# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d2295fb0-eb39-5bdf-bdc9-93bcaf0e82cc
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-01-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.01.2022 E-210/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-210-2022_2022-01-27.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-210/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 7 .  J a n u a r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Einzelrichter Markus König, 

mit Zustimmung von Richterin Déborah D'Aveni;    

Gerichtsschreiberin Martina Stark. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,  

(…),   

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 29. Dezember 2021 / N (…). 

 

 

 

E-210/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der ursprünglich aus der Provinz Nangarhar stammende Beschwerde- 

führer verliess seinen Heimatstaat gemäss seinen eigenen Angaben im 

Herbst 2021 und er gelangte ungefähr am 29. September 2021 in die 

Schweiz, wo er zunächst zwei Wochen bei seinem Cousin verbracht habe, 

bevor er am 10. Oktober 2021 um Asyl nachsuchte.  

Anlässlich seiner Erstbefragung vom 5. November 2021 gab er an, er sei 

direkt von Kabul nach Pakistan, von dort via den Iran und die Türkei nach 

Griechenland und von dort über die sogenannte Balkan-Route in die 

Schweiz gereist. Hinsichtlich seiner Asylgründe führte er aus, sein Vater sei 

Arzt und habe früher mit den Amerikanern zusammengearbeitet. Die  

Taliban hätten ihn später dazu aufgefordert, sich ihnen zu stellen, und sie 

hätten ihn deswegen mehrmals verwarnt und verurteilt. Schliesslich hätten 

sie ihm damit gedroht, seine Kinder im Krieg kämpfen zu lassen, weshalb 

die Familie in ein Dorf bei B._______ umgezogen sei. Dort sei es dann 

wegen Grundstücken zu einem privaten Streit zwischen seinem Vater und 

dessen Cousin gekommen. Dieser Cousin und dessen Familie seien sehr 

einflussreich gewesen in dieser Gegend. Der Streit sei soweit gegangen, 

dass zunächst sein (Beschwerdeführer) Onkel und sein Bruder mit einem 

Messer angegriffen worden seien und später ihr Haus in Brand gesetzt 

worden sei. Weil sein Vater Angst um ihn gehabt habe – es sei nämlich 

üblich bei den Paschtunen, dass am ältesten Sohn der Familie Rache aus-

geübt werde –, habe er ihn aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen, wäh-

renddessen die übrige Familie nach C._______ geflohen sei.  

Zudem sei auf die Probleme mit den Taliban hinweisen, die eigentlich  

grösser gewesen seien als diese familiären Schwierigkeiten. Nachdem die 

Taliban seine Heimatregion unter ihre Kontrolle gebracht habe, seien zwei 

wichtige Kommandeure getötet worden, weshalb im Dorf nach den Verrä-

tern gesucht worden sei. Weil sein Vater mit den Ausländern gearbeitet 

habe, sei dieser von den Dorfbewohnern als Verräter bezeichnet und des-

halb gesucht worden. Eines nachts hätten die Taliban ihr Haus durchsu-

chen wollen, was der Grossvater verweigert habe. Daraufhin hätten sie 

eine Handgranate über das Hoftor geworfen, wobei sowohl der Grossvater 

als auch die Mutter getötet worden seien. Dennoch sei der Vater weiterhin 

im Dorf per Aushang gesucht und ihm von den Taliban angedroht worden, 

sie würden seine Kinder an die Front schicken. 

  

E-210/2022 

Seite 3 

B.  

B.a Gemäss Altersgutachten des Instituts für Rechtsmedizin D._______ 

(IRM) vom 17. November 2021 ergab sich beim Beschwerdeführer ein 

durchschnittliches Lebensalter von (…) bis (…) Jahren. Das IRM hielt fest, 

das von ihm angegebene Alter von (…) Jahren und (…) Monaten könne 

folglich nicht zutreffen. 

B.b Am 18. November 2021 wurde dem Beschwerdeführer vom SEM das 

rechtliche Gehör zum Altersgutachten vom 17. November 2021 gewährt, 

weil es aufgrund dieser Erkenntnisse beabsichtige, sein Geburtsdatum im 

Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) auf den (…) anzupas-

sen. 

B.c In der Stellungnahme vom 19. November 2021 hielt der Beschwerde-

führer daran fest, dass sein korrektes Geburtsdatum der (…) sei. Er nehme 

aber die geplante Anpassung zur Kenntnis und könne diese aufgrund der 

relativ kleinen Differenz akzeptieren. Es handle sich beim Altersgutachten 

vom 17. November 2021 aber nicht um ein 3-Säulen-Gutachten, weil das 

Zahnalter für die Beurteilung des Mindestalters nicht habe herangezogen 

werden können. Damit sei dieses nicht geeignet, um als Indiz für das vom 

SEM behauptete Geburtsdatum herangezogen zu werden.  

B.d In der Folge wurde das Geburtsdatum des Beschwerdeführers im 

ZEMIS vom SEM auf den (…) angepasst und mit einem Bestreitungsver-

merk versehen.  

C.  

Mit Eingabe vom 3. Dezember 2021 liess der Beschwerdeführer folgende 

Beweismittel ins Recht legen: Foto eines Schreibens der amerikanischen 

Armee vom 27. Februar 2009 betreffend die Arbeit des Vaters des  

Beschwerdeführers als Chirurg, Ausdruck eines Fotos des Vaters bei der 

Arbeit und Polizeiberichte sowie medizinische Dokumente betreffend  

die Verletzungen zweier Onkel wie auch eines Bruders des Beschwerde- 

führers.  

D.  

An der Anhörung zu den Asylgründen vom 16. Dezember 2021 gab der 

Beschwerdeführer zu Protokoll, sein Vater habe vor Jahren als Arzt für die 

Amerikaner gearbeitet. Nachdem die Taliban ihr Dorf eingenommen hätten, 

habe die Nationalarmee das Dorf angegriffen, wobei unter anderem zwei 

Anführer der Taliban getötet worden seien. Daraufhin hätten die Taliban 

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von den Dorfbewohnern verlangt, ihnen die Verräter bekannt zu geben,  

und es sei unter anderem sein Vater genannt worden, weil dieser in der 

Vergangenheit als Arzt für die Amerikaner gearbeitet habe. In der Folge sei 

der Vater zu einem Gerichtstermin vorgeladen worden, weshalb er die 

Flucht ergriffen habe und ungefähr ein Jahr lang verschollen gewesen sei. 

Später sei er ab und zu nachts nach Hause gekommen, wovon die Taliban 

erfahren hätten, die dann in einer Nacht ihr Haus nach dem Vater hätten 

absuchen wollen. Der Grossvater habe sich geweigert, die Türe zu öffnen, 

habe den Taliban aber die Auslieferung des Vaters des Beschwerdeführers 

versprochen. Dennoch hätten sie eine Bombe ins Haus geworfen und der 

Grossvater wie auch die Mutter seien dabei getötet worden. Der Vater sei 

deshalb nicht mehr nach Hause gekommen, und ein Cousin des Vaters 

habe während eines Jahres für ihn (Beschwerdeführer) und seine Ge-

schwister gesorgt. Die Taliban hätten im Dorf gekannt gegeben, dass die 

Söhne zur Kriegsfront gebracht würden, sollte sich der Vater nicht ergeben. 

Aus Angst, tatsächlich an die Kriegsfront verbracht zu werden, seien sie 

nach E._______ in die Provinz Kabul geflohen, wo es nach ungefähr zwei 

Jahren zu einer privaten Feindschaft gekommen sei. Er habe sich nämlich 

mit einem Mädchen verlobt, welches zuvor die Frau des Sohnes des Cous-

ins seines Vaters hätte werden sollen. Die Familie des Mädchens habe der 

Verbindung mit seinem Verwandten aber nicht zugestimmt. Über seine  

Verlobung sei dieser Mann derart verärgert gewesen, dass er ihn ständig 

bedroht und belästigt habe. Er habe sich in der Folge an den Schulleiter 

gewandt, der den Sohn des Cousins seines Vaters schliesslich von der 

Schule ausgeschlossen habe. Ab diesem Zeitpunkt sei es immer wieder zu 

Angriffen dieser Familie gekommen, zuerst sei er selber mit einem Messer 

angegriffen worden und habe mehrere Verletzungen davongetragen, dann 

seien seine beiden Onkel mit Messerstrichen und sein Bruder ebenfalls mit 

einem Messer am Auge verletzt worden. Aufgrund dieser Vorfälle habe er 

sich zur Ausreise entschlossen und sei am Folgetag in diesem Herbst 2020 

direkt von der Schule aus in den Iran gereist. Unterwegs habe sein Vater 

darüber informiert, dass die Söhne seines Cousins weiterhin auf der Suche 

nach ihm (Beschwerdeführer) seien und das Wohnhaus in E._______ in 

Brand gesteckt hätten, weshalb die Familie nach C._______ gezogen sei.  

E.  

Am 23. Dezember 2021 liess das SEM der Rechtsvertretung des Be-

schwerdeführers den Entwurf des ablehnenden Asylentscheids zur Stel-

lungnahme zukommen. 

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Seite 5 

F.  

In seiner Stellungnahme vom 24. Dezember 2021 liess der Beschwerde-

führer darüber informieren, dass er mit dem geplanten Entscheid nicht ein-

verstanden sei. Er habe anlässlich seiner Anhörung sehr ausführliche und 

mit vielen Realkennzeichen versehene Aussagen gemacht, und insbeson-

dere sei der Substanzgehalt der Schilderungen über alle Themenfelder  

hinweg gleichbleibend hoch; das sei bei einer minderjährigen Person  

besonders beachtenswert. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die fami-

liär begründeten Fluchtgründe nicht geglaubt würden, nur, weil er die Ver-

lobung bei der Erstbefragung nicht genannt habe. 

G.  

Mit Verfügung vom 29. Dezember 2021 (eröffnet gleichentags) lehnte das 

SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegwei-

sung aus der Schweiz an, nahm ihn aber infolge Unzumutbarkeit des Weg-

weisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz auf. 

H.  

Die zugewiesene Rechtsvertretung informierte am 31. Dezember 2021 

über die Beendigung des Mandatsverhältnisses. 

I.  

Gegen die Verfügung des SEM vom 29. Dezember 2021 erhob der Be-

schwerdeführer mit Eingabe vom 15. Januar 2022 (Postaufgabe: 17. Ja-

nuar 2022) Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte 

die Aufhebung der Verfügung des SEM vom 23. [recte: 29.] Dezember 

2021, die Gutheissung seines Asylgesuchs unter Anerkennung der Flücht-

lingseigenschaft und eventualiter die Rückweisung der Sache an die Vor-

instanz zur weiteren Abklärung. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte 

er um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege und Verzicht auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses.  

J.  

Am 17. Januar 2022 wurde der Beschwerdeführer vom SEM für den wei-

teren Aufenthalt dem Kanton F._______ zugeteilt. 

  

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Seite 6 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von 

Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-

ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet 

auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-

rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinn von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, 

weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

1.3 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur 

summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

  

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Seite 7 

4.  

4.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids gab das SEM an, es 

sei den Aussagen des Beschwerdeführers nicht zu entnehmen, dass es 

sich bei der geltend gemachten Verfolgung seitens der Taliban um eine 

gezielt gegen ihn gerichtete Verfolgungssituation gehandelt habe. In zeit-

licher Hinsicht sei zudem kein genügend enger Kausalzusammenhang  

zwischen Verfolgung und Flucht gegeben. So habe der Beschwerdeführer 

angegeben, er persönlich habe bei einer allfälligen Rückkehr wegen den 

Taliban nichts zu befürchten; vielleicht würde er mitgenommen, vielleicht 

auch nicht. Zudem habe auch der Vater seit dem Wegzug aus dem Hei-

matdorf vor etwa vier Jahren keine Probleme mehr mit den Taliban gehabt. 

Auf der anderen Seite könnten die Vorbringen des Beschwerdeführers be-

züglich die private Verfolgung durch die Familie des Cousins seines Vaters 

nicht geglaubt werden, weil seine diesbezüglichen Ausführungen vage und 

widersprüchlich ausgefallen seien. Er habe in der Anhörung an einer Stelle 

angegeben, Hauptgrund dieser Streitigkeit seien die Auseinandersetzun-

gen betreffend ihre benachbarten Grundstücke gewesen, und an anderer 

Stelle seine Verlobung als Auslöser für die Familienfehde genannt. An der 

Erstbefragung hingegen habe er die Probleme im Zusammenhang mit sei-

ner Verlobung mit keinem Wort erwähnt; vielmehr habe er dabei angege-

ben, er und seine Verlobte seien einander bereits als ganz kleine Kinder 

versprochen worden, es habe sich aber nicht um eine richtige Verlobung 

gehandelt. Bezweifelt werde sodann die Intensität der vorgebrachten Dro-

hungen seitens seiner Verwandten, da er erst einige Monate später aus 

dem Heimatstaat ausgereist sei. Eine weitere Diskrepanz ergebe sich aus 

den unterschiedlichen Darstellung an den Befragungen in Bezug darauf, 

ob der Beschwerdeführer von sich aus ausgereist sei oder ihn sein Vater 

aus Angst dazu gedrängt habe. Dieser Einschätzung habe der Beschwer-

deführer auch in seiner Stellungnahme nichts Relevantes entgegenzubrin-

gen vermocht. Trotz detaillierter Angaben über erlittene Nachteile und de-

ren Begleitumstände seien seine Aussagen zu den familiären Streitigkeiten 

innerhalb der Anhörung widersprüchlich ausgefallen und seine unter-

schiedlichen Erklärungen anlässlich der beiden Befragungen, weshalb es 

zur entsprechenden Verfolgung gekommen sei, fusse auf grundverschie-

denen Begründungen. 

4.2 Zur Begründung seiner Beschwerdeanträge verwies der Beschwerde-

führer wiederum auf seine glaubhaften Aussagen an der Anhörung.  

Er habe im Detail darlegen können, wie die Taliban ihn und seine Familie 

bedroht hätten. Er sei bei einer allfälligen Rückkehr auch gefährdet, weil 

sein Vater für die Amerikaner gearbeitet habe und sowohl sein Grossvater 

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als auch seine Mutter von den Taliban getötet worden seien. Es sei nicht 

ersichtlich, weshalb davon ausgegangen werde, eine solche Verfolgung 

würde aktuell nicht mehr drohen. Es sei demnach eine flüchtlingsrechtlich 

relevante Verfolgungssituation gegeben. Weiter werde er durch die Familie 

des Cousins seines Vaters verfolgt. Seine diesbezüglichen Aussagen seien 

keineswegs widersprüchlich. Er habe seine Verlobung zu Beginn des Asyl-

verfahrens nicht erwähnt, weil er nicht davon ausgegangen sei, dass diese 

relevant sei. Weitere Dinge habe er nicht sofort erzählt, weil er das schlicht 

vergessen habe und ihm nicht bewusst gewesen sei, dass diese von Be-

deutung sein könnten. Sein Aussageverhalten sei massgeblich seinem jun-

gen Alter geschuldet. Er habe aber auf alle Fragen präzise Antworten ge-

ben können, weshalb er die Anforderungen an die Glaubhaftigkeit auch 

diesbezüglich erfülle und die Asylrelevanz seiner Vorbringen zu prüfen sei. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

6.  

6.1 Das Gericht erachtet die vorinstanzliche Verfügung nach eingehender 

Prüfung der Verfahrensakten als überzeugend, weshalb diese zu bestäti-

gen ist.  

  

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Seite 9 

6.2 In Bezug auf die geltend gemachte Verfolgung durch die Taliban wies 

das SEM zu Recht auf die Angaben des Beschwerdeführers hin, wonach 

sein Vater seit seinem Wegzug der Familie aus dem Heimatdorf, vor unge-

fähr vier Jahren, keine Probleme mehr mit den Taliban gehabt habe und er 

bei einer allfälligen Rückkehr von diesen nicht zu befürchten habe (vgl. an-

gefochtene Verfügung S. 5 m.w.H.). Es leuchtet sodann nicht ein, dass der 

Vater des Beschwerdeführers – der als für die Amerikaner arbeitende Arzt 

das eigentliche Ziel der Taliban war – nach wie vor unbehelligt in Afghanis-

tan leben kann, während seine Söhne wegen dieser angeblichen Bedro-

hung ausser Landes fliehen müssen. Insofern schliesst sich das Gericht 

den Ausführungen in der angefochtenen Verfügung an, wonach es sich bei 

der vorgebrachten Verfolgung seitens der Taliban nicht um eine gezielt ge-

gen den Beschwerdeführer gerichtete Verfolgungssituation gehandelt hat.  

6.3  

6.3.1 Das Gericht teilt weiter die Auffassung der Vorinstanz, soweit es die 

geltend gemachte private Verfolgung durch die Familie des Cousins des 

Vaters wegen der Verlobung des Beschwerdeführers als unglaubhaft qua-

lifiziert. Um Wiederholung zu vermeiden kann vorab auf die eingehenden 

Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden (vgl. 

S. 6 f.). 

6.3.2 Angesichts der Aussagen des Beschwerdeführers kann insbeson-

dere nicht geglaubt werden, diese Streitigkeit hätten wegen seiner Ver- 

lobung begonnen oder es sei deswegen zu einer gezielt gegen ihn gerich-

teten Verfolgung gekommen. So ist mit dem SEM festzustellen, dass er 

seine Verlobung an den beiden Befragungen komplett unterschiedlich 

schilderte. An der Erstbefragung sprach er davon, dass sie einander als 

ganz kleine Kinder versprochen worden seien, und erwähnte seine Ver-

lobte an keiner weiteren Stelle (auch nicht bei der Schilderung seiner Asyl-

gründe). Während der Anhörung führte er im Zusammenhang mit dieser 

familiären Verfolgungssituation aus, er habe sich mit einem Mädchen ver-

lobt, für welches bereits der Sohn des Cousins seines Vaters Interesse ge-

zeigt habe; dieser habe zuvor bereits um die Hand des Mädchens ange-

halten, es sei aber nicht eingewilligt worden (vgl. angefochtene Verfügung 

S. 6; A14 S. 4 und A28 ad F46). 

6.3.3 Unlogisch erscheint dabei, dass die Verwandten des Beschwerde-

führers eine derartige Fehde wegen seiner Verlobung ausgelöst hätten. 

Seinen Aussagen zufolge wurde nämlich der Sohn des Cousins seines Va-

ters bereits zuvor von der Familie des Mädchens abgelehnt. Folglich hätte 

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Seite 10 

die Beseitigung des Beschwerdeführers nicht zur Zustimmung der Familie 

geführt (vgl. A28 ad F46: "[…] Ich habe mich verlobt mit einem Mädchen, 

das ich mochte. Vorher war der Sohn des Cousins vs meines Vaters um 

ihre Hand anhalten gegangen. Man hatte sie ihm nicht gegeben. […]."; F57: 

"[…] Sie hatten vor, mich aus der Welt zu schaffen und das Mädchen für 

einen seiner Söhne zu nehmen. […]."; F73).  

6.3.4 Die persönlichen Nachteile des Beschwerdeführers aufgrund seiner 

Verlobung erscheinen nach dem Gesagten nachgeschoben und unglaub-

haft. Für diese Einschätzung spricht im Übrigen auch, dass der Beschwer-

deführer an der Erstbefragung von den Verletzungen seines Onkels und 

seines Bruders berichtete, die ihnen bei einem Messerangriff zugefügt  

worden seien, aber die dann an der Anhörung ausführlich beschriebenen 

eigenen Verletzungen noch nicht einmal erwähnte – auch nicht anlässlich 

dem rechtlichen Gehör zum medizinischen Sachverhalt, an welchem er 

eine andere Verletzung erläuterte, die ihm als Kind zugestossen sei (vgl. 

A14 S. 10 und S. 11; A28 ad F46: "[…] Da hat er mich angegriffen.  

Er schlug mich auf die Nase und sie fing zu bluten an. Nachdem er mich 

angegriffen hatte, habe ich ihn auch angegriffen. Als ich hinter mich 

schaute, stand sein anderer Bruder da. Er hatte ein Messer in der Hand 

und hat mich mit diesem angegriffen er traf mich einmal hier [GS zeigt auf 

(…)], beim zweiten Stich hat er mich hier getroffen [GS zeigt auf (…)]. Als 

ich meine Hand vor ihn hielt und das Messer greifen wollte, hat er mich hier 

getroffen. Auf den Kopf wurde ich geschlagen. Ich hatte drei, vier Platz-

wunden am Kopf. Mein (…)finger war gebrochen. Man sieht es immer 

noch, es ist nie richtig verheilt. […]."). 

6.3.5 Die Ausführungen in der Beschwerdeschrift vermögen an dieser Ein-

schätzung nichts zu ändern. So vermag der Hinweis auf das junge Alter 

des Beschwerdeführers die fehlende Logik dieses Vorbringens nicht zu er-

klären. Es wird ihm sodann auch nicht vorgeworfen, seine Verlobung an 

der Erstbefragung nicht erwähnt zu haben, sondern, dass er die Umstände 

der Verlobung völlig unterschiedlich darlegte (vgl. Verfügung S. 6). Insge-

samt können die geltend gemachten Probleme mit den Verwandten auf-

grund seiner Verlobung nicht geglaubt werden.  

6.4 Im Übrigen enthalten die Aussagen des Beschwerdeführers weitere 

Ungereimtheiten: Einerseits gab er an der Erstbefragung an, die Probleme 

mit den Taliban seien viel grösser gewesen, als diejenigen mit den Ver-

wandten; an der Anhörung hingegen trug er vor, von den Taliban befürchte 

er nichts, aber wegen der privaten Feindschaft könnte er nicht einmal drei 

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Seite 11 

Tage überleben (vgl. A14 S. 10; A28 ad F82 f.). Andererseits erklärte er an 

der Erstbefragung, sein Vater habe ihn nach dem Angriff auf seinen Onkel 

und seinen Bruder aufgefordert, sich so schnell wie möglich in Sicherheit 

zu bringen, weswegen er hierhergeschickt worden sei, während sein Vater 

in Richtung C._______ geflohen sei (vgl. A14 S. 10). Hingegen erklärte er 

an der Anhörung, dass er sich selber zur Ausreise entschlossen habe und 

sein Vater ihm zunächst gesagt habe, er solle noch einige Tage abwarten, 

und ihm nach seiner Abreise riet, er solle nach Hause zurückkehren (vgl. 

A28 ad F46). 

6.5 Mit den eingereichten Beweismitteln vermag der Beschwerdeführer 

weder die als unglaubhaft erachtete Verlobung als Auslöser für die private 

Streitigkeit noch anderweitige persönlich gegen ihn gerichtete Verfolgung 

zu belegen. 

6.6 Zusammenfassend geht das Gericht einig mit dem SEM, dass die Vor-

bringen des Beschwerdeführers einerseits den Anforderungen an das 

Glaubhaftmachen der Flüchtlingseigenschaft nach Art. 7 AsylG nicht stand-

halten können und diese andererseits keine asylbeachtliche Verfolgung im 

Sinn von Art. 3 AsylG darstellen. Die Vorinstanz hat folglich zu Recht die 

Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylge-

such abgelehnt. 

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

Nachdem das SEM in seiner Verfügung vom 29. Dezember 2021 ange-

sichts der Lage am Herkunftsort des Beschwerdeführers die Unzumutbar-

keit des Wegweisungsvollzugs festgestellt und seine vorläufige Aufnahme 

angeordnet hat, erübrigen sich praxisgemäss weitere Ausführungen zur 

Zulässigkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs. 

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Seite 12 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig  

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Für die eventualiter  

beantragte Rückweisung der Sache an die Vorinstanz besteht keine Ver-

anlassung. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

10.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung. Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass 

seine Begehren aussichtslos waren, womit eine der kumulativ zu erfüllen-

den Voraussetzungen gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht gegeben und 

sein Gesuch abzuweisen ist. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind 

folglich die Kosten gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG dem Beschwerdeführer 

aufzuerlegen und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reg-

lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

10.2 Der Antrag auf Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses wird 

mit diesem Entscheid gegenstandslos. 

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Markus König Martina Stark 

 

 

Versand: