# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0dcb37cb-f432-57d3-8374-f3efecc2e761
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-11-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.11.2011 D-6140/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6140-2011_2011-11-21.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­6140/2011 / sps

U r t e i l   v om   2 1 .   No v embe r   2 0 1 1

Besetzung Einzelrichter Hans Schürch,
mit Zustimmung von Richter Kurt Gysi;
Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut.

Parteien A._______, geboren am _______, und B._______, geboren 
am _______
Kolumbien,
c/o schweizerische Vertretung in Bogotà, Kolumbien,
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;
Verfügung des BFM vom 4. Oktober 2011 / N _______.

D­6140/2011

Seite 2

Sachverhalt:

A. 
Mit Eingabe vom 14. Juli 2010 (Datum Eingang bei der schweizerischen 
Vertretung in Bogotà) ersuchten die Beschwerdeführenden unter Beilage 
mehrerer Beweismittel um humanitären Schutz.

B. 
B.a.  Mit  Eingabe  vom  9.  August  2010  (Datum  Eingang  bei  der 
schweizerischen  Vertretung  in  Bogotà)  ersuchten  die 
Beschwerdeführenden  um  Asyl  in  der  Schweiz  nach.  Zur  Begründung 
machten sie im Wesentlichen geltend, sie seien im Quartier C._______ in 
D._______ wohnhaft. Dort hätten die Guerilla und die Paramilitärs um die 
Vorherrschaft  gekämpft.  Diese  Gruppen  hätten  zudem 
Schutzgeldforderungen gestellt. Aus diesen Gründen würden sie ständig 
um ihr Leben fürchten. Sie hätten die Ereignisse auf der Fiscalía melden 
wollen,  doch dort  habe man  ihnen gesagt,  es würden  keine Meldungen 
aus  dem  Quartier  C._______  mehr  entgegengenommen.  Die 
Beschwerdeführenden  führten  weiter  aus,  sie  hätten  einen  Lagerraum 
gehabt, hätten diesen aber schliessen müssen, da sie mehr Schutzgeld 
hätten bezahlen müssen als sie Gewinn gemacht hätten. Am 29. Oktober 
2009  seien  sie  in  ihrem  Geschäft  von  zwei  Jugendlichen  ausgeraubt 
worden. Obwohl diese  ihnen mit Konsequenzen gedroht hätten,  falls sie 
den Vorfall der Fiscalía melden würden, hätten sie Anzeige erstattet. Da 
sie sich schliesslich geweigert hätten, den verschiedenen Organisationen 
Schutzgelder zu bezahlen, seien sie von diesen bedroht worden. Mangels 
wirtschaftlicher  Anreize  seien  sie  nicht  in  der  Lage,  ihren  Wohnort  zu 
wechseln.  Sie  hätten  zudem  in  keinem  anderen  Land 
Familienangehörige. 

B.b.  Die  Beschwerdeführenden  reichten  diverse  Dokumente  (alle  in 
Kopie)  als  Beweismittel  zu  den  Akten  (Identitätsdokumente,  Eheschein, 
Wohnsitzbescheinigungen,  zwei  "Certificado  Judicial",  eine  Anzeige  an 
die Fiscalía General, ein Schreiben der Beschwerdeführerin an R. A. S. 
vom 23. April 2010, Auszüge aus einer Zeitung).

B.c. Die schweizerische Vertretung  in Bogotà übermittelte die Eingaben 
der  Beschwerdeführenden  am  19.  August  2010  an  das  BFM  und  teilte 
dabei  mit,  eine  Befragung  der  Beschwerdeführenden  sei  aus 
Kapazitätsgründen nicht möglich. 

D­6140/2011

Seite 3

C. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  12.  Oktober  2010  teilte  das  BFM  den 
Beschwerdeführenden  mit,  aufgrund  der  schriftlichen  Begründung  der 
Asylgesuche  und  der  eingereichten  Beweismittel  betrachte  es  den 
entscheidrelevanten Sachverhalt als erstellt, weshalb sich eine Anhörung 
durch  die  schweizerische  Botschaft  in  Bogotá  nicht  als  notwendig 
erweise.  Unter  Berücksichtigung  aller  relevanten  Faktoren  werde 
erwogen,  die  Asylgesuche  abzulehnen  und  die  Einreisebewilligung  zu 
verweigern.  Insbesondere  werde  die  Möglichkeit  einer  anderweitigen 
Schutzsuche  als  gegeben  erachtet.  Das  BFM  räumte  den 
Beschwerdeführenden  sodann  die  Möglichkeit  ein,  sich  zu  diesen 
Feststellungen innert 30 Tagen schriftlich zu äussern.

D. 
Am  12.  Oktober  2010  leitete  die  Botschaft  eine  weitere  Eingabe  der 
Beschwerdeführenden  vom  17.  September  2010  an  das  BFM  weiter. 
Darin  wiederholten  die  Beschwerdeführenden  im  Wesentlichen  ihre 
Asylvorbringen  und  erklärten,  sie  würden  im  Heimatland  von 
gewalttätigen  Gruppierungen  an  Leib  und  Leben  bedroht,  weshalb  sie 
ausreisen müssten. 

E. 
Mit  Verfügung  vom  4.  Oktober  2011  (den  Beschwerdeführenden  am 
1. November  2011  eröffnet)  verweigerte  das  BFM  die  Einreise  der 
Beschwerdeführenden in die Schweiz und lehnte die Asylgesuche ab. Zur 
Begründung  führte  das  Bundesamt  zunächst  in  formeller  Hinsicht  aus, 
dass  im vorliegenden Fall die Voraussetzungen gegeben seien, um von 
einer  Anhörung  der  Beschwerdeführenden  abzusehen.  In  materieller 
Hinsicht erwog BFM im Wesentlichen, gemäss dem Subsidiaritätsprinzip 
seien Personen mit einer  innerstaatlichen Fluchtalternative nicht auf den 
Schutz  eines  Drittstaates  angewiesen.  Bei  den  Beschwerdeführenden 
handle es sich nicht um  landesweit  bekannte Persönlichkeiten, weshalb 
nicht anzunehmen sei, dass die Verfolger sie an einem beliebigen Ort in 
Kolumbien  ausfindig  machen  könnten.  Eigenen  Angaben  zufolge  seien 
sie bisher ständig im gleichen Quartier in D._______ wohnhaft gewesen. 
Um  der  dort  herrschenden  schlechten  Sicherheitslage  zu  entkommen, 
hätten sie die Möglichkeit,  sich an einen anderen Ort  im Heimatland zu 
begeben,  wo  sie  nicht  bekannt  seien  und  wo  sie  sich  den  Übergriffen 
entziehen  könnten.  Demzufolge  seien  die  Beschwerdeführenden  keiner 
unmittelbaren Gefahr im Sinne des Asylgesetzes ausgesetzt, weshalb sie 
den  Schutz  der  Schweiz  nicht  benötigten.  Im  Übrigen  seien  die 

D­6140/2011

Seite 4

Asylgesuche  auch  gestützt  auf  Art.  52  Abs.  2  des  Asylgesetzes  vom 
26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  abzulehnen.  Den 
Beschwerdeführenden sei es nämlich zuzumuten, in einem anderen Land 
als  der  Schweiz  um  Asyl  nachzusuchen,  zumal  sie  keine  besonders 
nahen  Beziehungen  zur  Schweiz  geltend  gemacht  hätten.  In  Frage 
kämen  beispielsweise  diejenigen  Nachbarstaaten  Kolumbiens,  welche 
sowohl  das  Abkommen  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der 
Flüchtlinge  (FK,  SR 0.142.30)  als  auch  das  entsprechende 
Zusatzprotokoll  vom  31. Juli  1967  ratifiziert  hätten.  Für  die  praktische 
Möglichkeit  und  die  Zumutbarkeit  der  anderweitigen  Schutzsuche  in 
diesen Ländern spreche zudem die Möglichkeit der visumsfreien Einreise 
sowie  der  Umstand,  dass  jährlich  mehrere  tausend  kolumbianische 
Staatsangehörige  in den Nachbarländern  (insbesondere  in Ecuador) um 
Asyl ersuchten und dort zu einem beträchtlichen Teil auch tatsächlich als 
Flüchtlinge anerkannt würden.

F. 
Mit Eingabe vom 4. November 2011  (Datum Eingang bei der Botschaft) 
erhoben  die  Beschwerdeführenden  sinngemäss  Beschwerde  gegen  die 
vorinstanzliche Verfügung. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  beurteilt  gestützt  auf  Art.  31  des 
Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  (VGG,  SR  173.32) 
Beschwerden  gegen  Verfügungen  im  Sinne  von  Art.  5  des 
Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), welche von einer Vorinstanz 
im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das Sachgebiet 
betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt. Demnach  ist 
das  Bundesverwaltungsgericht  zuständig  für  die  Beurteilung  von 
Beschwerden  gegen  Entscheide  des  BFM,  welche  in  Anwendung  des 
Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) ergangen sind, und 
entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines 
Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31­
33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 
2005 [BGG, SR 173.110]).

D­6140/2011

Seite 5

1.2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  können  die 
Verletzung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Missbrauch  und 
Überschreitung  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige 
Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  sowie  die 
Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

2. 
Die  sinngemässe  Beschwerde  wurde  lediglich  von  der 
Beschwerdeführerin  unterzeichnet.  Aufgrund  der  Aktenlage  ist  indessen 
davon auszugehen, dass sie dabei auch im Namen und im Auftrag ihres 
Ehemannes gehandelt hat. Die Beschwerdeführenden sind legitimiert; auf 
die  frist­  und  (wenn  auch  nur  knapp)  formgerecht  eingereichte 
Beschwerde ist einzutreten (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 37 VGG 
i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG).

3. 
3.1.  Über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden  wird  in 
einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters 
beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e 
AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine 
solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen 
ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).

3.2. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wird auf die Durchführung des 
Schriftenwechsels verzichtet.

4. 
4.1. Gemäss  Art. 19  AsylG  kann  ein  Asylgesuch  im  Ausland  bei  einer 
schweizerischen Vertretung gestellt werden, welche es mit einem Bericht 
an das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizerische 
Vertretung  führt  mit  der  asylsuchenden  Person  in  der  Regel  eine 
Befragung  durch  (Art. 10  Abs. 1  der  Asylverordnung 1  vom  11. August 
1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV 1,  SR  142.311]).  Ist  dies  nicht 
möglich,  so  wird  die  asylsuchende  Person  von  der  Vertretung 
aufgefordert, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 
1).  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  in  Auslegung  dieser 
Bestimmungen  erkannt  (vgl.  zum  Folgenden  BVGE  2007/30  E. 5.2  ff.), 
dass sich die Unmöglichkeit einer Befragung aus organisatorischen oder 
kapazitätsmässigen  Gründen  bei  der  jeweiligen  Vertretung,  aus 
faktischen  Hindernissen  im  betreffenden  Land  oder  aus  bei  der 
asylsuchenden  Person  liegenden  persönlichen  Gründen  ergeben  kann. 

D­6140/2011

Seite 6

Da  die Anhörung  der Sachverhaltserstellung  sowie  der Gewährung  des 
rechtlichen  Gehörs  dient,  ist  die  asylsuchende  Person  bei  gegebener 
Unmöglichkeit einer Anhörung unter Hinweis auf ihre Mitwirkungspflicht in 
einem individualisierten Schreiben mittels konkreter Fragen aufzufordern, 
ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten;  ein  standardisiertes  Schreiben 
vermag  diesen  Anforderungen  damit  in  aller  Regel  nicht  zu  genügen. 
Allerdings  kann  sich  eine  Befragung  beziehungsweise  eine  schriftliche 
Sachverhaltsabklärung erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund 
des  eingereichten  Asylgesuchs  als  entscheidreif  erstellt  erscheint;  der 
asylsuchenden  Person  ist  aber  diesfalls  immerhin  im  Sinne  des 
rechtlichen  Gehörs  die  Gelegenheit  zu  geben,  sich  zu  einem 
abzusehenden  negativen  Entscheid  zumindest  schriftlich  zu  äussern. 
Schliesslich ist das Bundesamt in jedem Fall gehalten, das Absehen von 
einer Befragung in der Verfügung über das Asylgesuch zu begründen.

4.2.  Im  vorliegenden  Fall  wurden  die  Beschwerdeführenden  von  der 
schweizerischen  Botschaft  in  Kolumbien  zu  ihren  Asylgesuchen  nicht 
befragt,  da  die  Botschaft  dazu  gemäss  Überweisungsschreiben  vom 
19. August  2010  aus  gerichtsnotorischen  und  mithin  nachvollziehbaren 
Kapazitätsgründen  nicht  in  der  Lage  war.  Den  Beschwerdeführenden 
wurde mit Zwischenverfügung des BFM vom 12. Oktober 2010 mitgeteilt, 
der entscheidrelevante Sachverhalt sei aufgrund der Aktenlage als erstellt 
zu  erachten.  Gleichzeitig  wurde  ihnen  zu  dieser  Feststellung  sowie  im 
Hinblick auf die vom Bundesamt  in Erwägung gezogene Abweisung der 
Asylgesuche  das  rechtliche  Gehör  gewährt.  Eine  diesbezügliche 
Stellungnahme  reichten  die  Beschwerdeführenden  indessen  nicht  ein, 
allerdings leitete die schweizerische Botschaft  in Bogotà am 12. Oktober 
2010  ein  Schreiben  der  Beschwerdeführenden  mit  ergänzenden 
Ausführungen  zu  ihrem  Asylgesuch  an  das  BFM  weiter  (Eingang  beim 
BFM am 25. Oktober 2010). Angesichts der einlässlichen Ausführungen 
der  Beschwerdeführenden  in  ihren  schriftlichen  Eingaben  sowie  unter 
Berücksichtigung  der  eingereichten  Beweismittel  ist  der 
entscheidwesentliche Sachverhalt als hinreichend abgeklärt zu erachten. 
Im Weiteren hat das BFM in der angefochtenen Verfügung das Absehen 
von einer persönlichen Anhörung  in nachvollziehbarer Weise begründet. 
Somit  hat  das  BFM  den  verfahrensrechtlichen  Anforderungen  an  die 
Behandlung der Asylgesuche ausreichend Rechnung getragen.

5. 
5.1. Das BFM kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn 
die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen kann oder 

D­6140/2011

Seite 7

ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (vgl. Art. 3, 
Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt 
das  Bundesamt  Asylsuchenden  die  Einreise  zur  Abklärung  des 
Sachverhaltes, wenn  ihnen nicht  zugemutet werden kann,  im Wohnsitz­ 
oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen.

5.2. Bei diesem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung einer 
Einreisebewilligung  grundsätzlich  restriktiv  zu  umschreiben,  wobei  den 
Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum  zukommt.  Neben  der 
erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die 
Beziehungsnähe  zur  Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung 
durch ei­nen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die 
praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  der  anderweitigen 
Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und 
Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl.  Entscheidungen 
und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 
1997  Nr.  15,  insbesondere  S. 131  ff.;  dieser  Entscheid  hat  angesichts 
bloss  redaktioneller  Änderungen  bei  der  letzten  Totalrevision  des 
Asylgesetzes nach wie vor Gültigkeit). Ausschlaggebend für die Erteilung 
der Einreisebewilligung  ist  dabei  die Schutzbedürftigkeit  der  betroffenen 
Personen (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2c S. 130), mithin die Prüfung der 
Fragen,  ob  eine  Gefährdung  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  glaubhaft 
gemacht  wird  und  ob  der  Verbleib  am  Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der 
Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann.

6. 
6.1.  Im vorliegenden Fall hat die Vorinstanz zur Recht  festgestellt, dass 
die  Beschwerdeführenden  offensichtlich  über  keine  besonders  nahen 
Beziehungen zur Schweiz verfügen. Auch auf Beschwerdeebene werden 
keine  derartigen  Beziehungen  zur  Schweiz  geltend  gemacht.  Des 
Weiteren  hat  das  Bundesamt  zu  Recht  ausgeführt,  dass  es  den 
Beschwerdeführenden  zuzumuten  ist,  in  einem  anderen 
lateinamerikanischen  Land  um  Asylgewährung  nachzusuchen  (vgl.  Art. 
52 Abs.  2 AsylG). So  sind  beispielsweise  die Nachbarstaaten Brasilien, 
Ecuador, Panama und Peru Vertragsparteien sowohl der FK als auch des 
betreffenden  Zusatzprotokolls  vom  31. Januar  1967;  Venezuela 
wiederum hat zwar das Abkommen selbst nicht  ratifiziert, wohl aber das 
Protokoll.  Diese  Länder  verfügen  mit  Ausnahme  Venezuelas  über  ein 
eigenes,  gesetzlich  geregeltes  Verfahren  zur  Anerkennung  von 
Flüchtlingen.  Zudem  halten  sie  sich  gemäss  den  Erkenntnissen  des 
Bundesverwaltungsgerichts  grundsätzlich  an  das  Gebot  des  Non­

D­6140/2011

Seite 8

Refoulement  im  Sinne  von  Art.  33  FK,  auch  wenn  als  Einschränkung 
festgestellt werden muss, dass es in den Grenzgebieten – insbesondere 
denjenigen  zu  Panama  und  Venezuela  –  in  den  letzten  Jahren  zu 
unkontrollierten  Rückschiebungen  durch  die Grenzbehörden  gekommen 
ist.  Wie  das  BFM  zutreffend  erwähnt  hat,  wird  jedoch  jährlich  ein 
beträchtlicher  Teil  der  kolumbianischen  Asylsuchenden  in  den 
Nachbarländern  (namentlich  in  Ecuador)  als  Flüchtlinge  anerkannt. 
Kolumbianische  Staatsangehörige  können  im  Übrigen  visumsfrei  nach 
Brasilien,  Ecuador  und  Peru  einreisen.  Eine  Schutzsuche  in  diesen 
Ländern ist zudem auch aus geografischen, kulturellen und sprachlichen 
Gründen naheliegender als eine Schutzsuche in der Schweiz. Weder aus 
den Vorbringen der Beschwerdeführenden im vorinstanzlichen Verfahren 
(unter  Berücksichtigung  der  eingereichten  Beweismittel)  noch  auf 
Beschwerdeebene  ergeben  sich  konkrete  Anhaltspunkte,  die  darauf 
schliessen  liessen,  es  sei  ihnen  praktisch  unmöglich  oder  objektiv 
unzumutbar,  sich  in  einen  anderen  Staat,  insbesondere  einen  der 
Nachbarstaaten Kolumbiens, zu begeben (vgl. EMARK 2004 Nr. 20 sowie 
1997  Nr. 15  E.  2f).  Dies  gilt  umso  mehr,  als  es  sich  bei  den 
Beschwerdeführenden aufgrund der Akten nicht um landesweit bekannte 
Personen  handelt,  die  aufgrund  einer  besonders  exponierten  Stellung 
auch  bei  einer  Flucht  ins  nahe  Ausland  allenfalls  befürchten  müssten, 
weiterhin verfolgt zu werden.

6.2.  Bei  dieser  Sachlage  kann  offen  bleiben,  ob  sich  die 
Beschwerdeführenden  den  geltend  gemachten  Bedrohungen  allenfalls 
durch  eine  innerstaatliche  Verlegung  ihres  Wohnsitzes  dauerhaft 
entziehen könnten.

6.3. Nach  dem  Gesagten  ist  zusammenfassend  festzuhalten,  dass  die 
Beschwerdeführenden über keine konkrete Beziehungsnähe zur Schweiz 
verfügen,  hingegen  die  Möglichkeit  der  anderweitigen  Schutzsuche 
haben.  Unter  diesen  Umständen  hat  das  BFM  zu  Recht  den 
Beschwerdeführenden  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung  verweigert 
und die Asylgesuche abgelehnt.

7. 
Aus  den  angestellten  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene 
Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt 
richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die 
Beschwerde ist folglich abzuweisen.

D­6140/2011

Seite 9

8. 
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich 
den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Aus 
verwaltungsökonomischen  Gründen  sowie  in  Anwendung  von  Art.  63 
Abs. 1  in  fine VwVG und Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 
2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  ist  indessen  auf  die 
Erhebung der Verfahrenskosten zu verzichten.

D­6140/2011

Seite 10

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
schweizerische Botschaft in Kolumbien (Bogotá).

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Hans Schürch Anna Dürmüller Leibundgut

Versand: