# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6bcd14be-23f9-5fc4-995e-8ae24fa34d9e
**Source:** Uri (UR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-10-20
**Language:** de
**Title:** Uri Obergericht Verwaltungsrechtliche Abteilung 20.10.2017 2017_OG V 16 49
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/UR_Gerichte/UR_OG_004_2017-OG-V-16-49_2017-10-20.pdf

## Full Text

UV. Art. 6 Abs. 1 UVG. Natürliche und adäquate Kausalität zum Unfallereignis. 
Bei Zahnschäden ist die natürliche und adäquate Kausalität dann zu verneinen, 
wenn anzunehmen ist, dass der durch einen krankhaften Vorzustand 
geschwächte Zahn zur annähernd gleichen Zeit selbst einer normalen 
Belastung nicht standgehalten hätte, der Unfall mit anderen Worten einen 
beliebigen und austauschbaren – im Ursache-Wirkungszusammenhang mithin 
bedeutungslosen – Anlass darstellt (Unfall als Gelegenheits- oder 
Zufallsursache). Im konkreten Fall bestätigten die beratende Zahnärztin des 
Unfallversicherers und der behandelnde Zahnarzt des Beschwerdeführers 
übereinstimmend, dass der behandelte Zahn eine so profunde Resorption 
aufwies (Karies profundissima), dass der Zahn selbst einem natürlichen Kauakt 
nicht mehr hätte standhalten können. Das vom Beschwerdeführer für die 
Zahnbeschwerden verantwortlich gemachte Ereignis (Ausrutschen bei 
Gartenarbeiten und Schlag mit dem Pickelstiel) erschien als reine 
Zufallsursache. Damit war die natürliche und adäquate Kausalität zwischen 
dem geltend gemachten Ereignis und den Zahnbeschwerden zu verneinen, was 
eine Leistungspflicht des Unfallversicherers ausschloss. Abweisung der 
Verwaltungsgerichtsbeschwerde. 
 
Obergericht, 20. Oktober 2017, OG V 16 49 
 
  
Aus den Erwägungen: 
 
 
 2. Strittig und zu prüfen ist, ob die vom Beschwerdeführer beklagten 
Zahnbeschwerden mit der erforderlichen überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis 
vom 24. März 2016 zurückzuführen sind. 
 
   a) Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG werden bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und 
Berufskrankheiten Versicherungsleistungen gewährt. Die Leistungspflicht des 
Unfallversicherers setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen 
Schaden einerseits ein natürlicher und andererseits ein adäquater Kausalzusammenhang 
besteht.  
 
   b) Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhanges sind alle 
Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder 
nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht 
werden kann. Für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhanges ist nicht 
erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher 
Störungen ist. Es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen 
Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität des Versicherten beeinträchtigt hat, der 
Unfall mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene 
Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1, 119 V 337 E. 1, 117 V 360 E. 4a). Sodann kann die 
Haftung der Versicherung nicht mit der Begründung ausgeschlossen werden, eine 
(körperliche) Gesundheitsschädigung sei weitestgehend einem massiven Vorzustand 
zuzuschreiben, und dem Unfallereignis komme demgegenüber nur untergeordnete 
Bedeutung zu. Nur wenn aufgrund des Vorzustands ein alternativer, alltäglicher 
Belastungsfaktor zu annähernd gleicher Zeit dieselbe Gesundheitsschädigung hätte 
bewirken können, der Unfall mit andern Worten einen beliebigen und austauschbaren – im 
Ursache-Wirkungszusammenhang mithin bedeutungslosen – Anlass darstellt, ist die 
natürliche Unfallkausalität zu verneinen (Gelegenheits- oder Zufallsursache) (BGE 
9C_242/2010 vom 29.11.2010 E. 3.2 mit Hinweis). Ob zwischen einem schädigenden 
Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, 

ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall der Richter im 
Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht 
üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat (BGE 117 V 
376 f. E. 3a). Dabei ist die Formel „post hoc, ergo propter hoc“, wonach eine gesundheitliche 
Störung schon dann als durch den Unfall verursacht gilt, weil sie nach diesem aufgetreten 
ist, beweisrechtlich nicht zulässig (BGE 119 V 340 ff. E. 2b/bb mit Hinweisen.; U 290/06 vom 
11.06.2007 E. 4.2.3).  
 
   c) Bei organisch objektiv ausgewiesenen Gesundheitsschäden, einschliesslich 
Zahnschäden, deckt sich die natürliche weitgehend mit der – für die Leistungspflicht weiter 
vorausgesetzten – adäquaten Unfallkausalität. Hier spielt mithin die unter 
Adäquanzgesichtspunkten entscheidende Frage, ob das Unfallereignis nach der allgemeinen 
Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen 
herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt 
erscheint, für die Begründung der Leistungspflicht praktisch keine Rolle. Bei Zahnschäden 
mit im Unfallzeitpunkt krankhaftem Vorzustand könnte die adäquate Kausalität – analog zur 
natürlichen (E. 2b hievor) – nur dann verneint werden, wenn anzunehmen wäre, dass der 
durch einen krankhaften Vorzustand geschwächte Zahn zur annähernd gleichen Zeit selbst 
einer normalen Belastung nicht standgehalten hätte (BGE 9C_242/2010 a.a.O. mit 
Hinweisen).  
 
 3. Die medizinische Aktenlage präsentiert sich im vorliegenden Fall wie folgt. 
 
   a) Gemäss Zahnschadenformular vom 10. Mai 2016 erlitt der Beschwerdeführer 
am 24. März 2016 bei Gartenarbeiten einen Schlag mit dem Pickelstiel an den Unterkiefer. 
Am 28. März 2016 begab sich der Beschwerdeführer deshalb zu Dr. med. dent. Thomas von 
Wyttenbach, Altdorf, in Behandlung. Dieser hielt auf dem Zahnschadenformular fest, der 
Patient habe bei Gartenarbeiten das Kinn stark angeschlagen und sämtliche Zähne 
kontusioniert (angeschlagen). Es bestehe eine Schwellung und ein Abszess am linken 
Unterkiefer. Aufgrund der erhobenen Befunde erfolgten durch Dr. med. dent. Thomas von 
Wyttenbach diagnostische und therapeutische Massnahmen betreffend Zahn 37. Im 
Zahnschadenformular wird überdies von einer Fraktur und einer im weiteren Verlauf der 
Behandlung erfolgten Extraktion des Zahns 37 berichtet. Auf dem anlässlich der Behandlung 
vom 28. März 2016 erstellten Röntgenbild war die Fraktur nicht ersichtlich (dazu E. 3d 
hernach). 
 
   b) Die beratende Zahnärztin, Dr. med. dent. Ingrid Pless, Stans, führte in ihrer 
Stellungnahme vom 8. Juli 2016 zuhanden der Beschwerdegegnerin aus, die Kausalität zum 
Ereignis vom 24. März 2016 sei unwahrscheinlich. Der Zahn 37 weise eine ausgedehnte 
Resorption (ausgelöst durch die Fehlstellung von Zahn 38) auf. Die Schmerzen seien 
eindeutig auf diese Resorption zurückzuführen. Es wundere sie, dass der behandelnde 
Zahnarzt den Fall trotz klarer Sachlage eingereicht habe.  
 
   c) In ihrer weiteren Stellungnahme vom 26. November 2016 im Rahmen des 
Einspracheverfahrens führte Dr. med. dent. Ingrid Pless aus, der Zahn 37 sei vor dem Unfall 
so stark vorgeschädigt gewesen (Aufhellung bis in Pulpa), dass der Auslösegrund für die 
pulpitischen Schmerzen rein zufällig war. Der Röntgenbefund vom 28. März 2016 zeige 
eindeutig, dass der Zahn 37 distal eine so profunde Resorption (könne auch Karies sein) 
aufgewiesen habe, dass selbst ein natürlicher Kauakt die Schmerzen jederzeit hätte 
auslösen können. Ein Zahn, der so massiv vorgeschädigt sei, könne einem natürlichen 
Kauakt nicht mehr standhalten. 
 
   d) Dr. med. dent. Thomas von Wyttenbach führte in der schriftlichen 
Beweisauskunft vom 8. Juni 2017 zuhanden des Gerichts aus, Zahn 37 sei am 28. März 
2016 schon vorgeschädigt gewesen. Bei der Vorschädigung habe es sich um eine Karies 
profundissima gehandelt. Die Karies sei auf dem Röntgenbild bis tief zur Pulpa (Zahnnerv) 

diagnostizierbar gewesen. Periradiklär (um die Wurzelspitze herum) sei eine kleine 
Aufhellung ersichtlich gewesen. Am Anfang der Behandlung (28.03.2016) sei die Spaltung 
des Zahns auch auf dem Röntgenbild nicht feststellbar gewesen. Diese habe tief subgingival 
(unter dem Zahnfleisch) gelegen und das Frakturstück sei nicht mobil gewesen. Es sei denn 
auch die Absicht gewesen, den Zahn im Sinne einer „prima ratio“ zu erhalten. Am 28. April 
2016 habe dann eine tief subgingivale Fraktur der lingualen (zungenseitigen) Wandung des 
Zahns imponiert. Auf Frage des Gerichts, ob der Zahn 37 distal eine so profunde Resorption 
aufgewiesen habe, so dass er auch einem natürlichen Kauakt nicht mehr standgehalten 
hätte, antwortete Dr. med. dent. Thomas von Wyttenbach: „Ja, das war nur eine Frage der 
Zeit.“ 
 
 4. Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe noch nie Probleme mit Karies 
gehabt. Kein Zahn hätte je ein Loch, eine Füllung oder dergleichen gehabt. Sein Gebiss 
habe weder vor noch nach dem Ereignis vom 24. März 2016 Beschwerden verursacht und 
funktioniere einwandfrei. Nach über 40 Jahren, während welchen seine Zähne nun schon «in 
Betrieb» seien, seien gewisse Resorptionen durchaus möglich. Die Schilderung der 
Beschwerdegegnerin, wonach die Zähne deswegen schon beim normalen Kauen Schaden 
nehmen könnten, entspreche aber nicht den Tatsachen. Die Beschwerdegegnerin habe die 
Tatsache, dass der Zahn gebrochen war, ignoriert. 
 
 5. a) Aufgrund der Aktenlage muss davon ausgegangen werden, dass der betroffene 
Zahn des Beschwerdeführers (Zahn 37) einen massiven Vorzustand in Form einer Karies 
profundissima aufwies. Wie die beratende Zahnärztin und der behandelnde Zahnarzt 
übereinstimmend feststellen, wies der schliesslich extrahierte Zahn 37 eine so profunde 
Resorption auf, dass der Zahn auch einem natürlichen Kauakt nicht mehr standgehalten 
hätte. Die dokumentierten Resorptionen übersteigen das Ausmass normaler Abnützung bei 
weitem. Damit erscheint das Ereignis vom 24. März 2016 als reine Zufallsursache, was die 
natürliche und adäquate Kausalität zwischen den geltend gemachten Zahnbeschwerden und 
dem Ereignis dahinfallen lässt (vergleiche E. 2b f. hievor). Der Beschwerdeführer vermag 
nichts aufzuzeigen, was an den übereinstimmenden ärztlichen Beurteilungen zweifeln liesse. 
Seine Beteuerungen, dass er vor und nach dem Ereignis vom 24. März 2017 keine 
Zahnbeschwerden gehabt habe, gehen nicht über eine unzulässige «post hoc, ergo propter 
hoc»-Argumentation hinaus. Dass die Spaltung des Zahns bei der Erstkonsultation des 
behandelnden Zahnarztes diagnostisch noch nicht hat festgestellt werden können, ändert 
daran nichts. Der behandelnde Zahnarzt legt schlüssig dar, weshalb eine Fraktur des Zahns 
erst später (am 28.04.2016) entdeckt wurde. Namentlich war die Fraktur auf dem 
Röntgenbild vom 28. März 2017 nicht erkennbar. Dass die beratende Zahnärztin eine Fraktur 
des Zahns unerwähnt lässt, ist somit erklärbar und ändert nichts an der Schlüssigkeit der 
übrigen Beurteilung; dass nämlich der betroffene Zahn einen derartigen Vorzustand hatte 
(Resorption bis tief zur Pulpa, Karies profundissima), dass auch ein natürlicher Kauakt die 
Schädigung zur annähernd gleichen Zeit hätte herbeiführen können.  
 
   b) Da zwischen den beklagten Zahnbeschwerden und dem Ereignis vom 24. März 
2017 nach dem Gesagten kein Kausalzusammenhang mit dem Beweisgrad der 
überwiegenden Wahrscheinlichkeit hergestellt werden kann, ist die Beschwerdegegnerin für 
die geltend gemachten Behandlungskosten nicht leistungspflichtig. Der angefochtene 
Einspracheentscheid ist nicht zu beanstanden und die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist 
abzuweisen.