# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5859b23f-fc81-5e17-aa3e-86cbf8befe7e
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-09-13
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 13.09.2021 200 2021 411
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2021-411_2021-09-13.pdf

## Full Text

200 21 411 IV
JAP/LUB/LAB

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 13. September 2021

Verwaltungsrichter Jakob, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Knapp, Verwaltungsrichter Ackermann
Gerichtsschreiber Lüthi

A.________
vertreten durch Rechtsanwältin B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 4. Mai 2021

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Sept. 2021, IV/21/411, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1965 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin), 
gelernte …, zuletzt als …. tätig, meldete sich am 27. November 2018 
(Postaufgabe der Anmeldung) unter Hinweis auf eine allgemeine Überfor-
derung, Probleme mit Nachtarbeit, eine fehlende Struktur und "nicht mehr 
zur Ruhe kommen" bei der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug 
an (Akten der IV [act. II] 1). Die IV-Stelle Bern (IVB bzw. Beschwerdegeg-
nerin) zog die Akten des Krankentaggeldversicherers bei (act. II 9.1 f.), 
tätigte medizinische sowie erwerbliche Abklärungen und gewährte im 
Rahmen einer Frühinterventionsmassnahme ein Aufbautraining (sozialbe-
rufliche Rehabilitation) im C.________ (act. II 38, 49 S. 2 ff.), eine wirt-
schaftliche Integration (WISA) mit Coaching in der D.________ AG 
(act. II 46, 67 S. 2 ff.) sowie einen Arbeitsversuch bei der E.________ AG 
mit Coaching und … (act. II 63, 74 S. 2 f., 83 S. 2 ff.). Ausserdem veran-
lasste sie eine Erhebung im Haushalt der Versicherten (Abklärungsbericht 
Haushalt/Erwerb vom 27. August 2020; act. II 90). Mit Vorbescheid vom 
21. September 2020 (act. II 91) stellte die IVB der Versicherten bei einem 
in Anwendung der gemischten Methode (75 % Erwerb und 25 % Haushalt) 
ermittelten Invaliditätsgrad von 35 % die Verneinung eines Rentenan-
spruchs in Aussicht. Nach dagegen vorgebrachtem Einwand (act. II 96, 99) 
und diesbezüglicher Stellungnahmen durch den Regionalen Ärztlichen 
Dienst (RAD; act. II 101) und den Bereich Abklärungen (act. II 103) ver-
neinte sie mit Verfügung vom 4. Mai 2021 (act. II 105) entsprechend dem 
Vorbescheid einen Rentenanspruch.

B.

Mit Eingabe vom 4. Juni 2021 erhob die Versicherte, vertreten durch 
Rechtsanwältin B.________, Beschwerde. Sie beantragte, die Verfügung 
vom 4. Mai 2021 sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei anzu-
weisen, den Rentenanspruch nach erfolgter neutraler medizinischer Ab-

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klärung und ausgehend von einer Vollerwerbstätigkeit bei guter Gesundheit 
erneut zu prüfen.

In der Beschwerdeantwort vom 6. Juli 2021 schloss die Beschwerdegegne-
rin auf Abweisung der Beschwerde.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 4. Mai 2021 
(act. II 105). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführe-
rin auf eine Rente der IV.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

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1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar-
beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge-
glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 
teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-
keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).

2.2 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden kön-
nen auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. 
Art. 7 ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 
IVG sowie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizini-
sche Befundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer 
nur dann anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeein-
trächtigung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 
145 V 215 E. 5.1 S. 221). Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist 
noch nicht gesagt, dass dieser auch invalidisierenden Charakter hat. Ob 
dies zutrifft, beurteilt sich gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach dem 
Einfluss, den der Gesundheitsschaden auf die Arbeits- und Erwerbsfähig-
keit hat. Entscheidend ist, ob der versicherten Person wegen des geklagten 
Leidens nicht mehr zumutbar ist, ganz oder teilweise zu arbeiten. Deshalb 
gilt eine objektivierte Zumutbarkeitsprüfung unter ausschliesslicher Berück-

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sichtigung von Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung (BGE 
142 V 106 E. 4.4 S. 110).

2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze 
Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine 
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali-
ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente 
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine 
Viertelsrente.

2.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2018 IV 
Nr. 27 S. 87 E. 4.2.1).

3.

3.1 Den Akten ist bezüglich des Gesundheitszustands der Beschwerde-
führerin bzw. ihrer Arbeits- und Leistungsfähigkeit im Wesentlichen das 
Folgende zu entnehmen:

3.1.1 In dem zuhanden der Taggeldversicherung erstellten Bericht vom 
3. September 2018 (act. II 9.2 S. 3 f.) diagnostizierte med. pract. 
F.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, eine rezidivie-
rende depressive Störung, traumatisierende Erlebnisse in der Kindheit, 
eine Adipositas, einen Diabetes mellitus Typ 2, eine arterielle Hypertonie 
und chronische Rückenschmerzen. Die Beschwerdeführerin sei derzeit zu 
100 % arbeitsunfähig (S. 3) und wäre dies auch in jedem anderen Beruf. 
Da das ambulante Setting derzeit nicht ausreiche, werde sie in der Rehabi-

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litations-Tagesklinik (RTK) der psychiatrischen Dienste G.________ ange-
meldet (S. 4).

3.1.2 Dr. med. H.________, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, 
erwähnte im Bericht vom 26. Februar 2019 (act. II 29 S. 3-9) als Diagnosen 
ein metabolisches Syndrom (Adipositas [BMI 41 kg/m2], Hypertonie, Dysli-
pidämie), Schmerzen am Bewegungsapparat und den Verdacht auf eine 
Anpassungsstörung (S. 5). Sie attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 
100 % vom 29. Juni bis 18. Juli 2018 (S. 3).

3.1.3 Am 13. März 2019 diagnostizierte Dr. med. I.________, Facharzt für 
Allgemeine Innere Medizin sowie Psychiatrie und Psychotherapie, mit 
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, 
gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), und akzentuierte ab-
hängige Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73; act. II 32 S. 3).

3.1.4 Im Austrittsbericht der RTK der psychiatrischen Dienste 
G.________ vom 11. April 2019 (act. II 34) über die teilstationäre Behand-
lung vom 9. Oktober 2018 bis 29. März 2019 diagnostizierte Oberärztin 
Dr. med. J.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, eine 
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, 
sonstige Persönlichkeitsstörungen auf dem Boden von Problemen durch 
negative Kindheitserlebnisse (ICD-10 Z61.3, Z61.4) sowie Probleme in der 
primären Bezugsgruppe (ICD-10 Z63.1), einen Diabetes mellitus Typ II, 
eine arterielle Hypertonie, eine Adipositas und chronische Rückenbe-
schwerden (S. 1). Es bestehe eine Arbeitsunfähigkeit zu 100 % vom 9. Ok-
tober 2018 bis 14. April 2019. Aufgrund schwieriger biographischer Erfah-
rungen und sich wiederholenden negativen Erfahrungen im Arbeitsumfeld 
bestünden insbesondere Funktionseinschränkungen im Bereich der sozia-
len sowie emotionalen Fähigkeiten und des Selbstbildes. Trotz vieler Res-
sourcen werde aufgrund der wiederkehrenden interpersonellen Schwierig-
keiten, den persönlichen Unsicherheiten sowie den bekannten rezidivieren-
den depressiven Episoden ein schrittweiser Aufbau und eine enge Beglei-
tung an einem neuen Arbeitsplatz empfohlen S. 2).

3.1.5 Die RAD-Ärztin med. pract. K.________, Fachärztin für Psychiatrie 
und Psychotherapie, berichtete am 11. Juni 2019, aus den aktenkundigen 

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Berichten gehe eindeutig hervor, dass die Beschwerdeführerin seit mindes-
tens 2011 an einer rezidivierenden depressiven Störung unterschiedlichen 
Schweregrades leide. Aktuell sei von einer leicht- bis mittelgradigen Episo-
de (ICD-10 F33.0/1) auszugehen. Die zuletzt ausgeübte Sicherheitsdienst-
tätigkeit in Nachtschicht könne als ungünstiger Faktor für das Entstehen 
der aktuell behandlungsbedürftigen Episode angesehen werden. Weiterhin 
sei aktenkundig, dass die Beschwerdeführerin unter einem metabolischen 
Syndrom sowie Rückenbeschwerden leide. Zu letzteren lägen keine Be-
funde bzw. Bildgebung vor. Die Tätigkeit in Nachtschicht (sowie alle ande-
ren Nachtschichttätigkeiten) seien aufgrund der depressiven Erkrankung 
nicht mehr zumutbar. Bezogen auf die depressive Erkrankung sei eine 
Tätigkeit im Zweischichtsystem (ohne Nachtschicht), in einem wohlwollen-
den Arbeitsumfeld ohne zu grossen Leistungs- und Zeitdruck in einem 
Pensum von 50 % (vier Stunden täglich) ohne weitere Leistungseinschrän-
kungen aktuell zumutbar. Inwieweit eine Steigerung möglich sei, könne im 
jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden (act. II 40 S. 7). 

3.1.6 Im Coaching-Abschlussbericht der psychiatrischen Dienste 
G.________, Integrationsmanagement, vom 22. Januar 2020 (act. II 83 
S. 2-5) wurden die im Austrittsbericht der RTK der psychiatrischen Dienste 
G.________ vom 11. April 2019 erwähnten Diagnosen vermerkt (vgl. 
E. 3.1.4 hiervor) und ausgeführt, der Einstieg habe der Beschwerdeführerin 
keine Schwierigkeiten bereitet. Es sei ihr gelungen, sich in adäquater Wei-
se abzugrenzen und mit dem Geschehenen professionell umzugehen, un-
ter anderem indem sie aktiv das Gespräch mit ihrem Vorgesetzten und 
dem Job-Coaching gesucht habe. Im weiteren Verlauf sei sie in den ver-
schiedenen Tätigkeiten einer … eingeführt worden, welche sie bereits nach 
kurzer Zeit selbständig habe ausführen können (S. 3). Herausfordernd sei 
bis zum Schluss jedoch der Umgang mit unvorhergesehenen Ereignissen 
geblieben, darauf habe sie mit grosser Verunsicherung reagiert und sich 
dankbar für die Unterstützung gezeigt. Das Pensum habe vom 1. Oktober 
bis 1. November 20-30 %, vom 2. bis 30. November 30-50 % und vom 
1. bis 31. Dezember 2019 50-60 % und die Arbeitsfähigkeit jeweils 100 % 
betragen. Innerhalb eines 60 %-Pensums betrage die Arbeits- und Leis-
tungsfähigkeit zwischen 80-100 %. Aufgrund der Resultate des Arbeitsver-
suchs sei eine aktuelle Anstellung im ersten Arbeitsmarkt mindestens zu 

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einem 60 %-Pensum realistisch. Nach Abschluss des Lehrgangs zur … 
könne die Beschwerdeführerin in verschiedenen Bereichen eingesetzt wer-
den. Gut geeignet seien Tätigkeiten, die eine hohe Selbständigkeit und 
Gestaltungsmöglichkeiten böten. Hingegen seien Tätigkeiten, welche Ter-
min- und Zeitdruck, Mehrfachbelastung und hohen Koordinationsbedarf 
beinhalteten, eher ungünstig (S. 5).

3.1.7 Dr. med. L.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, 
führte im Bericht vom 31. Oktober 2020 (act. II 99 S. 7 f.) aus, es handle 
sich um eine Patientin mit einem langjährigen und chronifizierten Behand-
lungsverlauf mit immer wiederkehrenden und trotz antidepressiver Medika-
tion schwer behandelbaren depressiven Episoden. Diese hingen auch mit 
einer schwierigen Entwicklungsgeschichte zusammen und den sich daraus 
entwickelten Persönlichkeitszügen, welche die aktuelle Symptomatik beein-
trächtigten und beeinflussten sowie eine Erhöhung der Leistungsfähigkeit 
erschwerten (S. 7). Eine ausreichende Stabilisierung habe nicht erreicht 
werden können, um eine dauerhafte Arbeitsfähigkeit zu erreichen. Im Mai 
2019 sei durch den RAD eine 50 %-ige Arbeitsfähigkeit in einem wohlwol-
lenden Arbeitsumfeld ohne zu grossen Leistungs- und Zeitdruck als zumut-
bar beschrieben worden, eine Steigerung sei unklar gewesen. Die aktuelle 
Situation und die Entwicklung seither würden nicht mehr fachärztlich be-
schrieben und es habe keine Begutachtung stattgefunden. Die psychia-
trisch begründete Arbeitsfähigkeit sei nicht ausreichend abgeklärt und sollte 
durch das Einholen aktueller Berichte und allenfalls auch durch eine psych-
iatrische Begutachtung ergänzt werden (S. 8).

Am 5. Dezember 2020 hielt Dr. med. L.________ gegenüber der Rechts-
schutzversicherung der Beschwerdeführerin als Diagnosen eine rezidivie-
rende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 
F33.1), und eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung (ICD-10 
F60.6) fest (act. II 99 S. 3). Seit dem Behandlungsbeginn bei ihm am 
21. Mai 2019 sei die Beschwerdeführerin durchgehend in deutlichem Aus-
mass arbeitsunfähig. Zwischenzeitlich gelinge es ihr aufgrund ihres ausge-
prägten Willens und dem existenziellen Druck, für einige Zeit einer Be-
schäftigung nachzugehen, dabei erschöpfe sie sich jedoch rasch, was dann 
jeweils zu einer erneuten Verschlechterung der depressiven Symptomatik 

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führe. Die Erschöpfung werde verstärkt durch die ängstlich-vermeidende 
Persönlichkeitsstörung. Aufgrund der weiterhin noch vorhandenen zwang-
haften Persönlichkeitszüge habe die Beschwerdeführerin zudem sehr hohe 
Leistungsansprüche an sich und hohe Moralvorstellungen. Dies erschwere 
es ihr, bei den Anstellungen auf ihre Grenzen zu achten und sich nicht zu 
überarbeiten. Zudem hätten auch die vielen schwierigen bis traumatischen 
Erfahrungen ein Misstrauen ausgelöst, das die soziale Interaktion erschwe-
re. Für einen beruflichen Wiedereinstieg wäre sicherlich ein langsamer Ein-
stieg in einem wohlwollenden und fürsorglichen Rahmen notwendig. 
Während der Behandlungszeit habe die Beschwerdeführerin kurzzeitig eine 
Arbeitsleistung von bis zu 50 % erbracht, jedoch sei dies seit Behand-
lungsbeginn und bis aktuell nicht nachhaltig gewesen, sodass von einer 
deutlich tieferen Arbeitsleistung in der freien Wirtschaft ausgegangen wer-
den müsse. Die genaue Einschätzung der Arbeitsfähigkeit müsste abge-
klärt werden. Seit Beginn der Behandlung sei von einer durchschnittlichen 
Arbeitsfähigkeit von 20-30 % auszugehen (act. II 99 S. 6).

3.1.8 Im RAD-Bericht vom 11. Februar 2021 (act. II 101) nannte Dr. med. 
M.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, als Diagnosen 
eine chronische depressive Verstimmung bis mittelgradigen Ausmasses 
und eine Persönlichkeitsstörung. Die somatischen Erkrankungen seien 
nicht invalidisierend (S. 3). Dr. med. L.________ stelle dieselben Diagno-
sen und beschreibe genau dieselben Funktionseinschränkungen bzw. er-
forderlichen angepassten Bedingungen wie die medizinische Referenzbe-
urteilung. Auch die von ihm angeführten schwierigen Entwicklungsbedin-
gungen und der anamnestisch langwierige Behandlungsverlauf seien be-
reits umfassend gewürdigt worden (S. 2). Es handle sich also nicht um eine 
andere Darstellung eines gleichen Sachverhalts, sondern er beschreibe 
konkret den gleichen Sachverhalt. Lediglich seine Beurteilung der Arbeits-
fähigkeit (20-30 %) weiche ab, was nicht nachvollziehbar sei, da er sie für 
genau denselben Zeitraum formuliere, in dem die beruflichen Massnahmen 
stattgefunden hätten. Im Rahmen der Anhörung würden keine (neuen) me-
dizinischen Tatsachen geliefert, die von den bisherigen Entscheidgrundla-
gen abwichen (S. 3). 

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3.2 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352).

Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt Beweis-
wert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet 
sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverläs-
sigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem An-
stellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf 
mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Gleiches gilt, 
wenn ein frei praktizierender Arzt von einer Versicherung wiederholt für die 
Erstellung von Gutachten beigezogen wird. Es bedarf vielmehr besonderer 
Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung 
objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche 
Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zu-
kommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters allerdings ein strenger 
Massstab anzulegen (BGE 125 V 351 E. 3b ee S. 354; SVR 2008 IV Nr. 22 
S. 70 E. 2.4). Auch reine Aktengutachten können beweiskräftig sein, sofern 
ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die 
fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sach-
verhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten 
Person in den Hintergrund rückt. Dies gilt grundsätzlich auch in Bezug auf 
Berichte und Stellungnahmen Regionaler Ärztlicher Dienste (SVR 2020 IV 
Nr. 38 S. 134 E. 4.3)

3.3  Die angefochtene Verfügung basiert in medizinischer Hinsicht ei-
nerseits für den Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns im Juni 
2019 (verspätete Anmeldung, die Beschwerdeführerin hatte die Wartezeit 

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angesichts der ab 29. Juni 2018 attestierten Arbeitsunfähigkeit [act. II 1 
S. 4 Ziff. 4.3, 9.2 S. 1, 9.2 S. 6-9, 9.4 S. 1 Ziff. 5, 15.3 S. 1-4, 22 S. 2 
Ziff. 1.3] nicht schon bei Ablauf der Karenzfrist [Art. 29 Abs. 1 IVG], d.h. 
sechs Monate nach der Anmeldung vom 27. November 2018 [act. II S. 9] 
im Mai 2019, sondern erst im Juni 2019 bestanden) auf den RAD-
Aktenbeurteilungen vom 11. Juni 2019 (act. Il 40) bzw. 11. Februar 2021 
(act. II 101) und andererseits ab 20. Februar 2020 auf dem an diesem Da-
tum bei der Beschwerdegegnerin eingegangenen (act. ll 83 S. 1) Coaching-
Bericht der psychiatrischen Dienste G.________ vom 22. Januar 2020 
(act. II 83 S. 2-5). Wie nachfolgend aufgezeigt wird, vermögen diese Be-
richte den beweisrechtlichen Anforderungen nicht zu genügen und stellen 
damit keine valable Entscheidgrundlage für die Beurteilung der Arbeits- und 
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin dar:

3.3.1 Im RAD-Bericht vom 11. Februar 2021 (act. II 101) bestätigte 
Dr. med. M.________ die bereits am 11. Juni 2019 von der RAD-Ärztin 
med. pract. K.________ gestellte Diagnose einer rezidivierenden depressi-
ven Störung (act. II 40 S. 7). In Bezug auf diese diagnostische Zuordnung 
der Beschwerdesymptomatik präsentiert sich die Aktenlage zwar insoweit 
kohärent, als sowohl seitens der RTK der psychiatrischen Dienste 
G.________ (act. Il 22 S. 4 Ziff. 2.5, 34 S. 1 Ziff. 1) wie auch von den bis 
Oktober 2015 bzw. ab Mai 2019 ambulant behandelnden Dres. med. 
I.________ (act. Il 32 S. 3 Ziff. 2.5) und L.________ (act. ll 99 S. 5) von 
derselben affektiven Störung ausgegangen wurde. Indes diagnostizierten 
die Dres. med. I.________ und Oberärztin J.________ mit Auswirkung auf 
die Arbeitsfähigkeit zusätzlich akzentuierte (abhängige) Persönlichkeitszü-
ge (ICD-10 Z73 bzw. Z73.1; act. II 22 S. 4 Ziff. 2.5, 32 S. 3 Ziff. 2.5; vgl. 
auch act. ll 34 S. 1) und Dr. med. L.________ sogar eine eigentliche ängst-
lich-vermeidende Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.6; act. II 99 S. 5). 
Insoweit besteht zwischen den Behandlern und dem RAD bereits in dia-
gnostischer Hinsicht eine Diskrepanz, die seitens des letzteren nicht the-
matisiert bzw. bereinigt wurde.

3.3.2 Sodann hielt die RAD-Ärztin med. pract. K.________ eine rezidivie-
rende depressive Störung "unterschiedlichen Schweregrades" fest, wobei 
sie die Episode für den Berichtszeitpunkt (vom 11. Juni 2019) als leicht- bis 

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mittelgradig qualifizierte. Sie unterliess es jedoch, die Ausprägungen der 
Störung im Längsschnitt zu spezifizieren und darzulegen, ob – bzw. wenn 
ja, weshalb – die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit sowohl retro- als 
auch prospektiv unverändert durchgehend bei 50 % zu veranschlagen wäre 
(vgl. act. II 40 S. 7). Immerhin stimmt die geschätzte Arbeitsfähigkeit mit 
der Empfehlung der Oberärztin Dr. med. J.________ überein, welche 
während des gesamten Behandlungszeitraums in der RTK vom 9. Oktober 
2018 bis 14. April 2019 eine durchgehende vollständige Arbeitsunfähigkeit 
attestierte und für die Zeit danach einen beruflichen Wiedereinstieg mit 
einem reduzierten Pensum von zirka 50 % empfahl (act. II 22 S. 2 Ziff. 1.3, 
22 S. 6 Ziff. 4.1, 34 S. 2).

3.3.3 Die Beschwerdegegnerin wich für den Zeitraum ab Februar 2020 
von der RAD-Beurteilung ab und nahm gestützt auf den Coaching-Bericht 
der psychiatrischen Dienste G.________, Integrationsmanagement, vom 
22. Januar 2020 (act. II 83 S. 2-5) eine 60%ige Präsenzzeit mit 90%igem 
Rendement, mithin eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 54 % an 
(act. Il 105 S. 1 i.V.m. 90 S. 6 Ziff. 5.1). Dass im besagten Bericht die Beur-
teilung des Job-Coaches vom Chefarzt der psychiatrischen Dienste 
G.________ Dr. med. J.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychothe-
rapie, visiert wurde, macht ihn jedoch nicht zu einem beweiskräftigen medi-
zinischen Bericht, denn hierfür fehlen aktuelle Befunde und Diagnosen, 
wurde doch lediglich die gesundheitliche Situation gemäss Austrittsbericht 
vom 11. April 2019 (act. ll 34) wiedergegeben (act. Il 83 S. 3 Ziff. 1). Zudem 
fehlt auch eine nachvollziehbare Begründung dafür, dass – bzw. weshalb – 
seit der RAD-Beurteilung der med. pract. K.________ vom 11. Juni 2019 
(act. II 40) eine relevante Sachverhaltsänderung eintrat, welche die postu-
lierte höhere Restarbeitsfähigkeit rechtfertigt.

3.3.4 Das faktisch präsentierte Leistungsvermögen der Beschwerdeführe-
rin im Rahmen der Integrationsmassnahmen (sozialberufliche Rehabilitati-
on in Form eines Aufbautrainings im C.________ [act. Il 38, 49 S. 2 ff.; vgl. 
dazu Art. 14a Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 4quinquies der Verordnung vom 17. Janu-
ar 1961 über die Invalidenversicherung {IVV; SR 831.201}, Rz. 1010.2 und 
Anhang 1 des Kreisschreibens über die Integrationsmassnahmen {KSIM} 
des Bundesamtes für Sozialversicherungen {BSV}, gültig ab 1. Januar 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Sept. 2021, IV/21/411, Seite 13

2012], bzw. in Form der WISA in der D.________ AG [act. ll 46; vgl. dazu 
Art. 14a Abs. 2 i.V.m. Art. 4quinquies IVV, Rz. 1010.3 und Anhang 1 KSIM]) 
sowie der Massnahme beruflicher Art (Arbeitsversuch bei E.________ in … 
[act. II 63, 74 S. 2 f.; vgl. dazu Art. 18a IVG i.V.m. Art. 6bis IVV, Rz. 5017 
des Kreisschreibens über die Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art 
{KSBE} des BSV, gültig ab 1. Januar 2014]) genügt für sich alleine nicht zur 
abschliessenden Beurteilung der sich aus einem Gesundheitsschaden er-
gebenden funktionellen Leistungsfähigkeit. Für die Festsetzung der Arbeits-
fähigkeit ist (vorbehältlich der Berücksichtigung rechtlicher Gesichtspunkte) 
vorrangig auf die Angaben der Ärzte bzw. Gutachter abzustellen, nicht die-
jenigen der beruflichen Eingliederungsfachleute (vgl. Entscheid des Bun-
desgerichts [BGer] vom 4. Juli 2008, 9C_833/2007, E. 3.3.2); hier liegt 
denn auch keine überzeugende und abschliessende medizinische Ein-
schätzung vor. Hinzu kommt, dass die im Rahmen des Arbeitsversuchs bei 
der E.________ bestrittene 60%ige Präsenzzeit mit einer Leistungsfähig-
keit zwischen 80-100 % insoweit eine Momentaufnahme darstellt, als die 
Beschwerdeführerin das entsprechende Pensum nur im Dezember 2019 
bewältigte und auch aufzeigte, dass sie – zumindest in der Zeit davor – 
effektiv deutlich weniger gearbeitet hatte (Beschwerde S. 9 Ziff. Ill Art. 3 
Ziff. 3; Akten der Beschwerdeführerin [act. I] 10-13). Selbst wenn auf die 
Einschätzungen im Coaching-Bericht der psychiatrischen Dienste 
G.________ abgestellt werden könnte, wären die entsprechenden Er-
kenntnisse nicht repräsentativ für den gesamten Zeitraum ab Februar 2020 
bis zur Verfügung vom 4. Mai 2021.

3.3.5 Schliesslich sind die Berichte des Dr. med. L.________ vom 31. Ok-
tober 2020 (act. II 99 S. 7 f.) und 5. Dezember 2020 (act. II 99 S. 3-6) ge-
eignet, zumindest geringe Zweifel an den RAD-Beurteilungen bzw. der Ein-
schätzung der Restarbeitsfähigkeit im Coaching-Bericht der psychiatri-
schen Dienste G.________ zu begründen. Wie bereits erwähnt, diagnosti-
zierte er neben der depressiven Störung sogar eine ängstlich-vermeidende 
Persönlichkeitsstörung – welche gemäss seiner Einschätzung die Erschöp-
fung im Zusammenhang mit der depressiven Symptomatik noch verstärke 
(act. II 99 S. 9), womit sich der RAD nicht konkret auseinandersetzte (vgl. 
E. 3.3.1 hiervor). Zudem weist er auch zutreffend darauf hin, dass die Be-
schwerdeführerin während der Behandlungszeit zwar kurzzeitig eine Ar-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Sept. 2021, IV/21/411, Seite 14

beitsleistung von bis zu 50 % habe erbringen können, dies jedoch nicht 
durchgehend seit dem Behandlungsbeginn (am 21. Mai 2019; act. II 99 
S. 9; vgl. auch act. II 67 S. 4). Auf die von ihm postulierte durchschnittliche 
Arbeitsfähigkeit von 20-30 % kann aber ebenfalls nicht abgestellt werden. 
Vorab trat der behandelnde Psychiater advokatorisch auf, indem er für sei-
ne Patientin eine "Einsprache gegenüber dem Vorbescheid" (act. Il 99 
S. 7 f.) verfasste und sich dabei sogar zum Status als aussermedizini-
schem Aspekt äusserte. Des Weiteren zeigte er nicht schlüssig auf, inwie-
fern sich die spezifische Beschwerdesymptomatik in der funktionellen Leis-
tungsfähigkeit niederschlägt und er formulierte auch kein differenziertes 
Zumutbarkeitsprofil für eine leidensadaptierte Tätigkeit. Hinzu kommt 
schliesslich auch, dass der Arzt keine abschliessende Stellungnahme ab-
gab, da er weitere Abklärungen vorbehielt (act. II 99 S. 6 und S. 8).

3.4 Nach dem Dargelegten ist der psychische Gesundheitszustand der 
Beschwerdeführerin nicht rechtsgenüglich abgeklärt. Die Sache ist an die 
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie eine verwaltungsexterne 
psychiatrische Administrativbegutachtung durchführt und hernach – gege-
benenfalls nach strukturiertem Beweisverfahren i.S.v. BGE 141 V 281 – 
über den Rentenanspruch neu befindet. Hingegen liegen bezüglich Rü-
ckenbeschwerden zwar weder Befunde noch eine Bildgebung vor (act. II 40 
S. 7), dass der somatische Gesundheitszustand (act. II 22 S. 4 Ziff. 2.5, 29 
S. 5 Ziff. 2.5, 34 S. 1 Ziff. 3) einen relevanten Einfluss auf die Arbeitsfähig-
keit zeitigen würde, ist aufgrund der derzeitigen Aktenlage nicht hinrei-
chend ausgewiesen und wird von der Beschwerdeführerin auch nicht gel-
tend gemacht. Somit erübrigen sich diesbezüglich in antizipierter Beweis-
würdigung (BGE 144 V 361 E. 6.5 S. 368, 124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 
E. 1d S. 162; SVR 2019 IV Nr. 50 S. 163 E. 4) weitere Sachverhaltserhe-
bungen. Bei dieser Ausgangslage sind auch Weiterungen im Zusammen-
hang mit dem von der Verwaltung angenommenen Status bzw. den weite-
ren Aspekten der Invaliditätsbemessung obsolet (Beschwerde S. 5 ff. 
Ziff. III Art. 2).

3.5 Zusammenfassend ist die Verfügung vom 4. Mai 2021 (act. II 105) 
in Gutheissung der dagegen erhobenen Beschwerde aufzuheben und die 
Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie nach Vor-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Sept. 2021, IV/21/411, Seite 15

nahme der weiteren Abklärungen im Sinne der Erwägungen neu über den 
Rentenanspruch verfüge.

4.

4.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab-
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule-
gen.

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, hat bei diesem 
Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG; BVR 2009 S. 186 E. 4). Der geleistete Kostenvor-
schuss von Fr. 800.-- ist der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechts-
kraft des Urteils zurückzuerstatten.

4.2 Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf 
Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Versicherungsgericht festge-
setzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit-
sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g 
ATSG).

Mit Kostennote vom 20. Juli 2021 macht Rechtsanwältin B.________ eine 
Parteientschädigung von total Fr. 4'691.30, bestehend aus einem Honorar 
von Fr. 4'227.50 (16.91 h à Fr. 250.--), Auslagen von Fr. 128.40 und MWST 
von Fr. 335.40 (7.7 % auf Fr. 4'355.90), geltend. Mit Blick auf andere, be-
züglich des objektiv gebotenen Prozessaufwands, der Bedeutung der 
Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses vergleichbare Verfahren 
ist der geltend gemachte Aufwand zu hoch. Gegenstand des Prozesses 
bildeten weder komplexe Sachverhalts- noch ungeklärte Rechtsfragen, die 
Akten waren nicht besonders umfangreich und das Verfahren blieb auf ei-
nen einfachen Schriftenwechsel beschränkt. Es kann von einem durch-
schnittlichen Fall gesprochen werden, der eine Anwältin nicht vor besonde-
re Schwierigkeiten stellt. Unter Berücksichtigung von Bedeutung und 
Schwierigkeit des Prozesses ist deshalb die Parteientschädigung auf pau-
schal Fr. 3'500.-- (inkl. Auslagen und MWST) festzusetzen. Diesen Betrag 
hat die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin zu ersetzen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 13. Sept. 2021, IV/21/411, Seite 16

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der 
IV-Stelle Bern vom 4. Mai 2021 aufgehoben und die Sache an die Be-
schwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie – nach Vornahme der 
Abklärungen im Sinne der Erwägungen – neu verfüge.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdegegnerin 
zur Bezahlung auferlegt. Der von der Beschwerdeführerin geleistete 
Kostenvorschuss von Fr. 800.-- wird ihr nach Rechtskraft des Urteils 
zurückerstattet.

3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin die Parteikosten, 
gerichtlich bestimmt auf Fr. 3'500.-- (inkl. Auslagen und MWST), zu er-
setzen.

4. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwältin B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern  
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.