# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bb7fb73f-c6d5-5d8e-a7ae-754630233bb8
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-02-02
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 02.02.2023 E-2800/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2800-2022_2023-02-02.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2800/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 .  F e b r u a r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichter Lorenz Noli, 

mit Zustimmung von Richterin Daniela Brüschweiler.   

Gerichtsschreiber Daniel Merkli. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 17. Juni 2022 / N (…). 

 

 

E-2800/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der minderjährige Beschwerdeführer aus B._______, Angehöriger der 

Hazara, suchte am 4. Mai 2022 in der Schweiz um Asyl nach und wurde in 

der Folge dem Bundesasylzentrum der Region Bern zugewiesen.  

B.  

Zur Begründung seines Asylgesuches machte der Beschwerdeführer im 

Wesentlichen geltend, er habe Afghanistan verlassen, weil die Taliban sei-

nen Vater wegen dessen früherer Tätigkeit mit einem Schreiben bedroht 

hätten. Sein Vater habe früher für Parlamentsabgeordnete in C._______ 

gearbeitet. Mit der Machtübernahme der Taliban habe sein Vater aber die 

genannte Anstellung eingebüsst und sei nach B._______ zurückgekehrt. 

Sein Vater arbeite nun im Lebensmittelgeschäft seines Bruders. Einen Tag 

nach der Machtübernahme der Taliban im August 2021 seien der Be-

schwerdeführer und einige Freunde von Angehörigen der Taliban angehal-

ten worden. Diese hätten ihr Mobiltelefon kontrolliert. Weil sich auf ihren 

Mobiltelefonen gespeicherte Musikvideos westlicher Musiker befunden 

hätten, seien sie geschlagen worden. Die Taliban hätten diese Videos ge-

löscht. Nach den Personalien sei er aber nicht gefragt worden und das Mo-

biltelefon habe er auch wieder zurückerhalten. Später seien seine beiden 

Schwestern, nachdem sie der D._______ in ihre Wohnung wegen der 

Schliessung von Mädchenschulen ein Interview gegeben hätten, dazu an-

gehalten worden, dies nicht mehr zu tun. Er sei zirka sieben Monate vor 

der Einreise in die Schweiz ausgereist und über den Iran, die Türkei und 

Griechenland schliesslich am 3. Mai 2022 in der Schweiz angekommen. 

C.  

Zum Nachweis seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer einen 

Drohbrief der Taliban vom 31. Oktober 2021, Fotos von Familienangehöri-

gen des Vaters und von Mitarbeitern der D._______, einer Knieverletzung 

(angeblich von türkischen Beamten zugefügt) und einen USB-Stick unter 

anderem mit drei Videos des D._______-Interviews seiner beiden Schwes-

tern ein. 

D.  

Am 15. Juni 2022 wurde der Entscheidentwurf der Rechtsvertretung zur 

Stellungnahme zugestellt. Eine solche wurde am 16. Juni 2022 beim SEM 

eingereicht.  

E-2800/2022 

Seite 3 

E.  

Mit gleichentags eröffnetem Entscheid vom 17. Juni 2022 wies das SEM 

das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 4. Mai 2022 ab und ordnete 

die Wegweisung aus der Schweiz an, schob jedoch den Vollzug der Weg-

weisung wegen Unzumutbarkeit auf. 

F.  

Mit auf den 24. Juni 2022, zuhanden der Schweizerischen Post am 27. Juni 

2022 aufgegebener Eingabe erhob der Beschwerdeführer gegen diesen 

Entscheid Beschwerde. Er beantragte sinngemäss die Aufhebung der an-

gefochtenen Verfügung in den Dispositivziffern 1-3, die Feststellung der 

Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung. Eventualiter sei ihm die 

vorläufige Aufnahme in der Schweiz aus humanitären Gründen zu gewäh-

ren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde unter Verzicht auf das Erheben 

eines Kostenvorschusses um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-

rung und der amtlichen Rechtsverbeiständung ersucht. 

G.  

Mit Schreiben vom 30. Juni 2022 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht 

den Eingang der Beschwerde. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Nach Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-

den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Be-

hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwal-

tungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von 

Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich zu-

ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet 

auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

E-2800/2022 

Seite 4 

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist zur Einrei-

chung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. 

Art. 10 Covid-19-Verordnung Asyl vom 20. April 2020 [SR 142.318], 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG) und wie nachste-

hend aufgezeigt, es sich um eine solche handelt, weshalb das Urteil nur 

summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Das SEM verneinte beim Beschwerdeführer das Vorliegen einer be-

gründeten Furcht vor künftiger (Reflex-)Verfolgung. 

5.2 Es führte in der angefochtenen Verfügung aus, es stelle sich die Frage, 

ob sich die individuelle Gefährdungssituation des Beschwerdeführers in-

folge der Machtübernahme durch die Taliban derart akzentuiert habe, dass 

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Seite 5 

von einer begründeten Furcht des Beschwerdeführers vor künftiger Verfol-

gung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgegangen werden müsse. Diese Prü-

fung werde anhand von sogenannten Risikofaktoren vorgenommen. 

5.2.1 Praxisgemäss liessen sich Gruppen von Personen definieren, die in 

Afghanistan aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten Verfolgungsrisiko 

ausgesetzt seien (vgl. Urteil des BVGer 1775/2016 vom 3. Dezember 2018 

E. 6). Seit August 2021 seien zahlreiche Übergriffe gegenüber Personen 

aus diesen Risikogruppen dokumentiert. Diese Übergriffe seien jedoch we-

der systematisch noch einheitlich. Ein erhöhtes Risikoprofil vermöge indes-

sen für sich alleine eine Furcht vor flüchtlingsrechtlicher relevanter Verfol-

gung nicht zu begründen. Es bedürfe zusätzlicher risikoschärfender Ele-

mente, um die abstrakte Gefährdung individuell zu konkretisieren.  

Hinsichtlich der eigenen Bedrohungslage des Beschwerdeführers sei fest-

zuhalten, dass sich dessen subjektive Furcht, wegen der kurzzeitigen Ver-

haftung und Misshandlung von den Taliban erneut behelligt zu werden, ins-

besondere angesichts der fehlenden Registrierung, nicht als objektiv be-

gründet erweise.  

5.2.2 Im Weiteren habe sich der Beschwerdeführer auf die Situation seines 

Vaters und auf den Umstand, dass seine beiden Schwestern Mitarbeitern 

der D._______ ein Interview zur Schliessung der Mädchenschule gegeben 

hätten, bezogen.  

Diesbezüglich sei festzuhalten, dass Familienangehörige von missliebigen 

Personen von Übergriffen (Drohungen, Gewaltanwendung insbesondere 

bei Hausdurchsuchungen) betroffen sein könnten, jedoch ein systemati-

sches Vorgehen der Taliban gegen solche Personen nicht erkennbar sei.  

Das Bestehen einer begründeten Furcht vor einer flüchtlingsrechtlich rele-

vanten Reflexverfolgung sei deshalb nur bei Vorliegen von besonderen 

Umständen gegeben. Dies sei etwa der Fall, wenn die betreffende Person 

diesbezüglich bereits schwerwiegende Nachteile erlitten habe oder bei 

Verdacht eigener, in den Augen der Taliban oppositioneller Aktivitäten be-

ziehungsweise Unterstützungshandlungen für die Gegner der Taliban. 

Auch müsse seitens der Taliban aufgrund des spezifischen Profils der be-

troffenen Hauptpersonen ein ausgeprägtes und ungebrochenes Interesse 

an deren Ergreifung und Festnahme bestehen. 

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Seite 6 

Der Umstand, dass der Vater des Beschwerdeführers von den Taliban ei-

nen Drohbrief erhalten habe, begründe keine Furcht vor zukünftiger Re-

flexverfolgung. Einerseits betreffe die Massnahme nur den Vater und an-

dererseits könne aus dessen Lebenssituation nach der Machtübernahme 

der Taliban nicht hinreichend auf das Bestehen einer Verfolgung geschlos-

sen werden. Dieser lebe in B._______, seine Adresse sei den Taliban be-

kannt und er arbeite in einem Lebensmittelgeschäft. Die eingereichten Fo-

tos zeigten den Vater mit D._______-Mitarbeitern, was ebenfalls nicht da-

rauf hinweise, dass dieser verfolgt werde, würde er doch ansonsten von 

solchen Kontakten absehen. Sinngemäss gelte dasselbe für die Schwes-

tern, welche mit der D._______ über die Schliessung der Mädchenschulen 

gesprochen hätten. Ein solches Verhalten lasse den Schluss zu, dass 

diese beziehungsweise die Familie des Beschwerdeführers sich nicht in 

einer Verfolgungssituation befänden. Der Beschwerdeführer führe denn 

auch in diesem Zusammenhang einzig an, die Taliban hätten nach der Aus-

strahlung des Beitrages der Familie gesagt, es habe Konsequenzen, wenn 

sich solches wiederhole.  

5.2.3 Somit sei nicht von einem konkreten Verfolgungsinteresse der Tali-

ban an der Familie des Beschwerdeführers und damit auch an ihm auszu-

gehen. Es sei zwar nachvollziehbar, dass er subjektiv befürchte, wegen 

seinem familiären Umfeld Opfer von Vergeltungsmassnahmen zu werden. 

Die notwendige objektive Furcht in Bezug auf eine zukünftige flüchtlings-

rechtlich relevante Verfolgung sei jedoch nicht begründet.  

5.3 An dieser Einschätzung würden die Ausführungen in der Stellung-

nahme vom 16. Juni 2022 nichts ändern.  

In dieser werde geltend gemacht, die ganze Familie sei in Afghanistan ei-

ner ständigen Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt. Hätten die Taliban 

anlässlich der geschilderten Kontrolle gewusst, dass der Beschwerdefüh-

rer der Sohn eines für die Regierung tätigen Vaters sei, wäre er mit an 

Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von den Taliban entführt, gefol-

tert und womöglich sogar getötet worden. Seine Familie lebe seit geraumer 

Zeit versteckt und gehe nicht einmal mehr auf die Strasse aus Angst vor 

schwerwiegenden Repressalien seitens der Taliban. Es sei nur eine Frage 

der Zeit, bis einem Familienmitglied etwas Gravierendes zustossen würde. 

Dies habe auch ihm gedroht, wäre er in Afghanistan verblieben. Aus diesen 

Gründen sei dem Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft anzuerken-

nen und ihm sei in der Schweiz Asyl zu gewähren. 

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Seite 7 

Solche spekulativen Annahmen könnten nicht zur Anerkennung der Flücht-

lingseigenschaft führen. Bezüglich der Familie falle auf, dass deren Situa-

tion in der Stellungnahme viel schlechter dargestellt werde als noch in der 

Anhörung vom 8. Juni 2022, wobei in der Stellungnahme entsprechende 

Ausführungen zu allfälligen Gründen der Veränderung der Situation fehl-

ten. Daher müssten diese Erklärungen als nachträglicher Anpassungsver-

such gewertet werden. 

5.4 Was die Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zur Ethnie der Hazara 

betreffe, sei festzuhalten, dass Angehörige der vorwiegend schiitischen 

Hazara seit Jahrzehnten aus ethnischen und religiösen Gründen einer ge-

wissen Diskriminierung durch die restliche Bevölkerung ausgesetzt seien. 

Insbesondere die Taliban-Kämpfer betrachteten die Hazara aufgrund ihrer 

schiitischen Konfession oft als ungläubig und darum minderwertig. Hazara 

erfahren immer wieder Diskriminierungen, sei es zum Beispiel in Form von 

schärferen Kontrollen in Städten und an Checkpoints oder auch im Zugang 

zu offiziellen Stellen. Es gebe aber keine Berichte, wonach die Taliban Ha-

zara ausschliesslich aus ethnischen bzw. konfessionellen Gründen fest-

nehmen oder töten würden. 

 

5.5  

Die Vorinstanz hat die Vorbringen des Beschwerdeführers zu Recht als 

nicht asylrelevant erachtet.  

5.6 Zur Vermeidung von Wiederholungen kann auf die zutreffenden Erwä-

gungen des SEM verwiesen werden, welche durch die Argumentation in 

der Beschwerde, welche sich in einer Wiederholung der bereits im vo-

rinstanzlichen Verfahren geltend gemachten Vorbringen und blossen Be-

hauptungen erschöpft, nicht entkräftet werden können. 

5.7 Zur Verdeutlichung ist ergänzend im Sinne einer zusammengefassten 

Gesamtbeurteilung festzuhalten, dass die (ohne Aufnahme der Persona-

lien) erfolgte kurzzeitige Behelligung des Beschwerdeführers zusammen 

mit Freunden, anlässlich der ihre Mobiltelefone kontrolliert worden seien, 

ganz offenkundig keine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung im 

Sinne von Art. 3 AsylG auszulösen vermag. Auch in Berücksichtigung sei-

nes familiären Umfelds gehört der im Zeitpunkt der Ausreise erst dreizehn-

jährige Beschwerdeführer nicht zum Personenkreis der in Afghanistan ge-

fährdeten Personen, verfügen doch weder er selbst noch seine Familien-

angehörige über ein erhöhtes Risikoprofil. Der bis zur Machtergreifung der 

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Seite 8 

Taliban für die Parlamentarier in C._______ tätige Vater des Beschwerde-

führers erfuhr nach dem angeblichen Erhalt eines Drohbriefes in der Folge 

keine Behelligungen durch die Taliban und arbeitete gänzlich unbescholten 

im Lebensmittelladen eines Verwandten. Die im Rahmen der Stellung-

nahme zum Entscheidentwurf ohne nähere Angaben geltend gemachten, 

unbelegten Vorbringen, wonach die Familie aus Furcht vor den Taliban im 

Verborgenen leben müsse, erweisen sich daher nicht als glaubhaft und 

sind als nachgeschoben einzustufen. Auch das Interview der beiden 

Schwestern mit der D._______ führte nicht zu Behelligungen durch die Ta-

liban, sondern lediglich zu einer Ermahnung der Schwestern, an einem sol-

chen nicht mehr teilzunehmen. In diesem Zusammenhang erscheint auch 

nicht nachvollziehbar, warum der in diesem Zusammenhang gänzlich un-

beteiligte Beschwerdeführer aus Furcht vor den Taliban ausgereist ist und 

nicht seine Schwestern.  

5.8 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, auch seine Zugehörigkeit 

zur Ethnie der Hazara lasse ihn aus der Sicht der Taliban als Oppositionel-

len erscheinen, ist zwar nicht in Abrede zu stellen, dass sich die Situation 

der Hazara in Afghanistan nach der Machtübernahme der Taliban schwie-

rig präsentieren kann. Gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwal-

tungsgerichts ist indessen nach wie vor nicht von einer Kollektivverfolgung 

von Hazara in Afghanistan auszugehen (vgl. Urteil des BVGer 

E-1060/2022 vom 22. März 2022 E. 6.2.1). Die blosse Zugehörigkeit zur 

Ethnie der Hazara ist daher auch unter Berücksichtigung der aktuellen 

Machtverhältnisse in Afghanistan nicht ausreichend, um zur Anerkennung 

der Flüchtlingseigenschaft zu führen. Aus dem allgemein gehaltenen Hin-

weis des Beschwerdeführers, es bestehe seitens der Taliban eine lange 

Feindseligkeit gegen die Hazara und die schiitischen Konfessionen, wes-

halb sie Probleme mit den Hazara hätten und einen Vorwand suchen wür-

den, lässt sich auch kein konkretes Verfolgungsinteresse der Taliban an 

seiner Person herleiten. Ebenso lassen die Ausführungen auf Beschwer-

deebene nicht auf eine Verfolgungsfurcht aufgrund der Ethnie schliessen. 

5.9 Bei dieser Sachlage ist festzustellen, dass die Vorinstanz zu Recht das 

Vorliegen einer begründeten Furcht vor künftiger Verfolgung und damit die 

Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und das Asylge-

such abgelehnt hat.  

6.  

6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

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Seite 9 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

6.2 Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung 

aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht ein-

tritt. Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrecht-

liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer 

solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. 

BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

6.3 Mit der angefochtenen Verfügung wurde der Beschwerdeführer vorläu-

fig in der Schweiz aufgenommen. Da die Wegweisungsvollzugshindernisse 

alternativer Natur sind (vgl. BVGE 2009/51), besteht kein schutzwürdiges 

Interesse an der Überprüfung, aus welchen Gründen die Vorinstanz den 

Vollzug aufgeschoben hat (Art. 48 Abs. 1 Bst. c VwVG). 

Auf den Eventualantrag, ihm sei «aus humanitären Gründen» eine vorläu-

fige Aufnahme zu gewähren, ist daher nicht einzugehen.   

7.  

Insgesamt ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht 

verletzt, und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig 

feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen 

8.  

8.1 Mit dem vorliegenden Urteil wird das Gesuch um Verzicht auf das Er-

heben eines Kostenvorschusses gegenstandslos. 

8.2 Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und 

der amtlichen Rechtsverbeiständung sind abzuweisen, da die Begehren 

als aussichtslos zu bezeichnen sind. Die Verfahrenskosten sind dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 

750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über 

die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

2.  

Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der 

amtlichen Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 750.– werden dem Beschwerde-

führer auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Versand des vor-

liegenden Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Lorenz Noli Daniel Merkli 

 

 

Versand: