# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 80488663-ee25-55de-8d76-56574cc71a1a
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2009-07-15
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 15.07.2009 UV 2009/60
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_UV-2009-60_2009-07-15.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: UV 2009/60

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: UV - Unfallversicherung

Publikationsdatum: 23.04.2020

Entscheiddatum: 15.07.2009

Entscheid Versicherungsgericht, 15.07.2009
Art. 6 UVG: Adäquanzbeurteilung von psychischen Unfallfolgen nach den 
Grundsätzen von BGE 115 V 133 (Entscheid des Versicherungsgerichts des 
Kantons St. Gallen vom 15. Juli 2009, UV 2009/60).

Vizepräsident Joachim Huber, Versicherungsrichterin Lisbeth Mattle Frei und 

Versicherungsrichter Martin Rutishauser; Gerichtsschreiber Marcel Kuhn

Entscheid vom 15. Juli 2009

in Sachen

K.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Monika Paminger Müller, Oberer Graben 44, 

9000 St. Gallen,

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358, 

6002 Luzern,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

Versicherungsleistungen

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Sachverhalt:

A.       

A.a   K.___ wurde am 19. November 2004 als Lenker eines Personenwagens auf der 

Autobahn in einen Unfall mit mehreren Kollisionen verwickelt (Suva-act. 1 und 9). Die 

Suva erbrachte für den Unfall vom 19. November 2004 die gesetzlichen 

Versicherungsleistungen (Heilkosten- und Taggeldleistungen). Bezüglich des übrigen 

massgebenden Sachverhalts, insbesondere der medizinischen Aktenlage, kann auf den 

Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 4. März 2008 

(UV 2007/72) verwiesen werden.

A.b   Mit Verfügung vom 23. Januar 2007 (Suva-act. 115) eröffnete die Suva dem 

Versicherten, dass die heutigen Beschwerden organisch nicht mehr hinreichend als 

Folge des Unfalls vom 19. November 2004 nachweisbar seien. Die 

Versicherungsleistungen würden deshalb per 31. Januar 2007 eingestellt. Die gegen 

diese Verfügung erhobene Einsprache wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 11. 

Mai 2007 (Suva-act. 120) ab. Der Versicherte erhob gegen den Entscheid Beschwerde 

beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen.

A.c   Mit - bereits erwähntem - Entscheid vom 4. März 2008 hiess das 

Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die Beschwerde unter Aufhebung des 

angefochtenen Einspracheentscheids gut und verpflichtete die Beschwerdegegnerin, 

dem Beschwerdeführer auch über den 31. Januar 2007 hinaus die gesetzlichen 

Leistungen für den am 19. November 2004 erlittenen Unfall zu erbringen.

A.d   Gegen diesen Entscheid führte die Suva Beschwerde in öffentlich-rechtlichen 

Angelegenheiten ans Bundesgericht und beantragte die Aufhebung des 

vorinstanzlichen Entscheids. Mit Urteil vom 1. Mai 2009, 8C_347/2008, hiess die I. 

sozialrechtliche Abteilung des Bundesgerichts die Beschwerde in dem Sinn gut, dass 

der angefochtene Entscheid aufgehoben und die Sache an das Versicherungsgericht 

des Kantons St. Gallen zurückgewiesen werde, damit sie im Sinn der Erwägungen 

verfahre und über den Leistungsanspruch des Beschwerdegegners neu entscheide. 

Den Erwägungen ist zu entnehmen, dass entgegen der Auffassung des kantonalen 

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Versicherungsgerichts, der Fallabschluss nicht zu früh erfolgt sei, da aus somatischer 

Sicht von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung der 

noch vorhandenen Beschwerden mehr zu erwarten sei. Hingegen habe die Vorinstanz 

den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 19. 

November 2004 und den über den 31. Januar 2007 hinaus fortbestehenden 

psychischen Einschränkungen zu Recht bejaht. Allerdings müsse noch geprüft werden, 

ob die vorliegenden psychischen Leiden in einem adäquaten Kausalzusammenhang 

zum erlittenen Autounfall stehen würden. Die Adäquanzbeurteilung sei nach der für 

psychische Unfallfolgen geltenden, zwischen physischen und psychischen 

Beschwerdekomponenten unterscheidenden Praxis gemäss BGE 115 V 133 

durchzuführen.

Erwägungen:

1.        

Eine Begründung dafür, weshalb die Adäquanzprüfung nach der sogenannten 

Psychopraxis gemäss BGE 115 V 133 vorzunehmen sei, liefert das Bundesgericht 

nicht. Es bleibt mithin unklar, weshalb die psychischen Beschwerden eigenständiger 

Natur sein sollen und nicht als dem typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas 

zugehörig betrachtet werden können. Allein aus dem vom Bundesgericht erwähnten 

Hinweis des MEDAS-Psychiaters Dr. A.___ auf vorhandene sekundäre psychosoziale 

Belastungsfaktoren, wie die unklare wirtschaftliche Situation der Familie und 

Schuldgefühle bezüglich der schulischen Entwicklung der Kinder, kann dies jedenfalls 

nicht gefolgert werden. Nichts desto trotz ist das kantonale Versicherungsgericht an 

die verfahrensmässige Auflage im Rückweisungsentscheid des Bundesgerichts 

gebunden.

Zu prüfen gilt es somit, ob die vom Beschwerdeführer geklagten psychischen 

Beschwerden in einem adäquaten Kausalzusammenhang zum Unfall vom 19. 

November 2004 stehen und somit ein Anspruch auf Versicherungsleistungen über den 

31. Januar 2007 hinaus besteht.

2.        

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2.1    Die Grundsätze zu dem für die Leistungspflicht des Unfallversicherers 

vorausgesetzten natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem 

eingetretenen Schaden und zu der im Weiteren erforderlichen Adäquanz des 

Kausalzusammenhangs generell sowie bei psychischen Unfallfolgen hat das 

Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen im mehrfach erwähnten Entscheid vom 4. 

März 2008 dargelegt; darauf kann verwiesen werden.

2.2    Bei der Beurteilung des Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall und einer 

anschliessend einsetzenden psychischen Fehlentwicklung mit Einschränkung der 

Arbeits- und Erwerbsfähigkeit ist nach der Rechtsprechung (BGE 115 V 138 ff. Erw. 6, 

bestätigt im Urteil vom 19. Februar 2008 [U 394/06] Erw. 10.1) vom Unfallereignis 

auszugehen. Dabei besteht ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen den 

Beschwerden und dem Unfall, wenn dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die 

Entstehung der Beschwerden zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er eine gewisse 

Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Für die 

Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei - ausgehend 

vom augenfälligen Geschehensablauf - zwischen banalen bzw. leichten Unfällen 

einerseits, schweren Unfällen anderseits und schliesslich dem dazwischen liegenden 

mittleren Bereich unterschieden wird. Während der adäquate Kausalzusammenhang in 

der Regel bei schweren Unfällen ohne Weiteres bejaht und bei leichten Unfällen 

verneint werden kann, lässt sich die Frage der Adäquanz bei Unfällen aus dem 

mittleren Bereich nicht aufgrund des Unfallgeschehens allein schlüssig beantworten. Es 

sind weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall in 

Zusammenhang stehen oder als direkte bzw. indirekte Folgen davon erscheinen, in 

eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Dabei müssen rechtsprechungsgemäss (vgl. 

BGE 115 V 140 Erw. 6c; SVR 1999 UV Nr. 10 S. 31 Erw. 2, 2001 UV Nr. 8 S. 32, je mit 

Hinweisen) die weiteren unfallbezogenen Kriterien entweder in gehäufter oder 

auffallender Weise oder ein einziges Kriterium in besonders ausgeprägter Weise erfüllt 

sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Als in die Adäquanzbeurteilung 

einzubeziehende Kriterien nennt die Rechtsprechung (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa): 

besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls, 

die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre 

erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, ungewöhnlich 

lange Dauer der ärztlichen Behandlung, körperliche Dauerschmerzen, ärztliche 

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Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert, schwieriger 

Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen und Grad und Dauer der physisch 

bedingten Arbeitsunfähigkeit.

2.3    Bei der im Rahmen der Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhangs 

vorzunehmenden Katalogisierung ist der Unfall aufgrund des Geschehensablaufs, der 

biomechanischen Beurteilung vom 14. Februar 2006 (Suva-act. 88) gestützt auf die 

technische Unfallanalyse vom 26. Dezember 2005 (Suva-act. 86) sowie mit Blick auf 

die entsprechende Kasuistik (vgl. Rumo-Jungo, Rechtsprechung des Bundesgerichts 

zum Sozialversicherungsrecht, UVG, 3. Aufl., S. 55 ff) den mittelschweren Unfällen 

zuzuordnen.

2.4    Der adäquate Kausalzusammenhang wäre daher zu bejahen, wenn ein einzelnes 

der für die Beurteilung massgebenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise 

erfüllt wäre oder die zu berücksichtigen Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise 

gegeben wären.

2.4.1           Gemäss der biomechanischen Beurteilung vom 14. Februar 2006 erfuhr der 

Personenwagen des Beschwerdeführers beim Unfall vom 19. Dezember 2004 vier bis 

fünf Zusammenstösse an verschiedenen Lokalisationen. Die Unfallanalyse ergab drei 

frontale und eine seitliche Kollision. Einem solchen Unfall auf der Autobahn ist eine 

gewisse Eindrücklichkeit nicht abzusprechen. Allerdings kann nicht von einer 

besonderen Eindrücklichkeit oder von besonders dramatischen Begleitumständen 

ausgegangen werden, welche objektiv geeignet wären, bei Betroffenen psychische 

Abläufe in Bewegung zu setzen.

2.4.2           Der Beschwerdeführer hat auch keine schweren Verletzungen oder 

Verletzungen besonderer Art erlitten. Die Diagnose eines Schleudertraumas oder einer 

schleudertraumaähnlichen Verletzung der HWS vermag die Schwere oder besondere 

Art der erlittenen Verletzung für sich allein nicht zu begründen.

2.4.3           Anzeichen einer ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen 

erheblich verschlimmert hätte, sind aus den medizinischen Akten nicht ersichtlich.

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2.4.4           Bei der Beurteilung der Kriterien der ungewöhnlich langen ärztlichen 

Behandlung und der körperlichen Dauerschmerzen ist zu beachten, dass bereits 

unmittelbar nach dem Unfallereignis psychische Beschwerden auftraten. Im Schreiben 

des Psychiatrischen Zentrums Rorschach vom 11. Februar 2005 (Suva-act. 27) wurde 

bereits die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung gestellt. Im Rahmen 

Komorbidität könne von einer mittelgradig depressiven Episode ausgegangen werden. 

Das nach der HWS-Verletzung aufgetretene Beschwerdebild wurde schon bald nicht 

mehr vorwiegend durch organische, sondern vielmehr durch psychische Faktoren 

aufrechterhalten. Da bei der Adäquanzbeurteilung allerdings der psychische 

Gesundheitsschaden nicht mitberücksichtigt werden darf (BGE 123 V 99 E. 2a), sind 

das Kriterium der ungewöhnlich langen ärztlichen Behandlung und der körperlichen 

Dauerschmerzen zu verneinen, zumal im MEDAS-Gutachten festgehalten wurde, dass 

aus rheumatologischer Sicht lediglich muskelkräftigende Massnahmen im Bereich der 

Rumpf-/Nacken-muskulatur eventuell günstig sein könnten. Neben 

physiotherapeutischen Massnahmen erfolgten bis zur Begutachtung keine 

nennenswerten ärztlichen Behandlungen. Der stationäre Aufenthalt in der Klinik Gais 

vom 21. März bis 15. April 2005 erfolgte hauptsächlich zur psychischen Rehabilitation.

2.4.5           Mangels bleibender physischer, objektivierbarer Verletzung erübrigen sich 

schliesslich auch die Fragen nach der Schwierigkeit des Heilungsverlaufs und der 

Erheblichkeit von diesbezüglichen Komplikationen.

2.4.6           Nachdem die bestehenden Beschwerden gemäss den medizinischen Akten 

schon sehr früh auf psychische Störungen zurückzuführen oder nicht mehr unfallkausal 

waren, basiert auch die dadurch verursachte Arbeitsunfähigkeit hauptsächlich auf 

psychischen Ursachen. Das MEDAS-Gutachten attestierte dem Beschwerdeführer aus 

rheumatologischer Sicht für eine adaptierte Tätigkeit eine 80%ige Arbeitsfähigkeit. Als 

Diagnose wurde ein chronisches zervikovertebrales Schmerzsyndrom gestellt, wobei 

auch unfallfremde Faktoren - Fehlform der oberen Wirbelsäule mit Hyperlordose der 

HWS und Kopfpropulsionshaltung - mitberücksichtigt wurden. Sodann ist zu beachten, 

dass die verbleibenden Einschränkungen ebenfalls vorwiegend durch psychische 

Faktoren beeinflusst werden, wobei eine genaue Aufteilung in somatische und 

psychische Beschwerden nicht ersichtlich ist. Somit kann insgesamt betrachtet auch 

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das Kriterium des Grads und der Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit nicht 

als genügend erfüllt gelten.

2.5    Da somit keines der zu berücksichtigenden Kriterien erfüllt ist, muss der adäquate 

Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 19. November 2004 und den 

geklagten psychischen Beschwerden verneint werden. Die Einstellung der 

Versicherungsleistungen per 31. Januar 2007 lässt sich daher nicht beanstanden.

3.        

3.1    Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.

3.2    Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).

3.3 Mit Schreiben vom 26. Juli 2007 wurde dem Beschwerdeführer im Verfahren UV 

2007/72 die unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das Verfahren vor dem 

Versicherungsgericht bewilligt (act. G 9 in UV 2007/72). Die Bewilligung überträgt sich 

nach der Aufhebung des Entscheids vom 4. März 2008 durch das Bundesgericht auf 

das vorliegende Verfahren. Der Beschwerdeführer hat somit Anspruch auf 

Entschädigung seiner Rechtsvertreterin durch den Staat. Dabei ist zu berücksichtigen, 

dass dem unentgeltlichen Rechtsbeistand lediglich ein um 20% reduziertes Honorar 

zusteht (vgl. Art. 31 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Ein Betrag von Fr. 3'200.-- 

(80% von Fr. 4'000.--; inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) scheint der 

Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses angemessen.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG

entschieden:

1.       Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.       Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

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3.       Der Staat entschädigt die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers mit pauschal 

Fr. 3'200.--.

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