# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 33074c7b-ffe7-52b2-80c8-719b4e7dbf5d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-10-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.10.2022 D-321/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-321-2022_2022-10-19.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-321/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 9 .  O k t o b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richterin Chiara Piras (Vorsitz), 

Richter David R. Wenger, 

Richter Daniele Cattaneo, 

Gerichtsschreiberin Kathrin Rohrer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan, 

vertreten durch Karin Fischli, (…), 

Beschwerdeführer, 

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug; beschleunigtes Verfahren) 

und Zuweisung des Asylsuchenden an den Kanton; 

Verfügung des SEM vom 21. Dezember 2021 / N (…). 

 

 

 

D-321/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a A._______ (nachfolgend: der Beschwerdeführer) suchte am 10. Okto-

ber 2021 in der Schweiz um Asyl nach. 

A.b Am 13. Oktober 2021 mandatierte er die ihm im Bundesasylzentrum 

(BAZ) der Region B._______ zugewiesene Rechtsvertretung. 

A.c Am 29. Oktober 2021 beantworteten die slowenischen Behörden ein 

am 13. Oktober 2021 vom Staatssekretariat für Migration (SEM) gestützt 

auf Art. 34 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parla-

ments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und 

Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines 

von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied-

staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (Dublin-III-

VO) an sie gerichtetes Informationsersuchen. 

A.d Das SEM führte am 9. November 2021 – im Beisein der Rechtsvertre-

tung – eine Erstbefragung für unbegleitete minderjährige Asylsuchende 

(EB UMA) durch. 

A.e Am 10. Dezember 2021 fand die Anhörung nach Art. 29 des Asylge-

setzes vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) statt. 

A.f Anlässlich der Befragungen gab der Beschwerdeführer zu seinem per-

sönlichen Hintergrund an, er sei afghanischer Staatsangehöriger tadschi-

kischer Ethnie aus dem Dorf C._______ (Bezirk D._______, Provinz 

E._______), wo er von Geburt bis zur Ausreise gelebt und (…) Jahre lang 

die Schule besucht habe. 

Zur Begründung seines Asylgesuchs führte er aus, sein Vater habe für den 

Geheimdienst der afghanischen Sicherheitsbehörden gearbeitet und ob-

wohl er seine Tätigkeit sehr diskret ausgeübt habe, hätten die Taliban vor 

rund zwei Jahren davon erfahren. Sie hätten auf der Suche nach seinem 

Vater dessen Haus durchsucht. Des Weiteren hätten sie ihm einen oder 

mehrere Drohbriefe geschrieben, worin sie ihn aufgefordert hätten, seine 

Arbeit zu beenden und sich ihnen zu stellen. In der Folge habe sich sein 

Vater versteckt und, da die Taliban ihn jeweils nachts gesucht hätten, sei 

nur noch tagsüber nach Hause gekommen. Nachdem sein Vater ver-

schwunden sei und da seine Mutter befürchtet habe, dass er von den Tali-

ban entführt werden würde, sei der Beschwerdeführer mit seiner Familie 

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Seite 3 

nach E._______ geflohen. Von dort aus sei er dann alleine in den Iran ge-

reist. Via F._______, G._______, H._______, I._______, J._______, 

K._______, L._______, M._______, N._______ und O._______ sei er 

schliesslich am 10. Oktober 2021 in die Schweiz gelangt. Seine Mutter und 

seine Geschwister würden sich weiterhin in E._______ verstecken und 

wenn die Taliban herausfinden würden, wo sich seine Familie aufhalte, wä-

ren ihre Leben ernsthaft in Gefahr. 

A.g Im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens reichte der Beschwerdefüh-

rer zum Nachweis seiner Identität und zur Untermauerung seiner Vorbrin-

gen eine Tazkira mit deutscher Übersetzung, verschiedene Zeugnisse und 

Kursbestätigungen, eine bis zum (…) 2023 gültige Weapon Access Card 

des National Directorate of Security seines Vaters sowie einen Drohbrief 

der Taliban vom (…) 2020 mit Übersetzung (alle in Kopie) als Beweismittel 

zu den Akten. 

B.  

B.a Das SEM unterbreitete dem Beschwerdeführer respektive dessen 

Rechtsvertreterin am 17. Dezember 2021 den Entwurf des Asylentscheids 

zur Stellungnahme. 

B.b Am 20. Dezember 2021 reichte der Beschwerdeführer eine Stellung-

nahme ein. 

C.  

Mit am selben Tag eröffneter Verfügung vom 21. Dezember 2021 stellte die 

Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

nicht (Dispositivziffer 1), lehnte sein Asylgesuch ab (Dispositivziffer 2) und 

verfügte die Wegweisung aus der Schweiz (Dispositivziffer 3). Gleichzeitig 

ordnete sie infolge der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs seine 

vorläufige Aufnahme in der Schweiz an (Dispositivziffern 4 und 5). Sodann 

wurde er – verbunden mit der Feststellung einer allfälligen Beschwerde ge-

gen die Kantonszuweisung komme keine aufschiebende Wirkung zu – dem 

Kanton P._______, welcher mit der Umsetzung der vorläufigen Aufnahme 

beauftragt wurde, zugewiesen (Dispositivziffern 6 und 7). Ferner ordnete 

das SEM die Aushändigung der editionspflichtigen Akten gemäss Akten-

verzeichnis an den Beschwerdeführer an (Dispositivziffer 8).

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Seite 4 

D.  

D.a Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 

20. Januar 2022 (Datum des Poststempels) Beschwerde beim Bundesver-

waltungsgericht und beantragte in materieller Hinsicht, die Verfügung vom 

21. Dezember 2021 sei in den Dispositivziffern 1–3 und 6 aufzuheben 

(Rechtsbegehren 1), er sei als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei in der 

Schweiz Asyl zu gewähren (Rechtsbegehren 2). Eventualiter seien die Dis-

positivziffern 1–3 und 6 aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an 

die Vorinstanz zurückzuweisen (Rechtsbegehren 3). In verfahrensrechtli-

cher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege 

und um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht (Rechtsbegehren 4). 

Der Beschwerde lagen eine Kopie der angefochtenen Verfügung des SEM, 

eine Empfangsbestätigung vom 21. Dezember 2021, eine Vollmacht vom 

13. Oktober 2021 sowie ein Foto des Bruders des Beschwerdeführers bei. 

D.b Mit Schreiben vom 24. Januar 2022 bestätigte das Gericht den Ein-

gang der Beschwerde. Gleichentags lagen dem Gericht die vorin-

stanzlichen Akten in elektronischer Form vor. 

E.  

Mit Verfügung vom 25. Januar 2022 stellte die Instruktionsrichterin fest, der 

Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz ab-

warten. Weiter hiess sie das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses. Gleichzeitig lud sie die Vorinstanz zur Einreichung einer Ver-

nehmlassung ein. 

F.  

Das SEM liess sich mit Eingabe vom 3. Februar 2022 vernehmen. 

G.  

Mit Verfügung vom 7. Februar 2022 wurde dem Beschwerdeführer Gele-

genheit gegeben zu replizieren. 

H.  

Mit Eingabe vom 22. Februar 2022 nahm der Beschwerdeführer Stellung 

zur vorinstanzlichen Vernehmlassung. 

Mit der Replik wurden ein Foto des Beschwerdeführers mit seinem Bruder 

sowie die Kopie einer Tazkira von diesem ins Recht gelegt. 

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Seite 5 

I.  

Mit Verfügung vom 28. Februar 2022 wurde das SEM zur Einreichung ei-

ner zweiten Vernehmlassung eingeladen. 

J.  

Mit Eingabe vom 10. März 2022 nahm die Vorinstanz Stellung zur Replik. 

K.  

Mit Verfügung vom 16. März 2022 wurde dem Beschwerdeführer die er-

gänzende Stellungnahme zugestellt und Gelegenheit eingeräumt, eine 

Stellungnahme sowie entsprechende Beweismittel einzureichen. 

L.  

Mit Eingabe vom 24. März 2022 reichte der Beschwerdeführer eine Triplik 

ein. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-

desverwaltungsgericht (VGG; SR 173.32) beurteilt das Bundesverwal-

tungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesge-

setzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG; 

SR 172.021). Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist 

daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachge-

biet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das 

Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vor-

liegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der 

Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 

des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG; SR 173.110]). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

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Seite 6 

Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 der Verordnung über Massnahmen im Asylbe-

reich im Zusammenhang mit dem Coronavirus vom 1. April 2020 [Covid-

19-Verordnung Asyl; SR 142.318], Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 

VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 

 

2.  

2.1 Prozessgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden 

die Flüchtlingseigenschaft, der Asylpunkt, die Wegweisung sowie die Kan-

tonszuteilung des Beschwerdeführers. Der Wegweisungsvollzug ist nicht 

mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz den Beschwerdeführer mit Verfü-

gung vom 21. Dezember 2021 wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungs-

vollzugs vorläufig aufgenommen hat. 

2.2 Zwar wurde in der Beschwerde beantragt, die Dispositivziffer 6 der an-

gefochtenen Verfügung (Kantonszuweisung) sei aufzuheben, eventualiter 

zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen (vgl. Rechtsbegeh-

ren 1 und 3). Der Beschwerdeführer begründete in seinen Rechtsmittelein-

gaben jedoch nicht, weshalb er mit seiner Zuweisung in den Kanton 

P._______ nicht einverstanden sei. Entscheide über die Zuweisung der 

asylsuchenden Person an einen Kanton können gemäss Art. 27 

Abs. 3 AsylG nur mit der Begründung angefochten werden, sie verletzten 

den Grundsatz der Einheit der Familie. Inwiefern der Grundsatz der Einheit 

der Familie verletzt worden sein soll, lässt sich aus den vorliegenden Akten 

nicht entnehmen, zumal der Beschwerdeführer anlässlich der EB UMA an-

gab, in der Schweiz keine Familienangehörigen zu haben (vgl. SEM-

Akte 21/11, Ziff. 3.02). Folglich ist auf den Antrag, die Dispositivziffer 6 der 

angefochtenen Verfügung sei aufzuheben (Rechtsbegehren 1), nicht wei-

ter einzugehen. 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/

26 E. 5). 

4.  

4.1 In der Beschwerde wurden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu 

prüfen sind, da sie unter Umständen geeignet sein könnten, eine Kassation 

der erstinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2).

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4.2  

4.2.1 Der Beschwerdeführer rügte, indem die Vorinstanz auf die durch die 

Machtübernahme der Taliban erfolgte Lageveränderung nicht eingegangen 

sei, die Asylrelevanz seiner Vorbringen allgemein ungeprüft gelassen habe 

und auch auf eine mögliche Reflexverfolgung nicht näher eingegangen sei, 

habe sie in mehrfacher Weise den Untersuchungsgrundsatz verletzt 

(vgl. dort Ziff. 5, S. 8). 

4.2.2 Im Asylverfahren – wie in anderen Verwaltungsverfahren auch – gilt 

der Untersuchungsgrundsatz (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG). Danach 

muss die entscheidende Behörde den Sachverhalt von sich aus abklären. 

Sie ist verantwortlich für die Beschaffung der für den Entscheid notwendi-

gen Unterlagen und das Abklären sämtlicher rechtsrelevanter Tatsachen 

(vgl. ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Verwaltungsverfah-

ren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, N 142; PAT-

RICK KRAUSKOPF/KATRIN EMMENEGGER/FABIO BABEY, in: Waldmann/Weis-

senberger [Hrsg.], Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 

2. Aufl. 2016, N 20 ff. zu Art. 12 VwVG). Die unrichtige oder unvollständige 

Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der behörd-

lichen Untersuchungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 

Abs. 1 Bst. b AsylG, Art. 49 Bst. b VwVG). Unrichtig ist die Sachverhalts-

feststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger oder 

nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig 

ist sie, wenn die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt 

nicht von Amtes wegen abgeklärt oder nicht alle für die Entscheidung we-

sentlichen Sachumstände berücksichtigt hat (vgl. dazu CHRISTOPH AUER/

ANJA MARTINA BINDER, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Ver-

waltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, N 16 zu Art. 12 VwVG). 

4.2.3 Das SEM hat in seinem Asylentscheid nach eingehender Prüfung 

festgestellt, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers aufgrund wider-

sprüchlicher und nicht mehr geltend gemachter Angaben den Anforderun-

gen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht zu genügen vermö-

gen (vgl. dort E. II, S. 3 f.). Angesichts dessen musste es sich auch nicht 

gehalten sehen, die Asylrelevanz zu prüfen. Ob diese Einschätzung zu 

Recht erfolgte, bildet Gegenstand der materiellen Würdigung durch das 

Gericht. Sodann setzte sich die Vorinstanz zumindest in ihrer Vernehmlas-

sung eingehend mit einer möglichen Reflexverfolgung auseinander (vgl. 

dort S. 2 f.). Schliesslich hat das SEM im Rahmen der Prüfung der vorläu-

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Seite 8 

figen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die ak-

tuelle Sicherheitslage in Afghanistan berücksichtigt und ihr entsprechend 

Rechnung getragen (vgl. dort E. III). 

4.3 Nach dem Gesagten erweisen sich die formellen Rügen als unbegrün-

det, weshalb keine Veranlassung besteht, die angefochtene Verfügung aus 

formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzu-

weisen. Der entsprechende Kassationsantrag (Rechtsbegehren 3) ist dem-

entsprechend abzuweisen. 

5.  

5.1 Im vorliegend zu beurteilenden Fall ist umstritten, ob die Vorinstanz zu 

Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein 

Asylgesuch abgelehnt hat. 

5.2 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; frauenspezifischen Flucht-

gründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.3 Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffe-

nen Person auch auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Re-

flexverfolgung vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der 

Reflexverfolgung betroffene Person ernsthaften Nachteilen im Sinne von 

Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nachteile 

mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründet 

befürchten muss (zum Begriff der Reflexverfolgung vgl. BVGE 2007/19 

E. 3.3 m.w.H.). Die erlittene Verfolgung beziehungsweise die begründete 

Furcht vor zukünftiger (Reflex-)Verfolgung muss ferner sachlich und zeit-

lich kausal für die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und 

grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein. 

5.4 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/19

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Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält (Art. 7 Abs. 1 und 2 AsylG). Unglaubhaft sind insbesondere Vor-

bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi-

dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf 

gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 Abs. 3 

AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das 

Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt 

und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden 

(vgl. beispielsweise BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). Bei dem bei der Glaub-

haftigkeitsbeurteilung anzusetzenden Massstab ist auf die Minderjährigkeit 

der asylsuchenden Person Rücksicht zu nehmen (vgl. Entscheidungen und 

Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 

Nr. 34 E. 4.4; vgl. hierzu auch Urteil des BVGer E-4538/2021 vom 

21. Juni 2022 E. 5.2 m.w.H.). 

6.  

6.1 In ihrer abweisenden Verfügung kam die Vorinstanz zum Schluss, die 

Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen an die 

Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten. Zur Begrün-

dung führte sie aus, es sei zwar überwiegend glaubhaft, dass sein Vater 

für die afghanischen Behörden gearbeitet habe, allerdings habe er sich zu 

wesentlichen Punkten seiner Asylgründe widersprüchlich geäussert. Bei-

spielsweise habe er unvereinbare Angaben dazu gemacht, wann und von 

wem er von den Geheimdiensttätigkeiten seines Vaters erfahren habe, wie 

viele Drohbriefe die Taliban geschrieben hätten, wozu sein Vater durch 

diese aufgefordert worden sei, wann sie seinen Vater gesucht hätten sowie 

ob und wann dieser nach den Drohungen nach Hause gekommen sei. Wei-

ter habe er in der EB UMA angegeben, dass die Taliban versucht hätten 

mit Hilfe der Dorfältesten seinen Vater zur Aufgabe seiner Tätigkeit zu be-

wegen, wohingegen er dies in der Anhörung nicht mehr erwähnt habe. Vor 

diesem Hintergrund seien seine Ausführungen, wonach er wegen der Tä-

tigkeit seines Vaters durch die Taliban gefährdet gewesen sei, auch unter 

Berücksichtigung seiner Minderjährigkeit nicht glaubhaft. 

6.2 In der Rechtsmitteleingabe machte der Beschwerdeführer geltend, er 

habe am (…) 2021 erfahren, dass sein jüngerer Bruder Q._______ von den 

Taliban mitgenommen worden sei. Damit habe sich die geschilderte Angst 

von ihm und seinen Familienangehörigen vor Repressionen durch die Ta-

liban in Zusammenhang mit seinem Vater verwirklicht. Als Beleg reichte er 

eine Kopie eines Fotos ein, worauf angeblich Q._______ und seine drei 

Entführer zu sehen sein sollen. Weiter brachte er in der Beschwerde vor, 

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Seite 10 

seine Minderjährigkeit sei im angefochten Entscheid nur unzureichend be-

rücksichtigt worden. Die Ansicht des SEM, wonach "er schon lange kein 

Kind" mehr sei, sei schlichtweg falsch, da alle Personen unter 18 Jahren 

nach Art. 1 des Übereinkommens über die Rechte des Kindes vom 20. No-

vember 1989 (KRK; SR 0.107) als Kinder gelten würden. Ferner habe es 

die Vorinstanz unterlassen, die eingereichten Beweismittel, welche seine 

Ausführungen untermauern würden und klar für die Glaubhaftigkeit seiner 

Vorbringen zu werten seien, in die – ohnehin einseitige – Würdigung der 

Glaubhaftigkeit einfliessen lassen. Auch die vermeintlichen Widersprüche 

würden sich auflösen lassen. So habe er anlässlich der Anhörung klar ge-

äussert, dass er von seiner Mutter von der Geheimdiensttätigkeit seines 

Vaters erfahren habe, wobei er zuvor bereits selbst vermutet habe, dass 

sein Vater geheime und wichtige Tätigkeiten ausüben könnte. Weiter habe 

er nur den Drohbrief gesehen, welchen er als Beweismittel zu den Akten 

gereicht habe. Gemäss Aussage seiner Mutter würden noch weitere 

Schreiben der Taliban existieren, diese habe er selber jedoch nie gesehen, 

weshalb er auch nicht mit Sicherheit sagen könne, ob es sich dabei tat-

sächlich um Drohbriefe handle. Hinsichtlich der Involvierung der Dorfältes-

ten habe er bereits bei der Anhörung angegeben, dass er diese nicht er-

wähnt habe, weil er sie vergessen habe. Insgesamt habe er glaubhaft ma-

chen können, dass er im Falle einer Rückkehr nach Afghanistan aufgrund 

seines Alters und der geheimdienstlichen Tätigkeit seine Vaters Gefahr 

laufe, Opfer einer Reflexverfolgung durch die Taliban zu werden. 

6.3 In der Vernehmlassung hielt das SEM fest, einerseits sei es ein enor-

mer Zufall, und entsprechend unwahrscheinlich, dass der Beschwerdefüh-

rer ausgerechnet nach der Besprechung des Entscheidentwurfs erfahren 

haben will, dass sein Bruder verschleppt worden sei. Andererseits sei 

Q._______ nur sein Halbbruder väterlicherseits, weshalb es keinen Sinn 

mache, dass sich nicht dessen leibliche Mutter, sondern die Mutter des Be-

schwerdeführers wegen der Entführung beschwert haben soll. Weiter sei 

nicht klar wo und wann das eingereichte Foto gemacht worden sei und es 

gebe keinerlei Hinweise, dass es sich bei den abgebildeten Personen um 

Q._______ und drei Taliban handle. Zudem habe der Beschwerdeführer 

berichtet, dass sein verschollener Vater nach Auffassung seiner Mutter von 

den Taliban entführt worden sei. Sofern dies zutreffen sollte, hätten die Ta-

liban kein Motiv, um seinen Bruder als Druckmittel für Informationen über 

den Verbleib des Vaters festzuhalten. Zum Vorwurf der unzureichenden 

Berücksichtigung der Minderjährigkeit des Beschwerdeführers entgegnete 

die Vorinstanz, es handle sich bei ihm um einen (…)-jährigen Jugendlichen 

mit solider Schulbildung, der sich gut ausdrücken könne und kein unreifes 

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Seite 11 

Kind mehr sei. Alsdann sei zwar festgestellt worden, dass es als überwie-

gend wahrscheinlich sei, dass der Vater des Beschwerdeführers für die Be-

hörden gearbeitet habe. Ein erhöhtes Risikoprofil führe für sich alleine je-

doch noch nicht zur begründeten Furcht vor Verfolgung und die abstrakte 

Gefährdung vermöge die Flüchtlingseigenschaft noch nicht zu begründen. 

Dem Beschwerdeführer sei es nicht gelungen, eine persönliche Gefähr-

dung vor dem Hintergrund der jüngsten politischen Umwälzungen in Afgha-

nistan nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Daran würden 

auch die eingereichten Beweismittel nichts zu ändern vermögen, da diese 

nicht im Original vorliegen würden. Überdies seien Taliban-Drohbriefe 

leicht fälschbar und bei der Waffentragekarte sei nicht belegt, dass die da-

rauf abgebildete Person der Vater des Beschwerdeführers sei. Darüber 

hinaus bestehe ein doppelter Widerspruch hinsichtlich der zeitlichen Ein-

ordnung der An- und Abwesenheiten seines Vaters und dem Eintreffen des 

Drohschreibens der Taliban. 

6.4 Mit der Replik hielt der Beschwerdeführer hinsichtlich der Argumenta-

tion des SEM, wonach es sich bei der Verschleppung des Bruders durch 

die Taliban nach der Besprechung des Entscheidentwurfs um einen enor-

men Zufall handle, entgegen, dass dies wohl ein Zufall sei, die Vorkomm-

nisse deshalb aber nicht unwahrscheinlich seien. Dass und wann die Tali-

ban seinen Bruder verschleppen wollten, könne er jedenfalls nicht antizi-

pieren. Er stehe zwar regelmässig aber dennoch nicht täglich im Austausch 

mit seiner Familie, weshalb es durchaus sein könne, dass er genau zu je-

nem Zeitpunkt davon erfahren habe. Auch, dass sich seine Mutter wegen 

Q._______ Verschleppung beschwert habe, sei angesichts der familiären 

Situation nachvollziehbar, denn sie sei die erste Ehefrau seines Vaters und 

trage entsprechend die Verantwortung für alle Familienmitglieder. Mit der 

Entführung seines Bruders habe sich die Gefahr der Verfolgung von Fami-

lienmitgliedern verwirklicht, weshalb nicht mehr von einer abstrakten Ge-

fährdung ausgegangen werden könne. Mit dem nachgereichten Foto auf 

der Tazkira seines Bruders und demjenigen von ihnen beiden, werde be-

legt, dass es sich um dieselbe Person handle, wie auf dem Foto mit den 

drei Taliban am Tag der Entführung. Betreffend die Zweifel, ob es sich bei 

den drei Männern tatsächlich um Taliban handle, wurde eingewendet, dass 

alle bewaffnet seien und zwei von ihnen auf ihren Jackenärmel Abzeichen 

tragen würden, welche ihrer Form nach die Flagge des Islamischen Emi-

rats Afghanistan erahnen liessen. Des Weiteren seien die Gründe des Ver-

schwindens seines Vaters unbekannt und jegliche Erklärung dafür würde 

auf Mutmassungen basieren. Es sei deshalb davon auszugehen, dass die 

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Seite 12 

Taliban, welche seinen Bruder entführt hätten, da sie nichts über den Ver-

bleib des Vaters wissen, nach wie vor nach ihm suchen würden.  

6.5 In der Duplik hielt das SEM an seinen Erwägungen fest und führte er-

gänzend aus, zwar sei der zeitliche Zufall der Entführung seines Halbbru-

ders nicht völlig ausgeschlossen, angesichts der widersprüchlichen und 

nicht mehr geltend gemachten Vorbringen aber trotzdem äusserst zweifel-

haft. Es könne sodann auch sein, dass die Mutter des Beschwerdeführers 

als erste Ehefrau seines Vaters die Verantwortung für die zweite Ehefrau 

ihres Mannes und deren Kinder trage, letztlich sei diese Darlegung jedoch 

eine unbelegte Parteiauskunft. Für den Beschwerdeführer bestehe über-

dies keine konkrete Gefahr, weil seine Asylvorbringen und auch die Entfüh-

rung von Q._______ als unglaubhaft zu qualifizieren seien. Die Vermutun-

gen bezüglich das Foto von Q._______ mit drei Taliban seien sodann spe-

kulativ, da die Bildkopie sehr unscharf und ein Vergleich mit den neu ein-

gereichten Fotos nicht möglich sei. Selbst wenn man davon ausginge, dass 

auf der unscharfen Bildkopie drei Taliban ersichtlich seien, sei nicht belegt, 

dass der darauf ebenfalls abgebildete Knabe Q._______ sei. Zudem sei 

weiterhin nicht klar, wann und wo dieses Bild gemacht worden sei. Sodann 

werde die Kritik, die Beweismittel seien unzureichend berücksichtig wor-

den, zurückgewiesen, da der Beweiswert der lediglich in Kopie eingereich-

ten Unterlagen sehr gering sei und die abgegebenen Zeugnisse und Kurs-

bestätigungen nicht asylrelevant seien. Schliesslich sei der doppelte Wi-

derspruch in der Replik nicht aufgelöst worden und zusätzlich sei zu be-

rücksichtigen, dass sich in den Vorbringen des Beschwerdeführers etliche 

weitere Widersprüche finden lassen würden. 

6.6 In seiner Triplik hielt der Beschwerdeführer den von der Vorinstanz auf-

geführten Zweifel am Foto seines Bruders mit den drei Taliban entgegen, 

dass der Kontext sowie die mit der Replik nachgereichten Fotos seines 

Bruders darauf schliessen lassen würden, dass es sich dabei tatsächlich 

um Taliban handle. Im Übrigen wurde auf die Ausführungen in der Be-

schwerde sowie in der Replik verwiesen. 

7.  

7.1 Vorab ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine eigenen Asyl-

gründe vorbrachte und selbst nie gezielt Opfer von Verfolgungshandlungen 

im Heimatstaat geworden ist.

D-321/2022 

Seite 13 

7.2  

7.2.1 Soweit er geltend machte, aufgrund der angeblichen Geheimdienst-

tätigkeit seines Vaters gefährdet zu sein, machte er eine Reflexverfolgung 

geltend. Nachfolgend ist deshalb der Frage nachzugehen, ob er im Zeit-

punkt seiner Ausreise einer asylbeachtlichen Reflexverfolgung unterlag 

und ob er aus heutiger Sicht objektiv begründete Furcht vor künftiger Ver-

folgung im Sinne des AsylG hat. 

7.2.2 Gemäss langjähriger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-

richts lassen sich bei der Beurteilung der Sicherheitslage in Afghanistan 

Gruppen von Personen definieren, die aufgrund ihrer Exponiertheit einem 

erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt sind. Dazu gehören unter anderem 

Personen, welche der afghanischen Regierung oder der internationalen 

Gemeinschaft inklusive den internationalen Militärkräften nahestehen oder 

als Unterstützer derselben wahrgenommen werden sowie westlich orien-

tierte oder der afghanischen Gesellschaft aus anderen Gründen nicht ent-

sprechende Personen (vgl. hierzu Referenzurteil des BVGer D-5800/2016 

vom 13. Oktober 2017 sowie statt vieler Urteil des BVGer E-1775/2016 

vom 3. Dezember 2018 E. 6.2 m.w.H.). Demgemäss betrachten die Tali-

ban Angehörige der afghanischen Sicherheitskräfte als Feinde ihrer Sa-

che, weshalb ihnen Nachteile angedroht werden, welche bisweilen auch 

vollzogen werden. Indessen handelt es sich dabei um Personen, welche 

sich in besonderer Weise exponiert haben, so dass sie den Taliban aufge-

fallen sind (vgl. Urteil des BVGer D-6581/2018 vom 27. Februar 2019 

E. 5.3.1). Zwar kann die aktuelle Lage in Afghanistan nicht abschliessend 

beurteilt werden, sie hat sich jedoch nach der Machtergreifung der Taliban 

im August 2021 zweifellos noch akzentuiert, weshalb diese Rechtspre-

chung weiterhin Gültigkeit hat (vgl. Urteile des BVGer E-5120/2021 vom 

21. Juli 2022 E. 6.3.2, D-2161/2021 vom 12. Januar 2022 E. 7.3 und 

E-4649/2021 vom 15. November 2021 E. 7.4.2; vgl. ferner European 

Union Agency for Asylum [EASO], Afghanistan Country focus – Country of 

Origin Information Report vom Januar 2022, S. 48 ff., <https://coi.euaa.eu-

ropa.eu/administration/easo/PLib/2022_01_EASO_COI_Report_Afghani

stan_Country_focus.pdf> und Update der Schweizerischen Flüchtlingshilfe 

[SFH] -Länderanalyse vom 31. Oktober 2021, Afghanistan: Gefährdungs-

profile, S. 16 ff., <https://www.fluechtlingshilfe.ch/fileadmin/user_upload/

Publikationen/Herkunftslaenderberichte/Mittlerer_Osten_-_Zentralasien/

Afghanistan/211031_AFG_Update_Gefaehrdungsprofile.pdf>, beide letzt-

mals abgerufen am […]). 

D-321/2022 

Seite 14 

Sodann kann gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-

richts die familiäre Zugehörigkeit zu einer Person, welche einem erhöhten 

Verfolgungsrisiko im Sinne der obenstehenden Erwägungen ausgesetzt 

ist, zu einer Reflexverfolgung führen (vgl. Urteile des BVGer D-5120/2021 

vom 21. Juli 2022 E.6.3.4, D-1728/2022 vom 10. Mai 2022 E. 7.3 und 

D-2161/2021 vom 12. Januar 2022 E. 7.4). Dies gilt insbesondere in Bezug 

auf (ehemalige) Angehörige der Polizei und der Sicherheitskräfte, Regie-

rungsbeamte oder der Regierung nahestehende Personen (vgl. SFH, 

a.a.O., S. 13 f. sowie Human Rights Watch [HRW], "No Forgiveness for 

People Like You": Executions and Enforced Disappearances in Afghanis-

tan under the Taliban, 30. November 2021, <www.hrw.org/report/2021/11/

30/no-forgiveness-people-you/executions-and-enforced-disappearances-

afghanistan>, beide letztmals abgerufen am […]). Eine Einschätzung hat 

jedoch im jeweiligen Einzelfall zu erfolgen. 

7.2.3 Der Beschwerdeführer machte geltend, sein Vater habe beim afgha-

nischen Geheimdienst gearbeitet (vgl. SEM-Akten […]-21/11 [nachfolgend: 

21/11], Ziff. 7.01 und […]-27/14 [nachfolgend: 27/14], F7 und F40 f.). Die 

Vorinstanz gelangte in der Folge in ihrem Asylentscheid zum Schluss, es 

sei überwiegend glaubhaft, dass sein Vater für die afghanischen Behörden 

gearbeitet hat (vgl. dort E. II, S. 4).  

Zwar fielen die Angaben des Beschwerdeführers zur Ausbildung sowie zur 

Tätigkeit seines Vaters auch unter Berücksichtigung seiner Minderjährig-

keit unsubstantiiert und vage aus (vgl. SEM-Akte 27/14, F62–65), ferner 

schilderte er – entgegen der auf Beschwerdeebene vertretenen Ansicht – 

widersprüchlich, wie er von dessen Arbeit als Geheimagent erfahren haben 

will (vgl. SEM-Akten 21/11, Ziff. 7.01 sowie 27/14, F43 f. und F74 ff.; 

vgl. ferner die diesbezüglichen Ausführungen des SEM in der angefochte-

nen Verfügung sowie in der Vernehmlassung). Dennoch schliesst auch das 

Gericht eine Tätigkeit des Vaters für die afghanischen Sicherheitsbehörden 

nicht grundsätzlich aus. Selbst wenn jedoch angenommen werden würde, 

der Vater des Beschwerdeführers wäre aufgrund seiner Anstellung für eine 

staatliche Behörde einem erhöhten Verfolgungsrisiko von Seiten der Tali-

ban ausgesetzt gewesen, würde dessen Risikoprofil per se noch keine Re-

flexverfolgung für die näheren Angehörigen wie den Beschwerdeführer zu 

begründen vermögen. Um eine begründete Furcht vor einer Reflexverfol-

gung im Sinne von Art. 3 AsylG zu bejahen, muss ein begründeter Anlass 

zur Annahme bestehen, eine solche Verfolgung werde sich mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft auch in Bezug auf die Ange-

hörigen verwirklichen. Es müssen konkrete Indizien dargelegt werden, die 

D-321/2022 

Seite 15 

die Furcht vor einer real drohenden Verfolgung nachvollziehbar erscheinen 

lassen (vgl. EMARK 1994 Nr. 5; vgl. ferner Urteil des BVGer E-4140/2014 

vom 13. Oktober 2014 E. 5.4). 

7.2.4 Im vorliegend zu beurteilenden Fall, vermochte der Beschwerdefüh-

rer nicht glaubhaft zu machen, dass nebst seinem Vater auch die übrigen 

Familienangehörigen und damit auch er selbst durch die Taliban gefährdet 

gewesen waren. Für diese Einschätzung spricht insbesondere der Um-

stand, dass der Vater – nachdem er von den Taliban gesucht worden sein 

soll – offenbar nur sich selbst, nicht aber seine Familienangehörigen in Si-

cherheit brachte. Des Weiteren verstrickte sich der Beschwerdeführer hin-

sichtlich der vorgebrachten Verfolgungshandlungen der Taliban in Wider-

sprüche, die er weder anlässlich der Anhörung, als er mit den Ungereimt-

heiten konfrontiert wurde (vgl. SEM-Akte 27/14, F77 ff.), noch durch die 

Ausführungen in der Beschwerde (vgl. dort Ziff. 4.1.4, S. 6), in der Replik 

(vgl. dort S. 3) oder in der Triplik (vgl. dort S. 1 f.) plausibel aufklären oder 

ausräumen konnte, womit ernsthafte Zweifel an seinen Ausführungen auf-

kommen. Zwar kommt den im ersten Protokoll wiedergegebenen Aussa-

gen angesichts des summarischen Charakters der Befragung für die Beur-

teilung der Glaubhaftigkeit der Asylgründe nur beschränkter Beweiswert 

zu, Aussagewidersprüche dürfen und müssen bei dieser Prüfung jedoch 

mitberücksichtigt werden, wenn klare Aussagen in der Erstbefragung in 

wesentlichen Punkten der Asylbegründung von den späteren Aussagen di-

ametral abweichen oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, 

die später als zentrale Asylgründe genannt werden, nicht zumindest an-

satzweise in der Erstbefragung erwähnt werden. Anlässlich der EB UMA 

gab er zu Protokoll, die Taliban hätten Drohbriefe geschickt, worin sie sei-

nen Vater aufgefordert hätten, sich ihnen zu stellen, ansonsten er getötet 

werde. Da dieser ihren Forderungen nicht nachgekommen sei, hätten sie 

von den Dorfältesten verlangt, zu intervenieren und ihn dazu zu bringen, 

sich ihnen zu stellen und seinen Job aufzugeben. Ausserdem seien sie fast 

jede Nacht vorbeigekommen und hätten das Haus durchsucht, weshalb 

sein Vater nur noch tagsüber für eine kurze Zeit nach Hause gekommen 

sei und sich ansonsten in R._______ aufgehalten habe (vgl. SEM-

Akte 21/11, Ziff. 7.01). Demgegenüber brachte er in der Anhörung vor, als 

die Taliban erfahren hätten, dass sein Vater Geheimagent sei, hätten sie 

ihn zu Hause aufgesucht. Da er sich jedoch zu diesem Zeitpunkt in 

S._______ aufgehalten habe, hätten sie seiner Mutter den Drohbrief über-

reicht, welchen er zu den Akten gereicht habe. Darin hätten sie von ihm 

verlangt, dass er seine Arbeit mit Juden und Ungläubigen beende. Sein 

http://links.weblaw.ch/EMARK-1994/5

D-321/2022 

Seite 16 

Vater sei daraufhin nur noch tagsüber für einige Stunden nach Hause ge-

kommen. Die Taliban hätten das Haus ein oder zwei weitere Male durch-

sucht (vgl. SEM-Akte 27/14, F21 ff., F41, F45 ff.). Soweit der Beschwerde-

führer diese Widersprüche mit seiner Minderjährigkeit zu erklären versucht, 

wobei er jedoch nicht konkretisierte, inwiefern seine allfällige kindliche Un-

reife ihn bei seinen Aussagen beeinträchtigte, ist entgegen zu halten, dass 

seine Schilderungen auch in Anbetracht des aufgrund seines Alters herab-

gesetzten Massstabs nicht zu überzeugen vermögen. Der Vollständigkeit 

halber bleibt anzufügen, dass der sich bei den vorinstanzlichen Akten be-

findliche Drohbrief, welcher inhaltlich nicht mit den Angaben des Beschwer-

deführers übereinstimmt, lediglich in Kopie vorliegt (vgl. SEM-Akte […]-23 

[Beweismittelcouvert], Beweismittel 7), weshalb ihm aufgrund der Fäl-

schungsanfälligkeit kein rechtserheblicher Beweiswert beigemessen wer-

den kann, zumal derartige Dokumente – wie in der Vernehmlassung zutref-

fend bemerkt wurde (vgl. dort S. 3) – ohne Weiteres käuflich erworben wer-

den können. Sodann sind die Umstände des Verschwindens des Vaters 

unklar und es ist auch bis dato nicht bekannt, was mit ihm geschah. Dem-

entsprechend kann daraus nicht auf eine zukünftige asylrelevante Gefähr-

dung geschlossen werden. Sollte er jedoch, wie vom Beschwerdeführer 

respektive von dessen Mutter vermutet (vgl. SEM-Akte 27/14, F41), tat-

sächlich von den Taliban entführt worden sein, ist – wie das SEM zutreffend 

festhielt – nicht ersichtlich, welches Interesse die Taliban an der Familie 

des Beschwerdeführers oder ihm noch haben sollten. Daran vermag auch 

die nachträglich vorgebrachte Sachverhaltsergänzung, wonach der Bruder 

des Beschwerdeführers nach seiner Ausreise am (…) oder (…) 2021 durch 

die Taliban entführt worden sein soll, nichts zu ändern. Das zu den Akten 

gereichte Foto, welches seinen Bruder mit seinen Entführern zeigen soll, 

ist jedenfalls nicht geeignet, diese Vorbringen zu stützen, da die darauf ab-

gebildeten Personen nicht identifizierbar sind und die Momentaufnahme 

auch keine Rückschlüsse auf die Umstände ihres Entstehens zulässt. Im 

Übrigen wurden seither auch keine weiteren Behelligungen der weiterhin 

in E._______ lebenden Familienmitglieder geltend gemacht. 

7.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass es dem Beschwerdeführer 

nicht gelungen ist, eine zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus Afghanistan im 

Zusammenhang mit der Tätigkeit seines Vaters für die afghanischen Be-

hörden sowie der Entführung seines Bruders bestehende oder drohende 

asylrelevante Gefährdung durch die Taliban nachzuweisen oder glaubhaft 

zu machen. Auf Beschwerdeebene wurde nichts Stichhaltiges entgegen-

gehalten und es wurden keine Beweismittel eingereicht, die an dieser Ein-

schätzung etwas zu ändern vermöchten. Die Vorinstanz hat demzufolge zu 

D-321/2022 

Seite 17 

Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint und sein Asylgesuch abge-

lehnt. 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet 

(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.3 Die Wegweisungsvollzugshindernisse (Unzulässigkeit, Unzumutbar-

keit und Unmöglichkeit; vgl. Art. 83 Abs. 2–4 AIG) sind alternativer Natur: 

Sobald eines von ihnen erfüllt ist, ist der Wegweisungsvollzug als undurch-

führbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit in der Schweiz gemäss 

den Bestimmungen der vorläufigen Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 

2011/24 E. 10.2 und 2009/51 E. 5.4, je m.w.H.). Da der Beschwerdeführer 

mit Verfügung des SEM vom 21. Dezember 2021 wegen gegenwärtiger 

Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen wurde 

(vgl. Dispositivziffer 4 der angefochtenen Verfügung), erübrigen sich pra-

xisgemäss weitere Ausführungen zur Zulässigkeit und Möglichkeit des 

Wegweisungsvollzugs. 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 

vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]). Nachdem mit Verfügung vom 

25. Januar 2022 das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-

führung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen worden ist und 

weiterhin von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist, 

sind ihm keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

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Seite 18 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-321/2022 

Seite 19 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Chiara Piras Kathrin Rohrer 

 

 

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