# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1d44e8cd-fc2d-5d28-a8b7-82d2989088f2
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-11-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.11.2010 D-7934/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-7934-2010_2010-11-16.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-7934/2010
sch/bah/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 6 .  N o v e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Hans Schürch, 
mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo;
Gerichtsschreiber Christoph Basler.

A.___________, geboren (...),
Sri Lanka,
vertreten durch lic. iur. Martin Zwahlen, Fürsprecher, (...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Kantonszuweisung; 
Verfügung des BFM vom 2. November 2010 / N (..).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-7934/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  der  Beschwerdeführer  am  4. Oktober 2010  im  Empfangs-  und 
Verfahrenszentrum (EVZ) Basel um Asyl nachsuchte,

dass  die  von  ihm  bereits  am  1.  Oktober  2010  bestellte  vormalige 
Rechtsvertreterin mit Schreiben vom 21. Oktober 2010 beantragte, der 
Beschwerdeführer sei für den Aufenthalt während des Asylverfahrens 
dem Kanton B.________ zuzuweisen,

dass in diesem Kanton sein Onkel lebe, der ihn bei sich aufnehmen 
würde, was für die Integration des Jugendlichen von Vorteil wäre,

dass das BFM dem Beschwerdeführer am 12. Oktober 2010 das recht-
liche Gehör hinsichtlich der Kantonszuweisung gewährte, wobei dieser 
erklärte, er kenne seinen Onkel nicht persönlich und habe in Sri Lanka 
einmal mit ihm am Telefon gesprochen,

dass  das  BFM  mit  am  folgender  Tag  eröffneter  Verfügung  vom 
2. November  2010 in Anwendung von Art. 27 des Asylgesetzes vom 
26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  und  Art. 21  und  22  der  Asylver-
ordnung 1 vom 11. August  1999 über  Verfahrensfragen (AsylV 1,  SR 
142.311) den Beschwerdeführer im Wesentlichen mit der Begründung, 
aus  den  Abklärungen  im  EVZ  und  nach  erfolgter  Gewährung  des 
rechtlichen  Gehörs  seien  keine  spezifischen  schützenswerten  Inte-
ressen ersichtlich, die für eine Zuweisung in einen bestimmten Kanton 
sprächen, dem Kanton C._________ zuwies,

dass es gleichzeitig festhielt, der Zuweisungsentscheid könne nur mit  
der Begründung angefochten werden, er verletze den Grundsatz der 
Einheit  der  Familie,  und  einer  allfälligen  Beschwerde  die  aufschie-
bende Wirkung entzog,

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 
12. November 2010 (Poststempel: 11. November 2010) gegen diesen 
Entscheid  beim Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben und 
dabei beantragen liess, der Entscheid des BFM sei aufzuheben, und 
dieses  sei  anzuweisen,  den  Beschwerdeführer  dem Kanton 
B._________  zuzuweisen,  und  ihm  sei  die  unentgeltliche 
Prozessführung  zu  gewähren  und  der  Unterzeichnende  sei  als 
Rechtsbeistand zu bestimmen,

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dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht zudem den Beizug der BFM-
Akten seines Onkels,  D.___________,  sowie  dessen  Befragung  und 
Abklärungen  durch  die  schweizerische  Botschaft  in  Colombo 
beantragen liess,

dass er zur Stützung seiner Ausführungen eine Kopie der Geburtsur-
kunde seines Onkels beilegte,

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundes-
gesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
[VwVG, SR 172.021]) des BFM entscheidet (Art. 105 des Asylgesetzes 
vom  26. Juni 1998  [AsylG,  SR 142.31]  i.V.m.  Art. 31-33  des  Verwal-
tungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG, 
SR 173.110]),

dass es sich beim Entscheid über die Zuweisung einer asylsuchenden 
Person an einen Kanton gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG um eine selb-
ständig  beim  Bundesverwaltungsgericht  anfechtbare  Zwischenverfü-
gung handelt (Art. 107 Abs. 1 AsylG),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert  ist  (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. 
Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  frist-  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschie-

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den  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nach-
folgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerde-
entscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen 
Schriftenwechsel verzichtet wurde,

dass der Zuweisungsentscheid nur  mit  der  Begründung angefochten 
werden  kann,  er  verletze  den  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie 
(Art. 27 Abs. 3 Satz 3 AsylG), 

dass das BFM gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG die Asylsuchenden den 
Kantonen zuteilt und dabei den schützenswerten Interessen der Asyl-
suchenden sowie der Kantone Rechnung trägt,

dass  das  BFM  dabei  gemäss  Art. 22  Abs. 1  AsylV 1  bereits  in  der 
Schweiz  lebende  Familienangehörige  und  die  Staatsangehörigkeit 
Asylsuchender  sowie  besonders  betreuungsintensive  Fälle  berück-
sichtigt,

dass  die  Verteilung  nach  einem  Schlüssel  gemäss  Art.  21  AsylV 1 
erfolgt, 

dass nach Art. 22 Abs. 2 AsylV 1 ein Kantonswechsel  vom BFM nur 
bei Zustimmung beider Kantone, bei Anspruch auf Einheit der Familie 
oder  bei  schwerwiegender  Gefährdung  der  asylsuchenden  Person 
oder anderer Personen verfügt wird,

dass der von Art. 27 Abs. 3 AsylG erfasste Begriff der Familieneinheit 
sich  dabei  am  grundsätzlich  im  Asylrecht  geltenden  Familienbegriff 
orientiert,  wonach  gemäss Art. 1  Bst. e  AsylV 1  in  erster  Linie  Ehe-
gatten und deren minderjährige Kinder, mithin also die Kernfamilie, als 
Familie zu verstehen sind, wobei eingetragene Partnerinnen und Part-
ner sowie die in dauernder eheähnlicher Gemeinschaft lebenden Per-
sonen den Ehegatten gleichgestellt sind,

dass über  die  Kernfamilie  hinausgehend der  Familienbegriff  gemäss 
Art. 51  Abs. 2  AsylG  i.V.m.  Art. 38  AsylV 1  auch  andere  nahe 
Angehörige  umfasst,  wenn  sie  eine  Behinderung  haben  oder  aus 
einem anderen Grund auf die Hilfe einer Person, die in der Schweiz 
lebt,  angewiesen  sind  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 24),

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dass darunter eine Person zu verstehen ist, welche der Unterstützung 
bedarf,  die  durch  ein  in  der  Schweiz  lebendes  (asylberechtigtes) 
Familienmitglied und nicht durch die Schweizer Behörden oder durch 
Dritte zu erbringen ist, 

dass dazu ein besonderes Engagement des in der Schweiz lebenden 
Angehörigen verlangt wird, indem dieser seine verwandte Person nicht 
bloss finanziell oder moralisch unterstützt, sondern sich persönlich um 
sie  kümmert  (vgl. EMARK 2000 Nr. 21 E. 6c  S. 200 f.; EMARK 2001 
Nr. 24 E. 3 S. 191 f.),

dass die Berufung auf den Grundsatz der Einheit der Familie im Sinne 
von Art. 27 Abs. 3 letzter Satz AsylG mithin entweder die Anwesenheit 
eines Angehörigen der Kernfamilie der asylsuchenden Person oder – 
so dies nicht der Fall ist – ein Abhängigkeitsverhältnis gemäss Rechts -
prechung  zu  Art. 8  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum 
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) 
beziehungsweise  Art. 51  Abs. 2  AsylG  voraussetzt  (vgl.  Entscheide 
des  Schweizerischen  Bundesverwaltungsgerichts  [BVGE]  2008/47 
E. 4.1),

dass in der Beschwerde geltend gemacht wird, der Beschwerdeführer 
habe bei der Gewährung des rechtlichen Gehörs aus Angst die falsche 
Angabe gemacht, er kenne seinen Onkel nicht, da er befürchtet habe,  
man könne diesen verdächtigen,  ihn in  die  Schweiz "geschleppt"  zu 
haben,

dass in Wirklichkeit  beide Personen (in Sri  Lanka) im gleichen Haus 
gelebt hätten, weshalb sie sehr wohl eine enge Beziehung zueinander 
gehabt hätten,

dass es für den Beschwerdeführer besonders wichtig sei, Kontakt zu 
einem nahen Familienangehörigen zu haben, da er minderjährig sei,

dass festzustellen ist, dass der Verwandtschaftsgrad eines Onkels vom 
gesetzlichen  Begriff  der  Familieneinheit  (Art. 27  Abs. 3  AsylG  i.V.m. 
Art. 1 Bst. e AsylV 1) nicht umfasst ist,

dass mit den – nicht den Tatsachen entsprechenden – Ausführungen 
in der Rechtsmitteleingabe auch kein Sachverhalt  dargetan wird, der 
ein Zusammenleben des Beschwerdeführers mit seinem Onkel wegen 
einer  eigentlichen  einseitigen  Abhängigkeit  im  Sinne  der  Recht-

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sprechung zu Art. 51 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 38 AsylV 1 als dringend 
angezeigt erscheinen liesse,

dass der Onkel des Beschwerdeführers gemäss den zutreffenden Aus-
führungen des BFM im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Ge-
hörs (act. A11/2) nämlich im Jahr 1991 (genauer: am 3. Mai 1991) in 
die Schweiz einreiste (und in dieser bis heute verblieb), weshalb die-
ser in Sri Lanka mit dem am 10. Januar 1993 geborenen Beschwerde-
führer gar nicht im gleichen Haus gelebt haben kann,

dass der Wunsch des am 10. Januar 2011 volljährig werdenden Be-
schwerdeführers, bei seinem Onkel wohnen zu können, zwar verständ-
lich ist, sich damit allein gestützt auf Art. 27 Abs. 3 AsylG jedoch kein 
Rechtsanspruch auf  Zuteilung zu einem bestimmten Kanton ableiten 
lässt,

dass sich aufgrund der klaren Sachlage ein Beizug der BFM-Akten des 
Onkels  des  Beschwerdeführers  sowie  dessen  Onkels  ebenso  erüb-
rigen wie Abklärungen durch die schweizerische Botschaft in Colombo, 
weshalb die entsprechenden Anträge abzuweisen sind,

dass die eingereichte Kopie des Geburtsscheins des Onkels des Be-
schwerdeführers  zum  Beweis  einer  vorliegend  relevanten  Tatsache 
nicht geeignet ist,

dass  mithin  festzustellen  ist,  dass  die  Zuweisung  des  Beschwerde-
führers  an den Kanton C._________ den Grundsatz  der  Einheit  der 
Familie  im  Sinne  von  Art. 27  Abs. 3  AsylG  nicht  verletzt,  sich  die 
angefochtene  Verfügung  als  rechtmässig  erweist,  weshalb  die 
Beschwerde abzuweisen ist,

dass sich die Beschwerde gemäss den vorstehenden Erwägungen als 
aussichtslos darstellte, weshalb es an den materiellen Voraussetzun-
gen zur  Gewährung der  unentgeltlichen Prozessführung und Verbei-
ständung  ermangelt,  weshalb  die  entsprechenden  Anträge  abzuwei-
sen sind,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.-- 
(Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 
2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesver-
waltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzu-
erlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss 
Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG wird abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beilage: 
Einzahlungsschein)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 
Kurier; in Kopie)

- (zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Hans Schürch Christoph Basler

Versand: 

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