# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 25131439-38e8-526b-b7e1-97fbd2c7dfba
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-05-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.05.2008 A-1549/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-1549-2006_2008-05-16.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-1549/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 6 .  M a i  2 0 0 8

Richter Pascal Mollard (Vorsitz), Richter Michael Beusch, 
Richter André Moser, 
Gerichtsschreiber Jürg Steiger.

A._______,
Beschwerdeführerin,

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung, 
Hauptabteilung Mehrwertsteuer, Schwarztorstrasse 50, 
3003 Bern
Vorinstanz.

Mehrwertsteuer (1. Semester 1999 - 2. Semester 2000); 
Ermessenseinschätzung, Einheit des Unternehmens

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-1549/2006

Sachverhalt:

A.
Frau A._______ führte bis zum 30. April 2003 das Hotel X._______ in 
(...)  und danach das Hotel Y._______ in (...). Aufgrund ihrer Tätigkeit 
war  sie  seit  dem  1.  Mai  1998  im  Register  der  Mehrwertsteuer-
pflichtigen  bei  der  Eidgenössischen  Steuerverwaltung  (ESTV) 
eingetragen.  Am  18.  August  2004  nahm  die  ESTV  bei  der 
Steuerpflichtigen  eine  Kontrolle  vor.  Die  ESTV  erachtete  die  Buch-
führung  als  mangelhaft  und  führte  deshalb  eine  ermessensweise 
Umsatzschätzung  durch.  Gestützt  darauf  forderte  sie  mit  der 
Ergänzungsabrechnung (EA) Nr. 271'771 vom 1. September 2004 für 
das  1.  Semester  1999  bis  2.  Semester  2000  Fr. 7'890.--  zuzüglich 
Verzugszins nach. Nachdem die Steuerpflichtige  die Nachforderung 
bestritten hatte, erliess die ESTV am 4. April 2005 einen anfechtbaren 
Entscheid,  in  dem sie  ihre  Steuerforderung  gemäss  EA  Nr. 271'771 
bestätigte.

B.
Am 27. April  2005 erhob die Steuerpflichtige  Einsprache gegen den 
Entscheid  der  ESTV  vom  4.  April  2005.  Sie  machte  insbesondere 
geltend,  dass  die  von  der  ESTV vorgenommene  Schätzung  absolut 
nicht  der  Realität  entspreche. Die  Aufbereitung  der  entsprechenden 
Belege benötige aber einige Zeit. Die ESTV forderte die Einsprecherin 
in der Folge am 18. Mai 2005 sowie am 1. Juni 2005 auf, Beweismittel 
zu  ihrer  Einsprache  vom  27.  April  2005  einzureichen.  Die  Einspre-
cherin  antwortete  mit  ihrem Schreiben  vom 6.  Juni  2005,  worin  sie 
ausführte,  es  sei  ihr  bewusst,  dass  klare  Beweise  fehlten.  Die 
vorhandenen Belege habe sie aber alle aufgearbeitet. Sie seien jetzt in 
ca.  20  Ordner  sauber  nach  Einnahmen  und  Aufwand  sowie  nach 
Datum geordnet. Es gelte  zu berücksichtigen,  dass die Hotelzimmer 
praktisch immer  leer  gestanden hätten. Das Restaurant  sei  nur  fünf 
Tage die Woche geöffnet und die Umsätze seien gering gewesen. Es 
handle  sich  um  einen  Familienbetrieb.  Sie  beantrage  deshalb  eine 
erneute Kontrolle.

C.
In ihrem Einspracheentscheid vom 12. Januar 2006 wies die ESTV die 
Einsprache  ab  und  erkannte,  die  Einsprecherin  habe  ihr  für  die 
Steuerperioden  1.  Semester  1999  bis  2.  Semester  2000  noch 
Fr. 7'890.-- Mehrwertsteuer zuzüglich Verzugszins seit  15. April  2000 

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zu bezahlen. Zur Begründung führte die ESTV im Wesentlichen aus, 
dass  die  Einsprecherin  anlässlich  der  Kontrolle  der  ESTV  mit 
Ausnahme  von  ungeordneten  Kreditorenfakturen  keine  Unterlagen 
vorgelegt  habe. Es sei  deshalb offensichtlich,  dass die ESTV befugt 
gewesen sei,  die Umsätze zu schätzen. Bei der Schätzung habe sie 
sich  teilweise  auf  die  Abschlüsse  der  Jahre  1999  bis  2002,  die  die 
Einsprecherin bei der kantonalen Steuerverwaltung eingereicht habe, 
gestützt. Stichhaltige Beweise für die Unrichtigkeit der Schätzung habe 
die  Einsprecherin  nicht  erbracht.  Im  Weiteren  lehnte  die  ESTV  den 
Antrag auf Nachkontrolle ab, da nachträglich erstelle Geschäftsbücher 
nie  den  gleichen  Beweiswert  hätten,  wie  eine  laufend  nachgeführte 
Buchhaltung. So sei es beispielsweise nicht möglich, den Saldo eines 
nachträglich  erstellten  Kassabuches  mit  dem Bargeldbestand  in  der 
Kasse zu überprüfen. Da die Einsprecherin in den Jahren 1999 und 
2000  die  Mehrwertsteuer  mit  der  Saldosteuersatzmethode  ab-
gerechnet  habe,  seien  die  Vorsteuern  pauschal  abgegolten  und  es 
erübrige sich, die Aufwandbelege zu überprüfen.

D.
A._______ (Beschwerdeführerin)  führte  am 12. Februar  2006 gegen 
den Einspracheentscheid der ESTV vom 12. Januar 2006 Beschwerde 
an  die  Eidgenössische  Steuerrekurskommission  (SRK)  mit  dem 
folgenden  Antrag:  "Die  Einsprache  von  A._______  sei  gutzuheissen 
und  A._______  hat  für  die  Steuerperioden  1.  Semester  1999  bis 
2. Semester 2000 nichts mehr zu bezahlen". Die Beschwerdeführerin 
brachte im Wesentlichen vor, das Restaurant betreffend gebe es keine 
nicht  deklarierten  und  auch  keine  unverbuchten  Umsätze.  Die 
Buchhaltung  sei  durch das  Treuhandbüro  (...)  und später  durch  das 
Treuhandbüro (...) geführt worden. Im Weiteren seien die Hotelzimmer 
vorwiegend an Arbeiter der nahe gelegenen Zuckerfabrik (...) vermietet 
worden. Diese  hätten jedoch nur Fr. 350.-- pro Monat für ein Zimmer 
bezahlt.  Der  Jahresumsatz  aus  der  Beherbergung  habe  deshalb 
höchstens  Fr. 18'000.--  betragen.  Zudem  sei  die  Bar  des  Hotels 
X._______  nicht  durch  sie,  sondern  durch  B._______  betrieben 
worden. Dieser habe ebenfalls mit der Mehrwertsteuer abgerechnet.

E.
In  ihrer  Vernehmlassung  vom  11.  Mai  2006  schloss  die  ESTV  auf 
vollumfängliche  Abweisung  der  Beschwerde. Sie  legte  insbesondere 
dar, dass es hinsichtlich des Umsatzes des Restaurants zwischen den 
von  der  Beschwerdeführerin  bei  der  kantonalen  Steuerverwaltung 

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eingereichten  Geschäftsabschlüssen  und  den  MWST-Deklarationen 
Unstimmigkeiten  gebe.  Zudem  wiesen  die  betreffenden  Geschäfts-
abschlüsse  im  Vergleich  zu  den  erzielten  Betriebserträgen  unüblich 
hohe Warenaufwandpositionen auf. Zusammen mit der Tatsache, dass 
die  Beschwerdeführerin  im  Zeitpunkt  der  Kontrolle  unbestrittener-
massen keine aussagekräftige Buchhaltung habe vorlegen können, sei 
sie zweifellos zur Durchführung einer Schätzung befugt gewesen. Im 
Weiteren  habe  die  Beschwedeführerin  keine  stichhaltigen  Beweise 
beigebracht,  dass  die  vorgenommene  Schätzung  falsch  sei.  Auch 
betreffend  den  Umsatz  des  Hotels  habe  die  Beschwerdeführerin  es 
unterlassen,  ihre  Behauptung,  dass sie die Hotelzimmer an Arbeiter 
der Zuckerfabrik zu einem festen Monatszins von Fr. 350.-- vermietet 
habe,  in  irgendeiner  Art  und  Weise  zu  belegen.  Hinsichtlich  des 
Umsatzes  der  Bar  anerkenne  die  ESTV zwar,  dass  der  Bruder  der 
Beschwerdeführerin  (B._______)  diese  betrieben  habe.  Falsch  sei 
allerdings,  dass  dieser  ebenfalls  mit  der  Mehrwertsteuer  abrechne, 
dies treffe frühestens ab dem 1. Mai 2003 zu. Entscheidend sei, dass 
der fragliche Barbetrieb Dritten gegenüber nicht deutlich erkennbar als 
getrenntes  Unternehmen  aufgetreten  sei.  Es  gelte  deshalb  der 
Grundsatz der Einheit des Unternehmens.

Am 9. Februar 2007 teilte das Bundesverwaltungsgericht den Parteien 
mit,  es  habe  das  vorliegende  Verfahren  zuständigkeitshalber 
übernommen.

Auf die Eingaben der Parteien wird – soweit entscheidwesentlich – im 
Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das 
Bundesverwaltungsgericht  (Verwaltungsgerichtsgesetz,  VGG, 
SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist. 
Eine  solche  liegt  nicht  vor  und  die  Vorinstanz  ist  eine  Behörde  im 
Sinne von Art. 33 VGG. Das Bundesverwaltungsgericht  ist  daher für 
die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  zuständig.  Es 

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übernimmt  die  Beurteilung  der  Ende  2006  bei  der  SRK  hängigen 
Rechtsmittel und wendet das neue Verfahrensrecht an (Art. 53 Abs. 2 
VGG).

1.2 Das  Bundesverwaltungsgericht  kann  den  angefochtenen 
Einspracheentscheid grundsätzlich in vollem Umfange überprüfen. Die 
Beschwerdeführerin  kann  neben  der  Verletzung  von  Bundesrecht 
(Art. 49  Bst.  a  VwVG)  und  der  unrichtigen  oder  unvollständigen 
Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  (Art.  49  Bst.  b 
VwVG) auch die Rüge der Unangemessenheit erheben (Art. 49 Bst. c 
VwVG; ANDRÉ MOSER, in André Moser/Peter Uebersax, Prozessieren vor 
eidgenössischen Rekurskommissionen, Basel und Frankfurt  am Main 
1998, Rz. 2.59; ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines 
Verwaltungsrecht, 5. Aufl., Zürich 2006, Rz. 1758 ff.).

1.3 Am  1.  Januar  2001  sind  das  Bundesgesetz  vom  2.  September 
1999  über  die  Mehrwertsteuer  (MWSTG,  SR  641.20)  sowie  die 
zugehörige  Verordnung  (Verordnung  vom  29.  März  2000  zum 
Bundesgesetz  über  die  Mehrwertsteuer  [MWSTGV, SR  641.201])  in 
Kraft  getreten. Das neue Recht  gilt  für  Umsätze, die ab Inkrafttreten 
des  MWSTG getätigt  worden  sind. Der  zu  beurteilende  Sachverhalt 
hat  sich indessen in  den Jahren 1999 bis  2000 zugetragen. Auf die 
vorliegende  Beschwerde  ist  damit  noch  altes  Recht,  d.h.  die 
Verordnung  vom  22.  Juni  1994  über  die  Mehrwertsteuer  (MWSTV, 
AS 1994  1464),  anwendbar  (Art.  93  Abs.  1  und  Art.  94  Abs.  1 
MWSTG).

2.

2.1 Die Veranlagung und Entrichtung der Mehrwertsteuer erfolgt nach 
dem  Selbstveranlagungsprinzip  (Art.  37  f.  MWSTV;  vgl.  ERNST 
BLUMENSTEIN/PETER LOCHER,  System des  schweizerischen  Steuerrechts, 
6.  Aufl.,  Zürich  2002,  S.  421  ff.).  Dies  bedeutet,  dass  der 
Steuerpflichtige  selbst  und  unaufgefordert  über  seine  Umsätze  und 
Vorsteuern abzurechnen und innerhalb von 60 Tagen nach Ablauf der 
Abrechnungsperiode den geschuldeten Mehrwertsteuerbetrag (Steuer 
vom Umsatz abzüglich Vorsteuern) an die ESTV abzuliefern hat. Die 
ESTV  ermittelt  die  Höhe  des  geschuldeten  Mehrwertsteuerbetrages 
nur dann an Stelle des Steuerpflichtigen, wenn dieser seinen Pflichten 
nicht  nachkommt  (vgl.  ALOIS CAMENZIND/NIKLAUS HONAUER/KLAUS A. 
VALLENDER,  Handbuch  zum  neuen  Mehrwertsteuergesetz  [MWSTG], 
2.Aufl.,  Bern  2003,  Rz.  1680  ff.).  Der  Steuerpflichtige  hat  seine 

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Mehrwertsteuerforderung  selbst  festzustellen;  er  ist  allein  für  die 
vollständige  und  richtige  Versteuerung  seiner  steuerbaren  Umsätze 
und  für  die  korrekte  Ermittlung  der  Vorsteuer  verantwortlich  (vgl. 
Kommentar  des  Eidgenössischen  Finanzdepartementes  zur  MWSTV 
[Kommentar  EFD],  S. 38).  Ein  Verstoss  des  Steuerpflichtigen  gegen 
diesen  Grundsatz  ist  als  schwerwiegend  anzusehen,  da  der 
Steuerpflichtige  durch  das  Missachten  dieser  Vorschrift  die 
ordnungsgemässe  Erhebung  der  Mehrwertsteuer  gefährdet  (Urteile 
des Bundesverwaltungsgerichts A-1527/2006 vom 6. März 2008 E. 2.1, 
A-1406/2006  vom  30.  Januar  2008  E.  2.1,  A-1531/2006  vom 
10. Januar 2008 E. 2.2, A-1454/2006 vom 26. September 2007 E. 2.2, 
A-1398/2006 vom 19. Juli 2007 E. 2.2 mit weiteren Hinweisen).

2.2 Gemäss Art. 47 Abs. 1 MWSTV hat der Mehrwertsteuerpflichtige 
seine  Geschäftsbücher  ordnungsgemäss  zu  führen  und  so 
einzurichten,  dass  sich  aus  ihnen  die  für  die  Feststellung  der 
Mehrwertsteuerpflicht  sowie  für  die  Berechnung der  Steuer  und  der 
abziehbaren  Vorsteuern  massgebenden  Tatsachen  leicht  und 
zuverlässig  ermitteln  lassen.  Die  ESTV  kann  hierüber  nähere 
Bestimmungen aufstellen. Von dieser Befugnis hat sie mit dem Erlass 
der "Wegleitung 1997 für Mehrwertsteuerpflichtige" vom Frühling 1997 
(Wegleitung  1997),  gültig  ab 1. Januar  1997,  Gebrauch gemacht. In 
der  Wegleitung  1997  sind  genauere  Angaben  enthalten,  wie  eine 
Buchhaltung  auszugestalten  ist  (Rz. 870  ff.).  Alle  Geschäftsfälle 
müssen  fortlaufend,  chronologisch  und  lückenlos  aufgezeichnet 
werden (Rz. 874) und alle Eintragungen haben sich auf entsprechende 
Belege zu stützen,  so  dass  die  einzelnen Geschäftsvorfälle  von der 
Eintragung  in  die  Hilfs-  und  Grundbücher  bis  zur  Steuerabrechnung 
und  bis  zum  Jahresabschluss  sowie  umgekehrt  leicht  und  genau 
verfolgt werden können ("Prüfspur"; vgl. Rz. 879 der Wegleitung 1997). 
Nach der Rechtsprechung ist der Steuerpflichtige selbst bei geringem 
Barverkehr  zur  Führung  zumindest  eines  einfachen  ordentlichen 
Kassabuchs  verpflichtet.  Er  ist  zwar  mehrwertsteuerrechtlich  nicht 
gehalten,  kaufmännische  Bücher  im  Sinne  des  Handelsrechts  zu 
führen;  die  Bücher  müssen  die  erzielten  Umsätze  jedoch  lückenlos 
erfassen und die entsprechenden Belege sind aufzuheben (Urteile des 
Bundesgerichts  2A.693/2006  vom  26. Juli  2007  E. 3.1,  2A.569/2006 
vom 28. Februar 2007 E. 3.1; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts 
A-1527/2006 vom 6. März 2008 E. 2.2, A-1406/2006 vom 30. Januar 
2008 E. 2.2, A-1531/2006 vom 10. Januar 2008 E. 2.3, A-1397/2006 
vom 19. Juli 2007 E. 2.3; Entscheid der SRK vom 24. Oktober 2002, 

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veröffentlicht  in  Archiv  für  Schweizerisches  Abgaberecht  [ASA]  73 
S. 233  E.  2c.aa  mit  weiteren  Hinweisen).  Damit  befinden  sich  die 
mehrwertsteuerlichen Anforderungen an die Aufzeichnungspflicht auch 
im Einklang mit den bei den direkten Steuern geltenden Regelungen 
(vgl. auch Rz. 877 der Wegleitung 1997).

Die detaillierte und chronologische Führung eines Kassabuches muss 
besonders  hohen  Anforderungen  genügen  (vgl.  dazu  auch  HANS 
GERBER, Die Steuerschätzung [Veranlagung nach Ermessen], in Steuer 
Revue [StR] 1980 S. 306). Soll also ein Kassabuch für die Richtigkeit 
des  erfassten  Bargeldverkehrs  Beweis  erbringen,  ist  zu  verlangen, 
dass  in  diesem  die  Bareinnahmen  und  -ausgaben  fortlaufend, 
lückenlos und zeitnah aufgezeichnet werden und durch Kassenstürze 
regelmässig  –  in  bargeldintensiven  Betrieben  täglich  –  kontrolliert 
werden.  Nur  auf  diese  Weise  ist  gewährleistet,  dass  die  erfassten 
Bareinnahmen  vollständig  sind,  das  heisst  den  effektiven  Barein-
nahmen  entsprechen  (vgl.  Urteile  des  Bundesgerichts  2A.693/2006 
vom 26. Juli 2007 E. 3.1, 2A.657/2005 vom 9. Juni 2006 E. 3; Urteile 
des Bundesverwaltungsgerichts A-1527/2006 vom 6. März 2008 E. 2.2, 
A-1406/2006  vom  30.  Januar  2008  E. 2.2,  A-1454/2006  vom 
26. September 2007 E. 2.3 mit weiteren Hinweisen).

2.3 Liegen  keine  oder  nur  unvollständige  Aufzeichnungen  vor,  oder 
stimmen  die  ausgewiesenen  Ergebnisse  mit  dem  wirklichen 
Sachverhalt  offensichtlich  nicht  überein,  so  nimmt  die  ESTV  nach 
Art. 48 MWSTV eine Schätzung nach pflichtgemässem Ermessen vor. 
Eine  Ermessenstaxation  ist  somit  immer  dann  nötig,  wenn  eine 
steuerpflichtige  Person  ihren  Obliegenheiten  zur  Mitwirkung  nicht 
ordnungsgemäss  nachkommt  und  entweder  überhaupt  keine,  oder 
aber  unvollständige oder  ungenügende Aufzeichnungen führt  (DIETER 
METZGER,  Kurzkommentar  zum  Mehrwertsteuergesetz,  Bern  2000, 
S. 190 Rz. 1). Die Ermessenseinschätzung ist deshalb auch logische 
Folge von Art. 50 MWSTV, der die ESTV beauftragt, die Erfüllung der 
den  Steuerpflichtigen  obliegenden  Pflichten  zu  überprüfen  (PASCAL 
MOLLARD,  TVA  et  taxation  par  estimation,  veröffentlicht  in  ASA  69 
S. 519).

3.

3.1 Zu  unterscheiden  sind  zwei  voneinander  unabhängige  Konstel-
lationen,  welche  zu  einer  Ermessenseinschätzung  gemäss  Art. 48 

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MWSTV führen. Erstens geht es um diejenige der ungenügenden Auf-
zeichnung,  wobei  eine  Schätzung  insbesondere  auch  dann  erfolgen 
muss,  wenn  die  Verstösse  gegen  die  formellen  Buchhaltungsregeln 
derart gravierend sind, dass sie die materielle Richtigkeit der Buchhal-
tungsergebnisse  in  Frage  stellen  (Urteil  des  Bundesgerichts 
2A.437/2005 vom 3. Mai 2006 E. 3.1; Urteile des Bundesverwaltungs-
gerichts A-1531/2006 vom 10. Januar 2008 E. 2.4, A-1397/2006 vom 
19. Juli  2007 E. 2.4; Entscheid der SRK vom 24. Oktober 2002,  ver-
öffentlicht  in  ASA  73  S.  233  E.  2c.aa).  Zweitens  kann  selbst  eine 
formell  einwandfreie Buchführung die Durchführung einer Schätzung 
erfordern,  wenn  die  ausgewiesenen  Ergebnisse  mit  dem  wirklichen 
Sachverhalt  offensichtlich  nicht  übereinstimmen.  Dies  ist  nach  der 
Rechtsprechung der  Fall,  wenn die in  den Büchern enthaltenen Ge-
schäftsergebnisse  von  den  von  der  Steuerverwaltung  erhobenen 
branchenspezifischen  Erfahrungszahlen  wesentlich  abweichen, 
vorausgesetzt der Steuerpflichtige ist  nicht in der Lage, allfällige be-
sondere  Umstände,  auf  Grund  welcher  diese  Abweichung  erklärt 
werden  kann,  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen 
(Urteile  des  Bundesverwaltunsgerichts  A-1406/2006  vom  30. Januar 
2008 E. 2.3, A-5712/2007 vom 17. Januar 2008 E. 2.6; Entscheid der 
SRK  vom  3. Dezember 2003,  veröffentlicht  in  Verwaltungspraxis  der 
Bundesbehörden [VPB] 68.73 E. 2b mit weiteren Hinweisen). Für das 
Vorliegen  der  Voraussetzungen  zur  Vornahme  einer  Ermessensein-
schätzung ist nach den allgemeinen Regeln die ESTV beweisbelastet 
(vgl.  BLUMENSTEIN/LOCHER,  a.a.O.,  S. 454;  Urteile  des  Bundesverwal-
tungsgerichts  A-1527/2006  vom  6. März  2008  E.  2.4,  A-1531/2006 
vom 10. Januar  2008 E. 2.4,  A-1454/2006 vom 26. September  2007 
E. 2.5).

3.2 Sind die Voraussetzungen für  eine  Ermessenstaxation  erfüllt,  ist 
die ESTV nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet, eine solche nach 
pflichtgemässem  Ermessen  vorzunehmen.  Die  Fälle,  in  denen  die 
Steuerpflichtigen ihre Mitwirkungspflichten nicht wahrnehmen und kei-
ne, unvollständige oder ungenügende Aufzeichnungen über ihre Um-
sätze führen, dürfen keine Steuerausfälle zur Folge haben (Kommentar 
EFD zu Art. 48 MWSTV; Urteil des Bundesgerichts 2A.552/2006 vom 
1. Februar 2007 E. 3.2).

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4.

4.1 Die  ESTV  hat  die  Schätzung  nach  pflichtgemässem  Ermessen 
vorzunehmen, d.h. diejenige Schätzungsmethode zu wählen, die den 
individuellen Verhältnissen im Betrieb der Steuerpflichtigen soweit als 
möglich  Rechnung  trägt,  auf  plausiblen  Angaben  beruht  und  deren 
Ergebnis der wirklichen Situation möglichst nahe kommt (Urteile des 
Bundesgerichts  2C_426/2007  vom  22.  November  2007  E.  3.2, 
2A.253/2005  vom  3.  Februar  2006  E.  4.1,  vom  29. August  1991, 
veröffentlicht in ASA 61 S. 819 E. 3a, vom 4. Mai 1983, veröffentlicht in 
ASA 52 S. 238 E. 4). Die Ermessensveranlagung hat somit zum Ziel, 
den  tatsächlichen  Gegebenheiten  möglichst  gerecht  zu  werden.  Es 
haftet  ihr  deshalb  eine  gewisse  Unsicherheit  an,  die  der  Steuer-
pflichtige aufgrund seiner Pflichtverletzung jedoch selber zu vertreten 
hat (Urteil  des Bundesgerichts 2A.437/2005 vom 3. Mai 2006 E. 3.2; 
Urteile  des Bundesverwaltungsgerichts  A-1526/2006 vom 28. Januar 
2008  E.  3.3  und  3.4,  A-1531/2006  vom  10.  Januar  2008  E.  2.5.1, 
A-1393/2006  vom  10.  Dezember  2007  E.  3.2.2  mit  Hinweisen).  Ein 
pflichtgemässes Ermessen schliesst aber auch ein, dass die ESTV in 
zumutbarem  Rahmen  Auskünfte,  Nachweise  und  Belege  bei  Dritten 
einholt  (METZGER,  a.a.O.,  S.  190  Rz. 3).  Im  Weiteren  ist  dem 
Steuerpflichtigen  Gelegenheit  zur  Stellungnahme  zu  geben  und 
Akteneinsicht zu gewähren (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 
A-5738/2007 vom 17. Januar 2008 E. 3.1).

4.2 In  Betracht  fallen  einerseits  Schätzungsmethoden,  die  auf  eine 
Ergänzung  oder  Rekonstruktion  der  ungenügenden  Buchhaltung 
hinauslaufen,  andererseits  Umsatzschätzungen  aufgrund  un-
bestrittener  Teil-Rechnungsergebnisse  in  Verbindung mit  Erfahrungs-
sätzen  (Urteile  des  Bundesverwaltungsgericht  A-1454/2006  vom 
26. September 2007 E. 2.6.1,  A-1398/2006 vom 19. Juli  2007 E. 2.4 
mit Hinweisen; vgl. auch MOLLARD, a.a.O., in: ASA 69 S. 526 ff.). Bei der 
Anwendung von Erfahrungszahlen ist  allerdings deren Streubreite zu 
beachten,  wenn  eine  den  individuellen  Verhältnissen  gerecht 
werdende  Schätzung  erfolgen  soll  (Urteile  des  Bundesgerichts  vom 
4. Mai 1983, veröffentlicht in ASA 52 S. 234 E. 4, vom 31. März 1983, 
veröffentlicht  in  ASA  50  S.  669  E.  2).  Die  brauchbaren  Teile  der 
Buchhaltung und allenfalls vorhandene Belege sind soweit als möglich 
bei  der  Schätzung  mitzuberücksichtigen.  Sie  können  durchaus  als 
Basiswerte  der  Ermessenstaxation  fungieren  (Urteile  des  Bundes-

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verwaltungsgerichts  A-1527/2006  vom  6.  März  2008  E.  2.3, 
A-1406/2006 vom 30. Januar 2008 E. 2.3; GERBER, a.a.O., S. 307).

4.3 Im  Rahmen  einer  Ermessenstaxation  ist  es  nach  der  Recht-
sprechung des Bundesgerichts zulässig, dass die ESTV eine Prüfung 
der Verhältnisse während eines Teils der Kontrollperiode vornimmt und 
in  der  Folge das Ergebnis  auf  den gesamten kontrollierten Zeitraum 
umlegt  bzw.  hochrechnet,  vorausgesetzt  die  massgebenden 
Verhältnisse im eingehend kontrollierten Zeitabschnitt sind ähnlich wie 
in  der  gesamten  Kontrollperiode  (Urteile  des  Bundesgerichts 
2A.437/2005 vom 3. Mai 2006 E. 4.3.2, 2A.148/2000 vom 1. November 
2000  E. 5b; Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1406/2006  vom 
30.  Januar  2008  E.  2.3;  Entscheide  der  SRK vom 18.  Januar  2005 
[SRK  2003-026]  E.  2d,  vom  12. August  2002  [SRK  2001-100] 
E. 2b/bb). Die Umlage des Referenzjahres auf die übrigen Jahre der 
Kontrollperiode darf allerdings nicht unbesehen geschehen. Da es sich 
um  eine  schätzungsweise  Ermittlung  der  nicht  ausgewiesenen 
Umsätze handelt, ist die ESTV zwar nicht verpflichtet, in den anderen 
Zeitabschnitten Erhebungen mit dem gleichen Aufwand zu betreiben. 
Es  bedarf  jedoch  gewichtiger  Anhaltspunkte  dafür,  dass  in  den 
anderen  Kalenderjahren  dieselben  Verhältnisse  vorgeherrscht  haben 
wie im Basisjahr (Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts A-1531/2006 
vom 10. Januar 2008 E. 2.5.1; Entscheid der SRK vom 10. Juli  1997 
[SRK 86/96] E. 3 mit Hinweisen).

4.4 Der  ESTV  obliegt  bloss,  den  pflichtwidrig  nicht  oder  falsch 
deklarierten Umsatz des Steuerpflichtigen zu ermitteln. Die Geltend-
machung der eventuell angefallenen Vorsteuern ist demgegenüber ein 
Recht  des Steuerpflichtigen; ihm ist  es anheim gestellt,  ob er davon 
Gebrauch machen will. Es ist nicht die Aufgabe der ESTV, ein Recht, 
das dem Steuerpflichtigen zusteht, für diesen auszuüben. Da es sich 
bei  den  Vorsteuern  um  steuermindernde  Tatsachen  handelt,  obliegt 
der  formgerechte  Beweis  für  deren  Vorliegen  dem  Steuerpflichtigen 
(BLUMENSTEIN/LOCHER,  a.a.O.,  S.  379).  Abzüge  dürfen  deshalb 
grundsätzlich  nie  geschätzt  werden  (Urteil  des  Bundesgerichts 
2A.558/2005 vom 8. Mai 2006 E. 2.3; Urteile des Bundesverwaltungs-
gerichts  A-1353/2006  vom  7.  April  2008  E.  3.1,  A-1374/2006  vom 
21. Januar 2008 E. 3.2, A-1553/2006 vom 26. September 2007 E. 3.1, 
A-1535/2006 vom 14. März 2007 E. 2.5.3 und 2.5.4). Hingegen ist eine 
Umlage (vgl. E. 4.3) mangelhafter Vorsteuerbelege möglich (Urteil des 
Bundesverwaltungsgerichts A-3069/2007 vom 29. Januar 2008 E. 3.1; 

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Entscheid  der  SRK vom 12. Mai  2005 [SRK 2003-167]  E. 4b/bb/ccc 
und  5b/aa).  Werden  die  Abzüge  vom Steuerpflichtigen  jedoch  nicht 
deklariert  bzw.  auf  Aufforderung  hin  nicht  nachgewiesen,  sind  sie 
vollumfänglich zu verweigern, ohne dass eine Schätzung Platz greifen 
würde.  Es  bleibt  aber  darauf  hinzuweisen,  dass  es  dem  Steuer-
pflichtigen unbenommen ist, sogar noch im Rahmen einer Beschwerde 
gegen eine Schätzung mittels Belegen den Nachweis für angefallene 
Vorsteuern  zu  erbringen  (Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A-3069/2007 vom 29. Januar 2008 E. 3.1, A-1535/2006 vom 14. März 
2007  E.  2.5.4;  Entscheide  der  SRK  vom  10.  Oktober  2005 
[SRK 2003-186]  E. 4f,  vom 12. Mai  2005  [SRK 2003-167]  E. 4b/bb, 
vom 9. Januar 2001 [SRK 1999-066] E. 2c). Ohne Bedeutung ist  die 
Frage  der  Schätzung  von  Vorsteuern  bei  jenen  Steuerpflichtigen, 
welche nach Saldosteuersätzen abrechnen,  denn hier  hat  die  ESTV 
den Ausgangsumsatz zu schätzen und die Steuer sodann mittels dem 
branchenkonformen  Saldosteuersatz,  der  die  Vorsteuer  pauschal 
berücksichtigt,  zu  berechnen  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A-1535/2006 vom 14. März 2007 E. 2.5.3; zum Ganzen: Entscheid der 
SRK vom 15. Oktober 1999, veröffentlicht in VPB 64.47 E. 5b).

5.

5.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt sich bei der Überprüfung 
von zulässigerweise erfolgten Ermessensveranlagungen eine gewisse 
Zurückhaltung  und  führt  so  die  gefestigte  diesbezügliche  Recht-
sprechung der SRK weiter. Diese Praxis wurde am 22. November 2007 
höchstrichterlich  bestätigt  (Urteil  des  Bundesgerichts  2C_426/2007 
vom 22. November 2007 E. 4.3). Ob indessen die Voraussetzungen für 
die  Vornahme einer  Ermessensveranlagung  gegeben  sind,  überprüft 
das  Bundesverwaltungsgericht  uneingeschränkt  (Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts A-1406/2006 vom 30. Januar 2008 E. 1.3, 
A-1516/2006  vom  5. Dezember  2007  E. 1.2,  A-1454/2006  vom 
26. September  2007  E. 2.1;  Entscheide  der  SRK vom 10. Mai  2005 
[SRK  2004-023]  E. 1b,  vom  24. Oktober  2005,  veröffentlicht  in 
VPB 70.41 E. 2d/cc mit weiteren Hinweisen).

5.2 Sind die Voraussetzungen einer Ermessenstaxation erfüllt, obliegt 
es  dem  Steuerpflichtigen,  den  Beweis  für  die  Unrichtigkeit  der 
Schätzung  zu  erbringen.  Aufgrund  der  Zurückhaltung  bei  der 
Überprüfung  der  zulässigerweise  erfolgten  Ermessensveranlagung 
(E. 5.1) nimmt das Bundesverwaltungsgericht erst dann eine Korrektur 

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der  erstinstanzlichen  Schätzung  vor,  wenn  der  Mehrwert-
steuerpflichtige den Nachweis dafür erbringt, dass der Vorinstanz bei 
der  Schätzung  erhebliche  und  offensichtliche  Ermessensfehler 
unterlaufen sind (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1527/2006 
vom 6. März 2008 E. 2.4,  A-1406/2006 vom 30. Januar 2008 E. 2.4, 
A-1531/2006  vom  10. Januar  2008  E.  2.5.2,  A-1429/2006  vom 
29. August  2007  E.  2.4,  A-1397/2006  vom  19.  Juli  2007  E.  2.5.2; 
Entscheide  der  SRK  vom  24. Oktober  2005,  veröffentlicht  in 
VPB 70.41  E. 2d/bb,  vom  16. Juni  2005  [SRK 2003-114]  E.  2d, 
bestätigt durch das Urteil des Bundesgerichts 2A.437/2005 vom 3. Mai 
2006).

6.

6.1 Der  für  das  Warenumsatzsteuerrecht  entwickelte  Grundsatz  der 
Einheit der Unternehmung gilt nach konstanter Rechtsprechung auch 
im  Mehrwertsteuerrecht.  Er  leitet  sich  hier  aus  dem  Tatbestands-
merkmal der Selbständigkeit gemäss Art. 17 Abs. 1 MWSTV ab. Nach 
dem  Grundsatz  der  Einheit  des  Unternehmens  bezieht  sich  die 
Steuerpflicht  auf  sämtliche  Umsätze  und  Betriebszweige  des 
Unternehmens,  gleichgültig,  ob  die  Betriebe  eigene  Firmennamen 
tragen,  für  sich  allein  Buch  führen,  einander  Rechnung  stellen  etc. 
Nach  diesem  Grundsatz  sind  die  Umsätze  des  gesamten 
Unternehmens  zusammenzurechnen;  ausgenommen  sind  nur 
diejenigen aus Tätigkeiten, die der privaten (oder hoheitlichen) Sphäre 
des  Unternehmers  zugehören.  Besteht  ein  Unternehmen  aus  zwei 
oder mehreren Einzelbetrieben, sind die Einnahmen (nach Höhe und 
Zusammensetzung)  aus  allen  diesen  Betrieben  insgesamt  zu 
berücksichtigen (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1351/2006 
vom  29.  Oktober  2007  E.  3.2,  A-1428/2006  vom  29.  August  2007 
E. 2.5, A-1382/2006 vom 19. Juli 2007 E. 2.3 und E. 3.4.1; Entscheide 
der SRK vom 5. September 2005, veröffentlicht in VPB 70.8 E. 2c, 4a, 
vom 10. August  2005 [SRK 2004-033]  E. 2c/aa,  vom 23. April  2003, 
veröffentlicht in VPB 67.123 E. 3b).

6.2 Der Grundsatz der Einheit des Unternehmens ist auch anwendbar 
auf  Gesellschaften,  die  zwar  zivilrechtlich  selbständig  sind, 
wirtschaftlich  jedoch  eine  Unternehmenseinheit  bilden.  Er  führt  hier 
dazu, dass die betreffenden Gesellschaften ihre Umsätze gesamthaft 
als  ein  Steuersubjekt  und  folglich  unter  einer  MWST-Nummer  zu 
versteuern  haben  (Urteile  des  Bundesgerichts  2A.75/2002  vom 

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9. August  2002  E. 3.1,  2A.222/2002 vom 4. September  2002  E. 3.1; 
Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1520/2006  vom  29. August 
2007  E. 4.2.2).  Ob  zivilrechtlich  selbständige  Gesellschaften 
wirtschaftlich  eine  Unternehmenseinheit  bilden,  muss  aufgrund  der 
Gesamtheit  der Umstände anhand von Indizien beurteilt  werden. Für 
eine wirtschaftliche Unternehmenseinheit der Gesellschaften sprechen 
insbesondere  die  fehlende  räumliche  und  organisatorische  sowie 
führungsmässige  Trennung der  Betriebe,  gemeinsame Ladenkassen, 
Telefon-  bzw.  Faxnummern  oder  Geschäftspapiere  (Urteile  des 
Bundesgerichts 2A.75/2002 vom 9. August 2002 E. 3.2, 2A.222/2002 
vom 4. September 2002 E. 3.2; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 
A-1474/2006 vom 28. Januar 2008 E. 2.4.2).

7.
Im  vorliegenden  Fall  legte  die  Beschwerdeführerin  gemäss  Aus-
führungen  der  ESTV im Kontrollbericht  und  im Einspracheentscheid 
anlässlich der Kontrolle mit Ausnahme von ungeordneten Kreditoren-
fakturen keine Unterlagen vor. Insbesondere habe sie kein Kassabuch 
vorweisen können. Die Beschwerdeführerin bestreitet nicht, dass sie in 
ihrem Unternehmen kein ordnungsgemässes Kassabuch geführt  hat, 
in  dem  die  Bareinnahmen  und  Barausgaben  chronologisch  und 
zeitgerecht  aufgezeichnet  werden.  Bei  einem  Hotel/Restaurant,  d.h. 
bei  einem  bargeldintensiven  Betrieb,  wäre  dies  aber  zwingend 
erforderlich  gewesen. Die  Buchführung ist  somit  bereits  aus  diesem 
Grund schwer mangelhaft und eine Ermessenseinschätzung nach der 
bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  gerechtfertigt  (E.  2.2).  Hinzu 
kommt,  dass  die  Marge  des  Betriebes  gemäss  den  vorhandenen 
Geschäftsabschlüssen  nicht  den  Erfahrungszahlen  der  ESTV 
entsprach  sowie  Differenzen  bestanden  zwischen  den  MWST-
Deklarationen und den verbuchten Umsätzen. Die Voraussetzungen für 
eine  Ermessenstaxation  waren  somit  zweifellos  gegeben. Die  ESTV 
war  somit  nicht  nur  berechtigt,  sondern  auch  verpflichtet,  eine 
Schätzung nach pflichtgemässem Ermessen vorzunehmen (E. 3.2).

8.
Sind die Voraussetzungen einer Ermessenstaxation erfüllt,  obliegt es 
der  Beschwerdeführerin,  den  Nachweis  zu  erbringen,  dass  der 
Vorinstanz  bei  der  Schätzung  erhebliche  und  offensichtliche 
Ermessensfehler unterlaufen sind (E. 5.2).

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8.1 Für  die  Berechnung  des  Umsatzes  des  Restaurants  nahm  die 
ESTV eine kalkulatorische Ermittlung auf  Basis  des  Warenaufwands 
gemäss  den  von  der  Beschwerdeführerin  bei  der  kantonalen 
Steuerverwaltung  eingereichten  Abschlüssen  vor.  Nach  ihren 
Erfahrungszahlen bei Hotels ohne Stern wie auch bei kleinen Hotels 
mit  oder  ohne  Stern  ging  die  ESTV  von  einem  durchschnittlichen 
Warenaufwand von 33% des Umsatzes (Bruttogewinnmarge von 67%) 
aus.  Diese  Berechnung  ergab  im  Geschäftsjahr  1999/2000  einen 
Umsatz  von  Fr. 236'996.--  bzw.  nicht  verbuchte  Umsätze  von 
Fr. 47'226.--  und  für  das  2.  Halbjahr  2000  einen  Umsatz  von 
Fr. 114'444.-- (½ von Fr. 228'888.--) bzw. nicht verbuchte Umsätze von 
Fr.  23'321.--  (½  von  Fr.  46'642.--).  Da  keine  Angaben  zum  ersten 
Halbjahr  1999 vorhanden gewesen seien,  ging  die  ESTV für  dieses 
Halbjahr pauschal von Fr. 23'000.-- nicht verbuchten Umsätzen aus. Es 
kann  somit  festgehalten  werden,  dass  die  von  der  ESTV 
vorgenommene  kalkulatorische  Umsatzermittlung  sich  auf  Teilergeb-
nisse  der  Buchhaltung  stützt  und  eine  branchenspezifische  Brutto-
gewinnmarge anwendet. Dieses Vorgehen ist nicht zu beanstanden. Im 
Weiteren bringt die Beschwerdeführerin keine stichhaltigen Einwände 
dagegen  vor.  Ihr  Argument,  es  gebe  weder  nicht  deklarierte,  noch 
unverbuchte  Umsätze  (ihre  Buchhaltung  sei  von  Treuhandfirmen 
geführt  worden),  stellt  eine  blosse  Behauptung  dar. Eine  detaillierte 
Begründung sowie den erforderlichen Nachweis dafür, dass der ESTV 
grössere und offensichtliche Fehler bei der Schätzung unterlaufen sind 
(E.  5.2),  erbringt  sie  in  keiner  Weise.  Der  Umstand,  dass  die 
Geschäftsabschlüsse  von  Treuhandfirmen  erstellt  worden  sind,  stellt 
keinen Nachweis für deren Richtigkeit dar.

8.2 Aufgrund  ihrer  Beobachtungen  anlässlich  der  Kontrolle  ging  die 
ESTV  bei  Schätzung  des  Hotelumsatzes  davon  aus,  dass  die 
Beschwerdeführerin  zwei  der  sieben  Zimmer  des  Hotels  X._______ 
nicht als Hotelzimmer, sondern zu anderen Zwecken (privates Zimmer 
bzw.  Abstellraum)  nutzte.  Berücksichtigung  fand  im  Weiteren 
ausschliesslich  der  Einzelzimmertarif  von  Fr.  65.--.  Zudem  ging  die 
ESTV von einer maximal möglichen Auslastung von 48 Wochen zu 5 
Nächten  aus  und  legte  ihrer  Berechnung  schliesslich  eine  effektive 
Auslastung  von  75% zugrunde.  Diesen  Auslastungsgrad  begründete 
die ESTV mit der Aussage des Nachfolgers der Beschwerdeführerin, 
dass die Belegung der Hotelzimmer bedingt durch Arbeiter der nahe 
gelegenen Zuckerfabrik  und deutsche Gäste  recht  gut  sei. Aufgrund 
dieser  Annahmen  ging  die  ESTV  von  einem  Jahresumsatz  aus 

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Beherbergung  von  Fr. 58'500.--  aus.  Die  Beschwerdeführerin  bringt 
dagegen  vor,  sie  habe  die  Hotelzimmer  vorwiegend  an  Arbeiter  der 
Zuckerfabrik vermietet, diese hätten aber nur Fr. 350.-- pro Monat für 
ein  Zimmer  bezahlt.  Der  Jahresumsatz  aus  der  Beherbergung  habe 
deshalb höchstens Fr. 18'000.--  betragen. Für ihre Behauptung kann 
die  beweisbelastete  Beschwerdeführerin  jedoch  wiederum  keinerlei 
Beweismittel beibringen. Die Schätzung der ESTV, die die individuellen 
Verhältnisse  so  weit  als  möglich  berücksichtigt  (E.  4.1),  ist  folglich 
nicht zu beanstanden.

8.3

8.3.1 Bei der Ermittlung des Umsatzes der Bar des Hotels X._______ 
ging die ESTV ebenfalls vom entsprechenden Warenaufwand der Bar 
gemäss  den  bei  der  kantonalen  Steuerbehörde  eingereichten 
Abschlüssen  aus  und  berücksichtigte  eine  branchenspezifische 
Bruttogewinnmarge  von  70%.  Dies  ergab  für  das  Geschäftsjahr 
1999/2000 einen kalkulierten Umsatz von Fr. 75'235.--. Da in diesem 
Geschäftsjahr  ein  Umsatz  von  Fr. 75'934.--  verbucht  und  auch 
deklarierte wurde, kam es hier nicht zu einer Berichtigung. Betreffend 
das  2. Halbjahr  2000  ergab  die  kalkulatorische  Umsatzermittlung 
jedoch  im  Vergleich  zum  verbuchten  Umsatz  eine  Differenz  von 
Fr. 15'559.--  (½  von  Fr.  31'117.--).  Die  Beschwereführerin  wendet 
dagegen  ein,  dass  die  Bar  des  Hotels  X._______  nicht  durch  sie, 
sondern  durch  B._______  betrieben  worden  sei.  Dieser  rechne 
ebenfalls  mit  der  Mehrwertsteuer  ab.  Die  ESTV  führte  in  ihrer 
Vernehmlassung zu  diesem Einwand  aus,   sie  anerkenne,  dass  die 
fragliche Bar durch den Bruder der Beschwerdeführerin  (B._______) 
betrieben  worden  sei.  Falsch  sei  jedoch  die  Behauptung,  dass  er 
ebenfalls mit der Mehrwertsteuer abrechne. Dies treffe frühestens ab 
dem  1.  Mai  2003  zu  (Eintragung  von  B._______  im  Register  der 
Mehrwertsteuerpflichtigen  unter  einer  separaten  MWST-Nummer). 
Entscheidend sei vorliegend aber, dass der fragliche Barbetrieb Dritten 
gegenüber  nicht  deutlich  erkennbar  als  getrenntes  Unternehmen 
aufgetreten  sei.  Es  komme  somit  der  Grundsatz  der  Einheit  des 
Unternehmens zur Anwendung.

8.3.2 Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin in der vorliegend 
relevanten  Zeit  das  Hotel  und  Restaurant  X._______  führte  und  ihr 
Bruder  die  in  diesem  Hotel  befindliche  Bar  betrieb.  Gemäss 
Feststellung der  ESTV trat  der  Barbetrieb  Dritten  gegenüber  jedoch 

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nicht  deutlich  erkennbar  als  getrenntes  Unternehmen  auf.  Diese 
Feststellung  belegt  das  Geschäftspapier  der  Beschwerdeführerin 
(vgl. Schreiben  vom  27.  Januar  2003,  amtl.  Akten  Nr.  11).  Hotel, 
Restaurant  und  Bar  treten  als  eine  Einheit  mit  auch  nur  einer 
Telefonnummer auf. Wirtschaftlich betrachtet handelt es sich deshalb 
beim  Hotel  und  Restaurant  sowie  dem  Barbetrieb  um  ein 
Unternehmen. Gemäss dem Grundsatz der Einheit des Unternehmens 
sind  die  betreffenden  Umsätze  somit  unter  einer  Mehrwertsteuer-
Nummer  gesamthaft  zu  versteuern  (E. 6.2).  Die  ESTV rechnete  die 
Barumsätze  somit  zu  Recht  bei  der  Beschwerdeführerin  auf.  Im 
Weiteren ist  die  Schätzung aufgrund des Warenaufwands und unter 
Anwendung  einer  branchenspezifischen  Bruttogewinnmarge  nicht  zu 
beanstanden. Die Beschwerdeführerin bringt diesbezüglich auch keine 
Einwände  vor.  Die  Richtigkeit  der  Schätzung  zeigt  im  Übrigen 
insbesondere  das  Geschäftjahr  1999/2000,  bei  dem  der  verbuchte 
Umsatz sogar etwas höher war als der kalkulatorisch ermittelte.

9.
Dem Gesagten  zufolge  ist  die  Beschwerde abzuweisen. Bei  diesem 
Verfahrensausgang  sind  der  Beschwerdeführerin  als  unterliegender 
Partei  sämtliche  Kosten  für  das  Beschwerdeverfahren  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  aufzuerlegen  (vgl.  Art.  63  Abs.  1  VwVG). 
Die  Verfahrenskosten  werden  mit  Fr.  700.--  festgesetzt  und  der 
Beschwerdeführerin zur Zahlung auferlegt.

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 700.--  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von 
Fr. 700.-- verrechnet.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Gerichtsurkunde)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Pascal Mollard Jürg Steiger

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich-
rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 
Die  Rechtsschrift  ist  in  einer  Amtssprache  abzufassen  und  hat  die 
Begehren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die 
Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die 
Beweismittel  sind,  soweit  sie  der  Beschwerdeführer  in  Händen  hat, 
beizulegen (vgl. Art. 42 BGG).

Versand:

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