# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7c48e8b3-157f-5a8e-b598-eb9f48b494b1
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-04-02
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Beschwerdekammer in Strafsachen 02.04.2013 BK 2012 329
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_008_BK-2012-329_2013-04-02.pdf

## Full Text

1

BK 2012 329

Beschluss der Beschwerdekammer in Strafsachen

Oberrichterin Schnell (Präsidentin), Oberrichter Stucki, Oberrichter Trenkel
Gerichtsschreiberin Bohren

vom 2. April 2013

in der Strafsache gegen

A.
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt X.

Beschuldigte/Beschwerdeführerin

wegen Betrugs, evtl. Widerhandlung gegen das Sozialhilfegesetz / Beschlagnahme

Regeste

Die Kostendeckungsbeschlagnahme setzt eine gewisse Gefahr voraus, dass ein Urteil be-
treffend Kosten, Entschädigung, Geldstrafe oder Busse nicht vollstreckt werden könnte. Die-
se Gefahr muss nicht akut und gross sein, es müssen aber konkrete Anzeichen vorliegen. 
Ein bloss allgemeines Risiko betreffend Zahlungsfähigkeit oder -wille genügt nicht. Eine rou-
tinemässige Kostendeckungsbeschlagnahme jeweils am Anfang einer Untersuchung ist aus-
geschlossen (Praxisänderung).

Redaktionelle Vorbemerkungen

Der Beschuldigten/Beschwerdeführerin wird vorgeworfen, Leistungen des Sozialdienstes 
bezogen zu haben, obwohl sie zugleich ein Erwerbseinkommen als Prostituierte erzielt habe. 
Anlässlich einer Hausdurchsuchung wurden bei ihr diverse Gegenstände sichergestellt, wel-
che einige Zeit später förmlich beschlagnahmt wurden.

Auszug aus den Erwägungen:

[...]

7.

7.1 Mit der Kostendeckungsbeschlagnahme sichert sich das Gemeinwesen eine Spezial-
behandlung seiner aus dem Verfahren hervorgehenden Kostenforderung. Die Be-

2

schlagnahme zur Kostendeckung stellt insofern einen Fremdkörper im System von 
Art. 263 ff. StPO dar, als der Gegenstand der Beschlagnahme keinen Zusammen-
hang aufzuweisen braucht mit der untersuchten Tat bzw. den Vermögenswerten, die 
aus ihr hervorgegangen sind. Die Kostendeckungsbeschlagnahme stellt ein reines 
Sicherungsmittel für die in ihr bezeichneten Kosten dar; es fehlt jede Verknüpfung mit 
tatspezifischen Gesichtspunkten (BOMMER/GOLDSCHMID, in: Basler Kommentar, 
Schweizerische Strafprozessordnung, Basel 2011, Art. 268 N 1). Voraussetzung der 
Kostendeckungsbeschlagnahme ist zunächst, dass die beschuldigte Person im Ver-
fahren mutmasslich Kosten zu tragen haben wird. Mit anderen Worten ist vorab die 
Verurteilungswahrscheinlichkeit der betroffenen Person zu überprüfen. 

7.2 Art. 278 VE StPO sah zudem vor, dass eine Kostendeckungsbeschlagnahme zuläs-
sig ist, wenn „sich Beschuldigte, die keine Sicherheit geleistet haben, dem Strafver-
fahren durch Flucht“ entziehen oder wenn „es aus andern Gründe[n] geboten [ist], die 
künftige Vollstreckung des Urteils zu sichern“. Dem Begleitbericht zum Vorentwurf der 
StPO kann unter Ziffer 255.2 entnommen werden, dass Art. 278 VE StPO die gesetz-
liche Grundlage dafür schaffe, um bei Beschuldigten, die nicht bereits eine Fluchtkau-
tion nach Art. 251 VE (heute Art. 237 Abs. 2 lit. a und 238 StPO) geleistet haben, eine 
Vermögensbeschlagnahme vorzunehmen. Diese diene der Absicherung der zu er-
wartenden, von den Beschuldigten zu tragenden finanziellen Folgen des Urteils. Ge-
stützt auf die Materialien ist davon auszugehen, dass durch die Anpassung des Wort-
lautes der Gesetzesbestimmung keine Veränderung des Anwendungsbereichs der 
Kostendeckungsbeschlagnahme erzielt werden sollte. Für die Auslegung der heute 
geltenden Fassung ist demnach auf die Botschaft abzustellen. Eine Kostendeckungs-
beschlagnahme kommt also nur in Betracht, wenn Anzeichen für die Notwendigkeit 
der Massnahme bestehen. Sei dies etwa, dass die beschuldigte Person Vermögens-
verschiebungen zwecks Vereitelung eines späteren Zugriffs darauf vornimmt, oder 
dass sie sich dem Verfahren durch Flucht zu entziehen sucht, ohne dass eine Sicher-
heit geleistet worden wäre (Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung 
des Strafprozessrechts, BBl 2006 1247).

Diese Voraussetzung der Notwendigkeit der Beschlagnahme wird auch im heute gel-
tenden Art. 268 Abs. 1 StPO – wenn auch in gekürzter Form – erwähnt („…als vor-
aussichtlich nötig ist…“). Sie gilt zudem als Teilgehalt des Verhältnismässigkeitsprin-
zips ohnehin für alle Zwangsmassnahmen (vgl. zum Verhältnismässigkeitsprinzip 
Art. 197 Abs. 1 lit. c StPO). Dieser Ansicht folgt auch die herrschende Lehre (BOM-
MER/GOLDSCHMID, a.a.O., Art. 268 N 9; HEIMGARTNER, in: Kommentar zur Schweizeri-
schen Strafprozessordnung, Zürich 2010, Art. 268 N 7; HEIMGARTNER, Strafprozessu-
ale Beschlagnahme, Wesen, Arten und Wirkungen, Zürich 2011, S. 32; SCHMID, 
Handbuch des Schweizerischen Strafprozessrechts, Zürich 2009, N 1112; SCHMID, 
Praxiskommentar, Zürich 2009, Art. 268 N 1; LIPS-AMSLER, in: Kommentierte 
Textausgabe zur schweizerischen Strafprozessordnung, Bern 2008, S. 253; LEM-
BO/JULEN BERTHOD, in: Commentaire Romand, Code de procédure pénale suisse, 
Basel 2011, Art. 268 N 12; PITTELOUD, Code de procédure pénale suisse, Commen-
taire à l'usage des praticiens, S. 432 f.). Aus diesen Gründen schliesst sich die Be-
schwerdekammer dieser Meinung an, in Abwendung von ihrer bisherigen Praxis (vgl. 
zuletzt BK 12 277 vom 22. Januar 2013). Für eine Kostendeckungsbeschlagnahme 
braucht es also eine gewisse Gefahr, dass ein Urteil betreffend Kosten, Entschädi-

3

gung, Geldstrafe oder Busse nicht vollstreckt werden könnte. Diese Gefahr muss 
nicht akut und gross sein, es müssen aber konkrete Anzeichen vorliegen. Ein bloss 
allgemeines Risiko betreffend Zahlungsfähigkeit oder -wille genügt nicht. Damit steht 
auch fest, dass eine routinemässige Kostendeckungsbeschlagnahme jeweils am An-
fang eines Verfahrens ausgeschlossen ist (BOMMER/GOLDSCHMID, a.a.O., Art. 268 N 
9; HEIMGARTNER, Strafprozessuale Beschlagnahme, Wesen, Arten und Wirkungen, 
Zürich 2011, S. 287 unten). 

7.3 Weitere Schranken der Kostendeckungsbeschlagnahme ergeben sich aus Art. 268 
Abs. 2 und 3 StPO, die ebenfalls das Verhältnismässigkeitsprinzip konkretisieren. Als 
absolute Schranke gilt, dass der Notbedarf gemäss Art. 92-94 SchKG nicht pfändbar 
ist (Abs. 3). Weiter hat die Strafbehörde auf die Einkommens- und Vermögensverhält-
nisse der beschuldigten Person und ihrer Familie Rücksicht zu nehmen (Abs. 2). 

8.

8.1 Vorliegend darf damit gerechnet werden, dass die Beschwerdeführerin im Verfahren 
Kosten zu tragen haben wird. Diese Verurteilungswahrscheinlichkeit wird von ihr nicht 
infrage gestellt. Inwieweit die Beschlagnahme sämtlicher Barmittel der Beschwerde-
führerin (umgerechnet insgesamt rund Fr. 1'460.00) vor dem Hintergrund von Art. 268 
Abs. 2 und 3 StPO verhältnismässig ist, wird indes weder in der angefochtenen Ver-
fügung noch in der Stellungnahme der Staatsanwaltschaft dargelegt. Hingegen wird 
geltend gemacht, die Beschwerdeführerin verfüge über keine geregelte Arbeit und 
habe Schulden. Bereits dieses Argument legt indessen die Vermutung nahe, dass ei-
ne Beschlagnahme sämtlichen Bargeldvermögens unverhältnismässig sein dürfte. 
Jedenfalls geht es nicht an, die prekären finanziellen Verhältnisse einerseits zum An-
lass zu nehmen, eine „Fluchtgefahr“ der Beschwerdeführerin zu begründen, sie aber 
andererseits bei der Prüfung der Verhältnismässigkeit der angeordneten Kostende-
ckungsbeschlagnahme gänzlich unberücksichtigt zu lassen. Vor dem Hintergrund der 
prekären finanziellen Situation der Beschwerdeführerin und angesichts der Tatsache, 
dass selbst die SKOS-Richtlinie für erwachsene Personen, die von der Sozialhilfe un-
terstützt werden, einen Freibetrag von Fr. 4'000.00 vorsieht, erweist sich die Be-
schlagnahme als unverhältnismässig. Da die Staatsanwaltschaft in ihrer Stellung-
nahme ausdrücklich festhält, dass es sich vorliegend nicht um eine Einziehungsbe-
schlagnahme handle, sind deren Voraussetzungen nicht weiter zu prüfen. Damit er-
weist sich die Beschwerde in diesem Punkt als begründet und die Beschlagnahmen 
gemäss Ziffern 1.20-1.24 der angefochtenen Verfügung sind aufzuheben.

8.2 Die Beschlagnahme der drei Uhren und des 20er Goldvrenelis (angefochtene Verfü-
gung Ziffern 1.7-1.10) hält vor den Schranken von Art. 268 Abs. 2 und 3 StPO stand. 
Hier fehlt es aber an Anhaltspunkten für eine Flucht oder Vermögensverschiebung. 
Dass die Beschwerdeführerin in Kolumbien Verwandte hat und der Tochter gelegent-
lich Geld überweist, damit diesen ihren Lebensunterhalt bestreiten kann, begründet 
weder eine Fluchtgefahr noch Anzeichen für eine Vermögensverschiebung. Auch der 
Umstand, dass die Beschwerdeführerin auf ihren Konten kaum Geld, dafür aber 
Schulden hat, führt alleine nicht zu einer realen Gefahr, dass ein allfälliges Urteil ge-
gen die Beschwerdeführerin nicht vollstreckt werden könnte. Was es mit den Vermö-
gensverschiebungen im Betrag von Fr. 3'100.00 und Fr. 9'100.00 auf sich hat, welche 

4

von zwei Konti der Beschwerdeführerin am Tag nach der Hausdurchsuchung vorge-
nommen wurden (vgl. Nachtrag der Kantonspolizei vom 26. September 2012) wurde 
von der Staatsanwaltschaft nicht abgeklärt. Diese Transaktionen werden von ihr nicht 
zur Begründung einer Gefahr für Vermögensverschiebungen vorgebracht, welche ei-
ne Kostendeckungsbeschlagnahme rechtfertigen würde. Auch wurde nicht unter-
sucht, unter welchen Umständen und von wem diese Geldbezüge getätigt wurden. 
Die Beschwerdeführerin wurde nicht dazu befragt. Es ist indes nicht Sache der Be-
schwerdekammer, von sich aus Argumente aufzuzeigen, die für eine Kostende-
ckungsbeschlagnahme sprechen könnten. Auch ist es nicht an der Rechtsmittelin-
stanz, die Beschwerdeführerin zu diesen auffälligen Kontobelastungen zu befragen. 
Folglich sind diese für die Beschwerdekammer unbeachtlich und es bleibt dabei, dass 
an den fraglichen Objekten keine Kostendeckungsbeschlagnahme möglich ist. Glei-
ches gilt für die unter den Ziffern 1.1, 1.2, 1.6 und 1.11 der angefochtenen Verfügung 
beschlagnahmten Gebrauchsgegenstände (Foto- und Videokamera sowie TV-
Geräte). Hinzu kommt, dass Letztere grundsätzlich einer betreibungsamtlichen Ver-
wertung zugeführt werden könnten, ihr Wert aber sehr gering ist. Die Beschlagnahme 
steht somit in keinem vernünftigen Verhältnis zu dem, was die Wegnahme der betrof-
fenen Person an Einschränkung der Lebensführung zufügt (vgl. dazu AK 06 59 vom 
10. März 2006 E. 5.3). Sie fällt daher von vornherein ausser Betracht. Damit sind die 
erfolgten Kostendeckungsbeschlagnahmen als unverhältnismässig anzusehen. 

8.3 Die Staatsanwaltschaft macht weiter geltend, die Gebrauchsgegenstände gemäss 
Ziffern 1.1, 1.2, 1.6-1.9 und 1.11 der angefochtenen Verfügung seien auch zur späte-
ren Einziehung gemäss Art. 263 Abs. 1 lit. d StPO beschlagnahmt worden. Diese Be-
schlagnahme stützt sich auf eine Prognose, dass die fraglichen Gegenstände einer 
späteren Einziehung gemäss Art. 69 StGB unterliegen würden. Indessen ist eine Be-
schlagnahme als unzulässig anzusehen, wenn bereits im Untersuchungsstadium 
deutlich wird, dass eine Einziehung voraussichtlich nicht in Betracht kommt. Es 
braucht zwar – entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin – keinen strikten 
Nachweis des Beschlagnahmegrundes, doch sind für eine Glaubhaftmachung kon-
krete Sachumstände als Anhaltspunkte erforderlich (OBERHOLZER, Grundzüge des 
Strafprozessrechts, 3. Auflage, Bern 2012, S. 404; HEIMGARTNER, Strafprozessuale 
Beschlagnahme, Wesen, Arten und Wirkungen, Zürich 2011, S. 133 oben; AK 06 59 
vom 10. März 2006 E. 4.2). Solche liefert die Staatsanwaltschaft nicht. Die blosse 
Behauptung, die beschlagnahmten Gegenstände könnten möglicherweise mit den il-
legal erworbenen Sozialhilfegeldern gekauft worden sein, genügt nicht als Anhalts-
punkt für eine Beschlagnahme nach Art. 263 Abs. 1 lit. d StPO. Daher fällt auch eine 
Einziehungsbeschlagnahme ausser Betracht.

8.4 Damit erweist sich die Beschwerde auch in diesem Punkt als begründet. Die Be-
schlagnahmen der Vermögenswerte und der Gebrauchsgegenstände gemäss Ziffern 
1.1, 1.2, 1.6-1.11 sowie 1.20-1.24 der angefochtenen Verfügung sind aufzuheben. 
Diese sind der Beschwerdeführerin herauszugeben.

[…]