# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d2fd3954-d28f-5686-a618-c0ec08cad261
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-12-31
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht Praxis des Verwaltungsgerichts (PVG) 31.12.2018 PVG 2018 11
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_006_PVG-2018-11_2018-12-31.pdf

## Full Text

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Invalidenversicherung. Neuanmeldung bzw. Revision.
– Grund für eine Neuanmeldung ist die Veränderung des IV-

Grads in einer für den Anspruch erheblichen Weise, 
mithin die Veränderung der tatsächlichen Verhältnis- se im 
massgeblichen Vergleichszeitraum (E.3.b–e); hier mangels 
Verschlechterung des Gesundheitszustands für den 
relevanten Zeitraum verneint (E.4c–f).

– Zulässigkeit der revisionsweisen Neuanmeldung infolge der 
vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte 
(EGMR) als nicht EMRK-konform beurteilten Anwendung der 
gemischten Methode? Hier verneint, weil gar keine
«Di Trizio»-ähnliche Ausgangslage vorliegt (E.5.b–c).

– Die Aufgabe der bisherigen bundesgerichtlichen Recht- 
sprechung zu den anhaltenden somatoformen Schmerz- 
störungen bzw. äquivalenten Beschwerdebildern in BGE 
141 V 281 und die Ersetzung des bisherigen Re- gel-
/Ausnahme-Modells (Foerster-Kriterien) durch ei- nen 
strukturierten normativen Prüfungsraster (Indi- katoren-
Katalog) berechtigt nach bundesgerichtlicher 
Rechtsprechung (BGE 141 V 585) und hier im Falle der 
Beschwerdeführerin nicht zur revisionsweisen Neuan- 
meldung des Leistungsbegehrens, was auch nicht gegen 
Art. 6 sowie Art. 8 i.V.m. Art. 14 EMRK verstösst (E.6b–d/ ee).

– Mangels Glaubhaftmachung, dass sie erhebliche neue 
Tatsachen entdeckt oder Beweismittel aufgefunden hätte, 
deren Beibringung zuvor nicht möglich gewesen wäre, ist 
das Gesuch um prozessuale Revision der ur- sprünglichen 
Verfügung nach Art. 53 Abs. 1 ATSG abzu- weisen (E.7.b, c).

Assicurazione per l’invalidità. Nuovo annuncio rispettiva- 
mente revisione.
– Motivo per un nuovo annuncio è una notevole modifica del 

grado d’invalidità, ovvero una modifica delle circo- stanze 
di fatto tra i due periodi determinanti entro i quali occorre 
confrontare le situazioni di fatto (cons. 3.b–e); negata nella 
fattispecie la modifica per mancanza di peg- gioramento 
dello stato di salute nel periodo rilevante (cons. 4c–f).

– Il nuovo annuncio è ammissibile, se è stato applicato il 
metodo misto giudicato non conforme alla CEDU dalla

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Corte europea dei diritti dell’uomo? Negato nella fatti- 
specie il diritto ad un nuovo annuncio per mancanza di una 
situazione di partenza simile a quella che stava a 
fondamento della sentenza «Di Trizio» (cons. 5.b–c).

– L’abbandono della prassi corrente del Tribunale federa- le – 
riguardante i disturbi da dolore somatoforme persi- stente 
risp. i quadri clinici equivalenti in DTF 141 V 281 – e la 
sostituzione del modello regola/eccezione (criteri Fo- 
erster), finora applicato, con uno schema di valutazione 
normativo strutturato (catalogo di indicatori) – secondo la 
prassi del Tribunale federale (DTF 141 V 585) e anche nella 
fattispecie – non giustifica un nuovo annuncio della richiesta 
di una rendita, cosa che non viola neppure l’art. 6 e l’art. 8 in 
concomitanza con l’art. 14 della CEDU (cons. 6b–d/ee).

– Visto che la petente non ha reso plausibile la scoperta di 
fatti nuovi rilevanti o di nuovi mezzi di prova che non 
potevano essere prodotti in precedenza, la domanda di 
revisione processuale della decisione originaria secondo 
l’art. 53 cpv. 1 LPGA è da respingere (cons. 7.b, c).

Erwägungen:
3. b) Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invalidi- 

tätsgrads in der Vergangenheit verweigert, so wird ein abermaliges 
Gesuch zum Bezug von Versicherungsleistungen (sogenannte Neu- 
anmeldung) nur geprüft, wenn die versicherte Person glaubhaft 
macht, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch 
erheblichen Weise verändert hat (Art. 87 Abs. 3 i.V.m. Art. 87 Abs. 2 
IVV; vgl. zuletzt auch Urteil des Bundesgerichts 8C_664/2017 vom
25. Januar 2018 E.2.1 mit Hinweisen). In diesem Fall ist wie bei ei- 
nem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (Urteil des 
Bundesgerichts 9C_114/2016 vom 8. August 2016 E.2; BGE 141 V 
585 E.5.3, BGE 117 V 198 E.3a). Grund für eine Neuanmeldung wäre 
somit allemal eine Änderung der tatsächlichen Verhältnisse (BGE 
141 V 585 E.5.3, BGE 141 V 9 E.2.3, BGE 130 V 343 E.3.5).

d) Bei der Frage, ob ein Revisionsgrund im Sinne einer 
Verschlechterung des Gesundheitszustandes vorliegt, kommt es 
einzig darauf an, ob sich das Beschwerdebild oder dessen erwerb- 
liche Auswirkungen geändert haben (Urteile des Bundesgerichts 
9C_367/2016 vom 10. August 2016 E.2.1 und 9C_894/2015 vom 25. 
April 2016 E.5.2). In Betracht fällt aber auch, wenn sich ein Leiden in 
seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähig-

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keit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_367/2016 vom 10. 
August 2016 E.2.1; Urteil des Eidg. Versicherungsgerichts I 212/03 
vom 28. August 2003 E.2.2.3), wie etwa bei der Chronifizierung 
psychischer Störungen (Urteil des Bundesgerichts 9C_367/2016 
vom 10. August 2016 E.2.1; BGE 130 V 64 E.6.2), bzw. wenn der 
Schweregrad oder die Ausprägung der gleichlautenden Diagno- 
sen und Befunde sich geändert haben (Urteile des Bundesgerichts 
9C_367/2016 vom 10. August 2016 E.2.1 und 9C_286/2009 vom 28. 
Mai 2009 E.3.2.2).

e) Neuanmeldungsrechtlich massgebender Vergleichs- 
zeitraum ist einerseits der Zeitpunkt der letzten umfassenden 
materiellen Prüfung und andererseits der Zeitpunkt, in dem das 
Neuanmeldungsgesuch und die Glaubhaftmachung einer an- 
spruchsbeeinflussenden Tatsachenänderung geprüft wird (BGE 
130 V 71 E.3.1; letztmals Urteil des Bundesgerichts 8C_597/2017 
vom  12.  Januar  2018  E.3.1;  Meyer-reichMuth,  Rechtsprechung  des 
Bundesgerichts zum IVG, Zürich 2014, 3. Aufl., Art. 30–31 Rz. 122, 
vgl. auch BGE 133 V 108 E.5). Die versicherte Person hat somit die 
Möglichkeit, den Eintritt der Tatsachenänderung bis und mit Ver- 
fügung betreffend das Nichteintreten glaubhaft zu machen (Urteil 
des  Bundesgerichts  9C_683/2013  E.3.1;  Meyer-reichMuth,  a.a.O., 
Art. 30–31 Rz. 122). Bei der Überprüfung einer von der Verwal- 
tung erlassenen Nichteintretensverfügung legen die Gerichte ihrer 
Überprüfung auf Beschwerde hin den Sachverhalt zugrunde, wie er 
sich der Verwaltung darbot (BGE 130 V 64 E.5.2.5; Meyer-reichMuth, 
a.a.O., Art. 30–31 Rz. 124).

4. c) Der Zeitpunkt der letzten rechtskräftigen Abweisung 
des Rentenanspruchs ist vorliegend der 27. März 2015. Mit Verfü- 
gung vom 27. März 2015 hatte die Beschwerdegegnerin den An- 
spruch der Beschwerdeführerin auf eine IV-Rente verneint. Sie 
hatte dabei auf das bidisziplinäre Gutachten von Dr. med. B.          
, Facharzt FMH für Rheumatologie, und Dr. med. A. , Facharzt 
FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 15./20. Oktober 2014 
abgestellt. Dieses enthielt folgende medizinische Beurteilung:

Im psychiatrischen Teilgutachten vom 15. Oktober 2014 
hatte Dr.  med. A.      folgende Diagnose ohne Auswirkung auf   
die Arbeitsfähigkeit gestellt: leichte depressive Episode im Sinne 
einer weitgehend remittierten mittelgradigen depressiven Episo- 
de, anhaltende somatoforme Schmerzstörung, akzentuierte Per- 
sönlichkeitszüge mit histrionisch-unreifen und passiv-aggressiven 
Anteilen. Gemäss Einschätzung von Dr. med. A. würden keine 
psychischen Funktionseinschränkungen in der bisherigen und in

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einer angepassten Tätigkeit bestehen. Die Gesamtarbeitsfähigkeit 
liege aus rein psychiatrischer Sicht bei 100 %, retrospektiv sei da- 
von auszugehen, dass nie eine IV-rechtlich relevante Einschrän- 
kung der Arbeitsfähigkeit bestanden habe.

Im rheumatologischen Teilgutachten vom 20. Oktober 2014 
hatte Dr. med. B. folgende Diagnose mit Auswirkung auf die 
Arbeitsfähigkeit gestellt: chronifiziertes (cervico-)thoracovertebra- 
les Schmerzsyndrom, nämlich Thoraxkontusion mit Verdacht auf 
Contusio cordis und Kniekontusion links am 4. Februar 2013, dege- 
nerative Veränderungen HWK 3–7, initiale mehrsegmentale rechts- 
laterale Spondylose der BWS, muskuläre Dysbalance und Dekon- 
ditionierung, cervicale Streckfehlhaltung, thoracaler Rundrücken, 
mit Kopf- und leichter Schulterprotraktion, diskreteste Skoliose, 
Schmerzausweitungstendenz im Sinne eines panvertebralen und 
anamnestisch brachialen Schmerzsyndroms, sowie folgende Dia- 
gnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: arterielle Hyper- 
tonie, gastroösophageale Refluxkrankheit. Dr.  med. B.      hatte 
der Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit eine Arbeitsfä- 
higkeit von 50 % (halbtags) spätestens ab Mai 2013 sowie eine volle 
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit attestiert.

In der bidisziplinären Konsensbeurteilung hatten die Gut- 
achter der Beschwerdeführerin insgesamt eine 50%ige Arbeitsfä- 
higkeit in der bisherigen Tätigkeit und eine 100%ige Arbeitsfähig- 
keit in einer angepassten Tätigkeit attestiert.

Der RAD-Arzt Dr. med. D. hatte das bidisziplinäre Gut- 
achten vom 15./20. Oktober 2014 geprüft und hatte dazu in seiner 
Beurteilung vom 31. Oktober 2014 (Case Report, S. 14) festgehal- 
ten, dass er auf dieses Gutachten abstelle. Demnach bestehe aus 
psychiatrischer Sicht eine weitgehend remittierte depressive Epi- 
sode sowie eine somatoforme Schmerzstörung ohne Auswirkung 
auf die Arbeitsfähigkeit und aus rheumatologischer Sicht ein chro- 
nifiziertes thorakovertebrales Schmerzsyndrom mit Auswirkung 
auf die Arbeitsfähigkeit.

d) Am 17. Mai 2015, also knapp zwei Monate nach Erhalt 
der ablehnenden Verfügung meldete sich die Beschwerdeführe-  
rin bei der Beschwerdegegnerin erneut an und reichte den Bericht 
von Dr. med. C. , Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, vom
5. Mai 2015 ein. Dieser äusserte sich zum Gesundheitszustand der 
Beschwerdeführerin folgendermassen:

Er habe die Beschwerdeführerin am 25. März 2015 und  
am 21. April 2015 untersucht. Zudem seien ihm die vom Hausarzt 
Dr. med. F. überlassenen Akten zur Verfügung gestanden (ins-

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besondere der Bericht über die Interdisziplinäre Schmerzsprech- 
stunde der Kliniken J.         vom 31. März 2014).  Dr.  med. C. 
führte aus, die Beschwerdeführerin sei bei der Untersuchung vom
25. März 2015 in einer gedrückten und weinerlichen Grundstim- 
mung gewesen, was die Erhebung der Anamnese erschwert habe. 
Die Untersuchung sei wegen der Aggravation und der depressi- 
ven Grundstimmung deutlich erschwert gewesen, sodass objekti- 
ve Befunde kaum erhebbar gewesen seien. Seines Erachtens liege 
eine schwere somatoforme Schmerzstörung vor, eine depressive 
Entwicklung habe im April nicht im Vordergrund gestanden. Bei 
ihm habe die Patientin jedoch sehr depressiv gewirkt, weinerlich 
mit Tendenz zur Hyperventilation. Da eine medikamentöse Behand- 
lung ausgereizt und der Versuch einer ambulanten psychiatrischen 
Behandlung gescheitert sei, empfehle er eine stationäre psychia- 
trisch-psychotherapeutische Behandlung, damit die Beschwerde- 
führerin einen besseren Zugang zur Schmerzverarbeitung finde. 
Die vom Hausarzt festgelegte 100%ige Arbeitsunfähigkeit erachte 
er bei diesem komplizierten psychisch überlagerten Krankheits- 
bild, bei dem die somatoforme Schmerzverarbeitungsstörung bei 
chronifizierter Situation im Vordergrund stehe, als gerechtfertigt.

Bevor die Beschwerdegegnerin die angefochtene Verfü- 
gung vom 21. Juni 2016 erliess, holte sie erneut die Einschätzung 
des RAD-Arztes Dr. med. D. ein. Dieser hielt in seiner Stel- 
lungnahme vom 14. August 2015 (Case Report, S. 5) fest, dass  
Dr. med. C. dasselbe Verhalten der Beschwerdeführerin und 
dieselben Beschwerden schildere, die bereits im Gutachten von  
Dr.  med. B.          und Dr. med. A. vom 15./20. Oktober 2014 
beschrieben würden. Aus seiner Sicht ergäben sich keine objek- 
tiven Anhaltspunkte für eine wesentliche Verschlechterung des 
Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin. Daher seien auch 
keine weiteren Berichte einzuholen.

e) Mit der Beschwerde vom 29. August 2016 bzw. mit der 
Replik vom 21. September 2016 reichte die Beschwerdeführerin 
den Bericht des Hausarztes Dr. med. F. vom 26. August 2016 
und von Dr. med. H. vom 26. August 2016 ins Recht, wobei 
auffällt, dass beide Berichte mehr oder weniger den gleichen Wort- 
laut enthalten. Diese Ärzte äusserten sich folgendermassen zum 
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin:

Dr. med. F. beschrieb in seinem nach dem Verfü- 
gungszeitpunkt vom 21. Juni 2016 erstellten Bericht vom 26. Au- 
gust 2016 v.a. die Zeit seit 2011, während der er die Beschwerde- 
führerin in seiner Praxis betreut hatte. Sofern er Angaben bis Juni

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2016 macht, sind diese vorliegend zu beachten.  Dr.  med.  F. 
führte aus, an der Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung 
sei nicht zu zweifeln. Als behandelnder Arzt könne er bestätigen, 
dass bei der Beschwerdeführerin seit der Begutachtung im Herbst 
2014, aber auch seit März 2015 eine Verschlechterung des Gesund- 
heitszustands eingetreten sei. Diese bestehe in einer deutlichen 
Chronifizierung des Beschwerdebildes und einem hohen Betreu- 
ungs- und Medikamentenaufwand. Ab Mitte 2016 sei von einer ver- 
festigten, chronifizierten somatoformen Schmerzstörung auszuge- 
hen. Daneben bestehe eine Depression in erheblichem Ausmass. 
Eine Arbeitsfähigkeit sei derzeit nicht gegeben.

Die behandelnde Psychiaterin, Dr. med. H.     , beschrieb 
in ihrem ebenfalls nach dem Verfügungszeitpunkt vom 21. Juni 
2016 erstellten Bericht vom 26. August 2016 v.a. die Zeit seit Mai 
2016 bis zum Berichtszeitpunkt, mithin vorwiegend die Zeit nach 
dem Verfügungszeitpunkt. Auf ihren Bericht vom 26. August 2016 
kann somit mehrheitlich nicht abgestellt werden. Nach Einschät- 
zung von Dr. med. H. hat sich der Gesundheitszustand spä- 
testens seit Mai 2016 verschlechtert, die Verschlechterung bestehe 
in einer deutlichen Chronifizierung der somatoformen Schmerzstö- 
rung. Daneben bestehe auch eine Anpassungsstörung, eine länge- 
re depressive Reaktion, und die Arbeitsfähigkeit sei nicht gegeben.

f) Nach Ansicht des Gerichts gelingt es der Beschwerdefüh- 
rerin nicht, mit den vorgebrachten Angaben von Dr. med. C.     , 
Dr.  med. F.       und Dr.  med. H.      eine wesentliche Verände- 
rung bzw. Verschlechterung ihres Gesundheitszustands glaubhaft 
zu machen.

aa) Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD- 
10: F 45.4) war bereits von den Gutachtern Dr.  med. B.     und   
Dr. med. A. in deren Gutachten vom 15./20. Oktober 2014 di- 
agnostiziert worden. Dr.  med. C.    hatte in seiner Beurteilung  
vom 31. Oktober 2014 darauf abgestellt und diese Diagnose bestä- 
tigt (Vorliegen einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung). 
Wenn nun sowohl im Bericht von Dr.  med. C.    vom 15. Mai    
2015 als auch in den Schreiben von Dr. med. F. vom 26. August 
2016 und Dr. med. H.    vom 26. August 2016 von einer schwe- 
ren bzw. verfestigten, chronifizierten somatoformen Schmerzstö- 
rung die Rede ist, so stellt dies kein neues Sachverhaltselement 
dar, sondern eine andere Umschreibung des bereits vorbestande- 
nen Beschwerdebildes. Dies ergibt sich insbesondere daraus, dass 
gerade die Psychiaterin Dr. med. H. zwar in ihrem Bericht von 
einer verfestigten, chronifizierten somatoformen Schmerzstörung

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spricht, bei der Diagnosestellung jedoch denselben Code wie auch 
der Gutachter Dr. med. A.      verwendet, nämlich ICD-10: F 45.4 
für eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Offenbar ver- 
wendete Dr. med. H. den Begriff der Chronifizierung in ihrem 
Bericht nicht im Sinne einer andersartigen bzw. schwerer wiegen- 
den Diagnose (z.B. ICD-10: F 45.41, chronische Schmerzstörung mit 
somatischen und psychischen Faktoren [wobei diesbezüglich ge- 
mäss BGE 143 V 418 E.5.1 ein Bezug zum Schweregrad ohnehin 
fehlt]). Zu beachten ist auch, dass Dr.  med. F. bereits früher 
von einer eingetretenen Chronifizierung gesprochen und in seinem 
Bericht vom 17. September 2013 eine stationäre Therapie gerade 
wegen der Gefahr einer weiteren Chronifizierung unterstützt hatte. 
Im Bericht vom 23. Oktober 2013 hatte er gemahnt, dass nun alles 
daran gesetzt werden müsse, die Chronifizierung zu unterbrechen. 
Auch später, nämlich mit Bericht vom 10. April 2014, schloss er sich 
der Einschätzung der Fachkollegen der Kliniken J. an, wo- 
nach eine somatoforme bzw. chronifizierte somatoforme Schmerz- 
störung bestehe und die Prognose schlecht sei. Aus all diesen 
Arztberichten geht hervor, dass die «chronifizierte somatoforme 
Schmerzstörung» keine neue Diagnose darstellt, mithin dass die- 
ses Beschwerdebild bereits im Zeitpunkt der ursprünglichen Ver- 
fügung vom 27. März 2015 so bestanden hatte. Eine entsprechende 
Verschlechterung des Gesundheitszustands bzw. eine Intensivie- 
rung des bisherigen Leidens – der somatoformen Schmerzstörung
– nach diesem Zeitpunkt bzw. bis zum Zeitpunkt des Erlasses der 
angefochtenen Verfügung vom 21. Juni 2016 konnte die Beschwer- 
deführerin somit nicht glaubhaft machen.

bb) Dr. med. A. hatte im Teilgutachten vom 15. Okto- 
ber 2014 eine leichte depressive Episode im Sinne einer weitgehend 
remittierten mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10: F 32.0) 
diagnostiziert. Dies stimmt mit dem Bericht von Dr.  med.  F. 
vom 23. Oktober 2013 und dem Austrittsbericht der Fachärzte der 
Kliniken J. vom 6. November 2013 überein, die für den von 
ihnen umschriebenen Zeitraum eine mittelgradige depressive Epi- 
sode diagnostiziert hatten. Auch Dr. med. H. , welche die Be- 
schwerdeführerin seit dem 29. Oktober 2013 behandelte, hatte am
21. Dezember 2013 von einer leichten- bis mittelgradigen depres- 
siven Episode geschrieben. Was diese psychiatrischen Beschwer- 
den betrifft, berichtete Dr. med. C. , der die Patientin im März 
und im April 2015 untersuchte, in seinem Bericht vom 15. Mai 2015 
zwar von einer depressiven Grundstimmung, welche die Untersu- 
chung erschwert habe, doch stand seiner Einschätzung nach im

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April 2015 keine depressive Entwicklung im Vordergrund. Dr.  med.
F. sprach in seinem Bericht vom 26. August 2016 von einer 
Depression doch erheblichen Ausmasses, ohne dieses Ausmass 
allerdings weiter zu konkretisieren. Die behandelnde Psychiaterin 
Dr. med. H. schrieb in ihrem Bericht vom 26. August 2016, 
abgesehen von der bereits erwähnten Schmerzstörung, nicht von 
einer Depression, sondern von einer bestehenden «Anpassungs- 
störung,  längere  depressive  Reaktion»  (mit  dem  Code  ICD-10:
F. 43.21). Auch diese Diagnose lässt nicht darauf schliessen, dass 
die Störung schwerwiegender wäre als die vom Gutachter Dr. med. 
A.      festgestellte leichte depressive Episode. Somit gelingt es  
der Beschwerdeführerin auch bezüglich dieses Beschwerdebildes 
(Depression) nicht, eine nach dem Zeitpunkt der ursprünglichen 
Verfügung vom 27. März 2015 bis zum Zeitpunkt des Erlasses der 
angefochtenen Verfügung vom 21. Juni 2016 eingetretene Ver- 
schlechterung des Gesundheitszustands glaubhaft zu machen.

cc) In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit war der Beschwerde- 
führerin im Austrittsbericht der Kliniken J.   vom 6. November  
2013 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis zum 27. Oktober 2013 
attestiert worden, danach aus psychiatrischer Sicht eine 50%ige 
Arbeitsunfähigkeit vorerst bis zum 10. November 2013. Aus rheu- 
matologischer Sicht hatten die Gutachter eine leichte wechselbe- 
lastende Tätigkeit als möglich erachtet. Auf dringende Empfehlung 
der Fachärzte der Kliniken J.     hatte sich die Beschwerdeführe- 
rin in psychiatrische Behandlung zu Dr. med. H.    begeben. Die- 
se hatte in ihrem Bericht vom 21. Dezember 2013 festgehalten, dass 
die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in psychiatrischer Hin- 
sicht nicht eingeschränkt und die bisherige Tätigkeit somit noch zu- 
mutbar sei. Im Bericht der Interdisziplinären Schmerzsprechstunde 
der Kliniken J.  (durchgeführt am 27. März 2014) vom 31. März 
2014 hatten die Fachärzte von einer deutlichen Einschränkung der 
Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht gesprochen und diese 
jedoch – im Sinne einer zu erhoffenden Salutogenese – nicht auf 
100 % geschätzt. Gleichzeitig hatten sie aber festgehalten, es er- 
scheine als unwahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin die 
auch rheumatologisch festgestellte 50%ige Arbeitstätigkeit (recte 
wohl: Arbeitsfähigkeit) für eine leichte bis maximal mittelschwere 
wechselbelastende Tätigkeit jemals wieder werde abrufen können. 
Dr. med. F. hatte in seinem Bericht vom 10. April 2014 festge- 
halten, dass eine Genesung aus rein somatischem Zugang nicht  
zu erwarten sei, hingegen könne nach allfälliger psychiatrischer 
Rehabilitation ein langsames Aufbauprogramm ins Auge gefasst

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werden.  Schliesslich  hatten  Dr.  med.  B.     und  Dr.  med.  A. 
der Beschwerdeführerin in ihrem Gutachten vom 15./20. Oktober 
2014 in der angestammten Tätigkeit aus rheumatologischen Grün- 
den eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (bezogen auf ein volles Pensum) 
ab Mai 2013 attestiert und in einer leidensadaptierten Tätigkeit eine 
100%ige Arbeitsfähigkeit. Wenn nun Dr. med. C. in seinem  
Bericht vom 15. Mai 2015 festhält, die vom Hausarzt festgestellte 
100%ige Arbeitsunfähigkeit erscheine angesichts des komplizierten 
psychisch überlagerten Krankheitsbildes gerechtfertigt und wenn 
sowohl Dr. med. F.     als auch Dr. med. H.      in ihren Berichten 
vom 26. August 2016 festhalten, dass eine Arbeitsfähigkeit derzeit 
nicht gegeben sei, so stellt dies kein neues tatsächliches Element 
dar, sondern lediglich eine andere Einschätzung der auf demselben 
Gesundheitszustand basierenden Arbeits(-un)fähigkeit. Zweifel 
darüber, ob die Beschwerdeführerin die ihr theoretisch attestierte 
Arbeitsfähigkeit auch würde abrufen können, bestanden schon vor 
der Begutachtung durch Dr. med. B.   und Dr. med. A.    im 
Oktober 2014 und die Prognosen wurden schon damals allgemein 
als schlecht bezeichnet. Somit erweist sich auch eine Veränderung 
des Leidens der Beschwerdeführerin in seinen Auswirkungen auf 
die Arbeits(-un)fähigkeit als nicht glaubhaft dargetan.

dd) Nach all dem Gesagten kann zusammenfassend fest- 
gehalten werden, dass die Beschwerdeführerin eine Änderung des 
Beschwerdebildes, nämlich eine erhebliche Verschlechterung des 
Gesundheitszustands oder auch eine Änderung der Intensität bzw. 
des Schweregrades der bestehenden Befunde und deren Auswir- 
kungen auf die Arbeitsfähigkeit seit dem Zeitpunkt der letzten um- 
fassenden materiellen Prüfung im März 2015 (Verfügung vom 27. 
März 2015) bis zum Zeitpunkt, als die Beschwerdegegnerin die an- 
gefochtene Verfügung erliess, mithin bis zum 21. Juni 2016, nicht 
glaubhaft machen konnte. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass 
sich die Beschwerdeführerin schon kurz nach Abweisung ihres Leis- 
tungsbegehrens im März 2015 wieder bei der Beschwerdegegnerin 
anmeldete, nämlich im Mai 2015, was an das Glaubhaftmachen der 
erforderlichen Voraussetzungen höhere Anforderungen stellt. Eine 
Änderung des IV-Grads in einer für den Anspruch erheblichen Wei- 
se ist folglich nicht glaubhaft gemacht (vgl. Art. 87 Abs. 3 i.V.m.  
Art. 87 Abs. 2 IVV), womit der Entscheid der Beschwerdegegnerin, 
auf die Neuanmeldung nicht einzutreten, zu schützen ist.

Diese Schlussfolgerung gilt insofern, als die von der Be- 
schwerdeführerin behauptete Verschlechterung des Gesundheits- 
zustands zu prüfen war. Hingegen ist im Nachfolgenden der Frage

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nachzugehen, ob im Hinblick auf die Rechtsprechung des Bundes- 
gerichts zur Anwendung der gemischten Methode und im Hinblick 
auf die geänderte Rechtsprechung des Bundesgerichts zu den so- 
matoformen Schmerzstörungen bzw. äquivalenten Beschwerde- 
bildern eine Neuanmeldung gerechtfertigt wäre und eine solche 
daher zugelassen werden müsste oder nicht.

5. b) Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte 
(EGMR) fällte am 2. Februar 2016 das Urteil Nr. 7186/09 in Sachen
«Di Trizio» gegen die Schweiz. Dem Urteil lag der Sachverhalt zu- 
grunde, dass zuletzt das Bundesgericht den Entscheid der zustän- 
digen IV-Stelle, der Versicherten aufgrund eines Statuswechsels ab 
dem 1. September 2004 keine Rente mehr auszurichten, geschützt 
hatte, nachdem die IV-Stelle im Rahmen einer erstmaligen Renten- 
prüfung gestützt auf einen Einkommensvergleich einen Invalidi- 
tätsgrad von 50 % ermittelt und der Versicherten vom 1. Juni 2003 
bis zum 31. August 2004 eine halbe Rente zugesprochen hatte (Ur- 
teil des Bundesgerichts 9C_49/2008 vom 28. Juli 2008). Die Vernei- 
nung des Rentenanspruchs für die Zeit nach dem 31. August 2004 
war darauf zurückzuführen, dass die IV-Stelle von der hypotheti- 
schen Annahme ausgegangen war, infolge der Geburt von Zwillin- 
gen (am 6. Februar 2004) würde die Versicherte als Gesunde bloss 
mehr teilweise erwerbstätig sein. Die IV-Stelle hatte für diese Zeit 
die gemischte Methode angewendet, weshalb sich neu ein Invalidi- 
tätsgrad von bloss 22 % ergeben hatte. Der EGMR hielt in seinem 
Urteil fest, dass die Verweigerung der Rente durch Anwendung der 
gemischten Methode im konkreten Fall eine Verletzung des Rechts 
auf Achtung des Familienlebens (Art. 14 i.V.m. Art. 8 EMRK) dar- 
stelle.

Das Urteil des EGMR hat zur Folge, dass in Fällen mit ei- 
ner ähnlichen Ausgangslage wie im Fall «Di Trizio» mit Blick auf  
die Achtung des Familienlebens der bisherige Status beibehalten 
und die gemischte Methode nicht mehr angewendet wird (vgl. IV-
Rundschreiben Nr.  355 vom 31.  Oktober 2016, aktualisiert  per
26. Mai 2017). Gemäss IV-Rundschreiben Nr. 355 liegt eine «Di Tri- 
zio»-ähnliche Ausgangslage vor, wenn folgende Merkmale kumu- 
lativ erfüllt sind: Rentenrevision oder erstmalige Rentenzusprache 
mit gleichzeitiger Abstufung oder Befristung der Rente einerseits 
sowie familiär bedingter Grund für die Reduktion der Arbeitszeit 
(Betreuungspflichten gegenüber minderjährigen Kindern) anderer- 
seits. In Umsetzung des EGMR-Urteils vom 2. Februar 2016 betref- 
fend das Urteil des Bundesgerichts 9C_49/2008 vom 28. Juli 2008 
entschied das Bundesgericht in BGE 143 I 50 E.4 und BGE 143 I 60

3/11 Sozialversicherung PVG 2018

102

E.3.3, dass die revisionsweise Aufhebung bzw. Herabsetzung einer 
Invalidenrente EMRK-widrig sei, wenn allein familiäre Gründe (die 
Geburt von Kindern und die damit einhergehende Reduktion des 
Erwerbspensums) für einen Statuswechsel von «vollerwerbstätig» 
zu «teilerwerbstätig» (mit Aufgabenbereich) sprechen würden. Es 
legte daher fest, dass der (dortigen) Beschwerdeführerin die lau- 
fende Rente weiterhin auszurichten sei (BGE 143 I 50 E.4, vgl. auch 
Aktualisierung des IV-Rundschreibens Nr. 355 per 26. Mai 2017). Im 
Urteil 9C_525/2016 präzisierte das Bundesgericht, dass in Fällen, 
in denen keine «Di-Trizio»-ähnliche Ausgangslage vorliege, bei- 
spielsweise bei einer erstmaligen Rentenzusprache bei einer Per- 
son, die bereits vor der Rentenprüfung einer Teilerwerbstätigkeit 
nachgegangen war, das bisherige Recht und das bisherige Berech- 
nungsmodell der gemischten Methode anzuwenden seien (E.4.2, 
vgl. auch Aktualisierung des IV-Rundschreibens Nr. 355 per 26. Mai 
2017). Das heisst, die Anwendung der gemischten Methode ist, 
entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin, nicht grund- 
sätzlich unzulässig (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_525/2016 
E.4.2).

c) Vorliegend liegt keine solche «Di Trizio»-ähnliche Aus- 
gangslage vor, weshalb nicht von einer EMRK-widrigen Anwen- 
dung der gemischten Methode ausgegangen werden kann. Die 
Beschwerdeführerin arbeitete im Zeitpunkt, als die rechtskräftige 
Verfügung vom 27. März 2015 erlassen wurde, seit Jahren schon 
teilzeitlich. Soweit aus den Akten ersichtlich ist, war sie nämlich 
seit 1999 fast vorwiegend (mit einer Ausnahme von Juli bis Sep- 
tember 2011) teilzeitlich erwerbstätig (vgl. Gutachten Dr. med. B.
            vom 20. Oktober 2014, Lebenslauf). Ein Statuswechsel vor 
Erlass der Verfügung vom 27. März 2015 hat somit gar nicht statt- 
gefunden. Zudem waren die vier Kinder der Beschwerdeführerin 
(Jahrgang 1983, 1984, 1987, 1989) im März 2015 schon lange volljäh- 
rig. Dass eine Änderung des Arbeitspensums aufgrund familiärer 
Verhältnisse erfolgt wäre, behauptet sie denn auch nicht. Folglich 
erweist sich der Einwand der Beschwerdeführerin als unbegründet 
und ihre Rüge, eine revisionsweise Neuanmeldung müsse wegen 
der Unzulässigkeit der gemischten Methode zugelassen werden, 
ist von vornherein und unabhängig von der Frage, ob diese Recht- 
sprechungsänderung in einem Fall mit «Di Trizio»-ähnlicher Aus- 
gangslage überhaupt zu einer Neuanmeldung berechtigen würde, 
nicht zu hören.

6. b) Das Bundesgericht hat mit BGE 141 V 281 (Urteil 
9C_492/2014 vom 3. Juni 2015) eine Änderung der mit BGE 130

3/11 Sozialversicherung PVG 2018

103

V 352 begonnenen Rechtsprechung bei anhaltenden somatofor- 
men Schmerzstörungen bzw. äquivalenten Beschwerdebildern 
eingeleitet. In BGE 130 V 352 hatte es, im Jahr 2004, in Präzisie- 
rung der Rechtsprechung das Regel-/Ausnahme-Modell eingeführt 
und festgelegt, dass eine diagnostizierte anhaltende somatoforme 
Schmerzstörung als solche in der Regel keine lang dauernde, zu ei- 
ner Invalidität führende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Sin- 
ne von Art. 4 Abs. 1 IVG darstelle und dass die Unzumutbarkeit ei- 
ner willentlichen Schmerzüberwindung und eines Wiedereinstiegs 
in den Arbeitsprozess die Ausnahme sei (Regel-/Ausnahmepraxis) 
(BGE 130 V 352 E.2.2.3, vgl. auch BGE 131 V 49 E.1.2, BGE 135 V 201
E.7.1.2, BGE 137 V 64 E.4.3). In der Folge ging die Rechtsprechung 
seit BGE 131 V 49 E.1.2 von der Vermutung aus, dass der versi- 
cherten Person eine Willensanstrengung zuzumuten sei, mit der 
die Folgen der somatoformen Schmerzstörung (oder eines gleich- 
gestellten Krankheitsbildes) überwunden werden könnten (Über- 
windbarkeitspraxis). Ein Abweichen von diesem Grundsatz fiel nur 
in jenen Fällen in Betracht, in denen die festgestellte somatofor- me 
Schmerzstörung nach Einschätzung des Arztes eine derartige 
Schwere aufwies, dass der versicherten Person die Verwertung ih- 
rer verbleibenden Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt bei objektiver 
Betrachtung – und unter Ausschluss von Einschränkungen der Leis- 
tungsfähigkeit, die auf aggravatorisches Verhalten zurückzuführen 
waren – sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder dies für die Ge- 
sellschaft gar untragbar war (BGE 130 V 352 E.2.2.3; vgl. auch BGE 
141  V  281  E.3.3.1  ff.  mit  zahlreichen  Hinweisen;  Meyer-reichMuth, 
a.a.O., Art. 4 Rz. 34). Die – nur in Ausnahmefällen anzunehmen- 
de – Unzumutbarkeit einer willentlichen Schmerzüberwindung und 
eines Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess setzte das Vorliegen 
einer mitwirkenden, psychisch ausgewiesenen Komorbidität von 
erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer oder aber 
das Vorhandensein anderer qualifizierter, mit gewisser Intensität 
und Konstanz erfüllter Kriterien voraus (BGE 130 V 352 E.2.2.3, 
Meyer-reichMuth, a.a.O., Art. 4 Rz. 35). Der Katalog dieser Kriterien, 
wie sie in BGE 130 V 352 E.2.2.3 festgelegt – und die später auch 
als Foerster-Kriterien bezeichnet wurden (zuletzt BGE 140 V 290 
E.3.1.1;  Kradolfer,  in:  forum  Gesundheitsrecht,  Nicht  objektivier- 
bare Gesundheitsschäden im Licht der EMRK, Zürich 2012, S. 23)
–, umfasste (1) chronische körperliche Begleiterkrankungen und 
einen mehrjährigen Krankheitsverlauf bei unveränderter oder pro- 
gredienter Symptomatik ohne längerfristige Remission, (2) einen 
ausgewiesenen sozialen Rückzug in allen Belangen des Lebens, (3)

3/11 Sozialversicherung PVG 2018

104

einen verfestigten, therapeutisch nicht mehr angehbaren innersee- 
lischen Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlas- 
tenden Konfliktbewältigung (primärer  Krankheitsgewinn,  «Flucht 
in die Krankheit») oder schliesslich (4) unbefriedigende Behand- 
lungsergebnisse trotz konsequent durchgeführter ambulanter und/ 
oder stationärer Behandlungsbemühungen (auch mit unterschied- 
lichem therapeutischem Ansatz) und gescheiterte Rehabilitations- 
massnahmen bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung 
der versicherten Person.

Mit BGE 141 V 281 (Urteil 9C_492/2014 vom 3. Juni 2015) gab 
das Bundesgericht diese Rechtsprechung auf (E.3.4 und E.3.5) und 
ersetzte das bisherige Regel-/Ausnahme-Modell durch einen struk- 
turierten normativen Prüfungsraster (E.3.6). Es begründete diese 
Rechtsprechungsänderung damit, dass früher zu stark nach – den 
Ausnahmefall (Arbeitsunfähigkeit) begründenden – belastenden 
Elementen gesucht worden sei, anstatt dass auch die Ressourcen 
und somit das ganze Leistungsprofil mit sowohl negativen als auch 
positiven Anteilen beachtet wurden (E.3.4.2.1). Die Überwindbar- 
keitspraxis habe Verwaltung und Gerichte im Rahmen ihrer Unter- 
suchungsaufgabe (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG) mitunter 
dazu verleitet, die kriterienorientierte Auswahl der massgebenden 
Sachverhaltselemente so zu gestalten, dass der Regelfall verwirk- 
licht werde, dies wohl auch zum Ausgleich dafür, dass die Ressour- 
cen nicht den ihrer tatsächlichen Bedeutung entsprechenden Platz 
im Prüfungsraster erhielten (E.3.4.2.2). Ein solcher Bias aber, so das 
Bundesgericht in BGE 141 V 281, begünstige Schematismen, die der 
freien Beweiswürdigung und Rechtsanwendung von Amtes wegen 
zuwiderlaufen würden (E.3.4.2.2). Deshalb stelle sich die Frage, ob 
die diagnostizierte Schmerzstörung zu einer ganzen oder teilwei- 
sen Arbeitsunfähigkeit führe, nicht mehr im Hinblick auf die Wider- 
legung einer Ausgangsvermutung (E.3.6). Vielmehr solle anhand 
eines Katalogs von Indikatoren im Rahmen einer ergebnisoffenen 
symmetrischen Beurteilung das tatsächlich erreichbare funktionel- 
le Leistungsvermögen ermittelt werden (E.3.6 und E.4.1.2).

Die Frage, ob diese neue Rechtsprechung einen Neuanmel- 
dungs- bzw. Revisionsgrund darstelle, verneinte das Bundesgericht 
in BGE 141 V 585 E.5.3 ausdrücklich (8C_590/2015 vom 24. Novem- 
ber 2015; bestätigt mit Urteil des Bundesgerichts 9C_879/2015 vom
8. Januar 2016). Es hielt in diesem Entscheid fest, dass mit der in 
BGE 141 V 281 geänderten Praxis keine Änderung der Vorausset- 
zungen für den Leistungsanspruch erfolgt sei, vielmehr seien neue 
Standardindikatoren für dessen Beurteilung und ein strukturiertes,

3/11 Sozialversicherung PVG 2018

105

ergebnisoffenes Beweisverfahren geschaffen worden, ohne dass 
die Aussicht auf eine Rentenleistung a priori steigen würde (BGE 
141 V 585 E.5.3). Gestützt auf Art. 7 Abs. 2 ATSG sei auch in Zukunft 
im Zuge der objektivierten Betrachtungsweise von der grundsätz- 
lichen «Validität» der die materielle Beweislast tragenden versi- 
cherten Person auszugehen, weshalb die unter der früheren Praxis 
erfolgten Rentenablehnungen aus der heutigen Perspektive nicht 
ohne Weiteres als rechtswidrig, sachfremd oder schlechterdings 
nicht vertretbar erscheinen würden (BGE 141 V 585 E.5.3).

c) Art. 6 EMRK statuiert das Recht auf ein faires Verfahren. 
Demnach hat jede Person ein Recht darauf, dass über Streitigkeiten 
in Bezug auf ihre zivilrechtlichen Ansprüche und Verpflichtungen 
oder über eine gegen sie erhobene strafrechtliche Anklage von 
einem unabhängigen und unparteiischen, auf Gesetz beruhenden 
Gericht in einem fairen Verfahren, öffentlich und innerhalb ange- 
messener Frist verhandelt wird (Art. 6 Abs. 1 Satz 1 EMRK). Dieser 
Anspruch beinhaltet u.a. das Recht auf Gehör, auf Waffengleich- 
heit, auf Akteneinsicht im Strafverfahren, auf Teilnahme an der 
mündlichen  Verhandlung  im  Strafverfahren,  etc.  (Meyer-ladewig, 
Handkommentar EMRK, Baden-Baden 2011, 3. Aufl., Art. 6, S. 116 
ff.). Unter den Begriff des zivilrechtlichen Anspruchs fallen auch 
Verwaltungs- und Sozialstreitigkeiten, mithin auch sozialversiche- 
rungsrechtliche  Ansprüche  (Meyer-ladewig,  a.a.O.,  Art.  6  Rz.  14 
Rz.  17,  S.  122;  frowein/PeuKert,  EMRK-Kommentar,  Kehl  am  Rhein 
2009, 3. Aufl., Art. 6 Rz.18). Der Grundsatz des fairen Verfahrens 
wird umfassend verstanden (Meyer-ladewig, a.a.O., Art. 6 Rz. 90). 
Welche Garantien er im Einzelnen umfasst, ergibt sich nicht aus der 
Konvention; der Gerichtshof zieht zur Auslegung die Präambel he- 
ran, die in ihrem letzten Absatz die Rechtsstaatlichkeit als Teil des 
gemeinsamen Erbes der Staaten anerkennt (Meyer-ladewig, a.a.O., 
Art. 6 Rz. 90; frowein/PeuKert, a.a.O., Art. 6 Rz. 112 ff.). Ob ein Verfah- 
ren fair war, beurteilt der Gerichtshof unter Berücksichtigung aller 
Umstände des Verfahrens einschliesslich der Rechtsmittelinstanz 
(Meyer-ladewig, a.a.O., Art. 6 Rz. 96).

Art. 8 EMRK garantiert das Recht auf Achtung des Privat- 
und Familienlebens. Demnach hat jede Person das Recht auf Ach- 
tung ihres Privat- und Familienlebens, ihrer Wohnung und ihrer 
Korrespondenz (Art. 8 Abs. 1 EMRK). Der Begriff des Privatlebens 
wird  umfassend  verstanden  (Meyer-ladewig,  a.a.O.,  Art.  8  Rz.  7), 
derjenige des Familienlebens setzt eine bestehende Familie vor- 
aus  (Meyer-ladewig,  a.a.O.,  Art.  8  Rz.  48).  Der  Begriff  der  Familie ist 
weit zu verstehen, er umfasst soziale, moralische und kulturelle

3/11 Sozialversicherung PVG 2018

106

Beziehungen zwischen Familienmitgliedern (…) und auch materiel- 
le Interessen (Meyer-ladewig, a.a.O., Art. 8 Rz. 49, vgl. auch frowein/ 
PeuKert, a.a.O., Art. 8 Rz. 17 ff.).

Art. 14 EMRK umschreibt das Verbot der Diskriminierung. 
Demnach ist der Genuss der in der Konvention anerkannten Rechte 
und Freiheiten ohne Diskriminierung insbesondere wegen des Ge- 
schlechts, der Rasse, der Hautfarbe, der Sprache, der Religion, der 
politischen oder sonstigen Anschauung, der nationalen oder sozia- 
len Herkunft, der Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit, des 
Vermögens, der Geburt oder eines sonstigen Status zu gewährleis- 
ten. Das Diskriminierungsverbot hat keine eigenständige Bedeu- 
tung, es ist akzessorisch, d.h. seine Anwendung setzt voraus, dass 
der Sachverhalt, um den es geht, in den Anwendungsbereich eines 
oder mehrerer Vorschriften der Konvention oder Protokolle dazu 
fällt  (Meyer-ladewig,  a.a.O.,  Art.  14  Rz.  5;  frowein/PeuKert,  a.a.O., Art. 
14 Rz. 1). Voraussetzung für die Anwendung ist, dass Personen in 
vergleichbarer oder rechtserheblich ähnlicher Lage unterschied- 
lich  behandelt  worden  sind  (Meyer-ladewig,  a.a.O.,  Art.  14  Rz.  9) 
(verbotene Diskriminierung) bzw. dass der Staat ohne sachliche 
und vernünftige Begründung Personen in eindeutig unterschied- 
licher Lage nicht unterschiedlich behandelt (Meyer-ladewig, a.a.O., 
Art. 14 Rz. 15) (Anspruch auf Ungleichbehandlung) (vgl. auch fro- 
wein/PeuKert,  a.a.O.,  Art.  14  Rz.  7  ff.).  Eine  Ungleichbehandlung 
durch eine divergierende Rechtsprechung würde erfordern, dass 
eine Vorschrift ohne ausreichende Begründung widersprüchlich 
ausgelegt wird (Meyer-ladewig, a.a.O., Art. 14 Rz.14).

d) Vorliegend ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin mit 
Erlass der angefochtenen Verfügung vom 21. Juni 2016, mit der  
sie auf das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin trotz der in 
BGE 141 V 281 ergangenen Rechtsprechungsänderung des Bundes- 
gerichts nicht eintrat, sowohl Bundesrecht wie auch EMRK-Recht 
verletzt hat oder nicht. Dazu ist vorerst festzuhalten, dass es – ent- 
gegen dem, was die Beschwerdeführerin zu erwarten scheint –, 
nicht die Aufgabe des Gerichts ist, die ergangene bundesgericht- 
liche Rechtsprechung zur Überwindbarkeitspraxis bzw. zur Frage, 
ob die Rechtsprechungsänderung einen Neuanmeldungsgrund 
darstellt oder nicht, auf ihre Übereinstimmung mit der EMRK zu 
überprüfen. Streitgegenstand ist vorliegend, wie bereits vorne er- 
wähnt (Erwägung 2), ausschliesslich die angefochtene Verfügung 
der Beschwerdegegnerin vom 21. Juni 2016.

aa) Das Gericht stellt fest, dass die Argumentation der Be- 
schwerdeführerin im Hinblick auf die Frage der EMRK-Widrigkeit

3/11 Sozialversicherung PVG 2018

107

nicht substantiiert ist. Ihre Ausführungen erübrigen sich in der 
Wiedergabe der Kernaussagen der bundesgerichtlichen Erwägun- 
gen in BGE 141 V 281 (Aufgabe der Überwindbarkeitspraxis), de- 
ren Kommentierung und deren Rezeption durch die interessierte 
Öffentlichkeit. Die Beschwerdeführerin begrüsst und bewertet die 
Praxisänderung als Paradigmenwechsel, findet es aber erstaun- 
lich, dass das Bundesgericht in BGE 141 V 585 die in BGE 141 V 281 
vollzogene Praxisänderung nicht als Revision- bzw. Neuanmel- 
dungsgrund zulasse. Sie bezeichnet diese bundesgerichtliche Be- 
urteilung als Verstoss gegen die EMRK, ohne im Einzelnen jedoch 
darzulegen, weshalb dies so wäre bzw. inwiefern sie persönlich 
durch die Anwendung der von ihr kritisierten bundesgerichtlichen 
Rechtsprechung (BGE 141 V 585) in EMRK-widriger Weise verletzt 
würde. Die Beschwerdeführerin führt einzig aus, dass versicher- 
te Personen, deren Rentenansprüche unter der bisherigen Recht- 
sprechung abgelehnt worden seien, zeitlebens keine Chance auf 
Einbringung weiterer Sachverhaltselemente mehr hätten, womit 
sie nicht in den Genuss eines fairen Verfahrens kämen und dis- 
kriminiert würden. Weiter geht die Beschwerdeführerin nicht auf 
die angebliche EMRK-Widrigkeit ein. Ihre sehr allgemein gehalte- 
nen Behauptungen stellen keine ausreichende Auseinanderset- 
zung mit dem angerufenen Recht auf ein faires Verfahren bzw. mit 
dem Recht auf Beweis und dem Diskriminierungsverbot gemäss 
EMRK dar. Sind also die Rügen der Beschwerdeführerin nicht bzw. 
nicht ausreichend substantiiert, kann darauf grundsätzlich nicht 
eingetreten werden (vgl. Art. 38 Abs. 3 VRG). Lediglich der Voll- 
ständigkeit halber setzt sich das Gericht im Nachfolgenden auch 
in materieller Hinsicht mit den Einwänden der Beschwerdeführerin 
auseinander.

bb) Invalidität setzt, wie bereits erwähnt (Erwägung 3a), 
eine bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise 
Erwerbsunfähigkeit voraus (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfä- 
higkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer 
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise 
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden 
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Gemäss Art. 7 
Abs. 2 ATSG sind bei der Beurteilung, ob eine Erwerbsunfähigkeit 
vorliegt oder nicht, ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen 
Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1); eine Erwerbsunfähig- 
keit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar 
ist (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG).

3/11 Sozialversicherung PVG 2018

108

Art. 7 ATSG ist die Anspruchsgrundlage sowohl für die 
frühere Regel-/ Ausnahme-Praxis bzw. Überwindbarkeitspraxis 
wie auch für die neue Rechtsprechung des Bundesgerichts (ergeb- 
nisoffene Beurteilung anhand von Indikatoren) zu den somatofor- 
men Schmerzstörungen bzw. äquivalenten Beschwerdebildern. 
Das Bundesgericht entschied in BGE 141 V 585, dass die Praxisän- 
derung in BGE 141 V 281 keinen Revisions- bzw. Neuanmeldungs- 
grund und auch keinen Wiedererwägungsgrund nach Art. 53 Abs. 2 
ATSG darstelle. Dabei hielt es ausdrücklich fest, dass mit der Praxi- 
sänderung in BGE 141 V 281 keine Änderung der Voraussetzungen 
für den Leistungsanspruch einhergehe und dass die Aussicht auf 
eine Rentenleistung unter der neuen Rechtsprechung nicht a priori 
steige (BGE 141 V 585 E. 5.3). Das Gericht hat vorliegend keinen 
Anlass, in Bezug auf die von der Beschwerdeführerin angefochte- 
ne Verfügung vom 21. Juni 2016 von dieser bundesgerichtlichen 
Rechtsprechung abzuweichen.

Die Beschwerdeführerin zieht aus BGE 141 V 281 den 
Schluss, dass Fälle, die unter der früheren, aus ihrer Sicht aus po- 
litischen Gründen an «Notrecht» gereichenden Rechtsprechung 
entschieden wurden, gerade keiner ergebnisoffenen Beurteilung 
unterzogen worden seien, weil erst die neue Rechtsprechung eine 
solche möglich mache. Dieser Umkehrschluss mag rein formal-lo- 
gisch gesehen richtig sein, zumal die Beweisführung unter der frü- 
heren Regel-/Ausnahme-Rechtsprechung auf die Umstossung der 
Vermutung fokussierte, die Erwerbsunfähigkeit sei überwindbar. 
Falsch wäre es jedoch, daraus zu folgern, dass damit sämtliche frü- 
heren Fälle rechtswidrig und deswegen zu revidieren wären. Die 
Anspruchsgrundlage für die Frage der Erwerbsunfähigkeit bleibt 
unverändert Art. 7 Abs. 2 ATSG, womit – so auch das Bundesge- 
richt – nach wie vor von der Validität der versicherten Person aus- 
zugehen ist (BGE 141 V 585 E.5.3, BGE 139 V 547 E.8.1). Hat sich also 
die Anspruchsgrundlage nicht verändert, kann sich die Beschwer- 
deführerin nicht darauf berufen, allein aufgrund der neuen bun- 
desgerichtlichen Rechtsprechung müsse die Frage der Erwerbsun- 
fähigkeit gerade in ihrem Fall neu bzw. anders beurteilt und eine 
Neuanmeldung daher zugelassen werden.

cc) In BGE 141 V 281 (E.3.7.2, E.3.6) und BGE 141 V 585 (E.5.3)
betonte das Bundesgericht, dass die Änderung der Rechtsprechung 
keine Abkehr von der Rechtsprechung gemäss BGE 139 V 547 be- 
deute, wonach die Abschätzung der Folgen psychosomatischer 
Leiden auf die Arbeitsfähigkeit eine Aufgabe – indirekter – Beweis- 
führung sei. Damit ist gemeint, dass bei nicht messbaren unklaren

3/11 Sozialversicherung PVG 2018

109

syndromalen Beschwerdebildern anstelle des direkten Nachweises 
einer anspruchsbegründenden Arbeitsunfähigkeit behelfsweise ein 
auf Indizien gestützter indirekter Beweis über das Vorliegen eines 
Gesundheitsschadens tritt (BGE 139 V 547 E.7.2). Die Abschätzung 
der Erwerbsunfähigkeit ist damit nach wie vor eine Beweisführungs- 
frage, der Unterschied zur früheren Rechtsprechung liegt darin, dass 
das funktionelle Leistungsvermögen neu unter einem neuen, näm- 
lich ergebnisoffenen Fokus betrachtet wird (BGE 141 V 281 E.4.1.1).

Das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin war un- 
ter der früheren Rechtsprechung anhand der Foerster-Kriterien 
geprüft worden (vgl. Teilgutachten Dr. med. A. vom 15. Ok- 
tober 2014). Damals hatte Dr. med. A. eine chronische psych- 
iatrische Begleiterkrankung mit mehrjährigem Krankheitsverlauf 
bei unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne länger- 
fristige Remission sowie einen sozialen Rückzug in allen Belangen 
des Lebens verneint und eine schwerwiegende körperliche Er- 
krankung mit Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bejaht. Der Gut- 
achter hatte ausgeführt, die psychische Symptomatik sei nicht als 
verfestigter, therapeutisch nicht mehr angehbarer innerseelischer 
Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden 
Konfliktbewältigung zu interpretieren und in Bezug auf die Psy- 
chotherapiemotivation liege eher eine gewisse Ambivalenz vor, 
was nicht mit einer eingeschränkten Krankheitseinsicht, sondern 
mit einem schwankenden Leidensdruck in Zusammenhang stehe 
(Teilgutachten Dr. med. A.   vom 15. Oktober 2014, S. 15; vgl. 
zu den Foerster-Kriterien zuletzt BGE 140 V 290 E.3.1.1). Gestützt 
darauf ging die Beschwerdegegnerin in der ursprünglichen Ver- 
fügung vom 27. März 2015 davon aus, dass die Beschwerdefüh- 
rerin in der angestammten Tätigkeit zu mindestens 50 % und in 
einer angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig sei. Weshalb nun die 
Beweisführung, die dieser ablehnenden Verfügung zugrunde lag,
– im Vergleich zur möglichen Beweisführung nach neuer Recht- 
sprechung –, nicht ausreichend bzw. fair gewesen sein sollte, zeigt 
die Beschwerdeführerin nicht auf. Wenn im Rahmen der Beweis- 
führungsaufgabe unter der früheren Rechtsprechung anhand der 
Foerster-Kriterien die Ausgangsannahme, die Schmerzstörung sei 
nicht invalidisierend, zu widerlegen war (BGE 141 V 281 E.4.1.1), 
unter der neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung jedoch an- 
hand von Indikatoren eine ergebnisoffene Prüfung der Erwerbsun- 
fähigkeit vorzunehmen ist, mithin eine gewisse sachliche Erwei- 
terung der massgeblichen Prüfungsgesichtspunkte erfolgt (vgl. 
dazu BGE 141 V 281 E.4.1.1), heisst das noch nicht, dass bei der Be-

3/11 Sozialversicherung PVG 2018

110

schwerdeführerin unter der neuen Rechtsprechung automatisch 
ein anderes Beweisergebnis, nämlich eine Verschlechterung des 
Gesundheitszustands resultieren würde. Im Gegenteil, auch das 
Bundesgericht hielt fest, dass vermehrt auch Ressourcen, welche 
die schmerzbedingte Belastung kompensieren könnten und damit 
die Leistungsfähigkeit begünstigten, im Fokus stünden (BGE 141 V 
281 E. 4.1.1 und E. 3.4.2.1). Entscheidend ist, dass die Prüfung nach 
wie vor stets den Umständen des Einzelfalls gerecht werden muss 
und es sich beim neuen Katalog nicht um eine «abhakbare Check- 
liste» handelt (BGE 141 V 281 E.4.1.1 mit Hinweisen).

Die Beschwerdeführerin behauptet zwar, sie könne neu viel 
mehr Sachverhaltsmerkmale einbringen, jedoch setzt sie sich nicht 
damit auseinander, inwiefern diese zu einem anderen Ergebnis füh- 
ren müssten. Im Einzelnen zählt sie die folgenden, angeblich neuen 
Sachverhaltselemente auf:

– Gesundheitsschaden samt seiner Schwere und Erschei- 
nungsform: die Beschwerdeführerin leide an ausgepräg- 
ten Beschwerden und müsse starke Medikamente neh- 
men,

– sozialer Kontext: die Beschwerdeführerin verfüge kaum 
über Ressourcen,

– Diagnosen: die Beschwerdeführerin leide unter einer aus- 
geprägten somatoformen Schmerzstörung, einer Depres- 
sion, einem Cervicalsyndrom und Bestandteilen des vom 
Bundesgericht anerkannten HWS-Distorsionstraumas,

– Behandlung und Eingliederung: die Beschwerdeführerin 
leide unter kaum behandelbaren Beschwerden,

– Konsistenz: die Beschwerden der Beschwerdeführerin 
seien konsistent,

– Arbeitsfähigkeit: Dr. med. F. attestiere der Be- 
schwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (recte: 
Arbeitsunfähigkeit).

Aus all diesen – wenig aussagekräftigen und keineswegs 
neuen – Hinweisen wird nicht klar, wieso die funktionelle Leis- 
tungsfähigkeit unter der neuen Rechtsprechung anders beurteilt 
werden müsste als unter der früheren Rechtsprechung. Damit ist 
auch nicht ersichtlich, inwiefern das ursprüngliche Beweisverfah- 
ren falsch bzw. nicht ausreichend gewesen sein sollte und die Be- 
schwerdeführerin deswegen auf einer Neuanmeldung sollte beste- 
hen können (vgl. dazu auch nachfolgende Erwägung 6d/dd).

dd) Eine Änderung der Rechtsprechung bedeutet nicht von 
vornherein, dass die frühere, aufgegebene Rechtsprechung falsch

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111

war. In BGE 135 V 201 entschied das Bundesgericht im Hinblick auf 
die mit BGE 130 V 352 eingeführte Praxisänderung, mithin der Re- 
gel-/Ausnahme-Praxis (vgl. Erwägung 6b), dass frühere Rentenzu- 
sprechungen nicht ohne weiteres als rechtswidrig, sachfremd oder 
schlechterdings nicht vertretbar erschienen, und dass daher lau- 
fende Renten nicht angepasst werden müssten (E.7.2.1). In jenem 
Urteil führte das Bundesgericht zur Praxisänderung bei Dauerleis- 
tungen aus (BGE 135 V 201 E.6.1.1), eine geänderte Gerichts- oder 
Verwaltungspraxis bilde im Prinzip keinen Anlass, in eine laufen- 
de, auf einer formell rechtskräftigen Verfügung beruhende Dauer- 
leistung einzugreifen (BGE 135 V E.6.1.1, BGE 129 V 200 E.1.2). Sie 
könne aber ausnahmsweise zur Abänderung einer rechtskräftigen 
Verfügung (mit Wirkung für die Zukunft) führen, wenn die neue 
Praxis in einem solchen Masse allgemeine Verbreitung erfahre, 
dass ihre Nichtbefolgung als Verstoss gegen das Gleichheitsgebot 
erscheine, insbesondere wenn die alte Praxis nur in Bezug auf eine 
einzige versicherte Person oder eine geringe Zahl von Versicherten 
beibehalten würde (BGE 135 V 201 E.6.1.1, BGE 129 V 200 E.1.2). 
Ein solches Vorgehen dränge sich namentlich dann auf, wenn das 
Festhalten an der ursprünglichen Verfügung aus Sicht der neuen 
Rechtspraxis schlechterdings nicht mehr vertretbar sei und diese 
eine so allgemeine Verbreitung finde, dass ihre Nichtbeachtung    
in einem einzelnen Fall als dessen stossende Privilegierung (oder 
Diskriminierung) und als Verletzung des Gleichbehandlungsgebots 
erscheine (BGE 135 V 201 E.6.1.1 mit Hinweisen). In E.6.1.2 führ- 
te das Bundesgericht aus, dass die Frage der Anwendung einer 
neuen Rechtsprechung auf rechtskräftig zugesprochene, laufende 
Dauerleistungen relativ selten habe beurteilt werden müssen, es 
beschrieb die entsprechenden Urteile und hielt in E.6.1.3 zusam- 
menfassend fest, dass die Rechtsprechung den Grundsatz, wonach 
eine Praxisänderung keine Änderung formell rechtskräftiger Verfü- 
gungen über eine Dauerleistung rechtfertige, in Bezug auf Anpas- 
sungen zu Ungunsten der Versicherten kaum je durchbreche. Wo 
eine derartige Herabsetzung vorgenommen worden sei, habe das 
Gericht betont, dass es sich um eine Ausnahmesituation gehan- 
delt habe, welche eine besondere Lösung erforderte (BGE 135 V 
201 E.6.1.3 mit Hinweisen). Zu Gunsten der Versicherten habe das 
Gericht demgegenüber in einzelnen Fällen eine Anpassung unter 
weniger strengen Voraussetzungen zugelassen (BGE 135 V 201 
E.6.1.3).

Das Bundesgericht erläuterte dann in BGE 135 V 201 E.6.4, 
dass eine Rechtsprechungsänderung im Sozialversicherungsrecht

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oft eine Vielzahl von Fällen beschlage, die in Bezug auf die kon- 
kreten Anspruchsvoraussetzungen grundsätzlich gleich gelagert 
seien, weshalb dem Gebot rechtsgleicher Behandlung der von 
einer allfälligen Rentenanpassung betroffenen Personen erhebli- 
ches Gewicht zukomme. Dieser Gesichtspunkt spreche dagegen, 
in jedem einzelnen Fall die konkreten, individuellen Auswirkungen 
einer Anpassung heranzuziehen. Um eine Anpassung zu rechtfer- 
tigen, genüge es nicht, dass die geänderte Rechtsprechung allge- 
meine Verbreitung finde, denn dies treffe bei einer bundesgericht- 
lichen Praxisänderung im Bereich des Sozialversicherungsrechts 
regelmässig zu. Liesse man die allgemeine Verbreitung genügen, 
würde daher die Anwendung der neuen Praxis auf laufende, rechts- 
kräftig festgelegte Dauerleistungen zur Regel. Vielmehr müssten, 
um eine Anpassung zu begründen, zusätzlich zur allgemeinen Ver- 
breitung der neuen Praxis qualifizierende Elemente gegeben sein, 
welche deren Nichtanwendung auf laufende Leistungen  unter  
dem Aspekt der Rechtsgleichheit als stossend erscheinen liessen. 
Ein derartiges Element liege vor, wenn die frühere Praxis nur noch 
auf einige wenige Personen Anwendung finde, so dass diese als 
privilegiert (oder diskriminiert) erschienen, sowie wenn sich die 
damalige Leistungszusprechung aus der Sicht der neuen Praxis 
schlechterdings nicht mehr vertreten lasse (vgl. zum Ganzen: BGE 
135 V 201 E.6.4).

Auch zu den beschriebenen Voraussetzungen für die Än- 
derung einer formell rechtskräftigen Verfügung über eine Dauer- 
leistung durch eine Rechtsprechungsänderung äussert sich die 
Beschwerdeführerin nicht. Sie verweist zwar darauf, dass es sich 
bei Invalidenrenten um Dauerleistungen handle, die über die Gel- 
tungsdauer der Überwindbarkeitspraxis hinaus ihre Auswirkun-  
gen habe, behauptet aber insbesondere nicht, dass ihr Fall einen 
Ausnahme- bzw. Einzelfall darstelle bzw. dass sie zu der so gerin- 
gen Anzahl von Versicherten gehöre, die davon betroffen seien, 
und dass die Nichtanwendung der neuen Rechtsprechung gerade 
deshalb einen Verstoss gegen das Gleichheitsgebot darstelle. Sie 
behauptet im Gegenteil, dass fast alle, nämlich 99,9 % der unter 
der früheren Rechtsprechung beurteilten Fälle abgelehnt worden 
seien. Damit kann nicht die Rede davon sein, dass die kritisierte 
Rechtsprechung gemäss BGE 141 V 585 (keine Berechtigung zur 
Neuanmeldung infolge BGE 141 V 281), im Falle der Beschwerde- 
führerin schlechterdings nicht vertretbar sei. Es ist jedenfalls nicht 
ersichtlich, inwiefern in ihrem Fall eine Verletzung des Gleichbe- 
handlungsgebots vorliegen sollte.

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ee) Die Beschwerdeführerin macht schliesslich geltend, 
wenn ihr die Möglichkeit einer Neuanmeldung genommen sei, 
mithin die Möglichkeit, einen anderen, gewichtigen Sachverhalt, 
nämlich das gesamte Krankheitsbild mit all seinen Facetten in die 
Beurteilung einzubringen, verstosse dies gegen ihr Recht auf Be- 
weis gemäss Art. 6 EMRK und gegen das Diskriminierungsverbot 
gemäss Art. 8 i.V.m. Art. 14 EMRK.

Art. 6 EMRK sieht vor, dass ein Verfahren insgesamt fair 
sein muss. Im Bereich von Art. 8 EMRK (Recht auf Achtung des 
Privat- und Familienlebens) ist denkbar, dass der Entzug einer so- 
zialversicherungsrechtlichen Dauerleistung dessen Schutzbereich 
tangiert, dann nämlich, wenn dadurch das Familienleben einschnei- 
dend beeinflusst wird (Kradolfer, a.a.O., S. 50, 57 mit Hinweisen auf 
die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschen- 
rechte). Im vorliegenden Fall wurde das Leistungsbegehren der Be- 
schwerdeführerin genauso wie diejenigen anderer vergleichbarer 
Fälle unter der früheren Rechtsprechung (Regel-/ Ausnahmepra- 
xis bzw. Überwindbarkeitspraxis) behandelt und beurteilt. Es ist 
nun, wie bereits ausgeführt, nicht so, dass die Beurteilung nach 
der früheren Rechtsprechung allein die Beschwerdeführerin bzw. 
nur noch ganz wenige versicherte Personen betroffen hätte, wes- 
halb sie eine Diskriminierung bzw. krasse Benachteiligung erfahren 
hätte. Der Umstand, dass das Beweisverfahren unter der früheren 
Rechtsprechung aufgrund der Ausgangsvermutung der Überwind- 
barkeit der Erwerbsunfähigkeit einen anderen Fokus hatte als unter 
der neuen Rechtsprechung bedeutet nicht, dass der Beschwerde- 
führerin das Recht auf Beweis genommen, mithin dass das Ver- 
fahren nicht fair gewesen wäre. Dies gilt umso mehr, als die neue 
Rechtsprechung auf derselben rechtlichen Grundlage basiert und 
die neuen Indikatoren grundsätzlich an den bisherigen Kriterienka- 
talog anknüpfen (BGE 141 V 281 E.4.1.1 mit Hinweisen), also nicht 
ein gänzlich anderes Konzept zur Frage der Erwerbsunfähigkeit und 
deren Überwindbarkeit eingeführt worden ist.

Darüber hinaus ist auch nicht ersichtlich – und die Be- 
schwerdeführerin äussert sich auch mit keinem Wort dazu –, dass 
die nicht zugelassene Neuanmeldung ihr Familienleben in einer 
unzulässigen Weise tangieren bzw. eine entsprechende Diskrimi- 
nierung darstellen würde. Unklar bleibt denn auch, worin diese 
Diskriminierung bestehen sollte, wenn, wie die Beschwerdeführe- 
rin behauptet, unter der früheren Rechtsprechung 99,9 % der Fäl- 
le abgelehnt worden seien. Eine ohne sachliche und vernünftige 
Rechtfertigung erfolgte Ungleichbehandlung wegen eines Merk-

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mals wie Geschlecht, Rasse, Hautfarbe, Sprache, Religion, etc. ist 
nicht ersichtlich. Schliesslich kann auch nicht die Rede davon sein, 
dass die Änderung der Rechtsprechung zu einer widersprüchlichen 
Auslegung  von  Art.  7  ATSG  (Meyer-ladewig,  a.a.O.,  Art.  14  Rz.14) 
und damit zu einer falschen Beurteilung des Leistungsbegehrens 
der Beschwerdeführerin geführt hätte.

Damit ist eine Verletzung der EMRK durch die Beschwer- 
degegnerin nicht dargelegt. Daran ändert auch nichts, dass das 
Bundesgericht im fraglichen Urteil BGE 141 V 585 die EMRK-Kon- 
formität mangels entsprechender Rüge nicht habe prüfen müssen, 
wie die Beschwerdeführerin geltend macht. Mit dieser Behauptung 
scheint sie zu implizieren, ohne entsprechende Rüge würde das 
Bundesgericht die EMRK nicht beachten oder EMKR-widrige Ent- 
scheide treffen, was von vornherein nicht haltbar ist.

7. b) Formell rechtskräftige Verfügungen und Einspra- 
cheentscheide müssen in Revision gezogen werden, wenn die ver- 
sicherte Person oder der Versicherungsträger nach deren Erlass 
erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder Beweismittel auffindet, 
deren Beibringung zuvor nicht möglich war (Art. 53 Abs. 1 ATSG; 
vgl. zum zu vermeidenden Begriff der prozessualen Revision: Kie- 
ser, a.a.O., Art. 53 Rz. 17). Dabei muss es sich um – neue, erhebli- 
che – Tatsachen handeln, die im Zeitpunkt der Entscheidfällung be- 
reits vorlagen, indessen (noch) nicht bekannt waren (Kieser, a.a.O., 
Art. 53 Rz. 23 ff.). Neu heisst insoweit, dass die zu prüfende Tatsa- 
che so gestaltet ist, dass – bei zutreffender rechtlicher Würdigung
– sich aus ihr die Unrichtigkeit der bisherigen Annahme ergeben 
kann (Kieser, a.a.O., Art. 53 Rz 26).

c) Wie bereits oben ausgeführt, zählt die Beschwerdefüh- 
rerin zwar gewisse Sachverhaltselemente auf, die unter der neuen 
Rechtsprechung zu den somatoformen Schmerzstörungen bzw. 
äquivalenten Beschwerdebildern neu Berücksichtigung finden 
würden (vgl. Beschwerde S. 12 f.), doch sind diese weder aussage- 
kräftig (vgl. auch oben Erwägung 6d/aa, 6d/cc) noch ist ersichtlich, 
inwiefern es sich um neue, zuvor nicht berücksichtigte Sachver- 
haltselemente handeln sollte. Darüber hinaus bringt die Beschwer- 
deführerin vor, sie könne nun aufgrund der neuen Rechtsprechung 
selbst bei gleichbleibendem Sachverhalt, neue Beweismittel ein- 
bringen. Die von ihr ins Recht gelegten Arztberichte von Dr. med. 
C.      vom 15. Mai 2015, von Dr.  med. F.       vom 26. August   
2016 und von Dr. med. H. vom 26. August 2016 enthalten al- 
lerdings keine neuen Erkenntnisse, die vor Erlass der Verfügung 
vom 27. März 2015 nicht bekannt gewesen wären bzw. die zu einer

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anderen Beurteilung der Erwerbs(-un)fähigkeit und damit zur Un- 
richtigkeit der ursprünglichen Verfügung vom 27. März 2015 und zu 
einem neuen Entscheid (vgl. dazu Kieser, a.a.O., Art. 53 Rz. 26) 
führen müssten. Andere neue Beweismittel benennt die Beschwer- 
deführerin nicht, womit es ihr nicht gelingt, glaubhaft zu machen 
(Kieser, a.a.O., Art. 53 Rz. 26), dass sie erhebliche neue Tatsachen 
entdeckt oder Beweismittel aufgefunden hätte, deren Beibringung 
zuvor nicht möglich gewesen wäre. Sind die Voraussetzungen von 
Art. 53 Abs. 1 ATSG folglich nicht gegeben, ist das Begehren der 
Beschwerdeführerin auf prozessuale Revision der ursprünglichen 
Verfügung vom 27. März 2015 abzuweisen.
S 16 107 Urteil vom 14. November 2017

Die an das Bundesgericht erhobene Beschwerde in öffentlich-recht- 
lichen Angelegenheiten wurde mit Urteil vom 8. Januar 2019 abge- 
wiesen (8C_389/2018).