# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 52005cb3-f8da-54dd-8801-64851c8efd64
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-05-19
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Beschwerdekammer in Strafsachen 19.05.2020 BK 2020 81
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_008_BK-2020-81_2020-05-19.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

Beschwerdekammer in 
Strafsachen

Cour suprême
du canton de Berne

Chambre de recours pénale

Beschluss
BK 20 81

Hochschulstrasse 17
Postfach
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 09
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 19. Mai 2020

Besetzung Oberrichter J. Bähler (Präsident), Oberrichter Schmid, Oberrichte-
rin Hubschmid
Gerichtsschreiberin Lustenberger

Verfahrensbeteiligte A.________
v.d. Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter

Regionale Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland, Spital-
strasse 11, 2502 Biel/Bienne
vertreten durch Staatsanwalt C.________ (BJS 18 30387)

Beschwerdeführerin

D.________
v.d. Rechtsanwalt E.________

Strafklägerin

Gegenstand Verfahrenskosten / Entschädigung (Einstellung infolge Rückzug 
Strafantrag)

Strafverfahren wegen Tätlichkeit

Beschwerde gegen die Verfügung des Regionalgerichts Berner 
Jura-Seeland, Einzelgericht, vom 13. Februar 2020 (PEN 19 692)

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Erwägungen:

1. Am 4. Oktober 2018 erstattete D.________ (nachfolgend: Strafklägerin) Anzeige 
gegen ihren Ehemann A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) wegen Tätlichkei-
ten. Sie gab an, der Beschuldigte habe sie anlässlich der Kinderübergabe am Tag 
davor gewaltsam zur Eingangstüre hinausgestossen. Ihren Strafantrag zog die 
Strafklägerin mit Rückzugserklärung vom 20. Januar 2020 zurück. In der Folge 
stellte das Regionalgericht Berner Jura-Seeland (nachfolgend: Regionalgericht) 
das Verfahren mit Verfügung vom 13. Februar 2020 ein. In Ziff. 3 und 4 wurde ver-
fügt, dass die Verfahrenskosten vom Kanton Bern getragen würden und dem Be-
schuldigten eine Entschädigung von CHF 1‘973.60 für seine Verteidigungskosten 
auszurichten sei. Gegen diese Verfügung erhob die Regionale Staatsanwaltschaft 
Berner Jura-Seeland (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 24. Februar 2020 Be-
schwerde. Sie stellte folgende Anträge:
1. Ziff. 3 und Ziff. 4 der Verfügung des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 13.02.2020 sei-

en aufzuheben; soweit weitergehend sei die Verfügung zu bestätigen.

2. Die Verfahrenskosten seien dem Beschuldigten aufzuerlegen.

3. Dem Beschuldigten sei keine Entschädigung und keine Genugtuung auszurichten.

Zur Stellungnahme im Beschwerdeverfahren eingeladen, verzichtete das Regio-
nalgericht mit Eingabe vom 3. März 2020 ausdrücklich darauf und verwies statt-
dessen auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung. Der Beschuldigte 
beantragte in seiner Stellungnahme vom 14. April 2020 die kostenfällige Abwei-
sung der Beschwerde und die Bestätigung der angefochtenen Verfügung. Die Be-
schwerdeführerin sah am 4. Mai 2020 ausdrücklich vom Einreichen einer Replik ab. 
Auch die Strafklägerin, die sich zuvor nicht hatte vernehmen lassen, erklärte am 
6. Mai 2020, auf Bemerkungen zu den Ausführungen des Beschuldigten zu ver-
zichten.

2. Verfügungen, Beschlüsse und Verfahrenshandlungen erstinstanzlicher Gerichte, 
mit Ausnahme von verfahrensleitenden Entscheiden, sind innert zehn Tagen mit 
Beschwerde anfechtbar (Art. 393 Abs. 1 Bst. b i.V.m. Art. 396 Abs. 1 der Strafpro-
zessordnung [StPO; SR 312.0]). Zuständig ist die Beschwerdekammer in Strafsa-
chen (Art. 35 des Gesetzes über die Organisation der Gerichtsbehörden und der 
Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1] und Art. 29 Abs. 2 des Organisationsre-
glements des Obergerichts [OrR OG; BSG 162.11]). Grundsätzlich kann die 
Staatsanwaltschaft ein Rechtsmittel zugunsten oder zuungunsten der beschuldig-
ten Person ergreifen (Art. 381 Abs. 1 StPO). In Kantonen, in denen eine General-
staatsanwaltschaft vorgesehen ist (wie dies im Kanton Bern der Fall ist), bestimmt 
diese, welche Staatsanwaltschaft berechtigt ist, Rechtsmittel zu ergreifen (Art. 381 
Abs. 2 StPO). Nach bernischem Recht ist die Staatsanwaltschaft zur Einreichung 
von Beschwerden befugt (Art. 62 Abs. 1 Bst. a EG ZSJ). Die entsprechenden Be-
fugnisse stehen jeweils demjenigen Mitglied der Staatsanwaltschaft zu, das mit 
dem Fall befasst ist oder zuletzt damit befasst war (Art. 62 Abs. 2 EG ZSJ). Die 
vorliegende Beschwerde wurde durch den fallführenden Staatsanwalt eingereicht 

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und erweist sich nach dem Gesagten als zulässig. Form und Frist wurden gewahrt. 
Auf die Beschwerde wird eingetreten. 

3. Das Regionalgericht begründete die angefochtene Verfügung zusammenfassend 
wie folgt: Praxisgemäss würden die Verfahrenskosten in der Regel vom Kanton ge-
tragen, wenn die antragstellende Person im Rahmen eines gerichtlich vermittelten 
Vergleichs den Strafantrag zurückziehe (analoge Anwendung von Art. 427 Abs. 3 
i.V.m. Art. 4 StPO). Es seien keine Gründe ersichtlich, weshalb eine Situation wie 
hier, in der sich die Strafklägerin nach einem gerichtlichen Schreiben mit Hinweis 
auf ihr Kostenrisiko dazu entschliesse, den Strafantrag zurückzuziehen, anders zu 
behandeln wäre. Die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Kostenauflage an den 
Beschuldigten seien aber ohnehin nicht erfüllt. Mit Blick auf die Aussagen der bei-
den Beteiligten sei festzuhalten, dass der Beschuldigte gemäss eigenen Angaben 
die Strafklägerin mit beiden Händen und «ohne unnötigen Druck» aus dem Tür-
rahmen geschoben habe. Der weitergehende Sachverhalt scheine angesichts der 
bislang vorliegenden Aussagen nicht hinreichend klar. Bei dieser Ausgangslage 
könne nicht gesagt werden, dass die Einwirkung des Beschuldigten auf die Straf-
klägerin mehr als eine bloss geringfügige Beeinträchtigung ihrer Persönlichkeit dar-
stelle, weshalb die für die Bejahung einer Persönlichkeitsverletzung notwendige In-
tensität fraglich erscheine. Zudem würde sich die Frage stellen, ob sich der Be-
schuldigte angesichts der von ihm behaupteten Weigerung der Strafklägerin, seine 
Wohnung zu verlassen, auf ein überwiegendes privates Interesse berufen könne. 

4. Die Beschwerdeführerin äussert sich zunächst zum Sinn und Zweck von Art. 427 
Abs. 3 StPO. Ziel dieser Regelung sei es, bei Antragsdelikten wenn immer möglich 
eine gütliche Einigung zwischen den Parteien herbeizuführen. Die Vergleichsbe-
reitschaft der Parteien nehme zu, wenn diese die Verfahrenskosten nicht selber zu 
tragen hätten. Dies liege aus prozessökonomischen Gründen auch im Interesse 
der Strafverfolgungsbehörden. Von einer gütlichen Einigung klar zu unterscheiden 
sei der einseitige Rückzug des Strafantrags. Es seien keine Gründe ersichtlich, 
weshalb der Staat in einem solchen Fall die Verfahrenskosten tragen sollte, wenn 
das Verfahren gestützt auf ein zivilrechtlich vorwerfbares Verhalten des Beschul-
digten eröffnet worden sei. Hinzu komme, dass sich die Parteien selbst bei einem 
Vergleich über die Entschädigungsfrage untereinander zu einigen hätten. Auch in 
diesem Fall käme eine Entschädigung der Parteien durch den Staat somit nicht in 
Frage. Erst recht müsse dies beim einseitigen Rückzug des Strafantrags gelten. 

In der Sache habe der Beschuldigte selber zugegeben, die Strafklägerin im Rah-
men eines Streits an den Schultern gepackt und zur Tür seines Hauses hinausbe-
fördert zu haben. Er habe zugegeben, eine Tätlichkeit begangen zu haben. Wäre 
der Stoss ohne unnötigen Druck erfolgt, wäre zu erwarten gewesen, dass der Be-
schuldigte dies bei einem Vorhalt so ausgesagt hätte, was er aber nicht getan ha-
be. Es sei daher von den Aussagen der Strafklägerin auszugehen, wonach der Be-
schuldigte sie unerwartet und heftig zur Tür hinausgestossen habe. Als Folge des 
Stosses habe die Strafklägerin sodann eine ärztlich diagnostizierte Schmerzexa-
zerbation zervikal sowie lumbal erlitten. Damit sei durchaus von einer genügenden 
Intensität der körperlichen Einwirkung des Beschuldigten auf die Strafklägerin aus-

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zugehen, die als Persönlichkeitsverletzung im Sinne von Art. 28 des Schweizeri-
schen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210) einzustufen sei. Ein überwiegendes priva-
tes Interesse im Sinne von Art. 28 Abs. 2 ZGB habe bislang nicht einmal der Be-
schuldigte selber geltend gemacht. Aufgrund der erfolgten Persönlichkeitsverlet-
zung seien eine Kostenauflage an den Beschuldigten sowie die Verweigerung einer 
Entschädigung gerechtfertigt.

5. Der Beschuldigte betont in seiner Stellungnahme, die Strafklägerin habe kein Recht 
gehabt, das Haus zu betreten und dort zu verweilen. Sein Handeln stelle daher ei-
ne berechtigte Reaktion auf das strafbare Verhalten der Strafklägerin dar. Es gehe 
einzig darum, dass er diese, nachdem er zuvor viel Geduld bewiesen habe, aus der 
Tür gestossen habe, nachdem sie sich geweigert habe, sein Zuhause zu verlassen. 
Dabei sei er nicht gewaltsam vorgegangen. Ein Zusammenhang zu den geltend 
gemachten Beschwerden im Bereich der Hals- und Lendenwirbelsäule werde be-
stritten und sei medizinisch auch nicht belegt. Der Beschuldigte habe denn auch zu 
keinem Zeitpunkt beabsichtigt, der Strafklägerin körperlichen Schaden zuzufügen. 
Dass er eine Tätlichkeit gestanden habe, treffe absolut nicht zu – er habe nur ge-
sagt «D.________ hatte jetzt was sie wollte, eine Tätlichkeit». Letztlich habe er sich 
mit einem verhältnismässigen Mittel gegen den von der Strafklägerin begangenen 
Hausfriedensbruch zur Wehr gesetzt, weshalb nicht von einer Persönlichkeitsver-
letzung nach Art. 28 Abs. 1 ZGB ausgegangen werden könne. Auf alle Fälle könne 
er sich auf eine Rechtfertigung nach Art. 28 Abs. 2 ZGB berufen. 

6. Dem Grundsatz nach sind die Verfahrenskosten vom Staat zu tragen (Art. 423 Abs. 
1 StPO). Wird das Verfahren eingestellt oder die beschuldigte Person freigespro-
chen, können ihr die Verfahrenskosten ganz oder teilweise auferlegt werden, wenn 
sie rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des Verfahren bewirkt oder dessen 
Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO). Unter den gleichen Vorausset-
zungen kann eine Entschädigung an die beschuldigte Person oder eine Genugtu-
ung herabgesetzt oder verweigert werden (Art. 430 Abs. 1 Bst. a StPO). Hierbei 
sind die vom Bundesgericht entwickelten Grundsätze zu beachten (Urteil des Bun-
desgerichts 6B_1273/2016 vom 6. September 2017 E. 1.4 mit Hinweisen):

«Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts verstösst eine Kostenauflage bei Freispruch oder 
Einstellung des Verfahrens gegen die Unschuldsvermutung (Art. 10 Abs. 1 StPO, Art. 32 Abs. 1 BV 
und Art. 6 Ziff. 2 EMRK), wenn der beschuldigten Person in der Begründung des Kostenentscheids di-
rekt oder indirekt vorgeworfen wird, es treffe sie ein strafrechtliches Verschulden. Damit käme die 
Kostenauflage einer Verdachtsstrafe gleich. Dagegen ist es mit Verfassung und Konvention vereinbar, 
einer nicht verurteilten beschuldigten Person die Kosten zu überbinden, wenn sie in zivilrechtlich vor-
werfbarer Weise, d.h. im Sinne einer analogen Anwendung der sich aus Art. 41 OR ergebenden 
Grundsätze, eine geschriebene oder ungeschriebene Verhaltensnorm, die sich aus der Gesamtheit 
der schweizerischen Rechtsordnung ergeben kann, klar verletzt und dadurch das Strafverfahren ver-
anlasst oder dessen Durchführung erschwert hat. In tatsächlicher Hinsicht darf sich die Kostenauflage 
nur auf unbestrittene oder bereits klar nachgewiesene Umstände stützen. Zwischen dem zivilrechtlich 
vorwerfbaren Verhalten sowie den durch die Untersuchung entstandenen Kosten muss ein adäquater 
Kausalzusammenhang bestehen und das Sachgericht muss darlegen, inwiefern die beschuldigte Per-

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son durch ihr Handeln in zivilrechtlich vorwerfbare Weise gegen eine Verhaltensnorm klar verstossen 
hat.»

Weiter ist der Rechtsprechung zu entnehmen (Urteil des Bundesgerichts 
6B_990/2013 vom 10.Juni 2014 E. 1.2 mit Verweis auf das Urteil des Bundesge-
richts 1B_21/2012 vom 27. März 2012 E. 2.4):

«Eine Kostenauflage an einen nicht verurteilten Beschuldigten wegen zivilrechtlich schuldhaften Ver-
haltens kann sich auf Art. 28 ZGB stützen. Nach dieser Bestimmung kann derjenige, der in seiner 
Persönlichkeit widerrechtlich verletzt wird, zu seinem Schutz gegen jeden, der an der Verletzung mit-
wirkt, das Gericht anrufen (Abs. 1). Widerrechtlich ist eine Verletzung, wenn sie nicht durch Einwilli-
gung des Verletzten, durch ein überwiegendes privates oder öffentliches Interesse oder durch Gesetz 
gerechtfertigt ist (Abs. 2). Die Persönlichkeitsrechte werden durch Angriffe auf die physische und die 
psychische Integrität verletzt. Darunter fällt auch ein Verhalten, das andere terrorisiert und verängstigt 
und diese in ihrem seelischen Wohlbefinden gefährdet bzw. erheblich stört. Allerdings kann nicht jede 
noch so geringfügige Beeinträchtigung der Persönlichkeit als rechtlich relevante Verletzung verstan-
den werden. Die Verletzung muss eine gewisse Intensität erreichen. Auf die subjektive Empfindlich-
keit des Betroffenen kommt es dabei nicht an. Für die Beurteilung der Schwere des Eingriffs ist ein 
objektiver Massstab anzulegen.»

7. Angriffe auf die körperliche Integrität stellen somit grundsätzlich einen Anwen-
dungsfall von Art. 28 Abs. 1 ZGB dar. Ob das vom Bundesgericht geforderte Min-
destmass an Intensität vorliegend gegeben ist, ist jedoch fraglich. Die Aussagen 
der beiden Beteiligten sind widersprüchlich. Der Beschuldigte gab anlässlich seiner 
Einvernahme vom 16. November 2018 zu Protokoll (Z. 53 ff.): «(...) Ich erklärte, dass ich 
das nicht jetzt mir ihr besprechen möchte. Folglich trat sie von draussen her in den Türrahmen. So 
dass ich die Türe nicht mehr schliessen konnte und blieb dort stehen. Alle Aufforderungen die weni-
gen Diskussionen wie immer über Whatsapp zu führen waren fruchtlos. Ich verlangte von ihr mehr-
mals, die ganze Zeit vergeblich, das Haus zu verlassen. (...) Es dauerte mehr als 10 Minuten und ich 
weiss was 10 Minuten in dieser Situation sind. Ich fürchtete, dass uns die Kinder zuhören würden. Die 
117 anrufen würde weiter 15 Minuten dauern und die Kinder wären traumatisiert worden. Folglich ent-
schied ich mich sie ohne unnötigen Druck aus dem Türrahmen zu schieben und schloss die Türe. Ich 
war sehr aufgewühlt, das D.________ jetzt hatte was sie wollte. “Eine Tätlichkeit“.»

Demgegenüber schilderte die Strafklägerin den Vorfall folgendermassen (Einver-
nahme vom 16. Februar [recte: 5. Oktober] 2018 Z. 59 ff.: «(...) Ich erklärte ihm das 
Gepäck im Eingangsbereich. Ich fragte ihn dann, ob ich die Bobschlitten der Kinder oder mein antikes 
Schaukelpferd mitnehmen könne. In diesem Moment änderte seine Stimmung und er erklärte mir ag-
gressiv, dass ich ihm erst das Bett bezahlen solle. (...) Als ich ihm dann sagte, dass ich dies nie be-
zahlen würde, startete er durch. Er stiess mit beiden Händen gegen meine Schultern um mich mit vol-
ler Kraft hinaus zu stossen. Weil dies für mich unerwartet kam verlor ich das Gleichgewicht aber ich 
konnte mich noch am Türrahmen festhalten. In dem Moment schlug er die Haustüre zu. Weil ich noch 
mit einem Bein im Eingang stand klemmte es mir dann zum Glück nicht die Finger ein. (...)» Weiter 
gab sie an, der Stoss und die Drehung hätten Rücken- und Nackenschmerzen ver-
ursacht. Dies auch deswegen, weil sie zuvor eine Diskushernie an der Halswir-
belsäule habe operieren lassen müssen (Z. 96 ff.). 

Laut Notfallbericht des Spitals Aarberg vom 23. Oktober 2018 wurde der Strafklä-
gerin am 4. Oktober 2018 eine Schmerzexazerbation zervikal sowie lumbal dia-

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gnostiziert. Diese Diagnose spricht zwar dafür, dass der Stoss mit einer gewissen 
Heftigkeit ausgeführt worden ist. Jedoch ist angesichts der körperlichen Vorbelas-
tung der Strafklägerin nicht ausgeschlossen, dass auch ein leichter Stoss eine 
solch akute Schmerzverschlechterung hätte verursachen können oder diese gar 
gänzlich andere Ursachen haben könnte. Die Kausalität zwischen dem Vorfall und 
der Diagnose ist daher nicht erstellt. Anderweitige Beweismittel, insbesondere 
Zeugenaussagen, welche die Darstellungen der Strafklägerin bestätigen könnten, 
liegen nicht vor. Ausserdem machen sowohl ihre als auch die Ausführungen des 
Beschuldigten zum Kerngeschehen grundsätzlich einen lebhaften und glaubhaften 
Eindruck. Dabei hat der Beschuldigte von Anfang an ausgesagt, die Strafklägerin 
«ohne unnötigen Druck» zum Türrahmen hinausgeschoben zu haben. An klaren 
Merkmalen, die eine oder die andere Aussage per se als zuverlässiger zu erach-
ten, fehlt es. Anzumerken ist, dass entgegen der Auffassung der Staatsanwalt-
schaft nicht von einem Geständnis des Beschuldigten ausgegangen werden kann. 
Die Aussage, die Strafklägerin habe nun, was sie gewollt habe, nämlich eine Tät-
lichkeit, kann nämlich auch so verstanden werden, dass die Strafklägerin nach dem 
Vorfall seiner Ansicht nach nun etwas hatte, das sie gegen ihn verwenden konnte, 
ohne dass ihre Vorwürfe tatsächlich gerechtfertigt wären. Die Aussage ist denn 
auch vor den Hintergrund der verschiedenen familienrechtlichen Verfahren, in wel-
che die beiden Parteien involviert sind, zu stellen. Der Beschuldigte scheint zu 
vermuten, die Strafklägerin habe sich in diesen Verfahren einen Vorteil verschaffen 
wollen. Zusammenfassend lässt sich die Frage nach der Heftigkeit des Stosses 
ohne Geständnis, mit widersprüchlichen Aussagen der Beteiligten und ohne weite-
re Beweismittel nicht restlos klären.

Selbst wenn der Beschuldigte jedoch derart stark auf den Körper der Strafklägerin 
eingewirkt hätte, dass sein Vorgehen eine Persönlichkeitsverletzung nach Art. 28 
Abs. 1 ZGB darstellen würde, wäre dieses nicht zwingend als zivilrechtlich vorwerf-
bar zu bewerten. Wie sich nämlich auch den Schilderungen der Strafklägerin ent-
nehmen lässt, befand sie sich zu Beginn der Auseinandersetzung im Innern der 
Wohnung. Sie spricht selber davon, hinausgestossen worden zu sein und nach 
dem Stoss im Türrahmen gelandet zu sein. Danach habe sie immer noch das Bein 
zwischen Tür und Rahmen gehabt. Dieser Geschehensablauf lässt sich logisch nur 
nachvollziehen, wenn er im Bereich hinter der Türschwelle seinen Anfang nahm. 
Sollte die Strafklägerin, wie vom Beschuldigten behauptet, auf mehrmalige Auffor-
derung hin seine Wohnung nicht verlassen haben, hätte sie sein Hausrecht ver-
letzt. Dies wurde vom Beschuldigten bereits in seiner polizeilichen Einvernahme 
vom 16. November 2018 (Z. 104) geltend gemacht. Seine Aussagen können, wie 
bereits dargelegt, nicht als weniger glaubhaft als diejenigen der Strafklägerin ein-
gestuft werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche Verletzung des Hausfrie-
dens stattgefunden hat und die Wahrscheinlichkeit, dass dies nicht der Fall ist, hal-
ten sich daher mindestens die Waage. Sollte es zu einer Verletzung des Haus-
rechts gekommen sein, wäre der Beschuldigte berechtigt gewesen, die Strafkläge-
rin, auch mit leicht erhöhter Kraft, aus seiner Wohnung zu befördern. 

Nach diesen Ausführungen lässt sich nicht erstellen, dass der Beschuldigte die 
Strafklägerin in einer persönlichkeitsverletzenden Weise gestossen bzw. nicht aus 
überwiegenden privaten Interessen gehandelt hat. Ein zivilrechtlich vorwerfbares 

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Verhalten kann ihm somit nicht nachgewiesen werden. In analoger Anwendung des 
Grundsatzes «in dubio pro reo» ist es daher auch nicht gerechtfertigt, ihm die Ver-
fahrenskosten aufzuerlegen und ihm eine Entschädigung zu verweigern. Der Be-
schwerde ist daher kein Erfolg beschieden. Sie wird abgewiesen.

8. Bei diesem Verfahrensausgang werden die Kosten des Beschwerdeverfahrens, 
bestimmt auf CHF 1‘200.00, vom Kanton Bern getragen (Art. 423 Abs. 1 und 428 
Abs. 1 StPO).

9. Gemäss Art. 436 Abs. 1 i.V.m. Art. 429 Abs. 1 Bst. a StPO hat der Beschuldigte 
Anspruch auf eine Entschädigung seiner Aufwendungen für die angemessene 
Ausübung seiner Verfahrensrechte im Beschwerdeverfahren. Entsprechend der 
Honorarnote der Verteidigung vom 14. April 2020, welche zu keinen Bemerkungen 
Anlass gibt, wird die Entschädigung auf CHF 798.70 (inkl. Auslagen und MWST) 
festgesetzt. 

Die Strafklägerin hat keine Entschädigung für das Beschwerdeverfahren beantragt, 
weshalb auf die Ausrichtung einer solchen – unabhängig davon, ob sie berechtigt 
wäre oder nicht – verzichtet wird (Art. 433 Abs. 2 StPO). 

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Die Beschwerdekammer in Strafsachen beschliesst:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestimmt auf CHF 1‘200.00, trägt der Kanton 
Bern.

3. Dem Beschuldigten wird für seine Aufwendungen im Beschwerdeverfahren eine Ent-
schädigung von CHF 798.70 (inkl. Auslagen und MWST) zugesprochen. 

4. Zu eröffnen:
- dem Beschuldigten, v.d. Rechtsanwalt B.________
- dem Regionalgericht Berner Jura-Seeland, Gerichtspräsident F.________

(mit den Akten)
- der Beschwerdeführerin
- der Strafklägerin, v.d. Rechtsanwalt E.________

Mitzuteilen:
- der Generalstaatsanwaltschaft

Bern, 19. Mai 2020 Im Namen der Beschwerdekammer
in Strafsachen

Der Präsident:

Oberrichter J. Bähler

Die Gerichtsschreiberin:

Lustenberger

Die Entschädigung für das Beschwerdeverfahren wird durch die Beschwerdekammer in Strafsachen entrichtet. 
Es wird um Zustellung eines Einzahlungsscheins ersucht. 

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgerichtsgeset-
zes (BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entspre-
chen.