# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 50f9d15e-5071-5362-a951-8c68a7ef7177
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-10-02
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 02.10.2025 C-719/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-719-2021_2025-10-02.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung III 

C-719/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 .  O k t o b e r  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richter David Weiss (Vorsitz), 

Richterin Michela Bürki Moreni, 

Richter Vito Valenti,    

Gerichtsschreiber Fabian Zumbühl. 
 

 
 

Parteien 
 A._______, (Dänemark), 

Beschwerdeführerin,  

  
 

 
gegen 

 
 

IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA, 

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Invalidenversicherung, Rentenanspruch, 

Verfügung der IVSTA vom 5. Februar 2021. 

 

 

 

C-719/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die am (…) 1965 geborene, mittlerweile in Dänemark wohnhafte 

A._______ (nachfolgend: Versicherte oder Beschwerdeführerin) ist 

deutsche Staatsangehörige und war im Zeitpunkt des Verfügungserlasses 

am 5. Februar 2021 in Deutschland wohnhaft. In den Jahren 1991 bis 1996 

sowie 2004 bis 2016 war sie mit Unterbrüchen als Grenzgängerin als 

Pflegefachfrau bei verschiedenen Arbeitgebern in der Schweiz erwerbstä-

tig und leistete Beiträge an die schweizerische Alters-, Hinterlassenen- und 

Invalidenversicherung (AHV/IV; vgl. Akten der IV-Stelle C._______[IV-

act.] 8). Ab dem 1. Juli 2014 war sie als diplomierte Pflegefachfrau in einem 

80 %-Pensum im Spital B._______ angestellt (vgl. IV-act. 5; 13 S. 2 f.; 98). 

B.  

B.a  Mit IV-Anmeldung vom 21. Januar 2018 stellte die Versicherte bei der 

IV-Stelle des Kantons C._______ das Begehren zum Bezug von Leistun-

gen der IV (IV-act. 2 S. 62). Als gesundheitliche Beeinträchtigung gab sie 

an, bereits im Jahr 2013 ein Burnout erlitten zu haben und seit August 2017 

an einer Depression zu leiden (IV-act. 2 S. 6). Aus den weiteren vorinstanz-

lichen Akten ist in diesem Zusammenhang zu entnehmen, dass die Versi-

cherte zwar ab dem 1. November 2018 versucht habe, ihre Tätigkeit im 

B._______ aufzunehmen (IV-act.  51; 96 S. 3). Dabei habe sie in einer ih-

rem Leiden angepassten Tätigkeit gearbeitet und nie wieder ihre volle 

Leistungsfähigkeit im angestammten Beruf erlangt (IV-act. 96 S. 3). Sie sei 

sehr rasch wieder an ihre Grenzen gestossen und habe sich gesundheitlich 

nicht stabilisieren können. Im Mai 2020 habe sie einen Rückfall gehabt und 

sei wieder zu 100 % krankgeschrieben worden, woraufhin das Arbeitsver-

hältnis per Ende Oktober 2020 gekündigt worden sei (IV-act. 96 S. 3; Akten 

des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer-act.] 1 S. 4 f.). 

B.b Mit Schreiben vom 29. Oktober 2019 teilte die IV-Stelle des Kantons 

C._______ der Beschwerdeführerin mit, dass in den Fachdisziplinen 

Rheumatologie und Psychiatrie eine medizinische Untersuchung notwen-

dig sei (IV-act. 71 f.). Die Beschwerdeführerin erhob weder gegen die 

Begutachtung noch gegen die ihr im selben Schreiben mitgeteilten beiden 

Fachärzte Einwände. Das bidisziplinäre Gutachten wurde am 27. bzw. 

28. Februar 2020 erstattet (IV-act. 77 f.). 

B.c Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens sprach die IV-Stelle 

für Versicherte im Ausland (IVSTA, nachfolgend: Vorinstanz) der 

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Seite 3 

Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 5. Februar 2021 ab dem 1. August 

2018 bis 30. Juni 2019 gestützt auf das bidisziplinäre Gutachten eine 

Viertelsrente zu. Für die Zeit ab dem 1. Juli 2019 verneinte sie hingegen 

den Anspruch auf eine Invaliditätsrente (vgl. IV-act. 81; 87; 91; 96 ff.; 109). 

C.  

C.a Gegen die Verfügung vom 5. Februar 2021 (Zustelldatum 11. Februar 

2021 [BVGer-act. 1 Beilage 2]) erhob die Versicherte mit Eingabe vom 

10. März 2021 (Datum der Postaufgabe) Beschwerde beim Bundesverwal-

tungsgericht. Sie beantragte die Aufhebung der Verfügung vom 5. Februar 

2021 und die Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente ab 1. August 2018, 

einer mindestens halben Rente ab 1. Januar 2019 und einer ganzen Rente 

ab Mai 2020. Ferner beantragte sie die Feststellung, dass die verfahrens-

rechtlichen Vorgaben zur Ermittlung des Invaliditätsgrads teilweise nicht 

eingehalten worden seien. Schliesslich sei ein psychiatrisch-medizinisches 

Obergutachten in Auftrag zu geben (BVGer-act. 1 S. 2).  

C.b Am 7. April 2021 ging der mit Zwischenverfügung vom 18. März 2021 

bis zum 3. Mai 2021 einverlangten Kostenvorschuss von Fr. 800.– bei der 

Gerichtskasse ein (BVGer-act. 2–4). 

C.c Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 6. Mai 2021 die 

Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung der angefochtenen Ver-

fügung (BVGer-act. 6). 

C.d In ihrer Replik vom 11. Juni 2021 (Datum der Postaufgabe) hält die 

Beschwerdeführerin an den beschwerdeweise erhobenen Rügen fest 

(BVGer-act. 8). 

C.e Mit Duplik vom 4. August 2021 verwies die Vorinstanz auf ihre Ver-

nehmlassung und hielt an der Abweisung der Beschwerde und Bestätigung 

der angefochtenen Verfügung fest (BVGer-act. 10). 

C.f Am 20. November 2022 erkundigte sich die Beschwerdeführerin via 

Online-Kontaktformular über den Verfahrensstand (BVGer-act. 12). Die 

Anfrage wurde ihrer Rechtsvertreterin zur Kenntnis zugestellt und beant-

wortet (BVGer-act. 13). 

C.g Am 20. März 2023 ging eine unaufgeforderte Stellungnahme der Be-

schwerdeführerin beim Bundesverwaltungsgericht ein (BVGer-act. 14). 

C-719/2021 

Seite 4 

C.h Mittels Online-Kontaktformular teilte die Beschwerdeführerin dem Bun-

desverwaltungsgericht am 26. September 2023 eine Adressänderung mit 

und fragte nach dem Verfahrensstand (BVGer-act. 16). Die Anfrage wurde 

zuhanden ihrer Rechtsvertreterin beantwortet (BVGer-act. 17), die das 

Bundesverwaltungsgericht in der Folge mit Schreiben vom 5. Oktober 2023 

über ihre Mandatsniederlegung informierte (BVGer-act. 18). 

C.i Am 23. Dezember 2024 wurde der Beschwerdeführerin mit Blick auf 

eine allenfalls drohende reformatio in peius Gelegenheit gegeben, Stellung 

zu nehmen (BVGer-act. 20). Mit Schreiben vom 15. Januar 2025 teilte die 

Beschwerdeführerin mit, dass sie trotz der drohenden reformatio in peius 

an ihrer Beschwerde festhalte (BVGer-act. 21). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Be-

schwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG [SR 173.32]; Art. 69 

Abs. 1 Bst. b IVG [SR 831.20]). Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin 

der angefochtenen Verfügung durch diese besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Abänderung, weshalb 

sie zur Erhebung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 59 ATSG [SR 830.1]; 

Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde (Art. 60 ATSG; Art. 50 Abs. 1, Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist, nachdem 

auch der Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet wurde, einzutreten. 

2.  

2.1 Gemäss Art. 40 Abs. 1 Bst. b der Verordnung vom 17. Januar 1961 

über die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) ist für Versicherte, die 

ihren Wohnsitz im Ausland haben, unter Vorbehalt der Absätze 2 und 2bis 

die IVSTA für die Entgegennahme und Prüfung der Anmeldungen zustän-

dig. Bei Grenzgängern ist die IV-Stelle, in deren Tätigkeitsgebiet diese eine 

Erwerbstätigkeit ausüben, zur Entgegennahme und Prüfung der Anmel-

dungen zuständig. Dies gilt auch für ehemalige Grenzgänger, sofern sie 

bei der Anmeldung ihren ordentlichen Wohnsitz noch in der benachbarten 

Grenzzone haben und der Gesundheitsschaden auf die Zeit der Tätigkeit 

als Grenzgänger zurückgeht. Die Verfügungen werden von der IVSTA er-

lassen (Art. 40 Abs. 2 IVV). 

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Seite 5 

2.2 Die Beschwerdeführerin war Grenzgängerin und hatte ihre letzte Ar-

beitsstelle beim B._______ in (…) im Kanton C._______. Zudem wohnte 

sie zum Verfügungszeitpunkt im benachbarten Grenzgebiet ([…] Deutsch-

land). Die Prüfung des Leistungsgesuch durch die IV-Stelle C._______ und 

der Erlass der Verfügung durch die IVSTA ist gemäss obenstehenden Aus-

führungen nicht zu beanstanden. 

3.  

Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes des 

vorliegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bildet die 

Verfügung vom 5. Februar 2021, mit der die Vorinstanz der Beschwerde-

führerin rückwirkend sowie befristet für die Zeit vom 1. August 2018 bis 

30. Juni 2019 eine Viertelsrente zugesprochen, die Ausrichtung einer 

darüberhinausgehenden Rente hingegen abgewiesen hat. 

4.  

4.1 Die Beschwerdeführerin ist deutsche Staatsangehörige, und wohnte im 

Zeitpunkt des Verfügungserlasses am 5. Februar 2021 in Deutschland und 

war in der Schweizerischen AHV/IV versichert. Es liegt offensichtlich ein 

grenzüberschreitender Sachverhalt mit Bezug zur EU vor (vgl. dazu 

BGE 145 V 231 E. 7.1; 143 V 81 E. 8.3). Damit gelangen das Freizügig-

keitsabkommen vom 21. Juni 1999 (FZA, SR 0.142.112.681) und die Re-

gelwerke der Gemeinschaft zur Koordinierung der Systeme der sozialen 

Sicherheit gemäss Anhang II des FZA, insbesondere die für die Schweiz 

am 1. April 2012 in Kraft getretenen Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 

(SR 0.831.109.268.1) und Nr. 987/2009 (SR 0.831.109.268.11), zur An-

wendung. Seit dem 1. Januar 2015 sind auch die durch die Verordnungen 

(EU) Nr. 1244/2010, Nr. 465/2012 und Nr. 1224/2012 erfolgten Änderun-

gen in den Beziehungen zwischen der Schweiz und den EU-Mitgliedstaa-

ten anwendbar. Das Vorliegen einer anspruchserheblichen Invalidität beur-

teilt sich indes auch im Anwendungsbereich des FZA und der Koordinie-

rungsvorschriften nach schweizerischem Recht (vgl. BGE 130 V 253 

E. 2.4; Urteil des BGer 9C_573/2012 vom 16. Januar 2013 E. 4). 

4.2 Am 1. Januar 2022 ist das revidierte Bundesgesetz über die Invaliden-

versicherung (IVG, SR 831.20; Weiterentwicklung der IV, Änderung vom 

19. Juni 2020, AS 2021 705; BBl 2020 5535) in Kraft getreten. Vorliegend 

sind in Anbetracht der am 24. Januar 2018 erfolgten Anmeldung und der 

am 14. Januar 2021 ergangenen Verfügung Leistungen mit allfälligem An-

spruchsbeginn vor dem 1. Januar 2022 streitig (vgl. Art. 28 Abs. 1 Bst. b 

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Seite 6 

und Art. 29 Abs. 1 IVG; vgl. BGE 142 V 547 E. 3). Entsprechend den allge-

meinen intertemporalrechtlichen Grundsätzen (BGE 146 V 364 E. 7.1; 144 

V 210 E. 4.3.1) sind hier primär die Bestimmungen des IVG, der IVV 

(SR 831.201) und des ATSG (SR 830.1) in der bis zum 31. Dezember 2021 

geltenden Fassung anwendbar. Sie werden – soweit nicht anders vermerkt 

– im Folgenden jeweils in dieser Version zitiert. 

4.3 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-

sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen 

Verwaltungsverfügung (hier: 5. Februar 2021) eingetretenen Sachverhalt 

ab (BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither ver-

ändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungs-

verfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b). 

5.  

5.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde 

ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-

tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 

Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-

lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-

mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-

weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden 

ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des 

Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der 

gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-

higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar 

ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchti-

gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, 

volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich 

zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tä-

tigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 

ATSG). 

5.2 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG 

Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit, nicht durch zumutbare Eingliede-

rungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können 

(Bst. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch-

schnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind 

(Bst. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 

ATSG) sind (Bst. c). 

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Seite 7 

5.3 Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf 

eine Viertelsrente, bei mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei mindes-

tens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei mindestens 70 % auf eine 

ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG [in der bis 31. Dezember 2021 gültig ge-

wesenen Fassung]). Beträgt der Invaliditätsgrad weniger als 50 %, so wer-

den die entsprechenden Renten nur an Versicherte ausbezahlt, die ihren 

Wohnsitz und ihren gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz 

haben (Art. 29 Abs. 4 IVG). Diese Einschränkung gilt jedoch nicht für die 

Staatsangehörigen eines Mitgliedstaates der EU und der Schweiz, sofern 

sie in einem Mitgliedstaat der EU Wohnsitz haben (Art. 7 VO [EG] 

883/2004; vgl. BGE 130 V 253 E. 2.3 und E. 3.1). 

5.4 Auf die rückwirkende Zusprechung einer abgestuften und/oder 

befristeten Invalidenrente sind die für die Rentenrevision geltenden Best-

immungen analog anzuwenden (vgl. BGE 150 V 67 E. 4.3 m.H.). Dement-

sprechend ist bei mehreren Sachverhaltsänderungen jeweils massgebli-

cher Vergleichszeitpunkt jener, in welchem zuletzt eine rechtskonforme 

Sachverhaltsabklärung (des jeweils anspruchserheblichen Aspektes), Be-

weiswürdigung und Invaliditätsbemessung vorgenommen wurde und sich 

eine Veränderung des Rentenanspruchs ergab (vgl. das Urteil des BGer 

8C_354/2019 vom 22. August 2019 E. 2.3 m.H.).Revisionsbegründend 

kann unter anderem eine Änderung des Gesundheitszustandes oder der 

erwerblichen Auswirkungen sein (BGE 141 V 9 E. 2.3). Ist eine anspruchs-

erhebliche Änderung des Sachverhalts nicht mit überwiegender Wahr-

scheinlichkeit erstellt, bleibt es nach dem Grundsatz der materiellen Be-

weislast beim bisherigen Rechtszustand (vgl. Urteil des BGer 

9C_273/2014 vom 16. Juni 2014 E. 3.1.1 mit Hinweisen). 

5.5 Bei der Beurteilung der Arbeits(un)fähigkeit stützen sich die Verwaltung 

und – im Beschwerdefall – das Gericht auf Unterlagen, die von ärztlichen 

und gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen 

sind. Ärztliche Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und 

dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tä-

tigkeiten die versicherte Person arbeitsfähig ist. Hinsichtlich des Beweis-

wertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Be-

lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die ge-

klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) 

abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammen-

hänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss-

folgerungen der Expertinnen und Experten begründet sind (BGE 134 V 231 

E. 5.1; 125 V 351 E. 3a). Eine begutachtende medizinische Fachperson 

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Seite 8 

muss über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen (Urteil des 

BGer 9C_555/2017 vom 22. November 2017 E. 3.1 mit Hinweisen). 

5.6 Aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte mitunter im Hinblick 

auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Guns-

ten ihrer Patienten aussagen, wird im Streitfall eine direkte Leistungszu-

sprache einzig gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärztinnen und 

Ärzte kaum je in Frage kommen. Berichte der behandelnden Ärztinnen und 

Ärzte sind aufgrund deren auftragsrechtlicher Vertrauensstellung zum Pa-

tienten vielmehr mit Vorbehalt zu würdigen (BGE 135 V 465 E. 4.5; 125 V 

351 E. 3b/cc; Urteil des BGer 9C_468/2009 vom 9. September 2009 

E. 3.3.1; Urteil des BVGer C-6073/2020 vom 4. August 2022 E. 3.7.4 

m.H.). Dies gilt für den allgemein praktizierenden Hausarzt wie für den be-

handelnden Spezialarzt (Urteil des BGer 9C_794/2012 vom 4. März 2013 

E. 2.1 m.H.). Allerdings dürfen auch die potentiellen Stärken der Berichte 

behandelnder Ärzte nicht vergessen werden, namentlich wenn sie wichtige 

– und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – 

Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder un-

gewürdigt geblieben sind (Urteil des BGer 9C_24/2008 vom 27. Mai 2008 

E. 2.3.2 m.H.; vgl. auch Urteile des BVGer C-1424/2021 vom 13. Dezem-

ber 2023 E. 6.4.3; C-6357/2020 vom 28. September 2022 E. 6.6). 

5.7 Die Stellungnahmen des Regionalen Ärztlichen Dienstes oder des me-

dizinischen Dienstes der IVSTA, welche nicht auf eigenen Untersuchungen 

beruhen, können wie Aktengutachten beweiskräftig sein, sofern ein lücken-

loser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Be-

urteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, 

mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den 

Hintergrund rückt (vgl. Urteile des BGer 9C_524/2017 vom 21. März 2018 

E. 5.1; 9C_28/2015 vom 8. Juni 2015 E. 3.2; 9C_196/2014 vom 18. Juni 

2014 E. 5.1.1; je m.H.). Die Aufgabe der versicherungsinternen Fachper-

sonen besteht insbesondere darin, aus medizinischer Sicht – gewisser-

massen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und 

Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entschei-

den haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und ver-

sicherungsmedizinisch zu würdigen (vgl. Urteile des BGer 9C_692/2014 

vom 22. Januar 2015 E. 3.3; 8C_756/2008 vom 4. Juni 2009 E. 4.4 m.H.). 

Dazu gehört auch, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer-

tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere An-

sicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen 

ist (BGE 142 V 58 E. 5.1). Enthalten die Akten für die streitigen Belange 

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Seite 9 

keine beweistauglichen Unterlagen, kann die Stellungnahme einer versi-

cherungsinternen Fachperson in der Regel keine abschliessende Beurtei-

lungsgrundlage bilden, sondern nur zu weitergehenden Abklärungen An-

lass geben (vgl. zum Ganzen: Urteile des BVGer C-6073/2020 E. 3.7.4; C-

2463/2021 vom 15. März 2022 E. 4.5). Rechtsprechungsgemäss sind wei-

tere Abklärungen vorzunehmen, selbst wenn auch nur geringe Zweifel an 

der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der Berichte des regionalen ärztli-

chen Dienstes (RAD) bestehen (vgl. BGE 145 V 97 E. 8.5; 142 V 58 E. 5.1 

in fine; Urteil des BVGer C-1424/2021 vom 13. Dezember 2023 E. 6.4.4). 

5.8 Geht es um psychische Erkrankungen wie eine anhaltende somato-

forme Schmerzstörung, ein damit vergleichbares psychosomatisches Lei-

den (vgl. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) oder depressive Störungen (BGE 143 V 

409 und 418), so sind für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit systemati-

sierte Indikatoren (Beweisthemen und Indizien) beachtlich, die es – unter 

Berücksichtigung von leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren 

wie auch von Kompensationspotentialen (Ressourcen) – erlauben, das tat-

sächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 

E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; 145 V 361 E. 3.1). 

6.  

Die Beschwerdeführerin hat während mehr als drei Jahren Beiträge im 

Sinn von Art. 36 Abs. 1 IVG geleistet, sodass die Anspruchsvoraussetzung 

der Mindestbeitragsdauer erfüllt ist. Mit Ablauf des gesetzlichen Wartejahrs 

nach der attestierten Arbeitsunfähigkeit von 100 % ab dem 17. August 

2017 (siehe IV-act. 9 S. 4) ist sechs Monate nach der Anmeldung für IV-

Leistungen vom 21. Januar 2018 (IV-act. 2) die Ausrichtung einer Invalidi-

tätsrente ab dem 1. August 2018 zu prüfen. Die Beschwerdeführerin ist ge-

mäss ihrem Hauptantrag der Ansicht, dass ihr ab dem 1. August 2018 eine 

unbefristete ganze Invalidenrente zustehe, ab 1. Januar 2019 mindestens 

eine halbe Rente und ab dem 1. Mai 2020 wiederum eine volle Invaliden-

rente. Sie beantragt überdies die Erstellung eines medizinischen Obergut-

achtens. Nachfolgend ist demnach zu prüfen, ob die Vorinstanz der Be-

schwerdeführerin zu Recht für die Zeit vom 1. August 2018 bis zum 

30. Juni 2019 eine Viertelsrente zugesprochen, die Ausrichtung einer 

darüberhinausgehenden Rente hingegen abgewiesen hat (IV-act. 109) be-

ziehungsweise ob sich der medizinische Sachverhalt in dieser Hinsicht als 

genügend abgeklärt erweist. 

7.  

Zum Gesundheitszustand beziehungsweise zur Arbeits- und 

C-719/2021 

Seite 10 

Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin ergibt sich anamnestisch im 

Wesentlichen das Folgende: 

7.1  

7.1.1 Zunächst ist den Akten zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin 

2013 ein Burnout erlitten und sich in psychotherapeutische Behandlung in 

der Klinik D._______ in (…) bei der Sport- und Fachpsychologin 

E._______ begeben hat. Weiter wird beschrieben, dass sie zwischen März 

und August 2013 arbeitsunfähig gewesen und dann wieder zur Arbeit zu-

rückgekehrt sei. In der Folge habe sie Frau E._______ von 2013 bis 2017 

auch ambulant psychotherapeutisch behandelt. Dabei sei 2013 Trittico ein-

dosiert worden, eigeninitiativ habe die Beschwerdeführerin in dieser Zeit 

während zwei Jahren auch Citalopram 20 mg von ihrer Mutter eingenom-

men und ab 2015 Fluextin 20 mg verschrieben bekommen (siehe IV-act. 9 

S. 14 f. und 18; 15 S. 5; 16 S. 3 und 10; 61 S. 19 und 28; 62 S. 2). Seit 

etwa 2011 bestünden überdies Schlafstörungen, für die sie Stilnox ein-

nehme und dadurch auf etwa sechs Stunden Schlaf komme. Morgens 

nehme sie – Stand 31. Juli 2019 – weiterhin 30 mg Fluoextin ein (IV-act. 62 

S. 2). Die Medikation sei gut eingestellt (IV-act. 50 S. 3). 

7.1.2 Am 17. August 2017 schrieb das Hausarztzentrum (…) (Deutsch-

land) die Beschwerdeführerin krank und attestierte eine Arbeitsunfähigkeit 

bis zum 31. August 2017, die in der Folge bis zum 1. Oktober 2017 verlän-

gert wurde (IV-act. 9 S. 4–6; siehe auch die Übersicht über vor diesem Da-

tum erfolgte Krankschreibungen kürzerer Dauer durch das Hausarztzent-

rum (…) in IV-act. 15 S. 2 f.). Die Arbeitsunfähigkeit wurde anschliessend 

von der Privatklinik D._______ AG, Psychiatrie und Psychotherapie, ab 

dem 27. September 2017 für die Zeit bis zum 27. November 2017 bestätigt 

(IV-act. 9 S. 10, 12, 23). Hiernach bestätigte das Hausarztzentrum (…) eine 

100%ige Arbeitsunfähigkeit bis zum 9. Januar 2018 (IV-act. 9 S. 24 und 

33). Der Assessment-Bericht des Krankentaggeld-Care-Management der 

Krankenkasse F._______ vom 9. November 2017 hält fest, dass die Krank-

schreibung ab dem 17. August 2017 durch einen Erschöpfungszustand be-

dingt gewesen sei, welcher sich in den Symptomen Schlafstörungen, An-

triebslosigkeit, Herzrasen, Morgentief und starker Müdigkeit äusserten. 

Weiter wird berichtet, dass die Beschwerdeführerin die Ursache für die er-

neute Erschöpfung ab 2017 eher in ihrer Arbeit und nicht mehr wie 2013 in 

der Familiensituation sehe. Insbesondere würden ihr nun die Nachtschich-

ten im B._______ zusetzen. Die Beschwerdeführerin schildert hinsichtlich 

möglicher Auslöser, dass sie neben einer sehr anspruchsvollen 

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Seite 11 

Arbeitstätigkeit mit mitunter sehr stressigen Schichtdiensten eine schwie-

rige familiäre Situation habe. Ihr Vater sei 2015 verstorben und ihre Mutter 

kurz darauf dement und pflegebedürftig geworden. 2016 hätte sie sich mit 

ihrer jüngeren Schwester über die weitere Versorgung der Mutter gestritten 

und schliesslich das Haus der Eltern verkauft, was sehr aufreibend gewe-

sen sei (IV-act. 15 S. 4). Nach dem ersten Burnout habe sie die Stelle und 

den Wohnort gewechselt, neue Hobbys gefunden (Garten, ihre Katzen) 

und therapeutisch viel gearbeitet. Sie nehme Anti-Depressiva und bei Be-

darf ein Schlafmittel. Ausserdem gehe sie viel spazieren, was ihr guttue. 

Der Assessment-Bericht schliesst mit der Empfehlung, mit einem Integra-

tionsversuch an ihrem Arbeitsort noch zuzuwarten (IV-act. 9 S. 14 ff.). 

7.1.3 Ab dem 15. Januar 2018 wurde ein Arbeitsversuch gestartet, auf-

grund des abermaligen Erschöpfungszustandes der Beschwerdeführerin 

bereits ab dem ersten Tage jedoch vorerst nicht fortgeführt (IV-act. 9 S. 32 

und 34; 15 S. 4). Es erfolgte eine erneute Krankschreibung mit 100%iger 

Arbeitsunfähigkeit bis zum 4. Februar 2018 durch das Hausarztzentrum 

(…) (IV-act. 9 S. 35). Dr. G._______, Facharzt für Allgemeinmedizin im 

Hausarztzentrum (…), gab diesbezüglich in seinem Kurzzeugnis vom 

8. Februar 2018 an, die Beschwerdeführerin leide seit sechs Monaten an 

einem zunehmenden Erschöpfungssyndrom mit Schlafstörungen (Diag-

nose: Burnout-Syndrom gemäss ICD-10 Z73) und vielerlei psychosomati-

schen Beschwerden, weshalb die Arbeitsfähigkeit auch derzeit noch ein-

geschränkt sei und bei ca. 50 % liege (IV-act. 9 S. 82). Anschliessend war 

die Beschwerdeführerin in Behandlung durch Dr. med. H._______, Fach-

ärztin Psychiatrie und Psychotherapie, in der Klinik I._______ AG, 

Psychiatrie und Psychotherapie, in (…), die eine fortgesetzte gänzliche 

Arbeitsunfähigkeit bis zum 28. Februar 2018 attestierte (IV-act. 9 S. 84–

86). Dr. H._______ und der Oberarzt Dr. J._______ diagnostizierten in 

ihren Berichten vom 16. und 27. März 2018 eine mittelgradig depressive 

Episode bei rezidivierend depressiver Störung (ICD-10 F33.1) mit erster 

depressiver Episode im Jahr 2013 und vermerkten die Medikation von 

Fluoxetin (am 14. Februar 2018 von 20 auf 30 mg erhöht) und Stilnox 

10 mg. Ferner gingen sie von einer Persönlichkeitsakzentuierung mit 

zwanghaften und selbstunsicheren Anteilen (ICD-10 Z73.1) aus. Gemein-

sam mit der Versicherten wurde eine teilstationäre oder tagesklinische Be-

handlung angedacht (IV-act. 15 S. 6; 16 S. 2–5; 61 S. 18 ff. und 27 ff.). 

7.1.4 Ab dem 6. April 2018 bis Ende Juni 2018 begab sich die Versicherte 

jeweils an vier ganzen und einem halben Tag in die Tagesklinik I._______ 

in (…) (IV-act. 19 S. 1; 22 S. 1). Gemäss Bericht vom 16. Juni 2018 von 

C-719/2021 

Seite 12 

der Oberärztin Dr.  K._______ von der Tagesklinik I._______ AG wurde 

dringend eine fortführende und vertiefte psychotherapeutische Begleitung 

empfohlen, um jahrelang bestehende dysfunktionale Denkmuster und 

Glaubenssätze aus der sehr belastenden Vergangenheit aufzuarbeiten. 

Weiter wurden Konzentrationsstörungen aufgrund starken Grübelns und 

emotionale und körperliche Erschöpfungszustände notiert (IV-act. 61 

S. 44 ff.). Im Austrittsbericht vom 6. Juli 2018 derselben Oberärztin wurden 

die emotionale Vernachlässigung und der Missbrauch durch die Eltern als 

auslösender Faktoren für die depressive Entwicklung benannt (siehe IV-

act 66 S. 2 ff.). In der Folge begann die Versicherte eine ambulante psy-

chiatrisch-psychotherapeutische Behandlung bei Dr. L._______ in (…) 

(siehe IV-act. 21 S. 1). Am 9. Juli 2018 startete die Beschwerdeführerin 

überdies ein Belastbarkeitstraining bei der M._______ AG, zunächst mit 

einer Präsenzzeit von zwei Stunden täglich während fünf Tagen pro Wo-

che. Später erfolgte eine Änderung der Präsenzzeit auf drei Stunden in vier 

Tagen mit einem freien Tag am Mittwoch. Die Beschwerdeführerin arbeitete 

mit Pferden (siehe namentlich IV-act. 23; 25; 38). Gemäss den Wochenbe-

richten der M._______ konnten in den ersten Wochen zunächst hinsichtlich 

der Selbstsicherheit, Durchsetzungsfähigkeit, Stabilität und Selbstakzep-

tanz Fortschritte festgestellt werden, ab dem 10.  bis zum 14.  September 

2018 sowie vom 18. bis 25. September 2018 hingegen erfolgte eine Krank-

schreibung aufgrund von Rücken- und Schulterschmerzen (IV-act. 38 

S. 3 f.), woraufhin eine Weiterführung des Trainings wegen der reduzierten 

körperlichen Belastbarkeit auf der M._______ nicht als zielführend erachtet 

wurde (IV-act. 35 S. 1). Die M._______ nahm die Versicherte in den Tagen 

vor Ende des Belastbarkeitstrainings als stabil und selbstsicher wahr. Es 

wird jedoch beschrieben, dass die Beschwerdeführerin immer wieder da-

ran habe erinnert werden müssen, nur körperlich leichte Arbeiten zu ver-

richten und physische Grenzen zu akzeptieren. Zudem habe sich die Ver-

sicherte zuweilen überfordert gezeigt und versucht, die Verantwortung an 

involvierte Personen abzugeben. (IV-act. 38 S. 4; 42 S. 3). 

7.1.5 Am 12. November 2018 startete die Beschwerdeführerin mit einem 

erneuten Arbeitsversuch im B._______, wobei sie weiterhin voll krankge-

schrieben blieb und an den vereinbarten Tagen zunächst jeweils an vier 

Tagen pro Woche von 09.00 bis 12.00 Uhr arbeitete (siehe IV-act. 43 S. 1; 

45 S. 1; 61 S. 89 und 92). Damit wurde der Einschätzung von 

Dr. L._______ gefolgt, dass die Beschwerdeführerin keine Nachtdienste 

verrichten sollte (vgl. IV-act. 61 S. 84). Gemäss der Notiz vom 30. Novem-

ber 2018 des Care-Managers der F._______ verliefen die ersten zwei Wo-

chen des Arbeitsversuchs «recht gut», wobei die Versicherte in der ersten 

C-719/2021 

Seite 13 

Woche nach der Arbeit jeweils sehr müde gewesen sei. In der zweiten Wo-

che habe sie jedoch festgestellt, dass nach dem Nachhausekommen vom 

Spital die Besorgung des Haushalts möglich sei, bevor sie sich hinlegen 

müsse (IV-act. 61 S. 98). Im Januar 2019 konnte der Umfang des Arbeits-

versuchs gemäss Vermerk vom 30. Januar 2019 des F._______-Care-Ma-

nagers auf vier Stunden pro Tag an vier Tagen die Woche erhöht werden, 

was in der ersten Woche noch schwierig gewesen sei. Dabei habe sie auch 

einmal von 17.00 bis 21.00 Uhr gearbeitet. Es habe kein Unterschied zu 

anderen Mitarbeitenden festgestellt werden können (IV-act. 61 S. 101). Im 

Februar 2019 habe sie erfolgreich versucht, ganze Tage zu arbeiten (IV-

act. 61 S. 106). In der Folge attestierte Dr. L._______ der Beschwerdefüh-

rerin am 21. Februar 2019 für die Zeit ab dem 25. Februar 2019 eine Ar-

beitsfähigkeit von 40 % – mithin 50 % ihres ursprünglichen 80 %-Pensums 

(IV-act. 47 S. 2). In der eingesetzten Zeit waren die Leistungen gemäss 

dem Vermerk der F._______ vom 27. März 2019 seit rund einem Monat 

stabil, weshalb eine Steigerung auf ein 60 %-Pensum ab Mai 2019 be-

schlossen wurde (IV-act. 61 S. 111). Gemäss der Dokumentation des 

B._______ führten die Überlastung der Beschwerdeführerin und Kurzab-

senzen dazu, dass das Pensum bei 40 % belassen wurde (IV-act. 98 S. 3). 

7.1.6 In seinem Verlaufsbericht vom 28. März 2019 diagnostizierte 

Dr. L._______ in Übereinstimmung mit den Ärzten der Klinik I._______ AG 

eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mit einer mittelgradi-

gen Episode (ICD-10 F33.1) und eine Persönlichkeitsakzentuierung mit 

selbstunsicheren und zwanghaften Anteilen (ICD-10 Z73.1). Die Versi-

cherte nehme weiterhin täglich das Antidepressivum Fluoxetin (30 mg). Er 

schloss weiterhin auf eine Arbeitsfähigkeit von 40 % – die Hälfte des zuletzt 

ausgeübten 80 %-Pensums. Er führte aus, dass sie ihr Arbeitsversuchs-

Pensum zwar auf zwei ganze Tage pro Woche habe steigern können, damit 

aber an Grenzen gestossen sei und längere Erholungsphasen gebraucht 

habe, wodurch auch ihre depressiven Symptome wieder aufgetreten seien. 

Aus therapeutischer Sicht gehe er davon aus, dass eine weitere Steigerung 

des Pensums höchstens kurzfristig möglich wäre, das Risiko für weitere 

ausgeprägte depressive Episoden aber signifikant erhöhen würde (IV-

act. 50 S. 2 f.). Die Arbeitsfähigkeit schätzte Dr. L._______ auch im Mai, 

Juni und Juli 2019 bei 40 % ein (IV-act. 61 S. 120, 122 und 138). Nament-

lich würden turbulente Tage und Einsätze von drei Tagen hintereinander 

die Beschwerdeführerin überfordern, Nachtdienste kämen weiterhin nicht 

infrage. Das B._______ als Arbeitgeber legte der Beschwerdeführerin in 

der Folge nahe, in den nächsten sechs Monaten eine andere Stelle zu su-

chen (vgl. IV-act. 61 S. 134). 

C-719/2021 

Seite 14 

7.1.7 Die von Dr. L._______ geschilderte Überforderung wird auch in der 

undatierten Chronologie über die Anstellung der Versicherten im 

B._______ aufgegriffen. Demnach zeigte sich im Verlauf des Arbeitsver-

suchs Ende Mai 2019, dass aus fachlicher Sicht eine Pensumserhöhung 

und die Übernahme von Nachtdiensten nicht infrage komme. Ab Novem-

ber 2019 sind Absenzen ersichtlich (je zwei Wochen im November 2019 

und Januar 2020, Kurzabsenzen ab April 2020 und einer Langzeitabsenz 

ab Mitte Mai 2020 bis Ende Juni 2020). Darauf erhöhte sich die Belastungs-

situation für die Versicherte gemäss der Chronologie des B._______ über 

den Anstellungsverlauf und es kam zu einer Verschlechterung ihrer [beruf-

lich-fachlichen] Fähigkeiten im Arbeitsalltag. Ab dem 27. Juli 2020 wurde 

sie schliesslich wieder zu 100 % krankgeschrieben. Das Arbeitsverhältnis 

wurde ihr per 31. Oktober 2020 gekündigt (vgl. zum Ganzen IV-act. 98 

S. 3 f.). 

7.2  

7.2.1 In orthopädischer Hinsicht wurden gemäss ärztlichem Zeugnis vom 

19. März 1995 von Dr.  N._______, Spezialarzt für Innere Medizin und 

Rheumaerkrankungen in (…), ein chronisches Thorakovertebralsyndrom 

bei leichtgradiger Kyphoskoliose der Brustwirbelsäule, Scheuermann-Ver-

änderungen T6 und T7 und paramedianen linksseitigen Diskushernien 

T4/5 und T5/6 sowie eine Calcaneodynie (Fersenschmerzen) links festge-

stellt (IV-act. 77 S. 51). Derselbe Arzt stellte am 1. Juni 1995 ein Kurzzeug-

nis aus, worin er ein nicht näher beschriebenes chronisches Rückenleiden 

seit Oktober 1994 vermerkte. Die dahingehenden Beschwerden würden 

durch die körperlich schwere Arbeit als Pflegefachfrau auf einer chirurgi-

schen Station immer wieder verstärkt, weshalb die Kündigung der Stelle 

als Pflegefachfrau nahegelegt worden sei (IV-act. 67 S. 4). 

7.2.2 Am 21. September 2016 wurde aufgrund eines Impingementsyn-

droms eine Kernspintomografie des rechten Schultergelenks durchgeführt, 

anhand derer der Facharzt für Radiologie Dr. O._______ in (…) (Deutsch-

land) degenerative Veränderungen im Schultergelenk mit deutlichen Kap-

sel- und Knochenmarködemen sowie eine Knochenzyste feststellte (IV-

act. 67 S. 2). 

7.2.3 Gemäss seinem Bericht vom 27. September 2018 diagnostizierte 

Dr. P._______, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in (…), auf-

grund der seitens der Beschwerdeführerin beschriebenen Beschwerden im 

Bereich der Lendenwirbelsäule ein intermittierendes Lenden-

C-719/2021 

Seite 15 

wirbelsäulensyndrom (ICD-10 M51.2Z). Er stellte aktuell einen «klinisch 

nahezu unauffällige[n] Befund» fest, weshalb eine uneingeschränkte funk-

tionelle Belastung möglich sei. Anamnestisch hielt er überdies einen Band-

scheibenvorfall T4/5 fest (IV-act. 67 S. 3). 

7.2.4 Im Fragebogen betreffend Erwerbstätigkeit und Haushalt, datierend 

vom 27. Juni 2019, gab die Versicherte betreffend ihre körperlichen Be-

schwerden an, sie könne 15 bis 20 Kilogramm heben, zehn bis zwölf Kilo-

meter zu Fuss gehen (d.h. maximal drei Stunden), etwa eine Stunde ste-

hen und 30 Minuten bis eine Stunde ohne Positionswechsel sitzen (IV-

act. 60 S. 2). 

7.2.5 Am 25. November 2019 und am 13. Januar 2020 führte das Zentrum 

Radiologie Q._______ in (…) Kernspintomografien der Halswirbelsäule 

durch. Anlässlich der ersten Tomografie wurde im Wesentlichen eine me-

diane Bandscheibenextrusion ohne radiculäre Kompression auf Höhe 

HWK4/5 und HWK5/6 festgestellt. Es wird festgehalten, dass auf Höhe 

HWK6/7 eine saumartige Bandscheibenextrusion mit deutlicherer Impres-

sion des Myelons vorliege, auf keiner Ebene hingegen sei eine cervicale 

Myelopathie erkennbar (IV-act. 77 S. 53). Bei der zweiten Tomografie 

knapp zwei Monate später zeigte sich eine nunmehr orthotope Lage der 

Bandscheiben. Diesbezüglich wird berichtet, dass diese allenfalls einen 

mässigen Wasserverlust, jedoch keine relevanten Höhenminderungen auf-

weisen würden (IV-act. 77 S. 52). 

7.3 Am 24. Oktober 2019 schloss der RAD-Arzt Dr.  R._______, Facharzt 

für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, 

dass vorliegend die psychische Problematik zentral beurteilungsrelevant 

erscheine. Diesbezüglich sei eine klare Trennung zwischen psychosozial 

unterhaltenen psychischen Beschwerdeanteilen in Abgrenzung zu einem 

eigenständigen psychischen Krankheitsbild aufgrund der vorhandenen 

medizinischen Angaben nicht valide durchzuführen. Letztlich seien den 

medizinischen Berichten keine plausiblen Angaben zur resultierenden Ar-

beitsunfähigkeit von 50 % zu entnehmen, zumal die Versicherte dieses 

Pensum auch zuletzt nicht erreicht habe. Somatisch seien Rückenschmer-

zen aktenkundig, wobei im September 2019 trotz polytoper Beschwerden 

klinisch ein nahezu unauffälliger Bewegungsapparat festgestellt worden 

sei. Der Sachverhalt erscheine zusammengefasst primär bezüglich der 

psychischen Beschwerden, ergänzend aber auch somatisch abklärungs-

bedürftig, weshalb eine externe, bidisziplinäre Begutachtung angezeigt sei, 

die bei Dr.  S._______, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und 

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Seite 16 

Dr.  T._______, Facharzt für Rheumatologie und Innere Medizin, erfolgen 

solle (siehe zum Ganzen IV-act. 69 S. 4). 

7.4 In der Folge wurden Dr. T._______ und Dr.  U._______ mit der Erstel-

lung eines bidisziplinären – rheumatologischen und psychiatrischen – Gut-

achtens mit abschliessender Konsensbeurteilung beauftragt (IV-act. 73 f.). 

Die psychiatrische Untersuchung durch Dr. U._______ fand am 20. Feb-

ruar 2020 in (…), die rheumatologische Untersuchung durch Dr. T._______ 

am darauffolgenden Tag in (…) (V._______) statt. 

7.4.1 In rheumatologischer Hinsicht stellte Dr. T._______ in seinem Teilgut-

achten vom 27. Februar 2020 keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeits-

fähigkeit fest. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien namentlich ein 

chronisches Zervikovertebralsyndrom mit Fehlform (Hohlrundrücken) und 

medianer Protrusion C4/5, Chondrose und medianer Protrusion C5/6, 

Chondrose und medianer Diskushernie C6/7 ohne Neurokompression. Ge-

mäss seiner Einschätzung haben ferner die anamnestisch belastungsab-

hängigen thorako- und lumbovertebralen Schmerzepisoden mit Scheuer-

mann-Veränderungen T6 und T7 sowie paramedianen Diskushernien T4/5 

und T5/6, die Retropatellararthrose, die leichte Trochanter-Bursitis links 

und die belastungsabhängigen Schmerzen im Daumengrundgelenk beid-

seitig mit beginnender Rhizarthrose und STT-Arthrose, eine AV-Knoten-

Reentry-Tachykardie seit 2013 und der rezidivfreie Zustand nach Entfer-

nung eines malignen Ganglioneuroms an der linken Niere mit Entfernung 

der linken Nebenniere im Jahr 1989 und die 1990 erfolgte Hysterektomie 

bei Uterus myomatosus keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der Be-

schwerdeführerin (siehe zum Ganzen IV-act. 77 S. 36 f., 39 f.). 

7.4.2 Gemäss seinem psychiatrischen Teilgutachten vom 28. Februar 

2020 geht Dr. U._______ von einer rezidivierenden depressiven Störung 

mit einer gegenwärtig leichten Episode (IDC-10 F.33.0) aus. Er führt im 

Wesentlichen aus, die Beschwerdeführerin sei teilstationär psychiatrisch 

behandelt worden, befinde sich in ambulanter psychiatrischer und antide-

pressiver Behandlung, die er für angemessen erachtete. Angesichts der 

aktiven Alltagsgestaltung sei die geklagte Krankheitsüberzeugung, nur 

40 % arbeiten zu können, aus psychiatrischer Sicht nicht objektivierbar. 

Namentlich sei sie im Alltag nur sehr wenig durch psychische Beschwerden 

beeinträchtigt, zumal sie ihren Haushalt selbständig führe, sich um ihre 

Katzen kümmere, Spaziergänge und Veloausfahrten unternehme, viel lese 

und kulturell interessiert sei. Vor diesem Hintergrund folgerte er, dass in 

der zuletzt ausgeübten Tätigkeit wegen der Depression eine 

C-719/2021 

Seite 17 

Einschränkung der Leistungsfähigkeit bestehe. Dabei sei eine Tätigkeit 

von sechs bis acht Stunden pro Tag in einem 80 %-Pensum möglich, aller-

dings aufgrund der Depression und der Schlafstörungen ohne Nacht-

dienste (siehe zum Ganzen IV-act. 78 S. 30, 32 f.). 

7.4.3 Aus interdisziplinärer Sicht ergibt sich auf Basis der beiden Teilgut-

achten somit gemäss Konsensbeurteilung eine Arbeitsfähigkeit von 80 % 

in den angestammten Tätigkeiten, d.h. als Pflegefachperson sowie als Luft-

verkehrsfrau, Heilpraktikerin oder Phytotherapeutin, wofür die Beschwer-

deführerin ebenfalls über abgeschlossene Ausbildungen verfügt (IV-act. 78 

S. 7). 

7.5 In Reaktion auf das psychiatrische Teilgutachten vom 28. Februar 2020 

und den Vorbescheid der IVSTA vom 30. März 2020 liess die Beschwerde-

führerin der Vorinstanz mit Schreiben vom 8. Juni 2020 eine ausführliche, 

vom Juni 2020 datierende Stellungnahme ihres behandelnden Psychiaters 

Dr. L._______ zukommen (IV-act. 94). Im Wesentlichen wird das Folgende 

festgehalten: 

7.5.1 Dr. L._______ führt zunächst aus, dass davon ausgegangen werden 

müsse, dass bereits das im Jahr 1994 festgestellte chronisches Rücken-

leiden schwere psychosomatische Beschwerden und depressive Einbrü-

che darstellten, was in seinen Augen vor dem Hintergrund der Biografie der 

Versicherten mit der ausgeprägten emotionalen Deprivation und frühkind-

lichen Traumatisierung verständlich sei. Dies hat seiner Meinung nach zu 

einer ausgeprägten Akzentuierung der Persönlichkeit und letztlich auch zu 

den chronisch-rezidivierenden depressiven Einbrüchen geführt. Die Be-

schwerdeführerin entwickelte eigene Bewältigungsmuster, mit denen sie 

über lange Jahre hinweg weit über die Belastungsgrenze hinaus gearbeitet 

und Einschränkungen minimalisiert habe. Es sei überdies bezeichnend für 

die Biografie der Beschwerdeführerin und deren eingeschränkte Bezie-

hungsfähigkeit, dass sie sich trotz der Schwere ihrer Krankheit nur in einem 

teilstationären Setting behandeln lassen wollte, um ihre zu ihren Katzen 

aufgebaute Beziehung nicht zu gefährden. 

7.5.2 Unter Verweis auf die Berichte der Klinik I._______ betont 

Dr. L._______ weiter, dass – auch von anderen Fachpersonen festgestellte 

– Persönlichkeitseigenschaften vorlägen, welche die depressive Entwick-

lung fördern würden, was jedoch vom psychiatrischen Gutachter nicht be-

rücksichtigt worden sei. Auch die frühkindliche Traumatisierung sei zwar 

von diesem beschrieben worden, aber weder in dessen Beurteilung 

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Seite 18 

eingeflossen, noch seien die mit der Traumatisierung einhergehenden 

selbstunsicheren und zwanghaften Persönlichkeitsanteile sowie das nach 

aussen «verbergende» Verhalten der Beschwerdeführerin zur Sprache ge-

kommen.  

7.5.3 Überdies habe der Gutachter den beruflichen Werdegang ausgeblen-

det. Diesbezüglich wies Dr. L._______ darauf hin, dass bereits früher deut-

liche Einbussen der Leistungsfähigkeit aufgetaucht seien, zum ersten Mal 

im Jahr 1995. Später habe sie sich zudem zur Luftverkehrskauffrau um-

schulen lassen [und zwischen 1999 bis 2003 bei zwei verschiedenen Luft-

fahrtgesellschaften gearbeitet; siehe IV-act. 78 S. 26]. Schliesslich habe 

sie ihr Pensum nach dem Burn-out im Jahr 2013 Pensum zunächst auf 

90 % und mit dem Stellenantritt im B._______ im Jahr 2014 auf 80 % re-

duziert. Die Pensumsreduktion sei direkter Ausdruck der nachlassenden 

Leistungsfähigkeit aufgrund der chronisch rezidivierenden depressiven 

Störung, die der Gutachter aufgrund der mangelnden Sorgfalt in der Erhe-

bung dieser Aspekte verkannt und dadurch auch die Persönlichkeitsakzen-

tuierung fälschlicherweise nicht diagnostiziert habe. Verkürzt und falsch 

dargestellt seien auch die angebliche Zufriedenheit der Beschwerdeführe-

rin in ihrer Arbeitsstelle im B._______. Während der Tätigkeit habe sie im 

Gegenteil konsistent und wiederholt eine Überlastung beklagt.  

7.5.4 Abschliessend wies der behandelnde Psychiater und Psychothera-

peut darauf hin, dass die privaten Aktivitäten und die Bewältigung des All-

tags schwer erkämpfte Skills darstellten und in der oberflächlichen Begut-

achtung nicht zur irreführenden Einschätzung einer lediglich leichten de-

pressiven Episode hätten führen dürfen. 

7.6 In der Folge bat die Vorinstanz den RAD am 30. Juli 2020 um Prüfung 

der im Rahmen des Vorbescheidverfahrens erhobenen medizinischen Ein-

wände (IV-act. 97). Dr.  W._______, Facharzt für Psychiatrie und Psycho-

therapie, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, reichte seine Beurtei-

lung am 8. Dezember 2020 ein (IV-act. 99). Er kommt darin zum Schluss, 

dass die Einwände von Dr. L._______ zusammenfassend nicht geeignet 

seien, das Gutachten von Dr. U._______ grundlegend in Frage zu stellen 

(IV-act. 99 S. 3). Dies aus nachfolgenden Gründen: 

7.6.1 Dr. W._______ merkt an, dass die geltend gemachte emotionale De-

privation und frühkindliche Traumatisierung vom Gutachter durchaus er-

wähnt worden seien. Dabei gelangte dieser allerdings zur Ansicht, dass die 

klinisch psychopathologischen Hinweise fehlen würden, wonach sich 

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Seite 19 

dadurch ein erheblicher und dauerhafter Gesundheitsschaden entwickelt 

hätte. Zwar seien eine Persönlichkeitsakzentuierung mit selbstunsicheren 

und zwanghaften Anteilen aufgeführt worden, im Austrittsbericht vom 

6. Juli 2018 der Tagesklinik I._______ seien jedoch keine akzentuierten 

Persönlichkeitsaspekte festgehalten worden. Daraus sei ersichtlich, dass 

die geltend gemachten akzentuierten Persönlichkeitszüge nicht durchwegs 

imponierten, insbesondere wenn die Versicherte über einen längeren Zeit-

raum tagesklinisch erlebt werde. Selbst wenn akzentuierte Persönlichkeits-

züge vorhanden sein sollten, sei aus versicherungsmedizinischer Sicht 

festzuhalten, dass es sich bei der Diagnose ICD10 Z73.1 nicht um eine 

psychiatrische Erkrankung und nur eine Normvariante handle, jedenfalls 

aber nicht um einen dauerhaften und schweren Gesundheitsschaden im 

Sinne der IV-Gesetzgebung. Die Arbeitsanamnese zeige zudem, dass die 

Versicherte mit der gegebenen Persönlichkeit jahre- und jahrzehntelang 

ein rentenausschliessendes Einkommen habe erwerben können. 

7.6.2 Darüber hinaus habe auch der rheumatologische Gutachter ein akti-

ves Funktionsprofil festgehalten, indem sie den Haushalt selbst führe und 

diversen Freizeitaktivitäten nachgehe. Dies sei nicht nur im bidisziplinären 

Gutachten festgestellt worden, sondern stimme mit vielen weiteren Berich-

ten überein, was wiederum nicht vereinbar sei mit einem erheblichen oder 

schweren psychiatrischen Gesundheitsschaden im Sinne einer Persönlich-

keitsstörung oder einer schweren, chronisch-rezidivierend verlaufenden 

depressiven Störung, wie dies vom behandelnden Psychiater geltend ge-

macht werde. Eine schwere depressive Störung werde in keinem Bericht 

bestätigt, auch nicht während des Aufenthalts in der psychiatrischen Ta-

gesklinik I._______ vom 6. April bis zum 15. Juni 2018. Der aktuelle psy-

chopathologische Befund, erhoben im Gutachten von Dr. U._______ (na-

mentlich: Stimmung etwas herabgesetzt, Antrieb nicht vermindert, Modula-

tionsfähigkeit herabgesetzt, aber Anzeichen von Freude, wenn über erfreu-

liche Dinge berichtet worden sei, keine Zeichen von Konzentrations-

schwäche, Zwangsgedanken, kein Lebensverleider), entspreche vielmehr 

einer leichtgradigen Beeinträchtigung, die zu einer dauerhaft 20%igen Ar-

beitsunfähigkeit führe, was der Gutachter nachvollziehbar begründet habe. 

7.6.3 Die familiäre Belastung der Versicherten (Borderline-Erkrankung der 

jüngeren Schwester, depressive Erkrankung des Bruders, psychologische 

Probleme der anderen Schwester) sei eine Tatsache, allerdings könne da-

mit keine schwere depressive Störung oder eine schwerwiegende Altera-

tion der Persönlichkeit abgeleitet oder bewiesen werden. Dasselbe gelte 

betreffend die unbestrittenermassen strenge und strafende Erziehung, 

C-719/2021 

Seite 20 

zumal sich anhand der medizinischen Befunde und des Funktionsniveaus 

im Alltag der geltend gemachte schwere Gesundheitsschaden nicht ab-

bilde. 

8.  

8.1 Die Beschwerdeführerin begründet ihre Beschwerde zunächst damit, 

dass es nicht nachvollziehbar sei, aus welchen Gründen die IVSTA nicht 

den ursprünglich vorgesehenen psychiatrischen Gutachter beauftragt und 

kurzfristig einen anderen Psychiater mit dem Gutachten betraut habe. Fer-

ner sei das bidisziplinäre Gutachten vor Erlass des Vorbescheids nicht dem 

fallführenden Arzt des RAD vorgelegt worden (BVGer-act. 1 S. 8). Ohnehin 

sei das psychiatrische Teilgutachten inkonsistent und genüge den Anforde-

rungen der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht, indem insbeson-

dere die funktionalen Einschränkungen nicht angemessen berücksichtigt 

und der Verdacht einer Persönlichkeitsstörung ignoriert worden seien 

(BVGer-act. 1 S. 9 ff.). 

8.2 Die Vorinstanz beantragt in der Vernehmlassung vom 6. Mai 2021 die 

Abweisung der Beschwerde (BVGer-act. 6). Sie verwies zur Begründung 

auf die Stellungnahme der IV-Stelle C._______ vom 3. Mai 2021, welche 

insbesondere ausführte, dass das Gutachten formell korrekt erfolgt sei. Na-

mentlich sei die Beschwerdeführerin zur Person des Gutachters informiert 

worden und es sei Gelegenheit gegeben worden, Einwendungen zu äus-

sern, wovon nicht Gebrauch gemacht worden sei. Die weiteren Vorbringen 

seien zudem nicht geeignet, den vollen Beweiswert der Gutachten in Zwei-

fel zu ziehen (BVGer-act. 6, S. 3–5). 

8.3 Mit Replik vom 11. Juni 2021 hält die Beschwerdeführerin an der Be-

schwerde vollumfänglich fest und führt insbesondere aus, dass sich in kei-

ner Weise nachvollziehen lasse, worauf der Gutachterwechsel zurückzu-

führen sei. Das Gutachten sei erst nach dem Vorbescheid Dr. W._______ 

vom RAD vorgelegt worden, welcher das Gutachten weder validiert noch 

sich mit den Einwendungen der Beschwerdeführerin auseinandergesetzt 

habe. Die Beschwerdeführerin hält an der Auffassung, wonach das Gut-

achten formell und materiell grosse Unstimmigkeiten aufweise, fest. 

(BVGer-act. 8, S. 2–4). 

8.4 Die Vorinstanz hielt an der beantragten Abweisung der Beschwerde 

fest und verwies mit ihrer Duplik vom 4. August 2021 auf die Stellungnahme 

der IV-Stelle C._______ vom 30. Juli 2021. In dieser wird bezüglich des 

C-719/2021 

Seite 21 

erfolgten Gutachterwechsels lediglich ergänzend festgehalten, dass die 

Beschwerdeführerin zunächst fälschlicherweise darüber informiert worden 

sei, dass die Begutachtung bei Dr. U._______ und nicht wie ursprünglich 

vorgesehen Dr. S._______ erfolgen solle. Um weitere Konfusionen zu ver-

meiden, sei man in der Folge bei Dr. U._______ als psychiatrischen Gut-

achter geblieben (BVGer-act. 10). 

9.  

Die vorliegend angefochtene Verfügung stützt sich in erster Linie auf das 

bidisziplinäre Gutachten vom 28. Februar 2020 (IV-act. 77 f.). Die Be-

schwerdeführerin moniert in formeller Hinsicht die Vergabe des Auftrags für 

die Erstellung des psychiatrischen Teilgutachtens an Dr. U._______ an-

stelle an den zunächst vom RAD empfohlenen Dr. S._______. Weiter rügt 

sie, dass das bidisziplinäre Gutachten und die darin enthaltene Konsens-

beurteilung vor Erlass des Vorbescheids nicht dem RAD vorgelegt worden 

sei. Dies sei erst nach den erhobenen Einwänden erfolgt, ohne dass der 

RAD-Arzt in der Folge eine konkrete Validierung des Gutachtens oder eine 

Auseinandersetzung mit den Einwendungen vorgenommen habe. Inhalt-

lich rügt sie schliesslich, insbesondere das psychiatrische Teilgutachten 

von Dr. U._______ vom 28. Februar 2020 (IV-act. 78) enthalte zahlreiche 

Diskrepanzen im Vergleich zur Aktenlage sowie nicht nachvollziehbare, un-

schlüssige gutachterliche Aussagen. Auch das rheumatologische Teilgut-

achten von Dr. T._______ vom 27. Februar 2020 (IV-act. 77) sei nicht 

schlüssig, indem trotz einer langen Auflistung von Diagnosen und Befun-

den die Existenz jeglicher Belastungsfaktoren verneint werde (siehe zum 

Ganzen BVGer-act. 1 und 8). Zu prüfen ist nach dem Gesagten, ob die 

Vorinstanz hinsichtlich der Feststellung des Gesundheitszustandes und 

der Einschätzung der funktionellen Leistungsfähigkeit der Beschwerdefüh-

rerin zu Recht auf das genannte bidisziplinäre Gutachten abgestellt hat. 

10.  

Zunächst sind die formellen Rügen betreffend das bidisziplinäre Gutachten 

zu prüfen. 

10.1 Die Vorinstanz hat der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 

30. Oktober 2019 mitgeteilt, dass sie eine medizinische Untersuchung in 

den Fachdisziplinen Psychiatrie und Rheumatologie für notwendig erachte, 

wobei sie Dr. U._______ mit der psychiatrischen und Dr. T._______ mit der 

rheumatologischen Begutachtung zu beauftragen vorsehe. Sie hat der Ver-

sicherten, wie in Art. 44 ATSG in der bis zum 31. Dezember 2021 gültigen 

Fassung vorgesehen, eine Frist bis zum 12. November 2019 zur 

C-719/2021 

Seite 22 

Einreichung von Einwendungen gegen die Art der Begutachtung, die vor-

gesehenen Fachdisziplinen sowie die begutachtende Person gesetzt (IV-

act. 71 f.). Die Beschwerdeführerin hat innerhalb der gesetzten Frist weder 

gegen die Disziplin oder Art der Begutachtung noch gegen den Gutachter 

Dr. U._______ Einwände erhoben. Auch vor dem Bundesverwaltungsge-

richt scheint ihr einziger Kritikpunkt darin zu bestehen, dass nicht 

Dr. S._______ als Gutachter beauftragt worden ist. Sie macht jedoch keine 

Zweifel an der fachlichen Eignung oder der Unabhängigkeit und Unvorein-

genommenheit Dr. U._______s geltend. Ebenso wenig belegt sie ihre Be-

merkung, wonach Dr. S._______ «grosse Expertise in psychiatrischen 

Krankheitsbildern, insbesondere bei Persönlichkeitsstörungen» (BVGer-

act. 8 S. 2) aufweise, zumal dies gerade nicht bedeutet und auch nicht dar-

getan ist, dass die entsprechende Erfahrung Dr. U._______ abgehen 

würde. Auch von einem kurzfristigen Gutachterwechsel (BVGer-act. 8 S. 2) 

kann nicht die Rede sein. Die ursprüngliche Nennung seitens des RAD-

Arztes Dr. R._______ in seiner Stellungnahme vom 24. Oktober 2019 (IV-

act. 69 S. 4), dass Dr. S._______ beauftragt werden soll, bindet die 

Vorinstanz nicht. Vielmehr hat sie, wie dargelegt, im Nachgang an 

Dr. R._______s Vorschlag die prozessualen und materiellen Vorgaben für 

die Ernennung Dr. U._______s als psychiatrischen Gutachter eingehalten 

(siehe auch Rz. 2077 ff. des Kreisschreiben über das Verfahren in der In-

validenversicherung [KSVI] in der damals gültigen Fassung ab dem 1. Ja-

nuar 2010, Stand 1. Januar 2018; ferner BGE 139 V 349 E. 5.2.2.2 f.). Wie 

die Vorinstanz korrekt anmerkt, hatte sie die Beschwerdeführerin überdies 

vorgängig nicht darüber informiert, dass der RAD-Arzt zunächst von einer 

Beauftragung Dr. S._______s ausgegangen war (vgl. BVGer-act. 6 

Ziff. II.4b). Entsprechend ist diesbezüglich keine Vertrauensgrundlage ent-

standen. 

10.2  

10.2.1 Was die Vorlage des bidisziplinären Gutachtens angeht, anerkennt 

die Vorinstanz, dass dieses nach Erhalt nicht, wie in Rz. 2080 des KSVI 

vorgesehen, innerhalb von 20 Tagen dem RAD vorgelegt worden ist, son-

dern erst nach den Einwänden der Beschwerdeführerin und unter Beilage 

der ausführlichen Stellungnahme von Dr. L._______ (siehe BVGer-act. 6 

Ziff. II.4c). Die Beschwerdeführerin stösst sich nicht an der Frage der Ein-

haltung der ohnehin nicht verbindlichen, im KSVI vorgesehenen 20-Tages-

Frist (vgl. BGE 144 V 195 E. 4.2; 138 V 346 E. 6.2). Vielmehr erblickt sie 

darin eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, dass das Gutachten nicht 

vor Erlass des Vorbescheids dem RAD vorgelegt worden ist, sondern erst 

C-719/2021 

Seite 23 

nach den erhobenen Einwänden (BVGer-act. 8 S. 3). Die Vorinstanz hat in 

der Tat nach der Einreichung des bidisziplinären Gutachtens zunächst nur 

eine Fallzusammenfassung für den Rentenentscheid erstellt und danach 

direkt den Vorbescheid verfasst (siehe IV-act. 79–81, 86–99). Erst auf die 

Einwände der Beschwerdeführerin hin, welche diese innert erstreckter Frist 

mittels einer kurzen und dreier detaillierten Eingaben geltend gemacht hat 

(IV-act. 87; 91; 94; 96), wurde der RAD um eine erneute Stellungnahme 

ersucht (IV-act. 97). Diese hat RAD-Arzt Dr. W._______ am 8. Dezember 

2020 erstellt, wobei er ausführlich auf die Einwände der Beschwerdeführe-

rin und insbesondere die Stellungnahme ihres behandelnden Psychiaters, 

Dr. L._______, eingegangen ist und die Erkenntnisse des Gutachtens – 

d.h. der interdisziplinären Gesamtbeurteilung und des psychiatrischen Teil-

gutachtens von Dr. U._______ – miteinbezogen hat. Insbesondere hat er 

dargelegt, aus welchen Gründen er die Einwände der Beschwerdeführerin 

nicht für geeignet hält, das Gutachten von Dr. U._______ in Frage zu stel-

len (siehe IV-act. 99). Die IVSTA versandte den Bericht des RAD vom 

8. Dezember 2020 am 10. Dezember 2020 an die Beschwerdeführerin mit 

der Bemerkung, dass am Entscheid festgehalten und sie Gelegenheit ha-

ben werde, diesen gerichtlich anzufechten (IV-act. 100). 

10.2.2 Dieses Vorgehen ist nicht zu beanstanden. Die IVSTA kann auf den 

RAD zurückgreifen und diesem das Gutachten zur Stellungnahme unter-

breiten (vgl. Art. 49 Abs. 3 IVV). Sie ist jedoch gemäss bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung nicht grundsätzlich dazu verpflichtet (siehe Urteil des 

BGer 9C_202/2021 vom 2. Juni 2021 E. 4.2.4), obwohl die – wie dargelegt, 

nicht verpflichtenden – Verwaltungsweisungen des KSVI (siehe 

Rz. 2079 ff.) insbesondere bei psychiatrischen Gutachten eine «versiche-

rungsmedizinische Qualitätssicherung» unter Einbezug des RAD vorse-

hen. Eine Verpflichtung für die IV-Stelle, ein Gutachten zwingend vor Erge-

hen der Verfügung dem RAD vorzulegen, lässt sich demnach nicht ablei-

ten, weshalb die dahingehenden Vorbringen der Beschwerdeführerin un-

begründet sind. 

10.2.3 Entscheidend ist vorliegend, dass die Beschwerdeführerin bereits 

nach Ergehen des Vorbescheids Gelegenheit hatte, sich in Kenntnis der 

gesamten Aktenlage und des bidisziplinären Gutachtens einlässlich zu 

äussern und weitere Belege beizubringen, was sie auch getan hat 

(vgl. BGE 143 V 71 E. 4.4.2). Indem die RAD-ärztliche Stellungnahme vom 

8. Dezember 2020 sich vor dem Hintergrund des bidisziplinären Gutach-

tens mit ihren Einwänden auseinandersetzt, enthält es überdies keine 

neuen, der Beschwerdeführerin nicht bereits bekannten Informationen. Sie 

C-719/2021 

Seite 24 

legt denn auch nicht dar, inwiefern die zunächst nicht erfolgte Vorlage an 

den RAD es ihr verunmöglicht hätte, sich substantiiert mit dem Gutachten 

und dem Vorbescheid auseinanderzusetzen. Es war ihr mit anderen Wor-

ten in der Folge ohne Weiteres möglich, nach Wahrung ihrer Mitwirkungs-

rechte den vorinstanzlichen Entscheid sachgerecht anzufechten 

(vgl. BGE 143 V 71 E. 4.1; 135 I 279 E. 2.3; je m.H.). Sodann obliegt die 

Überprüfung der Beweiskraft des genannten Gutachtens dem Bundesver-

waltungsgericht und bildet somit auch Gegenstand des vorliegenden Be-

schwerdeverfahrens, weshalb die Verfahrensrechte der Beschwerdeführe-

rin auch in dieser Hinsicht gewahrt sind. 

10.3 Das im Verfahren nach Art. 44 ATSG durch die Vorinstanz eingeholte 

bidisziplinäre Gutachten vom 28. Februar 2020 basiert auf den Vorakten 

sowie der persönlichen psychiatrischen Untersuchung vom 20. Februar 

2020 und der persönlichen rheumatologischen Untersuchung vom Folge-

tag durch entsprechend qualifizierte Fachärzte. Die Vorinstanz hat die mit 

der Begutachtung einhergehenden Verfahrensrechte der Beschwerdefüh-

rerin gewahrt. Die Gutachter setzen sich mit den beklagten Beschwerden 

der Beschwerdeführerin und ihren Angaben anlässlich der Begutachtung 

auseinander. Sie halten die erhobene Anamnese fest, führen die Untersu-

chungsbefunde auf, beziehen die Vorakten mit ein und begründen die ge-

stellten Diagnosen. Sodann enthält es schliesslich auch eine Konsensbe-

sprechung. Das Gutachten erfüllt daher insgesamt die formellen Kriterien 

einer beweiswertigen medizinischen Expertise. 

10.4 Die weiteren Rügen von Inkonsistenzen in der Argumentation des 

psychiatrischen Teilgutachtens beschlagen keine formellen Fragen. Sie 

sind zusammen mit dem Inhalt des bidisziplinären Gutachtens und dessen 

inhaltlichen Überzeugungskraft zu beurteilen. Da vorliegend psychiatrische 

Diagnosen im Vordergrund stehen, hat grundsätzlich ein strukturiertes Be-

weisverfahren nach BGE 141 V 281 zu erfolgen (vgl. BGE 143 V 409). Die 

Vorinstanz hat entsprechend bei der Erteilung des Gutachtensauftrags 

auch darauf hingewiesen, dass bei der Gutachtenstellung die bundesge-

richtlichen Standardindikatoren zu berücksichtigen seien. Zu prüfen ist, ob 

im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens anhand der Standardindi-

katoren gestützt auf die diesbezüglichen gutachterlichen Feststellungen 

die vorgenommene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus rechtlicher Sicht 

überzeugt und die Vornahme der Indikatorenprüfung erlaubt. 

 

C-719/2021 

Seite 25 

11.  

11.1 Ausgangspunkt für die Beurteilung der Frage, ob ein Gesundheits-

schaden im Sinne der klassifizierenden Merkmale vorliegt, ist eine fach-

ärztlich einwandfrei gestellte Diagnose (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2; 143 

V 418 E. 6; 141 V 281 E. 2.1). Bei psychiatrischen Diagnosen ist zu be-

rücksichtigen, dass eine psychiatrische Exploration von der Natur der Sa-

che her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet dem begutachten-

den Psychiater daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, inner-

halb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen 

möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis 

vorgegangen ist. Entsprechend kann die ärztliche Beurteilung abhängig 

von der Gutachterperson und von den Umständen der Begutachtung eine 

grosse Varianz aufweisen und trägt deshalb ebenfalls von der Natur der 

Sache her unausweichlich Ermessenszüge (vgl. BGE 145 V 361 E. 4.1.2 

mit Hinweisen). Abweichende Beurteilungen behandelnder Ärzte vermö-

gen unter Beachtung der Divergenz von medizinischen Behandlungs- und 

Abklärungsauftrag ein Gutachten nach Art. 44 ATSG grundsätzlich nicht in 

Frage zu stellen und Anlass zu weiteren Abklärungen zu geben (vgl. Urteil 

des BGer 9C_794/2012 vom 4. März 2013 E. 4.2 mit Hinweisen). Vorbe-

halten bleiben Fälle, in denen die behandelnden Ärzte objektiv feststellbare 

Gesichtspunkte vorbringen, welche im Rahmen der psychiatrischen Explo-

ration unerkannt oder ungewürdigt geblieben und geeignet sind, zu einer 

abweichenden Beurteilung zu führen (Urteile des BGer 9C_246/2018 vom 

16. August 2018 E. 4.1; 8C_29/2018 vom 6. Juli 2018 E. 3.2.2; 

9C_353/2015 vom 24. November 2015 E.4). Es bleibt darauf hinzuweisen, 

dass es bei der Beurteilung einer invalidisierenden gesundheitlichen Ein-

schränkung in erster Linie nicht auf die Diagnoseeinstellung ankommt, son-

dern einzig darauf, welche Auswirkungen eine Erkrankung auf die Arbeits-

fähigkeit des Beschwerdeführers hat (BGE 136 V 279 E. 3.2.1). Denn zwi-

schen ärztlich gestellter Diagnose und Arbeitsunfähigkeit besteht keine 

Korrelation (BGE 140 V 193 E. 3.1). Massgebend ist der lege artis erho-

bene psychopathologische Befund und der Schweregrad der Symptomatik 

sowie die damit verbundenen Funktionseinschränkungen (Urteil 

9C_273/2018 vom 28. Juni 2018 E. 4.2 mit Hinweisen; so bereits BGE 127 

V 294 E. 4c). 

11.2  

11.2.1 Aus den aktenkundigen Berichten ergeben sich zunächst zahlreiche 

somatische Diagnosen. Gemäss der zusammenfassenden Darstellung im 

C-719/2021 

Seite 26 

rheumatologischen Teilgutachten vom 27. Februar 2020 sind dies im We-

sentlichen belastungsabhängige thorako- und lumbovertebrale 

Schmerzepisoden, ein chronisches Zervikovertebralsyndrom, eine Retro-

patellararthrose, eine leichte linksseitige Trochanter-Bursitis und belas-

tungsabhängige Schmerzen in beiden Daumengrundgelenken bei begin-

nender Rhiz- und STT-Arthrose. Gemäss Einschätzung des rheumatologi-

schen Gutachters Dr. T._______ beträgt die Arbeitsfähigkeit der Beschwer-

deführerin dennoch 100 % (IV-act. 77 S. 36). Aus den Arztberichten in den 

Vorakten ist indes erkennbar, dass am 27. September 2018 zwar ein inter-

mittierendes LWS-Syndrom und anamnestisch ein Bandscheibenvorfall di-

agnostiziert worden ist, klinisch jedoch ein nahezu unauffälliger Befund im 

Bereich des Bewegungsapparates attestiert wurde (IV-act. 67 S. 3). Weiter 

bestätigte sich nach zwei Kernspintomografien vom 25. November 2019 

(Halswirbelsäule) und 13. Januar 2020 (Lendenwirbelsäule) der Band-

scheibenvorfall auf Höhe HWK 4/5 und 5/6, jedoch ohne zervikale Myelo-

pathie, während sich im Übrigen insbesondere bei der Lendenwirbelsäule 

ein weitestgehend unauffälliger Befund zeigte (IV-act. 77 S. 52 f.). Die Be-

schwerdeführerin hat schliesslich im Fragebogen betreffend Erwerbstätig-

keit und Haushalt vom 27. Juni 2019 selbst angegeben, dass ihr gewisse 

Tätigkeiten körperlich weiterhin möglich seien (15 bis 20 Kilogramm heben, 

zehn bis zwölf Kilometer zu Fuss gehen, etwa eine Stunde stehen und 30 

Minuten bis eine Stunde ohne Positionswechsel sitzen [IV-act. 60 S. 2]). 

Schliesslich wird die vor Bundesverwaltungsgericht geltend gemachte Er-

werbsunfähigkeit vordringlich mit den psychiatrischen Beschwerden be-

gründet (siehe namentlich ihre letzte Eingabe vom 2. März 2023 [BVGer-

act. 14], aber auch die Beschwerdeschrift [BVGer-act. 1] und die Replik 

[BVGer-act. 8]).  

11.2.2 Die gutachterlich festgestellte Arbeitsfähigkeit in der Höhe von 

100 % steht dennoch im Widerspruch zu den vorinstanzlichen Akten. So 

werden insbesondere starke Schulter- und Rückenbeschwerden der Be-

schwerdeführerin anlässlich deren Belastbarkeitstraining bei der 

M._______ geschildert, welche eine Anpassung der Belastung notwendig 

machten (IV-act. 35; 42 S. 7). Der rheumatologische Gutachter liess es 

diesbezüglich lediglich bei der Feststellung bewenden, dass die Beschwer-

deführerin Tätigkeiten eines Stallknechts habe ausüben müssen, welche 

logischerweise zu Beschwerden des Bewegungsapparates hätten führen 

müssen. Es gehe der Beschwerdeführerin besser, seit sie diese nicht mehr 

tätige (vgl. IV-act. 77 S. 45). Belege für diese Einschätzung liefert der Teil-

gutachter indes keine. Es bleibt damit unklar, und wäre abzuklären gewe-

sen, inwieweit die Beschwerdeführerin tatsächlich für sie körperlich 

C-719/2021 

Seite 27 

unzumutbare Tätigkeiten hat wahrnehmen müssen oder ob es sich in die-

sem Zusammenhang nicht um einen gescheiterten Belastungsversuch 

handelt, welcher die Einschätzung einer Arbeitsfähigkeit in der Höhe von 

100 % aus rheumatologischer Sicht gerade nicht nahelegen würde. Im Zu-

sammenhang mit den Schulterbeschwerden gutachterlich zu wenig bzw. 

überhaupt nicht berücksichtigt blieb insbesondere das bei der Beschwer-

deführerin offenbar bestehende Impingement-Syndrom der rechten Schul-

ter sowie die degenerativen Veränderungen des AC-Gelenks (vgl. E. 7.2.2 

vorstehend). Schliesslich hält der rheumatologische Gutachter im Wider-

spruch zur von ihm selbst festgehaltenen Arbeitsfähigkeit von 100 % fest, 

dass sich die Beschwerdeführerin mit ihren geleisteten 40 % am Oberrand 

des leistbaren Pensums halte, weshalb berufliche Massnahmen wenig 

sinnvoll und zum Scheitern verurteilt seien (IV-act. 77 S. 45). Aufgrund die-

ser Inkonsistenzen ist der Sachverhalt in rheumatologischer Hinsicht un-

vollständig abgeklärt und die Herleitung der vom rheumatologischen Gut-

achter festgestellten Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von 100 % 

nicht nachvollziehbar. Auf das rheumatologische Gutachten ist damit nicht 

abzustellen. 

11.3 Dem psychiatrischen Teilgutachten von Dr. U._______ vom 28. Feb-

ruar 2020 (IV-act. 78) ist in materieller Hinsicht Folgendes zu entnehmen: 

11.3.1  Der Gutachter attestiert der Beschwerdeführerin eine rezidivie-

rende depressiven Störung, bei einer leichten Episode (ICD-10 F33.0 [IV-

act. 78 S. 30). Die gutachterliche Diagnose einer rezidivierenden depressi-

ven Störung stimmt mit derjenigen des behandelnden Psychiaters und Psy-

chotherapeuten Dr. L._______ überein. Letzterer geht jedoch von einer 

mittelgradigen Episode (ICD-10 F33.1) seit mindestens 2013 und zusätz-

lich einer Persönlichkeitsakzentuierung mit selbstunsicheren und zwang-

haften Anteilen (ICD-10 Z73.1) schon vor 2013 aus (siehe namentlich sei-

nen Bericht vom 8. April 2019 [IV-act. 50 S. 2]; vgl. auch seine Stellung-

nahme vom Juni 2020 [IV-act. 94]). Auch Dr. K._______ von der Klinik 

I._______ diagnostizierte in ihrem Austrittsbericht vom 6. Juli 2018 eine 

mittelgradige Episode und Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der 

Lebensbewältigung (ICD-10 Z73; IV-act. 66 S. 2 ff.), während dieselbe Kli-

nik in einem Bericht vom 27. März 2018 von Dr.  J._______ und 

Dr.  H._______ bereits von einer mittelgradigen Episode der rezidivieren-

den depressiven Störung (ICD-10 F33.1) und einer Persönlichkeitsakzen-

tuierung mit zwanghaften und selbstunsicheren Anteilen (ICD-10 Z73.1) 

sprach. 

C-719/2021 

Seite 28 

11.3.2 Der Gutachter hat sich vorliegend zunächst auf die Anamnese und 

das Verhalten der Beschwerdeführerin während der Befragung anlässlich 

der Untersuchung vom 20. Februar 2020 gestützt. Weiter hat er die Be-

richte der behandelnden Ärzteschaft dargestellt und die Familienge-

schichte sowie den beruflichen Werdegang und die Alltagsgestaltung der 

Beschwerdeführerin erhoben. Der Gutachter erachtete die Stimmung wäh-

rend der psychiatrischen Untersuchung als herabgesetzt, gelegentlich 

leichtgradig depressiv, und den Antrieb als leichtgradig vermindert. Auf-

grund der als aktiv geschilderten Gestaltung des Alltags der Beschwerde-

führerin und wegen der nunmehr nur noch ambulanten psychiatrischen Be-

handlung schloss er trotz leichten depressiven Verstimmungen, einer An-

triebsverminderung und erhöhter Ermüdbarkeit auf eine leichtgradige Aus-

prägung der depressiven Störung. Dahingehend würdigte der Gutachter 

auch die Befunde des behandelnden Psychiaters Dr. L._______, die nach 

seiner gutachterlichen Meinung keine mittelgradige oder schwere depres-

sive Episode begründen würden. Für eine Persönlichkeitsakzentuierung 

sah der psychiatrische Gutachter keine Anzeichen (IV-act. 78 S. 30). 

11.4   

11.4.1 Für den Gutachter stellt die Annahme einer soweit problemlosen 

und aktiven Alltagsgestaltung eines der Hauptargumente dar, wieso er von 

einer nur leichtgradigen Episode der rezidivierenden depressiven Störung 

ausgeht. Die Beschwerdeführerin bemängelt generell, dass das Gutachten 

mangelhaft substantiiert und im Besonderen, dass die Darstellung eines 

aktiven Alltags irreführend sei. Der Gutachter weist in diesem Zusammen-

hang namentlich auf regelmässige, längere Spaziergänge hin. Diese wür-

den zwei bis drei Stunden dauern, wenn sie mit einer Bekannten unterwegs 

sei. Die Beschwerdeführerin besuche gerne ein Museum und mache im-

mer wieder Städteausflüge gemeinsam mit ihrer Cousine. Gelegentlich 

mache sie Ausflüge und besuche Gärten und Messen. Zwei- bis dreimal 

jährlich treffe sie sich mit alten Freundinnen aus der Studienzeit. Regel-

mässig treffe sie sich mit einer Bekannten im Dorf, mache mit ihr Spazier-

gänge, trinke mit ihr einen Tee. Freude habe sie an der Natur. Gerne gehe 

sie auch schwimmen, besuche die Sauna. Den Haushalt führe sie selb-

ständig und regelmässig koche sie auch (vgl. IV-act. 78 S. 27 f.). In den 

Vorakten ergeben sich demgegenüber allerdings zahlreiche, konsistente 

Hinweise auf soziale Zurückgezogenheit und Erschöpfung, die sich auch 

nach der stationären Behandlung während des Belastbarkeitstrainings und 

Arbeitsversuchs fortgesetzt haben. Genannt werden hier bloss einzelne 

soziale Kontakte in der Nachbarschaft und zu einer Freundin aus der 

C-719/2021 

Seite 29 

Ausbildungszeit (siehe Austrittsbericht Klinik I._______ vom 6. Juli 2018 

[IV-act. 66]; Bericht Klinik I._______ vom 16. März 2018 [IV-act. 61 S. 28]). 

Die Haushaltführung trage, wie die Arbeit, zur Erschöpfung und dem Be-

darf nach viel Ruhezeit bei (siehe Bericht Haushaltsabklärung vom 7. Au-

gust 2019 [IV-act. 62 S. 2]). Vor diesem Hintergrund erscheint die Darstel-

lung des Gutachters zur Befragung anlässlich der Begutachtung als eher 

oberflächlich. Es ist zweifelhaft, ob die Herleitung der aktiven Alltagsgestal-

tung das Gesamtbild korrekt wiedergibt. Auch für die Zeit nach der Begut-

achtung sowie nach dem Vorbescheid und während des Beschwerdever-

fahrens ergeben sich Hinweise auf Erschöpfung und zwar gerade auch im 

Alltag (siehe namentlich den Bericht von Dr. L._______ vom Juni 2020 [IV-

act. 94] sowie die Schilderungen der Beschwerdeführerin in der unaufge-

forderten Stellungnahme vom 2. März 2023, in der sie unter anderem dar-

legt, sich höchstens ein bis zwei Mal pro Jahr mit ihrer 340 km entfernt 

lebenden Cousine für einen Museumsbesuch zu treffen [BVGer-act. 14]). 

Der behandelnde Psychiater weist in seinem Bericht vom Juni 2020 zudem 

darauf hin, dass die Haushaltsführung und die Aufrechterhaltung der sozi-

alen Kontakte «schwer erkämpfte» Fähigkeiten darstellen würden, die 

nicht, wie im Gutachten fälschlich aufgefasst, mit einer normalen und un-

beeinträchtigten Alltagsgestaltung verwechselt werden dürften (siehe IV-

act. 94 S. 6). Insofern sind betreffend die Alltagsgestaltung und das Aktivi-

tätenniveau der Beschwerdeführerin unaufgelöste Diskrepanzen zwischen 

der gutachterlichen Darstellung und den restlichen Vorakten erkennbar. 

11.4.2 Weitere Widersprüche ergeben sich betreffend die gutachterliche 

Aussage, wonach ein Vollzeitpensum während dreier aufeinanderfolgen-

der Tage wieder möglich und unter anderem deshalb darauf zu schliessen 

sei, dass die Beschwerdeführerin im Alltag nur noch geringgradig durch 

depressive Symptome beeinträchtigt werde (IV-act. 78 S. 30). Zunächst ist 

dies anhand der Chronologie der damaligen Arbeitgeberin der Beschwer-

deführerin ersichtlich, welche ab April 2019 eine Überlastung und Kurzab-

senzen nach stressigem Dienst sowie eine in mehrfacher Hinsicht verbes-

serungswürdige berufliche Leistung dokumentiert. Ebenso wird festgehal-

ten, dass Dienste an drei Tagen am Stück selten geleistet worden seien 

(IV-act. 98). Im November 2019 und Januar 2020 wird zudem von erneuten 

Absenzen von je zwei Wochen; nach der Begutachtung vom 20. Februar 

2020 schliesslich ab April 2020 erneut von Kurzabsenzen und ab Mitte Mai 

2020 bis Ende Juni 2020 einer Langzeitabsenz berichtet. Zuletzt war die 

Beschwerdeführerin seit 27. Juli 2020 wegen des als sehr belastend em-

pfundenen Arbeitsalltags erneut gänzlich abwesend (IV-act. 98). Entspre-

chende krankheitsbedingte Absenzen ergeben sich auch bereits im 

C-719/2021 

Seite 30 

Belastbarkeitstraining aus den Akten (IV-act. 42 S. 7). Schliesslich ist die 

gutachterliche Darstellung auch insoweit widersprüchlich, als die Be-

schwerdeführerin selbst anlässlich der Exploration berichtet, erschöpft zu 

sein, wenn sie drei Tage gearbeitet habe (IV-act. 78, S. 27). 

11.4.3 Alsdann ergeben sich Unklarheiten hinsichtlich des beruflichen 

Werdegangs der Beschwerdeführerin. 

11.4.3.1 So hat die Beschwerdeführerin von 1986 bis 1991 als Pflegefach-

frau in Deutschland, dann von 1991 bis 1996 in (…) und (…) auf demselben 

Beruf gearbeitet. Wegen eines Bandscheibenvorfalls hat sie im Anschluss 

zwischen 1997 und 1999 eine Umschulung zur Luftverkehrskauffrau (Bo-

denpersonal) gemacht und von 1999 bis 2003 bei zwei verschiedenen Luft-

fahrtgesellschaften gearbeitet. Hinzu kamen ferner berufsbegleitende Aus-

bildungen zur Heilpraktikerin (2000 bis 2002), zur Phytotherapeutin (2005 

bis 2006) sowie ein nicht abgeschlossenes berufsbegleitendes Studium in 

Pädagogik (2012 bis 2013 [IV-act. 5 S. 1]). Nach zweijähriger Arbeitslosig-

keit (IV-act. 61 S. 28) hat sie ab 2004 bis zu einem Burnout im Jahr 2013 

erneut als Krankenpflegerin in (…) gearbeitet und 2014 schliesslich in (…) 

am B._______ ihre Anstellung begonnen. Der erneute Wechsel in die 

frühere Tätigkeit als Krankenpflegerin erfolgte gemäss der Beschwerde-

führerin insbesondere aufgrund der Vorstellung, dass mit der Schülerbe-

treuung eine etwas geringere psychische Belastung einhergehen würde 

(IV-act. 77 S. 21). Den Akten ist überdies zu entnehmen, dass der Be-

schwerdeführerin zwischen Oktober 2011 und Juli 2013 die Vertretung der 

Stationsleitung oblag, sie ab September 2013 fortan nur temporär arbeitete 

(IV-act. 5 S. 2). 

11.4.3.2 Der psychiatrische Gutachter hat die Eckdaten der Anstellungen 

zwar erwähnt, jedoch die jeweiligen Motive für die Berufswechsel nicht voll-

ständig ergründet. So bleibt insbesondere unklar, ob es sich bei den be-

rufsbegleitenden Weiterbildungen zur Phytotherapeutin und Heilpraktikerin 

bzw. dem begonnenen Studium in Pädagogik um eine blosse berufliche 

Weiterentwicklung in verwandten Themen bei weiterhin hoher Leistungs-

bereitschaft, um ein Ausweichen auf somatisch und psychisch weniger be-

lastende Tätigkeiten oder gar einen Ausbruch aus einer langfristigen mas-

siven Überforderungssituation der Beschwerdeführerin handelt. Ebenso 

denkbar ist bezüglich der Heilpraktikerausbildung ein Zusammenhang mit 

der Heilpraktikerpraxis der älteren Schwester der Beschwerdeführerin (IV-

act. 78 S. 26). Gleichermassen unklar ist der Grund für den Wechsel von 

einer Kaderfunktion als stellvertretene Stationsleiterin in eine temporäre 

C-719/2021 

Seite 31 

Anstellung ohne Leitungsfunktion. Sodann macht die Beschwerdeführerin 

für den erfolgten Wechsel von (…) nach (…) im Rahmen der Haushaltsab-

klärung gesundheitliche Gründe geltend und führt aus, dass dies zusam-

men mit der Pensumsreduktion im Rahmen der Burnout-Therapie der Be-

lastung der anspruchsvollen Arbeit entgegenwirken sollte (IV-act. 62 S. 2 

f.). Diese Darstellung steht aber nicht im Einklang mit den im Rahmen des 

psychiatrischen Gutachtens getätigten Ausführungen, wonach sich die Be-

schwerdeführerin in (…), wo sie während Jahren gelebt, zunehmend ein-

sam gefühlt habe. Kolleginnen hätten geheiratet oder seien weggezogen, 

sodass sie sich nach 10 Jahren entschlossen habe, den Wohn- und Ar-

beitsplatz zu wechseln (IV-act. 78 S. 24). Die hievor dargelegte Unvollstän-

digkeiten und Widersprüchlichkeiten wären gutachterlich zu klären gewe-

sen. Soweit der Gutachter jedenfalls lediglich festhält, dass die Beschwer-

deführerin in ihrer Arbeit nie irgendwelche Schwierigkeiten gehabt habe 

und er in diesem Zusammenhang bloss die hievor geschilderten Ereignisse 

und Entwicklungen ab dem Jahre 2013 erwähnt (IV-act. 78 S. 30), so sind 

die dahingehenden Ausführungen aufgrund der Aktenlage unvollständig. 

11.4.4 Bei der Gesamtbeurteilung der beruflichen Leistungsfähigkeit muss 

eine Integration der Leistungsfähigkeit des zu Begutachtenden für die ein-

zelnen Aufgabenbereiche retrospektiv, aktuell und prospektiv vorgenom-

men werden (Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten 

der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie 

SGPP 3. Aufl. 2016; im Folgenden: Qualitätsleitlinien S. 22). Sowohl eine 

eingehende Beschreibung des jeweiligen Tätigkeitprofils der verschiede-

nen Anstellungen der Beschwerdeführerin als auch eine Auseinanderset-

zung damit, hinsichtlich welcher Aufgaben und aus welchen Gründen kon-

kret eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit aus Sicht der Beschwerde-

führerin bestanden haben soll und wie sich eine solche äusserte, fehlt im 

psychiatrischen Teilgutachten.   

11.4.5 Ferner erhebt der Gutachter zwar die Familiengeschichte knapp 

und erwähnt, dass die Beschwerdeführerin nur spärlichen oder keinen 

Kontakt zu ihren Familienmitgliedern habe (IV-act. 78 S. 25 f.). Näher ging 

er hingegen nicht auf die Kindheit und die familiären Beziehungen der Be-

schwerdeführerin ein, sondern liess es in der Folge lediglich bei der Fest-

stellung bewenden, dass die Beschwerdeführerin unter schwierigen Ver-

hältnissen aufgewachsen sei (IV-act. 78 S. 30). Eine eingehende Ausei-

nandersetzung mit den von den (vor-)behandelnde Ärztinnen und Ärzten 

beschriebenen in der Kindheit erlernten dysfunktionalen Denkmustern und 

Glaubenssätzen (IV-act. 16 S. 3; 61 S. 45 und 46; 96 S. 3) oder der vom 

C-719/2021 

Seite 32 

behandelnden Psychiater beschriebenen Traumatisierung (IV-act. 94 S. 2 

ff.) hat mit anderen Worten nicht stattgefunden.  

11.4.6 In Zusammenhang mit den Ursachen der geschilderten psychischen 

Beschwerden ist im Übrigen zu konstatieren, dass der behandelnde Psy-

chiater ein besonderes Gewicht auf eine erfolgte frühkindliche Traumatisie-

rung der Beschwerdeführerin legt. Es wurde bereits ausgeführt, dass sich 

das psychiatrische Teilgutachten mit der Kindheit der Beschwerdeführerin 

nicht genügend auseinandergesetzt hat. Dennoch ist darauf hinzuweisen, 

dass psychische Störungen im Regelfall multifaktoriell verursacht werden 

(Qualitätsleitlinien S. 36). Die Beschwerdeführerin selbst schilderte ver-

schiedentlich offenbar bestehende Belastungsfaktoren, welche über die 

blosse Traumatisierung in ihrer Kindheit hinausgehen (insbesondere eine 

Demenzerkrankung der Mutter sowie eine belastende Auseinandersetzung 

mit der Schwester hinsichtlich der Pflege der Mutter [vgl. IV-act. 15 S. 4; 66 

S. 3]). Eine vollständige Auseinandersetzung mit sämtlichen Belastungs-

faktoren ist damit weder durch den behandelnden Psychiater noch durch 

den psychiatrischen Gutachter erfolgt. 

11.4.7 Darüber hinaus erblickte man in der Klinik I._______ bereits in den 

Berichten vom 16. und 27.  März 2018 Hinweise auf begünstigende Per-

sönlichkeitseigenschaften wegen des grossen Bedürfnisses nach Kontrolle 

und vermehrtem Misstrauen gegenüber anderen Menschen und diagnos-

tizierte gestützt darauf eine Persönlichkeitsakzentuierung (IV-act. 15 S. 6; 

17 S. 3). Druck und Hektik im Belastbarkeitstraining im Direktvergleich mit 

der Arbeitsleistung anderer (IV-act. 42 S. 3) und ein Bedürfnis, sich andau-

ernd selbst anzutreiben sowie Schwierigkeiten, physische Grenzen zu ak-

zeptieren, wurden auch im Belastbarkeitstraining vermerkt (IV-act. 38 

S. 3 f.; so auch Dr. L._______ gemäss Verlaufsbericht vom 8. April 2019 

[IV-act. 50 S. 3] und im Bericht vom Juni 2020 [IV-act. 94 S. 2 ff.]). Nichts-

destotrotz begründet der psychiatrische Gutachter nicht, wieso er die Per-

sönlichkeitsakzentuierung nicht für relevant hält (IV-act. 78 S. 31). Ebenso 

lässt er es im Wesentlichen bei der Feststellung bewenden, dass er die 

Annahme einer mittelgradigen oder schweren Episode des behandelnden 

Psychiaters und Psychotherapeuten nicht für begründet erachte (IV-act. 78 

S. 31). Eine entsprechende fundierte Begründung blieb gleichermassen 

aus. 

11.4.8 Schliesslich präsentiert sich die Aktenlage, auf deren Basis die hier 

zu diskutierende Diagnosestellung erfolgte, unvollständig. Namentlich 

blieb der Therapieverlauf der Beschwerdeführerin ab 2013 

C-719/2021 

Seite 33 

unberücksichtigt. Bezüglich der zwischen 2013 und 2017 erfolgten ambu-

lanten psychologischen Therapie bei Frau E._______ liegen keine ärztli-

chen Berichte und nur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen aus dem Jahre 

2017 vor (IV-act. 9 S. 12, 23). Auch vom Psychiater und Psychotherapeu-

ten Dr. L._______ finden sich nur kurze Einschätzungen zuhanden der IV-

Stelle respektive der F._______ und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen 

(siehe IV-act. 39 f.; 43; 47; 50; 61 S. 48, 57, 59, 70, 82 ff., 95, 97, 100, 103, 

105, 110, 113, 120 ff., 138) sowie schliesslich eine nach Ergehen des Vor-

bescheids eingereichte Stellungnahme (IV-act. 94) in den Akten. Unterla-

gen zu erfolgten Konsultationen bei Dr. X._______, welche ver-

schiedentlich als Hausärztin der Beschwerdeführerin genannt wird, und 

welche die Beschwerdeführerin offenbar anstatt einer weiteren Therapie 

bei Frau E._______ konsultiert hat, fehlen gänzlich (IV-act. 9 S. 18; 62 S. 

2). Bei der Prognose der Leistungsfähigkeit müssen die Merkmale der un-

terschiedlichen Beurteilungsebenen aber nicht nur im «Hier und Jetzt» 

(Querschnitt) untersucht, sondern grundsätzlich auch in ihrem Verlauf 

(Längsschnitt, retrospektiv und prospektiv) eingeschätzt werden, um Aus-

sagen über die zukünftige Entwicklung und Beeinflussbarkeit durch thera-

peutische und/oder rehabilitative Interventionen treffen zu können (Quali-

tätsleitlinien S. 23; vgl. Urteil des BGer 9C_363/2018 vom 10. Oktober 

2018 E. 4.2.1.2). Um den psychischen Gesundheitszustand der Beschwer-

deführerin nicht nur im Querschnitt, sondern auch im Längsschnitt adäquat 

beurteilen zu können, ist der psychiatrische Gutachter auf die vollständigen 

Akten angewiesen. Da vorliegend jedoch teilweise wesentliche medizini-

sche Unterlagen fehlen, kann eine ganzheitliche Beurteilung des Gesund-

heitszustandes der Beschwerdeführerin zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht 

erfolgen. 

11.4.9 Während der Gutachter nur von leichten psychischen Beschwerden 

ausgeht, beschreibt der behandelnde Psychiater schwere psychoso-mati-

sche Beschwerden mit depressiven Einbrüchen. Die Begründungen des 

psychiatrischen Gutachters sowie des behandelnden Psychiaters sind zu 

wenig ausführlich und verunmöglichen dem Gericht vorliegend eine Plau-

sibilitätsprüfung in Bezug auf die gestellten Diagnosen bzw. deren Verein-

barkeit mit dem Klassifikationssystem des ICD-10. Vorliegend ist der 

Schweregrad der im Raum stehenden Diagnose der rezidivierenden de-

pressiven Störung unklar (leichte Episode [F33.0] oder mittelgradige Epi-

sode [F33.1]). Die Abgrenzung zwischen den Schweregraden der be-

schriebenen Diagnosen findet gemäss ICD-10 unter anderem anhand der 

Anzahl der jeweils vorliegenden typischen Symptome einer depressiven 

Episode (F32.–) wie etwa die Verminderung von Antrieb und Aktivität, 

C-719/2021 

Seite 34 

Konzentrationsverminderung oder Schlafstörungen statt (zum Ganzen 

vgl. ICD-10-GM-2025 Online; zuletzt abgerufen am 28.07.2025 unter 

https://www.icd-code.de/icd/code/F33.-.html). Bei der leichten depressiven 

Episode sind mindestens zwei oder drei dieser typischen Symptome vor-

handen, was zu einer Beeinträchtigung der Betroffenen führt, wobei die 

Fortsetzung der meisten Aktivitäten jedoch trotzdem oft möglich ist. Bei ei-

ner mittelgradigen depressiven Episode sind vier oder mehr der entspre-

chenden Symptome vorhanden. Die Betroffene hat meist grosse Schwie-

rigkeiten, alltägliche Aktivitäten fortzusetzen (vgl. ICD-10-GM-2025 Online; 

zuletzt abgerufen am 28.07.2025 unter https://www.icd-

code.de/icd/code/F32.-.html). Es ist festzuhalten, dass der psychiatrische 

Gutachter zwar auf das entsprechende Klassifikationssystem ICD-10 Be-

zug nahm und bei der Beschwerdeführerin von einer rezidivierenden de-

pressiven Störung leichter Episode (F33.0) ausging. Auf eine detaillierte 

Erörterung der bei der Beschwerdeführerin vorliegenden Symptome ver-

zichtete der Gutachter hingegen, sondern legte lediglich dar, dass die All-

tagsgestaltung der Beschwerdeführerin als aktiv zu beurteilen sei. Wie dies 

bereits eingehend thematisiert worden ist (vgl. E. 11.4.1 vorstehend), sind 

hinsichtlich der dahingehenden Einschätzung unaufgelöste Diskrepanzen 

zwischen der gutachterlichen Darstellung und den restlichen Vorakten er-

kennbar.  

11.5 Zusammengefasst ergeben sich bereits erhebliche Diskrepanzen be-

treffend die Einschätzung des Schweregrads der rezidivierenden depres-

siven Störung und die Frage der Relevanz einer allfälligen Persönlichkeits-

akzentuierung, auf welche der Gutachter überhaupt nicht einging. Nament-

lich hat er sich nicht mit den detaillierten Ausführungen sowohl der Klinik 

I._______ als auch des nach der teilstationären Behandlung ambulant be-

handelnden Psychiaters Dr. L._______ zur Persönlichkeitsstörung ausei-

nandergesetzt. Ebenso blieb bezüglich der beruflichen Laufbahn der Be-

schwerdeführerin eine fundierte Auseinandersetzung mit den Motiven hin-

sichtlich der Anstellungswechsel sowie den jeweils empfundenen aufga-

benspezifischen Einschränkungen der Beschwerdeführerin aus. Gleicher-

massen nicht stattgefunden hat eine Auseinandersetzung mit sämtlichen 

Belastungsfaktoren – insbesondere der Kindheit und der Familienge-

schichte der Beschwerdeführerin. Nicht berücksichtigt wurde in psychiatri-

scher Hinsicht sodann der Therapieverlauf ab 2013. Namentlich sind keine 

Berichte zur von 2013 bis 2017 stattgefundenen ambulanten psychologi-

schen Therapie bei Frau E._______ aktenkundig. Damit sind bereits die 

Herleitung, Begründung sowie die Vollständigkeit der gestellten 

C-719/2021 

Seite 35 

psychiatrischen Diagnosen unzureichend, weshalb eine Plausibilitätsprü-

fung der gestellten Diagnosen vorliegend nicht erfolgen kann. 

11.6 Die Kategorie «funktioneller Schweregrad» beurteilt sich nach den 

konkreten funktionellen Auswirkungen und insbesondere danach, wie stark 

die versicherte Person in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen 

Funktionen leidensbedingt beeinträchtigt ist (vgl. Urteil des BGer 

9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E. 6.3 m.H.). 

11.6.1 Im Komplex «Gesundheitsschädigung» ist als erster Indikator die 

«Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome» zu nen-

nen.  

11.6.1.1 Wie soeben dargelegt, bestehen Zweifel an der Herleitung der 

Diagnose einer im Gutachtenszeitpunkt nur leichtgradigen rezidivierenden 

depressiven Störung (ICD-10 F33.0), weshalb auch deren konkreten funk-

tionellen Auswirkungen unklar bleiben. Zwar konstatierte der psychiatri-

sche Gutachter, dass angesichts der aktiven Alltagsgestaltung die geklagte 

Krankheitsüberzeugung, nur 40 % arbeiten zu können, aus psychiatrischer 

Sicht nicht objektivierbar sei (IV-act. 78 S. 32). Nicht ersichtlich ist jedoch, 

ob diese Krankheitsüberzeugung bewusstseinsnah ist – und damit von der 

Beschwerdeführerin auch geändert werden könnte – oder aber ob es sich 

dabei gerade um einen (für sie unbeeinflussbaren) Ausdruck der psychi-

schen Beeinträchtigung handelt (Urteil des BGer 9C_49/2014 vom 29. Ok-

tober 2014 E. 4.3). 

11.6.1.2 Wie dargelegt bestehen überdies nicht auflösbare Widersprüche 

betreffend die Alltagsbewältigung und das Aktivitätsniveau der Beschwer-

deführerin sowie die Ausprägung ihrer sozialen Kontakte. Zudem verwies 

das psychiatrische Teilgutachten zwar kurz auf emotionale und psychoso-

ziale Belastungsfaktoren, die eine Rolle spielen könnten (Schläge in der 

Kindheit, wochenlanges Schweigen und Suiziddrohungen der Mutter, we-

nig präsenter Vater, Schwester mit Borderline-Störung). Indes wurde nicht 

erörtert, ob und gegebenenfalls inwiefern diese Faktoren den Wirkungs-

grad der Folgen der Gesundheitsschädigung beeinflussen (zur invaliden-

versicherungsrechtlichen Relevanz psychosozialer und soziokultureller 

Belastungsfaktoren vgl. Urteile des BGer 8C_559/2019 vom 20. Januar 

2020 E. 3.2; 9C_37/2019 vom 7. Oktober 2019 E. 5.1.3). Gänzlich unbe-

rücksichtigt blieben in diesem Kontext die in mehreren ärztlichen Berichten 

erwähnten psychischen Erkrankungen mehrerer Familienangehöriger. So 

habe die Mutter an Depressionen gelitten und mehrfach mit Suizid gedroht, 

C-719/2021 

Seite 36 

die Grossmutter mütterlicherseits sei manisch-depressiv gewesen. Der 

Grossonkel sowie die Urgrossmutter seien ebenfalls depressiv gewesen, 

wobei Letztere gar Suizid begangen habe. Die jüngere Schwester leide un-

ter einer emotional-instabilen Persönlichkeits- respektive Borderline-Stö-

rung, die ältere Schwester habe in ihrer Jugend einer Anorexie gehabt und 

der ältere Bruder sei depressiv (IV-act. 61 S. 28; 66 S. 3). Die Hinweise auf 

hereditäre Faktoren hat der Gutachter zwar anamnestisch betreffend die 

Mutter und die eine Schwester oberflächlich erhoben (IV-act. 78 S. 26), 

aber nicht weiter in der Herleitung seiner Diagnose beachtet. Nicht erklärt 

wurde zudem, wieso eine Persönlichkeitsakzentuierung, deren Entstehung 

seitens der behandelnden Ärzteschaft mitunter in der Kindheit vermutet, 

ohne Weiteres ausgeschlossen wird, obwohl Hinweise auf Überforderung 

und selbstunsicheres Verhalten bestehen (vgl. IV-act. 42 S. 3; 61 S. 6 und 

19 f.; 94). 

11.6.1.3 Dem psychiatrischen Teilgutachten lässt sich keine widerspruchs-

freie Diagnose entnehmen und auch die Ausprägung der diagnoserelevan-

ten Befunde ist nicht beurteilbar. Ebensowenig bilden die (Verlaufs-)Be-

richte der behandelnden Ärzte eine rechtsgenügliche Grundlage für die Be-

urteilung der funktionellen Auswirkung der Gesundheitsschädigung der Be-

schwerdeführerin. Entsprechend überzeugt auch die Schlussfolgerung des 

RAD-Arztes Dr. W._______ vom 8. Dezember 2020 (IV-act. 99) nicht, in 

welcher er auf das bidisziplinäre Gutachten abstellte und eine schwere de-

pressive Störung sowie eine Persönlichkeitsakzentuierung verneinte. 

11.6.2 «Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz», also Ver-

lauf und Ausgang von Therapien und Eingliederungsmassnahmen stellen 

wichtige Schweregradindikatoren dar (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2). Der 

psychiatrische Gutachter führte in diesem Zusammenhang aus, dass die 

Beschwerdeführerin teilstationär psychiatrisch behandelt worden sei. Der-

zeit bestehe eine ambulante psychiatrische Behandlung mit antidepressi-

ver Medikation (Fluoxetin und Wellbutrin). Dies sei adäquat, weitere thera-

peutische Massnahmen seien nicht notwendig (IV-act. 78 S. 28, 32). Es 

wurde hievor bereits dargelegt, dass hinsichtlich der gestellten Diagnose 

eine Plausibilitätsprüfung nicht vorgenommen werden kann. Im Zuge des-

sen ist auch die Zweckmässigkeit der therapeutischen Massnahmen vor-

liegend nicht abschliessend beurteilbar. 

11.6.3 Unter dem Aspekt der «Komorbiditäten» ist eine Gesamtbetrach-

tung der Wechselwirkungen und sonstigen Bezüge des psychischen Lei-

dens zu sämtlichen begleitenden krankheitswertigen Störungen 

C-719/2021 

Seite 37 

erforderlich (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3). Gemäss dem bidisziplinären Gut-

achten besteht aufgrund des cervicovertrebralen Syndroms, der zeitweili-

gen thorakalen und lumbalen Beschwerden und der Retropatellararthrose 

sowie einer leichten Trochanter-Bursitis links keine Einschränkung der Ar-

beitsfähigkeit als Pflegefachfrau (IV-act. 78 S. 4). Die 80%ige Einschrän-

kung der Arbeitsfähigkeit als Pflegefachfrau, ist demnach gemäss den bei-

den Gutachtern psychiatrisch begründet (IV-act. 78 S. 7). Es wurde bereits 

hinreichend aufgezeigt, dass die Annahme einer Arbeitsfähigkeit von 100 

% in rheumatologischer Hinsicht aufgrund der Aktenlage nicht nachvoll-

ziehbar ist (vgl. E. 11.2 vorstehend). 

11.6.4 Mit Blick auf den Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsent-

wicklung und -struktur, grundlegende psychische Funktionen, persönliche 

Ressourcen) bemerkt der psychiatrische Gutachter ohne dies auszuführen 

oder zu begründen, er habe im Rahmen der psychiatrischen Untersuchung 

keine Hinweise für selbstunsichere oder zwanghafte Persönlichkeitszüge 

finden können. Diesbezüglich ist allerdings auf die in psychiatrischen Be-

richten mehrfach dokumentierte schwierige Kindheit (Schläge und Liebes-

deprivation durch die vermutlich psychisch kranke Mutter, absenter Vater, 

rigides familiäres Umfeld) hinzuweisen. Trotz dieser Hinweise ist der psy-

chiatrische Gutachter nicht auf die entsprechenden Ausführungen dieser 

Berichte eingegangen, gemäss denen starke Tendenzen zu einer selbst-

kritischen und selbstabwertenden Grundhaltung, zu selbstunsicheren Per-

sönlichkeitsanteilen, welche die Belastbarkeit der Beschwerdeführerin ein-

schränken würden, sowie zu die depressive Entwicklung begünstigenden 

Persönlichkeitseigenschaften mit grossem Bedürfnis nach Kontrolle bei 

vermehrtem Misstrauen gegenüber anderen Menschen bestünden. Anam-

nestisch würden sich Hinweise ergeben, dass diese Störung möglicher-

weise bereits in der Kindheit und Adoleszenz begründet liegen (vgl. insb. 

IV-act. 66 S. 4; 94). Bei der Beschwerdeführerin würden sich auch Hin-

weise auf einen Antriebsmangel, Grübelneigung, Insuffizienzgefühle, ver-

minderte Belastbarkeit und eine pessimistische Zukunftssicht ergeben 

(siehe zum Ganzen IV-act. 15 S. 4 ff.; 16; 50; 61 S. 18 ff. und 27 ff.; 66). 

Mit all diesen Aspekten hat sich der psychiatrische Gutachter nicht ausei-

nandergesetzt. 

11.6.5 Unter dem Komplex «sozialer Kontext» hielt der psychiatrische Gut-

achter fest, die kinderlose Beschwerdeführerin lebe alleine und habe vier 

Katzen, treffe sich zwei bis drei Mal im Jahr mit alten Freundinnen aus der 

Studienzeit oder ihrer Cousine, zudem habe sie regelmässigen Kontakt mit 

einer Bekannten im Dorf. Nur mit zwei ihrer drei Geschwister habe sie 

C-719/2021 

Seite 38 

gelegentlichen telefonischen Kontakt (IV-act. 78 S. 26 ff.). Soweit der Gut-

achter dies offenbar als tragfähiges soziales Netzwerk und aktives Sozial-

leben zu werten scheint (vgl. IV-act. 78 S. 28), steht diese Interpretation im 

Widerspruch zu jener der behandelnden Ärzteschaft, die von einer zurück-

gezogenen Lebensweise sowie einer schwierigen Beziehung zur Familie 

berichteten (IV-act. 61 S. 28 und 18 f.; 66 S. 3). Auch die Beschwerdefüh-

rerin selbst berichtete verschiedentlich von einer zurückgezogenen Le-

bensweise und gab zu Protokoll, dass sie viel Freiraum brauche (BVGer-

act. 14; IV-act. 15 S. 5). Unklar bleibt zudem die finanzielle Situation der 

Beschwerdeführerin nach der Kündigung. Diesbezüglich merkte der psy-

chiatrische Gutachter einzig an, dass sie derzeit in einem Häuschen in 

Deutschland wohne, sich aber nach der Vertragsänderung eine günstigere 

Wohnung und eine neue Stelle suchen müsse (IV-act. 78 S. 27 f.). Seit der 

erfolgten Kündigung und dem Umzug nach Dänemark hat der soziale Kon-

text sich erneut verändert. Insgesamt lassen sich auch bezüglich dieses 

Komplexes aus den Vorakten keine vollständigen und widerspruchsfreien 

Angaben ableiten. 

11.7 In die Kategorie «Konsistenz» fallen verhaltensbezogene Gesichts-

punkte (BGE 141 V 281 E. 4.4). 

11.7.1 Der Indikator einer «gleichmässigen Einschränkung des Aktivitäten-

niveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen» zielt auf die Frage ab, 

ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb einerseits und in den 

sonstigen Lebensbereichen (z.B. Freizeitgestaltung) andererseits gleich 

ausgeprägt ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.1). Diesbezüglich ging der psychiat-

rische Gutachter wie bereits ausgeführt von einer aktiven Alltagsgestaltung 

der alleine lebenden Beschwerdeführerin aus, indem diese den Haushalt 

selbstständig führe, Museen besuche, sich mit Bekannten im Dorf sowie 

Studienfreundinnen und einer Cousine treffe. Mit dieser mache sie Städte-

ausflüge (IV-act. 78 S. 27 f.). Gleichzeitig erwähnte der Gutachter jedoch 

selbst, dass die Beschwerdeführerin nur an «guten Tagen» aktiv sei und 

grundsätzlich einen erhöhten Ruhebedarf erwähnt habe, namentlich, in-

dem sie sich nach dem Frühstück und nachmittags manchmal wieder hin-

legen müsse (IV-act. 78 S. 27). Das vom psychiatrischen Gutachter ge-

schilderte soziale Netzwerk fällt nicht sehr dicht aus (Cousine, Studien-

freundinnen, die sie nur zwei bis drei Mal im Jahr sehe, eine Bekannte aus 

dem Dorf). In Anbetracht dessen, dass die behandelnde Ärzteschaft von 

einem zurückgezogenen Leben (siehe z.B. Bericht der Klinik I._______ 

vom 16. März 2018 [IV-act. 61 S. 28]) sowie deutlichen Antriebsschwierig-

keiten und Erschöpf