# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a7daafbc-4b36-5aca-9de5-b07b72fa7a7b
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-09-19
**Language:** de
**Title:** Bemessung des Invaliditätsgrades mittels DAP.
**Docket/Reference:** UV.2012.00015
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2012.00015.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2012.00015
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Gerichtsschreiber Stocker
Urteil
vom
19. September 2013
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch AXA-ARAG Rechtsschutz AG
Rechtsdienst Zürich, lic. iur.
Y.___
Affolternstrasse 42, Postfach 6944, 8050 Zürich
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1953, war ab 1. Juli 2008 als Monteur bei der
Z.___
in
A.___
angestellt und bei der Schweizerischen Un
fallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufs
unfällen versichert, al
s er am 28. November 2008 auf
einer Treppe stürzte und sich dabei verletzte (Urk. 7/1).
Die medizinische Erstversorgung fand im Spital
B.___
statt; es wurden Kontu
sionen der Schulter, Rippen und Hüfte links diagnostiziert (Urk. 7/2). Am 9. Februar 2009 musste sich der Versicherte im Spital
B.___
einem operati
ven Eingriff an der linken Schulter unterziehen (
subacromiale Dekompression und Supraspinatussehnennaht tra
nsossär bei folgender
Diagnose: „Supraspi
natussehnen-Ruptur links, leicht subacromialer Engpass und Bursitis und [post
traumatischer] Knorpeldefekt am Humeruskopf laterodorsal“
,
Urk.
7/5
). Kreisarzt
Dr.
med.
C.___
, Facharzt FMH für Chirurgie, untersuchte den Versicherten am 24. März 2011, erstellte ein Zumutbarkeitsprofil und schätzte den Integritäts
schaden (Urk. 7/63-64).
1.2
Mit Schreiben vom 27. April 2011 (Urk. 7/76) teilte die SUVA dem Versicherten mit, dass nach Ansicht des Kreisarztes von einer weiteren Behandlung keine wesentliche Besserung mehr zu erwarten sei, weshalb der Schadenfall unter Einstellung der Heilbehandlungsleistungen abgeschlossen werde. Die Taggeld
leistungen würden per 31. Juli 2011 eingestellt. Für die verbleibende Beein
trächtigung werde eine Integritätsentschädigung und ab dem 1. August 2011 eine Rente ausgerichtet.
Mit Verfügung vom 19. August 2011 (Urk. 7/90) sprach die SUVA dem Versicher
ten eine Integritätsentschädigung von 17 % zu, verneinte aber den Rentenanspruch des Versicherten mit der Begründung, dass er trotz der unfall
bedingten Gesundheitsbeeinträchtigungen ein rentenausschliessendes Invaliden
einkommen erzielen könne (Invaliditätsgrad von weniger als 10 %). Die dage
gen am 20. September 2011 erhobene Einsprache des Versicherten (Urk. 7/95; vgl. auch Urk. 7/97/1-9) wies die SUVA mit Entscheid vom 13. Dezember 2011 (Urk. 2 = Urk. 7/99) ab.
2.
Dagegen liess der Versicherte mit Eingabe vom 26. Januar 2012 (Urk. 1) Be
schwerde erheben mit folgenden Anträgen:
1.
Es sei der Einspracheentscheid vom 13. Dezember 2011 aufzuhe
ben.
2.
Es seien weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen.
3.
Es sei dem Beschwerdeführer eine Invalidenrente auszurichten.
4.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerde
gegnerin
Die SUVA schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 7. März 2012 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer liess am 16. April 2012 auf die Erstattung einer Replik verzichten (Urk. 10).
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die Entscheidfindung erforder
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ist die versicherte Person infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid (Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
rechts [ATSG]), so hat sie gemäss Art. 18
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) Anspruch auf eine Invalidenrente. Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Er
werbsunfähigkeit (Art. 8 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Einglie
derungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Ar
beitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG; vgl. BGE 130 V 121).
Nach Art. 18
Abs.
2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung des Invaliditäts
grades in Sonderfällen. Er kann dabei auch von Art. 16 ATSG abweichen.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditäts
grad aufgrund eines Einkom
mensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versi
cherte Person nach Ein
tritt der Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegliche
ner Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein
kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffern
mässig möglichst ge
nau ermittelt und einander gegenüber
gestellt werden, worauf sich aus der Ein
kommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die frag
lichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annä
herungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schät
zung vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annäherungswerten be
stehen. Vielmehr kann auch eine Gegen
überstellung blosser Prozent
zahlen genügen. Das ohne Invalidität erzielbare hy
pothe
tische Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100 % zu be
werten, während das Invalideneinkommen auf einen entsprechend klei
neren Prozentsatz veran
schlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (so genannter Prozentvergleich; BGE 128 V 29 E. 1, 114 V 310 E. 3a mit Hin
weisen; AHI 2000 S. 309 E. 1a mit Hinweisen).
1.2
1.2.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sin
ne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um
stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als einge
treten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspre
chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des na
türli
chen Kau
salzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die al
leinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä
digende Ereignis zu
sammen mit anderen Bedingungen die kör
perliche oder geistige Integrität der versicherten Person beein
trächtigt hat, der Unfall mit an
dern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die ein
getretene gesund
heitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 406 E. 4.3.1, 123 V 45 E. 2b, 119 V 335 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang be
steht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Be
schwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Be
weis
würdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht übli
chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinwei
sen).
1.2.2
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte im angefochtenen Einspracheentscheid (Urk. 2) den Rentenanspruch des Beschwerdeführers mit der Begründung, dass dieser trotz der vorliegenden unfallbedingten Gesundheitsbeeinträchtigungen ein rentenausschliessendes Invalideneinkommen erzielen könne. Ausgehend von einem Valideneinkommen von Fr. 61‘001.
für das Jahr 2011 und einem ge
stützt auf die bei den Akten liegenden Dokumentationen von Arbeitsplätzen (DAP) ermittelten Invalideneinkommen von Fr. 60‘295.
ergebe sich ein Invali
ditätsgrad von lediglich 1,16 %, der einen Rentenanspruch ausschliesse.
Im vorliegenden Prozess hielt die Beschwerdegegnerin an den im angefochtenen Einspracheentscheid vertretenen Auffassungen fest. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers bestehe in medizinischer Hinsicht kein weiterer Abklärungs
bedarf; die Aktenlage sei schlüssig. Auch die Ermittlung des Invalideneinkom
mens gestützt auf die aufgelegten DAP sei korrekt und stehe im Einklang mit der höchstrichterlichen Praxis. Zudem ergebe auch eine Vergleichsrechnung mit den statistisch ermittelten Werten der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung 2010 (LSE 2010; Bundesamt für Statistik, Neuenburg 2012) einen rentenaus
schliessenden Invaliditätsgrad (Urk.
6
).
2.2
Demgegenüber liess der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend machen, dass anlässlich einer Nachfrage zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer angepassten Tätigkeit von der
D.___
am 17. November 2011
Zweifel geäussert worden seien, ob die Einschätzung des Kreisarztes den aktuellen Begebenheiten entsprächen. Weiter sei aktenkundig, dass der Beschwerdeführer
aufgrund von Schmerzverschlimmerungen die Phy
siotherapie und die Schwimmtherapie habe abbrechen müssen. Zudem sei un
klar, ob eine Ruptur der genähten Sehne bestehe. Daraus folge, dass die kreis
ärztliche Beurteilung nicht über alle Zweifel erhaben sei, weshalb weitere Ab
klärungen notwendig seien. Die aufgelegten DAP-Profile, welche zur Berech
nung des Invalideneinkommens herangezogen worden seien, stimmten nicht mit dem vom Kreisarzt erstellten Zumutbarkeitsprofil überein. In den DAP 6464, 9956 und 8321 würden Arbeitsstellen aufgeführt, die beidhändige Ausführun
gen und eine Rotationsbeweglichkeit erforderten. Dies sei dem Beschwerdefüh
rer nicht mehr möglich. Die Tätigkeit als Metallstanzer (DAP 6464) sei ihm auch nicht zumutbar, weil dies Schrauben und Bohren bei
nhalte. Tätigkeiten mit Im
puls
wirkung (wie Arbeiten an stossenden und vibrierenden Geräten), worunter zumi
ndest Bohrarbeiten sicher fielen
, seien gemäss Kreisarzt ungeeignet. Zudem erfolge die Bearbeitung auf Bauchhöhe. Diese Bewegungen seien dem Be
schwerdeführer durch seine massiv eingeschränkte Beweglichkeit der linken Schulter kaum möglich. Weiter sei bei den aufgelegten DAP-Profilen auffällig, dass bei drei von fünf Stellenangaben nur ein Lohn angegeben werde und kein Maximal- und Minimallohn. Es sei daher keine konkrete Berücksichtigung des Einzelfalles im Rahmen der Spannbreite möglich (was den Verzicht auf einen leidensbedingten Abzug bei der Verwendung von DAP-Profilen erst rechtfer
tige). Im vorliegenden Fall sei deshalb der Invalidenlohn gestützt auf die LSE zu ermitteln, wobei die Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzuges vom sta
tistisch ermittelten Wert von 20 % angemessen sei. Daraus resultiere ein Invali
ditätsgrad von mehr als 10 %, weshalb der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Rente habe (Urk. 1).
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch
auf eine Invaliden
rente hat beziehungsweise ob
die Beschwerdegegnerin seinen Renten
anspruch zu Recht verneint hat, weil er trotz der vorliegenden unfallbedingten Gesundheitsbeeinträchtigungen ein rentenausschliessendes Invalideneinkommen erzielen kann.
Der Beschwerdeführer liess - wie bereits im Einspracheverfahren - einzig die Verneinung des Anspruchs auf eine Invalidenrente anfechten. In Bezug auf die ihm zugesprochene Integritätsentschädigung von 17 % ist die Verfügung vom 19. August 2011 (Urk. 7/90) demzufolge unangefochten in Rechtskraft erwach
sen.
3.2
3.2.1
Der Radiologe
Dr.
med.
E.___
vom Spital
B.___
hielt
ein halbes Jahr nach der Schulteroperation
am 27. August 2009 folgende Beurteilung seiner MRI-Unter
suchung des linken Schultergelenks fest (Urk. 7/22/2): „Nachweis einer neu auf
getretenen gut 1
,
8 cm grossen Humeruskopf-Nekrose ohne Nachweis eines Ein
bruchs. Bei
Status nach N
aht der Supraspinatussehne ist diese intakt. Kein Kon
trastmittelaustritt nachweisbar. Nachweis einer Bursitis subacromalis. Die übri
gen Strukturen kommen unverändert im Vergleich zur Voruntersuchung […] zur Abbildung.“
3.2.2
Co-Chefarzt
Dr.
med.
F.___
vom Spital
B.___
führte in seinem Bericht vom 28. Oktober 2009 (Urk. 7/22/3) aus, dass der postoperative Verlauf etwas verzögert sei mit persistierenden Beschwerden und langsam bessernder, aber noch eingeschränkter Schulterbeweglichkeit. Als Bauarbeiter sei der Beschwer
deführer nicht arbeitsfähig. Der MR-Befund sei mit dem Beschwerdeführer be
sprochen worden. Aetiologisch für die Humeruskopfnekrose müsste allenfalls der Nikotinabusus diskutiert werden. Ein aktives Vorgehen sei aber momentan n
icht möglich beziehungsweise
sinnvoll.
3.2.3
Oberarzt
Dr.
med.
G.___
und Assistenzarzt
Dr.
med.
H.___
von der
D.___
erklärten in ihrem Bericht vom 1. März 2010 (Urk. 7/30), dass klinisch eine AC-Arthropathie sowie eine schmerzhaft
e
Bicepssehne vorliege. Es sei weiterhin ein konservatives Vorgehen zu wählen. Insbesondere müsse der Verlauf der Kopfnekrose abgewartet werden.
Anlässlich der Verlaufskontrolle vom 5. Mai 2010 (Bericht vom 21. Mai 2010 [Urk. 7/34]) äusserten sich
Dr.
G.___
und die Assistenzärztin
Dr.
med.
Q.___
dahingehend, dass die AC-Gelenks-Arthropathie wohl einen Bei
trag zum Beschwerdebild leiste. Was die Humeruskopfnekrose angehe, sei deren Aetiologie unklar.
Oberärztin
Dr.
med.
I.___
und Assistenzärztin
Dr.
med.
J.___
von der
D.___
führten in ihrem Bericht vom 23. Juli 2010 (Urk. 7/46) aus, dass bei Verdacht auf beginnende Frozen shoul
d
er bei Anschla
gen der glenohumeralen Infiltration der Beschwerdeführer zunächst während zwei Monaten medikamentös behandelt werde. Dann werde eine klinische Kon
trolle durchgeführt. Sollte keine Beschwerderegredienz zu verzeichnen sein, müsste das MRI der linken Schulter wiederholt werden, damit die Ausdehnung der Nekrose und die Konfiguration der Gelenkflächen beurteilt werden könnten.
Am 30. September 2010 hielten Oberarzt
Dr.
med.
K.___
und Assistenzarzt
Dr.
med.
L.___
von der
D.___
fest, dass im Bereich der lin
ken Schulter nach wie
vor deutliche Beschwerden vorhanden seien. Klinisch finde sich eine Bewegungseinschränkung in allen Bewegungsebenen, endgradig jeweils mit Schmerzauslösung (Urk. 7/52).
Oberarzt
Dr.
med.
M.___
und Assistenzarzt
Dr.
med.
N.___
von der
D.___
berichteten am 17. November 2010, dass die geklag
ten Beschwerden aktuell nicht auf ein einziges morphologisches Korrelat redu
ziert werden. Es bestehe diagnostisch einerseits eine Humeruskopfnekrose, die unklarer Aetiologie sei. Andererseits sei eine SLAP-Läsion vorhanden, die eine gewisse Beschwerdesymptomatik erklären könnte. Zudem bestehe noch eine leichte Capsulitis, welche jedoch klinisch langsam bessere (Urk. 7/54).
Die Dres.
M.___
und
L.___
erklärten in ihrem Bericht vom 17. Februar 2011 (Urk. 7/58), dass sie dem Beschwerdeführer aus orthopädischer Sicht keine wei
teren Therapien mehr anbieten könnten, insbesondere weil die Arthro-MRI-Un
tersuchung vom 3. November 2011 eine gute Kontinuität der rekonstruierten Supraspinatussehne ergeben habe. Sie seien nicht der Auffassung, dass mit ei
ner operativen Behandlung der SLAP-Läsion die diffusen Beschwerden komplett adressiert würden. Die Schmerzen seien wohl auch muskulärer Genese bei Myo
gelosen im Bereich der Nackenmuskulatur.
3.2.4
Dr.
med.
O.___
, Spezialärztin FMH für Innere Medizin und Rheumatologie, äusserte sich in ihrem Schreiben an den kreisärztlichen Dienst der SUVA vom 25. Februar 2011 (Urk. 7/62), in dem sie um eine kreisärztliche Beurteilung der vorliegenden Problematik ersuchte, dahingehend, dass aus ihrer Sicht kein rheumatologisches Problem vorliege.
3.2.5
Kreisarzt
Dr.
C.___
führte in seinem Bericht vom 24. März 2011 (Urk. 7/63; vgl. auch Urk. 7/64 und 7/86) aus, dass sich der Beschwerdeführer am 28. November 2008 bei einem Treppensturz eine Supraspinatussehnenruptur an der linken Schulter zugezogen habe. Am 9. Februar 2009 sei eine Schulterarthroskopie, eine arthroskopische subakromiale Dekompression und eine Supraspinatusseh
nennaht
durchgeführt
worden. Der weitere
Verlauf
sei protrahiert gewesen. Über zwei Jahre nach dem operativen Eingriff verspüre der Beschwerdeführer ein klemmendes Gefühl, das sich bis zu einem Schmerz intensivieren könne. Ins
besondere die Abduktion sei schmerzhaft. Inspektorisch imponiere eine Atrophie des ganzen linken Schultergürtels. Wie die ärztlichen Kollegen erwähnt hätten, aktiviere der Beschwerdeführer den Deltoideus in vollem Umfang. Die klini
schen Tests ergäben in der Tat keine Hinweise auf eine Insuffizienz der Rotato
renmanschette. Es sei ihm - wie den anderen medizinischen Fachpersonen - nicht klar, worauf das Beschwerdebild und die Funktionseinschränkung letztlich
zurückzuführen seien. Als Unfallfolge verbleibe bei einer aktiven Flexion und
Abduktion
von je 80° eine erhebliche Funktionseinschränkung. Die rohe Faust
schlusskraft sei auf 10 Kilopond limitiert. Die Physiotherapie und die Schwimmtherapie hätten zu einer Schmerzverschlimmerung geführt, weshalb diese Therapien gestoppt worden seien. Er rechne nicht mehr mit einer erhebli
chen funktionellen Verbesserung, so dass der Fall mit dem Hinweis auf das Rückfallmelderecht abzuschliessen sei. Die SUVA werde für sechs bis acht Arzt
konsultationen pro Jahr sowie für die Kosten für Schmerzmittel aufkommen müssen. Sollte zur Erhaltung des Gesundheitszustandes trotz der bisherigen Er
fahrungen eine Physiotherapie verordnet werden, so sollten die Kosten für zwei bis drei Zyklen übernommen werden.
Dr.
C.___
formulierte folgendes Zumut
barkeitsprofil: „Zumutbar ist eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit den ganzen Tag. Das Gewicht von zu hebenden Lasten ist bis Taillenhöhe auf 15 kg, bis Brusthöhe auf 5 kg limitiert. Repetitiv weit ausreichende Tätigkeiten mit der linken oberen Extremität sind nicht mehr durchführbar. Tätigkeiten, die mit Im
pulswirkung verbunden sind, wie Arbeiten an stossenden und vibrierenden Ge
räten sind ungeeignet.“
3.2.6
Oberärztin i.V.
Dr.
med.
P.___
von der
D.___
erklärte am 8. Juli 2011
, dass die genaue Ursache der Humeruskopfnekrose aus rheumatolo
gischer Sicht nicht erfasst werden könne (Urk. 7/84).
3.2.7
Dr.
F.___
führte in seinem Bericht vom 24. Oktober 2011 (Urk. 7/97/5) aus, dass der Beschwerdeführer über langdauernde, anhaltende und starke Schulter
schmerzen links mit Ausstrahlung in den Arm und Richtung Schulterblatt
klage
. Die klinisch erhobenen Befunde zeigten vor allem eine schlechte aktive, aber eine verhältnismässig gute passive Beweglichkeit. Es liege also keine eigentliche Schultersteife vor. Die diversen Röntgen- und MRI-Untersuchungen (vgl. auch Urk. 7/97/4) zeigten eine konstante kleine, partielle Nekrose im Humeruskopf, welche aber nicht zu einem Einbruch der Gelenkfläche geführt habe. Der Befund sei über die Jahre stationär. Ob dieser Befund für die Beschwerden verantwort
lich sei, könne er nicht entscheiden; das erscheine ihm aber eher unwahrschein
lich. Die genähte Rotatorenmanschette (vor allem die Supraspinatussehne) zeige einige Kaliberschwankungen und sei allgemein etwas dünn, zeige aber auch im neuesten MR-Tomogramm (vgl. Urk. 7/97/4) keinen grossen Riss, sondern höchstens fadenförmig durchtretendes Kontrastmittel durch sehr schmale Lü
cken, welche schwierig zu orten seien. Ebenfalls schlecht zur massiv herabge
setzten Schulterfunktion des Beschwerdeführers in der Untersuchung passe die recht gute, nicht atrophische Muskulatur der genähten Sehne und auch der üb
rigen Rotatorenmanschetten-Sehnen. Insgesamt glaube er schon, dass der Be
schwerdeführer gewisse Restbeschwerden habe, sich
er
auch wegen der erwähn
ten partiellen Humeruskopfnekrose. Er zweifle aber daran, dass die Beschwerden so gross seien wie angegeben.
3.2.8
Dr.
M.___
äusserte sich in seinem Bericht vom 17. November 2011 (Urk. 7/97/7) dahingehend, dass er gestützt auf die ihm zur Verfügung stehen
den Unterlagen die Einschätzung des Kreisarztes teile; mit dem Hinweis, dass „diese Aussage nicht auf aktuellsten Berichten“ basiere und „möglicherweise nicht den aktuellen Zustand des Patienten“ repräsentiere.
4.
4
.
1
Aus den wiedergegebenen Arztberichten geht hervor, dass beim Beschwerdefüh
rer nach wie vor erhebliche Gesundheitsbeeinträchtigungen an der linken Schulter vorliegen, die auf den Unfall vom 28. November 2008 zurückzuführen sind. Das ist zwischen den Parteien zu Recht unbestritten. Ebenso klar erstellt ist, dass von einer weiteren medizinischen Behandlung keine namhafte Besse
rung der Beschwerden mehr zu erwarten ist. Das geht insbesondere aus den Einschätzungen der Dres.
C.___
,
M.___
und
L.___
hervor (Urk. 7/58 und 7/63).
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers bedarf der Sachverhalt in medizi
nischer Hinsicht keiner weiteren Abklärungen. Die in E. 3.2.8 wiederge
gebene Aussage von
Dr.
M.___
, wonach er gestützt auf die ihm vorliegenden Unterlagen die Einschätzung von Kreisarzt
Dr.
C.___
teile, aber den Hinweis anbringe, dass diese Aussage nicht auf aktuellen Berichten basiere und deshalb möglicherweise nicht den aktuellen Zustand des Beschwerdeführers repräsen
tiere (Urk. 7/97/7), bezieht sich nicht auf die Unterlagen des Kreisarztes, sondern lediglich auf diejenigen, die
Dr.
M.___
effektiv zur Verfügung standen.
Dr.
M.___
hielt denn auch fest, dass er zur aktuellen Situation, da seit der letz
ten Untersuchung des Beschwerdeführers schon einige Zeit verstrichen sei, keine Angaben machen könne (Urk. 7/97/7). Die genannte Aussage von
Dr.
M.___
kann somit - entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers - ge
rade nicht als Kritik an der kreisärztlichen Einschätzung interpretiert werden; vielmehr bestätigte
Dr.
M.___
diese Einschätzung (wenn auch unter dem Vor
behalt, dass ihm -
Dr.
M.___
- keine aktuellen Unterlagen zur Verfügung stan
den).
Auch die weitere Rüge des Beschwerdeführe
rs, wonach unsicher sei, ob
eine Rupt
ur in der genähten Sehne entstanden sei
, erweist sich als nicht stichhaltig.
Dr.
F.___
erläuterte in seinem in E. 3.2.7 wiedergegebenen Bericht vom 24. Oktober 2011 (Urk. 7/97/
5) gestützt auf das
aktuelle MR-Tomogramm (vgl.
Urk. 7/97/4), dass
kein grosser Riss vorhanden
, sondern höchstens fadenförmig durchtretendes Kontrastmittel zu erkennen sei, das durch sehr schmale Lücken dringe, welche schwierig zu orten seien.
4.2
Aus dem Gesagten folgt, dass in medizinsicher Hinsicht auf die einleuchtende und nachvollziehbare Einschätzung von Kreisarzt
Dr.
C.___
in seinem Bericht vom 24. März 2011 (Urk. 7/63) abzustellen ist, der im Einklang mit den übrigen medizinischen Akten steht, insbesondere mit den Auffassungen der Dres.
F.___
und
M.___
. Demzufolge hat die Beschwerdegegnerin zu Recht auf das von
Dr.
C.___
formulierte Zumutbarkeitsprofil abgestellt (Urk. 7/63 S. 3): „Zumut
bar ist eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit den ganzen Tag. Das Gewicht von zu hebenden Lasten ist bis Taillenhöhe auf 15 kg, bis Brusthöhe auf 5 kg limi
tiert. Repetitiv weit ausreichende Tätigkeiten mit der linken oberen Extremität sind nicht mehr durchführbar. Tätigkeiten, die mit Impulswirkung verbunden sind, wie Arbeiten an stossenden und vibrierenden Geräten sind ungeeignet.“
5
.
5
.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der Verfügung vom 19. August 2011 (Urk. 7/90) bei der Berechnung des Invaliditätsgrades gestützt auf die Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin von einem Validenlohn im Jahr 2011 von Fr. 61'464.
und im Einspracheentscheid
von
Fr.
61'001.--
aus (Urk. 7/90 S. 2;
und
Urk.
2 S. 6
vgl. zu den Berechnungsgrundlagen: Urk. 7/12, 7/15 und 7/83). Dagegen liess der Beschwerdeführer zu Recht nichts einwenden. Das Validen
einkommen ist durch die Akten ausgewiesen.
5
.2
Bei der Berechnung des Invalideneinkommens stützte sich die Beschwerdegegne
rin auf insgesamt fünf DAP (Hilfsarbeiter in der Industrie, Brotschneider, Metallstanzer, Produktionsmitarbeiter und Maschinenführer [Urk. 7/89]). Dagegen liess der Beschwerdeführer einwenden, dass die genann
ten Tätigkeiten nicht mit dem vom Kreisarzt erstellten Zumutbarkeitsprofil übereinstimmten. Im Einzelnen liess er rügen, dass bei den DAP-Profilen 6464, 9956 und 8321 beidhändige Ausführungen und eine Rotationsbeweglichkeit notwendig seien. Das sei ihm nicht mehr zumutbar. Dem ist entgegenzuhalten, dass dem kreisärztlichen Zumutbarkeitsprofil - entgegen der offenbaren Ansicht des Beschwerdeführers - nicht zu entnehmen ist, dass ihm nur noch einhändig zu verrichtende Tätigkeiten zumutbar seien. Insoweit besteht lediglich für repe
titiv weit ausreichende Tätigkeiten mit der linken oberen Extremität eine Ein
schränkung. Entsprechendes gilt für Rotationsbeweglichkeit; diesbezüglich fin
det sich im Zumutbarkeitsprofil keine Einschränkung. Schliesslich erweist sich
auch der Einwand, dass dem Beschwerdeführer die Arbeit als Metallstanzer (DAP-Profil 6464) nicht zumutbar sei, weil die Arbeit Schrauben und Bohren beinhalte und dies als Arbeit an stossenden und vibrierenden Geräten (mit Im
pulswirkung)
gelte
, als nicht stichhaltig. Gemäss Beschreibung im entsprechen
den DAP (Urk. 7/89) handelt es sich um folgende Tätigkeit: „An einer Maschine Metallteile stanzen. Ausschliesslich stehende Tätigke
it. Bearbeitung auf Bauch
höhe. L
eicht vorgeneigte Körperhaltung. Gewichte meiste
ns
bis 5 kg, gelegent
lich bis max. 10 kg.“ Es ist nicht ersichtlich, weshalb diese Tätigkeit nicht vom Zumutbarkeitsprofil umfasst sein sollte. Die Behauptung des Besc
hwerdeführers, dass es dabei zu
(erheblichen) Vibrationen, Impulswirkungen, Stössen oder der
gleichen komme, ist durch nichts belegt.
Derartiges lässt sich dem DAP-Profil nicht entnehmen.
Auch der Umstand, dass bei den meisten der genannten DAP-Profile keine un
terschiedlichen Mindest- und Maximallöhne (sondern lediglich ein Durch
schnittslohn) aufgeführt sind, führt nicht dazu, dass zur Ermittlung des Invali
deneinkommens nicht auf den ermittelten Durchschnittslohn der aufgelegten DAP in der Höhe von Fr. 60'295.40 abgestellt werden könnte, zumal dieser noch etwas tiefer liegt als der Durchschnitt aller Durchschnittslöhne (vgl. Urk. 7/89; vgl. dazu auch das Urteil des Bundesgerichts 8C_790/2009 vom 27. Juli 2010, E. 4.5). Auch der Einwand, dass insgesamt nur 21 Stellen von den DAP-Profilen umfasst würden, ändert nichts daran, dass die Voraussetzungen der höchstrich
terlichen Praxis (BGE 129 V 472) zur Verwendung von DAP erfüllt sind. Bei der Ermittlung des Invalideneinkommens gestützt auf DAP-Profile sind Abzüge vom System der DAP her nicht sachgerecht und zulässig (BGE 192 V 472 E. 4.2.3). Demzufolge ist von einem Invalideneinkommen von Fr. 60'295.40 auszugehen.
5
.3
Ausgehend von einem Valideneinkommen von Fr. 61'464.
(vgl. E. 4.1) und einem Invalideneinkommen von Fr. 60'295.40 (vgl. E. 4.2) ergibt sich eine Lohneinbusse von Fr. 1'168.6
0.
Daraus resultiert ein rentenausschliessender In
validitätsgrad von 1,9 %.
Demzufolge ist die Beschwerde abzuweisen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
AXA-ARAG Rechtsschutz AG
-
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubStocker
EG/WS/IDversandt