 18:12:00 Uhr). Überdies ist auch der Einsatz 
des Pfeffersprays durch F.________ als Indiz dafür zu werten, dass dieser sich durch das Verhalten 
des Beschuldigten angegriffen gefühlt, bzw. diesen als gefährlich eingestuft hat. 

Das Gericht erachtet es entsprechend als erstellt, dass der Beschuldigte sich – auf der Flucht vor 
F.________ und vor G.________ – mehrmals gegen diese beiden umgedreht und mit erhobenen 
Klappmesser (Ass. 050), mit der Spitze gegen vorne gerichtet auf sie gezeigt hat. Auch hat der Be-
schuldigte mit dem Messer herumgefuchtelt. Die beiden Opfer sind jeweils zurückgewichen, wenn der 
Beschuldigte eine Bewegung ausgeführt hat. 

Auf diese nachvollziehbaren und zutreffenden Erwägungen kann vollumfänglich 
verwiesen werden. Auf den Videoaufnahmen ist – entgegen der Ansicht der Vertei-
digung – deutlich erkennbar, dass die beiden Strafkläger 1 und 2 dem Beschuldig-
ten folgten und dass dieser das Messer mehrmals einsetzte, um die Strafkläger auf 
Distanz zu halten. Das mit der Spitze auf seine Verfolger gerichtete Messer signali-
sierte eine Gefahr, welche die Strafkläger (nachvollziehbar) dazu bewegte, aus 
Angst vor Verletzungen zurückzuweichen. Der Strafkläger 1 gab denn auch aus-
drücklich zu Protokoll, dass er teils Angst gehabt habe (pag. 656 Z. 131). Der 
Strafkläger 2 hat sodann zu Protokoll gegeben, er sei davon ausgegangen, dass 
der Beschuldigte ihm einen Messerstich habe versetzen wollen und er deshalb ha-
be zurückweichen müssen (pag. 644 Z. 135 ff.). 

Der objektive Ablauf, welcher aufgrund der Videoaufnahmen ohne Weiteres erwie-
sen ist, lässt nur den Schluss zu, dass der Beschuldigte das Messer bewusst auf 
die Strafkläger richtete und damit fuchtelte, um diese auf Distanz zu halten. 

11.4.2 Betreffend die Tätlichkeiten 

Bezüglich der Tätlichkeiten hat die Vorinstanz die vorhandenen Beweise wie folgt 
gewürdigt (pag. 1358, S. 54 der Urteilsbegründung): 

Dass F.________ vom Beschuldigten geschlagen worden ist, wurde nicht nur von allen nebst dem 
Beschuldigten befragten Personen einhellig ausgesagt, sondern ist auch auf den Aufnahmen der 
Überwachungskamera C14 ohne weiteres erkennbar (vgl. Kamera C14, 18:12:10 Uhr). Die von 
F.________ erlittenen Verletzungen – d.h. die blutende Wunde an der Oberlippe sowie die kleine Ab-
schürfung im Bereich des Halses – wurden vom KTD zudem dokumentiert (vgl. pag.460-461).

21

Wie die Verteidigung ausführt, kann aber anhand der Videoaufnahmen nicht erstellt werden, ob der 
Beschuldigte F.________ mit der Faust oder mit der flachen Hand geschlagen hat. Sie erachtet daher 
den umschriebenen Sachverhalt als nicht vollständig erstellt. Dazu ist zu sagen, dass F.________ 
glaubhaft ausgesagt hat, dass es sich beim eingesteckten Schlag um einen Faustschlag gehandelt 
habe. Zudem hätte ein Schlag mit der flachen Hand kaum eine blutende Oberlippe zur Folge. Ent-
sprechend erachtet das Gericht, es als erstellt, dass der Beschuldigte F.________ mit der Faust ins 
Gesicht in den Bereich des Mundes geschlagen hat. Dies ist geschehen, als F.________ mit Hilfe von 
zwei weiteren Mitarbeitern den Beschuldigten zu Boden hat führen wollen. Durch den Faustschlag hat 
F.________ eine blutende Wunde an der Oberlippe erlitten. Im Laufe der anschliessenden körperli-
chen Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten ist ausserdem eine kleine Abschürfung im Bereich 
des Halses von F.________ entstanden.

Auch auf diese Erwägungen kann grundsätzlich vollumfänglich verwiesen werden. 
Präzisierend ist einzig auszuführen, dass letztendlich nicht relevant ist, wie der Be-
schuldigte den Strafkläger 1 genau geschlagen hat, denn im Grundsatz blieb un-
strittig, dass ein Schlag seitens des Beschuldigten erfolgte. Dieser Schlag hatte die 
umschriebenen Verletzungen (insbesondere eine blutende Wunde an der Oberlip-
pe) zur Folge. Mit dem Schlag nahm der Beschuldigte eine entsprechende Verlet-
zung mindestens in Kauf. 

12. Zur Schuldfähigkeit des Beschuldigten 

Dr. med. I.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstellte am 
31. Juli 2020 ein umfassendes forensisch-psychiatrisches Gutachten über den Be-
schuldigten (pag. 939 ff.). Der Sachverständige kam zum Schluss, dass der Be-
schuldigte zur Zeit der Taten an einer deutlich ausgeprägten Schizophrenie litt. Auf 
Grund des deutlich ausgeprägten psychotischen Zustandsbildes im Tatzeitraum sei 
die Einsichtsfähigkeit des Beschuldigten und damit aus gutachterlicher Sicht ent-
sprechend auch die Schuldfähigkeit aufgehoben gewesen (pag. 994 f.). Anlässlich 
der erst- und oberinstanzlichen Verhandlungen wurde der Sachverständige ergän-
zend befragt, wobei er seine Diagnose jeweils bestätigte (pag. 1240 ff. und pag. 
1519 ff.). 

Während der Beschuldigte verschiedene Ergebnisse des Gutachtens in Zweifel 
zieht, ist unstrittig (der Beschuldigte anerkennt, dass er im Tatzeitpunkt nicht ein-
sichtsfähig war, jedoch führt er die Einsichtsunfähigkeit auf andere Umstände 
zurück; vgl. pag. 1253 f. und pag. 1524 f.), dass dessen Einsichtsfähigkeit im Tat-
zeitraum aufgehoben war. Wie im Rahmen der Erwägungen bezüglich der Anord-
nung einer Massnahme noch aufzuzeigen sein wird, ist das Gutachten in jeder Hin-
sicht schlüssig und nachvollziehbar. Dies gilt insbesondere auch bezüglich der gut-
achterlich festgestellten fehlenden Einsichtsfähigkeit des Beschuldigten in das Un-
recht seiner Taten. Diese ist folglich erstellt. 

22

III. Rechtliche Würdigung

13. Versuchte vorsätzliche Tötung z.N. des Straf- und Zivilklägers 1 

13.1 Tatbestand

13.1.1 Theoretische Ausführungen zur versuchten vorsätzlichen Tötung (Art. 111 
i.V.m. Art. 22 StGB)

Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen zum Tatbestand der vorsätzlichen 
Tötung korrekt dargestellt, es wird vorab darauf verwiesen (pag. 1325 f., S. 21 f. 
der Urteilsbegründung). Dasselbe gilt bezüglich der theoretischen Ausführungen 
der Vorinstanz zum Versuch (pag. 1325, S. 21 der Urteilsbegründung). Ergänzend 
und präzisierend ist Folgendes auszuführen: 

Nach Art. 111 StGB wird bestraft, wer vorsätzlich einen Menschen tötet, ohne dass 
eine der besonderen Voraussetzungen der Art. 112 bis Art. 117 StGB zutreffen. Als 
Tathandlung gilt jede Art der Verursachung des Todes eines lebenden Menschen, 
wobei der Täter beliebige Tatmittel einsetzen kann. Mit dem Eintritt des Todes ist 
die vorsätzliche Tötung als Erfolgsdelikt vollendet (SCHWARZENEGGER, in: Basler 
Kommentar Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N. 4 f. zu Art. 111 StGB). Ein Versuch liegt 
vor, wenn der Täter sämtliche subjektiven Tatbestandsmerkmale erfüllt und seine 
Tatentschlossenheit manifestiert hat, ohne dass alle objektiven Tatbestandsmerk-
male verwirklicht sind (Art. 22 Abs. 1 StGB; BGE 140 IV 150 E. 3.4; 137 IV 113 E. 
1.4.2; je mit Hinweisen).

Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen und Wil-
len ausführt. Vorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der Tat für möglich 
hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB). Der direkte Vorsatz verlangt neben 
dem Wissen um die reale Möglichkeit der Tatbestandserfüllung auch den Willen, 
den Tatbestand zu verwirklichen. Der Täter muss sich gegen das rechtlich ge-
schützte Gut entscheiden. Dieser Wille ist gegeben, wenn die Verwirklichung des 
Tatbestandes das eigentliche Handlungsziel des Täters ist oder ihm als eine not-
wendige Voraussetzung zur Erreichung seines Zieles erscheint. Dasselbe gilt, 
wenn die Verwirklichung des Tatbestandes für den Täter eine notwendige Neben-
folge darstellt, mag sie ihm auch gleichgültig oder gar unerwünscht sein (vgl. BGE 
130 IV 58 E. 8.2 mit Hinweisen). Eventualvorsatz ist gegeben, wenn der Täter mit 
der Tatbestandsverwirklichung rechnet, aber dennoch handelt, weil er den Erfolg 
für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt und sich mit ihm abfindet, mag er ihm 
auch unerwünscht sein (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3 mit Hinweis).

Für den Nachweis des Vorsatzes kann sich das Gericht – soweit der Täter nicht 
geständig ist – regelmässig nur auf äusserlich feststellbare Indizien und auf Erfah-
rungsregeln stützen, die ihm Rückschlüsse auf die innere Einstellung des Täters 
erlauben. Was der Beschuldigte wusste, wollte und in Kauf nahm, betrifft so ge-
nannte innere Tatsachen und ist damit Tatfrage (BGE 130 IV 58 E. 8.5; BGE 125 
IV 242 E. 3c mit Hinweisen; BGE 121 IV 249 E. 2a/aa; BGE 119 IV 1 E. 5a; BGE 
110 IV 20 E. 2, BGE 110 IV 74 E. 1c; BGE 109 IV 46 E. 1; BGE 104 IV 35 E. 1, je 
mit Hinweisen). Rechtsfrage ist hingegen, ob gestützt auf die festgestellten Tatsa-
chen bewusste Fahrlässigkeit, Eventualvorsatz oder direkter Vorsatz gegeben ist 

23

(BGE 137 IV 1 E. 4.2.3 mit Hinweisen). Es ist allerdings nicht zu übersehen, dass 
sich Tat- und Rechtsfragen insoweit teilweise überschneiden, so dass gewisse 
Wiederholungen im Rahmen der Sachverhaltsfeststellung wie bei der rechtlichen 
Würdigung unumgänglich sind (BGE 130 IV 58 E. 8.5; BGE 119 IV 1 E. 5a und 242 
E. 2, je mit Hinweisen).

13.1.2 Abgrenzung Vorsatz – Schuldfähigkeit 

Die Frage, ob der Beschuldigte mit Wissen und Willen im Sinne von Art. 12 Abs. 2 
StGB gehandelt hat, ist von der Frage der Schuldfähigkeit zu unterscheiden. 
Schuldunfähigkeit bedeutet nicht, dass der Beschuldigte keinen tatbestandsmässi-
gen Vorsatz bilden könnte. Im Gegenteil: Die Frage der Schuldfähigkeit hat auf den 
Vorsatz keinen Einfluss. Auch der völlig Schuldunfähige kann vorsätzlich handeln 
(BGE 115 IV 221 E. 1; vgl. auch Urteil des BGer 6B_980/2018 vom 18. Dezember 
2018 E. 3.4; 6B_604/2016 vom 29. November 2016 E. 2.2.1; 6B_366/2014 vom 
23. April 2015 E. 1.3.2). 

Die Frage der Schuldfähigkeit berührt mithin den Vorsatz nicht, auch nicht in der 
Weise, dass die Persönlichkeitsdefizite des Täters für die Entstehung des Tatent-
schlusses relevant sein müssten. Soweit es um die Komponente 
der Steuerungsfähigkeit geht, ist das unmittelbar einsichtig: Im Zustand ausge-
schlossener Schuldfähigkeit können (zweckrationale) Handlungen gerade deswe-
gen vorgenommen werden, weil die normalerweise bestehenden Hemmungen in-
folge Alkohol- oder Betäubungsmittelkonsums lahmgelegt sind; auf den Vorsatz hat 
das keinen Einfluss. Gleiches gilt auch für die Einsichtsfähigkeit. Ihr Gegenstand 
und derjenige des Vorsatzes unterscheiden sich in wesentlicher Hinsicht. Einsicht 
in das Unrecht der Tat setzt einen Akt normativer Wertung voraus, der Bestand und 
Geltung der Norm erfasst und dessen Vornahme aufgrund einer psychischen 
Störung ausnahmsweise ausgeschlossen sein kann. Beim Vorsatz dagegen geht 
es um die Umsetzung eines Handlungsentschlusses in die Wirklichkeit auf der 
Grundlage von sinnlich wahrgenommenen oder vorgestellten Tatumständen, was 
grundsätzlich auch bei fehlender Einsicht in das Unrecht möglich ist, weil es dazu 
des entsprechenden Wertungsaktes nicht bedarf (BOMMER/DITTMANN, in: Basler 
Kommentar Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N. 19 zu Art. 19 StGB). 

13.1.3 Subsumtion 

Der Beschuldigte hat dem Straf- und Zivilkläger mit einem Messer verschiedene 
Verletzungen zugefügt, so u.a. eine ca. 28 cm lange Hautdurchtrennung am Hals, 
wobei sich der Schnitt vom rechten Ohr bis über die Mitte des Halses auf die linke 
Seite gezogen und das rechte Ohrläppchen durchtrennt hat. Weiter hat der Straf- 
und Zivilkläger eine ca. 4 cm und eine ca. 5 cm lange Hautdurchtrennung in der 
Mitte des Halses erlitten. Hinzu kommen Stichverletzungen im Bereich des Rü-
ckens und der linkten Flanke auf Höhe des Burstkorbes. Durch den Blutverlust kam 
es beim Straf- und Zivilkläger zu einem hämorrhagischen Schock und er befand 
sich auch in akuter Lebensgefahr. Der drohende Verblutungstod auf Grund der 
Halsverletzungen konnte durch eine sofortige und notfallmässige ärztliche Versor-
gung abwendet werden. Der zur Erfüllung des objektiven Tatbestands von Art. 111 
StGB geforderte Tod eines Menschen ist glücklicherweise ausgeblieben. 

24

Zu prüfen ist, ob sich der Beschuldigte der versuchten vorsätzlichen Tötung schul-
digt gemacht hat. Diesbezüglich ist in sachverhaltsmässiger Hinsicht erstellt, dass 
der Beschuldigte zielstrebig von hinten auf sein Opfer losging, dessen Kopf nach 
hinten zog und diesem gezielt die Kehle durchgeschnitten hat. Das Opfer wurde 
dabei vom Beschuldigten von hinten überrascht und hatte keinerlei Abwehrchan-
cen. Selbst als das Opfer bereits wehrlos und schwer verletzt, d.h. blutend und mit 
durchgeschnittener Kehle am Boden lag, stach der Beschuldigte weiter auf den 
Oberköper des Opfers ein. Einzig aufgrund des beherzten Intervenierens seitens 
von Drittpersonen liess der Beschuldigte schliesslich von seinem Opfer ab. Wie be-
reits im Rahmen der Beweiswürdigung ausgeführt, lässt dieser objektive Ablauf 
einzig den Schluss zu, dass der Beschuldigte das Opfer töten wollte und dies nicht 
nur in Kauf nahm. Wer mit einem Messer den Hals resp. die Kehle eines anderen 
Menschen durchschneidet, manifestiert seinen direkten Vorsatz, das Opfer zu töten 
(und nimmt den Tod nicht lediglich in Kauf). Mit dem anschliessenden Einstechen 
auf das wehrlos am Boden liegende und bereits schwer verletzte Opfer hat der Be-
schuldigte seinen Tötungsvorsatz nochmals manifestiert. 

Dass der Gutachter beim Beschuldigte für den Tatzeitpunkt eine deutlich ausge-
prägte Schizophrenie diagnostizierte, die seine Schuldunfähigkeit zur Folge hatte, 
führt zu keinem anderen Ergebnis. Der Beschuldigte verfügte im Tatzeitpunkt – 
trotz Schizophrenie – ohne weiteres über das für den Vorsatz in Bezug auf die 
Tötung erforderliche Wissen. Er war sich im Klaren darüber, dass er ein Messer in 
der Hand hielt und er dieses u.a. gegen den Hals des Straf- und Zivilklägers 1 ein-
setzte. Der Beschuldigte gab zudem an, dass ihm bekannt gewesen sei, dass der 
Einsatz eines Messers zu Verletzungen führen könne. Die Verletzungsfotos bele-
gen eindrücklich, dass der Beschuldigte die verschiedenen Schnitte am Hals resp. 
an der Kehle zielgerichtet und mit relativ grosser Krafteinwirkung – in Kenntnis die-
ser Umstände – ausführte (die Vorinstanz sprach in ihren Erwägungen von «gera-
dezu enthaupten»). Der Beschuldigte wusste folglich, dass tödliche Verletzungen 
sehr wahrscheinlich sind, wenn er mit grosser Kraft mit einem Messer jemanden 
den Hals/die Kehle durchschneidet und darüber hinaus auch noch auf den Rücken 
des mit «aufgeschlitztem Hals» am Boden liegenden Opfers einsticht. Auch die Wil-
lenskomponente ist erfüllt: Das äusserst brutale und gewalttätige Tatvorgehen des 
Beschuldigten, insbesondere das bewusste Suchen der Halsgegend resp. der Keh-
le als Ziel seines Messereinsatzes, kann – wie bereits ausgeführt – nicht anders als 
dahingehend interpretiert werden, als dass er das Opfer töten wollte. Dass der Be-
schuldigte dies in einem Zustand psychischer Störung und einer daraus resultie-
renden fehlenden Einsicht in das von ihm verwirklichte Unrecht beging, ist keine 
Frage des Vorsatzes, sondern beschlägt nur die Frage der Schuldfähigkeit. 

Folglich ist festzustellen, dass der Beschuldigte den Tatbestand der versuchten 
vorsätzlichen Tötung erfüllt hat. 

13.2 Rechtswidrigkeit 

Rechtfertigungsgründe sind weder ersichtlich, noch wurden solche geltend ge-
macht.

25

13.3 Schuldausschliessungsgründe 

War der Täter zur Zeit der Tat nicht fähig, das Unrecht seiner Tat einzusehen oder 
gemäss dieser Einsicht zu handeln, so ist er nicht strafbar (Art. 19 Abs. 1 StGB). 

In sachverhaltsmässiger Hinsicht wurde festgestellt, dass dem Beschuldigten zur 
Zeit der Tat die Einsichtsfähigkeit fehlte. Entsprechend ist – in Übereinstimmung 
mit dem Sachverständigen – festzustellen, dass der Beschuldigte im Tatzeitpunkt 
schuldunfähig war. 

13.4 Rechtsfolge der Schuldunfähigkeit in concreto und Fazit 

Eine strafrechtliche Verurteilung einer Person setzt neben deren Täterschaft, der 
objektiven und subjektiven Tatbestandsmässigkeit und der Rechtswidrigkeit der Tat 
voraus, dass sie schuldhaft gehandelt hat. Ist die Person schuldunfähig, kann ihr 
kein Schuldvorwurf gemacht werden und folglich kein Schuldspruch und keine Be-
strafung erfolgen (Art. 19 Abs. 1 StGB), es sei denn, es liege ein Fall einer «actio 
libera in causa» (Art. 19 Abs. 4 StGB) oder der Verübung einer Tat in selbstver-
schuldeter Unzurechnungsfähigkeit (Art. 263 StGB) vor. Jedoch können Massnah-
men nach Art. 59 - 61, 63, 64, 67, 67b und 67e StGB angeordnet werden (Art. 19 
Abs. 3 StGB). Wurde ein Strafverfahren eröffnet und ergibt sich dabei, dass eine 
Person schuldunfähig ist, sind verschiedene Konstellationen denkbar: Ergibt sich 
die Schuldunfähigkeit nach erfolgter Anklage während des Hauptverfahrens 
nach Art. 328 ff. StPO, hat das Gericht die betroffene Person freizusprechen und 
die erforderlichen Massnahmen anzuordnen (vgl. SCHMID/JOSITSCH, Handbuch des 
schweizerischen Strafprozessrechts, 3. Aufl. 2017, N. 1425; BOMMER, in: Basler 
Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 8 zu Art. 374 
StPO; BOMMER/DITTMANN, in: Basler Kommentar Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N. 44 ff. 
zu Art. 19 StGB). Ergibt sich die Schuldunfähigkeit bereits während des Vorverfah-
rens und erachtet die Staatsanwaltschaft die Anordnung einer Massnahme für not-
wendig, ist in der Regel ein selbstständiges Verfahren nach Art. 374 f. StPO durch-
zuführen. Hält die Staatsanwaltschaft keine Massnahme für angezeigt, kann sie 
das Verfahren in (analoger) Anwendung von Art. 319 Abs. 1 StPO einstellen (Urteil 
des BGer 6B_360/2020 vom 8. Oktober 2020 E. 1.3.3 mit Hinweisen). 

Erachtet die Staatsanwaltschaft die Untersuchung als vollständig und die Voraus-
setzungen von Art. 374 Abs. 1 StPO als erfüllt, beantragt sie dem erstinstanzlichen 
Gericht schriftlich eine Massnahme. Gestützt auf diesen Antrag beurteilt das Ge-
richt zunächst die Fragen der Täterschaft der betroffenen Person und die Tatbe-
standsmässigkeit sowie Rechtswidrigkeit deren Verhaltens, bevor es schliesslich 
prüft, ob die betroffene Person die Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen 
hat und kein Fall von Art. 19 Abs. 4 und Art. 263 StGB vorliegt. Sind nach Ansicht 
des Gerichts Täterschaft, Tatbestandsmässigkeit, Rechtswidrigkeit und fehlende 
Tatverantwortlichkeit gegeben und alle Voraussetzungen für die Anordnung einer 
Massnahme erfüllt, stellt es im Urteil die schuldlose Begehung der namentlich be-
zeichneten Straftat(en) fest und ordnet die beantragte oder eine andere Massnah-
me an. In einem solchen Fall ergeht kein Freispruch, denn ein solcher erfolgt stets 
mit Blick auf den Vorwurf schuldhafter Tatverwirklichung und dieser Vorwurf wird im 
Verfahren gegen den Schuldunfähigen nicht erhoben. Deshalb stellt das Gericht im 

26

Urteil die schuldlose Begehung der Straftat(en) einzig fest (Urteil des BGer 
6B_360/2020 vom 8. Oktober 2020 E. 1.3.5 mit Hinweisen; vgl. auch BOMMER, 
a.a.O., N. 10 zu Art. 375 StPO; SCHMID/JOSITSCH, Schweizerische Strafprozess-
ordnung [StPO], Praxiskommentar,3. Aufl. 2018, N. 1 f. zu Art. 374 StPO).  

Die Staatsanwaltschaft Region Berner Jura-Seeland stellte vorliegend am 18. No-
vember 2020 beim Regionalgericht Berner Jura-Seeland einen Antrag auf Anord-
nung einer Massnahme im Verfahren bei einer schuldunfähigen beschuldigten Per-
son (Art. 374 ff.; pag. 1086 ff.). Demnach hat vorliegend weder ein Schuldspruch 
noch ein Freispruch für die entsprechende Tat zu erfolgen. Vielmehr ist im Urteil 
festzustellen, dass der Beschuldigte den Tatbestand der versuchten vorsätzlichen 
Tötung im Zustand der Schuldunfähigkeit erfüllt hat. 

14. Versuchte Nötigung z.N. des Strafklägers 2 

14.1 Tatbestand 

14.1.1 Theoretische Ausführungen zur versuchten Nötigung (Art. 181 Abs. 1 StGB 
i.V.m. Art. 22 StGB)

Der Nötigung macht sich strafbar, wer jemanden durch Gewalt oder Androhung 
ernstlicher Nachteile oder durch andere Beschränkung seiner Handlungsfreiheit 
nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu dulden (Art. 181 StGB). Eine Andro-
hung ernstlicher Nachteile liegt vor, wenn nach der Darstellung des Täters der Ein-
tritt des Nachteils als von seinem Willen abhängig erscheint und wenn die Andro-
hung nach einem objektiven Massstab geeignet ist, auch eine besonnene Person 
in der Lage des Betroffenen gefügig zu machen und so seine freie Willensbildung 
und       -betätigung zu beschränken (BGE 122 IV 322 E. 1a mit weiteren Hinwei-
sen; DELNON/RÜDY, in: Basler Kommentar Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N. 25 zu Art. 
181 StGB; TRECHSEL/MONA, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Schweizerisches Strafge-
setzbuch, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, N. 5 zu Art. 181 StGB). Unwesentlich 
ist, ob der Täter die Drohung wirklich wahrmachen will, sofern sie nur als ernstge-
meint erscheinen soll (BGE 122 IV 322 E. 1a m.w.H). Das Opfer muss – im Sinne 
eines Nötigungserfolgs – zu einem Tun, Unterlassen oder Dulden veranlasst wer-
den. Zwischen Nötigungsmittel und Nötigungserfolg muss ein Kausalzusammen-
hang bestehen (DELNON/RÜDY, a.a.O., N. 50 zu Art. 181 StGB). Vollendet ist die 
Nötigung erst, wenn sich das Opfer (wenigstens teilweise) nach dem Willen des 
Täters verhält (TRECHSEL/MONA, a.a.O., N. 9 zu Art. 181 StGB). 

Im Weiteren kann hinsichtlich des Tatbestands der (versuchten) Nötigung vollum-
fänglich auf die zutreffenden allgemeinen Ausführungen der Vorinstanz verwiesen 
werden (pag. 1341 f., S. 37 f. der Urteilsbegründung). 

14.1.2 Subsumtion 

Vorliegend forderte der Beschuldigte den Strafkläger 2 auf, die Polizei zu rufen. Als 
der Strafkläger 2 dieser Aufforderung keine Folge leistete, richtete der Beschuldigte 
unvermittelt ein Messer mit der Spitze nach vorne gegen dessen Körper und ver-
langte erneut, dass dieser die Polizei rufen solle. Mit dieser Vorgehensweise hat 
der Beschuldigte dem Strafkläger 2 gegenüber konkludent ernstliche Nachteile, 
mithin ein unmittelbares, gewaltsames Einwirken mit einem Messer auf seinen 

27

Körper, in Aussicht gestellt, selbst wenn er keine verbalen Drohungen ausgespro-
chen hat. Diese Androhung eignet sich fraglos auch dazu, eine verständige Person 
in der Lage des Opfers gefügig zu machen. So gab der Strafkläger 2 denn auch an, 
der Beschuldigte sei nahe bei ihm gestanden und es durchaus hätte sein können, 
dass dieser ihm mit dem Messer attackiere (pag. 647 Z. 284 ff.). Dadurch gab der 
Strafkläger 2 klar zu erkennen, dass er die Verwirklichung des angedrohten Übels 
tatsächlich befürchtete. Der Beschuldigte handelte vorsätzlich, war doch sein ei-
gentliches Handlungsziel, den Strafkläger dazu zu bewegen, die Polizei zu rufen 
(zur Abgrenzung Vorsatz – Schuldfähigkeit siehe oben Ziff. 13.1.2). Da dieser Er-
folg schliesslich ausblieb, blieb es beim (vollendeten) Versuch. 

14.2 Rechtswidrigkeit 

Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts indiziert die Tatbestandsmäs-
sigkeit der Nötigung die Rechtswidrigkeit noch nicht; diese muss vielmehr positiv 
begründet werden (BGE 119 IV E. 2 mit weiteren Hinweisen; DELNON/RÜDY, a.a.O., 
N. 56 zu Art. 181 StGB). Dahinter steht die Überlegung, dass der Tatbestand der 
Nötigung auch Verhaltensweisen umfasst, die nicht nur ausnahmsweise, sondern 
ganz allgemein als zulässig erscheinen. Nicht rechtswidrig handelt, wer einen er-
laubten Zweck mit an sich erlaubten Mitteln verfolgt. Unrechtmässig ist eine Nöti-
gung, wenn das Mittel oder der Zweck unerlaubt ist oder wenn das Mittel zum er-
strebten Zweck nicht im richtigen Verhältnis steht oder wenn die Verknüpfung zwi-
schen einem an sich zulässigen Mittel und einem erlaubten Zweck rechtsmiss-
bräuchlich oder sittenwidrig ist (BGE 108 IV 165 E. 3 mit weiteren Hinweisen).

Vorliegend hat der Beschuldigte versucht, den Strafkläger 2 unter Vorhalt eines 
Messers dazu zu bewegen, die Polizei zu rufen. Das verwendete Mittel (Drohung 
mit einem Messer) ist unerlaubt und damit das Verhalten des Beschuldigten als 
rechtswidrig zu qualifizieren.

14.3 Schuldausschliessungsgründe und Fazit 

Es kann auf die Erwägungen oben unter Ziff. 12. und 13.3 f. verwiesen werden. Es 
ist erstellt, dass der Beschuldigte im Tatzeitpunkt schuldunfähig war. 

Es ist damit festzustellen, dass der Beschuldigte den Tatbestand der versuchten 
Nötigung im Zustand der Schuldunfähigkeit erfüllt hat.

15. Drohung und Beschimpfung z.N. der Straf- und Zivilklägerin 2

15.1 Tatbestand 

15.1.1 Theoretische Ausführungen zur Drohung (Art. 180 StGB)

Der Drohung macht sich auf Antrag strafbar, wer jemanden durch schwere Dro-
hung in Schrecken oder Angst versetzt (Art. 180 StGB). Die Tathandlung besteht 
darin, dass der Täter dem Geschädigten ein künftiges Übel in Aussicht stellt, des-
sen Eintritt er als direkt oder indirekt von seinem Willen abhängig erscheinen lässt 
(Urteil des BGer 6B_787/2018 vom 1. Oktober 2018 E. 3.1). Erforderlich ist ein 
Verhalten, das geeignet ist, die geschädigte Person in Schrecken oder Angst zu 
versetzen. Ob dies der Fall ist, beurteilt sich anhand eines objektiven Massstabs, 
wobei auf das Empfinden eines vernünftigen Menschen mit einigermassen norma-

28

ler psychischer Belastbarkeit abzustellen ist (Urteil des Bundesgerichts 
6B_196/2018 vom 19. September 2018 E. 1.1.2). Die Drohung kann durch Worte, 
aber auch durch Gesten (z.B. dem Opfer angedrohtes Durchschneiden der Kehle 
durch entsprechende Geste am eigenen Hals) oder durch konkludentes Verhalten 
(z.B. wortloses Ziehen oder Entsichern der Schusswaffe) kundgetan werden (DEL-
NON/RÜDY, in: Basler Kommentar Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N. 14 zu Art. 180 StGB). 
Ob die Drohung realisiert werden kann, ist unerheblich. Entscheidend ist, ob sie als 
ernstgemeint erscheint (TRECHSEL/MONA, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Schweizeri-
sches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, N. 2 zu Art. 180 StGB).

Weiter ist erforderlich, dass die betroffene Person durch das Verhalten des Täters 
tatsächlich in Schrecken oder Angst versetzt wird. Nicht erforderlich ist jedoch, 
dass das Opfer vor Schrecken oder Angst gelähmt, fassungslos oder verzweifelt 
ist, vielmehr genügt der Verlust des «Sicherheitsgefühls» (TRECHSEL/MONA, a.a.O., 
N. 3 zu Art. 180 StGB).

Im Weiteren kann hinsichtlich des Tatbestandes der Drohung wiederum vollum-
fänglich auf die allgemeinen Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 
1348 f., S. 44 f. der Urteilsbegründung). 

15.1.2 Theoretische Ausführungen zur Beschimpfung (Art. 177 StGB)

Hinsichtlich der theoretischen Grundlagen zur Beschimpfung (Art. 177 StGB) kann 
vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den (pag. 1349, S. 45 der Urteilsbegründung). 

15.1.3 Subsumtion 

Der Beschuldigte packte die Straf- und Zivilklägerin 2 unvermittelt am Arm, richtete 
ein Klappmesser auf deren Bauch- bzw. Brustbereich und sah sie mit strengem 
Blick an. Der drohende Charakter eines solchen Vorgehens ist evident. Mit dem 
Packen am Arm und dem Vorzeigen des Messers drohte der Beschuldigte der 
Straf- und Zivilklägerin 2 konkludent an, das Messer einzusetzen und sie damit zu 
verletzen. Eine solche Drohung ist geeignet, das Sicherheitsgefühl einer betroffe-
nen Person einzuschränken und erreicht ohne Weiteres die von Art. 180 StGB ge-
forderte Schwere. Die Straf- und Zivilklägerin wurde dadurch auch tatsächlich in 
Angst und Schrecken versetzt. Der Beschuldigte gab der Straf- und Zivilklägerin 2 
(Mit-)Schuld an seiner Situation und hat dieser in seiner Erregung bewusst gedroht. 
Er handelte mithin vorsätzlich und erfüllte damit auch den subjektiven Tatbestand 
der Drohung (zur Abgrenzung Vorsatz – Schuldfähigkeit siehe oben Ziff. 13.1.2). 

Nebst dem Drohen mit dem Messer bezeichnete der Beschuldigte die Straf- und 
Zivilklägerin 2 in seiner Erregung zudem als «Schwarzkopf», womit er sie ohne jeg-
liche Veranlassung auf ihre Herkunft bzw. Hautfarbe reduzierte. Es ist offensicht-
lich, dass die Bezeichnung «Schwarzkopf» im vorliegenden Kontext als Beschimp-
fung zu verstehen ist. Mit dieser Bezeichnung hat der Beschuldigte nicht bloss An-
standsregeln verletzt, sondern seine Missachtung gegenüber der Straf- und Zivil-
klägerin 2 ausgedrückt und ihr so jene Achtung versagt, die er ihr objektiv schuldet. 
Beim Ausdruck «Schwarzkopf» handelt sich um eine Formal- bzw. Verbalinjurie, 
die ein abschätziges Werturteil darstellt und dem Entlastungsbeweis nicht zugäng-
lich ist. Der Beschuldigte liess sich zu dieser Verbalinjurie hinreissen, weil die Straf- 

29

und Zivilklägerin seiner Ansicht nach (Mit-)Schuld an seiner Situation trug. Er war 
sich der Ehrrührigkeit seiner Äusserung bewusst und handelte vorsätzlich, womit 
auch der Tatbestand der Beschimpfung erfüllt ist. 

15.2 Rechtswidrigkeit, Schuldausschliessungsgründe und Fazit 

Rechtfertigungsgründe sind weder ersichtlich noch werden solche geltend ge-
macht. 

Hingegen liegt wiederum ein Schuldausschliessungsgrund vor: Der Beschuldigte 
war im Zeitpunkt der Tat schuldunfähig im Sinne von Art. 19 Abs. 1 StGB (siehe 
dazu oben Ziff. 12). Demnach ist festzustellen, dass der Beschuldigte die Tat-
bestände der Drohung und Beschimpfung im Zustand der Schuldunfähigkeit erfüllt 
hat (siehe dazu oben Ziff. 13.3 f.). Anzufügen bleibt, dass der erforderliche Strafan-
trag vorliegt (pag. 380 f.).

16. Drohung z.N. der Strafkläger 1 und 2

16.1 Tatbestand 

16.1.1 Theoretische Ausführungen 

Bezüglich den allgemeinen Ausführungen zum Tatbestand der Drohung kann auf 
die obigen Erwägungen unter Ziff. 15.1.1 sowie die zutreffenden Ausführungen der 
Vorinstanz (pag. 1348 f., S. 44 f. der Urteilsbegründung) verwiesen werden. 

16.1.2 Subsumtion 

Das Beweisergebnis hat ergeben, dass die beiden Strafkläger F.________ (Straf-
kläger 1) und G.________ (Strafkläger 2) dem Beschuldigten nach dessen Über-
griffen auf den Strafkläger 2 (vgl. dazu oben Ziff. 14, versuchte Nötigung z.N. des 
Strafklägers 2) und die Straf- und Zivilklägerin 2 (vgl. dazu oben Ziff. 15, Drohung 
und Beschimpfung z.N. der Straf- und Zivilklägerin 2) durch den K.________ (Wa-
renhaus) folgten. Dabei drehte sich der Beschuldigte mehrmals mit erhobenem 
Klappmesser zu seinen Verfolgern um, damit er diese auf Distanz halten konnte. 
Das mit der Spitze auf seine Verfolger gerichtete Messer signalisierte eine Gefahr, 
welche die Strafkläger dazu bewegte, aus Angst vor Verletzungen zurückzuwei-
chen. Mithin hat der Beschuldigte die beiden Strafkläger in Angst und Schrecken 
versetzt. Dafür, dass die beiden Strafkläger den Beschuldigten als Bedrohung 
wahrgenommen haben, spricht denn auch, als diese einen Pfefferspray gegen den 
Beschuldigten eingesetzt haben. Der Strafkläger 1 gab denn auch Protokoll, dass 
er teils Angst vor dem Beschuldigten gehabt habe (pag. 656 Z. 131). Der Strafklä-
ger 2 seinerseits führte u.a. aus, er sei davon ausgegangen, dass der Beschuldigte 
ihm einen Messerstich habe versetzen wollen, weshalb er habe zurückweichen 
müssen (pag. 644 Z. 135 ff.). Damit hat der Beschuldigte den objektiven Tatbe-
stand der Drohung erfüllt. 

Durch das Hochheben des nach vorne gerichteten Messers und das Herumfuchteln 
damit hat der Beschuldigte den Strafklägern klar signalisiert, dass sie sich ihm nicht 
nähern sollen. Die beiden Strafkläger sind denn jeweils auch zurückgewichen, 
wenn der Beschuldigte mit seinem Messer eine Bewegung in deren Richtung aus-
geführt hat. Der Beschuldigte handelte vorsätzlich; sein eigentliches Handlungsziel 

30

war es, die beiden Strafkläger mit dem Einsatz des Messers auf Distanz zu halten 
(zur Abgrenzung Vorsatz – Schuldfähigkeit siehe oben Ziff. 13.1.2).  

16.2 Rechtswidrigkeit 

Der Beschuldigte macht sinngemäss eine Notwehrlage geltend. So erfolgten die 
Drohungen seitens des Beschuldigten denn auch zu einem Zeitpunkt, in welchem 
die Strafkläger 1 und 2 den Beschuldigten ergreifen wollten. Diesbezüglich hielt die 
Vorinstanz das Folgende fest (pag. 359 f., S. 55 f. der Urteilsbegründung):

Der Rechtfertigungsgrund der Notwehr ist in Art. 15 StGB geregelt. Er geht vom Grundsatz aus, dass 
derjenige, der rechtswidrig angegriffen wird, sich grundsätzlich verteidigen darf. Damit eine Handlung 
als Notwehr qualifiziert werden kann, braucht es in erster Linie eine Notwehrlage, d.h. einen unmittel-
baren Angriff ohne Recht. Rechtswidrig ist jeder Angriff, der nicht seinerseits durch einen Erlaubnis-
satz gedeckt ist. Hierfür kommen besondere Befugnisse, wie etwa das gesetzlich gedeckte Verhalten 
von Polizisten, aber auch eine gemäss StPO zulässige Festnahme durch eine Privatperson in Be-
tracht (vgl. BSK StGB I-Niggli/Göhlich, N 1ff. und N 21 zu Art. 15; PraKomm StGB-Trechsel/Geth, N 8 
zu Art. 15 StGB). Gemäss Art. 218 StPO sind Private, wenn polizeiliche Hilfe nicht rechtzeitig erlangt 
werden kann, u.a. dann berechtigt, eine Person vorläufig festzunehmen, wenn sie diese bei einem 
Verbrechen oder Vergehen auf frischer Tat ertappt oder unmittelbar nach der Begehung einer solchen 
Tat angetroffen haben. Dieses Erfordernis ist vorliegend klarerweise erfüllt: F.________ und 
G.________ haben den Beschuldigten bei mindestens einem Vergehen (Drohung z.N. E.________; 
zur Diskussion steht ebenso Schrecken der Bevölkerung gemäss Art. 258 StGB, vgl. BGE 141 IV 
215) auf frischer Tat ertappt und waren gemäss Art. 218 StPO daher zur vorläufigen Festnahme des 
Beschuldigten befugt. Mangels rechtswidrigem Angriff lag daher keine Notwehrlage vor, wie das Ge-
setz sie verlangt. Damit kommt dem Beschuldigten der Rechtfertigungsgrund der Notwehr nicht zugu-
te. Er handelte rechtswidrig.

Diesen Ausführungen kann sich die Kammer vollumfänglich anschliessen. Ergän-
zend und präzisierend ist festzuhalten, dass die beiden Strafkläger den Beschuldig-
ten zuvor bei der Begehung einer versuchten Nötigung auf frischer Tat ertappt hat-
ten. Der Beschuldigte war trotz entsprechender Aufforderungen des Strafklägers 1 
nicht bereit, sein Messer wegzulegen. Vielmehr hat er mit dem Messer in der Hand 
ein weiteres Vergehen (Drohung z.N. der Straf- und Zivilklägerin 2) begangen. Da 
sich der Beschuldigte anschliessend weiter mit dem Messer durch die belebten 
Geschäftsräumlichkeiten bewegte, war die Verständigung der Polizei (vgl. zum Ab-
lauf die glaubhaften Aussagen des Strafklägers 1, pag. 654 f.) sowie die zwischen-
zeitliche Festnahme des Beschuldigten durch die beiden Strafkläger nicht nur ge-
rechtfertigt, sondern geradezu geboten. Eine rechtfertigende Notwehr lag damit 
nicht vor; der Beschuldigte handelte rechtswidrig. 

16.3 Schuldausschliessungsgründe und Fazit

Was das Vorliegen von Schuldausschliessungsgründen anbelangt, kann auf die 
obigen Erwägungen verwiesen werden (siehe insbesondere Ziff. 12 und 13.4). Der 
Beschuldigte hat den Tatbestand der Drohung z.N. der Strafkläger 1 und 2 im Zu-
stand der Schuldunfähigkeit erfüllt. Anzufügen bleibt auch hier, dass der erforderli-
che Strafantrag vorliegt (pag. 382 ff. und 391 f.).

31

17. Tätlichkeiten z.N. des Strafklägers 1 

17.1 Tatbestand 

17.1.1 Theoretische Ausführungen zum Tatbestand der Tätlichkeiten (Art. 126 StGB)

Gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB wird, auf Antrag, bestraft, wer gegen jemanden Tät-
lichkeiten verübt, die keine Schädigung des Körpers oder der Gesundheit zur Folge 
haben. Als Tätlichkeit gilt ein geringfügiger und folgenloser Angriff auf den Körper 
oder die Gesundheit eines anderen Menschen. Dabei muss die Einwirkung mindes-
tens eine bestimmte Intensität erreichen und über das allgemein übliche und ge-
sellschaftlich geduldete Mass hinausgehen. Eine Verursachung von körperlichen 
Schmerzen wird nicht gefordert; unter Umständen kann bereits eine Beeinträchti-
gung des seelischen Wohlbefindens eine Tätlichkeit darstellen. Werden gewisse 
Schmerzen verursacht, so ist eine Tätlichkeit nach der bundesgerichtlichen Recht-
sprechung gegeben. Beispiele sind insbesondere Ohrfeigen, Faustschläge, Fuss-
tritte und heftige Stösse (ROTH/KESHELAVA, in: Basler Kommentar, Strafrecht, 4. 
Aufl. 2019, N. 3 zu Art. 126; BGE 117 IV 14 und BGE 119 IV 1).

17.1.2 Subsumtion 

Das Beweisergebnis hat ergeben, dass der Beschuldigte dem Strafkläger 1 ins Ge-
sicht, d.h. in den Bereich des Mundes, geschlagen hat, als dieser den Beschuldig-
ten zusammen mit weiteren Personen zu Boden führen wollte. Aufgrund dieses 
Schlages erlitt der Strafkläger 1 eine blutende Wunde an der Oberlippe sowie eine 
kleine Abschürfung am Hals. Das allgemein übliche und gesellschaftlich geduldete 
Mass einer Einwirkung auf den Körper eines anderen wurde damit ganz offensicht-
lich überschritten. Mithin hat der Beschuldigte den objektiven Tatbestand von Art. 
126 Abs. 1 StGB erfüllt. Die Frage, ob der Beschuldigte mit diesem Schlag allen-
falls gar den (objektiven) Tatbestand der einfachen Körperverletzung erfüllt hat, 
kann vorliegend offen bleiben, da ein entsprechender Schuldspruch aufgrund des 
Verschlechterungsverbot ohnehin nicht ergehen könnte.  

Der Beschuldigte hat den Strafkläger 1 wissentlich und willentlich geschlagen. Er 
handelte somit vorsätzlich. Damit hat der Beschuldigte auch den subjektiven Tat-
bestand der Tätlichkeiten erfüllt. 

17.2 Rechtswidrigkeit 

Soweit der Beschuldigte auch hinsichtlich dieses Vorfalls das Vorliegen eine recht-
fertigende Notwehrlage geltend macht, kann auf die obigen Erwägungen unter Ziff. 
15.2 verwiesen werden; es war in der fraglichen Situation geradezu geboten, dass 
der Beschuldigte festgehalten wurde. Der Beschuldigte handelte rechtswidrig. 

17.3 Schuldausschliessungsgründe und Fazit

Es kann wiederum auf die obigen Erwägungen verwiesen werden (siehe insbeson-
dere Ziff. 12. 3 f.). Der Beschuldigte hat den Tatbestand der Tätlichkeiten z.N. des 
Strafklägers 1 im Zustand der Schuldunfähigkeit erfüllt. Ein gültiger Strafantrag des 
Strafklägers 1 liegt – wie bereits oben unter Ziff. 16.3 ausgeführt – vor (pag. 391 f.). 

32

IV. Anordnung einer Massnahme 

18. Allgemeine Grundlagen 

Nach Art. 19 Abs. 3 StGB können gegenüber dem schuldunfähigen Täter Mass-
nahmen nach den Art. 59-61, 63, 64, 67, 67b und 67e StGB getroffen werden. Das 
Gericht ordnet die beantragte oder andere Massnahmen an, wenn es die Täter-
schaft und die Schuldunfähigkeit für erwiesen und die Massnahme für erforderlich 
hält (Art. 375 Abs. 1 StPO). 

Gemäss Art. 56 Abs. 1 StGB ist eine Massnahme anzuordnen, wenn eine Strafe    
allein nicht geeignet ist, der Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu begegnen 
(Bst. a), ein Behandlungsbedürfnis des Täters besteht oder die öffentliche Sicher-
heit dies erfordert (Bst. b) und die Voraussetzungen der Artikel 59-61, 63 oder 64 
StGB erfüllt sind (Bst. c). Die Anordnung einer Massnahme setzt voraus, dass der 
mit ihr verbundene Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Täters im Hinblick auf 
die Wahrscheinlichkeit und Schwere weiterer Straftaten nicht unverhältnismässig 
ist (Art. 56 Abs. 2 StGB).

Sind mehrere Massnahmen in gleicher Weise geeignet, ist aber nur eine notwen-
dig, so ordnet das Gericht diejenige an, die den Täter am wenigsten beschwert; 
sind mehrere Massnahmen notwendig, so kann das Gericht diese zusammen an-
ordnen (Art. 56a Abs. 1 und 2 StGB).

Ist der Täter psychisch schwer gestört, so kann das Gericht gemäss Art. 59 Abs. 1 
StGB eine stationäre Behandlung anordnen, wenn das Verbrechen oder Vergehen 
des Täters in Zusammenhang mit seiner psychischen Störung steht (Bst. a) und zu 
erwarten ist, dadurch lasse sich der Gefahr weiterer mit seiner Störung in Zusam-
menhang stehender Taten begegnen (Bst. b). Als schwere psychische Störungen 
im Rechtssinne gelten nur schwere psychopathologische Zustände von einer ge-
wissen Ausprägung bzw. relativ schwerwiegende Arten und Formen geistiger Er-
krankungen im medizinischen Sinne (Urteile des BGer 6B_1163/2018 vom 14. De-
zember 2018 E. 2.4.1; 6B_1406/2017 vom 9. April 2018 E. 5.3; 6B_290/2016 vom 
15. August 2016 E. 2.3.3; je mit Hinweisen). Die Massnahme dient primär der 
Verbesserung der Legalprognose (BGE 134 IV 315 E. 3.6; Urteil des BGer 
6B_1343/2017 vom 9. April 2018 E. 2.5.3; vgl. auch HEER/HABERMEYER, in: Basler 
Kommentar Strafrecht , 4. Aufl. 2019, N. 89 f. zu Art. 59).  

Die Anordnung einer stationären therapeutischen Massnahme setzt eine hinrei-
chende Wahrscheinlichkeit dafür voraus, dass sich durch eine solche Massnahme 
über die Dauer von fünf Jahren die Gefahr weiterer mit der psychischen Störung in 
Zusammenhang stehender Straftaten deutlich verringern bzw. eine tatsächliche 
Reduktion des Rückfallrisikos erreichen lässt. Eine lediglich vage, bloss theoreti-
sche Erfolgsaussicht genügt für die Anordnung einer therapeutischen Massnahme 
nicht (BGE 134 IV 315 E. 3.4.1; Urteile des BGer 6B_1343/2017 vom 9. April 2018 
E. 2.5.2; 6B_1203/2016 vom 16. Februar 2017 E. 4; vgl. auch HEER/HABERMEYER, 
a.a.O., N. 68b zu Art. 59). Nicht erforderlich ist hingegen eine hinreichende Wahr-
scheinlichkeit, dass über einen Behandlungszeitraum von fünf Jahren ein Zustand 
erreicht wird, der es rechtfertigt, dem Betroffenen Gelegenheit für eine Bewährung 

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in Freiheit zu geben (BGE 140 IV 1 E. 3.2.4; 134 IV 315 E. 3.4.1 und 5; Urteil des 
BGer 6B_300/2017 vom 6. Juni 2017 E. 3.2).

Eine stationäre Behandlung verlangt vom Betroffenen ein Mindestmass an Koope-
rationsbereitschaft. An die Therapiewilligkeit im Zeitpunkt des richterlichen Ent-
scheids dürfen bei der stationären Behandlung von psychischen Störungen nach 
Art. 59 StGB jedoch keine allzu hohen Anforderungen gestellt werden. Dies trägt 
dem Umstand Rechnung, dass es durchaus aufgrund der psychischen Erkrankung 
des Betroffenen an der Fähigkeit fehlen kann, die Notwendigkeit und das Wesen 
einer Behandlung abzuschätzen. Mangelnde Einsicht gehört bei schweren, langan-
dauernden Störungen häufig zum typischen Krankheitsbild. Ein erstes Therapieziel 
besteht daher oft darin, Einsicht und Therapiewilligkeit zu schaffen, was gerade im 
Rahmen stationärer Behandlungen auch Aussichten auf Erfolg hat (Urteile des 
BGer 6B_493/2017 vom 5. Oktober 2017 E. 2.4.1; 6B_463/2016 vom 12. Septem-
ber 2016 E. 1.3.3; 6B_543/2015 vom 10. Dezember 2015 E. 4.2.3; 6B_487/2011 
vom 30. Januar 2012 E. 3.7.3; 6B_373/2010 vom 13. Juli 2010 E. 5.5; je mit Hin-
weisen). Dass die Motivation für eine Behandlung beim Betroffenen nicht von An-
fang an klar vorhanden ist, spricht nicht gegen ihre Anordnung. Es genügt, wenn 
jener wenigstens motivierbar ist. Von der Anordnung einer stationären therapeuti-
schen Massnahme ist nach der Rechtsprechung nicht bereits deshalb abzusehen, 
weil der Betroffene diese kategorisch ablehnt. Ob eine und gegebenenfalls welche 
Massnahme anzuordnen ist, entscheidet sich nach objektiven Gesichtspunkten. 
Auf die subjektive Meinung der betroffenen Person kommt es grundsätzlich ebenso 
wenig an wie auf deren persönliche Empfindung. Entscheidend ist, ob beim Betrof-
fenen eine minimale Motivierbarkeit für eine therapeutische Behandlung erkennbar 
ist (Urteile des BGer 6B_1287/2017 vom 18. Januar 2018 E. 1.3.3; 6B_463/2016 
vom 12. September 2016 E. 1.3.3; 6B_543/2015 vom 10. Dezember 2015 E. 4.2.3; 
je mit Hinweisen).  

Die stationäre therapeutische Massnahme muss verhältnismässig sein (Art. 36 
Abs. 2 und 3 BV; Art. 56 Abs. 2 StGB). Das Verhältnismässigkeitsprinzip verlangt, 
dass die Massnahme geeignet ist, beim Betroffenen die Legalprognose zu verbes-
sern. Weiter muss die Massnahme notwendig sein. Sie hat zu unterbleiben, wenn 
eine gleich geeignete, aber mildere Massnahme für den angestrebten Erfolg aus-
reichen würde. Dieses Kriterium trägt dem Aspekt des Verhältnisses zwischen 
Strafe und Massnahme bzw. der Subsidiarität von Massnahmen Rechnung. 
Schliesslich muss zwischen dem Eingriff und dem angestrebten Zweck eine ver-
nünftige Relation bestehen (Verhältnismässigkeit i.e.S.). Das bedeutet, dass die 
betroffenen Interessen gegeneinander abgewogen werden müssen. Bei einer Prü-
fung des Zweck-Mittel-Verhältnisses fallen im Rahmen der Gesamtwürdigung auf 
der einen Seite insbesondere die Schwere des Eingriffs in die Freiheitsrechte des 
Betroffenen in Betracht. Auf der anderen Seite sind das Behandlungsbedürfnis so-
wie die Schwere und die Wahrscheinlichkeit künftiger Straftaten relevant (vgl. BGE 
142 IV 105 E. 5.4; 137 IV 201 E. 1.2; Urteile des BGer 6B_326/2020 vom 17. April 
2020 E. 3.3.3; 6B_835/2017 vom 22. März 2018 E. 5.2.2 mit Hinweisen, nicht publ. 
in: BGE 144 IV 176). Die Dauer der (stationären) Massnahme hängt von deren 
Auswirkungen auf die Gefahr weiterer Straftaten ab, wobei die Freiheit dem Betrof-
fenen nur so lange entzogen werden darf, als die von ihm ausgehende Gefahr dies 

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