# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 38ade3b4-ef9a-5bde-a1ee-0568b5a247df
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-03-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.03.2024 F-1357/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-1357-2024_2024-03-12.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-1357/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 2 .  M ä r z  2 0 2 4  

Besetzung 
 Einzelrichter Basil Cupa, 

mit Zustimmung von Richterin Esther Marti;   

Gerichtsschreiberin Nathalie Schmidlin. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

B._______, geboren am (…), 

C._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch Lara Hoeft, Verein Pikett Asyl,  

Beschwerdeführende,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren) - Mehrfachgesuch; 

Verfügung des SEM vom 21. Februar 2024. 

 

 

 

F-1357/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführenden suchten am 23. Mai 2023 in der Schweiz um 

Asyl nach. Mit Verfügung vom 27. Juni 2023 trat die Vorinstanz auf ihre 

Asylgesuche nicht ein und ordnete ihre Überstellung nach Lettland an (be-

stätigt mit Urteil des BVGer F-3703/2023 vom 7. Juli 2023). Am 31. Okto-

ber 2023 wurden die Beschwerdeführenden nach Lettland überstellt.  

B.  

B.a. Am 9. Januar 2024 suchten die Beschwerdeführenden in der Schweiz 

schriftlich erneut um Asyl nach. 

B.b. Mit Schreiben vom 17. Januar 2024 nahm die Vorinstanz die Eingabe 

vom 9. Januar 2024 als Mehrfachgesuch im Sinne von Art. 111c des Asyl-

gesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) entgegen und gewährte 

den Beschwerdeführenden das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nicht-

eintretensentscheid und der Möglichkeit der Überstellung nach Lettland, 

dessen Zuständigkeit für die Behandlung der Asylgesuche grundsätzlich in 

Frage komme.  

B.c. Gleichentags ersuchte die Vorinstanz die lettischen Behörden um 

Übernahme der Beschwerdeführenden gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b 

der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des 

Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur 

Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-

staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-

trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). 

B.d. Am 26. Januar 2024 reichten die Beschwerdeführenden eine Stel-

lungnahme ein. Mit Schreiben vom 31. Januar 2024 hiessen die lettischen 

Behörden das Übernahmegesuch der Vorinstanz gut.  

B.e. Mit Verfügung vom 21. Februar 2024 (eröffnet am 27. Februar 2024) 

trat die Vorinstanz auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht 

ein, ordnete ihre Überstellung nach Lettland an und forderte sie auf, die 

Schweiz nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig wies 

die Vorinstanz auf die einer allfälligen Beschwerde von Gesetzes wegen 

fehlende aufschiebende Wirkung hin, beauftragte den Kanton D._______ 

mit dem Wegweisungsvollzug und erhob eine Gebühr von Fr. 600.–. 

 

F-1357/2024 

Seite 3 

C.  

C.a. Mit Beschwerde vom 1. März 2024 an das Bundesverwaltungsgericht 

liessen die Beschwerdeführenden beantragen, in vollumfänglicher Aufhe-

bung der angefochtenen Verfügung sei die Vorinstanz anzuweisen, auf die 

Asylgesuche einzutreten und das Asylverfahren in der Schweiz durchzu-

führen. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die 

Sache zu weiteren Sachverhaltsabklärungen an die Vorinstanz zurückzu-

weisen. Subeventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, von den zuständi-

gen Behörden Zusicherungen einzuholen, dass ab dem Zeitpunkt der An-

kunft in Lettland umgehend Obdach, Nahrung, eine adäquate und regel-

mässige medizinische sowie psychologische Behandlung zur Verfügung 

stehe. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die 

Vollzugsbehörden seien anzuweisen, von einer Überstellung nach Lettland 

abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die Beschwerde ent-

schieden habe. Überdies ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung und Verbeiständung.  

C.b. Am 4. März 2024 ordnete der Instruktionsrichter einen superproviso-

rischen Vollzugsstopp an. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 6 AsylG). 

1.2. Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die üb-

rigen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs. 1 VwVG], 

Frist [Art. 108 Abs. 3 AsylG] und Form [Art. 52 Abs. 1 VwVG]) sind erfüllt. 

Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

2.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, die Asylgesuche auf ihre Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwerde-

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instanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht 

auf die Asylgesuche nicht eingetreten ist (BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 

E. 2.2, je m.w.H.).  

3.  

Die Beschwerde erweist sich – wie im Folgenden zu zeigen ist – als offen-

sichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zustän-

digkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin beziehungsweise eines 

zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines Schrif-

tenwechsels und mit summarischer Begründung zu behandeln ist 

(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

4.  

Beim Entscheid, ob ein Folgegesuch, das nach einer im Dublin-Verfahren 

ergangenen Nichteintretens- und Überstellungsverfügung eingereicht wird, 

ein Wiedererwägungs- (Art. 111b AsylG) oder ein Mehrfachgesuch 

(Art. 111c AsylG) darstellt, ist darauf abzustellen, ob die Überstellung be-

reits vollzogen wurde (Mehrfachgesuch) oder nicht (Wiedererwägung; vgl. 

BVGE 2017 VI/5 E. 4). Die rechtliche Qualifikation der Eingabe vom 9. Ja-

nuar 2024 als Mehrfachgesuch durch die Vorinstanz stellen die Beschwer-

deführenden nicht in Frage, weshalb sich Weiterungen dazu erübrigen. 

5.  

Die Vorbringen der Beschwerdeführenden in Bezug auf das Bestehen sys-

temischer Mängel gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO im lettischen Asylver-

fahren wurden im Urteil F-3703/2023 vom 7. Juli 2023 gewürdigt, weshalb 

darauf nicht (nochmals) näher einzugehen ist. Ein Mehrfachgesuch dient 

nicht dazu, rechtskräftige Entscheide in Frage zu stellen und – basierend 

auf demselben Sachverhalt – eine andere rechtliche Würdigung der Par-

teivorbringen zu verlangen (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer D-39/2023 

vom 13. März 2023 E. 6.1). Durch ihre erneute Einreise in die Schweiz we-

nige Wochen nach der Überstellung nach Lettland haben sich die Be-

schwerdeführenden einem dortigen Asylverfahren bereits zum zweiten Mal 

eigenverantwortlich entzogen. In diesem Zusammenhang sind die Be-

schwerdeführenden zum wiederholten Mal darauf hinzuweisen, dass die 

Dublin-III-VO den Antragstellenden kein Wahlrecht hinsichtlich des Mit-

gliedstaates gewährt, der ihren Antrag prüfen soll (BVGE 2010/45 E. 8.3; 

Urteil F-3703/2023 vom 7. Juli 2023 E. 8.2.1). 

6.  

Die Beschwerdeführenden beantragen die Ausübung des sogenannten 

Selbsteintrittsrechts nach Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO und 

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Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, 

SR 142.311) und machen im Wesentlichen geltend, eine erneute Überstel-

lung nach Lettland führe zu einer Verletzung völkerrechtlicher Verpflichtun-

gen der Schweiz. Durch den verweigerten Zugang zur medizinischen Ver-

sorgung habe sich der Gesundheitszustand der gesamten Familie erheb-

lich verschlechtert, womit eine Verletzung von Art. 3 EMRK vorliege. 

7.  

7.1. Lettland ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 

10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105), des Abkom-

mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 3. Januar 1967 

(SR 0.142.301) und hat die diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtun-

gen zu beachten. 

7.2. Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen 

Problemen stellt nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen 

Art. 3 EMRK dar. Eine vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwer-

kranke, die durch die Abschiebung – mangels angemessener medizini-

scher Behandlung im Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert wür-

den, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ih-

res Gesundheitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden 

oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde 

(vgl. Urteile des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, 

Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.; bestätigt durch Savran ge-

gen Dänemark 7. Dezember 2021, Grosse Kammer 57467/15, §§ 121 ff.). 

7.3. In Bezug auf den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin ist ak-

tenkundig, dass sie sich seit dem 17. Januar 2024 in ambulanter psycho-

logischer Behandlung befindet. Gemäss einem Bericht von psychologi-

schen Fachpersonen vom 1. Februar 2024 leidet sie an einer schweren 

Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), einer schweren rezidivie-

renden Depression mit somatischen Symptomen (Appetitlosigkeit, Kopf-

schmerzen, Magenprobleme, Schlafstörungen, Gliederschwere), Panikat-

tacken und einer latenten, phasenweise manifesten, Suizidalität. Die ge-

waltsame Abholung im Asylzentrum, die Trennung von der Tochter auf der 

Flugreise, die fehlende psychiatrische Behandlung sowie ein erneuter Su-

izidversuch in Lettland hätten zu einer Retraumatisierung der bereits zuvor 

schwer erkrankten Beschwerdeführerin geführt. Gemäss einem Schreiben 

der Klinik für (…) des Universitätsspitals D._______ wird sich die 

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Beschwerdeführerin am 11. März 2024 einer nicht näher bezeichneten 

Operation unterziehen und für voraussichtlich drei Tage hospitalisiert sein.  

7.4. Der Beschwerdeführer befindet sich ebenfalls in ambulanter Behand-

lung und leidet gemäss einem Bericht der behandelnden Fachärztin für 

Psychiatrie und Psychotherapie vom 7. Februar 2024 an einer komplexen 

PTBS mit Hyperarousal (äussere sich in Form einer permanenten Über-

wachheit und eines angespannten Körpertonus) und einer rezidivierenden 

Depression, aktuell schwer, mit somatischen Symptomen (Appetitlosigkeit, 

Gewichtsverlust, Schlafstörungen, Albträume). Es bestehe ein hohes Ri-

siko einer psychischen Dekompensation aufgrund der hohen Belastung mit 

zusätzlich täglichen retraumatisierenden Episoden. Suizidabsichten habe 

der Beschwerdeführer glaubhaft verneint.  

7.5. Gemäss einem Bericht einer Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychi-

atrie sowie Psychotherapie vom 5. Februar 2024 leidet die Tochter der Be-

schwerdeführenden an einer PTBS durch mehrfache Traumaerfahrungen. 

Sie benötige dringend innere und äussere Sicherheit für sich und die El-

tern, eine stabile und ruhige Umgebung, keine weiteren Ängste oder Be-

drohungen durch Flucht oder Ausschaffung, eine nachhaltige psychiatri-

sche Behandlung der Mutter (die manifeste Suizidalität der Mutter schade 

der Tochter sehr) und eine Beruhigung des Nervensystems des Vaters.  

7.6. Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführenden erweist sich zwei-

fellos als instabil. Von derart gravierenden Krankheitsbildern, welche die 

Annahme der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne der zi-

tierten restriktiven Rechtsprechung (siehe E. 7.2 hiervor) rechtfertigen 

würde, kann jedoch nicht ausgegangen werden (vgl. Urteile des BVGer  

D-5066/2023 vom 10. November 2023 E. 8.2.4.1 ff.; E-1775/2023 vom 

6. April 2023 E. 7.2.4; E-4348/2021 vom 15. Dezember 2022 E. 7.3.2 ff.; 

D-5691/2020 vom 9. Januar 2021 E. 6.3.2). Den Arztberichten sind weder 

Angaben zum angeblich von der Beschwerdeführerin benötigen Antide-

pressivum «(…)» noch zu einer anderen medikamentösen Behandlung der 

Beschwerdeführenden zu entnehmen. Die dokumentierten psychischen 

Leiden sind auch in Lettland behandelbar, wo eine ausreichende medizini-

sche Versorgung zur Verfügung steht (vgl. statt vieler: Urteile des BVGer 

E-4413/2023 vom 29. August 2023 E. 8.2.1; F-2440/2023 vom 5. Mai 2023 

E. 8.5; je m.H.). Betreffend der vorgebrachten Suizidgefahr der Beschwer-

deführerin ist darauf hinzuweisen, dass gemäss Rechtsprechung Suizida-

lität grundsätzlich kein Vollzugshindernis darstellt (vgl. Urteil BGer 

2C_221/2020 vom 19. Juni 2020 E. 2 sowie statt vieler: Urteile des BVGer 

F-5061/2022 vom 15. März 2023 E. 8.2; D-2804/2022 vom 

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9. Februar 2023 E. 7.3.5). Die Geltendmachung eines Suizidrisikos ver-

pflichtet die Behörden nicht, von einer Ausschaffung abzusehen (Entscheid 

des EGMR Al-Zawatia gegen Schweden vom 22. Juni 2010, 50068/08, 

§ 57 f.). 

7.7. Bezüglich des geltend gemachten, verweigerten Zugangs zur medizi-

nischen Versorgung in Lettland, ist darauf hinzuweisen, dass die Mitglied-

staaten verpflichtet sind, den Antragstellenden die erforderliche medizini-

sche Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt er-

forderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Stö-

rungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 der Richtlinie des 

Europäischen Parlaments und des Rates 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 

zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internati-

onalen Schutz beantragen [Aufnahmerichtlinie]); den Antragstellenden mit 

besonderen Bedürfnissen ist die erforderliche medizinische oder sonstige 

Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer geeigneten psychologischen Be-

treuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Die eingereich-

ten Videos und ein Foto, mit welchen die verweigerte Abgabe der angeblich 

benötigen Medikation belegt werden soll, sind nicht geeignet, die Regel-

vermutung umzustossen, dass Lettland seinen völkerrechtlichen Verpflich-

tungen nachkommt (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.). Wie die Vorinstanz zu-

treffend ausführte, lässt sich ohne entsprechende Hintergrundinformatio-

nen nicht beurteilen, ob die Entscheidung des medizinischen Personals, 

den Beschwerdeführenden die von ihnen verlangten Medikamente nicht 

auszuhändigen, richtig oder falsch war. Vielmehr lassen die Videos darauf 

schliessen, dass sie in Lettland Zugang zur medizinischen Versorgung hat-

ten und die Beschwerdeführerin (notfall-)medizinisch betreut wurde.  

7.8. Auch das Kindeswohl steht einer Überstellung der Beschwerdeführen-

den nach Lettland nicht entgegen. Es liegen keine erhärteten Hinweise da-

für vor, dass sich Lettland als Signatarstaat des Übereinkommens über die 

Rechte des Kindes (Kinderrechtskonvention [KRK], SR 0.107) nicht an 

seine entsprechenden völkerrechtlichen Verpflichtungen halten würde. Die 

Tochter kann nach der Überstellung weiterhin in der Obhut ihrer Eltern blei-

ben. Einen unmittelbaren Anspruch auf die Erteilung einer ausländerrecht-

lichen Bewilligung, a fortiori also auch einen Anspruch auf Aufenthalt im 

Staat mit den für ein Kind vorteilhaftesten Bedingungen, gewährt die KRK 

nicht (vgl. Urteil des BVGer F-6644/2023 vom 13. Dezember 2023 E. 5.4 

m.w.H.). Der Verweis auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts  

D-6757/2023 vom 13. Dezember 2023 erweist sich als unbehilflich, weil in 

jenem Verfahren die Bestimmungen der KRK – im Gegensatz zur vorlie-

gend angefochtenen Verfügung – keine Erwähnung fanden. 

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Seite 8 

7.9. Schliesslich hat die Vorinstanz unter Bezugnahme auf die Schilder-

ungen der Beschwerdeführenden deren individuelle Situation und insbe-

sondere die eingereichten Beweismittel betreffend den angeblich verwei-

gerten Zugang zur medizinischen Versorgung in Lettland konkret geprüft. 

Es ist weder dargetan noch ersichtlich, inwiefern weitere Abklärungen 

hätten vorgenommen werden müssen. Der Umstand, dass die Beschwer-

deführenden die Schlussfolgerungen der Vorinstanz nicht teilen, stellt 

keine Verletzung der Pflicht zur vollständigen oder richtigen Sachverhalts-

abklärung dar, sondern betrifft vielmehr die Frage der rechtlichen 

Würdigung der vorliegenden Beweise. Der Eventualantrag auf Rück-

weisung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung ist abzuweisen. 

8.  

Demnach hat die Vorinstanz das Selbsteintrittsrecht gemäss Art. 17 Abs. 1 

Dublin-III-VO und Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 zutreffend nicht ausgeübt, zumal 

die Schweiz weder völkerrechtlich verpflichtet ist, auf die Asylgesuche ein-

zutreten, noch Rechtsfehler bei der Ermessensbetätigung dargetan oder 

ersichtlich sind. Mithin besteht kein Anlass für die Einholung individueller 

Garantien bezüglich des Zugangs zu Unterbringung, Nahrung und medizi-

nischer Versorgung, weshalb der entsprechende Subeventualantrag abzu-

weisen ist. 

9.  

Nach dem Gesagten ist die Vorinstanz zu Recht auf die Asylgesuche der 

Beschwerdeführenden nicht eingetreten und hat ihre Überstellung nach 

Lettland angeordnet. Die Beschwerde ist abzuweisen. Mit vorliegendem 

Urteil fällt der angeordnete Vollzugsstopp dahin. Die Gesuche um Gewäh-

rung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde und um Verzicht auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses sind mit heutigem Entscheid gegen-

standslos geworden. 

10.  

Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Ver-

beiständung sind abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorste-

henden Erwägungen ergibt – als offensichtlich aussichtslos zu bezeichnen 

sind. Die Verfahrenskosten sind entsprechend den unterliegenden Be-

schwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und praxisge-

mäss auf insgesamt Fr. 1’500.– festzusetzen (Art. 1 ff. des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

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Seite 9 

11.  

Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 1'500.– werden den Beschwerdeführenden 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns-

ten der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Basil Cupa Nathalie Schmidlin 

 

 

Versand: