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**Case Identifier:** 83b3a78f-a109-5690-b7dd-f73833a72951
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2007-02-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.02.2007 A-1694/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-1694-2006_2007-02-07.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-1694/2006
{T 0/2}

Urteil vom 7. Februar 2007

Mitwirkung: Richter Daniel Riedo; Michael Beusch; Thomas Stadelmann; 
Gerichtsschreiberin Iris Widmer.

X. _______GmbH, 

gegen

Eidgenössische Oberzolldirektion, Monbijoustrasse 40, 3003 Bern, 
Vorinstanz

betreffend

Zollnachlass.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

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Sachverhalt:
A. Am 7. November 2003 meldete die X._______ GmbH beim Zollinspektorat 

Basel/Weil-Autobahn eine Sendung Decken aus synthetischen Chemiefa-
sern zur provisorischen Einfuhrverzollung an. Die Abfertigung mit provisori-
scher  Verzollung  wurde  mangels  vollständiger  Angaben  im  Ursprungs-
zeugnis EUR.1 A 491957 vom 10. Oktober 2003 vorgenommen. Das Zoll-
inspektorat  fertigte  die  Ware  antragsgemäss  ab  und  setzte  der  X. 
_______GmbH Frist bis zum 14. Januar 2004, um die notwendigen Nach-
weise für die Gewährung der Präferenzbehandlung beizubringen. Nach un-
benutztem Ablauf der Frist verzollte das Zollinspektorat die Sendung defi-
nitiv zum Normalansatz.

B. Mit  Eingabe vom 9.  Februar 2004 beantragte die X._______GmbH beim 
Zollinspektorat gestützt auf das Formular EUR.1 A 351663 vom 2. Februar 
2004  nachträglich  die  definitive  Abfertigung  der  Sendung  zum Präferen-
zansatz.  Das  Zollinspektorat  leitete  das  Gesuch  an  die  zuständige  Zoll-
kreisdirektion Basel weiter. Diese gab der X._______GmbH am 24. März 
2004 schriftlich bekannt, dass das Gesuch um nachträgliche Anerkennung 
des Ursprungsnachweises aufgrund dessen verspäteter Einreichung nicht 
berücksichtigt werden könne. Zur Vermeidung zusätzlicher Verfahrenskos-
ten gab sie der X._______GmbH die Gelegenheit, ihr Gesuch bis zum 14. 
April 2004 zurückzuziehen, was diese mit Schreiben vom 1. April 2004 tat.

C. Das Schreiben der X._______GmbH vom 23.  November  2004 nahm die 
Zollkreisdirektion Basel als Antrag um Erlass des mit Zollquittung vom 14. 
Januar 2004 definitiv erhobenen Betrages in der Höhe von Fr. 12'653.40.- 
entgegen. Die zuständige Oberzolldirektion (OZD) wies mit Entscheid vom 
10. Januar 2005 den Antrag hauptsächlich mit der Begründung ab, im vor-
liegenden Fall  käme höchstens  Art.  127 Abs.  1  Ziff.  4  des  Zollgesetzes 
(besondere Härte) in Frage. Allerdings könnten nur jene Härtefälle in den 
Genuss eines Erlasses kommen, bei denen der Antrag auf Präferenzabfer-
tigung irrtümlich unterlassen und dadurch eine finanzielle Härte verursacht 
worden sei. Die materiellen und formellen Voraussetzungen für eine Präfe-
renzabfertigung müssten aber bereits  im Zeitpunkt  der Wareneinfuhr tat-
sächlich gegeben gewesen sein. Im vorliegenden Fall sei die provisorische 
Zollabfertigung wegen des mangelhaft ausgestellten EUR.1 A 491957 vor-
sorglich beantragt worden und nicht etwa irrtümlich unterblieben. Aus die-
sem Grund seien die Voraussetzungen für einen Erlass nicht gegeben.

D. Gegen den Entscheid der OZD führt  die X._______GmbH (Beschwerde-
führerin) mit Eingabe vom 10. Februar 2005 Beschwerde an die Eidgenös-
sische Zollrekurskomission (ZRK) und beantragt sinngemäss dessen Auf-
hebung. Sie bringt im Wesentlichen vor,  das Ursprungszeugnis habe bei 
der Abfertigung gefehlt.  Die Gründe, die zu der verspäteten Eingabe ge-
führt hätten, seien nicht von ihr zu vertreten. Überdies könne sie den ange-
fallenen Zoll nicht weiterbelasten. Die damit verbundenen Kosten seien für 
die Beschwerdeführerin erheblich und würden zu einer besonderen Härte 
führen. Schliesslich verletze die Nicht-Berücksichtigung des nachgereich-
ten  Ursprungszeugnisses  das  Freihandelsabkommen  zwischen  der 

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Schweiz und der Europäischen Wirtschafsgemeinschaft (EWG).

In ihrer Vernehmlassung vom 11. Mai 2005 beantragt die OZD die kosten-
pflichtige  Abweisung  der  Beschwerde.  Sie  macht  insbesondere  geltend, 
das für die Präferenzabfertigung erforderliche Formular habe nicht gefehlt, 
sondern das EUR.1 A 491957 sei vielmehr  mangelhaft  ausgefüllt  gewe-
sen, weshalb es nicht zu einer definitiven Abfertigung zum Präferenzan-
satz berechtigt habe. Die Beschwerdeführerin sei also keinem Irrtum un-
terlegen, sondern habe mit der provisorischen Abfertigung ihren Anspruch 
auf  die  Präferenzbehandlung  aufrecht  erhalten  wollen.  Da  die  fehlende 
Möglichkeit der Weiterbelastung nicht direkt mit dem Zollverfahren zusam-
menhänge,  sei  die  Anwendung  der  Härtefallklausel  ausgeschlossen.  Im 
Übrigen würden die Ausführungen der Beschwerdeführerin zu den gesetz-
lichen Bestimmungen des Freihandelsabkommens Schweiz-EWG fehl ge-
hen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1. Bis zum 31. Dezember 2006 unterlagen erstinstanzliche Verfügungen oder 

Beschwerdeentscheide der OZD  der Beschwerde an die ZRK  (aArt.  109 
Abs. 1 Bst. c des Zollgesetzes vom 1. Oktober 1925 [ZG; SR 631.0]). Das 
Bundesverwaltungsgericht  übernimmt,  sofern  es  zuständig  ist,  die  am 
1. Januar 2007 bei der ZRK hängigen Rechtsmittel. Die Beurteilung erfolgt 
nach  neuem  Verfahrensrecht  (Art.  53  Abs.  2  des  Bundesgesetzes  vom 
17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht [Verwaltungsgerichtsge-
setz, VGG; SR 173.32]). Soweit das VGG nichts anderes bestimmt, richtet 
sich  gemäss  Art.  37  VGG das  Verfahren  nach  dem Bundesgesetz  vom 
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG; SR 172.021). 
Beschwerden an das Bundesverwaltungsgericht sind zulässig gegen Ver-
fügungen im Sinne von Art. 5 VwVG (Art. 31 VGG). Die den Zollnachlass 
gemäss Art. 127 ZG abweisende Verfügung der OZD an die Beschwerde-
führerin stützt sich auf öffentliches Recht des Bundes. Entscheide der OZD 
betreffend den Zollerlass unterliegen der Beschwerde an das Bundesver-
waltungsgericht  (Art.  109  Abs.  1  Bst.  c  ZG  in  Verbindung  mit  Art.  33 
Bst.  d VGG).  Dieses ist  somit  zur  Behandlung der Beschwerde sachlich 
wie funktionell zuständig.

2.

2.1 Jede Wareneinfuhr  über  die  schweizerische  Zollgrenze  unterliegt  grund-
sätzlich  der Zollpflicht  (vgl.  Art.  1 Abs.  1 ZG).  Gemäss Art.  1 Abs. 2 ZG 
umfasst  die  Zollpflicht  die  Befolgung  der  Vorschriften  über  den  Verkehr 
über die Grenze (Zollmeldepflicht;  vgl.  Art.  6 ff.  ZG) und die Entrichtung 
der gesetzlichen Abgaben (Zollzahlungspflicht; vgl. Art. 10 ff. ZG). 

2.2 Die  Ein-  und  Ausfuhrzölle  werden  nach  Art.  21  ZG  gemäss  dem  Zoll- 
tarif (Anhang zum Zolltarifgesetz vom 9. Oktober 1986 [ZTG; SR 632.10]) 
erhoben. Art. 1 ZTG bestimmt, dass alle Waren, die über die schweizeri-
sche Zollgrenze ein- und ausgeführt werden, unter Vorbehalt abweichen-
der Bestimmungen namentlich aus Staatsverträgen (Art. 1 ZTG und Art. 14 
Ziff. 1 ZG), nach dem Generaltarif zu verzollen sind. Eine solche Ausnah-

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me gilt insbesondere für Zollpräferenzen, die gestützt auf ein Freihandels-
abkommen bei der Einfuhr von Ursprungswaren gewährt werden (vgl. dazu 
REMO ARPAGAUS, Das schweizerische Zollrecht, in: Koller/Müller/Rhinow/Zim-
merli  [Hrsg.],  Das  Schweizerische  Bundesverwaltungsrecht, 
Basel/Genf/München  1999,  Rz.  111).  Dies  gilt  gemäss  dem  Abkommen 
zwischen der Schweiz und der EWG (Abkommen vom 22. Juli 1972 zwi-
schen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen 
Wirtschaftsgemeinschaft  [SR  0.632.401])  für  bestimmte  Waren,  die  Ur-
sprungserzeugnisse der Gemeinschaft im Sinne von Art. 2 des Protokolls 
Nr. 3 zum Abkommen (Protokoll Nr. 3 vom 28. April 2004 über die Bestim-
mung  des Begriffs  «Ursprungserzeugnisse»  und  über  die  Methoden  der 
Zusammenarbeit der Verwaltungen [SR 632.401.3]) sind. Gegen den ent-
sprechenden Nachweis wird die Zoll-Präferenzbehandlung bzw. Zollfreiheit 
gewährt. Der Nachweis erfolgt in Form einer Warenverkehrsbescheinigung 
EUR.1 (Art. 16 Abs. 1 Bst. a des Protokolls Nr. 3).

2.3 Das Zollgesetz sieht verschiedene Arten der Zollabfertigung vor. Erscheint 
im Zeitpunkt der Anmeldung zur Einfuhr eine endgültige Abfertigung nicht 
tunlich,  kann  die  provisorische  Verzollung  vorgenommen  werden 
(Art. 40 ZG). Namentlich bei Fehlen der notwendigen Belege bzw. Anga-
ben die zur Zollpräferenz berechtigen,  kann die provisorische Verzollung 
beantragt und dürfen die erforderlichen Dokumente bzw. Nachweise inner-
halb einer von der Verwaltung bestimmten Frist nachgereicht bzw. ergänzt 
werden (vgl. Art. 68 Abs. 2 der Verordnung vom 10. Juli 1926 zum Zollge-
setz  [ZV; SR 631.01]). Da das schweizerische Zollrecht die nachträgliche 
Präferenzverzollung für  Waren,  die bereits aus der Zollkontrolle  erlassen 
worden sind, nicht zulässt,  kommt der provisorischen Abfertigung beson-
dere Bedeutung zu (vgl. Art. 49 Abs. 2 ZV sowie Art. 20 der Verordnung 
über die Zollabfertigung mit elektronischer Datenübermittlung vom 3. Feb-
ruar 1999 [ZEDV; SR 631.071]; ARPAGAUS, a.a.O., Rz. 172 f., insbesondere 
Fn. 529).

2.4 Die  zollmeldepflichtige  Person  unterliegt  besonderen  gesetzlichen  Mit-
wirkungspflichten (Art. 29 ff. ZG). Art. 31 Abs. 1 ZG verlangt, dass sie bei 
der Einfuhr den Abfertigungsantrag stellt und je nach der Bestimmung der 
Waren die Zolldeklaration unter Vorlegung der für die beantragte Abferti-
gungsart  erforderlichen  Belege,  Bewilligungen  und anderen  Ausweise  in 
der vorgeschriebenen Anzahl, Form und Frist einreicht. Insbesondere hat 
die  Pflichtige  selber  eine  allfällige  Präferenzbehandlung  geltend  zu  ma-
chen.  Damit überbindet  das Zollgesetz den Zollmeldepflichtigen die volle 
Verantwortung  für  den  eingereichten  Abfertigungsantrag  und  stellt  hohe 
Anforderungen an ihre Sorgfaltspflicht (zum Selbstdeklarationsprinzip vgl. 
Urteil des Bundesgerichts vom 7. Februar 2001 [2A.457/2000], E. 2c, publ. 
in:  Archiv für Schweizerisches Abgaberecht  [ASA] 70 330;  Entscheid der 
ZRK vom 28. Oktober 2003 i.S. O. [ZRK 2003-016], E. 3c., publ. in: ASA 
73  576;  ARPAGAUS,  a.a.O.,  Rz.  21  ff.  und  147  f.;  ERNST BLUMENSTEIN/PETER 
LOCHER,  System  des  schweizerischen  Steuerrechts,  6.  Auflage,  Zürich 
2002, S. 426 f.).

3.

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3.1 Steht nach Abschluss des Veranlagungsverfahrens die Zollschuld rechts-
kräftig fest, kann diese aus den in Art. 127 ZG festgelegten Gründen erlas-
sen  werden.  Der  Zollerlass  bildet  den  Verzicht  auf  einen  bestehenden 
Zollanspruch; er setzt begriffsnotwendig voraus, dass eine Zollabfertigung 
in Rechtskraft erwachsen ist (Entscheid der ZRK vom 18. September 2002 
i.S. G. [ZRK 2001-044], E. 4a). 

3.2 Ein ganzer oder teilweiser Zollnachlass ist, abgesehen von den hier nicht 
interessierenden besonderen Fällen von Art. 127 Abs. 1 Ziff. 1 bis 3 ZG, in 
Ziff. 4 dieses Absatzes vorgesehen. Diese Härteklausel ist als allgemeiner 
Auffangtatbestand  konzipiert.  Ein  Zollnachlass  muss  gewährt  werden, 
wenn aussergewöhnliche, nicht die Bemessung der Abgaben betreffende 
Verhältnisse den Bezug als besondere Härte erscheinen lassen. Die drei 
Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein, damit einem Zollerlassge-
such stattgegeben werden kann.  Liegen sie vor,  greift  kein behördliches 
Ermessen, sondern es besteht ein Anspruch auf Nachlass.

3.2.1 Wann  aussergewöhnliche  Verhältnisse  im  Sinne  von  Art.  127  Abs.  1 
Ziff.  4  ZG mit  Bezug  auf  das Zollverfahren  vorliegen,  bedarf  der  Ausle-
gung. In Weiterführung der bisherigen Praxis der ZRK stellt  ein  lediglich 
fehlendes oder mangelhaftes Ursprungszeugnis in der Regel keine ausser-
ordentliche Situation im Sinne der genannten Bestimmung dar.  Ist  keine 
provisorische Abfertigung verlangt  worden,  ist  diesfalls ein Zollerlass nur 
zulässig, wenn die formellen Voraussetzungen für eine Präferenzbehand-
lung im Zeitpunkt der Zollabfertigung tatsächlich erfüllt gewesen sind (Ent-
scheid  der  ZRK vom  28.  Oktober  2003  i.S.  M.  AG [ZRK 2002-099],  E. 
2c.aa, Urteil des Bundesgerichts vom 9. Juni 2004 [2A.566/2003], E. 4.1, 
publ. in: ASA 74 246 ff.). Im Rahmen einer allgemeinen Härteklausel kon-
krete Definitionen für das Vorliegen aussergewöhnlicher Umstände anzu-
führen, bereitet Schwierigkeiten; eine fallweise Aufzählung kann höchstens 
einen ungefähren Eindruck vermitteln (vgl. dazu HANS BEAT NOSER, Der Zoll-
nachlass nach Art. 127 ZG �  wozu, wie, wann?, in: Zollrundschau 3/90, S. 
48).

3.2.2 Die aussergewöhnlichen Verhältnisse dürfen zudem nicht die Bemessung 
der Abgaben betreffen; ein Zollerlass darf nicht zur Korrektur des Zolltarifs 
führen (Entscheid der ZRK vom 28. Oktober i.S. M. AG [ZRK-2002-099], 
E. 2c/bb).  Wer  ein Gesuch um Zollnachlass  stellt,  hat  daher  nachzuwei-
sen,  dass  die  Gründe,  das  heisst  die  aussergewöhnlichen  Verhältnisse, 
ausserhalb der Bemessung der Abgaben liegen.

3.2.3 Der  Bezug  der  Abgabe  muss  sodann  eine  besondere  Härte  darstellen. 
Dieses Kriterium betrifft die persönliche Lage der zahlungspflichtigen Per-
son  (Entscheid  der  ZRK  vom  18.  September  2002  i.S.  A.  SA  [ZRK 
2002-020], E. 2b/cc).

3.3 Der Zollerlass bildet eine Massnahme der Vollstreckung an sich rechtskräf-
tiger Zollentscheide und nicht der Veranlagung. Die Begründetheit der Zoll-
erhebung ist dabei nicht ausschlaggebend. Eine allfällige Unbegründetheit 
bzw. eine fehlerhafte Veranlagung ist im Abfertigungs- und dem daran an-
schliessenden  Rechtsmittelverfahren  geltend  zu  machen.  Das  auf  dem 
Prinzip  der  Selbstdeklaration  beruhende  schweizerische  Zollverfahren 

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überträgt  der  zollpflichtigen  Person  die  entsprechenden Verfahrens-  und 
Sorgfaltspflichten  (vgl.  E.  2.4).  Kann  die  Steuerpflichtige  ihre  Pflichten 
nicht vollständig erfüllen, steht ihr, wie erläutert, die Möglichkeit der provi-
sorischen  Abfertigung  offen.  Das  verlangt  jedoch,  dass  sie  sich  vorweg 
über die Zollpflicht informiert und die für die Einfuhr beigezogenen Perso-
nen wie Spediteure entsprechend anweist. Unterlässt sie dies, hat sie da-
für prinzipiell selber die Verantwortung zu tragen. Allfällige Rückforderun-
gen können grundsätzlich nur auf dem Beschwerdeweg geltend gemacht 
werden (Art. 125 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 109 ZG; vgl. Urteil des Bun-
desgerichts vom 9. Juni 2004, a.a.O., E. 3.3).

3.4 Mit der Möglichkeit der provisorischen Verzollung stellt das Zollgesetz ein 
Veranlagungssystem zur Verfügung, bei dem sich Unsicherheiten im Zeit-
punkt der Abfertigung berücksichtigen lassen. Diese Abfertigungsart kann 
auch dann zur Anwendung gelangen, wenn die formellen Voraussetzungen 
für  eine  Präferenzbehandlung,  wie  das  Vorhandensein  von  Ursprungs-
zeugnissen,  fehlen.  Falls  notwendig,  können  die  entsprechenden  Mass-
nahmen getroffen werden, um eine nachträgliche Kontrolle der Waren zu 
gewährleisten. Wenn das Gesetz in diesem Sinne bereits bei der Veranla-
gung eine Korrekturmöglichkeit  vorsieht,  rechtfertigt  dies eine einschrän-
kende Auslegung der als Auffangbestimmung konzipierten Erlassregelung 
von Art. 127 Abs. 1 Ziff.  4 ZG bei der Vollstreckung (vgl. Urteil des Bun-
desgerichts vom 9. Juni 2004, a.a.O., E. 3.4).

3.5 Daran ändert  auch das Abkommen zwischen der Schweiz und der EWG 
nichts.  Zwar  ist  vorgesehen,  dass  die  erforderliche  Ursprungsbescheini-
gung ausnahmsweise nach der Ausfuhr  ausgestellt  werden kann,  insbe-
sondere dann, wenn sie infolge eines Irrtums, eines unverschuldeten Ver-
sehens oder besonderer Umstände bei der Ausfuhr nicht entrichtet worden 
ist  (Art.  18 Abs.  1 Bst.  a des  Protokolls  Nr.  3).  Dieser Anforderung wird 
aber  das schweizerische Zollgesetz  gerecht,  indem es im Verfahren der 
Veranlagung in solchen Fällen die Möglichkeit  der provisorischen Verzol-
lung anbietet. Mehr, namentlich die Berücksichtigung nachträglich ausge-
stellter Bescheinigungen im Verfahren der Vollstreckung, verlangt das Ab-
kommen nicht  (vgl.  Urteil  des Bundesgerichts  vom 9.  Juni  2004,  a.a.O., 
E. 3.7).

3.6 Im vorliegenden Fall  lagen die für eine Präferenzbehandlung notwendigen 
Belege im Zeitpunkt  der Einfuhr nicht  vollständig vor.  Im Formular  EUR.
1 A 491957  fehlten  die  Angaben  über  Herkunfts-  und  Bestimmungsstaat 
(Ziffern 4 und 5 des Formulars). Die Beschwerdeführerin hat das Verfah-
ren der  provisorischen Zollabfertigung beantragt,  um die Möglichkeit  der 
Abfertigung nach dem Präferenzzolltarif  aufrecht zu halten. Die provisori-
sche Abfertigung ist demzufolge nicht etwa irrtümlich unterblieben. Entge-
gen  dem Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  hat  das  Ursprungszeugnis 
bei der Einfuhr nicht gänzlich gefehlt.  Das EUR.1 A 491957 hätte innert 
der  dafür  von der  Zollbehörde  angesetzten  Frist  ergänzt  und beglaubigt 
werden müssen.  Um ihren Mitwirkungspflichten nachkommen zu können, 
hätte die Beschwerdeführerin um eine Fristverlängerung nachsuchen müs-
sen.  Da  sie  dies  unterlassen  hat,  wurde  die  Sendung  nach  Fristablauf 

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rechtmässig definitiv zum Normaltarif verzollt. Die aus diesem Versäumnis 
für die Beschwerdeführerin sich nun ergebenden Kostenfolgen hat sie sich 
selber zuzuschreiben. Eine Abrechnung nach dem Präferenzzolltarif  kann 
nach verpasster Frist für die provisorische Präferenzabfertigung nun nicht 
über den Weg eines nachträglich ausgestellten EUR.1 A 351663 erlangt 
werden.  Die angeblich von der Post zu verantwortende Verzögerung der 
Zustellung des Ursprungszeugnisses ist deshalb nicht relevant; abgesehen 
davon wäre das Verhalten der Deutschen Post als Hilfsperson ohnehin der 
Beschwerdeführerin zuzurechnen. Somit liegen keine aussergewöhnlichen 
Umstände im Sinne von Art. 127 Abs. 1 Ziff. 4 ZG vor, die einen Zollnach-
lass rechtfertigen könnten.

3.7 Damit entfällt ein Zollerlass, ohne dass zu prüfen ist, ob die weiteren ge-
setzlichen Anforderungen erfüllt wären. Namentlich ist nicht zu prüfen, ob 
sich durch die fehlende Möglichkeit der Weiterbelastung des Zollbezuges 
eine besondere  Härte  ergibt.  Die Voraussetzung der  Härte  allein  schafft 
keinen Anspruch auf einen Zollerlass.

3.8 Die Beschwerdeführerin stützt ihr Begehren auch auf das Abkommen zwi-
schen der Schweiz und der EWG. Sofern diese Bestimmungen überhaupt 
direkt anwendbar sind, betreffen sie das Veranlagungsverfahren. Ihre dies-
bezüglichen Einwände hätte diese allenfalls im entsprechenden Rechtsmit-
telverfahren geltend machen müssen. Im Vollstreckungsverfahren können 
diese nicht berücksichtigt werden.

4. Nach dem Gesagten ist  die  Beschwerde abzuweisen und der  Entscheid 
der Oberzolldirektion vom 10. Januar 2005 zu bestätigen. Die Verfahren-
skosten in der Höhe von Fr. 800.- werden der Beschwerdeführerin aufer-
legt (Art. 63 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 37 VGG).

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Verfahrenskosten im Betrag von Fr. 800.- werden der Beschwerdefüh-
rerin  auferlegt  und  mit  dem  von  ihr  geleisteten  Kostenvorschuss  von 
Fr. 800.- verrechnet.

3. Dieses Urteil wird eröffnet: 

- der Beschwerdeführerin (mit Gerichtsurkunde)

- der OZD (Ref-Nr. 391/04.051) (mit Gerichtsurkunde)

Bern, 7. Februar 2007

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtschreiberin:

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Riedo Daniel Widmer Iris

Rechtsmittelbelehrung
Urteile des Bundesverwaltungsgerichts können innert 30 Tagen seit der Eröffnung beim 
Schweizerischen Bundesgericht in Lausanne angefochten werden. Die Beschwerde ist 
unzulässig  gegen  Entscheide  über  die  Zollveranlagung,  wenn  diese  aufgrund  der 
Tarifierung  oder  des  Gewichts  der  Ware  erfolgt;  sowie  gegen  Entscheide  über  die 
Stundung  oder  den  Erlass  von  Abgaben.  Die  Rechtsschrift  ist  in  einer  Amtssprache 
abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und 
die  Unterschrift  zu  enthalten.  Sie  muss  spätestens  am  letzten  Tag  der  Frist  beim 
Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder einer 
schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben werden (vgl.
Art. 42, 48, 54, 83 Bst. l, m und 100 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das 
Bundesgericht [BGG; SR 173.110]).

Versand am: 7.Februar 2007

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