# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** eaffe5f4-eca0-5561-9662-45670e634b5b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-10-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.10.2023 E-1390/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1390-2023_2023-10-26.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-1390/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 6 .  O k t o b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Barbara Balmelli (Vorsitz), 

Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger,  

Richterin Gabriela Freihofer,    

Gerichtsschreiber Olivier Gloor. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch Lea Hungerbühler, Rechtsanwältin,  

AsyLex, (…),  

 

Beschwerdeführerin,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Vollzug der Wegweisung (Wiedererwägung);  

Verfügung des SEM vom 8. Februar 2023 / N (…). 

 

 

 

E-1390/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin reiste gemäss ihren Angaben am 14. September 

2019 in die Schweiz ein und suchte am 16. September 2019 im Bundes-

asylzentrum (BAZ) B._______ um Asyl nach.  

B.  

Ein am 19. September 2019 durchgeführter Abgleich mit der europäischen 

Fingerabdruck-Datenbank (Eurodac) ergab, dass die Beschwerdeführerin 

am 31. Oktober 2017 in Griechenland ein Asylgesuch eingereicht und am 

5. November 2018 dort internationalen Schutz erhalten hatte.  

C.  

Mit Verfügung vom 20. Januar 2020 trat die Vorinstanz auf das Asylgesuch 

der Beschwerdeführerin nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der 

Schweiz sowie den Vollzug an.  

D.  

Die gegen die Verfügung vom 20. Januar 2020 erhobene Beschwerde wies 

das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-515/2020 vom 3. Februar 2020 

ab. 

E.  

Ein mit Schreiben vom 15. Oktober 2020 bei der Vorinstanz eingereichtes 

Wiedererwägungsgesuch wies diese mit Verfügung vom 24. März 2021 ab. 

F.  

Die Beschwerdeführerin reichte am 10. Mai 2021 Klage beim Ausschuss 

der Vereinten Nationen zur Beseitigung der Diskriminierung der Frau (CE-

DAW) ein. 

G.  

Auf die gegen die Verfügung vom 24. März 2021 erhobene Beschwerde 

trat das Bundesverwaltungsgericht infolge Nichtleisten des Kostenvor-

schusses mit Urteil E-1714/2021 vom 18. Mai 2021 nicht ein. 

H.  

Auf Veranlassung des CEDAW setzte die Vorinstanz am 20. Mai 2021 den 

Vollzug der Wegweisung nach Griechenland aus. 

E-1390/2023 

Seite 3 

I.  

Die Beschwerdeführerin reichte am 1. Juli 2022 ein Wiedererwägungsge-

such bei der Vorinstanz ein. Insbesondere machte sie – namentlich unter 

Verweis auf die jüngste Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts 

sowie aktuelle Länderberichte – eine erheblich veränderte Lage in Grie-

chenland geltend. 

J.  

Die Vorinstanz trat mit Verfügung vom 7. September 2022 infolge Nichtleis-

ten des auferlegten Kostenvorschusses auf das Wiedererwägungsgesuch 

nicht ein, stellte die Rechtskraft sowie die Vollstreckbarkeit der Verfügung 

vom 20. Januar 2020 fest und hielt ferner fest, der Wegweisungsvollzug 

bleibe aufgrund des Verfahrens vor dem CEDAW ausgesetzt und einer Be-

schwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu. 

K.  

Das Bundesverwaltungsgericht hiess die Beschwerde gegen die Verfü-

gung vom 7. September 2022 mit Urteil E-4062/2022 vom 27. September 

2022 gut, hob die angefochtene Verfügung auf und wies die Sache zur 

neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurück. 

L.  

In der Folge trat die Vorinstanz auf das Wiedererwägungsgesuch vom 

1. Juli 2022 ein, wies dieses mit Verfügung vom 8. Februar 2023 ab, er-

klärte die Verfügung vom 20. Januar 2020 für rechtskräftig und vollstreck-

bar, erhob eine Gebühr in der Höhe von Fr. 600.–, wies das Gesuch um 

unentgeltliche Rechtspflege ab und hielt ferner fest, einer allfälligen Be-

schwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu, wobei der Vollzug der 

Wegweisung nach Griechenland aufgrund des Verfahrens vor dem CE-

DAW ausgesetzt bleibe. 

M.  

Die Beschwerdeführerin erhob am 13. März 2023 Beschwerde beim Bun-

desverwaltungsgericht. Sie beantragt, die angefochtene Verfügung sei auf-

zuheben und sie sei in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. Eventualiter 

sei die Sache zu Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Sub-

eventualiter seien die Ziffern 3 und 4 des angefochtenen Entscheids auf-

zuheben und die Vorinstanz anzuweisen, ihr im vorinstanzlichen Verfahren 

unentgeltliche Rechtspflege, inklusive Verzicht auf Erhebung eines Kosten-

vorschusses, zu gewähren. Sodann sei ihr für das Beschwerdeverfahren 

E-1390/2023 

Seite 4 

die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und auf einen allfälligen Kos-

tenvorschuss sei zu verzichten. 

N.  

Die Instruktionsrichterin hiess die Gesuche um Gewährung der unentgelt-

lichen Prozessführung sowie um unentgeltliche Rechtsverbeiständung mit 

Zwischenverfügung vom 27. März 2023 im Grundsatz gut, forderte die Be-

schwerdeführerin zur Nachreichung einer Fürsorgebestätigung sowie zur 

Bezeichnung einer anwaltlich patentierten Vertreterin innert Frist auf und 

lud die Vorinstanz zu einer Vernehmlassung ein. 

O.  

Die Beschwerdeführerin gab dem Gericht mit Eingabe vom 29. März 2023 

die anwaltlich patentierte Person bekannt, welche sie als amtliche Rechts-

beiständin vertreten solle, und reichte die Fürsorgebestätigung nach.  

P.  

Die Instruktionsrichterin setzte die bezeichnete Rechtsvertreterin mit Ver-

fügung vom 3. April 2023 als amtliche Rechtsbeiständin ein. 

Q.  

Die Vorinstanz beantragt in ihrer am 5. April 2023 beim Gericht eingegan-

genen Vernehmlassung vom 30. März 2023 sinngemäss die Abweisung 

der Beschwerde.  

R.  

Innert erstreckter Frist liess die Beschwerdeführerin dem Bundesverwal-

tungsgericht mit Eingabe vom 9. Mai 2023 ihre Replik sowie eine Kosten-

note ihrer Rechtsvertretung zukommen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – 

endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerdefüh-

rerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert 

(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist 

einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

E-1390/2023 

Seite 5 

1.2 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

2.  

2.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-

regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Es bezweckt in seiner klassischen Konstel-

lation die Anpassung einer ursprünglich fehlerfreien Asyl- und Wegwei-

sungsverfügung an nachträglich eingetretene Tatsachen im Sinne von 

Wegweisungsvollzugshindernissen (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Mit 

der Anhandnahme des Gesuchs hat die Vorinstanz das Vorhandensein ei-

nes möglicherweise relevanten Wiedererwägungsgrundes (zumindest im-

plizit) bejaht (vgl. dazu auch das Kassationsurteil des BVGer E-4062/2022 

vom 27. September 2022, insbesondere zur Relevanz der Praxisänderung 

des BVGer sowie neuer Länderberichte zu Griechenland). Umstritten ist 

vorliegend die Frage, ob dies zu einer Änderung des ursprünglichen Ent-

scheids führt.  

2.2 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch in der Re-

gel nicht eingetreten, wenn die asylsuchende Person in einen nach Art. 6a 

Abs. 2 Bst. b AsylG als sicher bezeichneten Drittstaat zurückkehren kann, 

in welchem sie sich vorher aufgehalten hat.  

Der Bundesrat bezeichnet Staaten, in denen nach seinen Feststellungen 

effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG be-

steht, als sichere Drittstaaten (Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG). Durch den Be-

schluss des Bundesrates vom 14. Dezember 2007 wurden sämtliche Län-

der der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandelsasso-

ziation (EFTA) als sichere Drittstaaten bezeichnet. 

Bei Griechenland – einem Mitgliedstatt der EU – handelt es sich um einen 

vom Bundesrat als sicher bezeichneten Drittstaat im Sinne von Art. 6a 

Abs. 2 Bst. b AsylG. Sodann geht aus den Akten hervor, dass die Be-

schwerdeführerin sich zuvor dort aufgehalten hat und von diesem Staat am 

5. November 2018 als Flüchtling anerkannt wurde. Die griechischen Be-

hörden haben der Rückübernahme ferner am 21. Oktober 2019 explizit zu-

gestimmt.   

Streitgegenstand bildet vorliegend die Frage, ob es Gründe gibt, die dem 

Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin nach Griechenland ent-

E-1390/2023 

Seite 6 

gegenstehen (im Sinne von Art. 44 [zweiter Satz] AsylG i.V.m. Art. 83 

Abs. 2–4 AIG [SR 142.20]).  

3.  

Es ist an dieser Stelle festzuhalten, dass es sich beim CEDAW – ein Aus-

schuss der vereinten Nationen – insofern nicht um eine gerichtliche Instanz 

handelt, als dort hängigen Verfahren nicht ex lege Litispendenzwirkung für 

die innerstaatlichen Verfahren entfalten. Die Beschwerdeführerin gab mit 

der Einleitung des Verfahrens bei der Vorinstanz sowie dem vorliegenden 

Beschwerdeverfahren sodann auch selber zu verstehen, dass sie – im Wis-

sen um die Hängigkeit eines Verfahrens bei einem UNO-Ausschuss – die 

Angelegenheit von den nationalen Behörden behandelt haben möchte. In-

sofern ist vorliegend nicht vertieft zu untersuchen, ob sich der vorliegende 

Streitgegenstand in allen Punkten mit demjenigen, welcher der UNO-Aus-

schuss zu behandeln hat, deckt (zur Bedeutung des Streitgegenstandes 

für die Frage der Rechtshängigkeit KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungs-

verfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, S. 244). 

Immerhin ist festzustellen, dass die Vorinstanz im vorangegangenen Ver-

fahren (zumindest implizit) von verschiedenen Beurteilungsgegenständen 

beziehungsweise einer Pflicht zur Fortführung des Verfahrens ausging (vgl. 

die Aufforderung der Beschwerdeführerin vom 6. August 2022 nach Sistie-

rungsmitteilung der Vorinstanz sowie der darauffolgenden Verfahrensfort-

setzung [vgl SEM-Akten A1179962 2/2 ff.]). 

4.  

Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung aus, im Zuge der 

jüngsten Referenzurteile des Bundesverwaltungsgerichts zu Griechenland 

habe das Gericht in zahlreichen Fällen, welche Personen mit Posttrauma-

tischer Belastungsstörung sowie mit depressiven Episoden betrafen, die 

Rechtmässigkeit der Überstellung nach Griechenland bejaht. Insbeson-

dere gehe die Rechtsprechung davon aus, psychische Leiden seien dort 

behandelbar und auch der Zugang zu entsprechender Behandlung sei ge-

währleistet. Die Beschwerdeführerin stelle insgesamt keine besonders vul-

nerable Person im Sinne der zitierten Praxis dar. An der Lageeinschätzung, 

welcher der aktuellen Rechtsprechung zugrunde liege, vermöchten sodann 

auch die aktuellen Länderberichte sowie die aus dem Ukrainekrieg resul-

tierende Migrationssituation nichts zu ändern. Soweit die Beschwerdefüh-

rerin ferner geltend mache, Opfer von sexueller Gewalt geworden zu sein, 

habe sie die Möglichkeit, sich an die dortigen Polizeibehörden zu wenden; 

gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts stehe auch dieser Um-

stand einer Rückführung nicht entgegen. 

E-1390/2023 

Seite 7 

5.  

In der Rechtsmitteleingabe wird geltend gemacht, die Beschwerdeführerin 

habe in Griechenland trotz ihres dortigen Asylstatus weder in materieller 

noch in medizinischer Hinsicht genügend Unterstützung erhalten. Auch 

einschlägige Länderberichte würden diesbezüglich auf gravierende Män-

gel hinweisen. Bei der Beschwerdeführerin handle es sich um ein psy-

chisch schwer angeschlagenes Opfer von gender-spezifischer Gewalt und 

es bestehe akute Suizidgefahr. Sie befinde sich in der Schweiz in regel-

mässiger ambulanter Therapie. Entgegen der Einschätzung der Vorinstanz 

sei sie damit zweifelsohne als besonders vulnerable Person im Sinne der 

Rechtsprechung zu qualifizieren und ein Wegweisungsvollzug nach Grie-

chenland sei sowohl unzulässig als auch unzumutbar. Die Vorinstanz habe 

die Situation in Griechenland insgesamt nur unzulänglich abgeklärt. Weiter 

gehe die Vorinstanz zu Unrecht davon aus, die Bedürftigkeit der Beschwer-

deführerin sei nicht ausgewiesen, weshalb Erstere anzuweisen sei, ihr für 

das erstinstanzliche Verfahren unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren 

beziehungsweise sei auf die im Dispositiv angeordnete Kostenerhebung 

zu verzichten. 

6.  

In der Vernehmlassung führt die Vorinstanz namentlich aus, das Gericht 

habe bereits in der Zwischenverfügung vom 21. April 2021 – im Rahmen 

der Einschätzung der Prozessprognose – Zweifel daran geäussert, dass 

die Beschwerdeführerin in Griechenland tatsächlich Opfer von sexueller 

Gewalt geworden sei beziehungsweise dieses Vorbringen als nachgescho-

ben qualifiziert. Sodann könne die Beschwerdeführerin dort die Hilfe des 

Staats wie auch von den ansässigen Migrationsorganisationen in Anspruch 

nehmen.  

7.  

In der Replik macht die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, so-

weit ihr vorgehalten werde, die erlittene sexuelle Gewalt nachzuschieben, 

könne den Akten klar entnommen, dass dies nicht der Fall sei. Sodann 

stelle die Vorinstanz die für nach Griechenland Zurückkehrenden vorhan-

dene Unterstützungssituation wesentlich positiver dar, als dies tatsächlich 

der Fall sei. Der Umstand, dass kleine NGO’s gravierende Lücken im Ver-

sorgungssystem füllen müssten, offenbare systemische Schwachstellen im 

griechischen Flüchtlingswesen. Die Vorinstanz lege insbesondere nicht 

überzeugend dar, dass sie bei ihrer Rückkehr die notwendige Unterstüt-

zung erhalten werde. 

E-1390/2023 

Seite 8 

8.  

8.1 Die Vorinstanz hat bereits zutreffend auf die völker- sowie unionsrecht-

lichen Verpflichtungen Griechenlands hingewiesen. Sodann ist – selbst vor 

dem Hintergrund der angespannten Migrations- sowie namentlich der da-

mit zusammenhängenden Unterbringungssituation in Griechenland – ge-

mäss dem Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-3427/2021,   

E-3431/2021 vom 28. März 2022 auch bei vulnerablen Personen von der 

grundsätzlichen Zulässigkeit und Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzu-

ges auszugehen. Darunter fallen unter anderem Personen, die zwar an ge-

sundheitlichen Problemen leiden, welche aber nicht als schwerwiegende 

Erkrankungen einzustufen sind. Andernfalls wären solche Personen als be-

sonders vulnerabel zu qualifizieren, womit eine Überstellung grundsätzlich 

ausgeschlossen wäre (vgl. a.a.O. E. 11 ff.).  

Gemäss dem aktuellsten Arztbericht vom 3. Februar 2023 leidet die Be-

schwerdeführerin unter einer (…). Die in früheren Verfahrensstadien er-

stellten Diagnosen der (…) sowie (…); vgl. SEM-Akten 1051445 A50/20) 

sind in diesem jüngsten Arztbericht nicht mehr erwähnt. Soweit der jüngste 

Bericht empfiehlt, die Beschwerdeführerin nicht in ein Land zurückschi-

cken, in welchem die traumatisierenden Ereignisse stattgefunden haben, 

ist festzuhalten, dass sich die von der Beschwerdeführerin geltend ge-

machte erlittene sexuelle Gewalt gemäss ihren eigenen Schilderungen 

nicht unmittelbar in Griechenland zugetragen hatte. Nach ihren eigenen 

Aussagen hatte sie in Griechenland «mit keinen Personen Probleme ge-

habt» (vgl. SEM-Akten A1051445 14/3). Die Vorinstanz hat sodann bereits 

zutreffend dargelegt, dass die Beschwerdeführerin bei Bedarf die notwen-

dige Hilfe in Anspruch nehmen könne. Damit kann letztlich dahingestellt 

bleiben, ob die Vorbringen betreffend sexuelle Gewalt teilweise nachge-

schoben wurden oder nicht. Soweit im aktuellsten Arztbericht auf eine mög-

liche Suizidalität hingewiesen wird, ist festzuhalten, dass sich die Be-

schwerdeführerin in der Vergangenheit davon distanziert hat (vgl. SEM-

Akten 1051445 50/20) und die Selbstmordgefahr aktuell nicht konkret dar-

gelegt wird. Insbesondere hat die rechtlich vertretene Beschwerdeführerin 

im Rahmen ihrer Mitwirkungspflichte (Art. 8 AsylG) auf Beschwerdeebene 

keine weiteren Arztberichte eingereicht. Sodann würde eine mögliche Sui-

zidalität für sich genommen einer Überstellung grundsätzlich nicht entge-

genstehen (vgl. Urteil des BGer 2C_221/2020 vom 19. Juni 2020 E. 2). 

Bei dieser Ausgangslage ist deshalb festzustellen, dass es sich bei der Be-

schwerdeführerin nicht um eine besonders vulnerable Person handelt, wel-

cher die Überstellung nach Griechenland nicht zuzumuten wäre (vgl. a.a.O. 

E-1390/2023 

Seite 9 

E. 11.3; zur generellen Annahme der Zulässigkeit der Überstellung vgl. so-

dann E. 11.1 f). Auch hat die Vorinstanz bereits ausführlich auf die seit dem 

Erlass des Referenzurteils bestätigende Praxis verwiesen. 

8.2 Der Vollzug der Wegweisung erweist schliesslich als möglich, zumal 

die griechischen Behörden der Rückübernahme der Beschwerdeführerin 

zugestimmt haben. Eine allenfalls abgelaufene Aufenthaltsbewilligung 

kann die Beschwerdeführerin bei ihrer Rückkehr verlängern lassen (vgl. 

statt vieler: Urteil des BVGer D-3794/2023 vom 13. Juni 2023 E. 8.3 

m.w.H.). 

9.  

Die Beschwerdeführerin moniert in der Beschwerdeschrift, die Vorinstanz 

sei im Zusammenhang mit dem Kostenentscheid zu Unrecht davon ausge-

gangen, ihre Bedürftigkeit sei nicht ausgewiesen, beziehungsweise bean-

tragt sie, der erstinstanzliche Kostenentscheid sei aufzuheben. 

Es ist einerseits festzuhalten, dass es grundsätzlich an der Beschwerde-

führerin gelegen hätte, ihre Bedürftigkeit rechtzeitig darzulegen. Anderer-

seits ist festzustellen, dass sie auf Beschwerdeebene ihre Bedürftigkeit 

darlegen konnte. Es kann ihr auch insofern zugestimmt werden, dass an-

gesichts der Gesamtumstände genügend Anhaltspunkte für ihre Bedürftig-

keit im Zeitpunkt der Gesuchstellung bei der Vorinstanz bestanden und 

diese keine entsprechenden Nachweise einforderte – weder im Rahmen 

des ursprünglichen Wiedererwägungsverfahrens noch im Rahmen der 

Wiederaufnahme nach Kassation durch das Bundesverwaltungsgericht. 

Unter dem Gesichtspunkt, dass es die Praxis zulässt, ohne vertiefte Abklä-

rung aus den Sachumständen auf die Bedürftigkeit zu schliessen (MOSER, 

et al., Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 3. Aufl. 2022, 

S. 329 Rz. 4.110), wäre es vorliegend angezeigt gewesen, die Beschwer-

deführerin zumindest einmal aufzufordern, ihre Bedürftigkeit innert Frist 

darzulegen. Dies auch unter dem Blickwinkel der Prozessfairness (Art. 29 

Abs. 2 BV). Da das bei der Vorinstanz gestellte Gesuch nicht aussichtslos 

war (vgl. Urteil des BVGer E-4062/2022 vom 27. September 2022 sowie 

Zwischenverfügung vom 27. März 2023), ist der Kostenentscheid des SEM 

aufzuheben.   

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung in 

Bezug auf den Wegweisungsvollzug kein Bundesrecht verletzt, den rechts-

erheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig festgestellt hat (Art. 106 

E-1390/2023 

Seite 10 

Abs. 1 AsylG) und angemessen ist. Die Beschwerde ist in der Hauptsache 

abzuweisen. In Bezug auf den erstinstanzlichen Kostenentscheid ist die 

Beschwerde gutzuheissen; die Ziffern 3 und 4 des Verfügungsdispositivs 

sind aufzuheben. 

11.  

11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer-

deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihr mit Zwischenverfü-

gung vom 27. März 2023 die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde 

und den Akten keine Hinweise für Veränderungen ihrer finanziellen Ver-

hältnisse zu entnehmen sind, sind keine Verfahrenskosten zu erheben 

(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

11.2 Die amtliche Rechtsbeiständin reichte mit Schreiben vom 9. Mai 2023 

eine Kostennote ein. Insgesamt weist sie einen zeitlichen Aufwand von 

14.6 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 220.– (Zeit Rechtsbeistän-

din) beziehungsweise Fr. 110.– (Zeit Praktikantin) aus.  

Dazu ist festzuhalten, dass die Beschwerdeeingabe vom 13. März 2023 

nicht durch die später eingesetzte amtliche Rechtsbeiständin, sondern eine 

andere Person in deren eigenen Namen verfasste wurde, weshalb diese 

Aufwände nicht zu entschädigen sind.  

Im Übrigen erscheint der deklarierte Aufwand als angemessen und ist auf 

insgesamt Fr. 957.– festzusetzen (3 Stunden zu Fr. 220.– sowie 2.7 Stun-

den zu Fr. 110.–). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-1390/2023 

Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird in der Hauptsache abgewiesen. 

2.  

Die Beschwerde wird betreffend den Kostenentscheid des SEM gutgeheis-

sen. Die Dispositivziffern 3 und 4 der angefochtenen Verfügung werden 

aufgehoben. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Der amtlichen Rechtsbeiständin, Rechtsanwältin Lea Hungerbühler, wird 

zulasten der Gerichtskasse ein Honorar von Fr. 957.– zugesprochen. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Barbara Balmelli Olivier Gloor 

 

 

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