# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** eb560a7d-e02d-5fe1-ba0f-396503c01b41
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-05-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.05.2020 E-2285/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2285-2018_2020-05-14.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2285/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 4 .  M a i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richterin Barbara Balmelli (Vorsitz), 

Richterin Gabriela Freihofer,  

Richterin Christa Luterbacher,    

Gerichtsschreiberin Nathalie Schmidlin. 

   

Parteien 

 
A._______ geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Céline Benz-Desrochers,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 20. März 2018. 

 

 

 

E-2285/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat gemäss eigenen Anga-

ben am 26. September 2015. Am 11. Februar 2016 reiste er in die Schweiz 

ein und suchte gleichentags um Asyl nach. Am 18. Februar 2016 fand die 

Befragung zur Person (BzP) statt. Die Vorinstanz hörte den Beschwerde-

führer am 14. Juni 2016 einlässlich zu seinen Asylgründen an. 

Dabei gab der Beschwerdeführer an, er sei ethnischer Belutsche und 

stamme aus dem Dorf B._______, Distrikt C._______, Provinz D._______. 

Er habe die Schule (…) Jahre lang besucht. Seit dem Jahr 2001 sei er mit 

E._______ verheiratet. Mit ihr habe er (…) Kinder. Er habe in seinem Dorf 

(…) besessen, auf welchem er (…), (…) und (…) angepflanzt habe. Seit 

Anfang des Jahres 2014 habe er als (…) für eine Hilfsorganisation aus 

F._______ namens «(…) » in B._______ gearbeitet. Nach einem Jahr sei 

er nach G._______ versetzt worden. Die «(…)» biete (…)- und (…) für 

Frauen an. Alle (…) Monate sei jemand von der Organisation in die Dörfer 

gegangen, um (…) abzunehmen. Er sei für (…) Mitarbeiterinnen verant-

wortlich gewesen. Er habe (…) führen müssen, über die (…). Die (…) seien 

sehr gefragt gewesen, im Gegensatz zu den (…). 

Zu seinen Asylgründen führte der Beschwerdeführer aus, aufgrund seiner 

Tätigkeit für die Hilfsorganisation «(…)» sei er von den Taliban bedroht wor-

den. Er habe Drohanrufe von H._______ erhalten, einem allseits bekann-

ten (…) aus dem Dorf I._______. Dieser habe sich den Taliban angeschlos-

sen und gegen die Regierung den Djihad ausgesprochen. H._______ habe 

ihn nicht nur aufgefordert, seine Tätigkeit für die «(…)» zu beenden, son-

dern auch mit den Taliban zusammenzuarbeiten und ihnen die (…) Mitar-

beiterinnen «auszuhändigen». Mit diesen würden die Taliban «etwas an-

stellen», damit sie nicht mehr auf die Idee kämen, mit Ausländern zusam-

menzuarbeiten. Die Taliban seien gegen jeden, der für die Regierung oder 

für eine Organisation arbeite, insbesondere wenn Frauen involviert seien. 

Die (…) und (…) von Frauen verstosse gegen die Gesetze der Taliban. Er 

sei ins Visier der Taliban geraten, weil er sowohl mit Frauen als auch für 

Frauen gearbeitet habe. Es sei ihm vorgeworfen worden, dass er Frauen 

(…) und sie auf den Weg der Ungläubigen bringe. Er habe den Drohbrief 

als Einladung zu einem «(…)» erhalten, einer (…), in welcher der (…) 

werde. Die Drohungen seien für den ganzen Norden Afghanistans ausge-

sprochen worden. Nach Erhalt des Drohbriefes sei er noch für eine Woche 

an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt. Am (…) September 2015 habe er 

E-2285/2018 

Seite 3 

gekündigt. Mehrere Hilfsorganisationen, darunter auch die «(…)», hätten 

C._______ mittlerweile verlassen. Die Taliban hätten das Dorf G._______ 

eingenommen. Seit etwa (…) Monaten lebe seine Familie in Mazar-i-Sha-

rif.  

Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer seinen Pass im Original, 

seine Tazkira in Kopie, einen Arbeitsausweis der «(…)» mit Foto, ein 

Schreiben über seine Tätigkeit und einen Drohbrief der Taliban vom 29. Au-

gust 2015 ein.  

B.  

Mit Verfügung vom 20. März 2018 verneinte die Vorinstanz die Flüchtlings-

eigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte 

die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Den zustän-

digen Kanton beauftragte sie mit dem Vollzug der Wegweisung.  

C.  

Mit Eingabe vom 19. April 2018 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes-

verwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die Dispositivziffern 1 bis 5 

der angefochtenen Verfügung seien aufzuheben, es sei ihm die Flücht-

lingseigenschaft zuzuerkennen und Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die 

Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzu-

stellen und als Folge davon die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Sub- 

eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-

weisen. Prozessual sei ihm die unentgeltliche Prozessführung, inklusive 

Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, und die amtliche Ver-

beiständung zu gewähren. 

Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer eine Bestätigung des (…)mi-

nisteriums der Provinz J._______ vom 7. Dezember 2017, einen Zeitungs-

artikel der «(…)» Wochenzeitung, ein Schreiben seiner Ehefrau – alles je-

weils mit einer deutschen Übersetzung –, zwei Zeitungsartikel, drei Arbeits-

verträge und zwei Arbeitszeugnisse sowie eine Kündigung vom  

(…) September 2017, alle ausgestellt vom K._______, Lohnabrechnun-

gen, einen Ausdruck einer E-Mail des Amts für L._______ und Bestätigun-

gen der Krankenkassenkosten zu den Akten.  

 

 

E-2285/2018 

Seite 4 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 24. April 2018 hiess die Instruktionsrichterin 

die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amt-

lichen Verbeiständung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses. Gleichzeitig lud sie die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein. 

E.  

In der Vernehmlassung vom 30. April 2018 hielt die Vorinstanz an ihren 

Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.  

F.  

In seiner Replik vom 16. Mai 2018 hielt der Beschwerdeführer an seinen 

Anträgen fest. 

G.  

Mit Eingabe vom 26. April 2019 teilte der Beschwerdeführer mit, sein (…) 

sei aus Afghanistan geflüchtet. 

H.  

Mit Schreiben vom 12. August 2019 wies der Beschwerdeführer auf die 

schlechte Lage in Afghanistan hin und führte aus, mehrere Verwandte hät-

ten zwischenzeitlich das Land verlassen. 

I.  

Am 5. September 2019 gab der Beschwerdeführer mehrere Ausdrucke von 

Fotos zu den Akten. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS 

2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren 

gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än-

derung des AsylG vom 25. September 2015). 

1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 

2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und 

Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-

E-2285/2018 

Seite 5 

setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-

men worden. Das Gericht wird nachfolgend die neue Gesetzesbezeich-

nung verwenden. 

2.  

Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 

– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-

führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert 

(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde 

(aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Aufgrund 

der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Anerken-

nung der Flüchtlingseigenschaft voraus, dass die betroffene Person in ih-

rem Heimatland keinen ausreichenden Schutz finden kann (vgl. BVGE 

2011/51 E. 7, 2008/12 E. 7.2.6.2, 2008/4 E. 5.2). 

4.2 Ob eine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung vorliegt, ist auf-

grund einer objektivierten Betrachtungsweise zu beurteilen. Es müssen 

hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, 

die bei jedem Menschen in der gleichen Lage Furcht vor Verfolgung und 

damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden. Die objektive Be-

trachtungsweise ist durch das vom Betroffenen bereits Erlebte und das 

Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Die erlit-

tene Verfolgung oder die begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung 

E-2285/2018 

Seite 6 

muss zudem sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat- 

oder Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentschei-

des noch aktuell sein. 

5.  

5.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, 

die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen an die 

Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht genügen.  

Gemäss dem Subsidiaritätsprinzip seien Personen mit einer innerstaatli-

chen Fluchtalternative nicht auf den Schutz eines Drittstaates angewiesen. 

Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, wegen seiner Tätigkeit für 

die Hilfsorganisation «(…)» mehrfach telefonisch von einem ihm bekann-

ten Mann, der sich den Taliban angeschlossen habe, bedroht worden zu 

sein. Zudem habe er einen Drohbrief erhalten, der ihn zur Kündigung bei 

der «(…)» und zur Ausreise bewogen habe.  

Damit mache der Beschwerdeführer Nachteile geltend, die sich aus lokal 

oder regional beschränkten Verfolgungsmassnahmen ableiten würden. Er 

habe selbst anlässlich der Anhörung angegeben, dass die Drohung nur für 

die nördlichen Provinzen ausgesprochen worden sei. Da er sich diesen 

Verfolgungsmassnahmen durch einen Wegzug in einen anderen Landes-

teil entziehen könne, nämlich zu seiner Familie nach Mazar-i-Sharif, sei er 

nicht auf den Schutz der Schweiz angewiesen. 

5.2 In der Rechtsmitteleingabe rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung 

von Art. 3 AsylG. Unter Hinweis auf eine Schnellrecherche der Schweizeri-

schen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 14. November 2016 zu Afghanistan: «An-

griffe von regierungsfeindlichen Gruppen auf Mitarbeitende der Regierung, 

ausländischer Firmen und internationaler Streitkräfte; Drohbriefe; Rekrutie-

rung; psychische Erkrankungen» führt er aus, Zivilpersonen, welche für 

eine nationale oder internationale Institution arbeiten würden, gehörten ei-

ner gefährdeten Personengruppe an. Zahlreiche Personen, welche die Re-

gierung oder die internationale Gemeinschaft unterstützen würden, seien 

Opfer von Angriffen der Taliban geworden. Auch Entführungen solcher Per-

sonen hätten zugenommen. Drohbriefe der Taliban seien ernst zu nehmen, 

da es tödliche Folgen haben könne, wenn die darin enthaltenen Instruktio-

nen nicht befolgt würden. Er sei nirgends in Afghanistan vor einer Bedro-

hung durch die Taliban sicher. Zahlreiche Berichte würden belegen, dass 

die Taliban auch in Mazar-i-Sharif aktiv seien und dort mehrere Anschläge 

verübt hätten. Sodann seien seine (…) und sein (…) bei einem (…) ums 

E-2285/2018 

Seite 7 

Leben gekommen, weshalb er in Mazar-i-Sharif über kein gefestigtes Be-

ziehungsnetz verfüge.  

5.3 In der Vernehmlassung hält die Vorinstanz an ihren Erwägungen fest 

und führt ergänzend aus, die auf Beschwerdeebene eingereichten Beweis-

mittel seien nicht geeignet, den (…)tod der (…) und des (…) glaubhaft zu 

machen. Der Zeitungsausschnitt und das Formular zur Übergabe des 

Leichnams könnten keiner materiellen Prüfung unterzogen werden, da sol-

che Dokumente erfahrungsgemäss käuflich leicht erhältlich seien und un-

terschiedliche formale sowie inhaltliche Kriterien bei der Ausstellung eine 

schlüssige Überprüfung solcher Unterlagen verunmöglichen würden. So-

dann habe der Beschwerdeführer die Beweismittel nicht nach deren Be-

kanntwerden eingereicht, sondern erst auf Beschwerdeebene. Weitere 

Zweifel kämen beim Betrachten des (…) im eingereichten Zeitungsartikel 

auf. Obwohl der (…) ziemlich zerstört wirke, scheine der (…) recht unver-

sehrt zu sein, sodass nicht zwangsläufig vom Tod aller Insassen auszuge-

hen sei. Schliesslich habe das an einen Gouverneur gerichtete Schreiben 

eindeutig Gefälligkeitscharakter.  

5.4 In der Replik macht der Beschwerdeführer geltend, die Vorinstanz habe 

zu beweisen, dass die eingereichten Dokumente gefälscht seien. Der Hin-

weis, dass diese leicht käuflich erwerbbar seien, genüge nicht. Er habe 

nicht die Unfähigkeit der Vorinstanz, eine schlüssige Überprüfung vorzu-

nehmen, zu verantworten.  

6.  

6.1 Ungeachtet dessen, dass die Vorinstanz die Glaubhaftigkeit der Vor-

bringen des Beschwerdeführers nicht explizit geprüft hat, ist zunächst fest-

zuhalten, dass nach Einschätzung des Gerichts am Wahrheitsgehalt der 

Ausführungen des Beschwerdeführers nicht zu zweifeln ist. Der Beschwer-

deführer hat seine Aufgaben als Mitarbeiter der Hilfsorganisation «(…)» 

während der Anhörung detailliert geschildert, auf Nachfrage präzis und 

ausführlich geantwortet (vgl. SEM-Akten A5/13 Ziff. 7.01 f. und A20/12  

F12 f.). Seine Tätigkeit ist zudem durch einen Ausweis der «(…)» belegt. 

Auch die Umstände der gegen ihn gerichteten verbalen und schriftlichen 

Drohungen vermochte er weitestgehend plausibel wiederzugeben. So 

führte er aus, als er anfangs 2015 ins Dorf G._______ versetzt worden sei, 

hätten seine Probleme begonnen. All die umliegenden Dörfer seien von 

den Taliban kontrolliert worden. Er habe mit (…) Kolleginnen, M._______ 

und N._______, zusammengearbeitet. Die Taliban würden Personen, die 

E-2285/2018 

Seite 8 

für die Regierung oder eine Organisation arbeiten würden, als Feinde be-

trachten. Dies insbesondere, wenn Frauen involviert seien. Seine Klientin-

nen seien Frauen gewesen und die Organisation habe Frauen beschäftigt 

(vgl. SEM-Akten A20/12 F12 und F15). Etwa (…) Monate vor seiner Kün-

digung im (…) 2015 sei er erstmals telefonisch bedroht worden. 

H._______, ein bekannter (…) aus dem Dorf I._______, habe ihn aufge-

fordert, seine Tätigkeit für die «(…)» zu beenden, mit den Taliban zusam-

menzuarbeiten und ihnen die (…) Mitarbeiterinnen «auszuhändigen». 

Nach (…) oder (…) Tagen habe H._______ erneut angerufen und gefragt, 

ob es sich der Beschwerdeführer überlegt habe. H._______ habe Sachen 

von ihm verlangt, die er nicht mit seinem Gewissen habe vereinbaren kön-

nen. Ausschlaggebend für seine Kündigung sei schliesslich der Erhalt des 

Drohbriefes gewesen (vgl. SEM-Akten a.a.O. F15 ff.). Insgesamt hat der 

Beschwerdeführer den Ablauf seiner Geschichte übereinstimmend und in 

sich stimmig erzählt. Demnach sind die fluchtauslösenden Ereignisse, 

auch aufgrund der eingereichten Beweismittel, glaubhaft gemacht. 

6.2  Bei der Beurteilung der Sicherheitslage in Afghanistan lassen sich 

Gruppen von Personen definieren, die aufgrund ihrer Exponiertheit einem 

erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt sind. Dazu gehören auch Personen, 

die der afghanischen Regierung oder der internationalen Gemeinschaft na-

hestehen oder als Unterstützer derselben wahrgenommen werden. Betrof-

fen sind insbesondere afghanische wie ausländische Mitarbeitende von in-

ternationalen Organisationen, Unternehmen oder NGOs. So kam es ge-

mäss Angaben des UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs 

(OCHA) im Jahr 2016 zu rund 200 Vorfällen gegen solche Personen (ge-

genüber 255 im Jahr 2015), worunter namentlich Entführungen und An-

griffe fallen, bei denen Betroffene verletzt oder getötet worden waren (UN 

OCHA, Humanitarian Bulletin Afghanistan, Issue 59 – 01-31 December 

2016, https://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/resources/afghanis-

tan_monthly_hb_dec_2016.pdf, abgerufen am 05.05.2020). Auch andere 

Quellen berichten von gezielten Angriffen auf Mitarbeiter der afghanischen 

Regierung oder internationaler Organisationen und einem erhöhten Risiko 

dieser Personen, einem Gewaltakt – insbesondere durch die Hände der 

Taliban – ausgesetzt zu werden (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe, Af-

ghanistan: Gefährdungsprofile, Update der SFH-Länderanalyse, 12. Sep-

tember 2019, S. 12; FAZ online, Zahl der Toten steigt nach Taliban-Angriff 

in Kabul, 9. Mai 2019, https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/afghanis-

tan-zahl-der-toten-steigt-nach-taliban-angriff-in-kabul-16178418.html, ab-

gerufen am 05.05.2020).  

https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/afghanistan-zahl-der-toten-steigt-nach-taliban-angriff-in-kabul-16178418.html
https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/afghanistan-zahl-der-toten-steigt-nach-taliban-angriff-in-kabul-16178418.html

E-2285/2018 

Seite 9 

6.3 Auf der Grundlage der verfügbaren Quellen kann nicht von einem ge-

nerellen Risikoprofil für Mitarbeitende internationaler Organisationen aus-

gegangen werden, auch ist die Quellenlage zur Frage der Häufigkeit ge-

zielter Tötungen durch die Taliban nicht eindeutig. Niedrigrangige Ange-

stellte von ausländischen oder internationalen Organisationen in Städten, 

die von der Regierung kontrolliert werden, stellen keine primären Angriffs-

ziele der Taliban dar, da sich diese eher auf Personen mit hohem Profil 

konzentrierten. Spezifische, individuelle Umstände können das Tötungsri-

siko für niedrigrangigere Mitarbeitende erhöhen (vgl. UK Home Office, 

Country Information and Guidance – Afghanistan: persons supporting or 

perceived to support the government and/or international forces, Februar 

2015). Notorisch ist, dass die Taliban der westlichen Vorstellung von Frau-

enrechten feindlich gegenüberstehen. 

6.4 Der Beschwerdeführer ist ehemaliger Mitarbeiter der «(…)», einer der 

(…) internationalen NGOs, die sich unter anderem für (…), (…) und (…) 

von Frauen einsetzt. Die Organisation arbeitet mit der afghanischen Re-

gierung zusammen und wird in Afghanistan unter anderem von der (…), 

weiteren internationale Organisationen sowie vom afghanischen Staat fi-

nanziell unterstützt. Mit Unterstützung des «(…)» des (…) fördert die «(…)» 

verschiedene (…)projekte für Mädchen und Frauen in Afghanistan ([…], 

abgerufen am 05.05.2020). In seiner Funktion für die «(…)» war der Be-

schwerdeführer an verschiedenen Projekten zur Förderung von Frauen be-

teiligt und arbeitete mit Frauen zusammen. Aufgrund dieser Tätigkeit ist er 

den Taliban aufgefallen und hat Drohungen erhalten. Der Beschwerdefüh-

rer weist demnach ein Risikoprofil auf, welches sich anhand der glaubhaft 

gemachten Drohungen der Taliban gegen ihn auch auf individueller Ebene 

konkretisiert und insgesamt zu einer objektiv begründeten Furcht vor Ver-

folgung durch extremistische regierungsfeindliche Akteure führt.  

6.5 Das Gericht gelangt zum Schluss, dass der Beschwerdeführer im 

Zeitpunkt seiner Ausreise aus Afghanistan im Jahre 2015 aufgrund seines 

Profils eine begründete Furcht vor gezielter Verfolgung durch regierungs-

feindlichen Gruppierungen im Sinne von Art. 3 AsylG hatte. Eine relevante 

Verfolgungsmotivation (unterstellte politische Haltung) ist ohne Weiteres zu 

bejahen. Nachdem sich die Sicherheits- und Verfolgungslage in 

Afghanistan seit seiner Ausreise im Jahr 2015 keineswegs verbessert hat, 

ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr 

nach Afghanistan begründeterweise auch aktuell künftige Verfolgung vor 

Übergriffen seitens regierungsfeindlicher Gruppierungen zu befürchten 

hat. 

E-2285/2018 

Seite 10 

7.  

7.1 Nachdem die festgestellte Verfolgungsgefahr nicht von staatlichen Or-

ganen, sondern von Dritten ausgeht, bleibt die Frage zu prüfen, ob für den 

Beschwerdeführer eine innerstaatliche Flucht- beziehungsweise Schutzal-

ternative besteht. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-

richts bedingt die Annahme einer innerstaatlichen Schutzalternative im 

Lichte der Schutztheorie, dass am Zufluchtsort eine funktionierende und 

effiziente Schutzinfrastruktur besteht und der Staat gewillt ist, der in einem 

anderen Landesteil von Verfolgung betroffenen Person am Zufluchtsort 

Schutz zu gewähren. Praxisgemäss sind an die Effektivität des Schutzes 

am Zufluchtsort hohe Anforderungen zu stellen. Namentlich genügt es 

nicht, dass der Verfolger am Zufluchtsort nicht präsent ist, sondern es muss 

auch die Möglichkeit ausgeschlossen werden können, dass er seinen Ein-

fluss auf diesen Ort ausdehnen kann (vgl. BVGE 2013/5 E. 5.4.3, BVGE 

2011/51 E. 8.5.1 und 8.6). Schliesslich muss es dem Betreffenden indivi-

duell zuzumuten sein, den am Zufluchtsort erhältlichen Schutz längerfristig 

in Anspruch nehmen zu können. Dabei sind die allgemeinen Verhältnisse 

am Zufluchtsort und die persönlichen Umstände der betroffenen Person zu 

beachten und es ist unter Berücksichtigung des länderspezifischen Kon-

textes im Rahmen einer individuellen Einzelfallprüfung zu beurteilen, ob ihr 

angesichts der sich konkret abzeichnenden Lebenssituation am Zufluchts-

ort realistischerweise zugemutet werden kann, sich dort niederzulassen 

und sich eine neue Existenz aufzubauen. Für die Frage der Zumutbarkeit 

kommt der Zumutbarkeitsbegriff gemäss Art. 83 AIG zur Anwendung (vgl. 

BVGE 2011/51 E. 8). 

7.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat mit Urteil D-5800/2016 vom  

13. Oktober 2017 (als Referenzurteil publiziert) eine Lagebeurteilung zu 

Afghanistan vorgenommen. Zusammenfassend ergibt sich eine deutliche 

Verschlechterung der Sicherheitslage seit dem letzten Länderurteil des Ge-

richts im Jahr 2011 (BVGE 2011/7) und dem Abzug der International 

Security Assistance Force (ISAF) über alle Regionen hinweg. Seit dem 

Übergang der Kontrolle von den ISAF-Kampftruppen auf die Afghan Natio-

nal Security Forces (ANSF) hat der Konflikt mehr und mehr den Charakter 

eines Bürgerkrieges angenommen, wobei grosse Teile des Staatsgebiets 

direkt von Kampfhandlungen betroffen sind. Hinzu kommen terroristische 

Anschläge in den von offenen Gefechten weitgehend ausgenommenen ur-

banen Zentren. Im Visier stehen vor allem die Grossstädte Kabul und Kan-

dahar, aber auch kleinere Städte wie Dschalalabad und Kunduz (vgl. dazu 

ausführlich E. 7.3 und E. 7.4 sowie zu den jüngsten Anschlägen: Zeit on-

line, Landesweite Taliban-Angriffe in Afghanistan, 22. April 2020, 

E-2285/2018 

Seite 11 

https://www.zeit.de/gesellschaft/2020-04/afghanistan-taliban-angriffe-lan-

desweit-tote, abgerufen am 05.05.2020). 

7.3 In Bezug auf die Stadt Mazar-i-Sharif gelangte das Bundesverwal-

tungsgericht im Urteil D-4287/2017 vom 8. Februar 2019 (als Referenzur-

teil publiziert) zum Schluss, dass sich die Sicherheitslage in den letzten 

Jahren verschlechtert hat. Bis zum Jahr 2016 zählte Mazar-i-Sharif zu den 

sichersten Städten Afghanistans. Seit 2016 hat sich jedoch auch die Si-

cherheitslage im Norden Afghanistans verschärft (vgl. dazu ausführlich  

E. 6.2.2.2 f.). 

7.3.1 Im Herkunftsgebiet des Beschwerdeführers ist das Bestehen einer 

ausreichenden Schutzinfrastruktur zu verneinen; davon geht auch die       

Vorinstanz aus, welche den Beschwerdeführer auf die innerstaatliche 

Fluchtalternative Mazar-i-Sharif verweist. 

7.3.2 Zunächst ist entgegen der vorinstanzlichen Erwägungen festzustel-

len, dass das Verfolgungsinteresse der Taliban auch ausserhalb der Hei-

matregion des Beschwerdeführers zu bestehen scheint. Zwar wurde der 

Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge in Mazar-i-Sharif nie direkt 

von den Taliban bedroht. Zu berücksichtigen ist aber, dass regierungsfeind-

liche Gruppierungen, namentlich die Taliban, landesweit aktiv sind und in 

den vergangenen Jahren eine Entwicklung hin zu einer gut organisierten 

Bewegung durchlaufen haben, wodurch sie in verschiedenen Provinzen an 

Einfluss, Macht und Stärke gewonnen haben. Sie verübten auch mehrere 

Angriffe in Mazar-i-Sharif (vgl. Referenzurteil D-4287/2017 vom  

8. Februar 2019 E. 6.2.3.1 ff.). Die afghanischen Sicherheitskräfte können 

die feindlich gesinnten Konfliktparteien kaum in genügender Weise zurück-

drängen oder kontrollieren (vgl. Referenzurteil D-5800/2016, E. 7.3.1 f.). 

Daraus folgt, dass die afghanischen Sicherheitskräfte für Angehörige von 

Personengruppen mit einem Risikoprofil – zu welchen der Beschwerdefüh-

rer gehört – keine funktionierende und effiziente Schutzinfrastruktur zur 

Verfügung stellen können (vgl. dazu Urteile des BVGer E-6343/2018 vom 

6. Juni 2019 E. 6.6; Referenzurteil D-4287/2017 vom 8. Februar 2019  

E. 6.2.3.2; Urteile D-3402/2017 vom 14. Dezember 2017 E. 7.2 und            

E-117/2016 vom 31. Oktober 2017 E. 7.4). Eine Schutzalternative im Sinne 

der Rechtsprechung besteht offensichtlich auch in anderen Teilen Afgha-

nistans nicht, zumal die Taliban in allen Landesteilen ihre Aktivitäten entfal-

ten und die Schutzinfrastruktur gegenüber derjenigen von Mazar-i-Sharif 

auch in anderen grossen Städten nicht effizienter ist (vgl. dazu Urteile         

E-6343/2018 vom 6. Juni 2019 E. 6.6 und E-1775/2016 vom 3. Dezember 

https://www.zeit.de/gesellschaft/2020-04/afghanistan-taliban-angriffe-landesweit-tote
https://www.zeit.de/gesellschaft/2020-04/afghanistan-taliban-angriffe-landesweit-tote

E-2285/2018 

Seite 12 

2018 E. 6.5). Zu berücksichtigen ist schliesslich, dass der Beschwerdefüh-

rer nie ausserhalb seines Dorfes gelebt hat, womit bezüglich der Stadt Ma-

zar-i-Sharif nicht von besonders begünstigenden Umständen auszugehen 

ist (vgl. Urteil D-4287/2017 vom 8. Februar 2019 E. 7.3.1). Unter diesen 

Umständen sind die hohen Anforderungen an den Nachweis einer sicheren 

und zumutbaren landesinternen Schutzalternative nicht gegeben. Vor die-

sem Hintergrund erübrigt es sich, auf die Ausführungen bezüglich des To-

des der (…) sowie des (…) weiter einzugehen.  

7.4 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die Vorbringen insgesamt als 

glaubhaft zu erachten sind und der Beschwerdeführer die Voraus-

setzungen zur Anerkennung als Flüchtling erfüllt. Den Akten lassen sich 

sodann keine Hinweise auf das Vorliegen von Asylausschlussgründen im 

Sinne von Art. 53 AsylG entnehmen. Die Beschwerde ist somit gutzu-

heissen und die Verfügung vom 20. März 2018 ist aufzuheben. Der Be-

schwerdeführer ist als Flüchtling anzuerkennen und die Vorinstanz ist 

anzuweisen, ihm Asyl zu gewähren. 

8.  

8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 VwVG). Damit wird die mit Zwischenverfügung vom 24. April 

2018 gewährte unentgeltliche Prozessführung gegenstandslos. 

8.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.  

Die Rechtsvertreterin reichte mit der Eingabe vom 24. April 2018 eine Ho-

norarnote ein. Darin weist sie einen zeitlichen Aufwand von acht Stunden 

à Fr. 200.– sowie Auslagen von Fr. 20.– aus (total Fr. 1'620.–). Der geltend 

gemachte zeitliche Aufwand und die Höhe der Auslagen scheinen ange-

messen. Unter Berücksichtigung der Eingaben vom 16. Mai 2018, 26. April 

2019, 12. August 2019 und 5. September 2019 ist der Aufwand auf insge-

samt zehn Stunden festzusetzen. Ausgehend von einem Stundenansatz 

von Fr. 200. – ist die von der Vorinstanz an den Beschwerdeführer auszu-

richtende Parteientschädigung auf Fr. 2’020.– (inkl. Auslagen) festzuset-

zen. 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-2285/2018 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung vom 20. März 2018 wird aufgehoben, der Beschwerdeführer 

als Flüchtling anerkannt und das SEM angewiesen, ihm Asyl zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr.  2'020.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Barbara Balmelli Nathalie Schmidlin