# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3b968046-6c34-5fe1-a982-ff377d5994a9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2016-05-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.05.2016 C-1430/2016
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-1430-2016_2016-05-04.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung III 

C-1430/2016 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  4 .  M a i  2 0 1 6  

Besetzung 
 Einzelrichter Martin Kayser, 

mit Zustimmung von Richterin Jenny de Coulon Scuntaro,  

Gerichtsschreiberin Barbara Giemsa-Haake. 
 

 
 

Parteien 
 1. A._______,  

2. B._______,  

3. C._______, 

Beschwerdeführende,  

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Kantonszuweisung/Kantonswechselgesuch. 

 

 

 

C-1430/2016 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A._______, geboren 1994 in Afghanistan, reiste am 11. Februar 2016 zu-

sammen mit ihrer Tochter B._______, geboren 2014, in die Schweiz ein. 

Sie stellte gleichentags eine Asylgesuch, zu dem sie am 19. Februar 2016 

befragt wurde. Dabei gab sie an, zuletzt im Iran gelebt zu haben. Dort sei 

sie verheiratet gewesen; ihr Ehemann, D._______, habe sie aber verlas-

sen, als sie im vierten Monat schwanger gewesen sei. Sie wolle in der 

Schweiz bleiben, weil ein hier lebender Cousin ihr zugesichert habe, sich 

um sie und ihr Kind zu kümmern. Der Cousin, Sohn einer Tante, heisse […] 

und sei etwa 23 Jahre alt (vgl. Protokoll der Befragung zur Person, S. 3 f. 

und S. 7).  

B.  

Mit Entscheid vom 24. Februar 2016 wies das SEM A._______ für die 

Dauer des Asylverfahrens dem Kanton Genf zu, dies unter Hinweis auf 

Art. 27 AsylG (SR 142.31) sowie Art. 21 und 22 der Asylverordnung 1 vom 

11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311). Zur Begründung führte die Vor-

instanz an, es seien keine spezifischen schützenswerten Interessen der 

Gesuchstellerin ersichtlich, die für eine Zuweisung in einen bestimmten 

Kanton sprächen. 

C.  

Mit Eingabe vom 29. Februar 2016 beantragte A._______ beim SEM einen 

Wechsel in den Kanton Solothurn, den sie damit begründete, dass ihr Le-

benspartner C._______, der Vater ihrer Tochter, in diesem Kanton lebe. 

Letzterer fügte schriftlich hinzu, er möchte gerne, dass seine Frau und 

seine Tochter bei ihm im Kanton Solothurn lebten; er unterzeichnete die 

Eingabe ebenfalls. Das SEM leitete sie zwecks Behandlung als Be-

schwerde an das Bundesverwaltungsgericht weiter (vgl. Art. 8 Abs. 1 

VwVG).  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel endgültig (Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG, Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

C-1430/2016 

Seite 3 

Beim Entscheid über die Zuweisung einer asylsuchenden Person an einen 

Kanton gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG handelt es sich um eine beim Bun-

desverwaltungsgericht selbständig anfechtbare Zwischenverfügung 

(Art. 107 Abs. 1 AsylG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).  

1.3 Die Beschwerdeführerinnen 1 und 2 haben am Verfahren der Vo-

rinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders 

berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung. Auf-

grund seines Vorbringens gilt das Gleiche gilt für den Beschwerdeführer 3, 

der zur Teilnahme am Vorverfahren keine Möglichkeit hatte. Alle drei Be-

schwerdeführenden sind somit beschwerdelegitimiert (Art. 48 VwVG). Auf 

ihre frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten 

(Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG). 

2.  

Art. 106 Abs. 1 AsylG nennt die im Asylverfahren zulässigen Beschwerde-

gründe. Diese Gründe werden entsprechend dem Vorbehalt von Art. 106 

Abs. 2 AsylG durch Art. 27 Abs. 3 AsylG beschränkt. Dieser Bestimmung 

zufolge kann ein Zuweisungsentscheid nur mit der Begründung angefoch-

ten werden, er verletze den Grundsatz der Einheit der Familie. Auf diese 

Einschränkung weist die Rechtsmittelbelehrung der angefochtenen Verfü-

gung hin. 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden ist in einzelrichterlicher Zu-

ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters zu entscheiden 

(Art. 111 Bst. e AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht kann in einem sol-

chen Fall – so auch hier – auf die Durchführung des Schriftenwechsels 

verzichten und begründet seinen Entscheid nur summarisch (Art. 111a 

Abs. 1 und 2 AsylG). 

Wie sich aus den nachfolgenden Erwägungen ergibt, ist die vorliegende 

Beschwerde offensichtlich unbegründet.  

4.  

4.1 In ihrer Rechtsmitteleingabe machen die Beschwerdeführenden 1 und 

3 geltend, sie seien Lebenspartner bzw. Eheleute und Eltern der Beschwer-

deführerin 2. Diese Behauptung steht in deutlichem Widerspruch zu den 

Angaben der Beschwerdeführerin 1 anlässlich ihrer am 19. Februar 2012 

C-1430/2016 

Seite 4 

erfolgten Befragung zur Person (vgl. Sachverhalt A). Handelte es sich beim 

Beschwerdeführer tatsächlich um ihren Partner und Vater ihrer Tochter, so 

hätte sie dies im eigenen Interesse – und auch der Einfachheit halber – 

bereits bei ihrer Befragung dargelegt. Ihrem Beschwerdevorbringen kann 

von daher kaum Glauben geschenkt werden.  

4.2 Dass der Beschwerdeführer – als Geburtsdatum gilt der 1. Januar 1996 

– mit dem seinerzeit als Cousin bezeichneten Verwandten identisch sein 

muss, lässt sich den seine Person betreffenden Asylakten entnehmen. 

Ihnen zufolge reiste der Beschwerdeführer am 5. November 2014 in die 

Schweiz ein. Sein Asylgesuch wurde am 22. Dezember 2015 – bei gleich-

zeitiger vorläufiger Aufnahme – abgewiesen, nachdem während des Asyl-

verfahrens seine Identität und sein Alter ungeklärt blieben und sein Asyl-

vorbringen als unglaubhaft erachtet wurde. Entscheidungserheblich ist, 

dass bei den damaligen Befragungen des Beschwerdeführers vom 14. No-

vember 2014 und 11. Dezember 2014 eine Partnerin bzw. Ehefrau keinerlei 

Erwähnung fand. Somit erscheinen seine jetzigen Behauptungen – ebenso 

wie die der Beschwerdeführerin 1 – als bewusste Täuschung, um Letzterer 

einen Wechsel in den Kanton Solothurn zu ermöglichen.  

4.3 Der Wunsch der Beschwerdeführerin 1, in der Nähe ihres Cousins zu 

wohnen und von seiner Unterstützung zu profitieren, ist verständlich. Aller-

dings entspricht der in Art. 27 Abs. 3 AsylG verwendete Begriff der Einheit 

der Familie dem grundsätzlich im Asylrecht geltenden Familienbegriff im 

Sinne von Art. 1a Bst. e AsylV 1 und meint mithin lediglich die Kernfamilie 

(Ehegatten und minderjährige Kinder), welche die Beschwerdeführenden 

nicht darstellen. Über diesen engen Kern hinausgehende verwandtschaft-

liche Bande fallen demgegenüber nur dann unter den Schutz der Einheit 

der Familie, wenn zwischen diesen Personen ein eigentliches Abhängig-

keitsverhältnis besteht; ein solches Verhältnis zwischen den Beschwerde-

führenden 1 und 2 auf der einen Seite und dem Beschwerdeführer 3 auf 

der anderen Seite ist vorliegend aber nicht erkennbar (vgl. BVGE 2008/47 

E. 4.1.1 und 4.1.2). 

5.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass der Zuweisungsentscheid der 

Vorinstanz den Grundsatz der Einheit der Familie nicht verletzt und die Be-

schwerde demnach abzuweisen ist. 

  

C-1430/2016 

Seite 5 

6.  

Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind den Beschwerdeführen-

den die Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG und Art. 1 ff. des Reg-

lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).  

 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden den Beschwerdeführenden 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns-

ten der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an: 

– die Beschwerdeführenden (jeweils mit Einschreiben und beiliegendem 

Einzahlungsschein) 

– die Vorinstanz (mit den Akten […])  

 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Martin Kayser Barbara Giemsa-Haake 

 

 

Versand: