# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f82d0450-53eb-58a8-ae7c-8a336cd84f17
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-10-03
**Language:** de
**Title:** Bauen ausserhalb Bauzone. Ausnahmebewilligung für eine freistehende Solaranlage. Voraussetzungen.
**Docket/Reference:** BRGE IV Nr. 0139/2024
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/2025-09_1.pdf

## Full Text

BRGE IV Nr. 0139/2024 vom 3. Oktober 2024 in BEZ 2025 Nr. 9

2.  Der  Rekurrent  beabsichtigt,  auf  dem  in  der  Landwirtschaftszone
gelegenen Grundstück Kat.-Nr. 1 eine freistehende, aufgeständerte Solaranlage
mit  32  Modulen  zu  errichten.  Die  Anlage  soll  zwischen  zwei  bestehenden
Gebäuden auf dem Boden angebracht werden.

Die  Baudirektion  verweigerte  hierfür  die 

raumplanungsrechtliche
Bewilligung  mit  der  Begründung,  die  Anlage  sei  nicht  zonenkonform  und  eine
Ausnahmebewilligung falle mangels Standortgebundenheit ausser Betracht. (…)

4.2  Die  geplante  Photovoltaikanlage 

ist  unbestrittenermassen  nicht
zonenkonform.  Wie  die  Baudirektion  ausführt  und  vom  Rekurrenten  nicht  in
Abrede gestellt wird, kann vorliegend nicht von einem voraussichtlich längerfristig
existenzfähigen Betrieb ausgegangen werden, da der Rekurrent Jahrgang 1952
hat  und  keine  Nachfolgeregelung  existiert.  Sodann  fehlt  es  auch  an  der
der
betrieblichen  Notwendigkeit 
i.S.v.  Art. 
Raumplanungsverordnung 
im
Baubewilligungsverfahren angegebene Zweck der Stromproduktion – der Betrieb
einer  Indoor-Hanfanlage  –  mangels  bodenabhängiger  Bewirtschaftung  keiner
zonenkonformen  Nutzung  entspricht.  Damit  kommt  ausschliesslich  eine
Ausnahmebewilligung gemäss Art. 24 des Raumplanungsgesetzes (RPG) i.V.m.
Art. 32c RPV in Betracht, was eine Standortgebundenheit voraussetzt.

a 
vom  Rekurrenten 

34  Abs. 
der 

(RPV),  weil 

lit. 

1 

4.3  Vorhaben  sind  standortgebunden,  wenn  eine  Baute  oder  Anlage  aus
technischen  oder  betriebswirtschaftlichen  Gründen  oder  wegen  der
Bodenbeschaffenheit  auf  einen  Standort  ausserhalb  der  Bauzone  angewiesen
ist. Dabei beurteilen sich die Voraussetzungen nach objektiven Massstäben. Es
kommt weder auf subjektive Vorstellungen und Wünsche des Einzelnen noch auf
die  persönliche  Zweckmässigkeit und  Annehmlichkeit  an.  An die  Erfordernisse
der  Standortgebundenheit  sind  hohe  Anforderungen  zu  stellen.  Es  müssen
besonders  wichtige  und  objektive  Gründe  einen  Standort  ausserhalb  der
Bauzone als viel vorteilhafter erscheinen lassen als einen Standort innerhalb der
Bauzone (BGr, 28. November 2008, 1C_228/2007, E. 5.2; BGE 117 Ib 383 vom
18. September 1991, E. 3a, m.w.H.).

Betreffend Solaranlagen konkretisiert der seit 1. Juli 2022 in Kraft stehende
Art. 32c  RPV  die  Anforderung  an  die  Standortgebundenheit.  Gemäss  Abs. 1
dieser  Bestimmung  können  Solaranlagen  mit  Anschluss  ans  Stromnetz
ausserhalb der Bauzonen insbesondere dann bewilligt werden, wenn sie (lit. a)
optisch  eine  Einheit  bilden  mit  Bauten  oder  Anlagen,  die  voraussichtlich
längerfristig rechtmässig bestehen oder (lit. b) schwimmend auf einem Stausee
oder auf anderen künstlichen Gewässerflächen angebracht werden oder (lit. c) in
wenig  empfindlichen  Gebieten  Vorteile  für  die  landwirtschaftliche  Produktion
bewirken oder entsprechenden Versuchs- und Forschungszwecken dienen. Die
Bestimmung  ist  nicht  abschliessend  («insbesondere»),  weshalb  grundsätzlich
auch  andere  als  die  erwähnten  Anlagetypen  als  standortgebunden  gelten
können. Gemäss Abs. 3 bedarf eine Bewilligung in jedem Fall einer umfassenden
Interessenabwägung.

- 2-

4.4 Der rekurrentischen Auffassung, wonach die geplante Solaranlage eine
optisch-bauliche  Einheit  mit  den  bestehenden  Gebäuden  Assek.-Nrn.  2  und  3
bilde,  weil  die  Panels  zwischen  diesen  optimal  eingebettet  seien,  kann  nicht
gefolgt  werden.  Die  Anlage besteht  aus  32 Elementen (insgesamt 1,3 m  hoch,
10,4 m  lang  und  7,7 m  breit),  die  freistehend  auf  einer  befestigten  Fläche
aufgeständert  werden  sollen.  Damit  bildet  die  Anlage  klarerweise  ein  neues,
zusätzliches  Element  in  der  Landschaft.  Allein  der  Umstand,  dass  die  Anlage
zwischen  zwei  Gebäuden  platziert  werden  soll,  genügt  nicht,  um  von  einer
optischen  Einheit  mit  diesen  auszugehen.  Wie  die  Baudirektion
vernehmlassungsweise  unter  Verweis  auf  den  erläuternden  Bericht  des
Eidgenössischen  Departements 
für  Umwelt,  Verkehr,  Energie  und
zur  Revision  der  Raumplanungsverordnung
Kommunikation 
(Solaranlagen  ausserhalb  der  Bauzonen)  zutreffend  ausführt,  erfasst  die
Variante  unter  lit. a  zum  Beispiel  Fassaden,  Staumauern,  Lärmschutzwände,
ausgenommen),
Dächer 
Balkonbrüstungen und Ähnliches. Der Bericht des UVEK hält denn auch fest, die
Idee  von  Buchstabe  a  sei,  Flächen  an  Bauten  oder  Anlagen,  die  ohnehin
bestehen, für die Energieproduktion nutzen zu können (vgl. Bericht UVEK, S. 5
f.). Eine solche Konstellation liegt im vorliegenden Fall nicht vor.

der  Bewilligungspflicht 

(UVEK) 

(soweit 

nicht 

von 

Auch eine Standortgebundenheit gemäss Art. 32c Abs. 1 lit. c RPV kommt
vorliegend  nicht  in  Betracht.  Die  Bestimmung  zielt  (neben  den  hier  nicht
interessierenden Forschungsanlagen) auf sogenannte Agrophotovoltaikanlagen
(vgl. Bericht UVEK, S. 5 f. sowie Oliver Streiﬀ / Renata Trajkova / Andreas Abegg,
Zur  Standortgebundenheit  von  Solaranlagen  ausserhalb  der  Bauzonen,  in:
Jusletter 26. September 2022, S. 11, m.w.H.). Agrophotovoltaik ist eine Technik,
bei der landwirtschaftliche Flächen gleichzeitig für den Anbau von Pflanzen und
zur  Stromerzeugung  durch  Photovoltaikanlagen  genutzt  werden.  Die  Methode
kombiniert Landwirtschaft und Solarenergiegewinnung auf derselben Fläche, um
die Landnutzung effizienter zu gestalten. Solarmodule werden auf Gestellen über
den  landwirtschaftlichen Flächen  installiert, wodurch darunter genügend  Raum
für  den  Pflanzenanbau  bleibt. Dadurch  können  Landwirte  gleichzeitig  Nahrung
produzieren  und  erneuerbare  Energie  gewinnen,  was  eine  doppelte  Nutzung
derselben Fläche ermöglicht. Die Solarmodule können die darunter wachsenden
Pflanzen vor intensiver Sonneneinstrahlung schützen und so die Auswirkungen
von  Hitze  und  Dürre  mindern.  Gleichzeitig  helfen  sie,  die  Verdunstung  zu
verringern und die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten. Der Ernteertrag kann unter den
richtigen Bedingungen stabil bleiben oder sogar gesteigert werden. Hierin sind
denn auch die von der Bestimmung verlangten Vorteile für die landwirtschaftliche
Produktion zu erblicken, welche entgegen dem rekurrentischen Verständnis nicht
bereits dann vorliegen, wenn die Solaranlage Strom für den landwirtschaftlichen
Betrieb  produziert.  Auch  eine  solche  Konstellation  liegt  im  vorliegenden  Fall
demnach nicht vor.

Schliesslich erweist sich die streitbetroffene Solaranlage auch aus anderen
Gründen  nicht als standortgebunden. Die vom  Rekurrenten ins Feld  geführten
subjektiven Interessen wie die Einsparung entsprechender Stromkosten und die
Förderung der Autarkie des Betriebs vermögen keine Standortgebundenheit zu
begründen. Wichtige, objektive Gründe, weshalb die Anlage auf einen Standort
ausserhalb der Bauzone angewiesen ist, liegen nicht vor. Daran vermag auch die

- 3-

im  Rahmen  der  vorzunehmenden  umfassenden  Interessenabwägung  geltend
gemachte Leistung des Beitrags zur Umsetzung der Energiestrategie von Bund
und  Kanton  nichts  zu  ändern,  da  diese  zur  Standortgebundenheit  kumulativ
vorausgesetzt wird.