# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f20e31d6-d663-59d9-9421-eb72798baedb
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-05-08
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 08.05.2024 SBK.2023.356
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SBK-2023-356_2024-05-08.pdf

## Full Text

Obergericht
Beschwerdekammer in Strafsachen

SBK.2023.356
(STA.2021.5380)
Art. 131

Entscheid vom 8. Mai 2024

Besetzung Oberrichter Richli, Präsident
Oberrichterin Massari
Oberrichterin Schär
Gerichtsschreiber Burkhard

Beschwerde-
führerin

A._____ AG,
[…]
vertreten durch Rechtsanwältin Claudia Kobel,
[…]

Beschwerde-
gegnerin

Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm,
Untere Grabenstrasse 32, Postfach, 4800 Zofingen

Beschuldigter B._____,
[…]
verteidigt durch Rechtsanwalt Markus Henzer,
[…]

Anfechtungs-
gegenstand

Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm vom
16. November 2023

in der Strafsache gegen B._____

- 2 -

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:

1.
1.1.
C._____ wurde von der Beschwerdeführerin im Rahmen eines Personal-
verleihs bis Ende 2014 als […] an die D._____ AG vermittelt. Mit Klage vom
29. September 2016 beim Regionalgericht Bern-Mittelland machte er ge-
genüber der Beschwerdeführerin daraus abgeleitete zivilrechtliche Ansprü-
che geltend.

Mit Entscheid […] vom […] verpflichtete das Regionalgericht Bern-Mittel-
land die Beschwerdeführerin, C._____ brutto Fr. 22'557.05 (abzüglich von
nachweisbar geleisteten Sozialabzügen) und netto Fr. 23'747.70 (beides
zuzüglich Zins von 5 % ab 1. Januar 2015) zu bezahlen. Dieser Entscheid
hatte sowohl im von der Beschwerdeführerin angestrengten Berufungsver-
fahren (Entscheid […] der 1. Zivilkammer des Obergerichts des Kantons
Bern vom […]) als auch im von ihr angestrengten bundesgerichtlichen Ver-
fahren ([…]) Bestand.

1.2.
Die Beschwerdeführerin erstattete am 21. September 2021 bei der Staats-
anwaltschaft Zofingen-Kulm Strafanzeige gegen den Beschuldigten,
E._____, die D._____ AG und allenfalls weitere Verantwortliche (gemäss
S. 22 der Strafanzeige F._____ und G._____) wegen Urkundenfälschung
und Betrugs, begangen durch Ausfertigung und Unterzeichnen von fal-
schen Tätigkeitsnachweisen und Führen einer "Schattenbuchhaltung" be-
züglich der von C._____ tatsächlich bei der D._____ AG geleisteten Ar-
beitsstunden. Der Deliktszeitraum umfasse mindestens die Zeitspanne
1. Januar 2012 bis 31. Dezember 2014.

1.3.
Am 9. Dezember 2021 wurde E._____ (Mitbeschuldigter) polizeilich be-
fragt. Mit Gesuch vom 8. März 2022 zog die Staatsanwaltschaft Zofingen-
Kulm die Akten des durchgeführten Zivilverfahrens bei. Am 4. April 2022
wurde der Beschuldigte polizeilich einvernommen. Am 17. Mai 2022 be-
fragte die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm F._____, der bereits im Zivil-
prozess vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland ausgesagt hatte und der
als unmittelbarer Vorgesetzter von C._____ die Tätigkeitsnachweise unter-
zeichnet hatte, als Zeugen. Am 13. Juni 2022 befragte sie G._____, der
ebenfalls bereits im Zivilprozess vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland
ausgesagt hatte und damals nach eigener Aussage im Bereich Buchhal-
tung, Finanzen und Personal für die D._____ AG tätig war, als Zeugen. Mit
Strafbefehl vom 11. November 2022 verurteilte sie den Beschuldigten we-
gen Betrugs und Urkundenfälschung zu einer bedingten Geldstrafe von 180
Tagessätzen à Fr. 550.00 und einer Busse von Fr. 20'200.00 (Ersatzfrei-
heitsstrafe 37 Tage). Hiergegen erhob der Beschuldigte am 21. November

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2022 Einsprache. Am 4. Januar 2023 überwies die Staatsanwaltschaft Zo-
fingen-Kulm den Strafbefehl als Anklage dem Präsidenten des Bezirksge-
richts Zofingen zur Durchführung des Hauptverfahrens. Dieser ordnete mit
Verfügung vom 12. Januar 2023 die Sistierung des Hauptverfahrens und –
unter Aufhebung der Rechtshängigkeit – die Rückweisung der Anklage an
die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm zur Ergänzung im Sinne seiner Er-
wägungen an.

1.4.
Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm stellte den Parteien mit Mitteilung
vom 18. September 2023 den Erlass einer Einstellungsverfügung in Aus-
sicht. Die Beschwerdeführerin beantragte mit Eingabe vom 18. Oktober
2023 die Befragung von C._____ als Zeugen (allenfalls auf dem Rechtshil-
feweg) und von H._____ als ihrem Präsidenten und Mitinhaber. Diese An-
träge wies die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm mit Beweisergänzungs-
entscheid vom 16. November 2023 ab.

2.
Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm stellte die gegen den Beschuldigten
wegen Betrugs und Urkundenfälschung geführte Strafuntersuchung mit
Verfügung vom 16. November 2023 ein. Zivilklagen behandelte sie mit Ver-
weis auf den Zivilweg keine. Die Verfahrenskosten nahm sie auf die Staats-
kasse. Dem Beschuldigten sprach sie eine Entschädigung von Fr. 6'348.25
zu.

Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau genehmigte die Einstel-
lungsverfügung am 20. November 2023.

3.
3.1.
Die Beschwerdeführerin erhob mit Eingabe vom 4. Dezember 2023 Be-
schwerde gegen die ihr am 24. November 2023 zugestellte Einstellungs-
verfügung. Diese sei (unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten
des Beschuldigten) aufzuheben. Das Strafverfahren sei "zur Durchführung
der gehörigen Strafuntersuchung" gegen den Beschuldigten an die Staats-
anwaltschaft Zofingen-Kulm zurückzuweisen und "in Form eines Strafbe-
fehls oder einer Anklage" weiterzuführen. Zudem beantragte sie im Rah-
men der Beschwerdebegründung (Rz. 4) die Vereinigung des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens mit dem Beschwerdeverfahren betreffend die Ein-
stellung der gegen E._____ gerichteten Strafuntersuchung (Verfahrens-
nummer SBK.2023.357).

3.2.
Die Beschwerdeführerin leistete die von der Verfahrensleiterin der Be-
schwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts mit Verfügung vom
12. Dezember 2023 einverlangte Kostensicherheit von Fr. 800.00 (zu

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zahlen innert 10 Tagen ab am 13. Dezember 2023 erfolgter Zustellung die-
ser Verfügung) am 21. Dezember 2023.

3.3.
Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm beantragte mit Beschwerdeantwort
vom 15. Januar 2024 die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolgen.

3.4.
Der Beschuldigte beantragte mit Beschwerdeantwort vom 29. Januar 2024
(unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdeführe-
rin) die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzu-
treten sei, und die Bestätigung der Einstellungsverfügung der Staatsanwalt-
schaft Zofingen-Kulm vom 16. November 2023.

3.5.
Die Beschwerdeführerin hielt mit Stellungnahme vom 31. Januar 2024 an
ihren mit Beschwerde gestellten Anträgen fest.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:

1.
1.1.
Die Parteien können eine Einstellungsverfügung innert 10 Tagen mit Be-
schwerde anfechten (Art. 322 Abs. 2 StPO; Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO).

1.2.
Als Privatklägerschaft und damit als Partei i.S.v. Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO
gilt die geschädigte Person, die ausdrücklich erklärt, sich am Strafverfahren
als Straf- oder Zivilklägerin oder -kläger zu beteiligen (Art. 118 Abs. 1
StPO). Als geschädigte Person gilt die Person, die durch die Straftat in
ihren Rechten unmittelbar verletzt worden ist (Art. 115 Abs. 1 StPO). Un-
mittelbar verletzt und damit in eigenen Rechten betroffen ist, wer Träger
des durch die verletzte Strafnorm geschützten oder zumindest mitge-
schützten Rechtsguts ist. Bei Straftaten gegen das Vermögen (wie etwa
Betrug) gilt der Träger des geschädigten Vermögens als geschädigte Per-
son. Bei Urkundendelikten können private Interessen unmittelbar verletzt
sein, wenn eine Urkundenfälschung auf die Verfolgung eines weitergehen-
den, wirtschaftlichen Zwecks abzielt und insofern als blosse Vorbereitungs-
handlung eines schädigenden Vermögensdelikts erscheint (vgl. hierzu
etwa Urteil des Bundesgerichts 1B_554/2021 vom 6. Juni 2022 E. 4.2 und
4.3.1).

1.3.
Die Beschwerdeführerin begründete den Vorwurf des Betrugs und der Ur-
kundenfälschung in ihrer Strafanzeige (act. 31 ff.) im Wesentlichen damit,

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dass von Seiten der D._____ AG bezüglich der geleisteten Arbeitszeit von
C._____ systematisch bzw. gestützt auf eine interne Anweisung falsch aus-
gefüllte "Tätigkeitsnachweise" ihr gegenüber als richtig bestätigt worden
seien. Dadurch getäuscht habe sie der D._____ AG ihre Leistungen zu tief
in Rechnung gestellt und sich damit selbst am Vermögen geschädigt (Straf-
anzeige S. 14, 20). Die stattgefundenen Straftaten seien auch dem Be-
schuldigten zuzurechnen, der als einzelzeichnungsberechtigter Präsident
des Verwaltungsrats und (Haupt-)Aktionär eine beherrschende Stellung in
der D._____ AG innegehabt habe (Strafanzeige S. 3 f.).

Angesichts dieser Ausführungen sowie der namentlich im Zivilprozess vor
dem Regionalgericht Bern-Mittelland erhobenen (und beigezogenen) Be-
weismittel ist die prozessuale Geschädigtenstellung der Beschwerdeführe-
rin sowohl hinsichtlich des Vorwurfs des Betrugs als auch der Urkundenfäl-
schung rechtsgenüglich ausgewiesen. Gestützt auf ihre bereits mit Straf-
anzeige abgegebene Konstituierungserklärung (Strafanzeige S. 2) ist sie
daher als beschwerdeberechtigte Partei i.S.v. Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO zu
betrachten. Auf ihre frist- und formgerecht erhobene und von einem hinrei-
chenden Rechtsschutzinteresse (Art. 382 Abs. 1 StPO) getragene Be-
schwerde ist einzutreten.

2.
2.1.
Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm stellte am 16. November 2023 nicht
nur die gegen den Beschuldigten geführte Strafuntersuchung ein, sondern
– mit separater und von der Beschwerdeführerin gleichfalls mit Beschwerde
angefochtener Verfügung – auch die gegen E._____ geführte
Strafuntersuchung. Mit Beschwerde (Rz. 4) beantragt die Beschwerdefüh-
rerin die Vereinigung der beiden Beschwerdeverfahren.

2.2.
Straftaten sind u.a. dann gemeinsam zu verfolgen, wenn Mittäterschaft
oder Teilnahme vorliegt (Art. 29 Abs. 1 lit. b StPO). Ansonsten können die
Gerichte Strafverfahren auch aus sachlichen Gründen vereinen (Art. 30
StPO), namentlich bei einem engen Sachzusammenhang verschiedener
Straftaten (BGE 138 IV 29 E. 5.5) oder wenn wegen des gleichen oder
eines damit zusammenhängenden Sachverhalts Verfahren sowohl gegen
eine natürliche Person wie auch ein Unternehmen geführt werden (Art. 112
Abs. 4 StPO).

2.3.
Die hier angefochtene Einstellungsverfügung betraf (hauptsächlich) den
Beschuldigten, die andere Einstellungsverfügung (hauptsächlich) E._____.
In beiden Einstellungsverfügungen wurde (jeweils in E. 2.4) aber auch das
Fehlen jeglicher Hinweise für eine Strafbarkeit der D._____ AG gemäss
Art. 102 Abs. 1 StGB festgestellt und wurde die Strafuntersuchung auch

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ausdrücklich in Bezug auf die D._____ AG eingestellt. Diese (zweimal ver-
fügte) Einstellung liess die Beschwerdeführerin in beiden Beschwerden un-
angefochten, weshalb Art. 112 Abs. 4 StPO nicht einschlägig ist.

Auch Art. 29 Abs. 1 lit. b StPO ist nicht einschlägig. Eine Mittäterschaft oder
Teilnahme in Bezug auf den Beschuldigten und E._____ wurde (soweit er-
sichtlich) weder von der Beschwerdeführerin noch der Staatsanwaltschaft
Zofingen-Kulm behauptet und ist auch ansonsten nicht ohne Weiteres zu
erkennen. Insofern wies der Präsident des Bezirksgerichts Zofingen in sei-
ner Rückweisungsverfügung vom 12. Januar 2023 (E. 2.1 und 2.2) in nach
wie vor aktueller Weise darauf hin, dass die Staatsanwaltschaft Zofingen-
Kulm beiden Strafbefehlen zwar den gleichen Sachverhalt zu Grunde ge-
legt habe, dass sie sich aber nicht dazu geäussert habe, wem welches Ver-
halten zur Last gelegt werde, in welcher Teilnahmeform sich der Beschul-
digte und E._____ schuldig gemacht haben sollen und ob es um Mittäter-
schaft oder um eine sog. mittelbare Täterschaft gehe.

Zwar begründete die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm beide Einstellun-
gen im Wesentlichen gleich, reichte die Beschwerdeführerin zwei nahezu
identische Beschwerden und Stellungnahmen ein, mandatierten der Be-
schuldigte und E._____ denselben Verteidiger und reichte dieser in beiden
Beschwerdeverfahren weitgehend deckungsgleiche Beschwerdeantworten
ein. Nichtsdestotrotz ergibt sich bereits aus dem Rückweisungsentscheid
des Präsidenten des Bezirksgerichts Zofingen, dass die Vorwürfe gegen
den Beschuldigten und E._____ keineswegs identisch zu sein brauchen.
Insofern drängt sich eine Verfahrensvereinigung auch nicht i.S.v. Art. 30
StPO auf, zumal die Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts
in beiden Fällen in gleicher Besetzung entscheidet und damit eine (soweit
geboten) einheitliche Beurteilung der beiden Fälle auch ohne Verfahrens-
vereinigung gewährleistet ist.

Dementsprechend ist der Antrag auf Verfahrensvereinigung abzuweisen.

3.
3.1.
Wer in der Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern,
jemanden durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglis-
tig irreführt oder ihn in einem Irrtum arglistig bestärkt und so den Irrenden
zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen an-
dern am Vermögen schädigt, wird (wegen Betrugs) mit Freiheitsstrafe bis
zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 146 Abs. 1 StGB).

Wer in der Absicht, jemanden am Vermögen oder an andern Rechten zu
schädigen oder sich oder einem andern einen unrechtmässigen Vorteil zu
verschaffen, eine rechtlich erhebliche Tatsache unrichtig beurkundet oder
beurkunden lässt oder eine Urkunde dieser Art zur Täuschung gebraucht,

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wird (wegen Urkundenfälschung) mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder
Geldstrafe bestraft (Art. 251 Ziff. 1 StGB).

3.2.
Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm ging nach erfolgter Anklagerückwei-
sung nicht erkennbar auf die Rückweisungsgründe ein, verzichtete auf eine
Verbesserung der Anklage und verfügte stattdessen – ohne sich umfas-
send mit den fraglichen Tatbeständen des Betrugs und der Urkundenfäl-
schung auseinandergesetzt zu haben – die Verfahrenseinstellung gestützt
auf Art. 319 Abs. 1 lit. a und b StPO, mithin wegen Fehlens eines erfüllten
Straftatbestands bzw. eines entsprechenden (eine Anklage rechtfertigen-
den) Tatverdachts.

Diese Vorgehensweise ist in formeller Hinsicht nicht zu beanstanden, nach-
dem der Präsident des Bezirksgerichts Zofingen in seinem Rückweisungs-
entscheid die Rechtshängigkeit und damit die (uneingeschränkte) Verfah-
rensleitung der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm rückübertragen hatte
(vgl. hierzu JONAS ACHERMANN, in: Basler Kommentar, Schweizerische
Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 67 und 69 zu Art. 329 StPO).

In materieller Hinsicht ist bei einer Einstellung nach Art. 319 Abs. 1 lit. a
oder b StPO zu beachten, dass die Sachverhaltsfeststellung grundsätzlich
dem urteilenden Gericht obliegt. Die Staatsanwaltschaft und die Beschwer-
deinstanz dürfen bei Einstellungsentscheiden den Sachverhalt daher nicht
wie ein urteilendes Gericht feststellen. Sachverhaltsfeststellungen müssen
in Berücksichtigung des Grundsatzes "in dubio pro duriore" jedoch auch bei
Einstellungen zulässig sein, soweit gewisse Tatsachen "klar" bzw. "zwei-
felsfrei" feststehen, so dass im Falle einer Anklage mit grosser Wahrschein-
lichkeit keine abweichende Würdigung zu erwarten ist. Davon kann indes
nicht ausgegangen werden, wenn eine abweichende Beweiswürdigung
durch das Gericht ebenso wahrscheinlich erscheint (BGE 143 IV 241
E. 2.3.2).

4.
4.1.
Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm schloss in ihrer Einstellungsverfü-
gung nicht aus, dass der Beschwerdeführerin Tätigkeitsnachweise vorge-
legt wurden, die weniger Arbeitszeit auswiesen, als gemäss interner Stun-
denabrechnung der D._____ AG von C._____ geleistet. Auch schloss sie
– zumindest in einem ersten Begründungsschritt – nicht aus, dass sich der
Beschuldigte in seiner damaligen Funktion als einzelzeichnungsberechtig-
ter Präsident des Verwaltungsrats der D._____ AG der Falschbeurkundung
und des Betrugs schuldig gemacht haben könnte (E. 2.2).

Der Beschuldigte habe aber die "Tätigkeitsnachweise" nicht selbst unter-
zeichnet. Auch gebe es keine Belege für eine vom Beschuldigten anlässlich

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einer internen Sitzung im Jahr 2012 gegebene Anweisung, gegenüber der
Beschwerdeführerin keine 45 Stunden übersteigende Wochenarbeitszeit
von C._____ zu bescheinigen. Die Zeugen F._____ und G._____ hätten
bei ihren Einvernahmen vom 17. Mai und 13. Juni 2022 nicht mehr zu Pro-
tokoll geben können, was an der angeblichen Sitzung besprochen worden
sei bzw. ob eine solche überhaupt stattgefunden habe (E. 2.3).

Zudem seien gegenüber der Beschwerdeführerin regelmässig auch Wo-
chenarbeitszeiten von über 45 Stunden bescheinigt worden. Somit gebe es
keine Hinweise, dass von der D._____ AG – um Überzeitzuschläge zu um-
gehen – konsequent und systematisch keine 45 Stunden übersteigenden
Wochenarbeitszeiten bescheinigt worden seien. Anzumerken sei auch,
dass die interne Stundenkontrolle der D._____ AG generell unübersichtlich
sei. Dies lasse unbeabsichtigte Fehler bei der Stundenabrechnung und der
Erstellung der Tätigkeitsnachweise möglich erscheinen. F._____, der für
die Erfassung der Arbeitszeit auf den Baustellen zuständig gewesen sei,
habe am 17. Mai 2022 zu Protokoll gegeben, dass er die Rapporte manch-
mal erst zwei Wochen später ausgefüllt habe und dass er sich dabei auch
vertan haben könne. Sowohl Urkundenfälschung als auch Betrug seien
aber Vorsatzdelikte. Eine fahrlässige Tatbegehung sei straflos (E. 2.3).

4.2.
Die Beschwerdeführerin verwies mit Beschwerde auf Aussagen von
C._____ vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland. Dieser habe von
einem "D._____ System" gesprochen und dieses dahingehend beschrie-
ben, dass man alles nur so habe aufschreiben dürfen, dass keine mit Zu-
schlägen zu entschädigenden Überstunden resultiert hätten (Rz. 34 f.). Sie
habe die in den Tätigkeitsnachweisen bescheinigten und die intern von der
D._____ AG erfassten Arbeitszeiten von C._____ "minutiös" ausgewertet
(mit Hinweis auf Beschwerdebeilage 4). Diese Gegenüberstellung belege
das vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland nicht nur von C._____, son-
dern auch von G._____ und F._____ beschriebene "D._____ System"
(Rz. 39). Während es im Jahr 2013 nur vereinzelt zu Abweichungen ge-
kommen sei, seien diese entgegen den Ausführungen der Staatsanwalt-
schaft Zofingen-Kulm ab dem Jahr 2014 systematisch erfolgt. Die Gegen-
überstellung zeige auch, dass C._____ geleistete Überstunden durch Frei-
zeit "abgebummelt" habe (Rz. 40). Die Beschwerdeführerin wertete dies als
eine systematische Umlagerung von Überstunden zwecks Vermeidung von
Überstundenzuschlägen insbesondere ab dem Jahr 2014 (Rz. 41), wie es
C._____ vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland beschrieben habe
(Rz. 43). Die "Machenschaften" der D._____ AG hätten aber nicht nur auf
die Vertuschung von Arbeits- bzw. Überstunden von C._____ ihr gegen-
über abgezielt, sondern auch auf die Vertuschung wechselnder Einsatzorte
von C._____ in der ganzen Schweiz (Rz. 45).

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Entgegen der Einstellungsverfügung sei daher erstellt, dass die D._____
AG jedenfalls ab dem Jahr 2014 systematisch keine Tätigkeitsnachweise
mit einer Wochenarbeitszeit von über 45 Stunden akzeptiert habe, um ihr
gegenüber keine Honorarzuschläge bezahlen zu müssen. Auch seien auf
den Tätigkeitsnachweisen zur Vermeidung von Spesen die schweizweit
verstreuten Arbeitsorte von C._____ nicht deklariert worden (Rz. 46). Im
Ergebnis stehe fest, dass die D._____ AG auf Anweisung des Beschuldig-
ten und unter Mitwirkung von F._____ die Tätigkeitsnachweise über die
Jahre hinweg bzw. im Jahr 2014 systematisch falsch, unvollständig und
damit wahrheitswidrig ausgefüllt habe. Dabei seien dem Beschuldigten die
vertraglichen Abmachungen mit ihr "klar" gewesen. Er habe gewusst, dass
die Tätigkeitsnachweise wahrheitsgemäss hätten ausgefüllt werden müs-
sen und dass er die fragliche Anweisung nicht hätte erlassen dürfen
(Rz. 47).

Die Feststellung der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm, wonach die interne
Stundenkontrolle der D._____ AG und der Tätigkeitsnachweis betreffend
die Woche 12 des Jahres 2014 übereinstimmten, lasse die von C._____
als Überstunden geleisteten, in der internen Stundenkontrolle der D._____
AG als "Gutstunden C._____" aufgeführten 17 Stunden Arbeitszeit unbe-
rücksichtigt (Rz. 51 f.).

Die weitere Feststellung der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm, wonach
die D._____ AG ihr gegenüber regelmässig Arbeitszeiten von C._____ von
über 45 Stunden pro Woche bescheinigt habe, und die Feststellung, dass
die interne Stundenkontrolle der D._____ AG "generell unübersichtlich" sei,
was unbeabsichtigte Fehler als möglich erscheinen lasse, änderten nichts
daran, dass sich ohne Weiteres eine "systematische Vertuschung" der ef-
fektiven Arbeitszeit erkennen lasse (Rz. 53 – 55). Es habe sich keineswegs
um einzelne Vorfälle oder Versehen gehandelt (Rz. 56). Das Regionalge-
richt Bern-Mittelland sei denn auch davon ausgegangen, dass die als
"D._____ System" bezeichneten "Machenschaften" der D._____ AG nicht
nur bei C._____ zur Anwendung gelangt seien (Rz. 57).

Zur Feststellung der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm, dass es keine Be-
lege dafür gebe, dass der Beschuldigte anlässlich einer internen Sitzung
im Jahr 2012 die entsprechende Anweisung gegeben habe, sei auf die im
Verfahren vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland gemachten Zeugen-
aussagen abzustellen, wonach das "D._____ System" auf einer entweder
vom Beschuldigten oder E._____ erlassenen Anweisung beruht habe
(Rz. 60 f.).

Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm habe seit Erlass der Strafbefehle
(gegen den Beschuldigten und E._____) vom 21. November 2022 "de
facto" keine weiteren Beweise erhoben. Vor diesem Hintergrund vermöge
die beabsichtigte Einstellung "mehr als nur zu erstaunen" (Rz. 63).

- 10 -

4.3.
Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm führte mit Beschwerdeantwort aus,
dass sich der Beschuldigte nur durch Erlass einer Anweisung, auf den Tä-
tigkeitsnachweisen nicht mehr als 45 Stunden zu bescheinigen, strafbar
gemacht haben könnte. In Würdigung der Beweislage kam sie zum
Schluss, dass sich nicht rechtsgenüglich nachweisen lasse, dass "eine sol-
che Weisung" überhaupt erteilt worden sei. Falls doch, lasse sich jedenfalls
nicht rechtsgenüglich feststellen, wer diese Weisung erteilt habe. Weitere
Ermittlungsansätze gebe es diesbezüglich keine. Namentlich auch eine Be-
fragung von C._____ oder von H._____ (wie von der Beschwerdeführerin
beantragt) hätte diesbezüglich zu keinen neuen Erkenntnissen geführt.

4.4.
Der Beschuldigte führte mit Beschwerdeantwort aus, dass sich die Be-
schwerdeführerin nicht mit der Begründung der Einstellungsverfügung aus-
einandergesetzt habe (Rz. 5). Die Beweislage hinsichtlich des gegen ihn
gerichteten Tatverdachts sei klar. Weder hinsichtlich des ihm vorgeworfe-
nen Betrugs noch der ihm vorgeworfenen Urkundenfälschung lasse sich
ihm ein tatbeständliches Verhalten nachweisen (Rz. 19). Die Staatsanwalt-
schaft Zofingen-Kulm habe die von der Beschwerdeführerin am 18. Okto-
ber 2023 gestellten Beweisergänzungsanträge mit zutreffender Begrün-
dung abgewiesen (Rz. 21 f.). Eine Weiterführung der Strafuntersuchung
führte zu keinen neuen Erkenntnissen und käme einem prozessualen Leer-
lauf gleich (Rz. 25 f.). Eine Aufhebung der Einstellungsverfügung sei auch
deshalb nicht gerechtfertigt, weil es der Beschwerdeführerin offenbar vorab
um eine erleichterte Durchsetzung allfälliger Zivilansprüche gehe. Die Fest-
stellung des Präsidenten des Bezirksgerichts Zofingen in seinem Rückwei-
sungsentscheid, wonach in Bezug auf den Vorwurf des Betrugs das Tatbe-
standselement der "irrtumsbedingten Vermögensdisposition" nicht näher
umschrieben worden sei und unklar sei, wie der Beschwerdeführerin ein
Vermögensschaden entstanden sein könnte, sei "bemerkenswert" (Rz. 28).
Zu den von der Beschwerdeführerin geltend gemachten "Differenzen in den
Stundenabrechnungen" könne er sich nicht vernehmen lassen. In seiner
damaligen Funktion als Geschäftsführer habe er keine Kenntnis von ab-
sichtlich unrichtig erstellten Tätigkeitsnachweisen gehabt. Ein "System
D._____" zur Vermeidung berechtigter Lohnforderungen von Temporärmit-
arbeitern habe nie bestanden (Rz. 30). Die "Differenzen" seien spätestens
im Schreiben des damaligen Rechtsvertreters von C._____ vom 15. Januar
2015 gegenüber der Beschwerdeführerin festgehalten worden. Die Be-
schwerdeführerin bemühe sich aber erst heute, neun Jahre nach Feststel-
lung "von Differenzen", um die Aufklärung eines mittlerweile zwölf Jahre
zurückliegenden Sachverhalts. Offenkundig seien hierfür andere als die
von der Beschwerdeführerin angeführten Gründe ausschlaggebend
(Rz. 33).

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4.5.
Die Beschwerdeführerin wies mit Stellungnahme vom 31. Januar 2024 da-
rauf hin, dass F._____ zwar die falschen Tätigkeitsnachweise unterzeich-
net habe, dies jedoch nicht aufgrund von "Eigeninitiative". Allein schon im
Licht der vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland gemachten Zeugenaus-
sagen bestehe ein "dringender Tatverdacht" bzw. seien die zur Anzeige
gebrachten strafbaren Handlungen erstellt. C._____ könnte bei seiner Ein-
vernahme das "System D._____" eingehend darlegen, was sehr wohl Auf-
schluss darüber geben könnte, wann die entsprechende Weisung erteilt
worden sei.

5.
5.1.
Aktenkundig ist ein von G._____ unterzeichnetes Schreiben der D._____
AG vom 5. März 2014 an die Beschwerdeführerin. Darin wurde ein der
D._____ AG in Rechnung gestellter Überzeitzuschlag von 25 % als "falsch"
bezeichnet, weil beim besagten "Objekt" eine Sonderregelung gelte. Es
werde keine Überzeit gewährt, sondern geleistete Mehrarbeitsstunden
seien bei schlechtem Wetter "abzubauen" (act. 352). Ähnlich hatte G._____
vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland ausgesagt, dass es bezüglich ei-
ner "Baustelle […]" eine Abmachung mit der Beschwerdeführerin gegeben
habe, welche auf einen fixen Betrag gelautet habe, weshalb C._____ keine
Zuschläge für Überstunden erhalten habe (act. 348, Rz. 21 – 28).

5.2.
H._____ bestritt vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland das Bestehen ei-
ner entsprechenden Abrede zwischen der Beschwerdeführerin und der
D._____ AG nur schon mit seinen Ausführungen, dass die Beschwerdefüh-
rerin nicht gewusst habe, dass C._____ auf anderen Baustellen als derje-
nigen in Q._____ eingesetzt worden sei (act. 330, Rz. 39 – 43). Zudem
führte er aus, dass die Beschwerdeführerin nichts von der "Schattenbuch-
haltung" der D._____ AG gewusst habe (act. 335, Rz. 24 – 30) und dass
eine Abrede, wie von G._____ beschrieben, gar nicht "praktikabel" gewe-
sen wäre (act. 335, Rz. 40 – 43). Auch der Beschuldigte und E._____ be-
riefen sich bei ihren Einvernahmen vom 9. Dezember 2021 (act. 274 ff.)
und 4. April 2022 (act. 280 ff.) nicht auf eine entsprechende Abrede mit der
Beschwerdeführerin. Dass tatsächlich mit der Beschwerdeführerin eine
entsprechende Abrede bestand, kann deshalb nicht als erstellt gelten. Zu-
mindest "in dubio pro duriore" ist vielmehr davon auszugehen, dass mit der
Beschwerdeführerin keine Abrede, wie von G._____ beschrieben, bestand.

5.3.
Es gibt aber konkrete und gewichtige Hinweise, dass innerhalb der
D._____ AG nicht nur G._____ vom Bestand einer solchen Abrede aus-
ging. Vielmehr scheint auch F._____ so gehandelt zu haben, als hätte es
eine solche Abrede gegeben. Dies ergibt sich ohne Weiteres aus seinen

- 12 -

Ausführungen vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland, wonach Überstun-
den nur ausbezahlt worden seien, wenn dies mit dem jeweiligen Kunden
so abgemacht gewesen sei. Ohne eine entsprechende Abmachung seien
die Überstunden einem internen Stundenkonto gutgeschrieben und kom-
pensiert worden (act. 341, Rz. 15 – 19). F._____ hatte diese vermeintliche
Abrede zudem vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland nicht nur mehr
oder weniger beiläufig erwähnt, sondern auch detailliert die daraus resul-
tierenden Auswirkungen auf seine Tätigkeit beschrieben (act. 340, Rz. 16
ff.):

" Ich bin von der Firma her nur berechtigt, das Maximum von 45 Stunden
pro Woche auf dem Tätigkeitsnachweis zu bescheinigen. Wenn jemand
z.B. 50 Stunden gearbeitet hat, darf ich das nicht bescheinigen. Dann hat
dieser Arbeitnehmer Gutstunden, welche intern auf einem separaten Blatt
geführt werden. Gegen aussen hat der Arbeitnehmer nur die 45 Stunden
gearbeitet. Ich kann bestätigen, dass dies bei sämtlichen ausgeliehenen
Arbeitnehmern so gehandhabt wird und auch bereits seit 2012 so gehand-
habt wurde."

Oder an anderer Stelle (act. 341, Rz. 30 ff.):

" Ich darf heute keine Stunden mehr bescheinigen, welche 45 Wochenstun-
den überschreiten. Es gab eine interne Sitzung, an welcher wir angewie-
sen wurden, keine Stunden auf den Tätigkeitsnachweisen zu bescheini-
gen, welche 45 Wochenstunden überschreiten. Diese Sitzung fand vor
2012 statt. Diese Mehrstunden werden auf den separaten internen Rapp-
orten als Gutstunden aufgeschrieben. Egal wieviel jemand tatsächlich ge-
arbeitet hat, wird gegen aussen lediglich 45 Wochenstunden verrechnet.
Ich habe mir dazu keine Gedanken gemacht, ich führe diese Anweisung
einfach aus."

5.4.
Zwar wiederholte F._____ diese Aussagen bei seiner Einvernahme vom
17. Mai 2022 (act. 290 ff.) in dieser Form nicht mehr, sondern machte viel-
mehr geltend, dass C._____ gar nie mehr als 45 Wochenstunden gearbei-
tet habe (Frage 14 f.). Eine längere Arbeitszeit hätte er (F._____) bei der
Geschäftsleitung beantragen müssen (Fragen 12, 33), was aber nie not-
wendig gewesen sei (Frage 17). Seine hierzu konträren Aussagen vor dem
Regionalgericht Bern-Mittelland erklärte er damit, dass er "das" damals
falsch verstanden haben müsse (Frage 16). Er wies auch darauf hin, dass
er sich beim Ausfüllen der Tätigkeitsnachweise vielleicht auch einmal ver-
tan habe (Frage 38).

Dass diese späteren Aussagen von F._____ derart glaubhafter sein sollen
als seine (konträren) früheren Aussagen vor dem Regionalgericht Bern-
Mittelland, dass ein Sachgericht mutmasslich darauf (zumindest "in dubio
pro reo") abstellte, lässt sich nicht feststellen. Vielmehr sind es gerade die
Zeugenaussagen von F._____ vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland,
die angesichts der Aktenlage plausibel wirken. So liegen etwa zum Einsatz

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von C._____ auf der Baustelle "I" im Zeitraum 17. – 23.  März 2013 (Kalen-
derwoche 12) zwei unterschiedlich ausgefüllte und handschriftlich mit "Alt"
bzw. "Neu" bezeichnete Tätigkeitsnachweise vor. Beim Tätigkeitsnachweis
"Alt" ist verteilt auf Montag bis Samstag eine Wochenarbeitszeit von 56
Stunden ausgewiesen, beim Tätigkeitsnachweis "Neu" hingegen sind es
verteilt auf Montag bis Freitag nur noch 45 Stunden (act. 273). Die Angaben
auf dem Tätigkeitsnachweis "Neu" entsprechen den Angaben der internen
"Stundenkontrolle", in der aber unter "Gutstunden C._____" für die Kalen-
derwoche 12 insgesamt zusätzlich 17 Stunden (Arbeitszeit) vermerkt sind
(vgl. act. 207). Die Kategorie "Gutstunden C._____" wurde zudem nicht nur
in Bezug auf die Baustelle "I" ([…]) geführt, sondern auch für die Baustellen
"J" ([…]; vgl. etwa act. 179, 181, 187, 219) und "M" ([…]; vgl. etwa act. 194).
Dies lässt sich kaum mit einem gelegentlichen Versehen beim Ausfüllen
der Tätigkeitsnachweise erklären und relativiert auch die Aussage von
F._____, dass C._____ bei ihm gar nie mehr als 45 Stunden gearbeitet
habe.

Dass F._____, ohne dass es eine entsprechende Anweisung gegeben
hätte, sozusagen eigenmächtig das System mit den "Gutstunden" einge-
führt haben könnte, um bei der entsprechenden Stelle (gemäss F._____
der Geschäftsleitung) nicht Überzeit beantragen zu müssen, erscheint
ebenfalls abwegig, zumal es offenbar gar nicht F._____ war, der über den
Einsatz etwa von C._____ und damit dessen Arbeitszeit befinden konnte,
sondern ausweislich der Aktenlage vielmehr der Beschuldigte und/oder
E._____ (vgl. hierzu Einvernahme von F._____ vor dem Regionalgericht
Bern-Mittelland, act. 339, Rz. 23; Einvernahme von G._____ vor dem Re-
gionalgericht Bern-Mittelland, act. 345, Rz. 25 f.).

5.5.
Dass F._____ die tatsächliche Arbeitszeit von C._____ zumindest in den
Projekten "I", "J" und "M" gegenüber der Beschwerdeführer falsch bestätigt
zu haben scheint und dass sowohl er als auch der im Bereich Buchhaltung,
Finanzen und Personal tätige G._____ dies für richtig gehalten zu haben
scheinen, legt zusammengefasst nahe, dass sie – wie von F._____ vor
dem Regionalgericht Bern-Mittelland ausgeführt – von vorgesetzter Stelle
in Form einer verbindlichen Anweisung entsprechend instruiert worden wa-
ren. Zumindest in "dubio pro duriore" ist daher entgegen der Staatsanwalt-
schaft Zofingen-Kulm vom Bestand einer solchen Anweisung auszugehen.
Dass ein mit der Sache befasstes Gericht gestützt auf den gegenwärtigen
Erkenntnisstand zumindest "in dubio pro reo" ohne Weiteres vom Nichtbe-
stand einer solchen Anweisung ausginge, lässt sich jedenfalls nicht fest-
stellen.

- 14 -

6.
6.1.
Wenngleich die für diese mutmassliche Anweisung verantwortliche(n) Per-
son(en) gegenüber der Beschwerdeführerin nicht selbst inhaltlich falsche
Arbeitszeiten von C._____ bescheinigte(n), sondern eben durch F._____
bescheinigen liess(en), kann derzeit nicht mit für den Erlass einer Einstel-
lungsverfügung ausreichender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen wer-
den, dass diese Person(en) mittelbare(r) Täter oder Anstifter der fraglichen
Betrugshandlungen und Falschbeurkundungen war(en). Zu prüfen bleibt
daher, ob der Erlass oder das Mittragen dieser mutmasslichen Anweisung
dem Beschuldigten in einer Art und Weise zum Vorwurf zu machen ist, dass
eine strafrechtliche Verurteilung mit einiger Wahrscheinlichkeit zu erwarten
ist, was nicht bereits deshalb ausgeschlossen erscheint, weil sich womög-
lich nicht feststellen lässt, wann und wo genau bzw. bei welcher Gelegen-
heit diese Anweisung mutmasslich erteilt wurde.

6.2.
Der Beschuldigte beantwortete die Frage (37) nach der Hierarchie auf der
Baustelle anlässlich seiner Einvernahme vom 4. April 2022 wie folgt:

" Helfer, Fachkraft, bauleitender Monteur, und der Chefmonteur, Montage-
leiter, Projektleiter, Geschäftsleitung und der Verwaltungsrat."

Der Beschuldigte war im fraglichen Zeitraum (Jahre 2012 – 2014) gemäss
Handelsregisterauszug der D._____ AG (act. 59 f.) deren Verwaltungsrats-
präsident und hatte nach eigener Aussage vom 4. April 2022 bis 2015 die
Geschäftsleitung inne. Insofern gehörte er in doppelter Hinsicht zum mut-
masslich engen Kreis der Vorgesetzten von F._____, die als Verantwortli-
che einer entsprechenden Weisung und damit möglicherweise als Täter
überhaupt in Frage kommen.

Die Frage, wer namentlich bei den Projekten, in denen gestützt auf eine
mutmassliche Anweisung "Gutstunden" geführt wurden ("I", "J", "M"), Pro-
jektleiter war, ist noch ungeklärt (vgl. hierzu Entscheid der Beschwerde-
kammer in Strafsachen des Obergerichts SBK.2023.357 heutigen Datum,
E. 6.2), dürfte sich aber durch eine nochmalige Befragung von F._____
oder gegebenenfalls auch durch Aufforderung an die D._____ AG (die
selbst nicht mehr beschuldigte Person ist), entsprechende Akten zu edie-
ren, ohne Weiteres klären lassen. Namentlich für den Fall, dass nicht stets
E._____ der Projektleiter gewesen sein sollte, könnte der tatsächliche Pro-
jektleiter die Aussagen von F._____ vor dem Regionalgericht Bern-Mittel-
land womöglich bestätigen und auch präzisieren oder auch relativieren.
Weiter ist auf die Aussagen des Beschuldigten bei seiner Einvernahme
vom 4. April 2022 zu verweisen. Zur Aussage von F._____ vor Regional-
gericht Bern-Mittelland, dass er nur berechtigt gewesen sei, das Maximum
von 45 Stunden pro Woche auf den Tätigkeitsnachweisen zu bescheinigen,

- 15 -

nahm der Beschuldigte derart Stellung, dass dies so nicht stimme (Frage
15). Die Nachfrage, wie es denn gewesen sei, beantwortete er dahinge-
hend, dass F._____ auch weniger (Stunden) zu bestätigen gehabt habe,
wenn weniger (Stunden) gearbeitet worden seien (Frage 16). Die Frage,
was bei Überzeit gewesen sei, beantwortete der Beschuldigte – bevor er
weitergehende Angaben verweigerte – aber dahingehend, dass der Arbei-
ter (diese) habe kompensieren müssen (Frage 17). Diese Aussagen könn-
ten von einem mit der Sache befassten Gericht durchaus nicht nur als (wei-
tere) Bestätigung der zumindest nicht unglaubhaften Ausführungen von
F._____ vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland verstanden werden, son-
dern auch als Bestätigung dafür, dass der Beschuldigte die fragliche Wei-
sung bzw. Praxis kannte und als damals oberster Chef der D._____ AG
erlassen oder zumindest genehmigt hatte. Dass die mutmassliche Anwei-
sung entgegen dem Willen des Beschuldigten in der D._____ AG Bestand
hätte haben können, erscheint jedenfalls zumindest nicht naheliegend. Für
diese Sichtweise sprechen auch die bereits erwähnten Ausführungen von
F._____ bei seiner Einvernahme vom 17. Mai 2022, wonach er bei Über-
stunden die Zustimmung der (damals beim Beschuldigten liegenden) Ge-
schäftsleitung hätte einholen müssen (Frage 33).

6.3.
Insofern lässt sich mit der von der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm ab-
gegebenen Begründung,

- wonach sich nicht feststellen lasse, dass es innerhalb der D._____ AG
eine Anweisung gegeben habe, auf Tätigkeitsnachweisen von C._____
keine Arbeitszeit von mehr als 45 Wochenstunden zu bescheinigen,
und

- wonach sich jedenfalls die Urheberschaft einer solchen (allfälligen) An-
weisung mangels weiterer Ermittlungsansätze nicht dem Beschuldigten
zuordnen lasse,

eine Verfahrenseinstellung nicht überzeugend begründen. Die Ausführun-
gen des Beschuldigten, dass der massgebliche Sachverhalt bereits Jahre
zurückliege, dass die Beschwerdeführerin mit der Erstattung der Strafan-
zeige Jahre zugewartet habe und dass sie damit andere als die angegebe-
nen Gründe verfolge, ändern hieran nichts.

6.4.
Die Sache ist daher in teilweiser Gutheissung der Beschwerde zur erneuten
Beurteilung an die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm zurückzuweisen. Für
eine Weisung, die Strafuntersuchung mittels Strafbefehls oder Anklage ab-
zuschliessen, besteht hingegen keine begründete Veranlassung. Der ent-
sprechende Antrag der Beschwerdeführerin ist als unbegründet abzuwei-
sen.

- 16 -

7.
7.1.
Hebt die Rechtsmittelinstanz einen Entscheid auf und weist sie die Sache
zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurück, so trägt der Bund oder
der Kanton die Kosten des Rechtsmittelverfahrens (Art. 428 Abs. 4 StPO).
Dementsprechend sind die Kosten dieses Beschwerdeverfahrens auf die
Staatskasse zu nehmen.

7.2.
Der Anspruch der Beschwerdeführerin auf angemessene Entschädigung
für notwendige Aufwendungen richtet sich nach Art. 433 StPO und hängt
vom Ausgang des Strafverfahrens ab. Dieser ist derzeit noch offen. Es ist
daher nicht möglich, im vorliegenden Entscheid eine Entschädigung für das
Beschwerdeverfahren festzulegen. Darüber wird im Endentscheid in Ab-
hängigkeit vom Verfahrensausgang zu befinden sein (Art. 421 Abs. 1 StPO;
vgl. Urteil des Bundesgerichts 1B_531/2012 vom 27. November 2012 E. 3).

7.3.
Dem Beschuldigten ist ausgangsgemäss keine Entschädigung zuzuspre-
chen.

Die Beschwerdekammer entscheidet:

1.
1.1.
Die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm vom
16. November 2023 wird in teilweiser Gutheissung der Beschwerde aufge-
hoben und die Strafsache wird zur weiteren Behandlung im Sinne der Er-
wägungen an die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm zurückgewiesen.

1.2.
Soweit die Beschwerdeführerin anderes oder mehr beantragt, wird die Be-
schwerde abgewiesen.

2.
Die Kosten des Beschwerdeverfahrens werden auf die Staatskasse ge-
nommen.

Zustellung an:
[…]

- 17 -

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG)

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-
lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-
schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. Dieselbe Beschwerde
kann erhoben werden gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide, wenn
diese einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können oder wenn die Gutheis-
sung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeuten-
den Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde
(Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 93, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG).

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-
gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG).

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren
Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte
elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen,
inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf
die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen
hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde-
legitimation ist Art. 81 BGG massgebend.

Aarau, 8. Mai 2024

Obergericht des Kantons Aargau
Beschwerdekammer in Strafsachen
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Richli Burkhard