# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1c3077b6-acf4-52e1-ace6-1b541a63dbe1
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-02-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.02.2012 D-466/2012
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-466-2012_2012-02-03.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­466/2012

U r t e i l   v om   3 .   F e b r u a r   2 0 1 2

Besetzung Einzelrichter Martin Zoller,
mit Zustimmung von Richter Walter Lang;  
Gerichtsschreiber Daniel Widmer.

Parteien A.______,
Irak,  
vertreten durch Martina Culic, Rechtsanwältin,
Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not,
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 10. Januar 2012 / (…).

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Sachverhalt:

I.

A. 
Der Beschwerdeführer – ein irakischer Staatsangehöriger kurdischer Eth­
nie aus Suleimaniya – suchte erstmals am  (…)  in der Schweiz um Asyl 
nach.  Zur  Begründung  machte  er  im Wesentlichen  geltend,  er  sei  (…) 
verfolgt worden. Mit Verfügung vom (…) lehnte das BFM das Asylgesuch 
ab,  weil  die  Verfolgungsvorbringen  den  Anforderungen  an  die 
Glaubhaftigkeit  nicht  genügten.  Auf  die  dagegen  erhobene Beschwerde 
trat  das  Bundesverwaltungsgericht  am  (…)  mangels  Bezahlung  des 
Kostenvorschusses nicht ein.

B. 
Am  (…)  reichte  der  Beschwerdeführer  beim  BFM  ein 
Wiederwägungsgesuch  betreffend  den  Wegweisungsvollzug  ein.  Zur 
Begründung machte  er  (…)  geltend  und  reichte  (…)  zu  den  Akten. Mit 
Verfügung vom (…) lehnte das Bundesamt das Wiedererwägungsgesuch 
ab  und  erklärte  seine  Verfügung  vom  (…)  als  rechtskräftig  und 
vollstreckbar.  Die  dagegen  erhobene  Beschwerde  wurde  vom 
Bundesverwaltungsgericht am (…) abgewiesen.

II.

C. 
Mit  Eingabe  vom  10. Januar  2011,  ergänzt  durch  ein  Schreiben  vom 
7. September  2011  betreffend  eine  gleichzeitig  als  Beweismittel 
eingereichte  (…),  ersuchte  der  Beschwerdeführer  um  Wiederaufnahme 
des  Asylverfahrens.  Zur  Begründung  machte  er  im  Wesentlichen 
Folgendes  geltend:  Er  sei  in  der  Schweiz  exilpolitisch  aktiv  geworden, 
indem er sich für die linken Bewegungen in Kurdistan einsetze, da er zu 
einer  Verbesserung  der  Situation  der  Menschen  in  seiner  Heimat 
beitragen  wolle.  Er  sei  Mitglied  eines  populären  kurdischen  Chatraums 
auf  B._______  namens  C.______,  übernehme  dort  verschiedene 
Funktionen und unterstütze den Raum auch finanziell. Zudem äussere er 
sich  in  diesem  Chatraum  immer  wieder  kritisch  über  die  kurdische 
Regierung.  Auch  auf  D._______  habe  er  eine Gemeinschaft  gegründet 
und führe in diesem Rahmen regierungskritische Gespräche mit anderen 
Teilnehmern.  Dadurch  sei  er  zu  einer  bekannten  Persönlichkeit  in  den 
kurdischen  elektronischen Medien  geworden  und würde  daher  von  den 
kurdischen Behörden  als  Erzfeind  betrachtet.  Sein PC  sei  von Hackern 

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angegriffen worden, wobei persönliche  Informationen, Fotos und andere 
Dokumente  gestohlen  worden  seien.  Zudem  habe  der 
Geheimdienstapparat  der  E._______  auch  Informationen  und  private 
Fotos  von  ihm  auf  D._______  gestohlen.  Schliesslich  sei  er  auf 
D._______  von  Unbekannten  bedroht  und  auf  B._______  mit  seinem 
echten Namen angesprochen worden, was bestätige, dass man ihn trotz 
seines Decknamens kenne. Die eingereichte  (…) enthalte  verschiedene 
Screenshots  des  erwähnten  Chatraums,  Fotos  von  ihm  mit  einem 
populären  oppositionellen  Aktivisten  und  solche,  die  ihn  an  einer 
Demonstration  zeigten,  sowie  verschiedene  Videos.  Aus  all  diesen 
Gründen würde er bei einer Rückkehr nach Kurdistan verfolgt.

D. 
Mit Verfügung vom 10. Januar 2012 – eröffnet am 20. Januar 2012 – trat 
das  BFM  auf  das  Wiederaufnahmebegehren,  welches  es  als  (zweites) 
Asylgesuch  entgegennahm,  gestützt  auf  Art. 32  Abs. 2  Bst. e  des 
Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  ein  und 
ordnete die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz sowie 
den  Vollzug  der  Wegweisung  unter  praxisgemässer  Anordnung  einer 
einmonatigen Ausreisefrist an.

Zur  Begründung  führte  die  Vorinstanz  im  Wesentlichen  aus,  der 
Beschwerdeführer  habe  ein  erstes  Asylverfahren  erfolglos  durchlaufen, 
welches am (…) rechtskräftig abgeschlossen worden sei, ohne dass er in 
der Zwischenzeit  in seine Heimat zurückgekehrt sei. Seine Eingabe vom 
10. Januar  2011  samt  der  nachfolgenden  Beweismittelschreiben  sei 
demnach  nicht  als  Wiederaufnahmebegehren,  sondern  als  zweites 
Asylgesuch  zu  qualifizieren,  zumal  er  darin  klar,  verständlich  und  in 
hinreichendem  Umfang  Tatsachen  und  Umstände  darlege,  die  seiner 
Ansicht  nach  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  rechtfertigten. 
Bei  dieser  Sachlage  sei  in  Übereinstimmung  mit  der  Praxis  des 
Bundesverwaltungsgerichts  in  Bezug  auf  die  subjektiven 
Nachfluchtgründe  festzustellen,  dass  der  wesentliche  Sachverhalt 
hinreichend  erstellt  sei  und  aus  einer  allfälligen  Anhörung  des 
Beschwerdeführers  keine  wesentlichen  neuen  Erkenntnisse  gewonnen 
werden könnten. Auch könne gemäss der erwähnten Praxis  (vgl. BVGE 
2009/53 E. 5.1­5.6 S.769 ff.) in casu auf eine vorgängige Gewährung des 
rechtlichen Gehörs verzichtet werden, weil der diesbezügliche Anspruch 
bereits mit der Gesuchseinreichung wahrgenommen worden sei. Zwar sei 
gemäss  einem  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  (…) 
anzunehmen,  dass  die  Behörden  der  E._______  beziehungsweise  der 

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F.______  im  Nordirak  im  Ausland  irakische  Oppositionsparteien 
beobachteten,  wobei  indes  der  Umfang  und  die  Intensität  dieser 
Überwachung von Exilkurden nur schwer abzuschätzen sei. Aufgrund der 
Angaben  des  Beschwerdeführers  und  der  von  ihm  eingereichten 
Beweismittel  sei  nicht  davon  auszugehen,  dass  er  mit  seinen 
exilpolitischen  Tätigkeiten  einen  Bekanntheitsgrad  erreicht  habe,  der 
geeignet  wäre,  die  nordirakischen  Behörden  auf  ihn  aufmerksam  zu 
machen und ihn als konkrete Gefährdung für diese zu qualifizieren. Zwar 
habe er an kurdischen Kundgebungen in der Schweiz teilgenommen und 
sei  auf  den  eingereichten  Fotos  und  Videoaufnahmen  teilweise 
erkennbar.  Indes würde er  an  keiner Stelle  namentlich  genannt  und  sei 
den  Aufnahmen  auch  nicht  zu  entnehmen,  dass  er  sich  bei  diesen 
Demonstrationen  besonders  und  über  das  Mass  der  anderen 
Teilnehmenden  hinaus  exponiert  oder  eine  in  der  Öffentlichkeit 
exponierte  Führungsposition  innegehabt  hätte.  Auch  habe  er  nicht 
geltend  gemacht,  die  Aufnahmen  seien  in  irgendeiner  Weise  der 
Öffentlichkeit  zugänglich  gemacht  worden.  Der  von  ihm  angegebene 
Youtube­Link,  auf  welchem  eine  unbekannte  Person  seine  Bilder 
angeblich  veröffentlicht  habe,  führe  zu  keinem  Treffer.  Schliesslich 
deuteten  auch  die  geltend  gemachten  Aktivitäten  in  den  elektronischen 
Medien nicht auf ein derart herausragendes politisches Profil, dass er bei 
einer Rückkehr  in  den Nordirak einer  konkreten Gefährdung ausgesetzt 
würde.  Der  angebliche  Hackerangriff  und  Datendiebstahl  durch  den 
Geheimdienst der E._______ sein in keiner Weise belegt. Ebenso wenig 
lägen Hinweise darauf vor, dass die Kontaktaufnahme einer unbekannten 
Person  im  Chatraum  oder  die  angeblich  über  D._______  erhaltene 
Drohung im Zusammenhang mit den kurdischen Behörden stehen würde. 
Insgesamt  sei  nicht  von  einem  Profil  des  Beschwerdeführers 
auszugehen, welches dessen subjektive Furcht, bei einer Rückkehr in die 
Heimat  einer  flüchtlingsrechtlich  relevanten  Verfolgung  ausgesetzt  zu 
werden, als objektiv begründet erscheinen  lassen würde, umso weniger, 
als  er  im  Rahmen  seines  ersten  Asylverfahrens  nicht  geltend  gemacht 
habe, bereits in seiner Heimat Schwierigkeiten mit der E._______ gehabt 
zu  haben.  Zusammenfassend  lägen  demnach  keine  Hinweise  vor, 
wonach  seit  dem  rechtskräftigen  Abschluss  des  ersten  Asylverfahrens 
Ereignisse  eingetreten  seien,  die  geeignet  wären,  die 
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu begründen oder die für 
die Gewährung  vorüber  gehenden Schutzes  relevant  sein  könnten. Der 
Vollzug  der  Wegweisung  sei  zulässig,  zumutbar  und  möglich. 
Insbesondere  herrsche  in  der  nordirakischen  Provinz,  aus  welcher  der 
Beschwerdeführer  stamme,  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt  und 

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sprächen  auch  keine  individuellen  Gründe  gegen  die  Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs.  Schliesslich  könnte  der  Beschwerdeführer 
Rückkehrhilfe beantragen.

E. 
Mit  Eingabe  vom  25. Januar  2012  (Datum  des  Poststempels)  an  das 
Bundesverwaltungsgericht beantragte der Beschwerdeführer durch seine 
Rechtsvertreterin  unter  Kosten­  und  Entschädigungsfolge,  es  sei  die 
Verfügung  vom  10. Januar  2012  aufzuheben,  festzustellen,  dass  er 
subjektive  Nachfluchtgründe  aufweise  und  es  sei  die  Vorinstanz 
anzuweisen,  ihn  vorläufig  aufzunehmen;  eventualiter  sei  die 
Unzumutbarkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung  festzustellen  und  die 
vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  In  prozessualer  Hinsicht  wurden  die 
Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  und  die 
Sistierung  des Wegweisungsvollzugs  bis  zum  rechtskräftigen Abschluss 
des Verfahrens beantragt, wobei die zuständige Fremdenpolizeibehörde 
anzuweisen  sei,  auf  Vollzugshandlungen  während  der  Behandlung  der 
Beschwerde  zu  verzichten;  über  die  Aussetzung  des  Vollzugs  sei 
umgehend  zu  entscheiden.  Schliesslich  wurde  die  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  und  der  Verzicht  auf  das  Erheben  eines 
Kostenvorschusses  beantragt.  Gleichzeitig  wurden  –  in  Kopie  –  ein 
Arztschreiben (dessen Original wurde einen Tag später beigebracht), ein 
Arbeitszeugnis, ein Referenzschreiben und eine Fürsorgebestätigung zu 
den Akten gereicht. Darauf wird, soweit  für den Entscheid wesentlich,  in 
den Erwägungen eingegangen.

F. 
Am  31. Januar  2012  trafen  die  vorinstanzlichen  Akten  vollständig  beim 
Bundesverwaltungsgericht ein (Art. 109 Abs. 2 AsylG).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 

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Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG)

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht;  der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt,  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung  und  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 108  Abs. 2  AsylG  sowie  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und 
Art. 48  Abs. 1  sowie  Art. 52  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist  –  unter 
Vorbehalt der Erwägungen 1.4 und 5.6 – einzutreten.

1.4. Die Beschwerde hat aufschiebende Wirkung (Art. 42 AsylG) und das 
BFM  hat  einer  allfälligen  Beschwerde  die  aufschiebende Wirkung  nicht 
entzogen  (Art. 55  Abs. 2  VwVG).  Deshalb  ist  auf  den  Antrag  auf 
Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  sowie  auf  die  in  diesem 
Zusammenhang  gestellten  Begehren  um  Anordnung  vorsorglicher 
Massnahmen (vgl. vorstehend Sachverhalt Bst. E) nicht einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden 
(Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie  nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich 
vorliegend  um  eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur 
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).

Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die 
Durchführung des Schriftenwechsels verzichtet.

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4. 
Vorweg  ist  festzuhalten,  dass  die  Vorinstanz  die  Eingabe  des 
Beschwerdeführers vom 10. Januar 2011 – in Übereinstimmung mit der in 
der Rechtsmitteleingabe  vertretenen Auffassung –  zu Recht  als  zweites 
Asylgesuch  qualifizierte  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1998 Nr. 1  E. 6  S. 10 
ff., BVGE 2008/57 E.3.1 S. 779 f.).

5. 
5.1.  Das  BFM  hat  vorliegend  seinen  Nichteintretensentscheid  vom 
10. Januar  2012  auf  der  Grundlage  von  Art. 32  Abs. 2  Bst. e  AsylG 
gefällt. Es gilt daher im Folgenden zu prüfen, ob die Voraussetzungen für 
ein Nichteintreten nach dieser Bestimmung erfüllt sind.

5.2. Gemäss  Art. 32  Abs. 2  Bst. e  AsylG  wird  auf  ein  Asylgesuch  nicht 
eingetreten, wenn Asylsuchende in der Schweiz bereits ein Asylverfahren 
erfolglos durchlaufen haben oder während des hängigen Asylverfahrens 
in den Heimat­ oder Herkunftsstaat  zurückgekehrt  sind, ausser es gebe 
Hinweise,  dass  in  der  Zwischenzeit  Ereignisse  eingetreten  sind,  die 
geeignet sind, die Flüchtlingseigenschaft  zu begründen, oder die  für die 
Gewährung vorübergehenden Schutzes relevant sind. 

5.3. Der Beschwerdeführer durchlief  in der Schweiz bereits erfolglos ein 
Asylverfahren, das rechtskräftig abgeschlossen wurde. 

5.4. Der  Prüfung,  ob  (in  der  Zwischenzeit)  Ereignisse  eingetreten  sind, 
die  geeignet  sind,  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  ist  der 
Flüchtlingsbegriff  gemäss  Art. 3  AsylG  zugrunde  zu  legen,  wobei  auch 
subjektive  Nachfluchtgründe  unter  den  engen  Verfolgungsbegriff  in 
diesem  Sinne  fallen.  Dabei  ist  ein  gegenüber  der  Glaubhaftmachung 
reduzierter  Beweismassstab  anzusetzen;  auf  das  Asylgesuch  ist 
einzutreten,  wenn  sich  Hinweise  auf  ernsthafte  Nachteile  im  Sinne  von 
Art. 3 AsylG ergeben, die nicht  zum Vornherein haltlos  sind  (vgl. BVGE 
2009/53 E. 4.2 S. 769; BVGE 2008/57 E. 3.2 S. 780).

5.5. Es ist zu prüfen, ob der vorliegende Nichteintretensentscheid mit den 
geltend  gemachten  exilpolitischen  Aktivitäten  des  Beschwerdeführers 
vereinbar ist.

5.6. Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  in  einem  publizierten  Entscheid 
(BVGE  2009/53)  festgehalten,  dass  allein  der  Umstand,  dass  in  einem 

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weiteren,  insbesondere  schriftlich  eingereichten  Asylgesuch  das 
exilpolitische  Engagement  der  asylsuchenden  Person  umfassend 
dargelegt  und  allenfalls  mit  Beweismitteln  dokumentiert  werde,  für  sich 
noch  nicht  bedeute,  dass  auf  das  Asylgesuch  im  Sinne  eines 
Automatismus einzutreten sei. Vielmehr sei im Hinblick auf die Frage, ob 
das  ordentliche  Verfahren  durchzuführen  oder  ein 
Nichteintretensentscheid gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG zu fällen sei, 
unter  Berücksichtigung  des  länderspezifischen  und  personenbezogenen 
Kontextes  im  konkreten  Fall  zu  prüfen,  ob  sich  aufgrund  der  geltend 
gemachten  exilpolitischen  Tätigkeiten  Hinweise  ergäben,  die  zur 
Begründung  der  Flüchtlingseigenschaft  geeignet  seien.  Ergäben  sich 
solche Hinweise, müsse  das  BFM  auf  das  zweite  Asylgesuch  eintreten 
(a.a.O  E. 6).  Mithin  ist  auf  den  Antrag,  es  sei  festzustellen,  dass  der 
Beschwerdeführer  subjektive  Nachfluchtgründe  aufweise,  und  die 
Vorinstanz  anzuweisen,  ihn  als  Flüchtling  vorläufig  aufzunehmen,  nicht 
einzutreten.

5.7.  Das  exilpolitische  Engagement  des  Beschwerdeführers  in  der 
Schweiz  ist  durch  die  im  Rahmen  des  zweiten  Asylverfahrens 
eingereichten  Schriftsätze  und  Beweismittel  (vgl.  vorstehend  Bst. C) 
ausführlich  dokumentiert.  Wie  bereits  dargelegt,  ist  eine  umfassende 
Darlegung  exilpolitischer  Aktivitäten  und  deren  Untermauerung  mit 
Beweismitteln in einem weiteren Asylgesuch nicht gleichzusetzen mit der 
Pflicht  des  BFM,  eine  förmliche  Anhörung  nach  Art. 29  und  30  AsylG 
durchzuführen und einen materiellen Entscheid  zu  fällen. Das bedeutet, 
dass  im  vorliegenden  Fall  in  Berücksichtigung  der  aktuellen  Lage  im 
Nordirak  zu  prüfen  ist,  ob  sich  aufgrund  der  geltend  gemachten 
exilpolitischen  Tätigkeiten  Hinweise  ergeben,  die  geeignet  sind,  die 
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu begründen.

6. 
6.1. Das BFM ist auf das zweite, mit dem Vorliegen subjektiver Nach­
fluchtgründe  begründete  Asylgesuch  nicht  eingetreten.  Diesbezüglich 
wird in der Beschwerde eingewendet, der Nichteintretensentscheid der 
Vorinstanz  komme  einem  materiellen  Entscheid  gleich,  weil  das 
Bundesamt  zu  dessen  Begründung  ausgeführt  habe,  die  geltend 
gemachte exilpolitische Tätigkeit des Beschwerdeführers habe nicht zu 
einem  Bekanntheitsgrad  seiner  Person  geführt,  der  geeignet  sei,  die 
nordirakischen  Behörden  auf  ihn  aufmerksam  zu  machen  (vgl.  Be­
schwerde S. 5 f.).

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6.2.  Das  Bundesamt  hat  alle  vom  Beschwerdeführer  geltend  ge­
machten und mit Beweismitteln belegten exilpolitischen Aktivitäten ge­
würdigt  und  ist  dabei  zum  Schluss  gekommen,  er  würde  bei  einer 
Rückkehr  in  den  Nordirak  aufgrund  dieser  Vorbringen  keinen  staat­
lichen  Verfolgungsmassnahmen  ausgesetzt.  Nach  Überprüfung  der 
Akten  erweisen  sich  die  diesbezüglichen  Erwägungen  in  der 
angefochtenen  Verfügung  (vgl.  vorstehend  Bst. D)  als  zutreffend  und 
vermag  auch  das  Bundesverwaltungsgericht  keine  Hinweise  auf 
Verfolgung  im  Sinne  von  Art. 32  Abs. 2  Bst. e  AsylG  zu  erkennen, 
umso  weniger,  als  der  Beschwerdeführer  seinen  im  Rahmen  des 
ersten Asylverfahrens gemachten Aussagen zufolge nie politisch  tätig 
war  beziehungsweise  auch  nicht  ansatzweise  eine  politische  Ge­
sinnung  oder  Schwierigkeiten  mit  der  E._______  geltend  gemacht 
hatte,  sondern  jenes  Asylgesuch  mit  einer  Verfolgung  von  (…) 
begründet  hatte.  Aufgrund  der  Akten  lässt  sich  zum  einen 
offensichtlich  nicht  auf  ein  heraus­ragendes  oppositionelles 
Engagement  des Beschwerdeführers  in  der Schweiz  schliessen. Zum 
andern  handelt  es  sich  bei  dem  angeblichen  Hackerangriff,  dem 
Datendiebstahl  auf  D._______  und  der  Aufdeckung  der  Identität  des 
Beschwerdeführers  im Chatraum, woraus  er  eine  gezielte  Verfolgung 
durch die  nordirakischen Behörden ableitet,  lediglich um durch nichts 
belegte  Behauptungen.  Demgegenüber  sind  die  Ausführungen  in  der 
Beschwerde nicht geeignet, an dieser Einschätzung etwas zu ändern, 
umso  weniger  als  sie  sich  in  Bezug  auf  die  geltend  gemachten 
subjektiven  Nachfluchtgründe  auf  eine  Wieder­holung  der  bisherigen 
Vorbringen beschränken.

6.3.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  die  geltend  gemachten 
subjektiven Nachfluchtgründe nicht geeignet sind, eine flüchtlingsrechtlich 
relevante  Verfolgungsfurcht  zu  begründen.  Somit  kann  festgestellt 
werden, dass sich keine Hinweise darauf ergeben, dass nach Abschluss 
des ersten Asylverfahrens Ereignisse eingetreten sind, die geeignet sind, 
die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  oder  die  für  die  Gewährung 
vorübergehenden  Schutzes  relevant  sind.  Demzufolge  ist  das  BFM  zu 
Recht gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG auf das zweite Asylgesuch 
des Beschwerdeführers nicht eingetreten.

7. 
7.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 

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ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

7.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2008/34 E. 9.2).

8. 
8.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

8.2. 
8.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche 
Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 
Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  in  einen  Drittstaat 
entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. 
Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR  101),  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und 
Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder 
unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen 
werden.

8.2.2. Der Vollzug der Wegweisung  ist  in Beachtung der massgeblichen 
völker­  und  landesrechtlichen  Bestimmungen  zulässig,  da  der 
Beschwerdeführer  keine  Verfolgung  oder  begründete  Furcht  vor 

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Nachteilen  darzulegen  vermag,  welche  geeignet  wären,  seine 
Flüchtlingseigenschaft zu begründen. 

8.2.3.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des 
Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für 
den  Fall  einer  Ausschaffung  in  den  Nordirak  dort  mit  beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen 
Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Auch  die  allgemeine 
Menschenrechtslage  im  Nordirak  lässt  den  Wegweisungsvollzugs  zum 
heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen.

8.3. 
8.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von 
Art. 83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl. 
Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer 
vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).

8.3.2. Das Bundesverwaltungsgericht  ist  in  seinem Grundsatzurteil  vom 
14. März 2008  (BVGE 2008/5) aufgrund einer umfassenden Beurteilung 
der aktuellen Situation in den nordirakischen Provinzen Dohuk, Erbil und 
Suleimaniya  zum  Schluss  gekommen,  dass  in  den  drei  kurdischen 
Provinzen  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt  herrscht  und  die  dortige 
Lage nicht dermassen angespannt ist, als dass eine Rückführung dorthin 
als generell unzumutbar betrachtet werden müsste. Die Region ist zudem 
mit  Direktflügen  aus  Europa  und  aus  den  Nachbarstaaten  erreichbar. 
Damit entfällt das Element der unzumutbaren Rückreise via Bagdad und 
anschliessend auf  dem Landweg durch den  von Gewalt  heimgesuchten 
Zentralirak.

Zusammenfassend wurde im erwähnten Entscheid festgehalten, dass die 
Anordnung  des  Wegweisungsvollzugs  in  der  Regel  für  alleinstehende, 
gesunde und junge kurdische Männer, die ursprünglich aus einer der drei 
Provinzen  stammen  und  dort  nach wie  vor  über  ein  soziales Netz  oder 
Parteibeziehungen verfügen, zumutbar ist. Für alleinstehende Frauen und 
für  Familien  mit  Kindern  sowie  für  Kranke  und  Betagte  ist  bei  der 
Feststellung  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  grosse 
Zurückhaltung angebracht. Bei Kurden, welche aus kurdisch dominierten 

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Gebieten  ausserhalb  der  drei  Provinzen  Dohuk,  Erbil  und  Suleimaniya 
stammen  –  namentlich  aus  Kirkuk  und Mosul  –  bleibt  die  Zumutbarkeit 
des  Vollzugs  ebenfalls  im  Einzelfall  zu  prüfen  (vgl.  a.a.O.  E. 7.5  und 
insbesondere 7.5.8). Da sich die Sachlage  seit Ergehen des erwähnten 
Grundsatzurteils  nicht  wesentlich  verändert  hat,  ist  auf  die  dortigen 
Erwägungen zu verweisen.

Auch das UNHCR spricht sich nicht generell gegen Wegweisungen in die 
betreffenden nordirakischen Provinzen aus. Es empfiehlt eine individuelle 
Prüfung  jedes  einzelnen  Falles  (UNHCR's  Eligibility  Guidelines  for 
Assessing  the  International  Protection  Needs  of  Iraqi  Asylum­Seekers, 
August 2007, S. 131; s. auch UNHCR, Governorate Assessment Report – 
Suleimaniya  Governorate,  September  2007).  Diesem  Anliegen  wird  mit 
der  Einzelfallprüfung  allfälliger  individueller  Wegweisungshindernisse 
Rechnung getragen.

8.3.3. 
8.3.3.1  Eigenen  Angaben  zufolge  wurde  der  Beschwerdeführer  in  der 
Stadt Suleimaniya  in der gleichnamigen Provinz geboren, wo er sich bis 
zur  Ausreise  aus  dem  Heimatstaat  am  (…)  aufhielt.  Seine  Eltern  und 
seine Geschwister (…) halten sich nach wie vor in Suleimaniya auf, wo er 
(…)  besucht  hat.  Mithin  besitzt  der  Beschwerdeführer  in  seinem 
Herkunftsort  ein  verwandtschaftliches  Beziehungsnetz,  welches  ihm  bei 
der  Reintegration  sowohl  in  materieller  als  insbesondere  auch  in 
persönlicher  Hinsicht  behilflich  sein  könnte.  Nebst  seiner  Muttersprach 
(…) verfügt er auch über Kenntnisse der  (…) Sprachen. Trotz  fehlender 
Berufsausbildung  ist  der  Beschwerdeführer  gemäss  dem  von  ihm  im 
vorliegenden  Beschwerdeverfahren  eingereichten  Arbeitszeugnis  vom 
(…)  im  Rahmen  seines  Aufenthalts  in  der  Schweiz  offensichtlich 
(zumindest  während  einer  gewissen  Zeitdauer)  erwerbstätig  gewesen, 
und  wird  in  dem  gleichzeitig  eingereichten  Referenzschreiben  vom  (…) 
erwogen, ihn als Mitarbeiter zu beschäftigen. Unter diesen Umständen ist 
nicht  davon  auszugehen,  der  Beschwerdeführer  gerate  bei  einer 
Rückkehr nach Suleimaniya in eine existenzbedrohende Situation.

8.3.3.2  Gemäss  dem  zusammen  mit  der  Beschwerde  unter  der 
Überschrift  (…) eingereichten Schreiben vom (…) von G.______ betreut 
dieser den Beschwerdeführer seit dem (…) psychiatrisch. Darin wird das 
Krankheitsbild  des  Patienten  mit  "von  Anfang  an  einerseits  depressiv, 
andererseits  traumatisch  geprägt  mit  den  entsprechenden  Symptomen 
wie  Lust­  und  Freudlosigkeit,  Antriebsverlust,  Dünnhäutigkeit,  Angst, 

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innere Unruhe,  reduzierte mnestische  (das Gedächtnis betreffend, Anm. 
des  Gerichts)  Funktionen,  Gedankenkreisen,  Ein­  und 
Durchschlafstörungen,  intensive Albträume, Suizidalität" beschrieben; es 
hätten  alle  zehn  Tage  bis  alle  vier  Wochen  Therapiesitzungen 
stattgefunden und zusätzlich sei eine Kombination von Psychopharmaka 
eingesetzt worden; durch den Erhalt des Ausweisungsentscheids sei das 
vom  Patienten  am  meisten  Befürchtete  eingetroffen  und  habe  sich  die 
psychiatrische  Symptomatik  massiv  verschlimmert,  wobei  insbesondere 
die  Suizidalität  wieder  akut  geworden  sei,  so  dass  zum  gegenwärtigen 
Zeitpunkt  die  Transportfähigkeit  nicht  gegeben  sei;  abschliessend  wird 
die aktuelle psychiatrische Medikation (…) erwähnt.

Was den Beweiswert des erwähnten Arztschreibens anbelangt, erstaunt, 
weshalb  die  geltend  gemachten  psychischen  Probleme  des 
Beschwerdeführers  erst  auf  Beschwerdeebene  vorgebracht  werden, 
obwohl  dieser  angeblich  bereits  seit  dem  (…)  fachärztlich  betreut  wird. 
Ungeachtet dieser Einschränkung vermögen weder die Ausführungen  in 
der  Rechtsmitteleingabe  zur  gesundheitlichen  Situation  des 
Beschwerdeführers noch das erwähnte Arztschreiben zur Unzumutbarkeit 
des Vollzuges der Wegweisung zu führen. Diesbezüglich ist – wenn vom 
beschriebenen  Krankheitsbild  auszugehen  wäre  ­  vorweg  auf  die 
entsprechenden  Erwägungen  des  im  Wiedererwägungsverfahren  des 
Beschwerdeführers  ergangenen  Urteils  des  Bundesverwaltungsgerichts 
vom  (…)  zu  verweisen,  zumal  seither  in  diesem  Zusammenhang  im 
Nordirak keine wesentliche Änderung der Sachlage eingetreten ist. So ist 
nach  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts,  welche  sich 
vorab  auf  Berichte  von  staatlichen  und  nichtstaatlichen  Organisationen 
stützen  (vgl.  exemplarisch  SFH,  Irak:  Behandlung  von  PTSD  in  Erbil, 
Bern  10.  März  2010,  und  UK  Border  Agency,  Country  of  Origin 
Information Report  Iraq, 10. Dezember 2009; vgl. auch BVGE 2008/5 E. 
7.5.6  S.  70  f.),  heute  in  den  kurdisch  dominierten  Provinzen  des 
Nordiraks  die medizinische Grundversorgung  zumindest  in  den  Städten 
gewährleistet,  wobei  allerdings  in  vielen  Bereichen  veraltete  Anlagen, 
eine  ungenügende  Infrastruktur  sowie  ein  Mangel  an  gewissen 
Medikamenten  und  qualifiziertem  Personal  ein  Problem  darstellt.  Dies 
betrifft  auch  die  Behandlung  von  psychischen  Krankheiten,  welche  im 
Zusammenhang mit  den  kriegerischen Ereignissen  der  letzten  Jahre  im 
Zunehmen  begriffen  sind, wobei Experten  bereits  im  Jahre  2003  davon 
ausgingen,  dass  bis  zu  50  Prozent  der  irakischen  Bevölkerung  von 
verschiedenen Formen Posttraumatischer Belastungsstörungen betroffen 
sind.  Gemäss  Einschätzung  der  World  Health  Organization  (WHO)  hat 

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sich allerdings die Situation im Bereich der psychiatrischen Versorgung in 
den  letzten  Jahren  tendenziell  verbessert  und  es  bestehen  inzwischen 
mindestens eine psychiatrische Klinik sowie in verschiedenen öffentlichen 
und  privaten  Spitälern  spezielle  Abteilungen,  in  denen 
Psychiatriepatienten kostenlos medikamentös betreut werden, wobei die 
meisten  gebräuchlichen  Medikamente  in  Suleimaniya  erhältlich  sind.  In 
öffentlichen Spitälern von Suleimaniya, Dohuk und Erbil  können sodann 
Psychiatriepatienten  bis  zu  einem  Monat  hospitalisiert  werden.  Weitere 
Verbesserungen  soll  schliesslich  ein  von  der WHO  in  Zusammenarbeit 
mit den kurdischen Behörden und mit der Unterstützung der Niederlande 
initiiertes Projekt bezüglich der psychosozialen Versorgung bringen.

Obwohl  nach  dem Gesagten  nach wie  vor  eine  gewisse  Zurückhaltung 
bei  der Rückführung  von  kranken Personen  in  die  kurdisch dominierten 
Provinzen des Nordiraks geboten erscheint (vgl. BVGE 2008/5 E.7.5.8 S. 
72), kann im Falle des Beschwerdeführers festgestellt werden, dass er in 
seinem  Heimatstaat  mit  seinen  gesundheitlichen  Beeinträchtigungen 
nicht  auf  sich  alleine  gestellt  ist.  Selbst  wenn  die  medizinische 
Behandlung  psychischer  Leiden  nicht  schweizerischen  Standards 
entspricht,  ist  die  Versorgung  des  Beschwerdeführers  grundsätzlich 
gesichert und – gegebenenfalls mit zusätzlicher finanzieller Unterstützung 
im  Rahmen  einer  medizinischen  Rückkehrhilfe  gemäss  Art. 93  Abs. 1 
Bst. d AsylG – auch erschwinglich. Der gemäss dem Arztschreiben vom 
25. Januar 2012 wieder akut gewordenen Suizidalität und einer allfälligen 
Transportunfähigkeit  des Beschwerdeführers  könnte bis  zum Übertritt  in 
heimatstaatliche  Betreuungsstrukturen  medikamentös  beziehungsweise 
allenfalls  mit  einer  adäquaten  medizinischen  Begleitung  während  der 
Rückführung begegnet werden. Insgesamt ist unter Berücksichtigung der 
gesamten  Situation  eine  konkrete,  auf  gesundheitliche 
Beeinträchtigungen  zurückzuführende  Gefährdung  des 
Beschwerdeführers im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG nicht gegeben (vgl. 
dazu auch EMARK 2003 Nr. 24 E. 5b S. 157).

8.3.3.3  Angesichts  der  gesamten  Umstände  kann  der  Vollzug  der 
Wegweisung  –  entgegen  der  in  der  Rechtsmitteleingabe  vertretenen 
Auffassung – auch als zumutbar bezeichnet werden.

8.4.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen Reisedokumente zu beschaffen  (Art. 8 Abs. 4 AsylG sowie 

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BVGE  2008/34  E. 12),  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als 
möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).

9. 
Insgesamt  ist der durch die Vorinstanz verfügte Wegweisungsvollzug zu 
bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  diesen  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar 
und  möglich  erachtet.  Nach  dem  Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der 
vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1­4 AuG).

10. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde  ist  nach  dem  Gesagten  abzuweisen,  soweit  darauf 
einzutreten ist.

11. 
Das Gesuch um Verzicht auf das Erheben eines Kostenvorschusses  ist 
aufgrund  des  direkten  Entscheids  in  der  Hauptsache  gegenstandlos 
geworden, weshalb darüber nicht zu befinden ist.

12. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem 
Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  und  5  VwVG)  und  auf 
insgesamt  Fr. 600.–  festzusetzen  (Art. 1–3  des  Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Das  in  der 
Beschwerde  gestellte  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  (Art. 65  Abs. 1  VwVG)  ist  abzuweisen,  da  die 
Beschwerdebegehren  –  wie  sich  aus  den  vorstehenden  Erwägungen 
ergibt  –  als  aussichtlos  zu  bezeichnen waren,  weshalb  die  kumulativen 
Voraussetzungen der unentgeltlichen Rechtspflege nicht erfüllt sind. 

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss 
Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen.

3. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Martin Zoller Daniel Widmer

Versand: