# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8f671a33-1eb7-51a8-a8b3-b06f904a79e9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-07-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.07.2009 C-4227/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-4227-2008_2009-07-28.pdf

## Full Text

Abtei lung II I
C-4227/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 8 .  J u l i  2 0 0 9

Richter Andreas Trommer (Vorsitz), 
Richter Antonio Imoberdorf, 
Richter Blaise Vuille, 
Gerichtsschreiberin Denise Kaufmann.

N._______, 
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin Ruth Dönni,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Verweigerung eines Visums zu Besuchszwecken.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

C-4227/2008

Sachverhalt:

A.
Der 1984 geborene ägyptische Staatsangehörige B._______ (im Fol-
genden: Gesuchsteller) beantragte am 26. März 2008 bei der Schwei-
zerischen Botschaft  in Kairo ein Visum für  einen zweimonatigen Be-
suchsaufenthalt  bei  N._______ (im Folgenden: Gastgeberin bzw. Be-
schwerdeführerin) in X._______ (ZH). Die Schweizer Vertretung lehnte 
es ab, ein Visum in eigener Kompetenz zu erteilen und leitete das Ge-
such zur Prüfung und zum Entscheid an die Vorinstanz weiter.

B.
Zum Antrag begrüsst, holte das Migrationsamt des Kantons Zürich bei 
der Gastgeberin ergänzende Auskünfte ein und leitete sie an die Vorin-
stanz weiter. Letztere lehnte es in einer Verfügung vom 28. Mai 2008 
ab,  das beantragte Besuchsvisum zu erteilen. Dies im Wesentlichen 
mit der Begründung, der Gesuchsteller lebe in einer Region, aus der 
als Folge der dort  herrschenden wirtschaftlichen und soziokulturellen 
Verhältnisse  ein  anhaltend  starker  Zuwanderungsdruck  festzustellen 
sei. Die anstandslose und fristgerechte Wiederausreise könne deshalb 
vorliegend nicht als gesichert betrachtet werden. Es lägen keine Grün-
de vor, welche eine Einreise trotzdem als zwingend erscheinen lies-
sen.

C.
Mit Beschwerdeeingaben vom 23. Juni und 14. Juli 2008 beantragt die 
Gastgeberin beim Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung der vorin-
stanzlichen Verfügung und die Erteilung des Besuchsvisums. Zur Be-
gründung macht sie im Wesentlichen geltend, die Vorinstanz habe mit 
der angefochtenen Verfügung in unzulässiger Weise einzig auf die im 
Ursprungsland  herrschende  sozioökonomische  Situation  abgestellt, 
ohne auch nur im Ansatz eine einzelfallbezogene Beurteilung vorge-
nommen zu haben. Schon deshalb wäre die angefochtene Verfügung 
aufzuheben. Tatsächlich seien in den persönlichen Verhältnissen des 
Gesuchstellers  genügend  Elemente  für  eine  Verwurzelung  im  ange-
stammten Umfeld zu erkennen. Der Gesuchsteller sei seit langem er-
werbstätig; er arbeite bereits seit sechs Jahren im Verkauf und erziele 
dabei  ein für  ägyptische Verhältnisse überdurchschnittliches Einkom-
men. Mit  diesem sorge er  auch für  den Unterhalt  seiner  Eltern  und 
dreier Schwestern. 

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Komme hinzu,  dass  der  beabsichtigte  Aufenthalt  einem besonderen 
Zweck diene, nämlich der Prüfung, ob die zwischen ihr und dem Ge-
suchsteller  bestehende Freundschaft  eine genügende Basis  für  eine 
spätere gemeinsame Zukunft in der Schweiz abgeben könnte. Sie (die 
Beschwerdeführerin)  garantiere  für  die  fristgerechte  Wiederausreise 
des Gesuchstellers nach dessen Besuchsaufenthalt.

D.
Die Vorinstanz hält in ihrer Vernehmlassung vom 4. September 2008 
an der angefochtenen Verfügung fest und schliesst auf Abweisung der 
Beschwerde. Sie habe ihren Entscheid in  Berücksichtigung aller  we-
sentlichen Umstände getroffen. Der Gesuchsteller sei erst 24 Jahre alt 
und ledig. Der Umstand allein,  dass er erwerbstätig  sei,  lasse keine 
andere Risikoeinschätzung zu. Auch die Zusicherungen der Beschwer-
deführerin könnten zu keinem anderen Entscheid führen. Sie kenne ih-
ren Gast  noch nicht  lange und habe ihn erst zwei- oder dreimal  an-
lässlich von Ferienaufenthalten getroffen.

E.
In einer Replik vom 13. Oktober 2008 hält die Beschwerdeführerin an 
ihrem Antrag und an dessen Begründung fest. Zwar gehe die Vorin-
stanz in der Vernehmlassung zumindest ansatzweise auf die persönli-
che Situation des Gesuchstellers  ein. Eine Heilung des ursprünglich 
gesetzten  Mangels  im  Rechtsmittelverfahren  komme jedoch  nicht  in 
Frage. Im Übrigen sei  die  Einlassung der  Vorinstanz  lückenhaft. Sie 
habe insbesondere nicht beachtet, dass der Gesuchsteller bereits seit 
sechs Jahren im Verkauf arbeite und dabei ein überdurchschnittliches 
Einkommen erziele. Ebenfalls unberücksichtigt sei geblieben, dass der 
Gesuchsteller nicht nur für seinen eigenen Unterhalt, sondern auch für 
denjenigen  seiner  Eltern  und  dreier  Schwestern  aufkomme. Gerade 
diese Aspekte deuteten auf eine tiefe Verwurzelung im Heimatland hin. 
Weiter teilt die Beschwerdeführerin mit, dass sie im vergangenen Au-
gust  erneut  zwei  Wochen  beim  Gesuchsteller  in  Ägypten  verbracht 
habe.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter 
Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden ge-

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gen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), welche von 
einer in Art. 33 VGG aufgeführten Behörde erlassen wurden. Darunter 
fallen u.a. Verfügungen des BFM, mit denen die Ausstellung eines Ein-
reisevisums verweigert wird. In dieser rechtlichen Materie entscheidet 
das Bundesverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bun-
desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Sofern  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes  bestimmt, 
richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  nach 
dem VwVG (Art. 37 VGG).

1.3 Die Beschwerdeführerin ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be-
schwerde berechtigt. Auf  die  frist-  und formgerechte Beschwerde ist 
einzutreten (Art. 50–52 VwVG).

2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des 
Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde 
als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt 
werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Be-
schwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist ge-
mäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht ge-
bunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend 
gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist 
grundsätzlich  die  Rechts-  und  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Ent-
scheides (vgl. E. 1.2 des in BGE 129 II 215 teilweise publizierten Ur-
teils 2A.451/2002 vom 28. März 2003).

3.
3.1
Die Beschwerdeführerin beanstandet, die Vorinstanz habe das Gesuch 
allein gestützt auf die allgemeinen Verhältnisse im Heimatland des Ge-
suchstellers abgelehnt, ohne die konkreten Umstände des Einzelfalles 
einzubeziehen. Auf eine rechtliche Qualifizierung der Rüge verzichtet 
die Beschwerdeführerin. In Anbetracht der gesamten Umstände kann 
jedoch davon ausgegangen werden, dass sie im Vorgehen der Vorin-
stanz eine Verletzung der sich aus dem Anspruch auf rechtliches Ge-
hör  ergebenden  Begründungspflicht  erblickt  (Art.  29  i.V.m.  Art.  35 
Abs. 1 VwVG).

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3.2 Die Begründungspflicht verlangt von der Behörde unter anderem, 
dass sie die Gründe offenlegt,  weshalb sie so und nicht anders ent-
scheidet. Dieser Verpflichtung kam die Vorinstanz nicht nach, denn die 
persönliche  Situation  des  Gesuchstellers,  deren  zentrale  Bedeutung 
für die Risikoeinschätzung sie anerkennt und die gewürdigt zu haben 
sie  in  der  Vernehmlassung behauptet,  findet  keinen Niederschlag in 
der Begründung der angefochtenen Verfügung. Eine sachgerechte An-
fechtung durch den Betroffenen und eine Kontrolle durch die Rechts-
mittelinstanz ist in einer solchen Situation in Frage gestellt. 

3.3 Trotz grundsätzlich formeller  Natur  des rechtlichen Gehörs ist  in 
casu das Fehlen der Begründung als geheilt zu betrachten, da diese in 
der Vernehmlassung der Vorinstanz enthalten war, die Beschwerdefüh-
rerin dazu Stellung nehmen konnte und das Bundesverwaltungsgericht 
über volle Kognition verfügt (vgl. BGE 129 I 129 E. 2.2.3 S. 135). Die 
Heilung  der  Gehörsverletzung  rechtfertigt  sich  umso  mehr,  als  die 
rechtskundig vertretene Beschwerdeführerin nicht etwa Wiederholung 
des Verfahrens vor der Vorinstanz verlangt, sondern direkt eine materi-
elle Gutheissung beantragt.

4.
Das  schweizerische  Ausländerrecht  kennt  weder  ein  allgemeines 
Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf 
Erteilung eines Visums. Die Schweiz ist  daher – wie andere Staaten 
auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern 
die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtun-
gen handelt  es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Bot-
schaft  zum  Bundesgesetz  über  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 
8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 133 I 185 E. 2.3 S. 189).

5.
Der Bundesbeschluss vom 17. Dezember 2004 über die Genehmigung 
und die Umsetzung der bilateralen Abkommen zwischen der Schweiz 
und der  EU über  die Assoziierung an Schengen und an Dublin  (SR 
362) wurde in der Volksabstimmung vom 5. Juni 2005 angenommen. 
Die  entsprechenden  Assoziierungsabkommen  (darunter  das  Abkom-
men vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenos-
senschaft,  der  Europäischen  Union  und  der  Europäischen  Gemein-
schaft über die Assoziierung dieses Staates bei der Umsetzung, An-
wendung  und  Entwicklung  des  Schengen-Besitzstands  [SAA,  SR 
0.360.268.1]) sind sodann für die Schweiz am 12. Dezember 2008 de-

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finitiv  in  Kraft  getreten. Durch die Übernahme des Schengen-Besitz-
standes wurden im Bundesgesetz vom 16. Dezember 2005 über die 
Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) entsprechende An-
passungen notwendig (vgl. u.a. Art. 2 Abs. 4 AuG, wonach die Bestim-
mungen über das Visumverfahren und über die Ein- und Ausreise nur 
gelten, sofern das Schengen-Recht keine abweichenden Bestimmun-
gen  enthält).  Im  Weiteren  ist  die  Verordnung  vom 24. Oktober  2007 
über das Einreise- und Visumverfahren (VEV, AS 2007 5537) total revi-
diert worden (vgl. Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise 
und  die  Visumerteilung  [VEV,  SR  142.204]).  Art. 57  VEV  sieht  vor, 
dass  hängige  Verfahren  nach  dem  neuen,  übergeordneten  (Schen-
gen-)Recht fortgeführt werden. 

6.
6.1 Bezüglich  der  Einreisevoraussetzungen  für  einen  Aufenthalt  von 
höchstens drei Monaten verweist Art. 2 Abs. 1 VEV auf die Verordnung 
(EG) Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 
15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten 
der  Grenzen  durch  Personen  (Schengener  Grenzkodex  [SGK,  ABl. 
L 105 vom 13.04.2006, S. 1–32]). Art. 5 Abs. 1 SGK präzisiert die Ein-
reisevoraussetzungen  für  Drittstaatsangehörige. Diese  benötigen  zur 
Einreise ein oder mehrere gültige Reisedokumente und – sofern sie 
der Visumspflicht unterliegen – ein gültiges Visum (Bst. a und b). Sie 
müssen den Zweck und die Umstände ihres beabsichtigten Aufenthalts 
belegen  und  hierfür  über  ausreichende  finanzielle  Mittel  verfügen 
(Bst. c). Im Weiteren dürfen sie nicht im Schengener Informationssys-
tem  (SIS)  zur  Einreiseverweigerung  ausgeschrieben  sein  und  keine 
Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentli-
che Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitglied-
staats darstellen (Bst. d und e).

6.2 Die  Einreisevoraussetzungen  gemäss  Schengener  Grenzkodex 
entsprechen im Wesentlichen Art. 5 Abs. 1 Bst. a–d AuG. Das in Art. 5 
Abs. 1 Bst. c SGK genannte Erfordernis, Zweck und Umstände des ge-
planten Aufenthalts zu belegen, wird in Art. 5 Abs. 1 AuG nicht explizit 
erwähnt. Demgegenüber verlangt Art. 5 Abs. 2 AuG, dass im Falle ei-
nes nur vorübergehenden Aufenthalts für die gesicherte Wiederausrei-
se Gewähr zu bieten ist. Dies stellt jedoch kein zusätzliches im natio-
nalen Recht verankertes Erfordernis dar und steht daher nicht im Wi-
derspruch zum Schengener Grenzkodex. Die Angabe des vorüberge-
henden Aufenthaltszwecks stellt  nämlich zugleich eine Absichtserklä-

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rung dar, nach Erfüllung dieses Zwecks wieder ausreisen zu wollen. 
Erfolgen widersprüchliche oder unglaubwürdige Angaben zum Aufent-
haltszweck, so kann daraus der Schluss gezogen werden, dass der je-
weilige Gesuchsteller nicht willens ist, nach Ablauf des geplanten Auf-
enthalts den Schengenraum fristgerecht zu verlassen. In diesem Sinne 
äussert  sich auch die Gemeinsame Konsularische Instruktion an die 
diplomatischen  Missionen  und  die  konsularischen  Vertretungen,  die 
von  Berufskonsularbeamten  geleitet  werden  (GKI,  ABl.  C 326  vom 
22.12.2005, S. 1–149), die eine analoge Auslegung vornimmt. Die GKI 
verlangt  hinsichtlich  des Entscheids über  den Visumsantrag die Ein-
schätzung des Migrationsrisikos; es muss geprüft werden, "ob der An-
tragsteller die Absicht hat, in das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten mit 
Hilfe  eines  zu  Touristik-,  Studien-,  Geschäfts-  bzw.  zu  Familienbe-
suchszwecken ausgestellten Visums einzuwandern und sich dort nie-
derzulassen“ (vgl. ABl. C 326, S. 10).  Die laut Art. 5 Abs. 2 SGK zur 
Glaubhaftmachung des Aufenthaltszwecks in Frage kommenden Bele-
ge werden beispielhaft in Anhang I des Schengener Grenzkodex auf-
gelistet. 

6.3 Aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  ist  somit  festzuhalten, 
dass die nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK erforderliche Überprüfung des 
Aufenthaltszwecks dieselbe Fragestellung aufwirft wie die Überprüfung 
des in Art. 5 Abs. 2 AuG genannten Merkmals der gesicherten Wieder-
ausreise. Es kann daher an die bisherige Praxis und Rechtsprechung 
bezüglich des letztgenannten Merkmals angeknüpft werden. 

7.
Das Schengen-Recht nimmt eine Differenzierung in Bezug auf die Vi-
sumspflicht  von  Drittstaatsangehörigen  vor.  Die  Verordnung  (EG) 
Nr. 539/2001  des  Rates  vom  15. März  2001  (ABl.  L 81  vom 
21.03.2001, S. 1–7) verweist in Art. 1 Abs. 1 und 2 auf die Anhänge I 
und  II,  welche  jeweils  eine  Liste  von  Drittländern  enthalten.  In  An-
hang I sind diejenigen Drittstaaten aufgelistet, deren Staatsangehörige 
beim Überschreiten der Aussengrenzen der Schengen-Mitgliedstaaten 
im Besitz eines Visums sein müssen; Anhang II dagegen führt diejeni-
gen Drittländer auf, deren Staatsangehörige von der Visumspflicht be-
freit sind. Als ägyptischer Staatsangehöriger unterliegt der Gesuchstel-
ler damit der Visumspflicht. 

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8.
8.1 Zur Prüfung des Kriteriums der gesicherten Wiederausreise muss 
ein zukünftiges Verhalten beurteilt werden. Dazu lassen sich in der Re-
gel  keine  gesicherten  Feststellungen,  sondern  lediglich  Prognosen 
treffen. Dabei sind sämtliche Umstände des konkreten Einzelfalles zu 
würdigen.

8.2 Anhaltspunkte  zur  Beurteilung der  Gewähr  für  eine  fristgerechte 
Wiederausreise  können  sich  aus  der  allgemeinen  Situation  im  Her-
kunftsland der Besucherin oder des Besuchers ergeben. Einreisegesu-
che von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten bzw. Regionen mit poli-
tisch  oder  wirtschaftlich  vergleichsweise  ungünstigen  Verhältnissen 
können darauf hindeuten, dass die persönliche Interessenlage in sol-
chen Fällen nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Ein-
reisebewilligung in Einklang steht.

8.3 Ägypten hat den Übergang von einer staatlich gelenkten oder zu-
mindest staatlich dominierten Wirtschaftsordnung zu einer Marktwirt-
schaft  noch  nicht  abgeschlossen.  Trotz  mehrheitlich  guter  volkswirt-
schaftlicher Makrodaten des Haushaltjahres 2007/08 (über 7 Prozent 
Wachstum und eine Vervielfachung der ausländischen Direktinvestitio-
nen in  nur vier Jahren) steckt die reformorientierte Regierung Ägyp-
tens derzeit in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation. Die Inflati-
onsrate ist im August 2008 auf 25,6 Prozent angestiegen, der höchs-
ten Rate seit über 50 Jahren. Bereits seit Ende 2007 waren infolge der 
Entwicklung auf dem Weltmarkt in Ägypten die Preise für Grundnah-
rungsmittel stark angestiegen. Dies hat grosse Teile der Bevölkerung, 
die  über  die  Hälfte  ihres  verfügbaren  Einkommens  für  Lebensmittel 
ausgeben, an den Rand des Existenzminimums gebracht. Zudem hat 
die Weltwirtschaftskrise Ägypten zum Jahreswechsel 2008/09 voll er-
reicht. Das Wirtschaftswachstum ging im 3. und 4. Quartal 2008 stär-
ker als erwartet auf 5,8 bzw. 4,1 Prozent zurück. Die ägyptische Regie-
rung wird in den kommenden Jahren – nebst der Bekämpfung der In-
flation – auch mit der Schaffung neuer Arbeitsplätze vor grosse Her-
ausforderungen  gestellt  werden.  Bei  einem  Bevölkerungswachstum 
von  immer  noch  fast  2  Prozent  kommen  jedes  Jahr  rund  800'000 
Schulabgänger  neu auf  den Arbeitsmarkt,  von denen aber  nur  etwa 
250'000  den  Weg  in  geregelte  Beschäftigungsverhältnisse  finden 
(Quelle:  Website  des  Auswärtigen  Amtes,  Länder-  und 
Reiseinformationen > Ägypten > Wirtschaft, <http://www.auswaertiges-
amt.de>; Stand: April 2009, besucht im Juni 2009). 

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Aufgrund der geschilderten Rahmenbedingungen sind breite Bevölke-
rungsschichten unzweifelhaft von vergleichsweise schwierigen ökono-
mischen  und  sozialen  Lebensbedingungen  betroffen.  Entsprechend 
hoch ist daher auch der Anteil jener, die versuchen, ins Ausland zu ge-
langen, um sich unter günstigeren Lebensbedingungen eine bessere 
Existenz aufbauen zu können. Der Trend zeigt sich erfahrungsgemäss 
besonders stark bei jüngeren und ungebundenen Personen, die durch 
die Anwesenheit von Verwandten oder Bekannten bereits über ein mi-
nimales  soziales  Beziehungsnetz  im Ausland  verfügen. Im Falle  der 
Schweiz  führt  dies  angesichts  der  restriktiven  Zulassungsregelung 
nicht selten zur Umgehung ausländerrechtlicher Bestimmungen.

8.4 Bei der Risikoanalyse sind allerdings – wie bereits erläutert – nicht 
nur solch allgemeine Umstände und Erfahrungen, sondern auch sämt-
liche  Gesichtspunkte  des  konkreten  Einzelfalles  zu  berücksichtigen. 
Obliegt einer gesuchstellenden Person im Heimatland beispielsweise 
eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verantwor-
tung, kann dieser Umstand durchaus die Prognose für eine anstands-
lose Wiederausreise begünstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die 
in  ihrer  Heimat keine besonderen Verpflichtungen haben,  das Risiko 
für ein fremdenpolizeilich nicht regelkonformes Verhalten (nach bewil-
ligter  Einreise  zu  einem  Besuchsaufenthalt)  hoch  eingeschätzt  wer-
den.

9.
9.1  Beim Gesuchsteller handelt es sich um einen 25-jährigen, ledigen 
und kinderlosen Mann. Über seine persönlichen und familiären Verhält-
nisse  ist  nur  bekannt,  dass  in  Ägypten  noch  seine  Eltern  und  Ge-
schwister leben. Damit verfügt der Gesuchsteller zwar über ein familiä-
res Netz vor Ort,  das – wie von der Beschwerdeführerin geltend ge-
macht – durchaus wichtig sein kann. Eigentliche Verpflichtungen, wel-
che  den  Gesuchsteller  von  einer  Emigration  abhalten  könnten,  sind 
daraus aber nicht abzuleiten und auch sonst nicht ersichtlich. Sie erge-
ben sich insbesondere auch nicht aus dem wiederholten Hinweis der 
Beschwerdeführerin, wonach der Gesuchsteller seine Eltern und drei 
Schwestern finanziell unterstütze. Eine solche Unterstützung setzt kei-
ne persönliche Anwesenheit vor Ort voraus. Im Gegenteil: Der Wunsch 
nach einer Emigration ist häufig gerade auch mit der Hoffnung verbun-
den,  nahe  Angehörige  aus  dem  Ausland  effizienter  unterstützen  zu 
können.

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9.2 Im  Zeitpunkt  des  persönlichen  Visumsantrags  arbeitete  der  Ge-
suchsteller als Verkäufer im 'old market'  in Sharm El Sheik. Gemäss 
Darstellung der Beschwerdeführerin soll er damals bereits seit sechs 
Jahren im Verkauf tätig gewesen sein. Die Beschwerdeführerin betont 
zudem, dass er mit seiner Erwerbstätigkeit ein für ägyptische Verhält-
nisse überdurchschnittliches Einkommen erziele (monatlich umgerech-
net zwischen CHF 250 und 330). In einer im Gesuchsverfahren einge-
reichten, undatierten Erklärung bestätigt der Arbeitgeber, dass der Ge-
suchsteller die Erlaubnis für  einen zweimonatigen Ferienbezug habe 
und das Arbeitsverhältnis  nach der  Rückkehr  aus  den Ferien  weiter 
bestehe.  Die  Bestätigung  dürfte  eher  Gefälligkeitscharakter  haben, 
äussert sie sich doch weder zur bisherigen Dauer des Arbeitsverhält-
nisses noch zur Höhe des Lohnes, noch zu den (finanziellen und sons-
tigen) Modalitäten eines zweimonatigen Urlaubs. Letzterer dürfte weit 
über dem landesüblichen jährlichen Ferienanspruch liegen.

9.3  Dass der Gesuchsteller einer Emigration nicht gänzlich abgeneigt 
ist,  ergibt sich schlussendlich auch aus dem deklarierten Zweck des 
Aufenthalts in der Schweiz, nämlich der Prüfung der Beteiligten, ob ein 
gemeinsames Leben hier in Betracht gezogen werden kann oder nicht.

9.4 Vor dem allgemeinen und persönlichen Hintergrund durfte die Vor-
instanz demnach davon ausgehen,  dass keine hinreichende Gewähr 
für eine fristgerechte und anstandslose Wiederausreise des Gesuch-
stellers nach einem Besuchsaufenthalt besteht. An dieser Beurteilung 
vermögen  die  Zusicherungen  der  Beschwerdeführerin  nichts  zu  än-
dern.  Diese  sind  rechtlich  nicht  verbindlich  und  faktisch  auch  nicht 
durchsetzbar. Als Gastgeberin kann die Beschwerdeführerin zwar für 
gewisse finanzielle Risiken im Zusammenhang mit  dem Besuchsauf-
enthalt,  aus  nahe  liegenden  Gründen  aber  nicht  für  ein  bestimmtes 
Verhalten  ihres  Gastes  garantieren  (anstelle  vieler  vgl.  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts C-204/2008 vom 5. März 2009 E. 8.4 und 
C-3243/2007 vom 10. Juni 2008 E. 5.5). Vorliegend tritt hinzu, dass die 
Beschwerdeführerin  ihren  Gast  eingestandenermassen  noch  nicht 
sehr gut kennt. Sie ist ihm anlässlich eines Ferienaufenthalts in Ägyp-
ten Ende 2007 erstmals begegnet. Aktenkundig sind zwei weitere Rei-
sen der Beschwerdeführerin  dorthin. Ansonsten verkehre man regel-
mässig telefonisch und elektronisch miteinander. Der geplante Aufent-
halt in der Schweiz sollte unter anderem dazu dienen, sich besser ken-
nen zu lernen. Unter  diesen Umständen und angesichts  eines  nicht 
unwesentlichen Altersunterschieds (der Gesuchsteller ist rund 17 Jah-

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re jünger als die Gastgeberin) wird selbst die Beschwerdeführerin ge-
wisse Vorbehalte anbringen müssen, wenn es darum geht,  mögliche 
Wünsche und Vorstellungen des Gesuchstellers über dessen kurz- und 
mittelfristige Lebensgestaltung einschätzen zu können.

10.
Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung 
im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde 
ist daher abzuweisen.

11.
Dem  Ausgang  des  Verfahrens  entsprechend  wird  die  unterliegende 
Beschwerdeführerin kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Verfah-
renskosten  sind  auf  Fr. 700.-  festzusetzen (Art.  1,  Art.  2  und Art.  3 
Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [SR 173.320.2]).

Dispositiv S. 12

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 700.-  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt. Sie werden mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvor-
schuss verrechnet. 

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Einschreiben)
- die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. 15027197.3 retour)
- das Migrationsamt des Kantons Zürich.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Andreas Trommer Denise Kaufmann

Versand:

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