# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8e89dcef-a8c6-5092-9f9f-2e385df3139a
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-02-09
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Zivilkammer 09.02.2023 ZK2 2021 44
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_007_ZK2-2021-44_2023-02-09.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

Urteil vom 09. Februar 2023
(Mit Urteil 4A_167/2023 vom 26. September 2023 hat das Bundesgericht die ge-
gen dieses Urteil erhobene Beschwerde abgewiesen, soweit darauf eingetreten 
wurde.)

Referenz ZK2 21 44

Instanz II. Zivilkammer 

Besetzung Nydegger, Vorsitzender
Hubert und Bergamin
Diggelmann, Aktuar ad hoc

Parteien A._____ AG
Berufungsklägerin
vertreten durch Rechtsanwalt Johannes Zuppiger
PMP Rechtsanwälte AG, Birmensdorferstrasse 83, 8003 Zürich 

gegen

B._____
Berufungsbeklagte
vertreten durch Rechtsanwalt MLaw Flavio Decurtins
Caviezel Partner AG, Masanserstrasse 136, 7000 Chur 

Kanton Graubünden
7001 Chur
Streitberufener berufungsbeklagtenseits
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Philipp
Hartbertstrasse 11, Postfach 611, 7001 Chur 

Gegenstand Forderung

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Anfechtungsobj. Entscheid Regionalgericht Prättigau/Davos vom 17.06.2021, mit-
geteilt am 16.08.2021 (Proz. Nr. 115-2019-39)

Mitteilung 15. Februar 2023

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Sachverhalt

A. Die B._____, (Klägerin, Widerbeklagte und Berufungsbeklagte, im Folgen-
den: "Klägerin") mit Sitz in D._____ ist im Tiefbau tätig. Die A._____ AG (Beklagte, 
Widerklägerin und Berufungsklägerin, im Folgenden: "Beklagte") mit Sitz in 
E._____ führt ebenfalls Tiefbauarbeiten aus. Die vorliegende Auseinandersetzung 
betrifft Arbeiten, welche aufgrund von Vereinbarungen unter den Parteien letztlich 
für den Kanton Graubünden, vertreten durch das Tiefbauamt Graubünden (im Fol-
genden: "der Kanton"), erbracht wurden. Dabei handelte es sich um ein Projekt 
"Werkleitungen G._____strasse C._____" und ein Projekt "(F._____". Zum letzte-
ren liegt eine Auftragsbestätigung der Klägerin gegenüber der Beklagten vom 30. 
Juni 2016 vor (RG act. II./10).

B. Mit Klagebewilligung vom 22. August 2019 leitete die Klägerin beim Regio-
nalgericht Prättigau/Davos (im Folgenden: "Regionalgericht") am 12. November 
2019 Klage ein über das folgende, gegenüber dem Schlichtungsverfahren unver-
ändert gebliebene Rechtsbegehren (RG act. I./1 S. 2):

1. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin den Betrag von CHF 
81'490.60 inkl. Zins zu 5% seit dem 14. März 2019 zu bezahlen.

2. Die Widerklage vom 7. Juni 2019 sei abzuweisen.

3. Von der Streitverkündung an den Kanton Graubünden sei Vormerk zu 
nehmen.

4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beklagten, und 
zwar sowohl für das Schlichtungsverfahren als auch für das vorliegen-
de Verfahren.

Der Kanton ersuchte in der Folge um Zulassung als Nebenintervenient (RG act. 
I./2 S. 2 f.).

Mit der Klageantwort stellte die Beklagte folgende Anträge (RG act. I./3 S. 2):

1. Die Klage sei vollumfänglich abzuweisen.

2. Die Klägerin sei widerklageweise zu verpflichten, der Beklagten den 
Betrag von CHF 152'278.60 zzgl. Zins von 5% p.a. seit dem 26. März 
2018 zu bezahlen.

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. MwSt.) zu Lasten der 
Klägerin.

Die Klägerin beantragte Abweisung der Widerklage (RG act. I./4), und der Kanton 
schloss sich dem an (RG act. I./5). 

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C. Auf die Vorbringen der Parteien und auf das Verfahren in erster Instanz 
wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachstehenden Erwägungen eingegan-
gen. 

D. Am 17. Juni 2021 entschied das Regionalgericht wie folgt (act. B.2):

1. Es wird davon Vormerk genommen, dass die A._____ AG die Klage 
der B._____ im Umfang von CHF 81'490.60 anerkannt hat.

2. Die A._____ AG wird demnach verpflichtet, der B._____ CHF 
81'490.60 zu bezahlen.

3. Darüber hinaus wird die Klage der B._____ teilweise gutgeheissen, 
und es wird die A._____ AG verpflichtet, der B._____ zusätzlich 5% 
Zins auf CHF 81'490.60 seit 15. März 2019 zu bezahlen.

4. Die Widerklage der A._____ AG gegen die B._____ wird abgewiesen. 

5. Die Gerichtskosten in der Höhe von CHF 22'000.00 gehen zu Lasten 
der A._____ AG und werden mit den von der B._____ und der 
A._____ AG geleisteten Kostenvorschüssen verrechnet. Die A._____ 
AG hat der B._____ den von der B._____ geleisteten Gerichtskosten-
vorschuss von CHF 7'000.00 zu erstatten/bezahlen.

6. Die A._____ AG hat die B._____ mit CHF 12'393.29 (inkl. Barauslagen 
und MWST) aussergerichtlich zu entschädigen. 

Der Kanton Graubünden trägt die ihm erwachsenen aussergerichtli-
chen Kosten.

7. Die Kosten des Schlichtungsverfahrens vor Vermittleramt Prätti-
gau/Davos von CHF 300.00 gehen zu Lasten der A._____ AG. Die 
A._____ AG hat der B._____, welche die CHF 300.00 bezahlt hat, die-
se CHF 300.00 zu erstatten/bezahlen.

8./9. (Rechtsmittel, Mitteilung)

Das Urteil wurde mit der vollständigen Begründung am 16. August 2021 an die 
Parteien versandt. 

E. Am 16. September 2021 erhob die Beklagte Berufung (act. A.1), mit den 
Anträgen:

1. Der Entscheid des Regionalgerichts Prättigau/Davos (Prozessnummer 
115-2019-39) vom 17. Juni 2021 sei aufzuheben, und es sei die Klage 
vom 12. November 2019 der Berufungsbeklagten vollumfänglich ab-
zuweisen sowie die Widerklage vom 24. Januar 2020 der Berufungs-
klägerin vollumfänglich gutzuheissen.

2. Eventualiter sei der Entscheid des Regionalgerichts Prättigau/Davos 
(Prozessnummer 115-2019-39) vom 17. Juni 2021 aufzuheben, und es 
sei die Sache zur ergänzenden Beweisabnahme sowie zur Neubeur-
teilung resp. zur Beurteilung eines wesentlichen Teils des Streits an 
die Vorinstanz zurückzuweisen. 

3. Es sei die Berufungsbeklagte zu verpflichten, die erst- und die zweitin-
stanzlichen Prozesskosten (Gerichtskosten und Parteientschädigung 

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zuzüglich MWST, inkl. Kosten des Schlichtungsverfahrens) zu bezah-
len.

Die Klägerin reichte innert Frist keine Berufungsantwort ein (act. D.2, act. D.4 und 
D.5).

Der Kanton stellte in seiner Berufungsantwort vom 12. Oktober 2021 (act. A.2) die 
Anträge:

1. Die Berufung sei abzuweisen und das Urteil des Regionalgerichts 
Prättigau/Davos zu bestätigen.

2. Unter gerichtlicher und aussergerichtlicher Kosten- und Entschädi-
gungsfolge zu Lasten der A._____ AG.

Die Berufungsantwort des Kantons wurde der Beklagten zugestellt (act. D.6).

F. Bei der Bearbeitung der Sache wurde das Gericht im Sinne von Art. 4 Abs. 
3 der Kantonsgerichtsverordnung (KGV; BR 173.100) unterstützt von Aktuar ad 
hoc Peter Diggelmann.

Erwägungen

1.1. Die formellen Voraussetzungen der Berufung geben zu keinen Bemerkun-
gen Anlass. 

1.2. Wenn das Verfahren wie hier dem Verhandlungs- (Art. 55 Abs. 1 ZPO) und 
dem Dispositionsgrundsatz (Art. 58 Abs. 1 ZPO) untersteht, ist die Berufung keine 
Fortsetzung des erstinstanzlichen Verfahrens. Sie dient vielmehr der Überprüfung 
des angefochtenen Entscheides und des Verfahrens der ersten Instanz (Art. 310 
ZPO). Es obliegt den Parteien, geltend gemachte Mängel aufzuzeigen. Die das 
Rechtmittel führende Partei hat den geltend gemachten Fehler aufzuzeigen, und 
zwar nicht nur allgemein, sondern so präzis, dass es die Berufungsinstanz ohne 
Mühe verstehen kann. Sie darf nicht einfach auf Vorbringen in erster Instanz ver-
weisen, sondern muss sowohl die Passagen im angefochtenen Urteil als auch die 
angerufenen Aktenstücke genau bezeichnen. Das Bundesgericht formuliert es im 
grundlegenden Urteil so: (von der Partei werde verlangt) "de motiver son appel 
(art. 311 al. 1 CPC), c'est-à-dire de démontrer le caractère erroné de la motivation 
attaquée. Pour satisfaire à cette exigence, il ne lui suffit cependant pas de 
renvoyer aux moyens soulevés en première instance, ni de se livrer à des 
critiques toutes générales de la décision attaquée. Sa motivation doit être 
suffisamment explicite pour que l'instance d'appel puisse la comprendre aisément, 
ce qui suppose une désignation précise des passages de la décision que le 
recourant attaque et des pièces du dossier sur lesquelles repose sa critique". Ab-

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gesehen von offensichtlichen Mängeln beschränkt sich die Rechtsmittelinstanz 
auch bei voller Kognition darauf, die Beanstandungen zu beurteilen, welche die 
Parteien in ihren schriftlichen Begründungen (Art. 311 Abs. 1 und Art. 312 Abs. 1 
ZPO) gegen das erstinstanzliche Urteil erheben – das ist gleichsam das "Prüfpro-
gramm". Das Bundesgericht ist mit den Anforderungen an die Berufung streng: 
neuestens kritisierte es, das Kantonsgericht hätte in einem Urteil nicht solche Ar-
gumente und Behauptungen des Klägers im erstinstanzlichen Verfahren berück-
sichtigen und würdigen dürfen, welche in der Berufung nicht ausdrücklich wieder-
holt wurden (BGer 4A_186/2022 v. 22.8.2022 E. 4.4 mit Bezug auf KGer GR ZK2 
21 27 v. 15.3.2022). Soweit die Berufung dem Erfordernis der Begründung genügt, 
ist das angerufene Gericht nach Art. 57 ZPO dann weder an die Argumente, wel-
che die Parteien zur Begründung ihrer Beanstandungen vorbringen, noch an die 
Erwägungen der ersten Instanz gebunden (BGE 138 III 374 E. 4.3.1; BGE 141 III 
576 E. 2.3.3). 

Diese Anforderungen sind immerhin mit Augenmass, nach Treu und Glauben (Art. 
52 ZPO) zu handhaben. Wenn der Berufung bei loyalem Bemühen zu entnehmen 
ist, was warum kritisiert werden soll, und wenn das angefochtene Urteil den Punkt 
nicht besonders eingehend abhandelt, sodass auch ohne das Bezeichnen einzel-
ner Seiten oder Absätze klar wird, was gemeint ist, lässt sich die Kritik häufig ohne 
Schwierigkeiten ("aisément", sagt das Bundesgericht) verstehen und beurteilen. 
Jedenfalls dürfen die formellen Anforderungen nicht überspannt oder überspitzt 
formalistisch angewendet werden. Im Einzelnen lässt sich das freilich nur bei der 
Diskussion konkreter Kritikpunkte beurteilen. 

1.3. In der Berufung sind neue Vorbringen mit wenigen Ausnahmen ausge-
schlossen (Art. 317 ZPO). Die Parteien müssen, um den vorstehend genannten 
Erfordernissen zu genügen, die Voraussetzungen einer der gesetzlichen Ausnah-
men begründen. Wenn sie in der Berufung tatsächliche Behauptungen vortragen, 
die nicht auf den ersten Blick etwas betreffen, wovon schon das erstinstanzliche 
Gericht ausging, werden sie als neu betrachtet, ohne dass die Berufungsinstanz 
die erstinstanzlichen Rechtsschriften und Akten darauf hin zu durchsuchen hätte, 
wo die Behauptung allenfalls schon aufgestellt worden sein könnte. Auch neue 
Beweismittel unterliegen der Noven-Beschränkung. 

Novenrechtlich unzulässige Vorbringen oder Dokumente sind allerdings nicht nach 
einem häufig verwendeten Ausdruck in einem physischen Sinn "aus dem Recht zu 
weisen". Wohl sind sie wie unzulässige neue Behauptungen für die Entscheidfin-
dung nicht zu beachten. Weil aber eine obere Instanz ihre Zulässigkeit anders be-
urteilen mag und nur schon aus Gründen der Transparenz und der Vollständigkeit 

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des Dossiers im Sinne einer tatsächlichen Chronologie dürfen sie aus den Akten 
nicht etwa entfernt und dem Einleger zurückgeschickt werden. Ebenso unrichtig ist 
die oft anzutreffende Floskel, ein Argument sei "nicht zu hören". Der Anspruch auf 
rechtliches Gehör (Art. 53 ZPO) verlangt, dass auch Unzulässiges, Verspätetes 
oder Ungebührliches (Art. 132 ZPO) "gehört" wird – wie damit umzugehen ist und 
ob es für die Entscheidfindung verwendet werden kann und darf, ist eine andere 
Frage.

2. Nach Art. 60 ZPO prüft "das Gericht" (und damit auch die Rechtsmittel-
instanz) von Amtes wegen die Prozessvoraussetzungen. Diese sind hier nicht wei-
ter problematisch; der guten Ordnung halber nur kurz, was folgt:

Die Streitverkündung der Klägerin an den Kanton bedurfte keiner Begründung und 
keiner gerichtlichen Bewilligung (Art. 78 Abs. 1 ZPO). Der solchermassen in den 
Streit gerufene (in der Formulierung der ZPO: "berufene") Kanton konnte ohne 
weitere Voraussetzungen zu Gunsten der Klägerin an deren Seite dem Prozess 
beitreten, in der Sprache des Gesetzes "intervenieren" (Art. 79 Abs. 1 lit. a ZPO). 
Damit war ein ausdrücklicher Entscheid im Sinne von Art. 75 Abs. 2 ZPO entbehr-
lich.

Die Wirkungen der Streitverkündung treten erst mit der Erledigung des Prozesses 
ein (Art. 80 ZPO i.V.m. Art. 77 ZPO). Im Verfahren selbst durfte und darf der Kan-
ton als "intervenierende" Partei alle der Klägerin zustehenden Prozesshandlungen 
vornehmen, so lange er sich nur nicht mit der Klägerin in Widerspruch setzte (Art. 
76 Abs. 1 und 2 ZPO). – Konkret hat der Kanton die Berufung der Beklagten mit 
einer eigenen Rechtsschrift beantwortet (act. A.2). Diese ist demnach zu beachten 
und zu behandeln, wie wenn die Klägerin sie selber eingereicht hätte.

3.1. Gegenstand der Auseinandersetzung war zunächst die Forderung der Klä-
gerin aus dem Projekt "Werkleitungen G._____strasse C._____". Diese Forderung 
von CHF 81'490.60 hatte die Beklagte anerkannt, was sie auch in der Berufung 
bestätigt (act. A.1 S. 5). Das Regionalgericht hat in Dispositiv-Ziffer 1 seines Ur-
teils davon Vormerk genommen, dass die Beklagte "die Klage" in diesem Umfang 
anerkannt habe, und es hat die Beklagte "demnach" zum Zahlen dieses Betrages 
verpflichtet (Dispositiv-Ziffer 2).

3.2. Die Beklagte verlangt mit der Berufung, das Urteil des Regionalgerichts sei 
aufzuheben. Sie relativiert das nicht, sodass es dem Wortlaut nach insbesondere 
auch die Ziffern 1 und 2 des Dispositivs umfasst. Weshalb diese beiden Ziffern 
falsch seien, erläutert sie zwar nicht, und nach den allgemeinen Anforderungen an 

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die Berufung (vorstehend E. 1.2) wäre auf diese insoweit nicht einzutreten. Aller-
dings ist das Urteil in diesen Punkten offenkundig fehlerhaft im Sinne der bundes-
gerichtlichen Praxis.

3.3. Das Regionalgericht vermengt das Anerkennen einer Forderung und das 
Anerkennen einer Klage. Das ist keine spitzfindige Unterscheidung, sondern sehr 
wohl wesentlich, wie gerade dieser Fall zeigt. 

Grundlegend dazu: Wird eine Klage anerkannt, erledigt das den Streit sofort und 
ohne weiteres Zutun des Gerichts (Art. 241 Abs. 2 ZPO; dass der Streitgegen-
stand der Disposition der Parteien unterstehen muss, braucht hier nicht vertieft zu 
werden). Das formelle Abschreiben des Verfahrens (Art. 241 Abs. 2 ZPO) hat 
dann in der Sache keine eigene Bedeutung; es verschafft dem Kläger nur, wenn 
auch immerhin, den allenfalls nötigen Vollstreckungs-"Titel" (Art. 81 Abs. 1 
SchKG; Art. 335 ff. ZPO). Die Ziffern 1 und 2 des Dispositivs im angefochtenen 
Urteil wollen offenbar diesen Vorgang resp. diese Vorgänge zum Ausdruck brin-
gen, auch wenn sie damit Art. 241 Abs. 2 ZPO nicht richtig verstehen: die Aner-
kennung selbst genügt, und ein weitergehender Spruch des Gerichts ("wird dem-
nach verpflichtet") ist gerade nicht nötig. Nichts anderes steht in dem vom Regio-
nalgericht angeführten Urteil des Kantonsgerichts ZF 10/94 vom 12. April 1994 
(PKG 1994 Nr. 15 S. 54), abgesehen davon, dass seit jenem Urteil die schweizeri-
sche Zivilprozessordnung in Kraft getreten ist, welche die Konsequenzen einer 
Klageanerkennung abschliessend regelt. Um das Anerkennen einer Klage geht es 
aber im vorliegenden Verfahren nicht.

Es liegt der zugegeben anspruchsvolle Fall einer Verrechnungslage vor: die Be-
klagte erklärte, sie bestreite die eingeklagte Forderung nicht, aber weil sie selbst 
gegen die Klägerin über eine (weit höhere) eigene Forderung verfüge, und weil sie 
die Verrechnung erklärt habe, sei sie nicht (mehr) zum Zahlen der Klageforderung 
verpflichtet. Damit berief sie sich auf den von Amtes wegen (Art. 57 ZPO) zu be-
achtenden Art. 124 Abs. 2 OR: die Verrechnung bewirkt rückwirkend den Unter-
gang von Forderung und Gegenforderung, soweit diese sich ausgleichen. Die Be-
klagte hatte an sich zwei Optionen: sie konnte die Klageforderung bestreiten und 
nur für den Fall, dass das Gericht diese als bestehend beurteilte, eventuell mit ei-
ner eigenen Forderung verrechnen. Oder aber sie konnte die Klageforderung an 
sich anerkennen, die Erfüllung aber mit der Begründung der Verrechnung verwei-
gern. So ist es hier. Weil die Klägerin die von der Beklagten zur Verrechnung ge-
stellte Forderung bestritt, musste das Regionalgericht diese prüfen. Das Ergebnis 
(das Regionalgericht erkennt, die Forderung bestehe nicht) ist in der Berufung 
streitig.

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3.4. Kommt nachstehend auch das Kantonsgericht zum Schluss, die Forderung 
der Beklagten bestehe nicht oder nicht im geltend gemachten Umfang, ist die Kla-
ge ganz oder teilweise gutzuheissen. Bei einer gänzlichen Gutheissung der Klage 
bleiben die Ziffern 1 und 2 des Dispositivs im angefochtenen Urteil zwar falsch, 
aber der Beklagten entsteht dadurch kein Nachteil, und es ist auf die Berufung 
insofern nicht einzutreten (Art. 59 Abs. 2 lit. a ZPO). Beurteilt das Kantonsgericht 
die Forderung der Beklagten als ganz oder teilweise berechtigt, ist das Dispositiv 
von Grund auf neu zu fassen.

4. Die von der Beklagten ins Verfahren eingeführte Forderung basiert auf ei-
nem Projekt "(F._____" in L._____. Der Kanton hatte Baumeister- und Belags-
Arbeiten ausgeschrieben, und diverse Unternehmungen hatten sich darum bewor-
ben. Es ging um ein grösseres Vorhaben; nach den Akten wurden die ganzen Ar-
beiten für rund CHF 1,5 bis 1,6 Mio. offeriert (RG act. IV./2-6). Den Zuschlag er-
hielt die Klägerin (RG act. II./9 und II./12). Diese betraute ihrerseits die Beklagte 
mit dem Ausführen verschiedener Arbeitsgattungen aus ihrem Vertrag mit dem 
Kanton, wobei die Parteien mit dem Vermerk "Grundlage: Werkvertrag TBA…" auf 
den Vertrag der Klägerin mit dem Kanton verwiesen (RG act. II./10). Unstreitig und 
davon auszugehen ist, dass die Parteien damit einen Werkvertrag schlossen: die 
Beklagte sollte Arbeit ausführen und abliefern, und die Klägerin würde das bezah-
len (so auch das angefochtene Urteil in E. 15 f.). Der Streit unter den Parteien be-
trifft die in der Ausschreibung des Kantons wie folgt umschriebenen Arbeiten (Dar-
stellung nach der Offerte der Beklagten, RG act. IV./2):

"900 Zusatzarbeiten […]

940 Reinigung von Abwasseranlagen, Fernsehaufnahmen

941 Abwasseranlagen reinigen vor Fernsehaufnahmen. Inbegriffen sind: 
Wasserbezug, Entsorgung des anfallenden Spülguts, An- und Weg-
fahrt sowie Bedienung.

001 Spezifikation

02 Meteorwasserleitung D=200 oder 315

04 PP oder PP-S

06 Zu reinigende Strecke m 450

07 LE = m A LE 1.00 A ………..   ………."

Die Beklagte (sie hatte wie die Klägerin an der vom Kanton eröffneten Ausschrei-
bung des Projektes teilgenommen) hatte diesen Teil der Arbeiten im Rahmen ei-
nes Werkpreises von insgesamt rund CHF 1.56 Mio. für einen Preis von CHF 

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3'248.00 offeriert (RG act. IV./2; wie dieser Preis verstanden werden soll, ist The-
ma des Prozesses). Sie beruft sich darauf, im Verhältnis der heutigen Prozesspar-
teien gelte ein Preis von CHF 580.00 pro Laufmeter – für die ausgemessenen 
tatsächlichen 392.2 Laufmeter demnach unter Berücksichtigung von Rabatt, Skon-
to und Mehrwertsteuer CHF 233'769.20 (act. A.1 Rz. 13 unter Verweis auf RG act. 
I./3 Rz. 20 ff.). Nach Verrechnung der Klageforderung von CHF 81'490.60 kommt 
sie auf die mit der Widerklage geltend gemachten CHF 152'278.60.

Unstreitig ist, dass die Beklagte die übernommene Arbeit in diesem Punkt erbracht 
hat (resp. ihrerseits durch eine weitere Unterakkordantin, die H._____, ausführen 
liess; vgl. angefochtenes Urteil E. 16). Aus rechtlicher Sicht (Art. 57 ZPO) hat die 
Klägerin daher einen Werklohn im Sinne von Art. 372 Abs. 1 OR zu zahlen. Strei-
tig ist, was dazu vereinbart worden ist. Das Regionalgericht stellt die Grundlagen 
zutreffend dar: der Werkpreis bemisst sich nach dem, was die Parteien dazu ver-
einbart haben. Systematisch geht dabei der tatsächliche Wille der Parteien (Art. 18 
OR) dem vor, was vernünftige und korrekte Parteien unter den ausgetauschten 
Willenserklärungen in guten Treuen verstehen durften und mussten (Art. 1 OR und 
Art. 2 ZGB). Aus praktischen Gründen wird im Prozess allerdings zuerst die zweite 
Frage behandelt, da es von deren Beantwortung abhängt, welche Partei einen 
davon abweichenden inneren Willen im Sinne von Art. 18 OR beweisen kann und 
muss (Art. 8 ZGB; so zutreffend das angefochtene Urteil in E. 41). Führt keine der 
beiden Untersuchungen zu einem schlüssigen Ergebnis, wird der Werklohn subsi-
diär nach dem Wert der Arbeit und den Aufwendungen des Unternehmers festge-
setzt (Art. 374 OR).

4.1. Das Regionalgericht geht mit den Beteiligten davon aus, die auf Seite 107 
der in der vom Kanton erstellten Ausschreibung genannten Arbeiten (RG act. II./9 
letztes Blatt) seien von der Beklagten als Unter-Akkordantin der Klägerin über-
nommen worden. Das zum Werkpreis Erklärte sei nach einem objektivierten Ver-
ständnis unter vernünftigen und korrekten Vertragspartnern so zu verstehen, dass 
die Beklagte das Reinigen der Meteorwasserleitung zum Pauschalpreis von CHF 
580.00 auszuführen gehabt habe (angefochtenes Urteil E. 44 ff.).

Die Beklagte ist anderer Ansicht. Sie versteht die schriftliche Offerte, welche un-
streitig zum Vertrag geworden ist, als Offerte für nur einen Meter zu reinigende 
Wasserleitung. Das Regionalgericht habe sich über das Angebot einer gerichtli-
chen Offerte hinweggesetzt und sei auf das Argument nicht eingegangen, die 
Ausschreibung durch den Kanton und damit auch die Vereinbarung über den Un-
ter-Akkord habe nur einen Meter zum Gegenstand gehabt. Dass die verschiede-
nen Offerenten nach Auffassung des Regionalgerichts alle von einem Pauschal-

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preis ausgegangen seien, beurteilt sie als "schlicht und ergreifend falsch und un-
haltbar" und als eine "ergebnisbezogene Annahme". Die offerierenden Anbieter 
hätten sich darauf verlassen dürfen, dass die Ausschreibung korrekt sei – und die-
se nenne eben ausdrücklich nur einen Meter für die zu offerierenden Arbeiten. Die 
CHF 580.00 wären für die ausgeführten Arbeiten zu tief, was auch aus der Rech-
nung der Unter-Unterakkordantin H._____ hervorgehe und das Gutachten der 
M._____ bestätige. Endlich macht sie geltend, dass der Kanton in der Ausschrei-
bung das sonst übliche Anpassen der Preise bei einer wesentlichen Veränderung 
der Mengen wegbedungen habe, belege ihre Auffassung, dass ein blosser Ein-
heitspreis vereinbart worden sei (act. A.1 passim, besonders Rz. 28 ff. und 48 ff.).

4.1.1. Dass sich das Regionalgericht mit der Frage nicht auseinandergesetzt ha-
be, ist angesichts der mehrseitigen sorgfältigen und ausführlichen Erwägungen im 
angefochtenen Urteil ein unberechtigter Vorwurf. Ob diese Erwägungen der Kritik 
der Beklagten in der Berufung standhalten, ist sogleich zu prüfen. Dass die Erwä-
gungen "schlicht und ergreifend falsch und unhaltbar" und "ergebnisbezogen" sei-
en, wie sich die Beklagte ausdrückt, ist freilich keine überprüfbare sachliche Kritik. 

Im Vordergrund steht die Zeile von Offerte und Vertrag, welche nach der Angabe 
"zu reinigende Strecke 450m" lautet:

"07  LE = m A   LE     1.00 A      580.-     580.-"

Über diesen Zahlen stehen dazu in einer Art Kopfzeile über dem "1.00" die Anga-
be "Menge", bei den zwei Beträgen von je CHF 580.00 "Preis" und "Summe" (RG 
act. II./9 letztes Blatt). 

Der Beklagten ist darin Recht zu geben, dass das für sich allein nicht einfach klar 
ist im Sinn der Klägerin, welcher das Regionalgericht folgt: dass die CHF 580.00 
als Pauschalpreis zu verstehen seien. "LE" steht unstreitig für "Leistungseinheit", 
in diesem Zusammenhang also "Laufmeter". Wenn dann nachfolgend in der Spal-
te "Menge" steht "1.00", drängt sich jedenfalls bis hierher für einen Nicht-Insider 
der Schluss auf, die Offerentin solle (nur) für einen Meter offerieren. Auch der 
Kanton räumt ein, die Darstellung in der Ausschreibung sei "ein Fehler" gewesen 
(act. A.2 Rz. 5). Daraus lässt sich erklären, dass die Beklagte ihren gegenüber der 
Klägerin offerierten Preis von CHF 580.00 mit den nach dem Ausführen der Arbei-
ten gemessenen tatsächlichen 392.2 Metern multipliziert und so auf eine Forde-
rung von gut CHF 227'000.00 kommt. Das stimmt bis hier vom Mechanismus her 
auch mit den anderen von der Beklagten im Unter-Akkord offerierten Positionen 
überein: oben auf dem als Beweisdokument eingereichten Blatt (von jedenfalls 

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mehr als 107 Seiten; das ganze Dokument wird nicht offen gelegt) finden sich Ein-
heitspreise von CHF 6.00, CHF 15.00 und CHF 217.00, welche mit den in der 
Ausschreibung vorgegebenen Mengen von 45.00, 50.000 bzw. 10.000 multipliziert 
werden, was dann die pro Position offerierten CHF 270.00, CHF 750 bzw. CHF 
2'170.00 ergibt (RG act. II./9 letztes Blatt).

Dem stehen allerdings andere Überlegungen entgegen:

Zunächst ist es ein offenkundiger Widerspruch, dass die "zu reinigende Strecke" 
eine Zeile weiter oben mit 450 Metern angegeben wird, dann aber unter "Menge" 
nur "1.00" steht. Wenn das Ausmass angegeben wird, müsste es auch in der Zeile 
mit den zu offerierenden Preisen erscheinen – wie in den weiter oben auf dem 
Blatt stehenden und soeben zitierten Positionen.

Unten auf dem fraglichen Blatt der Offerte ist ein (Zwischen-)Total angegeben: 
CHF 124'923.10. Das umfasst offenbar auch andere Positionen im Rahmen der 
Leistungskategorie "237 Kanalisation und Entwässerungen" (RG act. II./9 letztes 
Blatt oberste und unterste Zeile; die auf dem Blatt angegebenen Zahlen ergeben 
eine Summe von CHF 3'770.00; auch wenn man, der Auffassung der Beklagten im 
Prozess folgend, die CHF 580.00 mit den 450 Laufmetern multipliziert, kann die 
Summe nicht die auf diesem Blatt genannten Positionen meinen: dann gibt es 
CHF 264'190.00). Das wäre logisch unmöglich, wenn die Auffassung der Beklag-
ten zuträfe: ist ein Summand unbestimmt (wie hier nach der Beklagten die Position 
"Abwasseranlagen reinigen vor Fernsehaufnahmen"), kann gar keine bestimmte 
Summe berechnet werden. Und umgekehrt: wenn eine Summe genannt wird, darf 
die Leserin und Adressatin in der Regel annehmen, die einzelnen Summanden 
seien so gemeint, wie sie in der Rechnung stehen. Das drängt nach Treu und 
Glauben und unter vernünftigen und korrekten Vertragspartnern den Schluss auf, 
die streitige Position werde mit dem angegebenen Franken-Betrag pauschal offe-
riert, und nicht unter dem Vorbehalt der Multiplikation mit der Anzahl zu reinigen-
der Laufmeter. Daran vermag nichts zu ändern, dass die Länge der in den Unter-
lagen zur Ausschreibung genannten zu spülenden und mit der Kamera zu unter-
suchenden Wasserleitung dann am Ende nachgemessen und statt der genannten 
450 Metern auf 392.2 Meter fixiert wurden. Das ist eine Ungenauigkeit des Vertra-
ges, wie sie nach gerichtlicher Notorietät in der Baubranche immer wieder anzu-
treffen ist und sie beide Parteien stillschweigend akzeptieren (ob die Änderung der 
Menge bei einem Ausmass-Preis zu einer Änderung des Einheitspreises führt, ist 
eine andere Frage). Dass man es in der Branche mit der Darstellung in Offerten 
und Verträgen nicht immer ganz genau nimmt, wird bestätigt durch eine umge-
kehrt fehlerhafte Offerte der H._____ vom 17. März 2020 in anderem Zusammen-

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hang: genannt werden dort zwei Positionen "Baustelleneinrichtung" und Leistun-
gen "Kanalreinigung pro/m" resp. "Kanalfernsehaufnahmen pro/m" zum Einheits-
preis von je CHF 1.45. Die Anzahl der Laufmeter wird nicht genannt. Unter diesen 
Umständen ist klar, dass die weiter unten stehende Wendung "zu zahlender Be-
trag" ein blanker Fehler ist: nach Treu und Glauben und unter vernünftigen und 
korrekten Vertragspartnern sollte der Preis für die Leistungen nicht je CHF 1.45 
sein, sondern dieser Betrag multipliziert mit der Anzahl Meter (ergänzend zur Un-
sicherheit über das Ausmass auch nachstehend Erwägung 4.1.2).

Zum nämlichen Schluss – dass in der Auseinandersetzung der Parteien die ge-
nannte Zahl eine Pauschale bedeutet, und nicht nur einen Einheitspreis – gelangt 
man, wenn man sich den Rahmen der Ausschreibung vergegenwärtigt. Der Kan-
ton schrieb Baumeister- und Belagsarbeiten im Bereich der I._____brücke in 
L._____ aus. Nach dem Deckblatt der Ausschreibungsunterlagen (welche, wie die 
Beklagte betont, auch für das vertragliche Verhältnis der Parteien die Grundlage 
bilden) hatten die Offerenten für die ausgeschriebenen Leistungen einen "nach-
stehenden Gesamtbetrag" zu offerieren (RG act. II./9 Deckblatt). Das verlangte bei 
den einzureichenden Offerten nach Treu und Glauben einen klaren und unmiss-
verständlichen Vorbehalt, wenn eine Offerentin (und im Unter-Verhältnis der Par-
teien also auch die Beklagte) die dort genannte Zahl nicht als verbindlich betrach-
ten wollte – weil bei einer oder mehreren Positionen der angegebene Franken-
Betrag erst noch mit der Menge multipliziert werden müsse.

Das schweizerische Recht kennt im Allgemeinen keinen "gerechten Preis", und 
die Parteien sind (innerhalb der Schranken der Übervorteilung oder des Wuchers, 
Art. 21 OR bzw. Art. 157 StGB) frei, untereinander den Preis für eine Leistung 
festzusetzen (Art. 19 Abs. 1 OR). Bei der objektivierten Auslegung von für sich 
allein nicht ganz klaren Willensäusserungen der Vertragsschliessenden kann al-
lerdings durchaus eine Rolle spielen, ob ein bestimmter Preis überhaupt plausibel 
war. Wenn die Beklagte Wert legt darauf, dass die Kalkulation für einen oder für 
450 Meter unterschiedlich sei, weil die festen Kosten je nachdem einen ganz an-
deren Teil ausmachten, ist das gewiss richtig, aber auch banal; es trägt zur hier 
beantwortenden Frage nichts bei. Was Leistungen im Tiefbau im Allgemeinen kos-
ten, ist dem nicht fachkundigen Kantonsgericht nicht bekannt. Allerdings sind 
Plausibilitäts-Überlegungen sehr wohl möglich. Es ging nach der Ausschreibung 
um "Baumeister- und Belagsarbeiten". Deren Details werden im Prozess nicht of-
fengelegt. Jedenfalls aber bildeten die auf dem hier kritischen Blatt der Ausschrei-
bungsunterlagen genannten Positionen 850 ("Nebenarbeiten") und 900 ("Zusatza-
rbeiten") nicht den Kern der auszuführenden Arbeiten. Die Position 900 umfasste 

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ihrerseits zwei Positionen, nämlich unter der Ziffer 940 "Reinigen von Abwas-
seranlagen" und "Fernsehaufnahmen". Der Streit der Parteien geht wiederum nur 
um die erste dieser Positionen, welche umschrieben ist mit "941 Abwasseranlagen 
reinigen vor Fernsehaufnahmen. Inbegriffen sind Wasserbezug, Entsorgung des 
anfallenden Spülguts, An- und Wegfahrt sowie Bedienung". Auch hier kann das 
nicht fachkundige Gericht nicht beurteilen, wie aufwändig diese Leistung war. Si-
cher ist aber, dass keine eigentlichen Baumeister- und Belagsarbeiten auszu-
führen waren, sondern dass es um eine untergeordnete Position ging ("Zusatzar-
beiten"). Plausibel, wenn auch nicht entscheidend, ist die Annahme, dass der Kan-
ton mit einer Kamera ("Fernsehaufnahmen") den Zustand der Abwasserleitung im 
Bereich der I._____brücke ermitteln wollte und sich wohl vorbehielt, eine allfällige 
Sanierung im Zuge des mit den ausgeschriebenen Arbeiten geplanten Projektes 
vorzunehmen. 

Die Beklagte hatte für das ganze Projekt "I._____brücke" eine Offerte eingereicht. 
Alle Offerentinnen waren auf einen Werkpreis in der Grössenordnung von CHF 1.5 
bis 1.6 Mio. gekommen (RG act. IV./2-6). Was davon Gegenstand der Unterver-
gabe im Verhältnis der Parteien war, wird dem Gericht nicht offengelegt – nach 
dem Vertrag RG act. II./10 wurden die Arbeitsgattungen 117, 121, 151, 211, 221, 
237 und 241 weitergegeben, und die heute streitige Position ist nach der Beklag-
ten (RG act. I./3, Titel zu Rz. 39) ein Teil der Arbeitsgattung 237 (dazu auch RG 
act. II./9, oberste und unterste Zeile). Wie es sich damit genau verhält, kann offen-
bleiben. Das heute streitige Spülen der Abwasserleitung war jedenfalls nur ein Teil 
– sowohl der Leistungen aus dem Vertrag Kanton/Beklagte als auch aus dem 
Subunternehmer-Vertrag Beklagte/Klägerin. Nach dem Verständnis der Beklagten 
hätte die streitige Leistung im Zeitpunkt der Offerte (und dieser ist für den Inhalt 
des Vertrages massgeblich) bei der Klägerin CHF 261'000.00 ausgemacht: CHF 
580.00 mal die in den Ausschreibungsunterlagen genannten 450 Meter. Bei der 
Offerte der Beklagten wären von den für die ganzen Arbeiten offerierten rund CHF 
1.56 Mio. allein auf die heute streitigen Zusatz-Arbeiten, konkret das Spülen der 
Leitung vor dem Kontrollieren mit einer Kamera, rund CHF 1.46 Mio. entfallen. 
Dabei wären zwar noch Rabatt, Skonto und Mehrwertsteuer zu berücksichtigen, 
die Grössenordnung bleibt sich aber gleich. Das konnte nach Treu und Glauben 
unter vernünftigen und korrekten Vertragsschliessenden nicht gemeint sein. Der 
Schluss wird bestätigt dadurch, dass die Unternehmung, welche das heute streiti-
ge Spülen der Leitung dann tatsächlich ausführte, in anderem Zusammenhang für 
eine solche Arbeit zu einem Einheitspreis von CHF 1.45 pro Laufmeter offerierte, 
zuzüglich CHF 500.00 "Baustelleneinrichtung" – das gäbe hier etwas mehr als 
CHF 1'000.00 (dazu näher nachstehend E. 4.1.5).

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Das Verständnis der Beklagten, dass die von der Klägerin akzeptierten CHF 
580.00 als blosser Einheitspreis zu verstehen und dieser mit den zu reinigenden 
Metern zu multiplizieren sei, ist demnach ausgeschlossen. Es drängt sich nach 
dem Gesagten auf, die CHF 580.00 als Pauschalpreis zu verstehen.

Es ist allerdings nicht schlechterdings unmöglich, dass weitere Gesichtspunkte 
zum Schluss führten, die CHF seien nicht als Pauschalpreis zu verstehen – dann 
wird zuerst die Frage nach dem übereinstimmenden inneren Willen der Parteien 
aktuell (Art. 18 OR), subsidiär der objektive Wert der von der Beklagten erbrachten 
Leistung (Art. 374 OR).

4.1.2. Was der Kanton in der Ausschreibung zu Mengen-Änderungen vorsah und 
durch die grundsätzliche Übernahme des Vertrages Kanton/Beklagte ins Verhält-
nis der Parteien übernommen wurde, ist hier nicht von Bedeutung. Ökonomisch 
mag die Auffassung der Beklagten richtig sein, dass ein offerierter Einheitspreis 
bei wesentlicher Änderung des Ausmasses nach einer Korrektur ruft. Im vorlie-
genden Fall wurde das Ausmass in der Offerte mit 450 Laufmetern angenommen, 
während die Parteien darin übereinstimmen, dass tatsächlich 392.2 Laufmeter 
(also etwa 87%) zu reinigen waren. Die Beklagte macht allerdings nicht geltend, 
ihr Preis von CHF 580.00 sei darum als Preis für einen Meter zu tief. Und richtig 
ist, dass es bei einem Pauschalpreis nicht darauf ankommt, was der Unternehmer 
zum Herstellen des Werkes für Aufwendungen hat (Art. 373 Abs. 1 OR). Auch das 
ist hier allerdings nicht kritisch. Dass die "zu reinigende Strecke" mit 450m ange-
geben wurde (RG act. IV./2 ff. und II./9 letzte Seite), haben die Beteiligten offenbar 
übereinstimmend als circa-Mass verstanden – es wurde denn auch nach Beendi-
gung der Arbeiten ausgemessen, und allseits geht man von diesem tatsächlichen 
Wert aus. Es ist aber unerheblich. War die Strecke am Ende kürzer als 450m, 
musste weniger Arbeit geleistet werden als angenommen, war sie länger, mehr – 
denn bei einem Pauschalpreis kam es auf die tatsächliche Länge der Strecke nicht 
an. Im einen Fall fuhr die Offerentin am Ende besser, im anderen schlechter. Wur-
de ein Einheitspreis vereinbart, war diese Unsicherheit ausgeschaltet. Das mag 
aus Sicht einer vorsichtigen und risikoaversen Offerentin für einen Einheitspreis 
gesprochen haben, ist allerdings entgegen der Argumentation der Beklagten kein 
zwingendes Element dafür, dass auch ein solcher mit dem tatsächlichen Ausmass 
zu multiplizierender Einheitspreis vereinbart wurde. Insbesondere kann man ob-
jektiv überlegen, dass ein Pauschalpreis wie gesehen auch die Chance barg, dass 
die zu reinigende Wasserleitung kürzer war als 450m, die versprochene Leistung 
(das Spülen der Leitung) also mit einem etwas geringeren Aufwand erstellt werden 
konnte.

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4.1.3. Die Beklagte beruft sich zweifach auf eine "Expertise": sie habe eine solche 
(in der Form einer Art Privatgutachten) bereits eingereicht, und es sei eine durch 
das Gericht einzuholen.

In der Klageantwort berief sich die Beklagte auf den Bericht einer "M._____" (RG 
act. III./17). Diese nimmt wie die Beklagte an, die streitige Position sei nicht pau-
schal, sondern als Einheitspreis offeriert und übernommen worden. Sie geht da-
von aus, die Ausschreibung enthalte in diesem Punkt einen Fehler, den die Kläge-
rin aber hätte bemerken müssen. Und da Verträge zu halten seien, könne die Be-
klagte die verlangte Vergütung fordern. – Wie das Regionalgericht zutreffend er-
wägt, ist das als Parteivorbringen der Beklagten zu würdigen und nicht als gericht-
liches Gutachten. Es widerlegt die vorstehenden Überlegungen nicht (namentlich, 
da nach der Darstellung in dem Bericht ausdrücklich ein "offensichtlicher Fehler" 
vorliege, was ein erheblicher Irrtum im Sinne von Art. 24 Abs. 1 Ziff. 3 OR wäre) 
und vermag sie auch nicht ernstlich in Frage zu stellen.

Die Beklagte kritisiert, dass das Regionalgericht kein gerichtliches Gutachten ein-
geholt hat (act. A.1 Rz. 26 f.). Sie hatte das in der Duplik verlangt, zum Beweis der 
Angemessenheit eines Einheitspreises von CHF 580.00 pro Laufmeter, insbeson-
dere unter Berücksichtigung der Rüst- und Installationskosten und weiterer Fixkos-
ten (RG act. I./6 Rz. 20). Das Regionalgericht wies den Antrag ab, weil ausrei-
chend Beweismaterial vorhanden sei (Beweisverfügung RG act. V./1 S. 6 unter lit. 
c). In der Berufung setzt sich die Beklagte damit nicht in ausreichender Weise 
auseinander. Und auch in der Sache ist dem Regionalgericht Recht zu geben: ob 
der Werkpreis nach der Auffassung der Beklagten (Einheitspreis mal Laufmeter) 
"angemessen" war, was die Beklagte mit dem Gutachten beweisen wollte, ist nicht 
massgebend. Es könnte Thema sein, wenn es um die Vergütung nach Art. 374 
OR ginge. Auch dann bliebe allerdings die Schwierigkeit, dass für die heute streiti-
gen Arbeiten extrem weit auseinanderliegende Preise offeriert wurden: CHF 
580.00, CHF 855.00, CHF 1'100.00, CHF 2'000.00 und CHF 3'248.00 (RG act. 
IV./2 ff.; alles auf dem nämlichen Ausschreibungs-Formular). Bemerkenswert ist 
auch, dass die Beklagte in ihrer Offerte gegenüber dem Kanton für die heute strei-
tige Position CHF 3'248.00 einsetzte (RG act. IV./2), gegenüber der Klägerin dann 
auf dem Weg der Übernahme der Bedingungen des Vertrages Kanton/Klägerin 
(dazu RG act. II./10 und RG act. II./9) CHF 580.00 – ob man diese Beträge mit 
450 (im Zeitpunkt der Vertragsschlüsse) oder mit 392.2 (nach tatsächlichem Aus-
mass) multipliziert, spielt keine Rolle: es bleibt dabei, dass die Beklagte vom Kan-
ton zunächst das rund Fünfeinhalbfache (CHF 3'248.00 gegenüber CHF 580.00) 
forderte als später dann von der Klägerin. Diese Diskrepanz lässt es fraglich er-

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scheinen, ob sich die Beklagte für untergeordnete Neben- und Zusatzarbeiten der 
heute streitigen Art überhaupt an einem "angemessenen" Preis orientierte, oder 
ob sie nicht einfach eine beliebige Zahl einsetzte – weil sie erwartete, am Ende 
werde es durch den Kanton bezahlt werden. Für die hier entscheidende Frage, 
was vernünftige und korrekte Parteien nach Treu und Glauben unter den Angaben 
im schriftlichen Vertrag verstehen durften und mussten, war aber gar keine "an-
gemessene" Vergütung zu ermitteln. Dass der nach Auffassung der Beklagten 
resultierende Werklohn für die streitige untergeordnete Neben-Leistung exorbitant 
war und nach Treu und Glauben nicht gemeint sein konnte, ergab und ergibt sich 
nach den vorstehenden Erwägungen und (wie schon das Regionalgericht zutref-
fend gefunden hat) ausreichend klar aus den Akten. Ein Gutachten war und ist 
nicht einzuholen.

4.1.4. Das angefochtene Urteil erwähnt Preise der H._____. Diese hatte das 
Spülen der Leitung im Unter-Unter-Akkord für die Beklagte ausgeführt. Die 
H._____ hatte der Beklagten einmal für die analoge Leistung an einem anderen 
Ort offeriert: dort nannte sie für die Baustelleneinrichtung einen Preis von CHF 
500.00 und für die Kanalreinigung ausdrücklich "pro/m" CHF 1.45, und das Nämli-
che dann auch für die Kamera-Aufnahmen (RG act. III./18, Offerte vom 17. März 
2020 für ein Projekt "J._____strasse N._____"). Das hätte für das hier streitige 
Vorhaben für die in der Ausschreibung genannten 450 Meter einen Werkpreis von 
CHF 1'152.50 ergeben, bei den ausgemessenen 392,2 Metern CHF 1'068.70.

Wie viel die H._____ im vorliegenden Fall offerierte und der Beklagten verrechne-
te, geht aus der Berufung nicht ausreichend klar hervor. Die Beklagte reicht eine 
Rechnung der H._____ ein (act. B.3), dies in der Berufung allerdings offenkundig 
verspätet (Art. 317 Abs. 1 ZPO) und daher unbeachtlich. Das Papier hülfe der Be-
klagten allerdings ohnehin nicht: es werden damit CHF 826.95 in Rechnung ge-
stellt für "Meteorleitung entstopft und gereinigt". Das Objekt wird bezeichnet mit 
"K._____strasse" – das kann, muss aber keineswegs das Objekt "I._____brücke" 
sein. Die Länge der Leitung wird nicht angegeben – der Schluss läge nahe, dass 
sie neben dem Anfahrtsweg (67 km) und der für die Arbeit benötigten Verwendung 
eines "Spül-/Saugwagens" keine erhebliche Rolle spielte. 

Es bleibt daher dabei, dass die im Verhältnis der Parteien vereinbarten CHF 
580.00 für das Spülen der Meteorwasserleitung nach Treu und Glauben und unter 
vernünftigen und korrekten Vertragsparteien als Pauschale zu verstehen sind, und 
nicht als mit den gespülten Laufmetern zu multiplizierender Einheitspreis.

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4.2. Wie bereits vorstehend erwogen, gibt es freilich für die fragliche Leistung 
keinen "gerechten" Preis. Die Parteien konnten unter dem Aspekt der Inhaltsfrei-
heit im Vertragsrecht (Art. 19 OR) vereinbaren, dass die Beklagte das Spülen der 
Leitung für CHF 580.00 multipliziert mit der Anzahl Laufmetern ausführen werde. 
Das ginge dem objektivierten Verständnis vor (Art. 18 OR).

4.2.1. Die Beklagte rügt, dass das Regionalgericht die angebotenen Befragungen 
nicht durchführte: zum Beweis, dass die Parteien subjektiv darin übereinstimmten, 
die CHF 580.00 für das Spülen der Leitung sollten ein Einheitspreis sein und mit 
der Anzahl Laufmeter multipliziert werden (act. A.1 Rz. 33). Sie verweist dafür auf 
die Duplik in erster Instanz (RG act. I./6), und dort auf die Rz. 22 und 25, ferner 
auf Rz. 43 der Widerklageduplik (RG act. I./8). Das Regionalgericht erwog, es sei 
von den Befragungen kein "sachdienliches Ergebnis" zu erwarten und es liege für 
den Entscheid ausreichend Beweismaterial vor (RG act. V./1 S. 6). Es behielt zwar 
die Einvernahme der beiden Genannten in der Hauptverhandlung vor, wenn das 
noch nötig sein sollte (a.a.O.), kam darauf aber nicht zurück (Protokoll der Haupt-
verhandlung RG act. VIII./1 S. 6).

4.2.2. Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 52 ZPO) umfasst auch das 
Recht der Parteien auf Abnahme der offerierten Beweismittel (Art. 152 ZPO). Das 
Gesetz macht dabei eine wichtige Einschränkung: abzunehmen sind nur die "taug-
lichen" Beweismittel (vgl. Art. 152 Abs. 1 ZPO). Das geht über die selbstverständ-
liche Voraussetzung hinaus, dass eine Behauptung nach der rechtlichen Analyse 
der Sache durch das Gericht wesentlich sein muss. Das Gericht darf und soll im 
Interesse einer effizienten Prozessführung – die letztlich wieder den Parteien zu-
gutekommt – von der Abnahme von Beweismitteln absehen, von welchen kein 
relevanter Erkenntnisgewinn zu erwarten ist, sei es, dass schon so viele Beweis-
mittel vorhanden sind, dass das fragliche an der Überzeugung des Gerichts nichts 
mehr zu ändern vermöchte, sei es, dass zum Voraus sicher feststeht, das Be-
weismittel werde den Beweis nicht erbringen können (dazu, namentlich zur so ge-
nannten "antizipierten Beweiswürdigung" grundlegend Max Guldener, Schweizeri-
sches Zivilprozessrecht, 3. Aufl., Zürich 1979, S. 321; Botschaft zur ZPO, BBl 
2016, S. 7312 zu Art. 150 E-ZPO; BGE 143 III 297 E. 9.3.2 und 146 III 73 E. 5.2.2, 
je mit zahlreichen Verweisungen; aus der neueren Literatur nur Samuel Baum-
gartner, in: Oberhammer/Domej/Haas [Hrsg.], Kurzkommentar zur ZPO, 3. Aufl., 
Basel 2021, N 14 f. und 16 ff. zu Art. 152 ZPO; Philipp Schweizer, in: Bohnet et al. 
[Hrsg.], Commentaire Romand, Code de procédure civile, 2. Aufl., Basel 2019, N 6 
ff. zu Art. 152 ZPO; Peter Guyan, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler 
Kommentar zur ZPO, 3. Aufl., Basel 2017, N 6 ff. zu Art. 152 ZPO). Heikel ist die 

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antizipierte Würdigung und Ablehnung der Befragung einer Person mit der Be-
gründung, aufgrund ihrer Stellung bei einer Partei würden ihre Aussagen generell 
nicht als verlässlich beurteilt werden können (so namentlich das erste der beiden 
zitierten Urteile des Bundesgerichts). In der Regel kann diese Würdigung erst er-
folgen, nachdem man die Aussagen der Person kennt. Ausnahmsweise kann es 
aber doch trotz aller gebotenen Zurückhaltung so sein, dass von einer angebote-
nen Befragung oder wie hier von angebotenen Befragungen nicht zu erwarten ist, 
dass es die Überzeugung des Gerichts erstellen könnte, der behauptete Sachver-
halt habe sich so ereignet wie behauptet. Und so ein Ausnahmefall liegt hier vor.

4.2.3. Vorweg ist klar zu stellen, wer zu beweisen hat: nachdem sich ergeben hat, 
dass die CHF 580.00 für das Spülen der Meteorwasserleitung in einer objektivier-
ten Auslegung als Pauschale zu verstehen ist, steht die Behauptung der Beklag-
ten zur Beurteilung, beide Seiten hätten übereinstimmend angenommen, diese 
CHF 580.00 seien mit den Laufmetern zu multiplizieren. Entgegen der Kritik der 
Beklagten ist dafür sie beweisbelastet – denn wenn ihr dieser Beweis nicht gelingt, 
bleibt es bei der objektivierten Auslegung des Vertrages. Das Regionalgericht hat 
das richtig gesehen, und eine Verletzung von Art. 8 ZGB liegt nicht vor. 

In der Sache ist zu beweisen, dass beide Parteien übereinstimmend der Auffas-
sung waren, die CHF 580.00 seien mit den Laufmetern zu multiplizieren (Art. 18 
OR). Es genügt also nicht, wenn sich ergibt, dass die Beklagte schon beim Ver-
tragsschluss dieser im Prozess vertretenen Auffassung war. Weil es um den inne-
ren Willen der Parteien beim Vertragsschluss geht, ist (aufgrund rechtlicher Über-
legungen: Art. 1 OR i.V.m. Art. 57 ZPO) das Wissen und Wollen in jenem Zeit-
punkt massgebend. Konkret ist also zu fragen, was die Parteien wollten, als sie 
die Erklärungen austauschten, die Beklagte solle angenommene 450 Laufmeter 
der Meteorwasserleitung spülen, zum Preis von CHF 580.00. Das war Inhalt des 
Vertrages; dass das tatsächliche Ausmass dann kleiner war, hätte unter Umstän-
den eine Korrektur des Vereinbarten legitimiert oder verlangt, aber es änderte 
nichts am Vertragsschluss.

4.2.4. Angerufen ist die Befragung von O._____, des Präsidenten des Verwal-
tungsrates der Beklagten (RG act. II./2), und von P._____, Mitglied der Geschäfts-
leitung der Klägerin (RG act. II./1). Bei beiden steht nicht die Einvernahme als 
Zeuge, sondern als Partei zur Diskussion (Art. 159 ZPO).

Die beiden zu Befragenden sind als Organe mit ihren Parteien eng verbunden, am 
Ergebnis des Prozesses mindestens ideell, möglicherweise auch direkt finanziell 
interessiert. Wie vorstehend ausgeführt, steht das allein ihrer Einvernahme nicht 

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entgegen, insbesondere darum, weil das Gesetz auch die Befragung einer Partei 
als Einzelperson als Beweismittel anerkennt (Art. 168 Abs. 1 lit. f ZPO) und also 
davon ausgeht, dass auch eine derart "befangene" Person einvernommen und 
das zu Protokoll Erklärte (erst) dann im Sinne von Art. 157 ZPO gewürdigt werden 
soll. 

Dass O._____ den Standpunkt seiner Gesellschaft bestätigen würde, darf unter-
stellt werden. Das wäre allerdings nicht geeignet, die Überzeugung des Gerichts 
an seiner Behauptung zu begründen. Und das nicht einzig wegen seiner engen 
Verbindung zu seiner Partei, sondern wegen der Unglaubhaftigkeit des Inhaltes 
seiner Aussage. Wie vorstehend erwogen, müsste er gemeint haben, nicht nur der 
Preis im Verhältnis der heutigen Parteien, sondern auch der, welchen die Beklagte 
gegenüber dem Kanton offerierte, werde nach der Anzahl der Laufmeter multipli-
ziert. Aus der Sicht und im Zeitpunkt der Offerte der Beklagten gegenüber dem 
Kanton waren das wie gesehen über CHF 1.4 Mio.: CHF 3'248.00 mal 450 Lauf-
meter = CHF 1'461'600.00, minus 3% Rabatt plus (damals) 8% Mehrwertsteuer 
also gut CHF 1'531'000.00 – bei einer gesamten Offertsumme inklusive Mehrwert-
steuer von rund CHF 1'561'000.00 (RG act. IV./2). Das ist abwegig. Es betrifft 
zwar nicht das Verhältnis der Parteien: in diesem ergäbe die im Prozess von der 
Beklagten vertretene Auffassung zu der in der Offerte der Beklagten gegenüber 
dem Kanton und im Verhältnis der Parteien identische Vertragsbestimmung die 
Rechnung CHF 580.00 mal 450 Laufmeter = 261'000.00, abzüglich Rabatt 3% und 
Skonto 2% (RG act. II./10) plus Mehrwertsteuer = rund CHF 268'000.00. Auch das 
wäre angesichts des Gesamtumfangs der Arbeiten von CHF 1.5 bis 1.6 Mio. für 
die untergeordnete Position absurd viel – ohne dass dabei berücksichtig werden 
müsste, dass die Unter-Unterakkordantin der Beklagten für die hier streitigen Ar-
beiten gemessen an ihren Forderungen für ein analoges Objekt nur etwas mehr 
als tausend Franken verlangt haben würde (E. 4.1.4). Als Letztes kommt hier hin-
zu, dass der Standpunkt der Beklagten eine wenn auch minimale Plausibilität für 
sich reklamieren könnte, wenn die Beklagte geeignete Hilfs-Behauptungen aufge-
stellt hätte: etwa, dass für das Spülen von Leitungen der hier streitigen Art bei an-
deren Objekten ebenfalls mehrere hunderttausend oder über eine Million Franken 
verlangt wurde, und dass solche exorbitanten Beträge dann auch bezahlt wurden. 
Solche Behauptungen gibt es aber nicht. 

Muss mit Sicherheit angenommen werden, selbst wenn O._____ im Sinne der Be-
klagten aussagte, könnte ihm das Gericht nicht glauben, ist das Beweisangebot 
der Einvernahme von P._____ bereits fraglich: es müsste ja bewiesen werden, 
dass beide Seiten die Auffassung der Beklagten im Prozess schon beim Vertrags-

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schluss teilten. Es ist also zu fragen, ob es eine (wenn auch kleine) Chance für die 
Beklagte gibt, dass P._____ zu Protokoll gäbe, sowohl er als auch die Beklagte 
bzw. O._____ hätten die streitige Klausel so verstanden, wie sie die Beklagte jetzt 
im Prozess versteht – und dass das Gericht das als glaubhaft betrachtete. Das ist 
vernünftigerweise ausgeschlossen. Die Klägerin vertritt im Prozess dezidiert und 
mit einem nicht unerheblichen Aufwand die entgegengesetzte Position. Dass die 
Parteien und namentlich die von der Beklagten zur Befragung offerierten Perso-
nen darüber konkret gesprochen haben sollten, wann, wo und wie das gewesen 
sein sollte, macht die Beklagte nicht geltend. Das nachzubringen, und wäre es auf 
dem Weg der Aussage eines Organs im Beweisverfahren, wäre zu spät, und diese 
Aussagen wären darum unbeachtlich (Art. 317 ZPO). Die blosse und nicht weiter 
spezifizierte Anerkennung des Prozessstandpunktes der Beklagten durch P._____ 
könnte das Gericht daher so wenig davon überzeugen wie eine entsprechende 
Aussage von O._____. Die Beklagte macht in der Berufung geltend, die Klägerin 
habe selbst gegenüber dem Kanton ihre Auffassung vertreten, das Reinigen der 
Wasserleitung sei nicht mit einer Pauschale, sondern in Regie abzurechnen (act. 
A.1 Rz. 38 und 39). Wäre das die Haltung der Klägerin gewesen, stärkte das die 
Position der Beklagten, und die Einvernahme der beiden Organe könnte sinnvoll 
und nötig sein. Das ist aber nach der Darstellung der Beklagten selbst gar nicht 
der Fall: sie führte in erster Instanz aus: "Die B._____ hatte gegenüber der 
A._____ AG stets zum Ausdruck gebracht, dass sie deren Rechtsauffassung nicht 
teile, und dass sie für die fragliche Position 1 : 1 denjenigen Betrag ausbezahlen 
werde, welchen sie vom Kanton dafür erhält" (RG act. I./8 Rz. 43). Damit räumt sie 
ein, dass die Klägerin nicht von einer Regieposition ausging. Nach dieser Darstel-
lung würde die Klägerin wider bessere Einsicht nur versucht haben, die exorbitan-
te Forderung der Beklagten an den Kanton weiter zu geben (nachdem sie, wie die 
Beklagte weiter ausführt [act. A.1 Rz. 61 am Ende], zuerst versucht habe, mit der 
Beklagten eine Einigung auf einem tiefen Betrag zu finden). Das kann hier alles 
offenbleiben, und es muss nicht untersucht werden, wie ein solches Verhalten der 
Parteien rechtlich einzuordnen wäre. Jedenfalls macht es die Einvernahme von 
P._____ zusätzlich entbehrlich.

Im Ergebnis war der Entscheid des Regionalgerichts richtig, die beantragten Ein-
vernahmen nicht durchzuführen, und es ist weder eine Rückweisung der Sache 
zur Ergänzung des Verfahrens noch eine Befragung der beiden Organe in der Be-
rufung angezeigt.

4.3. Im Ergebnis würde man meinen, die Hauptklage sei (nur) unter Abzug der 
soweit von der Klägerin nicht bestrittenen Forderung der Beklagten von CHF 

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580.00 gutzuheissen. Das wird so aber nicht und auch nicht eventuell verlangt, 
und keine der Parteien spricht den Punkt an. Mindestens denkbar ist, dass die 
Klägerin der Beklagten das bereits zahlte. Es liegt daher kein so offensichtlicher 
Fehler des Regionalgerichts vor, dass der Punkt von Amtes wegen korrigiert wer-
den könnte und müsste. Die offensichtlich unrichtigen Ziffern 1 und 2 des Disposi-
tivs im angefochtenen Urteil (dazu vorstehend E. 3) stellen für die Beklagte bei 
dieser Beurteilung ihrer Gegenforderung und der Widerklage keinen Nachteil dar. 
Auf eine Korrektur ist daher zu verzichten. Vielmehr ist die Berufung abzuweisen, 
soweit darauf einzutreten ist, und das angefochtene Urteil ist zu bestätigen. 

5.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird die Beklagte kostenpflichtig (Art. 
106 Abs. 1 ZPO). Die Entscheidgebühr ist im Rahmen der Verordnung über die 
Gerichtsgebühren in Zivilsachen (BR 320.210) auf CHF 10'000.00 anzusetzen. Sie 
wird mit dem von der Beklagten geleisteten Kostenvorschuss in selbiger Höhe ver-
rechnet.

5.2. Der Kanton verlangt eine Entschädigung und verweist dafür auf die "aus-
sergerichtliche Entschädigungsfolge". Im Unterschied zum früheren bündneri-
schen Zivilprozessrecht kennt die schweizerische Zivilprozessordnung den Begriff 
der "aussergerichtlichen" oder "ausseramtlichen" Entschädigung nicht, sondern 
spricht von der "Parteientschädigung" (vgl. Art. 95 Abs. 1 lit. b und Abs. 3 ZPO). 

5.2.1. In aller Regel werden die Kosten unter den Parteien verlegt, also unter den 
Personen, über deren streitigen Rechtsverhältnisse sich das Urteil ausspricht (Art. 
106 Abs. 1 ZPO). Der Kanton ist hier keine solche Partei. Allerdings sieht das Ge-
setz ausdrücklich die Möglichkeit vor, auch "den Anteil an den Prozesskosten" für 
eine Nebenpartei festzusetzen (Art. 106 Abs. 3 ZPO). Der Kanton ist als Streitbe-
rufener und Nebenintervenient (Art. 74 ZPO) eine solche Nebenpartei.

Lehre und Praxis haben vor dem Inkrafttreten von BGG und ZPO dafür gehalten, 
die Nebenintervenientin solle grundsätzlich nicht in die Kostenverlegung einbezo-
gen werden (Max Guldener, Schweizerisches Zivilprozessrecht, 3. Aufl. Zürich 
1979, S. 408, und BGE 130 III 571 E. 6). Das Bundesgericht behielt immerhin 
"Gründe der Billigkeit" vor (a.a.O.). Es hat seine zitierte Praxis im Jahr 2014 ohne 
weitere Präzisierungen bestätigt (BGer 4A_480/2014 v. 5.11.2015 E. 4.3), und die 
überwiegende Mehrzahl der Kommentatoren gibt den Grundsatz von BGE 130 III 
571 wieder, wenn auch ohne den Punkt besonders zu vertiefen (Adrian Urwyler/
Myriam Grütter, in: Brunner/Gasser/Schwander [Hrsg.], DIKE-Kommentar ZPO, 2. 
Aufl., Zürich/St. Gallen 2016, N 10 zu Art. 106 ZPO; Viktor Rüegg/Michael Rüegg, 
in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar zur ZPO, 3. Aufl., Basel 

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2017, N 9 zu Art. 106 ZPO; Michael Graber, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], 
Basler Kommentar zur ZPO, 3. Aufl., Basel 2017, N 3 zu Art. 77 ZPO; David Jen-
ny, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur ZPO, 3. 
Aufl., Zürich 2016, N 19 zur Art. 106 ZPO). Denis Tappy (in: Bohnet et al. [Hrsg.], 
Commentaire romand, Code de procédure civile, 2. Aufl. Basel 2019, N 35 zu Art. 
106 ZPO) weist immerhin darauf hin, dass "la lettre de l’art. 106 al. 3 implique que 
même un intervenant accessoire peut être chargé des frais ou avoir droit à des 
dépens". Er räumt ein, das Bundesgericht sehe das grundsätzlich anders, aber die 
Gerichte verfügten in dem Punkt jedenfalls über einen weiten Ermessensspiel-
raum. Ebenfalls kritisch ist Martin H. Sterchi (in: Güngerich et al. [Hrsg.], Berner 
Kommentar zur ZPO, Bern 2012, N 13 zu Art. 106 ZPO): Er geht davon aus, dass 
die Nebenintervenientin mit der unterstützten Partei kostenpflichtig werden kann; 
einen Anspruch auf Parteientschädigung gesteht er jener dann zu, wenn "eine 
gemeinsame Interessenwahrung mit der unterstützten Hauptpartei nicht tunlich 
war".

5.2.2. Ausgangspunkt ist das Gesetz (Art. 106 Abs. 3 ZPO), welches bei den Kos-
tenfolgen wie gesehen ausdrücklich die Nebenparteien nennt. Es muss also sol-
che Fälle geben. Guldener (a.a.O.) und ihm folgend das Bundesgericht legen Wert 
darauf, dass die Nebenintervenientin in keinem direkten rechtlichen Nexus zum 
Gegner stehe. Das stimmt natürlich. Gleichwohl erlaubt das Prozessrecht ihre 
Teilnahme am Verfahren. Die Nähe zur Stellung der Hauptpartei ergibt sich dar-
aus, dass die Nebenintervenientin sich mit den Handlungen der unterstützten Sei-
te nicht in Widerspruch setzen darf (Art. 76 Abs. 2 ZPO). Richtig ist allerdings 
auch, dass die Gegenpartei mit dem Hinzutreten der Nebenintervenientin nichts zu 
tun hat und es nicht verhindern kann, und dass der mögliche Rückgriff unter den 
auf der anderen Seite Beteiligten sie auch nichts angehen muss. Von da her wäre 
es kaum zu rechtfertigen, der Nebenintervenientin wie etwa einer Streitgenossin 
im Erfolgsfall neben der unterstützten oder Erst-Partei eine volle Entschädigung 
zuzugestehen. In den zitierten Entscheiden des Bundesgerichts war denn auch zu 
entscheiden, ob die Nebenintervenientin neben der Hauptpartei eine Entschädi-
gung erhalten solle. Damit stimmt überein, dass das Regionalgericht im angefoch-
tenen Urteil dem Kanton keine Entschädigung zusprach, was dieser auch nicht 
anficht. 

Anders ist die Situation aber dann, wenn eine Nebenintervenientin den Prozess 
alleine führt – sei es, dass die Hauptpartei ausdrücklich aus dem Verfahren aus-
geschieden ist (Art. 79 Abs. 1 lit. b ZPO), sei es, dass sie sich einfach faktisch 
nicht beteiligte. Angenommen, die solchermassen das Verfahren führende Neben-

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intervenientin unterliegt, besteht wohl Konsens darüber, dass sie die Kosten zu 
tragen und dem Gegner die Entschädigung zu zahlen hat – das ist eine Folge der 
prozessualen Zulässigkeit dieser Konstellation, auch wenn das Urteil formell auf 
die Hauptpartei lautet. Es drängt sich auf, die Überlegung auch im anderen Fall 
gelten zu lassen: wenn die den Prozess allein bestreitende Nebenintervenientin 
obsiegt. Klar ist, dass sie dann keine Gerichtskosten tragen muss (Art. 106 Abs. 1 
ZPO), denn kostenpflichtig ist, wer unterliegt. Die "Kosten" von Art. 106 Abs. 1 
ZPO umfassen allerdings auch die Parteientschädigung (Art. 95 ZPO, für die Par-
allelität von Gerichtskosten und Entschädigung ausdrücklich Art. 111 Abs. 2 ZPO). 
Es liegt daher nahe und drängt sich recht eigentlich auf, der allein prozessieren-
den und damit obsiegenden Nebenintervenientin auch den Anspruch auf eine Par-
teientschädigung zuzugestehen. Das Kantonsgericht betrachtet das als den gera-
dezu typischen vom Bundesgericht vorbehaltenen Fall, dass "Gründe der Billig-
keit" eine Entschädigung rechtfertigen. 

5.2.3. Die Klägerin und Berufungsbeklagte hat sich am Verfahren vor Kantonsge-
richt nicht beteiligt. Das war zwar nicht ganz freiwillig, sondern weil sie die Frist für 
die Berufungsantwort schuldhaft versäumte (sie ersuchte am letzten Tag der Frist 
um eine gesetzlich unmögliche Fristerstreckung). Faktisch hat aber der Kanton 
das Verfahren in der Berufung alleine geführt, und eine der Klägerin zuzuspre-
chende Parteientschädigung scheidet aus. Damit liegt der Fall vor, in welchem 
nach den vorstehenden Erwägungen dem Kanton als Nebenintervenienten "aus 
Billigkeitsgründen" eine Entschädigung zusteht. Der Kanton hat in diesem Fall 
zwar keine Ausführungen zu dieser "Billigkeit" gemacht. Da es aber nicht um zu 
behauptende tatsächliche Verhältnisse im Sinne von Art. 55 Abs. 1 ZPO, sondern 
um Rechtsanwendung im Sinne von Art. 57 ZPO geht, schadet ihm das nicht.

5.2.4. Eine Honorarnote des Anwaltes, wie das die einschlägige Verordnung (BR 
310.250) vorsieht, wird nicht vorgelegt. Im Rahmen des Ermessens und unter An-
nahme eines durchschnittlichen Honorars von CHF 240.00 pro Stunde ist die Ent-
schädigung auf CHF 4'000.00 festzusetzen. Dazu kommt die Mehrwertsteuer.

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Demnach wird erkannt:

1. Die Berufung der A._____ AG wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten 
wird, und das angefochtene Urteil des Regionalgerichts Prättigau/Davos 
wird bestätigt.

2. Die Entscheidgebühr für dieses Urteil wird festgesetzt auf CHF 10'000.00. 
Sie wird der A._____ AG auferlegt und aus dem von dieser geleisteten Vor-
schuss in gleicher Höhe bezogen.

3. Die A._____ AG wird verpflichtet, dem Kanton Graubünden eine Parteien-
tschädigung von CHF 4'000.00 zuzüglich 7,7% Mehrwertsteuer zu bezah-
len.

4. Gegen diese, einen Streitwert von mindestens CHF 30'000.00 betreffende 
Entscheidung kann gemäss Art. 72, Art. 74 Abs. 1 lit. b BGG Beschwerde in 
Zivilsachen an das Schweizerische Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, ge-
führt werden. Die Beschwerde ist dem Bundesgericht schriftlich, innert 30 
Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in 
der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die 
Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen 
und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 72 ff. und Art. 90 
ff. BGG.

5. Mitteilung an: