# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3fe02d76-ab59-514f-ab1e-649ad318e8d3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-04-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.04.2010 A-6898/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-6898-2009_2010-04-29.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-6898/2009
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 9 .  A p r i l  2 0 1 0

Richter Michael Beusch (Vorsitz), 
Richter Daniel Riedo, Richter Markus Metz, 
Gerichtsschreiber Lino Etter.

A._______AG, ...
vertreten durch R._______, ...
Beschwerdeführerin,

gegen

Oberzolldirektion (OZD),
Sektion Zollbefreiung und Transite, Monbijoustrasse 40, 
3003 Bern,
Vorinstanz.

Erlass Zollabgaben.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-6898/2009

Sachverhalt:

A.
Die A._______AG (nachfolgend: Zollpflichtige) betreibt in der Schweiz 
eine  Wäscherei  für  Textilien.  Am  5. Juni  2007  erteilte  die 
Oberzolldirektion (OZD) der Zollpflichtigen eine Bewilligung für die ak-
tive  Veredelung  verschmutzter  Putztücher.  Diese  Verfügung  ermög-
lichte der Zollpflichtigen die abgabefreie Einfuhr von Putztüchern zum 
Zweck  der  Reinigung  und  die  abgabefreie  Wiederausfuhr  der  ge-
reinigten Textilien unter anderem unter folgenden Auflagen: «Die Ein- 
und  Ausfuhrzollanmeldung  muss  in  der  im  Informationsblatt  "Aktive 
Veredelung:  Veranlagung  Nichterhebung  /  Rückerstattung"  (Form. 
47.81) vorgeschriebenen Form erfolgen. [...] Über Eingang, Veredelung 
und Ausgang ist eine genaue Kontrolle zu führen.»

B.
Im  November  2007  wurden  fünf  Sendungen  Scheuer-,  Spül-  und 
Staubtücher  aus England ohne Zollveranlagung  direkt  zur  Zollpflich-
tigen transportiert und – nach Reinigung – wieder ausgeführt. Darauf-
hin erliess die Zollkreisdirektion Basel am 9. Juni 2008 eine Nachfor-
derungsverfügung  über  Fr. 62'856.30  Zoll,  Fr. 12'857.05  Mehrwert-
steuer  und  Fr. 440.--  Erledigungsgebühr.  Diese  Verfügung  wurde 
rechtskräftig.

C.
Mit  Gesuch  vom  8. Juni  2009  beantragte  die  Zollpflichtige  den 
vollständigen  Erlass  der  mit  Verfügung  vom  9. Juni  2008  nacher-
hobenen Abgaben. Das Gesuch wurde von der  OZD am 2. Oktober 
2009  vollumfänglich,  d. h.  hinsichtlich  Zoll,  Mehrwertsteuer  und  Er-
ledigungsgebühr, abgewiesen. 

D.
Mit  Beschwerde vom 4. November 2009 an das Bundesverwaltungs-
gericht beantragte die Zollpflichtige (nachfolgend: Beschwerdeführerin) 
die Aufhebung der Verfügung der OZD vom 2. Oktober 2009, sowie die 
Gutheissung  des  Erlassgesuchs  bezüglich  Mehrwertsteuer  und  Zoll 
bzw. den Erlass eines Betrags von insgesamt Fr. 75'713.35. Die OZD 
(nachfolgend  auch:  Vorinstanz)  schloss  mit  Vernehmlassung  vom 
10. Februar 2010 auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  für  die  Beurteilung  von  Be-
schwerden gegen Entscheide der OZD zuständig (Art. 31 und Art. 33 
Bst. d des Bundesgesetzes vom 17. Juni  2005 über das Bundesver-
waltungsgericht [Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32] in Ver-
bindung mit Art. 116 Abs. 4 des Zollgesetzes vom 18. März 2005 [ZG, 
SR 631.0] bzw. Art. 64 Abs. 2 und Art. 112 Abs. 1 des Bundesgeset-
zes  vom 12. Juni  2009 über  die  Mehrwertsteuer  [Mehrwertsteuerge-
setz, MWSTG, SR 641.20] sowie dem zum Zeitpunkt der Einreichung 
der Beschwerde gültigen Art. 84 des Bundesgesetzes vom 2. Septem-
ber  1999  über  die  Mehrwertsteuer  [aMWSTG,  AS  2000  1300];  vgl. 
unten E. 1.3). Soweit  das VGG nichts anderes bestimmt,  richtet sich 
das Verfahren gemäss dessen Art. 37 nach dem Bundesgesetz vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021). Die  Beschwerdeführerin  ist  nach  Art. 48  Abs. 1  VwVG 
zur Beschwerde legitimiert. 

1.2 Im Verfahren der  nachträglichen  Verwaltungsrechtspflege gilt  als 
Streitgegenstand das Rechtsverhältnis, das Gegenstand der angefoch-
tenen Verfügung bildet, in dem Umfang, in dem es im Streit liegt. Was 
Streitgegenstand ist, bestimmt sich nach den Parteibegehren und dem 
angefochtenen  Entscheid  (Urteil  des  Bundesgerichts  2C_642/2007 
vom  3. März  2008  E. 2.2  mit  Hinweisen;  Urteil  des  Bundesverwal-
tungsgerichts A-7604/2008 vom 6. Februar 2010 E. 1.4).

Mit Beschwerde vom 4. November 2009 beantragt die Beschwerdefüh-
rerin  die  Gutheissung  des  Erlassgesuchs  bezüglich  Mehrwertsteuer 
und Zoll bzw. den Erlass eines Betrags von Fr. 75'713.35. Damit redu-
ziert  sie  gegenüber  dem  Gesuch  vom  8. Juni  2009  den  im  Streit 
liegenden Betrag im Umfang der Erledigungsgebühr von Fr. 440.--. Der 
vorliegende  Streitgegenstand  umfasst  die  Erledigungsgebühr  mithin 
nicht mehr.

1.3 Am 1. Januar 2010 ist das MWSTG in Kraft getreten. Die bisheri-
gen gesetzlichen Bestimmungen sowie die darauf gestützt erlassenen 
Vorschriften bleiben grundsätzlich weiterhin auf alle während ihrer Gel-
tungsdauer eingetretenen Tatsachen und entstandenen Rechtsverhält-
nisse anwendbar (Art. 112 Abs. 1 MWSTG). Das vorliegende Verfah-
ren  untersteht  deshalb  in  materieller  Hinsicht  dem aMWSTG. Unter 
Vorbehalt  der  die  Bezugsverjährung  betreffenden  Bestimmungen  ist 

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dagegen  das  neue  Verfahrensrecht  im  Sinne  von  Art. 113  Abs. 3 
MWSTG auf sämtliche im Zeitpunkt des Inkrafttretens hängige Verfah-
ren  anwendbar. Beim Steuererlass  handelt  es  sich  jedoch  nicht  um 
Verfahrensrecht, sondern um ein spezielles Verfahren – das Vollstreck-
ungsverfahren –, welches dem ordentlichen Verfahren (Veranlagungs-
verfahren) folgt. Das neue Erlassrecht findet daher auf bereits hängige 
Verfahren  keine  Anwendung.  Hinsichtlich  der  anwendbaren  Erlass-
bestimmungen  betreffend  Mehrwertsteuer  gilt  für  den  sich  vor  dem 
Jahr 2010 verwirklichten Sachverhalt das aMWSTG, das am 1. Januar 
2001  in  Kraft  getreten  ist  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-
1554/2007 vom 25. Januar 2010 E. 1.3; vgl. auch PASCAL MOLLARD/XAVIER 
OBERSON/ANNE TISSOT BENEDETTO,  Traité  TVA,  Basel  2009,  Annexe  3 
Commentaire article par article de la nouvelle LTVA, Rz. 673).

2.
2.1 Steht nach Abschluss des Veranlagungsverfahrens die Zollschuld 
rechtskräftig fest, kann sie aus den in Art. 86 ZG festgelegten Gründen 
erlassen werden. Der Zollerlass gehört  dabei  nicht  zur Veranlagung, 
sondern bildet Teil des Bezugs bzw. der Vollstreckung rechtskräftiger 
Zollschulden. Die Begründetheit  der Zollerhebung bzw. eine allfällige 
Fehlerhaftigkeit  des  Veranlagungsverfahrens  können  demnach  nicht 
Gegenstand des Erlassverfahrens sein, sondern wären entsprechende 
Vorbringen in den an die Veranlagung anschliessenden Rechtsmittel -
verfahren geltend zu machen (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A-1554/2007  vom  25. Januar  2010  E. 2.1  mit  Hinweisen;  REMO 
ARPAGAUS,  Zollrecht,  in:  Koller/Müller/Tanquerel/Zimmerli  [Hrsg.],  Das 
schweizerische  Bundesverwaltungsrecht,  2. Aufl.  Basel  2007, 
Rz. 520 ff.). Das Erlassverfahren kann mithin auch nicht  zur Heilung 
von  im  Veranlagungsverfahren  begangener  Versäumnisse  dienen 
(MICHAEL BEUSCH,  in:  Kocher/Clavadetscher  [Hrsg.],  Zollgesetz,  Bern 
2009, Rz. 3 zu Art. 86).

2.2 Ein ganzer oder teilweiser Zollerlass ist, abgesehen von den hier 
nicht einschlägigen besonderen Fällen von Art. 86 Abs. 1 Bst. a und b 
ZG, unter den in Bst. c und d dieses Absatzes aufgeführten Voraus-
setzungen  vorgesehen.  Diese  Bestimmungen  entsprechen  inhaltlich 
weitgehend  den  bisherigen  Erlassgründen  von  Art. 127  des  Zollge-
setzes  vom  1. Oktober  1925  (aZG,  AS  42  287;  vgl.  BBl  2004  653; 
ARPAGAUS, a.a.O, Rz. 521). Bei Inkrafttreten des ZG wurde eine termi-
nologische  Anpassung  des  Art. 84  aMWSTG  vorgenommen,  womit 
eine  grosse  Ähnlichkeit  zwischen  Art. 84  aMWSTG  und  Art. 86  ZG 

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erzielt  wurde.  Art. 84  aMWSTG  setzte  damit  die  grundsätzliche 
"Verwandtschaft"  der  Mehrwertsteuer-  mit  den  Zollerlassregelungen 
fort, wie sie bereits bei Art. 76 der Verordnung vom 22. Juni 1994 über 
die  Mehrwertsteuer  (aMWSTV,  AS  1994  1464)  und  Art. 127  aZG 
bestand.  Deshalb  kann zur  Auslegung  von  Art. 86  ZG  auch  die 
einschlägige Rechtsprechung zu Art. 127 aZG und Art. 84 aMWSTG 
bzw. Art. 76  aMWSTV herangezogen werden (BEUSCH,  a.a.O.,  Rz. 12 
zu Art. 86, sowie zum Folgenden: Rz. 26 f.). 

2.3 Gemäss  Art. 86  Abs. 1  Bst. c  kann  ein  Zollbetrag  erlassen  wer-
den, "wenn eine Nachforderung mit Rücksicht auf besondere Verhält-
nisse  den  Zollpflichtigen  unverhältnismässig  belasten  würde".  Unter 
der  "Nachforderung"  im  Sinne  von  Art. 86  Abs. 1  Bst. c  ZG  ist  der 
aufgrund  des  Art. 85  ZG  erhobene  Anspruch  der  Zollverwaltung  zu 
verstehen (ARPAGAUS, a.a.O., Rz. 523; vgl. zum aZG: BGE 94 I 475 E. 2 
mit  weiteren  Hinweisen;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A-1714/2006 vom 11. August 2008 E. 2.3). Auf dieser Grundlage kann 
die zuständige Zollbehörde binnen Jahresfrist seit der Zollabfertigung 
oder  Abgabefestsetzung  eine  Zollabgabe  nachfordern,  wenn  infolge 
Irrtums der  Zollverwaltung bei  der  Zollabfertigung eine nach Gesetz 
geschuldete  Abgabe  nicht  oder  zu  niedrig,  oder  ein  rückvergüteter 
Abgabebetrag zu hoch festgesetzt  worden ist  (Art. 85 ZG). Liegt  die 
Verantwortung  für  die  Falschberechnung  bei  der  steuerpflichtigen 
Person, kann Art. 86 Abs. 1 Bst. c ZG mithin von vornherein keine An-
wendung  finden  (vgl.  bereits  Entscheid  der  Eidgenössischen  Zollre-
kurskommission  [ZRK]  vom 29. Juli  2004,  publiziert  in  Verwaltungs-
praxis der Bundesbehörden [VPB] 69.16 E. 3a/bb). 

2.4 Art. 86 Abs. 1 Bst. d ZG enthält ferner eine Härteklausel, welche 
als  allgemeiner  Auffangtatbestand  konzipiert  ist,  der  subsidiär  zur 
Anwendung kommt, also nur dann, wenn ein Sachverhalt nicht bereits 
von  den  Bst. a-c  erfasst  wird.  Danach  muss  ein  Zollerlass  gewährt 
werden, "wenn aussergewöhnliche, nicht die Bemessung der Abgaben 
betreffende Verhältnisse den Bezug als besondere Härte erscheinen 
liessen". Diese  drei  im  Gesetz  genannten  Voraussetzungen  müssen 
kumulativ erfüllt sein, damit einem Zollerlassgesuch stattgegeben wer-
den kann. Liegen sie vor,  greift  freilich kein behördliches Ermessen, 
sondern besteht ein Anspruch auf Erlass (BEUSCH, a.o.O., Rz. 29 ff. zu 
Art. 86;  vgl.  zum  aZG:  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.534/2005  vom 
17. Februar  2006  E. 2.1;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts 

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A-4619/2007  vom  21. Dezember  2009  E. 2.1.4).  Zu  den  Voraus-
setzungen im Einzelnen:

2.4.1 Die aussergewöhnlichen Verhältnisse müssen erstens mit Bezug 
auf das Zollverfahren vorliegen (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 
A-1676/2006 vom 9. Oktober 2007 E. 3.3.1). Wann eine solche Verfah-
renssituation gegeben ist, bedarf der Auslegung. Mit Blick auf Sinn und 
Zweck dieser  Härteklausel  ist  festzuhalten,  dass solche Verhältnisse 
nicht  leichthin  anzunehmen  sind.  Eine  grosszügige  Zulassung  des 
Zollerlasses  würde  zu  einer  vom  Gesetzgeber  nicht  bezweckten 
Abschwächung der Rechtskraft von Zollentscheidungen führen (Urteil 
des  Bundesgerichts  2A.566/2003  vom 9. Juni  2004,  veröffentlicht  in 
Archiv  für  Schweizerisches  Abgaberecht  [ASA]  74  S. 246 ff.  E. 3.5). 
Die Bestimmung soll nicht dazu dienen, die unter Umständen erhebli-
chen finanziellen Folgen früherer Fristversäumnisse bzw. von Pflicht-
verletzungen  im  Veranlagungsverfahren  wieder  gut  zu  machen.  Ein 
Versäumnis, welches mit entsprechender Vorbereitung und Instruktion 
hätte  vermieden  werden  können,  ist  nicht  als  aussergewöhnlich  im 
Sinne dieser Bestimmung zu qualifizieren (vgl. dazu Urteil  des Bun-
desverwaltungsgerichts  A-5264/2008 vom 27. August  2009  E. 2.3.1). 
Ausnahmsweise können anlässlich der Einfuhrverzollung eingetretene 
bloss formale Versehen der anmeldepflichtigen Person als ausserge-
wöhnliche Umstände anerkannt werden. So galt beispielhaft unter dem 
aZG gemäss höchstrichterlich bestätigter Verwaltungspraxis die irrtüm-
liche Unterlassung des Antrages auf Präferenzbehandlung als ausser-
gewöhnlicher  Umstand,  wenn  sowohl  sämtliche  formellen  als  auch 
materiellen  Voraussetzungen  für  eine  Präferenzbehandlung  im  Zeit-
punkt der Wareneinfuhr tatsächlich erfüllt waren. Diesbezüglich stellte 
das Bundesgericht insbesondere fest, dass aufgrund eingeschränkter 
Kontrollmöglichkeiten eine derartige Praxis für Waren, die bereits aus 
der Zollkontrolle entlassen wurden, ausgeschlossen sei (zum Ganzen: 
Urteil  des  Bundesgerichts  2A.566/2003  vom  9. Juni  2004,  a.a.O., 
E. 3.5). Diese Haltung übernahm auch der Gesetzgeber mit Art. 34 ZG 
indem er  für  die Berichtigung der  Zollanmeldung nach Freigabe  der 
Waren bzw. Aufgabe des Zollgewahrsams restriktive Regelungen vor-
sah. Aufgrund letzterer Bestimmung ist  gemäss Vernehmlassung der 
Vorinstanz auch die erwähnte Verwaltungspraxis inzwischen aufgege-
ben worden. 

Allgemein  vermögen  aussergewöhnliche  Umstände  nicht  durch  die 
ordnungsgemässe Anwendung der zollrechtlichen Bestimmungen be-

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gründet zu werden. Im Rahmen einer allgemeinen Härteklausel  kon-
krete Definitionen für das Vorliegen aussergewöhnlicher Umstände an-
zuführen, bereitet deshalb Schwierigkeiten; eine fallweise Aufzählung 
kann  höchstens  einen  ungefähren  Eindruck  vermitteln  (Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A-1554/2007  vom  25. Januar  2010 
E. 2.3.1 und A-1699/2006 vom 13. September 2007 E. 2.3.3). 

2.4.2 In  Ausnahmefällen  können  auch  die  finanzielle  Situation  der 
Gesellschaft oder die aktuelle konjunkturelle Lage aussergewöhnliche 
Umstände begründen und einen teilweisen, nicht dagegen einen voll-
ständigen Erlass der Zollabgabe rechtfertigen (Entscheid des Bundes-
rates  vom  11. Dezember  1995,  veröffentlicht  in  VPB  61.93  E. 7; 
BEUSCH, a.a.O., Rz. 33 zu Art. 86). Im Hinblick darauf, dass der Bezug 
der Abgabe jedoch als zweite – insofern unscharf zu trennende – Vo-
raussetzung  von  Art. 86  Abs. 1  Bst. d  ZG  eine  besondere  Härte 
darstellen  muss,  drängt  sich  diesbezüglich  eine  restriktive  Handha-
bung auf. Der Zollerlass hat nicht die Aufgabe, finanzielle Schwierig-
keiten zu lösen,  welche die Geschäftstätigkeit  mit  sich bringen kann 
und insoweit  das  unternehmerische Risiko  zu decken. Insofern  hebt 
dieses zweite Kriterium die zu berücksichtigende persönliche Lage der 
zahlungspflichtigen  Person  hervor  (Urteil  des  Bundesverwaltungsge-
richts A-5264/2008 vom 27. August 2009 E. 2.3.3 mit Hinweisen). 

2.4.3 Diese aussergewöhnlichen Verhältnisse dürfen als drittes Krite-
rium von  Art. 86 Abs. 1 Bst. d ZG nicht die Bemessung der Abgaben 
betreffen; ein Zollerlass darf im Ergebnis nicht zur Korrektur des Zoll -
tarifs führen. Die Zollbemessung wird gemäss Art.  19 ZG i.V.m. Art. 1 
Abs. 1 des Zolltarifgesetzes vom 9. Oktober 1986 (ZTG, SR 632.10) in 
den Anhängen 1 und 2 des ZTG geregelt (Generaltarif,  veröffentlicht 
unter <www.ezv.admin.ch>). Wer ein Gesuch um Zollerlass stellt,  hat 
nachzuweisen,  dass die Gründe, das heisst  die aussergewöhnlichen 
Verhältnisse, ausserhalb der Bemessung der Abgaben liegen (Urteile 
des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1554/2007  vom  25. Januar  2010 
E. 2.3.2 und A-1676/2006 vom 9. Oktober 2007 E. 3.3.2 je mit Hinwei-
sen).

2.5 Wie erwähnt stimmt Art. 84 aMWSTG weitgehend mit Art. 86 ZG 
überein (vgl. oben E. 2.2), womit für die Mehrwertsteuer materiell auf 
die vorhergehenden Ausführungen verwiesen werden kann. Anzumer-
ken ist jedoch, dass das aMWSTG keine dem Art. 86 Abs. 1 Bst. d ZG 
entsprechende  Bestimmung  kennt.  Aussergewöhnliche,  nicht  die 

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Bemessung der Abgaben betreffende Verhältnisse, welche den Bezug 
als  besondere  Härte  erscheinen  lassen,  sind  damit  kein  Grund  für 
einen  Erlass  der  Mehrwertsteuer  (Urteil  des  Bundesverwaltungs-
gerichts A-1554/2007 vom 25. Januar 2010 E. 2.4.2 und 2.4.3 mit Hin-
weisen). Im Sinn der Wettbewerbsneutralität (Art. 1 Abs. 2 aMWSTG) 
ist  im Übrigen darauf zu achten, dass derjenige, der den grenzüber-
schreitenden  Verkehr  sorgfältig  abwickelt,  nicht  gegenüber  weniger 
korrekten Mitbewerbern benachteiligt wird (vgl. dazu bereits: Entscheid 
der ZRK vom 7. Juni 2002, veröffentlicht in VPB 67.24 E. 2.a).

3.
3.1 Im vorliegenden Fall erachtet die Beschwerdeführerin die verges-
sene Veranlagung als aussergewöhnlichen Grund, welcher hinsichtlich 
der Zahlung des Zolls für sie als kleines Unternehmen in einem hart 
umkämpften Markt mit geringen Margen eine besondere Härte begrün-
de  und  die  Pflicht  zur  Nachentrichtung  der  Abgaben  als  unbillig 
erscheinen lasse.

3.2 Zu  Recht  beruft  sich  die  Beschwerdeführerin  nicht  auf  Art.  86 
Abs. 1 Bst. c ZG, liegt doch kein Irrtum seitens der Zollbehörden vor, 
sondern verhielten sich die steuerpflichtige Person bzw. ihre Hilfsper-
sonen fehlerhaft (vgl. oben E. 2.3).

3.3 Was  sodann  die  Betroffenheit  im  Sinn  einer  besondere  Härte 
gemäss  Art. 86  Abs. 1  Bst. d  ZG angeht,  so  ergibt  sich  diese  nicht 
abschliessend  aus  den  Akten.  Zwar  behauptet  die  Beschwerde-
führerin, dass ihr aufgrund der Nachforderungsverfügung ein (angeb-
lich wesentlicher) Jahresgewinnanteil  entginge, weshalb der geschul-
dete Betrag in einem Missverhältnis zur finanziellen Leistungsfähigkeit 
stehe; belegt wird dies jedoch nicht. Ohnehin kann das Vorliegen einer 
besonderen Härte aber offen gelassen werden, da es vorliegend am 
aussergewöhnlichen Grund zur Erlassgewährung gebricht. 

3.3.1 Unstrittig wurden vorliegend fünf für die Beschwerdeführerin be-
stimmte Lastwagensendungen mit zu reinigenden Textilien überhaupt 
nicht der Veranlagung zugeführt. Entgegen der Ansicht der Beschwer-
deführerin handelt es sich dabei keineswegs um ein kleineres formales 
Versehen,  sondern  um  eine  Missachtung  einer  grundlegenden  Vor-
schrift  des Zollverfahrens. Schon aus diesem Grund entfällt  ein Ver-
gleich mit der unter der Herrschaft des alten Zollgesetzes ergangenen 
bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  betreffend  irrtümlichen  Verges-
sens, eine Präferenzbehandlung zu verlangen (vgl. oben E. 2.4.1). 

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3.3.2 Dazu kommt,  dass durch den anschliessenden Export  der  ge-
waschenen Putztücher jegliche Kontrolle der Behörden verunmöglicht 
wurde. Auch aus diesem Grund verbietet sich entgegen der Meinung 
der  Beschwerdeführerin  ein  Vergleich  mit  der  ehemaligen  Praxis  in 
Sachen  Präferenzbehandlung (vgl. oben E. 2.4.1); so konnten vorlie-
gend im Gegensatz zur erwähnten (früheren) Praxis die formellen Vor-
aussetzungen der Einfuhr zur aktiven Veredelung nicht erfüllt werden, 
da entsprechende Auflagen infolge fehlender Zuführung zur Veranla-
gung gar nicht konkretisiert werden konnten (vgl. Art. 59 Abs. 3 Bst. c 
ZG). Die Beschwerdeführerin wurde im Übrigen bei Bewilligungsertei-
lung ausdrücklich  auf  ihre  Anmelde-  und Prüfungspflichten aufmerk-
sam gemacht (vgl. oben Sachverhalt A). Das  Versäumnis der Anmel-
dung hätte mit entsprechender Vorbereitung und Instruktion der Last-
wagenfahrer und/oder Empfangsmitarbeitenden ohne weiteres vermie-
den werden können und müssen. 

3.3.3 Eine  aussergewöhnliche  konjunkturelle  oder  finanzielle  Situa-
tion, die für sich einen aussergewöhnlichen Grund zum Erlass begrün-
den  könnte,  besteht  schliesslich  auch  nicht,  da  die  Beschwerde-
führerin im entsprechenden Geschäftsjahr laut eigener Beschreibung 
Gewinne verbuchen konnte (vgl. oben E. 3.3); eine aussergewöhnliche 
persönliche Extremsituation wird denn zu Recht   auch nicht  geltend 
gemacht. Zusammenfassend sind  die  Umstände nicht  als  ausserge-
wöhnlich  im Sinn von Art. 86  Abs. 1 Bst. d  ZG zu qualifizieren. Ein 
Zollerlass kann mithin nicht gewährt werden.

3.4 Hinsichtlich der Mehrwertsteuer kann – soweit entsprechende Er-
lassbestimmungen  überhaupt  bestehen  (vgl.  oben  E. 2.5)  –  auf  die 
Ausführungen zum Zoll verwiesen werden. Damit braucht auf die von 
der  OZD aufgeworfene  Frage  bezüglich  Wettbewerbsneutralität  (Un-
klarheit,  ob die Beschwerdeführerin die Mehrwertsteuer nicht  bereits 
als Vorsteuer abgezogen habe und ihr Letztere somit bei Gewährung 
des  Erlasses  doppelt  vergütet  würde)  nicht  weiter  eingegangen  zu 
werden. Mithin ist die Beschwerde auch in diesem Punkt abzuweisen.

4.
Die Verfahrenskosten im Betrag von Fr. 3'000.-- sind der Beschwerde-
führerin aufzuerlegen und mit dem von ihr in gleicher Höhe geleisteten 
Kostenvorschuss zu verrechnen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 

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5.
Dieses Urteil  kann nicht mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen An-
gelegenheiten an  das Bundesgericht  weitergezogen  werden (Art. 83 
Bst. m des Bundesgesetzes vom 17. Juni  2005 über  das Bundesge-
richt [BGG, SR 173.110]).

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 3'000.-- werden der Beschwerdeführerin 
auferlegt und mit dem von ihr in gleicher Höhe geleisteten Kostenvor-
schuss verrechnet.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Einschreiben)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Einschreiben)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Michael Beusch Lino Etter

Versand: 

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