# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e75e6e01-c252-5038-bb06-ddfa53a7e4ed
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-11-20
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 20.11.2014 UV 2013/95
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_UV-2013-95_2014-11-20.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: UV 2013/95

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: UV - Unfallversicherung

Publikationsdatum: 20.11.2014

Entscheiddatum: 20.11.2014

Entscheid Versicherungsgericht, 20.11.2014
Art. 6 UVG; Art. 37 UVG; Art. 48 UVV. Gestützt auf die vorliegenden Akten ist 
eine vollständige Urteilsunfähigkeit im Zeitpunkt der Selbstschädigung nicht 
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Weitere Abklärungen 
vermögen an diesem Ergebnis nichts zu ändern (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. November 2014, UV 
2013/95).

Präsident Joachim Huber, Versicherungsrichterin Lisbeth Mattle Frei, a.o. 

Versicherungsrichter Christian Zingg; Gerichtsschreiberin Annina Janett

Entscheid vom 20. November 2014

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Werner Bodenmann, Waisenhausstrasse 17,

Postfach, 9001 St. Gallen,

gegen

Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG, Postfach, 8085 Zürich,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

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Versicherungsleistungen

Sachverhalt:

A.    

A.a  A.___, war als selbständig Erwerbstätige im Rahmen der freiwilligen 

Unternehmensversicherung bei der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG 

(nachfolgend: Zürich) gegen die Folgen von Unfällen versichert, als sie gemäss 

Schadenmeldung UVG am 21. August 2012 unter massivem Medikamenteneinfluss von 

einem Balkon im 2. Stock sprang und sich dabei verschiedene Brüche zuzog (UV-act. 

1; vgl. auch den Polizeirapport vom 27. August 2012, act. G 5.3). Das Kantonsspital St. 

Gallen (KSSG), in welches die Versicherte am Unfalltag eingeliefert wurde, stellte die 

Diagnosen Suizidversuch mit komplexer offener Fussfraktur rechts, vorderer 

Schulterluxation mit Tuberculum majus-Fraktur rechts, Sacrumlängsfraktur beidseits 

und Sacrumquerfraktur links mit mässigem Hämatom kleines Becken, Fraktur unterer 

Schambeinast links und Fraktur Proc transversi LWK beidseits sowie 

Rissquetschwunde Ellbogen links (vgl. den Bericht vom 23. August 2012, UV-act. M14).

A.b  In der Folge wurde die Versicherte in der Klinik für orthopädische Chirurgie und 

Traumatologie des Bewegungsapparates sowie der Klinik für Chirurgie des KSSG 

stationär behandelt und mehrfach operiert (UV-act. M1-M10). Die behandelnden Ärzte 

nannten im ärztlichen Zeugnis vom 15. November 2012 folgende Diagnosen: Status 

nach Suizidversuch (Sprung aus dem 2. Stock) mit Polytrauma am 21. August 2012, 

bei emotionaler instabiler Persönlichkeitsstörung, Impulsivität, bipolarer affektiver 

Störung, gemischter affektiver Episode sowie Borderline-Persönlichkeitsstörung, 

Status nach mehrfachem Suizidversuch (Medikamentenintoxikation im Dezember 2010 

sowie nach Suizidversuch im 17. Lebensjahr), Status nach Unterschenkelamputation 

rechts am 4. September 2012, vordere Schulterluxation rechts, Sakrumlängsfraktur 

beidseits und -querfraktur, Fraktur unterer Schambeinast links, Fraktur Processi 

transversi LWK 5 beidseits, 3 sekundär, frei perforierte, grossflächige Ulcera des 

Magens und Milzabszess und Gallenblasennekrose, postoperativ komplizierter Verlauf 

sowie Nebenniereninzidentalom links (UV-act. M9; vgl. auch den provisorischen 

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Austrittsbericht vom 24. Oktober 2012, UV-act. M5, sowie den Bericht der Klinik für 

Orthopädische Chirurgie vom 26. November 2012, UV-act. M10).

A.c  Dr. med. B.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, bei welchem sich die 

Versicherte seit Mai 2010 in psychiatrischer Behandlung befand, nannte im Bericht 

vom 20. Dezember 2012 folgende Diagnosen: Schwere Persönlichkeitsstörung vom 

impulsiven Typus Borderline (ICD-10 F60.31), rezidivierende depressive Episoden 

gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.00), Status nach Minipsychose bei Borderline-

Persönlichkeitsstörung mit Tabletteneinnahme und Delirium von zwei Tagen mit Sprung 

vom Balkon am 21. August 2012 mit retrograder Amnesie vom 19. bis 21. Augst 2012. 

Er führte aus, beim Sprung vom Balkon habe es sich nicht um einen Suizidversuch 

gehandelt (UV-act. nach M11).

A.d  Vom 14. November 2012 bis 8. Januar 2013 hielt sich die Versicherte zur 

stationären Rehabilitation in der Rehaklinik Bellikon auf (vgl. UV-act. M6, vgl. act. G 

13.1 ff).

A.e  Nachdem Dr. med. C.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, anlässlich 

einer Besprechung vom 31. Januar 2013 festgehalten hatte, dass sich in den 

medizinischen Unterlagen des KSSG keine Hinweise auf ein Delirium fänden (UV-act. 

M13), lehnte die Zürich ihre Leistungspflicht mit Verfügung vom 13. Februar 2013 mit 

der Begründung ab, der Suizidversuch scheine aufgrund der gesamten Tatumstände 

nicht einem triebhaften Willensimpuls oder einer völlig irrationalen Motivation zu 

entstammen. Vielmehr sei davon auszugehen, dass die Versicherte zum fraglichen 

Tatzeitpunkt noch über ein Minimum an Besinnungsfähigkeit zur rationalen Steuerung 

ihrer innerseelischen Abläufe verfügt habe (UV-act. 29).

A.f   Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Werner 

Bodemann, St. Gallen, am 14. März 2013 Einsprache und beantragte, die Verfügung 

vom 13. Februar 2013 sei aufzuheben und es seien die ihr zustehenden 

Versicherungsleistungen zu erbringen, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. 

Der Rechtsvertreter machte geltend, aufgrund der vorliegenden Akten sei offensichtlich 

und genügend erstellt, dass die Versicherte im urteilsunfähigen Zustand vom Balkon 

gesprungen sei, und verwies im Wesentlichen auf die Aussagen von Dr. B.___ im 

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Bericht vom 20. Dezember 2012 sowie auf den Polizeirapport vom 29. August 2012, 

wonach die Versicherte vor dem Sprung zwei Tage bettlägerig gewesen sei und 

unzählige Medikamente eingenommen habe. Es sei durchaus nachvollziehbar, dass sie 

durch die Einnahme der Medikamente in einen vorübergehenden Zustand der 

Urteilsunfähigkeit gelangt sei. Auch könne aus dem Vorliegen eines Abschiedsbriefs 

allein nicht ohne Weiteres geschlossen werden, dass die Versicherte im Zeitpunkt des 

Sprungs tatsächlich urteilsfähig gewesen sei. Der Abschiedsbrief sei nicht datiert und 

offensichtlich nicht unmittelbar vor dem Sprung geschrieben worden (UV-act. 32).

A.g  Mit Einspracheentscheid vom 15. November 2013 wies die Zürich die Einsprache 

ab. Zur Begründung führte sie an, es fänden sich in den medizinischen Akten keine 

Hinweise auf eine Amnesie oder erhebliche Bewusstseinsstörung. Die Versicherte sei 

laut Akten nach dem Sturz ansprechbar gewesen und von einem deliranten Zustand sei 

echtzeitlich nicht gesprochen worden. Ausser der Ansicht des behandelnden 

Psychiaters, welche aber keinerlei nachvollziehbare Anhaltspunkte liefere, liessen sich 

in den medizinischen oder polizeilichen Akten keinen Belege für die Annahme eines 

wahnhaften deliranten Zustands finden. Zudem fänden sich in den Akten Hinweise auf 

einen früheren Suizidversuch und Medikamentenintoxikation im Dezember 2010 (UV-

act. 38).

B.    

B.a  Dagegen erhob der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin am 18. Dezember 

2013 Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom 13. Februar 2013 bzw. der 

Einspracheentscheid vom 15. November 2013 sei aufzuheben und die 

Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, der Beschwerdeführerin die ihr zustehenden 

Versicherungsleistungen aus dem Ereignis vom 21. August 2012 zu erbringen. Der 

Rechtsvertreter beantragte zudem, der Beschwerdeführerin sei für das vorliegende 

Verfahren die unentgeltliche Prozessführung unter Einsetzung des unterzeichnenden 

Rechtsanwalts als unentgeltlicher Rechtsbeistand zu gewähren, alles unter Kosten- 

und Entschädigungsfolge. Zur Begründung führte er im Wesentlichen die bereits in der 

Einsprache vom 14. März 2013 vorgebrachten Argumente an. Im Weiteren machte er 

insbesondere geltend, Dr. B.___ habe nachvollziehbar ausgeführt, dass bei der 

Beschwerdeführerin eine paranoide Wahrnehmung vorgelegen hätte. Sie hätte 

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Todesangst gehabt und sich mit den Tabletten habe beruhigen wollen, was zu einem 

deliranten Zustandsbild geführt hätte (act. G 1).

B.b  Mit Beschwerdeantwort vom 31. Januar 2014 beantragte die Beschwerdegegnerin 

die Abweisung der Beschwerde. Sie machte geltend, weder der Ex-Partner der 

Beschwerdeführerin noch die Angestellten hätten einen deliranten Zustand 

festgehalten. Sie hätten einzig eine Medikamenteneinnahme festgehalten und dass es 

der Beschwerdeführerin nicht gut gegangen sei. Auch den Polizeiakten sei nichts von 

einem solchen Zustand zu entnehmen, gleiches gelte für die in den Akten enthaltenen 

Anmerkungen zum Zustand der Beschwerdeführerin bei Eintreffen der Rettung. Eine 

verminderte Urteilsunfähigkeit aufgrund der Tabletteneinnahme sei durchaus denkbar, 

aber diese sei zu unterscheiden von einer vollständigen Urteilsunfähigkeit. Eine 

derartige Urteilsunfähigkeit sei den objektiven Umständen nicht zu entnehmen und 

könne nicht als erstellt betrachtet werden (act. G 5).

B.c  Am 4. Februar 2014 bewilligte die Verfahrensleitung das Gesuch um unentgeltliche 

Rechtspflege für das Gerichtsverfahren (act. G 7).

B.d  Mit Replik vom 5. März 2014 (act. G 8) und Duplik vom 28. März 2014 (act. G 10) 

hielten die Parteien an ihren Anträgen fest und bestätigten im Wesentlichen ihre bereits 

vorgebrachten Standpunkte.

B.e  Mit Schreiben vom 10. Juli 2014 forderte das Versicherungsgericht den 

Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin auf, allfällige Arztberichte über psychiatrische 

Abklärungen im KSSG sowie im Zusammenhang mit dem Aufenthalt in der Rehaklinik 

Bellikon einzureichen (act. G 12). Mit Eingabe vom 18. August 2014 reichte der 

Rechtsvertreter Berichte der Rehaklinik Bellikon vom 7. Dezember 2012, 8./9. Januar 

und 4. März 2013 sowie des Fachbereichs Psychosomatik des KSSG vom 15. Oktober 

und 4. September 2012 ein (act. G 13.1 ff.).

B.f   Mit Schreiben vom 8. Oktober 2014 stellte die Beschwerdegegnerin ein Editions­

begehren, indem sie geltend machte, bei den Akten, welche die Invalidenversicherung 

über die Beschwerdeführerin führe, befänden sich zwei medizinische Berichte von Dr. 

B.___ vom 20. August und 10. September 2012, welche aufgrund der zeitlichen Nähe 

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zum Ereignis vom 21. August 2012 zu berücksichtigen seien (act. G 15). Am 30. 

Oktober 2014 reichte die IV-Stelle des Kantons St. Gallen die entsprechenden Berichte 

ein (act. G 17).

B.g  Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der 

übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen näher 

eingegangen.

Erwägungen:

1.     

1.1   Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin als Unfallversicherer für die 

Folgen des Ereignisses vom 21. August 2012 leistungspflichtig ist.

1.2   Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 

832.20) werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen, 

Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes 

bestimmt. Hat die versicherte Person den Gesundheitsschaden oder den Tod 

absichtlich herbeigeführt, besteht gemäss Art. 37 Abs. 1 UVG (mit Ausnahme allfälliger 

Bestattungskosten) kein Anspruch auf Versicherungsleistungen. Wollte sich die 

versicherte Person nachweislich das Leben nehmen oder sich selbst verstümmeln, 

findet Art. 37 Abs. 1 UVG dann keine Anwendung, wenn die versicherte Person zur Zeit 

der Tat ohne Verschulden gänzlich unfähig war, vernunftgemäss zu handeln, oder 

wenn die Selbsttötung, der Selbsttötungsversuch oder die Selbstverstümmelung die 

eindeutige Folge eines versicherten Unfalles war (Art. 48 der Verordnung über die 

Unfallversicherung [UVV; SR 832.202]).

2.     

2.1   Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob die Versicherte im 

Zeitpunkt des Sprungs vom Balkon im 2. Stock, bei welchem sie sich schwerste 

Verletzungen zuzog, ohne Verschulden gänzlich unfähig war, vernunftgemäss zu 

handeln.

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2.2   Gemäss Art. 48 UVV gelten Selbsttötung, Selbsttötungsversuch oder 

Selbstverstümmelung als Unfall, wenn bei der versicherten Person im Tatzeitpunkt die 

Fähigkeit gänzlich aufgehoben war, vernunftgemäss zu handeln. Diese 

Verordnungsbestimmung stellt eine Konkretisierung des Unfallbegriffes für die Belange 

von Suizid, Suizidversuch und Selbstschädigung dar, indem das fragliche Merkmal des 

Unfallbegriffs, die Unfreiwilligkeit oder die fehlende Absicht dann gegeben ist, wenn die 

versicherte Person im Zustande vollständiger Urteilsunfähigkeit gehandelt hat. Dabei ist 

auf die Urteilsfähigkeit nach Art. 16 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB; SR 

210) abzustellen und diese in Bezug auf die in Frage stehende konkrete Handlung und 

unter Würdigung der bei ihrer Vornahme herrschenden objektiven und subjektiven 

Verhältnisse zu prüfen (BGE 120 V 352 S. 354, E. 4b; BGE 113 V 63, E. 2c, je mit 

Hinweisen). Massgeblich ist, ob im entscheidenden Moment jenes Minimum an 

Besinnungsfähigkeit zur kritischen, bewussten Steuerung der endothymen, d.h. vor 

allem der triebhaften innerseelischen Abläufe vorhanden war. Damit eine 

Leistungspflicht des Unfallversicherers entsteht, muss die Tat mit anderen Worten mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit aufgrund einer Geisteskrankheit oder einer 

schweren Störung des Bewusstseins, also psychopathologischen Symptomen wie 

Wahn, Sinnestäuschungen, depressiver Stupor (plötzlicher Erregungszustand mit 

Selbsttötungstendenz), Raptus (plötzlicher Erregungszustand als Symptom einer 

seelischen Störung) u.a.m., erfolgen. Dazu muss das Motiv seinen Ursprung in der 

geisteskranken Symptomatik haben; mit anderen Worten muss die Tat "unsinnig" sein. 

Eine blosse "Unverhältnismässigkeit" der Tat, indem der Handelnde seine Lage in 

depressiv-verzweifelter Stimmung einseitig und voreilig einschätzt, genügt nicht zur 

Annahme einer Urteilsunfähigkeit. Für deren Nachweis ist nicht bloss die zu 

beurteilende Suizid- bzw. Selbstschädigungshandlung von Bedeutung und somit nicht 

allein entscheidend, ob diese als unvernünftig, uneinfühlbar oder abwegig erscheint. 

Vielmehr ist aufgrund der gesamten Umstände, wozu das Verhalten und die 

Lebenssituation der versicherten Person vor dem Ereignis insgesamt gehören, zu 

beurteilen, ob sie in der Lage gewesen wäre, den Suizid resp. die Selbstschädigung 

vernunftmässig zu vermeiden oder nicht. Ist die Urteilsunfähigkeit lediglich mehr oder 

weniger vermindert, so ist die freie Willensentscheidung nicht völlig ausgeschlossen, 

die Absicht also vorhanden, und der Unfallbegriff nicht erfüllt (vgl. zum Ganzen Urteil 

des Bundesgerichtes vom 17. April 2009, 8C_496/2008, E. 2.3, mit Hinweisen; Urteil 

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des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche 

Abteilungen des Bundesgerichts] vom 6. Mai 2002, U 395/01, E. 1; Urteil des EVG vom 

14. Februar 2002, U 276/01, E. 1b; BGE 113 V 63, E. 2c; vgl. auch A. Rumo-Jungo/A. 

Holzer, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. 2012, S. 196 f. zu Art. 37 

UVG, mit Hinweisen).

2.3   Die Frage danach, ob die versicherte Person ohne Verschulden gänzlich unfähig 

war, vernunftgemäss zu handeln, ist eine Rechtsfrage. Es ist Aufgabe des Arztes bzw. 

der Ärztin, aufzuzeigen, inwieweit dem Suizid oder der Selbstschädigung eine 

Geisteskrankheit zugrunde liegt und somit vollständige Urteilsunfähigkeit vorliegt. Das 

Gericht weicht nicht ohne zwingende Gründe von solchen Gutachten ab, ist aber 

grundsätzlich nicht an die fachliche Beurteilung gebunden (vgl. A. Rumo-Jungo/A. 

Holzer, a.a.O., S. 197 zu Art. 37 UVG).

2.4   Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Die 

Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht haben von 

sich aus für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts 

zu sorgen. Dabei sind rechtserheblich alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, 

ob über den streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. Der 

Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im Sinne einer Beweisführungslast 

begriffsnotwendig aus. Wenn es sich jedoch als unmöglich erweist, im Rahmen des 

Untersuchungsgrundsatzes einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die 

Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen, greift die Beweisregel 

Platz, dass die Parteien eine Beweislast insofern tragen, als im Fall der Beweislosigkeit 

der Entscheid zuungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen 

Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 117 V 264 E. 3b, 115 V 142 E. 8a).

3.     

3.1   Die Beschwerdegegnerin stützt sich im angefochtenen Einspracheentscheid vom 

15. November 2013 (UV-act. 38) insbesondere auf die Beurteilung von Dr. C.___ (UV-

act. M13) sowie auf den Polizeirapport vom 27. August 2012 (act. G 5.3) und die 

Berichte des KSSG vom 23. August und 15. November 2012 (UV-act. M9, M14).

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3.1.1         Im Polizei-Rapport vom 27. August 2012 wurde hinsichtlich des Hergangs 

festgehalten, der (damalige) Partner der Beschwerdeführerin habe dieser mitgeteilt, 

dass er die Beziehung beenden möchte und aus ihrem Haus ausziehen werde. 

Daraufhin habe die Beschwerdeführerin unzählige Tabletten verschiedenster 

Medikamente geschluckt und sich, als ihr Partner mit dem Auto habe wegfahren 

wollen, aus dem 2. Stock gestürzt. Laut Rapport habe die Beschwerdeführerin beim 

Eintreffen der Polizei auf der Seite gelegen und sei von ihren Angestellten betreut 

worden. Sie sei ansprechbar gewesen, habe sich aber nicht bewegen können. Weiter 

wurde festgehalten, im Haus habe man im Abfalleimer der Küche ein leeres Blister 

Cypralex (Antidepressivum) gefunden, auf dem Tisch im Wohnzimmer sei eine leere 

Schachtel Cypralex und ein leeres Blister gelegen. Im Schlafzimmer, in der Nähe der 

Balkontüre, habe sich ein Plastikkörbchen befunden, welches mit unzähligen leeren 

Blistern Cypralex, Xanax (Beruhigungsmittel) und Ponstan 500 (Schmerzmittel) gefüllt 

gewesen sei. Im Schlafzimmer habe man einen Abschiedsbrief gefunden. Eine 

Dritteinwirkung könne ausgeschlossen werden. Gemäss Aussagen des Ex-Partners der 

Beschwerdeführerin sei diese seit längerer Zeit psychisch instabil gewesen. In den 

letzten Tagen habe sie unzählige Medikamente eingenommen und die letzten zwei 

Tage sei sie aufgrund dessen bettlägerig gewesen. Gemäss Aussage der Angestellten 

der Beschwerdeführerin habe diese stark geschwankt und der Bewegungsapparat sei 

sehr verlangsamt gewesen. Immer wieder habe sie ihnen Medikamentenverpackungen 

hingehalten und gefragt, wie das Medikament heisse. Es hätten alle gemerkt, dass es 

ihr nicht gut gehe, aber sie hätten sich keine weiteren Gedanken gemacht (act. G 5.3).

3.1.2         Im Bericht vom 23. August 2012 hielten die Ärzte der Zentralen 

Notfallabteilung des KSSG fest, die Patientin sei via Rettung zugewiesen worden, 

sediert mit Ketalar und Dormicum. Es bestünden ein reduzierter Allgemeinzustand 

sowie ein GCS (Glasgow Coma Scale)-Wert von 13 (UV-act. M14). Im Bericht vom 15. 

November 2012 wurde hinsichtlich des Hergangs festgehalten, die Patientin sei 

kreislaufstabil, es liege ein GCS-Wert von 13 vor und es bestehe keine 

Bewusstlosigkeit und kein Erbrechen (UV-act. M9).

3.1.3         Dr. C.___, welchem die medizinischen Akten zur Beurteilung vorgelegt 

worden waren, hielt am 31. Januar 2013 fest, in den Unterlagen fänden sich keine 

Hinweise auf ein Delirium. Es sei unklar, ob und wie viele Medikamente eingenommen 

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worden seien. Die Annahme eines deliranten Zustandsbilds und dass dieses zu einem 

unbeabsichtigten Sturz aus dem 2. Stock geführt haben soll, sei weder vernünftig 

belegt noch aufgrund des Geschehens nachvollziehbar. Letztlich habe die 

Beschwerdeführerin die Tabletten in nicht-delirantem Zustand und somit in mehr oder 

weniger gezielter Suizidabsicht eingenommen. Zusätzlich sei anzumerken, dass der 

Abschiedsbrief inhaltlich wie formal keine Hinweise ergebe, dass die 

Beschwerdeführerin zu diesem Zeitpunkt vollständig urteilsunfähig gewesen sei (UV-

act. M13).

3.2   Die Beschwerdeführerin macht ihrerseits geltend, zum Zeitpunkt des 

Balkonsprungs gänzlich unfähig gewesen zu sein, vernunftgemäss zu handeln. Dabei 

stützt sie sich auf die psychiatrische Stellungnahme von Dr. B.___ vom 20. Dezember 

2012 (UV-act. M11).

3.2.1         Dr. B.___ nannte in seiner Beurteilung die Diagnosen schwere 

Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typus Borderline (ICD-10 F60.31), 

rezidivierende depressive Episoden gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.00), Status 

nach Minipsychose bei Borderline-Persönlichkeitsstörung mit Tabletteneinnahme und 

Delirium von zwei Tagen mit Sprung vom Balkon am 21. August 2012 mit retrograder 

Amnesie vom 19. bis 21. Augst 2012. Er gab im Wesentlichen an, es habe sich nicht 

um einen Suizidversuch gehandelt. Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung könne es 

bei Stress zu einer psychotischen paranoiden Wahrnehmung kommen. Dies sei bei der 

Beschwerdeführerin der Fall gewesen; sie habe Tage vor dem Balkonsprung eine 

paranoide Wahrnehmung und das Gefühl gehabt, dass ihr Partner sie einsperren und 

töten wolle. Diese psychotische Wahnwahrnehmung habe zu massiven Todesängsten 

geführt, was wiederum dazu geführt habe, dass sie mehrere antidepressive Tabletten 

geschluckt habe, um sich zu beruhigen. Diese Tabletten hätten bei der 

Beschwerdeführerin einen deliranten Zustand ausgelöst, so dass sie nicht gewusst 

habe, was sie tue, und ihr Bewusstsein erst wieder im Spital erlangt habe. Vor der 

Behandlung vom 21. August 2012 seien vor allem die depressiven Episoden im 

Vordergrund gestanden, wobei die Beschwerdeführerin  in den letzten Monaten 

psychisch stabil gewesen sei und keine Depressionen mehr gehabt habe (UV-act. 

M11).

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3.2.2         Dem vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin eingereichten Konsiliar­

bericht von Dr. med. D.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, 

Rehaklinik Bellikon, vom 8. Januar 2013 ist weiter zu entnehmen, dass die 

Beschwerdeführerin angegeben habe, sie hätte gewisse Erinnerungslücken, wüsste 

aber doch, dass sie von ihrem Balkon gesprungen und unten auf dem Boden liegend 

zeitweise ansprechbar gewesen sei. Insgesamt habe sie aber ein "Black out" für ca. 

zweieinhalb Tage. Sie habe nicht absichtlich in den Tod springen wollen, habe sich 

aber unter massivem psychischem Druck gefühlt. Sie sei seit zwei Jahren wegen eines 

Burnouts in regelmässiger psychiatrischer Behandlung. Zwei Tage vor dem Ereignis 

habe ihr Partner sie aufs Massivste bedroht und angegriffen, weshalb sie sich in ihrem 

Zimmer im 2. Stock eingeschlossen habe. Er habe zusätzlich versucht, die 

geschlossene Türe aufzubrechen unter weiteren verbalen Drohungen. In dieser 

Situation habe die Beschwerdeführerin gedacht, "lieber ich als du, hat denn dieser 

Terror nie ein Ende", und habe daraufhin alle verfügbaren Tabletten eingenommen und 

wisse anschliessend nichts mehr. Die Beschwerdeführerin habe weiter angegeben, sie 

könnte sich kaum vorstellen, sich das Leben durch einen Sturz vom Balkon nehmen zu 

wollen, da sie unter Höhenangst leiden würde. Dr. D.___ hielt fest, erst im Verlaufe des 

Gespräches habe sich herausgestellt, dass eine relevante Zeitspanne von zweieinhalb 

Tagen zwischen diesem Angriff und dem Sturz vom Balkon bestanden habe. Er führte 

weiter aus, der Befund in den Einzelgesprächen und das berichtete Verhalten im 

Stationsalltag habe praktisch keine Symptome ergeben, die zu einer schweren 

Borderline-Störung passen würden. Hingegen könne aus den anamnestischen 

Angaben und den doch mehrere Monate langen Beobachtungen geschlossen werden, 

dass es sich am ehesten um eine bipolare Störung handle. Im Sinne einer 

abschliessenden Beurteilung hielt Dr. D.___ fest, beim Sturz handle es sich nach 

derzeitigen Erkenntnissen nicht um einen geplanten Suizidversuch, sondern dieser sei 

im Rahmen einer schweren psychischen Ausnahmesituation unter einer Überdosis von 

Psychopharmaka mit nachfolgender Hirnleistungsstörung und vermuteter fehlender 

Handlungsfähigkeit während mindestens zwei Tagen geschehen. Die Entscheidung, ob 

es sich um einen Unfall oder einen Suizidversuch handle, könne nur im Rahmen einer 

neutralen psychiatrischen Begutachtung beantwortet werden unter Zuhilfenahme der 

zeitlich ersten Aussagen, der polizeilichen Ermittlungen und der langjährigen 

Kenntnisse der Beschwerdeführerin durch ihren ambulanten Psychiater (act. G 13.3).

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3.3   Dem auf Begehren der Beschwerdegegnerin beigezogenen Bericht von Dr. B.___ 

vom 20. August 2012 ist zu entnehmen, dass dieser am Tag vor dem Ereignis die 

Diagnosen ausgeprägte Persönlichkeitsstörung vom emotional instabilen Typus 

Borderline (ICD-10 F60.31), schwere chronische depressive Episoden (ICD-10 F32.2) 

sowie Status nach zwei schweren Suizidversuchen mit Tabletten im Januar 2011 

gestellt und ausgeführt hatte, es bestünden keine Anhaltspunkte für Wahn, 

Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen seien nicht eruierbar. Manchmal sei die 

Beschwerdeführerin jedoch so sehr misstrauisch, dass es an das Paranoide grenze (mit 

Angst verbunden) im Sinne von "Mini-Psychosen bei Borderline-Wahrnehmung bei 

Stresssituationen". Zu Beginn der Therapie im Sommer 2010 habe es eine leichte 

Besserung des depressiven Zustandsbilds gegeben, im Januar 2011 sei es jedoch 

überraschend zu zwei Suizidversuchen gekommen. Die Beschwerdeführerin habe 

massive Schwankungen, von heiter bis zu Tode betrübt und dabei impulsive und 

unberechenbare destruktive Durchbrüche. Im Ganzen gesehen werde ihr 

Gesundheitszustand immer depressiver (act. G 17.1). Im Bericht vom 10. September 

2012 führte dieser aus, nach einem impulsiven Durchbruch mit fraglicher paranoider 

und mit Angst geprägter Wahrnehmung sei die Beschwerdeführerin in suizidaler 

Absicht aus dem dritten Stock gesprungen (act. G 17.2).

4.     

4.1   Wie die Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid zutreffend darlegt, kann 

nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vom Vorliegen einer schweren Störung des 

Bewusstseins ausgegangen werden; dies insbesondere auch mit Blick darauf, dass der 

behandelnde Psychiater Dr. B.___ am Tag vor dem Ereignis Anhaltspunkte für Wahn 

verneint und Sinnestäuschungen und Ich-Störungen als nicht eruierbar bezeichnet 

hatte (vgl. act. G 17.1). Im Weiteren lässt sich aufgrund der vorliegenden Unterlagen 

und insbesondere den im Rapport festgehaltenen polizeilichen Feststellungen und 

Aussagen der Auskunftspersonen im Zusammenhang mit dem Ereignis lediglich 

festhalten, dass die Beschwerdeführerin – offenbar in grosser Menge – Antidepressiva, 

Schmerz- und Beruhigungsmittel eingenommen hatte. Ob dies, wie sie gegenüber Dr. 

D.___ während ihres Rehabilitationsaufenthalts in der Klinik Bellikon angegeben hatte, 

zwei Tage vor dem Sturz geschah und sie bereits zu diesem Zeitpunkt alle verfügbaren 

Tabletten eingenommen hatte oder ob – und in welchem Umfang – auch am Tag des 

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Sturzes eine Einnahme von Medikamenten erfolgte, lässt sich zum heutigen Zeitpunkt 

nicht mehr abschliessend klären. Auch hinsichtlich des Motivs der Tabletteneinnahme 

lässt sich kein Sachverhalt ermitteln, der die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der 

Wirklichkeit zu entsprechen. Diesbezüglich ist lediglich anzumerken, dass Dr. B.___ im 

Bericht vom 10. September 2012 (act. G 17.2) noch von suizidaler Absicht gesprochen 

hatte und erst in seinen späteren Ausführungen (UV-act. M11) eine solche verneinte. 

Auch angesichts der Vorgeschichte der Beschwerdeführerin mit 

Medikamentenintoxikation und Suizidversuchen – zuletzt im Januar 2011 – ist es mehr 

als fraglich, ob sie die Tabletten, wie vom Rechtsvertreter vorgebracht, lediglich zur 

Beruhigung und nicht in suizidaler Absicht eingenommen hatte. Im Weiteren erscheinen 

auch die Aussagen der Beschwerdeführerin bezüglich des Hergangs und der 

vorausgegangenen Tage wenig konsistent. So gab sie zum einen an, sie habe gewisse 

Erinnerungslücken, wisse aber, dass sie vom Balkon gesprungen und auf dem Boden 

zeitweise ansprechbar gewesen sei (vgl. die Ausführungen im Bericht vom 8. Januar 

2013, act. G 13.3, S. 2). Dies deckt sich mit den echtzeitlichen Aussagen im 

Polizeirapport und dem in den Berichten des KSSG festgehaltenen Ansprechbarsein 

und der festgestellten lediglich leichten Bewusstseinsstörung (GCS 13). Zum anderen 

gab die Beschwerdeführerin gegenüber Dr. D.___ jedoch auch an, sie habe aufgrund 

der Bedrohung durch ihren Partner zwei Tage zuvor alle verfügbaren Tabletten 

eingenommen und wisse danach nichts mehr (act. G 13.3, a.a.O.). Zwar mag es 

durchaus zutreffen, dass die Beschwerdeführerin durch die eingenommenen Tabletten 

in ihrer Urteilsfähigkeit herabgesetzt war, eine im fraglichen Zeitpunkt vorliegende 

gänzliche Urteilsunfähigkeit ausgelöst durch die Medikamenteneinnahme lässt sich 

damit jedoch nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit beweisen.

4.2   Schliesslich lässt sich auch mit Blick auf die psychiatrischen Diagnosen nicht 

überwiegend wahrscheinlich belegen, dass die Beschwerdeführerin im fraglichen 

Zeitpunkt vollständig urteilsunfähig war. So sieht der behandelnde Psychiater Dr. B.___ 

im Bericht vom 20. Dezember 2012 die von ihm diagnostizierte Borderline-

Persönlichkeitsstörung als Ursache einer paranoiden Wahrnehmung, welche ihrerseits 

zum Sprung geführt haben soll (UV-act. M11), nachdem er im Bericht vom 10. 

September 2012 einzig einen impulsiven Durchbruch mit fraglicher paranoider und mit 

Angst geprägter Wahrnehmung festgehalten hatte (vgl. act. G 17.2). Auch die Aussage 

Dr. B.___s im Bericht vom 20. Dezember 2012, dass die Beschwerdeführerin in den 

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Monaten vor dem Ereignis psychisch stabil gewesen sei, relativiert sich durch die 

Aussagen vom 20. August 2012, wonach die Beschwerdeführerin immer depressiver 

werde. Insgesamt muss die Beweiskraft des Berichts von Dr. B.___ vom 20. Dezember 

2012 aufgrund der widersprüchlichen Aussagen in Zweifel gezogen werden. 

4.3   Darüber hinaus gingen die Ärzte der Rehaklinik Bellikon entgegen den 

Ausführungen Dr. B.___s nicht vom Vorliegen einer schweren Borderline-Störung aus, 

sondern diagnostizierten eine bipolare Störung. Letztere Diagnose wird zudem durch 

die Darlegung der Beschwerdeführerin, wonach es in ihrem Leben Phasen von 

Depressivität über eher kurze Dauer und Phasen von sehr grosser Aktivität und 

Leistungsfähigkeit gegeben habe (act. G 13.3, S. 4), gestützt. Was schliesslich den 

Umstand betrifft, dass ein Abschiedsbrief vorgefunden wurde, so lässt sich aufgrund 

des fehlenden Datums nicht feststellen, wann dieses Schreiben verfasst wurde. Folgt 

man den Aussagen der Beschwerdeführerin hinsichtlich der unmittelbar 

vorangegangenen Geschehnisse (Bedrohung durch den Ex-Partner), könnte der Brief 

ohne Weiteres auch bereits zwei Tage zuvor verfasst worden sein. Entsprechend ist die 

Beweiskraft des vorgefundenen Briefes für die vorliegend zu beantwortende Frage 

nach der Urteilsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Sprungs limitiert. 

Wäre er unmittelbar vor dem Ereignis geschrieben worden, würde er dieses als 

folgerichtig und nicht als unsinnig erscheinen lassen (vgl. vorne E. 2.2).

4.4   Insgesamt ist eine vollständig aufgehobene Urteilsfähigkeit im Zeitpunkt des 

Balkonsprungs vor dem Hintergrund der vorliegenden Aktenlage retrospektiv als 

lediglich möglich und nicht als mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt zu 

erachten.

4.5   Bei dieser Ausgangslage sind von zusätzlichen Erhebungen keine entscheid­

relevanten neuen Erkenntnisse zu erwarten, zumal gerade den echtzeitlichen 

medizinischen Berichten und dokumentierten polizeilichen Feststellungen keine 

Hinweise darauf zu entnehmen sind, dass die Beschwerdeführerin beim Sprung vom 

Balkon gänzlich urteilsunfähig war. Es kann deshalb von der Einholung weiterer 

medizinischer und insbesondere psychiatrischer Beurteilungen abgesehen werden 

(antizipierte Beweiswürdigung; BGE 136 I 236 E. 5.3; BGE 134 I 148 E. 5.3 und BGE 

124 V 94 E. 4b).

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5.     

Zusammenfassend ist vorliegend nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Sprungs 

vom Balkon am 21. August 2012 gänzlich urteilsunfähig war, vernunftgemäss zu 

handeln. Damit hat sie die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen und es lässt sich nicht 

beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht verneint hat.

6.     

6.1   Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des 

Einspracheentscheids vom 15. November 2013 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine 

zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).

6.2   Zufolge am 4. Februar 2014 bewilligter unentgeltlicher Rechtsverbeiständung (act. 

G 7) ist der Staat zu verpflichten, für die Kosten der Rechtsvertretung der 

Beschwerdeführerin aufzukommen. Die Parteientschädigung wird vom 

Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der 

Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 

61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor 

Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b Honorarordnung (HonO; sGS 963.75) 

pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. In der vorliegend zu beurteilenden 

Angelegenheit erscheint mit Blick auf die Anforderungen und Komplexität der 

Streitsache eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 4'000.-- angemessen. Diese ist 

um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes [AnwG; sGS 963.70]). 

Somit hat der Staat den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin pauschal mit Fr. 

3'200.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen. Wenn ihre 

wirtschaftlichen Verhältnisse es gestatten, kann die Beschwerdeführerin jedoch zur 

Nachzahlung verpflichtet werden (Art. 123 Abs. 1 der Schweizerischen 

Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die 

Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).

Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 

VRP

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entschieden:

1.    Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.    Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

3.      Der Staat hat den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin mit Fr. 3'200.-- (inkl.

Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 20.11.2014
	Art. 6 UVG; Art. 37 UVG; Art. 48 UVV. Gestützt auf die vorliegenden Akten ist eine vollständige Urteilsunfähigkeit im Zeitpunkt der Selbstschädigung nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Weitere Abklärungen vermögen an diesem Ergebnis nichts zu ändern (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. November 2014, UV 2013/95).

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