# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 68bcb9e0-8dec-54ef-8baa-8962147d4c35
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-05-02
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 02.05.2024 D-6150/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6150-2023_2024-05-02.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-6150/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 .  M a i  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richter Thomas Segessenmann (Vorsitz), 

Richterin Barbara Balmelli,  

Richter Daniele Cattaneo,    

Gerichtsschreiber Daniel Widmer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am, 

Albanien,   

vertreten durch MLaw Sonja Comte, Rechtsanwältin,  

(…),  

Beschwerdeführerin,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 10. Oktober 2023 / N (…). 

 

 

 

D-6150/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die Beschwerdeführerin suchte am 5. Mai 2022 in der Schweiz um 

Asyl nach, ebenso ihr Vater, B._______ (N […]), ihre Mutter, C._______ 

(N […]), ihre Geschwister D._______ (N […]) und E._______ (N […]) so-

wie ihre Grossmutter, F._______ (N […]). Am 10. Mai 2022 fand die Perso-

nalienaufnahme (PA) statt. Am 2. Juni 2022 wurde sie zu den Asylgründen 

angehört. Am 27. Juni 2022 wurde sie in das erweiterte Verfahren zugeteilt. 

A.b Sie brachte im Wesentlichen vor, sie sei albanische Staatsangehörige, 

in G._______ wohnhaft gewesen und habe (…) in G._______ studiert. Ihr 

Vater sei im (…)handel tätig gewesen und habe im Jahr 2019 einen Vertrag 

mit einer H._______ Firma abgeschlossen. Die erste Lieferung aus 

H._______ sei an der albanischen Grenze mehrere Tage grundlos zurück-

behalten worden. Einige Tage nach der Zollfreigabe habe die Familie ein 

anonymes Drohschreiben vorgefunden. Darin sei dem Vater vorgeworfen 

worden, mit dem (…)handel einen Fehler begangen zu haben. Einige Tage 

später habe er einen Drohanruf erhalten, bei dem ihm dasselbe vorgewor-

fen worden sei. In der Folge habe er unzählige Morddrohungen auf der 

Strasse erhalten und sei von Fahrzeugen aus beobachtet worden. Er sei 

wiederholt aufgefordert worden, das Geschäft mit (…) einzustellen. Aus 

Angst habe er den Vertrag mit H._______ Firma nicht verlängert. Auch ihr 

älterer Bruder sei drei Mal von Männern auf der Strasse bedroht und auch 

einmal geschlagen worden. Ihr jüngerer Bruder sei von diesen Männern 

angegriffen worden. Einmal sei sie ihnen selbst begegnet. Sie sei aufge-

fordert worden, ihrem Vater einen Gruss auszurichten. Bei einer zweiten 

Begegnung hätten sie versucht, sie in ein Auto zu zerren. Da sie in Beglei-

tung von mehreren Personen gewesen sei, sei es den Männern misslun-

gen, sie zu entführen. Nach jeder Drohung habe ihr Vater die Polizei kon-

taktiert. Diese habe aber nichts unternommen. Auch als er Anzeige erstat-

tet habe, sei die Polizei untätig geblieben. Der Polizist habe den vom Vater 

geschilderten Sachverhalt nicht vollständig in die Anzeige aufgenommen. 

Nach Erstattung der Anzeige hätten zwei Polizisten dem Vater geraten, das 

Land zu verlassen. Dies sei ein Zeichen, dass die Männer ein enges Ver-

hältnis zu den albanischen Behörden oder Politikern hätten. Die Männer 

hätten von der Anzeige erfahren und gedroht, die gesamte Familie umzu-

bringen, falls die Anzeige nicht zurückgezogen werde. Ihre Familie habe 

vermutet, dass die Männer etwas mit (…)lieferung aus H._______ zu tun 

gehabt hätten. Als (…) sei ihr bekannt, dass kriminelle Organisationen eng 

mit den albanischen Behörden zusammenarbeiten und diesen Geld 

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bezahlen würden. Ihre Familie habe beschlossen, das Land zu verlassen 

und versucht, Flugtickets für die gesamte Familie zu kaufen, aber nur drei 

Tickets erhalten. Deshalb hätten sich ihr Vater und ihre Brüder entschlos-

sen, Albanien auf dem Landweg zu verlassen. Die weiblichen Familienmit-

glieder hätten sich für die Ausreise absichtlich von den männlichen ge-

trennt, da sich in Albanien viele Menschen nach dem Kanun richten wür-

den. Am 3. Mai 2022 hätten ihr Vater und ihre Brüder Albanien verlassen 

und seien in die Schweiz gereist. Am 4. Mai 2022 seien drei maskierte 

Männer in das Haus der Familie in G._______ eingedrungen. Zwei von 

ihnen hätten versucht, sie zu vergewaltigen. Es sei ihr jedoch gelungen, 

sich loszureissen und aus dem Haus zu flüchten. Nachdem die Männer 

gegangen seien, habe sie ihre Mutter bewusstlos und verletzt im Haus auf-

gefunden. Noch am selben Abend sei sie zusammen mit ihr und ihrer 

Grossmutter auf dem Luftweg in die Schweiz gereist. Bei einer Rückkehr 

nach Albanien befürchte sie, dass die Todesdrohungen wahrgemacht wer-

den könnten. 

A.c Im Verlauf des erstinstanzlichen Verfahrens reichte die Beschwerde-

führerin mehrere medizinische Unterlagen zu den Akten, darunter insbe-

sondere einen Abschlussbericht Psychotherapie der (…) vom 18. Novem-

ber 2022 (Diagnose: Posttraumatische Belastungsstörung [PTBS]). 

B.  

Mit Verfügung vom 10. Oktober 2023 verneinte das SEM die Flüchtlingsei-

genschaft der Beschwerdeführerin, wies ihr Asylgesuch ab und ordnete die 

Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.  

Mit separaten Verfügungen vom selben Datum verneinte das SEM auch 

die Flüchtlingseigenschaft der Eltern und Geschwister sowie der Gross-

mutter der Beschwerdeführerin, wies deren Asylgesuche ab und ordnete 

die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. 

C.  

Die Beschwerdeführerin und ihre vorerwähnten Familienmitglieder erho-

ben mit jeweils separaten Eingaben vom 9. November 2023 an das Bun-

desverwaltungsgericht Beschwerde gegen die vorinstanzlichen Verfügun-

gen. Sie beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Fest-

stellung der Flüchtlingseigenschaft und Gewährung von Asyl, eventualiter 

die Feststellung der Unzulässigkeit respektive Unzumutbarkeit des Voll-

zugs der Wegweisung und die Gewährung der vorläufigen Aufnahme so-

wie subeventualiter die Rückweisung der Sache zur vollständigen 

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Feststellung des Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz. 

In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Koordinierung des Be-

schwerdeverfahrens mit denjenigen ihrer fünf Familienmitglieder. Zudem 

ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für das vo-

rinstanzliche Verfahren und das Beschwerdeverfahren, Verzicht auf die Er-

hebung eines Kostenvorschusses und um Beiordnung der rubrizierten 

Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin.  

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 16. November 2023 wies der Instruktionsrich-

ter die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung für 

das Beschwerdeverfahren und um Beiordnung einer amtlichen Rechtsbei-

ständin ab und forderte die Beschwerdeführerin auf, bis zum 1. Dezember 

2023 einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 750.– zu leisten. Zudem 

wurde ihr mitgeteilt, dass das Verfahren mit denjenigen ihrer fünf Familien-

mitglieder koordiniert und durch den gleichen Spruchkörper behandelt 

werde. Der Kostenvorschuss wurde am 23. November 2023 bezahlt.  

E.  

In seiner Vernehmlassung vom 28. November 2023 hielt das SEM an sei-

nem Standpunkt fest.  

F.  

Nach gewährter Fristerstreckung nahm die Beschwerdeführerin mit Replik 

vom 11. Januar 2024 zur Vernehmlassung des SEM Stellung. Der Replik 

lagen eine Kopie einer Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft des 

Gerichtskreises G._______ vom 7. Mai 2022 betreffend ihren Vater samt 

Übersetzung und ein Aufnahmebericht der (…) vom 20. März 2023 bei. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von 

Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-

ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet 

auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

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1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-

schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie 

ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist nach der fristgerechten Leistung des Kostenvorschusses – 

unter Vorbehalt der nachfolgenden Erwägung – einzutreten. 

1.3 Soweit die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für das vor-

instanzliche Verfahren beantragt wird, ist darauf mangels Vorliegens eines 

Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten, zumal der Beschwerdeführerin 

im besagten Verfahren keine Verfahrenskosten auferlegt wurden. 

1.4 Das Bundesverwaltungsgericht koordiniert das vorliegende Verfahren 

mit den gleichzeitig vom Bundesverwaltungsgericht beurteilten Beschwer-

den der vorerwähnten Familienmitglieder der Beschwerdeführerin (vgl. 

Sachverhalt Bstn. C. und D.). Die Akten aller sechs Asylverfahren werden 

jeweils auch für das konnexe Verfahren berücksichtigt. Zudem werden alle 

sechs Fälle durch denselben Spruchkörper beurteilt und gleichzeitig ent-

schieden.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Vorab ist festzustellen, dass aufgrund der Aktenlage keine Veranlassung 

besteht, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben. 

Die Beschwerdeführerin beantragt zwar die Rückweisung der Sache zur 

vollständigen Feststellung des Sachverhalts, begründet indessen diese 

formelle Rüge nicht. Der Subeventualantrag auf Rückweisung der Sache 

an das SEM ist daher abzuweisen. 

4.  

Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz-

lich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, 

in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zu-

gehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politi-

schen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder 

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begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Grün-

den ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung im Wesentlichen aus, bei Alba-

nien handle es sich um verfolgungssicheren Staat. Aus den Akten seien 

keine Hinweise ersichtlich, die geeignet wären, die diesbezügliche gesetz-

liche Regelvermutung umzustossen, wonach asylrelevante Verfolgung 

nicht stattfinde und Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung gewährleistet 

sei. Die Vorbringen hielten den Anforderungen an die Flüchtlingseigen-

schaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. 

Der Vater der Beschwerdeführerin habe anlässlich der Anhörungen geltend 

gemacht, die Verfolgung, welche ihre Familie in Albanien erlitten habe, sei 

aus politischen Gründen erfolgt. Aus seinen Angaben liessen sich jedoch 

keine Hinweise entnehmen, wonach diese politisch motiviert gewesen 

wäre. Die Beschwerdeführerin selbst habe auch lediglich angegeben zu 

wissen, dass kriminelle Organisationen eng mit den albanischen Behörden 

zusammenarbeiten und diesen Geld bezahlen würden. Ihre Aussagen, die 

Verfolger hätten Beziehungen zu den albanischen Behörden oder Politi-

kern, beruhten auf reinen Mutmassungen ihrerseits, da sie erklärt habe, bei 

den Verfolgern habe es sich um unbekannte Personen gehandelt. Auf-

grund der Akten lägen somit keinerlei Hinweise vor, dass sie und ihre Fa-

milie in Albanien aus politischen Gründen verfolgt worden seien. Bei den 

geltend gemachten Verfolgungsgründen handle es sich demnach um kri-

minelle Machenschaften von Personen, die aus rein finanziellen Motiven 

heraus handeln würden, und somit nicht um Verfolgungsgründe und Nach-

teile im Sinne von Art. 3 AsylG. Deshalb seien die Vorbringen flüchtlings-

rechtlich nicht relevant. 

Soweit sie vorgebracht habe, die männlichen Familienmitglieder seien ab-

sichtlich getrennt von den weiblichen ausgereist, und sich dabei auf den 

Kanun bezogen habe, könne ihrer Argumentation nicht gefolgt werden. 

Dieses Gewohnheitsrecht stehe in keinem Zusammenhang mit ihren Vor-

bringen. Der Kanun betreffe eine bis heute vor allem im Norden Albaniens 

verbreitete Praxis der Blutrache. Sie habe aber nie erwähnt, dass es bei 

der geltend gemachten Verfolgung um Blutrache gehen könnte. Abgese-

hen davon müsste es vorgängig eine Bluttat gegeben haben, um überhaupt 

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Opfer einer Blutrache zu werden. Eine solche Bluttat habe sie aber eben-

falls nicht geltend gemacht. Deshalb sei nicht davon auszugehen, dass ihr 

Vater oder ihre Brüder bei einer Rückkehr nach Albanien Opfer eines Blut-

racheaktes werden könnten.  

Aus den Vorbringen im Zusammenhang mit ihrem Vater, namentlich be-

züglich der geltend gemachten Untätigkeit der Polizei und deren Verhal-

tens bei der Erstattung der Anzeige, könne nicht geschlossen werden, dass 

der albanische Staat grundsätzlich nicht schutzfähig oder schutzwillig sei. 

Die vage Aussage der Beschwerdeführerin, ihre Familie vermute, die Ver-

folger hätten einflussreiche Beziehungen zu den albanischen Behörden 

oder Politikern gehabt, vermöge den Schutzwillen der albanischen Behör-

den nicht in Frage zu stellen. Gestützt auf ihre Angaben seien keine Hin-

weise vorhanden, dass es sich bei der Täterschaft um einflussreiche Per-

sonen handle, aufgrund derer ihr der albanische Staat nicht helfen würde. 

Es lägen somit auch keine Hinweise vor, dass die Behörden in Albanien 

nicht willens und in der Lage gewesen wären, ihr und der Familie Schutz 

vor Übergriffen durch diese unbekannten Personen zu gewähren. Es wäre 

ihr daher auch möglich und zumutbar gewesen, sich wegen des geltend 

gemachten Entführungsversuchs an die albanischen Behörden zu wenden 

und diese um Abklärungen respektive um Schutz zu ersuchen. Auch ihr 

Vater habe die ihm zur Verfügung stehenden rechtsstaatlichen Mittel in Al-

banien nicht ausgeschöpft. Es wäre jedoch auch ihm möglich und zumut-

bar gewesen, alle Schutzmöglichkeiten im eigenen Land auszuschöpfen 

und sich an eine höhere Instanz zu wenden. Sodann gebe es keinen Grund 

anzunehmen, sie könnten nach ihrer Rückkehr in ihren Heimatstaat den 

Schutz der albanischen Behörden nicht in Anspruch nehmen. Ferner sei 

von einem Staat nicht eine faktische Garantie für einen langfristigen indivi-

duellen Schutz der von nichtstaatlicher Verfolgung bedrohten Personen zu 

verlangen, weil es keinem Staat gelingen könne, die absolute Sicherheit 

seiner Bürgerinnen und Bürger jederzeit und überall zu garantieren. Auch 

deshalb seien ihre Vorbringen flüchtlingsrechtlich nicht relevant.  

Schliesslich würden sich aus den Akten und Aussagen der anderen Fami-

lienmitglieder ebenfalls keine Hinweise auf eine flüchtlingsrechtliche Ver-

folgung ergeben. 

5.2 In der Beschwerdeschrift hielt die Beschwerdeführerin unter Wiederho-

lung ihrer bisherigen Vorbringen an deren Asylrelevanz fest. Mit der ver-

suchten Vergewaltigung vom 4. Mai 2022 – wobei im Nachhinein davon 

ausgegangen werde müsse, dass selbst die versuchte Entführung bei 

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Gelingen mit sexueller Gewalt verbunden gewesen wäre – liege eine ge-

schlechtsspezifische Verfolgung vor, wobei das Verfolgungsmotiv in der 

Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe bestehe, hier des weiblichen 

Geschlechts. Der massive Übergriff in den eigenen vier Wänden, und ins-

besondere das Miterleben der brutalen Vergewaltigung ihrer Mutter durch 

mehrere Unbekannte, stellten zweifelsohne einen ernsthaften Nachteil 

massivster Intensität dar. Es handle sich um geschlechtsspezifische Ge-

walt, also eine Gewaltform, die einzig auf dem Geschlecht der Beschwer-

deführerin beruhe, und zum Ziel haben sollte, sie und ihre Familie zu zer-

mürben. Hinzu kämen der vorausgegangene Entführungsversuch durch 

Unbekannte, der ab dem Jahr 2019 andauernde, von der Verfolgung der 

verschiedenen Familienmitglieder ausgehende Druck sowie der offensicht-

lich fehlende Schutzwille und wohl auch die fehlende Schutzfähigkeit der 

Behörden. Dies habe sich insbesondere beim Entführungsversuch gezeigt, 

bei dem sie die Polizei benachrichtigt und auf diese gewartet habe, ohne 

dass diese aufgetaucht sei und entsprechende Ermittlungen aufgenom-

men habe. Auch bei den weiteren, andere Familienmitglieder betreffenden 

Vorfällen, sei die Polizei mehrfach avisiert worden. Diese sei mithin in 

Kenntnis der Bedrohungslage gewesen, aber in der Vergangenheit nie ak-

tiv geworden. Der Übergriff im Haus der Beschwerdeführerin sei überdies 

wenige Tage, nachdem ihr Ehemann (recte wohl: ihr Vater) persönlich bei 

der Polizei um Verfolgung der Vortaten ersucht habe, erfolgt. Auch dort sei 

die Polizei nicht aktiv geworden. Damit fehle es offensichtlich am Schutz-

willen und eventuell auch an der Schutzfähigkeit der Polizei. Diesbezüglich 

wird auf verschiedene Quellen hingewiesen, wonach im Zusammenhang 

mit einflussreichen, mit der Politik verbandelten (kriminellen) Organisatio-

nen diverse Einschränkungen bestünden. Zudem sei Korruption bei der al-

banischen Polizei weit verbreitet und führe oft zu deren Untätigkeit. Bei ei-

ner Rückkehr nach Albanien liefe sie erneut Gefahr, psychischer und phy-

sischer Gewalt ausgesetzt zu werden, wobei auch geschlechtsspezifische 

Gewalt nicht ausgeschlossen werden könne. Des Weiteren müsste mit ei-

ner massiven Verschlechterung ihres gesundheitlichen Zustands gerech-

net werden, da sich die psychischen Leiden am Ort des Geschehens und 

bei Wiederauftreten der Bedrohungslage extrem aggravieren dürften.  

5.3 In ihrer Vernehmlassung hielt die Vorinstanz an ihrem Standpunkt fest. 

Entgegen den Ausführungen in der Beschwerde handle es sich beim gel-

tend gemachten Vergewaltigungsversuch nicht um eine Verfolgung im 

Sinne von Art. 3 AsylG. Dazu verwies das SEM auf seinen Entscheid. 

Selbst in der Beschwerdeschrift betreffend die Familie der Beschwerdefüh-

rerin werde festgehalten, dass die Verfolgung in erster Linie auf ein Motiv 

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finanzieller Natur zurückzuführen sei. Übergriffe durch Dritte – wie vorlie-

gend – seien nur dann flüchtlingsrechtlich relevant, wenn der Staat nicht 

schutzwillig oder schutzfähig sei. Diesbezüglich verwies das SEM erneut 

auf seinen Entscheid, wonach es für die Beschwerdeführerin möglich und 

zumutbar sei, alle Schutzmöglichkeiten im eigenen Land auszuschöpfen 

und sich an eine höhere Instanz als die Polizei zu wenden. Zudem wäre es 

ihr möglich, sich mit einer innerstaatlichen Wohnsitzalternative weiteren 

möglichen lokalen Behelligungen zu entziehen. 

5.4 In der Replik entgegnete die Beschwerdeführerin, der Argumentation 

der Vorinstanz, wonach der Vergewaltigungsversuch keine geschlechts-

spezifische Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG darstelle, sondern in ers-

ter Linie auf ein Motiv finanzieller Natur zurückzuführen sei, könne nicht 

gefolgt werden. Entgegen der Annahme der Vorinstanz setze die ge-

schlechtsspezifische Verfolgung nicht noch eine Verfolgung gemäss einem 

anderen flüchtlingsrechtlichen Motiv voraus. Die Tatsache allein, dass sich 

eine Verfolgung in geschlechtsspezifischer Art und Weise manifestiere, 

sich also spezifisch gegen eine Frau oder eine weiblich gelesene Person 

richte und damit in der Zugehörigkeit der betroffenen Person zu einer be-

stimmten sozialen Gruppe begründet sei, stelle ein flüchtlingsrechtliches 

Verfolgungsmotiv dar. Dies gelte unabhängig von der Frage, ob die Täter 

mit dem sexuellen Übergriff schlussendlich ein finanzielles Motiv verfolgen 

würden oder nicht. Im Übrigen bleibe nicht nachvollziehbar, wie angenom-

men werden könne, dass einer (versuchten) Vergewaltigung ein finanziel-

les Motiv zugrunde liege.  

Dem Einwand der Vorinstanz, dass mangels flüchtlingsrechtlichen Motivs 

keine dem Asylrecht entsprechende Intensität vorliegen könne, könne nicht 

gefolgt werden. Des Weiteren hätte das Beschreiten des Beschwerdewegs 

ein – vermutlich jahrelanges – Verfahren nach sich gezogen, wobei die Fa-

milie den Übergriffen weiterhin schutzlos ausgesetzt gewesen wäre. Vor 

diesem Hintergrund stelle das Ausschöpfen aller Schutzmöglichkeiten im 

Herkunftsland keine zumutbare Alternative dar.  

Es sei aktenkundig, dass der Vater der Beschwerdeführerin am 29. April 

2022 bei der Polizei im Gerichtskreis G._______ eine Anzeige eingereicht 

habe. Diese habe er in seinem Asylverfahren zu den Akten gereicht und er 

habe in der Anhörung ausgeführt, dass seine Aussagen nicht vollständig in 

die Anzeige aufgenommen worden seien, insbesondere, dass er beim 

Übergriff am Flussufer mit einer Waffe bedroht worden sei. Gemäss der 

gleichzeitig zu den Akten gereichten Einstellungsverfügung der Staats-

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anwaltschaft vom 7. Mai 2022 bezüglich der Anzeige durch den Vater liege 

weder eine Einschüchterung im Sinne von Art. 84 des albanischen Straf-

gesetzbuches noch eine andere Straftat vor, weil aufgrund der Drohung 

nicht davon ausgegangen werden könne, dass das Leben oder die Ge-

sundheit des Geschädigten ernsthaft in Gefahr seien. Indes sei das von 

der Polizei bewusst weggelassene Element – die vorgehaltene Waffe – 

elementar für den Tatbestand der Einschüchterung. Dies hinterlasse den 

Eindruck, dass die konstitutiven Elemente absichtlich unerwähnt geblieben 

seien, damit es an der Tatbestandsmässigkeit fehle. Weiter falle auf, dass 

von der Staatsanwaltschaft weitere einschlägige Bestimmungen des alba-

nischen Strafgesetzbuches nicht geprüft worden seien. Im Übrigen ver-

möge die Begründung der Staatsanwaltschaft in keiner Weise zu überzeu-

gen. Ihr Schluss, die Drohung sei nicht ernsthaft, lasse unberücksichtigt, 

dass die Beschwerdeführerin und ihre Familie unzählige Bedrohungen 

über sich hätten ergehen lassen müssen, die sich immer weiter intensiviert 

hätten. Vor diesem Hintergrund vermöge die Annahme der Staatsanwalt-

schaft, die Drohung sei nicht ernsthaft genug beziehungsweise würde nicht 

ausgeführt, nicht zu überzeugen. Die sowohl ungenaue und verfälschende 

Entgegennahme respektive Redaktion der Strafanzeige sowie auch die 

scheinbar äusserst oberflächliche Prüfung der Anzeige durch die Staats-

anwaltschaft zeigten, dass es den Strafverfolgungsbehörden im vorliegen-

den Fall am Schutzwillen fehlen würde beziehungsweise gefehlt habe. 

Die Beschwerdeführerin leide aufgrund der Erlebnisse in Albanien an einer 

PTBS und ihr sei überdies eine (…) Phobie diagnostiziert worden. Diesbe-

züglich werde sie seit März 2023 von (…) behandelt. Die Behandlung er-

folge mit dem Ziel einer psychischen Stabilisierung. 

6.  

6.1 Bei Albanien handelt es sich um einen verfolgungssicheren Staat im 

Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG (vgl. dazu Anhang 2 der Asylverord-

nung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). Die Bezeichnung ei-

nes Landes als sogenanntes «Safe Country» beinhaltet die Regelver-

mutung, dass eine flüchtlingsrechtlich bedeutsame staatliche Verfolgung 

nicht stattfindet und der behördliche Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung 

gewährleistet ist. Es handelt sich dabei um eine relative Verfolgungssicher-

heit, weshalb diese Regelvermutung im Einzelfall aufgrund konkreter und 

substanziierter Hinweise umgestossen werden kann (vgl. etwa Urteil des 

BVGer E-4982/2020 vom 15. Januar 2021 E. 5). 

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Seite 11 

6.2 Die Beschwerdeführerin vermag mit ihren Vorbringen die vorgenannte 

Regelvermutung nicht umzustossen. Soweit sie daran festhält, mit dem 

Vergewaltigungsversuch liege eine geschlechtsspezifische Verfolgung vor, 

wobei das (flüchtlingsrechtlich relevante) Verfolgungsmotiv in der Zugehö-

rigkeit zu einer bestimmten Gruppe bestehe, nämlich derjenigen des weib-

lichen Geschlechts, ist dazu vorweg Folgendes festzuhalten: Die Be-

schwerdeführerin gab anlässlich ihrer Anhörung an, die ins Haus einge-

drungenen Männer hätten versucht, sie sexuell zu missbrauchen und zu 

vergewaltigen; von diesem Ereignis habe sie viele blaue Flecken und Krat-

zer am Körper gehabt, als die Männer versucht hätten, sie mit Gewalt zu 

zerren; dies sei innerhalb von wenigen Sekunden passiert; sie könne sich 

nicht erklären, wie es ihr gelungen sei, den Peinigern zu entkommen (vgl. 

SEM-act. 1164129- 14/12 F30 und F40). Selbst wenn von einem Vergewal-

tigungsversuch ausgegangen würde, vermöchte die Beschwerdeführerin 

daraus und aus dem geltend gemachten Miterleben der Vergewaltigung 

ihrer Mutter nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Die Zufügung körperlicher 

und sexueller Gewalt durch Dritte entfaltet nur dann asylrechtliche Rele-

vanz, wenn der betroffenen Person im Heimatstaat adäquater Schutz, ins-

besondere wegen ihres Geschlechts, verweigert wird (vgl. BVGE 2011/51 

E. 7.1 ff. m.w.H.; Urteil des BVGer D-5356/2020 vom 28. November 2022 

m.w.H.). Nachteilen, die Frauen zugefügt werden oder zugefügt zu werden 

drohen, liegt dann ein flüchtlingsrechtlich relevantes Motiv zugrunde, wenn 

diese in diskriminierender Weise an das Merkmal des weiblichen Ge-

schlechts anknüpfen. Das für die Entstehung der Flüchtlingseigenschaft 

relevante Verfolgungsmotiv ist gegeben, wenn das (mutmassliche) Aus-

bleiben adäquaten staatlichen Schutzes vor ihren Verfolgern in einer Dis-

kriminierung aufgrund des Geschlechts begründet liegt. Dies ist etwa der 

Fall, wenn Frauen und Mädchen nicht denselben staatlichen Schutz erhal-

ten, mit dem im Allgemeinen männliche Opfer von privater Gewalt rechnen 

können (vgl. Urteil des BVGer E-2470/2020 vom 26. Januar 2021 E. 6.3 

m.H.a. E-2108/2011 vom 1. Mai 2013 E. 6.3 ff. und Entscheidungen und 

Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 

Nr. 32 E. 8.7.2 f. und E. 8.8.1).   

6.3 Sodann ist entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin vor-

liegend von der Schutzfähigkeit und vom Schutzwillen der albanischen Be-

hörden auszugehen. Diesbezüglich ist vorweg auf die entsprechenden Er-

wägungen im Urteil des Vaters der Beschwerdeführerin (Urteil des BVGer 

D-6151/2023, E. 6.2 ff.) zu verweisen. Auch in Bezug auf ihre Person ver-

mag sie aus ihren Einwänden betreffend Korruption bei der albanischen 

Polizei, deren Untätigkeit und fehlender Schutz von Privatpersonen bei 

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Seite 12 

Bedrohung durch das organisierte Verbrechen, wozu sie auf eine Auskunft 

der Länderanalyse der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 

14. Dezember 2021 («Albanien: Organisiertes Verbrechen, Justiz und Kor-

ruption») und den Human Rights Report Albanien 2022 des Aussenminis-

teriums der Vereinigten Staaten hinweist, nichts zu ihren Gunsten abzulei-

ten. Dasselbe gilt bezüglich der geltend gemachten Untätigkeit der Polizei 

und deren Verhalten bei der Erstattung der Anzeige durch ihren Vater sowie 

der Ausführungen im Zusammenhang mit der Einstellungsverfügung der 

Staatsanwaltschaft vom 7. Mai 2022. Auch diesbezüglich ist auf das vorzi-

tierte Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-6151/2023 zu verweisen.  

Abgesehen davon wäre es auch der Beschwerdeführerin, wie ihrem Vater 

(vgl. Urteil des BVGer D-6151/2023 E. 6.2), möglich und zumutbar gewe-

sen, alle Schutzmöglichkeiten im eigenen Land auszuschöpfen und sich 

an eine höhere Instanz als die Polizei zu wenden (vgl. auch dazu Urteil des 

BVGer E-4445/2021 vom 14. Oktober 2021 E. 7.3), anstatt noch am Tag 

des Vorfalls vom 4. Mai 2022 den Flug in die Schweiz anzutreten. Dasselbe 

gilt bezüglich des geltend gemachten Entführungsversuchs. Dazu gab sie 

an, nachdem die Täter weggegangen seien, habe sie der Polizei telefo-

niert; sie habe anderthalb Stunden lang vor Ort auf die Polizei gewartet, 

aber niemand sei erschienen (vgl. SEM-act. […] F27). Dieses Vorbringen 

erweist sich als unbehelflich, zumal in Albanien bislang eine Polizeiauf-

sichtsbehörde des Innenministeriums bestand, an deren Stelle ab dem 

Jahr 2022 die neu geschaffene, unabhängige Police Oversight Agency (al-

banisch: Agjensia e Mbikqyrjes Policore) trat. 

6.4 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach dem Gesagten zum 

Schluss, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin würden den Anfor-

derungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht genügen. Die Vorinstanz hat 

daher zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin ver-

neint und ihr Asylgesuch abgelehnt.  

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

7.2 Der Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

D-6150/2023 

Seite 13 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

8.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-

mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard 

wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-

weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.3  

8.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

8.3.2 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 FoK und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf 

niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder 

Behandlung unterworfen werden. 

8.3.3 Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement schützt nur 

Personen, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwerde-

führerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nach-

zuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte 

Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine An-

wendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in ihren Heimat-

staat Albanien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

8.3.4 Sodann sind keine Anhaltspunkte für eine in Albanien drohende men-

schenrechtswidrige Behandlung im Sinne von Art. 25 Abs. 3 BV und von 

Art. 3 FoK ersichtlich. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Al-

banien lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als un-

zulässig erscheinen. Namentlich ist entgegen den Ausführungen in der 

Replik nicht von einem realen Risiko einer (erneuten) verbotenen 

D-6150/2023 

Seite 14 

unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung im Sinne von Art. 3 

EMRK oder Art. 3 FoK auszugehen. Dies umso mehr, als die Beschwerde-

führerin trotz der angeblich seit Herbst 2019 bestehenden und sich inten-

sivierenden Bedrohungslage mit ihrer Familie nach dem Besuch von Ver-

wandten in H._______ und in I._______ im Februar/März 2022 freiwillig 

nach Albanien zurückgekehrt ist. Soweit die Beschwerdeführerin in einer 

(erneuten) solchen Behandlung eine Verletzung des Übereinkommens 

vom 18. Dezember 1979 zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung 

der Frau (SR 0.108, CEDAW), nämlich von Art. 2 Bst. e CEDAW erblickt, 

verkennt sie, dass die Normen des CEDAW zwar für die völkerrechtskon-

forme Auslegung des innerstaatlichen Rechts von Bedeutung sind (vgl. 

BGE 137 I 305 E. 3.2), Art. 2 Bst. e CEDAW sich jedoch in erster Linie an 

die gesetzgeberischen, politischen und gesellschaftlichen Institutionen der 

Mitgliedstaaten richtet. Demnach hat sich mit dem (pauschalen) Vorbrin-

gen bezüglich Diskriminierung nicht das Gericht, sondern die Legislative, 

die Politik und die Gesellschaft auseinanderzusetzen (vgl. Urteil des BVGer 

E-1659/2020 vom 5. Januar 2022 E. 7.2.4 m.w.H.). Mithin vermag die Be-

schwerdeführerin vorliegend aus dem CEDAW nichts zu ihren Gunsten ab-

leiten. 

8.3.5 Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen 

Problemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 

EMRK darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn Schwer-

kranke, die durch die Abschiebung – mangels angemessener medizini-

scher Behandlung im Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert wür-

den, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ih-

res Gesundheitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden 

oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde 

(vgl. Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR] 

Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 

41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). Das Bundesverwaltungsgericht verkennt 

die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten gesundheitlichen 

Probleme nicht. Sie sind jedoch nicht von einer derartigen Schwere, dass 

aus völkerrechtlichen Gründen von einem Vollzug der Wegweisung nach 

Albanien abgesehen werden müsste.  

8.3.6 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich sowohl im Sinn der asyl- 

als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig. 

 

D-6150/2023 

Seite 15 

8.4  

8.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

8.4.2 Mit der vom Bundesrat als bezeichnetes «Safe Country» im Sinne 

von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG gilt eine Rückkehr abgewiesener Asylsu-

chender nach Albanien grundsätzlich als zumutbar (Art. 83 Abs. 5 AIG). Es 

herrscht dort keine Situation von Krieg, Bürgerkrieg oder allgemeiner Ge-

walt, weshalb in konstanter Praxis von der generellen Zumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs nach Albanien ausgegangen wird. Es obliegt der be-

troffenen Person, diese Regelvermutung gegebenenfalls mit substanziier-

ten Gegenargumenten umzustossen. 

8.4.3 Auch individuelle Gründe wirtschaftlicher und sozialer Natur lassen 

nicht auf eine konkrete Gefährdung der Beschwerdeführerin in ihrer Heimat 

schliessen. Es handelt sich bei ihr um eine junge Frau. Es ist für sie zumut-

bar, nach einer Rückkehr nach Albanien ihr Studium fortzusetzen oder eine 

Arbeit zu finden. Zudem verfügt sie über ein tragfähiges Beziehungsnetz, 

da die gesamte Familie mit ihr nach Albanien zurückkehren wird. 

8.4.4 Dem wird in der Beschwerde entgegengehalten, ein Wegweisungs-

vollzug der physisch und psychisch stark angeschlagenen Beschwerdefüh-

rerin wäre unzumutbar, zumal sich ihr gesundheitlicher Zustand mit der 

Rückführung nach Albanien und der neuen Konfrontation der Bedrohungs-

lage sowie des Ortes, an dem die Vergewaltigung stattgefunden habe, ag-

gravieren dürfte.  

8.4.4.1 Gemäss Abschlussbericht der (…) vom 18. November 2022 leidet 

die Beschwerdeführerin an einer PTBS. Im Aufnahmebericht der (…) vom 

20. März 2023 wird zudem eine (…) Phobie diagnostiziert. Diesem Bericht 

zufolge wurde die Beschwerdeführerin zur ambulanten therapeutischen 

Behandlung aufgenommen. Aktuell bestehe keine Medikation. Sie wün-

sche sich keine Psychopharma-ka. 

8.4.4.2 Aus gesundheitlichen Gründen kann nur dann auf Unzumutbarkeit 

des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG geschlossen 

werden, wenn eine dringend notwendige medizinische Behandlung im Hei-

matland nicht zur Verfügung steht und die fehlende Möglichkeit der 

D-6150/2023 

Seite 16 

(Weiter-)Behandlung bei einer Rückkehr zu einer raschen und lebensge-

fährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustands, zur Invalidität 

oder gar zum Tod der betroffenen Person führt, wobei Unzumutbarkeit je-

denfalls nicht vorliegt, wenn im Heimatstaat eine nicht dem schweizeri-

schen Standard entsprechende Behandlung grundsätzlich möglich ist (vgl. 

BVGE 2011/50 E. 8.3, 2009/52 E. 10.1, 2009/51 E. 5.5, 2009/28 E. 9.3.1, 

2009/2 E. 9.3.2).  

Eine PTBS kann zwar eine nicht zu verkennende gesundheitliche Beein-

trächtigung darstellen, führt aber in der Regel nicht zu einer lebensbedroh-

lichen medizinischen Notlage. Allfällige gesundheitliche Probleme, auch im 

psychiatrisch-psychotherapeutischen Bereich, sind in Albanien behandel-

bar. Es ist insbesondere auch darauf hinzuweisen, dass grundsätzlich alle 

Personen mit Wohnsitz in Albanien ein Anrecht auf medizinische Dienst-

leistungen in öffentlichen Einrichtungen haben. Es ist deshalb davon aus-

zugehen, dass die Beschwerdeführerin in Albanien die Möglichkeit hat, ge-

gebenenfalls eine adäquate psychotherapeutische Behandlung zu erhal-

ten, und bei einer Rückkehr nicht in Gefahr geraten würde, einer ernsten, 

raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszu-

standes ausgesetzt zu werden. Des Weiteren ist davon auszugehen, dass 

ihr diese Angebote zugänglich sind und es ist ihr zuzumuten, diese wahr-

zunehmen. Namentlich kann auch aufgrund des Aufnahmeberichts der (…) 

nicht auf eine medizinische Notlage geschlossen werden. Insbesondere 

wird auf Beschwerdestufe nicht geltend gemacht, dass seither eine dies-

bezügliche Verschlechterung des Gesundheitszustands der Beschwerde-

führerin eingetreten wäre. Schliesslich ist zu anzumerken, dass ihr im Rah-

men der individuellen Rückkehrhilfe (vgl. Art. 93 Abs.1 Bst. d AsylG i.V.m. 

Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 (AsylV 2, SR 142.312) 

die Möglichkeit offensteht, medizinische Hilfeleistungen zu beantragen.  

8.4.5 Es sind somit keine hinreichenden Anhaltpunkte ersichtlich, wonach 

die Beschwerdeführerin aus Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder ge-

sundheitlicher Natur bei einer Wegweisung nach Albanien in eine existen-

zielle Notlage oder in eine Situation einer lebensgefährdenden Beeinträch-

tigung des Gesundheitszustands gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG gelangen 

könnte. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich nach dem Gesagten so-

wohl in genereller als auch individueller Hinsicht als zumutbar. Im Übrigen 

kann die Beschwerdeführerin die Rückreise in ihr Heimatland gemeinsam 

mit ihren Eltern, ihren Geschwistern und ihrer Grossmutter antreten, deren 

Beschwerden mit Urteilen des Bundesverwaltungsgerichts gleichen Da-

tums abgewiesen werden.  

D-6150/2023 

Seite 17 

8.5 Die Beschwerdeführerin verfügt über einen bis zum (…) gültigen hei-

matlichen Reisepass, weshalb der Vollzug der Wegweisung auch möglich 

ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da-

rauf einzutreten ist. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.– 

(Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) 

der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der in glei-

cher Höhe geleistete Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrens-

kosten zu verwenden. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-6150/2023 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer-

legt. Der in der gleichen Höhe geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezah-

lung der Verfahrenskosten verwendet. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Thomas Segessenmann Daniel Widmer 

 

 

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