# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8d4be830-a1cb-5af3-9784-6f7765cb6f78
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-12-16
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 16.12.2021 SK1 2019 56
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SK1-2019-56_2021-12-16.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

Urteil vom 16. Dezember 2021

Referenz SK1 19 56

Instanz I. Strafkammer 

Besetzung Moses, Vorsitzender
Cavegn und Michael Dürst
Guetg, Aktuar

Parteien A._____, geboren am _____
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Claudio Allenspach
Poststrasse 43, Postfach, 7001 Chur 

gegen

Staatsanwaltschaft Graubünden
Sennhofstrasse 17, 7001 Chur

Gegenstand Tierquälerei etc.

Anfechtungsobj. Urteil des Regionalgerichts Surselva vom 12.09.2019, mitgeteilt 
am 27.11.2019 (Proz. Nr. 515-2019-6)

Mitteilung 16. Juni 2022

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Sachverhalt

A. Die Staatsanwaltschaft Graubünden (nachfolgend Staatsanwaltschaft) er-
hob am 23. Juli 2019 beim Regionalgericht Surselva Anklage gegen A._____ wie 
folgt:

Vorsätzliche Tierquälerei gemäss Art. 4 Abs. 2 TSchG, Art. 16 Abs. 2 lit. a 
TSchV und aArt. 178 Abs. 1 TSchV in Verbindung mit Art. 26 Abs. 1 lit. a 
und b TSchG, fahrlässige Tierquälerei gemäss Art. 4 Abs. 2 TSchG in Ver-
bindung mit Art. 26 Abs. 2 TSchG und Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG sowie 
Übertretung gemäss Art. 15 Abs. 1 und 2 KJG in Verbindung mit Art. 47 
Abs. 1 KJG

Am Abend des 23. September 2017 übte A._____ bei der Örtlichkeit 
B._____, Gemeindegebiet C._____, die Hochjagd aus. Nachdem er eine 
aus den von seinem Unterstand gegenüberliegenden Stauden auf die Wie-
se austretende Rehgeiss als jagdbar angesprochen hatte, gab er um ca. 
19.00 Uhr auf eine Distanz von 117 m auf diese von einem Staudenband 
zum anderen hangaufwärts ziehende Rehgeiss einen Schuss ab, als sie 
ihm einen Augenblick das "Blatt zeigte" (Seitenansicht zum Schützen). Das 
Tier wurde aber nicht tödlich getroffen und legte sich nach kurzem Aufsu-
chen der nächsten Deckung bzw. aus dem Dickicht zurückkehrend im Be-
reich des Anschussortes nieder. Dabei stellte der Beschuldigte fest, dass er 
die Rehgeiss im hinteren Bereich angeschossen hatte. Anstatt auf die ein 
wenig tiefer unterhalb ihm während längerer Zeit mit erhobenem Haupt lie-
gende Rehgeiss einen Fangschuss in den Nackenkamm (Bereich, wo der 
Hals/Träger in den Rücken übergeht) abzugeben oder diese in Deckung 
aufzusuchen und aus nächster Nähe mit einem Fangschuss (Kopfschuss, 
Trägerschuss oder Schuss ins Herz) von ihren Leiden zu erlösen, blieb 
A._____ bis um 20.00 Uhr auf seinem Ansitz. In der Folge begab er sich 
nach der Schusszeit (20.00 Uhr) zu Fuss in seine Unterkunft nach 
D._____, um eine Stirnlampe zu holen. Als er um ca. 21.15 Uhr bei der ver-
letzten Rehgeiss eintraf und feststellte, dass diese immer noch am Leben 
war bzw. atmete, fügte er dem Tier mit seinem Jagdmesser ohne vorgängi-
ge Betäubung zwei Halsschnitte und einen Halsstich zu, so dass es 
schlussendlich verblutete. Beim Setzen dieser Messerschnitte zappelte das 
Tier noch mit den Vorderläufen. Indem der Beschuldigte in Kenntnis, dass 
das Reh auf seinen Schuss hin noch lebte, es unterliess, dieses sofort mit 
einem Fangschuss zu töten, und es nach 2 1/4 Stunden Leidenszeit ohne 
Betäubung mit mehrmaligen Ansetzen des Messers bzw. einem Messer-
stich am Träger schliesslich tötete, fügte er dem Tier bewusst unnötig qual-
volle Leiden hinzu sowie missachtete in krasser Weise dessen Würde und 
übte die Jagd nicht weidgerecht aus. Auch hätte er als langjähriger Jäger 
(20 Jahre Jagderfahrung) erkennen können, dass die Wahrscheinlichkeit 
für einen nicht tödlichen Schuss und damit der Erfolg einer allfälligen Ver-
letzung bzw. der Tierquälerei, indem er auf eine Distanz von 117 m auf ei-
ne ziehende Rehgeiss schoss, sehr gross war. 

Am 24. September 2017 wies der Beschuldigte die am Vorabend beschos-
sene, erlaubte Rehgeiss dem Wildhüter E._____ vor. Dabei stellte der 
Wildhüter E._____ fest, dass an den Hinterläufen der 16.8 kg schweren 
Rehgeiss beide Sprunggelenke durchschossen bzw. zerstört waren und 
das Tier am Träger vorne zwei nicht sachgerechte Schnittwunden sowie 
eine Stichverletzung aufwies.

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A._____ verwendete die Munition RWS, Kegelspitz, Kaliber 10,3 x 60 R. 
Die günstigste Einschiessentfernung (GEE) des 16,4 Gramm schweren 
Geschosses beträgt 138 m, was auf 100 m einem Hochschuss von 4 cm 
entspricht. Es hat auf eine Distanz von 117 m, falls es auf 100 m einge-
schossen wurde, eine nicht relevante Abweichung der Treffpunktlage. Die 
Geschossenergie beträgt auf 100 bzw. 150 Meter 2692 bzw. 2217 Joule. 

B. Mit Urteil vom 12. September 2019 sprach das Regionalgericht Surselva 
A._____ vom Vorwurf der Tierquälerei gemäss Art. 16 Abs. 2 lit. a TSchV und 
aArt. 178 Abs. 1 TSchV in Verbindung mit Art. 26 Abs. 1 lit. b TSchG, der fahrläs-
sigen Tierquälerei gemäss Art. 4 Abs. 2 TSchG in Verbindung mit Art. 26 Abs. 2 
TSchG und Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG sowie der Übertretung gemäss Art. 15 Abs. 
1 und 2 KJG in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 KJG frei. Gleichzeitig sprach es ihn 
jedoch wegen vorsätzlicher Tierquälerei gemäss Art. 4 Abs. 2 TSchG in Verbin-
dung mit Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG schuldig und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe 
von 60 Tagessätzen zu je CHF 120.00 sowie einer Busse von CHF 1'200.00. Der 
Vollzug der Geldstrafe wurde für eine Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben. Die 
Jagdberechtigung wurde A._____ für die Dauer von zwei Jahren entzogen, wobei 
der Vollzug für eine Probezeit von 2 Jahren bedingt aufgeschoben wurde. 

C. Mit Eingabe vom 18. September 2019 liess A._____ (nachfolgend Beschul-
digter), vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Claudio Allenspach, gegen das Urteil 
Berufung anmelden.

D. Mit Berufungserklärung vom 9. Dezember 2019 beantragte der Beschuldig-
te in der Hauptsache einen umfassenden Freispruch. Eventualiter sei er der fahr-
lässigen Tierquälerei gemäss Art. 4 Abs. 2 TSchG in Verbindung mit Art. 26 Abs. 2 
TSchG für schuldig zu sprechen und mit einer Geldstrafe von höchstens 10 Ta-
gessätzen zu je CHF 120.00 zu bestrafen. Der Vollzug der Geldstrafe sei bedingt 
auszusprechen, für eine Probezeit von zwei Jahren. Es sei weder eine Verbin-
dungsbusse auszusprechen noch der Entzug der Jagdberechtigung anzuordnen. 
Subeventualiter sei er zu einer Geldstrafe von höchstens 20 Tagessätzen zu je 
CHF 120.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren, zu verur-
teilen, wobei auf die Aussprache einer Verbindungsbusse zu verzichten sei. Die 
Jagdberechtigung sei ihm für die Dauer von einem Jahr, bedingt aufgeschoben bei 
einer Probezeit von zwei Jahren, zu entziehen. 

E. Mit Eingabe vom 20. Dezember 2019 erhob die Staatsanwaltschaft An-
schlussberufung und beantragte, die Ziffer 1 sowie die Ziffern 3-6 des angefochte-
nen Urteils aufzuheben und den Beschuldigten der vorsätzlichen Tierquälerei 
gemäss Art. 4 Abs. 2 TSchG, Art. 16 Abs. 2 lit. a TSchV und aArt. 178 Abs. TSchV 
i.V.m. Art. 26 Abs. 1 lit. b TSchG, der fahrlässigen Tierquälerei gemäss Art. 4 Abs. 

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2 TSchG i.V.m. Art. 26 Abs. 1 lit. a und Art. 26 Abs. 2 TSchG sowie der Übertre-
tung gemäss Art. 15 Abs. 1 und 2 KJG i.V.m. Art. 47 Abs. 1 KJG für schuldig zu 
sprechen. Hierfür sei er mit einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 
CHF 120.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren und einer 
Busse von CHF 2'400.00, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 20 Tagen, zu 
verurteilen. Das Jagdpatent sei ihm, aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei 
Jahren, für die Dauer von drei Jahren zu entziehen. Die Kosten seien dem Be-
schuldigten vollumfänglich anzulasten. 

F. Nach Durchführung des schriftlichen Verfahrens wurde seitens des Vorsit-
zenden der I. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden die Durch-
führung des mündlichen Verfahrens angeordnet. Die Hauptverhandlung vor der I. 
Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden fand am 14. Dezember 2021 
statt. Beide Parteien hielten an ihren in der Berufungs- bzw. Anschlussberufungs-
erklärung definierten Anträgen fest und beantragten je die Abweisung der Beru-
fung bzw. der Anschlussberufung. 

Erwägungen

1. Die formellen Voraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass und 
wurden seitens keiner Partei bestritten. Sowohl auf die Berufung des Beschuldig-
ten als auch die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft ist einzutreten. 

2. Gestützt auf Art. 398 Abs. 3 StPO können mit der Berufung gerügt werden: 
Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermes-
sens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a), die unvollständige oder 
unrichtige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) sowie Unangemessenheit (lit. c), 
wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend 
überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 StPO).

3.1. Dem Beschuldigten wird unweidmännisches Verhalten und fahrlässige so-
wie vorsätzliche Tierquälerei im Zusammenhang mit dem eingeklagten Vorfall vom 
23. September 2017 vorgeworfen. Der gemäss der Anklageschrift eingeklagte 
Sachverhalt stützt sich dabei wesentlich auf die Aussagen des Beschuldigten. Be-
reits vor Vorinstanz beanstandete der Beschuldigte die Verwertbarkeit seiner Aus-
sagen anlässlich der Einvernahme durch Wildhüter E._____ am 26. September 
2017 sowie die diese wiedergebenden Ausführungen von E._____ vom 14. März 
2018. Seiner Ansicht nach komme E._____ lediglich im Zusammenhang mit Wi-
derhandlungen gegen die kantonale Jagdgesetzgebung jagdpolizeiliche Funktion 
zu. Die Vorinstanz verwarf das Vorbringen des Beschuldigten. Sie hielt fest, dass 

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es den Kantonen zustehe, die Verfolgung und Beurteilung von Übertretungen 
Verwaltungsbehörden zu übertragen. Im Kanton Graubünden sei die Verfolgung 
und Beurteilung der kantonalen Übertretungstatbestände im Bereich der Jagd un-
ter anderem den Wildhütern übertragen worden. Wildhüter E._____ habe am 24. 
September 2017 im Verlaufe der Ausmessung an der vom Beschuldigten erlegten 
Rehgeiss Schussverletzungen an den Hinterläufen sowie die Schnittwunden am 
Hals festgestellt. Infolge dieses Anfangsverdachtes auf eine Verletzung von Jagd-
vorschriften (unweidmännisches Verhalten, unzulässiges Schächten) habe er am 
26. September 2017 eine Einvernahme durchgeführt. Als sich anlässlich dieser 
gezeigt habe, dass sich der Beschuldigte nicht nur des unweidmännischen Verhal-
tens, sondern darüber hinaus auch der Widerhandlung gegen das Tierschutzge-
setz strafbar gemacht haben könnte, habe er dies am 26. September 2017 unver-
züglich der Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht. E._____ habe demnach erst 
anlässlich der Einvernahme vom 26. September 2017 ein Verdacht auf eine mög-
liche Verletzung des Tierschutzgesetzes vorgelegen. Folgerichtig habe er die An-
gelegenheit sodann an die Staatsanwaltschaft übergeben (Art. 17 StPO). 

3.2. In seiner Berufung moniert der Beschuldigte, die Vorinstanz sei in reine 
Spekulation verfallen. E._____ habe ihm bereits anlässlich der Einvernahme vom 
26. September 2017 eine Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz und der 
Tierschutzverordnung etc. vorgeworfen. Damit sei für diesen erkennbar gewesen, 
dass die Durchführung des Verfahrens nicht mehr in seine Kompetenz gefallen 
sei. Die Angelegenheit hätte in Anwendung von Art. 357 Abs. 4 StPO ohne weitere 
Befragung des Beschuldigten direkt an die Staatsanwaltschaft überwiesen werden 
müssen. Die Aussagen in der Einvernahme des Beschuldigten vom 26. Septem-
ber 2017 sowie die Aussagen von E._____ anlässlich dessen Einvernahme vor 
der Staatsanwaltschaft seien folglich, soweit dieser mutmassliche Schilderungen 
des Beschuldigten wiedergegeben habe, unverwertbar (vgl. etwa KG act. A.5, S. 
7, Ziff. 2.2 und KG act. H.2, S. 7, Ziff. 2). 

3.3. Nur die vom Gesetz hierfür vorgesehenen staatlichen Behörden sind zur 
Wahrnehmung der Strafrechtspflege legitimiert (Art. 2 Abs. 1 StPO). Nach Art. 14 
StPO bestimmen Bund und Kantone ihre Strafbehörden und deren Bezeichnung. 
Die Strafrechtspflege umfasst sämtliche Tätigkeiten, die auf die Verfolgung und 
Beurteilung von Straftaten gerichtet sind. So ist insbesondere auch die Arbeit der 
Polizei Teil der Strafrechtspflege; zumindest soweit sie im Anwendungsfeld der 
StPO liegt (Peter Straub/Thomas Weltert, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], 
Basler Kommentar, Art. 1-195 StPO, 2. Aufl., Basel 2014, N 7 und 10 zu Art. 15 
StPO). Damit angesprochen ist die gerichtliche Polizei, d.h. die Polizei, welche 

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sich mit der Ermittlung von Straftaten befasst. Grundsätzlich kann die Spezialge-
setzgebung vorsehen, dass gerichtspolizeiliche Tätigkeiten durch weitere, ausser-
halb des eigentlichen Polizeikorps stehende Personen wahrgenommen werden 
können; bspw. durch Personen der Umweltverwaltung (vgl. Hanspeter Uster, in: 
Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Strafpro-
zessordnung, Art. 1-195 StPO, 2. Aufl., Basel 2014, N 6 zu Art. 15 StPO). Die 
Kompetenz, sich mit der Strafrechtspflege befassen zu dürfen, geht aber personell 
und sachlich lediglich soweit, wie sie das Gesetz ausdrücklich vorsieht. Im Kanton 
Graubünden sind Wildhüter Organe der Strafverfolgungsbehörden und sie haben 
bei Strafverfolgungen im Zusammenhang mit der Jagd oder der Fischerei die glei-
chen Rechte und Pflichten wie die Kantonspolizei (Art. 44 Abs. 2 KJG). Sie haben 
bei Verdacht einer strafbaren Handlung die ersten Erhebungen vorzunehmen, die 
Spuren der Tat festzustellen und zu sichern sowie alle dringlichen Massnahmen 
zu treffen, um die Täterin oder den Täter zu ermitteln (Art. 31 Abs. 2 RJV). Ihre 
Kompetenz ist nicht, wovon der Beschuldigte auszugehen scheint, auf Übertre-
tungstatbestände beschränkt. Vielmehr agieren sie, freilich beschränkt auf die 
Strafverfolgung im Zusammenhang mit der Jagd oder der Fischerei, als eigentli-
che (Jagd-)Polizei (vgl. etwa auch Art. 42 KJG). Der vom Beschuldigten erwähnte 
Art. 357 Abs. 4 StPO ist daher von vorneherein nicht einschlägig. Folglich trifft 
nicht zu, dass die Angelegenheit noch vor einer weiteren Befragung der Staats-
anwaltschaft hätte überwiesen werden müssen. Daran ändert nichts, dass der 
dem Beschuldigten zur Last gelegte Lebenssachverhalt rechtlich von ausserhalb 
des kantonalen Jagdgesetzes stehenden Straftatbeständen erfasst sein könnte. 
Unbestritten ist, dass der vorliegend umstrittene Lebenssachverhalt im Zusam-
menhang mit der Jagd stand. Inwiefern vor dem Hintergrund des Gesagten die 
Aussagen des Beschuldigten sowie des Wildhüters E._____ unverwertbar sein 
sollen, ist nicht nachvollziehbar. 

4.1. Der Beschuldigte moniert, in der Anklageschrift würden einleitend alle von 
der Staatsanwaltschaft als erfüllt erachteten Straftatbestände und die entspre-
chenden Gesetzesbestimmungen genannt, ohne jedoch darzutun, welche Hand-
lungen die vorsätzliche Tierquälerei, welche die fahrlässige Tierquälerei und wel-
che das angebliche nicht weidmännische Verhalten begründen würden. Es werde 
nicht angegeben, welche einzelnen Vorgänge und Sachverhalte den jeweiligen 
Merkmalen der angeklagten Straftatbestände entsprächen. Die Anklageschrift er-
fülle weder ihre Informationsfunktion noch ihre Umgrenzungsfunktion. Er habe sich 
nicht wirksam verteidigen können. Weder für einen Laien noch für einen Juristen 
sei erkennbar gewesen, welche konkreten Vorgänge nach Ansicht der Staatsan-
waltschaft die Fahrlässigkeit, den Vorsatz und das nicht weidmännische Verhalten 

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hätten begründen sollen. Auf Grundlage der Anklageschrift lasse sich der Sach-
verhalt gemäss Anklageschrift nicht erstellen (KG act. A.5, Ziff. 3.2 und KG act. 
H.2, S. 3, Ziff. 3.2).

4.2. Nach dem Anklagegrundsatz (Art. 9 StPO) bestimmt die Anklageschrift den 
Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion). Das Gericht ist an 
den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt gebunden (Immutabilitätsprin-
zip), nicht aber an dessen rechtliche Würdigung durch die Anklagebehörde (vgl. 
Art. 350 StPO). Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last gelegten 
Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe im ob-
jektiven und subjektiven Bereich genügend konkretisiert sind. Das Anklageprinzip 
bezweckt zugleich den Schutz der Verteidigungsrechte der beschuldigten Person 
und dient dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion). Der Be-
schuldigte muss aus der Anklage ersehen können, wessen er angeklagt ist. Das 
bedingt eine zureichende Umschreibung der Tat. Entscheidend ist, dass der Be-
troffene genau weiss, welcher Handlungen er konkret beschuldigt und wie sein 
Verhalten rechtlich qualifiziert wird, damit er sich in seiner Verteidigung richtig vor-
bereiten kann. Er darf nicht Gefahr laufen, erst an der Gerichtsverhandlung mit 
neuen Anschuldigungen konfrontiert zu werden (BGE 143 IV 63 E. 2.2 m.H.). In 
der Anklageschrift sind unter anderem möglichst kurz, aber genau die der be-
schuldigten Person vorgeworfenen Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, 
Art und Folgen der Tatausführung (lit. f) und die nach Auffassung der Staatsan-
waltschaft erfüllten Straftatbestände unter Angabe der anwendbaren Gesetzesbe-
stimmungen (lit. g) zu bezeichnen. Ungenauigkeiten sind so lange nicht von ent-
scheidender Bedeutung, als für die beschuldigte Person keine Zweifel darüber 
bestehen, welches Verhalten ihr angelastet wird (BGer 6B_651/2018 v. 
17.10.2018 E. 3.3). Die Anklageschrift ist nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum 
Zweck der Umgrenzung des Prozessgegenstandes und der Information der be-
schuldigten Person, damit diese die Möglichkeit hat, sich zu verteidigen (BGer 
6B_654/2014 v. 14.10.2014 E. 1.3). 

4.3. In der Anklageschrift werden einleitend sämtliche Straftatbestände aufgelis-
tet, welche der Beschuldigte verletzt haben soll. Im Nachgang werden sämtliche 
dem Beschuldigten vorgeworfenen Handlungen in sachlicher, zeitlicher und örtli-
cher Hinsicht umschrieben. Damit wird der angeklagte Sachverhalt und die nach 
Auffassung der Staatsanwaltschaft dadurch erfüllten gesetzlichen Bestimmungen 
in der Anklageschrift genügend präzise umschrieben. Es trifft zwar zu, dass in der 
Anklageschrift die Straftatbestände nicht konkret auf die einzelnen Sachverhalts-
vorwürfe aufgeschlüsselt werden. Der Klarheit willen wäre eine solche Aufschlüs-

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selung wünschenswert gewesen. Dies, weil die einzelnen Sachverhaltsvorwürfe 
aufgrund des Tatkomplexes, dem sie entspringen, stark miteinander zusammen-
hängen. Gleichwohl blieb es für den Beschuldigten im vorliegenden Fall möglich, 
die einzelnen Straftatbestände den Sachverhalten zuzuordnen. Das ihm konkret 
Vorgeworfene blieb für ihn zweifelsfrei erkennbar. Dies nicht zuletzt auch deshalb, 
weil die ihm vorgeworfenen Straftatbestände jeweils spezifische Handlungen be-
inhalten, was eine Zuordnung zu den einzelnen Sachverhaltsvorwürfen ermöglicht. 
Dem Beschuldigten war es unter den gegebenen Umständen möglich, seine Ver-
teidigungsrechte wahrzunehmen. 

Der Beschuldigte weist darauf hin, er habe es unterlassen, sich zu der ihm vorge-
worfenen unweidmännischen Schussdistanz zu äussern. Dies sei ein Resultat aus 
der mangelhaften Zuordnung der Sachverhaltsvorwürfe zu einzelnen Straftat-
beständen. So sei nicht erkennbar gewesen, dass ihm im Zusammenhang mit der 
Schussdistanz eine Verletzung des kantonalen Jagdgesetzes vorgeworfen werde. 
Dies sei letztlich Beleg dafür, dass die Anklageschrift ungenügend und damit eine 
angemessene Verteidigung nicht möglich gewesen sei (vgl. KG act. A. 5, S. 12). In 
der Anklageschrift wird dem Beschuldigten ein im Sinne von Art. 15 Abs. 1 und 2 
KJG in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 KJG tatbestandsmässiges Verhalten vorge-
worfen. Sodann wird in sachverhaltlicher Hinsicht zusammengefasst ausgeführt, 
der Beschuldigte habe aus einer Distanz von 117 m auf die Rehgeiss geschossen, 
die von einem Staudenband zum anderen hangaufwärts gezogen sei. Dies, als sie 
ihm für einen Augenblick das "Blatt" gezeigt habe. In diesem Kontext wird dem 
Beschuldigten sodann vorgeworfen, er habe trotz der für ihn erkennbar sehr gros-
sen Wahrscheinlichkeit eines nicht tödlichen Schusses aus einer Distanz von 117 
m auf die ziehende Rehgeiss geschossen. Daraus erhellt, dass ihm eine unter den 
ihm dargebotenen Umständen ungenügende Schussdistanz und damit eine Ver-
letzung von Art. 15 KJG vorgeworfen wurde, zumal in dessen Abs. 2 auf die weid-
gerechte Schussdistanz hingewiesen wird. Wenn sich der Verteidiger in seinem 
vorinstanzlichen Plädoyer hierzu nicht äussert, ist dies nicht einer mangelhaften 
Anklageschrift geschuldet. Ebenso wenig lässt sich aus dem Umstand etwas zu 
Gunsten der berufungsklägerischen Sichtweise ableiten, dass ihm in der Anklage-
schrift keine mehrfache Übertretung gemäss Art. 15 KJG vorgeworfen werde. 
Massgebend ist der dem Beschuldigten vorgeworfene Sachverhalt. Aus der An-
klageschrift geht eindeutig hervor, dass ihm eine mehrfache Übertretung gegen 
das kantonale Jagdgesetz vorgeworfen wird, was im jeweiligen Kontext aus dem 
Vorwurf, er habe sich "nicht weidgerecht" verhalten, ergibt. Abgesehen davon 
übersieht der Beschuldigte mit Blick auf den Anklagegrundsatz, dass das Gericht 
zwar an den in der Anklage umschriebenen Sachverhalt gebunden ist, nicht aber 

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an die darin vorgenommene rechtliche Würdigung. Diese ist ausschliesslich Auf-
gabe des Gerichts (Art. 350 Abs. 1 StPO; BGer 6B_254/2015 v. 27.8.2015 E. 3.1 
m.H.).

4.4. Im Rahmen seines Vorbringens gegen die Anklageschrift moniert der Be-
schuldigte überdies eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Bereits vor Vor-
instanz habe er vorgebracht, die Anklage sei inhaltlich ungenügend ausgestaltet, 
weil sie Spekulationen, Interpretationen und vorweggenommene Beweiswürdigung 
enthalten würde. Er habe entsprechend darauf hingewiesen, dass die Anklage den 
Anforderungen von Art. 325 StPO nicht genügen würde. Die Vorinstanz habe sich 
mit diesem Vorbringen nicht auseinandergesetzt (vgl. dazu KG act. A.5, Ziff. 3.1a 
ff.). Es trifft zu, dass sich die Vorinstanz mit diesem Vorbringen nicht auseinander-
gesetzt hat. Ob sie dies, wie sie im Rahmen ihrer Stellungnahme vorbringt, nicht 
musste, da sie den Beschuldigten hinsichtlich der damit zusammenhängenden 
Vorwürfe freisprach, kann offenbleiben. Selbst wenn von einer Verletzung des 
rechtlichen Gehörs auszugehen wäre, könnte diese im vorliegenden Verfahren 
nämlich geheilt werden, da die Berufungsinstanz über volle Kognition verfügt und 
eine Rückweisung einen prozessualen Leerlauf zur Folge hätte. Denn die inhaltli-
chen Einwände gegen die Anklageschrift überzeugen nicht. Wie erläutert hat die 
Anklage die vorgeworfenen Taten darzustellen, d.h. das inkriminierte Verhalten in 
Form eines Sachverhalts wiederzugeben (Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO). Obschon es 
sich um eine Hypothese handelt, wird das inkriminierte Geschehen so wiedergeb-
geben, als ob es sich tatsächlich auf diese Weise ereignet hat. Aus Art. 325 Abs. 1 
StPO geht e contrario auch hervor, dass die Anklageschrift ein inkriminiertes Ver-
halten lediglich zu behaupten hat und weder einen hinreichenden Tatverdacht zu 
begründen noch Beweismittel zu benennen hat (Stefan Heimgartner/Marcel Alex-
ander Niggli, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger, Basler Kommentar, Schweizerische 
Strafprozessordnung, Art. 196-457 StPO, 2. Aufl., Basel 2014, N 3 zu Art. 325 
StPO). Mit anderen Worten beschränkt sich die Anklageschrift auf eine möglichst 
kurze, aber genaue Umschreibung des erhobenen Tatvorwurfs, ohne dass dieser 
einstweilen in tatsächlicher oder rechtlicher Hinsicht näher begründet oder gewür-
digt wird (Niklaus Oberholzer, Grundzüge des Strafprozessrechts, 4. Aufl., Bern 
2020, N 1863). Es versteht sich indes von selber, dass Anklageschriften klar und 
eindeutig zu formulieren sind und die Angaben korrekt sein müssen (Heimgart-
ner/Niggli, a.a.O., N 3 zu Art 325 StPO). Da sich die Anklage auf eine Hypothese 
stützt, erweisen sich unter letzterem Aspekt indessen lediglich erwiesenermassen 
tatsachenwidrige oder auf reinen Gerüchten oder Mutmassungen basierende Vor-
halte als falsch bzw. inkorrekt (Heimgartner/Niggli, a.a.O., N 4 zu Art. 325 StPO). 
Die Verteidigung argumentiert nun, es lasse sich aufgrund der Aussagen des Be-

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schuldigten nicht erstellen, dass ihm die Rehgeiss das Blatt nur für einen "Augen-
blick" gezeigt habe, wie es ihm nun vorgeworfen werde. Ebenso sei reine Spekula-
tion, wenn ihm vorgeworfen werde, die Rehgeiss sei "während längerer Zeit mit 
erhobenem Haupt" dagelegen. Die Rüge des Beschuldigten erweist sich als zir-
kelschlüssig. So wirft er der Staatsanwaltschaft einzig vor, reine Spekulationen in 
die Anklageschrift aufgenommen zu haben, weil sich die Vorwürfe nach einer aus 
seiner Sicht korrekten Beweiswürdigung nicht erhärten liessen. Wie die Beweise 
gewürdigt werden und welche Schlüsse daraus zu ziehen sind, bleibt jedoch dem 
Gericht vorbehalten (vgl. BGer 6B_918/2020 v. 19.1.2021 E. 3.3). Vorliegend hat 
die Staatsanwaltschaft weder Mutmassungen noch Spekulationen formuliert. 
Vielmehr hat sie dem Beschuldigten klar formulierte und unmissverständliche 
Sachverhaltsmomente vorgeworfen. Die Anklageschrift ist auch in dieser Hinsicht 
nicht zu beanstanden. 

5.1. Die Vorinstanz erwägt, das von der Staatsanwaltschaft eingeholte Gutach-
ten von Dr. med. vet. F._____ sei unverwertbar. Begründend führte sie aus, 
F._____ habe im vorliegenden Fall mehr als bloss beiläufig seine rechtliche Ein-
schätzung des Sachverhalts geäussert. Er habe in seinem Schlusswort ausdrück-
lich festgehalten, dass von einer Tiermisshandlung auszugehen sei. Er habe sich 
damit von dem ihm zugewiesenen Aufgabenbereich entfernt, um seine Missbilli-
gung des Vorgefallenen auszudrücken. Es bestünden erhebliche objektive Zweifel 
an der Unbefangenheit des Experten. Davon abgesehen sei das Gutachten un-
brauchbar. Fragen würden teilweise gar nicht beantwortet und teilweise würden 
sie auch nur zusammengefasst beantwortet. Komme hinzu, dass Fragen nicht 
fallbezogen, sondern allgemein beantwortet würden (vgl. KG act. E. 1, E. 2.3). 

5.2. Die Staatsanwaltschaft bringt in ihrer Anschlussberufung dagegen vor, es 
komme immer wieder vor, dass Gutachter zu Rechtsfragen Stellung nehmen wür-
den, oder sich Sach- und Rechtsfragen nicht klar trennen liessen. Dies sei solange 
zu tolerieren, als das zuständige Gericht in solchen Fällen die Rechtsfragen unab-
hängig von der entsprechenden Subsumtion des Sachverständigen selbst ent-
scheidet und begründet. Selbst wenn sich der Gutachter von dem ihm zugewiese-
nen Aufgabenbereich entfernte und zu Rechtsfragen Stellung nehmen sollte, führ-
te dies nicht automatisch zu dessen Befangenheit (KG act. H.1, Ziff. 2 ff. und KG 
act. A.4, Ziff. 4.4). Aufgrund des Umstandes, dass der Gutachter in der Zusam-
menfassung auf den Begriff der Tiermisshandlung eingehe, könne nicht auf des-
sen Befangenheit geschlossen werden. Das Aufführen von Literaturquellen am 
Ende sowie die Zusammenlegung von thematisch zusammenhängenden Fragen 

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und Zusatzfragen vermöchte ebenfalls keine Unbrauchbarkeit bzw. Unverwertbar-
keit des Gutachtens zu begründen (KG act. A.4, Ziff. 4.4). 

5.3. Der Beschuldigte schliesst sich den vorinstanzlichen Erwägungen im We-
sentlichen an. Darüber hinaus verweist er auf seine Begründung vor Schranken 
der Vorinstanz. Das Gutachten sei unverwertbar, weil der Gutachter dem Be-
schuldigten ungefragt und mit unhaltbarer Begründung direkt ein strafrechtliches 
Fehlverhalten vorgeworfen habe (KG act. A. 5, Ziff. 2.2). Das Gutachten sei zu-
dem nutzlos. Die zur Beurteilung der vorliegenden Streitsache relevanten Parame-
ter seien bekannt gewesen. Dem Gutachter hätten lediglich drei Fotos vorgelegen. 
Es sei ihm nicht möglich gewesen, die Frage des Blutverlustes und der Bewusst-
losigkeit zu beurteilen (KG act. A.5, Ziff. 2.1). Das Gutachten erweise sich als un-
brauchbar (KG act. A.5, Ziff. 2.3). 

5.4. Gemäss Art. 182 StPO ziehen Staatsanwaltschaft und Gerichte eine oder 
mehrere sachverständige Personen bei, wenn sie nicht über die besonderen 
Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, die zur Feststellung oder Beurteilung eines 
Sachverhalts erforderlich sind. Die Anforderungen an die sachverständige Person 
sowie die bei deren Ernennung und bei der Erstellung des Gutachtens zu beach-
tenden Vorschriften sind in Art. 183 ff. StPO geregelt. Gemäss Art. 189 StPO lässt 
die Verfahrensleitung das Gutachten von Amtes wegen oder auf Antrag einer Par-
tei durch die gleiche sachverständige Person ergänzen oder verbessern, wenn 
das Gutachten unvollständig oder unklar ist (lit. a) oder Zweifel an der Richtigkeit 
des Gutachtens bestehen (lit. c).

5.5. Für Sachverständige gelten die Ausstandsgründe nach Art. 56 StPO (vgl. 
Art. 183 Abs. 3 StPO). Nach deren Abs. 1 lit. f tritt eine in einer Strafbehörde tätige 
Person unter anderem in den Ausstand, wenn sie aus anderen Gründen, insbe-
sondere wegen Freundschaft oder Feindschaft mit einer Partei oder deren 
Rechtsbeistand, befangen sein könnte. Ein Ausstandsgrund im Sinne von Art. 56 
StPO wird nach der Rechtsprechung angenommen, wenn bei objektiver Betrach-
tung Gegebenheiten vorliegen, die den Anschein der Befangenheit oder die Ge-
fahr der Voreingenommenheit des Sachverständigen begründen. Dies wird bei 
Umständen bejaht, die geeignet sind, Misstrauen in dessen Unparteilichkeit zu 
erwecken. Solche Umstände können in einem bestimmten Verhalten des Experten 
oder in gewissen äusseren Gegebenheiten (funktioneller und organisatorischer 
Natur) liegen. Bei der Beurteilung entsprechender Gegebenheiten ist nicht auf das 
Empfinden einer Partei abzustellen. Es genügt, wenn Umstände vorliegen, die bei 
objektiver Betrachtung den Anschein der Befangenheit erwecken; für den 
Ausstand wird nicht verlangt, dass der Sachverständige tatsächlich befangen ist 

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(BGE 141 IV 34 E. 5.2). Beschränkt sich der Sachverständige nicht auf den ihm 
erteilten Auftrag und beantwortet er im Gutachten auch Rechtsfragen, kann die 
Kompetenzüberschreitung darauf hindeuten, dass eine Befangenheit vorliegt (vgl. 
BGer 8C_448/2015 v. 17.12.2015 E. 4 ff.; vgl. auch Andreas Donatsch, in: Do-
natsch/Lieber/Summers/Wohlers, [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Straf-
prozessordnung, Art. 1-195 StPO, 3. Aufl., Zürich 2020, N 16 zu Art 183 StPO). 
Die Vornahme der juristischen Beurteilung eines Falles ist nicht Sache des Sach-
verständigen. 

5.6. Inhaltliche oder methodische Kritik einer Partei am forensischen Gutachten 
führt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes nur in Ausnahmefällen (bzw. 
bei besonders häufigen oder sehr krassen Fehlern, die sich einseitig zum Nachteil 
einer Partei auswirken) zum Ausstand der forensischen sachverständigen Person 
wegen Befangenheit im Sinne von Art. 56 lit. f StPO (vgl. BGer 1B_141/2017 v. 
10.10.2017 E. 4.5). 

5.7. Will eine Partei den Ausstand einer Person verlangen, so hat sie der Ver-
fahrensleitung ohne Verzug ein entsprechendes Gesuch zu stellen, sobald sie 
vom Ausstandsgrund Kenntnis hat; die den Ausstand begründenden Tatsachen 
sind glaubhaft zu machen (Art. 58 Abs. 1 StPO). Es verstösst gegen Treu und 
Glauben, wenn eine Partei einen angeblichen Mangel nicht unverzüglich vorbringt, 
sondern zuwartet, um ihn allenfalls erst im Anschluss an ein für sie ungünstiges 
Urteil des betreffenden Gerichts geltend zu machen. Wird mit einer Rüge entspre-
chend zugewartet, muss diese als verspätet und damit als verwirkt betrachtet wer-
den. Darauf ist nicht einzutreten (BGE 132 II 485 E. 4.3 m.w.H.). Den juristischen 
Entscheidungsträgern bleibt es aber unbenommen, trotz fehlender Rüge eine Be-
fangenheit der sachverständigen Person nicht hinzunehmen, wenn entsprechende 
Bewertungen im Rahmen der freien richterlichen Beweiswürdigung das Vertrauen 
in die fraglichen Entscheidungsgrundlagen erschüttern (Marianne Heer, in: Nigg-
li/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessord-
nung, Art. 1-195 StPO, 2. Aufl., Basel 2014, N 21a zu Art. 183 StPO). 

5.8. Die Vorinstanz scheint gestützt auf den nachfolgend wiedergegebenen Satz 
zum Schluss gelangt zu sein, dass der Gutachter F._____ in seinem Schlusswort 
eine eigene rechtliche Einschätzung des Sachverhaltes geäussert habe: "[…]. Es 
genügt schon ein einmaliger Verstoss, um von Tiermisshandlung sprechen zu 
können, allerdings muss dieser Verstoss dem Tier schon mehr als nur unwesentli-
che Schmerzen und Leiden zugefügt haben – davon ist im gegenständlichen Falle 
auszugehen. […]" (StA act. 36, S. 12). Obschon der Gutachter darin auf den Be-
griff der Tiermisshandlung eingeht, kann der Sichtweise der Vorinstanz nicht ge-

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folgt werden. Denn zentrale Aussage ist einzig jene, dass der Rehgeiss mehr als 
nur unwesentliche Schmerzen und Leiden zugefügt worden sind. Hierbei handelt 
es sich nicht um eine Rechtsauffassung, sondern um eine Qualifikation des vom 
Tier empfundenen Leidens bzw. Schmerzes als "mehr als nur unwesentlich". Die-
se wird ohne weiteres vom Gutachtensauftrag abgedeckt (vgl. etwa Frage 3 und 4 
des Gutachtensauftrages). Soweit der Beschuldigte sodann in der gutachterlichen 
Feststellung, die mit dem Messer durchgeführte Nottötung sei nicht sachgerecht 
erfolgt, einen die Befangenheit begründenden Umstand erkennen möchte, geht er 
fehl (vgl. KG act. 5, Ziff. 2.3.c). Darin lässt sich keine rechtliche Würdigung erken-
nen. Der Gutachter hält nämlich vorgängig fest, dass für eine anzustrebende un-
mittelbare Tötung des Tieres beide Halsschlagadern zu durchtrennen seien. Weil 
der Gutachter anhand der Fotos zum Schluss gelangte, dass dies vorliegend nicht 
der Fall gewesen sein dürfte, mithin der Tod nicht unmittelbar eingetreten sein 
dürfte, erachtete er die Ausführung der Nottötung als nicht sachgerecht bzw. nicht 
zweckgemäss. Eine rechtliche Qualifikation, geschweige denn ein rechtlicher Vor-
wurf ist nicht erkennbar. Der Berufungsinstanz sind sodann keine weiteren Passa-
gen ersichtlich, in denen Gutachter F._____ den Sachverhalt unzulässigerweise 
rechtlich gewürdigt hätte bzw. seine Kompetenzen anderweitig überschritten hätte. 
Unabhängig davon ist darauf hinzuweisen, dass es immer wieder vorkommt, dass 
Gutachter zu Rechtsfragen Stellung nehmen, oder dass sich Sach- und Rechts-
fragen nicht klar trennen lassen. Dies ist wenigstens solange zu tolerieren, als das 
zuständige Gericht in solchen Fällen die Rechtsfragen unabhängig von der ent-
sprechenden Subsumtion des Sachverständigen selbst entscheidet und begründet 
(vgl. PKG 2013 Nr. 18 E. 1.g). Selbst wenn sich der Gutachter von dem ihm zu-
gewiesenen Aufgabenbereich entfernt hätte und zu Rechtsfragen Stellung ge-
nommen hätte, würde dies demnach nicht automatisch zu dessen Befangenheit 
führen. Das Regionalgericht Surselva zeigte mit seinem Urteil klar auf, dass es in 
der Lage gewesen war, die sich stellenden Rechtsfragen unabhängig vom Inhalt 
des Gutachtens anzugehen und zu beantworten. 

Soweit der Beschuldigte mit seiner inhaltlichen Kritik am Gutachten – zumindest 
implizit – auf einen Befangenheitsgrund schliessen will, kann ihm nicht gefolgt 
werden. Es werden keine schweren Fehler oder Versäumnisse des Gutachters 
dargetan, welche diesen als befangen erscheinen liessen. Dies gilt etwa für die 
Zusammenfassung der Fragen der Staatsanwaltschaft und der Zusatzfragen so-
wie deren angeblich unterlassene Beantwortung. Dieses Vorbringen ist, wenn 
überhaupt, erst im Rahmen der konkreten Beweiswürdigung zu berücksichtigen, 
nämlich dann, wenn zu prüfen ist, ob einer gutachterlichen Schlussfolgerung ge-
folgt werden kann. Jedenfalls gilt es vor dem Hintergrund des Gesagten zu kon-

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statieren, dass in formeller Hinsicht keine Umstände vorliegen, welche den An-
schein der Befangenheit des Gutachters belegen würden.

5.9. Ob und inwiefern das Gutachten in materieller Hinsicht als unbrauchbar 
bzw. nicht notwendig zu qualifizieren ist, wie es der Beschuldigte tut, kann eben-
falls erst im Rahmen der Beweiswürdigung geklärt werden (vgl. das diesbezügli-
che [ausschweifende] Vorbringen des Beschuldigten in KG act. A.5, Ziff. 4.1). Eine 
Unverwertbarkeit des Gutachtens vermag der Beschuldigte auch damit nicht dar-
zutun. 

Vor dem Hintergrund des Gesagten kann das Gutachten somit verwertet werden. 
Die Frage, ob die Ausstandseinrede im Vorverfahren rechtzeitig geltend gemacht 
worden war, kann damit offenbleiben. 

6.1. Das Gericht würdigt die Beweise gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO frei nach sei-
ner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung. Jede Person gilt bis 
zu ihrer rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig (vgl. Art. 10 Abs. 1 StPO). Be-
stehen unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzun-
gen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für die beschuldigte Person 
günstigeren Sachlage aus (vgl. Art. 10 Abs. 3 StPO). Aussagen von Zeugen, Aus-
kunftspersonen und Beschuldigten stellen auch bei direkter Beteiligung am Ver-
fahren vollgültige Beweismittel dar und sind entsprechend richterlich auf ihre mate-
rielle Richtigkeit hin zu würdigen (Andreas Donatsch, a.a.O., N 13 zu Art. 162 
StPO).

6.2. Bei der Abklärung des Wahrheitsgehaltes von Aussagen hat sich die so-
genannte Aussageanalyse weitgehend durchgesetzt. Der Glaubwürdigkeit einer 
Person kommt dabei nur untergeordnete Bedeutung zu, da sie keine Rückschlüs-
se auf die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen erlaubt (vgl. BGE 128 I 81 E. 2; 
BGer 6B_655/2012 vom 15.2.2013 E. 2.4; Martin Hussels, Von Wahrheiten und 
Lügen – Eine Darstellung der Glaubhaftigkeitskriterien anhand der Rechtspre-
chung, in: forumpoenale 2012, S. 368 und 374).

6.3. Wie alle Beweismittel unterliegen auch Gutachten der freien richterlichen 
Beweiswürdigung. Kriterien der Beweiswürdigung bilden die Vollständigkeit, die 
Nachvollziehbarkeit und die Schlüssigkeit des Gutachtens. Das Gericht hat zu prü-
fen, ob das Gutachten alle Fragen beantwortet, sich auf den zutreffenden Sach-
verhalt stützt und den Befund ausreichend begründet (BGE 133 II 384 E. 4.2.3 
m.w.H.). In Sachfragen weicht der Richter nur aus triftigen Gründen von einer ge-
richtlichen Expertise ab. Die Beweiswürdigung (und die Beantwortung der sich 

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stellenden Rechtsfragen) ist Aufgabe des Richters. Dieser hat zu prüfen, ob sich 
aufgrund der übrigen Beweismittel und der Vorbringen der Parteien ernsthafte 
Einwände gegen die Schlüssigkeit der gutachterlichen Darlegungen aufdrängen. 
Erscheint ihm die Schlüssigkeit eines Gutachtens in wesentlichen Punkten zwei-
felhaft, hat er nötigenfalls ergänzende Beweise zur Klärung dieser Zweifel zu er-
heben. Das Abstellen auf eine nicht schlüssige Expertise bzw. der Verzicht auf die 
gebotenen zusätzlichen Beweiserhebungen kann gegen das Verbot willkürlicher 
Beweiswürdigung (Art. 9 BV) verstossen (BGE 138 III 193 E. 4.3.1 und 136 II 539 
E. 3.2 je m.w.H.).

7. Folgender Sachverhalt ist unbestritten: Der Beschuldigte übte am Abend 
des 23. September 2017 bei der Örtlichkeit B._____, Gemeindegebiet C._____, 
die Hochjagd aus. Anlässlich dieser sprach er eine Rehgeiss als erlaubt an, die 
dabei war, von einem Dickicht zum anderen zu wechseln. Um ca. 19:00 Uhr 
schoss der Beschuldigte von seinem Unterstand auf die aus den gegenüberlie-
genden Stauden auf die Wiese austretende Rehgeiss. Der Rehgeiss wurden 
durch den Schuss die Sprunggelenke an beiden Hinterläufen durchschossen. Die 
Schussdistanz betrug gemäss den Angaben des Beschuldigten 117 m. Der Be-
schuldigte verwendete zum damaligen Zeitpunkt die Munition RWS, Kegelspitz, 
Kaliber 10,3 x 60 R, wobei die günstigste Einschiessentfernung (GEE) des 16,4 
Gramm schweren Geschosses 138 m beträgt, was auf 100 m einem Hochschuss 
von 4 cm entspricht. Dieses Projektil hat auf eine Distanz von 117 m, falls es auf 
100 m eingeschossen wurde, eine nicht relevante Abweichung der Treffpunktlage. 
Die Geschossenergie beträgt auf 100 m bzw. 150 m 2692 bzw. 2217 Joule.

Nach dem Schuss ging die Rehgeiss ins Dickicht, kam wieder zurück und hat sich 
dann von seiner Richtung her gesehen weg vom Jäger – also dem Jäger die Seite 
bzw. den Rücken zuwendend – im offenen Feld niedergelegt. Anfangs lag die 
Rehgeiss mit erhobenem Haupt, um dann später das Haupt auf den Boden zu 
senken. Der Beschuldigte hielt gemäss seinen Aussagen anlässlich der staatsan-
waltschaftlichen Einvernahme vom 14. März 2018 in der Folge das Gewehr im 
Anschlag, um nochmals zu schiessen, falls sich das Tier wieder erheben würde 
oder sich gedreht hätte und er einen Fangschuss hätte abgeben können. So harr-
te er eine Stunde aus, bis es 20:00 Uhr (Ende der erlaubten Schiesszeit) wurde, 
woraufhin er den Ort verliess. Er ging in der Folge in seine Unterkunft nach 
D._____ und holte sein Auto sowie eine Stirnlampe. Er stellte das Fahrzeug ein 
wenig oberhalb des Tieres ab, und begab sich um ca. 21:15 Uhr zum Tier, wor-
aufhin er bemerkte, dass das Tier noch lebte. Um es von seinen Leiden zu erlö-

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sen, tötete er die Rehgeiss daraufhin mit seinem Messer. Sein Gewehr hatte er 
nicht mehr mitgenommen. 

Im Übrigen ist der relevante Sachverhalt jeweils kontextbezogen zu eruieren. 

8.1. In der Anklageschrift wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er habe als 
langjähriger Jäger (20 Jahre Jagderfahrung) erkennen können, dass die Wahr-
scheinlichkeit für einen nicht tödlichen Schuss und damit der Erfolg einer allfälligen 
Verletzung bzw. der Tierquälerei sehr gross gewesen sei, indem er auf eine Di-
stanz von 117 m auf eine ziehende Rehgeiss geschossen habe. Damit habe sich 
der Beschuldigte der Widerhandlung gegen Art. 4 Abs. 2 TSchG (SR 455) i.V.m. 
Art. 26 Abs. 2 TSchG und Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG sowie einer der Übertretung 
gemäss Art. 15 Abs. 1 und 2 i.V.m. Art. 47 Abs. 1 KJG (BR 740.000) schuldig ge-
macht.

8.2. Soweit der Beschuldigte in diesem Kontext geltend macht, die Anklage-
schrift sei mangelhaft, weil ihm keine Widerhandlung gegen das kantonale Jagd-
gesetz vorgeworfen werde, kann auf das bereits in E. 4.3 Gesagte verwiesen wer-
den. 

8.3.1. Gemäss Art. 4 Abs. 2 TSchG darf niemand ungerechtfertigt einem Tier 
Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen, es in Angst versetzen oder in anderer 
Weise seine Würde missachten. Das Misshandeln, Vernachlässigen oder unnötige 
Überanstrengen von Tieren ist verboten. Wer vorsätzlich ein Tier misshandelt, 
vernachlässigt, es unnötig überanstrengt oder dessen Würde in anderer Weise 
missachtet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft 
(Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG). 

8.3.2. Art. 26 Abs. 2 TSchG stellt die fahrlässige Begehung von Tierquälereien 
ausdrücklich unter Strafe. Fahrlässig handelt ein Täter, wenn er die Folgen seines 
Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht 
Rücksicht nimmt (Art. 12 Abs. 3 StGB). Pflichtwidrig unvorsichtig verhält sich, wer 
nicht die Vorsicht aufbringt, zu der er nach den Umständen und nach seinen per-
sönlichen Kenntnissen und Fähigkeiten verpflichtet ist (BGE 130 IV 7 E. 3.2). Dem 
Täter kann somit nur dann ein fahrlässiges Verhalten vorgeworfen werden, wenn 
er nach seinen individuellen Fähigkeiten imstande gewesen wäre, sorgfältiger zu 
handeln, dies aber nicht getan hat. Sorgfaltswidrig ist ein Verhalten, wenn der 
Täter zum Zeitpunkt der Tat aufgrund der Umstände sowie seiner Kenntnisse und 
Fähigkeiten die damit bewirkte Gefährdung der Rechtsgüter hätte erkennen kön-
nen und müssen und wenn er zugleich die Grenzen des erlaubten Risikos über-

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schritten hat. Grundvoraussetzung für das Bestehen einer Sorgfaltspflichtverlet-
zung und mithin für eine Fahrlässigkeitshaftung bildet neben der Vermeidbarkeit 
die Vorhersehbarkeit des Erfolgs (BGE 145 IV 154 E. 2.1; 143 IV 138 E. 2.1 und 
135 IV 56 E. 2.1 je m.w.H.). Wo besondere Normen ein bestimmtes Verhalten ge-
bieten, bestimmt sich das Mass der zu beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach 
diesen Vorschriften (BGer 6B_638/2019 v. 17.10.2019 E. 1.5.2). 

8.3.3. Gemäss Art. 15 Abs. 1 KJG (BR 740.000) hat sich der Jäger bei der Jagd 
weidgerecht zu verhalten. Insbesondere hat er sich vor der Schussabgabe zu ver-
gewissern, dass das Wild jagdbar, die Schussdistanz und die Stellung des Tieres 
weidgerecht und eine Gefährdung von Menschen und Dritteigentum ausgeschlos-
sen sind (Abs. 2). Bei optimalen Bedingungen beträgt die Schussdistanz für den 
Kugelschuss höchstens 200 m (vgl. Art. 20a Abs. 1 lit. a RJV [BR 740.020]). Auch 
eine fahrlässige Widerhandlung gegen Art. 15 Abs. 1 und 2 KJG ist strafbar (vgl. 
Art. 47 Abs. 1 KJG).

8.4. Es ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass die Schussdistanz 117 m be-
trug. Der Beschuldigte verwendete zum damaligen Zeitpunkt die Munition RWS, 
Kegelspitz, Kaliber 10,3 x 60 R, wobei die günstigste Einschiessentfernung (GEE) 
des 16,4 Gramm schweren Geschosses 138 m beträgt, was auf 100 m einem 
Hochschuss von 4 cm entspricht. Dieses Projektil hat auf eine Distanz von 117 m, 
falls es auf 100 m eingeschossen wurde, eine nicht relevante Abweichung der 
Treffpunktlage. Die Geschossenergie beträgt auf 100 m bzw. 150 m 2692 bzw. 
2217 Joule. 

Bei der Bestimmung einer angemessenen Schussdistanz sind die Umstände des 
Einzelfalls miteinzubeziehen. Die Jagd findet in der freien Natur statt, weshalb 
verschiedene Faktoren die noch als weidmännisch zu qualifizierende Schussdi-
stanz beeinflussen können. Es kommt dabei vorab auf die Stellung der anvisierten 
Beute an (breitseits, längsseits, liegend oder stehend), auf deren Verhalten (ste-
hend, flüchtend) sowie auf die Position des Tieres zum Jäger (leicht bergauf oder 
leicht bergab). Sodann spielen die Erfahrung des Jägers, dessen Jagdvorberei-
tung, die verwendete Munition, die Einschussdistanz der Jagdwaffe und die Stel-
lung des Schützen (stehend, kniend, liegend) sowie die Schiessposition (Auflage 
der Jagdwaffe oder frei) eine wesentliche Rolle (vgl. PKG 2008 Nr. 9 E. 2.b). Die 
gesetzlich festgelegten Schussdistanzen betragen bei optimalen Verhältnissen 
maximal 200 m für Kugelschüsse (Art. 20a Abs. 1 lit. a RJV). Eine Schussdistanz 
von 150 m bis 200 m kann grundsätzlich als weidmännisch qualifiziert werden, 
wenn die weiteren, bereits genannten Faktoren, welche eine entscheidende Rolle 
spielen, als günstig zu beurteilen sind. Je geringer die Schussdistanz, desto mehr 

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Abstriche können dabei bei den Modalitäten der Schussabgabe gemacht werden. 
Schliesslich gilt es zu berücksichtigen, dass die günstigste Einschiessentfernung 
(GEE) bei der vom Beschuldigten verwendeten Munition bei 138 m liegt. Als GEE 
wird der Punkt bezeichnet, an dem die Geschossflugbahn zum zweiten Mal die 
Visierlinie schneidet. Dabei darf sich das Geschoss nicht weiter als 4 cm von der 
Visierlinie entfernen. Wenn die GEE bei 138 Metern liegt, bedeutet dies, dass der 
Haltepunkt bei einer Entfernung bis zu 138 Metern nicht verändert werden muss. 
Dadurch kann sich der Jäger voll auf das Wild konzentrieren, und muss nicht über 
den Rücken des Tieres zielen. 

Vorliegend gab der Wildhüter in der Einvernahme vom 14. März 2018 zu Protokoll, 
dass er die fraglichen Örtlichkeiten sehr gut kenne. Mit dem vom Beschuldigten 
verwendeten Gewehr mit Zieloptik sei auf die erstellte Schussdistanz von 117 m 
ohne weiteres ein Fangschuss auf eine stationäre Rehgeiss möglich gewesen, es 
handle sich um eine optimale Schussdistanz (StA act. 18, Frage 26). Die Staats-
anwaltschaft legte in ihrer Anklageschrift selber dar, dass mit der verwendeten 
Munition auf eine Distanz von 117 m keine relevante Abweichung der Treffpunkt-
lage besteht. Auch aus der Rechtsprechung des Kantonsgerichts ist klar ersicht-
lich, dass eine Schussdistanz von 120 m – mit der passenden Munition – unter 
normalen Umständen grundsätzlich als weidmännisch zu qualifizieren ist. 

Nun muss bei der Schussabgabe jedoch nicht bloss die Schussdistanz berück-
sichtigt werden. Gemäss den Angaben des Beschuldigten zeigte ihm die Rehgeiss 
das Blatt (StA act. 19, Frage 2), was optimal für die Schussabgabe ist, verläuft 
doch bei Paarhufern der optimale Treffer seitlich quer durch die Brusthöhle und 
tötet das Tier durch die Zerstörung von dessen Herz-Lungen-Bereich (Jagd- und 
Fischereiverwaltungskonferenz der Schweiz JFK-CSF-CCP [Hrsg.], Jagen in der 
Schweiz, 3. Auflage, Bern 2019, S. 230 und 238 [zitiert: Ausbildungsbuch Jagen in 
der Schweiz]). Nicht erstellen lässt sich aufgrund der im Recht liegenden Aussa-
gen des Beschuldigten die Behauptung der Staatsanwaltschaft, dass die Rehgeiss 
dem Beschuldigten das Blatt nur für einen "Augenblick" gezeigt haben soll. An-
haltspunkte hierfür fehlen. Weiter herrschten gute Sichtverhältnisse. Als mit Blick 
auf die Schussabgabe suboptimal erweist sich einzig die Tatsache, dass der Be-
schuldigte ein ziehendes Tier beschoss. Der Beschuldigte gab gegenüber dem 
Wildhüter in der Einvernahme vom 26. September 2017 zu verstehen, dass die 
Rehgeiss nervös und zügig zum nächsten Dickicht gezogen sei (StA act. 3, S. 2). 
Demgegenüber gab er anlässlich seiner Einvernahme vor der Staatsanwaltschaft 
vom 14. März 2018 an, das Tier sei leicht von einem Busch zum anderen gezogen 
(StA act. 19, Fragen 2 und 3). Dabei betonte er, es habe sich um ein Schritttempo 

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gehandelt, welches ihm erlaubt habe, auf die Rehgeiss zu schiessen (Ergän-
zungsfrage 6). Somit ist in grundsätzlicher Hinsicht erstellt, dass die Rehgeiss zum 
Zeitpunkt der Schussabgabe in Bewegung war. Unter Berücksichtigung des 
Grundsatzes in dubio pro reo ist dabei von einer Bewegungsgeschwindigkeit im 
normalen Bereich auszugehen. 

Es ist zwar mit der Staatsanwaltschaft festzuhalten, dass die Schussabgabe auf 
ein bewegtes Ziel die Wahrscheinlichkeit schlechter Treffer erhöht, mithin eine 
weidmännische Schussabgabe erschwert und damit als nicht optimaler Umstand 
zu bezeichnen ist (KG act. H.1, S. 3, Ziff. 1 ff.). Dies schon aus dem Grunde, weil 
dabei die Zeit bis zum Eintreffen des Geschosses sowie der Streuung mitgedacht 
werden muss, so dass die Schussabgabe jedenfalls etwas weiter vorne gesetzt 
werden muss. Der erfahrene Jäger muss jedoch ohne weiteres dazu im Stande 
sein, freilich unter ansonsten günstigen Bedingungen, auch sich bewegende Ziele 
zu treffen. So wird auch im Schweizer Tierschutz – Report "Streifschüsse und 
Nachsuchen auf der Schweizer Jagd" festgehalten, dass ein Kugelschuss auf ein 
sich bewegendes Ziel bei günstigen Umständen durch sehr geübte Schützen mög-
lich sei (vgl. Schweizer Tierschutz STS [Hrsg.], Report – Streifschüsse und Nach-
suchen auf der Schweizer Jagd, Basel 2016, S. 5). Der Beschuldigte ist unbestrit-
tenermassen ein erfahrener Jäger, übte er die Jagd gemäss eigenen Angaben 
zum Tatzeitpunkt seit ca. 20 Jahren aus (StA act. 19, Frage 36). Tritt hinzu, dass 
die Stellung des Beschuldigten als auch die Schiessposition optimal und die ver-
wendete Munition klarerweise für die fragliche Schussdistanz geeignet war. Der 
Umstand des sich bewegenden Tieres fällt dabei nur geringfügig ins Gewicht, da 
sich dieses nicht schnell bewegte. 

Unter Würdigung sämtlicher Umstände ist vorliegend davon auszugehen, dass 
sich der Beschuldigte nicht unweidmännisch verhielt, indem er in der fraglichen 
Situation auf die Rehgeiss schoss. Ein gewisses Restrisiko eines Fehlschusses 
besteht bei jedem noch so gut vorbereiteten Schuss, was in der Natur der Sache 
liegt. Aufgrund der nicht immer vollständig berechenbaren Bewegungen des Wild-
tiers kann ein Restrisiko nicht gänzlich ausgeschlossen werden, welches sich nun 
vorliegend leider verwirklicht hat. Daraus kann jedoch nicht ohne weiteres darauf 
geschlossen werden, dass der Beschuldigte vor der Schussabgabe nicht die not-
wendige Sorgfalt aufgewendet hätte. Dem Beschuldigten kann somit nicht vorge-
worfen werden, dass die Wahrscheinlichkeit für einen nicht tödlichen Schuss bei 
der vorliegenden Situation so hoch war, dass er von der Schussabgabe hätte ab-
sehen sollen. Da dem Beschuldigten im Hinblick auf die Schussabgabe somit kein 
Fehlverhalten vorgeworfen werden kann, ist er demnach vom Vorwurf der fahrläs-

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sigen Tierquälerei gemäss Art. 4 Abs. 2 TschG i.V.m. Art. 26 Abs. 2 TSchG und 
Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG sowie der diesbezüglichen nicht weidgerechten Jagd-
ausübung gemäss Art. 15 Abs. 1 und 2 KJG i.V.m. Art. 47 Abs. 1 KJG freizuspre-
chen. 

9.1. Weiter wird dem Beschuldigten vorgeworfen, Art. 4 Abs. 2 TschG i.V.m. 
Art. 26 Abs. 1 lit. a TschG sowie Art. 15 Abs. 1 und 2 KJG eventualvorsätzlich ver-
letzt zu haben, weil er es unterlassen habe, der verletzten Rehgeiss einen Fang-
schuss anzubringen. 

9.2.1. Nach Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG macht sich strafbar, wer ein Tier misshan-
delt, vernachlässigt, es unnötig überanstrengt oder dessen Würde in anderer Wei-
se missachtet.

9.2.2. Bei der Misshandlung i.S.v. Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG handelt es sich um 
ein Verletzungsdelikt. Tatbestandsvoraussetzung ist eine mit der Handlung ver-
bundene Beeinträchtigung des tierlichen Wohlergehens durch die Zuführung von 
Schmerzen, Leiden, Schäden oder Ängsten. 

9.2.3. Eine strafrechtlich relevante Misshandlung im Sinne von Art. 26 Abs. 1 lit. a 
TSchG muss gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung mit einer Missachtung 
der Würde des Tieres einhergehen, ansonsten nicht von einer Tierquälerei durch 
Misshandlung gesprochen werden kann. Dies ergebe sich sowohl aus dem Zusatz 
"oder dessen Würde in anderer Weise missachtet" als auch aus der Marginale der 
Gesetzesbestimmung, welche die "Tierquälerei" unter Strafe stelle. Die Begriffe 
der Würde und des Wohlergehens würden in Art. 3 lit. a und b TSchG definiert. 
Die Würde des Tieres werde missachtet, wenn seine Belastung nicht durch über-
wiegende Interessen gerechtfertigt werden könne. Eine Belastung liege vor, wenn 
dem Tier insbesondere Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt würden, es in 
Angst versetzt oder erniedrigt werde, wenn tiefgreifend in sein Erscheinungsbild 
oder seine Fähigkeiten eingegriffen oder es übermässig instrumentalisiert werde 
(Art. 3 lit. a TSchG). Von einer Missachtung der Würde sei auszugehen, wenn das 
Wohlergehen des Tieres beeinträchtigt sei, weil Schmerzen, Leiden, Schäden 
oder Angst nicht vermieden würden (vgl. Art. 3 lit. b Ziff. 4 TSchG, vgl. dazu BGer 
6B_653/2011 v. 30.01.2012 E. 3.3). 

9.2.4. Ein Verbrechen oder Vergehen kann auch durch pflichtwidriges Untätig-
bleiben begangen werden (Art. 11 Abs. 1 StGB). Voraussetzung ist eine Rechts-
pflicht zur Vornahme der unterlassenen Handlung (Garantenstellung) sowie die 
Möglichkeit, diese Handlung vorzunehmen (sog. Tatmacht). Pflichtwidrig untätig 

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bleibt gemäss Art. 11 Abs. 2 StGB, wer die Gefährdung oder Verletzung eines 
strafrechtlich geschützten Rechtsgutes nicht verhindert, obwohl er aufgrund seiner 
Rechtstellung dazu verpflichtet ist, namentlich aufgrund: des Gesetzes (lit. a), ei-
nes Vertrages (lit. b), einer freiwillig eingegangenen Gefahrengemeinschaft (lit. c) 
oder der Schaffung einer Gefahr (lit. d). Wer pflichtwidrig untätig bleibt, ist gestützt 
auf den entsprechenden Tatbestand nur dann strafbar, wenn ihm nach den Um-
ständen der Tat derselbe Vorwurf gemacht werden kann, wie wenn er die Tat 
durch ein aktives Tun begangen hätte (Art. 11 Abs. 3 StGB). Für die Annahme 
einer Garantenstellung genügt nicht jede, sondern nur eine qualifizierte Rechts-
pflicht (BGE 134 IV 255 E. 4.2.1 und 120 IV 98 E. 2c m.w.H.). Das mit Strafe be-
drohte Verhalten besteht beim Unterlassungsdelikt prinzipiell in der Nichtvornah-
me der gebotenen Handlung. Das Erfolgsdelikt erfordert dabei, dass die Nichtvor-
nahme der gebotenen Handlung zu einem bestimmten Verletzungs- oder Gefähr-
dungserfolg führt. Dabei hängt die Zurechnung des Erfolgs allein von der Feststel-
lung ab, ob der Täter den Erfolg hätte abwenden können, mithin ob die unterlas-
sene Handlung ihn verhindert hätte (sog. hypothetische Kausalität; Stefan Trech-
sel/Bijan Fateh-Moghadam, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Praxiskommentar Schwei-
zerisches Strafgesetzbuch, 4. Aufl., Zürich 2021, N 18 zu Art. 11 StGB; Marcel 
Alexander Niggli/Louis Frédéric Muskens, in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler 
Kommentar, Schweizerisches Strafgesetzbuch, 4. Aufl., Basel 2018, N 109 ff. zu 
Art. 11 StGB). Die hypothetische Kausalität wird vom Bundesgericht in Anwen-
dung der Wahrscheinlichkeitstheorie bejaht, wenn die erwartete Handlung nicht 
hinzugedacht werden könnte, ohne dass der Erfolg höchstwahrscheinlich entfiele. 
Lässt sich dieser Nachweis nicht erbringen, so fehlt es an der hypothetischen 
Kausalität zwischen dem Unterlassen und dem strafrechtlich relevanten Erfolg 
(Niggli/Muskens, a.a.O., N 110 f. zu Art. 11 StGB).

9.3.1. Als "Erfolg" könnte vorliegend das Andauern des verletzungsbedingten Lei-
dens der Rehgeiss bezeichnet werden. Ihre Verletzung (Laufschuss durch beide 
hinteren Sprunggelenke) war zwar durch eine rechtmässige Schussabgabe verur-
sacht worden. Von da an bis zu ihrem Verenden dauerte es indessen rund 2 ¼ 
Stunden. 

9.3.2. Der Beschuldigte bestreitet, dass das Tier nach seinem Beschuss längere 
Zeit gelitten habe. Entsprechende Beweise würden fehlen. Insbesondere könne 
dies nicht auf das Gutachten gestützt werden. Es sei klar, dass sich die Verletzun-
gen der Rehgeiss respektive deren Auswirkungen anhand der wenigen im Recht 
liegenden Fotos nicht rechtsgenügend beurteilen liessen. Könnten die Verletzun-
gen indes nicht beurteilt werden, lasse sich wesensgemäss auch das Leiden des 

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Tieres nicht beurteilen. Es sei vorliegend zu seinen Gunsten davon auszugehen, 
dass die Rehgeiss sehr rasch nach dem Schuss aufgrund des hohen Blutverlustes 
bewusstlos geworden sei und alsdann ihr Schmerzempfinden ausgeschaltet ge-
wesen sei (vgl. KG act. A.5, Ziff. 7.2.bb). 

Es ist vorab zu prüfen, über welchen Zeitraum die Rehgeiss noch Leid und 
Schmerz empfunden hatte. 

9.3.3. Wie ausgeführt, ist das Gutachten von F._____ verwertbar (vgl. oben E. 
5.1). Darin hielt er explizit fest, aufgrund der Aktenlage sowie der Fotos könne die 
Frage 1 samt Zusatzfragen (Höhe des verletzungsbedingten Blutverlustes sowie 
Zeitdauer bis zum Todeseintritt) nicht mit Sicherheit, jedoch mit hoher Wahr-
scheinlichkeit (> 90 %) beantwortet werden. Aufgrund der fehlenden Untersuchung 
der Rehgeiss sei die Schwere der (Gefäss-)Verletzungen, die durch den Schuss 
an beiden Sprunggelenken verursacht worden seien, nur abschätzbar. Weil die 
Rehgeiss nach über 2 ¼ Stunden nach Zufügung der Schussverletzung noch leb-
te, folgerte der Gutachter, dass weder die Arteria Saphena, A. Tibialis cranialis 
oder A. plantaris medialis getroffen bzw. massiv verletzt worden seien. Andern-
falls, so der Gutachter, wäre die Rehgeiss innert diesem Zeitraum verendet. Blu-
tungen aus Arterien an den Extremitäten seien immer lebensbedrohlicher als aus 
Venen, die Blut von den Extremitätenenden mit geringerem Blutdruck an das Herz 
zurückführen. Zusätzlich sei bei derartigen schussbedingten Gefässverletzungen 
an kleineren Gefässen zu berücksichtigen, dass sich Gefässinnenwände an den 
Verletzungsstellen etwas nach innen einrollen und damit der Blutgefässquerschnitt 
verringert werde und Blutungen, verbunden mit der Blutgerinnung, entweder ab-
nehmen oder sogar gänzlich gestoppt werden können. Angaben zum erfragten 
effektiven Blutverlust seien gemäss Gutachter selbst bei exakter Kenntnis der 
Blutgefässverletzungen schwer zu prognostizieren. Wissenschaftliche Studien 
hierzu seien aus Tierschutzgründen nicht erlaubt (vgl. StA act. 36, Frage 1). Die 
Schlussfolgerung hinsichtlich der Schwere des Verletzungsgrades ist schlüssig 
und nachvollziehbar. Ebenso die daraus abgeleitete Folgerung, dass davon aus-
zugehen sei, dass das Tier noch weitere Stunden überlebt hätte, wenn ihm nicht 
um 21:15 Uhr die Halsschnitte gesetzt worden wären. Letzteres deckt sich mit Er-
kenntnissen aus der Jagd, wonach der Laufschuss zwar zu schweren Verletzun-
gen führe, die jedoch nicht oder nicht unmittelbar tödlich seien und fast immer zu 
einer langen und sehr schwierigen Nachsuche führen würden (vgl. Ausbildungs-
buch Jagen in der Schweiz, a.a.O., S. 238 sowie Schweizer Tierschutz STS, 
a.a.O., S. 10). Die gutachterlichen Folgerungen werden darüber hinaus auch von 
den Ausführungen des Wildhüters, E._____, gestützt. Dieser hielt fest, eine 

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Schussverletzung wie die vorliegende führe nicht zum Tod des beschossenen 
Stückes (StA act. 18, Frage 5 und Frage 12). Aus eigener Erfahrung von jagdli-
chen Nachsuchen (indes von lediglich an einem Lauf verletzten Tieren [StA act. 
18, Frage 7]) schätzte er den Blutverlust aufgrund des konkreten Verletzungsbil-
des als "sehr gering" ein (StA act. 18, Frage. 6). Angesichts der gutachterlichen 
Antworten ist nicht nachvollziehbar, dass der Beschuldigte moniert, der Gutachter 
habe die Fragen nicht beantwortet, weil er nicht angebe, wie hoch der effektive 
Blutverlust gewesen sei (KG act. A.5, S. 15, Ziff. 2.3b). Der Beschuldigte übersieht 
die diesbezügliche Antwort des Gutachters, wonach der effektive Blutverlust selbst 
bei Kenntnis des Verletzungsbildes nur schwer prognostiziert werden könne (StA 
act. 36, S. 7, Frage 1). Gleichwohl ist aufgrund obiger Ausführungen auf einen 
eher geringen Blutverlust der Rehgeiss zu schliessen. 

Weiter hält der Gutachter fest, dass eine Schussverletzung, ausser im Falle einer 
Verletzung des zentralen Nervensystems, nicht zu einer Betäubung des getroffe-
nen Tieres führe, gleichwohl aber in den meisten Fällen eine Schockwirkung zu 
erwarten sei. Diese Schockwirkung dauere wenige Sekunden bis zu einigen Minu-
ten. Soweit man von derartigen Verletzungen beim Menschen auf solche bei Tie-
ren schliessen könne, sei während dieser Zeit von einem etwas reduzierten 
Schmerzempfinden auszugehen (StA act. 36, Frage 3). Soweit ersichtlich moniert 
der Beschuldigte diese gutachterlichen Feststellungen nicht. Sie erweisen sich im 
Übrigen als nachvollziehbar und schlüssig. Es gilt folglich als erstellt, dass das 
Schmerzempfinden durch den Kugeltreffer bzw. der mit diesem zusammenhän-
genden Schockwirkung nur für kurze Zeit reduziert gewesen war, und folglich zum 
Zeitpunkt des Blutentzuges (2 ¼ Stunden nach dem Anschuss) schussbedingt 
weder betäubt oder anderweitig durch die Schockwirkung beeinträchtigt war. Auf-
grund eines Analogieschlusses zum Menschen und aus Erfahrungen mit schwer 
verletzten Tieren könne, so der Gutachter, angeführt werden, dass derartig schwer 
verletzte Tiere lediglich in den ersten Minuten nach der Verletzung auch aufgrund 
des hohen Stresshormon- und Endorphingehalts in der Regel eine geringere 
Schmerzempfindlichkeit aufweisen würde. Danach seien aber bei den ge-
genständlich vorliegenden Verletzungen erhebliche Schmerzen zu erwarten. Auf-
grund des Umstandes, dass die Rehgeiss zum Zeitpunkt, als ihr die Halsschnitte 
angetragen wurden, Bewegungen mit den Vorderläufen zeigte, was der Beschul-
digte im Rahmen seiner staatsanwaltschaftlichen Einvernahme ausgeführt hatte 
(StA act. 19, Fragen 32 und 33), folgerte der Gutachter, dass sie mit an Sicherheit 
grenzender Wahrscheinlichkeit auch noch bei Bewusstsein war, als der Beschul-
digte an sie herangetreten sei (StA act. 36, Frage 4). Auch diese Schlussfolgerung 
erscheint nachvollziehbar und schlüssig. Zumal sie durch das gutachterlich einge-

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schätzte Verletzungsbild und den daraus abzuleitenden Folgen (eher geringer 
Blutverlust) sowie den diesbezüglichen Einschätzungen von E._____ gestützt 
wird. Der Einwand, ohne Eruierung des effektiven Blutverlustes lasse sich nicht 
beurteilten, ob das Tier zu diesem Zeitpunkt noch bei Bewusstsein gewesen sei, 
begründet vor diesem Hintergrund keine erheblichen Zweifel an der gutachterli-
chen Schlussfolgerung. Ebenso zielt der Einwand des Beschuldigten ins Leere, 
die Rehgeiss hätte, wäre sie bei Bewusstsein gewesen, zu fliehen versucht. Die 
konkrete Reaktion eines verletzten Wildtieres erfolgt kaum nach einem strikten 
Muster. Unter Angst und Stress sind von einer Flucht- über eine Erstarrungs- bis 
hin zu einer Kampfreaktion alle Varianten denkbar und möglich. Aufgrund der Ver-
letzungen der Rehgeiss erscheint vorliegend indes eine Erstarrungsreaktion als 
durchaus naheliegend. 

9.3.4. Angesichts des soeben Gesagten gilt als erstellt, dass die Rehgeiss, nach-
dem ihr beide Sprunggelenke der Hinterläufe durchschossen worden waren, nur 
während kurzer Zeit, d.h. einigen Sekunden bis zu wenigen Minuten, aufgrund der 
Schockwirkung des Kugelschusses und des erhöhten Stresshormon- und Endor-
phingehaltes reduziert Schmerz empfand. Weil sie zum Zeitpunkt, als ihr die Ent-
blutungsschnitte am Hals gesetzt wurden mit an Sicherheit grenzender Wahr-
scheinlichkeit bei Bewusstsein war, empfand sie nach dieser ersten (Schock-
)Phase bis zum Todeseintritt (ca. 21:15 Uhr) über erhebliche Schmerze und litt an 
Qualen. Damit ist die Verwirklichung des tatbestandsmässigen "Erfolgs" (vgl. E. 
9.3.1.), nämlich der Misshandlung durch das Andauern des verletzungsbedingten 
Leides, erstellt, zumal damit auch die Würde des Tieres wie erwähnt verletzt wur-
de.

9.4.1. Zu prüfen ist, ob dem Beschuldigten eine Garantenstellung bzw. eine Ga-
rantenpflicht zukam. 

9.4.2. Vorab ist sachverhaltsmässig folgendes festzustellen: Anlässlich der Ein-
vernahme durch Wildhüter E._____ gab der Beschuldigte zu Protokoll "[…]. Dar-
um wird der Schuss die Läufe getroffen haben. Die Rehgeiss verschwand kurz ins 
Dickicht, kam dann aber wieder zum Anschussort zurück, wo sie sich niederlegte. 
Ich sah dann auch[,] das[s] sie hinten verletzt war." (StA act. 3, S. 3). Es liegt auf 
der Hand, dass sich sein Hinweis, gesehen zu haben, dass die Rehgeiss "hinten" 
verletzt gewesen sei, auf die Erkenntnis bezog, die Rehgeiss an den Läufen ge-
troffen zu haben. Eine andere Lesart erscheint unwahrscheinlich. Die Trefferlage 
und die Tatsache, dass sich das Tier nach dem Treffer noch bewegte, stützen die-
se Sichtweise. Denn Laufschüsse zeichnen typischerweise derart, dass das Tier 
zuerst einbricht und anschliessend flieht, wobei es den verletzten Lauf anfänglich 

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nachschleppt (Ausbildungsbuch Jagen in der Schweiz, a.a.O., S. 238). Umso 
deutlicher mussten die Schusszeichen im vorliegenden Fall ausgefallen sein, wur-
den der Rehgeiss doch beide Hinterläufe durchschossen. Demgegenüber reagiert 
ein getroffenes Stück bei einem Kugelschuss im Bauchbereich durch Zusammen-
zucken im Bauchbereich und durch Krümmen des Rückens (Ausbildungsbuch Ja-
gen in der Schweiz, a.a.O., S. 238). Zudem berichtet Wildhüter E._____ aus Er-
fahrung mit Wildunfällen, dass Tiere mit zwei gebrochenen Beinen zwar zu fliehen 
versuchen würden, dies indes lediglich kriechend möglich sei (StA act. 18, Frage 
8). Vor diesem Hintergrund ist die Aussage des Beschuldigten anlässlich der 
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme, wonach er nicht gesehen haben will, ob er 
die Rehgeiss an den Läufen oder hinten in den Bauch getroffen habe, als Schutz-
behauptung zu qualifizieren (StA act. 19, Frage 5). Auf eine Distanz von 117 m ist 
unwahrscheinlich, dass er die Schusszeichen an den Hinterläufen nicht wahr-
nahm. Mithin war dem Beschuldigten bekannt, der Rehgeiss mindestens einen 
nicht unmittelbar tödlichen Laufschuss angetragen zu haben. Angesichts des 
Schweregrades der Verletzung (Durchschuss beider Sprunggelenke an den Hin-
terläufen) hätten auch klare Anzeichen für die Verletzungsart und das Verlet-
zungsausmass ersichtlich sein müssen. So soll sich die Rehgeiss nach dem 
Schuss noch ca. 5 Meter "gerade weiter nach rechts in den Busch hinein" gezo-
gen haben. "Danach kam sie wieder aus dem Busch hinaus und zog nach links, 
wobei sie dann schlussendlich wieder hinauf gegangen ist. Dort, wo auf der Foto 
der Anschussort eingezeichnet ist, hat sie sich niedergelegt." (StA act. 19, Fragen 
4 und 8). Der Beschuldigte verfügte sodann über ein Zielfernrohr mit Vierfachver-
grösserung (StA act. 19, Zusatzfrage 10).

9.4.3. Im streitgegenständlichen Verfahren beruht die Garantenstellung auf der 
sogenannten Ingerenz. Durch den Schuss auf die Rehgeiss hat der Beschuldigte 
die Ursache dafür gesetzt, dass das Tier verletzungsbedingt an Schmerzen und 
Qualen litt. Der Beschuldigte hat "durch sein Tun eine Gefahr geschaffen" (BGE 
108 IV 5), für die er nun die Verantwortung zu tragen hatte. Ob dieses Tun 
rechtswidrig oder – wie hier – rechtmässig war, spielt nach herkömmlicher Lehre 
keine Rolle (vgl. SOG 1995 Nr. 17 E. 4 m.w.H.; vgl. auch Niggli/Muskens, a.a.O., 
N 97 zu Art. 11 StGB m.w.H.). 

9.4.3. Aus der Rechtsgutgefährdung und der Garantenstellung entsteht für den 
Garanten im Einzelfall eine Handlungspflicht. In casu ist zu prüfen, worin diese 
konkret bestand. 

Hierfür kann auf das Ausbildungsbuch "Jagen in der Schweiz", welches vom Amt 
für Jagd und Fischerei Graubünden als Grundlage für die Jagdausbildung ange-

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sehen wird (vgl. die Zusatzbroschüre zum Ausbildungsbuch Jagen in der Schweiz 
– Auf dem Weg zur Jagdprüfung des Amtes für Jagd und Fischerei Graubünden, 
siehe <htt-
ps://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/diem/ajf/jagd/jagdpruefung/Seiten/defa
ult.aspx>), zurückgegriffen werden. Darin wird festgehalten, der Jäger müsse nach 
der Schussabgabe bereit sein, wenn nötig, sofort einen zweiten Schuss abzufeu-
ern. Die Waffe ist also unverzüglich nachzuladen und bleibt konzentriert auf das 
Wild gerichtet. Selbst wenn das Wild sichtbar liegt und der Schütze sich eines gu-
ten Treffers sicher ist, wartet er einige Minuten, um sicher zu sein, dass das Tier 
verendet ist (Ausbildungsbuch Jagen in der Schweiz, a.a.O., S. 233). Falls das 
Tier zwar liegt, aber nicht tot ist, so hat der Jäger dieses unverzüglich zu töten. 
Wenn möglich, ist vom gleichen Stand aus ein zweites Mal zu schiessen. Falls 
dies nicht möglich ist, weil das Wild vom Stand nicht ersichtlich ist, hat sich der 
Jäger dem Wild zum Fangschuss zu nähern (Ausbildungsbuch Jagen in der 
Schweiz, a.a.O., S. 232). Dabei müssen gemäss Ausbildungsbuch insbesondere 
folgende Punkte beachtet werden:

- Der Jäger nähert sich dem verletzten Tier wenn immer möglich von hin-
ten.

- Der eigene Standort wird so gewählt, dass der Fangschuss niemanden 
und nichts gefährden kann.

- Zum Fangschuss sollte das Jagdgewehr verwendet werden.

- Je nach Situation, Wildart und Zustand des Tieres ist ein Fangschuss 
auf Kammer oder Kopf die richtige Wahl (vgl. Ausbildungsbuch Jagen in 
der Schweiz, a.a.O., S. 232). 

Gemäss Gutachter F._____ wird nur ein Schuss auf das Gehirn oder das obere 
Halswirbelsäulendrittel den Anforderungen an einen Fangschuss gerecht (StA act. 
36, S. 10, Frage 6). Das Kantonsgericht von Graubünden hatte bereits früher im 
Zusammenhang hinsichtlich des Anbringens eines Fangschusses festgehalten, 
der Jäger müsse sich dem liegengebliebenen verletzten Tier so weit nähern, dass 
er einen sicheren Fangschuss abgeben könne. Wichtig sei, dass die Gefahr für 
neues Leiden oder Angstzustände nicht erhöht werde, weshalb der Fangschuss 
nicht bloss auf eine weitere Verletzung ausgerichtet sein dürfe, sondern "[…] es 
muss eine hohe Wahrscheinlichkeit bestehen, dass lebenswichtige Organe unmit-
telbar verletzt werden." (PKG 2017 Nr. 19 E. 5c).  

Grundsätzlich ist unbestritten, dass der Jäger nach dem Schuss nicht sofort zum 
Tier eilen soll, welches liegt, jedoch nicht zweifelsfrei bereits verstorben ist. Es 

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liegt in der Natur der Sache, dass keine allgemeingültige Zeit angegeben werden 
kann, nach welcher der Beschuldigte sich der Rehgeiss hätte zur Abgabe eines 
Fangschusses nähern müssen. Gemäss Ausbildungsunterlagen zur Jagdprüfung 
im Kanton Graubünden wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass bei einem lie-
genden Tier, das nicht tot ist, das Nachschiessen bzw. der Fangschuss unverzüg-
lich zu erfolgen hat (Ausbildungsbuch Jagen in der Schweiz, a.a.O., S. 232). Der 
Beschuldigte reichte ein Merkblatt des Bündner Schweisshunde Clubs ein, 
gemäss welchem der Schütze erst nach zwei Stunden zum Anschuss gehen solle, 
wenn auch nur die geringste Möglichkeit bestehe, dass der Schütze vom Tier noch 
wahrgenommen werden könne. Grundsätzlich ist darauf hinzuweisen, dass Merk-
blätter von privaten Vereinen nur begrenzt zur Beurteilung des weidmännischen 
Verhaltens herangezogen werden können. Zudem ist auffällig, dass das einge-
reichte Merkblatt kein Datum trägt, womit nicht nachvollziehbar ist, wie alt bzw. 
veraltet die Angaben sind. Besucht man die aktuelle Website des Bündner 
Schweisshunde Clubs, ist ersichtlich, dass die diesbezüglichen Weisungen geän-
dert wurden. Im Flyer "Vor und nach dem Schuss" wird ausdrücklich festgehalten, 
mindestens eine halbe Stunde zu warten, bevor man den Anschussort aufsucht. 

9.4.4. Vorliegend kann offenbleiben, ob ein Zuwarten von bis zu einer halben 
Stunde noch als "unverzüglich" im Sinne der Ausbildungsunterlagen der Jagdaus-
bildung zu qualifizieren ist. Dem Beschuldigten musste nach kurzer Zeit klarge-
worden sein, dass sich die Rehgeiss nicht mehr erheben würde, um ihr einen si-
cheren Fangschuss aus Distanz antragen zu können. Entsprechend wäre er ge-
halten gewesen, sich "unverzüglich", jedenfalls aber nach Ablauf einer halben 
Stunde, dem verletzten Tier zu nähern, um aus der Nähe einen Fangschuss anzu-
tragen. Soweit der Beschuldigte darauf hinweist, er habe während einer Stunde 
versucht, der Rehgeiss aus Distanz einen Fangschuss anzutragen, ist er folglich 
nicht zu hören. Die Unterlassung ist ein Negatives, nämlich eine Nicht-Vornahme 
einer sich im konkreten Fall aus der Garantenstellung ergebenden Handlungs-
pflicht. Der Täter muss nicht gänzlich untätig bleiben. Es reicht aus, dass er die 
Handlung, zu welcher er aufgrund seiner Garantenstellung verpflichtet wäre, nicht 
vornimmt. Ob er indes überhaupt keine oder eine andere Handlung vornimmt, 
bleibt unbeachtlich. Massgeblich ist einzig die Anknüpfung an der pflichtwidrig 
nicht-vorgenommenen Handlung (Niggli/Muskens, a.a.O., N 107 zu Art. 11 StGB). 

9.5.1. Dem Beschuldigten muss Tatmacht zukommen. Dabei muss er in der Lage 
sein, das Gebotene zu tun (Günter Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, 
Bd. I, 4. Aufl., Bern 2011, § 14 N 38). Die Beurteilung erfolgt anhand einer ex post 
Betrachtung.

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9.5.2. Die Vorinstanz erwog, der Einfluss der Körperlage der Rehgeiss bzw. be-
sonders der Einfluss der Lage ihres Kopfes auf eine sichere Abgabe eines Fang-
schusses lasse sich nicht abschliessend beurteilen. Zu Gunsten des Beschuldig-
ten sei davon auszugehen, dass aus der ursprünglichen Schussposition des Be-
schuldigten kein Fangschuss habe angetragen werden können (KG act. E.1, E. 
4.2). Damit verneinte sie implizit das Vorliegen von Tatmacht. Die Berufungsin-
stanz schliesst sich dieser Sichtweise an, zumal beim Anbringen des Fangschus-
ses zu berücksichtigen ist, dass dieser mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zur 
unmittelbaren Verletzung lebenswichtiger Organe führen muss (PKG 2017 Nr. 19 
E. 5c). Gerade letzteres lässt sich mit Blick auf die ungenaue Endposition der 
Rehgeiss nicht beurteilen. Auch E._____ hielt hierzu fest, die Möglichkeit eines 
Fangschusses aus der Distanz hänge davon ab, wie das Tier gelegen sei (StA act. 
17, Zusatzfrage 2). 

9.5.3. Anders gestaltet sich jedoch die Situation in Bezug auf die Möglichkeit ei-
nes Fangschusses aus geringerer Distanz. Bereits in seinem Anzeigerapport vom 
26. September 2017 hielt E._____ unmissverständlich fest, der Beschuldigte hätte 
seinen Standort mühelos und verdeckt wechseln können, um der Rehgeiss einen 
Fangschuss anzubringen (StA act. 1, S. 2). An dieser Aussage hielt er auch an-
lässlich seiner Einvernahme vor der Staatsanwaltschaft vom 14. März 2018 fest 
(vgl. StA act. 18). Er präzisierte gar, der Beschuldigte hätte die ganze Wiese ver-
deckt "[…] innerhalb der Stauden umlaufen können und hätte dann von vorne auf 
kurze Distanz auf diese Rehgeiss schiessen können […]" (StA act. 18, Frage 30). 
Diese persönliche Einschätzung bekräftigte er sogleich, indem er explizit festhielt, 
"[…] Ich halte fest, dass A._____ die Wiese, wo das Tier lag, verdeckt hätte um-
gehen können." (Frage 32). Gemäss eigenen Angaben kenne E._____ das Gebiet 
aufgrund seiner Touren als Wildhüter. Bevor er als Wildhüter tätig geworden sei, 
sei er im entsprechenden Gebiet selbst auf die Jagd gegangen, weshalb er das 
Gebiet sehr gut kenne (StA act. 18, Frage 25). Die Ausführungen erscheinen ins-
gesamt glaubhaft. Die ihm gestellten Fragen beantwortete E._____ nüchtern und 
sachlich. Es liegen keine Anhaltspunkte vor, die darauf schliessen liessen, dass er 
den Beschuldigten ungerechtfertigt schwerer belasten wollte. So deklariert er etwa 
reine Einschätzungen und Mutmassungen klar als solche. Auch weist er darauf 
hin, wenn er eine Frage nicht beantworten kann und präzisiert ursprünglich unge-
naue Angaben auch zu Gunsten des Beschuldigten (vgl. etwa StA act. 18, Zusatz-
frage 7). E._____ verfügt über langjährige Jagderfahrung (seit ca. 1990). Seit 
2005 ist er aktiver Schweisshundeführer und seit Februar 2009 als Wildhüter tätig 
(StA act. 18, Frage 2). Es kann angesichts seiner Erfahrung und seinen guten 
Ortskenntnissen ohne weiteres auf seine Einschätzung abgestellt werden. An die-

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ser Sichtweise ändert nichts, dass E._____ nicht "mit Sicherheit ausschliessen" 
konnte, dass die Rehgeiss den Beschuldigten wahrgenommen hätte, wenn dieser 
das Tier in Deckung hätte aufsuchen wollen (StA act. 18, Zusatzfrage 8). Es liegt 
auf der Hand, dass E._____ diese absolut formulierte Frage nicht beantworten 
konnte. Jedenfalls gilt es hierzu festzuhalten, dass dem Beschuldigten als langjäh-
rigem Jäger ein gutes Pirschverhalten zugetraut werden kann, welches ihm ein 
unbemerktes Heranpirschen ermöglicht hätte. Wie noch zu zeigen sein wird, ist 
dieser Umstand, d.h. die Möglichkeit der verdeckten Annäherung, ohnehin erst im 
Rahmen des hypothetischen Kausalzusammenhangs von Relevanz. Vor dem Hin-
tergrund des Gesagten gilt als erstellt, dass der Beschuldigte sich der verletzten 
Rehgeiss verdeckt auf eine Distanz hätte annähern können, welche ihm einen si-
cheren Fangschuss erlaubt hätte. Angesichts der im Recht liegenden Bilder und 
der Schussdistanz von 117 m gilt zudem als erstellt, dass dies in jedem Fall inner-
halb einer halben Stunde möglich gewesen wäre. 

Ferner ist auf das Folgende hinzuweisen: Die Staatsanwaltschaft hielt dem Be-
schuldigten die Aussage von E._____ vor, wonach er seinen Standort hätte mühe-
los gut verdeckt wechseln können, um der Rehgeiss einen Fangschuss anzubrin-
gen. Dem hielt der Beschuldigte lediglich entgegen, dass der Wildhüter dies nicht 
wissen könne (StA act. 18, Zusatzfrage 11). Auf Nachfrage präzisierte der Be-
schuldigte, er habe (nur) den Felsen nicht verlassen können, ohne dass ihn das 
Tier bemerkt hätte. Auch gab er an, gehofft zu haben, dass sich das Tier wieder 
erheben werde, um ihm ein Fangschuss anzutragen (StA act. 18, Zusatzfrage 12). 
Dies deckt sich mit seiner früheren Aussage (StA act. 18, Frage 13). Anlässlich 
seiner ersten Einvernahme durch Wildhüter E._____ begründete er sein Aushar-
ren demgegenüber lediglich mit seiner Hoffnung, das Tier würde sein Haupt erhe-
ben (StA act. 3, S. 3). Daraus erhellt jedenfalls, dass er die Möglichkeit eines ver-
deckten Heranpirschens über die Wiese nie selbst bestritt. Wie die Vorinstanz zu 
recht festhält, erweist sich das Aussageverhalten des Beschuldigten, er habe sei-
ne Position nicht unbemerkt verlassen können, als widersprüchlich, sah er doch 
kein Problem darin, den Felsen zu verlassen, um sein Auto bzw. eine Taschen-
lampe zu holen. Beim Verlassen des Felsens konnte sich der Beschuldigte kei-
neswegs sicher sein, dass die Rehgeiss verendet war. Der Einwand der Verteidi-
gung, es spiele eine Rolle, ob der Beschuldigte den Felsen verlasse, um sich dem 
Tier zu nähern oder aber sich von diesem weg bewege, zielt insoweit ins Leere. 

9.6. Gemäss Art. 11 Abs. 3 StGB ist eine Gleichwertigkeit von Tun und Unter-
lassen gefordert. Gemäss Bundesgericht muss der Unterlassungstäter so sehr zur 
Abwehr der Gefahr für das betroffene Rechtsgut verpflichtet sein, dass die Unter-

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lassung der Erfolgsherbeiführung durch aktives Handeln gleichwertig erscheint 
(BGE 113 IV 68 E. 5.a). Ein Patentjäger, welcher ein Tier verletzt, ist verpflichtet, 
dieses mittels Fangschuss von seinen Qualen zu erlösen (vgl. E. 9.4.2 f.). Es 
scheint naheliegend, dass eine Unterlassung der Erfüllung dieser Schutzpflicht mit 
einem aktiven Eingriff in die körperliche Unversehrtheit der Tiere gleichgesetzt 
werden kann. Das verursachte Unrecht wiegt in solchen Fällen gleich schwer wie 
jenes der aktiven Schädigung. 

9.7.1. Die garantenpflichtwidrig unterlassene Handlung ist für die Verletzung bzw. 
Gefährdung dann hypothetisch kausal, wenn die Vornahme der fraglichen Hand-
lung den Eintritt der Verletzung bzw. Gefährdung ausgeschlossen hätte. Eine Prü-
fung dieser Frage muss nach den Regeln der natürlichen und adäquaten Kausa-
lität erfolgen (vgl. BGE 134 IV 255 E. 4.4.1; BGer 6B_661/2015 v. 17.05.2016, E. 
3.1.1). In ständiger Praxis fordert die Rechtsprechung einen hohen Grad der 
Wahrscheinlichkeit (vgl. zum Ganzen Niggli/Muskens, a.a.O., N 109 ff. zu Art. 11 
StGB m.w.H.). 

9.7.2. Es wurde bereits festgestellt, dass die angeschossene Rehgeiss bis zum 
Anbringen der Halsschnitte um ca. 21:15 Uhr mit an Sicherheit grenzender Wahr-
scheinlichkeit noch bei Bewusstsein war und aufgrund ihrer Verletzungen an Qua-
len litt (vgl. oben E. 9.3.2 f.). Ebenso gilt als erstellt, dass sich der Beschuldigte 
der Rehgeiss zwischen 19:30 Uhr bis 20:00 Uhr hätte verdeckt annähern und ei-
nen Fangschuss antragen können (und müssen), der sie mit grosser Wahrschein-
lichkeit getötet hätte. Daraus folgt, dass der Beschuldigte, hätte er die von ihm 
gebotene Handlung vorgenommen, die Rehgeiss mit grösster Wahrscheinlichkeit 
von ihren Qualen befreit hätte, an welchen sie so aber bis um 21:15 Uhr litt. Die 
rein hypothetische Wahrscheinlichkeit, die Rehgeiss hätte den Beschuldigten ent-
decken können, ändert an dieser Sichtweise nichts. Dies umso weniger, weil die 
Rehgeiss an beiden hinteren Sprunggelenken erheblich verletzt war. Eine schnelle 
Flucht, welche das Anbringen eines Fangschusses verunmöglicht hätte, wäre 
kaum denkbar gewesen. Soweit der Beschuldigte in diesem Zusammenhang mit 
Hinweis auf einen Aufsatz von F._____ zumindest implizit andeuten will, eine 
Annäherung an das Tier hätte dieses unnötig in Angst versetzt und Leiden, even-
tuell sogar unnötige Qualen, verursacht (vgl. StA act. 47, S. 10 und KG act. A.5, 
Ziff. 7.2.b.bb), geht er ebenfalls fehl. Dieser Sichtweise zu folgen, würde dazu 
führen, dass ein Fangschuss in keinem Fall aus der Nähe abgegeben werden 
dürfte. Ziel des Fangschusses ist gerade, das bestehende Leiden zu beenden. 
Entsprechend ist ein Fangschuss derart anzutragen, dass der Tod des verletzten 
Tieres schnellstmöglich herbeigeführt wird. Ein dabei kurzfristiges Angstempfinden 

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bzw. kurzes Leiden ist dabei, mit Blick auf das Ziel, hinzunehmen (vgl. auch PKG 
2017 Nr. 19 E. 5c). 

10.1. Art. 11 StGB kodifiziert eine Begehungsform und nicht ein eigenständiges 
Delikt. Der massgebliche subjektive Tatbestand ist daher immer derjenige des 
durch Unterlassen begangenen Deliktes, der sich selbstverständlich auch auf die 
objektiven Tatbestandsmerkmale der Unterlassung erstrecken muss. Der Täter 
handelt vorsätzlich, wenn er um seine Garantenstellung, die daraus fliessende 
Handlungspflicht im konkreten Fall sowie seine Handlungsmöglichkeit weiss. Wei-
ter muss er um den Erfolg wissen, den er hypothetisch kausal bewirkt bzw. nicht 
verhindert. Und er muss durch sein Untätigbleiben dies alles auch herbeiführen 
wollen, wobei billigende Inkaufnahme (Eventualvorsatz) grundsätzlich auch genügt 
(vgl. Art. 12 Abs. 2 StGB; vgl. zum Ganzen BGE 105 IV 172). Verkennt der Täter 
einen oder mehrere dieser Umstände, ist sein Verhalten nach den Regeln des 
Sachverhaltsirrtums zu beurteilen (vgl. Andreas Donatsch/Brigitte Tag, Strafrecht 
I, 9. Aufl., Zürich 2013, § 30, Ziff. 2.2.1.d).

10.2. Der Beschuldigte wusste um seine Pflicht, dem verletzten Tier einen Fang-
schuss anzutragen (vgl. StA act. 18, Frage 37). Der Umstand, dass er angab, 
während einer Stunde versucht zu haben, der verletzten Rehgeiss aus der Distanz 
einen Fangschuss anzutragen, belegt zudem seine Kenntnis vom Eintritt der tat-
bestandsmässigen Situation und der daraus resultierenden Garantenstellung so-
wie seiner Handlungspflicht. Spätestens nach einer halben Stunde Zuwarten (ab 
ca. 19:30 Uhr) war für den Beschuldigten sodann erkennbar bzw. drängte sich ihm 
die Erkenntnis geradezu auf, dass sich die Rehgeiss nicht mehr erheben würde, 
um ihr einen Fangschuss aus der Distanz antragen zu können. Der Beschuldigte 
wusste ferner aufgrund der sich ihm darstellenden Umstände um die Möglichkeit, 
der Rehgeiss aus der Nähe einen Fangschuss antragen zu können (vgl. betref-
fend Tatmacht E. 9.5.3). So war es für ihn ohne weiteres erkennbar, dass er sich 
ihr verdeckt hätte annähern können. Seine dagegen erhobene Einwendung er-
weist sich als Schutzbehauptung (vgl. E. 9.5.3). Auch hätte der Beschuldigte auf-
grund der konkreten Umstände um die Möglichkeit wissen müssen, sich der Reh-
geiss innert einer halben Stunde annähern zu können und ihr so noch innerhalb 
der Schiesszeit (20:00 Uhr) einen Fangschuss antragen zu können. In Bezug auf 
die Tatmacht liegt damit in subjektiver Hinsicht kein Sachverhaltsirrtum vor. Der 
Beschuldigte wusste auch um die Trefferlage an (mindestens) einem Hinterlauf 
(vgl. E. 9.4.2). Aufgrund dieser ihm bekannten Trefferlage musste er auch um das 
sehr hohe Risiko wissen, dass das beschossene Stück noch während langer Zeit 
Qualen leiden würde, wenn er nicht vorgängig einen Fangschuss anbringen wür-

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de. Als entsprechend unnütz erweist sich seine diesbezügliche Behauptung, er 
habe angenommen, die Rehgeiss werde nächstens verenden (StA act. 3, S. 3). 
Das hohe Risiko, dass die Rehgeiss aufgrund des konkreten Treffers eben nicht 
bald verenden würde, musste sich ihm geradezu aufgedrängt haben. 

Durch das Unterlassen der zeit- und fachgerechten Tötung mittels eines Fang-
schusses hat der Beschuldigte folglich im Sinne eines Eventualvorsatzes jeden-
falls in Kauf genommen, dass dem Wildtier ungerechtfertigt Leiden zugefügt wird. 
Der Beschuldigte nahm den Eintritt des als möglich erkannten Erfolgs (Zufügung 
ungerechtfertigter und unnötiger Leiden) ernst, rechnete mit ihm bzw. musste da-
mit rechnen und fand sich mit ihm ab, womit er eventualvorsätzlich und nicht bloss 
fahrlässig gehandelt hat. 

11.1. Der Beschuldigte hat eventualvorsätzlich gegen Art. 4 Abs. 2 TSchG i.V.m. 
Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG verstossen. Die Berufung des Beschuldigten ist in die-
sem Punkt abzuweisen. Damit erübrigt sich die Prüfung einer möglichen Wider-
handlung gegen das kantonale Jagdgesetz (insbesondere Art. 15 Abs. 1 KJG; 
unweidmännisches Verhalten). Denn die im Rahmen des vorliegenden Sachver-
haltsvorwurfs zu prüfende unweidmännische Jagdausübung infolge Unterlassen 
eines Fangschusses dient letztlich gleich wie die Tierschutzgesetzgebung tier-
schützerischen Zwecken. Zwischen den eingangs erwähnten Bestimmungen des 
Tierschutzgesetzes und Art. 15 Abs. 1 KJG besteht im vorliegenden Fall entspre-
chend unechte Konkurrenz (ähnlich BGer 6B_411/2016 v. 7.6.2016, E. 2.3). 

11.2. Nur der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass es der Ankla-
gesachverhalt nicht zulässt, dem Beschuldigten vorzuwerfen, er habe es unterlas-
sen, sich nach der Schusszeit dem Tier zu nähern, um, nachdem er bemerkt ha-
be, dass dieses noch lebte, den Wildhüter zu ersuchen, einen Fangschuss aus-
serhalb der Schiesszeit antragen zu dürfen. Dieser von der Vorinstanz implizit er-
hobene Vorwurf findet in der Anklageschrift keine Stütze (vgl. KG act. E.1, S. 20, 
E. 4.2).

12.1. Schliesslich wird dem Beschuldigten vorgeworfen, dass er die Rehgeiss auf 
unweidmännische Weise getötet und ihr weitere unnötige Schmerzen und Leiden 
zugefügt habe, indem er ihr mit dem Jagdmesser mehrere unsachgemässe Hals-
schnitte im Bereich der Halsschlagader zugefügt habe. Damit soll er sich der vor-
sätzlichen Tierquälerei schuldig gemacht haben, weil er die Rehgeiss qualvoll und 
ohne vorgängige Betäubung getötet habe (Widerhandlung gegen Art. 26 Abs. 1 lit. 
b TSchG i.V.m. Art. 16 Abs. 2 lit. a TSchV [SR 455.1] und aArt. 178 Abs. 1 TSchV 

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[Stand 1.5.2017]). Zugleich habe er damit die Jagd unweidmännisch ausgeübt und 
gegen Art. 15 KJG i.V.m. Art. 47 Abs. 1 KJG verstossen. 

12.2. Das Leben von Tieren wird vom schweizerischen Recht zwar nicht generell 
geschützt, eine Tötung hat aber in jedem Fall so schonend wie möglich zu erfol-
gen. Das Töten eines Tieres auf qualvolle Weise wird durch Art. 26 Abs. 1 lit. b 
TSchG unter Strafe gestellt. Qualvoll ist eine Tötung im Gesetzessinne, wenn dem 
Tier dabei Schmerzen, Leiden, Schäden oder Ängste zugefügt werden, die – wie 
beim Tatbestand der Misshandlung (Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG) – von einer ge-
wissen Erheblichkeit sind. Die qualvolle Tötung bildet somit einen Spezialfall der 
Misshandlung, der dann zur Anwendung gelangt, wenn ein Tier bei einer solchen 
oder im Anschluss daran qualvoll stirbt. Qualvoll ist eine Tötung fraglos dann, 
wenn sie sich bei voller Schmerzempfindung des Tieres über einen Zeitraum hin-
zieht, der über einen kurzen Augenblick hinausgeht (vgl. Gieri Bolliger/Michelle 
Richner/Andreas Rüttimann/Nils Stohner, Schweizer Tierschutzstrafrecht in Theo-
rie und Praxis, Bd. I, 2. Aufl., Zürich 2019, S. 160 ff.). 

12.3. Handelt der Täter in einer irrigen Vorstellung über den Sachverhalt, so be-
urteilt das Gericht die Tat zu Gunsten des Täters nach dem Sachverhalt, den sich 
der Täter vorgestellt hat (Art. 13 Abs. 1 StGB). Hätte der Täter den Irrtum bei 
pflichtgemässer Vorsicht vermeiden können, so ist er wegen Fahrlässigkeit straf-
bar, wenn die fahrlässige Begehung der Tat mit Strafe bedroht ist. 

12.4. Der Beschuldigte näherte sich der Rehgeiss gegen 21:15 Uhr, also nahezu 
2 ¼ Stunden nach Schussabgabe. Gemäss eigenen Angaben habe er bemerkt, 
dass die Rehgeiss noch einen leichten Atem aufgewiesen habe. Obschon er das 
Tier mit seiner Stirnlampe angeleuchtet habe, habe es nicht reagiert (StA act. 19, 
Frage 26). Weil das Tier auch nicht zu fliehen versucht habe, als er sich diesem 
genähert habe, folgerte der Beschuldigte offenbar, dass es nicht mehr bei Be-
wusstsein gewesen sei (StA act. 19, Frage 28). Angesichts der vom Beschuldigten 
geschilderten Situation erscheint der von ihm beschriebene Irrtum über den Be-
wusstseinszustand der Rehgeiss nachvollziehbar und glaubhaft. Gründe, welche 
Zweifel daran begründen würden, sind keine ersichtlich. Damit lässt sich der Vor-
wurf, für den Beschuldigten sei erkennbar gewesen, dass die Rehgeiss beim Set-
zen der Entblutungsschnitte am Hals noch bei Bewusstsein gewesen sei, nicht mit 
rechtsgenügender Sicherheit erstellen. Daran ändert auch nichts, dass die Reh-
geiss mit den Vorderläufen gezappelt hatte. Dies tat sie nämlich erst, nachdem der 
Beschuldigte die Schnitte angesetzt hatte (StA act. 19, Frage 32 ff.). Es ist folglich 
zugunsten des Beschuldigten von dem von ihm angenommenen (falschen) Sach-
verhalt auszugehen, wonach die Rehgeiss nicht mehr bei Bewusstsein war, als er 

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ihr die – letztlich tödlichen (vgl. StA act. 36, S. 7, Frage 2) – Halsschnitte zugefügt 
hatte. War die Rehgeiss nicht mehr bei Bewusstsein, konnte sie auch keine 
Schmerzen wahrnehmen, sodass eine Verurteilung wegen einer vorsätzlichen Wi-
derhandlung gegen Art. 26 Abs. 1 lit. b TSchG i.V.m. Art. 16 Abs. 2 lit. a TSchV 
ausser Betracht fällt. Das Gleiche muss hinsichtlich der Variante der Tötung ohne 
vorgängige Betäubung gelten (gemäss dem vorliegend nach wie vor massgeben-
den aArt. 178 Abs. 1 TSchV). Damit kann offenbleiben, ob im Rahmen einer 
während der Jagd zu erfolgenden Nottötung bei Möglichkeit eine Betäubung vor-
gängig anzubringen ist oder ob die Ausnahme von aArt. 178 Abs. 2 lit. a TSchV 
von der Betäubungspflicht im Rahmen der Jagd absolut gilt. Eine fahrlässige Tat-
begehung wird dem Beschuldigten in diesem Zusammenhang nicht vorgeworfen, 
sodass nicht geprüft werden muss, ob der Irrtum bei pflichtgemässer Aufmerk-
samkeit hätte vermieden werden können. Die Anschlussberufung der Staatsan-
waltschaft erweist sich in diesem Punkt folglich als unbegründet. 

13.1. Es bleibt indes zu prüfen, ob sich der Beschuldigte mit seinem inkriminier-
ten Verhalten der Übertretung gemäss Art. 15 KJG schuldig gemacht hat. Gemäss 
dessen Abs. 1 hat sich der Jäger bei der Jagd weidgerecht zu verhalten. Unter 
Weidgerechtigkeit versteht man die sittliche, vornehmlich auf Selbstzucht beru-
hende Einstellung des Jägers zum Tier, zum Mitjäger, zur Gesellschaft und zur 
Jagd als Kulturgut insgesamt. Der Weidgerechtigkeit kommt in ihrem ursprüngli-
chen Sinn mit anderen Worten die Bedeutung ungeschriebenen Standesrechts zu, 
welche sich die Jägerschaft im Laufe der Jahrhunderte selbst gegeben hat. Erst 
durch Aufnahme dieses Begriffes in das Jagdrecht wird die Weidgerechtigkeit als 
Massstab für korrektes Jagen zu staatlichem Recht. Weidgerecht Jagen im Sinne 
des Jagdrechts bedeutet, die Jagd nach bestem Wissen und Gewissen, nach 
überliefertem Brauchtum sowie nach Gesetz und Vorschriften auszuüben. Die 
Weidgerechtigkeit im Sinne des Jagdrechts impliziert folglich die Achtung vor dem 
Gesetz (vgl. PKG 1991 Nr. 40 E. 2d). Mit anderen Worten wird die Jagd unter an-
derem dann nicht weidgerecht ausgeübt, wenn sie gesetzeswidrig ausgeübt wird. 
Gemäss aArt. 2 Abs. 1 lit. g JSV (SR 922.01; Stand 15. Juli 2015) dürfen Messer 
bei der Jagd grundsätzlich nicht verwendet werden. Davon abweichend dürfen für 
das Töten von Wildtieren, die nicht fluchtfähig sind, Messer (nur) zum Anbringen 
eines Kammerstiches verwendet werden, wenn die Wildtiere verletzt sind und 
Fangschüsse Menschen, Jagdhunde oder erhebliche Sachwerte gefährden wür-
den (aArt. 2 Abs. 2 lit. b JSV). Daraus erhellt, dass im Rahmen der Jagd eine Not-
tötung mittels Messerschnitts durch die Halsschlagadern durch den Wortlaut von 
Art. 2 Abs. 2 JSV nicht gedeckt und damit als unrechtmässig zu qualifizieren ist. 
Entsprechend wurde schon in früheren Auflagen des Ausbildungsbuches "Jagen 

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in der Schweiz" festgehalten, dass das "Schächten", d.h. das Durchschneiden der 
Drossel oder der Halsschlagadern, nicht erlaubt sei (Jagd- und Fischereiverwal-
tungskonferenz der Schweiz JFK-CSF-CCP [Hrsg.], Jagen in der Schweiz, 2. Auf-
lage, Bern 2014, S. 232 [zitiert Ausbildungsbuch Jagen in der Schweiz, 2. Aufl.], 
vgl. auch Ausbildungsbuch Jagen in der Schweiz, a.a.O., S. 234). Der Beschuldig-
te hat gemäss eigener Aussage der Rehgeiss zwei Halsschnitte mit seinem 
Jagdmesser gesetzt. Dabei hat er gemäss Gutachter und Einschätzung des Wild-
hüters E._____, welcher die Rehgeiss besichtigt hatte, mindestens eine Hals-
schlagader durchtrennt, was letztlich zum Tod der Rehgeiss geführt hatte (StA act. 
18, Fragen 17 und 18 sowie StA act. 36, S. 7, Frage 2). Damit hat er eine von der 
Jagdverordnung nicht erlaubte Tötungsmethode verwendet. 

13.2. Vor Vorinstanz machte die Verteidigung zumindest implizit einen Verbotsirr-
tum geltend, indem sie darauf hinwies, der Beschuldigte habe eine vom Gutachter 
selbst postulierte Tötungsmethode gewählt, von der er ausgegangen sei, diese 
würde die Rehgeiss am schnellsten erlösen (RG act. II/6). Aufgrund der Tatsache, 
dass die Vorinstanz den Beschuldigten vom Sachverhaltsvorwurf freisprach, wie-
derholte der Beschuldigte diesen Einwand vor der Berufungsinstanz nicht mehr. 
Gleichwohl bleibt dieser nachfolgend zu prüfen. 

13.3. Wer bei Begehung der Tat nicht weiss und nicht wissen kann, dass er sich 
rechtswidrig verhält, handelt nicht schuldhaft. War der Irrtum vermeidbar, so mil-
dert das Gericht die Strafe (Art. 21 StGB). Ein solcher Verbotsirrtum kann in ver-
schiedenen Formen auftreten. Zum Ersten kann dem Täter jegliche Kenntnis der 
übertretenen Norm fehlen (sog. direkter Verbotsirrtum), oder wenn der Täter zwar 
um den Widerspruch seines Verhaltens zu einer Rechtsnorm weiss, aber irriger-
weise einen Rechtfertigungsgrund annimmt (sog. indirekter Verbotsirrtum; vgl. 
Wolfgang Wohlers/Gunhild Godenzi/Stephan Schlegel, Schweizerisches Strafge-
setzbuch, Handkommentar, 4. Aufl., Bern 2020, N 2 zu Art. 21 StGB m.w.H.). Erst 
wenn feststeht, dass ein Verbotsirrtum vorlag, ist die Frage dessen Vermeidbarkeit 
zu klären (Trechsel/Fateh-Moghadam, a.a.O., N 5a zu Art. 21 StGB). Unkenntnis 
der rechtlichen Normierung begründet grundsätzlich keine Unvermeidbarkeit. 
Nach dem Denkmodell des Übernahmeverschuldens ist die Ignoranz dessen vor-
werfbar, der sich in einem dicht durchnormten Bereich (Waffen, Jagd, Fischerei 
usw.) bewegt, insbesondere dann, wenn er einer bewilligungspflichtigen Tätigkeit 
nachgeht (vgl. Trechsel/Moghadam, a.a.O., N 7 zu Art. 21 StGB). 

13.4. Der Beschuldigte hatte keine speziellen Kenntnisse davon, wie eine Not-
tötung mittels Messer durchgeführt werden muss. Die entsprechende Technik 
wurde lange Zeit als zulässig angesehen. Selbst der Gutachter erachtet den Ent-

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blutungsschnitt – nach vorgängiger Betäubung – als zulässig (vgl. StA act. 36, S. 
11, Frage 6). Auch Wildhüter E._____ gab anlässlich seiner Zeugeneinvernahme 
vom 14. März 2018 an, die Halsschnitte seien nicht fachmännisch ausgeführt wor-
den, er jedoch selber keine Ahnung von dieser Tötungsmethode habe (StA act. 
18, Frage 21). Es ist vor diesem Hintergrund zu Gunsten des Beschuldigten von 
einem Irrtum über die Rechtswidrigkeit seiner Handlung auszugehen. Abweichen-
des liesse sich nicht mit rechtsgenügender Sicherheit nachweisen. Der Irrtum wä-
re indes bei pflichtgemässem Verhalten vermeidbar gewesen. Als erfahrenem Jä-
ger war dem Beschuldigten bekannt, dass im Jagd- und Tierschutzbereich eine 
hohe Normdichte besteht und sich die geltenden Vorschriften stetig ändern und 
wandeln können. Das Wissen um die Ausführung einer Nottötung stellt einen zen-
tralen Aspekt und eine wichtige Voraussetzung für eine tierschutzkonforme Jagd-
ausübung dar. Dementsprechend erstaunt, dass sich der Beschuldigte nicht vor-
gängig über die diesbezüglich aktuell geltende Gesetzeslage und die zulässigen 
Tötungsmethoden informierte. Der Irrtum wäre vermeidbar gewesen. Dies umso 
mehr, als zum damaligen Zeitpunkt bereits seit längerer Zeit in der Jagdausbil-
dung explizit auf das Verbot der Nottötung mittels Schächten hingewiesen wurde 
(vgl. Ausbildungsbuch Jagen in der Schweiz, 2. Aufl., a.a.O., S. 232). 

13.5. Der Beschuldigte hat sich damit der Übertretung gemäss Art. 15 Abs. 1 
KJG i.V.m. Art. 47 Abs. 1 KJG schuldig gemacht, indem er der Rehgeiss um ca. 
21:15 Uhr mit dem Jagdmesser Halsschnitte zugefügt und sie damit getötet hat. 
Die Berufung der Staatsanwaltschaft ist in diesem Punkt begründet. Würdigt das 
Gericht den Anklagesachverhalt lediglich rechtlich anders als die Anklagebehörde 
und behandelt diesen vollständig, erfolgt kein Freispruch (BGer 6B_514/2020 v. 
16.12.2020 E. 1.3.2). Folglich ergeht hinsichtlich des in E. 12.1. ff. verworfenen 
Vorwurfes der vorsätzlichen Tierquälerei kein Freispruch. 

13.6. Der Beschuldigte macht geltend, in der Anklageschrift werde ihm nicht vor-
geworfen, dass er einen Kammerstich hätte anbringen müssen (vgl. KG act. H.2, 
S. 14, Ziff. 8.2). In der Anklageschrift wird dem Beschuldigten lediglich eine Wi-
derhandlung gegen Art. 15 KJG i.V.m. aArt. 178 TSchG vorgeworfen. Ein Hinweis 
auf Art. 2 JSV findet sich nicht. Indes wird ihm in sachverhaltlicher Hinsicht vorge-
worfen, der Rehgeiss mit einem Messer die Halsschlagadern durchtrennt zu ha-
ben, womit der Vorwurf konkretisiert wurde. Will das Gericht den Sachverhalt 
rechtlich anders würdigen als die Staatsanwaltschaft in der Anklagesch