# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c50dff31-9197-5e8f-8c18-156ec2303a10
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-02-13
**Language:** de
**Title:** HWS-Distorsion nach Auffahrunfall, degenerativer Vorzustand der HWS, keine objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen (Diskushernie), Adäquanz gemäss Schleudertrauma-Praxis verneint, Abweisung
**Docket/Reference:** UV.2022.00183
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2022.00183.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2022.00183
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Senn
Ersatzrichterin Gasser Küffer
Gerichtsschreiberin Langone
Urteil
vom
13. Februar 2023
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwältin Nicole
Gierer
Zelezen
Knus
Gnädinger
Landolt, Rechtsanwälte
Molkereistrasse 1, Postfach, 8645 Jona
gegen
Suva
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren
1985
, arbeitet
als
Isoleur
bei der
Y.___
GmbH und war dadurch bei der Suva unfallversichert, al
s er am 1
7.
Februar 2021 einen
Auf
fahr
unfall
erlitt
, als er mit seinem Lieferwagen vor einem Fussgängerstreifen anhielt und ihm ein
Lastwagenfahrer
in das Heck fuhr (
Urk.
8/1). Er suchte glei
chentags das
Kantonsspital
Z.___
auf
, wo eine
Fraktur Zahn 11,
eine
Unter
kieferkontusion, HWS-Distors
i
on, BWS/LWS-Kontusion und eine Thorax-Kontu
sion diagnostiziert wurden (Urk. 8/26)
. Das MRI der HWS vom 2
8.
April 2021 zeigte eine Diskopathie C6/7 mit einer
medi
o
lateralen
Diskushernie links
(Urk.
8/41). Am
6.
M
ai 2021 fand
im Auftrag der Suva
ein ambula
ntes HWS-
Assessment
in der Rehaklinik
A.___
statt (Urk.
8/43).
Am 2
8.
Mai 2021 erfolgte eine
Vorlage an den Kreisarzt
Dr.
med.
B.___
, Arzt für Allgemein
medizin (Urk.
8/48). Bei
persistierenden Schwind
el
beschwerden sowie
G
ang
unsicherheit erfolgte am 1
8.
Februar 2022 eine Untersuchung im Schwindel
zentrum des
Unive
rsitätsspital
s
C.___
(
Urk.
8/109). Am 1
2.
Mai 2022
fand
eine
weitere
Vorlage an den Kreisarzt
Dr.
B.___
statt
(
Urk.
8/127).
Die
bis dahin
erbrachten Leistungen
(Taggelder, Heilkosten)
stellte die Suva mit Verfügung vom 1
6.
Mai 2022 per
1.
Juni 2022 ein und verneinte einen Anspruch auf Integritätsentschädigung und Rente (
Urk.
8/135). Die vom Versicherten am 17. Juni 2022 erhobene Einsprache (
Urk.
8/145) wies die Suva
nach
neuer
licher Vorlage
an
die Versicherungsmedizin (
Urk.
8/151) mit Entscheid vom
1
4.
Se
p
tember
2022 ab (
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am
4.
Oktober 2022 Beschwerde gegen den
Einsprache
entscheid
vom 1
4.
September 2022 (
Urk.
2) und beantragte, dieser sei aufzuheben und die Versicherungsleistungen
seien
auch über den
1.
Juni 2022 hinaus auszu
richten. Eventualiter sei ein biomechanisches und ein medizinisches Gutachten bezüglich der Ursache der Beschwerden zu machen. Die aufschiebende Wirkung s
ei
wiederherzustellen
(
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
8.
November 2022 beantragte die Suva die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7). Am 2
2.
November 2022 reichte der Beschwerde
führer eine weitere Eingabe ein (
Urk.
10), was der Suva mit Verfügung vom 2
5.
November 2022 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
11).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei B
e
rufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1).
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mäs
sige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teil
weise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Renten
alters ereignet hat (
Art.
18 Abs. 1 UVG). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann und allfällige Ein
gliederungs
massnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind. Mit dem Renten
beginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19
Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integ
rität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG).
1.
2
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorüber
gehen
den Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärztli
chen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungs
massnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2 UVG; BGE 144 V 354 E. 4.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundes
gerichts 8C_527/2020 vom 2. November 2020 E. 4.1 mit Hinweisen). In diesem Zeitpunkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die
Adäquanzfrage
zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
674/2019 vom 3. Dezember 2019 E. 4.1).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeits
fä
higkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Begrif
fes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglich
keit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von
weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durch
führung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicherten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellun
gen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_64/2021 vom 14. April 2021 E. 3.2 mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 134 V 109 E. 4.3). Grundlage für die Beurteilung dieser Rechtsfrage bilden in erster Linie die ärztlichen Auskünfte zu den therapeutischen Möglichkeiten und der Krankheitsentwicklung, die in der Regel unter dem Begriff Prognose erfasst werden (Urteile des Bundesgerichts 8C_299/2022 vom 5. September 2022 E. 2.3 und 8C_682/2021 vom 13. April 2022 E. 5.1, je mit Hinweisen).
1.
3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 9C_529/2021 vom 26. Juli 2022 E. 3.2.1).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh
men (BGE
145 V 97 E. 8.5,
142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
begründete den folgenlosen Fallabschluss per
1.
Juni
202
2
im angefochtenen
Einspracheentscheid
gestützt auf
die kreis
ärztli
chen Beurteilungen von
Dr.
J.___
und
Dr.
B.___
zusammengefasst
damit, dass
zum Unfallzeitpunkt beim Beschwerdeführer im Bereich der HWS ein dege
neratives Verschleissleiden vorgelegen habe
.
Die Diskushernie C6/7 sei nicht überwiegend wahrscheinlich durch den Unfall verursacht
.
Eine richtunggebende Verschlimmerung wäre durch eine Fraktur, eine Bandzerreissung, eine Muskel
zerreissung, eine Gefässzerreissung oder eine Kapselzerreissung überwiegend wahrscheinlich; solche Verletzungen wären jedoch bildgebend im MRI dargestellt worden
, was nicht der Fall gewesen sei
(S. 8-9).
Da es sich lediglich um eine unfallbedingte Aktivierung, nicht jedoch um eine unfallbedingte Verursachung einer degenerativ bereits vorbestehenden Diskushernie hand
le
, sei
die entspre
chende traumatische Verschlimmerung in der Regel nach sechs bis neun Mona
ten, spätestens aber nach einem Jahr als abgeschlossen zu betrachten (S. 9
f.
). Insgesamt erweise sich daher in Bezug auf das HWS-Leiden des
Beschwerde
füh
rers
die Einstellung der gesetzlichen Versicherungsleistungen
über 15 Monate nach dem Unfallereignis als rechtens (S. 10).
Hinsichtlich de
r
nicht durch organische Unfallfolgen nachweisbaren Beschwer
den des Beschwerdeführers sei der adäquate Kausalzusammenhang zu prüfen (S.
10).
Auffahrkollisionen auf ein haltendes Fahrzeug
seien regelmässig in die Kategorie der mittelschweren Ereignisse im Grenzbereich zu den leichten Unfällen eingereiht. Vorliegend sei eines der beteiligten Fahrzeuge ein L
astwagen gewesen,
womit die sich
dabei entwickelnden Kräften etwas höher gewese
n seien als bei einer
durch einen Personenwage
n verursachten Auffahrkollision. Somit könne die Auffahrkollision
höchstens als mittelschwerer Unfall im engeren Sinne betrachtet werden. Dementsprechend könne die
Unfalladäquanz
nur dann bejaht werden, wenn mindestens drei der sieben Adäquanzkriterien
erfüllt seien.
Da
kei
nes der Kriterien erfüllt sei, sei der adäquate Kausalzusammenhang zwischen den (allenfalls) noch bestehenden, nicht auf einem objektivierbaren organischen Sub
strat beruhenden
Beschwerden
sowie den psychischen Beschwerden des
Beschwerd
eführers und dem Unfall vom 17.
Februar 2021 insgesamt zu vernei
nen, weswegen die Versicherungsleistungen zu Recht per
1.
Juni 2022 eingestellt worden seien (S. 13).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend, er habe seine Therapie intensiviert, habe zur Linderung der Beschwerden MTT gemacht und habe sich in psychotherapeutische Behandlung begeben. Trotz dieser regelmässigen ärztlichen und psychotherapeutischen Massnahmen sei er noch in gewissen Arbeiten einge
schränkt. Das 80
%-Pensum absolviere er
auf fünf Tage verteilt. Am 12.
September 2022 habe sich erneut ein Unfall ereignet, welcher auf den Schwindel, der seit dem Verkehrsunfall vom 17. Februar 2021 bestehe, zurückzuführen
sei.
Die
Unfallbeschwerden würden demnach nach wie vor anhalten (S. 6).
Au
f die Aussage der Beschwerdegegner
in, wonach
davon au
sgegangen werden müsse, dass es beim
Ereignis vom 1
7.
Februar 2021 zu keinen schweren Zerrun
gen oder Prellungen gekommen sei, könne nicht abgestellt werden. Die Beschwer
de
gegnerin verkenne, dass
selbst schwere Zerrungen und Prellungen nach zehn
Wochen wieder ausgeheilt
seien
. Daher erstaune es nicht, dass die Bildgebung nach zehn Wochen diesbezüglich keine Beweise liefere. Das alleinige Abstellen auf die Bildgebung vom 2
8.
April 2021 erweise sich damit als beweis
untauglich
.
Somit sei die Unfallkausalität überwiegend wahrscheinlich noch gegeben, wes
halb die Beschwerdegegnerin weiterhin Leistungen auszurichten habe (S. 7)
. Es gelte weiter zu berücksichtigen, dass nicht erstellt sei, dass es sich vorliegend um einen mittelschweren Unfall handle. Erst die Erstellung eines bio
mechanischen Gutachtens
könne
zeigen, ob es sich um einen mittelschweren oder schweren Unfall gehandelt habe. Darauf gestützt habe eine medizinische Begut
achtung zu erfolgen, die sich mit den Beschwerden und deren möglichen Ursa
chen auseinan
dersetze (S. 8).
2.3
Die Beschwerdegegnerin ergänzte in ihrer Beschwerdeantwort
(
Urk.
7)
, dass es nicht ersichtlich sei, woher der Beschwerdeführer seine Annahme nehme, dass selbst schwere Zerrungen von Bändern, Muskeln, Gefässen oder Kapseln und Prellungen nach zehn Wochen wieder ausgeheilt seien und die Bildgebung dies
bezüglich keine Beweise mehr liefere. Denn selbst wenn solche Verletzungen b
ereits ausgeheilt gewesen wären,
w
ofür es jedoch nicht den gering
sten B
eweis geb
e, so könnten solche mithilfe des hochauflösend-bildgebenden Verfahrens eine
r
Magnetresonanztomographie in Form von weiterhin sichtbaren Vernar
bun
gen durchaus für mehrere Monate erkannt werden. Auch die Vermutung, wonach
durch die Heckkollision ausgelöste stossbedingte Geschwindigkeits
änderung (Delta-v) von erheblicher Grösse gewesen sein müsste, sei rein speku
lativ (S. 5).
2.4
Der Beschwerdeführer ergänzte (
Urk.
10), dass die Beschwerdegegnerin verkenne, dass die Untersuchung mittels CT nicht aussagekräftig sei, da Weichteil
verletzun
gen zu wenig gut dargestellt werden könnten (S. 1). Aufgrund der fest
gestellten
Druckdolenz
im Bereich C6/7 sei von einer unfallbedingten schweren Weichteil
verl
etzung auszugehen, welche im MRI
am 2
8.
April 2021 nicht mehr habe dargestellt werden können. Im Zweifelsfall müsse ein radiologisches Gut
achten dar
über Auskunft geben, welche Verletzungen mi
t
den beiden verschie
denen Metho
den (CT/MRI) dargestellt werden können (S. 2).
3.
3.1
Dr.
med.
D.___
,
Fachärztin für Chirurgie
, vom Kantonsspital
Z.___
,
hielt in ihrem Bericht vom 1
8.
März 2021
zur ambulanten Notfallbehandlung des Beschwerd
eführers am Unfalltag
(
Urk.
8/26) folgende Diagnosen fest (S. 1):
-
Fraktur Zahn 11
-
Unterkieferkontusion
-
HWS-Distorsion
-
BWS-/LWS-Kontusion
-
Thorax Kontusion
Der Beschwerdeführer habe am 1
7.
Februar 2021 berichtet, einen Auffahrunfall erlitten zu haben. Es seien keine Airbags ausgelöst worden. Nach dem Unfall habe sich der Beschwerdeführer selber mobilisiert und habe sich zurück zur Arbeit begeben. Im Verlaufe des Vormittags habe er zunehmende Schmerzen im Bereich der Halswirbel-, Brustwirbel- und Lendenwirbelsäule sowie am Unterkiefer entwickelt. Nach der klinischen Untersuchung in der Permanence sei die Immo
bilisation aufgrund einer
Druckdolenz
im Bereich des C6 und C7 erfolgt. Das Polytrauma-CT vom 1
7.
F
ebruar 2021
(
Urk.
8/28)
habe keine ersichtlichen
Traumafolgen
gezeigt, insbesondere keine Frakturen oder Gefässverletzungen (S.
2).
3.2
Im Bericht über das ambulante Assessment
der beiden
Fachärztinnen für Physi
kalische Medizin und Rehabilitation,
Dr.
med.
L.___
, Oberärztin, und
Dr.
med.
E.___
,
von der Rehaklinik
A.___
vom 6.
Mai 2021
(
Urk.
8/43)
wurden folgende Diagnosen aufgeführt
(S. 1)
:
-
HWS-Distorsion QTF II
-
28.4.2021 MRI HWS: Diskopathie C6-7 mit einer
mediolateralen
Diskushernie, ohne Nachweis einer eigentlichen Nervenwurzel
kompression oder einer spinalen Stenose. Keine
Hinweise für eine statt
gehabte
osteoligamentäre
Verletzung
-
BWS-/LWS-Kontusion
-
Thoraxkontusion
-
17.02.2021 Polytrauma CT: keine ersichtlichen
Traumafolgen
, insbe
sondere keine Frakturen oder Gefässverletzungen
-
Beckenkontusion
-
Zahn 11 defekt
Hinsichtlich Reha- und Eingliederungspotential wurde festgehalten, das
s die Häu
figkeit und Dauer der
Therapie pro Woche und der Anteil der aktiven Bewe
gungs
therapie angesichts der aktuellen Einschränkungen deut
l
ich zu gering sei (S. 2)
. Es werde eine intensivierte ambulante Therapie empfohlen (S. 3). Aus
mus
kulo
-
skelettaler
Sicht sei prinzipiell von einer guten Prognose auszugehen. Diese werde aber von den vorbes
t
ehenden degenerativen Veränderungen der HWS und der Entwicklung der psychischen Verfassung mitbeeinflusst (S. 4).
3.3
Dr.
med
.
F.___
, Neurologie FMH, hielt im
Bericht vom 2
1.
Mai 2021 fest (U
rk.
8/46)
, dass der Beschwerdeführer seit dem Auffahrunfall an einem li
nkssei
tigen
zervikospondylogene
n
Syndrom leide.
Er sei der
Meinung, dass
die
Dis
kushernie
C6/7
das Schmerzbild entscheidend präge
, eine radikuläre Reizkom
po
nente könne trotz normalem EMD der C7-Muskulatur nicht ausgeschlossen werden
. Der Beschwerdeführer habe vor dem Ereignis vom 1
7.
Februar 2022 nicht an Nackenschmerzen gelitten und habe unmittelbar nach dem Aufprall einen linksseitigen Nac
k
enschmerz verspürt. Eine traumatische Genese der Diskusher
nie C6/7 links sei daher anzunehmen. Die vom Beschwerdeführer beschriebenen neurovegetativen Symptome seien Ausdruck einer Symptomausweitung (S. 2).
3.4
Der
Kreisarzt
Dr.
B.___
sprach sich
im B
ericht vom 28.
Mai 2021
dafür aus
(
Urk.
8/48
)
,
dass
die Diskopathie C6/7 mit einer
mediolateralen
Di
skushernie links im MRI vom 28.
April 2021 ohne Nachweis einer eigentlichen Nervenwurzelkom
pression nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
auf das Unfallereignis vom 17.
Februar 2021 zurückzuführen
sei
. So kämen weder im primären Notfall-CT noch im MRI unfalltypische Begleitverletzungen der ossären Strukturen, Liga
mente oder des übrigen Gewebes -
wie sie aber im Falle einer akut traumatischen Bandscheibenverletzung der
Bandscheibenzerreissung u
nd
Herniation
zu erwar
ten wären -
zur Darstellung. Die darüberhinausgehend
e,
unfalltypische sekundäre Symptomausweitung sei somatisch nicht einzuordnen.
I
m Hinblick auf die belastend beschriebene
n
negativen sozialen Kontextfaktoren seien hierzu dem
entsprechende unfallfremde Einflüsse zu diskutieren (S. 5).
3.5
Psychotherapeutin
lic
.
phil.
G.___
führte im Bericht vom 2
4.
Januar 2022 aus
(
Urk.
8/103)
, dass der Beschwerdeführer seit 2
7.
Mai 2021 bei ihr in Psychothe
rapie sei
und sich sein Zustand inzwischen verbessert habe. Psychisch wäre eine 100%ige Arbeitsfähigkeit inzwischen möglich, die körperlichen Beschwerden würden das jedoch
verunmöglichen
(S. 1).
3.6
Im Bericht von
Dr.
med.
H.___
, Assistenzarzt
,
und Prof.
Dr.
med.
I.___
, leitender Arzt
,
vom interdisziplinären Zentrum für Schwindel und neurologische Sehstörungen
des Universitätsspitals C.___
,
vom 1
8.
Februar 2022 (
Urk.
8/109) sind folgende Diag
nosen aufgeführt:
-
Chronisches vestibuläres Syndrom
-
Linksseitiges
zervikospondylo
genes
Syndrom bei grösserer Disk
ushernie C6/7 links
In
Zusammenschau der klinischen und apparativen Befunde finde sich eine normale peripher-vestibuläre Funktion vor. Ein ebenso durchgeführtes Rein
tonaudiogramm
zeige
eine
Normakusis
beidseits. Die Schwin
d
elbeschwerden könnten nicht klar ei
ner Ätiologie zugeordnet werden;
aufgrund einer post
traumatischen
HWS-Problematik sei am ehesten eine zervikogene Ursache denk
bar. Zusätzlich liege der Verdacht auf eine sekundär-funktionelle Komponente vor (S. 3).
3.7
Dr.
B.___
führte in seiner Beurteilung vom 1
2.
Mai 2022 aus
(Urk. 8/127)
, dass sich keine Hinweise auf eine traumatische objektivierbare strukturelle Schädi
gung zum Auffahrunfall vom 1
7.
Februar
2021 ergäben. Die Bildgebung zum
Notfall-CT und MRI der Halswirbelsäule
hätten
bei einem regelrechten Aligne
ment und
regelrechter
Form der Wirbelkörper sowie unauffälligem Knochen
marksignal und
ebensolchen
Weichteilen keine
strukturellen
Trauma
folgen
gezeigt
. Die subjektiv anhaltenden Beschwerden seien keiner objektiven somatisch-strukturellen Unfallschädigung zuzuordnen. Auch
könne
durch wei
tere Behandlungen der Unfallfolgen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands mehr erwartet werden (S. 3).
3.8
Dr.
med.
J.___
, Facharzt FMH Orthopädie und Traumatologie des Bewegungs
apparates,
führte in seiner kreisärztlichen Beurteilung
vom 1
9.
August 2022 (
Urk.
8/151) aus, dass am Unfalltag in der Ganzkörpercomputertomografie (Poly
trauma-CT) keine Fraktur an der Halswirbelsäule habe nachgewiesen werden können und gesamthaft keine
Traumafolgen
ersichtlich gewesen
seien
. Es sei zu berücksichtigen, dass am Unfalltag am
7.
Halswirbelkörper eine für eine Abnüt
zungsfolge typische knöcherne
Veränderung dargestellt
worden sei
, die körper
ei
gene Knochenneubildung um die länger als sechs Monate vorbesteh
e
nd dege
ne
rativ veränderte Bandscheibe C6/7 (S. 2). Zweieinhalb Monate nach dem Ereignis habe in der Magnetresonanztomografie der Halswirbelsäule eine abnüt
zungsbe
dingte Diskopathie C6/7 mit einer
mediolateralen
Diskushernie links ohne Nach
weis einer eigentlichen Nervenwurzelkompression oder einer spinalen Stenose und ohne H
i
nweise für eine stattgehabte
osteoligamentäre
Verletzung objektiviert werden können. In der
Zusammenschau
der objektivierbaren Befunde und der durchgeführten Bildgebung habe beim Beschwerdeführer zum Ereignis
zeitpunkt ein degeneratives Verschleissleiden im Bereich der Halswirbelsäule vorgelegen (S.
3).
Es könne vorliegend nur davon ausgegangen werden, dass die Diskushernie bei degenerativem Vorzustand durch das Ereignis aktiviert worden sei,
mithin sei
eine vorübergehende Verschlimmerung vor
gelegen
(S. 4).
Nach derzeitigem medizinischem Wissensstand sei das Erreichen des
Vorzustandes bei
Zervikalsyn
dro
men
, welche nach unerwarteten Halswirbelsäulenbeschleunigungen auftreten, nach wenigen Wochen erreicht. Eine richtunggebende Verschlimmerung wäre durch eine Fraktur, eine Bandzerreissung, eine Muskelzerreissung, eine Gefäss
zerreissung oder eine Kapselzerreissung überwiegend wahrscheinlich, solche Ver
letzungen wären bildgebend im MRI, welches knapp zwei Monate nach dem Ereignis durchgeführt wurde, dargestellt worden
. F
aktisch sei
aber
ausschliesslich ein degeneratives Verschleissleiden im Bereich der Bandscheibe C6/7 dargestellt
worden
.
Da nach
zehn Wochen bildgebend keine strukturellen Läsionen, welche überwiegend wahrscheinlich unfallkausal gewesen seien,
hätten
dargestellt wer
den können, müsse davon ausgegangen werden, dass es zu keinen schweren Zer
rungen oder Prellungen an der Halswirbelsäule durch das Ereignis gekommen sei (S. 5). Die überwiegend wahrscheinlich degenerative und vorbestehende Disko
pathie C6/7 mit einer
mediolateralen
Diskushernie links sei nicht mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit auf das Unfall
ereignis zurückzuführen (S. 6).
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen zu Recht per
1.
Juni
2022 eingestellt hat, beziehungsweise, ob die danach weiterhin be
ste
henden Beschwerden des Beschwerdeführers noch mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit auf das Unfallereignis vom 1
7.
Februar 2021 zurückzuführen sind.
Vorab ist
dafür
die Frage zu prüfen, ob der Zeitpunkt des Fallabschlusses korrekt erfolgte
,
ob
mithin
zu
diesem Zeitpunkt
eine namhafte Besserung
des Gesund
heitszustandes des Beschwerdeführers
noch möglich
war (vgl. E
.
1.3).
4.2
4.2.1
Der Beschwerdeführer war zu diesem Zeitpunk
t
noch zu
20 % arbeitsunfähig
geschrieben
(
Urk.
8/144/6
)
und befand sich in physiotherapeutischer Behandlung (
Urk.
8/118)
.
Im Bericht von Dr.
K.___
vom 2
4.
Februar 2022 wird bezüglich gegenwärtiger Behandlung ausgeführt, dass der Beschwerdeführer in physio
therapeutischer und psychologischer Therapie sei und Analgetika nach Bedarf einnehme (S. 3). Im Bericht
des Universitätsspitals C.___
vom 1
8.
Februar 2022 (
Urk.
8/109) wurde festgehalten, dass der Beschwerdeführer seit dem Unfall persistierende Gleich
gewichts
beschwerden habe, welche sich einerseits als Schwankschwindel, ande
rerseits als Gangunsicherheit manifestierten. Im Vordergrund ständen jedoch die linksseitigen Beschwerden im HWS-Bereich; diesbezüglich sei
der Beschwer
de
führer
in physiotherapeutischer Behandlung (S. 2).
Kreisarzt
Dr.
B.___
beur
teilte am 12. Mai 2022, dass
über ein Jahr nach dem Unfallereignis auch durch
eine
weitere Behandlung der Unfallfolgen mit überwiegender Wahrschein
lichkeit keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet wer
den
könne
(U
rk.
8/127/3)
.
4.2.2
Die Einschätzung des Kreisarztes ist nicht zu beanstanden. Dass der Beschwerde
führer von weiterer Physiotherapie hätte profitieren können, genügt recht
spre
chungsgemäss nicht, um den Fallabschluss hinauszuzögern (Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2021 vom 2
5.
Januar 2022 E. 9.2). Auch
ärztliche Ver
laufs
kontrollen, die Einnahme von Medikamenten sowie manualtherapeutische Behandlungen gelten ebenfalls nicht als kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf eine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung im Sinne der Rechtsprechung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_674/2019 vom
3.
Dezember 2019 E. 4.3). Ferner ist auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer sich in psychologischer Behandlung
befand
, nicht geeignet, den Fallabschluss hinauszuzögern,
l
ag doch gemäss der b
ehan
delnden Psychologin bereits am
2
4.
Januar 2022 aus psychischer Sicht eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
vor
(Urk. 8/103).
Gegenteilige ärztliche Beurteilungen liegen nicht vor. Auch der
Beschwerdeführer bringt nicht vor, dass der Fall
ab
schluss verfrüht stattgefunden
hätte respektive dass durch die weitere Behand
lung eine namhafte Besserung seines Gesundheitsz
ustands erreicht werden könnte.
Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung standen keine im Raum (
Urk.
8/88).
Insgesamt ist somit der Fallabschluss per
1.
Juni 2022 nicht zu beanstanden.
4.3
Zum Zeitpunkt des Fallabschlusses lagen beim Beschwerdeführer
gemäss Akten
lage
einerseits diffuse, nicht objektivierbare
Beschwerden
wie Schwindel, Gleich
gewichtsstörungen und Gangunsicherheit vor. Andererseits lag
en
unbe
strittener
massen auch
noch Beschwerden im Bereich der HWS vor, in deren Zusammenhang insbesondere streitig ist, ob die bildgebend objektivierte
Disko
pathie C6/7
mit
der
Diskushernie C6/7
als
objektivierbare
strukturelle
Unfallfolge
auf das Unfallereignis zurückzuführen
ist
oder ob
diese vorbestehend ist und der Unfall
, wenn überhaupt,
nur
zu einer vorübergehenden
, bei Fallabschluss abge
schlossenen
Aktivierung derselben geführt hat
.
4.4
4.4.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht wer
den kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sund
heitliche Störung entfiele (BGE 142 V 435 E. 1, 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, je mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_698/2021 vom 3. August 2022 E. 3.1 f.).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 142 V 435 E. 1, 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
4.4.2
Ist ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit,
Visusstörungen
, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung und so weiter vor, so ist der natürliche Kausal
zusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen. Es ist zu betonen, dass es gemäss obiger Begriffsumschreibung für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs genügt, wenn der Unfall für eine bestimmte gesundheit
liche Störung
eine Teilursache darstellt (BGE 117 V 359 E.
4b).
4.4.
3
Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheits
schadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfall
fremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Ver
lauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später einge
stellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozial
ver
sicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich feh
lender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatsache handelt, liegt die entsprechende Beweislast
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist
nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallversicherer. Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteile des Bundesgerichts 8C_600/2021 vom 3. März 2022 E. 3.2 und 8C_669/2019 vom 25. März 2020 E. 2.2, je mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch dieser Zustand noch nicht wieder erreicht ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG Leis
tungen zu erbringen (Urteil des Bundesgerichts 8C_589/2017 vom 21. Februar
2018 E. 3.2.3 mit Hinweisen).
4.4.4
Was zunächst die Unfallkausalität der
Diskushernie
C6/7 links (vgl.
Urk.
8/41,
8/151/3)
anbelangt,
gilt es zu berücksichtigen, dass es einer medizinischen Erfah
rungstatsache im Bereich des Unfallversicherungsrechts entspricht, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer Bandscheibenveränderungen ent
stehen und ein Unfallereignis nur ausnahmsweise, unter besonderen Voraus
setzungen, als eigentliche Ursache in Betracht fällt (Urteil des Bundesgerichts 8C_765/2020 vom
4.
März 2021 E. 2.3 mit weiteren Hinweisen). Als weitgehend unfallbedingt kann eine Diskushernie oder -
protrusion
betrachtet werden, wenn das Unfallereignis von besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe herbeizuführen, und
die Symptome der Diskushernie (vertebrales oder radikuläres Syndrom) oder der
Diskusprotrusion
unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit auftreten.
So muss eine entsprechende richtung
ge
bende Verschlimmerung insbesondere auch röntgenologisch ausgewiesen sein und sich von der altersüblichen Progression abheben. Ist hingegen die Dis
kusher
nie oder -
protrusion
bei (stummem) degenerativem Vorzustand durch den Unfall nur aktiviert, nicht aber verursacht worden, liegt eine vorübergehende Verschlim
merung vor. Diesfalls hat die Unfallversicherung nur Leistungen für das unmit
telbar im Zusammenhang mit dem Unfall stehende Schmerzsyndrom zu erbringen. Nach derzeitigem medizinischem Wissensstand kann in solchen Fällen das Erreichen des Status quo sine bei posttraumatischen Lumbalgien und
Lum
boischialgien
nach drei bis vier Monaten erwartet werden. Im Allgemeinen ist bei einer Prellung, Verstauchung oder Zerrung der
Wirbelsäule die vorüber
gehende Verschlimmerung nach sechs bis neun Monaten und bei Vorliegen eines
erheblich degenerativen Vorzustandes spätestens nach einem Jahr als abge
schlossen zu betrachten (Urteil des Bundesgerichts 8C_765/2020 vom
4.
März 2021 E. 2.3 mit weiteren Hinweisen)
.
4.4.5
Vorliegend war das erlittene Unfallereignis
bereits aufgrund der fehlenden Schwere
nicht geeignet, eine gesunde Bandscheibe zu verletzen.
In der Rechtspre
chung werden als Beispiele für ein Unfallereignis von besonderer Schwere etwa ein freier Sturz aus erhe
blicher Höhe, ein Sprung aus
zehn
Metern
Höhe, ein Sturz beim Tragen von Lasten oder ein Zusammenstoss bei grosser Geschwindigkeit genannt (Urteile
des Bundesgerichts U 408/04 vom
9.
Mai 2005 E. 3.1,
U 24/00 vom 2
6.
Juli 2000 E. 3c). Es sind massivste Gewalteinwirkungen auf den Körper notwendig (Urteil
des Bundesgerichts
U 2/99 vom 2
7.
Dezember 1999 E. 5).
Eine solch massive Gewalteinwirkung ist durch den
erlittene
n
Auffahrunfall
(vgl.
dazu: E. 5.2.4) nicht ersichtlich. Auch kam es gemäss Aktenlage nicht unverzüglich zu einer deutlichen Symptomatik. Der Beschwerdeführer gab gegenüber der Polizei am Unfallort
nur
leichte Schmerzen unter anderem im Nackenbereich an (
Urk.
8/22 S. 5 und S. 8)
,
begab sich
zunächst zurück an die Arbeit und entwickelte erst im Verlauf des Morgens zunehmende Schmerzen im Bereich der
ganzen Wirbelsäule
(
Urk.
8/
26
).
Bereits
dies spricht deutlich gegen eine durch den Unfall verursachte Diskushernie und auch dagegen, dass sich ein vorbestehender
Bandscheibenschaden im Segment C6/7
durch den Unfall
rich
tungsgebend
verschlimmert hat
. Hiervon ging
mit überzeugender Begründung
auch
Dr.
J.___
aus (
Urk.
8/151 S. 4).
Denn bezüglich einer Ver
schlimmerung eines vorbestehenden Gesundheitsschadens gelten dieselben Kriterien, was dazu führt, dass eine Unfallkausalität nur ausnahmsweise und ins
besondere nur dann in Frage kommt, wenn der Unfall auch geeignet gewesen wäre, eine gesunde Bandscheibe zu verletzen (Urteil
des Bundesgerichts
8C_151/2012 vom 1
2.
Juli 2012 E. 4)
.
Wie
Dr.
J.___
sodann
einhergehend mit den Beurteilungen von
Dr.
B.___
(E. 3.4 und E. 3.7)
in nachvollziehbarer W
eise darlegte, konnte
n
am Unfalltag im CT keine
strukturellen
Traumafolgen
nachgewiesen werden (
Urk.
8/151 S.
2)
.
Hingegen konnte - wie von
Dr.
J.___
ausgeführt - im CT am Unfalltag am 7. Halswirbelkörper eine für eine Abnützungsfolge typische knöcherne Verän
de
rung dargestellt
werden, die körpereigene Knochenneubildung um die
länger als sechs Monate vorbestehend degenerativ veränderte Bandscheibe C6/7 (
Osteo
chondrose
;
Urk.
8/151/2).
Auch
zeigte das MRI vom 2
8.
April 2021 (
Urk.
8/41) keine für eine Diskushernie typischen Begleitverletzungen
und spricht die primär blande Symptomatik (mit einer aktiv möglichen Bewegung der Halswirbelsäule sowie einer stets intakten Motorik und Sensibilität, ohne objektivierbare neuro
logische Defizite)
, wie
Dr.
B.___
überzeugend darlegte,
gegen eine trauma
ti
sche Schädigung der Bandscheibe (vgl. dazu:
Urk.
8/127 S. 2)
.
Wie
Dr.
J.___
weiter ausführt
e
,
wäre eine Fraktur, eine Bandzerreissung, eine Muskel
zerreis
sung, eine Gefä
s
szerreissung oder eine Kapselzerreiss
ung im MRI -
welches knapp zwei Monate nach
dem Unfall durchgeführt wurde -
ersichtlich gewesen. Da bildgebend keine strukturellen Läsionen
, welche überwiegend wahrscheinlich unfallkausal waren
,
dargestellt werden konnten,
gingen die Kreisärzte nachvoll
ziehbar davon aus
, dass es
auch
zu keinen
schweren Zerrungen oder Prellungen an der Halswirbelsäule durch das Ereignis
und damit zu keiner richtungsgebenden Verschlimmerung
des vorbestandenen Schadens
gekommen ist
(
Urk.
8/48,
8/151/5)
.
4.4.6
Was der Beschwerdeführer dagegen vorbringt, verfängt nicht.
Die Behauptung, dass schwere Zerrungen und Prellungen nach zehn Wochen wieder ausgeheilt seien und folglich im MRI nicht ersichtlich seien (
Urk.
1 S. 7), ist eine reine Annahme
seitens
des Beschwerdeführers
und ohne medizinische Untermauerung, weshalb diese Aussage von vornherein nicht geeignet ist, die
kreisärztlichen
Ein
schätzungen in Zweifel zu ziehen.
Weiter wurde
vom Beschwerdeführer ausgeführt, dass die am Unfalltag erfolgte Untersuchung mittels CT nicht aussagekräftig sei, da Weichteilverletzungen zu wenig gut dargestellt werden könnten. Im Schlussbef
u
nd zum Polytrauma-CT sei generell festgehalten, dass keine wesentlichen degenerativen Veränderungen dar
gestellt seien. Somit
sei
zum Unfallzeitpunkt kein degeneratives Verschleissleiden vor
gelegen
(
Urk.
10 S. 1)
. Auch diese Annahme trifft nicht zu. Bereits im CT
Befund des Unfalltages wurde festgehalten, dass keine
Traumafolgen
ersichtlich gewesen
seien
, insbesondere keine
Frakturen oder Gefässverletzungen (
Urk.
8/28 S. 2).
Hingegen war - wie von
Dr.
J.___
nachvollziehbar dargelegt - am
7.
H
alswirbelkörper eine für eine Abnützungsfolge typische knöcherne Verände
rung
bereits am Unfalltag im CT
dargestellt. Wie
Dr.
J.___
weiter ausführte, entstehen solche knöcherne Veränderungen (
Osteochondr
o
se
) über Monate und Jahre, bis diese bildgebend objektiviert werden können
(
Urk.
8/151 S. 2)
.
Schliesslich kann der Beschwerdeführer auch gestützt auf die Einschätzung von
Dr.
F.___
nichts zu seinen Gunsten ableiten. Wenn
Dr.
F.___
ausführt, dass der Beschwerdeführer vor dem Unfallereignis nicht an Nackenschmerzen
ge
litt
en habe
und daher eine traumatische Genese der Diskushernie C6/7 anzunehmen sei, verkennt er, dass
d
ie Argumentation nach der Formel «
post
hoc ergo
propter
hoc», nach deren Bedeutung eine gesundheitliche Schädigung schon dann als durch den Unfall verursacht gilt, weil sie nach diesem aufgetreten ist, beweisrechtlich nicht zulässig
ist
und zum Nachweis der Unfallkausalität nicht zu genügen
ver
mag
(BGE 119 V 335 E. 2b/
bb
, Urteil des Bundesgerichts 8C_332/2013 vom 25. Juli 2013 E. 5.1).
Ärztliche Auskünfte, die allein auf dieser Argumentation beruhen, sind beweisrechtlich nicht zu verwerten (Urteil des Bundesgerichts 8C_241/2020 vom 29. Mai 2020 E. 3).
4.5
Nach dem Gesagten ist somit erstellt, dass die Diskopathie C6/7 mit
d
er
medial
betonten
Diskushernie links
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht unfall
bedingt ist
und dass die vorbestehende Diskushernie durch den Unfall vom 1
7.
Februar 2021 nicht richtungsgebend verschlimmert, sondern höchstens vorübergehend aktiviert wurde. Entsprechend ist im Lichte der einschlägigen Rechtsprechung (E.
4.4.4) nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin die vorübergehende Verschlimmerung
spätestens im Zeitpunkt der Leistungs
einstellung über 15 Monate nach dem Unfallereignis als abgeschlossen erachtete
(S. 9 f.).
5
.
5.1
Nachdem
über den Fallabschluss hinaus
keine organisch ausgewiesenen Unfall
folgen vorliegen, bestünde ein weiterer Leistungsanspruch somit nur dann, wenn die zum Zeitpunkt des Fallabschlusses weiterhin bestehenden diffuse
n
, nicht durch organische Unfallfolgen nachweisbaren Beschwerden (HWS-Beschwerden, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen und Gangunsicherheit)
nicht nur natürlich, sondern auch
adäquat
k
ausal auf das Unfallereignis zurückzuführen
wären
.
Da im Zeitpunkt des Fallabschlusses aus psychiatrischer Sicht keine Arbeits
unfähigkeit mehr vorlag
und die psychischen Beschwerden
somit nicht im Vor
dergrund stand
en
(vgl.
Urk.
8/103
)
,
hat die Adäquanzprüfung
bei unbestritten erlittenem Schleudertrauma respektive schleudertraumähnlicher Verletzung (Distorsionstrauma der HWS mit Kopfanprall: vgl. Urteil des Bundesgerichts U
518/06 vom 1
3.
Dezember 2007 E. 2.1 mit Hinweisen
)
aufgrund der Schleuder
trauma-Rechtsprechung zu erfolgen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_12/2016 vom
1.
Juni 2016 E. 7.1 mit Hinweisen)
.
5.2
5.2
.1
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Beein
trächtigungen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zurück
zuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Rechtspre
chung des Bundesgerichts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psy
chische Störungen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- beziehungs
weise der Erwerbsunfähigkeit zukommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adäquate Kau
salzu
sammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beeinträchtigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne Weiteres zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittleren Bereichs weitere Kriterien in die Beurteilung mit einzu
beziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kri
terien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adä
quaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalles;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
-
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
-
erhebliche Beschwerden;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bundes
gericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Beur
tei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psychischen Fehlentwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleuder
trauma der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Beschwerden auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten ver
zichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht entscheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U
341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/
aa
und 367 E. 6a).
5.2
.2
Die Beschwerdegegnerin führte aus, dass das Ereignis höchstens als mittel
schwe
rer Unfall im engeren Sinne betrachtet werden könne
(E. 2.1)
. Der Beschwerdeführer hingegen geht davon aus, dass vorliegend nicht erstellt sei, dass es sich um einen mittelschweren U
nfall gehandelt habe
. Die durch die Heck
kollision ausgelöste stossbedingte Geschwindigkeitsveränderung (Delta-v) müsse von erheblicher Grösse gewesen sein. Dafür spreche, dass die Auffahrkollision durch einen Lastwagen verursacht worden sei
und dass die Rückenlehne beim Verkehrsunfall verschoben worden sei, was auf eine erhebliche Aufprallge
schwindigkeit hinweise (
E. 2.2;
Urk.
1 S. 8). Zudem müsse auch berücksichtigt werden, dass ein Kopfanprall an die Kopfstütze stattgefunden habe und dass durch den Aufprall ein Zahnschaden
entstanden sei, was ebenfalls für einen hef
tigen Aufprall spreche (
Urk.
10 S. 2).
5.2
.3
Ausgangspunkt der Adäquanzprüfung bildet das (objektiv erfassbare) Unfall
ereignis. Im Rahmen einer objektivierten Betrachtungsweise ist zu untersuchen, ob der Unfall eher als leicht, als mittelschwer oder als schwer erscheint, wobei im mittleren Bereich gegebenenfalls eine weitere Differenzierung nach der Nähe zu den leichten oder schweren Unfällen erfolgt. Abhängig von der Unfallschwere sind je nachdem weitere Kriterien in die Beurteilung einzubeziehen.
Massgebend
für
die Beurteilung der Unfallschwere ist der augenfällige Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften (BGE 140 V 356 E. 5.1 mit Hinweisen; vgl.
auch Urteil des Bundesgerichts 8C_387/2018 vom 16. November 2018 E. 4.4.2 mit Hinweisen). Irrelevant sind die Unfallfolgen oder Begleitumstände, die nicht direkt dem Unfallgeschehen zugeordnet werden können. Solchen Faktoren ist gegebenenfalls bei den Adäquanzkriterien Rechnung zu tragen (Urteil des Bun
des
gerichts 8C_58/2022 vom 23. Mai 2022 E. 4.3.1 mit Hinweisen [zur Publikation vorgesehen]).
5.2
.4
Vorliegend ist hinsichtlich des Geschehensablaufs aktenkundig, dass der Beschwerdeführer am 1
7.
Februar 202
1
einen Lieferwagen lenkte. Er verliess den Kreisve
r
kehr und hielt vor dem F
ussgängerstreifen an. Der
unfallverursachende
Lenker des Lastwagens
fuhr hinter dem Beschwerdeführer durch den Kreis
verkehr. Aufgrund einer Falscheinschätzung der Situation konnte der Last
wagen
fahrer nicht mehr rechtzeitig anhalten, wodurch es zur Auffahrkollision kam (
Urk.
8/22/7-8).
Gemäss Angaben des Unfallverursachers sei er so langsam gefahren, dass sich der Lieferwagen durch die Kollision nicht nach vorne gescho
ben habe (
Urk.
8/22/5).
Der Airbag
des Beschwerdeführers
wurde nicht ausgelöst
. Nach dem Unfall
begab sich
der Beschwerdeführer selbständig zurück zur Arbeit (
Urk.
8/3). Beim Lieferwagen des
Beschwerdeführer
s
entstand ein Heckschaden (
Urk.
8/22/14), hingegen wurde der Lastwagen an der Front nur leicht beschädigt (
Urk.
8/22/17).
Dass
vorliegend eine genaue kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung (Delta-v)
nicht ermittelt wurde
, ist nicht zu beanstanden, denn e
inerseits gilt es zu berücksichtigen, dass rechtsprechungsgemäss Auffahrkollisionen auf ein hal
tendes Fahrzeug in der Regel als mittelschwerer Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen betrachtet werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_833/2016 vom 1
4.
Juni 2017
E. 6.1
mit weiteren Hinweisen
)
.
Andererseits
trug die Beschwerde
gegnerin dem Umstand,
dass ein Lastwagen in die Kollision
verwickelt war,
bereits angemessen Rechnung,
indem sie
von einem mittelschweren Unfall
im engeren Sinne
ausgegangen ist
(Urteil des Bundesgerichts
8C_783/2015 vom 2
2.
Februar 2016 E. 4.2)
.
Von einem schweren
oder einem mittelschweren
Unfall
im Grenzbereich zu den schweren
-
wie das der Besc
hwerdeführer implizit behauptet -
kann vorliegend nicht die Rede sein.
So wurde i
m
Zusammenhang mit Verkehrsunfällen
ein mit
telschwerer Unfall im Grenzbereich zu den schweren Ereignissen
beispielsweise bei einem Motorradlenker, der beim Zusammenstoss über das Auto hinweg rund zehn Meter durch die Luft geschleudert wurde
,
angenommen
(Urteil des Bundes
gerichts 8C_134/2015 vom 1
4.
September 2015 E. 5.3.1)
oder bei einer Auto
fah
rerin, die mit mindestens 130 km/h auf einem italienischen Autobahnteilstück von der Strasse abkam und das Auto
sich
dabei
überschlagen hat (Urteil
des Bun
des
gerichts
8C_308/2014
vom 1
7.
Oktober 2014
) sowie bei einer seitlich-frontalen Kollision, in dem sich das Fahrzeug um die eigene Achse drehte und von der Strasse geschleudert wurde (Urteil des Bundesgerichts
8C_129/2009
vom 1
5.
September
2009
E. 5.2.1
).
Solche oder vergleichbare
Umstände liegen bei der vorliegenden Auffahrkol
lision offensichtlich nicht vor.
Aus dem Umstand, dass
in der Schadenexpertise angegeben wurde, dass die Sitz
position von Sitz Nr. 1 eventuell verändert wurde
(
Urk.
8/125/32)
, kann entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers
(
Urk.
1 S.
8;
Urk.
10 S. 2)
keine Beschädigung der Rücklehne abgeleitet werden und umso weniger können
daraus
Rückschlüsse auf das Unfallgeschehen gezogen werden.
Insbesondere, da in der Expertise auch festgehalten wurde, dass das Lehngestell des Sitzes nicht gebrochen wurde (
Urk.
8/125/38)
.
Dass ein K
opfanprall stattfand, trifft wohl zu. Dennoch ist anzumerken, dass der Beschwerdeführer
- abgesehen von
ein
wenig Abbruch
am
Zahn
11
(
Urk.
8/26/4) -
keine äusseren Verletzungen
erlitten
hatte und zuerst noch zur Arbeit
gegangen war
, bevor er sich am
Nachmittag zum Arzt begab (Urk.
8/22/5;
Urk.
8/18).
Schliesslich kann er auch a
us der umstrittenen Frage der kollisionsbedingten Geschwindigkeitsänderung beim Unfall nichts zu seinen Gunsten ableiten, zumal es die Rechtsprechung infolge der stets mit unsicheren Faktoren behafteten Ermittlung der tatsächlichen Geschwindigkeitsveränderung ablehnt, einen Grenz
wert für die Bejahung der Adäquanz einzuführen (
Urteil des Bundesgerichts 8C_114/2018 vom 2
2.
August 2018 mit Hinweis auf BGE 134 V 109
).
Insgesamt ergibt sich somit, dass beim Beschwerdeführer höchstens ein mittel
schwerer Unfall
im engeren Sinn
vorlag, weswegen
mindestens
drei der obenge
nannten Kriterien erfüllt sein
müssen
oder eines besonders ausgeprägt
, um die Adäquanz zu bejahen
(
vgl.
Urteil des Bundesgerichts
8C_363/2012
vom 2
7.
Juni 2012 E. 4.3
mit Hinweisen
).
5.3
5.3.1
Ob besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls vorliegen, beurteilt sich objektiv und nicht aufgrund des subjektiven Empfindens bzw. Angstgefühls der versicherten Person (BGE 140 V 356 E. 5.6.1
)
.
Vorliegend bestehen keine Anhaltspunkte, welche dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit belege
n
würde
n
. Auch d
ie fotografisch belegten Schäden
am
Fahrzeug
des Beschwerdeführers
(
Urk.
8/125/15-27)
sprechen gegen die Bejahung des Kriteriums.
5.3.2
Die Diagnose einer HWS-Distorsion (oder einer anderen, adäquanzrechtlich gleich zu behandelnden Verletzung) genügt für sich allein nicht zur Bejahung des Kri
teriums der Schwere und besonderen Art der erlittenen Verletzung. Zur Bejahung dieses Kriteriums bedarf es einer besonderen Schwere der für das Schleuder
trauma beziehungsweise für die adäquanzrechtlich äquivalente Verletzung typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, die das Beschwerdebild beeinflussen können.
Eine HWS-Distorsion, welche eine bereits erheblich vorgeschädigte Wirbelsäule trifft, ist speziell geeignet, die «typischen» Symptome hervorzurufen, weshalb sie als Verletzung besonderer Art zu qualifizieren ist. Dabei ist allerdings in der Regel vorausgesetzt, dass die ver
sicherte Person aufgrund der Vorschädigung unmittelbar vor dem Unfall mindes
tens teilweise arbeitsunfähig war (Urteil des Bundesgerichts 8C_757/2013 vom
4.
März 2014 E. 4.3 mit Hinweisen, insbes. auf SVR 2007 UV Nr. 1 S. 1).
Beim Beschwerdeführer lag aktenkundig ein krankhafter Vorzustand der Wirbel
säule vor. Dennoch
kann
das Kriterium der S
chwere oder
besondere
n
Art der erlittenen Verle
t
zung nicht bejaht werden, da er unmittelbar vor dem Unfall beschwerdefrei und nicht arbeitsunfähig war.
5.3.3
Das Kriterium der fortgesetzt spezifischen, belastenden ärztlichen Behandlung bis zum Fallabschluss (
BGE
134 V 109
E.
10.2.3) bedingt, gesamthaft betrachtet, eine kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer. Blosse ärztliche Verlaufskontrollen und Abklärungsmassnahmen sowie manualtherapeutische und medikamentöse Behandlungen vermögen das Kriterium nicht zu erfüllen (
vgl.
Urteil
e
des Bundesgerichts
8C_582/2021 vom 11. Januar 2022 E. 12.5 und 8C_627/2020 vom 10. Dezember 2020 E. 4.1.2, je mit Hinweisen
).
Dies gilt auch für ärztlich/physiotherapeutische Behandlungen, medizinische Trainingstherapie sowie für einen stationären Aufenthalt in einer Rehaklinik, soweit sich die Behandlungen in einem nach HWS-Distorsionen üblichen Umfang bewegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_635/2013 vom 9. April 2014 E.
4.4.3
mit Hinweis
).
Vorliegend
bewegen sich
die
vom Beschwerdeführer
in Anspruch genommenen
medizinischen Behandlungen
in einem nach HWS-Distorsionen üblichen Umfang. Insbesondere
die
Ph
ysiotherapie, die
medizinische Trainingstherapie (MTT, vgl.
Urk.
8/84) und die Konsultationste
rmine bei seinem Hausarzt (Urk.
8/87/3)
vermögen
rechtsprechungsgemäss
das Kriterium
nicht
zu
erfüllen.
Daran ändert auch die ambulante
psychotherapeutische
Behandlung nichts, da kein umfassendes Konzept ersichtlich ist und die erfolgte Behandlung nicht als besonders belastend zu werten ist
(Urteil des Bundesgerichts 8C_318/2013 vom 1
8.
September 2013 E. 5.4).
5.3.4
Betreffend dem Kriterium der
ärztliche
n
Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert
, lag aktenkundig keine solche vor. Genauso wenig haben ein
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen
vorgelegen.
5.3.5
Was das Kriterium der erheblichen Beschwerden betrifft, gilt es zu berück
sichtigen, dass
a
däquanzrelevant nur in der Zeit zwischen dem Unfall und dem Fallabschluss ohne wesentlichen Unterbruch bestehende erhebliche Beschwerden sein
können. Die Erheblichkeit beurteilt sich nach den glaubhaften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt (Urteil des Bundesgerichts 8C_682/2013 vom 1
4.
Februar 2014 E.
11.2
m
it Hinweis auf BGE 134 V 109 E.
10.2.4).
V
or
lie
gend
ergeben sich aus den Akten keine Hinweise darauf, dass beim Beschwer
deführer
solche erheblichen Beschwerden vorhanden waren.
Zwar war der Beschwerdeführer
durchgehend in physiotherapeutischer Behandlung infolge sei
ner Nackenschmerzen (vgl. etwa
Urk.
8/108/2), dass er dadurch jedoch an Schmerzen litt, die ihn
erheblich
in seinem Lebensa
lltag
einschränkten, ergibt sich nicht aus den A
kten und kann indes
auch offenbleiben, da
das Kriterium jedenfalls nicht in ausgeprägter Weise erfüllt ist.
5.3.6
Was schliesslich das Kriterium der
erhebliche
n
Arbeitsunfähigkeit trotz ausge
wiesener Anstrengungen
anbelangt,
gilt es
dem Umstand Rechnung zu tragen, dass bei leichten bis mittelschweren Schleudertraumen der HWS ein längerer oder gar dauernder Ausstieg aus dem Arbeitsprozess vom medizinischen Standpunkt aus als eher ungewöhnlich erscheint. Nicht die Dauer der Arbeitsunfähigkeit ist daher massgebend, sondern eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als solche, die zu überwinden die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen unternimmt. Darin liegt der Anreiz für die versicherte Person, alles daran zu setzen, wieder ganz oder teilweise arbeitsfähig zu werden. Gelingt es ihr trotz solcher Anstrengungen nicht, ist ihr dies durch Erfüllung des Kriteriums anzurechnen
.
Nur wer in der Zeit bis zum Fallabschluss nach
Art.
19
Abs.
1 UVG in erheblichem Masse arbeitsunfähig ist und solche Anstrengungen auszuweisen vermag, kann das Kri
terium erfüllen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_252/2007 vom 1
6.
Mai 2008 E. 7.7.1 mit Hinweis
auf
BGE 134 V 109
E. 10.2.7)
.
Vorliegend war der Beschwerdeführer
nach
dem Unfall bis 2
7.
Juli 2021 vollstän
dig
a
rbeitsunfähig, also während rund fünf Monaten. Anschliessend konnte er seine Arbeitsfähigkeit sukzessive steigern, sodass er
ab 2
3.
März 2022
- nach zwischenzeitlich sogar vollständiger Arbeitsfähigkeit -
nur noch zu 20 % arbeits
unfähig
war
(
Urk.
8/14
4
/6
)
. Der Beschwerdeführer hat somit seine
Arbeitskraft stets im zumutbaren Rahmen ausgeschöpft. Dennoch lag zum Zeitpunkt des
Fall
abschlusses eine
fortdauernde
20%ige Arbeitsunfähigkeit vor. Daher
ist das Kriterium zu bejahen,
wenn auch nicht
in ausgeprägter Weise (
vgl.
Urteil des Bundesgericht 8C_897/2009 vom 2
9.
Januar 2010
E. 4.4
)
.
5.
4
Zusammengefasst
sind
somit
höchstens zwei Kriterien, beide
in nicht ausgepräg
ter Weise
,
erfüllt. Das genügt beim
gegebenen Schweregrad des Unfalles nicht für die Bejahung der Adäquanz.
6.
Nach dem Gesagten
stehen
die vom Beschwerdeführer weiterhin beklagten Gesundheitsstörungen damit in keinem adäquaten Kausalzusammenhang zum Verkehrsunfall vom 1
7.
Februar 202
1.
Damit erübrigt sich die Prüfung der natür
lichen Kausalität
(BGE 148 V 301 E. 4.5.1, 135 V 465 E. 5.1, je mit Hinweisen)
.
Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistung
en
per
1.
Juni 2022 einstellte.
Die Beschwerde ist
demnach
abzuweisen.
7.
Mit dem Entscheid in der
Haupts
ache wird das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung gegenstandslos.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Nicole
Gierer
Zelezen
-
Suva
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
ge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind bei
zulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubLangone