# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 229e83c4-2856-5210-81a2-4921f916f661
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-05-23
**Language:** de
**Title:** Direkte Bundessteuer 2010 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2010
**Docket/Reference:** DB.2014.33
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_DB_2014_33_jz.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

1 DB.2014.33 
1 ST.2014.40 

Entscheid 

 23. Mai 2014 

Mitwirkend: 

Abteilungspräsident Anton Tobler, Steuerrichter Walter Balsiger, Steuerrichter Michael 
Ochsner und Gerichtsschreiber Hans Heinrich Knüsli 

A ,    
Steuergemeinde B,   

vertreten durch C AG,  

In Sachen 

gegen 

Beschwerdeführer/ 
Rekurrent,  

1.  S c h w e i z e r i s c h e   E i d g e n o s s e n s c h a f t ,   

2.  S t a a t   Z ü r i c h ,   

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Stadt Zürich,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Beschwerdegegnerin,  

Rekursgegner,  

Direkte Bundessteuer 2010 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2010 

betreffend 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A.  A  (nachfolgend  der  Pflichtige)  ist  österreichischer  Staatsangehöriger  mit 

Aufenthaltsbewilligung B. Er wohnte von 2008 bis zum … 2010 in H/SG und war wäh-

rend dieser Zeit für eine Arbeitgeberin in E/FL erwerbstätig. Per … 2010 zog er an die 

…asse 8 in B/ZH bzw. per … 2011 an die …strasse 103 in F/ZH, und arbeitete für eine 

Arbeitgeberin in G/ZH.  

Mit  Auflage  vom  4.  April  2013  verlangte  die  Steuerkommissärin  sämtliche 

Lohnausweise des Pflichtigen für die erste Jahreshälfte 2010 sowie Belege über allfäl-

lige Ersatzeinkünfte. Dieser antwortete am 14. April 2013 und wies darauf hin, dass er 

für den Zeitraum vom 1.1. - 30.6.2010 bereits von der Gemeinde H/SG veranlagt wor-

den  war.  In  der  Folge  unternommene  Versuche  der  Steuerbehörden  zur  Klärung  der 

Zuständigkeit für  die  Veranlagung  bzw.  Einschätzung  2010  des  Pflichtigen  führten  zu 

keiner Einigung.  

Am 22. Oktober 2013 schätze das kantonale Steueramt den Pflichtigen für die 

Staats- und Gemeindesteuern 2010 folgendermassen ein:  

steuerbares 

satzbestimmendes 

Einkommen  

Fr.  

127'200.-  

207'600.- 

Vermögen 

Fr.  

142'000.- 

142'000.-. 

Darin  beanspruchte  es  die  Zuständigkeit  zur  Einschätzung  für  die  gesamte 

Steuerperiode,  und  schied  die  ab  1.  Juli  2010  quellensteuerpflichtigen  Einkünfte  vom 

steuerbaren Einkommen aus. Zur Begründung führte es aus, dass auf den Pflichtigen 

die Vorschriften zur ergänzenden ordentlichen Veranlagung zur Anwendung gelangten. 

Nach  diesen  sei  derjenige  Kanton  für  diese  Veranlagung  zuständig,  in  welchem  der 

Steuerpflichtige am Ende der Steuerperiode seinen Wohnsitz habe, was hier der Kan-

ton Zürich sei. Der Entscheid enthielt zudem den Hinweis auf die Veranlagung für die 

direkte  Bundessteuer  mit  einem  steuerbaren  Einkommen  Fr.  127'600.-  zum  Satz  von 

Fr. 208'300.-. Eine entsprechende Veranlagungsverfügung direkte Bundessteuer 2010 

wurde am 8. November 2013 versandt.  

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B. Hiergegen liess der Pflichtige am 21. November 2013 je Einsprache erhe-

ben  mit  dem  Antrag,  die  Einschätzung  bzw.  Veranlagung  aufzuheben  bis  sich  die 

Steuerbehörden der Kantone Zürich und St. Gallen geeinigt hätten, wem das Besteue-

rungsrecht zustehe. Weiter seien die darauf basierenden Schlussrechnungen aufzuhe-

ben. Er habe bereits im Kanton St. Gallen die Steuern bezahlt; er könne nicht verpflich-

tet  werden,  die  Steuern  doppelt  zu  bezahlen,  nur  weil  sich  die  Behörden  nicht  einig 

seien.  Weiter  könne  nicht  sein,  dass  solche  Auffassungsunterschiede  der  Steuerbe-

hörden auf seine Kosten ausgetragen würden. Gemäss beiliegendem Ausdruck eines 

E-Mails war ihm von der Steuerbehörde der Gemeinde H/SG geraten worden, hier Ein-

sprache zu erheben.  

Das kantonale Steueramt trat am 28. Januar 2014 auf den Antrag auf Aufhe-

bung  der  Schlussrechnungen  mangels  Zuständigkeit  nicht  ein  und  wies  die  Einspra-

chen im Übrigen ab.  

C.  Mit  Beschwerde  bzw.  Rekurs  vom  21.  Februar  2014  liess  der  Pflichtige 

beantragen,  die  Einspracheentscheide  aufzuheben.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht 

ersuchte er, den Rechtsmitteln aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Zahlung der 

Steuern  entsprechend  auszusetzen;  eventualiter  seien  die  Rechtsmittelverfahren  zu 

sistieren  und  die  Steuerbehörden  anzuhalten,  sich  über  die  Besteuerungshoheit  zu 

einigen;  subeventualiter  sei  zur  Klärung  der  Steuerhoheit  eine  Verhandlung  durchzu-

führen;  alles  unter  Kosten-  und  Entschädigungsfolgen  zulasten  des  Staates.  Die  Be-

gründung entsprach weitgehend derjenigen der Einsprache.  

Wegen  seines  ausländischen  Wohnsitzes  wurde  dem  Pflichtigen  mit  Verfü-

gung  vom  26.  Februar  2014  Frist  angesetzt,  um  Sicherstellung  der  voraussichtlichen 

Verfahrenskosten zu leisten, welcher Aufforderung er am 11. März 2014 nachkam. Die 

Eidgenössische  Steuerverwaltung  (ESTV)  beantragte  am  21.  März  2014,  die  Be-

schwerde insoweit gutzuheissen, als ein Entscheid nur über die Staats- und Gemein-

desteuern verlangt werde, und erst bei dessen Vorliegen über die direkte Bundessteu-

er zu entscheiden. Das kantonale Steueramt schloss am 8. April 2014 auf Abweisung 

der Rechtsmittel.  

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Die Kammer zieht in Erwägung: 

1.  a)  Der  Pflichtige  beantragt,  es  sei  der  Beschwerde  bzw.  dem  Rekurs  auf-

schiebende Wirkung zu erteilen und die Zahlung der veranlagten Staats- und Gemein-

desteuern sowie direkten Bundessteuer aufzuschieben.  

Die  Erhebung  der  Beschwerde  bzw.  eines  Rekurs  hindert  den  Eintritt  der 

Rechtskraft  der  Veranlagung  bzw.  der  Einschätzung  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, 

Handkommentar  zum  DBG,  2.  A.,  2009,  N 15  zu  VB  zu  Art.  147  -  153a  DBG  und 

Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. A., 2013, N 12 zu VB zu §§ 155 - 162a StG). 

Die Steuerforderung kann damit nicht auf dem Betreibungsweg vollstreckt werden. Es 

erübrigt  sich  deshalb,  den  Rechtsmitteln  noch  ausdrücklich  aufschiebende  Wirkung 

zuzuerkennen, sodass der Antrag gegenstandslos ist.  

Im Übrigen wird die direkte Bundessteuer in der Regel in dem vom Eidgenös-

sischen  Finanzdepartement  bestimmten  Zeitpunkt fällig  (allgemeiner  Fälligkeitstermin, 

Art. 161 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 

1990, DBG). Der Fälligkeitstermin bleibt unverändert, auch wenn zu diesem Zeitpunkt 

dem Steuerpflichtigen lediglich eine provisorische Rechnung zugestellt worden ist oder 

wenn  er  gegen  die  Veranlagung  Einsprache  oder  Beschwerde  erhoben  hat  (Art. 161 

Abs.  5  DBG).  Bei  den  Staats-  und  Gemeindesteuern  wird  der  Fälligkeitstermin  durch 

Verordnung  festgesetzt  (§  49  Abs.  1  der  Verordnung  zum  Steuergesetz  vom  1.  Ap-

ril 1998, VO StG). Mithin hindern die vorliegenden Rechtsmittel lediglich die Vollstreck-

barkeit  der  Steuerforderungen,  nicht  aber  deren  Fälligkeit.  Soweit  der  Pflichtige  des-

halb sinngemäss auch einen Aufschub der Fälligkeit der Steuerforderungen beantragt, 

sind seine Rechtsmittel abzuweisen.  

b) Der Pflichtige beantragt überdies eine mündliche Verhandlung.  

Das Verfahren vor dem Steuerrekursgericht ist grundsätzlich schriftlich; weder 

aus der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV) noch aus der Europäischen Men-

schenrechtskonvention  vom  4. November  1950  (EMRK)  ergibt  sich  ein  Anspruch  auf 

eine mündliche Verhandlung. Insbesondere räumt der Anspruch auf rechtliches Gehör 

(Art. 29 Abs. 2 BV) keinen grundsätzlichen Anspruch auf eine mündliche Anhörung ein 

(BGE  134  I  140  E. 5.3).  Dasselbe  gilt  für  das  Recht  auf  ein  faires  Verfahren  gemäss 

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Art. 6 Ziff. 1 EMRK; diese Garantie findet nach ständiger Rechtsprechung des Bundes-

gerichts  und  der  europäischen  Organe  auf  Steuerverfahren  keine  Anwendung 

(vgl. BGr, 3. Januar 2006, 2P.347/2005, E. 1). 

Der  Pflichtige  hat  damit  keinen  Anspruch  auf  eine  mündliche  Vorsprache. 

Auch die Durchführung einer Referentenaudienz zwecks Klärung der Steuerhoheit zwi-

schen den involvierten Steuerbehörden erscheint als wenig sinnvoll. Die Steuerbehör-

den  des  Kantons  St.  Gallen  sind  im  vorliegenden  Verfahren  nicht  Partei  und  die  dort 

getroffene Einschätzung bildet im vorliegenden Verfahren nicht Streitgegenstand. Das 

Steuerrekursgericht  hat  deshalb  rechtlich  weder  die  Möglichkeit,  die  St.  Gallischen 

Steuerbehörden  in  das  Rechtsmittelverfahren  einzubeziehen,  noch  ist  es  zuständig, 

über die dortige Veranlagung bzw. Einschätzung einen Entscheid zu fällen. Eine Refe-

rentenaudienz erscheint damit von vornherein als aussichtslos.  

2. a) Die Frage der Zuständigkeit für die Erhebung der direkten Bundessteuer 

ist in Art. 216 und Art. 107 DBG geregelt (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 107 N 5 

DBG). Ist der Ort der Veranlagung im Einzelfall ungewiss oder streitig, so wird er, wenn 

mehrere  Kantone  in  Frage  kommen,  von  der  Eidgenössischen  Steuerverwaltung  be-

stimmt  (Art.  108  Abs.  1  DBG).  Die  Feststellung  des  Veranlagungsorts  kann  von  der 

Veranlagungsbehörde,  von  der  kantonalen  Verwaltung  für  die  direkte  Bundessteuer 

und von den Steuerpflichtigen verlangt werden (Art. 108 Abs. 2 DBG).  

Erfährt eine Veranlagungsbehörde (oder eine Rechtsmittelinstanz) von einem 

konkurrierenden Anspruch eines anderen Kantons, so ist es an den beteiligten Kanto-

nen, allenfalls an der steuerpflichtigen Person, vor weiteren Veranlagungshandlungen 

die ESTV anzugehen, um die Zuständigkeit festlegen zu lassen, soweit sich die betei-

ligten Kantone und die steuerpflichtige Person nicht ausdrücklich einigen. Bis zum Ent-

scheid der ESTV ist das Verfahren zu sistieren. Der steuerpflichtigen Person steht es 

offen,  die  Zuständigkeit  der  Veranlagungsbehörde  auf  dem  ordentlichen  Rechtmittel-

weg gegen die Veranlagung zu bestreiten (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 108 N 8 

DBG).  

b)  Das  kantonale  Steueramt  war  bereits  vor  Erlass  der  Veranlagungsverfü-

gung über die am 12. Oktober 2010 im Kanton St. Gallen erfolgte Veranlagung für die 

direkte  Bundessteuer  1.1.  -  30.6.2010  informiert.  Aus  den  Akten  geht  weiter  hervor, 

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dass  die  befassten  Steuerbehörden  des  Kantons  St.  Gallen  sich  auch  weiterhin  als 

zuständig erachten. Der Pflichtige hat zudem sowohl mit der Einsprache als auch mit 

der Beschwerde unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass er eine Lösung des 

Konflikts  auf  der  Ebene  der  Veranlagungsbehörden  anstrebt  und  ein  Rechtsmittelver-

fahren  als  unzumutbar  betrachtet  bzw.  vermeiden  will.  Es  wäre  deshalb  Sache  des 

kantonalen Steueramts gewesen, den Fall der ESTV vorzulegen, was bisher nicht er-

folgt ist.  

Dies würde es an sich rechtfertigen, die angefochtenen Entscheide mit Bezug 

auf  die  direkte  Bundessteuer  aufzuheben  und  die  Sache  an  die  Vorinstanz  zurückzu-

weisen. Aus prozessökonomischen Gründen liegt es stattdessen nahe, das Beschwer-

deverfahren zu sistieren und den Antrag auf Bestimmung des zuständigen Kantons der 

hierfür  allein  zum  Entscheid  befähigten  ESTV  vorzulegen.  Gleichzeitig  ist  das  Be-

schwerdeverfahren abzutrennen. 

3.  Zu  behandeln  sind  damit  im  Folgenden  einzig  noch  die  Staats-  und  Ge-

meindesteuern.  

Der Pflichtige beantragt diesbezüglich eventualiter, das Verfahren zu sistieren 

und die Vorinstanz anzuhalten, die Frage der Zuständigkeit zu klären. Richtig verstan-

den handelt es sich um einen vorgängig zu behandelnden Antrag, da bei einem mate-

riellen Entscheid des Rekursgerichts eine Sistierung keinen Sinn mehr machen würde.  

Die  Sistierung  eines  Verfahrens  ist  in  den  Steuergesetzen  nicht  geregelt. 

Nach der Praxis kommt eine solche in erster Linie in Betracht, wenn der Entscheid vom 

Ausgang  eines  anderen  Verfahrens  abhängt  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  § 141 

N 17 StG). Sie steht in einem Spannungsverhältnis zum Gebot der beförderlichen Pro-

zesserledigung. Ein Anspruch auf Sistierung besteht im Allgemeinen nicht.  

Die  Steuerbehörden  der  Kantone  Zürich  und  St.  Gallen  sind  bereits  vor  Fäl-

lung des Einschätzungsentscheids vom 22. Oktober 2013 bezüglich der Frage der Zu-

ständigkeit miteinander in Kontakt getreten, haben sich aber nicht einigen können. Das 

kantonale  Steueramt  besteht  im  vorliegenden  Rechtsmittelverfahren  auf  seinem 

Standpunkt,  ebenso  die  veranlagende  Steuerbehörde  des  Kantons  St.  Gallen.  Es  ist 

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nicht zu erwarten, dass sich an dieser Situation etwas ändert, weshalb für ein weiteres 

Zuwarten kein Grund besteht.  

Weiter ist der für die direkte Bundessteuer zu erwartende Entscheid der ESTV 

für  den  Ausgang  des  Rekursverfahrens  nicht  präjudiziell.  Die  streitige  interkantonale 

Doppelbesteuerung resultiert aus unterschiedlicher Auslegung der massgebenden Zu-

ständigkeitsbestimmungen  im  Bundesgesetz  über  die  Harmonisierung  der  direkten 

Steuern von Kantonen und Gemeinden vom 14. Dezember 1990 (StHG) durch die in-

volvierten  kantonalen  Steuerbehörden.  Der  Wohnsitzwechsel  des  Pflichtigen  per 

1. Juli 2010  ist  dagegen  unbestritten.  Im  Unterschied  zu  den  üblichen  Fällen  von  Zu-

ständigkeitskonflikten  ist  deshalb  keine  Würdigung  des  Sachverhalts  vorzunehmen, 

welche  für  beide  Steuerarten  zweckmässigerweise  gleich  ausfallen  sollte.  Vielmehr 

geht  es  um  die  Auslegung  von  verfahrenstechnischen  Vorschriften  im  Spannungsbe-

reich  Quellenbesteuerung  und  ordentliche  Besteuerung,  die  bei  der  direkten  Bundes-

steuer und den Staats- und Gemeindesteuern unterschiedlich lauten. Überdies ist das 

Verfahren  hier  bereits  weiter  fortgeschritten  und  die  Sache  spruchreif.  Zudem  bean-

tragt  auch  die  ESTV,  den  Entscheid  bei  den  Staats-  und  Gemeindesteuern  vorzuzie-

hen.  

Der Antrag auf Sistierung ist deshalb abzuweisen.  

4. Im Hauptantrag verlangt der Pflichtige, dass die angefochtenen Entscheide 

aufgehoben werden, bringt aber keine Gründe vor, welche gegen die Besteuerungsho-

heit des Kantons Zürich sprechen. Sinngemäss macht er lediglich geltend, es sei ihm 

nicht zuzumuten, dass Zuständigkeitskonflikte zwischen den Kantonen auf seine Kos-

ten ausgefochten würden.  

a) Sind sich kantonale Steuerbehörden über die Steuerhoheit bei den Staats- 

und Gemeindesteuern nicht einig, besteht kein anderer Weg zur Lösung des Konflikts, 

als  die  Frage  durch  die  Gerichte  entscheiden  zu  lassen.  Letzte  Instanz  ist  dabei  das 

Bundesgericht. Nach der bis Ende 2006 geltenden bundesrechtlichen Regelung muss-

te bei Beschwerden wegen behaupteter Doppelbesteuerung der kantonale Instanzen-

zug  nicht  ausgeschöpft  werden  (Beusch/Broger,  Kommentar  zum  Schweizerischen 

Steuerrecht,  Interkantonales  Recht,  2011,  §  43  N  2).  Auf  den  1.  Januar  2007  ist  das 

Bundesgerichtsgesetz  vom  17.  Juni  2005  (BGG)  in  Kraft  getreten.  Gemäss  Art.  86 

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Abs. 1 lit. d BGG können beim Bundesgericht nur Entscheide letzter kantonaler Instan-

zen  angefochten  werden.  Dies  gilt  neu  ausdrücklich  auch für  Doppelbesteuerungsbe-

schwerden (BGr, 21. September 2007, 2C_346/2007, auch zum Folgenden). Das Bun-

desgericht  anerkennt,  dass  damit  der  Rechtsschutz  für  den  mehrfach  Besteuerten 

erschwert wird. Immerhin erklärt es ihn aber nicht für verpflichtet, in jedem der betrof-

fenen  Kantone  den  Instanzenzug  zu  durchlaufen.  Es  genügt,  wenn  er  dies  bloss  in 

einem  Kanton  tut;  gegen  den  dort  erwirkten  letztinstanzlichen  gerichtlichen  Entscheid 

kann  er  Beschwerde  in  öffentlich-rechtlichen  Angelegenheiten  beim  Bundesgericht 

erheben und dabei auch die früher ergangenen rechtskräftigen Entscheide in anderen 

Kantonen anfechten, selbst wenn diese nicht letztinstanzlich sind.  

b)  Vor  diesem  Hintergrund  erweist  sich  das  vom  kantonalen  Steueramt  ge-

wählte Vorgehen als rechtmässig, und ist die Durchführung des vorliegenden Rechts-

mittelverfahrens zwingend. Es liegt deshalb kein Grund vor, den Einschätzungs- bzw. 

Einspracheentscheid aufzuheben (oder das vorliegende Verfahren zu sistieren).  

5.  Auch  wenn  der  Pflichtige  die  vom  Kanton  Zürich  beanspruchte  Besteue-

rungshoheit für die Staats- und Gemeindesteuern während der gesamten Steuerperio-

de inhaltlich nicht in Frage stellt, drängt es sich auf, diesen Punkt zu klären. 

a)  Bei Wechsel  des  steuerrechtlichen Wohnsitzes  innerhalb  der  Schweiz  be-

steht die Steuerpflicht auf Grund persönlicher Zugehörigkeit für die laufende Steuerpe-

riode  im  Kanton,  in  welchem  der  Steuerpflichtige  am  Ende  dieser  Periode  seinen 

Wohnsitz hat (Art. 68 Abs. 1 Satz 1 StHG in der bis 31. Dezember 2013 gültigen Fas-

sung).  Mit  dieser  Bestimmung  statuierte  der  Gesetzgeber  den  Grundsatz  der  Einheit 

der Steuerperiode; dieser hat zur Folge, dass bei einer Änderung der Besteuerungsor-

te  die  Steuerperiode  nicht  in  Zeitabschnitte  zerlegt  wird  (Ziff.  21  des  Kreisschreibens 

Nr. 15 der Schweizerischen Steuerkonferenz vom 31. August 2001 über die Koordina-

tion und Vereinfachung des Veranlagungsverfahrens für die direkten Steuern im inter-

kantonalen Verhältnis). 

b)  Eine  Abweichung  zu  dieser  Zuständigkeitsregelung  besteht  bei  der  Quel-

lensteuer.  

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Gemäss Art. 32 Abs. 1 Satz 1 StHG werden ausländische Arbeitnehmer, wel-

che  die  fremdenpolizeiliche  Niederlassungsbewilligung  nicht  besitzen,  im  Kanton  je-

doch  steuerrechtlichen  Wohnsitz  oder  Aufenthalt  haben,  für  ihre  Einkommen  aus  un-

selbstständiger  Erwerbstätigkeit  einem  Steuerabzug  an  der  Quelle  unterworfen.  Die 

der  Quellensteuer  unterliegenden  Personen  werden für  Vermögen  und für  das  übrige 

Einkommen  im  ordentlichen  Verfahren  veranlagt  (ergänzende  ordentliche  Veranla-

gung; Art. 34 Abs. 1 StHG). Betragen die dem Steuerabzug an der Quelle unterworfe-

nen Bruttoeinkünfte des Steuerpflichtigen (…) in einem Kalenderjahr mehr als den vom 

kantonalen Recht festgelegten Betrag, so wird eine nachträgliche Veranlagung durch-

geführt. Die an der Quelle abgezogene Steuer wird dabei angerechnet (nachträgliche 

ordentliche Veranlagung, Art. 34 Abs. 2 StHG).  

Verlegt nun eine nach den Art. 32, 33 und 34 Abs. 2 StHG (quellen-) steuer-

pflichtige natürliche Person innerhalb der Schweiz ihren Wohnsitz oder Aufenthalt, so 

steht dem jeweiligen Wohnsitz- oder Aufenthaltskanton das Besteuerungsrecht im Ver-

hältnis zur Dauer der Steuerpflicht zu (Art. 38 Abs. 4 StHG). Der Wechsel des steuer-

rechtlichen  Wohnsitzes  in  einen  anderen  Kanton  hat  auf  die  Besteuerung  des  Ein-

kommens aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit von Personen, die nach den Art. 32, 

33 und 34 Abs. 2 StHG (quellen-) steuerpflichtig sind, die gleiche Auswirkungen wie ein 

Wegzug  aus  der  Schweiz  oder  die  Begründung  eines  Wohnsitzes  in  der  Schweiz 

(Art. 4  des  Verordnung  des  Bundesrats  über  die  Anwendung  des  Steuerharmonisie-

rungsgesetzes im interkantonalen Verhältnis vom 9. März 2001, VO StHG). Damit wird 

für  sämtliche  quellensteuerpflichtige  Personen  der  Grundsatz  der  Pro-Rata-Temporis-

Besteuerung statuiert (Zigerlig/Rufener, Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, 

Band I/1, 2. A., 2002, Art. 38 N 2a StHG). Diese Ausnahme vom Grundsatz der Einheit 

der  Steuerperiode  wird  damit  begründet,  dass  Überweisungen  von  Quellensteuern 

zwischen  kantonalen  Verwaltungen  auf  ein  Minimum  begrenzt  werden  sollen  (Bot-

schaft des Bundesrats vom 24. Mai 2000 zur Koordination und Vereinfachung der Ver-

anlagungsverfahren  für  die  direkten  Steuern  im  interkantonalen  Verhältnis,  BBl  2000, 

3898,  S.  3910,  www.admin.ch/opc/de/federal-gazette/2000/3898.pdf;  Rütsche/Fischer, 

Kommentar  zum  Schweizerischen  Steuerrecht,  Interkantonales  Steuerrecht,  2011, 

§ 35 N 30).  

Gemäss Ziff. 2 des Kreisschreibens Nr. 14 der Schweizerischen Steuerkonfe-

renz vom 6. Juli 2001 über den interkantonalen Wohnsitzwechsel von quellenbesteuer-

ten  Personen,  die  nachträglich  ordentlich  veranlagt  werden,  ist  in  den  Fällen  von 

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Art. 38  Abs.  4  StHG  bei  den  Staats-  und  Gemeindesteuern  so  vorzugehen,  dass  der 

Zuzugskanton das steuerbare und das satzbestimmende Einkommen sowie das steu-

erbare Vermögen für den Zuzugs- und den Wegzugskanton festsetzt. Gestützt auf die-

se  Veranlagung  berechnen  sowohl  der  Zuzugskanton  als  auch  der  Wegzugskanton 

gemäss  ihren  Tarifen  die  geschuldeten  Staats-  und  Gemeindesteuern  und  beziehen 

die Steuern unter Anrechnung der ihnen abgelieferten bzw. geschuldeten Quellensteu-

ern.  

c)  Der  Pflichtige  war  in  der  ersten  Jahreshälfte  2010  bei  einer  liechtensteini-

schen Anstalt tätig und erzielte ein Erwerbseinkommen von brutto Fr. 147'685.-. Weite-

re Erwerbseinkünfte waren während dieser Zeit nicht vorhanden. Damit unterstand er 

aber in der ersten Jahreshälfte nicht der schweizerischen Quellensteuer, da bei einem 

ausländischen Erwerbseinkommen zwangsläufig keine solche anfällt. Nach den zitier-

ten Bestimmungen war er demnach im Zeitpunkt des Zuzugs in den Kanton Zürich als 

ordentlich zu besteuernder Steuerpflichtiger zu betrachten, welcher kraft Wohnsitz bzw. 

Aufenthalt hier unbeschränkt steuerpflichtig war. Daraus ergibt sich, dass das kantona-

len  Steueramt  irrt,  wenn  es  den  Pflichtigen  für  die  erste  Jahreshälfte  als  ergänzend 

ordentlich zu veranlagend qualifiziert; denn wo keine Quellensteuer erhoben wird, gibt 

es auch nichts ergänzend zu veranlagen.  

Damit  entfällt  aber  bereits  die  grundlegende  Voraussetzung  für  die  Anwen-

dung der Sonderbestimmung von Art. 38 Abs. 4 StHG. Sein Umzug in den Kanton Zü-

rich  ist  steuerrechtlich  nicht  anders  zu  behandeln  als  bei  jeder  anderen  ordentlich  zu 

besteuernden Person. Damit kommt die allgemeine Zuständigkeitsordnung von Art. 68 

StHG  zum  Tragen,  und  steht  die  Besteuerungshoheit  für  die  gesamte  Steuerperiode 

dem Kanton Zürich zu.  

Daran  ändert  nichts,  dass  der  Pflichtige  in  der  zweiten  Jahreshälfte  hier  der 

Quellensteuer unterstand. Ab 1. Juli 2010 war er bei einer Unternehmung in G/ZH an-

gestellt  und  erhielt  dafür  gemäss  Lohnausweis  einen  quellenbesteuerten  Bruttolohn 

von Fr. 95'990.-. Bei der vorgeschriebenen Hochrechnung auf die gesamte Steuerperi-

ode  ist  demnach  eine  nachträgliche  ordentliche  Veranlagung  vorzunehmen  (Schwel-

lenwert  Fr.  120'000.-;  §  9  Abs.  1  und  2  der  Verordnung  des  Regierungsrats  über  die 

Quellensteuer für ausländische Arbeitnehmer vom 2. Februar 1994, ZStB I Nr. 28/011, 

sowie  Lit.  A  Ziff.  I  Abs.  1  der  für  2010  noch  geltenden  Weisung  der  Finanzdirektion 

über  die  nachträgliche  Veranlagung  von  quellenbesteuerten  Person  im  ordentlichen 

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Verfahren vom 18. November 1998, vormals ZStB I Nr. 28/850). Dieser Umstand führt 

nur zur Anwendung von Art. 38 Abs. 4 StHG auf die zweite Jahreshälfte, wo sich aber 

das  Problem  des  Auseinanderfallens  von Wohnsitz-  und  Quellensteuerkanton  gerade 

nicht  stellt  und  eine  diesbezügliche  Aufteilung  daher  nicht  erforderlich  ist.  Es  liegen 

keine Gründe für eine Rückwirkung dieser Bestimmung auch auf die erste Jahreshälfte 

bzw.  eine  Qualifikation  des  steuerrechtlichen  Status  des  Pflichtigen  als  während  der 

ganzen  Steuerperiode  quellenbesteuert  vor.  Die  Zuständigkeit  des  Kantons  Zürichs 

wäre  offensichtlich,  wenn  der  Pflichtige  nach  dem  Umzug  weiterhin  bei  seinem  liech-

tensteinischen Arbeitgeber tätig gewesen wäre oder überhaupt keiner Erwerbstätigkeit 

mehr  nachgegangen  wäre;  weshalb  sich  wegen  Antritt  einer  neuen  Stelle  mit  Quel-

lensteuerpflicht im Kanton Zürich etwas ändern sollte, ist nicht ersichtlich.  

Etwas anderes lässt sich auch nicht aus Art. 4 VO StHG ableiten. Darin wird 

zwar  der  Wechsel  des  steuerrechtlichen  Wohnsitzes  in  einen  anderen  Kanton  einem 

Wegzug  aus  der  Schweiz  oder  der  Begründung  eines  Wohnsitzes  in  der  Schweiz 

gleichgesetzt.  Indessen  bezieht  sich  dies  lediglich  auf  "die  Besteuerung  des  Einkom-

mens  aus  unselbstständiger  Erwerbstätigkeit",  nicht  auf  die  Besteuerung  allgemein. 

Dies deutet darauf hin, dass es sich hier lediglich um eine bemessungsrechtliche Vor-

schrift  mit  Bezug  auf  die  von  der  Quellensteuer  betroffenen  unselbstständigen  Er-

werbseinkünfte  handelt.  Über  die  Besteuerungshoheit  selbst  will  die  Bestimmung  in-

dessen keine Aussage machen.  

6. Im Quantitativen ist die Einschätzung nicht streitig und erweist sich als ge-

setzmässig (§ 149 Abs. 2 StG). 

7.  a)  Gestützt  auf  diese  Erwägungen  ist  das  Beschwerdeverfahren  zu  sistie-

ren, während der Rekurs abzuweisen ist. Gleichzeitig ist ersteres Verfahren abzutren-

nen. 

b) Das Rechtsmittelverfahren in Bezug auf die Staats- und Gemeindesteuern 

ist  Folge  eines  zwischen  zwei  Kantonen  bestehenden  Zuständigkeitskonflikts.  Dem 

Pflichtigen ist einzuräumen, dass die Austragung eines solchen auf Kosten eines Steu-

erpflichtigen als unbillig erscheint, zumal wenn sich dieser – wie hier – mit der Besteue-

rungshoheit des einen oder des anderen Kantons abfinden kann. Dies rechtfertigt es, 

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hier  von  besonderen  Verhältnissen  auszugehen  und  deshalb  von  einer  vollständigen 

Kostenauflage abzusehen (§ 151 Abs. 3 StG). Umgekehrt ist aber nicht ausser Acht zu 

lassen,  dass  der  Pflichtige mit  seinem  Hauptantrag  die  Notwendigkeit  des  Rechtsmit-

telverfahrens überhaupt in Frage stellt, mit welcher Ansicht er nicht durchdringt. Zudem 

stellt  er  eine  Reihe  von  Verfahrensanträgen,  welche  abzuweisen  sind.  Unter  Berück-

sichtigung dieser Umstände erscheint eine hälftige Kostenaufteilung als angemessen.  

Mangels Obsiegens sind die Voraussetzungen für die Zusprechung einer Par-

teientschädigung an den Pflichtigen nicht erfüllt (§ 152 StG i.V.m. § 17 Abs. 2 des Ver-

waltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959/8. Juni 1997). 

c) Über die Kosten- und Entschädigungsfolgen bei der direkten Bundessteuer 

wird im Zeitpunkt des Vorliegens des Entscheids der ESTV zu befinden sein.  

Demgemäss beschliesst die Kammer: 

Das  Beschwerdeverfahren  betreffend  die  direkte  Bundessteuer  wird  sistiert,  bis  die 

ESTV  den  für  die  Veranlagung  zuständigen  Kanton  bezeichnet  hat.  Die  ESTV  wird 

ersucht, das Rekursgericht über ihren Entscheid zu informieren.  

Das  Beschwerdeverfahren  wird  gleichzeitig  abgetrennt  und  unter  der  Geschäfts-Nr. 

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und erkennt:  

1.  Der Rekurs wird abgewiesen.  

[…] 

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