# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 05aade52-8497-5a6d-b43c-3599485d8b11
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-10-17
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 17.10.2023 SB220588
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB220588_2023-10-17.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB220588-O/U/sm 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, Oberrichter lic. iur. Wenker 

und Ersatzoberrichterin Dr. Schoder sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw Boese 

 

 

Urteil vom 17. Oktober 2023 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigter und Berufungskläger 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt MLaw X._____,  

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland,  
Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 

betreffend mehrfache Drohung und Widerruf 
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur, Einzelgericht 
Strafsachen, vom 27. April 2022 (GG220011) 
 

 

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Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 7. Februar 

2022 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 30). 

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig der mehrfachen - teilweise versuch-
ten - Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB teilweise in Verbindung mit 

Art. 22 Abs. 1 StGB. 

2. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Urteil der Staatsanwaltschaft Win-

terthur/Unterland vom 17. März 2020 (Unt. Nr. 2020/402) ausgefällten Geld-

strafe von 40 Tagessätzen zu Fr. 70.– wird widerrufen. 

3. Der Beschuldigte wird unter Einbezug der widerrufenen Strafe bestraft mit 

einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu Fr. 30.– als Gesamtstrafe, 
39 Tagessätze gelten als durch Untersuchungshaft verbüsst. 

4. Der Vollzug der Geldstrafe wird nicht aufgeschoben. 

5. a) Das mit der Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland 

vom 24. Januar 2022 beschlagnahmte Küchenmesser (A014'059'860), 

sowie die gesicherten Daten der Mobiltelefone und SIM-Karten (Ref.-

Nr. 0844-2020), die bei der Kantonspolizei, Asservaten-Triage, unter 

der Geschäfts-Nr. 78401000 lagern, werden dieser Lagerbehörde nach 

Eintritt der Rechtkraft dieses Urteils zur Vernichtung überlassen. 

b) Die folgenden, mit der Verfügung der Staatsanwaltschaft Win-

terthur/Unterland vom 24. Januar 2022 beschlagnahmten, bei der Kan-

tonspolizei Zürich, Asservate-Triage, unter der Geschäfts-

Nr. 78401000 lagernden Gegenstände werden dem Beschuldigten 

oder einer von ihm bevollmächtigten Person nach Eintritt der Rechts-

kraft dieses Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben: 

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- 7 leere Patronenhülsen GP90, 4 leere Patronenhülsen 9x19 

(A014'059'724), 

- iPhone 4, schwarz, defekt (A014'059'757), 

- Mobiltelefon Samsung, schwarz (A014'059'779), 

- iPhone, weiss, defekt (A014'059'791), 

- Smartphone Huawei, schwarz, defekt (A014'059'804), 

- iPhone schwarz (A014'059'826), 

- SIM-Kartenhalter, leer (A014'059'848), 

- Rasiermesser (aufklappbar) (A014'059'859), 

- iPhone, weiss (A014'060'492), 

- Smartphone Huawei, schwarz, defekt (A014'194'026). 

c) Das bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, unter der Ge-

schäfts-Nr. 78401000 lagernde Mobiltelefon (A014'194'037) sowie der 

mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 24. 

Januar 2022 beschlagnahmte und nun bei dieser lagernde USB-Stick 

(A014'272'710) werden der Privatklägerin 1 (B._____) nach Eintritt der 

Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben. 

d) Wird innert 30 Tagen ab Rechtskraft dieses Urteils keine Herausgabe 

der in Dispositivziffern 6 b) und c) genannten Gegenstände verlangt, 

wird die Lagerbehörde für berechtigt erklärt, die dort genannten Ge-

genstände innert weiterer 30 Tage zu vernichten respektive gutschei-

nend zu verwenden. 

6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1 (B._____) Fr. 200.– 

zuzüglich 5 % Zins ab 3. August 2020 als Genugtuung zu bezahlen. Im 

Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

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7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 2 (C._____) Fr. 200.– 

zuzüglich 5 % Zins ab 3. August 2020 als Genugtuung zu bezahlen. Im 

Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

8. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 2'400.00   ; die weiteren Kosten betragen: 
Fr. 2'100.00   Gebühr Vorverfahren 
Fr. 1'291.05   Auslagen (Gutachten) 
Fr. 136.75   Auslagen div. 
Fr. 1'650.00   Auslagen Polizei (Mobiltelefonauswertung) 

Fr. 15'207.90   Entschädigung amtliche Verteidigung, Rechtsanwalt   MLaw X._____ (inkl. MwSt. und Barauslagen)  

Fr. 553.15 
  Kosten des unentgeltlichen Rechtsvertreters der Privat-- 
  klägerin 1, Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ (inkl.  
  MwSt. und Barauslagen, bereits bezahlt) 

Fr. 568.65 
  Kosten des unentgeltlichen Rechtsvertreters der Privat-- 
  klägerin 1, Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ (inkl.  
  MwSt. und Barauslagen, noch nicht bezahlt) 

Fr. 23'907.50   Total 
 

 Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten. 

Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert 

sich die Gerichtsgebühr um einen Drittel.  

9. Die Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 8 werden dem Beschuldigten auferlegt, 

diejenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsver-

beiständung der Privatklägerin 1 (B._____) werden einstweilen auf die Ge-

richtskasse genommen. 

Eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO und Art. 138 Abs. 1 StPO 

bleibt vorbehalten. 

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Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 55 S. 2; Urk. 66 S. 2) 

1. Das Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 27. April 2022 sei mit 

Ausnahme der Dispositivziffer 5 aufzuheben. 

2. Der Beschuldigte sei vollumfänglich freizusprechen. 

3. Die Zivilansprüche der Privatklägerin 1 seien abzuweisen, eventualiter 

auf den Zivilweg zu verweisen. 

4. Die Zivilansprüche des Privatklägers 2 seien abzuweisen, eventualiter 

auf den Zivilweg zu verweisen. 

5. Die Kosten des Strafverfahrens, einschliesslich derjenigen der amtli-

chen Verteidigung, seien auf die Staatskasse zu nehmen. 

6. Dem Beschuldigten sei eine Genugtuung von Fr. 9'300.– zuzuspre-

chen. 

b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland:  

(Urk. 58, schriftlich) 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils. 

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Erwägungen: 

I. Verfahrensgang  

1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene, mündlich eröffnete Urteil 

des Bezirksgerichtes Winterthur, Einzelgericht Strafsachen, vom 27. April 2022 

meldete der Beschuldigte rechtzeitig Berufung an (Prot. I S. 23; Urk. 46; Urk. 48) 

und reichte nach Erhalt der begründeten Urteilsausfertigung mit Eingabe vom 

11. November 2022 fristgerecht die Berufungserklärung ein (Urk. 51; Urk. 53; 

Urk. 55).  

2. Mit Präsidialverfügung vom 15. November 2022 wurde die Berufungserklä-

rung den Privatklägern und der Staatsanwaltschaft zugestellt sowie Frist ange-

setzt, um zu erklären, ob Anschlussberufung erhoben oder ein Nichteintreten auf 

die Berufung des Beschuldigten beantragt werde (Urk. 56). Mit Eingabe vom 18. 

November 2022 beantragte die Staatsanwaltschaft die Bestätigung des vo-

rinstanzlichen Urteils und verzichtete damit sinngemäss auf die Erhebung einer 

Anschlussberufung (Urk. 58). Die Privatkläger 1 und 2 liessen sich nicht verneh-

men. 

3. Am 16. März 2023 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 17. Oktober 

2023 vorgeladen (Urk. 60). Anlässlich derselben hielt der Beschuldigte an den 

eingangs wiedergegebenen Anträgen gemäss seiner schriftlichen Berufungserklä-

rung vom 11. November 2022 fest (Urk. 66 S. 2). 

II. Prozessuales 

1. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechtskraft 

des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Der Beschuldig-

te ficht den vorinstanzlichen Entscheid im Grunde vollumfänglich an. Von seiner 

Berufung ausgenommen ist einzig die Dispositivziffer 5 (Entscheide über be-

schlagnahmte Gegenstände). Entsprechend ist vorab mittels Beschluss festzu-

stellen, dass das vorinstanzliche Urteil in diesem Umfang in Rechtskraft erwach-

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sen ist. Im Übrigen steht es unter Berücksichtigung des Verschlechterungsverbots 

(Art. 391 Abs. 2 StPO) zur Disposition. 

2. Bei der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB handelt es sich um ein 

Antragsdelikt. Eine Verurteilung des Beschuldigten für die angeklagten Taten setzt 

folglich gültige Strafanträge der Privatkläger 1 und 2 voraus. Solche liegen vor 

(Urk. 2/1+2), was auch von der Verteidigung nicht in Frage gestellt wird. 

III. Sachverhalt 

1. Anklagevorwurf 

1.1. Dem Beschuldigten wird stark zusammengefasst vorgeworfen, er habe die 

Privatklägerin 1 (B._____) am 3. August 2020 um ca. 02:00 Uhr nachts mehrmals 

auf ihrem Handy angerufen. Einen dieser Anrufe habe ihr Partner, der Privatklä-

ger 2 (C._____), entgegengenommen. Im Verlauf des folgenden Gesprächs, wel-

ches die Privatklägerin 1 über Lautsprecher habe mitanhören können, habe der 

Beschuldigte den Privatklägern 1 und 2 damit gedroht, dass er sie beide töten 

werde. Diese Äusserung habe die Privatklägerin 1 in Angst versetzt, was auch die 

Absicht des Beschuldigten gewesen sei. Als dieser sodann damit gedroht habe, 

dass er mit einer Pistole komme, habe der Privatkläger 2 dem Beschuldigten ein 

Gespräch offeriert, um die zwischen ihnen bestehende Problematik auszudiskutie-

ren. Daraufhin habe der Beschuldigte die Privatkläger 1 und 2 zu einem Treffen in 

der D._____ [Bar] in E._____ aufgefordert (Urk. 30 S. 2). 

1.2. Die Privatkläger 1 und 2 seien um ca. 04:00 Uhr vereinbarungsgemäss in 

der D._____ in E._____ eingetroffen und hätten sich mit dem Beschuldigten an 

einen Tisch gesetzt für das klärende Gespräch. In dessen Verlauf sei es erneut zu 

Drohungen und Beschimpfungen des Beschuldigten gegenüber den Privatklä-

gern 1 und 2 gekommen. Schliesslich habe der Beschuldigte aus der Innentasche 

seines Sakkos ein Küchenmesser mit einer ca. 12 cm langen, spitz zulaufenden 

Klinge hervorgezogen und dieses auf den Tisch geschlagen, wobei er zum Privat-

kläger 2 gesagt habe: "Entweder stirbst Du oder ich heute Abend". Nachdem 

C._____ diese Äusserung zunächst nicht ernst genommen habe, habe der Be-

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schuldigte das auf dem Tisch liegende Messer ergriffen und dem Privatkläger 2 

an den Bauch gehalten. In diesem Moment habe der Privatkläger 2 Angst vor 

dem Beschuldigten empfunden, was auch dessen Absicht gewesen sei (Urk. 30 

S. 3). 

2. Standpunkt des Beschuldigten / Zu erstellender Sachverhalt 

2.1. Der Beschuldigte stellte sowohl im Vorverfahren, als auch vor Vorinstanz 

konsequent in Abrede, die Privatklägerin 1 in der Nacht auf den 3. August 2020 

auf ihrem Handy angerufen und ihr sowie dem Privatkläger 2 mit dem Tod ge-

droht zu haben. Er räumte einzig ein, dass es um ca. 03:00 Uhr nachts zu einem 

Telefongespräch mit dem Privatkläger 2 gekommen sei. Allerdings sei dieser es 

gewesen, der ihn mit dem Handy der Privatklägerin 1 angerufen habe (Urk. 3/1 

F/A 12 f., 37 f., 41; Urk. 3/2 F/A 6 f.). Der Beschuldigte bestritt weiter, die Privat-

kläger 1 und 2 in der D._____ in E._____ verbal oder mit einem Küchenmesser 

bedroht zu haben (Urk. 3/1 F/A 27, 32, 41; Urk. 3/2 F/A 7). Er zeigte sich jedoch 

geständig, dass er sich in der Tatnacht dort aufgehalten habe und die Privatkläger 

1 und 2 rund zwei Stunden nach dem Telefongespräch ebenfalls dort eingetroffen 

seien. Es sei dann zu einem Gespräch gekommen, in dessen Verlauf er ein Kü-

chenmesser auf den Tisch zwischen ihnen gelegt habe. Das Messer habe er vom 

Bartresen genommen, als er geahnt bzw. gewusst habe, dass die Privatkläger 1 

und 2 in die D._____ kommen werden (Urk. 3/1 F/A 12 f., 21 ff., 29, 32, 35 f., 38; 

Urk. 3/2 F/A 7, 10). Dabei blieb es auch im Berufungsverfahren (Prot. II S. 13).  

2.2. Die Zugeständnisse des Beschuldigten decken sich mit dem Beweisergeb-

nis. Darauf ist folglich abzustellen. Im bestrittenen Umfang ist der angeklagte 

Sachverhalt dagegen anhand der Akten und der vor Gericht vorgebrachten Argu-

mente nach den allgemeingültigen Beweisregeln zu erstellen. Die bei der richterli-

chen Beweis- und Aussagewürdigung anzuwendenden rechtstheoretischen 

Grundsätze und Regeln wurden von der Vorinstanz zutreffend dargelegt. Darauf 

kann verwiesen werden (Urk. 53 S. 8 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).  

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3. Glaubwürdigkeit der Verfahrensbeteiligten 

3.1. Zur Glaubwürdigkeit der Verfahrensbeteiligten kann einleitend auf die ent-

sprechenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden, worin die Verfah-

rensstellung des Beschuldigten und der Privatkläger 1 und 2 zutreffend dargelegt 

wird (Urk. 53 S. 20; Art. 82 Abs. 4 StPO). Zu ihren Beziehungen untereinander ist 

ergänzend festzuhalten, dass sich der Beschuldigte und die Privatklägerin 1 un-

gefähr seit September 2019 kannten. Der Kontakt intensivierte sich jedoch erst ab 

Januar 2020, wobei die Darstellungen auseinandergehen, welcher Art die Bezie-

hung zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin 1 war. Letztere schilder-

te, dass sie kein Paar gewesen seien und auch keine sexuellen Kontakte mitei-

nander gehabt hätten. Sie habe dem Beschuldigten einzig aus Mitleid dabei ge-

holfen, seinen Alltag zu meistern, indem sie für ihn eingekauft und seine Wäsche 

gewaschen habe, seine offenen Rechnungen geregelt und ihm ein Mobiltelefon 

samt Abonnement gekauft habe. Sie habe ihm jedoch von Anfang an gesagt, 

dass sie kein Interesse an ihm habe und ihn lediglich als Bruder bzw. Kollegen 

sehe (Urk. 4/1 F/A 5 ff.; Urk. 4/2 F/A 8 ff., 40 ff.). Während der ersten drei Monate 

sei alles gut gewesen. Der Beschuldigte habe sich anständig verhalten und sei 

freundlich zu ihr gewesen. Als er jedoch mitbekommen habe, dass sie mit Män-

nern geflirtet habe, sei er zunehmend besitzergreifend geworden und habe be-

gonnen, sie einzuengen und zu kontrollieren. Sie habe sich in Reaktion darauf 

vom Beschuldigten distanziert, woraufhin dieser angefangen habe, sie an ihrem 

Arbeitsort aufzusuchen, ihre Wohnung zu beobachten, sie abzupassen und ihr zu 

folgen. Die ständigen Besuche an ihrem Arbeitsplatz hätten dazu geführt, dass ih-

re Chefin gegen den Beschuldigten ein Hausverbot ausgesprochen habe. Einmal 

habe sich dieser sogar unberechtigt Zutritt in ihr Wohnhaus verschaffen können 

und die Wand links und rechts neben ihrer Wohnungstür mit Grasbüscheln be-

schmiert. Der Beschuldigte habe sie sodann täglich unzählige Male angerufen 

und ihr Nachrichten geschickt. Nachdem sie seine Nummer blockiert habe, sei er 

dazu übergegangen, sie über die Telefonnummern anderer Personen zu kontak-

tieren (Urk. 4/1 F/A 8 ff., 30; Urk. 4/2 F/A 80).  

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Der Beschuldigte stellte sich dagegen auf den Standpunkt, dass die Privatkläge-

rin 1 und er während rund sieben Monaten ein Liebespaar gewesen seien 

(Urk. 3/1 F/A 18, 42, 71; Urk. 3/2 F/A 12 f.; Prot. I S. 9; Prot. II S. 8, 14). Er räumte 

allerdings ein, dass die Beziehung zum Zeitpunkt des angeklagten Vorfalls bereits 

seit rund einem Monat beendet gewesen sei. Die Privatklägerin 1 habe einen 

neuen Partner gefunden. Seither hätten sie weniger Kontakt miteinander gehabt, 

da die Privatklägerin 1 seine Nummer blockiert habe. Dennoch habe er nach wie 

vor versucht, sie zu kontaktieren mittels der Telefonnummern von anderen Perso-

nen, um sich bei ihr zu entschuldigen und sie für sich zurückzugewinnen. Auf ent-

sprechende Nachfrage präzisierte er, es seien nur wenige Nachrichten bzw. im 

normalen Rahmen gewesen. Der Beschuldigte schilderte sodann, dass er mit 

Grasbüscheln eine Botschaft an die Wände neben der Wohnungstür der Privat-

klägerin 1 geschmiert habe, gegen ihn ein Hausverbot betreffend den Arbeitsort 

der Privatklägerin 1 ausgesprochen worden sei und die Polizei F._____ Gewalt-

schutzmassnahmen angeordnet habe (Urk. 3/1 F/A 42 ff., 46 ff., 61 ff., 67 ff., 79, 

81 ff.; Urk. 3/2 F/A 11 f., 15). Damit bestätigte er die entsprechenden Aussagen 

der Privatklägerin 1.  

Mit Bezug auf die Frage nach dem früheren Beziehungsstatus wird die Darstel-

lung des Beschuldigten durch die Aussagen der polizeilichen Auskunftspersonen 

gestützt. Diese sagten durchwegs aus, dass der Beschuldigte und die Privatklä-

gerin 1 ein Paar gewesen seien, soweit sie dies von aussen hätten beurteilen 

können (Urk. 5/1 F/A 22; Urk. 5/2 F/A 4, 42; Urk. 5/3 F/A 8 f.). Dass ihre Bezie-

hung über ein bloss freundschaftliches oder geschwisterliches Verhältnis hinaus-

ging, belegen auch die von der Verteidigung eingereichten Screenshots von Fo-

tos, welche die Privatklägerin 1 dem Beschuldigten offenbar zukommen liess und 

sie in freizügigen Posen zeigen (Urk. 44). Es bestehen somit rechtserhebliche 

Zweifel an den Aussagen der Privatklägerin 1, wonach sie den Beschuldigten le-

diglich bei der Bewältigung des Alltags unterstützt habe. Vielmehr ist davon aus-

zugehen, dass sie mit ihm auch ein sexuelles Verhältnis führte. Dabei muss aller-

dings offen bleiben, ob dieses Verhältnis besonders eng oder exklusiv war.  

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Dagegen werden die Schilderungen der Privatklägerin 1 insofern durch weitere 

Beweismittel gestützt, als sie sich auf die intensiven Kontaktversuche und das 

aufdringliche Verhalten des Beschuldigten ihr gegenüber beziehen. Insbesondere 

ergibt sich aus Auszügen aus WhatsApp-Chats mit verschiedenen Telefonnum-

mern und Fotografien vom Facebook-Chat mit "A._____" (Urk. 6/4+5), dass sich 

der Beschuldigte im Zeitraum zwischen dem 25. Juni 2020 und dem 3. August 

2020 sehr häufig und mit teilweise langen Nachrichten bei der Privatklägerin 1 

meldete. Bei den Kontaktaufnahmen via WhatsApp verwendete er jeweils ver-

schiedene Telefonnummern oder liess der Privatklägerin 1 über Drittpersonen et-

was ausrichten. Von dieser gingen dagegen keine Kontaktaufnahmen zum Be-

schuldigten aus (vgl. auch Urk. 3/1 F/A 64). Wenn die Privatklägerin 1 reagierte, 

dann nur, um dem Beschuldigten mitzuteilen, dass sie nicht von ihm kontaktiert 

werden möchte. Dem Beschuldigten kann damit nicht ohne Weiteres gefolgt wer-

den, wenn er aussagte, er habe der Privatklägerin 1 nur wenige Nachrichten ge-

schickt und der Kontakt zu ihr sei auch nach der angeblichen Trennung in einem 

normalen Rahmen gewesen. 

Der Beschuldigte sagte gegenüber der Polizei aus, dass er die Privatklägerin 1 

geliebt habe und durch ihr Verhalten ihm gegenüber schwer in seinen Gefühlen 

verletzt worden sei. Er fühle sich von ihr betrogen und provoziert (Urk. 3/1 F/A 12, 

14, 18, 21 f., 38, 57, 63; vgl. auch Urk. 3/2 F/A 7, 12). Entsprechend äusserte er 

sich wiederholt sehr negativ über die Privatklägerin 1 und stellte sie als promiske 

Person dar (Urk. 3/1 F/A 12 ff., 17 f., 22, 40, 76; Urk. 4/2 F/A 12; Urk. 12/15 S. 2; 

Prot. I S. 10; Prot. II S. 13 f.). Es ist demnach nicht auszuschliessen, dass seine 

enttäuschte Liebe für die Privatklägerin 1 sein Aussageverhalten beeinflusst ha-

ben könnte. Die Privatklägerin 1 schilderte, dass sie sich durch das Verhalten des 

Beschuldigten zunehmend überwacht und in ihrer Freiheit eingeschränkt gefühlt 

habe (Urk. 4/1 F/A 8 ff.). Allerdings sind ihren Aussagen keine Hinweise für eine 

übermässige Belastung zu entnehmen. Vielmehr beschrieb sie den Beschuldigten 

weitgehend neutral und zeichnete ein differenziertes Bild seiner Lebensverhält-

nisse und der Umstände, die ihres Erachtens zur Verübung der angeklagten Tat 

beigetragen haben (Urk. 4/1 F/A 4 ff., 15; Urk. 4/2 F/A 43, 79). Die Aussagen des 

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Beschuldigten und der Privatklägerin 1 sind unter den vorgenannten Umständen 

mit einer gewissen Zurückhaltung zu würdigen. 

3.2. Der Privatkläger 2 war zum Tatzeitpunkt seit rund anderthalb Monaten der 

neue Partner der Privatklägerin 1 (Urk. 4/2 F/A 29; Urk. 4/3 F/A 7; Urk. 4/4 

F/A 64 f.). Zwischen ihnen bestand insofern ein Näheverhältnis. Der Beschuldigte 

und der Privatkläger 2 kannten sich dagegen nicht, sondern waren sich in den 

zwei Wochen vor der Tat nur etwa zwei Mal flüchtig begegnet (Urk. 3/1 F/A 17, 

40; Urk. 4/3 F/A 7 ff.; Prot. I S. 10 f.). Auch in den Aussagen des Privatklägers 2 

finden sich keine Hinweise für Übertreibungen oder eine übermässige Belastung 

des Beschuldigten. Er äusserte sich vielmehr objektiv und wertungsfrei zum Ver-

hältnis zwischen diesem und der Privatklägerin 1, soweit er darüber Kenntnisse 

hatte (Urk. 4/3 F/A 7 f., 11 f.). Dennoch sind auch seine Aussagen aufgrund der 

Liebesbeziehung zur Privatklägerin 1 mit einer gewissen Zurückhaltung zu würdi-

gen. 

3.3. G._____, H._____ und I._____ wurden als Auskunftspersonen im Sinne 

von Art. 179 Abs. 1 StPO einvernommen. Sie waren daher zwar nicht zur Wahr-

heit verpflichtet, deponierten ihre Aussagen jedoch unter den Strafandrohungen 

von Art. 303 bis Art. 305 StGB. Die polizeilichen Auskunftspersonen kannten den 

Beschuldigten und die Privatklägerin 1 jeweils nur flüchtig bzw. vom Sehen her 

(Urk. 5/1 F/A 5; Urk. 5/2 F/A 4, 9, 17 f., 42; Urk. 5/3 F/A 4 f.; vgl. auch Urk. 3/1 

F/A 30; Urk. 3/2 F/A 8 f.; Urk. 4/2 F/A 62). Es sind keine besonderen Nähever-

hältnisse auszumachen, die für die Beurteilung der Glaubwürdigkeit relevant wä-

ren.  

4. Verwertbarkeit von Beweismitteln 

4.1. Die Vorinstanz hielt fest, dass die Aussagen der polizeilichen Auskunfts-

personen nicht zulasten des Beschuldigten verwertet werden dürften, da ihm kein 

Teilnahmerecht nach Art. 147 Abs. 1 StPO gewährt worden sei (Urk. 53 S. 19).  

4.2. Die Parteien haben das Recht, bei Beweiserhebungen durch die Staats-

anwaltschaft und die Gerichte anwesend zu sein und einvernommenen Personen 

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Fragen zu stellen (Grundsatz der Parteiöffentlichkeit, Art. 147 Abs. 1 StPO). Die-

ses spezifische Teilnahme- und Mitwirkungsrecht fliesst aus dem Anspruch auf 

rechtliches Gehör (Art. 107 Abs. 1 lit. b StPO; vgl. auch Art. 3 Abs. 2 lit. c StPO, 

Art. 29 Abs. 2 BV). Es kann nur unter den gesetzlichen Voraussetzungen (vgl. Art. 

108, Art. 146 Abs. 4 und Art. 149 Abs. 2 lit. b StPO; siehe auch Art. 101 Abs. 1 

StPO) eingeschränkt werden. Beweise, die in Verletzung von Art. 147 Abs. 1 

StPO erhoben wurden, dürfen gemäss Art. 147 Abs. 4 StPO nicht zulasten der 

Partei verwertet werden, die nicht anwesend war (BGE 143 IV 397 E. 3.3.1; BGE 

139 IV 25 E. 4.2; Urteile des Bundesgerichts 6B_1320/2020 vom 12. Januar 2022 

E. 4.2.1; 6B_441/2020 vom 9. Februar 2021 E. 6.2; 6B_1385/2019 vom 27. Feb-

ruar 2020 E. 1.1; je mit Hinweisen). 

Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör ergibt sich sodann das Recht der be-

schuldigten Person, Belastungszeugen zu befragen (Art. 32 Abs. 2 BV, Art. 6 

Ziff. 3 lit. d EMRK). Eine belastende Zeugenaussage ist grundsätzlich nur verwert-

bar, wenn die beschuldigte Person wenigstens einmal während des Verfahrens 

angemessene und hinreichende Gelegenheit hatte, die Glaubhaftigkeit einer Aus-

sage zu prüfen und den Beweiswert in kontradiktorischer Weise auf die Probe und 

in Frage zu stellen (BGE 140 IV 172 E. 1.3; BGE 133 I 33 E. 3.1; BGE 131 I 476 

E. 2.2; Urteile des Bundesgerichts 6B_1273/2021 vom 14. März 2023 E. 2.3.1; 

6B_595/2021 vom 24. Juni 2022 E. 4.3.3; 6B_1320/2020 vom 12. Januar 2022 

E. 4.2.2; 6B_1028/2020 vom 1. April 2021 E. 1.2.1; je mit Hinweisen). Dem An-

spruch gemäss Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK kommt grundsätzlich absoluter Charakter 

zu (BGE 131 I 476 E. 2.2; BGE 129 I 151 E. 3.1). Von einer Konfrontation der be-

schuldigten Person mit Belastungszeugen oder von deren ergänzenden Befra-

gung kann nur unter besonderen Umständen abgesehen werden (BGE 131 I 476 

E. 2.2; Urteile des Bundesgerichts 6B_1273/2021 vom 14. März 2023 E. 2.3.1; 

6B_501/2022 vom 16. November 2022 E. 1.1.1; 6B_595/2021 vom 24. Juni 2022 

E. 4.3.3; je mit Hinweisen).  

Auf die Teilnahme an einer Beweiserhebung kann vorgängig oder auch im Nach-

hinein ausdrücklich oder stillschweigend verzichtet werden, wobei der Verzicht 

der beschuldigten Person auch von ihrem Verteidiger ausgehen kann (BGE 143 

- 14 - 

IV 397 E. 3.3.1; SCHLEIMINGER/SCHAFFNER, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], 

Basler Kommentar zur StPO, 3. Auflage 2023, N 18 f. zu Art. 147 StPO; 

SCHMID/JOSITSCH, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 3. Auflage, 

Zürich/St. Gallen 2017, N 824). Ein Verzicht ist auch anzunehmen, wenn die be-

schuldigte Person es unterlässt, rechtzeitig und formgerecht entsprechende An-

träge zu stellen. Der Verzicht auf das Teilnahmerecht schliesst eine Wiederholung 

der Beweiserhebung aus (BGE 143 IV 397 E. 3.3.1; Urteile des Bundesgerichts 

6B_501/2022 vom 16. November 2022 E. 1.1.2; 6B_1320/2020 vom 12. Januar 

2022 E. 4.2.3; je mit Hinweis auf Urteil des Bundesgerichts 6B_522/2016 vom 30. 

August 2016 E. 1.3). 

4.3. Die Auskunftspersonen G._____, H._____ und I._____ wurden am 3. bzw. 

6. August 2020 durch die Kantonspolizei Zürich befragt, wobei es vorderhand da-

rum ging, den genauen Hergang der angezeigten Tat und die Rolle der involvier-

ten Personen genauer abzuklären. Diese Einvernahmen erfolgten vor Eröffnung 

einer Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft, weshalb der Grundsatz der 

Parteiöffentlichkeit von Beweiserhebungen gemäss Art. 147 Abs. 1 StPO nicht 

zum Tragen kam. Bei Beweiserhebungen durch die Polizei, etwa bei polizeilichen 

Einvernahmen gestützt auf Art. 306 Abs. 2 lit. b StPO, sind die Parteien mit ande-

ren Worten nicht zur Teilnahme berechtigt (Urteile des Bundesgerichts 

6B_501/2022 vom 16. November 2022 E. 1.1.2; 6B_780/2021 vom 16. Dezember 

2021 E. 1.2, nicht publ. in BGE 148 IV 145). Die Rechte des Beschuldigten nach 

Art. 147 Abs. 1 StPO wurden folglich nicht verletzt, als die drei Auskunftspersonen 

ohne sein Beisein erstmals einvernommen wurden. Weder die Staatsanwaltschaft 

noch die Vor-instanz luden im weiteren Verlauf des Verfahrens zu Konfrontations-

einvernahmen mit den Auskunftspersonen vor. Unter diesen Umständen hatte der 

Beschuldigte keine Gelegenheit, den Beweiswert der ersten – ohne seine Teil-

nahme erfolgten – Aussagen der Auskunftspersonen auf die Probe bzw. in Frage 

zu stellen. Allerdings beantragten weder er noch seine Verteidigung eine Wieder-

holung der erfolgten Befragungen der Auskunftspersonen, um die Teilnahme- und 

Konfrontationsrechte gemäss Art. 147 Abs. 1 StPO wahrnehmen zu können. 

Vielmehr verzichtete die Verteidigung vor Abschluss des Vorverfahrens ausdrück-

lich auf Beweisergänzungen (Urk. 25 F/A 17; Urk. 27/1+4). Im erstinstanzlichen 

- 15 - 

Gerichtsverfahren wurde nicht verlangt, die Auskunftspersonen seien ein zweites 

Mal in einer Form einzuvernehmen, dass der Beschuldigte seine Rechte ausüben 

könne. Auch im Berufungsverfahren wurde ein solcher Antrag nicht gestellt. Damit 

ist von einem Verzicht auf das Teilnahme- und Konfrontationsrecht nach Art. 147 

Abs. 1 StPO auszugehen und sind die Aussagen der drei Auskunftspersonen an-

lässlich ihrer polizeilichen Einvernahmen vom 3. bzw. 6. August 2020 vollständig 

verwertbar.  

4.4. Auch im Übrigen ergeben sich keine Einschränkungen hinsichtlich der 

Verwertbarkeit der massgeblichen Beweismittel (vgl. dazu Urk. 53 S. 10). 

5. Beweiswürdigung 

Im angefochtenen Urteil werden die wesentlichen Aussagen des Beschuldigten 

sowie der Privatkläger 1 und 2 zutreffend zusammengefasst, worauf vorab ver-

wiesen werden kann (Urk. 53 S. 10 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).  

5.1. Aussagen der Privatklägerin 1 

5.1.1.  Die Anklageschrift basiert im Wesentlichen auf den Aussagen der Privat-

klägerin 1. Diese schilderte das Kerngeschehen grundsätzlich nachvollziehbar, 

widerspruchsfrei und konstant. Dass sie anlässlich ihrer Einvernahme durch die 

Staatsanwaltschaft vom 26. August 2020 mehr Details wiedergeben konnte, 

spricht nicht per se für die Unglaubhaftigkeit ihrer Aussagen. Vielmehr lässt sich 

dies dadurch erklären, dass die Privatklägerin 1 gegenüber der Kantonspolizei 

Zürich den Tathergang zunächst in freier Rede beschrieb (Urk. 4/1 F/A 4) und an-

schliessend nur wenige Nachfragen zu einzelnen Details folgten (Urk. 4/1 F/A 21 

ff.). Die Staatsanwaltschaft ging dagegen die Aussagen der Privatklägerin 1 bei 

der Polizei im Einzelnen durch und stellte diverse Nachfragen zur Präzisierung 

und Veranschaulichung des Geschehens (Urk. 4/2 F/A 28 ff.). Folglich wurde die 

Privatklägerin 1 durch die Fragen der Staatsanwaltschaft dazu veranlasst, ihre 

Schilderungen gegenüber der Polizei zu ergänzen. Sie konnte zahlreiche Details 

schildern, was neben der Konstanz dafür spricht, dass ihre Aussagen auf tatsäch-

lich Erlebtem basieren. Insbesondere konnte sie den Inhalt des Gesprächs mit 

- 16 - 

dem Beschuldigten am Telefon und die Diskussion in der D._____ beinahe wört-

lich wiedergeben und die Kleidung des Beschuldigten und von G._____ beschrei-

ben (vgl. Urk. 4/1 F/A 4, 24; Urk. 4/2 F/A 38, 72, vgl. auch F/A 63). Sodann konnte 

sie nachvollziehbar schildern, wann und aus welchen Gründen sie Angstgefühle 

hegte oder nicht (vgl. Urk. 4/2 F/A 38 f., 79). In diesem Punkt äusserte sie sich 

eher zurückhaltend, obwohl belastendere Aussagen durchaus möglich gewesen 

wären. Auch dies lässt ihre Darstellung glaubhaft erscheinen.  

5.1.2.  Die Aussagen der Privatklägerin 1 zum Kerngeschehen werden sodann in 

weiten Teilen durch andere Beweismittel gestützt. Darauf wird im Rahmen der 

Gesamtwürdigung näher einzugehen sein (vgl. nachfolgend E. III.5.4.). Insbeson-

dere decken sich ihre Aussagen mit denjenigen des Privatklägers 2. Die Vo-

rinstanz hielt fest, dass eine gegenseitige Absprache über das Aussageverhalten 

ausgeschlossen werden könne (Urk. 53 S. 22). Diese Einschätzung kann nicht in 

dieser absoluten Form geteilt werden. Am 3. August 2020 wurden die Privatkläger 

1 und 2 mit einem zeitlichen Abstand von einer halben Stunde durch die Polizei 

befragt (Ende der Einvernahme des Privatklägers 2: 08:40 Uhr [Urk. 4/3 S. 5]; 

Beginn der Einvernahme der Privatklägerin 1: 09:11 Uhr [Urk. 4/1 S. 1]). Eine Ab-

sprache innerhalb dieser kurzen Zeitspanne ist nur wenig plausibel. Allerdings 

hatten die Privatkläger während der folgenden drei Wochen bis zu ihrer jeweiligen 

Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft am 26. August 2020 Gelegenheit, sich 

über ihre Aussagen zum Tathergang auszutauschen und diese abzugleichen. Es 

liegen zwar keine Hinweise auf eine solche Absprache vor. Allerdings ist dem be-

stehenden Risiko dadurch Rechnung zu tragen, dass in erster Linie auf die Aus-

sagen der Privatklägerin 1 anlässlich ihrer polizeilichen Einvernahme abzustellen 

ist.  

5.1.3.  Einzig gegen die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin 1 spricht 

mit der Verteidigung die unterschiedliche Schilderung des Geschehensablaufs in 

der D._____ (vgl. Urk. 43 Rz. 38 f., 42; Urk. 66 Rz. 66 f.). Gegenüber der Polizei 

führte sie am 3. August 2020 aus, dass der Beschuldigte sogleich auf sie zuge-

kommen sei und sie am Arm gepackt habe, als sie mit dem Privatkläger 2 die Bar 

betreten habe. Er habe ihr sodann gesagt: "Verpiss Dich, geh weg, Du bist eine 

- 17 - 

Schlampe". Der Privatkläger 2 habe den Beschuldigten jedoch beruhigen können, 

woraufhin sie zu dritt an einen Tisch gesessen seien. Im Verlauf des folgenden 

Gesprächs habe der Beschuldigte plötzlich ein Messer aus der Innentasche sei-

ner Jacke oder sonst woher gezogen. Er habe sich zum Privatkläger 2 vorge-

beugt, diesem das Messer an den Bauch gehalten und gedroht: "Entweder stirbst 

Du oder ich heute Abend". Daraufhin seien die beiden Kontrahenten aufgestan-

den und der Privatkläger 2 habe den Beschuldigten an der Hand gepackt, mit 

welcher er das Messer gehalten habe. Das Messer sei dann auf den Boden gefal-

len. Ihr Freund habe es aufgehoben und der Frau hinter der Bar ausgehändigt. 

Anschliessend hätten sie sich nochmals zu dritt an den Tisch gesetzt, als der Be-

schuldigte sie ein zweites Mal am Arm gepackt, sie beschimpft und bedroht habe. 

In diesem Moment sei ein aussenstehender Mann vom Nebentisch namens 

G._____ eingeschritten und direkt auf den Beschuldigten losgegangen (Urk. 4/1 

F/A 4). Anlässlich ihrer staatsanwaltschaftlichen Einvernahme rund drei Wochen 

später wiederholte die Privatklägerin 1, dass der Beschuldigte "hässig" geworden 

sei, als er gesehen habe, dass sie mit dem Privatkläger 2 in die D._____ gekom-

men sei. Er habe sie am Arm gepackt und sie aufgefordert, sie solle sich verpis-

sen. Der Privatkläger 2 habe den Beschuldigten jedoch beruhigen können, wo-

raufhin sie sich zu dritt an einen Tisch gesetzt hätten. Plötzlich habe der Beschul-

digte aus der Innentasche seines Sakkos ein Messer gezogen. In Abweichung zu 

ihrer früheren Aussage schilderte die Privatklägerin 1 neu, dass der Beschuldigte 

das Messer auf den Tisch geschlagen und dabei zum Privatkläger 2 gesagt habe: 

"Entweder stirbst Du oder ich heute Abend" (Urk. 4/2 F/A 72 f., 78). Erst nach die-

ser Äusserung habe er das Messer dem Privatkläger 2 direkt gegen den Bauch 

gehalten. Dieser habe schnell reagiert und dem Beschuldigten das Messer aus 

der Hand schlagen können, worauf dieses zu Boden gefallen sei. Der Privatkläger 

2 habe es aufgehoben und der Kellnerin übergeben (Urk. 4/2 F/A 75). Neu führte 

die Privatklägerin 1 weiter aus, dass der Beschuldigte ein Bier über sie geschüttet 

habe. Nachdem sie sich zu dritt wieder hingesetzt hätten, habe der Beschuldigte 

sie nachgeäfft und in grosser Lautstärke beschimpft. Drohungen und ein zweites 

Packen am Arm erwähnte die Privatklägerin 1 dagegen nicht mehr. Aufgrund des 

lauten Herumschreiens sei schliesslich ein Herr namens G._____ eingeschritten 

- 18 - 

und habe den Beschuldigten geschlagen (Urk. 4/2 F/A 78 f., 91). Diese Wider-

sprüche in der Schilderung des Tathergangs in der D._____ lassen sich entgegen 

der Vorinstanz nicht leichthin mit dem dynamischen Geschehen erklären (vgl. 

Urk. 53 S. 22). So war die Privatklägerin 1 vom Einsatz des Messers nicht direkt 

betroffen und gab es gemäss übereinstimmenden Aussagen aller anwesenden 

Personen kein Gerangel bzw. keine tätliche Auseinandersetzung zwischen dem 

Beschuldigten und dem Privatkläger 2. Vielmehr spielte sich das Kerngeschehen 

in diesem Sinne statisch ab, als die Privatkläger 1 und 2 mit dem Beschuldigten 

an einem Tisch sassen und diskutierten, als dieser plötzlich aus seiner sitzenden 

Position ein Messer zückte. Die Privatklägerin 1 konnte folglich das Tatgeschehen 

ungehindert wahrnehmen. Auch vor diesem Hintergrund ist hauptsächlich auf ihre 

tatzeitnahen Aussagen bei der Polizei abzustellen. 

5.2. Aussagen des Privatklägers 2 

5.2.1.  Der Privatkläger 2 schilderte den Geschehensablauf sowohl bei der Polizei 

als auch bei der Staatsanwaltschaft im Wesentlichen nachvollziehbar, konstant 

und widerspruchsfrei. Die Verteidigung wendet dagegen zusammengefasst ein, 

dass der Privatkläger 2 uneinheitlich beschrieben habe, wie der Beschuldigte das 

Messer gegen ihn eingesetzt und wann er konkret Angstgefühle verspürt habe 

(Urk. 43 Rz. 42; Urk. 66 Rz. 68 f.). Darauf ist kurz einzugehen. Anlässlich seiner 

polizeilichen Einvernahme führte der Privatkläger 2 aus, dass die Privatklägerin 1 

und er zur D._____ gefahren seien und sich dort zum Beschuldigten gesetzt hät-

ten. Auf einmal sei dieser sehr aggressiv geworden und habe ihm gesagt, er dürfe 

die Privatklägerin 1 nicht heiraten, andernfalls er ihn, die Privatklägerin 1 und de-

ren Mutter umbringen würde. Er (der Privatkläger 2) habe darauf erwidert, dass 

der Beschuldigte dies nicht machen könne. Daraufhin habe dieser plötzlich mit 

seiner linken Hand ein Messer hervorgenommen und damit auf den Tisch ge-

schlagen. Dabei habe der Beschuldigte gedroht: "Entweder tötest Du mich oder 

ich töte Dich". Er habe sofort grosse Angst bekommen und nichts mehr sagen 

können. Der Beschuldigte habe das Messer dann an seinen Bauch gehalten, so-

dass die Messerspitze ihn berührt habe. Er habe sofort das linke Handgelenk des 

Beschuldigten ergriffen und diesem – auch aufgrund der Intervention eines ande-

- 19 - 

ren Mannes, der den Beschuldigten von hinten an den Schultern gepackt habe – 

das Messer wegnehmen können (Urk. 4/3 F/A 4, 6, 13). Gegenüber der Staats-

anwaltschaft wiederholte der Privatkläger 2, dass die Privatklägerin 1, der Be-

schuldigte und er zu dritt an einem Tisch in der D._____ gesessen seien und mit-

einander gesprochen hätten. Im Verlauf des Gesprächs sei der Beschuldigte ag-

gressiv geworden, habe die Privatklägerin 1 angeflucht und Drohungen ausge-

sprochen. Plötzlich habe er ein Messer hervorgenommen und dieses auf den 

Tisch geschlagen. Dabei habe er gesagt: "Hier wird einer von uns sterben: Ent-

weder Du oder ich". In Abweichung zu seiner früheren Darstellung sagte der Pri-

vatkläger 2 weiter aus: "Als das mit dem Messer passierte, stritten wir natürlich 

miteinander. Ich nahm das Messer dann zu mir und gab es einer Kellnerin". Dann 

sei ein anderer Mann dazugekommen, der zuvor direkt hinter ihnen gesessen sei, 

und habe den Beschuldigten festgehalten bzw. auf diesen eingeschlagen 

(Urk. 4/4 F/A 43). Erst auf die Frage des Staatsanwalts, ob der Beschuldigte das 

Messer nicht nur auf den Tisch geschlagen, sondern auch irgendwie gegen ihn 

selber geführt habe, bestätigte der Privatkläger 2, sein Kontrahent habe das Mes-

ser ganz nah an seinen Bauch gehalten (Urk. 4/4 F/A 45 ff.). Und auf die weitere 

Nachfrage, ob er in der D._____ Angst gehabt habe, als es mit dem Messer los-

gegangen sei, bejahte der Privatkläger 2, dass er dort natürlich Angst gehabt ha-

be (Urk. 4/4 F/A 44). Mit der Verteidigung erstaunt, dass der Privatkläger 2 an-

lässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Einvernahme nur drei Wochen nach dem 

angezeigten Vorfall nicht mehr von sich aus auf die eindringlichste Drohung des 

Beschuldigten ihm gegenüber zu sprechen kam, sondern erst eine entsprechende 

Nachfrage des Staatsanwalts bestätigte. Darauf wird im Rahmen der Gesamtwür-

digung (E. III.5.4.) näher einzugehen sein. Ganz allgemein erscheinen die Aussa-

gen des Privatklägers 2 bei seinem zweiten Einvernahmetermin pauschal und 

wenig detailliert, nachdem er den Tatablauf in der D._____ bei der Polizei noch 

anschaulicher beschrieben hatte.  

5.2.2.  Gegen die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen spricht sodann, dass der Pri-

vatkläger 2 seine Rolle in der Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten mög-

licherweise in einem etwas günstigeren Licht darzustellen versuchte. So machte 

er von sich aus keine Aussagen dazu, weshalb sich der Beschuldigte im Rahmen 

- 20 - 

ihrer Gespräche am Telefon und in der D._____ derart aggressiv verhielt. Auf die 

Frage, ob er dem Beschuldigten gedroht oder diesen anderweitig angegriffen ha-

be, antwortete der Privatkläger 2, er habe nichts gemacht. Er habe nur mit dem 

Beschuldigten reden wollen, damit dieser die Privatklägerin 1 künftig in Ruhe las-

se (Urk. 4/3 F/A 13 ff.). Die aufgebrachte und aggressive Stimmung des Beschul-

digten lässt sich zwar zu einem gewissen Teil dadurch erklären, dass er unerwar-

tet mit dem neuen Partner der Privatklägerin 1 in direktem Kontakt stand, für die 

er nach wie vor Gefühle hatte (vgl. Urk. 4/3 F/A 10). Allerdings deuten die wieder-

holten Aussagen des Beschuldigten, die Aussagen von G._____ und Screenshots 

von WhatsApp-Nachrichten auf das Mobiltelefon der Privatklägerin 1 darauf hin, 

dass sich (auch) der Privatkläger 2 provozierend verhielt bzw. dem Beschuldigten 

damit drohte, er werde ihm den Penis abschneiden, sollte sich dieser nochmals 

bei der Privatklägerin 1 melden (Urk. 3/1 F/A 12 f., 23; Urk. 3/2 F/A 7; Urk. 5/1 

F/A 5, 8; Urk. 6/4). Es liegt nahe, dass der Privatkläger 2 einen eigenen Beitrag 

an der Eskalation der Situation mit dem Beschuldigten und insbesondere ein ei-

genes strafbares Verhalten zu dessen Nachteil nicht schildern würde, zumal er 

dazu auch nicht verpflichtet war (vgl. Art. 179 Abs. 1 und Art. 180 Abs. 2 StPO in 

Verbindung mit Art. 169 Abs. 1 lit. a StPO). Dies vermag jedoch seine Darstellung 

nicht derart in Zweifel zu ziehen, dass darauf nicht zur Sachverhaltserstellung ab-

gestellt werden könnte. So werden die Aussagen des Privatklägers 2 zum Kern-

geschehen in vielen Punkten durch andere Beweismittel gestützt, u.a. durch die 

Schilderungen der Privatklägerin 1. 

5.2.3.  Die Aussagen des Privatklägers 2 anlässlich seiner polizeilichen Einver-

nahme erfolgten zeitnah, d.h. nur rund drei Stunden nach dem angeklagten Vor-

fall (Urk. 4/3 S. 1). Eine vorgängige Absprache mit der Privatklägerin 1 erscheint 

aufgrund der Polizeipräsenz unwahrscheinlich. Dagegen ist nicht auszuschlies-

sen, dass sich die Privatkläger bis zu ihrer Einvernahme durch die Staatsanwalt-

schaft am 26. August 2020 miteinander austauschten und ihre jeweiligen Schilde-

rungen abglichen. Im Rahmen der Gesamtwürdigung (E. III.5.4.) ist daher haupt-

sächlich auf die Aussagen des Privatklägers 2 gegenüber der Kantonspolizei Zü-

rich unmittelbar nach der angeklagten Tat abzustellen. 

- 21 - 

5.3. Aussagen des Beschuldigten 

5.3.1.  Der Beschuldigte äusserte sich nur gegenüber der Kantonspolizei Zürich 

am 3. August 2020 und tags darauf anlässlich seiner Hafteinvernahme zur Sache 

(vgl. Urk. 3/1+2). In der weiteren Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft am 

21. Januar 2022, vor Vorinstanz und anlässlich der Berufungsverhandlung mach-

te er dagegen (weitgehend) vom Aussageverweigerungsrecht Gebrauch (Urk. 25; 

Prot. I S. 9 ff.; Prot. II S. 12 ff.). Soweit er Aussagen zum Kerngeschehen machte, 

fielen diese lückenhaft, widersprüchlich und teilweise wirr aus, was gegen deren 

Glaubhaftigkeit spricht. So erklärte er anlässlich der polizeilichen Einvernahme 

rund zwölf Stunden nach dem angeklagten Vorfall: "Der Freund von meiner Ex-

Freundin hat mir [sic!] angerufen. Er hat mich beschimpft und mich bedroht. Er hat 

mir gesagt, falls es sich nochmals meldet [sic!], werde er mir den Penis abschnei-

den. Dann habe ich das Messer genommen, hingelegt und gesagt, wenn er ein 

Mann ist, soll er es tun. Ich war zuerst in der Bar. Sie sind von F._____ gekom-

men. Da sie gemerkt haben, dass ich etwas neben mir stand, sind sie extra von 

F._____ hierher gefahren, um mich zu provozieren. Ich habe auch Kratzer am 

Nacken. Die haben gar nichts" (Urk. 3/1 F/A 12). Es folgten abschätzige Ausfüh-

rungen über die Privatklägerin 1 als Person. Erst auf entsprechende Initiative des 

polizeilichen Sachbearbeiters kam der Beschuldigte wie folgt wieder auf die Aus-

einandersetzung in der D._____ zu sprechen: "Der Freund meiner Ex-Freundin 

hat mir [sic!] um ca. 03:00 Uhr angerufen und mich bedroht mit dem Penis ab-

schneiden. Weil er mich so bedroht hat, habe ich reagiert. Zum Messer: Nachdem 

das Telefon vorbei war, habe ich zu trinken begonnen. Ich wusste nicht, wo die 

beiden waren. Ich war ja zuerst in der Bar. Ich habe das Messer nicht mitgenom-

men, sondern dort neben der Kaffeemaschine genommen. Um ca. 04:00 Uhr ha-

ben sie mir [sic!] wieder angerufen und gefragt, wo ich bin. […] Ich war schon be-

trunken und habe gesagt, dass ich in der Bar war [sic!]. Dann kamen sie dorthin. 

Das Rüstmesser habe ich […] immer wieder gesehen. Sie kamen dann und ich 

habe ihn zur Rede gestellt. Er hat wieder gesagt, er schneide mir den Penis ab 

und gebe mir diesen in die Hand. Das hat er ja nicht gemacht. Dann hat Frau 

B._____… Ihr Ziel ist es ja, dass sich zwei Männer wegen ihr kämpfen. Sie hat zu 

weinen begonnen. Weil der Andere eben nicht zu ihr gegangen ist, um sie zu trös-

- 22 - 

ten, war sie wütend und ist aufs WC gegangen. Wir haben dann diskutiert" 

(Urk. 3/1 F/A 13). Der Beschuldigte äusserte sich nicht mehr von sich aus dazu, 

was ihn dazu veranlasste, das Messer hervorzunehmen und auf den Tisch zu le-

gen. Auf entsprechende Nachfragen präzisierte er diesen zentralen Aspekt des 

Tatgeschehens wie folgt: "Das Messer lag neben der Kaffeemaschine. Ich habe 

mich immer daran erinnert, was er mir gesagt hat, dass er mir den Penis ab-

schneiden will. Ich habe das Messer genommen und ihm hingelegt" (Urk. 3/1 

F/A 23). "Ich hatte die Drohung immer im Ohr und das Messer gesehen. Als ich 

wusste, dass sie kommen, habe ich das Messer schon genommen und als er mir 

nochmals gedroht hat, habe ich ihm das gegeben und hingelegt. Wenn er schon 

eine Drohung ausspricht, dann wollte ich sehen, ob er Mann genug ist" (Urk. 3/1 

F/A 24). 

5.3.2.  Aus den vorstehenden Ausschnitten aus der polizeilichen Einvernahme 

wird deutlich, dass der Beschuldigte nur wenige Stunden nach dem beanzeigten 

Vorfall nicht nachvollziehbar und zusammenhängend schildern konnte, wie sich 

dieser aus seiner Sicht abgespielt hat. Zudem fielen seine Aussagen zum Ablauf 

der Geschehnisse eher oberflächlich und wenig detailliert aus. Zentral schien ihm 

vielmehr die Darstellung seiner Beziehung zur Privatklägerin 1. Das Aussagever-

halten des Beschuldigten lässt sich zwar teilweise damit erklären, dass er zur 

Tatzeit stark alkoholisiert (vgl. Urk. 1/1 S. 1; Urk. 7/1; Urk. 7/5+6) und wohl auch 

noch bei seiner Befragung einige Stunden danach emotional aufgewühlt war. Al-

lerdings blieb seine Schilderung des Kerngeschehens auch tags darauf anlässlich 

seiner Hafteinvernahme lückenhaft und pauschal (Urk. 3/2 F/A 7).  

5.3.3.  Gegen die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen spricht weiter, dass der Be-

schuldigte sich nicht dazu äusserte, weshalb der Privatkläger 2 mehrmals damit 

gedroht haben soll, seinen Penis abzuschneiden und ihm diesen in die Hand zu 

geben. Es erscheint nicht plausibel, dass der Privatkläger 2 eine solche Äusse-

rung ohne jeden Anlass tätigte. Zu einem allfälligen eigenen Beitrag an der Eska-

lation der Situation mit den Privatklägern 1 und 2 machte der Beschuldigte jedoch 

keine Aussagen. Insbesondere führte er nicht näher aus, was er dem Privatkläger 

2 in der D._____ alles "zurückgesagt" habe (vgl. Urk. 3/2 F/A 7). Dass (auch) er 

- 23 - 

sich provozierend verhielt, ergibt sich allerdings aus den Aussagen sämtlicher 

Personen, die in der D._____ anwesend waren (Urk. 4/1 F/A 4; Urk. 4/2 F/A 72 f., 

77; Urk. 4/3 F/A 4, 15, 23; Urk. 4/4 F/A 43; Urk. 5/1 F/A 8, 17, 21 f., 25; Urk. 5/2 

F/A 4, 14, 35 ff.), sowie aus den Angaben im Polizeirapport (Urk. 1/1 S. 3). Dar-

aus geht hervor, dass der Beschuldigte sehr aggressiv war, laut herumgeschrien, 

gedroht und geschimpft hat und mit Gewalt davon abgehalten werden musste, auf 

die Privatkläger 1 und 2 loszugehen. Eine Provokation lässt sich sodann aus dem 

Einsatz des Messers ableiten. Der Beschuldigte erklärte nämlich nicht, dass er 

das Rüstmesser an sich genommen habe, um sich allenfalls gegen den Privatklä-

ger 2 verteidigen zu können. Vielmehr sind seine Aussagen so zu verstehen, dass 

er den Privatkläger 2 auf die Probe stellen bzw. ihn dazu auffordern wollte, seine 

Drohung auch umzusetzen. Die Darstellung des Beschuldigten, wonach aus-

schliesslich er provoziert und vom Privatkläger 2 bedroht worden sei, erweist sich 

vor diesem Hintergrund als wenig glaubhaft.  

5.3.4.  Für die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten spricht dagegen, 

dass diese in verschiedenen Punkten durch weitere Beweismittel gestützt werden. 

So findet sich zu seiner erwähnten WhatsApp-Nachricht an die Privatklägerin 1 

vom 2. August 2020 mit Glückwünschen zum Opferfest ein Screenshot bei den 

Akten (Urk. 6/4). Sodann deuten weitere WhatsApp-Nachrichten, die in der Nacht 

auf den 3. August 2020 auf die Handynummer der Privatklägerin 1 geschickt wur-

den, sowie die Aussagen von G._____ darauf hin, dass der Privatkläger 2 dem 

Beschuldigten tatsächlich damit drohte, ihm den Penis abzuschneiden, sollte er 

sich nochmals bei der Privatklägerin 1 melden (Urk. 5/1 F/A 5, 8; Urk. 6/4). Zu be-

rücksichtigen ist sodann, dass der Beschuldigte von sich aus zugab, in der 

D._____ ein Rüstmesser behändigt und dieses im Verlauf des Gesprächs mit 

dem Privatkläger 2 auf den Tisch geschlagen zu haben. Diese Selbstbelastung 

lässt seine Aussagen als glaubhaft erscheinen. Zudem könnte daraus abgeleitet 

werden, dass der Beschuldigte wohl auch seine mündlichen Drohungen gegen 

die Privatkläger 1 und 2 zugegeben hätte, wenn er diese, wie in der Anklage-

schrift beschrieben, tatsächlich ausgesprochen hätte. Allerdings hätte dies nicht 

mehr zu seinem Narrativ gepasst, wonach nicht er der Aggressor, sondern der ei-

gentliche Geschädigte gewesen sei, da er provoziert und vom Privatkläger 2 be-

- 24 - 

droht worden sei. Damit konnte der Beschuldigte erklären, weshalb er das Kü-

chenmesser behändigte und im persönlichen Gespräch mit den Privatklägern auf 

dem Tisch positionierte. Dass dieses Narrativ unter Berücksichtigung des doku-

mentierten aggressiven Verhaltens des Beschuldigten in der D._____ nicht 

glaubhaft ist, wurde bereits vorstehend erwogen (vgl. E. III.5.3.3.). Aus den Aus-

sagen des Beschuldigten ergibt sich insgesamt kein alternativer Ablauf der Ge-

schehnisse, der nachvollziehbar, lückenlos und schlüssig ist. Folglich ist für die 

Sachverhaltserstellung nicht unbesehen auf seine Schilderungen abzustellen. 

5.4. Gesamtwürdigung 

5.4.1.  Gestützt auf Screenshots ab dem Mobiltelefon der Privatklägerin 1 und die 

übereinstimmenden Aussagen des Beschuldigten und der Privatkläger ist erstellt, 

dass der Beschuldigte der Privatklägerin 1 über eine fremde Handynummer 

(+1) zwischen 22:00 Uhr und 22:30 Uhr diverse WhatsApp-Nachrichten zukom-

men liess und diese zwei Mal anrief (Urk. 3/1 F/A 16 f.; Urk. 4/1 F/A 4; Urk. 4/2 

F/A 30; Urk. 4/3 F/A 4, 10; Urk. 4/4 F/A 25 ff.; Urk. 6/4). Aus den übereinstimmen-

den Aussagen der Vorgenannten ergibt sich weiter, dass der Privatkläger 2 und 

der Beschuldigte in der Folge über das Mobiltelefon der Privatklägerin 1 mehrere 

Gespräche führten. Die Privatklägerin 1 verfolgte diese Telefongespräche über 

Lautsprecher mit (Urk. 3/1 F/A 12 f., 15; Urk. 3/2 F/A 7; Urk. 4/1 F/A 4; Urk. 4/2 

F/A 30 ff.; Urk. 4/3 F/A 4, 10; Urk. 4/4 F/A 23 f., 27 f.; Prot. I S. 11; vgl. auch 

Urk. 5/1 F/A 5, 8). Es kann allerdings nicht festgestellt werden, ob die Telefonan-

rufe, welche zu diesen Gesprächen führten, ausschliesslich vom Beschuldigten 

ausgingen oder ob auch der Privatkläger 2 auf die vom Beschuldigten verwendete 

Handynummer anrief. Diesbezüglich divergieren die Aussagen der Verfahrensbe-

teiligten und die Staatsanwaltschaft traf hierzu keine Abklärungen (konkret: Aus-

wertung der ein- und ausgehenden Anrufe über das Mobiltelefon der Privatkläge-

rin 1).  

5.4.2.  Gestützt auf die übereinstimmenden Aussagen der Privatkläger 1 und 2 ist 

weiter erstellt, dass der Beschuldigte ihnen im Rahmen eines dieser Telefonge-

spräche damit drohte, er werde sie beide umbringen (Urk. 4/1 F/A 4; Urk. 4/3 

- 25 - 

F/A 4, 10; vgl. auch Urk. 4/2 F/A 37 f., 78; Urk. 4/4 F/A 29 f.; Urk. 5/3 F/A 6). Zu-

gunsten des Beschuldigten ist davon auszugehen, dass diese Drohung in Reakti-

on darauf erfolgte, dass der Privatkläger 2 ihm zuvor am Telefon gesagt hatte, er 

werde ihm den Penis abschneiden, sollte er sich nochmals bei der Privatkläge-

rin 1 melden. Eine solche Äusserung des Privatklägers 2 ergibt sich einerseits aus 

den Aussagen von G._____ (Urk. 5/1 F/A 5, 8) und andererseits aus WhatsApp-

Nachrichten, die der Privatklägerin 1 um ca. 02:00 Uhr von einer anderen unbe-

kannten Nummer (+2) auf ihr Mobiltelefon geschickt wurden (Urk. 6/4: "Weisst Du 

wer Herr A._____ ist; Wer […] wessen Schwanz abschneidet; werden wir sehen"). 

Diesen Nachrichten ist aber auch zu entnehmen, dass der Beschuldigte zu die-

sem Zeitpunkt in einer aggressiven Stimmung war und die Privatkläger 1 und 2 

einzuschüchtern versuchte. Der Beschuldigte sagte selbst aus, er habe nach den 

Gesprächen mit dem Privatkläger 2 zu trinken begonnen, weil er so wütend ge-

wesen sei (Urk. 3/1 F/A 21). Auch G._____ beschrieb den Beschuldigten als auf-

gebracht und aggressiv, als dieser ihm nach den Telefongesprächen mit dem Pri-

vatkläger 2 in der D._____ begegnet sei (Urk. 5/1 F/A 8). Dies stützt wiederum die 

Darstellung der Privatkläger, wonach der Beschuldigte im Verlauf der Telefonge-

spräche aggressiv und ausfällig ihnen gegenüber geworden sei und aus dieser 

Stimmung heraus schliesslich die angeklagte Drohung ausgesprochen habe 

(Urk. 4/1 F/A 4; Urk. 4/3 F/A 10; vgl. auch Urk. 4/2 F/A 37 f., 78; Urk. 4/4 F/A 29 

f.).  

5.4.3.  Allerdings lässt sich nicht anklagegemäss erstellen, dass die Privatkläge-

rin 1 die Drohung des Beschuldigten, er werde den Privatkläger 2 und sie töten, 

ernst nahm und dadurch in Angst versetzt wurde. Anlässlich der polizeilichen Ein-

vernahme nur wenige Stunden nach dem angeklagten Geschehen erwähnte sie in 

ihrer freien Schilderung nicht, dass sie durch die Drohung des Beschuldigten in 

Angst versetzt worden sei (Urk. 4/1 F/A 4). An anderer Stelle erklärte sie, dass der 

Beschuldigte ihr bereits in der Vergangenheit mit dem Tod gedroht habe, sie dies 

aber nicht ernst genommen habe. Erst sein heutiges Verhalten habe bei ihr Angst 

hervorgerufen. Sie sei verunsichert, zu was der Beschuldigte wirklich fähig sei 

(Urk. 4/1 F/A 4). Auf entsprechende Nachfrage des polizeilichen Sachbearbeiters 

bestätigte die Privatklägerin 1, dass sie die verbalen Todesdrohungen des Be-

- 26 - 

schuldigten gegen sie persönlich ernst nehme (Urk. 4/1 F/A 28). Diese Aussagen 

lassen darauf schliessen, dass die Privatklägerin 1 durch die Drohung des Be-

schuldigten am Telefon im ersten Moment (noch) nicht in Angst versetzt wurde. 

Erst rückblickend und unter dem Eindruck der weiteren Ereignisse, insbesondere 

der persönlichen Begegnung mit dem Beschuldigten in der D._____, erklärte sie 

auf ausdrückliche Nachfrage, dass sie sich vor dem Beschuldigten fürchte und 

dessen Drohungen ernst nehme. Diese Einschätzung ergibt sich noch deutlicher 

aus ihren Aussagen gegenüber der Staatsanwaltschaft. Die Privatklägerin 1 schil-

derte, dass der Beschuldigte gedroht habe, er werde sie und ihren Freund töten, 

da er nichts zu verlieren habe. Zudem habe der Beschuldigte gesagt, dass er mit 

einer Pistole kommen werde. Der Privatkläger 2 und sie hätten gelacht und dies 

nicht ernst genommen. Auf die Nachfrage, ob sie zu diesem Zeitpunkt Angstgefüh-

le gehabt habe, erklärte die Privatklägerin 1 dagegen: "Auf jeden Fall". Sie habe 

sogar ihren Freund gefragt, ob sie die Polizei anrufen solle. Der Beschuldigte habe 

ihr in den paar Monaten, seit sie ihn kenne, schon einige Male auf spassige Art mit 

Mord gedroht, was sie natürlich nicht ernst genommen habe, ganz im Gegensatz 

zum Abend vom 3. August 2020 (Urk. 4/2 F/A 38 f.). Neben diesen unklaren und 

widersprüchlichen Aussagen ist weiter zu berücksichtigen, dass die Privatkläger 1 

und 2 kurze Zeit nach dieser Drohung nach E._____ fuhren und den Beschuldig-

ten in der D._____ aufsuchten. Hätte die Privatklägerin 1 tatsächlich befürchtet, 

der Beschuldigte werde seine Drohung in die Tat umsetzen, hätte sie den Privat-

kläger 2 aller Voraussicht nach nicht zum persönlichen Treffen mit dem Beschul-

digten begleitet oder zumindest vorgängig die Polizei orientiert. Vor diesem Hin-

tergrund lässt sich nicht ohne rechtserhebliche Zweifel erstellen, dass die Privat-

klägerin 1 die Äusserung des Beschuldigten am Telefon, er werde den Privatklä-

ger 2 und sie töten, ernst nahm und dadurch in Angst versetzt wurde. Vielmehr ist 

unter Berücksichtigung des Grundsatzes in dubio pro reo (Art. 10 Abs. 3 StPO) 

anzunehmen, dass die Drohung des Beschuldigten am Telefon noch keine Angst-

gefühle bei der Privatklägerin 1 auslöste. 

5.4.4.  Aus den übereinstimmenden Aussagen ergibt sich weiter, dass der Be-

schuldigte den Privatklägern 1 und 2 im Rahmen eines der geführten Telefonge-

spräche mitteilte, dass er sich in der D._____ in E._____ aufhalte (Urk. 3/1 

- 27 - 

F/A 13, 22; Urk. 3/2 F/A 7; Urk. 4/1 F/A 4; Urk. 4/2 F/A 38; Urk. 4/3 F/A 4, 10). 

Hingegen lässt sich nicht erstellen, dass er die Privatkläger 1 und 2 ausdrücklich 

aufforderte, ihn dort für ein klärendes Gespräch zu treffen. Dafür findet sich keine 

Grundlage in den Akten. Den übereinstimmenden Aussagen ist vielmehr zu ent-

nehmen, dass der Privatkläger 2 eine Aussprache anregte und sich in der Folge 

auf eigene Initiative zusammen mit der Privatklägerin 1 auf den Weg zur D._____ 

machte, wo sich der Beschuldigte gemäss eigenen Angaben aufhielt. Dieser 

wusste oder rechnete zumindest damit, dass der Privatkläger 2 ihn dort für ein 

klärendes Gespräch aufsuchen werde (Urk. 3/1 F/A 12, 19 f., 24, 35 f., 38 f.; 

Urk. 4/1 F/A 4; Urk. 4/2 F/A 38, 68 f.; Urk. 4/3 F/A 4, 10, 14 f.; Urk. 4/4 F/A 27, 

32). Darauf ist abzustellen. 

5.4.5.  Die in der Anklageschrift beschriebene Episode im Tankstellenshop 

J._____ ist für die rechtliche Würdigung nicht relevant, weshalb darauf nicht näher 

eingegangen wird. Es ist einzig festzuhalten, dass sich die entsprechenden Aus-

sagen der Privatkläger 1 und 2, auf denen die Anklage basiert, im Wesentlichen 

mit den Angaben von I._____ decken. Einzig die Bezeichnung der vom Beschul-

digten nachgefragten Waffe divergiert: Während die Privatkläger schilderten, 

I._____ habe ihnen gegenüber von einer Waffe bzw. einer Pistole (türkisch: Silah) 

gesprochen, erklärte dieser, der Beschuldigte habe nach einem Messer (türkisch: 

Emanet) gefragt (Urk. 4/1 F/A 4; Urk. 4/2 F/A 63 ff.; Urk. 4/3 F/A 6; Urk. 4/4 F/A 33 

ff.; Urk. 5/3 F/A 12, 14 ff.). 

5.4.6.  Es ist unbestritten, dass die Privatkläger 1 und 2 um ca. 04:00 Uhr, d.h. 

rund zwei Stunden nach den erstellten Telefongesprächen mit dem Beschuldigten 

ebenfalls in der D._____ eintrafen, wo sich dieser bereits aufhielt. Ebenso ist un-

bestritten, dass sich die Privatkläger und der Beschuldigte an einen Tisch setzten 

und anfingen, miteinander zu diskutieren. Basierend auf den übereinstimmenden 

Aussagen der Privatkläger und der weiteren in der D._____ anwesenden Perso-

nen, ist erstellt, dass sich die Stimmung im Verlauf dieses Gesprächs immer mehr 

aufheizte und der Beschuldigte die Privatkläger 1 und 2 lautstark beschimpfte so-

wie ihnen drohte (Urk. 4/1 F/A 4; Urk. 4/2 F/A 72 f., 77; Urk. 4/3 F/A 4, 15, 23; 

Urk. 4/4 F/A 43; Urk. 5/1 F/A 8, 19, 21 ff.; Urk. 5/2 F/A 4, 14, 34 ff.). Der Beschul-

- 28 - 

digte stellt nicht in Abrede, dass er während des Gesprächs plötzlich ein Kü-

chenmesser hervornahm und auf den Tisch zwischen ihnen schlug. Das Messer 

hatte er zuvor vom Bartresen genommen, als er ahnte bzw. wusste, dass die Pri-

vatkläger 1 und 2 in die D._____ kommen werden. Gestützt auf die übereinstim-

menden Aussagen der Privatkläger 1 und 2 ist sodann erstellt, dass der Beschul-

digte zum Privatkläger 2 sagte: "Entweder stirbst Du oder ich heute Abend", als er 

das Messer zwischen ihnen auf dem Tisch deponierte (Urk. 4/1 F/A 4; Urk. 4/3 

F/A 4; vgl. auch Urk. 4/2 F/A 72 f.; Urk. 4/4 F/A 43). Auch hier ist zugunsten des 

Beschuldigten davon auszugehen, dass der Privatkläger 2 im Rahmen der Dis-

kussion Drohungen gegen den Beschuldigten aussprach und der Einsatz des 

Messers als Reaktion darauf erfolgte (vgl. Urk. 3/1 F/A 12 f., 23 f., 29, 32; Urk. 3/2 

F/A 7). So sagte G._____ aus, der Beschuldigte und der Privatkläger 2 hätten 

sich gegenseitig vorgeworfen: "Du hast mich bedroht!", "Nein, Du hast mich be-

droht!" (Urk. 5/1 F/A 8). 

5.4.7.  Der Privatkläger 2 sagte sowohl bei der Polizei als auch bei der Staatsan-

waltschaft aus, dass er in dem Moment, als der Beschuldigte das Messer hervor-

genommen und auf den Tisch geschlagen habe, grosse Angst bekommen habe 

und nichts mehr habe sagen können (Urk. 4/3 F/A 4; Urk. 4/4 F/A 44). Der Be-

schuldigte war zur Tatzeit stark alkoholisiert (vgl. Urk. 1/1 S. 1; Urk. 7/1; 

Urk. 7/5+6). Es ist notorisch, dass Personen unter Alkoholeinfluss viel eher zu un-

überlegten Handlungen neigen als in nüchternem Zustand. Vor diesem Hinter-

grund ist es ohne Weiteres nachvollziehbar, dass der Privatkläger 2 fürchtete, der 

Beschuldigte werde das Messer tatsächlich gegen ihn einsetzen. In der Anklage-

schrift wird jedoch festgehalten, dass der Privatkläger 2 die Äusserung des Be-

schuldigten: "Entweder stirbst Du oder ich heute Abend" vorerst nicht ernst ge-

nommen habe. Daran ist das Gericht gebunden (Art. 350 Abs. 1 StPO). Für die 

Annahme, dass der Privatkläger 2 durch die Behändigung des Messers und die 

Drohung des Beschuldigten in Angst versetzt wurde, besteht somit kein Raum. 

5.4.8.  Anlässlich ihrer jeweiligen polizeilichen Einvernahme schilderten die Privat-

kläger 1 und 2 übereinstimmend, dass der Beschuldigte das Messer genommen 

und gegen den Bauch des Privatklägers 2 gehalten habe (Urk. 4/1 F/A 4; Urk. 4/3 

- 29 - 

F/A 4). Gegenüber der Staatsanwaltschaft wiederholte die Privatklägerin 1 ihre 

Darstellung (Urk. 4/2 F/A 75). Der Privatkläger 2 kam dagegen nicht mehr von sich 

aus darauf zu sprechen, dass der Beschuldigte das Messer ganz nah an seinen 

Bauch gehalten habe, sondern bestätigte erst eine entsprechende Nachfrage des 

Staatsanwalts (Urk. 4/4 F/A 45 ff.). Es erstaunt, dass der Privatkläger 2 gerade 

diejenige Handlung des Beschuldigten, die ihn am meisten beeinträchtigt haben 

dürfte, anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Einvernahme nur drei Wochen 

nach dem angeklagten Vorfall nicht mehr von sich aus erwähnte. Hinzu kommt, 

dass weder G._____ noch H._____ schilderten, dass sie beobachtet hätten, wie 

der Beschuldigte das Messer an den Bauch des Privatklägers 2 gehalten habe 

(Urk. 5/1 F/A 9, 12 f., 15, 17, 21; Urk. 5/2 F/A 4, 24 ff.; vgl. auch Urk. 1/1 S. 3 f.). 

Beide hatten das Geschehen am Tisch des Beschuldigten aber gemäss eigenen 

Aussagen genau mitverfolgt. Zumindest H._____ hatte gesehen, wie der Beschul-

digte das Messer hervornahm und damit mehrfach auf die Tischplatte einstach. Da 

plötzlich eine gefährliche Waffe im Spiel war, wird sie das weitere Geschehen 

ganz genau beobachtet haben. Dennoch erklärte sie wiederholt, dass sie nicht ge-

sehen habe, dass der Beschuldigte das Messer über die Tischplatte hinweg gegen 

den Bauch des Privatklägers 2 gerichtet habe. Folglich bestehen rechtserhebliche 

Zweifel an den Schilderungen der Privatkläger 1 und 2, weshalb in Anwendung 

des Grundsatzes in dubio pro reo (Art. 10 Abs. 3 StPO) zugunsten des Beschul-

digten davon auszugehen ist, dass er das Messer lediglich auf den Tisch schlug, 

die Klinge jedoch anschliessend nicht gegen den Bauch des Privatklägers 2 hielt. 

Damit erübrigen sich weitere Ausführungen dazu, ob der Privatkläger 2 in jenem 

Moment Angst vor dem Beschuldigten empfand. 

5.4.9.  Aus den übereinstimmenden Aussagen ergibt sich schliesslich, dass der 

Privatkläger 2 dem Beschuldigten das Messer aus der Hand nehmen und der 

Kellnerin übergeben konnte (Urk. 4/1 F/A 4; Urk. 4/3 F/A 4; vgl. auch Urk. 4/2 

F/A 75; Urk. 4/4 F/A 43, 50 f.; Urk. 5/2 F/A 4, 38).  

5.4.10. Der objektive Sachverhalt lässt sich nach den vorstehenden Erwägungen 

nur eingeschränkt erstellen. In subjektiver Hinsicht bestehen keine rechtserhebli-

chen Zweifel daran, dass der Beschuldigte wusste, dass seine Todesdrohungen 

- 30 - 

am Telefon und in der D._____ geeignet waren, die Privatkläger 1 und 2 in Angst 

zu versetzen. Vor den Ereignissen vom 3. August 2020 hatte er der Privatkläge-

rin 1 wiederholt zu verstehen gegeben, dass er aufgrund der Trennung ihrer Be-

ziehung verzweifelt sei, dass er sie nach wie vor liebe und zurückgewinnen möch-

te. Dafür hatte er sie mehrmals an ihrem Arbeitsort aufgesucht und mit Grasbü-

scheln eine Botschaft an die Wände neben ihrer Wohnungstür geschmiert. Dar-

über hinaus hatte er regelmässig versucht, sie über Facebook oder mittels der Te-

lefonnummern von anderen Personen zu kontaktieren, nachdem die Privatklägerin 

1 seine Nummer blockiert hatte. Dem Beschuldigten musste folglich bewusst sein, 

dass die Privatkläger befürchten könnten, er würde seine Drohungen aus Eifer-

sucht und Neid auf ihre noch frische Beziehung in die Tat umsetzen. Dies gilt ganz 

besonders für die Äusserung des Beschuldigten in der D._____, welcher er 

dadurch Nachdruck verlieh, dass er zeitgleich ein Messer auf den Tisch zwischen 

dem Privatkläger 2 und ihm platzierte. Unter Berücksichtigung der Gefühlslage, in 

welcher sich der Beschuldigte gemäss eigenen Angaben in der Nacht auf den 3. 

August 2020 befand, und weil zu seinen Gunsten davon auszugehen ist, dass er 

vorgängig jeweils vom Privatkläger 2 provoziert bzw. bedroht wurde, bestehen so-

dann keine Zweifel, dass er wollte, dass die Privatkläger 1 und 2 durch seine Dro-

hungen in Angst versetzt würden. Damit ist der angeklagte Sachverhalt in subjek-

tiver Hinsicht erstellt. 

IV. Rechtliche Würdigung 

1. Die rechtlichen Grundlagen zum Tatbestand der Drohung im Sinne von 

Art. 180 Abs. 1 StGB werden im angefochtenen Urteil zutreffend dargelegt (Urk. 

53 S. 24 f.). Auf die entsprechenden Erwägungen kann verwiesen werden (Art. 82 

Abs. 4 StPO; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts 6B_415/2021 vom 11. Oktober 

2021 E. 5.3.1; 6B_276/2021 vom 23. Juni 2021 E. 5.2; 6B_1017/2019 vom 20. 

November 2019 E. 5.2; 6B_758/2018 vom 24. Oktober 2019 E. 3.1; je mit Hinwei-

sen). 

2. Gemäss erstelltem Sachverhalt drohte der Beschuldigte den Privatklägern 1 

und 2 am Telefon damit, dass er sie beide töten werde. Damit stellte er ihnen ohne 

- 31 - 

Weiteres einen schweren Nachteil im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Aussicht. 

Vor dem Hintergrund der erst wenige Wochen zuvor beendeten Beziehung zur 

Privatklägerin 1, seinen unablässigen, aufdringlichen und grenzüberschreitenden 

Kontaktversuchen zu ihr und seiner aggressiven Stimmung zur Tatzeit, war die 

erwähnte Äusserung grundsätzlich geeignet, die Privatklägerin 1 in Angst zu ver-

setzen. Wie vorstehend erwogen wurde, nahm diese die Drohung, dass der Be-

schuldigte sie und den Privatkläger 2 töten werde, nicht ernst. Damit fehlt es am 

Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolges, weshalb lediglich eine versuchte Tat-

begehung in Frage kommt (Art. 22 Abs. 1 StGB). Vorstehend wurde erstellt, dass 

der Beschuldigte wusste, dass seine Äusserung am Telefon geeignet war, die Pri-

vatklägerin 1 in Angst zu versetzen, was er auch wollte. Der Beschuldigte handelte 

vorsätzlich, womit der subjektive Tatbestand von Art. 180 Abs. 1 StGB erfüllt und 

ein Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB gegeben ist. 

3. Erstellt ist weiter, dass der Beschuldigte während des Gesprächs mit den 

Privatklägern in der D._____ plötzlich ein Küchenmesser hervornahm und auf den 

Tisch zwischen ihnen schlug. Dabei sagte er zum Privatkläger 2: "Entweder stirbst 

Du oder ich heute Abend". Diese Äusserung des Beschuldigten ist zusammen mit 

dem Messer, das er vor dem Privatkläger 2 auf dem Tisch platzierte, als Todes-

drohung zu werten. Damit stellte er dem neuen Partner der Privatklägerin 1 ohne 

Weiteres einen schweren Nachteil im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Aussicht. 

Das Verhalten des Beschuldigten war unter den konkreten Umständen geeignet, 

den Privatkläger 2 in Angst zu versetzen. In der Anklageschrift wird jedoch fest-

gehalten, dass dieser die Äusserung des Beschuldigten: "Entweder stirbst Du o-

der ich heute Abend" vorerst nicht ernst genommen habe. Damit ist der tatbe-

standsmässige Erfolg wiederum nicht eingetreten, weshalb lediglich eine versuch-

te Tatbegehung in Frage kommt (Art. 22 Abs. 1 StGB). Vorstehend wurde erstellt, 

dass der Beschuldigte wusste, dass die zitierte Äusserung in der D._____ zu-

sammen mit der Behändigung des Küchenmessers geeignet war, den Privatklä-

ger 2 in Angst zu versetzen, was er unter den gegebenen Tatumständen auch 

wollte. Der Beschuldigte handelte demnach vorsätzlich. Der subjektive Tatbe-

stand von Art. 180 Abs. 1 StGB ist damit erfüllt und ein Versuch im Sinne von Art. 

22 Abs. 1 StGB gegeben.  

- 32 - 

4. Dem angeklagten Sachverhalt lassen sich keine weiteren Äusserungen oder 

Handlungen des Beschuldigten entnehmen, die den Tatbestand von Art. 180 

Abs. 1 StGB erfüllen könnten. So konnte vorstehend nicht ohne rechtserhebliche 

Zweifel erstellt werden, dass der Beschuldigte dem Privatkläger 2 das behändigte 

Küchenmesser unmittelbar nach der vorstehend erwähnten verbalen Drohung 

auch gegen den Bauch hielt. Bei den weiteren, in der Anklageschrift erwähnten 

"Drohungen", die der Beschuldigte in der D._____ gegen die Privatkläger 1 und 2 

ausgesprochen haben soll, fehlt es an der Umschreibung der konkreten Äusse-

rungen und des tatbestandsmässigen Erfolgs.  

5. Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe sind nicht ersichtlich und 

wurden auch nicht vorgebracht. Der Beschuldigte ist demnach der mehrfachen 

versuchten Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 

Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.  

V. Strafzumessung 

1. Vorbemerkungen / Grundlagen 

1.1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten unter Einbezug einer widerru-

fenen Strafe gemäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland 

vom 17. März 2020 mit einer unbedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 

Fr. 30.– als Gesamtstrafe (Urk. 53 S. 27 ff., 42). Die Verteidigung stellte keinen 

Antrag zum Strafmass für den Eventualfall eines Schuldspruches. 

1.2. Nachdem die Staatsanwaltschaft die Bestätigung des vorinstanzlichen Ur-

teils beantragte und damit auf eine Anschlussberufung verzichtete (Urk. 58), ist 

bei der nachfolgenden Überprüfung der Sanktion das Verschlechterungsverbot zu 

beachten (Art. 391 Abs. 2 StPO) und eine strengere Bestrafung durch das Beru-

fungsgericht von vornherein ausgeschlossen. Dies hat vorliegend insbesondere 

zur Folge, dass als Sanktionsart einzig die Geldstrafe in Betracht kommt (vgl. 

Urk. 53 S. 28). Eine Freiheitsstrafe kann nicht ausgefällt werden. 

- 33 - 

1.3. Die Vorinstanz hat den ordentlichen Strafrahmen für die zu sanktionieren-

den Delikte korrekt mit 3 Tagessätzen Geldstrafe bis zu 3 Jahren Freiheitsstrafe 

abgesteckt (Art. 180 Abs. 1 StGB) und festgehalten, dass keine ausserordentli-

chen Umstände vorliegen, die ein Verlassen dieses Strafrahmens als angezeigt 

erscheinen liessen (Urk. 53 S. 27 f.). Die tat- und täterangemessene Strafe ist 

deshalb innerhalb des ordentlichen Strafrahmens festzusetzen. Die rechtlichen 

Grundlagen zur Strafzumessung mit der Unterscheidung zwischen Tat- und Täter-

komponente werden im vorinstanzlichen Urteil ebenfalls zutreffend dargelegt, wo-

rauf zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden kann (Urk. 53 S. 28 

f.). Im Übrigen hat das Bundesgericht diese Grundlagen wiederholt dargelegt 

(BGE 144 IV 217 E. 2 f.; BGE 141 IV 61 E. 6.1.2; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit 

Hinweisen). 

2. Tatkomponente 

2.1. Hinsichtlich der Drohung in der D._____ ist bei der objektiven Tatschwere 

zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger 2 nicht 

bloss sagte: "Entweder stirbst Du oder ich heute Abend", sondern zur Unterstrei-

chung seiner Äusserung ein Küchenmesser mit einer ca. 12 cm langen, spitz zu-

laufenden Klinge hervornahm und auf den Tisch zwischen ihnen schlug. Auch 

wenn der Beschuldigte nicht ausdrücklich androhte, den Privatkläger 2 zu töten, 

war seine Äusserung zusammen mit der Behändigung eines Messers im gesam-

ten Kontext als Todesdrohung zu verstehen. Im breiten Spektrum von denkbaren 

Drohungen stellt eine solche mit die schwerwiegendste Drohung dar, da das hohe 

Rechtsgut des Lebens bzw. der körperlichen Integrität in seinem Kern betroffen 

ist. Dass sich zur Tatzeit noch zwei weitere Gäste (G._____ und K._____) sowie 

die Barfrau (H._____) in der D._____ aufhielten, wirkt sich mit der Vorinstanz 

leicht verschuldensmindernd aus. Ebenso fällt der Umstand ins Gewicht, dass der 

Privatkläger 2 dem Beschuldigten das Messer unmittelbar nach der Drohung ohne 

Weiteres aus der Hand nehmen und der Barfrau übergeben konnte, wodurch die 

Situation entschärft war. Verschuldenserhöhend fällt ins Gewicht, dass der Be-

schuldigte das Messer vom Bartresen genommen hatte, als er ahnte bzw. wusste, 

dass die Privatkläger 1 und 2 in die D._____ kommen werden. Insofern ging sei-

- 34 - 

ner Tat eine gewisse Vorbereitung bzw. Planung voraus, selbst wenn sich der Be-

schuldigte im Gespräch mit dem Privatkläger 2 erst spontan dazu entschlossen 

haben sollte, das Messer zur Unterstreichung seiner verbalen Drohung tatsächlich 

hervorzunehmen und auf den Tisch zu schlagen. Gesamthaft wiegt die objektive 

Tatschwere betreffend die Drohung in der D._____ noch leicht. 

2.2. Der Beschuldigte drohte den Privatklägern 1 und 2 einige Stunden vor ihrer 

Begegnung in der D._____ sodann damit, dass er sie beide töten werde. Bei der 

objektiven Tatschwere dieser Tat ist zu berücksichtigen, dass die Drohung im 

Rahmen eines Telefongesprächs ausgesprochen wurde. Der Beschuldigte war 

somit nicht physisch anwesend und konnte seine Äusserung nicht durch Mimik 

oder Gestik unterstreichen, welche diese zusätzlich bedrohlich gemacht hätte. 

Dennoch fällt deutlich verschuldenserhöhend ins Gewicht, dass der Beschuldigte 

wiederum eine Todesdrohung aussprach. Die in zeitlicher und örtlicher Hinsicht of-

fene Formulierung liess die Drohung besonders furchteinflössend erscheinen. 

Verschuldensmindernd fällt dagegen ins Gewicht, dass die Äusserung spontan er-

folgte, als der Beschuldigte überraschend mit dem neuen Partner der Privatkläge-

rin 1 telefonierte, für die er nach wie vor Gefühle hegte und die er mit seinen vor-

hergehenden Kontaktversuchen via WhatsApp und Telefonanrufe eigentlich hatte 

erreichen wollen. Die objektive Tatschwere betreffend die Drohung am Telefon ist 

als leicht zu gewichten.  

2.3. Bei der subjektiven Tatschwere beider Taten ist zu berücksichtigen, dass 

der Beschuldigte direktvorsätzlich handelte. Seine Beweggründe lassen sich im 

Wesentlichen auf die belastete Beziehung zur Privatklägerin 1 zurückführen, wel-

che vorstehend bereits dargestellt wurde (E. III.3.1.). So führte er aus, dass er die 

Privatklägerin 1 geliebt habe und durch ihr Verhalten ihm gegenüber in seinen 

Gefühlen verletzt worden sei. Er fühle sich von ihr betrogen und provoziert 

(Urk. 3/1 F/A 12, 14, 18, 21 f., 38, 57, 63; Urk. 3/2 F/A 7, 12). Die objektive Tat-

schwere wird leicht dadurch relativiert, dass zugunsten des Beschuldigten davon 

auszugehen ist, dass er durch den Privatkläger 2 verbal provoziert bzw. ebenfalls 

bedroht wurde und die erstellten Drohungen in Reaktion darauf aussprach. Merk-

lich verschuldensmindernd ist sodann zu gewichten, dass der Beschuldigte zur 

- 35 - 

Tatzeit stark alkoholisiert war (Atemalkoholkonzentration um 05:13 Uhr: 0.95 mg/l, 

entspricht umgerechnet 1.9 Gewichtspromille; Blutalkoholkonzentration um 06:30 

Uhr: 1.73 bis 1.91 Gewichtspromille; vgl. Urk. 1/1 S. 1; Urk. 7/1; Urk. 7/5+6). Die 

Elemente der subjektiven Tatkomponente vermögen somit die objektive Tat-

schwere deutlich zu relativieren. Das Verschulden betreffend die Drohung in der 

D._____ wiegt nach dem Erwogenen leicht. Dafür ist eine Strafe von 40 Tagess-

ätzen Geldstrafe angemessen. Das Verschulden betreffend die Drohung am Mo-

biltelefon ist dagegen als sehr leicht zu gewichten, wofür eine Strafe von 30 Ta-

gessätzen Geldstrafe festzusetzen ist. Da die zu beurteilenden Delikte in einem 

engen sachlichen und zeitlichen Zusammenhang stehen, rechtfertigt es sich, die 

Strafe von 40 Tagessätzen für die Drohung in der D._____ für die weitere Dro-

hung im Verlauf des Telefongesprächs um 20 Tagessätze zu erhöhen, woraus ei-

ne Gesamtstrafe von 60 Tagessätzen Geldstrafe resultiert. 

2.4. Als verschuldensunabhängige Tatkomponente ist schliesslich zu berück-

sichtigen, dass bei beiden Drohungen der angestrebte Erfolg nicht eintrat, d.h. die 

jeweils betroffenen Privatkläger 1 und 2 nicht in Angst versetzt wurden und es 

somit bei einem Versuch blieb. Der Beschuldigte hat jedoch alles getan, was in 

seiner Macht stand bzw. aus seiner Sicht alles Notwendige zur Vollendung der 

Delikte vorgekehrt. Weshalb die Privatkläger 1 und 2 die ausgesprochenen To-

desdrohungen nicht ernst nahmen und durch diese nicht in Angst versetzt wur-

den, ist letztlich unklar. Das Verhalten des Beschuldigten (z.B. in Form einer Ent-

warnung) dürfte dafür jedoch nicht massgeblich gewesen sein. Der versuchten 

Tatbegehung ist mit einer Strafreduktion im Umfang von einem Sechstel Rech-

nung zu tragen. 

3. Täterkomponente 

3.1. Über das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des aktuell 25-

jährigen Beschuldigten ist bekannt, dass er in der Türkei geboren und aufgewach-

sen ist, dort die Schulen besuchte und im Jahr 2013 im Alter von 15 Jahren in die 

Schweiz migrierte. Eine Berufsausbildung hat der Beschuldigte weder in der Tür-

kei noch in der Schweiz abgeschlossen. Als er am 3. August 2020 verhaftet wur-

- 36 - 

de, ging er bereits seit längerer Zeit keiner Erwerbstätigkeit nach. Die Arbeitsstel-

le, welche er just an jenem Tag hätte antreten sollen, verlor er aufgrund der an-

schliessenden Untersuchungshaft. Ab dem 1. Juli 2021 arbeitete der Beschuldigte 

als Küchen- und Serviceangestellter im 100 %-Pensum in einem Imbiss in 

L._____ (ZH). Sein Anstellungsverhältnis wurde jedoch aus wirtschaftlichen Grün-

den per 30. September 2023 gekündigt. Aktuell ist er auf Stellensuche in der Gast-

ronomie und möchte später eine Ausbildung in diesem Bereich absolvieren. Der 

Beschuldigte ist ledig und lebt aktuell alleine in E._____. Zuvor wohnte er mit sei-

nem Vater zusammen, der mittlerweile nach F._____ gezogen ist. Die Mutter des 

Beschuldigten lebt in der Türkei. Zu ihr pflegt er nur sporadisch Kontakt. Der Be-

schuldigte ist im Umfang von ca. Fr. 19'000.– verschuldet. Über Vermögen verfügt 

er nicht (vgl. Urk. 3/1 F/A 86 ff.; Urk. 3/2 F/A 17 ff; Urk. 12/15 S. 1 f.; Urk. 62/1-3; 

Urk. 65/2; Prot. I S. 15 ff.; Prot. II S. 6 ff.). Aus der Biografie und den persönlichen 

Verhältnissen des Beschuldigten ergeben sich keine strafzumessungsrelevanten 

Umstände. 

3.2. Der Beschuldigte weist zwei – nicht einschlägige – Vorstrafen auf (Urk. 54). 

So wurde er mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 

17. März 2020 wegen Sachbeschädigung zu einer bedingten Geldstrafe von 40 

Tagessätzen zu Fr. 70.– und einer Busse von Fr. 700.– verurteilt. Die vorliegend 

zu beurteilende Delinquenz fällt in die 2-jährige Probezeit dieser Vorstrafe. Am 

6. Juni 2020 folgte eine weitere Verurteilung mit Strafbefehl derselben Staatsan-

waltschaft wegen Verübung einer Tat in selbstverschuldeter Unzurechnungsfähig-

keit. Der Beschuldigte wurde mit einer unbedingten Gelstrafe von 20 Tagessätzen 

zu Fr. 30.– sanktioniert. Die erst kürzlich erwirkten Vorstrafen und die Delinquenz 

während laufender Probezeit wirken sich insgesamt merklich straferhöhend aus.  

3.3. Der Beschuldigte zeigte sich geständig, im Verlauf der Diskussion mit den 

Privatklägern 1 und 2 in der D._____ ein Küchenmesser hervorgenommen und auf 

den Tisch zwischen ihnen gelegt zu haben. Dagegen stellte er konsequent in Ab-

rede, den Privatkläger 2 mit dem Messer und zusätzlich verbal mit dem Tod be-

droht zu haben. Ebenso bestritt er durchwegs, den Privatklägern 1 und 2 vor ihrer 

Begegnung in der D._____ im Rahmen eines Telefongesprächs damit gedroht zu 

- 37 - 

haben, dass er sie beide umbringen werde. Das Zugeständnis des Beschuldigten 

erfolgte zwar aus eigenem Antrieb und von allem Anfang an. Dennoch führte es zu 

keiner wesentlichen Erleichterung der Untersuchung. Der Beschuldigte zeigte 

überdies keine Reue oder Einsicht in das Unrecht seines Verhaltens. Das Nach-

tatverhalten ist deshalb nur leicht strafmindernd zu berücksichtigen. 

3.4. Insgesamt halten sich die straferhöhenden und die strafmindernden Fakto-

ren der Täterkomponente ungefähr die Waage, weshalb es bei der vorstehend 

festgelegten Gesamtstrafe von 50 Tagessätzen Gelstrafe bleibt. 

4. Verletzung des Beschleunigungsgebots 

4.1. Die Verteidigung rügte anlässlich der Berufungsverhandlung eine Verlet-

zung des Beschleunigungsgebots (Urk. 66 Rz. 78). 

4.2. Das Beschleunigungsgebot (Art. 5 StPO, Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 

EMRK) verpflichtet die Behörden, das Strafverfahren voranzutreiben, um die be-

schuldigte Person nicht unnötig über die gegen sie erhobenen Vorwürfe im Unge-

wissen zu lassen. Es gilt für das ganze Verfahren. Welche Verfahrensdauer an-

gemessen ist, hängt von den konkreten Umständen ab, die in ihrer Gesamtheit zu 

würdigen sind. Kriterien sind etwa die Schwere des Tatvorwurfs, die Komplexität 

des Sachverhalts, die gebotenen Untersuchungshandlungen, die Schwierigkeit 

und Dringlichkeit der Sache, das Verhalten der beschuldigten Person und dasjeni-

ge der Behörden sowie die Zumutbarkeit für die beschuldigte Person. Die Beurtei-

lung der Verfahrensdauer entzieht sich starren Regeln. Von den Behörden und 

Gerichten kann nicht verlangt werden, dass sie sich ständig einem einzigen Fall 

widmen. Aus diesem Grund sowie wegen faktischer und prozessualer Schwierig-

keiten sind Zeiten, in denen das Verfahren stillsteht, unumgänglich. Wirkt keiner 

dieser Verfahrensunterbrüche stossend, ist eine Gesamtbetrachtung vorzuneh-

men. Dabei können Zeiten mit intensiver behördlicher oder gerichtlicher Tätigkeit 

andere Zeitspannen kompensieren, in denen aufgrund der Geschäftslast keine 

Verfahrenshandlungen erfolgten. Eine Sanktion drängt sich nur auf, wenn eine von 

der Strafbehörde zu verantwortende krasse Zeitlücke zu Tage tritt. Dazu genügt 

es nicht, dass diese oder jene Handlung etwas rascher hätte vorgenommen wer-

- 38 - 

den können (Urteile des Bundesgerichts 6B_176/2017 vom 24. April 2017 E. 2.1; 

6B_605/2014 vom 22. Dezember 2014 E. 2.2 mit Hinweisen). Wird eine Verlet-

zung des Beschleunigungsgebots festgestellt, ist diesem Umstand angemessen 

Rechnung zu tragen. Dabei fällt insbesondere in Betracht, die Verfahrensverzöge-

rung bei der Strafzumessung zu berücksichtigen (Urteile des Bundesgerichts 

6B_855/2020 vom 25. Oktober 2021 E. 1.5.1 ff. mit zahlreichen Hinweisen). 

4.3. Das vorliegende Strafverfahren wurde am 3. August 2020 durch eine tele-

fonische Anzeige bei der Stadtpolizei Winterthur angestossen (Urk. 1/1 S. 2 f.). 

Diese nahm zusammen mit der Kantonspolizei Zürich umgehend die ersten Ermitt-

lungshandlungen vor (vgl. Urk. 3/1; Urk. 4/1+3; Urk. 5/1+2; Urk. 6/1-4; Urk. 7/1-2) 

und überwies ihren Rapport samt den massgeblichen Akten noch am selben Tag 

an die zuständige Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland (Urk. 1/1+2). Am 4. 

August 2020 erfolgte die Hafteinvernahme des Beschuldigten und mit Verfügung 

des Zwangsmassnahmengerichts des Bezirkes Winterthur vom 6. August 2020 

wurde der Beschuldigte auf entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft in Un-

tersuchungshaft versetzt. Anschliessend erfolgten relativ zügig die staatsanwalt-

schaftlichen Einvernahmen der Privatkläger 1 und 2 (vgl. Urk. 4/2+4) und wurde 

das Institut für Rechtsmedizin mit der Erstattung eines pharmakologisch-

toxikologischen Gutachtens über den Beschuldigten beauftragt (Urk. 7/7). Am 10. 

September 2020 wurde der Beschuldigte aus der Haft entlassen (Urk. 12/16+17). 

Tags darauf erliess die Staatsanwaltschaft mehrere (Haus-) Durchsuchungsbefeh-

le zuhanden der Kantonspolizei Zürich, insbesondere betreffend den Wohnort des 

Beschuldigten und dessen Mobiltelefone (Urk. 6/7-9). Am 22. September 2020 

ging bei der Staatsanwaltschaft das pharmakologisch-toxikologische Gutachten 

des IRM ein (Urk. 7/5). Am 7. Oktober 2020 erstattete die Kantonspolizei Zürich ih-

ren Bericht über die Datenauslesung der Mobiltelefone und SIM-Karten des Be-

schuldigten (Urk. 6/13). Rund einen Monat später reichte ein akkreditierter Tür-

kisch-Dolmetscher die schriftlichen Übersetzungen der kopierten bzw. abfotogra-

fierten Chats zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin 1 ein 

(Urk. 6/4+5). Nach dieser Anfangsphase mit intensiver behördlicher Tätigkeit lag 

das Verfahren bis zum Erlass des Strafbefehls vom 26. November 2021 (Urk. 18) 

still bzw. erfolgten – soweit ersichtlich – keine weiteren Untersuchungshandlun-

- 39 - 

gen. Dieser lange Verfahrensstillstand lässt sich nicht ohne Weiteres nachvollzie-

hen, zumal sich die Sache nicht besonders komplex darstellte, insbesondere 

nachdem die Privatklägerin 1 mit Eingabe vom 8. Dezember 2020 ihre Strafanträ-

ge betreffend Missbrauch einer Fernmeldeanlage und Sachbeschädigung zurück-

zog sowie ihr Desinteresse an der weiteren Strafverfolgung wegen Nötigung er-

klärte (Urk. 2/3). Allerdings ist nicht erkennbar und wird auch nicht begründet, 

dass der Beschuldigte durch die lange Verfahrensdauer übermässig belastet wur-

de. So befand er sich während dieser längeren Phase der Untätigkeit der Strafver-

folgungsbehörden nicht mehr in Untersuchungshaft. Sein berufliches Fortkommen 

wurde durch das hängige Strafverfahren nicht beeinträchtigt. Er hatte auch nicht 

die Anordnung einer Landesverweisung zu befürchten. Es stand nur noch der 

Vorwurf der mehrfachen Drohung zum Nachteil der beiden Privatkläger und damit 

kein schwerwiegendes Delikt im Raum. Eine krasse Zeitlücke im Sinne der bun-

desgerichtlichen Rechtsprechung liegt unter diesen Umständen nicht vor.  

4.4. Das weitere Vorverfahren wurde nach Eingang der Einsprache des Be-

schuldigten gegen den Strafbefehl vom 26. November 2021 (Urk. 24) wieder zü-

gig vorangetrieben und mit der Anklageerhebung vom 7. Februar 2022 zum Ab-

schluss gebracht (Urk. 25 ff.; Urk. 30). Auch das erst- und zweitinstanzliche Ge-

richtsverfahren wurde speditiv durchgeführt (Urk. 33 ff.). Daran ändert nichts, 

dass die Zeitspanne zwischen der Berufungsanmeldung und der Zustellung des 

begründeten erstinstanzlichen Urteils mit 5 ½ Monaten deutlich über die zeitliche 

Vorgabe von Art. 84 Abs. 4 StPO hinausgeht. Die Dauer des Strafverfahrens er-

weist sich mit 3 Jahren insgesamt noch als angemessen, weshalb trotz einer län-

geren Phase der behördlichen Untätigkeit im Vorverfahren keine Verletzung des 

Beschleunigungsgebots vorliegt.  

5. Tagessatzhöhe 

5.1. Ein Tagessatz beträgt in der Regel mindestens Fr. 30.– und höchstens 

Fr. 3'000.–. Ausnahmsweise, wenn die persönlichen und wirtschaftlichen Verhält-

nisse des Täters dies gebieten, kann der Tagessatz bis auf Fr. 10.– gesenkt wer-

den. Das Gericht bestimmt die Höhe des Tagessatzes nach den persönlichen und 

- 40 - 

wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, namentlich 

nach Einkommen und Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen Familien- und Un-

terstützungspflichten sowie nach dem Existenzminimum (Art. 34 Abs. 2 StGB). 

Ausgangspunkt für die Bemessung bildet das Nettoeinkommen, das dem Täter im 

Zeitpunkt des Urteils durchschnittlich an einem Tag zufliesst, ganz gleich, aus 

welcher Quelle die Einkünfte stammen. Zum Einkommen zählen insbesondere die 

Einkünfte aus selbständiger und unselbständiger Erwerbstätigkeit. Nach dem Net-

toeinkommensprinzip ist von den ermittelten Einkünften des Täters nur der Über-

schuss der Einnahmen über die damit verbundenen Aufwendungen zu berück-

sichtigen. Vom Nettoeinkommen ist deshalb abzuziehen, was gesetzlich geschul-

det ist, wie die laufenden Steuern, die Beiträge an die obligatorische Kranken- 

und Unfallversicherung sowie die notwendigen Berufsauslagen (BGE 142 IV 315 

E. 5.3.2; BGE 134 IV 60 E. 6.1 mit Hinweisen).  

5.2. Zur Einkommenssituation des Beschuldigten ergibt sich aus den Akten, 

dass er derzeit auf Stellensuche ist (Urk. 65/2; Prot. II S. 7 f.). Zuvor arbeitete er 

während mehr als zwei Jahren im Vollzeitpensum als Küchen- und Serviceange-

stellter in einem Imbiss in L._____ (ZH) und erzielte einen Nettolohn von 

Fr. 3'434.50.– pro Monat (Urk. 62/2). Von seiner früheren Arbeitgeberin wurde 

ihm zudem ein 13. Monatslohn ausgerichtet (Prot. I S. 17). Aufgrund des aktuell 

hohen Personalbedarfs in der Gastronomie ist davon auszugehen, dass der Be-

schuldigte in absehbarer Zeit wieder eine Anstellung als Küchen- und Servicean-

gestellter finden und ein ähnlich hohes Nettoeinkommen erzielen wird wie bis En-

de September 2023 bei der M._____ GmbH. Davon sind die Krankenkassenprä-

mien von rund Fr. 350.– pro Monat (Urk. 62/1) und ein pauschaler Betrag für die 

laufenden Steuern abzuziehen. Anderweitige finanzielle Lasten, welche für die 

Berechnung der Tagessatzhöhe relevant wären, wurden nicht geltend gemacht 

und sind auch nicht ersichtlich. Insbesondere hat der Beschuldigte keine familiä-

ren Unterstützungspflichten zu erfüllen. Die Wohnkosten sind nicht in Abzug zu 

bringen (vgl. BGE 134 IV 60 E. 6.4; Urteil des Bundesgerichts 6B_900/2020 vom 

1. Oktober 2020 E. 2.2). Unter Berücksichtigung aller relevanter Faktoren ist die 

Höhe der Tagessätze auf Fr. 40.– zu bemessen. 

- 41 - 

6. Fazit 

Im Ergebnis ist der Beschuldigte für die mehrfache versuchte Drohung mit einer 

Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu Fr. 40.– zu bestrafen. 

Der Beschuldigte befand sich vom 3. August 2020 bis am 10. September 2020, 

mithin während 39 Tagen in Untersuchungshaft (Urk. 12/1; Urk. 12/17). Der er-

standene Freiheitsentzug ist an die Geldstrafe anzurechnen (Art. 51 StGB).  

VI. Widerruf und Vollzug 

1. Die zur Anklage gebrachten Taten fallen in die mit Strafbefehl der Staatsan-

waltschaft Winterthur/Unterland vom 17. März 2020 angesetzte Probezeit 

(Urk. 54). Damit ist über den Widerruf des bedingten Strafvollzugs der damals 

ausgesprochenen Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu Fr. 70.– zu entscheiden. 

2. Die rechtlichen Grundlagen zu Art. 46 Abs. 1 StGB wurden im vorinstanzli-

chen Urteil zutreffend dargelegt, worauf zur Vermeidung von Wiederholungen ein-

leitend verwiesen werden kann (Urk. 53 S. 33 f.). Ist über den Widerruf des in ei-

nem früheren Urteil gewährten bedingten Strafvollzugs zu befinden, ist eine Ge-

samtwürdigung aller wesentlichen Umstände vorzunehmen. In die Beurteilung der 

Bewährungsaussichten beim Entscheid über den Widerruf einer bedingten Strafe 

bzw. eines bedingten Strafteils ist auch miteinzubeziehen, ob die neue Strafe be-

dingt oder unbedingt ausgesprochen wird. Das Gericht kann zum Schluss kom-

men, dass vom Widerruf des bedingten Vollzugs für die frühere Strafe abgesehen 

werden kann, wenn die neue Strafe vollzogen wird. Auch das Umgekehrte ist zu-

lässig: Wenn die frühere Strafe widerrufen wird, kann unter Berücksichtigung ih-

res nachträglichen Vollzugs eine Schlechtprognose für die neue Strafe im Sinne 

von Art. 42 Abs. 1 StGB verneint und diese folglich bedingt ausgesprochen wer-

den (BGE 144 IV 277 E. 3.2; BGE 134 IV 140 E. 4.5; Urteile des Bundesgerichts 

6B_744/2020 vom 26. Oktober 2020 E. 1.3.1; 6B_677/2019 vom 12. Dezember 

2019 E. 1.1.1; je mit Hinweisen). 

3. Die Vorinstanz hat auch die rechtlichen Grundlagen betreffend den beding-

ten Strafvollzug nach Art. 42 Abs. 1 und 2 StGB korrekt dargelegt (Urk. 53 S. 36). 

- 42 - 

Diese brauchen nicht wiederholt zu werden. In objektiver Hinsicht sind die Vo-

raussetzungen für die Gewährung des bedingten Vollzugs erfüllt, da der Beschul-

digte für die neu zu beurteilenden Taten mit einer Geldstrafe zu bestrafen ist. 

Nachdem er in den letzten fünf Jahren vor der Tat nicht zu einer Freiheitsstrafe 

von mehr als sechs Monaten verurteilt wurde (Urk. 54), wird die günstige Progno-

se vermutet. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte bereits zwei 

Vorstrafen erwirkt hat. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Win-

terthur/Unterland vom 17. März 2020 wurde er wegen Sachbeschädigung zu einer 

bedingten Geldstrafe von 40 Tages-sätzen zu Fr. 70.– und einer Busse von 

Fr. 700.– verurteilt. Nicht einmal drei Monate nach dieser Verurteilung wurde der 

Beschuldigte erneut straffällig, indem er eine Tat in selbstverschuldeter Unzu-

rechnungsfähigkeit verübte. Dafür wurde er mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Winterthur/Unterland vom 6. Juni 2020 mit einer unbedingten Geldstrafe von 20 

Tagessätzen zu Fr. 30.– bestraft. Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl vom 

17. März 2020 ausgesprochenen Geldstrafe wurde nicht widerrufen. Der nochma-

lige Aufschub dieser ersten Geldstrafe und der Vollzug der zweiten Geldstrafe 

vermochten den Beschuldigten jedoch nicht von weiterer Delinquenz abzuhalten. 

Die in diesem Verfahren zu beurteilenden Taten verübte er nur zwei Monate nach 

seiner Verurteilung vom 6. Juni 2020, womit er erneut während laufender Probe-

zeit straffällig wurde. Das Verhalten des Beschuldigten, insbesondere die wieder-

holte Delinquenz innert kürzester Zeit, zeugt von erheblicher Unbelehrbarkeit und 

Uneinsichtigkeit. Die in der Vergangenheit verübten und die neu zu beurteilenden 

Taten beging der Beschuldigte jeweils unter erheblichem Alkoholeinfluss (Urk. 1/1 

S. 1; Urk. 7/1; Urk. 7/5+6; Urk. 14/3+4). Anlässlich der Berufungsverhandlung er-

klärte er auf entsprechende Nachfrage, dass er sich damals in einer depressiven 

Phase befunden und deshalb zu übermässigem Alkoholkonsum geneigt habe. In-

zwischen sei es nicht mehr so wie früher. Er habe aus eigener Kraft mit dem Kon-

sum von Alkohol aufgehört (Prot. II S. 10 f.). Es ist zwar positiv zu werten, dass 

der Beschuldigte gemäss eigenen Aussagen von seinem problematischen Kon-

sumverhalten Abstand nehmen konnte. Allerdings nahm er dafür keine professio-

nelle Hilfe in Anspruch und ist nicht belegt, dass er seinen Hang zum Alkoholex-

zess auch nachhaltig bewältigen konnte. Somit besteht keine Gewähr, dass der 

- 43 - 

Beschuldigte in einer persönlichen Krisensituation (z.B. nach einer Trennung oder 

Zurückweisung), wie er sie wohl im Frühjahr/Sommer 2020 erlebte, wieder zu 

übermässigem Alkoholkonsum tendiert und in alkoholisiertem Zustand weitere 

Delikte verübt. Zwar scheinen sich die persönlichen Verhältnisse des Beschuldig-

ten seit seiner Haftentlassung stabilisiert zu haben, was u.a. dazu führt, dass vom 

Widerruf der bedingten Geldstrafe gemäss Strafbefehl vom 17. März 2020 im 

Sinne einer letzten Chance abgesehen werden kann. Darauf wird nachfolgend 

einzugehen sein (E. VI.4.). Dennoch ist unter den vorstehenden Umständen von 

einer Schlechtprognose auszugehen und die neu auszusprechende Geldstrafe zu 

vollziehen. 

4. Trotz der Zweifel an seinem künftigen Wohlverhalten ist zu berücksichtigen, 

dass der Beschuldigte zwischen dem 1. Juli 2021 und dem 30. September 2023, 

mithin während über zwei Jahren, einer Erwerbstätigkeit im Vollzeitpensum nach-

ging und insofern einen geregelten Alltag hatte. Dass seine Arbeitgeberin das Ar-

beitsverhältnis kündigte, hat der Beschuldigte nicht zu verantworten. Vielmehr 

wurden wirtschaftliche Gründe für die Kündigung angeführt (Urk. 65/2). Der Ver-

lust der Arbeitsstelle darf somit nicht zu seinen Lasten berücksichtigt werden. Ak-

tuell ist der Beschuldigte wieder auf Stellensuche in der Gastronomie. Aufgrund 

des hohen Personalbedarfs und seiner mehrjährigen Arbeitserfahrung in diesem 

Bereich ist davon auszugehen, dass er in absehbarer Zeit wieder eine Festanstel-

lung finden wird. Vor Vorinstanz und anlässlich der Berufungsverhandlung erklärte 

der Beschuldigte zudem, eine Ausbildung im Gastronomiebereich absolvieren zu 

wollen, was auf realistische Pläne für die Zukunft hindeutet. Zu berücksichtigen ist 

weiter, dass er sich im Zusammenhang mit diesem Verfahren während 39 Tagen 

in Untersuchungshaft befand, was auf ihn Eindruck gemacht haben muss, zumal 

er bisher noch nie einen längeren Freiheitsentzug zu verbüssen hatte. Seit seiner 

Entlassung aus der Untersuchungshaft im September 2020 kam es denn auch 

nicht mehr zu weiteren Straftaten, was zwar unter normalen Umständen keine be-

sondere Leistung darstellt. Nachdem der Beschuldigte in der Vergangenheit je-

weils innert kürzester Zeit wieder rückfällig wurde, könnte sein Wohlverhalten in 

den letzten drei Jahren indes doch Ausdruck einer nachhaltigen Änderung seines 

Verhaltens sein. Die frühere Delinquenz erweckt sodann den Eindruck, als habe 

- 44 - 

sich der Beschuldigte im Frühling/Sommer 2020 in einer persönlichen Krise be-

funden, die er inzwischen überwinden konnte (vgl. Prot. II S. 11, 18; Urk. 66 Rz. 3, 

80). Schliesslich kommt hinzu, dass er neben der mit Strafbefehl vom 6. Juni 2020 

verhängten Geldstrafe auch die in diesem Verfahren auszusprechende Geldstrafe 

bezahlen musste bzw. noch zu bezahlen haben wird. Vor diesem Hintergrund stel-

len sich die Bewährungsaussichten derart dar, dass vom Widerruf der mit Strafbe-

fehl vom 17. März 2020 bedingt ausgesprochenen Geldstrafe im Sinne einer letz-

ten Chance noch einmal abgesehen werden kann. Den bestehenden Restbeden-

ken hinsichtlich der künftigen Bewährung des Beschuldigten ist mit einer Verlän-

gerung der Probezeit um ein Jahr Rechnung zu tragen (Art. 46 Abs. 2 StGB).  

VII. Zivilforderungen 

1. Grundlagen 

1.1. Mit Formular vom 24. August 2020 stellte die Privatklägerin 1 sinngemäss 

den Antrag, der Beschuldigte sei zu verpflichten, ihr Fr. 5'000.– zuzüglich 5 % 

Zins seit dem 3. August 2020 als Genugtuung zu bezahlen (Urk. 9/3). Der Privat-

kläger 2 beantragte mit Formular vom 25. August 2020 sinngemäss, der Beschul-

digte sei zu verpflichten, ihm eine Genugtuung von Fr. 2'000.– zuzüglich 5 % Zins 

seit dem 3. August 2020 zu bezahlen (Urk. 9/6). 

1.2. Die Vorinstanz folgte diesen Anträgen teilweise und verpflichtete den Be-

schuldigten, den Privatklägern 1 und 2 je Fr. 200.– zuzüglich 5 % Zins seit dem 

3. August 2020 als Genugtuung zu leisten. Im Mehrbetrag wies es die Genugtu-

ungsbegehren ab (Urk. 53 S. 39 f., 43). Der Beschuldigte verlangt die vollständige 

Abweisung der Genugtuungsbegehren der Privatkläger 1 und 2. Eventualiter sei-

en diese auf den Zivilweg zu verweisen (Urk. 55 S. 2; Urk. 66 S. 2). 

1.3. Hinsichtlich der rechtlichen Grundlagen und Voraussetzungen für die ad-

häsionsweise Geltendmachung von Zivilforderungen im Strafprozess kann zur 

Vermeidung von Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der Vo-

rinstanz verwiesen werden (Urk. 53 S. 38 f.). Ein Anspruch auf die Zusprechung 

einer Genugtuung besteht nach der Grundbestimmung von Art. 49 OR nur, sofern 

- 45 - 

die betroffene Person in ihrer Persönlichkeit verletzt wurde und die Schwere der 

Verletzung es rechtfertigt. Die Persönlichkeitsverletzung muss sowohl in objekti-

ver als auch in subjektiver Hinsicht (Empfinden der betroffenen Person) eine ge-

wisse Intensität erreichen. Daraus folgt, dass nicht jede noch so geringfügige Be-

einträchtigung der Persönlichkeit als rechtlich relevante Verletzung im Sinne von 

Art. 49 OR verstanden werden kann. Ob eine Persönlichkeitsverletzung hinrei-

chend schwer wiegt, hängt weitgehend von den Umständen des Einzelfalls ab. 

Dem Gericht steht bei der Beurteilung ein weites Ermessen zu (BGE 129 III 715 

E. 4.4; Urteile des Bundesgericht 5A_758/2020 vom 3. August 2021 E. 8.4.1 f.; 

6B_1037/2019 vom 24. Juni 2020 E. 1.1; 6B_971/2019 vom 7. Februar 2020 E. 1; 

6B_297/2019 vom 12. August 2019 E. 4.1). Der Eingriff muss aussergewöhnlich 

schwer sein und in seinen Auswirkungen das Mass einer Aufregung oder einer 

alltäglichen Sorge klar übersteigen (Urteile des Bundesgerichts 6B_195/2021 vom 

21. April 2021 E. 3; 6B_1276/2020 vom 6. April 2021 E. 1.1; je mit Hinweisen).  

2. Würdigung 

2.1. Gemäss erstelltem Sachverhalt drohte der Beschuldigte der Privatkläge-

rin 1 am Telefon damit, dass er den Privatkläger 2 und sie töten werde. Unter den 

konkreten Umständen, insbesondere den unablässigen, aufdringlichen und 

grenzüberschreitenden Kontaktversuchen des Beschuldigten und seiner aggres-

siven Stimmung zur Tatzeit war diese Äusserung grundsätzlich geeignet, die Pri-

vatklägerin