# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2515c50d-f282-5e41-a48f-4165d205a2b2
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-10-04
**Language:** de
**Title:** Einordung. Lärmschutzwand in Kernzone. Interessenabwägung zwischen Ortsbildschutz und Lärmschutz.
**Docket/Reference:** BRGE III Nr. 0163/2023
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/2024-4.pdf

## Full Text

BRGE III Nr. 0163/2023 vom 4. Oktober 2023 in BEZ 2024 Nr. 4 

Die Baugrundstücke lagen in der Kernzone K und gleichzeitig an einer stark 
Immissionsgrenzwerte  waren  bei  allen 
befahrenen  Kantonsstrasse.  Die 
genannten  Gebäuden  sowohl  bei  Tag  als  auch  bei  Nacht  in  sämtlichen 
Geschossen an diversen Ermittlungspunkten überschritten. Deshalb plante der 
private  Rekursgegner  eine  strassenseitig  durchgehend  mit  einheimischen 
lange  und  2,5 m  hohe 
insgesamt  93,5 m 
Kletterpflanzen  begrünte, 
Lärmschutzwand  aus  Lavabeton.  Die  Lärmschutzwand  sollte  0,25-0,75  m  von 
der  Grundstücksgrenze  entfernt  gebaut  werden.  Mit  der  geplanten 
Lärmschutzwand  hätten  die  Immissionsgrenzwerte  bei  gewissen  Gebäuden 
überall und in den übrigen Gebäuden teilweise eingehalten werden können.  

Aus den Erwägungen: 

3.1.1 In seiner Rekursschrift führt der Rekurrent aus, dass die Ortsbild- und 
Denkmalschutzkommission  der  Gemeinde  X  (ODK)  empfohlen  habe,  auf  das 
Projekt  zu  verzichten bzw.  die dazu beantragte  Baubewilligung  zu  verweigern. 
Von  den  denkbaren  Lösungen  zur  Behebung  des  Lärmschutzproblems  sei 
diejenige  vorgezogen  worden,  welche  auf  Kosten  des  Ortsbild-  und 
Denkmalschutzes  gehe.  Ob  andere  Massnahmen  –  etwa  schalldichte  Fenster 
oder auch eine Temporeduktion auf 30 km/h – ins Auge gefasst worden seien, 
sei dem Rekurrenten nicht bekannt und ergebe sich auch nicht aus den Akten. 
Lärmschutzwände  seien  in  Siedlungen  in  aller  Regel  ein  ortsuntypisches 
Element,  weshalb  sie  in  geschützten  Ortsbildern,  in  Kernzonen  und  im 
Nahbereich von geschützten oder inventarisierten Gebäuden nach § 238 Abs. 2 
PBG grundsätzlich nicht zulässig seien. Die Gebote des Ortsbildschutzes gingen 
jenen des Lärmschutzes grundsätzlich vor (vgl. Art. 14 Abs. 1 lit. b und Art. 31 
Abs. 2 der Lärmschutzverordnung [LSV]). (…) 

in 

3.1.2 (…) In ihrer Vernehmlassung macht die Baubehörde geltend, dass die 
Prüfung  der  Einordnungsfrage  eine  Interessenabwägung  vorausgesetzt  habe. 
ihrer  Stellungnahme  ausschliesslich  Anliegen  des 
Die  ODK  habe 
Ortsbildschutzes berücksichtigt, wobei diese Beurteilung nicht bindend sei (…). 
Die  Baubehörde  habe  sich  vom  übergeordneten  Gesetzesrecht  leiten  lassen, 
nämlich von der Umweltschutzgesetzgebung (vgl. insb. Art. 1 Abs. 1 und Art. 7 
ihr 
Abs.  1  Umweltschutzgesetz 
zustehenden  Ermessens  habe  die  Baubehörde  zu  einer  solchen  Abwägung 
gelangen und die Lärmschutzwand als bewilligungsfähig einstufen dürfen. Es sei 
unzutreffend, wenn der Rekurrent aus Art. 14 Abs. 1 lit. b und Art. 31 Abs. 2 LSV 
ableite,  dass  die  Gebote  des  Ortsbildschutzes  jenen  des  Lärmschutzes 
grundsätzlich  vorgingen.  Diese  Bestimmungen  seien 
im  vorliegenden 
Zusammenhang nicht anwendbar. (…) 

[USG]  sowie  die  LSV).  Aufgrund  des 

5.1 Gemäss § 238 Abs. 1 PBG sind Bauten, Anlagen und Umschwung für 
sich  und  in  ihrem  Zusammenhang  mit  der  baulichen  und  landschaftlichen 
Umgebung im Ganzen und in ihren einzelnen Teilen so zu gestalten, dass eine 
befriedigende  Gesamtwirkung  erreicht  wird;  diese  Anforderung  gilt  auch  für 
Materialien und Farben. 

 
 
- 2-  

Diese  Vorschrift  enthält  eine  Grundanforderung  an  Bauten,  Anlagen  und 
Umschwung. Verlangt wird sowohl eine gewisse Qualität der Gestaltung in sich 
als auch der Einordnung in die bauliche und landschaftliche Umgebung. Dabei 
erfasst die Norm über den Wortlaut ihres Randtitels («Gestaltung») hinaus nicht 
nur  die  Gestaltungselemente  wie  beispielsweise  die  Dach-  oder  die 
Fassadengestaltung, sondern auch ortsbauliche Aspekte wie etwa die Stellung 
der Baukörper, soweit jene nicht durch speziellere Bauvorschriften geregelt sind. 
Die Frage, ob eine befriedigende Gesamtwirkung erreicht wird, ist gestützt auf 
objektive,  nachvollziehbare  Kriterien  zu  beantworten.  Blosses  Empfinden 
rechtfertigt keinen Eingriff in das Eigentum. 

Nach  §  238  Abs.  2  PBG  ist  auf  Objekte  des  Natur-  und  Heimatschutzes 
besondere Rücksicht zu nehmen. In der Nachbarschaft von Schutzobjekten bzw. 
bei  Änderungen  an  solchen  ist  demnach  mehr  als  eine  bloss  befriedigende 
Gesamtwirkung zu verlangen. Was als Objekt des Natur- und Heimatschutzes zu 
betrachten  ist,  ergibt  sich  aus  der  Aufzählung  in  § 203  Abs. 1 PBG.  Eine 
förmliche  Unterschutzstellung  wird  für  die  Anwendung  von  § 238  Abs. 2  PBG 
nicht vorausgesetzt. Vielmehr genügt es, dass sich die Schutzwürdigkeit aus der 
Aufnahme des Objektes in ein Inventar im Sinne von § 203 Abs. 2 PBG ergibt. 

Soweit  den  Gemeinden  bei  der  Anwendung  von  Bestimmungen  des 
kantonalen Rechts – wie insbesondere bei der Anwendung von § 238 PBG – als 
Ausfluss  der  Gemeindeautonomie  eine  besondere  Entscheidungs-  und 
Ermessensfreiheit  zukommt,  überprüft  das  Baurekursgericht  entsprechende 
Entscheide  mit  Zurückhaltung.  Beruht  der  kommunale  Entscheid  auf  einer 
ihn  die 
vertretbaren  Würdigung  der  massgebenden  Umstände,  so  hat 
Rekursinstanz  zu  respektieren.  Die  Rekursinstanz  darf  nur  dann  einschreiten, 
wenn die Baubehörde ihren Ermessensspielraum überschreitet, indem sie sich 
von  unsachlichen,  dem  Zweck  der  in  Frage  stehenden  Regelung  fremden 
Erwägungen leiten lässt oder allgemeine Rechtsprinzipien, wie das Verbot von 
Willkür oder den Grundsatz der Verhältnismässigkeit, verletzt. Dabei darf sich die 
Rekursinstanz jedoch nicht auf eine blosse Willkürprüfung beschränken, vielmehr 
muss  die  Eingriffsschwelle  tiefer  gesetzt  werden.  Bei  der  Prüfung  der 
Verhältnismässigkeit  sind  die  lokalen  ästhetischen  Interessen  gegenüber  den 
privaten und den überkommunalen öffentlichen Interessen an der Errichtung der 
geplanten Baute abzuwägen (vgl. BGE 145 I 52, E. 3.6., mit Hinweisen). (…) 

5.2.3 Die ODK kommt in ihrer Stellungnahme vom 11. November 2022 zum 
Schluss, dass entlang der P.-Strasse bereits etliche Lärmschutzwände und auch 
Sichtschutzwände 
installiert  worden  seien.  Diese  stünden  grösstenteils 
ausserhalb  der  Kernzone.  (…)  Vor  dem  Hintergrund  der  vom  Kanton  Zürich 
herausgegebenen  Broschüre  «Siedlungsverträgliche  Siedlungsentwicklung» 
müsse  die  Zulässigkeit  der  geplanten  Lärmschutzwände  in  Frage  gestellt 
werden. Als Ausschlussgründe würden darin die Lage in einer Kernzone und in 
der Nähe von Schutzobjekten genannt. Im Kontext von § 238 Abs. 2 PBG werde 
ausgeführt,  dass  Lärmschutzwände  sich  nicht  mit  den  geltenden  erhöhten 
Gestaltungsanforderungen in Einklang bringen liessen. Schutzwürdige Ortsbilder 
und einzelne Schutzobjekte würden in Struktur und Erscheinung durch Wände 
oder Wälle zu stark gestört. Lärmschutzwände seien als solche ortsuntypische 
Elemente und könnten folglich nicht als kernzonentypische Gestaltung gewertet 

 
 
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werden.  Hinsichtlich  des  Ortsbildschutzes  sei  festzuhalten,  dass  neben  der 
bereits erfolgten Durchschneidung des historisch gewachsenen Ortskerns durch 
die Kantonsstrasse, Lärm- und Sichtschutzwände diese Trennung optisch noch 
weiter  verstärken  würden.  Der  historische  Ortskern  zerfiele  in  zwei  Teile.  Die 
noch bestehenden Sichtbezüge zur historischen Bebauung würden aufgehoben. 
Durch  eine  Setzung  von  Lärmschutzwänden  beidseits  der  Strasse  würde 
überdies eine Tunnelwirkung erzeugt, was zur Folge hätte, dass der historische 
Ortskern  in  seiner  Struktur  nicht  mehr  wahrnehmbar  wäre.  (…)  Aus  diesen 
Gründen werde eine Verweigerung sämtlicher Lärmschutzwände empfohlen. Für 
die bereits unbewilligt erstellten Sichtschutzwände (…) sollte ein Rückbau verfügt 
werden. (…) 

5.2.5 Anlässlich des Augenscheins bestätigten sich die Feststellungen der 
ODK  (…).  Von  der  P.-Strasse  her  bietet  sich  dem  Betrachter  aktuell  ein  zwar 
bereits  durch  bestehende  (wohl  teilweise  rechtswidrige)  Sichtschütze  und 
Pflanzen  eingeschränkte, 
intakte  Sicht  auf  die 
jedoch  ansonsten 
Kernzonengebäude und Inventarobjekte auf den Baugrundstücken. (…)  

Zutreffend 

ist,  dass 

in  der  benachbarten  Wohnzone  diverse 
Lärmschutzwände  bestehen  und  das  dort  bestehende  heterogene  Ortsbild 
prägen.  In  der  Wohnzone  finden  sich  jedoch  vor  allem  Gebäude  neueren 
Zeitalters,  welche  eine  ganz  andere  optische  Wirkung  haben  als  die  (…) 
historisch anmutenden Gebäude in der benachbarten Kernzone, in welcher auch 
die  Baugrundstücke  liegen.  Es  besteht  daher  heute  nicht  nur  hinsichtlich 
Lärmschutzwänden,  sondern  auch  bezüglich  der  allgemeinen  ästhetischen 
Wirkung ein klar wahrnehmbarer optischer Unterschied zwischen Kernzone und 
Wohnzone  und  dem  diesbezüglichen  Ortsbild. 
(…)  Während  sich 
Lärmschutzwände  in  der  unsensiblen  Wohnzone  unter  Umständen  ins  durch 
moderne Bauten geprägte Bild einfügen können, stellt die streitgegenständliche 
Lärmschutzwand am geplanten Ort in der vorliegenden Kernzone ein modernes 
und  ortsuntypisches  Element  dar.  Die  rechtwinklige  Anordnung  der  Kernzone 
und  deren  Nähe  zur  Wohnzone  kann  vorliegend  nicht  davon  entbinden,  den 
Interessen 
kernzonenspezifischen  ästhetischen  und  ortsbildschützerischen 
gebührend Rechnung zu tragen.  

Mit  der  geplanten  Lärmschutzwand  würde  die  zumindest  teilweise  noch 
intakte Sicht auf die schützenswerten Gebäude vom öffentlichen Raum der P.-
Strasse her praktisch verunmöglicht. Vom Strassenraum her würde die hohe und 
lange,  relativ  monotone  und  abweisende  Lärmschutzwand  das  Sichtfeld 
massgeblich dominieren und zu einer optisch unbefriedigenden Zweiteilung des 
kernzonenspezifischen Ortsbilds führen. (…)  

5.2.6  Nach  dem  Gesagten  würde  mit  der  geplanten  Lärmschutzwand  die 
Wirkung  der  Schutzobjekte  und  das  durch  sie  geprägte  kernzonenspezifische 
Ortsbild mit Blick von Norden, Osten und Süden auf einer Länge von fast 100 m 
massiv  beeinträchtigt.  Daran  vermag  auch  die  geplante  Begrünung  nichts  zu 
ändern;  insbesondere  da  diese  die  dominante,  massive  und  abgrenzende 
Wirkung der Lärmschutzwand nicht abzuschwächen vermag. 

 
 
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Die  durch  die  geplante  Lärmschutzwand 

tangierten  denkmal-  und 
ortsbildschützerischen 
erheblichen 
Beeinträchtigung und – aus denkmalschützerischer und ortsbildrechtlicher Sicht 
– klar ungenügenden Rücksichtnahme im vorliegenden Fall hoch zu gewichten.  

Interessen 

infolge 

dieser 

sind 

Dass  dem  Ortsbild-  und  Denkmalschutz  auch  im  allgemeinen  ein  hohes 
öffentliches  Interesse  zukommt,  ergibt  sich  nicht  nur  aus  § 238  Abs. 2  PBG, 
sondern  bereits  aus  Art.  78  der  Bundesverfassung  (BV).  Es  vermag  die 
vorliegend betroffenen diesbezüglichen Interessen nicht zu schmälern, dass die 
Kernzone  von  A.  weder  im  ISOS  noch  in  einem  anderweitig  schützenswerten 
Ortsbild  von  überkommunaler  oder  kantonaler  Bedeutung  aufgenommen  ist. 
Dieser  Umstand  führt  lediglich  dazu,  dass  diesen  Interessen  nicht  noch  mehr 
Gewicht zukommt. 

5.3  Auch  an  einem  ausreichenden  Lärmschutz  besteht  grundsätzlich  ein 
hohes öffentliches Interesse (Art. 74 BV; USG, LSV). Der Gesetzgeber schreibt 
zur Wahrung dieser Interessen bei altrechtlichen Anlagen, welche übermässige 
Lärmimmissionen 
verursachen  –  wie  bei  der  P.-Strasse  –,  ein 
Sanierungsverfahren vor (Art. 13 ff. LSV). In diesem Verfahren ist grundsätzlich 
Massnahmen,  welche  die  Lärmerzeugung  verhindern  oder  verringern,  den 
Vorzug  zu  geben  gegenüber  Massnahmen,  die  lediglich  die  Lärmausbreitung 
verhindern  (Art. 13 Abs. 3 LSV).  Die  Anlagen  müssen  grundsätzlich  soweit 
saniert  werden,  dass  die  Immissionsgrenzwerte  nicht  überschritten  werden. 
Würde  eine  Sanierung  unverhältnismässige  Betriebseinschränkungen  oder 
Kosten  verursachen  oder  stehen  überwiegende  Interessen  namentlich  des 
, Natur- und Landschaftsschutzes, der Verkehrs- und Betriebssicherheit 
Ortsbild
oder  der  Gesamtverteidigung  entgegen,  können  Erleichterungen  gewährt 
werden, wobei bei öffentlichen oder konzessionierten Anlagen unter Umständen 
sogar  die  Alarmwerte  überschritten  werden  dürfen  (Art. 14 LSV).  Bei  einer 
Überschreitung  der  Alarmwerte  sind  jedoch  Schallschutzmassnahmen  an 
bestehenden  Gebäuden  zu 
Im  Rahmen  des 
Sanierungsverfahrens  sind 
lärmarme  Beläge  und 
Temporeduktionen als Massnahmen an der Quelle zu prüfen.  

insbesondere  auch 

(Art.  15  LSV). 

treffen 

‑

Zwar  war  die  Baubehörde  vorliegend  nicht  berechtigt  oder  verpflichtet, 
alternative Massnahmen für einen ausreichenden Lärmschutz an der P.-Strasse 
(als Staatsstrasse) von sich aus zu prüfen. Durchaus relevant ist die Möglichkeit 
solcher  Massnahmen  jedoch  für  die  vorzunehmende  Interessenabwägung. 
Wären  nämlich  vorliegend 
tatsächlich  mindestens  genauso  effektive 
verhältnismässige alternative Massnahmen – insbesondere auch an der Quelle 
– möglich, welche die Ortsbild- und Denkmalschutzinteressen nicht oder weniger 
tangierten, wäre das lärmschutzrechtliche öffentliche Interesse an der geplanten 
Lärmschutzwand mangels Notwendigkeit als gering einzustufen. Hinzu kommt, 
dass dem öffentlichen Interesse hinsichtlich Lärmschutz bei einer Überschreitung 
der  Immissionsgrenzwerte  nicht  immer  und  absolut  den  Vorzug  zu  geben  ist. 
Sogar  finanzielle  Interessen,  welche  in  ortsbild-  und  denkmalschützerischen 
Belangen in aller Regel nicht zu überwiegen vermögen, rechtfertigen im Rahmen 
einer  Sanierung  Erleichterungen,  mit  denen  –  ohne  eine  Verpflichtung  zu 
passiven  Schallschutzmassnahmen  als  Ersatzmassnahmen  –  lärmmässige 
Immissionen  von  der  Anwohnerschaft  bis  zum  Alarmwert  geduldet  werden 

 
 
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müssen.  Dem  öffentlichen  Interesse  an  Lärmschutz  kann  in  einem  privaten 
Baubewilligungsverfahren nicht ein höheres Gewicht zukommen als in dem dafür 
vorgesehenen  gesetzlichen  Verfahren.  Deshalb  ist  es  vorliegend  auch  nicht 
statthaft, ohne eine Evaluation sämtlicher tangierten Interessen sowie ohne die 
im  Rahmen  der 
Prüfung  der  Möglichkeit  von  Alternativmassnahmen 
Einordnungsprüfung  von  einem  konkreten  hohen  öffentlichen  Interesse  an  der 
geplanten  Lärmschutzwand  auszugehen,  welches  die  tangierten  ästhetischen 
und denkmal- sowie ortsbildschutzrechtlichen Interessen überwiegt.  

Bei der Gewichtung der lärmschutzrechtlichen (öffentlichen) Interessen fällt 
vorliegend  weiter  ins  Gewicht,  dass  auch  mit  der  geplanten  Lärmschutzwand 
nicht  in  allen  durch  sie  zu  schützenden  Gebäuden  die  Immissionsgrenzwerte 
eingehalten  werden  können.  An  rund  25 %  der  Ermittlungspunkte  bleiben  die 
Immissionsgrenzwerte in der Nacht und an 15 % der Ermittlungspunkte am Tag 
ist  demnach 
überschritten.  Die  Zwecktauglichkeit  der  Lärmschutzwand 
beschränkt. 
Im  Rahmen  eines  allfälligen  Sanierungsverfahrens  müssten 
insbesondere  dennoch  weitere  Massnahmen  für  den  gesetzlich  angestrebten 
lärmmässigen Idealzustand (Einhaltung Immissionsgrenzwerte) geprüft werden. 
der 
Auf 
Immissionsgrenzwerte an allen Ermittlungspunkten nicht von vorherein verzichtet 
werden (vgl. Art. 13 Abs. 4 lit. b LSV). 

Sanierungsverfahren 

könnte  mangels 

Einhaltung 

ein 

Die 

Immissionsgrenzwerte  sind  um  2-5 dB(A)  überschritten.  Eine 
Veränderung  des  Schallpegels  um  3 dB(A)  hat  zwar  –  wie  die  Baubehörde 
zutreffend ausführt – eine Verdoppelung bzw. Halbierung der Schallintensität zur 
Folge;  diese  ist  durch  das  menschliche  Ohr  jedoch  nur,  aber  immerhin 
wahrnehmbar. Eine Verdreifachung der Schallintensität führt zu einer Erhöhung 
des Schallpegels um 5 dB(A); sie ist deutlich wahrnehmbar. Die Erhöhung des 
Schallpegels  um  10 dB(A)  wird  als  Verdoppelung  des  Lärms  wahrgenommen 
(Wolf,  in:  Kommentar  zum  Umweltschutzgesetz,  2. A.,  Hrsg.  Vereinigung  für 
Umweltrecht/Helen Keller, 1998 ff., Vorb. Zu Art. 19-25 Rz. 9). Die gemessenen 
Schallintensitäten  liegen  an  allen  Ermittlungsorten,  an  welchen  am  Tag  eine 
Immissionsgrenzwertüberschreitung  festgestellt  wurde,  nur  nicht  wahrnehmbar 
oder wahrnehmbar über dem massgeblichen Immissionsgrenzwert. In der Nacht 
ist  der 
Immissionsgrenzwert  bei  der  S.-Strasse  2  und  4  an  vielen 
Ermittlungspunkten,  bei  denen  eine  Überschreitung  gemessen  wurde,  deutlich 
wahrnehmbar überschritten, wogegen bei der S.-Strasse 6 und 10 der Lärm in 
der  Nacht  nur  nicht  wahrnehmbar  bis  wahrnehmbar  über  dem 
Immissionsgrenzwert liegt. Die Überschreitungen sind jedoch nicht derart, dass 
eine  Halbierung  des  Lärms  notwendig  wäre,  um  die  Immissionsgrenzwerte 
einzuhalten. Dies ist bei der Interessenabwägung ebenfalls zu berücksichtigen. 

Nach  dem  Gesagten  sind  die  geltend  gemachten  öffentlichen 
lärmschutzrechtlichen  Interessen  zwar  durchaus  von  Gewicht,  jedoch  im 
vorliegenden Fall aufgrund der ausgeführten Umstände erheblich zu relativieren. 
Insbesondere ohne eine umfassende Wertung und Berücksichtigung sämtlicher 
tangierten  Interessen  sowie  Prüfung  von  Alternativmassnahmen  vermag  das 
(öffentliche) lärmschutzrechtliche Interesse die konkret betroffenen ästhetischen 
sowie ortsbild- und denkmalschützerischen Interessen nicht zu überwiegen. 

 
 
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5.4  Was  das  private  Interesse  an  einem  dem  gesetzlichen  Idealzustand 
möglichst nahekommenden Lärmschutz anbelangt, der darüber hinaus auch im 
Vorgartenbereich,  in  welchem  keine  Grenzwerte  einzuhalten  sind,  Wirkung 
entfalten  würde,  vermag  auch  dieses  das  durch  § 238  PBG  geschützte 
öffentliche Interesse am Ortsbild- und Denkmalschutz nicht zu überwiegen.  

Eine  Bauverweigerung 

inventarisierten  Gebäude  noch  vorhanden 

ist  eine  zwecktaugliche  und  notwendige 
Massnahme, um das, was vom historischen Ortsbild und der Wirkung der dieses 
prägenden 
ist,  vor  weiteren 
Beeinträchtigungen  zu  schützen  und  vor  einer  massiven  Verschandelung  zu 
bewahren.  Die  Bauverweigerung  zur  Durchsetzung  dieser  öffentlichen 
Interessen ist im konkreten Fall auch zumutbar. So führt die Überschreitung der 
Immissionsgrenzwerte  zwar  dazu,  dass  in  Kauf  genommen  wird,  dass  die 
Anwohner  in  ihrem  Wohlbefinden  erheblich  gestört  werden  (vgl. Art. 15  USG). 
-schädigung  bzw.  Gefährdung 
Von  einer  Gesundheitsgefährdung  oder 
hochwertiger  Rechtsgüter  oder  Grundrechtsverletzung  ist  jedoch  mangels 
in: 
Überschreitung  des  Alarmwerts  nicht  auszugehen 
Kommentar 
für 
Umweltrecht/Helen  Keller,  1998 ff.,  Art. 19  Rz. 16).  Hinzuweisen  ist  sodann 
darauf,  dass  im  Erdgeschoss  die  Immissionsgrenzwerte  am  Tag,  wo  mit  einer 
Nutzung der Vorgärten zu rechnen ist, nur unwesentlich bis wahrnehmbar (1-3 
dB[A])  überschritten  sind,  weshalb  auch  im  Vorgartenbereich  von  keiner 
wesentlich grösseren Lärmbelastung auszugehen ist. (…) 

(vgl.  Zäch/Wolf, 
zum  Umweltschutzgesetz,  2. A.,  Hrsg.  Vereinigung 

5.5  Zusammenfassend  vermögen  die  geltend  gemachten  privaten  und 
öffentlichen  Interessen  hinsichtlich  Lärmschutz  die  betroffenen  ortsbild-  und 
denkmalschützerischen  sowie  ästhetischen  Interessen  nicht  zu  überwiegen, 
auch nicht gesamthaft. Vor dem Hintergrund des oben Ausgeführten erweist sich 
die  von der  Baubehörde  vorgenommene  Interessenabwägung  und  Beurteilung 
der Einordnung im Sinne von § 238 PBG als nicht mehr innerhalb ihres durch die 
Gemeindeautonomie geschützten Beurteilungsspielraums liegend.