# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 08a18ffa-9502-5185-8a1f-5e62bdbaab64
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-11-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.11.2014 D-729/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-729-2014_2014-11-12.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-729/2014 

 

 

  U r t e i l  v o m  1 2 .  N o v e m b e r  2 0 1 4  

Besetzung 

 
Einzelrichter Fulvio Haefeli, 

mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer;   

Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy. 

   Parteien 
 

A._______, geboren (…), 

alias B._______, geboren (…), 

alias C._______, geboren (…), 

Somalia,   

vertreten durch Urs Jehle, Caritas Schweiz, 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz. 

 

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des BFM vom 13. Januar 2014 / N (…). 

 

 

D-729/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Gemäss eigenen Angaben verliess der Beschwerdeführer seinen 

Heimatstaat im Juni 2010 und gelangte nach längeren Aufenthalten in 

Kenia, Uganda, dem Sudan, Libyen, Tunesien und Italien am 26. Juli 

2011 illegal in die Schweiz, wo er am 4. August 2011 um Asyl nachsuchte. 

Anlässlich seiner Kurzbefragung vom 22. August 2011 sowie der 

einlässlichen Anhörung vom 29. November 2013 zu seinen Asyl- und 

Ausreisegründen trug der Beschwerdeführer im Wesentlichen Folgendes 

vor: 

Er sei somalischer Staatsangehöriger und habe von Geburt bis zur 

Ausreise in D._______ gelebt, wo er während sieben Jahren die Schule 

besucht habe. Anfang des Jahres 2009 seien er und sein Bruder 

E._______ erstmals von der Al-Shabab aufgefordert worden, sich ihnen 

anzuschliessen, um in Mogadischu für den Heiligen Krieg zu kämpfen. 

Sie hätten darauf nichts erwidert. Erst fünf Monate später seien sie 

wiederum von jungen Al-Shabab Kämpfern aufgesucht und zum Mitgehen 

aufgefordert worden. Für den Unterlassungsfall habe man ihnen negative 

Konsequenzen angedroht. Am 5. Mai 2010 seien am späten Abend 

vermummte Männer mit zwei Autos vorgefahren und ins Haus 

eingedrungen, wo sie die ganze Familie mit Waffen bedroht und ihn und 

seinen Bruder gezwungen hätten, mitzukommen. Sie seien daraufhin in 

ein Trainingslager der Al-Shabab gebracht worden, wo sie den ganzen 

Tag hätten trainieren und beten müssen. Nach zwei Wochen sei ihnen die 

Flucht gelungen, da ein Wächter eingeschlafen sei und sie über eine 

Mauer hätten entkommen können. Sie seien verfolgt, nicht aber gefasst 

worden. Den Bruder habe er auf der Flucht aus den Augen verloren. Er 

selbst sei die ganze Nacht in Richtung D._______ gerannt, wo er seinen 

Onkel aufgesucht habe, der ihn für einige Wochen versteckt habe und 

ihm anschliessend bei der Flucht behilflich gewesen sei.  

 

Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer dem BFM seine 

Geburtsurkunde im Original zu den Akten. 

B.  

Am 7. September 2011 liess der Beschwerdeführer beim BFM unter 

anderem um Akteneinsicht ersuchen, woraufhin das BFM mit Schreiben 

vom 6. Dezember 2013 eine Kopie des Aktenverzeichnisses und Kopien 

der Akten, deren Einsicht nicht abzulehnen war, an die vom 

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Seite 3 

Beschwerdeführer angegebene Adresse zustellte. Gleichzeitig räumte sie 

dem Beschwerdeführer die Gelegenheit ein, sich zu folgender 

Unstimmigkeit zu äussern:  

Der Beschwerdeführer habe zu Protokoll gegeben, er habe seinen Bruder 

auf der Flucht aus den Augen verloren, und sich zu einem Onkel 

väterlicherseits begeben, wo er sich bis zu seiner Ausreise aufgehalten 

habe. Sein Bruder sei derzeit in Kenia bei seinem Vater (vgl. BFM-Akten 

A37/14 S. 11). Demgegenüber habe sein Bruder im Rahmen seines aus 

Kenia gestellten Asylgesuches vom 21. Juni 2012 zwar bestätigt, dass sie 

sich auf der Flucht aus den Augen verloren hätten, des Weiteren habe er 

jedoch erklärt, er habe erst wieder von seinem Bruder gehört, als er 

erfahren habe, dass dieser sich bei seiner Mutter in der Schweiz aufhalte. 

Er habe sich in der Nacht der Flucht ebenfalls zu seinem Onkel nach 

D._______ begeben, wo er sich einige Zeit aufgehalten habe (vgl. BFM-

Akten N_______ B1/11 S. 10). 

C.  

Mit Eingabe vom 18. Dezember 2013 beharrte der Beschwerdeführer 

darauf, sich ohne seinen Bruder bei seinem Onkel väterlicherseits 

aufgehalten zu haben. Er habe mit seinem in Kenia lebenden Bruder in 

Kontakt treten können, und in Erfahrung gebracht, dass sich sein Bruder 

bei dem besten Freund seines Vaters aufgehalten habe, welcher für ihn 

und seinen Bruder wie ein "echter" Onkel gewesen sei, obwohl er nicht zu 

ihrer Verwandtschaft gehört habe. Der Betreffende stamme vom Clan 

F._______ und habe die Ausreise seines Bruders bezahlt. 

D.  

Mit Verfügung vom 13. Januar 2014, welche dem Beschwerdeführer am 

14. Januar 2014 eröffnet wurde, stellte das BFM fest, der 

Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte dessen 

Asylgesuch vom 4. August 2011 ab, ordnete die Wegweisung aus der 

Schweiz an und schob den Wegweisungsvollzug wegen Unzumutbarkeit 

zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. 

E.  

E.a Gegen diese vorinstanzliche Verfügung richtet sich die am 11. 

Februar 2014 beim Bundesverwaltungsgericht erhobene Beschwerde mit 

den Anträgen auf Aufhebung der Dispositivziffern 1, 2 und 3 der 

angefochtenen Verfügung, Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und 

Gewährung von Asyl. Eventualiter sei die Sache zwecks Neubeurteilung 

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Seite 4 

an das BFM zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht wurde um Beizug 

der Akten des Verfahrens N_______, um Gewährung der vollen 

Akteneinsicht sowie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und 

Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. Für den Fall 

einer Gutheissung der Beschwerde wurde im Weiteren die Ausrichtung 

einer Parteientschädigung beantragt. 

E.b Zur Untermauerung seiner Vorbringen liess der Beschwerdeführer 

einen Bericht betreffend Zwangsrekrutierung Minderjähriger durch die Al-

Shabab (ACCORD – Austrian Centre for Country of Origin and Asylum 

Research and Documentation: Anfragebeantwortung zu Somalia: 

Zwangsrekrutierung Minderjähriger durch die al-Shabaab [a-8389], 08. 

Mai 2013, http://www.ecoi.net/local_link/247085/370657_de.html [Zugriff 

am 30. Januar 2014]) und eine Kopie des Asylgesuchs seines Bruders 

E._______ vom 21. Juni 2012 einreichen. 

Auf die Beschwerdebegründung wird – soweit entscheidrelevant – in den 

Erwägungen eingegangen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht 

Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des 

Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 VwVG. Das 

BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine 

Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet 

betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das 

Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der 

vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls 

endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des 

Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 BGG). Eine solche Ausnahme liegt in 

casu nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig 

entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 

BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 

AsylG). 

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Seite 5 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise 

Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 

108 Abs. 1 und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und 

Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise 

einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie 

nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, 

weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist 

(Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die 

Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

Betreffend die vom Beschwerdeführer beziehungsweise dessen 

Rechtsvertreter auf Beschwerdeebene gestellten Gesuche um 

vollständige Akteneinsicht sowie um Beizug der Akten N_______ ist 

Folgendes festzuhalten:  

4.1 Der Anspruch auf rechtliches Gehör enthält gemäss Art. 29 Abs. 2 BV, 

nebst weiteren Verfahrensgarantien insbesondere auch das Recht auf 

Akteneinsicht. Das Recht auf Akteneinsicht findet auch im Asylverfahren 

Anwendung (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 26-33 VwVG). Art. 26 Abs. 1 VwVG 

beinhaltet den grundsätzlichen Anspruch der Partei oder ihres Vertreters 

auf Einsicht in sämtliche Verfahrensakten, welche geeignet sind, in einem 

konkreten Verfahren als Beweismittel zu dienen. Bei den "Beweismitteln" 

handelt es sich um Unterlagen oder Aktenstücke, die zur jeweiligen 

Sache ("in ihrer Sache") gehören (vgl. WALDMANN/OESCHIGER in: 

Praxiskommentar VwVG, Waldmann/Weissenberger (Hrsg.), Zürich 2009, 

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Art. 26 N 57 m. w. H.). Der Anspruch auf Akteneinsicht bezieht sich 

demnach auf die jeweilige Sache und geht nicht über diese hinaus. 

Folglich verschafft Art. 26 VwVG grundsätzlich weder ein Einsichtsrecht in 

die Akten eines "anderen" (nicht die jeweilige Partei betreffendes) 

Verfahrens, noch verschafft er Zugriff auf Akten anderer Behörden (vgl. 

a.a.O.). Der Beschwerdeführer hat somit keinen Anspruch auf Einsicht in 

die Akten N_______. 

4.2 Bereits am 7. September 2011 liess der Beschwerdeführer durch 

seinen Rechtsvertreter um Einsicht in die eigenen Verfahrensakten 

ersuchen (vgl. A22/6). Mit Verfügung vom 6. Dezember 2013 wurden dem 

Beschwerdeführer eine Kopie des Aktenverzeichnisses sowie die Kopien 

der eigenen Akten zur Einsicht editiert, wobei das BFM ausführte, es 

verzichte darauf, Kopien unwesentlicher oder bereits bekannter 

Aktenstücke zuzustellen. Gleichzeitig wurde der Beschwerdeführer auf 

eine Unstimmigkeit zwischen seinen Aussagen und denjenigen seines 

Bruders mit Angabe der Fundestelle in den Akten N_______ 

hingewiesen, und es wurde ihm die Gelegenheit zur Stellungnahme 

eingeräumt (vgl. vorstehend Buchstabe B.).  

4.3 Folglich wurde das Recht auf Akteneinsicht nicht verletzt und soweit 

entscheidwesentlich zu einer Fundstelle der Akten N_______ das 

rechtliche Gehör gewährt. Ein Beizug der Akten N_______ ist deshalb 

nicht notwendig; der entsprechende Antrag wird abgewiesen. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen 

grundsätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat 

oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, 

Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder 

wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 

sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu 

werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich 

die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie 

Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den 

frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 

AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für 

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gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in 

wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich 

sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte 

oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

6.  

6.1 Zur Begründung seines negativen Asylentscheids hielt das BFM 

namentlich fest, gemäss gesicherten Erkenntnissen bezahle die Al-

Shabab ihren Soldaten einen Sold in Form von Geld, wobei besondere 

Einsätze wie beispielsweise erfolgreiche Handgranatenangriffe auf 

Militärfahrzeuge zusätzlich belohnt würden. Das Vorbringen des 

Beschwerdeführers, er habe kein Geld bekommen, sondern es sei ihnen 

gesagt worden, man könne die Waffen von den besiegten Feinden 

behalten und zum Beispiel verkaufen (vgl. A37/14 S. 9 F. 71), könne vor 

diesem Hintergrund nicht geglaubt werden. Seine Asylgründe vermöchten 

dadurch nicht glaubhaft zu erscheinen.  

 

Im Weiteren seien seine Schilderungen hinsichtlich des Aufenthalts im 

Trainingscamp der Al-Shabab und der Flucht allgemein und 

unsubstantiiert ausgefallen. Die Angaben zur Organisation des Camps 

seien karg und erschöpften sich darin, dass der Beschwerdeführer erklärt 

habe, es habe einen Teil zum Schlafen und einen Teil zum Trainieren 

gegeben. Das ganze Camp sei von einer Mauer umschlossen gewesen, 

die Toiletten hätten sich in der Nähe der Zimmer befunden und die 

Mahlzeiten seien von ausserhalb mit einem Auto gebracht worden. Der 

Beschwerdeführer habe sehr vage Angaben zur Struktur innerhalb des 

Camps gemacht. Zudem habe er erst auf wiederholtes Nachfragen zwei 

Namen seiner Vorgesetzten (…) angeben können und nicht gewusst, in 

welcher Gruppe oder Einheit er eingeteilt worden sei. Hinsichtlich der 

Person, welche jeden Tag Reden über die Religion gehalten habe, habe 

er nur den Namen (…) nennen können. Auch seine Ausführungen zum 

militärischen Training hätten sich darin erschöpft, dass er erklärt habe, er 

habe joggen, springen und am Boden kriechen müssen und habe gelernt, 

wie mit einer AK 47 umzugehen sei. Diese undetaillierten Angaben 

würden den Eindruck erwecken, der Beschwerdeführer habe das 

Geschilderte nicht selbst erlebt. Zusammenfassend hielten seine 

Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 

AsylG nicht stand, weshalb ihre Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. 

6.2 In der Beschwerde wird dieser Argumentation entgegengehalten, der 

Beschwerdeführer habe nur zwei Wochen in einem Ausbildungscamp der 

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Seite 8 

Al-Shabab verbracht und sei kein aktives Mitglied gewesen. Vielleicht 

hätte er tatsächlich zu einem späteren Zeitpunkt einen Lohn erhalten, er 

habe jedoch lediglich angeben können, was ihm während der 

zweiwöchigen Einführung erzählt worden sei. Auch sei zu 

berücksichtigen, dass die Al-Shabab keine staatliche Armee seien, 

weshalb ein einheitliches Vorgehen aller Einheiten nicht garantiert werden 

könne. Die unterschiedlichen Vorgehensweisen würden auch aus dem 

der Beschwerde beiliegenden Bericht deutlich. Die Motivation von 

Minderjährigen, bei der Al-Shabab mitzukämpfen, bestehe nicht immer 

und ausschliesslich in der Entlohnung, sondern in vielen Fällen seien es 

Zwangsrekrutierungen, welche durch Angst und Drohung erfolgen 

würden. Der vom BFM festgestellte angebliche Widerspruch vermöge 

daher die Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers nicht zu erschüttern. 

Des Weiteren sei der Beschwerdeführer bei der Kurzbefragung nicht zu 

seinen Asylgründen befragt worden. Die einlässliche Anhörung habe am 

29. November 2013 stattgefunden, mithin 3 bis 4 Jahre nach den 

eigentlichen Ereignissen, welche für die Flucht aus Somalia ursächlich 

gewesen seien. In der Zwischenzeit habe der Beschwerdeführer viele 

Dinge erlebt, welche sein Leben eindrücklich geprägt hätten. Dazu 

gehörten neben negativen Erlebnissen auch freudige Ereignisse, wie das 

Wiedersehen mit seiner Mutter in der Schweiz und das Erlernen der 

Schweizer Kultur und Sprache, welche für ihn prägend gewesen seien. In 

Anbetracht dieser zahlreichen Erfahrungen sei es umso höher zu 

bewerten, wie detailliert und lebhaft er die sich in Somalia abgespielten 

Ereignisse dargestellt habe. Diesbezüglich beharrte der 

Beschwerdeführer darauf, seine Rekrutierung sowie die seines Bruders 

und ihre Fahrt ins Ausbildungscamp detailliert beschrieben zu haben. Er 

habe bei der Anhörung einen genauen Plan des Elternhauses gezeichnet 

und dargelegt, wo und unter welchen Umständen die Entführung 

stattgefunden habe und die Entfernung von seinem Elternhaus zum 

Camp ungefähr angeben können. Er habe auch Details aus dieser Zeit 

nennen können, beispielsweise habe er den Tagesablauf im Camp 

beschreiben können, und er habe gewusst, dass das Essen nicht in 

seinem Teil des Camps gekocht worden sei. Er habe ausserdem 

dargelegt, dass er noch heute an den Erinnerungen an jene Zeit leide, 

und er auch in der Schweiz noch manchmal davon träume. Diese 

eindeutigen Realkennzeichen würden aufzeigen, dass er das 

Geschilderte tatsächlich erlebt habe. Angesichts der Tatsache, dass nach 

diesen Vorkommnissen auch sein Vater entführt und gefoltert worden sei 

und man seine Schwester G._______ entführt und bis heute nicht 

freigelassen habe, sei es auch nachvollziehbar, dass der 

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Seite 9 

Beschwerdeführer mit dieser Geschichte nicht habe abschliessen 

können, zumal sich noch ein Grossteil seiner Familie auf der Flucht in 

Kenia befinde. Für Details werde auf das entsprechende, beim BFM 

hängige Asylgesuch [seines Bruders E._______] verwiesen. Die 

wesentlichen Angaben des Beschwerdeführers würden auch von seinem 

Bruder E._______ in dessen persönlichem Asylgesuch bestätigt. Kleinere 

Abweichungen bei der Schilderung der Geschichte und bei den Daten 

seien angesichts der gemachten emotionalen Erfahrungen wohl 

unvermeidlich. Ausserdem spreche für die Glaubhaftigkeit der Vorbringen 

des Beschwerdeführers, dass sich seine Aussagen genau mit den 

bekannten Gegebenheiten vor Ort decken würden. D._______ sei in den 

Jahren 2009/2010 als eine Hochburg der Al-Shabab bekannt gewesen für 

die Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten. Das Lager der Al-Shabab   

(…), rund 20 km von D._______ entfernt, sei ein berüchtigter Stützpunkt 

der Al-Shabab. Die Zwangsrekrutierung Minderjähriger durch die Al-

Shabab sei eine allgemein bekannte Tatsache und weiterhin aktuell, wie 

der mit der Beschwerde eingereichte Bericht belege. Zudem habe der 

Beschwerdeführer den einzigen vom BFM festgestellten Widerspruch 

auch ausräumen können, weshalb die Vorinstanz selbst bei gewissen 

Restzweifeln an den Schilderungen des Beschwerdeführers in einer 

Gesamtwürdigung von deren Wahrheit hätte ausgehen müssen. Der 

Beschwerdeführer gehöre im Weiteren dem Clan Rahanweyn an, aus 

welchem auch der Subleader der Al-Shabab, Mukhtar Robow, komme. 

Minderjährige würden vorwiegend aus dessen Clan rekrutiert, weshalb 

der Beschwerdeführer und sein Bruder aufgrund ihrer Ethnie und ihres 

Alters gezielt in den Fokus der Al-Shabab geraten seien. Es sei 

unumstritten, dass dies einen ernsthaften Nachteil darstelle. Obgleich die 

Gefahr nicht von der somalischen Staatsgewalt ausgehe, sei nach der 

Schutztheorie massgeblich, ob der Herkunftsstaat schutzfähig und 

schutzwillig sei. Die Schutzfähigkeit des Staates sei in Somalia nicht 

gegeben. So führe dieser Staat gar die Liste des inoffiziellen Failed 

States Index an. Angesichts der lokalen Machtverhältnisse könne von 

einer quasi-staatlichen Verfolgung ausgegangen werden, wenn man 

berücksichtige, mit welchem Grad an Effektivität, Stabilität und 

Dauerhaftigkeit die Al-Shabab gewisse Regionen Somalias kontrollierten. 

7.  

7.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten in 

Übereinstimmung mit dem BFM zum Schluss, dass es dem 

Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrelevante Verfolgung im 

Heimatstaat glaubhaft zu machen. 

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Seite 10 

7.2 Entgegen den anderslautenden Ausführungen auf Beschwerdeebene 

handelt es sich unter anderem bei der Beschreibung der Rekrutierung 

sowie der Fahrt ins Ausbildungscamp oder dem Umstand, wonach der 

Beschwerdeführer noch heute an den Erinnerungen an jene Zeit leide, 

nicht um Realkennzeichen. Gemäss der Glaubwürdigkeitsforschung 

handelt es sich bei Realkennzeichen insbesondere um Detailreichtum der 

Schilderung, freies assoziatives Erzählen, Interaktionsschilderung sowie 

inhaltliche Besonderheiten. Die Aussagen des Beschwerdeführers weisen 

jedoch keinerlei Detailreichtum auf. Weder die ungefähre 

Entfernungsangabe zwischen dem Camp und seinem Elternhaus noch 

die Zeichnung des Grundrisses können in diesem Zusammenhang als 

Realkennzeichen gewertet werden. Vielmehr zählen dazu individualisierte 

Aussagen, welche eine persönliche Betroffenheit oder ein persönlich 

gefärbtes Reaktionsmuster zum Ausdruck bringen. Seinen Aussagen 

zufolge will sich der Beschwerdeführer mit vier anderen Personen ein 

Zimmer im Camp geteilt haben (vgl. A37/14 S. 8 F. 58). Die Frage der 

Hilfswerkvertretung nach deren Namen, konnte er jedoch nicht 

beantworten (vgl. A37/14 S. 12 F. 96). Er konnte auch nicht näher 

schildern, wie er die Zeit im Camp erlebt hat oder welche Vorkommnisse 

ihm stark in Erinnerung geblieben sind (vgl. A37/14 S. 9 F. 73 f.), noch 

konnte er auch nur ungefähr die Höhe der Mauer angeben, die er 

gemeinsam mit seinem Bruder überwunden haben will (vgl. A37/14 S. 10 

F. 77 ["Sie war nicht so hoch, sonst hätten wir es gar nicht geschafft."]) 

oder die Umgebung des Camps beschreiben (vgl. A37/14 S. 10 F. 79 ["Es 

war ausserhalb der Stadt.."]). Bezeichnenderweise konnte er lediglich die 

Waffe, mit der er angeblich schiessen gelernt haben will, benennen und 

aufzeichnen (vgl. A37/14 S. 8 F. 64), währendem er das eigentliche 

Schiesstraining mit nur einem Satz beschrieb (vgl. a.a.O. ["Man stellt eine 

Zielscheibe auf und versucht, die Mitte zu treffen."] Es entsteht so der 

Eindruck, dass er lediglich einer vorbereiteten Erzählspur folgte, von der 

er mangels tatsächlich Erlebtem nicht abweichen konnte.  

7.3 Darüber hinaus fehlen den Schilderungen des Beschwerdeführers 

Anschaulichkeit und Nachvollziehbarkeit. Insbesondere die Vorbringen, 

wonach der Beschwerdeführer und sein Bruder zwischen 2009 und dem 

5. Mai 2010 dreimal von Anhängern der Al-Shabab aufgesucht worden 

(vgl A37/14 S. 4 F. 33), in den Zeiträumen dazwischen aber nie behelligt 

worden sein wollen (vgl. A37/14 S. 5 F. 34), und der Beschwerdeführer 

weder das Aussehen der Männer beschreiben noch ungefähr die 

Tageszeit angeben konnte, zu der diese gekommen sei sollen (vgl. 

A37/14 S. 5 F. 37 f.), sind nicht plausibel. Ausserdem konnte der 

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Seite 11 

Beschwerdeführer auch auf entsprechenden Vorhalt hin, keine 

einlässlichere Erklärung abgeben (vgl. A37/14 S. 5 F. 35). Das Gericht 

gelangt deshalb wie zuvor das BFM insgesamt zum Schluss, dass dem 

Beschwerdeführer nicht geglaubt werden kann, er sei in Somalia 

tatsächlich in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt worden. 

7.4 Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass die Asylvorbringen 

des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit 

gemäss Art. 7 AsylG nicht genügen. An dieser Einschätzung können auch 

die weiteren Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe nichts ändern. Das 

BFM hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers demnach zu Recht 

abgelehnt. 

7.5 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, 

so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der 

Familie (Art. 44 AsylG). 

7.6 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer 

solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 m.w.H.). 

8.  

Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht 

möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]).  

 

Da das BFM den Beschwerdeführer vorläufig aufgenommen hat, 

erübrigen sich an dieser Stelle Ausführungen zur Durchführbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs. 

9.  

Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist 

abzuweisen. 

10.  

10.1 Eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, wird auf 

Antrag hin von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, sofern ihr 

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Seite 12 

Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Dabei 

verfügt eine Person dann nicht über die erforderlichen Mittel, wenn sie 

ohne Beeinträchtigung des notwendigen Lebensunterhaltes die 

Prozesskosten nicht zu bestreiten vermag. Angesichts des Umstands, 

wonach sich die Rechtsbegehren als aussichtslos erwiesen haben, ist 

das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne 

von Art. 65 Abs. 1 VwVG unbesehen der geltend gemachten Bedürftigkeit 

des Beschwerdeführers abzuweisen. 

Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wird 

mit dem vorliegenden Urteil gegenstandslos. 

10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem 

Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

10.3 Eine Parteientschädigung wird bei diesem Verfahrensausgang nicht 

ausgerichtet. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-729/2014 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne 

von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils 

zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Fulvio Haefeli Ulrike Raemy 

 

 

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