# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3c175fad-2981-5845-8e07-81c6ce471601
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-12-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.12.2022 D-5072/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5072-2022_2022-12-07.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-5072/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  7 .  D e z e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richterin Susanne Bolz-Reimann, Richterin Chiara Piras,    

Gerichtsschreiberin Aglaja Schinzel. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Syrien,   

vertreten durch Idris Hajo, 

(…),  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 10. Oktober 2022 / N (…). 

 

 

 

D-5072/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin, eine syrische Staatsangehörige kurdischer Eth-

nie, reichte zusammen mit ihrem Vater und ihren jüngeren Geschwistern 

B._______ und C._______ am 4. Juli 2022 ein Asylgesuch in der Schweiz 

ein. Am 7. Juli 2022 wurden ihre Personalien aufgenommen und am 29. 

September 2022 wurde sie zu ihren Asylgründen angehört.  

Dabei machte sie im Wesentlichen geltend, keine eigenen Asylgründe zu 

haben und wegen der Probleme ihres Vaters sowie der allgemeinen Bür-

gerkriegslage in Syrien ausgereist zu sein. Sie sei, zusammen mit ihrer 

Familie, im Jahr 2013 – im Alter von (…) Jahren – ausgereist und habe in 

der Folge im Irak gelebt, im Flüchtlingscamp Domiz. Während ihre Mutter 

sowie die beiden Brüder D._______ und E._______ aus gesundheitlichen 

Gründen bereits 2018 in Richtung Europa aufgebrochen seien, hätten sie, 

ihr Vater und ihre Geschwister B._______ und C._______ erst Ende 2020 

den Irak verlassen können, da zuvor das Geld gefehlt habe. Betreffend die 

Probleme ihres Vaters brachte sie vor, in Syrien sei es so, dass wenn ein 

Familienmitglied von den Behörden gesucht werde und dieses auf der 

Flucht sei, die Behörden ein anderes Familienmitglied verhaften würden. 

So würden sie Druck ausüben auf die Person, die auf der Flucht sei, damit 

sich diese den Behörden stelle. Bis zu ihrer Ausreise sei sie in Syrien nie 

Problemen ausgesetzt gewesen. Sie habe immer bei ihren Eltern gelebt 

und diese hätten sie und ihre Geschwister beschützt. In der Schule sei es 

schwierig gewesen, da es sich um eine sehr regimetreue Schule gehandelt 

habe. Die Taschen der Schüler und Schülerinnen seien jeweils durchsucht 

worden und man habe sich regelmässig der Treue zum Regime bekennen 

müssen. Ausserdem habe sie vorsichtig sein müssen, um nicht etwas Kri-

tisches zu sagen.  

B.  

Am 6. Oktober 2022 wurde der vormaligen Rechtsvertreterin der Be-

schwerdeführerin der Entwurf der Verfügung zur Stellungnahme zugestellt. 

Diese verzichtete gleichentags auf das Einreichen einer Stellungnahme. 

C.  

Mit Verfügung vom 10. Oktober 2022 wies das SEM das Asylgesuch der 

Beschwerdeführerin ab, stellte fest, diese erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

nicht und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Gleichzeitig wurde 

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Seite 3 

die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festgehalten und dieser zu-

gunsten einer vorläufigen Aufnahme aufgeschoben. Ferner wurde die Be-

schwerdeführerin dem Kanton Solothurn zugewiesen.  

D.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 7. November 2022 

beantragte die Beschwerdeführerin, die vorinstanzliche Verfügung sei auf-

zuheben und ihr sei Asyl zu gewähren, eventualiter sei ihr die Flüchtlings-

eigenschaft zuzuerkennen und die vorläufige Aufnahme als Flüchtling zu 

verfügen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um die Gewährung der un-

entgeltlichen Prozessführung unter Verzicht auf Erhebung eines Kosten-

vorschusses. 

E.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

8. November 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG 

[SR 142.31]). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

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schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung; sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 

Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

In Anwendung von Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde im vorliegenden Verfahren 

auf einen Schriftenwechsel verzichtet. 

4.  

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Verfahrensakten des Vaters der Be-

schwerdeführerin (SEM-Akten N […]), der mit dieser zusammen in die 

Schweiz eingereist ist, beigezogen. Angesichts des vorliegenden Verfah-

rensausgangs kann gestützt auf Art. 30 Abs. 2 Bst. c VwVG auf die vorgän-

gige Gewährung des rechtlichen Gehörs verzichtet werden.  

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

 

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Seite 5 

 

6.  

6.1 Zur Begründung ihrer Verfügung führte die Vorinstanz im Wesentlichen 

an, die Beschwerdeführerin verfüge über kein Risikoprofil, gestützt auf wel-

ches sie Racheakte oder Verfolgungen durch die syrischen Behörden zu 

befürchten habe. Auch seien den Akten keine Anhaltspunkte für eine sich 

anbahnende oder effektiv stattfindende oder stattgefundene Reflexverfol-

gung zu entnehmen. So habe sie angegeben, nie persönliche Probleme 

mit den syrischen Behörden gehabt zu haben, ihre Eltern hätten sie be-

schützt. Folglich würden keine objektiven Elemente vorliegen, die darauf 

hinweisen könnten, dass sie in Syrien begründete Furcht habe, mit beacht-

licher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft einer Reflexverfolgung 

ausgesetzt zu werden. Ihre Vorbringen seien deshalb aus flüchtlingsrecht-

licher Sicht als unbeachtlich zu qualifizieren. Ferner würden gemäss herr-

schender Praxis die Kurden in Syrien keiner Kollektivverfolgung unterlie-

gen. Sie erfülle demzufolge die Flüchtlingseigenschaft nicht, so dass ihr 

Asylgesuch abzulehnen sei.  

6.2 Dem wurde in der Rechtsmitteleingabe im Wesentlichen entgegnet, die 

Beschwerdeführerin habe immer mit ihrer Familie (beziehungsweise in der 

Zeit nach der Ausreise der Mutter und der zwei Brüder mit ihrem Vater und 

den beiden anderen Geschwistern) zusammengelebt. Ferner sei sie bei 

der Ausreise aus Syrien noch minderjährig gewesen. Sie habe deshalb zu-

sammen mit ihrem Vater und den beiden Geschwistern um Familienasyl 

ersucht. Die Flucht der Beschwerdeführerin stehe in einem engen Zusam-

menhang mit der Verfolgung des Vaters. Ausserdem sei für die Gewährung 

von Familienasyl zu bedenken, dass die Zuerkennung der Flüchtlingsei-

genschaft deklarativ und rückwirkend sei, weshalb das Datum der Flucht 

beziehungsweise der Ausreise massgeblich sei. Da die Beschwerdeführe-

rin zu diesem Zeitpunkt minderjährig gewesen sei, sei sie in die Flüchtlings-

eigenschaft ihres Vaters einzubeziehen. Es werde von der Vorinstanz nicht 

bestritten, dass der Vater der Beschwerdeführerin Probleme mit den syri-

schen Behörden hatte und deshalb ins Ausland habe fliehen müssen. Der 

Vater habe seine Familie nach seiner Ausreise so rasch als möglich nach-

geholt, da er diese habe in Sicherheit bringen wollen. Er sei überzeugt ge-

wesen und auch von Drittpersonen entsprechend gewarnt worden, dass 

diese in Syrien an Leib und Leben gefährdet gewesen wäre. Er habe be-

fürchtet, dass, wäre er alleine ausgereist, seine Familienmitglieder Repres-

salien und Racheakten der Behörden ausgesetzt gewesen wären. Es sei 

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davon auszugehen, dass Mitglieder seiner Familie, wären sie in Syrien ver-

blieben, festgenommen und als Druckmittel benutzt worden wären, um den 

Vater beziehungsweise Ehemann dazu zu bringen, sich den Behörden zu 

stellen. Die syrische Regierung wende Massnahmen der Sippenhaft an, 

diesbezüglich seien zahllose Fälle dokumentiert, darunter auch solche be-

treffend Frauen oder Kinder, welche anstelle von Familienmitgliedern in-

haftiert und gefoltert worden seien. Gemäss Berichten würden Grenzbe-

amte überprüfen, ob eine Person, die nach Syrien einreise, Familienange-

hörige habe, die behördlich gesucht werden. In diesem Fall könne die ein-

reisende Person der Festnahme ausgesetzt sein. Die Reflexverfolgung sei 

in Syrien ein vertrautes politisches Instrument. Diese Strategie habe seit 

Ausbruch des Bürgerkrieges zusätzlich an Gewicht gewonnen. Die Be-

schwerdeführerin wäre bei einer Rückkehr nach Syrien deshalb eindeutig 

einer Reflexverfolgung ausgesetzt. Diese Befürchtungen seien begründet 

und nachvollziehbar.  

7.  

7.1 Im Zusammenhang mit der geltend gemachten Reflexverfolgung ist 

festzuhalten, dass die in Syrien herrschende politische und menschen-

rechtliche Lage bereits durch das Bundesverwaltungsgericht gewürdigt 

wurde (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.2 sowie Referenzurteil des BVGer D-

5779/2013 vom 25. Februar 2015 E. 5.3 und 5.7.2). Es ist durch eine Viel-

zahl von Berichten belegt, dass die staatlichen syrischen Sicherheitskräfte 

seit dem Ausbruch des Konflikts im März 2011 gegen tatsächliche oder 

vermeintliche Regimegegner und Regimegegnerinnen mit grösster Bruta-

lität und Rücksichtslosigkeit vorgehen. Personen, die sich regimekritisch 

betätigt haben, sind in grosser Zahl von Verhaftung, Folter und willkürlicher 

Tötung betroffen. Mit anderen Worten haben Personen, die durch die staat-

lichen syrischen Sicherheitskräfte als Gegner des Regimes identifiziert 

werden, eine Behandlung zu erwarten, die einer flüchtlingsrechtlich rele-

vanten Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG gleichkommt. Diese Feststel-

lung gilt auch heute noch.  

Unter Reflexverfolgung sind behördliche Belästigungen oder Behelligun-

gen von Angehörigen aufgrund des Umstandes zu verstehen, dass die Be-

hörden einer gesuchten, politisch unbequemen Person nicht habhaft wer-

den oder schlechthin von deren politischer Exponiertheit auf eine solche 

auch bei Angehörigen schliessen (vgl. etwa Urteil des BVGer  

D-4257/2018 vom 27. Dezember 2019 E. 6.2; BVGE 2010/57 E. 4.1.3). Die 

Verfolgung von Angehörigen vermeintlicher oder wirklicher politischer Op-

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positioneller durch die syrischen Behörden ist durch diverse Quellen doku-

mentiert und es sind unterschiedliche Motive für eine solche Verfolgung 

erkennbar. So werden Angehörige verhaftet und misshandelt, um eine Per-

son für ihre oppositionelle Gesinnung oder ihre Desertion zu bestrafen, um 

Informationen über ihren Aufenthaltsort in Erfahrung zu bringen, um eine 

Person zu zwingen, sich den Behörden zu stellen, um ein Geständnis zu 

erzwingen, um weitere Personen abzuschrecken oder um direkt Angehö-

rige für eine unterstellte oppositionelle Haltung zu bestrafen, die ihnen auf-

grund ihrer Nähe zu vermeintlichen oder wirklichen oppositionellen Perso-

nen zugeschrieben wird. Die Bürgerkriegsparteien (darunter die syrische 

Armee und Milizen) setzen dabei die Strategie der Reflexverfolgung gezielt 

ein (vgl. Urteil des BVGer E-734/2016 vom 14. Januar 2019 E. 7.2 ff.). 

  

Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Reflexverfolgung zu werden, besteht 

vor allem dann, wenn nach einem flüchtigen Familienmitglied gefahndet 

wird und die Behörde Anlass zur Vermutung hat, dass zur gesuchten Per-

son ein enger Kontakt besteht. Diese Wahrscheinlichkeit erhöht sich, wenn 

ein nicht unbedeutendes politisches Engagement der reflexverfolgten Per-

son hinzukommt oder ihr unterstellt wird (vgl. Entscheidungen und Mittei-

lungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 

E. 10.1). Für die Annahme einer Reflexverfolgung ist daher – entgegen der 

im angefochtenen Entscheid vertretenen Ansicht des SEM – das Vorliegen 

eines vorbestandenen politischen Profils bei der reflexverfolgten Person 

nicht erforderlich. 

7.2 Den beigezogenen Akten des Vaters beziehungsweise dessen Aussa-

gen ist zu entnehmen, dass die Familie in einem Stadtteil von Damaskus 

gelebt habe, in welchem es seit Beginn des Bürgerkriegs immer wieder zu 

Schiessereien gekommen sei. Die Familie habe mit den Kampfhandlungen 

nichts zu tun gehabt und sei auch politisch nicht aktiv gewesen. Nachdem 

eines Tages ein Oberst der Streitkräfte Syriens sowie dessen Tochter von 

dem Stadtteil aus, in welchem der Vater der Beschwerdeführerin als Haus-

wart tätig gewesen sei, erschossen worden seien, hätten die Streitkräfte 

diesen Stadtteil umzingelt und angegriffen. Es sei zu vielen Razzien ge-

kommen, anlässlich welcher man zahlreiche Personen mitgenommen 

habe, darunter auch den Vater der Beschwerdeführerin. Man habe für vier 

Tage in Haft genommen, wo er schwer gefoltert worden sei. Obwohl er mit 

der Sache nichts zu tun gehabt habe, habe er aufgrund der schrecklichen 

Folter nach zwei Tagen alles gestanden, was man ihm vorgeworfen habe. 

Die Mutter der Beschwerdeführerin habe derweil alles versucht, um ihn 

wieder freizubekommen und habe Hilfe bei einer reichen Nachbarin geholt. 

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Diese habe ihn nach vier Tagen über einen Brigadier, welchen sie gekannt 

und bestochen habe, freikaufen können. So sei er aus der Haft befreit, in 

ein Auto gesetzt und ausgesetzt worden. Man habe ihm gesagt, dass er, 

sollte er erneut verhaftet werden, «verschwinden» würde. In der Folge 

habe die Nachbarin ihm und seiner Familie zur Flucht geraten und er habe 

seine Familie in sein Heimatdorf geschickt, wo er sie später getroffen habe. 

Danach sei er in den Irak geflohen. Seine Familie sei kurze Zeit später zu 

ihm gestossen. Im Irak sei er seit 2015 für die Peshmerga in der Logistik 

tätig gewesen. Er gehe davon aus, dass die syrischen Behörden von dieser 

Tätigkeit Kenntnis hätten. Das SEM erachtete die Schilderungen des Va-

ters der Beschwerdeführerin als glaubhaft und hiess sein Asylgesuch am 

10. Oktober 2022 gut. Die Vorinstanz geht somit davon aus, dass er be-

hördlich bekannt ist und im Fall einer Rückkehr nach Syrien genauer kon-

trolliert würde.  

7.3 Aufgrund ihrer engen Verbindung zu ihrem Vater würde die Beschwer-

deführerin bei einer Rückkehr nach Syrien ebenfalls mit hoher Wahrschein-

lichkeit einer eingehenden behördlichen Überprüfung unterzogen. Ihren 

Ausführungen sowie jenen ihrer Familie ist zu entnehmen, dass sie stets 

mit ihrem Vater im gleichen Haushalt gelebt hat. Ferner geht daraus hervor, 

dass sie Syrien zusammen mit ihrer Familie und aufgrund der Verfolgung 

ihres Vaters verlassen hat. Aus Angst vor einer möglichen Reflexverfolgung 

schickte der Vater die Familie unmittelbar nach seiner illegalen Haftentlas-

sung weg von Damaskus in sein Heimatdorf, wo er zu ihnen stiess. Von 

dort reiste erst der Vater allein und kurze Zeit später die ganze Familie in 

den Irak aus. Das SEM geht falsch in der Annahme, dass die Beschwerde-

führerin keiner Reflexverfolgung unterliegen könne, da sie bis zu ihrer Aus-

reise keine Probleme mit den syrischen Behörden gehabt habe. Die Aus-

reise der übrigen Familienmitglieder erfolgte kurze Zeit nach der Flucht des 

Vaters aus der Haft, wobei sie ihren Aufenthaltsort unmittelbar wechselten. 

Die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin keine Probleme mit den syri-

schen Behörden hatte, lässt sich somit mit ihrer Landesabwesenheit be-

gründen. Da jedoch davon auszugehen ist, dass der Vater in Syrien auf-

grund seiner Haft und seines Geständnisses behördlich bekannt ist, 

musste die Beschwerdeführerin – wie auch der Rest ihrer Familie – damit 

rechnen, aufgrund der Verfolgung ihres Vaters und ihrer Nähe zu ihm in 

absehbarer Zukunft ernsthaften Nachteilen im Sinne des in E. 5.1 Ausge-

führten ausgesetzt zu sein. Ihre Befürchtung, Opfer einer Reflexverfolgung 

zu werden, war im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Syrien (auch unter Berück-

sichtigung ihres Alters) demzufolge nicht nur in subjektiver, sondern auch 

in objektiver Hinsicht begründet. Bei einer hypothetischen Rückkehr nach 

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Syrien aus Westeuropa würde sie genauer kontrolliert, wobei den Behör-

den bekannt sein dürfte, dass ihr Vater aufgrund seines Geständnisses, 

seiner Flucht und seiner Tätigkeit für die Peshmerga gesucht wird. Sie 

wäre mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit intensiven Befragungen zu ihm, 

seinem Verbleib und ihrer eigenen Vergangenheit und (unterstellten) Tätig-

keiten ausgesetzt. 

7.4 Zusammenfassend erweist sich in Berücksichtigung aller wesentlichen 

Umstände, dass die Beschwerdeführerin sich im Zeitpunkt ihrer Ausreise 

aus Syrien in begründeter Weise vor asylrelevanten Nachteilen seitens des 

syrischen Regimes fürchten musste. Angesichts der aktuellen Lage in Sy-

rien dauert diese Gefährdung auch weiterhin an. Eine innerstaatliche 

Fluchtalternative ist nicht gegeben (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.7.5.4). Weiter 

sind keine Asylausschlussgründe im Sinne von Art. 53 AsylG ersichtlich.  

7.5 Der Vollständigkeit halber ist betreffend die Ausführungen in der Be-

schwerde, der Beschwerdeführerin sei Familienasyl zu gewähren, festzu-

halten, dass Art. 51 Abs. 1 AsylG klar von minderjährigen Kindern spricht 

und dabei der Zeitpunkt der Asylgesuchstellung ausschlaggebend ist (vgl. 

BVGE 2020 VI/7 E.2.4 und 3.2). Somit fällt die Beschwerdeführerin nicht in 

den Anwendungsbereich dieses Artikels. 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin die 

Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt. Die Beschwerde 

ist daher gutzuheissen und die angefochtene Verfügung aufzuheben. Das 

SEM ist demnach anzuweisen, der Beschwerdeführerin in der Schweiz 

Asyl zu gewähren. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 

Abs. 1 und 2 VwVG). 

10.  

Der vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsiegens in An-

wendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Es wurde 

keine Kostennote eingereicht, weshalb die notwendigen Parteikosten auf-

grund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt 

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Seite 10 

auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) 

ist der Beschwerdeführerin zulasten der Vorinstanz eine Parteientschädi-

gung von insgesamt Fr. 1'000.– zuzusprechen. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen.  

2.  

Die Verfügung vom 10. Oktober 2022 wird aufgehoben. Die Beschwerde-

führerin wird als Flüchtling anerkannt und das SEM wird angewiesen, ihr 

Asyl zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 1'000.–  auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Contessina Theis Aglaja Schinzel 

 

 

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