# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c2863687-0e97-5dbf-b87b-5955c5730de3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-05-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.05.2021 D-1178/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1178-2021_2021-05-28.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-1178/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 8 .  M a i  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), 

Richter David R. Wenger, Richter Gérard Scherrer,    

Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan (angeblich),   

vertreten durch Annina Mullis, Rechtsanwältin,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Wegweisungsvollzug  

(Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid);  

Verfügung des SEM vom 11. Februar 2021 / N (…). 

 

 

 

D-1178/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte zusammen mit seiner Frau und seiner Toch-

ter am 2. November 2015 in der Schweiz um Asyl nach.  

Am 23. November 2015 wurde er anlässlich der Befragung zur Person 

(BzP) summarisch befragt und am 7. November 2017 sowie 20. Dezember 

2017 vertieft zu seinen Asylgründen angehört. Er machte im Wesentlichen 

geltend, er sei afghanischer Staatsangehöriger und ethnischer B._______. 

Er sei in Afghanistan geboren; er wisse nur, dass er in der Provinz 

C._______ zur Welt gekommen sei. Respektive seine Familie stamme aus 

dem Dorf D._______ im Distrikt E._______ in der Provinz C._______. Aus 

ihm nicht näher bekannten Gründen hätten seine Eltern Afghanistan mit 

ihm und seinen Geschwistern verlassen, als er (…) respektive (…) oder 

(…) Jahre alt gewesen sei, und sie hätten fortan im F._______ gelebt. Im 

Jahr (…) respektive am (…) habe er im F._______ in einer religiösen Ze-

remonie geheiratet. Erst danach habe er erfahren, dass seine Frau ihrem 

(Verwandten) in G._______ zur Ehe versprochen gewesen sei und deswe-

gen in den F._______ geflohen sei. Nachdem seine Frau erfahren habe, 

dass ihr Bruder sich auf den Weg in den F._______ gemacht habe, um ihn 

– den Beschwerdeführer – zu töten, seien sie aus dem F._______ ausge-

reist und schliesslich am 2. November 2015 in die Schweiz gelangt. Den 

Familiennamen "H._______" habe er freiwillig von seiner Frau übernom-

men. Der Nachname seines Vaters laute "I._______". Beziehungsweise er 

trage den Namen "H._______" seit Geburt. Er habe nie einen Pass oder 

eine Identitätskarte gehabt, aber im F._______ über eine Aufenthaltsbewil-

ligung verfügt. Mehrere Onkel und Tanten seien in J._______ wohnhaft und 

ein Onkel lebe im Dorf D._______.  

B.  

Nach erfolgter Trennung der Eheleute wurden die Asylverfahren getrennt 

geführt. Die Frau und die Tochter wurden vom SEM am (…) wegen Unzu-

mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufgenom-

men. 

C.  

Mit Verfügung vom 26. November 2018 stellte das SEM fest, dass der Be-

schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Es lehnte dessen 

Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den 

Vollzug an.  

D-1178/2021 

Seite 3 

Es führte im Wesentlichen an, die Vorbringen des Beschwerdeführers zu 

seiner Identität, Herkunft und Biografie sowie zu den Fluchtgründen ver-

möchten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG 

(SR 142.31) nicht zu genügen. Er habe keine Identitätsdokumente einge-

reicht und zu seinem Familiennamen, dem Geburtsort sowie seinem Alter 

widersprüchliche Angaben gemacht und zur Kindheit in Afghanistan sowie 

den Umständen des Umzugs in den F._______ praktisch keine Auskunft 

geben können. Seine Identität stehe nicht fest. Die Schilderungen der Dro-

hungen durch den Schwiegervater und den Schwager seien substanzlos 

geblieben und würden keinerlei Realkennzeichen enthalten. Die Durch-

führbarkeit des Wegweisungsvollzugs sei zwar grundsätzlich von Amtes 

wegen zu prüfen. Die behördliche Untersuchungspflicht finde aber ihre 

Grenzen an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person, welche die 

Substanziierungslast trage. Es sei nicht Sache der Asylbehörden, bei feh-

lenden Hinweisen seitens des Gesuchstellers nach allfälligen Wegwei-

sungsvollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu suchen. 

Dennoch sei betreffend die (…) des Beschwerdeführers anzumerken, dass 

entsprechende Medikamente und (…) in Apotheken in J._______ erhältlich 

seien. Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers sei daher als 

durchführbar zu erachten. Weder Art. 8 EMRK noch Art. 44 AsylG würden 

der Wegweisung entgegenstehen. 

D.  

Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 28. Dezember 

2018 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. 

Er brachte im Wesentlichen vor, dass sich die Widersprüche in den Aussa-

gen zu seiner Identität erklären lassen würden. Er habe nie über Identitäts-

papiere verfügt, was ihm nicht zum Vorwurf gemacht werden könne. Zwar 

habe er zu Protokoll gegeben, dass er sich nicht an die genauen Gründe 

für die Flucht seiner Familie von Afghanistan in den F._______ erinnern 

könne, aber auch angedeutet, dass die Flucht mit den Taliban in Verbin-

dung gestanden habe, die sich zu jener Zeit über fast alle Landesteile Af-

ghanistans hinweg auszubreiten begonnen hätten. Die unterschiedlichen 

Angaben zu seinem Alter im Zeitpunkt des Wegzugs in den F._______ 

seien mit seinem damaligen Alter und den traumatischen Umständen der 

Flucht erklärbar. Die divergierenden Aussagen zu seinem Geburtsort seien 

auf die Art der Fragestellung zurückzuführen. Er habe sich erst bei der Ein-

reise in die Schweiz entschlossen, den Namen seiner Frau anzunehmen. 

Zu seinen Kernvorbingen habe er konsistente Aussagen gemacht. Seine 

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Seite 4 

Angaben liessen sich zudem durch öffentlich zugängliche Quellen unter-

mauern. Den einschlägigen Länderberichten des UNHCR und der Schwei-

zerischen Flüchtlingshilfe (SFH) sei zu entnehmen, dass in Afghanistan 

eine Eheschliessung ohne das Einverständnis der Familien zu Vergel-

tungshandlungen bis hin zu Blutrache führen könne. Weder Afghanistan 

noch der F._______ könnten ihm ausreichend Schutz vor solcher Vergel-

tung bieten. Er habe seine Mitwirkungspflicht nicht verletzt. Es sei hinrei-

chend belegt, dass er (…) Jahre im F._______ gelebt habe und sich seine 

Kernfamilie noch immer dort aufhalte. In Afghanistan verfüge er weder über 

ein verwandtschaftliches Beziehungsnetz noch eine gesicherte Wohnsitu-

ation. Es lägen mithin keine besonders begünstigenden Umstände im 

Sinne der Rechtsprechung vor. Auch könne nicht von der Behandelbarkeit 

der (…) in Afghanistan ausgegangen werden. Betreffend die Beziehung zu 

seiner Tochter berufe er sich auf Art. 8 EMRK respektive Art. 44 AsylG. 

E.  

Mit Urteil D-7455/2018 vom 16. März 2020 wies das Bundesverwaltungs-

gericht die vom Beschwerdeführer erhobene Beschwerde ab.  

Das Gericht erwog – soweit für das hängige Verfahren von Belang – , dass 

die Ausführungen des Beschwerdeführers zu den Fluchtgründen sowie der 

Herkunft und den persönlichen Verhältnissen nicht zu überzeugen ver-

möchten. Die Identität des Beschwerdeführers stehe nicht fest. Er habe 

keine Identitätsdokumente eingereicht und seine Aussagen zur Herkunft 

würden fraglich erscheinen. Es bestehe Grund zur Annahme, dass er ver-

suche, seine wahre Herkunft und seine persönlichen Verhältnisse zu ver-

schleiern. Bezeichnenderweise habe er die in Aussicht gestellte (…) Auf-

enthaltsbewilligung, über die er verfügt habe, bis dato nicht eingereicht. 

Den stattdessen im Beschwerdeverfahren nur in Form von leicht manipu-

lierbaren Fotokopien eingereichten (…) Aufenthaltsbewilligungen der El-

tern und eines Bruders könne kein rechtserheblicher Beweiswert beige-

messen werden. Der Beschwerdeführer vermöge demnach nicht nachzu-

weisen, dass er überhaupt afghanischer Abstammung sei und als kleines 

Kind mit seiner Familie in den F._______ übergesiedelt sei. Eine solche 

Verlegung des Wohnsitzes vermöge er mit seinen widersprüchlichen An-

gaben zum Wegzug der Familie auch nicht glaubhaft zu machen. Allein mit 

seinem damaligen Alter und den traumatischen Umständen der Flucht 

seien die offensichtlichen Widersprüche in seinen Angaben nicht erklärbar. 

Gleichermassen widersprüchlich habe er sich zu seinem Geburtsort und 

seinem Familiennamen geäussert, und auch diese Widersprüche vermöge 

er im Rahmen des Beschwerdeverfahrens nicht aufzulösen. Die Angabe in 

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der Beschwerde, erst bei der Einreise in die Schweiz den Entschluss zur 

Annahme des Familiennamens der Frau gefasst zu haben, erscheine als 

nachträgliche Sachverhaltsanpassung. Art. 44 AsylG stehe der Wegwei-

sung nicht entgegen. Die Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des 

Wegweisungsvollzugs seien zwar grundsätzlich von Amtes wegen zu prü-

fen, jedoch finde diese Abklärungspflicht der Asylbehörden ihre Grenze an 

der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person, die auch die Substanzi-

ierungspflicht trage. Bei fehlenden, womöglich gezielt vorenthaltenen Hin-

weisen sei es nicht Sache der Behörden, nach allfälligen Wegweisungs-

vollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu forschen. Ent-

ziehe die asylsuchende Person mit ihrem Verhalten dem Gericht die für 

genauere Abklärungen erforderliche Grundlage, sei es nicht Sache der Be-

schwerdeinstanz, sich in Mutmassungen und Spekulationen zu ergehen. 

Die Identität und Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers, seine Her-

kunft sowie die persönlichen Verhältnisse würden nicht feststehen. Er habe 

keine rechtsgenüglichen Identitätspapiere eingereicht und seine Angaben 

zur Herkunft seien weitestgehend unglaubhaft ausgefallen. Durch die Ver-

letzung seiner Mitwirkungspflicht respektive die Verheimlichung seiner 

wahren Identität und Herkunft verunmögliche der Beschwerdeführer auch 

die Prüfung, welche Staatsangehörigkeit er besitze, und welchen Status er 

an seinem bisherigen Aufenthaltsort gehabt habe. Er habe die Folgen sei-

ner fehlenden Mitwirkung insofern zu tragen, als vermutungsweise davon 

auszugehen sei, dass einer Wegweisung in den tatsächlichen Heimatstaat 

respektive an den bisherigen Aufenthaltsort keine Vollzugshindernisse ent-

gegenstehen würden. Es sei somit auch von der grundsätzlichen Behan-

delbarkeit seiner (…) auszugehen.  

F.  

Mit Eingabe vom 14. April 2020 ersuchte der Beschwerdeführer beim SEM 

unter Berufung auf neue Beweismittel zur Vater-Kind-Beziehung um wie-

dererwägungsweise Gewährung der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz. 

Mit Verfügung vom 30. April 2020 erklärte sich das SEM für die Beurteilung 

der Vorbringen des Beschwerdeführers in der Eingabe vom 14. April 2020 

als nicht zuständig, und trat deshalb auf das Wiedererwägungsgesuch 

nicht ein. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.  

G.  

Ein vom Beschwerdeführer unter Berufung auf neue Beweismittel zur Va-

ter-Kind-Beziehung mit Eingabe vom 5. Juni 2020 eingereichtes Revisions-

gesuch betreffend das Urteil D-7455/2018 vom 16. März 2020 wies das 

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Seite 6 

Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-2964/2020 vom 15. Juni 2020 ab, 

soweit es darauf eintrat. 

H.  

Mit als Wiedererwägungsgesuch betitelter Eingabe vom 11. November 

2020 ersuchte der Beschwerdeführer beim SEM um wiedererwägungs-

weise Aufhebung der Verfügung vom 26. November 2018 und um Gewäh-

rung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungs-

vollzugs.  

Zur Begründung machte er geltend, im Asylverfahren sei ihm die geltend 

gemachte Identität und afghanische Herkunft nicht geglaubt worden. Mit 

neuen Dokumenten – den (…) Aufenthaltsbewilligungen seiner Eltern – 

könne er seine Identität und afghanische Herkunft nun aber nachweisen. 

Ein Bekannter sei am 25. Oktober 2020 von einer Reise aus dem 

F._______ in die Schweiz zurückgekehrt und habe ihm die Originale der 

(…) Aufenthaltsbewilligungen seines Vaters und seiner Mutter mitgebracht. 

Er reiche diese in Form beglaubigter Kopien (inklusive Übersetzung) ein. 

Er sei auch zur Einreichung der Originalausweise bereit, sofern das SEM 

ihm vorgängig die Rückgabe zusichere. Im Asylverfahren habe er nur Fo-

tos der damaligen (…) Aufenthaltsbewilligungen seiner Eltern und eines 

Bruders vorlegen können (Kopien erneut beiliegend), nun sei er – wie ge-

sagt – im Besitz der Originalausweise der Eltern. Diesen von der (…) Be-

hörde für (…) ausgestellten Ausweisen könne entnommen werden, dass 

sich seine Eltern als afghanische Staatsangehörige im F._______ aufhal-

ten würden. Gestützt auf diese neuen Beweismittel sei es als erwiesen res-

pektive glaubhaft zu erachten, dass er afghanischer Staatsangehöriger sei, 

und dass seine Kernfamilie im F._______ lebe, er somit im Herkunftsstaat 

über kein familiäres Netz verfüge. Auf der Grundlage dieser Beweismittel 

und unter Berücksichtigung der prekären Sicherheitslage in Afghanistan 

sei der Vollzug der Wegweisung nunmehr als unzumutbar zu qualifizieren. 

Ohne familiäre oder andere Unterstützung vor Ort sei im Falle einer Rück-

kehr nach Afghanistan weder sein Existenzminimum noch seine Wohnsitu-

ation gesichert. 

I.  

Mit Verfügung vom 25. November 2020 trat das SEM auf das Wiedererwä-

gungsgesuch nicht ein.  

Es erachtete sich als funktionell nicht zuständig für die Prüfung der neu 

vorgelegten Beweismittel. Diese würden auf die Neubeurteilung eines 

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Seite 7 

Sachverhalts abzielen, mit dem sich das Bundesverwaltungsgericht bereits 

materiell auseinandergesetzt habe, weshalb sie im Rahmen eines allfälli-

gen Revisionsgesuchs durch das Gericht zu behandeln wären. 

J.  

Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 3. Dezember 2020 

beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er ersuchte um Aufhebung 

der Verfügung vom 25. November 2020 und um Anweisung an das SEM, 

auf das Wiedererwägungsgesuch einzutreten.  

Er machte geltend, es sei angesichts der (…) Gültigkeit (…) Aufenthaltsge-

nehmigungen für afghanische Geflüchtete davon auszugehen, dass die 

Ausweise seiner Eltern, die bis zum (…) gültig seien, im (…) und somit erst 

nach Erlass des Beschwerdeurteils vom 16. März 2020 ausgestellt worden 

seien. Sie seien daher nicht in einem Revisionsverfahren vom Bundesver-

waltungsgericht, sondern im Rahmen eines Wiedererwägungsverfahrens 

vom SEM materiell zu prüfen. 

K.  

Mit Urteil D-6106/2020 vom 16. Januar 2021 hiess das Bundesverwal-

tungsgericht die Beschwerde vom 3. Dezember 2020 gut, soweit die Auf-

hebung der vorinstanzlichen Verfügung beantragt wurde. Es hob die Ver-

fügung vom 25. November 2020 auf und wies die Sache zur Neubeurtei-

lung an das SEM zurück.  

Das Gericht hielt fest, dass nachträglich, also nach Abschluss des ordentli-

chen Verfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht entstandene Beweis-

mittel, welche vorbestehende Tatsachen belegen sollen und erheblich 

seien, nicht revisionsrechtlich durch das Gericht, sondern allenfalls wieder-

erwägungsweise durch die Vorinstanz entgegenzunehmen und zu prüfen 

seien (vgl. BVGE 2013/22 E. 3-13). Aufgrund der Aktenlage könne davon 

ausgegangen werden, dass die dem Gesuch des Beschwerdeführers um 

Gewährung der vorläufigen Aufnahme vom 11. November 2020 zugrunde-

liegenden Beweismittel ([…] Aufenthaltsbewilligungen der Eltern mit Gül-

tigkeit bis zum […]) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erst nach Ab-

schluss des Beschwerdeverfahrens D-7455/2018 (Urteil vom 16. März 

2020) entstanden seien, womit sie einem Revisionsverfahren nicht zu-

gänglich seien. Das SEM habe damit seine funktionelle Zuständigkeit zur 

Beurteilung der besagten Beweismittel, welche die vorbestandene Tatsa-

che der afghanischen Herkunft des Beschwerdeführers belegen sollten, zu 

Unrecht verneint. 

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Seite 8 

L.  

Auf das vom Beschwerdeführer gestützt auf die besagten (…) Aufenthalts-

bewilligungen der Eltern am 3. Dezember 2020 – parallel zur gleichentags 

eingereichten Beschwerde gegen den Nichteintretensentscheid des SEM 

vom 25. November 2020 – beim Bundesverwaltungsgericht eingereichte 

Revisionsgesuch betreffend das Urteil D-7455/2018 vom 16. März 2020 

trat das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-6145/2020 vom 26. Januar 

2021 nicht ein. 

M.  

Mit Verfügung vom 11. Februar 2021 – eröffnet am 12. Februar 2021 – wies 

das SEM das Wiedererwägungsgesuch des Beschwerdeführers vom 

11. November 2020 ab. Es erklärte die Verfügung vom 26. November 2018 

für rechtskräftig und vollstreckbar, wies das Gesuch um Erlass der Verfah-

renskosten ab, erhob eine Gebühr von Fr. 600.– und stellte fest, dass einer 

allfälligen Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme.  

Zur Begründung führte es an, das SEM und das Bundesverwaltungsgericht 

seien in den bisherigen Entscheiden zum Schluss gelangt, dass die vom 

Beschwerdeführer behauptete afghanische Herkunft und dessen Aufent-

haltsorte vor der Einreise in die Schweiz nicht glaubhaft nachgewiesen 

seien. Daran vermöchten die neu eingereichten Beweismittel nichts zu än-

dern. Der Beschwerdeführer habe bis dato keine afghanischen Identitäts-

papiere beigebracht, die seine Identität sowie seinen Geburts- und Aufent-

haltsort in Afghanistan glaubhaft nachweisen würden. Die im Asylentscheid 

vom 26. November 2018 festgestellten Widersprüche und Ungereimtheiten 

in den Angaben des Beschwerdeführers zu seiner Identität und Herkunft 

würden sich durch die nachgereichten (…) Aufenthaltsbewilligungen der 

Eltern nicht plausibel erklären lassen. Ferner handle es sich bei den (…) 

Aufenthaltsbewilligungen, welche die Angehörigen als afghanische Staats-

angehörige ausweisen würden, nicht um von den afghanischen Behörden 

ausgestellte Ausweise. Zudem würden sich diese Dokumente nicht auf den 

Beschwerdeführer persönlich beziehen. Sie seien daher nicht geeignet, 

glaubhafte Angaben zu der Staatsangehörigkeit, der Herkunft und den Auf-

enthaltsorten des Beschwerdeführers vor der Einreise in die Schweiz zu 

machen. Des Weiteren könnten solche Schriftstücke im F._______ leicht 

käuflich erworben und verfälscht werden. Die Dokumente seien daher nicht 

geeignet, die vom Beschwerdeführer vorgetragene Identität und Herkunft, 

die von den Schweizer Asylbehörden bereits mehrfach als unglaubhaft er-

wogen worden sei, nachträglich glaubhaft zu machen. Im Übrigen würde 

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die afghanische Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers selbst bei hy-

pothetischer Wahrunterstellung allein nicht bereits zur Annahme der Un-

durchführbarkeit respektive Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 

führen. Es sei nicht Sache der Asylbehörden, nach allfälligen Wegwei-

sungshindernissen zu forschen, wenn keine konkreten Hinweise auf solche 

vorliegen würden. Dabei trage nach der Bestimmung von Art. 8 ZGB 

(SR 210) die asylsuchende Person die Beweislast und damit die Folgen 

der Beweislosigkeit. Ein Wegweisungsverfahren könne nicht sinnvoll ge-

führt werden, wenn die asylsuchende Person die Herkunft und ihre Lebens-

umstände verschweige oder verschleiere. Wie bereits in den vorhergehen-

den Entscheiden ausgeführt, würden die lokale Herkunft, der letzte Woh-

nort und die persönlichen Verhältnisse des Beschwerdeführers nicht fest-

stehen, weshalb dessen Einwand, ein Vollzug der Wegweisung nach Af-

ghanistan sei unter Berücksichtigung der neu eingereichten Dokumente 

nunmehr als unzumutbar zu erachten, nicht zu greifen vermöge. Es lägen 

insgesamt betrachtet keine Gründe vor, welche die Rechtskraft der Verfü-

gung vom 26. November 2018 beseitigen könnten. 

N.  

Mit Eingabe vom 15. März 2021 erhob der Beschwerdeführer durch die 

rubrizierte Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde, 

worin um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung vom 11. Februar 2021 

und um Gewährung der vorläufigen Aufnahme, eventualiter um Rückwei-

sung der Sache an das SEM zwecks ergänzender Sachverhaltsabklärung 

und Neubeurteilung ersucht wurde. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde 

zudem – unter Verweis auf eine Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung vom 

8. Dezember 2020 – um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

und Rechtsverbeiständung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses ersucht. Des Weiteren wurde beantragt, der Beschwerde 

die aufschiebende Wirkung zu erteilen.  

Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, im Asylverfahrens seien 

seine Identität und Herkunft als ungenügend belegt betrachtet worden, 

weshalb die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Afghanistan 

bisher nicht geprüft worden sei. Gestützt auf die neu eingereichten beglau-

bigten Kopien der (…) Ausländerausweise seiner Eltern sei dies nun nach-

zuholen. Den Vorhalt des SEM, er habe seine Identität verheimlichen wol-

len oder gar gezielt Hinweise auf seine Herkunft vorenthalten, weise er zu-

rück. Er habe nie über einen Pass oder andere afghanische Identitätsur-

kunden verfügt, die er hätte einreichen können. Das einzige Ausweisdoku-

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Seite 10 

ment, das ihm einmal ausgestellt worden sei, sei die (…) Aufenthaltsbewil-

ligung. Diese habe er von seiner Familie bisher aber nicht erhalten. Auf 

wiederholte Nachfrage hin hätten ihm seine Eltern und ein Bruder nach 

dem ersten negativen Asylentscheid zwar Fotos ihrer Ausweise geschickt, 

nicht aber seiner eigenen, mittlerweile abgelaufenen Bewilligung. Es treffe 

nicht zu, dass er unwahre Angaben zu seiner Herkunft gemacht habe oder 

die Schweizer Asylbehörden gar hätte täuschen wollen. Zutreffend sei nur, 

dass er keine Identitätsdokumente habe einreichen können. In den Akten 

des ordentlichen Asylverfahrens seien aber Kopien des Ehescheins und 

der Geburtsmitteilung seiner Tochter (Foto/Kopie beiliegend, mit hand-

schriftlicher Übersetzung). Die Angaben in der Heiratsurkunde zu seinem 

Geburtsort und dem Geburtsort seiner Ex-Frau sowie zum Namen seines 

Vaters würden mit seinen Aussagen in der BzP übereinstimmen. Seine Ex-

Frau sei gestützt auf die Heiratsdokumente mit der Tochter vorläufig in der 

Schweiz aufgenommen worden, weshalb die Echtheit dieser Dokumente 

vom SEM nicht grundsätzlich angezweifelt worden sein könne. Den nun 

neu vorgelegten beglaubigten Kopien der Aufenthaltsbewilligungen seiner 

Eltern im F._______ könne entnommen werden, dass seine Eltern afgha-

nische Staatsangehörige seien und im F._______ leben würden. Die Bei-

bringung dieser Beweismittel sei ihm aus entschuldbaren Gründen nicht 

früher möglich gewesen. Es sei nachvollziehbar, dass seine Angehörigen 

zunächst nicht bereit gewesen seien, ihre Originalausweise zur Verfügung 

zu stellen. Erst nach wiederholter Verdeutlichung der Dringlichkeit hätten 

sich seine Eltern zur vorübergehenden Aushändigung einverstanden er-

klärt. Dies sei für sie mit einem nicht unwesentlichen Risiko verbunden ge-

wesen, da sie ihre Ausweise in dieser Zeit bei allfälligen Kontrollen im 

F._______ nicht hätten vorweisen können. Um die rechtzeitige Erneuerung 

der Ausweise nicht zu gefährden, habe die Rechtsvertreterin ihm die Origi-

nalausweise mittlerweile zur Rückgabe an seine Eltern wieder ausgehän-

digt. Der Einwand, dass die eingereichten Dokumente im F._______ leicht 

käuflich erworben sowie verfälscht werden könnten, sei zurückzuweisen, 

habe die Vorinstanz die angebotene Aushändigung der Originalausweise 

zur Echtheitsprüfung doch nicht einmal erwogen. Den mangelnden Willen 

der Vorinstanz, den Fall ernsthaft zu prüfen, zeige sich auch an der raschen 

Entscheidfällung nach der Rückweisung vom 26. Januar 2021 und der Tat-

sache, dass das SEM behaupte, es sei auch eine beglaubigte Kopie des 

Ausweises des Bruders eingereicht worden, was nicht zutreffe. Der Bruder 

sei anders als die Eltern nicht bereit gewesen, seinen Originalausweis zur 

Verfügung zu stellen. Auch wenn dies kein schwerwiegender Verfahrens-

mangel sei, zeuge dieser Umstand doch von einem behördlichen Desinte-

resse. Nachdem die Originalausweise der Eltern wieder retourniert worden 

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Seite 11 

seien, werde im Sinne eines Beweisantrags um Vornahme einer Echtheits-

prüfung in Zusammenarbeit mit der Schweizer Botschaft in K._______ er-

sucht. Seine Eltern seien bereit, persönlich bei der Botschaft vorzuspre-

chen und die Originalausweise dort untersuchen zu lassen. Auch wenn 

sich die besagten Ausweise nicht auf ihn beziehen würden, sei es nicht 

plausibel anzunehmen, dass er über eine andere Staatsangehörigkeit als 

seine Eltern verfügen würde. Selbst wenn an der Einschätzung festgehal-

ten werden sollte, dass seine Angaben zur Flucht aus Afghanistan in den 

F._______ widersprüchlich und damit unglaubhaft seien, könnten nun mit 

den (…) Aufenthaltsbewilligungen der Eltern sowohl die afghanische 

Staatsangehörigkeit als auch der Aufenthalt der Familie im F._______ un-

termauert werden, und die Prüfung der Zumutbarkeit des Wegweisungs-

vollzugs nach Afghanistan sei nunmehr vorzunehmen. Nachdem mit den 

neuen Beweismitteln nachgewiesen worden sei, dass seine Angehörigen 

nach wie vor im F._______ leben würden, sei auch belegt, dass er im Her-

kunftsstaat über kein familiäres Netz verfüge. Unter den gegebenen Bedin-

gungen und unter Berücksichtigung der nach wie vor prekären Sicherheits-

lage in Afghanistan sei eine Wegweisung als unzumutbar zu erachten. Bei 

einer Rückkehr nach Afghanistan sei ohne familiäre oder andere Unterstüt-

zung vor Ort weder sein Existenzminimum noch seine Wohnsituation gesi-

chert. Folglich würden keine begünstigenden Umstände vorliegen, wobei 

die Massgeblichkeit solcher Umstände ohnehin bisher nur für die Städte 

Kabul, Herat und Mazar-i-Sharif anerkannt worden sei. Da er nicht aus ei-

ner dieser Städte stamme, würden die genannten Kriterien vorliegend gar 

nicht zur Anwendung gelangen. Dass eine Wegweisung in seine Herkunfts-

region generell als unzumutbar zu erachten sei, habe das SEM in seinem 

Entscheid vom 26. November 2018 bereits festgehalten. Sollte das Gericht 

der Ansicht sein, die Dokumentenprüfung sei nicht auf Beschwerdeebene 

abzuschliessen, werde eventualiter um Rückweisung der Sache ersucht, 

verbunden mit der Anweisung an das SEM, die Prüfung der Echtheit der 

Ausweise in Zusammenarbeit mit der Schweizer Botschaft in K._______ 

vornehmen zu lassen, und danach unter Einbezug der diesbezüglichen Er-

kenntnisse neu über das Wiedererwägungsgesuch zu entscheiden.  

O.  

Am 17. März 2021 verfügte die Instruktionsrichterin die einstweilige Aus-

setzung des Vollzugs der Wegweisung. 

P.  

Mit Zwischenverfügung vom 24. März 2021 erteilte die Instruktionsrichterin 

der Beschwerde die aufschiebende Wirkung. Das Gesuch um Gewährung 

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Seite 12 

der unentgeltlichen Prozessführung hiess sie gut, dasjenige um Gewäh-

rung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung wies sie ab. Des Weiteren 

lud sie die Vorinstanz zur Vernehmlassung zur Beschwerde ein.  

Q.  

In seiner Vernehmlassung vom 6. April 2021 beantragte das SEM die Ab-

weisung der Beschwerde. Es hielt an seinem bisherigen Standpunkt fest 

und führte zudem aus, eine Echtheitsprüfung der Aufenthaltsbewilligungen 

der Eltern durch die Schweizer Botschaft im F._______ erübrige sich, da 

diese Dokumente – selbst bei Wahrunterstellung der Echtheit – keine 

glaubhaften Hinweise auf den tatsächlichen Geburtsort des Beschwerde-

führers, den Ort beziehungsweise die Orte seiner Sozialisation und seine 

Aufenthaltsorte seit der Geburt bis zu seiner Einreise in die Schweiz liefern 

würden. Aus der vorläufigen Aufnahme seiner Ex-Frau und der Tochter 

könne der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten herleiten. Das SEM 

halte an seiner Schlussfolgerung fest, wonach bei erheblichen Mitwir-

kungspflichtverletzungen praxisgemäss davon auszugehen sei, dass einer 

Wegweisung keine Vollzugshindernisse im gesetzlichen Sinne entgegen-

stehen würden. Dies gelte für die Zulässigkeit, die Zumutbarkeit und die 

Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs gleichermassen. 

R.  

Am 14. April 2021 stellte die Instruktionsrichterin dem Beschwerdeführer 

die Vernehmlassung zur Kenntnisnahme zu und räumte ihm Gelegenheit 

ein, bis zum 29. April 2021 eine Replik einzureichen.  

S.  

In seiner Replik vom 29. April 2021 wies der Beschwerdeführer den Vor-

halt, er habe seine Identität im bisherigen Verfahren verschleiert und damit 

seine Mitwirkungspflicht verletzt, erneut zurück. Er habe die ihm gestellten 

Fragen stets nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet und die ver-

fügbaren Unterlagen eingereicht. Des Weiteren äusserte er sich zu ihm im 

ordentlichen Asylverfahren vorgehaltenen Unregelmässigkeit in seinen An-

gaben. Zwar seien seine Aussagen bereits im ordentlichen Beschwerde-

verfahren berücksichtigt worden, jedoch habe das Bundesverwaltungsge-

richt hinsichtlich der damals eingereichten Kopien der (…) Ausländeraus-

weise der Eltern nicht ausgeführt, dass diese inhaltlich irrelevant seien, 

sondern nur, dass die Authentizität der Ausweise allein gestützt auf Kopien 

nicht beurteilt werden könne. Auch wenn sich die neu eingereichten Origi-

nalausweise nicht auf ihn selbst beziehen würden, würden die Ausweise 

D-1178/2021 

Seite 13 

der Eltern doch zum Beleg zentraler Elemente der geltend gemachten Bi-

ografie dienen, würden doch mit diesen die afghanische Staatsangehörig-

keit und der Aufenthalt seiner Familie im F._______ untermauert.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-

gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). 

1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-

rung legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 

VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-

treten (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 

Abs. 1 VwVG). 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-

regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM 

innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrunds schriftlich 

und begründet einzureichen; im Übrigen richtet sich das Verfahren nach 

den revisionsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66-68 VWVG (Art. 111b 

Abs. 1 AsylG).  

3.2 In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwä-

gungsgesuch die Anpassung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an 

eine nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl. 

BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuändernde Verfügung unange-

fochten blieb – oder ein eingeleitetes Beschwerdeverfahren mit einem 

blossen Prozessentscheid abgeschlossen wurde – können auch Revisi-

onsgründe einen Anspruch auf Wiedererwägung begründen (vgl. zum so-

genannten „qualifizierten Wiedererwägungsgesuch“ BVGE 2013/22 E. 5.4 

m.w.H.). Darüber hinaus sind Revisionsgründe, welche sich auf Tatsachen 

D-1178/2021 

Seite 14 

und Beweismittel abstützen, die erst nach Abschluss eines Beschwerde-

verfahrens entstanden sind, stets unter dem Titel der Wiedererwägung bei 

der Vorinstanz einzubringen (vgl. Art. 45 VGG i.V.m. Art. 123 Abs. 2 Bst. a 

[letzter Satz] BGG; BVGE 2013/22). Nach Art. 66 Abs. 2 VwVG liegen Re-

visionsgründe unter anderem dann vor, wenn eine Partei neue erhebliche 

Tatsachen oder Beweismittel vorbringt (Bst. a). Neue Beweismittel im 

Sinne von Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG müssen entweder den Beweis für 

neue erhebliche Tatsachen oder den Beweis für Tatsachen erbringen kön-

nen, deren Existenz oder Eigenschaften im Beschwerdeverfahren respek-

tive im Asylverfahren vor dem SEM zum Nachteil der beschwerdeführen-

den Person unbewiesen geblieben sind. 

3.3 Die Wiedererwägung ist nicht beliebig zulässig. Sie darf insbesondere 

nicht dazu dienen, die Rechtskraft von Verwaltungsentscheiden immer wie-

der infrage zu stellen oder die Fristen für die Ergreifung von Rechtsmitteln 

zu umgehen (vgl. BGE 136 II 177 E. 2.1). Gründe, die bereits im Zeitpunkt 

des ordentlichen Beschwerdeverfahren bestanden haben, können nicht als 

Wiedererwägungsgründe vorgebracht werden (Art. 66 Abs. 3 VwVG). 

3.4 Das SEM hat den Antrag des Beschwerdeführers vom 11. November 

2020 um wiedererwägungsweise Feststellung der Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs und um Gewährung der vorläufigen Aufnahme in 

der angefochtenen Verfügung beurteilt. Im vorliegenden Beschwerdever-

fahren ist zu prüfen, ob das SEM zu Recht davon ausgegangen ist, dass 

die neuen Vorbringen und Beweismittel des Beschwerdeführers nicht ge-

eignet sind, die Rechtskraft der Verfügung vom 26. November 2018 zu be-

seitigen. Für die Beurteilung der Durchführbarkeit des Wegweisungsvoll-

zugs ist praxisgemäss der sich im Urteilszeitpunkt präsentierende Sach-

verhalt massgebend. 

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer begründet sein (zweites) Gesuch um wiederer-

wägungsweise Gewährung der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz mit 

der Vorlage von Aufenthaltsdokumenten, welche seinen Eltern im 

F._______ ausgestellt worden seien und die diese als afghanische Staats-

angehörige ausweisen würden. Des Weiteren beruft er sich auf das Fehlen 

eines Beziehungsnetzes in Afghanistan und auf die dortige schlechte Si-

cherheitslage.  

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft und seine 

Herkunft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Die asylsuchende 

D-1178/2021 

Seite 15 

Person trägt die Substanziierungslast (Art. 7 AsylG). Der in Art. 12 VwVG 

statuierte Untersuchungsgrundsatz, wonach die Behörde den Sachverhalt 

von Amtes wegen feststellt, findet seine Grenze an der Mitwirkungspflicht 

der asylsuchenden Person (Art. 8 AsylG). Dazu gehört insbesondere die 

Pflicht zur Offenlegung der Identität und Beibringung eines Identitätsnach-

weises (vgl. BVGE 2011/28 E. 3.4). Die Staatsangehörigkeit fällt als Be-

griffselement der Identität im Sinne von Art. 1a Bst. a der Asylverordnung 1 

vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) unter diese Offenlegungs-

pflicht. Sie muss in jedem Asylverfahren erstellt werden. Dies ergibt sich 

einerseits aus der systematischen Stellung von Art. 8 AsylG und anderer-

seits aus dem Zweck des Asylverfahrens, das der Ermittlung von Verfol-

gung beziehungsweise von Wegweisungshindernissen mit Bezug auf ei-

nen konkreten Heimatstaat dient. Ein Asylverfahren kann nicht sinnvoll ge-

führt werden, wenn die asylsuchende Person ihre Staatsangehörigkeit 

nicht offenlegt; beziehungsweise durch die Verheimlichung und Verschlei-

erung der wahren Herkunft wird auch die Prüfung der Flüchtlingseigen-

schaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland ver-

unmöglicht (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.9 und 6). Dabei trägt nach der Bestim-

mung von Art. 8 ZGB, die als allgemeiner Rechtsgrundsatz auch im öffent-

lichen Recht Anwendung findet, die asylsuchende Person die Beweislast 

und damit die Folgen der Beweislosigkeit. 

4.3 Wie in E. 4.2 dargelegt, kommt der Frage der Verlässlichkeit der Her-

kunftsangaben der asylsuchenden Person wesentliche Bedeutung zu. Der 

Beschwerdeführer hat im ordentlichen Asylverfahren keinen rechtsgenüg-

lichen Identitätsnachweis beigebracht und er vermochte die geltend ge-

machte Herkunft und seinen Lebenslauf nicht glaubhaft zu machen. Seine 

Identität und Herkunft sowie die persönlichen Verhältnisse stehen nicht 

fest. 

4.4 Nach Abschluss des Asylverfahrens liegt es am Beschwerdeführer, die 

behauptete Identität zu belegen. Das SEM hatte im vorliegenden Wieder-

erwägungsverfahren nur zu prüfen, ob die mit dem Wiedererwägungsge-

such eingereichten Beweismittel geeignet sind, die bisher nicht festste-

hende Identität und Herkunft des Beschwerdeführers zu belegen. Dieser 

Pflicht ist die Vorinstanz nachgekommen. Die Rüge des Beschwerdefüh-

rers, das SEM hätte die angebotenen Originalausweise der Eltern einer 

Echtheitsprüfung unterziehen müssen, vermag keine mangelhafte Sach-

verhaltserstellung respektive eine Verletzung des rechtlichen Gehörs des 

Beschwerdeführers seitens der Vorinstanz zu begründen. Das SEM hat die 

D-1178/2021 

Seite 16 

Echtheit der vom Beschwerdeführer in Form beglaubigter Kopien einge-

reichten Aufenthaltsbewilligungen der Eltern nicht grundsätzlich in Frage 

gestellt, sondern diese – unabhängig von der Frage der Authentizität – in-

haltlich auf ihre Erheblichkeit hin geprüft und gewürdigt. Es besteht damit 

keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen 

aufzuheben und die Sache an das SEM zurückzuweisen. Der entspre-

chende Rückweisungsantrag ist abzuweisen. Der Einschätzung des SEM, 

wonach die neu vorgelegten (…) Aufenthaltsbewilligungen der Eltern nicht 

geeignet seien, die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Identität und 

Herkunft respektive den vorgetragenen Lebenslauf nachzuweisen, ist zu-

zustimmen. Das Verwandtschaftsverhältnis zwischen dem Beschwerde-

führer, der seinen Nachnamen mit "H._______" angibt, und den Eltern, wel-

che laut den (…) Aufenthaltsbewilligungen "L._______" und "M._______" 

heissen würden, ist durch keine rechtsgenüglichen Identitätsdokumente 

nachgewiesen. Zudem besagen die vorgelegten (…) Aufenthaltsbewilli-

gungen lediglich, dass die aufgeführten Personen afghanische Staatsan-

gehörige seien, im F._______ über eine bis zum (…) gültige vorläufige Auf-

enthaltsgenehmigung verfügen würden und ihren Wohnsitz in N._______ 

hätten, sagen jedoch nichts aus über den Herkunftsort der Familie und die 

Dauer ihres Aufenthalts im F._______. Die besagten Dokumente vermögen 

weder das geltend gemachte Verwandtschaftsverhältnis (Eltern-Sohn) 

noch den Geburtsort des Beschwerdeführers und dessen Aufenthaltsort 

vor der Ausreise in den F._______ respektive seine Aufenthaltsorte vor der 

Einreise in die Schweiz zu belegen. Der Schlussfolgerung des SEM, dass 

die vorgelegten Dokumente angesichts ihres Inhalts nicht geeignet seien, 

zu einer wiedererwägungsweisen Änderung der Einschätzung in Bezug auf 

die fehlende Glaubhaftigkeit der Herkunftsangaben des Beschwerdefüh-

rers zu führen, ist nicht zu beanstanden. Es besteht damit auch kein An-

lass, die Echtheit der vorgelegten Dokumente im F._______ prüfen zu las-

sen, da diese – wie ausgeführt – unabhängig von der Frage der Authenti-

zität die Identität und Herkunft des Beschwerdeführers nicht zu belegen 

vermögen. Der entsprechende Beweisantrag ist entsprechend abzuwei-

sen. Bei den dem Wiedererwägungsgesuch vom 11. November 2020 bei-

gelegten Fotokopien früherer (…) Aufenthaltsbewilligungen handelt es sich 

nicht um neue Beweismittel. Diese waren bereits Gegenstand des ordentli-

chen Beschwerdeverfahrens und es ist auf die dortigen Erwägungen zum 

fehlenden Beweiswert der besagten Dokumente zu verweisen (vgl. Urteil 

des BVGer D-7455/2018 vom 16. März 2020 E. 6.2.2). Gleiches gilt für die 

im vorliegenden Beschwerdeverfahren wiederholten Erklärungen des Be-

schwerdeführers zu den Widersprüchen in seinen Aussagen im Asylverfah-

ren, die bereits im ordentlichen Beschwerdeverfahren abgehandelt wurden 

D-1178/2021 

Seite 17 

(vgl. Urteil des BVGer D-7455/2018 vom 16. März 2020 E. 6.2.2). Doku-

mente, aus denen sich verlässliche Rückschlüsse auf die Herkunft und die 

Aufenthaltsorte des Beschwerdeführers vor der Einreise in die Schweiz er-

geben würden, liegen weiterhin nicht vor. Weder von ihm noch von seinen 

Eltern liegen afghanische Identitätsdokumente vor. Auch seine eigene (…) 

Aufenthaltsbewilligung, über die er vor der Einreise in die Schweiz verfügt 

habe, hat der Beschwerdeführer bis heute nicht eingereicht. Dies ist nur 

schwer verständlich, zumal es kaum nachvollziehbar erscheint, dass die 

Eltern, die bereit gewesen seien, ihre eigenen Originalausweise in die 

Schweiz zu übermitteln, nicht Hand geboten hätten, dem Beschwerdefüh-

rer seinen Ausweis, für den die Eltern nach seiner Ausreise aus dem 

F._______ keine Verwendung mehr gehabt haben dürften, zukommen zu 

lassen. Die Personalien (Name, Staatsangehörigkeit), unter denen der Be-

schwerdeführer im F._______ registriert gewesen sei, sind nicht bekannt. 

Schliesslich vermögen auch die Kopien einer handschriftlich ausgefüllten 

Heiratsurkunde und der Geburtsmitteilung der Tochter im F._______ die 

Identität und Herkunft des Beschwerdeführers nicht rechtsgenüglich nach-

zuweisen. 

4.5 Hinsichtlich des Einwands des Beschwerdeführers, dass es nicht plau-

sibel sei anzunehmen, dass er über eine andere Staatsangehörigkeit als 

seine Eltern, die im F._______ als afghanische Staatsbürger registriert 

seien, verfügen würde, ist anzumerken, dass selbst dann, wenn von der 

afghanischen Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers ausgegangen 

würde, dieser Umstand allein nicht zur Annahme der Undurchführbarkeit 

des Wegweisungsvollzugs zu führen vermöchte. Wie zuvor in E. 4.2 aus-

geführt, ist es nicht Sache der Asylbehörden, nach allfälligen Wegwei-

sungshindernissen zu forschen, wenn keine konkreten Hinweise auf solche 

vorliegen. Dabei trägt die asylsuchende Person die Beweislast (Art. 8 ZGB) 

und damit die Folgen der Beweislosigkeit. Ein Wegweisungsverfahren 

kann nicht sinnvoll geführt werden, wenn die asylsuchende Person die Her-

kunft und ihre Lebensumstände verschweigt oder verschleiert. Wie vorste-

hend ausgeführt, stehen die lokale Herkunft des Beschwerdeführers, sein 

letzter Wohnort in Afghanistan sowie seine Aufenthaltsorte bis zur Einreise 

in die Schweiz und seine persönlichen Verhältnisse sowie seine Verwandt-

schaftsbeziehungen in Afghanistan oder anderen Ländern nicht fest, wes-

halb sein Einwand, ein Vollzug der Wegweisung nach Afghanistan sei als 

unzumutbar zu erachten, nicht zu greifen vermag. Bezüglich des Ein-

wands, die Sicherheitslage sei in ganz Afghanistan prekär, ist auf die gel-

tende Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts hinzuweisen, wo-

nach sich der Vollzug der Wegweisung nach Afghanistan unter bestimmten 

D-1178/2021 

Seite 18 

Voraussetzungen als zumutbar erweisen kann (vgl. hierzu die als Refe-

renzurteile publizierten Urteile des BVGer D-5800/2016 vom 13. Oktober 

2017 und D-4287/2017 vom 8. Februar 2019).  

4.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die vom Beschwerdeführer 

im Wiedererwägungs- und vorliegenden Beschwerdeverfahren vorgeleg-

ten Dokumente und seine diesbezüglichen Vorbringen nicht geeignet sind, 

zu einer wiedererwägungsweisen Änderung der Einschätzung in Bezug auf 

die fehlende Glaubhaftigkeit der Herkunftsangaben des Beschwerdefüh-

rers zu führen. Das SEM hat das Wiedererwägungsgesuch vom 11. No-

vember 2020 zu Recht abgelehnt. Die Beschwerde ist abzuweisen.  

5.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm aber mit 

Zwischenverfügung vom 24. März 2021 die unentgeltliche Prozessführung 

gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, ist von der Kostenerhebung 

abzusehen, zumal nicht ersichtlich ist, dass der Beschwerdeführer nicht 

mehr bedürftig wäre. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-1178/2021 

Seite 19 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Daniela Brüschweiler Susanne Burgherr 

 

 

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