# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 087ed153-fb15-5a35-a482-a7124541533e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-02-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.02.2012 D-4890/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4890-2009_2012-02-23.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­4890/2009
law/joc

U r t e i l   v om   2 3 .   F e b r u a r   2 0 1 2

Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz),
Richter Martin Zoller, 
Richter Pietro Angeli­Busi;
Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg.

Parteien A._______, geboren am (…),
Afghanistan,
vertreten durch Christian Hoffs, Rechtsberatungsstelle 
für Asylsuchende, St. Gallen / Appenzell, (…), 
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Gegenstand Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 1.  Juli 2009 / N (...).

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Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer,  ein  ethnischer  Tadschike  und  Sunnite,  verliess 
seinen  Heimatstaat  eigenen  Angaben  zufolge  am  1. Februar  2009  und 
reiste am 23. Februar 2009 in die Schweiz ein, wo er am gleichen Tag im 
Transitzentrum Altstätten um Asyl nachsuchte. Dort wurde er am 5. März 
2009 zu seiner Person, zum Reiseweg und summarisch zu den Gründen 
für das Verlassen seines Heimatlandes befragt. Am 27. April 2009 hörte 
ihn das BFM einlässlich zu den Asylgründen an. 

Im  Rahmen  dieser  Anhörungen  gab  er  zur  Begründung  seines 
Asylgesuches  zu  Protokoll,  er  sei  in  Mazar­i­Sharif  (Provinz  Balkh) 
aufgewachsen und habe dort bis zu seiner Ausreise mit seinen Eltern und 
seinen Geschwistern gelebt und als (…) gearbeitet. Einige Zeit vor seiner 
Ausreise  habe  ihm  ein  Freund  eine  Bibel  aus  Pakistan mitgebracht.  Er 
habe  sich  für  das  Christentum  interessiert  und  den  Freund  daher 
gebeten,  ihm eine Bibel mitzubringen. Nach seiner Arbeit habe er  in der 
Bibel gelesen. Sein Vater habe das bemerkt und da er gedacht habe, er 
sei  konvertiert,  habe  sein  Vater  ihn  geschlagen.  Dies  habe  ihn  jedoch 
nicht davon abgehalten, weiter in der Bibel zu lesen. Sein Vater habe ihn 
daraufhin direkt beim Polizeiposten wegen Konversion zum Christentum 
angezeigt.  Danach  sei  er  festgenommen,  abgeführt  und  in 
Untersuchungshaft  versetzt  worden,  wo man  ihn  geschlagen  habe.  Am 
nächsten  Tag  sei  ein  Polizist  gekommen,  der  ihn  gekannt  habe.  Mit 
dessen Hilfe  sei  er  geflohen. Er  habe  sich  zu  seiner Cousine begeben. 
Deren  Ehemann  sei  Taxifahrer  und  habe  ihn  mit  dem  Auto  nach  Pule 
Chromi  gefahren  und  ihm  15'000  US­Dollar  für  die  Reise  gegeben. 
Danach sei er nach Kabul und von dort via Pakistan und Iran in die Türkei 
und  weiter  nach  Griechenland  gereist.  In  Griechenland  sei  er  für  zwei 
Tage  festgenommen  worden.  Von  Athen  aus  sei  er  schliesslich  mittels 
eines pakistanischen Passes in ein ihm unbekanntes Land geflogen und 
danach mit dem Auto in die Schweiz gelangt. 

Der  Beschwerdeführer  reichte  zur  Stützung  seiner  Vorbringen  eine 
afghanische Identitätskarte (Tazkara) im Original beim BFM ein. 

B. 
Mit  Verfügung  vom  1. Juli  2009  stellte  das  BFM  fest,  der 
Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das 
Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz 
und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. 

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C. 
Gegen  diese  Verfügung  liess  der  Beschwerdeführer  mittels  Eingabe 
seines  Rechtsvertreters  vom  31. Juli  2009  beim 
Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  beantragen,  der 
Entscheid  des  BFM  vom 
1.  Juli  2009  sei  aufzuheben,  es  sei  die  Flüchtlingseigenschaft 
festzustellen  und  es  sei  ihm  Asyl  zu  gewähren.  Eventualiter  sei  die 
Unzulässigkeit  respektive  die  Unzumutbarkeit  des  Vollzuges  der 
Wegweisung  festzustellen  und  ihm  die  vorläufige  Aufnahme  zu 
gewähren.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  liess  er  beantragen,  es  sei 
auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten  und  die 
unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. 

Der Beschwerde  lag – nebst einer Kopie der angefochtenen Verfügung, 
einer  Vertretungsvollmacht  und  einer  Fürsorgebestätigung  –  eine Kopie 
eines Haftbefehls (inkl. beglaubigter Übersetzung) bei. 

D. 
Mit  Verfügung  vom  11. August  2009  hiess  der  zuständige 
Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  das  Gesuch  um 
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 
des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  gut  und  verzichtete  auf  die 
Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Gleichzeitig  lud  er  das  BFM  zur 
Vernehmlassung ein. 

E. 
Mit  Stellungnahme  vom  13. August  2009  beantragte  das  BFM  die 
Abweisung der Beschwerde. 

F. 
Mit  Verfügung  vom  17. August  2009  erteilte  der  zuständige 
Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer die Gelegenheit,  sich bis zum 
1. September 2009 zur Vernehmlassung des BFM zu äussern. 

G. 
Mit  Schreiben  vom  25. August  2009  liess  der  Beschwerdeführer  das 
Original  des  von  ihm  beim  BFM  lediglich  in  Kopie  eingereichten 
Haftbefehls nachreichen. 

H. 
Mit  Eingabe  vom  25. November  2011  liess  der  Beschwerdeführer  dem 

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Bundesverwaltungsgericht  mitteilen,  dass  er  über  den  Verbleib  seiner 
Familienangehörigen in Afghanistan keine Kenntnis habe. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes 
vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 
AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochten  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1  VwVG).  Auf  die 
Beschwerde ist einzutreten. 

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 

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Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).  Grundsätzlich  sind  die  Vorbringen  eines  Gesuchstellers  dann 
glaubhaft,  wenn  sie  genügend  substanziiert,  in  sich  schlüssig  und 
plausibel sind; sie dürfen sich nicht  in vagen Schilderungen erschöpfen, 
in  wesentlichen  Punkten  nicht  widersprüchlich  sein  oder  der  inneren 
Logik  entbehren  und  auch  nicht  den  Tatsachen  oder  der  allgemeinen 
Erfahrung  widersprechen.  Darüber  hinaus  muss  die  gesuchstellende 
Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht 
der  Fall  ist,  wenn  sie  ihre  Vorbringen  auf  gefälschte  oder  verfälschte 
Beweismittel  abstützt,  aber  auch  dann,  wenn  sie  wichtige  Tatsachen 
unterdrückt  oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens 
Vorbringen  auswechselt,  steigert  oder  unbegründet  nachschiebt, 
mangelndes  Interesse  am  Verfahren  zeigt  oder  die  nötige  Mitwirkung 
verweigert.  Glaubhaftmachung  bedeutet  ferner  –  im  Gegensatz  zum 
strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum 
für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. 
Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürdigung die Gründe, die 
für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  des  Asylsuchenden 
sprechen,  überwiegen  oder  nicht.  Dabei  ist  auf  eine  objektivierte 
Sichtweise  abzustellen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2005  Nr. 21  E. 6.1 
S. 190 f.).

4. 
4.1.  Das  BFM  stellte  sich  in  der  angefochtenen  Verfügung  auf  den 
Standpunkt,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  wegen  Konversion 
zum  Christentum  von  seinem  Vater  geschlagen,  bei  der  Polizei 
angezeigt, durch diese festgenommen, inhaftiert und misshandelt worden 
zu  sein,  seien  zufolge  widersprüchlicher,  nicht  nachvollziehbarer  und 
unsubstanziierter Angaben als nicht glaubhaft  im Sinne von Art. 7 AsylG 
zu erachten. Das Bundesverwaltungsgericht erachtet diese Einschätzung 
– wie nachstehend unter E. 4.2 aufgezeigt – als zutreffend. 

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4.2.  Im Rahmen  der Erstbefragung  erklärte  der  Beschwerdeführer,  sein 
Vater habe gesehen, wie er  in der Bibel  gelesen habe und er habe  ihn 
geschlagen, weil er geglaubt habe, er sei konvertiert. Einmal während er 
gelesen habe, sei sein Vater von der Moschee zurückgekehrt und habe 
gesehen,  dass  er  immer  noch  die  Bibel  lese.  Da  sei  sein  Vater  wieder 
wütend  geworden,  habe  ihn  geschlagen  und  beim  Polizeiposten 
angezeigt  (vgl.  act.  A1/12,  S. 5).  Aufgrund  dieser  Aussagen  wäre 
demnach  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  insgesamt 
zwei  Mal  von  seinem  Vater  beim  Bibellesen  ertappt  worden  ist.  Im 
Gegensatz dazu spricht er an der einlässlichen Anhörung davon, dass ihn 
sein Vater ein drittes Mal beim Bibellesen erwischt habe (vgl. act. A12/13 
S. 5). Danach legt er wiederum dar, lediglich zwei Mal von seinem Vater 
bei  der  Bibellektüre  ertappt  worden  zu  sein  (vgl.  act.  A12/13  S. 8).  Auf 
diese Unstimmigkeit hingewiesen, brachte er vor, zwei oder drei Mal von 
seinem Vater beim Lesen erwischt worden zu sein. Er wisse nicht genau, 
ob  es  zwei  oder  drei  Mal  gewesen  seien  (vgl.  act.  A12/13  S. 8).  Dem 
BFM  ist  darin  beizupflichten,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  an  die 
genaue  Anzahl  erinnern  müsste,  zumal  es  sich  angesichts  der  damit 
verbundenen  Schläge  durch  den  Vater  um  einschneidende  Ereignisse 
handelte.  Zudem  spielten  sich  diese  innerhalb  eines  relativ  kurzen, 
wenngleich  vom  Beschwerdeführer  unterschiedlich  geschilderten 
Zeitrahmens ab. So legt er dar, erst zirka zehn bis zwölf Tage vor seiner 
Ausreise  (vgl.  act.  A1/12  S. 5)  respektive  zirka  einen  Monat  vor  der 
Auseinandersetzung mit  seinem Vater  die Bibel  erhalten  zu haben  (act. 
A12/13  S. 7).  Übereinstimmend  mit  dem  BFM  ist  in  diesem 
Zusammenhang  festzuhalten,  dass  nicht  plausibel  ist,  weshalb  der 
angeblich  sehr  religiöse  Vater  (vgl.  act.  A12/13  S. 4)  dem 
Beschwerdeführer die Bibel nicht entzogen hat, nachdem er diesen beim 
Bibelstudium  erwischt  hatte.  Unverständlich  ist  auch,  dass  der 
Beschwerdeführer  trotz  der  Beschuldigung  durch  seinen  Vater,  zum 
Christentum  konvertiert  zu  sein,  weiterhin  im  Elternhaus  in  der  Bibel 
gelesen hat. Mit einem solchen Verhalten hätte er sich – wie vom BFM zu 
Recht  erkannt  –  (weiterhin)  mutwillig  dem  Risiko  einer  Verfolgung 
ausgesetzt. In Afghanistan sind Personen bei einer Konversion vom Islam 
zum Christentum am  stärksten  durch  die  eigenen Familienangehörigen, 
Nachbarn oder muslimischen Eiferer bedroht. Konvertiten müssen damit 
rechnen, beschimpft und blossgestellt oder geschlagen zu werden, ihren 
Arbeitsplatz zu verlieren, ins Gefängnis zu kommen oder auch getötet zu 
werden.  Auch  wenn  die  Religionsfreiheit  in  der  Verfassung  von  2004 
garantiert  wird,  ist  es  gleichwohl  verpönt,  was  "im Widerspruch  zu  den 
Überzeugungen und Vorschriften der heiligen Religion des  Islam steht". 

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Gegen  einen  Muslim,  der  konvertiert,  kann  ein  Verfahren  wegen 
Apostasie  eingeleitet  werden.  Den  Richtern  steht  es  frei,  nach  dem 
islamischen Scharia­Gesetz zu urteilen, welches einen Religionswechsel 
als Gotteslästerung ansieht,  die mit  dem Tode bestraft werden kann.  In 
der  Vergangenheit  kam  es  –  wie  in  der  Beschwerde  ausgeführt  wird – 
vor,  dass  zum  Christentum  konvertierte  Muslime  zum  Tode  verurteilt 
wurden.  Konvertiten  üben  in  Afghanistan  ihren  Glauben  deshalb  im 
Geheimen aus. Vor diesem Hintergrund bietet  die Argumentation  in der 
Beschwerde, die  traditionellen Denk­ und Handlungsprozesse würden  in 
Afghanistan  anders  ablaufen,  keine  stichhaltige  Erklärung  für  das  vom 
Beschwerdeführer  geschilderte  Verhalten.  Angesichts  der  drohenden 
schwerwiegenden  Sanktionen  bei  einer  Beihilfe  zur  Flucht  eines 
Konvertiten  aus  der  Haft  erscheint  –  übereinstimmend  mit  dem  BFM – 
auch  unwahrscheinlich,  dass  ein  Polizeibeamter  dem  festgenommenen 
Beschwerdeführer seine Hilfe angeboten und ihm zur Flucht aus der Haft 
verholfen haben soll (vgl. act. A1/12 S. 5 f., A12/13 S. 5 f.). Gleich verhält 
es  sich  mit  der  vom  Beschwerdeführer  geschilderten  Hilfe  durch  den 
Ehemann  einer  Cousine  der  ihn,  nachdem  er  der  Cousine  respektive 
dessen Ehemann das Vorgefallene erzählt habe, umgehend mit dessen 
Taxi nach Pule Chromi gefahren haben soll  (vgl. act. A1/12 S. 5 und 7, 
A12/13  S. 6  und  8).  Da,  wie  erwähnt,  im  islamischen  Kontext  oftmals 
Verwandte  und  Nachbarn  die  stärksten  Verfolger  eines  der  Konversion 
Verdächtigten  sind,  erscheint  sowohl  die  Hilfeleistung  durch  den 
wachhabenden Beamten respektive Nachbarn als auch des Ehemannes 
der  Cousine  nicht  nachvollziehbar.  Zudem  erstaunt,  dass  letzterer  dem 
Beschwerdeführer  für  dessen  Ausreise  ohne  Weiteres  die  statthafte 
Summe  von  15'000  US­Dollar  zur  Verfügung  stellen  konnte  (vgl.  act. 
A1/12  S. 5,  act.  A12/13  S. 10).  Dabei  ist  anzumerken,  dass  sich  der 
Beschwerdeführer diesbezüglich ungereimt äussert, indem er einmal von 
15'000  US­Dollar,  an  anderer  Stelle  jedoch  bloss  von  "etwas"  Geld 
spricht,  das  ihm  vom  Ehemann  der  Cousine  für  die  Ausreise  gegeben 
worden sei (vgl. act. A12/13 S. 6). Wie vom BFM zu Recht festgehalten, 
erweisen  sich  die  Bibelkenntnisse  des  Beschwerdeführers  sodann  als 
dürftig. Trotz seines angeblichen täglichen Bibelstudiums nach der Arbeit 
während ungefähr einem Monat respektive zehn bis zwölf Tagen (vgl. act. 
A1/12 S. 5, A12/13 S. 7), war er nicht  im Stande,  konkrete Angaben zu 
eines der in der Bibel enthaltenen Büchern oder Kapitel zu machen oder 
etwa  einen  der  Apostel  zu  benennen.  Die  Bezeichnungen  "Mata"­Bibel 
und  "Lorat"­Bibel  erweisen  sich  zudem als  nicht  korrekt  (vgl.  act. A1/12 
S. 6, A12/13 S. 9). Der Einwand in der Beschwerde, er habe die Bibel aus 
Neugier  studiert  und  nur  "etwas  Zeit"  nach  seiner  Arbeit  bis  zum 

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Schlafengehen  damit  verbracht,  vermag  daher  nicht  zu  überzeugen.  Im 
Weiteren  ist  der  Einschätzung  des  BFM,  dass  die  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers  hinsichtlich  der  von  ihm  geschilderten  Flugreise  als 
unsubstanziiert  zu  qualifizieren  sind,  ebenfalls  zutreffend.  Der 
Beschwerdeführer  kennt  weder  den  im  pakistanischen  Pass 
eingetragenen  Namen,  den  er  angeblich  auf  seinem  Flug  von  Athen 
(Griechenland)  aus  benützt  hat,  noch  weiss  er,  ob  ein  Visum  im  Pass 
eingetragen  war.  Er  war  nicht  in  der  Lage,  den  Namen  der 
Fluggesellschaft mit  der er  gereist  ist  oder aber das Land  in Europa zu 
bezeichnen,  in  welches  er  von  Athen  aus  geflogen  und  von  dort  aus 
weiter  acht  Stunden  mit  dem  Auto  in  die  Schweiz  gereist  ist  (vgl.  act. 
A1/12  S. 7 f.,  A12/13  S. 10 f.).  Dies  erstaunt  umso  mehr,  als  er 
demgegenüber  sehr  wohl  im  Stande  war,  konkrete  Destinationen  und 
Verkehrsmittel  von  Afghanistan  nach  Griechenland  zu  bezeichnen  (vgl. 
act.  A1/12  S. 7,  A12/13  S. 10).  Da  für  afghanische  oder  pakistanische 
Staatsangehörige  die  Einreise  nach  Europa  in  der  Regel  eine 
Visumspflicht  besteht  und  diese  an  den  Flughäfen  einer  Kontrolle 
unterzogen  werden,  erscheint  auch  nicht  wahrscheinlich,  dass  der  mit 
einem  pakistanischen  Pass  reisende  Beschwerdeführer  nach  seiner 
Ankunft  aus  Athen  an  einem  Flughafen  im  europäischen  Raum  ohne 
entsprechendes Visa und Kontrolle seiner Person einreisen konnte  (vgl. 
act.  A1/12  S. 8).  Im  Übrigen  ist  im  Zusammenhang  mit  der  Tatsache, 
dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Anhörung  beim  BFM  seine 
afghanischen  Identitätskarte  (vgl.  act.  A12/13  S. 3)  einreichte, 
festzustellen,  dass er noch bei  der Erstbefragung erklärte,  er  könne die 
Identitätskarte  nicht  beschaffen,  da  seine Geschwister  und  seine  Eltern 
wütend  auf  ihn  seien  respektive  sein  Vater  ihn  wegen  Konversion 
angezeigt habe. Zudem habe er die Telefonnummern vergessen (vgl. act. 
A1/12 S. 4). Diese Aussagen sind  im Gesamtkontext  ebenfalls  als  nicht 
glaubhaft  zu  werten,  zumal  nicht  plausibel  ist,  dass  er  die 
Telefonnummern  seiner  Familienangehörigen  nicht  kennt,  zugleich  aber 
noch  während  der  Erstbefragung  im  Stande  war,  seinen  Cousin 
telefonisch  zu  kontaktieren  (vgl.  act.  A1/12 S. 4 f.).  Angesichts  der  vom 
Beschwerdeführer  geschilderten  Probleme  mit  seinem  Vater  ist  auch 
nicht  nachvollziehbar,  dass  die  Mutter  dem  Cousin  ohne  Weiteres  die 
erwähnte  Identitätskarte  übergeben  hat  (vgl.  act.  A12/13  S. 3).  Zudem 
fällt  einerseits  auf,  dass  in  den  Akten  kein  Originalcouvert,  das  zur 
Übermittlung  der  Identitätskarte  aus  Afghanistan  verwendet  wurde, 
vorhanden  ist. Andererseits wurde die  Identitätskarte Mitte  Januar  2009 
und damit erst kurz vor der Ausreise des Beschwerdeführers ausgestellt 
(vgl. act. A1/12 S. 8), was ebenfalls darauf hindeutet, dass die Ausreise 

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des Beschwerdeführers aus Afghanistan – entgegen seinen Vorbringen – 
im  Voraus  geplant  und  auf  legalem  Weg  und  mit  eigenen 
Identitätspapieren  erfolgt  ist.  Der  vom  Beschwerdeführer  zunächst  in 
Kopie und dann im Original beim Bundesverwaltungsgericht eingereichte, 
handschriftlich geschriebene, Haftbefehl ist nicht geeignet, den insgesamt 
unglaubhaften  Eindruck,  welche  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers 
angesichts  der  bisherigen  Erwägungen  hinterlassen,  entscheidend  zu 
relativieren. So  fällt  auf,  dass der darin enthaltene Vorname des Vaters 
nicht kongruent ist mit jenem, den der Beschwerdeführer im Rahmen der 
vorinstanzlichen  Anhörungen  zu  Protokoll  gab  (vgl.  act.  A1/12  S. 1, 
A12/13 S. 3). Der Haftbefehl trägt zudem kein Ausstellungsdatum und es 
erscheint  nicht  nachvollziehbar,  weshalb  darin  ausgeführt  wird,  der 
Beschwerdeführer  sei  seit  dem  12. Februar  2009  nicht  mehr  gesehen 
worden.  Nach  seinen  Angaben  reiste  er  bereits  am  31. Januar 
2009/1. Februar 2009 aus Afghanistan aus und befand sich somit schon 
seit  einiger  Zeit  auf  der  Flucht  (vgl.  act.  A1/12  S. 7,  A12/13  S. 3). 
Schliesslich  handelt  es  sich  bei  einem Haftbefehl  üblicherweise  um  ein 
internes Behördendokument, das einer gesuchten Person weder in Kopie 
noch  im Original  zugestellt  wird. Wie  der Beschwerdeführer  dennoch  in 
den  Besitz  eines  auf  ihn  lautenden  Haftbefehls  kommen  konnte,  bleibt 
unklar.  Es  bestehen  mithin  klare  Indizien,  dass  es  sich  bei  dem 
eingereichten  Dokument  nicht  um  einen  authentischen  Haftbefehl 
handelt, welcher geeignet wäre, die vom Beschwerdeführer geschilderte 
Verfolgungssituation zu belegen. 

4.3.  Dem  Beschwerdeführer  gelingt  es  somit  nicht,  die 
Flüchtlingseigenschaft  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu 
machen. Das BFM hat daher sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 

5. 
5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

5.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  vom  BFM  zu  Recht 
angeordnet  (Art. 44  Abs. 1  Asyl;  vgl.  BVGE  2009/50  E.  9  S.  733  mit 
weiteren Hinweisen, EMARK 2001 Nr. 21).

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5.3.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

5.4.  Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

5.5. 
5.5.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche 
Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 
Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat 
entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner 
Form zur Ausreise  in  ein  Land gezwungen werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr 
Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG 
gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches 
Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33 
Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der 
Flüchtlinge  [FK,  SR 0.142.30]).  Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der 
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 
1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 
gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende 
Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der 
Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und 
Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder 
unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen 
werden.

5.5.2. Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement 
nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 
Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5 
AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden 
Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des 

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Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt 
von Art. 5 AsylG rechtmässig.

5.5.3.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des  Beschwer­
deführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er  für den Fall 
einer  Ausschaffung  in  den  Heimatstaat  dort  mit  beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen 
Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des 
Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener 
des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine 
konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass 
ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung 
drohen würde  (vgl. EGMR  [Grosse Kammer], Saadi gegen  Italien, Urteil 
vom  28.  Februar  2008,  Beschwerde  Nr.  37201/06,  §§  124  –  127,  mit 
weiteren  Hinweisen).  Dies  ist  ihm  nach  den  vorstehenden  Erwägungen 
nicht  gelungen.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in 
Afghanistan lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht 
als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der 
Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen 
Bestimmungen zulässig.

5.6. 
5.6.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von 
Art. 83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl. 
Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer 
vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).

5.6.2. In Bezug auf die allgemeine Lage in Afghanistan kann auf die vom 
Bundesverwaltungsgericht in BVGE 2011/7 vorgenommene Einschätzung 
der  Lage  verwiesen werden. Das Gericht  stellt  darin  zusammenfassend 
fest,  dass  in  weiten  Teilen  von  Afghanistan  –  ausser  allenfalls  in 
Grossstädten  –  eine  derart  schlechte  Sicherheitslage  und  derart 
schwierige  humanitäre  Bedingungen  bestünden,  dass  die  Situation  als 
existenzbedrohend im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren sei. 
Von  dieser  allgemeinen  Feststellung  sei  die  Situation  in  der Hauptstadt 
Kabul  zu  unterscheiden. Angesichts  des Umstandes,  dass  sich  dort  die 
Sicherheitslage  im  Verlaufe  des  vergangenen  Jahres  nicht  weiter 

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verschlechtert  habe  und  die  humanitäre  Situation  im  Vergleich  zu  den 
übrigen Gebieten  etwas weniger  dramatisch  sei,  könne  der  Vollzug  der 
Wegweisung  nach  Kabul  unter  Umständen  als  zumutbar  qualifiziert 
werden.  Solche  Umstände  könnten  grundsätzlich  namentlich  dann 
gegeben  sein,  wenn  es  sich  beim  Rückkehrer  um  einen  jungen, 
gesunden Mann handle. Angesichts der bisher aufgezeigten  konstanten 
Verschlechterung der Lage über die vergangenen Jahre hinweg und der 
auch  in  Kabul  schwierigen  Situation  verstehe  es  sich  aber  von  selbst, 
dass  die  bereits  in  EMARK  2003  Nr. 10  formulierten  strengen 
Bedingungen  in  jedem  Einzelfall  sorgfältig  geprüft  und  erfüllt  sein 
müssten,  um  einen  Wegweisungsvollzug  nach  Kabul  als  zumutbar  zu 
qualifizieren. Unabdingbar sei  in erster Linie ein soziales Netz, das sich 
im Hinblick auf die Aufnahme und Wiedereingliederung des Rückkehres 
als  tragfähig erweise. Ohne Unterstützung durch Familie oder Bekannte 
würden die schwierigen Lebensverhältnisse auch in Kabul unweigerlich in 
eine  existenzielle  beziehungsweise  lebensbedrohende  Situation  führen 
(vgl. BVGE 2011/7 E. 9.2 – 9.9 S. 89 ff.). Die Frage,  ob hinsichtlich der 
Städte  Mazar­i­Sharif  und  Herat  in  Bezug  auf  die  Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  Ähnliches  gesagt  werden  könne  wie  zu  Kabul, 
wurde  im  erwähnten Grundsatzurteil  offen  gelassen  (vgl.  BVGE  2011/7 
E. 9.9.3 S. 105).

5.6.3.  Im  zur  Publikation  vorgesehenen  Urteil  D­2312/2009  vom 
28. Oktober 2011 kam das Bundesverwaltungsgericht bezüglich der Stadt 
Herat  zum  Schluss,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  dorthin,  sofern 
begünstigende  individuelle  Umstände  im  Sinne  der  aktuellen 
Rechtsprechung zu Afghanistan (vgl. E. 5.6.2) vorliegen, als zumutbar zu 
erachten sei (vgl. BVGE D­2312/2009 vom 28. Oktober 2011 E. 4.3.3.1). 
Im  ebenfalls  zur  Publikation  bestimmten  Urteil  D­7950/2009  vom 
30. Dezember  2011  qualifizierte  das  Bundesverwaltungsgericht  den 
Vollzug  der  Wegweisung  nach  Mazar­i­Sharif  unter  denselben 
Voraussetzungen  ebenfalls  als  zumutbar.  (vgl.  BVGE  D­7950/2009 
E. 7.3.5  ff.). Trotz der auch  in den nördlichen Provinzen Afghanistans  in 
den letzten Jahren feststellbaren Verschlechterung der Sicherheitslage ist 
die Situation in der in der Provinz Balkh liegenden Stadt Mazar­i­Sharif im 
Vergleich  mit  anderen  afghanischen  Städten  als  verhältnismässig  ruhig 
und  überwiegend  stabil  zu  erachten.  Im  März  2011  ist  zudem  damit 
begonnen  worden,  die  gesamte  Verantwortung  für  die  Sicherheit  in 
Mazar­i­Sharif,  wie  geplant,  von  der  Internationalen 
Sicherheitsunterstützungstruppe  (ISAF)  auf  die  afghanischen 
Sicherheitskräfte  zu  übertragen.  Seit  23. Juli  2011  tragen  afghanische 

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Sicherheitskräfte  die  Verantwortung  in  Mazar­i­Sharif.  Hinsichtlich  der 
humanitären Situation präsentiert sich die Situation in Mazar­i­Sharif nicht 
wesentlich  schlechter  als  diejenige  in  Kabul.  In  Anbetracht  dieser 
Umstände ist die Lage in der Stadt Mazar­i­Sharif mit derjenigen in Kabul 
zumindest  vergleichbar  und  es  rechtfertige  sich  nicht,  von  einer 
generellen  Unzumutbarkeit  der  Rückkehr  dorthin  aufgrund  der 
allgemeinen Situation auszugehen.

5.6.4. Der  Beschwerdeführer  stammt  aus  der  Stadt  Mazar­i­Sharif  (vgl. 
act.  A1/12  S. 1,  A12/13  S. 3),  wohin  eine  Rückkehr  aufgrund  der  dort 
allgemein herrschenden Lage nicht als generell unzumutbar zu erachten 
ist.  Es  bleibt  daher  zu  prüfen,  ob  individuelle  Gründe  einem 
Wegweisungsvollzug  des  Beschwerdeführers  nach  Mazar­i­Sharif 
entgegenstehen. 

5.6.5. Der Beschwerdeführer ist seinen Angaben zufolge in Mazar­i­Sharif 
geboren  und  aufgewachsen,  hat  dort  die  Schule  besucht  und  bis  zu 
seiner Ausreise gelebt. Seine Eltern und (…) Geschwister waren seinen 
ursprünglichen Aussagen zufolge  in Mazar­i­Sharif wohnhaft. Sein Vater 
führte  dort  ein  (…). Ebenso hielten  sich  sämtliche Verwandte, wie  etwa 
die vom Beschwerdeführer genannte Cousine und ein Cousin sowie (…) 
Tanten und (…) Onkel,  in dieser Stadt auf. Zudem verfügte er dort über 
Freunde (vgl. act. A1/12 S. 1 ff., A12/13 S. 3 ff.). In der Beschwerde wird 
zwar  eingewendet,  er  habe  seit  drei  Jahren  keinen  Kontakt  mehr  zu 
seiner Familie und keine Kenntnis über deren Verbleib. Dabei handelt es 
sich  jedoch um eine durch nichts  gestützte Parteibehauptung. Aufgrund 
der vorstehenden Erwägungen (vgl. E. 4) ist diese Argumentation zudem 
als  reine  Schutzbehauptung  zu werten. Wie  erwähnt,  erscheint  nämlich 
weder  glaubhaft,  dass  der  Beschwerdeführer  zwar  zu  seinem  Cousin, 
nicht  aber  zu  seinen  Eltern  und  Geschwistern  telefonisch  in  Kontakt 
treten konnte, noch gelingt es  ihm, glaubhaft zu machen, dass er durch 
seinen  Vater  respektive  die  afghanischen  Behörden  aufgrund  der 
vermeintlichen Konversion einer Gefährdung ausgesetzt  gewesen wäre. 
Es  ist  demnach  nicht  davon  auszugehen,  dass  sich  die  familiären 
Verhältnisse des Beschwerdeführers  in Afghanistan seit seiner Ausreise 
wesentlichen verändert haben. Der Beschwerdeführer wohnte vor seiner 
Ausreise  –  wie  sämtliche  seine  in  Afghanistan  lebenden  Geschwister – 
bei  seinen  Eltern  (vgl.  act.  A1/12  S. 1 f.).  Es  besteht  für  ihn  somit  die 
Möglichkeit, sich nach seiner Rückkehr erneut bei diesen aufzuhalten. Im 
Weiteren verfügt er über die Voraussetzungen um einer Erwerbstätigkeit 
nachzugehen. Er besuchte sechs Jahre lang die Grundschule, kann somit 

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rechnen, lesen und schreiben und er war vor seiner Ausreise in Mazar­i­
Sharif als (…) berufstätig. Ausserdem spricht er Farsi und Dari  (vgl. act. 
A1/12 S. 2, A12/13 S. 5). Soweit aufgrund der Akten  feststellbar,  ist der 
Beschwerdeführer  zudem  gesund.  Es  sollte  ihm  daher  mit  Hilfe  seiner 
Familie ohne Weiteres möglich sein, sich sowohl beruflich als auch sozial 
in seiner Heimat zu integrieren. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass 
für  ihn die Möglichkeit besteht,  individuelle Rückkehrhilfe zu beantragen 
(Art. 93  Abs. 1  Bst. d  AsylG,  Art. 73 ff.  der  Asylverordnung 2  vom 
11. August  1999  [AsylV 2,  SR 142.312]).  Der  Wegweisungsvollzug  des 
Beschwerdeführers  nach  Mazar­i­Sharif  ist  damit  auch  in  individueller 
Hinsicht nicht als unzumutbar zu erachten. 

5.7. Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen 
Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen 
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 
2008/34 E. 12 S. 513 ff.), weshalb  der Vollzug der Wegweisung  auch nicht  als 
unmöglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

5.8.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  das  BFM  den  Vollzug  der 
Wegweisung zu Recht als zulässig,  zumutbar und möglich erachtet hat. 
Die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  fällt  daher  nicht  in  Betracht 
(Art. 83 Abs. 1­4 AuG).

6. 
Aus  diesen  Erwägungen  folgt,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist demnach abzuweisen. 

7. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  dessen  Kosten  dem 
Beschwerdeführer aufzuerlegen  (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Nachdem 
dem  Beschwerdeführer  mit  Verfügung  vom  11. August  2009  die 
unentgeltliche Rechtspflege  gewährt wurde und aufgrund der Aktenlage 
nach wie vor von der prozessualen Bedürftigkeit des Beschwerdeführers 
auszugehen  ist,  ist  auf  die  Auferlegung  von  Verfahrenskosten  zu 
verzichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Claudia Jorns Morgenegg

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