# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 131b6d4c-773c-5c24-abcd-e5b5bd741d36
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-01-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.01.2012 E-8819/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-8819-2010_2012-01-18.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­8819/2010

U r t e i l   v om   1 8 .   J a nua r   2 0 1 2

Besetzung Richter Kurt Gysi (Vorsitz),
Richter Daniele Cattaneo, 
Richterin Regula Schenker Senn;   
Gerichtsschreiberin Barbara Balmelli.

Parteien A._______, geboren am (…),
Türkei,  
vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, 
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM
vom 19. November 2010 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Eigenen Angaben  zufolge  verliess  der Beschwerdeführer  die Türkei  am 
16. Juli 2010 und  reiste am 19. Juli 2010  in die Schweiz ein, wo er am 
folgenden  Tag  um  Asyl  nachsuchte.  Am  29.  Juli  2010  wurde  der 
Beschwerdeführer  im Empfangs­ und Verfahrenszentrum Basel erstmals 
befragt. Das BFM hörte ihn am 12. August 2010 zu den Asylgründen an. 
Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer geltend, er stamme aus 
B._______  (Provinz C._______)  und  sei  kurdischer  Ethnie.  Als  er  zehn 
Jahre alt gewesen sei, sei seine Mutter gestorben. Ein Jahr später habe 
sein  Vater  wieder  geheiratet  und  ihn  gezwungen,  die  Schule  zu 
verlassen, um ihm bei der Arbeit (...) zu helfen. 2007 habe die Stiefmutter 
verlangt,  dass  er  das  Haus  seines  Vaters  verlasse.  Er  sei  zu  seinem 
Onkel beziehungsweise dessen Ehefrau nach D._______ gezogen, wo er 
Arbeit  in  einem  F._______  gefunden  habe.  In  einem Hinterzimmer  des 
F._______ habe sich G._______, der Besitzer des F._______, jeweils mit 
Freunden getroffen. Etwa  fünf Monate nach seinem Arbeitsbeginn habe 
ihn G._______ angesprochen und als Muslim aufgefordert,  ebenfalls an 
diesen Treffen teilzunehmen. Er habe abgelehnt, worauf  ihm G._______ 
eine  Bedenkfrist  eingeräumt  habe.  In  der  Folge  habe  ihn  G._______ 
mehrmals  aufgefordert,  an  den  Versammlungen  teilzunehmen.  Er  habe 
stets abgelehnt. Um seinen Arbeitsplatz nicht zu verlieren, habe er aber 
regelmässig die Mosche besucht. Am 7. Juli 2010 habe er seine schwer 
erkrankte  Grossmutter  im  Krankenhaus  von  D._______  besucht.  Nach 
zwei Tagen habe er an seine Arbeit zurückkehren wollen. Dabei habe er 
feststellen müssen, dass das F._______ von Polizisten umstellt  sei. Ein 
Bekannter  habe  ihm  erzählt,  dass  im  hinteren  Zimmer  des  F._______ 
unter anderem eine Bombe gefunden worden sei und G._______ sowie 
dessen weiterer Angestellter  verhaftet worden seien. Eine halbe Stunde 
später habe er – der Beschwerdeführer – seine Tante angerufen, welche 
ihm mitgeteilt  habe,  dass  er  bereits  von  vier  Polizisten  bei  ihr  gesucht 
worden sei. Umgehend habe er einen Onkel kontaktiert, welcher ihn nach 
H._______  geschickt  habe.  Aus  Angst  vor  einer  Verhaftung  sei  er 
ausgereist.

Im  Übrigen  gab  der  Beschwerdeführer  zu  Protokoll,  es  gehe  ihm 
psychisch nicht gut, da seine Mutter und Grossmutter gestorben seien. Er 
könne nachts nicht schlafen. 

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B. 
Mit  Schreiben  vom  13.  August  2010  an  das  BFM  verwies  der 
Beschwerdeführer  auf  seinen  schlechten  psychischen  Zustand  und 
ersuchte  um  eine  nähere  Untersuchung.  Mit  Zwischenverfügung  vom 
23. August 2010 setzte das BFM dem Beschwerdeführer, unter Hinweis 
auf  dessen  Mitwirkungspflicht,  Frist  zur  Einreichung  eines  ärztlichen 
Berichts.  Fristgerecht  reichte  der  Beschwerdeführer  einen  Bericht  von 
Dr. med.  I._______,  Psychosomatische  Medizin  SAPPA,  vom 
7. September 2010, ein. 

C. 
Mit  Verfügung  vom  19.  November  2010  stellte  das  BFM  fest,  der 
Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  lehnte  das 
Asylgesuch ab,  verfügte  die Wegweisung aus der Schweiz  und erklärte 
den Vollzug der Wegweisung als durchführbar.

D. 
Mit  Eingabe  vom  27.  Dezember  2010  beantragt  der  Beschwerdeführer 
durch  seinen  Rechtsvertreter  beim  Bundesverwaltungsgericht,  die 
Verfügung des BFM sei wegen Verletzung formellen Rechts aufzuheben 
und  die  Sache  sei  zur  Feststellung  des  vollständigen  Sachverhalts  und 
zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen.  Eventualiter  sei 
die  Verfügung  aufzuheben  und  die  Sache  zur  Feststellung  des 
vollständigen  und  richtigen  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  zur 
Neubeurteilung  an  das  BFM  zurückzuweisen.  Subeventuell  sei  die 
Verfügung  aufzuheben  und  die  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen. 
Subsubeventuell  sei die Verfügung  in den Punkten 4 und 5 aufzuheben 
und  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen.  In 
formeller  Hinsicht  wird  beantragt,  vor  Gutheissung  der  Beschwerde  sei 
dem Rechtsvertreter  Frist  zur Einreichung einer  detaillierten Kostennote 
anzusetzen.  Ferner  sei  ihm  das  für  das  Verfahren  zuständige 
Spruchgremium bekannt zu geben.

Als  Beweismittel  reichte  der  Beschwerdeführer  vier  Zeitungsartikel  in 
Kopie beziehungsweise als Internetausdrucke zu den Akten.

E. 
Mit Zwischenverfügung vom 19. Januar 2011 teilte der Instruktionsrichter 
dem  Beschwerdeführer  antragsgemäss  die  Zusammensetzung  des 
Spruchgremiums  mit  und  setzte  ihm  Frist  zur  Leistung  eines 
Kostenvorschusses.

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F. 
Innert der angesetzten Frist ersuchte der Beschwerdeführer um Befreiung 
von  der  Bezahlung  des  einverlangten  Kostenvorschusses  und  um 
Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege.  Am  7.  Februar  2011 
reichte er eine Fürsorgebestätigung der J._______, vom 2. Februar 2011, 
zu den Akten.

G. 
Mit Zwischenverfügung vom 9. Februar 2011 hob der  Instruktionsrichter 
die Dispositivziffern 3 und 4 der Zwischenverfügung vom 19. Januar 2011 
wiedererwägungsweise  auf  und  hiess  das  Gesuch  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  gut.  Sodann  setzte  er  dem 
Beschwerdeführer  Frist  zur  Einreichung  eines  aktuellen  ärztlichen 
Zeugnisses.

H. 
Das  BFM  beantragte  in  der  Vernehmlassung  vom  20.  April  2011  die 
Abweisung der Beschwerde. Mit Zwischenverfügung vom 28. April 2011 
unterbreitete  der  Instruktionsrichter  dem  Beschwerdeführer  die 
Vernehmlassung zur Stellungnahme. Innert der angesetzten Frist reichte 
dieser  die Replik  sowie  ein  ärztliches  Zeugnis  der  K._______,  vom  11. 
Mai 2011, ein. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

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Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem 
VGG, soweit dieses nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).

1.2.  Der  Beschwerdeführer  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen,  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  berührt,  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung und  ist daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert. Auf 
die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  einzutreten 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

4. 
4.1.  Das  BFM  lehnte  das  Asylgesuch  ab,  da  die  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers weder  den Anforderungen an das Glaubhaftmachen 
gemäss  Art.  7  AsylG  noch  denjenigen  an  die  Flüchtlingseigenschaft 
gemäss Art. 3 AsylG standhalten würden. 

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4.1.1.  Zur  Begründung  der  fehlenden  Glaubhaftigkeit  führte  die 
Vorinstanz  aus,  der  Beschwerdeführer  habe  sich  anlässlich  der 
Befragungen  widersprüchlich  bezüglich  seiner  Aufenthaltsorte  vor  der 
Ausreise geäussert. Zudem seien diese Aussagen  teilweise unvereinbar 
mit  den  Ausführungen  im  Schreiben  vom  19.  Juli  2011. Weiter  sei  der 
Beschwerdeführer  weder  in  der  Lage  gewesen,  das  Quartier  noch  die 
Adresse  seines  Arbeitsortes  zu  bezeichnen,  obwohl  er  dort  während 
Jahren  gearbeitet  habe.  Auch  habe  er  seine  Tante  nicht  nach 
Einzelheiten  in  Bezug  auf  das  polizeiliche  Vorsprechen  gefragt.  Ein 
solches  Verhalten  beziehungsweise  solche  Wissenslücken  seien  nicht 
nachvollziehbar,  da  es  erfahrungsgemäss  im  Interesse  einer  verfolgten 
Person sei, möglichst viele Einzelheiten über die Verfolgung in Erfahrung 
zu  bringen.  Schliesslich  soll  der  Beschwerdeführer  gegenüber  seinem 
Arzt  die  Aussage  gemacht  haben,  er  habe  in  D._______  Kontakte  zur 
Hizbullah  gehabt.  Als  er  sich  habe  distanzieren  wollen,  sei  er  mit  dem 
Tod  bedroht  worden,  weshalb  er  sich  habe  verstecken  müssen.  Diese 
Angaben  würden  in  Widerspruch  zu  den  Aussagen  anlässlich  der 
Erstbefragung sowie der Anhörung stehen. 

Was  sodann  der  Hinweise  auf  den  schlechten  physischen  und 
psychischen Zustand des Beschwerdeführers anlässlich der Befragungen 
anbelange,  sei  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der 
Anhörung ausdrücklich angegeben habe, keine Verständigungsprobleme 
zu haben. Er habe auf die ihm gestellten Fragen immer sofort mit auf die 
Fragen  bezogenen  Antworten  geantwortet.  An  keiner  Stelle  habe  er 
gezögert  oder  eine  Nachfrage  gestellt.  Der  anwesende 
Hilfswerksvertreter  sowie  die  Substitution  des  Rechtsvertreters  hätten 
denn beide  keine entsprechenden Bemerkungen angebracht. Anlässlich 
der  Rückübersetzung  habe  der  Beschwerdeführer  ebenfalls  nie 
nachgefragt und auch keine Korrekturen angebracht. Ferner seien auch 
dem  Protokoll  der  Erstbefragung  keine  Hinweise  auf 
Wahrnehmungsstörungen  zu  entnehmen.  Demnach  sei  den  Einwänden 
die wesentliche Grundlage entzogen.

4.1.2.  Zur  Flüchtlingseigenschaft  stellt  das  BFM  in  der  angefochtenen 
Verfügung  fest,  der  Umstand,  dass  der  Beschwerdeführer  auf 
Veranlassung  der  Stiefmutter  das  Haus  seines  Vaters  habe  verlassen 
müssen,  liege zum Ausreisezeitpunkt drei Jahre zurück und stehe daher 
weder zeitlich noch sachlich im Zusammenhang mit der Ausreise.

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4.2. In der Rechtsmitteleingabe wird vorab die Verletzung des Anspruchs 
auf  rechtliches  Gehör  gerügt  und  ausgeführt,  dieses  Prinzip  gebe  der 
Partei  eines  Verwaltungsverfahrens  den  Anspruch  auf  vorgängige 
Stellungnahme.  Mit  der  Verfügung  vom  29.  November  2010  habe  die 
Vorinstanz  diesen  Grundsatz  verletzt.  Würden  im  Rahmen  einer 
Befragung Ungereimtheiten und Widersprüche auftauchen,  so  folge aus 
dem  Grundsatz  des  rechtlichen  Gehörs,  dass  der  gesuchstellenden 
Person  die  Möglichkeit  gegeben  werden  müsse,  sich  anlässlich  der 
Anhörung oder zu einen späteren Zeitpunkt dazu zu äussern. 

Weiter  wird  in  der  Rechtsmitteleingabe  gerügt,  das  BFM  habe  den 
rechtserheblichen Sachverhalt weder richtig noch vollständig festgestellt. 
Es  habe  es  unterlassen,  bezüglich  des  Vorfalles  vom  9. Juli  2010  eine 
Botschaftsabklärung  beziehungsweise  Internetrecherchen  vorzunehmen. 
Aufgrund  einer  Internetrecherche  des  Beschwerdeführers  habe 
beispielsweise festgestellt werden können, dass am 9. Juli 2010 in einer 
gezielten  landesweiten  Polizeiaktion  in  D._______  fünf  Personen 
verhaftet  worden  seien,  welche  der  Zugehörigkeit  der  Al­Qaida 
verdächtigt  wurden.  Weiter  hätte  die  Vorinstanz  mittels  einer 
Botschaftsanfrage abklären müssen, ob in der Türkei zwischenzeitlich ein 
Strafverfahren  gegen  den  Beschwerdeführer  eröffnet  worden  sei.  Auch 
hätte das BFM mittels einer  zweiten Befragung abklären müssen, ob er 
allenfalls  Rachehandlungen  seitens  der Gruppierung  befürchte.  Sodann 
hätte  das  BFM  in  Kenntnis  des  gesundheitlichen  Zustands  des 
Beschwerdeführers  eine  zusätzliche  ärztliche  Abklärung  veranlassen 
müssen,  mit  welcher  hätte  abgeklärt  werden  müssen,  inwiefern  der 
Beschwerdeführer  in  der  Lage  sei,  Erlebnisse  in  der  vom  BFM 
geforderten  Form  darzustellen.  Schliesslich  wird  in  der 
Rechtsmitteleingabe  für  den  Fall,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht 
den Sachverhalt als erstellt erachte, auf die ausführliche Darstellung der 
Geschehnisse  in  den  Aussageprotokollen  und  die  eingereichten 
Beweismittel verwiesen.

Schliesslich wird in der Rechtsmitteleingabe zur Klärung der vom BFM in 
der  angefochtenen  Verfügung  angeführten  Widersprüche  einerseits  auf 
den  psychischen  Zustand  des  Beschwerdeführers  hingewiesen, 
andererseits eine  irreführende Fragestellung durch das BFM sowie eine 
fehlerhafte Interpretation seiner Aussagen vorgebracht.

4.3.  In  der  Replik  führt  das  BFM  zum  Vorwurf  der  Verletzung  des 
Anspruchs  auf  rechtliches  Gehör  aus,  der  Beschwerdeführer  sei  an 

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verschiedenen  Stellen  auf  seine  widersprüchlichen  und  nicht 
nachvollziehbaren  Aussagen  aufmerksam  gemacht  worden.  Sodann 
habe er im Rahmen des Beschwerdeverfahrens Gelegenheit erhalten, zu 
den  Ausführungen  im  erstinstanzlichen  Entscheid  Stellung  zu  nehmen. 
Dies  habe  er  getan.  Ferner  spreche  der  Beschwerdeführer  in  der 
Rechtsmitteleingabe  von Personen, welche  ihn mehrfach  zum Beitritt  in 
die  fundamentalistische  Gruppierung  aufgefordert  hätten.  Tatsache  sei, 
dass der Beschwerdeführer anlässlich beider Befragungen nur von einer 
Person gesprochen habe,  die  ihn habe  rekrutieren wollen. Den Hinweis 
auf  begründete  Furcht  vor  Rache  habe  der  Beschwerdeführer  nie 
vorgebracht.  Abgesehen  davon  sei  die  Rache  nicht  glaubhaft.  Den 
eingereichten Zeitungsartikeln  komme schliesslich keine Beweiskraft  zu, 
weil  einerseits  der  Beschwerdeführer  darin  nicht  erwähnt  werde, 
andererseits daraus nicht hervorgehe, wo in D._______ die Festnahmen 
stattgefunden haben. 

4.4.  In  der  Duplik  wird  ausgeführt,  das  BFM  verstehe  vorliegend  das 
Prinzip  des  rechtlichen  Gehörs  nicht.  Es  gehe  nicht  darum,  einem 
Betroffenen  erst  im  Rahmen  des  Beschwerdeverfahrens  das  rechtliche 
Gehör  zu  gewähren.  Dies  habe  vor  Erlass  der  erstinstanzlichen 
Verfügung  zu  geschehen.  Auch  unterlasse  es  die  Vorinstanz,  zu  den 
gerügten  Fehlinterpretationen  Stellung  zu  nehmen.  Sodann  sei 
nachvollziehbar,  dass  der  Beschwerdeführer  von  den  Besuchern  der 
Versammlungen  im  F._______  im  Rahmen  ihres  religiösen 
Sendungsbewusstseins  angesprochen  worden  sei.  Der 
Beschwerdeführer sei sich der Rachegedanken der verhafteten Personen 
erst während seines Aufenthalts in der Schweiz bewusst worden. Mit den 
eingereichten  Beweismitteln  belege  der  Beschwerdeführer,  dass  die 
geltend  gemachte  Verhaftung  stattgefunden  habe.  Schliesslich  ergebe 
sich  aus  dem  Arztbericht,  dass  beim  Beschwerdeführer 
Konzentrationsstörungen  vorliegen  würden  und  er  im  formalen  Denken 
umständlich sei, was vom BFM nicht berücksichtigt worden sei.

4.5. 
4.5.1.  Zunächst  ist  die  Rüge  der  Verletzung  des  Anspruchs  auf 
rechtliches  Gehör  zu  prüfen.  Nach  Ansicht  des  Beschwerdeführers  hat 
das BFM  ihm anlässlich der Befragung beziehungsweise vor Erlass der 
angefochtenen  Verfügung  nicht  die  Möglichkeit  gegeben,  sich  zu  den 
Ungereimtheiten und Widersprüchen in seinen Aussagen zu äussern. 

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4.5.2.  Das  durch  Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung  der 
Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR  101) 
garantierte  rechtliche  Gehör  umfasst  den  Anspruch  einer  Partei,  sich 
vorgängig einer behördlichen Anordnung zu allen wesentlichen Punkten 
zu  äussern  und  von  der  betreffenden  Behörde  alle  dazu  notwendigen 
Informationen  zu  erhalten.  Dieser  Anspruch  beschlägt  nur  die 
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes und nicht die rechtliche 
Würdigung  desselben,  welche Sache  der  zu  beurteilenden Behörde  ist. 
Beruht  der  Entscheid  weder  auf  nachträglich  eingetretenen  oder  den 
Parteien  unbekannten  tatsächlichen  Umständen  noch  auf  neuen, 
unvorhersehbaren  Rechtsgrundlagen,  ist  somit  der  Anspruch  auf 
rechtliches Gehör gewahrt. Dem Betroffenen  ist  somit  in der Regel kein 
Recht  auf  vorgängige  Stellungnahme  bezüglich  Fragen  der  rechtlichen 
Beurteilung  und  Würdigung  von  Tatsachen  einzuräumen  (vgl.  BVGE 
2007/21  E.  10.2  mit  Hinweisen;  sowie  PATRICK  SUTTER  in: 
Auer/Müller/Schindler  [Hrsg.],  VwVG,  Kommentar  zum  Bundesgesetz 
über das Verwaltungsverfahren, Zürich/St. Gallen 2008, Art. 29 Rz. 14). 
Ob  die  vom  Beschwerdeführer  gemachten  Aussagen  in  wesentlichen 
Punkten voneinander abweichen, mithin unglaubhaft  sind,  ist  somit eine 
Frage der Beweiswürdigung. 

Aufgrund der Akten ergibt sich, dass der Beschwerdeführer vor Erlass der 
angefochtenen  Verfügung  zwei  Mal  angehört  wurde,  einmal  in  der 
Empfangsstelle,  das  zweite  Mal  durch  das  BFM.  Sodann  ergibt  die 
Durchsicht des Protokolls der Anhörung, dass der Beschwerdeführer  im 
Rahmen  dieser  Befragung  mit  den  Unstimmigkeiten  betreffend  den 
Zeitpunkt  des  Verlassens  von  D._______  sowie  der  Rückkehr  an  den 
Arbeitsplatz  konfrontiert  wurde  (vgl.  Akten  BFM  A13/14  S.  6  und  11). 
Damit  konnte  sich  der  Beschwerdeführer  im  Sinne  der  vorstehenden 
Ausführungen  vor  Erlass  der  vorinstanzlichen  Verfügung  zu  allen 
wesentlichen  Punkten  seiner  Asylbegründung  äussern  und  darüber 
hinaus  auch  noch  zu  einzelnen  Unstimmigkeiten  in  seinen  Aussagen 
Stellung nehmen. Auch hat das BFM das Asylgesuch nicht aufgrund von 
Umständen, die dem Beschwerdeführer nicht bekannt waren, abgelehnt. 
Da dem Beschwerdeführer vor Erlass der Verfügung kein weitergehendes 
Äusserungsrecht  zugestanden  hat,  namentlich  nicht  im  Hinblick  auf  die 
rechtliche Würdigung,  liegt  in  casu  keine Verletzung des Anspruchs auf 
rechtliches  Gehörs  vor.  Der  Antrag  auf  Aufhebung  der  angefochtenen 
Verfügung  und  Rückweisung  der  Sache  an  die  Vorinstanz  wegen 
Verletzung des rechtlichen Gehörs ist daher abzuweisen.

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4.6. 
4.6.1. Weiter macht  der  Beschwerdeführer  geltend,  das BFM habe  den 
Sachverhalt  weder  vollständig  noch  richtig  abgeklärt.  Anlässlich  der 
Anhörung  habe  der  Beschwerdeführer  die  Polizeiaktion  gegen  die 
fundamentalistische  Gruppe  vom  9.  Juli  2010  und  die  daraus 
resultierende Suche nach ihm angeführt. Das BFM habe es unterlassen, 
dieses  Vorbringen  im  Rahmen  einer  Botschaftsabklärung  oder  einer 
Internetabfrage zu überprüfen. Ebenso habe die Vorinstanz unterlassen, 
weiter  abzuklären,  ob  gegen  den  Beschwerdeführer  in  der  Türkei  ein 
Strafverfahren  eröffnet  worden  sei.  Ferner  hätte  das  BFM mittels  einer 
weiteren  Befragung  abklären  müssen,  ob  der  Beschwerdeführer  Angst 
vor  Racheakten  habe.  Und  schliesslich  hätte  das  BFM  mittels  eines 
Arztzeugnisses abklären müssen, ob der Beschwerdeführer  in der Lage 
sei, Erlebnisse in der vom BFM geforderten Form darzustellen. 

Die  Durchsicht  der  Protokolle  ergibt,  dass  dem  Beschwerdeführer 
anlässlich  der  Anhörung  zahlreiche  offen  und  geschlossen  formulierte 
Fragen,  aber  auch  konkrete  Fragen  im  Zusammenhang  mit  dem 
Vorkommnis vom 9. Juli 2010 und der für den Beschwerdeführer daraus 
abgeleiteten Gefährdung gestellt wurden. Trotz  dieser  unterschiedlichen 
Fragestellungen  war  der  Beschwerdeführer  nicht  in  der  Lage,  die 
genauen Umstände dieses Vorkommnisses und der daraus abgeleiteten 
Gefährdung  substantiiert  darzutun.  Zwar  hat  das  BFM  den  Sachverhalt 
von  Amtes  wegen  abzuklären  (vgl.  Art.  12  VwVG  i.V.m.  Art.  6  AsylG), 
indes  steht  diesem  Untersuchungsgrundsatz  des  BFM  gemäss  Art.  8 
AsylG die Pflicht des Asylsuchenden zur Mitwirkung an der Feststellung 
des  Sachverhalts  und  zur  Bezeichnungen  und  Einreichung  allfälliger 
Beweismittel gegenüber. So hätte vorliegend der Beschwerdeführer etwa 
im Rahmen  des  erstinstanzlichen  Verfahrens  bei  seinen  Verwandten  in 
der  Türkei  nachfragen  können,  ob  ein  Strafverfahren  gegen  ihn 
eingeleitet worden sei oder von sich aus eine Internetabfrage zum Vorfall 
vom 9. Juli 2010 tätigen können. In Anbetracht der insgesamt vagen und 
in  sich  nicht  stimmigen Parteivorbringen  sowie mangels  Vorliegens  von 
gegenteiligen Beweismitteln und anderer konkreter Anhaltspunkte in den 
Akten,  bestand  für  die  Vorinstanz  nach  der  Anhörung  nach  keiner 
Richtung  eine  Veranlassung  zu  weiteren  Abklärungen  (zusätzliche 
Anhörung, Botschaftsanfrage,  Internetrecherche), mithin durfte das BFM 
im Zeitpunkt seiner Entscheidfällung zu Recht zum Schluss gelangen, der 
Sachverhalt sei hinreichend festgestellt und abschliessend beurteilbar. 

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Betreffend  die  unvollständige  und  unrichtige  Sachverhaltsfeststellung 
macht  der  Beschwerdeführer  auch  noch  geltend, mittels  eines weiteren 
Arztzeugnisses hätte vor Erlass der angefochtenen Verfügung abgeklärt 
werden  müssen,  inwiefern  der  Beschwerdeführer  in  der  Lage  sei, 
Erlebnisse  in der vom Beschwerdeführer geforderten Form darzustellen. 
Die  Durchsicht  der  Protokolle  ergibt,  dass  der  Beschwerdeführer 
offensichtlich  keine  Mühe  hatte,  die  gestellten  Fragen  korrekt  zu 
beantworten.  Er  antwortete  jeweils  sachbezogen  und  verständlich. 
Zudem  stellte  er  weder  während  der  Anhörung  noch  anlässlich  der 
Rückübersetzung  Rückfragen.  Weiter  verlangte  weder  der  zur 
Beobachtung  der  Durchführung  einer  korrekten  Befragung  anwesende 
Hilfswerksvertreter,  noch  der  ebenfalls  anwesende  Substitut  des 
Rechtsvertreters des Beschwerdeführers eine Anmerkung zum Protokoll, 
gemäss  welcher  der  Beschwerdeführer  Mühe  mit  der  Befragung 
bekundet  hätte.  Vor  diesem  Hintergrund  bestand  für  das  BFM  keine 
Veranlassung  ein  entsprechendes  Arztzeugnis  in  Auftrag  zu  geben. 
Insoweit  liegt  ebenfalls  keine  unvollständige  oder  unrichtige 
Sachverhaltsfeststellung vor. 

Aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  erweist  sich  die  mehrfach 
erhobene  Rüge  der  unvollständigen  und  unrichtigen 
Sachverhaltsfeststellung somit als  in  jeder Hinsicht unzutreffend, und es 
besteht  keine  Veranlassung,  die  Akten  an  die  Vorinstanz 
zurückzuweisen.

4.7. 
4.7.1.  Zur  Erklärung  der  vom  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung 
angeführten Unstimmigkeiten wird  in  der Rechtsmitteleingabe  vorab  auf 
den schlechten psychischen Zustand des Beschwerdeführers  verwiesen 
und ausgeführt, er leide unter einer rezidivierenden depressiven Störung 
und  an  Konzentrationsstörungen,  weshalb  er  teilweise  Mühe  habe,  auf 
Fragen zu antworten. Es sei allgemein bekannt, dass Personen, welche 
unter  einer  depressiven  Störung  leiden  würden,  Mühe  hätten,  Dinge  in 
logischer und widerspruchsfreier Weise dazutun. Beim Beschwerdeführer 
komme noch sein jugendliches Alter und die geringe Schulbildung dazu. 

4.7.2.  Wie  bereits  vorstehend  ausgeführt,  ergibt  die  Durchsicht  der 
Protokolle,  dass  der  Beschwerdeführer  offensichtlich  keine Mühe  hatte, 
die  –  sowohl  offen  als  auch  geschlossenen  formulierten,  aber  auch 
konkretisierenden – Fragen korrekt zu beantworten. Er antwortete jeweils 
sachbezogen und verständlich auf die ihm unterbreiteten Fragen. Zudem 

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stellte  er  weder  während  der  Anhörung  noch  anlässlich  der 
Rückübersetzung  Fragen,  welche  darauf  schliessen  liessen,  er  hätte 
etwas  nicht  verstanden.  Auch  gab  er  zu  Protokoll,  den Dolmetscher  zu 
verstehen.  Sodann  –  und  dies  ist  vorliegend  von  entscheidender 
Bedeutung  –  hat  weder  der  zur  Beobachtung  der  Durchführung  einer 
korrekten  Befragung  anwesende Hilfswerksvertreter,  noch  der  ebenfalls 
anwesende  Substitut  des Rechtsvertreters  des  Beschwerdeführers  eine 
Anmerkung  zum  Protokoll  verlangt,  wonach  welcher  der 
Beschwerdeführer Mühe mit der Befragung bekundet hätte. Insoweit sind 
dem  Protokoll  denn  auch  keinerlei  Hinweise  zu  entnehmen,  gemäss 
welchen sich der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung unwohl oder 
in  einem  schlechten  psychischen  Zustand  befunden  hätte,  der  es  ihm 
verunmöglichte, über das von ihm Erlebte grundsätzlich widerspruchsfrei 
zu berichten. Sodann darf auch von einem jungen und wenig gebildeten 
Asylsuchenden  erwartet  werden,  dass  er  seine  Vorbringen  in  den 
wesentlichen Zügen übereinstimmend darzulegen vermag.

4.7.3.  Weiter  wird  in  der  Rechtsmitteleingabe  zu  den  vom  BFM 
aufgezeigten Unstimmigkeiten  in  den Aussagen des Beschwerdeführers 
ausgeführt,  diese  seien  auf  eine  irreführenden  Fragestellung  anlässlich 
der  Anhörungen  und  eine  Fehlinterpretation  der  Aussageprotokolle 
zurückzuführen.  Eine  irreführende  Fragestellung  liegt  nach  Ansicht  des 
Gerichts  jedenfalls  nicht  vor,  wenn  der  Befrager  innerhalb  einer  Frage 
beispielshaft  im  Sinne  einer  Hilfe  verschieden  lange  Aufenthaltszeiten 
anführt.  Sodann  liegt  mit  dem  Gegenüberstellen  der  unterschiedlichen 
zeitlichen  Angaben  des  Beschwerdeführers  zu  seinem  Aufenthalt  in 
H._______ keine mangelnde Interpretation beziehungsweise eine falsche 
Schlussfolgerung  vor, welche  ohne den Einbezug  des Kontextes  erfolgt 
ist.  Damit  erweist  sich  dieser  Erklärungsversuch  als  haltlos.  Sodann  ist 
festzuhalten,  dass  die  Ausführungen  in  den  Eingaben  den  Eindruck 
vermitteln, der Beschwerdeführer versuche auf Beschwerdeebene seinen 
selbst  vorgetragenen  unsubstantiierten  und  vagen  Asylvorbringen  nun 
nachträglich  einen  asylrechtlich  relevanten Gehalt  zu  vermitteln.  Dieses 
bewusstes  Aufbauschen  der  Vorbringen  ist  als  nachträgliche 
Sachverhaltsanpassung  zu  werten,  weshalb  darauf  nicht  weiter 
einzugehen ist. 

Als  Beleg  für  den  behaupteten  Überfall  vom  9.  Juli  2010  auf  seinen 
ehemaligen Arbeitsort hat der Beschwerdeführer mehrere Zeitungsartikel 
eingereicht.  Entgegen  der  vom  Beschwerdeführer  vertretenen  Ansicht 
sind diese nicht  geeignet,  seine Vorbringen  in einem anderen Lichte  zu 

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besehen.  Namentlich  ergibt  sich  aus  den  Artikeln  kein  konkreter 
Zusammenhang zu den Vorbringen des Beschwerdeführers.

Schliesslich  vermag  der  Beschwerdeführer  auch  mit  dem  Verweis  auf 
seine  Aussagen  und  die  eingereichten  Beweismittel  nicht  substantiiert 
dazutun,  inwiefern  das  BFM  zu  Unrecht  auf  Unglaubhaftigkeit  seiner 
Vorbringen  geschlossen  hat.  Um  Wiederholungen  zu  vermeiden,  kann 
einerseits auf die vorstehenden Erwägungen im Zusammenhang mit dem 
psychischen  Befinden,  der  Schulbildung  und  des  Alters  des 
Beschwerdeführers, andererseits auf die zutreffenden Erwägungen in der 
angefochtenen Verfügung verwiesen werden. 

4.8.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer 
keine  Gründe  nach  Art.  3  AsylG  glaubhaft  machen  oder  nachweisen 
kann.  Bei  dieser  Sachlage  erübrigt  es  sich,  auf  die  weiteren 
Ausführungen  in  der Rechtsmitteleingabe  sowie  den weiteren Eingaben 
einzugehen,  da  sie  an  der  vorstehenden  Feststellung  nichts  zu  ändern 
vermögen.  Die  Vorinstanz  hat  demnach  das  Asylgesuch  des 
Beschwerdeführer zu Recht abgelehnt.

5. 
5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

5.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember 
2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]).

6. 
6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 

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Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

6.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 
den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83 
Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

6.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement 
nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 
Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5 
AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden 
Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerde­
führers  in  die  Türkei  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art. 5  AsylG 
rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 
noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer 
Ausschaffung in die Türkei dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer 
nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung 

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ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für 
Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses 
müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk") 
nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm  im  Fall  einer 
Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde 
(vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom 
28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren 
Hinweisen).  Auch  die  allgemeine Menschenrechtssituation  in  die  Türkei 
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht 
als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der 
Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen 
Bestimmungen zulässig.

6.4. 
6.4.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von 
Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Art. 83 Abs. 
4  AuG  findet  insbesondere  Anwendung  auf  Personen,  die  nach  ihrer 
Rückkehr  einer  konkreten  Gefahr  ausgesetzt  wären,  weil  sie  aus 
objektiver  Sicht  wegen  der  vorherrschenden  Verhältnisse  mit  grosser 
Wahrscheinlichkeit  in  völlige  und  andauernde Armut  gestossen würden, 
dem  Hunger  und  somit  einer  ernsthaften  Verschlechterung  ihres 
Gesundheitszustandes,  der  Invalidität  oder  sogar  dem  Tod  ausgeliefert 
wären (vgl. BVGE 2009/28 E. 9.3.1).

6.4.2.  In  der  angefochtenen  Verfügung  stellte  das  BFM  im 
Zusammenhang mit der geltend gemachten psychischen Erkrankung des 
Beschwerdeführers fest, in der Türkei seien alle geeigneten Medikamente 
erhältlich und  in den Gross­ und Provinzhauptstädten sei die ambulante 
Betreuung  psychisch  Kranker  gewährleistet.  Der  Beschwerdeführer 
könne  eine  "grüne  Versicherungskarte"  beantragen,  die  ihn  zu 
unentgeltlichen  medizinischen  Leistungen  in  den  staatlichen 
Gesundheitseinrichtungen  berechtige.  Der  Vollzug  der Wegweisung  sei 
daher  zumutbar.  Diese  Einschätzung  wird  in  der  Rechtsmitteleingabe 
bestritten.

6.4.3.  Zunächst  ist  festzuhalten,  dass  nach  Einschätzung  des 
Bundesverwaltungsgerichts die allgemeine Lage in der Türkei nicht durch 

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Krieg,  Bürgerkrieg  oder  durch  eine  Situation  allgemeiner  Gewalt 
gekennzeichnet  ist,  aufgrund  derer  die  Zivilbevölkerung  als  konkret 
gefährdet  bezeichnet  werden  müsste.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  ist 
daher als grundsätzlich zumutbar zu bezeichnen.

6.4.4.  Im  Rahmen  des  Asylverfahrens  hat  der  Beschwerdeführer  ein 
Arztzeugnis  von  Dr. med.  I._______,  vom  7.  September  2010,  und  ein 
ärztliches  Zeugnis  der  K._______,  vom  11. Mai  2011  eingereicht.  Im 
Attest  vom  11.  Mai  2011  wird  eine  Anpassungsstörung  mit  gemischter 
Störung  von  Gefühlen  und  Sozialverhalten  (ICD­10  F43.25) 
diagnostiziert.  Als  Beschwerden  werden  in  beiden  Zeugnissen 
Stimmungstief, Schlafstörungen, Unruhe und Apathie angeführt. Sodann 
werden  Einsamkeit  im  Durchgangszentrum  und  Stimmenhören 
geschildert. Unter Beurteilung wird im aktuellen Zeugnis festgehalten, das 
psychische  Zustandsbild  sei  geprägt  von  einer  deutlichen 
Überforderungssymptomatik.  Diese  beruhe  auf  den  nicht  verarbeiteten 
familiären  Todesfällen  (Mutter  und  Grosseltern)  sowie  einer  unklaren 
Aufenthaltssituation.  

Der Beschwerdeführer leidet an einer Anpassungsstörung mit gemischter 
Störung von Gefühlen und Sozialverhalten. Dieser Diagnose liegt gemäss 
beiden ärztlichen Zeugnissen übereinstimmend der frühe Tod der Mutter 
des Beschwerdeführers – er war damals zehn Jahre alt – zu Grunde und 
die hier in der Schweiz empfundene Einsamkeit.

Aufgrund  der  Akten  ergibt  sich,  dass  zahlreiche Mitglieder  der  grossen 
Familie  des  Beschwerdeführers  an  verschiedenen  Orten  in  der  Türkei 
leben. Mit  einer  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  seine Heimat  und 
damit  in  sein  angestammtes  familiäres  und  soziales  Umfeld  und 
Beziehungsnetz wird die  eine Ursache  seines psychischen Leidens,  die 
Einsamkeit, hinfällig werden. Was sodann die Verarbeitung der familiären 
Todesfälle anbelangt, so hat dieses Leiden bereits vor der Ausreise aus 
der Heimat bestanden. Trotz dieses Leidens war der Beschwerdeführer in 
der  Lage,  einer  geregelten  Arbeit  nachzugehen  und  für  seinen 
Lebensunterhalt  aufzukommen.  Vor  diesem  Hintergrund  ist  davon 
auszugehen,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  bei  einer Heimkehr  ohne 
weiteres  wieder  ins  Erwerbs­  und  Alltagsleben  integrieren  kann,  zumal 
blosse  soziale  und  wirtschaftliche  Schwierigkeiten  gemäss  ständiger 
Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  keine  existenzbedrohende 
Situation  darstellen,  die  den  Vollzug  der  Wegweisung  als  unzumutbar 
erscheinen  liesse.  Sollte  der  Beschwerdeführer  bei  einer  Rückkehr  die 

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nicht  verarbeiteten  familiären  Verluste  weiter  psychotherapeutisch 
aufarbeiten  wollen,  so  steht  ihm  nach  den  Erkenntnissen  des 
Bundesverwaltungsgerichts  auch  in  der  Türkei  die  Möglichkeit  einer 
psychotherapeutischen  Behandlung  offen.  Um  diesbezüglich 
Wiederholungen zu vermeiden, kann auf die zutreffenden Erwägungen in 
der  angefochtenen  Verfügung  verwiesen  werden.  Sodann  ist  es  dem 
Beschwerdeführer  zuzumuten,  sich  in  den  kommenden  Wochen  im 
Rahmen seiner  therapeutischen Gespräche an der K._______, die nicht 
bewältigten Todesfälle weiter aufzuarbeiten und sich  in Zusammenarbeit 
mit  seinem  Therapeuten  gezielt  auf  eine  Rückkehr  in  die  Türkei 
vorzubereiten.  Schliesslich  steht  es  dem  Beschwerdeführer  frei,  beim 
BFM einen Antrag auf medizinische Rückkehrhilfe zu stellen (Art. 93 Abs. 
1  Bst.  c  AsylG,  Art.  75  AsylV  2).  Damit  liegen  entgegen  der  in  der 
Rechtsmitteleingabe vertretenen Ansicht keine Hindernisse medizinischer 
Art  vor,  welche  dem  Vollzug  der  Wegweisung  als  nicht  zumutbar 
erscheinen liessen.

6.5. Der Beschwerdeführer ist im Besitze einer türkischen Identitätskarte, 
weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

6.6. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu 
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten 
fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83 
Abs. 1 – 4 AuG).

7. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

8. 
Mit  Zwischenverfügung  vom 19.  Januar  2011  hat  der  Instruktionsrichter 
das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege 
gutgeheissen.  Demnach  sind  dem  Beschwerdeführer  keine 
Verfahrenskosten aufzuerlegen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Kurt Gysi Barbara Balmelli

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