# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 12da9d06-4dcf-5797-b8a0-3344d8a51ead
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-05-04
**Language:** de
**Title:** Altlastensanierung für chemische Reinigung; Übergang Kostentragungspflicht auf Erbin, Kriterium der Vorhersehbarkeit
**Docket/Reference:** BRGE III Nr. 0066/2022
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/auszug_brge_iii_nr._066_2022_vom_4._mai_2022.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 

3. Abteilung 

G.-Nr. 
BRGE III Nr. 

R3.2021.00180 
0066/2022     

Entscheid vom 4. Mai 2022     

Mitwirkende 

Abteilungspräsident Felix Müller, Baurichterin Marlen Patt, Baurichterin Sa-
bine Ziegler, Gerichtsschreiber Mario Gasser     

in Sachen 

Rekurrentin 

A, […] 

vertreten durch […]  

gegen 

Rekursgegnerin 

1.  Baudirektion Kanton Zürich, Walchetor, Walcheplatz 2, Postfach, 

8090 Zürich  

Mitbeteiligte 

2.  Gemeinderat X, […] 
3.  B, […] 

Nr. 3 vertreten durch […] 

4.  C, […] 
5.  D, […] 

betreffend 

Verfügung  des  Amtes  für  Abfall,  Wasser,  Energie  und  Luft  (AWEL)  vom 
16. September 2021; Kostenverteilung altlastenrechtliche Massnahmen, […] 
_______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A. 

Mit Verfügung vom 16. September 2021 trat die Baudirektion Kanton Zürich, 

Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL), auf ein altlastenrechtliches 

Kostenverteilungsgesuch von B vom 24. Oktober 2018 bzw. 31. Januar 2019 

ein (Dispositiv-Ziffer 1), stellte die für altlastenrechtliche Massnahmen betref-

fend den belasteten Standort Nr. 0157/l.0012 bis zu diesem Zeitpunkt ange-

fallenen Kosten auf Fr. 54'712.65 fest (Dispositiv-Ziffer 2) und verlegte letz-

tere  auf  B  (Fr. 5'471.25;  10 %),  A  (Fr. 19'696.55;  36 %)  sowie den  Kanton 

Zürich (Fr. 29'544.85; 54 %) (Dispositiv-Ziffer 3). 

B. 

Hiergegen gelangte A mit fristgerechter Eingabe vom 15. Oktober 2021 an 

das Baurekursgericht des Kantons Zürich mit dem folgenden Rechtsbegeh-

ren: 

" 1. Die Kostenverteilungsverfügung vom 16. September 2021 der Baudirek-
tion des Kantons Zürich, Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Refe-
renz-Nr.: AL0157/0023-09) sei aufzuheben und die Kosten und Gebüh-
ren  für  die  bereits  entstandenen  Kosten  sowie  inskünftige  Kosten  und 
Gebühren im Zusammenhang mit der Untersuchung, Überwachung und 
Sanierung der Altlasten auf dem Grundstück Kat.-Nr. 1 in X seien neu 
unter Ausschluss von Frau A, vollständig und ausschliesslich auf Herrn 
B und den Kanton Zürich zu verteilen und zu verlegen. 

  2. Eventualiter  sei  die  Angelegenheit  zur  vollständigen  Sachverhaltsfest-
stellung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen und fest-
zustellen, dass Frau A weder die bereits entstandenen Kosten noch ins-
künftige  Kosten  im  Zusammenhang  mit  der  Untersuchung,  Überwa-
chung und Sanierung der Altlasten auf dem Grundstück Kat.-Nr. 1 in X 
sowie diesbezügliche Gebühren aufzuerlegen sind. 

  3. Subeventualiter  sei  die  Kostenverteilungsverfügung  vom  16. Septem-
ber 2021 der Baudirektion des Kantons Zürich, Amt für Abfall, Wasser, 
Energie und Luft (Referenz-Nr.: AL0157/0023-09) dahingehend abzuän-
dern,  dass  sämtliche  Frau  A  in  der  Kostenverteilung  zugeteilte  bereits 
entstandene und inskünftige Kosten und Gebühren im Zusammenhang 
mit  der  Untersuchung,  Überwachung  und  Sanierung  der  Altlasten  auf 
dem Grundstück Kat.-Nr. 1 in X Herrn B auferlegt werden. 

  4. Sub-subeventualiter sei der Kostenanteil von Frau A in der Kostenvertei-
lungsverfügung vom 16. September 2021 der Baudirektion des Kantons 
(Referenz-
Zürich,  Amt 

für  Abfall,  Wasser,  Energie  und  Luft 

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Nr.: AL0157/0023-09)  von  36 %  auf  höchstens  5 %  zu  reduzieren  und 
die im Dispositiv verteilten und verlegten Kosten und Gebühren entspre-
chend zu reduzieren. 

  5. Unter  Kosten-  und  Entschädigungsfolgen  zuzüglich  7.7 %  Mehrwert-

steuer zulasten der Vorinstanz und des Gesuchstellers." 

C. 

Mit  Präsidialverfügung  vom  19. Oktober  2021  wurde  vom  Rekurseingang 

Vormerk genommen und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet. 

D. 

Mit  Vernehmlassung  vom 15. November  2021  beantragte  die  Baudirektion 

Kanton Zürich die Abweisung des Rekurses unter Verweis auf den Mitbericht 
des AWEL vom 12. November 2021. Der Mitbeteiligte B beantragte mit Ver-

nehmlassung vom 18. November 2021, der Rekurs sei insoweit gutzuheis-

sen, als die Rekurrentin eine Befreiung von der Kostentragungspflicht mit der 

Begründung  beantrage,  dass  die  Voraussetzungen  für  die  Erbenhaftung 

nicht gegeben seien; dabei sei der auf die Rekurrentin entfallende Kosten-

anteil  vollumfänglich als  Ausfallkosten  auf  den  Kanton  Zürich  zu  verlegen. 

Eventualiter sei der Rekurs abzuweisen, alles unter Kosten- und Entschädi-

gungsfolgen zu Lasten der Rekurrentin. Der Gemeinderat X sowie C und D 

reichten keine Vernehmlassung ein. 

E. 

Mit Replik vom 21. Dezember 2021 und Dupliken vom 17. Januar 2022 bzw. 

1. Februar 2022 hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. 

F. 

Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit zur Entscheidbegründung erfor-

derlich, in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen. 

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Seite 3 

 
 
Es kommt in Betracht: 

1. 

Zum  Rekurs  ist  berechtigt,  wer  durch  die  Anordnung  berührt  ist  und  ein 

schutzwürdiges 

Interesse  an 

ihrer  Aufhebung  oder  Änderung  hat 

(§ 338a des Planungs- und Baugesetzes [PBG]). Die Rekurrentin ist als Ad-

ressatin der Verfügung vom 17. September 2021 und als zur Kostentragung 

Verpflichtete zu deren Anfechtung ohne weiteres legitimiert. Da auch die wei-

teren  Prozessvoraussetzungen  erfüllt  sind,  ist  auf  den  erhobenen  Rekurs 

einzutreten. 

2. 
Dem  Rekursverfahren  liegt  im  Wesentlichen  folgender  Sachverhalt  zu-

grunde: 

Auf dem Grundstück Kat.-Nr. 1 in X wurde von 1962 bis 2006 eine chemische 

Reinigung  betrieben,  wobei  durch  die  Verwendung  von  Tetrachlorethen 

(Perchlorethylen,  PER),  das  über  die  Kanalisation  in  den  Untergrund  ge-

langte, eine Bodenbelastung entstand. Die Belastung entstand mit grosser 

Wahrscheinlichkeit  vor  1990,  da  1991  neue  Maschinen  mit  Auffangwanne 

eingebaut wurden. Von 1962 bis 1979 wurde die Reinigung von E betrieben, 

anschliessend bis 2006 von F. 2010 verkaufte F die streitbetroffene Liegen-

schaft an den heutigen Eigentümer B. Beide ehemaligen Betreiberinnen der 

chemischen Reinigung sind inzwischen verstorben. 

Mit der vorliegend angefochtenen Verfügung ermittelte das AWEL E und F 

als Verhaltensverursacherinnen sowie B als Zustandsstörer. Die bis zu die-

sem  Zeitpunkt  angefallenen  Kosten  für  altlastenrechtliche  Massnahmen  in 

der Höhe von Fr. 54'712.65 verlegte es auf B (10 %), A (Alleinerbin von F; 

36 %) sowie den Kanton Zürich (54 %). 

3.1. 

Die  Rekurrentin  wendet  sich  mit  ihrem  Rekurs  gegen  die  zu  ihren  Lasten 

erfolgte Kostenverlegung. Sie macht einerseits geltend, mit dem Erbgang sei 

keine Kostentragungspflicht auf sie übergegangen. Andererseits hätte die im 

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Seite 4 

 
 
Grundstückskaufvertrag zwischen ihrer Mutter und B enthaltene Schadlos-

haltungserklärung von der Vorinstanz berücksichtigt werden müssen. 

Zur Begründung bringt die Rekurrentin vor, Voraussetzung für den Übergang 

der Kostentragungspflicht des Erblassers auf den Erben sei unter anderem, 

dass  die  Möglichkeit  von  altlastenrechtlichen  Massnahmen  und  die  damit 

verbundene Kostentragungspflicht des Erblassers für die Erben vorherseh-

bar  gewesen  sei. Entgegen  der  Auffassung der  Vorinstanz  sei  dies  vorlie-

gend nicht der Fall. 

Die Rekurrentin habe der Vorinstanz auf entsprechende Anfrage hin mitge-

teilt, dass sie über die Altlastensituation auf dem Grundstück nicht im Detail 

informiert sei und sie diesbezügliche Informationen im Wesentlichen nur den 

Unterlagen im Nachlass ihrer Mutter habe entnehmen können. Die in der an-

gefochtenen  Verfügung  angeführte  Begründung  der  Vorhersehbarkeit  der 

Kostentragungspflicht  für  die  Rekurrentin  greife  viel  zu  kurz.  So  sage  das 

nahe Verwandtschaftsverhältnis noch nichts darüber aus, inwiefern die Re-

kurrentin  als  Tochter  in  geschäftliche  und  finanzielle  Belange  ihrer  Mutter 

Einblick erhalten habe. Nicht relevant sei ferner, ob im Jahre 2010 die von 

chemischen Reinigungen ausgehende Umweltgefährdung in der breiten Be-

völkerung bekannt gewesen sei; massgebend sei vielmehr der Zeitpunkt des 

Erbgangs, mithin das Jahr 2016. Zu diesem Zeitpunkt sei von der fraglichen 

chemischen Reinigung indessen bereits seit 26 Jahren keine Gefahr mehr 

ausgegangen, da im Jahre 1990 Auffangwannen installiert worden seien. Es 

sei demnach völlig abwegig, dass die Rekurrentin beim Erbfall aufgrund ei-

ner angeblichen Bekanntheit in der Bevölkerung von einer Kostentragungs-

pflicht ihrerseits hätte ausgehen müssen. 

B, der die Liegenschaft 2010 von ihrer Mutter gekauft habe, sei sodann einzig 
aufgrund einer Praxisänderung der Vorinstanz zur Durchführung von kosten-

intensiven  Untersuchungen  verpflichtet  worden.  Selbst  er  sei  der  Ansicht, 

dass zum Zeitpunkt des Erbgangs im Jahr 2016 keine Vorhersehbarkeit der 

Sanierungspflicht für die Rekurrentin gegeben gewesen sei. Zu diesem Zeit-

punkt  habe  immer  noch  die  Stellungnahme  der  Vorinstanz  vom  29. März 

2011 Geltung gehabt, wonach das Grundstück als nur bei Zustandsänderun-

gen  untersuchungsbedürftig  gegolten  habe.  Die  Neubeurteilung  durch  die 

Vorinstanz  sei  erst  aufgrund  der  Praxisänderung  am  28. September  2017 

erfolgt und somit nach dem Erbgang. Die Rekurrentin habe zum Zeitpunkt 

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des Erbgangs somit gar keine Ahnung von irgendwelchen Kostenfolgen zu 

ihren  Lasten  haben  können.  Mangels Vorhersehbarkeit  habe  deshalb  kein 

Übergang der Kostentragungspflicht auf die Erbin und Rekurrentin stattge-

funden. Der Verhaltensstöreranteil von F sei demnach nicht der Rekurrentin 

aufzuerlegen, sondern als Ausfallentschädigung vom Kanton Zürich zu tra-

gen. 

3.2. 

Die Baudirektion Kanton Zürich hält dem entgegen, die Rekurrentin bestreite 

nicht,  von  einer  möglichen  Altlastenproblematik  auf  dem  Grundstück  ihrer 

Mutter  gewusst  zu  haben.  So  habe  sie  im  Schreiben  an  das  AWEL  vom 

7. September 2020 angegeben, sie sei über die Altlastsituation der Liegen-

schaft "nicht im Detail informiert". Aus dem Umkehrschluss folge somit, dass 

die Rekurrentin zumindest Kenntnis von der "Altlastsituation" gehabt habe. 

Die Rekurrentin führe in besagtem Schreiben weiter aus, sie habe den Un-

terlagen im Nachlass ihrer Mutter "nun" entnehmen können, dass laut Kauf-

vertrag der Erwerber bei einer allfälligen Sanierungspflicht sämtliche Kosten 

übernehmen und die veräussernde Partei entlasten werde und eben nicht – 

wie  in  der  Rekursschrift  fälschlicherweise  wiedergegeben  –  sie hätte "nur" 

den  Unterlagen  im  Nachlass  diesbezüglich  Informationen  entnehmen  kön-

nen. Dies sei inhaltlich ein Unterschied. Dass die Rekurrentin Kenntnis von 

der  Altlastsituation  gehabt  habe,  wenn  auch  angeblich  in  einem  unspezifi-

zierten Detaillierungsgrad, sei daher bereits aufgrund ihrer eigenen Angaben 

erstellt. Weiter verfüge der Kanton Zürich seit 2011 über einen öffentlich zu-

gänglichen Kataster belasteter Standorte (KbS), der kostenfrei eingesehen 

werden könne. Der Rekurrentin sei es somit jederzeit möglich gewesen, den 

altlastenrechtlichen Status des mütterlichen Gewerbegrundstücks zu prüfen. 

Der Rekurrentin sei sowohl die Belastung des Grundstücks als auch die la-

tente Kostenpflicht bekannt gewesen. So halte diese in ihrem Rekurs selbst 
fest, dass im "Zeitpunkt des Verkaufs […] von einer viel grösseren Belastung 

ausgegangen" worden sei, weshalb der Preisnachlass viel zu hoch gewesen 

sei. Mithin sei bereits 2010 bekannt gewesen, dass eine Belastung mit dar-

aus resultierenden Kostenrisiken bestehe. Nicht klar sei, weshalb der Zeit-

punkt der Kenntnis der Gefahr, die von chemischen Reinigungen ausgehe, 

vorliegend relevant sein soll. Auch die Klassierung der altlastenrechtlichen 

Massnahmen  sei  bedeutungslos;  ein  Grundstück  könne  als  belastet  ohne 

Massnahmen, als untersuchungspflichtig, sanierungspflichtig oder überwa-

chungspflichtig im KbS eingetragen sein. Diese Klassierungen stellten immer 

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eine Momentaufnahme dar. Eine Sanierungspflicht folge regelmässig als Re-

sultat  einer  historischen  und  einer  technischen  Untersuchung  sowie  einer 

Detailuntersuchung.  Voruntersuchungen  hätten  bereits  vor  der  Veräusse-

rung des Grundstücks stattgefunden und der Standort sei bereits im KbS er-

fasst gewesen. Ein Gesuch der Mutter der Rekurrentin auf Entlassung ihres 

Grundstücks aus dem Kataster sei mit Verfügung vom 16. September 2005 

explizit  abgelehnt  und  der  Standort  als  weiterhin  untersuchungsbedürftig 

klassiert worden. Im Ergebnis sei daher festzuhalten, dass die Rekurrentin 

die Kostentragungspflicht ihrer Mutter als Verhaltensverursacherin mit dem 

(vorbehaltlosen)  Antritt  des  Erbes  übernommen  habe.  Da  ihr  gleichzeitig 

auch die Aktiven der Erblasserin zugekommen seien, erscheine der Eintritt 

in die Passiven als fair. 

3.3. 

Der Übergang der (latenten) Kostentragungspflicht des Verhaltensverursa-

chers  auf  seine  Erben  wird  nach der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung 

an zwei Voraussetzungen geknüpft. Einerseits muss zum Zeitpunkt des Erb-

gangs eine rechtliche Grundlage für eine Sanierungs- und Kostentragungs-

pflicht bestanden haben. Andererseits müssen die Erben die Möglichkeit ge-

habt haben, das Erbe auszuschlagen oder unter öffentlichem Inventar anzu-

nehmen,  was  die  Vorhersehbarkeit  einer  Sanierungspflicht  bedingt 

(BGE 142 II 232, E. 6.3, mit Hinweisen). 

Das Bestehen einer rechtlichen Grundlage für eine Sanierungs- und Kosten-

tragungspflicht zum Zeitpunkt des Erbgangs (2016) ist vorliegend unbestrit-

ten. Vorbehältlich besonderer Bestimmungen oder abweichender Umstände 

ist im Allgemeinen spätestens ab dem Inkrafttreten des Gewässerschutzge-

setzes per 1. Juli 1972 von einer genügenden Rechtsgrundlage für eine Sa-

nierungspflicht auszugehen (BGE 114 Ib 44, E. 2.c.bb). Strittig ist hingegen, 
ob  die  altlastenrechtlichen  Massnahmen  für  die  Rekurrentin  vorhersehbar 

waren oder nicht. 

Entgegen der Meinung der Vorinstanz ist dies vorliegend zu verneinen. Das 

belastete  Grundstück  wurde  mit  Kaufvertrag  vom  16. Dezember  2010  von 

der Mutter der Rekurrentin, F, an B verkauft. F verstarb am 8. Oktober 2016. 

Als die Rekurrentin das Erbe antrat, befand sich das belastete Grundstück 

daher nicht in der Erbmasse, sondern war schon seit fast 6 Jahren verkauft. 

Der  vorliegende  Fall  unterscheidet  sich  damit  grundlegend  von  den 

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bisherigen Bundesgerichtsurteilen, in denen sich das Bundesgericht mit ei-

nem  Übergang  der  Kostentragungspflicht  des  Verhaltensverursachers  auf 

seine  Rechtsnachfolger  durch  Erbgang 

zu  beschäftigen  hatte 

(BGE 139 II 106, BGE 142 II 232, BGr 1C_117/2020). Während sich in jenen 

Fällen das belastete Grundstück in der Erbmasse befand, war das vorliegend 

nicht der Fall. Damit bestand für die Rekurrentin keine Veranlassung, sich 

mit der streitgegenständlichen Thematik auseinander zu setzen, zumal der 

Verkauf des Grundstücks durch die Mutter der Rekurrentin zu diesem Zeit-

punkt bereits relativ lange zurücklag. Um eine Vorhersehbarkeit dennoch zu 

bejahen,  müssten  besondere  Umstände  vorliegen.  Solche  sind  vorliegend 

indes nicht ersichtlich, wie nachfolgend aufzuzeigen ist. 

Zunächst lässt das blosse Bestehen des nahen Verwandtschaftsverhältnis-

ses  nicht  den  Schluss  zu,  die  Rekurrentin  sei über  die geschäftlichen  und 

finanziellen Angelegenheiten ihrer Mutter bzw. über die Altlastenthematik in-

formiert gewesen. Auch aus dem erwähnten Schreiben der Rekurrentin an 

das AWEL lässt sich solches nicht ableiten. Die zitierten Passagen, wonach 

die Rekurrentin über die Altlastsituation nicht im Detail informiert sei und den 

Nachlassunterlagen nun gewisse Informationen dazu habe entnehmen kön-

nen,  beziehen  sich  in  zeitlicher  Hinsicht  auf  das  Datum  des  verfassten 

Schreibens; Rückschlüsse auf den Kenntnisstand der Rekurrentin zum Zeit-

punkt  des  Erbgangs  lassen  sich  daraus  entgegen  der  Auffassung  der  Vo-

rinstanz nicht ziehen. Dasselbe gilt für die aus dem Rekurs zitierte Passage, 

wonach im Zeitpunkt des Verkaufs des Grundstücks von einer viel grösseren 

Belastung ausgegangen worden sei und der Preisnachlass viel zu hoch ge-

wesen  sei.  Die  Aussage  bezieht  sich  offenkundig  auf  einen  Vergleich  des 

heutigen Kenntnisstands der Rekurrentin mit dem damaligen Kenntnisstand 

der Mutter der Rekurrentin; daraus den Schluss ziehen zu wollen, der Re-

kurrentin seien die Belastung und die latente Kostenpflicht beim Erbfall be-
kannt gewesen, mutet etwas abenteuerlich an. 

Wenig hilfreich ist auch der Hinweis der Vorinstanz, der Kanton Zürich ver-

füge seit 2011 über einen öffentlich zugänglichen Kataster belasteter Stand-

orte (KbS). Das streitgegenständliche Grundstück wurde bereits 2010 ver-

kauft und für die Rekurrentin bestand schlichtweg keine Veranlassung, nach 

dem Verkauf des Grundstücks durch ihre Mutter den KbS zu konsultieren. 

Hinzu  kommt,  dass  das  Grundstück  zum  Zeitpunkt  des  Verkaufs  im  KbS 

bloss als "untersuchungsbedürftig bei einer Zustandsänderung" eingetragen 

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Seite 8 

 
 
war  und  eine  Zustandsänderung  (etwa  ein  Bauvorhaben  oder  eine  Nut-

zungsänderung) nie in Aussicht stand. Erst mit Verfügung vom 3. Oktober 

2018, mithin zwei Jahre nach dem Erbgang, wurde das Grundstück als "be-

lastet  und  sanierungsbedürftig"  beurteilt.  Als  Grund  der  Notwendigkeit  der 

Durchführung  einer  ergänzenden  Voruntersuchung  unabhängig  von  einer 

Zustandsänderung, die letztlich zu dieser Änderung der Klassierung führte, 

wurden  neue  Erkenntnisse  der  letzten  Jahre  angeführt,  wonach  Untersu-

chungen und Sanierungen von mit CKW belasteten Standorten gezeigt hät-

ten, dass von solchen Standorten eine grosse Gefahr für Mensch und Um-

welt ausgehen könne (Schreiben des AWEL vom 14. Dezember 2015). Auch 

diese Information ging (korrekterweise) lediglich an den Standortinhaber B; 

für eine Information der Mutter der Rekurrentin oder geschweige denn der 

Rekurrentin  bestand  keine  Veranlassung.  Die  Tatsache,  dass  selbst  das 

AWEL erst ab diesem Zeitpunkt bei CKW-Belas-tungen von einer erhöhten 

Umweltgefährdung ausging und gestützt auf neue Erkenntnisse eine Praxis-

änderung vollzog, steht sodann im Widerspruch zur Annahme, wonach die 

Umweltgefahren, die von chemischen Reinigungen ausgingen, in der breiten 

Bevölkerung bekannt gewesen seien. 

Nicht  gefolgt  werden  kann  der  Vorinstanz  schliesslich  in  ihrer  Auffassung, 

der Eintritt der Erbin und Rekurrentin in die Passiven erscheine als fair, da 

ihr gleichzeitig auch die Aktiven der Erblasserin zugekommen seien. Ein ent-

sprechender  Automatismus  war  vom  Gesetzgeber  offensichtlich  nicht  ge-

wollt und ist daher gesetzlich auch nicht vorgesehen; massgebend ist einzig 

die  Vorhersehbarkeit.  Überdies  ist  auch  nicht  klar,  ob  und  gegebenenfalls 

welcher Teil des Erbes aus dem seinerzeitigen Grundstücksverkauf stammte 

bzw. zum Zeitpunkt des Erbgangs noch vorhanden war. 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Erfordernis der Vorhersehbar-
keit vorliegend zu verneinen ist. 

3.4. 

Der Kostenanteil der Verhaltensverursacherin F ist damit nicht auf die Re-

kurrentin übergegangen, was zur Gutheissung des Rekurses führt. Eine Aus-

einandersetzung mit der Rüge, ob die Vorinstanz gehalten gewesen wäre, 

die im Grundstückskaufvertrag enthaltene Schadloshaltungserklärung zu be-

rücksichtigen, erübrigt sich. 

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Seite 9 

 
 
Gemäss Art. 32d Abs. 3 Umweltschutzgesetz (USG) trägt das Gemeinwesen 

den Kostenanteil von Verursachern, die nicht ermittelt werden können oder 

zahlungsunfähig  sind.  Gleiches  hat  zu  gelten,  wenn  ein  Verursacher  zwar 

bekannt ist, aber – unter Fehlen einer Rechtsnachfolge – nicht mehr existiert 

(vgl. GRIFFEL / RAUSCH, in: Kommentar zum Umweltschutzgesetz, Ergän-

zungsband, 2011, N. 14 ff. zu Art. 32d USG; BGE 142 II 232, E. 6.5). Der 

Anteil  von  F  als  nicht  mehr  existierende  Verhaltensverursacherin  ist  damit 

vom Kanton Zürich zu tragen. 

4.1. 

Ausgangsgemäss  sind  die  Verfahrenskosten  der  Vorinstanz  aufzuerlegen 

(§ 13 VRG). 

Nach § 338 Abs. 1 PBG bzw. § 2 der Gebührenverordnung des Verwaltungs-

gerichts (GebV VGr) legt das Baurekursgericht die Gerichtsgebühr nach sei-

nem Zeitaufwand, nach der Schwierigkeit des Falls und nach dem bestimm-

baren  Streitwert  oder dem  tatsächlichen  Streitinteresse  fest.  Liegt  wie hier 

ein Verfahren ohne bestimmbaren Streitwert vor, beträgt die Gerichtsgebühr 

in der Regel Fr. 500.-- bis Fr. 50'000.-- (§ 338 Abs. 2 PBG; § 3 Abs. 2 GebV 

VGr). In besonders aufwendigen Verfahren kann die Gerichtsgebühr bis auf 

das Doppelte erhöht werden (§ 4 Abs. 1 GebV VGr). Bei der Bemessung der 

Gebührenhöhe steht der Rekursinstanz ein grosser Ermessensspielraum zu 

(Kaspar Plüss, in: Kommentar VRG, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, § 13 

Rz. 25 ff.). Demnach ist die Gerichtsgebühr vorliegend auf Fr. 4'000.-- fest-

zusetzen. 

4.2. 

Die Rekurrentin und der Mitbeteiligte B beantragen die Zusprechung einer 
Umtriebsentschädigung. 

Gemäss § 17 Abs. 2 lit. a VRG kann im Rekursverfahren und im Verfahren 

vor dem Verwaltungsgericht die unterliegende Partei oder Amtsstelle zu ei-

ner  angemessenen  Entschädigung  für  die  Umtriebe  der  Gegenpartei  ver-

pflichtet werden, wenn die rechtsgenügende Darlegung komplizierter Sach-

verhalte und schwieriger Rechtsfragen besonderen Aufwand erforderte  oder 

den Beizug eines Rechtsbeistandes rechtfertigte. Die Bemessung der Um-

triebsentschädigung richtet sich nach § 8 GebV VGr. 

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Seite 10 

 
 
Der Beizug eines Rechtsbeistandes ist in aller Regel als Grund für die Zu-

sprechung  einer  Umtriebsentschädigung  einzustufen  (VB.2003.00093  vom 

16. Oktober 2003, E. 3.1.). Demnach ist vorliegend der Rekurrentin und dem 

Mitbeteiligten B zulasten der Vorinstanz eine Umtriebsentschädigung zuzu-

sprechen. Angemessen erscheint ein Betrag von je Fr. 1'700.--. 

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