# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fdae1dd5-3c3f-532c-be40-f2031ef4c0b2
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-12-10
**Language:** de
**Title:** Erstanmeldung. Abstellen auf chirurgische und psychiatrische Untersuchungsberichte. In psychiatrischer Hinsicht kann nicht auf prospektiven Verlauf des Gesundheitszustands abgestellt werden. Rückweisung zu weiteren Abklärungen.
**Docket/Reference:** IV.2019.00195
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2019.00195.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2019.00195
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Ersatzrichterin Tanner Imfeld
Gerichtsschreiberin Schleiffer Marais
Urteil
vom
10. Dezember 2019
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Milosav Milovanovic
Beratungsstelle für Ausländer
Selnaustrasse
15, 8001 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Die 1962 geborene
X.___
, zule
tzt als Kassierin bei der
Y.___
tätig
(letzter effektiver Arbeitstag:
14. November 2016, Urk. 8/7/2
)
, meldete sich am 2
8
. Dezember 2017 unter Hinweis auf massive
Schmerzen bei Bewegung im Nacken
,
an den
Schulter
n und am Rücken
sowie auf eine psychische Belastung bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kanton
s
Zürich, IV-Stellte, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und zog insbesondere die Akten des Krankentaggeldversicherers (Urk. 8/1, Urk. 8/7) bei.
Mit Vorbescheid vom 3. Mai 2018 (Urk. 8/20) stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungs
begehrens in Aussicht, wogegen die Versicherte unter Auflage zweier Arztbe
richte (Urk. 8/24) am 4. Juni 2018 Einwand (Urk. 8/26/1-2) erhob. Am 15. Juni und 9. Juli 2018
(
Urk. 8/29, Urk. 8/33) reichte die
Versicherte
weitere Arztbe
richte (Urk. 8/30, Urk. 8/32)
ein
. In der Folge veranlasste die IV-Stelle eine orthopädische/chirurgische
sowie eine psychiatrische Untersuchung durch ihren Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD; Untersuchungsberichte vom 2. N
ovember 2018 [Urk. 8/35-
36]). Am 30. Nove
mber und 28. Dezember 2018
(Urk. 8/38, Urk. 8/
40)
reichte die
Versicherte
die Stellungnahmen
der
behandelnden Rheu
ma
t
ologin und Psychiaterin vom 26. November
und 12. Dezember 2018 betref
fend die RAD-Untersuchungsberichte (Urk. 8/39, Urk. 8/41) ein. Mit Mitteilung vom 6. Februar 2019 (Urk. 8/43) hielt die IV-Stelle die Versicherte unter Hinweis auf ihre Mitwirkungspflicht an,
sich für mindestens sechs Monate
eine
r
adä
quate
n
regelmässige
n
fachpsychiatrisch
en
Behandlung
zu unterziehen.
Gleichen
tags
wies s
ie das Leistungsbegehren ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 11. März 2019 Beschwerde
(Urk. 1) und be
antragte, es sei
die angefochtene Verfügung aufzuheben und ihr eine halbe Rente zuzusprechen.
In formeller Hinsicht stellte sie das Gesuch um unentgeltliche
Prozessführung (S. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 11. April 2019 (Urk. 7) schloss
die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Am 13. Juni 2019 er
stattete die Beschwerdeführerin Replik (Urk. 11)
und reichte am 9. Juli 2019 (Urk. 13) einen weiteren Arztbericht (Urk. 14) ein. Die Beschwerdegegnerin erstattete am 10. Juli 2019 Duplik (Urk. 16), welche der Beschwerdeführerin am 1
6
. Juli 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 17).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Die
RAD
stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraus
setz
ungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenver
sicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgaben
bereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der
Verordnung über die Inva
lidenversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
gerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Ver
fahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wirkung (Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxis
gemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn
auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Okto
ber 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre
leistungsabweisende Verfügung
vom 6. Februar 2019 (Urk. 2) damit, dass gemäss dem RAD-Untersuchungsbericht in angepasster leichter Tätigkeit ohne Verharren in Zwangshaltung und
ohne Tragen
von Lasten über 10 kg eine Arbeitsfähigkeit von 80 % bestehe. Aus psychia
tri
scher Sicht sei ab Zeitpunkt der RAD-Untersuchung in einem ruhigen und stressarmen Arbeitsumfeld eine 50%ige Arbeitsfähigkeit ausgewiesen, wobei im weiteren medizinischen Verlauf spätestens nach drei Monaten eine Steigerung auf eine volle Arbeitsfähigkeit zumutbar sei. Die Befunde im Bericht der behan
delnden Psychiaterin vom 12. Dezember 2018 begründeten
sodann keine regel
mässige und langdauernde Erwerbsunfähigkeit und die Beschwerdeführerin ver
füge über ausreichende Ressource
n
, um sich aktiv zu strukturieren und organi
sieren. Der Beschwerdeführerin sei es möglich, in einer entsprechend angepassten Tätigkeit ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen (S. 2).
In der Be
schwerdeantwort (Urk. 7)
wies
die Beschwerdegegnerin darauf hin, dass die psy
chischen Beschwerden von geringer Intensität seien und die Behandlungsfre
qu
enz
tief
ausfalle, was weder für einen schweren Gesundheitsschaden noch einen tatsächlichen Leidensdruck spreche (S. 1 f
.
)
.
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (Urk. 1),
es könne nicht auf den
somatischen
RAD-Untersuchungsbericht abgestellt werden
, da sie an starken Wirbel- und Gelenksschmerzen leide, sie jedoch beim RAD von einem Chirurgen unters
ucht worden sei, welcher für
die Beurteilung
der
Wirbel
beschwerden und rheumatischen Beschwerden nicht kompetent sei (S. 2 f. Ziff. 2).
Die beh
andelnde Rheumatologin sei sodann unter Hinweis auf die in den letzten zwei Jahren regelmässig durchgeführte physiotherapeutische Behandlung sowie die medikamentöse Therapie
in angestammte
r
Tätigkeit
lediglich
von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen
(S. 3 Ziff. 3
).
Im Weiteren sei d
ie
in der angefochtenen Verfügung
erwähnte schrittweise Verbesseru
ng des psychischen Zustands
nicht nachvollziehbar. Vielmehr sei aufgrund des Berichts der behan
delnden Psychiaterin
vom 12. Dezember 2018
ersichtlich
, dass es zu einer erheb
lichen Zustandsv
erschlechterung gekommen und die Beschwerdeführerin seit Dezember
2018 zu 100 % arbeitsunfähig sei (S. 4).
In der Replik
(Urk. 11)
wies
die Beschwerdeführerin
sodann
darauf hin, dass sie jeden Termin bei der Psychia
terin wahrnehme
respektive
die verschriebenen Medikamente einnehme und die Therapiefrequenz durch die behandelnde Ärztin festgelegt werde
(S. 2).
3.
3.1
Dr.
med.
Z.___
, Or
t
hopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates, stellte in ihrer vom Krankentaggeldversicherer in Auftrag gegebenen medizinischen Beurteilung vom 9. Mai 2017 (Urk. 8/1/4-15
)
folgende Diagnosen (S. 8):
-
chronisch rezidivierende Beschwerden der Wirbelsäule (WS) bei Fehlstatik, Haltungsinsuffizienz, muskulärem Hartspann und deutlich
verschmächtigter
Rumpfmuskulatur
-
degenerative Veränderungen vornehmlich an
Halswirbelsäule (
HWS
)
und
Brust
wirbelsäule (
BWS
)
-
kein nervenwurzelbezogenes neurologisches Defizit
-
beidseits verkürzte
Ischiokruralmuskulatur
ohne Dehnungsschmerzen
-
ausstrahlende, muskuläre Schmerzen von der
BWS
zur linken
Scapula
bei beruflicher Belastung des linken Armes
-
rezidivierende Beschwerden der Hände, aktuell rechter Daumen
-
Fehl- und Überbelastung des Bewegungsapparates bei Übergewicht von mehr als 20 kg
Dr.
Z.___
führte aus
, dass die
geklagten
Beschwerden klinisch wie auch radio
logisch ihr Korrelat fänden, wobei die Haltungsinsuffizienz und Fehlstatik der WS
bei bestehenden degenerativen Ver
änderungen problematisch seien.
Der Beschwe
r
deführerin sei zum Handlungskonzept von Spiraldynamik zwecks Haltungskor
rek
tur und Elongation der WS geraten
worden
, zudem sei eine Verordnung betreffend
MTT und Ernährungsberatung notwendig
(S. 9)
.
Unter dem Titel Arbeitsfähigkeit
hielt die Ärztin fest
, dass die Beschwerdeführerin momentan 50 % ihres 80 %-Pensums arbeite und dies noch für vier Wochen
beizubehalten sei
. N
ach Einleitung der empfohlenen Therapiemassnahmen
sollte in
vier Wochen
die
Arbeitsfähigkeit
auf
sechs Stunden pro Arbeitstag
gesteigert werden
, geeignet an fünf Arbeitstagen pro Woche. Wünschenswert sei
ein
Einsatz von zwei
mal
drei Stunden mit einer etwas längeren Pause. Nach weiteren vier Wochen
sollte
das reguläre Pensum wieder möglich
sein
, gegebenenfalls wäre der Einsatz an fünf
Arbeitstagen mit etwas kürzerer Arbeitszeit geeigneter als der Einsatz an vier Tagen mit durchschnittlich zehn Stunden pro Arbeitstag (S. 9
f.
).
Einschränkungen
bestünden
für mittelschwere und schwere Tätigkeiten in Kom
bi
nation mit Heben und Tragen, häufigem Bücken, ständigen Zwangshandlungen und Überkopfarbeiten.
Für körperlich leichte und gelegentlich mittelschwere Tätigkeiten, die bevorzugt aus wechselnder Ausgangslage verrichte
t
werden können
, sei in acht Wochen wieder eine reguläre Arbeitsfähigkeit zu erwarten (S. 10).
3.2
Dr.
med.
A.___
, Facharzt für Neurochirurgie, führte in seinem Bericht vom 20. März 2018 (Urk. 8/
24/2-3) folgende Diagnosen auf (S. 1):
-
chronische
Cervikalgie
-
Adipositas
-
Bandscheibendegen
e
ration C3/C4, C4/C5, C5/C6 und C6/C7
-
Foramenstenosen
C4/C5 und C5/C6 rechts
-
Foramenstenose
C5/C6 links
Dr.
A.___
berichtete von
eine
r
Fehlhaltung mit gleichmässiger Kyphose der BWS
,
eine
r
kom
pensatorische
n
Lordose der HWS sowie eine
r
leichte
n
Verspann
u
ng der M.
trapezii
beidseits
. Die
HWS-Rotation
nach links sei auf etwas mehr als 10° begrenzt, n
ach rechts bis fast 30° möglich; s
eitliches Neigen nach links etwas unter 20°, nach rechts über 20°.
Es seien weder
Paresen an den Armen fest
stellbar gewesen
noch
Sensibilitätsstörungen angegeben worden (S. 1 f.).
3.
3
In ihrem Bericht vom 11. Juni 2018 (Urk. 8/30) ging die behandelnde Rheu
ma
tologin
Dr.
med.
B.___
, Rheumatologie und Physikalische Medizin und Rehabilitation,
C.___
, von folgenden Diagnosen aus (S. 1):
-
panvertebrales, thorakal-betontes Schmerzsyndrom bei Hohl-Rundrücken
fehlform und Skoliose sowie fortgeschrittenen degenerativen Veränderungen de
r
BWS
(
Osteophyten
,
Osteochondro
sen
)
-
cervikales
Beschwerdesyndrom bei fortgeschrittenen Bandscheibende
genera
tio
nen sowie
Foraminalstenosen
der unteren
HWS
mit Neuroirrita
tion/
Kon
takt zum
Myelon
auf Höhe C3-C5
-
zusätzliche weichteil-rheumatische Schmerzkomponente durch repetitiv-mo
no
ton-stereotype Arbeitsposition als Kassierin
D
ie monoton-stereotype Arbeitshaltung als
Kassierin
beeinf
lusse
die
Fehlform
und –
haltung
der WS sowie die fortgeschrittenen degenerativen Veränderungen vor allem
cervikal
und
thorokal
ungünstig
.
D
ie sitzende Arbeitsposition in abge
drehter Stellung und die dauernde Betätigung der Arme zum Transport
und ver
schieben
der Gegenstände
/Waren
belasteten
die Muskulatur
sowohl der
W
S
als auch der
oberen Extremitäten chronisch monoton und einseitig
, was zu
schmerz
haften Entzündungen der Weichteile geführt habe.
Für die Arbeit als Kassierin sowie auch für jegliche andere Tätigkeit, welche die WS und die oberen Extremitäten monoton-einseitig belaste und mit Heben und Tragen/Verschieben von Gegenständen
/Waren
sowie
Überk
opf
verrichtungen
ver
bunden sei, bestehe zumindest eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 2).
3.
4
Die behandelnde Psychiaterin,
Dr.
med.
A.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, nannte in
ihrem Bericht vom 26. Juni 2018 (Urk. 8/32
/1
)
folgende Diagnose:
-
Anpassungsstörung, längere
depressive
Reaktion (ICD-10 F43.21)
-
Verdacht auf Schlafapnoe-Syndrom
Dr.
A.___
führ
t
e aus,
dass es nach der Kündigung des Arbeitsverhältnisses
durch die
Y.___
zu einer zunehmenden depressiven Antriebs- und Stimmungs
lage gekommen
und die
Verarbeitung der Kündigung schwierig gewesen
sei
. Die Beschwerdeführerin fühle sich ängstlich-besorgt, hoffnungslos, eingeschränkt bei der Bewältigung der alltäglichen Routine und ohne Möglichkeit, ihre Problematik zu lösen. Es sei zur Entwicklung einer gedrückten Stimmung
sowie
Interesse- und Freudlosigkeit gekommen.
Die Beschwerdeführerin sei sehr müde, habe
Schlafstörungen sowie
Nacken-, Magen
-
und Rückens
chmerzen
und könne sich weder konzentrieren noch moti
vieren. Sie sei über das Verhalten der
Y.___
enttäuscht und könne nicht mehr in dieser Filiale einkaufen gehen, sondern reagiere noch immer mit dramatischem Verhalten (Zittern am ganzen Körper). Entsprechend sei die Beschwerdeführerin sowohl für ihre angestammte als auch für eine angepasste Tätigkeit aus rein psychiatrischer Sicht zu 50 % arbeitsunfähig.
3.
5
In
seinem
B
ericht vom
2. November 2018
betreffend die orthopädische/
chirur
gische
Exploration
am
30. Oktober 2018
(Urk. 8/
35
)
führte
RAD-Arzt
Dr.
med.
D.___
, Facharzt für Chirurgie
,
folgende Diagnosen
auf
(
S. 8
):
-
mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Bewegungseinschränkung, Bewegungsschmerzen der
HWS, BWS und LWS
mit/bei:
-
Fehlstatik
-
Haltungsinsuffizienz
-
m
uskuläre
r
Dysbalance
-
geringer linkskonvexer Sk
oliose
-
radiologisch
nachgewiesenen
Osteochondrosen
C3/C4 und C4/C5,
Osteo
chondrosen
und Spondylosen mittlere und untere BWS, Facetten
ge
lenksarthrosen L4
/L5 (Röntgen BWS, HWS, LWS in 2
E, 14.11.16)
-
MRI
HWS
09.02.2018:
Segmentsdegeneration
en
der
HWS
C3/C4 bis C6/C7,
Diskusprotrusion
und Kontakt zur ventra
len
Myelonkontur
(C3/C4, C4/C5),
Diskusprotrusion
C5
foraminal
rechts und C6-Wurzel
foraminal
links ohne Kompression des
Myelons
und der
intraduralen
Wegstrecke
-
ohne aktuelle neurologische Wurzelsymptomatik
-
Belastungsschmerz rechte Schulter ohne Bewegungseinschränkung mit/bei:
-
Impingement
-Syndrom rechts
-
Belastungsschmerz,
endgradige
Bewegungseinschränkung recht
e
s Dau
me
n
sattelgelenk mit/bei:
-
b
eginnender Daumensattelgelenksarthrose rechts
-
ohne Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Adipositas
RAD-Arzt Dr.
D.___
führte aus, dass aus somatischer
Sicht
in der bisherigen Tätigkeit als Kassierin und Mitarbeiterin der
Y.___
eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit seit 30. Oktober 2018
vorliege
. Betreffend
den
bisherige
n
Verlauf der Arbeitsunfähigkeit verwies er auf das Feststellungsblatt
(FB
, vgl. Urk. 8/42/4
).
Aus versicherungsmedizinischer Sicht bestehe bei Schädigung der HWS, BWS und LWS ein
e verminderte Belastbarkeit für
regelmässiges mittelschweres und schweres Heben, Tragen und Transportieren von Lasten; Arbeiten über Kopf-/
Schulterhöhe und auf Leitern/Gerüsten; Tätigkeiten mit Schlag-/Vibrations
leis
tungen des Schultergürtels; ausschliesslich stehende Verrichtungen; häufiges Bücken; Tätigkeiten in körperlichen Zwangshaltungen. Ferner seien Arbeiten in Nässe und Kälte zu vermeiden.
Aus medizinischer Sicht seien bei vorgeschädigter Schulter Tätigkeiten mit häufigen Schlägen/Vibrationsei
n
wirkungen auf die rechte Schulter sowie Über
kopfarbeiten und Arbeiten in ständiger Armvorhalteposition, insbesondere repe
titive Tätigkeiten mit Belastung der Arme, nicht mehr zumutbar. Das Heben, Tragen und Transport
ier
en von Lasten über 5-8 kg
(
unter ungünstigen Hebeln
)
respektive über 20 kg in günstiger Belastungsposition (körpernah, bis Lenden
höhe) seien zu vermeiden.
Mittelschwere und schwere körperliche Tätigkeiten, insbesondere
solche
mit überwiegender Belastung des rechten Daumens und mit erhöhten Anforderungen an
die Kraft der rechten Hand sowie mit Kälte-/Nässeexposition seien ebenfalls zu vermeiden.
Leichte (angepasste) Tätigkeiten in Wechselbelastung ohne Heben, Tragen und Transportieren von Lasten über 10 kg, ohne Verharren in Zwangshaltungen, ohne dauerhafte Armvorhaltebelastungen und Überkopfarbeiten in ruhiger und stress
armer Atmosphäre
seien
aus mediz
inisch-theoretischer Sicht
weiterhin zumutbar.
Aus versicherungsmedizinischer Sicht seien der Beschwerdeführerin
körperlich leichte (angepasste)
Tätigkeiten mit Wechselbelastung ohne erhöhte Anforde
rung
en
an die Kraft und die Haltefunktion der rechten Hand, daher
auch
ohne Besteigen von Leitern/Gerüsten, ohne Heben und Tragen von Lasten, ohne Arbei
ten mit ungünstigen Hebelwirkungen am rechten Handgelenk (Stiel
werkz
euge, Arbeiten mit ausgestreckten Armen), ohne repetitive Beanspruchung der rechten Hand und ohne erhöhte Anforderungen an das feinmotorische Geschick der rechten Hand weiterhin zu 80 % zumutbar.
Somit bestehe aus somatischer Sicht ab Untersuchungszeitpunkt eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit bei insges
amt erhöhtem Pausenbedarf (S. 9
f.).
3.6
RAD-Ärztin
Dr.
med.
E.___
, Fachärztin für Psychi
atrie und Psychotherapie, nannte
in ihrem Bericht vom 2. November 2018 betreffend di
e Untersuchung a
m 30. Oktober 2018 (Urk.
8/36) folgende Diagnose
(S. 7):
-
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21)
Die RAD-Ärztin hielt fest
, dass die vorliegenden ärztlichen Berichte nachvollzieh
bar und konsistent seien.
Betreffend die bisherige Tätigkeit als Kassierin/Springerin bei der
Y.___
atte
stierte die RAD-Ärztin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit 30. Oktober 2018 auf Dauer.
Für die Zeit davor führte
sie
folgende Arbeitsunfähigkeitszeiten
in ange
stammter Tätigkeit
auf:
-
14. November 2016 bis 1. Februar 2017:
50 %
-
1.
bis 14. Februar 2017:
0 %
-
15. Februar bis 1. Oktober 2017:
50 %
-
2. Oktober bis 3
0.
November 2017:
40 %
-
1. Dezember 2017 bis 30. September 2018:
50 %
Im Zusammenhang mit einer angepassten Tätigkeit in ruhiger, stressarmer Atmos
phäre mit wohlwollenden Vorgesetzten sei zunächst von einer Arbeits
fähigkeit von 50 % auszugehen. Eine weitere Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei nach Stabilisierung und Besserung der Anpassungsstörung über weitere drei
bis vier Monate medizin
isch-
theoretisch zu erwarten. Anschliessend sei eine lang
same Steigerung (sechs bis acht Wochen) auf Vollbelastung möglich.
Im W
eiteren führte die Ärztin aus
, dass die Beschwerdeführerin
compliant
sei und alle psychiatrischen Termine wahrnehme
(S. 7)
. Es finde sodann eine sympto
matische Behandlung der Schlafstörungen statt, was bei einer Anpassungs
stö
rung adäquat sei. Da Benzodiazepine bereits seit über einem halben Jahr regel
mässig eingenommen würden, sei ein Absetzen notwendig, um einer Abhängig
keitsentwicklung entgegen zu wirken. Bisher scheine die Einnahme der Benzo
diazepine keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gehabt zu haben
(S. 8)
.
In der
Konsensbeurteilung (Urk.
8/
42/5-7)
w
e
rd
en
im Wesentlichen die Angaben in den beiden RAD-Untersuchungsberichten wiederholt
bzw. zusammengefasst
.
3.
7
Dr.
med.
B.___
nahm am 26. November 2018 Stellung zum Untersuchungsbericht des RAD
-Arztes Dr.
D.___
(vgl. E. 3.5
hievor
)
respek
tive der darin attestierten Arbeitsfähigkeit von 80 % in angepasster Tätigkeit
und hielt fest, dass
die
Beschwerdeführerin über keine berufliche,
insbesondere für administrative
,
körperlich nicht belastende Tätigkeit
en
notwendige Ausbildung
verfüge
. Zudem bestünden sprachliche Grenzen, welche eine administrative Tätig
keit zusätzlich noch behinderten, dies nebst der psychiatrischen Diagnose, welche sich auf die Konzentration, Aufmerksamkeit und psychische Belastbarkeit aus
wirke (
Urk. 8/39
S. 1).
Aufgrund dieser zusätzlichen Probleme sei die Beschwerdeführerin für körperlich leichte und die oberen Extremitäten (insbesondere die
rechte
) belastende Tätig
keiten realistisch nicht einsetzbar, weshalb die
Attestierung einer
80%ige
n
Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeiten als unrealistisch einzustufen sei.
Realistisch
er
weise
ver
bleibe der Beschwerdeführerin
lediglich
eine Tätigkeit ohne Belastung der rechten oberen Extremität, des Schultergürtels, der HWS sowie auch der übrigen W
S
übrig
, weshalb
die Einschätzung
eine
r
Arbeitsfähigkeit von 80 % als unrealistisch zu taxieren sei (S. 2).
3.
8
Am 12. Dezember 2018 äusserte si
ch die behandelnde Psychiaterin
Dr.
A.___
zum
psychiatrischen RAD-
Untersuchungsbericht
(
vgl. E. 3.6
hievor
) und wies da
rauf hin, dass die von
der
RAD-Ärztin Dr.
E.___
genannte Diagnose mit der von ihr (Dr.
A.___
)
gestellten Diagnose übereinstimme. Der Zustand der Be
schwerdeführerin habe sich in den Herbstmonaten indessen deutlich verschlech
tert
, so
dass
inzwischen auch die Kriterien einer depressiven Episode (gedrückte
Stimmung, Interesseverlust, Freudlosigkeit, verminderter Antrieb, erhöhte Ermü
d
barkeit, verminderte Konzentrationsfähigkeit
und Aufmerksamkeit, starke Unsi
cher
heit
bei
Treffen von Entscheid
ung
en
, Gedankenkreisen, starke Schuldgefühle)
erfüllt seien. Die Beschwerdeführerin habe im November 2018 einen Arbeits
versuch als Kassierin erfolglos unternommen und sei danach sehr müde und ver
zweifelt gewesen und habe erneut Physiotherapien in Anspruch nehmen müssen. Sie sei nicht in der Lage, den Haushalt zu erledigen und müsse von ihrer Familie stark unterstützt werden. Ihre Nacken-, Rücken- und Magenschmerzen hätten
inzwischen
zugenommen und sie fühle sich vollkommen überfordert, obwohl sie keiner Tätigkeit nachgehe. Sie sei planlos
und nicht imstande, den Alltagsstress zu bewältigen und ihre Lebenssituation zu ändern
(Urk. 8/41 S. 1)
.
Betreffend die
Einschätzu
n
g
der RAD-Ärztin, wonach die Beschwerdeführerin
in angepasster Tätigkeit
in drei Monaten vollumfänglich arbeitsfähig sein werde, hielt Dr.
A.___
Folgendes fest: Die Beschwerdeführerin habe zusätzlich zur
Trittico
-Medikation zur Linderung
der Schlafstörungen
Escitalopr
am
bekommen, da
sich
bei der letzten Sitzung am 5. Dezember 2018
das Bild einer mittel
schw
e
ren depressiven Episode gezeigt
habe. Sie benötige
zweizügelige
antide
pressive Medikation zur Behandlung ihrer Angst vor dem Scheitern, der Kon
zentra
tions
schwierigkeiten und der Energielosigkeit. Die Beschwerdeführerin habe gegen
über der RAD-Ärztin angegeben, dass sie in einem ruhigen Modegeschäft als Verkäuferin zu 50 % arbeitsfähig (bezogen auf ein 80 %-Pensum) sei. Durch eine Realitätsprüfung mit der Arbeit an der Kasse habe sie aber
bereits nach 3½ Stun
den begriffen
, dass sie nicht mehr imstande sei, dieser Tätigkeit nachzugehen. Die Beschwerdeführerin sei momentan zu 100 % arbeitsunfähig, wobei eine Optimie
rung der Medikation und dringend eine psychosomatische Rehabilitation, vor
zugs
weise in ihrer H
eimat, durchgeführt werden müss
e.
3.
9
Am 22. Januar
2019 nahm RAD-Arzt Dr.
D.___
zum Bericht von Dr.
B.___
vom 26. November 2018 (vgl. E. 3.
7
hievor
) Stellung
(Urk. 8/42/9)
und
führte aus
, dass im genannten Arztbericht
aus somatischer Sicht
keine neuen medizinischen Tatsachen vorgelegt worden seien, weshalb an der Stellungnahme v
om 2. November 2018 (vgl. E. 3.5
hievor
) festgehalten werde.
3.
1
0
RAD-Ärztin Dr.
E.___
hielt unter Hinweis auf den Bericht von Dr.
A.___
vom 12. Dezember 2018 (vgl. E. 3.
8
hievor
)
am 22. Januar 2019
(Urk. 8/42/8-9)
fest, dass in der versicherungsmedizinischen Beurteilung (psychiatrische Untersu
chung) eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % als Kassierin und eine solche von 50 % in angepasster Tätigkeit festgestellt worden sei. Daher widerspreche
es dem Ergeb
nis der Begutachtung ni
cht, dass ein Arbeitsversuch in
angestammter
Tätig
keit nach 3½ Stunden gescheitert sei.
Im Weiteren sei
von Dr.
A.___
am 5. Dezember 2018 eine Verschlechterung der Symptomatik einhergehend mit einer Änderung der Diagnose festgestellt worden. Da eine depressive Episode
diagnostiziert
worden sei, sei diese definitionsgemäss nicht
von dauerhafter Natur. Dr.
A.___
habe sodann eine zusätzliche antide
pressive Therapie begonnen, worunter eine Besserung der Symptomatik im
Ver
lauf der nächsten Monate respektive eines
halben Jahr
es
zu erwarten sei. Da die Diagnose erst im Dezember 2018 gestellt worden sei und die Therapie erst begonnen habe, sei eine zusätzliche psychosomatische Rehabilitation nicht not
wendig.
Die beschriebene Symptomatik könne auch teilweise auf die
Benzodia
zepin
ein
nahme
zurückzuführen sei, weshalb das Absetzen von
Demetrin
weiterhin
zu empfehlen sei
, um die Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen
.
In angepasster Tätigkeit sei ungeachtet der neu gestellten Diagnose weiterhin eine Arbeitsfähigkeit zu erwarten. Der Beginn könne mit 40 bis 50 % erfolgen. Eine weitere Steigerung sei dann abhängig von der Verbesserung des Gesund
heits
zustands möglich. Der Beginn der Wiedereingliederung sei ab Juni 2019 möglich, wobei aktuell eine 100
%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin
stützte
sich bei
ihre
r
Beurteilung,
wonach
in angepasster Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80 % zumutbar sei, auf die
RAD-Untersuchungsberichte vom 2. November 2018 (Urk. 2 S. 2).
4.2
4.2.
1
In somatischer Hinsicht
ging
der RAD-Arzt Dr.
D.___
von
eine
r
Arbeits
unfähigkeit von 100%
angestammter
Tätigkeit
respektive eine
r
80
%igen Arbeits
fähigkeit in einer Verweistätigkeit
ab Untersuchungszeitpunkt aus. Für die Zeit davor verwies er auf die von den behandelnden Ärzten attestierte Arbeitsfähigkeit
(vgl. E. 3.5
hievor
,
Urk.
8/
42/4,
Urk.
8/
7/75
). Die Einschätzung von Dr.
D.___
ist unter Berücksichtigung
seiner
Kenntnis der
Vorakten
,
der
Auseinandersetzung mit den ge
klagten Beschwerden (
Urk. 8/35
S. 1, S. 4 ff.)
, der eingehenden Unter
suchung der Beschwerdeführerin (S. 4 ff.)
,
der von
ihm gestellten
und im Ein
klang mit den behandel
nden Ärzten stehenden Diagnosen
sowie
der detaillierten Schilderung der Einschränkungen der körperlichen Tätigkeiten
und des noch möglichen Belastungsprofils nachvollziehbar.
4.
2
.2
Daran vermag der Einwand der Beschwerdeführerin, wonach der in Chirurgie spezialisierte RAD-Arzt für die Beurteilung der in Frage stehenden Wirbelbe
schwerden
und rheuma
t
ologischen
Beschwerden
nicht kom
petent sei (Urk. 1. S. 3 Ziff. 2
), nichts zu ändern. Die Beschwerdeführerin beliess es beim pauschalen Hinweis und machte insbesondere keine Angaben darüber, inwiefern die von Dr.
D.___
durchgeführte Exploration unangemessen gewesen sei respektive welc
he zusätzlichen Untersuchungen angezeigt gewesen wären
. Die fachliche Kompetenz des RAD-Arztes wurde sodann
auch
von Dr.
B.___
nicht in Frage gestellt, vielmehr wies sie
am
26.
November 2018
darauf hin, dass Dr.
D.___
die Diagnosen und körperlichen Einschränkungen ausführlich und entsprechend ihren Befunden dokumentiert habe (
Urk. 8/39 S. 1
).
Gleichermassen geht
der Hinweis, die Beschwerdegegnerin habe keinen Bericht des behandelnden Neurochirurgen Dr.
A.___
betreffend Arbeitsfähigkeit einho
len wollen (Urk. 1 S. 3 Ziff. 4), ins Leere.
Anhaltspunkte
auf eine
-
wie von der Beschwerdeführerin
angetönt -
Weigerung der Beschwerdegegnerin lassen sich
den Akten nicht entnehmen.
Ferner ist
darauf hinzuweisen
, dass die Beschwer
de
führerin im Rahmen des Verwaltungs- sowie des hiesigen Gerichtsverfahrens die Möglichkeit hatte, einen entsprechenden Bericht von Dr.
A.___
einzurei
chen.
Im Weiteren
vermögen
auch
die Berichte der behandelnden Ärzte
den Beweiswert des Untersuchungsberichts von Dr.
D.___
nicht zu schmälern
.
Die
vom Hausarzt Dr. med.
F.___
,
FMH für Allgemeinmedizin
, am 28. März 2018
sta
tuierte
Arbeitsfähigkeit von 50 % in angestammter Tätigkeit (Urk. 8/18
/2-5
S. 4 Ziff. 4.1)
ist nicht (näher) begründet
und fällt zudem
tiefer aus als die vom RAD-Arzt attestierte 100%ige
Arbeits
un
fähigkeit in bisheriger Tätigkeit.
Zur
Arbeits
fähigkeit in einer Verweistätigkeit
äusserte sich
Dr.
F.___
nicht
, sondern
er
ver
wies
lediglich
auf die Einschätzung von Dr.
B.___
(S. 4 Ziff. 4.2).
Betreffend
die von
der behandelnden Rheumatologin
am 11. Juni 2018 postu
lierte Arbeitsunfähigkeit von
mindestens
50 % in
jeglicher Tätigkeit (vgl. E. 3.3
hievor
) ist
zu berücksichtigen
,
dass
die von Dr.
D.___
attestierte 80%ige Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit
nicht der
Einschätzung von Dr.
B.___
entspricht
, welche
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bezüglich Tätig
keite
n mit monoton-einseitiger Belastung der WS, mit Heben/Tragen/Verschieben von Gegenständen sowie mit Überkopfarbeiten postulierte. Das vom RAD-Arzt beschrieben
e
Belastungsprofil für angepasste Tätigkeiten
(leichte Tätigkeiten in Wechselbelastung, ohne Heben/Tragen/Transportieren von Lasten über 10 kg, ohne Verharren in Zwangshaltungen
, ohne dauerhafte Armvorhaltebelastungen und ohne Überkopfarbeiten)
schliesst solche Verrichtungen gerade
aus
(vgl. E. 3.5
hievor
)
. Es ist sodann festzuhalten, dass der RAD-Arzt betreffend die ange
stam
mte Tätigkeit von einer höheren Arbeitsunfähigkeit (100 %) als Dr.
B.___
ausging.
Des Weiteren geht der
von
Dr.
B.___
am 26. November
2018 ge
machte Hinweis ins Leere, wonach die Beschwerdeführerin
über keine
für admini
strativ
e
Tätigkeiten erforderliche Ausbildung
und sprachliche Kenntnisse verfüge
und sie deshalb für körperlich leichte Tätigkeiten
realistischerweise
nicht
ein
se
tz
bar
sei
(vgl. E. 3.7
hievor
). Hierbei
handelt es sich es um invaliditätsfremde Gründ
e, welche für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit nicht relevant sind (Bundesamt für Sozialversicherungen, Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkei
t in der Invalidenversicherung [KSIH]
, gültig ab 1. Januar 2015, Stand 1. Januar 2018,
Rz
. 1018.1
; vgl. auch Feststellungsblatt Einwand Urk. 8/42 S. 9 unten
).
Mit Bezug auf die von Dr.
Z.___
am 9. Mai 2017 postulierte Aufstockung des 50 %-Pensums (vom ursprünglichen Pensum von 80 %) auf das reguläre Pensum der Beschwerdeführerin innerhalb von acht Wochen (vgl. E. 3.1
hievor
), ist schliesslich zu bemerken, dass eine solche prospektiv beurteilte Steigerung des Arbeitspensums der Beschwerdeführerin in der Folge nicht möglich war.
4.
3
4.3.1
In psychiatrischer Hinsicht
diagnostizierten
sowohl die behandelnde Psychiaterin Dr.
A.___
als auch die RAD-Ärztin Dr.
E.___
im Juni respektive Oktober 2018
eine Anpassungsstörung. Während Dr.
A.___
in ihrem Bericht vom 26.
Juni 2018 (E. 3.4)
in angestammte
r
und angepasster Tätigkeit
eine
Arbeits
un
fähigkeit von
mindestens
50 %
statuier
t
e
,
attestierte die RAD-Ärztin in der bis
herigen Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %
respektive eine solche von 50 %
seit 30.
Oktober
201
8.
Zu der im Bericht von Dr.
A.___
vom 12. Dezember 2018 erwähnten deutlichen Verschlechterung des Gesundheitszustands in den Herbstmonaten 2018 ist festzuhalten, dass diese sehr zeitnah zur psychiatrischen RAD-Untersuchung vom 30. Oktober 2018 erfolgt sein müsste. Weiter wurden der am 12. Dezember 2018 aufgeführte Interesseverlust, die Freudlosigkeit, gedrückte Stimmung, der verminderte Antrieb, die Müdigkeit, fehlende Konzentrations
fähigkeit, Unmöglichkeit, ihre Problematik zu lösen sowie die Nacken-, Rücken- und Magenschmerzen bereits im Bericht von Dr.
A.___
vom 26. Juni 2018 respektive im Untersuchungsbericht von Dr.
E.___
erwähnt (vgl. E. 3.4 und E. 3.6
hievor
). Die Beschwerdeführerin gab ferner bereits am 30. Oktober 2018 an, dass der Haushalt mehrheitlich von der Familie respektive einer Zugehfrau erledigt werde (Urk. 8/35 S. 2, Urk. 8/36 S. 2). Des Weiteren ist auf die nach
vollziehbaren Ausführungen der RAD-Ärztin vom 22. Januar 2018 zu verweisen (vgl. E. 3.10
hievor
), dass eine depressive Episode definitionsgemäss nicht von dauerhafter Natur sei, aufgrund der neuen zusätzlichen antidepressiven Therapie eine Besserung der Symptomatik im Verlauf der nächsten sechs Monate zu erwar
ten sei und die von Dr.
A.___
beschriebene Symptomatik auch teilweise auf die Einnahme von Benzodiazepinen zurückgeführt werden könne.
Im Übrigen ist die Erfahrungstatsache zu berücksichtigen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (B
GE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351
E. 3b/cc).
Vor diesem Hintergrund
sowie
unter Berücksichtigung der
psychiatrischen
Unter
suchung
durch die RAD-Ärztin, deren Kenntnis der
Vorakten
und
die Ausein
andersetzung mit den geklagten Beschwerden
sowie der Krankheitsentwicklung
(Urk.
8/
36
S. 2 ff.) erweist sich
die psychiatrische RAD-Einschätzung
als
über
zeu
gend
, weshalb die Beschwerdegegnerin
in psychisch
er Hin
sicht
zu Recht
auf eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in einem ruhigen und stressarmen Arbeitsumfeld
seit 30. Oktober 2018
hinwies (Urk. 2 S. 2).
4.3.2
Demgegenüber durfte die Beschwerdegegnerin
nicht
auf die Ausführungen der RAD-Ärztin, wonach
in angepasster Tätigkeit
eine
Erhöhung
der 50%igen Arbeitsfähigkeit nach Stabilisierung und Besserung der Anpassungsstörung
nach drei bis vier Monaten medizintheoretisch zu erwarten und nach einer langsamen Steigerung innerhalb von weiteren sechs bis acht Wochen eine Vollbelastung möglich sei (vgl. E. 3.
6
hievor
),
abstellen. Denn b
ei der erwähnten Steigerung
der Arbeitsfähigkeit innerhalb von
sechs Monaten nach dem Untersuchungszeitpunkt handelt
e
es sich lediglich um einen prospektiv geschätzten Verlauf
, dessen (sichere
r
) Eintritt von der RAD
-Ärztin im
Zeitpunkt der Verfassung
des Unter
suchungsberichts nicht vorausgesagt werden konnte
. Ob sich in der Folge tat
sächlich eine
entsprechende
Stabilisierung und Besserung der Anpassungsstörung
eingestellt hat,
ist aufgrund der Akten unklar
, zumal die Beschwerdegegnerin nach Ablauf von sechs Monaten nach der Untersuchung
durch Dr.
E.___
keinen psychiatrischen Verlaufsbericht eingeholt hat
, was angesichts der Aufer
le
gung einer Schadenminderungspflicht (Weiterführen einer adäquaten fachpsy
chiatrischen Behandlung für mindestens sechs Monate, Urk. 8/42 S. 10, 8/43 S.
1) umso notwendiger gewesen wäre
.
4.4
Im Lichte der obigen Erwägungen ist nicht erwiesen, dass die Beschwerdeführerin sechs Monate nach Untersuchungszeitpunkt (Ende April 2019) in psychischer Hinsicht in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig war. Entsprechend ist gestützt auf die RAD-Untersuchungsberichte von einer Arbeitsfähigkeit von maximal 50 % in einer Verweistätigkeit auszugehen. Da bei einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ein rentenbegründender Invaliditätsgrad (vgl. E. 1.3
hievor
) nicht per se ausgeschlossen werden kann und sich somit die Frage nach einer allenfalls befristeten Rente ab Juli 2018 stellt (Art. 29 Abs. 1 IVG), ist die Sache zu weiteren medizinischen Abklärungen betreffend den Gesundheitszustand und die Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin in psychischer Hinsicht an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen. Im Rahmen dieser Rückweisung ist unter anderem der den Unfall vom 24. April 2019 betreffende Bericht von Dr.
A.___
vom 2. Juli 2019 (Urk. 14) zu berücksichtigen sowie ein Einkommensvergleich vorzunehmen. Bei diesem Ergebnis kann im hiesigen Verfahren die Frage nach einer allfälligen Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin (vgl. Urk. 11, Urk. 16) offenbleiben. Die Beschwerde ist entsprechend gutzuheissen.
5.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rah
men
s (Fr.
200.-- bis Fr. 1'000.--) auf Fr. 6
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Be
schwerdegegnerin aufzuerlegen.
Damit erweist sich das Gesuch der Beschwer
deführerin um unentgeltliche Prozessführung (Urk. 1 S.
1
) als gege
n
standslos.
Der Beschwerdeführer
in
steht eine Prozessentschädigung zu, welche in Anwen
dung der massgebenden Kriterien (§ 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversi
che
rungsgericht) auf Fr. 1’000.-- (inkl. Barauslagen und MWST) festzusetzen ist.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom 6. Februar 2019 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin eine Prozessent
schädigung von Fr. 1'000.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Milosav Milovanovic
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubSchleiffer Marais