# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 74c8da22-339e-586e-8604-55a9c8d7d24c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-10-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.10.2009 D-4611/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4611-2009_2009-10-09.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-4611/2009
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  9 .  O k t o b e r  2 0 0 9

Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz),
Richter Thomas Wespi, Richter Robert Galliker, 
Gerichtsschreiber Gert Winter.

A._______, geboren (...),
Türkei,
vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, 
(...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM 
vom 9. Juni 2009 / N .

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-4611/2009

Sachverhalt:

A.
Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer – ein türki-
scher  Staatsangehöriger  kurdischer  Ethnie  aus  K._______  –  seinen 
Heimatstaat am 20. Februar 2008 und gelangte am 25. Februar 2008 
unter Umgehung der Grenzkontrolle in die Schweiz, wo er am folgen-
den Tag im Empfangs-  und Verfahrenszentrum (EVZ) L._______ ein 
Asylgesuch stellte. Anlässlich der Befragung vom 3. März 2008 im EVZ 
L._______ sowie der direkten Anhörung vom 7. April 2008 durch das 
BFM  machte  der  Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines 
Asylgesuchs im Wesentlichen geltend, er habe von seiner Geburt an 
bis zur Ausreise in K._______ gelebt und dort die Schulen besucht. Im 
Jahre  2004  habe  er  an  der  Universität  in  M._______  das 
Wirtschaftsstudium aufgenommen. Dort  habe er  seine in  K._______ 
begonnenen  Aktivitäten  bei  der  DTP  (Partei  der  demokratischen 
Gesellschaft) weitergeführt, doch hätten sich für ihn insoweit Probleme 
ergeben,  als  ihn  faschistische  Kommilitonen  im  Studentenheim 
schikaniert  hätten. So sei er etwa am 12. März 2004 ausserhalb des 
Campus während einer Viertelstunde geschlagen worden, weshalb er 
in der Folge aus dem Studentenheim ausgezogen sei. Im Jahre 2005 
habe er sich gegen das neue Hochschulgesetz YÖK engagiert, indem 
er  am  6. November  2005  an  einer  Demonstration  in  Ankara 
teilgenommen habe. Nach einem Zwischenfall mit der Polizei habe ihn 
diese  während  etwa  drei  Stunden  festgehalten.  Nach  der  Rückkehr 
nach M._______ habe er seine Parteiaktivitäten fortgesetzt und sich 
bei den Veranstaltungen jeweils für die Sache der Kurden eingesetzt. 
Seine faschistischen Dozenten hätten ihn dafür mit schlechten Noten 
bestraft, seine Kommilitonen ihn bedroht und mit Messern angegriffen. 
Deshalb  sei  er  im  Juni  2006  nach  K._______  zurückgegangen  und 
habe sich an einer Fern-Universität immatrikuliert. Auch in K._______ 
habe  er  sich  weiterhin  politisch  engagiert.  Als  er  am  Abend  des 
27. Januar  2008  nach  Hause  zurückgekehrt  sei,  hätten  ihn 
Unbekannte  (bzw.  Angehörige  des  Nachrichtendienstes  und  der 
Terrorabwehr der türkischen Gendarmerie [JITEM]) in ein Auto gezerrt, 
seine Augen verbunden und ihn zu einer Baustelle gefahren,  wo sie 
ihn  in  einem  Kellerverlies  festgehalten  und  misshandelt  hätten. 
Nachdem er jedoch seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit bekundet 
habe, hätten sie ihn etwa acht Stunden später aus der Haft entlassen 
und in die Nähe seines Wohnorts chauffiert. Noch am selben Tag habe 
ihn  sein  Cousin  abgeholt  und  nach  Istanbul  gebracht.  Schliesslich 

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habe  er  am  20.  Februar  2008  Istanbul  verlassen  und  sei  auf  dem 
Landweg in die Schweiz gelangt.

B.
Mit Verfügung vom 9. Juni 2009 – eröffnet am 17. Juni 2009 – stellte 
das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 
nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es die Weg-
weisung aus der Schweiz und den Vollzug an. Zur Begründung machte 
das  BFM  im  Wesentlichen  geltend,  der  Beschwerdeführer  habe  im 
Laufe des Verfahrens zu wesentlichen Punkten unterschiedliche Anga-
ben gemacht. So habe er beispielsweise anlässlich der Anhörung im 
EVZ angegeben, seine dritte und letzte Festnahme habe am 27. Janu-
ar  2008  stattgefunden,  und  er  sei  an  diesem Tag zu  seinem Onkel 
nach Istanbul gereist, wo er bis zum 20. Februar 2008 gelebt habe. Im 
Gegensatz dazu habe er anlässlich der Bundesanhörung ausgeführt, 
er sei am 27. Januar 2008 zwischen 21.00 und 22.00 Uhr festgenom-
men und während etwa acht Stunden festgehalten worden. Somit kön-
ne  er  entgegen  seinen  Ausführungen  im  EVZ  nicht  am  27.  Januar 
2008 nach Istanbul gereist sein. Widersprüchlich seien auch die Aus-
sagen bezüglich der geltend gemachten letzten Gefangenschaft. An-
lässlich der Befragung im EVZ habe er geltend gemacht, die sexuellen 
Belästigungen seien lediglich verbaler Natur gewesen. Im Gegensatz 
dazu habe er bei der Bundesanhörung berichtet, er sei entkleidet und 
mit  Druckwasser  im Genitalbereich  abgespritzt  worden. Einmal  solle 
die Befragung im Keller eine halbe Stunde (inklusive Misshandlungen) 
und ein  andermal  etwa zwei  bis  drei  Stunden gedauert  haben. Des 
Weiteren  habe  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Befragung  im 
EVZ angegeben, er habe nach seiner Rückkehr nach K._______ keine 
Probleme mehr gehabt. Bei der Bundesanhörung habe er jedoch sehr 
wohl von weiteren Problemen gesprochen, wie beispielsweise von Lei-
besvisitationen, von Schlägen durch die Polizei oder von Anhaltungen 
mit  entsprechenden  Durchsuchungen.  Schliesslich  habe  der  Be-
schwerdeführer  gewisse  Vorbringen  einfach  nachgeschoben.  Als  er 
nämlich anlässlich der Bundesanhörung auf die Asylgründe angespro-
chen  worden  sei,  habe  er  als  erstes  eine  Veranstaltung  vom  März 
2006 in M._______ erwähnt. Dabei wolle er vor 300 bis 400 Personen 
einen vorbereiteten Vortrag über die Armenierfrage gehalten und von 
einem Massaker gesprochen haben. Auf Seite 2 seines Skripts ange-
langt, sei es zu einem "Tumult von grossem Umfang" gekommen. Bei 
der Erstbefragung habe er  sein diesbezügliches politisches Engage-
ment jedoch ganz anders dargestellt. Bei der Bundesanhörung habe er 

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von einer einzigen Veranstaltung und im EVZ von mehreren solchen 
Anlässen gesprochen. Einmal wolle er vor einer recht grossen Zuhö-
rerschaft  mit  einem vorbereiteten Manuskript  gesprochen haben und 
ein andermal sei von einem solchen Auftritt nicht im Ansatz die Rede. 
Einmal wolle er die - nota bene - hochpolitische Armenierfrage und ein 
andermal  allgemein  die  Rechte  der  Kurden thematisiert  haben. Auf-
grund derartiger Unglaubhaftigkeitselemente könnten dem Beschwer-
deführer die geltend gemachten Vorbringen nicht geglaubt werden.

C.
Mit Beschwerde vom 17. Juli 2009 liess der Beschwerdeführer durch 
seinen Rechtsvertreter die nachstehend aufgeführten Rechtsbegehren 
stellen: 
Die angefochtene Verfügung des BFM vom 9. Juni 2009 sei aufzuhe-
ben, und die Sache sei zur Feststellung des vollständigen und richti-
gen  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  zur  Neubeurteilung  an  das 
BFM zurückzuweisen.
Eventuell  sei  die angefochtene Verfügung des BFM aufzuheben, und 
es sei die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen, 
und es sei ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren.
Eventuell sei die angefochtene Verfügung des BFM vom 9. Juni 2009 
aufzuheben, und es sei die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 
des Beschwerdeführers festzustellen.
Vor  Gutheissung  der  vorliegenden  Verwaltungsbeschwerde  sei  dem 
unterzeichneten Anwalt eine angemessene Frist zur Einreichung einer 
detaillierten Kostennote zur Bestimmung der Parteientschädigung ein-
zuräumen.
Auf die Begründung wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Er-
wägungen eingegangen.

D.

D.a Mit Zwischenverfügung vom 4. August 2009 teilte der Instruktions-
richter des Bundesverwaltungsgerichts dem Beschwerdeführer mit, er 
könne den Ausgang des Beschwerdeverfahrens in der Schweiz abwar-
ten,  und forderte  ihn  gleichzeitig  auf,  allfällige  Bestätigungen von in 
der Schweiz beziehungsweise im Ausland lebenden Personen innert 
sieben beziehungsweise innert  30 Tagen ab Erhalt  dieser Verfügung 
nachzureichen, ferner bis zum 19. August 2009 einen aktuellen ärztli-
chen Bericht sowie eine Erklärung über die Entbindung von der ärztli-
chen  Schweigepflicht  gegenüber  den  Asylbehörden  einzureichen. 
Schliesslich verzichtete er auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

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und teilte dem Beschwerdeführer mit, über die weiteren Anträge werde 
zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.

D.b Die Verfügung vom 4. August 2009 wurde dem Beschwerdeführer 
am 12. August 2009 eröffnet.

D.c Mit  Eingabe  vom  19.  August  2009  liess  der  Beschwerdeführer 
eine  schriftliche  Auskunft  des  türkischen  Staatsangehörigen 
B._______,  ein  Arztzeugnis  vom 18.  August  2009  der  Universitären 
Psychiatrischen  Dienste  N._______  in  Kopie  sowie  die 
Entbindungserklärung zu den Akten reichen.

D.d Mit Eingabe vom 11. September 2009 liess der Beschwerdeführer 
seine Vorbringen ergänzen und reichte den Originalbericht der Univer-
sitären Psychiatrischen Dienste N._______ vom 18. August 2009 ein. 
Darauf  wird,  soweit  entscheidwesentlich,  in  den  Erwägungen 
eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgeset-
zes vom 20. Dezember 1968 über  das Verwaltungsverfahren (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem 
Bereich  endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998 
[AsylG, SR 142.31];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer  ist durch die angefochtene Verfügung besonders be-
rührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie-
hungsweise  Änderung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur  Einrei-

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chung der Beschwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 so-
wie Art. 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.

2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art.  106  Abs.  1 
AsylG).

2.2 Gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die 
Durchführung eines Schriftenwechsels mit der Vorinstanz verzichtet.

3.  

3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt 
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei-
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet  oder in sich wider-
sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 
AsylG).

4.  

4.1 In seiner Beschwerdeschrift vom 17. Juli 2009 lässt der Beschwer-
deführer unter anderem rügen, das BFM habe den rechtserheblichen 
Sachverhalt nicht vollständig und nicht richtig abgeklärt. Des Weiteren 
macht  der  Beschwerdeführer  im Wesentlichen geltend,  das  Bundes-
amt habe das Asylgesuch gestützt auf die Überprüfung der Glaubhaf-
tigkeit  beurteilt,  ohne  nach  weiteren  verwertbaren  Beweismitteln  zu 
forschen. Nicht zuletzt habe das BFM keinerlei Anstrengungen unter-

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nommen,  allfällige  Widersprüche  aufzuklären  beziehungsweise  den 
Beschwerdeführer im Rahmen der Anhörung mit solchen zu konfron-
tieren.  Es  gehöre  zur  Feststellung  des  vollständigen  und  richtigen 
rechtserheblichen Sachverhalts  – auch im Sinne des Anspruchs auf 
rechtliches Gehör  – den Beschwerdeführer  mit  allfälligen Widersprü-
chen zu konfrontieren, sofern sich eine Behörde bei der Entscheidfin-
dung auf die Widersprüche abstützen wolle.

4.1.1 Die  Rüge  der  unvollständigen  Sachverhaltsfeststellung  ist  vor-
weg zu prüfen, da ein allenfalls ungenügend abgeklärter Sachverhalt 
eine materielle Behandlung der vorliegenden Beschwerde verunmögli-
chen würde.

4.1.2 Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grund-
sätzen  des  Asylverfahrens  (vgl.  Art.  12  VwVG  i.V.m.  Art.  6  AsylG). 
Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige und voll-
ständige  Abklärung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  zu  sorgen. 
Sie muss die für  das Verfahren notwendigen Sachverhaltsunterlagen 
beschaffen und die rechtlich relevanten Umstände abklären sowie ord-
nungsgemäss darüber Beweis führen (beispielsweise durch die Einho-
lung  eines  Gutachtens).  Dieser  Grundsatz  gilt  indes  nicht  uneinge-
schränkt, er findet sein Korrelat in der Mitwirkungspflicht des Asylsu-
chenden (vgl. Art. 13 VwVG und Art. 8 AsylG). Trotz Untersuchungs-
grundsatz kann sich nämlich die entscheidende Behörde in der Regel 
darauf  beschränken,  die  Vorbringen des Gesuchstellers  zu würdigen 
und die von ihm angebotenen Beweise abzunehmen, ohne weitere Ab-
klärungen  vornehmen  zu  müssen.  Eine  ergänzende  Untersuchung 
kann sich jedoch aufdrängen, wenn auf Grund dieser Vorbringen und 
Beweismittel  berechtigte  Zweifel  oder  Unsicherheiten  bestehen,  die 
voraussichtlich nur mit  Ermittlungen von Amtes wegen beseitigt  wer-
den  können  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizeri-
schen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 23 E. 5a S. 222).

4.1.3 Aufgrund  der  Aktenlage  kommt  das  Bundesverwaltungsgericht 
zum Schluss,  dass  das  BFM vorliegend den Sachverhalt  vollständig 
erstellt  und zu Recht  keine weitergehenden Abklärungen vorgenom-
men hat, zumal die Vorinstanz angesichts von Vorbringen, die sie als 
unglaubhaft  erachtete,  nicht  verpflichtet  war,  irgendwelche  zusätzli-
chen Abklärungen vorzunehmen, sondern sich auf die Würdigung der 
Vorbringen  beschränken  durfte. Dies  umso mehr,  als  es  weder  auf-
grund der Akten noch der im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten 

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Beweismittel (A2/11 S. 4, A13/22 S. 2) einen hinreichenden Anlass zur 
Vornahme weitergehender  Abklärungen gab. Ebensowenig lässt  sich 
das unter Ziffer 1 aufgeführte Rechtsbegehren der Beschwerdeschrift 
damit begründen, die Vorinstanz habe keinerlei Anstrengungen unter-
nommen,  allfällige  Widersprüche  aufzuklären  beziehungsweise  den 
Beschwerdeführer im Rahmen der Anhörung mit solchen zu konfron-
tieren,  zumal  sich der Anspruch auf  rechtliches Gehör  grundsätzlich 
nur auf den rechtserheblichen Sachverhalt und nicht auf die rechtliche 
Würdigung  desselben  bezieht  (PATRICK SUTTER,  in:  CHRISTOPH 
AUER/MARKUS MÜLLER/BENJAMIN SCHINDLER (Hrsg.),  Kommentar  zum Bun-
desgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG),  Zürich/St. Gallen 
2008, Art. 29 N 12 S. 424, EMARK 2001 Nr. 8 E. 3 S. 52, EMARK 1994 
Nr. 13).

4.1.4 Das BFM ist  somit  zu  Recht  davon ausgegangen,  dass  keine 
weiteren Abklärungen notwendig sind, zumal der Sachverhalt – wie die 
nachfolgenden Erwägungen zeigen – durchaus liquid ist und es die be-
stehende  Aktenlage  ohne  weiteres  erlaubt,  die  Glaubhaftigkeit  der 
Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  abschliessend  zu  beurteilen. 
Nach dem Gesagten sind die Anträge auf Aufhebung der angefochte-
nen Verfügung und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zu wei-
teren Abklärungen sowie zur Neubeurteilung abzuweisen.

5.
In der Beschwerdeeingabe hält  der Beschwerdeführer an der Glaub-
haftigkeit  der  geltend  gemachten  Verfolgungssituation  fest.  Indessen 
behalten die von der Vorinstanz geäusserten Zweifel an der Glaubhaf-
tigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers auch nach der Prüfung 
der  auf  Beschwerdeebene  eingereichten  Beweismittel  nach  wie  vor 
ihre  Berechtigung,  zumal  die  Interpretation  der  Vorbringen  des  Be-
schwerdeführers  in  der  Beschwerdeschrift  nicht  zu  überzeugen  ver-
mag. So wird etwa in der Beschwerde geltend gemacht, der Beschwer-
deführer  habe  sich  bezüglich  der  sexuellen  Belästigungen  während 
der  letzten  Gefangenschaft  in  Wirklichkeit  nicht  widersprüchlich  ge-
äussert. Anlässlich der Befragung im EVZ wurde der Beschwerdefüh-
rer gefragt, ob die Misshandlungen etwas mit geschlechtsspezifischen 
Dingen zu tun hätten, woraufhin er ausführte: "Nicht richtig, es waren 
nur verbale sexuelle Belästigungen, tätliche nicht" (A2/11 S. 7). Dem-
gegenüber  machte  er  anlässlich  der  Anhörung  durch  das  BFM gel-
tend, er sei entkleidet und mit Druckwasser abgespritzt worden, auch 
im Genitalbereich. Er sei hin und hergeschoben worden. Jemand habe 

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ihn am Kopf, ein anderer an den Armen festgehalten, und er sei wie 
ein Tier behandelt worden (A13/22 S. 8). Auf Vorhalt des Widerspruchs 
führte der Beschwerdeführer aus, er habe gemeint,  es gehe bei  der 
Frage anlässlich der Erstbefragung um eine allfällige sexuelle Verge-
waltigung. Deshalb habe er gesagt, die Belästigungen seien nur ver-
bal, nicht physisch gewesen (A13/22 S. 16). Damit vermag er aber die 
Unstimmigkeit  nicht  auszuräumen,  zumal  die  Frage  nach  der  ge-
schlechtsspezifischen  Färbung  der  Misshandlung  offen  gestellt  war. 
Ausserdem widersprach er sich bezüglich der Dauer der Befragung im 
Keller (A13/22 S. 8, 15 und 16) wie auch des konkreten Ablaufs. So 
bekundete  der  Beschwerdeführer  zunächst,  er  sei  unter  Androhung 
von Waffengewalt eine Treppe hinuntergelaufen, danach entkleidet und 
mit  Druckwasser  abgespritzt  worden.  Erst  danach  habe  er  sich  auf 
einen Stuhl setzen müssen, und es sei zu einem verbalen Austausch 
gekommen  (A13/22  S.  8  und  15).  Demgegenüber  machte  er  noch 
anlässlich derselben Anhörung geltend, zu Beginn sei  ungefähr eine 
halbe  Stunde  mit  ihm  gesprochen  worden.  Dann  sei  er  entkleidet 
worden  (A13/22  S.  16).  Dementsprechend  drängt  sich  der  Eindruck 
auf,  der  Beschwerdeführer  habe  bei  seinen  Schilderungen  nicht  auf 
Erinnerungen an eine tatsächliche Begebenheit zurückgreifen können, 
sondern  die  geltend gemachte  Verfolgungssituation  erfunden. Dieser 
Eindruck  bestätigt  sich  auch  im Zusammenhang mit  der  dritten  und 
letzten Festnahme, die der Beschwerdeschrift  zufolge am 26. Januar 
2008 vorgenommen worden sein soll. Dies hätte eigentlich aber auch 
der Beschwerdeführer wissen müssen, behauptete er doch unentwegt, 
er sei am 27. Januar 2008 nach Istanbul gereist (A2/11 S. 1, 5 und 6, 
A13/22 S. 17). Demgegenüber machte er aber geltend, er sei zwischen 
21.00 und 22.00 Uhr festgenommen und nach einstündiger Autofahrt 
in  den oben erwähnten Keller  geführt  worden (A13/22 S. 15),  wo er 
mehrere Stunden habe verbringen müssen (A13/22 S. 16), bevor er in 
die  Nähe seines  Wohnorts  chauffiert  worden sei. Gleichwohl  sprach 
der  Beschwerdeführer  davon,  er  sei  am  27.  Januar  2008  auf  dem 
Heimweg gewesen, als sich der für ihn negativste Vorfall ereignet habe 
(A13/22 S. 14). Da auch die Abspritzaktion mit kaltem Wasser noch am 
26.  Januar  2008  stattgefunden  haben  müsste,  deutet  auch  diese 
chronologische Unstimmigkeit darauf hin, dass das geltend gemachte 
Ereignis  nicht  den  Tatsachen  entspricht.  Ebensowenig  glaubhaft 
erweist  sich das geltend gemachte politische Engagement,  zumal  er 
sich  auch  diesbezüglich  widersprüchlich  äusserte. Er  stellte  nämlich 
den  Umfang  seines  angeblichen  politischen  Engagements  unter-
schiedlich dar, indem er anlässlich der Kurzbefragung davon sprach, 

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er  habe  an  diversen  Veranstaltungen  teilgenommen  und  Zeitungen 
und Zeitschriften verteilt. Anlässlich universitärer Veranstaltungen, bei-
spielsweise  im  Zusammenhang  mit  dem  beabsichtigten  Beitritt  der 
Türkei zur Europäischen Union, habe er stets für die Rechte der Kur-
den plädiert (A2/11 S. 5). Demgegenüber sprach der Beschwerdefüh-
rer  anlässlich der  Bundesanhörung von einer einzigen Veranstaltung 
mit 300 – 400 Zuhörern. Im Verlauf dieser Veranstaltung habe er ein 
vorbereitetes Manuskript vorgetragen und einen Zusammenhang zwi-
schen den Massakern an den Armeniern und der Kurdenfrage herge-
stellt. Es sei denn auch zu einem Tumult gekommen, den er in solchem 
Umfang nicht erwartet habe (A13/22 S. 7). Indessen darf man anneh-
men, der Beschwerdeführer hätte es nicht unterlassen, seine Rolle als 
herausragender Agitator, wenn er sie tatsächlich gespielt hätte, bereits 
anlässlich der Kurzbefragung vom 3. März 2008 gebührend hervorzu-
heben.  Bezeichnenderweise  nimmt  im  Falle  des  Beschwerdeführers 
aber die Bedeutung seines sogenannten politischen Engagements mit 
zunehmender Verfahrensdauer immer grössere Dimensionen an, wes-
halb sein politisches Engagement  grundsätzlich in  Zweifel  zu ziehen 
ist. Insbesondere würde ein tatsächlich politisch interessierter und en-
gagierter  Student  im Unterschied zum Beschwerdeführer wohl  kaum 
wirklichkeitsfremde Vorstellungen über die Reaktion eines türkischen 
Publikums auf  politisch heikle, tabuierte Themen wie die Verbindung 
zwischen der Armenier- und Kurdenfrage entwickeln, zumal die radika-
le Ablehnung derartiger Vorstellungen in der Türkei Gemeingut und so-
mit auch politisch interessierten Kurden bekannt ist.

6.

6.1 Der Beschwerdeführer vertritt die Auffassung, das Bundesverwal-
tungsgericht müsse noch eine Reihe von Beweisen erheben. Dazu ge-
höre sicher eine Botschaftsabklärung, um bei C._______ (A13/ S. 3) 
entsprechende Erkundigungen einzuziehen, die Zeugenbefragung von 
B._______  (oder  die  Ansetzung  einer  Frist  zur  Einreichung  einer 
schriftlichen Auskunft)  und vor allem die notwendigen medizinischen 
Abklärungen. Es stellt  sich die Frage, ob diesen Beweisanträgen auf 
Beschwerdeebene nachzukommen ist.

6.1.1 Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung kann das Beweis-
verfahren  geschlossen  werden,  wenn  die  noch  im  Raum stehenden 
Beweisanträge  eine  nicht  erhebliche  Tatsache  betreffen  oder  offen-
sichtlich untauglich sind,  etwa weil  ihnen die Beweiseignung an sich 
abgeht oder – gerade umgekehrt – die betreffende Tatsache aus den 

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Akten bereits genügend ersichtlich ist. Diesfalls werden von den Par-
teien gestellte Beweisanträge im Rahmen einer vorweggenommenen, 
sog.  antizipierten  Beweiswürdigung  abgewiesen.  Dies  ist  zulässig, 
wenn das Gericht aufgrund bereits erhobener Beweise oder aus ande-
ren Gründen den rechtserheblichen Sachverhalt für genügend geklärt 
hält und überzeugt ist, seine rechtliche Überzeugung würde durch wei-
tere  Beweiserhebungen  nicht  geändert  (ANDRÉ MOSER/MICHAEL 
BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER,  Prozessieren vor dem Bundesverwaltungs-
gericht,  Handbücher  für  die  Anwaltspraxis,  Band  X,  Basel  2008, 
Rz. 3.144 S. 165).

6.1.2 Da der Beschwerde zufolge verschiedene Personen als Zeugen 
genannt werden, ist  zunächst zu klären, wann einer Person Zeugen-
qualität zukommt und worin diese besteht.
Das Schweizerische Strafprozessrecht versteht als Zeugen eine vom 
Beschuldigten verschiedene Person, welche in einem besonders gere-
gelten Verfahren einem Gericht oder einer Untersuchungs- und Ankla-
gebehörde unter strafrechtlich sanktionierter Wahrheitspflicht (Art. 307 
des  Schweizerischen  Strafgesetzbuchs  vom  21. Dezember  1937 
[StGB, SR 311.0]) über die von ihr wahrgenommenen Tatsachen Aus-
kunft  geben  soll  (vgl.  ROBERT HAUSER/ERHARD SCHWERI/KARL HARTMANN, 
Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl., Basel 2005, S. 292, N. 1). 
Ebenso wird im Zivilprozessrecht die Einvernahme des Zeugen durch 
das Gericht angeordnet, wobei dieses den Zeugen unter Hinweis auf 
die Strafbarkeit der Falschaussage (vgl. Art. 307 StGB) zur Wahrheit 
zu ermahnen hat (vgl.  THOMAS SUTTER-SOMM,  Schweizerisches Zivilpro-
zessrecht, Zürich u.a. 2007, S. 150, Rz. 698). Es gilt indes anzumer-
ken,  dass  bestimmten  Drittpersonen  ein  Zeugnisverweigerungsrecht 
zukommt. So können im Strafprozessrecht namentlich nahe Angehöri-
ge des Beschuldigten, wie seine Eltern, frei entscheiden, ob sie aus-
sagen wollen oder nicht. Zweck des Zeugnisverweigerungsrechts aus 
familiärer Rücksichtnahme ist dabei der Schutz des Vertrauensverhält-
nisses unter den Angehörigen und des Familienfriedens (vgl.  HAUSER/ 
SCHWERI/HARTMANN, a.a.O., S. 295, N. 14/15). Auch das Zivilprozessrecht 
statuiert ein umfassendes Verweigerungsrecht für Drittpersonen, die in 
einer bestimmten verwandtschaftlichen oder in einer anderen sehr en-
gen persönlichen Beziehung zu einer Partei stehen (vgl. Art. 162 des 
Entwurfs zur Schweizerischen Zivilprozessordnung gemäss Botschaft, 
BBl 2006 7221ff.).
Für das Verwaltungsverfahren, mithin auch für das Asylverfahren (vgl. 
Art. 6 AsylG), sieht Art. 12 Bst. c VwVG den Zeugenbeweis zwar vor, 

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doch  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  die  Zeugeneinvernahme  gemäss 
der einschränkenden Bestimmung von Art. 14 Abs. 1 VwVG in den Ver-
fahren im Anwendungsbereich des VwVG nur ausnahmsweise einge-
setzt werden darf, wenn die anderen Mittel der Sachverhaltserhebung 
nicht  zum Ziel  führen (vgl.  CHRISTOPH AUER,  in:  CHRISTOPH AUER/MARKUS 
MÜLLER/BENJAMIN SCHINDLER {Hrsg.} VwVG Kommentar  zum  Bundesge-
setz  über  das  Verwaltungsverfahren,  Zürich/St.  Gallen  2008,  Art.  12 
N 37). Diese so umschriebene Subsidiarität  der  Zeugeneinvernahme 
gilt  im  Asylverfahren  umso  mehr,  als  zwischen  dem Asylsuchenden 
und  allfälligen  einzuvernehmenden  Drittpersonen  häufig  ein  spezifi-
scher Interessenkonflikt  besteht. Dies ist  dahingehend zu verstehen, 
als es sich bei solchen Drittpersonen meist um befangene Bezugsper-
sonen handeln dürfte.

6.1.3 In casu forderte der Instruktionsrichter des Bundesverwaltungs-
gerichts den Beschwerdeführer auf, allfällige Bestätigungen von Dritt-
personen innert sieben beziehungsweise 30 Tagen ab Erhalt der Verfü-
gung einzureichen. Aufgrund vorstehender  Ausführungen besteht  für 
das  Bundesverwaltungsgericht  kein  Grund,  B._______ oder  andere 
Personen als Zeugen einzuvernehmen. Bei den eingereichten Schrei-
ben handelt  es  sich  folglich  nicht  um Zeugenberichte,  sondern  viel-
mehr  um  Auskünfte  von  Drittpersonen  im  Sinne  von  Art.  12  Bst.  c 
VwVG.

6.1.4 Zu den Auskünften von Drittpersonen gilt  es festzuhalten, dass 
deren Beweiskraft (im Unterschied zu Zeugenaussagen) reduziert ist, 
zumal Auskunftspersonen erstens nicht zur wahrheitsmässigen Aussa-
ge angehalten werden können sowie zweitens die Aussage ohne jegli-
che Rechtsnachteile verweigern dürfen (vgl. PATRICK L. KRAUSKOPF/KATRIN 
EMMENEGGER, in:  BERNARD WALDMANN/PHILIPPE WEISSENBERGER {Hrsg.} VwVG 
Praxiskommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, 
Zürich u.a. 2009, Art. 12 N 125). Wegen der herabgesetzten Beweis-
kraft vermag der Beschwerdeführer aus der schriftlichen Auskunft von 
B._______ vom 18. August 2009 nichts zu seinen Gunsten abzuleiten, 
dies  umso  weniger,  als  die  Aussagen  von  B._______  zum  Beweis 
einer  Verfolgung  des Beschwerdeführers  nicht  tauglich  sind. Erstens 
bezweifelte  die  Vorinstanz  die  geltend  gemachte  politische  Tätigkeit 
des  Beschwerdeführers  als  Student  offensichtlich  nicht,  weshalb  die 
entsprechenden  Aussagen  von  B._______  nichts  Wesentliches  zur 
Sachlage  beitragen.  Zweitens  kann  B._______  zur  vorgebrachten 
Verfolgung  nicht  aus  eigener  Wahrnehmung,  sondern  nur  vom  Hö-

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rensagen  berichten.  Angeblich  soll  er  von  einem  Cousin  des  Be-
schwerdeführers  von  dessen  Benachteiligungen  durch  den  Staatssi-
cherheitsdienst vernommen haben. Der Cousin seinerseits habe dies 
vom Vater des Beschwerdeführers erfahren. Aus diesen Gründen ist 
auf  eine Befragung von B._______ als Zeuge zu verzichten,  und es 
erübrigt sich, das Dossier von B._______ beizuziehen.

6.2 Aus dem oben Gesagten ergibt sich sinngemäss, dass es sich an-
gesichts  des  Beweiswerts  der  Erklärungen  von  Auskunftspersonen 
nicht  rechtfertigt,  eine Botschaftsabklärung bei  C._______ vorzuneh-
men. Was schliesslich die gesundheitlichen Probleme des Beschwer-
deführers  anbelangt,  so  befindet  sich  bereits  ein  Arztzeugnis  vom 
18. August  2009 bei  den Akten. Diesbezüglich ist  vorweg Folgendes 
festzuhalten:  Das  Bundesverwaltungsgericht  hegt  keine  grundsätzli-
chen Zweifel an den in medizinischen Berichten gestellten Diagnosen. 
Ein vom Bundesverwaltungsgericht beigezogener medizinischer Sach-
verständiger könnte sich allenfalls zur Qualität des eingereichten ärztli-
chen Berichts äussern und gegebenenfalls die vom behandelnden Arzt 
gestellten Diagnosen bestätigen. Die entscheidende Frage, ob sich der 
Vollzug der Wegweisung in Anbetracht der diagnostizierten Erkrankun-
gen des Beschwerdeführers und der Aktenlage als zumutbar erweist, 
haben indessen allein die zuständigen Asylbehörden, vorliegend das 
Bundesverwaltungsgericht,  zu  beurteilen  (BVGE  2007/31  E.  5.1 
S. 378).  Da das Arztzeugnis vom 18. August 2009, wie sich aufgrund 
nachstehender Ausführungen ergibt,  den massgebenden Sachverhalt 
in ausreichendem Masse erhellt, erübrigt es sich, eine Frist zur Einrei-
chung eines ausführlichen psychiatrischen Berichts anzusetzen.

Das Bundesverwaltungsgericht weist daher die Erhebung zusätzlicher 
Beweise in antizipierter Beweiswürdigung ab.

6.3 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erübrigt es sich, auf die 
weiteren Ausführungen in der Beschwerde im Einzelnen sowie weitere 
Beweismittel  einzugehen oder  weitere Akten beizuziehen,  weil  diese 
am Ergebnis  nichts  ändern  können. Unter  Berücksichtigung  der  ge-
samten  Umstände  folgt,  dass  der  Beschwerdeführer  keine  Gründe 
nach  Art.  3  AsylG  nachweisen  oder  glaubhaft  machen  konnte.  Das 
Bundesamt hat sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt.

7.

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7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein-
heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

7.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung ei-
ner  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht  angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. EMARK 2001 Nr. 21).

8.

8.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]).

8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei-
nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge-
fahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK, 
SR 0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. No-
vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

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8.3 Die Vorinstanz wies in  ihrer  angefochtenen Verfügung zutreffend 
darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen 
schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen  (vgl.  MARIO GATTIKER, 
Das Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 89). Da 
es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erheb-
liche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das 
in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Re-
foulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine 
Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach un-
ter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall ei-
ner  Ausschaffung  in  den  Heimatstaat dort  mit  beachtlicher  Wahr-
scheinlichkeit  einer  nach  Art.  3  EMRK  oder  Art.  1  FoK  verbotenen 
Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäi-
schen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des 
UN-Anti-Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  kon-
krete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm 
im Fall  einer  Rückschiebung Folter  oder  unmenschliche Behandlung 
drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren Hinwei-
sen).  Der  Beschwerdeführer  bringt  ferner  verschiedene gesundheitli-
che  Probleme  vor  (siehe  Sachverhalt  Bst.  D.c  sowie  nachfolgend 
E. 8.4.2).  Diese  stellen  aber  selbst  dann  unter  dem Blickwinkel  von 
Art. 3 EMRK kein völkerrechtliches Vollzugshindernis dar, falls in der 
Türkei der medizinische Standard schlechter als in der Schweiz wäre 
(vgl. EMARK 2004 Nr. 6 E. 7 S. 40 ff., EMARK 2004 Nr. 7 E. 5 S. 47 ff., 
Bundesgerichtsurteil  vom 30.  September  2002  i.S. A.  und  B. gegen 
Service de la  population du canton de Vaud, E. 2.3  [SZIER 3/2003, 
S. 308]). Diese nationale Rechtsprechung steht im Einklang mit derje-
nigen der Strassburger Organe, wonach allein die Tatsache, dass die 
Umstände der medizinischen Versorgung im Heimatland für  den Be-
troffenen weniger vorteilhaft wären als jene, die er im Aufenthaltsstaat 
hat, für die Beurteilung unter dem Blickwinkel von Art. 3 EMRK nicht 
entscheidend ist (vgl. Urteil des EGMR vom 6. Februar 2001 i.S. Ben-
said gegen Vereinigtes Königreich [Grossbritannien], E. 38 [Beschwer-
de Nr. 44599/98]; Entscheid des EGMR vom 29. Juni  2004 über die 
Zulassung der Beschwerde i.S. Salkic und andere gegen Schweden, 
"The Law",  Ziff. 1,  S. 7  [Beschwerde Nr. 7702/04]; Urteil  des EGMR 
vom 27. Mai 2008 i.S. N. gegen Vereinigtes Königreich, Ziffn. 34 und 
42 – 44 [Beschwerde Nr. 26565/05]). Auch die allgemeine Menschen-

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rechtssituation  im  Heimatstaat lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum 
heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach 
dem Gesagten ist  der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der 
asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art.  83 
Abs. 7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 
8. März 2002, BBl 2002 3818).

8.4.1 Angesichts der heutigen Lage in der Türkei kann nicht von einer 
Situation  allgemeiner  Gewalt  oder  von  kriegerischen  oder 
bürgerkriegsähnlichen  Verhältnissen  gesprochen  werden,  welche  für 
den Beschwerdeführer bei einer Rückkehr eine konkrete Gefährdung 
darstellen würden.

8.4.2 Was seinen Gesundheitszustand betrifft,  wurde in  der  Rechts-
mitteleingabe  geltend  gemacht,  der  Beschwerdeführer  sei  psychisch 
angeschlagen  und  bedürfe  einer  psychotherapeutischen  Abklärung 
und Therapie,  weshalb  ein  Wegweisungsvollzug  insgesamt  nicht  zu-
mutbar sei.

Aus einem seitens des Beschwerdeführers der Vorinstanz eingereich-
ten  ärztlichen  Zeugnis  vom  18.  August  2009  der  Universitären 
Psychiatrischen  Dienste  N._______  ergibt  sich,  dass  der 
Beschwerdeführer dort  seit  dem 15. Oktober 2008 in Behandlung ist 
und bislang insgesamt sieben Konsultationen mit einer Dauer von 45 – 
60 Minuten (inklusive Übersetzung) stattfanden. Dabei diagnostizierte 
der zuständige Assistenzarzt eine mittelgradig depressive Episode mit 
somatischem  Syndrom  (F32.11)  und  hielt  fest,  eine  integrierte 
psychiatrische Weiterbehandlung sei  derzeit  dringend notwendig. Da 
solche psychischen Störungen jedoch auch in der Türkei – und erst 
noch ohne Beizug eines Übersetzers – behandelt werden können (so 
schon  EMARK  1999  Nr.  5  E.  7c  S.  33),  kann  selbst  bei  einem 
Andauern  der  hierzulande  festgestellten  psychischen  Probleme  des 
Beschwerdeführers in der Türkei nicht von einer Unzumutbarkeit des 

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Wegweisungsvollzugs  gesprochen  werden  (vgl.  dazu  auch  EMARK 
2003 Nr. 24).

8.4.3 Sodann sind auch keine anderen Hinweise ersichtlich, aufgrund 
derer unter Umständen geschlossen werden könnte, der Beschwerde-
führer gerate im Falle der Rückkehr in eine existenzbedrohende Situa-
tion. Eigenen Angaben zufolge verfügt er über eine langjährige Schul-
bildung und hat in der Türkei ein Ökonomiestudium in Angriff genom-
men. Praktische Arbeitserfahrungen konnte er eigenen Angaben zufol-
ge  im Geschäft  seines  Vaters  sammeln.  Es  ist  ihm aufgrund  seiner 
überdurchschnittlichen  Ausbildung  daher  zuzumuten,  sich  wieder  in 
seinem Heimatland niederzulassen und eine neue Existenz aufzubau-
en. Darüber hinaus werden ihm seine nach wie vor in der Türkei leben-
den Eltern und zahlreichen Geschwister bei der Wiedereingliederung 
behilflich sein können. Angesichts der gesamten Umstände ist der Voll-
zug der Wegweisung – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – auch 
diesbezüglich als zumutbar zu bezeichnen.

8.4.4 Nach dem Gesagten erweist sich Vollzug der Wegweisung auch 
als zumutbar.

8.5 Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zu-
ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb 
der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

9.
Insgesamt ist  der durch die Vorinstanz verfügte Vollzug der Wegwei-
sung  zu  bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  den  Wegweisungsvollzug  zu 
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesag-
ten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht 
(Art. 83 Abs. 1 - 4 AuG).

10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-

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deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf insgesamt 
Fr. 600.--  festzusetzen  (Art.  1  -  3  des  Reglements  vom 21. Februar 
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beilage: 
Einzahlungsschein)

- das  BFM,  Abteilung  Aufenthalt,  mit  den  Akten  Ref.-Nr.  N   (per 
Kurier; in Kopie)

- (...) (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Fulvio Haefeli Gert Winter

Versand: 

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