# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8dc23a30-bd7f-5f82-9744-773f7e7442bb
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-08-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.08.2010 D-5403/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5403-2010_2010-08-03.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5403/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 .  A u g u s t  2 0 1 0

Einzelrichter Robert Galliker, 
mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer;
Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler.

A._______, geboren (...),
Somalia,
vertreten durch Doris Schweighauser, 
(...)
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 
(Dublin-Verfahren);
Verfügung des BFM vom 14. Juli 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5403/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass die Beschwerdeführerin eigenen Angaben zufolge ihren Heimat-
staat  im  Jahr  2001  zusammen mit  ihrer  Familie  verliess  und  in  der 
Folge bis 2005 in B._______ lebte,

dass sie im Jahre 2005 auf dem Luftweg nach Schweden gelangte, wo 
sie  sich  bis  zu  ihrer  Einreise  in  die  Schweiz  am  8. August  2009 
aufhielt, 

dass sie am 11. November 2009 in der Schweiz um Asyl nachsuchte,

dass  das  BFM  aufgrund  einer  Abfrage  der  EURODAC-Datenbank 
feststellte,  die  Beschwerdeführerin  sei  am  17. Mai  2005  von  den 
schwedischen Behörden daktyloskopisch erfasst worden,

dass  die  Beschwerdeführerin  am 20. November  2009  im  Empfangs- 
und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ zur Person und zu den Asyl -
gründen befragt und am 9. Dezember 2009 vom Bundesamt angehört 
wurde,

dass  sie  angab,  sie  habe  am  15. Juni  2003  in  einer  religiösen 
Zeremonie  ihren  damals  bereits  in  der  Schweiz  lebenden  und  ent-
sprechend nicht anwesenden Mann geheiratet,

dass  sie  bei  ihrer  Ausreise  aus  B._______  im  Jahr  2005  in  die 
Schweiz habe reisen wollen, der Schlepper sie jedoch nach Schweden 
gebracht habe und dann verschwunden sei,

dass sie mangels Papiere in Schweden einen Asylantrag gestellt habe,

dass  ihr  Ehemann  sie  erst  nach  (...)  in  die  Schweiz  habe  kommen 
lassen  können,  weil  er  selber  erst  ab  diesem  Zeitpunkt  eine 
Aufenthaltsbewilligung erhalten habe,

dass  der  Beschwerdeführerin  im  Rahmen  der  Anhörung  vom 
9. Dezember  2009  das  rechtliche  Gehör  zu  einer  allfälligen  Weg-
weisung nach Schweden gewährt wurde,

dass sie angab, sie  wolle  bei  ihrem Ehemann in der Schweiz leben 
und nicht nach Schweden zurückkehren,

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dass das BFM mit Verfügung vom 14. Juli 2010 – eröffnet am 21. Juli 
2010 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht eintrat und 
die Wegweisung nach Schweden sowie den Vollzug anordnete,

dass das Bundesamt die Beschwerdeführerin gleichzeitig aufforderte, 
die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf  der Beschwerdefrist  zu 
verlassen,  den  Kanton  D._______  mit  dem  Vollzug  der  Weg-
weisungsverfügung  beauftragte,  festhielt,  eine  Beschwerde  gegen 
diese  Verfügung  habe  keine  aufschiebende  Wirkung,  und  ihr  die 
editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigte,

dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  die 
Beschwerdeführerin habe sich bis zu ihrer Einreise in die Schweiz in  
Schweden aufgehalten,

dass  Schweden  gestützt  auf  das  Abkommen  vom 26. Oktober  2004 
zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäi-
schen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 
des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat 
oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin-Assoziierungsab-
kommen  [DAA,  SR 0.142.392.68]) und  auf  das  Übereinkommen  vom 
17. Dezember 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, 
der  Republik  Island  und  dem Königreich  Norwegen  über  die  Umset-
zung,  Anwendung  und  Entwicklung  des  Schengen-Besitzstands  und 
über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staa-
tes für die Prüfung eines in der Schweiz, in Island oder in Norwegen ge-
stellten Asylantrags für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig 
sei,

dass  die  schwedischen  Behörden  der  Übernahme  der  Beschwerde-
führerin am 27. April 2010 zugestimmt hätten,

dass  die  Rückführung  –  vorbehältlich  einer  allfälligen  Unterbrechung 
oder Verlängerung – bis spätestens am 27. Oktober 2010 zu erfolgen 
habe,

dass somit auf das Asylgesuch nicht einzutreten sei, die Wegweisung 
aus der Schweiz die Regelfolge des Nichteintretens auf ein Asylgesuch 
und der  Vollzug der  Wegweisung nach Schweden zulässig,  zumutbar 
und möglich sei,

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dass  die  Beschwerdeführerin  mit  undatierter  Eingabe  (Poststempel: 
28. Juli 2010) gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht 
Beschwerde  erheben  und  dabei  beantragen  liess,  die  angefochtene 
Verfügung  sei  aufzuheben,  das  Bundesamt  sei  anzuweisen,  sein 
Recht  auf  Selbsteintritt  auszuüben  und  sich  für  vorliegendes  Asyl -
gesuch als zuständig zu erachten, eventualiter solle sich das Bundes-
amt  für  das  Asylgesuch  aus  humanitären  Gründen  als  zuständig 
erklären,  um die  Familienzusammenführung  der  Beschwerdeführerin 
mit ihrem Ehemann zu ermöglichen,

dass  im  Sinne  vorsorglicher  Massnahmen  der  Beschwerde  die  auf-
schiebende Wirkung zu erteilen  sei  und die Vollzugsbehörden anzu-
weisen seien, von einer Überstellung nach Schweden abzusehen, bis 
das  Bundesverwaltungsgericht  über  den  Suspensiveffekt   der  ein-
gereichten Beschwerde entschieden habe,

dass  der  Beschwerdeführerin  die  unentgeltlichen  Rechtspflege  im 
Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 
172.021) zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 
zu verzichten sei,

dass  auf  die  Begründung,  soweit  entscheidwesentlich,  in  den  nach-
folgenden Erwägungen eingegangen wird,

dass das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug der Wegweisung mit 
Verfügung vom 28. Juli 2010 per sofort aussetzte,

dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  29. Juli  2010  beim  Bundesver-
waltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM 
entscheidet  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31-33  des  Verwaltungs-
gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d 
Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG, 
SR 173.110]),

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dass  die  Beschwerdeführerin  durch  die  angefochtene  Verfügung 
besonders  berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren 
Aufhebung beziehungsweise Änderung hat und daher zur Einreichung 
der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und 
Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  frist-  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 
VGG sowie Art. 52 VwVG),

dass über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  be-
ziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  wird  (Art.  111 
Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um 
eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur 
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen 
Schriftenwechsel verzichtet wurde,

dass der Vorinstanz in der Beschwerdeschrift ein Verstoss gegen das 
Gebot effektiven Rechtsschutzes vorgeworfen wird (vgl. Ziff. B.III.2.1),

dass  die  angefochtene  Verfügung  ordnungsgemäss  der  (damaligen) 
Rechtsvertretung  der  Beschwerdeführerin  eröffnet  wurde,  die 
Beschwerde  fristgemäss  eingereicht  und  begründet  ist  und  eine 
Überstellung  der  Beschwerdeführerin  bis  anhin  nicht  stattgefunden 
hat,

dass  –  entgegen  der  Darstellung  in  der  Beschwerdeschrift  –  keine 
Rede  davon  sein  kann,  die  angefochtene  Verfügung  sei  der 
Beschwerdeführerin  erst  zu  dem Zeitpunkt  eröffnet  worden,  in  dem 
auch die Wegweisung vollzogen worden sei,

dass  bei  dieser  Sachlage  unerfindlich  ist,  inwiefern  der  geltend 
gemachte  Verstoss  gegen  das  Gebot  effektiven  Rechtsschutzes  im 
konkreten Fall zum Tragen käme, weshalb sich weitere Ausführungen 
hierzu erübrigen,

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 

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und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass  sich  die  Beschwerdeinstanz  –  sofern  sie  den  Nichteintretens-
entscheid  als  unrechtmässig  erachtet  –  einer  selbständigen 
materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und 
die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurs-
kommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs 
materiell prüft, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich 
grundsätzlich  volle  Kognition  zukommt,  wobei  sich  diese  Fragen  – 
namentlich diejenigen hinsichtlich des Bestehens von Vollzugshinder-
nissen (Durchführbarkeit der Überstellung an den zuständigen Staat) – 
in  den  Dublin-Verfahren  bereits  vor  Erlass  des  Nichteintretens-
entscheides stellen,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich 
zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass sich aus den Akten ergibt und auch unbestritten blieb, dass sich 
die Beschwerdeführerin während mehrerer Jahre in Schweden aufhielt 
und ihr dort am (...) eine Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründe 
ausgestellt wurde (vgl. C 17/1),

dass  die  schwedischen  Behörden  einer  Wiederaufnahme  der 
Beschwerdeführerin  am  27. April  2010  zugestimmt  haben  (vgl. 
C 31/1),

dass die Beschwerdeführerin somit ohne weiteres nach Schweden und 
damit in einen Drittstaat ausreisen kann, welcher für die Prüfung des 
Asylgesuches der Beschwerdeführerin staatsvertraglich zuständig ist,

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dass  Schweden  sowohl  Signatarstaat  des  Abkommens  vom 28. Juli 
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und 
der  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der 
Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) ist,

dass  gemäss  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  keine 
konkreten Anhaltspunkte  vorliegen,  wonach  sich  Schweden nicht  an 
die daraus resultierenden völkerrechtlichen Verpflichtungen hält,

dass  die  Beschwerdeführerin  überdies  auch  nach  eigenen  Angaben 
(vgl.  C 1/9  S. 2  und  C  6/9  S. 2)  über  eine  Aufenthaltserlaubnis  in 
Schweden verfügt,

dass  sich  nach  dem Gesagten  der  Vorwurf  eines  Verstosses  gegen 
das Refoulement-Verbot als nicht stichhaltig erweist,

dass  auf  Beschwerdeebene  geltend  gemacht  wird,  im  vorliegenden 
Fall  sei  gestützt  auf  Art. 15  der  Verordnung  (EG)  Nr. 343/2003  des 
Rates  vom 18. Februar  2003  zur  Festlegung  von  Kriterien  und  Ver-
fahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines 
Asylantrags zuständig ist, den ein Staatsangehöriger eines Drittlandes 
in  einem  Mitgliedstaat  gestellt  hat  (Dublin-II-VO)  aus  humanitären 
Gründen eine Familienzusammenführung  zwischen der  Beschwerde-
führerin und ihrem Ehemann angezeigt,

dass  Art. 15  Abs. 1  Dublin-II-VO  grundsätzlich  nur  dann  zur  An-
wendung  gelangt,  wenn  sich  eine  Asylbewerberin  in  dem  für  die 
Prüfung  des  Asylgesuches  nach  Art. 6-14  Dublin-II-VO  zuständigen 
Staat  aufhält,  humanitäre  Erwägungen  –  wie  das  Zusammenführen 
von Familienmitgliedern – jedoch dafür sprechen, das Asylverfahren in 
einem  weiteren  Staat  durchzuführen  (vgl.  CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA 
SPRUNG, Dublin II-Verordnung, 3., überarb. Aufl., Wien/Graz 2010, K4 zu 
Art. 15),

dass sich die Beschwerdeführerin indessen – wie besehen – in einem 
für  das  Asylverfahren  nicht  zuständigen  Staat  aufhält,  weshalb  ent-
gegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung die sogenannte 
"humanitäre  Klausel"  von  Art. 15  Dublin-II-VO  vorliegend  nicht  zum 
Tragen kommt,

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dass zwar Art. 8 EMRK (Recht auf Achtung des Privat- und Familien-
lebens) unter dem Aspekt von Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO berücksichtigt 
werden kann, 

dass  Voraussetzung  für  die  Inanspruchnahme  der  Garantie  von 
Art. 8 EMRK zunächst  das  Bestehen einer  Familie  ist,  wobei  es  ge-
mäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte 
(EGMR) auf ein tatsächlich bestehendes Familienleben ankommt (vgl. 
hierzu etwa EGMR, K. und T. gegen Finnland [Grosse Kammer], Urteil 
vom 12. Juli 2001, Beschwerde Nr. 25702/94, § 150),

dass  für  das  Vorliegen  einer  Familie  im  Sinne  von  Art.  8  EMRK 
allerdings  nicht  notwendig  ist,  dass  zwei  Personen  ihre  Beziehung 
rechtlich formalisiert  haben, weshalb die Unehelichkeit einer Partner-
schaft  grundsätzlich  kein  Hindernis  für  die  Anwendbarkeit  des  kon-
ventionsrechtlichen  Familienbegriffs  darstellt  (vgl.  BVGE  2008/47 
E. 4.1;  CHRISTOPH GRABENWARTER,  Europäische  Menschenrechtskon-
vention, 4. Aufl., München/Basel/Wien 2009, S. 204),

dass dabei als wesentliche Faktoren für eine tatsächlich gelebte Be-
ziehung das gemeinsame Wohnen respektive der gemeinsame Haus-
halt,  die  finanzielle  Verflochtenheit,  die  Länge und Stabilität  der  Be-
ziehung sowie das Interesse und die Bindung der Partner aneinander 
sind  (vgl.  CHRISTOPH GRABENWARTER,  a.a.O.,  S. 204;  MARK E.  VILLIGER, 
Handbuch  der  Europäischen  Menschenrechtskonvention,  2.  Aufl., 
Zürich 1999, S. 365; LUZIUS WILDHABER in: Internationaler Kommentar zur 
Europäischen  Menschenrechtskonvention,  Hrsg.:  Wolfram  Karl, 
12. Lfg., Köln/Berlin/München 2009, Art. 8 EMRK, S. 137),

dass  die  Beschwerdeführerin  anlässlich  ihrer  Befragung  am 
20. November  2009  angab,  sie  habe  ihren  Mann  vor  der  religiösen 
Heiratszeremonie – welche nota bene in seiner Abwesenheit stattfand 
–  nicht  gekannt  (vgl.  C1/9  S. 5),  weshalb  die  anderslautende 
Darstellung in der Beschwerdeschrift (vgl. Ziff. B.II.1) nicht zutrifft,

dass gemäss den Aussagen der Beschwerdeführerin auch nach ihrer 
Ankunft in Schweden kein persönlicher – sondern nur telefonischer – 
Kontakt mit ihrem Ehemann stattfand (vgl. C 6/9 S. 5),

dass demzufolge davon auszugehen ist, die Beschwerdeführerin habe 
ihren  Ehemann  erstmals  nach  ihrer  Einreise  in  die  Schweiz  am 
8. August 2009 persönlich getroffen,

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dass  sich  die  Beschwerdeführerin  sodann  von  der  Gesuchsein-
reichung am 11. November  2009 jedenfalls  bis  zur  Kantonszuteilung 
am 18. Januar 2010 im EVZ C._______ aufhielt  und damit  nicht  mit 
ihrem Ehemann zusammenlebte,

dass in  Anbetracht  dieser Sachlage noch nicht  von einer tatsächlich 
gelebten  Beziehung  im Sinne  von Art. 8  EMRK gesprochen  werden 
und  sich  die  Beschwerdeführerin  entsprechend  nicht  auf  diese 
Bestimmung berufen kann,

dass schliesslich darauf  hinzuweisen ist,  dass ungeachtet  der Frage 
danach,  ob  vorliegend  von  einer  tatsächlich  gelebten  Beziehung  im 
Sinne von Art. 8 EMRK gesprochen werden kann, die Wegweisung der 
Beschwerdeführerin auch deshalb eine zulässige Einschränkung des 
Konventionsrechts darstellen dürfte, weil im Zeitpunkt der Einreise der 
Beschwerdeführerin in die Schweiz für sie vorhersehbar war, dass sie 
aufgrund  der  mit  der  Dublin-II-VO  eingegangenen  Verpflichtungen 
vermutlich aus der Schweiz weggewiesen würde (siehe dazu EGMR, 
Abdulaziz u.a. gegen Vereinigtes Königreich, Urteil vom 28. Mai 1985, 
Beschwerde Nr. 9214/80, § 68),

dass entgegen den Beschwerdevorbringen nach dem Gesagten nicht 
davon auszugehen ist, das BFM hätte Veranlassung zu einem Selbst-
eintritt gehabt,

dass das BFM demnach in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG 
zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  nicht  ein-
getreten ist,

dass die Anordnung der Wegweisung nach Schweden der Systematik 
des  Dublin-Verfahrens  entspricht  und  nach  dem  Nichteintretensent-
scheid  im  Einklang  mit  der  Bestimmung  von  Art.  44  Abs. 1  AsylG 
steht,

dass  im  Rahmen  des  Dublin-Verfahrens  –  bei  dem es  sich  um ein 
Überstellungsverfahren in den für  die Prüfung des Asylgesuches zu-
ständigen Staat handelt – systembedingt kein Raum bleibt für Ersatz -
massnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 
des Bundesgesetzes vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerin-
nen und Ausländer [AuG, SR 142.20]), 

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dass eine entsprechende Prüfung – soweit notwendig – vielmehr be-
reits im Rahmen des Dublin-Verfahrens stattfinden muss (vgl. vorste-
hende Erwägungen),

dass vorliegend der vom Bundesamt verfügte Vollzug der Wegweisung 
nach Schweden zu bestätigen ist,

dass es der Beschwerdeführerin demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist,

dass mit vorliegendem Urteil das Beschwerdeverfahren abgeschlossen 
ist, weshalb sich der Antrag auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung 
als gegenstandslos erweist,

dass der am 28. Juli 2010 verfügte Vollzugsstopp und das Gesuch um 
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses mit vorliegendem 
Entscheid in der Hauptsache hinfällig werden,

dass die mit der Beschwerde gestellten Gesuche um Gewährung der 
unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG 
(unentgeltliche  Prozessführung  und  Rechtsvertretung)  abzuweisen 
sind, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen 
ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen waren, weshalb die kumulati-
ven Voraussetzungen für die Gewährung der unentgelt lichen Rechts-
pflege nicht erfüllt sind, 

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.-- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 
und 5 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege werden 
abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die  Rechtsvertreterin  der  Beschwerdeführerin  (vorab  per  Telefax; 
Einschreiben, Beilage: Einzahlungsschein)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 
Kurier; in Kopie)

- das  BFM,  Abteilung  Aufenthalt,  Dublin-Office,  Ref.-Nr. N (...)  (per 
Telefax)

- das (...) des Kantons D._______ ad (...) (per Telefax)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Robert Galliker Daniela Brüschweiler

Versand: 

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