# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9eb09569-83f9-56bb-b45f-b3031b9ed017
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-05-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.05.2020 D-4678/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4678-2019_2020-05-06.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4678/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  6 .  M a i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), 

Richter Simon Thurnheer, Richter Walter Lang; 

Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch (…),  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 4. September 2019. 

 

 

 

D-4678/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin suchte am 8. Juni 2019 in der Schweiz um Asyl 

nach. Sie wurde dem Bundesasylzentrum der Region B._______ zugewie-

sen. 

A.a Am 14. Juni 2019 wurde sie zu ihrer Person und dem Reiseweg be-

fragt. Sie gab an, sie sei afghanische Staatsangehörige und ethnische (…) 

und stamme aus C._______ in der Provinz D._______. Sie habe Afghanis-

tan vor etwa fünf Monaten verlassen und sei via E._______ in die Schweiz 

gelangt.  

A.b Mit Schreiben vom 11. Juli 2019 teilte das SEM der Beschwerdeführe-

rin mit, dass das Dublin-Verfahren beendet sei und ihr Asylgesuch in der 

Schweiz geprüft werde. 

A.c Am 31. Juli 2019 wurde die Beschwerdeführerin vom SEM in einem 

Frauenteam zu ihren Asylgründen befragt. Sie brachte im Wesentlichen 

vor, sie habe mit ihren Eltern und ihren zwei jüngeren Brüdern zusammen-

gelebt. Ihr Vater habe einen (…) betrieben. Auf Wunsch der Familie habe 

sie die Schule nach (…) Jahren abgebrochen. Danach habe sie einen Kurs 

besucht, den die Tochter ihrer Nachbarn für Mädchen angeboten habe. Sie 

sei dort in Lesen, Schreiben und Gesellschaftskunde unterrichtet worden. 

Nach etwa zwei Monaten sei ihr etwas zugestossen, aufgrund dessen sie 

den Kurs nicht mehr habe besuchen können. Seit sie 15-jährig gewesen 

sei, habe ein Freund (F._______) ihres Vaters, der Freund habe den Orts-

polizisten Arbaki angehört, mehrmals um ihre Hand angehalten. Ihre Fami-

lie habe dies anfangs nicht ernst genommen. Sie habe auch nicht vorge-

habt zu heiraten, sondern weiterlernen wollen, was sie F._______ auch 

persönlich gesagt habe. Zudem habe F._______ bereits mehrere Frauen 

gehabt und sei viel älter als sie gewesen, etwa (…)- bis (…)-jährig, weshalb 

sie ihn nicht habe heiraten wollen. Ihr Vater habe ihre Meinung geteilt und 

die Anträge abgelehnt. Eines Tages sei sie auf dem Heimweg von dem 

besagten Kurs von drei Personen in ein Auto gezerrt und in einer etwa 

zweistündigen Fahrt zu einem baufälligen Haus gebracht worden. Sie sei 

gefesselt und geohrfeigt worden und die Männer hätten gesagt, sie würden 

dafür sorgen, dass ihre Familie wegen der verweigerten Heirat mit 

F._______ ihr Gesicht verliere. Dann sei auch F._______ dazugekommen 

und habe gesagt, er werde ihr die Ehre nehmen. Als F._______ sie verge-

waltigt habe, habe sie das Bewusstsein verloren. Um Mitternacht sei sie 

kurz aufgewacht und habe gesehen, wie die vier Männer nackt in dem 

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Raum gelegen hätten. Am nächsten Morgen sei sie allein und mit zerrisse-

nen, blutigen Kleidern zu sich gekommen. Sie habe stundenlang ge-

schrien, bis die Polizei gekommen sei und sie in ein Krankenhaus gebracht 

habe. Dort habe sie Beruhigungsmittel bekommen und sei von einer Heb-

amme untersucht worden. Die Polizei habe ihre Eltern verständigt und ihre 

Mutter sei ins Spital gekommen. Sie selbst habe nicht mit der Hebamme 

oder Ärzten gesprochen, aber ihrer Mutter sei gesagt worden, dass sie ver-

gewaltigt worden sei. Wenn einem Mädchen in Afghanistan so etwas pas-

siere, werde es dafür verantwortlich gemacht. Wenn in ihrem Dorf so etwas 

geschehen sei, hätten die Bewohner das Mädchen gesteinigt oder an äl-

tere Männer verheiratet. Auch ihre Eltern seien von den Dorfbewohnern 

aufgefordert worden, sie mit F._______ zu verheiraten, ansonsten sie ei-

nen Volksrat einberufen und sie steinigen lassen würden. Ihre Mutter habe 

sie davor beschützen wollen und deshalb Kontakt zu ihrem im G._______ 

wohnhaften Onkel mütterlicherseits aufgenommen. Dieser habe dann Geld 

für eine Fahrt in den G._______ geschickt. Als sie nach vier Tagen aus dem 

Krankenhaus entlassen worden sei, sei sie von ihrer Mutter und ihren Brü-

dern abgeholt worden. Ihre Mutter habe gesagt, sie solle zu ihrem Schutz 

die Brüder mit auf die Flucht nehmen. So seien sie zu dritt in ein grosses 

Fahrzeug gestiegen und in Richtung H._______ gefahren. Ihr Vater habe 

davon nichts gewusst. Nach etwa einer Stunde Fahrt seien sie jedoch von 

F._______ respektive dessen Leuten aufgegriffen worden. Ein Auto habe 

sich vor den Bus gestellt und die Insassen kontrolliert. Sie habe eine Burka 

getragen, aber ihre Brüder seien erkannt worden. Sie hätten aussteigen 

müssen und seien in ein Haus gebracht worden, wo sie die Entscheidung 

des Rates über ihre Bestrafung hätten abwarten sollen. Da ihren Brüdern 

die Mobiltelefone nicht weggenommen worden seien, hätten sie ihre Mutter 

anrufen können. Diese habe dann ein Auto gemietet und sie am nächsten 

Morgen noch vor der Ratsversammlung mit Hilfe des Fahrers befreit. Der 

Fahrer habe sie und ihre Brüder dann nach H._______ gebracht. An-

schliessend seien sie über I._______ illegal in den G._______ ausgereist. 

Dort habe der Onkel der Mutter ihre Weiterreise in die J._______ organi-

siert. In der J._______ seien sie nach einem Monat wieder aufgegriffen 

worden; ein Schlepper, der mit F._______ verwandt gewesen sei, habe 

F._______ ihren Aufenthalt gemeldet. Sie seien im Hinblick auf eine Über-

gabe an F._______ festgehalten und geschlagen worden. Nach rund fünf 

Monaten sei ihnen aber erneut die Flucht gelungen und sie seien nach 

E._______ weitergereist. Von dort aus sei sie schliesslich allein am 8. Juni 

2019 in die Schweiz gelangt. Da ihre Brüder noch minderjährig seien, habe 

man ihr in E._______ nicht erlaubt, sie mitzunehmen. Während ihres Auf-

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enthalts in der J._______ habe sie erfahren, dass ihr Vater nach ihrer Aus-

reise aus Afghanistan getötet worden sei. Ihr Vater sei wütend gewesen, 

als er erfahren habe, dass die Mutter sie weggeschickt habe. Da F._______ 

angenommen habe, dass der Vater ihr zur Flucht verholfen habe, habe er 

ihn zusammengeschlagen, und später sei ihr Vater niedergestochen wor-

den. Zu ihrer Mutter, die nach wie vor in C._______ lebe und (…) weiter-

führe, stehe sie in telefonischem Kontakt. Bei einer Rückkehr nach Afgha-

nistan fürchte sie sich davor, gesteinigt oder mit F._______ verheiratet zu 

werden. Gesundheitlich gehe es ihr gut. 

A.d Am 7. August 2019 wurde die Beschwerdeführerin durch eine sach-

verständige Person telefonisch zu ihren landeskundlich-kulturellen Kennt-

nissen befragt. Gemäss dem am 14. August 2019 erstellten Lingua-Bericht 

wurde die Beschwerdeführerin im Raum D._______ sozialisiert. 

A.e Am 23. August 2019 hörte das SEM die Beschwerdeführerin ein wei-

teres Mal in einem Frauenteam zu ihren Asylgründen an. In diesem Rah-

men informierte die Befragerin die Beschwerdeführerin über das Ergebnis 

der Lingua-Analyse. Die Beschwerdeführerin nahm dies zur Kenntnis und 

brachte des Weiteren im Wesentlichen vor, ihr Vater sei nach dem besag-

ten Vorfall wütend gewesen und habe sie nicht mehr sehen wollen. Sie 

habe C._______ zuvor noch nie verlassen, da ihr Vater, der sehr streng 

gewesen sei, dies nicht zugelassen habe. Ihre Mutter sei mit zwölf Jahren 

gegen ihren Willen verheiratet worden und habe sich für ihre Tochter ein 

besseres Leben gewünscht. Wie es ihrer Mutter ohne Wissen des Vaters 

möglich gewesen sei, die Flucht zu organisieren, wisse sie nicht. In dem 

Auto, das sie nach dem Kurs aufgegriffen habe, seien vier Personen ge-

wesen; drei seien ausgestiegen und hätten sie ins Fahrzeug gezerrt. Wäh-

rend der Fahrt sei sie überall angefasst worden. Die Entführer hätten sie in 

ein kaputtes Haus in einem Dorf gebracht. Wie lange die Fahrt gedauert 

habe, wisse sie nicht. Als der Bus auf der Fahrt nach H._______ angehal-

ten worden sei, habe sie gedacht, es handle sich um die Taliban. Es seien 

aber die Leute von F._______ gewesen, der als Angehöriger der Arbaki 

und Dorfältesten einflussreich sei. Sie und ihre Brüder seien aus dem Bus 

gezerrt und in einem schwarzen Fahrzeug – sie auf der Rückbank, die Brü-

der im Kofferraum – zu einem baufälligen Haus gebracht und dort in ge-

trennten Zimmern eingesperrt worden. Die Männer seien dann weggegan-

gen. Ein Bruder habe ein Mobiltelefon gehabt und damit ihre Mutter ange-

rufen. Diese habe dann mit ihrem Onkel im G._______ gesprochen und 

dieser habe umgehend Geld für ihre Flucht geschickt. Am nächsten Mor-

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gen habe ihre Mutter sie dann mit der Unterstützung des Fahrers des ge-

mieteten Wagens befreit und ihr etwas Geld gegeben. Der Fahrer habe sie 

anschliessend nach H._______ gebracht. Über I._______, wo am Bus-

bahnhof viele Schlepper stehen würden, die einem für wenig Geld in den 

G._______ bringen würden, seien sie in den G._______ gelangt. Der be-

sagte Onkel ihrer Mutter habe die ganze Reise von Afghanistan bis in die 

Schweiz finanziert. Der Schlepper, der sie von der J._______ nach 

E._______ hätte bringen sollen, habe einen ihrer Brüder nach dem Her-

kunftsort gefragt, und daraufhin F._______ in C._______ angerufen und 

diesem gesagt, dass er sie gegen ein Entgelt festhalten werde, bis 

F._______ sie abholen komme. Der Schlepper habe sie dann in eine Ga-

rage gebracht, ihre Hände gefesselt und F._______ erneut angerufen. 

F._______ habe sie am Telefon beschimpft und den Schlepper beauftragt, 

sie zu schlagen, bis er in der J._______ ankomme. Sie und ihre Brüder 

seien dann vom Schlepper und ein paar Kurden, die er dabeigehabt habe, 

geschlagen worden. Bei einer Rückkehr nach Afghanistan drohe ihr die 

Steinigung oder die Vermählung mit F._______ Sie leide an (…).  

A.f Bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelheiten 

des rechtserheblichen Sachverhalts wird auf die Protokolle und Beweismit-

tel (Tazkera [Kopie], medizinischer Bericht vom 10. Juli 2019 [Diagnosti-

sche Beurteilung: Erfüllung der Kriterien einer posttraumatischen Belas-

tungsstörung {PTBS} nach Gewalterfahrung]), "F2-Formulare" [Medizini-

sche Informationen] vom 21. Juni 2019, 7. August 2019 und 16. August 

2019) verwiesen (vgl. vorinstanzliche Akten). 

B.  

Am 2. September 2019 unterbreitete das SEM der Beschwerdeführerin 

den Entwurf des ablehnenden Asylentscheids. Die Beschwerdeführerin er-

klärte in ihrer Stellungnahme vom 3. September 2019, nicht nachvollziehen 

zu können, weshalb ihr nicht geglaubt werde. Sie habe sich bemüht, das 

Vorgefallene detailliert zu schildern, obwohl es für sie schwierig sei, dar-

über zu sprechen. Das SEM lasse die zahlreichen Realkennzeichen aus-

ser Acht. Ihr psychischer Zustand sei bei der Beurteilung ihrer Aussagen 

zu berücksichtigen, zumal eine PTBS zu einer Beeinträchtigung der Aus-

sagequalität führen könne und Vergewaltigungsopfer bekanntermassen oft 

Probleme hätten, über die erlittenen Übergriffe zu sprechen. 

C.  

Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 4. September 2019 stellte das 

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SEM fest, dass die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht er-

fülle. Es lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der 

Schweiz an, wobei es den Vollzug zurzeit als unzumutbar erachtete und 

daher die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführerin verfügte. Es beauf-

tragte den Kanton B._______ mit der Umsetzung der vorläufigen Auf-

nahme. Weiter händigte es der Beschwerdeführerin die editionspflichtigen 

Akten gemäss Aktenverzeichnis aus. 

Zur Begründung führte es im Wesentlichen an, die fluchtauslösenden Vor-

bringen der Beschwerdeführerin vermöchten den Anforderungen an die 

Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG (SR 142.31) nicht standzuhalten. Der 

psychischen Verfassung der Beschwerdeführerin und den von ihr angege-

benen Erinnerungslücken aufgrund des Geschehenen sei bei den Befra-

gungen Rechnung getragen worden. Sie sei mehrmals darauf hingewiesen 

worden, dass sie auch einzelne Sequenzen, an die sie sich besser erinnern 

könne, ausführlich schildern könne. Ihre Angaben würden jedoch insge-

samt nicht die Qualität aufweisen, die zu erwarten wäre, wenn sie das Vor-

gebrachte (Vergewaltigung aus Rache wegen abgelehnter Heiratsanträge 

und drohende Steinigung oder Zwangsverheiratung) in dem von ihr be-

schriebenen Kontext erlebt hätte. Weder die Konsultation der Asylakten der 

in der Schweiz wohnhaften (Verwandten) noch die Beweismittel (Tazkera, 

medizinische Berichte) vermöchten zu einer anderen Beurteilung zu füh-

ren.  

Für die detaillierten Ausführungen wird auf die angefochtene Verfügung 

verwiesen. 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 13. September 2019 wies das SEM die Be-

schwerdeführerin dem Kanton B._______ zu.  

E.  

Mit Eingabe vom 13. September 2019 erhob die Beschwerdeführerin durch 

ihre Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Sie 

ersuchte um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung vom 4. September 

2019 sowie um Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und um Gewäh-

rung des Asyls. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie zudem um 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses.  

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Zur Begründung machte die Beschwerdeführerin, nach zusammenfassen-

der Darstellung ihrer Asylgründe, geltend, eine PTBS könne sich auf das 

Aussageverhalten einer traumatisierten Person auswirken und sei bei der 

Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen zu berücksichtigen. Bei ei-

ner PTBS würden oft Vergesslichkeit und Erinnerungslücken auftreten. 

Auch sei bekannt, dass Vergewaltigungsopfer regelmässig Probleme hät-

ten, über die Übergriffe zu reden. Das Vorgehen der Befragerin bei der Be-

fragung vom 31. Juli 2019, bereits nach wenigen Fragen im Anschluss an 

die freie Erzählung der Gesuchsgründe ein Time-out vorzuschlagen, weil 

sie der Auffassung gewesen sei, sie (die Beschwerdeführerin) könne "gar 

nichts detailliert erzählen", habe etwas erstaunt. Aus Sicht der Rechtsver-

tretung habe sie die Erlebnisse, unter Berücksichtigung der traumatisieren-

den Wirkung solcher Vorkommnisse, genügend detailliert geschildert. Es 

sei auch nicht nachvollziehbar, weshalb eine Lingua-Analyse durchgeführt 

worden sei. Es scheine, als ob die Vorinstanz ihr von Beginn weg nicht 

geglaubt habe. Die vom SEM festgestellten Ungereimtheiten würden teil-

weise nebensächliche Punkte betreffen und seien durch ihren damaligen 

psychischen Zustand erklärbar. Sie sei während ihres Aufenthalts im Kran-

kenhaus unter Schock gestanden und habe beim ersten Fluchtversuch nur 

mitbekommen, wie ihre Mutter mit dem Busfahrer gesprochen habe. Über 

die Finanzierung der Weiterreise sei sie nicht informiert gewesen. Erst 

beim zweiten Fluchtversuch habe sie von ihrer Mutter etwas Geld für die 

Weiterreise erhalten. Die widersprüchlichen Angaben zur Anzahl Entführer 

könne sie sich nur durch ihre emotionale Aufwühlung bei der Erstbefragung 

erklären. Bei der Anhörung vom 23. August 2019 habe sie mehrfach ge-

sagt, dass sie sich nicht erinnern könne. Auch habe sie darauf hingewie-

sen, dass sie wegen Schlafstörungen oft müde sei. Des Weiteren habe sie 

am Tag der Anhörung Bauchschmerzen gehabt. Trotzdem sei es ihr gelun-

gen, das Erlebte substanziiert und lebensnah zu schildern. Die Würdigung 

des SEM erscheine einseitig. Elemente, die für die Glaubhaftigkeit ihrer 

Vorbringen sprechen würden, seien unberücksichtigt geblieben. Sie habe 

ihre Gefühle und Wahrnehmungen geschildert und sei während der Erst-

befragung sehr bewegt gewesen, was auf ihre psychische Not bei der Er-

zählung des Erlebten hinweise. Auch die Wiedergabe von Gesprächen in 

der direkten Rede sowie das Erwähnen von Nebensächlichkeiten seien als 

Realkennzeichen zu werten. Die Flucht aus C._______ und den Aufgriff in 

der J._______ hätte sie nicht so detailliert beschreiben können, wenn sie 

es nicht selbst erlebt hätte. Die Einschätzung eines Facharztes in Bezug 

auf die Plausbilität von Ereignissen, die als Ursache für die diagnostizierte 

Krankheit in Betracht fallen würden, bilde ein bei der Beurteilung der Glaub-

haftigkeit der Verfolgungsvorbringen zu berücksichtigendes Indiz. Auch 

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wenn es sich bei der im ärztlichen Bericht vom 10. Juli 2019 geschilderten 

Lebensgeschichte nur um die Wiedergabe der damaligen Anamnese 

handle, falle doch auf, wie gut das dort Berichtete zu ihren im Asylverfahren 

geltend gemachten Vorbringen passe. Sie habe sich durch ihre Flucht einer 

Zwangsheirat mit ihrem Verfolger beziehungsweise einer Steinigung als 

Folge der Vergewaltigung durch F._______ entzogen, und sei deshalb an 

Leib und Leben bedroht. Bei ihrem Verfolger handle es sich um einen Ar-

baki und gleichzeitig Dorfältesten, der viel Einfluss habe. Ausreichende 

staatliche Schutzmassnahmen seien in Afghanistan nicht vorhanden und 

eine innerstaatliche Fluchtalternative habe sie nicht. 

F.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 16. September 2019 den 

Eingang der Beschwerde.  

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 18. September 2019 hiess die Instruktions-

richterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Weiter lud 

sie die Vorinstanz zur Vernehmlassung zur Beschwerde ein.  

H.  

In seiner Vernehmlassung vom 27. September 2019 beantragte das SEM 

die Abweisung der Beschwerde. Es überrasche, wie die Rechtsvertretung 

die Befragungssituation im Nachhinein anders beurteile. Im damaligen 

Zeitpunkt sei sie mit dem Time-out einverstanden gewesen. Das Time-out 

sei zugunsten der Beschwerdeführerin vorgeschlagen worden. Aus dem 

Protokoll sei ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin zuvor der Ansicht 

gewesen sei, bereits alles erzählt zu haben. Die Fachspezialistin habe da-

raufhin das Time-out vorgeschlagen, damit die Rechtsvertretung die Gele-

genheit erhalten habe, der Beschwerdeführerin die Wichtigkeit einer detail-

lierten Schilderung ihrer Asylgründe darzulegen. Das SEM habe durchaus 

eine Gesamtbeurteilung der Aussagen und Beweismittel vorgenommen, in-

dem es unter anderem die Realkennzeichen in den Aussagen in Relation 

zu den individuellen Fähigkeiten der Beschwerdeführerin gesetzt und be-

urteilt habe. Erlebnisbasierte Schilderungen würden eine signifikante 

Dichte an Realkennzeichen enthalten und sich daher durch eine erhöhte 

Aussagequalität auszeichnen. Die Gesamtbeurteilung habe gezeigt, dass 

es der Beschwerdeführerin nicht gelungen sei, bei der freien Schilderung 

der Asylgründe und auf Nachfragen zu den Kernelementen ihrer Vorbrin-

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gen Aussagen mit einer signifikanten Dichte an Realkennzeichen zu ma-

chen. Auch unter Berücksichtigung der PTBS respektive deren Einfluss auf 

das Aussageverhalten der Beschwerdeführerin und der in der Beschwer-

deschrift sowie der Stellungnahme aufgeführten Passagen, würden die 

Elemente, die für die Glaubhaftigkeit der Vorbringen der Beschwerdefüh-

rerin sprechen würden, nicht überwiegen. 

I.  

Mit Zwischenverfügung vom 1. Oktober 2019 stellte die Instruktionsrichte-

rin der Beschwerdeführerin die Vernehmlassung zu und räumte ihr Gele-

genheit ein, innert sieben Arbeitstagen eine Replik einzureichen.  

J.  

In ihrer Replik vom 9. Oktober 2019 entgegnete die Beschwerdeführerin, 

die Rechtsvertretung habe es nicht als angezeigt erachtet, sich zum Time-

out zu äussern, weil sie dieses nicht als Nachteil erachtet habe, sondern 

die Zeit für eine Besprechung mit der Beschwerdeführerin habe nutzen 

können. Das Time-out an sich werde auch nicht kritisiert, sondern nur da-

rauf hingewiesen, dass dessen früher Zeitpunkt etwas erstaunt habe. 

K.  

Mit Eingabe vom 22. Januar 2020 reichte die Beschwerdeführerin einen 

ärztlichen Bericht vom 17. Januar 2020 zu den Akten (Diagnosen: PTBS, 

[…]). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

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Seite 10 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-

schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie 

ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

3.1 Vorab ist die in der Rechtsmitteleingabe vom 13. September 2019 im-

plizit erhobene formelle Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs der 

Beschwerdeführerin zu prüfen.  

3.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes 

wegen fest. Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 

Abs. 2 BV, Art. 29 und Art. 32 Abs. 1 VwVG), das alle Befugnisse umfasst, 

die einer Partei einzuräumen sind, damit sie ihren Standpunkt wirksam zur 

Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). 

Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich zur Sache zu 

äussern, erhebliche Beweismittel beizubringen und mit erheblichen Be-

weisanträgen gehört zu werden sowie Einsicht in die Akten zu nehmen. Mit 

dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen 

tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidung ange-

messen zu berücksichtigen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass 

die betroffene Person den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfech-

ten kann. Die Behörde muss die wesentlichen Überlegungen nennen, von 

denen sie sich hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht 

erforderlich ist hingegen, dass sich die Begründung mit allen Parteistand-

punkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen aus-

drücklich erwähnt oder widerlegt. Somit darf sich die Vorinstanz bei der 

Begründung der Verfügung auf die für den Entscheid wesentlichen Ge-

sichtspunkte beschränken und ist nicht gehalten, sich ausdrücklich mit je-

der tatbeständlichen Behauptung auseinanderzusetzen (vgl. BGE 136 I 

184 E. 2.2.1, 126 I 97 E. 2.b). 

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3.3 Die Beschwerdeführerin monierte, das von der Befragerin bei der Be-

fragung vom 31. Juli 2019 vorgeschlagene Time-out und das Einholen ei-

ner Lingua-Analyse würden auf eine Voreingenommenheit der Vorinstanz 

ihr gegenüber hindeuten. Diese Rüge erscheint unbegründet. Die Durch-

führung einer Herkunftsanalyse spricht nicht für eine Voreingenommenheit 

der Vorinstanz, zumal die Beschwerdeführerin keine rechtsgenüglichen 

Identitätsdokumente, sondern lediglich eine Kopie einer Tazkera einge-

reicht hatte. Auch aus den Befragungsprotokollen ergeben sich keine Hin-

weise auf eine Voreingenommenheit der befragenden Personen oder eine 

angespannte Befragungsatmosphäre. Hinsichtlich des Time-out bei der 

Befragung vom 31. Juli 2019 erklärte die Beschwerdeführerin in ihrer Rep-

lik vom 9. Oktober 2019 selbst, dass sie dieses nicht als Nachteil erachtet 

habe. Es besteht denn auch kein Grund zur Annahme, es sei der Be-

schwerdeführerin nicht möglich gewesen, ihre Asylgründe unbelastet und 

frei darzulegen. In den Befragungsprotokollen finden sich auch keine kon-

kreten Anhaltspunkte für die Annahme, sie wäre aufgrund der psychischen 

Verfassung oder körperlicher Beschwerden nicht in der Lage gewesen, die 

Gründe, welche sie aus ihrer Sicht zur Ausreise aus Afghanistan bewogen 

hätten, darzulegen. Die Beschwerdeführerin gab in der Rechtsmittelein-

gabe vom 13. September 2019 selbst an, sie habe das Erlebte im Rahmen 

des vorinstanzlichen Verfahrens trotz der psychischen (PTBS) und körper-

lichen (Müdigkeit, Bauchschmerzen bei der Anhörung) Beschwerden um-

fassend schildern können. Dass das SEM nach einer gesamtheitlichen 

Würdigung der Parteivorbringen und Beweismittel hinsichtlich der Frage 

der Glaubhaftigkeit der Vorbringen zu einem anderen Schluss als die Be-

schwerdeführerin gelangt ist, stellt keine Verletzung des rechtlichen Ge-

hörs dar. Das SEM erachtete den Sachverhalt im Zeitpunkt des Erlasses 

der Verfügung als rechtsgenüglich erstellt. Diese Einschätzung ist nicht zu 

beanstanden. Die Würdigung des Sachverhalts durch das SEM bildet nun-

mehr Gegenstand des Beschwerdeverfahrens.  

3.4 Aufgrund des Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefochtene 

Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vor-

instanz zurückzuweisen. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

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Seite 12 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 

AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat bezie-

hungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft 

begründeterweise befürchten muss (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Eine bloss 

entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht, vielmehr müssen 

konkrete Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen realistisch 

und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5). Mass-

geblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im 

Zeitpunkt des Asylentscheids. Die Gewährung des Asyls kann nicht dazu 

dienen, einen Ausgleich für vergangenes Unrecht zu schaffen, sondern be-

zweckt vielmehr, Schutz vor künftiger Verfolgung zu gewähren (vgl. BVGE 

2008/4 E. 5.4). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Entscheidend ist, ob eine 

Gesamtwürdigung der Vorbringen ergibt, dass die Gründe, die für die Rich-

tigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Gesuchstellenden sprechen, bei ei-

ner objektivierten Sichtweise überwiegen oder nicht (vgl. BVGE 2015/3 

E. 6.5.1, 2013/11 E. 5.1, 2012/5 E. 2.2). 

5.  

5.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten in 

Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass die Beschwerde-

führerin mit ihren Vorbringen die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 

AsylG nicht zu begründen vermag. 

5.2 Das SEM erachtete die fluchtauslösenden Vorbringen der Beschwer-

deführerin, wonach sie von F._______ und (wahrscheinlich) weiteren Per-

D-4678/2019 

Seite 13 

sonen wegen abgelehnter Heiratsanträge von F._______ vergewaltigt wor-

den sei und ihr danach die Steinigung oder Zwangsvermählung mit 

F._______ gedroht habe, als den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit ge-

mäss Art. 7 AsylG nicht genügend. Dieser Einschätzung ist beizupflichten. 

Auch unter Berücksichtigung, dass Gewaltopfer Erinnerungslücken aufwei-

sen und Schwierigkeiten bekunden können, über Erlebtes zu sprechen, 

vermögen die Ausführungen der Beschwerdeführerin nicht in einem für die 

Glaubhaftigkeit genügenden Mass zu überzeugen. Die vom SEM geäus-

serten Zweifel an den Schilderungen der Beschwerdeführerin sind berech-

tigt. Mit den Ausführungen in den Rechtsmitteleingaben vermag die Be-

schwerdeführerin den aufgezeigten Widersprüchen und Unstimmigkeiten 

nichts Substanzielles entgegenzusetzen und die Zweifel an ihren Angaben 

nicht auszuräumen beziehungsweise keine gezielt gegen sie gerichtete 

Verfolgung durch F._______ respektive die Dorfbewohner im Sinne von 

Art. 3 AsylG darzulegen. Dem Einwand der Beschwerdeführerin, die Wi-

dersprüche in ihren Aussagen seien nicht erheblich, kann nicht gefolgt wer-

den. Es ist zwar verständlich, dass die Ausreise aus dem Heimatland und 

das Zurechtfinden hierzulande für die Beschwerdeführerin emotional be-

lastend waren, aber es bestehen keine konkreten Anhaltspunkte für die An-

nahme, sie wäre aufgrund der psychischen Verfassung nicht in der Lage 

gewesen, ihre Asylgründe darzulegen. Wie sie in der Rechtsmitteleingabe 

vom 13. September 2019 selbst anführte, hat sie die Umstände, die sie zur 

Flucht aus Afghanistan bewogen hätten, schildern können (vgl. hierzu auch 

die Ausführungen unter E. 3.3), und die erheblichen Ungereimtheiten in 

den Angaben zu ihrer Verfolgungssituation lassen sich nicht allein mit al-

lenfalls zeitweise verdrängten Sachverhaltsumständen oder emotionaler 

Aufwühlung bei der Erstbefragung erklären. Die Schilderungen der Be-

schwerdeführerin sind weder in inhaltlicher noch zeitlicher Hinsicht schlüs-

sig. So blieben beispielsweise ihre Angaben zu den Verfolgern äusserst 

vage ("er" respektive "F._______" beziehungsweise "sie" respektive "die 

Leute von F._______" [vgl. bspw. vorinstanzliche Akten Vorhaben 

1043335-25 F93). Bei wem es sich bei den "Leuten von F._______" konkret 

gehandelt habe, vermochte die Beschwerdeführerin nicht anzugeben (vgl. 

1043335-25 F97). Sie wich Fragen wiederholt aus, kam stattdessen auf die 

allgemeine Lage in Afghanistan zu sprechen (vgl. 1043335-25 F52 [Verge-

waltigungsopfern drohe generell die Steinigung oder Zwangsheirat mit dem 

Täter], 1043335-25 F57 [Frauen seien in Afghanistan nicht frei]), gab Ge-

spräche und Aussagen von Personen in direkter Rede wieder, obwohl sie 

selbst nicht dabei gewesen sei und den genauen Wortlaut somit gar nicht 

kennen kann (vgl. bspw. 1043335-25 F97 [F._______ habe dem Mullah in 

der Moschee gesagt, "Entweder muss sie gesteinigt werden oder an mich 

D-4678/2019 

Seite 14 

verheiratet werden"], 1043335-25 F56 [ihr Vater habe gesagt, "Du hast un-

sere Ehre befleckt und wegen dir haben wir unser Gesicht verloren" {laut 

der Beschwerdeführerin habe sie ihren Vater nach dem Vorfall aber gar 

nicht mehr gesehen und nicht mehr mit ihm gesprochen}], 1043335-25 F84 

[wörtliche Aussagen des Vaters zur Mutter nach der Flucht der Beschwer-

deführerin], 1043335-36 F39 [wörtliche Wiedergabe des ersten Telefonats 

des Schleppers in der J._______ mit F._______, das aber nicht in Anwe-

senheit der Beschwerdeführerin stattgefunden habe]), und relativierte als 

Fakten dargestellte Angaben dann als Vermutungen ihrerseits (vgl. 

1043335-25 F123 [Tötung des Vaters durch F._______]). Dieses Aussage-

verhalten vermag gesamthaft betrachtet nicht zu überzeugen. Wie es 

F._______ oder dessen Leuten gelungen sein sollte, kurze Zeit nach Ab-

fahrt der Beschwerdeführerin aus C._______ den richtigen Bus ausfindig 

zu machen beziehungsweise überhaupt von ihrer Abreise Kenntnis zu er-

langen, nachdem nebst ihrer Mutter niemand, nicht einmal ihr Vater davon 

gewusst habe, ist nicht ersichtlich. Kaum zu überzeugen vermag auch, 

dass die Entführer nicht überprüft hätten, ob die Beschwerdeführerin und 

ihre Brüder im Besitz von Mobiltelefonen gewesen seien. Unabhängig da-

von ist schlicht nicht nachvollziehbar, wie die Brüder in der Lage gewesen 

sein sollten, der Mutter den Ort ihrer Festhaltung exakt anzugeben, nach-

dem sie doch im Kofferraum eines Wagens und somit ohne Sicht auf die 

Umgebung und den zurückgelegten Weg in ein Dorf transportiert worden 

seien. Kaum vorstellbar ist des Weiteren, wie es der Mutter in nur wenigen 

Stunden gelungen sein sollte, einen Fahrer für den nächsten Morgen zu 

finden und über Nacht einen Geldtransfer von ihrem Onkel im G._______ 

zu ihr nach Afghanistan zu organisieren und dies alles erst noch vor ihrem 

Ehemann zu verheimlichen. Schliesslich vermögen auch die Ausführungen 

der Beschwerdeführerin zur Festhaltung in der J._______ nicht zu über-

zeugen. Dass der dortige, vom Onkel der Mutter im G._______ beauftragte 

Schlepper ausgerechnet mit F._______ verwandt und darüber hinaus trotz 

der grossen räumlichen Distanz über die Vorkommnisse in Afghanistan 

(Vergewaltigung der Beschwerdeführerin durch F._______) detailliert im 

Bild gewesen sein soll, ist schwer zu glauben. Hätte F._______ tatsächlich 

von dem Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der J._______ gewusst und 

sie zurückholen wollen, wäre anzunehmen, dass er dies in den Monaten, 

in denen der Schlepper die Beschwerdeführerin festgehalten habe, getan 

hätte. Die aktenkundigen Arztzeugnisse vermögen die Fluchtvorbringen 

der Beschwerdeführerin nicht zu belegen. Laut dem aktuellen Arztbericht 

vom 17. Januar 2020 leidet die Beschwerdeführer an einer PTBS und einer 

(…). Hierzu ist festzustellen, dass die fachärztliche Diagnose nicht in Frage 

gestellt wird, indes ist die Beurteilung der Fragen des Bestehens der 

D-4678/2019 

Seite 15 

Flüchtlingseigenschaft und der Gewährung des Asyls eine Rechtsfrage, 

deren Beantwortung Aufgabe der entscheidenden Behörde ist. Die vorlie-

gende Diagnose vermag die von der Beschwerdeführerin vorgebrachte 

Verfolgungssituation (Verfolgung durch F._______) nicht zu belegen. Die 

Diagnose lässt per se keine Rückschlüsse auf die konkreten Umstände 

des Zustandekommens der PTBS zu. Ein schlüssiger Nachweis über die 

spezifische Ursache der Traumatisierung, die der PTBS zugrunde liegt, 

vermag die Diagnose nicht zu liefern. Es ist zwar durchaus denkbar, dass 

das festgestellte psychische Leiden der Beschwerdeführerin auf in Afgha-

nistan (oder auf dem Weg nach Europa) erlebte Ereignisse wie sexuelle 

Misshandlungen zurückzuführen ist, jedoch können diese und insbeson-

dere deren Hintergrund allein durch die Diagnose PTBS nicht als erstellt 

erachtet werden. Die Würdigung der Aussagen einer asylsuchenden Per-

son ist Sache der Behörde beziehungsweise des Gerichts und die besagte 

Diagnose vermag die von der Beschwerdeführerin im Rahmen des Asyl-

verfahrens geschilderte Verfolgungssituation (Verfolgung durch F._______ 

nach Ablehnung Heiratsantrag) nicht zu belegen.  

5.3 Zusammenfassend ist es der Beschwerdeführerin nicht gelungen, die 

Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nachzuweisen oder zumindest 

glaubhaft zu machen. Das SEM hat das Asylgesuch der Beschwerdefüh-

rerin folgerichtig abgelehnt. 

6.  

Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 

es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug 

an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 

AsylG). Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtli-

che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer 

solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet 

(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

7.2 Nachdem das SEM in seiner Verfügung vom 4. September 2019 der 

schwierigen Sicherheitslage in Afghanistan mit der Anordnung der vorläu-

D-4678/2019 

Seite 16 

figen Aufnahme der Beschwerdeführerin in der Schweiz Rechnung getra-

gen hat, erübrigen sich praxisgemäss weitere Ausführungen zur Zulässig-

keit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs. Mit dem vor-

liegenden Entscheid tritt die vorläufige Aufnahme formell in Kraft. 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten des Verfahrens 

grundsätzlich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 

VwVG). Nachdem ihr aber mit Zwischenverfügung vom 18. September 

2019 die unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG ge-

währt wurde, ist von der Kostenerhebung abzusehen. 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-4678/2019 

Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Daniela Brüschweiler Susanne Burgherr 

 

 

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