# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 154f89bc-9741-585d-9598-eb9df8865f49
**Source:** Nidwalden (NW)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-10-15
**Language:** de
**Title:** Nidwalden Gerichte 15.10.2021 25535
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/NW_Gerichte/NW_OG_001_25535_2021-10-15.pdf

## Full Text

GERICHTE     VERWALTUNGSGERICHT  Marktgasse 4, 6371 Stans, 041 618 79 70, www.nw.ch 

 

 

SV 20 27 

 

 

Entscheid vom 22. März 2021  

Sozialversicherungsabteilung 

 

 

 

Besetzung Vizepräsidentin Barbara Brodmann, Vorsitz, 

 Verwaltungsrichter Sepp Schnyder, 

 Verwaltungsrichterin Dr. med. Carole Bodenmüller, 

Gerichtsschreiber Silvan Zwyssig. 

 

 

 

Verfahrensbeteiligte A.__,  

Z.__, 

vertreten durch Rechtsanwalt Urs Schaffhauser,  

Anwaltskanzlei Seidenhof, Seidenhofstrasse 14,   

6003 Luzern, 

Beschwerdeführerin, 

 

 

 

gegen 

 

 

 

IV-Stelle Nidwalden, 

Postfach, Stansstaderstrasse 88, 6371 Stans, 

Beschwerdegegnerin. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gegenstand Leistungen Invalidenversicherung 

 

Beschwerde gegen die Verfügung der IV-Stelle Nidwalden 

vom 27. August 2020. 

 

2 

 

Sachverhalt: 

A.   

Die 1963 geborene A.__ («Beschwerdeführerin»/«Versicherte») meldete sich am 25. Februar 

2017 bei der IV-Stelle Nidwalden wegen den Folgen eines am 12. Oktober 2016 erlittenen 

Thalamusinfarkts rechts zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). 

Die IV-Stelle Nidwalden nahm Abklärungen in medizinischer und erwerblicher Hinsicht vor (IV-

act. 11 ff.) und lud die Versicherte zum Assessmentgespräch vom 30. März 2017 (IV-act. 20). 

Nach diversen Standortgesprächen wurden der Versicherten Frühinterventionsmassnahmen 

in Form von Unterstützung und Beratung beim Arbeitsplatzerhalt zugesprochen. Es folgte ein 

Arbeitsversuch in Januar 2018 (die Transportkosten eines Fahrdienstes übernahm die 

Invalidenversicherung) der jedoch abgebrochen werden musste (IV-act. 53 ff.). Im Juni 2018 

kündigte der Arbeitgeber der Versicherten per Ende September 2018 (IV-act. 74). Da keine 

relevante Arbeitssteigerung erzielt werden konnte, wurden die Frühinterventionsmassnahmen 

im August 2018 abgeschlossen (IV-act. 83, 86). In der Folge aktualisierte die IV-Stelle die 

medizinische Aktenlage (IV-act. 76-79, 92) und veranlasste bei der B.__ AG das 

polydisziplinäre Gutachten vom 27. Juni 2019 (IV-act. 111) sowie die Haushaltsabklärung vor 

Ort vom 3. Dezember 2019 (IV-act. 124). Mit Vorbescheid vom 15. Februar 2020 stellte die IV-

Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (IV-act. 132). Daran hielt sie auf 

Einwand hin (IV-act. 138) mit Verfügung vom 27. August 2020 fest (IV-act. 142). 

 

B.  

Gegen die vorgenannte Verfügung erhob die Versicherte mit Eingabe vom 17. September 

2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht Nidwalden mit den Anträgen:  

«1. Die Verfügung der IV-Stelle Nidwalden vom 27. August 2020 sei aufzuheben und es seien 

der Beschwerdeführerin die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. 

 2. Zur Klärung des Gesundheitszustands und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, mithin 

der Leistungspflicht der Invalidenversicherung, sei durch das Gericht ein Gutachten 

einzuholen. 

 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. Auslagen und MWST zulasten der 

Beschwerdegegnerin.» 

3 

 

C.  

Mit Vernehmlassung vom 16. November 2020 beantragte die IV-Stelle Nidwalden die 

vollumfängliche Beschwerdeabweisung unter Kostenfolge zulasten der Beschwerdeführerin.  

 

D.  

Es wurde kein zweiter Schriftenwechsel angeordnet. Am 27. November 2020 wurde der 

Beschwerdeführerin die beantragte Replikfrist gewährt. Mit Replik vom 11. Januar 2021 legte 

sie neue Belege ins Recht und erneuerte ihre Rechtsbegehren. Die IV-Stelle hielt mit Duplik 

vom 18. Januar 2021 an ihren Anträgen fest. Damit war der Rechtschriftenwechsel 

abgeschlossen. 

 

E.  

Die Sozialversicherungsabteilung des Verwaltungsgerichts Nidwalden hat die Streitsache an 

ihrer Sitzung vom 22. März 2021 in Abwesenheit der Parteien beraten und beurteilt. Auf die 

Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und in den Akten wird – soweit für die 

Entscheidfindung erforderlich – in den Erwägungen eingegangen.  

 

 

Erwägungen: 

1.  

Die Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung vom 27. August 2020 der IV-Stelle 

Nidwalden. Zuständig für deren Beurteilung ist die Sozialversicherungsabteilung des 

Verwaltungsgerichts Nidwalden (Art. 69 IVG i.V.m. Art. 57 ATSG [SR 830.1] und Art. 39 GerG 

[NG 261.1]), die in Dreierbesetzung entscheidet (Art. 33 Ziff. 2 GerG). Die Beschwerdeführerin 

ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren 

Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Da auch die örtliche 

Zuständigkeit (Art. 69 Abs. 1 lit. a IVG) sowie die Voraussetzungen über Frist und Form (Art. 

60 und Art. 61 lit. b ATSG) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.  

 

4 

 

2.  

2.1  

Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise 

Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, 

Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der 

körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer 

Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der 

Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 

Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind 

ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine 

Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist 

(Art. 7 Abs. 2 ATSG). 

Anspruch auf eine Rente haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich 

im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 

wiederherstellen, erhalten oder verbessern können; während eines Jahres ohne wesentlichen 

Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen und nach Ablauf 

dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 lit. a-c IVG). 

Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder 

psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder 

Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare 

Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG). 

 

2.2  

Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und alle 

Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu 

entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches 

gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer 

Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die 

Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 

abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a). Vor diesem Hintergrund ist hinsichtlich des Beweiswertes 

eines ärztlichen Gutachtens entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen 

umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten 

Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten 

Person auseinander setzt ‒ was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist ‒, in 

5 

 

Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden 

ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob 

die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die 

rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte nicht 

auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen 

erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 

V 351 E. 3a; 122 V 157 E. 1c). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit weder die 

Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag 

gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt. Eine von 

anderen mit der versicherten Person befassten Ärzten abweichende Beurteilung vermag die 

Objektivität des Experten nicht in Frage zu stellen. Es gehört vielmehr zu den Pflichten eines 

Gutachters, sich kritisch mit dem Aktenmaterial auseinanderzusetzen und eine eigenständige 

Beurteilung abzugeben. Auf welche Einschätzungen letztlich abgestellt werden kann, ist eine 

im Verwaltungs- und allenfalls Gerichtsverfahren zu klärende Frage der Beweiswürdigung 

(BGE 132 V 93 E. 7.2.2).  

 

2.3  

Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine 

Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im 

Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas 

Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu 

fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den 

Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, 

die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen (u.a. BGE 

126 V 360 E. 5b) und zudem angenommen werden darf, dass weitere Beweismassnahmen 

an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern (Urteil BGer 9C_717/2009 vom 20. 

Oktober 2009 E. 3.3 mit weiteren Hinweisen).  

 

2.4  

2.4.1  

Der gerichtliche Überprüfungszeitraum beschränkt sich grundsätzlich auf den Sachverhalt, wie 

er sich bis zum Erlass der streitigen Verwaltungsverfügung (hier: 27. August 2020) verwirklicht 

hat (BGE 132 V 215 3.1.1; 130 V 242 E. 2.1; Urteil BGer 9C_175/2018 vom 16. April 2018 

E. 3.3.2). Später eingetretene Tatsachen sind soweit zu berücksichtigen, als sie mit dem 

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Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im 

Zeitpunkt des Verfügungserlasses zu beeinflussen (Urteil BGer 9C_24/2008 vom 27. Mai 2008 

E. 2.3.1 mit Hinweisen). Soweit sich während des Verfahrens ein- bzw. nachgereichte 

Arztberichte zum Gesundheitszustand im Zeitpunkt des Verfügungserlasses äussern oder 

bereits bei den Akten liegende Berichte erläutern und ergänzen, sind auch diese Berichte in 

die Beurteilung einzubeziehen (BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweisen).  

 

2.4.2  

Im Rahmen der Replik legt die Beschwerdeführerin drei selbstverfasste Zeugnisse auf, betitelt 

mit (1) «Haushalt-Alltag und Corona-Alltag», (2) «Bei einer Überforderung passiert folgendes» 

sowie (3) «Berufs-Alltag als Drogistin» auf. Im Gutachten seien jegliche 

Aggravationstendenzen verneint, weshalb ihre «Atteste» ohne Weiteres beweistauglich seien. 

Es bestehe ein «augenfälliger Kontrast» zum Gutachten, das den Aspekt der 

Langzeitbeurteilung, welche die wellenförmigen Leistungskurven beachte in den richtigen 

Kontext stelle, nicht berücksichtige (Replik S. 2 f. Ziffer 2 ff.).  

In den aufgelegten «Zeugnissen» beschreibt die Beschwerdeführerin u.a. ihre Alltagssituation. 

Diese hat sie bereits im Rahmen der Exploration umfassend schildern können; eine erhebliche 

Veränderung bzw. erhebliche neue oder unberücksichtigt gebliebene Aspekte sind nicht zu 

erkennen. Zudem ist für die Beurteilung des Leistungsanspruches bzw. der Arbeitsfähigkeit 

nicht die subjektive Einschätzung der versicherten Person massgebend. Es ist vielmehr 

ärztliche Aufgabe, die sich basierend auf der objektiven Befunderhebung ergebenden 

Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit zu bestimmen (u.a. Urteil BGer 8C_101/2014 vom 3. 

April 2014 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen). Die Anforderungen am Arbeitsplatz sind mit einem 

Arbeitgeberbericht ebenfalls aktenkundig (vgl. IV-act. 22). Mit der angeblich fehlenden 

Langzeitbeurteilung befasst sich die nachfolgende Erwägung 6.3. Die durchwegs subjektiven 

Schilderungen der Beschwerdeführerin vermögen, wären sie zu berücksichtigen, die 

medizinischen Feststellungen denn auch nicht in Frage zu stellen. 

 

3.  

3.1  

Die IV-Stelle kam gestützt auf das Gutachten der B.__ AG vom 27. Juni 2019 sowie der 

Haushaltsabklärung vom 3. Dezember 2019 zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin 

ausserhäuslich zu 21% und im Haushalt zu 15% eingeschränkt sei. Unter Anwendung der 

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gemischten Methode errechnete sie einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 

19.8%. 

 

3.2  

Die Beschwerdeführerin macht in formeller Hinsicht eine Verletzung des rechtlichen Gehörs 

geltend. Materiell beanstandet sie die Eingliederungsmassnahmen, das Gutachten sowie den 

Einkommensvergleich. 

 

4.  

4.1  

4.1.1  

Zunächst ist, da formeller Natur (vgl. BGE 132 V 387 E. 5.1), die geltend gemachte Verletzung 

des rechtlichen Gehörs zu prüfen, da diese ungeachtet der materiellen Begründetheit der 

Beschwerde grundsätzlich zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids führt 

(BGE 142 II 218 E. 2.8.1; 135 I 187 E. 2.2.).  

 

4.1.2  

Nach Art. 42 ATSG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, wobei sie vor Erlass 

von Verfügungen, die durch Einsprache anfechtbar sind, nicht angehört werden müssen.  

Ein Bestandteil des Anspruchs auf rechtliches Gehör, wie er neben der expliziten gesetzlichen 

Regelung in Art. 42 ATSG auch in Art. 29 Abs. 2 BV garantiert wird (vgl. BGE 124 V 180 

E. 1a), ist das Recht der versicherten Person, sich vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung 

eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in 

die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung 

wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu 

äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1).  

Der Gehörsanspruch verpflichtet die Behörde, die Vorbringen der betroffenen Person auch 

tatsächlich zu hören, zu prüfen und in der Entscheidfindung zu berücksichtigen, weshalb sie 

ihren Entscheid zu begründen hat (BGE 134 I 83 E. 4.1). Die Pflicht der Behörde, ihre 

Verfügungen – sofern sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen (Art. 49 Abs. 3 

ATSG) – zu begründen, bezweckt insbesondere, die betroffene Person in die Lage zu 

versetzen, eine Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten zu können (BGE 124 V 180 

E. 1a, vgl. auch BGE 134 I 83 E. 4.1 mit Hinweisen). Um den verfassungsrechtlichen 

8 

 

Anforderungen zu genügen, muss die Begründung wenigstens kurz die Überlegungen nennen, 

von denen sich die Behörde bei ihrem Entscheid hat leiten lassen und auf die sich der 

Entscheid stützt. Aus der Begründung muss jedenfalls ersichtlich werden, ob und warum die 

Behörde ein Vorbringen einer Partei für unzutreffend beziehungsweise unerheblich hält. Es 

muss erkennbar sein, ob die Behörde es überhaupt in Betracht gezogen hat. Sie darf sich nicht 

auf den Hinweis beschränken, die Überlegungen der versicherten Person seien zur Kenntnis 

genommen und geprüft worden. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass eine 

Anfechtung des Entscheids möglich ist (UELI KIESER, Kommentar ATSG, 4. A., 2020, N 65 ff. 

zu Art. 49 ATSG). Das Vorbescheidverfahren geht über den verfassungsrechtlichen 

Mindestanspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) hinaus, indem es Gelegenheit gibt, 

sich nicht nur zur Sache, sondern auch zum vorgesehenen Entscheid zu äussern (BGE 134 V 

97 E. 2.8.2 mit Hinweisen). 

 

4.1.3  

Eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs kann 

ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor 

einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei 

überprüfen kann. Unter dieser Voraussetzung ist darüber hinaus ‒ im Sinne einer Heilung des 

Mangels ‒ selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs von einer 

Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu 

einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit 

dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen 

Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 137 I 195 E. 2.3.2; 133 I 201 E. 2.2; 

132 V 387 E. 5.1). 

 

4.2  

Konkret rügt die Beschwerdeführerin zunächst eine Verletzung des Replikrechts. Sie habe 

ausführlich zum Vorbescheid Stellung genommen und der IV-Stelle, nachdem diese am 

23. Juli 2020 wörtlich weitere Abklärungen in Aussicht gestellt habe, am 29. Juli 2020 

mitgeteilt, dass sie vor Erlass des definitiven Entscheids noch einmal angehört werden wolle 

(Beschwerdeschrift S. 6, Ziffern 12-14). 

Die Beschwerdeführerin liess sich unstrittig mit Eingabe vom 15. Juli 2020 zum Vorbescheid 

vernehmen (IV-act. 138). Da sich aufgrund dessen keine neuen medizinischen Abklärungen 

aufdrängten, verfügte die IV-Stelle am 27. August 2020 ohne Weiterungen (IV-act. 142). 

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Mangels weiterer Abklärungen bzw. neuer Erkenntnisse erübrigte sich die Gewährung einer 

erneuten Äusserungsmöglichkeit. Die Beschwerdeführerin hat sich im Rahmen des 

Einwandverfahrens umfassend äussern können, womit keine Verletzung des rechtlichen 

Gehörs vorliegt. 

 

4.3  

Weiter beanstandet die Beschwerdeführerin die angefochtene Verfügung sinngemäss als 

unzureichend begründet. Eine nachvollziehbare inhaltliche Auseinandersetzung mit ihren 

Einwendungen finde nicht statt, obwohl diese sorgfältig und nachvollziehbar formuliert 

gewesen seien (Beschwerdeschrift S. 6 f. Ziffern 14 f.). 

Die IV-Stelle hat sich mit den 19 Kritikpunkten zum Gutachten tatsächlich nicht eingehend 

auseinandergesetzt. Nachdem die Beschwerdeführerin im Rahmen des vorliegenden 

Rechtsmittelverfahrens ihre (weitgehend pauschal gehaltenen) Kritikpunkte erneut und 

identisch präsentiert und das Gericht volle Kognition hat, ist eine allfällige Gehörsverletzung 

im vorliegenden Verfahren ohne Weiteres heilbar, womit sich Weiterungen erübrigen. 

 

5.  

5.1  

Die Beschwerdeführerin behauptet, es sei dem Grundsatz «Eingliederung vor Rente» nicht 

Genüge getan worden. Die Durchführung der Eingliederungsmassnahmen sei 

«unbefriedigend» gewesen, mithin sei überhaupt nicht genügend geklärt worden, ob sie 

arbeitsfähig sei. Sie habe sich um berufliche Wiedereingliederung bemüht. 

 

5.2  

Eine der (kumulativen) Anspruchsvoraussetzungen für die Zusprache einer Rente besteht 

darin, dass die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit des Versicherten, sich im Aufgabenbereich 

zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederhergestellt, erhalten 

oder verbessert werden kann (Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG). Die Eingliederungsmassnahmen 

bestehen in medizinischen Massnahmen, Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die 

berufliche Eingliederung, Massnahmen beruflicher Art sowie die Abgabe von Hilfsmitteln 

(Art. 8 Abs. 3 IVG). Es gilt der Grundsatz «Eingliederung vor Rente» (BGE 139 V 547 E. 5.7 

S. 557 f.). Für die Leistungsgewährung fallen nur Massnahmen in Betracht, die den 

Fähigkeiten und soweit als möglich auch den Neigungen der versicherten Person entsprechen 

und die das Eingliederungsziel auf einfache und zweckmässige Weise anstreben. Dies 

10 

 

bedeutet, dass zwischen der Dauer und den Kosten der Massnahme einerseits und dem 

wirtschaftlichen Erfolg (im Sinne der Eingliederungswirksamkeit) andererseits ein vernünftiges 

Verhältnis bestehen soll. Zudem soll die berufliche Ausbildung in einer auf die Anforderungen 

des Arbeitsmarktes ausgerichteten Weise soweit wie möglich im ersten Arbeitsmarkt erfolgen 

(Kreisschreiben des Bundesamtes für Sozialversicherungen [BSV] über die 

Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art [KSBE], gültig ab 1. Januar 2014 [Stand: 1. Januar 

2020, <http://www.sozialversicherungen.admin.ch>], N 1006 [1/18]). 

 

5.3  

Die Anmeldung durch die Versicherte erfolgte am 25. Februar 2017 (IV-act. 1); die Beendigung 

der Frühintervention bzw. die Rentenprüfung teilte die IV-Stelle der Versicherten 18 Monate 

später, am 6. September 2018 mit (IV-act. 86). Es ist aktenkundig, dass die Versicherte im 

dazwischenliegenden Zeitraum bei ihrer damaligen Arbeitgeberin erste Arbeitsversuche 

(2h/Tag an jeweils zwei Wochentagen) tätigte, wobei sie von Seiten der beteiligten 

Versicherungen umfassende Unterstützung erfuhr (Standortgespräche [in Anwesenheit der 

Arbeitgeberin, dem Case-Manager der Taggeldversicherung, dem Ehemann der 

Versicherten]; Eingliederungsplan; Angebot eines Job-Coachings; Übernahme von 

Fahrkosten; IV-act. 83). Besagte Arbeitsversuche standen auch im Einklang mit der 

fortwährenden ambulant-medizinische Betreuung. Die behandelnden Ärzte attestierten der 

Versicherten grundsätzlich eine gute Prognose und erachteten eine schrittweise Steigerung 

der Arbeitseinsätze als möglich und vertretbar (IV-act. 28; 37 S. 5 ff.; 40 S. 7 ff.; 79; 92). Trotz 

all dieser begünstigenden Umstände in optimalstem Setting (bekanntes Arbeitsumfeld, 

engmaschige Betreuung durch Ärzte und beteiligte Versicherungen, Möglichkeit des 

schrittweise aufgebauten Arbeitseinstiegs) konnte keine relevante Arbeitssteigerung erreicht 

werden. Vielmehr musste der Wiedereinstieg in die Arbeitstätigkeit abgebrochen werden und 

der Arbeitgeber kündigte der Versicherten. Im Lichte dieser Geschehnisse ist nicht zu 

beanstanden, dass die IV-Stelle von weiteren beruflichen Massnahmen absah und zur 

Rentenprüfung schritt. Die Beschwerdeführerin qualifiziert die Durchführung und den Abbruch 

der Eingliederungsmassnahmen denn auch bloss pauschal als ungenügend bzw. nicht 

nachvollziehbar. Inwiefern das Vorgehen der IV-Stelle nicht den rechtlichen Vorgaben 

entsprochen hat bzw. welche konkreten weiteren Eingliederungsmassnahmen angezeigt 

gewesen wären und weshalb sie ihre Beanstandungen nicht zeitnah vorbrachte, lässt sie 

offen. Im Ergebnis ist ihr Vorbringen unbegründet. 

 

11 

 

6.  

Im Weiteren beanstandet die Beschwerdeführerin das Gutachten. Die medizinisch relevante 

Aktenlage präsentiert sich wie folgt: 

 

6.1  

6.1.1  

Am 12. Oktober 2016 erlitt die Beschwerdeführerin beim Fahrradfahren einen Thalamusinfarkt. 

In der Folge wurde sie im Zentrum für Neurologie und Neurorehabilitation des Spitals E.__ 

stationär behandelt. Der Chefarzt Prof. Dr. med. C.__ hielt im Austrittsbericht vom 2. November 

2016 die Diagnosen «Thalamusinfarkt rechts am 12.10.2016» und «einmalige Episode mit 

supraventrikulärer Tachykardie 12.10.2016» fest (IV-act. 21, S. 11).  

Vom 24. Oktober bis 12. November 2016 wurde sie in der Klinik D.__ behandelt und bei 

verbesserter Mobilität in stabilem Allgemeinzustand nach Hause entlassen. In ihrem 

Austrittsbericht vom 1. Dezember 2016 ergänzten die behandelnden Neurologen bzw. 

Neuropsychologen die Diagnoseliste mit «Strabismus links». Aus neuropsychologischer Sicht 

sei angesichts der soliden kognitiven Leistung der Patientin und der guten Selbständigkeit im 

Klinikalltag eine Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit als Drogistin realistisch. Allerding 

seien die erhöhte Ermüdbarkeit sowie die reduzierte Belastbarkeit der Patientin zu 

berücksichtigen, so dass ein gestufter Einstieg mit sukzessiver Steigerung des Pensums 

empfohlen werde (IV-act. 9 S. 2 ff.).   

 

6.1.2  

In seinem IV-Arztbericht vom 29. März 2017 hielt der Hausarzt Dr. med. F.__, die Diagnosen 

«Thalamusinfarkt Okt. 2016», «Vitamin D- und Eisenmangel März 2017» und 

«Leberwerterhöhung DD statinbedingt März 2017» fest. Die Patientin sei in der zuletzt 

ausgeübten Tätigkeit als Drogistin bis am 10. April 2017 arbeitsunfähig. Aktuell werde jegliche 

Tätigkeit durch Müdigkeit und Konzentrationsstörung sowie durch einen schwankenden Gang 

und eine gewisse Sozialphobie verhindert. Mit den medizinischen Massnahmen sollte eine 

partielle Arbeitsfähigkeit mit allmählicher Steigerung auf 100% erreicht werden können. 

Sodann vermerkte der Hausarzt, die Patientin sei im Januar 2017 durch einen grippalen Infekt 

mit verstärktem Schwindel und Müdigkeit im Verlauf zurückgeworfen worden (IV-act. 17). 

 

6.1.3  

Mit (undatiertem) IV-Arztbericht (Eingang: 19. Mai 2017) bestätigte G.__, Assistenzarzt am 

12 

 

Neurozentrum des Spitals E.__, die Diagnose des Thalamusinfarkts rechts. Es bestünden 

keine körperlichen Einschränkungen, aber der Verdacht auf eine Angststörung. Die grösste 

Hürde sei der Arbeitsweg sowie eine verminderte geistige Leistungsfähigkeit mit 

Konzentrationsstörungen. Letztere könne nicht objektiviert werden. Aus neurologischer Sicht 

bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Allerdings sei bei Verdacht auf eine Angststörung eine 

psychiatrische Exploration erforderlich (IV-act. 28])  

 

6.1.4  

Die Neurologin Dr. med. H.__, hielt in ihrem Sprechstundenbericht vom 12. September 2017 

folgende Diagnosen fest (IV-act. 40, S. 7):  

− St. n. Thalamusinfarkt rechts am 12.10.2016 

Systemische Thrombolyse 12.10.2006 [recte: 2016] 

− Rezidiv. Schwankschwindelepisoden mit Kopfdruck und Kribbelparästhesien mit V.a. funktionellen 

Schwindel bei Angstsymptomatik DD Panikattacken 

isoliert im öffentlichen Nahverkehr und in Menschenansammlungen 

− Tinnitus 

− Episodischer Spannungstypkopfschmerz ohne perikraniale Kopfempfindlichkeit 

− St. n. einmaliger Episode mit supraventrikulärer Tachykardie 12.10.2016 » 

Zur Arbeitsfähigkeit äusserte sich die Neurologin nicht konkret, hielt aber fest, dass sie der 

Patientin die Wiedereingliederung in den Arbeitsalltag empfohlen habe. 

In Ihrem Verlaufskontrollbericht 26. Oktober 2017 bestätigte die Neurologin die Diagnosen. 

Die Patientin berichte u.a. über wieder verstärkt auftretenden Schwankschwindel. In der 

zerebralen MRI-Diagnostik hätten sich, bis auf die bekannte Narbe bei St. n. Thalamusinfarkt 

rechts, keine neuen Befunde ergeben. Grösstes Hindernis, auch für den Wiedereinstieg in ihre 

bisherige Arbeitsstelle, sei das Aufsuchen des Arbeitsortes aufgrund der erheblichen Ängste 

im öffentlichen Verkehr und in Menschenansammlungen. Sie habe der Patientin empfohlen 

die Angstsymptomatik mit am ehesten phobischem Schwankschwindel multimodal anzugehen 

(IV-act. 40 S. 5). 

 

6.1.5  

Dr. med. I.__, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, berichtete der Neurologin 

am 19. Dezember 2017 die Diagnose einer wahrscheinlichen psychischen Überlagerung einer 

somatischen Restsymptomatik (Anpassungsstörung; ICD-10 F43.23). In der 

Gesprächssituation in der Praxis zeige die Versicherte relativ wenig Auffälligkeiten. 

Nachvollziehbar beschreibe sie einen beträchtlichen Leidensdruck unter der Umstellung des 

13 

 

ganzen Alltagsablaufs. Ebenso habe sie ihre Beschwerde sehr detailliert und nachvollziehbar 

beschrieben. Sie setze sich unter einen beträchtlichen Erfolgsdruck und wünsche sich bald 

sichtbare Resultate der Behandlung (IV-act. 76 S. 5 ff.).  

 

6.1.6  

In ihrem IV-Bericht vom 4. Juli 2018 notierten der Psychiater Dr. med. I.__ und die Psychologin 

J.__ als Diagnose eine Agoraphobie mit Panikstörung (F 40.01). Die Patientin sei zuletzt an 

zwei Tagen pro Woche rund 2½ Stunden an ihrer Arbeitsstelle gewesen. Bei einer langsamen 

Steigerung des Pensums seien mehrere Arbeitsstunden zumutbar. In einer Arbeitsstelle, bei 

der die Versicherte ihrer Ressourcen nutzen könne, ein positives Arbeitsklima herrsche und 

die Arbeitsstunden laufend gesteigert werden können, seien die Eingliederungsprognosen gut 

(IV-act. 79).   

 

6.1.7  

Der Psychiater I.__ und die Psychologin K.__ (vormals J.__) verweisen in ihrem IV-

Verlaufsbericht vom 16./19. November 2018 in weiten Teilen – bei dementsprechend 

gleichbleibender Beurteilung – auf ihren Bericht vom 4. Juli 2018 (vgl. vorstehende E. 4.7). Die 

Versicherte habe Fortschritte erzielen können. Dennoch sei sie sehr schnell überfordert und 

habe grosse Mühe mit der Konzentration und der Merkfähigkeit. Sie fühle sich unter vielen 

Menschen unwohl und bekomme Panik; entsprechend sei sie ihrem Handlungsradius. 

Konkrete Angaben zur Arbeitsfähigkeit fehlen (IV-act. 92). 

 

6.1.8  

Das polydisziplinäre Gutachten der B.__ AG vom 27. Juni 2019 basiert auf den 

Untersuchungen des fallführenden Neurologen Prof. Dr. med. L.__, der Internistin Dr. med. 

M.__, der Neuropsychologin MSc N.__ und des Psychiaters med. pract. O.__ (IV-act. 111). 

Im Rahmen der Konsensbeurteilung hielten die Gutachter zusammengefasst fest, die 

versicherte Person klage aktuell über Schwankschwindel mit begleitend Übelkeit und 

Kopfschmerzen, gelegentlich alleiniger Kopfschmerz, Wetterfühligkeit, schnelle Ermüdbarkeit 

und fehlende Stresstoleranz. Mit Relevanz auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten 

Tätigkeit seien die Diagnosen (S. 8 f.): 

 St. p. Thalamus-Infarkt am 12.10.2016 

 Systemische Thrombolyse 12.10.2016 

 Rezidivierende Schwankschwindel-Episoden, am ehesten einem phobischen Schwindel entsprechend 

14 

 

 Anamnestisch Tinnitus, aktuell nicht berichtet 

 Agoraphobie ohne Angaben einer Panikstörung 

Ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit seien die Diagnosen: 

 Minimale neuropsychologische Störung 

 Adipositas WHO Grad I (BMI 32.4 kg/m3) 

 Aktenanamnestisch Status nach Anpassungsstörung (ICD-10: F43.2) 

Die Explorandin sei vor allem durch ihre psychischen Störungen beeinträchtigt. Die 

durchgeführten Symptomvalidierungsverfahren seien unauffällig ausgefallen, wobei 

fluktuierend eine leicht demonstrativ-umständliche Arbeitsweise mit fraglich eine leichte 

Selbstlimitierung bestehe. Die Konsistenzprüfung ergebe in der Gesamtschau keine Hinweise 

auf eine bewusste Aggravation bei allenfalls normaler Verdeutlichungstendenz zur Darstellung 

des Leidens und der subjektiv eingeschränkten kognitiven Leistung. Die Explorandin habe in 

drei Teilfunktionen ein überdurchschnittliches Ergebnis erzielt, was für einen grundlegend 

erhaltenen Leistungswillen und Anstrengungsbereitschaft spreche. Der Vergleich zu der 

Voruntersuchung zeige bezüglich der damals relevanten Symptomatik (Gesichtsfeldstörung, 

erschwertes visuelles Verarbeitungstempo und visuelle Raumexploration) eine Verbesserung. 

Unverändert bestehe eine leichte Störung der Aufmerksamkeitsteilung, neu sei die Störung 

der Diskriminabilität des verbalen Gedächtnisses und der verbalen Handlungsplanung (damals 

seien Gedächtnis- und Exekutivfunktionen normgerecht gewesen). Neuropsychologisch 

inkonsistent sei, dass die aktuellen Befunde eher linkshemisphärisch einzuordnen seien, 

jedoch eine Schädigung im rechten Thalamus vorliege. Die aktuelle minimale 

neuropsychologische Störung könne ätiologisch nicht abschliessend und plausibel erklärt 

werden. Diese sei ohnehin rein «akademischer» Natur; im Übrigen bestünden keine 

eigentlichen Inkonsistenzen im Sinne von unklaren anamnestischen Angaben (S. 11).  

Aus interdisziplinärer Sicht ergebe sich in der angestammten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit 

von 20% und in einer Verweistätigkeit von 10%. Dabei gelte das seitens der neurologischen 

und psychiatrischen Teilgutachten geäusserte Fähigkeitsprofil. 

Eine retrospektive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ohne die begutachtete Person auch früher 

selber untersucht zu haben sei nicht unproblematisch, da man sich auf von anderen Personen 

erhobenen Anamnesen, Befunden und daraus abgeleiteten Diagnosen verlassen müsse. 

Retrospektiv sei den Gutachtern eine abschliessende Überprüfung der echtzeitlich erhobenen 

Befunde und gestützt darauf vorgenommenen Diagnosen und 

Arbeitsfähigkeitseinschätzungen nicht möglich. Möglich sei aber eine Würdigung aus heutiger 

Sicht. 

15 

 

Auf Grundlage der von den Gutachtern im aktuellen Zeitpunkt erhobenen Befunde und daraus 

abgeleiteten Diagnosen erscheinen die echtzeitlich vorgenommenen, als wesentlich 

erachteten Beurteilungen mehrheitlich als nachvollziehbar. In den ersten Monaten nach dem 

Thalamus-Infarkt dürfte eine Arbeitsunfähigkeit von 100% bestanden haben. Diese habe 

jedoch 6‒9 Monate nach Thalamus-Infarkt sistiert und seither könne die oben attestierte 

Arbeitsfähigkeit postuliert werden. 

 

6.2  

6.2.1  

Die Beschwerdeführerin beanstandet das Gutachten mannigfaltig. Zunächst kritisiert sie die 

Konsensbeurteilung. Diese bilde das Kernstück einer polydisziplinären Begutachtung, sodass 

man zentrale Fragen wie beispielsweise die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit 

nicht mit Verweisen beantworten könne. Auch innerhalb der Synthese dürfe nicht verwiesen 

werden. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei unbegründet und die Frage nach der Gesamt-

Arbeitsfähigkeit werde im Kern gar nicht beantwortet. Unbegründet geblieben sei auch, 

inwiefern die festgestellte Inkonsistenz akademischer Natur sei, zumal keine eigentlichen 

Inkonsistenzen vorlägen. Der beklagte Tinnitus sei komplett vergessen worden.  

 

6.2.2  

Der Zweck polydisziplinärer Gutachten besteht darin, alle relevanten gesundheitlichen 

Beeinträchtigungen zu erfassen und die sich daraus je einzeln ergebenden Einschränkungen 

der Arbeitsfähigkeit in ein Gesamtergebnis zu bringen. Der abschliessenden, gesamthaften 

Beurteilung von Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit kommt damit dann grosses Gewicht 

zu, wenn sie auf der Grundlage einer Konsensdiskussion der an der Begutachtung 

mitwirkenden Fachärzte erfolgt (BGE 143 V 124 E. 2.2.4, 137 V 210 E. 1.2.4). Dass dies 

vorliegend der Fall war haben die beteiligten Gutachter unterschriftlich bestätigt.  

 

6.2.3  

In der Konsensbeurteilung rekapitulierten die Gutachter in Ziffer 4.7 unter dem Titel 

«Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit» sowohl die von einzelnen Teilgutachtern 

attestierten Arbeitsunfähigkeiten in der bisherigen Tätigkeit als Drogistin als auch jene für eine 

Verweistätigkeit. Sie hielten fest, dass daraus aus interdisziplinärer Sicht eine 

Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit von 20% und in einer Verweistätigkeit von 

10% resultiere; es gelte das seitens des neurologischen und psychiatrischen Teilgutachtens 

16 

 

geäusserte Fähigkeitsprofil. In den verwiesenen Teilgutachten wird die attestierte 

Arbeitsunfähigkeit erläutert. Demnach beruht die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auf einer 

verminderten Stresstoleranz (vgl. neurologisches Teilgutachten [IV-act. 111, S. 50, Ziff. 8.1.1]) 

sowie der restsymptomatischen Agoraphobie ohne Panikstörung (psychiatrisches 

Teilgutachten [IV-act. 111, S. 113 f. Ziff. 6.3]). Der Neurologe attestierte der Explorandin in der 

angestammten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 20%, in einer Verweistätigkeit von 10%. 

Der Psychiater erachtete die Explorandin sowohl in der angestammten als auch einer 

Verweistätigkeit im Umfang von 10 % arbeitsunfähig. Angesichts des Aussagegehalts von 

Ziffer 4.7 bedurfte es unter der Ziffer 4.8 mit dem Titel «Arbeitsfähigkeit in angepasster 

Tätigkeit» keiner Wiederholung.  

Die kritisierte Unklarheit im Zusammenhang mit der Konsistenzprüfung lässt sich ebenfalls 

nicht ausmachen. Die neuropsychologische Inkonsistenz wurde im entsprechenden 

Teilgutachten erläutert: Die erhobenen Befunde sind eher linkshemisphärisch einzuordnen, 

geschädigt ist jedoch der rechte Thalamus. Dies konnte die Neuropsychologin ätiologisch nicht 

abschliessend und plausibel erklären. Diese Widersprüchlichkeit bezeichneten die Gutachter 

als rein «akademisch», weil der Begriff «Inkonsistenz» ansonsten Widersprüche im Sinne von 

unklaren anamnestischen Angaben erfasst. Soweit ein Fehlen des Tinnitus beklagt wird, 

scheint die Beschwerdeführerin zu übersehen, dass dieser in der Diagnosenliste (mit 

Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit) mit dem Vermerk «aktuell nicht berichtet» aufgeführt ist. 

 

6.3  

Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Gutachter hätten offenbar das Anforderungsprofil 

der bisherigen Tätigkeit nicht gekannt, da sie festhielten, der Auftrag habe keine 

diesbezüglichen Angaben enthalten. Die Gutachter hätten auch auf das Einholen 

fremdanamnestischer Erhebungen bei den Behandlern, dem Ehemann oder der Arbeitsstelle 

verzichtet, obwohl sie die retrospektive Beurteilung als problematisch erachtet hätten. 

Überdies bedürfe das diskutierte Beschwerdebild zwingend einer Beurteilung über eine 

längere Beobachtungsdauer. 

Die Tätigkeit der Beschwerdeführerin wird in der IV-Akte, die den Gutachtern unstrittig vorlag, 

mehrfach aufgeführt. Die Akte enthält überdies einen Bericht der Arbeitgeberin mit der 

Beschreibung des Arbeitsplatzes sowie einen Bericht der Berufsberatung (IV-act. 22). 

Ausserdem erhielten die Gutachter im Rahmen der Anamneseerhebung Kenntnis von der 

zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Drogistin (IV-act. 111, S. 43, 62, 81, 106). Nachdem die IV-

Akten die Krankengeschichte der Beschwerdeführerin mit den Berichten der Behandler, des 

17 

 

Arbeitgebers und der Eingliederungsverantwortlichen einlässlich dokumentiert, erweist sich 

auch der Einwand des zu kurzen Beurteilungshorizonts als unbegründet. Ob zusätzliche 

fremdanamnestische Auskünfte notwendig sind entscheidet der Experte. Letztlich ist die 

medizinische Beurteilung massgebend und nicht jene des Ehemannes oder des Arbeitgebers. 

Schliesslich vermag die Beschwerdeführerin auch mit dem Verweis auf die 

Krankentaggeldleistungen nichts zu ihren Gunsten ableiten, denn diese hat eine andere 

Aufgabe und andere Anspruchsvoraussetzungen als die Invalidenversicherung. 

 

6.4  

Die Beschwerdeführerin beanstandet eine fehlende und nachvollziehbare 

Auseinandersetzung mit der Aktenlage bzw. dem Bericht von Dr. F.__ vom 29. März 2017, 

wonach sie durch einen grippalen Infekt im Januar 2017 zurückgeworfen worden sei. 

Massgebend ist die Arbeitsunfähigkeit, also die Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen 

aufgrund der medizinisch festgestellten Einschränkungen, im Zeitpunkt der Begutachtung. 

Diese ist basierend auf einer objektiven Befunderhebung zu bestimmen (Urteil BGer 

8C_101/2014 vom 3. April 2014 E. 5.1). Die Gutachter haben sich mit der Aktenlage 

auseinandergesetzt und Abweichungen zu den Voruntersuchungen aufgezeigt. Inwiefern 

insbesondere die Aussage des Hausarztes F.__ entscheidwesentlich sein soll, ist nicht 

ersichtlich und wird von der Beschwerdeführerin auch nicht aufgezeigt.  

 

6.5  

Im Weiteren kritisiert die Beschwerdeführerin das neurologische Teilgutachten. Das 

Teilgutachten sei zu kurz und oberflächlich, enthalte zu viele Verweise, jedoch keine 

Antworten. Die Schwindelanfälle würden zwar erwähnt, fänden jedoch keinen Einfluss in der 

Beurteilung. Es finde keine fachneurologische Diskussion mit der vorhandenen Aktenlage 

statt, namentlich mit den Berichten von Dr. med. H.__. Auch sei nicht nachvollziehbar, weshalb 

von der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit von Dr. med. H.__ abgewichen und derjenigen von 

Assistenzarzt Dr. G.__ gefolgt werde, obwohl dessen Bericht nicht hinreichend begründet sei. 

Überdies sei die persönliche Exploration zu kurz ausgefallen. 

Der Neurologe hat sich mit dem berichteten Schwankschwindel befasst und festgehalten, dass 

sich diesbezüglich, wie in früheren Untersuchungen, keine pathologischen Befunde zeigen 

würden. Damit liege am ehesten ein phobischer Schwindel vor. Zur analogen 

Schlussfolgerung war die behandelnde Neurologin H.__ in ihrem Bericht vom 12. September 

2017 gekommen (vgl. vorstehende E. 6.1.4). Diese hat sich entgegen der Behauptung der 

18 

 

Beschwerdeführerin nicht zur Arbeitsfähigkeit geäussert, aber explizit festgehalten, dass sie 

der Patientin die Wiedereingliederung in den Arbeitsalltag empfohlen habe (vgl. vorstehende 

E. 6.1.4). Der neurologische Gutachter ist somit nicht von deren Beurteilung der 

Arbeitsfähigkeit abgewichen. Schliesslich vermag alleine die Untersuchungsdauer die 

Beweistauglichkeit nicht in Frage zu stellen, sofern sie sich nicht negativ auf die Qualität des 

Gutachtens ausgewirkt hat, was vorliegend nicht der Fall ist (Urteil BGer 8C_639/2011 vom 5. 

Januar 2012 E. 4.3.1). Die behaupteten Verweise sind nicht auszumachen.  

 

6.6  

Die Beschwerdeführerin beanstandet das psychiatrische Teilgutachten. Es seien keine 

fremdanamnestischen Erhebungen getätigt worden. Dem Teilgutachten fehle die Tiefe und 

enthalte namentlich keine Ausführungen dazu, weshalb die von der Beschwerdeführerin 

angegebene körperliche Symptomatik nicht geeignet war, eine Erkrankung aus dem 

somatoformen Diagnosespektrum zu bedingen. Es werde auch nicht erläutert, weshalb die 

Diagnose der Anpassungsstörung nicht mehr gestellt werde. Es finde keine Diskussion mit der 

vorhandenen Aktenlage, bspw. der Berichte des Psychiatrie-Teams Q.__ statt. Die Beurteilung 

der Arbeitsfähigkeit sei nicht nachvollziehbar, wobei die Psychiaterin das Profil der 

angestammten Tätigkeit nicht zu kennen scheine. 

Der psychiatrische Experte erläuterte unter dem Titel «Herleitung der für die Beurteilung 

wesentlichen Diagnosen», weshalb er die im Erstkonsultationsbericht des Psychiatrie-Teams 

Stans vom 19. Oktober 2017 gestellte Diagnose einer Anpassungsstörung nicht (mehr) 

bestätigen konnte. Die Symptomatik gemäss Definition ICD-10 sei abgeklungen und eine 

darüberhinausgehende depressive Symptomatik lasse sich nicht mehr explorieren und 

bestehe im Zeitpunkt der Exploration mit Sicherheit nicht (IV-act. 111, S. 114). Dies steht in 

Einklang mit der Tatsache, dass eine Anpassungsstörung per Definition nicht länger als sechs 

Monate dauert. Bezüglich der im Juli bzw. November 2018 vom Psychiatrie-Team Stans 

diagnostizierte Agoraphobie konnte der Psychiater nur noch eine gewisse Restsymptomatik 

feststellen. Der Psychiater hat sich offenkundig mit den aktenkundigen Beurteilungen 

auseinandergesetzt. Nachdem die Beschwerdeführerin keinen an den meisten Tagen 

anhaltenden schweren und belastenden Schmerz in einem Körperteil während mindestens 

sechs Monaten beklagte, der nicht ausreichend durch einen körperlichen Befund erklärt 

werden kann, stand die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung nicht im 

Raum. Inwiefern sie die Einschätzung des Psychiaters, die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als 

Drogistin (bei einem wohlwollenden Arbeitgeber, nicht ausschliesslichem Publikumsverkehr 

19 

 

und der Möglichkeit sich gelegentlich zurücknehmen zu können) sei eine ideal angepasste 

Tätigkeit, nicht nachvollziehen kann, lässt die Beschwerdeführerin wiederum offen. Die als 

fehlend monierten Fremdauskünfte können zwar ein wichtiger Bestandteil des Gutachtens 

sein. Es steht aber grundsätzlich im Ermessen der Experten zu entscheiden, ob solche 

einzuholen sind (Urteil BGer 9C_275/2016 vom 19. August 2016 E. 4.3.2). Insgesamt vermag 

die Beschwerdeführerin nicht darzutun, inwiefern die gutachterlichen Ausführungen des 

Psychiaters mangelhaft sind. 

 

6.7  

Die Beschwerdeführerin moniert auch das neuropsychologische Teilgutachten. Es seien keine 

fremdanamnestischen Erhebungen getätigt worden. Die Begründung einer minimalen 

neuropsychologischen Störung sei weder nachvollziehbar noch schlüssig. Das Teilgutachten 

sei zu oberflächlich. So sei die Aussage, wonach die Befunde mit dem primären Ereignis nicht 

typischerweise vereinbar seien, nicht nachvollziehbar begründet. Die Beurteilung der 

Arbeitsfähigkeit, namentlich die Feststellung, die Versicherte sei in ihrer bisherigen Tätigkeit 

mit optimalem Pausenmanagement nicht eingeschränkt, sei «gänzlich unhaltbar».  

Die Neuropsychologin hat konkret festgehalten, welche Kriterien der diagnostizierten 

minimalen neuropsychologischen Störung zugrunde liegen. Sie listete ihre Untersuchungen 

und Befunde sowie die testpsychologischen Ergebnisse auf, deren Auswertung eine leichte 

Störung in der Aufmerksamkeitsteilung, in der schriftlichen Handlungsplanung und in der 

verbalen Gedächtnisdiskriminablität ergab (IV-act. 111, S. 84 ff.). Alle übrigen 

Gedächtnisfunktionen sowie die praktische Handlungsplanung waren normgerecht. Da die 

Ergebnisse insgesamt weder einem bekannten spezifischen Funktionsausfall zugeordnet 

werden konnten noch mit einem typischen rechtshemisphärischen Thalamusinfarkt vereinbar 

waren, hielt die Gutachterin fest, dass die ätiologische Einordnung der Befunde unklar sei. 

Dementsprechend thematisierte sie diese Inkonsistenz auch im Rahmen ihrer 

Konsistenzbeurteilung (IV-act. 111, S. 88 f.). In ihrer Kritik an der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung 

bleibt die Beschwerdeführerin bei pauschalen Behauptungen. Offenbar übersieht sie, dass die 

berichtete Ermüdbarkeit ihre kognitive Leistungsfähigkeit nicht beeinträchtigte, weshalb die 

Gutachterin mit entsprechendem Pausenmanagement keine zeitlichen Einschränkungen 

erwartete (IV-act. 11, S. 89 f.). Schliesslich gilt auch hier, dass Fremdauskünfte, so auch 

Angaben von behandelnden Ärzten, ein wichtiger Bestandteil des Gutachtens sein können. 

Der Entscheid, ob eine Rücksprache mit den behandelnden Ärzten angezeigt ist, steht ‒ wie 

bereits festgehalten ‒ im Ermessen der Experten. 

20 

 

 

6.8  

Die replicando behauptet fehlende spezifizierte Auflistung der den Gutachtern vorgelegten 

medizinischen Unterlagen (Replik, S. 3, Ziffern 8 f.) geht fehl. Das Gutachten enthält eine 

fächerübergreifende Aktenzusammenfassung (IV-act. 111, S. 17 ff.). 

 

6.9  

Insgesamt wird die Expertise der B.__ AG den von der Rechtsprechung entwickelten 

Anforderungen in allen Punkten gerecht. Sie beruht auf allseitigen Untersuchungen, setzt sich 

mit allen Aspekten der gesundheitlichen Beeinträchtigungen auseinander, berücksichtigt die 

geklagten Beschwerden sowie frühere medizinische Beurteilungen und abweichende 

Einschätzungen werden nachvollziehbar begründet. Die Darlegung der medizinischen 

Befunde sowie deren Beurteilungen leuchten ein und die Schlussfolgerungen sind begreiflich 

erklärt. Angesichts der beweiskräftigen medizinischen Aktenlage besteht entgegen dem 

Antrag der Beschwerdeführerin weder Anlass für die Einholung eines Gerichtsgutachtens noch 

für weitere Abklärungen (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. u.a. BGE 124 V 90 E. 4b). Es ist 

somit nicht zu beanstanden, dass es von der Beschwerdegegnerin als Basis für die 

Beurteilung des Leistungsbegehrens beigezogen wurde. 

 

7.  

7.1  

Die Beschwerdeführerin moniert die Haushaltsabklärung. Sie macht jedoch schlicht geltend, 

angesichts des Störungsbilds und der Aktenlage sei eine Einschränkung im Haushalt von 

lediglich 15 % nicht nachvollziehbar. 

 

7.2  

Für die Einschränkungen im Haushaltsbereich ist das Leistungsvermögen auf Grund einer 

Abklärung vor Ort unter Berücksichtigung der ärztlichen Einschätzung massgeblich. Die von 

einer qualifizierten Person (nach Massgabe von Art. 69 Abs. 2 IVV) durchgeführte Abklärung 

vor Ort stellt für gewöhnlich die geeignete und genügende Vorkehr zur Bestimmung der 

gesundheitlichen Einschränkung im Haushalt dar. Hinsichtlich des Beweiswertes der 

entsprechenden Berichterstattung ist wesentlich, dass sie durch eine qualifizierte Person 

erfolgt, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den 

medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Der 

21 

 

Abklärungsbericht ist zwar seiner Natur nach in erster Linie auf die Ermittlung des Ausmasses 

physisch bedingter Beeinträchtigungen zugeschnitten, weshalb seine grundsätzliche 

Massgeblichkeit unter Umständen Einschränkungen erfahren kann, wenn die versicherte 

Person an psychischen Beschwerden leidet. Prinzipiell jedoch stellt er auch dann eine 

beweistaugliche Grundlage dar, wenn es um die Bemessung einer psychisch bedingten 

Invalidität geht, d.h. wenn die Beurteilung psychischer Erkrankungen im Vordergrund steht. 

Widersprechen sich die Ergebnisse der Abklärung vor Ort und die fachmedizinische 

Feststellung zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre gewohnten Aufgaben zu erfüllen, ist 

aber regelmässig den ärztlichen Stellungnahmen mehr Gewicht einzuräumen als dem Bericht 

über die Haushaltsabklärung, weil es der Abklärungsperson regelmässig nur beschränkt 

möglich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der verbundenen Einschränkungen 

zu erkennen (Urteil BGer 9C_201/2011 vom 5. September 2011 E. 2). 

Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben 

umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der Abklärungsperson nur ein, wenn klar 

feststellbare Fehleinschätzungen oder Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit der 

Abklärungsresultate (z.B. infolge von Widersprüchlichkeiten) vorliegen. Das gebietet 

insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am 

konkreten Sachverhalt steht als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (Urteil BGer 

8C_107/2008 vom 18. August 2008 E. 3.2.1). 

 

7.3  

Die Abklärungsperson ging in Nachachtung einer geringen Schadenminderungspflicht des 

Ehemannes von einer Einschränkung von insgesamt 15 % aus (IV-act. 124). Aus 

gutachterlicher Sicht wurde sie in den haushaltlichen Tätigkeiten als nicht eingeschränkt 

angesehen (IV-act. 111, S. 14). Es ergeben sich keine Anhaltspunkte für eine fehlerhafte 

Abklärung noch wird eine solche geltend gemacht, sodass auf den vor Ort erhobenen 

Abklärungsbericht vom 10. Dezember 2019 abgestellt werden kann. Die Beschwerde erweist 

sich auch in diesem Punkt als unbegründet. 

 

8.  

8.1  

Die Beschwerdeführerin macht geltend, die IV-Stelle habe fälschlicherweise keinen 

leidensbedingten Abzug vorgenommen. Dieser müsse im Bereich von 20 bis 25 Prozent zu 

liegen kommen.  

22 

 

 

8.2  

Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage der Tabellenlöhne gemäss den vom 

Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) ermittelt, 

kann der entsprechende Tabellenlohn gegebenenfalls um einen sogenannten Leidensabzug 

von bis zu 25 % reduziert werden (BGE 126 V 75 E. 5 b/cc S. 80). Damit soll der Tatsache 

Rechnung getragen werden, dass versicherte Personen mit einer gesundheitlichen 

Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht erreichen bzw. ihre 

Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem 

erwerblichem Erfolg zu verwerten in der Lage sind. Nach der Rechtsprechung hängt die Frage, 

ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen 

und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles ab (namentlich leidensbedingte 

Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), 

die nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Dabei ist zu beachten, 

dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der Vergleichseinkommen mitverantwortliche 

invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des sogenannten Leidensabzuges nicht nochmals 

berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2 S. 328). 

 

8.3  

Die Beschwerdeführerin vermag offenkundig kein Argument für den beanspruchten 

Leidensabzug anzuführen. Eine Herabsetzung des beigezogenen Tabellenlohns bzw. eine 

Abweichung von den Durchschnittsannahmen drängt sich aufgrund der aktenkundigen 

persönlichen und beruflichen Umstände auch nicht auf. Die Statusfrage, die von der IV-Stelle 

herangezogene gemischte Methode zur Bemessung des Invaliditätsgrads und das ermittelte 

Valideneinkommen blieben unbeanstandet. Aus den Akten ergibt sich keine Veranlassung zur 

näheren Prüfung. Insgesamt erweist sich auch dieses Vorbringen als unbegründet. 

 

9.  

Zusammenfassend hat die IV-Stelle das Rentenbegehren der Beschwerdeführerin zu Recht 

verneint. Die Beschwerde erweist sich als unbegründet und vollumfänglich abzuweisen. 

 

23 

 

10.  

10.1  

Abweichend von Art. 61 lit. a ATSG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die 

Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen 

Versicherungsgericht kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.‒ bis Fr. 1'000.‒ 

festgelegt. 

Die Kosten für das vorliegende Verfahren werden auf Fr. 800.– festgesetzt und 

ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin auferlegt. Die Beschwerdeführerin wird verpflichtet, 

den Betrag innert 30 Tagen seit Rechtskraft dieses Urteils mit beiliegendem 

Einzahlungsschein an die Gerichtskasse Nidwalden zu bezahlen. 

 

10.2  

Der unterliegenden Beschwerdeführerin ist keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 61 

lit. g ATSG e contrario). 

24 

 

Demgemäss erkennt das Verwaltungsgericht: 

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. Die Kosten für das vorliegende Verfahren werden auf Fr. 800.– festgesetzt. und 

ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin auferlegt. 

Die Beschwerdeführerin wird verpflichtet, den Betrag innert 30 Tagen seit Rechtskraft 

dieses Urteils mit beiliegendem Einzahlungsschein an die Gerichtskasse Nidwalden zu 

bezahlen. 

 

3. Der Beschwerdeführerin wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

 

4. Zustellung dieses Entscheids an: 

 

 

Stans, 22. März 2021 

VERWALTUNGSGERICHT NIDWALDEN 

Sozialversicherungsabteilung 

Die Vizepräsidentin 

 

 

 

lic. iur. Barbara Brodmann 

Der Gerichtsschreiber 

 

 

 

MLaw Silvan Zwyssig Versand:     

 

 

Rechtsmittelbelehrung: 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Schweizerischen Bundesgericht, 

Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten eingereicht 

werden (Art. 82 ff. i.V.m. Art. 90 ff. BGG). Die Beschwerde hat die Begehren, deren Begründung mit 

Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu 

enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angeführten Urkunden sind 

beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG). Für den Fristenlauf gilt Art. 44 ff. BGG.