# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5f2b276c-24c2-50ae-92d5-fa30e03d820a
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-10-19
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 5. Kammer 19.10.2010 R 2010 39
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_005_R-2010-39_2010-10-19.pdf

## Full Text

R 10 39
5. Kammer 

URTEIL
vom 19. Oktober 2010

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Baugesuch

1. Am 24. April 2008 bewilligte die Gemeinde … der … AG den Bau des Wohn- 

und Geschäftshauses …-Center auf der im Quartierplangebiet „…“ in … 

gelegenen Parzelle Nr. 2128. Im Rahmen der Quartierplanung war im 

Gestaltungsplan auf der Ostseite des geplanten Gebäudes im Rahmen einer 

Personaldienstbarkeit ein Bereich für die Erstellung einer öffentlichen 

Aussichtsplattform auf Höhe des … festgelegt und der entsprechende 

Baurechtsvertrag dazu abgeschlossen worden. Im Zusammenhang mit dem 

Bau der Aussichtsplattform und dem um die Südostecke des Neubaus 

gezogenen - bewilligten - Balkon war der Abschluss einer weiteren 

Vereinbarung mit den Eigentümern der benachbarten Parzelle Nr. 526 

erforderlich, weil der geplante Balkon und die Aussichtsplattform mehr als 

einen Meter in den Grenzabstand hineinragen.

Im Zuge der Baurealisierung wurde auf dem vor der Südfassade gelegenen, 

bewilligten Balkon anstelle des bewilligten Balkongeländers eine ca.  1,6 m 

hohe Brüstung aus Glas angebracht. Gegen die Aussichtsplattform hin wurde 

der Balkon mit einer ca. 2 m hohe Glastüre versehen und auf der gegenüber 

liegenden Seite eine Glasbrüstung angebracht. Die Brüstung wird beidseits 

von drei Trägern gestützt, die über die Glasbrüstung hinausreichen und mit 

der Fassade oberhalb der Glastüre im Osten bzw. der Brüstung im Westen 

verbunden sind. Die dazwischen situierten Giebelfelder wurden offen 

gelassen. Über mit der Fassade verbundenen Schienen kann ein 

Sonnenschutz (Terrassenmarkise) über den Balkon hinunter bis auf wenige 

Zentimeter Abstand zur talseitigen Glasbrüstung ausgefahren werden.

Auf Aufforderung der Gemeinde hin ersuchte die Bauherrschaft die Gemeinde 

um nachträgliche Bewilligung dieser sowie anderer vorgenommener 

Änderungen. Mit Entscheid vom 25. Februar 2010 verweigerte die Gemeinde 

den  Änderungen am Balkon die nachträgliche Bewilligung, weil die 

Konstruktion als Wintergarten genutzt werde und entsprechend als 

Vergrösserung des Restaurants zu werten sei. Sie verstosse damit gegen Art. 

67 Abs. 4 BG und Art. 14 Abs. 3 der Quartierplanbestimmungen (QPV). Sie 

hielt aber fest, dass eine Markise bewilligungsfähig wäre. Eine dagegen von 

der … AG am 16. März 2010 erhobene Einsprache wurde vom Gemeinderat 

… am 8. April 2010 abgewiesen. Gleichzeitig wurde die … AG verpflichtet, 

den Wintergarten bis 31. Mai 2010 zu entfernen. In den Erwägungen wurde 

festgehalten, dass eine Bewilligung erteilt werden könnte, wenn die die 

Markise tragenden Stützen auf der Höhe der Brüstung abgeschnitten würden.

2. Dagegen erhob die … AG am 10. Mai 2010 beim Verwaltungsgericht 

Beschwerde mit den Anträgen um Aufhebung des Entscheides und Erteilung 

der nachträglichen Baubewilligung für die Balkonbrüstung sowie die 

ausfahrbare Sonnenschutzanlage. Eventualiter sei  die Sache an die 

Vorinstanz zur Erteilung der Baubewilligung zurückzuweisen. Vorweg stellte 

sie die Rechtmässigkeit der Wiederherstellungsverfügung in Frage. Eine 

solche sei nur dann zulässig, wenn die verschiedenen Änderungen keiner 

nachträglichen Bewilligung zugänglich wären, was vorliegend aber nicht der 

Fall sei. Art. 14 Abs. 3 QPV regle die überbaubaren Flächen im 

Quartierplangebiet und müsse zusammen mit Abs. 2 dieser Bestimmung 

gelesen werden. Danach gälten für Bauteile, die über die Baulinie 

hinausragten, die Bestimmungen des BG respektive KRG. Gemäss Art. 75 

Abs. 3 KRG dürften vorspringende Gebäudeteile bis 1 m in den Grenzabstand 

hineinragen. Vorliegend liege eine Vereinbarung mit dem Nachbarn gemäss 

Art. 77 KRG vor, wonach die Beschwerdeführerin ihre Terrasse bis 1 m an die 

Nachbargrenze ziehen dürfe. Es sei nicht einzusehen, weshalb dies für die 

Glasbrüstung und die ausfahrbare Sonnenschutzanlage nicht gelten solle, 

zumal es sich um einen offenen Balkon gemäss Art. 75 Abs. 3 KRG handle. 

Das Ganze diene nicht dem dauernden Aufenthalt. Bei Wind und Schnee sei 

der Sonnenschutz einzufahren. Seitlich gebe es keine Möglichkeit, den 

Balkon zu schliessen. Auch ästhetisch wirke die Anlage nicht 

fassadenähnlich. Sei der Sonnenschutz eingefahren, trete ein Balkon in 

Erscheinung. Sei er ausgefahren, sei aufgrund der unterschiedlichen 

Materialisierung eine klare Zäsur erkennbar. Bei Wintergärten fehle diese 

Zäsur. Das Gleiche gelte in Bezug auf den ihr entgegen gehaltenen Art. 67 

Abs. 4 BG.

3. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 26. Mai 2010 erteilte der 

Instruktionsrichter der Beschwerde die anbegehrte aufschiebende Wirkung.

4. Die Gemeinde … beantragte die Abweisung der Beschwerde. Das Wohn- und 

Geschäftshaus sei gestützt auf den Quartierplan, das BG und das KRG 

bewilligt worden. Der Neubau halte gegenüber der ausserhalb des 

Quartierplangebietes gelegenen Parzelle Nr. 526 den im Plan mittels einer 

Baulinie statuierten Grenzabstand von 3 m ein. Für in diesen hineinragende 

Gebäudeteile gälten die Bestimmungen des BG und des KRG (Art. 14 Abs. 2 

QPV). Art. 14 Abs. 3 QPV lege ergänzend fest, dass ausserhalb der Baufelder 

gelegene Flächen (abgesehen u.a. von der in Art. 27 QPV aufgeführten 

Aussichtsplattform und dem um die Südostecke gezogene Balkon) 

oberirdisch nicht überbaut werden dürften. Insofern komme Art. 14 Abs. 2 

QPV für den Bereich der Aussichtsplattform gerade  nicht zum Tragen, weil 

dieser Bereich ausschliesslich Bauten und Anlagen vorbehalten seien, welche 

dem angestrebten Aussichtszweck nicht entgegenstünden. Aus dem 

Umstand, dass die Aussichtsplattform nicht den ganzen für sie im 

Gestaltungsplan reservierten Bereich beanspruche, könne nicht einfach der 

Schluss gezogen werden, dass auf dem nicht beanspruchten Teil beliebige 

Bauten und Anlagen errichtet werden dürften, insbesondere nicht solche, 

welche - wie vorliegend - die freie Sicht von der Aussichtsplattform aus 

behinderten. Eine Bewilligung gestützt auf Art. 14 Abs. 2 QPV  sei ebenfalls 

nicht möglich, weil vorliegend der vorspringende geschlossene Balkon nach 

aussen eine Wand bilde, welche als Teil der Umfassungswand in Erscheinung 

trete. Dieser könne sodann wie ein Wintergarten genutzt werden, was sich 

auch daran zeige, dass er zumindest im Winter als Abstellraum für Mobiliar 

gebraucht worden sei. Dass  die Glaswände seitlich nicht ganz bis an den 

Rand der Dachkonstruktionen hochgezogen worden seien, sei ohne Belang, 

da diese Giebelfelder ohne grossen Aufwand geschlossen werden könnten. 

Die geltend gemachte Vereinbarung mit den Nachbarn decke lediglich die 

Erstellung einer Terrasse mit Aussichtspunkt in Unterschreitung des 

Grenzabstandes ab. 

5. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels ergänzten und verdeutlichten 

die Parteien die von ihnen eingenommenen Rechtsstandpunkte.

6. Am 18. Oktober 2010 führte die 5. Kammer des Verwaltungsgerichts im 

Beisein der Parteien und ihrer Rechtsvertreter vor Ort einen Augenschein 

durch. Allen Anwesenden wurde dabei Gelegenheit geboten, sich auch noch 

mündlich zu allen aufgeworfenen Fragen zu äussern. Seitens der Gemeinde 

wurde zur Stützung ihrer Annahme eines geschlossenen 

Balkons/Wintergartens geltend gemacht, dass die seitlichen - anlässlich des 

Augenscheines offenen - Giebelflächen mit geringem Aufwand geschlossen 

werden könnten und dass solches seitens der Beschwerdeführerin zumindest 

temporär mittels einer leichten verglasten Konstruktion bereits einmal 

geschehen sei. Ihr mit der Einlage von entsprechenden Fotos bekräftigter 

Einwand blieb unwidersprochen. 

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien am Augenschein, wie auch auf 

deren übrigen Darlegungen in den Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, 

in den Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Anfechtungsobjekt bildet der Bauentscheid vom 8. April 2010. Streitig und zu 

prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin damit den von der Beschwerdeführerin 

im Zuge der Realisierung des Wohn- und Geschäftshauses auf Parzelle Nr. 

2128 im Bereich des Balkons vorgenommenen baulichen Änderungen zu 

Recht die nachträgliche Baubewilligung verweigert und die Wiederherstellung 

angeordnet hat. 

2. Gemäss dem - nach Art. 107 Ziff. 6 des kantonalen Raumplanungsgesetzes 

(KRG) direkt anwendbaren - Art. 94 Abs. 1 KRG hat ein Bauherr einen 

materiell vorschriftswidrigen Zustand zu beseitigen, gleichgültig, ob er für 

dessen Herbeiführung bestraft worden ist oder nicht. Damit hat der 

Gesetzgeber die Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtes zum alten KRG, 

nach welcher bloss formelle Baurechtsverletzungen keine 

Wiederherstellungsverfügung rechtfertigten, nachvollzogen. Unabdingbare 

Voraussetzung für die Anordnung einer Wiederherstellung ist also das 

Vorliegen eines materiell vorschriftswidrigen Zustandes. Kein materiell 

baurechtswidriger Zustand liegt dann vor, wenn inhaltliche oder formale 

Mängel eines Bauvorhabens ohne grosse Schwierigkeiten behoben werden 

können oder wenn sich Anordnungen zur Schaffung oder Erhaltung eines 

rechtmässigen Zustandes aufdrängen. Diesfalls kann auch eine 

(nachträgliche Baubewilligung mit Nebenbestimmungen (Auflagen, 

Bedingungen, Befristungen) verknüpft werden. Nebenbestimmungen mit 

längerer zeitlicher Wirkung oder von erheblicher Bedeutung können zudem 

auf Kosten des Baugesuchstellenden im Grundbuch angemerkt werden (Art. 

90 KRG). Nur wenn sich aufgrund der nachträglichen Prüfung eine (oder 

mehrere) bauliche Massnahmen als nicht bewilligungsfähig, mithin materiell 

baurechtswidrig erweisen, darf eine Wiederherstellung grundsätzlich 

angeordnet werden. Eine bloss formelle Baurechtswidrigkeit berechtigt 

hingegen nicht zur Anordnung einer Wiederherstellung (vgl. PVG 2007 Nr. 

30). 

3. Mit Blick auf die sich im vorliegenden Verfahren stellenden Fragen 

rechtfertigen sich vorweg verschiedene Feststellungen:

a) So ist festzuhalten, dass die Gemeinde mit Verfügung vom 15./25. April 2008 

die um die Südostecke gezogene und entlang der Südfassade verlaufende, 

in den Grenzabstand hineinragende Terrasse zusammen mit einem (analog 

jenem im Bereich der öffentlich zugänglichen Aussichtsplattform 

zwischenzeitlich erstellten) Metallgeländer bewilligt hat. Unstreitig ist, dass 

sich die Baubewilligung - zufolge der Unterschreitung des Grenzabstandes - 

auf die gemäss Art. 77 KRG erforderliche Vereinbarung zwischen den 

Betroffenen (Grenz- und Näherbaurecht für die Realisierung „der geplanten 

Terrasse mit Aussichtspunkt [eine Geschossfläche]“, datiert vom April 2008) 

abstützt. 

b) Fest steht ferner, dass sich der erwähnten (privatrechtlichen) Vereinbarung 

keine Einschränkungen, so insbesondere hinsichtlich Ausgestaltung (Höhe, 

Materialwahl, Gestaltung des Geländers bzw. einer Brüstung oder allfälliger 

Trage- oder Stützkonstruktionen, etc.) der Terrasse entnehmen lassen. 

Entsprechend ist davon auszugehen, dass durch die Vereinbarung ein 

„offener Balkon“ - nicht aber ein geschlossener Raum, wie z.B. ein 

Wintergarten oder eine geschlossene Veranda - abgedeckt ist. Sofern die 

Terrasse zusammen mit den streitigen Anlageteilen einen offenen Balkon 

bildet, wären diese mithin - unter Beachtung der weiteren von Art. 77 KRG 

verlangten Interessenabwägung - einer nachträglichen Bewilligung 

zugänglich. Dies umso mehr, als der Augenschein bestätigt hat, dass die 

beanstandeten Anlageteile nicht über die von der Vereinbarung erfasste und 

rechtskräftig bewilligte Terrasse hinaus in den Grenzanstand hineinragen.

c) Zu berücksichtigen ist ferner, dass die Gemeinde bereits im angefochtenen 

Einspracheentscheid eine an der Fassade angebrachte Markise als 

nachträglich bewilligungsfähig bezeichnet hat. Am Augenschein hat sie ihre 

Auffassung verdeutlichend ausgeführt, dass darunter eine direkt an der 

Südfassade befestigte, ohne Trage-/Stützkonstruktion sowie ohne seitlichen, 

herabfahrbaren Abschluss auskommende, lediglich die Terrasse 

beschattende ausfahrbare Markise zu verstehen sei.

d) Im angefochtenen Entscheid hat sie zudem zu erkennen gegeben, dass 

anstelle des bewilligten Metallgeländers auch eine Konstruktion mit 

Elementen aus Acryl bewilligungsfähig sein könnte.

e) Am Augenschein hat sich diesbezüglich auch ergeben, dass auf die über die 

Brüstung hinausragenden Trage- und Stützkonstruktion auf Metallträgern und 

Schienen, an denen die rund 10 m lange und 2 m breite Markise herunter- 

und auch gerade noch längsseits herabgelassen werden kann, aus statischen 

(so u.a. bereits aufgrund des hohen Eigengewichts einer geeigneten Markise) 

und sicherheitstechnischen Gründen (Schutz der sich auf der Terrasse 

aufhaltenden Restaurantgäste) nicht verzichtet werden kann. Sie sind mithin 

für die Errichtung einer Markise, wie der vorliegend auch von der Gemeinde 

als gebotenen erachteten, in jedem Fall erforderlich.  

f) Fest steht ferner, dass die für Restaurantgäste zugängliche Terrasse 

zwingend mit Anlageteilen, wie den zur Diskussion stehenden, ausgestaltet 

und zudem auch gegenüber der öffentlich zugänglichen Aussichtsplattform 

abgegrenzt werden muss (Haftungs-/Nutzungsfragen).

g) Unter Würdigung dieser tatsächlichen Feststellungen ist zu prüfen, ob die 

streitigen Anlageteile einer nachträglichen Bewilligung zugänglich sind. Dies 

ist zu bejahen.

4. a) Unbestritten ist, dass die Terrasse mit Anlageteilen (Geländer/Brüstung zum 

Schutz der Gäste; Markise als Sonnenschutz; bauliche Abgrenzung zwischen 

öffentlich zugänglicher Aussichtsplattform und den Restaurantgästen 

vorbehaltener Terrasse) versehen werden muss und darf. Die Gemeinde stellt 

sich nun aber auf den Standpunkt, dass die konkrete Ausgestaltung der 

Terrasse mit den realisierten Anlageteilen (ca, 1,6 m hohe Glasbrüstungen 

auf der Süd- und Westseite; ca. 2 m Glasflügeltüre gegen Osten; auf 

Metallträgern und Schienen ausfahrbare Markise), wie auch der mit geringem 

baulichem Aufwand verschliessbaren Giebelfelder und der erfolgten 

dauernden Nutzung (nicht nur als Terrasse im Zeitraum April - Oktober, 

sondern darüber hinaus im Winter zeitweise auch als Abstellraum für Mobiliar) 

als geschlossener Raum qualifiziert werden müsse. Ein solcher stehe aber im 

Widerspruch zu kommunalem und kantonalem Recht (Art. 14 Abs. 3 QPV, 

Art. 67 Abs. 4 BG, Art. 75 und 77 KRG), so dass dafür keine nachträgliche 

Bewilligung erteilt werden könne. 

b) Wie sich nun aber bereits den eingereichten Fotos entnehmen lässt und der 

Augenschein betätigt hat, vermögen die in Abweichung zur Baubewilligung 

erstellten Anlageteile selbst in ihrer Gesamtheit keinen geschlossenen Raum 

im Sinne der von der Gemeinde an sich zutreffend zitierten  Materialien zum 

baurechtlichen Gebäudebegriff (Botschaft zum KRG) und Rechtsprechung 

(PVG 1989 Nr. 24) zu bilden. Zwar umschliessen die Glasbrüstungen auf der 

Süd- und der Westseite und die abschliessbare Flügeltüre den 

Terrassenbereich raumartig. Doch kann die textile Markise (ca. 10 m lang und 

rund 2 m breit; ausfahrbar auf einer Metallkonstruktion aus Trägern und 

Schienen) bereits heute nur bis auf wenige Zentimeter an die Glasbrüstung 

heruntergelassen werden und sie muss zudem bei Wind und Schnee ganz 

eingefahren werden. Sodann sollen die beiden Giebelfelder aus der Ost- und 

der Westseite nach Intention der Beschwerdeführerin offen bleiben. Ebenso 

wurde der Terrassenbereich baulich nicht für den dauernden Aufenthalt bzw. 

eine dauerhafte Nutzung ausgestaltet, und die Nutzung als offene 

Gartenterrasse ist zudem mittels Grunddienstbarkeit auf den Zeitraum 1. April 

bis 31. Oktober, zwischen 8 Uhr und 22:15 Uhr, beschränkt (vgl. „Nachtrag zu 

einem Grunddienstbarkeitsvertrag“ vom 2./16. September 2008). Letztlich tritt 

die Terrasse gegen aussen selbst in ihrer Gesamtheit als offener Balkon in 

Erscheinung. 

c) Es mag zutreffen, dass ein unbefangener Dritter bei der Betrachtung des 

Balkons aus der Ferne gerade bei vollständig heruntergefahrener Markise im 

Zusammenspiel mit den seitlichen Abschlüssen den optischen Eindruck eines 

geschlossenen Balkons erhalten könnte, bzw. dass sein Eindruck auch aus 

geringer Distanz bestätigt würde, wenn - wie bereits zeitweise der Fall - die 

Giebelfelder in Abweichung zur erteilten Baubewilligung mittels separaten 

Konstruktionen auch noch verschlossen werden und/oder dann der 

Terrassenbereich als Abstellraum für Mobiliar genutzt wird. Nachdem solches 

aber von der Beschwerdeführerin nicht anbegehrt wird, letztlich auch 

Gegenstand eines separaten Baubewilligungsverfahrens bilden müsste, 

ändert dies an der heutigen baurechtlichen Qualifikation der Terrasse als 

offener Balkon nichts, zumal der gewünschte Eindruck eines offenen Balkons 

mit geringen Korrekturen, so z.B. dann, wenn generell vom Herunterfahren 

der Markise bis auf die Brüstung abgesehen und auf das Schliessen der 

seitlichen Giebelfelder verzichtet wird, erzielt werden kann. Entsprechend 

kann die Gemeinde aus den von ihr ins Feld geführten kommunalen und 

kantonalen Bestimmungen nichts zugunsten ihrer Rechtsposition ableiten.

d) Daran vermag selbst der von der Rechtsprechung einer Gemeinde in 

Bausachen regelmässig zugesprochene weite Ermessens- und 

Beurteilungsspielraum nichts zu ändern. Hält man sich nämlich die von ihr 

geltend gemachten weiteren Ziele, insbesondere jenes der Sicherung einer 

uneingeschränkten Aussicht von der Plattform aus vor Augen, erhellt, dass 

diesem durchaus verständlich öffentlichen Anliegen mit den zur Diskussion 

stehenden Anlageteilen (u.a. der Brüstung aus Glas, der Glasflügeltüre) weit 

besser Rechnung getragen werden kann, als mit den von ihr im 

Einspracheentscheid ersatzweise angeführten Elementen aus Acryl. Die aus 

statischen Überlegungen über die Brüstung hinausragende, die Aussicht 

geringfügig einschränkende Metallkonstruktion muss seitens der 

Öffentlichkeit hingenommen werden bzw. vermag das gewichtige private 

Interesse an der mit den streitigen Anlageteilen verfolgten Nutzung der 

Terrasse als offener Balkon für den Restaurationsbetrieb nicht zu überwiegen. 

Insofern erweisen sich die Anlageteile auch aus der Sicht von  Art. 77 Abs. 1 

KRG betrachtet, als ohne weiteres bewilligungsfähig. 

e) Den öffentlichen Interessen nach möglichst uneingeschränkter freier Aussicht 

von der Aussichtsplattform gegen Süden bzw. Südwesten kann (und muss) 

im Rahmen der von der Gemeinde zu erteilenden, nachträglichen 

Baubewilligung ohne weiteres Rechnung getragen werden, indem zwecks 

Schaffung und Erhaltung des rechtmässigen Zustandes („offener Balkon“) das 

Schliessen der beiden Giebelfelder mittels entsprechend formulierter und im 

Grundbuch anzumerkender Auflage (Art. 90 i.V. mit Art. 93 ff. KRG) untersagt 

wird. Parallel dazu ist die Bauherrschaft zu verpflichten, mittels geeigneten 

baulichen/technischen Massnahmen (Einbau eines Stoppkeils) 

sicherzustellen, dass die Markise lediglich max. 2 m horizontal ausgefahren, 

nicht aber auch noch vertikal heruntergefahren werden kann. Erweisen sich 

aber die streitigen Anlageteile einer nachträglichen Baubewilligung (unter 

Nebenbestimmungen) als zugänglich, verdienen der angefochtene Entscheid 

und die dort vorgesehene Wiederherstellungsanordnung keinen 

Rechtsschutz. 

f) Die Beschwerde ist mithin im Sinne der obigen Erwägungen gutzuheissen, 

der angefochtene Entscheid inkl. Wiederherstellungsverfügung sind 

aufzuheben und die Angelegenheit zur Erteilung der Baubewilligung unter 

Nebenbestimmungen i.S. von Art. 90 KRG an die Beschwerdegegnerin 

zurückzuweisen. 

5. Bei diesem Ausgang rechtfertigt es sich, die Verfahrenskosten zu einem 

Drittel der Beschwerdeführerin und zu zwei Dritteln der beschwerdebeklagten 

Gemeinde aufzuerlegen (Art. 73 VRG). Letztere hat überdies der 

Beschwerdeführerin eine entsprechend dem Verfahrensausgang 

angemessen reduzierte Parteientschädigung zu bezahlen (Art. 78 Abs. 1 

VRG). Diese wird ermessensweise auf Fr. 2'000.-- (inkl. MWST) festgelegt.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen, der 

angefochtene Entscheid inkl. Wiederherstellungsverfügung aufgehoben und 

die Angelegenheit zur Erteilung der Baubewilligung unter 

Nebenbestimmungen i.S. von Art. 90 KRG an die Gemeinde zurückgewiesen.

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 2'000.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 266.--

zusammen Fr. 2'266.--

gehen zu einem Drittel zulasten der … AG und zu zwei Dritteln zulasten der 

Gemeinde … Die entsprechenden Kostenanteile sind innert 30 Tagen seit 

Zustellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons 

Graubünden, Chur, zu bezahlen.

3. Die Gemeinde … hat der … AG eine reduzierte Parteientschädigung von Fr. 

2'000.-- (inkl. MWST) zu bezahlen.