# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9802d9a4-9c27-5afa-8597-7435367bb0f0
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-06-05
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsbehörden Bau- und Verkehrsdirektion 05.06.2015 120 2015 2
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_BVD/BE_VB_001_120-2015-2_2015-06-05.pdf

## Full Text

ENTSCHEID
DER

BAU-, VERKEHRS- UND ENERGIEDIREKTION 

RA Nr. 120/2015/2 Bern, 5. Juni 2015

in der Beschwerdesache zwischen

A.________GmbH
Beschwerdeführerin 1

und

Herrn B.________
Beschwerdeführer 2

Frau C.________
Beschwerdeführerin 3

beide vertreten durch Herrn Fürsprecher D.________

und

Stockwerkeigentümergemeinschaft V.________, bestehend aus:

Herrn E.________
von Amtes wegen am Verfahren Beteiligter 1

Frau F.________
von Amtes wegen am Verfahren Beteiligte 2

Herrn G.________
von Amtes wegen am Verfahren Beteiligter 3

Frau H.________
von Amtes wegen am Verfahren Beteiligte 4

A.________GmbH
von Amtes wegen am Verfahren Beteiligte 5

Herrn I.________
von Amtes wegen am Verfahren Beteiligter 6

2

Frau J.________
von Amtes wegen am Verfahren Beteiligte 7

Herrn K.________
von Amtes wegen am Verfahren Beteiligter 8

Herrn L.________
von Amtes wegen am Verfahren Beteiligter 9

Frau M.________
von Amtes wegen am Verfahren Beteiligte 10

Herrn B.________
von Amtes wegen am Verfahren Beteiligter 11

Frau C.________
von Amtes wegen am Verfahren Beteiligte 12

Frau N.________
von Amtes wegen am Verfahren Beteiligte 13

Herrn O.________
von Amtes wegen am Verfahren Beteiligter 14

Frau P.________
von Amtes wegen am Verfahren Beteiligte 15

Herrn Q.________
von Amtes wegen am Verfahren Beteiligter 16

Frau R.________
von Amtes wegen am Verfahren Beteiligte 17

Herrn S.________
von Amtes wegen am Verfahren Beteiligter 18

Frau T.________
von Amtes wegen am Verfahren Beteiligte 19

sowie

Baupolizeibehörde der Gemeinde Krattigen, Dorfplatz 2, 3704 Krattigen

betreffend die Verfügung der Baupolizeibehörde der Gemeinde Krattigen vom 4. Dezember 
2014 (Nr. 566/2011-14.2; Stützmauer)

3

I. Sachverhalt

1. Die Gemeinde Krattigen erteilte der Beschwerdeführerin 1 am 5. September 2011 die 

Bewilligung für den Neubau von zwei Mehrfamilienhäusern mit Einstellhalle auf der 

Parzelle Krattigen Grundbuchblatt Nr. U.________. Die Parzelle liegt am Hang und 

schliesst zur nordwestlich gelegenen W.________strasse mit einer Stützmauer ab. 

Anlässlich einer Baukontrolle am 31. Juli 2014 wurde festgestellt, dass die Stützmauer zur 

W.________strasse hin höher als die bewilligten 2.00 m und die Abgrabung für die Einfahrt 

der Einstellhalle 1.00 m zu breit erstellt worden waren. Weiter fehlte das 

Sicherheitsgeländer für die Wohnungen im Erdgeschoss und der Abstand zwischen 

Balkongeländern und Fassade erwies sich als zu gross. Am 22. Oktober 2014 führte die 

Gemeinde einen Augenschein durch. Am 24. Oktober 2014 reichte die Beschwerdeführerin 

1 ein Ausnahmegesuch für die Abgrabung ein.

Mit Wiederherstellungsverfügung vom 4. Dezember 2014 forderte die Gemeinde Krattigen 

die Beschwerdeführerin 1 auf, die Stützmauer um eine Steinreihe zu verkleinern und mit 

einer Böschung zu erweitern, die Geländer für die Wohnungen im Erdgeschoss zu 

erstellen und die Abstände zwischen Balkongeländer und Fenstern zu verkleinern.  

2. Gegen diese Verfügung reichte die Beschwerdeführerin 1 am 2. Januar 2015 

Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie  

beantragt die Aufhebung der Verfügung.

3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, edierte die 

Vorakten und führte den Schriftenwechsel durch. Die Gemeinde Krattigen beantragt die 

Abweisung der Beschwerde. Das Rechtsamt beteiligte zudem von Amtes wegen die 

Grundeigentümer am Verfahren und gab ihnen Gelegenheit zur Stellungnahme. Die 

Beschwerdeführenden 2 und 3 beantragen in ihrer Stellungnahme vom 23. März 2015 die 

Aufhebung der Wiederherstellungsverfügung. Die übrigen Grundeigentümer liessen sich 

nicht vernehmen. Die Beschwerdeführenden 2 und 3 wurden fälschlich als 

Beschwerdegegner ins Rubrum aufgenommen. Dies wird im vorliegenden Entscheid 

1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und 
Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)

4

korrigiert. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den 

nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen

1. Prozessvoraussetzungen

a) Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG2 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis 

48 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden. 

Die Beschwerdeführerin 1 ist als Adressatin durch die angefochtene Verfügung beschwert 

und daher zur Beschwerde legitimiert. Auf ihre form- und fristgerecht eingereichte 

Beschwerde ist einzutreten.

b) Die Beschwerdeführenden 2 und 3 sind Mitglieder der 

Stockwerkeigentümergemeinschaft, in deren Eigentum die Liegenschaft steht. Sie machen 

geltend, dass sie durch die Wiederherstellungsverfügung persönlich betroffen seien und 

dass allenfalls auch ihr Stockwerkeigentumsanteil direkt betroffen sei. Sie seien deshalb 

selbständig zur Beschwerde legitimiert. Zudem seien sie gemäss Art. 647 Abs. 2 Ziff. 2 

ZGB3 berechtigt, zur Abwehrung von drohendem Schaden Massnahmen für die ganze 

Stockwerkeigentümergemeinschaft zu ergreifen.

Stockwerkeigentümergemeinschaften sind grundsätzlich prozessfähig, soweit die 

gemeinschaftliche Verwaltung des Stockwerkeigentums betroffen ist (Art. 712l Abs. 2 

ZGB). Die Stockwerkeigentümergemeinschaft wird dadurch aber nicht zur juristischen 

Person. Sie ist zwar formell in gewissen Bereichen rechtszuständig, die materielle 

Rechtszuständigkeit verbleibt aber beim einzelnen Miteigentümer.4 Betrifft eine 

Wiederherstellungsverfügung das gemeinschaftliche Eigentum und ist die 

Stockwerkeigentümergemeinschaft Adressatin der Verfügung, so kann nur die 

Stockwerkeigentümergemeinschaft dagegen Beschwerde führen, nicht aber ein einzelner 

2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
3 Schweizerisches Zivilgesetzbuch vom 10. Dezember 1907 (ZGB; SR 201)
4 Anita Horisberger Jecklin, KPG-Bulletin 3/2004, S. 80 

5

Stockwerkeigentümer.5 Die Stockwerkeigentümergemeinschaft kann sich von ihrem 

Verwalter, von einem Stockwerkeigentümer oder von einem Dritten vertreten lassen. Die 

Vertretung setzt die Ermächtigung durch die Stockwerkeigentümerversammlung für das 

betreffende Verfahren voraus. Lässt sich eine Stockwerkeigentümergemeinschaft nicht 

vertreten, so ist die Beschwerde von allen Eigentümern zu unterzeichnen. Ist dagegen nur 

das Sondereigentum eines einzelnen Miteigentümers betroffen, so kann dieser selbständig 

darüber verfügen. Eine allfällige Wiederherstellungsverfügung richtet sich nicht an die 

Stockwerkeigentümergemeinschaft, sondern an den einzelnen Miteigentümer. Dieser kann 

selbständig Beschwerde führen.

Die Wiederherstellungsverfügung betrifft vorliegend die Stützmauer zur 

W.________strasse hin, die Balkongeländer sowie die Erstellung einer Absturzsicherung 

im EG. Bei der Stützmauer auf der Parzellengrenze handelt es sich zweifellos nicht um 

Sondereigentum eines Miteigentümers. Die Anordnung betreffend die Balkongeländer 

betrifft sämtliche Balkone gleichermassen und beinhaltet im weiteren Sinne eine 

Anpassung der Fassade. Auch dies liegt nicht in der Entscheid- und Verfügungsmacht 

eines einzelnen Miteigentümers. Bei der Absturzsicherung im EG zur W.________strasse 

hin sind schliesslich ebenfalls alle Eigentümer betroffen. Damit steht fest, dass die 

Wiederherstellungsverfügung nicht einzelne Sondereigentumsanteile, sondern das 

Eigentum der Stockwerkeigentümergemeinschaft betrifft. Zur Beschwerde ist daher auch 

nur die Stockwerkeigentümergemeinschaft legitimiert, nicht einzelne Miteigentümer. Die 

Beschwerdeführenden 2 und 3 sind nicht selbständig zur Beschwerdeführung legitimiert.

c) Gemäss Art. 647 Abs. 2 Ziff. 2 ZGB können einzelne Miteigentümer von sich aus auf 

Kosten aller Miteigentümer Massnahmen ergreifen, die sofort getroffen werden müssen, 

um die Sache vor drohendem oder wachsendem Schaden zu bewahren. Es handelt sich 

hierbei um notwendige Massnahmen, bei denen das unverzügliche Eingreifen objektiv 

geboten war. Dies ist vorliegend nicht der Fall. Der Stockwerkeigentümergemeinschaft 

wurde für ihre Stellungnahme eine Frist von 30 Tagen gesetzt. Diese Zeit reicht in der 

Regel aus, um der Verwaltung eine Vollmacht auszustellen oder um eine ausserordentliche 

Versammlung der Stockwerkeigentümergemeinschaft durchzuführen. Die 

Beschwerdeführenden 2 und 3 sind daher auch nach Art. 647 Abs. 2 Ziff. 2 ZGB nicht zur 

selbständigen Beschwerdeführung legitimiert. Auf ihre Beschwerde ist daher nicht 

5 BVR 2001 S. 429 ff. 

6

einzutreten. Im Übrigen müsste die Beschwerde auch materiell abgewiesen werden (E. 

3b).

2. Stützmauer

a) Das Bauvorhaben wurde mit einer Stützmauer zur W.________strasse hin bewilligt. 

Die Stützmauer sollte in zwei Stufen errichtet und punktuell begrünt werden, so dass kein 

Teil die maximale Höhe von 2.00 m überschreitet6. Während die Mauer im Bereich nördlich 

der Zufahrt zur Einstellhalle wie bewilligt errichtet wurde, wurde sie südlich davon ohne 

Abstufung, d.h. als durchgehende Mauer mit einer maximalen Höhe bis 2.80 m errichtet. 

Die Mauer besteht aus grobbehauenen, grossen Steinquadern.

Die Beschwerdeführerin 1 rügt, die Mauer erfülle die Voraussetzung für die Erteilung einer 

Ausnahmebewilligung. Sie beeinträchtige weder nachbarliche noch öffentliche Interessen, 

stelle kein Sicherheitsrisiko dar und schaffe keinen zusätzlichen Platz für die Eigentümer 

der Liegenschaft. Sie wirke nicht überdimensioniert und passe zum Hauptgebäude.

b) Die vertikale Sichthöhe von Stütz- und Gartenmauern darf nicht mehr als 2.00 m 

betragen. Erfordern spezielle örtliche Verhältnisse höhere Stützmauern, sind diese vertikal 

mindestens 1.00 m tief zu staffeln. Stütz- und Gartenmauern sind zu begrünen und 

unauffällig in das Gelände einzufügen (Art. 9 Abs. 4 GBR7). Diese Bestimmung ist 

eindeutig und lässt ihrem Wortlaut nach keinen Spielraum offen. Vorliegend liegen 

offensichtlich spezielle örtliche Verhältnisse vor, die eine Mauer von mehr als 2.00 m 

erfordern. Entsprechend wurde die Stützmauer mit einer Staffelung auf der ganzen Länge 

bewilligt. Die effektiv erstellte Mauer wurde nicht gemäss den bewilligten Plänen erstellt 

und verstösst unbestritten gegen Art. 9 Abs. 4 GBR. Sie ist damit materiell rechtswidrig.

c) Laut Art. 26 BauG können Ausnahmen von einzelnen Bauvorschriften bewilligt 
werden, wenn besondere Verhältnisse es rechtfertigen und wenn keine öffentlichen 

Interessen beeinträchtigt werden. Ausnahmen dürfen überdies keine wesentlichen 

nachbarlichen Interessen verletzen, es sei denn, die Beeinträchtigung könne durch 

6 Vgl. Pläne "Nordwest- und Südostfassade" und "Grundriss Erdgeschoss" vom 21. April 2011
7 Baureglement der Gemeinde Krattigen vom 22. April 2008 (GBR)

7

Entschädigung vollwertig ausgeglichen werden. Diese Voraussetzungen müssen kumulativ 

erfüllt sein.

Vorliegend wurde kein Ausnahmegesuch gestellt. Es kann aber festgehalten werden, dass 

das GBR für den Fall spezieller örtlicher Verhältnisse, die eine Stützmauer von über 2.00 m 

erfordern, bereits eine eigene Regelung enthält. Inwiefern vorliegend zusätzlich besondere 

Verhältnisse gegeben sein sollen, die eine Staffelung der Mauer verunmöglichen, ist nicht 

ersichtlich. Es besteht damit kein Grund für die Erteilung einer Ausnahmebewilligung.

Die Stützmauer verstösst gegen die klare Bestimmung des GBR und die bewilligten Pläne. 

Es liegen keine besonderen Verhältnisse vor, die die Erteilung einer Ausnahmebewilligung 

rechtfertigen könnten. Die Mauer ist daher formell und materiell rechtswidrig.

3. Wiederherstellung

a) In ihrer Wiederherstellungsverfügung ordnet die Gemeinde an, es sei die oberste 

Steinreihe rückzubauen und mit einer Böschung zu ersetzen.

b) Adressatin der Wiederherstellungsverfügung der Gemeinde Krattigen vom 4. 

Dezember 2014 ist die Beschwerdeführerin 1. Der Stockwerkeigentümergemeinschaft 

wurde die Verfügung erst im Beschwerdeverfahren eröffnet. 

Nach den allgemeinen Grundsätzen des Verwaltungsrechts ist die 

Wiederherstellungsverfügung an den Störer zu richten. Das ist grundsätzlich derjenige, der 

die Baurechtswidrigkeit selbst verursacht hat, also in der Regel die Bauherrschaft 

(Verhaltensstörer). Als Störer gilt aber auch derjenige, der über die Sache, welche den 

ordnungswidrigen Zustand bewirkt, rechtliche oder tatsächliche Gewalt hat 

(Zustandsstörer), also in der Regel der Grundeigentümer. Verhaltensstörer und 

Zustandsstörer können dieselbe Person oder verschiedene Personen sein. Im Fall einer 

Widerrechtlichkeit der Baute oder Anlage können sowohl Verhaltens- wie Zustandsstörer in 

die Pflicht genommen werden. Art. 46 Abs. 2 BauG nennt als Adressat der 

Wiederherstellungsverfügung den jeweiligen Grundeigentümer. Diese Regelung ist auf den 

Normalfall zugeschnitten, in welchem die widerrechtlich handelnde Bauherrschaft zugleich 

Eigentümerin des Baugrundstücks ist. Sind aber Bauherrschaft und Grundeigentümer nicht 

8

identisch und ist die Rechtswidrigkeit auf ein Handeln der Bauherrschaft zurückzuführen, 

so empfiehlt es sich, die Wiederherstellungsverfügung an beide zu richten. Wird nur gegen 

einen von mehreren Störern die Wiederherstellung verfügt, ist diese Verfügung nicht 

rechtswidrig oder nichtig; allenfalls bedarf es aber einer weiteren Verfügung gegen die 

übrigen Störer, damit die Wiederherstellung durchgesetzt werden kann. Eine solche 

Verfügung kann auch noch im Beschwerdeverfahren vor der BVE ergehen.8

Die Rechtswidrigkeit ist vorliegend darauf zurückzuführen, dass sich die 

Beschwerdeführerin 1 als Bauherrschaft nicht an die Baubewilligung gehalten hat. Es ist 

daher sachgerecht, wenn sie als primäre Adressatin der Wiederherstellungsverfügung in 

die Pflicht genommen wird. Zur Durchsetzung der Wiederherstellung ist aber auch der 

Miteinbezug der Grundeigentümer, d.h. der Stockwerkeigentümergemeinschaft nötig. 

Diese wurden mit Verfügung der BVE vom 25. Februar 2015 am Verfahren beteiligt. Dies 

ist entgegen der Ansicht der Beschwerdeführenden 2 und 3 zulässig und stellt weder einen 

Verfahrens- oder Eröffnungsfehler, noch einen Nichtigkeitsgrund dar.9

c) Die erstellte Mauer verstösst gegen die Baubewilligung und das GBR. Sie ist formell 

und materiell rechtswidrig. Es muss daher der rechtmässige Zustand wiederhergestellt 

werden. Die Wiederherstellung muss im öffentlichen Interesse liegen und den Grundsatz 

der Verhältnismässigkeit beachten. Sie muss damit zur Verwirklichung der betroffenen 

öffentlichen Interessen geeignet, erforderlich und für den Betroffenen zumutbar sein (Art. 5 

Abs. 2 BV). 

Das öffentliche Interesse liegt in der Durchsetzung der baurechtlichen Vorschriften. Nach 

dem Rückbau der obersten Reihe der Stützmauer entspricht diese der Regelung in Art. 9 

Abs. 4 GBR. Es ist nicht ersichtlich, wie dies auf andere Weise erreicht werden könnte. Die 

Wiederherstellungsverfügung sieht nur die Abtragung der obersten Steinreihe vor. Dies 

kann mit relativ geringem Aufwand und geringen Kosten umgesetzt werden. Die 

Beschwerdeführerin 1 hat zudem bewusst die Stützmauer nicht entsprechend den 

bewilligten Plänen erstellt. Die Wiederherstellung ist damit zumutbar und insgesamt 

verhältnismässig.

8 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 
N. 12, mit weiteren Hinweisen.
9 BVR 2008 S. 261, E. 3.4.1, mit weiteren Hinweisen.

9

d) Die Beschwerdeführerin 1 rügt, anlässlich der Bauabnahme vom 31. Juli 2014 sei ihr 

bestätigt worden, dass die Mauer so bestehen bleiben könne. Es verstosse gegen Treu 

und Glauben, wenn die Gemeinde jetzt die Wiederherstellung verlange. Die 

Wiederherstellung darf den Vertrauensgrundsatz nicht verletzen.10 Der 

Vertrauensgrundsatz besagt, dass sich der Bürger auf behördliche Handlungen und 

Zusicherungen, die berechtigterweise bestimmte verhaltenswirksame Erwartungen 

wecken, verlassen darf.11 Die Beschwerdeführerin 1 hat die Stützmauer nicht so gebaut, 

wie sie ursprünglich bewilligt wurde. Sie wurde anlässlich der Baukontrolle vom 31. Juli 

2014 darauf hingewiesen, dass die Stützmauer an zwei Stellen höher als 2.00 m sei. Im 

Protokoll findet sich anschliessend der Vermerk "wird mit Rabatte noch angeböscht". Dies 

entspricht genau der von der Gemeinde verfügten Wiederherstellungsmassnahme. Die 

Argumentation der Beschwerdeführerin 1 erscheint dagegen nicht stichhaltig. Der 

Vertrauensgrundsatz wurde nicht verletzt.

e) Die Beschwerdeführerin 1 rügt weiter, in der Gemeinde fänden sich mehrere Mauern, 

die über 2.00 m hoch seien. Es verstosse gegen die Rechtsgleichheit, wenn sie ihre Mauer 

rückbauen müsse. Aus Gründen der Rechtsgleichheit kann kaum je auf eine 

Wiederherstellung verzichtet werden, da es grundsätzlich keinen Anspruch auf 

Gleichbehandlung im Unrecht gibt und ein Absehen von einer an sich begründeten 

Wiederherstellung zu einem unerwünschten Präjudiz werden kann. Vielmehr hat die 

zuständige Behörde gegen andere rechtswidrige Bauten bei gleichen Verhältnissen 

ebenfalls einzuschreiten.12 Die Beschwerdeführerin 1 bringt im Übrigen keine konkreten 

Beispiele von bewilligten Mauern über 2.00 m vor. Die Rüge ist unbegründet.

f) Damit steht fest, dass die Wiederherstellung zu Recht verfügt wurde. Dem Pflichtigen 

ist eine angemessene Frist zu setzen (Art. 46 Abs. 2 BauG). In der 

Wiederherstellungsverfügung wurde der Beschwerdeführerin 1 Frist bis zum 1. Mai 2015 

gesetzt. Diese Frist ist aufgrund des vorliegenden Verfahrens zwischenzeitlich abgelaufen. 

Die angeordnete Wiederherstellungsmassnahme kann mit relativ geringem Aufwand 

umgesetzt werden. Eine Frist bis 31. Juli 2015 erscheint daher angemessen. 

10 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 
N. 9c 
11 Pierre Tschannen/Ulrich Zimmerli/Markus Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Auflage, Bern 2014, §22 
N. 3
12 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 
N. 9c

10

4. Kosten

Bei diesem Ausgang des Verfahrens obsiegt die Gemeinde Krattigen. Die 

Beschwerdeführerin 1 und die Beschwerdeführenden 2 und 3 als unterliegende Parteien 

haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf 

eine Pauschalgebühr von Fr. 1'000.- und der Beschwerdeführerin 1 und den 

Beschwerdeführenden 2 und 3 je zur Hälfte überbunden (Art. 103 Abs. 2 VRPG in 

Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 GebV13).

Die Beschwerdeführerin 1 ist nicht anwaltlich vertreten. Die Beschwerdeführenden 2 und 3 

haben als unterliegende Partei keinen Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten. Es werden 

daher keine Parteikosten gesprochen (Art. 104 Abs. 1 VRPG i.V.m. Art. 108 Abs. 3 VRPG).

III. Entscheid

1. Die Beschwerde der Beschwerdeführerin 1 wird abgewiesen. Die 

Wiederherstellungsverfügung der Gemeinde Krattigen vom 4. Dezember 2014 wird 

wie folgt angepasst:

"Ziff. 3.1: (…) Diese Massnahmen sind bis am 31. Juli 2015 umzusetzen."

Im Übrigen wird die Wiederherstellungsverfügung bestätigt.

2. Auf die Beschwerde der Beschwerdeführenden 2 und 3 wird nicht eingetreten.

13 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; 
BSG 154.21)

11

3. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'000.- werden der Beschwerdeführerin 1 und den 

Beschwerdeführenden 2 und 3 je zur Hälfte, ausmachend Fr. 500.-, auferlegt. Die 

Beschwerdeführenden 2 und 3 haften solidarisch für den gesamten Betrag. Eine 

separate Zahlungseinladung folgt, sobald dieser Entscheid in Rechtskraft erwachsen 

ist.

4. Es werden keine Parteikosten gesprochen.

IV. Eröffnung

- A.________GmbH, eingeschrieben

- Herrn Fürsprecher D.________, eingeschrieben

- Frau F.________ und Herrn E.________, eingeschrieben

- Frau H.________ und Herrn G.________, eingeschrieben

- Frau J.________ und Herrn I.________, eingeschrieben

- Herrn K.________, eingeschrieben

- Frau M.________ und Herrn L.________, eingeschrieben      

- Frau C.________ und Herrn B.________, eingeschrieben

- Frau N.________, eingeschrieben

- Herrn O.________, eingeschrieben      

- Frau P.________, eingeschrieben      

- Frau R.________ und Herrn Q.________, eingeschrieben

- Frau T.________ und Herrn S.________, eingeschrieben      

- Baupolizeibehörde der Gemeinde Krattigen, eingeschrieben

- Regierungsstatthalteramt Frutigen-Niedersimmental, zur Kenntnis

BAU-, VERKEHRS- UND 

ENERGIEDIREKTION

Die Direktorin

Barbara Egger-Jenzer

Regierungsrätin

12

Rechtsmittelbelehrung

Dieser Entscheid kann innert 30 Tagen seit seiner Eröffnung mit Beschwerde beim 

Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Speichergasse 12, 3011 Bern, angefochten werden. Eine 

allfällige Verwaltungsgerichtsbeschwerde, die mindestens in drei Exemplaren einzureichen ist, muss 

einen Antrag, die Angabe von Tatsachen und Beweismitteln, eine Begründung sowie eine 

Unterschrift enthalten; der angefochtene Entscheid und andere greifbare Beweismittel sind 

beizulegen.

Beilage: Kopie des Situationsplanes vom 20. April 2011

Rf