# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d280ef60-c86d-5709-9877-8284fe197f35
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-09-28
**Language:** de
**Title:** Unfallhergang, Abstellen auf die Aussage der ersten Stunde, weder die Tatbestandmerkmale des Unfalls noch einer unfallähnliche Körperschädigung erfüllt.
**Docket/Reference:** UV.2015.00132
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2015.00132.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2015.00132
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Sozialversicherungsrichter Vogel
Gerichtsschreiber Möckli
Urteil
vom
28. September 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch
Protekta
Rechtsschutz-Versicherung AG
Direktion Bern, Rechtsanwältin Marion
Sempach
Monbijoustrasse
68, Postfach, 3001 Bern
gegen
Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG
Rechtsdienst, Generaldirektion Schweiz
Postfach, 8085 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1968, war seit
1.
April 1998 als Facility Manager bei der
Y.___
AG tätig und in dieser Eigenschaft bei der
Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG
(nachfolgend: Zürich) gegen die Folgen von Unfällen versichert. Gemäss Unfallmeldung vom 2
3.
Oktober 2014 absol
vierte er am 1
2.
Oktober 2014 den Vita Parcour
s
. Dabei verspürte er bei einer Übung am Barren einen Knacks und Schmerz in der rechten Schulter
. Seither sind konstante Schmerzen in Schulter/Arm vorhanden
(Urk.
8/Z1).
Nach der Erstbehandlung bei
Dr.
med.
Z.___
(Urk. 8/ZM1) erfolgten weitere Untersuchungen und Behandlung
en
in der
A.___
(Urk. 8/ZM1-ZM5).
Zur näheren Abklärung des Vorfalles
stellte
die Zürich
dem
Versicherten
einen Fragenkatalog zu, den dieser am
1.
November 2014 ausgefüllt zurück
sandte (Urk. 8/Z7). Am 1
2.
Dezember 2014 teilte die Zürich dem Versicherten mit, beim Ereignis vom 1
2.
Oktober 2014 handle es sich weder um einen Unfall im Rechtssinn noch um eine unfallähnliche Körperschädigung, weshalb ihre Leistungspflicht entfalle (Urk. 8/Z8).
Daran hielt sie sowohl mit Verfügung vom
3.
März 2015 (Urk. 8/Z21) als auch mit
Einspracheentscheid
vom
5.
Juni 2015 (Urk. 2) fest.
2.
Hiergegen erhob
X.___
mit Eingabe vom
8.
Juli 2015 Beschwerde
und beantragte die Aufhebung des
Einspracheentscheides
vom
5.
Juni 2015 und die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen im Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 1
2.
Oktober 2014 (Urk. 1).
Die Beschwerdegegnerin ersuchte mit Beschwerdeantwort vom
3.
August 2015 um Abweisung der Beschwerde (Urk. 7; dem Beschwerdeführer zuge
stellt am
6.
August 2015 (Urk. 9
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdegegnerin
hat die gesetzlichen Bestimmungen zum Unfallbegriff (
Art.
4
des Allgemeinen Teils des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
) sowie zur Leistungspflicht der Unfallversicherung bei Unfällen (
Art.
6
Abs.
1
des Bundes
gesetzes über die Unfallversicherung [UVG]
) und bei unfallähnlichen
Körper
schädigungen
(
Art.
6
Abs.
2 UVG in Verbindung mit
Art.
9
Abs.
2
der Verord
nung über die Unfallversicherung [UVV])
zutreffend dargelegt (Urk. 2 S. 2 Ziffer 1 und S.
4 Ziffer 3.b/
aa
). Darauf wird verwiesen.
1.2
Nach der Rechtsprechung entfällt bei
den unfallähnlichen Körperschädigungen im Sinne
von
Art.
9
Abs.
2 UVV
im Vergleich zu den eigentlichen Unfällen nach
Art.
4 ATSG einzig das Tatbestandselement der Ungewöhnlichkeit des auf den Körper einwirkenden äusseren Faktors. Alle übrigen Begriffsmerkmale eines Unfalles müssen hingegen auch bei den unfallähnlichen Körperschädigungen erfüllt sein. Dies gilt namentlich für das Erfordernis des einwirkenden äusseren Faktors an sich, worunter ein ausserhalb des Körpers liegender, objektiv fest
stellbarer, sinnfälliger – eben unfallähnlicher – Einfluss auf den Körper zu ver
stehen ist. Dabei kann die schädigende Einwirkung auch in einer körpereigenen Bewegun
g bestehen (Urteil des Bundesge
richts 8C_40/2014 vom
8.
Mai 2014 E.
2.2.2 mit Hinweisen auf BGE 139 V 327 E. 3.1, 3.3.1; 129 V 466 E. 2.2, 4.1; 123 V 43 E. 2b).
2.
Strittig ist, ob die Beschwerdegegnerin für die Folgen der am 1
2.
Oktober 2014 zugezogenen Schulterverletzung leistungspflichtig ist. Dabei sind sich die Par
teien bereits uneinig, wie sich der Vorfall vom 1
2.
Oktober 2014 genau abge
spielt hat. Darüber ist vorab zu befinden.
2.1
In der Unfallmeldung UVG vom 2
3.
Oktober 2014 heisst es, der Beschwerdefüh
rer habe bei einer Übung beim Vita Parcours einen Knacks und Schmerz ver
spürt. Am 2
8.
Oktober 2014 erkundigte sich die Beschwerdegegnerin schriftlich nach dem genauen Unfallhergang (vgl. Urk.
8/Z5 und Z7)
.
Dazu
hatte der Beschwerdeführer folgende Frage zu beantworten: "Wie spielte sich das Ereignis im Einzelnen ab (bitte schilder
n Sie den Vorgang, der zur Körp
erschädigung führte im Detail, präzis und vollständig)." Der Beschwerdeführer hielt zu dieser Frage Folgendes fest: "Bei ein
er Übung beim Vita Parcours 'Barr
en' habe ich einen Knacks und Schmerz verspürt an der rechten Schulter. Seitdem ist dieser Schmerz konstant vorhanden und je nach Bewegung schlimmer." Die weitere Frage: "Hat sich in Ihrem Bewegungsablauf anlässlich des Ereignisses vom 12.10.2014 etwas Ungewöhnliches zugetragen? Falls ja, was genau (bitte mög
lichst genau beschreiben)?" liess der Beschwerdeführer unbeantwortet.
2.2
Nachdem die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht verneint hatte (vgl. Mit
teilung vom 1
2.
Dezember 2014, Urk. 8/Z8), warf der mittlerweile vertretene Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin vor, den Sachverhal
t ungenügend abgeklärt zu haben;
sie hätte den Beschwerdeführer nach dem detaillierten und konkreten Unfallhergang fragen müssen, da dies aus der
Hergangsschilderung
unklar geblieben und daher die Verneinung der Leistungspflicht zu früh erfolgt sei (Schreiben vom
6.
Februar 2015, Urk. 8/Z19). Der Unfall habe sich nämlich wie folgt zugetragen: "
Aufgrund der Holznässe beim Barren bin ich auf den Händen ausgerutscht. Dadurch habe ich momentan die Kraft in den Armen verloren und musste mich reflexartig vor allem auf dem rechten Arm in unge
wollter Stellung kraftvoll am Barren abstützen. Dieses abrupte kraftvolle Abstützen hat diesen Knacks und den unmittelbaren Schmerz ausgelöst".
2
.3
Die Beschwerdegegnerin
ging vom Hergang aus, wie ihn
der Beschwerdeführer gegenüber dem Arbeitgeber und dem weiterbehandelnden
Arzt,
Dr.
med.
B.___
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie,
A.___
, geschildert hatte (
Urk.
8/Z
1 und Urk. 8/ZM3) und wie er ihn
zudem
schriftlich, auf entsprechende Aufforderung
der Beschwerdegegnerin
hin, am
1.
November 2014,
nochmals
bestätigte (Urk. 8/Z7). Sie verwies dabei auf di
e Beweismaxime
,
wonach die sogenannten spontanen "Aussagen der ersten Stunde" in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Darstel
lungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen
versi
cherungsrechtlicher
oder anderer Art beeinflusst sein können
(Urk. 2 S. 3 Ziffer 2.b)
.
Nach der Rechtsprechung ist diese Beweismaxim
e
namentlich dann von Bedeutung, w
enn der Versicherte seine Darstellung im Laufe der Zeit wechselt
. D
en Angaben, die er kurz nach dem Unfall gemacht hat,
komm
t
diesfalls
meis
tens grösseres Gewicht zu als jenen nach Kenntnis einer Ableh
nungsverfügung des Versicherers
(vgl. dazu BGE 121 V 45 E. 2a).
2.4
Wenn der Beschwerdeführer seine Aussage vom
6.
Februar 2015 als "Aussage der ersten Stunde" gewertet haben will (Urk. Z19 S. 1 unten), ist ihm nicht zu folgen.
Entgegen seiner heutigen Behauptung (Urk. 2 S. 5) wurde er von
der
Beschwerdegegnerin detailliert und kla
r nach dem Unfallhergang gefragt. Aus seiner schriftlichen Antwort, worin weder von Nässe
noch
von einem Ausrut
schen die Rede ist, ist er zu behaften. Ebenso darauf, dass er
über
nichts Ungewöhnliches beim Absolvieren der Barrenübung zu berichten wusste (vgl. vorste
hend E. 2.1). Nicht zu hören ist der Einwand, die Frage, ob sich etwas Ungewöhnliches zugetragen habe, werde von den meisten Durchschnittsmen
schen missverstanden (Urk. 2 S. 5 unten).
Der Beschwerdeführer gehört zum mittleren Kader
seiner Arbeitgeberin
(Urk. 8/Z1),
weshalb
erwartet werden
kann
, dass er allfällige Abweichungen vom Normalverlauf einer sportlichen Übung zu schildern weiss.
Nicht
nachvollziehbar ist, dass er ausgerechnet das auffälligste, vom Normalverlauf abweichende Element
, nämlich das
angebliche
Ausrutschen auf dem nassen Barrenholmen,
erstmals rund vier Monate nach dem Ereignis erwähnte.
2.5
Nach dem Gesagten hat die
Beschwerdegegnerin
zu Recht
die ursprüngliche Schilderung
des Vorfalles vom 1
2.
Oktober 2014 als die Wahrscheinlichere angenommen und der weiteren Beurteilung zu Grunde gelegt (Urk. 2 S. 3 unten).
3.
Damit ist davon auszugehen
, dass der Beschwerdeführer
auf dem Vita Parcours
eine
der empfohlenen
Barrenübung
en
(Stütz mit leichtem Schwingen oder Gehen im Stütz
; vgl.
www.zurichvitaparcours.ch/vitaparcours-info
) absolvierte
und im Laufe dieser Übung den Schmerz in der Schulter verspürte
. Eine vom gewöhnlichen Ablauf abweichende Bewegung vermochte der Beschwerdeführer nicht darzulegen, womit es am Element der Ungewöhnlichkeit eines äusseren Faktors im Sinne von
Art.
4 ATSG fehlt und kein Unfallereignis vorliegt, wie die Beschwerdegegnerin zu Recht festhält (Urk. 2 S. 4 oben).
4.
4.1
Nach den medizinischen Unterlangen bestehen beim Beschwerdeführer posttrau
matische Schulterschmerzen rechts nach belasteter Distorsion und kernspintomographisch
eine
Tendinopathie
der
Supraspinatussehne
mit der D
ifferentialdiagnose einer
intrat
endinösen
Partialruptur (Urk. 8
/ZM3).
Zu prüfen bleibt, ob die
Beschwerdegegnerin
für die genannte Verletzung im Sinne einer unfallähnlichen Körperschädigung gemäss
Art.
9
Abs.
2
lit
. f UVV die gesetzli
chen Leistungen zu erbringen hat und
in diesem Rahmen
namentlich das V
or
liegen eines äusseren Faktors (vgl. vorstehend E. 1.2).
4.
2
Das Auftreten von Schmerzen als solches ist kein äusserer (schädigender) Faktor im Sinne der Rechtsprechung, weshalb dieser nicht gegeben ist, wenn die versi
cherte Person nur das (erstmalige) Auftreten von Schmerzen in zeitl
icher Hin
sicht anzugeben vermag
. Nicht erfüllt ist das Erfordernis des äusseren schädi
genden Faktors auch, wenn das erstmalige Auftreten der Schmerzen mit einer blossen Lebensverrichtung einhergeht, welche die versicherte Person zu beschreiben in der Lage ist. Vielmehr ist gemäss Rechtsprechung für die Beja
hung eines äusseren
,
auf den menschlichen Körper schädigend einwirkenden Faktors stets ein Geschehen verlangt, dem ein gewisses gesteigertes
Gefähr
dungspotenzial
innewohnt. Das ist zu bejahen, wenn die zum einschiessenden Schmerz führende Tätigkeit im Rahmen einer allgemein gesteigerten
Gefahren
lage
vorgenommen wird, wie dies etwa für viele sportliche Betätigungen zutreffen kann
(BGE 129 V 466 E. 4.2.1-4.2.2
)
.
4.3
Ein gesteigertes Gefährdungspotential kann bei der Barrenübung auf dem Vita Parcours von
vornherein verneint werden. Bei den
empfohlenen
Übungen
han
delt es ich um eine Verrichtung
en
, welche üblicherweise im Rahmen einer phy
siologisch und psychologisch beherrschbaren Beanspruchung des Körpers
erfol
gen
und bei welchen
grundsätzlich kein besonderes Schädigungspotential vorhanden ist. Im vorliegenden Fall fehlt es sowohl an einer gesteigerten Gefahrenlage wie auch am Hinzutreten eines zur
Unkontrolliertheit
der Übung führenden Moments.
Das Auftreten von Schmerzen als solches ist - wie oben dargelegt - kein äusserer schädigender Faktor
.
5.
Zusammenfassend
ist aufgrund der massgeblichen schriftlichen Schilderung des Vorfalles vom 1
2.
Oktober 2014 durch den Beschwerdeführer selber weder ein ungewöhnlicher oder programmwidriger Ablauf der Übung noch ein ausserhalb des Körpers liegendes,
objektiv feststellbares, sinnfälliges, unfallähnliches Ereignis
nachgewiesen. Die Beschwerdegegnerin hat
einen Unfall wie eine unfallähnliche Körperschädigung und
damit ihre Leistungspflicht zu Recht ver
neint, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Protekta
Rechtsschutz-Versicherung AG
-
Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstMöckli