# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1fac135c-445e-5c23-9b78-59fa6d5c7eaa
**Source:** Appenzell Ausserrhoden (AR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-01-01
**Language:** de
**Title:** Appenzell Ausserrhoden Obergericht 2. Abteilung O2S-18-13
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AR_Gerichte/AR_OG_002_O2S-18-13_nodate.pdf

## Full Text

Beschwerdeführer M___ 

 

 

Beschwerdegegner R___ 

 

 

Beschwerdegegnerin Staatsanwaltschaft Appenzell Ausserrhoden  

vertreten durch: Staatsanwalt  

 

 

 

Obergericht Appenzell Ausserrhoden 
2. Abteilung 

 

Beschluss vom 20. August 2019 
 

Mitwirkende Obergerichtspräsident E. Zingg 

Oberrichter S. Plachel, Dr. M. Winiger, M. Müller, R. Kläger 

Obergerichtsschreiberin B. Schittli 

 

 

Verfahren Nrn. O2S 18 13 

ERS 18 7 

 

 

Sitzungsort Trogen 

 

Gegenstand Einstellung  

Beschwerde gegen die Verfügung der Staatsanwaltschaft  U 15 

804 vom 11. August 2015  

 

Seite 2 

Anträge 
 
 
a) des Beschwerdeführers: 
 
 Die angefochtene Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben. Die Untersuchung gemäss 

Anzeige gegen den Willensvollstrecker R___ wegen Sachentziehung (Art. 141 StGB) und 
Veruntreuung (Art. 138 StGB) sei unverzüglich voranzutreiben. 

 
 
b) des Beschwerdegegners: 
 
 (kein Antrag) 
 
 
c) der Staatsanwaltschaft: 
 
 (kein Antrag) 
 

 

 

Sachverhalt 

 

A. Vorbemerkung 

 

Die vorliegende Streitsache hängt eng mit dem zurzeit sistierten Verfahren O2S 15 15 

zusammen. Zum besseren Verständnis wird in der nachfolgenden Übersicht auf den bei-

den Verfahren gemeinsam zugrunde liegenden Sachverhalt eingegangen, wie das im 

Übrigen auch der Beschwerdeführer macht und beantragt (O2S 18 13 act. B 1, S. 2).  

 

 

B. Übersicht 

 

a) Am 4. Februar 2008 setzte O___, die Mutter von M___, ein Testament auf (O2S 15 

15 act. B 6/2); am 10. März 2014 verstarb sie (O2S 15 15 act. B 6/1a und B 7/7.1).  

 

b) Mit Schreiben vom 14. November 2014 ersuchte das Erbschaftsamt der Gemeinde 

X___ M___ im Zusammenhang mit der Erbteilung um Beibringung einer Vollmacht 

mit amtlich beglaubigter Unterschrift (O2S 15 15 act. B 6/3). Am 24. November 2014 

trat M___ den zu erwartenden Erbanteil aus dem Nachlass seiner verstorbenen 

Mutter bis zur Deckung der ab Stichtag 22. November 2014 bis zum Tag des 

Empfangs des Erbes vom Sozialamt zu leistenden Unterstützung an das Sozialamt 

X___ ab (O2S 15 15 act. B 6/12). Die Sozialen Dienste Y___ setzten das 

Erbschaftamt der Gemeinde X___ am 26. November 2014 vom Tod von O___ sel. 

 

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sowie der Tatsache, dass M___ von der Sozialhilfe unterstützt wird, in Kenntnis 

(O2S 15 15 act. B 6/5). 

 

c) Am 25. November 2014 trat M___ einen längeren Auslandsaufenthalt an (O2S 15 

15 act. B 6/8). Am 6. Dezember 2014 stattete er seine Tochter  H___ mit einer 

Spezialvollmacht aus (O2S 15 15 act. B 2/1), welche am 23. Februar 2015 um die 

Möglichkeit, Anzeigen zu erstatten, ergänzt wurde (O2S 15 15 act. B 7/4.2). 

 

d) Mit E-Mail vom 15. Dezember 2014 erhob M___ bei der Staatsanwaltschaft Appen-

zell Ausserrhoden gegen sämtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des 

Erbschaftsamtes X___ samt der dazugehörigen Kommission Strafantrag wegen 

Amtsmissbrauch, Nötigung, Begünstigung und Betrug und erklärte gleichzeitig, dass 

er sich als Privatkläger am Verfahren beteiligen wolle (O2S 15 15 act. B 6/1a). Den 

Strafantrag wiederholte er am 2. Februar 2015 auf dem Postweg und weitete ihn auf 

die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Sozialamtes und der dazugehörigen 

Kommission aus (O2S 15 15 act. B 6/6a).  

 

e) Mit Beschluss vom 2. Februar 2015 stellte die Gemeinde X___ die sozial-

hilferechtliche Unterstützung für M___ wegen der Erbschaft seiner Mutter per 31. 

Dezember 2014 ein und entzog einem allfälligen Rekurs gegen den Beschluss die 

aufschiebende Wirkung (O2S 15 15 act. B 6/7). 

 

f) Am 23. Februar 2015 stellte M___ erneut Strafantrag wegen Amtsmissbrauch, Nöti-

gung, Begünstigung und Betrug gegen sämtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen 

des Erbschaftsamtes X___ und gegen das Sozialamt X___ samt den 

dazugehörigen Kommissionen (O2S 15 15 act. B 7/5.1). 

 

g) Aus dem Schreiben der Erbteilungskommission X___ vom 4. März 2015 an die 

Staatsanwaltschaft ergibt sich, dass der Leiter des Erbschaftsamtes als Willens-

vollstrecker amtiert (O2S 15 15 act. B 7/8).  

 

h) Mit Schreiben vom 19. März 2015 gewährte die Gemeinde X___ M___ betreffend 

Rückerstattung von unrechtmässig bezogener Sozialhilfe das rechtliche Gehör (O2S 

15 15 act. B 7/11.1).  

 

i) Mit Beschluss vom 1. April 2015 verpflichtete die Gemeinde X___ M___, die seit 

dem 10. März 2014 bis 31. Dezember 2014 bezogenen Sozialhilfeleistungen im 

Umfang von CHF 20‘936.10 aus dem Netto-Erbanteil aus dem Nachlass seiner am 

 

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10. März 2014 verstorbenen Mutter zurückzuerstatten, sobald sein Erbanteil 

realisierbar ist (O2S 15 15 act. B 6/10).  

 

j) Mit E-Mail vom 9. April 2015 teilte M___ der Staatsanwaltschaft Appenzell 

Ausserrhoden mit, das Verfahren Nr. U 15 168 sei um die Tatbestände der Unter-

schlagung und Veruntreuung zu erweitern (O2S 15 15 act. B 7/9). 

 

k) Am 17. April 2015 liess das Erbschaftsamt X___ H___ den Entwurf für die 

Erbschaftsteilung zugehen (O2S 15 15 act. B 6/11).  

 

l) Am 22. April 2015 liess M___ gegen den Beschluss der Gemeinde X___ vom 1. 

April 2015 Rekurs beim Departement Inneres und Kultur erheben und ersuchte um 

Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung sowie um Aufhebung seiner 

Verpflichtung, der Gemeinde X___ die bezogenen Sozialhilfeleistungen von CHF 

20‘936.10 zurückzahlen zu müssen (O2S 15 15 act. B 7/10).  

 

m) Am 25. April 2015 informierte M___ die Staatsanwaltschaft darüber, dass im Enwurf 

für die Erbschaftsteilung zu Unrecht erwähnt worden sei, dass er Sozialhilfe 

beziehe; dies stelle eine (erneute) Amtsgeheimnisverletzung dar (O2S 15 15 act. B 

6/13).  

 

n) Am 2. Mai 2015 schickte H___ im Auftrag ihres Vaters einen von diesem ange-

passten Erbteilungsvorschlag an Hanni Hofstetter (O2S 15 15 act. B 6/14).  

 

o) Am 22. Mai 2015 teilte M___ R___ mit, der von ihm erstellte Erbteilungsvertrag sei 

in dieser Form nicht akzeptabel (O2S 15 15 act. B 6/18). Der Letztere hielt jedoch 

an dem von ihm redigierten Vertrag fest und sah keinen Anlass, diesen abzuändern 

(O2S 15 15 act. B 6/22).  

 

p) Mit E-Mail vom 3. Juni 2015 erklärte M___ gegenüber Jennifer Rissi von der 

Staatsanwaltschaft, er sehe sich gezwungen, seine Tochter zu veranlassen, den 

unkorrekten Erbteilungsvertrag am 4. Juni 2015 zu unterzeichnen. Weiter führte er 

aus, dass im Strafverfahren deshalb eine zivilrechtliche Forderung in Höhe von 

CHF 3‘829.75 hinzukomme. Es handle sich um den Differenzbetrag zwischen dem 

Entwurf der Gemeinde X___ und seiner korrigierten Version (O2S 15 15 act B 6/23).  

 

q) Am 9. Juni 2015 erkundigte M___ sich bei R___, wann mit der Auszahlung des 

Erbes gerechnet werden könne (O2S 15 15 act. B 6/24b). Dieser antwortete 

 

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umgehend, dass damit zugewartet werden müsse, bis das Departement für Inneres 

und Kultur den Rekurs gegen den Beschluss vom 1. April 2015 beurteilt habe (O2S 

15 15 act. 6/24a).  

 

r) Am 17. Juni 2015 erhob H___ namens und im Auftrag ihres Vaters Strafantrag 

wegen Sachentziehung und Veruntreuung gegen R___ in seiner Funktion als 

Willensvollstrecker von O___ sel. (act. B 2/1). 

 

s) Mit Eingabe vom 18. Juni 2015 stellte M___ Strafantrag gegen R___ wegen 

Nötigung sowie eventuell Erpressung und Amtsmissbrauch; gleichzeitig erklärte er, 

dass er sich als Privatkläger am Verfahren beteiligen wolle und eine zivilrechtliche 

Forderung von CHF 5‘825.75 geltend mache. Dieser Betrag sei von R___ zu 

Unrecht gefordert und im Erbteilungsvertrag als Abtretung bezeichnet worden (O2S 

15 15 act. B 7/16.1).  

 

t) Am 11. August 2015 verfügte Staatsanwalt Dr. Bruno Werlen die Einstellung des 

Strafverfahrens U 15 168 betreffend Amtsmissbrauch, Nötigung, Begünstigung, 

Betrug und Veruntreuung gegen das Erbschaftsamt X___, das Sozialamt X___ 

sowie R___ (O2S 15 15, B 7/17). Ebenfalls am 11. August 2015 stellte der 

Staatsanwalt das Verfahren U 15 804 betreffend Sachentziehung gegen R___ ein 

(O2S 15 15 act. B 7/18).  

 

 

C. Prozessgeschichte 

 

a) Gegen die Verfügung der Staatsanwaltschaft in Sachen Staat gegen das Erb-

schaftsamt X___, das Sozialamt X___ sowie R___ betreffend Amtsmissbrauch, 

Nötigung, Begünstigung, Betrug und Veruntreuung (U 15 168) liess M___ am 24. 

August 2015 durch seine Tochter H___ Beschwerde beim Obergericht Appenzell 

Ausserrhoden erheben. Die Beschwerde wurde unter der Prozessnummer O2S 15 

15 eingeschrieben und mit Beschluss vom 31. Oktober 2017 sistiert, bis über den 

Antrag von M___ auf Kostenübernahme für die Sicherheitsleistung durch die 

Gemeinde X___ endgültig entschieden ist (O2S 15 15 act. B 23). In der 

Zwischenzeit wurde betreffend die Kostenübernahme durch die Gemeinde X___ 

zwar eine Vereinbarung geschlossen, auf explizites Ersuchen von M___ vom 13. 

Mai 2019 (O2S 15 15 act. B 26) bleibt das Verfahren O2S 15 15 indessen solange 

sistiert, bis die vorliegende Streitsache mit der Verfahrens-Nr. O2S 18 13 endgültig 

abgeschlossen ist  

 

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b) Mit Eingabe vom 6. Juni 2018 gelangte M___ an das Obergericht und machte 

geltend, er habe am 28. Mai 2018 im Rahmen der Akteneinsicht im Verfahren O2S 

15 15 erstmals Kenntnis von der Einstellungsverfügung gegen R___ vom 11. 

August 2015 betreffend Sachentziehung (U 15 804) erhalten und erhebe 

Beschwerde gegen die erwähnte Einstellungsverfügung (O2S 18 13 act. B 1).  

 

c) Mit Schreiben vom 20. Mai 2019 erklärte M___, dass er an den Beschwerden O2S 

15 15 und O2S 18 13 ungeachtet seiner Verpflichtung aus der Vereinbarung mit der 

Gemeinde  X___ vom 12./13. Dezember 2018 festhalte. Die Sistierung bezüglich 

der Einstellungsverfügung in Sachen U 15 168 vom 11. August 2015 

(Beschwerdeverfahren O2S 15 15) sei aufrecht zu halten bis rechtskräftig über die 

vorliegende Beschwerde O2S 18 13 bezüglich der Einstellungsverfügung U 15 804 

entschieden sei (act. B 6).  

 

d) Am 13. Juni 2019 wurden dem Beschwerdegegner und der Staatsanwaltschaft je 

eine Kopie der Beschwerdeschrift samt Beilagen zugestellt und ihnen Gelegenheit 

zur Einreichung einer schriftlichen Stellungnahme eingeräumt, die Erledigung der 

Beschwerde an einer der nächsten Sitzungen der 2. Abteilung zur Kenntnis 

gebracht und die Parteien gebeten, allfällige Entschädigungsforderungen innert 

10 Tagen schriftlich geltend zu machen (act. B 7). Innert der angesetzten Frist 

gingen keine Entschädigungsforderungen ein.  

 

Auf die Ausführungen in den vorstehend aufgeführten Eingaben kann verwiesen 

werden; soweit für die Beurteilung der Beschwerde erforderlich, ist darauf im Rah-

men der nachfolgenden Erwägungen einzugehen.  

 

 

D. Beschluss des Obergerichts 

 

Das Obergericht führte seine Beratung am 20. August 2019 durch und eröffnete den Par-

teien seinen Entscheid anschliessend im Dispositiv (act. B 10).  

 

Seite 7 

 

Erwägungen 

 

1. Formelles 

 

1.1 Bezüglich der im Kanton Appenzell Ausserrhoden seit 1. Januar 2011 für die Strafrechts-

pflege zuständigen Behörden nach StPO ist auf Art. 26 des Justizgesetzes vom 13. Sep-

tember 2010 (JG, bGS 145.31) hinzuweisen. Nach Art. 26 JG ist das Obergericht Beru-

fungs- und Beschwerdeinstanz in der allgemeinen Rechtspflege.  

 

1.2 Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Staatsanwaltschaft ist die 

Beschwerde gegeben (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO). Eine Einstellungsverfügung der 

Staatsanwaltschaft stellt eine solche Verfahrenshandlung dar (Art. 393 Abs. 1 lit. a in Ver-

bindung mit Art. 322 Abs. 2 StPO; PATRICK GUIDON, Basler Kommentar, StPO, 2. Aufl. 

2014, N. 10 zu Art. 393 StPO; ANDREAS J. KELLER, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], 

Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 16 zu Art. 393 

StPO). Ausschlussgründe nach Art. 394 StPO liegen keine vor.  

 

 

1.3 Die Beschwerde gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide ist innert 10 Tagen 

schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO). 

Vorliegend wurde die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft frühestens am 

11. August 2015 zugestellt (O2S 18 13 act. B 3). Dies geschah entgegen Art. 85 Abs. 2 

StPO mit normaler Post (O2S 18 13 act. B 9), so dass nicht überprüft werden kann, ob 

überhaupt und allenfalls wann der Beschwerdeführer die angefochtene Verfügung 

erhalten hat. Mithin ist mangels anderer Grundlagen von der Darstellung des 

Beschwerdeführers auszugehen, nämlich dass er erst am 28. Mai 2018, im Rahmen der 

Aktensicht im Verfahren O2S 15 15, Kenntnis von der Einstellungsverfügung U 15 804 

erhalten hat. In Berücksichtigung dieser Umstände erweist sich die Erhebung der 

Beschwerde am 6. Juni 2018 als fristgerecht (Art. 396 Abs. 1 StPO).  

 

 

1.4 Sodann stellt sich die Frage nach der Legitimation von M___ zur Beschwerdeeinreichung. 

Die Legitimation für die Ergreifung der Beschwerde gegen die Einstellung eines 

Strafverfahrens richtet sich nach Art. 382 StPO, wobei die Privatklägerschaft einen Ent-

scheid hinsichtlich der ausgesprochenen Sanktion nicht anfechten kann (Art. 382 Abs. 2 

StPO). Hat sich der Geschädigte oder das Opfer nicht als Privatklägerschaft im Strafpunkt 

konstituiert (obschon sie dafür Gelegenheit hatten), sind sie nicht beschwerdelegitimiert 

(LANDSHUT/BOSSHARD, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweize-

 

Seite 8 

rischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 9 zu Art. 322 StPO). Es stellt sich daher 

die Frage, ob M___ im Verfahren gegen R___ Privatkläger im Sinne von Art. 104 Abs. 1 

lit. b StPO ist. Als Privatklägerschaft gilt die geschädigte Person, die ausdrücklich erklärt, 

sich am Strafverfahren als Straf- oder Zivilkläger zu beteiligen. Der Strafantrag ist dieser 

Erklärung gleichgestellt. Die Erklärung ist gegenüber einer Strafverfolgungsbehörde 

spätestens bis zum Abschluss des Vorverfahrens abzugeben (Art. 118 Abs. 1-3 StPO).  

 

 Privatkläger im Strafpunkt ist M___ bereits aufgrund seines Strafantrages betreffend die 

Sachentziehung (Art. 118 Abs. 2 StPO; O2S 18 13 act. B 2/1). 

 

 Weiter macht M___ im vorliegenden Verfahren geltend, ihm sei ein Schaden entstanden, 

indem R___ sich geweigert habe, ihm den Erbanteil auszuzahlen und er deshalb 

gezwungen gewesen sei, bei der Schweizer Botschaft um ein Rückflugticket in die 

Schweiz zu ersuchen (O2S 18 13 act. B 2/1). Ein Schaden sei auch insoweit entstanden, 

als er zum Unterschreiben des Erbteilungsvertrages genötigt worden sei, obwohl ein 

überhöhter Betrag zur Verrechnung gestellt worden sei (CHF 5‘825.75 statt 

CHF 1‘996.00; O2S 18 13 act. B 1, S. 2).  

 

Die Strafanzeige/der Strafantrag von M___ vom 17. Juni 2015 richtet sich explizit gegen 

R___ in seiner Funktion als von O___ sel. eingesetztem Willensvollstrecker (act. B 

2/1). Gemäss Lehre haftet der Willensvollstrecker gestützt auf Art. 394 ff. OR und/oder 

Art. 97 OR (http://www.voser.ch/sites/default/files/dateiuploads/ notariat-

lexpress_voser_maerz2014.pdf; https://www.ius.uzh.ch/dam/jcr:92984dfb-c47b-4ef9-

8d5b-ebc498d3c3e6/1.4%20Willensvollstreckung_Aktuelle%20Praxis%202016_ L%C3% 

B6sungen%203.pdf). 

Wird gegen einen Willensvollstrecker gestützt auf sein Tätigwerden eine Forderung erho-

ben, stützt diese sich somit auf das Zivilrecht und M___ ist demzufolge im 

Beschwerdeverfahren O2S 18 13 als Privatkläger im Zivilpunkt zu betrachten.  

 

 Somit ist M___ zur Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung in Sachen Staat gegen 

R___ legitimiert. 

 

1.5 In der Beschwerde vom 6. Juni 2019 verlangt M___, die angefochtene Verfügung sei 

vollumfänglich aufzuheben und die Untersuchung gegen den Willensvollstrecker R___ 

wegen Sachentziehung und Veruntreuung unverzüglich voranzutreiben (O2S 18 13 act. B 

1, S. 1). Lediglich in der Begründung wird dann erwähnt, es müsse auch noch der 

Straftatbestand der Amtsgeheimnisverletzung geprüft werden (O2S 18 13 act. B 1, S. 3). 

Gemäss Eingabe vom 20. Mai 2019 (O2S 18 13 act. B 26) beantragt der 

 

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Beschwerdeführer, das Verfahren gegen R___ wegen Sachentziehung und Veruntreuung 

weiterzuverfolgen und um die Tatbestände des Amtsmissbrauchs, der Nötigung, der 

Begünstigung und des Betrugs im Zusammenhang mit seiner Amtsführung als 

Willensvollstrecker zu erweitern.  

 

 Nach der Lehre (PATRICK GUIDON, a.a.O., N. 9b und 9e zu Art. 396 StPO; ANDREAS J. 

KELLER, a.a.O., N. 15 zu Art. 396 StPO) ist eine nachträgliche Ergänzung der Beschwerde 

nicht möglich. Ebenso wenig kann diese auf Tatbestände ausgeweitet werden, welche in 

der angefochtenen Verfügung nicht behandelt wurden (PATRICK GUIDON, a.a.O., N. 9b zu 

Art. 396 StPO; PATRICK GUIDON Die Beschwerde gemäss Schweizerischer Strafprozess-

ordnung, 2011, Rz. 390 und 543 mit weiteren Hinweisen).  

 

Die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft vom 11. August 2015 erwähnt lediglich 

den Tatbestand der Sachentziehung (O2S 18 13 act. B 3), nicht jedoch denjenigen der 

Veruntreuung, welchen der Beschwerdeführer gleichzeitig zur Anzeige gebracht hat. Weil 

aus der angefochtenen Verfügung nicht klar hervorgeht, ob die Staatsanwaltschaft den 

Tatbestand der Veruntreuung ebenfalls geprüft hat (und dies nur nicht explizit erwähnt 

hat) oder ob diesbezügliche Abklärungen unterlassen wurden, wird das Obergericht im 

Folgenden diesen Straftatbestand ebenfalls in seine Beurteilung miteinbeziehen. Hinge-

gen darf das beschliessende Gericht nach dem soeben Gesagten nur die in der ange-

fochtenen Verfügung behandelten Tatbestände überprüfen und eine Ausweitung der 

Beschwerde auf weitere Delikte ist nicht zulässig. Die Tatbestände der Amtsgeheimnis-

verletzung, des Amtsmissbrauchs, der Nötigung, der Begünstigung und des Betrugs im 

Zusammenhang mit der Funktion als Willensvollstrecker, welche erst nach Ergehen der 

Einstellungsverfügung ins Spiel gebracht wurden (O2S 18 13 act. B 1 und B 6/2), können 

somit nicht behandelt werden. Auf die Beschwerde kann also nur eingetreten werden, 

soweit es um die Tatbestände der Sachentziehung bzw. Veruntreuung geht.  

 

1.6 Die Beschwerde ist schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen 

(Art. 396 Abs. 1 StPO). Mit der Beschwerde können Rechtsverletzungen, einschliesslich 

Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzö-

gerung (lit. a); die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts (lit. b); 

Unangemessenheit (lit. c) gerügt werden (Art. 398 Abs. 2 StPO). Neue Tatsachenbe-

hauptungen und Beweise sind zulässig (PATRICK GUIDON, a.a.O., N. 16 zu Art. 393 StPO; 

siehe auch ANDREAS J. KELLER, a.a.O., N. 42 zu Art. 393 StPO). Die Beschwerde wird in 

einem schriftlichen Verfahren behandelt. Heisst das Obergericht die Beschwerde gut, so 

fällt es einen neuen Entscheid oder hebt den angefochtenen Entscheid auf und weist ihn 

zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurück (Art. 397 Abs. 1 und 2 StPO). Refor-

 

Seite 10 

matorische Entscheide gemäss Art. 397 Abs. 2 StPO machen Sinn, wenn nach der kon-

kreten Sach- und Rechtslage im Zeitpunkt des Beschwerdeentscheids ein Entscheid in 

der Sache möglich ist (ANDREAS J. KELLER, a.a.O., N. 7 zu Art. 397 StPO). Kassatorische 

Entscheide kommen namentlich infrage, wenn der Entscheid auf einer unvollständigen 

Sachverhaltsfeststellung beruht, ungenügend begründet ist oder Widersprüche enthält, 

die nicht durch Auslegung beseitigt werden können (ANDREAS J. KELLER, a.a.O., N. 7 zu 

Art. 397 StPO). Der kantonale Beschwerdeentscheid, der die Einstellung des Verfahrens 

schützt, kann mit Strafrechtsbeschwerde an das Bundesgericht angefochten werden. 

Beschwerdeentscheide, welche die Weiterführung des Verfahrens bewirken, sind nicht 

anfechtbar (LANDSHUT/BOSSHARD, a.a.O., N. 13 zu Art. 322 StPO).  

 

1.7 Schliesslich ist zu prüfen, ob auf das in der Beschwerdeeingabe vom 6. Juni 2018 enthal-

tene Rechtsbegehren eingetreten werden kann. Der (Beschwerde-)Antrag muss auf 

Änderung bzw. Aufhebung einer oder mehrerer Dispositivpunkte lauten, sofern solche 

vorhanden sind (PATRICK GUIDON, a.a.O., N. 9b zu Art. 396 StPO). Das fragliche Begeh-

ren richtet sich gegen die Einstellung des Verfahrens U 15 804 gegen R___ wegen 

Sachentziehung und ist nach dem Gesagten zulässig.  

 

 

 

2. Materielles 

 

2.1 Sachentziehung 

 

2.1.1 Die Staatsanwaltschaft sieht kein unrechtmässiges Verhalten von R___. Ihres Erachtens 

durften die Sozialhilfeleistungen zurückgefordert und auch eine Abtretung verlangt werden 

(O2S 18 13 act. B 3, S. 3). Ihres Erachtens wird auch durch das Verlangen einer allenfalls 

nicht erforderlichen Vollmacht kein Straftatbestand erfüllt (O2S 18 13 act. B 3, S. 4). 

Ebenso wenig dadurch, dass R___ die Auszahlung des Erbanteils vom Ausgang des 

Rekursverfahrens gegen die Gemeinde X___ (Vorwurf der Verletzung der Meldepflicht 

durch M___ gegenüber der Gemeinde X___ betreffend den Tod seiner Mutter) abhängig 

machte (O2S 18 13 act. B 3, S. 4). 

 

2.1.2 Der Beschwerdeführer bringt vor (O2S 18 13 act. B 1, S. 2), er sei während der Zeit von 

der Unterzeichnung der Abtretung am 24. November 2014 bis zur Einstellung der Unter-

stützungszahlungen am 31. Dezember 2014 erwiesenermassen mit CHF 1‘996.00 unter-

stützt worden. Mit betrügerischen Argumenten seien im Erbteilungsvertrag Unterstüt-

zungszahlungen im Betrag von CHF 5‘825.75 für die 38 Tage von seinem Erbanteil abge-

 

Seite 11 

zogen worden, was eine illusorische Zahl sei. Mit dem E-Mail von R___ vom 2. Juni 2015 

sei er zur Unterzeichnung des betrügerischen Erbteilungsvertrages gezwungen worden. 

Sodann habe R___ sich geweigert, seinen Erbanteil auszuzahlen, bis das Departement 

des Innern und Kultur über den Rekurs gegen die Verfügung der Gemeinde X___ vom 1. 

April 2015 entschieden habe (O2S 18 13 act. B 1, S. 3). Es sei nicht nachvollziehbar, 

dass eine Auszahlung erst erfolgen solle, wenn andere Verfahren, welche mit der 

Erbteilung nichts zu tun hätten, entschieden seien.  

 

2.1.3 Der Beschwerdegegner und die Staatsanwaltschaft liessen sich - wie erwähnt (oben C.d) 

- nicht vernehmen.  

 

2.1.4 Wer dem Berechtigten ohne Aneignungsabsicht eine bewegliche Sache entzieht und ihm 

dadurch einen erheblichen Nachteil zufügt, wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei 

Jahren oder Geldstrafe bestraft.  

 

Der Tatbestand der Sachentziehung (Art. 141 StGB) fordert seit der Revision 1994 eine 

bewegliche Sache als Tatobjekt, wobei der Sachbegriff demjenigen bei den Aneig-

nungsdelikten entspricht. Es kommen nur körperliche Sachen in Frage. Forderungen, 

Rechte, Erfindungen haben demzufolge keine Sachqualität, wohl aber die sie verkörpern-

den Urkunden (PHILIPPE WEISSENBERGER, Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Auf. 2019, 

N. 1 ff. zu Art. 141 StGB; TRECHSEL/CRAMERI, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Schweizerisches 

Strafgesetzbuch, 3. Aufl. 2018, N. 1 f. zu Art. 141 StGB). Die frühere Kontroverse, ob 

auch nicht verkörperte Forderungen als „Sachen“ zu behandeln sind, hat der Gesetzgeber 

mit der Schaffung eines separaten Tatbestands (Art. 141
bis

 StGB) beigelegt (TRECH-

SEL/CRAMERI, a.a.O., N. 2 vor Art. 137 StGB). Art. 141
bis

 StGB kann hier jedoch nicht 

angewendet werden, weil dieser sich auf Vermögenswerte bezieht, die jemanden ohne 

seinen Willen zugekommen sind. 

 

2.1.5 Der Vorwurf an R___ lautet, dass er den Erbanteil von M___ trotz unterzeichnetem 

Erbteilungsvertrag nicht umgehend auszahlte, sondern eine Überweisung vom Ausgang 

eines beim Departement des Innern und Kultur anhängigen Rekurses abhängig machte 

resp. einen zu hohen Betrag vom Erbanteil abzog. Beim Erbanteil von M___ handelte es 

sich nicht um eine bewegliche Sache im Sinne des Gesetzes, sondern lediglich um einen 

geldwerten Anspruch, eine Forderung. Somit kann bereits der objektive Tatbestand der 

Sachentziehung, d.h. von Art. 141 StGB nicht gegeben sein. 

 

 

Seite 12 

 

2.2 Veruntreuung 

 

2.2.1 Wie oben (E. 1.5) ausgeführt, hat die Staatsanwaltschaft den Tatbestand der Veruntreu-

ung in der Einstellungsverfügung vom 11. August 2015 nicht explizit abgehandelt (O2S 18 

13 act. B 3). Weil dieser Vorwurf gegen R___ in seiner Funktion als Willensvollstrecker 

erhoben wurde (O2S 18 13 act. B 2/1) und ein Versehen nicht ausgeschlossen werden 

kann, wird im Folgenden trotzdem kurz darauf eingegangen.  

 

2.2.2 Die Staatsanwaltschaft sieht kein unrechtmässiges Verhalten von R___. Ihres Erachtens 

durften die Sozialhilfeleistungen zurückgefordert und auch eine Abtretung verlangt werden 

(O2S 18 13 act. B 3, S. 3). Ihres Erachtens wird auch durch das Verlangen einer allenfalls 

nicht erforderlichen Vollmacht kein Straftatbestand erfüllt (O2S 18 13 act. B 3, S. 4). 

Ebenso wenig dadurch, dass R___ die Auszahlung des Erbanteils vom Ausgang des 

Rekursverfahrens gegen die Gemeinde X___ (Vorwurf der Verletzung der Meldepflicht 

durch M___ gegenüber der Gemeinde X___ betreffend den Tod seiner Mutter) abhängig 

machte (O2S 18 13 act. B 3, S. 4). 

 

2.2.3 M___ begründete seinen Strafantrag/seine Strafanzeige damit (O2S 18 13 act. B 1), dass 

er den Erbteilungsvertrag am 4. Juni 2015 unterzeichnet habe und dieser somit - 

nachdem alle Erben zugestimmt hatten - rechtsgültig gewesen sei. Auf seine Frage, wann 

das Geld ausbezahlt werde, habe R___ geantwortet, dass der Ausgang des Rekurses 

von M___ gegen den Beschluss des Gemeinderates X___ vom 1. April 2015 betreffend 

Rückerstattung bezogener Sozialhilfe abgewartet werden müsse. Weiter sei er während 

der Zeit von der Unterzeichnung der Abtretung am 24. November 2014 bis zur Einstellung 

der Unterstützungszahlungen am 31. Dezember 2014 erwiesenermassen mit CHF 

1‘996.00 unterstützt worden. Mit betrügerischen Argumenten seien im Erbteilungsvertrag 

Unterstützungszahlungen im Betrag von CHF 5‘825.75 für die 38 Tage von seinem 

Erbanteil abgezogen worden, was eine illusorische Zahl sei. 

 

2.2.4 Eine Veruntreuung begeht, wer sich eine ihm anvertraute fremde bewegliche Sache 

aneignet, um sich oder einen andern damit unrechtmässig zu bereichern oder wer ihm 

anvertraute Vermögenswerte unrechtmässig in seinem oder eines andern Nutzen ver-

wendet (Art. 138 Abs. 1 StGB). In subjektiver Hinsicht sind Vorsatz und Absicht unrecht-

mässiger Bereicherung erforderlich. Der Vorsatz muss sich auf die Unrechtmässigkeit der 

Verwendung beziehen (ANDREAS DONATSCH, in: Donatsch [Hrsg.], Kommentar Schweize-

risches Strafgesetzbuch, 20. Aufl. 2018, N. 21 zu Art. 138 StGB).  

 

 

Seite 13 

2.2.5 Die Veruntreuung einer fremden beweglichen Sache ist hier ebenso wenig gegeben, wie 

eine Entziehung einer Sache (siehe zum Sachbegriff die Ausführungen unter Sachentzie-

hung, auch TRECHSEL/CRAMERI, a.a.O., N. 2 zu Art. 138 StGB).  

 

 Die unrechtmässige Verwendung von Vermögenswerten im Nutzen des Täters oder eines 

andern besteht in einem Verhalten, durch welches der Täter eindeutig seinen Willen 

bekundet, den obligatorischen Anspruch des Treugebers zu vereiteln (ANDREAS 

DONATSCH, a.a.O., N. 19 zu Art. 138 StGB). Diese Tatbestandsvariante scheitert nach 

Auffassung des beschliessenden Gerichts daran, dass die Gemeinde X___, jederzeit in 

der Lage war, M___ seinen Anspruch zu ersetzen resp. ihn schadlos zu halten. Zudem 

war der Anspruch von M___ der Gemeinde oder R___ nicht im Sinne von Art. 138 StGB 

anvertraut worden, denn „massgeblich ist allemal, dass die Verfügungsmacht über den 

Vermögenswert dem Täter von einem anderen bewusst und rechtlich gültig übertragen 

wird (NIGGLI/RIEDO, Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Auf. 2019, N. 93 zu Art. 138 

StGB). Auch der objektive Tatbestand der Veruntreuung ist somit nicht gegeben. 

 

Sind bereits die objektiven Tatbestände der Sachentziehung bzw. der Veruntreuung nicht 

erfüllt, hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren Nr. U 15 804 zu Recht gestützt auf Art. 

319 Abs. 1 StPO eingestellt und die Beschwerde ist - soweit darauf eingetreten werden 

kann - abzuweisen. 

 

 

 

3. Unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung 

 

3.1 Gleichzeitig mit der Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung Nr. U 15 804 hat M___ 

am 6. Juni 2018 auch um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung ersucht 

(Verfahren ERS 18 7, act. 1).  

 

3.2 Die Voraussetzungen der unentgeltlichen Rechtspflege für die Privatklägerschaft sind in 

Art. 136 StPO geregelt. Dieser lautet wie folgt: 

 

 Die Verfahrensleitung gewährt der Privatklägerschaft für die Durchsetzung ihrer Zivilan-
sprüche ganz oder teilweise die unentgeltliche Rechtspflege, wenn: 

 
a. die Privatklägerschaft nicht über die erforderlichen Mittel verfügt; und 
b. die Zivilklage nicht aussichtslos erscheint. 

 
 

Die unentgeltliche Rechtspflege umfasst: 
 

 

Seite 14 

a. die Befreiung von Vorschuss- und Sicherheitsleistungen; 
b. die Befreiung von Verfahrenskosten; 
c. die Bestellung eines Rechtsbeistands, wenn dies zur Wahrung der Rechte der Privat-

klägerschaft notwendig ist.  
 

Die Voraussetzungen von Art. 136 Abs. 1 lit. a und b müssen dabei kumulativ erfüllt sein 

(MAZZUCCHELLI/POSTIZZI, Basler Kommentar, StPO, 2. Auf. 2014, N. 14 zu Art. 136 StPO), 

wobei das Gesuch während des erst- oder oberinstanzlichen Verfahrens jederzeit gestellt 

werden kann (MAZZUCCHELLI/POSTIZZI, a.a.O., N. 10 zu Art. 136 StPO).  

 

 Die unentgeltliche Rechtspflege wird lediglich für die als Zivilklägerin auftretende Privat-

klägerschaft gewährt, die im Strafverfahren Zivilansprüche im Sinne von Art. 122 ff. StPO 

anmelden will. Für die nur als Strafklägerin auftretende geschädigte Person (auch nicht 

das Opfer) kommt sie nicht in Frage, was nicht ausschliesst, dass der für den Zivilpunkt 

bestellte Rechtsbeistand auch im Strafpunkt tätig wird (SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., N. 2 zu 

Art. 136 StPO).  

 

3.3 Die Voraussetzung der Mittellosigkeit kann aufgrund der eingereichten Unterlagen (ERS 

18 7 act. 6 und 9) bejaht werden.  

 

3.4 Oben (E. 1.4) wurde ausgeführt, dass M___ gegen R___ in dessen Funktion als 

Willensvollstrecker adhäsionsweise privatrechtliche Ansprüche geltend macht. Weil der 

Willensvollstrecker gemäss herrschender Lehre gestützt auf das Zivilgesetzbuch (Art. 97 

oder Art. 394 ff. OR) haftet, handelt es sich dabei um eine Zivilklage im Sinne des 

Gesetzes.  

 

 Als aussichtslos sind Begehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich 

geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet wer-

den können. Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaus-

sichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind 

als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei ver-

nünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde. Eine Partei soll einen Pro-

zess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb 

anstrengen können, weil er sie nichts kostet. Ob im Einzelfall genügende Erfolgsaussich-

ten bestehen, beurteilt sich aufgrund einer vorläufigen und summarischen Prüfung der 

Prozessaussichten, wobei die Verhältnisse im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs 

massgebend sind (BGE 138 III 218 E. 2.2.4, 133 III 614 E. 5 mit Hinweisen; 

SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., N. 6 zu Art. 136 StPO). 

 

 

Seite 15 

 Auch wenn die Strafbestände der Veruntreuung (Art. 138 StGB) resp. der Sachentziehung 

(Art. 141 StGB) nach Auffassung des beschliessenden Gerichts nicht erfüllt sind (vgl. E. 

2.1 und 2.2) bedeutet das nicht zwingend, dass die Zivilklage aussichtslos ist, da für die 

zivilrechtliche Haftung andere Voraussetzungen als im Strafrecht gelten bzw. erfüllt sein 

müssen. Eine konkrete Prüfung dieser Voraussetzungen würde den Rahmen des vorlie-

genden Verfahrens sprengen und ist nach dem oben Gesagten (es wird eine vorläufige 

und summarische Prüfung verlangt) auch nicht erforderlich. Für den Zeitpunkt der Einrei-

chung des Gesuchs kann die Aussichtslosigkeit der Zivilforderung damit nicht klar bejaht 

werden, weshalb die unentgeltliche Rechtspflege im Zweifelsfall zu gewähren ist (VIKTOR 

LIEBER, a.a.O., N. 6 zu Art. 136 StPO mit weiteren Hinweisen).  

 

 Daran ändert auch nichts, dass M___ seine Zivilforderung gegenüber R___ gemäss der 

Vereinbarung mit der Gemeinde X___ vom 12./13. Dezember 2018 im Stadium der 

Vermittlung zurückgezogen hat (Verfahren KR1 18 61). Die Zivilprozessordnung sieht die 

Fortführungslast nach Art. 65 ZPO nämlich erst mit der Zustellung der Klage an die 

Gegenpartei vor (DOMINIK INFANGER, in: Basler Kommentar, ZPO, 3. Aufl. 2017, N. 2 ff. zu 

Art. 65 ZPO). Das heisst, dass die Zivilklage trotz des Rückzugs im Vermittlungsverfahren 

ohne weiteres nochmals eingereicht werden könnte und somit noch besteht.  

 

3.5 Ein unentgeltlicher Rechtsbeistand ist zu bewilligen, wenn einerseits die Voraussetzungen 

von Art. 136 Abs. 1 lit. a und b StPO erfüllt sind, anderseits, wenn dies zur Wahrung der 

Rechte notwendig ist (Art. 136 Abs. 2 lit. c StPO). Dies bedeutet, dass die Privatkläger-

schaft auf sich selbst gestellt, nicht fähig wäre, ihre Anliegen vor den Strafbehörden wirk-

sam zu vertreten, d.h. ohne Rechtsbeistand nicht in der Lage wäre, ihre Zivilklage effizient 

einzubringen und zu vertreten. Dies gilt vorab, wenn komplizierte Sach- oder Rechtsfra-

gen anstehen, also beispielsweise nicht, wenn in einem Fall nach Art. 217 StGB ein 

rechtskräftiges Zivilurteil vorliegt, welches Unterhaltsbeiträge ausweist. Waffengleichheit, 

d.h. wenn der Beschuldigte verteidigt ist, ist allein kein Grund (SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., 

N. 4 zu Art. 136 StPO). Nach der (restriktiven) Praxis des Bundesgerichts zu Art. 29 Abs. 

3 BV kann im Adhäsionsprozess der geschädigten Person in der Regel zugemutet wer-

den, ihre privatrechtlichen Ansprüche ohne anwaltliche Vertretung geltend zu machen. 

Das soll insbesondere bei Ansprüchen auf Schadenersatz und Genugtuung gelten, da im 

Normalfall der unmittelbare Schaden leicht belegt werden kann (BGE 131 I 354 E. 2.4; 

128 I 225 E. 2.5.2; 116 Ia 459 E. 4 lit. e).  

 

 Der Sachverhalt bietet vorliegend keine besonderen Schwierigkeiten. Dazu kommt, dass 

der Beschwerdeführer und seine Tochter, welche ihn unterstützt, sehr prozesserfahren 

sind, was seine umfangreichen Ausführungen denn auch belegen, und die Hürden im 

 

Seite 16 

strafprozessualen Beschwerdeverfahren nicht hoch sind. Schliesslich ist der Beschwer-

deführer durch die untersuchten Delikte nicht in schwerwiegender Weise betroffen wor-

den, sondern es geht lediglich um finanzielle Differenzen in maximal vierstelliger Höhe. Es 

ist mithin von einem Bagatellfall auszugehen und das Ersuchen um Bestellung eines 

Rechtsbeistandes ist abzuweisen (VIKTOR LIEBER, a.a.O., N. 11 zu Art. 136 StPO). 

 

 

 

4. Kosten und Entschädigungen 

 

4.1 Art. 428 StPO regelt die Kostentragungspflicht im Rechtsmittelverfahren. Gemäss dessen 

Abs. 1 tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. 

Als unterliegend gilt auch die Partei, auf deren Rechtsmittel nicht eingetreten wird oder die 

das Rechtsmittel zurückzieht. Da die Beschwerde abgewiesen resp. nicht darauf einge-

treten wird und der Beschwerdeführer somit vollumfänglich unterlegen ist, sind ihm die 

Verfahrenskosten, bestehend aus einer Gebühr von CHF 500.00 (Art. 29 Abs. 1 lit. a 

Gebührenordnung, bGS 233.3), aufzuerlegen. Zufolge Gewährung der einfachen unent-

geltlichen Rechtspflege an den Beschwerdeführer werden sie vorläufig auf die Staats-

kasse genommen (MAZZUCCHELLI/POSTIZZI, a.a.O., N. 4 zu Art. 138 StPO; VIKTOR LIEBER, 

in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessord-

nung, 2. Aufl. 2014, N. 2 zu Art. 138 StPO). 

 

4.2 Der unterlegene Beschwerdeführer hat, schon mangels eines entsprechenden Antrags 

(act. B 7; SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., N. 9 f. zu Art. 433 StPO), aber auch gestützt auf Art. 

436 Abs. 1 i.V.m. Art. 433 Abs. 1 StPO keinen Anspruch auf eine Entschädigung im 

Beschwerdeverfahren. 

 

 Der Beschwerdegegner hat im Beschwerdeverfahren obsiegt, weshalb er gestützt auf Art. 

436 Abs. 1 i.V.m. Art. 432 Abs. 2 StPO gegenüber der Privatklägerschaft Anspruch auf 

eine angemessene Entschädigung hätte. Mangels entsprechenden Antrags muss in casu 

jedoch nicht darüber entschieden werden (SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., N. 14 zu Art. 429 

StPO). . 

 

 

Seite 17 

Demnach beschliesst das Obergericht: 

 

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann, und die 
Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Appenzell Ausserrhoden vom 11. August 
2015 in Sachen Staat gegen R___ (Verfahren Nr. U 15 804) erwächst in Rechtskraft. 

 
 
2. Das Gesuch von M___ betreffend unentgeltliche Rechtspflege (Verfahren Nr. ERS 2018 

7) wird insoweit gutgeheissen, als ihm im vorliegenden Beschwerdeverfahren die 
unentgeltliche Rechtspflege gemäss Art. 136 Abs. 2 lit. a und lit. b StPO gewährt wird. 
Das Gesuch um Bestellung eines Rechtsbeistands (Art. 136 Abs. 2 lit. c StPO) wird 
abgewiesen.  
 
 

3. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestehend aus einer Gebühr von CHF 500.00, 
werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Zufolge Gewährung der einfachen unentgelt-
lichen Rechtspflege an den Beschwerdeführer werden sie vorläufig auf die Staatskasse 
genommen.  
 
 

4. Sobald es die wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschwerdeführers erlauben, ist dieser 
verpflichtet, dem Kanton Appenzell Ausserrhoden die Verfahrenskosten in Höhe von CHF 
500.00 zurückzuerstatten (Art. 138 Abs. 1 i.V.m. Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 
 
5. Es werden keine Entschädigungen zugesprochen. 
 
 
6. Rechtsmittel: 

 Gegen diesen Beschluss kann innert 30 Tagen seit der Zustellung Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden. Die Zulässigkeit einer solchen Beschwerde richtet sich nach Art. 

78 ff. Bundesgerichtsgesetz (BGG, SR 173.110). Die Beschwerde ist beim Schweizeri-

schen Bundesgericht, Avenue du Tribunal fédéral 29, 1000 Lausanne 14, schriftlich einzu-

reichen. Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Be-

weismittel und die Unterschrift zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als 

Beweismittel angerufenen Urkunden sind - soweit vorhanden - beizulegen (Art. 42 BGG). 

Die Beschwerde hat in der Regel keine aufschiebende Wirkung (Art. 103 BGG). 

 
 
7. Versand am  22. November 2019 an: 

- den Beschwerdeführer, eingeschrieben 
- den Beschwerdegegner, eingeschrieben 
- die Staatsanwaltschaft (U 15 804), mit Empfangsbestätigung 

 

 
Der Obergerichtspräsident: 
 
 
lic. iur. Ernst Zingg 

Die Gerichtsschreiberin: 
 
 
lic. iur. Barbara Schittli