# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7538ec93-55a1-5d49-aa8a-fbc54293542b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-06-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.06.2014 D-1560/2013
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1560-2013_2014-06-06.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-1560/2013 

 

 

  U r t e i l  v o m  6 .  J u n i  2 0 1 4  

Besetzung 

 
Richter Thomas Wespi (Vorsitz), 

Richter Markus König, Richter Gérard Scherrer,    

Gerichtsschreiberin Sarah Ferreyra. 

   Parteien 
 

A._______, geboren (…), Benin, 

handelnd durch ihren Vater, B._______,  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM),  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des BFM vom 26. Februar 2013 / N (…). 

 

 

D-1560/2013 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin, eine Staatsangehörige von Benin christlichen 

Glaubens, der Ethnie der Adja angehörend, aus Cotonou, verliess ihren 

Heimatstaat am 17. August 2011 und reiste legal mit einem Schengen-

Visum, gültig vom 17. August 2011 bis 1. September 2011, zwecks Ferien 

bei ihrem Vater am 18. August 2011 in die Schweiz ein. Wegen Krankheit 

musste der Rückflug der Beschwerdeführerin auf den 11. September 

2011 verschoben werden. Am 10. September 2011 stellte sie im Emp-

fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Vallorbe ein Asylgesuch. 

B.  

Am 13. September 2011 wurde die Beschwerdeführerin im EVZ Vallorbe 

zur Person sowie summarisch zum Reiseweg und zu den Gründen für 

das Verlassen ihres Heimatlandes befragt. Am 29. Januar 2012 hörte sie 

das BFM in einem reinen Frauenteam einlässlich zu den Asylgründen an. 

Aus dem Protokoll geht hervor, dass das BFM im Vorfeld den Vater als 

gesetzlichen Vertreter darüber informierte, dass er seine Tochter an die 

Anhörung begleiten könne. Die Beschwerdeführerin habe jedoch lieber 

alleine an die Anhörung kommen wollen, was ihr Vater akzeptiert habe. 

Im Wesentlichen machte die Beschwerdeführerin zur Begründung ihres 

Asylgesuches geltend, sie lebe seit der Trennung ihrer Eltern bei ihren 

Grosseltern. Mit ihrer Mutter habe sie fast keinen Kontakt. Sie wolle nicht 

nach Afrika zurückkehren, weil ihre Grossmutter sie beschneiden lassen 

wolle. Die Grossmutter habe ihr jeweils gesagt, dass sie mit 14 Jahren 

beschnitten werde. Wenn die Grossmutter gewusst hätte, dass sie in die 

Schweiz gehe, hätte die Grossmutter ihre Beschneidung früher veran-

lasst. Ihre Grossmutter bestehe darauf, dass die Beschneidung nach ihrer 

Rückreise durchgeführt werde. Sie habe Angst davor. Wenn sie jeweils 

dagegen protestiert habe, habe die Grossmutter sie schlecht behandelt 

und geschlagen. Sie müsse im Haushalt viel arbeiten, manchmal bis um 

Mitternacht, und habe keine Zeit zum Lernen für die Schule gehabt. Sie 

habe auch keine Liebe bekommen. Ihr Vater wisse noch nichts von der 

bevorstehenden Beschneidung. Sie habe ihm nur über die viele Arbeit 

und den Liebesentzug berichtet, aber sie habe nichts dagegen, wenn ihr 

Vater nun davon erfahre. 

C.  

Mit Verfügung vom 26. Februar 2013, welche den Ausgangsstempel vom 

22. Februar 2013 aufweist und am 25. Februar 2013 eröffnet wurde, stell-

D-1560/2013 

Seite 3 

te das BFM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft nicht, und lehnte ihr Asylgesuch vom 10. September 2011 ab. Es 

verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und forderte die Beschwerde-

führerin – unter Androhung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – auf, 

die Schweiz bis zum 23. April 2013 zu verlassen.  

D.  

Mit Eingabe vom 23. März 2013 (Datum Poststempel) liess die Be-

schwerdeführerin, handelnd durch ihren Vater, gegen diesen Entscheid 

beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und beantragen, 

die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihr sei Asyl zu gewäh-

ren. Eventuell sei ihr die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 

In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess sie die Gewährung der unentgeltli-

chen Rechtspflege beantragen. 

E.  

Mit Verfügung vom 15. Oktober 2013 stellte der Instruktionsrichter des 

Bundesverwaltungsgerichts fest, die Beschwerdeführerin dürfe den Aus-

gang des Verfahrens in der Schweiz abwarten und über das Gesuch um 

Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege werde zu einem späteren 

Zeitpunkt befunden. Er verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses und gab dem BFM Gelegenheit, eine Vernehmlassung zur Be-

schwerde einzureichen. 

F.  

Mit Vernehmlassung vom 28. Oktober 2013 hielt das BFM fest, die Be-

schwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Be-

weismittel, die eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnten, 

und beantragte die Abweisung der Beschwerde.  

G.  

Der Instruktionsrichter stellte der Beschwerdeführerin am 15. November 

2013 eine Kopie der Vernehmlassung des BFM zu und gab ihr die Gele-

genheit, zur Vernehmlassung Stellung zu nehmen. Es wurde keine Replik 

eingereicht. 

  

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Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 

(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 

gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 

20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Be-

hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgül-

tig (Art. 105 AsylG, Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 

17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).  

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde 

ist einzutreten. 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht und die unrichtige 

und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts ge-

rügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder 

begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des 

Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen 

psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist 

Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 

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Seite 5 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli-

chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den 

Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Zur Begründung seiner Verfügung führte das BFM im Wesentlichen 

aus, die Beschwerdeführerin habe bei der Befragung zu Protokoll gege-

ben, ihre Grossmutter habe geplant, die Beschneidung am 15. Septem-

ber 2011 durchzuführen. Anlässlich der Anhörung habe sie hingegen gel-

tend gemacht, ihre Grossmutter habe ihr nicht gesagt, wann die Be-

schneidung stattfinden solle, sie habe ihr lediglich gesagt, dass die Be-

schneidung nach ihrer Rückreise aus den Ferien stattfinden werde. Wann 

genau sei jedoch nicht bestimmt gewesen. Im Weiteren habe sie bei der 

Befragung im EVZ geltend gemacht, dass ihre Grossmutter bereits seit 

einiger Zeit über die ihr bevorstehende Beschneidung geredet habe, in 

etwa seit einem Jahr. Sie habe diese jedoch nicht wirklich ernst genom-

men. In der Anhörung habe sie hingegen geltend gemacht, dass ihre 

Grossmutter ihr erst vor ihrer Ausreise mitgeteilt habe, dass sie beschnit-

ten werde. Die Darstellung der Beschwerdeführerin sei aufgrund dieser 

Widersprüche nicht glaubhaft. Die Aussagen über die ihr angeblich dro-

hende Beschneidung vermöchten nicht zu überzeugen und seien wenig 

detailliert und realitätsfremd. Auch die geltend gemachte Angst vor der 

bevorstehenden Beschneidung bei einer Rückkehr in ihr Heimatland habe 

die Beschwerdeführerin nicht substantiiert darlegen können. Ihre diesbe-

züglichen Erklärungsversuche erschienen vage, zu wenig detailliert und 

somit nicht glaubhaft, insbesondere da sie in diesem Zusammenhang 

immer wieder ausweichend oder gar nicht auf die ihr gestellten Fragen 

geantwortet habe. Sie habe auch keine detaillierten Angaben machen 

können, so etwa zu folgenden Aspekten: wie sie auf die Beschneidung 

vorbereitet worden sei, warum sie genau in diesem Alter hätte beschnit-

ten werden sollen, wer aus der Familie oder aus dem Umfeld sonst noch 

beschnitten worden sei, wer dies nebst ihrer Grossmutter genau verlangt 

habe und aus welchen Gründen, wer die Beschneiderinnen genau gewe-

sen seien. Es sei aber zu erwarten, dass sie diese zentralen Aspekte, die 

sie zur Einreichung eines Asylgesuches bewogen hätten, substantiiert 

und konkret darlegen könne, insbesondere da die Beschneidung gemäss 

ihren Aussagen Tradition gewesen sein solle und ihre Grossmutter aus 

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Seite 6 

diesem Grund darauf bestanden habe. Schliesslich habe sie auch keine 

überzeugende Erklärung abgeben können, wieso ihre Grossmutter sie 

unbeschnitten habe ausreisen lassen, obschon jene gewusst habe, dass 

sich die Beschwerdeführerin nicht beschneiden lassen wolle. Die Darstel-

lung der Beschwerdeführerin sei somit zu wenig substantiiert, als dass sie 

geglaubt werden könne. Die Vorbringen würden den Anforderungen an 

die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AslyG nicht standhalten, so dass ihre 

Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. 

4.2 Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber geltend, das BFM 

hätte auch Informationen bei der Frau ihres Vaters, C._______, mit der 

sie zusammenlebe, und ihrer Schule, welche für minderjährige Kinder in 

der Schweiz obligatorisch sei, zusammentragen sollen. Zudem berück-

sichtige die Verfügung die schlimmen Konsequenzen dieser Ablehnung 

nicht. Sie sei gut in der Sekundarschule eingeschult und müsse gemäss 

Verfügung die Schweiz am 23. April 2013 verlassen, mitten im laufenden 

Schuljahr. In Benin habe sie niemanden, der sie bei sich aufnehme. An-

gesichts der geltend gemachten Asylgründe fühle sie sich bedroht und al-

leine, da alle gegen sie seien. Ihre biologische Mutter, mit der sie fast kei-

nen Kontakt mehr habe, lebe aktuell ausserhalb von Benin mit ihrem 

Freund und den beiden anderen Kindern. Ihre Onkel väterlicherseits sei-

en nicht mehr in der Lage, sie bei sich aufzunehmen. Die Asylgesuchstel-

lung mit dem Grund Beschneidung, welche ihre Grossmutter väterlicher-

seits angesprochen habe, habe zu familiären Konflikten geführt. Die Ab-

lehnung des Asylgesuches und die Wegweisung aus der Schweiz hätten 

auch schlimme Konsequenzen für die Beziehung zwischen ihr und ihrem 

Vater. Ihr Vater kümmere sich um das Wohlergehen seiner Kinder.  

4.3 In der Vernehmlassung führte das BFM aus, dass der biologische Va-

ter der Beschwerdeführerin bereits seit 2005 in der Schweiz lebe. Durch 

seine Heirat mit einer Schweizer Bürgerin habe er am 15. Dezember 

2006 eine B-Bewilligung erhalten. Mit seiner Schweizer Frau habe er 

nunmehr eine neue Familie gegründet. Von seiner Tochter aus erster 

Ehe, d. h. der Beschwerdeführerin, lebe er somit bereits seit 2005 ge-

trennt. Aufgrund dieser Umstände könne sich die Beschwerdeführerin 

weder auf Art. 8 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der 

Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) noch auf Art. 44 

AsylG berufen. Im Weiteren sei bereits im Asylentscheid vom 26. Februar 

2013 ausführlich dargelegt worden, dass die behauptete und beabsichtig-

te Beschneidung durch die Grossmutter der Beschwerdeführerin in Benin 

nicht der Wahrheit entspreche. Auf die diesbezüglichen Argumente des 

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Seite 7 

BFM werde in der Beschwerde gar nicht eingegangen. Es sei somit nicht 

glaubhaft nachgewiesen, dass die Beschwerdeführerin bei einer Wegwei-

sung nach Benin über kein tragfähiges Beziehungsnetz mehr verfüge. Die 

Aussage der Beschwerdeführerin, wonach sie in Benin keinen Kontakt 

mehr zu ihrer biologischen Mutter und ihren Geschwistern mehr habe, er-

scheine zusätzlich konstruiert und somit ebenfalls nicht glaubhaft.  

5.  

5.1 In der Beschwerde wird sinngemäss geltend gemacht, das BFM habe 

hinsichtlich des Vollzugs der Wegweisung den Sachverhalt ungenügend 

festgestellt. 

5.2 Allgemein gilt im Verwaltungsverfahren der Untersuchungsgrundsatz 

und die Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheb-

lichen Sachverhalts (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG). Diese behördliche 

Untersuchungspflicht wird durch die den Asylsuchenden gestützt auf 

Art. 8 AsylG auferlegte Mitwirkungspflicht eingeschränkt, wobei die Ge-

suchsteller insbesondere ihre Identität offenzulegen und bei der Anhörung 

der Behörde alle Gründe mitzuteilen haben, die für die Asylgewährung re-

levant sein könnten (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1). Was die daraus resultie-

renden Anforderungen an die Anhörung gemäss Art. 29 AsylG und die 

entsprechende Gewährung des rechtlichen Gehörs betrifft, so soll die An-

hörung immerhin Gewähr dafür bieten, dass die asylsuchende Person ih-

re Asylgründe vollständig darlegen kann und diese von der Asylbehörde 

korrekt erfasst werden, wobei die Anhörung insbesondere auch dazu 

dient, gezielte Rückfragen zur Erhebung des Sachverhalts zu stellen und 

Missverständnisse zu klären (vgl. BVGE 2008/24 E. 7.2 S. 356 f., BVGE 

2007/30 E. 5.5.1 und 5.5.2 S. 365 f.).  

5.3  

5.3.1 Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug Kinder betroffen, so 

bildet im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung das Kindeswohl einen Ge-

sichtspunkt von gewichtiger Bedeutung. Dies ergibt sich nicht zuletzt aus 

einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 83 Abs. 4 des Bundes-

gesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Auslän-

der (AuG, SR 142.20) im Lichte von Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens 

vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107). 

Unter dem Aspekt des Kindeswohls sind demnach sämtliche Umstände 

einzubeziehen und zu würdigen, die im Hinblick auf eine Wegweisung 

wesentlich erscheinen. In Bezug auf das Kindeswohl können für ein Kind 

namentlich folgende Kriterien im Rahmen einer gesamtheitlichen Beurtei-

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Seite 8 

lung von Bedeutung sein: Alter, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe, Intensi-

tät, Tragfähigkeit) seiner Beziehungen, Eigenschaften seiner Bezugsper-

sonen (insbes. Unterstützungsbereitschaft und -fähigkeit), Stand und 

Prognose bezüglich Entwicklung/Ausbildung, sowie der Grad der erfolg-

ten Integration bei einem längeren Aufenthalt in der Schweiz (vgl. BVGE 

2009/28 E. 9.3.2 m.w.H.). 

5.3.2 Für die Asylbehörden ergibt sich daraus die Verpflichtung, von Am-

tes wegen abzuklären, welche Situation sich für die im Falle einer Heim-

kehr unbegleiteten minderjährigen Person im Heimatland realistischer 

weise ergeben könnte. In der Praxis ist deshalb nicht nur abzuklären, ob 

das Kind im Falle der Rückkehr in den Heimat- oder Herkunftsstaat im 

Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG konkret gefährdet wäre, sondern auch, ob 

das Kind zu seinen Eltern oder anderen Angehörigen zurückgeführt wer-

den kann und ob diese in der Lage sind, seine (dem Alter, der physischen 

und psychischen Verfassung, der Herkunft etc. entsprechenden) Bedürf-

nisse abzudecken. Können die Angehörigen nicht ausfindig gemacht 

werden oder ergibt sich, dass die Rückkehr zu diesen dem Kindeswohl 

nicht entspricht, ist weiter abzuklären, ob das Kind in der Heimat allenfalls 

in einer geeigneten Anstalt oder bei einer Drittperson untergebracht wer-

den kann. Dabei genügt es jedoch nicht, bloss festzustellen, dass im 

Heimat- oder Herkunftsland Eltern oder andere Angehörige leben bezie-

hungsweise es im betreffenden Land Einrichtungen, die sich um allein-

stehende Kinder oder Jugendliche kümmern würden. Es ist vielmehr kon-

kret abzuklären, ob das betreffende Kind tatsächlich in sein familiäres 

Umfeld zurückgeführt werden kann beziehungsweise ob es – wo das 

nicht möglich ist oder nicht dem Wohl des Kindes entspricht – anderweitig 

untergebracht werden kann (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der 

Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 24 E. 6.2.4.).  

5.3.3 Die angefochtene Verfügung lässt eine derartige Prüfung der Zu-

mutbarkeit eines Wegweisungsvollzugs angesichts der Minderjährigkeit 

der Beschwerdeführerin vermissen, wird doch diesbezüglich lediglich 

festgehalten, es sprächen weder die im Heimatland der Beschwerdefüh-

rerin herrschende politische Situation noch andere Gründe gegen die 

Zumutbarkeit ihrer Rückführung. Es handle sich um eine gesunde junge 

Frau, die bisher ihr ganzes Leben in Benin verbracht habe und welche in 

ihrem Heimatland über ein familiäres Beziehungsnetz verfüge, weshalb 

nicht davon auszugehen sei, dass sie bei einer Rückkehr in eine exis-

tenzbedrohende Situation geraten werde. Angesichts der Minderjährigkeit 

der Beschwerdeführerin vermögen diese Erwägungen nach dem oben 

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Seite 9 

Gesagten der Abklärungs- und Begründungspflicht des BFM nicht zu ge-

nügen.  

5.3.4 Zudem gab die Beschwerdeführerin anlässlich der Befragung im 

EVZ und der Anhörung an, dass ihre Mutter sie nach der Trennung von 

ihrem Vater bei den Grosseltern zurückgelassen habe, sie sich bei ihren 

Grosseltern nicht wohl gefühlt habe, sie nicht geliebt worden sei und Ar-

beiten habe erledigen müssen, manchmal bis um Mitternacht, die nicht ih-

rem Alter entsprochen hätten, sie keine Zeit gehabt habe, um für die 

Schule zu lernen, ihre Grossmutter bereits alt sei und nichts mehr habe 

selber machen können und sich der Grossvater meistens bei seinen 

Freunden aufgehalten habe. Ihre Grossmutter habe sie geschlagen und 

schlecht behandelt (vgl. act. A3/8 S. 5, A13/11 F8, F9, F31, F59 und F80). 

Mit der Mutter habe sie kaum Kontakt und wisse nicht genau, wo sie 

wohne (vgl. act. A3/8 S. 3, A13/11 F18, F23). Diese Vorbringen erwähnte 

das BFM in der angefochtenen Verfügung weder im Sachverhalt noch 

nahm es bei der Begründung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 

dazu Stellung. Anlässlich der Anhörung wurde nicht abgeklärt, ob die 

Grosseltern überhaupt noch fähig wären, die Beschwerdeführerin zu un-

terstützen, beziehungsweise gefragt, wie alt diese seien, was sie darunter 

verstehe, keine Liebe bekommen zu haben, wie ihr Tagesablauf ausge-

sehen habe, wie oft sie geschlagen worden sei, ob sie regelmässig die 

Schule habe besuchen können, wie viele Verwandte sonst noch im Haus 

gelebt hätten und wie das Verhältnis zu den Verwandten gewesen sei und 

ob sie von jenen Unterstützung erhalten habe. All diese Aspekte wären im 

Zusammenhang mit dem Kindeswohl bei einem Wegweisungsvollzug re-

levant, weshalb das BFM entsprechende Rückfragen hätte stellen müs-

sen. Das BFM hat insoweit den rechtserheblichen Sachverhalt nicht voll-

ständig festgestellt. 

5.3.5 Ferner ist festzustellen, dass die Anhörung am 29. Januar 2013 

nicht nur hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs oberflächlich ausgefallen 

ist, sondern auch in Bezug auf die Asylgründe. Einerseits liegt dies daran, 

dass die Beschwerdeführerin auf mehrere Fragen keine Antwort wusste. 

Es erstaunt deshalb nicht, dass das BFM in der angefochtenen Verfügung 

zum Schluss gekommen ist, die Angaben der Beschwerdeführerin zu den 

Asylgründen seien undetailliert, realitätsfremd und unsubstantiiert ausge-

fallen. Angesichts dessen, dass die weibliche Genitalverstümmelung im-

mer noch ein Tabu ist, ist es nicht verwunderlich, wenn die Beschwerde-

führerin Fragen, welche andere Personen betreffen, wie, ob ihre Freun-

dinnen oder Familienangerhörige beschnitten wurden oder wie die Hal-

D-1560/2013 

Seite 10 

tung der Familie zu diesem Thema ist, nicht zu beantworten wusste. Das 

Nichtwissen der Beschwerdeführerin ist deshalb zu relativieren. Ausser-

dem ist dem Aspekt der Minderjährigkeit besonders Rechnung zu tragen. 

Ihre kurzen Antworten sind altersentsprechend und deshalb nicht a priori 

als Ausweichen zu erachten, zumal die Beschwerdeführerin auch Fragen, 

welche sich nicht auf die drohende Genitalverstümmelung bezogen, kurz 

beantwortete. Sodann wurde sie anlässlich der Anhörung nach der Ein-

stellung ihrer Mutter und ihres Vaters zum Thema Genitalverstümmelung 

befragt, obwohl die Beschwerdeführerin seit ihrem fünften Lebensjahr 

nicht mehr mit ihren Eltern aufgewachsen ist, weshalb es nicht erstaunt, 

wenn sie blosse Vermutungen anstellte, die Antwort aber nicht wusste. 

Andererseits fehlen Rückfragen, wie und über welche Themen sie mit ih-

rer Grossmutter gesprochen habe, was für Zeremonien diese besucht 

habe, wie dieses Dorf geheissen habe, welches die Grossmutter besucht 

habe, und wo sie hätte beschnitten werden sollen oder über was betref-

fend Genitalverstümmelung in der Schule gesprochen worden sei. Die 

Anhörung dauerte sodann auch nur eine Stunde und zehn Minuten inklu-

sive Rückübersetzung. Vor diesem Hintergrund ist festzustellen, dass der 

Inhalt der Anhörung nicht hinreichend aussagekräftig ist, was wie darge-

legt jedoch nicht (nur) der Beschwerdeführerin anzulasten ist. Der rechts-

erhebliche Sachverhalt ist deshalb auch hinsichtlich der Asylvorbringen 

nicht hinreichend erstellt, um darüber zu urteilen. Bei der erneuten Beur-

teilung der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Asylgründe wird das 

BFM auch die Verbreitung der Praxis der weiblichen Genitalverstümme-

lung im Heimatland gebührend zu berücksichtigen haben. 

5.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass das BFM einerseits im Asyl- 

und Wegweisungsvollzugspunkt den Sachverhalt unvollständig festge-

stellt hat. Andererseits ist es bezüglich des Vollzugs der Wegweisung 

auch seiner Begründungspflicht nicht nachgekommen. Das BFM hat da-

mit den Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör verletzt. 

Im vorliegenden Fall ist die unzureichende Begründung beziehungsweise 

die unzureichende Sachverhaltsfeststellung seitens des BFM als schwe-

rer Mangel zu bezeichnen. Eine Heilung der festgestellten Mängel aus 

prozessökonomischen Gründen durch das Bundesverwaltungsgericht fällt 

vorliegend mithin nicht in Betracht. 

6.  

Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die Beschwerde gutzuheissen, die 

Verfügung vom 26. Februar 2013 aufzuheben und die Sache zu weiteren 

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Seite 11 

Abklärungen beziehungsweise zur ergänzenden Anhörung und zum neu-

en Entscheid an das BFM zurückzuweisen ist. 

7.  

7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten 

aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1-3 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der 

unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG erweist sich 

mithin als gegenstandslos.  

7.2 Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Entschädigung für die 

ihnen erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten 

(Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs.1 des Reglements vom 21. Februar 

2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-

tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die minderjährige Beschwerdefüh-

rerin hat ihre Beschwerde handelnd durch ihren Vater eingereicht. Es sind 

ihr mithin keine Kosten aus einer Vertretung entstanden (vgl. Art. 9 

VGKE). Weitere notwendige und verhältnismässig hohe Auslagen (vgl. 

Art. 13 VGKE), die der Beschwerdeführerin erwachsen sein könnten, sind 

aufgrund der Akten nicht ersichtlich. Folglich ist ihr trotz Obsiegens keine 

Parteientschädigung zuzusprechen. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die angefochtene Verfügung vom 26. Januar 2013 wird aufgehoben und 

die Sache zur Neubeurteilung an das BFM zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die kantona-

le Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Thomas Wespi Sarah Ferreyra 

 

 

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