# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 11d2e779-b701-5026-980e-fc4bb1f625cd
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-11-01
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 01.11.2016 100 2015 361
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_100-2015-361_2016-11-01.pdf

## Full Text

100.2015.361U
MUT/KUN/RAP

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 1. November 2016

Verwaltungsrichter Burkhard, Abteilungspräsident
Verwaltungsrichter Häberli und Müller 
Gerichtsschreiberin Kummler

A.________
vertreten durch Rechtsanwalt …
Beschwerdeführer

gegen

Polizei- und Militärdirektion des Kantons Bern
Kramgasse 20, 3011 Bern

sowie

Einwohnergemeinde Bern
Einwohnerdienste, Migration und Fremdenpolizei, Predigergasse 5, 
Postfach, 3000 Bern 7

betreffend Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung 
infolge Straffälligkeit (Entscheid der Polizei- und Militärdirektion des 
Kantons Bern vom 26. November 2015; BD 073/15)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 01.11.2016, Nr. 100.2015.361U, 
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Sachverhalt:

A.

A.________, geboren am … 1993, ist Staatsbürger von Thailand. Am 
10. November 2004 reiste er zusammen mit seiner Schwester im Familien-
nachzug zu seiner Mutter in die Schweiz ein und erhielt eine Aufenthalts-
bewilligung EU/EFTA. Am 12. Mai 2014 verurteilte ihn das Regionalgericht 
Bern-Mittelland wegen versuchter schwerer Körperverletzung, Angriffs und 
einfacher Körperverletzung unter anderem zu einer bedingten Freiheits-
strafe von 22 Monaten bei einer Probezeit von zwei Jahren. Nachdem die 
Gültigkeit der freizügigkeitsrechtlichen Bewilligung von A.________ am 
12. Juni 2014 abgelaufen war, erhielt er eine Aufenthaltsbewilligung nach 
den allgemeinen ausländerrechtlichen Bestimmungen. Am 16. März 2015 
verweigerte die Einwohnergemeinde (EG) Bern, Einwohnerdienste, Migra-
tion und Fremdenpolizei (EMF), die Verlängerung der Aufenthaltsbewilli-
gung von A.________ und wies diesen unter Ansetzung einer Ausreisefrist 
aus der Schweiz weg. 

B.

Hiergegen erhob A.________ am 16. April 2015 Beschwerde bei der Poli-
zei- und Militärdirektion des Kantons Bern (POM). Mit Entscheid vom 
26. November 2015 wies diese das Rechtsmittel ab und setzte ihm eine 
Ausreisefrist bis zum 7. Januar 2016. 

C.

Gegen den Entscheid der POM hat A.________ am 21. Dezember 2015 
Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben mit dem Antrag, es sei der an-
gefochtene Entscheid aufzuheben und seine Aufenthaltsbewilligung zu 
verlängern. Gleichzeitig hat er um Erteilung des Rechts auf unentgeltliche 
Rechtspflege unter Beiordnung seines Rechtsvertreters als amtlicher An-
walt ersucht. 

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Die POM beantragt mit Vernehmlassung vom 19. Januar 2016 die Abwei-
sung der Beschwerde; hinsichtlich des Gesuchs um unentgeltliche Rechts-
pflege unter Beiordnung eines amtlichen Anwalts hat sie sich eines Antrags 
enthalten. Die EG Bern hat sich gleichentags den Ausführungen im ange-
fochtenen Entscheid angeschlossen. 

Erwägungen:

1.

1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als 
letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des 
Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; 
BSG 155.21) zuständig. Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen 
Verfahren teilgenommen, ist durch den angefochtenen Entscheid beson-
ders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung 
oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG). Auf seine form- und fristgerecht ein-
gereichte Beschwerde ist einzutreten. 

1.2 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf 
Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG).

2.

Im Streit liegt die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung des Be-
schwerdeführers und dessen Wegweisung aus der Schweiz. 

2.1 Der Beschwerdeführer reiste 2004 als Elfjähriger im Familiennach-
zug zu seiner Mutter in die Schweiz ein, welche hier gestützt auf das Ab-
kommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossen-
schaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitglied-
staaten andererseits über die Freizügigkeit (FZA; SR 0.142.112.681) ein 
aus der Ehe mit einem italienischen Staatsangehörigen abgeleitetes An-

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wesenheitsrecht EU/EFTA erworben hatte; mittlerweile ist sie offenbar hier 
niederlassungsberechtigt (vgl. Akten EG Bern pag. 11 und 30 f.). Abgeleitet 
von der Bewilligung seiner Mutter bzw. des Stiefvaters erhielt der Be-
schwerdeführer eine Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA, zuletzt gültig bis 
zum 12. Juni 2014 (vgl. Akten EG Bern pag. 28 und 50, vgl. auch etwa 
pag. 40). Nachdem diese Bewilligung abgelaufen war und der Beschwer-
deführer das 21. Lebensjahr vollendet hatte, wurde sein Aufenthalt nach 
den Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die 
Ausländerinnen und Ausländer (AuG; SR 142.20) neu geregelt, weil nach 
Auffassung der EG Bern kein freizügigkeitsrechtlicher Aufenthaltsanspruch 
mehr bestand (vgl. Akten EG Bern pag. 55 und 114). Gemäss der Verfü-
gung der EG Bern vom 16. März 2015 (S. 3) erfolgte die Bewilligungser-
teilung dabei gestützt auf Art. 43 AuG, wonach ledige Kinder unter 18 Jah-
ren von Personen mit Niederlassungsbewilligung Anspruch auf Erteilung 
und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung haben, wenn sie mit diesen 
zusammenwohnen. – Der Beschwerdeführer rügt, es sei nicht nachvoll-
ziehbar, weshalb die Bewilligungsumwandlung «einfach formlos» erfolgte; 
jedenfalls hätte spätestens die vorliegend strittige aufenthaltsbeendende 
Massnahme gestützt auf das FZA erfolgen müssen (vgl. Beschwerde 
S. 3 f.). Die POM erachtet demgegenüber die Voraussetzungen für ein 
Bleiberecht nach dem FZA für nicht (mehr) erfüllt (E. 2c) und hat die strit-
tige Massnahme folglich nach Massgabe des AuG geprüft.

2.2 Wie die POM richtig dargelegt hat (E. 2b), haben nach den Bestim-
mungen des FZA die Familienangehörigen einer Person, die Staatsange-
hörige einer Vertragspartei ist und ein Aufenthaltsrecht hat, das Recht, bei 
dieser Wohnung zu nehmen. Nach der Rechtsprechung erstreckt sich das 
Nachzugsrecht auch auf Stiefkinder mit Drittstaatsangehörigkeit (vgl. sog. 
Baumbast-Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs [EuGH]; BGE 
136 II 65 E. 3). Soweit die Verwandten in absteigender Linie betreffend, 
welche wie der Beschwerdeführer älter als 21 Jahre alt sind, setzt ein sol-
cher Aufenthaltsanspruch voraus, dass ihnen von der hier aufenthaltsbe-
rechtigten Person Unterhalt gewährt wird (Art. 3 Abs. 2 Bst. a Anhang I 
FZA). Der erforderliche Unterhalt des nachzuziehenden Familienangehöri-
gen ist grundsätzlich durch die hier aufenthaltsberechtigte Person sicher-
zustellen. Dabei kommt es darauf an, ob das Familienmitglied in Anbetracht 

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seiner wirtschaftlichen und sozialen Situation in der Lage ist, seine Grund-
bedürfnisse selber zu decken, oder ob es auf zusätzliche Mittel angewiesen 
ist, die von der aufenthaltsberechtigten Person aufgebracht werden (vgl. 
BGE 135 II 369 E. 3.1; Weisungen und Erläuterungen des Staatssekretari-
ats für Migration [SEM] vom Juni 2016 zur Verordnung über die Einführun-
gen des freien Personenverkehrs [Weisungen VEP] Ziff. 7.6). Eine fakti-
sche Unterstützung durch Gewährung von Kost und Logis genügt; voraus-
gesetzt sind jedenfalls fortgesetzte und regelmässige Leistungen, die einen 
nicht vernachlässigbaren Teil der Lebenshaltungskosten decken würden 
(vgl. Marc Spescha in Spescha et al. [Hrsg.], Migrationsrecht, 4. Aufl. 2015, 
Art. 3 Anhang I FZA N. 10 und 12; zur analogen Bestimmung in Art. 42 
Abs. 2 AuG für Familienangehörige von Schweizerinnen und Schweizern, 
welche im Besitz einer dauerhaften Aufenthaltsbewilligung eines Staates 
sind, mit dem ein Freizügigkeitsabkommen geschlossen wurde, vgl. Mar-
tina Caroni in Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Handkommentar AuG, 
2010, Art. 42 N. 43; Botschaft des Bundesrats zum AuG, in BBl 2002 
S. 3709 ff., 3792). 

2.3 Der Beschwerdeführer ist 2012 im Alter von knapp 19 Jahren von 
zu Hause ausgezogen (vgl. Akten EG Bern pag. 36 f.). Seither erzielte er 
vereinzelt ein eigenes Erwerbseinkommen und bezog vorübergehend Ar-
beitslosentaggelder; im Übrigen wurde er vom Sozialdienst der EG Bern 
unterstützt. Derzeit beläuft sich die ihm ausgerichtete wirtschaftliche Hilfe 
auf Fr. 585.-- pro Monat (vgl. hinten E. 4.2). Der Beschwerdeführer be-
hauptet nicht, dass er von seiner Mutter und/oder deren Ehemann seit sei-
nem Wegzug Unterhaltszahlungen erhalten würde, sondern macht insoweit 
einzig geltend, er lebe seit April 2015 wieder bei seinen Eltern, wobei er 
diesen für die Unterkunft keine Miete bezahlen müsse (vgl. Beschwerde 
S. 3 f.; Beilage 8 zur Beschwerde vom 16.4.2015). Wie die POM im Ergeb-
nis richtig erkannt hat, begründet dieser Umstand aber keinen freizügig-
keitsrechtlichen Nachzugsanspruch: Die aktuelle Wohnsituation mag zwar 
insoweit das Gemeinwesen entlasten, als im Sozialhilfebudget zurzeit keine 
Wohnkosten eingerechnet werden müssen. Dies ändert allerdings nichts 
daran, dass der Beschwerdeführer seit 2012 hauptsächlich von der Sozial-
hilfe lebt. Dass ihn seine Eltern derzeit – aus welchen Gründen auch immer 
– unentgeltlich im Wohnzimmer ihrer 3-Zimmer-Wohnung leben lassen, 

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entspricht unter den gegebenen Umständen höchstens einem symboli-
schen Beitrag und stellt jedenfalls keine Unterhaltsgewährung im Sinn des 
FZA dar. Im Übrigen fällt auf, dass die Übernachtungsmöglichkeit erst 
kurze Zeit nach Anordnung der strittigen Entfernungsmassnahme ergriffen 
wurde (vgl. vorne Bst. A); es ist mithin nicht ausgeschlossen, dass sie nur 
zwecks Umgehung der Bewilligungsvoraussetzungen gewährt wird, was 
selbst einen bestehenden materiellen Anspruch untergehen liesse. Wie es 
sich damit verhält, kann aber letztlich dahingestellt bleiben. Denn die Vor-
instanz hat einen Aufenthaltsanspruch gestützt auf das FZA so oder anders 
zu Recht verneint. Dass sich die POM im angefochtenen Entscheid nicht 
ausdrücklich zur geltend gemachten Wohnsituation geäussert hat, trifft 
zwar zu. Hieraus kann der Beschwerdeführer indes nichts zu seinen 
Gunsten ableiten. Die Vorinstanz hat, wenn auch eher knapp, dargelegt, 
dass dem Beschwerdeführer gestützt auf das FZA mangels Unterhaltsge-
währung durch seine Mutter bzw. deren Ehemann kein Aufenthaltsrecht 
mehr zukommt. Den Anforderungen an die Begründungspflicht wurde 
hiermit insgesamt Genüge getan, zumal die Behörde nicht verpflichtet ist, 
sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinanderzusetzen und 
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich zu widerlegen (vgl. statt vieler 
BGE 140 II 262 E. 6.2 mit Hinweis auf BGE 136 I 229 E. 5.2; Merkli/ 
Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 52 
N. 6; vgl. auch Art. 52 Abs. 1 Bst. b VRPG).

2.4 Dem Beschwerdeführer vermag unter diesen Umständen auch der 
Hinweis auf die «formlose Umwandlung» seiner Aufenthaltsbewilligung 
nicht zu helfen: Die EG Bern verweigerte eine weitere Verlängerung der 
Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA des Beschwerdeführers, weil kein ent-
sprechendes Aufenthaltsrecht mehr bestand; sie erteilte ihm aber eine Auf-
enthaltsbewilligung nach den Bestimmungen des AuG. Er durfte sich mithin 
weiterhin hier aufhalten; die EG Bern stützte das Aufenthaltsrecht bloss auf 
eine andere Rechtsgrundlage, ohne dass sich für den Beschwerdeführer im 
Ergebnis etwas geändert hätte. Dem Beschwerdeführer sind bei dieser 
Ausgangslage aus dem Vorgehen der EG Bern keine unmittelbaren Nach-
teile erwachsen. Ob der Beschwerdeführer die Bewilligungsvoraussetzun-
gen nach dem FZA erfüllt und demnach für die strittige aufenthaltsbeen-
dende Massnahme das Freizügigkeitsrecht zur Anwendung gelangt, ist 

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Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens und wird in diesem 
Rahmen auch uneingeschränkt geprüft (vgl. E. 2.2 f. hiervor). 

2.5 Da der Beschwerdeführer über kein Aufenthaltsrecht aus dem FZA 
mehr verfügt (vgl. E. 2.3 hiervor), hat die POM die strittige Entfernungs-
massnahme zu Recht nach Massgabe des AuG geprüft. Insoweit stünde 
nur ein Anspruch nach Art. 43 Abs. 1 AuG zur Diskussion, wonach ledige 
Kinder unter 18 Jahren von Personen mit Niederlassungsbewilligung An-
spruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung haben, 
wenn sie mit diesen zusammenwohnen. Ähnlich wie für die Vorinstanz, 
welche das Vorliegen eines solchen Anspruchs bezweifelt, die Frage aber 
schliesslich offengelassen hat (E. 2b), ist für das Verwaltungsgericht nicht 
ersichtlich, inwieweit diese Voraussetzungen vorliegend erfüllt sein könn-
ten. Denn die betreffende Bestimmung gewährt von vornherein nur min-
derjährigen Kindern von hier niederlassungsberechtigten ausländischen 
Personen einen Aufenthaltsanspruch; der Nachzug von volljährigen Nach-
kommen wie dem Beschwerdeführer ist im AuG nicht vorgesehen. Wie die 
POM im Ergebnis richtig erkannt hat, käme damit richtigerweise allein eine 
ermessensweise Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Art. 33 
Abs. 3 AuG in Betracht. Deren Verweigerung misst sich nach weniger 
strengen Anforderungen als bei einer Anspruchsbewilligung (vgl. BVR 2013 
S. 73 E. 3.2 f.). 

2.6 Zwar hat die Vorinstanz die Verweigerung der Bewilligungsverlän-
gerung unter Ermessensgesichtspunkten nicht selbständig geprüft, weil sie 
– für den Fall des Bestehens eines Anspruchs aus Art. 43 AuG – die Zuläs-
sigkeit der Verweigerung einer Anspruchsbewilligung beurteilt hat. Indes 
hat sie dabei, als Ergebnis einer umfassenden Interessenabwägung, aus-
drücklich festgehalten, dass die blosse Verwarnung als gegenüber der 
Wegweisung mildere Massnahme den öffentlichen Interessen an der Ent-
fernungsmassnahme nicht gerecht würde (E. 7). Es ist demnach ausge-
schlossen, dass die POM unter dem Titel «Ermessensbewilligung» zum für 
den Beschwerdeführer positiven gegenteiligen Schluss gelangen würde. Im 
Übrigen scheidet eine ermessensweise Bewilligungsverlängerung von 
vornherein aus, wenn ein Widerrufsgrund nach Art. 62 AuG vorliegt und 
sich der Widerruf aufgrund einer Abwägung sämtlicher Interessen des Ein-

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zelfalls als verhältnismässig erweist (vgl. BVR 2011 S. 289 E. 6). Wie die 
folgenden Erwägungen zeigen, hat die POM die Zulässigkeit der Nichter-
neuerung einer Anspruchsbewilligung zu Recht bejaht: 

2.7 Der Beschwerdeführer wurde am 12. Mai 2014 unter anderem zu 
einer bedingten Freiheitsstrafe von 22 Monaten verurteilt. Damit hat er den 
Widerrufsgrund der längerfristigen Freiheitsstrafe im Sinn von Art. 62 Bst. b 
AuG gesetzt, was er selber nicht bestreitet. Auch bei Vorliegen eines Wi-
derrufsgrunds nach Art. 62 AuG ist die Nichtverlängerung der Aufenthalts-
bewilligung unter Anordnung der Wegweisung nur dann zulässig, wenn sie 
aufgrund der im Einzelfall vorzunehmenden Interessenabwägung als ver-
hältnismässig erscheint (Art. 5 Abs. 2 BV und Art. 96 AuG). Im Rahmen 
dieser Prüfung sind die öffentlichen Interessen an der Entfernungsmass-
nahme aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (E. 3 hier-
nach) gegen die privaten Interessen der betroffenen Person am weiteren 
Verbleib in der Schweiz (hinten E. 4) abzuwägen (hinten E. 5). Zu berück-
sichtigen ist die Gesamtheit der rechtswesentlichen Umstände im Einzelfall, 
namentlich die Schwere des Verschuldens, das Verhalten gegenüber der 
öffentlichen Ordnung und Sicherheit im Allgemeinen, die Rückfallgefahr, 
die Dauer der bisherigen Anwesenheit bzw. der Grad der Integration sowie 
die der betroffenen Person und ihrer Familie oder anderen Angehörigen 
drohenden Nachteile (BGE 135 II 377 E. 4.3 und 4.5; 135 II 110 E. 2.1; 
BVR 2013 S 543 E. 4.1, 2011 S. 289 E. 5.1). 

3. 

Hinsichtlich des öffentlichen Interesses an der Nichtverlängerung der Auf-
enthaltsbewilligung ergibt sich was folgt: 

3.1 Ausgangspunkt der Beurteilung des öffentlichen Interesses ist das 
Verschulden, welches die betroffene Person mit der längerfristigen 
Freiheitsstrafe auf sich geladen hat. Seine Schwere bemisst sich regelmäs-
sig nach der Höhe der vom Strafgericht verhängten Strafe (BGE 134 II 10 
E. 4.2 [Pra 97/2008 Nr. 87], 129 II 215 E. 3.1). Gemäss höchstrichterlicher 
Rechtsprechung sprechen Freiheitsstrafen ab 24 Monaten für ein schweres 

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Verschulden, da diese Fälle bereits als so gravierend eingestuft werden, 
dass der vollständige Aufschub der Strafe nicht mehr in Frage kommt und 
mindestens ein Teil zwingend vollzogen werden muss. Auch aus fremden-
polizeilicher Sicht bedeutet eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 
mehr als 24 Monaten in jedem Fall einen sehr schwerwiegenden Verstoss 
gegen die schweizerische Rechtsordnung (vgl. BGE 139 I 145 E. 2.3 und 
3.4, 135 II 377 E. 4.4, zur vorliegend infolge langer Aufenthaltsdauer zwar 
nicht anwendbaren sog. «Reneja-Praxis»; in Bezug auf die Beurteilung des 
Verschuldens sind die Erwägungen dennoch massgeblich). 

3.2 Der Beschwerdeführer wurde am 12. Mai 2014 wegen versuchter 
schwerer Körperverletzung, Angriffs und einfacher Körperverletzung, be-
gangen am 8. November 2012, zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten 
und einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen à Fr. 50.-- bei einer Probezeit 
von zwei Jahren verurteilt (Akten EG Bern pag. 101 ff.): Der Beschwerde-
führer hielt sich am Abend des 8. November 2012 mit einem Bekannten – 
sie beide betreiben in ihrer Freizeit Thaiboxen – in einem Ausgehlokal in 
Bern auf, als sie mit zwei jungen Männern in eine Auseinandersetzung 
gerieten. Nachdem der Bekannte einen dieser Männer angegriffen hatte, 
verpasste der Beschwerdeführer dem selben Mann einen Tritt an die Stirn 
und kämpfte in der Folge auch mit dem anderen. Während das eine Opfer 
aufgrund des Vorfalls bloss kleinere Verletzungen im Kopfbereich davon-
trug, erlitt das andere einen beidseitigen Kieferbruch sowie eine Nasen-
beinfraktur; die ihm vom Beschwerdeführer am Kopf zugefügten Schläge 
hätten nach Einschätzung des Instituts für Rechtsmedizin (IRM) der 
Universität Bern jederzeit zu einer Blutung im Schädelinnern führen 
können, welche ohne rasche und adäquate medizinische Versorgung töd-
lich verlaufen kann (vgl. Akten EG Bern pag. 92). Dabei ist besonders ver-
werflich, dass der Beschwerdeführer seine Kenntnisse in einer Kampfsport-
art ausserhalb des Trainings angewandt hat, ohne sich in einer Notwehr-
situation befunden zu haben. Es vermag ihn nicht zu entlasten, dass er sich 
vom Opfer provoziert fühlte; vielmehr erachtete das Strafgericht die 
Fusstritte der beiden Täter trotz Provokation als «völlig deplatziert» und als 
eine «überrissene, krass deplatzierte Aktion»; das Opfer sei überraschend 
attackiert worden und habe sich insoweit nicht wehren bzw. schützen 
können. Entgegen seiner Auffassung (vgl. Beschwerde S. 5) hat er damit 

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weder nur ein leichtes noch – wie die POM annimmt (E. 5b f.) – mittel-
schweres Verschulden auf sich geladen; dieses ist vielmehr als schwer 
oder – mit dem Strafgericht – als «ganz erheblich» (Akten EG Bern 
pag. 70) einzustufen. Dafür spricht neben den konkreten Tatumständen 
auch das Strafmass, liegt dieses doch nur knapp unter der gemäss Reneja-
Praxis massgeblichen Grenze, ab welcher unabhängig vom jeweiligen 
Delikt von einem sehr schwerwiegenden Verstoss gegen die schweizeri-
sche Rechtsordnung auszugehen ist. Soweit der Beschwerdeführer in 
diesem Zusammenhang den Beweisantrag auf Edition der Strafakten stellt 
(vgl. Beschwerde S. 5), wird dieser abgewiesen. Eine solche vermöchte an 
der Einschätzung des Verschuldens nach dem vorstehend Gesagten nichts 
zu ändern (vgl. zur antizipierten Beweiswürdigung BVR 2012 S. 252 
E. 3.3.3, 2011 S. 97 E. 4.2.1).

3.3 Zu würdigen ist sodann das Verhalten des Beschwerdeführers 
gegenüber der öffentlichen Ordnung und Sicherheit im Allgemeinen. Bei 
Personen, die mehrfach oder sogar regelmässig delinquiert haben, besteht 
aufgrund ihrer Einsichtslosigkeit ein erhebliches sicherheitspolizeiliches 
Interesse, sie aus der Schweiz wegzuweisen. Wiederholte oder gar 
notorische Delinquenz zeigt in besonderer Weise, dass sich die betreffende 
Person von Strafurteilen nicht hat beeindrucken lassen, und führt zum 
Schluss, dass sie nicht willens oder fähig ist, sich an die hiesige 
Rechtsordnung zu halten (BGE 137 II 297 E. 3.3; BVR 2013 S. 543 E. 4.3 
mit weiteren Hinweisen). – Der Beschwerdeführer wurde wie erwähnt am 
12. Mai 2014 wegen eines gravierenden Gewaltdelikts verurteilt. Akten-
kundig ist sodann ein Strafmandat vom 28. Oktober 2014 wegen Hinderung 
einer Amtshandlung, begangen am 14. September 2014, zu einer be-
dingten Geldstrafe von acht Tagessätzen zu Fr. 50.-- und einer Busse von 
Fr. 100.-- (vgl. Akten EG Bern pag. 118 f.) sowie ein Strafbefehl vom 
4. Februar 2015 wegen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz vom 
3. Oktober 1951 über die Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe 
(Betäubungsmittelgesetz, BetmG; SR 812.121; unbefugter Konsum von 
Marihuana), begangen am 26. Oktober 2014, zu einer Busse von Fr. 100.-- 
(vgl. Akten EG Bern pag. 148.). Die POM hat dem Beschwerdeführer mithin 
zu Recht angelastet, dass er noch während laufender Probezeit erneut 
straffällig geworden sei (E. 5d). Zwar wiegen diese weiteren Delikte nicht 

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vergleichbar schwer; indes lassen die neuerlichen Verurteilungen insoweit 
auf eine gewisse Einsichtslosigkeit schliessen, als den Beschwerdeführer 
selbst der drohende Widerruf der bedingt ausgesprochenen Freiheitsstrafe 
nicht von weiteren Delikten abhalten konnte. Im Übrigen zeugt besonders 
die Hinderung einer Amtshandlung von einer gewissen Gleichgültigkeit des 
Beschwerdeführers gegenüber der öffentlichen Ordnung. 

3.4 Wie die POM zutreffend ausgeführt hat, ist aus fremdenpolizeilicher 
Sicht das Risiko eines Rückfalls umso weniger hinzunehmen, je schwerer 
die Tat wiegt, welche die ausländische Person verübt hat. Bei schweren 
Straftaten, wozu insbesondere Gewaltdelikte zählen, muss, angesichts der 
von diesen Delikten ausgehenden potentiellen Gefahr für die Gesellschaft, 
ausländerrechtlich selbst ein relativ geringes Rückfallrisiko nicht hinge-
nommen werden (BGE 139 I 16 E. 2.2.1 und 31 E. 2.3.2, 137 II 233 
E. 5.2.2). Da Art. 5 Anhang I FZA hier nicht Anwendung findet (vgl. vorne 
E. 2.2 f.), bildet zudem das Vorliegen einer gegenwärtigen Gefahr nicht 
Voraussetzung einer Wegweisungsmassnahme. Vielmehr dürfen auch 
generalpräventive Überlegungen mitberücksichtigt werden (vgl. 
BGE 136 II 5 E. 4.2 im Umkehrschluss; jüngst etwa BGer 2C_1068/2015 
vom 22.2.2016, E. 2.3, 2C_1074/2014 vom 28.7.2015, E. 2.2; BVR 2013 
S. 543 E. 4.4.1). Der konkreten Prognose über das Wohlverhalten (und 
somit der Rückfallgefahr) und dem Resozialisierungsgedanken des Straf-
rechts ist zwar im Rahmen der umfassenden fremdenpolizeilichen Interes-
senabwägung ebenfalls Rechnung zu tragen; die beiden Umstände geben 
aber nicht den Ausschlag (BGE 136 II 5 E. 4.2, 134 II 10 E. 4.3 
[Pra 97/2008 Nr. 87], 130 II 176 E. 4.2, 129 II 215 E. 3.2, 125 II 105 E. 2c 
mit Hinweisen). – Der Beschwerdeführer hat ein schweres Gewaltdelikt 
begangen (vgl. E. 3.2 f. hiervor). Anders als er meint (vgl. Beschwerde 
S. 6 f.), kann dieses nicht ohne weiteres als einmaliger Ausrutscher abge-
tan werden, sondern es sind vielmehr, wie die POM richtig gewürdigt hat 
(E. 5e), weitere Straftaten nicht auszuschliessen, zumal sich der Be-
schwerdeführer unbestrittenermassen vom Opfer hat provozieren lassen 
und dabei gezeigt hat, dass er auch ausserhalb des sportlichen Rahmens 
bereit ist, die erlernten Kampftechniken anzuwenden. Wie für die POM er-
scheint auch für das Verwaltungsgericht unter den gegebenen Umständen 
keineswegs gewährleistet, dass er nicht in eine vergleichbare Situation 

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geraten und wiederum zuschlagen könnte. Zwar trifft zu, dass keine weite-
ren ähnlich schweren Delikte aktenkundig sind. Der Beschwerdeführer hat 
aber seit Begehen der in Frage stehenden Gewalttat erneut delinquiert, 
obwohl während der Bewährungsfrist und dem Beschwerdeverfahren ei-
gentlich klagloses Verhalten ohne weiteres erwartet werden dürfte (vgl. 
BGE 134 II 10 E. 4.3 [Pra 97/2008 Nr. 87]; BGer 2C_260/2016 vom 
6.6.2016, E. 2.3, 2C_224/2015 vom 9.11.2015, E. 4.3; BVR 2013 S. 543 
E. 4.4.3). Der Beschwerdeführer kann denn auch nichts zu seinen Gunsten 
daraus ableiten, dass er im Strafverfahren offenbar «echte Reue und Ein-
sicht» gezeigt (vgl. Akten EG Bern pag. 69) und nach eigener unbelegter 
Darstellung Zahlungen an den Privatkläger geleistet haben will (vgl. Be-
schwerde vom 16.4.2015 S. 5). Er schiebt auch vor Verwaltungsgericht die 
Hauptursache für seine Tat nach wie vor auf das Opfer (vgl. vorne 
E. 3.2.2), was nicht für «echte Reue und Einsicht» spricht, sondern im Ge-
genteil eine gewisse Bagatellisierung der Straftat zeigt. Bei den vorliegen-
den Gegebenheiten lässt schliesslich das zum Tatzeitpunkt noch relativ 
junge Alter des Beschwerdeführers (vgl. Beschwerde S. 7) für sich allein 
nicht auf ein einmaliges Ereignis schliessen; dieser hatte im Übrigen da-
mals schon seit immerhin eineinhalb Jahren das Mündigkeitsalter erreicht. 
Mit der POM ist damit eine gewisse, angesichts der Schwere der verübten 
Delikte nicht hinzunehmende Rückfallgefahr nicht auszuschliessen. Aus-
serdem dürfen, wie erwähnt, auch generalpräventive Überlegungen be-
rücksichtigt werden. 

3.5 Insgesamt ist damit angesichts des schweren Verschuldens, der 
Mehrfachdelinquenz sowie der nicht auszuschliessenden Rückfallgefahr 
mit der POM im Ergebnis auf ein gewichtiges öffentliches Interesse am 
Widerruf der Aufenthaltsbewilligung und der damit verbundenen Wegwei-
sung des Beschwerdeführers aus der Schweiz zu schliessen. 

4. 

Hinsichtlich der privaten Interessen, welche der Entfernungsmassnahme 
entgegenstehen können, sind die Dauer der Anwesenheit und die Integra-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 01.11.2016, Nr. 100.2015.361U, 
Seite 13

tion in der Schweiz sowie die dem Beschwerdeführer und seiner Familie 
drohenden Nachteile zu berücksichtigen. 

4.1 Der heute 23-jährige Beschwerdeführer wuchs zusammen mit sei-
ner Schwester bei der Grossmutter in Thailand auf (vgl. Akten EG Bern 
pag. 93). Im Jahr 2004 reiste er im Alter von 11 Jahren zu seiner Mutter in 
die Schweiz ein, welche hier ein (abgeleitetes) Anwesenheitsrecht 
EU/EFTA erworben hatte (vgl. vorne E. 2.1). Seine Aufenthaltsdauer fällt 
damit lang aus, was auch die POM anerkannt hat (E. 6b). Er verbrachte 
aber den prägenden Abschnitt seiner Kindheit in der Heimat; dort wurde er 
zu einem grossen Teil sozialisiert. Die Vorinstanz hat die Aufenthaltsdauer 
sodann zu Recht mit Blick auf die Dauer des vorliegenden ausländerrecht-
lichen Verfahrens relativiert (vgl. zur Bedeutung der Aufenthaltsdauer auf-
grund einer vorläufigen Duldung BGE 137 II 1 E. 4.3 mit Hinweisen, 
134 II 10 E. 4.3 [Pra 97/2008 Nr. 87]). 

4.2 Der Aufenthaltsdauer kommt umso weniger Bedeutung zu, als die 
Integration des Beschwerdeführers in die hiesigen Verhältnisse nicht 
gelungen ist: Der Beschwerdeführer besuchte nach seiner Einreise in 
die Schweiz das 7. bis 9. Schuljahr sowie ein weiteres Schuljahr an der 
Berufs-, Fach- und Fortbildungsschule (BFF) Bern; nach einem 
Motivationssemester im Kompetenzzentrum Arbeit (KA) absolvierte er eine 
einjährige Vorlehre als Hilfskoch. Hierauf war er arbeitslos und bezog 
während kurzer Zeit Arbeitslosentaggelder (vgl. Akten EG Bern 93 und 
129). Von April 2012 bis Februar 2014 wurde er im Gesamtbetrag von rund 
Fr. 60'000.-- vollumfänglich vom Sozialdienst unterstützt (Akten EG Bern 
pag. 117, 122 ff., 129). Nach vorübergehenden Anstellungen im 
Gastgewerbe von Januar 2014 bis März 2015 und von April 2015 bis 
September 2015 (vgl. Akten EG Bern pag. 93, 110 f. und 136 f.; Beilagen 
2-7 zur Beschwerde vom 16.4.2015) musste er wieder vom Sozialdienst 
unterstützt werden (vgl. Akten EG Bern pag. 139 f.). Derzeit beläuft sich die 
wirtschaftliche Hilfe auf Fr. 585.-- pro Monat (vgl. Beschwerde S. 8; BB 3). 
Im Betreibungsregister Bern-Mittelland ist er per 28. Juli 2014 mit vier 
Betreibungen über insgesamt Fr. 3'022.25 registriert (Akten EG Bern 
pag. 54; vgl. auch pag. 46). Wie die POM richtig gewürdigt hat (E. 6b), 
kann vor diesem Hintergrund von einer gelungenen Integration in beruflich-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 01.11.2016, Nr. 100.2015.361U, 
Seite 14

wirtschaftlicher Hinsicht keine Rede sein. In sozialer Hinsicht sind vertiefte 
ausserfamiliäre Kontakte weder geltend gemacht noch erkennbar. 
Schliesslich spricht, wie die Vorinstanz ebenfalls zu Recht anführt, die 
erhebliche Delinquenz des Beschwerdeführers gegen eine erfolgreiche 
Integration, ist doch die Respektierung der rechtsstaatlichen Ordnung ein 
zentraler Aspekt jeglicher Integration (vgl. Art. 4 Bst. a der Verordnung vom 
24. Oktober 2007 über die Integration von Ausländerinnen und Ausländern 
[VIntA; SR 142.205]). Die begangenen Straftaten dürfen durchaus unter 
diesem Gesichtspunkt gewürdigt werden (vgl. Beschwerde S. 9). 

4.3 Zu berücksichtigen sind weiter die dem Beschwerdeführer und 
seiner Familie durch die Entfernungsmassnahme drohenden Nachteile: 
Was seine Rückkehr nach Thailand anbelangt, hat die POM zutreffend 
erwogen (E. 6c), dass der Beschwerdeführer die ersten elf Jahre und damit 
die prägende Zeit seiner Kindheit im Heimatland verbracht hat; an-
schliessend wuchs er bei seiner ebenfalls aus Thailand stammenden 
Mutter in der Schweiz auf. Entgegen den – nicht näher substanziierten – 
Einwänden des Beschwerdeführers (vgl. Beschwerde S. 9) ist mit der POM 
unter diesen Umständen davon auszugehen, dass dieser mit der Sprache 
und Kultur seiner Heimat nach wie vor vertraut ist. Weiter erscheint zwar 
nicht ausgeschlossen, dass der Beschwerdeführer in Thailand nach der 
mehrjährigen Abwesenheit über kein familiäres und/oder soziales Netz 
mehr verfügt. Dieser Umstand lässt aber eine Rückkehr für sich allein nicht 
als unzumutbar erscheinen. Im Übrigen ist nicht ersichtlich, weshalb der 
unverheiratete und kinderlose Beschwerdeführer im Alter von 23 Jahren in 
seinem Heimatland, in dem er einen grossen Teil seines Lebens verbracht 
hat, nicht sollte neue Beziehungen knüpfen können. Als arbeitsfähiger 
junger Mann ist er schliesslich in der Lage, in Thailand einer Erwerbs-
tätigkeit nachzugehen. Inwiefern ihm diesbezüglich seine schulische Lauf-
bahn in der Schweiz entgegenstehen sollte, ist nicht nachvollziehbar; 
vielmehr dürften ihm die in der Schweiz absolvierten Ausbildungen und die 
hier gewonnen beruflichen Erfahrungen die Wiedereingliederung in der 
Heimat sogar erleichtern. Wohl trifft zu, dass die dortigen Lebensumstände 
und die wirtschaftliche Situation schwieriger sind als in der Schweiz. Die 
POM hat darin aber zu Recht keine spezifischen persönlichen Umstände 
erblickt, welche eine Ausreise als unzumutbar erscheinen liessen, zumal 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 01.11.2016, Nr. 100.2015.361U, 
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hiervon nicht allein er, sondern die gesamte dort lebende Bevölkerung 
betroffen ist (vgl. statt vieler BGer 2C_374/2013 vom 8.1.2014, E. 2.6; 
BVR 2015 S. 487, nicht publ. E. 4.4.1 [VGE 2014/339 vom 23.3.2015; 
bestätigt durch BGer 2C_338/2015, 2D_22/2015 vom 12.5.2015). Im 
Übrigen erscheint, wie die POM richtigerweise ins Feld führt, nicht 
ausgeschlossen, dass ihn seine Familie von der Schweiz aus finanziell 
unterstützt. Der Rückkehr nach Thailand stehen damit keine unüberwind-
baren Hindernisse entgegen. – Der Beschwerdeführer ist weder verheiratet 
noch hat er Kinder. Zwar ist ihm beizupflichten, dass durch die Weg-
weisung die persönlichen Kontakte zu seiner hier lebenden Herkunfts-
familie, namentlich der Mutter und dem Stiefvater, erschwert würden (vgl. 
Beschwerde, S. 9). Diese Familienmitglieder zählen jedoch unbestrittener-
massen nicht (mehr) zur Kernfamilie des volljährigen Beschwerdeführers 
und es liegt auch kein besonderes, über die normalen affektiven Be-
ziehungen hinausgehendes Abhängigkeitsverhältnis vor, wie es ausserhalb 
der Kernfamilie für einen Schutz nach Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 2 BV 
erforderlich wäre (vgl. etwa BGE 139 II 393 E. 5.1; BGer 2C_451/2015 vom 
28.4.2016, E. 3.4). Wie die POM im Ergebnis richtig erkannt hat, fallen die 
familiären Beziehungen damit vorliegend nicht wesentlich ins Gewicht (vgl. 
etwa BGer 2C_451/2015 vom 28.4.2016, E. 3.4 und 4.4, 2C_129/2015 vom 
1.9.2015, E. 4.3.3). Die Vorinstanz hat ausserdem zu Recht darauf hin-
gewiesen, dass die Kontakte während gegenseitigen Besuchen sowie 
mittels herkömmlicher Kommunikationsmittel in einem gewissen Rahmen 
auch vom Ausland her gepflegt werden können. 

4.4 Mit Blick auf die privaten Interessen ist festzuhalten, dass sich der 
Beschwerdeführer vergleichsweise lang in der Schweiz aufhält. Seine Auf-
enthaltsdauer ist aber insbesondere mit Blick auf die nicht gelungene In-
tegration zu relativieren. Die Rückkehr nach Thailand ist zumutbar und den 
in familiärer Hinsicht drohenden Nachteilen kommt keine wesentliche Be-
deutung zu. 

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Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 01.11.2016, Nr. 100.2015.361U, 
Seite 16

5. 

Die Abwägung der massgeblichen öffentlichen und privaten Interessen 
ergibt Folgendes: Der Beschwerdeführer hat 2012 ein schweres Gewalt-
delikt begangen, indem er zusammen mit einem Bekannten – beide frei-
zeitmässige Thaiboxer – zwei Personen angriff und diesen teilweise 
schwere Verletzungen zufügte. Er wurde deswegen unter anderem zu einer 
Freiheitsstrafe von 22 Monaten verurteilt, was ein schweres Verschulden 
zum Ausdruck bringt. Hinzu kommen weitere Delikte und es besteht eine 
nicht hinzunehmende Rückfallgefahr. Gemäss der ständigen strengen Ge-
richtspraxis bei derartigen Delikten und den generalpräventiven Überlegun-
gen, welche die Ausländerbehörden zulässigerweise in die Beurteilung 
einfliessen lassen dürfen, besteht damit ein gewichtiges öffentliches Inte-
resse an der strittigen Massnahme. Die privaten Interessen des Beschwer-
deführers an einem Verbleib in der Schweiz haben davor zurückzustehen: 
Der Beschwerdeführer hält sich zwar relativ lang hier auf, konnte sich aber 
nicht integrieren. Weiter ist die Rückkehr nach Thailand zumutbar. Er ist in 
seinem Heimatland grösstenteils aufgewachsen und mit der dortigen Spra-
che und Kultur nach wie vor vertraut; ausserdem spricht nichts dagegen, 
dass er in Thailand beruflich Fuss fassen kann. Der Entfernungsmass-
nahme stehen schliesslich auch die familiären Verhältnisse nicht entgegen; 
die Kontakte des volljährigen Beschwerdeführers zu seiner Herkunftsfamilie 
können in einem gewissen Rahmen vom Ausland her aufrechterhalten 
werden. Die Entfernungsmassnahme erweist sich damit als verhältnismäs-
sig. Unter diesen Umständen kommt auch die vom Beschwerdeführer be-
antragte Verwarnung unter (blosser) Androhung des Bewilligungswiderrufs 
nach Art. 96 Abs. 2 AuG (vgl. Beschwerde S. 10) nicht in Frage; eine sol-
che würde den öffentlichen Interessen an der Wegweisung nicht gerecht. 
Damit sind die Voraussetzungen erfüllt, unter denen selbst eine An-
spruchsbewilligung widerrufen werden könnte, weshalb eine ermessens-
weise Bewilligungsverlängerung, wie um die es vorliegend nach dem Ge-
sagten allein gehen kann, von vornherein nicht in Frage kommt (vorne 
E. 2.6). Der angefochtene Entscheid hält damit der Rechtskontrolle stand. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 01.11.2016, Nr. 100.2015.361U, 
Seite 17

6. 

Die Beschwerde erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen. Da die 
von der Vorinstanz angesetzte Ausreisefrist abgelaufen ist, ist praxisge-
mäss eine neue festzulegen. 

7.

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Beschwerdeführer an sich 
verfahrenskostenpflichtig; Anspruch auf Parteikostenersatz hat er nicht 
(Art. 108 Abs. 1 und 3 VRPG). Er hat aber ein Gesuch um unentgeltliche 
Rechtspflege unter Beiordnung seines Rechtsvertreters als amtlicher An-
walt gestellt. 

7.1 Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von 
den Verfahrenskosten, wenn sie ihre Prozessbedürftigkeit nachweist und 
das Verfahren nicht von vornherein aussichtslos ist (Art. 111 Abs. 1 VRPG; 
vgl. auch Art. 117 der Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 19. De-
zember 2008 [Zivilprozessordnung, ZPO; SR 272]). Ein Prozess ist nicht 
aussichtslos, wenn berechtigte Hoffnung besteht, ihn zu gewinnen, das 
heisst wenn Gewinnaussichten und Verlustgefahren sich ungefähr die 
Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Als aussichtslos 
sind nach der bundesgerichtlichen Praxis demgegenüber Prozessbegehren 
anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als 
die Verlustgefahren und deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden 
können. Massgebend ist dabei, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel 
verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen 
oder aber davon absehen würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie 
auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb aus-
tragen können, weil er sie nichts kostet (BVR 2015 S. 487 E. 7.1; 
BGE 139 III 475 E. 2.2).

7.2 Der Beschwerdeführer erzielt gegenwärtig kein Erwerbseinkommen 
und wird vom Sozialdienst unterstützt (vgl. vorne E. 2.3 und 4.2); es ist da-
mit ohne weiteres von dessen Prozessbedürftigkeit auszugehen. Die Ver-
waltungsgerichtsbeschwerde kann sodann mit Blick auf die sich hier stel-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 01.11.2016, Nr. 100.2015.361U, 
Seite 18

lenden freizügigkeitsrechtlichen Fragen sowie der gerade in diesem Punkt 
eher knappen Begründung der Vorinstanz (vgl. vorne E. 2.3) nicht als von 
vornherein aussichtslos bezeichnet werden. Schliesslich rechtfertigen die 
Verhältnisse auch den Beizug einer Rechtsvertreterin oder eines Rechts-
vertreters. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist somit gutzu-
heissen, und dem Beschwerdeführer ist für das verwaltungsgerichtliche 
Beschwerdeverfahren sein Rechtsvertreter als amtlicher Anwalt beizuord-
nen. 

7.3 Die Verfahrenskosten sind demnach unter Vorbehalt der Nachzah-
lungspflicht des Beschwerdeführers vorläufig vom Kanton Bern zu tragen 
(Art. 113 Abs. 1 VRPG i.V.m. Art. 123 ZPO). Die Kostennote des Rechts-
vertreters gibt im Licht von Art. 104 Abs. 1 VRPG i.V.m. Art. 41 des Kan-
tonalen Anwaltsgesetzes vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11) und 
Art. 1 und 11 ff. der Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung 
des Parteikostenersatzes (PKV; BSG 168.811) zu keinen Bemerkungen 
Anlass. Entsprechend ist der tarifmässige Parteikostenersatz auf Fr. 2'270.-
-, zuzüglich Fr. 38.70 Auslagen und Fr. 184.70 MWSt (8 % von 
Fr. 2'308.70), insgesamt Fr. 2'493.40 festzusetzen. Die amtliche Entschä-
digung ist bei einem massgeblichen Zeitaufwand von 9,08 Stunden gestützt 
auf Art. 112 Abs. 1 VRPG i.V.m. Art. 42 KAG und Art. 1 der Verordnung 
vom 20. Oktober 2010 über die Entschädigung der amtlichen Anwältinnen 
und Anwälte (EAV; BSG 168.711) auf Fr. 1'816.-- (9,08 x 200.--), zuzüglich 
Fr. 38.70 Auslagen und Fr. 148.40 MWSt (8 % von Fr. 1'854.70), insgesamt 
Fr. 2'003.10, festzusetzen. Der Rechtsvertreter ist vorerst aus der Gerichts-
kasse zu entschädigen. Der Beschwerdeführer ist gegenüber dem Kanton 
bzw. dem Rechtsvertreter zur Nachzahlung verpflichtet, sobald er dazu in 
der Lage ist (Art. 113 VRPG i.V.m. Art. 42a Abs. 2 KAG und Art. 123 ZPO).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. Dem Beschwerdeführer wird eine 
Ausreisefrist angesetzt auf den 15. Dezember 2016. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 01.11.2016, Nr. 100.2015.361U, 
Seite 19

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird gutgeheissen. 

3. Die Kosten des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht, bestimmt auf 
eine Pauschalgebühr von Fr. 2'500.--, werden dem Beschwerdeführer 
auferlegt. Die Kosten trägt vorerst der Kanton Bern. Vorbehalten bleibt 
die Nachzahlungspflicht des Beschwerdeführers. 

4. Für das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht wird dem Beschwerde-
führer Rechtsanwalt …, Bern, als amtlicher Anwalt beigeordnet. Der ta-
rifmässige Parteikostenersatz wird in diesem Verfahren auf Fr. 2'493.40. 
(inkl. Auslagen und MWSt) festgesetzt. Davon wird Rechtsanwalt … aus 
der Gerichtskasse eine auf Fr. 2'003.10 (inkl. Auslagen und MWSt) fest-
gesetzte Entschädigung vergütet. Vorbehalten bleibt die Nachzahlungs-
pflicht des Beschwerdeführers. 

5. Zu eröffnen:
- dem Beschwerdeführer
- der Polizei- und Militärdirektion 
- der Einwohnergemeinde Bern 
- dem Staatssekretariat für Migration 

Der Abteilungspräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen 
Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 
17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110), oder, soweit es die 
Ermessensbewilligung betrifft, subsidiäre Verfassungsbeschwerde gemäss 
Art. 39 ff. und 113 ff. BGG geführt werden.