# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9387aa65-4ac3-59ea-8733-4b577176ad46
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-01-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.01.2018 D-7100/2016
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-7100-2016_2018-01-26.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-7100/2016 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 6 .  J a n u a r  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), 

Richter Walter Lang, Richter Thomas Wespi,  

Gerichtsschreiber Martin Scheyli 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am [...], 

Eritrea,  

vertreten durch Urs Jehle, Caritas Schweiz,  

[...],  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 21. Oktober 2016 

 

 

 

D-7100/2016 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer ist eritreischer Staatsangehöriger der Volksgruppe 

der Bilen und stammt aus dem Dorf B._______ bei der Stadt Keren (Region 

Anseba). Gemäss eigenen Angaben verliess er seinen Heimatstaat am 

13. Juni 2010 in Richtung Sudan, von wo er am 28. Juni 2014 nach Libyen 

weiterreiste. Am 20. August 2014 reiste er unkontrolliert in die Schweiz ein 

und stellte gleichentags beim Empfangs- und Verfahrenszentrum Chiasso 

ein Asylgesuch. Das vormalige Bundesamt für Migration (BFM) bezie-

hungsweise in der Folge das Staatssekretariat für Migration (SEM) be-

fragte den Beschwerdeführer am 29. August 2014 summarisch und am 

24. Juni 2016 eingehend zu dessen Asylgründen. Zwischenzeitlich wurde 

er für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton Schwyz zugewiesen.  

B.  

Im Rahmen seiner Befragungen machte der Beschwerdeführer im Wesent-

lichen geltend, er sei im Jahr 2006, als er die 12. Schulklasse besucht 

habe, zum eritreischen Nationaldienst rekrutiert worden. Nach einer militä-

rischen Einführung sei er, obwohl er im technischen Bereich habe studie-

ren wollen, gegen seinen Willen zur Ausbildung als Lehrer im staatlichen 

Seminar in Asmara verpflichtet worden. Nach Abschluss der einjährigen 

Ausbildung sei er durch das Bildungsministerium der Schule von 

C._______ (Region Anseba) zugeteilt worden und habe dort seit dem Sep-

tember 2008 als Lehrer gearbeitet. In der Schule habe er einen einheimi-

schen Lehrer kennengelernt, der ein Stück Land besessen habe, und die-

ses hätten sie in der Freizeit gemeinsam bewirtschaftet. Jedoch sei im No-

vember 2009, kurz vor der Erntezeit, ein Oberstleutnant der eritreischen 

Armee gekommen und habe ihnen die Bewirtschaftung des Grundstücks 

verboten, weil sie damit als Staatsangestellte gegen ein Gesetz verstossen 

hätten. Sie hätten versucht, sich zu wehren, aber dennoch hätten Soldaten 

die Bewirtschaftung übernommen. Im Februar 2010 hätten drei hochran-

gige Behördenmitglieder – der Bildungsminister des Bezirks, der Vizevor-

sitzende der Staatspartei im Bezirk sowie der erwähnte Oberstleutnant ‒ 

eine Versammlung abgehalten, an der alle Lehrer der Schule hätten teil-

nehmen müssen. Den Lehrern sei gesagt worden, sie dürften kein privates 

Geschäft ausüben. Zudem seien ihnen Anweisungen im Zusammenhang 

mit Urlauben, Schulberichten an die Adresse der Partei sowie Lohnabzü-

gen zugunsten der Partei gegeben worden. Im April 2010 seien in einem 

nahegelegenen Dorf namens D._______ vier Personen ‒ ein Oberst der 

Armee, zwei Geologen und deren Chauffeur ‒ von Jihadisten umgebracht 

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Seite 3 

worden. In der Folge habe der lokale Vorsitzende der Staatspartei anläss-

lich einer Versammlung in der Schule angeordnet, dass die Lehrer zur Be-

wachung der Gegend bewaffnet werden sollten. Als Termin für die Bewaff-

nung sei dabei der 5. Juni 2010 festgelegt worden. Dem Befehl, eine Waffe 

zu tragen, habe er jedoch nicht folgen wollen. Zudem habe er sich durch 

den Staat ständig drangsaliert gefühlt und in Eritrea keine Zukunft mehr 

gesehen. Deshalb habe er unmittelbar vor dem genannten Termin seine 

Stelle verlassen und sei auf illegalem Weg aus Eritrea ausgereist. Wegen 

seiner Ausreise sei seine Mutter in der Folge zweimal – während zweier 

Wochen und während eines Monats – inhaftiert worden, wobei sie beim 

zweiten Mal für ihre Freilassung eine Kaution in der Höhe von 15‘000 Nakfa 

habe bezahlen müssen. Anlässlich der Anhörung übergab der Beschwer-

deführer dem SEM als Beweismittel sein eritreisches Lehrerdiplom.  

C.  

Mit Verfügung vom 21. Oktober 2016 (eröffnet am 25. Oktober 2016) lehnte 

das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete dessen 

Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Zur Begründung der 

Ablehnung des Asylgesuchs führte das Staatssekretariat im Wesentlichen 

aus, die betreffenden Vorbringen des Beschwerdeführers seien nicht 

glaubhaft. Des Weiteren hielt das SEM dafür, der Beschwerdeführer habe 

auch nicht wegen einer allfälligen illegalen Ausreise aus Eritrea mit asyl-

rechtlich relevanten Nachteilen zu rechnen.  

D.  

Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 17. November 2016 focht der Be-

schwerdeführer die Verfügung des SEM beim Bundesverwaltungsgericht 

an. Dabei beantragte er die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die 

Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft sowie die Gewährung des 

Asyls, eventualiter die vorläufige Aufnahme als Flüchtling, subeventualiter 

die Anordnung der vorläufigen Aufnahme wegen Undurchführbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um die Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 

VwVG sowie um Beiordnung seines Rechtsvertreters als amtlicher Rechts-

beistand gemäss Art. 110a des Asylgesetzes (AsylG, SR 142.31). Mit der 

Beschwerdeschrift wurde unter anderem eine Stellungnahme der Schwei-

zerischen Flüchtlingshilfe (SFH) zu den Rückkehrbedingungen nach Erit-

rea eingereicht. Auf die Begründung der Beschwerde wird, soweit für den 

Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. 

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Seite 4 

E.  

Mit Zwischenverfügung des Instruktionsrichters vom 22. November 2016 

wurden die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

und um Bestellung eines amtlichen Rechtsbeistands ‒ als welcher der bis-

herige Rechtsvertreter eingesetzt wurde ‒ gutgeheissen. 

F.  

Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 26. Januar 2017 reichte der Be-

schwerdeführer ein Gutachten der SFH zur Frage ein, inwiefern es in Erit-

rea zu terroristischen Anschlägen kommt. Zudem ersuchte er um Erstat-

tung der Kosten für die Erstellung des Gutachtens. 

G.  

Mit Vernehmlassung vom 15. November 2017 hielt das SEM vollumfäng-

lich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Be-

schwerde.  

H.  

Mit Zwischenverfügung vom 16. November 2017 wurde dem Beschwerde-

führer in Bezug auf die Vernehmlassung das Replikrecht erteilt.  

I.  

Mit Eingabe des Rechtsvertreters vom 24. November 2017 wurden eine 

entsprechende Stellungnahme sowie eine Honorarabrechnung einge-

reicht. 

 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Beschwerden ge-

gen Verfügungen, die gestützt auf das AsylG durch das SEM erlassen wor-

den sind, entscheidet das Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich (mit 

Ausnahme von Verfahren betreffend Personen, gegen die ein Ausliefe-

rungsersuchen des Staates vorliegt, vor welchem sie Schutz suchen) end-

gültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

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Seite 5 

1.2 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können im Anwen-

dungsbereich des AsylG die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich 

Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Bereich des Ausländerrechts richtet sich 

die Kognition des Gerichts nach Art. 49 VwVG (BVGE 2014/26 E. 5). 

2.  

Der Beschwerdeführer ist legitimiert; auf seine frist- und formgerecht ein-

gereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in ihrem 

Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Re-

ligion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe  

oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen aus-

gesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu 

werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von 

Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen 

psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 

3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 3 AsylG sind keine Flüchtlinge Personen, die we-

gen Wehrdienstverweigerung oder Desertion ernsthaften Nachteilen aus-

gesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt 

zu werden. Vorbehalten bleibt die Einhaltung des Abkommens vom 28. Juli 

1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30). 

3.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlings-

eigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor-

bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi-

dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf 

gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

3.4 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-

gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des 

Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der 

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Seite 6 

gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder 

nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesent-

liche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschick-

sals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substantiierte, im Wesent-

lichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vor-

kommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlitte-

nen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinrei-

chende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine 

Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüch-

lichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurtei-

lung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Ele-

mente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Sub-

stantiiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit 

usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine 

Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die 

Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vor-

bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we-

sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachver-

haltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 S. 142 f., BVGE 

2010/57 E. 2.3, Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen 

Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1, EMARK 1996 Nr. 27 

E. 3c/aa, EMARK 1996 Nr. 28 E. 3a). 

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, er sei im Rah-

men des eritreischen Nationaldiensts nach einer militärischen Einführung 

zur Ausbildung als Lehrer verpflichtet und als solcher anschliessend zur 

Arbeit in einer Dorfschule zugeteilt worden. In seiner Funktion als Lehrer 

habe er mehrfach Schwierigkeiten mit lokalen hochrangigen Vertretern der 

eritreischen Behörden gehabt. Nach einem Attentat einer jihadistischen 

Gruppierung auf ein Regierungsfahrzeug, bei dem vier Personen getötet 

worden seien, sei von den Behörden angeordnet worden, die Lehrer hätten 

Waffen zu tragen und an der Bewachung der Gegend mitzuwirken. Unmit-

telbar vor dem für die Bewaffnung vorgesehenen Termin habe er seine 

Stelle verlassen und sei illegalerweise aus Eritrea ausgereist.  

4.2 Eritreische Staatsangehörige, die für den sogenannten Nationaldienst 

rekrutiert worden sind, haben diesen entweder in militärischen oder in zivi-

len Einheiten zu leisten. Die Ableistung dieser Pflicht in zivilen Einheiten 

des Nationaldiensts kann dabei etwa Tätigkeiten in der Verwaltung, in 

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Schulen, Spitälern, in der Landwirtschaft oder in Bauunternehmen umfas-

sen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-7898/2015 vom 30. Ja-

nuar 2017 E. 4.8.3 [als Referenzurteil publiziert], unter Hinweis auf EURO-

PEAN ASYLUM SUPPORT OFFICE [EASO], EASO-Bericht über Herkunftslän-

derinformationen: Länderfokus Eritrea, Mai 2015, S. 32). Mit seinen Vor-

bringen macht der Beschwerdeführer somit sinngemäss geltend, er sei aus 

dem eritreischen Nationaldienst desertiert, den er in einer zivilen Funktion 

als Lehrer habe leisten müssen. Zu berücksichtigen ist im vorliegenden Fall 

ausserdem, dass der Beschwerdeführer geltend macht, er sei in seiner 

Funktion als Lehrer zur Abwehr von Angriffen einer jihadistischen Organi-

sation dazu verpflichtet worden, sich bewaffnen zu lassen und sich an der 

Bewachung der dortigen Gegend zu beteiligen. 

4.3  

4.3.1 Das SEM stellt sich auf den Standpunkt, die genannten Vorbringen 

seien nicht glaubhaft, dies im Wesentlichen aus folgenden Gründen: An-

lässlich der Befragung habe der Beschwerdeführer angegeben, das Atten-

tat einer jihadistischen Gruppierung habe sich im Mai 2010 ereignet, wäh-

rend er bei seiner eingehenden Anhörung vorgebracht habe, dies habe 

sich im April 2010 abgespielt. Im Rahmen der Befragung habe er ausge-

sagt, für die Gewaltakte seien Jihadisten verantwortlich gewesen. Bei der 

Anhörung habe er zuerst angegeben, es sei wiederholt zu solchen Angrif-

fen gekommen, während er später auf entsprechende Nachfrage gesagt 

habe, es sei „nicht immer“ zu solchen Taten gekommen. Bei der Anhörung 

habe er auch verneint, dass es sich um Jihadismus gehandelt habe. Auf-

grund der unvereinbaren Angaben bezüglich des Zeitpunkts des angebli-

chen Vorkommnisses und der widersprüchlichen Aussagen zu den angeb-

lichen Verursachern bestünden erhebliche Zweifel an den Vorbringen des 

Beschwerdeführers. Des Weiteren habe der Beschwerdeführer angege-

ben, auf den nahen Plantagen hätten Soldaten gearbeitet, seine eigene 

Plantage sei von Soldaten übernommen worden, und auch an den von den 

Behörden einberufenen Versammlungen seien Soldaten anwesend gewe-

sen. Dies erwecke den Eindruck, dass im Dorf C._______ und in dessen 

Umgebung zahlreiche Soldaten stationiert gewesen seien. Angesichts der 

Verfügbarkeit von Soldaten, der Nähe zur eritreischen Hauptstadt und des 

Umstands, dass der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben bis dahin 

noch nie Wache gehalten habe, überzeuge auch die Behauptung nicht, es 

seien wegen der erwähnten Vorkommnisse Lehrer zu den Waffen gerufen 

worden. 

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4.3.2 Diese Argumente des SEM sind offensichtlich nicht geeignet, die 

Glaubhaftigkeit der betreffenden Vorbringen des Beschwerdeführers in 

Frage zu stellen. Zunächst ist in Bezug auf den behaupteten zeitlichen Wi-

derspruch Folgendes festzuhalten: Anlässlich der Befragung gab der Be-

schwerdeführer an, der Angriff von Jihadisten auf ein Regierungsfahrzeug 

habe sich anfangs Mai 2010 ereignet, während er im Rahmen der Anhö-

rung zu Protokoll gab, dies sei im April 2010 geschehen. Eine derart mi-

nime zeitliche Abweichung ist offensichtlich nicht als wesentlicher Wider-

spruch zu qualifizieren, zumal zwischen dem fraglichen Ereignis und der 

Anhörung des Beschwerdeführers im vorinstanzlichen Verfahren ein Zeit-

raum von mehr als sechs Jahren lag.  

4.3.3 Zu den Umständen des fraglichen Angriffs auf Vertreter der eritrei-

schen Behörden machte der Beschwerdeführer im Rahmen seiner einge-

henden Anhörung im Wesentlichen folgende Aussagen (Protokoll der An-

hörung, S. 5 f.): Auf die Frage hin, ob er wisse, von welcher Gruppierung 

das Attentat begangen worden sei, gab der Beschwerdeführer zur Antwort, 

solche Ereignisse hätten immer wieder stattgefunden. Deswegen hätten 

sie – implizit: die eritreischen Sicherheitskräfte – immer die Strasse kon-

trolliert, und nach 16 Uhr hätten zwischen der Stadt Keren und der Ort-

schaft Halhal (Region Anseba) keine Busse verkehren dürfen. Die Regie-

rung habe immer wieder gesagt, diese Attentate würden durch Jihadisten 

verübt, und nach dem Ereignis vom April 2010 habe auch der Parteivorsit-

zende, welche die erwähnte Versammlung in der Schule geleitet habe, ge-

sagt, es handle sich um Jihadisten aus der Gegend. Vor dem Jahr 2000 

habe er davon gehört, dass Jihadisten Krieg geführt hätten, weil damals 

der Ehemann seiner Schwester in Halhal am Bein verletzt worden sei. Auf 

die Frage hin, ob seine Aussage, es habe immer wieder Überfälle dieser 

Art in der Region gegeben, bedeute, dass der Staat in dieser Gegend die 

Kontrolle verloren habe, antwortete der Beschwerdeführer folgendermas-

sen: „Nicht immer. Wenn irgendeine einflussreiche oder hochrangige Per-

son in diese Richtung fährt, wird diese Gegend von Soldaten der Spiona-

geabteilung bewacht.“ Des Weiteren führte der Beschwerdeführer auf ent-

sprechende Fragen hin aus, er gehe davon aus, dass die Bevölkerung et-

was mit den Attentaten zu tun habe und dass sich die Angriffe gegen die 

amtierende Regierung richten würden. Er glaube aber nicht, dass es sich 

um religiös bedingten Jihadismus handle, und er selbst sei ja auch Christ. 

Es gebe Gerüchte, aber niemand traue sich, jemanden darauf anzuspre-

chen. Ihm selbst habe man auch nicht vertraut, und er habe nur sporadisch 

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mit der lokalen Bevölkerung gesprochen, da er nicht mit ihnen aufgewach-

sen sei, sondern nur die letzten zwei, drei Jahre ‒ implizit: vor seiner Aus-

reise ‒ dort gelebt habe. 

4.3.4 Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb die Vorinstanz angesichts die-

ser Aussagen zur Einschätzung gelangte, der Beschwerdeführer habe in 

Bezug auf die Urheberschaft des fraglichen Attentats widersprüchliche An-

gaben gemacht. Vielmehr machte der Beschwerdeführer unmissverständ-

lich deutlich, dass in der betreffenden Region seit einiger Zeit wiederholt 

gewaltsame Angriffe gegen die Staatsgewalt geschahen, welche durch die 

eritreischen Behörden jihadistischen Urhebern angelastet wurden, wäh-

rend er selbst jedoch Zweifel daran hegte, ob es sich dabei um religiösen 

Jihadismus handle. In diesem Zusammenhang ist auch auf das vom Be-

schwerdeführer mit Eingabe vom 26. Januar 2017 eingereichte Gutachten 

der SFH hinzuweisen. Daraus geht gestützt auf verschiedene Berichte un-

abhängiger Organisationen im Wesentlichen hervor, dass in Eritrea seit 

Jahrzehnten unter der Bezeichnung „Eritrean Islamic Jihad Movement“ 

(EIJM) eine islamistische Untergrundorganisation operiert, deren Ziel der 

Sturz des staatlichen Regimes ist und die auch in den letzten Jahren meh-

rere terroristische Anschläge auf staatliche Ziele verübt hat.  

4.3.5 Schliesslich erscheint auch die vom Beschwerdeführer beschriebene 

Bewaffnung von Lehrern zum Zweck der Bewachung des Dorfs keines-

wegs, wie vom SEM angenommen, als abwegig, befanden sich diese Leh-

rer doch ohnehin im eritreischen Nationaldienst und hatten in dessen Rah-

men eine militärische Grundausbildung durchlaufen. Auch in diesem Zu-

sammenhang ist auf das erwähnte Gutachten der SFH hinzuweisen. Aus 

diesem geht diesbezüglich hervor, dass es gemäss Informationen eritrei-

scher Auskunftspersonen durchaus keine unübliche Praxis lokaler eritrei-

scher Behörden sei, Lehrer zum Wachtdienst aufzubieten, da diese zu ei-

nem grossen Teil ohnehin Angehörige des Nationaldiensts und somit dem 

Militär unterstellt seien. Es besteht kein konkreter Anlass, diese Einschät-

zung in Zweifel zu ziehen. 

4.3.6 Den Aussagen des Beschwerdeführers im vorinstanzlichen Verfah-

ren sind auch sonst keine Widersprüche oder andere wesentliche Unstim-

migkeiten zu entnehmen. Vielmehr ist festzustellen, dass die Angaben des 

Beschwerdeführers zu den Vorgängen in C._______, seinen Problemen 

als Lehrer mit den eritreischen Behörden, seinem Entschluss, sich diesen 

Schwierigkeiten nach dem erfolgten Attentat durch Verlassen der ihm zu-

gewiesenen Aufgaben im Nationaldienst zu entziehen, wie auch zu den 

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Umständen seiner Ausreise aus dem Land widerspruchsfrei, detailliert und 

ohne weiteres nachvollziehbar ausgefallen sind. Die Vorbringen des Be-

schwerdeführers weisen zahlreiche positive Glaubhaftigkeitselemente auf, 

welche jedoch vom SEM völlig unberücksichtigt gelassen worden sind. Ein 

solches Vorgehen ist als unzulässig selektiv zu bezeichnen und bildet 

keine korrekte Würdigung der zu beurteilenden Sachverhaltsdarstellung. 

4.4 Aufgrund des Gesagten hat es sich als glaubhaft erwiesen, dass der 

Beschwerdeführer vor seiner Ausreise aus Eritrea nicht nur seinen Posten 

als Lehrer im Nationaldienst verlassen, sondern sich ausserdem einer ihm 

zugewiesenen zusätzlichen Funktion als bewaffneter Wächter entzogen 

hat. Dieses Verhalten ist einer Desertion aus dem eritreischen National-

dienst gleichzusetzen. Gemäss ständiger Rechtsprechung werden Dienst-

verweigerung und Desertion in Eritrea als Ausdruck einer Regimegegner-

schaft qualifiziert und aus politischen Motiven unverhältnismässig streng 

bestraft, was im Ergebnis einer asylrelevanten Verfolgung gleichkommt 

(grundlegend EMARK 2006 Nr. 3; zusammenfassend zu dieser Praxis 

BVGE 2015/3 E. 5.7.1; zuletzt etwa die Urteile des Bundesverwaltungsge-

richts D-1359/2015 vom 22. August 2017 E. 6.1 und E-3581/2016 vom 

13. November 2017 E. 7.1). Aufgrund seiner Desertion hatte der Be-

schwerdeführer bereits vor seiner danach erfolgten Ausreise aus Eritrea 

ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten. Diese Ge-

fährdung dauert auch weiterhin an.  

5.  

Aus den angestellten Erwägungen ergibt sich, dass der Beschwerdeführer 

die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt. Folglich ist die 

Beschwerde gutzuheissen, die angefochtene Verfügung ist aufzuheben, 

und das SEM ist anzuweisen, den Beschwerdeführer als Flüchtling zu an-

erkennen und ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. 

6.  

6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG). 

6.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 37 VGG kann die 

Beschwerdeinstanz der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes 

wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für die ihr erwachsenen not-

wendigen und verhältnismässig hohen Kosten zusprechen (vgl. für die 

Grundsätze der Bemessung der Parteientschädigung ausserdem Art. 7 ff. 

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Seite 11 

des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Ge-

stützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9‒13 

VGKE) und die als angemessen erscheinende Kostennote des Rechtsver-

treters vom 24. November 2017 ‒ wobei sich auch die Kosten für die Er-

stellung eines fallspezifischen Gutachtens durch die SFH als notwendig 

und verhältnismässig erweisen – sind dem Beschwerdeführer Fr. 1618.‒ 

(inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen. Dieser Betrag ist dem 

Beschwerdeführer durch das SEM zu entrichten.  

6.3 Der Anspruch auf amtliches Honorar des als amtlicher Rechtsbeistand 

im Sinne von Art. 110a AsylG eingesetzten Rechtsvertreters wird damit ge-

genstandslos. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, und die Verfügung des SEM vom 

21. Oktober 2016 wird aufgehoben. 

2.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  

4.  

Dem Beschwerdeführer wird eine Parteientschädigung von Fr. 1618.‒ zu-

gesprochen, die ihm durch das SEM zu entrichten ist. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Bendicht Tellenbach Martin Scheyli 

 

 

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