# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 49b2a02d-8fb5-5c69-a234-0a192df0d4da
**Source:** Nidwalden (NW)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-11
**Language:** de
**Title:** Nidwalden Gerichte 11.06.2024 35548
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/NW_Gerichte/NW_OG_001_35548_2024-06-11.pdf

## Full Text

GERICHTE    OBERGERICHT  Marktgasse 4, Postfach 1244, 6371 Stans  

Tel. 041 618 79 70, www.nw.ch 

 

SA 23 3 Beschwerde beim BGer hängig 

 

 

Urteil vom 9. November 2023 / 21. März 2024 

Strafabteilung 

 

 

Besetzung Präsidentin Livia Zimmermann, Vorsitz, 

 Oberrichterin Rahel Jacob, 

 Oberrichter Rolf Gabriel, 

Gerichtsschreiber Reto Rickenbacher. 

 

 

Verfahrensbeteiligte A.__, 

 

vertreten durch Rechtsanwalt MLaw Mario Schenkel, 

Schenkel & Serrago AG, Hirschmattstrasse 62, 6002 Luzern, 

Berufungskläger / Beschuldigter, 

gegen 

Staatsanwaltschaft Nidwalden, Abt. II Wirtschaftsdelikte, 

Kreuzstrasse 2, Postfach 1242, 6371 Stans, 

Berufungsbeklagte/Anklägerin, 

und 

B.__, 

vertreten durch Rechtsanwalt Reto Marbacher,  

Beeler & Marbacher AG, Sälistrasse 27, 6005 Luzern, 

Berufungsbeklagte/Privatklägerin. 

 

Gegenstand Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff 1 StGB), Misswirtschaft 

(Art. 165 Ziff 1 StGB) und mehrfache Bevorzugung eines 

Gläubigers (Art. 167 StGB);  

Berufung gegen das Urteil des Kantonsgerichts Nidwalden, 

Strafabteilung/Einzelgericht vom 27. Oktober 2022  

(SE 21 7).  

2│64 

Sachverhalt: 

A.  

Mit Urteil vom 27. Oktober 2022 erkannte das Kantonsgericht Nidwalden, Zivilabteilung/Ein-

zelgericht, was folgt (Wortlaut gemäss der begründeten Fassung):  

« 1. Der Beschuldigte wird der Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 StGB), der Misswirtschaft (Art. 165 
Ziff. 1 StGB) sowie der mehrfachen Bevorzugung eines Gläubigers (Art. 167 StGB) schuldig gespro-
chen.  

 
 2. Der Beschuldigte wird hierfür in Anwendung von Art. 34 Abs. 1 und 2 StGB, Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 

StGB, Art. 165 Ziff. 1 StGB, Art. 167 sowie Art. 251 Ziff. 1 StGB mit einer Geldstrafe von 100 Tagessät-
zen zu je Fr. 315.00 bestraft.  

 
  Der Vollzug der Geldstrafe wird gestützt auf Art. 42 Abs. 1 StGB und Art. 44 Abs. 1 StGB aufgeschoben, 

unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren.  
 
 3. Die anlässlich der Hausdurchsuchung vom 9. September 2019 sichergestellten Gegenstände und Auf-

zeichnungen (Nr. A1-115, C1, D1-D10 und E1) sind dem Beschuldigten innert 30 Tagen nach Eintritt 
der Rechtskraft dieses Urteils auf sein Verlangen hin gegen Empfangsbescheinigung herauszugeben. 
Der unbenutzte Ablauf dieser Frist gilt als Verzicht auf die Herausgabe, mit der Folge, dass die Objekte 
zu vernichten sind.  

 
 4. Die Verfahrenskosten setzen sich nach Massgabe von Art. 422 StPO sowie Art. 1, Art. 2, Art. 4 Abs. 3, 

Art. 9 Ziff. 2 und Art. 10 Ziff. 2 PKoG (Prozesskostengesetz, NG 261.2) wie folgt zusammen: 
 

Ermittlungs- und Untersuchungskosten STA-Nr. A2N 19 10000 
(Gebühren und Auslagen) Fr. 4'200.00 
Gebühr Zwangsmassnahmengericht (ZM 19 13) Fr. 1'000.00 
Überweisungsgebühr Fr. 100.00 
Herabgesetzte Gerichtsgebühr (inkl. Auslagen) Fr. 7'000.00 
Total Verfahrenskosten  Fr. 12'300.00 

 
  Der Beschuldigte hat die Verfahrenskosten vollumfänglich zu tragen (Art. 426 Abs. 1 StPO). 
 
  Der Beschuldigte hat demnach mit beiliegendem Einzahlungsschein Fr. 12'300.00 zu bezahlen. 
 
 5. Dem Beschuldigten wird keine Entschädigung oder Genugtuung im Sinne von Art. 431 Abs. 1 StPO 

ausgerichtet.  
 
 6. Der Beschuldigte hat der Privatklägerin für ihre notwendigen Aufwendungen im Verfahren (Anwaltskos-

ten) eine Entschädigung von Fr. 32'377.05 (Honorar Fr. 29'200.00, Auslagen Fr. 862.25 und 7.7 % Mehr-
wertsteuer Fr. 2'314.80) zu bezahlen (Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO).  

 
 7. [Zustellungen] » 
 

3│64 

B.  

Mit Berufungserklärung vom 2. März 2023 stellte A.__ (nachfolgend: Beschuldigter) die fol-

genden Anträge (amtl. Bel. 1):   

« 1. Ziff. 1 und 2 erstinstanzlichen Urteilsspruchs sei aufzuheben und [der Beschuldigte] sei vom Vorwurf der 
Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 StGB), der Misswirtschaft (Art. 165 Ziff. 1 StGB) sowie der mehrfa-
chen Bevorzugung eines Gläubigers (Art. 167 StGB) freizusprechen. 

 
 2. Ziff. 4 des erstinstanzlichen Urteilsspruchs sei aufzuheben und die Verfahrenskosten vollumfänglich zu-

lasten des Staates aufzuerlegen.  
 
 3. Ziff. 5 des erstinstanzlichen Urteilsspruchs sei aufzuheben und dem Beschuldigten eine angemessene 

Entschädigung und Genugtuung auszurichten.  
 
 4. Ziff. 6 des Urteilsspruchs sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass die Privatklägerin für ihre Auf-

wendungen selbst aufzukommen habe.  
 
 5. Eventualiter sei der angefochtene Entscheid vollumfänglich aufzuheben und die Sache zur Neubeurtei-

lung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 
 
 6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates, eventualiter zu Lasten der Privatklä-

gerschaft. » 

 
Zudem stellte der Beschuldigte in der Berufungserklärung die folgenden Beweisanträge:  

« Zeugenbefragung 
- mit Rechtsanwalt C.__  
- mit Rechtsanwalt D.__ 
 

 Editionen 
- Klientenkorrespondenz zwischen Rechtsanwalt E.__ und F.__, bei Rechtsanwalt E.__ 
- sämtlicher Verfahrensakten sämtlicher zwischen der Privatklägerschaft bzw. F.__ sel. und Rechtsanwalt 

D.__ geführten Verfahren, bei der Privatklägerschaft 
- sämtliche Klientenkorrespondenz zwischen D.__ und der G.__ AG bei Herrn Rechtsanwalt D.__ 

 
 Gutachten 

betreffend die Verrechnungen des Darlehens der H.__ GmbH mit der Kontokorrentforderung [des Beschuldig-
ten], mit dem der I.__ AG gewährten Darlehen mit dem Darlehen der J.__ AG und mit dem der J.__ AG ge-
währten Darlehen mit dem Darlehen der K.__ AG von einem Fachexperten (Buchhalter / Revisor) bewertet und 
beurteilt werden, insbesondere in Bezug auf die Übereinstimmung mit treuhänderischen Grundsätzen und ob 
hierbei Nachteile zulasten der Gesellschaft entstanden sind.» 

 

C.  

Mit prozessleitender Verfügung vom 6. März 2023 wurde die Berufungserklärung des Beschul-

digten der Staatsanwaltschaft Nidwalden (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) und der Privatklä-

gerin zugestellt und ihnen Gelegenheit gegeben, innert Frist Nichteintreten und/oder An-

schlussberufung zu beantragen (amtl. Bel. 2). Die Staatsanwaltschaft teilte mit Schreiben vom 

4│64 

8. März 2023 mit, dass sie weder ein Nichteintreten auf die Berufungserklärung des Beschul-

digten beantrage noch Anschlussberufung erkläre (amtl. Bel. 4). Die Privatklägerin liess sich 

innert angesetzter Frist nicht vernehmen.  

 

D.  

Mit Verfügung vom 11. April 2023 hat die Vorsitzende der Strafabteilung des Berufungsge-

richts die Beweisanträge des Beschuldigten vom 2. März 2023 abgewiesen. Zudem wurden 

die Parteien ersucht, innert 14 Tagen mitzuteilen, ob sie mit der Durchführung des schriftlichen 

Verfahrens an Stelle einer mündlichen Berufungsverhandlung einverstanden sind, wobei eine 

ausbleibende Mitteilung innert Frist als Zustimmung zum schriftlichen Verfahren gelte (amtl. 

Bel. 5). Die Staatsanwaltschaft teilte am 21. April 2023 ihre Zustimmung zum schriftlichen Ver-

fahren mit (amtl. Bel. 7) und die Privatklägerin liess sich innert Frist nicht vernehmen 

(amtl. Bel. 9). Der Beschuldigte teilte am 9. Mai 2023 mit, er sei mit der Durchführung des 

schriftlichen Verfahrens nicht einverstanden (amtl. Bel. 8).  

 

E.  

Mit prozessleitender Verfügung vom 19. Juni 2023 wurden die Parteien zur Berufungsverhand-

lung auf Donnerstag, 9. November 2023, 09:00 Uhr, vorgeladen und den Parteien wurde die 

Zusammensetzung des Gerichts mitgeteilt. Der Beschuldigte wurde zum persönlichen Er-

scheinen verpflichtet, der Staatsanwaltschaft und der Privatklägerin wurde das Erscheinen 

freigestellt (amtl. Bel. 10). 

 

F.  

Am 19. Oktober 2023 bestellte das Gericht einen aktuellen Strafregisterauszug des Beschul-

digten, der am 26. Oktober 2023 einging (amtl. Bel. 12 f.).  

 

G.  

Die Berufungsverhandlung fand am 9. November 2023 statt. Parteiseits anwesend waren der 

Beschuldigte mit seinem Verteidiger Rechtanwalt Mario Schenkel, Staatsanwalt Damian Graf 

und die Privatklägerin B.__ mit Rechtsanwalt Reto Marbacher. Die Verhandlung wurde zusätz-

lich zum schriftlichen Protokoll akustisch aufgezeichnet. Die digitale Tonaufnahme sowie das 

schriftliche Verhandlungsprotokoll (amtl. Bel. 15) liegen den Akten bei. 

An der Verhandlung wurden zunächst Vorfragen geklärt, wobei die Verteidigung diverse Be-

weisanträge stellte (amtl. Bel. 16). Anschliessend wurde der Beschuldigte einvernommen 

5│64 

(amtl. Bel. 17). Danach plädierten der Verteidiger des Beschuldigten (amtl. Bel. 18), der Staats-

anwalt (amtl. Bel. 15) und der Rechtsvertreter der Privatklägerin (amtl. Bel. 19). Nach den 

zweiten Parteivorträgen erhielt der Beschuldigte die Gelegenheit für ein Schlusswort, bevor 

die Verhandlung geschlossen wurde, wobei die Parteien auf eine mündlich Urteilseröffnung 

verzichteten (amtl. Bel. 15). 

 

H.  

Der Rechtsvertreter der Privatklägerin gab seine Kostennote an der Berufungsverhandlung zu 

den Akten (amtl. Bel. 20), während die Verteidigung ihre Kostennote noch gleichentags nach-

reichte (amtl. Bel. 21).  

 

I.  

Die Strafabteilung des Obergerichts Nidwalden hat die vorliegende Strafsache am 9. Novem-

ber 2023 und 21. März 2024 beraten und beurteilt. Auf die Parteivorbringen wird, soweit erfor-

derlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen. 

 

 

  

6│64 

Erwägungen: 

1.  

1.1  

Gegen erstinstanzliche Urteile, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen 

wird, ist das Rechtsmittel der Berufung zulässig (Art. 398 Abs. 1 StPO). Berufungsinstanz ge-

gen Urteile des Kantonsgerichts Nidwalden als Einzelgericht ist das Obergericht Nidwalden, 

Strafabteilung (Art. 29 Abs. 1 GerG [NG 261.1]), das in Dreierbesetzung entscheidet 

(Art. 22 Abs.  1 Ziff. 2 GerG). Das Obergericht ist somit örtlich und sachlich zuständig für die 

Beurteilung der Berufung gegen das Urteil SE 21 7 des Kantonsgerichts Nidwalden, Strafab-

teilung/Einzelgericht, vom 27. Oktober 2022. 

 

1.2  

Jede Partei und somit auch die beschuldigte Person (vgl. Art. 104 Abs. 1 lit. a StPO), die ein 

rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheids hat, kann 

ein Rechtsmittel ergreifen (Art. 382 Abs. 1 StPO). Der Berufungskläger wurde als beschuldigte 

Person zu einer (bedingten) Geldstrafe sowie zur Tragung der Verfahrenskosten verurteilt, 

womit er ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des Kantons-

gerichtsurteils hat, und zur Berufung berechtigt ist.  

 

1.3  

Die Berufung ist dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils 

schriftlich oder mündlich zu Protokoll anzumelden (Art. 399 Abs. 1 StPO). Das schriftliche Ur-

teilsdispositiv wurde am 31. Oktober 2022 versandt und am 2. November 2022 von der Ver-

teidigung des Beschuldigten entgegengenommen (vi-A-1), woraufhin die Verteidigung mit Ein-

gabe vom 3. November 2022 und somit innert Frist Berufung anmeldete. Die Partei, die Beru-

fung angemeldet hat, hat sodann innert 20 Tagen seit Zustellung des begründeten Urteils dem 

Berufungsgericht eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen (Art. 399 Abs. 3 StPO). 

Das schriftlich begründete Urteil wurde am 10. Februar 2023 versandt und 13. Februar 2023 

von der Verteidigung entgegengenommen (BK-Bel. 2). Diese reichte am 2. März 2023 fristge-

recht die schriftliche Berufungserklärung ein (amtl. Bel. 1). Die Berufung wurde somit form- 

und fristgerecht erhoben. Auf die Berufung ist demnach einzutreten.  

7│64 

2.  

2.1  

Mit der Berufung können Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch 

des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (Art. 398 Abs. 3 lit. a StPO), die 

unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) sowie Unangemessenheit 

(lit. c) gerügt werden. Mithin verfügt das Berufungsgericht über volle Kognition und kann das 

erstinstanzliche Urteil im Rahmen der angefochtenen Punkte umfassend überprüfen 

(Art. 398 Abs. 2 StPO; Art. 404 Abs. 1 StPO).  

Im Berufungsverfahren gilt die Dispositionsmaxime. Das Berufungsgericht überprüft das erst-

instanzliche Urteil – von der Ausnahme der Überprüfung zugunsten der beschuldigten Person 

zur Verhinderung von gesetzwidrigen oder unbilligen Entscheidungen (Art. 404 Abs. 2 StPO) 

abgesehen – nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Primäre Aufgabe des 

Berufungsgerichts ist es nicht, einzig nach Fehlern des erstinstanzlichen Gerichtes zu suchen 

und diese zu beanstanden: Das Berufungsgericht entscheidet vielmehr in eigener Verantwor-

tung aufgrund seiner freien, aus den Akten, eigener Beweisaufnahmen und aus der Verhand-

lung geschöpften Überzeugung. Die Berufung zielt damit auf vollständige oder teilweise Wie-

derholung der Überprüfung des Sachverhaltes und eine erneute tatsächliche Beurteilung ab. 

Auch wenn das Berufungsgericht nur die angefochtenen Punkte neu beurteilt, fällt es am Ende 

ein insgesamt neues Urteil. Das Berufungsgericht muss sich somit nicht zwingend mit der 

erstinstanzlichen Urteilsbegründung auseinandersetzen, darf sich umgekehrt aber auch nicht 

auf eine Überprüfung der erstinstanzlichen Rechtsanwendung beschränken (Art. 408 StPO; 

BGE 141 IV 244 E. 1.3.3 m.w.V.; Urteil des Bundesgerichts 6B_760/2016 vom 29. Juni 2017 

E. 4.4; JÜRG BÄHLER, in: Basler Kommentar, Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 1 zu 

Art. 398 StPO; SVEN ZIMMERLIN, in: Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar 

zur StPO, 3. Aufl. 2020, N. 14 zu Art. 398 StPO).  

Im Rechtsmittelverfahren kann das Gericht für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung 

des angeklagten Sachverhalts auf die Begründung der Vorinstanz verweisen (Art. 82 Abs. 4 

StPO). Dabei muss aber stets klar bleiben, welches die massgebenden tatsächlichen und 

rechtlichen Erwägungen der Rechtsmittelinstanz sind. Auf neue tatsächliche oder rechtliche 

Vorbringen, die erstmals im Rechtsmittelverfahren vorgebracht werden, ist einzugehen. Vom 

Instrument der Verweisung ist zurückhaltend Gebrauch zu machen, da andernfalls bei der das 

Rechtsmittel ergreifenden Person der Eindruck entstehen kann, die Rechtsmittelinstanz setze 

sich mit ihren Vorbringen nicht auseinander. Verweisungen erscheinen in erster Linie bei nicht 

streitigen Sachverhalten und abstrakten rechtlichen Ausführungen sinnvoll, kommen hingegen 

8│64 

bei strittigen Sachverhalten und Beweiswürdigungen sowie bei der rechtlichen Subsumtion 

des konkreten Falls nur dann infrage, wenn die Rechtsmittelinstanz den vorinstanzlichen Er-

wägungen (vollumfänglich) beipflichtet. Art. 82 Abs. 4 StPO entbindet die Rechtsmittelinstan-

zen nicht von deren Begründungspflicht und findet seine Grenzen, wenn sich nicht mehr ohne 

Weiteres feststellen lässt, was die massgebenden tatsächlichen und rechtlichen Erwägungen 

der Rechtsmittelinstanz sind. Stimmt die Rechtsmittelinstanz grundsätzlich zu und hat sie 

bloss nebensächliche Vorbehalte, kann sie indes punktuelle Korrekturen formulieren und im 

Übrigen auf die vorinstanzliche Begründung verweisen (BGE 141 IV 244 E. 1.2.3; Urteile des 

Bundesgerichts 6B_310/2022 vom 8. Dezember 2022 E. 2.2.1, 6B_712/2020 vom 22. Februar 

2023 E. 2 je m.w.V.).  

 

2.2  

Der Beschuldigte beantragt – betreffend Ziffer 3 des Urteilsdispositivs zumindest eventualiter 

– die vollständige Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils (vgl. amtl. Bel. 1). Demnach sind 

nachfolgend zunächst die Schuldsprüche betreffend Urkundenfälschung (nachfolgend E. 3), 

Misswirtschaft (nachfolgend E. 4) und mehrfache Bevorzugung eines Gläubigers (nachfolgend 

E. 5) zu behandeln. Danach wird die Strafe beurteilt (nachfolgend E. 6) und über die sicherge-

stellten Gegenstände und Aufzeichnungen (nachfolgend E. 7) entschieden, bevor die Kosten-

folgen geregelt werden (nachfolgend E. 8). 

 

3.  

3.1  

3.1.1  

Gemäss dem Strafbefehl vom 1. Februar 2021, der als Anklage überwiesen wurde, geht die 

Staatsanwaltschaft davon aus, der Beschuldigte habe durch die Erfüllung des folgenden Sach-

verhalts eine Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB begangen (STA-act. 

21.1.0007 ff.):  

«Mit öffentlicher Urkunde vom 18. Dezember 2009 verkaufte F.__ der G.__ AG in Liq., vertre-
ten durch [den Beschuldigten], eine Gewerbeliegenschaft (Grundstücke Nrn. aa und bb, 
Grundbuch X.__). Das Grundstück Nr. bb wies im Erd- und Untergeschoss des Kaufobjekts 
Kontaminationsschäden auf. Mit Vereinbarung vom 16. Dezember 2009 hielten die Parteien 
daher fest, dass F.__ der G.__ AG in Liq. zur Sicherstellung der voraussichtlich anfallenden 
Schadensbehebungskosten einen Betrag von CHF 200'000.00 zu überweisen hätte. Im Ge-
genzug verpflichtete sich die Käuferin, in den kontaminierten Räumlichkeiten keine baulichen 
Vorkehrungen zu treffen, bis Art und Umfang der Schadensbehebung durch einen Experten 
festgelegt würden. Eine derartige Expertise hätte bis spätestens 30. Juni 2010 eingeholt 

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9│64 

werden müssen. Die Verletzung einer dieser obligatorischen Pflichten sollte zur Folge haben, 
dass die Schadensbehebungspflicht durch F.__ entfallen würde und die Käuferin den Betrag 
von CHF 200'000.00 als Konventionalstrafe zurückzubezahlen hätte. 

Im Frühling 2010 – nach vertragsgemässer Überweisung der CHF 200'000.00 – stellte F.__ 
fest, dass im Untergeschoss Sanierungsarbeiten vorgenommen worden waren, weshalb er die 
Konventionalstrafe geltend machte: Mit Schreiben vom 10. Mai 2010 forderte der Rechtsver-
treter von F.__ deren Leistung. Am 10. April 2012 reichte F.__ beim Kantonsgericht Nidwalden 
Klage ein, die mit Urteil vom 16. Mai 2013 gutgeheissen wurde. Eine dagegen erhobene Be-
rufung wies das Obergericht des Kantons Nidwalden mit Urteil vom 5. Juni 2014 ab; eine hier-
gegen eingelegte Beschwerde wies auch das Bundesgericht mit Urteil vom 11. November 
2015 ab. 

Trotz der klaren und übersichtlichen Sach- und Rechtslage – die G.__ AG in Liq. führte Arbei-
ten durch, die sie hätte unterlassen müssen, wobei die Vereinbarung vom 16. Dezember 2009 
für diesen Fall eine Konventionalstrafe von CHF 200'000.00 vorsah – und der durch F.__ ein-
geleiteten rechtlichen Schritte liess A.__ für diese Forderung erst in der Jahresrechnung der 
G.__ AG in Liq. für das Geschäftsjahr 2014 eine Rückstellung über CHF 250'000.00 tätigen. 

Für den Rechtsstreit hätte [der Beschuldigte] jedoch spätestens im Zeltpunkt des erstinstanz-
lichen Urteils per 16. Mai 2013 eine Rückstellung vornehmen oder vornehmen lassen müssen. 
Durch die unterlassene Verbuchung stellte [der Beschuldigte] die finanzielle Lage der G.__ AG 
in Liq. in der von ihm zu verantwortenden und von ihm unterzeichneten Jahresrechnung für 
das Jahr 2013 falsch dar. Wäre die Rückstellung pflichtgemäss bereits im Jahr 2013 erfasst 
worden, so hätte sich die finanzielle Situation der G.__ AG in Liq. wesentlich schlechter dar-
gestellt (Unterbilanz), was [den Beschuldigten] dazu hätte bewegen müssen, Sanierungs-
massnahmen zu ergreifen. Eventualiter hätte [der Beschuldigte] die Forderung von F.__ im 
Geschäftsjahr 2013 als Eventualverbindlichkeit im Anhang zur Jahresrechnung aufführen 
müssen. 

[Der Beschuldigte] tat dies im Bewusstsein, dass dadurch die finanzielle Situation der G.__ AG 
in Liq, in der Jahresrechnung für das Geschäftsjahr 2013 nicht korrekt wiedergegeben werden 
würde. Damit nahm er in Kauf, dass Dritte, welchen die Jahresrechnung der Gesellschaft vor-
gelegt werden sollte, musste oder würde, über den wahren wirtschaftlichen Zustand der Ge-
sellschaft getäuscht würden. Dies tat er mit dem Willen, der G.__ AG in Liq. bzw. sich selber 
einen unrechtmässigen Vorteil zum Nachteil Dritter (namentlich aktueller und zukünftiger Gläu-
biger) zu verschaffen, indem durch die Kaschierung der effektiven finanziellen Situation (Un-
terbilanz) nach der vorgespiegelten Sachlage keine Sanierungsmassnahmen ergriffen werden 
mussten – namentlich auf einen Rangrücktritt [des Beschuldigten] eigener Kontokorrentforde-
rung verzichtet werden konnte – und dadurch zusätzliche finanzielle und administrative Auf-
wände vermieden wurden.» 

 

3.1.2  

Die Vorinstanz hat diesen angeklagten Sachverhalt als erstellt und den Tatbestand der Urkun-

denfälschung nach Art. 251 Ziff. 1 StGB als erfüllt erachtet (vi-A-1, Urteil SE 21 7 des Kan-

tonsgerichts Nidwalden vom 27. Oktober 2022 E. 3.1 und 5). 

 

10│64 

3.1.3  

Die Staatsanwaltschaft und die Privatklägerin beantragten die Bestätigung des vorinstanzli-

chen Urteils und damit eine Verurteilung des Beschuldigten wegen Urkundenfälschung. Zur 

Begründung verweisen sie im Wesentlichen auf das angefochtene Urteil (amtl. Bel. 15 und 

19).  

 

3.1.4  

Der Beschuldigte beantragt hingegen einen Freispruch vom Vorwurf der Urkundenfälschung 

(amtl. Bel. 1 und amtl. Bel. 18 Antrag 1). Er bringt diverse Argumente gegen den Schuldspruch 

vor, die insbesondere den subjektiven Tatbestand betreffen (amtl. Bel. 18 Ziff. 3 ff.). In verfah-

rensmässiger Hinsicht rügt er zudem eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, weil seine dies-

bezüglichen Beweisanträge nicht abgenommen worden sind (amtl. Bel. 18 Ziff. 2). Auf diese 

Argumente wird nachfolgend einzeln eingegangen. 

 

3.2  

3.2.1  

Die Vorinstanz hat den Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 10 Abs. 2 StPO) richtig 

dargestellt und die Tragweite des Grundsatzes «in dubio pro reo» als Beweislastverteilung und 

Beweiswürdigungsregel korrekt erläutert. Auf diese Ausführungen kann verwiesen werden 

(vgl. vi-A-1, Urteil SE 21 7 des Kantonsgerichts Nidwalden vom 27. Oktober 2022 E. 2).  

 

3.2.2  

Nachfolgend sind zunächst die im Vor- und Hauptverfahren erhobenen Beweise zu würdigen 

und es ist zu prüfen, ob das Berufungsgericht – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – den 

angeklagten Sachverhalt als erstellt erachtet (vgl. Art. 350 Abs. 2 StPO; Urteil des Bundesge-

richts 6B_1055/2022 vom 21. Dezember 2023 E. 2.2.1 m.w.V.).  

 

3.2.3  

Dem Handelsregister des Kantons Nidwalden lässt sich entnehmen, dass der Beschuldigte 

vom 24. Januar 1995 bis zum 3. November 2016 Verwaltungsrat der G.__ AG war. Zunächst 

war er Präsident, und ab dem 9. November 2007 einziges Mitglied des Verwaltungsrates mit 

Einzelunterschrift (STA-act. 3.1.0030 f.). Er hat dies in seinen Einvernahmen bestätigt (STA-

act. 12.1.0006 dep. 18; STA-act. 12.1.0095 dep. 12). Zudem hat er nach seinen Aussagen 

11│64 

auch die Geschäftsführung der G.__ AG übernommen (vi-B-7, Einvernahmeprotokoll Beschul-

digter vom 25. Oktober 2022 dep. 14). 

 

3.2.4  

Aus dem öffentlich beurkundeten Kaufvertrag vom 18. Dezember 2009 ergibt sich, dass F.__ 

der G.__ AG eine Gewerbeliegenschaft (Grundstücke Nrn. aa und bb, beide GB X.__) verkauft 

hat (STA-act. 3.1.0113 ff.). Dieses Kaufgeschäft führte zu einer zivilrechtlichen Streitigkeit: 

Nachdem die G.__ AG trotz entsprechender Aufforderung eine Bezahlung verweigerte, reichte 

F.__ am 10. April 2012 beim Kantonsgericht Nidwalden eine Klage gegen die G.__ AG. Dieses 

hiess die Klage mit Urteil vom 16. Mai 2013 gut und verpflichtete die G.__ AG, F.__ 

Fr. 200'000.– nebst Zins zu 5 % seit 2. Mai 2010 sowie Gerichtskosten von Fr. 5'500.- und 

eine Parteientschädigung von Fr. 13'578.70 zu bezahlen (STA-act. 11.2.1.0103 f.). Eine da-

gegen erhobene Berufung wies das Obergericht am 5. Juni 2014 ab (STA-act. 3.1.0067 ff.). 

Das Bundesgericht wies eine Beschwerde gegen den obergerichtlichen Entscheid am 11. No-

vember 2015 ab, soweit es überhaupt darauf eintrat (STA-act. 3.1.0051 ff.). 

 

3.2.5  

Der vom Beschuldigten unterzeichneten Jahresrechnung 2013 der G.__ AG vom 4. Juli 2014 

lässt sich entnehmen, dass er weder für das Jahr 2012 noch für das Jahr 2013 eine Rückstel-

lung für den Rechtsstreit vorgenommen hat (STA-act. 4.1.2.0115 ff.). In der von ihm unter-

zeichneten Jahresrechnung für das Jahr 2014 der G.__ AG vom 17. Dezember 2015 nahm er 

Rückstellungen von Fr. 250'000.– für den Rechtsstreit vor (STA-act. 4.1.2.0120 ff.).  

Der Beschuldigte hat in den Einvernahmen nie behauptet, er habe vor der Jahresrechnung 

2014 Rückstellungen für den Rechtsstreit gebildet (vgl. STA-act. 12.1.0010 dep. 39; STA-act. 

12.1.0023 dep. 93; STA-act. 12.1.0059 f. dep. 36 f.; vi-A-7, Einvernahmeprotokoll Beschuldig-

ter vom 25. Oktober 2022 dep. 19 und 29 f.; amtl. Bel. 17 dep. 24). Bereits aus diesem Grund 

erscheint es unglaubhaft, wenn die Verteidigung in ihren Plädoyers vor Vorinstanz und Ober-

gericht behauptet, in der Bilanz 2013 der G.__ AG sei unter der Position 1625, WB Liegen-

schaft X.__, eine Wertberichtigung über Fr. 207'000.– vorgenommen und damit das Urteil des 

Kantonsgerichts Nidwalden vom 16. Mai 2013 buchhalterisch berücksichtigt worden (amtl. Bel. 

18 Rz. 10). Ebenso lässt der Buchungstext «WB Liegenschaft X.__» nicht auf eine Rückstel-

lung oder eine (Eventual-)Verbindlichkeit schliessen, sondern auf eine Wertberichtigung. Den 

Bilanzen der G.__ AG ist zudem zu entnehmen, dass die Liegenschaft in X.__ auch in den 

Jahren 2010 – 2012 mit der Abkürzung «WB» im Buchungskonto wertberichtigt wurde und 

12│64 

dass neben dieser Liegenschaft diverse Aktiven (Fahrzeuge; Büromobiliar, Beteiligungen etc.) 

ebenfalls jährlich mit dieser Abkürzung wertberichtigt worden sind (vi-C-8 BSB 3 zu den Be-

weisanträgen der Verteidigung vom 31. März 2022; STA-act. 3.1.0073 ff.). Dies spricht eben-

falls gegen die Behauptung der Verteidigung. Ergänzend kann auf die zutreffenden vorinstanz-

lichen Ausführungen zu dieser Thematik verwiesen werden (vi-A-1, Urteil SE 21 7 des Kan-

tonsgerichts Nidwalden vom 27. Oktober 2022 E. 5.1.5.5). Das Obergericht erachtet es als 

erwiesen, dass der Beschuldigte in den Bilanzen der G.__ AG der Jahre 2012 und 2013 keine 

Rückstellungen für den Rechtsstreit mit F.__ betreffend die Gewerbsliegenschaft in X.__ ge-

bildet hat. 

 

3.2.6  

Ohne Rückstellungen für den erwähnten Rechtsstreit mit F.__ wies die G.__ AG per 31. De-

zember 2013 Aktiven von Fr. 2'990'451.65 und Fremdkapital von Fr. 2'712'483.05 aus (STA-

act. 4.1.2.0115 f.). Wären für den Rechtsstreit Fr. 250'000.– (zugesprochene Forderung ge-

mäss erstinstanzlichem Urteil zzgl. aufgelaufene Verzugszinsen sowie Gerichtskosten und 

Parteientschädigung; vgl. STA-act. 11.2.1.0103 f.) zurückgestellt worden, hätten zwar die Ak-

tiven von Fr. 2'990'451.65 das Fremdkapital von diesfalls Fr. 2'962'483.05 (Fr. 2'712'483.05 + 

Fr. 250'000.–) noch vollständig gedeckt, aber das Aktienkapital und die gesetzlichen Reserven 

(Aktienkapital Fr. 150'000.– + Allgemeine Reserven Fr. 75'000.–) wären nur noch zu einem 

Bruchteil (Fr. 27'968.60) gedeckt gewesen (vgl. STA-act. 4.1.2.0115 f.).  

 

3.2.7  

Der Beschuldigte hat ausgesagt, er habe (unter anderem) eine Ausbildung zum diplomierten 

Kaufmann und Betriebsökonom sowie Ausbildungen im Treuhandbereich gemacht und er 

habe 18 Jahre lang, zusammen mit einem Partner, ein Treuhandbüro mit 80 Mitarbeitern ge-

führt (STA-act. 12.1.0005 dep. 10; STA-act. 12.1.0053 dep. 7). Er habe Erfahrung als Verwal-

tungsrat und Geschäftsführer und sei mit den Pflichten und Aufgaben eines Verwaltungsrats 

vertraut (STA-act. 12.1.0054 dep. 10 und 12). Ein Verwaltungsrat müsse unter anderem 

schauen, dass die gesetzlichen Bestimmungen nicht verletzt würden (STA-act. 12.1.0054 

dep. 13). Auf entsprechende Frage hin führte er aus, Rückstellungen seien Vorsichtsmass-

nahmen, man habe gesetzliche Vorgaben und könne freiwillige oder unfreiwillige Rückstellun-

gen bilden, damit man auf das Bild der Firma abstellen könne. Wenn man grosse Risiken oder 

Investitionen eingehe, von welchen man nicht wisse, ob sie in einem Jahr noch diese Werthal-

tigkeit haben, könne man gewisse Rückstellungen bilden (vi-B-7, Einvernahmeprotokoll 

13│64 

Beschuldigter vom 25. Oktober 2022 dep. 24 f.). Der Zeuge M.__, Treuhänder bei der N.__ 

AG, hat die Kenntnisse des Beschuldigten von Buchhaltung und Rechnungslege als gut be-

zeichnet. Sie hätten auf Augenhöhe diskutieren können und er habe gewusst, um was es ging 

(STA-act. 13.2.0013 dep. 29).  

Der Beschuldigte hat in seinen Einvernahmen unterschiedliche Gründe angeführt, weshalb er 

in der Jahresrechnung 2013 auf Rückstellungen verzichtet hat: Teilweise hat er angegeben, 

es handle sich (vermutlich) um ein Versehen und sei vergessen gegangen, weil es kein Grund 

gegeben habe, dies nicht anzuführen (STA-act. 12.1.0023 dep. 93; STA-act. 12.1.0059 f. dep. 

37; STA-act. 12.1.10061 dep. 43; STA-act. 12.1.0093 dep. 5; STA-act. 12.1.0097 dep. 17; vi-

B-7, Einvernahmeprotokoll Beschuldigter vom 25. Oktober 2022 dep. 30). Andererseits hat er 

es damit begründet, er sei davon ausgegangen, dass das erstinstanzliche Urteil falsch sei und 

keinen Bestand haben werde und zudem sei noch genügend Aktienkapital vorhanden gewe-

sen sei (STA-act. 12.1.0059 dep. 36; vi-B-7, Einvernahmeprotokoll Beschuldigter vom 25. Ok-

tober 2022 dep. 29). Die Verteidigung hat schliesslich noch argumentiert, der Prozess sei als 

Wertberichtigung der Liegenschaft in X.__ berücksichtigt worden (vgl. vorstehend E. 3.2.5). 

Die Begründungen des Beschuldigten (respektive seiner Verteidigung) widersprechen sich. 

Entweder wollte er den Zivilprozess buchhalterisch schon in der Jahresrechnung 2013 berück-

sichtigen, hat es aber versehentlich nicht getan (Variante 1), er war überzeugt, dass er das 

Gerichtsverfahren noch gewinnt, sah deshalb keine Notwendigkeit, Rückstellungen zu bilden 

und hat es absichtlich nicht getan (Variante 2), oder er hat den Prozess als Wertberichtigung 

bei der Liegenschaft in X.__ berücksichtigt (Variante 3).  

Dass der Beschuldigte mit verschiedenen sich widersprechenden Varianten argumentiert, 

macht seine Aussagen unglaubhaft. Kommt hinzu, dass der Beschuldigte ausgesagt hat, ihm 

sei immer bewusst gewesen, dass ein Prozess hängig sei (STA-act. 12.1.0060 dep. 42). Dies 

erscheint glaubhaft und nachvollziehbar, denn die Streitigkeit mit F.__ war für ihn offenbar mit 

Emotionen verbunden (STA-act. 12.1.0058 dep. 31, Aussage des Beschuldigten beim Frie-

densrichter, nachdem F.__ ein Angebot von ihm abgelehnt habe: «Ich stand dann auf und 

sagte ihm [gemeint: F.__], er sei eine Ratte und es sei kein Wunder, dass seine Kinder nichts 

mehr mit ihm zu tun haben wollen»). Der Beschuldigte hat überdies ausgesagt, er sei sich über 

die gesamte finanzielle Situation der G.__ AG im Klaren gewesen (STA-act. 12.1.0059 dep. 

36). Es scheint vor diesem Hintergrund völlig unglaubhaft, dass der geschäftserfahrene Be-

schuldigte, der seine Buchführungspflichten als (faktischer) Geschäftsführer und Verwaltungs-

rat kannte und sich seiner Verantwortung bewusst war (STA-act. 12.1.0060 dep. 42, Aussage 

Beschuldigter: «Als Verwaltungsrat tragen sie die Verantwortung»), vergessen hat, den 

14│64 

Zivilprozess mit F.__ in der Jahresrechnung 2013 zu berücksichtigen. Zudem hat er die sehr 

übersichtliche Jahresrechnung 2013, die bloss wenige Positionen auf zwei Seiten umfasst, auf 

jeder Seite unterzeichnet (STA-act. 4.1.2.0115 f.). Spätestens dann hätte ihm auffallen müs-

sen, dass keine Rückstellungen für den Zivilprozess berücksichtigt worden sind. Weshalb auch 

der Umstand, dass er in der Jahresbilanz 2014 schliesslich Rückstellungen gebildet hat, nicht 

für, sondern gegen ein Versehen spricht, hat die Vorinstanz überzeugend dargelegt; auf diese 

Ausführungen kann verwiesen werden (vi-A-1, Urteil SE 21 7 des Kantonsgerichts Nidwalden 

vom 27. Oktober 2022 E. 5.2.5).  

Wie die Vorinstanz erachtet es auch das Obergericht als erwiesen, dass der geschäftserfah-

rene Beschuldigte – obwohl er seine Buchführungspflichten als (faktischer) Geschäftsführer 

und Verwaltungsrat kannte – in der Jahresrechnung 2013 der G.__ AG absichtlich keine Rück-

stellungen für den Rechtsstreit mit F.__ bildete und deren finanzielle Lage bewusst falsch dar-

gestellt hat.  

Die Behauptung seiner Verteidigung, der Zivilprozess sei als Wertberichtigung bei der Liegen-

schaft in X.__ berücksichtigt worden, wurde schon zuvor widerlegt (vgl. vorstehend E. 3.2.5). 

Zur Frage, ob sich der Beschuldigte auf die (angeblichen) Aussagen seines Anwalts zum Urteil 

des Kantonsgerichts verlassen durfte, wird in den Ausführungen zum subjektiven Tatbestand 

(vgl. nachfolgend E. 3.3.7) eingegangen.  

 

3.2.8  

Demnach erachtet auch das Obergericht den angeklagten Sachverhalt – jedenfalls soweit für 

die vorgeworfene Urkundenfälschung relevant – als erstellt. Obwohl das Kantonsgericht 

Nidwalden die G.__ AG mit Urteil vom 16. Mai 2013 verpflichtet hat, F.__ Fr. 200'000.– nebst 

Zins zu 5 % seit 2. Mai 2010 zu bezahlen, hat es der Beschuldigte als einziges Mitglied des 

Verwaltungsrates unterlassen, in der von ihm unterzeichneten Jahresrechnung der G.__ AG 

für das Jahr 2013 eine entsprechende Rückstellung vorzunehmen. Er tat dies in Kenntnis sei-

ner diesbezüglichen Verpflichtung als Verwaltungsrat und im Wissen darum, dass damit die 

finanzielle Lage der G.__ AG falsch, nämlich zu gut, dargestellt wird. Wäre eine entsprechende 

Rückstellung vorgenommen worden, wäre das Grundkapital der G.__ AG nur noch teilweise 

gedeckt gewesen. 

 

3.3  

3.3.1  

15│64 

Das Gericht hat nachfolgend zu prüfen, ob sich der Beschuldigte durch die Verwirklichung des 

angeklagten Sachverhalts der Urkundenfälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB strafbar ge-

macht hat (vgl. Art. 350 Abs. 1 StPO). 

 

3.3.2  

Eine Falschbeurkundung begeht unter anderem, wer eine rechtlich erhebliche Tatsache un-

richtig beurkundet oder beurkunden lässt, in der Absicht, jemanden am Vermögen oder an 

anderen Rechten zu schädigen oder sich oder einem andern einen unrechtmässigen Vorteil 

zu verschaffen (Art. 251 Ziff. 1 StGB). Die Falschbeurkundung betrifft die Errichtung einer ech-

ten, aber unwahren Urkunde, bei der der wirkliche und der in der Urkunde enthaltene Sach-

verhalt nicht übereinstimmen. Die Falschbeurkundung erfordert eine qualifizierte schriftliche 

Lüge. Eine solche wird nur angenommen, wenn der Urkunde eine erhöhte Glaubwürdigkeit 

zukommt und der Adressat ihr daher ein besonderes Vertrauen entgegenbringt. Das ist der 

Fall, wenn allgemeingültige objektive Garantien die Wahrheit der Erklärung gegenüber Dritten 

gewährleisten, die gerade den Inhalt bestimmter Schriftstücke näher festlegen (BGE 132 IV 

12 E. 8.1; 131 IV 125 E. 4.1; 129 IV 130 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_778/2011 vom 

3. April 2012 E. 5.2.2, je m.w.V.).  

Die kaufmännische Buchführung und ihre Bestandteile (Belege, Bücher, Buchhaltungsaus-

züge über Einzelkonten, Bilanzen oder Erfolgsrechnungen) sind kraft Gesetzes (Art. 957a f. 

OR; aArt. 957 OR) bestimmt und geeignet, Tatsachen von rechtlich erheblicher Bedeutung zu 

beweisen. Die Buchhaltung muss ein genaues und vollständiges Bild der tatsächlichen wirt-

schaftlichen Lage vermitteln. Dabei hat die Bilanz die Vermögensverhältnisse eines Unterneh-

mens auf einen bestimmten Stichtag hin korrekt auszuweisen.  Eine falsche Buchung erfüllt 

den Tatbestand der Falschbeurkundung, wenn sie ein falsches Gesamtbild der Buchführung 

zeichnet und dabei Buchungsvorschriften und -grundsätze verletzt, die errichtet worden sind, 

um die Wahrheit der Erklärung und damit die erhöhte Glaubwürdigkeit der Buchführung zu 

gewährleisten. Solche Grundsätze werden bzw. wurden namentlich in den gesetzlichen Best-

immungen über die ordnungsgemässe Rechnungslegung des Aktienrechts in aArt. 662a 

ff. OR und in den Bilanzvorschriften in Art. 957a ff. OR aufgestellt, die den Inhalt bestimmter 

Schriftstücke näher festlegen (BGE 132 IV 12 E. 8.1; 129 IV 130 E. 2.2 f.; Urteil des Bundes-

gerichts 6B_778/2011 vom 3. April 2012 E. 5.2.3, je m.w.V.). 

Für die vorliegend interessierenden Jahresrechnungen der Geschäftsjahre 2013 und 2014 ist 

– wie die Vorinstanz richtig dargelegt hat (vi-A-1, Urteil SE 21 7 des Kantonsgerichts Nidwal-

den vom 27. Oktober 2022 E. 5.1.5.1) – das alte Rechnungslegungsrecht (aArt. 662 ff. OR; 

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16│64 

aArt. 957 ff. OR) einschlägig. Nach aArt. 669 Abs. 1 OR müssen Abschreibungen, Wertberich-

tigungen und Rückstellungen vorgenommen werden, soweit sie nach allgemein anerkannten 

kaufmännischen Grundsätzen notwendig sind (Satz 1). Rückstellungen sind insbesondere zu 

bilden, um ungewisse Verpflichtungen und drohende Verluste aus schwebenden Geschäften 

zu decken (Satz 2). aArt. 669 Abs. 1 OR bezweckt, dass bei der Bilanzierung diejenigen Kor-

rekturen vorgenommen werden, die erforderlich sind, um eine korrekte und dem Vorsichtsprin-

zip Rechnung tragende Darstellung der finanziellen Lage der Gesellschaft sicherzustellen. Die 

Bestimmung gilt für alle künftig erwarteten oder zumindest befürchteten Verbindlichkeiten, de-

ren Eintritt, Höhe oder Fälligkeitstermin ungewiss ist. Beim konkreten Entscheid darüber, ob 

und in welcher Höhe Rückstellungen getätigt werden müssen, verfügt die Unternehmenslei-

tung als Folge der Ungewissheit der Verbindlichkeiten über einen gewissen Ermessensspiel-

raum. Sie hat ihr Ermessen aber stets pflichtgemäss, das heisst nach kaufmännischen 

Grundsätzen auszuüben. Der Verwaltungsrat muss bei einem drohenden oder laufenden Pro-

zess Rückstellungen vornehmen, wenn er zur Einschätzung gelangt, dass er möglicherweise 

unterliegt (bei einem sicheren Unterliegen müsste er die Forderung als Verbindlichkeit verbu-

chen). Das Gesetz äussert sich nicht dazu, ab welcher Wahrscheinlichkeit für sowohl im Ein-

treffen als auch in der Höhe noch ungewisse künftige Mittelabflüsse Rückstellungen gebildet 

werden müssen. Nach der Rechtsprechung können gestützt auf aArt. 669 Abs. 1 OR Rück-

stellungen (in der Höhe eines Teilbetrags des schlimmstmöglichen Ausgangs) unter Umstän-

den bereits bei einer Wahrscheinlichkeit von 50 % oder darunter angebracht sein. Nach der 

Mehrheit der Lehrmeinungen ist bei einer Wahrscheinlichkeit von unter 50 % eine anteilsmäs-

sige Rückstellung zu bilden, während bei einer Wahrscheinlichkeit über 50 % die volle Summe 

als Rückstellung zu buchen ist. Die pflichtwidrige Unterlassung der Verbuchung von Eventu-

alverpflichtungen erfüllt gemäss der Rechtsprechung den Tatbestand der Falschbeurkundung, 

soweit die Jahresrechnung ein besseres Bild als in Wirklichkeit zeigt (Urteile des Bundesge-

richts 6B_778/2011 vom 3. April 2012 E. 5.4.2 und 4A_277/2010 vom 2. September 2010 

E. 2.1; BGE 132 IV 12 E. 8; KÄLIN, a.a.O., S. 1045 f., m.w.V.).  

Subjektiv wird hinsichtlich aller objektiven Tatbestandsmerkmale Vorsatz verlangt, wobei 

Eventualvorsatz genügt (BGE 138 IV 130 E. 3.2.1). Zudem muss der Täter in der Absicht 

handeln, jemanden am Vermögen oder an andern Rechten zu schädigen oder sich oder einem 

andern einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen (BGE 141 IV 369 E. 7.4; 138 IV 130 

E. 3.2.4). Wer weiss, dass die Buchhaltung falsch ist, und deren Verwendung im Verkehr mit 

Dritten in Kauf nahm, handelt mit Vorsatz und Täuschungsabsicht. Die erforderliche Vorteils-

absicht liegt in der Regel vor, wenn die Vermögens- und Ertragslage einer Gesellschaft in 

17│64 

Missachtung von handelsrechtlichen Grundsätzen bewusst günstiger als in Wirklichkeit darge-

stellt wird. Nach der Rechtsprechung kann der angestrebte Vorteil auch in der Hinauszögerung 

der Konkurserklärung oder der Umgehung von Bilanzproblemen bei der Muttergesellschaft 

liegen (Urteile des Bundesgerichts 6B_778/2011 vom 3. April 2012 E. 5.5 und 6B_731/2019 

vom 18. November 2019 E. 1.4).  

 

3.3.3  

Der Beschuldigte hat die vorliegend interessierende Jahresrechnung 2013 der G.__ AG vom 

4. Juli 2014 unterzeichnet (STA-act. 4.1.2.0115 ff.). Zudem war er als einziger Verwaltungsrat 

und (faktischer) Geschäftsführer für die Ausgestaltung des Rechnungswesens und die Buch-

führung verantwortlich und hatte dafür zu sorgen, dass diese den gesetzlichen Anforderungen 

genügt, wozu auch eine angemessene Kontrolle gehört. Zwar war er nicht verpflichtet, die 

Bücher selbst zu führen, sondern durfte die Buchführungstätigkeit delegieren, ihm verblieb 

aber die Endverantwortung (Art. 716a Abs. 1 Ziff. 3 OR; OLIVER KÄLIN, Buchhalterische Be-

deutung von Prozessrisiken aus Beklagtensicht, AJP 9/2017 S. 1043 m.w.V.; ROLAND MÜL-

LER/LORENZ LIPP, Der Verwaltungsrat, 1994, S. 120; ARTHUR MEIER-HAYOZ/PETER FORSTMO-

SER, Schweizerisches Gesellschaftsrecht, 13. Auflage 2023, Rz. 710; CHRISTOPH SCHÄ-

RER/MATTHIAS STAUBLI/MARKUS R. NEUHAUS, in: Basler Kommentar zum OR II, 6. Aufl. 2023, 

N. 24 zu Art. 957 OR; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 6P.76/2004 / 6S.210/2004 vom 

1. Oktober 2004 E. 6.3 f., wonach ein Geschäftsführer auch Manipulationen einer Buchhaltung 

verhindern muss, von denen er Kenntnis hat, ansonsten er sich der Falschbeurkundung straf-

bar machen kann). Er ist somit als Aussteller der Jahresrechnung 2013 der G.__ AG zu be-

trachten. 

Folglich ist es auch irrelevant, dass nicht der Beschuldigte selbst, sondern Mitarbeiter der 

Treuhandunternehmen die Jahresabschlüsse erstellt haben. Der Antrag der Verteidigung, es 

sei O.__, Partner der N.__ AG, zu dieser Thematik als Zeuge zu befragen (vgl. amtl. Bel. 18 

Rz. 5), kann somit abgelehnt werden, weil seine Befragung unerheblich ist (Art. 139 Abs. 2 

StPO). Dieser Antrag ist auch deshalb unerheblich, weil mit M.__ bereits ein Partner der 

N.__ AG als Zeuge einvernommen worden ist (STA-act. 13.2.0009 ff.), und dabei ausgesagt 

hat, die N.__ AG sei erst ab dem 19. November 2015 und dem Jahresabschluss 2014 für die 

G.__ AG tätig gewesen (STA-act. 13.2.0012 dep. 17 und 20). Im Jahr 2013 sei die N.__ AG 

nicht involviert gewesen (STA-act. 13.2.0014 dep. 35).  

 

3.3.4  

18│64 

Die G.__ AG sah sich ab dem 10. April 2012 mit einer Klage von F.__ konfrontiert. Am 16. Mai 

2013 wurde sie vom Kantonsgericht Nidwalden zur Zahlung von Fr. 200'000.– nebst Zins zu 

5 % seit 2. Mai 2010 sowie Gerichtskosten von Fr. 5'500.- und eine Parteientschädigung von 

Fr. 13'578.70 verurteilt (STA-act. 11.2.1.0103 f.). Die Klage wurde erstinstanzlich vollumfäng-

lich gutgeheissen, womit bereits rein statisch, aber auch aufgrund der übersichtlichen Sach- 

und Rechtslage (vgl. STA-act. 11.2.1.0088 ff.), ein über 50-prozentiges Risiko bestand, dass 

die G.__ AG diese Forderungen bezahlen muss. Diese Risikoeinschätzung wurde später be-

stätigt, indem sowohl das Ober- als auch das Bundesgericht den erstinstanzlichen Entscheid 

schützten (soweit auf die Rechtsmittel eingetreten wurde). Der Beschuldigte wäre als einziger 

Verwaltungsrat und (faktischer) Geschäftsführer spätestens nach Kenntnisnahme des erstin-

stanzlichen Urteils verpflichtet gewesen, in der Jahresrechnung 2013 der G.__ AG eine Rück-

stellung von circa Fr. 250'000.– (Hauptforderung von Fr. 200'000.–, bis zum erstinstanzlichen 

Urteil aufgelaufene Zinsen von Fr. 30'410.95, Gerichtskosten von Fr. 5'500.–; Parteientschä-

digung Fr. 13'578.70; vgl. STA-act. 11.2.1.0103 f.) zu bilden. 

Nachdem das Gericht zum Schluss kommt, der Beschuldigte wäre dazu verpflichtet gewesen, 

für das Gerichtsverfahren der G.__ AG Rückstellungen zu bilden, bejaht es die primär ange-

klagte Variante. Demnach muss nicht mehr geprüft werden, ob die eventualiter angeklagte 

Variante, nämlich das Aufführen als Eventualverpflichtung im Anhang, ebenfalls erfüllt ist (vgl. 

Art. 325 Abs. 2 StPO; STEFAN HEIMGARTNER/MARCEL ALEXANDER NIGGLI, in: Basler Kommen-

tar, Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 47 zu Art. 325 StPO m.w.V.). Wenn die Verteidi-

gung aus einer rabulistischen Auslegung der entsprechenden Ausführungen der Vorinstanz 

folgern will, die Rechts- und Sachlage sei nicht klar gewesen, und daraus etwas zu Gunsten 

des Beschuldigten ableiten möchte (vgl. amtl. Bel. 18 Rz. 6 f.), kann ihr nicht gefolgt werden. 

Die Vorinstanz hat – wie sich auch aus der von der Verteidigung zitierten Urteilspassage (vi-

A-1, Urteil SE 21 7 des Kantonsgerichts Nidwalden vom 27. Oktober 2022 E. 5.1.5) ergibt – 

einleitend vor ihren nachfolgenden rechtlichen Erwägungen bloss die zu klärende Frage 

(«Fraglich ist […]») dargelegt, nämlich ob dem Beschuldigten vorgeworfen werden kann, dass 

er in der Jahresrechnung 2013 keine Rückstellungen oder Eventualverbindlichkeiten gebildet 

hat. Inhaltlich zu dieser Frage Stellung genommen, hat sie erst in den nachfolgenden Erwä-

gungen. Dabei ist sie, gleich wie das Obergericht, zum Schluss gekommen, der Beschuldigte 

hätte Rückstellungen bilden müssen. Folglich konnte sie die eventualiter angeklagte Variante 

(Aufführen als Eventualverpflichtung) offenlassen (vgl. vi-A-1, Urteil SE 21 7 des Kantonsge-

richts Nidwalden vom 27. Oktober 2022 5.1.5.4). Aus dem vorinstanzlichen und dem vorlie-

genden Urteil geht zudem klar hervor, was vom Beschuldigten verlangt gewesen wäre, 

19│64 

nämlich Rückstellungen zu bilden, auch dieser Einwand der Verteidigung ist somit unzutref-

fend. Die weiteren Ausführungen der Verteidigung zu Eventualverbindlichkeiten (vgl. STA-act. 

18 Rz. 8) sind irrelevant, nachdem die primär angeklagte Variante erfüllt ist.  

 

3.3.5  

Indem der Beschuldigte entsprechende Rückstellungen unterlassen hat, hat die Jahresrech-

nung ein deutlich besseres Bild der G.__ AG gezeigt, als es der Wirklichkeit entsprach. In der 

unterzeichneten Jahresbilanz 2013 waren das Fremd- und Eigenkapital gedeckt. Hätte der 

Beschuldigte hingegen Rückstellungen für das Gerichtsverfahren von Fr. 250'000.– vorge-

nommen, hätte eine sogenannte Unterbilanz vorgelegen (vgl. zu den verschiedenen Definitio-

nen der Unterbilanz aArt. 670 OR; aArt. 725 Abs. 1 OR und MARKUS R. NEUHAUS/PATRICK 

BALKANYI, in: Basler Kommentar zum OR II, 4, Aufl. 2012, N. 5 ff. zu Art. 670 OR m.w.V. sowie 

Urteil des Bundesgericht 6B_1043/2021 / 6B_1060/2021  vom 9. Dezember 2022 E. 6.3.2.1). 

Das heisst die Aktiven der G.__ AG von Fr. 2'990'451.65 hätten zwar das Fremdkapital von 

diesfalls Fr. 2'962'483.05 (Fr. 2'712'483.05 + Fr. 250'000.-) noch voll gedeckt, das Aktienkapi-

tal und die gesetzlichen Reserven (Aktienkapital Fr. 150'000.– + Allgemeine Reserven 

Fr. 75'000.–) aber nicht einmal mehr zur Hälfte, sondern nur noch mit Fr. 27'968.60. 

Selbst wenn man im Übrigen zum Schluss käme, der Beschuldigte hätte nicht den vollen Be-

trag gemäss erstinstanzlichem Urteil, sondern nur ein Teilbetrag, beispielsweise die Hälfte 

(Fr. 125'000.–) oder gar nur eine Viertel (Fr. 62'500.–) davon zurückstellen müssen, wären das 

Aktienkapital und die gesetzlichen Reserven nicht mehr voll gedeckt gewesen.  

 

3.3.6  

Indem der Beschuldigte als einziger Verwaltungsrat und (faktischer) Geschäftsführer der 

G.__ AG es auch nach dem erstinstanzlichen Urteil des Kantonsgerichts Nidwalden vom 

16. Mai 2013, mit dem die G.__ AG zur Zahlung von rund Fr. 250'000.– verpflichtet wurde, 

weiterhin unterlassen hat, Rückstellungen in dieser Höhe zu bilden, hat er eine erhebliche 

rechtliche Tatsache, nämlich die Jahresrechnung der G.__ AG, falsch beurkundet und damit 

den objektiven Tatbestand einer Falschbeurkundung i.S.v. Art. 251 Ziff. 1 StGB erfüllt.  

 

3.3.7  

Der Beschuldigte als diplomierter Kaufmann und Betriebsökonom mit Ausbildungen im Treu-

handbereich sowie als ehemaliger Partner eines Treuhandbüros und langjähriger Verwal-

tungsrat diverser Unternehmen kannte seine gesetzlichen Verpflichtungen als Verwaltungsrat 

20│64 

und (faktischer) Geschäftsführer (STA-act. 12.1.0054 dep. 10 und 12 f.). Er wusste insbeson-

dere, dass ein Verwaltungsrat die finanzielle Situation seiner Gesellschaft überwachen und 

schauen muss, dass die gesetzlichen Bestimmungen nicht verletzt werden (STA-act. 

12.1.0006 dep. 15; STA-act. 12.1.0054 dep. 13). Er konnte Rückstellungen in eigenen Worten 

definieren (vi-B-7, Einvernahmeprotokoll Beschuldigter vom 25. Oktober 2022 dep. 24 f.). Ihm 

war bewusst, dass ein Prozess hängig war (STA-act. 12.1.0060 dep. 42) und er war sich ge-

mäss eigener Aussage über die gesamte finanzielle Situation der G.__ AG im Klaren (STA-

act. 12.1.0059 dep. 36). Er wusste auch, dass nur noch circa Fr. 27'000. – Eigenkapital ge-

deckt gewesen wären, hätte er Rückstellungen von Fr. 250'000.– gebildet (vi-B-7, Einvernah-

meprotokoll Beschuldigter vom 25. Oktober 2022 dep. 32). Diese Umstände und Aussagen 

lassen nur den Schluss zu, dass es der Beschuldigte mit Wissen und Willen und damit vor-

sätzlich unterlassen hat, nach dem Urteil des Kantonsgerichts, mit dem die Klage von F.__ 

vollumfänglich gutgeheissen wurde, dafür Rückstellungen in der Jahresrechnung 2013 der 

G.__ AG zu bilden.  

Er wusste, dass die Jahresrechnung 2013 ein falsches – nämlich zu Gutes – Ergebnis aufwies 

(vi-B-7, Einvernahmeprotokoll Beschuldigter vom 25. Oktober 2022 dep.  34). Die Verwendung 

der Jahresrechnung 2013 im Verkehr nahm er zumindest in Kauf. Indem er es unterliess, für 

die erstinstanzlich festgestellten Forderungen Rückstellungen zu bilden, konnte er eine Unter-

bilanz i.S.v. Art. a725 Abs. 1 OR (in der ab 1. März 2012 gültig gewesenen Fassung) verhin-

dern und er musste keine Generalversammlung einberufen und Sanierungsmassnahmen vor-

schlagen, worin sein beabsichtigter Vorteil lag. Der Beschuldigte handelte somit vorsätzlich 

und in Täuschungs- sowie Vorteilsabsicht.  

Daran ändert die vom Beschuldigten auch vor Berufungsinstanz wiederum vorgebrachte Be-

hauptung nichts, er habe nicht vorsätzlich gehandelt, denn ihm sei auch nach dem erstinstanz-

lichen Urteil nicht bewusst gewesen, dass er hätte Rückstellungen bilden müssen, weil er sich 

auf die Auskunft seines Anwalts verlassen habe, wonach das erstinstanzliche Urteil komplett 

falsch sei, es sich um ein skandalöses Urteil handle und zwingend Berufung gegen das Urteil 

erhoben werde (amtl. Bel. 18 Rz. 12 f.). Selbst wenn man davon ausgeht, dass sein damaliger 

Rechtsanwalt C.__ diese Aussagen tatsächlich getätigt hat, hätte dem geschäfts- und pro-

zesserfahrenen Beschuldigten (vgl. STA-act. 12.1.0013 dep. 52; STA-act. 12.1.0053 f. dep. 8 

ff.; STA-act. 12.1.0067 dep. 72; STA-act. 12.1.0068 dep. 78 ff.) spätestens nach dem erstin-

stanzlichen Urteil klar sein müssen, dass eine überwiegende Wahrscheinlichkeit besteht, den 

Prozess zu verlieren. Er hätte die angeblichen Aussagen seines Anwalts kritisch hinterfragen 

müssen. Dies ist auch dem Beschuldigen klar, auf entsprechende Frage hat er ausgesagt: «In 

21│64 

dem Moment, als das Urteil kam, hätte ich das neu beurteilen müssen.» (STA-act. 12.1.0097 

dep. 17). Kommt hinzu, dass RA C.__ in seinen schriftlichen Ausführungen (vi-C-8-BSB1, 

Schreiben von RA C.__ vom 31. Juli 2013) und (angeblichen) mündlichen Aussagen (vgl. amtl. 

Bel. 18 Rz. 12 f.) nur eine Einschätzung zum erstinstanzlichen Urteil und zum weiteren Pro-

zessverhalten abgegeben hat. Auch der Beschuldigte respektive seine Verteidigung behaup-

ten nicht, Rechtswalt C.__ habe sich zur Frage, ob für die Forderung von F.__ nach dem erst-

instanzlichen Urteil Rückstellungen zu bilden sind, geäussert. Selbst wenn davon ausgegan-

gen wird, dass Rechtsanwalt C.__ sich zum erstinstanzlichen Urteil tatsächlich so geäussert 

hat, wie der Beschuldigte respektive seine Verteidigung behaupten, hat dies keinen Einfluss 

auf die Beurteilung der vorliegenden Sache, weshalb auf die beantragte Einvernahme von 

Rechtsanwalt C.__ in antizipierter Beweiswürdigung verzichtet werden kann (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1090/2018 vom 17. Februar 2019 E. 3.2). 

Ebenso kann die Verteidigung die Vorteilsabsicht und damit den subjektiven Tatbestand nicht 

mit dem Argument verneinen, die Liegenschaft Nr. aa, GB X.__, habe einen höheren Verkehrs- 

bzw. Verkaufswert gehabt, als in den Büchern vermerkt, womit es ein Leichtes gewesen wäre, 

die Bewertung der Liegenschaft in der Buchhaltung zu erhöhen und damit einer Unterbilanz 

zu entgehen (amtl. Bel. 18 Rz. 11). Tatsache ist, dass der Beschuldigte keine entsprechende 

Anpassung in der Jahresrechnung 2013 vornahm. Etwas anderes behauptet auch die Vertei-

digung nicht. Er verhinderte eine Unterbilanz, indem er keine Rückstellungen für die erstin-

stanzlich festgestellten Forderungen bildete. Damit stellte er die finanzielle Lage der G.__ AG 

bewusst günstiger dar und konnte – wie zuvor dargelegt – weitere Aufwände (Einberufung 

einer Generalversammlung; Vorschlag von Sanierungsmassnamen) vermeiden, womit er in 

Vorteilsabsicht handelte (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_778/2011 vom 3. April 2012 E. 

5.5). Entsprechend kann auf die von der Verteidigung beantragte Edition des Kaufvertrages 

Grundstück Nr. aa und Nr. bb beim Grundbuchamt Y.__ mangels Relevanz verzichtet werden 

(Art. 139 Abs. 2 StPO). 

 

3.4  

Der Beschuldigte erfüllt somit sowohl den objektiven als auch den subjektiven Tatbestand der 

Falschbeurkundung nach Art. 251 Ziff. 1 StGB. Rechtsfertigungs- und Schuldausschluss-

gründe sind keine ersichtlich, womit es dabei sein Bewenden hat.  

 

22│64 

4.  

4.1  

4.1.1  

Gemäss dem Strafbefehl vom 1. Februar 2021, der als Anklage überwiesen wurde, geht die 

Staatsanwaltschaft davon aus, der Beschuldigte habe durch die Erfüllung des folgenden Sach-

verhalts der Misswirtschaft im Sinne von Art. 165 Ziff. 1 StGB schuldig gemacht (STA-act. 

21.1.0009 ff.):  

«Im November 2015, spätestens im Dezember 2015, war [dem Beschuldigten] als einzigem 
Verwaltungsrat mit Einzelzeichnungsbefugnis bewusst, dass die G.__ AG in Liq. überschuldet 
war, sich jedenfalls in arger finanzieller Schieflage befand. 

[Der Beschuldigte] unterliess es, in diesem Zeitpunkt in Nachachtung seiner gesellschafts-
rechtlichen Pflichten unverzüglich eine Zwischenbilanz zu erstellen bzw. erstellen zu lassen 
und diese durch einen zugelassenen Revisor überprüfen zu lassen. Hätte er dies getan, so 
wäre eine Überschuldung der G.__ AG in Liq. festgestellt worden, woraufhin [der Beschuldigte] 
die Bilanz hätte deponieren müssen, falls er nicht innert kürzester Frist eine Sanierung der 
Gesellschaft hätte herbeiführen können. Er liess derweil erst per 23. September 2016 und 
damit mehr als sechs Monate nach dem Ende des Geschäftsjahres eine (provisorische) Bilanz 
per 31. Dezember 2015 sowie eine Zwischenbilanz per 31. Juni 2016 erstellen, in welchen 
eine Überschuldung ausgewiesen wurde. 

In Kenntnis der Überschuldungssituation beauftragte [der Beschuldigte] im November 2015 
den ihm bekannten Geschäftspartner P.__ mit der Aufnahme von Vergleichsgesprächen mit 
F.__ als grösstem Gläubiger der G.__ AG in Liq.; dies, obschon F.__ nach Eingang des Bun-
desgerichtsurteils vom 11. November 2015 unverzüglich seine Ansprüche geltend gemacht 
und damit unzweifelhaft an seiner Forderung festgehalten hatte. [Der Beschuldigte] liess P.__ 
gewähren und sich von ihm über den Stand der Gespräche jeweils in Kenntnis setzen, setzte 
ihm jedoch keine zeitliche Limite zwecks Erzielung eines Vergleichs, obschon [der Beschul-
digte] wusste oder mindestens hätte wissen müssen, dass er für Sanierungsmassnahmen ei-
ner überschuldeten Gesellschaft – angesichts dessen, dass sich die Schulden der Gesell-
schaft mit jedem Tag vergrösserten – nur eine äusserst begrenzte Zeit zur Verfügung hatte. 

Die Vergleichsgespräche mit F.__ waren nicht von Erfolg gekrönt, was [dem Beschuldigten] 
spätestens am 19. Mai 2016 bekannt war, als er aufgrund der gescheiterten Vergleichsgesprä-
che die Liquidation und Bilanzdeponierung in Aussicht stellte. Dessen ungeachtet rief [der Be-
schuldigte] auch in diesem Zeitpunkt nicht den Richter an. 

Von seinem Treuhänder M.__ der N.__ AG wurde [der Beschuldigte] alsdann am 23. Septem-
ber 2016 auf die in der nunmehr abgeschlossenen Jahresrechnung für das Geschäftsjahr 2015 
festgestellte Überschuldungssituation und seine Pflichten als Verwaltungsrat hingewiesen. An-
statt in der Folge die Bilanz zu deponieren, trat [der Beschuldigte] per 3. November 2016 aus 
dem Verwaltungsrat der G.__ AG in Liq. zurück und wählte an seiner Stelle Q.__ in den Ver-
waltungsrat. Der Konkurs der Gesellschaft trat erst am 20. Februar 2018 ein, und zwar als 
Folge eines Konkursbegehrens von F.__. 

Wäre [der Beschuldigte] seinen gesellschaftsrechtlichen Pflichten nachgekommen und hätte 
er rechtzeitig – spätestens im Dezember 2015, eventualiter spätestens im Mai 2016 — die 
Bilanz deponiert, so hätte er eine Verschlimmerung der Überschuldung zum Nachteil der Gläu-
biger der G.__ AG in Liq. verhindern können. Stattdessen wartete er mit der Bilanzdeponierung 

23│64 

zu und verwendete die ihm bis zu seinem Austritt aus dem Verwaltungsrat verbliebene Zeit, 
um Aktiven der G.__ AG in Liq, zu seinen Gunsten bzw. zugunsten ihm nahestehender Ge-
sellschaften zu verwerten sowie rückwirkende Aktiven-Passiven-Verrechnungen vorzuneh-
men, bevor er aus dem Verwaltungsrat zurücktrat und in seiner Eigenschaft als Alleinaktionär 
der G.__ AG in Liq. Q.__ in den Verwaltungsrat wählte; letzteres im Bewusstsein darum, dass 
auch Q.__ die Bilanz nicht deponieren würde. 

[Der Beschuldigte], der über die von einem Verwaltungsrat geforderten Sach- und Rechts-
kenntnisse verfügte, wusste um die Überschuldungssituation der Gesellschaft und war sich 
bewusst bzw. nahm zumindest in Kauf, dass er durch seine Untätigkeit bzw. sein Zuwarten 
mit der Bilanzdeponierung seine Pflichten als Verwaltungsrat verletzen, dadurch die Über-
schuldung der Gesellschaft verschlimmern sowie deren Gläubiger schädigen würde. Eventu-
aliter hätte [der Beschuldigte] bei pflichtgemässer Vorsicht ohne Weiteres auffallen müssen, 
dass er mit den von ihm ergriffenen Massnahmen seinen vorstehend umschriebenen gesell-
schaftsrechtlichen Pflichten als Verwaltungsrat nicht nachkommen und sich die Vermögens-
lage dadurch weiter verschlimmern würde; jedenfalls hätte ihm dies ohne Weiteres auffallen 
müssen, hätte er über die für die Übernahme eines Verwaltungsratsmandats erforderlichen 
Sach- und Rechtskenntnisse verfügt. 

[Der Beschuldigte] hat daher für die Erhöhung der Passiven sowie die Verringerung der Akti-
ven ab dem Zeitpunkt, in dem seine Handlungspflichten aktiviert wurden, bis zum Konkursein-
tritt per 20. Februar 2018 einzustehen. Als [vom Beschuldigten] verursachter Schaden zum 
Nachteil der Gläubiger der G.__ AG in Liq., gelten die Erhöhung der Schuldzinsen gegenüber 
F.__ und der übrigen Gläubiger wie auch die Verringerung der per 31. Dezember 2015 aus-
gewiesenen Aktiven von CHF 181'412.35 (inkl. einer in der Bilanz vom 31. Dezember 2015 
nicht aufgeführten Forderung über CHF 100'000.00 gegenüber Notar D.__ als sichergestellte, 
aber nicht angefallene Grundstückgewinnsteuern) auf den im Konkursinventar festgestellten 
Betrag von CHF 118'220.55.» 

 

4.1.2  

Die Vorinstanz hat diesen angeklagten Sachverhalt als erstellt und den Tatbestand der Miss-

wirtschaft nach Art. 165 Ziff. 1 StGB als erfüllt erachtet (vi-A-1, Urteil SE 21 7 des Kantonsge-

richts Nidwalden vom 27. Oktober 2022 E. 3.2 und 6). 

 

4.1.3  

Die Staatsanwaltschaft und die Privatklägerin beantragten die Bestätigung des vorinstanzli-

chen Urteils und damit eine Verurteilung des Beschuldigten wegen Misswirtschaft. Zur Be-

gründung verweisen sie im Wesentlichen auf das angefochtene Urteil (amtl. Bel. 15 und 19).  

 

4.1.4  

Der Beschuldigte beantragt einen Freispruch vom Vorwurf der Misswirtschaft (amtl. Bel. 1 und 

amtl. Bel. 18 Antrag 1). Er bringt diverse Argumente gegen den Schuldspruch vor (amtl. Bel. 

18 Ziff. 14 ff.). In verfahrensmässiger Hinsicht rügt er zudem eine Verletzung des rechtlichen 

24│64 

Gehörs, weil seine diesbezüglichen Beweisanträge nicht abgenommen worden sind (amtl. Bel. 

18 Ziff. 2). Auf diese Argumente wird nachfolgend einzeln eingegangen. 

 

4.2  

4.2.1  

Nachfolgend ist zunächst zu prüfen, ob das Berufungsgericht – in Übereinstimmung mit der 

Vorinstanz – den angeklagte Sachverhalt als erstellt erachtet (vgl. Art. 350 Abs. 2 StPO).  

 

4.2.2  

Es wurde bereits festgehalten, dass der Beschuldigte erwiesenermassen bis zum 3. November 

2016 Verwaltungsrat mit Einzelzeichnungsbefugnis der G.__ AG war (vgl. vorstehend 

E. 3.2.3).  

 

4.2.3  

Aus der (provisorischen) Bilanz per 31. Dezember 2015 ergibt sich, dass die G.__ AG in die-

sem Zeitpunkt überschuldet war (STA-act. 8.5.1.0036 ff.; vgl. dazu auch die zutreffenden vo-

rinstanzlichen Erwägungen: vi-A-1, Urteil SE 21 7 des Kantonsgerichts Nidwalden vom 27. Ok-

tober 2022 E. 3.2.4). Dies haben auch M.__ von der N.__ AG, die die Abschlüsse 2015 und 

2016 erstellt hat, sowie der Beschuldigte bestätigt (STA-act. 13.2.0017 f. dep. 60; STA-act. 

8.5.1.0002 f.; STA-act. 12.1.0014 dep. 56).  

Der Beschuldigte hat ausgesagt, er wisse nicht, wann er Kenntnis davon erhalten habe, dass 

die G.__ AG überschuldet war (STA-act. 12.1.0014 dep. 58). Später hat er ausgesagt, ihm sei 

ein oder zwei Monate vor November 2016 bewusst geworden, dass die G.__ AG überschuldet 

sein könnte (STA-act. 12.1.0061 dep. 45). Vor dem erstinstanzlichen Gericht machte er dazu 

keine genaueren Angaben (vi-B-7, Einvernahmeprotokoll Beschuldigter vom 25. Oktober 2022 

dep. 42). Im Widerspruch dazu hat er auf den staatsanwaltschaftlichen Vorhalt, er habe im 

November 2015 P.__ mit der Aufnahme von Vergleichsgesprächen beauftragt, geantwortet: 

«Im November habe ich mich mit der Sanierung auseinandergesetzt und gesagt, jetzt muss 

ich entweder links oder rechts gehen» (STA-act. 12.1.0098 f. dep. 21). Weiter hat er ausge-

führt, es sei relativ einfach: Man habe eine eins auf dem Konto und auf der anderen Seite ein 

Minus von CHF 300'000. Ab diesem Moment wisse man, dass man etwas machen müsse. Er 

hätte die Gesellschaft liquidiert (STA-act. 12.1.0014 dep. 59). Die Aussage, ihm sei ein bis 

zwei Monate vor November 2016 bewusst geworden, dass die G.__ AG überschuldet sein 

könnte, widerspricht auch seinen Ausführungen in einer E-Mail vom 23. Februar 2016 an P.__. 

25│64 

Darin hat er geschrieben: «Dieser ganze Vorgang hat die G.__ AG (…) soweit geschwächt, 

dass sie mittlerweile die Bilanz deponieren muss.» 

Ebenso hat P.__ ausgesagt, der Beschuldigte habe schon bei seiner (P.__) Mandatsüber-

nahme im Dezember 2015 von einer drohenden Überschuldung der G.__ AG gewusst (STA-

act. 13.1.0010 dep. 39 f.). Als er von der Überschuldung Kenntnis erhalten habe, habe er 

versucht, über das Mandat mit ihm (gemeint: P.__) einen Vergleich zu machen (STA-act. 

13.1.0011 dep. 49). Das Motiv des Beschuldigten bei der Mandatsübergabe sei gewesen, den 

Konkurs der G.__ AG zu verhindern. Der Beschuldigte habe versucht, die Forderung von F.__ 

zu reduzieren, damit sie überhaupt eine Sanierung der Firma erzielen könnten (STA-act. 

13.1.0041 dep. 11). 

Auch der Zeuge M.__, Treuhänder bei der N.__ AG, hat ausgesagt, er denke schon, dass der 

Beschuldigte über die finanzielle Situation der G.__ AG im Bild gewesen sei (STA-act. 

13.2.0013 dep. 31). Er schrieb dem Beschuldigten am 9. Dezember 2015 zudem eine E-Mail, 

in der er zwei Mal das Thema «Bilanz deponieren» aufbrachte und das vom Beschuldigten 

gleichentags beantwortet wurde (STA-act. 8.5.1.0063-0067). Dazu hat M.__ ausgesagt, die 

beiden Themen seien Überschuldung und Steuererklärung gewesen (STA-act. 13.2.0014 dep. 

36; STA-act. 13.2.0016 dep. 48).  

Aufgrund der Aussagen des Beschuldigten und von P.__ und M.__ ist erstellt, dass der Be-

schuldigte spätestens im Dezember 2015 eine Überschuldung der G.__ AG zumindest be-

fürchtete. Seine anderslautenden respektive vagen Aussagen sind als Schutzbehauptungen 

zu qualifizieren.  

 

4.2.4  

Der Beschuldigte liess erst per 23. September 2016 eine (provisorische) Bilanz/Erfolgsrech-

nung per 31. Dezember 2015 sowie eine Zwischenbilanz/Erfolgsrechnung per 30. Juni 2016 

der G.__ AG erstellen. Die Bilanzen/Erfolgsrechnungen wurden ihm am 23. September 2016 

von M.__ von der N.__ AG zugestellt. Neben weiteren Erläuterungen teilte M.__ ihm mit, dass 

die G.__ AG überschuldet ist und Sanierungsmassnahmen eingeleitet oder die Bilanz depo-

niert werden müsse, was Sache des Verwaltungsrates sei (STA-act. 8.5.1.0002 ff.). 

 

4.2.5  

Der Beschuldigte unterliess es, eine Überschuldungsanzeige beim Gericht einzureichen, was 

er auch nicht bestritten hat (STA-act. 12.1.0015 dep. 63; STA-act. 12.1.0098 dep. 20). Hinge-

gen beauftragte er P.__ damit, einen Vergleich mit F.__ zu finden und dies, obwohl der (da-

malige) Rechtsvertreter von F.__, Rechtsanwalt E.__, am 13. November 2015 und damit direkt 

26│64 

nach Eingang des bundesgerichtlichen Urteils seine Forderung im Gesamtbetrag von 

Fr. 294'071.– beim (damaligen) Rechtsvertreter des Beschuldigten geltend machte (STA-act. 

7.3.1.0098).  

P.__ hat ausgesagt, der Beschuldigte habe ihn gebeten, über Rechtsanwalt E.__ einen Ver-

gleich mit F.__ zu suchen, worauf er mit Rechtsanwalt E.__ korrespondiert habe (STA-act. 

13.1.0007 dep. 15; STA-act. 13.1.0009 dep. 33). Das müsse etwa im November 2015 gewe-

sen sein (STA-act. 13.1.0040 dep. 9). Es sei nicht besprochen worden, bis wann er einen 

Vergleich hinbekommen müsse, und es sei kein Zeitdruck vorhanden gewesen (STA-act. 

13.1.0041 dep. 13 f.). Er habe den Beschuldigten regelmässig informiert, sobald Unterlagen 

oder Nachrichten von Rechtsanwalt E.__ eingetroffen seien (STA-act. 13.1.0041 dep. 16). Am 

22. Dezember 2015 sei es zu einer persönlichen Besprechung mit Rechtsanwalt E.__ gekom-

men. Dort habe er (gemeint: P.__) Rechtsanwalt E.__ Unterlagen abgegeben (STA-act. 

13.1.0040 dep. 9).  

Dem von P.__ zu den Akten gegeben E-Mailverkehr zwischen ihm und Rechtsanwalt E.__ 

lässt sich entnehmen, dass sich Rechtsanwalt E.__ am 12. Februar 2016 gemeldet und wei-

tere Unterlagen verlangt hat (STA-act. 13.1.0052 f.). Am 21. April 2016 unterbreitete Rechts-

anwalt E.__ einen Vergleichsvorschlag, den P.__ am 29. April 2016 ablehnte und mitteilte, den 

eigenen, im Dezember 2015 unterbreiteten Vergleichsvorschlag noch bis am 15. Mai 2016 

aufrechtzuerhalten (STA-act. 13.1.0056 f.). Mit E-Mail vom 19. Mai 2016 schrieb der Beschul-

digte P.__, die von Rechtsanwalt E.__ geforderte Summe sei für sie nicht machbar. Folglich 

hätten sie am 6. Juni 2016 zur Generalversammlung geladen und würden die Liquidation der 

Firma respektive die Feststellung der Überschuldung beim Richter anmelden. P.__ schrieb 

gleichentags an Rechtsanwalt E.__, der Beschuldigte sehe sich nun gezwungen, die Bilanz zu 

deponieren, und leitete ihm die vorgenannte E-Mail weiter (STA-act. 13.1.0059 f.). Darauf ant-

wortete Rechtsanwalt E.__, sollte die Bilanz deponiert werden, behalte sich sein Klient aus-

drücklich die Geltendmachung von Verantwortlichkeitsansprüchen vor (STA-act. 13.1.0058). 

Am 4. Juli 2016 unterbreitete P.__ Rechtsanwalt E.__ ein erneutes Angebot, worauf er keine 

Antwort erhielt, weshalb er sich am 5. September 2016 erkundigte, ob Rechtsanwalt E.__ 

seine E-Mail erhalten habe (STA-act. 13.1.0061 ff.). Eine Antwort von Rechtsanwalt E.__ auf 

diese Nachrichten ist nicht aktenkundig.  

Nach Angaben von P.__ herrschte darauf ein Jahr Funkstille (STA-act. 13.1.0042 dep. 22). 

P.__ hat zudem ausgesagt, das Mandat (Verhandlungen mit Rechtsanwalt E.__) habe etwa 

drei, vier Monate gedauert. Rechtsanwalt E.__ habe dann gesagt, er gehe darauf nicht ein. 

27│64 

Damit sei die Sache für ihn und den Beschuldigten erledigt gewesen (STA-act. 13.1.0007 dep. 

15).  

 

4.2.6  

Wie sich aus dem Protokoll über die ausserordentliche Generalversammlung der G.__ AG 

vom 19. Oktober 2016 ergibt, trat der Beschuldigte aus dem Verwaltungsrat zurück und wählte 

Q.__ in den Verwaltungsrat. Die Mutation wurde am 3. November 2016 im Tagesregister des 

Handelsregisters des Kantons Nidwalden eingetragen (STA-act. 11.1.1.0411 ff.). 

 

4.2.7  

Über die G.__ AG wurde am 20. Februar 2018 der ordentliche Konkurs eröffnet, nachdem F.__ 

am 15. Dezember 2017 das Konkursbegehren gegen die G.__ AG gestellt hatte (STA-act. 

11.1.1.0417 ff.). 

 

4.2.8  

In der (provisorischen) Bilanz per 31. Dezember 2015 der G.__ AG betrugen die Aktiven 

Fr. 81'412.35 (Ausdrucksdatum 14.09.2016, STA-act. 8.5.1.0036 f.; Ausdrucksdatum 

05.03.2018, STA-act. 11.2.1.0180 f.). Rechnet man die auf dem Konto von Notar D.__ sicher-

gestellten, aber nicht angefallenen Grundstückgewinnsteuern von Fr. 100'000.– hinzu, die in 

der Bilanz per 31. Dezember 2015 nicht berücksichtigt worden waren, kommt man per 31. De-

zember 2015 auf Aktiven von Fr. 181'412.35 (vgl. Kaufvertrag vom 19. September 2014, STA-

act. 3.1.0099 und Steuerrechnung 2014, STA-act. 4.1.2.0586 sowie die zutreffenden vo-

rinstanzlichen Ausführungen: vi-A-1, Urteil SE 21 7 des Kantonsgerichts Nidwalden vom 

27. Oktober 2022 E. 6.1.5.4). Im Konkursinventar wurde nur noch ein Betrag von 

Fr. 118'220.55 festgehalten (STA-act. 11.2.2.0077 ff.). Damit verringerten sich die Aktiven der 

G.__ AG vom 31. Dezember 2015 bis zur Konkurseröffnung am 20. Februar 2018 um Fr. 

63'191.80. Hinzu kommt die Erhöhung der Schuldzinsen gegenüber F.__ und den übrigen 

Gläubigern (vgl. STA-act. 11.2.1.0254 ff.).  

 

4.2.9  

Das Obergericht erachtet somit den angeklagten Sachverhalt – jedenfalls soweit für die vor-

geworfene Misswirtschaft relevant – als erstellt. Dem Beschuldigten als einzigem Verwaltungs-

rat war spätestens im Dezember 2015 bewusst, dass der G.__ AG die Überschuldung droht. 

Er unterliess es in diesem Zeitpunkt, unverzüglich eine Zwischenbilanz erstellen zu lassen. 

28│64 

Hingegen beauftragte er P.__, mit dem Anwalt von F.__ Vergleichsgespräche zu führen, setzte 

ihm dafür aber keine zeitliche Limite. Selbst als er am 16. Mai 2016 erfuhr, dass die Vergleichs-

gespräche gescheitert waren, deponierte er nicht die Bilanz. Dies tat er auch dann nicht, als 

ihm M.__ von der N.__ AG am 23. September 2016 mitteilte, die G.__ AG sei überschuldet 

und ihn auf seine diesbezüglichen Pflichten als Verwaltungsrat hinwies. Am 19. Oktober 2016 

trat er aus dem Verwaltungsrat der G.__ AG zurück und wählte Q.__ in den Verwaltungsrat. 

Der Konkurs der G.__ AG trat am 20. Februar 2018 als Folge eines Konkursbegehrens von 

F.__ ein. Die Aktiven der G.__ AG verringerten sich vom 31. Dezember 2015 um 

Fr.  63'191.80. Zudem erhöhten sich die Schuldzinsen gegenüber F.__ und den übrigen Gläu-

bigern. Der Beschuldigte kannte seine Pflichten als Verwaltungsrat, wusste um die Überschul-

dungssituation und nahm zumindest in Kauf, dass sich durch sein Zuwarten mit der Bilanzde-

ponierung die Überschuldung der G.__ AG verschlimmert und dadurch die Gläubiger der Ge-

sellschaft geschädigt werden. 

 

4.3  

4.3.1  

Das Gericht hat weiter zu prüfen, ob sich der Beschuldigte durch die Verwirklichung des an-

geklagten Sachverhalts der Misswirtschaft gemäss Art. 165 Ziff. 1 StGB strafbar gemacht hat 

(vgl. Art. 350 Abs. 1 StPO). 

 

4.3.2  

Den Tatbestand der Misswirtschaft nach Art. 165 Ziff. 1 StGB erfüllt, wer als Schuldner in an-

derer Weise als durch Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung nach Art. 164 

StGB, durch Misswirtschaft, namentlich durch ungenügende Kapitalausstattung, unverhältnis-

mässigen Aufwand, gewagte Spekulationen, leichtsinniges Gewähren oder Benützen von Kre-

dit, Verschleudern von Vermögenswerten oder arge Nachlässigkeit in der Berufsausübung 

oder Vermögensverwaltung, seine Überschuldung herbeiführt oder verschlimmert, seine Zah-

lungsunfähigkeit herbeiführt oder im Bewusstsein seiner Zahlungsunfähigkeit seine Vermö-

genslage verschlimmert, wenn über ihn der Konkurs eröffnet oder gegen ihn ein Verlustschein 

ausgestellt worden ist. 

Die Misswirtschaft ist ein echtes Sonderdelikt, als Täter kommt nur der Schuldner in Betracht. 

Die Schuldnereigenschaft kann je nach Funktion einer natürlichen Person zugerechnet wer-

den, unter anderem wenn diese als Organ einer juristischen Person handelt (vgl. Art. 29 lit. a 

StGB). Damit kann sich auch der Verwaltungsrat einer Schuldnerin der Misswirtschaft strafbar 

29│64 

machen (NADINE HAGENSTEIN, in: Basler Kommentar, Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N. 2 ff. zu 

Art. 165 StGB; Urteil des Bundesgerichts 6P.29/2007 / 6S.71/2007 vom 27. April 2007 E. 9.1; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_731/2019 vom 18. November 2019 E. 2).  

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung liegt eine nachlässige Berufsausübung vor, 

wenn gesetzliche Bestimmungen der Unternehmensführung missachtet werden. Dazu gehö-

ren insbesondere die Vernachlässigung der Rechnungslegung oder die Verletzung der Pflicht 

des Verwaltungsrats einer Aktiengesellschaft, das Gericht im Falle der Überschuldung zu be-

nachrichtigen. Gemäss aArt. 725 Abs. 2 OR (in der ab 1. März 2012 gültig gewesenen Fas-

sung) muss, wenn begründete Besorgnis einer Überschuldung besteht (und nicht erst wenn 

sie definitiv feststeht), eine Zwischenbilanz erstellt und diese einem zugelassenen Revisor zur 

Prüfung vorgelegt werden. Ergibt sich aus der Zwischenbilanz, dass die Forderungen der Ge-

sellschaftsgläubiger weder zu Fortführungs- noch zu Veräusserungswerten gedeckt sind, so 

hat der Verwaltungsrat das Gericht zu benachrichtigen, sofern nicht Gesellschaftsgläubiger im 

Ausmass dieser Unterdeckung im Rang hinter alle anderen Gesellschaftsgläubiger zurücktre-

ten (BGE 144 IV 52 E. 7.3 m.w.V.; Urteil des Bundesgerichts 6B_1104/2022 vom 19. April 

2023 E. 1.1.1 und 1.3.3).  

Wenngleich aArt. 725 Abs. 2 Satz 2 OR dies nicht explizit vorsieht, gewähren Rechtsprechung 

und herrschende Lehre dem Verwaltungsrat im Fall reeller dauerhafter Sanierungsaussichten 

einen Aufschub der Überschuldungsanzeige, sodass diese nicht zwangsläufig sofort im Zeit-

punkt der erstmaligen Feststellung der Überschuldung erfolgen muss (vgl. BGE 132 III 

564 E. 5.1; 127 IV 110 E. 5a; Urteile des Bundesgerichts 6B_985/2016 vom 27. Februar 2017 

E. 4.2.1; 6B_1091/2014 vom 24. November 2015 E. 5; 4C.366/2000 vom 19. Juni 2001 E. 4b; 

Hagenstein, a.a.O., N. 33a zu Art. 165 StGB m.w.V.). Mit der Benachrichtigung des Gerichts 

darf hingegen nicht zugewartet werden, wenn die ergriffenen Sanierungsmassnahmen den 

Unternehmenszusammenbruch lediglich hinauszögern würden; auch dürfen die Befriedi-

gungschancen der Gläubiger durch den Aufschub nicht zusätzlich gefährdet werden. Kann 

eine dauerhafte Sanierung der überschuldeten Gesellschaft objektiv begründet erwartet wer-

den, liegt keine unzulässige Gefährdung der Gläubigerinteressen vor, selbst wenn sich die 

Sanierungsmassnahmen im Nachhinein als nicht erfolgreich erweisen sollten. Sobald sich die 

aussergerichtlichen Sanierungsbemühungen nicht mehr als Erfolg versprechend erweisen, 

endet die Toleranzfrist. Hinsichtlich der Länge dieser Frist ist die Rechtsprechung uneinheit-

lich. Genannt werden Fristen von «einer kurzen Zeitspanne», «wenigen Wochen», «höchstens 

vier bis sechs Wochen», 60 resp. 90 Tagen, bzw. «eine relativ kurze Frist» ab Erkennen 

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30│64 

der Überschuldung (Urteil des Bundesgerichts 6B_1104/2022 vom 19. April 2023 E. 1.1.1 

m.w.V.). 

Misswirtschaft ist ein Erfolgsdelikt; es bedarf eines kausalen Zusammenhangs zwischen dem 

tatbestandsmässigen Mangel, etwa der arg nachlässigen Berufsausübung, und dem Erfolg 

(Herbeiführung oder Verschlimmerung der Überschuldung, Herbeiführung der Zahlungsunfä-

higkeit). Unterlassungen verhalten sich kausal zum tatbestandsmässigen Erfolg, wenn dieser 

ohne das arg nachlässige Verhalten nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge mit grosser Wahr-

scheinlichkeit hätte vermieden werden können. Ein mitursächliches Verhalten genügt (Urteile 

des Bundesgerichts 6B_1236/2018 vom 28. September 2020 E. 4.2 und 6B_1104/2022 vom 

19. April 2023 E. 1.1.1 je m.w.V.). Die Eröffnung des Konkurses ist objektive Strafbarkeitsbe-

dingung (BGE 144 IV 52 E. 7.3; Urteile des Bundesgerichts 6B_775/2020 vom 23. November 

2020 E. 3.1 und 6B_244/2021 / 6B_254/2021 vom 17. April 2023 E. 4.3).  

Der subjektive Tatbestand erfordert Vorsatz hinsichtlich der Bankrotthandlung. In Bezug auf 

die Vermögenseinbusse genügt grobe Fahrlässigkeit (BGE 144 IV 52 E. 7.3 m.w.V.; Urteile 

des Bundesgerichts 6B_910/2019 vom 15. Juni 2020 E. 3.2 und 6B_1104/2022 vom 19. April 

2023 E. 1.1.1). 

 

4.3.3  

Der Beschuldigte war im Zeitpunkt der vorliegend zu beurteilenden Vorkommnisse einziger 

Verwaltungsrat der G.__ AG, womit er als Täter von Misswirtschaft im Sinne von Art. 165 Ziff. 

1 StGB in dieser Gesellschaft in Frage kommt (vgl. vorstehend E. 3.2.3 und 4.2.2).  

 

4.3.4  

Wenn ein Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft trotz begründeter Besorgnis, es könnte eine 

Überschuldung vorliegen, keine Zwischenbilanz erstellen lässt und trotz Überschuldung nicht 

das Gericht benachrichtigt, kann dies eine arge Nachlässigkeit in der Berufsausübung nach 

Art. 165 Ziff. 1 StGB darstellen. Ausnahmsweise darf er von der Benachrichtigung des Gerichts 

absehen, nämlich wenn Gesellschaftsgläubiger im Ausmass der Unterdeckung im Rang hinter 

alle anderen Gesellschaftsgläubiger zurücktreten (sog. Rangrücktritt). Zudem darf er während 

einer gewissen Zeitspanne mit der Benachrichtigung des Gerichts zuwarten, sofern reelle und 

dauerhafte Sanierungsaussichten bestehen (vgl. zum Ganzen vorstehend E. 4.3.2).  

Nachfolgend ist somit zunächst zu klären, ob der Beschuldigte seine Pflichten als Verwaltungs-

rat eingehalten hat, als ihm bewusst wurde, dass der G.__ AG die Überschuldung droht (nach-

folgend: E. 4.3.5). Weiter ist zu prüfen, ob und ab wann tatsächlich eine Überschuldung der 

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31│64 

G.__ AG vorlag (nachfolgend: E. 4.3.6). Falls dies bejaht wird, bleibt zu untersuchen, ob der 

Beschuldigte von einer Benachrichtigung des Gerichts absehen durfte, weil ein Rangrücktritt 

vorlag (nachfolgend: E. 4.3.7) oder ob er mit dessen Benachrichtigung zuwarten durfte, weil 

reelle und dauerhafte Sanierungsaussichten bestanden (nachfolgend: E. 4.3.8).  

 

4.3.5  

Nach dem Urteil des Bundesgerichts vom 11. November 2015 liess F.__ mit Schreiben vom 

13. November 2015 gegenüber der G.__ AG die nun gerichtlich rechtskräftig festgestellte For-

derung von Fr. 294'071.– geltend machen (STA-act. 7.3.1.0098). Aus den Aussagen und 

Handlungen des Beschuldigten sowie den Aussagen von P.__ und M.__ erschliesst sich, dass 

der Beschuldigte danach, jedenfalls spätestens im Dezember 2015 wusste, dass der G.__ AG 

nun die Überschuldung droht (vgl. dazu vorstehend E. 4.2.3 und HANSPETER WÜSTINER, in: 

Basler Kommentar zum OR II, 5. Aufl. 2016, N. 32 zu Art. 725 OR, wonach der Verwaltungsrat 

die finanzielle Lage der Gesellschaft kontinuierlich zu überwachen hat und eine begründete 

Besorgnis einer Überschuldung immer dann besteht, wenn ausserordentliche Ereignisse wie 

Prozesse vorfallen, die zu einem grösseren Abschreibungs- oder Rückstellungsbedarf oder zu 

Liquiditätsschwierigkeiten führen können). In diesem Zeitpunkt wäre er verpflichtet gewesen, 

eine Zwischenbilanz erstellen zu lassen und diese einem zugelassenen Revisor zur Prüfung 

vorzulegen (vgl. aArt. 725 Abs. 2 OR in der in der ab 1. März 2012 gültig gewesenen Fassung). 

Dies tat er allerdings nicht, jedenfalls nicht genügend schnell. Erst am 23. September 2016 lag 

eine (provisorische) Bilanz/Erfolgsrechnung per 31. Dezember 2015 sowie eine Zwischenbi-

lanz/Erfolgsrechnung per 30. Juni 2016 der G.__ AG vor (STA-act. 8.5.1.0002 ff.). Die Erstel-

lung einer Zwischenbilanz und Prüfung durch einen zugelassenen Revisor ist umgehend vor-

zunehmen (WÜSTINER, a.a.O., N. 39 zu Art. 725 OR m.w.V.). Bereits die Verzögerung von 

circa neun Monaten bis zur Erstellung einer Zwischenbilanz stellt ein Verstoss gegen die 

Pflichten dar, die dem Beschuldigten als Verwaltungsrat der G.__ AG oblagen, und damit eine 

arg nachlässige Berufsausübung im Sinne von Art. 165 Ziff. 1 StGB (vgl. dazu auch vorstehend 

E. 4.3.2 und die die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen: vi-A-1, Urteil SE 21 7 des 

Kantonsgerichts Nidwalden vom 27. Oktober 2022 E. 6.1.5.2). Zudem hat M.__ von der 

N.__ AG ausgesagt, sie hätten keine Prüfung als Revisor im Sinne von aArt. 725 Abs. 2 OR 

gemacht und kein entsprechendes Mandat gehabt (STA-act. 13.2.017 dep. 56 f.). Eine Prüfung 

durch einen anderen Revisor ist nicht aktenkundig. Somit hat es der Beschuldigte auch unter-

lassen, eine Prüfung der Zwischenbilanz durch einen zugelassenen Revisor vornehmen zu 

lassen, womit er auch diesbezüglich gegen aArt. 725 Abs. 2 OR (in der ab 1. März 2012 gültig 

32│64 

gewesenen Fassung) verstossen und eine arg nachlässige Berufsausübung im Sinne von 

Art. 165 Ziff. 1 StGB begangen hat.  

 

4.3.6  

Mit E-Mail vom 23. September 2016 stellte M.__ von der N.__ AG dem Beschuldigten eine 

(provisorische) Bilanz/Erfolgsrechnung per 31. Dezember 2015 sowie eine Zwischenbilanz/Er-

folgsrechnung per 30. Juni 2016 der G.__ AG zu. Zudem teilte M.__ dem Beschuldigten mit, 

dass die G.__ AG überschuldet sei und Sanierungsmassnahmen eingeleitet oder die Bilanz 

deponiert werden müsse, was Sache des Verwaltungsrates sei (STA-act. 8.5.1.0002 ff.). Aus 

der Bilanz/Erfolgsrechnung per 31. Dezember 2015 ergibt sich eine Überschuldung der 

G.__ AG, was auch der Beschuldigte bestätigt hat (vi-B-7, Einvernahmeprotokoll Beschuldig-

ter vom 25. Oktober 2022 dep. 67; vgl. dazu auch die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägun-

gen: vi-A-1, Urteil SE 21 7 des Kantonsgerichts Nidwalden vom 27. Oktober 2022 E. 3.2.4).  

Die Verteidigung bestreitet nicht, dass aufgrund der vorstehend genannten Zwischenbilanzen 

eine Überschuldung bestand. Sie macht allerdings geltend, man sei stets von Liquidations- 

und nicht von Fortführungswerten ausgegangen. Wäre die Bilanz zu Fortführungswerten er-

stellt worden und hätte man die bei Notar D.__ hinterlegten Fr. 100'000.– sowie die vom Be-

schuldigten mit E-Mail vom 4. Juli 2016 zugesicherten Fr. 65'000.– berücksichtigt, wäre keine 

Überschuldung vorgelegen. Es habe sich zudem um eine provisorische Bilanz gehandelt und 

der Beschuldigte habe auf seine Forderungen verzichtet und einen Rangrücktritt erklärt, was 

unter anderem der E-Mail vom 4. Juli 2016 entnommen werden könne. Dazu beantragt sie, 

neben der Befragung des Beschuldigten eine Zeugeneinvernahme mit O.__ von der N.__ AG 

sowie ein Gutachten eines unabhängigen Sachverständigen, welcher zu beurteilen habe, ob 

die Erstellung einer provisorischen Liquidationsbilanz im vorliegenden Fall den buchhalteri-

schen Grundsätzen des Schweizerischen Rechnungslegungsrecht entspreche (amtl. Bel. 18 

Rz. 16, 19 und 21). 

Die Verteidigung verkennt dabei einerseits, dass es der Beschuldigte war, der von der N.__ AG 

die Erstellung einer Zwischenbilanz zu Liquidationswerten verlangt hat (vi-B-7, Einvernahme-

protokoll Beschuldigter vom 25. Oktober 2022 dep. 65, wonach die N.__ AG die Zwischenbi-

lanzen im Auftrag des Beschuldigten erstellt hat; STA-act. 12.1.0093 dep. 5, Aussage des 

Beschuldigten: «Im Jahr 2016 habe ich die Liquidation von der Firma beschlossen, weil Q.__ 

nicht vorwärts machte. In diesem Moment erstellt man eine Liquidationsbilanz.»; STA-act. 

12.1.0099 dep. 23, Aussage des Beschuldigten: «Mitte Jahr [gemeint: 2016] habe ich dann 

eine Liquidationsbilanz gemacht und die Liquidation der G.__ AG beschlossen.»). Somit war 

33│64 

der Beschuldigte dafür verantwortlich, dass die Zwischenbilanzen zu Liquidations- und nicht 

zu Fortführungswerten erstellt wurde. Andererseits übersieht die Verteidigung, dass eine Bi-

lanzierung zu Fortführungswerten unter anderem dann nicht mehr gerechtfertigt ist, wenn der 

Wille zur Fortführung der Gesellschaft fehlt (WÜSTINER, a.a.O., N. 22 zu Art. 725 OR m.w.V.). 

Aus seinen Aussagen und E-Mails ergibt sich, dass der Beschuldigte die G.__ AG – wenn kein 

Vergleich gefunden wird – nicht fortführen, sondern liquidieren wollte (STA-act. 12.1.0014 dep. 

59, Stellungnahme des Beschuldigten zur Aussage von P.__, er habe schon im Dezember 

2015 von der Überschuldung gewusst: «Ab diesem Moment wissen Sie, dass Sie etwas ma-

chen müssen. Ich hätte die Gesellschaft liquidiert»; STA-act. 12.1.0011 f. dep. 45, Aussage 

des Beschuldigten: «Somit hätte die Tatsache, dass die Gesellschaft zahlungsunfähig war, zu 

zwei Varianten geführt: Die eine wäre die Erzielung eines Vergleichs gewesen mit F.__, die 

andere die Liquidation der Gesellschaft aufgrund der fehlenden Aktiven.»; STA-act. 12.1.0093 

dep. 5, Aussage des Beschuldigten: «Im Jahr 2016 habe ich die Liquidation von der Firma 

beschlossen, weil Q.__ nicht vorwärts machte. In diesem Moment erstellt man eine Liquidati-

onsbilanz.»; STA-act. 12.1.0098 dep. 19, Aussage des Beschuldigten: «Das [gemeint: Diskus-

sionen mit Q.__] zog sich dann hinaus bis Mai oder Juni 2016. Als ich feststellte, dass wir dort 

nicht vorwärts kommen, beschloss ich die Liquidation der Gesellschaft. Ich war einziger Ver-

waltungsrat und einziger Aktionär, also konnte ich das beschliessen. Über kurz oder lang hätte 

ich also diese Firma zugemacht, sondern nicht auf dem Konkursweg, sondern ich hätte sie 

liquidiert.»; STA-act. 12.1.0099 dep. 23, Aussage des Beschuldigten: «Mitte Jahr [gemeint: 

2016] habe ich dann eine Liquidationsbilanz gemacht und die Liquidation der G.__ beschlos-

sen.»; STA-act. 13.1.0060; STA-act. 13.1.0061). Auch deshalb war eine Zwischenbilanz zu 

Fortführungswerten nicht mehr relevant. Schliesslich handelt es sich bei den von der Verteidi-

gung angeführten und vom Beschuldigten angeblich zugesicherten Fr. 65'000.– und beim an-

geblichen Rangrücktritt des Beschuldigten um reine Lippenbekenntnisse (vgl. STA-act. 

13.1.0062 und STA-act. 12.1.0098 dep. 19 «persönliche Zusage»; STA-act. 12.1.0066, Frage: 

«Haben Sie (…) einen Rangrücktritt erklärt?», Antwort des Beschuldigten: «Ich weiss es 

nicht»). Eine verbindliche schriftliche Zusicherung des Beschuldigten oder gar eine entspre-

chende schriftliche Vereinbarung mit der G.__ AG findet sich in den Akten nicht. Damit wäre 

diese angebliche Zusicherung und der angebliche Rangrücktritt auch in einer Bilanz zu Fort-

führungswerten nicht zu berücksichtigen gewesen (vgl. Art. 957a Abs. 2 Ziff. 2 und Abs. 3 OR). 

Ein Rangrücktritt würde zudem die Überschuldung nicht beseitigen und wäre – weil er keinen 

Forderungsverzicht beinhaltet – weiterhin als Passivum zu bilanzieren. Er erhöht auch die 

Fortführungswürdigkeit eines Unternehmens nicht (WÜSTINER, a.a.O., N. 47 zu Art. 725 OR 

34│64 

m.w.V.). Die G.__ AG wäre somit auch in einer Zwischenbilanz zu Fortführungswerten über-

schuldet gewesen. 

Aufgrund der vorstehenden Ausführungen sind auch die diesbezüglichen Beweisanträge der 

Verteidigung abzuweisen. Auf eine Zeugenbefragung von O.__ von der N.__ AG kann ver-

zichtet werden, weil seine Aussagen aufgrund der zuvor gemachten Ausführungen unerheb-

lich sind (vgl. Art. 139 Abs. 2 StPO). Zudem war er gar nicht in die vorliegend interessierenden 

Vorgänge involviert (vgl. STA-act. 13.2.0010 f. dep. 8, Aussage M.__: «O.__ […] war ja nicht 

involviert in diese Sache») und ist somit als Zeuge ungeeignet (vgl. Art. 139 Abs. 1 StPO 

e contrario). Der zuständige Treuhänder der N.__ AG, M.__ (vgl. STA-act. 13.2.0013 dep. 22), 

ist zudem von der Staatsanwaltschaft ausführlich als Zeuge einvernommen worden (STA-act. 

13.2.0009 ff.), womit der Sachverhalt diesbezüglich bereits rechtsgenügend erwiesen ist (vgl. 

Art. 139 Abs. 2 StPO). Auf die Erstellung eines Expertengutachtens zur Frage, ob die Erstel-

lung einer provisorischen Liquidationsbilanz den buchhalterischen Grundsätzen des Schwei-

zerischen Rechnungslegungsrechts entspricht, kann ebenfalls verzichtet werden. Zuvor wurde 

aufgezeigt, dass der Beschuldigte nur die Erstellung einer Liquidationsbilanz wollte und eine 

Fortführungsbilanz nicht erstellt werden musste, weil kein Fortführungswille bestand. Sowieso 

handelt es sich dabei um eine Rechtsfrage, die grundsätzlich (besondere, vorliegend nicht 

relevante Fälle ausgenommen) vom Gericht zu beantworten ist (vgl. MARIANNE HEER, in: Bas-

ler Kommentar, Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 4 f. zu Art. 182 StPO).  

Zusammengefasst ist somit davon auszugehen, dass die G.__ AG per 31. Dezember 2015 

überschuldet war.  

4.3.7  

Die Verteidigung macht geltend, der Beschuldigte habe einen Rangrücktritt erklärt, was unter 

anderem der E-Mail vom 4. Juli 2016 entnommen werden könne (amtl. Bel. 18 Rz. 19).  

Der besagten E-Mail lässt sich kein Rangrücktritt des Beschuldigten entnehmen. Von einem 

Rangrücktritt ist nirgendwo die Rede, zudem ist der Absender der E-Mail gar nicht der Be-

schuldigte, sondern P.__ (STA-act. 13.1.0061 f.). Der Beschuldigte selbst hat ausgesagt, er 

wisse nicht mehr, ob er einen Rangrücktritt erklärt habe (STA-act. 12.1.0066 dep. 69). In den 

Einvernahmen hat er zudem immer nur davon gesprochen, dass er einen Rangrücktritt «hätte 

machen» respektive «hätte geben» können und nie, dass er einen Rangrücktritt gemacht oder 

gegeben habe (STA-act. 12.1.0023 dep. 94; STA-act. 12.1.0055 dep. 16 f.; STA-act. 12.1.0060 

dep. 39; STA-act. 12.1.0098 dep. 19; Einvernahmeprotokoll Beschuldigter vom 25. Oktober 

2022 dep. 35 f.). Auch in den Akten findet sich nirgendwo ein Rangrücktritt des Beschuldigten 

35│64 

oder eines anderen Gläubigers (vgl. auch zutreffenden vorinstanzlichen Ausführungen: vi-A-

1, Urteil SE 21 7 des Kantonsgerichts Nidwalden vom 27. Oktober 2022 E. 6.1.5.3 S. 42 f.).  

Es lag somit kein Rangrücktritt vor, der den Beschuldigten dazu berechtigt hätte, das Gericht 

trotz Überschuldung nicht zu benachrichtigen.  

 

4.3.8  

Die Verteidigung legt – wie schon vor Vorinstanz – ausführlich dar, wie der Beschuldigte ver-

sucht haben soll, die G.__ AG zu sanieren. Zunächst habe er durch Gespräche zwischen P.__ 

und Rechtsanwalt E.__ versucht, einen Vergleich mit F.__ zu erzielen. Als er im Juni 2016 die 

Bilanz habe deponieren wollen, sei Q.__ auf ihn zugekommen und habe ihm mitgeteilt, er wolle 

die G.__ AG übernehmen und weiterführen. Zudem habe er ihm versichert, er sei guter Dinge, 

selbst eine Lösung mit F.__ zu finden. Die Verteidigung will daraus einerseits ableiten, der 

Beschuldigte habe ab November 2015 mit tauglichen Sanierungsmassnahmen versucht, mit 

F.__ respektive seinem Anwalt eine Lösung zu finden, während diese das Ganze in rechts-

missbräuchlicher Weise hinausgezögert hätten und dem Aufschub der Sanierungsmassnah-

men zugestimmt hätten. Andererseits habe er aufgrund der Aussagen von Q.__ darauf ver-

trauen dürfen, dass eine Sanierung der G.__ AG in Sichtweise sei, weswegen ihm auch nicht 

anzulasten sei, dass er im November 2016 die Verantwortung an Q.__ abgegeben habe (amtl. 

Bel. 18 Rz. 17 f., Rz. 20, 22 und 24). 

Die Verhandlungen zwischen P.__ und Rechtsanwalt E.__ wurden bereits ausführlich darge-

legt (vgl. vorstehend E. 4.2.5). Daraus geht hervor, dass von Anfang an keine reelle Chance 

auf einen Vergleich bestand, der die G.__ AG vor der Überschuldung bewahrt hätte. F.__ hat 

nach dem Bundesgerichtsurteil mit Schreiben vom 13. November 2015 unverzüglich die nun 

gerichtlich rechtskräftig festgestellte Forderung von Fr. 294'071.– geltend machen lassen 

(STA-act. 7.3.1.0098). Es erschliesst sich nicht, weshalb er seine Forderung im Rahmen eines 

Vergleichs erheblich hätte reduzieren sollen, nachdem er sie über drei Instanzen durchgesetzt 

und nun endgültig und vollumfänglich zugesprochen bekommen hatte. Das gar nie eine reelle 

Chance auf einen Vergleich bestand, der die G.__ AG saniert hätte, erschliesst sich auch da-

raus, dass die Vergleichsangebote der beiden Seiten von Anfang an sehr weit auseinanderla-

gen (vgl. dazu die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz, vi-A-1, Urteil SE 21 7 des Kan-

tonsgerichts Nidwalden vom 27. Oktober 2022 E. 6.1.5.3 S. 40). Dem Beschuldigten als erfah-

renem Geschäftsmann musste klar sein, dass ein erhebliches Entgegenkommen von F.__, mit 

dem die G.__ AG vor der Überschuldung gerettet beziehungsweise dauerhaft hätte saniert 

werden können, bloss eine vage Hoffnung und keine realistische Sanierungsmöglichkeit war. 

36│64 

Eine vage Hoffnung genügt nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung aber nicht, um die 

Überschuldungsanzeige aufzuschieben (vgl. BGE 127 IV 110 E. 5a m.w.V.; Urteil des Bun-

desgerichts 6B_985/2016 vom 27. Februar 2017 E. 4.2.1). Falls zuvor noch eine vage Hoff-

nung bestand, wurde diese spätestens am 19. Mai 2016 endgültig zerstört. P.__ hat am 

29. April 2016 das Angebot von Rechtsanwalt E.__ abgelehnt und mitgeteilt, man halte den 

eigenen Vergleichsvorschlag noch bis am 15. Mai 2016 aufrecht (STA-act. 13.1.0056 f.). 

Rechtsanwalt E.__ ging innert dieser Frist nicht auf das Angebot von P.__ ein und unterbreitete 

auch keinen eigenen Gegenvorschlag mehr. Darauf schrieb der Beschuldigte P.__ am 19. Mai 

2016, dass die von Rechtsanwalt E.__ geforderte Summe von Fr. 250'000.– für sie nicht mach-

bar sei, sie nun am 6. Juni 2016 zur Generalversammlung geladen hätten und das Gericht 

über die Überschuldung benachrichtigen würden (STA-act. 13.1.0059 f.). Der Beschuldigte hat 

somit ausdrücklich dargelegt, dass er in diesem Moment keine begründete Hoffnung mehr auf 

einen Vergleich hatte. Sowieso war in diesem Zeitpunkt auch die «kurze Zeitspanne» über-

schritten, während der – bei reellen Sanierungsaussichten – mit einer Überschuldungsanzeige 

zugewartet werden darf. Selbst wenn man von der längsten zulässigen Zeitspanne von 90 

Tagen ausgeht, die vom Bundesgericht in neueren Entscheiden genannt wird (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1104/2022 vom 19. April 2023 E. 1.1.1 m.w.V.), war diese Toleranzfrist 

am 19. Mai 2016 bereits abgelaufen. 

Im Übrigen sind auch keine anderen aussichtsreichen Sanierungsmassnahmen ersichtlich, die 

zu einem Aufschub der Überschuldungsanzeige berechtigt hätten. Diesbezüglich kann auf die 

zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (vi-A-1, Urteil SE 21 7 des Kan-

tonsgerichts Nidwalden vom 27. Oktober 2022 E. 6.1.5.3 S. 41 f.).  

Der Beschuldigte kann sich nicht mit dem Argument aus der Verantwortung ziehen, er habe 

sich am 19. Oktober 2016 aus dem Verwaltungsrat zurückgezogen und Q.__ in den Verwal-

tungsrat gewählt. Wie zuvor aufgezeigt, hätte er schon viel früher, als er noch Verwaltungsrat 

der G.__ AG war, das Gericht über die Überschuldung informieren müssen. Durch den Rück-

zug aus dem Verwaltungsrat kann sich der Beschuldigte weder seiner (strafrechtlichen) Ver-

antwortung entziehen, noch wird der Kausalzusammenhang zwischen seiner nachlässigen 

Berufsausübung und der Erhöhung der Überschuldung unterbrochen (vgl. Urteil des Bundes-

gerichts 6B_726/2017 vom 20. Oktober 2017 E. 3.2.3 sowie ALEX GEIGER, in: Graf (Hrsg.), 

Annotierter Kommentar zum StGB, 2020, N. 12 zu Art. 165 StGB).  

Wenn die Verteidigung sinngemäss geltend macht, F.__ sei mit dem Aufschub einverstanden 

gewesen und die Einreichung einer Strafanzeige wegen Konkursverschleppung sei deshalb 

rechtsmissbräuchlich, kann ihr nicht gefolgt werden (amtl. Bel. 18 Rz. 22 und 24). Die 

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Vorinstanz hat überzeugend dargelegt, weshalb F.__ in den Aufschub der Überschuldungsan-

zeige nicht eingewilligt hat und auch nicht einwilligen konnte. Dies muss umso mehr gelten, 

als er nicht der einzige Gläubiger war, sondern mit der Anwaltskanzlei R.__ und der Gerichts-

kasse Nidwalden noch weitere Gläubiger vorhanden waren (STA-act. 11.2.1.0254 ff.). Auf die 

entsprechenden vorinstanzlichen Ausführungen kann verwiesen werden (vi-A-1, Urteil SE 21 

7 des Kantonsgerichts Nidwalden vom 27. Oktober 2022 E. 6.3).  

Der Beschuldigte hat somit mit der Überschuldungsanzeige unbegründet und zu lange zuge-

wartet, womit er auch diesbezüglich gegen aArt. 725 Abs. 2 OR (in der ab 1. März 2012 gültig 

gewesenen Fassung) verstossen und eine arg nachlässige Berufsausübung im Sinne von Art. 

165 Ziff. 1 StGB begangen hat. 

 

4.3.9  

Der Beschuldigte hat seine Tätigkeit als Verwaltungsrat der G.__ AG mehrfach arg nachlässig 

ausgeübt. Einerseits hat er, obwohl eine Überschuldung der Aktiengesellschaft drohte, nicht 

rechtzeitig eine Zwischenbilanz erstellen und von einem zugelassenen Revisor überprüfen 

lassen. Andererseits hat er, obwohl die G.__ AG seit Dezember 2015 überschuldet war, nicht 

das Gericht benachrichtigt. Weil es der Beschuldigte pflichtwidrig unterliess, rechtzeitig eine 

Zwischenbilanz zu erstellen und von einem Revisor prüfen zu lassen sowie anschliessend das 

Gericht über die Überschuldung zu benachrichtigen, verringerten sich die Aktiven der G.__ AG 

vom 31. Dezember 2015 bis zur Konkurseröffnung am 20. Februar 2018 um