# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 36a2707e-4252-593e-ab2a-d3aaf61358f7
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-07-21
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 21.07.2014 IV 2012/124
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2012-124_2014-07-21.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2012/124

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 05.06.2020

Entscheiddatum: 21.07.2014

Entscheid Versicherungsgericht, 21.07.2014
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit eines im massgeblichen Zeitpunkt 
60-jährigen Hilfsarbeiters, der die Arbeitsstelle, die er während fast 30 
Jahren innehatte, gesundheitsbedingt verliert und dem künftig lediglich noch 
sitzende Tätigkeiten möglich sind (Entscheid des Versicherungsgerichts des 
Kantons St. Gallen vom 21. Juli 2014, IV 2012/124).

Entscheid Versicherungsgericht, 21.07.2014

Präsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und 

Marie-Theres Rüegg Haltinner; Gerichtsschreiberin Evelyn Heiniger

Entscheid vom 21. Juli 2014

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Petrik, schmuckipartner, Neugasse 26, 

Postfach, 9004 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Rente

Sachverhalt:

A.    

A.a  A.___ wurde am 30. April 2009 durch seinen damaligen Arbeitgeber zur 

Früherfassung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen angemeldet (IV-act. 1). Am 10. 

Juni 2009 bestätigte der Versicherte seine Anmeldung (IV-act. 6). Aufgrund von 

Rückenschmerzen war er von seinem Hausarzt Dr. med B.___, Facharzt Innere Medizin 

FMH, ab dem 27. März 2009 zu 100% arbeitsunfähig geschrieben worden. Zur 

genaueren Abklärung war am 24. März 2009 eine lumbale-vertebrospinale 

Kernspintomographie durchgeführt worden. Dr. med. C.___, Facharzt für medizinische 

Radiologie FMH, hatte im Wesentlichen (vgl. dazu IV-act. 9) folgenden Befund erhoben: 

Discopathie L3/4 mit mittelgradiger links betonter Osteochondrose und erheblicher 

mittel- bis grossvolumiger medio-links lateraler Diskushernie mit Kompromittierung der 

Nervenwurzel L4 links und deutlicher Deformation des Duralschlauchs bzw. 

exzentrischer Spinalkanalstenose bei gleichzeitig erheblich hypertropher 

Spondylarthrose und Ligamenta Flava-Verdickungen.

A.b  Nach Angaben seines Arbeitgebers versuchte der Versicherte im Mai 2009 drei 

Tage lang 50% zu arbeiten, musste aber angesichts seiner starken Schmerzen die 

Arbeit wieder abbrechen (IV-act. 22). Am 25. Mai 2009 wurde der Versicherte im 

Kantonsspital St. Gallen untersucht, wobei ihm eine therapieresistente Lumboischialgie 

und eine grosse Diskushernie im Segment L3/L4 links diagnostiziert wurden. Die Ärzte 

rieten dem Versicherten zu einer Operation. Da er aber einer Operation skeptisch 

gegenüber stand, empfahlen sie die Fortführung der Analgetika- und Physiotherapie 

(IV-act. 16).

A.c  Am 10. Juni 2009 traf sich die Eingliederungsberaterin zu einem Früherfassungs­

gespräch mit dem Versicherten (IV-act. 2). Sie nahm ihn als ruhig und 

niedergeschlagen wahr. Er habe deprimiert und freudlos gewirkt. Der Versicherte habe 

keine Erwartungen an die IV, er wolle, sobald sich seine Rückenprobleme gebessert 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

hätten, erneut bei seinem bisherigen Arbeitgeber weiterarbeiten und an seinen 

Arbeitsplatz zurückkehren, obwohl er dort strenge Arbeit verrichten müsse (IV-act. 2).

A.d  Am 29. Juni 2009 erfolgte eine erste Kontaktaufnahme durch den Regionalen 

Ärztlichen Dienst Ostschweiz (RAD) mit dem Hausarzt des Versicherten. Dieser 

bestätigte die 100%ige Arbeitsunfähigkeit aufgrund der therapieresistenten 

Lumboischialgie bei grosser Diskushernie LWK3/4 links. Die Prognose sei noch offen 

(IV-act. 14). Am 15. September 2009 wurde der Versicherte von Dr. med. D.___, 

Facharzt FMH für Innere Medizin spez. Rheumatologie, rheumatologisch untersucht. Er 

bestätigte den durch Dr. C.___ gestellten Befund und diagnostizierte zusätzlich einen 

Status nach Morbus Scheuermann, eine muskuläre Dysbalance, eine arterielle 

Hypertonie und äusserte den Verdacht auf eine Schmerzverarbeitungsstörung. Seiner 

Ansicht nach waren die Erfolgsaussichten einer operativen Behandlung einerseits 

aufgrund der ablehnenden Haltung des Versicherten und andererseits aufgrund 

beginnender Chronifizierung des Beschwerdebildes gefährdet. Daher regte er an, 

raschmöglichst eine stationäre Rehabilitation zu veranlassen (IV-act. 26-5).

A.e  In der Folge begab sich der Versicherte vom 9. November bis 5. Dezember 2009 

zur Rehabilitation in die Klinik Valens. Die dortigen Ärzte stellten folgende Diagnose (IV-

act. 39):

"1. hochgradige sekundäre OSG- und USG-Arthrose rechts,

-  Talusdeformität

-  sekundär verändertes Gangbild mit Unterhaltung einer muskulären Dysbalance des 

Rückens

-  anamnestisch 4x gestürzt mit wiederholten Verletzungen des rechten Rückfusses vor 

Jahren, keine Fraktur erinnerlich

 2. chronisch lumbospondylogenes Syndrom links

-  muskuläre Haltungsinsuffizienz und Dysbalance des Rückens, akzentuiert bei 

Diagnose 1

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

-  Fehlhaltung und -statik der Wirbelsäule

-  degenerative Veränderungen der LWS

-  medio-linkslaterale Diskushernie L3/4 und rechtslateral L4/5 mit Affektion der 

Nervenwurzel L4 links, bzw. exzentrische Spinalkanalstenose bei zusätzlich 

hypertropher Spondylarthrose L3/4

-  Status nach Morbus Scheuermann

 3. arterielle Hypertonie"

Die Ärzte hielten weiter fest, dass im Verlauf der therapeutischen Massnahmen im 

Rehabilitationszentrum bei einem "sehr motivierten und kooperativen Patienten" 

sukzessive Verbesserungen der allgemeinen Kraft, Ausdauer, Muskelfunktion, 

Rumpfstabilität sowie eine Schmerzreduktion hätten erreicht werden können. 

Abschliessend erachteten die Ärzte eine Abklärung beim Orthopäden als sinnvoll. Für 

seine zuletzt ausgeübte Arbeitstätigkeit schätzten sie den Versicherten als nicht mehr 

einsetzbar ein. Für leichte Tätigkeiten überwiegend im Sitzen, teilweise im Stehen und 

Gehen, attestierten sie ihm hingegen eine volle Arbeitsfähigkeit.

A.f   Am 17. Dezember 2009 traf sich die Eingliederungsverantwortliche mit dem Ver­

sicherten zu einem Verlaufsgespräch. Da der Versicherte nach eigenen Angaben 

grosse Schmerzen gehabt hätte und sich aufgrund dessen subjektiv nicht arbeitsfähig 

fühlte, riet sie ihm, sich beim RAV und beim Sozialamt zu melden. Nachfolgend schloss 

die Eingliederungsverantwortliche am 21. Dezember 2009 den Fall ab und übergab ihn 

zur Rentenprüfung (IV-act. 35, 38). Nachdem sich herausgestellt hatte, dass der 

Versicherte seine Erklärung – er fühle sich subjektiv nicht arbeitsfähig – falsch 

verstanden hatte, wurde die Frühinterventionsphase am 18. März 2010 erneut eröffnet 

(IV-act. 41 ff.). Einem internen Verlaufsprotokoll lässt sich entnehmen, dass der 

Versicherte bereits am 19. Januar 2010 einen ersten Termin beim RAV wahrgenommen 

hatte. Es folgten weitere Besprechungen, wobei ein Arbeitsversuch in der Stiftung 

E.___ (nachfolgend E.___) geplant wurde (IV-act. 48).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.g  Dr. med. F.___, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des 

Bewegungsapparates FMH, berichtete, dass der Versicherte bei seiner Untersuchung 

am 15. Februar 2010 in den Röntgenbildern im Vergleich zu früheren Bildern eine 

ausgeprägte OSG-Arthrose sowie eine beginnende USG-Arthrose zeige. Die 

Beschwerdesymptomatik werde auch deutlich durch die chronische 

lumbospondylogene Symptomatik überlagert. Zur weiteren Verifizierung sei daher eine 

therapeutische OSG-Infiltration vereinbart worden (IV-act. 46-3). – Einem internen 

Gesprächsprotokoll zwischen der Eingliederungsverantwortlichen und dem 

Versicherten lässt sich entnehmen, dass ihm die Spritzen eine Linderung der 

Schmerzen gebracht hätten (IV-act. 48).

A.h  In einem Verlaufsbericht vom 17. März 2010 hielt der Hausarzt fest, er halte 

den Versicherten aufgrund der ausgeprägten OSG-Arthrose und der beginnenden 

USG-Arthrose für 100% arbeitsunfähig. Daneben sei das chronische Lumbovertebral-

Syndrom unverändert, wobei jedoch die Schmerzen in den Füssen im Vordergrund 

stünden (IV-act. 46-5).

A.i   Am 3. Mai 2010 begann der Versicherte seinen Arbeitseinsatz im E.___. Er startete 

mit einem 100%-Pensum, welches nach drei Wochen aufgrund andauernder 

Schmerzen auf 60% reduziert werden musste. Da die Rückenschmerzen sich zu­

nehmend verstärkten, wurde das Arbeitspensum ab 11. November 2010 auf 40% ver­

ringert. Der Projektleiter G.___ erstattete am 17. November 2010 einen Zwischen­

bericht. Er beschrieb den Versicherten als ruhige, freundliche und zuvorkommende 

Person. Er arbeite sehr motiviert, handwerklich geschickt, qualitativ gut und verant­

wortungsbewusst. Trotz zunehmender Schmerzen versuche er zu arbeiten, gebe sein 

Bestes und klage nicht. Anhand seines hinkenden Ganges und des Gesichtsausdrucks 

sei die Stärke seiner Schmerzen von aussen beobachtbar. Er arbeite meistens sitzend 

und lagere sein linkes Bein hoch. Während der Pausen und über Mittag lege er sich hin. 

Die Leistungsfähigkeit habe mehr oder weniger konstant bei 50% gelegen (IV-act. 54).

A.j   Am 15. Dezember 2010 führte der zuständige Berater des RAV ein Gespräch mit 

dem Versicherten. Im Gesprächsprotokoll wurde festgehalten, eine Verlängerung des 

Arbeitseinsatzes im E.___ werde sowohl vom Versicherten als auch seitens E.___ und 

RAV befürwortet. Da der Versicherte vermehrt Schmerzspritzen benötigte, wurde sein 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Pensum bis Januar 2011 auf 40% reduziert. Der Sachbearbeiter hielt in seinem Bericht 

fest, der Versicherte sei weiterhin motiviert und wolle arbeiten. Diese Motivation zeige 

er deutlich, indem er sich bemühe, trotz der Schmerzen am Einsatzprogramm 

teilzunehmen. Die Tagesstruktur helfe ihm, besser mit der Situation umzugehen. Der 

RAV-Berater schätzte es als schwierig ein, für den Versicherten einen den 

Gegebenheiten angepassten Arbeitsplatz zu finden. Seiner Ansicht nach wäre ein 

solcher Arbeitsplatz eher auf dem 2. Arbeitsmarkt zu finden (IV-act. 59).

A.k  In einem weiteren RAV-Beratungsgespräch am 24. Januar 2011 wurde vereinbart, 

dass der Einsatz im E.___ nochmals verlängert werde. Das Engagement des 

Versicherten sei gross und er wolle trotz der Schmerzen regelmässig ins E.___ kommen 

und arbeiten (IV-act. 68). Am 25. Januar 2011 erhielt der Versicherte die Mitteilung der 

IV-Stelle, die Arbeitsvermittlung werde abgeschlossen, da es bis im Januar 2011 nicht 

gelungen sei, ihn in den Arbeitsmarkt zu integrieren (IV-act. 67). Für die Prüfung des 

Rentenanspruchs ordnete die IV-Stelle am 29. Juli 2011 eine medizinische Abklärung 

an (IV-act. 78).

A.l   Die medizinische Begutachtung erfolgte am 7. Oktober 2011 durch Dr. med. H.___, 

Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates 

FMH (IV-act. 82). In seinem orthopädischen Gutachten vom 18. Oktober 2011 stellte er 

als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beim Versicherten folgendes fest:

"OSG-Arthrose rechts (M 19.1), Diskushernie L3/4 (M 51.2), Osteochondrose L3-5 (M 

42.1), Spondylose der LWS (M 47)"

Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei die Ansatztendinopathie Adduktoren 

Becken (M 76.8). Weiter stellte er fest, der Versicherte habe beim Arbeitsversuch bei 

deutlich reduzierter Belastbarkeit der Wirbelsäule trotz leichter Arbeit nur ein Pensum 

von 40% realisieren können, woran auch die Arthrose im oberen Sprunggelenk rechts 

einen gewissen Anteil gehabt habe. Die tatsächliche Leistung [Leistungsgrad von 50% 

bei einem 40%-Pensum] stünde in deutlichem Widerspruch zu der in Valens 

gemachten medizinischen Einschätzung. Dort sei dem Versicherten beim Austritt in 

adaptierter Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert worden. Dies könne aufgrund 

des kernspintomographisch dokumentierten Verlaufs, nicht ganz unterstützt werden. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Die Diskushernie L3/4 sei zwar kleiner geworden, die degenerativen Veränderungen 

dieser Bandscheibe hätten aber zugenommen. Alle übrigen Befunde seien stationär. 

Aufgrund der beschriebenen Belastungsanforderungen beim Arbeitsversuch sei eine 

höhere Leistungsfähigkeit in dieser adaptierten Tätigkeit zu erwarten gewesen. Daher 

müsse, wie dies bereits Dr. D.___ 2009 getan habe, der Verdacht auf eine 

Schmerzverarbeitungsstörung geäussert werden. Man müsse dem Versicherten wohl 

eine zeitliche Arbeitsunfähigkeit für eine adapierte Tätigkeit [vorwiegend sitzend, 

Positionswechsel möglich, keine Lasten über 10 kg heben] im Umfang von 20% 

zugestehen, bedingt durch vermehrte Pausen und teilweise sogar kurzes Hinlegen. 

Diese Einschätzung beanspruche ab dem Austritt aus der Klink Valens Gültigkeit. Zum 

Zeitpunkt der Begutachtung lasse bereits der Zustand am rechten OSG die zuletzt 

stehend/gehende Tätigkeit als Maschineneinrichter nicht mehr zu. Retrospektiv sei 

therapeutisch das konservative Vorgehen dem operativen ebenbürtig gewesen; 

gegenwärtig könne er keine weiteren Massnahmen an der Wirbelsäule vorschlagen. Die 

Arthrose am rechten OSG werde zunehmen, ohne aber zwingend die Schmerzen zu 

verstärken (IV-act. 82).

A.m Nachdem die Ärztin des RAD das orthopädische Gutachten als schlüssig und 

nachvollziehbar erachtete, kam sie zum Schluss, der Versicherte sei in einer 

adaptierten Tätigkeit – körperlich leicht, Gewichtsbelastungen bis 10 kg, vorwiegend 

sitzend mit Möglichkeit zu Positionswechseln und Pausen – zu 80% arbeitsfähig. Der 

Gesundheitszustand sei aus versicherungsmedizinischer Sicht stabil, da durch allfällige 

medizinische Massnahmen nicht mit einer für die Arbeitsfähigkeit relevanten 

Verbesserung zu rechnen sei (IV-act. 83).

A.n  Mit Vorbescheid vom 3. Januar 2012 verneinte die IV bei einem Invaliditätsgrad 

von 26% den Rentenanspruch (IV-act. 85). Dagegen liess der Versicherte durch 

Rechtsanwalt lic. iur. A. Petrik am 23. Februar 2012 Einwand mit der Begründung 

erheben, das orthopädische Gutachten sei nicht nachvollziehbar. Die 

Leistungsfähigkeit des Versicherten ergäbe sich klar aus den Erkenntnissen des 

Arbeitsversuchs im E.___, wo er gemäss Bericht eine Leistung von 50% bei einem 

40%-Pensum habe erbringen können. Daraus resultiere eine Arbeitsunfähigkeit von 

80%. Da aus Sicht des RAV die Bedingungen im E.___ eher jenen auf dem 

2. Arbeitsmarkt entsprechen würden, sei davon auszugehen, dass die tatsächliche 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Arbeitsfähigkeit unter 20% liege (IV-act. 94). Von Dr. B.___ werde dementsprechend 

auch bei einer leidensangepassten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. 

Das orthopädische Gutachten stehe nicht im Einklang mit den Anforderungen der 

Rechtsprechung, da es sich nicht genügend mit den Erkenntnissen aus dem 

Arbeitsversuch im E.___ auseinandersetze. Der Gutachter habe es unterlassen, die 

aufgezeigten Widersprüche aufzulösen und die unterschiedlichen Einschätzungen zu 

erklären. Angesichts der gestellten Diagnose sei unter anderem nicht nachvollziehbar, 

wie der Gutachter zur Einschätzung gelangen könne, das Heben von Lasten bis zu 10 

kg sei dem Versicherten zumutbar. Das Invalideneinkommen könne zudem nicht durch 

Einsetzen eines Tabellenlohnes bestimmt werden, da bei einem instabilen 

Gesundheitszustand auf die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit abzustellen sei. 

In dieser werde dem Versicherten in allen medizinischen Berichten eine volle 

Arbeitsunfähigkeit attestiert, weshalb er Anspruch auf eine ganze Rente habe. Hinzu 

komme, dass es dem Versicherten nicht zumutbar sei, seine Restarbeitsfähigkeit zu 

verwerten. Im Rahmen der Plicht, die Restarbeitsfähigkeit zu verwerten, dürften keine 

realitätsfremden, unmöglichen oder unzumutbaren Vorkehren verlangt werden. Insofern 

die IV von einer Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ausgehe, habe sie darzulegen, 

welche Stellen dem Versicherten zur Verfügung stehen würden. Gemäss 

Rechtsprechung beschränke sich der ausgeglichene Arbeitsmarkt für männliche 

Hilfsarbeiter oder gelernte Arbeiter in der Regel auf Handlangerstellen oder andere 

körperliche Tätigkeiten. Es müsse beachtet werden, dass der Versicherte niemals eine 

Ausbildung absolviert habe, er nur sehr schlecht Deutsch spreche, 30 Jahre an der 

selben Arbeitsstelle verbracht habe und in der Zwischenzeit bereits 61 Jahre alt sei. Für 

den Fall, dass es trotz der geschilderten Beeinträchtigungen einen solchen 

Arbeitsmarkt gäbe, sei ein Abzug von 25% vorzunehmen. Abschliessend lässt der 

Versicherte anführen, sowohl Dr. D.___ als auch Dr.  H.___ sähen Anhaltspunkte für 

eine Schmerzverarbeitungsstörung, weshalb der Sachverhalt mittels polydisziplinärer 

Begutachtung weiter abzuklären sei (IV-act. 94).

A.o  Mit Verfügung vom 1. März 2012 hielt die IV an ihrem Entscheid fest. Sie führte 

aus, es seien keine neuen medizinischen Tatsachen bekannt geworden. Auf das 

orthopädische Gutachten und die Stellungnahme des RAD könne abgestellt werden. 

Die Verwertbarkeit auf dem 1. freien Arbeitsmarkt sei gegeben. IV-fremde Faktoren 

könnten nicht berücksichtigt werden. Es sei dem Versicherten zumutbar, eine 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

adaptierte Tätigkeit mit ganztägiger Anwesenheit mit einer 20%igen Einschränkung zu 

leisten (IV-act. 97). Der RAD argumentierte, beim Arbeitsversuch sei auf die subjektive 

Sicht des Versicherten abgestellt worden, der orthopädische Gutachter hingegen habe 

die Arbeitsfähigkeit aufgrund objektivierbarer Befunde und unter Berücksichtigung der 

medizinischen Vorakten beurteilt. Falls eine Schmerzverarbeitungsstörung vorliegen 

sollte, hätte diese keinen invalidisierenden Charakter. In den Akten fänden sich 

überdies keine Hinweise für eine psychiatrische Komorbidität von erheblicher Schwere, 

Dauer und Ausprägung (IV-act. 98).

B.    

B.a   Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 30. März 

2012 (act. G 1). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers beantragt, diesem eine 

ganze Invalidenrente auszurichten, eventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zur 

weiteren Abklärung zurückzuweisen. Zur Begründung führt er an, was er schon mit 

seinem Einwand vom 23. Februar 2012 geltend gemacht hatte. Es kann daher auf die 

Ausführungen oben unter Buchstabe A.n verwiesen werden.

B.b  In ihrer Beschwerdeantwort vom 30. Mai 2012 beantragt die Beschwerdegegnerin 

die Abweisung der Beschwerde und stellt sich auf den Standpunkt, es seien keine 

Widersprüche im orthopädischen Gutachten erkennbar. Damit sei bei einer adaptierten 

Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 80% ganztags mit reduzierter Leistung 

auszugehen. Es läge beim Beschwerdeführer kein instabiler Gesundheitszustand vor. 

Überdies sei die Behauptung, es sei für die Rentenprüfung auf die Arbeitsunfähigkeit in 

der angestammten Tätigkeit abzustellen, nicht korrekt. Ende 2009, als die Klinik Valens 

ihm eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für eine adaptierte Tätigkeit attestiert hatte, habe der 

Beschwerdeführer noch acht Arbeitsjahre vor sich gehabt. Die Bedingungen für die 

adaptierte Tätigkeit seien keinesfalls ungewöhnlich und die Verwertung seiner 

Restarbeitsfähigkeit könne ihm daher zugemutet werden (act. G 4).

B.c  Mit Replik vom 3. September 2012 lässt der Beschwerdeführer anführen, dass 

sich weder der Vorbescheid, noch die Verfügung, noch die Beschwerdeantwort zum 

offensichtlichen Widerspruch zwischen den Feststellungen im Gutachten und der 

tatsächlichen Leistungsfähigkeit beim Arbeitsversuch äussern würden. Materiell sei von 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

einer Arbeitsunfähigkeit auszugehen, ferner sei dies aber auch aus 

verfahrensrechtlicher Sicht relevant, da ein Experte festzustellen hätte, wie sich das 

Ergebnis des Arbeitsversuchs und die abweichende medizinische Einschätzung 

zueinander verhalten. Die Beschwerdegegnerin hätte ausserdem für den 

Beschwerdeführer nachvollziehbar darzulegen gehabt, weshalb die Erfahrungen im 

Rahmen des Arbeitsversuchs in keiner Weise berücksichtigt worden seien. Am 

orthopädischen Gutachten lässt der Beschwerdeführer beanstanden, dass es nicht 

aufzeige, welche konkreten Tätigkeiten er noch ausführen könne. Weiter führt der 

Rechtsvertreter aus, die von der RAD-Ärztin in ihrer Stellungnahme vorgebrachte 

Begründung stehe in keinem Zusammenhang mit der medizinisch-theoretischen 

Arbeitsfähigkeit. Indem sie einfach zwischen objektivierbaren Befunden und 

subjektiven Angaben unterscheide und damit jegliche Widersprüche beseitigt sehen 

wolle, greife sie viel zu kurz. Es gelte zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer 

während des Arbeitsversuches mit Cortisonspritzen behandelt worden sei und 

zusätzlich beinahe täglich das Schmerzmittel Optifen 400 eingenommen habe. Der 

Beschwerdeführer lässt weiter vorbringen, dass auf den Sachverhalt im Zeitpunkt des 

Verfügungserlasses abzustellen sei und nicht – wie von der Beschwerdegegnerin 

behauptet – auf den Zeitpunkt, in welchem die Ärzte der Klinik Valens ihn in einer 

adaptierten Tätigkeit als zu 100% arbeitsfähig erklärt hätten (act. G 8).

B.d  Nachdem die Beschwerdegegnerin in der Folge an ihren Ausführungen festhielt 

(act. G 10), wurde der Schriftenwechsel abgeschlossen (act. G 11).

Erwägungen:

1.     

Angefochten ist die einen Rentenanspruch verneinende Verfügung der Beschwerde­

gegnerin vom 1. März 2012. Der Beschwerdeführer lässt beantragen, diese sei aufzu­

heben und ihm sei eine ganze Invalidenrente zuzusprechen.

2.     

2.1   Streitig und zu prüfen ist im Folgenden der Anspruch des Beschwerdeführers auf 

eine Rente der Invalidenversicherung.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

2.2   Gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG, 

SR 831.20) haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im 

Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 

wiederherstellen, erhalten oder verbessern können, Anspruch auf eine Rente (lit. a); 

wenn sie während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min­

destens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b); und nach Ablauf dieses Jahres zu 

mindestens 40% invalid sind (lit. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% 

besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 

50% auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60% auf eine 

Dreiviertelsrente und ab einem Invaliditätsgrad von mindestens 70% auf eine ganze 

Invalidenrente (Art. 28 Abs. 2 IVG).

2.3   Für die Bemessung des Invaliditätsgrades sind die zuständige Behörde und später 

das Gericht auf von den Ärzten zur Verfügung zu stellende Unterlagen angewiesen. 

Aufgabe des Arztes ist es denn auch, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu 

Stellung zu nehmen in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten der 

Versicherte arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261, E. 4 mit weiteren Hinweisen). Im 

Rahmen der freien Beweiswürdigung dürfen sich Verwaltung und Gericht weder über 

die medizinischen Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen noch sind die ärztlichen 

Einschätzungen zur Arbeitsfähigkeit unbesehen ihrer sozialversicherungsrechtlichen 

Tragweite zu übernehmen. Die rechtsanwendende Behörde hat sorgfältig zu prüfen, ob 

die ärztliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auch invaliditätsfremde Gesichtspunkte 

(insbesondere psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren) mitberücksichtigt, 

welche vom sozialversicherungsrechtlichen Standpunkt aus unbeachtlich sind 

(BGE 130 V 356, E. 2.2.5).

3.     

3.1   Zur Begründung seiner Beschwerde lässt der Beschwerdeführer vorbringen, 

Dr. B.___ attestiere ihm auch in einer adaptierten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsun­

fähigkeit. Das orthopädische Gutachten stehe nicht im Einklang mit den von der 

Rechtsprechung entwickelten Anforderungen. Es sei nicht nachvollziehbar, wie der 

Gutachter zu einer Arbeitsfähigkeit von 80% habe gelangen können. Dies stehe im 

Widerspruch zu den Erkenntnissen aus dem Arbeitsversuch im E.___, die nur 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

ungenügend berücksichtigt worden seien. Dort habe der Beschwerdeführer eine 

Leistungsfähigkeit von 50% bei einem 40% Pensum gezeigt. Diese Beurteilung sei von 

erheblicher Relevanz, da sie die Frage der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit 

beantworte. Das Gutachten erkläre insbesondere nicht die verschiedenen 

Einschätzungen der Leistungsfähigkeit. Da zwei Ärzte einen Verdacht auf eine 

Schmerzverarbeitungsstörung geäussert hätten, sei die Gesundheit des 

Beschwerdeführers in dieser Hinsicht weiter abzuklären.

3.2   Nachfolgend ist daher zu prüfen, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsge­

nügende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erlaubt.

3.3   In seinem orthopädischen Gutachten vom 18. Oktober 2011 schätzt Dr. H.___ den 

Beschwerdeführer als grundsätzlich arbeitsfähig in einer adaptierten Tätigkeit ein. 

Bedingt durch die Notwendigkeit vermehrter Pausen und teilweise kurzen Hinlegens sei 

ihm eine Arbeitsunfähigkeit von 20% zu attestieren (IV-act. 82-5). Zu einem ähnlichen 

Schluss – einer 100%igen Arbeitsfähigkeit – waren auch bereits die Ärzte der Klinik 

Valens gelangt, wo sich der Beschwerdeführer im Jahr 2009 immerhin zu einer 

mehrwöchigen Rehabilitation aufgehalten hatte. Sie gingen davon aus, dass nach der 

Entlassung aus der Klinik eine volle Arbeitsfähigkeit für leichte Tätigkeiten überwiegend 

im Sitzen, teilweise im Stehen und Gehen bestehe (IV-act. 39). Aus den Akten ist nicht 

ersichtlich, dass in der Zwischenzeit eine wesentliche Verschlechterung der Gesundheit 

eingetreten wäre und eine solche wird ferner auch nicht geltend gemacht. Dr. H.___ 

machte jedoch eine teilweise Verschlechterung aus und hielt fest, er könne die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung der Klinik Valens nachträglich aufgrund des Verlaufs nicht 

ganz unterstützen. Die Diskushernie L3/4 sei zwar kleiner geworden, gleichzeitig hätten 

aber die degenerativen Veränderungen dieser Bandscheiben zugenommen. An der 

verminderten Leistungsfähigkeit im E.___ hätte auch die Arthrose im oberen 

Sprunggelenk einen Anteil gehabt. Er formulierte daher die adaptierte Tätigkeit, im 

Unterschied zur Klinik Valens, als vorwiegend sitzend. Mit einer sitzenden Tätigkeit 

könne auch die eingeschränkte Stehbelastung des oberen Sprunggelenks 

berücksichtigt werden. Die Hinweise Dr. H.___s, dass die Arthrose am rechten OSG 

und die degenerativen Veränderungen an der Lendenwirbelsäule in der Zukunft 

zunehmen würden, haben auf die Arbeitsfähigkeit in der formulierten adaptierten 

Tätigkeit [vorwiegend sitzend] keinen Einfluss. Dies insbesondere, da er gleichzeitig 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

darauf hinweist, die Schmerzen müssten sich dadurch nicht zwingend verstärken und 

nicht unbedingt zu einer Beschwerdezunahme führen. Dr. H.___ war sich – entgegen 

den Annahmen des Beschwerdeführers – der Erkenntnisse aus dem Arbeitsversuch 

bewusst und führte dementsprechend aus, dass eine höhere Leistungsfähigkeit in 

dieser adaptierten Tätigkeit zu erwarten gewesen wäre. Die gutachterliche 

Einschätzung ist daher – auch wenn sie nicht vollends mit den Erkenntnissen des 

Arbeitsversuchs übereinstimmt – nicht zu beanstanden. Die dem Beschwerdeführer 

gutachterlich attestierte 80%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit ist 

daher nachvollziehbar und es bedarf keiner weiteren Abklärung.

4.     

4.1   Nachdem festgestellt wurde, dass dem orthopädischen Gutachten zu folgen ist 

und dem Beschwerdeführer damit eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in einer vorwiegend 

sitzenden Tätigkeit attestiert wird, bleibt zu prüfen, ob seine Restarbeitsfähigkeit auf 

dem Arbeitsmarkt verwertbar ist.

4.2   Der Beschwerdeführer lässt vorbringen, die Verwertung einer allfälligen Rest­

arbeitsfähigkeit sei ihm nicht zumutbar. Rechtsprechungsgemäss müsse die Rest­

arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt tatsächlich verwertbar sein. 

Allfällige Erwerbsmöglichkeiten könnten nur berücksichtigt werden, wenn diese nach 

den persönlichen Verhältnissen auch in Frage kämen. Die Frage der Zumutbarkeit sei 

im Einzelfall zu prüfen, wobei keine unmöglichen oder unzumutbaren Vorkehren ver­

langt werden dürften. In dieser Hinsicht habe die Beschwerdegegnerin ihre Begrün­

dungspflicht verletzt, da sie nicht aufgezeigt habe, welche konkreten Tätigkeiten für 

den Beschwerdeführer tatsächlich in Frage kommen würden. Es frage sich, wie der in 

Betracht kommende Arbeitsmarkt aussehen solle, da sich nach der Rechtsprechung 

der ausgeglichene Arbeitsmarkt für männliche Hilfsarbeiter oder gelernte Arbeiter in der 

Regel auf Handlangerstellen oder andere körperliche Tätigkeiten beschränke. Dieser 

Arbeitsmarkt stehe indes dem Beschwerdeführer nicht offen, da die Tätigkeiten 

stehend ausgeübt werden müssten und das Tragen von Lasten von über 10 kg 

verlangen würden. Der Arbeitsmarkt lasse folglich im vorliegenden Fall die Verwertung 

einer allfälligen Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers bereits aus diesen 

Gründen nicht zu. Ferner sei zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer nur 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

schlecht Deutsch spreche, niemals eine Ausbildung absolviert habe, seit 30 Jahren an 

der gleichen Stelle gearbeitet habe und inzwischen 61 Jahre alt sei. Die 

Beschwerdegegnerin hätte daher – insofern sie von einer vollständigen Verwertbarkeit 

der Restarbeitsfähigkeit ausgehe – ausführen müssen, welche Stellen dem 

Beschwerdeführer zur Verfügung stehen würden, wenn dieser seiner 

Schadenminderungspflicht nachzukommen bereit wäre.

4.3   Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung können verschiedene Faktoren zu 

einer mangelnden Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt führen. Die Möglichkeit, die verbliebene Arbeitsfähigkeit auf dem ausge­

glichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, hängt nicht zuletzt davon ab, welcher Zeitraum 

der versicherten Person für eine berufliche Tätigkeit und insbesondere für einen 

allfälligen Berufswechsel noch zur Verfügung steht (BGE 138 V 460, E. 3.2).

4.4   Bei der Prüfung der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit darf 

nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. Insbesondere 

kann von einer Arbeitsgelegenheit dort nicht gesprochen werden, wo die zumutbare 

Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeits­

markt praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht realistischem Entgegen­

kommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre (Urteil des 

Bundesgerichts vom 21. September 2010, 9C_124/2010, E. 2.2, Urteil des 

Bundesgerichts vom 17. Januar 2014, 8C_669/2013, E. 4.3.2). In jedem Einzelfall ist zu 

bestimmen, ob eine invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit 

zu verwerten und ob sie ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen vermag 

oder nicht. Dabei dürfen von der versicherten Person keine Vorkehren verlangt werden, 

die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten 

des Einzelfalls nicht zumutbar sind (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts 

[EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 10. 

März 2003, I 617/02, E. 3.1 mit Hinweisen).

4.5   Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung stellt das Alter einer Person keinen 

Invaliditätsfremden Faktor dar, sondern es handelt sich dabei um eine die Invalidität 

beeinflussende persönliche Eigenschaft, sofern die Beurteilung der Zumutbarkeit 

weiterer Erwerbstätigkeit nach Massgabe der Selbsteingliederungspflicht in Frage steht 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

(Urteil des Bundesgerichts vom 21. September 2010, 9C_124/2010, E. 5.1). Anders 

formuliert wird das Alter als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren 

beruflichen und persönlichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer Person 

verbliebene Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt 

realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird und ihr damit die Verwertung auch unter 

Berücksichtigung der Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zumutbar ist (Urteil des 

Bundesgerichts vom 22. März 2012, 9C_153/2011, E. 3.1).

4.6   Das Alter des Beschwerdeführers allein – er war im Zeitpunkt der orthopädischen 

Begutachtung im Oktober 2011 knapp 60 Jahre alt – schliesst die Verwertbarkeit seiner 

Restarbeitsfähigkeit wohl noch nicht aus. Vorliegend gilt es aber – im Sinne der oben 

erwähnten bundesgerichtlichen Rechtsprechung – zu beachten, dass der 

Beschwerdeführer über keine Berufsbildung verfügt und während 30 Jahren für den 

gleichen Betrieb gearbeitet hat. Überdies kann er infolge des Gesundheitsschadens 

(Rückenbeschwerden in Kombination mit den Beschwerden in den Sprunggelenken) 

lediglich noch sitzend arbeiten und darf keine Lasten über 10 kg heben. Es kommen 

daher wohl vor allem Tätigkeiten in Frage, die feinmotorische Fähigkeiten erfordern, 

bezüglich welcher der Beschwerdeführer sich nie Vorkenntnisse und Fertigkeiten 

erwerben konnte. Der Umschulungs- und Einarbeitungsaufwand muss daher als 

erheblich betrachtet werden. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass der 

Beschwerdeführer teilweise Mühe mit der Sprache hat und seine intellektuellen 

Ressourcen als eher gering zu beurteilen sind. Auch seine Anpassungsfähigkeit ist als 

eher dürftig einzuschätzen. Für einen potentiellen Arbeitgeber ist dies bei einer 

verbleibenden Erwerbsdauer von maximal fünf Jahren nicht mehr wirtschaftlich und 

kaum mehr lohnend. Daher wird schon dieser Umstand einen durchschnittlichen 

Arbeitgeber davon abhalten, die mit seiner Beschäftigung verbundenen Risiken wie 

krankheitsbedingte Ausfälle, berufliche Unerfahrenheit und altersbedingt geringe 

Anpassungsfähigkeit einzugehen, zumal solche Arbeitsplätze auch von Behinderten in 

jungem und mittlerem Alter stark nachgefragt werden (vgl. dazu das Urteil des 

Bundesgerichts vom 10. Mai 2013, 9C_954/2012, E. 3.2.2). – In diesem 

Zusammenhang ist auch auf die Stellungnahme des Eingliederungsberaters des RAV 

zu verweisen, wonach er es als schwierig betrachtet, einen den Gegebenheiten 

angepassten Arbeitsplatz für den Beschwerdeführer zu finden. Ein solcher wäre seiner 

Ansicht nach eher auf dem 2. Arbeitsmarkt zu finden (IV-act. 59, 68). Die 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Schwierigkeiten des Beschwerdeführers, eine geeignete Arbeit zu finden, zeigen sich 

gerade auch darin, dass er, obwohl er sich während seines Arbeitsversuches im E.___ 

auf mehrere Stellen (auch für 100%-Stellen) beworben hatte, keine Gelegenheit für ein 

Vorstellungsgespräch erhielt (IV-act. 55).

4.7   In Anbetracht dieser Umstände erscheint eine Verwertbarkeit der 

Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers als nicht realistisch. Fehlt es an einer 

wirtschaftlich verwertbaren Restarbeitsfähigkeit, liegt eine vollständige 

Erwerbsunfähigkeit vor, die einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente begründet 

(BGE 138 V 460, E. 3.1).

5.     

Gemäss Art. 28 IVG entsteht ein Rentenanspruch frühestens im Zeitpunkt, in welchem 

der Versicherte während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch zu mindestens 

40% arbeitsunfähig gewesen ist. In der Anmeldung zur Früherfassung vom 30. April 

2009 (IV-act. 1) gab seine damalige Arbeitgeberin an, der Beschwerdeführer sei seit 

dem 27. März 2009 100% arbeitsunfähig (IV-act.1). Dementsprechend stützte sich 

auch die Taggeldversicherung für die Erbringung ihrer Leistungen auf dieses Datum. 

Aus dem RAD-Protokoll über das Gespräch mit dem Hausarzt ist ersichtlich, dass der 

Hausarzt angab, der Beschwerdeführer sei bereits seit dem 19. März 2009 

arbeitsunfähig (IV-act. 14 und 22). Am 24. März 2009 hatte sich der Beschwerdeführer 

einer lumbal-vertebrospinalen Kernspintomographie zu unterziehen, bei welcher bereits 

der massgebliche, die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende Befund gestellt wurde (IV-

act. 9). Ab diesem Zeitpunkt muss die 100%ige Arbeitsunfähigkeit im angestammten 

Beruf als erstellt gelten. Unter Berücksichtigung des Wartejahres gemäss Art. 28 Abs. 1 

IVG und der sechs-monatigen Wartefrist nach der Anmeldung gemäss Art. 29 

Abs. 1 IVG kann der Rentenbeginn damit auf März 2010 (vgl. Art. 29 Abs. 3 IVG) 

festgelegt werden.

6.     

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass dem orthopädischen Gutachten gefolgt 

werden kann. Demnach ist dem Beschwerdeführer eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 17/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

einer adaptierten Tätigkeit anzurechnen. Indes ist festzustellen, dass die 

Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers, aus den in den Erwägungen genannten 

Gründen, auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht verwertbar ist und er folglich 

Anspruch auf eine ganze Rente hat. Rentenbeginn ist der 1. März 2010.

7.    

7.1   Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 

Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- 

erscheint in der vorliegend beurteilten Angelegenheit als angemessen und ist von der 

unterliegenden Beschwerdegegnerin zu bezahlen.

7.2   Gemäss Art. 61 lit. g des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial­

versicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) hat die obsiegende beschwerdeführende Partei 

Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom 

Versicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der 

Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses festgesetzt. Die 

Honorarpauschale beträgt in der Verwaltungsrechtspflege vor Versicherungsgericht 

Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.-- (Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte 

und Rechtsagenten; sGS 963.75). In einem Fall mit mittlerem Aufwand und 

Schwierigkeitsgrad wird praxisgemäss eine Pauschalentschädigung von Fr. 3'500.-- 

ausgerichtet, was auch im vorliegenden Fall angemessen erscheint. Die 

Beschwerdegegnerin hat somit dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der 

Höhe von Fr. 3'500.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

entschieden:

1.      In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung aufgehoben 

und dem Beschwerdeführer wird mit Wirkung ab 1. März 2010 eine ganze Rente zuge­

sprochen.

bis

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 18/18

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

2.      Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der 

geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist dem Beschwerdeführer zurückzu­

erstatten.

3.      Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung 

von Fr. 3'500.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 21.07.2014
	Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit eines im massgeblichen Zeitpunkt 60-jährigen Hilfsarbeiters, der die Arbeitsstelle, die er während fast 30 Jahren innehatte, gesundheitsbedingt verliert und dem künftig lediglich noch sitzende Tätigkeiten möglich sind (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 21. Juli 2014, IV 2012/124).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T09:45:35+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen