# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5293dd27-af9c-5c76-8414-6504b5196828
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-10-19
**Language:** de
**Title:** Steuerhoheit (ab 1. Januar 2010)
**Docket/Reference:** ST.2011.179
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_ST_2011_179_bg.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

2. Abteilung 

2 ST.2011.179 

Entscheid 

19. Oktober 2011 

Mitwirkend: 

Abteilungspräsident Christian Mäder, Steuerrichter Marcus Thalmann, Steuerrichter 
Alexander Widl und Gerichtsschreiberin Nadja Obreschkow 

A ,    

In Sachen 

gegen 

S t a a t   Z ü r i c h ,    

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Stadt Zürich,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Rekurrent,  

Rekursgegner,  

betreffend 

Steuerhoheit (ab 1. Januar 2010) 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 2 - 

hat sich ergeben: 

A. Der am … 1978 geborene A (nachfolgend der Rekurrent) ist ledig und seit 

Mitte … 2010 zum zweiten Mal in B als Wochenaufenthalter gemeldet, heute an der C 

…. Nach eigenen Angaben wohnt er in einer Einlieger-Eigentumswohnung im Einfami-

lienhaus seiner Eltern am D … in E, F. 

Auf  Ersuchen  des  Steueramts  der  Stadt  B 

füllte  der  Rekurrent  am  

10. Oktober 2010 den "Fragebogen zur Feststellung des steuerrechtlichen Wohnsitzes" 

aus. Am 11. November 2010 führte das Steueramt der Stadt B im selben Zusammen-

hang eine persönliche Befragung des Rekurrenten durch. 

In  Gutheissung  eines  entsprechenden  Antrags  des  kommunalen  Steueramts 

beanspruchte  das  kantonale  Steueramt  mit  Vorentscheid  vom  11.  Februar  2011  ab  

1. Januar 2010 die Steuerhoheit über den Rekurrenten für den Kanton Zürich bzw. die 

Stadt B. 

B. Auf Einsprache des Rekurrenten hin forderte das kantonale Steueramt von 

ihm  mit  Verfügung  vom  25.  März  2011  verschiedene  Auskünfte  und  Unterlagen  ein. 

Nachdem  dieser  am  17.  April  2011  Stellung  genommen  hatte,  mahnte  die Amtsstelle 

am 6. Mai 2011 die Erfüllung der Auflage und wies auf die gesetzlichen Säumnisfolgen 

hin.  Dazu  äusserte  sich  der  Rekurrent  mit  Eingabe  vom  20.  Mai  2011.  In  der  Folge 

wies das kantonale Steueramt die Einsprache am 17. Juni 2011 ab. 

C.  Mit  Rekurs  vom  14.  Juli  2011  beantragte  A  dem  Steuerrekursgericht  die 

Aufhebung  des  Einspracheentscheids.  Ausserdem  verlangte  er  eine  Parteientschädi-

gung. 

In  seiner  Rekursantwort  vom  27.  Juli  2011  schloss  das  kantonale  Steueramt 

auf Abweisung des Rechtsmittels. 

Mit  Replik  vom  30.  August/1.  September  2011  hielt  der  Rekurrent  an  seinen 

Anträgen fest. 

2 ST.2011.179 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 3 - 

Auf  die  Erwägungen  des  Einspracheentscheids  und  auf  die  Parteivorbringen 

wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Urteilsgründen zurückgekommen. 

Die Kammer zieht in Erwägung: 

1. a) Gemäss Art. 3 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der 

direkten Steuern der Kantone und Gemeinden vom 14. Dezember 1990 (StHG) sowie 

§  3  Abs.  1  des  Steuergesetzes  vom  8. Juni  1997  (StG)  sind  natürliche  Personen  im 

Kanton  Zürich  aufgrund  persönlicher  Zugehörigkeit  steuerpflichtig,  wenn  sie  ihren 

steuerrechtlichen  Wohnsitz  oder  Aufenthalt  im  Kanton  haben.  Der  steuerrechtliche 

Wohnsitz befindet sich laut Art. 3 Abs. 2 StHG und § 3 Abs. 2 StG dort, wo die Person 

sich mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält. In diesem Fall ist die Steuerpflicht 

kraft § 5 Abs. 1 StG unbeschränkt, d.h. sie erstreckt sich grundsätzlich auf das gesam-

te Einkommen und Vermögen des Rekurrenten. 

b) Aufgabe des interkantonalen Steuerrechts ist es, die Kollision  von konkur-

rierenden Besteuerungsansprüchen zweier oder mehrerer Kantone zu vermeiden. Eine 

solche Kollision besteht namentlich dann, wenn zwei Kantone die unbeschränkte Steu-

erhoheit  über  dieselbe  Person  während  der  nämlichen  Steuerperiode  beanspruchen. 

Dies kommt häufig dann vor, wenn sowohl der Arbeitsortkanton, in welchem eine na-

türliche Person während der Woche übernachtet, als auch der Kanton des zivilrechtli-

chen Wohnorts, in welchen sie am Wochenende zurückkehrt, zur unbeschränkten Be-

steuerung  schreiten.  Art.  3  StHG  enthält  eine  Regel  zur  Schlichtung  eines  solchen 

Streits.  Diese  bestimmt,  dass  sich  das  Hauptsteuerdomizil  an  jenem  Ort  befindet,  in 

welchem  sich  die  Person  mit  der  Absicht  dauernden  Verbleibens  aufhält,  wobei  der 

steuerrechtliche  Wohnsitz  dem  qualifizierten  Aufenthalt  (im  Sinn  von  Art.  3  Abs.  1 

Halbsatz 2 StHG) vorgeht (Bauer-Balmelli/Nyffenegger, in: Kommentar zum Schweize-

rischen Steuerrecht, Band I/1, 2. A., 2002, Art. 3 N 11 StHG). Dergestalt liegt eine bun-

desrechtliche Kollisionsnorm zum interkantonalen Steuerrecht vor (Höhn/Mäusli, Inter-

kantonales Steuerrecht, 4. A., 2000, S. 16 f.; a.M. Bauer-Balmelli/Nyffenegger, Art. 3 N 

15 StHG). Somit bildet Art. 3 Abs. 1 und 2 StHG die Grundlage für die Abgrenzung der 

unbeschränkten  Steuerhoheit.  Die  langjährige  bundesgerichtliche  Rechtsprechung, 

welche sich gestützt auf Art. 46 Abs. 2 der Bundesverfassung vom 29. Mai 1874 (aBV) 

2 ST.2011.179 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 4 - 

sowie später Art. 127 Abs. 3 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV) entwickelt 

hat, dient weiterhin als Auslegungshilfe. Jedoch vermag sie nur insoweit zu greifen, als 

sie nicht der erwähnten StHG-Norm widerspricht (so auch Höhn/Mäusli, S. 17). 

c) Nach Art. 68 Abs. 1 StHG (in der ab 1. Januar 2001 gültigen Fassung) be-

steht  die  Steuerpflicht  aufgrund  persönlicher  Zugehörigkeit  bei  Wechsel  des  steuer-

rechtlichen Wohnsitzes innerhalb der Schweiz für die laufende Steuerperiode im Kan-

ton, in welchem der Steuerpflichtige am Ende dieser Periode wohnt. Mithin kommt es 

für  die  Bestimmung  des  steuerrechtlichen  Wohnsitzes  im  interkantonalen  Verhältnis 

auf die tatsächlichen Umstände am Ende der jeweiligen Steuerperiode an. Für die Be-

anspruchung der Steuerhoheit ab 1. Januar 2010 sind daher die Verhältnisse am Stich-

tag des 31. Dezember 2010 massgebend. 

d)  Nach  der  massgeblichen  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  zum  Dop-

pelbesteuerungsverbot gemäss Art. 127 Abs. 3 BV bzw. Art. 46 Abs. 2 aBV steht die 

Besteuerung  des  Einkommens  und  beweglichen  Vermögens  unselbstständig  erwer-

bender Personen dem Kanton zu, in welchem sie ihren Wohnsitz haben. Unter Wohn-

sitz  ist  dabei  in  der  Regel  der  zivilrechtliche  Wohnsitz  zu  verstehen,  d.h.  der  Ort,  an 

welchem sich die Person in der Absicht dauernden Verbleibens aufhält (Art. 23 Abs. 1 

ZGB; so auch Art. 3 Abs. 2 StHG und § 3 Abs. 2 StG), wo sich der Mittelpunkt der Le-

bensinteressen  befindet  (BGr,  25.  Januar  2006,  2P.171/2005,  E.  2.2;  17.  Juni  2004, 

2P.180/2003,  E.  2.1;  7.  Januar  2004,  2P.2/2003,  E.  2.2;  BGE  123  I  289,  E.  2a,  293; 

StR 1994, 580 ff.; ASA 63, 836). Dem polizeilichen Domizil, wo die Schriften hinterlegt 

sind und die politischen Rechte ausgeübt werden, kommt dagegen keine entscheiden-

de  Bedeutung  zu.  Beides  sind  bloss  äussere  Merkmale,  die  ein  Indiz  für  den  steuer-

rechtlichen Wohnsitz bilden können, wenn auch das übrige Verhalten der Person dafür 

spricht (BGE 125 I 54 E. 2; StE 1998 A 24.21 Nr. 11 E. 2a, mit Hinweisen). 

e)  Hält  sich  eine  Person  abwechslungsweise  an  zwei  oder  mehreren  Orten 

auf,  namentlich  wenn  Arbeits-  und  sonstiger  Aufenthaltsort  auseinander  fallen,  ist  für 

die Bestimmung des Steuerwohnsitzes darauf abzustellen, zu welchem Ort die Person 

die  stärkeren  Beziehungen  unterhält  (BGE  125  I  54,  E.  2).  Der  Lebensmittelpunkt  

bestimmt sich dabei nach der Gesamtheit der äusseren Umstände, aus denen sich die 

Lebensinteressen erkennen lassen, und nicht bloss nach den erklärten Wünschen der 

steuerpflichtigen Person (BGE 125 I 54, E. 2; 123 I 289, E. 2b). Auf die gefühlsmässige 

Bevorzugung eines Ortes kommt es nicht an; der steuerliche Wohnsitz ist nicht unge-

2 ST.2011.179 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 5 - 

achtet der tatsächlichen Verhältnisse frei wählbar (BGE 123 I 289, E. 2b; 113 Ia 465,  

E.  3).  Die  Frage,  zu  welchem  Aufenthaltsort  der  Steuerpflichtige  die  stärkeren  Bezie-

hungen unterhält, ist jeweils aufgrund der Gesamtheit der Umstände des Einzelfalls zu 

beurteilen (BGr, 7. Januar 2004, 2P.2/2003, E. 2.2; StE 1998 A 24.21 Nr. 11 E. 2b, mit 

Hinweisen). Bei der Bestimmung des Steuerdomizils kann neben den Verhältnissen in 

der Bemessungsperiode auf die weiteren, bis zum letztinstanzlichen Entscheid einge-

tretenen Entwicklungen abgestellt werden (BGr, 1. Oktober 1996, 2P.242/1994, E. 1b). 

f) Bei unverheirateten Steuerpflichtigen, die unselbstständig erwerbstätig sind, 

liegt das Steuerdomizil gewöhnlich am Arbeitsort, genauer am Ort, von wo aus sie für 

längere  oder  unbestimmte  Zeit  der  täglichen  Erwerbstätigkeit  nachgehen  (BGr, 

20. Januar 1994 = StE 1994 A 24.21 Nr. 7 = ASA 63, 836; BGE 125 I 54 E. 2b, auch 

zum Folgenden; neuestens BGr, 6. Dezember 2010, 2C_397/2010 = ZStP 2011, 134 = 

StE A 24.21 Nr. 22). Denn der Zweck des Erwerbs für den Lebensunterhalt ist dauern-

der  Natur.  Eine  Ausnahme  besteht  dann,  wenn  sie  regelmässig  an  den  Familienort 

zurückkehren und ihre persönlichen und gesellschaftlichen Beziehungen zum Familie-

nort  diejenigen  zum  Arbeitsort  klar  überwiegen.  Das  Bundesgericht  nimmt  dabei  an, 

dass die beruflichen Interessen nicht über die affektiven Beziehungen gestellt werden 

dürfen.  Daran  vermöge,  so  das  Gericht,  der  Umstand,  dass  eine  Person  ledig  sei, 

nichts zu ändern. Als Familienort gilt auch der Wohnort der elterlichen Familie und der 

Geschwister  (BGr,  28.  April  2005,  2P.260/2004).  Die  Kontakte  müssen  sich  aber  auf 

einen bestimmten Ort beziehen; es genügt nicht, dass die Beziehungen zu einer gan-

zen  Region  bestehen,  mit  der  sich  der  Steuerpflichtige  verbunden  fühlt  (StRK  II,  8. 

September 2004, 2 ST.2004.381). Werden am Wochenende und in der Freizeit Bezie-

hungen  zu  mehreren  Orten  gepflegt,  ist  eher  anzunehmen,  dass  der  Wochenaufent-

haltsort der Lebensmittelpunkt und damit der steuerrechtliche Wohnsitz ist. 

g)  Generell  ist  gemäss  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  nur  mit  Zu-

rückhaltung  anzunehmen,  die  Beziehungen  zum  Familien-  bzw.  Wochenendaufent-

haltsort seien stärker als diejenigen zum Arbeitsort. Sinn und Zweck der direkten Steu-

ern  ist  es,  die  allgemeinen  Leistungen  abzugelten,  die  das  Gemeinwesen  für  seine 

Mitglieder erbringt. Der ledige Steuerpflichtige ohne Familie beansprucht die öffentliche 

Infrastruktur und die Leistungen des Gemeinwesens stärker am Ort, an dem er seiner 

Erwerbstätigkeit nachgeht und sich demzufolge mehrheitlich aufhält, als am Ort, wo er 

seine Freizeit verbringt. 

2 ST.2011.179 

 
 
 
 
 
 
 
 
- 6 - 

Dementsprechend sind bei ledigen Steuerpflichtigen auch die weiteren Erfor-

dernisse für einen Wohnsitz am Ort, wo sie die Wochenenden verbringen, namentlich 

hinsichtlich  der  regelmässigen  Rückkehr,  besonders  streng  zu  handhaben  (BGr, 

25. Januar  2006,  2P.171/2005,  E.  2.2,  auch  zum  Folgenden).  Von  ganz  besonderem 

Gewicht sind die Dauer der Anstellung am Arbeitsort und das Alter des Steuerpflichti-

gen. Mit Berücksichtigung der Dauer des Aufenthalts am Arbeitsort trägt das Bundes-

gericht  dem  Umstand  Rechnung,  dass  sich  mit  dessen  zunehmender  Dauer  die  Bin-

dungen zur Familie erfahrungsgemäss lockern, während sich diejenigen zum Arbeitsort 

verdichten (BGr, 26. Januar 1994 = StE 1994 A 24.21 Nr. 7 = ASA 63, 836, auch zum 

Folgenden).  Die  ständige  regelmässige Rückkehr  an  den elterlichen Wohnort  vermag 

deshalb  nach  einer  gewissen  Dauer  des  Aufenthalts  am  Arbeitsort  das  Steuerdomizil 

am  Ort  der  Familie  nicht  mehr  ohne  weiteres  zu  begründen,  wenn  nicht  weitere  Um-

stände schlüssig darauf hinweisen, dass die Beziehungen zum Familienort diejenigen 

zum Arbeitsort überwiegen.  

h)  Die  Umstände,  welche  die  unbeschränkte  Steuerhoheit  über  eine  Person 

begründen, stellen eine steuerbegründende Tatsache dar und müssen daher vom ent-

sprechenden  Gemeinwesen  bzw.  von  der  zuständigen  Steuerbehörde  bewiesen  wer-

den (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Kommentar  zum  harmonisierten  Zürcher  Steuer-

gesetz, 2. A., 2006, § 3 N 83). 

Bei  unverheirateten,  unselbstständig  Erwerbstätigen  besteht  indessen  nach 

der  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  eine  besondere  Beweislastregel:  Der  Um-

stand, dass der unverheiratete Steuerpflichtige am Ort, wo er sich während der Woche 

aufhält, eine unselbstständige Erwerbstätigkeit ausübt, begründet nach der Rechtspre-

chung die natürliche Vermutung, dass der Steuerpflichtige dort sein Steuerdomizil hat. 

Diese  Vermutung  lässt  sich nur  entkräften,  wenn er  regelmässig, mindestens  ein Mal 

pro Woche oder zumindest (bei unregelmässiger Arbeitszeit) an den arbeitsfreien Ta-

gen,  an  den  Ort  zurückkehrt,  wo  seine  Familie  lebt,  mit  welcher  er  aus  bestimmten 

Gründen besonders eng verbunden ist, und wo er andere persönliche und gesellschaft-

liche Beziehungen pflegt (BGr, 28. April 2005, 2P.260/2004; BGE 125 I 54, E. 3a; Peter 

Locher,  Die  Praxis  der  Bundessteuern,  III.  Teil:  Das  interkantonale  Doppelbesteue-

rungsrecht, § 3, I B, 2b Nrn. 32 und 27; Martin Arnold, Der steuerrechtliche Wohnsitz 

natürlicher  Personen  im interkantonalen  Verhältnis  nach der  neueren  bundesgerichtli-

chen Rechtsprechung, ASA 68, 462 ff.). Die Anforderungen an die Überzeugungskraft 

der für  die Kontakte zum Wochenendort geltend  gemachten  Umstände  werden dabei 

2 ST.2011.179 

 
 
 
 
 
 
 
 
- 7 - 

mit  zunehmender  Dauer  des  Aufenthalts  am  Arbeitsort  höher,  geht  doch  mit  zuneh-

mender Dauer des Wochenaufenthalts regelmässig eine Lockerung der Bindungen zur 

elterlichen Familie einher (StE 1994 A 24.21 Nr. 7 E. 3b). 

2.  a)  Die  Befragung  des  Rekurrenten  durch  das  Steueramt  der  Stadt  B  vom 

11. November 2011 ergab Folgendes: Der damals knapp 33-jährige Rekurrent war von 

September 2006 bis September 2009 sowie ab … 2010 als Wochenaufenthalter in der 

Stadt  B  gemeldet.  In  der  Zwischenzeit  hielt  er  sich  zu  Studienzwecken  in  G  auf.  Er 

wohnt allein in einer Dreizimmerwohnung an der C …, B; früher belegte er eine Zwei-

einhalbzimmerwohnung an der H …, B. Einen Telefonanschluss habe er nicht. Seit Mai 

2006 arbeitet er als I bei der J SA in B. Nach eigenen Angaben unterhält er in B wenig 

Kontakt zu Studienkollegen; seine Freizeit verbringe er in der Wohnung. Die Geschwis-

ter lebten in B. Er habe keine feste Partnerbeziehung und gehöre keinem Verein an. Im 

Elternhaus in E belege er eine Einlieger-Eigentumswohnung mit zwei Zimmern, wofür 

er einen Unkostenbeitrag bezahle. Die Wochenenden verbringe er allesamt im Eltern-

haus;  die  Freizeitaktivitäten  bestünden  aus  Lesen,  Arbeiten  am  Computer,  Ausgang 

und  Sport.  Neben  seinen  Eltern  könnten  verschiedene  Dienstleister  in  F  über  seinen 

Aufenthalt  Auskunft  erteilen.  Der  Wochenaufenthalt  in  B  sei  durch  die  Arbeit  bedingt 

und diene der Bequemlichkeit; er beabsichtige nicht, sich in B anzumelden. 

b)  Im  Einspracheentscheid  erwog  das  kantonale  Steueramt,  dass  das  Alter 

des ledigen Rekurrenten, die Wohnsituation in B sowie das langjährige Arbeitsverhält-

nis  für  die  Steuerpflicht  im  Kanton  Zürich  sprächen.  Die  zugunsten  des  Arbeitsorts 

sprechende natürliche Domizilvermutung habe der Rekurrent nicht entkräftet. Weder in 

der  Einsprache  noch  im  Anschluss  an  die  Akteneinforderung  und  Mahnung  habe  er 

eine  substanziierte  Sachdarstellung  abgegeben;  ebenso  wenig  habe  er  Beweismittel 

und Indizien für den Wochenendaufenthaltsort eingereicht. Es gehe nicht an, dass der 

Rekurrent  lediglich  eines  von  mehreren  einverlangten  Beweismitteln  unter  der  Bedin-

gung angeboten habe, dass die Steuerbehörden auf die übrigen verzichteten. Der Re-

kurrent habe nicht einmal ansatzweise Anhaltspunkte nachgewiesen, die für den Wo-

chenendort als Hauptsteuerdomizil sprächen. 

c)  Zur  Begründung  seines  Rechtsmittels  bringt  der  Rekurrent  zunächst  vor, 

das  kantonale  Steueramt  habe  "keinen  Einspracheentscheid  im  eigentlichen  Sinne" 

gefällt, sondern einzig die Steuerhoheit beansprucht. Die mit der Einsprache vorgetra-

genen Argumente seien nicht berücksichtigt worden, was eine Missachtung des recht-

2 ST.2011.179 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 8 - 

lichen Gehörs bedeute. Er wohne seit jeher in E, Gemeinde F. Den Wochenaufenthalt 

in  B  habe  er  bequemlichkeitshalber  begründet.  Entgegen  der  Annahme  des  Rekurs-

gegners habe er auch während des Studiums in G in B gearbeitet und sei täglich von E 

aus  zum  Arbeitsplatz  gefahren.  Zwar  verfüge  er  am  Arbeitsort  über  eine  Luxuswoh-

nung,  "jedoch  ohne  Konkubinats-  oder  ähnliches  Verhältnis,  und  ohne  besonderen 

Bekanntenkreis". Seine Wohnsituation führe dazu, dass er "stärker als üblich" die Bin-

dung  zu  seiner  Familie  pflege.  So  treffe  sich  jeweils  am  Sonntag  die  ganze  Familie. 

Einen  "positiven  Beweis",  dass  er  jeweils  das  Wochenende  in  E  verbringe,  könne  er 

nicht leisten; eine lückenlose Überwachung durch Nachbarn finde weder dort noch in B 

statt. Indessen gebe es objektive Indizien, die für seine Sachdarstellung sprächen. Zu-

nächst nehme er verschiedene Dienstleistungen in der Umgebung seines Wohnsitzes 

in Anspruch. Sodann lagerten seine Sportgeräte in E. Das Auto und der Roller hätten 

ein auf den Kanton K lautendes Polizeikennzeichen. Die mit dem Rekurs eingereichten 

Stromrechnungen  des  EWZ  ab  2008  belegten  einen  unterdurchschnittlichen  Strom-

verbrauch, was für einen seltenen Aufenthalt in B spreche. Wie er schon in der Befra-

gung  erklärt  habe,  benütze  er  die  "Gemeinde-Infrastruktur"  wie  Theater,  Oper  oder 

Sportanlagen  nicht.  Seine  Postadresse  befinde  sich  in  E.  Die  Wohnung  in  B  verfüge 

weder über einen Telefon- noch über einen Fernseh- oder einen Internet-Anschluss. Er 

habe  sich  für  E  und  nicht  für  B  als  Wohnort  entschieden.  Das  kantonale  Steueramt 

habe seine Aufforderung ignoriert, die "Exklusivität der Ansprüche" darzulegen. Diese 

Unterlassung  könne  jedoch  zu  einer  Verletzung  des  Verbots  der  Doppelbesteuerung 

führen. Die Aufforderung des Steueramts zur Einreichung bestimmter Akten verstosse 

teilweise  gegen  übergeordnetes  Recht;  einzelne  davon  gebe  es  überhaupt  nicht  und 

andere seien für die Behandlung der Einsprache nicht nötig gewesen. Es dränge sich 

der Verdacht auf, dass es sich bei der Akteneinforderung um eine "Fishing Expedition" 

handle.  Ein  Fahrtenbuch,  das  die  Benützung  seines  Autos  dokumentiere,  führe  er 

nicht;  im  Übrigen  dürfe  ihm  dies  auch  nicht  zugemutet  werden.  Mit  Ausnahme  der 

Stromrechnung  gingen  die  Auskunftsbegehren  weit  über  das  Sachnotwendige  hinaus 

und kämen einem "massiven, ungerechtfertigten und unbegründeten Eingriff in (s)eine 

Privatsphäre" gleich. Dies stehe im Widerspruch zur Bundesverfassung und zur Euro-

päischen Menschenrechtskonvention. Wegen der Zentrumsfunktion von B treffe er hier 

zwar  Studienkollegen,  allerdings  nur  wenig.  Den  Kontakt  zu  seinen  in  B  wohnhaften 

Schwestern  pflege  er  in  E.  Es  treffe  nicht  zu,  dass  er  seine  Mitwirkungspflichten  ver-

letzt  habe;  er  habe  einzig  darauf  verzichtet,  "nicht  beantwortbare  oder  unverhältnis-

mässige,  rechtsverletzende  Fragen  zu  beantworten".  Erst  mit  dem  Einspracheent-

2 ST.2011.179 

 
 
 
- 9 - 

scheid  habe  das  kantonale  Steueramt  den  ihm  obliegenden  "Hauptbeweis"  erbracht, 

der mit dem im Rekurs geleisteten "Gegenbeweis" entkräftet worden sei. 

3.  a) Gegenstand  des  vorliegenden Rekursverfahrens  bildet  der mit  dem  an-

gefochtenen Einspracheentscheid bestätigte Vorentscheid des kantonalen Steueramts 

vom  11.  Februar  2011  über  die Beanspruchung der  Steuerhoheit.  Haltlos  ist  der  Ein-

wand des Rekurrenten, dass es sich beim Vorentscheid überhaupt nicht um einen sol-

chen handle. Vor Erlass des Vorentscheids konnte sich der Rekurrent im "Fragebogen 

zur  Feststellung  des  steuerrechtlichen  Wohnsitzes"  sowie  in  der  persönlichen  Befra-

gung  äussern.  Der  Vorentscheid  enthält  eine  vergleichsweise  ausführliche  Begrün-

dung, weshalb ab 1. Januar 2010 die Steuerhoheit für den Kanton und die Stadt B be-

ansprucht  wird. 

Im  Einspracheverfahren  erliess  das  kantonale  Steueramt  am 

25. März 2011 eine Beweisauflage, worin der Rekurrent um die Beantwortung der fol-

genden Fragen bzw. die Einreichung der erwähnten Unterlagen ersucht wurde: 

"1.  Detaillierte  Darlegung,  an  welchen  Tagen  Sie  sich  in  der  Zeit  vom  …  2009  bis  
… 2009 und vom … 2010 bis … 2010 am 'Wochenendort' und an anderen Orten aus-
serhalb des Kantons Zürich aufgehalten haben sowie entsprechender Nachweis mittels 
zweckdienlicher  Unterlagen,  wie  Kopien  Ihrer  Agenden  für  die  Zeit  vom  …  2009  bis 
… 2009 und vom … 2010 bis … 2010, Zugsbillete, Tankstellenquittungen etc. 

Falls  Sie  jeweils  mit  dem  Auto  an  den  'Wochenendort'  zurückkehren,  benötigen  wir 
zusätzlich:  Nachweis  anhand  von  beweiskräftigen  Unterlagen  (Servicebuch,  Fahrten-
buch etc.) der in der Zeit vom … 2009 bis … 2009 und vom … 2010 bis …2010 

1.  total gefahrenen Kilometer 
2.  davon für den Arbeitsweg gefahrenen Kilometer 
3.  davon privat gefahrenen Kilometer 
4.  Kopie Fahrzeugausweis 

 2.  Stromrechungen  für  die  Wohnungen  am  'Wochenaufenthaltsort'  für  die  Zeit  vom 
… 2009 bis … 2009 und vom … 2010 bis … 2010. 

 3.  Detaillierter  Beschrieb  der  persönlichen und  sozialen  Beziehungen,  der  kulturellen 
und sportlichen und übrigen Freizeittätigkeiten am 'Wochenaufenthaltsort' und am 'Wo-
chenendort',  insbesondere Verwandt-,  Freund-  und  Bekanntschaften,  Vereinsmitglied-
schaften, inklusive Zusammenstellung, wann in der Zeit vom … 2009 bis … 2009 und 
vom … 2010 bis … 2010 welche Anlässe besucht wurden und Bestätigungen der ent-
sprechenden  Aktivitäten  durch  z.B.  Bescheinigungen  der  Vereinspräsidenten,  wann 
welche  Anlässe  besucht  wurden;  Auszüge  aus  Bankkonten  und  Kreditkartenabrech-
nungen, aus welchen entsprechende Barbezüge, Einkäufe und Konsumationen ersicht-
lich sind. 

 4. Liste sämtlicher Ihrer benutzten Bank-, Post-, maestro (ec)- und Kreditkarten. 

2 ST.2011.179 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 10 - 

 5.  Monatsauszüge  der  Bank-  und/oder  Postkonti,  auf  denen  sämtliche  Barbezüge, 
Einkäufe  und  Konsumationen  mit  den  vorgängig  erwähnten  Karten  für  die  Zeit  vom 
… 2009  bis  …  2009  und  vom  …  2010  bis  …  2010  ersichtlich  sind  sowie  Monatsab-
rechnungen  über  Kreditkartenbezüge  für  sämtliche  Kreditkarten  für  die  Zeit  vom 
… 2009  bis  …  2009  und  vom  …  2010  bis  …  2010  (falls  diese  nicht  mehr  vorhanden 
sind, sind diese von Ihnen bei der Bank, Post bzw. der Kreditkartenherausgeberin ein-
zufordern)." 

Auf das ablehnende Schreiben des Rekurrenten vom 17. April 2011 hin mahn-

te das kantonale Steueramt am 6. Mai 2011 die Auflage und wies auf die gesetzlichen 

Säumnisfolgen hin. Daraufhin äusserte sich der Rekurrent am 20. Mai 2011 wie folgt: 

"… Aus all diesen Gründen sehe ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt von der Beantwor-
tung Ihrer Fragen ab und sehe einem richterlichen Urteil mit präjudizierendem Charak-
ter  zur  Akteneingabe  gelassen  entgegen.  Um  jedoch  den  Rekurs  nicht  durch  die  Ak-
teneinforderung  unnötig  zu  blockieren,  biete  ich  Ihnen  freiwillig  folgenden  Vorschlag 
an: 
Sollten Sie entscheiden, auf die Einforderung der Unterlagen gemäss Punkt 1, 3, 4 und 
5  zu  verzichten,  und  mir  diesen  Entscheid  bis  17.06.  an  oben  genannte  Adresse  zu-
senden,  so  verpflichte  ich  mich  hiermit  freiwillig,  Ihnen  sämtliche  Unterlagen  nach 
Punkt  2,  d.h.  alle  Stromrechnungen  für  die Wohnungen  in  B  seit  …  2008,  bis  am  … 
zuzustellen." 

Der Einspracheentscheid gibt die von Rechtsprechung und Lehre für die Beur-

teilung  des  steuerrechtlichen Wohnsitzes  entwickelten  Grundsätze  umfassend  wieder 

und kommt in einer ausführlichen Würdigung der konkreten Verhältnisse zum Schluss, 

dass Kanton und Stadt B die Steuerhoheit über den Rekurrenten ab 1. Januar 2010 zu 

Recht  beansprucht  hätten.  Nach  dem  Gesagten  hat  die  Vorinstanz  den  Sachverhalt 

eingehend ermittelt bzw. diesbezügliche Anstrengungen unternommen und den Rekur-

renten  gehörig  zur  Mitwirkung  aufgefordert.  Ferner  hat  sie  den  Einspracheentscheid 

umfassend begründet. Die – im Übrigen nicht näher spezifizierte – Rüge einer Verlet-

zung des rechtlichen Gehörs ist daher unbegründet. 

b) aa) Der Rekurrent arbeitete am Stichtag des 31. Dezember 2010 seit über 

4 ½ Jahren (Mai 2006) als I in B. Unweit seines Arbeitsplatzes hat er eine Dreizimmer-

wohnung  für  sich  allein  gemietet.  Dort  hält  er  sich  nach  eigenen  Angaben  unter  der 

Woche  auf,  während  er  die Wochenenden  in  E  verbringe.  Ob  er  dies  allein  "aus  Be-

quemlichkeit" tut oder ob andere Gründe mitspielen, tut nichts zur Sache. Massgebend 

ins  Gewicht  fällt  der  ausgewiesene  Umstand,  dass  sich  der  Rekurrent  an  den  Ar-

beitstagen in einer Wohnung in B aufhält und von dort aus den Arbeitsplatz aufsucht. 

2 ST.2011.179 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 11 - 

bb)  Wie  vorne  dargelegt,  begründet  der  Umstand,  dass  der  unverheiratete 

Rekurrent  am  Ort,  wo  er  sich  während  der  Woche  aufhält,  eine  unselbstständige  Er-

werbstätigkeit ausübt, nach der Rechtsprechung die natürliche Vermutung, dass er dort 

sein Steuerdomizil hat. Durch den Erlass der Beweisauflage vom 25. März 2011 wurde 

dem  Rekurrenten  Gelegenheit  geboten,  den Gegenbeweis  anzutreten  und diese  Ver-

mutung umzustossen, wofür die verlangten Auskünfte offensichtlich geeignet und not-

wendig waren. Diese waren dem Rekurrenten ausserdem durchaus zumutbar, sodass 

die Beweisauflage ohne Weiteres  dem  Grundsatz  der  Verhältnismässigkeit  entsprach 

(Zweifel, Art. 42 N 37 StHG). Es kann dahingestellt bleiben, wie umfassend und detail-

liert  die  Fragen  hätten  beantwortet  wie  viele  Belege  der  Rekurrent  hätte  einreichen 

müssen. Indem er sich – unter nicht näher begründetem und unzutreffendem Hinweis 

auf verschiedene Bestimmungen – weigerte, die Auflage zu erfüllen, verzichtete er auf 

sein Recht. Geradezu trölerisch erscheint in diesem Zusammenhang der Vorwurf des 

Rekurrenten, die Klärung seines steuerrechtlichen Wohnsitzes laufe auf eine "Fishing 

Expedition"  hinaus.  Nachdem  das  kantonale  Steueramt  die  Erfüllung  der  Auflage  am  

6.  Mai  2011  gehörig  gemahnt  und  auf  die  gesetzlichen  Säumnisfolgen  hingewiesen, 

der  Rekurrent  die Mitwirkung  jedoch  in der  Folge  am  20.  Mai  2011  abgelehnt  hat,  ist 

der Einspracheentscheid zu Recht aufgrund der Akten ergangen. Wie der Rekursgeg-

ner richtig festgehalten hat, musste er nicht auf die vom Rekurrenten einzig angebote-

ne Präsentation der Stromrechnung für die Wohnung in B eingehen, während die übri-

gen  Auskunftsbegehren  fallen  zu  lassen  seien.  Anzumerken  bleibt,  dass  gerade  dem 

Stromverbrauch nur  eine bescheidene  Aussagekraft  zukommt.  Es  erscheint  durchaus 

naheliegend,  dass  ein  alleinstehender  und  gut  verdienender  Steuerpflichtiger  sich 

auswärts verpflegt und seine Wäsche nicht selbst besorgt und so wenig Strom konsu-

miert. Von geringer Bedeutung ist ferner, dass der Rekurrent in seiner Wohnung über 

keinen Telefon- und Internetanschluss verfügt; denn in den letzten Jahren gehen Fest-

netzanschlüsse  zugunsten  von  mobilen  Verbindungen  laufend  zurück.  Aufgrund  des 

Aufenthalts während der Arbeitswoche benützt der Rekurrent hier zumindest Wasser, 

Elektrizität sowie das Strassennetz und somit die Infrastruktur der Stadt B. 

cc)  Die  vom  Rekurrenten  zugunsten  des  Wohnsitzes  in  E,  F,  aufgeführten 

Argumente sind sehr allgemein gehalten, kaum substanziiert und werden auch in kei-

ner Weise belegt. Die Beweisauflage des kantonalen Steueramts im Einspracheverfah-

ren diente – entgegen der Meinung des Rekurrenten – nicht dazu, seine Privatsphäre 

zu  erforschen.  Vielmehr  sollte  er  Gelegenheit  erhalten,  die  vorstehend  erwähnte,  zu-

2 ST.2011.179 

 
 
 
 
 
 
 
- 12 - 

gunsten  des  Aufenthaltsorts  am  Arbeitsplatz  bestehende  natürliche  Vermutung  des 

Wohnsitzes zu  entkräften.  Diese  Mitwirkung  hat  der  Rekurrent  weitestgehend  verwei-

gert.  Ob  er  in  B  tatsächlich  wenig  persönliche  Kontakte pflegt  und  sogar  seine  in der 

Stadt  wohnenden  Geschwister  nicht  hier,  sondern  im  Elternhaus  trifft,  erscheint  zwar 

ungewöhnlich,  lässt  sich  aber  nicht  schlüssig  widerlegen.  Dass  ein  über  30-jähriger 

Mann eine derart intensive Beziehung zu seinen Eltern pflegt, dass er die Wochenen-

den  bei  ihnen  verbringt,  kommt  nicht  allzu  häufig  vor.  Wenn  ihm  im  Elternhaus  eine 

eigene Wohnung zur Verfügung steht, mag dies eher dafür sprechen, die Wochenen-

den  dort  zu  verbringen;  nach  allgemeiner  Lebenserfahrung  halten  sich  erwachsene 

Kinder  an  den  Wochenenden  jedoch  auch  dann  nicht  durchwegs  bei  den  Eltern  auf, 

wenn  komfortable  räumliche  Verhältnisse  dies  begünstigen  würden.  Unerheblich  mit 

Bezug auf den Wohnsitz ist, wo eine Person Sportgeräte und andere Utensilien lagert. 

Dass der Rekurrent jedes Wochenende in E verbringt, hätten Nachbarn ohne Weiteres 

bestätigen  können.  Nicht  behauptet  werden  Aktivitäten  des  Rekurrenten  in  Vereinen 

oder  Behörden.  Ebenso  wenig  macht  er  geltend,  dass  er  in  E  irgendwelche  Freund-

schaften  intensiv  pflege.  Schliesslich  hat  der  Rekurrent  trotz  Auflage  und  Mahnung 

nicht nachgewiesen, dass er verschiedene Dienstleistungen in der näheren Umgebung 

von  E  tatsächlich beansprucht  hat.  So wie  gemäss  Rechtsprechung  der  Hinterlegung 

der  Schriften  für  die  Beurteilung  des  steuerlichen Wohnsitzes  nur  geringe  Bedeutung 

zukommt, muss dies auch für die Postadresse gelten. Abgesehen davon, dass die Be-

deutung der Briefpost in Anbetracht der modernen Kommunikationsformen schwindet, 

besteht die Möglichkeit, dass gewisse Postsendungen postlagernd adressiert  oder an 

den Arbeitsplatz zugestellt werden. 

Aus  diesen  Gründen  hat  das  kantonale  Steueramt  den  steuerrechtlichen 

Wohnsitz  für  den  Rekurrenten  ab  1.  Januar  2010  zu  Recht  in  Anspruch  genommen. 

Der Rekurs ist daher abzuweisen. 

4.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Gerichtskosten  dem  Rekur-

renten aufzuerlegen (§ 151 Abs. 1 StG) und muss ihm eine Parteientschädigung ver-

sagt  bleiben  (§  17  Abs.  2  des  Verwaltungsrechtspflegegesetzes  vom  24.  Mai  1959/ 

8. Juni 1987). 

2 ST.2011.179 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 13 - 

Demgemäss erkennt die Kammer: 

1.  Der Rekurs wird abgewiesen. 

[…] 

2 ST.2011.179