# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d926da44-2811-573d-bfff-35d436784adb
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-11-02
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 02.11.2011 E-5442/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5442-2008_2011-11-02.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­5442/2008

U r t e i l   v om   2 .   No v embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz),
Richter Bruno Huber, Richter Maurice Brodard,
Gerichtsschreiberin Chantal Schwizer.

Parteien A._______, geboren am (…),
Afghanistan,
vertreten durch Dr. iur. Reza Shahrdar, 
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM
vom 7. August 2008 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer,  ein  afghanischer  Staatsangehöriger  aus 
B._______  (Provinz  Ghor),  verliess  seinen  Heimatstaat  eigenen 
Aussagen  zufolge  im  Januar/Februar  2006 und gelangte  über  den  Iran, 
die Türkei und Griechenland am 17. Mai 2006 ohne Reisedokumente  in 
die  Schweiz,  wo  er  gleichentags  um  Asyl  nachsuchte.  Aufgrund  seiner 
geltend  gemachten  Minderjährigkeit  wurde  am  19.  Mai  2006  eine 
Handknochenanalyse durchgeführt, die ein Knochenalter von mehr als 19 
Jahren  ergab.  Am  24. Mai  2006  wurde  er  im  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ zu seinen Asylgründen befragt und 
im Anschluss  daran wurde  ihm das  rechtliche Gehör  zum Ergebnis  der 
Analyse  gewährt.  Die  kantonale  Anhörung  fand  am  27. Juni  2006  im 
Beisein  einer  Vertrauensperson  in  D._______  statt  und  am  5. August 
2008 erfolgte die ergänzende Bundesanhörung zu seinen Asylgründen.

Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  machte  der  Beschwerdeführer 
geltend,  er  habe  seit  dem  Jahr  1995  bis  zu  seiner  Ausreise mit  seiner 
Familie  in Herat gelebt. Ab dem Jahre 2004 habe er begonnen, sich mit 
der  Religion  der  Hazara,  dem  Schiismus,  auseinanderzusetzen,  und  er 
sei  im  Jahr  2005  zu  diesem  übergetreten.  Diese  Religion  habe  er 
während acht oder neun Monaten heimlich praktiziert. Als seine Eltern im 
Dezember  2005/Januar  2006  erfahren  hätten,  dass  er  zum  Schiismus 
übergetreten sei, habe er deswegen mit seiner Familie, dem Imam sowie 
dem  Dorfältesten  Schwierigkeiten  in  der  Moschee  erhalten.  Er  sei  von 
diesen bedroht und aufgefordert worden, seine Konversion zu widerrufen, 
ansonsten er bestraft würde. Von seinen Eltern sei er auch als Quelle der 
Schande bezeichnet worden. Aus Angst vor diesen Drohungen sei er von 
zu  Hause  weggelaufen  und  habe  sich  während  circa  einem  Monat  in 
einem  öffentlichen  Park  in  Herat  aufgehalten.  Er  habe  während  dieser 
Zeit  seine Familienangehörigen  überwacht,  da  er  ihr Geld  habe  stehlen 
wollen.  Nach  gelungenem Diebstahl  habe  er  seine  Ausreise  vorbereitet 
und das Land mit Hilfe eines Schleppers verlassen. 

Für den Inhalt der weiteren Ausführungen wird auf die Protokolle und die 
Akten verwiesen. 

B. 
Mit Verfügung vom 7. August 2008 – eröffnet am 9. August 2008 – stellte 
das  Bundesamt  fest,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  genügten 
den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  lehnte  das 

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Asylgesuch ab,  verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete 
den Vollzug an.

C. 
Mit Eingabe vom 25. August 2008 an das Bundesverwaltungsgericht liess 
der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter Beschwerde erheben 
und – unter Kosten­ und Entschädigungsfolgen –  in materieller Hinsicht 
beantragen,  die  Verfügung  der  Vorinstanz  sei  aufzuheben,  er  sei  als 
Flüchtling anzuerkennen und  ihm sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei 
die  Unzumutbarkeit  und  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs 
festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  sei  anzuordnen.  In 
prozessualer  Hinsicht  liess  er  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  sowie  um  Erlass  eines  Kostenvorschusses  ersuchen.  Mit 
seiner  Eingabe  legte  er  fremdsprachige  Internetberichte  betreffend  die 
kriegsähnlichen Zustände zwischen Sunniten und Schiiten in Herat sowie 
über  die  erste  Steinigung  einer  Frau  in  der  Provinz  Badachshan  bei. 
Identitätspapiere gab er nicht zu den Akten.

D. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  8.  September  2008  stellte  die 
Instruktionsrichterin  des  Bundesverwaltungsgerichts  fest,  der 
Beschwerdeführer  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz 
abwarten,  und  wies  die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  gemäss  Art. 65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) 
sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  ab. 
Gleichzeitig  wurde  der  Beschwerdeführer  aufgefordert,  einen 
Kostenvorschuss einzuzahlen. Diesen leistete er fristgerecht.

E. 
Am 21. Juli 2011 teilte das BFM dem Amt für Polizeiwesen und Zivilrecht 
E._______  mit,  die  Voraussetzungen  für  die  Erteilung  einer 
Aufenthaltsbewilligung  gemäss  Art. 14  Abs.  2  des  Asylgesetzes  vom 
26. Juni  1998  (AsylG, SR 142.31) würden  als  erfüllt  betrachtet  und  das 
Amt habe deshalb am 11. Juli 2011 seine Zustimmung erteilt.

F. 
Aufgrund  dieser  Sachlage  fragte  die  Instruktionsrichterin  den 
Beschwerdeführer  mit  Verfügung  vom  15.  August  2011  an,  ob  er  die 
Beschwerde  –  soweit  nicht  gegenstandslos  geworden  –  zurückziehen 
wolle, wobei bei ungenutzter Frist davon ausgegangen werde, er halte an 

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seinen Rechtsbegehren fest. Innert der gesetzten Frist ging keine Antwort 
ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]). 

1.2. Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt 
vorliegend  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet 
demnach im gegebenen Fall endgültig.

1.3. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.4.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

1.5. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

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1.6.  Im  vorliegenden  Verfahren  wurde  auf  die  Durchführung  eines 
Schriftenwechsels verzichtet (Art. 111a Abs. 1 AsylG).

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2. 
2.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG sind Personen, 
die  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnten, 
wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer 
bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen 
ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben, 
solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten 
namentlich  die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit 
sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck 
bewirken. 

2.2. Nach  Lehre  und  Rechtsprechung  erfüllt  eine  asylsuchende  Person 
die  Flüchtlingseigenschaft  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG,  wenn  sie  mit 
beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  mit  gutem 
Grund  Nachteile  von  bestimmter  Intensität  befürchten  muss,  die  ihr 
gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive zugefügt zu werden 
drohen  und  vor  denen  sie  keinen  ausreichenden  staatlichen  Schutz 
erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f., BVGE 2008/4 E. 5.2, jeweils 
mit weiteren Hinweisen).

2.3.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

2.4.  Massgeblich  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  ist  die 
Situation  im Zeitpunkt des Asylentscheides. Ausgangspunkt der Prüfung 
ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Furcht vor 
einer  absehbaren  Verfolgung  im  Heimatstaat.  Veränderungen  der 
objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid 
sind  zugunsten  und  zulasten  der  das  Asylgesuch  stellenden Person  zu 
berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4 und BVGE 2007/31 E. 5.3, mit 
weiteren Hinweisen).

3. 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/31
http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/31
http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/31
http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/4
http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/4
http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/4
http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/4
http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/4
http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/4
http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/31
http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/31
http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/31

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3.1.  Die  Vorinstanz  führte  zur  Begründung  ihres  ablehnenden 
Asylentscheides  im  Wesentlichen  aus,  indem  der  Beschwerdeführer 
keine Identitätspapiere abgegeben habe, habe er seine Mitwirkungspflicht 
im Sinne von Art. 8 Abs. 1 AsylG verletzt. Obschon er zum Zeitpunkt der 
Einreichung  seines Asylgesuchs  angegeben habe,  im  (…)  geboren  und 
damit  (…)  Jahre  alt  zu  sein,  erscheine  seine  geltend  gemachte 
Minderjährigkeit  aufgrund  der  Handknochenanalyse,  die  ein  Skelettalter 
von 19 Jahren oder älter ergeben habe, zweifelhaft. So habe er auch im 
Rahmen  der  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  keine  plausible 
Erklärung für diesen grossen Altersunterschied machen können, sondern 
er habe sich lediglich auf die Angaben seiner Mutter berufen.

Zudem seien seine Vorbringen zu seiner geltend gemachten Konversion 
unsubstanziiert  und  zweifelhaft  ausgefallen.  So  sei  es  ihm  auch  auf 
wiederholte  Nachfrage  hin  nicht  gelungen,  den  Hintergrund  seiner 
Konversion zum Schiismus und seinen  inneren Wandel anschaulich und 
überzeugend darzulegen. Vielmehr habe er ausweichende Antworten zu 
Protokoll geben und sich wiederholt auf den geschichtlichen Hintergrund 
der Hazara  berufen. Darüber  hinaus  habe  er  stets  auf  seine  bereits  zu 
Protokoll gegebenen Antworten verwiesen, was nicht den Anschein einer 
tatsächlich konvertierten Person erwecke. Diese sollte  in der Lage sein, 
über diesen komplexen Prozess genau Auskunft zu geben.

Ferner habe der Beschwerdeführer widersprüchliche Angaben zu seinen 
in  der  Heimat  lebenden  Verwandten  gemacht,  indem  er  anlässlich  der 
Erstbefragung  ausgeführt  habe,  einer  seiner  Onkel  habe  ihn  in  die 
schiitische Moschee gehen sehen (vgl. Akten BFM A1/9 S. 4), während er 
in der Anhörung vorgebracht habe, keine Verwandten  in Afghanistan zu 
haben und seine Eltern hätten keine Geschwister (vgl. A14/20 S. 3). Auf 
entsprechenden  Vorhalt  hin,  sei  er  nicht  in  der  Lage  gewesen,  diesen 
Widerspruch  aufzulösen,  sondern  habe  einzig  dementiert,  von  (...) 
verfolgt  worden  zu  sein.  Überdies  habe  er  anlässlich  der  ergänzenden 
Anhörung  ausgesagt,  mit  seiner  Familie  und  Verwandten  religiöse 
Debatten geführt zu haben. Angesprochen auf diesen Widerspruch habe 
er  erklärt,  in  Afghanistan  lebten  nur  seine  Eltern  und  drei  Brüder.  Mit 
Verwandten habe er seine Eltern gemeint (vgl. A19/16 S. 8).

Anlässlich der Befragung habe er sodann ausgesagt, sein Vater habe ihn 
zu  Hause  aufgefordert,  Reue  zu  zeigen  und  zum  Sunnismus 
zurückzukehren  (vgl.  A1/9  S.  4),  um  während  der  ergänzenden 
Befragung anzugeben, sein Vater habe ihn mit dem Mullah zusammen in 

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der Moschee  zur Konversion  (vgl.  A19/16 S.  12)  ermahnt. Auch diesen 
Widerspruch habe er nicht plausibel erklären können.

Im Übrigen würden seine Ausführungen anlässlich der direkten Anhörung 
in Bezug auf seinen letzten Arbeitstag Unstimmigkeiten aufweisen, da er 
zunächst  ausgesagt  habe,  zuletzt  zwei  Tage  vor  seiner  Ausreise 
gearbeitet  zu  haben  (vgl.  A14/20  S.  8),  während  er  später  ausgeführt 
habe,  sich  vor  der  Ausreise  während  eines  Monats  in  einer  Plantage 
aufgehalten  und  während  dieser  Zeitspanne  nicht  mehr  gearbeitet  zu 
haben (vgl. A14/20 S. 14). Seine Behauptung, nie angegeben zu haben, 
dass  er  zuletzt  zwei  Tage  vor  der  Ausreise  gearbeitet  habe,  sei  nicht 
geeignet diesen Widerspruch abzuschwächen. 

3.2.  Demgegenüber  macht  der  Beschwerdeführer  in  seiner 
Rechtsmitteleingabe geltend, das BFM habe zu Unrecht festgestellt, dass 
seine Vorbringen unglaubhaft ausgefallen seien, und damit Bundesrecht 
verletzt.  Übereinstimmend  mit  dem  Bundesamt  geht  jedoch  auch  das 
Bundesverwaltungsgericht  davon  aus,  dass  die  vom  Beschwerdeführer 
geltend  gemachten  Verfolgungsgründe  als  unglaubhaft  zu  werten  sind 
und er folglich im Zeitpunkt des Verlassens seines Heimatlandes nicht in 
asylrelevanter  Weise  verfolgt  worden  ist.  Aufgrund  der  Akten  erweisen 
sich die Erwägungen des BFM zu den Fluchtgründen als zutreffend, und 
es  kann  vorweg  darauf  verwiesen  werden.  Die  Ausführungen  auf 
Beschwerdeebene  sind  nicht  geeignet,  die  Schlussfolgerungen  der 
Vorinstanz  in  Zweifel  zu  ziehen:  Insbesondere  geht  aus  den 
Befragungsprotokollen  nicht  in  schlüssiger  Weise  hervor,  wie  sich  der 
angebliche Glaubenswandel im Innern des Beschwerdeführers vollzogen 
haben  soll. Unabhängig  vom Bildungsniveau eines Menschen kann  von 
einem  Konvertiten  erfahrungsgemäss  erwartet  werden,  dass  er 
anschaulich  und  nachvollziehbar  darlegen  kann,  wie  es  zum  religiösen 
Gesinnungswandel gekommen ist. Dass der Beschwerdeführer über das 
Studium von historischen Büchern  zum Schiismus gefunden haben will, 
wie  in  der  Beschwerde  nochmals  betont  wird,  vermag  gerade  vor  dem 
Hintergrund  des  aussagegmäss  eher  tiefen  Bildungsniveaus  nicht  zu 
überzeugen.  Ferner  ist  festzustellen,  dass  sich  der  Beschwerdeführer – 
eigenen  Aussagen  gemäss  –  vor  seiner  Ausreise  noch  während  rund 
eines  Monats  unbehelligt  in  einem  Park  in  Herat  aufgehalten  hat,  was 
nicht  dem  Verhalten  einer  tatsächlich  gefährdeten  Person  entspricht. 
Darüber hinaus vermag er auch keine Beweise  für seine Konversion zu 
den  Akten  zu  reichen,  was  die  Unglaubhaftigkeit  seiner  Vorbringen  zu 
seinem Fluchtmotiv verstärkt. Mit dem BFM  ist  ferner  festzuhalten, dass 

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sich  der  Beschwerdeführer  in  Bezug  auf  seine  in  der  Heimat  lebenden 
Verwandten  respektive  seine  Familie  in  Widersprüche  verstrickt  hat, 
indem  er  anlässlich  der  Erstbefragung  ausführte,  ein  (…)  habe  ihn 
verfolgt  und  in  die  schiitische  Moschee  gehen  sehen  (vgl.  A1/9  S.  4), 
während er  anlässlich  der Anhörung  vorbrachte,  er  habe ausser  seinen 
Eltern und Geschwistern keine Verwandten in Afghanistan (vgl. A14/20 S. 
3). Diese ungereimten Aussagen können nicht mit einem Missverständnis 
erklärt werden, zumal der Beschwerdeführer anlässlich der ergänzenden 
Anhörung  genügend  Gelegenheit  gehabt  hat,  allfällig  aufgetretene 
Missverständnisse aufzuklären. Desgleichen  vermag auch der Einwand, 
der  paschtunischstämmige Übersetzer  habe  aufgrund  der  Zugehörigkeit 
des  Beschwerdeführers  zu  den  Hazara  sowie  aufgrund  mangelnder 
Farsi­Kenntnisse – bewusst oder unbewusst – fehlerhaft übersetzt, diese 
Widersprüche  nicht  zu  entkräften,  da  den  Protokollen  kein  Hinweis  auf 
allfällige, durch fehlerhafte Übersetzung hervorgerufene Ungereimtheiten 
entnommen  werden  kann,  und  er  die  Richtigkeit  seiner  protokollierten 
Aussagen  unterschriftlich  bestätigte.  Die  Behauptung,  es  könne  nur  ein 
Dolmetscherfehler vorliegen, ist damit haltlos und unbegründet. 

3.3.  Angesichts  der  aufgezeigten  Sachlage  erübrigt  es  sich,  auf  die 
weiteren  Ausführungen  in  der  Beschwerde  –  insbesondere  zu  seiner 
heute  auch  eigenen  Angaben  zufolge  nicht  mehr  gegebenen 
Minderjährigkeit  –einzugehen,  da  diese  nicht  geeignet  sind,  zu  einer 
anderen  rechtlichen  Würdigung  der  Aktenlage  zu  führen.  Es  ist  somit 
festzustellen,  dass  die  vom  Beschwerdeführer  dargelegte  Konversion 
zum  Schiismus  und  die  daraus  abgeleitete  Verfolgungssituation 
unglaubhaft  sind.  Das  BFM  hat  das  Asylgesuch  somit  zu  Recht 
abgelehnt.

4.  
4.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der  Familie  (Art.  44  Abs.  1  AsylG).  Gemäss  Art.  32  Bst.  a  der 
Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, 
SR 142.311) wird die Wegweisung aus der Schweiz nicht verfügt, wenn 
die  asylsuchende  Person  im  Besitz  einer  gültigen  Aufenthalts­  oder 
Niederlassungsbewilligung ist. 

4.2.  Am  11.  Juli  2011  hat  das  BFM  dem  Antrag  des  Amtes  für 
Polizeiwesen  und  Zivilrecht  E._______  auf  Erteilung  einer 

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Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 14 Abs. 2 AsylG zugestimmt und 
dem  Beschwerdeführer  die  Aufenthaltsbewilligung  B  erteilt.  Dadurch  ist 
die  vom  BFM  verfügte  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  die 
Anordnung  des  Vollzugs  (Ziffern  3  bis  5  des Dispositivs  der  Verfügung 
vom  7.  August  2008)  als  dahingefallen  zu  betrachten,  da  diese 
Anordnungen  gegenüber  der  kantonalen  Aufenthaltsbewilligung  keinen 
Bestand  haben  können  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21 E. 11c S. 
178, EMARK 2000 Nr. 30 E. 4 S. 251), weshalb die Beschwerde, soweit 
die  Wegweisung  und  den  Vollzug  betreffend,  infolge  Wegfalls  des 
Streitgegenstandes als gegenstandslos geworden abzuschreiben ist.

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung in 
Bezug auf  die Frage der Anerkennung als Flüchtling und die Frage der 
Asylgewährung  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen 
Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 
AsylG).  Die  Beschwerde  ist  daher  –  soweit  nicht  gegenstandslos 
geworden – abzuweisen.

5. 
5.1. Sodann  sind  bei  einem  gegenstandslos  gewordenen Verfahren  die 
Kosten  jener  Partei  aufzuerlegen,  deren  Verhalten  die 
Gegenstandslosigkeit  bewirkt  hat.  Ist  das  Verfahren  ohne  Zutun  der 
Parteien gegenstandslos geworden, so werden die Kosten auf Grund der 
Sachlage  vor  Eintritt  des  Erledigungsgrunds  festgelegt  (vgl.  Art.  5  des 
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

5.2. Die Gegenstandslosigkeit des Verfahrens hinsichtlich der Anordnung 
der  Wegweisung  und  ihres  Vollzugs  ist  infolge  der  Erteilung  einer 
Aufenthaltsbewilligung  an  den  Beschwerdeführer  durch  das  Amt  für 
Polizeiwesen  und  Zivilrecht  E._______  und  somit  ohne  Zutun  des 
Beschwerdeführers eingetreten.

5.3.  
5.3.1. Der Beschwerdeführer stammt ursprünglich aus der Provinz Ghor 
und  lebte  die  letzten  elf  Jahre  vor  seiner  Ausreise  Anfang  des  Jahres 
2006  in  Herat.  In  Anbetracht  der  allgemeinen  Situation  in  Afghanistan 
(vgl.  das  zur  Publikation  vorgesehene  Urteil  BVGE  E­7625/2008  vom 
16. Juni 2011) sowie des Umstandes, dass zwar gemäss zitiertem Urteil 
unter  bestimmten  Voraussetzungen  von  der  Zumutbarkeit  des  Vollzugs 

http://links.weblaw.ch/EMARK-2000/30%20S.251
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E­5442/2008

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nach  Herat  ausgegangen  werden  kann,  die  im  Urteil  angegebenen 
strengen Bedingungen  für  eine Wohnsitznahme  in Herat  aber  ebenfalls 
erfüllt  sein  müssen,  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung   im  heutigen 
Zeitpunkt  als  unzumutbar  zu  beurteilen  (Art.  83  Abs.  4  des 
Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und 
Ausländer  [AuG,  SR 142.20]).  So  steht  nach  seiner  bald  sechsjährigen 
Landesabwesenheit  nicht  mit  hinreichender  Sicherheit  fest,  dass  der 
Beschwerdeführer,  welcher  keine  Berufsausbildung  absolviert  hat,  in 
Herat  noch  über  ein  Beziehungsnetz  verfügt,  welches  ihm  bei  der 
Reintegration  massgeblich  unterstützen  könnte.  Anknüpfungspunkte  zu 
Kabul sind aus den Akten nicht ersichtlich.

Der Beschwerdeführer wäre somit mit  seinem Begehren auf Anordnung 
der  vorläufigen  Aufnahme  voraussichtlich  durchgedrungen.  Der  mit 
Verfügung  vom  7. August  2008  verfügte  Vollzug  der Wegweisung wäre 
folglich  aufzuheben  und  das  BFM  anzuweisen  gewesen,  die  vorläufige 
Aufnahme des Beschwerdeführers anzuordnen.

5.3.2. Das vom Beschwerdeführer mit der Beschwerde gestellte Gesuch 
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 
VwVG  wurde  mit  prozessleitender  Verfügung  vom  8. September 2008 
unter  Hinweis  auf  die  damalige  Rechtsprechung  des 
Bundesverwaltungsgerichts  zur  allgemeinen  Sicherheitslage  in  der 
Herkunftsregion  des  Beschwerdeführers  wegen  Aussichtslosigkeit  der 
Begehren  abgewiesen. Wie  in  E.  5.1.3.  ausgeführt,  präsentiert  sich  die 
Sicherheitslage  sowie  die  humanitäre  Situation  im  Heimatgebiet  des 
Beschwerdeführers  gemäss  der  kürzlich  vom Bundesverwaltungsgericht 
vorgenommenen  Lageanalyse  demgegenüber  als  unzumutbar,  weshalb 
das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege 
wiedererwägungsweise gutzuheissen ist, zumal aufgrund der Akten auch 
von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist. Daher sind 
die  praxisgemäss  hälftig  reduzierten  Verfahrenskosten  in  der Höhe  von 
Fr. 300.­ dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 
16  Abs.  1  Bst.  a  VGG  i.V.m.  Art. 2,  3  und  5  VGKE),  mit  dem  am 
15. September  2008  geleisteten  Kostenvorschuss  von  Fr.  600.­  zu 
verrechnen  und  der  Restbetrag  in  der  Höhe  von  Fr.  300.­  ist 
zurückzuerstatten.

5.3.3.  Bei  dieser  Sachlage  ist  dem  Beschwerdeführer  eine 
Parteientschädigung für die Kosten der Vertretung sowie allfällige weitere 
notwendige Auslagen (vgl. Art. 7, Art. 9 und Art. 13 VGKE) zuzusprechen 

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(vgl. Art. 15 i.V.m. Art. 5 VGKE). Da der Rechtsvertreter keine Kostennote 
eingereicht  hat,  ist  die  Parteientschädigung  auf  Grund  der  Akten 
festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 VGKE) und um die Hälfte zu reduzieren (vgl. 
Art.  7  Abs.  2  VGKE).  Unter  Berücksichtigung  der  massgebenden 
Berechnungsfaktoren  (Art.  9  bis  Art.  11  VGKE)  ist  die 
Parteientschädigung auf Fr. 400.­ (inklusive aller Auslagen) festzusetzen. 
Das Bundesamt ist anzuweisen, dem Beschwerdeführer diesen Betrag zu 
entrichten. 

(Dispositiv nächste Seite)

E­5442/2008

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  Beschwerde  wird  –  soweit  nicht  als  gegenstandslos  geworden – 
abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 300.­  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  wird  mit  dem  am  15.  September  2008 
einbezahlten  Kostenvorschuss  verrechnet.  Der  Restbetrag  in  der  Höhe 
von Fr. 300.­ wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet. 

3. 
Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 
dem  Bundesverwaltungsgericht  eine  Parteientschädigung  von  Fr.  400.­ 
auszurichten.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Gabriela Freihofer Chantal Schwizer

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