# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5d41f105-d637-5c0f-bf3b-004b29fd8a9d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-11-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.11.2022 D-4766/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4766-2022_2022-11-18.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4766/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 8 .  N o v e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Einzelrichterichter Thomas Segessenmann, 

mit Zustimmung von Richter Yannick Antoniazza-Hafner,  

Gerichtsschreiberin Selina Sutter.  

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), Eritrea,   

vertreten durch MLaw Eliane Schmid, Rechtsanwältin,  

SOS Ticino Protezione giuridica della Regione Ticino e 

Svizzera centrale - Caritas Svizzera,  

Via 1°Agosto, casella postale 1328, 6830 Chiasso,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 12. Oktober 2022 / N (…). 

 

 

 

D-4766/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der aus Eritrea stammende Beschwerdeführer verliess sein Heimat-

land gemäss eigenen Angaben im März 2015 in Richtung Sudan und ge-

langte via Weissrussland, Polen und Deutschland am 8. September 2022 

in die Schweiz, wo er am 12. September 2022 um Asyl nachsuchte.  

A.b Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank "Euro-

dac" ergab, dass der Beschwerdeführer bereits am 29. August 2022 in 

Deutschland ein Asylgesuch eingereicht hatte. 

A.c Anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 6. Oktober 2022 (Akten der Vor-

instanz [SEM-act.] 15/4) gab der Beschwerdeführer an, in Deutschland 

kein Asylgesuch eingereicht zu haben. Zwar habe ihm die Polizei Finger-

abdrücke abgenommen und Dokumente unterzeichnen lassen, er habe da-

bei jedoch geglaubt, dies sei für den Transfer in eine Unterkunft nötig. Er 

habe die ihm zugeteilte Unterkunft gleichentags in Richtung Schweiz ver-

lassen. Er habe nie die Absicht gehabt, in Deutschland zu bleiben, sondern 

stets zu seiner Ehefrau B._______ (N […]) gewollt, welche seit ungefähr 

neun Jahren in der Schweiz als Flüchtling vorläufig aufgenommen sei und 

in Genf lebe. Er habe sie im Jahr 2019 kennengelernt und sich in sie ver-

liebt. Am 7. Juli 2019 habe ihre zivile und religiöse Hochzeit im Sudan statt-

gefunden. Sie habe zu diesem Zeitpunkt bereits in der Schweiz gelebt, 

habe ihn jedoch für eineinhalb Monate im Sudan besucht. Danach habe 

sie ihn noch zwei weitere Male für einen respektive eineinhalb Monate be-

sucht, letztmals im Dezember 2020. Sie seien täglich über das Internet und 

per Telefon in Kontakt gestanden. Ein im Jahr 2019 eingereichtes Gesuch 

um Einbezug in die vorläufige Aufnahme der Ehefrau sei wegen deren Für-

sorgeabhängigkeit abgelehnt worden. Der Beschwerdeführer reichte eine 

Kopie der Heiratsurkunde vom 7. Juli 2019 ein.  

Anlässlich des rechtlichen Gehörs zur Zuständigkeit Deutschlands für die 

Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens beziehungsweise 

zur Wegweisung dorthin und zum Nichteintretensentscheid gemäss 

Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) wiederholte der Beschwerdefüh-

rer, in Deutschland keinen Asylantrag gestellt zu haben und bei seiner Frau 

in der Schweiz bleiben zu wollen. 

B.  

B.a Das SEM ersuchte die deutschen Behörden gleichentags um Wieder-

aufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b der 

D-4766/2022 

Seite 3 

Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra-

tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-

stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-

staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-

trags auf internationalen Schutz zuständig ist (Neufassung), ABl. L 180/31 

vom 29.6.2013 (nachfolgend: Dublin-III-VO).  

B.b Diesem Gesuch entsprachen die deutschen Behörden am 10. Oktober 

2022.  

C.  

Am 11. Oktober 2022 reichte der Beschwerdeführer die Hochzeitsurkunde 

vom 7. Juli 2019 im Original ein. 

D.  

Mit Verfügung vom 12. Oktober 2022 (eröffnet am 13. Oktober 2022) trat 

das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf 

das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete seine Wegwei-

sung aus der Schweiz nach Deutschland an und forderte ihn unter Andro-

hung von Zwangsmassnahmen auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der 

Beschwerdefrist zu verlassen. Der Kanton Luzern wurde mit dem Vollzug 

der Wegweisung beauftragt. Im Weiteren händigte es dem Beschwerde-

führer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus und 

stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde gegen die Verfügung keine 

aufschiebende Wirkung zukomme. 

E.  

Mit Beschwerde vom 20. Oktober 2022 an das Bundesverwaltungsgericht 

beantragte der Beschwerdeführer, die Verfügung des SEM vom 12. Okto-

ber 2022 sei aufzuheben, die Zuständigkeit der Schweiz festzustellen und 

das Asylgesuch sei materiell zu prüfen. Eventualiter sei das Verfahren zur 

Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei der 

Kanton Genf als zuständiger Kanton festzulegen. In prozessualer Hinsicht 

beantragte er die Gewährung der aufschiebenden Wirkung, die superpro-

visorische Anweisung an die Vollzugsbehörden, bis zum Entscheid über 

die Erteilung der aufschiebenden Wirkung von Vollzugshandlungen abzu-

sehen, sowie die teilweise unentgeltliche Rechtspflege inklusive Befreiung 

von der Bezahlung der Verfahrenskosten und den Verzicht auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses. 

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Seite 4 

Der Beschwerde lag unter anderem eine Kopie des F-Ausweises seiner 

Ehefrau, Fotografien von ihm gemeinsam mit seiner Frau, medizinische 

Unterlagen vom 12. August 2021 und vom 19. Januar 2022 bezüglich des 

Gesundheitszustandes seiner Frau und eine Heirats-Bestätigung der Zeu-

gen Jehovas vom 14. Oktober 2022 bei.  

F.  

Mit superprovisorischer Massnahme vom 21. Oktober 2022 setzte der zu-

ständige Instruktionsrichter den Vollzug der Wegweisung gestützt auf 

Art. 56 VwVG per sofort einstweilen aus. 

G.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

21. Oktober 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). 

H.  

Mit Eingabe vom 3. November 2022 liess der Beschwerdeführer zwei von 

seiner Ehefrau unterzeichnete Schreiben vom 31. Oktober 2022 einrei-

chen, in welchen diese ihren Willen zum Zusammenleben mit ihm bekräf-

tigte. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-

gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Be-

schwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legiti-

miert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.  

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht berücksichtigt die vorinstanzlichen Ak-

ten der Ehefrau B._______ von Amtes wegen. 

2.  

2.1 Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachfolgend 

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Seite 5 

aufgezeigt wird, handelt es sich vorliegend um eine offensichtlich begrün-

dete Beschwerde, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu 

begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).  

2.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schrif-

tenwechsel verzichtet. 

3.  

3.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).  

4.  

4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen 

Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. 

Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die 

Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-

fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt 

hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 

4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-

ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat 

erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).  

Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind 

die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort 

aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; 

vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation 

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Seite 6 

im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mit-

gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rah-

men eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet demge-

genüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapi-

tel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.). 

4.3 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, 

einen Antragsteller, der während der Prüfung seines Antrags in einem an-

deren Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet 

eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Massgabe 

der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b 

Dublin-III-VO). 

4.4 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen, 

einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell-

ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in 

dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist 

(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht). 

5.  

In der Beschwerdeschrift wird unter anderem geltend gemacht, die Vorin-

stanz habe sich nicht zu Art. 9 Dublin-III-VO geäussert, wonach derjenige 

Mitgliedstaat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig sei, in welchem 

die antragstellende Person Familienangehörige mit internationalem 

Schutzstatus habe – ungeachtet der Frage, ob die Familie bereits im Hei-

matstaat bestanden habe. Stattdessen verweise die Vorinstanz lediglich 

auf Art. 3 Dublin-III-VO, wonach im Falle eines Wiederaufnahmeersuchens 

keine Überprüfung der Zuständigkeit vorzunehmen sei. Im Übernahmeer-

suchen habe die Vorinstanz den deutschen Behörden jedoch nicht kom-

muniziert, dass sie keine eigene Zuständigkeitsprüfung vorgenommen 

habe. Ebenfalls werde seine Beziehung nur sehr knapp geschildert und es 

werde lediglich erwähnt, dass mangels persönlichem Kontakt nicht von ei-

ner Beziehung im Sinne von Art. 8 EMRK ausgegangen werden könne, 

weswegen Deutschland für die Prüfung seines Asylgesuchs zuständig sei. 

Dadurch habe die Vorinstanz gegenüber den deutschen Behörden rele-

vante Informationen unterschlagen, womit das gestellte Ersuchen unzu-

reichend sei. Auch könne aufgrund der kurzen Aufenthaltsdauer des Be-

schwerdeführers in Deutschland nicht davon ausgegangen werden, dass 

dort bereits eine Zuständigkeitsprüfung stattgefunden habe. Somit wäre 

bei einer Überstellung nach Deutschland in korrekter Anwendung von Art. 2 

Bst. g sowie Art. 9 Dublin-III-VO eine Einreise in die Schweiz anzuordnen, 

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Seite 7 

was einer unverhältnismässigen und unzulässigen Kettenüberstellung 

gleichkäme. 

6.  

6.1 Für ein Wiederaufnahmegesuch gestützt auf Art. 23 Dublin-III-VO ist 

gemäss dessen Abs. 4 ein Standardformblatt zu verwenden, das Beweis-

mittel oder Indizien im Sinne der beiden Verzeichnisse nach Art. 22 Abs. 3 

Dublin-III-VO und/oder sachdienliche Angaben aus der Erklärung der be-

troffenen Person enthalten muss, anhand derer die Behörden des ersuch-

ten Mitgliedstaats prüfen können, ob ihr Staat auf Grundlage der in der 

Dublin-III-VO festgelegten Kriterien zuständig ist.  

6.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat bereits im Urteil D-1787/2013 vom 

8. August 2013 E. 5 (bezüglich Art. 17 Abs. 3 Dublin-II-VO) festgehalten, 

das mit dem Formblatt gestellte Übernahmeersuchen müsse alle Informa-

tionen enthalten, anhand derer die Behörden des ersuchten Staats prüfen 

können, ob ihr Staat gemäss den in der Verordnung definierten Kriterien 

zuständig ist. Dies gilt auch in Bezug auf Art. 23 Abs. 4 Dublin-III-VO (vgl. 

Urteile D-6935/2016 vom 24. Januar 2017 E. 5.3.2 und F-1696/2019 vom 

10. Mai 2019 E. 7.2.2). 

6.2.1. Im vorliegenden Fall ist die Vorinstanz mit dem in Art. 23 Abs. 4 Dub-

lin-III-VO vorgesehenen Standardformblatt an die deutschen Behörden ge-

langt, hat es jedoch in Verletzung der soeben genannten Bestimmung un-

terlassen, ihnen mitzuteilen, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers in 

der Schweiz als Flüchtling vorläufig aufgenommen und somit Begünstigte 

internationalen Schutzes ist. Dadurch hat die Vorinstanz ihre Informations-

pflicht gemäss Art. 22 Dublin-III-VO verletzt und es dem ersuchten Mitglied-

staat verunmöglicht, seine potenzielle Zuständigkeit gemäss der Dublin-III-

VO zu prüfen. Hätten die deutschen Behörden in Kenntnis des Schutzsta-

tus der Ehefrau über das Wiederaufnahmeersuchen entscheiden können, 

hätten sie dieses in Anwendung von Art. 9 Dublin-III-VO möglicherweise 

abgelehnt, und die Vorinstanz für die Prüfung des Asylgesuchs des Be-

schwerdeführers zuständig erklärt.  

6.2.2. Schliesslich ist festzuhalten, dass die Vorinstanz im Übernahmeer-

suchen an die deutschen Behörden in Bezug auf die Dauer und die Stabi-

lität der Beziehung des Beschwerdeführers zu seiner Ehefrau unvollstän-

dige und potenziell irreführende Angaben gemacht hat, indem sie Folgen-

des festhielt: «The applicants in fact saw each other physically only twice 

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Seite 8 

in 2019 and in 2020 for about a month» (vgl. SEM-act. 21/3). Diese Formu-

lierung lässt die Interpretation zu, die Beschwerdeführenden hätten sich 

insgesamt nur zweimal insgesamt während eines Monats gesehen, obwohl 

sie sich gemäss den Angaben des Beschwerdeführers im Jahr 2019 und 

2020 je zweimal gesehen haben und dies für jeweils einen bis eineinhalb 

Monate (vgl. SEM-act. 15/4).  

6.3 Zusammenfassend ist nach dem Gesagten festzustellen, dass die Vo-

rinstanz den Sachverhalt unrichtig festgestellt hat und die deutschen Be-

hörden auf wesentliche sachdienliche Angaben nicht hingewiesen hat. Die 

auf unzureichenden und irreführenden Informationen der Vorinstanz basie-

rende Zustimmung Deutschlands ist demzufolge nicht rechtswirksam er-

folgt. 

7.  

7.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-

richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen 

Weisungen an die Vorinstanz zurück.  

7.2 Eine Kassation und Rückweisung an die Vorinstanz ist insbesondere 

dann angezeigt, wenn weitere Tatsachen festgestellt werden müssen und 

ein umfassendes Beweisverfahren durchzuführen ist. Die in diesen Fällen 

fehlende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar auch durch die Be-

schwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies im Einzelfall aus 

prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie muss dies aber 

nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5 mit weiteren Hinweisen). 

7.3 Vorliegend wurde der Sachverhalt wie erwähnt unrichtig festgestellt 

und die deutschen Behörden wurden auf wesentliche Umstände, die für die 

Beurteilung ihrer Zuständigkeit von Bedeutung sein könnten, nicht hinge-

wiesen. Die erforderlichen zusätzlichen Abklärungen mit den deutschen 

Behörden beziehungsweise deren vollständige und korrekte Information 

sind durch die Vorinstanz nachzuholen. Ein Entscheid in der Sache durch 

das Bundesverwaltungsgericht kommt vorliegend nicht in Betracht. 

8.  

8.1 Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen, die angefochtene Verfü-

gung aufzuheben und die Sache zur vollständigen und richtigen Erhebung 

des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die Vo-

rinstanz zurückzuweisen. Die Vorinstanz wird ein erneutes Wiederaufnah-

megesuch an die deutschen Behörden zu stellen und diesen mitzuteilen 

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Seite 9 

haben, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers in der Schweiz Begüns-

tigte internationalen Schutzes ist.  

8.2 Somit kann offengelassen werden, ob die Vorinstanz zu Recht auf das 

Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist und dessen Weg-

weisung nach Deutschland verfügt hat. 

8.3 Mit der Aufhebung des angeordneten Wegweisungsvollzugs entfällt 

– zumindest für den Moment – die Zuständigkeit des Kantons Luzern zum 

Vollzug derselben (vgl. Art. 23 AsylV 1 i.V.m. Art. 34 AsylV 1). Es kann des-

halb vorliegend offengelassen werden, wie das subeventualiter gestellte 

Begehren, der Kanton Genf sei «als zuständiger Kanton festzulegen», 

durch das Bundesverwaltungsgericht zu behandeln wäre.  

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer keine 

Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Gesuche um Gewährung 

der unentgeltlichen Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses sind folglich gegenstandslos geworden. 

9.2 Dem Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung auszurichten, da 

es sich vorliegend um eine zugewiesene unentgeltliche Rechtsvertretung 

im Sinne von Art. 102h AsylG handelt, deren Leistungen vom Bund nach 

Massgabe von Art. 102k AsylG entschädigt werden (vgl. auch Art. 111ater 

AsylG). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

 

  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die angefochtene Verfügung vom 12. Oktober 2022 wird aufgehoben und 

die Sache im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vorinstanz 

zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Thomas Segessenmann Selina Sutter 

 

 

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