# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 81b761d1-b1b9-50fa-9b6c-ee4f28a56e2f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-03-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.03.2024 E-6530/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6530-2020_2024-03-15.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-6530/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 5 .  M ä r z  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), 

Richter Daniele Cattaneo,  

Richterin Constance Leisinger,    

Gerichtsschreiberin Linda Mombelli-Härter. 

   

Parteien 

 
A._______,  

geboren am (…), 

Kolumbien,   

vertreten durch MLaw Davide Loss, Rechtsanwalt,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 26. November 2020 / N (…). 

 

 

 

E-6530/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer reiste am 31. März 2016 mit (…) legal in die 

Schweiz ein und suchte gleichentags um Asyl nach. Er wurde dem Test-

phasenverfahren zugewiesen. Die Personalien wurden am 6. April 2016 

aufgenommen. Ferner fand am 12. April 2016 ein beratendes Vorgespräch 

statt. Die Anhörung zu den Asylgründen wurde am 25. April 2016 durchge-

führt. 

B.  

Der Beschwerdeführer machte geltend, er habe bis rund (…) vor der Aus-

reise mit den Obgenannten in B._______, Kolumbien, gelebt. Dann hätten 

sie sich in C._______ aufgehalten, bis sie das Land am (…) 2016 verlassen 

hätten. In B._______ habe er nach dem (…) kurzzeitig studiert und dann 

in mehreren Bereichen gearbeitet und Kurse sowie Praktika absolviert. We-

gen der früheren Tätigkeit (…) für den kolumbianischen (…) sei im Jahr 

(…) ein Attentat auf seine Familie verübt worden. Danach hätten sie stän-

dig Angst gehabt. Seine Familie, nicht er persönlich, habe auch Drohungen 

von terroristischen Gruppen erhalten. Diese hätten wegen ihres Nachna-

mens gewusst, wo sie gewohnt hätten. Nach dem Attentat seien sie vom 

Staat als Opfer anerkannt worden. Ein Anwalt habe sich um ihren Fall so-

wie die Fälle weiterer Opfer gekümmert und Gerichtsverfahren eingeleitet, 

um Gerechtigkeit und Entschädigungen zu erhalten. Dieser sei deshalb im 

Jahr 2015 von terroristischen Gruppen bedroht worden, was bedeute, dass 

auch er und seine Familie bedroht würden. Der Anwalt habe ihnen am (…) 

2015 mitgeteilt, dass ihre Leben in Gefahr seien, und das Land dann ver-

lassen. Es gebe einen Friedensprozess in Kolumbien und dem Staat sowie 

den terroristischen Gruppen gefalle es nicht, dass sie Forderungen gestellt 

hätten. Da sie sich in B._______ nicht mehr sicher gefühlt hätten, seien sie 

nach C._______ gezogen und kurz darauf aus Kolumbien ausgereist. Bei 

einer Rückkehr wäre sein Leben in Gefahr. 

Er reichte seinen Reisepass, Identitätskarten, seinen Führerschein sowie 

Militär-, Berufs-, Impf- und Stimmausweis im Original ein. Ferner gab er 

einen Brief seines kolumbianischen Anwalts mit Übersetzung (in Kopie) 

vom 20. April 2016 zu den Akten.  

C.  

Mit Entscheid vom 9. Mai 2016 wurde der Beschwerdeführer dem erwei-

terten Verfahren zugewiesen. 

E-6530/2020 

Seite 3 

D.  

Mit Schreiben vom 19. Mai 2016 reichte der Beschwerdeführer beim SEM 

folgende Beweismittel ein: zwei Dokumentationen eines in Kolumbien lau-

fenden Haftpflichtverfahrens aus dem Jahre 2016, eine Vorladung für eine 

Anhörung aus dem Jahre 2016 und eine Prozessübersicht, Fotos von zwei 

an die kolumbianischen Anwälte gerichteten Drohbriefen aus dem Jahre 

2015, einen Zeitungsartikel sowie einen Bericht zur Menschenrechtssitua-

tion in Kolumbien aus dem Jahre 2016 (alles Ausdrucke). 

E.  

Mit Verfügung vom 26. November 2020 stellte das SEM fest, dass der Be-

schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Es lehnte sein 

Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz und dem 

Schengen-Raum sowie den Wegweisungsvollzug an. 

Es wurde festgehalten, dass für die Entscheidfindung die Dossiers der sich 

in der Schweiz aufhaltenden Familienangehörigen des Beschwerdeführers 

sowie des ehemaligen kolumbianischen Anwalts der Familie (dieser habe 

ebenfalls in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt) konsultiert worden seien. 

F.  

Mit Beschwerde vom 28. Dezember 2020 an das Bundesverwaltungsge-

richt beantragte der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertretung, die 

Verfügung des SEM sei aufzuheben, es sei festzustellen, dass er die 

Flüchtlingseigenschaft erfülle, ihm sei Asyl zu gewähren, eventualiter sei 

zu seinen Gunsten eine vorläufige Aufnahme anzuordnen, subeventualiter 

sei die Angelegenheit zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen. 

Weiter sei ihm die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeistän-

dung zu gewähren. 

Der Beschwerde wurden zwei Schnellrecherchen der Schweizerischen 

Flüchtlingshilfe (SFH) zu Kolumbien von 2016 und 2020 sowie ein Konto-

auszug des Beschwerdeführers beigelegt. 

Die Beschwerde mit Beilagen sowie die später beim Gericht eingegebene 

Replik mit Beilagen wurden elektronisch eingereicht. 

G.  

Mit Instruktionsverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 6. Januar 

2021 wurden die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-

rung und Rechtsverbeiständung gutgeheissen. Unter mehreren Hinweisen 

wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen. 

E-6530/2020 

Seite 4 

H.  

Nach gewährter Fristerstreckung reichte die Vorinstanz eine Vernehmlas-

sung vom 29. Januar 2021 ein. Sie wurde dem Beschwerdeführer mit In-

struktionsverfügung vom 2. Februar 2021 übermittelt, woraufhin dieser 

durch seinen Rechtsvertreter eine Replik vom 17. Februar 2021 eingab 

(unter Beilage einer Fürsorgebestätigung vom 22. Januar 2021 sowie einer 

Honorarnote). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 105 

AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bis zu diesem Zeit-

punkt gültige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Ände-

rung des AsylG vom 25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

E-6530/2020 

Seite 5 

3.  

3.1 Das vorliegende Verfahren wird mit den ebenfalls am Bundesverwal-

tungsgericht hängigen (bzw. hängig gewesenen) Verfahren der Familien-

angehörigen des Beschwerdeführers ([…]) im Sinne des jeweils gleichen 

Spruchkörpers koordiniert. Im Verfahren (…) des Beschwerdeführers 

erging das abweisende Urteil E-6583/2020 vom 11. Januar 2024. 

3.2 Antragsgemäss hat das Gericht die Akten des Anwalts und der Anwältin 

aus Kolumbien (N […] und N […]) im vorliegenden Beschwerdeverfahren 

beigezogen. 

4.  

4.1 Subeventualiter beantragte der Beschwerdeführer, die Sache sei zur 

Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Er und seine Familie 

hätten trotz Gesuchs keine Einsicht in die Akten ihrer kolumbianischen An-

wälte erhalten, obwohl sich das SEM namentlich auf Aussagen des An-

walts bezogen habe. Damit sei ihr Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt 

worden (Beschwerde S. 22). Anlässlich der Replik wies er zudem darauf 

hin, dass sich die Vorinstanz fast fünf Jahre Zeit gelassen habe, um die 

angefochtene Verfügung zu erlassen. In dieser Zeit seien keine Vorkehrun-

gen zur Untersuchung des massgeblichen Sachverhalts getroffen worden. 

Im Gegensatz dazu habe er zahlreiche Beweismittel eingereicht. 

4.2 Hierzu ist festzuhalten, dass das SEM – wie in der Vernehmlassung 

aufgezeigt – der beantragten Akteneinsicht nachgekommen ist. Der Be-

schwerdeführer bestätigte dies in der Replik ohne weitere Ergänzungen. 

Anzumerken ist zudem, dass der rubrizierte Rechtsvertreter auch an den 

Anhörungen der Anwälte teilgenommen und deren Darlegungen bei der 

Beschwerdeerhebung im vorliegenden Verfahren gekannt hat – wie aus 

der Beschwerdeschrift hervorgeht. Folglich ist keine Verletzung des An-

spruchs auf rechtliches Gehör zu erblicken. Trotz der Dauer des Asylver-

fahrens ist ferner von einer ausreichenden Sachverhaltsfeststellung aus-

zugehen. Es besteht mithin kein Anlass, die Sache ans SEM zurückzuwei-

sen. Das entsprechende Subeventualbegehren ist abzuweisen. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder 

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Seite 6 

begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Die Flüchtlingseigenschaft (Art. 3 AsylG) erfüllt eine asylsuchende Per-

son nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile von be-

stimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahr-

scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürchten 

muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive 

durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zuge-

fügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen. Aufgrund 

der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Zuerken-

nung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene 

Person in ihrem Heimatland keinen adäquaten Schutz finden kann (vgl. 

BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2, BVGE 2008/4 E. 5.2). Ausgangspunkt für die 

Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt 

der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer 

solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Rah-

men der Prüfung, ob aktuell eine Furcht vor Verfolgung noch immer be-

gründet ist, ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation 

im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zuguns-

ten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen 

(vgl. u.a. Urteil des BVGer D-2760/2022 vom 16. März 2023 E. 6.2 m.w.H.). 

6.  

6.1 Das SEM hielt zur Begründung der angefochtenen Verfügung fest, die 

Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die 

Flüchtlingseigenschaft (Art. 3 AsylG) nicht stand. Befürchtungen, künftig 

Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt zu sein, seien nur flüchtlingsrechtlich 

relevant, wenn begründeter Anlass zur Annahme bestehe, dass sich die 

Verfolgung mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft 

verwirklichen werde. Der Beschwerdeführer mache geltend, der Anwalt 

seiner Familie, der sie in einem Gerichtsverfahren vertreten habe, sei des-

wegen bedroht worden; das bedeute, dass auch er und seine Familie be-

droht seien. Diese Befürchtungen seien aus subjektiver Sicht nachvollzieh-

bar. Aus objektiver Sicht sei dagegen festzustellen, dass keine begründete 

Furcht vor Verfolgung gegeben sei. Der Beschwerdeführer mache keine 

konkreten Übergriffe gegen sich oder seine Familienangehörigen oder 

sonstige Vorfälle in der Zeit vor seiner Ausreise geltend. Allein aus der Be-

drohung des Anwalts seiner Familie lasse sich keine Bedrohung auch für 

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Seite 7 

den Beschwerdeführer ableiten. Insbesondere könne daraus nicht gefol-

gert werden, dass sämtliche vom Anwalt vertretenen Personen mit Verfol-

gung rechnen müssten. Die eingereichten Beweismittel führten zu keiner 

anderen Einschätzung, da diese keine konkrete Verfolgung seiner Person 

belegten. In einem Schreiben vom 20. April 2016 gebe der Anwalt zwar an, 

ihm sei bekannt, dass der Beschwerdeführer und alle seine Familienange-

hörigen ebenfalls Todesdrohungen erhalten hätten und sich in ernsthafter 

Gefahr befinden würden. Diese Aussage werde aber nicht weiter konkreti-

siert, zudem widerspreche sie explizit der Aussage des Beschwerdefüh-

rers, dass er selbst nie bedroht worden sei. Auch aus den Akten seiner 

Familienangehörigen ergebe sich keine andere Einschätzung. Diese be-

legten, wie in den jeweiligen Entscheiden ausgeführt werde, keine begrün-

dete Furcht vor Verfolgung der Familienangehörigen. Demnach könne 

auch keine solche Furcht für den Beschwerdeführer abgeleitet werden. 

Ebenso wenig belegten die Akten des Anwalts eine begründete Furcht sei-

nerseits vor Verfolgung. Auf die Prüfung der Glaubhaftigkeit könne verzich-

tet werden. Der Vollständigkeit halber werde dennoch darauf hingewiesen, 

dass sich auch diesbezüglich einige Fragen stellten. Insbesondere hätten 

der Beschwerdeführer und seine Familienangehörigen sowie der kolumbi-

anische Anwalt unterschiedliche Angaben zu den angeblich gegenüber die-

sem geäusserten Drohungen gegen sie und dessen Weiterleitung dieser 

Drohungen an sie gemacht. Eine detaillierte Erörterung bleibe vorbehalten.  

6.2 Anlässlich der Beschwerdeschrift machte der Beschwerdeführer zu-

nächst einige Hinweise zu (…), welcher bis ins Jahr (…) für den kolumbi-

schen (…) gearbeitet habe und deshalb exponiert gewesen sei. Dieser sei 

den Guerillaorganisationen FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de 

Colombia) und ELN (Ejército de Liberación Nacional) bekannt (gewesen) 

und weise ein hohes Profil auf. Die (…) Front der FARC habe im Jahr (…) 

ein Attentat auf das Haus der Familie verübt, mit gesundheitlichen Folgen 

(…). Sie seien umgezogen und hätten weitere Drohungen erhalten (insb. 

[…]). Ferner sei das Telefon (…) abgehört worden. Es habe eine latente 

Bedrohung für ihre Familie bestanden. Aufgrund des Attentats sei ihre Fa-

milie vom kolumbianischen Staat im (…) 2015 als Opfer anerkannt und in 

das nationale Opferregister eingetragen worden. Damit habe sich ihre Be-

drohungslage wieder akut zugespitzt. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz 

seien die frühere Tätigkeit (…), das Attentat und die Anerkennung als Opfer 

des bewaffneten Konflikts in Kolumbien in einem Gesamtzusammenhang 

zu sehen. Im (…) 2015 habe seine Familie eine Anwaltskanzlei engagiert, 

um eine Klage auf Wiedergutmachung und Entschädigung für die im Jahr 

(…) erlittenen Schäden respektive die Verletzung der staatlichen 

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Seite 8 

Schutzpflicht zu erheben. Es habe mehrere Prozesshandlungen als Vorbe-

reitung der Klage gegeben. Bei der Anwaltskanzlei seien deshalb ab (…) 

2015 Morddrohungen eingegangen, woraufhin ihr Anwalt einen Schutzan-

trag erhoben habe. In der Folge hätten sie Kolumbien verlassen. Im (…) 

2016 habe (…) eine E-Mail von einem ehemaligen Kollegen erhalten, wel-

cher gehört habe, dass über den (…) gesprochen worden sei. Im (…) 2016 

habe sich die Gefahr für seine Familie erneut konkretisiert. Sie hätten erst-

mals eine schriftliche Drohung erhalten, wohl damit ihre Klage zurückge-

zogen würde. Das Drohschreiben sei an die Anwaltskanzlei gesendet wor-

den und habe seine Familie, weitere Klienten der Kanzlei sowie die Anwälte 

genannt. Diese hätten Strafanzeigen erstattet und Schutzersuchen einge-

reicht. Ob die Drohung an ihren Anwalt oder an sie selbst gerichtet worden 

sei, sei von untergeordnetem Interesse. Es sei eine begründete Furcht vor 

Verfolgung gegeben, insbesondere, da der kolumbianische Staat bei Per-

sonen mit hohem Profil und Opfern, die eine Staatshaftungsklage erheben 

würden, weder fähig noch willens sei, adäquaten Schutz vor Verfolgung zu 

gewähren. Die nationale Schutzeinheit funktioniere sehr schlecht. Im (…) 

2016 sei die Klage gegen den kolumbianischen Staat erhoben worden und 

nach wie vor hängig. Im (…) 2017 seien aus der Anwaltskanzlei diverse 

Akten entwendet worden, darunter auch die seiner Familie. Im (…) 2019 

hätten sie und ihre Anwälte eine weitere Morddrohung vom (…) 2019 von 

einer Nachfolgeorganisation der FARC erhalten – zugestellt an die Familie 

ihres Anwalts. In diesem Schreiben werde (…) erneut als militärische Ziel-

person genannt. Die FARC und weitere Guerillaorganisationen hätten ein 

Interesse daran, Staatshaftungsprozesse im Keim zu ersticken, da sie be-

fürchteten, ihre Methoden und Praktiken könnten publik werden. Es sei 

nicht auszuschliessen, dass Zeugen in gerichtlichen Verfahren von der 

FARC oder ELN eingeschüchtert oder Gerichte und Staatsanwaltschaften 

beeinflusst seien und sensible Informationen an diese Organisationen wei-

terleiteten (unter Hinweis auf zwei Schnellrecherchen der SFH). Das Atten-

tat im Jahr (…) belege, dass sich die Gefährdung seiner Familie konkreti-

siere, sobald dazu Anlass bestehe. Anlass für eine konkrete Gefährdung 

bilde die angestrengte Staatshaftungsklage, im Rahmen welcher all die 

Gräueltaten der FARC öffentlich würden. Angesichts der systematischen 

Bedrohungen in den Jahren 2015, 2016 und 2019 müsse seine Familie um 

ihr Leben fürchten, zumal sie keinen Schutz durch den kolumbianischen 

Staat erhalten hätten. Er vermute, dass die Drohungen darauf abgezielt 

hätten, sie an der Klage zu hindern, da der Gerichtsprozess wichtiges Be-

weismaterial enthalte, welches die Verantwortung des kolumbianischen 

Staats in Frage stelle. Ausserdem habe sich die Vorinstanz in einen Wider-

spruch begeben, indem sie den Anwälten Asyl gewährt habe, ihm und 

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Seite 9 

seiner Familie jedoch nicht. Auch die Tatsache, dass die Anwaltskanzlei 

über 90 Opfer in solchen Verfahren vertreten haben solle, genüge nicht, 

um bei sämtlichen Opfern eine Gefährdung zu verneinen. Bei ihm und sei-

ner Familie handle es sich zweifellos um die wohl prominentesten Opfer 

der Kanzlei. Die FARC hätten daher ein besonderes öffentliches Interesse 

am Staatshaftungsprozess befürchtet und alles darangesetzt, seine Fami-

lie vor der Weiterführung des Prozesses abzuhalten. Deshalb seien sie – 

im Gegensatz zu den meisten übrigen Mandanten der Kanzlei – konkret 

gefährdet. Ihre besondere Stellung, verbunden mit der mangelnden 

Schutzfähigkeit des Staats, lasse eine solche Furcht ohne weiteres plausi-

bel erscheinen. Er und seine Familie (militärische Zielpersonen) befürchte-

ten, bei einer Rückkehr früher oder später Opfer eines Tötungsdelikts zu 

werden. Er sei als Mitglied der Kernfamilie (…) direkt und unmittelbar von 

den Drohungen betroffen. Daher hätte seine Flüchtlingseigenschaft festge-

stellt und ihm Asyl gewährt werden müssen.  

6.3 In der Vernehmlassung führte die Vorinstanz aus, in der Beschwerde-

schrift werde geltend gemacht, es sei widersprüchlich und nicht nachvoll-

ziehbar, dass das SEM den kolumbianischen Anwälten des Beschwerde-

führers Asyl gewährt habe, ihm und seiner Familie aber nicht. Wie bereits 

im Asylentscheid ausgeführt, könne von der Bedrohung der Anwälte nicht 

automatisch auf die Bedrohung der gesamten Klientel der Anwälte ge-

schlossen werden. Die geltend gemachte besondere Stellung des Be-

schwerdeführers und seiner Familie innerhalb dieser Klientel sei auch in 

der Beschwerdeschrift nicht überzeugend dargelegt worden.  

6.4 Der Beschwerdeführer replizierte, er habe nie behauptet, aufgrund der 

Bedrohung der Anwälte sei automatisch auch er bedroht. Vielmehr seien 

er und seine Familie einzig deshalb konkret bedroht, weil sie innerhalb der 

Klientel von Opfern von Menschenrechtsverletzungen, welche von der 

Kanzlei vertreten worden seien, eine besonders exponierte Stellung auf-

weisen würden. Davon zeuge auch der Umstand, dass (…), der wegen 

seiner früheren Tätigkeit von der FARC und ELN zu einer militärischen Ziel-

person deklariert worden sei, in zwei Drohschreiben namentlich erwähnt 

worden sei. Weshalb sie keine besondere Stellung aufweisen sollten, führe 

die Vorinstanz nicht substantiiert aus und sei nicht ersichtlich. Die Bedro-

hung sei konkreter Natur, was das Attentat im Jahr (…) untermauere. Wei-

ter sei die Vorinstanz nicht auf den Umstand eingegangen, dass (…) als 

Zielperson erachtet worden sei. Darin und in der vernachlässigten Schutz-

pflicht des kolumbianischen Staats liege – entgegen den Ausführungen der 

Vorinstanz – eine asylrelevante Furcht vor Verfolgung.  

E-6530/2020 

Seite 10 

7.  

7.1 Nach Durchsicht der Akten stellt das Gericht fest, dass aufgrund der 

Angaben und Beweismittel (im vorliegenden sowie im Verfahren […] des 

Beschwerdeführers) kein Anlass dazu besteht, an der früheren Tätigkeit 

(…) des Beschwerdeführers, am geltend gemachten Attentat auf die Fami-

lie des Beschwerdeführers im Jahr (…) (wegen der Tätigkeit […], durch die 

FARC) sowie an ihrer Anerkennung als Opfer im Jahr 2015 und am darauf-

hin eingeleiteten Verfahren gegen den kolumbianischen Staat zu zweifeln 

(vgl. auch Urteil E-6583/2020 E. 7.1). Da namentlich das Attentat offen-

sichtlich nicht zur Ausreise des Beschwerdeführers aus Kolumbien geführt 

hat, ist dieses Vorbringen nicht asylrelevant und es ist nicht weiter darauf 

einzugehen. 

7.2 Zu beachten ist sodann, dass das Gericht die Vorbringen (…), insbe-

sondere (…), des Beschwerdeführers, welche mit seinen Asylgründen eng 

zusammenhängen (SEM-Akte A24 F7, 54 ff., 62 ff.), als flüchtlingsrechtlich 

nicht relevant erachtet hat (vgl. Urteil E-6583/2020 E. 7.2–7.6). 

7.3 Der Beschwerdeführer gab an, nach dem Attentat im Jahr (…) respek-

tive nachdem der Anwalt seiner Familie unter anderem wegen ihres Ver-

fahrens gegen den kolumbianischen Staat von Dritten bedroht worden sei, 

habe er Angst gehabt (SEM-Akte A24 F54 ff., 72). Persönlich sei er nicht 

bedroht worden (SEM-Akte A24 F55, 64–67, 76). Nach der Anerkennung 

seiner Familie als Opfer durch den Staat im Jahr 2015 habe sich ihre Be-

drohungslage aktualisiert. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass sich wie 

der Beschwerdeführer und seine Familie viele weitere anerkannte Opfer 

an den Staat gewandt haben. Die Anwaltskanzlei, die sie beauftragt hätten, 

habe eine Vielzahl solcher Verfahren betreut. Den Anwälten sei ernsthaft 

gedroht worden, damit sie diese Haftungsklagen nicht weiterverfolgen wür-

den (vgl. beim SEM eingereichte Drohschreiben, SEM-Akten A33 BM2; 

A26 BM1 f., A24 F60 f., 75). Der Anwalt habe sie am (…) 2015 darüber 

informiert, dass er Drohungen von terroristischen Gruppen erhalten habe. 

Diese Drohung betreffe auch ihn und seine Familie (SEM-Akte A24 F55, 

74, 81, 84). Sie hätten daraufhin entschieden, Kolumbien zu verlassen 

(SEM-Akte A24 F73, 83). Die Drohungen gegen die Anwälte aufgrund der 

geführten Verfahren gegen den Staat gehen aus den Aussagen des Be-

schwerdeführers und der Anwälte sowie aus den eingereichten Dokumen-

ten hervor. Dass der Beschwerdeführer und seine Familie vor der Ausreise 

konkret gefährdet gewesen wären und deshalb das Heimatland hätten ver-

lassen müssen, scheinen sie hingegen hauptsächlich aufgrund der Anga-

ben des Anwalts vermutet zu haben (SEM-Akte A24 F55, 74 f., 84). Daran 

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Seite 11 

vermag das eingereichte Schreiben des Anwalts vom 20. April 2016 nichts 

zu ändern, zumal aus diesem keine konkreten Hinweise hierzu hervorge-

hen. Die Schilderungen des Beschwerdeführers, wonach er ständig Angst 

gehabt habe oder terroristische Gruppen respektive der Staat dagegen 

seien, dass anerkannte Opfer Forderungen stellten, sind zudem unsub-

stantiiert ausgefallen (SEM-Akte A24 F54, 61, 63, 72 f.). Ferner ist darin 

keine konkrete persönliche sowie unmittelbar drohende Gefährdung zu er-

kennen. In den an die Anwälte gerichteten Drohschreiben, die vor ihrer 

Ausreise datieren, wurde die Familie des Beschwerdeführers nicht ge-

nannt. Das erste Drohschreiben an die Anwälte, in dem auch ihr Name und 

der von weiteren Klienten genannt wurde, datiert nach ihrer Ausreise (vgl. 

Beschwerde S. 11 f. Rz. 42). Dass insbesondere der Beschwerdeführer 

und seine Familie bedroht gewesen wären, weil sie aufgrund der früheren 

Tätigkeit (…) innerhalb der Klientel eine besonders exponierte Stellung 

aufgewiesen hätten, geht aus den Akten nicht hervor. Die Ansicht des Be-

schwerdeführers, seit der Einleitung des Verfahrens im Jahr 2015 seien er 

und seine Familie wieder in Erscheinung getreten und gefährdet gewesen, 

kann aus objektiver Sicht nicht geteilt werden. Auch sind keine ausreichen-

den Anhaltspunkte für die Annahme ersichtlich, der Beschwerdeführer und 

seine Familie wären als Folge des laufenden Verfahrens gegen den kolum-

bischen Staat seitens der FARC oder anderer bewaffneter Organisationen 

ernsthaften Nachteilen ausgesetzt gewesen oder hätten begründete Furcht 

vor einer asylrelevanten Verfolgung gehabt (vgl. auch nachfolgend). Daran 

vermag der Hinweis in der Beschwerdeschrift, (…) sei als militärische Ziel-

person erachtet worden, nichts zu ändern. Weshalb vor der Ausreise aktu-

eller Schutzbedarf bestanden hätte, ist mithin unklar. Entgegen der Darle-

gung des Beschwerdeführers ist auch nicht zu erblicken, inwiefern es dem 

Staat gelegen käme, wenn klagende Opfer eingeschüchtert würden (vgl. 

Beschwerde S. 19 Rz. 64; zudem auch unten). 

7.4 Weiter ist davon auszugehen, dass die FARC (o.ä.), hätte ein aktuelles 

Verfolgungsinteresse am Beschwerdeführer und seiner Familie bestanden, 

nachdem diese mit der Opferanerkennung und dem Verfahren wieder in 

Erscheinung getreten waren, nicht weiter zugewartet hätte. Es ist zudem 

schwer vorstellbar, dass die FARC oder andere damals national tätige und 

gut vernetzte Organisationen (SEM-Akte A24 F87), hätten sie ernsthaft ge-

gen die Familie des Beschwerdeführers vorgehen wollen, diese über viele 

Jahre nicht hätten aufspüren können. Der Beschwerdeführer erklärte zu-

dem, terroristische Gruppen hätten gewusst, wo sie gewohnt hätten (SEM-

Akte A24 F71). Gemäss seinen Angaben seien sie zwar in B._______ 

mehrmals umgezogen. Er habe aber gearbeitet und Kurse besucht, sich 

E-6530/2020 

Seite 12 

mithin nicht gänzlich vom öffentlichen Leben zurückgezogen (SEM-Akte 

A24 F21–32, 43 f.). Weiter konnte er nicht angeben, weshalb terroristische 

Gruppierungen viele Jahre nach der Pensionierung (…) immer noch ein 

Interesse daran hätten haben sollen, seine Familie zu bedrohen (SEM-

Akte A24 F91 f.). Es war dem Beschwerdeführer mithin möglich, mehrere 

Jahre in B._______ zu leben, ohne konkret und ernsthaft gefährdet worden 

zu sein, was ebenfalls gegen eine begründete Furcht vor Verfolgung 

spricht. 

7.5 Sodann ist auch nicht zu erkennen, inwiefern bei einer Rückkehr nach 

Kolumbien – namentlich aufgrund des weiterhin laufenden Verfahrens ge-

gen den Staat – aktuell eine Furcht vor Verfolgung (SEM-Akte A24 F93) 

begründet wäre. Systematische Bedrohungen, wie in der Beschwerde-

schrift (S. 20) erwähnt, sind nicht zu erblicken. In den Drohschreiben (vom 

[…] 2016 und vom […] 2019), die die Anwälte nach der Ausreise erhalten 

hätten (Beschwerde S. 12 und 14 f.), werden in erster Linie diese und nicht 

der Beschwerdeführer und seine Familie konkret bedroht. Daran ändert der 

Umstand nichts, dass unter anderem (…) darin namentlich genannt wurde. 

Wie erwähnt wurde im Verfahren (…) des Beschwerdeführers keine be-

gründete Furcht vor Verfolgung erkannt. Hinzu kommt, dass sich die politi-

sche Lage in Kolumbien seit der Ausreise des Beschwerdeführers und sei-

ner Familie verändert hat. Die kolumbianische Regierung hat mit einem 

Grossteil der FARC-Rebellen einen Friedensvertrag abgeschlossen. Der 

amtierende Präsident betreibt eine Politik des «totalen Friedens», wozu 

Waffenruhen sowie Verhandlungen mit bewaffneten Gruppierungen gehö-

ren (siehe Urteil E-6583/2020 E. 7.4). Vor diesem Hintergrund kann nicht 

angenommen werden, dass der Beschwerdeführer heute wegen des Ver-

fahrens gegen den Staat in Gefahr wäre und mit beachtlicher Wahrschein-

lichkeit eine Verfolgung zu befürchten hätte.  

7.6 Zusammenfassend konnte der Beschwerdeführer weder darlegen, 

dass er sein Heimatland aufgrund (drohender) ernsthafter Nachteile (durch 

Dritte, insb. die FARC) verlassen hat noch, dass er bei einer Rückkehr eine 

solche Verfolgung zu befürchten hätte. Auf die weiteren Ausführungen ist 

daher nicht einzugehen. 

Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer insbe-

sondere mit C._______ eine Aufenthaltsalternative hätte, sollte er nicht an 

seinen bisherigen langjährigen Wohnort zurückkehren wollen. 

E-6530/2020 

Seite 13 

7.7 Nach dem Gesagten sind keine asylrechtlich relevanten Verfolgungs-

gründe ersichtlich. Die Vorinstanz hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft 

des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

9.2  

9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

Keine Person darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen 

werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach 

Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise 

in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, 

Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-

dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder 

Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der 

E-6530/2020 

Seite 14 

Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung 

unterworfen werden. 

9.2.2 Wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zutreffend ange-

merkt hat, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 

Abs. 1 FK und Art. 5 AsylG nicht anwendbar, weil der Beschwerdeführer 

die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt. Sodann ergeben sich weder aus 

den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte 

dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit 

beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK 

verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des 

Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des 

UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete 

Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall 

einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen 

würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse 

Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschen-

rechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heuti-

gen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der 

Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völker-

rechtlichen Bestimmungen zulässig. 

9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

9.3.1 Die Vorinstanz erachtete den Wegweisungsvollzug als zumutbar. Der 

Beschwerdeführer sei ein junger, gesunder Mann mit (…) und Arbeitser-

fahrung. Er könne zudem zusammen mit (…) nach Kolumbien zurückkeh-

ren, mit denen er vor der Ausreise in gesicherten finanziellen Verhältnissen 

zusammengelebt habe. Es könne davon ausgegangen werden, dass der 

Beschwerdeführer über die nötigen Mittel verfüge, nach der Rückkehr sei-

nen Lebensunterhalt zu bestreiten.  

9.3.2 Der Beschwerdeführer gab an, aufgrund der überlangen Dauer des 

Asylverfahrens sei es ihm in jeder Hinsicht unzumutbar, in sein Heimatland 

zurückzukehren. 

E-6530/2020 

Seite 15 

9.3.3 In Kolumbien herrscht weder Krieg oder Bürgerkrieg noch eine Situ-

ation allgemeiner Gewalt, aufgrund derer eine Rückkehr generell unzumut-

bar wäre (vgl. u.a. Urteil des BVGer E-2817/2023 vom 30. Mai 2023 

E. 8.4.1 m.w.H.). Auch sind keine individuellen Gründe festzustellen, die 

einem Wegweisungsvollzug entgegenstehen. Es ist auf die zutreffenden 

Ausführungen der Vorinstanz zu verweisen. Weshalb dem jungen, gesun-

den Beschwerdeführer mit Ausbildung und Berufserfahrung (SEM-Akte 

A24 F12 ff., 53) eine Rückkehr nach Kolumbien nach dem mehrjährigen 

Auslandaufenthalt nicht zuzumuten wäre, wurde nicht substantiiert darge-

tan und ist nicht ersichtlich. Bei Bedarf können ihm auch seine Verwandten 

in der Heimat (SEM-Akten A17 S. 4, A24 F39 ff.) sowie seine Familienan-

gehörigen, welche sich zurzeit ebenfalls in der Schweiz befinden, bei der 

Reintegration behilflich sein. Es ist mithin nicht davon auszugehen, dass 

der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in eine existenzielle Notlage ge-

raten würde. Der Wegweisungsvollzug erweist sich als zumutbar. 

9.4 Der Beschwerdeführer verfügt über einen gültigen Reisepass, weshalb 

der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu betrachten ist (Art. 83 

Abs. 2 AIG). 

9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem das Ge-

such um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung mit Instruktions-

verfügung vom 6. Januar 2021 gutgeheissen wurde und den Akten keine 

Veränderung der finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers zu ent-

nehmen ist, sind diesem keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

11.2 Mit derselben Verfügung wurde das Gesuch um amtliche Verbeistän-

dung gutgeheissen und der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers als 

amtlicher Rechtsbeistand eingesetzt. Diesem ist ein amtliches Honorar für 

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Seite 16 

die notwendigen Aufwendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. 

Der Rechtsbeistand reichte mit Eingabe vom 17. Februar 2021 eine Kos-

tennote ein, wobei er einen Vertretungsaufwand von insgesamt Fr. 983.90 

(3,9 Stunden à Fr. 220.– sowie Auslagen in der Höhe von Fr. 55.60, zzgl. 

Mehrwertsteuerzuschlag) geltend machte. Nachdem die Eingaben im vor-

liegenden Verfahren sehr ähnlich wie diejenigen im Verfahren (…) des Be-

schwerdeführers ausgefallen sind und dort eine entsprechende Entschädi-

gung gesprochen wird, ist der zeitliche Aufwand vorliegend auf eine Stunde 

zu kürzen. Wie die Auslagen für die elektronischen Eingaben zustande ge-

kommen seien, wurde nicht ausreichend aufgezeigt. Diese können daher 

nicht entschädigt werden. Demnach ist dem amtlichen Rechtsbeistand zu-

lasten des Bundesverwaltungsgerichts ein Honorar von gerundet Fr. 237.– 

(inkl. Mehrwertsteuerzuschlag) auszurichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dem amtlichen Rechtsbeistand wird zulasten der Gerichtskasse ein Hono-

rar von Fr. 237.– zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Gabriela Freihofer Linda Mombelli-Härter 

 

 

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