# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0e2788ec-213d-5385-b67d-510e8fd96d36
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-10-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.10.2009 BVGE 2010/50
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2010-50_2009-10-19.pdf

## Full Text

2010/50 Heilmittel 

 

 

718 BVGE / ATAF / DTAF 

 

8 Gesundheit – Arbeit – Soziale Sicherheit 
Santé – Travail – Sécurité sociale 
Sanità – Lavoro – Sicurezza sociale 

50 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung III 
i. S. B. gegen Swissmedic Schweizerisches Heilmittelinstitut 

C-900/2007 vom 19. Oktober 2009 

Heilmittel. Anwendbares Recht. Qualifikation von als Medizinpro-

dukte gemeldeten Präparaten als Biozide. Abgrenzung zu den Heil-

mitteln. 

Art. 1 Abs. 1 Bst. a und b, Art. 6 Abs. 1 Bst. a, Art. 9 Abs. 1, Art. 27 

Abs. 1 MepV. Art. 1 Abs. 3 Bst. a, Art. 2 Abs. 1 Bst. a, Art. 3 Abs. 1, 

Art. 9, Anhang 10 VBP. Art. 2 Abs. 4 Bst. a, Art. 4 Abs. 1, Art. 10 

ChemG. Art. 2 Abs. 1 Bst. a, Art. 4 Abs. 1 Bst. a und b, Art. 45 

Abs. 2, Art. 58, Art. 66 HMG.  

1. Ein Produkt, das Stoffe im Sinne der Chemikaliengesetzgebung 
enthält, kann in der Regel nur einer Produktekategorie angehö-

ren. Die Abgrenzungsregeln finden sich in der Spezialgesetzge-

bung. Die Qualifikation eines Produktes ist einzelfallweise vorzu-

nehmen (E. 4 und 5). 

2. Ein Biozidprodukt ist dem Heilmittelrecht nur unterstellt, wenn 
es aus objektiver Sicht primär zur medizinischen Verwendung 

bestimmt ist, was aufgrund seiner Zusammensetzung, den damit 

verbundenen Produkteeigenschaften und dem nach der Ver-

kehrsauffassung der Konsumenten normalen Zweck zu be-

urteilen ist. Sind diese Voraussetzungen nicht gegeben, vermag 

eine blosse Anpreisung des Produktes als Heilmittel die Anwen-

dung des Heilmittelrechts nicht zu rechtfertigen (E. 6). 

 

 

 

Heilmittel 2010/50 

 

 

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Produits thérapeutiques. Droit applicable. Qualification comme pro-

duits biocides de préparations déclarées comme dispositifs médicaux. 

Délimitation par rapport aux produits thérapeutiques. 

Art. 1 al. 1 let. a et b, art. 6 al. 1 let. a, art. 9 al. 1, art. 27 al. 1 ODim. 

Art. 1 al. 3 let. a, art. 2 al. 1 let. a, art. 3 al. 1, art. 9, Annexe 10 

OPBio. Art. 2 al. 4 let. a, art. 4 al. 1, art. 10 LChim. Art. 2 al. 1 let. a, 

art. 4 al. 1 let. a et b, art. 45 al. 2, art. 58, art. 66 LPTh. 

1. Un produit contenant des substances au sens de la législation sur 
les produits chimiques ne peut appartenir en règle générale qu'à 

une seule catégorie de produits. Les règles de délimitation se 

trouvent dans la législation spéciale. La qualification d'un pro-

duit s'effectue au cas par cas (consid. 4 et 5). 

2. Un produit biocide n'est soumis à la législation sur les produits 
thérapeutiques que si d'un point de vue objectif il est destiné en 

premier lieu à un usage médical, ce qui s'apprécie au regard de 

sa composition, de ses propriétés et de la destination que les 

consommateurs estiment usuellement être normale. Si ces condi-

tions ne sont pas réunies, le seul fait que la publicité le présente 

comme produit thérapeutique ne suffit pas à justifier l'appli-

cation de la législation sur les produits thérapeutiques (consid. 6). 

Agenti terapeutici. Diritto applicabile. Qualifica come biocidi di pre-

parati notificati come dispositivi medici. Delimitazione rispetto agli 

agenti terapeutici. 

Art. 1 cpv. 1 lett. a e b, art. 6 cpv. 1 lett. a, art. 9 cpv. 1, art. 27 cpv. 1 

ODMed. Art. 1 cpv. 3 lett. a, art. 2 cpv. 1 lett. a, art. 3 cpv. 1, art. 9, 

Allegato 10 OBioc. Art. 2 cpv. 4 lett. a, art. 4 cpv. 1, art. 10 LPChim. 

Art. 2 cpv. 1 lett. a, art. 4 cpv. 1 lett. a e b, art. 45 cpv. 2, art. 58, 

art. 66 LATer. 

1. Un prodotto che contiene sostanze ai sensi della legislazione sui 
prodotti chimici può di regola appartenere solo ad una categoria 

di prodotti. Le regole di delimitazione si trovano nella legisla-

zione speciale. La qualifica di un prodotto deve essere eseguita 

caso per caso (consid. 4 e 5). 

2. Un biocida soggiace alla legislazione sugli agenti terapeutici se da 
un punto di vista oggettivo è destinato in primo luogo ad un uso 

medico, ciò che va giudicato dalla sua composizione, dalle sue 

proprietà e dallo scopo normale secondo l'uso dei consumatori. 

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Se tali condizioni non sono adempiute, la mera pubblicità del 

prodotto quale agente terapeutico non basta a giustificare l'ap-

plicazione della legislazione sugli agenti terapeutici (consid. 6).  

 

Die B. AG, (Beschwerdeführerin) meldete am 6. Oktober 2006 beim 

Swissmedic, Schweizerischen Heilmittelinstitut (nachfolgend: Institut 

oder Vorinstanz) insbesondere ihre Produkte C., D. und E. gemäss Art. 6 

der Medizinprodukteverordnung vom 17. Oktober 2001 (MepV, SR 

812.213) an. Die Produkte dienen der Verhinderung von Insektenstichen. 

 Das Institut erliess am 21. Dezember 2006 eine Verfügung und stellte 
fest, dass die Produkte C., D. und E. keine Medizinprodukte im Sinne 

des Heilmittelrechts seien. Die Meldung gemäss Art. 6 MepV der 

Beschwerdeführerin vom 6. Oktober 2006 für diese drei Produkte als 

Medizinprodukte der Klasse I werde abgelehnt und die Produkte dürften 

nicht als Medizinprodukte in Verkehr gebracht werden. 

 Zur Begründung dieser Anordnungen führte das Institut im Wesentlichen 
aus, entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin seien die drei Pro-

dukte C., D. und E. als Repellentien, also Biozide gemäss der Biozidpro-

dukteverordnung vom 18. Mai 2005 (VBP, SR 813.12) einzustufen, wür-

den doch in Anhang 10 VBP die Repellentien ausdrücklich aufgeführt. 

Das Bundesamt für Gesundheit, Abteilung Chemikalien, Sektion Biozide 

und Pflanzenschutzmittel, habe sich dieser Einschätzung angeschlossen. 

Zur Begründung der Klassifizierung sei insbesondere festzuhalten, dass 

die Produkte ausschliesslich für den Schutz der Haut gegen Insekten be-

stimmt seien. Der Geruch der Produkte verhindere das Näherkommen 

der Insekten. Mit der Anwendung der Produkte sei keine direkte Krank-

heitsverhütung verbunden. 

 Die Beschwerdeführerin erhob am 1. Februar 2007 beim Bundesverwal-
tungsgericht (BVGer) Beschwerde. 

 Sie beantragte – unter Kosten- und Entschädigungsfolge – die vollum-
fänglich Aufhebung der Verfügung vom 21. Dezember 2006. Es sei fest-

zustellen, dass es sich bei den Produkten C., D. und E. um Medizinpro-

dukte handle. 

 Das Institut beantragte die vollständige Abweisung der Beschwerde vom 
1. Februar 2007 unter Kostenfolgen. 

 Im nachfolgenden Schriftenwechsel haben die Parteien an ihren Anträgen 
und Standpunkten festgehalten. 

Heilmittel 2010/50 

 

 

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 Das BVGer weist die Beschwerde ab. 

Die dagegen beim Bundesgericht (BGer) erhobene Beschwerde wurde 

mit Urteil 2C_790/2009 vom 21. Oktober 2010 ebenfalls abgewiesen. 

Aus den Erwägungen: 

3. Die Beschwerdeführerin meldete mit Schreiben vom 6. Oktober 
2006 beim Institut drei Produkte gemäss Art. 6 Abs. 1 Bst. a MepV, 

welche sie als Medizinprodukte der Klasse I (mit entsprechender CE-

Kennzeichnung) in Verkehr bringen will. 

3.1 Gemäss den Angaben im Meldeformular handelt es sich bei den 
Produkten C., D. und E., um flüssige Zubereitungen zum Auftragen auf 

die Hornhaut zur Verhütung von negativen Gesundheitsfolgen von 

Zeckenstichen (recte: Zeckenbissen; C.), von Stichen oder Bissen flie-

gender und kriechender Lästlinge (D.) beziehungsweise von Wehrim-

menstichen (E.). Die Wirkungsweise beruhe auf dem Aufbau eines physi-

kalischen Schutzschildes in Form einer gasförmigen Aura, die alle Reize 

vor Zecken und Lästlingen verberge bzw. auf Wehrimmen bedrohlich 

wirke; es bestehe keine pharmakologische, immunologische oder meta-

bolische Wirkung. 

3.2 Bei den Vorakten (…) findet sich ein Packungsausdruck und 
eine Gebrauchsinformation zum Produkt D. der R. GmbH, Deutschland, 

welche – gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin – mit den für die 

vorliegend zu beurteilenden Produkte vorgesehenen Texten vergleichbar 

sei. Auf der Packung wird unter anderem angepriesen: « Der wertvolle 

Beitrag zur Verhütung von biss- und stichbedingten Hautverletzungen 

und deren Krankheitsfolgen. Speziell gegen fliegende, kriechende, ste-

chende und beissende Lästlinge. Zum Auftrag auf die Haut. Naturba-

sierende Formel. Dermatologisch gut verträglich. Toxikologisch geprüft 

– auch für Kinder geeignet. Bis zu 8 Stunden Wirksamkeit. Schützt vor 

Übertragung von Krankheiten ». Der Gebrauchsinformation ist zu 

entnehmen, dass die Produkte den Wirkstoff W. enthalten und der 

Verhütung der Übertragung von « vektorspezifischen Erregern » (wie 

bestimmten Viren, Bakterien, Plasmoiden und Trypanosomen), der Ver-

hütung von überträgerspezifischen gesundheitlichen Folgen (wie 

juckende und nässende Läsionen, die Übertragung von katzen- und 

hundespezifischen Infektionskeimen oder grossflächigen Hautentzün-

dungen) sowie der Verhütung der Entwicklung von Allergien dienen soll. 

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722 BVGE / ATAF / DTAF 

 

3.3 Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens bestätigte die Beschwer-
deführerin, dass die fraglichen Produkte zur Verhütung von Stichen und 

Bissen von Arthropoden (Gliederfüssler) und deren negativen Gesund-

heitsfolgen dienten. Sie legt dabei besonderes Gewicht auf den Schutz 

vor übertragbaren Krankheiten. Entsprechend der Anpreisung ihrer Pro-

dukte seien diese für den prophylaktischen medizinischen Einsatz (Ver-

hütung von Krankheiten) bestimmt. Daher sei beabsichtigt, die Produkte 

als Medizinprodukte im Sinne der Heilmittelgesetzgebung mit CE-

Kennzeichnung in Verkehr zu bringen. 

Die Vorinstanz lehnte die Anmeldung der fraglichen Produkte als Medi-

zinprodukte ab und vertrat die Ansicht, es handle sich um Biozidproduk-

te, welche gemäss den Vorschriften des ChemG und der VBP in Verkehr 

zu bringen seien. 

4. Im Folgenden ist vorab zu prüfen, ob es sich bei den zu be-
urteilenden Produkten um Biozidprodukte handelt. 

4.1 Die VBP wurde vom Bundesrat unter anderem gestützt auf das 
Bundesgesetz vom 15. Dezember 2000 über den Schutz vor gefährlichen 

Stoffen und Zubereitungen (Chemikaliengesetz) vom 15. Dezember 2000 

(ChemG, SR 813.1) erlassen. 

4.1.1 Zweck des ChemG ist der Schutz von Leben und Gesundheit 
des Menschen vor schädlichen Einwirkungen durch Stoffe und Zuberei-

tungen (Art. 1 ChemG). Es findet Anwendung auf den Umgang mit Stof-

fen und Zubereitungen (Art. 2 Abs. 1 ChemG). In Art. 4 Abs. 1 Bst. a 

ChemG werden Stoffe als natürliche oder durch ein Produktionsverfah-

ren hergestellte chemische Elemente und deren Verbindungen definiert. 

Als Wirkstoffe gelten Stoffe (und Mikroorganismen einschliesslich Vi-

ren) mit einer für die Verwendung als Biozidprodukt (oder Pflanzen-

schutzmittel) beabsichtigten Wirkung (Art. 4 Abs. 1 Bst. b ChemG). 

Biozidprodukte sind Wirkstoffe oder Zubereitungen, die nicht Pflanzen-

schutzmittel sind und die dazu bestimmt sind, Schadorganismen abzu-

schrecken, unschädlich zu machen, zu zerstören oder in anderer Weise zu 

bekämpfen oder Schädigungen durch Schadorganismen zu verhindern 

(Art. 4 Abs. 1 Bst. d ChemG). 

4.1.2 Gemäss der Begriffsbestimmung in der VBP handelt es sich bei 
Biozidprodukten im Wesentlichen um Wirkstoffe oder Zubereitungen, 

die dazu bestimmt sind, auf chemischem oder biologischem Weg Schad-

organismen abzuschrecken, unschädlich zu machen, zu zerstören oder in 

anderer Weise zu bekämpfen oder Schädigungen durch Schadorganismen 

Heilmittel 2010/50 

 

 

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zu verhindern (Art. 2 Abs. 1 Bst. a VBP). Darunter fallen etwa Wirkstof-

fe und Zubereitungen, welche insbesondere als Konservierungsmittel, 

Desinfektionsmittel oder Schädlingsbekämpfungsmittel nicht nur in der 

Landwirtschaft Verwendung finden. Erfasst werden nicht nur Gifte, son-

dern auch potenziell physikalisch-chemisch gefährliche sowie umwelt-

gefährliche Stoffe, Zubereitungen sowie – in bestimmten Bereichen – 

Organismen und Gegenstände. Aufgrund ihrer Verwendung und bioziden 

Wirkung und dem damit einhergehenden erheblichen Gefährdungspo-

tenzial ist der Umgang mit Biozidprodukten besonders geregelt (vgl. zum 

Ganzen die Botschaft des Bundesrates zum Bundesgesetz über den 

Schutz vor gefährlichen Stoffen und Zubereitungen [Chemikaliengesetz, 

ChemG] vom 24. November 1999, BBl 2000 687 ff., 731 [nachfolgend: 

Botschaft des BR zum ChemG]). Sie dürfen nur in Verkehr gebracht wer-

den, wenn sie zugelassen, registriert oder anerkannt sind (Art. 6 Abs. 1 

Bst. b und Art. 10 ChemG i. V. m. Art. 3 Abs. 1 VBP). 

4.1.3 In Übereinstimmung mit der Richtlinie 98/8/EG des Europäi-
schen Parlaments und des Rates vom 16. Februar 1998 über das Inver-

kehrbringen von Biozidprodukten (Amtsblatt der Europäischen Union 

[ABl.] L 123 vom 24.04.98, nachfolgend: Richtlinie 98/8/EG) werden 

die Biozidprodukte in Anhang 10 der VBP in verschiedene Produktarten 

eingeteilt: Zum einen in Desinfektionsmittel und allgemeine Biozidpro-

dukte (Hauptgruppe 1), zum anderen in Schutzmittel (Hauptgruppe 2), 

Schädlingsbekämpfungsmittel (Hauptgruppe 3) und sonstige Biozidpro-

dukte (Hauptgruppe 4). Unter Schädlingsbekämpfungsmittel, Produktart 

19 finden sich Repellentien und Lockmittel. Diese Produkte dienen zur 

Fernhaltung oder Köderung von Schadorganismen (wirbellose Tiere wie 

z. B. Flöhe, aber auch Mücken, Wespen und Zecken [sogenannte Ar-

thropoden], Wirbeltiere wie z. B. Vögel); hierzu gehören insbesondere 

Produkte, die entweder unmittelbar oder mittelbar für die menschliche 

Hygiene oder die Hygiene im Veterinärbereich verwendet werden. Re-

pellentien zur direkten Anwendung auf menschlicher oder tierischer Haut 

waren bis zum Inkrafttreten der Chemikaliengesetzgebung der Kosmetik-

verordnung unterstellt. 

4.2 Bei dem in den drei fraglichen Produkten verwendeten Wirk-
stoff W. handle es sich gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin um 

einen weissen, kristallinen Feststoff, der bei 34.5 C° schmelze. Die Vor-
instanz leitete aus diesen Angaben die Formel und den Stoff Ww. ab. Sie 

führte dazu aus, es handle sich um ein Derivat des Menthols, einem äthe-

rischen Öl mit ausgewiesenen repellenten Eigenschaften gegen Insekten. 

Die Beschwerdeführerin widersprach dieser Feststellung nur insofern, als 

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sie geltend machte, es handle sich nicht um ein ätherisches Öl, sondern 

lediglich um den Bestandteil eines ätherischen Öls (...). Sie stellte jedoch 

nicht in Abrede, dass es sich beim verwendeten Wirkstoff um Ww. 

handelt. 

4.3 Der verwendete Stoff Ww. findet sich in der Liste der in das 
europäische Prüfprogramm aufgenommenen notifizierten alten Wirk-

stoffe und Produktearten gemäss Anhang II der Verordnung (EG) 

Nr. 2032/2003 der Kommission vom 4. November 2003 über die zweite 

Phase des Zehn-Jahres-Arbeitsprogramms gemäß Artikel 16 Absatz 2 der 

Richtlinie 98/8/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über das 

Inverkehrbringen von Biozid-Produkten und zur Änderung der Verord-

nung (EG) Nr. 1896/2006 (ABl. L 307 vom 24.11.2003, nachfolgend: 

VO Nr. 2032/2003; in der Fassung der Verordnung [EG] Nr. 1451/2007 

der Kommission vom 4. Dezember 2007 über die zweite Phase des Zehn-

Jahres-Arbeitsprogramms gemäß Artikel 16 Absatz 2 der Richtlinie 

98/8/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über das Inverkehr-

bringen von Biozid-Produkten [ABl. L 325/3 vom 11.12.2007]; vgl. dazu 

Art. 9 Abs. 1 Bst. d VBP) unter dem Wirkstoffname Ww. Notifiziert 

wurde dieser Wirkstoff für die Produktarten 1 und 2 (Biozidprodukte für 

die menschliche Hygiene und Desinfektionsmittel) als auch der Produkt-

art 19 (Repellentien und Lockmittel). Die Einteilung der Produktearten in 

Anhang 10 VBP wurde aus den europäischen Regelungen übernommen 

und die schweizerischen Wirkstofflisten entsprechen den europäischen 

Listen (vgl. Art. 9 VBP). Beim fraglichen Wirkstoff Ww. handelt es sich 

demnach um einen Stoff gemäss Art. 4 ChemG, welcher aufgrund des 

oben Dargelegten als biozider Wirkstoff sowohl nach schweizerischem 

als auch nach europäischen Recht einzustufen ist (Art. 4 Abs. 1 Bst. b 

ChemG i. V. m. Art. 2 Abs. 1 Bst. a VBP). Bei den zu beurteilenden drei 

Produkten handelt es sich damit um Biozidprodukte (vgl. Art. 2 Abs. 1 

Bst. a VBP in fine). 

4.4 Gegen diese Qualifikation spricht auch nicht der Umstand, dass 
gemäss Art. 2 Abs. 1 Bst. a VBP nur solche Stoffe oder Zubereitungen als 

Biozidprodukte gelten, welche dazu bestimmt sind, auf chemischem oder 

biologischem Weg Schadorganismen zu beeinflussen. Durch die 

Aufnahme des Wirkstoffes Ww. als Repellent in die Liste des Anhangs II 

der VO Nr. 2032/2003 und deren Übernahme in das schweizerische 

Recht hat der Verordnungsgeber zum Ausdruck gebracht, dass er dem 

Stoff in dieser Funktion eine chemische (bzw. biologische) Wirkungs-

weise zuerkennt – andernfalls hätte Ww. nicht in diese Liste aufgenom-

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men werden dürfen. Das BVGer sieht sich angesichts der Vorbringen der 

Beschwerdeführerin, die geltend macht, die fraglichen Produkte wirkten 

physikalisch, nicht veranlasst, diese auf breitem internationalem Konsens 

beruhende wissenschaftliche Einschätzung in Frage zu stellen, die im 

Übrigen auch von der Vorinstanz geteilt wird. Wie das Institut über-

zeugend dargelegt hat, ist es der Beschwerdeführerin nicht gelungen, mit 

den beigebrachten Unterlagen die behauptete (rein) physikalische Wir-

kungsweise ihrer Produkte rechtsgenüglich nachzuweisen. Es besteht für 

das BVGer kein Anlass, in dieser hoch wissenschaftlichen Frage von der 

Bewertung durch den Verordnungsgeber und die Vorinstanz abzu-

weichen. 

Hieran vermag nichts zu ändern, dass die zuständigen deutschen Be-

hörden bei der Beurteilung der Anmeldung der fraglichen drei Produkte 

als Medizinprodukte davon ausgegangen sind, die Wirkungsweise der 

Produkte sei physikalischer Art (Stellungnahmen der Regierung Ober-

pfalz vom 26. Juli 2006 und des Bayerischen Landesamts für Gesundheit 

und Lebensmittelsicherheit vom 8. Juli 2006;...). Abgesehen davon, dass 

den vorgelegten Stellungnahmen nicht entnommen werden kann, wes-

halb diese Behörden zum Schluss kamen, dass eine physikalische 

Wirkungsweise vorliege, so dass deren Beurteilung nicht nachvollzogen 

werden kann, gilt es festzuhalten, dass die Entgegennahme der Anmel-

dung von Medizinprodukten durch ausländische Behörden den schweize-

rischen Behörden nicht verbietet, diese Qualifikation zu überprüfen (vgl. 

dazu ausführlich das Urteil des BVGer C-2093/2006 vom 12. Dezember 

2007). 

Die von der Beschwerdeführerin ausführlich zitierten Dokumente der EU 

– das MEDDEV und das Manual zur Richtlinie 98/8/EG – haben für die 

schweizerischen Behörden keine bindende Wirkung. Sie können ledig-

lich als Auslegungshilfe herangezogen werden und sind nicht geeignet, 

eine von schweizerischen Rechtssätzen abweichende Beurteilung zu 

rechtfertigen. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin äussern 

sich diese Dokumente zudem nicht zur hier interessierenden Frage, wel-

cher Produkteart ein Repellent zuzuordnen ist, der mit einer Heilan-

preisung in Verkehr gebracht werden soll. In der Richtlinie 98/8/EG wird 

einzig betont, dass « repellents without any lethal effect and without 

medical claim that are directly applied to human and animal skin » 

Biozidprodukte seien – ob aber derartige Produkte mit « medical claim » 

auch Biozidprodukte sein können, lassen die Dokumente offen. 

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5. Die Unterstellung eines Produktes unter eine bestimmte Gesetz-
gebung (insbes. das Chemikalienrecht, das Heilmittelrecht oder das Le-

bensmittelrecht) ist aus gesundheitspolizeilicher Sicht von grosser Be-

deutung, da für das Inverkehrbringen und die Marktüberwachung je nach 

anwendbarem Recht unterschiedliche Anforderungen gelten und nur mit 

einer korrekten Einteilung sichergestellt werden kann, dass Anwender 

und Verbraucher vor ungenügend geprüften Produkten geschützt werden 

(vgl. Urteil des BGer 2A.47/2000 vom 23. Juni 2000 E. 2 und Urteil des 

BGer 2A.693/2005 vom 28. August 2006 E. 4.5; URSULA EGGENBERGER 

STÖCKLI, in: Thomas Eichenberger/Urs Jaisli/Paul Richli [Hrsg.], Basler 

Kommentar zum Heilmittelgesetz, Basel/Genf/Münich 2006, Rz. 50 zu 

Art. 4; Urteil des Gerichtshofes der Europäischen Gemeinschaften 

[EuGH] vom 30. November 1983 in der Rechtssache 227/82, Van 

Bennekom, Sammlung der Rechtsprechung [Slg.] 1983, Leitsatz 3, Urteil 

des EuGH in der Rechtssache C-150/00, Rn. 64). 

Ein Produkt kann in der Regel nur einer der erwähnten Produktekate-

gorie angehören und der diesbezüglichen Gesetzgebung unterstehen – so 

kann es beispielsweise nie gleichzeitig Humanarzneimittel und Lebens-

mittel sein (vgl. Art. 2 Abs. 4 Bst. b des Lebensmittelgesetzes vom 

9. Oktober 1992 über Nahrungsmittel- und Gebrauchsgegenstände 

[LMG, SR 817.0]; anders etwa das Verhältnis zwischen Betäubungs- und 

Heilmittel, vgl. Art. 2 Abs. 1 Bst. b des Heilmittelgesetzes vom 15. De-

zember 2000 [HMG, SR 812.21]). In diesem Sinne ist denn auch Art. 1 

Abs. 3 Bst. a VBP zu verstehen, wonach die VBP nicht für biozid 

wirkende Produkte und Wirkstoffe gilt, die ausschliesslich nach der Heil-

mittel-, Lebensmittel-, Futtermittel- oder Pflanzenschutzmittelgesetzge-

bung in Verkehr gebracht werden sollen. 

5.1 Chemische Stoffe und Zubereitungen haben häufig unterschied-
lichste Verwendungszwecke und/oder Wirkungen (z. B. in den Bereichen 

Lebensmittel oder Arzneimittel) und können grundsätzlich auch in den 

Regelungsbereich anderer Spezialgesetze fallen. Gemäss Art. 2 Abs. 4 

Bst. a ChemG kann der Verordnungsgeber daher Ausnahmen vom Gel-

tungsbereich der Chemikaliengesetzgebung für jene Produkte vorsehen, 

bei denen der Schutz des Lebens und der Gesundheit vor schädlichen 

Einwirkungen durch Stoffe und Zubereitungen durch andere Spezial-

gesetze bereits hinreichend sichergestellt ist. Dies soll insbesondere bei 

folgenden, für den Endverbraucher oder die Endverbraucherin bestimm-

ten Stoffen und Zubereitungen in Form von Fertigerzeugnissen möglich 

sein: Futtermittel, Lebensmittel (Nahrungs- und Genussmittel), Human- 

Heilmittel 2010/50 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 727 

 

und Tierarzneimittel, Medizinprodukte, Körperpflegemittel und Kosme-

tika (vgl. Botschaft des BR zum ChemG, BBl 2000 742 ff., 746 f.). 

5.2 Art. 1 Abs. 3 Bst. a VBP nimmt jene Biozidprodukte vom Gel-
tungsbereich der VBP aus, die « ausschliesslich nach der Heilmittel-, Le-

bensmittel-, Futtermittel- oder Pflanzenschutzmittelgesetzgebung in Ver-

kehr gebracht werden sollen ». Diese Bestimmung ist nicht etwa so zu 

verstehen, dass es einzig vom Willen der Inverkehrbringerin abhängen 

soll zu entscheiden, ob sie ein Produkt der Biozid- oder der Heilmittel-

gesetzgebung (u. a.) unterstellen will. Vielmehr ist das Verb « sollen » 

hier imperativ zu verstehen, in dem Sinne, dass zu fragen ist, welche 

Einreihung der Verordnungsgeber vorgesehen hat – und das Produkt ist 

nach jener Gesetzgebung zu beurteilen, der es aus Sicht des Verord-

nungsgebers angehören soll (vgl. Botschaft des BR zum ChemG, BBl 

2000 692 und 744). 

Die Abgrenzungsregeln finden sich nicht in der Chemikalien-, sondern in 

der jeweiligen Spezialgesetzgebung. Vorliegend ist demnach nach den 

Vorschriften des Heilmittelrechts zu prüfen, ob es sich bei den zu be-

urteilenden Produkten um Heilmittel handelt. Ist dies nicht der Fall, so 

unterstehen sie der Chemikaliengesetzgebung und insbesondere der VBP. 

6. Das Heilmittelgesetz enthält keine Legaldefinition des Begriffs 
« Heilmittel ». Art. 2 Abs. 1 Bst. a HMG hält allerdings fest, dass Heil-

mittel, Arzneimittel oder Medizinprodukte sein können (vgl. die Bot-

schaft des Bundesrates zu einem Bundesgesetz über Arzneimittel und 

Medizinprodukte [Heilmittelgesetz, HMG] vom 1. März 1999, BBl 1999 

III 3453 ff., Separatdruck S. 36, nachfolgend: Botschaft des BR zum 

HMG; zu den Betäubungsmitteln und Heilverfahren vgl. Art. 2 Abs. 1 

Bst. b und c HMG). 

6.1 Arzneimittel sind Produkte chemischen oder biologischen Ur-
sprungs, die zur medizinischen Einwirkung auf den menschlichen Orga-

nismus bestimmt sind oder angepriesen werden und der Erkennung, 

Verhütung oder Behandlung von Krankheiten, Verletzungen und Behin-

derungen dienen (Art. 4 Abs. 1 Bst. a HMG). Medizinprodukte sind unter 

anderem Stoffe, welche zur medizinischen Verwendung bestimmt sind 

oder angepriesen werden und deren Hauptwirkung nicht durch ein 

Arzneimittel erreicht wird (Art. 4 Abs. 1 Bst. b HMG). Sie sind zur An-

wendung beim Menschen bestimmt; und deren bestimmungsgemässe 

Hauptwirkung im oder am menschlichen Körper wird nicht durch phar-

makologische, immunologische oder metabolische Mittel erreicht. Sie 

dienen der Erkennung, Verhütung, Überwachung, Behandlung oder Lin-

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728 BVGE / ATAF / DTAF 

 

derung von Krankheiten, Verletzungen und Behinderungen (Art. 1 Abs. 1 

Bst. a und b MepV). 

 Den beiden Heilmittelarten gemeinsam ist demnach, dass sie grundsätz-
lich in einem medizinischen Zusammenhang beziehungsweise Umfeld 

Anwendung finden. Nach dem Willen des Gesetzgebers bildet die medi-

zinische Verwendung denn auch das zentrale Element der Definition ins-

besondere der Medizinprodukte (vgl. Botschaft des BR zum HMG, BBl 

1999 III 3487). Der gemeinsame Zweck der beiden Heilmittelarten liegt 

in der Erkennung, Verhütung oder Behandlung von Krankheiten beim 

Menschen. Sie unterscheiden sich aber in ihrer Wirkungsweise (vgl. zur 

Abgrenzung von Medizinprodukten und Arzneimitteln etwa das Urteil 

des BVGer C-2093/2006 vom 12. Dezember 2007). Gemäss dem Wort-

laut der Vorschriften sind Heilmittel entweder zu diesem Zweck « be-

stimmt » (im Sinne einer objektiven Eignung zum vorgesehenen Ein-

satz), oder sie werden vom Inverkehrbringer dafür « angepriesen ». Im 

europäischen Recht und in der diesbezüglichen Praxis (die zu berück-

sichtigen sind; vgl. Botschaft des BR zum HMG, BBl 1999 III 3489 f.) 

wird in diesem Zusammenhang einerseits der Begriff des Funktions-

arzneimittels, andererseits des Präsentations- oder Bezeichnungsarz-

neimittels verwendet (vgl. dazu Art. 1 Abs. 2 der Richtlinien 2001/83/EG 

des Europäischen Parlaments und des Rates vom 6. November 2001 zur 

Schaffung eines Gemeinschaftskodexes für Humanarzneimittel [ABl. L 

311 vom 28.11.2007, S. 67]; Urteil des EuGH vom 30. November 1983 

in der Rechtssache 227/82, Van Bennekom, Slg. 1983, Rn. 8; Urteil des 

deutschen Bundesverwaltungsgerichts 3 C 23.06 vom 25. Juli 2007 mit 

Hinweisen, [http://lexetius.com/2007,3344]). 

6.2 Die Beschwerdeführerin bestreitet nicht grundsätzlich, dass es 
sich beim Wirkstoff ihrer Produkte um einen bioziden Wirkstoff handelt. 

Sie macht aber geltend, ihre Produkte dienten einem medizinischen 

Zweck, indem sie zur Krankheitsverhinderung eingesetzt und auch für 

diese Verwendung angepriesen werden sollen. Es ist daher zu prüfen, ob 

die Beschwerdeführerin durch die angebrachte Anpreisung und die Aus-

führungen in der Gebrauchsanweisung ihre Produkte zu einem Heilmittel 

beziehungsweise Medizinprodukt bestimmen kann, so dass diese nach 

den heilmittelrechtlichen Vorschriften in Verkehr gebracht werden 

dürfen. 

6.3 Das BGer hat sich bisher in keinem Urteil zur Abgrenzung von 
Biozidprodukten und Heilmitteln, insbesondere Medizinprodukten, 

geäussert. Auch das BVGer und die ehemaligen Eidgenössischen Rekurs-

Heilmittel 2010/50 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 729 

 

kommissionen für Heilmittel und für Chemikalien hatten diese Frage-

stellung noch nie zu beurteilen. Soweit ersichtlich findet sich auch in der 

Rechtsprechung des EuGH, welche vorliegend als Auslegungshilfe 

herangezogen werden kann, bisher kein diesbezüglicher Entscheid. 

Soweit sachlich gerechtfertigt können allerdings jene Kriterien beige-

zogen werden, die das BGer und die europäischen Gerichte für die Ab-

grenzung von Heilmitteln einerseits und Lebensmitteln sowie Gebrauchs-

gegenständen andererseits entwickelt haben. 

6.3.1 Das BGer hat in einem Urteil 2A.565/2000 E. 4b/bb vom 8. Mai 
2001 bezüglich der Abgrenzung von Lebens- und Arzneimitteln unter 

anderem festgehalten, dass eine rein subjektive Betrachtungsweise, wel-

che ausschliesslich auf die Anpreisung durch den Anbieter abstelle und 

damit auf von der Natur des Produktes gänzlich unabhängigen Überle-

gungen beruhen könne, den von der Gesetzgebung verfolgten Interessen 

allein nicht hinreichend gerecht werde. So sei bei der Zulassung eines 

Produktes als Lebensmittel in erster Linie (unter Miteinbezug interna-

tionaler Normen und ausländischer Gesetzgebungen) dessen Zusammen-

setzung zu berücksichtigen. 

 Auch bei der Abgrenzung zwischen Bioziden und Heilmitteln rechtfertigt 
sich nach Auffassung des BVGer eine objektivierte Beurteilung des 

jeweiligen Produktes. Zu berücksichtigen sind dabei insbesondere dessen 

Zusammensetzung, die damit verbundenen Produkteeigenschaften und 

sein eigentlicher Zweck beziehungsweise das Einsatzgebiet, welches sich 

auch aus der Verkehrsauffassung der Konsumenten ergibt. Ein alleiniges 

Abstellen auf den Willen der Inverkehrbringerin wird den gesetzlichen 

Bestimmungen nicht gerecht. 

6.3.2 Bei der Prüfung eines Produktes ist in erster Linie dessen Zu-
sammensetzung zu berücksichtigen. Dabei ist zu beachten, ob und inwie-

fern damit unerwünschte und allenfalls sogar gesundheitsgefährdende 

Wirkungen verbunden sein könnten (vgl. Urteil des BGer 2A.565/2000 

vom 8. Mai 2001 E. 4b/cc; Urteil des EuGH vom 21. März 1991 in der 

Rechtssache C-369/88, Delattre, Slg. 1991, I-1487, Rn. 56). Demnach 

sind die Zusammensetzung des Produktes (Wirk- und Inhaltsstoffe), die 

übliche Verwendung des Wirkstoffes (als Indiz gilt dabei beispielsweise 

die erfolgte Aufnahme in eine Wirkstoffliste) sowie die mit dem üblichen 

Gebrauch verbundenen möglichen Risiken zu prüfen. 

 Aus der Zusammensetzung des Produktes ergeben sich die Produkte-
eigenschaften und -wirkungen des zu prüfenden Produktes. Da Produkte 

mehrere und unterschiedliche Wirkungen entfalten können, muss für die 

2010/50 Heilmittel 

 

 

730 BVGE / ATAF / DTAF 

 

korrekte Vornahme der Abgrenzung auf deren Hauptwirkung, das heisst 

die primäre und massgebende Wirkung abgestellt werden (vgl. dazu auch 

Art. 1 Abs. 1 MepV, welcher ausdrücklich von der « Hauptwirkung » 

eines Produktes spricht). Insofern ist dem Institut zuzustimmen, wenn es 

zwischen primärer und sekundärer Wirkung unterscheidet. Auch das 

BGer hat in seinem bereits erwähnten Urteil 2A.565/2000 E. 2b/cc vom 

8. Mai 2001 ausgeführt, bei der Abgrenzung von Lebens- und Arznei-

mitteln sei zu fragen, wie weit ein Produkt zum Aufbau und Unterhalt 

des menschlichen Körpers beitrage. Entfalte es zusätzlich Heilwirkun-

gen, seien diese in Relation zur blossen Ernährungswirkung zu setzen: je 

mehr der Ernährungszweck im Vordergrund stehe, desto eher handle es 

sich um ein Lebensmittel. 

6.3.3 Auch aus dem Blickwinkel des Verwendungszwecks ist damit 
unter Berücksichtigung des (objektivierten) Wesens des jeweiligen Pro-

duktes zu fragen, wozu es in erster Linie dient. Verschiedene Zwecke 

sind zueinander in Relation zu setzen, wobei eine Gewichtung in primäre 

und sekundäre Verwendungszwecke zu erfolgen hat. Bei der Ermittlung 

der überwiegenden Zweckbestimmung kommt es nicht nur darauf an, 

welchem (überwiegenden) Zweck das Produkt nach dem Willen des 

Herstellers dienen soll. Vielmehr ist vom Eindruck auszugehen, den ins-

besondere die Konsumenten über die bezweckte Anwendung des Pro-

duktes gewinnen. Dabei ist die Verkehrsauffassung des durchschnittlich 

informierten, aufmerksamen und verständigen Verbrauchers massgebend. 

Zwar kann eine Heilanpreisung oder Auslobung als Indiz für die 

Einstufung des Produktes dienen. Sie erlaubt aber für sich allein keine 

verlässliche Qualifizierung. Ein weiteres Indiz für die Einstufung können 

die Darreichungsform und Aufmachung eines Produktes sein. Zu be-

rücksichtigen sind im Weiteren die Einordnung vergleichbarer Produkte 

auf dem Markt und ihr üblicher Verwendungszweck in der Verbraucher-

praxis (vgl. zum Ganzen: Urteil des EuGH vom 21. März 1991 in der 

Rechtssache C-60/89, Slg. 1991, I-01547, Rn. 29, Urteil des EuGH vom 

20. Mai 1992 in der Rechtssache C-290/90, Slg. 1992, I-03317, Rn. 17, 

Urteil des EuGH vom 9. Juni 2006 in der Rechtssache C-211/03, HLH 

Warenvertriebs GmbH, Rn. 30; aus der Literatur etwa URSULA 

EGGENBERGER STÖCKLI, Abgrenzung von Arzneimitteln – Lebensmitteln 

bzw. Gebrauchsgegenständen, Bericht von Swissmedic und des Bundes-

amtes für Gesundheit [Teil 2], veröffentlicht in: Pharma Recht 6/2009, 

S. 308). 

Heilmittel 2010/50 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 731 

 

Im Vordergrund steht die Frage, wie der durchschnittlich informierte und 

verständige Konsument ein Produkt beurteilt und was er davon erwartet. 

Im diesem Sinne ist dem deutschen Bundesgerichtshof (BGH) (vgl. 

Urteil des BGH vom 10. Februar 2000, http://lexetius.com/2000,143) 

beizupflichten, der ausführt, die Zweckbestimmung eines Produktes 

beurteile sich vorrangig nach objektiven Kriterien. Für die Einordnung 

eines Produkts sei seine an objektive Merkmale anknüpfende überwie-

gende Zweckbestimmung – wie sie sich für einen durchschnittlich infor-

mierten, aufmerksamen und verständigen Durchschnittsverbraucher dar-

stelle – entscheidend. Die Verkehrsanschauung knüpfe regelmässig an 

eine schon bestehende Auffassung über den Zweck vergleichbarer Mittel 

und ihre Anwendung an, die wiederum davon abhänge, welche Verwen-

dungsmöglichkeiten solche Mittel ihrer Art nach im normalen Gebrauch 

hätten (vgl. für Funktionsarzneimittel auch das Urteil des EuGH vom 

30. April 2009 C-27/08, veröffentlicht in: Pharma Recht 2009 S. 334 ff.). 

Die Vorstellung der Verbraucher von der Zweckbestimmung eines Pro-

dukts könne weiter durch die Auffassung der pharmazeutischen oder 

medizinischen Wissenschaft beeinflusst sein, ebenso durch die dem 

Mittel beigefügten oder in Werbeprospekten enthaltenen Indikationshin-

weise oder Gebrauchsanweisungen sowie die Aufmachung, in der das 

Mittel dem Verbraucher allgemein entgegentrete. Mit zu den die An-

schauung der Verbraucher beeinflussenden Umständen gehöre auch die 

stoffliche Zusammensetzung eines Produktes. 

6.3.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass ein Biozidprodukt nur 
dann dem Heilmittelrecht unterstellt ist und als Medizinprodukt in Ver-

kehr gebracht werden kann, wenn es aus objektiver Sicht primär zur 

medizinischen Verwendung bestimmt ist, was aufgrund seiner Zusam-

mensetzung, den damit verbundenen Produkteeigenschaften und dem 

nach der Verkehrsauffassung der Konsumenten normalen Zweck zu be-

urteilen ist. Sind diese Voraussetzungen nicht gegeben, vermag die blosse 

Anpreisung eines Produktes als Heilmittel beziehungsweise als Medizin-

produkt die Anwendung des Heilmittelrechts nicht zu rechtfertigen. 

6.4 Die Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen geltend, ihre 
Produkte dienten der Krankheitsprophylaxe, indem sie die Ansteckung 

mit potentiell gefährlichen Krankheiten, welche durch Bisse oder Stiche 

von Lästlingen übertragen werden könnten, verhinderten. Sie dienten 

deshalb einem medizinischen Zweck, weshalb sie als Heilmittel gemäss 

Art. 2 HMG zu behandeln seien. Die medizinische Verwendung zur 

Krankheitsprophylaxe solle auch durch die Anpreisung des Produktes 

zum Ausdruck gebracht werden. 

2010/50 Heilmittel 

 

 

732 BVGE / ATAF / DTAF 

 

 Das Institut begründete die Einstufung als Biozidprodukt im Wesentli-
chen damit, dass die Produkte ausschliesslich zum Schutz der Haut 

gegen Lästlinge bestimmt seien. Die ausgelobte krankheitsverhütende 

Wirkung sei sekundärer Art, könne sie doch nur erreicht werden, wenn 

der primäre Zweck der Produkte, die Fernhaltung der potentiell Krank-

heitserreger übertragenden Lästlinge von der menschlichen Haut, erreicht 

werde. Mit der Anwendung der Produkte sei daher keine direkte Krank-

heitsverhütung verbunden. Bei der Qualifizierung könne nicht allein auf 

den Willen der Beschwerdeführerin und auf die von ihr angebrachten 

Auslobungen beziehungsweise Heilanpreisungen abgestellt werden. 

6.4.1 Bei Produkten zur Verhütung von Krankheiten (prophylaktische 
Verwendung) ist die Grenze zwischen den Produktearten (Heilmitteln, 

Nahrungsmitteln und Gebrauchsgegenständen, Biozidprodukten) flies-

send und teilweise schwer zu ziehen. So sollen beispielsweise Sonnen-

cremes vor der Entstehung von Hautkrebs schützen. Sie werden aber 

grundsätzlich nicht zu den Heilmitteln sondern zu den Kosmetika und 

damit zu den Gebrauchsgegenständen gezählt (Verordnung des EDI vom 

23. November 2005 über kosmetische Mittel [VKos, SR 817.023.31, An-

hang 1]), da sie in erster Linie kosmetischen Zwecken dienen und die 

Haut schützen und pflegen. Weiter sind die im Handel befindlichen Mos-

quitonetze zu erwähnen, welche nicht zu den Medizinprodukten zu 

zählen sind, obwohl sie auch dem Schutz vor Stichen und der damit 

drohenden Übertragung von Krankheiten dienen. Dagegen können bei-

spielsweise Desinfektionsmittel je nach ihrer Einsatzart als Gebrauchs-

gegenstände beziehungsweise Biozidprodukte (etwa zur Reinigung von 

Toiletten oder der Hände), Medizinprodukte (etwa zur Desinfektion von 

medizinischen Instrumenten) oder Arzneimittel (etwa zur Desinfektion 

der Haut bei ärztlichen Eingriffen) gelten. 

6.4.2 Bei Ww. handelt es sich um einen bioziden Wirkstoff, welcher 
auch in den Produkten der Beschwerdeführerin als Repellent zum Einsatz 

gegen Insekten gemäss Anhang 10 der VBP, Produktart 19, in Verkehr 

gebracht werden soll (vgl. E. 4). Es ist offensichtlich und bedarf keiner 

weiteren Erörterung, dass die zu beurteilenden Produkte aufgrund ihrer 

Inhaltsstoffe (und insbes. dem Wirkstoff) aus objektiver Sicht aus-

schliesslich auf eine repellente Wirkung ausgerichtet sind. Ihre Hauptwir-

kung liegt ohne Zweifel in der Fernhaltung von Arthropoden. Dass 

dadurch auch verhindert werden kann, dass Krankheiten übertragen wer-

den oder andere Gesundheitsschädigungen auftreten, ändert hieran 

nichts. Wie das Institut zu Recht betont, kann und soll das Ziel der 

Heilmittel 2010/50 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 733 

 

Krankheitsverhütung durch die zu beurteilenden Produkte nur indirekt, 

mittelbar dadurch erreicht werden, dass die repellente Hauptwirkung 

eintritt. Die medizinisch-prophylaktische Wirkung ist damit aufgrund der 

Zusammensetzung der Produkte und deren Eigenschaften bloss sekun-

därer Art, so dass sie allein schon aus diesem Grunde – ungeachtet der 

Heilanpreisung – nicht als Heilmittel beziehungsweise Medizinprodukte 

qualifiziert werden können. 

6.4.3 Einem durchschnittlich informierten, aufmerksamen und ver-
ständigen Durchschnittsverbraucher dürfte bekannt sein, dass verschie-

dene Pflanzen und aus Pflanzen gewonnene Stoffe (z. B. ätherische Öle) 

zur Fernhaltung von Insekten eingesetzt werden können. So erwartet 

denn auch der Konsument beim Kauf von Insektensprays, die direkt auf 

der Haut aufgetragen werden, in erster Linie, dass die Lästlinge vom 

Menschen ferngehalten werden und er von Stichen und Bissen verschont 

wird. Zwar dürfte der Durchschnittsverbraucher auch wissen, dass in ge-

wissen Ländern durch Mücken schwere Krankheiten übertragen werden 

können und sich der Mensch in Teilen der Schweiz durch Zeckenbisse 

mit gewissen Krankheiten infizieren kann. Dennoch steht bei derartigen 

Produkten aus Sicht des Verbrauchers die repellente Wirkung im Vorder-

grund. Die von der Beschwerdeführerin vorgesehene Anpreisung zur 

Verhütung von Krankheiten ist angesichts des üblichen Gebrauchs 

derartiger Sprays nicht geeignet, beim durchschnittlichen Käufer neue 

oder höhere Erwartungen in die Produkte zu wecken; vielmehr wird er 

davon ausgehen, dass diese wie alle Repellentien zwar auch der Krank-

heitsvorsorge dienen, in erster Linie aber « nur » Lästlinge fernhalten. 

Auch aus dieser Sicht können die zu beurteilenden Produkte nicht als 

Heilmittel beziehungsweise Medizinprodukte qualifiziert werden – ge-

nauso wenig wie andere Produkte, die zur Abwehr von Insekten ver-

wendet werden, wie etwa Moskitonetze, Fliegenklatschen und -fänger 

oder Insektensprays mit abtötender Wirkung. 

6.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es sich bei den Produk-
ten C., D. und E. ungeachtet ihrer Anpreisung nicht um Heilmittel 

handelt. Vielmehr unterstehen sie als Biozidprodukte der Chemikalien-

gesetzgebung und dürfen nicht als Medizinprodukte (mit CE-Kenn-

zeichnung) in Verkehr gebracht werden. Zu Recht hat daher das Institut 

in der angefochtenen Verfügung festgestellt, dass die fraglichen Produkte 

keine Medizinprodukte sind. 

2010/50 Heilmittel 

 

 

734 BVGE / ATAF / DTAF 

 

Damit erübrigt sich die Klärung der Frage, ob die Produkte aufgrund 

ihrer Wirkungsweise allenfalls als Arzneimittel oder als Medizinprodukt 

zu qualifizieren wären.