# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3b44162d-5c35-5780-961d-fde2c45ca3d5
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-08-12
**Language:** de
**Title:** Staats- und Gemeindesteuern 1.1. - 31.12.2008
**Docket/Reference:** ST.2011.153
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_ST_2011_153_ox.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

1 ST.2011.153 

Entscheid 

 12. August 2011 

Mitwirkend: 

Einzelrichter Walter Balsiger und Gerichtsschreiber Fabian Steiner 

A   A G ,    

vertreten durch B AG,  

In Sachen 

gegen 

Rekurrentin,  

S t a a t   Z ü r i c h ,    

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Konsum,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Rekursgegner,  

betreffend 

Staats- und Gemeindesteuern 1.1. - 31.12.2008 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A. Die in der C tätige A AG (nachfolgend die Pflichtige) wurde für die Steuer-

periode  1.1.-31.12.2008  nach  Massgabe  ihrer  Deklaration  mit  einem  steuerbaren 

Reingewinn  203'100.-  und  einem  steuerbaren  Eigenkapital  von  Fr.  339'300.-  einge-

schätzt. Die mit Steuerrechnung vom 16. August 2010 eröffnete Einschätzung erwuchs 

unangefochten in Rechtskraft.  

B. Mit Schreiben vom 4. April 2011 reichte die Steuervertreterin der Pflichtigen 

eine rektifizierte Steuererklärung 2008 ein. Diese unterschied sich von der ursprüngli-

chen  Deklaration  insoweit,  als  unter  Pos. 10  neu  ein  Beteiligungsabzug  von  28.763% 

aufgeführt wurde. Zur Erklärung führte die Vertreterin aus, ihr sei bei der Vorbereitung 

der  Steuererklärung  2010  aufgefallen,  dass  bei  der  Steuererklärung  2008  der  Beteili-

gungsabzug  in  der  EDV  falsch  erfasst  und  somit  nicht  geltend  gemacht  worden  sei. 

Auch wenn der Beteiligungsabzug in den Steuerformularen falsch erfasst worden sei, 

so sei er in der Jahresrechnung unter dem Finanzertrag als separate Position ausge-

wiesen worden. Daher seien sowohl die Deklaration als auch die Einschätzung falsch 

vorgenommen worden. Nach Massgabe von Art. 159 Abs. 1 des Steuergesetzes vom 

8. Juni 1997 (StG), welche Norm die Berichtigung von Schreibfehlern trotz Rechtskraft 

der Einschätzung ermögliche, sei die Einschätzung entsprechend zu korrigieren.  

Im  Rahmen  eines  ergänzenden  Korrekturantrags  wurde  mit  Eingabe  vom 

6. April 2011 eine weitere Steuererklärung 2008 eingereicht. In dieser wurde der Betei-

ligungsabzug nunmehr mit 34.855% aufgeführt.  

Das kantonale Steueramt nahm diese Eingaben als Einsprache entgegen und 

trat darauf mit Entscheid vom 12. Mai 2011 wegen Verspätung nicht ein. In den Erwä-

gungen wurde dabei festgehalten, dass weder ein Berichtigungs- noch ein Revisions-

grund vorlägen. Die Eingaben wurden damit auch als Berichtigungs- und Revisionsge-

such  behandelt,  wobei  den  ausserordentlichen  Rechtsmitteln  nicht  stattgegeben 

wurde.  

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C. Mit Rekurs vom 14. Juni 2011 liess die Pflichtige beantragen, der Nichtein-

tretensentscheid der Einsprachebehörde sei aufzuheben bzw. sei auf ihren Antrag auf 

Korrektur der rechtskräftigen Einschätzung einzutreten, denn es lägen sowohl Gründe 

für eine Revision als auch für eine Berichtigung vor.  

Das kantonale Steueramt schloss am 4. Juli 2011 auf Rekursabweisung.  

Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 

1. a) Nach § 155 Abs. 1 StG bzw.  Art. 51 des Bundesgesetzes über die Har-

monisierung  der  direkten  Steuern  der  Kantone  und  Gemeinden  vom  14. Dezember 

1990 (StHG) kann ein rechtskräftiger Entscheid auf Antrag des Steuerpflichtigen oder 

von Amts wegen zu dessen Gunsten revidiert werden, wenn (nachträglich) erhebliche 

Tatsachen  oder  entscheidende  Beweismittel  entdeckt  werden  (lit. a),  wenn  die  erken-

nende  Behörde  erhebliche  Tatsachen  oder  entscheidende  Beweismittel,  die  ihr  be-

kannt waren oder bekannt sein mussten, ausser Acht gelassen oder in anderer Weise 

wesentliche Verfahrensgrundsätze verletzt hat (lit. b), oder wenn ein Verbrechen oder 

Vergehen den Entscheid beeinflusst hat (lit. c). Die Revision ist nach § 155 Abs. 2 StG 

ausgeschlossen, wenn der Antragsteller das, was er als Revisionsgrund vorbringt, bei 

der  ihm  zumutbaren  Sorgfalt  schon  im  ordentlichen  Verfahren  hätte  geltend  machen 

können. Die Revision kann mithin nicht verlangt werden, um das im ordentlichen Ver-

fahren Versäumte nachzuholen (vgl. BGr, 21. Mai 1997 = StE 1998 B 97.11 Nr. 14). 

b) Das Schrifttum kennt teilweise neben den positivrechtlichen Revisionsgrün-

den Revisionstatbestände auf Grund von Verfassungsbestimmungen (vgl. z.B. Vallen-

der/Looser,  in:  Kommentar  zum  Schweizerischen  Steuerrecht,  Band  I/2b,  2.A.,  2008, 

Art. 147  N 23  DBG;  Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Kommentar  zum  harmonisierten 

Zürcher Steuergesetz, 2.A., 2006, § 155 N 20). Auch die Rechtsprechung, namentlich 

auf  kantonaler  Ebene,  lässt  die  Revision  ausserhalb  der  gesetzlich  umschriebenen 

Tatbestände  zu,  wenn  das  Ergebnis  der  strengen  Einhaltung  der  positivrechtlichen 

Revisionsgründe  "stossend  ist  und  dem  Gerechtigkeitsgefühl  zuwider  läuft"  (BGr, 

2. November  1998,  2A.294/1998  =  Pra  1999  Nr. 52,  m.w.H.;  VGr,  6. Juni  2007, 

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SB.2006.00071).  Andrerseits  hat  es  das  Bundesgericht  für  das  Recht  der  direkten 

Bundessteuer  nach  ständiger  Rechtsprechung  im  Interesse  der  Rechtssicherheit  bis-

her  stets  abgelehnt,  aus  andern  als  den  in  Art. 147  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  über 

die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990 (DBG) genannten Gründen rechts-

kräftige  Veranlagungen  zu  korrigieren  bzw.  zu  revidieren  (vgl.  BGr,  23. Mai  2007, 

2A.710/2006,  E. 3.3  m.w.H.,  www.bger.ch,  auch  zum  Folgenden).  Diese  Rechtspre-

chung  hat  das  oberste  Gericht  auch  für  Art. 51  StHG  als  annehmbar  erklärt.  Einem 

übergesetzlichen  Revisionsgrund,  der  sich  an  der  Ungerechtigkeit  des  Ergebnisses 

orientiert, darf indes höchstens sehr restriktiv, gleichsam "nur in äussersten Extremfäl-

len"  zum  Durchbruch  verholfen  werden  (vgl.  Vallender/Looser,  Art. 147  N 23  DBG). 

Denn der Korrektur des dem Gerechtigkeitsgefühl zuwiderlaufenden Urteils steht stets 

die  Rechtssicherheit  entgegen,  welche  nur  im  Ausnahmefall  durchbrochen  werden 

darf. 

Gemäss  hiesiger  verwaltungsgerichtlicher  Rechtsprechung  verhindert  das 

Vorliegen  eines  stossenden,  schockierenden  Ergebnisses,  dass  der  Ausschlussgrund 

im  Sinn  von  § 155  Abs. 2  StG  und  Art. 147  Abs. 2  DBG  zum  Tragen  kommt  (VGr, 

6. Juni  2007,  SB.2006.00071,  E.  2.3,  m.w.H.).  Danach  wäre  die  Revision  auch  dann 

möglich,  wenn  der  Antragsteller  als  Revisionsgrund  vorbringt,  was  er  bei  der  ihm  zu-

mutbaren  Sorgfalt  bereits  im  ordentlichen  Verfahren  hätte  geltend  machen  können. 

Diese  Auffassung 

ist 

indes  abzulehnen 

(vgl.  StRK 

I,  30. September  2008, 

1 ST.2007.430 - 435 und 1 DB.2007.244 - 247, auch zum Folgenden). Vielmehr ist der 

bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  zu  folgen:  Danach  dürfen  "an  die  Sorgfalt  des 

Steuerpflichtigen  bei  der  Wahrung  seiner  Rechte  im  Veranlagungsverfahren  einige 

Anforderungen gestellt werden. Es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass er seine 

eigenen finanziellen Verhältnisse kennt und dass er nach Erhalt der Veranlagungsver-

fügung  diese  überprüft  und  allfällige  Mängel  rechtzeitig  rügt"  (Vallender/Looser, 

Art. 147 N 24 DBG).  

c) Neu entdeckte Tatsachen nach § 155 Abs. 1 lit. a StG bzw. Art. 147 Abs. 1 

lit. a  DBG  sind  diejenigen,  die  zur  Zeit  der  Einschätzung  zwar  bereits  bestanden  ha-

ben, dem Steuerpflichtigen aber erst nach Erlass des zu revidierenden Entscheids oder 

der  zu  revidierenden  Verfügung  bekannt  werden  (StRK  I,  30. September  2008, 

1 ST.2007.430 - 435  und  1 DB.2007.244 - 247).  Es  handelt  sich  um  sog.  "neue  alte 

Tatsachen"  (vgl.  Vallender/Looser,  Art. 147  N 10  DBG,  m.w.H.).  Diese  Tatsachen  fin-

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den  nur  Gehör,  wenn  der  Steuerpflichtige  nachweist,  dass  ihm  diese  trotz  pflichtge-

mässer  Sorgfalt  im  Einschätzungsverfahren  nicht  bekannt  sein  konnten  (Rich-

ner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 155 N 22).  

d)  Die  Überbesteuerung  bildet  erste  Voraussetzung  der  Revision  (Rich-

ner/Frei/Kaufmann/Meuter,  § 155  N 10).  Wird  der  Steuerpflichtige  ihr  gewahr,  kann 

darin aus diesem Grund nicht gleichzeitig die Entdeckung erheblicher neuer Tatsachen 

oder  Beweismittel  im  Sinn  von  § 155  Abs. 1  lit. a  StG  bzw.  Art. 147  Abs. 1  lit. a  DBG 

erblickt  werden,  ansonsten  jede  Überbesteuerung  automatisch  revisionsfähig  wäre 

(StRK  I,  30. September  2008,  1 ST.2007.430 - 435  und  1 DB.2007.244 - 247).  Viel-

mehr müssen neu entdeckte, aber im Einschätzungszeitpunkt (bzw. bei Rechtskraft der 

Einschätzung)  bereits  vorhandene  Tatsachen  und  Beweismittel  die  Überbesteuerung 

erst erkennen lassen bzw. beweisen. 

e)  Nach  § 156  StG  bzw.  Art. 148  DBG  muss  das  Revisionsbegehren  innert 

90 Tagen seit Entdeckung des Revisionsgrundes, spätestens aber innert zehn Jahren 

nach  Eröffnung  der  Verfügung  oder  des  Entscheids  eingereicht  werden.  Die  Beweis-

mittel  für  die  Revisionsgründe  sowie  für  die  Behauptung,  dass  seit  ihrer  Entdeckung 

noch  nicht  90  Tage  verflossen  sind,  sollen  dem  Revisionsbegehren  beigelegt  oder, 

sofern dies nicht möglich ist, genau bezeichnet werden (so ausdrücklich § 157 Abs. 3 

StG;  vgl.  für  das  DBG:  Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Art. 149  N 5).  Revisionsantrag 

und  Sachvorbringen  darüber,  dass  die  Revisionsfrist  gewahrt  worden  ist,  sind  Gültig-

keitsvoraussetzungen  des  Revisionsbegehrens  (Reimann/Zuppinger/Schärrer,  Kom-

mentar  zum  Zürcher  Steuergesetz,  3. Band,  1969,  § 109 N 2,  § 110  N 1  und  2;  Rich-

ner/Frei/  Kaufmann,  Art. 148  N 2  und  149  N 8).  Fehlt  es  daran,  ist  auf  das  Begehren 

schon aus formellen Gründen nicht einzutreten. Für die Behandlung des Revisionsbe-

gehrens  ist  die  Behörde  zuständig,  welche  die  frühere  Verfügung  oder  den  früheren 

Entscheid erlassen hat (§ 157 Abs. 1 StG bzw. Art. 149 Abs. 1 DBG). 

2. a)  Die  Steuervertreterin der  Pflichtigen macht rekursweise geltend, bei der 

Erstellung der Steuererklärung 2008 sei der Beteiligungsabzug in ihrer EDV versehent-

lich  nicht  erfasst  worden.  Bei  der  Kontrolle  der  definitiven  Veranlagung  sei  dies  nicht 

bemerkt worden, weil der veranlagte Reinertrag mit dem deklarierten Gewinn überein-

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gestimmt habe. Erst nach Erhalt der Kopie der unterzeichneten Steuererklärung 2008 

am 16. März 2011 habe sie Kenntnis von der fehlerhaften Deklaration erhalten.  

b)  Wurde  der  Deklarationsfehler  tatsächlich  erst  am  16.  März  2011  bemerkt, 

so wäre mit den Eingaben vom 4. und 6. April 2011 – soweit man die darin gestellten 

Anträge auf Berichtigung sinngemäss als Revisionsgesuch interpretiert – zumindest die 

Revisionsfrist eingehalten worden. Weil sodann die Nichtgewährung eines berechtigten 

Beteiligungsabzugs  zwangsläufig  eine  Überbesteuerung  nach  sich  zieht,  ist  insoweit 

eine  Revision  grundsätzlich  möglich.  Zu  prüfen  bleibt  damit,  ob  ein  Revisionsgrund 

vorliegt. 

c)  Die  Entdeckung  der  Falschdeklaration  bzw.  der  Überbesteuerung  ist  nach 

dem  bereits  Gesagten  keine  wesentliche  neue  Tatsache  im  Sinn  von  § 155  Abs. 1  

lit. a StG und kann somit kein Revisionsgrund sein. Die Pflichtige lässt jedoch vorbrin-

gen, dass die Steuerbehörde die Falschdeklaration hätte bemerken müssen. Sie beruft 

sich damit auf lit. b der vorgenannten Bestimmung, wonach eine Revision möglich ist, 

wenn  die  Steuerbehörde  erhebliche  Tatsachen  oder  entscheidende  Beweismittel,  die 

ihr bekannt waren oder bekannt sein mussten, ausser Acht gelassen hat. Zur Begrün-

dung  führt  sie  aus,  dass  aus  der  mit  der  Steuererklärung  2008  eingereichten  Bilanz 

2008  hervorgehe,  dass  die  Pflichtige  eine  Beteiligung  gehalten  habe.  Die  Dividende 

aus der Beteiligung sei sodann in der Erfolgsrechnung 2008 als Beteiligungsertrag auf-

geführt  worden.  Auch  im  Anhang  der  Jahresrechnung  sei  die  Beteiligung  vermerkt 

worden. Aufgrund dieser Anhaltspunkte wäre es Aufgabe der Steuerbehörde gewesen, 

den  Sachverhalt  von  Amts  wegen  zu  prüfen  und  weitergehende  Untersuchungen 

durchzuführen. 

d)  Der  Beteiligungsabzug  ist  mit  der  Steuererklärung  geltend  zu  machen;  er 

wird  nicht  von  Amts  wegen  gewährt  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  §  72 N 35). 

Nachdem  die  Pflichtige  in  der  ursprünglichen  Steuererklärung  2008  weder  unter  der 

Pos. 10  einen  Beteiligungsabzug  aufführte,  noch  ihrer  Deklaration  das  diesbezüglich 

notwendige  Hilfsblatt  "Beteiligungsabzug"  beifügte,  hatte  die  Steuerbehörde  keinen 

Anlass, den Sachverhalt mit Blick auf einen womöglich nicht deklarierten Beteiligungs-

abzug zu untersuchen, zumal gemäss den unbestrittenen Erwägungen im Einsprache-

entscheid auch in den früheren Steuerperioden nie ein Beteiligungsabzug zur Diskus-

sion  gestanden  hat.  Dass  in  der  Bilanz  2008  unter  den  Gesellschaftsaktiven  eine 

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Beteiligung aufgeführt ist (D AG, E) und die Erfolgsrechnung 2008 einen Beteiligungs-

ertrag von brutto Fr. 75'000.- aufführt, ändert daran nichts. Einerseits lassen diese An-

gaben noch nicht zwingend auf einen  zu gewährenden Beteiligungsabzug schliessen, 

weil sich der Letztere vom Beteiligungsnettoertrag ableitet (vgl. Hilfsblatt Beteiligungs-

abzug). Andrerseits ist die Steuerbehörde ohnehin nicht gehalten, jede Steuererklärung 

inkl. Beilagen à fonds zu untersuchen; vielmehr kann und darf sie darauf vertrauen, die 

Selbstdeklaration  der  Steuerpflichtigen  sei  korrekt.  So  ist  sie,  wie  aufgrund  der  Akten 

anzunehmen  erlaubt  ist,  wohl  auch  hier  vorgegangen.  Abgesehen  davon  könnte  eine 

allfällige amtliche Unsorgfalt jene der Pflichtigen  aber nicht aufwiegen bzw. aufheben. 

Spätestens bei Erhalt der definitiven Steuerrechnung vom 16. August 2010 hätte diese 

(bzw.  deren  professionelle  Vertreterin)  bemerken  müssen,  dass  ihr  als  Folge  der  un-

vollständigen  bzw.  fehlerhaften  Deklaration  kein  Beteiligungsabzug  gewährt  worden 

war. Der Deklarationsfehler hätte alsdann im ordentlichen Rechtsmittelverfahren noch 

korrigiert werden können.  Wurde  die Schlussrechnung indes ungeprüft  hingenommen 

und  die  Fehlerhaftigkeit  der  Deklaration  2008  infolgedessen  erst  im  Zusammenhang 

mit einer späteren Deklaration entdeckt (gemäss Schreiben der Pflichtigen vom 4. April 

2010 nicht einmal im Zusammenhang mit der Folgedeklaration 2009, sondern erst bei 

der Vorbereitung der Steuererklärung 2010), liegt darin eine weitere Sorgfaltspflichtver-

letzung, welche eine Revision ausschliesst.  

e) Die  Voraussetzungen für eine  Revision  der  Einschätzung 2008 sind damit 

nicht erfüllt. 

f)  Anzufügen  bleibt,  dass  sich  an  diesem  Ergebnis  auch  dann  nichts  ändern 

würde,  wenn  die unter  E. 1b  erwähnte  verwaltungsgerichtliche  Rechtsprechung  zur 

Anwendung gelangte. Denn davon, dass die angefochtene Einschätzung in ihrer Aus-

wirkung schockierend ist, kann entgegen dem Dafürhalten der Pflichtigen nicht die Re-

de sein. "Schockierend" bedeutete im erwähnten Präjudiz des Verwaltungsgerichts ein 

rund  10fach  zu  hoch  eingeschätztes  Einkommen  (Fr.  300'000.-  statt  mutmasslich 

Fr. 35'000.-; vgl. VGr, 6. Juni 2007, SB.2006.00071, E. 2.3). Solche Dimensionen lie-

gen  hier,  wo  bei  einem  steuerbaren  Reingewinn  von  rund  Fr. 203'173.-  gemäss  Be-

rechnungen der Pflichtigen ein Beteiligungsabzug von 28.763% bzw. 34.855% zur Dis-

kussion steht, nicht vor.  

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3. a) Laut § 159 StG können Rechnungsfehler und Schreibversehen in rechts-

kräftigen Entscheiden binnen fünf Jahren nach Mitteilung berichtigt werden.  

b) Bei der Berichtigung handelt es sich um ein ausserordentliches Rechtsmit-

tel.  Im  Vergleich  zur  Revision  hat  sie  indes  einen  erheblich  eingeschränkten  Anwen-

dungsbereich. Der Sinn der Berichtigung besteht darin, Verfügungen und Entscheide, 

die den wirklichen Willen der Steuerbehörde infolge eines Erklärungsfehlers nicht rich-

tig  wiedergeben,  trotz  mittlerweile  eingetretener  formeller  Rechtskraft  möglichst  infor-

mell  korrigieren  zu  können.  Denn  einerseits  werden  rechnerische  und  redaktionelle 

Fehler  leicht  einmal  übersehen  und  vielfach  erst  im  Rahmen  des  Steuerbezugs  oder 

noch später entdeckt; und anderseits lassen sich solche "Kanzleifehler" auch leicht als 

solche erkennen und beheben (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 159 N 2).  

Bei Kanzleifehlern geht es ausschliesslich um Fehler der Behörden. Versehen 

des Steuerpflichtigen sind keine Kanzleifehler, doch können sie ausnahmsweise solche 

nach sich ziehen (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 159 N 3).  

Rechnungsfehler  und  Schreibversehen  bestehen  im  Ausdruck,  nicht  hingegen 

in der Willensbildung ("lapsus mentis") der entscheidenden Behörde (Handarbeit im Ge-

gensatz  zur  Kopfarbeit;  Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  §  159  N 4,  auch  zum  Folgen-

den).  Der  Kanzleifehler  lässt  sich – im  Gegensatz  zum  inhaltlichen  Fehler  einer  Verfü-

gung – in  aller  Regel  eben  verhältnismässig  leicht  erkennen.  Berichtigungsfähig  sind 

somit  Fehler,  die  im  Zusammenhang  mit  einem  handwerklichen  bzw.  mechanischen 

Vorgang  unterlaufen  sind.  Als  Rechnungsfehler  wird  ein  Versehen  rein  rechnerischer 

Natur  bezeichnet,  welches  bei  einer  mathematischen  Operation  eintritt  (Vallen-

der/Looser, Art. 150 N 8 f., auch zum Folgenden). Der Berechnungsfehler ist dabei weit 

zu  verstehen,  so  dass  nicht  nur  Fehler  im  Sinn  fehlerhafter  mathematischer  Operatio-

nen, sondern auch Ablese-, Übertragungs- und Kommafehler davon erfasst sind. Darun-

ter  werden  auch  Eingabefehler  im  Zusammenhang  mit  der  Verwendung  mechanischer 

bzw. elektronischer Berechnungssysteme subsumiert. Ein Schreibfehler ist dort anzutref-

fen, wo in der ausgefertigten Verfügung oder im entsprechenden Entscheid etwas ande-

res  steht  als  der  Verfasser  hatte  zum  Ausdruck  bringen  wollen.  Dabei  muss  aus  dem 

Zusammenhang  klar  werden,  wie  es  richtigerweise  hätte  heissen  müssen.  Die  Grenz-

ziehung zwischen Fehler im Ausdruck des Willens und der Willensbildung kann biswei-

len heikel sein. Nicht zu berücksichtigen sind jedenfalls Irrtümer, die auf einem fehlerhaf-

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ten Entscheidungsvorgang der Behörde beruhen. Dazu gehören auch Irrtümer bezüglich 

des rechtserheblichen Sachverhalts.  

c)  Vorliegend  geht  es  um  eine  Falschdeklaration  der  Pflichtigen,  welche  das 

Steueramt in der Einschätzung, da  nicht erkannt, übernommen hat. Inwiefern darin ein 

behördlicher Erklärungsfehler zu erblicken sein soll, ist nicht ersichtlich. Denn das Steu-

eramt ist davon ausgegangen, die Selbstdeklaration sei korrekt. Auch wenn es diesbe-

züglich einem Irrtum unterlegen ist, so hat es doch seinen Willen in den Taxationen rich-

tig  ausgedrückt;  m.a.W.  besteht  kein  Unterschied  zwischen  Willensbildung  und 

anschliessender Willensäusserung. Die Berichtigungsfähigkeit ist damit zu verneinen. Es 

verhält sich hier nicht anders als im Fall einer vom Steuerpflichtigen in der Steuererklä-

rung  falsch  eingetragenen  Konfessionszugehörigkeit,  welche  von  der  Steuerbehörde 

"folgerichtig" übernommen wurde (VGr LU, 28. Oktober 2002, LGVE 2002 II Nr. 22).  

4. Nach  alledem  steht  fest,  dass  die  Vorinstanz  dem  Antrag  auf  Abänderung 

der rechtskräftigen Einschätzung via Revision oder Berichtigung zurecht nicht stattge-

geben hat. Damit ist der Rekurs abzuweisen. 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Pflichtigen aufzuer-

legen (§ 151 Abs. 1 StG). 

Demgemäss erkennt der Einzelrichter: 

1.  Der Rekurs wird abgewiesen. 

[…] 

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