# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 47706cb1-df05-5e6a-8c9a-decf600edb09
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-08-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.08.2023 D-5080/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5080-2020_2023-08-31.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-5080/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 1 .  A u g u s t  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), 

Richterin Susanne Bolz-Reimann, Richter Daniele Cattaneo,    

Gerichtsschreiberin Della Batliner. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Nigeria,   

vertreten durch lic. iur. Monika Böckle,  

HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylrecht Ostschweiz,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 11. September 2020 / N (…). 

 

 

 

D-5080/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a A._______ (nachfolgend: Beschwerdeführer) verliess seinen Angaben 

zufolge Nigeria am 19. Oktober 2019. Er reiste am 20. Oktober 2019 legal 

mit einem Visum in die Schweiz ein und am 21. Oktober 2019 weiter nach 

B._______, wo er am 22. Oktober 2019 ein Asylgesuch einreichte. Im Rah-

men des Dublin-Verfahrens stimmte die Schweiz der Überstellung des Be-

schwerdeführers zu und liess ihn am 16. Januar 2020 einreisen. Gleichen-

tags suchte der Beschwerdeführer im Bundesasylzentrum (BAZ) 

C._______ um Asyl nach. Am 21. Januar 2020 erhob das SEM die Perso-

nalien und befragte ihn kurz zu seinen Familienverhältnissen und zum Rei-

seweg (sogenannte Personalienaufnahme [PA]; vgl. act. A 12 S. 1-5). Am 

3. Februar 2020 befragte das SEM ihn zu seiner Identität, zum Reiseweg 

und summarisch zu den Ausreisegründen (sogenannte Erstbefragung; vgl. 

act. A14 S. 1-10). Am 20. Februar 2020 hörte das SEM ihn eingehend zu 

seinen Asylgründen an (Anhörung; vgl. act. A25 S. 1-17). Am 24. Februar 

2020 teilte das SEM dem damaligen Rechtsvertreter des Beschwerdefüh-

rers mit, aufgrund der Aktenlage könne das Asylgesuch im gegenwärtigen 

Zeitpunkt nicht entschieden werden und werde daher fortan im erweiterten 

Verfahren behandelt. Das SEM wies ihn für die Dauer des Verfahrens dem 

Kanton D._______ zu (act. A26). Der damalige Rechtsvertreter des Be-

schwerdeführers legte das Mandat am 27. Februar 2020 nieder (act. A29). 

Am 31. Juli 2020 fand – nach Mandatierung der rubrizierten Rechtsvertre-

tung – im erweiterten Verfahren eine ergänzende Anhörung des Beschwer-

deführers statt (ergänzende Anhörung; vgl. act. A35 S. 1-18).  

A.b Der Beschwerdeführer erklärte zunächst zu seiner Person und seinen 

Verhältnissen, er sei nigerianischer Staatsangehöriger und stamme aus 

E._______ ([…] State). Nachdem er seine die Schulzeit in E._______ City 

([…]) 1988 abgeschlossen habe, sei er bis 1994 auf dem (…) gewesen. 

Danach habe er bis 2003 einen (…) an der University of E._______ City 

und bis 2016 eine Ausbildung zum (…) am Institute of (…) absolviert. 1995 

bis 2005 habe er bei (…) als (…) gearbeitet. Ab 2005 sei er als (…) zu (…) 

gegangen und ab 2008 sei er dort (…) gewesen. Zudem sei er auch im 

Bereich Einkauf und Verkauf von Autos tätig gewesen. Er sei seit 2003 

schon öfter in Europa gewesen. Seine Eltern seien verstorben. Er habe 

drei Brüder und drei Schwestern in Nigeria. Er sei verheiratet und habe vier 

eigene Kinder. Ein Pflegekind wohne bei ihm. Er kümmere sich zudem um 

die Kinder seiner Geschwister, indem er ihre Ausbildung bezahle.  

D-5080/2020 

Seite 3 

Zu seinen Asylgründen machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen 

mehrfach geltend, er sei nicht nach Europa gekommen, um ein Asylgesuch 

zu stellen; Er habe hier einfach Ferien machen wollen (act. A14 F46, A25 

F36, A35 F99). In B._______ habe er bemerkt, dass er seinen Pass nicht 

mehr bei sich habe. Daraufhin habe er seine Frau angerufen, wobei diese 

ihm mitgeteilt habe, dass er am 19. Oktober 2019 einen Drohbrief von ei-

nem «deadly court» – einer Bruderschaft beziehungsweise Kultgruppe, die 

sich «New Black Movement of Africa» oder «Axe Man» nenne – erhalten 

habe (act. A14 F41; A35 F104, F106 und F126). Er habe seine Frau gebe-

ten, zur Polizei zu gehen. Bereits zwischen September 2016 und August 

2019 sei er in Nigeria Opfer von drei Entführungsvorfällen gewesen. Daher 

sei er zur (…) Polizei gegangen und habe schliesslich in B._______ ein 

Asylgesuch gestellt. Aufgrund seines Schweizer Visums sei die Schweiz 

als zuständig erklärt worden (act. A14 F46). Die Sache mit den drei Ent-

führungen sei «gelöst» und er sei nicht deswegen hierhergekommen 

(act. A14 F46, A25 F36, A35 F99). Er habe alle drei Entführungen gemel-

det, doch die Polizei suche weder die Täter noch die Opfer (act. A25 

F37 f.).  

Im Jahr 2016 – am 18. September 2016 (vgl. act. A25 F22) – sei er wäh-

rend der Gouverneurswahlen auf dem Weg zurück von der Kirche entführt 

worden. Seine Frau sei gefahren, er sei vom Beifahrersitz gezerrt und ihm 

seien die Augen verbunden worden (act. A14 F46 S. 7) beziehungsweise 

habe ein Auto sie überholt und blockiert; vier Personen mit Schusswaffen 

hätten ihn aufgefordert, auszusteigen und er habe ihnen Folge leisten müs-

sen (act. A25 F22). Die Entführer hätten ihn elf Tage festgehalten und für 

seine Freilassung sieben Millionen Naira verlangt. Seine Freunde hätten 

schliesslich zweieinhalb Millionen Naira auftreiben können. Er habe ver-

schiedene Verletzungen von dieser Entführung davongetragen. Am Tag 

nach den Gouverneurswahlen, am 29. September 2016, sei er freigelas-

sen worden (act. A14 F46 S. 7). Er nehme an, dass es bei dieser Entfüh-

rung um Geld gegangen sei. Bei der zweiten und dritten Entführung sei es 

um das Politische gegangen, bei der ersten nicht (act. A25 F24).  

Am 16. Februar 2019, einem Samstag, sei er ein zweites Mal entführt wor-

den. Seiner Ansicht nach habe eine politische Motivation beziehungsweise 

hätten Mitglieder der Partei All Progressives Congress (APC) dahinterge-

steckt (act. A25 F30 S. 8 und F33). Die Präsidentenwahl vom 23. Februar 

2019 sei bevorgestanden. Er habe sich auf dem Rückweg von einer politi-

schen Veranstaltung mit jemanden auf dem Motorrad befunden. Ein Auto 

habe die Strasse blockiert und er habe vom Rücksitz des Motorrads ab- 

D-5080/2020 

Seite 4 

und ins Auto umsteigen müssen. Bevor sie eine Militärkaserne passierten, 

bei der die Strasse immer vom Militär blockiert werde, hätten die Entführer 

angehalten und ihn in den Kofferraum steigen lassen wollen. Bei seinem 

Fluchtversuch sei er unglücklicherweise zu Boden gefallen (act. A25 F30 

S. 8). Sie hätten mit Schusswaffen auf sein Knie geschlagen und sein Bein 

sei beinahe gebrochen beziehungsweise ausgekugelt gewesen. Die Ent-

führer hätten (am Anfang) fünf Millionen Naira beziehungsweise drei Milli-

onen Naira (act. A25 F30 S. 9 und F31) verlangt. Er habe nur eineinhalb 

Millionen Naira bezahlen können. Anlässlich dieser zweiten Entführung 

habe er bemerkt, dass es eine Verbindung zu seinem politischen Engage-

ment gebe. Er habe als Jugendkoordinator die Möglichkeit, die Jugend für 

die Wahlen zu gewinnen und dafür zu werben. Er sei seit 2005 in seiner 

Partei gewesen und mehrere Male von anderen Parteien angeworben wor-

den (act. A14 F46 S. 7).  

Der dritte Vorfall habe sich ereignet, nachdem er sich am 5. August 2019 

für ein Interview der Schweizer Botschaft im Zusammenhang mit seinem 

Visumsgesuch nach F._______ begeben habe. Am Tag seiner Abwesen-

heit von E._______ habe G._______, ein Präsidentschaftskandidat, einen 

revolutionären Protest gegen die Regierung in Nigeria organisiert. Am 

6. August 2019 habe er um vier Uhr morgens plötzlich Schüsse in seinem 

«Compound» gehört. Die Hintertür sei aufgebrochen worden. Maskierte 

Personen hätten ihn ergriffen und hinausgeschleift. Einer von ihnen habe 

gesagt, der Beschwerdeführer höre nicht auf ihre Warnung. Sie hätten ihm 

vorgeworfen, die Revolution in E._______ mitorganisiert zu haben, gegen 

die Regierung zu sein und hätten gedroht, ihn umzubringen. Sie hätten ihm 

die Augen verbunden und ihn geschlagen (act. A14 S. 8) beziehungsweise 

habe einer ihm seine Maske angezogen (act. A25 F39, A25 F43). Die Ent-

führer hätten ihm vorgeworfen, er habe Jugendliche dazu mobilisiert, sich 

den Protesten von G._______ anzuschliessen. Er sei drei Tage in einer 

Halle, wo sich fünf weitere Personen befunden hätten, festgehalten wor-

den. Gegen 20 Uhr hätten sie ihn schliesslich in einem Dorf in der Nähe 

von E._______ freigelassen (act. A14 S. 8). Sie hätten ihm beim dritten 

Ereignis weder Geld noch andere Gegenstände von ihm abgenommen 

(act. A25 F39, A35 F94 f.). Er sei jedes Mal von anderen Leuten entführt 

worden – der erste Entführungsfall sei ein «normaler Kidnappingfall» ge-

wesen, während die letzten beiden Entführungen politisch motiviert gewe-

sen seien (act. A35 F73 f.; A35 F112). Er wisse nicht, wer seine Verfolger 

seien (act. A35 F114 f.). Nach seiner Freilassung am 8. August 2019 bis 

zu seiner Abreise aus Nigeria im Oktober 2019 sei nichts mehr geschehen 

(act. A35 F96-F98).  

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Seite 5 

Er habe sich 2005 der Partei «People’s Democratic Party» (PDP) ange-

schlossen und seit 2015 als Jugendkoordinator der PDP die Hauptaufgabe, 

Jugendliche zu mobilisieren (act. A25 F4 und F6). Er habe nie für ein Amt 

kandidiert, habe aber Ambitionen dazu gehabt (act. A25 F8). Zudem habe 

er an Kampagnen mitgemacht (act. A25 F7). Von den Behörden sei er nie 

vorgeladen oder verhaftet worden (act. A25 F15).  

Dieses Jahr im September finde eine Gouverneurswahl statt. Bei einem 

Wechsel aus seiner Partei in eine andere befürchte er Korruptionsvorwürfe 

(act. A14 S. 8).  

Am 5. Januar 2020 habe seine Frau ihm mitgeteilt, es seien Leute in das 

Haus gekommen, um nach ihm zu suchen. Diese hätten zunächst seine 

16-jährige Tochter angetroffen. Sie hätten zu seiner Frau gesagt, sie wüss-

ten bereits, dass der Beschwerdeführer in der Schweiz sei und sie würden 

ihn finden, egal wohin er gehe. Daraufhin sei seine Frau zur Polizei gegan-

gen und habe am Gericht mit der Tochter ein Affidavit unterschrieben 

(act. A14 S. 8, A35 F103). Seine Familie habe das Haus daraufhin verlas-

sen und am 12. Juni 2020 sei darin eingebrochen worden. Die Einbrecher 

hätten alle seine Sachen gestohlen (act. A35 F103). Er vermute, ein Teil 

der Einbrecher seien von der «Neo-Black»-Bewegung gewesen (act. A35 

F108).  

A.c Zum Beleg seiner Identität reichte der Beschwerdeführer Kopien sei-

ner Wählerkarte (act. A15), das «National Identity Management System» 

(act. A16), seiner Geburtsurkunde (act. A17), Passkopien mit Seiten Visum 

B._______ und Visum Schweiz (2013 und 2014; act. A18), der Personali-

enseite seines Passes (act. A19), eines Ernennungsschreibens der Partei 

PDP und seines Parteiausweises zu den Akten. Anlässlich der Anhörung 

vom 20. Februar 2020 reichte der Beschwerdeführer einen Polizeibericht 

über seine letzte Entführung sowie eine amtliche Beglaubigung nach. Bei 

der ergänzenden Anhörung vom 31. Juli 2020 reichte er diverse Fotos 

nach, die unter anderem den Zustand seines Hauses nach einem Einbruch 

am 12. Juni 2020 zeigen sollten.  

B.  

Mit Verfügung vom 11. September 2020 – eröffnet am 14. September 2020 

– stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der 

Schweiz sowie den Schengen-Raum und ordnete den Vollzug der Wegwei-

sung an.  

D-5080/2020 

Seite 6 

C.  

C.a Mit Eingabe vom 13. Oktober 2020 erhob der Beschwerdeführer – ver-

treten durch die rubrizierte Rechtsvertreterin – Beschwerde beim Bundes-

verwaltungsgericht. Er liess dabei beantragen, die angefochtene Verfü-

gung sei vollumfänglich aufzuheben, seine Flüchtlingseigenschaft anzuer-

kennen und ihm sei Asyl zu gewähren (Ziff. 1); Eventualiter sei die ange-

fochtene Verfügung in den Dispositivpunkten 4 bis 5 aufzuheben und er sei 

wegen der Unzulässigkeit und/oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-

zugs vorläufig in der Schweiz aufzunehmen (Ziff. 2); Subeventualiter sei 

die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen (Ziff. 3).  

In formeller Hinsicht liess er zudem die unentgeltliche Rechtspflege im 

Sinne von Art. 102m Abs. 1 lit. a und Abs. 3 AsylG (SR 142.31) beantragen; 

Seine Rechtsvertreterin sei als amtliche Rechtsbeiständin zu bestellen und 

auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sei zu verzichten (Ziff. 4).  

Als ergänzendes Beweismittel reichte er einen Artikel der nigerianischen 

Zeitung «The Nigerian Observer» vom 8. August 2019 ein, worin auf S. 5 

ein Artikel über die dritte Entführung des Beschwerdeführers veröffentlicht 

worden sei (BVGer-act. 1, Beilage 3).  

C.b Am 14. Oktober 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den 

Eingang der Beschwerde.  

C.c Mit Verfügung vom 15. Oktober 2020 hielt die zuständige Instruktions-

richterin fest, der Beschwerdeführer dürfe den Abschluss des Verfahrens 

in der Schweiz abwarten, das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung werde unter der Voraussetzung des fristgerechten Nach-

reichens einer Fürsorgebestätigung gutgeheissen; ansonsten sei ein Kos-

tenvorschuss von Fr. 750.– fristgerecht zu Gunsten der Gerichtskasse zu 

überweisen. Über das Gesuch um Beiordnung einer amtlichen Rechtsver-

tretung werde nach Ablauf der anzusetzenden Frist entschieden. 

C.d Am 15. Oktober 2020 reichte die Rechtsvertreterin des Beschwerde-

führers eine Fürsorgebestätigung des Migrationsamts, (…) ein.  

C.e Mit Verfügung vom 22. Oktober 2020 hiess die Instruktionsrichterin das 

Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung gut und setzte die Rechtsver-

treterin des Beschwerdeführers als amtliche Rechtsbeiständin ein. Zudem 

lud sie das SEM zur Vernehmlassung ein.  

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Seite 7 

C.f Mit Vernehmlassung vom 3. November 2020 hielt die Vorinstanz voll-

umfänglich an ihre Erwägungen in der angefochtenen Verfügung fest und 

nahm ergänzend zu den Vorbringen in der Beschwerde Stellung.  

C.g Mit Replik vom 3. Dezember 2020 hielt der Beschwerdeführer an sei-

nen Ausführungen in der Beschwerdeschrift fest und reichte weitere Be-

weismittel ein (Online Artikel Premium Times: Week of Jailbreaks: Over 

2,000 inmates escape from three Nigerian prisons vom 25. Oktober 2020, 

Online Artikel NZZ: Menschenrechtsorganisationen warnen vor Ge-

walteskalation bei Protesten in Nigeria – Regierung von Lagos verhängt 

Ausgangssperre vom 20. Oktober 2020, Online Artikel BBC News: Ni-

geria's campus cults: Buccaneers, Black Axe and other feared groups vom 

2. Juni 2020, Online Artikel Within Nigeria: BREAKING: Abducted Na-

sarawa APC chairman found dead vom 22. November 2020 und eine ak-

tualisierte Kostennote; Beilagen 6-10).  

C.h Mit Eingaben vom 4. und 18. Januar 2021, 2. März 2021, 7. Juni 2021, 

12. Juli 2021, 29. April 2022 und 28. Juli 2022 bekräftigte der Beschwerde-

führer seinen bisherigen Standpunkt und reichte diverse Beweismittel, vor 

allem weitere Online-Artikel, nach (BVGer-act. 11-17).  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).  

D-5080/2020 

Seite 8 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).  

3.  

3.1 Der Beschwerdeführer rügt in Zusammenhang mit dem in Ziff. 3 der 

Rechtsbegehren formulierten Rückweisungsantrag implizit, die Vorinstanz 

habe den rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig und unrichtig abge-

klärt und sich nicht mit sämtlichen Vorbringen auseinandergesetzt. Der pro-

tokollierte Text entspreche in gewissen Punkten nicht wortwörtlich seinen 

Aussagen, sondern eher einer Interpretation davon durch den Übersetzer. 

Deswegen sei es zu Unklarheiten und möglicherweise zu einer unvollstän-

digen Aufnahme seiner Aussagen gekommen. Des Weiteren habe er das 

Klima bei seinen Anhörungen als sehr belastend und gegen sich gerichtet 

empfunden. Er habe sich vom zuständigen Sachbearbeiter nicht fair und 

unvoreingenommen behandelt gefühlt. Den Protokollen sei zu entnehmen, 

dass er immer wieder unterbrochen worden sei. Der Rechtsvertreter habe 

einmal interveniert, da er die Fragen des Sachbearbeiters als unnötig kon-

frontativ erachtet habe (act. A14 F44). Zudem habe der Rechtsvertreter 

anmerken lassen, dass der Beschwerdeführer oft vom Dolmetscher unter-

brochen worden sei, weshalb er den Sachbearbeiter darum gebeten habe, 

diesen ausreden zu lassen. Der Beschwerdeführer selbst habe unter an-

derem um mehr Zeit für seine Antworten gebeten (act. A25 F17, F21 ff., 

F46, F50, F57; A35 F77, F101, F102, F106, F130, F132). Somit sei auch 

den Protokollen zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer anlässlich sei-

ner Anhörungen am freien Bericht gehindert worden sei. Dies sei bei der 

Beurteilung seiner Aussagen zu berücksichtigen. Da diese formelle Rüge 

allenfalls geeignet ist, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu 

bewirken, ist sie vorab zu behandeln.  

3.2  

D-5080/2020 

Seite 9 

3.2.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer 

Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt 

wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; 

BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der 

Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in 

ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich 

ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus-

einandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. 

BGE 143 III 65 E. 5.2).  

3.2.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen 

Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet ei-

nen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die 

Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-

ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder wenn die Vorinstanz nicht alle 

entscheidwesentlichen Gesichtspunkte des Sachverhalts prüfte – etwa 

weil sie die Rechtserheblichkeit einer Tatsache zu Unrecht verneinte oder 

Beweise falsch gewürdigt wurden; unvollständig ist sie, wenn nicht über 

alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände Beweis erhoben 

wurde (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwal-

tungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043).  

3.3  

3.3.1 Mit seiner Unterschrift bestätigte der Beschwerdeführer die Richtig-

keit aller drei Protokolle. Seine Rechtsvertretung war ebenfalls bei allen 

drei Befragungen zugegen und bestätigte unterschriftlich, keine (weiteren) 

Fragen zu haben (vgl. act. A14 S. 10, in der der Beschwerdeführer lediglich 

eine Anmerkung anbrachte und der Rechtsvertreter festhalten liess, dass 

der Beschwerdeführer weitere Beweismittel wie Geburtsurkunden der Kin-

der und Dokumente zu seiner beruflichen Karriere angeboten habe, die der 

Befrager als nicht notwendig erachte; vgl. act. A25 S. 17, in der der Be-

schwerdeführer zu F6, F7 und F22 anmerkte, die Aufgabe als Jugendkoor-

dinator nicht im Jahr 2015, sondern im Jahr 2016 erhalten zu haben; vgl. 

act. A35 S. 18, in der er zu F38 anbrachte, er habe gesagt, dass am zwei-

ten Tag zwei von den Entführern mit zwei weiteren Männern zurückgekom-

men seien und er angenommen habe, dass diese zwei Männer Chefs ge-

wesen seien; an diesem Tag hätten sie zwei Gefangene mitgenommen und 

er wisse nicht wohin; zu F56 ergänzte er, an diesem Tag seien zwei Männer 

mit ihnen gekommen; einer von diesen Leuten habe ihn zu diesen zwei 

Männern für die Befragung gebracht). Soweit der Beschwerdeführer mit 

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Seite 10 

seinen beschwerdeweise vorgebrachten Rügen geltend macht, die Proto-

kolle enthielten «Interpretationen des Dolmetschers» und seien «möglich-

erweise» unvollständig, sind sie nicht zu hören; Weder ist dies aus seinen 

wenigen (aber durchaus spezifischen) Anmerkungen zu den Protokollen zu 

entnehmen, noch hat er darin entsprechende grundsätzliche Vorbehalte 

angebracht. Selbst in der Beschwerde erläutert er nicht konkret, welche 

weiteren rechtserheblichen Elemente er hätte vorbringen wollen, wenn er 

nicht unterbrochen worden wäre. Von einer unvollständigen Erhebung des 

rechtserheblichen Sachverhalts ist folglich nicht auszugehen.  

3.3.2 Die Protokolle enthalten vereinzelte Hinweise auf ein angespanntes 

Klima hervor, wobei dieses in den meisten Fällen darauf zurückzuführen 

ist, dass der Beschwerdeführer die Fragen entweder sehr weitschweifig 

oder trotz mehreren Rückfragen sehr allgemein, teilweise auch auswei-

chend oder repetitiv beantwortete. Eine Intervention des Rechtsvertreters 

betraf nicht die Gesuchsgründe des Beschwerdeführers (vgl. act. A14 F44) 

und lässt für sich allein keine Rückschlüsse auf eine allfällige Voreinge-

nommenheit der befragenden Person gegenüber dem Beschwerdeführer 

zu. Eine zweite Intervention durch den Rechtsvertreter erfolgte, nachdem 

der Beschwerdeführer trotz mehrfachem Nachfragen durch die befragende 

Person hinsichtlich der Unterschiede zwischen den fünf maskierten Män-

nern weiterhin alle gleich und sehr allgemein beschrieb (vgl. act. A25 F40-

57). Daraus ist ersichtlich, dass die befragende Person auf verschiedene 

Weise versuchte, aus den Antworten des Beschwerdeführers eine konkre-

tere Beschreibung der von ihm dargestellten Situation beziehungsweise 

seiner Entführer zu erlangen. In diesem Zusammenhang ist auch die Bitte 

des Rechtsvertreters, den Beschwerdeführer ausreden zu lassen (act. A35 

F77), zu sehen: Die befragende Person versuchte die Befragung mittels 

Unterbrechung vom Bericht des Beschwerdeführers über die allgemeine 

Situation zu seinen konkreten Gesuchsgründen zu lenken. Ob die mehrfa-

chen Unterbrechungen des Beschwerdeführers durch den Dolmetscher, 

die der Rechtsvertreter ebenfalls kritisierte (vgl. act. A25 F21), darauf be-

ruhten, dass dieser mehr Zeit für die Übersetzung benötigte, geht aus den 

Protokollen nicht hervor. Aufgrund mangelnder anderweitiger Hinweise ist 

dies jedoch anzunehmen – eine Unterbrechung des Beschwerdeführers in 

der Rolle als Dolmetschers einzig in Bezug auf den Inhalt seiner Asylvor-

bringen wäre nicht angebracht gewesen und hätte vom Rechtsvertreter 

entsprechend deutlich als solche gerügt werden müssen. Festzustellen ist, 

dass der Beschwerdeführer insgesamt mehrmals frei berichten konnte und 

dabei jeweils sehr weit ausholte. Insofern erscheint es nachvollziehbar, 

dass der Dolmetscher genügend Zeit für die Übersetzung benötigte und 

D-5080/2020 

Seite 11 

die Vorinstanz sich – durch eine gewisse Lenkung der Befragung mittels 

Unterbrechungen des Beschwerdeführers – auf die wesentlichen Punkte 

beschränken musste.  

3.4 Damit ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Anspruch auf das recht-

liche Gehör des Beschwerdeführers gewahrt hat.  

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).  

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).  

5.  

5.1 In der angefochtenen Verfügung vom 11. September 2020 hielt die  

Vorinstanz insbesondere fest, die Äusserungen des Beschwerdeführers zu 

seinen zweimaligen Entführungen aus politischen Gründen seien in Bezug 

auf den erpressten Betrag (fünf Millionen Naira bzw. drei Millionen Naira), 

zu den Gründen, weshalb er bei der Entführung im August 2019 wegge-

bracht worden sei (er habe geweint bzw. der «Sponsor» habe dies so ge-

wollt), wie viele Personen ihn aus dem Raum geholt hätten (zwei Personen 

bzw. eine Person) und zur Frage, ob er die fünf Entführer vom September 

2019 wiedergesehen habe oder nicht, widersprüchlich.  

Zudem seien seine Aussagen bezüglich der Entführung im September 

2019 zum Aussehen und Verhalten seiner fünf Entführer, seiner fünf Mitge-

fangenen sowie dem Mann, der ihn verhört habe, unsubstantiiert, vage und 

klischeehaft. Auch zu den Entführern äussere er sich vage. Gewisse 

D-5080/2020 

Seite 12 

wiederholte Aussagen seien zudem stereotyp. Des Weiteren sei der Be-

schwerdeführer auch nicht in der Lage, zu den Ereignissen nach seiner 

Ausreise aus dem Heimatland nähere Angaben zu machen. Dies könne 

erwarten werden, auch wenn er sich im Ausland befinde.  

Die Aussagen des Beschwerdeführers seien auch logisch nicht nachvoll-

ziehbar. So sei nicht schlüssig, dass er an der Art und Weise, wie die Ent-

führer gesprochen hätten, gemerkt habe, dass es um Politik gegangen sei. 

Realitätsfremd sei auch seine plötzliche Freilassung ohne Gegenleistung 

oder der fehlende Austausch mit seinen Mitgefangenen. Als unwahrschein-

lich sei ebenfalls zu erachten, dass nach seiner Ausreise ständig Unbe-

kannte beziehungsweise verschiedene Gruppierungen seine Familie be-

droht oder aufgesucht hätten, ohne dass ein klarer Zusammenhang zwi-

schen diesen angeblichen Problemen zu erkennen wäre.  

Zu den vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismitteln hielt die  

Vorinstanz fest, im Lichte seiner unglaubhaften Aussagen käme diesen Do-

kumenten kein Beweiswert zu.  

Die Entführung des Beschwerdeführers im Jahr 2016, bei der Kriminelle 

Geld von ihm hätten erpressen wollen, hielt die Vorinstanz nicht für asylre-

levant.  

Weiter mache der Beschwerdeführer geltend, er sei in der Oppositionspar-

tei PDP tätig und Oppositionelle hätten immer wieder Übergriffe von Re-

gierungsleuten oder Kriminellen zu befürchten. Dazu hielt die Vorinstanz 

fest, der Beschwerdeführer mache nicht geltend, der nigerianische Staat 

habe ihn direkt verfolgt. Allein die Behauptung, er könne wie andere Politi-

ker Opfer von Übergriffen anderer Gruppierungen werden, sei für sich nicht 

asylrelevant. Es lägen keine konkreten Hinweise dafür vor, dass er in ab-

sehbarer Zeit aus asylrelevanten Gründen Opfer von staatlichen Übergrif-

fen oder auch Übergriffen Dritter werden könnte. Er habe nicht glaubhaft 

machen können, dass er zwei Mal von regierungsnahen Kriminellen ent-

führt worden sei. Aus dem Bestätigungsschreiben über seine Tätigkeit bei 

der PDP sowie den eingereichten Fotos, die ihn bei Parteiaktivitäten zeig-

ten, gingen keine Hinweise auf eine aktuelle Verfolgung hervor.  

Diese Vorbringen hielten den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft 

gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. Demzufolge erfülle der Beschwerdeführer 

die Flüchtlingseigenschaft nicht, so dass sein Asylgesuch abzulehnen sei.  

D-5080/2020 

Seite 13 

5.2 In seiner Beschwerde macht der Beschwerdeführer im Wesentlichen 

geltend, die scheinbaren Widersprüche liessen sich auflösen.  

Er habe bereits in der Anhörung vom 20. Februar 2020 (act. A25 F31) aus-

geführt, dass die Entführer zuerst 5 Millionen Naira (act. A 12 F46, S. 7), 

später jedoch nur noch drei Millionen Naira (A25, F30, S. 9) verlangt hät-

ten. Auf den politischen Hintergrund der Entführung habe er geschlossen, 

da die Entführer mit drei Millionen Naira denjenigen Betrag von ihm ver-

langt hätten, von dem sie wüssten, dass er ihn erhalten hatte, um Jugend-

liche zu mobilisieren (act. A25 F30 S. 9). Die Entführer wüssten somit de-

tailliert Bescheid über seine politische Arbeit.  

Er habe bei der Entführung im August 2019 viel geweint, als er aus der 

Halle gebracht worden sei. Dies sei aber nicht der Grund gewesen, wes-

halb er zum Gespräch herausgebracht worden sei (act. A25 F39 S. 11; 

act. A35 F58 f.).  

Zum angeblichen Widerspruch, ob ein oder zwei Personen ihn aus der 

Halle gebracht hätten, habe er präzisiert, eine der Personen habe ihn zum 

Mitkommen aufgefordert, aber es seien zwei Personen zum Eingang ge-

kommen. Zur Frage, ob er die fünf Entführer vom August 2019 wiederge-

sehen habe oder nicht, sei festzuhalten, dass er sie nicht im Detail habe 

erkennen können, da diese in der Tatnacht Masken getragen hätten, es 

dunkel gewesen und ihm während der Autofahrt von einer Maske die Sicht 

versperrt worden sei (vgl. act. A25 F44, F55 ff.; act. A35 F16, F19 ff. und 

F93).  

Es gelinge ihm somit, die von der Vorinstanz aufgeführten Widersprüche 

überzeugend aufzulösen. Zudem sei er in der Lage gewesen, detailliert 

über seine Entführungen zu berichten (vgl. u.a. act. A17 F46; act. A25 

F22 f.; act. A35 F14, F30 und F39 ff.). Er habe etwa die Grösse der Ent-

führer beschreiben können (zwei grösser als er und die drei anderen etwa 

gleich gross; act. A25 F43 ff. S. 12 f.). Sie hätten immer geredet und sich 

wie trainierte Militärmänner verhalten (act. A25 F40 S. 12). Er habe sie als 

verantwortungslos beschrieben. Sie hätten nur «faule Sprache» verwendet 

und während der Fahrt geraucht (act. A25 F42 S. 12). Er habe auch seine 

Mitgefangenen genügend substantiiert beschrieben, indem er angegeben 

habe, die fünf – zwei davon gross, zwei mit durchschnittlicher Grösse und 

einer, der sehr dick gewesen sei und eine sogenannte Jelavi, eine musli-

mische Tracht, getragen habe – seien in einer Halle angekettet gewesen 

(act. A25 F59 S. 14, F65 S. 15; act. A35 F49 S. 7).  

D-5080/2020 

Seite 14 

Er habe erklärt, dass er sich nicht mit seinen Mitgefangenen unterhalten 

habe, da er einerseits nicht gewusst habe, wer sie seien, und andererseits 

voll und ganz mit seiner eigenen lebensbedrohlichen Situation beschäftigt 

gewesen sei (act. A25 F60 ff.; act. A35 F46 ff.). Zudem hätten die Entführer 

mehrere Aussagen getätigt, die ihn auf eine politische Motivation der Ent-

führungen hätten schliessen lassen (act. A25 F30 S. 8 f. und F39 S. 12; 

act. 35 F67).  

Dass er nichts Genaueres zum politischen Hintergrund der Entführungen 

sagen könne, habe er damit begründet, dass die politische Situation in Ni-

geria sehr unübersichtlich sei und man nie genau wisse, gegen wen man 

kämpfe (act. A25 F17). Die Auftraggeber träten zudem nicht persönlich in 

Erscheinung. Die Polizei sei nicht in der Lage, ihn effektiv vor den Entfüh-

rungen zu schützen, selbst wenn sie wüssten, welche Personen hinter dem 

Drohbrief steckten (act. A25 F27; act. A35 F127).  

Zu den Geschehnissen nach den Entführungen sei er in keiner der Anhö-

rungen genauer befragt worden; dennoch seien seine diesbezüglichen 

Aussagen als ausreichend detailliert zu bezeichnen (act. A35 F103 ff.).  

Der Drohbrief – der eigentliche Grund für seinen Asylantrag – sei abgetan 

worden, da er gemäss Vorinstanz leicht zu fälschen sei. Dieser wäre aber 

genauer zu prüfen gewesen. Ebenfalls seien die weiteren asylrelevanten 

Vorfälle nach seiner Ausreise zu wenig berücksichtigt worden. Am 5. Ja-

nuar 2020 hätten drei Personen in seinem Haus nach ihm gesucht 

(act. A14 F47). Am 12. Juni 2020 sei in sein Haus eingebrochen worden, 

was anhand von Fotos belegt worden sei (act. A35 F103). Zusammenfas-

send sei festzuhalten, dass er seine Aussagen in nachvollziehbarer und 

glaubhafter Weise dargelegt habe.  

Aufgrund seines politischen Engagements als Mitglied der PDP, der gröss-

ten Oppositionspartei, befürchte er bei einer Rückkehr nach Nigeria erneut 

asylrelevante Nachteile. Der Drohbrief stamme von der Organisation «Neo 

Black Movement». Deren Mitglieder würden von politischen Parteien als 

«Schläger» rekrutiert, um die «Drecksarbeit» für diese zu erledigen. In Ni-

geria gebe es regelmässige Tötungen von hohen, politisch einflussreichen 

Leuten durch diese Organisationen (vgl. act. A25 F17; act. A35 F106 ff.; 

BVGer-act. 1 Beilage 4). Er habe seine Furcht, in Nigeria asylrelevanten 

Nachteilen ausgesetzt zu werden, glaubhaft geschildert. Des Weiteren 

seien Vorverfolgungen ein Indiz für künftige Verfolgungen. Aus diesen 

Gründen sei er als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren.  

D-5080/2020 

Seite 15 

5.3 Mit Vernehmlassung vom 3. November 2020 ergänzte die Vorinstanz, 

dem Befrager, der ebenfalls englisch spreche, sei nicht aufgefallen, dass 

die Aussagen des Beschwerdeführers nicht wörtlich aufgenommen worden 

wären. Zudem habe der Beschwerdeführer seine Aussagen unterschriftlich 

bestätigt, weshalb von einer korrekten Aufnahme auszugehen sei. Er habe 

ausführlich Gelegenheit erhalten, um seine Erlebnisse zu schildern und er 

habe diese auch genutzt. Die zahlreichen Unterbrüche habe er sich selbst 

zuzuschreiben, weil er die Fragen stets ausweichend beantwortet, bereits 

Geschildertes wiederholt oder über die allgemeine Lage berichtet habe. Es 

sei Pflicht des Befragers, den Beschwerdeführer in solchen Situationen zu 

unterbrechen, zumal zahlreiche Elemente zur Erstellung des Sachverhal-

tes abgeklärt werden müssten und es zur Mitwirkungspflicht des Beschwer-

deführers gehöre, die konkret gestellten Fragen zu beantworten. Die Vo-

rinstanz bleibe dabei, dass die zweite und insbesondere dritte Entführung 

nicht glaubhaft geschildert worden seien. Zu betonen sei nochmals, dass 

seine Aussagen zu den Urhebern der Entführungen und Bedrohungen 

vage und unsubstantiiert seien.  

5.4 In seiner Replik vom 3. Dezember 2020 hielt der Beschwerdeführer an 

seiner Kritik an der Durchführung der Anhörungen (Übersetzung, Unterbre-

chungen) fest. Zudem hielt er nochmals fest, dass nicht die Entführungen, 

sondern die Bedrohung durch die Organisation «Neo Black Movement» 

das Hauptproblem darstelle, worauf das SEM nicht näher eingegangen sei. 

Die Beweismittel seien nicht näher geprüft worden und es sei erneut auf 

die Situation in Nigeria hinzuweisen. 

5.5 Mit Eingabe vom 4. Januar 2021 reichte der Beschwerdeführer weitere 

Beweismittel nach (Kopie des Drohbriefes der Organisation Neo-Black Mo-

vement of Africa, Online-Artikel von Vanguard: Gumen abduct Edo HoS, 

kill driver, vom 20. Dezember 2020, Online-Artikel von Premium Times: 

Many crime suspects escape from police custody in E._______, vom 3. 

Januar 2021; BVGer-act. 11 Beilagen 11-13). Unter anderem sei ein weite-

rer Drohbrief der Organisation Neo-Black Movement of Africa – datiert auf 

den 21. Oktober 2020 – gewesen, der sich seit Anfang November 2020 im 

Briefkasten seiner Postadresse befunden und den sein jüngerer Bruder 

erst am 28. Dezember 2020 seiner Ehefrau ausgehändigt habe. Mit Ein-

gabe vom 18. Januar 2021 übermittelte der Beschwerdeführer dem Bun-

desverwaltungsgericht das Original des Drohbriefs samt Versandcouvert 

(BVGer-act. 12 Beilagen 14 und 15).  

D-5080/2020 

Seite 16 

5.6 Mit Eingabe vom 2. März 2021 orientierte der Beschwerdeführer das 

Bundesverwaltungsgericht über eine weitere Verschlechterung der Situa-

tion im (…) State und in Nigeria im Allgemeinen sowie unter anderem über 

die Tötung eines Geschäftsmannes und Politikers, H._______, der ein gu-

ter Freund gewesen sei (BVGer-act. 13 Beilagen 16-18). Es bestehe auf-

grund seiner Position als Politiker und Geschäftsmann auch für ihn ernst-

hafte Gefahr, künftig asylrelevanten Nachteilen ausgesetzt zu werden.  

5.7 Mit Eingabe vom 7. Juni 2021 wies der Beschwerdeführer mittels des 

Online-Artikels « Amnesty International»: «Nigeria Authorities not doing 

enough to protect lives», vom 28. Mai 2021, auf eine weitere Verschlech-

terung der Situation im (…) State und in Nigeria im Allgemeinen hin, sowie 

auf die Tötung des «Youth Leaders» der PDP, I._______, im Imo State, das 

sich ganz in der Nähe des (…) State befinde (BVGer-act. 14 Beilagen 19-

21). Die nigerianische Regierung sei bei einer allfälligen Rückkehr weder 

fähig noch willig, ihn zu schützen.  

5.8 Mit Eingabe vom 12. Juli 2021 reichte der Beschwerdeführer zur Aktu-

alisierung des Sachverhalts zwei weitere Pressartikel zur Lage seiner Hei-

matregion nach (BVGer-act. 15).  

5.9 Mit Eingabe vom 29. April 2022 übermittelte der Beschwerdeführer 

zwei weitere Pressartikel zu Opfern, die eine vergleichbare Position wie er 

innehielten (BVGer-act. 16).  

5.10 Mit Eingabe vom 28. Juli 2022 legte der Beschwerdeführer erneut 

mehrere Artikel ins Recht, die zeigen sollen, dass Personen mit vergleich-

baren Positionen wie er in Nigeria entführt oder ermordet worden seien 

(BVGer-act. 17).  

6.  

6.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-

gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen. Ent-

scheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdar-

stellung der Gesuchstellerin sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf 

eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesentliche Voraussetzung 

für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen 

Erlebnisse betreffende, substanziierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie 

und konkrete Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheits-

gemässe Schilderung einer tatsächlich erlittenen Verfolgung ist 

D-5080/2020 

Seite 17 

gekennzeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinreichende Präzision und 

innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnis-

sen insbesondere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder 

nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung 

geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung be-

züglich des wesentlichen Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität 

der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den 

Gesuchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn 

die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es 

demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber 

in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Um-

stände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. 

BVGE 2012/5 E. 2.2; Urteil des BVGer D-1069/2020 vom 1. Mai 2020 

E. 6.1).  

6.2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer 

zwar beschreibt, er sei im Heimatland Opfer von drei Entführungen gewe-

sen – wovon die zwei letzteren darüber hinaus politisch motiviert gewesen 

seien. Der Beschwerdeführer bringt allerdings mehrfach an, keine seiner 

Entführungen sei ausschlaggebend für seine Ausreise aus Nigeria gewe-

sen, er habe lediglich Ferien in Europa machen wollen (vgl. act. A14 F34, 

F46 S. 6) und die Geschehnisse seien «gelöst» (vgl. act. A14 F46, A25 

F36, A35 F99). Erst der Drohbrief (und der Verlust seines Reisepasses) 

bewogen ihn gemäss seinen diesbezüglich übereinstimmenden Schilde-

rungen dazu, ein Asylgesuch in B._______ beziehungsweise zuständig-

keitshalber in der Schweiz zu stellen. Bei der ersten Entführung ging es 

gemäss den Angaben des Beschwerdeführers rein darum, Geld von ihm 

zu erpressen und nicht um das Politische (vgl. act. A25 F24 S. 7). Zudem 

erfolgte die Entführung durch Drittpersonen und nicht durch den nigeriani-

schen Staat. Es liegen keine Hinweise vor, dass sich eine Entführung 

zwecks Erpressung von Geld wiederholen könnte. Dieses Vorbringen ist 

daher von vornherein nicht asylrelevant und eine Prüfung der Glaubhaf-

tigkeit erübrigt sich in Bezug auf diesen Vorfall. Zwar könnten die beiden 

späteren Entführungen im Heimatland rückblickend beziehungsweise 

nachträglich sowie in Zusammenschau mit dem eingereichten Drohbrief in 

einem anderen Licht erscheinen, was nachfolgend zu überprüfen ist. Doch 

insofern rechtfertigt es sich, den Schwerpunkt der Würdigung der Asyl-

gründe des Beschwerdeführers nicht nur auf die Glaubhaftigkeit seiner 

Vorflucht- und Ausreisegründe als solche, sondern insbesondere auch auf 

allfällige Gründe zu legen, die den Beschwerdeführer von einer Rückreise 

in sein Heimatland abhalten.  

D-5080/2020 

Seite 18 

6.3 Unter dieser erweiterten Optik (vgl. oben E. 6.2) sind zunächst die vom 

Beschwerdeführer geltend gemachten zwei späteren Entführungen bezie-

hungsweise die von der Vorinstanz festgehaltenen Unglaubhaftigkeitsele-

mente dazu zu betrachten.  

6.4  

6.4.1 Zur Frage, ob die Entführer bei der zweiten Entführung im Februar 

2019 zunächst fünf (act. A14 S. 7) oder drei Millionen Naira (act. A25 F30 

S. 9) verlangten, ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer auf Nach-

frage erklärte, am Anfang hätten sie fünf Millionen und zu einem späteren 

Zeitpunkt drei Millionen verlangt. Schliesslich habe er 1,5 Millionen bezahlt 

(act. A25 F31). Für sich allein enthält diese – allenfalls unpräzise – Angabe 

beziehungsweise Auslassung keinen Grund, um von einer Unglaubhaf-

tigkeit seiner Aussage auszugehen, zumal der schlussendlich bezahlte Be-

trag von 1,5 Millionen Naira ohnehin das Ergebnis einer Verhandlung über 

die Höhe des Lösegelds darstellt und nicht der ursprünglich verlangten 

Summe entspricht.  

6.4.2 Ein wesentlicher Widerspruch ist auch nicht allein aus dem Umstand 

ersichtlich, dass der Beschwerdeführer bei der dritten Entführung im Au-

gust 2019 weggebracht worden sei, «weil» er geweint habe (act. A25 F39 

S. 11) beziehungsweise weil der «Sponsor» dies so gewollt habe (act. A35 

F57-59 S. 8). Die Aussage bezüglich des «Weinens» ist vielmehr im Zu-

sammenhang mit seinen weiteren Schilderungen zu dieser Begebenheit zu 

sehen: «Bevor sie mich rausholten, haben sie bereits zwei Personen von 

diesen Leuten, die ich dort angetroffen hatte, herausgenommen. Ich weiss 

nicht, was mit ihnen passiert ist und wohin sie sie gebracht haben. Als sie 

mich herausholten, hatte ich Angst und dachte, dass sie mich umbringen 

würden.» Zudem erklärte der Beschwerdeführer, er habe wegen der Hand-

schellen Schmerzen gehabt (act. A35 F58 f.). Das «Weinen» steht somit 

eher im Kontext zur Befindlichkeit beziehungsweise zur Angst des Be-

schwerdeführers als «inneren Zustand», während der «Wille des 

Sponsors», die Personen einzeln oder zu zweit zu holen, einen «externen 

Faktor» darstellt, zu dem der Beschwerdeführer erst in der letzten Anhö-

rung befragt wurde.  

6.4.3 Allgemein lässt weder die wiederholte Aussage des Beschwerdefüh-

rers, er habe immer nur geweint und die Entführer um ein letztes Gespräch 

mit seiner Ehefrau angefleht (act. A25 S. 9 und 11) noch die angeblichen 

Aussagen der Entführer, wonach sie ihn als sturen Menschen, der nicht auf 

sie gehört habe, etc. bezeichnet hätten (act. A25 S. 9, A35 F14 S. 3), 

D-5080/2020 

Seite 19 

Rückschlüsse auf die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen zu – selbst wenn 

sie ein bisschen stereotyp anmuten mögen. Die Erzählweise des Be-

schwerde-führers erscheint generell sehr repetitiv und ausführlich. Dies 

rechtfertigte zwar die mehrfachen Unterbrechungen durch die Vorinstanz, 

um zum Kern seiner Vorbringen vorzustossen (vgl. oben E. 3.3.2), aber 

nicht, dass ihm dies als Unglaubhaftigkeit seiner Aussagen zur Last gelegt 

wird.  

6.4.4 Zudem ist die von der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung 

festgestellte, angeblich fehlende Nachvollziehbarkeit von gewissen Aussa-

gen des Beschwerdeführers für das Bundesverwaltungsgericht nicht er-

sichtlich. So mag es für die Vorinstanz realitätsfremd erscheinen, dass ein 

hartgesottener Mann, der Oppositionelle entführe, den Beschwerdeführer 

plötzlich ohne Gegenleistung freigelassen habe, weil er Mitleid gehabt und 

ihm geglaubt habe (act. A25 F39 S. 12). Jedoch gab der Beschwerdeführer 

an, er habe gar nicht am 5. August 2019 am revolutionären Protest gegen 

die Regierung durch G._______ teilgenommen, da er wegen seines Vi-

sumgesuchs gleichentags ein Interview bei der Schweizerischen Botschaft 

in F._______ wahrgenommen habe (vgl. act. A14 S. 8, A25 F36 und F39 

S. 10 f. und A35 F14 S. 3). Aufgrund dieses Umstands könnte sich der 

Grund für die Entführung nachträglich als Irrtum entpuppt haben, was eine 

Freilassung ohne Gegenleistung wiederum nachvollziehbar erscheinen 

lässt.  

6.4.5 Keinen ausschlaggebenden Rückschluss auf eine Unglaubhaftigkeit 

lässt die Aussage des Beschwerdeführers zu, er habe während mehreren 

Tagen kein Wort mit seinen Mitgefangenen geredet (act. A25 F60-F63 

S. 14). In einem allgemeinen Klima der Angst – wie sie bei einer Entführung 

wohl vorliegt – ist zumindest nicht völlig ausgeschlossen, dass der Be-

schwerdeführer, der als Letzter in eine Halle mit fünf fremden, sich an-

schweigenden Personen gebracht wurde, nicht als Erster das Wort ergrif-

fen hat.  

6.4.6 Überdies ist das allenfalls nicht nachvollziehbare Verhalten von ei-

nem der Entführer, seine Maske abzunehmen und sie dem Beschwerde-

führer aufzusetzen, obwohl dieser Entführer damit als einziger seine Iden-

tität preisgegeben habe, nicht dem Beschwerdeführer anzulasten. Die Er-

klärung des Beschwerdeführers, dass die Entführer seiner Meinung nach 

nicht wollten, dass er die Strecke kenne, erscheint hinreichend nachvoll-

ziehbar (act. A35 F21 f. S. 4).  

D-5080/2020 

Seite 20 

6.5 Auch wenn damit einige Elemente, die die Vorinstanz als unglaubhaft 

erachtet hatte, aufgelöst werden konnten, behalten die nachfolgenden Vor-

behalte der Vorinstanz weiterhin ihre Gültigkeit:  

6.5.1 Zur Frage, wie viele Personen den Beschwerdeführer beim Vorfall im 

August 2019 aus dem Raum geholt hätten (zwei Personen; act. A25 S. 11 

beziehungsweise eine Person; act. A35 F54-56 S. 8) vermochte der Be-

schwerdeführer die Widersprüche nicht aufzulösen. Er widersprach sich 

zudem bei der Angabe, ob er zu einem Mann oder zu zwei Männern ge-

bracht worden sei (act. A35 F54 und F56).  

6.5.2 Auch war der Beschwerdeführer nicht in der Lage, auf die mehrmals 

gestellte Frage, ob er die fünf Entführer vom August 2019 wiedergesehen 

habe oder nicht, eine schlüssige Antwort zu geben (act. A25 F52-F57 

S. 14, A35 F17-F20 S. 4 und F87-F93 S. 11). Hierbei handelt es sich um 

eines der zentralen Elemente seiner Vorbringen und die Vorinstanz be-

harrte daher berechtigterweise auf eine klare Beantwortung dieser Frage.  

6.5.3 Zu Recht bezeichnete die Vorinstanz die Aussagen des Beschwerde-

führers als unsubstantiiert, vage und klischeehaft, soweit es um eine diffe-

renzierte Beschreibung der fünf Entführer vom August 2019 bezüglich ihres 

Aussehens und Verhaltens ging (act. A25 F40-44 S. 12 f. und F51 S. 13, 

act. A35 F16-F33 S. 5 f.).  

6.5.4 Nur vereinzelt vermochte der Beschwerdeführer zudem seine fünf 

Mitgefangenen anlässlich der Entführung im August 2019 zu beschreiben, 

indem er einen von ihnen als «dick» bezeichnete und als Träger einer so-

genannten Jelavi – einer schwarzen muslimischen Tracht – identifizierte 

und die anderen lediglich anhand ihrer Grösse beschrieb (act. A25 F59 

S. 14, A35 F40-F49 S. 6 f.). Wie die Vorinstanz festhält, erscheint dies – im 

Gegensatz zum gegenseitigen Anschweigen (vgl. oben E. 6.4.5) – in der 

Tat realitätsfremd, zumal er gemäss seinen Angaben mehrere Tage mit sei-

nen Mitgefangenen in demselben Raum verbracht hatte und seine Augen 

nicht verbunden waren.  

6.5.5 Ebenso wenig ist es dem Beschwerdeführer gelungen, den Mann, 

der ihn anlässlich der Entführung im August 2019 verhört hatte, bezüglich 

des Aussehens und Verhaltens konkret zu beschreiben, obwohl er angab, 

er würde ihn wiedererkennen (act. A35 F69-F72 S. 9, F80 f, S. 10).  

6.5.6 Den Angaben des Beschwerdeführers ist zu entnehmen, dass seine 

parteipolitische Tätigkeit als Jugendkoordinator der PDP seiner Meinung 

D-5080/2020 

Seite 21 

nach zu seiner zweiten und dritten Entführung geführt habe (act. A14 S. 7, 

A25 F29 f. S. 8 f. und F39 S. 12; A35 F111). Welche konkreten Tätigkeiten 

als Jugendkoordinator seiner Partei ein allfälliges Verfolgungsinteresse zu 

begründen vermögen, ist nicht ersichtlich. Selbst bei Annahme der Glaub-

haftigkeit seiner Aussagen ist ein finanzielles Motiv der Entführer bei der 

zweiten Entführung nicht ausgeschlossen. Nach einem Verhör anlässlich 

der dritten Entführung wurde er gemäss seinen Angaben ohne Gegenleis-

tung freigelassen, nachdem er erklärt hatte, an der Revolution nicht teilge-

nommen zu haben und zwecks Vorsprache für das Schengen-Visum an 

diesem Tag in F._______ gewesen zu sein (vgl. act. A14 S. 8, A25 F36 und 

F39 S. 10 f. und A35 F14 S. 3). Insofern scheint seine Rolle bei der Partei 

nicht so zentral gewesen zu sein, dass er sich der geltend gemachten Ge-

fahr nicht durch Geldzahlungen oder Erklärungen hätte entziehen können. 

Wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung und in ihrer Vernehm-

lassung (vgl. BVGer-act. 6 S. 2) zutreffend festhält, äusserte sich der Be-

schwerdeführer vage und unsubstantiiert zur Täterschaft der Entführun-

gen, obwohl er einen politischen Hintergrund vermutete (act. A35 S. 10). 

Insbesondere muss bezweifelt werden, dass er gleichzeitig oder hinterei-

nander von verschiedensten Organisationen entführt oder bedroht werden 

soll, ohne dass konkrete Angaben zu den Urhebern gemacht werden kön-

nen. Zudem ist auch bei der zweiten und dritten Entführung eine staatliche 

Verfolgung des Beschwerdeführers auszuschliessen beziehungsweise 

macht er eine solche nicht geltend.  

6.6 Nach Abwägung aller Elemente, die für beziehungsweise gegen die 

Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Geschehnisse vor der Ausreise des 

Beschwerdeführers aus Nigeria sprechen (vgl. oben E. 6.4 ff.), verbleiben 

zu viele zentrale Widersprüche hinsichtlich der zweiten und dritten Entfüh-

rung, so dass diese Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit 

gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten. Diese Ereignisse waren – wie be-

reits erwähnt (vgl. oben E. 6.2) – auch nicht der Grund für seine Ausreise 

aus Nigeria, weshalb es daher unabhängig von der Glaubhaftigkeit seiner 

Vorbringen bereits an einem sachlichen Kausalzusammenhang zwischen 

den geltend gemachten Vorfluchtgründen und seiner Ausreise fehlt. Der 

Beschwerdeführer war im Heimatland bisher keinen ernsthaften Nachteilen 

im Sinne des Art. 3 Abs. 1 AsylG ausgesetzt. Bei einer allfälligen Verfol-

gung durch Dritte ist zudem davon auszugehen, dass der nigerianische 

Staat schutzwillig und -fähig ist. Es ist dem Beschwerdeführer somit nicht 

gelungen, Vorfluchtgründe im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG nachzuweisen 

oder glaubhaft zu machen.  

D-5080/2020 

Seite 22 

6.7 Zu prüfen ist nun, ob der Beschwerdeführer begründete Furcht vor 

künftiger asylrelevanter Verfolgung hat. Denn die Flüchtlingseigenschaft 

setzt nicht zwingend eine Vorverfolgung voraus. Flüchtling ist auch, wer 

begründete Furcht vor noch nicht bereits verwirklichter Verfolgung hat – 

das heisst, es spricht eine beachtliche Wahrscheinlichkeit dafür, dass sich 

die Befürchtungen in absehbarer Zeit verwirklichen (Handbuch zum Asyl- 

und Wegweisungsverfahren, Schweizerische Flüchtlingshilfe SFH [Hrsg.], 

3. A. 2021, S. 215).  

6.7.1 Das erste geltend gemachte Ereignis nach der Ausreise des Be-

schwerdeführers ist der Erhalt eines Drohbriefs, datiert auf den 17. Oktober 

2019. Den Drohbrief habe die Ehefrau des Beschwerdeführers gleich nach 

seiner Ausreise aus Nigeria erhalten; seine Einreise in die Schweiz erfolgte 

am 20. Oktober 2019. Insofern stellte der Drohbrief unbestrittenermassen 

keinen Grund für die Ausreise dar, jedoch für die Einreichung eines Asyl-

gesuchs. In seiner Beschwerde bringt der Beschwerdeführer weiter vor, bei 

einer Rückkehr nach Nigeria habe er aufgrund seines politischen Engage-

ments als Mitglied der PDP asylrelevante Nachteile zu befürchten. Da er 

eine Vorverfolgung aus politischen Gründen nicht glaubhaft machen 

konnte, fallen die vor Ausreise geltend gemachten Ereignisse in Nigeria für 

eine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung ausser Betracht. Soweit 

er als Erklärung für den Drohbrief anbringt, «ausser dieser politischen An-

gelegenheit habe er sich bei niemanden etwas zuschulden kommen las-

sen» (vgl. act. A35 F105), reicht diese vage Äusserung bei weitem nicht 

aus, um eine konkrete Angst vor einer Rückkehr in die Heimat zu begrün-

den. Zudem nimmt auch der Drohbrief keinen konkreten Bezug auf irgend-

welche politischen Tätigkeiten des Beschwerdeführers. Die Vorinstanz hält 

fest, der Drohbrief könne leicht gefälscht werden. Ein wesentliches Ele-

ment, das mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gegen die Echtheit des 

Drohbriefs spricht, ist, dass als Urheber samt Logo «NBM of Africa» (World 

Wide), beziehungsweise «Neo Black Movement of Africa», figuriert. An ei-

ner Textstelle des Drohbriefs wird diese Organisation mit «Black Axe» 

gleichgesetzt («akA» beziehungsweise «also known as»). Verschiedene 

Quellen legen jedoch den Schluss nahe, dass sich «NBM» klar von «Black 

Axe» abgrenzen will (vgl. etwa: Immigration and Refugee Board of Canada, 

28.10.2022, <https://irb-cisr.gc.ca/en/country-information/rir/Pages/index. 

aspx?doc=458713&pls=1>; Harper’s Magazine, The Black Axe – How a 

pan - African freedom movement lost ist way, by Sean Williams, Septem-

ber 2019, <https://harpers.org/archive/2019/09/the-black-axe-nigeria-neo-

black-movement-africa/>; alle abgerufen am 20.7.2023), obwohl sich zu-

mindest eine ursprüngliche Verbindung nicht negieren lässt (vgl. 

D-5080/2020 

Seite 23 

Frankfurter Allgemeine Zeitung [FAZ], Die Schwarze Axt, Margherita Bet-

toni  

und David Klaubert, 7.5.2020, <https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ 

kriminalitaet/nigerianische-mafia-neo-black-movement-und-black-axe-

16757177.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2> [BVGer-act. 1 Bei-

lage 4]; BBC News, The ultra-violent cult that became a global mafia, Africa 

Eye, 13.12.2021, <https://www.bbc.com/news/world-africa-59614595>, 

alle abgerufen am 20.7.2023). Mitglieder des «NBM» führten gar schon 

eine Klage gegen eine Bloggerin, da sie diese zu Unrecht als «Axemen» 

bezeichnet habe (Vanguard, NBM vs Linda Ikeji: Court adjourns hearing to 

March, 17.1.2023, <https://www.vanguardngr.com/2023/ 

01/nbm-vs-linda-ikeji-court-adjourns-hearing-to-march/>, abgerufen am 

20.7.2023). Aufgrund dieser Feststellungen erübrigen sich weitere Abklä-

rungen in Bezug auf die Echtheit des Drohbriefes (vgl. act. 20 Beilage 8) – 

daraus sind keine Erkenntnisgewinne zu erwarten (antizipierte Beweiswür-

digung; BGE 141 I 60 E. 3.3). Im Polizeirapport vom 21. Oktober 2019 (vgl. 

act. 20 Beilage 9) und Affidavit vom 21. Oktober 2019 (vgl. act. 20 Beilage 

10), wurden lediglich die Aussagen der Ehefrau des Beschwerdeführers 

sowie der Inhalt des Drohbriefes protokolliert, was den Beweiswert dieser 

Belege von vornherein herabsetzt. Eine exilpolitische Tätigkeit in der 

Schweiz für die PDP, die allenfalls zu einer nachträglichen Erfüllung der 

Flüchtlingseigenschaft führen könnte, macht der Beschwerdeführer so-

dann nicht geltend.  

6.7.2 Weiter erklärte der Beschwerdeführer bei den Anhörungen, am 5. Ja-

nuar 2020 seien drei Personen in seinem Haus in Nigeria gewesen und 

hätten ihn gesucht. Seine Frau und seine Tochter hätten ihnen gesagt, 

dass er nicht zu Hause sei. Daraufhin hätten die Personen geantwortet, sie 

wüssten er sei in der Schweiz und sie würden ihn finden. In der Folge sei 

seine Ehefrau mit den Kindern aus diesem Haus ausgezogen. Sie hätten 

den Vorfall bei der Polizei gemeldet. Die Polizei habe sie an das Gericht 

geschickt, um mit der Tochter ein Affidavit zu unterschreiben (vgl. act. 14 

F47, act. 35 F103, Affidavit vom 10. Januar 2020 [act. 20 Beilage 11]). 

Auch dieses Affidavit beruht nur auf den Aussagen der Ehefrau bezie-

hungsweise der Tochter des Beschwerdeführers, weshalb dessen Beweis-

wert gering erscheint.  

6.7.3 Zudem sei es am 12. Juni 2020 zu einem Einbruch in einem seiner 

Häuser gekommen. Seine Frau habe den Vorfall nicht mehr bei der Polizei 

melden wollen. Es seien lediglich elektronische Sachen, Computer, 

Schuhe, Kleidung seiner Frau und einige andere Gegenstände gestohlen 

D-5080/2020 

Seite 24 

worden (act. 35 F7, F11, F103, F130). Als Beweismittel hatte der Be-

schwerdeführer der Vorinstanz Fotos seiner verwüsteten Wohnung einge-

reicht. Diese hielt in der angefochtenen Verfügung fest, aus den Fotos gehe 

lediglich hervor dass sein angebliches Haus durchwühlt worden sei. Der 

Zusammenhang, in dem diese Aufnahmen gemacht worden seien, müsse 

offengelassen werden und den Bildern komme kein Beweiswert zu. Selbst 

wenn davon ausgegangen würde, dass sich das Beschriebene zugetragen 

hätte: Auf einen politischen Hintergrund oder auf eine Verfolgungshandlung 

deutet das geschilderte Ereignis nicht hin. Vielmehr wäre aufgrund der ge-

stohlenen Gegenstände von einem finanziellen Motiv auszugehen.  

6.7.4 Im Sinne eines Zwischenfazits ist festzuhalten, dass die vom Be-

schwerdeführer geschilderten Ereignisse nach seiner Ausreise keine be-

gründete Furcht vor künftiger asylrelevanter Verfolgung zu begründen ver-

mögen.  

6.8 Auf Beschwerdestufe reichte der Beschwerdeführer weitere Beweis-

mittel ein:  

6.8.1 Mit zahlreichen Online-Artikeln versucht der Beschwerdeführer zu 

belegen, dass Personen mit vergleichbaren Positionen wie er in Nigeria 

entführt oder umgebracht worden seien. Teilweise gibt er an, mit diesen 

Personen auch freundschaftlich verbunden gewesen zu sein – ohne jedoch 

Beweismittel dafür einzureichen. Diese in Artikeln beschriebenen Ereig-

nisse stehen nicht in einem konkreten Bezug zum Beschwerdeführer und 

vermögen keine begründete Furcht vor künftiger asylrelevanter Verfolgung 

zu begründen. Lediglich ein Artikel aus der Nigerianischen Zeitung «The 

Nigerian Observer» vom 8. August 2019 handelt von ihm; diesen hat er im 

Original eingereicht. Allerdings bringt auch hier die Vorinstanz in ihrer Ver-

nehmlassung unter anderem zu Recht an, dass der Artikel lediglich auf den 

Aussagen der Ehefrau des Beschwerdeführers beruhe, nicht geprüft wor-

den sei und der Beschwerdeführer diesen Artikel bei den Anhörungen nicht 

erwähnt habe. Zudem ist festzuhalten, dass die Ausreise des Beschwerde-

führers ohnehin nicht wegen der Entführung erfolgte, weshalb er mit die-

sem Artikel keine asylrelevanten Gründe darzutun vermag (vgl. oben E. 6.2 

und 6.6).  

6.8.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, ein weiterer, auf den 21. Ok-

tober 2020 datierter Drohbrief habe sich Anfang November 2020 im Brief-

kasten seiner Postadresse befunden und sein jüngerer Bruder habe diesen 

erst am 28. Dezember 2020 seiner Ehefrau ausgehändigt. Inhaltlich nimmt 

D-5080/2020 

Seite 25 

auch dieser Drohbrief weder Bezug zur politischen Tätigkeit des Beschwer-

deführers, noch zu konkreten Gründen für die Todesdrohungen. Hinsicht-

lich des Beweiswerts gilt das bisher Gesagte in Bezug auf den ersten Droh-

brief auch für den zweiten (vgl. oben E. 6.7.1).  

6.9 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer auch nicht gelungen, 

für den Fall einer zukünftigen Rückkehr nach Nigeria eine asylrechtlich er-

hebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. Die  

Vorinstanz hat die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht 

verneint und sein Asylgesuch abgewiesen.  

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG).  

7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet 

(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).  

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

8.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-

mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard 

wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-

weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.3  

8.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

D-5080/2020 

Seite 26 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).  

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

8.3.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-

rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur 

Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 

Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-

dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Die Rückkehr des Beschwerdeführers in den 

Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

8.3.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-

rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer 

Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 

einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-

lung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes 

für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-

sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter 

oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR 

Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, 

§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Ni-

geria lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als un-

zulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung 

sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen 

zulässig.  

8.4  

8.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

D-5080/2020 

Seite 27 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren.  

8.4.2 In Bezug auf Nigeria geht das Bundesverwaltungsgericht davon aus, 

dass keine Situation allgemeiner Gewalt herrscht (vgl. Urteil des BVGer  

E-4801/2020 vom 8. Juni 2021, E. 7.4 m.w.H.). Der Beschwerdeführer ver-

mag auch mit den von ihm eingereichten zahlreichen Online-Artikeln nichts 

anderes darzutun.  

8.4.3 Die medizinischen Probleme des Beschwerdeführers in Bezug auf 

sein Knie konnten beziehungsweise können in Nigeria behandelt werden 

(vgl. act. A35 F116-121).  

8.4.4 Wie die Vorinstanz zu Recht festhält, hat der Beschwerdeführer einen 

universitären Abschluss, ist (…) und hat als (…) gearbeitet. Auch wenn 

seine Anstellung im (…) gekündigt wurde, sind keine Schwierigkeiten er-

sichtlich, die den Beschwerdeführer am Antritt einer neuen Stelle hindern. 

Seinen eigenen Angaben zufolge hat der Beschwerdeführer zudem drei 

Häuser (vgl. act. A35 F101 S. 12). Ausserdem leben zahlreiche Verwandte 

in Nigeria und im westlichen Ausland, die ihn unterstützen können. Zudem 

können ihm seine guten Beziehungen zu seiner Partei ebenfalls nützlich 

sein.  

Die Vorinstanz hat in seinem Entscheid demnach zutreffend festgestellt, 

dass der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers zumutbar ist.  

8.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch 

BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-

lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.  

D-5080/2020 

Seite 28 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm mit Verfü-

gung vom 15. Oktober 2020 die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von 

Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt worden und nicht von einer Veränderung der 

finanziellen Verhältnisse auszugehen ist, sind trotz Unterliegens keine Ver-

fahrenskosten zu erheben.  

11.  

11.1 Mit Zwischenverfügung vom 22. Oktober 2020 wurde dem Beschwer-

deführer zudem die unentgeltliche Rechtsverbeiständung gewährt und 

seine Rechtsvertreterin Monika Böckle als amtliche Rechtsbeiständin ein-

gesetzt, weshalb ihr ein amtliches Honorar auszurichten ist.  

11.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht bei amtlicher Vertretung im Asyl-

bereich in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis Fr. 220.– 

für Anwältinnen und Anwälte und Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht-anwaltli-

che Vertreterinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m Art. 10 Abs. 2 

VGKE). Es wird nur der notwendige Aufwand entschädigt (Art. 8 Abs. 2 

VGKE). Die Rechtsvertreterin reichte mit der Replik vom 3. Dezember 

2020 eine aktualisierte Kostennote ein und machte darin einen Aufwand 

von insgesamt Fr. 2'120.50 geltend. Der zeitliche Aufwand von 10 Stunden 

und der beantragte Stundenansatz von Fr. 200.– erscheinen insgesamt 

angemessen. Für die zusätzlichen Beweismitteleingaben ist ein zeitlicher 

Aufwand von 2 Stunden zu ergänzen. Das amtliche Honorar beträgt somit 

insgesamt Fr. 2'520.50 (inklusive Auslagen) und geht zulasten der Ge-

richtskasse des Bundesverwaltungsgerichts.  

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-5080/2020 

Seite 29 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Der amtlichen Rechtsbeiständin, Monika Böckle, wird zulasten der Ge-

richtskasse ein Honorar von Fr. 2'520.50 zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Daniela Brüschweiler Della Batliner 

 

 

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