# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a7d37390-b483-5963-88b2-2bcfd9e5e6d6
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-08-04
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 04.08.2014 IV 2012/435
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2012-435_2014-08-04.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2012/435

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 08.06.2020

Entscheiddatum: 04.08.2014

Entscheid Versicherungsgericht, 04.08.2014
Art. 53 Abs. 2 ATSG. Wiedererwägung aufgrund klarer Verletzung des 
Untersuchungsgrundsatzes bejaht. Rückweisung zur bidisziplinären 
Begutachtung (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen 
vom 4. Juli 2014 / 4. August 2014, IV 2012/435).

Entscheid Versicherungsgericht, 04.08.2014

Präsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichter Ralph Jöhl, Versicherungsrichterin 

Marie-Theres Rüegg Haltinner; Gerichtsschreiber Philipp Geertsen

Entscheid vom 4. Juli 2014 / 4. August 2014

in Sachen

A.___

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rainer Niedermann, GN Rechtsanwälte, 

St. Leonhard-Strasse 20, Postfach 728, 9001 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

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Rentenerhöhung (Wiedererwägung)

Sachverhalt:

A.    

A.a  A.___ meldete sich am 19. April 1999 (Datum Posteingang IV-Stelle) zum Bezug 

von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Der behandelnde Dr. med. B.___, Allg. Medizin FMH, 

berichtete am 25. April 1999, die Versicherte leide an einem Makroprolactinom (aktuell 

persistierende leichte Hyperprolactinaemie), einem depressiven Zustandsbild sowie an 

einem cervico- und thorakovertebralen Schmerzsyndrom bei Fehlhaltung und Fehlform 

der Wirbelsäule und segmentaler Dysfunktion der oberen HWS sowie der mittleren 

BWS. Die psychologische Betreuung habe sich bis anhin als wenig wirkungsvoll 

erwiesen. Die medikamentöse antidepressive Behandlung habe wegen 

Medikamentennebenwirkungen nie in adäquater Dosis über genügend lange Zeit 

durchgeführt werden können. Für die angestammte Tätigkeit als Textilangestellte 

bescheinigte Dr. B.___ eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 6). Mit Verfügungen vom 

12. April 2000 sprach die IV-Stelle der Versicherten für die Dauer vom 1. Juli bis 

31. Oktober 1998 eine Viertelsrente (IV-act. 44) und ab 1. November 1998

eine halbe Rente zu (IV-act. 46).

A.b  Im ärztlichen Zeugnis vom 15. Januar 2001 führte Dr. B.___ aus, seit August 2000 

habe sich der Gesundheitszustand der Versicherten erheblich verschlechtert, so dass 

sie seit 29. August 2000 mit kurzen Ausnahmen zu 100% arbeitsunfähig sei (IV-act. 49). 

Im von der IV-Stelle eingeholten Verlaufsbericht vom 11. Februar 2001 gab Dr. B.___ 

an, der somatische Zustand habe sich nicht wesentlich verändert. Entscheidend 

verschlechtert habe sich der psychische Zustand mit medikamentös und 

psychotherapeutisch nicht beeinflussbarer Depression. Die Versicherte habe auf 

Antidepressiva schlecht angesprochen und es seien diverse Nebenwirkungen bis 

Medikamentenunverträglichkeiten aufgetreten. Es bestehe ein ungenügender affektiver 

Rapport, der die Erkrankung einer Psychotherapie zugänglich machen würde 

(deswegen sei eine Behandlung in der sozial-psychiatrischen Beratungsstelle C.___ 

fehlgeschlagen). Seit 4. Dezember 2000 bestehe bis auf weiteres eine 100%ige 

Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 51). Am 1. Juni 2001 verfügte die IV-Stelle die Zusprache 

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einer ganzen Rente ab 1. Januar 2001 (IV-act. 57). Der Anspruch auf eine ganze Rente 

wurde in der Folge nach von Amtes wegen durchgeführten Revisionen am 

19. September 2002 (IV-act. 60) und 5. Juli 2005 (IV-act. 65) bestätigt.

A.c  Im Rahmen eines neuerlichen von Amtes wegen eingeleiteten Revisionsverfahrens 

gab die Versicherte am 16. Juli 2010 an, ihr Gesundheitszustand sei gleich geblieben 

(IV-act. 66). Dr. B.___ bestätigte im Verlaufsbericht vom 2. August 2010 einen 

stationären Gesundheitszustand (IV-act. 69). Auf Nachfrage der IV-Stelle nahm er 

ergänzende Ausführungen zum psychischen Leiden und dessen Behandlung vor 

(Schreiben vom 3. September 2010, IV-act. 75). RAD-Arzt Dr. med. D.___, Facharzt für 

Innere Medizin FMH, empfahl in der Stellungnahme vom 20. September 2010 die 

Vornahme einer monodisziplinären psychiatrischen RAD-Untersuchung. Da sich die 

Versicherte offenbar nie in fachpsychiatrischer Behandlung befunden habe, existiere 

seit ihrer Erstanmeldung im Jahr 1999 kein einziges Dokument, das eine von einem 

Psychiater formulierte, ICD-konforme Diagnose enthalte. Somit sei nicht 

auszuschliessen, dass sich die bisher einzig vom Hausarzt und damit von einem Nicht-

Spezialisten gestellte psychiatrische Diagnose als offensichtlich unrichtig erweise (IV-

act. 76). Am 12. Oktober 2010 wurde die Versicherte vom RAD-Arzt Dr. med. E.___, 

u.a. Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, begutachtet. Im 

Untersuchungsbericht vom 29. November 2010 diagnostizierte dieser mit Auswirkung 

auf die Arbeitsfähigkeit eine Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10: F40.01) und eine 

generalisierte Angststörung mit multiplen Phobien einschliesslich sozial-phobischer 

Züge (ICD-10: F41.1). Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe u.a. eine 

Dysthymia (ICD-10: F34.1). Ein eigenständig abzugrenzendes depressives Störungsbild 

nach ICD-10: F32 und F33 liege aktuell nicht vor, könne aber zu einem früheren 

Zeitraum (1998 bis 2002) nicht sicher ausgeschlossen werden. Die psychiatrische 

Berentungsdiagnose "Depression" sei bei allen Rentenzusprachen unzutreffend 

gewesen und sei in den nachfolgenden Rentenrevisionen nie überprüft worden. Für die 

angestammte Tätigkeit, die einer leidensangepassten entspreche, bestehe eine 

Arbeitsfähigkeit von mindestens 50% (IV-act. 82). RAD-Arzt Dr. D.___ bezeichnete den 

Untersuchungsbericht als umfassend und widerspruchsfrei. Es sei zu klären, ob die 

"Bedingungen" für eine Wiedererwägung erfüllt seien (Stellungnahme vom 

13. Dezember 2010, IV-act. 83).

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A.d  Unter Einbezug des RAD sowie des Rechtsdienstes gelangte die IV-Stelle zur 

Auffassung, die per 1. Januar 2001 erfolgte Erhöhung auf eine ganze Rente sei 

zweifellos unrichtig gewesen (ELAR-Notiz vom 4. Januar 2011, IV-act. 84). Die 

Versicherte wurde am 24. Januar 2011 von der Eingliederungsberatung über die 

Rentenreduktion und die Möglichkeit beruflicher Massnahmen informiert. Im 

Schlussbericht vom 25. Januar 2011 hielt die Eingliederungsberaterin fest, da aktuell 

eine subjektive Arbeitsunfähigkeit bestehe, welche die Versicherte jedoch mit Hilfe 

einer psychiatrischen Therapie überwinden wolle, würden berufliche Massnahmen 

(erst) Sinn machen, wenn geeignete Bewältigungsstrategien entwickelt seien (IV-

act. 88). Am 26. Januar 2011 wurde der Versicherten der Abschluss der 

Arbeitsvermittlung mitgeteilt (IV-act. 90). Mit Vorbescheid vom 20. August 2012 stellte 

die IV-Stelle der Versicherten die wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung 

vom "17. Mai 2001" (richtig: 1. Juni 2001) in Aussicht (IV-act. 95). Am 15. Oktober 2012 

verfügte die IV-Stelle die wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung vom 

"17. Mai 2001" und setzte die bisherige ganze Rente mit Wirkung ab dem ersten Tag 

des zweiten der Zustellung der neuen Verfügung folgenden Monats auf eine halbe 

Rente herab (IV-act. 97).

B.    

B.a  Gegen die Verfügung vom 15. Oktober 2012 richtet sich die Beschwerde vom 

13. November 2012. Die Beschwerdeführerin beantragt darin sinngemäss deren Auf­

hebung (act. G 1). Mit der Beschwerde reicht sie u.a. eine Bestätigung hinsichtlich der 

im Psychiatrie-Zentrum F.___ vom 16. März 2011 bis 18. September 2012 

stattgefundenen Behandlung ein (ärztliche Bestätigung vom 30. Oktober 2012, act. 

G 1.2). In der ergänzenden Begründung vom 29. April 2013 beantragt sie unter Kosten- 

und Entschädigungsfolge, es sei ihr rückwirkend ab 1. Dezember 2012 wieder eine 

ganze Rente auszurichten. Eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung und 

Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zur Begründung bringt sie im 

Wesentlichen vor, die angefochtene Verfügung beruhe auf einem unvollständig 

abgeklärten Sachverhalt. Der RAD-Untersuchungsbericht sei veraltet und überholt. 

Gestützt auf den Bericht vom behandelnden G.___, FMH Psychiatrie und 

Psychotherapie, vom 7. April 2013 (act. G 17.1) sei von einer vollständigen 

Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Aus diesem Bericht ergebe sich ferner ein 

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massgebender, bislang nicht berücksichtigter Aspekt (Schuldgefühle der 

Beschwerdeführerin gegenüber ihrem Sohn; act. G 17).

B.b  In der Beschwerdeantwort vom 18. Juli 2013 beantragt die Beschwerdegegnerin 

die Abweisung der Beschwerde. Es bestehe kein Anlass für weitere Abklärungen, da 

sich gegenüber dem Zeitpunkt des RAD-Untersuchs keine markante Veränderung des 

Gesundheitszustands ergeben habe (act. G 21). Mit der Beschwerdeantwort reicht die 

Beschwerdegegnerin eine Stellungnahme des Fachbereichs vom 9. Juli 2013 ein (act. 

G 21.1), worin auf die RAD-Stellungnahme gleichen Datums verwiesen wird (vgl. hierzu 

IV-act. 125).

B.c  Unter Verweis auf den Bericht des behandelnden Psychiaters vom 10. September 

2013 (act. G 25.1) hält die Beschwerdeführerin in der Replik vom 16. Oktober 2013 

unverändert an den gestellten Anträgen fest.

B.d  Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 27).

B.e  Mit Schreiben vom 4. Juli 2014 stellte die Verfahrensleitung der 

Beschwerdeführerin in Aussicht, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die 

Sache zur weiteren medizinischen Abklärung und anschliessender Neuverfügung an 

die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (act. G 28). Am 11. Juli 2014 teilt die 

Beschwerdeführerin mit, sie wolle an der Beschwerde festhalten (act. G 29).

Erwägungen:

1.

Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die Rechtmässigkeit 

der wiedererwägungsweise verfügten Rentenherabsetzung. Dabei ist vorab die Frage 

zu beantworten, ob die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung der Verfügung vom 

1. Juni 2001 erfüllt sind.

1.1  Die IV-Stelle kann nach Art. 53 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen 

Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) auf formell rechtskräftige 

Verfügungen zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre 

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Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Die Wiedererwägung dient der Korrektur 

einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Feststellung 

im Sinn der Würdigung des Sachverhalts. Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit 

ist in der Regel erfüllt, wenn eine Leistungszusprache aufgrund falsch oder 

unzutreffend verstandener Rechtsregeln erfolgt ist oder wenn massgebliche 

Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden. Anders verhält es sich, wenn 

der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt, 

deren Beurteilung notwendigerweise Ermessenszüge aufweist. Erscheint die 

Beurteilung einzelner Schritte bei der Feststellung solcher Anspruchsvoraussetzungen 

(Invaliditätsbemessung, Arbeitsunfähigkeitsschätzung, Beweiswürdigung, 

Zumutbarkeitsfragen) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im 

Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung darbot, als vertretbar, scheidet die 

Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus. Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein 

vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein 

einziger Schluss - derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung - denkbar (Urteil des 

Bundesgerichts vom 23. November 2012, 8C_368/2012, E. 2.2).

1.2  Ausgangspunkt für die revisionsweise Rentenerhöhung bildete in medizinischer 

Hinsicht das ärztliche Zeugnis von Dr. B.___ vom 15. Januar 2001, worin er auf einen 

seit August 2000 sich erheblich verschlechternden Gesundheitszustand und die darauf 

zurückzuführende vollständige Arbeitsunfähigkeit hinwies (IV-act. 49). Die 

Beschwerdegegnerin holte daraufhin einen Arztbericht bei Dr. B.___ ein. Darin 

diagnostizierte Dr. B.___ ein Makroprolactinom, eine therapieresistente Depression und 

diverse somatische Beschwerden (thorako-vertebrales Schmerzsyndrom, 

Helicobakterinfekt des Magens). Der somatische Zustand habe sich nicht wesentlich 

verändert. Entscheidend verschlechtert habe sich der psychische Zustand mit 

medikamentös und psychotherapeutisch nicht beeinflussbarer Depression. Obschon 

die Prolactinwerte unter Dostinex-Behandlung knapp über der Norm bzw. im 

Normbereich lägen, bestehe eine ständige Müdigkeit und Abgeschlagenheit mit 

fliessendem Übergang in eine therapieresistente Depression. Die Beschwerdeführerin 

habe schlecht auf Antidepressiva angesprochen und es seien diverse Nebenwirkungen 

bis Medikamentenunverträglichkeit aufgetreten. Es bestehe ein ungenügender 

affektiver Rapport, der die Erkrankung einer Psychotherapie zugänglich machen würde. 

Deswegen sei eine Behandlung in der sozial-psychiatrischen Beratungsstelle 

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fehlgeschlagen. Die Stimmung der Beschwerdeführerin sei "ausgeprägt" melancholisch 

(IV-act. 51).

1.3  Die Rentenerhöhung beruhte damit in medizinischer Hinsicht einzig auf den 

Einschätzungen des Hausarztes. Dieser hat sich nicht näher mit der Frage 

auseinandergesetzt, welche Ressourcen der Beschwerdeführerin trotz ihres Leidens 

und der eingetretenen Verschlechterung noch geblieben sind. Des Weiteren ist weder 

von Dr. B.___ dargetan noch aus den Akten ersichtlich, aus welchen Gründen die 

Beschwerdeführerin nach der festgestellten Verschlechterung des 

Gesundheitszustands nunmehr für jegliche Tätigkeit über keine Leistungsfähigkeit mehr 

verfügt, und die spärliche Aktenlage erweckt den Eindruck, dass bei der Bejahung einer 

vollständigen Leistungsfähigkeit wesentlich auf die Einschätzung der 

Beschwerdeführerin abgestellt wurde. Allein aus der beschriebenen Müdigkeit und 

Abgeschlagenheit sowie den Schwierigkeiten bei der psychotherapeutischen 

Behandlung lässt sich jedenfalls keine vollständige Erwerbsunfähigkeit folgern, zumal 

eine die hausärztliche Betrachtungsweise stützende fachpsychiatrische Stellung fehlte. 

Die Einschätzung der gesundheitlichen Verschlechterung durch Dr. B.___ genügt damit 

nicht den Anforderungen an den Beweiswert medizinischer Unterlagen (BGE 125 V 352 

E. 3a). Mit dem Erlass der auf ungenügenden Grundlagen beruhenden 

Rentenverfügung vom 1. Juni 2001 (IV-act. 57) hat die Beschwerdegegnerin den 

Untersuchungsgrundsatz klar verletzt. Die Verfügung vom 1. Juni 2001 ist daher 

zweifellos unrichtig (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 14. April 2009, 9C_1014/2008, 

E. 3.2.5), was von der Beschwerdeführerin im Übrigen nicht bestritten wird (vgl. act. 

G 17 und G 25).

2.

Zu beurteilen gilt es weiter die Frage, ob der medizinische Sachverhalt eine rechts­

genügliche Beurteilung des Gesundheitszustands für den Rentenanspruch ex nunc im 

Sinn der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (Urteil des Bundesgerichts vom 2. Juli 

2007, 9C_215/2007, E. 6.1 mit Hinweis) erlaubt. In medizinischer Hinsicht lag der 

angefochtenen Verfügung der monodisziplinäre (psychiatrische) RAD-

Untersuchungsbericht vom 29. November 2010 zugrunde (IV-act. 82). Die 

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Beschwerdeführerin hält diese medizinische Grundlage für nicht beweiskräftig (act. 

G 17 und G 25).

2.1  Einem ärztlichen Bericht kommt Beweiswert zu, wenn er für die streitigen Belange 

umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden 

berücksichtigt und in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, wenn 

die Beschreibung der medizinischen Situation und Zusammenhänge einleuchtet und 

die Schlussfolgerungen begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a). Den diesen 

Anforderungen genügenden Berichten des RAD kommt ebenfalls Beweiswert zu (Urteil 

des Bundesgerichts vom 21. Februar 2011, 9C_8/2011, E. 4.1.2 mit Hinweisen). Nach 

der Rechtsprechung ist es dem Sozialversicherungsgericht nicht verwehrt, einzig oder 

im Wesentlichen gestützt auf die (versicherungsinterne) Beurteilung des RAD zu 

entscheiden. In solchen Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge 

Anforderungen in dem Sinn zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der 

Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende 

Abklärungen vorzunehmen sind (BGE 135 V 465).

2.2  Zunächst ist festzustellen, dass RAD-Arzt Dr. E.___ hinsichtlich der Beschwerden 

im Nacken-/Schulterbereich links einen orthopädischen Abklärungsbedarf erkannte 

("sollte eine orthopädische Abklärung und Stellungnahme zur adaptierten 

Arbeitsfähigkeit in Erwägung gezogen werden", IV-act. 82-14). Aus den weiteren Akten 

ergibt sich keine nachvollziehbare Begründung, weshalb trotz des Hinweises des RAD-

Arztes auf eine orthopädische Abklärung verzichtet wurde, weshalb die medizinische 

Situation nicht als umfassend abgeklärt angesehen werden kann und die Durchführung 

einer orthopädischen Untersuchung angezeigt ist.

2.3  Was den Untersuchungsbericht von RAD-Arzt Dr. E.___ anbelangt, so fällt die 

Vagheit der darin vorgenommenen Arbeitsfähigkeitsbeurteilung auf.

2.3.1      Dabei fällt ins Gewicht, dass RAD-Arzt Dr. E.___ seine Beurteilung um die 

"Massgabe" ergänzte, "dass eine konsequente Behandlung aufgenommen wird" (IV-

act. 82-14). Mangels näherer Begründung bleibt unklar, ob die von RAD-Arzt erwähnte 

"Massgabe" einer psychiatrisch-medikamentösen Behandlung notwendige 

Voraussetzung für das Erreichen einer "mindestens" 50%igen Arbeitsfähigkeit ist und 

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seine Einschätzung deshalb lediglich prognostisch unter Berücksichtigung einer 

erfolgreichen psychiatrisch-medikamentösen Behandlung steht. Die Vorwegnahme 

einer - bei erfolgreicher Behandlung - günstigen Entwicklung des Gesundheitszustands 

vermag keine aussagekräftige Arbeitsfähigkeitsbeurteilung zu begründen.

2.3.2      Hinzu kommt, dass Dr. E.___ die Arbeitsfähigkeit für die zuletzt ausgeübte 

sowie eine leidensangepasste Tätigkeit auf "mindestens" 50% schätzte (IV-act. 82-14). 

Mit dieser Antwort brachte er zum Ausdruck, dass sich die Arbeitsfähigkeit in der 

Bandbreite zwischen 50 bis 100% bewegt. Angesichts dieser arbiträr anmutenden 

Aussage bleibt unklar, wie hoch die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin letztlich 

geschätzt wird.

2.3.3      Angesichts dieser Unsicherheiten stellt der im Verfügungszeitpunkt vom 

15. Oktober 2012 rund 2 Jahre zurückliegende RAD-Untersuchungsbericht vom 29. 

November 2010 keine zweifelsfreie psychiatrische Einschätzung dar.

2.4  Insgesamt fehlt es damit an einer umfassenden medizinischen Abklärung der 

Beschwerdeführerin, weshalb die Sache zur Vornahme einer versicherungsexternen 

bidisziplinären (orthopädisch-psychiatrischen) Begutachtung an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.

3.

3.1  In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom 

15. Oktober 2012 aufzuheben. Die Sache ist zur bidisziplinären (orthopädisch-

psychiatrischen) Begutachtung und zu neuer Verfügung im Sinn der Erwägungen an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

3.2  Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 

Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- 

erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als 

volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin 

vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu 

bis

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bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin 

zurückzuerstatten.

3.3  Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei 

Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom 

Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der 

Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In 

der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach 

Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der 

Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat auf die Einreichung einer Honorarnote 

verzichtet. Der Bedeutung und dem Aufwand der Streitsache angemessen erscheint 

eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und 

Mehrwertsteuer).

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

entschieden:

1.    In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 15. Oktober 

2012 aufgehoben. Die Sache wird zur bidisziplinären Begutachtung und zu neuer 

Verfügung im Sinn der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2.      Die Beschwerdegegnerin bezahlt eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--. Der 

geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin 

zurückerstattet.

3.      Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung 

von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

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