# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3e8bf077-618b-519d-9d2c-028ceb5c25c0
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-09-19
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 19.09.2017 BG.2017.25
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_BG-2017-25_2017-09-19.pdf

## Full Text

Beschluss vom 19. September 2017 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Andreas J. Keller, Vorsitz, 

Tito Ponti und Roy Garré,  

Gerichtsschreiber Stefan Graf  

 

   
Parteien  A., vertreten durch Rechtsanwalt Bruno Bauer,  

 

Beschwerdeführer 

 

 gegen 

   

1. BUNDESANWALTSCHAFT,  

 

2. KANTON THURGAU, Generalstaatsanwalt-

schaft,  

 

Beschwerdegegner 

 

 

Gegenstand  Sachliche Zuständigkeit (Art. 28 StPO) 

 
 
  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummern: BG.2017.25,  

BP.2017.43, BP.2017.44  

 

 

 

- 2 - 

 

 

Die Beschwerdekammer hält fest, dass: 

 

- die Bundesanwaltschaft mit Verfügung vom 14. September 2012 die Straf-

untersuchung SV.11.0140 gegen unbekannte Täterschaft wegen des Ver-

dachts der Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecheri-

scher Absicht und der Sachbeschädigung eröffnete, in der Hand der Bun-

desbehörden vereinigte und sistierte (vgl. act. 1.1, S. 1); 

 

- die Behörden der Kantone St. Gallen und Thurgau Ermittlungen in dieser 

Sache tätigten, welche zur Eruierung der mutmasslichen Täterschaft führten 

(vgl. act. 1.1, S. 1); 

 

- die Staatsanwaltschaft Kreuzlingen diesbezüglich am 23. Januar 2015 beim 

Bezirksgericht Kreuzlingen u. a. gegen A. Anklage erhob (vgl. act. 1, Ziff. II.4, 

S. 2); 

 

- das Hauptverfahren bis dato hängig ist; 

 

- die Staatsanwaltschaft Bischofszell am 7. August 2017 die Bundesanwalt-

schaft ersuchte, das Verfahren SV.11.0140 möglichst rasch nachträglich den 

Behörden des Kantons Thurgau zur Untersuchung und Beurteilung zu dele-

gieren (act. 1.4, 4.2); 

 

- die Bundesanwaltschaft am selben Tag verfügte, das Verfahren SV.11.0140 

werde wieder anhand genommen und an die Staatsanwaltschaft Bischofszell 

delegiert (act. 1.1); 

 

- der vor Bezirksgericht Kreuzlingen beschuldigte A. hiergegen mit Be-

schwerde vom 17. August 2017 an die Beschwerdekammer des Bun-

desstrafgerichts gelangte (act. 1); 

 

- er die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Rückweisung der 

Streitsache an die Bundesanwaltschaft verlangt; 

 

- er weiter um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbei-

ständung sowie um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ersucht; 

 

- die Bundesanwaltschaft beantragt, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit 

darauf einzutreten sei (act. 3); 

 

- 3 - 

 

 

- die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Thurgau beantragt, die Be-

schwerde sei kostenfällig abzuweisen, soweit überhaupt darauf eingetreten 

werden könne (act. 4); 

 

- A. die ihm angesetzte Frist zur Einreichung einer allfälligen Replik (act. 5) 

ungenutzt verstreichen liess. 

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass: 

 

- gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Bundesanwaltschaft die 

Beschwerde an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zulässig 

ist (Art. 393 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 20 Abs. 1 lit. b StPO und Art. 37 Abs. 1 

StBOG); 

 

- es sich beim Anfechtungsobjekt um eine Wiederanhandnahme der Untersu-

chung im Sinne von Art. 315 Abs. 1 StPO und um eine Delegation einer 

Strafsache an den Kanton Thurgau im Sinne von Art. 25 Abs. 1 i.V.m. Art. 23 

Abs. 1 lit. d StPO handelt; 

 

- die Wiederanhandnahme von Gesetzes wegen nicht anfechtbar ist (Art. 315 

Abs. 2 StPO); 

 

- sich die Kritik des Beschwerdeführers an der verfügenden Bundesanwalt-

schaft hinsichtlich der ebenfalls angefochtenen Delegation darin erschöpft, 

diese habe die Delegation aufgrund falscher Kenntnisse über den Sachstand 

erlassen (act. 1, Ziff. III.6, S. 5) und den involvierten Beschuldigten das recht-

liche Gehör nicht gewährt (act. 1, Ziff. III.4, S. 5); 

 

- die Bundesanwaltschaft das bei ihr sistierte Verfahren bis dato gegen unbe-

kannte Täterschaft geführt hatte, weshalb sie vor einer Delegation dieses 

Verfahrens an die kantonale Behörde auch keine beschuldigten Personen 

anzuhören hatte; 

 

- der Bundesanwaltschaft am 7. August 2017 die der Staatsanwaltschaft Bi-

schofszell vorliegenden Tatbestandsakten vorgelegt wurden (vgl. act. 1.4, 

4.2), weshalb nicht nachvollziehbar ist, inwiefern sie die Delegation der bei 

ihr hängigen Untersuchung aufgrund falscher Kenntnisse über den Sach-

stand erlassen haben soll; 

 

- 4 - 

 

 

- der Beschwerdeführer kein einziges Argument vorbringt, weshalb die Zu-

ständigkeit zur Führung der Strafsache weiterhin bei der Bundesanwalt-

schaft verbleiben soll; 

 

- der Beschwerdeführer seine Kritik am Vorgehen der kantonalen Behörden 

(vgl. act. 1, Ziff. III.1-III.3 und III.5, S. 3 ff.) gegebenenfalls dem kantonalen 

Sachrichter zu unterbreiten hat, diese an der grundsätzlichen Rechtmässig-

keit des Vorgehens der Bundesanwaltschaft jedoch nichts ändert; 

 

- die Beschwerde nach dem Gesagten als unbegründet abzuweisen ist, soweit 

auf diese einzutreten ist; 

 

- das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege und Verbeiständung wegen Aussichtslosigkeit abzuweisen ist 

(vgl. hierzu das Urteil des Bundesgerichts 1B_705/2011 vom 9. Mai 2012, 

E. 2.3.2); 

 

- das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung zufolge Gegen-

standslosigkeit als erledigt abzuschreiben ist; 

 

- bei diesem Ausgang des Verfahrens die Gerichtskosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen sind (Art. 428 Abs. 1 StPO); 

 

- die Gerichtsgebühr vorliegend auf Fr. 500.– festzusetzen ist (Art. 73 StBOG 

i.V.m. Art. 5 und 8 Abs. 1 des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 

31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bun-

desstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]); 

 

- 5 - 

 

 

und erkennt: 

 

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.  

 

2. Das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung wird als erledigt abge-

schrieben. 

 

3. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen. 

 

4. Die Gerichtsgebühr von Fr. 500.– wird dem Beschwerdeführer auferlegt. 

 

 

Bellinzona, 19. September 2017 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Vorsitzende: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Rechtsanwalt Bruno Bauer 

- Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Thurgau 

- Bezirksgericht Kreuzlingen 

- Bundesanwaltschaft 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.