# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2ca8a801-cc2f-5012-ac12-7cbeb5a1dff6
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-02-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.02.2021 D-60/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-60-2020_2021-02-08.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-60/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  8 .  F e b r u a r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Mia Fuchs (Vorsitz), 

Richterin Constance Leisinger,  

Richter Yanick Felley,    

Gerichtsschreiberin Teresia Gordzielik. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,  

(…),   

Gesuchsteller,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Revision (Wegweisungsvollzug); 

Urteil D-5553/2018 vom 4. Oktober 2019 / N (…). 

 

 

 

D-60/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Gesuchsteller ersuchte am 10. Dezember 2015 in der Schweiz um 

Asyl. Im Wegweisungsvollzugspunkt machte er geltend, er sei afghani-

scher Staatsangehöriger ethnischer Hazara und stamme aus dem Dorf 

B._______, Bezirk C._______, Provinz Daykundi. Er habe dort seit der Ge-

burt bis (…) (gemäss Befragung zur Person) beziehungsweise (…) (ge-

mäss Anhörung) gelebt. Er sei in D._______ drei Jahre lang zur Schule 

gegangen beziehungsweise habe in der Schule nichts gelernt und sei An-

alphabet. Er habe vier Brüder und vier Schwestern beziehungsweise einen 

Bruder und zwei Schwestern. An die Schule, das Dorf, an sein Leben und 

seinen Alltag könne er sich nicht mehr erinnern. 

B.  

Mit Verfügung vom 28. August 2018 stellte das SEM fest, der Gesuchsteller 

erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ord-

nete die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an. Seinen 

Entscheid begründete es im Wegweisungsvollzugspunkt damit, der Ge-

suchsteller habe unsubstantiierte, widersprüchliche und vage Angaben zu 

seinem früheren Aufenthaltsort, seiner persönlichen und familiären Situa-

tion, seiner Ausreise und seinem anschliessenden Aufenthalt im 

E._______ gemacht, weshalb die von ihm behauptete Herkunft nicht 

glaubhaft sei. Eine umfassende Prüfung der Zumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs sei damit mangels Kenntnis der individuellen Umstände 

nicht möglich. Praxisgemäss sei es nicht Aufgabe der Asylbehörden, nach 

allfälligen Wegweisungshindernissen zu forschen, wenn – wie in casu – die 

betroffene Person ihrer Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht nicht nach-

komme. 

C.  

Die gegen den Vollzug der Wegweisung erhobene Beschwerde wies das 

Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-5553/2018 vom 4. Oktober 2019 

ab. Dabei stützte es im Wesentlichen die vorinstanzliche Einschätzung. Es 

wies die Einwände gegen den vom SEM angelegten Massstab bei der 

Glaubhaftigkeitsprüfung und der Beweiswürdigung ebenso wie die Be-

schwerdevorbringen zurück, der Gesuchsteller habe detailliert und wider-

spruchsfrei zu seiner Herkunft Auskunft gegeben. Ergänzend verwies es 

auf den langen Zeitraum seit Gesucheinreichung, in dem die Möglichkeit 

der Beibringung weiterer Beweise bestanden habe. Aus den mit der Replik 

eingereichten Fotos vom Herkunftsort, welche er von seinem Freund 

D-60/2020 

Seite 3 

F._______ erhalten habe, vermöge er nichts abzuleiten. Es sei nicht er-

sichtlich, weshalb die Beschreibung zu seiner Herkunft nicht bereits bei der 

Befragung erfolgt sei. Die afghanische Staatsangehörigkeit allein reiche für 

die Annahme der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nicht aus. 

D.  

Mit Eingabe vom 20. November 2019 stellte der Gesuchsteller beim SEM 

ein Gesuch um Wiedererwägung des vorinstanzlichen Entscheids im Voll-

zugspunkt. Mit seinem Schreiben reichte er zahlreiche Beilagen ein, da-

runter diverse Fotos, drei Schreiben von Drittpersonen sowie die Tazkiras 

von sich, seinen Eltern und seinem Bruder, alle jeweils in (Foto-)Kopie. Zu-

gleich stellte er dem SEM die Übermittlung der Schreiben und seiner 

Tazkira im Original in Aussicht. 

E.  

Das SEM ersuchte den zuständigen Kanton am 25. November 2019, einst-

weilen von Vollzugsmassnahmen abzusehen. 

F.  

Am 26. November 2019 kontrollierte die schweizerische Zollverwaltung ei-

nen per (…) versandten Brief mit den Originaldokumenten, stellte Letztere 

am 16. Dezember 2019 sicher und prüfte die Tazkira des Gesuchstellers 

auf Fälschungsmerkmale. Die Dokumente zusammen mit dem Untersu-

chungsbericht übersandte die Zollverwaltung sodann dem SEM. 

G.  

Am 27. Dezember 2019 erhielt der Gesuchsteller den Brief zusammen mit 

Kopien der Dokumente sowie dem Schreiben der Zollverwaltung vom 

16. Dezember 2019 über deren Sicherstellung. 

H.  

Am 3. Januar 2020 gelangte der Gesuchsteller mit einem Revisionsgesuch 

ans Bundesverwaltungsgericht. In seiner Eingabe beantragte er zur Haupt-

sache die revisionsweise Aufhebung des Urteils D-5553/2018 vom 4. Ok-

tober 2019 und die Wiederaufnahme des Beschwerdeverfahrens zwecks 

Feststellung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs und Gewäh-

rung der vorläufigen Aufnahme. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um 

amtliche Rechtsverbeiständung. Weiter beantragte er, das Revisionsge-

such sei zu prüfen, sobald die Prüfung des Wiedererwägungsgesuchs vom 

20. November 2019 durch das SEM abgeschlossen sei. Zudem sei das 

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Seite 4 

SEM aufzufordern, die revisionsrechtlich relevanten Beweismittel dem Ge-

richt zuzustellen. Mit dem Gesuch reichte er den erhaltenen Brief samt In-

halt, die Tazkiras seiner Eltern und seines Bruders in Fotokopie sowie eine 

Kopie des Wiedererwägungsgesuchs zu den Akten. 

Der Gesuchsteller brachte im Wesentlichen vor, er habe erst nach vielen 

Versuchen am 4. Oktober 2019, zeitgleich mit dem Urteil D-5553/2018, 

über seinen Freund F._______ mit seinen Angehörigen Kontakt aufneh-

men können. Ersterer stamme aus einem Nachbardorf; er habe ihn in 

G._______ kennengelernt und sei mit ihm bis in die Schweiz gereist. 

F._______ sei nach H._______ zurückgewiesen worden und später nach 

I._______ weitergereist. Er habe ihn letztes Jahr (2020) über Facebook 

wiedergefunden und kontaktiert. F._______ habe weiterhin Verbindung zu 

seinen Angehörigen gehabt, weshalb er ihn um Hilfe bei der Kontaktauf-

nahme mit seiner Familie gebeten habe. Von ihm habe er zunächst die 

Fotos erhalten, welche er auf Beschwerdestufe eingereicht habe. Es habe 

aber sehr lange gedauert, bis er eine Nummer von seinem Vater erhalten 

habe und ihn habe anrufen können. Er habe so erfahren, dass seine Eltern 

und der Bruder weiterhin in ihrem Dorf lebten. Er habe mittlerweile einen 

weiteren Bruder, J._______. Sein Vater habe ihm Beweismittel (zunächst 

nur elektronisch via …) schicken können, so seine Tazkira, Fotos der 

Tazkiras seiner Eltern und seines ersten Bruders K._______. Allein auf 

diese einschliesslich seiner nun beim SEM im Original eingegangenen 

Tazkira beziehe sich sein Revisionsgesuch. Abgesehen davon habe die 

Familie ihm Fotos von sich und vom Dorf geschickt, welche belegten, dass 

sie noch immer dort lebe. Auch habe sein Vater einen Brief geschrieben 

und auf seine Bitte (des Gesuchstellers) vom (…), bei dem seine Tazkira 

aufbewahrt worden sei, sowie vom (…), welcher (…), ebensolche Schrei-

ben eingeholt. Sie bestätigten alle, dass er aus B._______, D._______, 

Daykundi, stamme. Bezüglich der Fotos und der drei Schreiben habe er 

am 20. November 2019 das Wiedererwägungsgesuch beim SEM einge-

reicht. Erst wenn dessen Prüfung abgeschlossen sei, sei sein Revisions-

gesuch zu prüfen.  

I.  

Mit Zwischenverfügung vom 10. Januar 2020 sistierte die zuständige In-

struktionsrichterin das Revisionsverfahren D-60/2020 und überwies die  

vorinstanzlichen Akten zur Prüfung des Wiedererwägungsgesuchs vom 

20. November 2019 an das SEM zurück. 

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Seite 5 

J.  

Mit weiterer Zwischenverfügung vom 17. Dezember 2020 hat die Instrukti-

onsrichterin festgehalten, dass das SEM gemäss Aktenlage das Wiederer-

wägungsverfahren über einen längeren Zeitraum nicht fortgeführt habe, die 

Sistierung wieder aufgehoben und das Revisionsverfahren fortgesetzt. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet gemäss Art. 105 AsylG 

(SR 142.31) auf dem Gebiet des Asyls in der Regel endgültig über Be-

schwerden gegen Verfügungen des SEM (vgl. zur Ausnahme: Art. 83 Bst. d 

Ziff. 1 BGG). Es ist ausserdem zuständig für die Revision von Urteilen, die 

es in seiner Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt hat (vgl. BVGE 

2007/21 E. 2.1). 

1.2 Gemäss Art. 45 VGG gelten für die Revision von Urteilen des Bundes-

verwaltungsgerichts die Art. 121‒128 des BGG sinngemäss. Nach Art. 47 

VGG findet auf Inhalt, Form und Ergänzung des Revisionsgesuches Art. 67 

Abs. 3 VwVG Anwendung. 

1.3 Mit dem ausserordentlichen Rechtsmittel der Revision wird die Unab-

änderlichkeit und Massgeblichkeit eines rechtskräftigen Beschwerdeent-

scheides im Hinblick darauf angefochten, dass die Rechtskraft beseitigt 

wird und über die Sache neu entschieden werden kann (vgl. dazu TSCHAN-

NEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 31 

Rz 24 f., S. 304 f.).  

1.4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht auf Gesuch hin seine Urteile aus 

den in Art. 121‒123 BGG aufgeführten Gründen in Revision (Art. 45 VGG). 

Nicht als Revisionsgründe gelten Gründe, welche die Partei, die um Revi-

sion nachsucht, bereits im ordentlichen Beschwerdeverfahren hätte gel-

tend machen können (Art. 46 VGG). 

1.5 Der Gesuchsteller ist durch das angefochtene Urteil besonders berührt 

und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung beziehungs-

weise Änderung, womit die Legitimation mit Bezug zum Revisionsgesuch 

gegeben ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG analog). 

D-60/2020 

Seite 6 

2.  

2.1 Der Gesuchsteller beantragt zunächst die Sistierung des Revisionsver-

fahrens, bis das SEM über sein Wiedererwägungsgesuch befunden hat. 

Ereignisse, die sich vor Abschluss des Verfahrens zugetragen haben oder 

Beweismittel, die sich auf solche Ereignisse beziehen, sind je nach Kons-

tellation im Rahmen eines Wiedererwägungs- oder Revisionsverfahrens zu 

prüfen (vgl. Art. 121 ff. BGG und Art. 111b AsylG). Ein Nebeneinander von 

Verfahren auf erst- und zweitinstanzlicher Ebene ist danach gesetzlich 

nicht ausgeschlossen. Gleichwohl ist festzuhalten, dass die Prüfung eines 

Revisionsgesuches weiteren Gesuchen beim SEM in der Regel prozess-

rechtlich vorausgeht, zumal das Gericht bei dessen Gutheissung seinen 

früheren Entscheid aufheben und auch unter Berücksichtigung weiterer 

Vorbringen neu entscheiden würde (vgl. Art. 128 BGG).  

2.2 Der Gesuchsteller reichte parallel zum Revisionsgesuch bei Gericht 

(bezüglich der Tazkiras) ein Wiedererwägungsgesuch beim SEM bezüglich 

der drei Schreiben sowie der Fotos ein. Angesichts der sachlichen Nähe 

der Beweismittel, welche allesamt auf die Darlegung der Herkunft des Ge-

suchstellers zielen, sah sich das Gericht aus prozessökonomischen Erwä-

gungen zunächst veranlasst, das vorliegende Verfahren zwischenzeitlich 

zu sistieren. Nachdem die Vorinstanz während beinahe eines Jahres das 

bei ihr hängige Wiedererwägungsverfahren trotz entsprechender Aufforde-

rung nicht abschloss, erachtet es das Gericht im Lichte vorstehender Vor-

gaben (vgl. E. 2.1) als sachgerecht, das vorliegende Verfahren fortzufüh-

ren.  

2.3 Der Antrag auf Sistierung des Revisionsverfahrens bis zum Abschluss 

des Wiedererwägungsverfahren beim SEM ist im Ergebnis abzuweisen. 

3.  

3.1 Im Revisionsgesuch ist insbesondere der angerufene Revisionsgrund 

anzugeben und die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens im Sinne von 

Art. 124 BGG darzutun. Zudem muss das Gesuch neben einer Begrün-

dung auch die Begehren für den Fall eines neuen Beschwerdeentscheides 

enthalten (Art. 47 VGG i.V.m. Art. 67 Abs. 3 VwVG). 

3.2 Der Gesuchsteller macht sinngemäss den Revisionsgrund von Art. 123 

Abs. 2 Bst. a BGG geltend. Danach kann die Revision eines Entscheids 

verlangt werden, wenn die ersuchende Partei nachträglich erhebliche Tat-

sachen erfährt oder entscheidende Beweismittel auffindet, die sie im frühe-

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Seite 7 

ren Verfahren nicht beibringen konnte. Die geltend gemachten Beweismit-

tel müssen bereits vor der in Revision zu ziehenden Entscheidung bestan-

den haben. In diesem Fall ist das Revisionsbegehren innert 90 Tagen nach 

deren Entdeckung einzureichen (Art. 124 Abs. 1 Bst. d BGG).  

3.3 Der Gesuchsteller verlangt die Revision des Urteils D-5553/2018 vom 

4. Oktober 2019 ausdrücklich nur in Bezug auf seine Tazkira, die seiner 

Eltern und seines Bruders, wobei er sich hinsichtlich ersterer auf das beim 

SEM eingegangene Original und hinsichtlich der weiteren auf die in Foto-

kopie eingereichten Beweismittel beruft. Den Übersetzungen der Doku-

mente ist zu entnehmen, dass diese vor Erlass des erwähnten Urteils ent-

standen sind. Weiter ist festzuhalten, dass die Eingabe des Gesuchstellers 

neben einer Begründung auch die Begehren für den Fall eines neuen Be-

schwerdeentscheides enthält, indem er explizit die Feststellung der Unzu-

mutbarkeit und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz 

verlangt.  

3.4 Auf das form- und fristgerecht eingereichte Revisionsgesuch bezogen 

auf die vier Tazkiras ist daher einzutreten.  

4.  

4.1 In materieller Hinsicht ist zu prüfen, ob der Gesuchsteller den Revisi-

onsgrund nach Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG zu Recht angerufen hat, mithin 

ob er vorbestandene Beweismittel geltend macht, deren Beibringung im 

früheren Verfahren jedoch nicht möglich war, und die erheblich sind. Es gilt 

das Rügeprinzip (vgl. Art. 124 BGG, Art. 47 VGG i.V.m. Art. 67 Abs. 3 und 

Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

4.2 Vorliegend ist bereits nicht ersichtlich, dass es dem Gesuchsteller nicht 

möglich war, die Tazkiras im früheren Verfahren beizubringen. 

4.2.1 Von der fehlenden Möglichkeit zur Beibringung von Beweismitteln in 

früheren Verfahren ist auszugehen, wenn Letztere der gesuchstellenden 

Person damals nicht bekannt waren beziehungsweise trotz hinreichender 

Sorgfalt nicht bekannt sein konnten oder ihr die Geltendmachung oder Bei-

bringung aus entschuldbaren Gründen nicht möglich war (vgl. BGE 134 III 

47 E. 2.1; ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozes-

sieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 5.47). Es ob-

liegt mithin den Prozessparteien, rechtzeitig und prozesskonform zur Klä-

rung des Sachverhalts entsprechend ihrer Beweispflicht beizutragen. Der 

Revisionsgrund der neuen und erheblichen Tatsachen und Beweismittel 

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Seite 8 

dient nicht dazu, bisherige Unterlassungen in der Beweisführung wieder 

gutzumachen.  

4.2.2 Soweit der Gesuchsteller im früheren Verfahren geltend machte, sich 

um Nachweise über seine Herkunft erfolglos zu bemühen, wurde ihm be-

reits im Urteil D-5553/2018 der lange Zeitablauf von bald vier Jahren seit 

Gesucheinreichung entgegengehalten. Vor diesem Hintergrund erscheint 

es zweifelhaft, dass der Gesuchsteller unmittelbar mit dem Urteilsent-

scheid die vier Tazkiras erhältlich machen konnte. Die Zweifel an den Re-

visionsbegehren werden auch bei näherer Prüfung der Akten bestärkt. So 

machte der Gesuchsteller im Beschwerdeverfahren D-5553/2018 bereits 

im Rahmen der Replik vom 13. November 2018 geltend, sein früherer 

Freund F._______ habe mit ihm wieder Kontakt aufgenommen und ihm 

Fotos von seinem Herkunftsort zukommen lassen. Im Revisionsgesuch 

wird vorgebracht, er habe «letztes Jahr (2020)» wieder mit F._______ in 

Verbindung treten können. Schon diese unterschiedlichen Zeitangaben 

werfen die Frage auf, ob er die Beweismittel damals und im vorliegenden 

Verfahren tatsächlich von besagtem Freund erhalten hat. Selbst wenn zu-

gunsten des Gesuchstellers davon ausgegangen wird, dass er eigentlich 

auf das Jahr 2018 Bezug nehmen wollte, erscheint es unter Berücksichti-

gung dieser Jahresangabe angesichts des behaupteten Kontakts zu 

F._______ vor November 2018, dessen Verbindung zu seinen Angehöri-

gen in Afghanistan, welche dargelegtermassen zwei Dörfer vom Wohnort 

der Familie des Gesuchstellers leben sollen, gleichwohl – auch mit Blick 

auf die ihm obliegende Sorgfalt zur Beibringung von Beweismitteln – wenig 

nachvollziehbar, dass es ihm tatsächlich erst ein Jahr später möglich ge-

wesen sein soll, seinen Vater zu kontaktieren und um die Tazkiras zu bitten.  

4.2.3 Eine Revision trotz verspäteter Vorbringer drängt sich auch nicht un-

ter Beachtung der Rechtsprechungspraxis bei offensichtlich drohender 

menschenrechtswidriger Behandlung oder Verfolgung (vgl. EMARK 1995 

Nr. 9) auf, zumal vorliegend allein die Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-

zugs und konkret die Herkunft des Gesuchstellers aus der Provinz 

Daykundi Gegenstand des Revisionsgesuchs bilden. 

4.3 Darüber hinaus sind die vorgelegten Tazkiras auch nicht als erheblich 

im Sinne von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG zu erachten. 

4.3.1 Erheblich sind neue Beweismittel und Tatsachen dann, wenn sie ge-

eignet sind, die tatbestandliche Grundlage des Entscheides zu ändern und 

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Seite 9 

bei zutreffender rechtlicher Würdigung zu einem anderen, für die Gesuch-

stellenden günstigeren Ergebnis zu führen. Die Möglichkeit einer anderen 

rechtlichen Würdigung bekannter Tatsachen genügt nicht (vgl. BGE 127 V 

353 E. 3b).  

4.3.2 Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die Tazkiras der Familienange-

hörigen lediglich als Fotokopien vorgelegt wurden. Als solche sind sie man-

gels fälschungssicherer Merkmale nicht auf ihre Echtheit überprüfbar. Zu-

dem fehlen hinreichende Anhaltspunkte in den Akten, die darauf schliessen 

lassen könnten, es handle sich bei den abgebildeten Personen tatsächlich 

um die Eltern und einen Bruder des Gesuchstellers. Abgesehen davon ist 

bekannt, dass in Afghanistan selbst Originaldokumente, wie die nun mit 

dem Revisionsgesuch vorgelegte Tazkira des Gesuchstellers, leicht käuf-

lich erworben werden und selbst hergestellt werden können (vgl. statt vieler 

Urteil des BVGer D-4248/2020 vom 16. September 2020 E. 6.1 und 7.4). 

Mithin kommt den eingereichten Dokumenten nur ein geringer Beweiswert 

zu und kann letztlich dahingestellt bleiben, ob – wie gemäss Aktenlage von 

der Zollverwaltung festgehalten – tatsächlich Hinweise auf Fälschungs-

merkmale an der Tazkira des Gesuchstellers bestehen. Insoweit konnte 

vorliegend auch auf die Einräumung des rechtlichen Gehörs dazu verzich-

tet werden. Im Hinblick auf die späte Beibringung könnten die Tazkiras 

nach dem Gesagten letztlich aus Gefälligkeit ausgestellt worden sein, um 

nachträglich die als unglaubhaft erachteten Aussagen des Gesuchstellers 

zu stützen. Immerhin haben die Vorinstanz wie auch das Gericht im voran-

gehenden Verfahren in ihren einlässlichen Erwägungen, auf die hier ver-

wiesen sei, die Vorbringen des Gesuchstellers zu seiner Herkunft und So-

zialisierung als unsubstantiiert, widersprüchlich und vage erachtet. In einer 

Gesamtwürdigung ist nicht anzunehmen, dass die Beibringung der 

Tazkiras bereits im Beschwerdeverfahren zu einer anderen Beurteilung 

des Sachverhaltes im Wegweisungsvollzugspunkt geführt hätte. 

5.  

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine revisionsrechtlich relevan-

ten Gründe dargetan sind. Das Gesuch um Revision des Urteils  

D-5553/2018 vom 4. Oktober 2019 ist demzufolge abzuweisen. 

6.  

6.1 Das Revisionsgesuch erweist sich als aussichtslos, weshalb der Antrag 

auf amtliche Verbeiständung und mit ihm sinngemäss jener auf Gewährung 

der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 und Abs. 2 

VwVG abzuweisen sind. 

D-60/2020 

Seite 10 

6.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 1'500.– 

dem Gesuchsteller aufzuerlegen (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 VwVG; 

Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

(Dispositiv nächste Seite)   

D-60/2020 

Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Das Revisionsgesuch wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 1'500.– werden dem Gesuchsteller auferlegt. 

Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der 

Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Gesuchsteller, das SEM und die kantonale Mig-

rationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Mia Fuchs Teresia Gordzielik