# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ac4ae805-8cfb-555c-bae5-265a4c3022e7
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-05-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.05.2024 D-2059/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2059-2024_2024-05-15.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2059/2024  

law/gnb 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 5 .  M a i  2 0 2 4  

Besetzung 
 Einzelrichter Walter Lang, 

mit Zustimmung von Richter David R. Wenger; 

Gerichtsschreiberin Barbara Gysel Nüesch. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei, 

(…),  

Beschwerdeführer,  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 5. März 2024. 

 

 

 

D-2059/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, ein türkischer Staatsangehöriger kurdischer Eth-

nie, suchte am 17. Februar 2023 in der Schweiz um Asyl nach. Am 2. Mai 

2023 fand die Anhörung nach Art. 29 AsylG (SR 142.31) statt. In der Folge 

verfügte das SEM am 9. Mai 2023 die Zuteilung ins erweiterte Verfahren 

und tags darauf die Zuweisung in den Kanton B._______. 

B.  

Der Beschwerdeführer machte zu seinem Lebenslauf und zur Begründung 

seines Asylgesuches im Wesentlichen geltend, er sei in C._______ geboren 

und habe dort die ersten Lebensjahre verbracht. Im Jahr 1999 sei er nach 

D._______ und im Jahr 2009 nach E._______ umgezogen. Dort habe er bis 

zu seiner Ausreise gelebt. Die Schule habe er auf Gymnasiumsstufe abge-

brochen. Er sei – wie auch seine Familie – in der Türkei wegen seiner kur-

dischen Identität einem Druck ausgesetzt gewesen. Er habe in Kauf neh-

men müssen, dass seine Geschäfte geschlossen worden seien und er in-

nerhalb von E._______ immer wieder habe umziehen müssen. Sein Onkel 

mütterlicherseits sei im Jahr 2015 in Kurdistan zum Märtyrer geworden. Im 

vergangenen Jahr sei sein Cousin von einem Türken in der Türkei ermor-

det worden. Der Mörder sei noch immer nicht gefasst worden. Von 2009 

bis 2014 sei er politisch aktiv gewesen und habe eine linke Schülerbewe-

gung mitgegründet. Anschliessend habe er jedoch einen humanistischen 

Weg für sich gewählt. Er wolle aus Gewissensgründen weder für die Türkei 

noch für Kurdistan den Militärdienst leisten, sondern wünsche sich Frieden 

in der Türkei und der gesamten Welt. Die Möglichkeit, durch Entgelt einen 

einmonatigen Militärdienst zu leisten, habe er abgelehnt. Deshalb werde er 

immer wieder angeklagt und verurteilt. Zwei Verfahren wegen Verweige-

rung des Militärdienstes seien bereits abgeschlossen. In einem Verfahren 

habe er die Haftstrafe mittels Schmiergeldzahlung in eine Geldstrafe um-

wandeln lassen können. In einem zweiten Verfahren habe er eine zehnmo-

natige Haftstrafe abgesessen, womit das Verfahren nun beendet sei. Ein 

drittes Verfahren sei aktuell hängig und ihn würde bei einer Rückkehr in die 

Türkei nun eine sehr hohe Geldstrafe oder gar eine Haftstrafe erwarten. Er 

sei (…) und (…). Wegen der Verfahren und Urteile sei sein Bewegungs-

spielraum extrem eingeschränkt. Er könne kaum sein Quartier, geschweige 

denn E._______ verlassen. Er befürchtete, bei einer Rückkehr in die Türkei 

zu sterben beziehungsweise sein Leben im Gefängnis verbringen zu müs-

sen. 

D-2059/2024 

Seite 3 

C.  

Der Beschwerdeführer reichte im Verlaufe des vorinstanzlichen Verfahrens 

seine türkische Identitätskarte und diverse türkische Verfahrensakten ein. 

D.  

Das SEM stellte mit Verfügung vom 5. März 2024 (eröffnet am 6. März 

2024) fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und 

verpflichtete ihn, das Staatsgebiet der Schweiz sowie den Schengen-

Raum bis am Tag nach Eintritt der Rechtskraft dieser Verfügung zu verlas-

sen, dies zur Rückreise in seinen Heimatstaat beziehungsweise seinen 

Herkunftsstaat oder zur Weiterreise in ein Land, das sich ausserhalb des 

Schengen-Raumes befindet und in dem er aufgenommen werde, verbun-

den mit dem Hinweis, wenn er seiner Verpflichtung nicht innert Frist nach-

komme, könne die Wegweisung unter Zwang vollzogen werden. Ferner 

beauftragte es den Kanton B._______ mit dem Vollzug der Wegweisung 

und händigte dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss 

Aktenverzeichnis aus. 

E.  

Mit Eingabe vom 4. April 2024 erhob der Beschwerdeführer gegen diese 

Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. In dieser wird 

sinngemäss beantragt, er sei als Flüchtling anzuerkennen und es sei ihm 

Asyl zu gewähren. Jedenfalls sei vom Vollzug der Wegweisung in die Tür-

kei abzusehen. Zudem sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu ge-

währen. 

Der Beschwerde lagen – nebst der angefochtenen Verfügung – ein Bericht 

der (…) vom 22. November 2023 sowie diverse türkische Verfahrensakten 

bei. 

F.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte mit Schreiben vom 5. April 2024 

den Eingang der vorliegenden Beschwerde. 

G.  

Der Instruktionsrichter stellte mit Zwischenverfügung vom 23. April 2024 

fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der 

Schweiz abwarten, wies die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-

ses ab und forderte den Beschwerdeführer auf, bis zum 8. Mai 2024 einen 

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Kostenvorschuss von Fr. 750.– einzuzahlen, mit dem Hinweis, bei unge-

nutzter Frist werde auf die Beschwerde nicht eingetreten. Gleichzeitig 

wurde der Beschwerdeführer darauf hingewiesen, dass, sofern der Kos-

tenvorschuss innert Frist bezahlt werde, die Beschwerde mit hoher Wahr-

scheinlichkeit umgehend abgewiesen und der Kostenvorschuss zur Beglei-

chung der Verfahrenskosten einbehalten und verwendet werde. Schliess-

lich wurde er darauf hingewiesen, dass im Falle des Rückzugs der Be-

schwerde das Beschwerdeverfahren ohne Erhebung von Verfahrenskos-

ten als durch Rückzug gegenstandslos geworden abgeschrieben werden 

könne. 

H.  

Der Beschwerdeführer zahlte den Kostenvorschuss am 7. Mai 2024 ein. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 In der Zwischenverfügung vom 23. April 2024 wurde festgestellt, dass 

das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung der vorliegenden Be-

schwerde zuständig, der Beschwerdeführer zur Einreichung der Be-

schwerde legitimiert und diese frist- und formgerecht eingereicht worden 

ist (vgl. a.a.O. E. 1.1 und 1.2). Nachdem der einverlangte Kostenvorschuss 

innert angesetzter Frist bezahlt wurde, ist auf die Beschwerde einzutreten. 

1.2  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

2.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin oder eines zweiten 

Richters entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachfolgend aufgezeigt 

wird, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb auf einen Schrif-

tenwechsel zu verzichten und der Beschwerdeentscheid nur summarisch 

zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

  

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Seite 5 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-

chende Person dann, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten 

hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehba-

rer Zukunft begründeterweise befürchten muss, welche ihr gezielt und auf-

grund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates 

oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind beziehungsweise 

zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Begründete Furcht 

vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn konkreter 

Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeit-

punkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer 

Zeit verwirklicht oder werde sich – aus heutiger Sicht – mit ebensolcher 

Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen (vgl. BVGE 

2010/57 E. 2.5). 

3.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Das SEM führt zur Begründung seiner Verfügung aus, die vom Be-

schwerdeführer zur Begründung seines Asylgesuches geltend gemachten 

Vorbringen würden den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft ge-

mäss Art. 3 AsyIG nicht standhalten. Er habe geltend gemacht, gegen ihn 

sei ein Strafverfahren wegen Zuwiderhandlung gegen das Militärgesetz 

hängig. Er befürchte, bei einer Rückkehr in die Türkei eine Haftstrafe in 

Bezug auf dieses Verfahren absitzen oder eine extrem hohe Geldstrafe 

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begleichen zu müssen. Den eingereichten Verfahrensakten sei zu entneh-

men, dass er aufgrund seiner Wehrdienstverweigerung zu einer Haftstrafe 

von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden sei. Er habe angege-

ben, es habe zuvor bereits zwei Urteile gegen ihn bezüglich desselben Tat-

bestandes gegeben. Eine Haftstrafe habe er mittels Schmiergeldes in eine 

Geldstrafe umwandeln lassen können. Diese Geldstrafe habe er nun be-

zahlt. Die Haftstrafe im zweiten Strafverfahren habe er abgesessen. Nun 

sei noch ein Strafverfahren gegen ihn hängig. Er sei überzeugt, dass er 

dieses Mal in Haft kommen werde und die Strafe erneut absitzen oder eine 

extrem hohe Geldstrafe bezahlen müsste. Diese Gerichtsverfahren seien 

offenbar rechtsstaatlich legitim durchgeführt und abgeschlossen worden. 

Er habe angegeben, den Militärdienst einzig aus Gewissensgründen zu 

verweigern. Der Militärdienst gelte als staatliche Pflicht und Konsequenzen 

bei deren Nichterfüllung seien grundsätzlich legitim. Es würden keine Hin-

weise bestehen, die darauf schliessen liessen, dass die ihm drohende 

Strafe ein Mass erreiche, welches nicht mehr gerechtfertigt wäre. Somit sei 

bezüglich der Rechtmässigkeit des gegen ihn gefällten Urteils bezüglich 

der Zuwiderhandlung gegen das Militärgesetz festzuhalten, dass keine An-

haltspunkte dafür vorliegen würden, das Gerichtsverfahren sei mit einem 

Politmalus behaftet und seine Verurteilung demnach rechtsstaatlich nicht 

legitim gewesen. Auch in Anbetracht seiner kurdischen Ethnie würden 

keine Hinweise vorliegen, dass ein Politmalus bestehe. Der Beschwerde-

führer mache ferner geltend, er werde in der Türkei als Angehöriger der 

kurdischen Bevölkerung von den türkischen Behörden schikaniert und be-

nachteiligt. Seine Geschäfte seien geschlossen worden und er habe in 

E._______ mehrmals den Wohnort wechseln müssen. Aufgrund seines ty-

pischen kurdischen Namens habe er in der Schule Probleme gehabt. Es 

sei zwar allgemein bekannt, dass Angehörige der kurdischen Bevölkerung 

in der Türkei Schikanen und Benachteiligungen verschiedenster Art aus-

gesetzt sein könnten. Dabei handle es sich jedoch nicht um ernsthafte 

Nachteile im Sinne des Asylgesetzes, die einen Verbleib im Heimatland 

verunmöglichen oder unzumutbar erschweren würden. Aus diesem Grund 

führe die allgemeine Situation, in der sich die kurdische Bevölkerung be-

finde, gemäss gefestigter Praxis für sich allein nicht zur Anerkennung der 

Flüchtlingseigenschaft. Diese Einschätzung gelte trotz der sich nach dem 

Putschversuch im Juli 2016 allgemein verschlechternden Menschen-

rechtslage in der Türkei, von der auch die Kurden, insbesondere im Süd-

osten der Türkei, betroffen seien. Auch die im vorliegenden Fall geltend 

gemachten Nachteile würden in ihrer Intensität nicht über die Nachteile hin-

ausgehen, welche weite Teile der kurdischen Bevölkerung in der Türkei in 

ähnlicher Weise treffen könnten. Die vom Beschwerdeführer geltend 

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gemachten Benachteiligungen seien nicht als ernsthaft zu qualifizieren und 

damit flüchtlingsrechtlich nicht relevant. Schliesslich sei festzuhalten, dass 

er neben den geltend gemachten Problemen aufgrund seiner kurdischen 

Identität und dem Verfahren gegen ihn keine weiteren Gründe benannt 

habe, die gegen eine Rückkehr in die Türkei sprechen würden. Insbeson-

dere sei er seit dem Jahr 2014 nicht mehr politisch aktiv gewesen und habe 

sich ab dem Jahr 2015 nur noch auf seine sozialen Tätigkeiten sowie seine 

(…) konzentriert. Er habe keine Probleme mit den Behörden, Organisatio-

nen oder Drittpersonen gehabt. Es sei somit nicht davon auszugehen, dass 

er bei einer Rückkehr in die Türkei einer flüchtlingsrechtlich relevanten Ver-

folgung ausgesetzt sein werde. 

4.2 Dem hält der Beschwerdeführer entgegen, er sei wegen seiner ethni-

schen Herkunft und seines Glaubens Diskriminierung und gezielter Gewalt 

ausgesetzt. Die Ermordung seines Onkels im Jahr 2015 aufgrund dessen 

ethnischen Identität und Rolle als hochrangiges PKK-Mitglied sowie die 

Tatsache, dass verschiedene Familienmitglieder in andere Länder geflo-

hen seien, zeige, wie real und akut die Bedrohung durch Diskriminierung 

und Gewalt in der Türkei sei. In der Schweiz sei anstelle des Militärdienstes 

durch die Ableistung alternativer Dienste in verschiedenen Institutionen 

oder sozialen Projekten die Befreiung von der Wehrpflicht möglich, wäh-

rend in der Türkei eine Verweigerung des Militärdienstes aus Gewissen-

gründen nicht möglich sei und dazu führe, dass man von jeglichen Leistun-

gen von öffentlichen Institutionen, Krankenhäusern, Verkehrsmitteln oder 

privaten Unternehmen ausgeschlossen werde und dadurch gezwungen 

sei, als ausgestossenes Mitglied der Gesellschaft zu leben. Falls er in die 

Türkei zurückkehre, werde gegen ihn ohne Gerichtsverhandlung eine Ge-

samtfreiheitsstrafe von zwei Jahren, sieben Monaten und zwanzig Tagen 

verhängt, wobei zehn Jahre ohne Ableistung des Militärdienstes berück-

sichtigt und somit etwa fünf Jahre und sechs Monate Haftstrafe verhängt 

würden. Er habe in den letzten zehn Jahren, die er bereits als Flüchtling 

gelebt habe, seine Ausbildung, persönliche Entwicklung, familiären und so-

zialen Beziehungen, Arbeits- und Berufslaufbahn sowie seine wirtschaftli-

che Freiheit verloren. In den produktivsten Jahren, in denen er seine Aus-

bildung hätte abschliessen und eine erfolgreiche Karriere hätte aufbauen 

sollen, sei er aufgrund politischer und humanitärer Zwänge aus dem Leben 

gerissen worden. Im Falle der Rückkehr würde er viele Jahre seiner rechts-

kräftigen Haftstrafen verbüssen müssen und möglicherweise aufgrund der 

politischen Situation seiner Familie gefoltert werden. 

  

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Seite 8 

5.  

5.1 In der Zwischenverfügung vom 23. April 2024 wurde festgehalten, eine 

summarische Prüfung der Akten ergebe, dass die vorinstanzlichen Erwä-

gungen überzeugend erscheinen, in Einklang mit der Praxis des Bundes-

verwaltungsgerichts zur Bestrafung im Falle der Verweigerung der militäri-

schen Dienstpflicht stehen, welche grundsätzlich rechtsstaatlich legitim 

und somit flüchtlingsrechtlich nicht relevant ist (vgl. BVGE 2015/3 E. 5.7.1, 

Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommis-

sion [EMARK] 2006 Nr. 3 E. 4.2 m.w.H) und mithin kaum zu beanstanden 

sein dürften. Diese Einschätzung ist auch nach einer erneuten Prüfung der 

Akten zu bestätigen. Die Einwände in der Beschwerde sind nicht geeignet, 

zu einer von derjenigen Einschätzung des SEM abweichenden Beurteilung 

zu gelangen. Es ist – wie bereits in der Zwischenverfügung vom 23. April 

2024 festgehalten – nicht ersichtlich, inwiefern der Haftstrafe, die den Be-

schwerdeführer im Falle der Rückkehr in die Türkei angeblich erwarte, ein 

flüchtlingsrechtlich relevantes Motiv beziehungsweise ein flüchtlingsrecht-

lich relevanter Politmalus zugrunde liegen soll. Auch wird nicht dargetan 

und erschliesst sich nicht aus den eingereichten türkischsprachigen Ge-

richtsdokumenten, dass dem Beschwerdeführer eine Haftstrafe von rund 

fünfeinhalb Jahren drohen soll. Er hat auch nie behauptet, dass ihm wegen 

seiner ermordeten Verwandten oder wegen der ins Ausland geflohenen Fa-

milienmitglieder in der Vergangenheit unmittelbar Nachteile im Sinne einer 

Reflexverfolgung erwachsen sind. Wenngleich er in der Türkei auf ver-

schiedene Weise Diskriminierung erlebt hat, die allerdings – wie das SEM 

zutreffend festgehalten hat – keine Intensität erreichte, dass von ernsthaf-

ten Nachteilen, die ein menschenwürdiges Leben schlechterdings verun-

möglichen, gesprochen werden müsste, ist nicht ersichtlich, weshalb er 

nunmehr bei einer Rückkehr in absehbarer Zukunft und mit erheblicher 

Wahrscheinlichkeit von flüchtlingsrechtlich relevanter Verfolgung betroffen 

sein soll, der er sich nur durch die Flucht ins Ausland entziehen kann. 

5.2 Zusammenfassend ergibt sich, dass das SEM zu Recht die Flüchtlings-

eigenschaft des Beschwerdeführers verneint und das Asylgesuch abge-

lehnt hat. 

6.  

Das SEM führt in der angefochtenen Verfügung, auf welche vorab vollum-

fänglich verwiesen werden kann, ausführlich und zutreffend aus, weshalb 

der Wegweisungsvollzug vorliegend zulässig, zumutbar und möglich sei 

(vgl. angefochtene Verfügung, Ziff. III). In der Beschwerde wird nichts vor-

gebracht, was zu einer von derjenigen des SEM abweichenden Beurteilung 

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Seite 9 

führen könnte. Dem eingereichten psychologischen Bericht vom 22. No-

vember 2023 ist zwar zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer an einer 

Angstsymptomatik leidet und der Verdacht auf eine posttraumatische Be-

lastungsstörung (ICD-10 F43.1) besteht. Jedoch weist das türkische Ge-

sundheitssystem grundsätzlich westeuropäische Standards auf und ver-

fügt über eine hinreichende medizinische und psychiatrisch-psychologi-

sche Versorgung. Es ist somit davon auszugehen, dass die psychischen 

Probleme des Beschwerdeführers in der Türkei adäquat behandelt werden 

können (vgl. etwa Urteil des BVGer E-158/2024 vom 4. April 2024 

E. 9.4.2). Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt nach dem Gesag-

ten ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG [SR 142.20]). 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung im 

Lichte von Art. 106 Abs. 1 AsylG und Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden 

ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten desselben von 

Fr. 750.– (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 

VwVG). Der am 7. Mai 2024 eingezahlte Kostenvorschuss von Fr. 750.– ist 

zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Der eingezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrens-

kosten verwendet. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

Walter Lang Barbara Gysel Nüesch