# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9d2b1818-2fd8-5840-95ab-d5cb92c1317b
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-24
**Language:** de
**Title:** Aargau Spezialverwaltungsgericht Steuern 24.03.2022 3-RV.2021.83
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_SVWG_002_3-RV-2021-83_2022-03-24.pdf

## Full Text

Spezialverwaltungsgericht 

Steuern 

 

3-RV.2021.83       
P 36 
 

 

 

 

Urteil vom 24. März 2022 
 
 

 
 

Besetzung  Präsident Heuscher  

Richter Senn  

Richterin Sramek  

Gerichtsschreiberin Kurmann          

 

 
 

   

Rekurrent 1  A._____ 

 

Rekurrentin 2  C._____ 

   

 

 
 
 

Gegenstand  Einspracheentscheid der Steuerkommission Q._____ 

vom 28. April 2021 

betreffend Kantons- und Gemeindesteuern 2019 

 

  

 - 2 - 

 

 

 
   

Das Gericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Mit Verfügung vom 19. Mai 2020 wurden A. und C. von der Steuer-

kommission Q. für das Jahr 2019 zu einem steuerbaren Einkommen von 

CHF 94'600.00 veranlagt. In Abweichung von der Selbstdeklaration wurden 

unter anderem die Mehrkosten der auswärtigen Verpflegung nur im 

Umfang von CHF 990.00 zum Abzug zugelassen. 

 

2. 

Gegen die Verfügung vom 19. Mai 2020 erhoben A. und C. mit Schreiben 

vom 17. Juni 2020 Einsprache. Bezüglich der Verpflegungskosten be-

antragten sie den Abzug der Mehrkosten der auswärtigen Verpflegung im 

Betrag von CHF 2'310.00. 

 

3. 

Mit Entscheid vom 28. April 2021 hiess die Steuerkommission Q. die 

Einsprache teilweise gut und reduzierte das steuerbare Einkommen auf 

CHF 94'400.00. Der Abzug der Mehrkosten der auswärtigen Verpflegung 

wurde jedoch nur im Umfang von CHF 1'658.00 gewährt und die Kosten für 

das Fahrrad in der Höhe von CHF 490.00 wurden nicht mehr zugestanden. 

 

4. 

Den Einspracheentscheid vom 28. April 2021 (Zustellung am 30. April 

2021) haben A. und C. mit Rekurs vom 18. Mai 2021 (Postaufgabe am 

19.  Mai 2021) an das Spezialverwaltungsgericht, Abteilung Steuern 

(nachfolgend Spezialverwaltungsgericht), weitergezogen. Sie stellen 

folgende: 

 

"Begehren 
 
1. Die Mehrkosten der auswärtigen Verpflegung sind gemäss Selbstdekla-
ration (CHF 2310) zu gewähren. 
2. Die Fahrtkosten (CHF 700) für das Fahrrad sind zu gewähren." 

 

Auf die Begründung wird, soweit für den Entscheid erforderlich, in den Er-

wägungen eingegangen. 

 

5. 

Die Steuerkommission Q. und das Kantonale Steueramt beantragen die 

Abweisung des Rekurses. 

 

6. 

A. und C. haben keine Replik eingereicht. 

 

  

 - 3 - 

 

 

 
   

Das Gericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Der vorliegende Rekurs betrifft die Kantons- und Gemeindesteuern 2019. 

Massgebend für die Beurteilung sind das Steuergesetz vom 15. Dezember 

1998 (StG) und die Verordnung zum Steuergesetz vom 11. September 

2000 (StGV). 

 

2. 

2.1. 

Die Rekurrentin arbeitete im Jahr 2019 in einem Pensum von 70 %, als 

Fachfrau Gesundheit für das E. in R.. In der Steuererklärung 2019 machte 

sie einen Abzug von CHF 2'310.00 für die Mehrkosten der auswärtigen 

Verpflegung sowie CHF 490.00 für das Fahrrad geltend. 

 

2.2. 

Die Steuerkommission Q. gewährte mit der Veranlagung den vollen Abzug 

für die Mehrkosten der auswärtigen Verpflegung nur für 66 Schichttage. Im 

Einspracheverfahren korrigierte sie die Schichttage, wie im Lohnausweis 

deklariert, auf 67 Tage. Zusätzlich gewährte die Steuerkommission Q. für 

87 Tage den halben Abzug. Sie vertritt die Auffassung, dass es der 

Rekurrentin aufgrund der kurzen Mittagspause von 40 Minuten nicht 

möglich sei, sich zu Hause geschweige denn ausserhalb des Arbeitsortes 

zu verpflegen. Da jedoch das Mittagsmenü in der Cafeteria des E. bzw. im 

Altersheim F. zwischen CHF 12.00 und CHF 14.00 koste, entstünden der 

Rekurrentin lediglich Mehrkosten von CHF 2.00 bis CHF 4.00 gegenüber 

einer zu Hause eingenommenen Hauptmahlzeit. Zudem nahm die 

Steuerkommission Q. im Einspracheverfahren eine Neubeurteilung des 

Pauschalabzugs für die Benutzung des Fahrrads in der Höhe von 

CHF 490.00 vor und liess diesen nicht mehr zum Abzug zu mit der 

Begründung, dass der Rekurrentin ein Fussweg von 13 bis 14 Minuten 

zuzumuten sei. Damit wurde – ohne dass eine Anfechtung durch die Re-

kurrenten vorlag – zu Ungunsten der Rekurrenten eine punktuelle Verän-

derung der Veranlagung vorgenommen. 

 

2.3. 

Die Rekurrenten bringen vor, dass gemäss Lohnausweis keine Kantinen-

verpflegung bzw. Verbilligung durch den Arbeitgeber angeboten werde. Die 

Heimkehr sei zudem aufgrund der kurzen Essenspause nicht möglich. Es 

werde zudem von den Unselbständigerwerbenden nicht der Nachweis ver-

langt, dass sie sich tatsächlich auswärts verpflegen, bzw. anzugeben, wie 

hoch die Kosten für die auswärtige Verpflegung sind. Zudem sei es be-

fremdlich, dass der Abzug von CHF 700.00 respektive CHF 490.00 für die 

Benutzung des Fahrrads aufgrund der Distanz zwischen Wohn- und Ar-

beitsort gestrichen worden sei. 

 - 4 - 

 

 

3. 

3.1. 

Es ist zu prüfen, ob die Steuerkommission Q. mit ihrem Vorgehen bezüglich 

Neubeurteilung des Pauschalabzugs für die Benutzung des Fahrrads das 

rechtliche Gehör verletzt hat. 

 

3.2. 

Im Rahmen eines Einspracheverfahrens kann die Veranlagungsbehörde 

alle Steuerfaktoren neu festsetzen. Ändert sie die Veranlagung zu Unguns-

ten der steuerpflichtigen Person, hat sie ihr zuvor Gelegenheit zu geben, 

sich schriftlich oder mündlich zu äussern (§ 195 Abs. 2 StG). Wenn die 

Veranlagungsbehörde zu Ungunsten der Steuerpflichtigen Änderungen an 

Punkten der Veranlagung vorzunehmen gedenkt, die von der Steuerpflich-

tigen nicht angefochten wurden, ist ihr Gelegenheit zu geben, sich dazu zu 

äussern. Dies gilt auch dann, wenn die Einsprache im Ergebnis teilweise 

gutgeheissen wird (RGE vom 23. Februar 2006 [3-RV.2005.50153], mit 

Hinweis). Andernfalls wird der Anspruch der Steuerpflichtigen auf rechtli-

ches Gehör verletzt (Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, 4. Auflage, 

Muri-Bern 2015, § 195 StG N 8, mit Hinweisen). 

 

3.3. 

Aus dem Dispositiv des Einspracheentscheides vom 28. April 2021 geht 

hervor, dass keine Änderung der Veranlagung zu Ungunsten der Rekur-

renten stattgefunden hat. Das steuerbare Einkommen wurde im Dispositiv 

des Einspracheentscheides um CHF 178.00 auf CHF 94'479.00 herabge-

setzt. Eine (nicht angekündigte) Reformatio in peius liegt damit nicht vor. 

Insoweit wurde der Anspruch auf rechtliches Gehör nicht verletzt. 

 

3.4. 

Hingegen hätte die Steuerkommission Q. den Rekurrenten Gelegenheit 

geben müssen, sich zur geplanten Streichung des Abzuges für die 

Benutzung des Fahrrads vor Erlass des Einspracheentscheides mündlich 

oder schriftlich zu äussern, nachdem die Rekurrenten diesen Punkt in ihrer 

Einsprache nicht angefochten hatten. Das hat die Steuerkommission Q. 

unterlassen und damit das rechtliche Gehör verletzt. 

 

3.5. 

Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur, dessen Verletzung 

in der Regel zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids führt, ungeach-

tet der Erfolgsaussichten des Rechtsmittels in der Sache. Nach der Recht-

sprechung kann eine solche Verletzung jedoch als geheilt gelten, wenn die 

betroffene Partei die Möglichkeit erhält, sich vor einer Rechtsmittelinstanz 

zu äussern, die über eine umfassende Kognition verfügt. Eine solche Hei-

lung muss jedoch die Ausnahme bleiben und ist grundsätzlich nur in einem 

Fall zulässig, in dem die Verletzung der Verfahrensrechte der beeinträch-

 - 5 - 

 

 

tigten Partei nicht besonders schwerwiegend ist; unter dieser Vorausset-

zung kann sich eine Heilung der Verletzung des rechtlichen Gehörs selbst 

beim Vorliegen eines schwerwiegenden Mangels rechtfertigen, wenn die 

Rückweisung zu einem formalisierten Leerlauf und damit zu unnötigen Ver-

zögerungen des Verfahrens führen würde, die mit dem Interesse der be-

troffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu ver-

einbaren wäre (Pra 2017 Nr. 2 = BGE 142 II 218; vgl. zur Rückweisung 

durch das Spezialverwaltungsgericht: VGE vom 24. Oktober 2013 [WBE. 

2013.35] und VGE vom 17. Dezember 2013 [WBE.2013.84]). 

 

3.6. 

Nach § 197 Abs. 1 StG steht dem Spezialverwaltungsgericht im Rekursver-

fahren volle Kognition zu und es hat die notwendigen Untersuchungsmass-

nahmen zu treffen (Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, a.a.O., § 196 

StG N 2, § 197 StG N 4, 6, 10 ff.). Vorliegend wurden durch die Steuerbe-

hörde bereits umfangreiche Abklärungen getätigt, weshalb es dem Spezi-

alverwaltungsgericht möglich ist, aufgrund der Akten zu entscheiden. Zu-

dem haben die Rekurrenten davon abgesehen einen Antrag auf Rückwei-

sung zu stellen. Indes wird bei der Kostenverlegung die Verletzung des 

rechtlichen Gehörs zu berücksichtigen sein, was vorliegend jedoch ohne 

Relevanz bleibt, da der Antrag bezüglich Gewährung der Kosten für das 

Fahrrad ohnehin gutzuheissen ist (Erw. 6.). 

 

4. 

4.1. 

§ 35 StG regelt die abziehbaren Berufskosten bei unselbständiger Erwerbs-

tätigkeit. Aufgrund der Systematik in § 35 Abs. 1 StG können nur jene Kos-

ten als Berufsauslagen in Abzug gebracht werden, die für die Ausübung 

des Berufes erforderlich sind; d.h. diejenigen Auslagen, deren Vermeidung 

der Steuerpflichtigen nicht zumutbar ist bzw. diejenigen Vermögensab-

gänge (Auslagen oder Kosten), die wesentlich durch die Erzielung von Ein-

kommen verursacht bzw. veranlasst sind. Als berufsnotwendig erscheint 

dabei nicht jede Auslage, welche im weiteren Sinn ihren Grund im Arbeits-

verhältnis hat. Die Kosten müssen vielmehr wesentlich durch ein beruflich 

begründetes oder Erwerbszwecken dienendes Handeln verursacht oder 

bewirkt werden. Es ist ein direkter Zusammenhang mit der konkreten Be-

rufsausübung erforderlich, an den nach Auffassung des Verwaltungsge-

richtes strenge Anforderungen gestellt werden (AGVE 1987 S. 373, mit Hin-

weisen). Dabei ist der Begriff der Notwendigkeit oder Erforderlichkeit in ei-

nem weiten Sinne zu verstehen. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung 

verlangt weder, dass der Pflichtige das Erwerbseinkommen ohne die strei-

tige Auslage überhaupt nicht hätte erzielen können, noch, dass eine recht-

liche Pflicht zur Bezahlung der entsprechenden Aufwendungen besteht. 

Vielmehr genügt es, wenn die Aufwendungen nach wirtschaftlichem Er-

messen als zur Gewinnung des Einkommens förderlich erachtet werden 

können und die Vermeidung der Steuerpflichtigen nicht zumutbar war. 

 - 6 - 

 

 

Beim Einkommen aus Erwerbstätigkeit sind die Gewinnungskosten vor al-

lem von den Lebenshaltungskosten abzugrenzen, also von den Aufwen-

dungen, die nicht der Einkommenserzielung, sondern der Befriedigung der 

persönlichen Bedürfnisse dienen und damit Einkommensverwendung dar-

stellen (BGE 124 II 29; Bundesgerichtsurteil vom 12. Mai 2003 [2P.254/ 

2002], in: StE 2003 B 22.3 Nr. 76). 

 

4.2. 

4.2.1. 

Als von den steuerbaren Einkünften in Abzug zu bringende Berufskosten 

gelten unter anderem "die notwendigen Mehrkosten für Verpflegung aus-

serhalb der Wohnstätte und bei Schichtarbeit" (§ 35 Abs. 1 lit. b StG). 

 

4.2.2. 

Soweit es um die Mehrkosten der auswärtigen Verpflegung geht, wird von 

Unselbständigerwerbenden nicht der Nachweis verlangt, dass sie sich tat-

sächlich auswärts verpflegen. Indes setzt der Abzug voraus, dass eine 

Hauptmahlzeit wegen zu grosser Entfernung zwischen Wohn- und Arbeits-

stätte oder wegen kurzer Essenspause oder Schichtarbeit nicht zu Hause 

eingenommen werden kann. Ob und wie der Steuerpflichtige die Haupt-

mahlzeit "ersetzt", interessiert nicht (VGE vom 15. Juli 2009 [WBE.2009.3], 

mit Hinweis auf VBE vom 5. März 2007 [WBE.2006.350]). Stets müssen 

die Aufwendungen jedoch mit der Einkommenserzielung in unvermeidbarer 

Weise verbunden sein (§ 12 StGV in Verbindung mit Art. 6 der Verordnung 

über den Abzug von Berufskosten der unselbständigen Erwerbstätigkeit bei 

der direkten Bundessteuer vom 10. Februar 1993 [BkV; Anhang vom 

21. Juli 2008]; StE 2003 B 22.3 Nr. 76; AGVE 2014 S. 357, mit Hinweis auf 

VGE vom 21. Juni 2010 [WBE.2009.382] = AGVE 2010 S. 118). 

 

4.2.3. 

Die aus Praktikabilitätsgründen angewendeten Pauschalen erfüllen den 

Zweck der Verfahrensvereinfachung nur dann, wenn sich nicht eine Viel-

zahl von Steuerpflichtigen zum Nachweis höherer tatsächlicher Kosten ver-

anlasst sieht. Das Wesen eines Pauschalabzuges liegt gerade darin, dass 

von den Steuerpflichtigen kein detaillierter Kostennachweis erbracht wer-

den muss. Es besteht mithin eine gesetzliche Vermutung, dass in Aus-

übung einer bestimmten Tätigkeit gewisse Auslagen entstehen, die über 

den Pauschalabzug geltend gemacht werden können. Der Pauschalabzug 

steht damit einem unselbständig Erwerbstätigen bei Nachweis der Vermu-

tungsbasis grundsätzlich unabhängig von den tatsächlich angefallenen 

Kosten zu. Steht jedoch fest, dass ein Steuerpflichtiger in Ausübung einer 

Berufstätigkeit in einem Bereich überhaupt keine Kosten (selber) zu tragen 

hatte, folgt aus dem Charakter der Gewinnungskosten, dass diesbezüglich 

kein Abzug möglich ist (zum Ganzen: RGE vom 20. August 2009 [3 RV. 

2008.186], mit Hinweis). 

 

 - 7 - 

 

 

4.2.4. 

Das Bundesgericht hat darauf hingewiesen, dass die kantonalen Behörden 

unter Berücksichtigung der regionalen bzw. lokalen Begebenheiten Zeit-

pauschalen festlegen können, innerhalb derer die Rückkehr nach Hause 

zur Mittagsverpflegung als zumutbar gelte. Es billigte dabei die Praxis der 

Steuerverwaltung Graubünden, wonach die Verpflegung zu Hause zumut-

bar sei, wenn für das Mittagessen inklusive Hin- und Rückfahrt nicht mehr 

als 90 Minuten benötigt werden und die Aufenthaltsdauer in den eigenen 

Räumlichkeiten mindestens 30 Minuten beträgt (Urteil vom 12. Mai 2003 

[2P.254/2002], in: StE 2003 B 22.3 Nr. 76). Im konkreten Fall erachtete das 

Bundesgericht – für einen alleinstehenden Steuerpflichtigen mit flexiblen 

Arbeitszeiten – einen Zeitaufwand von 85 Minuten für das Mittagessen in-

klusive Hin- und Rückfahrt bei einer Aufenthaltsdauer von 50 Minuten zur 

Zubereitung und Einnahme der Mahlzeit als ausreichend.  

 

Das aargauische Verwaltungsgericht hat festgehalten, dass allfällige ver-

änderte Alltagsgewohnheiten bezüglich der Einnahme des Mittagessens 

steuerrechtlich unbeachtlich seien. Es entschied, dass einem alleinstehen-

den Steuerpflichtigen mit flexiblen Arbeitszeiten und kurzem Arbeitsweg 

ohne weiteres eine Rückkehr über Mittag zugemutet werden könne (VGE 

vom 16. Juni 2010 [WBE.2009.382] = AGVE 2010 S. 118). Die gängige 

Praxis des Spezialverwaltungsgerichts, wonach die Heimkehr über Mittag 

als zumutbar gilt, wenn der Aufenthalt zu Hause mindestens 75 Minuten 

(Mahlzeit muss selber zubereitet werden) bzw. 45 Minuten (Mahlzeit muss 

nicht selber zubereitet werden) beträgt (vgl. RGE vom 26. April 2007 [3-

RV.2006.224] unter anderem mit Hinweis auf AGVE 1981 S. 338), wurde 

dabei nicht in Frage gestellt, ist indes als grosszügig zu bezeichnen. 

 

4.2.5. 

Für das Steuerjahr 2019 betrug der volle Abzug für auswärtige Verpflegung 

CHF 15.00 pro Tag respektive CHF 3'200.00 im Jahr (Art. 3 BkV in Verbin-

dung mit Art. 6 BkV und Anhang zur BkV). 

 

5. 

5.1. 

Vorliegend ist unbestritten, dass der Rekurrentin für die im Lohnausweis 

2019 deklarierten 67 Schichttage der volle Abzug zusteht. Dies steht im 

Einklang mit der geltenden Praxis und ist nicht zu beanstanden  

 

Zu prüfen bleibt, einerseits ob für die restlichen 87 Tage eine allfällige 

Heimkehr über Mittag möglich war und andererseits welcher Tarif zur An-

wendung gelangt. 

 

5.2. 

Vorliegend steht eine zu grosse Entfernung zwischen Wohn- und Arbeits-

stätte einer Rückkehr nach Hause nicht entgegen. Abzuklären ist damit, ob 

 - 8 - 

 

 

die Rekurrentin wegen kurzer Essenspause das Mittagessen nicht zu 

Hause einnehmen konnte. 

 

5.3. 

Die Rekurrentin beruft sich darauf, dass sie jeweils nur eine Mittagspause 

von 40 Minuten habe. 

 

Gemäss der Liste "Präsenz-Definitionen ab 01.09.2014" gab es vereinzelt  

jedoch auch Dienste mit grösserer Pause, wie z.B. der geteilte Dienst (2), 

welcher von 07.00 bis 12.30 Uhr und von 15.54 bis 19.00 Uhr dauerte, wo-

raus eine Pause von über drei Stunden resultiert. 

 

5.4. 

Die Rekurrentin war im Jahr 2019 gemäss Jahresplan an 16 Tagen für den 

geteilten Dienst eingeteilt. An einem Tag hatte sie morgens eine Einführung 

und danach den geteilten Nachmittagsdienst, laut Plan dürfte auch dann 

eine lange Pause von 11.10 bis 15.54 stattgefunden haben, genauso wie 

an dem einen Tag, an dem am Morgen eine Sitzung stattfand. An einem 

weiteren Tag war die Rekurrentin morgens für das Backoffice von 07.00 bis 

11.18 Uhr eingeteilt und nachmittags für den Mitteldienst von 14.42 bis 

19.00 Uhr, was einer Pause von 3 h und 24 Minuten entspricht. Am 7. Mai 

2019 hatte die Rekurrentin von 7.00 bis 11.18 Uhr eine Sitzung und war 

danach erst wieder um 18.40 bis 22.00 Uhr für den Spätdienst eingeteilt. 

An drei Tagen arbeitete sie morgens im Backoffice von 07.00 bis 11.18 Uhr 

und nachmittags von 15.54 bis 19.00 Uhr im geteilten Dienst. Des Weiteren 

hatte die Rekurrentin am 14. November 2019 von 07.00 bis 11.18 Uhr eine 

Sitzung und am Nachmittag von 14.42 bis 19.00 Uhr Mitteldienst, was wie-

derum einer Pause von 3 h 24 Minuten entspricht. Zudem arbeitete sie an 

16 Tagen jeweils nur halbtags. 

 

Somit ist für diese insgesamt 32 Tage zu prüfen, ob eine Heimkehr über 

Mittag zumutbar war. 

 

5.5. 

5.5.1. 

Gemäss Steuererklärung 2019 hat die Rekurrentin für ihren Arbeitsweg das 

Fahrrad genutzt.  

 

5.5.2. 

Zur Berechnung der Fahrtdauer wird auf die Angaben des Programms 

"TwixRoute" (aktuell Version 58) abgestellt. Die Fahrtdauer sind von "Tür 

zu Tür", d.h. von der Wohn- bis zur Arbeitsplatzadresse, zu ermitteln  

(vgl. AGVE 2006 S. 294 ff.; VGE vom 14. November 2012 [WBE.2012.133]; 

VGE vom 15. Juli 2009 [WBE.2009.3]). 

 

 - 9 - 

 

 

Allfällige Distanzen in Treppenhäusern, Tiefgaragen etc. fallen bei der Be-

rechnung ebenso wie Verkehrsbehinderungen grundsätzlich ausser Be-

tracht (RGE vom 21. April 2005 [RV.2004.50142]). Diese Rechtsprechung 

gilt im Zusammenhang mit der Berechnung der Zeitersparnis bei Zurückle-

gung des Arbeitsweges mit dem Auto anstelle der öffentlichen Verkehrs-

mittel. Dabei wird ein (kurzer) Fussmarsch zum Auto grundsätzlich nicht 

beachtet. 

 

5.5.3. 

Der Weg zwischen der Wohnstätte (X-Strasse 14 C, Q.) und dem 

Arbeitsplatz der Rekurrentin (Y-Weg 12, R.) misst gemäss "TwixRoute" 1.2 

Kilometer. Als Zeitbedarf wird für beide Richtungen fünf Minuten angezeigt. 

 

5.6. 

Wird von einer Aufenthaltsdauer zu Hause von 75 Minuten ausgegangen, 

da aufgrund der Deklaration in der Steuererklärung 2019 anzunehmen ist, 

dass die Mahlzeit selber zubereitet werden muss, müssen der Rekurrentin 

bei einer Dauer von Hin- und Rückfahrt zwischen Arbeitsort und Wohnort 

von 10 Minuten für die Mittagspause 85 Minuten zur Verfügung stehen. Wie 

bereits oben erläutert, stand der Rekurrentin an 32 Arbeitstagen eine Mit-

tagspause von mindestens 3 h und 24 Minuten zur Verfügung, womit es 

der Rekurrentin möglich war an diesen Tagen das Mittagessen zuhause 

einzunehmen. 

 

5.7. 

Wie bereits unter den Erwägungen 4.2.2. und 4.2.3. festgehalten ist vorlie-

gend nicht massgebend, ob und wie die Rekurrentin die Hauptmahlzeit er-

setzt, respektive welche Kosten ihr dabei anfallen. Folglich ist für die restli-

chen 55 Arbeitstagen der Rekurrentin der volle Abzug für die Mehrkosten 

der auswärtigen Verpflegung zu gewähren, da gemäss Lohnausweis pro 

2019 keine Kantinenverpflegung zur Verfügung stand. Dies steht auch im 

Einklang mit der Feststellung der Steuerkommission Q., wonach im Jahr 

2019 die Mittagsverpflegung jeweils beim Altersheim F. bestellt worden sei, 

da das E. zu diesem Zeitpunkt noch über keine Küche verfügt habe. 

 

5.8. 

Folglich ist der Rekurs in diesem Punkt teilweise gutzuheissen und der Ab-

zug für die auswärtige Verpflegung für 122 (67 + 55) Tage à CHF 15.00, 

insgesamt CHF 1'830.00 zu gewähren. 

 

6. 

6.1. 

Weiter zu prüfen ist der Abzug der Kosten für die Benutzung des Fahrra-

des.  

 

 - 10 - 

 

 

6.2. 

6.2.1. 

Für die tatsächliche Benützung eines Fahrrades kann grundsätzlich ein 

Pauschalabzug von CHF 700.00 pro Jahr geltend gemacht werden (An-

hang zur BkV).  

 

6.2.2. 

Die Vorinstanz ist hingegen der Ansicht, dass aufgrund der kurzen Distanz 

von 1.1 km (recte: 1.2 km) kein Anspruch auf diesen Abzug bestehe. 

 

6.2.3. 

Die Rechtsprechung dazu ist uneinheitlich. Das damalige Steuerrekursge-

richt (heute: Spezialverwaltungsgericht) führte in AGVE 2005 S. 361 aus, 

dass bei tatsächlicher Benützung des Fahrrades für die Fahrt vom Wohnort 

zum Bahnhof unabhängig von der Distanz der Pauschalabzug für ein Fahr-

rad zu gewähren sei. Dagegen erwog das Verwaltungsgericht im neueren 

Entscheid vom 15. Juli 2009 (WBE.2009.3), dass Fahrtkosten erst ab einer 

Distanz von mehr als 15 bis 20 Gehminuten (d.h. 1 bis 1.5 km) zwischen 

Wohn- und Arbeitsort geltend gemacht werden könnten. In diesem Bereich 

sei ein Fussmarsch zumutbar. 

 

Massgebend ist ein Urteil des Bundesgerichts vom 21. September 2017 

(2C_745/2017 = ASA 86 S. 324 = ZStP 2017 S. 317 = StE 2017 B 22.3 

Nr. 119). Es wurde ausgeführt, dass der Verordnungsgeber nahezu jede 

Fahrradfahrt zur Arbeitsstätte als "wirtschaftlich durch die Erwerbstätigkeit 

veranlasst" erachtet. Kein Unterschied bestehe, wenn das Fahrrad dazu 

diene, die öffentlichen Verkehrsmittel (öV) zu erreichen. Mit Blick auf den 

geringfügigen Abzug sei insgesamt eine grosszügige Praxis am Platz. An-

ders zu entscheiden sei nur, wenn die Haltestelle der öV gewissermassen 

vor dem Haus liege und der Einsatz eines Fahrrades nicht nachgewiesen 

werden könne. 

 

6.3. 

Gestützt auf die Ausführungen des Bundesgerichts (und jene des Steuer-

rekursgerichts in AGVE 2005 S. 361) und den Umstand, dass die Distanz 

vorliegend 1.2 km beträgt, womit auch nach Praxis des Verwaltungsge-

richts der Abzug für das Fahrrad zu gewähren ist, ist der Rekurrentin für die 

Fahrt vom Wohnort an den Arbeitsplatz der Pauschalabzug für ein Fahrrad 

zuzulassen. 

 

Dem Umstand, dass das Fahrrad aufgrund des Pensums von 70 % nicht 

ständig benützt wird, ist – wie von den Rekurrenten in der Steuererklärung 

2019 deklariert – mit einer Reduktion des Abzuges Rechnung zu tragen 

(SGE vom 20. November 2014 [3-RV.2014.31], mit Hinweis). 

 

 - 11 - 

 

 

6.4. 

Der Rekurs erweist sich in diesem Punkt als begründet. Das steuerbare 

Einkommen reduziert sich um CHF 490.00. 

 

7. 

Zusammenfassend haben die Rekurrenten damit für das Jahr 2019 An-

spruch auf einen Abzug der Berufsauslagen der Rekurrentin von 

CHF 4'320.00 (CHF 1'830.00 [Mehrkosten der auswärtigen Verpflegung] + 

CHF 490.00 [Fahrrad] + CHF 2'000.00 [Pauschalabzug]).  

 

8. 

In teilweiser Gutheissung des Rekurses wird das steuerbare Einkommen 

auf CHF 93'817.00 (CHF 94'479.00 + CHF 3'658.00 ./. CHF 4'320.00), ge-

rundet CHF 93'800.00 festgesetzt. 

 

9. 

Gemessen an ihrem Antrag obsiegen die Rekurrenten zu rund 75 %. Sie 

hätten daher 25 % der Kosten des Rekursverfahrens zu tragen (§ 189 

Abs. 1 StG). Da jedoch das rechtliche Gehör der Rekurrenten von der Vor-

instanz verletzt wurde, und nur aufgrund der Heilung der Gehörsverletzung 

im Rekursverfahren auf eine Rückweisung verzichtet werden konnte, sind 

die gesamten Verfahrenskosten auf die Staatskasse zu nehmen. Es ist 

keine Parteientschädigung auszurichten (§ 189 Abs. 2 StG). 

 

 

 

 

  

 - 12 - 

 

 

 
   

Das Gericht erkennt: 

 

1. 

In teilweiser Gutheissung des Rekurses wird das steuerbare Einkommen 

auf CHF 93'800.00 festgesetzt. 

 

2.  

Die Kosten des Rekursverfahrens werden auf die Staatskasse genommen. 

 

3.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 

 

 

    

Zustellung an: 

die Rekurrenten 

das Kantonale Steueramt  

das Gemeindesteueramt Q. 

 

 
 

   

Rechtsmittelbelehrung  

 

Dieser Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Be-

schwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Aargau angefochten 

werden. Die Beschwerde ist in doppelter Ausfertigung beim Spezialver-

waltungsgericht, Laurenzenvorstadt 9, 5001 Aarau, einzureichen. Die 

Frist steht still vom 7. Tag vor bis und mit dem 7. Tag nach Ostern, vom 

15. Juli bis und mit 15. August und vom 18. Dezember bis und mit dem 

2. Januar. Die unterzeichnete Beschwerdeschrift muss einen Antrag, wie 

der Entscheid zu ändern sei, sowie eine Begründung enthalten. Der ange-

fochtene Entscheid und als Beweismittel angerufene Urkunden sind beizu-

legen (§§ 28 und 43 f. des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 

4. Dezember 2007 [VRPG] in Verbindung mit Art. 145 Abs. 1 der Schwei-

zerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 [ZPO]; §§ 187, 

196 und 198 des Steuergesetzes vom 15. Dezember 1998 [StG]). 

 

 

  

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Aarau, 24. März 2022 

 

Spezialverwaltungsgericht 

Steuern 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Heuscher Kurmann