# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 03a8741b-b539-5c7e-a77c-e99abec873d9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-03-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.03.2025 D-954/2025
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-954-2025_2025-03-31.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-954/2025 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 1 .  M ä r z  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richter Simon Thurnheer, 

mit Zustimmung von Richter William Waeber;     

Gerichtsschreiberin Sarah Rutishauser. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Beschwerdeführerin 1, 

und ihr Kind 

B._______, geboren am (…), 

Beschwerdeführerin 2, 

Türkei,   

beide vertreten durch MLaw Mato Nujic,  

HEKS Rebaso - Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende  

(…),  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 15. Januar 2025 / N (…). 

 

 

 

D-954/2025 

Seite 2 

Sachverhalt: 

I. 

A.  

Die Beschwerdeführerin 2 suchte gemeinsam mit ihrer mittlerweile volljäh-

rigen Schwester (E.D.; C._______, D-951/2025) am 20. Juni 2022 in der 

Schweiz um Asyl nach. 

Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte sie hauptsächlich geltend, ihr 

Bruder M.D. ([…]) sei im Jahr 2014 zu Unrecht zu einer hohen Gefängnis-

strafe verurteilt worden, weshalb er in der Schweiz im Jahr 2019 Asyl er-

halten habe. Infolge der Vorwürfe gegenüber M.D. seien bei ihrer Familie 

regelmässig Hausdurchsuchungen durchgeführt worden. Im Jahr 2020 sei 

einer der Opferfamilien eine Genugtuung zulasten M.D. zugesprochen 

worden, welche jene von ihrer Familie verlangt habe, woraufhin die ande-

ren Opferfamilien ebenfalls Geld von der Familie gefordert hätten. In die-

sem Zusammenhang sei die Beschwerdeführerin 2 einmal tätlich angegrif-

fen und am Kopf verletzt sowie einmal von verhüllten Frauen auf der 

Strasse verfolgt worden. Im Weiteren sei sie aufgrund ihrer kurdischen Eth-

nie und ihrer Konfessionslosigkeit in der Schule mehrfach von Lehrperso-

nen und Mitschülern diskriminiert und ausgegrenzt worden. Die Beschwer-

deführerinnen hätten die Türkei am 17. Mai 2022 gemeinsam mit der Toch-

ter beziehungsweise Schwester E.D. legal auf dem Luftweg verlassen. Da-

nach hätten sie sich aus den Augen verloren.  

B.  

Das SEM lehnte mit Verfügung vom 1. September 2022 unter Verneinung 

der Flüchtlingseigenschaft die Asylgesuche der Beschwerdeführerin 2 und 

ihrer Schwester ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete 

den Vollzug an. 

C.  

Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 3. Oktober 2022 

wurde mit Urteil D-4435/2022 des Bundesverwaltungsgerichts vom 24. Ok-

tober 2022 in Bezug auf den Wegweisungsvollzug der damals beide noch 

minderjährigen Beschwerdeführerinnen gutgeheissen, wobei das Bundes-

verwaltungsgericht gleichzeitig feststellte, die Asylvorbringen genügten 

den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG 

nicht und die Asylgesuche seien zu Recht abgelehnt worden. 

 

D-954/2025 

Seite 3 

II. 

D.  

Die Beschwerdeführerin 1 suchte am 19. Dezember 2022 in der Schweiz 

um Asyl nach und wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region Nord-

westschweiz zugewiesen.  

E.  

Das zunächst eingeleitete Dublin-Verfahren wurde am 4. Mai 2023 beendet 

und das nationale Asyl- und Wegweisungsverfahren eingeleitet.  

F.  

Das Asylgesuch der Beschwerdeführerin 1 wurde am 22. März 2024 ins 

erweiterte Verfahren überwiesen. 

G.  

Am 23. Dezember 2022 wurde sie summarisch zu ihrer Person befragt 

(nach Art. 26 Abs. 3 AsylG; SR 142.31), am 14. Februar 2023 im persönli-

chen Dublin-Gespräch und am 20. März 2024 vertieft zu den Asylgründen 

(nach Art. 29 AsylG) angehört.  

Zu ihren Gesuchsgründen brachte sie im Wesentlichen vor, ihre politisch 

aktive Familie sei seit ihrer Kindheit mehrfach seitens des türkischen Staa-

tes schlecht behandelt worden (Hausdurchsuchungen, Festnahmen, De-

mütigungen, Tätlichkeiten). Aufgrund der ungerechtfertigten strafrechtli-

chen Vorwürfe gegenüber ihrem Sohn M.D. seien ihr Haus sowie ihre Toch-

ter angegriffen worden (zerbrochene Fenster; Armbruch), es sei zu Haus-

durchsuchungen gekommen und sie habe sich vor einer möglichen Rache 

der geschädigten Familie gefürchtet. Bei der Arbeitsstelle sei sie von der 

Opferfamilie verbal und physisch angegriffen und vom Staat drei- oder vier-

mal zur Bezahlung von Schadenersatz aufgefordert worden. Sie habe 

keine Anzeige erstattet, weil der Staat mit der Hizbullah zusammenarbeite. 

Nachdem sie den Druck nicht mehr ausgehalten habe, sei sie gemeinsam 

mit ihren Töchtern mit dem Flugzeug via Bosnien aus der Türkei ausge-

reist. Da sie sich den Fuss verstaucht habe, sei sie länger als die Töchter 

in Bosnien geblieben beziehungsweise später mit einem LKW in die 

Schweiz eingereist.  

Zu ihrer gesundheitlichen Situation befragt, gab sie an, an Diabetes, Blut-

hochdruck, Migräne und an medikamentös behandelten psychischen Prob-

lemen zu leiden. Eine Rückkehr in die Türkei komme aufgrund des zu be-

fürchtenden Schadens nicht in Frage.  

D-954/2025 

Seite 4 

III. 

H.  

Das SEM zog das Dossier des Sohnes beziehungsweise Bruders der Be-

schwerdeführerinnen bei (M.D., […]).  

I.  

Mit am 16. Januar 2025 eröffneter Verfügung vom 15. Januar 2025 stellte 

das SEM fest, die Beschwerdeführerin 1 erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

nicht und lehnte ihr Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegwei-

sung der Beschwerdeführerinnen aus der Schweiz und ordnete den Voll-

zug an. 

J.  

In Koordination der Verfahren erliess das SEM gleichentags betreffend die 

zwischenzeitlich volljährig gewordene Tochter beziehungsweise Schwester 

E.D. eine separate Verfügung (Wegweisung und Anordnung Wegwei-

sungsvollzug; D-951/2025). 

K.  

Die Beschwerdeführerinnen erhoben gegen den Entscheid vom 15. Januar 

2025 mit Eingabe vom 13. Februar 2022 (Datum des Poststempels) beim 

Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragten, die angefoch-

tene Verfügung sei aufzuheben und den Beschwerdeführerinnen sei unter 

Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG (Beschwer-

deführerin 1) beziehungsweise Art. 51 AsylG (Beschwerdeführerin 2) Asyl 

zu gewähren. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben 

und die Sache in Bezug auf die Flüchtlingseigenschaft und Asylgewährung 

zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung sowie Neubeurteilung an die 

Vorinstanz zurückzuweisen, subeventualiter sei die vorläufige Aufnahme 

der Beschwerdeführerinnen anzuordnen.  

In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie um die Gewährung der un-

entgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses sowie den Beizug der vorinstanzlichen und derjenigen 

Akten von M.D. ([…]). 

Der Beschwerde lagen Kopien der angefochtenen Verfügung und der Voll-

machten der Rechtsvertretung bei.  

D-954/2025 

Seite 5 

L.  

Am 14. Februar 2025 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-

gang der Beschwerde.  

M.  

Gleichentags lagen die vorinstanzlichen Akten und die Akten (…) des Soh-

nes beziehungsweise Bruders der Beschwerdeführerinnen dem Bundes-

verwaltungsgericht in elektronischer Form vor.  

N.  

Am 21. März 2025 ging beim Bundesverwaltungsgericht ein Schreiben des 

Sohnes beziehungsweise Bruders der Beschwerdeführerinnen vom 

5. März 2025 ein.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-

den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet 

des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d 

Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerdeführerinnen sind als Verfü-

gungsadressatinnen zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). 

Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten 

(Art. 105 und 108 Abs. 2 AsylG, Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Gegenstand des Verfahrens bildet für die Beschwerdeführerin 1 die Über-

prüfung der Abweisung des Asylgesuchs vom 19. Dezember 2022 (Flücht-

lingseigenschaft, Asyl, Wegweisung und Vollzug). Nachdem das Bundes-

verwaltungsgericht mit Urteil D-4435/2022 vom 24. Oktober 2022 die 

Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin 2 verneint sowie die Ableh-

nung ihres Asylgesuchs vom 20. Juni 2022 im Sinne der Verfügung des 

SEM vom 1. September 2022 bestätigt hat, ist ihr Verfahren hinsichtlich der 

Asylgründe in Rechtskraft erwachsen und vorliegend einzig die Rechtmäs-

sigkeit des Wegweisungsvollzugs zu überprüfen.  

D-954/2025 

Seite 6 

4.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 72 i.V.m. Art. 111 Bst. e AsylG). Wie 

nachstehend aufgezeigt wird, handelt es sich um ein solches Rechtsmittel, 

weshalb das Urteil ohne Weiterungen zu fällen und nur summarisch zu be-

gründen ist (Art. 72 i.V.m. Art. 111a Abs.1 und 2 AsylG). 

5. . 

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

 

5.2 Eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG liegt 

vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, eine solche hätte 

sich – im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und 

in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – 

mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. 

Es müssen demnach hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedro-

hung vorhanden sein, die bei einem durchschnittlichen Menschen in ver-

gleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur 

Flucht hervorrufen würden.  

 

5.3 Ein unerträglicher psychischer Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG 

ist zu bejahen, wenn einzelne Personen oder Teile einer Bevölkerung sys-

tematisch schweren oder wiederholten Eingriffen in ihre Menschenrechte 

durch den Staat ausgesetzt sind (oder dieser keinen adäquaten Schutz vor 

Übergriffen Dritter zu gewähren imstande ist) und diese Eingriffe eine der-

artige Intensität erreichen, dass ein menschenwürdiges Leben nicht mehr 

möglich erscheint (vgl. BVGE 2014/32 E. 7.2, 2013/21 E. 9.1, 2013/12 

E. 6, 2013/11 E. 5.4.2, 2011/16 E. 5, jeweils m.w.H.). Ausgangspunkt ist 

dabei immer ein konkreter Eingriff, der stattgefunden hat oder mit solcher 

Wahrscheinlichkeit droht, dass die Furcht vor ihm als begründet erscheint, 

D-954/2025 

Seite 7 

wobei er aus einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten Motive erfolgen 

muss. 

 

5.4 Die Flüchtlingseigenschaft ist nachzuweisen oder zumindest glaubhaft 

zu machen (Art. 7 AsylG). 

 

6.  

6.1 Die Vorinstanz gelangte in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, 

die Vorbringen der Beschwerdeführerin 1 würden den Anforderungen an 

die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten.  

Zur Begründung führte sie aus, die Beschwerdeführerin 1 mache dieselben 

Asylgründe geltend, welche auch ihre Töchter – mithin die Beschwerdefüh-

rerin 2 – vorgebracht hätten. So habe sie in der Türkei insbesondere auf-

grund ihres Sohnes Nachteile erlitten (Hausdurchsuchungen, Tätlichkei-

ten, Drohungen, Forderungen seitens mutmasslich mit der Hizbullah ver-

bundener Opferfamilien). Wie mit Verfügung vom 11. September 2022 fest-

gestellt, seien diese Erlebnisse und Schikanen objektiv betrachtet mangels 

Intensität asylrechtlich nicht relevant. Die fehlende Asylrelevanz der Vor-

bringen sei alsdann auch vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil  

D-4435/2022 vom 24. Oktober 2022 (Erwägung [E.] 6.3.2) gestützt worden. 

Alsdann würden auch die danach erfolgten Mitnahmen zu behördlichen 

Befragungen sowie die Beschimpfungen als Kurdin keine Asylrelevanz be-

gründen. Zudem hätten ihr die türkischen Behörden keine konkreten Nach-

teile angedroht. Die Verneinung eines unerträglichen psychischen Druckes 

der Töchter sei vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt worden. Nach-

dem die Beschwerdeführerin 1 trotz der erlebten Schwierigkeiten einer Ar-

beit habe nachgehen und für sich und ihre Töchter habe sorgen können, 

sei ein solcher auch bei ihr nicht zu erblicken, zumal sie auch angegeben 

habe, ihre Situation habe sich seit dem 28. Dezember 2020 beziehungs-

weise seit dem Gesuch um Erteilung eines humanitären Visums auf der 

schweizerischen Auslandsvertretung in Istanbul bis zur Ausreise aus der 

Türkei am 17. Mai 2022 nicht verändert. Auch in Berücksichtigung des sub-

jektiv erlebten psychischen Druckes durch die staatlichen Behörden, der 

dargelegten Angriffe und des Armbruchs der Tochter, liege bei der Be-

schwerdeführerin 1 kein objektiv unerträglicher psychischer Druck im 

Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG vor. Im Weiteren habe sie angegeben, zwar 

aus einer politisch aktiven Familie zu stammen, jedoch nach dem Vorfall 

mit ihrem Sohn (2014) keine politischen Aktivitäten mehr ausgeübt zu ha-

ben. Im Zeitpunkt der Ausreise habe sie über kein politisches Profil verfügt, 

das sie in den Augen der türkischen Behörden als unliebsame Person hätte 

D-954/2025 

Seite 8 

erscheinen lassen. Dafür spreche zudem, dass sie während der Zeit nach 

ihrer Heirat keine politischen Aktivitäten vorgebracht, die Türkei auf lega-

lem Weg verlassen habe und gemäss den Akten keine Strafverfahren ge-

gen sie hängig seien. Bei den dargelegten Razzien habe man sich jeweils 

nur nach dem Sohn erkundigt. Im Weiteren hätte sie sich betreffend die 

Schwierigkeiten mit den Opferfamilien – trotz den Erlebnissen mit den tür-

kischen Behörden – mit Hilfe eines Anwalts an die zuständigen Behörden 

wenden können, zumal es sich beim Vorbringen, sie würden der Hizbullah 

angehören, bloss um eine Annahme der Beschwerdeführerin 1 handle. Als-

dann stamme das hierzu eingereichte einzige Beweismittel, ein Schreiben 

betreffend Entschädigungsforderungen, aus dem Jahr 2020 und richte sich 

weder an sie noch an ihre Töchter, sondern an den Sohn. Es sei davon 

auszugehen, sie habe trotz der finanziellen Forderungen der Opferfamilien 

ohne Konsequenzen über längere Zeit in der Türkei leben können, obwohl 

die verlangten Summen nicht bezahlt worden seien. Überdies wäre es ihr 

zuzumuten gewesen, aus Diyarbakir wegzugehen und mit ihren Töchtern 

an einem beliebig anderen Ort in der Türkei Wohnsitz zu nehmen. Auch 

wenn im Falle einer Rückkehr in die Türkei wiederholte Befragungen zum 

Aufenthalt ihres Sohnes nicht auszuschliessen seien, nachdem auch die 

dort wohnhafte Tochter deswegen von der Polizei aufgesucht werde, seien 

darüber hinaus gehende Verfolgungsmassnahmen im Sinne von ernsthaf-

ten Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG seitens der türkischen Behörden 

unwahrscheinlich. Im Hinblick auf eine Rückkehr in die Türkei sei eine be-

gründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne des Asylgesetzes zu 

verneinen. 

Insgesamt komme den Vorbringen der Beschwerdeführerin 1 keine flücht-

lingsrechtlich relevante Bedeutung nach Art. 3 AsylG zu. Die (ergänzend) 

eingereichten Beweismittel (Ausweiskopie, Verkaufstätigkeit auf dem Frau-

enbazar in Diyarbakir, zwei Fotos von Polizisten auf der Strasse) vermöch-

ten an dieser Einschätzung nichts zu ändern. 

6.2 In der Beschwerde wurden hauptsächlich die bisherigen Vorbringen 

wiederholt und geltend gemacht, die Beschwerdeführerin 1 habe schon im-

mer unter den Folgen ihrer kurdischen politischen Aktivitäten – aber auch 

unter denjenigen der Familienmitglieder – gelitten. Sie habe in engem Kon-

takt mit hochgradig bekannten kurdisch politischen Persönlichkeiten ge-

standen und sich mehrfach an Hungerstreiks beteiligt. Sie verfüge auf-

grund der erlittenen Gewalt sowie, weil ihr Sohn nach ungerechtfertigter 

Verurteilung als flüchtig gelte und es zu häufigen Hausdurchsuchungen bei 

der Familie komme, über ein geschärftes politisches Profil. Alsdann seien 

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Seite 9 

die Behelligungen der Opferfamilien gezielt und intensiv. Bei einer Rück-

kehr in die Türkei drohten der Beschwerdeführerin 1 aufgrund ihrer Bezie-

hung zu ihrem Sohn mit grosser Wahrscheinlichkeit erhebliche Nachteile 

und sie würde aufgrund seiner Fichierung befragt werden. Deswegen 

könnten ihr die Einleitung strafrechtlicher Verfahren (fehlende Mitwirkung) 

drohen. Zudem habe sie bis kurz vor ihrer Ausreise Drohbriefe mit Auffor-

derungen zur Zahlung an die Opferfamilien erhalten und einer Eskalation 

nur durch ihre Ausreise entgehen können. Die Voraussetzungen für eine 

Reflexverfolgung von Art. 3 AsylG seien erfüllt.  

Hinsichtlich des unerträglichen psychischen Druckes könne nicht ohne 

Weiteres von den Töchtern auf die konkrete Situation der Beschwerdefüh-

rerin 1 geschlossen werden. Sie seien im Zeitpunkt der Ausreise minder-

jährig und die Beschwerdeführerin 1 sei nach dem Tod ihres Ehemannes 

und der Flucht des Sohnes das Familienoberhaupt gewesen. Die Be-

schwerdeführerin 1 habe aufgrund der familiären politischen Aktivitäten 

jahrzehntelang Gewalt und Verlust erlebt.  

7.  

7.1 Die Vorinstanz hat die Vorbringen der Beschwerdeführerin 1 in der 

angefochtenen Verfügung mit überzeugender Begründung als nicht 

flüchtlingsrechtlich relevant qualifiziert, die Flüchtlingseigenschaft verneint 

und das Asylgesuch abgelehnt. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann 

nebst nachstehenden Ergänzungen auf die zutreffenden Erwägungen in 

der angefochtenen Verfügung sowie auf Erwägung 6.1 hiervor verwiesen 

werden. Die Ausführungen auf Beschwerdeebene führen insgesamt zu 

keiner anderen Betrachtungsweise. 

7.2  

7.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht geht in konstanter Praxis davon aus, 

dass in der Türkei staatliche Repressalien gegen Familienangehörige von 

politischen Aktivisten angewandt werden, die als sogenannte Reflexverfol-

gung flüchtlingsrechtlich erheblich im Sinne von Art. 3 AsylG sein können. 

Eine gewisse Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Reflexverfolgung zu werden, 

ist nach der Praxis des Gerichts vor allem dann gegeben, wenn nach einem 

flüchtigen Familienmitglied gefahndet wird und die Behörde Anlass zur Ver-

mutung hat, dass jemand mit der gesuchten Person in engem Kontakt 

steht. Diese Wahrscheinlichkeit erhöht sich, wenn ein nicht unbedeutendes 

politisches Engagement der reflexverfolgten Person für illegale politische 

Organisationen hinzukommt beziehungsweise ihr seitens der Behörden 

unterstellt wird. Die Wahrscheinlichkeit einer Reflexverfolgung und deren 

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Seite 10 

Intensität hängt stark von den konkreten Umständen des Einzelfalls ab (vgl. 

statt vieler Urteil des BVGer E-5041/2020, E-5043/2020 vom 3. Mai 2024 

E. 5.1.2, m.w.H.). 

 

Wie bereits im Urteil D-4435/2022 E. 6.3.1 den Akten zufolge festgestellt, 

wurde der Sohn der Beschwerdeführerin 1 am 24. April 2017 vom dortigen 

Gericht für schwere Verbrechen Nr. 2 in Ankara unter anderem wegen Pro-

paganda für eine Terrororganisation zu einer mehrjährigen Haftstrafe erst-

instanzlich verurteilt und ein Haftbefehl gegen ihn erlassen. Eine Berufung 

gegen dieses Urteil wurde von der 4. Strafkammer des regionalen Beru-

fungsgerichts in Ankara am 13. November 2018 abgelehnt, während eine 

gegen diesen Entscheid gerichtete Beschwerde an den Kassationshof im 

Zeitpunkt seiner illegalen Ausreise aus der Türkei im Mai 2019 noch hängig 

war. Mit Verfügung des SEM vom 25. September 2019 wurde er als Flücht-

ling anerkannt und ihm in der Schweiz Asyl gewährt (vgl. dazu die Akten  

[…]). Nach dem Gesagten sind die türkischen Behörden zwar an einer Er-

greifung des Sohnes der Beschwerdeführerin 1 interessiert, jedoch ist in 

Übereinstimmung mit der Vorinstanz hinsichtlich der von ihr geltend ge-

machten Nachteile seitens der türkischen Behörden vor ihrer Ausreise fest-

zustellen, dass ihr die Angehörigen der türkischen Behörden keine konkre-

ten Nachteile androhten. Die von ihr dargelegten Massnahmen (Haus-

durchsuchungen und Befragungen, Sachbeschädigung, Tätlichkeiten, Dro-

hungen, Beschimpfungen) erreichen die Intensität ernsthafter Nachteile im 

Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG nicht. Im Weiteren sind weder aus den Akten 

noch den Beschwerdeausführungen im Zusammenhang mit weiteren Fa-

milienmitgliedern, welche mutmasslich politisch aktiv (gewesen) seien 

(verstorbener Ehemann mit Nähe zur Halkların Demokratik Partisi [HDP], 

verhafteter Bruder) – auch mangels Substantiierung – asylrechtlich rele-

vante Nachteile zu erblicken. Aus der blossen Behauptung, Kontakt zu be-

kannten politischen Persönlichkeiten gehabt zu haben, ist nichts zu ihren 

Gunsten abzuleiten. Alsdann ist nicht von einem Kausalzusammenhang 

zwischen den vor der Ehe beziehungsweise vor mehr als 35 Jahren mut-

masslich erlittenen Repressalien, (beispielsweise gewalttätige Festnah-

men nach Hungerstreiks) und den Ausreisegründen auszugehen, zumal 

die Beschwerdeführerin 1 danach weiterhin jahrzehntelang im Heimatstaat 

geblieben ist (Beschwerde, S. 5 und 11). Vor diesem Hintergrund ist auch 

das Vorliegen eines unerträglichen psychischen Drucks im Sinne des Asyl-

gesetzes unwahrscheinlich. Zudem wird in der Beschwerde nicht überzeu-

gend vorgebracht, weshalb die Situation der Beschwerdeführerin 1 anders 

beurteilt werden sollte, als diejenige der Töchter, obwohl es sich um die-

selben Vorbringen handelt. Aus ihrer dargelegten Eigenschaft als 

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Seite 11 

Familienoberhaupt mit minderjährigen Kindern lässt sich jedenfalls in die-

sem Zusammenhang nichts zu ihren Gunsten ableiten. Auch in Anbetracht 

der unbestrittenen Bewegungsfreiheit in der Türkei und der damit einher-

gehenden Möglichkeit eines Wegzuges sind die dargelegten erlittenen 

Schikanen (Drohungen, Razzien, Tätlichkeiten, vorübergehende Mitnah-

men zur behördlichen Befragung) nicht als unerträglicher psychischer 

Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu qualifizieren. Vielmehr ist nicht 

auszuschliessen, dass es sich bei den Vorbringen, insbesondere bei dem-

jenigen einer mutmasslich jahrzehntelangen Leidensgeschichte, um allge-

meine Schikanen und Repressalien handelt, welchen die kurdische Bevöl-

kerung in weiten Teilen der Türkei ausgesetzt sind. Solchen mangelt es an 

der Gezieltheit und Intensität im Sinne des Asylgesetzes. Selbst wenn die 

Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr in die Türkei behördlichen Befra-

gungen aufgrund ihres Sohnes ausgesetzt werden könnte, ist nicht davon 

auszugehen, dass ein eigentliches Datenblatt für sie selbst angelegt wor-

den ist. Gesamthaft ist kein exponiertes politisches und damit kein asylre-

levantes Profil zu erblicken. Alsdann ist aus den rein hypothetischen Be-

fürchtungen, bei ihrer Rückkehr weiteren Repressalien und womöglich 

strafrechtlicher Verfolgung ausgesetzt zu werden nichts zu Gunsten der 

Beschwerdeführerin 1 abzuleiten (Beschwerde, S. 12 f.), zumal der Mass-

stab der erheblichen Wahrscheinlichkeit und der Unmittelbarkeit der Ge-

fahr gilt. Im Übrigen gehen weder aus den Akten noch den Angaben der 

Beschwerdeführerin 1 Anhaltspunkte für eine strafrechtliche Vorbelastung 

hervor. Bei einer Gesamtbetrachtung sind sowohl ein asylrechtlich relevan-

tes politisches Profil, ein unerträglicher psychischer Druck als auch die Ge-

fahr einer Reflexverfolgung zu verneinen. 

7.2.2 Hinsichtlich der Behelligungen durch die Opferfamilien und der an-

geblichen, unbelegt gebliebenen Schadenersatzforderungen gegenüber 

der Beschwerdeführerin vor ihrer Ausreise (vgl. dazu a.a.O. Urteil  

D-4435/2022 E.6.4) ist festzuhalten, dass das Bundesverwaltungsgericht 

von der grundsätzlichen Schutzfähigkeit und Schutzwilligkeit der türki-

schen Strafverfolgungs- und Justizbehörden ausgeht (vgl. statt vieler Urteil 

des BVGer E-8137/2022, E-8141/2024 vom 17. Februar 2025 S. 5). Es ist 

nicht ersichtlich, dass und weshalb der Beschwerdeführerin 1 hinsichtlich 

der vorgebrachten Übergriffe und Behelligungen seitens Dritter die beste-

hende Schutzinfrastruktur nicht zugänglich oder ihr deren Inanspruch-

nahme aus individuellen Gründen nicht zuzumuten gewesen wäre, zumal 

auch keine Hinweise vorliegen, ihr sei die Hilfe aus einem der in Art. 3 

Abs. 1 AsylG genannten Gründe verweigert worden. Die Beschwerdefüh-

rerin 1 ist gehalten, sich bei allfälligen Problemen mit Drittpersonen an die 

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Seite 12 

zuständigen türkischen Behörden zu wenden und nötigenfalls den Rechts-

weg zu beschreiten. Im Übrigen hatte sie vor ihrer Ausreise Kontakt zu ei-

nem Anwalt, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass sie durch-

aus in der Lage ist, nötigenfalls erneut einen Anwalt beizuziehen (A33/14, 

F43). An dieser Einschätzung vermag das Befürwortungsschreiben (act. 4) 

des Sohnes beziehungsweise Bruders der Beschwerdeführerinnen nichts 

zu ändern, zumal dessen Akten beigezogen wurden und aus dem Schrei-

ben keine wesentlichen neuen Tatsachen hervorgehen. Aus den Hinweisen 

darin auf öffentliche Berichte oder Schicksale türkischer Staatsangehöriger 

(act. 4, Beilagen) ist mangels persönlicher Betroffenheit der Beschwerde-

führerinnen nichts zur ihren Gunsten abzuleiten. 

7.3 Insgesamt vermögen die Ausführungen in der Beschwerde die Ein-

schätzung der Vorinstanz nicht umzustossen und sie lassen eine subjek-

tive Furcht vor asyl- beziehungsweise flüchtlingsrechtlich relevanter Verfol-

gung der Beschwerdeführerin 1 objektiv nicht begründet erscheinen.  

7.4 Aufgrund des Gesagten hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft 

der Beschwerdeführerin 1 zu Recht verneint und ihr Asylgesuch folgerichtig 

abgelehnt. 

Demgemäss entfällt die Prüfung eines Anspruchs der Beschwerdeführerin 

2 nach Art. 51 AsylG (Anerkennung der derivativen Flüchtlingseigenschaft 

und Gewährung von Asyl).  

7.5 Insofern die Beschwerdeführerin 1 formell rügt, die Vorinstanz habe 

den Sachverhalt in Bezug auf ihre psychische Belastung unzureichend 

abgeklärt, falls ein unerträglicher psychischer Druck verneint werde 

(Beschwerde, S. 14), vermengt sie die Frage der formellen Obliegenheiten 

der Vorinstanz mit der rechtlichen Würdigung der Sache. Alleine der 

Umstand, dass die Beschwerdeführerin 1 die Auffassung und 

Schlussfolgerungen der Vorinstanz nicht teilt, stellt mithin keine unrichtige 

beziehungsweise unvollständige Sachverhaltsfeststellung dar. Die Rüge 

ist unbegründet und der entsprechende Eventualantrag (Rückweisung der 

Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung sowie Neubeurtei-

lung an die Vorinstanz) abzuweisen. 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab, so verfügt es in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

D-954/2025 

Seite 13 

8.2 Die Beschwerdeführerinnen verfügen in der Schweiz insbesondere we-

der über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen 

Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach 

ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, 

je m.w.H.). 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; 

Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung 

der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

9.3 Da es den Beschwerdeführerinnen nicht gelungen ist, eine asylrecht-

lich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann 

der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorlie-

genden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der 

Beschwerdeführerinnen in die Türkei ist demnach unter diesem Aspekt 

rechtmässig. 

D-954/2025 

Seite 14 

Sodann ergeben sich weder aus ihren Aussagen noch aus den Akten An-

haltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in die Türkei 

dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 

FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss Pra-

xis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie 

jener des UN-Anti-Folterausschusses müssten sie eine konkrete Gefahr 

(«real risk») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer 

Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. 

Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 

37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Wie aus vorstehenden Erwägungen her-

vorgeht, bestehen – entgegen der Behauptung in der Beschwerde – keine 

stichhaltigen Gründe für die Annahme, die Beschwerdeführerinnen würden 

nach einer Rückkehr in ihren Heimatstaat einer menschenrechtswidrigen 

Behandlung unterzogen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in 

der Türkei lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als 

unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegwei-

sung sowohl im Sinne der landes- als auch der völkerrechtlichen Bestim-

mungen zulässig. 

9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme anzuordnen. 

9.4.1 Praxisgemäss ist in der Türkei nicht von einer Situation allgemeiner 

Gewalt oder von bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen auszugehen 

(vgl. Referenzurteil BVGer E-4103/2024 vom 8. November 2024 E. 13 

m.w.H.; bestätigt in BVGer Urteil E-2073/2024 vom 27. Februar 2025 

E. 9.3.2).  

9.4.2 Am 6. Februar 2023 forderten schwere Erdbeben im Südosten der 

Türkei tausende Todesopfer und zerstörten grosse Teile der Infrastruktur. 

Der türkische Präsident verhängte daraufhin vorübergehend beziehungs-

weise bis zum 9. Mai 2023 den Ausnahmezustand über die elf betroffenen 

Provinzen (Kahramanmaras, Hatay, Gaziantep, Osmaniye, Malatya, Adi-

yaman, Adana, Diyarbakir, Kilis, Sanliurfa und Elazig). Der Vollzug der 

Wegweisung in eine dieser Provinzen ist nicht generell unzumutbar. Die 

Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ist im Rahmen ei-

ner einzelfallweisen Prüfung der individuellen Lebenssituation der 

D-954/2025 

Seite 15 

Betroffenen vorzunehmen (vgl. dazu Referenzurteil BVGer E-1308/2023 

vom 19. März 2024 E. 11.3). 

9.4.3 Die Beschwerdeführerinnen stammen aus der von den Erdbeben be-

troffenen Provinz Diyarbakir. Der Beschwerdeführerin 1 war es nach dem 

Tod ihres Ehemannes möglich, ihren Lebensunterhalt mit den beiden Kin-

dern beziehungsweise für sich und die Beschwerdeführerin 2 sowie die 

zweite (mittlerweile volljährige) Tochter zu bestreiten (Bazar- und Reini-

gungstätigkeiten, Witwenrente, Stipendienbezug; A33/14, F18 ff.). Es ist 

davon auszugehen, dass sie dazu auch bei einer Rückkehr in die Türkei in 

der Lage sein wird, weshalb aus einem mutmasslich fehlenden Unterstüt-

zungswillen der Geschwister in der Türkei nichts zu ihren Gunsten abzulei-

ten ist. Überdies besteht bei einer Rückkehr in die Türkei auch die Möglich-

keit einer – zumindest vorübergehenden – finanziellen Unterstützung durch 

den in der Schweiz lebenden Sohn M.D.. Aus dem Vorbringen, das Haus 

in der Türkei verkauft zu haben, um die Reise zu bezahlen, kann die Be-

schwerdeführerin 1 ebenfalls nichts zu ihren Gunsten ableiten, da sie die 

daraus folgenden Konsequenzen eigens in Kauf genommen hat. Alsdann 

handelt es sich beim Vorbringen, der weitere Erhalt der Witwenrente sei 

nicht garantiert, einzig um eine unsubstantiierte Mutmassung (A33/14, F41 

ff.). Der Beschwerdeführerin 1 ist es alsdann nötigenfalls auch zumutbar, 

eine innerstaatliche Wohnsitzalternative wahrzunehmen. Aus gesundheit-

lichen Gründen ist aus den Akten kein Wegweisungsvollzugshindernis er-

sichtlich und ein solches wird in der Beschwerde im Zusammenhang mit 

ihren gesundheitlichen Beschwerden auch nicht dargetan (medikamentös 

behandelte Diabetis und Migräne, A33/14, F33; vgl. beispielsweise zur Un-

zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus medizinischen Gründen 

BVGE 2011/50 E. 8.3, 2009/52 E. 10.1, 2009/51 E. 5.5, 2009/28 E. 9.3.1, 

2009/2 E. 9.3.2). Auch in Berücksichtigung der Erdbebensituation sind 

keine Vollzugshindernisse zu erblicken und solche werden ebenfalls nicht 

geltend gemacht. Somit ist im Einzelfall aus individueller Sicht die Rück-

kehr in die Türkei zumutbar.  

9.4.4 Aus dem Kindeswohl gemäss Art. 3 KRK ist ebenso kein Vollzugs-

hindernis abzuleiten, zumal die Beschwerdeführerin 2 – entgegen der Be-

fürchtung in der Beschwerde (S. 15) – gemeinsam mit der Mutter in die 

Türkei zurückreisen kann. Die Beschwerdeführerin 2 wuchs in der Türkei 

auf und verfügt dort über zahlreiche Verwandte, mit denen die Beschwer-

deführerinnen in Kontakt stehen (A33/14, F8 ff.). Vor diesem Hintergrund 

stellt der Vollzug der Wegweisung nach einem ungefähr zweieinhalbjähri-

gen Aufenthalt in der Schweiz keine Entwurzelung dar. Zusätzlich 

D-954/2025 

Seite 16 

begünstigend wirkt die gemeinsame Rückkehr mit ihrer Schwester E.D., für 

welche der Wegweisungsvollzug mit separatem Urteil D-951/2025 verfügt 

wird.  

9.4.5 An dieser Einschätzung vermag das Befürwortungsschreiben (act. 4 

und Beilagen) des Sohnes beziehungsweise Bruders der Beschwerdefüh-

rerinnen nichts zu ändern. 

9.4.6 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich nach dem Gesagten als 

zumutbar. 

9.5 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführerinnen, sich bei der zu-

ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr allfällig not-

wendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

9.6 Zusammenfassend hat das SEM den Wegweisungsvollzug zu Recht 

als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der vorläu-

figen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist. Die 

Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

11.1 Mit vorliegendem Direktentscheid wird das Gesuch um Verzicht auf 

die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos. 

11.2 Die Beschwerde hat sich als von vornherein aussichtslos erwiesen, 

weshalb das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der un-

entgeltlichen Prozessführung abzuweisen ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG).  

11.3 Als Folge der Abweisung der Beschwerde sind die Kosten des Ver-

fahrens somit den Beschwerdeführerinnen aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 

und 5 VwVG) und auf Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2] i.V.m. Art. 16 Abs. 1 Bst. a 

VGG). 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-954/2025 

Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführerinnen 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils 

zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das SEM und die zu-

ständige kantonale Behörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Simon Thurnheer Sarah Rutishauser 

 

 

Versand: