# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2a44a37a-2334-5c7f-a3a6-911572934fff
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-02-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.02.2012 D-5970/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5970-2010_2012-02-22.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­5970/2010

U r t e i l   v om   2 2 .   F e b r u a r   2 0 1 2

Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz),
Richterin Regula Schenker Senn, Richter Yanick Felley,   
Gerichtsschreiber Patrick Weber.

Parteien A._______, geboren am (…),
Türkei,  
vertreten durch Kathrin Oppliger, 
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 13. August 2010 / N (…) .

D­5970/2010

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  der  Beschwerdeführer  die  Türkei  gemäss  eigenen  Angaben  am    
23. Juni 2010 verliess und über ihm unbekannte Länder am 27. Juni 2010 
in die Schweiz gelangte, wo er am 29. Juni 2010 ein Asylgesuch stellte,

dass er dazu am 5. Juli 2010 summarisch befragt wurde,

dass  die  damalige  Rechtsvertretung  des  Beschwerdeführers  dem  BFM 
am 6. Juli 2010  ihre Mandatsübernahme anzeigte und um Akteneinsicht 
vor Entscheidreife ersuchte,

dass die Vorinstanz am 6. August 2010 eine Anhörung durchführte,

dass  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  geltend  machte,  aus 
B._______  zu  stammen,  kurdischer  Ethnie  zu  sein  und  seit  1990  in 
C._______ behördlich registrierten Wohnsitz gehabt zu haben, 

dass er sich auch in anderen Städten aufgehalten habe, 

dass gegen ihn im Alter von 18 Jahren ein polizeiliches Verfahren eröffnet 
worden sei, 

dass  er  immer  wieder  einen  Bruder  im  Gefängnis  besucht  und  1994 
fünfzehn beziehungsweise zwanzig Tage selber in Haft verbracht habe, 

dass  er  sich  an  zahlreichen  Protestveranstaltungen  und  Anlässen 
zugunsten von Inhaftierten beteiligt habe, 

dass  er  von  der  Polizei  wegen  des  Bruders  unter  behördlichem  Druck 
gestanden sei,  

dass sich dieser und ein weiterer Bruder jetzt als anerkannte Flüchtlinge 
in der Schweiz aufhielten, 

dass zwei andere Brüder 2004 im Herkunftsort vergiftet worden seien, 

dass  ein  weiterer  Bruder  als  TKP/ML­Kämpfer  in  den  80er­Jahren  im 
Gefecht gefallen sei,

dass er sich im Verein Demokratische Volksföderation (DHF) und dessen 
Kulturorganisation betätigt habe,

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dass er oftmals festgenommen und misshandelt worden sei, 

dass er beschuldigt worden sei, Mitglied der maoistisch­kommunistischen 
Partei (MKP) zu sein, 

dass im Juni 2005 zahlreiche Personen – darunter drei seiner Freunde – 
umgebracht worden seien, 

dass  die  Polizei  wiederholt  vorgesprochen  und  das  Haus  beobachtet 
habe, 

dass er sich deswegen ab 2005 nicht mehr zuhause aufgehalten habe, 

dass er letztmals Anfang Mai 2008 festgenommen worden sei, 

dass im Jahr 2009 Verhaftungsaktionen erfolgt seien, 

dass er von dieser Gefährdung durch seinen Anwalt erfahren habe, 

dass er  die Türkei  im September 2009 mit  dem Ziel Schweiz  verlassen 
habe, aber in Griechenland festgenommen worden sei, 

dass  er  fünf  Monate  inhaftiert  und  zum  Verlassen  des  Landes 
aufgefordert worden sei, 

dass  ihm  gewisse  Dokumente,  nicht  aber  die  Identitätskarte  wieder 
ausgehändigt worden seien, 

dass er  in Anbetracht der befürchteten Ausschaffung  ins Heimatland  im 
Februar  2010  aus  eigenem  Antrieb  und  bei  einem  illegalen 
Grenzübergang in die Türkei zurückgekehrt sei, 

dass  zu  diesem Zeitpunkt  unter  anderem  zwei  ihm  bekannte Mitglieder 
der DHF verhaftet worden seien,

dass  er  nach wie  vor  im  Fokus  der  Behörden  gestanden  sei,  wobei  es 
sich dabei nicht um eine explizite Suche gehandelt habe, 

dass  gegen  seine  Freunde  Verfahren  wegen  Zugehörigkeit  zu  einer 
illegalen Organisation eingeleitet worden seien, 

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dass  er  in  Anbetracht  dieser  Situation  ein  zweites  Mal  ausser  Landes 
geflohen sei, 

dass er im Falle der Rückkehr ernsthafte Nachteile befürchte, 

dass  er  als  Beweismittel  für  die  Asylvorbringen  ein  Schreiben  seines 
türkischen Rechtsanwalts zu den Akten gab, 

dass er ferner einen Antrag für die Ausstellung einer türkischen ID­Karte, 
einen  Versicherungsausweis,  den  heimatlichen  Führerschein  und 
Registerauszüge einreichte, 

dass das BFM auf das Asylgesuch mit Verfügung vom 13. August 2010   
– der Rechtsvertretung am 16. August 2010 eröffnet – gestützt auf Art. 32 
Abs.  2 Bst. a  des Asylgesetzes  vom 26.  Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31) 
nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug 
anordnete,

dass  das  BFM  zur  Begründung  seines  Entscheids  im  Wesentlichen 
anführte,  die  eingereichten  Unterlagen  seien  keine  Reise­  oder 
Identitätspapiere  im Sinne von Art. 1 Bst. b und c der Asylverordnung 1 
vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311),

dass  aufgrund  seiner  substanzlosen  Aussagen  zu  Reise­  und 
Identitätsdokumenten  beziehungsweise  realitätsfremder  Angaben  davon 
ausgegangen  werden  müsse,  der  Beschwerdeführer  enthalte  den 
Behörden seine Reisepapiere bewusst vor,

dass  insbesondere nicht nachvollzogen werden könne, weshalb  ihm die 
griechischen  Behörden  die  Identitätskarte  nicht  wieder  ausgehändigt 
haben sollten, 

dass  entsprechend  keine  entschuldbaren Gründe  für  die Papierlosigkeit 
vorlägen, 

dass das BFM weiter  festhielt,  in Anbetracht  seiner Darlegungen erfülle 
der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  und        
7  AsylG  nicht,  wobei  zusätzliche  Abklärungen  zur  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses 
aufgrund der Aktenlage nicht erforderlich seien,

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dass die  letzte Haft  vom Mai 2008  in zeitlicher Hinsicht nicht als kausal 
für seine Ausreise gewertet werden könne, 

dass  er  die  angeblich  fortbestehende  Gefährdung  nicht  mit  einem 
Bestätigungsschreiben  des  DHF  untermauert  und  wiederholt  vage 
vorgebracht habe, 

dass  die  Darlegungen  zur  angeblichen  Verfolgungssituation  zudem 
ungereimt ausgefallen seien, 

dass  im  anwaltlichen  Bestätigungsschreiben  nicht  von  einer  gezielten 
Suche nach ihm die Rede sei, 

dass der Vollzug der Wegweisung aufgrund der Aktenlage als  zulässig, 
zumutbar und möglich erscheine,

dass  der  Beschwerdeführer  diese  Verfügung  mit  Eingabe  seiner 
Rechtsvertretung  vom  23.  August  2010  beim Bundesverwaltungsgericht 
anfechten liess, 

dass er die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids, die Rückweisung 
der Sache an das BFM zwecks Eintretens auf sein Asylgesuch sowie  in 
prozessualer Hinsicht  die  unentgeltliche Prozessführung  (Art.  65 Abs.  1 
des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 
172.021]) samt Entbindung von der Vorschusspflicht beantragte, 

dass  er  zur  Begründung  anführte,  sein Reisepass  befinde  sich  bei  den 
griechischen Behörden, 

dass dessen Nichtaushändigung an ihn nicht als unglaubhaft bezeichnet 
werden  könne,  zumal  das BFM  in  einer  vergleichbaren Fallkonstellation 
bei Asylsuchenden in der Schweiz ebenso vorgehe, 

dass  seine  Angaben  zur  Reise  in  die  Schweiz  überdies  nicht  als 
realitätsfremd,  erfahrungswidrig  und  substanzlos  bezeichnet  werden 
könnten, 

dass mithin entschuldbare Gründe für seine Papierlosigkeit bestünden,

dass er seine Identität mit anderen Unterlagen zu belegen versucht habe 
und  seine  beiden  in  der  Schweiz  lebenden  Brüder  seine  Identität 
ebenfalls bestätigten, 

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dass  der  vorliegende  Nichteintretensentscheid  demnach  zu  Unrecht 
erfolgt sei,

dass der Eingabe eine Erklärung und Ausweisdokumente  der Brüder  in 
Kopie beilagen, 

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom  25. 
August 2010 die aufschiebende Wirkung der Beschwerde feststellte, das 
Gesuch  im  Sinne  von  Art. 65  Abs.  1  VwVG  –  unter  Vorbehalt  der 
Veränderung  der  finanziellen  Lage  –  guthiess,  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses verzichtete und einen Schriftenwechsel veranlasste, 

dass  das  Bundesamt  mit  Vernehmlassung  vom  21.  September  2010 
ohne  zusätzliche  Erwägungen  die  Abweisung  der  Beschwerde 
beantragte,

dass  die  vorinstanzliche  Stellungnahme  dem  Beschwerdeführer  am      
21. Oktober 2010 zur Kenntnis gebracht wurde,

dass  die  vom  Beschwerdeführer  mandatierte  Rechtsberatungsstelle  am 
25. Januar 2012 ihr Mandat niederlegte, 

dass sich die Rechtsberatungsstelle mit Schreiben vom 1. Februar 2012 
nach dem Verfahrensstand erkundigte, 

dass  die  Instruktionsrichterin  am  3.  Februar  2012  auf  die  eingereichte 
Mandatsniederlegung  hinwies  und  festhielt,  ohne  Gegenbericht  werde 
nicht mehr von einem bestehenden Mandatsverhältnis ausgegangen, 

dass  die  Beratungsstelle  am  8.  Februar  2012  auf  ein  nach  wie  vor 
bestehendes Mandatsverhältnis hinwies, 

und erwägt,

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig 
über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art.  5 VwVG)  des  BFM 
entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105  AsylG,  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes 
vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

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dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist 
(Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass  das  BFM  den  angefochtenen  Nichteintretensentscheid  auf  der 
Grundlage von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG getroffen hat,

dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide  die 
Beurteilungszuständigkeit  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die 
Überprüfung der Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das 
Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass  bei  Begründetheit  der  Beschwerde  die  angefochtene  Verfügung 
aufzuheben  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz 
zurückzuweisen  ist  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK] 2000 Nr. 34 E. 2.1 S. 
240 f.),

dass  gemäss  der  Bestimmung  von Art.  32 Abs.  2 Bst.  a  AsylG  auf  ein 
Asylgesuch  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  den  Behörden 
nicht  innerhalb  von  48  Stunden  nach  Einreichung  des  Gesuchs  Reise­ 
oder Identitätspapiere abgeben,

dass  diese  Bestimmung  jedoch  keine  Anwendung  findet,  wenn 
Asylsuchende  glaubhaft  machen  können,  sie  seien  dazu  aus 
entschuldbaren Gründen nicht  in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG), 
oder wenn auf Grund der Anhörung sowie gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG 
die Flüchtlingseigenschaft  festgestellt wird  (Art.  32 Abs. 3 Bst.  b AsylG) 
oder wenn sich auf Grund der Anhörung die Notwendigkeit  zusätzlicher 
Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines 
Wegweisungsvollzugshindernisses ergibt (Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG),

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dass  mithin  auch  die  Flüchtlingseigenschaft  Prozessgegenstand  des 
Beschwerdeverfahrens  bildet,  wobei  im  Rahmen  der  summarischen 
Prüfung das offenkundige Fehlen der Flüchtlingseigenschaft, sei es, weil 
die  Vorbringen  offensichtlich  unglaubhaft  sind,  oder  sei  es,  weil  sie 
offensichtlich  keine  flüchtlingsrechtliche  Relevanz  nach  Art.  3  AsylG 
aufweisen,  und  das  offenkundige  Fehlen  von 
Wegweisungsvollzugshindernissen zu beurteilen sind (vgl. BVGE 2007/8 
E. 2.1),

dass gemäss BVGE 2007/8  im Fall des Vorliegens von Umständen, die 
auf Grund einer summarischen materiellen Prüfung keine abschliessende 
Beurteilung erlauben, auf das Asylgesuch gestützt auf Art. 32 Abs. 3 Bst. 
c  AsylG  zwecks  weiterer,  im  ordentlichen  Verfahren  vorzunehmender 
Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  von 
Wegweisungsvollzugshindernissen einzutreten ist,

dass bei der beabsichtigten Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG 
mithin  ausgeschlossen  bleibt,  einen  Nichteintretensentscheid  zu  fällen, 
wenn das Fehlen der Flüchtlingseigenschaft oder der Vollzugshindernisse 
nicht  offenkundig  ist,  beziehungsweise  wenn  zusätzliche  Abklärungen 
jeglicher  Art  nötig  erscheinen  oder  der  Entscheid  einer  einlässlichen 
Begründung  bedarf  (was  sich  auch  aus  dem Umkehrschluss  zu Art.  40 
AsylG und in Anlehnung an Art. 41 AsylG ergibt),

dass  der  Gesetzgeber  mit  dieser  Regelung  insbesondere  mit  Blick  auf 
das  verkürzte  Verfahren  die  Gefahr  der  vorschnellen  falschen 
Einschätzung  einer  Situation  sowohl  in  rechtlicher  oder  in  sachlicher 
Hinsicht vermeiden wollte,

dass  die  Vorinstanz  in  ihrem  Entscheid  festhielt,  es  lägen  keine 
entschuldbaren Gründe vor, die es dem Beschwerdeführer verunmöglicht 
hätten,  Reise­  oder  Identitätspapiere  einzureichen,  und  zum  Schluss 
gelangte, er erfülle die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 und 7 AsylG 
nicht,  und  es  seien  auf  Grund  der  Aktenlage  keine  zusätzlichen 
Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines 
Wegweisungsvollzugshindernisses erforderlich,

dass  entsprechend  die  Voraussetzungen  für  ein  Nichteintreten  gemäss 
Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG erfüllt seien,

dass diese Sichtweise vom Bundesverwaltungsgericht nicht geteilt wird, 

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dass der Beschwerdeführer unbestrittenermassen in Griechenland weilte 
und erkennungsdienstlich erfasst wurde (vgl. A 5/1),  

dass  seine  Behauptung,  ihm  sei  dort  die  Identitätskarte  abgenommen 
worden,  demnach  nicht  als  blosses Konstrukt  erscheint  (A  1/14 S.  5  f.;     
A 14/12 Antworten 3 ff.), 

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  in  seiner  Zwischenverfügung  vom 
25.  August  2010  festhielt,  die  geltend  gemachte  Vorgehensweise  der 
griechischen Behörden (Rückerstattung des Original­Identitätsdokuments 
erst  im  Falle  einer  kontrollierten  Ausreise)  könne  entgegen  der 
vorinstanzlichen Sichtweise nicht als erfahrungswidrig und realitätsfremd 
bezeichnet werden, 

dass vor diesem Hintergrund das Vorbringen des Beschwerdeführers, es 
sei  ihm  aus  entschuldbaren Gründen  nicht möglich  gewesen,  innert  48 
Stunden  nach  Einreichung  seines  Asylgesuchs  ein  rechtsgenügliches 
Reise­ oder Identitätspapier abgegeben, nicht als haltlos erscheint, zumal 
er angab, nie im Besitze eines Reisepasses gewesen zu sein, 

dass er  im Übrigen schon bei der Gesuchseinreichung einen Antrag  für 
die Ausstellung einer türkischen ID­Karte als Dokument abgab, 

dass  unter  den  gegebenen  Umständen  nicht  von  einem  willentlichen 
Vorenthalten  der  verwendeten  Reisepapiere  auszugehen  sein  dürfte, 
auch  wenn  seine  Aussage,  nie  einen  Pass  beantragt  oder  erhalten  zu 
haben, nur bedingt überzeugt, 

dass  die  Frage,  ob  entschuldbare  Gründe  für  die  Papierlosigkeit 
bestehen, aber letztlich offen bleiben kann,

dass die Vorinstanz  im angefochtenen Entscheid die  Inhaftierungen des 
Beschwerdeführers nicht in Zweifel gezogen hat, 

dass  der  Beschwerdeführer  nebst  eigenen  politischen  Aktivitäten 
insbesondere auf die Verfolgung eines Bruders aus politischen Gründen 
hinwies, 

dass  das BFM diesem und  einem weiteren Bruder  in  der Schweiz Asyl 
gewährte (vgl. die Akten N (…) und N (…)),

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dass  der  politisch­familiäre  Hintergrund  des  Beschwerdeführers  somit 
offenkundig ist, 

dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  möglicherweise  gewisse 
Ungereimtheiten  aufweisen,  wobei  aber  bei  der  Schilderung  einer  seit 
mehr  als  einem  Jahrzehnt  andauernden  behördlichen  Verfolgung 
insbesondere  auch  wegen  politisch  agierender  Angehöriger  gewisse 
Unstimmigkeiten  in zeitlicher Hinsicht nicht als a priori entscheidrelevant 
eingestuft werden könnten, 

dass er präzisierend angab, er sei als Mitglied einer politisch auffälligen 
Familie behördlich bekannt, werde aber nicht explizit gesucht, und  führe 
ein "illegales Leben" in der Türkei (A 14/12 Antworten 65 ff.),

dass diese Aussagen verbunden mit dem geltend gemachten  familiären 
Hintergrund durch das eingereichte Anwaltsschreiben bestätigt werden, 

dass  der  Beschwerdeführer  überdies  in  der  Lage  war,  seine 
Verbindungen zum Verein DHF mit einer gewissen Substanz zu schildern 
(A 14/12 Antworten 20 ff.), 

dass  in  Anbetracht  der  eher  komplexen  Situation  von  Personen  in  der 
Türkei,  deren  Angehörige  in  der  Schweiz  Asyl  erhalten  haben,  bereits 
fraglich  ist,  ob eine Auseinandersetzung mit  deren Gefährdung  im Falle 
der  Rückkehr  im  Rahmen  der  Begründungsdichte  eines 
Nichteintretensentscheides sinnvollerweise überhaupt erfolgen kann, 

dass  das BFM  im  angefochtenen Entscheid  die  Vorkommnisse  vor Mai 
2008 wie  namentlich  die  Inhaftierungen wegen  des  Zeitablaufs  generell 
für nicht asylrelevant erachtete und dabei den familiären Hintergrund des 
Beschwerdeführers vollkommen ausblendete, 

dass diese Erwägungen offensichtlich nicht zu überzeugen vermögen, 

dass  vielmehr  eine  differenzierte  Auseinandersetzung  im  Hinblick  auf 
begründete  Furcht  wegen  des  familiären  Hintergrundes  hätte  erfolgen 
müssen, 

dass  auch  die  Vorbringen  für  den  Zeitraum  nach  Mai  2008  nach  dem 
Gesagten nicht generell als offensichtlich haltlos erscheinen, und sich  in 
den  entsprechenden  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  gewisse 
Realkennzeichen finden, 

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Seite 11

dass  in  die  vorinstanzlichen  Erwägungen  überdies  keinerlei  Elemente, 
welche  nach  dem  Gesagten  allenfalls  für  seine  Gefährdung  sprechen 
würden, Eingang gefunden haben, 

dass  nach  dem Gesagten  im  Rahmen  einer  summarischen  materiellen 
Prüfung nicht  vom offenkundigen Fehlen  der Flüchtlingseigenschaft  des 
Beschwerdeführers auszugehen war respektive ist, 

dass das BFM praxisgemäss keine Nichteintretensverfügung zu erlassen 
hat, wenn der Entscheid einer einlässlichen Begründung bedarf, 

dass die angefochtene Verfügung demnach mit einem schwerwiegenden 
Mangel behaftet ist, 

dass der gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG gefällte Entscheid den 
gesetzlichen Anforderungen nach dem Gesagten nicht entspricht,

dass das Verfahren entsprechend an die Vorinstanz zurückzuweisen  ist, 
damit  diese  –  sofern  erforderlich  –  weitere  Abklärungen  vornimmt  und 
diese  in  einem  neuen,  materiellen,  beschwerdefähigen  und 
rechtsgenüglich begründeten Entscheid berücksichtigt,

dass  in  diesem  Zusammenhang  auf  die  Untersuchungsmaxime 
hinzuweisen  ist,  wonach  die Behörde  verpflichtet  ist,  von Amtes wegen 
für  die  richtige  und  vollständige  Abklärung  des  rechtserheblichen 
Sachverhaltes zu sorgen (Art. 12 VwVG),

dass die verfügende Behörde im Rahmen des rechtlichen Gehörs (Art. 29 
VwVG; Art. 32 Abs. 1 VwVG) ferner generell gehalten ist, die Vorbringen 
der  betroffenen Person  tatsächlich  zu hören,  sorgfältig  und ernsthaft  zu 
prüfen  und  in  der  Entscheidfindung  zu  berücksichtigen,  was  sich 
entsprechend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss (vgl. Art. 
35 Abs. 1 VwVG),

dass sich die Begründungsdichte nach dem Verfügungsgegenstand, den 
Verfahrensumständen und den Interessen der betroffenen Person richtet, 
wobei  die  bundesgerichtliche  Rechtsprechung  bei  schwerwiegenden 
Eingriffen  in die rechtlich geschützten Interessen der betroffenen Person 
eine sorgfältige Begründung verlangt,

dass  die  Beschwerde  nach  dem  Gesagten  gutzuheissen,  die 
angefochtene Verfügung des BFM vom 13. August 2010 aufzuheben und 

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die  Sache  zur Wiederaufnahme  des  Verfahrens  und Neubeurteilung  im 
Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen ist,

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  keine  Kosten  aufzuerlegen 
sind (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG),

dass obsiegende Parteien Anspruch auf eine Parteientschädigung für die 
ihnen  erwachsenen  notwendigen  Kosten  haben  (Art.  7  Abs.  1  des 
Reglements vom 11. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]),

dass  die  Rechtsvertretung  keine  Kostennote  einreichte,  weshalb  die 
Kosten von Amtes wegen auf insgesamt Fr. 600.­­ festzusetzen sind (vgl. 
Art. 8 ff. und 14 Abs. 2 VGKE).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen. 

2. 
Die  Verfügung  des  BFM  vom  13.  August  2010  wird  aufgehoben.  Die 
Akten werden zur Neubeurteilung dem BFM überwiesen.

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4. 
Die  Parteientschädigung  wird  auf  Fr.  600.­­  festgesetzt.  Das  BFM  wird 
angewiesen, diesen Betrag dem Beschwerdeführer zu entrichten.

5.  
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber

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