# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2a18533c-2749-5cc3-83ce-3e5f9a9e257c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-06-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.06.2018 D-5872/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5872-2017_2018-06-05.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-5872/2017 

law/gnb 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  5 .  J u n i  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger, 

Richterin Daniela Brüschweiler, 

Gerichtsschreiberin Barbara Gysel Nüesch. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw/B.Ed. Céline Benz-Desrochers,  

Bündner Beratungsstelle für Asylsuchende,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 6. Oktober 2017 / N (…). 

 

 

 

D-5872/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – ein afghanischer Staatsangehöriger und ethni-

scher Paschtune – verliess gemäss eigenen Angaben sein Heimatland im 

(…) 2015. Über den Iran, die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, 

Kroatien, Slowenien und Österreich sei er am 2. Dezember 2015 in die 

Schweiz gelangt, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 11. Dezem-

ber 2015 wurde er zu seiner Person, zum Reiseweg sowie summarisch zu 

den Gesuchsgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). Am 2. August 

2016 und 27. Juli 2017 wurde er eingehend zu den Asylgründen angehört. 

Dabei gab er bezüglich seiner Person und Herkunft im Wesentlichen an, er 

sei in B._______, Distrikt C._______, Provinz D._______, geboren. Sein 

Vater sei (…) gewesen. Während der Bürgerkriege habe er mit seiner Fa-

milie in Pakistan gelebt. Nach der Rückkehr nach Afghanistan habe er wäh-

rend circa sechs Monaten als Dolmetscher und Fahrer für den Neffen des 

(…) gearbeitet. Eines Abends sei das Auto angegriffen worden und habe 

sich mehrmals überschlagen. Im Alter von (…) Jahren habe er in Kabul 

geheiratet und habe zusammen mit seiner Frau (…) Kinder. Im Jahre (…) 

habe er das Gymnasium mit der Matura abgeschlossen. Die Aufnahmeprü-

fung an die Universität habe er bestanden, jedoch nicht studieren können. 

In der Folge sei er während (…) Jahren im (…) und danach während (…) 

Jahren im (…) tätig gewesen. Wegen Drohungen seitens radikaler Grup-

pierungen habe er seine Stelle gekündigt. Von (…) bis (…) sei er in Indien 

in medizinischer Behandlung gewesen, habe aber seine Familie oft be-

sucht. Nach der Rückkehr nach Kabul habe er eine Zeit lang für die 

E._______ gearbeitet. Im Jahr (…) habe er in Kabul die Firma F._______ 

gegründet, eine (…)firma, welche im Bereich (…) tätig war. Zuletzt habe er 

im Auftrag des (…) grosse (…)projekte in den Provinzen G._______ und 

H._______ ausgeführt. Während seiner Tätigkeit im (…) habe er von den 

Taliban zwei Drohbriefe und viele telefonische Drohanrufe erhalten, wobei 

Schutzgelder von ihm verlangt worden seien und er zuletzt mit dem Tod 

bedroht worden sei. Einer seiner Brüder, welcher bei einem Projekt in 

H._______ als (…) tätig gewesen sei, sei auf dem Weg von H._______ 

nach Kabul verschollen. Ein anderer Bruder, welcher ebenfalls in der Firma 

mitgearbeitet habe, sei in der Nähe der Firma überfallen, ausgeraubt und 

getötet worden. Für die Drohungen und das Schicksal der Brüder seien 

zwei Taliban aus C._______ und zwei Taliban(…) aus der Provinz 

H._______ verantwortlich. Er habe sich wegen dieser Probleme an die af-

ghanischen Behörden gewandt, aber diese hätten ihm nicht helfen können. 

D-5872/2017 

Seite 3 

Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer im 

Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens folgende Beweismittel ein: 

- Zwei Drohbriefe vom (…) und undatiert mit Übersetzung (im 

Original) 

- Polizeidokument vom (…) mit Übersetzung (im Original) 

- Englische Übersetzung der Tazkira 

- Diverse Bankkarten (teils im Original, teils in Kopie), 

- ID-Karte des (…) (in Kopie),  

- Dokument des (…) (in Kopie) 

- Karte des (…) (in Kopie) 

- (…)aufträge (in Kopie) 

- Mitarbeiterkarte der E._______ (im Original),  

- Arbeitszeugnis der E._______ vom (…) (im Original),  

- „Certificate of Appreciation“ zu Handen der F._______ vom (…) 

(in Kopie),  

- Unternehmerlizenz der F._______ vom (…) (in Kopie),  

- Werbematerial der F._______ (in Kopie) 

- Kursbestätigung der (…) vom (…) (in Kopie) 

- Diverse medizinische Unterlagen der (…) (in Kopie) 

- Internetbilderausdruck zum Begriff (…) 

- Steuererklärung der F._______ vom (…) (in Kopie) 

- Zeitungsartikel aus „(…)“ vom (…) (in Kopie) 

- Arbeitszeugnis der (…) vom (…) 

B.  

Mit Verfügung vom 6. Oktober 2017 – eröffnet am 9. Oktober 2017 – stellte 

das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der 

Schweiz sowie deren Vollzug an. 

C.  

Mit Eingabe vom 16. Oktober 2017 erhob der Beschwerdeführer mittels 

seiner Rechtsvertreterin gegen die Verfügung des SEM vom 6. Oktober 

2017 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, es sei 

die angefochtene Verfügung aufzuheben, seine Flüchtlingseigenschaft sei 

anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren. Eventuell sei der Vollzug der 

Wegweisung wegen Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit auszusetzen und 

ihm die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Subeventuell sei die Sache zur 

Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher 

D-5872/2017 

Seite 4 

Hinsicht beantragte er, es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu be-

willigen, Frau MLaw/B.Ed. Céline Benz-Desrochers sei als amtliche 

Rechtsbeiständin zu bestellen und es sei auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses zu verzichten.  

Der Beschwerde lagen (unter anderem) folgende Unterlagen bei: eine Aus-

kunft der SFH-Länderanalyse vom 5. April 2017 zu: „Afghanistan: Psychi-

atrische und psychotherapeutische Behandlung“, eine Schnellrecherche 

der SFH-Länderanalyse vom 19. Juni 2017 zu: „Afghanistan: Sicherheits-

lage in der Stadt Kabul“, eine Fürsorgebestätigung vom 11. Oktober 2017 

und eine Kostennote vom 16. Oktober 2017. 

D.  

Mit Verfügung vom 25. Oktober 2017 stellte der Instruktionsrichter fest, der 

Beschwerdeführer könne den Ausgang des Asylverfahrens in der Schweiz 

abwarten und hiess die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung und Rechtsverbeiständung unter Vorbehalt einer nachträgli-

chen Veränderung der finanziellen Verhältnisse gut. Antragsgemäss wurde 

Frau MLaw/B.Ed. Céline Benz-Desrochers als amtliche Rechtsbeiständin 

eingesetzt. Gleichzeitig wurde der Vorinstanz Gelegenheit zur Vernehm-

lassung eingeräumt. 

E.  

Das SEM liess sich mit Eingabe vom 8. November 2017 zur Beschwerde 

vernehmen. 

F.  

Am 9. November 2017 wurde dem Beschwerdeführer die Vernehmlassung 

des SEM vom 8. November 2017 zur Kenntnis gebracht. 

  

D-5872/2017 

Seite 5 

G.  

Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 21. November 2017. 

Der Replik waren als Beweismittel eine E-Mail von I._______, KESB (…), 

vom 15. November 2017, eine Entbindungserklärung vom 26. Oktober 

2017 und eine E-Mail von J._______, Betreuer K._______, vom 15. No-

vember 2017, beigelegt. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass ein 

ärztliches Zeugnis beziehungsweise ein Bericht so schnell als möglich 

nachgereicht werde. 

H.  

Mit Eingabe vom 12. Dezember 2017 teilte der Beschwerdeführer mit, dass 

sich seine gesundheitliche Situation verbessert beziehungsweise stabili-

siert habe, seit er ambulante Psychotherapietermine in der Klinik 

L._______ wahrnehmen könne. Eine Erwachsenenschutzmassnahme sei 

nicht notwendig, da er die psychiatrische Behandlung freiwillig akzeptiere. 

Hingegen sei eine psychiatrische Behandlung weiterhin notwendig. Ein 

ärztliches Zeugnis beziehungsweise ein Bericht werde so schnell wie mög-

lich nachgereicht. Der Eingabe waren eine E-Mail von I._______, KESB 

(…), vom 12. Dezember 2017, ein Schreiben von Dr. med. M._______, 

N._______, vom 15. November 2017 sowie eine Kostennote vom 12. Ok-

tober 2017 [recte: 12. Dezember 2017] beigelegt. 

I.  

Mit Eingabe vom 18. Dezember 2017 wurde auf den Bericht „Depression 

und kognitive Dysfunktion, Klinische Relevanz und therapeutische Implika-

tionen“ (aus: Psychopharmakotherapie 2014; 21:40-9) verwiesen, wonach 

die kognitive Beeinträchtigung eine wichtige Rolle spiele. Diese sei bei vie-

len depressiven Patienten nicht nur während der depressiven Phase, son-

dern auch noch während der Remission zu finden, wobei am stärksten be-

troffen die kognitiven Domänen Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Exeku-

tivfunktion seien. Gleichzeitig wurde ein Bericht von Dr. med. O._______, 

Psychiatrische Dienste P._______, vom 7. Dezember 2017, eingereicht, 

wonach beim Beschwerdeführer eine mittelgradige depressive Episode 

F 32.1 diagnostiziert worden sei. Es seien Konzentrationsstörungen, Stö-

rungen des Kurzzeitgedächtnisses und Schlafstörungen festgestellt wor-

den. Der Antrieb sei leicht- bis mittelgradig vermindert und eine psychothe-

rapeutische Behandlung sei aktuell indiziert. 

 

  

D-5872/2017 

Seite 6 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. 

Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich 

des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).  

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).  

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

D-5872/2017 

Seite 7 

4.  

4.1 Das SEM führte in seiner Verfügung aus, die Schilderungen der angeb-

lich persönlich erhaltenen Drohungen seien stereotyp, nicht erlebnisge-

prägt und ausweichend ausgefallen. Es erstaune, dass der Beschwerde-

führer über zwei Jahre lang aufgefordert worden sein wolle, Geld an die 

Taliban zu bezahlen, ohne diese Forderungen konkret benennen zu kön-

nen. Auch seine Angaben über die angebliche Bedrohung seiner Familie 

nach seiner Ausreise seien als vage und ausweichend zu bezeichnen, da 

er die konkreten Geschehnisse nicht habe benennen können. Wenig nach-

vollziehbar seien auch seine Angaben zu seinen angeblichen Verfolgern 

ausgefallen. Diese würden aus den Provinzen H._______ und D._______ 

stammen und deren Vorfahren hätten schon zur Zeit seines Grossvaters 

etwas gegen seine Familie gehabt. Indes sei ihm nicht gelungen, plausibel 

zu erklären, warum er mit diesen Personen auch in Kabul Probleme hätte 

haben sollen und wie die Personen aus D._______ und H._______ zuei-

nander stehen würden. Vielmehr habe er insgesamt den Eindruck erweckt, 

einen konstruierten Sachverhalt wiederzugeben, zumal er auf Fragen, wer 

ihn persönlich telefonisch bedroht habe, wiederholt zu Protokoll gegeben 

habe, dass er die Anrufer nicht erkannt habe beziehungsweise nicht wisse, 

wer ihn bedroht habe. Ebenso wenig habe er substantiiert zu begründen 

vermocht, warum diese Personen für die vorgebrachte Entführung seines 

einen Bruders und die angebliche Tötung seines anderen Bruders verant-

wortlich sein sollten. Dass die vorgebrachte Entführung seines Bruders mit 

den angeblichen Drohungen ihm gegenüber zusammenhängen solle, er-

scheine zudem schon deshalb nicht plausibel, weil sich gemäss seinen An-

gaben niemand zu der Entführung bekannt habe. Es sei davon auszuge-

hen, dass die Tat ausdrücklich angezeigt worden wäre, wenn sie dem 

Zweck gedient hätte, den Beschwerdeführer zu einer Geldzahlung zu be-

wegen. Er habe auch nicht genau sagen können, wer seinen anderen Bru-

der getötet habe. Die Zweifel am Wahrheitsgehalt der Vorbringen würden 

durch etliche Ungereimtheiten und Widersprüche erhärtet. So sei er bei-

spielsweise nicht in der Lage gewesen, die Geschehnisse (Entführung des 

einen Bruders, Erhalt der Drohbriefe, Tod des anderen Bruders, erstmalige 

Meldung der Probleme bei der Polizei) zeitlich konsistent einzuordnen. 

Auch wenn seine Situation in der Schweiz nicht einfach sei, so erkläre das 

nicht, warum er angeblich persönlich erlebte Geschehnisse derart wider-

sprüchlich eingeordnet habe. Es sei zudem nicht nachvollziehbar, warum 

er einerseits angegeben habe, er habe sich nie jemand wegen der Entfüh-

rung seines Bruders bei ihm gemeldet und andererseits ausgeführt habe, 

man habe ihm zuletzt gedroht: „Wir haben deine zwei Brüder getötet. Jetzt 

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bist du dran!“ Er erwecke so den Eindruck, seine Aussagen situativ anzu-

passen und nicht tatsächlich erlebte Geschehnisse zu schildern. Die Un-

terlagen seine verschiedenen beruflichen Tätigkeiten betreffend würden 

keine damit einhergehende Bedrohung zu belegen vermögen. Sodann 

würden das eingereichte Polizeidokument sowie die Drohschreiben keine 

Sicherheitsmerkmale aufweisen. Im Übrigen seien solche Dokumente 

leicht käuflich erwerbbar. Bei einem der eingereichten Drohschreiben, bei 

dem es sich um ein Original handle, sei offensichtlich lediglich die Hand-

schrift original, während die Vorlage keinen Nassstempel aufweise, son-

dern ausgedruckt beziehungsweise kopiert sei. Erstaunlich sei auch, dass 

der Beschwerdeführer nach seiner Anzeige angeblich keinen Polizeirap-

port oder etwas Ähnliches erhalten habe wolle, da die Polizei ihnen nichts 

gebe, es für seinen Vater aber offensichtlich kein Problem gewesen sei, 

nach seiner Ausreise ein solches Dokument zu erhalten. Im Übrigen handle 

es sich bei einer Erpressung, die auf einen finanziellen Vorteil abziele, um 

ein gemeinrechtliches Delikt, das keine asylrelevante Verfolgung darstelle. 

Der Angriff auf das Auto des Neffen des (…), in dem er sich befunden habe, 

und die Bedrohungen seitens radikaler Gruppierungen aufgrund seiner 

früheren Arbeitstätigkeit (…) seien schliesslich aufgrund des fehlenden 

Kausalzusammenhangs zur Ausreise als nicht asylrelevant zu qualifizie-

ren.  

Sodann würden sich aus den Akten keine Hinweise dafür ergeben, dass 

dem Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit be-

achtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe 

oder Behandlung drohe. Den Vollzug der Wegweisung erachtete das SEM 

auch als zumutbar, da der Beschwerdeführer einen grossen Teil seines Le-

bens in Kabul verbracht und dort auch seinen letzten Wohnsitz in Afgha-

nistan gehabt habe. Seine Frau, Kinder, Eltern und Geschwister würden in 

Kabul leben. Seine Familie besitze einige Läden, die vermietet würden, so-

dass sie durch die Einnahmen den Lebensunterhalt bestreiten könne. Aus-

serdem arbeite sein Bruder bei der (…) und erlange dadurch ein regelmäs-

siges Einkommen. Er selber verfüge über einen Schulabschluss sowie 

über mehrjährige Arbeitserfahrung im (…) und im (…) und sei in Afghanis-

tan zuletzt als selbständiger Unternehmer tätig gewesen. In der Anhörung 

vom 27. Juli 2017 habe er von (…)schmerzen berichtet, wegen denen er 

täglich eine Tablette einnehmen würde. Seinen Angaben und den Akten 

lasse sich jedoch nicht entnehmen, dass seine Beschwerden ihm ein Le-

ben in seiner Heimat verunmöglichen würden oder sich sein Gesundheits-

zustand bei seiner Rückkehr lebensgefährlich verschlechtern würde. 

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Seite 9 

Schliesslich sei der Vollzug der Wegweisung technisch möglich und prak-

tisch durchführbar. 

4.2 In der Beschwerde wird vorgebracht, das SEM habe den Sachverhalt 

in der Begründung des Asylentscheids ungenügend berücksichtigt und da-

mit seine Begründungspflicht verletzt. Der Beschwerdeführer habe drama-

tische Situationen erlebt. Wie solche Erlebnisse emotional bearbeitet wür-

den, sei sehr individuell. Der Vorwurf des SEM, seine Schilderungen der 

angeblich erhaltenen Drohungen seien stereotyp, nicht erlebnisgeprägt 

und ausweichend ausgefallen, halte deswegen nicht stand und dürfe nicht 

berücksichtigt werden. Der Beschwerdeführer habe während der Befra-

gungen auch oft weinen müssen, was zur Glaubhaftigkeit beitrage. Die 

Hauptgründe des Asylgesuchs seien ausser Acht gelassen worden. Statt-

dessen habe sich das SEM darauf konzentriert, kleine Unstimmigkeiten zu 

finden. Die Erwartungen des SEM seien unrealistisch und würden nicht be-

rücksichtigen, dass die konkrete Sicherheitslage in Kabul extrem prekär 

sei. Die Taliban-Rebellen hätten im ganzen Land inklusiv Kabul ihre An-

griffe verstärkt. Aufgrund von vermehrten schweren Angriffen der Taliban 

und des selbst proklamierten „Islamischen Staats“ (IS/Daesh) in den Städ-

ten sei die Zivilbevölkerung stark gefährdet. Die Taliban hätten ihre Praxis 

geändert und würden gezielt die Zivilbevölkerung bedrohen und attackie-

ren. Es sei im Licht der aktuellen Situation in Afghanistan daher nicht aus-

zuschliessen, dass die Verfolger aus den Provinzen H._______ und 

D._______, die Mitglieder der Taliban geworden seien, den Beschwerde-

führer auch in Kabul verfolgt hätten. Dass die Täter der Entführung und der 

Ermordung seiner Brüder bis heute von der Polizei nicht verhaftet oder 

identifiziert worden seien, sei glaubhaft und realistisch. Auch die Tatsache, 

dass der Beschwerdeführer die Personen, die ihn am Telefon bedroht hät-

ten, nicht erkannt habe, sei nachvollziehbar. Die Organisation der Taliban 

sei riesig und die Vernetzung gross. Dass die Taliban oder der IS wegen 

einer Geldzahlung Personen töten oder entführen würden, sei glaubhaft, 

und es sei realistisch, dass man den Beschwerdeführer zu einer Geldzah-

lung habe zwingen wollen. Dass seine zwei Brüder mit ihm in seiner Firma 

gearbeitet hätten und sie Geschwister seien, erkläre, dass die verschiede-

nen Drohungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang 

mit der Ermordung und Entführung seiner Brüder stehen würde. Die Tatsa-

che, dass die Familie seit zwei Jahren Angst habe, umgezogen sei, sich 

versteckt halte und die Kinder seit zwei Jahren nicht mehr zur Schule ge-

hen würden, würden zur Glaubhaftmachung der konkreten Bedrohung bei-

tragen. 

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Seite 10 

Weiter habe das SEM den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers zu 

wenig berücksichtigt. Dieser habe deutlich erwähnt, dass er in Afghanistan 

physische und psychische Probleme gehabt und deswegen (…)schmerzen 

bekommen habe. Seither habe er (…)probleme sowie kognitive und emo-

tionale Beschwerden. Er habe ein Arztzeugnis seine monatelange Behand-

lung in Indien betreffend eingereicht. Er stehe in ärztlicher Behandlung bei 

Dr. med. Q._______ in R._______, mit welchem er über seine psychische 

Problematik gesprochen habe. Der Arzt habe ihm für ein Jahr Medikamente 

verschrieben. Die psychische Problematik sei daher immer noch aktuell. 

Wahrscheinlich liege eine posttraumatische Belastungsstörung, auch auf-

grund der Tötung und Entführung seiner Brüder, vor. Die psychische Prob-

lematik erkläre auch, weshalb er sich nicht genau an alle Details erinnern 

könne oder teilweise Daten und Details durcheinander bringe. Das SEM 

habe dem Beschwerdeführer in der Zweitanhörung keine Fragen zu seiner 

psychischen Gesundheit gestellt, obwohl er erwähnt habe, dass die 

(…)probleme aufgrund der psychischen Probleme entstanden seien. Da 

die (…)probleme andauern würden, wäre es adäquat gewesen, auch Fra-

gen zum psychischen Gesundheitszustand zu stellen. Damit habe das 

SEM seine Abklärungs- und Begründungspflicht verletzt.  

Zu berücksichtigen sei sodann, dass die BzP am 11. Dezember 2015 statt-

gefunden habe, die Bundesanhörungen jedoch erst am 2. August 2016 

und am 27. Juli 2017. Unstimmigkeiten in den Daten seien somit gerecht-

fertigt und dürften nicht dem Beschwerdeführer angelastet werden. 

Weiter sei zu berücksichtigen, dass psychische Leiden in Kabul bezie-

hungsweise Afghanistan stigmatisiert würden, da sie als Bestrafung für 

Sünden angesehen würden. Im Übrigen übersteige der Bedarf für psychi-

atrische Behandlung die Kapazität der beiden staatlichen Spitäler in Kabul, 

und es sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in Kabul nicht 

behandelt werde. 

Die Echtheit der eingereichten Unterlagen zu seinen Arbeitsstellen habe 

das SEM nicht in Frage gestellt. Es sei deshalb davon auszugehen, dass 

die weiteren im Original eingereichten Unterlagen (zwei Drohschreiben und 

ein Polizeidokument) echt und geeignet seien, die Aussagen des Be-

schwerdeführers nachzuweisen. Es sei nicht zu erwarten, dass die Taliban 

einen Nassstempel benutzen würden. Das SEM habe zu beweisen, dass 

diese Dokumente angeblich gefälscht seien. Die Begründung, dass solche 

Dokumente leicht käuflich erwerbbar seien, reiche nicht. Auch damit habe 

das SEM seine Abklärungs- und Begründungspflicht verletzt. 

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Seite 11 

Sodann habe das SEM nicht bestritten und anerkannt, dass der Beschwer-

deführer in den Jahren (…) oder (…) und (…) oder (…) angegriffen und 

bedroht worden sei. 

Wegen der Verschlechterung der Sicherheitslage in Kabul werde sodann 

die Rechtsprechung des Gerichts in Bezug auf Kabul in Frage gestellt. Es 

wäre angebracht, die Situation neu zu evaluieren. Es sei mit hoher Wahr-

scheinlichkeit damit zu rechnen, dass dem Beschwerdeführer bei einer 

Rückkehr eine unmenschliche Behandlung gemäss Art. 2 EMRK und Art. 3 

EMRK drohe. 

4.3 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM an seinen Erwägungen in der 

angefochtenen Verfügung fest und führte ergänzend aus, es dürfe erwartet 

werden, dass derart prägende Geschehnisse, wie die vom Beschwerde-

führer angeblich selbst erlebten, auch über eine längere Zeit hinweg kon-

sistent geschildert werden könnten. Zudem erscheine die zwischen den 

einzelnen Befragungen vergangene Zeitdauer nicht als unzulässig lange. 

Die eingereichten Beweismittel betreffend die geltend gemachte Verfol-

gung im Heimatstaat seien in der angefochtenen Verfügung gewürdigt wor-

den. Betreffend den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers würden 

sich aus seinen Angaben anlässlich der Bundesanhörung weder Hinweise 

darauf, dass er aktuell in psychologischer oder psychotherapeutischer Be-

handlung sei, noch dass er eine solche Behandlung in der Schweiz wün-

sche, entnehmen. Auch handle es sich bei dem in der Beschwerdeschrift 

genannten Arzt nicht um einen Psychiater oder Psychologen. Die Angabe, 

wonach wahrscheinlich eine posttraumatische Belastungsstörung vorliege, 

sei bestenfalls als spekulativ zu bezeichnen. Da davon ausgegangen wer-

den dürfe, dass dem Beschwerdeführer seine Mitwirkungspflicht durchaus 

bewusst gewesen sei, wäre zu erwarten gewesen, dass er wenigstens die 

Beschwerde mittels geeigneter ärztlicher Nachweise untermauert. Im Üb-

rigen wäre laut dem vom Beschwerdeführer eingereichten Bericht der SFH 

zur Psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlung in Afghanis-

tan eine ambulante psychiatrische Behandlung in zwei Spitälern in Kabul 

grundsätzlich möglich.  

Schliesslich verwies das SEM auf die mit Referenzurteil D-5800/2016 prä-

zisierte und aktualisierte Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts 

zur Lage in Afghanistan und insbesondere in der Hauptstadt Kabul. In casu 

sei das Vorliegen besonders begünstigender Faktoren zu bejahen. Der Be-

schwerdeführer verfüge in Kabul über eine gesicherte Wohnsituation sowie 

über ein Beziehungsnetz. Die finanzielle Situation der Familie sei als solide 

D-5872/2017 

Seite 12 

zu bezeichnen. Es sei zudem davon auszugehen, dass es ihm gelingen 

werde, rasch selbst ein Einkommen zu erwerben. 

4.4 In der Replik wird darauf hingewiesen, dass ein Abklärungsverfahren 

bezüglich erwachsenenschutzrechtlicher Massnahmen aktuell im Gang 

sei. Der Beschwerdeführer sei an die Klinik L._______, Psychiatrische 

Dienste P._______, überwiesen worden. Eine psychiatrische Behandlung 

sei notwendig. Daher sei klar, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

ein psychisches Leiden oder eine posttraumatische Belastungsstörung 

vorliege. Es wäre die Pflicht des SEM gewesen, den Beschwerdeführer 

zumindest über seinen gesamten Gesundheitszustand zu befragen bezie-

hungsweise diesen abzuklären und die kognitiven und emotionalen Be-

schwerden in der Entscheidungsfindung zu berücksichtigen. Es könne dem 

Beschwerdeführer keine Verletzung der Mitwirkungspflicht vorgeworfen 

werden, weil er keinen aktuellen Arztbericht eingereicht habe. Personen, 

die eine erwachsenenschutzrechtliche Massnahme benötigen würden, 

seien oft nicht selbst in der Lage zu erkennen, dass sie aktuelle medizini-

sche und weitere Hilfe dringlich benötigen würden. 

Das SEM berücksichtige die Tatsache nicht, dass der Beschwerdeführer 

bereits in Afghanistan physische und psychische Probleme gehabt habe. 

Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) trete als eine verzögerte 

psychische Reaktion auf ein extrem belastendes Ereignis, eine Situation 

aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmasses auf. 

Eine Person, welche unter einer PTBS leide, könne unfähig sein, gewisse 

Details in ihrer Erinnerung abzurufen und sich noch an die wichtigsten 

Punkte dieser Erlebnisse zu erinnern. Der Einzelne könne unfähig sein, 

sich mit Genauigkeit spezifische Details der Ereignisse ins Gedächtnis zu 

rufen, werde aber fähig sein, sich an die Hauptthemen der Erlebnisse zu 

erinnern. Der Beschwerdeführer sei vor allem mit dem zeitlichen Ablauf 

seiner Erlebnisse kognitiv beeinträchtigt, er habe aber die Hauptthemen 

der Erlebnisse konsistent schildern können. Die Auswirkung des überlan-

gen Verfahrens auf die bereits belastete psychische Gesundheit des Be-

schwerdeführers müsse in der Entscheidungsfindung berücksichtigt wer-

den.  

Dass der Beschwerdeführer damals in Kabul weder Schutz noch einen Be-

richt von der Polizei erhalten habe, könne ihm nicht vorgeworfen werden. 

Ebenso wenig könne ihm vorgeworfen werden, dass er mit Hilfe seines 

Vaters einen Polizeibericht erhalten habe. Er habe Anspruch darauf, dass 

D-5872/2017 

Seite 13 

das SEM eine gründliche, umfassende und genaue Prüfung des nachge-

reichten Berichts vornehme. 

In Bezug auf die Bedrohung durch die Taliban sei das Geld nur als Neben-

thema zu betrachten. Der Beschwerdeführer sei ins Visier der Taliban ge-

raten, da er mit dem (…) gearbeitet und (…)-Projekte vom (…) bekommen 

habe. Eine Verknüpfung mit einem religiösen und politischen Motiv sei ge-

geben. Aus der Schutztheorie ergebe sich, dass es in Fällen nichtstaatli-

cher Verfolgung ausreiche, wenn entweder die Motivation der Verfolger o-

der die fehlende Schutzgewährung des Staates durch einen Konventions-

grund bedingt seien. Ausserdem gehöre der Beschwerdeführer als Mitglied 

einer (…) sozioökonomisch gut gestellten Familie klar zu einer bestimmten 

Gruppe, was als Verfolgungsmotiv zu betrachten sei. 

Sein Bruder führe kein normales Leben und benötige (…) und (…). Die 

Kinder hätten die Schule aufgeben müssen. Keiner wisse, wo sich die Fa-

milie aufhalte, da sie sich versteckt halten müsse, um nicht getötet zu wer-

den. Aufgrund der Verfolgung und der allgemeinen Situation in Kabul be-

ziehungsweise in Afghanistan könne sich der Beschwerdeführer nicht ohne 

Lebensgefahr wirtschaftlich wieder integrieren. Die Vermeidung der Verfol-

gung durch diskretes Verhalten sei nicht zumutbar. Zudem sei eine psychi-

atrische Behandlung notwendig und er sei nicht mehr jung. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 6 AsylG in Verbindung mit Art. 12 VwVG stellen die 

Asylbehörden den Sachverhalt von Amtes wegen fest (Untersuchungs-

grundsatz). Dabei muss die Behörde die für das Verfahren erforderlichen 

Sachverhaltsunterlagen beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände ab-

klären und darüber ordnungsgemäss Beweis führen (vgl. dazu auch 

Art. 30-33 VwVG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn 

der Verfügung ein falscher und aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer 

Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig ist die Sachverhaltsfest-

stellung, wenn die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt 

nicht von Amtes wegen abgeklärt hat, oder wenn nicht alle für die Entschei-

dung wesentlichen Sachumstände berücksichtigt wurden. Die Behörde ist 

allerdings nicht verpflichtet, zu jedem Sachverhaltselement umfangreiche 

Nachforschungen anzustellen. Zusätzliche Abklärungen sind vielmehr nur 

dann vorzunehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als angezeigt er-

scheinen (vgl. dazu CHRISTOPH AUER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], 

Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 

D-5872/2017 

Seite 14 

Zürich 2008, Rz. 15 zu Art. 12; BENJAMIN SCHINDLER, in Auer/Mül-

ler/Schindler [Hrsg.], a.a.O., Rz. 28 zu Art. 49). Der Grundsatz des rechtli-

chen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29 VwVG) beinhaltet sodann insbe-

sondere auch die Pflicht der Behörden, die Vorbringen des vom Entscheid 

in seiner Rechtsstellung Betroffenen sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und 

in der Entscheidfindung zu berücksichtigen (Art. 32 Abs. 1 VwVG). Daraus 

folgt die grundsätzliche Pflicht der Behörden, sich mit den wesentlichen 

Vorbringen des Rechtssuchenden zu befassen und Entscheide zu begrün-

den (Art. 35 Abs. 1 VwVG). Die Begründung eines Entscheides muss so 

abgefasst sein, dass der Betroffene ihn gegebenenfalls sachgerecht an-

fechten kann. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen 

genannt werden, die für den Entscheid bedeutsam sind (vgl. dazu bei-

spielsweise BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.). 

5.2 Die Rüge, das SEM habe den Sachverhalt in der Begründung des 

Asylentscheides ungenügend berücksichtigt und es seien die Hauptgründe 

des Asylgesuchs ausser Acht gelassen worden, geht fehl. Aus der ange-

fochtenen Verfügung geht hervor, dass das SEM im Rahmen seiner aus-

führlichen Erwägungen die wesentlichen Vorbringen des Beschwerdefüh-

rers gewürdigt hat. Auch eine sachgerechte Anfechtung war ohne weiteres 

möglich. Nicht ersichtlich ist, inwiefern die Hauptgründe des Asylgesuchs 

ausser Acht gelassen worden sein sollen. Soweit der Beschwerdeführer 

die Glaubhaftigkeitsprüfung betreffend zu einem anderen Schluss gelangt 

und geltend macht, die Argumentation und Begründung des SEM würden 

die konkrete Situation in Kabul und Afghanistan überhaupt nicht berück-

sichtigen, liegt darin keine Verletzung der Begründungspflicht. Vielmehr be-

trifft dies eine Frage der rechtlichen Würdigung des Sachverhaltes, auf wel-

che im Rahmen der materiellen Prüfung näher einzugehen ist. Dasselbe 

gilt für das Vorbringen, das SEM habe den Sachverhalt falsch festgehalten 

oder ausgelegt und eine Verknüpfung mit einem religiösen und einem po-

litischen Motiv sei klar festgestellt. 

5.3  

5.3.1 Zur Rüge, das SEM habe den Gesundheitszustand des Beschwer-

deführers zu wenig berücksichtigt und es wäre die Pflicht der Vorinstanz 

gewesen, den Beschwerdeführer zumindest über seinen gesamten Ge-

sundheitszustand zu befragen beziehungsweise diesen abzuklären und 

die kognitiven und emotionalen Beschwerden in der Entscheidungsfindung 

zu berücksichtigen, ist folgendes festzuhalten: 

D-5872/2017 

Seite 15 

5.3.2 Der Beschwerdeführer gab in der BzP auf die Frage nach bekannten 

gesundheitlichen Beeinträchtigungen an, er sei gesund (vgl. Akten SEM 

A5/15 S. 12 A8.02). Auch in der ersten Anhörung gab er auf die Frage, wie 

es ihm gehe, zur Antwort, es gehe ihm gut, er habe einfach ein bisschen 

schlecht geschlafen (vgl. Akten SEM A13/17 S. 2 A4). In jener Anhörung 

erzählte er von seinen früheren psychisch bedingten (…)problemen und 

der damaligen Behandlung in Indien. Auch berichtete er, dass er in der 

Schweiz mit einem Arzt gesprochen habe, der ihm für ein Jahr Medika-

mente verschrieben und gesagt habe, er solle sich keine Sorgen machen, 

es werde alles wieder gut werden (vgl. Akten SEM A13/17 S. 6 A47). In der 

ergänzenden Anhörung führte der Beschwerdeführer auf Befragen hin wie-

derum aus, es gehe ihm gut. Er habe manchmal (…)schmerzen und sei 

deswegen in Behandlung. Er nehme eine Tablette pro Tag. In Afghanistan 

habe er physische und psychische Probleme gehabt und diese (…)schmer-

zen bekommen (vgl. Akten SEM A23/17 S. 2 f. A4 ff.). Aus den Befragungs-

protokollen ergibt sich somit, dass das SEM davon ausgehen durfte, dass 

der Beschwerdeführer mit Ausnahme der sporadischen (…)schmerzen ge-

sund war. Die Frage nach seinem aktuellen psychischen Zustand hat sich 

aufgrund seiner Aussagen nicht aufgedrängt. Es ergeben sich aus den Pro-

tokollen sodann keinerlei Hinweise dafür, dass der psychische Zustand des 

Beschwerdeführers auffällig gewesen wäre. Im Gegenteil lässt sich den 

Aussagen des Beschwerdeführers entnehmen, dass er wach, konzentriert 

und artikuliert war. Erst auf Vorhalt von zeitlichen Widersprüchen gab er 

ganz zum Schluss der ergänzenden Anhörung zu Protokoll: „Ich bin seit 

zwei Jahren in der Schweiz und in diesen zwei Jahren hatte ich sehr viel 

Stress und um ehrlich zu sein, habe ich auch alles vergessen, wann was 

war. Ich mache mir sehr viele Gedanken um meine Familie und um meine 

Kinder“ (vgl. Akten SEM A23/17 S. 14 A141). Vom Beschwerdeführer, der 

auf Fragen nach Daten und Zeiträumen stets präzise Antworten machte, 

wäre jedoch zu erwarten gewesen, dass er allfällige Gedächtnisschwierig-

keiten von sich aus zu einem früheren Zeitpunkt vorbringt. Das Vorbingen, 

er habe vergessen, wann was stattgefunden habe, ist deshalb als Schutz-

behauptung zu qualifizieren. Schliesslich ist festzuhalten, dass sich auch 

die Hilfswerksvertretung zu keinen Bemerkungen veranlasst sah. 

5.3.3 Auch aus den im Beschwerdeverfahren eingereichten Unterlagen 

wird nicht ersichtlich, dass der Beschwerdeführer zur Zeit der Anhörungen 

kognitive Schwierigkeiten gehabt haben könnte. In der Beschwerde wird 

vorgebracht, es liege wahrscheinlich eine posttraumatische Belastungsstö-

rung vor, welche Diagnose sich in der Folge nicht bestätigte. Es wird auch 

nicht ausgeführt, welche Medikamente der Beschwerdeführer von seinem 

D-5872/2017 

Seite 16 

Arzt, Dr. med. Q._______, einem Internisten, verschrieben bekommen 

habe. Gemäss der mit der Replik eingereichten Entbindungserklärung lief 

am 26. Oktober 2017 ein Abklärungsverfahren bezüglich erwachsenen-

schutzrechtlicher Massnahmen. Dem Bericht der Psychiatrischen Dienste 

P._______ vom 7. Dezember 2017 ist sodann zu entnehmen, dass beim 

Beschwerdeführer eine mittelgradige depressive Episode F32.1 diagnosti-

ziert wurde. Aus dem Bericht ergeben sich jedoch keine Hinweise, wonach 

dieser Zustand bereits zum Zeitpunkt der Anhörungen im August 2016 und 

Juli 2017 bestanden hätte. 

5.3.4 Insgesamt ergeben sich aus den Anhörungen und den eingereichten 

Unterlagen somit keine Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer zum 

Zeitpunkt der Anhörungen psychisch beeinträchtigt gewesen wäre. Eine 

Verletzung der Abklärungs- und Begründungspflicht durch das SEM liegt 

demnach nicht vor.  

5.4 Sodann geht die Rüge, das SEM habe zu beweisen, dass die Doku-

mente angeblich gefälscht seien, fehl. Entsprechendes lässt sich auch dem 

in der Beschwerde zitierten BVGE 2011/37 nicht entnehmen. Die Vor-

instanz hat weiter begründet, weshalb es auf eine eingehende Prüfung der 

Dokumente verzichtet hat. Darüber hinaus legt sie dar, worauf ihre Zweifel 

an der Authentizität der Dokumente beruhen. Zwar sind die diesbezügli-

chen Ausführungen eher knapp ausgefallen; sie beschränken sich jedoch 

nicht nur auf Feststellungen zu fehlenden Sicherheitsmerkmalen und zur 

leichten käuflichen Erwerbbarkeit, sondern zeigen, dass eine genügende 

Auseinandersetzung mit den eingereichten Beweismitteln erfolgt ist. 

5.5 Nach dem Gesagten sind die in der Beschwerde erhobenen formellen 

Rügen als unbegründet zu erachten. Der Antrag auf Rückweisung der Sa-

che zur Neubeurteilung an die Vorinstanz ist demnach abzuweisen. 

6.  

6.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-

gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des 

Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der 

Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf 

eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesentliche Voraussetzung 

für die Glaubhaftmachung einer Verfolgung ist eine die eigenen Erlebnisse 

betreffende, substantiierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und kon-

krete Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheitsgemässe 

D-5872/2017 

Seite 17 

Schilderung einer tatsächlich erlittenen Verfolgung ist gekennzeichnet 

durch Korrektheit, Originalität, hinreichende Präzision und innere Überein-

stimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbeson-

dere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgescho-

benen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um 

eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des 

wesentlichen Sachverhaltes, Substantiiertheit und Plausibilität der Anga-

ben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuch-

steller sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die po-

sitiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es dem-

nach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in 

Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Um-

stände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). 

6.2 Die Vorinstanz hat die Vorbringen des Beschwerdeführers zu den Dro-

hungen durch die Taliban in der angefochtenen Verfügung mit ausführlicher 

und überzeugender Begründung als unglaubhaft qualifiziert. Diesbezüglich 

kann vorab auf die zutreffende Argumentation in der angefochtenen Verfü-

gung verwiesen werden. In Ergänzung und Präzisierung dazu ist Folgen-

des festzustellen:  

6.3 In der Beschwerde wird grundsätzlich zu Recht auf die prekäre Situa-

tion in Afghanistan und Kabul hingewiesen. Allerdings behauptet der Be-

schwerdeführer nicht, er respektive seine Brüder seien zufällige Ziele von 

Angriffen gewesen, sondern es wird vielmehr eine gezielte Bedrohung gel-

tend gemacht. In diesem Zusammenhang werden Personen aus den Pro-

vinzen H._______ und D._______ genannt, welche für die Drohungen, die 

Entführung des einen und die Ermordung des anderen Bruders verantwort-

lich seien. Der Beschwerdeführer vermochte allerdings nicht überzeugend 

darzulegen, weshalb er Grund zur Annahme hatte, er werde durch die ver-

dächtigten Personen bedroht. Vielmehr brachte er mehrfach zum Aus-

druck, dass er diese Leute lediglich der Täterschaft vermute. So antwortete 

er auf die Frage, ob er je Informationen erhalten habe zu Personen, die 

beim Verschwinden seines Bruders involviert gewesen seien: „Das weiss 

ich nicht. Nein, wir wissen nichts“ (vgl. Akten SEM S. 9 A13/17 A63, vgl. 

auch A23/17 S. 8 A70 ff.). Ähnlich äusserte er sich zur Frage, wer seinen 

anderen Bruder getötet habe: „So wie ich es denke oder wie meine ganze 

Familie glaubt, sind es die Personen, die uns bedroht haben. […] Wir ha-

ben ja sonst mit niemandem Probleme. […] Ich kann Ihnen nicht genau 

D-5872/2017 

Seite 18 

sagen, wer ihn getötet hat. Aber das sind unsere Landsleute aus der Pro-

vinz D._______. […]“ (vgl. Akten SEM S. 9 A13/17 S. A67 f.).  

6.4 Bekannt ist, dass in Kabul vermögende Leute der Gefahr von Erpres-

sung ausgesetzt sind. Dennoch wäre zu erwarten, dass ein Erpresser von 

Schutzgeldern zumindest eine konkrete Summe nennt. Zum Inhalt der Dro-

hungen vermochte der Beschwerdeführer jedoch nur äusserst rudimentär 

Auskunft zu geben. Ein Betrag sei nie erwähnt worden (vgl. Akten SEM 

A23/17 S. 10 A98, vgl. auch A13/17 S. 11 f. A82 und A95). Vom Beschwer-

deführer, der – entgegen der Behauptungen auf Beschwerdeebene – in der 

BzP und den Anhörungen zu keiner Zeit den Eindruck erweckte, er disso-

ziiere von seinen Emotionen, wäre zu erwarten gewesen, dass er zum 

Kernthema des Asylgesuches substantiierte Aussagen machen kann.  

6.5 In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass im eingereichten 

Drohschreiben vom (…) unter anderem die Weitergabe von Informationen 

gefordert wird. Im undatierten Drohschreiben ist die Rede von USD 50‘000, 

welche für Medikamente und Behandlung der Taliban gefordert würden. 

Diese Inhalte hat der Beschwerdeführer trotz entsprechender Aufforderung 

nicht erwähnt, was angesichts der Tragweite der Drohbriefe erstaunt. Im 

Gegenteil machte er geltend, es sei nie eine konkrete Summe gefordert 

worden (vgl. oben E. 6.4). Sodann wird im eingereichten Polizeirapport 

lediglich bestätigt, was im „Application Letter“ des Vaters in Bezug auf die 

Ermordung des Bruders und die Drohungen durch die Taliban aufgeführt 

wird. In Bezug auf die Ermordung des Bruders ist immerhin festzuhalten, 

dass auf der Rückseite der (…) Bezirk von Kabul als Tatort aufgeführt ist, 

was mit den Aussagen des Beschwerdeführers übereinstimmt, während 

auf der Vorderseite vom (…) Bezirk die Rede ist. Zusätzliche polizeiliche 

Informationen fehlen jedoch vollständig, sodass dem Dokument nicht 

entnommen werden kann, ob eine Anzeigeerstattung tatsächlich 

stattgefunden hat respektive ob es hier um die Bestätigung polizeilich 

bekannter Informationen handelt. Das Dokument kann damit – unabhängig 

von der Frage der Echtheit – nicht als Beleg der behaupteten Ereignisse 

dienen. Schliesslich kann dem Vorbringen des Beschwerdeführers, aus 

dem Umstand, dass er verschiedene Unterlagen seine Arbeitstätigkeit 

betreffend eingereicht habe, deren Echtheit vom SEM nicht in Frage 

gestellt worden sei, lasse sich die Echtheit der beiden Drohschreiben und 

des Polizeirapports ableiten, nicht gefolgt werden.  

D-5872/2017 

Seite 19 

6.6 Erhebliche Diskrepanzen zeigen sich – wie bereits vom SEM festge-

halten – auch in den chronologischen Darstellungen des Beschwerdefüh-

rers. In der BzP erklärte der Beschwerdeführer, er habe vor zwei Jahren 

einen ersten und vor vier bis fünf Monaten einen zweiten Drohbrief erhal-

ten. Die telefonischen Drohungen seien nach dem Tod des Bruders erfolgt. 

Dieser sei zwei Monate vor der Ausreise getötet worden. Einen Monat vor 

der Ausreise habe er mit der Arbeit aufgehört (vgl. Akten SEM A5/15 

Ziff. 2.01 und 7.02). In der ersten Anhörung gab er in Widerspruch dazu zu 

Protokoll, er sei zuerst telefonisch und erst dann schriftlich bedroht worden, 

wobei der zweite Drohbrief gekommen sei, als der Bruder getötet worden 

sei (vgl. Akten SEM A13/17 S. 8 A60). Eine gewisse Zeit nach dem Tod des 

Bruders habe er in seiner Firma einen schrecklichen Drohanruf erhalten. 

Er sei dann weder zur Arbeit noch sonst wohin gegangen, sei die ganze 

Zeit zu Hause geblieben und habe dann beschlossen zu fliehen (vgl. Akten 

SEM 13/17 S. 10 A76 ff.). In der ergänzenden Anhörung sprach der Be-

schwerdeführer von zwei oder drei schriftlichen Nachrichten. Auf die erste 

Kontaktaufnahme durch die Bedroher angesprochen, erklärte er, er habe – 

vor der Entführung seines Bruders – als erstes eine schriftliche Nachricht 

erhalten. Er habe den Brief gelesen und dann die Polizei informiert (vgl. 

Akten SEM A23/17 S. 8 f. A79 f. und A88). Wenige Fragen später revidierte 

er seine Aussage: „Zuerst passierte dieser Vorfall mit meinem Bruder in 

H._______, danach haben sie angefangen, uns mit schriftlichen Nachrich-

ten zu bedrohen. Und erst danach habe ich auch die Polizei informiert. Vor 

der Entführung haben sie uns auch bedroht und verlangten von uns Geld. 

[…]“ (vgl. Akten SEM A23/17 S. 9 A91). Sein Bruder sei fünf bis fünfeinhalb 

Monate vor seiner Ausreise getötet worden. Nach dessen Tod habe er alles 

gestoppt und nicht mehr arbeiten können. Der letzte Anruf sei zwei bis 

zweieinhalb Monate vor der Ausreise gekommen und der letzte Drohbrief 

etwa eineinhalb Monate vor der Ausreise (vgl. Akten SEM A23/17 S. 12 f. 

A118 ff. und 132). Diese Ungereimtheiten gehen über kleine Unstimmigkei-

ten hinaus und können auch nicht mit der zwischen den Anhörungen ver-

strichenen Zeit erklärt werden, zumal davon auszugehen ist, dass eine 

asylsuchende Person in der Lage ist, ihre Asylgründe in den wesentlichen 

Punkten mehrmals übereinstimmend zu schildern und den zeitlichen Ab-

lauf derselben dazulegen.  

6.7 Fragen wirft sodann der Umstand auf, dass der Beschwerdeführer an-

gab, seine Familie sei bereits vor seiner Ausreise aus Afghanistan bedroht 

worden. Seine Kinder seien in der Schule bedroht worden, weshalb die 

Kinder die Schule hätten aufgeben müssen und er seine ganze Familie ins 

Haus seines Schwiegervaters gebracht habe (vgl. Akten SEM A13/17 S. 13 

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Seite 20 

A98 f.). Auf die Frage, welche ganz konkreten Drohungen die Kinder be-

troffen hätten, antwortete der Beschwerdeführer: „[…] Sie [die Töchter] ha-

ben gemerkt, dass sie von irgendjemandem an Schuleingang oder beim 

Einkaufen beobachtet und kontrolliert werden. Sie hatten gemerkt, dass 

jemand abgewartet hatte, um sie zu kriegen“ (vgl. Akten SEM A13/17 S. 13 

A100). In der ergänzenden Anhörung führte er weiter aus: „Sie wurden von 

denjenigen bedroht, die mich bedrohten“ (vgl. Akten SEM A23/17 S. 3 

A22). Wäre die Familie tatsächlich in dieser Weise bedroht worden, wäre 

kaum nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer seine Frau und Kinder 

in Kabul zurückgelassen hat, zumal die finanziellen Mittel für eine gemein-

same Flucht vorhanden gewesen sein dürften.  

6.8 Die Vorinstanz hat nach dem Gesagten die Vorbringen des Beschwer-

deführers in Bezug auf die telefonischen und schriftlichen Drohungen 

durch die Taliban zu Recht als unglaubhaft beurteilt. Ob der Beschwerde-

führer aufgrund seiner Herkunft und beruflichen Tätigkeit zu einer Gruppe 

von Personen gehört, die aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten Ver-

folgungsrisiko ausgesetzt sind, kann vorliegend offenbleiben, zumal eine 

abstrakte Gefährdung allein die Flüchtlingseigenschaft nicht zu begründen 

vermag. Vielmehr ist dafür erforderlich, dass sich diese abstrakte Gefähr-

dung hinsichtlich des Beschwerdeführers individuell konkretisiert hat (vgl. 

Urteil des BVGer D-237/2017 vom 17. April 2018 E. 5.3). 

7.  

Ergänzend ist festzuhalten, dass die zeitlichen Ungereimtheiten hinsicht-

lich der Schicksale der Brüder entgegen der Ansicht der Vorinstanz zumin-

dest teilweise auf eine Verwechslung zurückzuführen sein dürften, zumal 

der Beschwerdeführer durchwegs aussagte, sein Bruder sei erst nach der 

Entführung des anderen Bruders getötet worden und letztlich in allen An-

hörungen am selben Entführungszeitpunkt festhielt (vgl. Akten SEM A5/15 

S. 10 Ziff. 7.02, A13/17 A58 und 70, A23/17 A66, 103, 138 und 140). Da die 

Ausführungen zur Entführung und Tötung über weite Strecken stringent 

sind und auch das wiederholte Weinen des Beschwerdeführers dafür 

spricht, dass er in der Heimat schwierige Situationen erlebt hat, erscheint 

trotz verbleibenden Zweifeln zumindest nicht ausgeschlossen, dass er 

zwei Brüder verloren hat. Aufgrund der Unglaubhaftigkeit der geltend ge-

machten Drohungen ist jedoch davon auszugehen, dass die Schicksale 

der Brüder mit der allgemein prekären Situation in Afghanistan zusammen-

hängen. Der Beschwerdeführer beschrieb die Umstände der Tötung des 

einen Bruders als (gemeinrechtlichen) Raubüberfall. Die Gründe der Ent-

D-5872/2017 

Seite 21 

führung respektive des Verschwindens seines Bruders bleiben gänzlich un-

klar. Aus diesen Ereignissen kann demnach nicht auf eine zukünftige asyl-

relevante Gefährdung geschlossen werden.  

8.  

Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer nicht glaubhaft 

zu machen vermag, dass er im Zeitpunkt des Verlassens des Heimatstaa-

tes eine asylrechtlich relevante Verfolgung erlitten oder eine entspre-

chende Verfolgungsfurcht gehabt habe. Es kann darauf verzichtet werden, 

auf die weiteren Vorbringen in der Beschwerde einzugehen, da sie an der 

Würdigung des vorliegenden Sachverhalts nichts zu ändern vermögen. 

Das SEM hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asyl-

gesuch des Beschwerdeführers abgelehnt. 

9.  

9.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

9.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

10.  

10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

10.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-

mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard 

wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-

weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2014/26 E. 7.7.4 und 2011/24 E. 10.2 

m.w.H.). 

10.3  

10.3.1 Der Vollzug der Wegweisung ist nach Art. 83 Abs. 3 AuG unzulässig, 

wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der 

Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen 

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Seite 22 

Drittstaat entgegenstehen. So darf keine Person in irgendeiner Form zur 

Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder 

ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder 

in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu 

werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. auch Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 

28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

10.3.2 Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich 

erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der 

in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegen-

den Verfahren keine Anwendung finden. Die Zulässigkeit des Vollzuges be-

urteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrechtli-

chen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 

10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 

EMRK). Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschen-

rechte (EGMR) müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr („real 

risk“) nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rück-

schiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde. 

10.3.3 Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den 

Akten ergeben sich konkrete Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer 

Ausschaffung nach Afghanistan dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 

einer nach Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK verbotenen 

Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Auch die allgemeine Menschen-

rechtssituation in Afghanistan lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen 

Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Der Vollzug der Wegweisung ist 

demnach sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim-

mungen zulässig. 

10.4  

10.4.1 Der Vollzug der Wegweisung kann nach Art. 83 Abs. 4 AuG unzu-

mutbar sein, wenn der Ausländer oder die Ausländerin im Heimat- oder 

Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemei-

ner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet ist. 

10.4.2 Bezüglich der allgemeinen Lage in Afghanistan hat das Bundesver-

waltungsgericht nach eingehender Lageanalyse in dem als Referenzurteil 

publizierten Entscheid D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017 festgestellt, seit 

dem letzten Länderurteil des Bundesverwaltungsgerichts im Jahr 2011 (vgl. 

D-5872/2017 

Seite 23 

BVGE 2011/7) ergebe sich eine deutliche Verschlechterung der Sicher-

heitslage über alle Regionen hinweg und es bestünden derart schwierige 

humanitäre Bedingungen in weiten Teilen Afghanistans, dass die Situation 

als existenzbedrohend im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren sei. 

Der Wegweisungsvollzug sei deshalb als unzumutbar zu beurteilen. Von 

dieser allgemeinen Feststellung könne im Falle der Hauptstadt Kabul ab-

gewichen werden, falls besonders begünstigende Faktoren gegeben 

seien. Würden solche besonders begünstigenden Faktoren vorliegen, was 

insbesondere bei alleinstehenden, gesunden Männern mit einem tragfähi-

gen Beziehungsnetz, einer Möglichkeit zur Sicherung des Existenzmini-

mums und einer gesicherten Wohnsituation der Fall sei, sei der Wegwei-

sungsvollzug als zumutbar zu qualifizieren (vgl. Urteil D-5800/2016 E. 8.4). 

10.4.3 Das SEM ist im Fall des Beschwerdeführers zu Recht von solchen 

begünstigenden Umständen ausgegangen. Der (…)-jährige Beschwerde-

führer stammt zwar aus der Provinz D._______, lebte und arbeitete jedoch 

viele Jahre in Kabul und hatte dort auch seinen letzten Wohnsitz. Seine 

Frau, Kinder, Eltern und Geschwister leben nach wie vor in Kabul. Nach-

dem dem Beschwerdeführer nicht geglaubt werden kann, dass er durch die 

Taliban bedroht wurde, erscheint auch nicht glaubhaft, dass sich die Fami-

lie versteckt halten muss. Der Beschwerdeführer entstammt einer wohlha-

benden Familie, welche Läden und Appartements besitzt und vermietet. 

Sein Bruder arbeitet – unter (…) – bei der (…) und erzielt ein regelmässiges 

Einkommen. Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass er über ein aus-

serfamiliäres Beziehungsnetz verfügt, zumal er in Kabul während Jahren 

im (…) und im (…) arbeitete. Damit verfügt er über eine gesicherte Wohn-

situation und ein Beziehungsnetz, welches als tragfähig und finanziell ab-

gesichert zu betrachten ist und ihm den Wiedereinstieg ins afghanische 

Leben erleichtert. Sodann werden ihm seine vielseitigen beruflichen Erfah-

rungen die Aufnahme einer Arbeit und damit die wirtschaftliche Wiederein-

gliederung ermöglichen. Mit Hilfe des gesamten sozialen Umfelds, dank 

finanzieller Absicherung und infolge Berufserfahrung wird er sich wieder 

eine eigene wirtschaftliche Existenz schaffen können.  

10.4.4 Das öffentliche Gesundheitssystem in Afghanistan respektive in Ka-

bul weist bezüglich Kapazität und Infrastruktur gewisse Mängel auf. Jedoch 

besteht in Kabul gemäss der Auskunft der SFH-Länderanalyse zu „Afgha-

nistan: Psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung“ vom 5. April 

2017 die Möglichkeit, sich an zwei staatlichen Spitälern in Kabul psychiat-

risch behandeln zu lassen. Überdies ist davon auszugehen, dass die finan-

D-5872/2017 

Seite 24 

ziellen Mittel für eine Behandlung in einer von mehreren privaten Einrich-

tung vorhanden wären, zumal der Beschwerdeführer bereits in der Vergan-

genheit für psychiatrische/medizinische Behandlungen nach Indien gereist 

ist. Sodann geht aus dem ärztlichen Bericht vom 7. Dezember 2017 hervor, 

dass die depressive Symptomatik des Beschwerdeführers „sehr wahr-

scheinlich auf die psychosoziale Belastung mit Migrationshintergrund 

(räumliche Trennung der Familie, gegebenenfalls Bedrohung der Sicher-

heit der Familie) zurückzuführen“ ist. Es erscheint somit wahrscheinlich, 

dass eine Wiedervereinigung mit der Familie positive Auswirkungen auf 

seine psychische Gesundheit haben wird. Zudem kann den Bedürfnissen 

des Beschwerdeführers durch die medizinische Rückkehrhilfe Rechnung 

getragen werden (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG i.V.m. Art. 75 der Asylver-

ordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR142.312]). Falls die Therapie 

noch andauert, kann er sich schliesslich in Zusammenarbeit mit seinem 

Therapeuten/seiner Therapeutin gezielt auf eine Rückkehr vorbereiten. 

Was die in Afghanistan verbreitete Stigmatisierung psychischer Leiden an-

belangt, so hat die Familie des Beschwerdeführers diesen bereits in der 

Vergangenheit während seiner mehrjährigen Krankheitsphase unterstützt 

und er war in der Lage, nach seiner Rückkehr aus Indien ein erfolgreiches 

Unternehmen aufzubauen. Es ist demnach nicht davon auszugehen, dass 

eine Rückkehr nach Afghanistan respektive Kabul zu einer raschen und 

lebensgefährdenden Beeinträchtigung seines Gesundheitszustandes füh-

ren wird. 

10.4.5 Insgesamt liegen somit im Fall des Beschwerdeführers besonders 

begünstigende Umstände im Sinne der aktuellen Rechtsprechung vor, und 

es ist nicht anzunehmen, dass er bei einer Rückkehr nach Kabul in eine 

existenzielle Notlage geraten wird. Der Vollzug der Wegweisung erweist 

sich somit nicht als unzumutbar.  

10.5 Nach Art. 83 Abs. 2 AuG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeich-

nen, weil es dem Beschwerdeführer obliegt, bei der zuständigen Vertretung 

seines Heimatstaats die für seine Rückkehr notwendigen Reisedokumente 

zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12). 

10.6 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz den Wegwei-

sungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat. 

Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht 

(Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 

  

D-5872/2017 

Seite 25 

11.  

Aus diesen Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung Bundes-

recht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie voll-

ständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich über-

prüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

12.  

12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das mit der Be-

schwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-

pflege und Rechtsverbeiständung wurde jedoch mit Instruktionsverfügung 

vom 25. Oktober 2017 gutgeheissen. Da aufgrund der Akten nicht davon 

auszugehen ist, die finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers hät-

ten sich seither in relevanter Weise verändert, ist dieser nach wie vor als 

bedürftig zu erachten. Es sind daher keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

12.2 Der amtlichen Rechtsbeiständin ist ein Honorar auszurichten (vgl. für 

die Grundsätze der Bemessung der Parteientschädigung Art. 7 ff. des Reg-

lements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-

tungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE]). Bei amtlicher Vertretung geht 

das Gericht in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 200.− bis 

Fr. 220.− für Anwältinnen und Anwälte und von Fr. 100.− bis Fr. 150.− für 

nicht-anwaltliche Vertreterinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 

Abs. 2 VGKE), wobei nur der notwendige Aufwand zu entschädigen ist (vgl. 

Art. 8 Abs. 2 VGKE). Die Rechtsvertreterin hat in ihren Honorarnoten vom 

16. Oktober 2017 und 12. Oktober 2017 [recte: 12. Dezember 2017] ein 

Honorar von total Fr. 1984.− (inkl. Auslagen von Fr. 34.−) eingesetzt. Der 

ausgewiesene zeitliche Aufwand von 9.75 Stunden bis und mit Eingabe 

vom 12. Dezember 2017 erscheint angemessen. Für die Eingabe vom 

18. Dezember 2017 ist ein geschätzter Aufwand von einer Stunde zu ver-

anschlagen, was einen Gesamtaufwand von 10.75 Stunden ergibt. Hinge-

gen ist der Stundenansatz von Fr. 200.− auf Fr. 150.− für nicht-anwaltliche 

Vertreterinnen und Vertreter zu kürzen. Die Rechtsbeiständin ist folglich 

durch das Bundesverwaltungsgericht mit Fr. 1646.50 (inklusive Auslagen) 

zu entschädigen. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-5872/2017 

Seite 26 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Der amtlichen Rechtsbeiständin, MLaw/B.Ed. Céline Benz-Desrochers, 

wird vom Bundesverwaltungsgericht ein Honorar in der Höhe von 

Fr. 1646.50 zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

Walter Lang Barbara Gysel Nüesch 

 

 

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