# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 04c3b4fa-cc32-5653-b530-2eb6fb334df1
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-11-12
**Language:** de
**Title:** Kritik an Gutachten nicht stichhaltig; kein rentenrelevanter Invaliditätsgrad; Abweisung.
**Docket/Reference:** IV.2020.00717
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2020.00717.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2020.00717
II. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Sager
Ersatzrichterin Lienhard
Gerichtsschreiberin Keller
Urteil
vom
1
2.
November 2021
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Adrian
Rufener
AMPARO Anwälte und Notare
Neugasse
26, Postfach 148, 9001 St. Gallen
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1973 geborene
X.___
,
Mutter zweier in den Jahren
2012 und 2013 g
e
borene
r
Kinder (Urk.
7/3
),
gelernte
Coiffeuse
(
Urk.
7/4/21-22),
war zuletzt als Call Center Agent
in
tätig
(Urk.
7/4/331)
. Am
14.
März 2014 meldete sie sich unter Hinweis auf Folgen eines Unfalls vom 4. August 2012
bei der Invaliden
ver
si
che
rung zum Leistungsbezug an
(Urk.
7/1)
. Die Sozialversicherungsanstalt des
Kan
tons
Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen,
zog die Akten der Unfallversicherung bei (Urk. 7/4
/1-344)
, Urk. 7/21
/1-424
)
und wies das Leistungsbegehren mit Verfügung
vom 19.
Mai 2015 (
Urk.
7/38)
ab.
1.2
Seit 1. Oktober 2017 war die Beschwerdeführerin in einem Pensum von 100 % als
Marketingberaterin
tätig
(
Urk.
7/46 Ziff.
5.4
, Urk. 7/64
)
.
A
m 11.
Dezember 2019 erfolgte die Früherfassung (Urk. 7/41).
Am 6. Januar 2020 meldete sie sich unter Hinweis auf Epilepsie
und
den Unfall vom 4.
August 2012
erneut
zum Leis
tungs
bezug an (Urk. 7/46).
Die IV-Stelle tätigte medizinis
che und erwerbliche Abklä
rungen und
zog die Akten der Krankentaggeldversicherung bei (Urk. 7/55
/1-14
, Urk. 7/77
/1-44
)
. A
m 27.
April 2020
erfolgte die
Kündigung
des Arbeitsverhält
nisses
per 30.
Juni 2020 (
Urk.
7/70
)
und die IV-Stelle schloss den Arbeits
platz
erhalt ab (Urk. 7/72).
Nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(Urk. 7/80,
Urk.
7/90)
wies
die IV-Stelle
das Leistungsbegehren mit Verfügung vom
11. Septem
ber 2020 (Urk. 7/94 = Urk. 2) bei einem IV-Grad von 25
%
ab
.
2.
Die Versicherte erhob am
15. Oktober 2020
Beschwerde gegen die Verfügung vom
11. September 2020 (Urk.
2) und beantragte,
diese sei aufzuheben und die Sache sei zur neuerlichen Entscheidung an die IV-Stelle zurückzuweisen. Eventuell sei ihr eine Invalidenrente basierend auf einen IV-Grad von 40 % zuzusprechen
(Urk. 1 S. 2)
.
Am
18. November 2020 (Urk. 6
) beantragte die IV-Stelle die Ab
weisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
25. November 2020
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
8
).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerb
sunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7,
Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
1.5
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Be
weisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und all
fälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). Insbesondere in Fällen, in welchen nach der Aktenlage überwiegend wahrscheinlich von einer bloss leichtgradigen depressi
ven Störung auszugehen ist, die nicht schon als
chronifiziert
gelten kann und auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht, bedarf es in aller Regel keines struk
turierten Beweisverfahrens (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. Urteil des Bundesge
richts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die ang
efochtene leistungsabweisende
Ver
fü
gung vom
1
1.
September 2020 (Urk.
2) damit, dass
die Beschwerdeführerin bisher als Medienberaterin mit Telefonverkauf in einem Pensum von 100 % tätig gewesen sei und in dieser Tätigkeit seit Oktober 2019 eine Arbeitsunfähigkeit von 40 % bestehe
(S. 1)
.
Gemäss ihren Abklärungen und dem erstellten Gutachten sei eine angepasste Tätigkeit in einer Hilfstätigkeit in einem Pensum von 70 % mög
lich. Ein Einkommensvergleich
habe
einen IV-Grad von 25 %
ergeben
(S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
es liege derzeit noch kein gesundheitlicher Endzustand vor. Die Beurteilung einer 70%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit der Gutachter stehe unter der Prämisse der optimalen Behandlung
(S. 4
Rz
15 f.)
. Es liege derzeit noch keine optimale Behandlung vor und somit könne noch nicht über den Rentenanspruch
entschieden werden
(S. 5
Rz
17)
. Eventuell rechtfertige es sich, von einer Arbeits
fähigkeit von maximal 60 % auszugehen und ihr entsprechend eine Invaliden
rente basierend auf eine
m
IV-Grad von 40 % auszurichten
. Aufgrund der bis
he
rigen Einkommenshöhe, welche unterdurchschnittlich zu den Einkommen gemäss LSE, Anforderungsniveau 1 sei, rechtfertige es sich, den Grad der Arbeitsunfähig
keit dem IV-Grad gleichzusetzen
(S. 5
Rz
18)
.
2.3
Die Beschwerdeführerin reichte bereits im
März 2014
bei der Invaliden
versi
cherung ein Leistungsbegehren ein.
Als die Beschwerdegegnerin am 2
0.
Januar
2015
eine
po
lydisziplinäre Begutachtung vorsah
(
vgl. Urk.
7/25),
teilte die Be
schwerdeführerin mit, wieder vollständig arbeitsfähig zu sein und
keine IV-Leis
tungen zu wollen (
vgl.
Urk.
7/26). Daraufhin stornierte die Beschwerdegegnerin die
Begutachtung (
vgl. Urk.
7/34)
.
Die
leistungsverneinende
Verfügung vom
19.
Mai 2015 (
Urk.
7/38)
beruhte somit nicht auf einer vollumfänglichen mate
riel
len Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsab
klä
rung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs. Vor
diesem Hintergrund ist das
erneute Leistungsgesuch vom
6.
Januar
2020 (Urk. 7
/46
) nicht als Neuanmeldung im Sinne von Art.
87
Abs.
3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV), sondern wie eine erstmalige Anmeldung zu behandeln. Entsprechend hat die Frage der Veränderung des Gesundheitszu
stan
des vorliegend ausser Acht zu bleiben (vgl. sinngemäss Urteil des Bundesgerichts 8C_876/2017 vom 1
5.
Mai 2018 E. 4.1 mit weiteren Hinweisen).
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Inva
lidenrente hat und ob diesbezüglich der medizinische Sachverhalt
rechtsge
nüg
lich
abgeklärt worden ist.
3.
3.1
Die Fachpersonen der
Y.___
AG
,
Psychiatriezentrum
Z.___
, nannten
mit Bericht vom 19.
März 2014 (Urk.
7/21/78-80
) als Diagnose eine
Anpas
sungs
störung mit längerer depressiver Reaktion
(ICD-10 F43.21
; S. 2 Ziff. 2
).
Seit der
Aufnahme der Behandlung am 17.
Oktober 2013 hätten insgesamt 7 Termine stattgefunden (zirka alle drei bis vier Wochen). Es handle sich um eine psy
chotherapeutische Einzeltherapie mit kognitiv-
behavioralem
Schwerpunkt. Es sei geplant mit der Behandlung fortzufahren (S. 2 Ziff. 5). Im Verlauf habe bezüglich des psychischen Befindens eine leichte Besserung erzielt werden können (S. 2 Ziff. 4). Aufgrund de
r epileptischen Anfälle vom 26.
September und 22.
Oktober 2013 bestehe für die angestammte Tätigkeit als
Coiffeuse
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bestehe aktuell eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (S. 2 Ziff. 7). Im Verlauf dürfte eine langsame, konti
nuier
liche Steigerung möglich sein (S. 2 Ziff. 6).
3.2
Dr.
med. A.___
, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin
und Hausarzt der Beschwerdeführerin, nannte mit Bericht vom 11. Juli 2014
(Urk. 7/17/6-9)
im Wesentlichen
folgende
Diagnose
n (S. 4):
-
HWS-Distorsionstrauma vom 4.
August 2012 mit Fraktur
Processus
spinosus
C7 (Dornfort
satz)
-
Anpassungsstörung mi
t längerer depressiver Reaktion
-
Epilepsie
Seit 1. April 2014 und auch d
erzeit
bestehe f
ür
eine
leichte bis knapp mittel
schwere Tätigkeit
eine 50
%
ige Arbeitsfähigkeit (S. 1
, S. 2 Ziff. 1.6
)
. Betr
effend
Epilepsie
sei die Beschwerdeführerin aktuell beschwerdefrei und auf Wunsch der Beschwerdeführerin erfolgten keine weiteren Abklärungen (S. 2 Ziff. 1.4). Aktuell bestehe noch eine verminderte Belastbarkeit im Nackenbereich, zudem
bestehe
auch eine verminderte psychische Belastbarkeit (S. 2 Ziff. 1.7).
3.3
Die Fachpersonen der
Y.___
AG
(vorstehend E. 3.1)
nannten mit Be
richt vom 27. Dezember 2014 (Urk.
7/22
) als Diagnose eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21) seit
dem
Unfall
vom 4. August
2012
(S. 1 Ziff. 1.1).
Die Termine der psychotherapeutischen
Einzeltherapie
fän
den
alle 3-4 Wochen
statt
.
Die Beschwerdeführerin nehme
nur homöopathische Mittel ein
(S. 3 Ziff. 1.5)
.
Für die bisherige Tätigkeit a
ls
Inserateverkäuferin
bestehe
seit Okt
ober 20
14
eine
60%
ige Arbeitsunfähigkeit (S. 3 Ziff. 1.6).
Die bisherige Tätig
keit sei im Umfang von
60
% zumutbar. In einer angepassten Tätigkeit bestehe seit April 2014 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (S. 4 Ziff. 1.7).
Aktuell bestehe
eine
Arbeitsfähigkeit
von 60
%. Eine weitere Steigerung dürfte im Verlauf möglich sein
(
S. 4
Ziff.
1.9).
3
.4
Dr.
A.___
(vorstehend E. 3.2)
attestierte am 25. Februar 2015 (Urk. 7/31) ab 1.
Februar 2015
eine vollständige Arbeitsfähigkeit.
4.
4.1
Dr.
med.
B.___
, Facharzt für Neurologie, Klinik
C.___
, führte mit Bericht vom 1
0.
Februar 2020 (Urk.
7/50/1-5
) aus, er behandle die Beschwerdeführerin seit Februar 2017 (Ziff. 1.1), gegenwärtig alle zwei bis drei Monate (Ziff. 1.2). Seit 3
0.
September 2019 bis auf weiteres bestehe als Marke
ting
beraterin eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit
(Ziff. 1.3)
. Es erfolge eine medika
mentöse B
ehandlung mit
Lamotrigin
(Ziff. 2.3)
. Langfristig
bestehe eine 60
%
ige Arbeitsfähigkeit
, 6 Stunden pro Tag
(Ziff. 2.7
, Ziff. 4.1
). Es
bestünden
eine deut
lich reduzierte B
elastbarkeit und
starke G
edächtniseinschränkungen. Zu lange
Arbeitszeiten und
Stress
führten zu Anfällen (Ziff. 3.4). Die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit sei
aktuell nicht beurteilbar
(Ziff. 4.2).
Dr.
B.___
nannte mit Bericht vom 1
0.
Februar 2020 (Urk.
7/50/7-9
) als Diagnose eine
Temporallappenepilepsie mit sekundärer Generalisation, links temporaler Fokus
(S. 1)
,
und führte aus, die Beschwerdeführerin
habe frühere Anfälle
im September 2013 und auch im Folgejahr 2014
verh
eimlicht aus Angst vor der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (
KESB
)
. Sie und ihr Mann hätten damals grosse Angst gehabt, ihre Kinder zu verlieren.
Damit sei viel klarer geworden, dass der Unfall sicher die Ursache der Anfälle darstelle. Da die Beschwerde
führerin praktisch 3 Jahre ohne antiepileptische Behandlung gewesen sei, habe dies auch mit zur aktuellen relativen Therapieresistenz geführt (S. 2).
4.2
Die Gutachterin und der Gutachter
des
D.___-Zentrums
stellten in ihrem am
23. Juni 2020 nach
Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung einer neurologischen und psychiatrischen Untersuchung
zuhanden der Taggeldversicherung
erstatteten Gutachten (Urk. 7/77
/4-17
)
folgende Diagnosen
(S. 5, S. 10):
-
Temporallappenepilepsie
(ED 2013) mit sekundärer Generalisation, links temporaler Fokus mit generalisierten Anfällen (zuletzt 1
6.
Oktober 2017) anhaltenden komplex-fokalen Anfällen und verminderter emotionaler Belastbarkeit
-
psychogene nichtepileptische Anfälle (dissoziative Anfälle, I
CD-10 F44.5)
Aus neurologischer Sicht wurde ausgeführt, es finde eine regelmässige, hoch
dosierte, medikamentöse Therapie mit
Lamotrigin
statt, hierunter seien die Grand Mal-Anfälle nicht mehr aufgetreten. Die Versicherte beschreibe tägliche Auren. Aufgrund ihrer Beschreibung könnten diese täglichen Anfälle nicht sicher als epileptisch eingeordnet werden. Sie beschreibe zum einen Zustände mit Schielen und Schwindel, welche fünf Minuten anhalten würden. Zum anderen beschreibe sie, sich komisch zu fühlen morgens beim Aufwachen. Ob es sich hierbei aus
schliesslich um epileptische Auren bei bekannter Temporallappenepilepsie handle,
sei unklar. Differentialdiagnostisch sei eine psychische (Mit-)Ursache wahrschein
lich. Der Neurostatus sei ansonsten regelrecht. Epileptische Auren können nicht sicher ausgeschlossen werden.
D
ie Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Medienberaterin lieg
e
bei 60% (wegen deutlich
erhöhtem Pausenbedarf durch die Auren und verminde
rter emo
tionaler Belastbarkeit; S. 5 Ziff. 4.2). In einer Verweistätigkeit, sprich Tätigkeit ohne wesentlichen Zeitdruck, liege die Arbeitsfähigkeit bei 70 % (ein leicht
erhöhter Pausenbedarf bleibe bestehen, ebenso die verminderte emotionale Be
lastbarkeit; S. 6 Ziff. 4.3). Aufgrund der bekannten Epilepsie und dem dadurch geminderten Stressniveau bei bekannter Temporallappenepilepsie sei das Belas
tungsprofil auf neurologischem Gebiet eingeschränkt. Geeignet seien leichte kör
perliche Tätigkeiten ohne Schichtdienst, keine gefährlichen Arbeiten auf Leitern oder Gerüsten, keine Arbeiten an gefährlichen Maschinen. Es liege ein deutlich erhöhter Pausenbedarf vor. Nicht geeignet seien Tätigkeiten mit erhöhtem Stress
niveau (Zeitdruck; S. 5 Ziff. 4.1).
Aus psychiatrischer Sicht wurde ausgeführt, a
uch wenn die Klinik
C.___
in ihren Berichten der l
etzten Jahre (zuletzt vom 10. Februar
2020) immer nur von rein neurologischen epileptischen Anfällen ausgegangen
sei
, so zeig
ten sich i
m Rahmen der aktuellen Exploration durchaus Hinweise dafür, dass zumindest nicht alle als Auren bezeichneten Sensationen
epileptogen
seien
, sondern psychogen. Die Versicherte
könne
auf mehrfaches Nachfragen letztendlich auch bejahen, dass den meisten von ihnen Stresssituationen vorangehen. Auch würden diese nach etwa 15 Mi
nuten aufhören, danach gehe es i
hr wieder vollständig gut. Auch die strenge Begrenzung auf zwei- bis dreimal pro Tag
sei
in diesem Zusammenhang auffällig. Aus psychiatr
i
scher Sicht
handle
es sich somit um eine dissoziative Störung. Psychosoziale Belastungsfaktoren
seien
ausreichend bekannt: Verlust des letzten Arbeitsplatzes, Streit mit dem letzten Chef, finanzielle Situation der Familie, unklare berufliche Perspektive, fragliche Verarbeitung des Autounfalls mit Todesfolge 201
2.
Die psychogen begründeten Anfälle
hätten
Krankheitswert. Sie führ
t
en zu einer vorübergehenden Unterbrechung des Arbeitsablaufes. Unter Zugrundelegung der Dauer und Häufigkeit der beschriebenen Phänomene
lasse
sich daraus allenfalls eine Arbeitsunfähigkeit von 10
%
ableiten
(S. 10 Ziff. 4)
.
Die Arbeitsfäh
i
gkeit in der bis
herigen Tätigkeit lieg
e
bei 90
%
(S. 10 Ziff. 4.2)
. Da der Unterbruch des Arbeitsablaufes durch die psychogenen Anfälle für jede Art von Tätigkeit behindernd und relevant wäre, liege die Arbeitsfähigkeit auch in einer Verweistätigkeit bei 90
%
(S. 11 Ziff. 4.3)
.
Die Aufnahme einer psycho
the
rapeutischen Behandlung
werde dringend empfohlen
(S. 11 Ziff. 4.4)
. Da zurzeit keine Psychotherapie erfolge, werde die psychiatrische Problematik vorerst be
stehen bleiben. Unter Psychotherapie werde es mehrere Monate dauern, bis die psychogenen Anfälle deutlich reduziert werden könnten
(S. 11 Ziff. 4.5)
.
In der Gesamtbeurteilung wurde ausgeführt, die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit liege bei 60 % aufgrund des deutlich erhöhten Pausenbedarfes und ver
minderter emotionaler Belastbarkeit (darin seien die psychiatrisch bedingten
Ein
schränkungen enthalten; S. 12 Ziff. 1)
.
Die Arbeitsfähigkeit in einer Verweis
tätig
keit liege bei 70 % (darin seien die psychiatrisch bedingten Einschränkungen ent
hal
ten, auch bei angepasster Tätigkeit ohne wesentlichen Zeitdruck
blieben
ein erhöhter Pausenbedarf und die verminderte emotionale Belast
barkeit bestehen; S. 12 Ziff. 2).
5
.
5.1
Zur Beurteilung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin stellte die Be
schwerdegegnerin auf das
bidisziplinäre
D.___
-
Gutachten vom
23. Juni 2020 (vorstehend E. 4.2
) ab.
5
.2
Das
bi
disziplinäre
D.___
-Gutachten (vorstehend E. 4.2
) erging unter Berück
sich
tigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung einer
neurologi
schen
und psychiatrischen
Untersuchung. Die Gutachter berücksichtigten die geklagten Beschwerden und setzten sich mit diesen sowie dem Verhalten der Be
schwerdeführerin auseinander. Die medizinischen Zusammenhänge und Schluss
fol
gerungen sind in einer Weise begründet, dass sie prüfend nachvollzogen werden können. Das
D.___
-Gutachten erfüllt daher die praxisgemässen Anfor
derungen an den Beweiswert ei
ner Expertise (vorstehend E.
1.
6
) vollumfänglich.
5.3
Die neurologische Gutachterin
legte
in schlüssiger und nachvollziehbarer Weise dar, dass
unter der regelmässigen, hochdosierten, medikamentösen Therapie mit
Lamotrigin
keine Grand Mal-Anfälle mehr aufgetreten seien. Die von der Be
sch
werdeführerin beschriebenen täglichen
Auren könnten
nicht sicher als epi
leptisch
bedingt
eingeordnet werden.
Differentialdiagnostisch sei eine psychische (Mit-)Ursache wahrscheinlich. Der Neurostatus sei ansonsten regelrecht. Die Gut
achterin kam zum Schluss, die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Medienberaterin liege
bei 60
% (wegen deutlich erhöhtem Pausenbedarf durch die Auren und verminderter emotional
er Belastbarkeit
). In einer Verweistätigkeit, sprich Tätigkeit ohne wesentlichen Zeitdruck, liege die Arbeitsfähigkeit bei 70
%
(ein leicht erhöhter Pausenbedarf bleibe bestehen, ebenso die verm
inderte emo
tionale Belastbarkeit
).
In psychiatrischer Hinsicht diag
nostizierte der
Gutachter einzig
psychogene nichtepileptische Anfälle. Er führte nachvollziehbar aus, dass
sich i
m Rahmen der aktuellen Exploration Hinweise dafür
gezeigt hätten
, dass zumindest nicht alle als Auren bezeichneten Sensationen
epileptogen
seien
, sondern psychogen.
Zu
dem erwähnte er diverse p
sychosoziale Belastungsfaktoren: Verlust des letzten Arbeitsplatzes, Streit mit dem letzten Chef, finanzielle Situation der Familie, unklare berufliche Perspektive, fragliche Verarbeitung des Autounfalls mit Todes
folge 201
2.
Er legte schlüssig dar, die
psychogen begründeten Anfälle
hätten
Krankheitswert. Sie führten zu einer vorübergehenden Unterbrechung des Arbeits
ablaufes. Unter Zugrundelegung der Dauer und Häufigkeit der beschriebenen Phänomene
lasse
sich daraus allenfalls eine Arbeitsunfähigkeit von 10
%
ablei
ten, dies in der bisherigen und in einer angepassten Tätigkeit.
Die
Gesamtbeurteilung
ergab
,
dass
die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit
bei 60
%
l
iege, dies
aufgrund des deutlich erhöhten Pausenbedarfes und vermin
derter emotionaler Belastbarkeit (darin seien die psychiatrisch bedi
ngten Ein
schränkungen enthalten
). Die Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit liege bei 70
% (darin seien die psychiatrisch bedingten Einschränkungen enthalten, auch bei angepasster Tätigkeit ohne wesentlichen Zeitdruck
blieben
ein erhöhter Pau
senbedarf und die verminderte em
otionale Belastbarkeit bestehen).
Davon ist auszugehen, zumal die Annahme einer nur wenig höheren Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit (70 %) als in der angestammten Tätigkeit (60 %) auch angesichts der gestellten Diagnosen nachvollziehbar
scheint.
5.4
Eine
höhergradige
und langandauernde Arbeitsunfähigkeit ist
gestützt auf die Berichte des
behandelnden
Neurologen
Dr.
B.___
(vgl. vorstehend E. 4.1)
nicht überwiegend wahrscheinlich.
Dieser
erachtete die Beschwerdeführerin als Marke
tingberaterin als zu 60 % arbeitsfähig und berücksichtigte dabei eine deutlich reduzierte Belastbarkeit und starke Gedächtniseinschränkungen. Nachdem d
ie Gutachter in der Gesamtbeurteilung zum Schluss
kamen, die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit liege bei 60
%
, steht die Einschätzung von Dr.
B.___
somit im Einklang mit dem
D.___
-Gutachten.
Darüber hinaus ist
keine fachärztlich nachvollziehbare und durch Befunde unter
mauerte Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit bei den Akten, welche von der aktu
ellen Einschätzung der
D.___
-
G
utachter abweicht
.
5.5
Die Beschwerdeführerin macht in der Beschwerde unter anderem geltend,
d
ie Be
urteilung einer 70%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit der Gutachter stehe unter der Prämisse
der optimalen Behandlung
. Es liege derzeit noch keine optimale Behandlung vor und somit könne noch nicht über den Rentenanspruch entschieden werden (
vorstehend E. 2.2
).
Die neurologische Gutachterin hielt
an einer Stelle des
Gutachtens zwar fest, sie
gehe
davon aus, dass bei optimaler Behandlung die Arbeitsfähigkeit in bisheriger Tätigkeit ab 1. Juli 2020 zu 60 % und in angepasster Tätigkeit zu 70 %
w
ieder gegeben
sei. Dies führte sie
auf die Frage, wann mit einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit gerechnet w
erden könne, aus (vgl. Urk. 7/77/4-17
S. 6 Ziff. 4.5). Gleichzeitig geht aber aus dem Gutachten klar hervor, dass
die Gutachter ihre
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht von einer
optimalen
Behandlung abhängig
machen
.
So hielt die neurologische Gut
achterin zur Frage nach der Arbeit
sfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit
aus, diese liege
als Medienberaterin bei 60%
.
In einer Verweistätigkeit liege die Arbeits
fähigkeit bei 70
%
.
Aus neurologischer Sicht wurde dann auch keine Anpassung der Behandlung empfohlen, sondern festgehalten, es finde eine regelmässige, hochdosierte, medikamentöse Therapie mit
Lamotrigin
statt. Es empfahl einzig der psychiatrische Gutachter
die Optimierung der Behandlung, konkret die Auf
nahme einer psychotherapeutischen Behandlung. Aber auch er machte seine Ein
schätzung einer 90%igen Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und in einer ange
passten Tätigkeit nicht von einer Behandlung abhängig.
5
.6
Die Frage, ob ein psychisches Leiden zu einer Arbeitsunfähigkeit führt, welche auch rechtlich bedeutsam ist, beurteilt sich in Nachachtung von
Art.
7
Abs.
2 ATSG grundsätzlich auf der Grundlage eines strukturierten Beweisverfahrens (
Stand
ardindikatorenprüfung
) nach BGE 141 V 281 und BGE 143 V 418 (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_568/2019 vom 2
2.
November 2019 E. 5.6
, vgl. vor
stehend E. 1.4
). Vorliegend erübrigt sich indessen die Durchführung eines
struk
turierten Beweisverfahrens, da nur eine sehr geringe Arbeitsunfähigkeit aus
der psychischen Beein
trächtigung resultiert und die Haupteinschränkung organischer Natur ist.
5.7
Zusammenfassend
ist das
D.___
-Gutachten vom 2
3.
Juni 2020 voll beweis
kräftig
.
Der Sachverhalt ist dahingehend erstellt, dass in einer näher umschriebenen leidensangepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von
70%
besteht.
6.
6.1
Die Anmeldung
der Beschwerdeführerin ging am 15. Januar 2020
bei der Be
schwerdegegnerin ein (vgl. Aktenverzeichnis zu Urk.
7/46
), womit ein Renten
anspruch grundsätzlich frühestens am
1.
Juli 2020 entstehen konnte (Art.
29
Abs.
1 und 3 IVG). Deshalb sind
der Berechnung des Invaliditätsgrades die Werte des Jahres
2020
zugrunde zu legen.
6.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
6.3
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Einkom
mensvergleichs gemäss
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG
grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffern
mäss
ig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annähe
rungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so
muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annähe
rungs
werten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Pro
zent
zahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbs
ein
kommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalidenein
kommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentvergleich; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
Der Invaliditätsgrad ist namentlich dann durch Prozentvergleich zu ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten hypothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges Resultat. Diese Berechnungsweise ist insbesondere anwendbar, wenn die konkreten Verhältnisse so liegen, dass die Differenz zwischen Validen- und Invalideneinkommen die für den Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenzwerte von 70, 60, 50 und 40 % (Art. 28 Abs. 2 IVG) eindeutig über- oder unterschreitet (Urteil des Bun
desgerichts 9C_492/2018 vom 24. Januar 2019 E. 4.3.2 mit Hinweis auf Urteil 8C_333/2013 vom 11. Dezember 2013 E. 5.3 mit Hinweisen).
Sind indessen Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabel
len
lohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung.
Diesfalls
entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn. Dies stellt keinen «Prozentvergleich» dar, sondern eine rein rechnerische Vereinfachung (Urteil des Bundesgerichts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1).
6.4
Die
Beschwerdeführer
in
macht gelten
d,
es sei von einer
Arbeitsfähigkeit von maximal 60
%
und entsprechend von einem
IV-Grad von 40
%
auszugehen
(vor
stehend E. 2.2)
.
Damit beantragt sie
sinngemäss, es sei ei
n Prozentvergleich vor
zunehmen.
Die Betrachtungsweise der Beschwerdeführerin
greift zu kurz, denn zum einen widerspricht diese Argumentation der geltenden G
esetzeslage (vgl. vorstehend E.
6.3) und zum andern besteht kein Anlass, einen Prozentvergleich vorzuneh
men,
sind
doch das
Valideneinkommen
als auch das
hypothetische Invalidenein
kommen genügend bestimmbar.
Soweit die Beschwerdeführerin
ihre
bisherigen Einkommenshöhe, welche unter
durchschnittlich zu den Einkommen gemäss LSE, Anforderungsniveau 1 sei,
er
wähnte (vgl. vorstehend E. 2.2),
spricht sie
wohl
die
Einkommensparallelisierung
an. Sie begründete dies jedoch nicht näher und legte insbesondere nicht dar, inwiefern sie ein unterdurchschnittliches
Valideneinkommen
erzielt
haben soll und ob dies
tatsächlich
auf
invaliditätsfremde Gründe
zurückzuführen wäre.
6.5
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
ein
kommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
mög
lichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lich
keit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an
gepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 144 I 103 E. 5.3, 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
6.6
Bezüglich des
Valideneinkommens
ist auf die Angaben des ehemaligen Arbeit
gebers
der Beschwerdeführerin abzustellen.
Gemäss Arbeitgeberfragebogen
(vgl. Urk. 7/64)
verdiente die Beschwerdeführerin als Medienberaterin mit Telefonver
kauf bei der
E.___
GmbH
ab Oktober 2017 bis September 2019
Fr.
4'250.-- pro Monat, mithin
Fr.
51'000.-- pro Jahr, in einem Pensum von 100 %.
Unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Nominallohnentwicklung vom Indexstand
2759 im Jahr 2019 a
uf den Indexstand
2784
im Jahr
2020
(Bundesamt für Statistik, Tabelle T 39, Entwicklung der Nominallöhne, Frauen)
führt
dies per
2020
zu einem massgebenden Vergleichseinkommen von
F
r. 51'462.1
0.
6.7
Für die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung
zumutbarerweise
noch rea
li
sierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung pri
mär
von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versi
cherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbs
tätigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 139 V 592 E. 2.3; 135 V 297 E. 5.2; 129 V 472 E. 4.2.1; 126 V 75 E. 3b/
aa
).
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung
Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
be
nen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1). Dabei sind grundsätzlich die im Verfü
gungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Ren
tenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1)
.
6.
8
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitt
s
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienst
jahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswir
kun
gen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch
auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurch
schnitt
lichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht automatisch
erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtge
mäs
sem
Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc). Die Recht
sprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalidenein
kom
men, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beach
ten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeits
fähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Be
messung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (BGE 146 V 16 E. 4.1 mit Hinweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Ver
waltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerde
instanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.3 und
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2
).
6.
9
Im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns war die Beschwerdeführerin nicht mehr arbeitstätig, die bisherige Stelle wurde ihr
auf den 30.
Juni 2020 ge
kündigt (vgl. Urk. 7/70)
.
Folglich
stellte die Beschwerdegegnerin
zur Ermittlung des Invalideneinkommens
zu Recht auf die
Tabellenlöhne gemäss LSE
ab
, nämlich
auf das von Frauen
für einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art durchschnittlich erzielte Einkommen (Lohnstrukturerhebung (LSE) 2018, TA1_tri
a
ge_skill_level, Total
Frauen, Kompetenzniveau
1).
Angepasst an die betriebsüb
liche Arbeitszeit von 41.7 Stunden im Jahr 20
20
(vgl. Tabelle Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, herausgegeben vom Bundesamt für Sta
tis
tik, BFS, T 03.02.03.01.04.01, Total
Ziff.
1-96
)
sowie
an die
durchschnittliche Nominallohnentwicklung vom Indexstand 2732 im Jahr 2018 auf den Indexstand 2784 im Jahr 2020 (Bundesamt für Statistik, Tabelle T 39, Entwicklung der Nomi
nallöhne, Frauen)
ergibt sich per 2020
in angepasster Tätigkeit ein Invalidenein
kommen von Fr.
55'72
2.00
(Fr. 4’371.-- x 12 : 40 x 41.7 x 2784 : 2732
).
Die Beschwerdeführerin ist unter Berücksichtigung ihres Belastungsprofils 70 % arbeitsfähig, womit ein Invalideneinkommen von
Fr. 39’005.
40
resultiert.
Selbst bei Berücksichtigung des von der Beschwerdegegnerin veranschlagten tieferen I
nvalideneinkommens von
Fr.
38
'468.-- (vgl.
Urk.
2 S. 2) ergibt sich, wie nach
folgend zu zeigen ist, kein rentenbegründender Invaliditätsgrad.
6.10
Die Beschwerd
e
gegnerin gewährte keinen Leidensabzug.
Angesichts des vorlie
gend gegebenen Zumutbarkeitsprofils ist von einem zwar eingeschränkten, aber doch genügend breiten Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkeiten auszu
gehen. Die eingeschränkte Leistungsfähigkeit aus
neurologischer
und
psychia
trischer
Sicht wurde sodann bereits im reduzierten Pensum ber
ücksichtigt (vgl. vorstehend E. 5.3
) und kann folglich nicht zusätzlich noch einmal unter dem Titel
leidensbedingter Abzug berück
sichtigt werden. Angesichts dessen, dass nicht
ohne triftigen Grund in das Ermessen der Beschwerdegegnerin eingegriffen werden
darf, erscheint ein Abzug vom Tabellenlohn bei der Bemessung des Invalidenein
kommens als nicht gerechtfertigt.
Im Übrigen
ergäbe sich eine
Viertelsrente
nur
bei Gewährung des maximalen Leidensabzugs von 25 %
, für dessen Gewährung vorliegend jedoch kein Anlass besteht
. So würde das hypothetische Invalideneinkommen Fr. 29'25
4.05
bezie
hungs
weise
Fr.
28'851.--
betragen, womit bei einem hypothetischen
Validenein
kommen
von Fr. 51'462.10 e
ine Erwerbseinbusse von 22'208.0
5
beziehungsweise
Fr.
22'611.10
und damit ein Invaliditätsgrad von gerundet 43 %
beziehungsweise 44
%
resultierte.
6.
1
1
Der
Vergleich des hypothetischen
Valideneinkommens
von
Fr. 51'462.10
mit dem hypothetischen Invalideneinkommen von
Fr. 39
'
005
.40
ergibt
eine Erwerbsein
busse von Fr.
12'
456.70
und damit einen Invaliditätsgrad von gerundet
24
%.
Bei einem hypothetischen Invalideneinkommen von
Fr.
38'468.-- ergibt sich ein Invaliditätsgrad von gerundet 25
%
.
6.
1
2
Nach dem Gesagten besteht kein Anspruch auf eine Rente. Die angefochtene Ver
fügung erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr.
700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
r
unterliegenden Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Adrian
Rufener
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
Grieder-MartensKeller