# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f202e550-004c-5fcd-9856-ceeb56513c63
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-08-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.08.2020 E-3506/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3506-2018_2020-08-20.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3506/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 0 .  A u g u s t  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richterin Roswitha Petry (Vorsitz), 

Richterin Contessina Theis,  

Richter William Waeber; 

Gerichtsschreiberin Regina Seraina Goll. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Syrien,   

vertreten durch lic. iur. Othman Bouslimi,  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 15. Mai 2018 / (…). 

 

 

 

E-3506/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin suchte am (…) November 2015 in der Schweiz 

um Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 2. Dezem-

ber 2015 und der Anhörung vom 12. April 2017 machte sie im Wesentlichen 

Folgendes geltend:  

Sie sei kurdischer Ethnie, in B._______, Provinz C._______, geboren, wo 

sie bis zur neunten Klasse D._______ und danach E._______ gewesen 

sei. Seit 2011 besitze sie die syrische Staatsangehörigkeit. Sie habe an der 

Uni (…) Geschichte studiert und dieses Studium (…) abgeschlossen. Seit 

(…) sei sie Mitglied der kurdischen F._______-Partei, für welche sie Auf-

klärungsarbeit geleistet und diverse Sitzungen in den Dörfern organisiert 

habe. (…) sei es in G._______ in diesem Zusammenhang zu einem Vorfall 

gekommen. Sie habe zusammen mit einem Studienkollegen eine Reise für 

ihre Kommilitonen geplant, um sich gegenseitig besser kennenzulernen. 

Kurz nach Beginn der Reise seien sie jedoch angehalten und kontrolliert 

worden. Sie und ein paar weitere Personen seien nach dem Namen gefragt 

worden. Am nächsten Morgen sei sie gerufen und in die Zweigstelle der 

politischen Sicherheitskräfte gebracht worden. Dort habe man sie gefragt, 

im Auftrag welcher Partei sie diese Reise geplant habe. Da sie gesagt 

habe, diese habe nur zum gegenseitigen Kennenlernen gedient, sei sie 

über Nacht in einen unterirdischen Raum gesperrt und am nächsten Tag 

wiederum dem Befrager gegenübergestellt worden. Sie habe erklärt, nicht 

gewusst zu haben, dass eine solche Reise illegal sei und versprochen, es 

werde nicht mehr vorkommen. Nachdem sie ein entsprechendes Schrei-

ben unterzeichnet habe, sei sie freigelassen worden.  

2011 während der Prüfungsphase seien alle Studenten aufgefordert wor-

den, an eine Kundgebung zu gehen, um Bashar al-Assad zu unterstützen. 

Sie und zwei Studienkolleginnen hätten sich geweigert und seien in ihren 

Zimmern geblieben. Diese seien jedoch kontrolliert worden, weswegen sie 

festgenommen und eingesperrt worden seien. Ihr sei vorgeworfen worden, 

regimekritische Parolen an eine Wand gesprüht zu haben. Da sie das nicht 

getan habe, habe sie auch verneint, etwas damit zu tun zu haben, weshalb 

sie "nach unten" gebracht worden sei, wo sie zum Reden gebracht werden 

sollte. Sie sei bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen worden. Nachdem sie 

wieder bei Sinnen gewesen sei, habe sie erklärt, alles gestehen zu wollen. 

Nachdem der Befrager kurz telefoniert habe, habe sie ein Schreiben unter-

zeichnen und bestätigen müssen, dass sie künftig ihre Studienkollegen für 

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Seite 3 

die politischen Sicherheitskräfte im Auge behalten werde. Sie sei danach 

einmal angerufen worden und habe erklärt, nach den Prüfungen Informati-

onen zu liefern. Nach den Prüfungen und dem Abschluss ihres Studiums 

sei sie jedoch nach Hause zurückgekehrt und nicht wieder kontaktiert wor-

den. Das Diplom habe sie durch einen Freund in G._______ abholen las-

sen. 

Im (…) 2015 habe sie als Geschichtslehrerin eine dreimonatige Mutter-

schaftsvertretung an der Schule in H._______ übernommen und unter der 

Woche jeweils bei ihrem Onkel in I._______ gewohnt. Sie sei die einzige 

Kurdin an der Schule gewesen. Eines Tages sei es einer ihrer Schülerinnen 

nicht gut gegangen. Diese habe jedoch nicht auf die Krankenstation gehen 

wollen, weshalb sie sie in einer freien Stunde nach Hause begleitet habe. 

Dort sei sie auf einen Kaffee eingeladen worden. Der Vater habe telefoniert, 

kurz bevor sie das Haus verlassen habe. Als sie schliesslich auf dem Rück-

weg zur Schule gewesen sei, sei ein Auto neben ihr zum Stehen gekom-

men und der Fahrer habe sie auf Arabisch begrüsst und sie nach dem Weg 

gefragt. Als sie sich vom Auto abgewendet habe, sei sie von hinten ange-

griffen und betäubt worden. Sie sei später gefesselt und mit verbundenen 

Augen aufgewacht und habe gehört, wie mehrere Männer den Raum im-

mer wieder verlassen und betreten hätten. Danach hätten sie sie geschla-

gen, bis sie in Ohnmacht gefallen sei. Als sie erwacht sei, habe sie nur das 

Wort "Abend" verstanden und daraus geschlossen, dass es schon spät 

war. An der BzP machte sie überdies geltend, es habe einen Vergewalti-

gungsversuch gegeben. Später sei sie nochmals geschlagen und dann ge-

fesselt mit einem Fahrzeug in den Wald gebracht worden, wo sie nach un-

gefähr einer halben Stunde von ihrem Onkel und dessen Ehefrau abgeholt 

worden sei. Da sie am Vortag nicht nach Hause gekommen sei, habe ihr 

Onkel sie in der Schule gesucht, wo er an die Eltern der kranken Schülerin 

verwiesen worden sei. Diese hätten sich auf Druck des J._______, wel-

chem ihre Cousins angehörten, für ihre Freilassung eingesetzt. Danach sei 

sie ein bis zwei Monate bei ihrem Onkel geblieben, bevor sie nach Hause 

zu ihrer Familie gegangen sei. Dort seien die Dorfbewohner davon ausge-

gangen, dass sie vergewaltigt worden sei und diese Schande nur mit einer 

Heirat bedeckt werden könne. Im (…) 2015 habe sie alles nicht mehr aus-

gehalten, weshalb sie aus Syrien ausgereist und in die Schweiz gekommen 

sei, wo sie mehrere Geschwister und weitere Verwandte habe.  

Zum Nachweis ihrer Identität reichte die Beschwerdeführerin ihre Identi-

tätskarte im Original ein. Ausserdem legte sie drei behördliche Dokumente 

betreffend ihre Reise in die Schweiz, ein Diplom der Universität (…), ein 

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Blutspendenausweis, zwei Auszüge aus dem Familienregister, sieben 

Schuldokumente, eine Mitgliederbestätigung der F._______-Partei, zehn 

Fotos betreffend Ihrer Tätigkeiten für die F._______-Partei in Syrien, acht 

Fotos ihrer Tanzgruppe und Parteitätigkeit in der Schweiz, zwei Fotos von 

Ihrer Reise über das Meer Richtung Schweiz sowie drei Fotos einer De-

monstrationsteilnahme in der Schweiz ins Recht.  

B.  

Mit Verfügung vom 15. Mai 2018 – eröffnet am 17. Mai 2018 – verneinte 

die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin, lehnte 

ihr Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung an. Aufgrund der Unzu-

mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nahm sie die Beschwerdeführerin 

vorläufig in der Schweiz auf. 

C.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 15. Juni 2018 be-

antragte die Beschwerdeführerin die Aufhebung der angefochtenen Verfü-

gung, die Feststellung ihrer Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von 

Asyl.  

In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.  

D.  

Mit Schreiben vom 18. Juni 2018 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht 

den Eingang der Beschwerde. 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 27. Juni 2018 hiess die damals zuständige 

Instruktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschus-

ses.  

F.  

Mit Schreiben vom 26. November 2019 reichte die Beschwerdeführerin un-

aufgefordert eine Ergänzung ihrer Beschwerde ein.  

G.  

Mit Verfügung vom 14. Mai 2020 lud die neu zuständige Instruktionsrichte-

rin die Vorinstanz ein, sich zur Beschwerdeschrift vernehmen zu lassen 

und bat sie ausdrücklich, sich zur geltend gemachten Reflexverfolgung zu 

äussern. Mit Schreiben vom 26. Mai 2020 verzichtete die Vorinstanz auf 

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Seite 5 

eine Stellungnahme, weshalb die Vernehmlassung lediglich zur Kenntnis 

an die Beschwerdeführerin gesandt wurde.  

H.  

Am (…) heiratete die Beschwerdeführerin einen irakischen Staatsangehö-

rigen, dessen Asylgesuch noch hängig ist.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes 

vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie-

gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-

stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel  so auch vorliegend  endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

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Seite 6 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die 

Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von 

bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise solche mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr 

die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf-

gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu 

werden drohen. Die erlittene Verfolgung muss sachlich und zeitlich kausal 

für die Ausreise aus dem Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeit-

punkt des Asylentscheids noch aktuell sein. Massgeblich für die Beurtei-

lung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im Zeitpunkt des Entschei-

des, wobei erlittene Verfolgung oder im Zeitpunkt der Ausreise bestehende 

begründete Furcht vor Verfolgung  im Sinne einer Regelvermutung  auf 

eine andauernde Gefährdung hinweist. Veränderungen der Situation zwi-

schen Ausreise und Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asyl-

suchenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2; 2009/51 

E. 4.2.5; 2007/31 E. 5.2 f., je m.w.H.). 

3.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

  

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Seite 7 

4.  

4.1 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Asylentscheid mit ihren 

Zweifeln am Wahrheitsgehalt der Aussagen der Beschwerdeführerin, da 

sie teils realitätsfremde, widersprüchliche sowie unsubstantiierte Angaben 

gemacht habe, denen es insbesondere an Realkennzeichen mangle. 

So habe sie an der BzP erwähnt, sie sei in H._______ von Arabern entführt 

worden, als sie eine kranke Schülerin besucht und danach das Haus wie-

der verlassen habe. Anlässlich der Anhörung habe sie hingegen nicht an-

gegeben, eine kranke Schülerin zu Hause besucht zu haben, sondern 

diese in einer Freistunde aufgrund ihrer Schmerzen nach Hause begleitet 

zu haben. Ihre diesbezüglichen Schilderungen in Bezug auf die Umstände 

der kranken Schülerin würden seltsam anmuten. Es widerspreche der Er-

fahrung des SEM, dass Menschen, die unter Schmerzen leiden, unruhig 

die Gegend beobachten würden. Die Bilder, welche die Beschwerdeführe-

rin zu vermitteln versuche, würden darauf hindeuten, dass sie ihrer kon-

struierten Geschichte mit solchen Aussagen Nachdruck verleihen wolle.  

Des Weiteren habe sie ausgeführt, sie sei auf Arabisch angesprochen wor-

den, als sie das Haus der Schülerin verlassen habe, und kurz darauf be-

wusstlos geworden. Als sie zu sich gekommen sei, hätten die Entführer 

eine Sprache gesprochen, die sie nicht gekannt habe. Sie habe nur das 

Wort „Abend" verstanden. Direkt auf die Sprache angesprochen habe sie 

zu Protokoll gegeben, die Sprache habe nach Arabisch oder Persisch ge-

klungen. Abgesehen davon, dass sie angegeben habe, fliessend Arabisch 

zu sprechen und über einen Universitätsabschluss verfüge, sei es realitäts-

fremd zu behaupten, die Sprache habe „nach Arabisch, nach Persisch" ge-

klungen, zumal dies zwei unterschiedliche Sprachen sind, die zudem einer 

anderen Sprachfamilie entspringen würden. Es mute auch etwas seltsam 

an, dass Sie lediglich (oder gerade) das Wort „Abend" verstanden haben 

wolle. Es könne trotz verkürzter BzP erwartet werden, dass die Antworten 

wahrheitsgetreu beantwortet würden, weshalb ihr Argument, sie habe an 

der BzP nicht die Möglichkeit erhalten, sich näher zu diesen Punkten zu 

äussern, nicht überzeuge.  

Die Beschwerdeführerin sei im Jahr 2010 von politischen Sicherheitskräf-

ten festgenommen und verhört worden. Sie könne aber nicht mit absoluter 

Sicherheit sagen, dass es sich im Jahre 2015 ebenfalls um die politischen 

Sicherheitskräfte gehandelt habe. Es sei aber davon auszugehen, dass sie 

bemerken müsste, ob es sich bei den Entführern um politische Sicherheits-

kräfte oder um den Daesh handle. Ihre Vermutung betreffend die kranke 

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Schülerin, deren Familie möglicherweise dem Daesh angehört habe, über-

zeuge nicht. Es sei realitätsfremd, dass die Schülerin einerseits dem Daesh 

angehörig und damit strengen religiösen Regeln unterworfen sein soll und 

ihre Familie es anderseits zulasse, dass sie eine gemischte Schule besu-

che.  

An der Anhörung habe sie ausserdem die an der BzP geltend gemachte 

versuchte Vergewaltigung nicht mehr erwähnt. Sie wisse nicht, was die 

Peiniger ihr angetan hätten, als Sie bewusstlos gewesen sei. Der Arzt habe 

nur die oberflächlichen Wunden behandelt. Ihr Onkel habe nicht gewagt, 

ihr zu sagen, dass sie mit seiner Frau zu einem Arzt gehen solle um fest-

zustellen, ob sie vergewaltigt worden sei. Diese wiederholten Schilderun-

gen und Erklärungen würden erstaunen, da sie an der BzP auf Nachfrage 

explizit erwähnt habe, es sei bei einem Vergewaltigungsversuch geblieben. 

Da sie sich keiner frauenärztlichen Kontrolle unterzogen habe, liessen sich 

diese unterschiedlichen Schilderungen auch nicht in Form einer nachträg-

lich erfahrenen Diagnose erklären.  

Abgesehen von den unterschiedlichen Ausführungen enthielten die Schil-

derungen realitätsfremde Aspekte, seien stereotyp und würden keine Re-

alkennzeichen aufweisen. In Bezug auf ihre Schilderungen in der freien 

Rede zu ihren Asylgründen sei festzuhalten, dass diese in auffallend chro-

nologischer Manier und mit wenigen Realkennzeichen ausgefallen seien. 

Die zu erwartenden Realkennzeichen würden insbesondere in Bezug auf 

ihre Gemütslage, Gefühle, Schmerzen und die Vorkommnisse während der 

Entführung fehlen. Die zahlreichen stereotypen Aussagen würden vielmehr 

den Eindruck vermitteln, dass sie sich an einer Filmszene orientiert habe, 

weil sie nicht auf Selbsterlebtes zurückgreifen könne, was den Eindruck 

eines konstruierten Vorbringens vermittle. Aufgrund der Unglaubhaftigkeit 

der Schilderungen sei nicht weiter auf deren Asylrelevanz einzugehen.  

Die beiden Vorfälle in den Jahren 2010 und 2011 hätten zum Zeitpunkt ihrer 

Ausreise aus Syrien im (…) 2015 bereits über vier respektive fünf Jahre 

zurückgelegen. Es würden keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sie 

wegen der geltend gemachten Begebenheiten im Zeitpunkt ihrer Ausreise 

noch mit Verfolgungsmassnahmen hätte rechnen müssen. So habe sie 

dann auch erklärt, nach ihrer Freilassung bis zur Ausreise in diesem Zu-

sammenhang keine Probleme mehr gehabt zu haben. Der erforderliche 

zeitliche Zusammenhang zwischen der geltend gemachten Haft und der 

Flucht aus Syrien sei somit nicht gegeben, weshalb die diesbezüglichen 

Aussagen nicht auf ihre Glaubhaftigkeit geprüft werden müssten.  

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Seite 9 

Den Akten sei ausserdem an keiner Stelle zu entnehmen, dass die Be-

schwerdeführerin aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur F._______-Partei einer 

Verfolgung oder anderen Nachteilen ausgesetzt gewesen sei. In der Erst-

befragung habe sie ihre Zugehörigkeit zur Partei nicht und im Rahmen der 

Anhörungen die diesbezüglichen Betätigungen nur auf Nachfrage erwähnt. 

Aus dem vage gehaltenen Bestätigungsschreiben der F._______-Partei 

gehe nicht hervor, weshalb sie bei einer eventuellen Rückkehr nach Syrien 

in Lebensgefahr geraten sollte. Ausserdem sei das Bestätigungsschreiben 

als mutmassliches Gefälligkeitsdokument zu klassifizieren. Es könne daher 

nicht auf eine erfolgte oder drohende zielgerichtete Verfolgung geschlos-

sen werden. 

Die exilpolitische Tätigkeit der Beschwerdeführerin liessen nicht ein Bild 

einer herausragend aktiven Person entstehen. Demzufolge sei nicht davon 

auszugehen, dass sie im Rahmen dieser niederschwelligen Aktionen durch 

die Behörden als Regimegegnerin identifiziert und registriert würde. Vor 

dem Hintergrund des Überlebenskampfes des syrischen Regimes und der 

Intervention aus dem Ausland in diesem Kampf sei es zwar naheliegend, 

dass auch rückkehrende Asylbewerber verstärkt unter dem Gesichtspunkt 

möglicher Kenntnis von Aktivitäten der Exilopposition verhört würden. Die 

Anforderungen an den Exponierungsgrad einer exilpolitisch tätigen Person 

zur Bejahung einer Gefährdung bei einer Rückkehr seien jedoch zu vernei-

nen. Insgesamt entstehe aufgrund ihrer Persönlichkeit und der Form der 

Auftritte nicht der Eindruck, sie könnte aus Sicht des syrischen Regimes 

als potenzielle Bedrohung wahrgenommen werden. 

Zuletzt sei vollständigkeitshalber festzuhalten, dass ihre Geschwister und 

ihr Schwager in der Schweiz Asyl erhalten respektive als Flüchtlinge aner-

kannt worden seien. Sie habe jedoch in keiner Weise zu erkennen gege-

ben, dass sie wegen ihren Verwandten konkreten Verfolgungsmassnah-

men ausgesetzt gewesen sei oder sie solche befürchtet hätte. Dass ihr im 

Falle der Wiedereinreise eine Reflexverfolgung drohen würde, sei aufgrund 

der Fallumstände mithin als nicht wahrscheinlich einzustufen.  

4.2 Die Beschwerdeführerin entgegnete den Vorwürfen der Vorinstanz fol-

gendermassen: 

Im arabischen Sprachgebrauch mache man keinen Unterschied in der Dar-

stellung, jemanden zu besuchen oder jemanden nach Hause zu begleiten 

und in der Folge einen Kaffee zu trinken. Mit dem Besuch habe sie vielmehr 

die Einladung zum Kaffee bezeichnet. Der summarische Charakter an der 

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Seite 10 

BzP erlaube es den Asylsuchenden nicht, ihre Erlebnisse im Detail zu schil-

dern. Hinsichtlich der vorgeworfenen widersprüchlichen Angaben zur Spra-

che ihrer Entführer müsse festgehalten werden, dass sie Kurdin und des 

Hocharabischen mächtig sei, allerdings nicht alle arabischen Dialekte von-

einander zu unterscheiden vermöge. Die Vielfalt regionaler Dialekte stelle 

auch für Personen arabischer Muttersprache eine Herausforderung dar. 

Ausserdem sei sie aufgrund der Ereignisse schwer traumatisiert gewesen. 

Aus diesem Grund sowie vor dem kulturellen Hintergrund ihres Herkunfts-

landes sei es verständlich, dass sie keine detaillierteren Angaben zur Ver-

gewaltigung habe machen können. Diese Einsicht sei auch der Rechtspre-

chung des Bundesverwaltungsgerichts zu entnehmen. Ausserdem weise 

sie sehr wohl ein politisches Profil auf und habe sich in Syrien aktiv für die 

F._______-Partei engagiert. Sie habe sich für die kurdische Kultur und 

Sprache und somit für etwas eingesetzt, was vom syrischen Regime offizi-

ell verboten worden sei. Es habe sich bereits 2010 und 2011 gezeigt, dass 

die syrischen Behörden ihre kulturelle und politische Tätigkeit nicht tolerie-

ren würden. Das fehlende Vorbringen der Reflexverfolgung sei darauf zu-

rückzuführen, dass sie nie dazu befragt worden sei. Dazu wäre sie auf-

grund der Tatsache, dass mehrere Familienangehörige politisches Asyl er-

halten hätten, jedoch verpflichtet gewesen. Die Annahme der Vorinstanz, 

sie habe daher keine Verfolgungsmassnahmen zu befürchten, stelle eine 

unbegründete Behauptung dar und beruhe nicht auf einer konkreten Aus-

sage. Ausserdem sei darauf hinzuweisen, dass den syrischen Behörden 

bewusst sei, dass sie einer oppositionspolitisch sehr engagierten Familie 

entstamme und damit im Falle einer Rückkehr nach Syrien ernsthaft ge-

fährdet sei.  

4.3 Mit Schreiben vom 26. November 2019 informierte die Beschwerdefüh-

rerin das Gericht über die Übereinkunft vom 13. Oktober 2019 der Kurden 

mit dem syrischen Regime, der syrischen Armee zwecks Verteidigung der 

Grenzen gegen die türkischen Invasoren das Vorrücken in die kurdischen 

Gebiete in Rojava zu erlauben. Die syrischen Truppen seien bereits in zahl-

reiche Städte eingerückt. Das syrische Regime sei somit daran, auch die 

kurdischen Gebiete in Rojava wieder unter seine Kontrolle zu bringen. Die 

türkische Offensive habe laut UNO eine Flüchtlingswelle von 160'000 Men-

schen verursacht, während mehr als 7'500 Kurden aus Syrien, die den 

Kämpfen entkommen seien, nun Flüchtlinge im irakischen Grenzkurdistan 

seien. Die syrische Armee würde am Flughafen in Al-Qamishli Kurden ver-

haften und gegen von der Yekîneyên Parastina Gel (YPG, Volksverteidi-

gungseinheiten) verhaftete Araber tauschen. Ihre Ausschaffung nach Sy-

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Seite 11 

rien würde neben der desaströsen aktuellen Situation für die syrischen Kur-

den überdies bedeuten, dass sie Opfer eines solchen Handels werden 

könnte.  

5.  

5.1 Hinsichtlich der Einschätzung der allgemeinen Lage in Syrien ist auf 

das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-5779/2013 vom 25. Februar 

2015 zu verweisen. Die Situation in Syrien hat sich seither zwar verändert, 

aber nicht verbessert. Durch zahlreiche Berichte ist belegt, dass die staat-

lichen syrischen Sicherheitskräfte seit dem Ausbruch des Konflikts im März 

2011 gegen tatsächliche oder vermeintliche Regimegegner mit grösster 

Brutalität und Rücksichtslosigkeit vorgehen. Personen, die durch die staat-

lichen syrischen Sicherheitskräfte als Gegner des Regimes identifiziert 

werden, haben eine Behandlung zu erwarten, die einer flüchtlingsrechtlich 

relevanten Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG gleichkommt (vgl. Urteil 

des BVGer D-5779/2013 vom 25. Februar 2015 E. 5.7.2 [als Referenzurteil 

publiziert]).  

5.2 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-

gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der 

Gesuchstellerin. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der 

gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder 

nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesent-

liche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschick-

sals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substanziierte, im Wesent-

lichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vor-

kommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlitte-

nen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinrei-

chende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine 

Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüch-

lichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurtei-

lung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Ele-

mente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Sub-

stanziiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit 

usw.), die für oder gegen die Gesuchstellerin sprechen. Glaubhaft ist eine 

Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die 

Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vor-

bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we-

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sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachver-

haltsdarstellung sprechen (vgl. Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 23. 

Februar 2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.).  

Der Vollständigkeit halber ist vorerst zu erwähnen, dass die Schlussfolge-

rungen, welche die Vorinstanz aus ihrer Glaubhaftigkeitsprüfung zieht, 

durch das Bundesverwaltungsgericht nicht umfassend geteilt werden kön-

nen.  

So kann dem dargelegten Widerspruch betreffend den Besuch bei der 

Schülerin beziehungsweise die Begleitung der Schülerin nicht gefolgt wer-

den, zumal die Erklärung der Beschwerdeführerin, dies bedeute im arabi-

schen Sprachgebrauch dasselbe, durchaus überzeugt. Auch der Vorwurf, 

Menschen die unter Schmerzen leiden würden, würden nicht unruhig die 

Gegend beobachten, scheint sehr weit hergeholt. Verhaltensweisen von 

Menschen lassen sich nicht derart generalisieren. Auch hinsichtlich des 

Verständnisses der arabischen Sprache ist der Beschwerdeführerin beizu-

pflichten. Beim Mithören eines Gesprächs kann das Erkennen einer frem-

den Sprache tatsächlich schwierig sein. Dies ist auch im Fall der Beschwer-

deführerin und trotz ihrer Kenntnisse in Hocharabisch nachvollziehbar, zu-

mal die arabische Sprache unzählige Dialekte aufweist. Dass sie lediglich 

das Wort "Abend" verstanden haben will, vermag allein nicht die Schilde-

rung ihrer Entführung in Zweifel zu ziehen. Der persischen Sprache ist die 

Beschwerdeführerin nicht mächtig, weshalb der entsprechenden Vermu-

tung wenig Gewicht zukommt.  

Die Beschwerdeführerin legt von sich aus dar, dass sie nicht sicher sei, ob 

die politischen Sicherheitsbehörden hinter ihrer Entführung stünden oder 

möglicherweise doch der Daesh. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz 

spricht diese Unwissenheit nicht per se gegen ihre Vorbringen. Das Argu-

ment der Vorinstanz, es sei realitätsfremd, dass die Tochter von Daesh-

Anhängern eine gemischte Schule besuche, ist durchaus berechtigt. Aller-

dings hat die Vorinstanz nicht abgeklärt, ob es sich dabei um die einzige 

Schule im Umkreis handelt. Aufgrund der Nebensächlichkeit dieses Argu-

ments kann aber auf eine solche Abklärung auch vorliegend verzichtet wer-

den. Der Vorinstanz ist zwar insofern beizupflichten, als dass die Be-

schwerdeführerin den an der BzP erwähnten Vergewaltigungsversuch an 

der Anhörung nicht mehr vorbrachte. Die entsprechende Erklärung, es 

habe keine Untersuchung stattgefunden, ist allerdings nicht unplausibel. In 

einem islamischen Staat stellt eine Vergewaltigung offensichtlich auch für 

das Opfer eine Schande dar. Dass sie sich nicht darum bemüht hat, eine 

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Seite 13 

solche offiziell nachweisen zu lassen, erscheint durchaus nachvollziehbar, 

zumal sie offenbar auch nicht in Erwägung zog, die Verfolger bei der Polizei 

anzuzeigen. Überdies wäre wohl durch eine Untersuchung lediglich eine 

Vergewaltigung nachzuweisen gewesen, nicht ein entsprechender Ver-

such. Hinzu kommt die Scham, darüber zu berichten. Es mutet allerdings 

tatsächlich etwas abenteuerlich an, dass die Beschwerdeführerin mitten in 

der Wildnis ausgesetzt worden sein soll, doch ist auch nicht davon auszu-

gehen, dass die Entführer eine verwundete Frau mit zerrissener Kleidung 

mitten im Dorf oder vor ihrem Posten abholen lassen oder diese nach 

Hause fahren würden. Hinsichtlich des Vorwurfs, die Schilderungen der 

Beschwerdeführerin würden keine Realkennzeichen aufweisen, ist festzu-

halten, dass ihre Erzählung tatsächlich etwas spärlich ausgefallen ist. In-

dessen sind ihr auch einige Details zu entnehmen (vgl. etwa die Ge-

sprächswiedergabe mit dem angeblich kranken Mädchen, dass die Mutter 

die Tür geöffnet hat, dass der Vater zu diesem Zeitpunkt eben erst nach 

Hause gekommen ist, die genaue Ortsangabe bei der Frage des Chauf-

feurs, dass sie sich aus Angst ohnmächtig gestellt hat, dass ihr Onkel sie 

beim Auffinden nicht habe ansehen können und sich daher weggedreht 

und geraucht hat; vgl. hierzu A13 F59). Letztlich kann ein abschliessendes 

Urteil betreffend die Glaubhaftigkeit unterbleiben, zumal es ihr selbst bei 

deren Annahme nicht gelungen ist, in nachvollziehbarer Weise eine asyl-

rechtlich relevante Gefährdung im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Syrien dar-

zutun.  

Wie die Vorinstanz bereits darlegte, waren die beiden von der Beschwer-

deführerin geschilderten Vorfälle vom Jahr 2010 und 2011 zeitlich nicht 

kausal für ihre Ausreise aus Syrien und folglich bereits aufgrund dessen 

nicht asylrelevant. Auch beim letzten Vorfall (Entführung durch Unbe-

kannte) ist das Vorliegen dieses zeitlich notwendigen Elements zumindest 

fraglich. So führte sie aus, nach dem Vorfall noch ein bis zwei Monate bei 

ihrem Onkel und danach ungefähr zwei Monate bei ihren Eltern gewesen 

zu sein und keine Ausreise geplant zu haben (vgl. A13 F84 f.). Angst vor 

weiteren Angriffen machte sie nicht geltend. Folglich ist auch nicht von ei-

ner objektiven und/oder subjektiven Furcht vor weiteren Übergriffen durch 

die unbekannten Entführer auszugehen. Den Entschluss auszureisen habe 

sie erst gefällt, als Leute in ihrer Umgebung – welche offenbar von einer 

Vergewaltigung ausgegangen seien – über sie gesprochen und ihr geraten 

hätten, so schnell wie möglich einen ihrer Cousins zu heiraten, um diese 

Schande zu vertuschen. Sie habe die Situation nicht mehr ausgehalten und 

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Seite 14 

sei daher in die Schweiz gereist (vgl. A13 F84). Dieser letztlich ausschlag-

gebende Ausreisegrund ist nicht asylrelevant, da er kein asylrelevantes 

Motiv im Sinne von Art. 3 AsylG darstellt.  

5.3 Aufgrund der allgemeinen Lage in Syrien verfügte die Vorinstanz die 

vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführerin in der Schweiz. Die mit 

Schreiben vom 26. November 2019 eingereichte Stellungnahme der Be-

schwerdeführerin zur aktuellen Lage in Syrien vermag an der obigen Ein-

schätzung nichts zu ändern, zumal daraus keine Verfolgung ihrer Person 

hervorgeht.  

5.4 Unter Reflexverfolgung sind behördliche Belästigungen oder Behelli-

gungen von Angehörigen aufgrund des Umstandes zu verstehen, dass die 

Behörden einer gesuchten, politisch unbequemen Person nicht habhaft 

werden oder schlechthin von deren politischen Exponiertheit auf eine sol-

che auch bei Angehörigen schliessen. Der Zweck einer solchen Reflexver-

folgung kann insbesondere darin liegen, Informationen über effektiv ge-

suchte Personen zu erlangen beziehungsweise Geständnisse von Inhaf-

tierten zu erzwingen (vgl. dazu bspw. Urteil des BVGer D-2037/2016 vom 

23. August 2018 E. 4.2.3 m.w.H.). Die Verfolgung von Angehörigen ver-

meintlicher oder wirklicher politischer Oppositioneller durch die syrischen 

Behörden ist durch diverse Quellen dokumentiert. Es lassen sich unter-

schiedliche Motive für die Verfolgung von Angehörigen politischer Opposi-

tioneller erkennen. So werden Angehörige verhaftet und misshandelt, um 

eine Person für ihre oppositionelle Gesinnung oder ihre Desertion zu be-

strafen, um Informationen über ihren Aufenthaltsort in Erfahrung zu brin-

gen, um eine Person zu zwingen, sich den Behörden zu stellen, um ein 

Geständnis zu erzwingen, um weitere Personen abzuschrecken oder um 

Angehörige für eine unterstellte oppositionelle Haltung zu bestrafen, die 

ihnen aufgrund ihrer Nähe zu vermeintlichen oder wirklichen Oppositionel-

len zugeschrieben wird (vgl. zum Ganzen: Urteil des BVGer D-7317/2015 

vom 26. März 2018 E. 6.2 m.w.H.).  

Was das allfällige Bestehen einer Reflexverfolgung durch die syrischen Be-

hörden wegen der Verwandtschaft der Beschwerdeführerin zu ihren in der 

Schweiz lebenden Geschwistern und diversen Verwandten betrifft, ist fest-

zuhalten, dass eine solche im Zeitpunkt der Flucht nicht vorlag beziehungs-

weise geltend gemacht wurde. Die Beschwerdeführerin bringt erst auf Be-

schwerdeebene eine Reflexverfolgung vor. Aufgrund politischer Tätigkeit 

hätten zwei ihrer Brüder, eine Schwester und diverse Onkel und Tanten in 

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Seite 15 

der Schweiz Asyl erhalten. Die Vorinstanz war sich dieser Verwandt-

schaftsverhältnisse bewusst, hat diese aber aufgrund des fehlenden Vor-

bringens durch die Beschwerdeführerin nicht geprüft und sich nicht dazu 

vernehmen lassen. Da die Beschwerdeführerin die mögliche Reflexverfol-

gung erst auf Beschwerdeebene vorbringt, diese kaum begründet ist und 

ihr daraus keine asylrelevanten Vorfluchtgründe zu entstanden sein schei-

nen, ist der Vorinstanz beizupflichten, dass diese nachgeschoben wirkt. Al-

lerdings sind die verwandtschaftlichen Verhältnisse im Rahmen der folgen-

den Prüfung allfälliger objektiver Nachfluchtgründe zu berücksichtigen. 

5.5 Im Falle einer Rückkehr nach Syrien hätte die Beschwerdeführerin da-

mit zu rechnen, dass sie durch Angehörige der syrischen Sicherheitskräfte 

einer einlässlichen Kontrolle unterzogen wird (vgl. Urteil des BVGer  

D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.3.1 [als Referenzurteil publiziert]). 

Wenngleich die Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt der Ausreise aus Sy-

rien im Jahr 2015 nicht aktuell verfolgt war und auch keine begründete 

Furcht vor Verfolgung hegen musste, gilt es deshalb zu prüfen, ob ihr heute 

für den Fall einer (hypothetischen) Rückkehr nach Syrien aufgrund bereits 

vor der Ausreise vorhandener oder sich nach der Ausreise ergebender Ri-

sikofaktoren im Sinne von objektiven Nachfluchtgründen eine begründete 

Furcht vor Verhaftung und Folter und mithin ernsthaften asylrechtlich rele-

vanten Nachteilen zu attestieren ist.  

5.5.1 Die Beschwerdeführerin ist seit (…) Mitglied der F._______-Partei 

und war bereits zuvor für die Partei aktiv (vgl. A13 F87). Für die Partei hat 

sie Krankenschwester- und Sprachkurse aufgebaut sowie Aufklärungsko-

mitees und Sitzungen organisiert. Letztere hat sie auch in anderen Dörfern 

geleitet (vgl. A13 F38 ff.). Im Jahr 2010 war sie aufgrund ihres politischen 

Aktivismus bereits kurzzeitig von politischen Sicherheitskräften auf den 

Posten zitiert, dort festgehalten und verhört worden, da sie eine Studien-

reise organisiert hat (vgl. A13 F49 ff. und F61 ff.). Ende Mai 2011 hat sie 

sich geweigert, an einer Demonstration als scheinbare Unterstützerin für 

Bashar al-Assad teilzunehmen, weshalb sie erneut zum Posten gebracht 

worden war. Dabei wurde sie geschlagen und ihr wurde vorgeworfen, Pa-

rolen an eine Wand geschrieben zu haben. Gegen das Versprechen, den 

Sicherheitskräften Informationen zu ihren Studienkollegen zu liefern, ist sie 

freigelassen worden (vgl. A13 F52 und F65 ff.). Danach ist sie nicht mehr 

verfolgt worden, da sie kurz darauf das Studium abgeschlossen und 

G.______ verlassen hat. Das Abschlusszeugnis hat sie nicht mehr selbst 

abholen können, sondern von einem Freund abholen lassen (vgl. A13 F55 

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Seite 16 

ff., F67 f. und F104). Auch in der Schweiz ist die Beschwerdeführerin wei-

terhin politisch tätig. Sie ist Teil einer Tanzgruppe und nimmt an monatli-

chen Sitzungen der F._______-Partei teil. Ihr ist sogar eine leitende Funk-

tion angeboten worden, die sie aber aufgrund der fehlenden regionalen 

Kenntnisse abgelehnt hat (vgl. A13 F88 ff.). Ihre politische Aktivität unter-

mauert sie mit zahlreichen Fotos aus Syrien und der Schweiz (vgl. A12 BM 

1 und 2, vgl. auch A13 F9 f.).  

5.5.2 Die Beschwerdeführerin hat in der Schweiz diverse Verwandte, wel-

chen politisches Asyl gewährt wurde. Ihr Bruder K._______ (N […]) ist ak-

tives Mitglied der F._______-Partei und in einer der Partei nahestehenden 

Musikfolkloregruppe gewesen. Bei einem Auftritt dieser Band am (…) in 

seinem Dorf ist es zu einer Auseinandersetzung mit den Behörden gekom-

men. Später ist er deswegen gesucht worden und daher nach G._______ 

zurückgekehrt. Im (…) 2010 ist er mit seiner sehr stark politisch tätigen 

Tante L._______ (N […]), die aufgrund ihrer politischen Tätigkeit 

(F._______-Partei) mehrmals über längere Zeit inhaftiert und gefoltert wor-

den war, aus Syrien ausgereist, nachdem sie in ihrem Laden gesucht wor-

den war, aber nur er dort anwesend war. Die Behörden haben seine Per-

sonalien abgenommen und ihn danach festnehmen wollen. Er hat aber flie-

hen und die Tante warnen können. Zusammen sind sie ausgereist und ha-

ben in der Schweiz Asyl erhalten. M._______ (N […]) – der Ehemann der 

Schwester der Beschwerdeführerin, N._______ – ist ebenfalls Mitglied der 

F._______-Partei. Er wurde unter dem Vorwurf, die Freie Syrischen Armee 

(FSA) zu unterstützen, verhaftet und gefoltert. Mithilfe einer Kontaktperson 

wurde er unter der Bedingung entlassen, künftig als Spitzel für das Regime 

tätig zu sein. Er floh mit seiner Familie in die Schweiz, wo er Asyl erhielt. 

Der Bruder der Beschwerdeführerin, O._______ (N […]), ebenfalls aktives 

Mitglied der F._______-Partei, war von feindlichen Milizionären festgenom-

men worden und ist einer Hinrichtung nur durch einen Gefangenentausch 

mit der P._______ -Partei entkommen. Letztere wollte ihn anschliessend 

rekrutieren. Da er sich geweigert hat, war er gezwungen, das Land zu ver-

lassen. Ein Onkel der Beschwerdeführerin, Q._______ (N […]), war 

P._______ -Kadermitglied und wurde in der Schweiz als Flüchtling vorläufig 

aufgenommen. Bei den beiden Schwestern der Beschwerdeführerin, 

R._______ (N […]) und S._______ (N […]) wurde die Reflexverfolgung ver-

neint (vgl. D-7735/2015 vom 30. März 2016 und D-4845/2019 vom 3. Juli 

2020). Im Unterschied zum vorliegenden Fall waren den Schwestern die 

Asylvorbringen grösstenteils nicht geglaubt worden.  

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Seite 17 

5.5.3 Die Beschwerdeführerin stammt folglich aus einer politischen Fami-

lie, von welcher viele Mitglieder in der Schweiz politisches Asyl erhalten 

haben. Ihre politische Tätigkeit in Syrien sowie in der Schweiz erfährt damit 

eine Akzentuierung. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass dieser familiäre 

und politische Hintergrund bei der Einreisekontrolle im Falle einer Rück-

kehr nach Syrien seitens der Behörden festgestellt würde. Es ist anzuneh-

men, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Syrien als Mit-

glied einer politisch oppositionell tätigen Familie eingestuft und zwecks wei-

terer Abklärungen beziehungsweise Befragungen den syrischen Geheim-

diensten übergeben würde. Angesichts der notorischen Vorgehensweise 

des syrischen Machtapparats gegen Personen, die als Regimegegner ein-

gestuft werden, hat sie deshalb begründeten Anlass anzunehmen, dass sie 

eine Behandlung erwartet, die einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfol-

gung im Sinne von Art. 3 AsylG gleichkommt. Die von der Beschwerdefüh-

rerin geäusserte subjektive Furcht vor Nachstellungen des syrischen Re-

gimes beziehungsweise vor einer menschenrechtswidrigen Behandlung im 

Rahmen der bei einer Rückkehr vorzunehmenden Sicherheitsüberprüfung, 

ist daher objektiv nachvollziehbar. Diesbezüglich ist ergänzend darauf hin-

zuweisen, dass die Schwelle zur Annahme begründeter Furcht bei Perso-

nen, die – wie die Beschwerdeführerin – in der Vergangenheit bereits Opfer 

von Verfolgung geworden waren, ohnehin herabgesetzt ist (vgl. BVGE 

2010/9 E. 5.2).  

5.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin auf-

grund der vorstehenden Sachverhaltselemente von den staatlichen Sicher-

heitskräften als (zumindest potentielle) Regimegegnerin eingestuft würde. 

Eine innerstaatliche Schutzalternative steht ihr nicht offen. Es ist ihr daher 

für den Fall einer Rückkehr nach Syrien zum heutigen Zeitpunkt eine be-

gründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG zu 

attestieren. Demzufolge ist sie als Flüchtling anzuerkennen. Mangels An-

zeichen für das Vorliegen eines Ausschlussgrundes (Art. 53 AsylG) ist ihr 

in der Schweiz Asyl zu gewähren (vgl. Art. 49 AsylG). 

6.  

Die Beschwerde ist daher gutzuheissen. Die angefochtene Verfügung vom 

15. Mai 2018 ist aufzuheben, die Beschwerdeführerin als Flüchtling anzu-

erkennen und die Vorinstanz anzuweisen, ihr Asyl zu gewähren. 

7.  

7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

E-3506/2018 

Seite 18 

7.2 Der vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsiegens in 

Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.  

Seitens des Rechtsvertreters wurde keine Kostennote eingereicht, wes-

halb das Honorar aufgrund der Akten festzulegen ist (Art. 14 Abs. 2 in fine 

VGKE). Unter Berücksichtigung der massgebenden Berechnungsfaktoren 

(Art. 8 – 11 VGKE) ist die Parteientschädigung auf Fr. 1'000.– (inkl. Ausla-

gen und Mehrwertsteuerzuschlag) festzusetzen. Die Vorinstanz ist anzu-

weisen, der Beschwerdeführerin diesen Betrag als Parteientschädigung zu 

entrichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-3506/2018 

Seite 19 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die angefochtene Verfügung vom 15. Mai 2018 wird aufgehoben, die Be-

schwerdeführerin wird als Flüchtling anerkannt und das SEM angewiesen, 

ihr Asyl zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 1'000.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Roswitha Petry Regina Seraina Goll 

 

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