# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9cabf9df-5e15-554c-b4c1-bf04a6c2d01a
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-08-11
**Language:** de
**Title:** Leichte bis mittelschwere depressive Zustände als Reaktion auf berufliche Überforderung sind nicht invalidisierend; Keine Bindungswirkung der IV-Verfügung, da diese offensichtlich unhaltbar ist; Zudem verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung.
**Docket/Reference:** BV.2014.00079
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/BV.2014.00079.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
BV.2014.00079
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Sozialversicherungsrichter Vogel
Gerichtsschreiber Hübscher
Urteil
vom
11. August 2016
in Sachen
X.___
Klägerin
vertreten durch Rechtsanwalt Tobias
Figi
Fankhauser Rechtsanwälte
Rennweg 10, 8022 Zürich
gegen
1.
Pensionskasse Y.___
2.
Pensionskasse Z.___
Beklagte
Beklagte 1 vertreten durch Rechtsanwalt Andreas
Gnädinger
Hubatka
Müller Vetter, Rechtsanwälte
Seestrasse 6, Postfach 1544, 8027 Zürich
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1973,
erlangte die Matura und schloss in der Folge die Hotelfachschule ab (
Urk.
15/6/6
,
Urk.
15/14/2
)
.
Da
nach
war sie für verschiedene Arbeitgeber tätig und bezog zwischendurch
Arbeitslosenent
schädi
gung
(vgl.
Urk.
15/10
,
Urk.
15/14/2
).
Von April 2002 bis Oktober 2004 absol
vierte
sie
ein Studium zur
Betriebsökonomin FH
an der
A.___
,
B.___
(
Urk.
15/6/6
,
Urk.
15/14/2
). Daneben
arbeitete
sie von August 2003 bis Januar 2005
in einem 80%-Pensum
als Werbeberaterin
für die
C.___
AG
(Urk.
15/6/7)
.
Sie
war
sodann
Finalistin in der Sendung „
D.___
“, welche ein Bewerbungsverfahren für eine mit einem Jahresgehalt von Fr. 200'000.
--
entlöhnte
Projektmanagement-Tätigkeit bei der
E.___
,
F.___
, zum Gegen
stand hatte und
von
April
2005 bis
Juni 2005
im
G.___
gezeigt
wurde (vgl.
Urk.
15/123/8-11
).
V
om 13. Juni 2005 bis 31. Mai 2006
arbeitete
sie
in einem
100%
-
Pensum als Leiterin Marketing bei
der
H.___
AG,
I.___
, und war bei der
J.___
(heute: Pen
sionskasse
Y.___
)
berufsvorsorge
ver
si
chert
(Urk.
15/6/
7
,
Urk. 15/14
, Urk.
15/81
;
Urk.
2/2
,
Urk.
15/95
).
In der Folge war sie
vom 1. Dezember 2006 bis 30. November 2007 bei der
Z.___
AG,
I.___
,
– zuerst in einem Pensum von 80 %, seit Feb
ruar 2007 in einem solchen von 90 % - als Marketing Communication Manager tätig
und bei
der Pensionskasse
Z.___
berufsvorsorgeversichert
(vgl.
Urk.
15/
6/6
,
Urk.
15/
14
,
Urk.
15/
19
,
Urk.
15/
80
;
Urk.
15/101/31
).
1.2
Am
9
. Juni 2008 meldete sich die Versicherte bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
nach der Früherfassung vom
24
. April 2008
(Urk.
15/
1
,
Urk.
15/3
) insbesondere wegen einer Erschöpfungsdepression, feh
len
der Belastbarkeit und Schlafstörungen, bestehend seit ca. dem Jahr 2004/2005, zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk.
15/
6
,
Urk.
15/9
).
Am 13. Ja
nuar 2011 verfügte die IV-Stelle
die Ausrichtung
eine
r
halbe
n
Inva
lidenrente rückwirkend vom 1. Juni 2008 bis 30. April 2009 und ab dem
1. September 2009 (Urk. 15/97). Dagegen erhob die Versicherte am 7. Feb
ruar 2011
beim hiesigen Gericht Beschwerde (
Urk.
15/101/3). Mit Be
schluss vom
2.
Mai
2012 gab das hiesige Gericht der Versicherten Gelegenheit, um zur in Aussicht
genommenen
Rückweisung der Sache an die IV-Stelle zu ergänzenden
Abklärungen und Neuverfügung Stellung zu nehmen oder die Beschwerde zu
rückzuziehen (
Urk.
15/123/
1
-7). Daraufhin zog die Versicherte ihre Beschwerde am 1
3.
Mai 2012 zurück (
Urk.
15/128/2
) und
das hiesige Gericht schrieb
das Beschwerdeverfahren mit Verfügung vom 2
1.
Mai 2012 als erledigt ab (Urk.
15/128
). Unter Berücksichtigung des von der Versicherten in
ihrer
neue
n
Arbeitsstelle
als Projektleiterin Marketing in einem 60%-Pensum erzielten Ein
kommen
s
setzte die
IV-Stelle
die bisher ausgerichtete
halbe Rente der Versicher
ten
mit rechtskräftiger Verfügung vom 1
2.
September 2011
mit Wirkung ab 1.
Novem
ber 2011 auf eine
Viertelsrente
herab (Urk.
15/114
, Urk.
15
/116).
Nachdem die Versicherte ihr Arbeitspensum auf 80
%
erhöht hatte, hob die IV-Stelle die
Vier
telsrente
mit rechtskräftiger Verfügung vom
3.
Juli 2012
per
31.
August 2012
auf
(
Urk.
15
/129).
Am 1
5.
April 2013 erlitt die Versicherte einen ischämischen Hirninfarkt (vgl.
Urk.
15
/174/6) und meldete sich bei der IV-Stelle am 2
2.
Juli 2013 wieder zum Leistungsbezug
an
(
Urk.
15/134,
Urk.
15/137). Die IV-Stelle
sprach der Ver
si
cher
ten am 22.
Oktober 2014 mit Wirkung ab
1.
April 2014
wieder
eine ganze Invali
denrente (Invaliditätsgrad: 100
%
) zu (
Urk.
15
/237).
1.3
D
ie Pensionskasse
Z.___
beziehungsweise deren Rückversicherer lehnten die Erbringung von
Leistungen
aus beruflicher Vorsorge
mit der Begründung
,
dass die Arbeitsunfähigkeit, welche schlussendlich zur Invalidität geführt habe, nicht in der Versicherungsperiode bei der
Z.___
eingetreten sei
, ab
(
vgl.
Schreiben vom 16. November 2009 [
Urk.
15/101/31-31]
und
Mitteilung an die IV-Stelle vom
1.
November 2010
[
Urk.
15/89
]
).
Die
Pensionskasse
Y.___
stellte sich
mit Schreiben
an die IV-Stelle
vom 6. De
zember 2010
auf den Standpunkt
, dass sie
nicht l
eistungspflichtig
sei
, da
X.___
bei Eintritt der
Ar
beitsunfähigkeit
, deren Ur
sache zur Invalidität geführt habe, nicht mehr bei ihr vorsorgeversichert ge
wesen sei
(
Urk.
15/95).
2.
Am 1.
Oktober 2014 erhob
X.___
gegen die Pensionskasse
Y.___
(Beklagte 1) und gegen die Pensionskasse
Z.___
(Beklagte 2) Klage
und liess
folgende Rechtsbegehren
stellen
(Urk. 1 S. 2):
„
1.
Es sei die Beklagte 1 zu verpflichten der Klägerin eine BVG-IV-Rente wie folgt auszurichten:
-
mind. eine halbe Rente vom
1.
Juni 2008 bis 3
0.
April 2009
-
mind. eine halbe Rente vom
1.
September 2009 bis 3
1.
Oktober 2011
-
mind. eine
viertels
Rente ab
1.
Nov
em
ber 2011 bis 3
1.
August 2012
.
2.
Eventualiter
:
Es sei die Beklagte 2 zu verpflichten der Klägerin eine BVG-IV-Rente wie folgt auszurichten:
-
mind. eine halbe Rente vom
1.
Juni 2008 bis 3
0.
April 2009
-
mind. eine halbe Rente vom
1.
September 2009 bis 3
1.
Oktober 2011
-
mind. eine
viertels
Rente ab
1.
November 2011 bis 3
1.
August 2012
.
3.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beklagten 1; eventualiter Beklagten 2.
“
Mit Klageantworten vom
28. Oktober beziehungsweise 27. November 2014 (
Urk. 6
,
Urk. 10)
beantragten die
Beklagte 2
und die Beklagte 1 jeweils
kosten-
und entschädigungsfällige
Abweisung der Klage, sofern sie gegen sie gerichtet sei
.
M
it Gerichtsverfügung vom
1
.
Dezember
2014 (Urk.
12
)
wurden
die Akten der Eidgenössischen Invalidenversicherung (Urk.
15
/1-
251
) beigezogen
. D
ie Kläge
rin
beantragte
mit Replik vom 1
1.
Dezember 2014, ihre Klage vom
1.
Oktober 2014 sei vollumfänglich gutzuheissen, sowie dass die Beklagte 1 - eventualiter: die Beklagte 2 - zusätzlich zu verpflichten sei, auf den ausstehenden Renten einen Verzugszins von 5
%
spätestens seit dem
1.
Oktober 2014 (Zeitpunkt der Klageanhebung) zu bezahlen (
Urk.
18).
D
ie Beklagte 1
hielt
mit Duplik vom
2
3.
Februar 2015 an ihren Anträgen
fest
(Urk.
26). Die Beklagte 2 liess dem Gericht
am
2
4.
Februar 2015 mitteilen, dass
sie
auf das Einreichen einer Duplik verzichte (
Urk.
27). Mit Schreiben vom 2
6.
Februar 2016 wurden de
n
Verfah
rensbeteiligten die Eingaben der Beklagten 1 und 2 vom 2
3.
und 2
4.
Februar 2015 (
Urk.
26,
Urk.
27) wech
selseitig zur Kenntnis gebracht (
Urk.
28).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 73 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinter
las
senen und Invalidenvorsorge (BVG) bestimmt sich der Gerichtsstand nach dem schwei
zerischen Sitz oder Wohnsitz des Beklagten oder dem Ort des Be
trie
bes, bei dem der Versicherte angestellt worden war, wobei die klagende Partei den Gerichtsstand wählen kann (SVR 2006 BVG Nr. 17 S. 61 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.2
Sowohl Beklagte 1 als auch die Beklagte 2 haben ihren Sitz im Kanton Zürich (
Urk.
2/2-3). Das angerufene Gericht
ist
für die Beurteilung der vorlie
gen
den Klage
somit
örtlich und sachlich zuständig.
2.
2.1
Nach Art.
24
Abs.
1 BVG hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invaliden
rente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindestens zu 70 %, auf eine
Drei
viertelsrente
, wenn er mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn er min
destens zur Hälfte und auf eine
Viertelsrente
, wenn er mindestens zu 40 % in
valid ist. Gemäss
Abs.
1 von
Art.
26 BVG gelten für den Beginn des An
spruchs auf Invalidenleistungen sinngemäss die entsprechenden Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
Art.
29
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
). Die Invalidenleistungen nach BVG wer
den von derjenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher die den Anspruch er
hebende Person bei Eintritt des versicherten Ereignisses angeschlossen war. Im Bereich der obligatorischen beruflichen Vorsorge fällt dieser Zeitpunkt nicht mit dem Eintritt der Invalidität nach IVG, sondern mit dem Eintritt der Arbeits
un
fähigkeit zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat (vgl.
Art.
23 BVG). Auf diese Weise wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die versi
cherte Person meistens erst nach einer längeren Zeit der Arbeitsunfähigkeit (nach einer Wartezeit von einem Jahr gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG in Ver
bindung mit
Art.
26 BVG) invalid wird. Damit nämlich der durch die zweite Säule bezweckte Schutz zum Tragen kommt, muss das Invaliditätsrisiko auch dann gedeckt sein, wenn es rechtlich gesehen erst nach einer langen Krankheit eintritt, während welcher die Person unter Umständen aus dem Arbeits
verhält
nis ausgeschieden ist und daher nicht mehr dem
Obligatorium
unter
stan
den hat (BGE 123 V 262 E. 1b, 121 V 97 E. 2a, 120 V 112 E. 2b, je mit Hinweisen).
2.2
Art.
23 BVG kommt auch die Funk
tion zu, die Haftung mehrerer
Vorsorgeein
richtungen
gegeneinander abzugren
zen, wenn eine in ihrer Arbeitsfähigkeit bereits beeinträchtigte ver
sicherte Per
son ihre Arbeitsstelle (und damit auch die Vorsorgeeinrichtung) wechselt und ihr später eine Rente der Invalidenversiche
rung zugesprochen wird. Der An
spruch auf Invalidenleistungen nach
Art.
23 BVG entsteht in diesem Fall nicht gegenüber der neuen Vorsorgeeinrichtung, sondern gegenüber derjenigen, welcher die Person im Zeitpunkt des Eintritts der invalidisierenden Arbeitsun
fähigkeit angehörte.
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeit
neh
mer beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach
Be
endigung des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko auf
zu
kommen
hat, ist indes erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und In
va
lidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130 V 270 E. 4.1). In sachlicher Hinsicht liegt ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Invalidität zu Grunde liegende Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Sodann setzt die Annahme
eines engen zeitlichen Zusammenhangs voraus, dass die versicherte Person nach
Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder arbeits
fähig wurde. Die frühere Vorsorgeeinrichtung hat nicht für Rückfälle oder Spät
folgen einer Krankheit einzustehen, die erst Jahre nach Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit eintreten. Demnach darf nicht bereits eine Unter
bre
chung des
zeitlichen Zusammenhangs angenommen werden, wenn die Person bloss für ku
rze Zeit wieder an die Arbeit zurückgekehrt ist. Ebenso wenig darf die Frage des zeitlichen Zusammenhangs zwischen Arbeitsunfähigkeit und In
validität in schematischer (analoger) Anwendung der Regeln von
Art.
88a
Abs.
1 der Ver
ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) beurteilt werden, wonach eine
an
spruchsbeeinflussende
Verbesserung der Erwerbsfähigkeit in je
dem Fall zu berücksichtigen ist, wenn sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate ge
dauert hat und voraussichtlich andauern wird. Zu berück
sichtigen sind vielmehr die gesamten Umstände des konkreten Einzel
falles, namentlich die Art des
Gesundheitsschadens, dessen prognostische ärztliche Beurteilung und die Beweg
gründe, die die versicherte Person zur Wiederauf
nahme der Ar
beit veranlasst haben (BGE 123 V 262 E.
lc
, 120 V 112 E. 2c/
aa
und 2c/
bb
mit Hinweisen).
2.
3
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invaliden
versicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruf
lichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V 106 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (
Art.
6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des
Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund eine
r gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar er
scheint (BGE 126 V 309 E. 1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Über
le
gung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen auf
wändigen Abklärungen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurtei
lungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Ver
fahren für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die
freie Überprüfbarkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die
Vor
sorge
ein
richtung
beziehungsweise das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bun
desgerichts 9C_49/2010 vom 2
3.
Februar 2010 E. 2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens) ins
Vorbescheidverfahren
(
Art.
73
ter
IVV) ein
bezogen und ihr die
Rentenver
fügung
formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundesgerichts 9C_81/2010 vom 1
6.
Juni 2010 E. 3.1, mit Hinweisen). Dem BVG-Versicherer steht ein selbstän
diges Beschwerderecht im Verfahren nach IVG zu. Unterbleibt ein solches Ein
beziehen der Vorsorgeeinrichtungen, ist die IV-rechtliche Festsetzung des
Inva
li
ditätsgrades
(grundsätzlich,
masslich
und zeitlich) berufsvorsorgerechtlich nicht
verbindlich (BGE 130 V 270 E. 3.1).
Stellt die Vorsorgeeinrichtung auf die invalidenversicherungsrechtliche Betrach
tungsweise ab, muss sich die versicherte Person diese entgegenhalten lassen, soweit diese für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente ent
schei
dend war, und zwar ungeachtet dessen, ob der Vorsorgeversicherer im Ver
fah
ren der Invalidenversicherung beteiligt war oder nicht. Vorbehalten sind jene Fälle, in denen eine gesamthafte Prüfung der Aktenlage ergibt, dass die
Invali
ditätsbemessung
der Invalidenversicherung offensichtlich unhaltbar war (BGE 130 V 270 E. 3.1).
3.
3.1
Die Klägerin lässt
vorbringen, dass die Verfügung der IV-Stelle vom 1
3.
Januar 2011 sowohl der Beklagten 1 als auch der Beklagten 2 zuge
stellt worden sei. Da sie kein Rechtmittel ergriffen hätten, seien sie an den von der IV-Stelle fest
ge
setzten Invaliditätsgrad wie auch an den Zeitpunkt der Ent
stehung des Ren
ten
anspruches gebunden (
Urk.
1 S. 10
,
Urk.
18 S. 4
).
Die Klä
ge
rin habe sich seit dem
2
0.
April 2006 in ständiger psychiatrischer Behand
lung befunden. Sie sei so
wo
hl stationär als auch ambulant behandelt worden. Mehr
mals sei sie durch
Versi
cherungsärzte
untersucht worden. So habe
med.
pract
.
K.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärzt
li
cher Dienst der Invaliden
versicherung (RAD),
die Klägerin am
8.
März 2010 untersucht und eine rezidi
vie
rende depressive Störung mit leicht- bis mittelgradiger Episode so
wie einen
Verdacht auf eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (abhängig/
zwanghaft/
selbst
unsicher
) diagnostiziert. Wäre die psychische Krankheit über
windbar ge
wesen, so wäre dies im IV-Verfahren festgestellt worden. Da dies nicht der Fall gewesen sei, könne aus dem Beschluss des hiesigen Gerichts vom
2.
Mai 2012
im Beschwerdeverfahren betreffend Rente der
Eidg
. Invalidenver
si
cherung nic
hts zu Ungunsten für die Klägerin abgeleitet werden (
Urk.
18 S. 5).
Sodann habe das hiesige Gericht nie festgestellt, dass die damaligen
Sachver
haltsabklärungen
der IV-Stelle nicht ausgereicht hätten, um eine Invalidität rechtsgenügend begründen zu können (
Urk.
18 S. 6).
3.2
Die Beklagte 1 macht
dagegen
geltend, dass das hiesige Gericht im Verfahren IV.2011.00146
betreffend Beschwerde der Klägerin gegen die
Renten
verfügung
der IV-Stelle vom
13. Ja
nuar 2011
der Klägerin
mit Beschluss vom
2.
Mai 2012 eine
reformatio
in
peius
angedroht habe, woraufhin die Klägerin ihre Be
schwer
de zurückgezogen habe (
Urk.
1
0
S. 3-4). Damit habe das hiesige Gericht schon einmal festgestellt, dass der damals von der Invalidenversicherung festgestellte Sachverhalt nicht ausreiche, um eine relevante Invalidität
rechtsgenüglich
zu be
gründen. Neue Erkenntnisse seien nicht ersichtlich. Es sei demnach davon aus
zugehen, dass die Beklagte 1 keine Leistungspflicht treffe (
Urk.
1
0
S.
4).
Das Zeugnis von
Dr.
med.
L.___
, FMH Psychiatrie - Psychotherapie,
vom 2
0.
April 2006 würde sodann gerade nicht den Schluss zulassen, dass eine psy
chische Gesundheitsschädigung der Klägerin von invalidisierender Wirkung vorgelegen hätte, denn im Zeugnis sei die Rede von „unzumutbaren Arbeits
be
dingungen“, mithin von psychosozialen Belastungsfaktoren (
Urk.
27 S. 8).
3.3
Die Beklagte 2 lässt
zur - nach ihrer Ansicht fehlenden - Bindungswirkung der Verfügungen der IV-Stelle
ausführen, dass
die Anmeldung der Klä
gerin zum Leistungsbezug bei der
Eidg
. Invalidenversicherung verspätet erfolgt sei. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die IV-Stelle den Beginn der Wartezeit auf den 1
1.
Juni 2007 festgelegt habe. Es handle sich um einen offensichtlichen Fehler
der IV-Stelle, was zur Folge habe, dass weder die Beklagte 1 noch die Be
klagte 2
betreffend Beginn der Wartezeit sowie des Ren
tenanspruchs
a
n die Fest
stel
lun
gen der IV-Stelle gebunden
seien
(Urk. 6 S. 4).
4.
4.1
In den Akten lassen sich folgende
entscheidrelevante
medizinische Unterlagen finden:
4.2
Dr.
L.___
schrieb am 2
0.
April 2006, dass die Klägerin aufgrund unzumut
barer Arbeitsbedingungen an ihrer Arbeitsstelle psychischen Belastungen ausge
setzt gewesen sei, die zu Schlaf- und anderen Störungen geführt hätten, wes
we
gen ihr unter anderem
Psychopharmaka verschrieben worden seien. Die Kün
di
gung ihre Arbeitsstelle sei unumgänglich geworden, um ihre Gesundheit nicht noch länger und schwer
wiegender zu beeinträchtigen (
Urk.
15/112/11).
4.3
Dem
Bericht der
M.___
vom 3
0.
Juni 2008
ist die Diagnose mittelschwere depressive Episode zu entnehmen
(
Urk.
15/12
/1
)
. Die Klägerin habe sich im
M.___
vom
7.
Juni bis 2
5.
August 2006
in statio
närer und vom
4.
bis 1
8.
September 2006 in teilstationärer psychiatrischer und
psychotherapeutischer
Behandlung befunden. Während dem genannten Zeit
raum sei die Klägerin zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen (
Urk.
15/12/1). Bei Auf
nahme in die stationäre Behandlung habe die Klägerin angegeben, dass si
e
schon im Winter 2005/2006 an einer Erschöpfungsdepression gelitten und des
halb
im Februar 2006 ihre Arbeitsstelle gekündigt habe. Als ihr Freund die Part
nerschaft nach sechs Jahren aus für sie unverständlichen Gründen beendet habe, habe sie einen weiteren Einbruch erlebt, welcher durch Suizidgedanken, Schlafstörungen, An
triebsstörungen und Einsamkeitsgefühle charakterisiert ge
wesen sei. Das Pfingstwochenende 2006 habe die Klägerin bei ihren Eltern verbracht, welche sie schliesslich hätten motivieren können, eine stationäre The
ra
pie in Anspruch zu nehmen (
Urk.
15/12/2). Bei Eintritt in die
tages
klini
sche
Be
handlung am
4.
September 2006 habe die Klägerin über eine gedrückte
Stim
mungslage
, Hoffnungslosigkeit, vermehrte Selbstanklage und Insuffizienz
ge
fühle geklagt. Es falle ihr schwer
,
alltägliche Verrichtungen zu tätigen. Die
s
ge
schehe gegen eine
n
starken Widerstand unter grossem Energieaufwand (Antriebshemmung
und Antriebsminderung). Daneben habe
die Klägerin über starke, schwer beeinflussbare Stimmungsschwankungen und eine gesteigerte
Grübel
neigung
geklagt (
Urk.
15/12/3).
4.
4
N.___
, Fachärztin
FMH
f
ür Psychiatrie und Psychotherapie, stellte
am 2
5.
Juli 2007 die Diagnose mittelgradige depressive Episode (F32.1) [
Urk.
15/15/20] und
am 2
1.
Dezember
2007 die Diagnose schwere depressive Epi
sode (F32.2) [
Urk.
15/15/16].
4.
5
Dr.
med.
O.___
, Fachärztin FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
welche die Klägerin seit Januar 2008 betreute,
nannte in ihren
Bericht
en
vom 1
0.
Mai
und 18.
Juli
2008 die Diagnosen rezidivierende depressive Episoden, gegen
wärtig mittel
gradige bis leichte Episode (F33.1) sowie Verdacht auf
Dysthymia
(F34.1)
[
Urk.
15/13/1,
Urk.
15/17/2]
. Trotz Bes
serung ihres Zustandes sei die Klägerin phasenweise sehr niedergeschlagen, affektiv verstimmt und sie leide
dann unter einem massiven Erschöpfungszustand und einer Energielosigkeit, existenziellen Ängsten, Pessimismus im
Hinblick auf die Zukunft, einem
Gefühl von Unzu
länglichkeit, phasenweise
r
Schlaflosigkeit sowie immer wiederkeh
ren
den Sinnkrisen (
Urk.
15/13/1
,
Urk.
15/17/3
).
In ihrem Schreiben vom
3.
Juli 2008 führte
Dr.
O.___
sodann aus, dass die Klägerin in den letzten Therapiestunden erstmals über ihre jahrelange
n
inner
fa
miliäre
n
Gewalterfahrungen in der Kindheit habe
r
eden können. Diese Trau
ma
ti
sierungen hätten in der Vergangenheit zu phasenweisem Wiedererleben der be
lastenden Erinnerung geführt. In der Zeit der schweren Depression seien die Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung wie Alpträume, Flash
backs, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen, Gefühl der Ent
frem
dung sowie
Derealisations
- un
d Depersonalisationserleben besonders stark vorhanden (
Urk.
15/13/4).
Alsdann nannte
Dr.
O.___
in ihrem Bericht vom 1
5.
Dezember 2009 als Diag
nosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende de
pressive Störung, gegenwärtig mittelgradige bis schwere Episode (ICD-10 F33.1/2), einen Verdacht auf
Dysthymia
(ICD-10 F34.1), langjährige Trauma
tisierungen in der
Kindheit (
Gewalterfahrungen in der Familie) [Z61.6] sowie re
zidivierend schwe
re
Migräneanfälle (
Urk.
15/66/1). Die Klägerin habe im Mai 2009 eine neue Stelle als Projektleiterin in einem 80%-Pensum angetreten. Schon kurz nach
Stellen
antritt
habe die Erschöpfung erneut zugenommen. Am
1.
Juli 2009 habe sich die
Klägerin erneut bei ihr (
Dr.
O.___
) gemeldet. Die Klägerin sei damals wieder mittelgradig bis schwer depressiv gewesen, weshalb eine erneute inten
sive Be
handlung notwendig geworden sei.
Es bestehe weiterhin ein mittel
gra
di
ges de
pressives Zustandsbild (
Urk.
15/66/2) und die Klägerin sei seit 1. August 2009
zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
15/66/3).
Die Erfahrung habe gezeigt, dass bei der Klägerin in der Vergangenheit im Rahmen des beruflichen Stresses ein Erschöpfungssyndrom aufgetreten sei und aufgrund der nicht mehr möglichen Leistung die Kündigung von Seiten der Arbeitgeber gefolgt sei (
Urk.
15/66/3).
In der Folge schrieb
Dr.
O.___
im Bericht vom 2
6.
April 2011, dass
die
rezi
di
vierende depressive Stö
rung gegenwärtig remittiert sei
. Bei der Klägerin habe sich ein 60%-Pensum mit 50
%
Leistung bewährt. Eine Erhöhung des Pensums würde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
bezüglich Depression, erneuter schwerer Erschöpfung und Zunahme der Migräneattacken ein hohes Rückfallrisiko bedeuten (
Urk.
15/106/1).
4.
6
Dr.
med.
dipl.
-psych.
P.___
führte in seinem Gutachten vom
8.
Septem
ber 2008 die Diagnose rezidivierend depressive Störung, zum
Untersuchu
n
gs
zeitpunkt
(
9.
Juli 2008)
leicht-mittelgradig ausgeprägt (F 33.01/33.11 nach ICD-10) als Restsymptomatik nach Durchlaufen einer schweren depressiven Episode, an
(
Urk.
15/23/
3
)
.
Zum Untersuchungszeitpunkt (
9.
Juli 2008) liege aus psychia
trischer Sicht im angestammten Beruf oder einer vergleichbaren
Verwei
sungs
tätigkeit
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit aufgrund eines depressiven
Zustands
bildes
, leicht-mittelgradig ausgeprägt, vor. Das Arbeitspensum sollte in den fol
genden zwölf Wochen - unter Intensivierung der psychotherapeutischen und vor allem durch Optimierung der medikamentös-antidepressiven Behandlung - auf ein 100%-Pensum gesteigert werden können (
Urk.
15/23/4).
4.
7
M
ed.
pract
.
K.___
stellte in seinem
Untersuchungsbericht
vom 3
0.
März 2010
die Diagnosen rezidivierende de
pres
sive Störung leicht- bis mittelgradige Epi
sode (ICD-10: F33.0/1), Verdacht auf kombinierte Persönlichkeitsstörung (ab
hängig/zwanghaft/selbstunsicher) [ICD-10: F61.0], Differentialdiagnose: akzen
tuierte Persönlichkeitszüge
.
Im Vorder
grund stehe bei der Klägerin ein deutlich vermindertes Selbst
wertgefühl, ein hohes Mass an Unsicherheit sowie eine Tendenz sich rasch zu überfordern, was sich in einer erhöhten
Erschöpf
barkeit
aus
wirke. Zusätzlich bestünden perfek
tionistische Persönlichkeitszüge
,
durch die sich die Klägerin selber immer wieder unter Druck setze. Dadurch werde die Belastbarkeit zusätz
lich vermindert (Urk. 15/68/4).
5.
5.1
Mit Beschluss vom
2.
Mai 2012 im Verfahren IV.2011.00146 in Sachen der Kläge
rin gegen die IV-Stelle erwog das hiesige Gericht in E.
3
das F
olgende
(
Urk.
15/123/4-6)
:
Eine vorläufige Würdigung der Akten ergibt, dass der rechtserhebliche Sach
ver
halt durch die Beschwerdegegnerin medizinisch nicht hinrei
chend abge
klärt worden ist, was vorliegend zur vollumfänglichen Aufhebung der ange
foch
tenen Verfügung und zur Rückweisung der Sache an die IV-Stelle führen würde. Die Beschwerdeführerin gab in der Anmeldung für den Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung einen Krankheitsbeginn ungefähr im Jahr 2004/2005 an (Sachverhalt Ziff. 1.1), war jedoch Finalistin in der Sen
dung „
D.___
“, welche ein Bewerbungsverfahren für eine mit eine
m Jah
res
gehalt von Fr. 200'000.--
entlöhnte
Projektmanagement-Tätigkeit bei der
E.___
,
F.___
, zum Gegen
stand hatte und
von
April 2005 bis Juni 2005 auf dem
G.___
aus
gestrahlt wurde (vgl. Urk. 12-14), wofür die Beschwerdeführerin offenbar ihre nebst dem Studium an der
A.___
in
B.___
, Fachrichtung Marketing, ausgeübte T
ätigkeit bei der
C.___
kündigte (vgl. Urk. 13; Urk. 7/14/11). Die offenbar gestützt auf diese Sendung erfolgte Anstellung bei der
H.___
AG (vgl. Urk. 13) führte gemäss der Be
schwerdeführerin alsbald zu einem Burnout (vgl. 1). Dr.
med.
L.___
, Facharzt FMH für Psy
chiatrie und Psychotherapie,
Q.___
, be
schei
nigte, dass unzumutbare Arbeitsbe
dingungen bei dieser An
stel
lung Schlaf- und andere [psychische] Störungen verursacht hätten (Urk. 3/1/1).
N.___
, Fachärztin FMH für Psy
chiatrie und Psychothe
rapie, nannte als
krank
heitsfremde
Faktoren Arbeits
platzprobleme bzw. die Kündi
gung (Urk. 7/15/16). Laut Dr. med.
R.___
, Chefärztin
Psycho
the
ra
pie
sta
ti
onen
, und med.
pract
.
S.___
, Assistenzarzt
Tages
klinik
der
Psy
chia
tri
schen Privatklinik
M.___
, waren sozi
ale Faktoren
mit
aus
lösend
für die psychiatrische Problematik (Urk. 7/12). Dr. med.
dipl.
psych.
P.___
, Facharzt für Psy
chia
trie und Psycho
the
rapie,
T.___
, wies in seinem psychia
trischen Gutach
ten vom 8. September 2008 darauf hin, dass die Be
schwer
deführerin bei der
H.___
AG nahezu täglich von morgens um 7:00 bis abends 22:00 Uhr gearbeitet habe, das Ge
spräch zum Arbeitgeber zwar gesucht, aber keine Resonanz gefunden habe (Urk. 7/23/5). Bei der
Z.___
habe sie nach der Anstel
lung ebenfalls nur noch ge
ar
beitet, wobei sie Kopf
schmer
zen gehabt und sich ver
mehrt erschöpft ge
fühlt habe (Urk. 7/23/7). Gegenüber der
Beschwer
de
gegnerin
äusserte die Be
schwer
deführerin, dass sie bei der
H.___
AG viel allein gewesen sei, auf Nachfragen keine Un
terstützung erhalten habe und es für sie immer schwieri
ger geworden sei, auch bei der
Z.___
habe sie oft mehr ge
arbeitet und sei der
Leistungsdruck zu gross gewesen (vgl. Urk. 7/51/2-3). Wei
ter gab die Beschwerdeführerin an, dass ihr das Umfeld im
Marketingbe
reich
zu be
las
tend, der Leistungsdruck, die Anforderungen und die Verant
wortung zu hoch gewesen seien und sie in ihren ange
stammten Beruf nicht mehr zurück
kehren wolle (vgl. Urk. 7/16). Dr.
P.___
ging von einer innert zwölf Wochen wieder
erlangbaren
100%igen Arbeitsfähigkeit im ange
stamm
ten Beruf oder ei
ner vergleichbaren Verweistätigkeit aus, wobei aber eine früh
zeitige
Über
forde
rungs
situation
zu ver
meiden wäre (vgl. Urk. 7/23/10-11). Die Be
schwer
defüh
rerin wünschte je
doch auf Kosten der
Beschwerde
gegnerin
ein
Psychologiestu
dium
an der Fach
hochschule aufzu
neh
men, nicht aber ei
nen schrittweisen
Wie
der
e
in
stieg
in eine ge
eig
nete Tä
ti
gkeit (vgl. Urk. 7/20; Urk. 7/22). Sie habe keine Erfüllung im Beruf gefunden, sei zu einer Arbeit ge
zwungen worden, die ihr nicht entspreche und auch nicht zu ihrer Laufbahn passe. Sie wolle die Chance erhalten, beruflich nochmals einen neuen Weg gehen zu dürfen, und ein erfülltes Leben führen (Urk. 7/26/3). Laut Dr. med.
O.___
,
Fach
ärztin
FMH für Psychiatrie und Psycho
therapie,
Q.___
, hat sich die Be
schwer
defüh
rerin mit ihren beruflichen Tätig
keiten und dem Erlern
ten nie identi
fizieren können. In den 15 Jahren ihres Berufslebens sei die Be
schwer
deführerin an einer einzigen Stelle nie länger als ein Jahr tätig gewesen (Urk. 7/25/1). Von ihren Fähigkeiten und Interessen her sei sie bisher weit entfernt von ihren beruflichen Bedürfnissen gelegen. Die bisher unglück
liche Berufswahl sei ein massgeb
ender Faktor für die Krankheits
entwicklung gewesen (Urk. 7/25/2). Die als leidensangepasst auf
genommene Tätigkeit als Projektleiterin bei der
U.___
AG scheiterte ebenfalls, weil die Beschwer
deführerin die erwarteten be
ruflichen Leistungen nicht er
füllen konnte (vgl. Urk. 7/61/1). Bereits nach kurze
r Zeit war sie überfordert (vgl. Urk. 7/68/3). Dr.
O.___
wies danach darauf hin, dass es sich unter den gehab
ten Bedin
gungen an den letzten Arbeitsstellen regelmässig gezeigt habe, dass die
Belas
tungsfähigkeit
einge
schränkt sei, weshalb es eine Reduktion des Arbeits- und Leistungspensums brau
che (Urk. 7/66/5). Der bisherige berufliche Werdegang enthält damit Indi
zien für eine berufliche Überforderung in den letzten bis
herigen Tätigkeiten. Insbesondere zeigt die Kandidatur für den „
D.___
“ bei der
E.___
auf, dass sich die Beschwerdeführerin offen
sicht
lich immer wieder mehr zutraute und zumutete
, als sie zu leisten ver
mochte.
5.2
Daraus und aus den oben wiedergegebenen Arztberichten ergibt sich, dass die gesundheitlichen Krisen der Klägerin Folge von
beruflicher Überforderung und
Belastungen in deren privaten Umfeld waren. Aufgrund ihrer reaktiven Natur und Behandelbarkeit sind sie nicht als invalidisierende gesundheitliche Beein
trächtigungen anerkannt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_468/2015 vom
29.
Januar 2016 E. 4.2 mit weiteren Hinweisen).
Sodann gelten n
ach der bun
desgerichtlichen
Rechtsprechung
leichte bis höchstens mittelschwere Störungen aus dem depressiven Formenkreis
- wie sie vorliegend
insbesondere
von der be
handelnden Ärztin
Dr.
O.___
in den Berichten vom 1
0.
Mai und 18. Juli 2008
(
Urk.
15/13/1,
Urk.
15/17/3)
von Dr.
P.___
im Gutachten vom
8.
September 2008 (
Urk.
15/23/3)
und von med.
pract
.
K.___
im Unter
suchungsbericht vom 3
0.
März 2010 (
Urk.
15/68/4)
diagnostiziert wurden
-
in der Regel
ebenfalls
als therapierbar und
als
nicht invalidisierend (vgl. statt vieler: Urteile des Bun
des
gerichts
9C_190/2015 vom 27.
Juli 2015 E.
4.3,
9C_125/2015 vom 18.
No
vem
ber 2015 E. 7.2.1
so
wie 9C_613/2015 vom 2.
Februar 2016 E. 5, je mit
wei
teren Hinweisen).
Gleiches gilt für die
von med.
pract
.
K.___
beziehungsweise
Dr.
O.___
gestellten
blosse
n
Verdachtsdiagnose
n kombinierte
Persönlichkeits
störung
(abhängig/zwanghaft/selbstunsicher) sowie
Dysthymie
,
welche
bereits als solche
eine Arbeitsunfähigkeit nicht be
gründen
vermögen
(Urteil des Bun
desgerichts 9C_181/2016 vom
2.
Juni 2016 E.
3.3.1
;
vgl
zur
Dysthymie
sodann: SVR 2013 IV Nr. 9 Nr. 4.3.1 mit weiteren Hinweisen
)
.
Auch die von Dr.
O.___
angeführten
langjährige
n
Traumatisierungen in der Kindheit (
Ge
walterfahrun
gen
in der Familie) [Z61.6]
stellen als
Z-codierte
Be
lastungs
faktoren
nach der Rechtsprechung
k
eine rechtserhebliche Beeinträch
tigung dar (Urteil des Bundes
gerichts 9C_468/2015 vom 29.
Januar
2016 E.
3.2).
Was schliesslich die von den behandelnden Ärzten verschiedentlich erwähnte Erschöpfungsdepression betrifft, so ist
anzu
fügen, dass auch
ein
Burn-out nach der Rechtspre
chung des Bundesgerichts keine invaliditätsrechtlich erhebliche
Gesundheitsbeeinträchti
gung
darstellt (SVR 2012 IV Nr. 22 E.
2.3, SVR 2012 IV Nr. 52 E.
3.1, je mit weiteren Hinweisen)
.
Das hiervor Gesagte
steht im Ein
klang mit den Er
wägun
gen des hiesigen Gericht
s
im
Beschluss I
V.2011.00146 vom 2.
Mai
2012
(Urk.
15/
123/1-7)
.
Das hiesige Gericht hielt nämlich
fest, dass zu prüfen sei,
ob von der Klägerin
trotz des fach
ärztlich diagnostizierten Leidens willensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten (
vgl. E.
3 des Be
schlusses
IV.2011.00146 vom
2.
Mai 2012
mit Hinweis auf
die bundesgerichtliche Recht
sprechung, insbes.
BGE 127 V 294 E. 5a
und
131 V 49 E. 1.2
). Es wies ferner darauf hin
,
dass mög
licherweise unzumutbare Arbeitsverhältnisse, eine per
sönliche Tendenz, sich selbst rasch zu überfordern, und perfektionistische
Per
sönlichkeitszüge
- als bei der Klägerin festgestellten Verhältnisse und per
sön
lichen Eigenschaften - nicht von Krankheitswert seien und deshalb keine Invalidität zu begründen vermögen
(
Urk.
15/123/6)
.
Damit dringt die Klägerin mit ihrem Vorbringen, wonach die
„Überwindbarkeitspraxis“
damals
noch keine Rechtsgrundlage gehabt
habe
(Urk. 18 S.
9)
,
nicht durch.
Entgegen ihrer Ansicht ist ebenso wenig entschei
dend,
dass die IV-Stelle die Rentenverfügung vom
13. Ja
nuar 2011
nach dem
Beschwerderückzug der Klägerin nicht wegen zweifelloser Unrichtigkeit
in Wiederwägung gezogen hat
(zur Möglichkeit der Wiederwägung durch die ver
fü
gende Behörde
bei Beschwerderückzug nach Androhung der
reformatio
in
peius
: vgl. BGE 122 V 166 E.
2c
;
Kieser
, ATSG-Kommentar,
3.
Aufl., 2015 N 164 zu
Art.
61 ATSG).
Die Wiederwägung ihrer Rentenverfügung liegt im Ermessen der IV-Stelle. Deren Verzicht auf eine Wiederwägung hat keinen Einfluss auf die vorliegend zu beurteilende Frage, ob keine Bindungswirkung der Beklagten 1 und 2 an die Invaliditätsbemessung der IV-Stelle besteht, weil sich diese als offensichtlich unhaltbar
erwei
st.
Die
Frage ist anhand der Akten
lage, wie sich der IV-Stelle bei Verfügungserlass präsentierte,
zu beantworten (BGE 126 V 311 E. 2). Wie ausgeführt ist nach diesen Akten davon auszugehen, dass kein invalidisierender Gesundheitsschaden bestand. Damit erweist sich die
Renten
zusprache
der IV-Stelle als
offensichtlich unhalt
bar, weshalb
sie für die
Beklagte 1 und 2 nicht
verbindlich ist
und
sie
auch keine Invalidenleistungen aus beruf
licher Vorsorge erbringen müssen.
5.3
Anzufügen ist
, dass die IV-Stelle den Rentenbeginn zu Unrecht be
reits auf den
1.
Juni
2008 festgelegt hat
(
Urk. 15/97)
. Da sich die Klägerin erst am
9. Juni 2008
bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug
angemeldet hatte
(Urk. 15/1, Urk. 15/3)
,
hätte der Rentenanspruch in An
wendung von Art. 29
Abs.
1 und 3
IVG
(i
n Kraft seit
1.
Januar 2008
[
5.
IV-Revision]) frühestens am
1.
Dezember 2008
entstehen
können (
vgl.
BGE
138 V 475
). Da eine sog. verspätete Anmel
dung
zum
Leis
tungs
bezug
bei der
Eidg
. In
validenversicherung
vorlag, würde auch aus des
wegen
eine
Bindungswirkung an die Verfügung der IV-Stelle ent
fallen (vgl
.
E.
2.3
vorstehend
)
.
5.4
Der Vollständigkeit halber ist schliesslich noch zu erwähnen, dass mangels
eines
sachliche
n
Zusammenhang
s
(vgl. E.
2.2
vorstehend) wede
r
die Beklagte 1 noch
die Beklagte 2 aufgrund der Folgen
des von der Klägerin am
1
5.
April 2013 er
littenen ischämischen Hirninfarkt
s
(Sachverhalt E.
1.2 a.
E.)
eine
Leistungs
pflicht
trifft.
6.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Klage.
7.
7.1
Das Verfahren ist kostenlos (Art. 73 Abs. 2 BVG in Verbindung mit
§
33
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
]).
7.2
Den
Beklagten
steht in ihrer Funktion als Trägerin
n
en
der beruflichen Vorsorge trotz ihres Obsiegens keine Prozessentschädigung zu (§ 34 Abs. 2
GSVGer
; vgl. statt vieler: BGE 128 V 124 E. 5b).
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Klage
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Es
werden
keine Prozessentschädigung
en
zugesprochen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Tobias
Figi
-
Rechtsanwalt Andreas
Gnädinger
-
Pensionskasse
Z.
___
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstHübscher