# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d39645cb-e33f-5cb2-9a28-de351673e1bb
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-02-09
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht 09.02.2022 810 21 86
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_003_810-21-86_2022-02-09.pdf

## Full Text

Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und 

Verwaltungsrecht 

 

vom 9. Februar 2022 (810 21 86)  

____________________________________________________________________ 

 

 

 

Ausländerrecht 

 

 

Widerruf der Aufenthaltsbewilligung / Wegweisung / nachehelicher Härtefall 
 
 
 
Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Niklaus Ruckstuhl,  

Markus Clausen, Daniel Häring, Daniel Noll, Gerichtsschreiberin Elena 
Diolaiutti 
 
 

Beteiligte A.____ mit B.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Suzanne 
Davet, Advokatin 
 
 

 gegen 
 
 

 Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft, 4410 Liestal,  
Beschwerdegegner 
 

  
  
Betreff Widerruf der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung aus der Schweiz 

(RRB Nr. 389 vom 23. März 2021) 
 
 
 
A. Die äthiopische Staatsangehörige A.____, geboren am XX.XX.1984, heiratete am 6. Mai 
2016 in Äthiopien den schweizerisch-italienischen Doppelbürger C.____, geboren am 
XX.XX.1968. A.____ hat einen Sohn aus einer früheren Beziehung, B.____, geboren am 
XX.XX.2012, welcher ebenfalls äthiopischer Staatsangehöriger ist. Am 28. Juli 2019 reiste 
A.____ zusammen mit ihrem Sohn im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz ein. Mit 

Seite 2 http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Verfügung vom 2. September 2019 wurde A.____ und ihrem Sohn eine Aufenthaltsbewilligung 
EU/EFTA zum Verbleib bei ihrem Ehemann bzw. bei seiner Mutter bis zum 27. Juli 2024 erteilt.  
 
B. Am 24. September 2019 teilte C.____ dem Amt für Migration und Bürgerrecht des Kan-
tons Basel-Landschaft (AFMB) mit, dass A.____ und er sich bereits wieder getrennt hätten. Mit 
Schreiben vom 14. Oktober 2019 äusserte sich A.____ dahingehend, dass sie sich am 
2. September 2019 von ihrem Ehemann getrennt habe. Eine Wiederaufnahme des Ehelebens 
könne sie sich aufgrund der Aggressivität des Ehemannes nicht vorstellen. 
 
Mit Eingabe vom 18. Oktober 2019 führte C.____ aus, dass die Trennung ungefähr zwei Mona-
te zuvor erfolgt sei. Er habe nie wirklich mit A.____ zusammengelebt. Zur Eheschliessung sei 
es lediglich gekommen, weil die Schwester seiner Ehefrau ihn dazu gedrängt habe. Er sei 
grundsätzlich für eine Wiederaufnahme des Ehelebens bereit und habe mehrfach erfolglos ver-
sucht, seine Ehefrau zu kontaktieren. Er gehe deshalb davon aus, dass es seiner Ehefrau nur 
um die Aufenthaltsbewilligung gegangen sei, weshalb er ihre Wegweisung gutheisse. 
 
Mit Verfügung vom 20. Dezember 2019 verfügte das Zivilkreisgericht Basel-Landschaft D.____ 
im Rahmen des Eheschutzverfahrens ein Kontaktverbot des Ehemannes zu A.____. Mit Ent-
scheid vom 17. Februar 2020 wurde C.____ verpflichtet, seiner Ehefrau einen monatlichen Un-
terhaltsbeitrag von Fr. 1'200.-- zu bezahlen.  
 
C. Mit Schreiben vom 17. März 2020 gewährte das AFMB in Bezug auf einen allfälligen 
Widerruf der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung aus der Schweiz A.____ und C.____ das 
rechtliche Gehör. Mit Eingabe vom 23. April 2020 führte die Ehefrau, nachfolgend immer vertre-
ten durch Suzanne Davet, Advokatin, aus, dass sich ihr Ehemann während der kurzen Zeit des 
Zusammenlebens in der Schweiz komplett verändert habe. So habe der Ehemann sie ernied-
rigt, sie habe das Haus nicht verlassen dürfen und sie und ihr Sohn hätten nicht genug zu es-
sen bekommen. Zudem sei der Ehemann aggressiv gewesen und sie vermute, dass er Kokain 
konsumiert habe. Sie sei von ihrem Ehemann mehrfach tätlich angegriffen worden und habe 
sich um ihre körperliche Unversehrtheit und die ihres Sohnes fürchten müssen. Nach einem 
Vorfall von häuslicher Gewalt am 2. September 2019 sei es zu einem Polizeieinsatz gekom-
men. Seit diesem Vorfall lebe sie mit ihrem Sohn in einem Heim der E.____. A.____ führte wei-
ter an, dass sich ihr Sohn in der Zwischenzeit gut in die hiesigen Verhältnisse integriert habe. 
Ihnen sei die Rückkehr nicht zumutbar. 
 
C.____ erklärte in seiner Eingabe vom 4. Mai 2020 im Wesentlichen, dass es sich um eine 
Scheinehe gehandelt habe. Er habe seine Ehefrau nie geschlagen. Bei diesen Anschuldigun-
gen handle es sich um Falschaussagen.  
 
D. Mit Verfügung vom 16. Juni 2020 widerrief das AFMB die Aufenthaltsbewilligungen von 
A.____ und ihrem Sohn und wies sie aus der Schweiz weg. Des Weiteren erhob es eine Ge-
bühr von Fr. 400.--. Zur Begründung führte das AFMB aus, dass die Ehegatten in der Schweiz 
lediglich etwas mehr als einen Monat zusammengelebt hätten. Wichtige persönliche Gründe 
wie das Vorliegen von ehelicher Gewalt oder eine gefährdete Wiedereingliederung im Heimat-

Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht 

land seien ebenfalls nicht ersichtlich. Die Wegweisung erweise sich zudem als verhältnismässig 
und eine Berufung auf einen Härtefall sei nicht möglich.  
 
E. Gegen die Verfügung vom 16. Juni 2020 erhob A.____ mit Eingabe vom 26. Juni 2020 
Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Regierungsrat). Darin begehr-
te sie die Aufhebung der Verfügung des AFMB vom 16. Juni 2020 und die Feststellung, dass 
sie und ihr Sohn weiterhin im Besitze einer Aufenthaltsbewilligung seien. Eventualiter seien die 
Aufenthaltsbewilligungen zu verlängern. Alles unter o/e-Kostenfolge, wobei ihr die unentgeltli-
che Rechtspflege und Verbeiständung zu bewilligen seien. In der Beschwerdebegründung vom 
21. August 2020 führte A.____ aus, dass sie und ihr Sohn nach dem von ihrem Ehemann aus-
gehenden Vorfall häuslicher Gewalt am 2. September 2019 in eine geschützte Unterkunft ge-
bracht und durch die Opferhilfe unterstützt worden seien. Am 11. November 2019 habe sie ei-
nen Strafantrag gegen ihren Ehemann gestellt, wobei dieser sämtliche Vorfälle abgestritten ha-
be. Mit der Begründung fehlender Beweise sei das Strafverfahren gegen den Ehemann von der 
Staatsanwaltschaft mit Verfügung vom 2. Juli 2020 eingestellt worden, wogegen sie mit Einga-
be vom 16. Juli 2020 Beschwerde erhoben habe. Ab dem 2. September 2019 habe sie in einem 
Heim der E.____ gewohnt. Seit dem 1. Juli 2020 lebe sie in einer eigenen Wohnung in F.____. 
Ihr Sohn B.____ gehe seit der Einreise in die Schweiz in F.____ in die Schule. Nach einigen 
Startschwierigkeiten habe er sich nach einem Wechsel in eine Kleinklasse nun gut integrieren 
können. Eine Rückkehr nach Äthiopien sei für ihren Sohn fatal. Aufgrund der in Äthiopien und in 
der Schweiz erlebten Gewalt des Ehemannes habe für B.____ eine Beistandschaft errichtet 
werden müssen. A.____ brachte weiter vor, dass es ihr als alleinstehende und alleinerziehende 
Frau in Äthiopien nicht möglich sei, eine Unterkunft oder eine Arbeitsstelle zu finden. Ihre Mutter 
sei zudem krank, weshalb sie nicht mehr bei ihr wohnen könne. Aufgrund der Situation im Zu-
sammenhang mit dem Coronavirus und der politischen Lage in Äthiopien sei ihr und ihrem 
Sohn eine Rückkehr nicht zumutbar. Die erlebte häusliche physische und psychische Gewalt 
durch den Ehemann sei trotz des kurzen Zusammenlebens in der Schweiz sehr intensiv gewe-
sen. Die angefochtene Verfügung halte zudem vor dem Verhältnismässigkeitsprinzip nicht 
Stand.  
 
In seiner Vernehmlassung vom 8. September 2020 entgegnete das AFMB im Wesentlichen, 
dass die Intensität der geltend gemachten häuslichen Gewalt nicht ausreichend belegt sei.  
 
In ihrer Replik vom 30. September 2020 führte A.____ aus, dass sie sich aufgrund der erlittenen 
physischen und psychischen Gewalt in psychiatrische Behandlung habe begeben müssen. Zu-
dem habe ihr Sohn Verhaltensauffälligkeiten gezeigt, weshalb er nun ebenfalls psychologisch 
abgeklärt werde.  
 
Mit Eingabe vom 22. Dezember 2020 reichte A.____ einen ärztlichen Bericht der Psychiatrie 
Baselland, Erwachsenenpsychiatrie ZPG, Zentrum für psychische Gesundheit, vom 20. De-
zember 2020 ein. Am 5. März 2021 reichte A.____ den Beschluss des Kantonsgerichts Basel-
Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 22. September 2020 ein, mit welchem dieses in Gutheis-
sung der Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft vom 2. Juli 2020 

Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht 

die Einstellungsverfügung aufgehoben und die Sache zur Fortsetzung des Strafverfahrens an 
die Staatsanwaltschaft zurückgewiesen hatte.  
 
F. Der Regierungsrat wies die Beschwerde mit Beschluss (RRB) Nr. 2021-389 vom 
23. März 2021 ab. Er verfügte, dass A.____ und ihr Sohn die Schweiz innert 30 Tagen nach 
Rechtskraft des Entscheids zu verlassen hätten. Zudem bewilligte er das Gesuch um unentgelt-
lich Rechtspflege und Verbeiständung. Im Wesentlichen wurde der Entscheid damit begründet, 
dass die Vorkommnisse und die diesbezüglich vorhandenen Belege in ihrer Gesamtheit die 
verlangte Intensität der psychischen Zwangsausübung bzw. die Annahme systematischer Miss-
handlung des Ehemannes gegenüber der Beschwerdeführerin im Sinne der bundesgerichtli-
chen Rechtsprechung nicht zu erhärten vermögen würden, weshalb nicht auf das Vorliegen von 
häuslicher Gewalt im Sinne eines nachehelichen Härtefalls geschlossen werden könne. Zudem 
sei die Massnahme verhältnismässig.  
 
G. Gegen den RRB erhoben A.____ und ihr Sohn beim Kantonsgericht, Abteilung Verfas-
sungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), mit Eingabe vom 6. April 2021 Beschwerde. Sie 
beantragten, es sei der RRB vom 23. März 2021 (bzw. die Verfügung des AFMB vom 16. Juni 
2020) aufzuheben und es sei festzustellen, dass die Beschwerdeführer nach wie vor im Besitze 
einer Aufenthaltsbewilligung seien. Eventualiter sei der RRB vom 23. März 2021 (bzw. die Ver-
fügung des AFMB vom 16. Juni 2020) aufzuheben und es sei das AFMB anzuweisen, die Auf-
enthaltsbewilligungen der Beschwerdeführer zu verlängern; unter o/e Kostenfolge. Eventualiter 
sei den Beschwerdeführern die unentgeltliche Rechtspflege mit Suzanne Davet als unentgeltli-
cher Rechtsbeiständin zu bewilligen. In der innert Frist eingereichten ergänzenden Beschwer-
debegründung vom 4. Juni 2021 wiederholten die Beschwerdeführer die bereits in der Be-
schwerde beantragten Rechtsbegehren und ergänzten diese um das explizite Rechtsbegehren, 
es sei in allen Fällen die in der Verfügung des AFMB in der Höhe von Fr. 400.-- erhobene Ge-
bühr aufzuheben. Die Beschwerdeführer machten geltend, es liege ein nachehelicher Härtefall 
vor. Des Weiteren sei die Massnahme nicht verhältnismässig, vor allem, weil die Wiedereinglie-
derung im Heimatland stark gefährdet sei und der Sohn der Beschwerdeführerin hier integriert 
sei.  
 
Der Regierungsrat beantragte in seiner Vernehmlassung vom 8. Juli 2021 die kostenfällige Ab-
weisung der Beschwerde. Im Wesentlichen führte er aus, das Festhalten der Beschwerdeführe-
rin an einer lediglich formell bestehenden Ehe sei rechtsmissbräuchlich. Er wies darauf hin, 
dass ihm die in der Zwischenzeit erstellte Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode 
und die Diagnose einer Posttraumatischen Belastungsstörung, dessen Entstehung gemäss 
ärztlichen Berichten in einem klaren Kausalitätsverhältnis zu den Erfahrungen frauenspezifi-
scher Gewalt durch den Ehemann in der Schweiz stehe, im Zeitpunkt des Erlasses seines Be-
schlusses nicht bekannt gewesen seien. Vor dem Hintergrund, dass die Ehe in der Schweiz 
lediglich rund fünf Wochen gedauert und bis auf den Vorfall vom 2. September 2019 keine wei-
teren Vorfälle aktenkundig seien, gelinge es der Beschwerdeführerin dennoch nicht, die gefor-
derte Intensität der psychischen Zwangsausübung bzw. die Annahme systematischer Miss-
handlung glaubhaft darzustellen.  
 

Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht 

H. Mit präsidialer Verfügung vom 4. August 2021 überwies das Kantonsgericht den Fall der 
Kammer zur Beurteilung im Rahmen einer Parteiverhandlung. Des Weiteren verfügte es, dass 
die Beschwerdeführerin persönlich zur Parteiverhandlung zu erscheinen habe. Zudem wurde 
mit der Verfügung der Ehemann zur Parteiverhandlung geladen und den Beschwerdeführern 
die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung bewilligt und es wurden die Akten des 
Strafverfahrens MU1 19 3715 von der Staatsanwaltschaft beigezogen.  
 
Mit Eingabe vom 16. August 2021 erklärte die Beschwerdeführerin, dass sie seit Juni 2021 in 
einem Vollzeitpensum angestellt sei, und reichte verschiedene Lohnabrechnungen ein. 
 
I. An der Parteiverhandlung vom 10. November 2021 nahmen die Beschwerdeführerin und 
ihre Rechtsvertreterin, G.____ als Vertreterin des Regierungsrats, H.____ (Amharisch) als Dol-
metscher sowie C.____ als Auskunftsperson teil. Auf die Ausführungen der Teilnehmenden wird 
– soweit erforderlich – in den Urteilserwägungen eingegangen. Das Gericht kam nach der Be-
fragung der Beschwerdeführerin und des Ehemannes zum Schluss, dass für die Beurteilung 
des Falles zusätzlich als Auskunftspersonen Dr. I.____, Assistenzärztin, Psychiatrie Baselland, 
Erwachsenenpsychiatrie ZPG, Zentrum für psychische Gesundheit, und die Schwester der Be-
schwerdeführerin, J.____, anzuhören seien. Mit Verfügung vom 16. November 2021 wurde das 
Verfahren deshalb ausgestellt und eine zweite Parteiverhandlung angesetzt.  
 
J. An der heutigen zweiten Parteiverhandlung haben die Beschwerdeführerin und ihre 
Rechtsvertreterin, G.____ als Vertreterin des Regierungsrats, H.____ (Amharisch) als Dolmet-
scher, sowie Dr. I.____ und J.____ als Auskunftspersonen teilgenommen. Die Parteien halten 
an ihren Rechtsbegehren fest. Auf die Ausführungen wird – soweit erforderlich – in den Ur-
teilserwägungen eingegangen.  
 
 
Das Kantonsgericht zieht  i n  E r w ä g u n g : 
 
1.1 Gemäss § 43 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsprozess-
ordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 ist gegen Verfügungen und Entscheide des Regie-
rungsrats die verwaltungsgerichtliche Beschwerde beim Kantonsgericht zulässig. Demnach ist 
das Kantonsgericht zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde örtlich und sachlich zustän-
dig. Die Beschwerdeführerin und ihr Sohn sind vom angefochtenen Entscheid berührt und ha-
ben ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung. Auch die weiteren formellen Voraus-
setzungen sind erfüllt, sodass auf die Beschwerde einzutreten ist. 
 
2. Mit der verwaltungsgerichtlichen Beschwerde können nach § 45 Abs. 1 lit. a und b 
VPO Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung, Unterschreitung oder Missbrauch des 
Ermessens sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts gerügt wer-
den. Die Beurteilung der Angemessenheit ist dem Kantonsgericht dagegen – abgesehen von 
hier nicht vorliegenden Ausnahmefällen – untersagt (§ 45 Abs. 1 lit. c VPO e contrario). 
 

Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht 

3. Streitgegenstand bildet vorliegend die Frage, ob der Widerruf der Aufenthaltsbewilli-
gung der Beschwerdeführer und deren Wegweisung aus der Schweiz zu Recht erfolgten. 
 
4.1. Die Vorinstanz stellt sich auf den Standpunkt, dass mit der Trennung der Ehe der An-
spruch der Beschwerdeführerin auf eine Aufenthaltsbewilligung gemäss dem Abkommen vom 
21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäi-
schen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (FZA) erlo-
schen sei. Ein Anspruch auf Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. a des Bun-
desgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration [AIG] vom 
16. Dezember 2005 sei nicht gegeben, weil die Ehegemeinschaft weniger als drei Jahre gedau-
ert habe. Ein nachehelicher Härtefall sei nicht gegeben, weil die systematische Misshandlung 
im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht habe belegt werden können. Des Wei-
teren sei die soziale Wiedereingliederung der Beschwerdeführerin und ihres Sohnes bei einer 
Rückkehr in ihr Heimatland nicht gefährdet. Es bestehe auch kein Anspruch gemäss Art. 8 der 
Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) vom 4. November 
1950. Die Nichtverlängerung sei überdies verhältnismässig. Auch liege kein Grund vor, die Auf-
enthaltsbewilligung ermessensweise zu erteilen.  
 
4.2. Die Beschwerdeführer stellen sich auf den Standpunkt, dass ein Anspruch auf Aufent-
halt gestützt auf das FZA bestehe. Zudem liege ein Anspruch gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG 
vor, weil die Beschwerdeführerin Opfer ehelicher Gewalt geworden sei und weil die soziale 
Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheine. Ein Aufenthaltsrecht bestehe 
auch gestützt auf Art. 59 Abs. 3 lit. b des Übereinkommens des Europarats zur Verhütung und 
Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (Istanbul-Konvention) vom 
11. Mai 2011.  
 
5.1.1. Eine ausländische Person ist zur Anwesenheit in der Schweiz nur berechtigt, wenn sie 
eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitzt oder wenn sie keiner solchen bedarf 
(Art. 10 und Art. 1 AIG; vgl. auch Art. 2 AIG). Die zuständige kantonale Behörde entscheidet in 
den Fällen nach Art. 18 ff. und 27 ff. AIG – im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften und Ver-
träge mit dem Ausland – nach freiem Ermessen über die Zulassung zu einem Aufenthalt mit 
oder ohne Erwerbstätigkeit. Einen Rechtsanspruch auf die Erteilung einer Aufenthaltsbewilli-
gung hat die ausländische Person somit grundsätzlich nicht, es sei denn, das AIG oder völker-
rechtliche Verpflichtungen sehen dies vor (BGE 135 II 1 E. 1.1; PETER UEBERSAX, in: Uebersax/
Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz 7.84 ff.). 
 
5.1.2. Minderjährige haben grundsätzlich dem Inhaber der elterlichen Sorge und der fakti-
schen Obhut (im Sinne einer überwiegenden Betreuung) zu folgen; das ausländische unmündi-
ge Kind teilt schon aus familienrechtlichen Gründen regelmässig das ausländerrechtliche 
Schicksal des sorge-/betreuungsberechtigten Elternteils; es hat das Land gegebenenfalls mit 
diesem zu verlassen, wenn er über keine Aufenthaltsberechtigung (mehr) verfügt (BGE 143 I 21 
E. 5.4 m.w.H.; BGE 139 II 393 E. 4.2.3). Der Sohn der Beschwerdeführerin ist minderjährig und 
steht unter der faktischen Obhut der Mutter. Aus diesem Grund teilt er grundsätzlich das aus-
länderrechtliche Schicksal der Beschwerdeführerin. Demzufolge ist vorerst zu prüfen, ob der 

Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Widerruf der Aufenthaltsbewilligung und die Wegweisung der Beschwerdeführerin aus der 
Schweiz rechtmässig sind.  
 
5.2. Zunächst ist festzuhalten, dass zwischen der Schweiz und Äthiopien keine staatsver-
tragliche Vereinbarung besteht, welche den Beschwerdeführern einen Anspruch auf Aufenthalt 
in der Schweiz einräumen würde.  
 
5.3.1. Der Ehemann der Beschwerdeführerin ist Schweizer und Italienischer Staatsbürger. 
Nach Art. 7 lit. d FZA i.V.m. Art. 3 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a Anhang I FZA hat ein Ehepartner ei-
ner Person, die Staatsangehörige einer Vertragspartei ist und ein Aufenthaltsrecht hat, ein ab-
geleitetes Aufenthaltsrecht in der Schweiz, welches grundsätzlich nicht vom Zusammenleben 
des Paars abhängig gemacht werden darf, sondern allein an den formellen Bestand der Ehe 
anknüpft (vgl. BGE 130 II 113 E. 8; Urteile des Bundesgerichts [BGer] 2C_345/2019 vom 8. Juli 
2019 E. 2.1; 2C_68/2017 vom 29. November 2017 E. 3.1; 2C_347/2013 vom 1. Mai 2013 
E. 3.2.1). Dieses Recht steht unter dem Vorbehalt des Rechtsmissbrauchs (BGE 139 II 393 
E. 2.1). Fehlt der Wille zur Gemeinschaft und dient das formelle Eheband ausschliesslich dazu, 
die ausländerrechtlichen Zulassungsvorschriften zu umgehen, fällt der Anspruch dahin. Die vom 
originär anwesenheitsberechtigten EU-Bürger abgeleitete Bewilligung des Drittstaatsangehöri-
gen kann in diesem Fall mangels Fortdauerns der Bewilligungsvoraussetzungen gestützt auf 
Art. 23 Abs. 1 der Verordnung über den freien Personenverkehr zwischen der Schweiz und Eu-
ropäischen Union und deren Mitgliedstaaten, zwischen der Schweiz und dem Vereinigten Kö-
nigreicht sowie unter den Mitgliedstaaten der Europäischen Freihandelsassoziation (Verord-
nung über den freien Personenverkehr, VFP) vom 22. Mai 2002 i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. d AIG 
(Nichteinhalten einer mit der Verfügung verbundenen Bedingung) widerrufen oder nicht (mehr) 
verlängert werden, da das Freizügigkeitsabkommen diesbezüglich keine eigenen abweichen-
den Bestimmungen enthält (vgl. Art. 2 Abs. 2 AIG; BGE 139 II 393 E. 2.1; Urteil des Kantonsge-
richts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 11. November 2020 [810 
20 117] E. 5.3).  
 
5.3.2. Die Beschwerdeführerin verfügte gestützt auf Art. 3 Abs. 1 Anhang I FZA über ein vom 
Aufenthaltsrecht seines Ehemannes abgeleitetes Aufenthaltsrecht. Nach rund fünf Wochen ge-
meinsamen Wohnens zog die Beschwerdeführerin am 2. September 2019 aus der ehelichen 
Wohnung aus. Gemäss Verfügung des Zivilkreisgerichts Basel-Landschaft D.____ leben die 
Ehegatten seit dem 2. September 2019 getrennt. Die Beschwerdeführerin erklärte, dass sie sich 
eine Wiederaufnahme des Ehelebens nicht vorstellen könne. An der heutigen Verhandlung teilt 
die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin mit, dass die Ehefrau in der Zeit zwischen den 
zwei Parteiverhandlungen vor Kantonsgericht die Scheidungsklage eingereicht habe. Die Be-
schwerdeführerin hat seit ihrem Auszug von ihrem Ehemann getrennt gelebt und nun die 
Scheidung beantragt. Sie will nichts mit ihm zu tun haben und es besteht keinerlei Kontakt zwi-
schen der Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann. Der Ehewille der Beschwerdeführerin hat 
damit bereits mit dem Auszug aus der ehelichen Wohnung als erloschen zu gelten. Wie in der 
Beschwerde an den Regierungsrat von der Beschwerdeführerin ausgeführt, ist von einer defini-
tiven Trennung und einem definitiven Scheitern der Ehe auszugehen. Das Festhalten an der 
formellen Ehe in der Beschwerde an das Kantonsgericht ist vorliegend rechtsmissbräuchlich, 

Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht 

weshalb das gestützt auf das FZA abgeleitete Aufenthaltsrecht von den Vorinstanzen zu Recht 
widerrufen wurde. 
 
5.3.3. Der nacheheliche Aufenthaltsanspruch ist im Freizügigkeitsabkommen nicht geregelt, 
weshalb er sich aufgrund des Diskriminierungsverbots von Art. 2 FZA und im Sinne einer güns-
tigeren ausländerrechtlichen Regelung gemäss Art. 2 Abs. 2 AIG grundsätzlich nach den Be-
stimmungen richtet, die für Familienangehörige von Schweizerinnen und Schweizern gelten. Im 
Übrigen ist der Ehemann auch Schweizer Bürger, so dass sich der nacheheliche Aufenthalts-
anspruch auch aus diesem Grund nach den Bestimmungen richtet, die für Familienangehörige 
von Schweizerinnen und Schweizern gelten. Zu prüfen ist deshalb, ob die Beschwerdeführerin 
landesrechtlich einen nachehelichen Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung hat. 
 
6.1. Nach der Auflösung der Ehe oder der Familiengemeinschaft besteht der Anspruch des 
Ehegatten und der Kinder auf Erteilung und Verlängerung der bislang gestützt auf das Recht 
auf Familiennachzug (Art. 42 oder Art. 43 AIG) erteilten Aufenthaltsbewilligung weiter, wenn die 
Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat und eine erfolgreiche Integration vor-
liegt (Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG i.V.m. Art. 58a AIG) oder wenn wichtige persönliche Gründe einen 
weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG, "nachehelicher 
Härtefall"). Gemäss Bundesgericht ist der Zeitpunkt der Auflösung der Ehegemeinschaft – vor-
behältlich eines hier nicht vorliegenden Getrenntlebens gestützt auf Art. 49 AIG – im Regelfall 
mit der Aufhebung der Haushaltsgemeinschaft gleichzusetzen. Freilich kann die Annahme einer 
trennungsbedingten Auflösung der Ehegemeinschaft nur gelten, wo das Zusammenwohnen 
überhaupt Bewilligungsvoraussetzung ist, was bei Familiengemeinschaften auf der Grundlage 
von Art. 42 Abs. 2 AIG oder im Geltungsbereich des FZA auf der Grundlage von Art. 3 Anhang I 
FZA nicht der Fall ist. Bei diesen stellt sich allenfalls die Frage der rechtsmissbräuchlichen Be-
rufung auf eine nur noch formell bestehende Ehe, was gemäss Art. 51 Abs. 1 lit. a AIG nament-
lich zum Erlöschen des Verlängerungsanspruchs gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG führt (MARC 
SPESCHA, in: Spescha/Zünd/Bolzli/Hruschka/de Weck [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 
5. Auflage, Zürich 2019, Rz 5 zu Art. 51 AIG; Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verwal-
tungsrecht [KGE VV], vom 11. November 2020 [810 20 117] E. 5.5). Im Folgenden ist zu prüfen, 
ob die Ehegemeinschaft der Beschwerdeführerin mit ihrem Ehemann drei Jahre gedauert hat 
oder ob sie vor Ablauf dieser Frist aufgelöst worden ist. 
 
6.2. Für die Anrechnung der dreijährigen Frist gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG ist gestützt 
auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung auf die in der Schweiz gelebte Ehegemeinschaft 
abzustellen (BGE 140 II 345 E. 4.1; BGE 136 II 113 E. 3.3.1). Massgeblicher Zeitpunkt für die 
retrospektive Berechnung der Dauer der ehelichen Gemeinschaft ist gemäss der bundesge-
richtlichen Rechtsprechung in der Regel die Aufgabe der Haushaltsgemeinschaft (BGE 136 II 
113 E. 3.2). Vorliegend kann die Dauer der Ehe jedoch nicht an der Dauer der Haushaltsge-
meinschaft gemessen werden, weil Letztere gar nicht Bedingung des Aufenthaltsanspruchs 
war. In diesen Fällen kann erst eine Auflösung der Ehegemeinschaft angenommen werden, 
wenn der Ehewille aufseiten des nachgezogenen Ehepartners erloschen ist. Dieser Tatbestand 
ist von der Behörde nachzuweisen, wobei der Nachweis als erbracht gelten kann, wenn die Ehe 
– im massgeblichen Zeitpunkt, d.h. vor Ablauf einer dreijährigen formellen Ehedauer – aufgrund 

Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht 

der äusseren Umstände als "inhaltsleer" erscheint oder bloss noch formell bestand (vgl. 
SPESCHA, a.a.O., N 6 zu Art. 50 AIG; KGE VV vom 11. November 2020 [810 20 117] E. 5.6). 
Eine relevante Ehegemeinschaft liegt somit vor, solange die eheliche Beziehung tatsächlich 
gelebt wird und ein gegenseitiger Ehewille besteht (BGE 138 II 229 E. 2; Urteil des BGer 
2C_281/2017 vom 26. März 2018 E. 2.2). Die Frist nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG gilt absolut; 
bereits das Fehlen weniger Wochen oder Tage schliesst den Anspruch auf Verlängerung der 
Aufenthaltsbewilligung aus (vgl. Urteile des BGer 2C_377/2020 vom 15. Juli 2020 E. 5.2; 
2C_436/2020 vom 2. Juli 2020 E. 3.2; 2C_281/2017 vom 26. März 2018 E. 2.2).  
 
6.3. Im vorliegenden Fall fand die Eheschliessung in Äthiopien statt. Die Beschwerdeführe-
rin reiste am 28. Juli 2019 in die Schweiz ein und gleichentags erfolgte der Einzug in die ge-
meinsame Wohnung in K.____. Die Dreijahresfrist hat demzufolge ab diesem Zeitpunkt begon-
nen. Am 2. September 2019 und damit rund 5 Wochen danach wurde das Getrenntleben auf-
genommen. Die Beschwerdeführerin hat bereits in ihrem Schreiben vom 14. Oktober 2019 an 
das AFMB erklärt, dass sie sich eine Wiederaufnahme des Ehelebens aufgrund der Aggressivi-
tät des Ehemannes nicht vorstellen könne. Zwischen den Ehegatten bestand nach der Tren-
nung keinerlei Kontakt mehr. In der Zwischenzeit hat die Beschwerdeführerin die Scheidung 
beantragt. Die Ehegemeinschaft wurde folglich mit dem Auszug aus der ehelichen Wohnung 
aufgelöst und der Ehewille der Beschwerdeführerin gilt ab dem gleichen Zeitpunkt als erlo-
schen. Wie in der Erwägung 5.3.2 hiervor ausgeführt, ist vorliegend die Berufung auf die nur 
noch formell bestehende Ehe rechtsmissbräuchlich. Damit besteht – wie die Vorinstanzen rich-
tig erkannt haben – kein Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 50 
Abs. 1 lit. a AIG. 
 
7.1. Zu prüfen ist, ob ein Aufenthaltsanspruch gestützt auf einen nachehelichen Härtefall 
gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG vorliegt. Nach Auflösung der Ehe oder der Familiengemein-
schaft besteht der Anspruch des Ehegatten und der Kinder auf Erteilung und Verlängerung der 
Aufenthaltsbewilligung nach den Artikeln 42 und 43 AIG weiter, wenn wichtige persönliche 
Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG). 
Wichtige persönliche Gründe nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG können namentlich vorliegen, wenn 
die Ehegattin oder der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde oder die Ehe nicht aus freiem 
Willen geschlossen hat oder die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet 
erscheint (Art. 50 Abs. 2 AIG). Die Aufzählung der wichtigen Gründe ist nicht abschliessend. Ein 
nachehelicher Härtefall setzt aufgrund der gesamten Umstände eine erhebliche Intensität der 
Konsequenzen für das Privat- und Familienleben voraus, die mit der Lebenssituation nach dem 
Dahinfallen der abgeleiteten Anwesenheitsberechtigung verbunden sein muss (vgl. SPESCHA, 
a.a.O., Rz 11 zu Art. 50 AIG; BGE 139 II 393 E. 6; KGE VV vom 31. Mai 2017 [810 16 69] 
E. 4.3.1).  
 
7.2. Häusliche Gewalt bedeutet systematische Misshandlung mit dem Ziel, Macht und Kon-
trolle auszuüben und nicht eine einmalige Ohrfeige oder eine verbale Beschimpfung im Verlauf 
eines eskalierenden Streits (vgl. Urteile des BGer 2C_915/2019 vom 13. März 2020 E. 3.3; 
2C_1024/2019 vom 27. August 2020 E. 4.3; 2C_293/2017 vom 30. Mai 2017 E. 3.1; 
2C_73/2013 vom 3. April 2014 E. 2). Dabei ist jede Form ehelicher bzw. häuslicher Gewalt, sei 

Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 

es körperlicher oder psychischer Natur, ernst zu nehmen (vgl. BGE 138 II 229 E. 3.2.1), wobei 
die physische und psychische Zwangsausübung und deren Auswirkungen von einer gewissen 
Konstanz bzw. Intensität sein müssen. Auch psychische bzw. sozioökonomische Druckaus-
übung wie dauerndes Beschimpfen, Erniedrigen, Drohen oder Einsperren kann einen für die 
Annahme eines nachehelichen Härtefalls relevanten Grad an unzulässiger Oppression errei-
chen. Dies ist praxisgemäss der Fall, wenn die psychische Integrität des Opfers bei einer Auf-
rechterhaltung der ehelichen Gemeinschaft schwer beeinträchtigt würde (vgl. Urteile des BGer 
2C_1024/2019 vom 27. August 2020 E. 4.3; 2C_915/2019 vom 13. März 2020 E. 3.4; 
2C_1072/2014 vom 9. Juli 2015 E. 2.3). Es muss feststehen, dass die eheliche Gewalt die be-
troffene Person so stark zu belasten droht, dass ihr die Fortführung der ehelichen Gemeinschaft 
nicht länger zugemutet werden kann. Nicht jede unglückliche, belastende und nicht den eigenen 
Vorstellungen entsprechende Entwicklung in einer Beziehung begründet indessen bereits einen 
nachehelichen Härtefall und ein weiteres Anwesenheitsrecht (vgl. Urteile des BGer 
2C_915/2019 vom 13. März 2020 E. 3.4; 2C_73/2013 vom 3. April 2014 E. 2). Die anhaltende, 
erniedrigende Behandlung muss derart schwerwiegen, dass von der betroffenen Person bei 
Berücksichtigung sämtlicher Umstände vernünftigerweise nicht erwartet werden kann, dass sie 
einzig aus bewilligungsrechtlichen Gründen die Ehe aufrechterhält und in einer ihre Menschen-
würde und Persönlichkeit verneinenden Beziehung verharrt. Eine glaubhaft gemachte oppres-
sionsbedingte Aufhebung der Hausgemeinschaft soll für die betroffene Person keine ausländer-
rechtlichen Nachteile zur Folge haben, wenn sie durch das Zusammenleben in ihrer Persönlich-
keit ernsthaft gefährdet wäre und ihr eine Fortführung der ehelichen Gemeinschaft bei objekti-
ver Betrachtungsweise nicht mehr zugemutet werden kann (BGE 138 II 229 E. 3.2.2 m.w.H.). 
Die Abhängigkeit des Opfers häuslicher Gewalt bzw. psychischer Oppression vom Täter soll 
durch die Bewilligungsfrage nicht verstärkt und die gewaltbetroffene nachgezogene Person 
nicht vor das Dilemma gestellt werden, in der Zwangssituation verbleiben oder den Verlust des 
Aufenthaltsrechts hinnehmen zu müssen. Dabei ist eine Gesamtbetrachtung vorzunehmen. 
Zwar können die eheliche Gewalt einerseits und die starke Gefährdung der sozialen Wiederein-
gliederung im Herkunftsland andererseits praxisgemäss je für sich allein einen wichtigen per-
sönlichen Grund im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG darstellen und sind die beiden Elemente 
nicht kumulativ zu verstehen; dies schliesst indessen nicht aus, im Einzelfall beide Elemente zu 
berücksichtigen und den Härtefall auch zu bejahen, wenn diese je für sich selber hierzu nicht 
genügen würden, ihre Kombination aber wertungsmässig einem wichtigen persönlichen Grund 
im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG gleichkommt (BGE 138 II 229 E. 3.2.2 m.w.H.). Bei niedri-
ger Intensität der Gewalterfahrung können zusätzlich private Interessen den weiteren Aufenthalt 
in der Schweiz gebieten, so etwa der Verlust hier geknüpfter sozialer Beziehungen oder eine im 
Vergleich zum Herkunftsland markant bessere wirtschaftliche Position in der Schweiz 
(SPESCHA, a.a.O., Rz 26 zu Art. 50 AIG). 
 
7.3. Das Vorliegen eines wichtigen persönlichen Grundes im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b 
i.V.m. Art. 50 Abs. 2 AIG ist von der betroffenen Person in geeigneter Weise glaubhaft zu ma-
chen, wobei diese eine weitreichende Mitwirkungspflicht trifft (vgl. BGE 138 II 229 E. 3.2.3). Als 
Beweismittel für häusliche Gewalt kommen Arztberichte, psychologische oder psychiatrische 
Gutachten, Berichte von Fachstellen wie Frauenhäusern oder Opferhilfestellen, Polizeirapporte 
oder Zeugenaussagen von weiteren Angehörigen oder Nachbarn in Frage (Art. 77 Abs. 5, 6 und 

Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 

6bis der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE] vom 24. Oktober 
2007; vgl. Urteil des BGer 2C_451/2014 vom 24. Dezember 2014 E. 6.2). Allgemein gehaltene 
Behauptungen oder Hinweise auf punktuelle Spannungen genügen nicht; wird häusliche Gewalt 
in Form psychischer Oppression behauptet, muss vielmehr die Systematik der Misshandlung 
bzw. deren zeitliches Andauern und die daraus entstehende subjektive Belastung objektiv 
nachvollziehbar konkretisiert und beweismässig unterlegt werden. Der Beweis ist geleistet, 
wenn sich das Gericht in Anwendung des zutreffenden Beweismasses von deren Vorhanden-
sein überzeugt hat; bei Anwendbarkeit des Beweismasses der Glaubhaftmachung ist ausrei-
chend, dass die Möglichkeit eines Zutreffens der behaupteten Tatsachen höher eingeschätzt 
wird als deren Gegenteil (vgl. Urteile des BGer 2C_1024/2019 vom 27. August 2020 E. 4.5; 
2C_915/2019 vom 13. März 2020 E. 3.5). Dasselbe gilt, soweit damit verbunden geltend ge-
macht werden soll, bei einer Rückkehr erweise sich die soziale Wiedereingliederung als stark 
gefährdet. Auch hier genügen allgemeine Hinweise nicht; die befürchtete Beeinträchtigung 
muss im Einzelfall aufgrund der konkreten Umstände glaubhaft erscheinen (vgl. Urteil des BGer 
2C_1072/2014 vom 9. Juli 2015 E. 2.4). Umgekehrt zum strafrechtlichen in dubio-Grundsatz ist 
aus Gründen eines effektiven Opferschutzes migrationsrechtlich im Zweifel oder in Grenzfällen 
zu Gunsten des mutmasslichen Gewaltopfers ein Verlängerungsanspruch zu bejahen 
(SPESCHA, a.a.O., Rz 28 zu Art. 50 AIG).  
 
7.4. Im Zusammenhang mit dem Verständnis des Begriffes häuslicher Gewalt ist Art. 50 
Abs. 1 lit. b AIG im Lichte der Istanbul-Konvention auszulegen. Diese ist für die Schweiz am 
1. April 2018 in Kraft getreten. Gemäss Art. 1 Istanbul-Konvention hat sich die Schweiz ver-
pflichtet, jegliche Form von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt zu bekämpfen und 
einen Beitrag zur Beseitigung der Diskriminierung der Frau zu leisten, insbesondere was be-
sonders schutzbedürftige Gruppen wie Migrantinnen anbelangt (Botschaft zur Genehmigung 
des Übereinkommens des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frau-
en und häuslicher Gewalt vom 2. Dezember 2016, BBl 2017 185, 213). Zu dieser Gruppe ge-
hört die Beschwerdeführerin ganz offensichtlich, weshalb die grundrechtlichen staatlichen 
Schutzpflichten (Art. 7 und Art. 35 Abs. 1 und 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen 
Eidgenossenschaft [BV] vom 18. April 1999; Art. 3 und Art. 8 EMRK; sowie Art. 5 und Art. 12 
Istanbul-Konvention), insbesondere der Schutz vor unwürdiger, erniedrigender Behandlung, es 
gebieten, nicht nur jede Form von Diskriminierung der Frau zu unterbinden, sondern auch an 
den Aufenthaltsanspruch von Migrantinnen, die häusliche Gewalt erlitten, keine zu hohen An-
forderungen zu stellen (vgl. Urteil des BGer 2C_915/2019 vom 13. März 2020 E. 5.2 m.w.H.).  
 
8.1.1. Gemäss Polizeirapport vom 2. September 2019 benachrichtigte ein Nachbar der Be-
schwerdeführerin die Polizei. Er erklärte der Polizei, dass die Beschwerdeführerin und ihr Sohn 
drei Wochen zuvor eingezogen seien. Am 2. September 2019 um 04:10 Uhr sei es losgegan-
gen. Er habe um 07:30 Uhr ein Geschrei und Geräusche gehört, als ob jemand geschlagen 
werde. Um 10:30 Uhr habe er ein weiteres Geschrei und ein Kreischen von der Beschwerdefüh-
rerin gehört und ein lautes Gepolter, als ob jemand die Treppe hinuntergestossen werde. Um 
10:45 Uhr sei dann wieder Ruhe gewesen. Er habe dann umgehend die Polizei gerufen.  
 

Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 

8.1.2. Die Polizei hält in ihrem Rapport vom 2. September 2019 fest, dass sie bei ihrem Eintref-
fen die Beschwerdeführerin vor der Wohnungstür vorgefunden habe. Sie habe geweint und sei 
sichtlich mitgenommen gewesen und habe sich gegenüber der Polizei anständig verhalten. Der 
Sohn sei in der Schule gewesen. Der Ehemann habe sich der Polizei gegenüber unkooperativ 
und unfreundlich verhalten. Er sei angetrieben gewesen. Eine Atemalkoholprobe habe nicht 
durchgeführt werden können, da er zu wenig lange habe pusten können. Es seien keine Anzei-
chen für Alkoholkonsum erkennbar gewesen. Der Drogenschnelltest sei positiv gewesen. Bei 
der Beschwerdeführerin sei der Drogenschnelltest negativ ausgefallen. Die Atemalkoholprobe 
habe ein Ergebnis von 0.00 mg/l gezeigt. 
 
Die Beschwerdeführerin berichtete der Polizei, dass der Ehemann am Abend des 1. September 
2019 Alkohol getrunken und Kokain konsumiert habe. Anschliessend habe er die Wohnung ver-
lassen. Im Laufe der Nacht sei er wieder nach Hause gekommen. Sie habe die Türe zum 
Schlafzimmer abgeschlossen. Er habe gegen die Türe gehämmert, viel Lärm gemacht und ihr 
gesagt, dass sei sein Haus und sie dürfe die Türe nicht schliessen. Sie habe dann die Türe ge-
öffnet und ihm gesagt, er solle wegen der Nachbarn nicht so laut sein. Er habe sie dann aufs 
Bett geschubst. Sie habe versucht zu schlafen, aber ihr Ehemann sei die ganze Nacht in der 
Wohnung herumgelaufen und habe sie immer wieder geweckt und ihr gesagt, sie müsse die 
Wohnung verlassen, er würde sich eine andere Frau suchen. Das sei die ganze Nacht so wei-
tergegangen und sie habe nicht schlafen können. Sie habe am Morgen ihren Sohn zur Schule 
gebracht. Nachdem sie wieder zu Hause gewesen sei, habe sie sich ins Bett des Sohnes schla-
fen gelegt, weil sie die ganze Nacht nicht habe schlafen können. Der Ehemann sei dann wieder 
zu ihr gekommen, habe sie am Arm gerissen und an ihrer rechten Seite (Höhe Hüfte/Nieren) 
gerissen. Darauf sei sie vor die Wohnung gegangen, wo ihre Nachbarn aufgrund des Lärms 
bereits gestanden hätten, und habe sie um Hilfe gebeten. Ihr Ehemann habe sie schon ein paar 
Tage vorher an der Schulter gepackt und geschüttelt. Einmal sei er auch mit den Fäusten auf 
sie losgegangen. Er habe sie mit der rechten Faust auf ihren rechten Oberarm geschlagen.  
 
Der Ehemann führte gegenüber der Polizei aus, er sei drei Mal in Äthiopien gewesen, da sei die 
Ehefrau anders gewesen. Sie meine, hier könne sie "Madame spielen", und sie komme ihren 
ehelichen Pflichten nicht nach. Er habe sie gefragt, ob sie seinetwegen oder des Visums wegen 
hier sei. Sie habe geantwortet, es sei nicht wegen des Visums. Dann sei es zum Streit gekom-
men. Er habe gewollt, dass sie gehe. Er habe sie auch an der Hüfte gehalten und nach 
draussen führen wollen, da habe sie angefangen zu schreien. Zu körperlichen Auseinanderset-
zungen sei es nicht gekommen. Sie hätten sonst noch nie so einen Streit gehabt. Sie hätten 
beide weder Alkohol noch Drogen konsumiert. Nachdem er sie am Morgen an der Hüfte ange-
fasst habe, sei sie gleich aufgesprungen und habe sich an der Seite gehalten, habe eine Tür 
zugeknallt und habe die Wohnung verlassen.  
 
8.1.3. In der Einvernahme vom 28. Januar 2020 erzählte die Beschwerdeführerin, dass ihr 
Ehemann sie nicht vom Flughafen Frankfurt abgeholt habe, als sie von Äthiopien in die Schweiz 
eingereist sei. Als sie in der Wohnung des Ehemannes angekommen sei, hätten am Boden vie-
le Zigarettenkrümel und Alkoholflaschen gelegen. Als sie sich kennen gelernt hätten, habe er 
angegeben, nicht zu rauchen und nicht zu trinken. Er sei plötzlich verändert gewesen, sei 

Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 

nachts viel unterwegs gewesen und sie hätten kaum schlafen können. Er habe auch zu Hause 
Kokain konsumiert. Er habe ihren Sohn nicht mehr gewollt und habe sich über dessen Verhal-
ten beklagt. Sie habe Angst bekommen, dass er ihrem Sohn etwas antue. Er habe nichts zu 
essen gekauft und habe ihr auch kein Geld gegeben, um einzukaufen. Er habe sie beschimpft 
und zum Schluss sei er gewalttätig geworden, habe sie an den Haaren gerissen, zu Boden ge-
schubst und sie angespuckt. Das habe er immer wieder getan. Sie habe nicht mehr schlafen 
können, es habe nichts mehr zu essen gegeben. Er habe mit ihr Geschlechtsverkehr gehabt 
und dann vor ihr mit anderen Frauen telefoniert und sei dann aus der Wohnung gegangen. Er 
habe sie aufgefordert, die Wohnung zu verlassen. Sie hat weiter angegeben, dass er eine 
Nacht lang Kokain konsumiert habe und sie nicht habe schlafen lassen. Er habe ihr gedroht, 
sollte sie jemandem von seinem Kokainkonsum erzählen. Er habe auch Tabletten genommen. 
Er habe sie immer wieder geschubst und auf den Rücken geschlagen und ihr öfters ins Gesicht 
gespuckt. Sie habe das wegen ihres Sohnes über sich ergehen lassen. Sie sei oft mit ihrem 
Sohn in den Park gegangen, um nicht in der Wohnung zu sein. Am 2. September 2019 habe er 
ihr die Hände nach hinten gedreht und sie in die Seite auf der Höhe der Nieren geschlagen. 
Das sei sehr schmerzhaft gewesen. Sie habe dann angefangen zu weinen und zu schreien, 
danach habe die Nachbarin die Polizei angerufen. Sie habe dann der Polizei gesagt, dass sie 
die Situation nicht mehr ertrage und dass sie Angst um sich hätte, müsste sie in der Wohnung 
bleiben.  
 
8.1.4. In der Einvernahme vom 27. Februar 2020 bestritt der Ehemann die Darstellungen der 
Ehefrau. Er habe sie nie geschlagen, bespuckt oder beleidigt. Sie habe keine Beweise, nicht 
einmal einen blauen Flecken. Sie habe nicht mit ihm reden wollen, habe mit ihrem Sohn im Bett 
geschlafen und habe den Haushalt nicht gemacht. Er habe sich aufgeregt, wenn er abends 
nach Hause gekommen sei und sie nicht gekocht, nicht aufgeräumt und nicht gebügelt habe. Es 
sei wie in einer Wohngemeinschaft gewesen. Die Verständigung sei schwierig gewesen, da 
beide schlecht Englisch könnten. Sie habe ihn nur wegen der Bewilligung geheiratet. Sie habe 
ihm vorgeworfen, dass er reden wolle. Er habe sie geheiratet, um ihrer Schwester einen Gefal-
len zu tun. Er habe Zweifel gehabt, deshalb habe er 3 Jahre mit der Antragstellung auf Vi-
sumserteilung zugewartet. Er sei 14 Jahre lang mit seiner Exfrau verheiratet gewesen und habe 
drei erwachsene Töchter. Er habe weder seine Exfrau noch die Töchter geschlagen. Die Ehe 
sei auseinander, weil er zu viel gearbeitet habe. Er habe ein gutes Verhältnis zu seinen Töch-
tern. Die Beschwerdeführerin wisse nicht, wie eine Ehe funktioniere, sie sei direkt vom "Mutter-
haus" gekommen. Er habe der Beschwerdeführerin gesagt, sie solle ein paar Tage zu ihrer 
Schwester gehen, damit er etwas Ruhe habe, und habe ihr die Koffer gepackt. Das habe er mit 
seinem Psychiater abgesprochen. Sie habe aber nicht gehen wollen. Ihre Schwester habe ihm 
gesagt, er solle ihr nochmals eine Chance geben. Am 2. September 2019 habe er seine Ehe-
frau nur umarmt, als diese auf dem Bett gesessen sei. Sie sei dann aufgesprungen und habe 
die Türe zugeschlagen. Dann sei sie zur Haustüre und habe geschrien. Er sei selber darüber 
erschrocken.  
 
8.2. Aus dem Beschluss des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, vom 22. September 2020 
geht hervor, dass die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerdeschrift vom 16. Juli 2020 geltend 
gemacht habe, seit ihrer Einreise in die Schweiz von ihrem Ehemann psychische und physische 

Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Gewalt erlebt zu haben. Anlässlich ihrer Einvernahme vom 28. Januar 2020 habe sie unter an-
derem unter Tränen geschildert, dass sich ihr Ehemann verändert habe. Er habe Kokain ge-
kauft und konsumiert. Zuhause habe es kaum zu essen gegeben. Aus Angst und Sorge habe 
sie kaum schlafen können. Der Ehemann habe sie beschimpft, ihr ins Gesicht gespuckt und sie 
zu Boden geschubst. Nur widerwillig habe sie mit ihrem Mann Geschlechtsverkehr gehabt.  
 
Gemäss Beschluss des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, bestreitet der Ehemann die Vor-
würfe der Ehefrau. Er schildert, sie komme weder ihren ehelichen Pflichten nach, so koche sie 
nicht, räume nicht auf und bügle nicht, noch arbeite sie. Sie hätten am 2. September 2019 ge-
stritten, er habe aber die Ehefrau nicht geschlagen. Seine Frau sei verlogen, sie habe wohl zu 
viele Mafiafilme geschaut.  
 
Das Kantonsgericht, Abteilung Strafrecht, führt in seinem Beschluss vom 22. September 2020 
aus, dass in casu eine klassische Aussage-gegen-Aussage-Konstellation vorliege, sodass allein 
schon aus diesem Grund der oben erwähnte Grundsatz «in dubio pro duriore» zur Anwendung 
gelange. Das Kantonsgericht, Abteilung Strafrecht, kommt – im Gegensatz zur Auffassung der 
Staatsanwaltschaft – zum Schluss, dass nach einer summarischen Prüfung aller Aussagen die 
Depositionen der Privatklägerin insgesamt glaubhafter als diejenigen des Beschuldigten wirken 
würden. Während sich die Ausführungen des Beschuldigten weitgehend rudimentär und un-
stimmig, verbunden mit auffallend abschätzigen Bemerkungen zur Person der Privatklägerin, 
darstellen würden, würden die Depositionen der Privatklägerin eine Fülle von Realkennzeichen 
enthalten. So würden sich diese nicht nur plausibler und detaillierter als diejenigen des Be-
schuldigten darstellen; sie würden auch keine unnötigen Belastungen desselben enthalten. 
Auch würden sich die Aussagen der Privatklägerin durch nachvollziehbare Beschreibungen 
ihres Gemütszustands sowie Nebensächlichkeiten auszeichnen, was ebenso für einen realen 
Erlebnishintergrund spreche. Insbesondere aber würden die Aussagen der Privatklägerin, ent-
gegen der Ansicht der Staatsanwaltschaft, durch diverse weitere Indizien objektiviert. Wie im 
Beschluss ausgeführt, sei Überdies zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte laut eigenen 
Angaben unter einer bipolaren Depression leide und u.a. zum Stabilisieren Medikamente ein-
nehmen müsse. Aus einer ärztlichen Bestätigung von Dr. med. L._____, N.____, vom 5. No-
vember 2019 gehe ebenfalls hervor, dass der Beschuldigte im Sommer 2019 an einer Stim-
mungsinstabilität gelitten habe, die es ihm erschwert habe, immer ruhig und überlegt zu han-
deln. Zudem wird auf die Auflösung des Arbeitsverhältnisses mit der M._____ hingewiesen. 
Gemäss Schreiben der M._____ vom 23. August 2019 wurde C.____ per 23. August 2019 frei-
gestellt und das Arbeitsverhältnis mit diesem per 30. September 2019 aufgelöst. Die Abteilung 
Strafrecht des Kantonsgerichts weist weiter darauf hin, dass der Beschuldigte bereits fünffach, 
unter anderem wegen Konsums von Betäubungsmitteln und wegen Fahrens in alkoholisiertem 
Zustand, vorbestraft sei. Auch wenn all diese Umstände keinen direkten Beweis für die vorge-
haltenen Delikte des Beschuldigten gegenüber der Privatklägerin liefern würden, würden sie 
doch wesentliche Indizien bilden, welche die von der Privatklägerin beschriebene Wesensvers-
änderung des Beschuldigten, sei dies aufgrund einer Erkrankung, sei dies aufgrund äusserer 
Umstände wie Drogenkonsum oder Verlust der Arbeitsstelle, unterstützen und damit die Glaub-
haftigkeit der Aussagen der Privatklägerin in ihrer Gesamtheit verstärken würden. Schliesslich 
weise die Privatklägerin ebenfalls zu Recht darauf hin, dass der Beschuldigte anlässlich einer 

Seite 15 http://www.bl.ch/kantonsgericht 

polizeilichen Verkehrskontrolle vom 11. September 2019 gegenüber der Polizei selbst angege-
ben habe, es sei ihm Anfang September "alles zu viel" geworden und er habe zu Hause Kokain 
konsumiert. Auch habe er seine Frau geschlagen und die Polizei sei bei ihm erschienen. Nach 
Vorhalt dieser Aussage anlässlich der Einvernahme vom 27. Februar 2020 habe der Beschul-
digte jedoch bestritten, eine derartige Aussage gemacht zu haben, und wiederholt, er habe sei-
ne Frau nie geschlagen.  
 
Das Kantonsgericht, Abteilung Strafrecht, kam zum Schluss, angesichts des Dargestellten sei 
kein Fall gegeben, bei welchem mit Sicherheit oder mit grosser Wahrscheinlichkeit mit einem 
Freispruch des Beschuldigten zu rechnen sei, wie dies die Staatsanwaltschaft in ihrer Einstel-
lungsverfügung begründe; hierfür stelle sich die Beweislage als viel zu unsicher dar.  
 
8.3. Im Journal der Opferhilfe vom 10. September 2019 wird ausgeführt, was die Beschwer-
deführerin zur Ehe und zum Ereignis vom 2. September 2019 bereits der Polizei mitgeteilt hatte. 
Darin wird auch festgehalten, dass sie in Äthiopien ausgebildete Krankenschwester sei.  
 
8.4. Im Bericht der E.____ vom 18. August 2020 wird unter anderem ausgeführt, dass die 
Beschwerdeführerin Deutschkurse pflichtbewusst besucht habe und besuche und ersichtliche 
Fortschritte erzielt habe. Des Weiteren spreche die Beschwerdeführerin recht gut Englisch. Der 
Sohn habe sich in der Zwischenzeit nach Anfangsschwierigkeiten in einer Kleinklasse gut inte-
griert und habe schon ziemlich gut Deutsch gelernt. Er habe von Schlägen in der äthiopischen 
Schule berichtet und davon, dass er selbst Zeuge von Gewalt gegenüber seiner Mutter gewe-
sen sei.  
 
8.5. Dem Bericht vom 21. September 2020 der Akutambulanz Zentrum für Diagnostik der 
Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) ist unter dem Titel "Eintrittsumstände" zu 
entnehmen, dass die Beschwerdeführerin vom Hausarzt überwiesen worden sei. Die Be-
schwerdeführerin habe wiederholt verbale und körperliche Gewalt erfahren sowie einen Ge-
waltexzess am 2. September 2019 mit Todesangst. Es wurde eine starke Belastung inklusive 
lebensmüder Ideationen beschrieben. Die Beschwerdeführerin lebe nur noch für ihren Sohn. 
Des Weiteren wurden genannt: "Starke Schlafstörungen mit Früherwachen und Morgentief, Ver-
folgungsängste, erhöhte Schreckhaftigkeit, Appetitverlust und Gewichtsverlust. Freud-/Inte-
ressenlosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten. Sich aufdrängende Erinnerungen sowie teils 
angstvolle Träume aus Gewaltsituationen." Überdies wurden auch schwierige Erlebnisse mit 
dem Kindsvater in Äthiopien geschildert. Als psychische Befunde wird ausgeführt: "Formalge-
danklich eingeengt auf depressives Erleben, Grübeln, Gedankenkreisen. Kein Hinweis auf in-
haltliche Denkstörung, bis auf Gefühl des Verfolgtwerdens." Des Weiteren wird sie als affektiv 
niedergestimmt, labil, ängstlich, innerlich unruhig, ambivalent, antriebsarm beschrieben.  
 
8.6. Nach zweimaliger Behandlung am 9. und am 22. Dezember 2020 diagnostizieren 
O._____, Oberarzt, und Dr. I.____, Assistenzärztin, Psychiatrie Baselland, in ihrem Bericht vom 
20. Dezember 2020 bei der Beschwerdeführerin eine mittelgradige depressive Episode, welche 
aufgrund schwerer und wiederholter zwischenmenschlicher Gewalterfahrungen im Rahmen 
einer Traumafolgestörung gewertet werde. Das zusätzliche Vorliegen einer Posttraumatischen 

Seite 16 http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Belastungsstörung im engeren Sinne bedürfe aufgrund der kurzen Behandlungsdauer einer 
näheren Abklärung. Es wird ausgeführt, die Beschwerdeführerin lebe nach schwerwiegender 
zwischenmenschlicher (und sexualisierter) Gewalterfahrung durch den Noch-Ehemann von die-
sem getrennt. Es bestünden auch andeutungsweise Gewalterfahrungen mit dem Kindsvater. Es 
wird ausgeführt, dass im Falle einer Wegweisung der Beschwerdeführerin mit dem hohen Risi-
ko einer psychischen Dekompensation zu rechnen wäre, was mit akuter Suizidalität einherge-
hen könne. Die Beschwerdeführerin sei als vulnerable Person zu betrachten. Dr. I.____ wird an 
der heutigen Verhandlung gebeten zu erklären, wie dieser Bericht vom 20. Dezember 2020 den 
Behandlungstermin vom späteren 22. Dezember 2020 enthalten könne. Sie antwortet, dass sie 
den Bericht wohl nach dem ersten Gespräch "eröffnet" und nach dem zweiten Gespräch er-
gänzt und fertig gestellt und dabei vergessen habe, das Datum zu korrigieren.  
 
8.7. O._____ und Dr. I.____ führen in ihrem Bericht vom 31. März 2021 aus, dass die Diag-
nosen einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD 10: F32.1) und einer Posttraumatischen 
Belastungsstörung (ICD 1 0: F43.1) bestätigt worden seien. So weise die Beschwerdeführerin 
nebst einer Beeinträchtigung der Stimmung intrusives Erinnerungserleben auf mit inhaltlichem 
Bezug zu den wiederholten Erfahrungen zwischenmenschlicher Gewalt durch den Ehemann 
(körperliche Gewalt; Einschliessen in einem Zimmer; Deprivation von Nahrungsmitteln). Ebenso 
weise die Beschwerdeführerin eine emotionale Übererregtheit aus, welche sich beispielsweise 
in Form von Schlafstörungen manifestiere, und ein Vermeidungsverhalten mit starkem zwi-
schenmenschlichen Vertrauensschwierigkeiten. Die Indikation zu einer intensiven psychiatrisch-
psychotherapeutischen Behandlung sei weiterhin klar gegeben, wobei eine störungsspezifische 
Behandlung im Sinne einer Traumatherapie indiziert sei. Mittels ergänzender Erhebung der bio-
graphischen Anamnese habe inzwischen in Erfahrung gebracht werden können, dass die Ent-
stehung der Posttraumatischen Belastungsstörung in einem klaren Kausalitätsverhältnis zu den 
Erfahrungen frauenspezifischer Gewalt durch den Ex-Ehemann in der Schweiz stehe. Der in 
Äthiopien lebende Kindsvater hingegen habe ihr nach Beendigung der Beziehung einmalig ei-
nen Schlag versetzt, bis dahin aber nie körperliche Gewalt gegen sie ausgeübt. Weiterhin wer-
de davon ausgegangen, dass im Falle einer Wegweisung mit dem hohen Risiko einer psychi-
schen Dekompensation zu rechnen wäre, was mit akuter Suizidalität einhergehen könnte. Auch 
sei weiterhin anzunehmen, dass im Herkunftsland Äthiopien keinerlei adäquate psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stünden, einerseits aufgrund 
des aktuellen Bürgerkriegskontextes, andererseits aber vor allem auch aufgrund der Notwen-
digkeit einer sogenannten störungsspezifischen Therapie: So sei die Beschwerdeführerin auf-
grund der traumatischen Erlebnisse, welche sie durch ihren Ex-Ehemann in der Schweiz erfah-
ren habe, für eine Heilung auf eine Traumatherapie angewiesen; das Angebot für diese spezifi-
sche Psychotherapieform sei selbst in den hiesigen Versorgungsverhältnissen sehr limitiert, 
sodass davon ausgegangen werden müsse, dass die Beschwerdeführerin in Äthiopien keine 
adäquate Versorgung in Anspruch nehmen könne. Ebenso sei relevant, dass die Beschwerde-
führerin als alleinerziehende Mutter und Opfer frauenspezifischer Gewalt im Falle einer Rück-
kehr nach Äthiopien ein hohes Risiko einer Retraumatisierung bzw. Reviktimisierung aufweise. 
 
8.8 Die Schulleitung der Primarstufe F.____ führt in ihrem Bericht vom 4. August 2020 aus, 
dass es B.____ seit dem Klassenwechsel per 9. März 2020 in der Schule markant besser gehe. 

Seite 17 http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Auch habe er in der Sozialkompetenz Fortschritte gemacht und sei allgemein ausgeglichener. 
B.____ scheine nun auf dem richtigen Weg zu sein. Es wäre fatal, wenn B.____ nun zurück 
nach Äthiopien müsste, da seine persönliche und schulische Entwicklung dadurch enorm ge-
fährdet wären.  
 
8.9. Dem Bericht des Tagesheims P._____ vom 29. September 2020 ist zu entnehmen, dass 
der Sohn der Beschwerdeführerin sich in kürzester Zeit mit anderen Kindern angefreundet ha-
be. Dabei spreche er Schweizerdeutsch und Hochdeutsch. Er habe innerhalb von kurzer Zeit 
die Sprache gelernt. Dies sei für sein Alter aussergewöhnlich. Eine Rückführung in sein Heimat-
land würde vermutlich bei ihm einen Schock und Unverständnis auslösen. Dabei werde er von 
seiner neuen Heimat entwurzelt und dies würde sich negativ auf seine Entwicklung auswirken. 
 
8.10. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung führt Dr. I.____ aus, dass die Therapiesitzun-
gen in der Muttersprache mit immer derselben Dolmetscherin stattfänden. Im März 2020 sei 
geplant gewesen, dass die Beschwerdeführerin wöchentlich eine Therapiesitzung habe. Sie 
habe aber im Juli 2021 die Arbeit aufgenommen und deshalb sei nur noch ein Termin im Monat 
möglich. Aufgrund der niedrigen Therapiefrequenz und des unsicheren Aufenthaltsstatus sei es 
schwierig, Fortschritt zu machen. In der Traumatherapie müsse die Patientin zuerst stabilisiert 
und ein geschützter Rahmen geschaffen werden, bevor begonnen werden könne, die Patientin 
mit den Traumen zu konfrontieren, um diese "vom heissen ins kalte Gedächtnis" überführen zu 
können. Anlässlich der Parteiverhandlung wird Dr. I.____ vom Vizepräsidenten darauf hinge-
wiesen, sie habe im Bericht vom 31. März 2021 ausgeführt, die Entstehung der Posttraumati-
schen Belastungsstörung stehe in einem klaren Kausalitätsverhältnis zu den Erfahrungen frau-
enspezifischer Gewalt durch den Noch-Ehemann in der Schweiz. Dr. I.____ führt aus, dass es 
unter anderem aufgrund der geschilderten Flashbacks und Alpträume, welche typisch seien für 
Posttraumatische Belastungsstörungen, keinen Anlass gegeben habe, an der Wahrheit der 
Schilderungen der Beschwerdeführerin zu zweifeln. Die Beschwerdeführerin habe ihr sehr 
plausibel erklären können, wie sie versucht habe, den Sohn zu schützen, wie es gewesen sei, 
eingesperrt zu sein und nichts zu essen zu haben. Sie habe ihr von der körperlichen Gewalt 
und dem nicht einvernehmlichen Sex erzählt. Auf die Frage, weshalb sich die Beschwerdefüh-
rerin erst ein Jahr nach dem Vorfall im September 2019 in psychiatrische Behandlung begeben 
habe, antwortet Dr. I.____, dass die Beschwerdeführerin zuerst in einem Frauenhaus gewohnt 
habe, dann sei sie in eine Sozialwohnung umgezogen. Sie nehme an, dass sich unter den Um-
ständen vorerst Fragen des alltäglichen Überlebens stellen würden. Auf Frage des Gerichts 
antwortet Dr. I.____, dass sie die Beschwerdeführerin gefragt habe, ob der Kindsvater gewalttä-
tig gewesen sei. Sie habe dies verneint und erklärt, er habe sie nur einmal im Affekt geohrfeigt. 
Es sei nicht mit dem vergleichbar gewesen, was sie hier in ihrer Ehe erlebt habe. Es gebe für 
sie keine Anhaltspunkte an dieser Aussage zu zweifeln.  
 
8.11. Die Beschwerdeführerin schildert anlässlich der heutigen Verhandlung das Ereignis vom 
2. September 2019, wie sie es bereits anlässlich der Anhörung vor der Polizei getan hat. Die 
Beschwerdeführerin führt heute auf Frage aus, dass sie nicht mehr sozialabhängig sei und ihr 
das Geld, das sie verdiene, zum Leben ausreiche. Sie habe sogar schon Geld an die Sozialhilfe 
zurückbezahlt.  

Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 
8.12. Die Schwester der Beschwerdeführerin erzählt an der heutigen Verhandlung, dass sie 
regelmässig mit der Beschwerdeführerin einkaufen gegangen sei und das Essen auch bezahlt 
habe. Sie habe die Beschwerdeführerin zwei Mal im Park angetroffen, weil diese nicht in der 
Wohnung habe bleiben wollen, und die Beschwerdeführerin habe auch einmal anschliessend 
mit ihrem Sohn bei ihr übernachtet. Auf Frage antwortet sie, sie habe ein- oder zweimal einen 
Streit zwischen ihrer Schwester und ihrem Ehemann mitgekommen. Einmal habe die Schwester 
ein Hämatom gehabt. Ihre Schwester habe ihr erzählt, beim letzten Mal habe er sie geschlagen. 
Es habe Streit gegeben, wenn er Drogen konsumiert habe. Er habe sie zweimal eingeschlos-
sen.  
 
9.1. Als Beweismittel für häusliche Gewalt kommen Arztberichte, psychologische oder psy-
chiatrische Gutachten, Berichte von Fachstellen wie Frauenhäusern oder Opferhilfestellen, Po-
lizeirapporte oder Zeugenaussagen von weiteren Angehörigen oder Nachbarn in Frage (siehe 
E. 7.3 hiervor). Es liegen unter anderem vor: der Polizeirapport über das Ereignis vom 
2. September 2019, das Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, vom 22. September 
2020, welches die Aussagen der Beschwerdeführerin als glaubwürdiger einschätzt als jene des 
Ehemannes, und die Aussagen der Nachbarin und des Nachbarn der Beschwerdeführerin, wel-
che am 2. September 2019 die Polizei alarmierten, und vor allem die zwei Berichte und die 
Aussagen von Dr. I.____ an der heutigen Verhandlung.  
 
9.2. Das Zusammenleben der Beschwerdeführerin mit dem Ehemann hat sehr kurz gedau-
ert. Eine derartig kurze Zeitdauer reicht – ausser bei schwerwiegender Gewalt – in der Regel 
nicht aus, um den Tatbestand des nachehelichen Härtefalls zu erfüllen. Dr. I.____ erachtet die 
von der Beschwerdeführerin gemachten Ausführungen betreffend wiederholte Erfahrungen 
schwerwiegender zwischenmenschlicher und sexualisierter Gewalt durch den Ehemann (kör-
perliche Gewalt; Einschliessen in einem Zimmer; Deprivation von Nahrungsmitteln) als glaub-
würdig und sieht die Entstehung der Posttraumatischen Belastungsstörung in einem klaren 
Kausalitätsverhältnis zu den Erfahrungen frauenspezifischer Gewalt durch den Ehemann. Ge-
mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist ein besonderes Augenmerk auch den Berichten 
von Fachexperten zu schenken, deren Aussagekraft nicht schon dadurch geschmälert wird, 
dass diese vorwiegend auf den Aussagen der Opfer beruhen bzw. diese vom mutmasslichen 
Täter bestritten werden (vgl. Urteile des BGer 2C_1024/2019 vom 27. August 2020 E. 5.3.1; 
2C_915/2019 vom 13. März 2020 E. 5.7). Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, an den Ausfüh-
rungen von Dr. I.____, bei welcher die Beschwerdeführerin seit über zwei Jahren in Behandlung 
ist und die an der Verhandlung ihre Einschätzung klar erläutert hat, zu zweifeln. Des Weiteren 
wirken gemäss Beschluss des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, vom 22. September 2020 
die Depositionen der Beschwerdeführerin insgesamt glaubhafter als diejenigen des Beschuldig-
ten.  
 
9.3. Aufgrund der vorliegenden Akten kommt das Kantonsgericht – trotz einiger Widersprü-
che zwischen den verschiedenen Aussagen – zum Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit wie-
derholter psychischer und physischer Gewalt höher einzuschätzen ist als das Gegenteil und 
dass damit das Beweismass der Glaubhaftmachung erreicht ist. Des Weiteren ist aus den Ein-

Seite 19 http://www.bl.ch/kantonsgericht 

schätzungen von Dr. I.____ zu folgern, dass die Gewaltausübung trotz der kurzen Dauer inten-
siv war und die subjektive Belastung der Beschwerdeführerin auch objektiv nachvollziehbar ist. 
Der Ehemann befand sich im Sommer 2019 in einer psychisch schwierigen Zeit, litt gemäss 
eigenen Angaben in der fraglichen Zeit an einer bipolaren Depression und nahm u.a. zum Sta-
bilisieren Medikamente ein, litt gemäss ärztlicher Bestätigung von Dr. L._____ im Sommer 2019 
zudem an einer Stimmungsinstabilität, die es ihm erschwerte, immer ruhig und überlegt zu han-
deln, und wurde per 23. August 2019 von seiner damaligen Arbeitgeberin freigestellt. Auch die 
Aussage der Beschwerdeführerin, der Ehemann habe Kokain konsumiert, stimmt mit dem posi-
tiven Resultat des Schelltests der Polizei vom 2. September 2019 überein. Diese Umstände 
führen dazu, dass die Wesensveränderung und die Stimmungsumschwünge und die damit ein-
hergehende Unberechenbarkeit der Handlungen des Ehemannes, welche die Beschwerdefüh-
rerin an den Verhandlungen mehrmals umschrieben hat, glaubhaft konkretisiert sind und daraus 
objektiv nachvollzogen werden kann, dass die Beschwerdeführerin um sich und ihren Sohn 
Angst hatte. Unter diesen Umständen war es der Beschwerdeführerin nicht zumutbar, einzig 
aus bewilligungsrechtlichen Gründen mit dem Ehemann zusammenzuleben. Die Gewaltintensi-
tät ist im Vergleich zu anderen nachehelichen Härtefällen eher niedrig. Es rechtfertigt sich daher 
auch die privaten Interessen zu berücksichtigen (vgl. E. 7.2 hiervor). Die Beschwerdeführerin, 
die arbeitstätig und nicht sozialhilfeabhängig ist, hat gewichtige persönliche Gründe, weiter in 
der Schweiz bleiben zu können. Sie kann die Traumatherapie hier fortsetzen. Gemäss 
Dr. I.____ ist mit fehlenden adäquaten Behandlungsmöglichkeiten in Äthiopien zu rechnen. 
Selbst in der Schweiz ist das Angebot für Traumatherapien beschränkt. Des Weiteren erklärt 
die Beschwerdeführerin an der Verhandlung, bei einer Rückkehr nicht in das Haus, in dem sie 
vor ihrer Einreise in die Schweiz gewohnt hat, zurückkehren zu können, da nun ihr Bruder mit 
seiner Familie und ihre Mutter dort wohnten. Gemäss heutiger Aussage von Dr. I.____ hat die 
Beschwerdeführerin überdies ihrer Mutter aus Scham- und Schuldgefühlen nicht mitgeteilt, dass 
ihre Ehe gescheitert ist. Als alleinerziehende Mutter und Opfer sexualisierter Gewalt ist die Be-
schwerdeführerin, wie Dr. I.____ ausführt, zudem aus medizinisch-psychiatrischer Sicht in Äthi-
opien ganz grundsätzlich als vulnerable Person zu betrachten. In Äthiopien herrschen überdies 
zur Zeit sehr schwierige politische Verhältnisse. Des Weiteren ist ihr Sohn mit 7.5 Jahren hier in 
die Schule eingetreten und hat jetzt über 3 Jahre hier die Schule besucht. Er hat schnell 
Deutsch und Schweizerdeutsch gelernt und ist nach anfänglichen Schwierigkeiten nun in der 
Schule integriert. Eine Rückkehr würde auch für ihn gewichtige negative Folgen haben.  
 
9.4. Das Kantonsgericht kommt zum Schluss, dass trotz der sehr kurzen Dauer des Zusam-
menlebens und der nicht vorhandenen körperlichen "Beweise" von Gewaltanwendung, aufgrund 
der gesamten Umstände ein nachehelicher Härtefall im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG i.V.m. 
Art. 50 Abs. 2 AIG zu bejahen ist. Die Beschwerde ist folglich gutzuheissen und das AFMB an-
zuweisen, den Beschwerdeführern eine Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. b 
AIG zu erteilen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens erübrigt sich die Prüfung, ob ein Anspruch 
auf Aufenthaltsbewilligung aufgrund der starken Gefährdung der sozialen Wiedereingliederung 
im Herkunftsland gegeben wäre.  
 
10.1. Es bleibt über die Kosten des vorliegenden Verfahrens zu befinden. Gemäss § 20 Abs. 1 
VPO ist das Verfahren vor Kantonsgericht kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten werden in der 

Seite 20 http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt. Die Verfahrenskosten in 
der Höhe von Fr. 3'000.-- sind dem Regierungsrat aufzuerlegen.  
 
10.2. Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei kann für den Beizug eines Anwalts bzw. 
einer Anwältin eine angemessene Parteientschädigung zugesprochen werden (§ 21 Abs. 1 
VPO). Die Rechtsvertreterin der obsiegenden Beschwerdeführerin macht in ihrer Honorarnote 
vom 16. August 2021 für ihre Bemühungen in der Zeit vom 25. März 2021 bis 16. August 2021 
einen Aufwand von 7.07 Stunden à Fr. 200.-- und einen Aufwand für die Arbeit des Volontärs 
von 39.99 Stunden à Fr. 100.-- und Auslagen in der Höhe von Fr. 201.40 (alles exkl. MWST) 
geltend. Der Aufwand der Rechtsvertreterin in der Höhe von 7.07 Stunden und die Auslagen 
sind nicht zu beanstanden. Die geltend gemachten Stunden für die Arbeit des Volontärs sind 
nicht angemessen, zumal Teile der Beschwerdebegründung an der Sache vorbeigehen. Das 
Kantonsgericht erachtet einen Aufwand von 25 Stunden als angemessen. In der Honorarnote 
vom 9. Februar 2022 macht die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin für die Zeit vom 
24. August 2021 bis zum 9. Februar 2022 einen Zeitaufwand von 9.84 Stunden, wobei die heu-
tige und damit zweite Parteiverhandlung darin nicht enthalten ist, und Auslagen von Fr. 31.30 
geltend (Fr. 2'153.25 inkl. MWST), was nicht zu beanstanden ist. Für die heutige Verhandlung 
wird der Rechtsvertreterin ein Zeitaufwand von 5.5 Stunden hinzugerechnet. Der Regierungsrat 
hat der Beschwerdeführerin somit eine reduzierte Parteientschädigung in der Höhe von 
Fr. 7'770.25. (7.07 plus 9.84 plus 5.5 Stunden à jeweils Fr. 200.-- plus 25 Stunden à 100.-- plus 
Auslagen von Fr. 201.40 und von Fr. 31.30, alles zuzüglich 7.7 % MWST) zu bezahlen. Im Üb-
rigen werden die Parteikosten wettgeschlagen. 
  

Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Demgemäss wird  e r k a n n t : 
 
 
://: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Regierungsratsbeschluss des 

Kantons Basel-Landschaft Nr. 389 vom 23. März 2021 aufgehoben und 
das Amt für Migration und Bürgerrecht angewiesen, den Beschwerde-
führenden eine Aufenthaltsbewilligung im Sinne der Erwägungen zu 
erteilen. 

   
 2. Die Angelegenheit wird zur Neuverlegung der Kosten des vorinstanzli-

chen Verfahrens an den Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft 
zurückgewiesen. 

   
 3. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 3'000.-- werden dem Be-

schwerdegegner auferlegt. 
   
 4. Der Beschwerdegegner hat der Beschwerdeführerin eine Parteient-

schädigung in der Höhe von Fr. 7'770.25 (inkl. Auslagen und 7.7 % 
Mehrwertsteuer) auszurichten. Im Übrigen werden die Parteikosten 
wettgeschlagen. 

 
 
 
Vizepräsident 
 
 
 
 

Gerichtsschreiberin