# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f7519a62-17ff-5b2c-8b2f-b07c36914c92
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-10-14
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 14.10.2022 SK 2021 613
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2021-613_2022-10-14.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 21 613

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 14. Oktober 2022 

Besetzung Oberrichter Horisberger (Präsident i.V.), Oberrichterin Bratschi,  
Oberrichter Bettler
Gerichtsschreiberin Bucher

Verfahrensbeteiligte A.________
v.d. Rechtsanwalt B.________

Beschuldigte/Berufungsführerin

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

 

Gegenstand fahrlässige Tötung

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau (Einzelgericht) vom 16. August 2021 (PEN 20 114)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau (Einzelgericht; nachfolgend Vorinstanz) 
erkannte mit Urteil vom 16. August 2021 (pag. 469 ff.) Folgendes (Hervorhebungen 
im Original):

I.

A.________ wird schuldig erklärt:

der fahrlässigen Tötung, begangen am 29.11.2018 in C.________ (Ortschaft), z.N. von D.________ 
sel.

und in Anwendung der 
Art. 12 Abs. 3, 34, 42 Abs. 1 und 4, 44 Abs. 1, 47, 117 StGB
Art. 26 Abs. 2, 31 Abs. 1, 33 Abs. 3 SVG
Art. 3 Abs. 1, 12 Abs. 3 VRV
Art. 47 Abs. 3 SSV
Art. 426 ff. StPO

verurteilt:

1. Zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu CHF 110.00, ausmachend total CHF 8'800.00.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.

2. Zu einer Verbindungsbusse von CHF 2'200.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nicht-
bezahlung wird auf 20 Tage festgesetzt.

3. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 5'900.00 und Ausla-
gen von CHF 17'236.60, insgesamt bestimmt auf CHF 23'136.60.

Gebühren der Untersuchung CHF 1’900.00
Gebühren des Gerichts (inkl. schriftl. Begründung) CHF 4’000.00
Total CHF 5’900.00

Auslagen der Untersuchung CHF 6’276.30
Kosten für gerichtliche Gutachten CHF 7’212.50
Entschädigung für Zeugen CHF 40.00
Entschädigung für Sachverständige CHF 2’807.80
Kosten der Staatsanwaltschaft CHF 900.00
Total CHF 17’236.60

Total Verfahrenskosten CHF 23’136.60

Die Gebühren setzen sich zusammen aus:

Die Auslagen setzen sich zusammen aus:

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 1’000.00. Die re-
duzierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 22'136.60.

[Eröffnungsformel]

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2. Berufung

Mit Eingabe vom 20. August 2021 meldete Rechtsanwalt B.________ namens und 
auftrags der Beschuldigten gegen dieses Urteil fristgerecht Berufung an (pag. 487). 
Die Berufungserklärung datiert vom 6. Januar 2022 und ging ebenfalls innert Frist 
am 10. Januar 2022 beim Obergericht des Kantons Bern ein (pag. 543 ff.). 

Die Generalstaatsanwaltschaft teilte mit Eingabe vom 27. Januar 2022 mit, dass auf 
die Erklärung einer Anschlussberufung verzichtet und auch keine Nichteintretens-
gründe in Bezug auf die Berufung der Beschuldigten geltend gemacht würden (pag. 
595 ff.).

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Die Verteidigung stellte mit Berufungserklärung vom 6. Januar 2022 die begründeten 
Beweisanträge, es seien die Akten über den Gesundheitszustand von †D.________ 
beizuziehen und E.________, F.________ (Funktion) bei der T.________ AG, sei 
oberinstanzlich als Zeuge einzuvernehmen (pag. 544). Mit Eingabe vom 27. Januar 
2022 beantragte die Generalstaatsanwaltschaft die Abweisung der Beweisanträge 
(pag. 596). Die Kammer wies die Beweisanträge mit begründetem Beschluss vom 3. 
März 2022 ab (pag. 598 ff.). Mit Eingabe vom 14. März 2022 beantragte die Vertei-
digung begründet, der Gutachter solle vor Gericht eine Erläuterung seines Gutach-
tens abgeben können (pag. 604 f.). Nach Einlangen der Stellungnahme der Gene-
ralstaatsanwaltschaft vom 28. März 2022 mit Antrag auf Abweisung (pag. 610) wies 
die Kammer den Beweisantrag mit begründetem Beschluss vom 13. April 2022 ab 
(pag. 616 f.). 

Im Hinblick auf die oberinstanzliche Verhandlung wurden von Amtes wegen über die 
Beschuldigte ein Bericht über die wirtschaftlichen Verhältnisse, datierend vom 27. 
September 2022 (pag. 636 ff.), sowie ein aktueller Strafregisterauszug, datierend 
vom 3. Oktober 2022 (pag. 694), eingeholt. Schliesslich wurde die Beschuldigte an-
lässlich der Berufungsverhandlung vom 13. Oktober 2022 (pag. 704 ff.) erneut zur 
Person und zur Sache einvernommen.

4. Anträge der Parteien

Rechtsanwalt B.________ beantragte in der oberinstanzlichen Verhandlung für die 
Beschuldigte, sie sei von Schuld und Strafe freizusprechen, unter Kosten- und Ent-
schädigungsfolgen inkl. Mehrwertsteuer zu Lasten des Staates (pag. 715).

Staatsanwältin G.________ stellte für die Generalstaatsanwaltschaft anlässlich der 
oberinstanzlichen Verhandlung vom 13. Oktober 2022 folgende Anträge (pag. 718 
f., Hervorhebungen im Original):

«A.________ sei schuldig zu erklären: 

der fahrlässigen Tötung, begangen am 29. November 2018 in C.________(Ortschaft) z. N. von 
D.________ sel. 

und sie sei in Anwendung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen 

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zu verurteilen:

1. zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu CHF 110.00, unter Gewährung des bedingten Voll-
zugs bei einer Probezeit von 2 Jahren; 

2. zu einer Verbindungsbusse von CHF 2'200.00; 
3. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine angemessene Ge-

bühr gemäss Art. 21 VKD).»

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Die Beschuldigte hat das erstinstanzliche Urteil mit Berufungserklärung vom 
6. Januar 2022 vollumfänglich angefochten (pag. 543). Das erstinstanzliche Urteil ist 
somit durch die Kammer gesamthaft neu zu beurteilen.

Dabei verfügt die Kammer über volle Kognition (Art. 398 Abs. 3 StPO). Mangels ei-
genständiger Berufung oder Anschlussberufung der Generalstaatsanwaltschaft darf 
das erstinstanzliche Urteil nicht zum Nachteil der Beschuldigten abgeändert werden 
(Art. 391 Abs. 2 StPO).

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Allgemeine Grundlagen der Beweiswürdigung

Zu den theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung und der Aussagenanalyse 
kann vollumfänglich auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 
495 ff., S. 6 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

7. Vorwurf gemäss Strafbefehl

Der Beschuldigten wird gemäss Strafbefehl vom 27. Februar 2020 (pag. 171 f.), wel-
cher vorliegend als Anklageschrift dient (Art. 356 Abs. 1 StPO), folgender Sachver-
halt vorgeworfen:

«fahrlässiger Tötung

begangen am 29.11.2018, ca. 08.55 Uhr, […] in C.________(Ortschaft), H.________(Strasse).

[…] A.________ fuhr mit ihrem Personenwagen I.________ (Marke und Modell) (PW) in 
C.________(Ortschaft) auf der H.________ (Strasse) in Richtung J.________ (Örtlichkeit). Vor der 
Bushaltestelle «U.________» musste sie aufgrund des vor ihr haltenden Bus' ebenfalls anhalten. Weil 
sie mit ihrem PW ca. auf der Mitte des Fussgängerstreifens zum Stehen kam, hat sie einerseits un-
zulässigerweise auf einem Fussgängerstreifen angehalten (Art. 18 Abs. 2 lit. e VRV: nicht näher als 5 
Meter vor dem Streifen), andererseits hat sie den Mindestabstand von 10 Metern vor Haltestellen öf-
fentlicher Verkehrsbetriebe unterschritten (Art. 18 Abs. 3 VRV), da sie nach ihren Aussagen lediglich 
etwa 2 Meter hinter dem Bus anhielt. Die Beschuldigte übersah sodann die ihr auf dem rechten Trottoir 
an einem Rollator entgegenkommende †D.________, geb. ________, nachdem diese rechts neben 
dem Bus hervorgekommen war und damit für die Beschuldigte sichtbar wurde. Die Geschädigte geriet 
anschliessend mit einem rechten Rad ihres Rollators über den Trottoirrand und stürzte dadurch mit dem 
Rollator vornüber mit ihrer Brust auf die Fahrbahn (Stolpersturz), unmittelbar vor den haltenden PW der 
Beschuldigten. Die Beschuldigte übersah dabei aus unbekannten Gründen auch den Sturz der Geschä-
digten direkt vor ihren PW; sie habe die Geschädigte weder auf dem Trottoir gehend noch während 

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ihres Sturzes bemerkt. Die Beschuldigte fuhr sodann mit ihrem PW wieder an und überrollte zuerst mit 
dem rechten Vorder- und dann mit dem Hinterrad die auf der Strasse liegende Geschädigte im Kopf-
und Schulterbereich. Die Geschädigte verstarb trotz sofort eingeleiteten Reanimationsmassnahmen um 
10.02 Uhr im Notfallzentrum des Spitals V.________. Die entsprechenden Verletzungen, insbesondere 
das massive Brustkorbtrauma mit Bruch der Brustwirbelsäule (mit der Folge eines spinalen Schocks 
mit rasch folgendem Kreislaufstillstand), infolge der zweimaligen Überrollung nach dem Stolpersturz 
waren schlussendlich todesursächlich.

Die Beschuldigte hat damit pflichtwidrig unvorsichtig auf einem Fussgängerstreifen und zu nahe hinter 
dem haltenden Bus bzw. der Bushaltestelle angehalten. An Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel ist 
entsprechend auf ein- und aussteigende Personen Rücksicht zu nehmen (Art. 33 Abs. 3 SVG). Zudem 
handelt es sich am Halteort um eine Bushaltestelle unmittelbar vor einem Spital, wo der Fahrzeugführer 
besonders rücksichtsvoll fahren muss (Art. 47 Abs. 3 SSV). Sie hat zudem pflichtwidrig unvorsichtig die 
ihr entgegenkommende betagte Geschädigte mit ihrem Rollator weder auf dem Trottoir gehend noch 
während ihres Stolpersturzes direkt vor ihr Fahrzeug bemerkt (mangelnde Aufmerksamkeit; ganz all-
gemein ist gegenüber Gebrechlichen und alten Leuten besondere Vorsicht geboten; Art. 26 Abs. 2 
SVG). Das Überrollen mit zwei Autorrädern eines auf der Strasse liegenden Menschen ist nach dem 
gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung ohne weiteres geeignet, den Tod 
eines Menschen herbeizuführen; dies konnte und musste für die Beschuldigte voraussehbar gewesen 
sein. Der Erfolg wäre zudem vermeidbar gewesen, falls sich die Beschuldigte sorgfaltsgemäss verhal-
ten hätte bzw. insbesondere, wenn sie ihre Aufmerksamkeit (auch) auf das Verkehrsgeschehen bzw. 
die betagte Fussgängerin unmittelbar rechts vor ihrem PW gerichtet hätte.»

8. Beweisergebnis der Vorinstanz

Die Vorinstanz erachtete den Sachverhalt gemäss Strafbefehl als erwiesen und ge-
langte im Rahmen ihrer Beweiswürdigung zum Schluss, dass als Todesart von ei-
nem Verkehrsunfall durch Überrollen bzw. einem unnatürlichen Tod und als Todes-
ursache vom massiven Brustkorbtrauma mit Bruch der Brustwirbelsäule auszugehen 
sei. M.a.W. sei der Tod von †D.________ aufgrund des Überrollvorgangs mit den 
Rädern des Autos der Beschuldigten eingetreten. Die Beschuldigte sei mit dem hin-
teren Teil des Autos knapp zur Hälfte auf dem Fussgängerstreifen gestanden und 
habe sich rund 2.5 m hinter dem Bus befunden und habe zwar auf die Fahrbahn und 
den Bus, nicht aber auf das rechts angrenzende Trottoir geschaut. Weiter schloss 
die Vorinstanz, dass †D.________ nicht aus dem Bus ausgestiegen sei und es in 
der unmittelbaren Umgebung kein Schild «Spital» gehabt habe, dafür einen Weg-
weiser «Haupteingang Notfall». †D.________ sei spätestens nach dem Hervorkom-
men hinter dem haltenden Bus bzw. bereits kurz vorher während mehrerer Sekun-
den bis und mit dem Sturz für die Beschuldigte sichtbar gewesen (pag. 517, S. 28 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

9. Oberinstanzliche Vorbringen der Verteidigung

Vorab ist anzumerken, dass die Verteidigung im Rahmen der oberinstanzlichen 
Hauptverhandlung auch rechtliche Ausführungen machte. Ihre Vorbringen werden 
der besseren Übersicht halber bereits an dieser Stelle aufgeführt. Bei der rechtlichen 
Würdigung (vgl. E. III. hiernach) wird darauf verwiesen werden.

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Rechtsanwalt B.________ führte im Rahmen der oberinstanzlichen Verhandlung 
zum medizinischen Sachverhalt im Wesentlichen aus, er wolle zwei Aussagen aus 
dem rechtsmedizinischen Gutachten vom 4. April 2019 hervorheben: «Dabei ist je-
doch anzumerken, dass das Herz von D.________ hochgradig krankhaft verändert 
war und jederzeit einen derartigen Sturz hätte auslösen können (beispielsweise 
durch Herzrhythmusstörungen), ohne dass dies morphologisch zu erkennen wäre.» 
(Verweis auf S. 6 des rechtsmedizinischen Gutachtens) und «Insbesondere der auf-
fallend geringe Blutverlust aus dem Riss der Brustschlagader mahne zur Vorsicht 
bei der Interpretation.» (Verweis auf S. 1 ff. der Stellungnahme von Dr. K.________). 
Gemäss der Vorinstanz sei das Gutachten zwar schlüssig, stimmig und nachvoll-
ziehbar, aber es handle sich um zurückhaltende Ausführungen. Sie erkläre dies da-
mit, dass Dr. K.________ zum Zeitpunkt der Erstellung keine Zeugenaussage zur 
Verfügung gehabt habe. Trotz der Kapazität des mit einem Zweitmeinungsgutachten 
beauftragten Dr. L.________ mache es stutzig, dass er mit zunehmender Verfah-
rensdauer, ohne Teilnahme an der Obduktion und nur aufgrund der Akten, derart viel 
konkretere Schlüsse gezogen habe als Dr. K.________. Dr. L.________ habe über 
die Einvernahmeprotokolle der Zeugen N.________ und M.________ verfügt und in 
seinem Gutachten unbesehen darauf abgestellt. Der Vorinstanz sei zuzustimmen, 
dass die Zeugen stimmig ausgesagt hätten. Aber es sei nicht davon auszugehen, 
dass diese Aussagen geeignet seien, neue Erkenntnisse für ein Gutachten zu ge-
winnen. Denn Zeugenaussagen seien fehleranfällig und die Fehlerfreiheit sei eher 
die Ausnahme als die Regel. Zeugenaussagen seien denn auch nicht auf Lügen be-
schränkt, sondern der überwiegende Teil von fehlerhaften Aussagen würde auf un-
bewussten Irrtümern bspw. auf Fehlern bei der Wiedergabe basieren. Weiter sei 
fraglich, ob Zeugenaussagen von medizinischen Laien hier wirklich geeignet seien. 
Beide Zeugen hätten vorliegend bei einfacher Wahrnehmung ungenaue Aussagen 
gemacht. Der Zeuge N.________ habe ausgesagt, dass er D.________ aus dem 
Bus habe austeigen sehen, obwohl man heute wisse, dass das nicht so gewesen 
sei. Weiter habe der Zeuge M.________ ausgesagt, dass die vorderen Räder des 
Rollators über den Rand geraten seien, der Zeuge N.________ habe geschildert, es 
seien die rechten Räder gewesen. Bei der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme 
habe er dann gesagt, dass es ein Rad vom Rollator gewesen sei. Und betreffend die 
Fahrzeugposition der Beschuldigten habe der Zeuge M.________ zur Protokoll ge-
geben, die Frau habe den Anschein gemacht, dass sie in Richtung Fussgängerstrei-
fen gewollt habe. «Da das Auto noch etwas auf dem Fussgängerstreifen stand, wollte 
die Frau vermutlich etwas vor dem Fussgängerstreifen die Strasse überqueren. Da-
durch stürzte sie mit dem Rollator.» (Verweis auf pag. 44, Z. 29 ff.). Die Unfallend-
stelle mit der Unfallendposition des Opfers zeige, dass das Fahrzeug seiner Klientin 
über den Fussgängerstreifen hinaus gestanden sei. Man frage sich, wo D.________ 
vor dem Auto seiner Klientin hätte durchgehen wollen. 

Die Aussagen der Zeugen betreffend das Aussteigen des Opfers aus dem Bus, das 
Kippen des Rollators und der Endposition des Fahrzeugs der Beschuldigten seien 
alle widersprüchlich. Und jetzt würden die Gutachter auf diese Aussagen abstellen 
und schliesslich auch davon ausgehen, dass das Opfer gestolpert und nicht zusam-
mengebrochen sei. Die Frage, ob gemäss seiner Einschätzung Hinweise auf ein me-

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dizinisches Problem bestanden hätten, habe der Zeuge M.________ derart beant-
wortet, dass er es so nicht sagen könne, eher nein. Der Zeuge N.________ habe mit 
dem Polizisten bei D.________ ein Rezept für ein Mittel gegen Schwindelanfälle ge-
funden und er habe gesagt, er könne nicht sagen, ob das Opfer zusammengesackt 
sei oder nicht. Medizinische Laien könnten ein Stolpern nicht von einem Zusammen-
sacken der Beine unterscheiden, weshalb die Annahme, dass beide Zeugen keine 
Anzeichen für ein medizinisches Problem wahrgenommen hätten, falsch sei, da 
beide ausgesagt hätten, sie könnten es so nicht sagen. Die Vorinstanz gehe aber 
über diese Ungenauigkeiten der Zeugenaussagen hinweg. Ihrer Ansicht nach handle 
sich hierbei um kleinste Details und nicht um eigentliche Widersprüche. Folgerichtig 
könne es nicht sein, dass ein Zweitgutachten sich auf Zeugenaussagen stütze und 
nicht auf medizinische Erkenntnisse. Denn die Würdigung der Zeugenaussagen sei 
einzig dem Gericht vorbehalten. Trotzdem hätten beide Gutachter ausgeführt, dass 
die Zeugenaussagen für ihre Schlussfolgerungen hinsichtlich der Ursache für den 
Sturz massgebend seien. Gestützt auf diese Ausführungen sei einzig auf das Gut-
achten von Dr. K.________ abzustellen, denn dieser habe sich nur auf Sachbeweise 
gestützt, nicht auf Würdigungen von Aussagen. Ferner lasse die Vorinstanz weitere 
wichtige Punkte ausser Acht. D.________ habe in den Jahren 2016 und 2017 wegen 
schwerwiegenden Herzproblemen behandelt werden müssen. Allerdings sei ihr ge-
sundheitlicher Zustand nach 2017 nicht geklärt. Dr. L.________ gehe freimütig da-
von aus, dass sich ihr Zustand anschliessend deutlich gebessert habe, was reine 
Spekulation sei. Es sei zu bezweifeln, dass sich ein Gesundheitszustand angesichts 
der multiplen Vorerkrankungen deutlich verbessern könne. Leide man in diesem Al-
ter an einer schweren Herzkrankheit, gehe das nicht einfach so weg. Im Austrittsbe-
richt stehe, dass D.________ bereits im Jahre 2015 einen Stolpersturz erlitten habe. 
Man könne somit ohne Willkür von einem Sturz aufgrund einer Fehlfunktion des Her-
zens ausgehen. Gemäss Dr. L.________ könne ein Stolpern mit anschliessendem 
Sturz zu Boden zu einem tödlichen Kopfanprall führen, was als Unfalltod zu werten 
sei. Überdies gelte zu berücksichtigen, dass D.________ am Rollator gegangen sei 
und sich habe abstützen müssen. Dementsprechend sehe ein Zusammenbrechen 
ganz anders aus. Da sie am Rollator nach vorne übergebeugt gewesen sei, sei nicht 
möglich, dies von einem Sturz zu unterscheiden.

Zur Position des Fahrzeugs und zur Blickrichtung merkte die Verteidigung an, dies-
bezüglich herrsche Verwirrung. Der Zeuge M.________ habe angegeben, das Fahr-
zeug habe ca. 1 Meter auf dem Fussgängerstreifen gestanden. Anlässlich der Haupt-
verhandlung habe er gesagt, das Auto sei etwa zur Hälfte mit der Motorhaube auf 
dem Fussgängerstreifen gewesen. Der Zeuge N.________ habe der Polizei gegenü-
ber ausgesagt, das Fahrzeug sei bis zur Hälfte auf dem Fussgängerstreifen gewe-
sen. Vor der Staatsanwaltschaft und an der Hauptverhandlung habe er sich dann 
nicht mehr erinnern können. Die Vorinstanz habe hierzu festgehalten, dass aufgrund 
der Aussagen der Zeugen nicht gänzlich klar sei, ob das Fahrzeug der Beschuldigten 
mit dem vorderen oder hinteren Teil auf dem Fussgängerstreifen gestanden habe. 
Aus den Aussagen ergebe sich aber, dass die Beschuldigte so oder anders mit dem 
Fahrzeug auf dem Fussgängerstreifen gestanden sei. Ein solches Vorgehen der Vor-
instanz gehe beim besten Willen nicht. Entweder sei der Sachverhalt erstellt und es 
bestehe Klarheit darüber, wo das Fahrzeug gestanden habe, oder es sei eben nicht 

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klar. Da die genaue Position nicht habe geklärt werden können, seien alle darauf 
basierenden Feststellungen der Vorinstanz unzulässig. Man könne nur spekulieren, 
ob D.________ die Strasse vor oder hinter dem Fussgängerstreifen habe überque-
ren wollen. Bei Fussgängerstreifen bestehe gegenüber Fussgängern die Pflicht einer 
erhöhten Aufmerksamkeit, aber die Vorinstanz verkenne, dass der Fussgängerstrei-
fen hinter dem Fahrzeug seiner Klientin gewesen sei, weshalb dieser Grundsatz vor-
liegend nicht relevant sei. Somit sei auch die Möglichkeit eines allfälligen Fehlverhal-
tens eines Fussgängers nicht in unmittelbare Nähe gerückt. Seine Klientin habe sich 
vielmehr darauf verlassen können, dass keine Fussgänger die Strasse überquerten. 
Das Verhalten des Opfers sei derart aussergewöhnlich gewesen, dass sie nicht da-
mit habe rechnen müssen. Es hätten auch keine Anzeichen dafür bestanden, dass 
D.________ überraschend auf die Strasse treten werde. Rechtsanwalt B.________ 
verweist auf das Urteil des Bundesgerichts 6B_429/2015 E. 1.2. Seine Klientin habe 
ausgesagt, sie habe nach vorne geschaut und auch auf dem Trottoir habe sie 
D.________ nicht gesehen. Die Vorinstanz habe gefolgert, dass es sich bei dieser 
Aussage um eine Schutzbehauptung handle. Bei den Zeugen allerdings habe man 
über Ungenauigkeiten hinweggeschaut und jetzt bei diesen Aussagen betreibe die 
Vorinstanz Wortklauberei. Es sei logisch, dass die Beschuldigte auch aufs Trottoir 
geschaut habe. Sie habe keinen Tunnelblick, sondern ein Gesichtsfeld von 200%. 
Das heisse, dass sie das Trottoir auch im Blick gehabt habe. Sie sei nicht abgelenkt 
gewesen und habe ihren Blick nach vorne gerichtet. Weiter verkenne die Vorinstanz, 
dass das Bundesgericht verlange, dass Fahrzeugführer ihre Aufmerksamkeit in ers-
ter Linie auf Gefahren und sekundär auf abwegige Verhaltensweisen zu richten hät-
ten. Das Bundesgericht verlange vom Automobilsten nicht, zu sehen, was schwer 
oder gar nicht sichtbar sei. Rechtsanwalt B.________ verweist auf BGE 122 IV 225 
E. 2c. 

Zum Gutachten T.________ führte die Verteidigung schliesslich aus, dieses äussere 
sich insbesondere zur Sichtbarkeit. Der UTD habe ausgeführt, durch ein Abwenden 
der Aufmerksamkeit sei ein Übersehen des Unfallopfers möglich. Die Vorinstanz 
habe dazu festgehalten, dass die Zeugen N.________ und M.________ D.________ 
über einen gewissen Zeitraum gesehen hätten, weshalb dies seine Klientin auch 
musste. Dabei werde verkannt, dass M.________ und N.________ weiter entfernt 
gewesen seien, höher oben gesessen und ein Fahrzeug ohne Motorhaube gehabt 
hätten. Aus diesen Erkenntnissen könne man unmöglich ableiten, dass die Beschul-
digte D.________ ebenfalls habe sehen müssen. Die Vorinstanz mache es sich ein-
fach, wenn sie ausführe, dass das Gutachten eine Parteibehauptung sei und nicht 
unabhängig und unparteiisch. Trotzdem würden den Schlussfolgerungen aus dem 
Gutachten gefolgt, soweit diese die Argumentationslinie des Gerichts stütze. Aber 
die Ausführungen des Gutachtens zur A-Säule seien dann als nicht nachvollziehbar 
abgetan worden. Rechtsanwalt B.________ fügt an, ein privater gutachterlichen Bei-
zug wäre nicht notwendig gewesen, wenn der UTD einen 3D-Scan gemacht hätte 
und eine Unfallrekonstruktion oder ein Augenschein durchgeführt worden wäre. 
Stattdessen habe die Vorinstanz fragwürdige, eigene Berechnungen getätigt und 
festgehalten, dass die Zeitdauer zwischen dem Sichtbarwerden von D.________ 
und dem Sturz eher kurz gewesen sei. Die Vorinstanz versteigere sich in Spekulati-
onen, das notwendige Fachwissen gehe ihr ab. Damit werde auch der Grundsatz in 

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dubio pro reo verletzt. Das Gutachten des T.________ sei kein Gefälligkeitsgutach-
ten. Bei dieser Firma handle es sich um eine der Kompetentesten auf diesem Gebiet. 
Deshalb sei sie auch bereits mehrfach für den Kanton Bern tätig gewesen. Das Gut-
achten sei formal und inhaltlich korrekt und entsprechen einem gerichtlichen Gut-
achten. Würden erfahrene Gutachter privat beauftragt und seien dagegen keine Ein-
wände zu erheben, könne ohne Weiteres darauf abgestellt werden. Entweder müsse 
vollumfänglich auf das Gutachten abgestellt werden, aus dem sich klar ergebe, dass 
die Beschuldigte D.________ im Moment des Sturzes nicht gesehen habe. Oder 
aber es müsse festgestellt werden, dass die Position nicht ermittelt und damit auch 
nicht gesagt werden könne, dass D.________ vorher sichtbar gewesen sei. Nach 
diesen Ausführungen habe die Vorinstanz zu Unrecht auf eine Sorgfaltspflichtverlet-
zung erkannt (vgl. zum Ganzen pag. 715 ff.; pag. 723).

10. Oberinstanzliche Vorbringen der Generalstaatsanwaltschaft

Im Rahmen des oberinstanzlichen Parteivortrags führte Staatsanwältin G.________ 
zusammengefasst aus, der Beschuldigten werde zunächst vorgeworfen, dass sie un-
zulässigerweise auf dem Fussgängerstreifen angehalten habe. Zuerst habe dies die 
Beschuldigte bestritten, dann angegeben, etwa 2 Meter Abstand zum Bus gehabt zu 
haben, was allerdings mit ihrer Angabe zum Halt vor oder nach dem Fussgänger-
streifen nicht aufgehe. Mit dieser Aussage setze sich Verteidigung nicht auseinan-
der, sondern halte einfach fest, die Beschuldigte habe nach dem Fussgängerstreifen 
angehalten. Weiter sei die Schlussfolgerung der Vorinstanz hinsichtlich der Haltepo-
sition des Fahrzeugs der Beschuldigten nicht ganz richtig. Dass das Fahrzeug mit 
dem hinteren Teil auf dem Fussgängerstreifen gestanden habe, widerspreche den 
Aussagen des Zeugen M.________ anlässlich der Hauptverhandlung, der klar ge-
sagt habe, das Fahrzeug sei mit der Kühlerhaube auf dem Fussgängerstreifen ge-
standen. Die Verteidigung habe zu dieser Aussage behauptet, sie sei falsch. Beide 
Zeugen hätten in ihren ersten Aussagen klar ausgesagt, das Fahrzeug sei «bis» zur 
Hälfte auf dem Fussgängerstreifen gestanden. Dies impliziere nach normalem 
Sprachgebrauch, dass das Fahrzeug in Fahrtrichtung bis zur Hälfte auf dem Fuss-
gängerstreifen gewesen sei. Hätte das hintere Teil auf dem Fussgängerstreifen ge-
standen, sei zu erwarten, dass die Zeugen ausgesagt hätten, das Fahrzeug sei 
«noch» mit der Hälfte darauf gestanden. Staatsanwältin G.________ führte weiter 
aus, sie hege Zweifel am Privatgutachten, denn die konkrete Fragestellung gehe 
daraus nicht hervor. Gemäss Gutachten spreche gegen die Variante 02, dass die 
Beschuldigte D.________ bis zu ihrem Sturz hätte sehen sollen und sie ihr hätte 
auffallen müssen. Es könne aber nicht die Unschuld vorausgesetzt und deshalb ge-
sagt werden, diese Variante könne nicht in Betracht kommen. Zudem führe das Gut-
achten aus, bei der Variante 02 hätte der Zeuge M.________ D.________ nicht se-
hen können. Ob der Zeuge M.________ sie gesehen habe, hänge vor allem von der 
Distanz seines Fahrzeugs ab, denn für die Sichtbarkeit sei der Winkel entscheidend 
und zur Positionierung des hinteren Fahrzeuges habe man nur wenige Angaben. 
Würde in der Gesamtbetrachtung das Fahrzeug M.________ etwas nach hinten ver-
schoben, könne man wieder gut nach vorne sehen. Dann hätte es auch kein Argu-
ment gegen die Variante 02 gegeben. Die Schlussfolgerungen des Privatgutachtens 
würden, abgesehen von dessen eingeschränkten Beweiswerts, nicht ausreichen, um 

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die Zeugenaussagen in Zweifel zu ziehen. Anders als die Vorinstanz und basierend 
auf den Zeugenaussagen sei etwa von einer Position wie in der Variante 02 darge-
stellt auszugehen. Nur so würden auch die Zeugenaussagen Sinn machen, wonach 
die Geschädigte vor dem Fussgängerstreifen eingebogen sei, da die Beschuldigte 
noch auf dem Fussgängerstreifen gestanden habe. D.________ habe den Ort ge-
kannt. Wäre das Fahrzeug der Beschuldigten näher gestanden, hätte sie nicht dort 
über die Strasse gewollt. Gehe man von der Variante 02 aus, dann hätte die Be-
schuldigte D.________ während mehreren Sekunden gesehen, zudem habe sich 
D.________ wegen ihrer eingeschränkten Mobilität nur langsam vorwärts bewegt. 
Es habe sich jedenfalls um hinreichend Zeit gehandelt, um die Geschädigte zu se-
hen, sofern man die Aufmerksamkeit auf das Trottoir und das Geschehen gelegt 
habe. Staatsanwältin G.________ fügte an, den Standort des Autos der Beschuldig-
ten müsse nicht genau bestimmt werden. Relevant sei, dass die Beschuldigte 
D.________ hätte sehen können, wenn sie dort gestanden hätte, wo sie hätte stehen 
müssen und dies wisse man. Und man wisse sogar, dass sie D.________ hätte se-
hen können, wenn sie vor und sogar, wenn sie mit dem Heck auf dem Fussgänger-
streifen gewesen wäre. 

Auf die Aussagen der Beschuldigten zu dieser Frage könne nicht wirklich abgestellt 
werden. Sie habe wenig Konkretes ausgesagt, heute gar nichts. Anlässlich der heu-
tigen Einvernahme habe sie zudem im Widerspruch zu den ersten Aussagen gesagt, 
sie habe ein Rumpeln festgestellt. Auch heute habe die Beschuldigte zu Protokoll 
gegeben, sie sei nicht pressiert gewesen, sie sei immer früh dran. Man wisse nicht, 
ob die Beschuldigte pressiert gewesen sei, aber früh losgefahren sei sie sicher nicht, 
da sie nachweislich kurz vor Arbeitsbeginn noch nicht vor Ort gewesen sei. Zudem 
stelle sich die Beschuldigte als Opfer dar. Anders als sie vorbringe, werde ihr dies-
bezüglich nicht vorgeworfen, dass sie den Kontakt mit den Angehörigen nicht ge-
sucht habe. Vielmehr habe sie das Verständnis nicht aufbringen können, wer in die-
sem Verfahren das Opfer sei. Wenn die Beschuldigte aussage, sie habe einen Ab-
stand bis zu 2 Meter zum Bus gehabt, dann ergebe sich aus diesen Ausführungen 
bildlich, dass sie zu nahe am Bus gewesen sei. Wie ausgeführt, sei nicht nachvoll-
ziehbar, wie die Beschuldigte D.________ habe übersehen können. Zwar sei nicht 
auszuschliessen, dass beide Zeugen einen besseren Winkel gehabt haben, aber sie 
seien weit entfernt gewesen und hätten auch noch das Auto der Beschuldigten im 
Weg gehabt. Sie hätten sie zudem nicht nur gesehen, sondern sofort ihre Aufmerk-
samkeit auf D.________ gerichtet. Gemäss Art. 26 Abs. 2 SVG werde bei älteren 
und gebrechlichen Personen besondere Aufmerksamkeit gefordert. Deshalb sei 
keine Berufung auf den Vertrauensgrundsatz möglich. Aufgrund der besonderen 
Verkehrslage im Bereich einer Haltestelle, eines Spitals und eines Fussgängerstrei-
fens hätte die Beschuldigte besonders aufmerksam sein und ihren Blick schweifen 
lassen müssen. Sie habe auf den Bus und die Fahrbahn geschaut, obwohl der Ver-
kehr keine besondere Aufmerksamkeit bedingt habe. Hätte die Beschuldigte die ge-
setzlichen Vorschriften eingehalten, hätte sich der Unfall nicht ereignet. D.________ 
hätte nicht zu früh einschwenken müssen. Auch aus der Grösse ihres Fahrzeugs 
könne die Beschuldigte nichts zu ihren Gunsten ableiten. Aufgrund der Sichtein-
schränkung hätte sie vielmehr noch eine höhere Aufmerksamkeit haben müssen. 

11

Bestritten werde schliesslich, dass das Fahrmanöver der Beschuldigten auch ur-
sächlich für den Erfolgseintritt gewesen sei. Dies ergebe sich aber bereits aus dem 
ersten rechtsmedizinischen Gutachten. Zwar habe dieses den Hinweis enthalten, 
dass auch eine innere natürliche Ursache zum Sturz hätte führen können, aber es 
sei nicht klar, ob ein derartiger Hinweis für mehr als rein theoretische Zweifel genüge. 
Hierzu gelte es die genaue Formulierung zum Tod und dann zum Sturz zu betrach-
ten: «Deshalb kann die Todesart aus rechtsmedizinischer Sicht letztlich nicht zwei-
felsfrei benannt werden, da ein natürliches inneres Geschehen, das den Tod nach 
dem Sturz auf die Fahrbahn auch ohne Überrollung hätte nach sich ziehen können, 
denkbar bleibt.» Diese Ausführungen würden somit nicht die Todesursache durch 
das Überrollen in Zweifel ziehen, sondern offenlassen, dass ein inneres Geschehen 
den Sturz verursacht habe, da dem Gutachter die Aussagen der Zeugen nicht zur 
Verfügung gestanden habe. Der Umstand allein, dass andere Gebrechen innert na-
her Zeit zum Tode führen könnten, hindere die strafrechtliche Zuteilung nicht. Sogar 
wenn der Verteidigung zugestanden werde, dass das Gutachten in diesem Punkt 
nicht eindeutig formuliert sei, könne spätestens nach Vorliegen sämtlicher Gutachten 
und den Aussagen der Gutachter kein vernünftiger Zweifel mehr bleiben. Beide Zeu-
gen hätten den Vorfall klar und unmissverständlich geschildert. Insbesondere falle 
auf, dass die Abläufe detailliert geschildert würden, so dass Objektives ineinander 
passe. Nicht nur der Sturz, sondern auch der Grund dafür werde beschrieben. Den 
Aussagen seien auch keine Aggravationen oder Belastungen der Beschuldigten zu 
entnehmen. Ferner hätten beide geschildert, dass zuerst die Räder abgegangen 
seien, dann habe sie das Gleichgewicht verloren. Wenn die Zeugen gesehen hätten, 
das D.________ getaumelt und dann in sich zusammengefallen wäre, hätten sie dies 
anders geschildert. Der Einwand der Verteidigung mit den medizinischen Laien ver-
fange nicht, denn man müsse keine solche Ausbildung haben, um sehen zu können, 
ob die Körperspannung aufhöre oder ob jemand stürze. Auch die Gutachter hätten 
festgehalten, dass dies sehr anders aussehe. Es gebe keinen Grund, an den Aus-
sagen der Zeugen zu zweifeln. Ob der Sturz letztlich auch mit den am Rollator an-
gehängten Taschen im Zusammenhang gestanden habe, tue nichts zur Sache. Auch 
seien die kleinen Unterschiede in den Aussagen, ob D.________ nun mit einem oder 
zwei Räder über dem Randstein gewesen sei, nicht erheblich. Dies sei schon wegen 
der unterschiedlichen Perspektiven nicht zwingend erkennbar gewesen. Da das Op-
fer umgefallen sei, seien die Räder auch in der Luft gewesen. Es sei von einem 
Stolpersturz auszugehen und damit auf die klaren Feststellungen des Gutachtens zu 
verweisen. Auch könne der Sturz als Todesursache ausgeschlossen werden, denn 
wenn dem so wäre, müsse man eine entsprechende Verletzung haben, was nicht 
vorliege. Prof. L.________ habe gar ausgeführt, dass für ihn auch ohne die Zeugen-
aussagen ein Herztod nicht in Frage gekommen sei. Auch insofern gehe die Argu-
mentation der Verteidigung, das Gutachten hätte sich nicht an Zeugenaussagen hal-
ten dürfen, fehl. Die Verteidigung lege nicht dar, inwiefern die Gutachter die Zeugen-
aussagen falsch eingebracht hätten. Es handle sich um grundsätzliche Zweifel ge-
gen die beiden Zeugen und diese seien hier nicht relevant. Wie ausgeführt, gebe es 
nur übereinstimmende Aussagen und es seien im Übrigen Beschreibungen, die 
keine Fehlinterpretation zuliessen (vgl. zum Ganzen pag. 719 ff.). 

12

11. Unbestrittener/bestrittener Sachverhalt

Wie bereits die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, wird der äussere Sachverhalt 
von der Beschuldigten im Wesentlichen nicht bestritten. Hierfür kann auf die korrek-
ten Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 496 f., S. 9 f. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung). Ergänzend ist zudem festzuhalten, dass die örtli-
chen Gegebenheiten ebenfalls nicht bestritten werden. Namentlich befand sich vor 
der Bushaltestelle in Fahrtrichtung der Beschuldigten ein Fussgängerstreifen und 
das Ganze trug sich im Bereich des Spitals V.________ zu. Ebenfalls stellte die Be-
schuldigte nicht in Abrede, ortskundig gewesen zu sein. Unstrittig ist schliesslich, 
dass die Beschuldigte die ihr auf dem rechten Trottoir an einem Rollator entgegen-
kommende †D.________ nicht sah. Einzig ist die Ausführung der Vorinstanz, das 
Opfer sei unbestrittenermassen um 10:02 Uhr im Spital V.________ verstorben, zu 
präzisieren. 

So ist bestritten, dass †D.________ um 10:02 Uhr im Spital V.________ verstarb. 
Diesbezüglich macht die Verteidigung geltend, das Opfer könnte bereits beim Über-
rollen nicht mehr gelebt haben. Demnach wird seitens der Beschuldigten auch obe-
rinstanzlich die Todesart (unnatürlicher Tod bzw. Verkehrsunfall) und die Todesur-
sache (massives Brustkorbtrauma mit Bruch der Brustwirbelsäule infolge zweimali-
ger Überrollung durch die Autoräder) bestritten. Zudem sind die Sachverhaltsele-
mente, welche die Sorgfaltspflichtverletzungen begründen sollen, zu prüfen: Die 
mangelnde Aufmerksamkeit der Beschuldigten, die Position ihres Autos auf dem 
Fussgängerstreifen bzw. der Abstand ihres Autos zum Bus bzw. der Bushaltestelle, 
das Aussteigen von †D.________ aus dem Bus und das Vorhandensein eines Si-
gnals «Spital». Ferner wird von der Beschuldigten bestritten, dass †D.________ für 
sie sichtbar war bzw. sie sie hätte sehen können.

12. Beweismittel

12.1 Vorbemerkungen

Die Vorinstanz hat die zur Verfügung stehenden Beweismittel je Beweisthema 
vollständig aufgeführt und gab diese korrekt und sorgfältig zusammengefasst wieder. 
Darauf wird im Rahmen der nachfolgenden Würdigung integral verwiesen und wo 
nötig Ergänzungen angebracht. 

12.2 Objektive und subjektive Beweismittel

Der Kammer liegen zur Beurteilung des angeklagten Sachverhalts im Wesentlichen 
folgende objektive Beweismittel vor: Der Anzeigerapport vom 3. Januar 2019 inklu-
sive Unfallaufnahmeprotokoll (pag. 2 ff.), die Dokumentation des Unfalltechnischen 
Dienstes der Kantonspolizei Bern (nachfolgend UTD) vom 19. Dezember 2018 in-
klusive Fotodossier (pag. 16 ff.), eine Aktennotiz der Staatsanwaltschaft Region 
Emmental-Oberaargau vom 7. August 2019 (pag. 38), der Situationsplan des UTD 
mit Massstab 1:100 (pag. 40 f.), der Bericht zur Legalinspektion des Instituts für 
Rechtsmedizin (nachfolgend IRM) vom 25. Februar 2019 (pag. 72 ff.), der Austritts-
bericht des Spitals V.________ vom 29. November 2018 (pag. 114 ff.), die Spitalak-
ten von †D.________ des Spitals V.________ (pag. 286 ff.), das rechtsmedizinische 
Gutachten des IRM vom 4. April 2019 (pag. 80 ff.) und das Ergänzungsgutachten 

13

vom 31. Oktober 2019 (pag. 106 f.), das rechtsmedizinische Zweitmeinungsgutach-
ten vom 26. Oktober 2010 [recte: 2020] (pag. 317 ff.) und das Ergänzungsgutachten 
vom 22. Dezember 2020 (pag. 361 ff.). Im Rahmen der Frist der Vorinstanz zur Stel-
lung von Beweisanträgen reichte die Verteidigung der Beschuldigten das Verkehrs-
technische Gutachten der T.________ AG (nachfolgend T.________) vom 30. Juni 
2020 (pag. 231 ff.) als Parteigutachten ein. 

Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, war eine abschliessende Klärung der To-
desart und Todesursache durch eine Legalinspektion nicht möglich (pag. 78). Viel-
mehr sind hierzu das von Prof. Dr. med. K.________ erstellte rechtsmedizinische 
Gutachten vom 4. April 2019 und das Ergänzungsgutachten vom 31. Oktober 2019 
sowie das rechtsmedizinische Zweitmeinungsgutachten vom 26. Oktober 2010 
[recte: 2020] von Prof. em. Dr. med L.________ und das Ergänzungsgutachten vom 
22. Dezember 2020 heranzuziehen. Die Gutachten sind auch nach Ansicht der Kam-
mer vollständig, schlüssig und nachvollziehbar, weshalb vorliegend auf diese abge-
stellt wird. Auch die Verteidigung brachte weder erst- noch oberinstanzlich etwas 
Gegenteiliges vor. Es ist im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung konkret 
auf deren Inhalte einzugehen und im Besonderen auch die erstinstanzlichen Aussa-
gen der Gutachter zu würdigen (vgl. E. 13. hiernach).

Der Kammer liegen als subjektive Beweismittel die Aussagen von M.________ (de-
legierte Einvernahme als Auskunftsperson vom 4. Dezember 2018 [pag. 43 ff.]; Ein-
vernahme als Zeuge an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 12. August 
2021 [pag. 414 ff.]) und N.________ (gemäss Unfallaufnahmeprotokoll als Aus-
kunftsperson am 29. November 2018 [pag. 47]; staatsanwaltschaftliche Einver-
nahme als Zeuge vom 20. Januar 2020 [pag. 149 ff.] und anlässlich der erstinstanz-
lichen Hauptverhandlung vom 12. August 2021 [pag. 417 ff.]), der Sachverständigen 
anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 12. August 2021 Prof. Dr. 
med. K.________ (pag. 421 ff.) und Prof. em. Dr. med. L.________ (pag. 426 ff.) 
sowie die Aussagen der Beschuldigten (delegierte Einvernahme vom 5. Dezember 
2018 [pag. 54 ff.], staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 27. Juni 2019 [pag. 56 
ff.], anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 12. Dezember 2021 
[pag. 429 ff.] und der Berufungsverhandlung vom 14. Oktober 2022 [pag. 704 ff.]) 
vor. 

Auf die Aussagen wird, soweit notwendig, im Rahmen der nachfolgenden Beweis-
würdigung näher eingegangen. Dies gilt auch für die Aussagen der Beschuldigten 
anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung.

13. Würdigung durch die Kammer

13.1 Vorab sind die Aussagen der Zeugen des Vorfalles, N.________ und M.________, 
zu würdigen. Hierfür kann vorab auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz 
verwiesen werden (pag. 503 ff., S. 14 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Zunächst ist festzuhalten, dass die Zeugen M.________ und N.________ in einem «Lieferwägeli» di-
rekt hinter der Beschuldigten fuhren bzw. anhielten (p. 44 Z. 23, p. 47, p. 50 Z. 42 f., p. 417 Z. 26, p. 
414 Z. 24 f., p. 415 Z. 1 ff.). Der Zeuge M.________ führte in der delegierten Einvernahme vom 
04.12.2018 zum Sturz des Opfers aus, dass das Opfer mit seinem Rollator in Richtung Fussgänger-
streifen gelaufen sei. Es habe sich leicht nach rechts abgedreht und habe den Anschein gemacht, dass 

14

es in Richtung Fussgänger gewollt habe. Das Opfer habe vermutlich etwas vor dem Fussgängerstreifen 
die Strasse überqueren wollen, da das Auto noch etwas auf dem Fussgängerstreifen gestanden sei. 
Dadurch sei es mit dem Rollator gestürzt. Er habe gesehen, wie das Opfer umgefallen sei. Die vorderen 
Räder des Rollators seien über den Bordstein gefahren und deshalb sei das Opfer auf die Strasse 
gefallen (p. 44 Z. 27 ff.). In der Hauptverhandlung sagte er gleichbleibend aus: Das Opfer habe wohl 
über den Fussgängerstreifen gehen wollen. Dadurch sei es irgendwie so runtergefallen, vom Trottoir 
«oben abe» (p. 414 Z. 27 f.). Da das Fahrzeug der Beschuldigten etwa halb auf dem Fussgängerstreifen 
gewesen sei, habe das Opfer wohl etwas versetzt über den Fussgängerstreifen gehen wollen. Weil dort 
ein grösserer Absatz des Steins gewesen sei, sei es «drüberus gheit» (p. 415 Z. 9 ff.). Das Opfer sei 
über die erhöhte Randsteinkante gestürzt (p. 415 Z. 21). Auf Frage nach dem Grund führte er aus, aus 
seiner Sicht sei der Sturz erfolgt, weil das Opfer nicht gewartet habe «für über den Fussgängerstreifen» 
und rüber gewollt habe, und es nicht gesehen habe, dass ein Absatz des Trottoirs gewesen sei (p. 415 
Z. 25 ff.). Genau gesehen habe er es nicht, weil das Fahrzeug der Beschuldigten vor ihnen gewesen 
sei. Das sei seine Annahme, dass die vorderen Räder über die Kante gegangen seien und das Opfer 
deshalb gestürzt sei (p. 415 Z. 29 ff.). Auf Frage, ob Hinweise auf ein medizinisches Problem beim 
Opfer bestanden hätten, sagte er, das könnte er jetzt so nicht sagen. Eher nein (p. 415 Z. 35 ff.). Aus 
seiner Wahrnehmung sei das Opfer gestürzt und nicht zusammengebrochen (p. 416 Z. 29).

Auch der Zeuge N.________ gab am Tag des Vorfalls gegenüber der Polizei zu Protokoll, er habe 
gesehen, wie die Räder der rechten Seite des Rollators vom Gehsteig auf die Strasse gekippt seien 
und das Opfer das Gleichgewicht verloren habe und auf die Strasse gefallen sei (p. 47). Er führte so-
dann in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 20.01.2020 aus, das Opfer sei gegen sie, d.h. 
vom Bus weg, gelaufen. Er habe gesehen, wie das Opfer mit einem Rad vom Rollator über den Trot-
toirrand «überus» gekippt und vor das vor ihnen stehende Auto auf die Strasse gefallen sei (p. 50 Z. 45 
ff.). Auf erneute Frage nach dem Auslöser des Sturzes äusserte er sich gleichbleibend: Das Opfer sei 
mit dem Rollator über den Trottoirrand «kippet» (p. 52 Z. 101 ff.). Vom Verhalten her habe er nichts 
Spezielles beim Opfer festgestellt. Es sei so gelaufen, wie man halt mit einem Rollator laufe (p. 52 Z. 
107 f.). In der Hauptverhandlung äusserte er gleichbleibend, dass das Opfer mit dem Rollator mit dem 
Rad über den Trottoirrand «us gfahre» und vor das Auto der Beschuldigten gestürzt sei (p. 417 Z. 28 
ff.). Das Opfer sei mit dem grösseren Rad über das Trottoir hinaus gefahren (p. 418 Z. 16). Auf Frage, 
was der Grund für den Sturz gewesen sei, erklärte er, dass das Opfer mit dem Rollator über den Trot-
toirrand «us» gefahren sei. Die Tasche sei für ihn auch ein «Bitz» ein Grund gewesen, weshalb das 
Opfer den Trottoirrand nicht gesehen habe (p. 418 Z. 24 ff.). Er verneinte grundsätzlich, dass es Hin-
weise für ein medizinisches Problem gegeben habe. Der Kantonspolizist habe ein Rezept eines Mittels 
gegen Schwindelanfälle beim Opfer gefunden. Sie hätten einander dann angeschaut. Darum komme 
man auf solche Gedanken. Nicht, dass er das optisch festgestellt hätte (p. 418 Z. 31 ff.). Für ihn sei es 
ein Unfall gewesen. Ob es einen medizinischen Grund für dieses Schwenken gegeben habe, habe er 
nicht bemerkt oder nicht sehen können (p. 420 Z. 27 ff.). Auf Frage, ob er beobachtet hätte, dass das 
Opfer in sich zusammengesackt wäre, antwortete er, so nicht eigentlich, das könne er nicht sagen (p. 
420 Z. 33 ff.). 

Insgesamt haben beide Zeugen übereinstimmend und mehrmals geschildert, dass das Opfer mit dem 
Rollator in Richtung Fussgängerstreifen gelaufen und über den Trottoirrand hinausgefahren ist, mithin 
ein Stolpersturz vorlag. Der Zeuge M.________ lieferte dazu eine plausible Erklärung mit der erhöhten 
Randsteinkante. Äusserliche Anzeichen auf ein medizinisches Problem bzw. inneres Geschehen als 
Ursache für den Sturz haben beide Zeugen weder von sich aus noch auf Nachfrage angegeben. Beide 
sprachen von einem Stürzen und nicht einem Zusammenbrechen. Hätten sie etwas Derartiges auch 
nur ansatzweise wahrgenommen, hätten sie das so geschildert. Gestützt auf die Ausführungen der 

15

Gutachter – und entgegen der Ansicht der Verteidigung (p. 442) – wäre dies auch für Laien gut wahr-
nehmbar gewesen: So merkte Prof. em. Dr. med. L.________ an, dass ein Zusammensacken von Be-
obachtern (d.h. auch Laien) erkannt würde (p. 319 f.). Das bestätigte Prof. Dr. med. K.________ an der 
Verhandlung und erklärte, dass ein Zusammensacken am Rollator gleich aussehen würde wie bei einer 
frei gehenden Person (p. 424 Z. 17 ff., p. 425 Z. 5). Die Aussagen von M.________ und N.________ 
betreffend den Sturz des Opfers sind weitgehend übereinstimmend, konstant, logisch-konsistent, de-
tailreich, anschaulich und räumlich-zeitlich verknüpft. Das Gericht erachtet diese Aussagen als glaub-
haft, weshalb darauf abzustellen ist. Zwar gibt es gewisse Ungenauigkeiten – wie von der Verteidigung 
vorgebracht (p. 438 f., p. 442) –, so z.B., ob das Opfer mit einem oder beiden rechten Rädern oder den 
beiden vorderen Rädern über das Trottoir hinausfuhr. Dabei handelt es sich jedoch um kleinste Details 
und nicht um eigentliche Widersprüche, welche nichts an der Glaubhaftigkeit der Aussagen der Zeugen 
ändern. Ausserdem relativierte M.________ betreffend die Räder, dass es sich um eine Annahme sei-
nerseits handle (p. 415 Z. 29 ff.). Solche Ungenauigkeiten finden sich sodann bei Zeugenaussagen 
immer und sind zu erwarten, da diesen ein natürlicher Wahrnehmungsprozess zugrunde liegt. Zudem 
geschah der Sturz plötzlich und unvorhergesehen und die Zeugen hatten unterschiedliche Sichtweisen 
bzw. Blickwinkel zum Opfer. Weiter ist zwischen den verschiedenen Einvernahmen jeweils auch einige 
Zeit vergangen.

Ergänzend ist folgende Aussage von M.________ hervorzuheben: «Nachdem die 
Frau stürzte, fuhr der Bus los. Mein Beifahrer beobachtete die Situation auch und 
stieg aus dem Auto aus, um der Frau zu helfen. Er wollte der Frau helfen, um wieder 
aufzustehen.» (pag. 44, Z. 36 ff.). Der Umstand, dass N.________ ausstieg, um 
†D.________ beim Aufstehen zu helfen, spricht ebenfalls klar dafür, dass die Zeu-
gen von einem Sturz ausgingen, und nicht etwa von einem plötzlichen Zusammen-
bruch. Die Aussagen lassen sich im Übrigen auch mit weiteren Beweismitteln in Ein-
klang bringen. So ist ein weiteres Indiz für einen Sturz aus der Abbildung auf pag. 
24 der Dokumentation des Unfalltechnischen Dienstes der Kantonspolizei Bern 
(nachfolgend UTD) mit den mit e) markierten Stoffasern (vgl. zur Legende pag. 16) 
ersichtlich, welche von den Kleidern des Opfers herstammen. Dass †D.________ 
derart weit nach vorne auf die Strasse fallen konnte, obwohl sie mit dem Rollator 
zweifellos nicht in einem schnellen Tempo unterwegs war, spricht gegen ein Zusam-
menbrechen. Überdies war †D.________ am fraglichen Tag adäquat gekleidet (vgl. 
pag. 74; u.a. einen Wintermantel, ein Wollgilet, eine Wollstrickjacke, einen Rock und 
Unterrock, Strumpfhosen und Stützunterhosen, Wollhandschuhe) und den Akten ist 
nichts zu entnehmen, was auch nur ansatzweise auf eine Verwahrlosung, Verwir-
rung oder ähnliches hindeuten würde. Die Tochter hatte gemäss E-Mail vom 24. 
März 2020 angegeben, sie habe mir ihr gemeinsam die grösseren Einkäufe getätigt, 
die kleineren Einkäufe habe sie unter der Woche selbst erledigt. Am fraglichen Tag 
sei sie im O.________ eine Puppe einkaufen gewesen (pag. 195). Auch Prof. em. 
Dr. med. L.________ gab an, nach der letzten Hospitalisation von †D.________ im 
2017 sei keine ambulante oder stationäre Behandlung in V.________ mehr erfolgt, 
was grundsätzlich dafür spreche, dass die damaligen Massnahmen ihre positiven 
Wirkungen gezeigt hätten. Der gesundheitliche Zustand habe sich somit ohne Zwei-
fel deutlich gebessert (pag. 363). Obwohl †D.________ an Vorerkrankungen litt (vgl. 
pag. 73; pag. 287 ff.), spricht entgegen der Verteidigung nichts für einen schlechten 
Gesundheitszustand am fraglichen Tag. Denn ein theoretisches medizinisches Pro-

16

blem kann im Zusammenhang mit betagten Menschen mit vorbestehenden Erkran-
kungen stets vorgebracht werden, was allerdings nicht dazu führen kann, dass ihnen 
die Opfereigenschaft einer fahrlässigen Tötung in der Folge abgesprochen werden 
müsste. Anders als die Verteidigung vorbringt, sprechen auch die Ungenauigkeiten 
in den Zeugenaussagen nicht gegen deren Glaubhaftigkeit. Hinsichtlich der Räder 
des Rollators (gemäss M.________ seien die vorderen Räder des Rollators über 
dem Bordstein gefahren [pag. 44, Z. 32], N.________ sagte aus, die Räder der rech-
ten Seite des Rollators seien vom Gehweg auf die Strasse gekippt [pag. 47] und 
sprach anlässlich der polizeilichen und erstinstanzlichen Einvernahme von einem 
Rad, das über den Trottoirrand hinausfuhr [pag. 50, Z. 46; pag. 417, Z. 29]), handelt 
es sich um ein kleinstes Detail und die Ungenauigkeit ist sodann erklärbar. Im Rah-
men der Beobachtung einer älteren Dame auf dem Gehsteig wird den Rädern des 
Rollators erfahrungsgemäss nicht im Speziellen Beachtung geschenkt. Dass die 
Aussagen der Zeugen in diesem Punkt nicht genau übereinstimmen, spricht vielmehr 
dafür, dass sie einfach das wiedergaben, was sie jeweils beobachtet hatten. Eine 
identische Aussage würde vielmehr auf eine Absprache hindeuten. Gleiches gilt hin-
sichtlich der Angabe von N.________, wonach das Opfer aus dem Bus gestiegen 
sei (pag. 50, Z. 44 f.; pag. 53, Z. 142; pag. 417, Z. 27 f.; pag. 418, Z. 15). Die Vorin-
stanz nahm gestützt auf die E-Mail der Tochter an, dass sie nicht den Bus genom-
men habe. Aktenkundig ist, dass †D.________ eine Puppe in einem Papiersack bei 
sich hatte, diese wurde so von N.________ gesehen (pag. 53, Z. 132 ff.). Er schil-
derte nach Ansicht der Kammer sehr überzeugend, dass †D.________ aus dem Bus 
ausgestiegen war und die Angaben der Tochter des Opfers vermögen an den Aus-
sagen keine Zweifel zu erwecken. Grundsätzlich wäre es auch denkbar, dass 
†D.________ tatsächlich mit dem Bus zurückkam und über den Fussgängerstreifen 
wollte, um zu sich nach Hause zu gelangen. Es kann letztlich offenbleiben, ob sie 
aus dem Bus stieg oder nicht. Entscheidend ist mit Blick auf die rechtliche Würdigung 
(vgl. E. III. hiernach) einzig, dass sich am Ort des Vorfalls unbestrittenermassen eine 
Busstation befand und †D.________ vom Bus herkommend auf dem Trottoir auf die 
Beschuldigte zulief. Entgegen der Vorinstanz kann auch offengelassen werden, ob 
sich in unmittelbarer Nähe des Unfallortes ein Schild mit dem Hinweis «Spital» be-
fand. Relevant ist in rechtlicher Hinsicht einzig, und dies ist erstellt (vgl. E. 11. hier-
vor), dass die Beschuldigte ortskundig war und wusste, dass sich neben der Bushal-
testelle das Spital V.________ befand.

Weiter würdigte die Vorinstanz die Aussagen der Zeugen zur Frage der Sichtbarkeit 
des Opfers zutreffend, weshalb darauf verwiesen werden kann (pag. 512 ff., S. 23 ff. 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Die Zeugen M.________ und N.________ fuhren bzw. hielten wie erwähnt in einem «Lieferwägeli» 
direkt hinter der Beschuldigten. Wie die Aussagen der beiden Zeugen belegen, haben sie den gesamten 
tatrelevanten Ablauf der Geschehnisse wahrgenommen. So ergibt sich aus ihren Aussagen insbeson-
dere auch der erste Moment, als sie das Opfer erblickten: M.________ schilderte diesbezüglich in der 
delegierten Einvernahme vom 04.12.2018, dass er plötzlich das Opfer vom Bus herkommend gesehen 
habe. Das Opfer sei mit seinem Rollator in Richtung Fussgängerstreifen gelaufen (p. 44 Z. 26 f.). In der 
Hauptverhandlung führte er erneut aus, dass sie dann gesehen hätten, dass das Opfer vor dem Bus 
hervorgelaufen sei Richtung Fussgängerstreifen (p. 414 Z. 25 ff.). Das, was er gesehen habe, sei ge-
wesen, dass sie draussen gelaufen sei und sich beim Fussgänger abgedreht habe (p. 415 Z. 7 ff.). 

17

Betreffend die detaillierten Schilderungen zum weiteren Geschehen mit dem Sturz des Opfers kann auf 
die vorstehenden Ausführungen verwiesen werden (vgl. Ziff. II.2.4 hiervor). N.________ führte in der 
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 20.01.2020 aus, dass er als Beifahrer gesehen habe, wie 
das Opfer mit dem Rollator hinten aus dem Bus ausgestiegen sei. Das Opfer sei gegen sie, d.h. vom 
Bus weg, gelaufen (p. 50 Z. 44 ff.). Er habe das Opfer beim Aussteigen bemerkt (p. 51 Z. 60 f.). In der 
Hauptverhandlung erklärte er erneut, dass er als Beifahrer beobachtet habe, wie eine ältere Frau hinten 
beim Bus aussteige mit Rollator und in ihre Richtung, also vom Bus weg, laufe (p. 417 Z. 27 f., p. 418 
Z. 15 f.). Er bestätigte, neben dem vorderen Auto durch freie Sicht auf das Opfer gehabt zu haben (p. 
51 Z. 65 f.). Auch hier kann bezüglich der detaillierten Schilderungen zum weiteren Geschehen mit dem 
Sturz des Opfers auf die vorstehenden Ausführungen verwiesen werden (vgl. Ziff. II.2.4 hiervor). 

Die Aussagen der Zeugen M.________ und N.________ sind, wie bereits geschildert, übereinstim-
mend, konstant, logisch-konsistent, detailreich, anschaulich und räumlich-zeitlich verknüpft. Sie sind als 
glaubhaft zu werten, weshalb darauf abzustellen ist. M.________ und N.________ haben geschildert, 
dass sie das Opfer zum ersten Mal gesehen haben, als dieses hinter dem Bus hervorgekommen ist 
bzw. bereits dann, als es sich auf der Seite des Busses (beim angeblichen Aussteigen) befand. Weiter 
haben sie den Weg des Opfers Richtung Fussgängerstreifen bis und mit dem Sturz genau wahrgenom-
men. Zwar ist zu berücksichtigen, wie die Verteidigung vorgebracht hat, dass das Sichtfeld aus dem 
hinteren Fahrzeug der Zeugen gestützt auf die unterschiedlichen Distanzen und jeweiligen Fahrzeuge 
etwas anders war als das Sichtfeld aus dem Fahrzeug der Beschuldigten. Die Zeugen hatten aufgrund 
der etwas grösseren Distanz von rund 2-2.5 Meter hinter dem Fahrzeug der Beschuldigten (p. 51 Z. 75 
ff.) und des «Lieferwägelis» eine etwas längere und breitere Sicht auf das Geschehen (vgl. hierzu auch 
das Privatgutachten des T.________, p. 245 f.). Es ist jedoch gestützt auf die Aussagen der Zeugen 
nicht erklärbar, weshalb diese das Opfer, nachdem es hinter bzw. bereits neben dem Bus sichtbar 
wurde, erblickten und den ganzen Vorgang bis zum Sturz beobachten konnten, das Opfer für die Be-
schuldigte in diesem Zeitraum demgegenüber aber nicht hätte sichtbar sein sollen. Zu diesem Schluss 
kommt im Übrigen auch das Privatgutachten des T.________ nicht (vgl. sogleich). N.________ erklärte 
deutlich, dass die Beschuldigte das Opfer beim Aussteigen und beim Stürzen vom Trottoir sicher hätte 
sehen können (p. 420 Z. 11). Dabei ist zu berücksichtigen, dass N.________ insgesamt zurückhaltend 
aussagte und keineswegs darauf aus war, die Beschuldigte zu belasten (vgl. z.B. p. 52 Z. 119 f.). Aus 
den Zeugenaussagen lässt sich somit schliessen, dass das Opfer auf dem Trottoir auch für die Be-
schuldigte, spätestens als es hinter dem Bus hervorkam, sichtbar wurde und bis zum Sturz sichtbar 
blieb (zur zeitlichen Komponente vgl. nachfolgend).

Diesen Erwägungen ist vollumfänglich beizupflichten. Entgegen der Vorinstanz er-
achtet die Kammer aber ebenfalls die Aussagen von M.________ zur Position des 
Fahrzeugs der Beschuldigten als glaubhaft und geht davon aus, dass dieses noch 
mit der Motorhaube auf dem Fussgängerstreifen stand. M.________ sagte am 
4. Dezember 2018 und damit wenige Tage nach dem Vorfall aus, das Fahrzeug der 
Beschuldigten sei ca. 1 m auf dem Fussgängerstreifen gestanden (pag. 44, Z. 26). 
An selbiger Einvernahme gab er zudem zu Protokoll, das Opfer habe sich leicht nach 
rechts abgedreht und den Anschein gemacht, dass sie in Richtung Fussgängerstrei-
fen gewollt habe. Da das Auto noch etwas auf dem Fussgängerstreifen gestanden 
habe, habe die Frau vermutlich etwas vor dem Fussgängerstreifen die Strasse über-
queren wollen (pag. 44, Z. 28 ff.). Die Frau sei vor dem Auto und Fussgängerstreifen 
auf die Strasse gefallen (pag. 44, Z. 33 f.). Anlässlich der erstinstanzlichen Haupt-
verhandlung führte er sodann aus, die Motorhaube sei halb auf dem Fussgänger-
streifen gewesen (pag. 415, Z. 17 f.) und wiederum in freier Erzählung: «Aber das, 

18

was ich gesehen habe, war, dass sie draussen gelaufen ist und sich beim Fussgän-
ger abgedreht hat und wohl über den Fussgängerstreifen wollte. Da das eine Auto 
vorne, das W.________ (Farbe), etwa halb auf dem Fussgängerstreifen war, wollte 
die Frau wohl etwas versetzt über den Fussgängerstreifen gehen.» (pag. 415, Z. 7 
ff.). Als Grund für den Sturz gab er an, das Opfer sei in Richtung Fussgängerstreifen 
gelaufen und habe dort wie abgedreht. Sie habe wohl über den Fussgängerstreifen 
gehen wollen (pag. 414, Z. 26 f.). Für die Glaubhaftigkeit dieser Aussagen spricht im 
Besonderen, dass M.________ jeweils zwischen wahrgenommenen Tatsachen und 
seiner eigenen Wahrnehmung unterschied, indem er beispielsweise differenziert an-
gab, das Opfer habe vermutlich die Strasse überqueren wollen und habe wohl über 
den Fussgängerstreifen gewollt. Obwohl N.________ vor der Vorinstanz aussagte, 
für ihn habe es keine Anzeichen gegeben, dass sie die Strasse habe überqueren 
wollen (pag. 418, Z. 29), lieferte M.________ eine nachvollziehbare Erklärung für 
das Verhalten des Opfers. Denn wenn das Fahrzeug der Beschuldigten mit der Mo-
torhaube noch auf dem Fussgängerstreifen stand, war der vordere Teil des Fuss-
gängerstreifens infolgedessen frei. Auch würde ein Fahrzeugführer eher noch nach 
vorne fahren, würde er mit dem hinteren Teil des Fahrzeugs auf dem Fussgänger-
streifen stehen, zumal auch die Beschuldigte nie sagte, sie sei ohne Abstand direkt 
hinter dem Bus angehalten. Das Opfer residierte in den Wohnblöcken auf der ge-
genüberliegenden Strassenseite (vgl. pag. 195) und hätte keinen Grund gehabt, die 
Strasse an dieser Stelle zu überqueren, hätte die Beschuldigte mit dem hinteren Teil 
auf dem Fussgängerstreifen gestanden. Vielmehr macht Sinn, dass die Beschuldigte 
mit der Vorderachse auf dem Fussgängerstreifen stand und das Opfer deshalb die 
Strasse überqueren wollte, was letztlich zur Sturzstelle passt. Sodann fällt bei nähe-
rer Betrachtung der Zeugenaussagen auf, dass diese nicht aussagten, die Beschul-
digte sei nach dem Fussgängerstreifen gestanden, sondern auf diesem bzw. bis zur 
Hälfte (vgl. auch die zutreffenden Ausführungen von Staatsanwältin G.________ im 
oberinstanzlichen Parteivortrag; pag. 719). Im Rahmen der Erstaussagen rund eine 
Stunde nach dem Vorfall gab N.________ im Unfallaufnahmeprotokoll an: «Das Ver-
ursacherfahrzeug stand bis ca. zur Hälfte auf dem Fussgängerstreifen. Zu diesem 
Zeitpunkt wollte kein Fussgänger den Fussgängerstreifen benutzen.» (pag.  47). Er 
sagte nichts zur Distanz des Opfers zum Fahrzeug der Beschuldigten, lieferte aber 
eine nachvollziehbare Erklärung mit dem Hinweis auf den Fussgängerstreifen. Dass 
er dies vor der Staatsanwaltschaft am 20. Januar 2020 und der Vorinstanz am 12. 
August 2021 nicht mehr so aussagen konnte (pag. 51, Z. 84 ff.; pag. 418, Z. 4 ff.), ist 
durch den Zeitablauf erklärbar. Was er wisse sei, dass das Opfer nicht auf dem Fuss-
gängerstreifen gelegen habe (pag. 418, Z. 8 f.). Zunächst ist betreffend die Skizze 
im Unfallaufnahmeprotokoll, auf der das Fahrzeug der Beschuldigten mit dem hinte-
ren Teil auf dem Fussgängerstreifen eingezeichnet wurde, Zurückhaltung geboten 
(pag. 4). Denn erstellt ist einzig, wie sich am fraglichen Tag die Örtlichkeiten präsen-
tierten (vgl. die Fotodokumentation des UTD [pag. 19 ff.] und der Situationsplan [pag. 
40]) sowie die Unfallendposition des Fahrzeugs der Geschädigten (vgl. pag. 40), je-
doch nicht, wo sich die Fahrzeuge (PW der Zeugen, PW der Beschuldigten, Bus) im 
Zeitpunkt des Hervorkommens des Opfers neben dem Bus und auch ihres Sturzes 
tatsächlich befanden und in welcher Distanz diese zueinander standen. Das eher 

19

kleine Bushäuschen spricht zwar grundsätzlich gegen einen grösseren bzw. länge-
ren Bus (vgl. pag. 20) und dieser dürfte im Bereich vor der gelb markierten Unfall-
stelle auf der rechten Seite gehalten haben (pag. 40 f.), allerdings herrschte stop-
and-go-Verkehr, weshalb denkbar ist, dass der Bus vorher zum Stillstand kam und 
die Fahrgäste ein- und aussteigen liess. Aktenkundig ist sodann, dass die Distanz 
der Endlage des Opfers zum Fussgängerstreifen ca. 2 m betrug, die Länge des Fahr-
zeugs der Beschuldigten 4.37 m und die Breite des Fussgängerstreifens 3 m (pag. 
38). Jedoch handelt es sich bei den Abbildungen der Lage des Opfers im Zeitpunkt 
des Überrollvorgangs lediglich um eine ungefähre Angabe (pag. 21 ff.). Die mögliche 
Unfallendlage musste anhand der vorhandenen Spuren definiert werden, da beim 
Eintreffen des UTD eine veränderte Unfallendposition vorlag (vgl. pag. 16). Die vor-
gefundenen Watteteilchen (vgl. d) gemäss Legende, pag. 16) deuten zwar auf die 
Lage der Ohren, in die die Wattebällchen eingesetzt waren, mithin des Kopfes hin, 
allerdings ist nicht auszuschliessen, dass diese als Folge der noch am Unfallort ein-
geleiteten kardiopulmonalen Reanimation (vgl. pag. 288) aus den Ohren fielen. Trotz 
der handfesten Materialaufriebspur (vgl. f) gemäss Legende, pag. 16), die vom Rol-
lator stammen dürfte, besteht durchaus die Möglichkeit, dass das Opfer vor dem 
Rollator zu liegen kam. M.________ konnte nicht mehr genau sagen, wo der Rollator 
sich befand (pag. 44, Z. 35 f.), N.________ gab an, dieser sei zwischen den Füssen 
des Opfers gewesen (pag. 47; pag. pag. 52, Z. 106). Es ist folglich nicht auszusch-
liessen, dass sich die Liegelage des Opfers etwas näher oder weiter weg vom Fuss-
gängerstreifen befand. Hierzu passt in jedem Fall die Aussage von M.________, wo-
nach das Opfer dort vor das Fahrzeug der Beschuldigten und den Fussgängerstrei-
fen gefallen sei, wo der Bordstein noch erhöht sei (pag. 44, Z. 33 f.; bestätigt an der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung pag. 415, Z. 11 und Z. 21). Die erhöhte Bord-
steinkante ist auf pag. 21 gut ersichtlich. Gegen die Annahme der Vorinstanz, dass 
das Fahrzeug der Beschuldigten noch mit der Hinterachse auf dem Fussgängerstrei-
fen stand, spricht auch, dass bei einem angegebenen Abstand von ca. 2 bis 2.5 m 
(pag. 51, Z. 77) zum Fahrzeug der Beschuldigten mit einer Länge von 4.37 m und 
einer Breite des Fussgängerstreifens von 3 m die Zeugen sodann selbst auf bzw. 
kurz vor dem Fussgängerstreifen gestanden haben müssten. Dies gaben sie so aber 
nicht an. 

Weiter spricht einzig die Aussage von N.________ für die Annahme der Vorinstanz, 
welche allerdings stark zu relativieren ist. N.________ gab an, das Opfer sei direkt 
vor das Fahrzeug der Beschuldigten gefallen (pag. 52, Z. 90; pag. 418, Z. 38 ff.), 
demgegenüber M.________ aussagte, das Opfer sei ca. 2 m vor dem Fahrzeug der 
Beschuldigten auf die Strasse gefallen (pag. 44, Z. 59 ff.; pag. 415, Z. 39 ff.). Anders 
als die Vorinstanz folgert, ergibt sich aus dem Situationsplan des UTD jedenfalls 
nicht, dass der Sturz des Opfers unmittelbar vor die Front des Fahrzeugs der Be-
schuldigten geschah, denn diesem sind die Positionen der Fahrzeuge vor dem Ge-
schehnis nicht ersichtlich (pag. 40). Zunächst deutet die Aussage der Beschuldigten 
in der Berufungsverhandlung, wonach es gerumpelt habe und sie nicht mehr wisse, 
ob das Rumpeln vor oder nach dem Klopfen gewesen sei (vgl. dazu hiernach), darauf 
hin, dass sie im Zeitpunkt des Überrollvorgangs bereits eine gewisse Geschwindig-
keit erreicht hatte. Und die Beschuldigte musste gemäss Situationsplan –da sie erst 

20

anhielt, nachdem N.________ an ihre Scheibe geklopft hatte – unter Berücksichti-
gung der Reaktionszeit und des Bremswegs ebenfalls einen gewissen Weg zurück-
gelegt haben (pag. 40). Hätte das Opfer direkt vor dem Fahrzeug der Beschuldigten 
gelegen, wäre im Moment des Erfassens des Opfers ein Widerstand zu erwarten 
gewesen und nicht ein Rumpeln, wie es die Beschuldigte beschrieb. Sodann wurden 
auch keine Schleifspuren festgestellt (pag. 16). Die Angabe von N.________, das 
Opfer sei direkt vor das Fahrzeug der Beschuldigten gefallen, dürfte dadurch erklär-
bar sein, dass er nach dessen Sturz aus dem Fahrzeug ausgestiegen war. Ob das 
Opfer tatsächlich vor das Fahrzeug fiel oder noch eine Distanz von wenigen Metern 
bestand, konnte er demnach nicht feststellen. Denn N.________ befand sich neben 
dem Fahrzeug der Beschuldigten, die sodann losfuhr und er konnte, als das vordere 
Rad das Opfer überrollt hatte, noch an die Heckscheibe klopfen. Zum Opfer gelangte 
er erst, nachdem es bereits überrollt worden war. Nach dem Aussteigen dürfte es für 
ihn schwierig gewesen sein, die Distanzen aus dieser Perspektive einzuschätzen, 
da diese nun nicht mehr gleich waren, wie in jenen Momenten, in denen er noch als 
Beifahrer im Fahrzeug gesessen hatte. All diese Umstände sprechen dafür, dass das 
Opfer nach dem Sturz nicht direkt vor dem Fahrzeug der Beschuldigten zu liegen 
kam, sondern gestützt auf die glaubhafte Aussage von M.________ wenige Meter 
davor. 

13.2 Die Kammer erachtet demgegenüber die Aussagen der Beschuldigten als wenig 
glaubhaft. Zunächst ist auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz zu verwei-
sen (pag. 510 f., S. 21 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Bei Betrachtung ihrer Aussagen fällt auf, dass sie in der ersten, delegierten Einvernahme vom 
05.12.2018 und damit in ihren tatnächsten Aussagen auf Frage, ob sie das Opfer auf dem Trottoir und 
den Sturz bemerkt habe, ausführte, dass sie sich auf den Bus fokussiert habe und auf das, was vor ihr 
gewesen sei (p. 55 f. Z. 55 ff.), was sie in der gleichen Einvernahme wiederholte (p. 56 Z. 64). In der 
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 27.06.2019 führte sie dann wieder aus, sie habe sich auf 
die Fahrbahn konzentriert (p. 61 Z. 89). Es könne sein, dass sie gesehen habe, dass Leute beim Bus 
ein- oder ausgestiegen seien. Sie wisse das aber nicht mehr (p. 61 Z. 89 ff.). Ihres Erachtens müsse 
sie sich auf die Fahrbahn konzentrieren. Es könne sein, dass es dort Leute gehabt habe. Sie habe sich 
auf den Bus konzentriert (p. 62 Z. 121 ff.). Erst auf Nachhaken ihres Anwalts erwähnte sie, schon wahr-
genommen zu haben, dass es dort Leute gehabt habe (p. 63 Z. 126 ff.), was sie dann erneut ausführte 
(p. 63 Z. 154). Weiter schob sie dann auf konkrete Frage ihres Anwalts, ob sie nur die Fahrbahn oder 
auch das Trottoir wahrgenommen habe, nach, dass sie sich zuerst auf die Strasse und auch etwas aufs 
Trottoir konzentriert habe (p. 64 Z. 155 ff.). Anlässlich der Hauptverhandlung äusserte die Beschuldigte 
wiederum, sie habe sich auf die Strasse fokussiert und v.a. auf den Bus (p. 430 Z. 32 f., 46). Die Aus-
sagen der Beschuldigten in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 27.06.2019, wonach sie 
auch auf das Trottoir geschaut habe, sind wenig glaubhaft und als Schutzbehauptung zu werten. Sie 
erfolgten nicht frei, sondern vielmehr auf eine eher suggestive Frage des Anwalts hin. Die Beschuldigte 
wiederholte dabei in ihrer Antwort nur den Inhalt der Frage, machte aber keine darüber hinausgehenden 
Aussagen, lieferte mithin keine Überhangantwort. Auch ihre Aussage, wonach es sein könne, dass sie 
gesehen habe, dass Leute beim Bus ein- oder ausgestiegen seien, ist sehr vage und pauschal, zumal 
sie selber ergänzte, dass sie das nicht mehr wisse. Vielmehr stützt das Gericht auf die tatnächsten und 
frei erfolgten Aussagen der Beschuldigten ab. Entsprechend ist davon auszugehen, dass die Beschul-
digte zwar auf die Fahrbahn und den Bus, nicht aber auf das rechts angrenzende Trottoir geschaut hat.

21

Ergänzend zu diesen zutreffenden Ausführungen ist anzumerken, dass die Aussa-
gen der Beschuldigten Konstanz vermissen liessen, insgesamt widersprüchlich und 
teilweise unlogisch ausfielen. Zur Frage, ob sie vor oder nach dem Fussgängerstrei-
fen angehalten hatte gab sie in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme an: «So 
wie mir ist, habe ich vor dem Fussgängerstreifen angehalten.» (pag. 62, Z. 109 f.), 
obwohl sie zuvor auf Frage, wo genau sie angehalten habe, bevor sie wieder ange-
fahren sei, ausgesagt hatte, sie habe vor dem Fussgängerstreifen angehalten, ge-
schaut und es habe niemand die Strasse überquert. Sie sei losgefahren und habe 
wieder angehalten, weil der Bus vor ihr angehalten habe. Als ihr jemand an die 
Scheibe geklopft habe, habe sie nach dem Fussgängerstreifen sofort angehalten 
(pag. 62, Z. 106 ff.). Auf Vorhalt der Zeugenaussage, wonach die auf dem Fussgän-
gerstreifen gestanden habe, wollte sie nicht mehr genau wissen, wo ihr Auto stand 
(pag. 62, Z. 115 f.). Sie sei etwa 2 m hinter dem Bus gestanden, sie sei sich nicht 
sicher (pag. 64, Z. 164 f.; bestätigt anlässlich der Berufungsverhandlung, in der sie 
angab, es seien 2 bis 2.5 m gewesen [pag. 709, Z. 19]). An der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung dann gab sie zu Protokoll: «Ich war ja angefahren, ich war ja 
vorne, über den Fussgängerstreifen hinaus. Als er auf die Scheibe geklopft hat, war 
ich hinter dem Fussgängerstreifen.» (pag. 431, Z. 16 f.) im Widerspruch zur An-
schlussfrage, ob sie beim Anfahren vor oder hinter dem Fussgängerstreifen gewe-
sen sei, sie sei schon hintendran gewesen (pag. 431, Z. 19 f.). In der Berufungsver-
handlung sagte die Beschuldigte, sie könne nicht mehr genau sagen, ob sie auf dem 
Fussgängerstreifen gestanden hatte oder nicht (pag. 709, Z. 16). Da die Beschul-
digte letztlich nicht mehr genau wusste, wo sie mit ihrem Fahrzeug stand und auf-
grund der glaubhaften Aussagen der Zeugen (vgl. hiervor), ist davon auszugehen, 
dass die Beschuldigte noch mit der Motorhaube auf dem Fussgängerstreifen stand. 
Wie die Vorinstanz zutreffend erwog, stritt die Beschuldigte nicht ab, noch auf dem 
Fussgängerstreifen gestanden zu haben. Vielmehr wollte sie zunächst vor, dann 
nach dem Fussgängerstreifen gestanden haben und führte letztlich aus, nicht mehr 
genau zu wissen, ob sie noch mit der Hinterachse darauf stand (pag. 431, Z. 22 f.). 
Hätte sie wie angegeben gänzlich vor dem Fussgängerstreifen angehalten, wäre 
eine Überrollung mit ihrem Fahrzeug mit einer Länge von 4.37 m angesichts des 
Situationsplans, demnach das Opfer ca. 2 m nach dem Fussgängerstreifen am Bo-
den gelegen hatte, jedenfalls nicht möglich gewesen. Auffällig ist, dass im von ihr in 
Auftrag gegebenen Gutachten in jeder Version angenommen wird, dass sie noch auf 
dem Fussgängerstreifen stand. Auf diesen Umstand angesprochen, gab sie an der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung auf Vorhalt an, sie wolle dazu keine Auskunft 
geben (pag. 431, Z. 46) und wegen des Abstands zur Haltestelle, das sei eine Sug-
gestivfrage (pag. 432, Z. 4).

Weiter gab die Beschuldigte anlässlich der ersten Einvernahme vom 
5. Dezember 2018 an, sie wisse nicht mehr, ob sie hinter dem Bus bis zum Stillstand 
habe anhalten müssen (pag. 55, Z. 53), jedoch konnte sie am 27. Juni 2019, also 
fast 7 Monate später, vor der Staatsanwaltschaft erstmals zu Protokoll geben, sie 
habe vor dem Fussgänger kurz angehalten und niemanden gesehen die Strasse 
überqueren (pag. 60, Z. 32 f.) und ausführen: «Der Bus vor mir stoppte und ich 
schaute links und rechts in den Spiegel, als ich wieder angefahren bin. Es war alles 
frei.» (pag. 60, Z. 36 f.). Vor der Vorinstanz sagte die Beschuldigte auf Frage, wie sie 

22

sich erkläre, dass sie weder das Opfer mit dem Rollator noch deren Sturz gesehen 
habe, wenig logisch, man schaue links und rechts in den Spiegel, bevor man losfahre 
(pag. 431, Z. 6 f). Zudem hatte sie im Rahmen ihrer Ersteinvernahme zu Protokoll 
gegeben, sie habe wegen dem Bus anhalten müssen und sie denke, sie sei direkt 
hinter dem Bus gewesen, jedoch habe sie einen Abstand gehabt (pag. 55, Z. 36 ff.), 
den Fussgängerstreifen liess sie dabei unerwähnt. Auch erscheint die Aussage der 
Beschuldigten an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung auf dreimalige Nachfrage, 
wonach sie den Bus nicht habe überholen können, es sei für sie zu unübersichtlich 
gewesen und sie könne sich nicht mehr erinnern, dass es dort ein «Inseli» gehabt 
habe (pag. 430, Z. 36 ff.), wenig glaubhaft. Denn sie sagte in der staatsanwaltschaft-
lichen Einvernahme selbst, dass sie ortkundig und das O.________ in 
C.________(Ortschaft) ihr Einkaufsort sei (pag. 61, Z. 82), zudem gab sie das Pri-
vatgutachten in Auftrag, welches eine Vielzahl an Darstellungen der Unfallstelle 
enthält. Widersprüchlich waren auch ihre Angaben zur Endposition des Opfers. Sie 
gab zu Protokoll, †D.________ sei «zusammengekrugelt» auf dem Boden gelegen 
(pag. 60, Z. 48; pag. 711, Z. 43), der Kopf sei beim Trottoir bzw. am Randstein ge-
wesen (pag. 60, Z. 48; pag. 712, Z. 2), obwohl N.________ über alle Einvernahmen 
hinweg angab, die Füsse seien noch halb auf der Kante auf dem Trottoir gewesen 
und sie habe auf dem Bauch gelegen (pag. 47; pag. 52, Z. 103 f.; pag. 418, Z. 20 f.). 
Zudem wiederholte die Beschuldigte, der Bus sei vor ihr gewesen, das sei wie eine 
Wand vor ihr gewesen (pag. 64, Z. 162; pag. 431, Z. 6 ff.), was jedoch nicht mit ihrer 
Aussage übereinstimmen kann, einen Abstand zum Bus gehabt zu haben. Über 
sämtliche Einvernahmen hinweg wiederholte die Beschuldigte, sie habe sich nach 
vorne auf die Fahrbahn bzw. den Bus konzentriert (pag. 56, Z. 56 und Z. 64; pag. 
61, Z. 89; pag. 62, Z. 122 f.; pag. 430, Z. 32 f. und Z. 46; pag. 707, Z. 41) und wie 
die Vorinstanz richtig erwog, erst vor der Staatsanwaltschaft und auf explizite Frage 
ihrer Rechtsvertretung: «Ich konzentrierte mich zuerst auf die Strasse und auch et-
was aufs Trottoir.» (pag. 64, Z. 159). Entgegen ihrer vorherigen Aussagen, wonach 
sie das Überrollen nicht bemerkt habe (pag. 56, Z. 67; pag. 430, Z. 46), sie sei wei-
tergefahren und dann habe plötzlich jemand an die Scheibe geklopft (pag. 55, Z. 38; 
pag. 60, Z. 31 f.; pag. 430, Z. 21 f.) und sie sei so geschockt gewesen bzw. erschro-
cken wegen dem Klopfen (pag. 56, Z. 67; pag. 60, Z. 32), führte sie erstmals oberin-
stanzlich aus, sie seien angefahren und dann habe es gerumpelt und sie habe ge-
dacht, ob etwas mit dem Pneu sei (pag. 708, Z. 6 f.). Obwohl sie im Rahmen der 
delegierten Einvernahme auf Frage, ob sie das Opfer mit dem Rollator auf dem Trot-
toir laufen gesehen und ob sie den Sturz bemerkt habe angab, sie habe sich ja auf 
den Bus fokussiert und auf das, was vor ihr gewesen sei (pag. 56, Z. 56) und auch 
hinsichtlich des Sturzes sie habe nichts gemerkt, sie habe sich ja auf den Bus fokus-
siert bzw. sie könne sich nicht mehr daran erinnern (pag. 56, Z. 59 f.) sagte sie vor 
der Staatsanwaltschaft auf Vorhalt, dass sowohl der Lenker als auch der Beifahrer 
des hinter ihr fahrenden Autos das Opfer schon vor deren Sturz auf dem Trottoir 
gesehen hätten, sie müsse sich auf die Fahrbahn konzentrieren, sie habe die Frau 
vorher nie gesehen und es könne sein, dass es dort Leute gehabt habe (pag. 62, Z. 
121 f.). Weiter gab sie an: «Ich habe schon wahrgenommen, dass es dort Leute 
hatte. Mehr kann ich dazu nicht sagen.» (pag. 63, Z. 128 f.). Sie wisse nicht, ob sie 
die alte Frau mit Rollator festgestellt habe (pag. 63, Z. 154 f.). Oberinstanzlich wollte 

23

die Beschuldigte gar gemerkt und gesehen haben, dass Leute aus dem Bus ausge-
stiegen sind (pag. 708, Z. 4 f.; pag. 709, Z. 27 f.), obwohl sie in der staatsanwalt-
schaftlichen Einvernahme nur ausgeführt hatte, es könne sein, dass sie gesehen 
habe, dass Leute beim Bus ein- oder ausgestiegen seien, sie wisse das aber nicht 
mehr (pag. 61, Z. 89 ff.). Daraus folgt, dass die Beschuldigte weder †D.________ 
auf dem Trottoir gehen noch deren Sturz mitsamt Rollator sah und diesen auch nicht 
hörte, obwohl sie angab, nicht Musik gehört zu haben (pag. 61, Z. 86). Ebenfalls 
wollte die Beschuldigte im Rahmen des Anfahrens in die Seitenspiegel und den 
Rückspiegel geschaut haben, konnte aber N.________ nicht sehen, der hinter ihrem 
Fahrzeug herkam und sogar noch daran klopfte. Zwar ist unklar, wohin an das Fahr-
zeug er genau klopfte; dass dieses an die Heckscheibe erfolgte, wie er aussagte 
(pag. 47, pag. 50, Z. 51) ist aber in jedem Fall wahrscheinlicher, als das Klopfen auf 
der linken Seite, wie die Beschuldigte angab (pag. 430, Z. 22). Dies hätte dann aber 
gar bedeutet, dass er in allen drei Rückspiegeln hätte wahrgenommen werden kön-
nen. Zudem handelte es sich vorliegend – anders als die Beschuldigte wiederholte 
(pag. 709, Z. 42; pag. 710, Z. 12) – nicht um Sekundenbruchteile, in denen sich die 
Geschehnisse zutrugen. †D.________ erschien nicht unverhofft hinter einem Bus 
und verschwand sogleich als Folge des Sturzes, sondern ging vielmehr während 
eines gewissen Zeitraumes auf dem Trottoir in Richtung des Fahrzeugs der Beschul-
digten. Dass sie umhergeschaut und gar einen Rundblick gehabt habe, wie sie erst-
mals oberinstanzlich geltend machte (pag. 709, Z. 22 und 30 ff.), ist vor diesem Hin-
tergrund als reine Schutzbehauptung zu werten. Schliesslich bemerkte die Beschul-
digte nicht, dass sie mit dem rechten vorderen Rad über den Körper des Opfers fuhr, 
reagierte auch auf das Klopfen von N.________ nicht umgehend, sondern fuhr noch 
weiter und mit dem rechten Hinterrad über das Opfer, was sie sodann immer noch 
nicht merkte. Immerhin ein Rumpeln will sie gemäss oberinstanzlicher Aussagen 
wahrgenommen haben, wobei fraglich bleibt, warum nur ein und nicht zwei. Der Fo-
kus der Beschuldigten lag wohl, entsprechend ihrer eigenen Aussagen, auf dem vor 
ihr stehenden Bus. Ob sie wie angegeben ebenfalls auf die Fahrbahn achtete, wie 
die Vorinstanz annahm, ist fraglich, kann aber letztlich offenbleiben. Wo auch immer 
die Aufmerksamkeit der Beschuldigten war, sie lag in jedem Fall nicht auf dem Ge-
schehen um sie herum. Erstellt ist, dass die Beschuldigte nicht auf das angrenzende 
Trottoir sah, ihren Blick nicht schweifen liess und weder †D.________, noch deren 
Sturz und den anschliessenden Überrollvorgang noch N.________ sah oder be-
merkte, der sich von hinten näherte. Auch akustisch nahm sie nichts davon wahr. 
Die Kammer kann sich der Vorinstanz anschliessen, wonach die Beschuldigte – ge-
stützt auf ihre Erstaussagen – ganz offensichtlich nicht aufmerksam war. Zur Frage, 
ob †D.________ gestürzt oder zusammengebrochen war, konnte die Beschuldigte 
keine Angaben machen.

Schliesslich sei an dieser Stelle erwähnt, dass die Verteidigung im Rahmen des Ge-
suchs um Verschiebung der auf den 13. und 14. Oktober 2022 angesetzten Beru-
fungsverhandlung ein Arztzeugnis der Beschuldigten einreichte, aus dem die Dia-
gnose einer X.________ (Diagnose) hervorging (pag. 632 ff.). Nachdem die Verfah-
rensleitung mit begründeter Verfügung vom 4. Oktober 2022 die Einreichung eines 
detaillierten Arztzeugnisses zum Thema Verhandlungsfähigkeit forderte (pag. 695 
f.), zog die Verteidigung dieses zurück (pag. 699 f.). Auf das Zeugnis angesprochen 

24

gab die Beschuldigte an der Berufungsverhandlung an, sie habe nicht gewusst, wie 
es mit der Y.________ (Untersuchung) herauskomme, weshalb sie dem Arzt gesagt 
habe, sie brauche vielleicht ein Zeugnis. Sie sei an die Verhandlung gekommen, da 
diese gut herausgekommen sei (pag. 704, Z. 26 ff.) und auf Nachfrage, die 
X.________ (Diagnose) sei zusätzlich gewesen (pag. 704, Z. 33). Die Tatsache, 
dass das Verschiebungsgesuch demnach offenbar viel mehr mit einer Untersuchung 
als mit einer X.________(Diagnose) zusammenhing, ist der Glaubwürdigkeit der Be-
schuldigten ebenfalls nicht förderlich. 

13.3 Die Vorinstanz hat die Gutachten vom 4. April 2019, vom 31. Oktober 2019, vom 
26. Oktober 2020 sowie die Aussagen der Sachverständigen, Prof. Dr. med. 
K.________ und Prof. em. Dr. med. L.________, korrekt zusammengefasst und wie-
dergegeben, weshalb darauf verwiesen werden kann (pag. 500 ff., S. 11 ff. der erst-
instanzlichen Urteilsbegründung):

Zur Frage eines Stolpersturzes oder einer möglichen natürlichen inneren Ursache für den Sturz lässt 
sich dem rechtsmedizinischen Gutachten des IRM vom 04.04.2019 entnehmen, dass im Rahmen der 
Obduktion keine natürliche innere Ursache für den angegebenen Sturz auf die Strasse morphologisch 
habe nachgewiesen werden können. Dabei sei jedoch anzumerken, dass das Herz des Opfers hoch-
gradig krankhaft verändert gewesen sei und jederzeit einen derartigen Sturz hätte auslösen können, 
ohne dass dies morphologisch zu erkennen wäre. Somit bleibe unklar, ob ein Stolpersturz oder ein 
natürliches inneres Geschehen den beobachteten Sturz auf die Fahrbahn verursacht hätten. Deshalb 
könne die Todesart aus rechtsmedizinischer Sicht letztlich nicht zweifelsfrei benannt werden, da ein 
natürliches inneres Geschehen, das den Tod nach dem Sturz auf die Fahrbahn auch ohne Überrollung 
hätte nach sich ziehen können, denkbar bleibe. Zudem wurde ausgeführt, dass durch die erfolgten 
Reanimationsmassnahmen Einblutungen verstärkt worden sein könnten, weshalb das Ausmass kör-
pereigener Kreislauftätigkeit letztlich nicht sicher zu beurteilen sei. Gleichzeitig wurde aber auch fest-
gehalten, dass das massive Brustkorbtrauma mit Bruch der Brustwirbelsäule todesursächlich gewesen 
sein dürfte und diese Verletzungen vereinbar mit der Annahme eines Überrollungsvorganges zu Leb-
zeiten seien (p. 85). Im rechtsmedizinischen Ergänzungsgutachten des IRM vom 31.10.2019 wurde 
sodann ausgeführt, dass beide Alternativen, ein Stolpersturz und ein Sturz aus natürlicher innerer Ur-
sache, berücksichtigt worden seien, da die Ursache des Sturzes auf die Fahrbahn nicht verbindlich 
mitgeteilt worden sei. Es hänge von der juristischen Beweiswürdigung ab, ob es sich um einen Stolper-
sturz gehandelt habe. Ausgehend von einem Stolpersturz wurde der Überrollungsvorgang als todesur-
sächlich bezeichnet. Gleichzeitig wurde erneut darauf hingewiesen, dass sich bei den Befunden für die 
Vitalitätszeichen (Blutungen, Blutarmut von Milz und Leber, Lungen-Fettembolie, geringer Blutverlust 
aus Riss der Bauchschlagader) nicht gänzlich ausschliessen lasse, dass diese Folge der Reanimation 
gewesen seien bzw. auch aufgrund der Überrollung entstanden sein und die Vitalität zum Überrollungs-
zeitpunkt vorgetäuscht haben könnten bzw. keinen zweifelsfreien Beweis eines zum Unfallzeitpunkt 
erhaltenen Kreislaufs darstellen würden (p. 106). Aus den zurückhaltenden Ausführungen des IRM, 
insbesondere den Präzisierungen im Ergänzungsgutachten, geht hervor, dass beide Alternativen eines 
Stolpersturzes und eines Sturzes aus einer natürlichen inneren Ursache berücksichtigt wurden, weil 
dem IRM keine Informationen zur Ursache des Sturzes vorlagen. Einzig aus den Gutachten des IRM 
lässt sich somit bei isolierter Betrachtung keine ganz zweifelsfreie Schlussfolgerung ziehen. 

Für klärende Verhältnisse sorgte sodann Prof. em. Dr. med. L.________ in seinem rechtsmedizinischen 
Zweitmeinungsgutachten vom 26.10.2020: Bezüglich einer möglichen natürlichen inneren Ursache 

25

führte er aus, dass er ausgehend von den guten Beobachtungen der zwei Zeugen aus rechtsmedizini-
scher Sicht keine Anhaltspunkte dafür finde, dass das Opfer in sich zusammengebrochen wäre, wie 
man dies bei einer plötzlich auftretenden Gesundheitsstörung mit Einschränkung des Bewusstseins 
und damit auch bei einem sog. «Sekundenherztod» erwarten würde (p. 319). Ein solches Ereignis wäre 
für Beobachter gut erkennbar gewesen. Den beiden Zeugen sei aber nichts dergleichen an der Gang-
weise des Opfers vor seinem Sturz aufgefallen (p. 320). Basierend auf der Aktenlage erachte er es als 
äusserst unwahrscheinlich, dass das Opfer einen gesundheitlich bedingten Zusammenbruch am Rol-
lator erlitten habe und überwiegend wahrscheinlich, dass es erst vornüber auf die Strasse gestürzt sei, 
als der Rollator über den Randstein gekippt sei (p. 320). Bezüglich der Vitalreaktionen führte Prof. em. 
Dr. med. L.________ aus, dass er es angesichts der Befundkonstellation als sehr unwahrscheinlich 
erachte, dass es sich dabei lediglich um die Folgen der Reanimation handle (p. 322). Die sehr kurze 
Überlebenszeit des schweren Überroll-Traumas vermöge die zahlreichen, aber nicht ausgeprägten Vi-
talreaktionen für sich allein hinreichend zu erklären (p. 323). Die schweren Verletzungen hätten ein 
längeres Überleben und damit auch ausgedehntere Vitalreaktionen verunmöglicht (p. 325). Er 
bestätigte die Ausführungen des IRM, wonach im Rahmen der Obduktion keine natürliche innere Ursa-
che für den Sturz morphologisch habe nachgewiesen werden können (p. 321). Es seien autoptisch 
keine Befunde erhoben worden, die einen akuten Tod durch ein natürliches inneres Geschehen er-
klären könnten (p. 323). Betreffend die Vorerkrankungen erklärte Prof. em. Dr. med. L.________, dass 
beim Opfer jederzeit das Risiko eines Herztodes bestanden habe. Im gegenständlichen Fall würde er 
in Anbetracht der Umstände und Befunde aber nicht auf die Hypothese eines «Sekundenherztodes» 
zurückgreifen (p. 324). Eine solche gesundheitliche Störung am 29.11.2018 betrachte er als äusserst 
unwahrscheinlich (p. 325). Es würden keine Obduktionsbefunde existieren, die belegen würden, dass 
das Opfer am 29.11.2018 aufgrund einer gesundheitlichen Störung gestürzt sei (p. 325). 

Anlässlich der Hauptverhandlung wiederholte Prof. Dr. med. K.________ zunächst gewisse Punkte des 
Gutachtens betreffend fehlender Nachweis einer inneren natürlichen Ursache sowie schwere Herzvor-
erkrankung (p. 421 Z. 27 ff., 38 ff., p. 422 Z. 6 ff.). Sodann äusserte sich Prof. Dr. med. K.________ 
auch übereinstimmend mit Prof. em. Dr. med. L.________: Ausgehend von diesen Informationen [die 
Prof. em. Dr. med. L.________ gehabt habe] sei für ihn auch nicht nur plausibel, sondern äusserst 
wahrscheinlich, dass tatsächlich D.________ durch irgendeinen Fehltritt, Stolpersturz, bei dem Versuch 
als lebendige Person die Fahrbahn irgendwie zu überqueren, zu Sturze gekommen sei (p. 422 Z. 21 
ff.). Ein natürlicher Tod sei inkompatibel mit dem, was er indirekt [aus den im Zweitmeinungsgutachten 
von Prof. em. Dr. med. L.________ geschilderten Beobachtungen] zur Kenntnis bekommen habe (p. 
423 Z. 19 f.). Weiter bestätigte er die Ausführungen von Prof. em. Dr. L.________, wonach die Zeugen 
erkannt hätten, wenn das Opfer in sich zusammengebrochen wäre (p. 424 Z. 17 ff., p. 425 Z. 5). Auf 
Vorhalt der Zeugenaussagen sagte er weiter aus, dass diese Aussagen dem entsprechen würden, was 
sie als «Stolpersturz» bezeichnet hätten, und belegen würden, dass das Opfer infolge einer Unge-
schicklichkeit letztlich auf der Fahrbahn zu liegen gekommen sei (p. 425 Z. 7 ff.). Aus rechtsmedizini-
scher Sicht würden ihm die Beobachtungen der Zeugen ausreichen, um zu verstehen, dass es sich um 
einen Stolpersturz gehandelt habe (p. 425 Z. 39 f.). Die «vorsichtige Zurückhaltung» (p. 423 Z. 2) im 
Gutachten erklärte Prof. Dr. med. K.________ wie folgt: Ihnen hätten an Informationen nur mündliche 
Angaben im ersten Angriff seitens der Polizei vorgelegen, die von einem Sturz gesprochen hätten (p. 
421 Z. 41 f.), d.h. noch keine Zeugenaussagen. Solange sie keine Informationen bekommen würden, 
warum das Opfer in die Lage gekommen sei, in der es überrollt worden sei, seien sie nicht in der Lage, 
zu sagen, ob dann die Überrollung den Tod ausgelöst hätte, oder man eben alternativ davon ausgehen 
müsste, dass sie aus einem inneren Grund dort gelegen hätte (p. 422 Z. 9 ff.). Auch Prof. em. Dr. med. 

26

L.________ hatte in seinem Zweitmeinungsgutachten ausgeführt, dass dem IRM die Angaben der Zeu-
gen nicht zur Verfügung gestanden hätten. Andernfalls wäre es in seiner Beurteilung zum Schluss ge-
langt, dass ein Stolpersturz vorgelegen sei (p. 320 f.).

Prof. em. Dr. med. L.________ erklärte seinerseits in der Hauptverhandlung auf Vorhalt des Gutachtens 
des IRM, wonach das Herz des Opfers hochgradig krankhaft verändert gewesen sei und jederzeit einen 
derartigen Sturz hätte auslösen können, dass er diese Möglichkeit gar nicht erwogen und in Betracht 
gezogen hätte, weil so kurze Zeiten zwischen Aussteigen aus dem Bus, laufen hinter dem Bus und 
Überrollung bestanden hätten (p. 427 f. Z. 45 ff.). Auch ein allfälliger Schwindelanfall sei genau so 
unwahrscheinlich (p. 428 Z. 16 f.). Weiter führte er bezüglich Vitalreaktionen erneut aus, dass es einen 
«Haufen» Sachen gehabt habe, die seiner Meinung nach ganz klar auf Vitalität bei der Überrollung 
hinweisen würden (p. 426 Z. 33 ff.). 

Die Ausführungen der Gutachter in ihren Gutachten und Einvernahmen sind weitgehend und in den 
zentralen Punkten übereinstimmend. Insbesondere lassen sich die zurückhaltenden Ausführungen von 
Prof. Dr. med. K.________ im Gutachten und im Ergänzungsgutachten damit erklären, dass er nicht 
über die Zeugenaussagen verfügte. Beide Gutachter haben denn auch ausgeführt, dass für die Klärung 
der Ursache des Sturzes insbesondere dessen Umstände massgebend sind, namentlich die Zeugen-
aussagen. Prof. em. Dr. med. L.________ kam aufgrund der Zeugenaussagen zum Schluss, dass es 
sich um einen Stolpersturz handeln muss. Er begründete dies nachvollziehbar damit, dass ein Zusam-
menbrechen für Beobachter gut erkennbar gewesen wäre, den beiden Zeugen aber nichts dergleichen 
aufgefallen sei. Prof. Dr. med. K.________ ging auf Vorhalt der Zeugenaussagen ebenfalls von einem 
Stolpersturz aus. Er erachtete gestützt darauf einen natürlichen Tod für inkompatibel. 

[…]

Der Tod des Opfers nach dem Stolpersturz wurde sodann durch das Überrollen verursacht: Prof. em. 
Dr. med. L.________ äusserte in seinem Zweitmeinungsgutachten sehr deutlich, dass er aufgrund der 
Aktenlage und der Befunde einen Unfalltod durch Überrollung als überwiegend wahrscheinlich erachte. 
Er gehe mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einem Unfall und zwar einem Verkehrsunfall als 
Todesart aus (p. 325). Er bestätigte die todesursächliche Bedeutung des massiven Brustkorbtraumas 
(p. 321). Anlässlich der Hauptverhandlung führte Prof. Dr. med. K.________ ebenfalls klar aus, dass 
auch er es natürlich als sehr, sehr, sehr, sehr wahrscheinlich ansehe, dass das Opfer aufgrund der 
massiven Quetschung des Brustkorbs infolge des Überrollens verstorben sei (p. 422 Z. 15 ff.). Unter 
dieser Voraussetzung [Stolpersturz] sei völlig klar und unstrittig, dass die massive Verletzung des Brust-
korbs den Tod herbeigeführt habe. Als Todesart liege ein Unfalltod vor (p. 422 Z. 28 ff.). Wenn sich das 
Opfer vorher bewegt habe und irgendwie zu Sturze gekommen sei, also nicht zusammengebrochen, 
dann sei sie eindeutig durch das Überrollen des Fahrzeugs getötet worden (p. 423 Z. 11 ff.). [Gestützt 
auf den Stolpersturz] bestehe kein Zweifel daran, dass die nachfolgende Überrollung infolge der mas-
siven Quetschung des Brustkorbs zum Tod des Opfers geführt habe (p. 425 Z. 15 ff.). Auf Vorhalt dieser 
Aussagen bestätigte Prof. em. Dr. med. L.________ in der Hauptverhandlung, dass sich diese Auffas-
sung vollständig mit seinen Erkenntnissen decke. Weiter erklärte er, dass diese Schlussfolgerungen 
eigentlich ja schon im Gutachten des IRM gezogen, aber dann durch die Möglichkeit eines natürlichen 
Todes zuvor relativiert worden seien (p. 426 f. Z. 37 ff.). Im Gutachten des IRM vom 04.04.2019 war 
demgemäss etwas allgemeiner, aber dennoch bereits relativ deutlich geschildert worden, dass die fest-
gestellten Vitalitätszeichen hinweisend darauf seien, dass das Opfer zum Zeitpunkt des Unfallereignis-
ses noch einen funktionierenden Kreislauf gehabt habe. Das massive Brustkorbtrauma mit Bruch der 
Brustwirbelsäule dürfte todesursächlich gewesen sein. Die festgestellten todesursächlich relevanten 

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Verletzungen seien vereinbar mit der Annahme eines Überrollvorgangs zu Lebzeiten (p. 85). Im Ergän-
zungsgutachten des IRM war sodann etwas dezidierter ausgeführt worden, dass ausgehend von einem 
Stolpersturz der Überrollvorgang todesursächlich und die Todesart aus rechtsmedizinischer Sicht ein 
Unfalltod gewesen wäre (p. 106). Entsprechend ist das Polytrauma nach Verkehrsunfall als exitus letalis 
auch im Austrittsbericht des Spitals V.________ vom 29.11.2018 vermerkt (p. 114). Betreffend die Er-
klärung für die eher zurückhaltenden Ausführungen im Gutachten und im Ergänzungsgutachten des 
IRM kann auf das Vorstehende verwiesen werden. Zusätzlich ist zu bemerken, dass auch Prof. em. Dr. 
med. L.________ dafür hielt, dass das IRM, wenn es die Aussagen der Zeugen zur Verfügung gehabt 
hätte, wohl kaum in Zweifel gezogen hätte, dass das Opfer allein an den Folgen der nachträglichen 
Überrollung gestorben sei (p. 321). 

[…]

Entsprechend den schlüssigen und stimmigen Ausführungen von Prof. Dr. med. K.________ und Prof. 
em. Dr. med. L.________, welche auf die Zeugenaussagen abgestützt haben, ist somit davon auszu-
gehen, dass das Opfer nicht aufgrund einer natürlichen inneren Ursache stürzte. Für das Gericht ist 
erstellt, dass das Opfer einen Stolpersturz erlitt, weil es mit den Rädern des Rollators über den Trottoir-
rand geriet. Insoweit ist auch die im Gutachten des IRM ursprünglich diskutierte Herzerkrankung als 
denkbare Ursache für einen Sturz sowie eine allfällige vorgetäuschte Vitalität als Folge der Reanimation 
bzw. aufgrund der Überrollung nicht weiter zu diskutieren. Wären Prof. Dr. med. K.________ die Zeu-
genaussagen zur Verfügung gestanden, hätten sich Hypothesen über eine natürliche innere Ursache 
als Ursache für den Sturz erübrigt. Zudem ist gestützt auf die Ausführungen von Prof. em. Dr. med. 
L.________ ohnehin davon auszugehen, dass vorliegend in Anbetracht der Umstände und Befunde 
nicht auf die Hypothese eines «Sekundenherztodes» zurückzugreifen und eine solche gesundheitliche 
Störung äusserst unwahrscheinlich ist. Zudem lassen sich die zahlreichen, aber nicht ausgeprägten 
Vitalreaktionen mit der sehr kurzen Überlebenszeit des schweren Überrolltraumas für sich allein hinrei-
chend erklären. 

Schliesslich ist noch Folgendes zu bemerken: Das Opfer hatte auf beiden Seiten des Rollators je eine 
Tasche am Rollator angehängt (Zeuge M.________: p. 416 Z. 18; Zeuge N.________: p. 50 Z. 44 f., p. 
418 Z. 17 ff.) sowie eine amputierte Zehe (Bericht zur Legalinspektion: p. 78). Es ist indes unerheblich, 
ob die Gehsicherheit des Opfers durch die angehängten Taschen oder die amputierte Zehe beeinträch-
tigt war, da auch diese allfälligen Beeinträchtigungen nichts am Vorliegen eines Stolpersturzes ändern.

[…]

Zur von der Verteidigung vorgebrachten Möglichkeit des Todeseintritts vor der Überrollung und nach 
dem Sturz äusserte sich Prof. Dr. med. K.________ deutlich: Sollte es sich um einen Sturz im Sinne 
einer Unachtsamkeit, Ungeschicklichkeit gehandelt haben, was sie als Stolpersturz bezeichnet hätten, 
könnten sie sicherlich sagen, dass dieser Stolpersturz nicht geeignet gewesen sei, in irgendeiner Weise 
eine todesursächliche Verletzung zu setzen (p. 422 Z. 1 ff.). Der Sturz auf die Fahrbahn habe keine das 
Leben gefährdenden Folgen gehabt. Das heisse, sie hätten keine Hinweise insbesondere für ein todes-
würdiges Schädelhirntrauma oder eine Verletzung der Halswirbelsäule gesehen (p. 422 Z. 25 ff.). Auch 
Prof. em. Dr. med. L.________ äusserte sich diesbezüglich deutlich: Er schliesse mit überwiegender 
Wahrscheinlichkeit aus, dass das Opfer im Zeitpunkt des Überrollvorgangs bereits tot gewesen sei (p. 
327). Die Wahrscheinlichkeit eines gesundheitlich bedingten Zusammenbruchs mit sofortigem Todes-
eintritt nach dem Sturz und vor dem Überrollvorgang erachte er allein schon aufgrund der engen zeitli-
chen Abfolge als noch unwahrscheinlicher [als einen gesundheitlich bedingten Zusammenbruch am 
Rollator], wobei es ihm hier schwerfalle, einen steigernden Begriff zu «äusserst unwahrscheinlich» zu 

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finden (p. 362). Aus den nachvollziehbaren und stimmigen Ausführungen von Prof. Dr. med. 
K.________ und Prof. em. Dr. med. L.________ ergibt sich für das Gericht klar, dass der Tod des 
Opfers nicht vor der Überrollung eingetreten sein kann. Das Opfer lebte folglich noch, nachdem es auf 
die Strasse gefallen war. Erst das Überrollen durch die Räder des Autos der Beschuldigten führte zum 
Tod des Opfers.

Wie bereits vor erster Instanz zog die Verteidigung auch oberinstanzlich das Zweit-
meinungsgutachten von Prof. em. Dr. med. L.________ in Zweifel. Entgegen der 
Verteidigung muss es dem Gutachter jedoch erlaubt sein, Zeugenaussagen einflies-
sen zu lassen, sofern diese für dessen Beurteilung relevante Beobachtungen enthal-
ten. Denn die Tätigkeit des Sachverständigen umfasst auch die Ermittlung des Sach-
verhaltes und dessen Würdigung mit Blick auf die Regeln seines Fachs (SCHMID/JO-
SITSCH, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 3. Aufl. 2017, S. 384). 
Prof. em. Dr. med. L.________ nahm in diesem Zusammenhang auch keine Wer-
tung dieser Beweismittel vor (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 6B_989/2017 vom 
20. Dezember 2017 E. 3.3.9.), sondern führte aus, ausgehend von den guten Beob-
achtungen von zwei Zeugen könne er keine Anhaltspunkte für einen Zusammen-
bruch finden (pag. 319) und diskutierte sodann eine rein medizinische Abgrenzung 
zwischen einem natürlichen Tod und einem Unfalltod durch Überrollen (pag. 321 ff.). 
Prof. em. Dr. med. L.________ gab zudem an, auch ohne die Zeugenaussagen das 
plötzliche Herzversagen nicht erwogen zu haben (pag. 428, Z. 6 f.) und wäre damit 
so oder anders zum Ergebnis eines (unnatürlichen) Unfalltodes gelangt. Ebenfalls 
ist es gestützt auf die gutachterlichen Ausführungen und entgegen dem Vorbringen 
der Verteidigung einem Laien durchaus möglich, einen Stolpersturz von einem Zu-
sammenbrechen zu unterscheiden, weshalb auf die diesbezüglichen, glaubhaften 
Zeugenaussagen (vgl. hiervor) abzustellen ist. 

In Ergänzung zu den zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen ist des Weiteren auf 
folgenden Abschnitt aus dem rechtsmedizinischen Gutachten vom 4. April 2019 hin-
zuweisen: «Die festgestellten todesursächlich relevanten Verletzungen sind verein-
bar mit der Annahme eines Überrollungsvorganges zu Lebzeiten. Im Rahmen der 
Obduktion konnte keine natürliche, innere Ursache für den angegebenen Sturz auf 
die Strasse morphologisch nachgewiesen werden. Dabei ist jedoch anzumerken, 
dass das Herz von D.________ hochgradig krankhaft verändert war und jederzeit 
einen derartigen Sturz hätte auslösen können (beispielsweise durch Herzrhythmuss-
törungen), ohne dass dies morphologisch zu erkennen wäre. Somit bleibt unklar, ob 
ein Stolpersturz oder ein natürliches, inneres Geschehen den beobachteten Sturz 
auf die Fahrbahn verursacht hatte. Deshalb kann die Todesart aus rechtsmedizini-
scher Sicht letztlich nicht zweifelsfrei benannt werden, da ein natürliches inneres Ge-
schehen, das den Tod nach dem Sturz auf die Fahrbahn auch ohne Überrollung 
hätte nach sich ziehen können, denkbar bleibt.» (pag. 85). Aus diesen Ausführungen 
kann nicht abgeleitet werden, dass das Opfer bereits verstorben war, als es auf die 
Strasse stürzte. Vielmehr lassen diese den Schluss zu, dass der Sturz auf die 
Strasse auch aus Sicht von Prof. Dr. med. K.________ nicht todesursächlich war, 
sondern die Verletzungen aufgrund des Überrollungsvorgangs und ein natürlicher 
Todeseintritt ohne Überrollung lediglich vorstellbar blieb. Die Gutachten widerspre-
chen sich denn auch nicht. Prof. Dr. med. K.________ führte die Legalinspektion 
noch am Tattag (pag. 72) und die Obduktion am darauffolgenden Tag durch (pag. 

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80), ohne über die Zeugenaussagen zu verfügen. Hinsichtlich des Sachverhalts war 
nur bekannt, dass das Opfer gemäss mündlicher polizeilicher Angaben vom Gehweg 
auf die angrenzende Fahrbahn gestürzt war (pag. 73; pag. 81). Nichtsdestotrotz und 
obwohl die Variante des Sturzes aufgrund einer natürlichen Ursache erwogen wor-
den war, gelangte Prof. Dr. med. K.