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**Case Identifier:** f1b052ca-cfbe-578e-a0e8-e311b738633b
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-12-05
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 05.12.2023 VBE.2023.190
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-190_2023-12-05.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

2. Kammer 

 

 
VBE.2023.190 / mt / sc 
Art. 140 

 

 

Urteil vom 5. Dezember 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Peterhans, Präsidentin  

Oberrichterin Merkofer  

Oberrichterin Fischer 

Gerichtsschreiberin i.V. Tschan 

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____ 

vertreten durch Bruno Habegger, Rechtsanwalt, 

Wiesenstrasse 1, Postfach, 4901 Langenthal 

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau   

 

 
   

Beigeladene   Basler Versicherung AG, Aeschengraben 21, Postfach, 4002 Basel      

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 2. März 2023) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die 1969 geborene Beschwerdeführerin meldete sich am 13. September 

2017 bei der Beschwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen (berufliche 

Integration, Rente) der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) an. Die 

Beschwerdegegnerin tätigte daraufhin erwerbliche, medizinische und per-

sönliche Abklärungen und holte die Akten der Unfallversicherung (Suva) 

ein. Nach Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) und 

durchgeführtem Vorbescheidverfahren wies die Beschwerdegegnerin das 

Rentenbegehren der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 5. März 2020 

ab. Die Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. 

 

1.2. 

Im Rahmen der Prüfung eines Anspruchs auf berufliche Massnahmen wur-

den in der Folge diverse medizinische Berichte zu den Akten gereicht und 

es wurde Rücksprache mit dem RAD genommen. Am 2. August 2021 bat 

die Beschwerdeführerin zudem um erneute Rentenprüfung. Mit Vorbe-

scheid vom 3. August 2021 stellte ihr die Beschwerdegegnerin die Abwei-

sung des Rentenbegehrens in Aussicht. Am 1. September 2021 erhob die 

Beschwerdeführerin Einwand gegen den Vorbescheid und beantragte eine 

Begutachtung. In der Folge liess die Beschwerdegegnerin die Beschwer-

deführerin auf Empfehlung des RAD bidisziplinär begutachten (Gutachten 

der Neuroinstitut St. Gallen GmbH, Interdisziplinäre Medizinische Experti-

sen, St. Gallen [IME], vom 9. August 2022). Nach Rücksprachen mit dem 

RAD und dem Einholen einer ergänzenden gutachterlichen Stellungnahme 

wies die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren der Beschwerdeführe-

rin mit Verfügung vom 2. März 2023 ab. 

 

2. 

2.1. 

Gegen die Verfügung vom 2. März 2023 erhob die Beschwerdeführerin mit 

Eingabe vom 20. April 2023 fristgerecht Beschwerde und stellt folgende 

Rechtsbegehren: 

 

"1. Die Verfügung der SVA Aargau Invalidenversicherung vom 2. März 
2023 sei aufzuheben und der Invaliditätsgrad sei auf mindestens 40 % 
festzusetzen. 

2. Eventualiter seien die Akten an die Beschwerdegegnerin zur Neubeur-
teilung zurückzuweisen. 

- unter Kosten- und Entschädigungsfolge -" 

 

Gleichzeitig reichte sie Arztberichte von Dr. med. B._____, Facharzt für Or-

thopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 

4. April 2023 und von Dr. med. C._____, Facharzt für Orthopädische 

 - 3 - 

 

 

Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 31. März 

2023 ein. 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 5. Juni 2023 beantragte die Beschwerdegegne-

rin unter Beilage ihrer – unter anderem eine nach Erlass der angefochtenen 

Verfügung eingeholte RAD-Stellungnahme umfassenden – Akten die Ab-

weisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 12. Juni 2023 wurde die beruf-

liche Vorsorgeeinrichtung der Beschwerdeführerin im Verfahren beigela-

den und ihr die Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben. Diese liess sich in 

der Folge nicht vernehmen. 

 

2.4. 

Mit Replik vom 23. Juni 2023 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträ-

gen fest. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin das Leistungsbegeh-

ren auf eine Invalidenrente zugunsten der Beschwerdeführerin mit Verfü-

gung vom 2. März 2023 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 212) zu Recht ab-

gewiesen hat. 

 

2. 

2.1. 

In der angefochtenen Verfügung (VB 212) stützte sich die Beschwerdegeg-

nerin in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf das orthopädisch-psy-

chiatrische IME-Gutachten vom 9. August 2022. Darin wurden folgende Di-

agnosen gestellt (VB 190.1 S. 7 f.): 

 

"4.2 Relevante Diagnosen mit und ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfä-
higkeit: 
ICD-10: M35.0 Belastungsabhängig vermehrtes cervicocephales 
Schmerzsyndrom ohne Radikulopathie mit / bei: 
(…) 
ICD-10: M54.1 Belastungsabhängig vermehrtes chronisches lumboverteb-
rales Schmerzsyndrom ohne Radikulopathie mit / bei: 
(…) 
ICD-10: M75.0 Belastungs- und Bewegungseinschränkung des rechten 
Schultergelenkes bei degenerativer Läsion der Rotatorenmanschette so-
wie initialer Omarthrose mit / bei: 
(…) 

 - 4 - 

 

 

ICD-10: M17.2 Belastungseinschränkung im Bereich des rechten Kniege-
lenks bei lateral betonter Gonarthrose mit einer Chondropathia Grad III/IV 
nach Outerbridge mit zentralen Knorpeldefekt im Condylus femoris latera-
lis sowie Chondropathia Grad III/IV femoropatellär mit umschriebenem De-
fekt in der Trochlea femoris mit / bei: 
(…) 
ICD-10 F54 Psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andern-
orts klassifizierten Krankheiten (Schmerzverarbeitungsstörung) 
ICD-10 Z60 Anpassungsprobleme bei Veränderung der Lebensumstände 
ICD-10 Z 73.1 Persönlichkeitsakzentuierung mit histrionischen Anteilen 
ICD-10 Z 55 Probleme in Verbindung mit Ausbildung und Beruf 
ICD-10 Z 59 Probleme in Verbindung mit ökonomischen Verhältnissen 
ICD-10 Z 60.3 Schwierigkeiten bei der kulturellen Eingewöhnung (Sprach-
probleme; soziokulturell gefärbtes Verständnis von Sozialsystemen)" 

 

Aus orthopädischer Sicht sei die Beschwerdeführerin aufgrund der klini-

schen und bildtechnischen Befunde in der biomechanischen Funktion ihres 

rechten Schultergelenkes, ihrer Hals- und Lendenwirbelsäule sowie ihres 

rechten Kniegelenks limitiert, woraus sich eine Einschränkung in der Steh- 

und Gehfähigkeit ergebe (VB 190.1 S. 9). In der angestammten (mittel-

schweren, überwiegend stehend und gehend ausgeübten) Tätigkeit als Be-

triebsmitarbeiterin bestehe spätestens seit dem 1. August 2017 bei ganz-

tägiger Anwesenheit eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. Diese Einschränkung 

resultiere aus der Notwendigkeit häufiger kurzer Arbeitsunterbrechungen 

und Positionswechsel (VB 190.1 S. 13). Unter Würdigung der qualitativen 

Schonkriterien (VB 190.1 S. 9 f.) bestehe in einer leidensadaptierten, kör-

perlich leichten, wechselbelastenden, optimal angepassten, überwiegend 

sitzenden Tätigkeit unter maximaler Schonung der Schultergelenke aus or-

thopädisch-versicherungsmedizinischer Sicht bezogen auf ein volles Ar-

beitspensum spätestens seit dem 1. Mai 2017 eine quantitativ limitierte Ar-

beitsfähigkeit von 80 %. Die 20%ige Einschränkung ergebe sich aus der 

reduzierten Belastbarkeit und Durchhaltefähigkeit, vermehrt benötigten 

Pausen sowie der reduzierten Arbeitsschnelligkeit (VB 190.1 S. 10, 14). 

Aus psychiatrischer Sicht würden keine Störungen von Krankheitswert be-

stehen. Psychosoziale Belastungen würden die psychische Situation weit-

gehend dominieren. Es liege kein verselbstständigtes psychiatrisches Stö-

rungsbild vor (VB 190.1 S. 10). Aus psychiatrischer Sicht bestehe sowohl 

in der angestammten als auch in der leidensadaptierten Tätigkeit eine 

100%ige Arbeitsfähigkeit (VB 190 S. 14). 

 

2.2. 

2.2.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet 

und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind 

(BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232 mit Hinweis auf 125 V 351 E. 3a S. 352).  

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_similar_documents&page=2&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&docid=aza%3A%2F%2F28-04-2003-I_767-2001&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-V-231%3Ade&number_of_ranks=0#page231

 - 5 - 

 

 

 

2.2.2. 

Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-

ten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender 

Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Be-

richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb-

nissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerken-

nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper-

tise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; BGE 125 V 351 E. 3b/bb 

S. 353).  

 

2.3. 

Das IME-Gutachten vom 9. August 2022 (VB 190.1) wird den von der 

Rechtsprechung formulierten Anforderungen an eine beweiskräftige medi-

zinische Stellungnahme (vgl. E. 2.2.1. hiervor) gerecht. Das Gutachten 

wurde in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) erstellt (VB 190.2 S. 8 f., 

190.3 S. 5), gibt die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin ausführ-

lich wieder (vgl. VB 190.2 S. 10 ff.; 190.3 S. 6 ff.), beruht auf allseitigen Un-

tersuchungen der beteiligten Fachdisziplinen (vgl. VB 190.2 S. 25 ff.; 190.3 

S. 14 ff.) und die Gutachter setzten sich im Anschluss an die Herleitung der 

Diagnosen eingehend mit den subjektiven Beschwerdeangaben bzw. den 

medizinischen Akten auseinander (vgl. VB 190.1 S. 9 ff.; 190.2 S. 55 ff.; 

190.3 S. 23 ff.). Es wurden ferner Zusatzuntersuchungen durchgeführt 

(neuropsychologische Untersuchung [VB 190.4], Laboruntersuchung 

[VB 190.3 S. 5, 17]). Das Gutachten ist in der Beurteilung der medizini-

schen Situation nachvollziehbar und grundsätzlich geeignet, den Beweis 

für den anspruchserheblichen medizinischen Sachverhalt zu erbringen. 

 

3. 

3.1. 

Die Beschwerdeführerin bringt demgegenüber mit Verweis auf zwei aktu-

elle Berichte ihrer behandelnden Ärzte im Wesentlichen vor, dass der 

Sachverhalt unvollständig abgeklärt und damit der Untersuchungsgrund-

satz verletzt worden sei (vgl. Beschwerde S. 3 ff.). Es bestünden erhebliche 

Zweifel an der Vollständigkeit und Schlüssigkeit des Gutachtens, weshalb 

darauf nicht abgestellt werden könne (vgl. Beschwerde S. 5 ff.).  

 

3.2. 

3.2.1. 

Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, es sei nicht nachvollziehbar, wes-

halb die Beschwerdegegnerin sich mit dem vorliegenden bidisziplinären 

Gutachten begnügt habe und keine rheumatologische Untersuchung vor-

genommen worden sei (vgl. Beschwerde S. 4), ist darauf hinzuweisen, 

dass es grundsätzlich dem RAD obliegt, eine umfassende Einordnung vor-

zunehmen, welche Fachdisziplinen an einer erforderlichen Begutachtung 

zu beteiligen sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2018 vom 

 - 6 - 

 

 

14. Februar 2019 E. 6.1 mit Hinweisen). Dem kam der RAD-Arzt 

Dr. med. D._____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatolo-

gie des Bewegungsapparates, nach und führte in seiner Aktennotiz vom 

15. März 2022 aus, es sei ein bidisziplinäres Gutachten in den Fachgebie-

ten Orthopädie und Psychiatrie in Auftrag zu geben (VB 165). 

 

Des Weiteren liegt der Beizug weiterer Experten durch die involvierten Gut-

achter bei entsprechender Indikation ebenso wie die Wahl der nötigen Un-

tersuchungen und Abklärungen für eine umfassende Expertise in deren Er-

messen (statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_147/2020 vom 21. Ap-

ril 2020 E. 3.2; 8C_151/2019 vom 20. August 2019 E. 6.2.1 mit Hinweisen; 

vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 9C/593/2020 vom 24. November 2020 

E. 4.1.1 in fine). Ausweislich des IME-Gutachtens bestehen keine Hin-

weise, wonach weitere Abklärungen notwendig gewesen wären. Zudem bil-

den (chronische) Schmerzen des Bewegungsapparates rechtsprechungs-

gemäss sowohl Gegenstand des vom RAD empfohlenen Fachgebiets der 

Orthopädie als auch des von der Beschwerdeführerin verlangten Fachge-

biets der Rheumatologie. Die beiden Fachrichtungen überschneiden sich 

in der Diagnostik und Beurteilung der Krankheitsbilder sodann weitgehend 

(Urteil des Bundesgerichts 8C_481/2021 vom 4. Februar 2022 E. 4.2.1 mit 

Hinweis auf 8C_602/2017 vom 1. März 2018 E. 4.3).  

 

Es ist somit insgesamt nicht zu beanstanden, dass vorliegend neben der 

psychiatrischen ausschliesslich eine orthopädische und keine rheumatolo-

gische Begutachtung vorgenommen wurde. 

 

Entgegen der Beschwerdeführerin bestätigt das bidisziplinäre Gutachten 

sodann auch nicht, dass der Sachverhalt nicht vollständig abgeklärt sei 

(vgl. Beschwerde S. 4). Im IME-Gutachten wurde zwar festgehalten, dass 

die Behandler die Schmerzverarbeitungsstörung unzureichend gewürdigt 

hätten. Jedoch wurde dieses Versäumnis im gleichen Zug nachgeholt. So 

wurde im Gutachten ausgeführt, die zunehmend chronifizierte 

Schmerzsymptomatik sei vorwiegend auf die psychosozialen Probleme zu-

rückführen. Dabei liege eher ein passiv-rigides, unangepasstes, soziokul-

turell geprägtes Copingverhalten mit Erwartungen an den Staat und dessen 

sozialen Institutionen vor (VB 190.3 S. 23). Gesamthaft bestehe, auch 

wenn ein chronifiziertes Schmerzgeschehen zu konstatieren sei, kein ver-

selbstständigtes psychiatrisches Störungsbild (VB 190.1 S. 10). 

 

3.2.2. 

Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, die Begründung, weshalb die 

Standardindikatoren nicht erfüllt seien, falle im IME-Gutachten knapp und 

ungenügend aus, weshalb diese bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit 

nicht berücksichtigt werden könne (vgl. Beschwerde S. 5). 

 

 - 7 - 

 

 

Zwar weist die Beschwerdeführerin zu Recht darauf hin, dass die Beurtei-

lung, ob ein psychisches Leiden eine rentenbegründende Invalidität zu be-

wirken vermag, gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung grundsätz-

lich stets anhand der Indikatoren nach BGE 141 V 281 vorzunehmen ist 

(vgl. BGE 143 V 418 E. 7.2 S. 429 und 143 V 409 E. 4.5.2 S. 416 f.). Ein 

solches strukturiertes Beweisverfahren bleibt jedoch entbehrlich, wo es 

nicht nötig oder geeignet ist oder wo im Rahmen beweiswertiger fachärzt-

licher Berichte eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter 

Weise verneint wird (BGE 143 V 418 E. 7.1 S. 428 f.; Urteil des Bundesge-

richts 9C_60/2023 vom 20. Juli 2023 E. 6.2. mit Hinweisen). Dies ist vorlie-

gend der Fall. So führte der psychiatrische Gutachter 

Prof. Dr. med. E._____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie 

für Neurologie, nachvollziehbar begründet aus, aus psychiatrischer Sicht 

bestünden keine Störungen von Krankheitswert, die zu anhaltenden handi-

capierenden Fähigkeitsstörungen führen würden. Ein anhaltender psychi-

scher Gesundheitsschaden bestehe damit nicht und die 100%ige Arbeits-

fähigkeit in angestammter und angepasster Tätigkeit liege seit der Antrags-

stellung anhaltend vor (VB 190.1 S. 10 f., 190.3 S. 23 ff.). 

 

Nichtsdestotrotz sind dem IME-Gutachten auch Ausführungen zu den Indi-

katoren zu entnehmen, so namentlich zum Schweregrad der diagnostizier-

ten Störung und zur Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (vgl. 

VB 190.3 S. 18 f.), zum Behandlungs- und Eingliederungserfolg (vgl. 

VB 190.3 S. 20 ff.) sowie zum in diesem Zusammenhang ausgewiesenen 

Leidensdruck (vgl. VB 190.3 S. 20 ff.), zur Persönlichkeitsdiagnostik bezie-

hungsweise den persönlichen Ressourcen (vgl. VB 190.3 S. 23 ff.) sowie 

zur Konsistenz (vgl. VB 190.3 S. 18 ff.), inkl. Erhebungen zur Alltagsgestal-

tung (vgl. VB 190.3 S. 11). Der psychiatrische Gutachter Prof. Dr. med. 

E._____ führte zudem in Würdigung der von der Beschwerdeführerin ge-

machten Angaben zum sozialen Kontext (VB 190.3 S. 8, 11, 18) aus, es 

sei bei der Beschwerdeführerin zu einem gewissen Rückzug gekommen, 

wobei von einer sozialen Isolierung jedoch nicht die Rede sein könne. Sie 

lebe mit ihrem Sohn zusammen und führe mit diesem ein geordnetes sozi-

ales Leben (VB 190.3 S. 24). Des Weiteren waren Prof. Dr. med. E._____ 

auch die stattfindenden Behandlungen bekannt (VB 190.3 S. 11). Zusam-

menfassend führte er aus, die Standardindikatoren seien aus medizinischer 

Sicht nicht erfüllt. Ein krankheitsbedingt verselbstständigtes Leiden liege 

nicht vor, wenn auch das Störungsbild inzwischen chronifiziert erscheine. 

Es bestünden psychosoziale, IV-fremde Belastungen, aufgrund deren sich 

die Beschwerdeführerin in eine Opferrolle zurückziehe, mit Erwartungen an 

Hilfe von aussen bei passiv-rigiden Verhaltensmustern (VB 190.3 S. 24 und 

190.1 S. 11). 

 

Zusammenfassend sind die gutachterlichen Ausführungen nachvollziehbar 

begründet und den normativen Vorgaben der erwähnten Rechtsprechung 

 - 8 - 

 

 

wurde damit Genüge getan (vgl. statt vieler Urteil des Bundesgerichts 

8C_103/2022 E. 4.3). 

 

3.2.3. 

Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, die Gutachter hätten es unterlas-

sen, ihre Schlussfolgerungen die chronische Schmerzstörung betreffend zu 

begründen und sich mit der Diagnose (das Vollbild einer chronischen 

Schmerzstörung sei nicht ausgebildet) zufriedengegeben. Die ICD-10 Kri-

terien seien im Gutachten nicht aufgeführt, weshalb der Diagnoseprozess 

intransparent und unbegründet sei. Das Gutachten entspreche demnach 

nicht den Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten 

SGPP/SGPV (vgl. Beschwerde S. 6). 

 

Die Leitlinien der SGPP stellen eine Orientierungshilfe für die gutachtenden 

Fachpersonen dar und sollen die Gutachtenspraxis im Hinblick auf die nor-

mativ massgeblichen Gesichtspunkte konkretisierend anleiten (HANS-JA-

KOB MOSIMANN, Beitrag der Leitlinien für die Rechtsprechung, SZS 2016 

S. 513). Weder Gesetz noch Rechtsprechung schreiben den Psychiatern 

eine Begutachtung nach den entsprechenden Richtlinien vor (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 9C_683/2019 vom 6. Januar 2020 E. 3.4.1). Insbesondere 

verliert ein Gutachten nicht automatisch seine Beweiskraft, wenn es sich 

nicht an die erwähnten Qualitätsrichtlinien anlehnt (vgl. Urteil des Bundes-

gerichts 9C_382/2018 vom 21. Januar 2019 E. 4.2). 

 

Prof. Dr. med. E._____ kam sodann in Kenntnis der Vorakten, in Würdi-

gung der Ergebnisse der klinischen Untersuchung und unter eingehender 

Berücksichtigung der von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden 

zu seiner nachvollziehbar begründeten gutachterlichen Einschätzung. 

Demnach sei es im Verlauf zu einer Symptomausweitung gekommen, so 

dass die Beschwerdeführerin zum Untersuchungszeitpunkt über eine 

Rechtsseitenschmerzsymptomatik mit hoher Schmerzintensität klage, wel-

che somatisch nicht nachvollziehbar sei. Zwar seien medizinische Mass-

nahmen noch schmerzlindernd wirksam und der Schmerz bestimme das 

Leben der Beschwerdeführerin nicht vollumfänglich. Allerdings erfahre sie 

eine subjektive Schmerzintensitätserhöhung durch psychosoziale Fakto-

ren. Gesamthaft sei das Vollbild einer chronischen Schmerzstörung mit so-

matischen und psychischen [Faktoren] auf der Grundlage der diagnosti-

schen Kriterien des ICD-10 damit noch nicht ausgebildet. Objektiv gelte es 

festzuhalten, dass eine psychische Schmerzkomponente vorliege, die die 

Intensität der subjektiven Schmerzwahrnehmung bei der Beschwerdefüh-

rerin erhöhe. Diagnostisch sei hierbei von einer Störung gemäss ICD-10 

F54 auszugehen. Diese Kategorie sei zu wählen, wenn psychische Ein-

flüsse und Verhaltenseinflüsse wahrscheinlich eine wesentliche Rolle in der 

Manifestation körperlicher Erkrankungen spielen würden (VB 190.3 

S. 21 f.). Eine mangelnde Begründung oder Auseinandersetzung mit der 

Diagnose einer chronischen Schmerzstörung ist damit nicht ersichtlich.  

 - 9 - 

 

 

 

3.2.4. 

Beschwerdeweise wird im Weiteren auf die Berichte von Dr. med. B._____ 

vom 4. April 2023 und Dr. med. C._____ vom 31. März 2023 verwiesen 

(vgl. Beschwerde S. 7; Beschwerdebeilagen [BB] 3, 4). Diesbezüglich ist 

darauf hinzuweisen, dass es die unterschiedliche Natur von Behandlungs-

auftrag des therapeutisch tätigen (Fach-) Arztes einerseits und Begutach-

tungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderer-

seits (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175) nicht zulässt, ein Administrativ- oder Ge-

richtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklä-

rungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärztinnen und Ärzte zu an-

derslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in de-

nen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden 

Ärzte wichtige Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung uner-

kannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. statt vieler: Urteil des Bundes-

gerichts 9C_425/2019 vom 10. September 2019 E. 3.4 mit Hinweisen). 

Dies ist vorliegend nicht der Fall: 

 

Dr. med. B._____ bezeichnete in seinem Bericht vom 4. April 2023 die be-

stehenden Gesundheitsschäden an der Halswirbelsäule der Beschwerde-

führerin als eindrücklich und im jetzigen Ausmass sowie in der jetzigen Art 

geeignet, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt sowohl eine Arbeits-, als auch 

eine Berufsunfähigkeit zu begründen. Er führt zudem aus, er sehe nach wie 

vor eine prinzipielle Operationsindikation, da sich diese Art von Pathologien 

nur durch eine mechanische Entlastung der Nervenstrukturen an der HWS 

angehen lassen würde. Selbst bei einem komplikationslosen Verlauf eines 

solchen Eingriffs wäre nach seiner Einschätzung trotzdem nur eine maxi-

mal 50%ige Dauerarbeitsfähigkeit zu erwarten (BB 3). 

 

Dr. med. F._____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatolo-

gie des Bewegungsapparates, diagnostizierte gestützt auf das Ergebnis 

des MRI der Halswirbelsäule vom 2. Dezember 2020 (VB 123 S. 2) bereits 

in seinem ambulanten Bericht vom 5. Februar 2021 eine fortgeschrittene 

Spinalkanalstenose C5/6 mit Diskusprotrusion rechtsbetont und führte aus, 

seiner Meinung nach sei bei der Beschwerdeführerin aufgrund des Lei-

densdrucks längerfristig eine Operation angezeigt (VB 129 S. 2 f.). Der or-

thopädische Gutachter Dr. med. G._____, Facharzt für Orthopädische Chi-

rurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, kam jedoch nach ein-

gehender klinischer Untersuchung der HWS (VB 190.2 S. 29 f.) und in 

Kenntnis der Bildgebung vom 2. Dezember 2020 (VB 190.2 S. 20, 58) zur 

Einschätzung, dass er in Anbetracht der Gesamtsituation von einer opera-

tiven Behandlung der Wirbelsäulenbeschwerden abzusehen empfehle 

(VB 190.1 S. 15; 190.2 S. 60). Dem entsprechend hielt auch der RAD-Arzt 

Dr. med. D._____ in seinem im Beschwerdeverfahren eingereichten Be-

richt vom 26. Mai 2023 in Auseinandersetzung mit dem Bericht über das 

MRI der HWS vom 2. Dezember 2020 fest, nach Gefährdungsidentifikation 

 - 10 - 

 

 

und realitätsnaher Risikobewertung könne der Beschwerdeführerin nicht 

ernsthaft eine mechanische Entlastung der Nervenstrukturen an der HWS 

mit Teilversteifung und ungewissem Ausgang angeboten werden. Eine sol-

che bildkosmetische Operation sei keineswegs geeignet, bislang unbe-

schädigte Nerven vor der Gefahr einer (weiteren) Nervenschädigung zu 

bewahren, und auch nicht zweckmässig, um eine Verbesserung des Ge-

sundheitszustandes überwiegend wahrscheinlich erscheinen zu lassen. 

Dr. med. B._____ beschreibe in seinem Bericht vom 4. April 2023 (vgl. 

BB 3) sodann keinen fachbezogenen, objektivierbaren pathologischen Be-

fund, der mit körperlichen Funktionseinschränkungen verknüpft werden 

könne, weshalb keine invalidisierende Erkrankung vorliege. Daher würden 

von Dr. med. B._____ weder wichtige Aspekte benannt, die im Rahmen der 

Begutachtung übersehen, unberücksichtigt oder ungewürdigt geblieben 

wären, noch würden neue bzw. bislang unerkannte Tatsachen vermittelt, 

die auch nur geringe Zweifel an der Suffizienz des orthopädischen Gutach-

tens erwecken könnten (VB 214 S. 1 f.). 

 

Zu der von Dr. med. C._____ in seinem Bericht vom 31. März 2023 aus 

Knie-orthopädischer Sicht eingeschätzten 80%igen Arbeitsfähigkeit bei 

vorwiegend sitzender Tätigkeit ohne Heben und Tragen von Lasten (BB 4) 

hielt Dr. med. D._____ in der Aktennotiz vom 26. Mai 2023 fest, diese Ar-

beitsfähigkeit sei auch im IME-Gutachten attestiert worden, womit ein Kom-

mentar aus versicherungsmedizinischer Sicht entbehrlich sei (VB 214 

S. 1). 

 

Insgesamt ist daher festzuhalten, dass keine der im Beschwerdeverfahren 

eingereichten Berichte es vermag, bisher unberücksichtigte Aspekte dar-

zulegen oder begründete Zweifel am Gutachten aufkommen zu lassen. 

 

3.3. 

Zusammenfassend sind weder den Ausführungen der Beschwerdeführerin 

noch den Akten konkrete Hinweise zu entnehmen, welche am IME-Gutach-

ten vom 9. August 2022 (VB 190.1) Zweifel zu begründen vermöchten (Be-

weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit; BGE 134 V 109 E. 9.5, 

mit Hinweis auf BGE 129 V 177 E. 3.1). Der medizinische Sachverhalt er-

weist sich vor diesem Hintergrund als vollständig abgeklärt, weshalb auf 

weitere Abklärungen in antizipierter Beweiswürdigung verzichtet werden 

kann (BGE 127 V 491 E. 1b S. 494 mit Hinweisen). Gestützt auf das IME-

Gutachten ist daher davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin spä-

testens seit dem 1. Mai 2017 in einer angepassten Tätigkeit zu 80 % und 

seit dem 1. August 2017 in der angestammten Tätigkeit zu 50 % arbeitsfä-

hig ist (vgl. E. 2.1. hiervor). 

 

4. 

Die Feststellungen der Beschwerdegegnerin betreffend die erwerblichen 

Auswirkungen des Gesundheitsschadens werden von der anwaltlich 

 - 11 - 

 

 

vertretenen Beschwerdeführerin nicht substantiiert bestritten und sind aus-

weislich der Akten nicht zu beanstanden, womit sich diesbezügliche Weite-

rungen erübrigen. Aufgrund des damit ohnehin nicht rentenbegründenden 

Invaliditätsgrades kann mangels Entscheidrelevanz offengelassen werden, 

ob es seit der ersten leistungsabweisenden Verfügung vom 5. März 2020 

(VB 97) überhaupt zu einer wesentlichen Änderung in den tatsächlichen 

Verhältnissen (BGE 133 V 108 E. 5 S. 110 ff.; BGE 130 V 71 E. 3 S. 73 ff.) 

gekommen ist. 

 

5. 

Zusammenfassend ist die angefochtene Verfügung vom 2. März 2023 

(VB 212) damit im Ergebnis zu bestätigen. 

 

6. 

6.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen. 

 

6.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.  

 

6.3. 

Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-

alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf 

Parteientschädigung zu. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.00 werden der Beschwerde-

führerin auferlegt. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 
 

  

 - 12 - 

 

 

   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 

Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 5. Dezember 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Die Präsidentin     Die Gerichtsschreiberin i.V.: 

 

 

 

Peterhans    Tschan