# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e61cb2c0-cbbb-5c29-9f32-6d656da22f81
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1995-05-19
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Rekurskommission Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement 19.05.1995 JAAC 60.41
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_028_JAAC-60-41--_1995-05-19.pdf

## Full Text

JAAC 60.41

Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der
Rekurskommission EVD vom 19. Mai 1995 in Sachen
W. gegen Prüfungskommission Marketingleiter

und Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit;
94/4K-016

Examen professionnel supérieur; pouvoir d’examen; vices de procédure.

1. Pouvoir d’examen de l’autorité de recours.

L’autorité de recours observe une certaine retenue lorsqu’il s’agit
d’apprécier les prestations d’un candidat à un examen oral; en
revanche, elle dispose d’une pleine cognition lorsqu’il en va de
l’interprétation ou de l’application de prescriptions légales ou lorsqu’il
s’agit de vices de procédure (consid. 4).

2. Prétendues fautes de procédure concernant la durée de l’examen et la
désignation des examinateurs.

- Est conforme au règlement la pratique des examinateurs consistant
à interroger les candidats pendant vingt-cinq minutes, alors que le
règlement prévoit une durée d’examen de trente minutes, et à utiliser les
cinq minutes restantes pour procéder à l’appréciation des prestations
(consid. 5).

- La disposition du règlement qui prévoit la communication des noms
des examinateurs avant le début de la session d’examen a pour but
d’accorder aux candidats le droit de faire valoir un éventuel motif de
récusation. En revanche, elle ne confère pas un droit à passer l’examen
avec un examinateur déterminé (consid. 6).

3. Force probante d’une notice établie de mémoire par le candidat.

Une notice établie de mémoire par le candidat lui-même ne constitue pas
un moyen de preuve permettant d’établir que les prestations fournies à
l’examen justifient une note suffisante (consid. 11.1).

1

Höhere Fachprüfung; Kognition; Verfahrensmängel.

1. Kognition der Beschwerdeinstanz.

Die Beschwerdeinstanz hat sich bei der Bewertung von mündlichen
Prüfungen eine gewisse Zurückhaltung aufzuerlegen; soweit jedoch
die Auslegung und Anwendung von Rechtsvorschriften streitig ist
oder Verfahrensmängel gerügt werden, hat die Überprüfung mit voller
Kognition zu erfolgen (E. 4).

2. Behauptete Verfahrensmängel bezüglich Prüfungsdauer und
Examinatoreneinsatzes.

- Bei einer reglementarisch vorgesehenen Prüfungsdauer von dreissig
Minuten erweist sich die generelle Praxis der Examinatoren, den
Kandidaten während 25 Minuten zu prüfen und anschliessend
während fünf Minuten die Beurteilung der Leistung vorzunehmen als
reglementskonform (E. 5).

- Die vom Prüfungsreglement vorgesehene vorgängige Bekanntgabe der
Examinatoren bezweckt, dass ein Kandidat zum voraus eine allfällige
Befangenheit eines Examinators geltend machen kann. Sie räumt
hingegen keinen Anspruch auf die Abnahme der Prüfung durch den
dafür vorgesehenen Examinator ein (E. 6).

3. Beweiskraft eines «Gedächtnisprotokolls».

Ein vom Beschwerdeführer selbst verfasstes «Gedächtnisprotokoll»
beweist nicht, dass an einer Prüfung Leistungen erbracht worden sind,
die eine genügende Note rechtfertigen (E. 11.1).

Esame professionale superiore; potere cognitivo; vizi procedurali.

1. Potere cognitivo dell’autorità di ricorso.

L’autorità di ricorso dà prova di un certo riserbo quando valuta le
prestazioni di un candidato a un esame orale; per contro, essa esamina
con piena cognizione in merito a interpretazione e applicazione di
prescrizioni legali o se si tratta di vizi procedurali (consid. 4).

2. Pretesi vizi procedurali concernenti la durata dell’esame e la
designazione degli esaminatori.

- È conforme al regolamento la pratica degli esaminatori che consiste
nell’interrogare i candidati durante venticinque minuti, mentre il
regolamento prevede la durata d’esame di trenta minuti, e usare i
cinque minuti restanti per procedere alla valutazione delle prestazioni
(consid. 5).

- La disposizione del regolamento che prevede la comunicazione del
nome degli esaminatori prima dell’inizio della sessione d’esami ha per
scopo d’accordare ai candidati la possibilità di far valere un eventuale
motivo di ricusa. Tale comunicazione non conferisce per contro il
diritto a passare l’esame con l’esaminatore previsto all’uopo (consid. 6).

2

3. Forza probante di un «promemoria».

Una nota redatta dal ricorrente a titolo di promemoria non è un mezzo
di prova che in un esame siano state fornite prestazioni giustificanti
una nota sufficiente (consid. 11.1).

Aus dem Sachverhalt:

W. legte im Herbst 1993 die höhere Fachprüfung für Marketingleiter
ab. Da er in den mündlich geprüften Fächern «Grundlagen und
ausgewählte Fragenkreise der Betriebswirtschaftslehre» (nachfolgend:
Betriebswirtschaftslehre) und «Volkswirtschaftslehre und Rechtskunde» je
die Note 3 erhielt und er damit die Anforderungen zum Bestehen der Prüfung
nicht erfüllte, wurde ihm das Diplom von der Prüfungskommission für die
höhere Fachprüfung für Marketingleiter (nachfolgend: Prüfungskommission)
nicht zuerkannt.

Gegen diesen Entscheid erhob W. am 24. November 1993
Verwaltungsbeschwerde beim Bundesamt für Industrie, Gewerbe und
Arbeit (nachfolgend: Bundesamt), welches diese mit Entscheid vom 16. Mai
1994 abwies.

Mit Eingabe vom 16. Juni 1994 erhebt W. gegen den Entscheid des
Bundesamtes Beschwerde bei der Rekurskommission EVD und beantragt
im wesentlichen die Erteilung des Diploms.

Aus den Erwägungen:

1. (Zuständigkeit)

2. Gestützt auf das Bundesgesetz vom 19. April 1978 über die Berufsbildung
(BBG, SR 412.10) und die Verordnung vom 7. November 1979 über die
Berufsbildung (BBV, SR 412.101) können die Berufsverbände vom Bund
anerkannte höhere Fachprüfungen veranstalten (Art. 51 Abs. 1 BBG und
Art. 44 Abs. 1 BBV). Durch sie soll festgestellt werden, ob der Bewerber
die erforderlichen Fähigkeiten und Kenntnisse besitzt, um einen Betrieb
selbständig zu leiten oder in seinem Beruf höheren Ansprüchen zu genügen
(Art. 52 Abs. 2 BBG). Berufsverbände, welche solche Prüfungen veranstalten
wollen, haben darüber ein Reglement aufzustellen, das der Genehmigung des
EVD bedarf (Art. 51 Abs. 2 BBG und Art. 45 BBV).

3. Aufgrund dieser Befugnis hat die Schweizerische Gesellschaft für
Marketing (GfM) in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Verkaufs- und
Marketingleiter-Club (SMC), dem Schweizerischen Kaufmännischen Verband
(SKV), dem Zentralverband Schweizerischer Arbeitgeber-Organisationen
(ZVAO) und der Schweizerischen Werbewirtschaft (SW) das Reglement
vom 30. September 1982 über die höhere Fachprüfung für eidgenössisch
diplomierte Marketingleiter erlassen, welches am 16. Dezember 1982 vom

3

EVD (hiernach: Departement) genehmigt wurde. Vorliegend ist die Ausgabe
des Reglementes vom November 1990 (nachfolgend: Prüfungsreglement)
anwendbar.

(...)

4. In seiner Eingabe vom 16. Juni 1994 bringt der Beschwerdeführer sowohl
Rügen betreffend Mängel im Prüfungsablauf als auch materielle Einwände in
bezug auf die Bewertung seiner Prüfung vor.

Vorab ist festzustellen, dass nach anerkannter Rechtsprechung die
Beschwerdeinstanz, die nach der gesetzlichen Ordnung mit freier
Prüfung zu entscheiden hat, ihre Kognition ohne Verstoss gegen Art. 4
der Bundesverfassung vom 29. Mai 1874 (BV, SR 101) einschränken kann,
soweit die Natur der Streitsache einer unbeschränkten Sachprüfung des
angefochtenen Entscheides entgegensteht (BGE 99 Ia 590). Dies ist namentlich
dann der Fall, wenn die Rechtsmittelbehörde die dem angefochtenen
Entscheid zugrundeliegenden tatsächlichen Verhältnisse nicht in gleicher
Weise wie die untere Instanz zu beurteilen vermag und es ihr deshalb
verwehrt ist, ihr Ermessen an die Stelle desjenigen der unteren Instanz zu
setzen. In Anlehnung an die Rechtsprechung des Bundesrates (VPB 45.43) und
des Schweizerischen BGer (BGE 106 Ia 1 ff.) schränkt die Beschwerdeinstanz
ihre Kognition ein, wenn sie über die Bewertung von Examensleistungen
zu befinden hat. Der Grund für diese Zurückhaltung liegt darin, dass eine
Beurteilung der Bewertung von Prüfungsleistungen naturgemäss seitens
der Verwaltungsjustizbehörden schwer überprüfbar ist. Abgesehen von
Verfahrensmängeln hebt die Beschwerdeinstanz einen Entscheid deshalb
nur auf, wenn das Ergebnis materiell nicht vertretbar erscheint, sei es, weil
die Prüfungsorgane in ihrer Beurteilung zu hohe Anforderungen gestellt
oder, ohne übertriebene Anforderungen zu stellen, die Arbeit des Kandidaten
offensichtlich unterbewertet haben.

Besondere Schwierigkeiten ergeben sich für die Beurteilung von
Notengebungen, die aufgrund einer mündlichen Prüfung gemacht worden
sind. Der Rechtsmittelbehörde ist es in diesen Fällen nicht möglich, den
massgebenden Sachverhalt vollständig zu rekonstruieren. Eine freie
Überprüfung der Notengebung ist daher schon aus tatsächlichem Grund
ausgeschlossen. Da zudem Prüfungen häufig Spezialgebiete zum Gegenstand
haben, in denen die Rechtsmittelbehörde über keine eigenen Fachkenntnisse
verfügt, ist es ihr nicht möglich, die Leistungen und ihre Bewertungen
vollständig zu überprüfen. Eine freie Überprüfung der Notengebung würde
auch die Gefahr neuer Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten gegenüber
anderen Kandidaten in sich bergen.

Die Beschränkung der Kognition ist ohne Verstoss gegen Art. 4 BV jedoch nur
hinsichtlich der eigentlichen Bewertung der erbrachten Leistungen zulässig.
Soweit die Auslegung und Anwendung von Rechtsvorschriften streitig ist
oder soweit Verfahrensmängel gerügt werden, hat die Rechtsmittelbehörde
die erhobenen Einwendungen mit freier Kognition zu prüfen. Auf
Verfahrensfragen haben alle Einwendungen Bezug, die den äusseren Ablauf
des Examens oder die Bewertung betreffen. Prüft die Rechtsmittelbehörde
derartige Einwendungen nur mit beschränkter Kognition, so begeht sie eine
formelle Rechtsverweigerung. Das hat die Aufhebung ihres Entscheides zur
Folge (BGE 106 Ia 1 ff.; VPB 56.16).

4

http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_106_Ia_1&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_106_Ia_1&resolve=1
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150001499.pdf?ID=150001499

Daher sind die Rügen des Beschwerdeführers betreffend Verfahrensfehler mit
freier Kognition zu prüfen, währenddessen bei der Prüfung der Bewertung der
mündlichen Examensleistungen die Kognition einzuschränken ist.

5. Der Beschwerdeführer rügt zunächst, dass er während der vier mündlichen
Prüfungen dreimal nur 25 Minuten und im Fach «Führungslehre und
Problemlösungsmethoden» nur 23 Minuten geprüft worden sei. Das
Prüfungsreglement sei jedoch diesbezüglich nicht eindeutig. Einerseits
sehe es vor, dass die mündlichen Fächer (insgesamt vier Fächer) während
mindestens zwei, maximal drei Stunden geprüft werden und anderseits
lege es die Prüfungszeit pro Fach auf zirka ½ Stunde fest (Art. 17 Ziff. 2
Prüfungsreglement).

Das Bundesamt hält hierzu in seinem Entscheid vom 16. Mai 1994 fest, Art. 17
Ziff. 2 Prüfungsreglement bestimme, dass für die vier einzelnen mündlichen
Prüfungsfächer ausdrücklich als Prüfungszeit «zirka ½ Stunde» vorgesehen
sei. Aus der Überschrift zur betreffenden Bestimmung (mündliche Fächer
mindestens zwei, maximal drei Stunden) könne der Beschwerdeführer nichts
zu seinen Gunsten ableiten. Dieser Hinweis habe sich auf einen früheren
Prüfungsreglementstext bezogen, wobei vergessen worden sei, die Überschrift
entsprechend anzupassen.

Das Prüfungsreglement sieht in der Überschrift zu Art. 17 Ziff. 2 und 18
Ziff. 2 vor, dass die mündlichen Fächer mindestens zwei, maximal drei
Stunden geprüft werden. Laut Prüfungsreglement werden die einzelnen
der vier mündlichen Fächer je zirka eine halbe Stunde geprüft (Art. 17
Ziff. 2.1 bis 2.4 Prüfungsreglement). Insofern ist festzuhalten, dass sich das
Prüfungsreglement nicht eindeutig über die Dauer der mündlichen Prüfungen
äussert.

Das Prüfungsreglement vom 30. September 1982 (nachfolgend:
Prüfungsreglement 82) hielt ebenfalls in Art. 17 Ziff. 2 fest, dass die
mündlichen Fächer mindestens zwei, maximal drei Stunden geprüft werden.
Die Fächer «Grundlagen des Marketing und Marketing-Mix-Entscheide»,
«Betriebswirtschaftslehre», sowie «Volkswirtschaftslehre und Rechtskunde»
wurden als Einzelprüfungen durchgeführt, wobei die Prüfungsdauer
je auf zirka eine halbe Stunde festgesetzt wurde. Das vierte mündliche
Fach, «Führungslehre und Problemlösungsmethoden», konnte
entweder als Einzelprüfung oder als Gruppenprüfung durchgeführt
werden. Als Einzelprüfung betrug die Prüfungsdauer zirka eine halbe
Stunde, als Gruppenprüfung zirka eineinhalb Stunden (Art. 17 Ziff. 2.4
Prüfungsreglement 82). Nahm ein Kandidat an einer Gruppenprüfung
teil, betrug die gesamte Prüfungsdauer der mündlichen Prüfungen zirka
drei Stunden, während die Prüfungsdauer bei einem Kandidaten, der nur
Einzelprüfungen ablegte, zirka zwei Stunden dauerte. Die Prüfungsgruppen
umfassten mindestens drei, maximal fünf Kandidaten. Jede Prüfungsgruppe
erhielt eine schriftlich formulierte Aufgabenstellung aus dem Themenbereich
dieses Faches. Bewertet wurde neben der inhaltlichen Behandlung des
Themas das Verhalten beziehungsweise Vorgehen bei Planung, Ausführung
und Auswertung der Gruppenarbeit. Die Mitglieder einer Prüfungsgruppe
erhielten individuelle Noten (Art. 19 Prüfungsreglement 82). Mit der Revision

5

des Prüfungsreglements vom 30. März 1990 wurden die Gruppenprüfungen
abgeschafft. In diesem Zusammenhang hat man es offensichtlich unterlassen,
die Überschrift zu Art. 17 Ziff. 2 Prüfungsreglement anzupassen.

(...)

5.3. Es ist weiter zu prüfen, ob der Beschwerdeführer aus der
fälschlicherweise bei der Revision nicht angepassten Überschrift
allenfalls etwas zu seinen Gunsten ableiten kann und ob die von der
Prüfungskommission angewandte Praxis, dass die Examinatoren den
Kandidaten während 25 Minuten prüfen und anschliessend während fünf
Minuten die Beurteilung der Leistung vornehmen, reglementskonform ist.

Die generelle Dauer der Prüfungszeit, wie sie in der Überschrift zu Art. 17
Ziff. 2 Prüfungsreglement festgehalten ist (mindestens zwei, maximal drei
Stunden), wird im gleichen Artikel dahingehend konkretisiert, als dass jede der
mündlichen Prüfungen zirka eine halbe Stunde dauern soll. Ein absolutes
Festhalten an der in der Überschrift zu Art. 17 Ziff. 2 Prüfungsreglement
genannten Dauer der Prüfungszeit würde daher zu einer allzu formalistischen
Betrachtungsweise führen, die sich nicht rechtfertigen liesse.

Das Prüfungsreglement schreibt vor, dass jede der mündlichen
Prüfungen zirka eine halbe Stunde dauern soll. Unbestrittenermassen
wurde der Beschwerdeführer in den von ihm angefochtenen Fächern
«Betriebswirtschaftslehre» sowie «Volkswirtschaftslehre und Rechtskunde» der
mündlichen Prüfungen während zirka 25 Minuten geprüft, anschliessend
wurde während zirka fünf Minuten von den Examinatoren die Note
besprochen. Dazu ist festzuhalten, dass es durchaus als zweckmässig erscheint,
die Besprechung der Note durch die Examinatoren direkt im Anschluss an
die mündliche Prüfung vorzunehmen, wird doch so gewährleistet, dass eine
unmittelbare Beurteilung der Leistung des Kandidaten stattfindet. Die Prüfung
des Kandidaten sowie deren Beurteilung durch die Examinatoren können
somit als Einheit verstanden werden. Diese Praxis drängt sich geradezu
auf, um eine gerechte und rechtsgleiche Behandlung der an der Prüfung
teilnehmenden Kandidaten zu gewährleisten. Daraus ergibt sich, dass die
Beurteilung der Leistung als eigentlicher Bestandteil der mündlichen Prüfung
bezeichnet werden kann. Die Praxis der Prüfungskommission erscheint im
Sinne dieser Erwägungen durchaus als reglementskonform.

Die vom Beschwerdeführer gemachten Aussagen, dass er im Fach
«Führungslehre und Problemlösungsmethoden» nur 23 Minuten geprüft
worden sei, sind für den Entscheid über die Zuerkennung des Diploms ohne
Belang, da der Beschwerdeführer hier eine gute Note (5) erzielte. Demzufolge
braucht darauf nicht näher eingetreten zu werden, und die Beschwerde
erweist sich somit in diesem Punkt als unbegründet.

6. Der Beschwerdeführer rügt weiter, dass einer der ihn prüfenden
Examinatoren im Fach «Betriebswirtschaftslehre», B., weder als Examinator
noch als Reserveexaminator im Prüfungseinsatzplan aufgeführt worden
sei. Anstelle von B. hätte der zuständige Reserveexaminator eingesetzt
werden müssen. Der Beschwerdeführer stützt sich dabei auf Art. 14
Prüfungsreglement, wonach die Examinatoren mindestens vier Wochen vor
Prüfungsbeginn bekanntgegeben werden müssen.

6

Mit Schreiben vom 16. Juni 1994 räumt der Beschwerdeführer ein, dass ihm
mit der Zustellung der Examinatorenliste die Examinatoren zwar bekannt
gewesen seien, er beanstande aber, dass er nicht durch den vorgesehenen
Reserveexaminator geprüft wurde (...).

Der Examinator B. ist auf dem Prüfungseinsatzplan nur als Reserve für den
Vormittag des Prüfungstages aufgeführt. Die Kandidaten wurden jedoch mit
Schreiben vom 16. August 1993 vom Sekretariat der Marketingleiterprüfungen
darauf aufmerksam gemacht, dass alle auf der Examinatorenliste aufgeführten
Examinatoren in deren Fachgebiet die mündlichen Prüfungen abnehmen
würden. Ausdrücklich wurde darauf hingewiesen, dass Änderungen mit den
auf dem beigelegten Einsatzplan eingesetzten Namen vorbehalten bleiben.
Daraus folgt, dass es dem Beschwerdeführer durchaus bewusst gewesen sein
musste, dass er nicht zwingend von den in seinem Einsatzplan aufgeführten
Examinatoren (...) geprüft werden würde. Auch ist darauf hinzuweisen, dass
das Prüfungsreglement keinen Anspruch auf die Abnahme der Prüfung
durch den dafür vorgesehenen Examinator einräumt. Die vorgängige
Bekanntgabe der Examinatoren, die das Prüfungsreglement in Art. 14 vorsieht,
bezweckt vielmehr, dass ein Kandidat zum voraus eine allfällige Befangenheit
eines Examinators geltend machen kann. Eine derartige Befangenheit des
Examinators B. ihm gegenüber vermochte der Beschwerdeführer indessen in
keiner Weise und zu keinem Zeitpunkt darzulegen.

(...)

7. Der Beschwerdeführer beanstandet weiter, dass die vom Examinator B.
angewandten zentralen Benotungsgrundsätze rechtswidrig seien. So erkläre
B., die Note 4 bedeute, dass der Kandidat auf alle Fragen korrekte Antworten
in der vom Reglement verlangten Tiefe zu erteilen habe. Auch halte er in
anderem Zusammenhang fest, dass ein Kandidat die Note 4 nur dann erreiche,
wenn er «die Fragen eher begrifflicher und theoretischer Natur korrekt
beantworten» könne. Das Prüfungsreglement schreibe jedoch vor, dass die
Note 4 dann zu erteilen sei, wenn die Leistung als «den Mindestanforderungen
entsprechend» beurteilt wird. Das bedeute, dass für das Erreichen der
Note 4 auch eine Anzahl falscher Antworten im Bereich «begrifflicher und
theoretischer Natur» möglich sein müssten.

7.1. Das Bundesamt verweist diesbezüglich in seinem Entscheid vom 16. Mai
1994 auf die Stellungnahme der Prüfungskommission vom 27. April 1994
und die damit zusammenhängenden Erklärungen der Examinatoren. In
dieser Stellungnahme hält die Prüfungskommission zu den angewandten
Benotungsgrundsätzen fest, dass das Prüfungsreglement klar zwischen
«aufzählen», «verstehen», «erklären» und «anwenden» unterscheide.
Das Aufzählen habe als einfachstes Wiedergeben von Gelerntem zu
gelten, während das «Anwenden» als viel komplexeres «erklären» und
«interpretieren» aufgrund von praktischen Situationen und Zusammenhängen
den höchsten Schwierigkeitsgrad in der mündlichen Prüfung darstellen
würde. Korrektes Aufzählen von Gelerntem, wo gemäss Prüfungsreglement
«erklären» oder «anwenden» gefragt ist, könne niemals die Bestnote ergeben,
sondern würde als «genügend» taxiert. Das «Aufzählen» werde häufig
als Einstiegsfrage angewendet, das «Erklären» und das «Anwenden» in
komplexeren Fragen ermögliche dem Kandidaten, gute und sehr gute
Noten zu erreichen. Diese Praxis würde seit Jahren bei den mündlichen

7

Marketingleiterprüfungen angewendet und zwar von allen Examinatoren
in allen Fächern. Um dies sicherzustellen, habe die Prüfungsleitung eine
Anzahl von Massnahmen getroffen. So würden die Examinatoren in einem
Seminar speziell auf praktisches Verhalten, Fragetechnik und Taxonomie
geschult. Vor Beginn der mündlichen Prüfung würden die Examinatoren
durch die Prüfungsleitung «gebrieft». Neben weiteren Massnahmen während
der Prüfung sei zusätzlich hervorzuheben, dass die eingesetzten Examinatoren
über eine lange Erfahrung als «Fachexperten» verfügen und beruflich
integere, hochqualifizierte Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Verwaltung und
Hochschulen sind.

7.2. Das Prüfungsreglement sieht vor, dass die Note 4 erteilt wird, falls die
Leistung als «den Mindestanforderungen entsprechend» beurteilt wird
(Art. 19b Prüfungsreglement). Bei der mündlichen Prüfung haben die
Examinatoren bei ihren Fragen an die Kandidaten die Anforderungen der
Praxis zu beachten.

(...)

Es ist die Aufgabe der Examinatoren, den Gehalt von Antworten eines
Kandidaten differenziert zu würdigen und eine der Wichtigkeit der
Problemstellung entsprechend abgestufte Bewertung vorzunehmen. Dies
kommt auch dadurch zum Ausdruck, als das Prüfungsreglement bestimmt,
dass die Note 4 erteilt wird, falls die Beurteilung der Leistung des Kandidaten
als «den Mindestanforderungen entsprechend» bezeichnet werden kann
(Art. 19b Prüfungsreglement). Das Prüfungsreglement führt denn auch nicht
weiter aus, was als «den Mindestanforderungen entsprechend» bezeichnet
werden kann. Vielmehr muss auch hier den Examinatoren ein gewisser
Beurteilungsspielraum zugestanden werden. Der Examinator B. führt in seiner
Stellungnahme vom 26. Februar 1994 aus, dass die Benotungsgrundsätze
eine konkrete und praktikable Synthese des Prüfungsreglements darstellen.
Damit solle ausgedrückt werden, dass ein Kandidat, um auf die Note 4 zu
kommen, die Fragen eher begrifflicher und theoretischer Natur korrekt
beantworten soll. Höhere Noten würden erreicht, indem der Kandidat
zeige, dass er in betriebswirtschaftlichen Belangen so mitdiskutieren
kann (mithin das erforderliche Verständnis hat), wie das heutzutage von
einem Marketingleiter verlangt wird. Diese Interpretation kann mit den
Bestimmungen der Notengebung des Prüfungsreglements als vereinbar
bezeichnet werden.

(...)

11. Im Teilfach «Rechtskunde» rügt W., dass sich der Examinator D. nicht
mehr an den Prüfungsablauf erinnern könne. Er habe nach der Prüfung
(November 1993) selbst ein Gedächtnisprotokoll verfasst, welches im Vergleich
zu demjenigen des Examinators D. viel ausführlicher und genauer sei. (...)

11.1. Was das «Gedächtnisprotokoll» des Beschwerdeführers anbelangt,
so handelt es sich um blosse Parteivorbringen, die keinen Beweis dafür
erbringen, dass an der Prüfung Leistungen erbracht worden sind, die eine
genügende Note rechtfertigen (VPB 50.54). Für den vorliegenden Fall bedeutet
dies, dass sich W. weder in bezug auf den Prüfungsablauf noch dafür, dass
er an der Prüfung Leistungen erbracht habe, die eine genügende Note
rechtfertigen, auf sein eigenes «Gedächtnisprotokoll» berufen kann.

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(Die Rekurskommission EVD weist die Beschwerde ab)

9

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 60.41 - Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der Rekurskommission EVD vom 19.

Mai 1995 in Sachen W. gegen Prüfungskommission Marketingleiter und Bundesamt für

Industrie, Gewerbe und Arbeit; 94/4K-016

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 1996
Année

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Band 60
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	Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der Rekurskommission EVD vom 19. Mai 1995 in Sachen W. gegen Prüfungskommission Marketingleiter und Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit; 94/4K-016
	Aus dem Sachverhalt:
	Aus den Erwägungen: