# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6e587998-b5b3-518f-b248-8b54b3e30f03
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-06-09
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 09.06.2020 IV 2017/392
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2017-392_2020-06-09.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2017/392

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 31.08.2020

Entscheiddatum: 09.06.2020

Entscheid Versicherungsgericht, 09.06.2020
Art. 43 Abs. 1 ATSG. Art. 28 Abs. 1 IVG. Rentenanspruch. Observation. 
Posttraumatische Belastungsstörung. Psychiatrische Begutachtung 
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 9. Juni 
2020, IV 2017/392).

Entscheid vom 9. Juni 2020

Besetzung

Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-

Studerus; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Geschäftsnr.

IV 2017/392

Parteien

A.___,

Beschwerdeführer,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

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Rente

Sachverhalt

A.  

A.___ meldete sich im Mai 2012 zum Bezug von Leistungen der 

Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Er gab an, er stamme aus Z.___, gehöre aber 

ethnisch den Y.___ an. Im Jahr 1993 sei er das Opfer eines „accident du racisme“ 

geworden, der zu einer „souffrance physique et morale“ geführt habe. Im März 2003 

sei er in die Schweiz eingereist. Im Mai 2009 sei er eingebürgert worden. Er habe von 

August 2011 bis Februar 2012 als Nachtportier gearbeitet. Im Februar 2012 habe er 

einen Unfall erlitten. Seither sei er vollständig arbeitsunfähig. Der orthopädische 

Chirurg Dr. med. B.___ hatte im März 2012 berichtet (IV-act. 3–13), der Versicherte 

habe über Probleme im Bereich der linken Schulter nach Schlägen geklagt, mit denen 

er vor 20 Jahren traktiert worden sei. In der klinischen Untersuchung habe sich ein sehr 

prominentes Sternoclaviculargelenk mit einer deutlichen Instabilität gezeigt. Die 

Funktion, die Beweglichkeit und die Belastbarkeit der linken Schulter seien 

eingeschränkt gewesen. Operative Massnahmen seien nicht indiziert gewesen, da 

solche zu keiner wesentlichen Verbesserung der Symptomatik geführt hätten. Die Klinik 

für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates des 

Kantonsspitals St. Gallen hatte im April 2012 festgehalten (IV-act. 3–20 f.), es bestehe 

der Verdacht auf eine Bizepstendinopathie der rechten Schulter nach einem im Januar 

2012 erlittenen Trauma. Zudem liege eine unklare Schwäche der Arme mit einem 

feinschlägigen Zahnradphänomen vor. Der Versicherte habe angegeben, dass er bei 

der Arbeit versucht habe, einen Container wegzuschieben. Dabei sei es zu einer 

plötzlichen Bewegung und zu plötzlichen Schmerzen in der rechten Schulter 

gekommen, die seither persistierten. Eine MRI-Untersuchung habe eine partielle Läsion 

des Supraspinatus gezeigt. Die obligatorische Unfallversicherung hatte ihre 

Leistungspflicht im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 30. Januar 2012 mit der 

Begründung verneint, bei jenem Ereignis habe es sich weder um einen Unfall noch um 

eine unfallähnliche Körperschädigung gehandelt (IV-act. 3–1 f.). Bei einem Gespräch 

mit einer Eingliederungsberaterin der IV-Stelle gab der Versicherte an (IV-act. 8), er 

habe in seinem Herkunftsland zu einer Minderheit gehört, weshalb er im Jahr 1993 

A.a. 

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überfallen und geschlagen worden sei. Dabei sei er an der Schulter (offene 

Claviculafraktur), am Kopf und im Rippenbereich verletzt worden. Manchmal höre er 

noch die Schreie von damals. Dann müsse er sich vergewissern, dass er die Haustüre 

wirklich abgeschlossen habe. Einen Psychiater benötige er nicht, denn er glaube an 

seine innere Stärke. In seinem Herkunftsland habe er ein Universitätsstudium 

begonnen. Dieses habe er aber nach einem Jahr wieder abgebrochen. Er habe im Jahr 

1988 oder 1989 eine Ausbildung zum Automechaniker abgeschlossen. Aus 

gesundheitlichen Gründen sei er nach der Einreise in die Schweiz in den Jahren 2003–

2011 als Hausmann tätig gewesen. Seit Februar 2011 lebe er getrennt von seiner 

Ehefrau. Seine Familie lebe noch im Herkunftsland. Er selbst habe sich komplett vom 

sozialen Leben zurückgezogen. Seine Angaben zum Vorfall im Jahr 1993 dürften auf 

keinen Fall in seinem Herkunftsland bekannt werden, da sonst seine Familie gefährdet 

sei. Die Eingliederungsberaterin notierte, dass der Versicherte mit Nachdruck auf 

diesen letzten Punkt hingewiesen habe. Der Neurologe Dr. med. C.___ hatte in einem 

Bericht vom April 2012 festgehalten (IV-act. 22), der Versicherte sei ihm wegen Klagen 

über intermittierend auftretende Kopfschmerzen zugewiesen worden. Er habe geltend 

gemacht, dass er schon seit 20 Jahren unter Kopfschmerzen leide, nachdem er damals 

einen Schlag auf den Kopf bekommen habe. Über das Unfallereignis habe er nicht 

berichten wollen, da dies für ihn psychisch zu belastend gewesen wäre. Der Neurologe 

Dr. C.___ hatte festgehalten, dass die gesamte Anamnesekonstellation etwas 

merkwürdig gewesen sei. Es sei auch immer wieder zu Widersprüchen gekommen, 

weshalb der Verdacht auf eine mögliche psychische Erkrankung oder Mitbeteiligung 

bestanden habe. Die ehemalige Arbeitgeberin hatte im April 2012 berichtet (IV-act. 26–

13 f.), sie sei mit der Arbeitsleistung des Versicherten nicht zufrieden gewesen. Obwohl 

der Versicherte keinen Kontakt mit Gästen und nur wenig Kontakt mit anderen 

Mitarbeitern gehabt habe, sei es immer wieder zu Reklamationen gekommen, weil er 

gewisse Arbeiten verweigert habe. Gegenüber den Vorgesetzten habe er sich meistens 

freundlich, aber sehr kompliziert und stur gezeigt. Im Juli 2012 teilte der Versicherte der 

IV-Stelle auf entsprechende Fragen hin mit (IV-act. 27), der in den Akten erwähnte 

Zwischenfall habe sich am 25. April 1993 ereignet. Dabei habe er sich Verletzungen an 

der linken Schulter und innere Verletzungen am Kopf zugezogen. Um seine Familie zu 

schützen, habe er davon abgesehen, die Polizei zuzuziehen. Es habe sich um einen 

rassistischen Akt gehandelt, der bei ihm zu physischen und moralischen Leiden geführt 

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habe. Er kenne keinen der Unfallverursacher. Mit der Justiz habe er nie irgendwelche 

Probleme gehabt. Die Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen berichtete im 

August 2012 (IV-act. 36), elektrophysiologisch habe kein Anhaltspunkt für eine 

Neuropathie der rechten Schulter festgestellt werden können.

Am 3. Oktober 2012 wurde der Versicherte von Dr. med. D.___ vom IV-internen 

regionalen ärztlichen Dienst (RAD) untersucht. Die RAD-Ärztin hielt in ihrem Bericht 

vom 8. Oktober 2012 fest (IV-act. 39), der Versicherte habe betont, dass er keine 

Depression, sondern ein „physical problem“ habe. Ab und zu sei er traurig, „wenn (er) 

die Bilder“ sehe. Er meine dabei die Leute, die ihn im Jahr 1993 zusammengeschlagen 

hätten. Das sei sehr schlimm gewesen. Er habe sechs Monate im Bett gelegen. Die 

RAD-Ärztin notierte, während des Anamnesegesprächs habe der Versicherte 

mehrmalig gestockt, Tränen in den Augen gehabt und am ganzen Körper gezittert. Sie 

diagnostizierte eine Funktionsstörung beider Schultergelenke und eine nicht näher 

bezeichnete psychische Störung, möglicherweise eine posttraumatische 

Belastungsstörung. Sie hielt fest, dass sie keine Stellung zur Arbeitsfähigkeit nehmen 

könne. Rein somatisch sei eine schulteradaptierte Tätigkeit zumutbar. Wahrscheinlich 

sei aber auch noch eine psychiatrische Beurteilung notwendig. Im November 2012 

wurde eine Infiltration der rechten Schulter durchgeführt (IV-act. 41–2). Der 

behandelnde Orthopäde berichtete im Dezember 2012, seines Erachtens bestehe für 

eine leidensadaptierte Tätigkeit eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit (IV-act. 43). Die 

RAD-Ärztin Dr. D.___ notierte im Februar 2013, da sich der Versicherte nicht in einer 

psychiatrischen Behandlung befinde, da er nicht psychiatrisch untersucht worden sei 

und da er das Vorliegen von psychischen Problemen verneint habe, sei von einer 

uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten auszugehen (IV-act. 50). 

Mit einer Mitteilung vom 8. Februar 2013 wies die IV-Stelle die Begehren des 

Versicherten um berufliche Eingliederungsmassnahmen und um eine Rente ab (IV-act. 

52).

A.b. 

Im März 2013 erklärte der Versicherte, er sei mit der Abweisung seines 

Leistungsbegehrens nicht einverstanden (IV-act. 54). Der behandelnde Orthopäde 

berichtete im Mai 2013 (IV-act. 66), angesichts der ungünstigen Situation sei eine 

Schulterarthroskopie indiziert. Mit einer jene vom 8. Februar 2013 ersetzenden 

Mitteilung vom 23. Mai 2013 wies die IV-Stelle das Begehren des Versicherten um 

A.c. 

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berufliche Eingliederungsmassnahmen ab und sie kündigte an, dass sie den 

Rentenanspruch voraussichtlich Ende August 2013 nochmals prüfen werde (IV-act. 68). 

In einer Eingabe vom 18. August 2013 erklärte sich der Versicherte nicht einverstanden 

mit der Mitteilung vom 23. Mai 2013 (IV-act. 73). Er machte unter anderem geltend, 

nach dem „menschlich Unfall 1993“ und der damit verbundenen „torture physique et 

morale“ könne er keiner Arbeit nachgehen. Er benötige eine Unterstützung bei der 

beruflichen Eingliederung. Das Rentenbegehren werde ja wohl ohnehin abgewiesen 

werden. Im Januar 2014 berichtete der behandelnde Orthopäde über einen sehr 

erfreulichen Verlauf nach einer im Oktober 2013 durchgeführten arthroskopischen 

Subscapularissehnen-Rekonstruktion (IV-act. 76). Im Mai 2014 hielt er fest (IV-act. 79), 

von Seiten der rechten Schulter sei der Versicherte fast beschwerdefrei. Er leide aber 

unter psychischen Problemen, die offenbar mit seiner Vergangenheit im Herkunftsland 

zusammenhingen. Diesbezüglich sei eine psychologische Betreuung indiziert. Mit einer 

Mitteilung vom 13. Juni 2014 wies die IV-Stelle das Begehren des Versicherten um 

berufliche Massnahmen ab (IV-act. 84). Mit einem Vorbescheid vom 9. Juli 2014 teilte 

sie ihm mit, dass sie vorsehe, auch das Rentenbegehren abzuweisen (IV-act. 88). Der 

Versicherte wandte am 4. August 2014 ein, dass er mit der Abweisung seines 

Rentenbegehrens nicht einverstanden sei (IV-act. 91). Sein Rechtsvertreter wies am 18. 

August 2014 darauf hin, dass der Versicherte sich in eine psychiatrische Behandlung 

begeben habe (IV-act. 92).

Am 8. Dezember 2014 berichtete der Psychiater Dr. med. E.___ (IV-act. 118), der 

Versicherte leide an einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Folter und 

Verlusten von nahestehenden Personen durch Gewalttaten sowie an einer 

posttraumatischen Belastungsstörung. Ein Grossonkel und der Mann einer Tante 

mütterlicherseits seien im Krieg verstorben; ein Onkel sei nach dem Krieg ermordet 

worden. Ein Schwager sei in einem nachbarschaftlichen Streit um Land ermordet 

worden. Ein Freund sei im Jahr 1998 in seinem Auto durch eine Salve Gewehrschüsse 

ermordet worden. Vom Staat sei der zu einer katholischen Minderheit im Land 

gehörende Versicherte gezwungen worden, einen muslimischen Namen anzunehmen. 

Sein Studium habe er abgebrochen, weil das Studium der arabischen Sprache 

verordnet worden sei. Zu jener Zeit sei er politisch aktiv gewesen. Im Jahr 1993 sei er 

gefangen genommen und gefoltert worden (ständige Verhöre, schwere Verletzung der 

A.d. 

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linken Schulter, Schläge auf den Kopf, Ausdrücken von Zigaretten an der Wange). 

Danach habe sich seine Persönlichkeit verändert: Zuvor sei er freundlich, nett und 

ruhig, nachher aber misstrauisch, zurückgezogen und ängstlich gewesen. Im klinischen 

Befund sei ein ausgeprägtes Misstrauen aufgefallen. Der Versicherte habe die Mitarbeit 

in der Therapie zunächst mit der Begründung verweigert, er befürchte, dass 

Informationen an die Regierung in seinem Herkunftsland gelangen könnten. Gedanklich 

sei er auf die traumatischen Ereignisse der Jahre 1993–2000 fixiert gewesen. Er habe 

die traumatischen Erinnerungen zwanghaft wiedererzählt, um „nicht zu vergessen, 

woher er kommt“. Er habe im Zuge der Behandlung Bilder des mit Schusslöchern 

übersäten Wagens gezeigt, in dem sein Freund gestorben sei. Beim Ansprechen der 

Erinnerung und beim Ausfüllen einschlägiger Fragebögen seien sofort visuelle flash 

backs mit heftigen somatisch-vegetativen Reaktionen (Rötung, Weinen, Zittern) 

aufgetreten; der Versicherte habe jeweils verzweifelt versucht, sich zu reorientieren. 

Wenn er seine linke Schulter berührt habe, seien ebenfalls visuelle flash backs 

aufgetreten. Das Essener Trauma-Inventar habe einen Score von 31 ergeben, was dem 

Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung entspreche. Das Freiburger 

Persönlichkeitsinventar habe dagegen ein unauffälliges Resultat gezeigt. Bis auf 

weiteres sei der Versicherte zu 80–100 Prozent arbeitsunfähig. Im Mai 2015 teilte Dr. 

E.___ mit (IV-act. 127), der Verlauf sei leider stationär mit Schwankungen nach unten. 

Der Grund dafür sei in ständigen existenziellen Ängsten, in der Unsicherheit über den 

Verbleib in der Wohnung und in den Auseinandersetzungen mit dem Sozialamt zu 

erblicken. Erst wenn die finanzielle Grundlage gesichert sei und wenn sich die äusseren 

Umstände beruhigt hätten, könne mit der eigentlichen traumaorientierten Therapie 

begonnen werden. Im Juli 2015 wies Dr. E.___ telefonisch darauf hin (IV-act. 128), dass 

der Versicherte einer traditionell sehr stolzen Ethnie angehöre, die in seinem 

Herkunftsland verfolgt werde. Das Sozialamt habe den Versicherten auf geradezu 

entwürdigende Art und Weise behandelt. Durch den ständigen Kampf mit den Ämtern 

komme der Versicherte immer wieder in einen Teufelskreis mit Ängsten, Misstrauen 

und Erinnerungen an die traumatische Vergangenheit. Aus somatischer Sicht sei er 

wohl arbeitsfähig, aber die Schulter sei ein Trigger für schlechte Erinnerungen. Der 

RAD-Psychiater Dr. med. F.___ notierte im Juli 2015 (IV-act. 131), die ausführlichen 

Schilderungen des behandelnden Psychiaters Dr. E.___ belegten überzeugend das 

Vorliegen einer komplexen posttraumatischen Störung respektive einer 

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Persönlichkeitsänderung nach einer Extrembelastung kombiniert mit einer 

posttraumatischen Belastungsstörung. Die Angaben in den übrigen Akten stimmten 

damit überein. Es sei typisch für ein solches Störungsbild, dass der Versicherte ständig 

wieder in einen Teufelskreis mit einem stets markanteren Fehlverhalten gerate. Der 

Versicherte müsse als vollständig arbeitsunfähig qualifiziert werden. Die Prognose sei 

schlecht.

Mit einem Vorbescheid vom 21. Juli 2015, der jenen vom 9. Juli 2014 ersetzte, 

teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie die Abweisung seines 

Rentenbegehrens vorsehe, weil die Gesundheitsbeeinträchtigung bereits vor der 

Einreise in die Schweiz eingetreten sei (IV-act. 133). Der Versicherte erklärte am 18. 

September 2015, dass er mit dem vorgesehenen Entscheid nicht einverstanden sei (IV-

act. 135). Eine Sachbearbeiterin der IV-Stelle notierte im Oktober 2015, es sei auffällig, 

dass der Versicherte sich umgehend nach der Ankündigung der Abweisung seines 

Leistungsbegehrens in eine psychiatrische Behandlung begeben habe (IV-act. 136). Die 

RAD-Ärztin Dr. med. G.___ hielt im Februar 2016 fest (IV-act. 138), die in den Akten 

dokumentierten Angaben des Versicherten seien teilweise widersprüchlich, weshalb 

sich eine psychiatrische Begutachtung aufdränge. Vorab könnten fremdanamnestische 

Auskünfte eingeholt werden. Eine Observation werde wahrscheinlich nicht zielführend 

sein. Am 23. Februar 2016 erteilte die IV-Stelle einen Observationsauftrag (IV-act. 139). 

Im entsprechenden Bericht vom 2. April 2016 wurde ausgeführt (IV-act. 142), der 

Versicherte habe sich an beiden Tagen, an denen er überwacht worden sei, „(sehr) 

speziell“, das heisst auffällig respektive sonderbar verhalten. Er habe immer wieder um 

sich geschaut. Zeitweise habe er ein leichtes Hinken des rechten Beins gezeigt. Einmal 

habe er sich teils lachend und mit dem rechten Arm gestikulierend mit zwei Frauen 

unterhalten. Die RAD-Ärztin Dr. G.___ notierte im Juni 2016 (IV-act. 144), in Bezug auf 

die geltend gemachten Einschränkungen sei das Observationsmaterial wenig 

aussagekräftig. Das ständige Umherschauen könnte allenfalls im Rahmen des 

beschriebenen misstrauischen Verhaltens interpretiert werden. Das 

Observationsmaterial liefere jedenfalls keine Erkenntnisse, die im Widerspruch zu den 

gestellten Diagnosen und Funktionseinschränkungen stünden. Aus medizinischer Sicht 

sei eine psychiatrische und orthopädische oder rheumatologische Begutachtung 

indiziert.

A.e. 

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Im Auftrag der IV-Stelle erstattete das Neurologicum Zürichsee am 17. Januar 2017 

ein bidisziplinäres psychiatrisches und rheumatologisches Gutachten (IV-act. 171). Der 

rheumatologische Sachverständige Dr. med. H.___ hielt fest, der Versicherte leide an 

einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung der beiden Schultergelenke sowie – 

ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an einem Thoracovertebralsyndrom und an 

einem Femoropatellarsyndrom rechts. Die schmerzhafte Bewegungseinschränkung der 

beiden Schultern könne mit den objektivierbaren radiologischen Befunden nur teilweise 

erklärt werden. Aus somatischer Sicht müsse deshalb entweder eine gewisse 

Verdeutlichungstendenz oder ein nicht adäquates Vermeidungs- beziehungsweise 

Schonverhalten postuliert werden. Jegliche Tätigkeiten ohne die Notwendigkeit, beide 

Arme über die Horizontale zu heben, und ohne körperfernes Heben oder Tragen von 

Lasten seien dem Versicherten aus somatischer Sicht uneingeschränkt zumutbar. Der 

psychiatrische Sachverständige PD Dr. med. I.___ führte aus, der Versicherte habe in 

der Untersuchung angegeben, dass er nicht wegen irgendeiner Form von Verfolgung 

aus seinem Herkunftsland ausgereist sei, obwohl er dort zu einer generell 

benachteiligten Minderheit gehört habe. Ihm persönlich sei bis zu seiner Ausreise im 

Jahr 2000 nichts Unangenehmes geschehen. Der psychiatrische Sachverständige hielt 

fest, der Versicherte habe die mehrfach zu verschiedenen Zeitpunkten des Gesprächs 

in verschiedener Weise an seinen Bericht anknüpfend gestellte Frage, ob er selbst 

politisch oder aus anderen Gründen in seinem Herkunftsland verfolgt worden sei, 

mehrmals ausdrücklich verneint. Auf die Frage, wer ihn denn an der linken Schulter 

geschlagen habe, sei der Versicherte zunächst in Tränen ausgebrochen und er habe 

seine Ausführungen abgebrochen. Auf ein erneutes vorsichtiges Befragen hin habe er 

zu einem späteren Zeitpunkt berichtet, er sei wohl wegen seines katholischen 

Glaubens geschlagen worden, aber er wisse nicht, ob derjenige, der ihn geschlagen 

habe, ein Muslim gewesen sei. Diese Aussage habe der Versicherte mit einem 

mehrdeutig wirkenden Lächeln begleitet. Er habe gesagt, dass er keine näheren 

Auskünfte geben könne. In den Jahren 1993–2000 habe er nur „wenig“ unter 

unangenehmen Erinnerungen in Bezug auf das Ereignis im Jahr 1993 gelitten. Seit dem 

Arbeitsunfall im Jahr 2012 würde er sich häufiger wieder an beide Verletzungen 

erinnern. Aus verschiedenen Gründen habe er nach der Verletzung an der rechten 

Schulter einen Psychiater aufsuchen müssen. Auch diese Aussage des Versicherten sei 

gemäss den Ausführungen des psychiatrischen Sachverständigen von einem 

A.f. 

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vielsagenden Lächeln begleitet gewesen. Auf die erneute vorsichtige Nachfrage nach 

einer allfälligen politischen Verfolgung oder nach einer Misshandlung im Herkunftsland 

habe der Versicherte lächelnd angegeben, dass „jeder Y.___“ verfolgt werde. Er selbst 

sei nicht misshandelt worden, habe sich dem Volk der Y.___ aber immer so stark 

zugehörig gefühlt, dass er psychisch unter der allgemeinen Verfolgung und Ermordung 

der Y.___ gelitten habe. Er habe sein Herkunftsland im Jahr 2000 aber nur verlassen, 

weil er etwas Neues habe entdecken wollen. Der psychiatrische Sachverständige hielt 

fest, der Versicherte habe eine gewisse Zeit des Aufbaus einer vertrauensvollen 

Beziehung benötigt, dann aber bereitwillig und detailliert berichtet. Bei mehreren 

Gelegenheiten in der Untersuchungssituation sei eine eigentümliche Situation 

entstanden, denn immer wenn der psychiatrische Sachverständige den Versicherten 

zum Ereignis im Jahr 1993 befragt habe, habe dieser nur „wissend“ gelächelt, aber 

keine konkreten Aussagen gemacht. Im weiteren Verlauf des Gesprächs habe der 

Versicherte eine politische oder religiöse Verfolgung klar verneint. Ansonsten sei der 

objektive klinische Befund völlig unauffällig gewesen. Zusammenfassend lasse sich aus 

psychiatrischer Sicht keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellen. 

Bezüglich des Berichtes von Dr. E.___ vom 8. Dezember 2014 sei darauf hinzuweisen, 

dass sich die angeblichen heftigen flash backs nicht mit dem Zeigen einer Fotografie 

eines von Gewehrsalven durchlöcherten Autos in Übereinstimmung bringen liessen. Die 

RAD-Ärztin Dr. G.___ qualifizierte das Gutachten als überzeugend (IV-act. 172).

Mit einem Vorbescheid vom 22. August 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten 

mit, dass sie die Abweisung seines Rentenbegehrens mangels eines 

rentenbegründenden Invaliditätsgrades vorsehe (IV-act. 174). Dagegen wandte der 

Versicherte am 17. September 2017 ein (IV-act. 175), er sei mit dem vorgesehenen 

Entscheid nicht einverstanden. Seine Schulterverletzung links sei die Folge von Folter 

und nicht eine Verletzung, die er bei einem „lächerlichen“ Überfall erlitten habe. Er sei 

wegen seiner „Religion, Sprache, Kultur etc.“ misshandelt worden. Mit einer Verfügung 

vom 29. September 2017 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des Versicherten ab 

(IV-act. 176).

A.g. 

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B.  

Am 28. Oktober 2017 erhob der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) 

eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 29. September 2017 (act. G 1). Er 

beantragte eine angemessene Rentenleistung. Zur Begründung führte er aus, er sei mit 

dem psychiatrischen Gutachten von PD Dr. I.___ „nicht ganz“ einverstanden. Er sei im 

Jahr 1993 nicht überfallen, sondern gefoltert worden. Es habe sich dabei um einen 

„acte du racisme“ gehandelt. Er verlange eine mündliche Verhandlung, die aus 

Datenschutzgründen ohne einen Dolmetscher durchgeführt werden müsse. Er werde 

Französisch und Deutsch sprechen. Man müsse ihn nochmals psychiatrisch 

begutachten. Der Sachverständige müsse Französisch sprechen und gut über das 

politische Leiden der katholischen Y.___ und Juden in Z.___ informiert werden.

B.a. 

Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 20. Dezember 

2017 die Abweisung der Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung führte sie an, der 

Beschwerdeführer habe keine Anhaltspunkte geliefert, die Zweifel an der 

Zuverlässigkeit des Gutachtens des Neurologicum Zürichsee wecken würden. 

Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers müsse ein psychiatrischer 

Sachverständiger kein Experte für die Verhältnisse im Herkunftsland des 

Beschwerdeführers sein, um die Symptome einer psychischen Störung erkennen zu 

können.

B.b. 

Am 8. Januar 2018 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege 

bewilligt (act. G 6).

B.c. 

Der Beschwerdeführer hielt am 4. Februar 2018 an seinen Anträgen fest (act. G 8). 

Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 10).

B.d. 

Am 9. Juni 2020 fand eine mündliche Verhandlung statt, an der die 

Beschwerdegegnerin nicht teilnahm. Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen 

geltend, er habe im Februar 2016 bemerkt, dass er von einem Mann verfolgt worden 

sei. Dieser Mann sei ihm teilweise zu Fuss und teilweise in einem grünen Volkswagen, 

dessen Kontrollschildnummer dem Beschwerdeführer heute noch bekannt sei, gefolgt. 

Der Beschwerdeführer übergab dem Versicherungsgericht anlässlich der mündlichen 

Verhandlung einen Zettel auf dem er die Kontrollschildnummer notiert hatte. Er bat das 

B.e. 

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Erwägungen

1.

Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin ein Rentenbegehren 

des Beschwerdeführers abgewiesen. Den Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens 

bildet folglich die Frage, ob der Beschwerdeführer im massgebenden Zeitraum nach 

der Anmeldung zum Leistungsbezug im Mai 2012 einen Anspruch auf eine Rente der 

Invalidenversicherung gehabt hat. Die Beantwortung dieser Frage setzt voraus, dass 

der relevante Sachverhalt vollumfänglich ermittelt worden ist, denn das Recht kann 

nicht auf einen nur teilweise abgeklärten Sachverhalt angewendet werden, weshalb der 

Art. 43 Abs. 1 ATSG die IV-Stellen verpflichtet, die notwendigen Abklärungen von 

Amtes wegen vorzunehmen (sog. Untersuchungspflicht).

2.  

Versicherungsgericht, die Observation zu beenden. Er machte geltend, er leide heute 

noch an Angstzuständen wegen der Verfolgung. Er fühle sich beobachtet. Wenn er 

einen grünen Volkswagen sehe, erschrecke er. Das psychiatrische Gutachten von PD 

Dr. I.___ überzeuge nicht. Der Sachverständige habe nicht verstanden, dass er, der 

Beschwerdeführer, persönlich stark vom Schicksal der Y.___ betroffen sei. Er sei kein 

Zuschauer, sondern ein Beteiligter. Was die arabisch-islamische Mehrheit in Z.___ 

mache, stelle eine echte, unverzeihliche Folter der Minderheit dar. Die Nichte des 

Beschwerdeführers werde beispielsweise gezwungen, arabisch-islamische Gebete 

auswendig zu lernen, Arabisch zu sprechen und sich zu verschleiern. Den 

Beschwerdeführer bezeichne man als unsichtbar; das mache ihn fertig. Der 

Sachverständige PD Dr. I.___ habe das alles nicht verstanden. Sein Gutachten sei 

deshalb falsch ausgefallen. Der Beschwerdeführer beantragte eine erneute, 

unabhängige Begutachtung durch einen Sachverständigen, der französisch spreche. 

Dieses Gutachten müsse in Kooperation mit der Unfallversicherung durchgeführt 

werden, die seinen Unfall zu Unrecht nicht anerkannt habe.

In den Akten finden sich verschiedene Hinweise darauf, dass der 

Beschwerdeführer (unter anderem) – im Sinne einer posttraumatischen 

Belastungsstörung – an den Folgen eines Überfalls oder eines Anschlags leiden 

könnte, der im April 1993 in Z.___ auf ihn verübt worden ist. Nach der Auffassung des 

2.1. 

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Bundesgerichtes erfordert „die Herleitung und Begründung der Diagnose einer 

posttraumatischen Belastungsstörung eine besondere Achtsamkeit. Dies gilt zunächst 

für das Belastungskriterium, also das auslösende Trauma. Dieses ist nicht in erster 

Linie und allein von der Gutachterperson beziehungsweise vom Arzt selbst zu klären, 

aber von diesem zwingend zu referieren“ (Urteil 9C_548/2019 vom 16. Januar 2020, E. 

6.3.1, mit Hinweisen). Damit kann nur gemeint sein, dass die Verwaltung zur 

vollständigen Erfüllung ihrer Untersuchungspflicht bei einer zur Diskussion stehenden 

posttraumatischen Belastungsstörung gezwungen ist, die Einzelheiten und Umstände 

des fraglichen traumatisierenden Ereignisses so sorgfältig wie möglich zu ermitteln, 

und dass sie diese Aufgabe nicht an medizinische Sachverständige delegieren darf, 

sondern – vorweg – selbst erfüllen muss. Letzteres ergibt sich bereits aus dem 

Umstand, dass es zur Aufgabe der Verwaltung gehört, den massgebenden Sachverhalt 

umfassend zu ermitteln. Die Verwaltung kann also nicht einen medizinischen Sach­

verständigen damit beauftragen, einen nichtmedizinischen Sachverhalt, hier also das 

fragliche traumatisierende Ereignis, abzuklären. Damit würde der medizinische 

Sachverständige nämlich Abklärungen tätigen, die nicht medizinischer Art wären, und 

faktisch als Sachbearbeiter der IV-Stelle agieren. Es liegt also an der IV-Stelle, in einem 

Fall, in dem eine posttraumatische Belastungsstörung vorliegen könnte, vor einer 

medizinischen Begutachtung jene Beweismittel zu beschaffen, die geeignet sind, das 

mögliche traumatisierende Ereignis zu belegen. Sie hat diese Beweismittel dem 

medizinischen Sachverständigen zur Verfügung zu stellen, damit er in umfassender 

Kenntnis der Einzelheiten und der Umstände des fraglichen traumatisierenden 

Ereignisses beziehungsweise im Wissen darum, dass kein traumatisches Ereignis 

stattgefunden hat, die Frage nach dem Vorliegen einer posttraumatischen 

Belastungsstörung beantworten kann.

Die Angaben des Beschwerdeführers zum Anschlag, der im April 1993 in Z.___ auf 

ihn verübt worden sein soll, sind teilweise widersprüchlich, denn verschiedentlich hat 

der Beschwerdeführer angegeben, es habe sich nur um einen einmaligen Angriff 

gehandelt, während er manchmal angegeben hat, er sei über einen längeren Zeitraum 

hinweg gefoltert worden. Die „Geschichte“ und das Verhalten des Beschwerdeführers 

lassen es insgesamt jedoch als durchaus möglich erscheinen, dass der 

Beschwerdeführer im April 1993 in Z.___ das Opfer eines Anschlags geworden sein 

könnte. Die Angaben zum Vorfall vom April 1993 finden sich bereits im 

Anmeldeformular, wobei der „Kern“ jener Angaben im Wesentlichen immer derselbe 

gewesen ist, nämlich dass der Beschwerdeführer in seinem Herkunftsland das Opfer 

eines Angriffs gewesen sei. Wiederholt hat der Beschwerdeführer auch eine erhebliche 

Angst davor geäussert, Einzelheiten zu jenem Ereignis könnten in sein Herkunftsland 

2.2. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/15

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durchsickern und seine Familie dort gefährden. Auffällig ist zudem, dass der 

Beschwerdeführer offenbar jedes Mal längere Zeit gebraucht hat, bevor er sich einer 

neuen Ansprechperson (IV-Sachbearbeiter, behandelnder Psychiater etc.) „geöffnet“ 

hat. Die behandelnden Ärzte und auch die RAD-Ärztin Dr. D.___ haben von Beginn weg 

auf ein erhebliches psychisches Problem hingewiesen, das sie mangels spezifischer 

Angaben des Beschwerdeführers zunächst nicht näher haben spezifizieren können. 

Zwar hat sich der Beschwerdeführer tatsächlich erst nach der Ankündigung der 

Abweisung seines Leistungsbegehrens in eine psychiatrische Behandlung begeben, 

aber eine solche wäre gemäss den Angaben der behandelnden Ärzte und der RAD-

Ärztin Dr. D.___ wohl schon sehr viel früher indiziert gewesen. In den 

Observationsvideos fällt ein seltsames Verhalten des Beschwerdeführers auf, worauf 

auch die verdeckten Ermittler hingewiesen haben. Das Verhalten des 

Beschwerdeführers scheint von einem starken Misstrauen und von einer Art 

„Gehetztsein“ geprägt zu sein: Er hat sich immer wieder umgesehen, er ist ständig 

unruhig gewesen und er hat sich auch bei der Einnahme einer Zwischenverpflegung 

auffällig verhalten. Da der Beschwerdeführer bei der mündlichen Verhandlung am 9. 

Juni 2020 angegeben hat, er habe bemerkt, dass er observiert werde, stellen die 

Ergebnisse der – entgegen einer klaren Empfehlung des RAD durchgeführten – 

Observation allerdings kein taugliches Beweismittel dar, denn der Zweck einer 

Observation besteht ja gerade darin, das Verhalten einer versicherten Person im 

unbeobachteten Alltag festzustellen. Aus den Observationsergebnissen können 

deshalb keine Schlussfolgerungen gezogen werden. Allerdings weisen auch diverse 

Details in den Angaben des Beschwerdeführers wie zum Beispiel der Hinweis, er 

müsse sich jeweils vergewissern, dass die Haustüre verschlossen sei, wenn er wieder 

Schreie in seiner Erinnerung höre, auf eine mögliche posttraumatische 

Belastungsstörung hin, sodass doch insgesamt der Verdacht im Raum steht, dass der 

Beschwerdeführer an einer solchen Störung leiden könnte. Konkrete Angaben zum 

traumatisierenden Ereignis finden sich in den Akten allerdings nicht.

Der begutachtende Psychiater PD Dr. I.___ hat zwar in seinem Gutachten darauf 

hingewiesen, dass er mehrmals versucht habe, etwas über das fragliche 

traumatisierende Ereignis zu erfahren. Aber diese Versuche seien nicht zielführend 

gewesen, sondern hätten jeweils zu eigentümlichen Situationen geführt, in denen der 

Beschwerdeführer seltsam gelächelt habe. Das könnte sich durchaus mit dem 

Umstand erklären lassen, dass im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung kein 

Vertrauensverhältnis aufgebaut werden konnte, das es dem Beschwerdeführer erlaubt 

hätte, Details zu den Ereignissen in Z.___ zu beschreiben. Jedenfalls haben dem 

Sachverständigen letztlich nicht genügend Informationen zum fraglichen 

2.3. 

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traumatisierenden Ereignis vorgelegen. Das kann aber nicht so gewürdigt werden, dass 

diesbezüglich eine objektive Beweislosigkeit vorgelegen hätte, denn es wäre der 

Beschwerdegegnerin durchaus möglich gewesen, vor der Begutachtung Beweismittel 

bezüglich des fraglichen traumatisierenden Ereignisses zu beschaffen. Dabei ist 

insbesondere an eine Befragung des behandelnden Psychiaters Dr. E.___ als 

Auskunftsperson zu denken, wobei sich Dr. E.___ nicht zu seiner fachärztlichen 

Einschätzung zu äussern, sondern nur wiederzugeben hätte, was ihm der 

Beschwerdeführer bezüglich des fraglichen traumatisierenden Ereignisses erzählt hat. 

Auch die Ex-Frau des Beschwerdeführers hätte als Auskunftsperson befragt werden 

können, denn es besteht die Möglichkeit, dass der Beschwerdeführer ihr davon erzählt 

hat. Die Beschwerdegegnerin hat also den psychiatrischen Sachverständigen PD Dr. 

I.___ nicht mit notwendigen Informationen bedient, weshalb dessen Gutachten nicht 

auf einem umfassend erhobenen Sachverhalt beruht hat. Diesbezüglich liegt eine 

Verletzung der Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) vor, weshalb die 

angefochtene Verfügung als rechtswidrig aufzuheben ist.

Die vollständige Erfüllung der Untersuchungspflicht erfordert nicht nur die 

Durchführung einer weiteren Begutachtung, sondern gemäss den obigen Ausführungen 

– vorgängig – noch weitere Sachverhaltsabklärungen. Die Beschwerdegegnerin hat 

bezüglich der zur Diskussion stehenden Sachverhaltselemente noch gar keine 

Abklärungen getätigt, weshalb es nicht die Sache des Versicherungsgerichtes sein 

kann, diese Sachverhaltsabklärungen originär durchzuführen. Auch nach der 

Auffassung des Bundesgerichtes liegt hier also eine Sachverhaltskonstellation vor, in 

der kein Gerichtsgutachten einzuholen, sondern die Sache an die Beschwerdegegnerin 

zurückzuweisen ist (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4 S. 264). Die Beschwerdegegnerin wird 

mit Vorteil zunächst Dr. E.___ und die Ex-Frau des Beschwerdeführers als 

Auskunftspersonen befragen. Sie wird die Aussagen dieser Auskunftspersonen in 

wortgetreuen Protokollen festhalten. Nötigenfalls wird sie weitere Abklärungen 

bezüglich des fraglichen traumatisierenden Ereignisses tätigen. Sie wird allerdings auch 

berücksichtigen, dass wohl nicht allein eine posttraumatische Belastungsstörung zur 

Diskussion stehen dürfte. Die Aussagen und das Verhalten des Beschwerdeführers 

anlässlich der mündlichen Verhandlung vom 9. Juni 2020 haben bei den 

Versicherungsrichtern als medizinischen Laien den Eindruck erweckt, dass der 

Beschwerdeführer möglicherweise an einem stark gesteigerten Gefühl, dauernd 

verfolgt zu werden, leiden könnte, ohne dass dies auf ein traumatisierendes Ereignis 

zurückzuführen wäre. Die nach dem Abschluss der gerade erwähnten weiteren 

Sachverhaltsabklärung durchzuführende erneute psychiatrische Begutachtung wird 

sich folglich nicht allein auf die Frage nach einer posttraumatischen Belastungsstörung 

2.4. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/15

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3.  

Rechtsprechungsgemäss gilt die Rückweisung zur weiteren Abklärung hinsichtlich der 

Kosten- und Entschädigungsfolgen als ein vollständiges Obsiegen der 

beschwerdeführenden Partei, weshalb die Gerichtskosten der Beschwerdegegnerin 

aufzuerlegen sind. Da der Verfahrensaufwand mit Blick auf die Durchführung einer 

mündlichen Verhandlung als überdurchschnittlich zu qualifizieren ist, sind die 

Gerichtskosten auf 750 Franken festzusetzen.

Entscheid

1.

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom 29. 

September 2017 aufgehoben und die Sache wird zur weiteren Abklärung und zur 

anschliessenden neuen Verfügung im Sinne der Erwägungen an die 

Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2.

Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von 750 Franken zu bezahlen.

beschränken dürfen. Der Beschwerdeführer hat explizit eine Begutachtung durch einen 

Französisch sprechenden Sachverständigen beantragt. Da keine Gründe ersichtlich 

sind, die gegen eine Begutachtung durch einen psychiatrischen Sachverständigen 

sprechen, der Französisch versteht, wird die Beschwerdegegnerin den Auftrag für die 

psychiatrische Begutachtung an einen Sachverständigen vergeben, der Französisch 

versteht. Auf das Ansinnen des Beschwerdeführers, dass die Begutachtung in 

Kooperation mit der Unfallversicherung durchgeführt werde, dürfte dagegen nicht 

eingegangen werden können, da das Unfallversicherungsverfahren gemäss den dem 

Gericht vorliegenden Akten schon längst rechtskräftig abgeschlossen worden ist.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 09.06.2020
	Art. 43 Abs. 1 ATSG. Art. 28 Abs. 1 IVG. Rentenanspruch. Observation. Posttraumatische Belastungsstörung. Psychiatrische Begutachtung (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 9. Juni 2020, IV 2017/392).

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