# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 47f66dfa-308d-5170-b662-9751b4947d0a
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-12-16
**Language:** de
**Title:** Unzureichende Abklärung des Gesundheitszustandes. Auf RAD-Einschätzung kann nicht abgestellt werden. Rückweisung.
**Docket/Reference:** IV.2024.00392
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2024.00392.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2024.00392
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Slavik
Ersatzrichterin Gasser Küffer
Gerichtsschreiberin Schleiffer Marais
Urteil
vom
16. Dezember 2024
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Patrick Stutz
Burghalde
Mellingerstrasse
6, 5401 Baden
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der 1968 geborene
X.___
, ohne Ausbildung und v
om
2
0.
Juni bis 1
6.
September 2022 als Reinigungsangestellter/Hauswart bei
Y.___ AG
tätig, meldete sich am 1
3.
September 2022 unter Hinweis auf eine Gangrän an
einer
Zehe
am linken
Fuss
mit
anschliessender Amputation
d
er Zehe
respektive
des linken Vorderfusses und damit verbundene
m
langwierige
m
Heilungs
prozesses
zwecks
b
erufliche
r
Integration/Rente
bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
10/5).
In der Folge nahm die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, erwerbliche und medizinische Abklärungen vor.
Am
4.
Dezember 2022
meldete sich der Versicherte zwecks Hilfsmittel (orthopädische Massschuh
e
) bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
10/13), wobei die IV-Stelle
ihn
am 2
1.
Februar 2023 über die Kostenübernahme für orthopädische Massschuhe
in Kenntnis setzte
(
Urk.
10/20).
Am 2
0.
Dezember 2023 informierte die IV-Stelle den Versicherten über den Abschluss der Eingliederung, nachdem
er
auf
Unterstützung bei der Stellensuche verzichtet habe (
Urk.
10/44). Mit Vorbescheid vom 1
2.
April 20
2
4 (
Urk.
10/54) stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung des Leistungs
begehrens in Aussicht,
wogegen letzterer am 1
3.
Mai 2024 Einwand (
Urk.
10/60
-61
) er
hob. Die IV-Stelle
verneinte
mit Verfügung vom 2
3.
Mai 2024 (
Urk.
2) einen Rent
enanspruch des Versicherten.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 2
4.
Juni 2024 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, die angefochtene Verfügung vom 2
3.
Mai 2024 sei aufzuheben und
es sei
ihm eine IV-Rente gemäss Beweisergebnis zuzusprechen. Eventuell habe das Gericht ein polydisziplinäres Gutachten in den Fachbereichen orthopädische Chirurgie, Innere Medizin, Ophthalmologie
sowie
Psychiatrie und
Psychotherapie
einzuholen, eventuell in Ergänzung noch zusätzlicher Fachbereiche. Subeventuell habe in Aufhebung der Verfügung vom 2
3.
Mai 2024 eine Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zu erfolgen mit dem Auftrag zum Einholen eines poly
disziplinären Gutachtens
in den Fachbereichen orthopädische Chirurgie, Innere Medizin, Ophthalmologie
sowie
Psychiatrie und
Psychotherapie
, eventuell in Ergänzung noch zusätzlicher Fachbereiche
. In formeller Hinsicht beantragte
er
die Durchführung einer öffentlichen Verhandlung (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom
2.
September 2024 (
Urk.
9) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am
3.
Oktober 2024 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
11).
Auf die Vorbringen
der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, nachfolgend eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Eine Rente nach Abs. 1 wird nicht zugesprochen, solange die Möglichkeiten zur Eingliederung im Sinne von Art. 8 Abs. 1
bis
und 1
ter
nicht ausgeschöpft sind (Art. 28 Abs. 1
bis
IVG). Gemäss Art. 28b Abs. 1 IVG wird die Höhe des Renten
anspruchs in prozentualen Anteilen an einer ganzen Rente festgelegt. Bei einem Invaliditätsgrad von 50-69 % entspricht der prozentuale Anteil dem Invaliditäts
grad (Abs. 2). Bei einem Invaliditätsgrad
ab
70 % besteht Anspruch auf eine ganze Rente (Abs. 3). Bei einem Inv
aliditätsgrad unter 50 % gelten
die
folgenden prozentualen Anteile (Abs. 4):
Invaliditätsgrad
prozentualer Anteil
49 Prozent
47.5
Prozent
48 Prozent
45
Prozent
47 Prozent
42.5
Prozent
46 Prozent
40
Prozent
45 Prozent
37.5
Prozent
44 Prozent
35
Prozent
43 Prozent
32.5
Prozent
42 Prozent
30
Prozent
41 Prozent
27.5
Prozent
40 Prozent
25
Prozent
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis
; Urteil des Bundesgerichts 9C_587/2023 vom 8. April 2024 E. 4.2
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die leistungsabweisende Verfügung (
Urk.
2) damit, dass
der Beschwerdeführer seit dem 2
9.
August 2022 in seiner Arbeits
fähigkeit eingeschränkt sei. Unter Berücksichtigung der Einschätzung des regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) sei in einer vorwiegend sitzenden Tätigkeit, welche keine Standfestigkeit und Gangsicherheit erfordere und gut auf die gesundheitliche Situation angepasst sei, von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Dem Beschwerdeführer sei es möglich, ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen, weshalb ihm kein Anspruch auf Rentenleistungen zustehe (S. 1 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
2),
er sei in einer sitzenden Tätigkeit gemäss der Einschätzung von
Dr.
med.
Z.___
,
praktischer Arzt FMH,
vom 1
3.
Mai 2024 maximal zwischen 50 und 60
%
arbeitsfähig, wobei hierfür medizinische und nicht nur IV-fremde Faktoren ver
antwortlich seien. Der RAD habe keine klinische Untersuchung durchgeführt und verfüge deshalb über keine klinischen Echtdaten aus erster Hand, welche die von der Beschwerdegegnerin postulierte 100%ige Arbeitsfähigkeit in sitzender Tätig
keit stütze.
Das
vorliegende Beweisergebnis, auf welches die Beschwerdegegnerin abstell
e, la
sse
keinen abschliessenden Schluss zu. Mit der aktuellen Beweislage
öffne sich eine grosse Diskrepanz zwischen de
r
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch die Beschwerdegegnerin und
jener des behandelnden Arztes, welche ohne weitere medizinische Abklärungen nicht zu überbrücken sei. Vor diesem Hinter
grund wäre die Beschwerdegegnerin verpflichtet gewesen, eine polydisziplinäre Begutachtung anzuordnen
(S. 6 f.
Ziff.
3.1).
Eine Rückweisung
an die Beschwerde
gegnerin
komme
unter Berücksichtigung
des schon lang
e
währenden Verfahrens
nicht in Frage,
vielmehr sei
ein gerichtliches Gutachten in Auftrag zu geben (S.
10 f
.
,
Ziff.
4.
3
).
3.
3.1
Med.
pract
.
A.___
, Leitender Arzt Orthopädie
, Stadtspital
B.___
, nannte in seinem Bericht vom 1
5.
September 2023
(
Urk.
10/3
5
/6-10)
folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 3
Ziff.
2.5):
-
Fuss links:
Transme
t
atarsale
-Amputation I bis V,
Hoke
Achillessehnen
verlängerung vom
7.
September 2022 mit/bei:
-
diabetischem Fusssyndrom Wagner-Armstrong 4D bei Teilnekrose im Bereich des
Dig
. IV und des MT IV
-
Diabetes mellitus Typ 2, Erstdiagnose September 2022
-
p
eriphere arterielle Verschlusskrankheit
(
PAVK
)
der unteren Extremität im Stadium IV links
Der Arzt führte aus, der Beschwerdeführer sei aktuell zu 100
%
krankgeschrieben
, wobei er zuvor als Abwart tätig gewesen sei
(S. 4
Ziff.
3.1). Aufgrund der
trans
meta
t
arsalen
Vorfussamputation bestehe ein deutliches Defizit beim Abrollen und im Bereich der Standsicherheit. Aufgrund der Tätigkeit als Abwart mit Tätigkeiten auf Leiter
n
sowie in der Schräge sei dies nicht mehr zu 100
%
gewährleistet
und
die Arbeitssicherheit
sei nicht mehr
gegeben (
Ziff.
3.4).
Eine
Wiedereingliederung in den Beruf als Abwart sei unwahrscheinlich (
S. 5
Ziff.
4.1). Eine sitzende Tätig
keit sei indes sicherlich zu 50
%
zu verantworten (
Ziff.
4.
2
).
3.2
RAD-Ärztin
Dr.
med.
C.___
,
Fachärztin für Neurologie (vgl.
Medizinalberufe
register
des Bundes),
ging in ihrer Stellungnahme vom 2
2.
November 2023 (
Urk.
10/45/
3) von einem guten Eingliederungspotenzial des Beschwerdeführers aus. Der Arbeitsfähigkeit von 0
%
in angestammter Tätigkeit könne gefolgt werden. In einer angepassten Tätigkeit gemäss Belastungsprofil
bestehe
ab sofort
eine
100%ige Arbeitsfähigkeit, da keine Schmerzen
vorlägen
, die Wunde verheilt und der Beschwerdeführer kognitiv klar sei. Die von med.
pract
.
A.___
angegebene 50%ige Arbeitsfähigkeit sei nicht nachvollziehbar.
Der vom Beschwerdeführer beschriebene Schwindel
,
welcher zu Unsicherheit bei dunkler unebener Umgebung führe
,
sei möglicherweise der Polyneuropathie zuzuordnen
.
Der Schwindel
sei
vom Stadtspital
B.___
nicht dokumentiert
worden
und wäre zudem im nachfolgenden Belastungsprofil berücksichtigt, so dass hier
unter eine 100%ige Arbeitsfähigkeit möglich
wäre.
Unter dem Titel Belastungsprofil nannte die RAD-Ärztin eine vorwiegend sitzende Tätigkeit ohne erhöhten Anspruch an
die
Standfestigkeit und Gang
sicherheit
,
ohne Arbeiten auf Leitern und im unebenen Gelände und ohne Vorfussabrollen.
Als IV-fremde Faktoren
erwähnte die RAD-Ärztin die Sprachbarriere sowie fehlende Ausbildung. Es sei
keine
psychiatrische oder neuropsychologische Diagnose ausgewiesen und ein Aufbautraining sei nicht indiziert.
3.3
Am
3.
Mai 2024 nahm med.
pract
.
A.___
erneut Stellung zum Gesundheits
zustand des Beschwerdeführers und wiederholte die bereits am 1
5.
September 2023 genannten Diagnosen
(
Urk.
10/59 S. 1
Ziff.
1;
vgl. E. 3.1). Der Beschwerde
führer müsse als Abwart viel laufen, wobei er mit einem angepassten Schuhwerk eine rein theoretische Arbeitsfähigkeit von 100
%
erreichen könne. Aufgrund der S
tandunsicherheit
bestünden
indes
Einschränkungen beim Klettern auf Lei
tern
und Dächern
. Im Weiteren beklage der Beschwerdeführer eine Gangunsicherheit seit der Erstdiagnose im Jahre 2022
(
Ziff.
3).
In einer rein sitzenden Tätigkeit könne eine rein theoretische Arbeitsfähigkeit von 100
%
erlangt
werden. Prozentmindernd sei
en
indes
das Erreichen der Arbeits
stätte aufgrund der Gangunsicherheit und der
trans
metatarsalen
Amputation so
wie d
i
e Sprachbarriere und der Ausbildungsstand des Beschwerdeführers. Ob eine 100%ige Arbeitsfähigkeit jemals erreicht werden könne, sei fraglich, wobei wahr
scheinlich eine Arbeitsfähigkeit von rein theoretisch 60 bis 80
%
realistisch erscheine (S.
1 f.
Ziff.
3).
3.4
Der Hausarzt des Beschwerdeführers,
Dr.
Z.___
, nannte in seinem Bericht vom 1
3.
Mai 2024 (
Urk.
10/58) folgende Diagnosen (S. 1
f.
):
-
Fuss links:
transmetatarsale
Amputation I-V,
Hoke
Achillessehnen
verlängerung vom
7.
September 2022 mit/
b
ei
:
-
diabetischem Fusssyndrom Wagner Armstrong 4D bei Teilnekrose im Bereich d
es
Dig
. IV und MT IV
-
Diabetes mellitus Typ 2 seit August 2022
-
d
eutliche Neuropathie, Vorfussamputation
links
im Se
p
tember 2022
-
Makroalbuminuri
e
und
e
GFR
71 ml/min und Retinopathie müsse unter
sucht werden
-
C-Peptid 1200
pmol
/l
bei Glukose von 8.0
mM
(CGR 150 = Insulinresistenz, 2
6.
April 2023)
-
PAVK der unteren Extremität links im Stadium IV
-
geringe arteriosklerotische Veränderungen der Becken-Beinarterien beid
sei
ts
-
rechts: Verschluss
Arteria
tibialis
anterior.
Mediakalzinose
der Unter
schenkelarterien
-
links: diabetisches Fusssyndrom mit Status nach Vorfussamputation am 3
0.
August 2022 wegen Nekrose und
Vorfussphlegimone
, Status nach PTA A. fibularis vom 2
8.
September 2022, Verschluss A.
t
ib
.
a
nterior
mitte
,
Mediakalzinose
der Unterschenkelarterien, Nikotin mind
estens
30
py
-
arterielle Hypertonie seit August 2022, aktuell medikamentös behandelt
-
Hypercho
le
sterinämie/
Hyperlipidämie
-
Anämie und Eisenmangel
Der Beschwerdeführer sei von Beruf Hauswart und müsse berufsbedingt relativ viel laufen. Mit angepasstem Schuhwerk könnte er eine rein theoretische Arbeits
fähigkeit von 100
%
erreichen. Aufgrund der Gangunsicherheit und
Sensibilität in den Füssen sei
indes
mit vielen Einschränkungen zu rechnen und die Gang- und Standsicherheit seien erheblich
beeinträchtigt
. Das Klettern auf Leitern und Dächern sei künftig nicht mehr möglich (
S. 2
Ziff.
3).
In einer rein sitzenden Tätigkeit könne eine rein theoretische Arbeitsfähigkeit von 100
%
erreicht werden. Erschwerend und prozentmindernd sei jedoch das Erreichen der Arbeitsstelle aufgrund der Gangunsicherheit und der Fuss
amputation. Einschränkend seien zudem die Sprachbarriere, der Ausbildungs
stand sowie die Notwendigkeit von regelmässigen Behandlungen, so dass auch in einer optimal angepassten Tätigkeit
mit
vielen Ausfällen zu rechnen sei. Zudem wirke sich auch die Natur der Erkrankungen – chronische Erkrankungen mit Verschlechterungstendenz – negativ aus. Ob in einer angepassten Tätigkeit jemals eine 100%ige Arbeitsfähigkeit erreicht werden könne, sei sehr fraglich. Realistisch sei
eine
Arbeitsfähigkeit von 50 bis 60
%
(S. 2
Ziff.
3).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrer leistungsabweisenden Verfügung vom
2
3.
Mai 2024
(Urk. 2) auf die Stellungnahmen ihre
r
RAD-
Ärztin
, welche
einzig auf den Bericht von med.
pract
.
A.___
vom 1
5.
September 2023 (vgl. E. 3.1) Bezug nahm und
keine eigene Untersuchung durchführte
(vgl. E. 3.2)
.
4.2
Gemäss Art. 54a IVG stehen die RAD den
IV-Stellen für die Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung (Abs. 2). Sie legen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der versicherten Person für die Ausübung einer zumutbaren Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich fest (Abs. 3). Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Abs. 4). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung
(
IVV
)
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Bei der Festsetzung der funktionellen Leistungsfähigkeit (Art. 54a Abs. 3 IVG) ist die medizinisch attestierte Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit und für an
gepasste Tätigkeiten unter Berücksichtigung sämtlicher physischen, psychischen und geistigen Ressourcen und Einschränkungen in qualitativer und quantitativer Hinsicht zu beurteilen und zu begründen (Abs. 1
bis
). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu
nehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hin
weisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1).
Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweis
würdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1 mit Hinweisen).
4.3
4.3.1
RAD-Ärztin
Dr.
C.___
ging
in Übereinstimmung mit den behandelnden Ärzten von einer Arbeitsunfähigkeit von 100
%
in der angestammten Tätigkeit als Haus
wart
aus. In einer angepassten Tätigkeit postulierte sie eine 100%ige Arbeits
fähigkeit (
Urk.
10/45/3)
, während
der behandelnde Facharzt
med.
pract
.
A.___
in seinem Bericht vom 1
5.
September 2023 in einer sitzenden Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
attestierte
(
Urk.
10/32/6-10 S. 4
Ziff.
4.
2). Die RAD-Ärztin hielt fest, die
von med.
pract
.
A.___
statuierte
50%ige Arbeitsfähigkeit sei nicht nach
vollziehbar, eine diesbezüglich schlüssige Begründung
basierend auf Untersu
chungsresultaten
liefert
e
sie indes nicht.
So
stellte
sie
keine Diagnosen und machte keine Angaben zu den Befunden.
Insofern ist dem Beschwerdeführer zuzustimmen, dass bei fehlender klinischer Untersuchung die klinischen Eckdaten nicht in genügendem Masse vorhanden sind (
Urk.
1 S. 6
Ziff.
3.1.2).
Im Übrigen wurden dem RAD die Berichte
von med.
pract
.
A.___
und
Dr.
Z.___
vom
3.
und 1
3.
Mai 202
4
(vgl. E. 3.3-4), in
welchen
in einer Verweistätigkeit
von
eine
r
Arbeitsfähigkeit von 60 bis 80
%
respektive 50 bis 60
%
ausgegangen wurde, nicht vorgelegt
(vgl.
Urk.
10/64 S. 2).
4.3.2
In den Akten finden sich keine fachärztlichen Stellungnahmen, welche ein ab
schlies
sendes Bild betreffend Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in an
gepasster Tätigkeit ergeben würden.
Die von med.
pract
.
A.___
in seinem Bericht vom 1
5.
September 2023 attestierte Arbeitsfähigkeit von 50
%
(
Urk.
10/35/
6
-10 S. 4
Ziff.
4.2) ist nicht
(
näher
)
begründet. Nicht vollends nachvollziehbar ist
so
dann auch
die
von ihm
im Bericht vom
1
3.
Mai 202
4
postulierte Arbeitsfähigkeit von 60 bis 80
%
. Der Facharzt wies diesbezüglich auf Einschränkungen im Zusammenhang mit dem Arbeitsweg aufgrund der Gangunsicherheit
und der Amputation sowie auf Sprachbarrieren und
den Ausbildungsstand
hin, wobei es sich bei den zwei letztgenannten Gründen um
invaliditätsfremde
Faktoren handelt
. Im Zusammenhang mit dem Arbeitsweg ist zu berücksichtigen, dass
die Verkehrsfähigkeit des Beschwerdeführers
gemäss den Angaben von
med.
pract
.
A.___
mittels eines Fahrzeuges mit Automatikgetriebe ge
währleiste
t
ist
(S. 3
Ziff.
3.6).
Des
Weiteren fehlen Angaben, ab wann der Beschwerdeführer zu 60 bis
80
%
arbeitsfähig ist, nachdem
der Facharzt
in einer sitzenden Tätigkeit
im
September 202
3
noch von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausging.
Die
Berichte
von med.
pract
.
A.___
vermögen folglich nicht zu überzeugen, weshalb auf sie nicht abgestellt werden kann.
Die
Angaben
des Hausarztes
Dr.
Z.___
in seinem Bericht vom 1
3.
Mai 2023
betreffend Arbeitsfähigkeit
in einer Verweistätigkeit
(
Urk.
10/58 S. 1 f.
Ziff.
3)
entsprechen grösstenteils denjenigen von med.
pract
.
A.___
vom
3.
Mai 202
3.
Wie letzterer ging der Hausarzt von einer rein theoretischen Arbeitsfähig
keit von 100
%
aus und
führte
als Einschränkungen
ebenfalls
Schwierigkeiten mit dem Arbeitsweg, Sprachbarrieren,
den
Ausbildungs
stand und – neu – die Notwendigkeit regelmässiger Behandlungen
und damit einhergehende Ausfälle am Arbeitsplatz sowie
eine
Verschlechterungstendenz chronischer Krankheiten
auf (S.
2. Ziff.
3).
Die
von
Dr.
Z.___
attestierte Arbeitsfähigkeit von 50 bis 60
%
ist vor diesem Hintergrund nicht nachvollziehbar,
nachdem es sich bei den von ihm genannten Einschränkungen teilweise um
invaliditätsfremde
Faktoren handelt, eine übermässige Anzahl von Behandlungen nicht näher dargelegt ist und es sich bei
der erwähnten
Verschlechterungstendenz um eine bloss mögliche
,
in der Zukunft liegende negative Entwicklung handelt.
Ins Gewicht fällt indessen, dass er auf notwendige Behandlungen verwies, wobei nicht klar ist, ob dies während der Arbeitszeit zu geschehen hat im Sinne einer Unterbrechung der rein sitzenden Haltung bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit.
4.4
Da eine verlässliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit samt nachvollziehbarem
Anforderungsp
rofil durch eine untersuchende ärztliche Fachperson fehlt,
ist die angefochtene Verfügung vom
2
3.
Mai 2024
(Urk. 2) auf
zuheben und die Sache zwecks umfassender
medizinischer
Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Hernach wird sie über die Rentenfrage neu zu entscheiden haben.
In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
Von der beantragten öffentlichen Verhandlung
kann bei diesem Verfahrensausgang abgesehen werden.
5
.
5.1
Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-
Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Im vorliegenden Verfahren sind sie ermessensweise auf
Fr.
700.--
anzusetzen
.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen
, unabhängig davon, ob sie beantragt oder ob das Begehren im Haupt- oder Eventualantrag gestellt wird
(BGE
141 V 281 E. 11.1,
137 V 210 E. 7.1, 137 V 57 E. 2.2)
. Folglich sind
die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Dem Verfahrensausgang entsprechend ist die Beschwerdegegnerin zu ver
pflich
ten,
dem Beschwerdeführer
eine
Partei
entschädigung
zu bezahlen. Die Höhe der gerichtlich festzuset
zenden Entschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert (§ 34 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht
in Verbindung mit Art. 61
lit
. g ATSG). Es ist dem Beschwerdeführer unter Berücksichtigung dieser Grundsätze eine
Partei
ent
schädigung
von Fr.
1
’
9
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne
gutgeheissen
, dass die angefochtene Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom
2
3.
Mai 2024
auf
gehoben und die Sache an diese zurückgewiesen wird, damit sie nach Vornahme von Abklärungen im Sinne der Erwägungen über den Leistungsanspruch de
s
Beschwerde
führer
s
neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Partei
entschädigung
von
Fr.
1’900
.-- (inkl
. Barauslagen und MWST) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Patrick Stutz
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubSchleiffer Marais