# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8760e2f7-a8a4-5616-a1e2-a93450a9d637
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-27
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 27.06.2024 SB230415
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB230415_2024-06-27.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB230415-O/U/nk-ad

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, Oberrichter lic. iur. Weder und 

Oberrichter Dr. iur. Rauber sowie Gerichtsschreiber MLaw Andres

Urteil vom 27. Juni 2024

in Sachen

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, 
vertreten durch Sonderstaatsanwalt Dr. iur. A._____

Anklägerin, Berufungsklägerin und Anschlussberufungsbeklagte

sowie

B._____, 
Privatklägerin

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. X._____ 

gegen

C._____, 
Beschuldigter, Berufungsbeklagter und Anschlussberufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt MLaw Y._____ 

betreffend versuchte Vergewaltigung etc.

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 4. Mai 2023 
(DG220044)

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Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 19. Septem-

ber 2022 (Urk. 21) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:

1. Der Beschuldigte C._____ ist schuldig

 der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB,

 der versuchten Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB in 

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,

 der mehrfachen Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB, so-

wie

 der Nichtabgabe von Ausweisen und / oder Kontrollschildern im Sinne 

von Art. 97 Abs. 1 lit. b SVG.

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 24 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 1 Tag 

durch Haft erstanden ist, sowie mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 

Fr. 50.–.

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe und der Geldstrafe wird aufgeschoben und 

die Probezeit je auf 3 Jahre festgesetzt. 

4. Von der Anordnung einer Landesverweisung im Sinne von Art. 66a StGB 

und deren Ausschreibung im Schengener Informationssystem wird abgese-

hen.

5. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 

B._____ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadener-

satzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadener-

satzanspruches wird die Privatklägerin auf den Weg des Zivilprozesses ver-

wiesen.

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6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._____ Fr. 6'000.– zu-

züglich 5 % Zins ab 9. Juni 2021 als Genugtuung zu bezahlen. 

7. Die auf der Bild-Ton-Datenbank des Forensischen Instituts Zürich (FOR) ge-

speicherten Fotobogen / IRM-Fotografie (Asservaten-Nr. A015'100'853, Po-

lis Geschäfts-Nr. 80418446) werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Ent-

scheides der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen.

8. Die bei der Kantonspolizei, Asservaten-Triage, lagernde Datenauslesung 

(Asservaten-Nr. A015'236'961, Polis-Geschäfts-Nr. 80418446) wird nach 

Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides der Lagerbehörde zur Vernich-

tung überlassen.

9. Die bei der Kantonspolizei, Asservate-Triage, lagernde Strickjacke und die 

Damenschuhe (Asservat-Nr. A015'100'944 und Asservat-Nr. A015'100'966, 

Polis-Geschäfts-Nr. 80418446) werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses 

Entscheides unter Vorlage desselben und eines amtlichen Ausweises durch 

die Lagerbehörde auf erstes Verlangen hin an die Privatklägerin herausge-

geben. Holt die Privatklägerin die Strickjacke und die Damenschuhe nicht in-

nert 30 Tagen ab Rechtskraft dieses Entscheides bei der Lagerbehörde ab, 

ist diese berechtigt, die Strickjacke und die Damenschuhe gutscheinend zu 

verwenden bzw. zu vernichten. 

10. Alle weiteren noch vorhandenen Asservate, Spuren oder Spurenträger be-

treffend den Beschuldigten oder die Privatklägerin sind mit Rechtskraft die-

ses Entscheids zu vernichten.

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11. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr. 4'800.00 ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 2'100.00   Gebühr für das Vorverfahren;

Fr. 6'864.45   Auslagen Gutachten;

Fr. 630.00   Auslagen Polizei;

Fr. 21'563.50   Entschädigung amtliche Verteidigung, Rechtsanwalt  MLaw Y._____ (inkl. MwSt. und Barauslagen);

Fr. 11'280.85
  Kosten unentgeltliche Rechtsbeistandschaft
  Privatklägerin, Rechtsanwältin lic. iur. X._____ (inkl.
  MwSt. und Barauslagen);

Fr. 47'238.80   Total.

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.

Verzichten die Parteien auf eine Begründung des Entscheids, reduziert sich 

die Gerichtsgebühr auf zwei Drittel.

12. Die Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 11, einschliesslich derjenigen der amtli-

chen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsbeistandschaft der Privat-

klägerin, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der unentgeltli-

chen Rechtsbeistandschaft der Privatklägerin, Rechtsanwältin lic. iur. 

X._____, und der amtlichen Verteidigung, Rechtsanwalt MLaw Y._____, 

werden indessen einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Eine Nach-

forderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO sowie Art. 138 Abs. 1 i.V.m. Art. 135 

Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.

Berufungsanträge:

a) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland: 

(Urk. 102 S. 1)

1. Es sei die Landesverweisung im Sinne von Art. 66a StGB von 8 Jahren 

anzuordnen.

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2. Es sei die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Infor-

mationssystem anzuordnen.

3. Im Übrigen sei das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 4. Mai 

2023 zu bestätigen. 

b) Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 103 S. 1 ff.)

1. Es sei der Beschuldigte in Abänderung von Dispo-Ziff. 1 des erstinstanz-

lichen Urteils betreffend die Straftatbestände der sexuellen Nötigung 

i.S.v. Art. 189 Abs. 1 StGB, der versuchten Vergewaltigung i.S.v. 

Art. 190 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB sowie der mehrfachen 

Beschimpfung i.S.v. Art. 177 Abs. 1 StGB von Schuld und Strafe freizu-

sprechen;

2. Es sei der Beschuldigte in Abänderung von Dispo-Ziff. 2 des erstinstanz-

lichen Urteils für den unangefochtenen Straftatbestand betreffend die 

Nichtabgabe von Ausweisen und/oder Kontrollschilder i.S.v. Art. 97 

Abs. 1 lit. b SVG mit einer angemessenen Geldstrafe zu Tagessätzen à 

je CHF 50.00 zu bestrafen;

3. Es seien Dispo-Ziff. 2 und 3 im Sinne der beantragten Freisprüche an-

zupassen und die Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jah-

ren aufzuschieben.

4. lnfolge der beantragten Freisprüche entfällt Ziff. 4 des erstinstanzlichen 

Urteils.

5. lnfolge der beantragten Freisprüche entfällt Ziff. 5 des erstinstanzlichen 

Urteils. Eventualiter seien in Abänderung von Ziff. 5 die geltend gemach-

ten Schadenersatzansprüche vollumfänglich auf den Zivilweg zu verwei-

sen.

6. lnfolge der beantragten Freisprüche entfällt Ziff. 6 des erstinstanzlichen 

Urteils. Eventualiter seien in Abänderung von Ziff. 6 die geltend gemach-

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ten Genugtuungsansprüche vollumfänglich auf den Zivilweg zu verwei-

sen.

Eventualanträge:

1. Der Beschuldigte sei in Abänderung von Dispo-Ziff. 1 des erstinstanzli-

chen Urteils der sexuellen Belästigung schuldig zu sprechen. Im Übrigen 

sei er von den Vorwürfen der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 

Abs. 1 StGB, der versuchten Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 

Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie der mehrfa-

chen Beschimpfung i.S.v. Art. 177 Abs. 1 StGB freizusprechen.

2. Es sei der Beschuldigte in Abänderung von Dispo- Ziff. 2 des erstinstanz-

lichen Urteils für die beantragte Verurteilung zu einer sexuellen Belästi-

gung und für den unangefochtenen Straftatbestand betreffend die Nich-

tabgabe von Ausweisen und/oder Kontrollschilder i.S.v. Art. 97 Abs. 1 

lit. b SVG mit einer angemessenen Geldstrafe zu Tagesessätzen à je 

CHF 50.00 sowie für die sexuelle Belästigung mit einer angemessenen 

Busse zu bestrafen.

3. Es seien Dispo-Ziff. 2 und 3 im Sinne der beantragten Freisprüche an-

zupassen und die Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jah-

ren aufzuschieben.

4. lnfolge der beantragten Freisprüche entfällt Ziff. 4 des erstinstanzlichen 

Urteils.

5. lnfolge der beantragten Freisprüche entfällt Ziff. 5 des erstinstanzlichen 

Urteils. Eventualiter seien in Abänderung von Ziff. 5 die geltend gemach-

ten Schadenersatzansprüche vollumfänglich auf den Zivilweg zu verwei-

sen.

6. lnfolge der beantragten Freisprüche entfällt Ziff. 6 des erstinstanzlichen 

Urteils. Eventualiter seien in Abänderung von Ziff. 6 die geltend gemach-

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ten Genugtuungsansprüche vollumfänglich auf den Zivilweg zu verwei-

sen.

Sodann:

Es sei die Berufung der Staatsanwaltschaft vollumfänglich abzuweisen 

und auf die Anordnung eines Landesverweises zu verzichten.

eventualiter: Es sei im Falle der Anordnung eines Landesverweises im 

Sinne von Art.66a StGB im Rahmen einer allfälligen Gutheissung der 

Berufung von deren Ausschreibung im Schengener Informationssystem 

abzusehen.

Alles unter ausgangsgemässen Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 

MwSt.) und, insbesondere im Falle des Obsiegens im Hauptantrag bzw. Even-

tualantrag, unter Neuverlegung der Kosten- und Entschädigungsfolgen des 

erstinstanzlichen Verfahrens zu Lasten der Staatskasse.

c) Der Vertreterin der Privatklägerschaft:

(Urk. 105 S. 2)

1. Das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 4. Mai 2023 sei – mit Aus-

nahme von Dispositiv-Ziff. 4 betr. Landesverweis – vollumfänglich zu be-

stätigen und der Beschuldigte sei anklagegemäss schuldig zu sprechen.

2. Der Privatklägerin sei für das Berufungsverfahren die unentgeltliche 

Rechtspflege zu gewähren und es sei ihr in der Person der Unterzeich-

neten rückwirkend ab Urteilsfällung durch das Bezirksgericht Winterthur 

eine unentgeltliche Rechtsbeiständin in der Person der Sprechenden 

beizugeben, bzw. die erstinstanzlich bereits zugesprochene unentgeltli-

che Rechtspflege sei auf das Berufungsverfahren auszudehnen.

3. Die Verfahrenskosten sowie die Kosten der unentgeltlichen Rechtsver-

tretung der Privatklägerin seien dem Beschuldigten zu auferlegen.

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4. Es sei der Privatklägerin ein allfälliges schriftlich begründetes Urteil zu-

zustellen.

__________________________________

Erwägungen:

I. Prozessgeschichte/Prozessuales

1. Verfahrensgang

1.1. Gegen das vorstehend wiedergegebene, mündlich eröffnete und schriftlich im 

Dispositiv mitgeteilte Urteil vom 4. Mai 2023 (Urk. 54) meldete der Vertreter der 

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland (im Folgenden: Staatsanwaltschaft) innert 

Frist Berufung an (Urk. 56). Das begründete Urteil (Urk. 59 = Urk. 61) wurde den 

Parteien am 20., 21. bzw. 27. Juli 2023 zugestellt (Urk. 60/1-4). Mit Schreiben vom 

2. August 2023 ging die Berufungserklärung der Staatsanwaltschaft fristgerecht 

ein, wobei keine Beweisanträge gestellt wurden (Urk. 63). Mit Präsidialverfügung 

vom 15. August 2023 wurde dem Beschuldigten und der Privatklägerin Frist ange-

setzt, um Anschlussberufung zu erklären oder begründet ein Nichteintreten auf die 

Berufung zu beantragen (Urk. 65). Der Beschuldigte liess mit Eingabe vom 25. Au-

gust 2023 seiner Verteidigung Anschlussberufung erklären (Urk. 67). Mit Präsidia-

lverfügung vom 14. September 2023 wurde der Staatsanwaltschaft und der Privat-

klägerin eine Kopie der Anschlussberufung des Beschuldigten zugestellt (Urk. 69). 

Die Privatklägerin liess mit Eingabe vom 22. September 2023 für den Fall einer 

erneuten Einvernahme ihrerseits durch das Gericht den Antrag stellen, durch eine 

Person des gleichen Geschlechts einvernommen zu werden. Zudem beantragte sie 

den Ausschluss der Öffentlichkeit (Urk. 71). Die Staatsanwaltschaft beantragte mit 

Eingabe vom 20. Oktober 2023 (Urk. 73) den Beizug einer Eingabe samt Beilagen 

der Privatklägerin vom 9. August 2023, die diese an die Staatsanwaltschaft einge-

reicht hatte (Urk. 74 und 75/1-5). Mit Datum vom 27. Oktober 2023 wurden die 

Parteien auf den 26. Juni 2024 zur Berufungsverhandlung vorgeladen. Durch Mit-

teilung vom 27. Februar 2024 wurden die Parteien über eine Änderung in der Ge-

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richtsbesetzung anlässlich der Berufungsverhandlung unterrichtet unter Hinweis, 

dass allfällige Einwendungen gegen die Besetzung des Spruchkörpers unverzüg-

lich schriftlich zu erheben seien (Urk. 79), worauf keine Einwendungen erfolgten. 

Die Verteidigung reichte am 22. Mai 2024 ein per 8. Mai 2024 in Auftrag gegebenes 

und am 17. Mai 2024 erstelltes Privatgutachten des Instituts für Rechtsmedizin der 

Universität Basel ein bezüglich einer bei der Privatklägerin vom Institut für Rechts-

medizin der Universität Zürich, IRM, konstatierten mutmasslichen Bissverletzung 

am Oberarm (Urk. 81). Die Verteidigung stellte in ihrer Eingabe den Beweisantrag, 

das Privatgutachten des IRM Basel sei dem IRM Zürich zur Stellungnahme zuzu-

stellen unter Beantwortung entsprechender Fragen (Urk. 80). Auf entsprechende 

mit Präsidialverfügung vom 23. Mai 2024 angesetzte Frist (Urk. 82) teilten die 

Staatsanwaltschaft und die Vertreterin der Privatklägerin mit, keine Einwendungen 

gegen den Beweisantrag der Verteidigung zu haben (Urk. 84 und 86). Hierauf 

wurde mit Beschluss vom 4. Juni 2024 und nach dessen Einverständnis Dr. med. 

D._____ vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich als Gutachter bestellt 

und um Beantwortung der sich stellenden Fragen ersucht (Urk. 87, 88 und 91). Die 

Staatsanwaltschaft reichte dem Gericht mit Eingabe vom 7. Juni 2024 ergänzende 

Urkunden ein, die zu den Akten genommen und der Verteidigung sowie der Vertre-

terin der Privatklägerin in Kopie zugestellt wurden (Urk. 92). Das ergänzende Gut-

achten des Instituts für Rechtsmedizin vom 19. Juni 2024 (Urk. 93) ging am 20. Juni 

2024 beim Gericht ein und wurde den Parteien sogleich in Kopie zugestellt (Urk. 

98/1-3). Am 20. Juni 2024 reichte die Verteidigung ferner im Hinblick auf die bevor-

stehende Berufungsverhandlung unaufgefordert eine Stellungnahme mit mehreren 

Beilagen ein (Urk. 95 und Urk. 96/1-9), welche ebenfalls der Staatsanwaltschaft 

und der Privatklägervertreterin zur Kenntnis zugestellt wurde (Urk. 97).

1.2. Zur Berufungsverhandlung vom 26. Juni 2024 erschienen Sonderstaatsan-

walt Dr. iur. A._____, der Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers, 

Rechtsanwalt MLaw Y._____, und die Vertreterin der Privatklägerin, Rechtsanwäl-

tin MLaw X._____ (Prot. II S. 8). Das Urteil erging am 27. Juni 2024 und wurde den 

Parteien – nachdem diese auf eine mündliche Eröffnung und Begründung des Ur-

teils verzichtet hatten (Prot. II S. 35) – schriftlich im Dispositiv eröffnet (Prot. II S. 

37 ff.).

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2. Umfang der Berufung

2.1. In der Berufungsschrift ist anzugeben, ob das Urteil vollumfänglich angefoch-

ten wird (Art. 399 Abs. 3 lit. a StPO) oder, falls das Urteil nur in Teilen angefochten 

wird, welche Abänderungen des erstinstanzlichen Urteils verlangt werden (Art. 399 

Abs. 3 lit. b StPO). Die Staatsanwaltschaft ficht das vorinstanzliche Urteil einzig 

bezüglich Dispositivziffer 4 (Absehen von einer Landesverweisung und deren Aus-

schreibung im Schengener Informationssystem) an (Urk. 83). Die Verteidigung ficht 

das vorinstanzliche Urteil mit ihrer Anschlussberufung bezüglich Dispositivziffern 1 

Abs. 1-3, 2, 3, 5, 6 und 12 an (Urk. 67; Urk. 103 S. 1 ff.). 

2.2. Von der Berufung nicht umfasst sind somit die Dispositivziffern 1 Abs. 4 

(Schuldspruch wegen Nichtabgabe von Ausweisen/Kontrollschildern), 7-10 (Ge-

genstände und Spurenträger) und 11 (Kostenfestsetzung). Das Urteil des Bezirks-

gerichts Winterthur vom 4. Mai 2023 ist mithin bezüglich jener Dispositivziffern in 

Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels Beschluss festzustellen ist.

II. Sachverhalt

1. Ausgangslage

1.1. Anklagevorwürfe

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten unter Dossier 1 zusammengefasst 

vor, am Abend des 9. Juni 2021 hätten sich er und seine von ihm getrennt lebende 

Ehefrau, die Privatklägerin B._____, in einem Lagerraum in E._____, wo der Be-

schuldigte in den Räumlichkeiten seiner Firma F._____ GmbH eine Bar eingerichtet 

habe, getroffen, wobei es zu einer Auseinandersetzung gekommen sei. In deren 

Verlauf habe der Beschuldigte die Privatklägerin am Arm gepackt und zu sich ge-

zogen. Die Privatklägerin habe aus dem Raum flüchten wollen, was ihr jedoch miss-

lungen sei. Der Beschuldigte habe sich ihr genähert, ihr von hinten in die Hose und 

unter die Unterhose an die Scheide gegriffen und mutmasslich versucht, seine Fin-

ger in diese einzuführen. Die Privatklägerin habe gesagt, dass sie dies nicht wolle 

und versucht, den Beschuldigten von sich wegzudrücken, wobei sie sich dann zu-

nächst von ihm habe lösen können. Der Beschuldigte habe sie jedoch wieder ein-

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geholt, sie anschliessend mit dem Bauch auf die Lounge gedrückt, sie darauf ge-

dreht, so dass sie rücklings auf der Lounge gelegen sei. Hierbei habe er sie mit 

Ellbogen und Knie unter sich fixiert. Als die Privatklägerin sich mit Kratzen und Beis-

sen zu wehren versucht habe, habe der Beschuldigte zurückgebissen. In der Folge 

habe er ihr ruckartig Hose und Unterhose ausgezogen, seinen eigenen Hosenladen 

geöffnet, seinen Penis herausgenommen und auf sein bereits erigiertes Glied ge-

spuckt. Die Privatklägerin habe geschrien, er solle aufhören, "nein" und sie wolle 

das nicht, worauf der Beschuldigte entgegnet habe, weswegen sie denn so schreie, 

sie sei seine Frau, er habe das Recht dazu. Erst als die Privatklägerin in dieser 

Situation vor Ekel zu würgen und zu hyperventilieren angefangen habe, habe der 

Beschuldigte von ihr abgelassen und sie von sich weggeschubst. Hätte das Ver-

halten des Beschuldigten bei der Privatklägerin kein Würgen und Hyperventilieren 

ausgelöst, hätte der Beschuldigte gemäss Anklage den Geschlechtsverkehr vollzo-

gen, obschon die Privatklägerin ihm unmissverständlich mitgeteilt und zu verstehen 

gegeben habe, dass sie dies nicht wolle. Als die Privatklägerin geflohen sei und 

noch Gegenstände nach ihm geworfen habe, habe er ihr beim Ausgang in die 

Haare gespuckt (Urk. D1/21 S. 2 ff.).

1.2. Beschuldigter/Verteidigung

Der Beschuldigte bestreitet den Anklagesachverhalt gemäss Dossier 1 vollumfäng-

lich (Prot. I S. 13 ff.; Prot. II S. 22 ff.). Dementsprechend wird seitens der Verteidi-

gung ein vollumfänglicher Freispruch beantragt (Urk. 52 S. 26; Urk. 67 S. 2; 

Urk. 103 S. 1 ff.).

1.3. Vorinstanz

Die Vorinstanz erachtete den Anklagesachverhalt gemäss Dossier 1 im Rahmen 

ihrer Würdigung im Wesentlichen als erstellt (Urk. 61 S. 8-30).

2. Grundlagen der Beweiswürdigung und Aufzählung der Beweismittel

Hierzu kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Aus-

führungen im vorinstanzlichen Entscheid verwiesen werden (Urk. 61 S. 8-11). Er-

gänzend ist zur Beweiswürdigung zu erwähnen, dass die in Art. 32 Abs. 1 BV und 

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Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerte Unschuldsvermutung bedeutet, dass es Sache der 

Strafverfolgungsbehörden ist, der beschuldigten Person ihre Täterschaft nachzu-

weisen. Gemäss Art. 113 Abs. 1 StPO muss sich die beschuldigte Person nicht 

selbst belasten und hat namentlich das Recht, die Aussage und Mitwirkung im 

Strafverfahren zu verweigern. Das Recht zu schweigen gehört zum allgemein an-

erkannten Standard eines fairen Verfahrens (BGE 147 I 57 E. 5.1; BGE 144 I 242 

E. 1.2.1). Gegen das Verbot des Selbstbelastungszwangs verstösst zum Beispiel 

ein strafbewehrter Befehl an die beschuldigte oder eine andere verweigerungsbe-

rechtigte Person, potentiell belastende Beweisunterlagen herauszugeben oder be-

lastende Aussagen gegen sich oder (im Rahmen des Aussageverweigerungsrech-

tes) eine andere Person zu machen (BGE 142 IV 207 E. 8.3.1). Unzulässig ist na-

mentlich auch, das Schweigen der beschuldigten Person als Indiz für ihre Schuld 

zu werten (BGE 138 IV 47 E. 2.6.1). Demgegenüber ist es – wie das Bundesgericht 

unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes für 

Menschenrechte in Sachen John Murray gegen Vereinigtes Königreich (Urteil vom 

8. Februar 1996, Nr. 18731/91) explizit festgestellt hat – nicht ausgeschlossen, das 

Aussageverhalten der beschuldigten Person in die freie Beweiswürdigung mitein-

zubeziehen, so insbesondere, wenn sie sich weigert, zu ihrer Entlastung erforderli-

che Angaben zu machen, bzw. es unterlässt, entlastende Behauptungen näher zu 

substantiieren, obschon eine Erklärung angesichts verschiedener belastender Be-

weiselemente vernünftigerweise erwartet werden darf (Urteile des Bundesgerichts 

6B_1202/2021 vom 11. Februar 2022 E. 1.8.2, 6B_1302/2020 vom 3. Februar 

2021 E. 1.4.4 [nicht publ. in BGE 147 IV 176] und 6B_289/2020 vom 1. Dezember 

2020 E. 7.8.1).

3. Vorbemerkung

Die Würdigung des Anklagesachverhalts durch die Vorinstanz erscheint grundsätz-

lich überzeugend (Urk. 61 S. 12-30), weswegen im Wesentlichen darauf verwiesen 

werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO). Die nachfolgenden Erwägungen sind daher pri-

mär präzisierender Natur.

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4. Würdigung

4.1. Beschuldigter

4.1.1. Bei der Würdigung des Aussageverhaltens des Beschuldigten ist vorab 

zu beachten, dass er während des gesamten Vorverfahrens die Aussagen zur Sa-

che verweigerte. Wie soeben dargelegt, darf daraus nichts zu seinen Lasten abge-

leitet werden. Hinsichtlich seiner später vor Vorinstanz (Prot. I S. 42 ff.) und im Rah-

men der Berufungsverhandlung (Prot. II S. 20 ff.) gemachten Aussagen ist jedoch 

zu berücksichtigen, dass er diese in Kenntnis sämtlicher objektiver und subjektiver 

Beweismittel machte. Dementsprechend sind umso weniger Widersprüche in sei-

nen Aussagen zu erwarten bzw. ein Fehlen von Widersprüchen spricht umso we-

niger für die Richtigkeit, als wenn die Aussagen z.B. bereits zu Beginn des Verfah-

rens gemacht worden wären und mehrere an unterschiedlichen Daten gemachte 

Aussagen miteinander verglichen werden könnten. Nachdem der Beschuldigte die 

ihm vorgeworfenen Handlungen in weiten Teilen schlicht bestreitet, kann von ihm, 

wie dies auch seitens der Verteidigung zutreffend angemerkt (Urk. 52 Rz. 9; 

Urk. 103 Rz. 42) und von der Vorinstanz erwogen (Urk. 61 S. 29) wird, nicht die-

selbe Detailtreue wie von der Privatklägerin erwartet werden. Falls sich die dem 

Beschuldigten vorgeworfenen Tathandlungen tatsächlich nicht oder nur in Teilen 

zutrugen, wäre eine ins Detail gehende Bestreitung derselben schwierig, da in der 

Regel etwas nicht Vorgefallenes nur schwer substantiiert bestritten werden kann. 

4.1.2. Die Vorinstanz hielt zu den Aussagen des Beschuldigten fest, seine Zeit-

angaben zur Anwesenheit der Privatklägerin in den Räumlichkeiten der F._____ 

GmbH liessen Zweifel über die Wahrhaftigkeit seiner Aussagen aufkommen, da er 

angegeben habe, die Privatklägerin sei 20-30 Minuten – maximal 40 Minuten – vor 

Ort gewesen (Prot. I S. 66). Dies stehe in klarem Widerspruch zu den Videoaufnah-

men, die zeigen, dass die Privatklägerin um 18:22:11 Uhr beim Lager der F._____ 

GmbH eintraf und um 19:57:32 Uhr dieses wieder verliess (Urk. D1/9/3). Die Pri-

vatklägerin sei mithin mehr als eineinhalb Stunden vor Ort gewesen. Es entstehe 

der Anschein, als würde der Beschuldigte einen Teil der Geschehnisse in seinen 

Schilderungen komplett ausblenden. Der Beschuldigte habe bloss Ausführungen 

zu den generellen Begleitumständen sowie zum ersten von der Privatklägerin ge-

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schilderten Sachverhaltsabschnitt gemacht, der das Streitgespräch betroffen habe. 

Dabei liessen sich diese Aussagen mit denjenigen der Privatklägerin mehrheitlich 

in Einklang bringen. So habe er ebenfalls von einem Streit über gemeinsame Ferien 

und seine Beziehung mit einer anderen Frau erzählt. Auch das Werfen von Werk-

zeugen und Billardkugeln, was zum Bruch des Spiegels geführt haben solle, habe 

der Beschuldigte erwähnt (Prot. I S. 47). Abgesehen von diesem Streit habe er in-

des sämtliche Vorwürfe zum Kerngeschehen pauschal bestritten. Es verbleibe da-

mit eine zeitliche Lücke am Tatabend, die der Beschuldigte mit seinen Ausführun-

gen zum Streit nicht zu füllen vermöge. Dieses lückenhafte Aussageverhalten des 

Beschuldigten spreche gegen die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen (Urk. 61 S. 27 

f.). Hierzu ist zu bemerken, dass sich aus der zeitlichen Fehleinschätzung, wie 

lange die Privatklägerin sich am fraglichen Abend in den Räumen der F._____ 

GmbH aufgehalten habe, noch nichts bezüglich der Glaubhaftigkeit der Aussagen 

des Beschuldigten ableiten lässt, zumal – wie auch die Verteidigung darauf hinweist 

(Urk. 103 Rz. 43) – zeitliche Einschätzungen durch Aussagepersonen, insbeson-

dere wenn einerseits teilweise ein dynamischer Sachverhalt gegeben ist und ande-

rerseits die ersten Aussagen bereits längere Zeit nach den Ereignissen gemacht 

werden, regelmässig mit Vorsicht zu würdigen sind. Daraus, dass der Beschuldigte 

die Aufenthaltsdauer der Privatklägerin in den Räumen der F._____ GmbH deutlich 

zu kurz einschätzte, kann daher nicht der Schluss gezogen werden, er habe in sei-

ner Erzählung die ihm vorgeworfenen Tathandlungen weggelassen. Dies gilt ins-

besondere vor dem Hintergrund, dass die Zeitspanne ab der Eskalation des zu-

nächst während längerer Zeit bloss verbalen Streits bis zum Verlassen der Räume 

durch die Privatklägerin mit grosser Wahrscheinlichkeit nur wenige Minuten gedau-

erte haben dürfte. 

4.1.3. Die Vorinstanz zog die Aussagen des Beschuldigten sodann auch des-

halb in Zweifel, weil er jeglichen sexuellen Kontext in Zusammenhang mit dem Ta-

tabend abgestritten habe, indem gemäss seinen Aussagen weder die Privatkläge-

rin noch er selbst irgendwelche sexuelle Andeutungen gemacht hätten. Zudem 

habe er abgestritten, dass er in der Vergangenheit auf seinen Penis gespuckt habe 

bzw. dass ihn dies sexuell errege, obschon kein Grund ersichtlich sei, weshalb die 

Privatklägerin solche Praktiken bzw. Vorlieben des Beschuldigten erfunden haben 

- 15 -

sollte (Prot. I S. 49 und 51; Urk. 61 S. 28). Hierzu ist zu bemerken, dass alleine das 

Abstreiten jeglichen sexuellen Kontexts zwischen der Privatklägerin und ihm selbst 

am Tatabend durch den Beschuldigten noch nicht gegen die Richtigkeit seiner Aus-

sagen spricht. Ausgehend von seiner Position, wonach es keinerlei sexuelle Hand-

lungen an jenem Abend zwischen der Privatklägerin und ihm gegeben habe, ist ein 

solches Bestreiten somit nur logisch und konsequent und spricht nicht per se gegen 

die Richtigkeit der Aussagen. Wenn die Vorinstanz sodann erwägt, das Bestreiten 

der Vorliebe des Spuckens auf den erigierten Penis sei deshalb unglaubhaft, weil 

kein Grund ersichtlich sei, weswegen die Privatklägerin dies erfinden sollte, so zieht 

sie einen Zirkelschluss. Ausgehend von der Position des Beschuldigten, wonach 

die Privatklägerin die Vorwürfe gegen ihn erfunden habe, um ihm eins auszuwi-

schen, erschiene ein derartiges Erfinden einer sexuellen Vorliebe des Beschuldig-

ten als durchaus raffiniertes Verhalten. Auch aus diesem Bestreiten kann somit we-

der für noch gegen die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten etwas ab-

geleitet werden.

4.1.4. Wenig überzeugend erscheint die Sachverhaltsschilderung des Be-

schuldigten aber dahingehend, als dass ihr die innere Logik abgeht. Wenn er ei-

nerseits zunächst den Streit mit der Privatklägerin bezüglich gemeinsamer Ferien 

mit dem Sohn und wegen seiner Beziehung mit einer anderen Frau schilderte, an-

dererseits aber auch die Aussagen der Privatklägerin bezüglich deren Verhaltens 

beim Verlassen der Räume der F._____ GmbH mittels Werfens von Werkzeugen 

und Billardkugeln, wobei letzteres zum Bruch des Spiegels geführt habe, zum Teil 

bestätigte, so fehlt dieser Erzählung die innere Struktur. Insbesondere ist nicht er-

sichtlich, weswegen die Privatklägerin derart hätte ausrasten sollen, dass sie mit 

Gegenständen um sich geworfen (vgl. Prot. I S. 47; Prot. II S. 22) und selbst ihre 

Schuhe vor Ort verloren hätte, wenn sich nicht etwas dazwischen ereignet hätte, 

dass die Privatklägerin derart in Rage brachte. Der verbal geführte Streit kann als 

Erklärungsgrund dafür jedenfalls nicht herangezogen werden, insbesondere nicht, 

dass der Beschuldigte ihr gesagt habe, er wolle nicht mit ihr in die Ferien bzw. 

könne sich keine Beziehung mit ihr vorstellen (Prot. I S. 45 f.; Prot. II S. 22), waren 

die beiden doch zu diesem Zeitpunkt bereits fast zwei Jahren getrennt und seither 

in einer On/Off-Beziehung mit längeren Unterbrüchen, wobei es bei den Treffen 

- 16 -

bzw. Kontakten zwischen ihnen laut dem Beschuldigten meistens darum gegangen 

sei, ob sich die beiden wieder versöhnen würden (vgl. Prot. I S. 42 f.). Die Thematik 

war mithin nicht neu, sondern eher ein Dauerthema zwischen den beiden. Entspre-

chend vermögen auch die vom Beschuldigten im Hinblick auf die Berufungsver-

handlung eingereichten Chat-Konversationen sowie Videos (Urk. 69/2-3; 

Urk. 104/1-7) nicht mehr darzulegen, als ohnehin schon bekannt ist bzw. auch nicht 

umstritten ist, nämlich dass die beiden seit ihrer Trennung immer wieder Kontakt 

hatten und offenbar auch eine gewisse sexuelle Anziehung zwischen den beiden 

vorlag, die On/Off-Beziehung in verschiedener Hinsicht konfliktbeladen war und die 

Privatklägerin der neuen Partnerin bzw. Mutter seines Kindes sehr ablehnend ge-

genüberstand (vgl. dazu auch nachfolgend Erw. 4.2.1.). Daraus vermag der Be-

schuldigte nicht Entscheidendes für sich und den hier relevanten Vorfall abzuleiten. 

Die Sachverhaltsschilderung des Beschuldigten erweckt somit den Eindruck, dass 

zwischen dem verbal geführten Streit einerseits und dem Verlassen der Räume der 

F._____ GmbH durch die Privatklägerin andererseits etwas erfolgt sein musste, 

was der Beschuldigte bei seiner Erzählung gewissermassen wie ausstanzte. 

4.1.5. Auch wenn man die Aussagen des Beschuldigten mit den in den Akten 

liegenden objektiven Beweismitteln abgleicht (vgl. Erw. 4.3.), so finden diese in den 

objektiven Beweismitteln keine Stütze. Wenn er etwa sein Eingeständnis über 

WhatsApp der Privatklägerin gegenüber, ihr die Hose ausgezogen zu haben, als 

ironische Aussage bezeichnete (Prot. S. 61), so vermag das nicht zu überzeugen, 

sondern wird vielmehr als Schutzbehauptung entlarvt (vgl. Erw. 4.3.1.). Ebenso we-

nig vermochte der Beschuldigte eine irgendwie plausible Erklärung dafür zu bringen 

(Prot. I S. 64), wie seine DNA auf die Biss- oder Saugspur auf den Oberarm der 

Privatklägerin gelangte (vgl. Erw. 4.3.2.). 

4.1.6. Zuzustimmen ist der Vorinstanz darin, dass der Beschuldigte im Gegen-

satz zur Privatklägerin versuchte, eigenes unvorteilhaftes Verhalten komplett aus-

zublenden, während er möglichst bemüht war, die Privatklägerin unvorteilhaft zu 

beschreiben (Urk. 61 S. 29). So behauptete er – der selbst während der On/Off-

Beziehung mit der Privatklägerin eine Drittbeziehung einging und mit der neuen 

Partnerin ein Kind zeugte – zur Privatklägerin stets ehrlich gewesen zu sein und 

- 17 -

mit ihr eigentlich in Gutem auseinandergehen gewollt zu haben (Prot. I S. 62). 

Gleichzeitig zeichnete er von der Privatklägerin das Bild einer eifersüchtigen, irrati-

onalen und terrorisierenden Ehefrau, die ihm den Zugang zum gemeinsamen Kind 

verwehre (vgl. Prot. I S. 34 f., 42 ff., 47, 50 f. und 59; Prot. II S. 21 ff., S. 34 f.). Dass 

die Privatklägerin versuchte, den Vater des gemeinsamen Kindes zu kontaktieren, 

wenn dieser die gerichtlich festgelegten Unterhaltsbeiträge nicht bezahlte, ist nach-

vollziehbar und kann ihr jedenfalls nicht negativ angelastet werden. Auch der un-

terschwellige Vorwurf, die Privatklägerin schröpfe ihn finanziell, wird vor dem Hin-

tergrund der ausstehenden Unterhaltsbeiträge – zu deren Abänderung er soweit 

ersichtlich keine Anstrengungen traf, soweit er der Ansicht war, diese nicht bezah-

len zu können – als Versuch entlarvt, die Privatklägerin in ein möglichst schlechtes 

Licht zu stellen. Ebenso versuchte der Beschuldigte, die Privatklägerin als verlogen 

und betrügerisch darzustellen, indem er behauptete, sie habe Brustkrebs vorge-

täuscht, damit er die Brust-Operation bezahlte (Prot. I S. 67), wobei er diesen Vor-

wurf nicht belegen konnte. Diese Versuche zur Stimmungsmache – wohl zwecks 

Herabminderung der Glaubwürdigkeit der Privatklägerin – sind der Glaubhaftigkeit 

des Aussageverhaltens des Beschuldigten jedenfalls nicht förderlich.

4.1.7. Vor dem Hintergrund der aufgezeigten Lügensignale ist die Glaubhaftig-

keit der Aussagen des Beschuldigten als deutlich vermindert zu qualifizieren. 

4.2. Privatklägerin

4.2.1. Seitens der Verteidigung wurde geltend gemacht, die Privatklägerin 

habe ein Motiv für eine falsche Anschuldigung des Beschuldigten gehabt, wobei es 

ihr um Frust, Ehre, Kränkung, Rache und darum gegangen sei, dem Beschuldigten 

einen Denkzettel zu verpassen (Urk. 52 S. 2-5). Die Argumentation der Verteidi-

gung vermag indessen nicht zu überzeugen. Wie zuvor bereits erwähnt und auch 

seitens der Vorinstanz zutreffend erwogen wird (Urk. 61 S. 11 ff.), war zwar das 

Verhältnis zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin konfliktbeladen und 

belastend, so dass die Privatklägerin wie von ihr dargelegt gegenüber dem Be-

schuldigten durchaus auch starke negative Gefühle hegte, denen aber gleichzeitig 

eine weiterhin bestehende Zuneigung gegenüber stand, ansonsten sie den Be-

schuldigten nicht während langer Zeit hätte zurückgewinnen wollen. Zu beachten 

- 18 -

ist bezüglich Prozessinteresse der Privatklägerin, dass eine Verurteilung mit einer 

möglichen längeren Freiheitsstrafe und einer Landesverweisung für den Beschul-

digten jedenfalls den finanziellen Interessen der Privatklägerin entgegenstand und 

nach wie vor steht, zumal der Beschuldigte jedenfalls im Falle einer Landesverwei-

sung und Ausreise nach Serbien während Jahren keine Unterhaltsbeiträge würde 

bezahlen können. Auch geht aus den Aussagen der Privatklägerin einerseits und 

den in den Akten liegenden Chats zwischen den beiden andererseits hervor, dass 

sich die Privatklägerin ein stärkeres Engagement des Beschuldigten bezüglich des 

gemeinsamen Sohnes gewünscht hätte und das ihrer Ansicht nach fehlende Inter-

esse des Beschuldigten am Sohn einer der Konfliktpunkte war. Dass sie dem Be-

schuldigten das gemeinsame Kind hätte entziehen wollen, ist also nicht gegeben, 

weswegen eine Verurteilung des Beschuldigten samt allfälliger längerer Freiheits-

strafe und Landesverweisung auch unter diesem Gesichtspunkt ihren geäusserten 

Interessen entgegengestanden wäre, zumal sich der Beschuldigte diesfalls umso 

weniger um den gemeinsamen Sohn kümmern und mit diesem Umgang pflegen 

könnte. Zwar kann bei längeren Konfliktsituationen zwischen Parteien ein Motiv für 

falsche Anschuldigungen nie gänzlich ausgeschlossen werden. Stehen die mögli-

chen Konsequenzen des durch eine Anzeige ausgelösten Strafverfahrens den ob-

jektiven Interessen der anzeigeerstattenden Partei wie vorliegend gegeben aber 

klar entgegen, wäre zu erwarten, dass sich dann konkrete Anhaltspunkte dafür fin-

den liessen, weswegen diese Person aus emotionalen Gründen dennoch anders 

gehandelt hätte. Solche konkreten Anhaltspunkte sind aber nirgends ersichtlich, 

wie sowohl seitens der Vorinstanz überzeugend erwogen wird und worauf auch 

nachfolgend einzugehen ist. Mithin ist festzustellen, dass zwar aufgrund der Kon-

fliktsituation zwischen Beschuldigtem und Privatklägerin ein theoretisches Motiv 

der Privatklägerin für Falschanschuldigungen nicht gänzlich ausgeschlossen wer-

den kann, jegliche konkrete Anhaltspunkte dafür aber fehlen.

4.2.2. Vorab ist bei der Würdigung der Aussagen der Privatklägerin zu berück-

sichtigen, dass es sich bei den Ereignissen im Kern des Anklagesachverhalts, also 

ab der Zuspitzung des Streitgesprächs zwischen Beschuldigtem und Privatklägerin 

in Form des von ihr geäusserten serbokroatischen Kraftausdrucks "boli me pizda" 

bis zum Verlassen des Raums durch die Privatklägerin, um einen dynamischen 

- 19 -

Sachverhaltsablauf handelte. Dass eine Aussageperson einen solchen dynami-

schen Sachverhaltsablauf in mehreren Einvernahmen und über längere Zeit abso-

lut gleichbleibend zu schildern vermag, ist praktisch auszuschliessen. Gewisse Ab-

weichung zwischen den Depositionen unterschiedlichen Datums stellen daher nicht 

automatisch Widersprüche dar, die gegen die Glaubhaftigkeit der Aussagen insge-

samt sprechen, sondern vielmehr stellt sich im Falle unterschiedlicher Aussagen 

die Frage, ob es sich um erklärbare Abweichungen in den Aussagen handelt oder 

nicht. 

4.2.3. Vorliegend präsentiert sich das Aussageverhalten der Privatklägerin im 

Rahmen der Untersuchung im Kerngeschehen als detailreich und plastisch geschil-

dert, plausibel, in sich schlüssig und frei von relevanten, unauflösbaren Widersprü-

chen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass ihre Aussagen bei der Polizei nur knapp 

einen Tag nach dem zu prüfenden Tatzeitraum erfolgten, während diejenigen bei 

der Staatsanwaltschaft knapp fünf Monate später stattfanden, weswegen letztere 

zwingend auch einen gedanklichen Verarbeitungsprozess der Privatklägerin spie-

geln. Die Aussagen der Privatklägerin anlässlich der vorinstanzlichen Hauptver-

handlung erfolgten dann fast 23 Monate nach den fraglichen Ereignissen, so dass 

vor diesen Aussagen nochmals ein umso längerer gedanklicher Verarbeitungspro-

zess stattgefunden haben musste. Dass sie anlässlich der vorinstanzlichen Haupt-

verhandlung nicht mehr mit demselben Detailreichtum wie noch in der Untersu-

chung auszusagen vermochte (vgl. Prot. I S. 21 ff.), vermag daher nicht zu überra-

schen und spricht nicht gegen die Richtigkeit ihrer früheren Aussagen.

4.2.4. Gleichbleibend erfolgte zunächst die Schilderung des Wortgefechts, das 

gemäss Aussagen der Privatklägerin den Auslöser für die sexuellen Übergriffe des 

Beschuldigten dargestellt habe. Als Reaktion darauf, dass der Beschuldigte gesagt 

habe, es gehe ihm elend, habe sie ihm auf Serbisch gesagt "boli me pizda" bzw. 

wörtlich übersetzt: "meine Vagina tut weh". Sinngemäss heisse das, es gehe ihr 

"am Arsch vorbei". Darauf habe er erwidert, ob er es ihr so richtig geben solle, so 

dass es ihr wirklich weh tun würde (Urk. D1/5/2 S. 8). Sie habe dann erst noch 

gelacht und "nein" bzw. "hättest du gerne" gesagt, woraufhin er sie dann an der 

Hand gepackt und zu sich gezogen habe (Urk. D1/5/2 S. 8). In der polizeilichen 

- 20 -

Einvernahme schilderte sie das so, dass sie ihm auf Serbisch "meine Vagina tut 

weh" gesagt habe, womit man umgangssprachlich zum Ausdruck bringe: "es kratzt 

mich nicht". Er habe darauf erwidert: "ah was es kratzt dich nicht, dann mache ich 

es erst recht, dass die Vagina weh tut" (Urk. D1/5/1 S. 4). Anzumerken ist, dass die 

Privatklägerin hierdurch auch einräumte, selbst jedenfalls verbal zur Eskalation des 

Streits beigetragen zu haben, was ein Wahrheitssignal darstellt. Hätte sie den Be-

schuldigten möglichst schwer belasten wollen, wäre nicht mit einer solchen Aus-

sage zu rechnen. Zudem wirkt die Aussage auch vom Ablauf des Streits her be-

trachtet in sich logisch, indem die Privatklägerin gemäss ihrer Darstellung durch die 

Verwendung einer vulgären Redewendung mit Bezug auf ihre Vagina ungewollt ein 

sexuelles Element in den bis dahin lediglich verbal geführten Streit brachte. Die 

Schilderung des zunächst verbalen Streits erfolgte zudem sehr lebensnah, was ein 

klarer Hinweis auf tatsächlich Erlebtes darstellt. 

4.2.5. Ebenso gleichbleibend erfolgten die Schilderungen der Privatklägerin 

hinsichtlich ihrer Position, kurz bevor der Beschuldigte sie über die Lounge gezogen 

habe. So wiederholte die Privatklägerin bei der Staatsanwaltschaft die bei der Po-

lizei gemachte Aussagen, dass sie neben bzw. vor der Lounge gestanden habe 

(Urk. D1/5/1 S. 4, D1/5/2 S. 8 und 11), wobei der Einwand der Verteidigung, die 

darin einen Widerspruch sehen wollte (Urk. 52 Rz. 16 f.), als unbehilflich zu be-

zeichnen ist, kommt es doch auf den Blickwinkel bzw. die räumliche Perspektive 

an, ob man sich in einem gewissen Moment "vor" oder "neben" einem Objekt be-

findet, so dass damit ohne Weiteres dieselbe Position beschrieben werden kann. 

Widerspruchsfrei erfolgten weiter die Aussagen der Privatklägerin zu den grund-

sätzlichen Abläufen, wie der Beschuldigte im Folgenden vorgegangen sei. So habe 

er sie fixiert, indem er mit dem Ellbogen und den Knien auf ihr drauf gewesen sei. 

Er habe ihr auf die Brust gedrückt, welche sie frisch operiert hatte, worauf sie ge-

schrien habe, dass es ihr weh tue. Sie habe ihn dann irgendwann gebissen und er 

habe sie zurückgebissen (Urk. D1/5/1 S. 4, D1/5/2 S. 9 und 13). Im weiteren Verlauf 

habe er sie mit der einen Hand festgehalten und mit der anderen Hand ihre Hose 

heruntergezogen, später dann seine Hose aufgemacht und auf seinen Penis ge-

spuckt (Urk. D1/5/1 S. 4 f., D1/5/2 S. 9). In jenem Moment habe er gesagt, dass er 

dies dürfe, zumal sie seine Frau sei, sie solle nicht so tun. Dies alles habe er getan, 

- 21 -

obschon sie mehrfach geschrien habe, dass sie das nicht wolle und er aufhören 

solle (Urk. D1/5/1 S. 4 f., D1/5/2 S. 12 f.). 

4.2.6. Festzustellen ist bei allen diesen Schilderungen einerseits, dass sie ei-

nen hohen Grad an Detailliertheit und Originalität aufwiesen – wie z.B. das lediglich 

Öffnen der Hose seitens des Beschuldigten, statt diese ganz herunter zu ziehen, 

das Spucken auf den bereits erigierten Penis sowie die Aussage des Beschuldig-

ten, er dürfe mit ihr Sex haben, weil er ihr Mann sei, das Lösen bzw. nach hinten 

Biegen der Gel-Nägel infolge ihrer Abwehrversuche, ihre Abwehrversuche mittels 

Schreiens, Kratzens und Beissens, worauf der Beschuldigte auch sie in den rechten 

Oberarm gebissen habe, oder die Brustschmerzen aufgrund einer einige Zeit zuvor 

erfolgten Brustoperation – und andererseits, dass die Privatklägerin bei den ver-

schiedenen Handlungen ihre jeweilige Gefühlslage in sehr authentisch wirkender 

Weise zu schildern vermochte und nicht ausschliesslich körperliche Schmerzen er-

wähnte. So schilderte sie bereits in der ersten Einvernahme lebensnah und nach-

vollziehbar, angesichts der vielen Streitereien, die sie gehabt hätten, habe sie zu-

nächst keine Angst gehabt und erst als es eskaliert sei, was sie insbesondere auch 

anhand der Körperhaltung und des Blickes des Beschuldigten erkennen konnte, 

habe sie Angst und ein Gefühl des Kontrollverlustes bekommen (Urk. D1/5/1 S. 7). 

Vor Vorinstanz ergänzte sie, es habe ihr wehgetan, dass ihr Ehemann so "grusig" 

zu ihr sein könne (Prot. I S. 25), sowie dass die On/Off-Beziehung für sie extrem 

belastend gewesen sei, da sie ihrem Ehemann nach wie vor habe gefallen wollen 

(Prot. I S. 21). Der Einwand der Verteidigung vor Vorinstanz, die Privatklägerin 

habe keine Emotionen beschrieben (Urk. 52 Rz. 28; Urk. 103 Rz. 24), erweist sich 

daher als aktenwidrig. Ebenso fehl geht der Einwand der Verteidigung hinsichtlich 

der vermeintlichen Gefühlslage der Privatklägerin, es sei sonderbar für ein Opfer in 

Panik an den Tatort zurückzukehren, um die verloren gegangene Unterhose zu 

suchen (Urk. 52 Rz. 38; Urk. 103 Rz. 24). Ob die Privatklägerin, wie von der Vor-

instanz erwogen (Urk. 61 S. 22), allenfalls im Wissen darum, dass die Lagerräum-

lichkeiten auch durch andere Arbeiter benutzt werden, aus Scham zurückkehrte, 

um die Unterhose zu suchen, ist denkbar, kann aber offengelassen werden. Nach-

dem der Beschuldigte gemäss Schilderung der Privatklägerin selbst von ihr abliess 

und bei ihr in den ersten Minuten nach den fraglichen Ereignissen offenbar Wut 

- 22 -

aufgrund des soeben Erlebten die vorherrschende Gefühlslage darstellte – was 

sich auch in der von ihr geworfenen Billardkugel, die einen Spiegel zertrümmerte, 

zeigte –, erscheint ein kurzes Zurückkehren, um nach dem verlorenen Tanga zu 

suchen, keineswegs aussergewöhnlich. Die von ihr geschilderte Gefühlslage wäh-

rend der jeweiligen Ereignisse präsentiert sich jedenfalls als nachvollziehbar und 

kongruent mit den von ihr geschilderten Handlungen des Beschuldigten und ihr 

selbst. 

4.2.7. Mehrere Realitätskriterien weist auch die Schilderung der Privatklägerin 

auf, wie es dazu kam, dass der Beschuldigte schliesslich sein Vorhaben abgebro-

chen und von ihr abgelassen habe. Gleichbleibend schilderte sie bei der Polizei 

(Urk. D1/5/1 S. 5) wie auch bei der Staatsanwaltschaft (Urk. D1/5/2 S. 9, 13-15), 

sie habe es ekelhaft gefunden und ihm dies gesagt. Sie habe zu würgen und hy-

perventilieren begonnen, woraufhin es ihm "abgelöscht" habe. Er habe sie darauf 

von sich weggeschubst und gesagt: "Du findest mich eklig? Ich finde dich eklig." 

(Urk. D1/5/2 S. 9 und 13). In der Folge habe sie ihre Hose vom Boden aufgelesen 

und angezogen. Anschliessend sei ein Spiegel kaputt gegangen, weil sie versucht 

habe, ihn mit einer Billardkugel abzuschiessen (Urk. D1/5/2 S. 9). Zudem habe sie 

Metallsachen und Spachtel nach ihm geworfen (Urk. D1/5/2 S. 14). Der Beschul-

digte habe darauf ihr Auto mit einer Art Axt kaputt machen wollen, bevor sie dann 

nach gegenseitigem Anspucken, wie sie bei der Staatsanwaltschaft ergänzend be-

richtete, die Örtlichkeit mit ihrem Auto habe verlassen können (Urk. D1/5/2 S. 9 f. 

und 14 f.). Nebst der Widerspruchsfreiheit ist diesen Schilderungen auch ein sehr 

hoher Grad an Originalität zu attestieren, indem es schwer vorstellbar erscheint, 

dass die Privatklägerin dies so schildern würde, wenn sie es nicht tatsächlich so 

erlebt hätte. Zudem stellt die Erwähnung, dass der Beschuldigte – wenn auch durch 

den seitens der Privatklägerin manifestierten Ekel motiviert – letztlich von sich aus 

von ihr abgelassen habe, ein für ihn entlastendes Merkmal dar, dass sie kaum vor-

gebracht hätte, wenn sie den Beschuldigten wider besseres Wissens hätte mög-

lichst schwer oder gänzlich falsch belasten wollen. Dasselbe gilt für das geschil-

derte Verhalten ihrerseits, indem sie ihre Aggressionshandlungen in unmittelbarem 

Anschluss an die Tathandlungen des Beschuldigten von sich aus einräumte. Hätte 

die Privatklägerin den Beschuldigten wider besseres Wissens möglichst schwer 

- 23 -

oder gänzlich falsch belasten wollen, hätte sie kaum derartige Aggressionshand-

lungen ihrerseits eingeräumt. 

4.2.8. Zu beachten ist, dass der Vergleich der Depositionen der Privatklägerin 

bei der Polizei und bei der Staatsanwaltschaft auch Unterschiede aufweist, die bei 

Lichte betrachtet aber erklärbar sind und damit keine unauflösbaren Widersprüche 

darstellen. Während ihre Schilderungen bei der Polizei nur wenige Stunden nach 

den zu beurteilenden Ereignissen noch teilweise unstrukturiert und bruchstückhaft 

erscheinen, wirkt die Schilderung bei der Staatsanwaltschaft klar strukturierter im 

Ablauf. Den Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 61 S. 17 ff.) ist aber darin zuzustim-

men, dass sich dies mit einer unterschiedlichen Befragungstechnik anlässlich der 

beiden Einvernahmen erklären lässt, indem bei der Polizei lediglich offene Fragen 

gestellt wurden, so dass die Privatklägerin jeweils ausführte, was für sie als Erin-

nerung gerade zuvorderst stand, während die Einvernahme bei der Staatsanwalt-

schaft darauf ausgerichtet war, eine klare zeitliche Struktur in den Erzählstrang der 

Privatklägerin zu bringen und von vielen Nachfragen geprägt war. Vor diesem Hin-

tergrund erscheint es nur logisch, dass die Privatklägerin bei der Staatsanwalt-

schaft gewisse Details zu nennen vermochte, die in der polizeilichen Einvernahme 

wohl noch untergingen, insbesondere dass sie sich zwischendurch mehrere Male 

vom Beschuldigten habe lösen können, während ihre Depositionen bei der Polizei 

auf einen Handlungsablauf ohne Unterbrüche hindeuteten. Wie bereits seitens der 

Vorinstanz zutreffend darauf hingewiesen wird (Urk. 61 S. 19), stellt eine eher un-

strukturierte und sprunghafte Erzählweise der Privatklägerin ein Realitätskriterium 

dar, indem sie für einen Erlebnisbezug ihrer Aussagen spricht. Trotz des wie ein-

leitend angemerkt dynamischen Ereignisablaufs im Kernbereich der Anklage ver-

strickte sich die Privatklägerin entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 52 

Rz. 29; Urk. 103 Rz. 13 ff.) – auch hinsichtlich des Herunterziehens ihrer Hose 

durch den Beschuldigten (vgl. Urk. D1/5/1 S. 4; Urk. D1/5/2 S. 13 F/A 69; Prot. I 

S. 23 und 25) – in keinerlei unauflösbare Widersprüche. Der Versuch der Verteidi-

gung, aufgrund einzelner Details in den Aussagen der Privatklägerin verschiedene 

geschilderte Tatversionen zu erblicken, zielt daher ins Leere. 

- 24 -

4.2.9. Eine Aggravationstendenz wollte die Verteidigung in den Aussagen der 

Privatklägerin zum von ihr geschilderten Griff des Beschuldigten in ihre Hose bzw. 

an ihre Vulva erblicken (Prot. I S. 79 f.; Urk. 103 Rz. 26 f.). Bei der Polizei führte die 

Privatklägerin dazu aus, der Beschuldigte habe ihr in die Hose gefasst. Sie wisse 

aber nicht, ob über oder unter der Unterhose (Urk. D1/5/1 S. 4). Bei der Staatsan-

waltschaft sagte sie dazu, der Beschuldigte habe sie dann an die Lounge gedrückt 

bzw. so halb über die Lounge drüber gelehnt, mit seiner Hand von hinten in ihre 

Hose gefasst und sie vaginal berührt. Ob der Beschuldigte mit seinen Fingern va-

ginal eingedrungen sei oder nicht und wie viele Finger es gewesen seien, habe sie 

aufgrund des Gerangels nicht mehr spüren können. Sie habe sich gewindet und 

versucht, seine Hand wegzudrücken und sich mit dem Kopf zu wehren. Weiter habe 

sie mehrfach "Stopp" gerufen und ihm gesagt, dass sie das nicht wolle. Irgendwann 

habe er dann von ihr abgelassen und sie habe über die Lounge springen können 

(Urk. D1/5/2 S. 8 und 11 f.). Hierzu ist vorab zu bemerken, dass grundsätzlich ein 

Griff unmittelbar ans Geschlechtsteil der Privatklägerin und allenfalls ein Eindringen 

mit dem Finger eine schwerere Belastung darstellt, als lediglich ein Griff ans Ge-

schlechtsteil, wenn sich noch der Stoff der Unterhose dazwischen befand. Zu be-

rücksichtigen ist aber, dass die Privatklägerin sowohl bei der Polizei wie auch der 

Staatsanwaltschaft gewisse Unsicherheiten einräumte, indem sie bei der Polizei 

nicht zu sagen vermochte, ob sich die Hand über oder unter der Unterhose befun-

den habe, während sie bei der Staatsanwaltschaft zumindest implizit davon aus-

ging, die Hand sei unter der Unterhose gewesen; ob der Beschuldigte auch in sie 

eingedrungen sei, konnte sie aber nicht beurteilen. Wäre es der Privatklägerin im 

Sinne einer Aggravation effektiv darum gegangen, den Beschuldigten nunmehr 

schwerer zu belasten, hätte sie diese Unsicherheit nicht eingeräumt, wobei das 

Einräumen der fehlenden Möglichkeit, das zu beurteilen, wiederum ein Realitäts-

kriterium darstellt. Dass sich die Erinnerungen der Privatklägerin in diesem Punkt 

vor dem Hintergrund erlebter Flashbacks (Urk. D1/5/2 S. 18) im Verlaufe von knapp 

fünf Monaten etwas veränderten, erscheint durchaus nachvollziehbar, wobei ent-

gegen der Ansicht der Vorinstanz (Urk. 61 S. 23) und mit der Verteidigung (Urk. 103 

Rz. 26 f.) zu bezweifeln ist, dass die Vorkommnisse der Privatklägerin im Laufe der 

Zeit klarer wurden. Nachdem sich die Privatklägerin nur knapp einen Tag nach den 

- 25 -

Ereignissen nicht sicher war, ob sich die Hand des Beschuldigten unmittelbar an 

ihrer Vulva befand oder sich dazwischen noch der Stoff der Unterhose befand, er-

scheint es durchaus nachvollziehbar, wenn sie im Verlaufe der Zeit samt häufiger 

gedanklicher Befassung und Flashbacks zu glauben begann, die Hand des Be-

schuldigten habe sich unmittelbar auf ihrem Geschlechtsteil befunden, was eine 

umso schwere Betroffenheit ihrerseits darstellte. Vor dem Hintergrund der wieder-

holt geschilderten Unsicherheit in diesem Punkt kann zwar nicht als erstellt gelten, 

dass der Beschuldigte mit den Fingern tatsächlich vaginal in sie eingedrungen ist. 

Eine Aggravation der Belastungen, die sämtliche ihrer diesbezüglichen Aussagen 

als unglaubhaft erscheinen lassen würden, kann in ihren Aussagen allerdings – 

entgegen der Verteidigung – jedenfalls auch nicht erblickt werden. 

4.2.10. Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass die Privatklägerin entgegen der 

Ansicht der Verteidigung (Urk. 52 Rz. 28; Urk. 103 Rz. 25) auch nebensächliche 

Details, die nicht zum eigentlichen Kerngeschehen gehören, nannte. So merkte sie 

Details an wie die bereits erwähnten Würfe der Billardkugel und des Spachtels, das 

vom Beschuldigten angedrohte Kaputtmachen ihres Autos mit einem axtähnlichen 

Gegenstand sowie bei der Staatsanwaltschaft mehrmals, dass der Beschuldigte 

Popcorn gegessen habe (Urk. D1/5/1 S. 5 f., D1/5/2 S. 7 ff.). Das Nennen solcher 

Nebensächlichkeiten ohne unmittelbaren Bezug zum Kernbereich der Anklage 

stellt ein weiteres Realitätskriterium dar. Anzumerken ist, dass der Umstand, wo-

nach die Privatklägerin einen Teil der Nebendetails, das Essen des Popcorns durch 

den Beschuldigten, erst bei der Staatsanwaltschaft schilderte, dürfte der erwähnten 

unterschiedlichen Befragungstechnik geschuldet sein und spricht entgegen der An-

sicht der Verteidigung (Urk. 52 Rz. 14; Urk. 103 Rz. 25) nicht gegen die Richtigkeit 

ihrer Aussagen. Insbesondere ein derartiges zusätzliches Detail in ihren Aussagen, 

das für den Kernbereich der Anklage eigentlich völlig belanglos ist, zeigt, dass die 

Privatklägerin auch in ihrer zweiten Einvernahme bemüht war, ihre Erlebnisse aus 

freier Erinnerung wiederzugeben und nicht einfach gewissermassen eingeübte bei 

der Polizei gemachte Aussagen zu wiederholen.

4.2.11. Anzumerken ist in formeller Hinsicht, dass eine Einvernahme der Privat-

klägerin vor Berufungsinstanz weder notwendig noch sinnvoll erscheint. Zwar han-

- 26 -

delt es sich bei den dem Beschuldigten vorgeworfenen Delikten um Vieraugende-

likte. Ihre parteiöffentlichen Einvernahmen bei der Staatsanwaltschaft wurden auf 

Video aufgezeichnet (vgl. Urk. D1/5/2 S. 1 und D1/5/3), so dass sich auch die ge-

richtlichen Instanzen ein Bild vom Verhalten der Privatklägerin anlässlich ihrer Aus-

sagen in der Untersuchung machen können. Zudem wurde die Privatklägerin vor 

Vorinstanz als Auskunftsperson einvernommen (Prot. I S. 14 ff.). Die Privatklägerin 

sagte wie dargelegt im Wesentlichen konstant und in sich logisch aus und zudem 

werden ihre Aussagen – wie nachfolgend zu zeigen ist – durch weitere Beweismittel 

gestützt. Auf eine Einvernahme als Auskunftsperson vor Berufungsinstanz kann 

daher gestützt auf die diesbezügliche bundesgerichtliche Rechtsprechung (Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1265/2019 vom 9. April 2020 E. 1.2.; m.H.a. 

BGE 140 IV 196 E. 4.4.2 und Urteil des Bundesgerichts 6B_918/2018 vom 24. April 

2019 E. 2.2.2) verzichtet werden, zumal auch nicht anzunehmen ist, dass eine Ein-

vernahme der Privatklägerin gut drei Jahre nach den Tathandlungen sachdienlich 

wäre.

4.2.12. Zusammenfassend sind die Aussagen der Privatklägerin – vorerst für 

sich allein betrachtet – als glaubhaft und überzeugend zu bezeichnen.

4.3. Objektive Beweismittel

4.3.1. Der in den Akten liegende WhatsApp-Chatverlauf stützt die Aussagen 

der Privatklägerin. So schrieb der Beschuldigte: "Du hesch mer zerst is gsicht 

kspuclt" (Urk. D1/6/1 S. 2). Sodann bestätigte der Beschuldigte im Chat, der Privat-

klägerin die Hose ausgezogen zu haben: "Ja das hani us spass". Dagegen demen-

tierte er per WhatsApp-Nachricht den Vorwurf der versuchten Vergewaltigung: 

"Aber vergewaltige spinnsch" (Urk. D1/6/1 S. 2 f.). Anlässlich der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung stellte der Beschuldigte die Bestätigung des Ausziehens der 

Hose dann ebenfalls in Abrede mit dem Einwand, seine Nachricht sei ironisch ge-

meint gewesen (Prot. I S. 61). Hierzu führte die Verteidigung aus, bei elektronischer 

Korrespondenz seien Zynismus, Sarkasmus und Ironie ein zweischneidiges 

Schwert, und zog einen Vergleich zu einem umstrittenen Tweet von Regierungsrä-

tin Jacqueline Fehr im Jahr 2015 (Urk. 52 Rz. 50). Dazu ist zu bemerken, dass der 

Vergleich der Verteidigung nicht verfängt, stellen doch in politischen Auseinander-

- 27 -

setzungen jedenfalls Ironie und Sarkasmus ein öfters gesehenes Stilmittel dar. 

Demgegenüber ist vorliegend nicht ersichtlich, inwieweit die betreffende Bestäti-

gung des Beschuldigten hätte ironisch gemeint sein können, was z.B. im Falle einer 

bewussten Überzeichnung der Fall gewesen wäre. Vielmehr stellte er sogleich den 

Vergewaltigungsversuch kategorisch in Abrede, was ein durchaus differenziertes 

Bestreitungsverhalten zeigt. Auch das von der Verteidigung an der Berufungsver-

handlung vorgetragene neue Vorbringen, wonach sich diese Nachricht "Ja das hani 

us spass" nicht auf das Ausziehen der Hosen der Privatklägerin beziehen müsse, 

sondern vom Beschuldigten genauso gut auf eine frühere Nachricht kurz davor, 

etwa betreffend das Anspucken, hätte bezogen sein können (Urk. 103 Rz. 31), ver-

fängt bereits deshalb nicht, weil der Beschuldigte selber solches nicht behauptet, 

sondern in der Befragung an der Hauptverhandlung vielmehr angab, dass diese 

Nachricht – wenn angeblich auch nur ironisch gemeint – auf das Ausziehen der 

Hosen bezogen gewesen sei (Prot. I S. 61). Mithin bestehen keinerlei vernünftige 

Zweifel daran, dass der Beschuldigte im WhatsApp-Chat gegenüber der Privatklä-

gerin einräumte, ihr die Hosen ausgezogen zu haben, dies indessen als aus Spass 

erfolgt zu bagatellisieren versuchte. Die glaubhaften Aussagen der Privatklägerin 

werden somit durch die Chat-Verläufe zusätzlich gestützt.

4.3.2. Das Gutachten zur körperlichen Untersuchung des Instituts für Rechts-

medizin der Universität Zürich vom 28. Oktober 2021 (Urk. D1/8/1) hält diverse ärzt-

lich diagnostizierte Verletzungen fest, die mit der Darstellung der Privatklägerin 

übereinstimmen. Dementsprechend sind auch im Fotobogen des Forensischen In-

stituts Zürich, FOR, einige blaue Flecken bzw. Hämatome ersichtlich, die auf er-

folgte körperliche Einwirkungen hinweisen (Urk. D1/7/2). Das Institut für Rechtsme-

dizin der Universität Zürich (IRM Zürich) stellte bezüglich zwei am Oberarm nebe-

neinanderliegenden Blutergüssen in seinem besagten Gutachten fest, dass diese 

wundmorphologisch wahrscheinlich durch einen Biss verursacht worden seien 

(Urk. D1/8/1 S. 5). Gemäss Kurzbericht des FOR konnte bei der mutmasslichen 

Bissspur am Oberarm rechts der Privatklägerin DNA des Beschuldigten festgestellt 

werden (Urk. D1/7/6 S. 2). Ein im Auftrag der Verteidigung erstelltes Privatgutach-

ten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Basel hielt fest, angesichts des 

Fehlens von Hautimpressionen, Hautabschürfungen oder tiefergreifenden Haut-

- 28 -

Weichteil-Verletzungen, die aus der Einwirkung der Zähne resultierten, werde der 

Befund plausibel durch das Einsaugen einer Hautfalte des Oberarms in den Mund 

– eine Saugverletzung, ein sogenannter "Knutschfleck" – erklärt. Nach Ansicht der 

Privatgutachter handle es sich damit nicht um eine "klassische Bissverletzung" 

(Urk. 81 S. 3). Das hierauf in Auftrag gegebene ergänzende Gutachten des IRM 

Zürich hielt dagegen fest, dass der vorliegend zur Diskussion stehende Befund 

nicht einen, sondern zwei nebeneinanderliegende, bogenförmig, gegeneinander 

konkave Blutergüsse darstelle. Eine Entstehung dieses Befundes durch eine Saug-

verletzung erscheine deshalb unwahrscheinlich, da dafür mindestens zwei Saug-

verletzungen nötig wären. Dass zwei solcher Saugverletzungen isoliert voneinan-

der – mithin durch zwei unterschiedliche Saugwirkungen – entstanden sein könn-

ten, könne zwar nicht mit letzter Sicherheit ausgeschlossen werden, erscheine auf-

grund der Form jedoch als eher unüblich. Die betreffende Verletzung sei mithin im 

Ergebnis am ehesten nicht mit einer Saugverletzung vereinbar (Urk. 93 S. 3 f.). 

Bezüglich der bei der Privatklägerin konstatierten Verletzungen ist festzustellen, 

dass diese – unabhängig von der exakten forensisch-medizinischen Definition der 

besagten Verletzung am rechten Oberarm der Privatklägerin – mit ihren Schilde-

rungen der Ereignisse konvergieren bzw. diesen keineswegs entgegenstehen. 

Dass keine Hautimpressionen, Hautabschürfungen oder tiefergreifenden Haut-

Weichteil-Verletzungen verursacht wurden, ergibt sich aus allen Gutachten, ist 

auch für medizinische Laien aus den Fotos ersichtlich und wird dem Beschuldigten 

im Übrigen auch nicht vorgeworfen. Gemäss Ergänzungsgutachten des IRM Zürich 

spricht jedoch auch die Abwesenheit sichtbarer Verletzungen der äusseren Haut-

schicht – insbesondere auch das Fehlen von Zahnabdrücken – nicht gegen eine 

Bissverletzung, nachdem das Verletzungsbild letztlich von verschiedenen Faktoren 

abhänge und – neben individueller Blutungsneigung oder schützender Kleidung 

zwischen Gebiss und dem geschädigten Hautareal – insbesondere geringer 

Kraftaufwand bzw. beschränkte tangentiale Kräfteeinwirkung zwischen Hautmantel 

und Gebiss diesbezüglich begünstigend wirken würden (Urk. 93 S. 3 f.). Die Privat-

klägerin beschrieb wie vorstehend dargelegt wiederholt und widerspruchsfrei, wie 

der Beschuldigte ihr die fragliche Verletzung am Oberarm als Reaktion auf ihr Beis-

sen mit dem Mund zugefügt habe. Dass dies für sie mit zumindest im Moment der 

- 29 -

Beifügung wahrnehmbaren Schmerzen verbunden gewesen sein musste, zeigt 

sich aus dem Umstand, dass überhaupt eine Verletzung resultierte. Nach dem Ge-

sagten ist von einer Saugverletzung im Sinne eines "Knutschflecks" – gestützt auf 

die überzeugende Begründung im Ergänzungsgutachten des IRM Zürich entgegen 

der Verteidigung und dem von ihr eingereichten Privatgutachten – sodann nicht 

auszugehen. Angesichts der Tatsache, dass exakt an der betreffenden Körperstelle 

der Privatklägerin DNA-Spuren des Beschuldigten sichergestellt werden konnten, 

ist einhergehend mit den Aussagen der Privatklägerin davon auszugehen, dass der 

Beschuldigte ihr diese Verletzung zugefügt hat. Die im Rahmen ihres Plädoyers an 

der Berufungsverhandlung zwar etwas relativierte Theorie der Verteidigung, wo-

nach sich die Privatklägerin selber gebissen bzw. gesaugt, anschliessend die Biss- 

bzw. Saugwunde desinfiziert und die DNA des Beschuldigten auf die Bisswunde 

getan haben könnte (Urk. 52 Rz. 52; Urk. 103 Rz. 40), ist als lebensfremd zu qua-

lifizieren. Dass die Verletzung von einem früheren Zeitpunkt stammen könnte, die 

am Tattag nur unabsichtlich bzw. zufällig oberflächlich mit der DNA des Beschul-

digten kontaminiert worden wäre, und die Privatklägerin dann zu einer bewussten 

Falschaussage verleitet haben könnte, um den Beschuldigten zusätzlich zu belas-

ten, wie die Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung mutmasste 

(Urk. 103 Rz. 40), erscheint bereits deshalb als wenig wahrscheinlich, als es sich 

nicht einfach um irgendeinen blauen Flecken handelte, der auch im Alltag schnell 

mal entstehen kann, sondern wie dargelegt um eine Bissverletzung, was bei er-

wachsenen Personen doch eine sehr seltene Erscheinung darstellt. Zwar wären 

solche von der Verteidigung vorbrachte Inszenierungen rein theoretisch wohl mög-

lich. Wie im Rahmen der Würdigung des Aussageverhaltens der Privatklägerin dar-

gelegt, wäre aber zu erwarten, dass sich im Falle einer derart konstruierten Falsch-

belastung auch in ihren sonstigen Aussagen Hinweise auf Falschaussagen finden 

liessen, was aber nicht der Fall ist. Vielmehr weisen die Aussagen der Privatkläge-

rin auch diverse für den Beschuldigten entlastende Merkmale auf. Der unmittelbar 

nach den Ereignissen erfolgten Strafanzeige der Privatklägerin ging eine zufällige, 

von keiner der beteiligten Personen vorhergesehene Auseinandersetzung voraus. 

Die Annahme, die Privatklägerin hätte sich irgendwann zwischen der Wegfahrt vom 

Tatort mit dem Auto und dem Erscheinen bei der Polizei noch schnell selbst eine 

- 30 -

Wunde am Oberarm zufügen und diese mit DNA – z.B. aus Speichel – des Be-

schuldigten drapieren sollen, nur um die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen zu erhär-

ten, erscheint mithin gar arg konstruiert. Das gutachterlich festgestellte Spurbild 

bezüglich der Verletzung der Privatklägerin am Oberarm stützt somit einerseits die 

Aussagen der Privatklägerin und widerlegt andererseits die Aussagen des Beschul-

digten, der trotz Vorhalt der Gutachten ein Beissen oder Ähnliches der Privatkläge-

rin bestritt (Prot. I S. 64; Prot. II S. 24).

Was die weiteren festgestellten Verletzungen der Privatklägerin betrifft, so räumte 

der Beschuldigte ein, dass die Hämatome am Arm von ihm stammen könnten. Die 

weiteren Verletzungen stritt er indes ab und betonte unter Hinweis auf die einge-

reichten Belege, dass die Privatklägerin häufiger blaue Flecken bekomme (vgl. 

Prot. I S. 59 f.; Urk. 45/4; Prot. II S. 23 f.). Mit der Verteidigung (Prot. I S. 81) ist 

davon auszugehen, dass nicht alle Blutergüsse dem Beschuldigten zuzuschreiben 

sind, da die Privatklägerin – wie sie beim IRM von sich aus erklärte (Urk. D1/8/1 

S. 3) – bereits bei geringen Einwirkungen zu blauen Flecken neigt. Nichtsdestotrotz 

stützt aber der Umstand, dass an verschiedenen Körperstellen der Privatklägerin 

Blutergüsse konstatiert wurden, ihre wiederholten Aussagen, wonach es zwischen 

dem Beschuldigten und ihr am fraglichen Abend zu einer tätlichen Auseinanderset-

zung gekommen sei. 

4.3.3. Vor Vorinstanz wie auch anlässlich des Berufungsverfahrens wurde sei-

tens der Verteidigung bezüglich des Gutachtens des IRM Zürich vom 28. Oktober 

2021 vorgebracht, die Privatklägerin habe den Beschuldigten anlässlich der ärztli-

chen Untersuchung des Würgens bezichtigt, diesen Vorwurf nach dem negativen 

Befund durch die Gutachter in der Folge indes wieder fallengelassen (Urk. 52 Rz. 7; 

Urk. 103 Rz 11). Im besagten Gutachten ist im einleitenden Absatz effektiv in all-

gemeiner Weise die Rede davon, die Privatklägerin habe geltend gemacht, vom 

Beschuldigten gewürgt worden zu sein, während in jenem Absatz aber sonst kein 

einziger der dem Beschuldigten sonst gemachten Tatvorwürfe auch nur erwähnt 

wird. Unter dem Titel "Anamnese und rechtsmedizinische Untersuchung" und dem 

Subtitel "Freiwillige Angaben der betroffenen Person", werden dann jedoch sehr 

detailliert die Angaben der Privatklägerin zusammengefasst, wobei diese mit den 

- 31 -

später bei der Polizei und noch später bei der Staatsanwaltschaft gemachten An-

gaben übereinstimmen. Dabei ist nirgends die Rede davon, die Privatklägerin hätte 

dem Beschuldigten der untersuchenden Ärztin gegenüber vorgeworfen, sie ge-

würgt zu haben (Urk. D1/8/1 S. 2). Anzumerken ist ferner, dass ein negativer Be-

fund oder überhaupt irgendein Befund seitens der untersuchenden Ärztin der Pri-

vatklägerin auch kaum vor Ort mitgeteilt worden wäre, so dass noch während lau-

fender ärztlicher Untersuchung ein Anpassen der Belastungen hätte erfolgen kön-

nen.  Für diesbezügliche übersteigernde und später wieder zurückgenommene Be-

lastungen der Privatklägerin der untersuchenden Ärztin gegenüber bestehen somit 

bereits deshalb keine Anhaltspunkte. Entsprechend kann der genaue Hintergrund 

dieser Erwähnung letztlich offen bleiben, wenngleich sich mit der Staatsanwalt-

schaft am ehesten der Schluss aufdrängt, dass diese nur der Vollständigkeit halber 

im einleitenden Absatz Erwähnung fand, nachdem das IRM bei körperlichen Unter-

suchungen eines Opfers in der Regel eine gesamtheitliche Untersuchung vor-

nimmt, die ohnehin unabhängig von den mündlichen Angaben der zu untersuchen-

den Person erfolgt (vgl. Prot. II S. 32). 

4.3.4. Aus der Fotodokumentation des Tatorts (Urk. D1/6/2) erhellt sich, dass 

die anlässlich ihrer Einvernahmen erfolgten räumlichen Beschreibungen durch die 

Privatklägerin optisch nachvollziehbar sind, wobei ihre Ausführungen zufolge Feh-

lens relevanter Ungereimtheiten plausibel wirken. Anzumerken ist, dass der Ein-

wand der Verteidigung vor Erstinstanz, wonach es sei logisch inkonsistent sei, dass 

die Schuhe gemäss Fotodokumentation nicht bei der Couch, wo das Gerangel ge-

mäss Anklage stattgefunden haben solle, sondern beim Gestell lagen (Urk. 52 

Rz. 27), ins Leere zielt, zumal die Privatklägerin bei der Polizei ausführte, sie habe 

irgendwann einmal mit den Schuhen umhergeworfen (Urk. D1/5/1 S. 5). Entgegen 

der Ansicht der Verteidigung spricht somit der Umstand, dass die Schuhe danach 

nicht bei der Couch gefunden wurden, nicht gegen die Richtigkeit der Aussagen 

der Privatklägerin, sondern vielmehr dafür.

4.4. Fazit

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass gestützt auf die glaubhaften und überzeu-

genden Aussagen der Privatklägerin, die von den objektiven Beweismitteln gestützt 

- 32 -

werden, der Anklagesachverhalt gemäss Dossier 1 – mit Ausnahme des Vorwurfs 

des vaginalen Eindringens des Beschuldigten mit dem Finger – rechtsgenügend 

erstellt ist. Bezüglich der vaginalen Berührung der Privatklägerin durch den Be-

schuldigten mit dessen Finger ist zu Gunsten des Beschuldigten davon auszuge-

hen, dass die Berührung ohne Eindringen und lediglich über dem Stoff der Tanga-

Unterhose der Privatklägerin erfolgte.

III. Rechtliche Würdigung

Die rechtliche Würdigung des erstellten Sachverhalts durch die Vorinstanz (Urk. 61 

S. 30-36) erweist sich als zutreffend. Nachdem seitens der Verteidigung keinerlei 

Vorbringen hinsichtlich der rechtlichen Würdigung für den Fall, dass der Anklage-

sachverhalt als erstellt betrachtet wird, erfolgt sind (vgl. Urk. 52 S. 25 f.; Urk. 103), 

kann vollumfänglich auf die Erwägungen im vorinstanzlichen Entscheid verwiesen 

werden. Der Beschuldigte ist unter Dossier 1 somit der sexuellen Nötigung im Sinne 

von Art. 189 Abs. 1 StGB (erster Sachverhaltskomplex), der versuchten Vergewal-

tigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB 

(zweiter Sachverhaltskomplex) sowie der mehrfachen Beschimpfung im Sinne von 

Art. 177 Abs. 1 StGB (zweiter Sachverhaltskomplex) schuldig zu sprechen.

IV. Strafzumessung

1. Ausgangslage

1.1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 24 

Monaten und mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 50.– (Urk. 61 S. 47). 

1.2. Die Verteidigung stellt keinen Eventualantrag für den Fall eines anklagege-

mässen Schuldspruchs (Urk. 52 S. 25 f.; Urk. 103 S. 1 ff.). 

1.3. Die Staatsanwaltschaft beantragt im Strafpunkt die Bestätigung des 

vorinstanzlichen Urteils (Urk. 63 S. 1 f.; Urk. 102 S. 1).

- 33 -

2. Strafrahmen und Zumessungsgrundsätze

2.1. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für 

mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der 

schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass 

der angedrohten Strafe (Strafrahmen) nicht um mehr als die Hälfte erhöhen. Dabei 

ist es an das gesetzliche Höchstmass der Strafart (z.B. 180 Tagessätze Geldstrafe) 

gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB).

2.2. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB und die an sie gestellten Begründungsanforderungen wiederholt dargelegt 

(BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff. mit Hinweise). Darauf kann vollumfänglich verwiesen wer-

den. Entsprechendes gilt für die Bildung der Einsatz- und der Gesamtstrafe nach 

Art. 49 Abs. 1 StGB in Anwendung des Asperationsprinzips (BGE 144 IV 313 E. 1; 

144 IV 217 E. 2 f.; 141 IV 61 E. 6.1.2 [Pra 104 (2015) Nr. 68]; 132 IV 102 E. 8 f.). 

Das Bundesgericht bekräftigt auch in seiner neueren Rechtsprechung den Vorrang 

der Geldstrafe gegenüber der Freiheitsstrafe im Strafbereich von bis sechs 

Monaten und die Ungleichartigkeit von Freiheitsstrafe und Geldstrafe (BGE 144 IV 

217 E. 3.3.3 und 3.6). Es hält dabei unter Hinweis auf den Gesetzgeber auch nach 

der Änderung des Sanktionenrechts ausdrücklich am Prinzip der Zulässigkeit einer 

Gesamtstrafe nur bei gleichartigen Strafen unter Anwendung der konkreten 

Methode fest. Dass die anzuwendenden Strafbestimmungen abstrakt gleichartige 

Strafen androhen, genügt nicht (BGE 144 IV 313 E. 1.1.1; 144 IV 217 E. 3.3.4 und 

3.5.4; 137 IV 57 E. 4.3.1). Das Gericht hat sich zur Wahl der Strafart für die 

konkreten Delikte zu äussern und hat – nach Festsetzung einer hypothetischen 

Einsatzstrafe für das schwerste Delikt – namentlich bei alternativ zur Verfügung 

stehender Geld- oder Freiheitsstrafe für die weiteren Delikte im Hinblick auf das 

Gebot der Verhältnismässigkeit anzugeben, warum sie für diese weiteren Taten 

jeweils eine Freiheitsstrafe für erforderlich hält (BGE 144 IV 217 E. 3.5.4, 4.1 und 

4.3). Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit soll bei alternativ zur Verfügung 

stehenden und hinsichtlich des Schuldausgleichs äquivalenten Sanktionen im Re-

gelfall diejenige gewählt werden, die weniger stark in die persönliche Freiheit des 

Betroffenen eingreift (BGE 138 IV 120 E. 5.2). Im Übrigen kann sich die Berufungs-

- 34 -

instanz auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (BGE 141 IV 

249 E. 1.3.1; BGE 141 III 28 E. 3.2.4; je mit Hinweisen).

2.3. Die Rechtsmittelinstanz darf Entscheide nicht zum Nachteil der beschuldigten 

oder verurteilten Person abändern, wenn das Rechtsmittel nur zu deren Gunsten 

ergriffen worden ist (Art. 391 Abs. 2 Satz 1 StPO). Massgeblich für die Frage, ob 

eine unzulässige reformatio in peius vorliegt, ist das Dispositiv (BGE 146 IV 172 

E. 3.3.3; 139 IV 282 E. 2.6; Urteil des Bundesgerichts 6B_391/2020 vom 12. August 

2020 E. 3.2.3). Vorbehalten bleibt eine strengere Bestrafung aufgrund von Tatsa-

chen, die dem erstinstanzlichen Gericht nicht bekannt sein konnten (Art. 391 Abs. 2 

Satz 2 StPO). Solche Tatsachen können beispielsweise die wirtschaftlichen Ver-

hältnisse zur Bemessung der Höhe des Tagessatzes nach Art. 34 Abs. 2 Satz 3 

StGB betreffen. Das Berufungsgericht darf nach der Rechtsprechung bei einer Ver-

besserung der finanziellen Verhältnisse nach dem erstinstanzlichen Urteil einen hö-

heren Tagessatz festlegen, auch wenn ausschliesslich die beschuldigte Person Be-

rufung erhoben hat (BGE 146 IV 172 E. 3.3.3).

2.4. Die Berufungsinstanz fällt nach Art. 408 StPO ein neues Urteil. Unter dem 

Vorbehalt der "reformatio in peius" muss sie sich nicht daran orientieren, wie die 

erste Instanz die einzelnen Strafzumessungsfaktoren gewichtet. Vielmehr hat sie 

die Strafe nach ihrem eigenen pflichtgemässen Ermessen festzusetzen (Urteile des 

Bundesgerichts 6B_27/2020 vom 20. April 2020 E. 3.3.1; 6B_521/2019 vom 

23. Oktober 2019 E. 1.5 und 6B_963/2017 vom 15. Februar 2018 E. 1.2.2).

2.5. Vorliegend ist vom Strafrahmen der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 

Abs. 1 StGB auszugehen, der von Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bis zu 

10 Jahren reicht. Da keine aussergewöhnlichen Umstände bestehen, die es recht-

fertigen würden, vom ordentlichen Strafrahmen abzuweichen, ist der Strafrahmen 

nicht zu erweitern bzw. nach unten oder oben zu öffnen. Der Versuch ist innerhalb 

des ordentlichen Strafrahmens strafmindernd zu berücksichtigen.

2.6. Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichtiges Kriterium die Zweckmässigkeit 

einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Um-

feld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen. Nach dem Prinzip der Ver-

- 35 -

hältnismässigkeit soll bei alternativ zur Verfügung stehenden Sanktionen im Regel-

fall diejenige gewählt werden, die weniger stark in die persönliche Freiheit der Be-

troffenen eingreift bzw. die sie am wenigsten hart trifft. Die Geldstrafe gilt dabei in 

jedem Fall als die mildere Sanktion als die Freiheitsstrafe (BGE 138 IV 120 E. 5.2; 

BGE 134 IV 97 E. 4.2.2; BGE 134 IV 82 E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 

6B_665/2021 vom 20. Juni 2022 E. 1.3.).

2.7. Wird eine Geldstrafe ausgefällt, bemisst sich die Zahl der Tagessätze nach 

dem Verschulden des Täters (Art. 34 Abs. 1 StGB). Die Höhe des Tagessatzes ist 

hingegen nach den persönlichen und finanziellen Verhältnissen des Täters im Zeit-

punkt des Urteils, namentlich nach Einkommen und Vermögen, Lebensaufwand, 

allfälligen Familien- und Unterstützungspflichten sowie nach dem Existenzminimum 

zu bestimmen. Ein Tagessatz beträgt dabei höchstens Fr. 3'000.– (Art. 34 Abs. 2 

StGB). Ausgangspunkt für die Bemessung des Tagessatzes bildet das strafrecht-

lich relevante Nettoeinkommen, das dem Täter durchschnittlich an einem Tag zu-

fliesst, ganz gleich, aus welcher Quelle die Einkünfte stammen. Vom Bruttoeinkom-

men ist dabei bereits in Abzug gebracht worden, was dem Täter wirtschaftlich nicht 

zusteht oder gesetzlich geschuldet ist (BGE 134 IV 60 E. 6.1).

3. Tatkomponente 

3.1. Versuchte Vergewaltigung 

3.1.1. Objektive Tatschwere

In objektiver Hinsicht sind die seitens des Beschuldigten angewendeten Nötigungs-

mittel in Form des Festhaltens, Fixierens und – letzteres Reaktion auf die Gegen-

wehr der Privatklägerin – Beissens der Privatklägerin als nicht besonders schwer-

wiegend bzw. besonders brutal zu bezeichnen. Die Tat erfolgte nicht geplant, son-

dern spontan als Reaktion auf den bis dahin verbal und emotional geführten Streit 

mit der Privatklägerin. Trotz Lebens in Trennung und bestehender Konfliktsituation 

führten die Parteien eine On/Off-Beziehung, in deren Rahmen sie sich wiederholt 

und regelmässig u.a. auch am Tatort trafen, um einvernehmlichen Geschlechtsver-

kehr zu haben. Die Tat stellte daher auch eine schwere Verletzung des nach wie 

- 36 -

vor zwischen den beiden bestehenden Vertrauensverhältnisses dar, was für die 

Privatklägerin umso verletzender war, indem ihr Ex-Partner und Vater des gemein-

samen Kindes ihr so etwas antat. Vom zeitlichen Rahmen her ist davon auszuge-

hen, dass der Übergriff höchstens wenige Minuten dauerte und somit von relativ 

kurzer Dauer war. Zwar zeugte das Verhalten des Beschuldigten von keiner beson-

ders hohen kriminellen Energie, jedoch manifestierte er hierdurch eine erhebliche 

Unverfrorenheit und Rücksichtslosigkeit seiner Ex-Partnerin und Mutter des ge-

meinsamen Sohnes gegenüber. Auch wenn das vorliegende Delikt gegen die se-

xuelle Integrität und Selbstbestimmung für die Privatklägerin zweifellos traumatisie-

rend war, sind im Bereich der möglichen Vergewaltigungsdelikte noch deutlich gra-

vierende Fälle denkbar. So trug die Privatklägerin insbesondere keine längerfristi-

gen körperlichen Verletzungen davon, was sich zu Gunsten des Beschuldigten aus-

wirkt. In objektiver Hinsicht ist – vorab ausgehend vom vollendeten Delikt – ein nicht 

mehr leichtes Verschulden gegeben. Die Einsatzstrafe für das vollendete Delikt ist 

auf 30 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen.

3.1.2. Subjektives Verschulden

In subjektiver Hinsicht handelte der Beschuldigte wissentlich, willentlich und da-

durch mit direktem Vorsatz. Er setzte sich egoistisch zur Befriedigung seiner sexu-

ellen Wünsche über die Ablehnung seitens der Privatklägerin hinweg, wobei auch 

die Ausübung von Macht über die Privatklägerin und Ärger über den Streit in Zu-

sammenhang mit den Vorwürfen der Privatklägerin Triebfeder seines Handelns ge-

wesen sein dürfte, so dass er sich spontan dazu entschloss, die Privatklägerin zu 

sexuellen Handlungen zu zwingen, nachdem die Privatklägerin die zweideutige 

Aussagen in serbokroatischer Sprache gemacht hatte. So sagte der Beschuldigte 

denn auch – noch vor der nachfolgend zu beurteilenden sexuellen Nötigung – zur 

Privatklägerin, dass er ihr Mann sei und das deshalb dürfe. Die objektive 

Tatschwere wird somit durch das subjektive Verschulden nicht relativiert. 

3.1.3. Versuch

Der Beschuldigte liess von seinem Vorhaben, seinen entblössten und erigierten 

Penis in die Vagina der Privatklägerin einzuführen, nach deren Gegenwehr und 

- 37 -

aufgrund deren Stressreaktion, vor der es ihn offenbar ekelte, ab. Die Tatausfüh-

rung befand sich bereits in einem weit fortgeschrittenem Stadium, nachdem der 

Beschuldigte der Privatklägerin bereits deren Hose und Unterhose ausgezogen 

hatte, sein Penis entblösst und erigiert und mit Speichel befeuchtet war, so dass er 

diesen bis zur vollendeten Penetration nur noch hätte einführen müssen. Immerhin 

ist dem Beschuldigten anzurechnen, dass er letztlich doch aus eigenem Antrieb 

von der Privatklägerin abliess. Wie bereits im Rahmen der objektiven Tatschwere 

erwähnt, führte auch das bloss versuchte Delikt zu einer Traumatisierung der Pri-

vatklägerin. Es erscheint angemessen, den Versuch im Umfang von 10 Monaten 

strafreduzierend zu berücksichtigen.

3.1.4. Zwischenfazit

Insgesamt liegt ein nicht mehr leichtes Verschulden vor. Es erscheint eine Einsatz-

strafe von 30 Monaten Freiheitsstrafe – ausgehend von einem vollendeten Delikt – 

als angemessen, womit sich unter Berücksichtigung des Versuchs eine Einsatz-

strafe von 20 Monaten Freiheitsstrafe ergibt.

3.2. Sexuelle Nötigung 

3.2.1. Objektive Tatschwere

Hierzu kann grundsätzlich auf die Erwägungen zur objektiven Tatschwere der ver-

suchten Vergewaltigung verwiesen werden, da beide Delikte im Rahmen desselben 

Nötigungsverhaltens des Beschuldigten erfolgten (Erw. 3.1.1.). Der Beschuldigte 

überrumpelte die Privatklägerin nach erfolgtem verbalen Streit und nachdem diese 

die besagte zweideutige Aussage gemacht hatte, worauf er ihr in die Hose und über 

dem Stoff der Tanga-Unterhose an den Vaginalbereich griff, obschon sie durch ih-

ren ersten Fluchtversuch klar zu erkennen gab, dass sie an diesem Abend keine 

sexuelle Interaktion wollte. Die rein körperlichen Einwirkungen auf die Privatkläge-

rin waren auch hier von kurzer Dauer und auch insofern relativ gering, als sie keine 

körperlichen Verletzungen erlitt. Zwar zeugte sein Verhalten auch hier von keiner 

besonders hohen kriminellen Energie, jedoch manifestierte er hierdurch eine er-

hebliche Unverfrorenheit und Rücksichtslosigkeit seiner Ex-Partnerin und Mutter 

des gemeinsamen Sohnes gegenüber. In objektiver Hinsicht ist innerhalb des wei-

- 38 -

ten Strafrahmens von einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren 

von einem noch leichten Verschulden auszugehen.

3.2.2. Subjektives Verschulden

In subjektiver Hinsicht kann auf die Erwägungen zum subjektiven Verschulden bei 

der versuchten Vergewaltigung verwiesen werden (Erw. 3.1.2.). Die objektive 

Tatschwere wird somit durch das subjektive Verschulden nicht relativiert.

3.2.3. Zwischenfazit

Insgesamt liegt ein noch leichtes Verschulden vor. Es erscheint bei isolierter Be-

trachtung eine Strafe von 10 Monaten Freiheitsstrafe als angemessen.

3.3. Nichtabgabe von Ausweisen und/oder Kontrollschildern 

3.3.1. Objektive Tatschwere

In objektiver Hinsicht wurde dem Beschuldigten die Entzugsverfügung vom 2. Mai 

2022, mit welcher er aufgefordert wurde, die Kontrollschilder und den Fahrzeug-

ausweis innert 30 Tage dem Strassenverkehrsamt abzugeben, am 4. Mai 2022 zu-

gestellt (Urk. D2/2/2). Die Rückgabe hätte demnach bis zum 3. Juni 2022 erfolgen 

müssen. Da der Beschuldigte der Verfügung innert Frist nicht Folge leistete, beauf-

tragte das Strassenverkehrsamt die Polizei am 16. Juni 2022 zur Einziehung der 

Kontrollschilder und des Fahrzeugausweises (Urk. D2/2/3), woraufhin die Polizei 

den Beschuldigten am 25. Juni 2022 erfolglos bei ihm zuhause aufsuchte 

(Urk. D2/1). In der Zwischenzeit gab der Beschuldigte die Kontrollschilder und den 

Fahrzeugausweis am 17. Juni 2022 von sich aus beim Strassenverkehrsamt ab, 

weshalb sich die polizeiliche Einziehung erübrigte (Urk. 51). Zwar retournierte der 

Beschuldigte die Kontrollschilder und den Fahrzeugausweis rund zwei Wochen zu 

spät. Allerdings machte er dies aus eigenem Antrieb, womit er der polizeilichen 

Einziehung zuvorkam. Dies ist deutlich verschuldensmindernd zu berücksichtigen. 

Zugunsten des Beschuldigten ist weiter zu berücksichtigen, dass er das betreffende 

Fahrzeug nach Erhalt der Entzugsverfügung gemäss eigenen Angaben nicht mehr 

im Strassenverkehr nutzte (Prot. I S. 64). Eine irgendwie geartete abstrakte Ge-

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fährdung Dritter im Strassenverkehr wurde durch das Vergehen des Beschuldigten 

nicht bewirkt. Innerhalb des Strafrahmens von Art. 97 Abs. 1 lit. b SVG Freiheits-

strafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe ist von einem sehr leichten Verschulden 

auszugehen.

3.3.2. Subjektives Verschulden

In subjektiver Hinsicht ist von direktem Vorsatz auszugehen. Dem Beschuldigten 

ist zugutezuhalten, dass er auch nach Erhalt der Entzugsverfügung noch hoffte, die 

Rechnung begleichen zu können, was mit ein Grund war, weshalb er die Kontroll-

schilder und den Fahrzeugausweis nicht innert Frist zurückgab (Urk. D2/3/1 S. 2). 

Die objektive Tatschwere wird durch das subjektive Verschulden nicht relativiert.

3.3.3. Zwischenfazit

Insgesamt liegt ein sehr leichtes Verschulden vor. Es erscheint eine Geldstrafe von 

20 Tagessätzen angemessen.

3.4. Mehrfache Beschimpfung 

3.4.1. Objektive Tatschwere

In objektiver Hinsicht bespuckte der Beschuldigte die Privatklägerin mehrfach, wo-

mit es sich um tätliche Beschimpfungen handelte. Art. 177 Abs. 1 StGB sieht einen 

Strafrahmen von Geldstrafe bis zu 90 Tagessätzen vor. Innerhalb dieses relativ en-

gen und auch tiefen Strafrahmens liegt ein noch leichtes Verschulden vor, wobei 

bezüglich der gesamten Tatumstände auf die vorstehenden Erwägungen zu den 

Sexualdelikten (Erw. 3.1.1. und 3.2.1.) zu verweisen ist. 

3.4.2. Subjektives Verschulden

In subjektiver Hinsicht ist von direktem Vorsatz auszugehen. Die objektive 

Tatschwere wird durch das subjektive Verschulden nicht relativiert.

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3.4.3. Retorsionshandlung

Wie seitens der Vorinstanz zutreffend dargelegt wird (Urk. 61 S. 44 f.), ist Art. 177 

Abs. 3 StGB – entgegen der Verteidigung (Urk. 103 Rz. 48) – vorliegend nicht an-

wendbar, nachdem es sich nicht um Vergeltungsbeschimpfungen für selbst erlit-

tene Beschimpfungen handelte, sondern das Spucken der Privatklägerin gegen 

den Beschuldigten stellte ihrerseits eine Reaktion auf die durch den Beschuldigten 

erlittenen Sexualdelikte dar. Das Spucken des Beschuldigten als Reaktion darauf 

ist daher als fortgesetzte Machtdemonstration seinerseits zu betrachten und ist 

nicht als Bagatellstraftat als unmittelbare Reaktion auf eine erlittene Bagatellstraf-

tat, die zur gegenseitigen Aufhebung des Bestrafungsanspruchs führt, zu qualifizie-

ren.

3.4.3. Zwischenfazit

Insgesamt liegt ein noch leichtes Verschulden vor. Es erscheint eine Geldstrafe von 

15 Tagessätzen angemessen.

3.5. Asperation

3.5.1. Freiheitsstrafe

Einsatzstrafe bilden die 20 Monate Freiheitsstrafe für die versuchte Vergewalti-

gung. Die sexuellen Nötigungshandlungen erfolgten im Rahmen desselben Hand-

lungsablaufs und Tatvorsatzes des Beschuldigten, weshalb sich in einer Gesamt-

betrachtung eine eher weitgehende Anwendung des Asperationsprinzips auf-

drängt. Von den 10 Monaten Freiheitsstrafe für die sexuelle Nötigung sind daher 

lediglich 4 Monate erhöhend zu berücksichtigen.

3.5.2. Geldstrafe

Einsatzstrafe bilden hier die 20 Tagessätze Geldstrafe für die Nichtabgabe von 

Ausweisen und/oder Kontrollschildern. Von den 15 Tagessätzen für die mehrfache 

Beschimpfung sind in Anwendung des Asperationsprinzips deren 10 Tagessätze 

erhöhend zu berücksichtigen.

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3.6. Fazit bezüglich Tatkomponente

Insgesamt ist das Tatverschulden des Beschuldigten sowohl von der objektiven 

Tatschwere her wie auch unter Berücksichtigung seines subjektiven Verschuldens 

ausgehend von einem Strafrahmen von einer Freiheitsstrafe von 1 Jahr bis zu 

10 Jahren als nicht mehr leicht zu qualifizieren. Gestützt auf die erwähnten Fakto-

ren nach Würdigung der Tatkomponente gelangt man somit zu einer Freiheitsstrafe 

von 24 Monaten bzw. 2 Jahren und einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen.

4. Täterkomponente

4.1. Persönliche Verhältnisse/Vorleben

Zu den persönlichen Verhältnissen und dem Vorleben machte der Beschuldigte im 

Rahmen der Untersuchung und vor Vorinstanz nachfolgende Ausführungen 

(Urk. D1/4/3 S. 7 ff.; Prot. I S. 29 ff.): Der Beschuldigte kam am tt. Juni 1991 in 

G._____, Serbien, zur Welt und lebte dort mit seinen Eltern und seinem Bruder bis 

zum 8. Lebensjahr (Urk. D1/4/3 S. 9). Die Schule besuchte er in Serbien bis zur 

3. Klasse, weshalb er die serbische Sprache sowohl mündlich als auch schriftlich 

problemlos beherrscht. Seit dem 9. Lebensjahr lebt der Beschuldigte zusammen 

mit seinen Eltern und seinem Bruder in E._____ (Prot. I S. 29). Er verfügt über die 

Niederlassungsbewilligung C (Urk. D1/17/2). Während seine Mutter nach wie vor in 

E._____ wohnt, kehrte sein Vater Ende 2019 nach Serbien zurück, wo er anfangs 

2023 verstarb. Der Bruder des Beschuldigten war zur Zeit der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung in H._____ TG zuhause. Entfernte Familienmitglieder –Onkel, 

Tanten, Cousins und Cousinen – wohnen noch immer in Serbien, wobei der Be-

schuldigte diese in jüngster Vergangenheit wegen verschiedener Todesfälle mehr-

mals besucht habe (Prot. I S. 30 und 41). Hinsichtlich seiner Kernfamilie hat der 

Beschuldigte zwei minderjährige Kinder, die in der Schweiz geboren sind und hier 

aufwachsen. Seine jüngere Tochter I._____, geboren am tt.mm.2021, entstammt 

aus der Beziehung mit seiner derzeitigen Partnerin, J._____, mit der der Beschul-

digte seit 2020 in K._____ zusammen wohnt (Prot. I S. 38). Für den Unterhalt der 

Tochter kommen die Eltern gemeinsam auf (Prot. I S. 39). Auf die Zukunftspläne 

angesprochen, gab der Beschuldigte an, dass er die Mutter seiner Tochter hoffent-

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lich einmal heiraten werde (Prot. I S. 68). Zu seinem unter der Obhut der Privatklä-

gerin stehenden Sohn, L._____, geboren am tt.mm.2014, hat der Beschuldigte ge-

mäss eigenen Angaben seit Mai 2021 keinen Kontakt mehr. Grund dafür sei, dass 

die Privatklägerin ihn nicht lasse, solange er mit seiner neuen Partnerin und der 

gemeinsamen Tochter zusammenlebe (Prot. I S. 33 f.). Besonders intensive Be-

mühungen für regelmässigere Besuchskontakte seitens des Beschuldigten sind 

nicht erkennbar, indem der Beschuldigte auf den Vorschlag der Privatklägerin, die 

Besuchskontakte mithilfe der KESB zu regeln, nie eingegangen zu sein scheint 

(vgl. Prot. I S. 19 und 34). Gemäss Eheschutzurteil ist der Beschuldigte verpflichtet, 

monatliche Kinderunterhaltsbeiträge in der Höhe von Fr. 5'000.– zu bezahlen. Wäh-

rend er zu Beginn seiner Unterhaltspflicht regelmässig nachkam, sei er seit Corona 

finanziell nicht mehr in der Lage gewesen, derart hohe Kinderunterhaltsbeiträge zu 

bezahlen, weshalb er der Privatklägerin monatlich in der Regel einen Teilbetrag 

von Fr. 1'000.– bis Fr. 1'500.– überwiesen habe (Prot. I S. 37 f.). Es stünden aktuell 

ca. Fr. 80'000.– Kinderunterhaltsschulden zu Buche (Prot. I S. 40). Bemühungen 

des Beschuldigten, die Unterhaltsverpflichtung im Rahmen eines Abänderungsver-

fahrens seinen reduzierten Einkommensmöglichkeiten anzupassen, sind nicht do-

kumentiert. In schulischer und beruflicher Hinsicht durchlief der Beschuldigte von 

der 3. Klasse an die gesamte obligatorische Schulzeit in der Schweiz. Nach Ab-

schluss der Sekundarschule B absolvierte er eine Lehre als Verkehrswegbauer. 

Danach machte er die Ausbildung zum Vorarbeiter und darauf aufbauend die Po-

lierschule. 2012 schloss er schliesslich die Bauführerschule ab. Seit 2007 ist der 

Beschuldigte bei der M._____ AG angestellt, wo er aktuell als Bauführer tätig ist. 

Monatlich verdient der Beschuldigte bei der M._____ AG Fr. 6'700.– netto zuzüg-

lich eines 13. Monatslohns und eines Bonus. Nebst seiner Festanstellung war der 

Beschuldigte daran, sich ein eigenes Standbein aufzubauen und hatte zu diesem 

Zweck eigene Firmen in der Schweiz und in Serbien zur Erstellung von fugenlosen 

Boden- und Wandbelägen. Im Übrigen versuchte sich der Beschuldigte mit seiner 

eigenen Firma N._____ AG in der CBD-Anpflanzung. Infolge der Coronakrise geri-

eten aber sämtliche Firmen des Beschuldigten in finanzielle Schieflage, sodass sie 

aufgelöst und liquidiert werden mussten. Übrig geblieben sind hohe Schulden, wes-

halb der Beschuldigte gemäss eigenen Angaben auch gepfändet worden sei (Urk. 

- 43 -

D1/4/3 S. 9 f.; Prot. I S. 31 f. und 37 f.). Im Rahmen des Berufungsverfahrens führte 

er – im Widerspruch zu seinen Aussagen vor Erstinstanz – hinsichtlich seiner 

Sprachkenntnisse aus, er könne Serbisch nur sprechen und lesen, jedoch nicht 

kyrillisch schreiben (Prot. II S. 13 f. und 19). Sodann führte er ergänzend aus, dass 

in diesem Jahr (2024) seine zweite, mit J._____ gemeinsame Tochter auf die Welt 

gekommen sei (Prot. II S. 16). Mit dem Sohn L._____ habe er weiterhin – seit nun-

mehr 3 Jahren – keinen Kontakt. Das Scheidungsverfahren mit der Privatklägerin 

sei am Laufen (Prot. II S. 15 f.). Sodann sei sein Lohn leicht gestiegen und betrage 

nunmehr Fr. 6'900.– im Monat (Prot. II S. 15). Er habe über die letzten 2 Jahre über 

Fr. 160'000.– Schulden zurückgezahlt. Die Schuldensumme belaufe sich aber im-

mer noch auf rund Fr. 150'000.– (Prot. II S. 18). Die persönlichen Verhältnisse und 

das Vorleben des Beschuldigten bleiben insgesamt zumessungsneutral. 

4.2. Vorstrafen

Der Beschuldigte weist keine Vorstrafen mehr auf, nachdem ein zu Beginn der Un-

tersuchung noch im Strafregister eingetragenes Strassenverkehrsdelikt gelöscht 

wurde (Urk. D1/19/1; Urk. 64). Dies bleibt mithin zumessungsneutral. Betreffend 

den Vorwurf der Nichtabgabe von Ausweisen und/oder Kontrollschildern ist indes-

sen der getrübte automobilistische Leumund (Urk. 37) bei der Geldstrafe straferhö-

hend zu berücksichtigen.

4.3. Geständnis/Reue und Einsicht

Der Beschuldigte war bezüglich der Sexualdelikte während des ganzen Verfahrens 

ungeständig, was zumessungsneutral bleibt. Hinsichtlich der mehrfachen Be-

schimpfung mittels Bespuckens der Privatklägerin ist der Beschuldigte zwar ge-

ständig, stellt dies aber tatsachenwidrig als Retorsionshandlung dar, so dass das 

diesbezügliche Geständnis ohne Relevanz bleibt. Einzig beim Vorwurf der Nichtab-

gabe von Ausweisen und/oder Kontrollschildern liegt ein vollumfängliches Geständ-

nis vor, das bei der Geldstrafe strafmindernd zu berücksichtigen ist.

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4.4. Fazit bezüglich Täterkomponente

Bezüglich der Freiheitsstrafe liegen im Rahmen der Täterkomponente keinerlei re-

levante Zumessungsfaktoren vor, weswegen die Täterkomponente zumessungs-

neutral bleibt. Bei der Geldstrafe halten sich das strafmindernde und das straferhö-

hende Zumessungskriterium ungefähr die Waage, weswegen die Täterkompo-

nente im Ergebnis ebenfalls zumessungsneutral bleibt.

5. Tagessatzhöhe der Geldstrafe

Der Beschuldigte verfügt gemäss eigenen Angaben über ein monatliches Nettoein-

kommen von rund Fr. 6'900.– (x 13) zuzüglich eines Bonus (Prot. I S. 31 f.; Prot. II 

S. 15). Vermögen hat er keines. Seine Schulden belaufen sich dagegen auf rund 

Fr. 150'000.– (Prot. II S. 18). Monatlich fallen Mietkosten von Fr. 2'300.– an, welche 

er sich mit seiner derzeitigen Partnerin hälftig teilt (Prot. I S. 39 f.; Prot. II S. 17). 

Gemäss Eheschutzurteil müsste er sodann monatliche Kinderunterhaltsbeiträge in 

der Höhe von Fr. 5'000.– an die Privatklägerin überweisen, wobei er effektiv nur 

einen Bruchteil davon bezahlt (Prot. I S. 37 f.; Prot. II S. 17). Angesichts seiner fi-

nanziellen Verhältnisse erscheint die von der Verteidigung beantragte (Urk. 52 

Rz. 54; Urk. 103 Antrag-Ziff. 2) und von der Vorinstanz so festgelegte (Urk. 61 

S. 46) Tagessatzhöhe von Fr. 50.– angemessen.

6. Gesamtwürdigung

6.1. Strafhöhe

Der Beschuldigte ist in Berücksichtigung sämtlicher Zumessungskriterien mit einer 

Freiheitsstrafe von 24  Monaten bzw. 2 Jahren und einer Geldstrafe von 30 Tages-

sätzen zu Fr. 50.– zu bestrafen.

6.2. Anrechnung von Untersuchungshaft

Der Beschuldigte wurde am 14. Juli 2021, 06.00 Uhr, verhaftet und gleichentags 

um 19.30 Uhr wieder entlassen (Urk. D1/12/13). Die erstandene Haft von 1 Tag ist 

gemäss Art. 51 StGB auf die ausgesprochene Freiheitsstrafe anzurechnen.

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V. Vollzug

1. Grundlagen

Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von 

höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht not-

wendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Ver-

gehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Voraussetzung in objektiver Hinsicht ist, 

dass eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren ausge-

sprochen wird. In subjektiver Hinsicht wird das Fehlen einer ungünstigen Prognose 

vorausgesetzt; die günstige Prognose wird vermutet, kann aber widerlegt werden 

(HEIMGARTNER, in: Donatsch [Hrsg.], StGB/JStG Kommentar, 21. Aufl., Zürich 2022, 

N 6 zu Art. 42 StGB). Wurde der Täter innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tat 

zu einer bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von mehr als sechs Monaten 

verurteilt, so ist der Aufschub nur zulässig, wenn besonders günstige Umstände 

vorliegen (Art. 42 Abs. 2 StGB). Bei der Beurteilung der Frage, ob die für die Ge-

währung des bedingten Strafvollzuges erforderliche Voraussetzung des Fehlens 

einer ungünstigen Prognose vorliegt, ist eine Gesamtwürdigung aller Umstände 

vorzunehmen, wobei insbesondere Vorleben, Leumund, Charaktermerkmale und 

Tatumstände einzubeziehen sind (SCHNEIDER/GARRÉ, in: Niggli/Wiprächtiger 

[Hrsg.], Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Aufl. 2019, N 46 zu Art. 42 StGB). 

Schiebt das Gericht den Vollzug einer Strafe ganz oder teilweise auf, so bestimmt 

es dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren (Art. 44 Abs. 1 StGB).

2. Subsumtion

2.1. In objektiver Hinsicht wird eine Freiheitsstrafe von nicht mehr als zwei Jahren 

ausgesprochen und der Beschuldigte wurde zuvor auch nie zu einer Freiheitsstrafe 

verurteilt. In subjektiver Hinsicht ist er nicht vorbestraft (Urk. 64), weswegen ihm 

eine günstige Legalprognose gestellt werden kann. Der Vollzug sowohl der Frei-

heits- wie auch der Geldstrafe ist daher aufzuschieben.

2.2. Hinsichtlich der Festsetzung der Dauer der Probezeit berücksichtigte die Vor-

instanz, dass angesichts der weiterbestehenden persönlichen Verflechtungen zwi-

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schen Beschuldigtem und Privatklägerin die beiden sich in unmittelbarer Zukunft 

nicht komplett aus dem Weg gehen können, da sie sich zumindest im Rahmen des 

voraussichtlichen Scheidungsverfahrens erneut begegnen und miteinander ausein-

andersetzen müssten, wobei sie einen gemeinsamen Sohn haben. Die eheliche 

Beziehung und ein allfälliges Scheidungsverfahren stellte für beide Beteiligten eine 

Belastung dar und berge das Risiko der Rückfälligkeit des Beschuldigten. Den hier-

aus resultierenden Bedenken trug sie mit der Ansetzung einer leicht höheren Pro-

bezeit von 3 Jahren Rechnung (Urk. 61 S. 48). Den zutreffenden Erwägungen der 

Vorinstanz ist zuzustimmen, zumal sich die familiären Verhältnisse und insbeson-

dere das Verhältnis zwischen Beschuldigtem und Privatklägerin auch im Zeitpunkt 

des Berufungsverfahrens zumindest nicht verbessert haben. Das Scheidungsver-

fahren wurde in der Zwischenzeit eingeleitet, ist jedoch strittig und läuft entspre-

chend noch (Prot. II S. 15 f.). Die Dauer der Probezeit ist daher auf 3 Jahre festzu-

setzen.

VI. Landesverweisung

1. Ausgangslage

1.1. Die Vorinstanz verzichtete darauf, gestützt auf Art. 66a StGB eine Landesver-

weisung auszusprechen (Urk. 61 S. 49-58). 

1.2. Die Staatsanwaltschaft beantragte berufungshalber wie bereits vor Vorinstanz 

die Aussprechung einer Landesverweisung gestützt auf besagte Bestimmung für 

die Dauer von 8 Jahren und deren Ausschreibung im Schengener Informationssys-

tem (Urk. 41 S. 1 f.; Urk. 63 S. 8; Urk. 102 S. 1 ff.).

1.3. Die Verteidigung beantragte eventualit