# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 524bf090-649f-5057-a107-463eb3ce0f1c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-03-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.03.2010 D-6165/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6165-2009_2010-03-12.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6165/2009
law/bah/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 2 .  M ä r z  2 0 1 0

Richter Walter Lang (Vorsitz),
Richter Hans Schürch, Richter Pietro Angeli-Busi, 
Gerichtsschreiber Christoph Basler.

A.__________, geboren  (...),
Jemen,
vertreten durch Barbara Tschopp, 
Elisa - Asile Assistance juridique aux requérants d'asile, 
(...)
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 27. August 2009 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-6165/2009

Sachverhalt:

A.
Der  Beschwerdeführer  verliess  sein  Heimatland  eigenen  Angaben 
gemäss  am  27.  August  2008  und  gelangte  gleichentags  in  die 
Schweiz, wo er am 1. September 2008 um Asyl nachsuchte.

A.a Bei der Erstbefragung, die am 9. September 2008 im Empfangs- 
und  Verfahrenszentrum  Vallorbe  stattfand,  sagte  er  aus,  er  sei 
B.__________ und habe in einer C.__________ gearbeitet. Seit 1985 
sei er Mitglied der Sozialistischen Jemenitischen Partei (SYP). Er sei 
in  seiner Region ab 2008 leitendes Mitglied der Partei  gewesen. Da 
der  Süden  Jemens  vom  Norden  dominiert  werde,  habe  sich  eine 
Fraktion der Partei  dazu entschlossen, sich vom Norden zu trennen. 
Deshalb seien sie unter Druck geraten. Er sei dreimal festgenommen 
worden,  letztmals am 3. August  2008,  als  er  an seinem Arbeitsplatz 
verhaftet  worden  sei.  Die  Polizei  habe  zwei  Sicherheitsleute  zu  ihm 
geschickt.  Er  sei  in  ein  zwölf  Kilometer  entfernt  gelegenes  Camp 
gebracht  worden,  wo  er  Zeuge  einer  Hinrichtung  geworden  sei.  Am 
selben  Tag sei  er  auf  den  Polizeiposten  von D._________  gebracht 
worden, wo er am Abend freigelassen worden sei. Vorher habe er ein 
Dokument  unterzeichnen  müssen,  in  dem  gestanden  sei,  dass  er 
jegliche politische Aktivität  einstelle. Man habe ihn zudem ein leeres 
Blatt unterzeichnen lassen. Da man ihm gedroht habe, er werde das 
gleiche  Schicksal  wie  die  getötete  Person  erleiden,  habe  er 
beschlossen, den Jemen zu verlassen. Zuvor sei er am 19. Juli 2008 
festgenommen  und  bis  zum  28.  Juli  2008  festgehalten  worden;  die 
erste Festnahme habe sich am 14. Mai 2008 zugetragen, damals sei 
er  während  einer  Woche  in  Haft  gewesen.  Zur  Stützung  seiner 
Aussagen  gab  der  Beschwerdeführer  drei  polizeiliche  Vorladungen 
vom 16. Mai 2008, 19. Juli 2008 und 3. August 2008 ab (act. A3/1 Ziffn. 
1 - 3).

A.b Am 3. Juni 2009 wurde der Beschwerdeführer vom BFM zu seinen 
Asylgründen angehört.  Er  machte  im Wesentlichen  geltend,  dass  er 
vor  seiner  Ausreise  vier  Jahre  lang  als  E.__________  in  einer 
C.__________  gearbeitet  habe.  Er  habe  innerhalb  der  SYP  einer 
Fraktion angehört, die die Trennung des Südens vom Norden Jemens 
verlangt  habe.  Er  habe  sich  zum  Verlassen  seiner  Heimat  ent-
schlossen, weil er dreimal festgenommen und schliesslich mit dem Tod 
bedroht worden sei. Er sei jeweils von der Polizei festgenommen und 

Seite 2

D-6165/2009

zwei  Wochen  beziehungsweise  fünf  Tage  beziehungsweise  einige 
Stunden  festgehalten  worden.  Man  habe  ihm  bei  der  ersten  Fest-
nahme gesagt,  er sei  bei  der Teilnahme an einer Demonstration von 
jemandem mit einem Mobiltelefon fotografiert worden. Das zweite und 
dritte Mal sei er wegen seiner Aktivitäten festgenommen worden. Der 
Beschwerdeführer  gab  weitere  Beweismittel  ab  (Parteiausweis,  drei 
Briefe der Partei,  Internetartikel und Hotelrechnungen; vgl. act. A3/1, 
Ziffn. 4 - 9). 

B.
Das  BFM  stellte  mit  Verfügung  vom  27.  August  2009  fest,  der  Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das 
Asylgesuch  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  aus  der 
Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an.

C.
Mit  Eingabe  vom  27.  September  2009  liess  der  Beschwerdeführer 
durch seine Rechtsvertreterin gegen diesen Entscheid beim Bundes-
verwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  beantragen,  die  ange-
fochtene Verfügung sei  aufzuheben,  seine Flüchtlingseigenschaft  sei 
anzuerkennen und es sei sein Aufenthalt dementsprechend zu regeln. 
Es seien ihm keine Verfahrenskosten aufzuerlegen und eine Parteient-
schädigung zuzusprechen. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 
sei  zu verzichten. Der  Eingabe lagen mehrere Beweismittel  bei  (vgl. 
Beilagenverzeichnis, S. 5 der Eingabe).

D.
Der Instruktionsrichter  hiess das Gesuch um Gewährung der  unent-
geltlichen  Rechtspflege gemäss Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021)  mit Verfügung vom 8. Oktober 2009 gut, und verzichtete 
auf die Erhebung eines  Kostenvorschusses. Die Akten übermittelte er 
dem BFM die Beschwerde zwecks Einreichung einer Vernehmlassung.

E.
In seiner Vernehmlassung vom 13. Oktober 2009 beantragte das BFM 
die Abweisung der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht setzte 
den Beschwerdeführer am14. Oktober 2009 von der Vernehmlassung 
in Kenntnis. 

Seite 3

D-6165/2009

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu 
den Behörden  nach  Art. 33  VGG und ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Aus-
nahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundes-
verwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vor-
liegenden Beschwerde; es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls end-
gültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG, 
SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht;  der  Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 
AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und 
52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  
3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person 
anerkannt,  wenn sie in ihrem Heimatstaat  oder im Land,  in  dem sie 
zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zuge-
hörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer 
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder 
begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 
ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib, 
Leben  oder  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen 
psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nach-
weisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  ge-

Seite 4

D-6165/2009

macht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vor-
bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  mass-
geblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden 
(Art. 7 AsylG).

4.  
4.1 Das  BFM  führte  zur  Begründung  seiner  Verfügung  aus,  der 
Beschwerdeführer  habe  unterschiedliche  Angaben  zur  Dauer  seiner 
Inhaftierungen gemacht. Bei  der  Anhörung habe er  gesagt,  lediglich 
die  erste  Festnahme  sei  wegen  seiner  Teilnahme  an  einer  Demon-
stration  erfolgt.  Aus seinen  Aussagen  bei  der  Erstbefragung  ergebe 
sich,  dass  die  Demonstrationsteilnahme  der  Grund  für  seine  zweite 
Festnahme gewesen sei. Sein Verhalten entspreche nicht demjenigen 
einer  verfolgten Person. Erfahrungsgemäss versuchten Verfolgte den 
Verfolgerstaat bei der ersten sich bietenden Gelegenheit zu verlassen, 
der Beschwerdeführer habe aber dreimal polizeiliche Vorladungen be-
folgt. Seine Angabe, wonach die Polizei ihn bei der dritten Festnahme 
nach  einigen  Stunden  wieder  habe  gehen  lassen,  mute  vor  dem 
Hintergrund der vorgängigen Festnahmen seltsam an. Die separatis-
tischen Umtriebe seiner Parteifraktion stellten im Jemen eine schwer-
wiegende  Straftat  dar;  unter  einem solchen  Verdacht  stehende  Per-
sonen könnten kaum mit einer raschen Freilassung rechnen. Ebenso 
realitätsfremd scheine seine Aussage, die Polizei habe ihn im August 
2008 vor dem Gebäude seines Arbeitgebers festgenommen, weil sie 
kein Recht gehabt habe, in das Gebäude einzutreten. Auch die Aus-
reise  über  den  streng  bewachten  Flughafen  deute  kaum  auf  ein 
Interesse der Polizei an seiner Person hin. Seine Aussagen seien weit-
gehend  unsubstanziiert  und  wiesen  einen  dermassen  einfachen 
Aufbau  auf,  dass  sie  ohne  weiteres  von  jedermann  erzählt  werden 
könnte.  Aufgrund  der  festgestellten  Unglaubhaftigkeit  der  Asylvor-
bringen  könnten  die  eingereichten  polizeilichen  Vorladungen,  bei 
denen  es  sich  nicht  um  Haftbefehle  handle,  an  der  obigen  Ein-
schätzung nichts ändern. Solche Dokumente seien im Heimatland des 
Beschwerdeführers käuflich. Es stelle sich zudem die Frage, weshalb 
er  sich  im  Besitz  dieser  Dokumente  befinde,  sei  doch  davon  aus-
zugehen, dass man ihm diese in der Haft abnehmen würde. Auch die 
Schreiben seiner Partei könnten seine Vorbringen nicht wirksam unter-
mauern. Bezeichnenderweise habe er die vorhandenen Antworten der 
jemenitischen  Behörden  nicht  eingereicht.  Ferner  sei  festzustellen, 

Seite 5

D-6165/2009

dass weder der Parteiausweis noch die eingereichten Internetauszüge 
eine konkrete Verfolgung seiner Person darlegen könnten.

4.2 In der Beschwerde wird demgegenüber geltend gemacht, bei den 
Abweichungen in den Angaben des Beschwerdeführers zur Dauer der 
Inhaftierungen handle es sich nicht um Widersprüche in wesentlichen 
Punkten,  zumal  er  die  Daten  der  Festnahmen übereinstimmend an-
gegeben  habe. Hinsichtlich  der  polizeilichen  Vorladungen  sei  darauf 
hinzuweisen,  dass  er  diesen  nicht,  wie  vom BFM geltend  gemacht, 
Folge geleistet habe, sondern von der Polizei zu Hause oder bei der 
Arbeitsstelle festgenommen worden sei. Die Umstände seiner dritten 
Festnahme  seien  für  ihn  bedrohlich  gewesen.  Er  habe  einer  im 
Parlament  vertretenen  Partei  angehört,  die  sich  für  ihn  eingesetzt 
habe, was der Grund für die rasche Freilassung gewesen sein könne. 
Dass  er  an  seinem  Arbeitsort  nicht  von  der  Polizei  festgenommen 
worden sei, liege daran, dass dieser im F._______ gelegen habe, der 
von  der  G.__________  kontrolliert  werde,  die  ihn  auf  Ersuchen  der 
Polizei festgenommen habe. Da er nicht gesucht worden sei, habe er 
über den Flughafen ausreisen können. Er habe auf alle ihm gestellten 
Fragen  detailliert  geantwortet.  Bei  den  Befragungen  sei  er  nicht  zu 
seinen Erlebnissen während der ersten beiden Inhaftierungen befragt 
worden. Schliesslich habe das BFM der aktuellen Situation im Jemen 
zu wenig Beachtung geschenkt. Die Bevölkerung sei unzufrieden und 
die  Mitglieder  der  SYP spielten  eine  wichtige  Rolle  bei  der  Revolte 
gegen den dominierenden Norden. 

5.
5.1 Glaubhaft sind die Vorbringen eines Asylsuchenden grundsätzlich 
dann, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel 
sind;  sie  dürfen  sich  nicht  in  vagen  Schilderungen  erschöpfen,  in 
wesentlichen  Punkten  nicht  widersprüchlich  sein  oder  der  inneren 
Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen 
Erfahrung  widersprechen. Darüber  hinaus muss die  gesuchstellende 
Person  persönlich  glaubwürdig  erscheinen,  was  insbesondere  dann 
nicht  der  Fall  ist,  wenn sie  ihre  Vorbringen auf  gefälschte  oder  ver-
fälschte Beweismittel abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tat-
sachen unterdrückt  oder  bewusst  falsch darstellt,  im Laufe des  Ver-
fahrens  Vorbringen  auswechselt,  steigert  oder  unbegründet  nach-
schiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-
wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet  ferner  – im Gegen-
satz  zum  strikten  Beweis  –  ein  reduziertes  Beweismass  und  lässt 

Seite 6

D-6165/2009

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen 
des Gesuchstellers. Entscheidend ist,  ob  im Rahmen einer  Gesamt-
würdigung  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhalts-
darstellung  des  Asylsuchenden  sprechen,  überwiegen  oder  nicht. 
Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. Entschei-
dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission 
[EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1. S. 190 f.).

5.2 Das BFM weist in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf 
hin,  dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  beiden  Befragungen 
nicht  übereinstimmende  Angaben  zur  jeweiligen  Haftdauer  gemacht 
habe. Hingegen hat er die Daten der geltend gemachten Festnahmen 
übereinstimmend  genannt.  Zu  Unrecht  hat  sich  das  BFM  auf  den 
Standpunkt gestellt, der Beschwerdeführer habe den drei polizeilichen 
Vorladungen umgehend Folge geleistet, gab dieser doch nicht an, sich 
freiwillig bei der Polizei gemeldet zu haben, sondern von dieser drei-
mal  festgenommen  worden  zu  sein  (einmal  zuhause,  einmal  in  der 
Nähe des Arbeitsplatzes und einmal am Arbeitsplatz). Ob die Polizei 
den Beschwerdeführer  – wie von ihm geltend gemacht – an seinem 
Arbeitsplatz  nicht  hat  festnehmen dürfen,  weil  für  das  H._________ 
eine andere Sicherheitsbehörde zuständig ist, kann mangels konkreter 
Informationen dazu nicht beurteilt werden. Insofern das BFM sich auf 
den  Standpunkt  stellt,  Verfolgte  verliessen  den  Verfolgerstaat  in  der 
Regel bei der ersten Gelegenheit, ist darauf hinzuweisen, dass diese 
Regelvermutung bei Personen, die politisch aktiv sind oder sich gar in 
Oppositionsparteien  in  einer  Führungsposition  befinden,  nicht 
zwingend  der  Fall  ist.  In  zahlreichen  Staaten  werden  politisch 
Oppositionelle  schikaniert,  misshandelt  und inhaftiert,  ohne dass sie 
ihre politischen Aktivitäten umgehend einstellen oder das Land bereits 
nach dem ersten Übergriff verlassen. Aus der Tatsache, dass der Be-
schwerdeführer sein Heimatland legal verlassen konnte, lässt sich der 
Schluss  ziehen,  dass  er  zum  Zeitpunkt  seiner  Ausreise  mit  über-
wiegender Wahrscheinlichkeit behördlich nicht gesucht wurde; dies hat 
der Beschwerdeführer indes auch nicht geltend gemacht. Andererseits 
schliesst  allein  die legale Ausreise nicht  aus, dass der Beschwerde-
führer mit den Sicherheitsbehörden Probleme haben könnte. Alsdann 
ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  seine  Identität  mittels 
eines Reisepasses und weiterer Identitätspapiere, an deren Authenti-
zität  seitens  des  BFM  keine  Zweifel  geäussert  wurden,  belegen 
konnte.  Er  gab  einen  Parteiausweis  ab,  dessen  Echtheit  vom  BFM 
ebenfalls  nicht  angezweifelt  wurde.  Zudem  reichte  er  Kopien  von 

Seite 7

D-6165/2009

mehreren  Schreiben  der  SYP  an  die  Sicherheitsbehörden  ein,  in 
denen  sich  die  Partei  für  den Beschwerdeführer,  der  verschiedenen 
Schikanen  ausgesetzt  worden  sei,  einsetzt.  Diese  Schreiben  sind 
individuell  gestaltet  und  beziehen  sich  auf  konkrete  Ereignisse;  sie 
heben  sich  durch  ihre  Gestaltung  von  oftmals  eingereichten 
pauschalen  Parteibestätigungen  ab.  Ob  diese  Schreiben  echt  be-
ziehungsweise versendet worden sind, lässt sich aufgrund der Akten-
lage  nicht  beantworten. Ebenso  wenig  ist  klar,  ob  die  eingereichten 
polizeilichen Vorladungen authentisch oder gefälscht sind beziehungs-
weise käuflich erworben wurden.

5.3 In  Würdigung  der  Aktenlage  ist  festzustellen,  dass  der  bisher 
erhobene Sachverhalt eine abschliessende Beurteilung der Frage der 
Glaubhaftigkeit  der  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Vor-
bringen nicht erlaubt. Dazu bedarf es weiterer Abklärungen, insbeson-
dere  im  Heimatland  des  Beschwerdeführers.  Von  besonderem 
Interesse wird dabei  sein,  ob seine Ausführungen hinsichtlich seiner 
beruflichen  und  politischen  Tätigkeit  bestätigt  werden  können.  Des 
Weiteren  ist  von  Bedeutung,  ob  die  von  ihm  geltend  gemachten 
Schikanen  und  Übergriffe,  denen  er  durch  die  Sicherheitsbehörden 
ausgesetzt worden sei, objektivierbar sind. Nach Möglichkeit ist auch 
die  Authentizität  der  polizeilichen  Vorladungen  und  die  vom  Be-
schwerdeführer geltend gemachte Zuständigkeit für die Überwachung 
des H._________ beziehungsweise die Zutrittsmöglichkeit der Polizei 
auf  dasselbe abzuklären. Das Verfahren ist  somit  zur  Abklärung des 
vollständigen rechtserheblichen Sachverhalts und zu neuem Entscheid 
an das BFM zurückzuweisen.

6.
Zusammenfassend ergibt sich, dass das BFM den rechtserheblichen 
Sachverhalt  unvollständig  erhoben  hat.  Die  Beschwerde  ist  infolge-
dessen  gutzuheissen,  die  angefochtene  Verfügung  vom  27. August 
2009 aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an das BFM zu-
rückzuweisen. Das BFM ist insbesondere anzuweisen, die vorstehend 
unter 5.3 erwähnten Sachverhaltsabklärungen zu tätigen. 

7.
7.1 Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  keine  Kosten  aufzu-
erlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).

7.2 Dem obsiegenden Beschwerdeführer ist in Anwendung von Art. 64 
Abs. 1 VwVG und Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über 

Seite 8

D-6165/2009

die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 
(VGKE,  SR  173.320.2)  zulasten  der  Vorinstanz  eine  Parteient-
schädigung  für  die  ihm  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnis-
mässig hohen Kosten zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin hat mit der 
Beschwerde  eine  Kostennote  eingereicht,  in  welcher  der  gesamte 
Aufwand  mit  Fr.  1'000.--  beziffert  wird.  Unter  Berücksichtigung  der 
massgebenden  Berechnungsfaktoren  (Art. 9-11  und  13  VGKE),  er-
scheint  dies  angemessen.  Die  Parteientschädigung  ist  somit  auf 
Fr. 1'000.-- (inkl. Auslagen und allfälliger Mehrwertsteuer) festzusetzen 
und das BFM anzuweisen, dem Beschwerdeführer diesen Betrag als 
Parteientschädigung auszurichten. 

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 9

D-6165/2009

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die  Verfügung  des  Bundesamtes  vom  27.  August  2009  wird  auf-
gehoben und die Sache zur weiteren Abklärung des rechtserheblichen 
Sachverhalt im Sinne der Erwägungen und zur Neubeurteilung an die 
Vorinstanz zurückgewiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.
Das  BFM  hat  dem  Beschwerdeführer  für  das  Verfahren  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  eine  Parteientschädigung  von  Fr. 1'000.-- 
auszurichten.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- (zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Walter Lang Christoph Basler

Versand: 

Seite 10