# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a3a0b7ac-5d43-52af-8813-d2fbc190f201
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-03-20
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 20.03.2014 IV 2012/476
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2012-476_2014-03-20.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2012/476

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 03.06.2020

Entscheiddatum: 20.03.2014

Entscheid Versicherungsgericht, 20.03.2014
Würdigung eines medizinischen Gutachtens. Verwertbarkeit der 
Arbeitsfähigkeit, insbesondere bei fortgeschrittenem Alter. Abzug vom 
Tabellenlohn (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen 
vom 20. März 2014, IV 2012/476). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 
8C_415/2014

Entscheid Versicherungsgericht, 20.03.2014

Vizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichter Joachim Huber, Versicherungsrichterin 

Miriam Lendfers; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Entscheid vom 20. März 2014

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Petrik, Anwaltskanzlei schmuckipartner, 

Marktgasse 3, 9004 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

IV-Leistungen

Sachverhalt:

A.    

A.a  A.___, geboren 19__, meldete sich am 6. Februar 2011 zum Bezug von Leistungen 

der Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1). Er gab 

an, keinen Beruf erlernt zu haben und aktuell als Fabrikarbeiter in einem Vollpensum 

tätig zu sein. Er leide an einer Arthrose der Schultergelenke und sei deswegen seit dem 

31. August 2010 vollständig arbeitsunfähig. Sein Hausarzt, Dr. med. B.___, teilte 

Dr. med. C.___ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) am 17. März 2011 

telefonisch mit, dem Versicherten sei aufgrund einer Omarthrose am 31. August 2010 

eine Schultergelenkstotalendoprothese rechts eingesetzt worden (IV-act. 16). Die 

postoperative Rehabilitation gehe zögerlich voran. Aktuell bestehe der Verdacht einer 

frozen shoulder rechts und einer partiellen Läsion des Nervus axillaris rechts. Die 

Beweglichkeit der rechten Schulter sei massiv eingeschränkt. Der Versicherte sei – 

auch in adaptierten Tätigkeiten – nicht arbeitsfähig. Die Klinik für Orthopädische 

Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen berichtete am 14. April 2011 (IV-act. 31–9), 

angesichts der Störung im Bereich des Nervus musculo-cutaneus erscheine eine 

erneute operative Revision zur Verbesserung des Bewegungsumfangs aktuell als nicht 

indiziert. Vielmehr sollte versucht werden, die Schmerztherapie zu optimieren und nach 

Möglichkeit eine intensivierte Physiotherapie in die Wege zu leiten. Aktuell sei der 

Versicherte nicht arbeitsfähig. Das Muskelzentrum des Kantonsspitals St. Gallen hatte 

am 24. März 2011 über eine zu vermutende axonale Schädigung des Nervus musculo-

cutaneus rechts und einen Hinweis auf eine ältere axonale Läsion des rechten Nervus 

suprascapularis rechts berichtet (IV-act. 31–4 ff.). Nachdem der IV-Stelle weitere 

Berichte zugegangen waren, notierte die RAD-Ärztin Dr. C.___ am 15. Dezember 2011 

(IV-act. 35), die Aussagen des Hausarztes und des Muskelzentrums zur Arbeitsfähigkeit 

seien widersprüchlich. Die Klinik für Orthopädie habe sich nicht zur Arbeitsfähigkeit 

geäussert. Sie empfahl, einen weiteren Arztbericht bei der Klinik für Orthopädie 

einzuholen. Am 6. Februar 2012 teilte diese mit (IV-act. 42; vgl. auch IV-act. 36 f.), zur 

Arbeitsfähigkeit könne nicht Stellung genommen werden. Der Versicherte leide an einer 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Schwäche und an einer Sensibilitätsstörung im rechten Arm. Die rechte Schulter sei nur 

eingeschränkt einsatzfähig.

A.b  Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die medizinische Abklärungsstelle Bern ZVMB 

GmbH am 3. August 2012 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 55). Die Sachver­

ständigen führten aus, aus internistischer und psychiatrischer Sicht lägen keine die 

Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden Gesundheitsstörungen vor. Aus neurologischer 

Sicht sei wahrscheinlich ab dem 24. März 2011 keine versicherungsmedizinisch rele­

vante Diagnose mehr zu stellen gewesen. Aus objektiver Sicht sei jedenfalls keine 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus neurologischer Sicht mehr begründbar. Aus 

orthopädischer Sicht seien die Beeinträchtigungen an der rechten Schulter und am 

rechten Arm durch den Zustand nach der Implantation einer Gelenkprothese und der 

anschliessenden Entwicklung einer frozen shoulder zu verstehen. Mit dem rechten Arm 

könne der Versicherte bloss noch Lasten bis sieben Kilogramm vom Boden bis zur 

Taille heben. Tragen, Stossen und Ziehen könne er einhändig rechts noch Lasten bis 

zehn Kilogramm. Die fehlende Beweglichkeit in der Schulter mache das Heben über 

Taillenhöhe und horizontal unmöglich. Für Tätigkeiten mit der rechten Hand, bei denen 

nur der Ellenbogen, das Handgelenk und die Finger, nicht aber die Schulter zum 

Einsatz kämen, bestehe Einsetzbarkeit. Das Tragen vorne beidseitig sei nur noch für 

Lasten bis 15 Kilogramm möglich. Auch in der linken Schulter bestehe eine 

entsprechende Bewegungseinschränkung, die es verunmögliche, Lasten über 

Taillenhöhe zu heben. Überkopfarbeiten seien dauerhaft nicht mehr möglich. Unter 

Berücksichtigung dieser Einschränkungen seien leichte körperliche Tätigkeiten 

vollschichtig ausführbar. Die RAD-Ärztin Dr. C.___ erachtete das Gutachten am 

22. August 2012 als überzeugend (IV-act. 56). Mit einem Vorbescheid vom 29. August 

2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie gedenke, sein 

Leistungsbegehren bei einem Invaliditätsgrad von null Prozent abzuweisen (IV-act. 60). 

Dagegen liess der nun anwaltlich vertretene Versicherte einwenden (IV-act. 65), die von 

den Sachverständigen beschriebene zumutbare Tätigkeit existiere auf dem 

ausgeglichenen Arbeitsmarkt gar nicht, weshalb der Versicherte überhaupt kein 

Erwerbseinkommen mehr erzielen könne, zumal sein Alter und die fehlenden 

Sprachkenntnisse das Auffinden einer Erwerbstätigkeit zusätzlich erschwerten. Der 

Versicherte habe deshalb Anspruch auf eine ganze Rente. Mit einer Verfügung vom 

15. November 2012 wies die IV-Stelle das Leistungsgesuch ab (IV-act. 66). Sie führte 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

aus, geeignete Tätigkeiten existierten auf dem Arbeitsmarkt durchaus; das Alter und 

die Sprachkenntnisse seien invaliditätsfremd und deshalb nicht zu berücksichtigen. 

Ihrer Verfügung legte sie eine Aufstellung von drei ihr geeignet scheinenden Tätigkeiten 

bei (IV-act. 67).

B.    

B.a  Am 17. Dezember 2012 liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) 

eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 15. November 2012 erheben und die 

Zusprache einer ganzen Rente sowie eventualiter die Rückweisung zu weiteren 

Abklärungen beantragen (act. G 1). Zur Begründung liess er im Wesentlichen 

ausführen, auf das Gutachten der ZVMB GmbH könne nicht abgestellt werden, weil es 

die Sachverständigen unterlassen hätten, eine elektromyographische Untersuchung 

durchzuführen. Die Ergebnisse des von den Sachverständigen mehrfach erwähnten 

Labortests seien nicht dokumentiert, womit sich das Gutachten als lückenhaft erweise 

und überdies der Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden sei. Die 

Sachverständigen hätten auch unzureichend begründet, weshalb ihrer Ansicht nach 

keine Nervenverletzung mehr vorläge, denn im Muskelzentrum des Kantonsspitals 

St. Gallen sei eine Nervenverletzung nachgewiesen worden. Angesichts der Befunde 

des Orthopäden erscheine es als unmöglich, dass der Beschwerdeführer seinen 

rechten Arm im Rahmen einer Arbeitstätigkeit noch einsetzen könne. Der Arm sei 

praktisch unbeweglich und nicht mehr belastbar. Auch die Einsatzfähigkeit des linken 

Arms sei erheblich beeinträchtigt. Die von den Sachverständigen insgesamt 

abgegebene Arbeitsfähigkeitsschätzung überzeuge angesichts dessen nicht. Der 

Beschwerdeführer könne unter Berücksichtigung der orthopädischen Befunde wohl 

keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen. Die von der Beschwerdegegnerin in der 

angefochtenen Verfügung erwähnten Arbeitsplatzbeispiele beträfen allesamt 

Montagetätigkeiten, die aber gemäss dem Gutachten der ZVMB GmbH gar nicht mehr 

zumutbar seien. Schliesslich sei auch zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin 

die Zumutbarkeit einer Verweistätigkeit unter Berücksichtigung des Alters und der 

fehlenden Sprachkenntnisse nicht vertieft geprüft habe. Die Verwertbarkeit einer 

allfälligen Arbeitsfähigkeit sei jedenfalls nicht mehr gegeben. Sollte dennoch davon 

aufgegangen werden, dass eine zumutbarerweise verwertbare Arbeitsfähigkeit 

bestehe, müsse ein Abzug vom Tabellenlohn von 25 Prozent gewährt werden.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

B.b  Die Beschwerdegegnerin beantragte am 22. Januar 2013 die Abweisung der Be­

schwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, entgegen der 

Ansicht des Beschwerdeführers sei dessen rechter Arm noch einsetzbar. Die einge­

schränkte Schulterbeweglichkeit erschwere lediglich gewisse Tätigkeiten, was aber 

nicht zu einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit führe. Deshalb hätten die 

Sachverständigen ja auch eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte 

Tätigkeiten attestiert. Die in der Verfügung beispielhaft erwähnten Arbeitsplätze hätten 

gemein, dass die Schultergelenke kaum in Anspruch genommen werden müssten. Der 

Beschwerdeführer habe nicht konkret dargelegt, weshalb diese Arbeiten nicht 

zumutbar sein sollten. Selbst wenn er als faktisch Einhändiger qualifiziert würde, 

könnte er auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise geeignete 

Tätigkeiten finden. Die invaliditätsfremden Faktoren hätten bei der Frage nach der 

Verwertbarkeit unberücksichtigt zu bleiben. Selbst bei Gewährung eines maximalen 

Abzuges vom Tabellenlohn von 25 Prozent resultiere kein rentenbegründender 

Invaliditätsgrad, weshalb kein Rentenanspruch bestehe.

B.c  Am 4. März 2013 liess der Beschwerdeführer einwenden (act. G 7), entscheidend 

sei nicht die passive, sondern vielmehr die aktive Beweglichkeit der Arme. Diese sei so 

eingeschränkt, dass eine Erwerbstätigkeit nicht nur unzumutbar, sondern sogar un­

möglich sei. Das linke Schultergelenk müsse in absehbarer Zeit wohl ebenfalls ersetzt 

werden. Es liege im Übrigen an der Beschwerdegegnerin, zumutbare Tätigkeiten zu 

bezeichnen.

B.d  Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 9).

Erwägungen:

1.     

1.1   Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die 

ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her­

stellen, erhalten oder verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen 

Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und 

nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere 

Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der 

durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit 

verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze 

oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden 

ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des 

Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach 

Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und 

allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei 

ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum 

Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 

(Art. 16 ATSG).

1.2   Bei der Ermittlung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens stellt 

sich zunächst die Frage nach der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer der 

Gesundheitsbeeinträchtigung angepassten Hilfsarbeit. Laut dem Gutachten der ZVMB 

GmbH bestehen erhebliche Einschränkungen der Beweglichkeit und der Belastbar­

keit der rechten Schulter. Sodann sind auch die Beweglichkeit und die Belastbarkeit 

der linken Schulter beeinträchtigt. Eine gewisse Restbelastbarkeit ist allerdings 

bezüglich beider Schultern noch gegeben. Selbst mit dem rechten Arm kann der 

Beschwerdeführer noch leichtere Lasten heben und tragen. Feinmotorische Tätigkeiten 

sind ihm beidhändig zumutbar. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers spielt die 

vom Orthopäden festgehaltene aktive Beweglichkeit diesbezüglich keine 

entscheidende Rolle, denn für den Orthopäden ist nicht beurteilbar, ob der 

Beschwerdeführer den orthopädisch noch möglichen Bewegungsspielraum voll 

ausgeschöpft oder sich selbst limitiert hat. Aus diesem Grund wird jeweils auch die 

passive Beweglichkeit geprüft. Es darf ohne Weiteres unterstellt werden, dass der 

Orthopäde in der Lage gewesen ist, anhand der den Akten entnommenen und anhand 

der anlässlich der persönlichen Untersuchung gewonnenen Daten eine Beurteilung 

darüber abzugeben, welche Anstrengungen dem Beschwerdeführer noch zugemutet 

werden können. Insofern kann kein Widerspruch innerhalb des Gutachtens der ZVMB 

GmbH erblickt werden. Nicht zu beanstanden ist weiter, dass keine Elektromyographie 

durchgeführt worden ist. Den Sachverständigen haben die detaillierten Ergebnisse der 

vom Muskelzentrum des Kantonsspitals St. Gallen durchgeführten 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

elektromyographischen Untersuchungen vorgelegen und es hat in ihrer Kompetenz 

gestanden, darüber zu entscheiden, ob eine weitere elektromyographische 

Untersuchung notwendig sei. Eine neue Untersuchung wäre nötig gewesen, wenn 

Hinweise auf eine Veränderung seit der letzten Untersuchung vorgelegen hätten. 

Massgebend sind in erster Linie ohnehin die anhand der klinischen Untersuchung 

ermittelten Einschränkungen, weshalb auf gewisse diagnostische Abklärungen unter 

Umständen verzichtet werden kann. Die Labortests sind schliesslich für die Beurteilung 

der hier massgebenden Frage nicht von wesentlicher Bedeutung gewesen, weil die 

Sachverständigen ihre Schlussfolgerungen nicht auf deren Ergebnisse gestützt haben 

und auch nicht ersichtlich ist, dass sie dies hätten tun sollen. Ausserdem sind die 

daraus gewonnenen wesentlichen Erkenntnisse im Gutachten wiedergegeben worden. 

Insgesamt vermag das Gutachten zu überzeugen, denn es erscheint als sorgfältig und 

unter Berücksichtigung sämtlicher relevanter Daten ausgearbeitet; die 

Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar und plausibel. Massgebend für die 

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ist folglich das anlässlich der Konsensbesprechung 

ermittelte Zumutbarkeitsprofil, zumal keine wesentlichen Abweichungen zu den 

Einschätzungen der behandelnden Fachärzte erblickt werden können.

1.3   Für die im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren relevante Frage nach der 

Verwertung einer medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit in einer Erwerbstätigkeit 

ist praxisgemäss auf den so genannten ausgeglichenen Arbeitsmarkt abzustellen, der 

sich dadurch auszeichnet, dass ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage 

nach Arbeitskräften und ein Fächer verschiedenster Tätigkeiten bestehen (BGE 110 V 

273 E. 4b S. 276). Mit dem Abstellen auf diesen teilweise fiktiven und nicht auf den 

realen Arbeitsmarkt wird vermieden, dass die Invalidenversicherung auch bei einer 

Erwerbslosigkeit Leistungen erbringen muss, die nicht auf das Risiko der Invalidität, 

sondern auf jenes der Arbeitslosigkeit zurückzuführen ist. Die Annahme, der 

Beschwerdeführer könnte auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt trotz seiner 

krankheitsbedingten Einschränkungen eine geeignete Arbeitsstelle finden, ist nicht 

unrealistisch. Zwar sind die Belastbarkeit und die Beweglichkeit des linken Arms 

deutlich eingeschränkt und besteht eine weitgehende Behinderung des rechten Arms, 

so dass die von der Beschwerdegegnerin vorgeschlagenen leichten Montage- und 

Aufhängearbeiten als ungeeignet qualifiziert werden müssen. Aber zumindest Kontroll- 

und Überwachungstätigkeiten erscheinen trotz der erheblichen Beeinträchtigung an 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

beiden Armen als zumutbar, da die Arme dabei nur selten und nur ohne Krafteinsatz 

und ohne ungünstige Bewegungen eingesetzt werden müssen und da die Feinmotorik 

des Beschwerdeführers erhalten ist. Die fehlenden Deutschkenntnisse des 

Beschwerdeführers hindern die Aufnahme einer leidensadaptierten Tätigkeit nicht, 

denn für Hilfsarbeiten, insbesondere Kontroll- und Überwachungstätigkeiten, werden 

erfahrungsgemäss keine vertieften Deutschkenntnisse vorausgesetzt. Im Übrigen hat 

der Beschwerdeführer auch schon früher verschiedene Hilfsarbeiten verrichten können. 

Das fortgeschrittene Alter des Beschwerdeführers hingegen erschwert die 

Verwertbarkeit der medizinisch-theoretischen Restarbeitsfähigkeit, denn ältere 

Hilfsarbeiter, die „umsatteln“ und gewissermassen (ohne ihre früheren beruflichen 

Erfahrungen gewinnbringend nutzen zu können) von vorne beginnen müssen, sind 

teurer und häufig langsamer als jüngere Hilfsarbeiter. Sie können einem wirtschaftlich 

denkenden Arbeitgeber keinen diese Nachteile überwiegenden oder wenigstens 

ausgleichenden Vorteil bieten. Ein selbst unter marktwirtschaftlichem Druck stehender 

potentieller Arbeitgeber wird einen älteren Hilfsarbeiter ohne gewinnbringende 

berufliche Erfahrung deshalb nur zu einem unterdurchschnittlichen Lohn anstellen. In 

Bezug auf den Beschwerdeführer erscheint zwar eine Verwertung der 

Restarbeitsfähigkeit aufgrund des Alters nicht als ausgeschlossen. Er wird aber einen 

erheblichen erwerblichen Nachteil in Kauf nehmen müssen, was es rechtfertigt, einen 

Tabellenlohnabzug von 15% vorzunehmen (vgl. BGE 126 V 75).

1.4   Ist ein Versicherter vor Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung als Hilfsarbeiter 

tätig gewesen und steht ihm nun trotz seiner krankheitsbedingten Einschränkung eine 

Invalidenkarriere als Hilfsarbeiter – in einem behinderungsadaptierten Arbeitsplatz – 

offen, so entspricht der Ausgangswert zur Ermittlung des zumutbarerweise erzielbaren 

Invalideneinkommens in aller Regel dem Zentralwert der Löhne aller Hilfsarbeiter 

sämtlicher Branchen. Ist das Einsatzspektrum des Hilfsarbeiters aber wie im Fall des 

Beschwerdeführers massiv eingeschränkt, d.h. kommt nur noch ein sehr enger 

Ausschnitt aus dem Arbeitsmarkt für Hilfsarbeiten in Frage, stellt sich 

notwendigerweise die Frage nach der statistischen Relevanz dieses 

Durchschnittslohnes. Wird nämlich auf den Zentralwert der Löhne aller Branchen 

abgestellt, so wird damit unterstellt, dass zu 100% arbeitsfähige männliche 

Hilfsarbeiter, die Kontroll- und Überwachungstätigkeiten ausüben, durchschnittlich 

gleich viel verdienten wie zu 100% tätige männliche Hilfsarbeiter generell. Eine solche 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Annahme vermag offensichtlich nicht zu überzeugen. Die Lohnstrukturerhebung des 

Bundesamtes für Statistik zeigt selbst bereits die Notwendigkeit diverser 

Differenzierungen auf. So sind beispielsweise die Löhne der - regelmässig 

massgebenden - Tabelle TA1 einerseits nach der Branche und andererseits nach dem 

Anforderungsniveau unterteilt. Die Notwendigkeit einer solchen Differenzierung ist ohne 

weiteres erkennbar, denn die statistischen Erhebungen weisen nach, dass das 

Lohnniveau mit dem Anforderungsniveau steigt. Sie belegen aber auch, dass sich die 

durchschnittlichen Löhne in den verschiedenen Branchen erheblich unterscheiden. So 

sind etwa das Gastgewerbe, der Detailhandel und der Gartenbau offensichtlich 

sogenannte Tieflohnbranchen. Erfahrungsgemäss unterscheiden sich die Löhne auch 

aber je nach der Art und der Schwere der zu verrichtenden Arbeiten, was sich der 

Lohnstrukturerhebung allerdings nicht entnehmen lässt. Körperlich wenig belastende 

Tätigkeiten sind deshalb oft schlechter entlöhnt als anstrengende Tätigkeiten. Eine 

Differenzierung nach der Art der zu verrichtenden Arbeiten erscheint daher nicht als 

weniger sinnvoll und notwendig als eine Differenzierung nach dem Anforderungsniveau 

oder nach der Branche. Im Einzelfall kann es sich als notwendig erweisen, nicht auf 

den Durchschnitt aller Löhne, sondern auf einen Durchschnittslohn bei einem 

bestimmten Anforderungsniveau oder in einer bestimmten Branche abzustellen. 

Dasselbe muss gelten, wenn die konkrete Behinderung dazu führt, dass der 

versicherten Person nur noch ein besonders enger Ausschnitt aus dem Arbeitsmarkt 

offensteht. Der Umstand, dass die Ergebnisse der Lohnstrukturerhebung nicht 

entsprechend aufgeschlüsselt sind, vermag das Abstellen auf einen irrelevanten, weil 

zu allgemeinen, aber in der Lohnstrukturerhebung aufgeführten Durchschnittslohn nicht 

zu rechtfertigen. Im vorliegenden Fall darf folglich zur Ermittlung des zumutbaren 

Invalideneinkommens des Beschwerdeführers nicht auf den Zentralwert der Löhne der 

männlichen Hilfsarbeiter über sämtliche Branchen hinweg abgestellt werden. 

Massgebend ist vielmehr der sämtliche Branchen umfassende Durchschnittslohn jener 

männlichen Hilfsarbeiter, die lediglich Kontroll- und Überwachungstätigkeiten ausüben. 

Grundsätzlich hätte die Beschwerdegegnerin diesen Durchschnittslohn noch zu 

ermitteln. Nun ist aber nicht zu erwarten, dass dieser Lohn so weit unter dem 

allgemeinen Durchschnittslohn liegt, dass trotz der 100%igen Arbeitsfähigkeit (und 

unter Berücksichtigung des Tabellenlohnabzuges von 15 Prozent) ein - 

rentenbegründender - Invaliditätsgrad von wenigstens 40 Prozent resultieren würde. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Aus diesem Grund kann auf die Ermittlung des genauen Durchschnittslohns für 

Kontroll- und Überwachungsarbeiten verzichtet werden. Damit erweist sich die 

angefochtene Abweisung des Rentengesuchs des Beschwerdeführers als rechtmässig.

1.5   Laut den Akten hat der Beschwerdeführer bis zum Tag vor der Operation Ende 

August 2010 voll gearbeitet. Dass er damit über das ihm damals zumutbare Mass 

hinaus erwerbstätig gewesen hätte, ist zwar möglich, aber nicht belegt. Entsprechende 

Nachforschungen können unterbleiben, denn spätestens ab April 2011, also bereits 

sieben Monate später, ist dem Beschwerdeführer gemäss den überzeugenden 

Angaben der Sachverständigen der ZVMB GmbH die Aufnahme einer adaptierten 

Tätigkeit im Vollpensum wieder zumutbar gewesen. Der Beschwerdeführer hat also das 

sogenannte Wartejahr (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) nicht erfüllt. Folglich besteht auch kein 

Anspruch auf eine befristete Rente.

2.      Demzufolge ist die Beschwerde abzuweisen. Der unterliegende 

Beschwerdeführer hätte an sich die gemäss Art. 69 Abs. 1  IVG zu erhebenden und 

angesichts des durchschnittlichen Aufwandes auf 600 Franken festzusetzenden 

Gerichtskosten zu übernehmen. Da ihm aber die unentgeltliche Prozessführung 

bewilligt worden ist, ist er von der Bezahlung dieser Gebühr zu befreien. Der Staat hat 

seinen Rechtsvertreter infolge der Bewilligung der unentgeltlichen 

Rechtsverbeiständung mit 80% des angesichts des durchschnittlichen Aufwandes auf 

Fr. 3’500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzenden 

Honorars, das heisst mit Fr. 2’800.--, zu entschädigen. Sollten es die wirtschaftlichen 

Verhältnisse des Beschwerdeführers dereinst gestatten, kann er zur Nachzahlung der 

Gerichtsgebühr und zur Rückerstattung der Entschädigung für die unentgeltliche 

Rechtsverbeiständung verpflichtet werden (Art. 99 Abs. 2 VRP/SG i.V.m. Art. 123 ZPO).

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

entschieden:

1.      Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.      Der Beschwerdeführer wird von der Bezahlung der Gerichtskosten befreit.

bis

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3.      Der Staat hat dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine Entschädigung 

von Fr. 2’800.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu auszurichten.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 20.03.2014
	Würdigung eines medizinischen Gutachtens. Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit, insbesondere bei fortgeschrittenem Alter. Abzug vom Tabellenlohn (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. März 2014, IV 2012/476). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 8C_415/2014

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T10:01:16+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen