# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5bb0b737-8374-5655-a673-c3c16c6c4b61
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2001-01-01
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 01.01.2001 SB210442
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB210442_2001-01-01.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: SB210442-O/U/ad 
 

Mitwirkend: Oberrichter Dr. Bussmann, Präsident, Oberrichter lic. iur. Stiefel und 

Oberrichterin lic. iur. Bertschi sowie Gerichtsschreiberin MLaw Meier 

Beschluss vom 15. November 2021 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigter und Berufungskläger 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin lic. iur. X._____,  

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland,  
Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 

sowie 

 

B._____,  
Privatkläger 

 

betreffend versuchte schwere Körperverletzung etc. und Widerruf 
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 14. April 
2021 (DG200040) 

  

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Erwägungen: 

1.1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 14. April 2021 (DG200040) 

wurde festgestellt, dass der Beschuldigte den Tatbestand der versuchten schwe-

ren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 

Abs. 1 StGB im Zustand nicht selbst verschuldeter Schuldunfähigkeit im Sinne 

von Art. 19 Abs. 1 StGB in objektiver und subjektiver Hinsicht erfüllt habe. Ferner 

wurde der Beschuldigte der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz, 

der mehrfachen Übertretung desselben sowie der mehrfachen Widerhandlung 

gegen das Bundesgesetz über explosionsgefährliche Stoffe schuldig gesprochen, 

mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 10 Monaten sowie einer Busse von 

Fr. 500.– bestraft, und die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Win-

terthur/Unterland vom 21. Juni 2017 ausgefällte Geldstrafe von 75 Tagessätzen 

zu Fr. 30.– wurde widerrufen. Zudem wurde eine stationäre therapeutische Mass-

nahme im Sinne von Art. 59 Abs. 1 StGB (Behandlung von psychischen Störun-

gen) angeordnet und der Vollzug der Freiheitsstrafe zugunsten der stationären 

Massnahme aufgeschoben. Schliesslich wurde über die sichergestellten und be-

schlagnahmten Gegenstände entschieden, die Zivilansprüche geregelt, die Ab-

nahme einer DNA-Probe und die Erstellung eines DNA-Profils angeordnet und die 

Kosten- und Entschädigungsfolgen geregelt (Urk. 52 S. 66 ff.).  

1.2. Gegen dieses Urteil liess der Beschuldigte am 23. April 2021 rechtzeitig Be-

rufung anmelden (Urk. 45) und fristgerecht die Berufungserklärung einreichen 

(Urk. 54). Er beantragt die Aufhebung der Dispositivziffer 7 (Anordnung einer sta-

tionären Massnahme; Urk. 54 S. 2).  

2.1. Die Staatsanwaltschaft erhob am 17. November 2020 gegen den Beschul-

digten Anklage im Sinne von Art. 324 ff. StPO. Unter Anklageziffer 1.1. umschrieb 

sie in zwei Anklagesachverhalten die versuchte schwere Körperverletzung und 

das Vergehen gegen das Waffengesetz, die der Beschuldigte begangen haben 

soll, und hielt dazu jeweils fest, er sei in Bezug auf diese Taten gestützt auf Art. 

19 Abs. 1 StGB nicht schuldfähig gewesen. Unter Anklageziffer 1.2. machte sie 

dem Beschuldigten sodann die Vorwürfe der mehrfachen Widerhandlung gegen 

das Waffengesetz und der mehrfachen Widerhandlung gegen das Sprengstoffge-

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setz. Sie beantragte schliesslich die Feststellung, dass der Beschuldigte die unter 

[Anklageziffer] 1.1. aufgeführten Tatbestände in nicht selbstverschuldeter Schuld-

unfähigkeit erfüllt habe, und die Schuldigsprechung des Beschuldigten im Sinne 

der Anklageschrift der unter [Anklageziffer] 1.2. aufgeführten Tatbestände 

(Urk. 22 S. 2 ff.). Damit stellte die Staatsanwaltschaft im Rahmen der Anklage ei-

nen Antrag gemäss dem besonderen Verfahren bei einer schuldunfähigen Person 

im Sinne von Art. 374 f. StPO.  

2.2. Das Bundesgericht hielt in seinem Urteil 6B_360/2020 fest, dass die ver-

schiedenen, von der Strafprozessordnung vorgesehenen Verfahren in sich abge-

schlossene, selbstständige Verfahrensarten darstellen. Die Strafprozessordnung 

lässt keine kombinierten, hybriden Verfahren zu. Beim Grundsatz der Formstren-

ge bzw. dem numerus clausus der Verfahrensformen gemäss Art. 2 Abs. 2 StPO 

handelt es sich um einen von allen Strafbehörden zu jeder Zeit zu beachtenden 

fundamentalen Grundsatz des Strafprozessrechts (Urteil des Bundesgerichts 

6B_360/2020 vom 8. Oktober 2020 E.1.3.1 f.). Indem die Staatsanwaltschaft zwar 

eine Anklage betreffend mehrfache Widerhandlung gegen das Waffengesetz und 

mehrfache Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz erhob, gleichzeitig aber 

bezüglich der versuchten schweren Körperverletzung und des in diesem Fall ver-

übten Vergehens gegen das Waffengesetz die Feststellung der Tatbegehung im 

Zustand der nicht selbstverschuldeten Schuldunfähigkeit und die Anordnung einer 

Massnahme beantragte, vermischte sie die Verfahrensform des besonderen Mas-

snahmeverfahrens im Sinne von Art. 374 f. StPO und diejenige des ordentlichen 

Verfahrens gemäss Art. 328 ff. StPO, was sich in Nachachtung der zitierten bun-

desgerichtlichen Rechtsprechung als nicht zulässig erweist. Dem Bundesge-

richtsentscheid ist zwar auch folgende Passage zu entnehmen: "[…] Wird eine Per-
son mehrerer Taten beschuldigt, die teilweise mit und teilweise ohne Schuld begangen 

wurden, sind alle Taten gestützt auf den Grundsatz der Einheit des Verfahrens (Art. 29 

Abs. 1 lit. a StPO) in einem Verfahren zu beurteilen, womit ein Vorgehen nach Art. 374 f. 

StPO nicht möglich und das ordentliche Verfahren gemäss Art. 328 ff. StPO zu beschrei-

ten ist (vgl. FELIX BOMMER, a.a.O., N. 13 zu Art. 374 StPO; CHRISTIAN SCHWAR-

ZENEGGER, a.a.O., N. 1 zu Art. 374 StPO)." (Urteil des Bundesgerichts 

6B_360/2020 vom 8. Oktober 2020 E.1.3.4). Gemäss den vom Bundesgericht in 

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diesem Zusammenhang zitierten Lehrmeinungen ist diese Passage indes wie 

folgt zu verstehen: Sind zwei oder mehrere Taten zu beurteilen, von denen eine 

möglicherweise und die anderen sicher nicht ohne Schuld begangen wurden, so 

sorgt der Grundsatz der Verfahrenseinheit dafür, dass sämtliche Taten in einem, 

nämlich dem ordentlichen Verfahren zu beurteilen sind. Dies lässt sich ohne Wei-

teres mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung in Einklang bringen. Denn nur 

wenn für die Staatsanwaltschaft zweifelsfrei feststeht, dass der Beschuldigte eine 

Tat im Zustand der nicht selbstverschuldeten Schuldunfähigkeit begangen hat, 

darf sie nach Art. 374 f. StPO vorgehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_360/2020 vom 8. Oktober 2020 E.1.3.7). Das Bundesgericht gewichtet den 

Grundsatz der Formstrenge insgesamt höher als denjenigen der Verfahrensein-

heit. So führte es im zitierten Entscheid aus, soweit die Vorinstanz argumentiere, 

die Staatsanwaltschaft hätte auch einen Antrag und eine Anklage in der gleichen 

Anklageschrift erheben können, lasse sie den Grundsatz der Formstrenge unbe-

rücksichtigt, die Strafprozessordnung lasse die Vermischung des selbstständigen 

Massnahmeverfahrens und des ordentlichen Verfahrens nicht zu (Urteil des Bun-

desgerichts 6B_360/2020 vom 8. Oktober 2020 E.1.4.3). Tatsächlich sind die bei-

den Verfahren in Bezug auf die Anwesenheitspflicht der beschuldigten Person 

und den Öffentlichkeitsgrundsatz auch unterschiedlich ausgestaltet, was auf die 

Besonderheiten des Verfahrens nach Art. 374 f. StPO zurückzuführen ist. Ge-

mäss Art. 374 Abs. 2 lit. a und lit. b StPO kann das erstinstanzliche Gericht mit 

Rücksicht auf den Gesundheitszustand oder zum Schutz der Persönlichkeit der 

beschuldigten Person in Abwesenheit der beschuldigten Person verhandeln oder 

die Öffentlichkeit von den Verhandlungen ausschliessen, während dies im or-

dentlichen Verfahren grundsätzlich nicht bzw. nur unter bestimmten Vorausset-

zungen möglich ist (vgl. Art. 69 f. StPO und Art. 336 StPO). Nach dem Gesagten 

erweist sich das von der Staatsanwaltschaft gewählte Vorgehen als nicht zulässig 

und die Verfahrensformen sind auch vorliegend strikt zu trennen. Unzulässig ist 

gemäss Bundesgericht demnach auch, dass die Vorinstanz den Beschuldigten in 

Bezug auf das Vergehen gegen das Waffengesetz nach Anklageziffer 1.1. entge-

gen dem Antrag der Staatsanwaltschaft als schuldfähig erachtete und ihn diesbe-

züglich schuldig sprach.  

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3. Aus dem Gesagten folgt, dass bereits die Staatsanwaltschaft unzulässiger-

weise zwei Verfahrensformen vermischte und auch die Vorinstanz den Grundsatz 

der Formstrenge missachtete. Aufgrund dieser Verfahrensfehler ist das Urteil des 

Bezirksgerichts Winterthur vom 14. April 2021 aufzuheben und das Verfahren zu-

sammen mit den Akten an die Staatsanwaltschaft zur Durchführung zwei getrenn-

ter Vorverfahren im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zurückzuwei-

sen.  

4. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz. Die Kosten des 

Berufungsverfahrens, inklusive die Kosten der amtlichen Verteidigung, sind auf 

die Gerichtskasse zu nehmen. Mangels erkennbarer Umtriebe werden keine Ent-

schädigungen zugesprochen. 

Es wird beschlossen: 

1. Das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 14. April 2021 (DG200040) 

wird aufgehoben. 

2. Das Verfahren wird zusammen mit den Akten an die Staatsanwaltschaft 

Winterthur/Unterland zur Durchführung zwei getrennter Verfahren im Sinne 

der vorstehenden Erwägungen zurückgewiesen. 

3. Das obergerichtliche Verfahren SB210442 wird als erledigt abgeschrieben. 

4. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz. Allfällige weitere 

Kosten werden auf die Gerichtskasse genommen. 

5. Es werden keine Entschädigungen zugesprochen. 

6. Schriftliche Mitteilung an  

− die amtliche Verteidigung des Beschuldigten im Doppel für sich und 
zuhanden des Beschuldigten  

− die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland  
− den Privatkläger 
− die Vorinstanz 

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− den Justizvollzug und Wiedereingliederung Kanton Zürich, Bewäh-
rungs- und Vollzugsdienste 

− das Bundesamt für Polizei, Zentralstelle Explosivstoffe 
− das Bundesamt für Polizei, Zentralstelle Waffen. 
 

 
Obergericht des Kantons Zürich 

II. Strafkammer 
 
 

Zürich, 15. November 2021 
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

Oberrichter Dr. Bussmann 
 

Die Gerichtsschreiberin: 
 
 
 

MLaw Meier 
 

 
 
 
 

	Beschluss vom 15. November 2021
	Es wird beschlossen:
	1. Das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 14. April 2021 (DG200040) wird aufgehoben.
	2. Das Verfahren wird zusammen mit den Akten an die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland zur Durchführung zwei getrennter Verfahren im Sinne der vorstehenden Erwägungen zurückgewiesen.
	3. Das obergerichtliche Verfahren SB210442 wird als erledigt abgeschrieben.
	4. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz. Allfällige weitere Kosten werden auf die Gerichtskasse genommen.
	5. Es werden keine Entschädigungen zugesprochen.
	6. Schriftliche Mitteilung an
	 die amtliche Verteidigung des Beschuldigten im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten
	 die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland
	 den Privatkläger
	 die Vorinstanz
	 den Justizvollzug und Wiedereingliederung Kanton Zürich, Bewährungs- und Vollzugsdienste
	 das Bundesamt für Polizei, Zentralstelle Explosivstoffe
	 das Bundesamt für Polizei, Zentralstelle Waffen.