# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8364c391-c784-5d8e-bdd3-a4c4131e3dfb
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-06-27
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 27.06.2023 SK1 2022 28
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SK1-2022-28_2023-06-27.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

Urteil vom 27. Juni 2023

Referenz SK1 22 28

Instanz I. Strafkammer 

Besetzung Moses, Vorsitzender
Cavegn und Michael Dürst
Gustin, Aktuar

Parteien A._____
Privatklägerin
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Reto Crameri
Kunz Schmid, Gäuggelistrasse 1, Postfach 341, 7001 Chur 

gegen

Staatsanwaltschaft Graubünden
Rohanstrasse 5, 7001 Chur
Berufungsbeklagte

B._____
Beschuldigter
vertreten durch Rechtsanwalt MLaw Tobias Brändli
Aquasanastrasse 8, 7000 Chur 

Gegenstand Diebstahl

Anfechtungsobj. Urteil Regionalgericht Viamala vom 28.03.2022, mitgeteilt am 
17.05.2022 (Proz. Nr. 515-2022-4)

Mitteilung 15. März 2024

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Sachverhalt

A. Mit Strafanzeige vom 13. August 2019 erhob die A._____ Strafantrag ge-
gen B._____ (nachfolgend: Beschuldigter) wegen Sachbeschädigung, Diebstahl, 
eventualiter Sachentziehung und Erschleichung von Beiträgen nach dem Land-
wirtschaftsgesetz. Im Strafantrag konstituierte sich die A._____ als Privatklägern 
im Zivil- und Strafpunkt. Im Sinne einer Zivilklage beantragte sie, der Beschuldigte 
sei zu verpflichten, die sechs Siloballen an die Privatklägerin herauszugeben oder 
CHF 840.00 zuzüglich 5% Zins seit Einreichung der Zivilklage zu bezahlen.

B. Nach erfolgter Strafuntersuchung erklärte die Staatsanwaltschaft Graubün-
den den Beschuldigten am 13. Oktober 2021 mittels Strafbefehl schuldig des 
Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB. Dafür wurde er mit einer Geldstrafe von 
10 Tagessätzen zu je CHF 90.00 und einer Busse von CHF 300.00 bestraft. Die 
Geldstrafe wurde unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren bedingt aus-
gesprochen; die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse im Falle der schuldhaften 
Nichtbezahlung derselben wurde auf vier Tage festgelegt.

C. Gegen diesen Strafbefehl erhob der Beschuldigte am 15. Oktober 2021 
Einsprache. Am 11. Januar 2022 überwies die Staatsanwaltschaft den Strafbefehl 
an das Regionalgericht Viamala zur Durchführung des Hauptverfahrens.

D. An der Hauptverhandlung des Regionalgerichts Viamala am 28. Oktober 
2020 hielt die Staatsanwaltschaft an ihren Anträgen im Strafbefehl fest. Die Privat-
klägerin verzichtete auf eine Teilnahme und hielt an ihrem Strafantrag ebenfalls 
fest. Betreffend die Zivilforderung äusserte sie sich wie folgt: "Die Zivilforderung 
der Privatklägerin beläuft sich gemäss Strafantrag vom 13. August 2019 für die 
gegenständlichen sechs Siloballen à CHF 65.00 auf CHF 390.00 zuzüglich 5% 
Zins seit dem Tag der Antragsstellung, mithin seit dem 13. August 2019. Daran 
wird unverändert festgehalten. […].

Der Beschuldigte beantragte im Schuldpunkt namentlich einen vollumfänglichen 
Freispruch. Hinsichtlich der von der Privatklägerin angehobenen Zivilklage bean-
tragte er eine Abweisung, eventualiter einen Verweis auf den Zivilweg. 

E. Mit Urteil vom 28. März 2022 (Proz. Nr. 515-2022-4) sprach das Regional-
gericht Viamala den Beschuldigten vom Vorwurf des Diebstahls gemäss Art. 139 
Ziff. 1 StGB frei. Die Zivilklage der Privatklägerin wies sie ab. Die Verfahrenskos-
ten (Untersuchung CHF 1'935.00; Gerichtsverfahren CHF 5'000.00) legte sie dem 
Kanton Graubünden auf, zudem sprach sie dem Beschuldigten für seine Rechts-
vertretung eine Entschädigung von CHF 4'500.00 aus der Gerichtskasse zu.

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F. Gegen dieses Urteil meldete die Privatklägerin fristgerecht Berufung an. In 
der Berufungserklärung vom 7. Juni 2022 beantragte sie die vollumfängliche Auf-
hebung des vorinstanzlichen Urteils. Der Beschuldigte sei des Diebstahls gemäss 
Art. 139 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen und zu verpflichten, die sechs Silobal-
len an die Privatklägerin herauszugeben oder CHF 840.00 zuzüglich 5% Zins seit 
dem 13. August 2019 zu bezahlen. Dies unter Kosten- und Entschädigungsfolgen 
zulasten des Kantons Graubündens. 

G. Mit Verfügung vom 8. Juni 2022 forderte der Vorsitzende der I. Strafkam-
mer des Kantonsgerichts die Privatklägerin auf, eine Sicherheitsleistung von 
CHF 4'000.00 zu leisten. Die Sicherheitsleistung ging innert Frist ein. In der Folge 
lud der Kammervorsitzende die Parteien mit Verfügung vom 21. Dezember 2022 
zur Hauptverhandlung am 27. Juni 2023 vor.

H. In der Berufungserklärung vom 7. Juni 2022 hatte die Privatklägerin zwei 
Beweisanträge gestellt. Einerseits hatte sie den Beizug der Strafakten betreffend 
das vom Beschuldigten eingeleitete Strafverfahren wegen Urkundenfälschung, 
inklusive der Verfahrenseröffnung der Staatsanwaltschaft wegen Irreführung der 
Rechtspflege, beantragt. Andererseits hatte sie die Einholung einer schriftlichen 
Auskunft des Amtes für Landwirtschaft und Geoinformation (ALG), wer in den Jah-
ren 2015 bis und mit 2022 als berechtigter Bewirtschafter der Parzellen Nrn. 
C._____ und D._____, beide im Grundbuch der Gemeinde E._____, gemeldet 
gewesen sei, erbeten. Mit Verfügung vom 26. Januar 2023 hiess der Vorsitzende 
der I. Strafkammer beide Beweisanträge gut.

I.  Die mündliche Berufungsverhandlung vor dem Kantonsgericht von 
Graubünden fand am 27. Juni 2023 statt. Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf 
eine Teilnahme. Die Privatklägerin hielt an ihren in der Berufungserklärung formu-
lierten Anträgen fest. Der Beschuldigte beantragte die vollumfängliche Abweisung 
der Berufung, soweit darauf überhaupt eingetreten werden könne. Das vorinstanz-
liche Urteil sei vollumfänglich zu bestätigten und der Beschuldigte in diesem Sinne 
freizusprechen.

Erwägungen

1. Formelle Voraussetzungen

1.1. Gegen das angefochtene erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Via-
mala ist die Berufung zulässig (Art. 398 Abs. 1 StPO). Die übrigen formellen Vor-
aussetzungen geben – mit nachfolgender Ausnahme betreffend Strafantrag – zu 
keinen Bemerkungen Anlass. 

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1.2. Hinsichtlich eines gegebenenfalls notwendigen Strafantrags ist das Folgen-
de festzuhalten: In casu wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten das Be-
gehen eines Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB vor. Dies ist ein Offizi-
aldelikt, wofür kein Strafantrag vorausgesetzt wird. Die Verteidigung brachte im 
Berufungsverfahren eventualiter vor, dass – sofern das Gericht wider Erwarten die 
Anklage als erstellt erachte – nur ein geringfügiger Diebstahl im Sinne von Art. 139 
Ziff. 1 i.V.m. Art. 172ter StGB vorliege. Eine Verurteilung aufgrund eines geringfü-
gigen Vermögensdelikts im Sinne von Art. 172ter StGB stellt ein Antragsdelikt dar 
und setzt dementsprechend einen Strafantrag voraus. Angesichts des vorliegen-
den Verfahrensausgangs (Freispruch) erübrigen sich weitere Ausführungen zum 
Eventualantrag des Beschuldigten. Der Vollständigkeit halber sei lediglich er-
wähnt, dass ein gültiger Strafantrag vorliegen würde, sofern von einem geringfügi-
gen Vermögensdelikt auszugehen wäre (StA act. 3.2).

1.3. Den Erwägungen entsprechend ist auf die Berufung einzutreten, womit ein 
neues Urteil zu fällen ist (Art. 408 StPO).

2. Anklage, vorinstanzliches Urteil, Berufungsumfang

2.1. Mit Strafbefehl vom 13. Oktober 2021 verurteilte die Staatsanwaltschaft den 
Beschuldigten aufgrund Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB. Dabei warf die 
Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten den folgenden Sachverhalt vor:

Der Beschuldigte war seit dem Jahre 2000 unter anderem Pächter der 
Grundstücke Nr. C._____ und D._____ in F._____, Gemeindegebiet 
E._____. Dem Beschuldigten wurde diese Pacht gekündigt, was er mit 
Schreiben vom 25. Januar 2017 unterschriftlich bestätigte und die Kündi-
gung akzeptierte. Zusätzlich teilte die neue Eigentümerin, die A._____, 
dem Beschuldigten mit Schreiben vom 20. Juni 2019 mit, dass er die ent-
sprechenden Grundstücke nicht (mehr) mähen dürfe. Trotzdem, d.h. ohne 
Recht, mähte der Beschuldigte am 5. August 2019 die Grundstücke 
Nr. C._____ und D._____ in F._____. Aus dem gemähten Gras im Ge-
samtwert von ca. CHF 840.00 stellte der Beschuldigte sechs Siloballen her 
und transportierte diese Siloballen ins Tal auf seinen Hof in G._____ (Ge-
meinde H._____), wo er diese den Tieren verfütterte. Der Beschuldigte 
handelte in der Absicht, sich auf diese Weise einen ihm nicht gebührenden 
Vermögensvorteil zu verschaffen.

2.2. Die Vorinstanz sah sowohl den Anklagesachverhalt als auch den Tatbe-
stand des Diebstahls als nicht gegeben an und sprach den Beschuldigten frei; die 
Zivilklage wies sie ab. Gegen diesen Urteilsspruch erhob die Privatklägern Beru-
fung und focht dabei das ganze Dispositiv an. Die Privatklägerin beantragt wie 
erwähnt im Berufungsverfahren einen Schuldspruch wegen Diebstahls gemäss 
Art. 139 Ziff. 1 StGB sowie in zivilrechtlicher Hinsicht die Herausgabe von sechs 

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Siloballen oder die Bezahlung von CHF 840.00 zuzüglich Zins seit dem 13. August 
2019. Zusammengefasst steht damit das ganze Urteil zur Disposition. 

3. Grundsätze der Beweiswürdigung

Das Gericht würdigt Beweismittel gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO frei nach seiner aus 
dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung. Jede Person gilt bis zu ihrer 
rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig (vgl. Art. 10 Abs. 1 StPO). Bestehen 
unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der 
angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für die beschuldigte Person günsti-
geren Sachlage aus (vgl. Art. 10 Abs. 3 StPO). Als Beweislastregel folgt aus der 
derart statuierten Unschuldsvermutung, dass es nicht Sache der beschuldigten 
Person ist, ihre Unschuld zu beweisen, sondern dass die Strafbehörden verpflich-
tet sind, den Nachweis der Schuld zu führen (vgl. Wolfgang Wohlers, in: Do-
natsch/Lieber/Summer/Wohlers [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Straf-
prozessordnung [StPO], 3. Aufl., Zürich 2020, N 6 zu Art. 10 StPO). An diesen 
Nachweis sind hohe Anforderungen zu stellen. Verlangt wird mehr als eine blosse 
Wahrscheinlichkeit, nicht aber ein absoluter Beweis der Täterschaft. Nach der aus 
Art. 32 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 2 EMRK und Art. 10 Abs. 3 StPO fliessenden Be-
weiswürdigungsregel in dubio pro reo darf sich der Strafrichter jedoch nicht von 
der Existenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhalts überzeugt er-
klären, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel an den tatsächlichen Vorausset-
zungen für eine verurteilende Erkenntnis bestehen (vgl. BGE 124 IV 86 E. 2a). 
Bloss theoretische und abstrakte Zweifel sind indessen nicht massgebend, weil 
solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. 
Es muss sich vielmehr um erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel han-
deln, das heisst um solche, die sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen 
(vgl. BGE 120 Ia 31 E. 2).

4. Diebstahl gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB

4.1. Tatbestand und Vorbemerkungen

4.1.1. Gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB macht sich des Diebstahls strafbar, wer je-
mandem eine fremde bewegliche Sache zur Aneignung wegnimmt, um sich oder 
einen anderen damit unrechtmässig zu bereichern. Der Tatbestand setzt für eine 
Strafbarkeit in objektiver Hinsicht eine fremde bewegliche Sache und eine Weg-
nahme, sprich den Bruch fremden Gewahrsams und die Begründung neuen Ge-
wahrsams, voraus. In subjektiver Hinsicht wird – neben vorsätzlichem Handeln 
betreffend die objektiven Tatbestandsmerkmale – verlangt, dass der Täter mit An-

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eignungs- und Bereicherungsabsicht gehandelt hat. Richtet sich die Tat nur auf 
einen geringen Vermögenswert oder auf einen geringen Schaden, so wird der 
Täter, auf Antrag, mit Busse bestraft. Die Grenze für den geringen Vermögenswert 
bzw. geringen Schaden im Sinne von Art. 172ter Abs. 1 StGB beträgt gemäss bun-
desgerichtlicher Rechtsprechung CHF 300.00 (BGE 121 IV 261 E. 2d; 123 IV 199 
E. 2c).

4.1.2. Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass der Beschuldigte am 5. August 
2019 das Gras auf der Parzelle Nr. C._____ in F._____ (4'762 m2, vgl. StA 
act. 3.5, S. 3) gemäht und auf seinen Hof transportiert hat. Belegt ist zudem, dass 
die Privatklägerin in diesem Zeitpunkt Eigentümerin dieser Parzelle war. Ob der 
Beschuldigte auch die Parzelle D._____ gemäht hat, ist umstritten; der Beschul-
digte selbst bestreitet dies vehement. Wie im Folgenden noch zu sehen sein wird, 
ist dies vorliegend jedoch unbeachtlich (vgl. E. 4.4). Klar ist, dass das Gras durch 
das Mähen zu einer beweglichen (verkehrsfähigen) Sache geworden ist (vgl. dies-
bezüglich bereits BGE 72 IV 53 E. 1); mit dem Abtransport hat der Beschuldigte 
daran neuen Gewahrsam begründet. In der Hauptsache strittig ist vorliegend je-
doch, ob es sich beim Gras um eine für den Beschuldigten fremde Sache gehan-
delt hat und er mit der Wegnahme unberechtigterweise bestehenden Gewahrsam 
gebrochen hat. Die Tatbestandsvoraussetzung der Fremdheit ist dementspre-
chend im Folgenden näher auszuführen:

4.1.3. Fremd ist eine Sache, wenn sie im Eigentum eines andern als des Täters 
steht. Massgebend ist grundsätzlich die Zivilrechtsordnung (vgl. statt vieler BGE 
122 IV 179 E. 3c). Vorliegend ist damit zu prüfen, in wessen Eigentum das gemäh-
te Gras stand. Das Zivilrecht normiert in Art. 642 Abs. 1 ZGB das Akzessionsprin-
zip, wonach der Eigentümer einer Sache grundsätzlich auch Eigentum an allen 
ihren Bestandteilen hat. Als Bestandteil gilt dabei grundsätzlich alles, was nicht 
ohne Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung abgetrennt werden kann, wo-
mit namentlich Pflanzen als Bestandteil eines Grundstücks anzusehen sind (vgl. 
dazu Art. 667 Abs. 2 ZGB). Dies gilt gemäss expliziter Norm in Art. 643 Abs. 1 
ZGB auch für die natürlichen Früchte einer Sache, wobei als natürliche Früchte 
alle periodischen Erzeugnisse und Erträgnisse gelten, welche nach der üblichen 
Auffassung von einer Sache ihrer Bestimmung gemäss gewonnen werden können 
(vgl. Art. 643 Abs. 2 ZGB). Mit der Trennung von der Hauptsache wird eine Frucht 
zu einer selbständigen beweglichen Sache, welche sich vom rechtlichen Schicksal 
der Stammsache löst (vgl. für das Gras BGE 72 IV 53 E. 1). An der neu entstan-
denen Sache erwirbt der Eigentümer der Stammsache nach dem Substantialprin-
zip grundsätzlich originäres Eigentum (vgl. BGE 131 III 217 E. 4.1 = Pra 2006 Nr. 

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6). Dieser Grundsatz wird jedoch in bestimmten Fällen durch das Produktionsprin-
zip durchbrochen, wonach eine Drittperson Eigentum an den natürlichen Früchten 
erwirbt, wenn sie deren Entstehung durch Arbeit oder Organisation gefördert hat. 
Namentlich erwirbt der Pächter gestützt auf Art. 275 OR originär Eigentum an 
selbstgezogenen Früchten oder Erträgnissen, welche er vom Grundstück abge-
trennt hat. Dasselbe gilt gemäss Art. 938 ZGB auch für jemanden, der eine Sache 
in gutem Glauben besitzt und sie seinem vermuteten Rechte gemäss gebraucht 
und nutzt (vgl. dazu Stephan Wolf/Wolfgang Wiegand, in: Watter/Vogt [Hrsg.], 
Basler Kommentar, Obligationenrecht II, 6. Aufl., Basel 2024, N 12 m.w.H. zu 
Art. 643 OR).

Für den vorliegenden Fall ergibt sich aus diesen Erwägungen ohne Weiteres, dass 
das Gras aufgrund des Akzessionsprinzips vor dem Mähen im Eigentum des 
Grundstückeigentümers war. In diesem Zeitpunkt war das Gras für den Beschul-
digten damit fremd. Gestützt auf das Produktionsprinzip ist das Eigentum am ge-
schnittenen Gras jedoch im Zeitpunkt der Abtrennung auf den Beschuldigten ori-
ginär übergegangen, sofern entweder ein Pachtvertrag bestand oder der Beschul-
digte zumindest im (guten) Glauben gehandelt hat, nach wie vor zur Nutzung des 
Grundstücks berechtigt zu sein. Vorliegend macht der Beschuldigte geltend, dass 
ein Pachtvertrag bestanden habe, beziehungsweise er vom Bestehen eines sol-
chen ausgegangen sei. Dies ist im Folgenden zu prüfen.

4.2. Bestehen eines Pachtvertrags

4.2.1. Vorliegend ist erstellt, dass zwischen dem Beschuldigten und I._____ seit 
dem Jahr 2000 ein Pachtvertrag bestand, welcher ihn dazu berechtigte, die heuti-
gen Parzellen Nrn. C._____ und D._____ (vgl. zu letzterer E. 4.4) in 
E._____/J._____ zu bewirtschaften (StA act. 3.13). 

Umstritten ist hingegen die Frage, ob der besagte Pachtvertrag auch noch am 
5. August 2019 bestand, weil mit dem Eigentumsübergang der Parzelle 
Nr. C._____ am 24. August 2018 auf die Privatklägerin auch der Pachtvertrag aus 
dem Jahr 2000 auf dieselbe übergegangen ist. Die Privatklägerin bestreitet dies 
und bringt vor, dass der Beschuldigte selbst die Kündigung des Pachtvertrags per 
25. Januar 2017 mit Schreiben vom 25. Januar 2017 bestätigt habe. Der Vertreter 
der Privatklägerin, K._____, gab dazu anlässlich einer Einvernahme an, dass er 
am 25. Januar 2017 den Beschuldigten persönlich besucht habe und dieser vor 
Ort, auf der Motorhaube seines Range Rovers, das von ihm vorbereitete Schrei-
ben unterzeichnet habe (StA act. 1.13, Frage 16). Der Beschuldigte bestritt diese 
Darstellung mehrfach. Er gibt an, dass das Schreiben per Post an ihn gelangt sei 

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und er dieses nicht unterzeichnet habe, schon gar nicht auf der Motorhaube des 
Range Rovers. Es sei allerdings einmal vorgekommen, dass er eine Quittung für 
Eier und Käse auf der Motorhaube des Fahrzeugs von K._____ unterzeichnet ha-
be. Dass er dabei auch das Schreiben vom 25. Januar 2017 – mutmasslich verse-
hentlich – unterzeichnet hat, schloss er anlässlich der Konfronteinvernahme zu-
mindest nicht mehr ganz aus (StA act.1.13, Fragen 17 u. 18).

4.2.2. Die Staatsanwaltschaft und die Privatklägerin bringen hinsichtlich des 
Pachtvertrags vor, dass dieser am 25. Januar 2017 aufgelöst worden sei, was 
durch das vom Beschuldigten unterzeichnete Schreiben bewiesen werde. Der Be-
schuldigte hingegen bestreitet vornehmlich, dass er dieses Schreiben je unter-
zeichnet hat. In casu ist damit im Wesentlichen zu prüfen, ob der Pachtvertrag aus 
dem Jahr 2000 tatsächlich aufgelöst worden ist. Neben den Bestimmungen aus 
dem Obligationenrecht sind im vorliegenden Falle die einschlägigen Bestimmun-
gen des Bundesgesetzes über die landwirtschaftliche Pacht (LPG; SR 221.213.2) 
einschlägig, zumal – wie von keiner Partei bestritten – der Pachtvertrag aus dem 
Jahr 2000 dem LPG unterliegt/unterlag. Das LPG sieht dabei zu den Kündi-
gungsmöglichkeiten und der Vertragsdauer eines dem LPG unterliegenden Pacht-
vertrags diverse (teilweise zwingende) Bestimmungen vor. Diese Bestimmungen 
sind vorliegend relevant und deshalb nachfolgend kurz zu erläutern:

4.2.3. Gemäss Art. 7 LPG ist für einzelne Grundstücke eine erste Pachtdauer von 
mindestens sechs Jahre vorzusehen, sofern die kantonale Behörde eine kürzere 
Pachtdauer nicht bewilligt. Art. 8 LPG sieht wiederum vor, dass ein Pachtvertrag 
unter anderem dann für weitere sechs Jahre gilt, wenn er auf unbestimmte Zeit 
abgeschlossen ist und nicht ordnungsgemäss gekündigt wird (vgl. Art. 8 Abs. 1 
lit a LPG), wobei eine Vereinbarung über eine Fortsetzung auf kürzere Zeit eben-
falls nur gültig ist, wenn die zuständige Behörde dies bewilligt hat (Art. 8 Abs. 2 
LPG). Eine ordentliche Kündigung eines dem LPG unterliegenden Pachtvertrags 
hat schliesslich gemäss Art. 16 LPG schriftlich mit einer Kündigungsfrist von ei-
nem Jahr auf – sofern nicht anderes vereinbart ist – den ortsüblichen Frühjahrs- 
oder Herbsttermin zu erfolgen. Eine ausserordentliche Auflösung des Pachtver-
trags ist gegebenenfalls dann möglich, wenn der Pachtgegenstand veräussert 
wird. Grundsätzlich tritt der Erwerber anstelle des alten Eigentümers in diesem 
Falle zwar in den Pachtvertrag ein (vgl. Art. 14 LPG). Der Erwerber kann den 
Pachtvertrag jedoch unter gewissen Voraussetzungen und mit einer Frist von ei-
nem Jahr auflösen, wenn er dies dem Pächter innert dreier Monate seit Abschluss 
des Veräusserungsvertrags schriftlich anzeigt (vgl. Art. 15 Abs. 1 und 2 LPG). 
Gemäss Art. 17 LPG ist zudem eine vorzeitige Auflösung eines Pachtvertrages 

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möglich, wenn die Erfüllung des Vertrags für eine Partei aus wichtigen Gründen 
unzumutbar geworden ist.

Der Beschuldigte und I._____ haben im Pachtvertrag aus dem Jahr 2000 einen 
Pachtbeginn am 1. Januar 2000 vereinbart, wobei der Vertrag gemäss Vertrags-
text erstmals auf den 1. Januar 2001 gekündigt werden konnte. Als erste Pacht-
dauer, Fortsetzungsdauer und als Kündigungsfrist legten sie jeweils ein Jahr fest. 
Damit wichen sie hinsichtlich der ersten Pachtdauer und der späteren Fortset-
zungsdauer von den gesetzlich vorgesehenen sechs Jahren ab (vgl. Art. 7 u. 8 
LPG). Dies, obwohl – soweit ersichtlich – keine dafür notwendige Bewilligung des 
Landwirtschaftsamts vorlag. Insofern sind diese vertraglichen Regelungen als 
nichtig zu betrachten (vgl. Art. 7 Abs. 4 LPG; Benno Studer/Eduard Hofer, Das 
landwirtschaftliche Pachtrecht, Brugg, 2014, N 227, 240). Entgegen dem Wortlaut 
im Vertrag hätte dieser damit erstmals auf den 1. Januar 2006 gekündigt werden 
können; danach ist der Vertrag jeweils um weitere sechs Jahre verlängert worden. 
Die nächsten Kündigungstermine wären damit der 1. Januar 2012 und der 1. Ja-
nuar 2018 gewesen. 

4.2.4. Vorliegend betrifft der Hauptstreitpunkt zwischen den Parteien die Frage, ob 
das Schreiben vom 25. Januar 2017 (StA act. 3.6) tatsächlich vom Beschuldigten 
unterzeichnet worden ist. Entgegen der Ansicht der Parteien ist für die Strafbarkeit 
des Beschuldigten vorliegend jedoch nicht entscheidend, ob die Unterschrift echt 
ist oder nicht. Dies, weil selbst bei einer echten Unterschrift davon auszugehen ist, 
dass der Pachtvertrag aus dem Jahr 2000 nie gültig aufgelöst worden ist und da-
mit die Privatklägerin mit dem Eigentumsübergang der Parzelle in den Vertrag 
eingetreten ist. Zu klären ist dabei namentlich, wie das Schreiben vom 25. Januar 
2017 rechtlich einzuordnen ist, zumal die Anklage die Pachtvertragsauflösung mit 
diesem Schreiben begründet. Denkbar sind drei Varianten. Erstens eine Kündi-
gung durch den Pächter; zweitens ein Bestätigungsschreiben, welches die Kündi-
gung durch die Verpächterin bestätigt; und drittens ein Aufhebungsvertrag im Sin-
ne von Art. 115 OR. Diese Möglichkeiten sind im Folgenden zu diskutieren.

4.2.5. Kündigung durch den Beschuldigten: Vorliegend erscheint es kaum denk-
bar, dass das Schreiben vom 25. Januar 2017 als Kündigung des Beschuldigten 
anzusehen ist, auch wenn K._____ diese Ansicht vertritt (vgl. act. H.5, Frage II.3). 
Dagegen spricht einerseits der Wortlaut des Schreibens, in welchem von einer 
Kündigung von I._____ die Rede ist. Andererseits ist vor allem auch kein Interesse 
des Beschuldigten an einer Kündigung ersichtlich. Davon abgesehen wäre die 
gesetzliche Kündigungsfrist von einem Jahr auf den Kündigungstermin am 1. Ja-
nuar 2018 ohnehin nicht eingehalten worden, womit der Vertrag automatisch um 

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weitere sechs Jahre verlängert worden wäre (vgl. Art. 8 Abs. 1 lit. a LPG). Damit 
liegt keine gültige Kündigung des Beschuldigten vor und wenn doch, wäre diese 
verspätet gewesen.

4.2.6. Kündigung durch I._____: Gemäss dem Wortlaut des Schreibens vom 25. 
Januar 2017 hat I._____ das Vertragsverhältnis per 25. Januar 2017 gekündigt, 
was der Beschuldigte mit seiner Unterschrift bestätigt haben soll. Unbestritten ist 
jedoch, dass entgegen dem Wortlaut keine Partei behauptet, dass I._____ jemals 
tatsächlich eine Kündigung per 25. Januar 2017 ausgesprochen hat. I._____ 
selbst gibt an, dass sie vom Schreiben vom 25. Januar 2017 nichts gewusst habe. 
Sie habe den Beschuldigten im Jahr 2016 lediglich telefonisch informiert, dass ein 
Eigentümerwechsel bevorstehe und er die Parzelle bis dahin bewirtschaften könne 
(StA act. 3.11, Frage 6). I._____ hat damit nicht nur nie eine Kündigung per 25. 
Januar 2017 ausgesprochen, sondern gemäss ihren Aussagen lediglich den Be-
schuldigten informiert, dass er die Parzelle bis zum Eigentümerwechsel bewirt-
schaften könne, wobei das genaue Datum gar nicht bekannt war. Insofern kann 
das Schreiben – entgegen dem Wortlaut – nicht als Bestätigung einer ausgespro-
chenen Kündigung per 25. Januar 2017 angesehen werden. Eine Kündigung des 
Pachtvertrags anlässlich des Telefonats im Jahr 2016 und eine Kündigung per 25. 
Januar 2017 scheitert zudem ohnehin an den nicht eingehaltenen Formvorschrif-
ten (Schriftlichkeit; Kündigungsfristen).

4.2.7. Spezialfall Rechtsmissbrauch: Unter der Annahme, dass die Unterschrift 
auf dem Schreiben vom 25. Januar 2017 echt ist, stellt sich die Frage, ob dem 
Beschuldigten ein rechtsmissbräuchliches Verhalten im Sinne von Art. 2 Abs. 2 
ZGB vorzuwerfen ist, da er ein Bestätigungsschreiben unterzeichnet hat, sich nun 
aber auf den Standpunkt stellt, der Vertrag sei nie gültig aufgelöst worden. Im 
Mietrecht kann eine in Verletzung der Formvorschriften ergangene Kündigung 
gemäss Bundesgericht gestützt auf das Rechtsmissbrauchsverbot trotzdem zu 
einer Beendigung des Vertrags führen, wenn ein Mieter die Kündigung bestätigt 
hat und später gegenüber der Vermieterin dennoch vorbringt, die Formvorschriften 
seien nicht eingehalten worden. In diesem Fall ist die Formnichtigkeit unter den 
Parteien unbeachtlich und die Kündigung ist so zu behandeln, wie wenn sie gültig 
wäre (vgl. BGE 98 II 313 E. 2). Vorliegend scheitert eine analoge Anwendung die-
ser Rechtsprechung jedoch bereits deshalb, weil die Verpächterin von einer Ver-
tragsauflösung per Januar 2017 gar nichts wusste. Ihr war lediglich durch K._____ 
mündlich mitgeteilt worden, dass der Pächter mit dem Verkauf einverstanden sei 
(vgl. StA act. 3.11, Frage 13). Gegenüber der Verpächterin kann dem Beschuldig-
ten damit kaum ein rechtsmissbräuchliches Verhalten vorgeworfen werden, zumal 

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diese in der Folge nach wie vor auch den Pachtzins annahm. Rechtsmissbräuch-
lich wäre das Verhalten des Beschuldigten allenfalls gegenüber der Privatklägerin. 
Diese war im Januar 2017 jedoch gar nicht am Pachtvertrag beteiligt; eine Auflö-
sung des Pachtvertrags aufgrund eines rechtsmissbräuchlichen Verhaltens ge-
genüber der Privatklägerin scheidet deswegen aus. Fraglich erscheint zudem, ob 
die Privatklägerin selbst überhaupt gutgläubig war, zumal sie die Bewirtschaftung 
der Parzelle durch den Beschuldigten in den Jahren 2017 und 2018 ohne Wider-
rede zuliess, obwohl sie gemäss eigenen Angaben in diesen Jahren die Parzelle 
selbst bewirtschaften wollte. Auch eine Vertragsauflösung aufgrund eines rechts-
missbräuchlichen Verhaltens des Beschuldigten scheidet deshalb aus.

4.2.8. Aufhebungsvertrag: Denkbar ist schliesslich, dass der Pachtvertrag durch 
gegenseitige Übereinkunft gemäss Art. 115 OR auf den 25. Januar 2017 aufgelöst 
worden ist. Dies ist auch für landwirtschaftliche Pachtverträge möglich, wobei – 
entgegen der einseitigen Kündigung – keine speziellen Formvorschriften einzuhal-
ten sind. Der Pachtvertrag kann damit auch mündlich aufgelöst werden, gemäss 
Art. 115 OR jedoch nur, wenn beide Parteien der Auflösung zustimmen. Eine Ver-
tragsauflösung gemäss Art. 115 OR setzt wie dargelegt jedoch voraus, dass beide 
Parteien eine Vertragsauflösung konkludent vereinbaren. Dies ist in casu bereits 
auf Verpächterseite mehr als fraglich. Verpächterin war im Januar 2017 bekannt-
lich I._____. Diese wusste vom Schreiben vom 25. Januar 2017 jedoch nichts (vgl. 
Aussage in StA act. 3.11, Frage 12) und hatte dementsprechend auch keinen Wil-
len, den Vertrag per 25. Januar 2017 aufzulösen (StA act. 3.11, Frage 6 e contra-
rio). Ihr Wille war – wie sie selbst ausgesagt hat – vielmehr, dass der Vertrag noch 
bis zum Eigentümerwechsel dauern sollte, wobei das Datum noch gar nicht be-
kannt war. Eine Willenserklärung von ihr persönlich, wonach der Vertrag per 25. 
Januar 2017 beendet werden soll, liegt dementsprechend nicht vor. Vielmehr 
nahm sie den Pachtzins auch im Jahr 2017 und 2018 noch an und signalisierte 
damit stillschweigend, dass sie am Vertrag festhalten will. Sofern man K._____ als 
Stellvertreter von I._____ im Sinne von Art. 32 OR in Erwägung zieht, ist auch dies 
zu verneinen. K._____ vertrat vor der Berufungsinstanz die Ansicht, dass der Be-
schuldigte die Pacht gekündigt habe, weil er selbst dies als Nichteigentümer nicht 
habe machen können (vgl. act. H. 5, Fragen II. 4, 5, 13 und bereits bei der polizei-
lichen Einvernahme StA act. 3.12, Frage 11). Offensichtlich sah er sich auch 
selbst nicht als Vertreter der Verpächterin. Zusammenfassend liegt damit keine 
Willenserklärung der Verpächterin vor, wonach sie den Vertrag per 25. Januar 
2017 aufheben wollte. Ein Aufhebungsvertrag scheidet dementsprechend eben-
falls aus. 

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4.2.9. Zwischenfazit: Unabhängig davon, ob die Unterschrift auf dem Schreiben 
vom 25. Januar 2017 als echt anzusehen ist, ist davon auszugehen, dass der 
Pachtvertrag aus dem Jahr 2000 am 25. Januar 2017 nicht aufgelöst worden ist. 
Es liegt weder eine gültige Kündigung der Verpächterin oder des Pächters noch 
ein Aufhebungsvertrag im Sinne von Art. 115 OR vor. Im Ergebnis ist das Ver-
tragsverhältnis zwischen dem Beschuldigten und I._____ nie gültig aufgelöst wor-
den. Sofern die Verpächterin dies gewollt hätte, hätte sie sich darum bemühen 
müssen, die Kündigung oder Vertragsauflösung korrekt vorzunehmen. Dies hat sie 
vorliegend unterlassen, womit der Pachtvertrag gestützt auf Art. 14 LPG auf die 
neue Eigentümerin der Parzelle C._____ – die Privatklägerin – übergegangen ist. 
Auch das Schreiben des Rechtsvertreters der Privatklägerin vom 20. Juni 2019 
(StA act. 3.7) ändert am bestehenden Vertragsverhältnis im August 2019 nichts. 
Sofern man dieses Schreiben als Kündigung ansehen würde, wäre das Vertrags-
verhältnis im Zeitpunkt des angeklagten Sachverhalts im August 2019 aufgrund 
der gesetzlichen Kündigungsfristen noch nicht aufgelöst gewesen.

4.2.10. Abschliessend das Folgende: Wie die Vorinstanz zurecht ausgeführt hat, 
wäre die strafrechtliche Beurteilung wohl dieselbe, wenn man entgegen der vor-
stehenden Erwägungen von einer Vertragsauflösung per 25. Januar 2017 ausge-
hen würde. Diesfalls würde sich nämlich zwangsläufig die Frage stellen, wie die 
spätere Nutzung der Parzellen durch den Beschuldigten in den Jahren 2017 und 
2018 rechtlich einzuordnen wäre, zumal der Beschuldigte die Parzelle im Jahr 
2017 und 2018 nicht nur gemäht, sondern dafür auch Pachtzins entrichtet hat. Die 
Privatklägerin bringt vor, dass es sich um eine Gebrauchsleihe handeln müsse 
(act. H.2, S.3). Daran scheitert es jedoch bereits deshalb, weil der Beschuldigte in 
den Jahren 2017 und 2018 wie erwähnt Pachtzins bezahlt hat (vgl. StA act. 3.14 
im Vergleich mit dem vereinbarten Pachtzins für den Landanteil im Pachtvertrag 
aus dem Jahr 2000 [StA act. 3.13]). Mit der Nutzung des Grundstücks in den Jah-
ren 2017 und 2018 und der vorbehaltlos angenommenen Pachtzinszahlung durch 
I._____ (Unterschied zu ähnlichem Fall in BGer 4C.38/2005 v. 24.6.2005 E. 1.2, 
3.2.3) wäre wohl vielmehr stillschweigend ein neuer Pachtvertrag (mit einer Min-
destlaufzeit von sechs Jahren, vgl. Art. 8 LPG) entstanden. Auch in diesem Falle 
wäre der Beschuldigte berechtigt gewesen, die Parzelle im August 2019 zu 
mähen.

4.3. Zur Parzelle Nr. D._____

Die vorstehenden Ausführungen beziehen sich auf die Parzelle Nr. C._____ in 
F._____. In der Strafanzeige gab die Privatklägerin an, dass sie Eigentümerin bei-
der Parzellen sei und der Beschuldigte die Parzellen Nrn. C._____ und D._____ 

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ohne Berechtigung gemäht habe. Als Beweis für die Eigentumsverhältnisse legte 
sie einen Grundbuchauszug bei (vgl. StA act. 3.2 u. 3.5). Aus diesem ergeben sich 
jedoch einzig die Eigentumsverhältnisse der Parzelle C._____ (StA act. 3.5, S. 3). 
Wer Eigentümer der Parzelle D._____ ist, erschliesst sich daraus nicht. Auch im 
Tauschvertrag vom 24. September 2018 zwischen I._____ und der Privatklägerin 
ist entgegen den Parteibehauptungen kein Grundstück D._____ erwähnt (StA 
act. 3.16). In verschiedenen Einvernahmen bestätigen die Parteien (auch der Be-
schuldigte) zwar, dass die Privatklägerin Eigentümerin der Parzelle D._____ sei. 
Worauf sich diese Ansicht stützt, ist jedoch nicht ersichtlich. Zudem erscheint nicht 
klar, wann die Parzelle auf die Privatklägerin übergegangen sein soll, zumal sie – 
wie dargelegt – nicht im Tauschvertrag erwähnt ist (vgl. dazu Aussagen des Be-
schuldigten in StA act. 1.13, Frage 12 und Ergänzungsfrage 1; Aussage I._____ in 
StA act. 3.11, Frage 2). Vorliegend ist aufgrund der Grundstücknummer ohne wei-
teres davon auszugehen, dass die Parzelle Nr. D._____ ursprünglich Teil der Par-
zelle Nr. C._____ gewesen ist (siehe auch entsprechende Aussage in StA 
act. 1.13, Frage 12). Damit kann weiter davon ausgegangen werden, dass der 
Pachtvertrag aus dem Jahr 2000 auch die spätere vermeintliche Teilparzelle 
Nr. D._____ enthielt. Damit gilt für die Parzelle D._____ – sofern sie sich tatsäch-
lich im Eigentum der Privatklägerin befindet – betreffend Pachtvertrag dasselbe 
wie für die ursprüngliche Parzelle Nr. C._____.

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4.5. Fazit

Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist davon auszugehen, dass der Be-
schuldigte aufgrund eines Pachtvertrags berechtigt war, die Parzelle Nr. C._____ 
(und eventuell die Parzelle Nr. D._____) in F._____ zu bewirtschaften. Dement-
sprechend kann ihm nicht vorgeworfen werden, dass er sich nach wie vor an den 
Vertrag gebunden sah und davon ausging, dass dieser noch besteht. Angesichts 
des Pachtvertrags hat er originär Eigentum am gemähten Gras erworben. Eine 
Strafbarkeit des Beschuldigten wegen Diebstahls gemäss Art. 139 StGB scheitert 
deshalb bereits daran, dass das gemähte Gras für ihn keine fremde Sache war. 
Die übrigen Tatbestandsvoraussetzungen müssen damit nicht mehr geprüft wer-
den. Aufgrund dieser Ausgangslage muss auch auf die weiteren Ausführungen der 
Privatklägerin und des Beschuldigten nicht weiter eingegangen werden, zumal 
diese nichts an der dargelegten Rechtslage zu ändern vermögen. Der Beschuldig-
te ist freizusprechen.

5. Zivilklage

5.1. Zu prüfen bleibt die von der Privatklägerin vorgebrachte Zivilklage. Sie ver-
langt im Berufungsverfahren die Herausgabe von sechs Siloballen oder die Zah-
lung von CHF 840.00 zuzüglich Zins seit dem 13. August 2019. 

5.2.1. Gemäss Art. 122 Abs. 1 StPO kann die geschädigte Person zivilrechtliche 
Ansprüche aus der Straftat adhäsionsweise im Strafverfahren geltend machen. 
Der zivilrechtliche Anspruch muss sich aus der Straftat herleiten; er kann sich mit-
hin nur auf Handlungen stützen, die von der Anklage erfasst sind. In erster Linie 
sind Schadenersatz- oder Genugtuungsansprüche aus unerlaubter Handlung 
gemäss Art. 41 ff. OR denkbar. Das Gericht entscheidet über die anhängig ge-
machte Zivilklage, wenn es die beschuldigte Person schuldig spricht oder frei-
spricht und der Sachverhalt spruchreif ist (Art. 126 Abs. 1 lit. a und b). 

5.2.2. Entsprechend der für den Adhäsionsprozess massgeblichen Dispositions-
maxime hat die Zivilklägerschaft den Anspruch, welchen sie geltend macht, zu 
beziffern und zu begründen. Kommt es bis zum Abschluss der Hauptverhandlung 
nicht zu einer ausreichenden Begründung und Bezifferung, so wird die Zivilforde-
rung entsprechend Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO grundsätzlich auf den Zivilweg ver-
wiesen. Die Klage kann jedoch unter anderem dann abgewiesen werden, wenn 
der Beweis für die den Anspruch begründenden Umstände nicht oder nicht 
vollständig erbracht wurde (vgl. Julian Mausbach, Das Adhäsionsverfahren – auch 
im medizinalstrafrechtlichen Licht, Bern 2023, S. 265 f.). 

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5.3. Vorliegend wird der Beschuldigte freigesprochen, da nach Ansicht des Ge-
richts im Tatzeitpunkt ein gültiger Pachtvertrag bestand und das gemähte Gras 
deshalb in das Eigentum des Beschuldigten übergegangen ist. Schadenersatz ist 
vorliegend lediglich gestützt auf Art. 41 OR denkbar. Angesichts der Würdigung 
des Gerichts ist jedoch weder ein widerrechtliches Verhalten des Beschuldigten 
noch ein Schaden nachgewiesen. Es fehlt damit am Beweis für mehrere den An-
spruch begründende Umstände, weshalb die Zivilklage abzuweisen ist.

6. Kosten- und Entschädigungsfolgen

6.1. Untersuchung und Vorinstanz

Fällt die Rechtsmittelinstanz selbst einen Entscheid, so befindet sie auch über die 
von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO). Durch das 
vorliegende Urteil wird das Urteil des Regionalgerichts Viamala vollumfänglich 
bestätigt. Auf die korrekten vorinstanzlichen Erwägungen zur Kosten- und Ent-
schädigungsregelung kann deshalb gemäss Art. 82 Abs. 4 StPO verwiesen wer-
den (vgl. act. E.1, E. 4).

6.2. Rechtsmittelinstanz

6.2.1. In Anwendung von Art. 7 VGS (BR 350.210) ist die Gerichtsgebühr ange-
sichts des Aufwands für das Berufungsverfahren auf CHF 4'000.00 festzulegen. 
Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres 
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). 

Der Beschuldigte obsiegt im Berufungsverfahren und wird freigesprochen; er trägt 
deshalb keine Verfahrenskosten. Vorliegend hat die Privatklägerin die Berufung 
erhoben, wobei ihre Anträge vollständig abgewiesen wurden. Sie ist dementspre-
chend als unterliegende Partei zu betrachten, zumal die Staatsanwaltschaft nicht 
am Verfahren teilgenommen hat. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind damit 
vollständig der Privatklägerschaft zu überbinden ist.

6.2.2. Für die Ansprüche auf Entschädigung und Genugtuung im Rechtsmittelver-
fahren verweist Art. 436 Abs. 1 StPO auf die Art. 429-434 StPO. Die Privatklägerin 
unterliegt im vorliegenden Verfahren, weshalb sie auch nicht zu entschädigen ist. 
Die obsiegende beschuldigte Person hingegen hat gegenüber der Privatkläger-
schaft Anspruch auf angemessene Entschädigung für die durch die Anträge zum 
Zivilpunkt verursachten Aufwendungen (Art. 432 Abs. 1 StPO). Obsiegt die be-
schuldigte Person zudem im Schuldpunkt, kann die Privatklägerschaft auch ver-
pflichtet werden, der beschuldigten Person die Aufwendungen für die angemesse-

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ne Ausübung ihrer Verfahrensrechte zu ersetzen (vgl. Art. 432 Abs. 2 StPO). Die 
Regelung von Art. 432 Abs. 2 StPO ist dispositiver Natur. Die Verlegung der Kos-
ten hat sich nach dem Grundsatz zu richten, wonach die Kosten trägt, wer sie ver-
ursacht hat.

Sowohl das Straf- als auch das Berufungsverfahren sind durch die Privatklägerin 
angehoben worden, wobei die Staatsanwaltschaft auf die Teilnahme am Beru-
fungsverfahren vollständig verzichtet hat. Angesichts dessen rechtfertigt es sich, 
dass die Privatklägerin den Beschuldigten für das vorliegende Verfahren vollum-
fänglich zu entschädigen hat (siehe für diesen Fall ausdrücklich BGE 147 IV 47 
E. 4.2.3 mit Verweis auf BGE 139 IV 45 E. 1.2). Der Rechtsvertreter des Beschul-
digten hat keine Honorarnote eingereicht. Anlässlich der Berufungsverhandlung 
beantragte er jedoch nach Einsicht in die Honorarnote der Privatklägerin eine Ent-
schädigung in ähnlicher Höhe. Diese hatte für das Berufungsverfahren eine Ent-
schädigung von CHF 3'839.05 beantragt. Ausgehend von einem mittleren Stun-
denansatz von CHF 240.00 (vgl. Art. 3 HV [BR 310.250]) und unter Berücksichti-
gung von Mehrwertsteuer und Spesen entspricht dies etwa einem Aufwand von 15 
Stunden, was der vorliegenden Sache als angemessen erscheint. Dem Beschul-
digten ist dementsprechend zulasten der Privatklägerin eine Entschädigung von 
CHF 3'800.00 inklusive Spesen und Mehrwertsteuer zuzusprechen.

7. Berichtigung

Das am 27. Juni 2023 unbegründet mitgeteilte Entscheiddispositiv der erkennen-
den I. Strafkammer ist in Anwendung von Art. 83 Abs. 1 StPO von Amtes wegen 
zu berichtigen. Neu ist als Ziffer 6 des Dispositivs die Rechtsmittelbelehrung an 
das Bundesgericht aufzunehmen; die bisherige Dispositivziffer 6 (Mitteilungen) 
verschiebt sich entsprechend nach hinten. Die Berichtigung wird den Parteien in 
Form eines Beschlusses eröffnet (Art. 83 Abs. 4 StPO).

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Demnach wird beschlossen:

Das am 27. Juni 2023 unbegründet mitgeteilte Entscheiddispositiv des Urteils vom 
27. Juni 2023 wird in Bezug auf die neu aufzunehmende Rechtsmittelbelehrung 
(neue Dispositivziffer 6) von Amtes wegen berichtigt.

und erkannt:

1. B._____ wird vom Vorwurf des Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB 
freigesprochen.

2. Die Zivilklage der A._____ wird abgewiesen.

3. Die Untersuchungskosten von CHF 1'935.00 gehen zulasten des Kantons 
Graubünden (Staatsanwaltschaft).

4.1. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens von CHF 5'000.00 gehen zu-
lasten des Kantons Graubünden (Regionalgericht Viamala).

4.2. B._____ wird für das erstinstanzliche Verfahren mit CHF 4'500.00 (inkl. 
Spesen und MwSt.) zulasten des Kantons Graubünden (Regionalgericht 
Viamala) entschädigt.

5.1. Die Kosten des Berufungsverfahrens von CHF 4'000.00 gehen zulasten der 
A._____.

5.2. B._____ wird für das Berufungsverfahren mit CHF 3'800.00 (inkl. Spesen 
und MwSt.) zulasten der A._____ entschädigt.

6. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 ff. BGG Beschwerde in 
Strafsachen an das Bundesgericht geführt werden. Die Beschwerde ist dem 
Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, schriftlich innert 30 
Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in 
der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die 
Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen 
und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. 
BGG.

7. Mitteilung an: