# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6f00db10-5811-5608-a18a-1e352aa58841
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2006-12-11
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Sonstige Kammern 11.12.2006 VBE 2006 7
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_999_VBE-2006-7_2006-12-11.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

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Ref.: Chur, 11. Dezember 2006 Schriftlich mitgeteilt am: 
VBE 06 7 (nicht mündlich eröffnet)

Urteil
Kantonsgerichtsausschuss

Vorsitz Vizepräsident Bochsler
RichterInnen Rehli und Vital 
Aktuar Crameri

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In der Verwaltungsstrafsache

des D e p a r t e m e n t e s  d e s  I n n e r n  u n d  d e r  V o l k s w i r t s c h a f t  
G r a u b ü n d e n , Reichsgasse 35, Regierungsgebäude, 7000 Chur, Gesuchsteller,

gegen

X., Gesuchsgegner,

wegen Umwandlung einer Busse in Haft,

hat sich ergeben:

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A. Mit Verfügung vom 27. April 2006 sprach das Departement des Innern 
und der Volkswirtschaft Graubünden X. der mehrfachen vorsätzlichen Widerhand-
lung gegen Art. 14 Abs. 1 lit. a und 15 Abs. 1 und 2 des Landwirtschaftsgesetzes 
(LwG, SR 910.1) sowie Art. 2 Abs. 2, 4 und 5 der Bio-Verordnung (SR 910.18) in 
Verbindung mit Art. 173 Abs. 1 lit. a LwG und auch der vorsätzlichen Widerhandlung 
gegen Art. 24 und 25 Abs. 1 des Lebensmittelgesetzes (LMG, SR 817.0) in Verbin-
dung mit Art. 48 Abs. 1 lit. f LMG und bestrafte ihn mit einer Busse von Fr. 800.--. 
Die Strafverfügung erwuchs in Rechtskraft.

Die Bezahlung der Busse blieb aus. Die in der Folge vom Kanton Graubün-
den gegen den Schuldner eingeleitete Betreibung endete am 18. Oktober 2006 mit 
einem Verlustschein.

B. Mit Eingabe vom 15. November 2006 an das Kantonsgericht von 
Graubünden beantragte das kantonale Departement des Innern und der Volkswirt-
schaft die Umwandlung der X. auferlegten Busse von Fr. 800.-- in Haft.

C. Mit Schreiben des Kantonsgerichtspräsidiums vom 21. November 
2006 wurde X. über das Umwandlungsgesuch des kantonalen Departements unter-
richtet und ihm die Möglichkeit eingeräumt, sich schriftlich vernehmen zu lassen, 
allfällige Anträge auf Beweisergänzung zu stellen, seine eventuelle schuldlose Zah-
lungsunfähigkeit aufzuzeigen und zu belegen sowie mitzuteilen, ob er die Durch-
führung einer mündlichen Hauptverhandlung vor dem Kantonsgerichtsausschuss 
wünsche. Zugleich wurde er darauf hingewiesen, dass bei der Umwandlung der 
Busse in Haft Fr. 30.-- Busse einem Tag Haft gleichgesetzt werden und dass bei 
Zahlung der Busse bis zum 7. Dezember 2006 ein Gerichtsverfahren hinfällig 
würde.

Darauf antwortete er am 27. November 2006 folgendermassen:

„Eine Frechheit. Beim Bezirksgericht Imboden bin ich freigesprochen worden 
von den Vorwürfen, weil mangelnde Beweise vorhanden waren. Und die 
Schrift hat nicht die Bedeutung, dass es unter Bioprodukte geht.“

Der Kantonsgerichtsausschuss zieht in Erwägung :

1. Gemäss Art. 49 Ziff. 3 Abs. 1 StGB wird die Busse durch den Richter 
in Haft umgewandelt, wenn der Verurteilte sie nicht bezahlt und auch nicht abver-
dient. Der Richter kann im Urteil selbst oder durch nachträglichen Beschluss die 

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Umwandlung ausschliessen, wenn ihm der Verurteilte nachweist, dass er schuldlos 
ausserstande ist, die Busse zu bezahlen (Art. 49 Ziff. 3 Abs. 2 StGB). Im Falle der 
Umwandlung werden Fr. 30.-- Busse einem Tag Haft gleichgesetzt. Die Bestimmun-
gen über den bedingten Strafvollzug sind auf die Umwandlungsstrafe anwendbar 
(Art. 49 Ziff. 3 Abs. 3 StGB).

Die Umwandlung einer Busse in Haft ist von der Vollzugbehörde zu beantra-
gen und vom Kantonsgerichtsausschuss zu verfügen (Art. 192 Abs. 1 StPO; Art. 6 
Abs. 2 der Verordnung über das Verwaltungsstrafverfahren, VStV, BR 350.490). 
Demnach ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichtsausschusses zur Behandlung 
des Umwandlungsgesuches des kantonalen Departements des Innern und der 
Volkswirtschaft gegeben. 

2. a) Soweit der Gebüsste in seiner Antwort geltend macht, er sei vom Be-
zirksgericht (recte: Bezirksgerichtsausschuss) Imboden mangels Beweise von den 
Vorwürfen freigesprochen worden, ist er nicht zu hören, weil Gegenstand des ent-
sprechenden Urteils vom 2. Februar 2005 die Nichtbefolgung einer unter Hinweis 
auf die Strafdrohung des Art. 292 StGB erfolgte Anordnung des kantonalen Labors 
und Lebensmittelinspektorates vom 10. August 2004 war und nicht die Verurteilung 
vom 27. April 2006 wegen der vorsätzlichen Widerhandlungen gegen die eingangs 
erwähnten Bestimmungen des Landwirtschafts- und Lebensmittelgesetzes sowie 
der Bio-Verordnung. Der Freispruch erfolgte somit in einem anderen Strafverfahren. 

b) Die Bussverfügung des kantonalen Departements des Innern und der 
Volkswirtschaft vom 27. April 2006 hat der Kantonsgerichtsausschuss nicht zu über-
prüfen. Bleibt bei Nichtbezahlung der Busse auch ein Betreibungsverfahren frucht-
los, genügt dies für sich alleine nicht, um eine Umwandlung gemäss Art. 49 Ziff. 3 
StGB auszuschliessen. Denn deren Ausschluss knüpft an das schuldlose Ausblei-
ben der Bussenzahlung. Schuldlosigkeit ist nur anzunehmen, wenn der Verurteilte 
auch bei gutem Willen keine Möglichkeit hat, sich die erforderlichen Mittel zu ver-
schaffen (Urteil des Bundesgerichtes 6S.87/2004 vom 12. Mai 2004, E. 2.2). Der 
Gesuchsgegner hat in seiner Antwort vom 27. November 2006 weder aufgezeigt 
noch belegt, dass er schuldlos ausserstande sein sollte, die fragliche Busse zu be-
zahlen. Er hat es mithin versäumt, seine Schuldlosigkeit bzw. unverschuldete Not-
lage nachzuweisen. Unter diesen Umständen ist entsprechend dem Antrag des kan-
tonalen Departements des Innern und der Volkswirtschaft die nichtbezahlte Busse 
von Fr. 800.-- in 26 Tagen Haft umzuwandeln.

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c) Der Richter kann den bedingten Strafvollzug gewähren, wenn die Vor-
aussetzungen von Art. 41 Ziff. 1 StGB gegeben sind (Art. 49 Ziff. 3 Abs. 3 StGB). 

In objektiver Hinsicht steht der Gewährung dieser Rechtswohltat nichts ent-
gegen. Subjektiv ist aber erforderlich, dass Vorleben und Charakter des Verurteilten 
erwarten lassen, er werde durch den Aufschub der Haftstrafe von weiteren strafba-
ren Handlungen abgehalten. Mit anderen Worten muss ihm eine günstige Prognose 
gestellt werden können, d. h. er muss für dauerndes Wohlverhalten Gewähr bieten. 
Unter dem Gesichtspunkt des Vorlebens wird eine frühere Bestrafung negativ 
berücksichtigt. Die vom kantonalen Justiz-, Polizei- und Sanitätsdepartement am 
16. September 2004 verhängte Vorstrafe (vgl. Urteil des Kantonsgerichtsausschus-
ses VBE 06 8 vom 11. Dezember 2006) spricht insbesondere gegen eine gute Pro-
gnose, weil sie für gleichartige Verfehlungen gefällt wurde (Trechsel, Schweizeri-
sches Strafgesetzbuch, Kurzkommentar, 2. Aufl., Zürich 1997, Art. 41 N. 19). Zu-
dem bietet der Charakter des Gesuchsgegners keine Gewähr dafür, dass er sich 
durch eine blosse Warnstrafe von der Verübung weiterer Straftaten abhalten lässt. 
In dieser Hinsicht ist Einsicht in das Unrecht der Tat Voraussetzung für eine günstige 
Prognose. Der Verurteilte hat keine Spur von Einsicht gezeigt, hat er sein Verhalten 
immer für rechtmässig gehalten. Hinzu kommt, dass er zuletzt deutlich seine Gleich-
gültigkeit gegenüber dem Strafverfahren gezeigt hat, indem er die Aufforderungen 
des Kantonsgerichtspräsidiums ignorierte. Für die Gewährung des bedingten Straf-
vollzuges fehlen damit die subjektiven Voraussetzungen, weshalb die Haftstrafe zu 
vollziehen ist.

3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Kosten von Fr. 400.-- 
gestützt auf Art. 158 Abs. 1 StPO zu Lasten des Gesuchsgegners. Die Vollzugskos-
ten der Haftstrafe trägt dagegen der Kanton (Art. 188 StPO).

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Demnach erkennt der Kantonsgerichtsausschuss :

1. Die vom Departement des Innern und der Volkswirtschaft Graubünden gegen 
X. mit Strafverfügung vom 27. April 2006 ausgesprochene Busse von Fr. 
800.-- wird in 26 Tagen Haft umgewandelt.

2. Der bedingte Strafvollzug wird verweigert.

3. Die Kosten dieses Verfahrens von Fr. 400.-- gehen zu Lasten des Gesuchs-
gegners.

4. Gegen dieses Urteil kann, sofern Verletzung eidgenössischen Rechts gel-
tend gemacht werden will, Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof des 
schweizerischen Bundesgerichts geführt werden. Diese ist dem Bundesge-
richt innert 30 Tagen seit Zustellung der vollständigen Ausfertigung des Ent-
scheides in der in Art. 273 des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechts-
pflege (BStP) vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Beschwerdele-
gitimation und die weiteren Voraussetzungen der Nichtigkeitsbeschwerde 
gelten die Art. 268 ff. BStP.

5. Mitteilung an:

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Für den Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden 
Der Vizepräsident Der Aktuar