# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 086d2505-f993-5f23-98ff-38a1e3754e25
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-10-14
**Language:** de
**Title:** Kein sinnfälliges Ereignis beim Treppabsteigen mit Einknicken und nur möglicherweisem Verpassen einer Stufe; Aussagen der ersten Stunde.
**Docket/Reference:** UV.2012.00118
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2012.00118.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2012.00118
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Sozialversicherungsrichterin Sager
Gerichtsschreiberin Lienhard
Urteil
vom
14. Oktober 2013
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin Susanne
Friedauer
Anwaltskanzlei
Kieser
Senn Partner
Ulrichstrasse 14, 8032 Zürich
gegen
SWICA Versicherungen AG
Römerstrasse 37, Postfach, 8401 Winterthur
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1970, war seit 1. Dezember 2001 bei der
Y.___
,
Z.___
, als Dekorateurin angestellt und dadurch bei der SWICA Versicherungen AG
(nachfolgend SWICA)
gegen die Folgen von Unfäl
len ver
si
chert (
Urk.
8/1
Ziff.
1,
Ziff.
3), als sie am 1. September 2011 beim
Trep
penlaufen
einknickte und sich am rechten Knie verletzte (
Urk.
8/3
Ziff.
1-2). Anlässlich der Erstuntersuchung vom 5. September 2011 wurde eine traumati
sche
Gonarthrose
rechts festgestellt (
Urk.
8/4
Ziff.
1,
Ziff.
5).
Mit Verfügung vom 2
2.
Dezember 2011 (
Urk.
8/11) verneinte die SWICA ihre
Leis
tungspflicht
. Die dagegen von der Versicherten am 30. Januar 2012 (
Urk.
8/14)
erhobene und am 28. Februar 2012 (
Urk.
8/17/1) ergänzte Einspra
che wies die SWICA mit
Einspracheentscheid
vom 24. April 2012 ab (
Urk.
8/19 =
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 24. April 2012 (
Urk.
2) erhob die Versi
cher
te am 23. Mai 2012 Beschwerde mit dem folgenden Antrag (
Urk.
1 S. 2):
„Es seien der
Einspracheentscheid
vom 24. April 2012 und die dem
Einsprache
entscheid
zugrunde liegende Verfügung
vom 2
2.
Dezember 2011 aufzuheben, und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerdeführerin die gesetzlich geschuldeten Leistungen zu erbringen, insbesondere seien die Kosten für die Heilbehandlung zu übernehmen und eventuell Taggelder auszurichten.“
Mit Beschwerdeantwort vom 6. Juli 2012 (
Urk.
7) beantragte die
Beschwerde
gegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdeführerin hielt mit Rep
lik
vom 21. November 2012 (
Urk.
13) an ihren Anträgen fest, ebenso die
Be
schwer
degegnerin
mit Duplik
vom 6. Dezember 2012 (
Urk.
16), was der Be
schwer
de
führerin am 11. Dezember 2012 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
17).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ein Unfall ist gemäss
Art.
4
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
So
zialversicherungsrechts
(ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädi
ge
n
de Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschli
chen
Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Ge
sundheit oder den Tod zur Folge hat (BGE 129 V 402 E. 2.1).
1.2
Gemäss Art. 6 Abs. 2
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
kann
der Bundesrat Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind,
in die Versicherung einbeziehen. Von dieser Kompetenz hat der Bundesrat in
Art. 9
Abs. 2
der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV)
Gebrauch ge
macht und fol
gende Körperschädigungen, sofern sie nicht eindeutig auf eine Er
kran
kung oder eine Degeneration zurückzuführen sind, auch ohne unge
wöhn
liche
äussere Ein
wirkung den Unfällen gleichgestellt:
a.
Knochenbrüche;
b.
Verrenkungen von Gelenken;
c.
Meniskusrisse;
d.
Muskelrisse;
e.
Muskelzerrungen;
f.
Sehnenrisse;
g.
Bandläsionen;
h.
Trommelfellverletzungen.
Diese Aufzählung der den U
nfällen gleichgestellten Körper
schädigungen ist ab
schliessend (BGE 116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen; Maurer, Schwei
ze
risches Unfall
versicherungsrecht, 2. Aufl., 1989, S. 202).
1.3
Diese Regelung bewirkt eine Verlagerung der Leistungspflicht von der Kranken- in die Unfallversicherung. Diese Folge nahmen Gesetz- und Verordnungsgeber be
wusst in Kauf, um die Problematik der Ausscheidung der Unfall- von den Krankheitsfolgen in den - medizinisch gesehen - häufigsten
Gemenglagen
un
fall
-/
krankheitsmässiger
Einwirkungen zu vermeiden (BGE 129 V 466 E. 2.1).
1.4
Hinsichtlich der unfallähnlichen Körperschädigungen hat das Bundesgericht in Fortsetzung der Rechtsprechung zu den Leistungsvoraussetzungen daran festge
halten, dass mit Ausnahme der Ungewöhnlichkeit sämtliche
Tatbestandsmerk
male
des Unfallbegriffs erfüllt sein müssen. Besondere Bedeutung kommt dabei der Voraussetzung eines
äusseren
Ereignisses zu,
also
eines
ausserhalb
des Kör
pers liegenden, objektiv feststellbaren, sinnfälligen, eben unfallähnlichen Vor
falles. Wo ein solches Ereignis mit Einwirkung auf den Körper nicht stattgefun
den hat, und sei es auch nur als Auslöser eines in
Art.
9
Abs.
2
lit
. a-h UVV aufgezählten Gesundheitsschadens, liegt eine eindeutig
krankheits- oder dege
nerativ bedingte Gesundheitsschädigung vor. Dabei
schliesst
ein degenerativer Vorzustand eine unfallähnliche Körperverletzung nicht aus, sofern das
unfall
ähnliche
Ereignis einen Vorzustand verschlimmert oder erst manifest werden lässt.
Erforderlich und hinreichend für die Bejahung eines
äusseren
Faktors ist, dass diesem ein gesteigertes Schädigungspotential zukommt, sei es zufolge einer allgemeinen gesteigerten Gefahrenlage, sei es durch Hinzutreten eines zur Un
kontrollierbarkeit der Vornahme der alltäglichen Lebensverrichtung führenden Faktors (BGE 129 V 466 E. 4.3).
Kein unfallähnliches Ereignis liegt in all jenen Fällen vor, in denen der
äussere
Faktor mit dem (erstmaligen) Auftreten der für eine der in
Art.
9
Abs.
2
lit
. a-h UVV enthaltenen Gesundheitsschäden typischen Schmerzen gleichgesetzt wird. Auch nicht erfüllt ist das Erfordernis des
äusseren
schädigenden Faktors, wenn
das (erstmalige) Auftreten von Schmerzen mit einer
blossen
Lebensverrichtung einhergeht, welche die versicherte Person zu beschreiben in der Lage ist; denn für
die Bejahung eines
äusseren
, auf den menschlichen Körper schädigend ein
wir
ken
den Faktors ist stets ein Geschehen verlangt, dem ein gewisses gestei
gertes
Gefährdungspotential innewohnt. Das ist zu bejahen, wenn die zum
ein
schiessen
den
Schmerz führende Tätigkeit im Rahmen einer allgemein gestei
gerten
Gefah
renlage
vorgenommen wird, wie dies etwa für viele sportliche Be
tätigungen zu
treffen kann. Der
äussere
Faktor mit erheblichem
Schädigungspo
tenzial
ist so
dann auch zu bejahen, wenn die in Frage stehende
Lebensverrich
tung
einer meh
r als physiologisch normalen und psychologisch beherrschten Beanspruchung des
Körpers, insbesondere seiner
Gliedmassen
, gleichkommt. Wer hingegen beim Auf
stehen, Absitzen, Abliegen, der Bewegung im Raum, Handreichungen usw. einen
einschiessenden
Schmerz erleidet, welcher sich als Symptom einer Schädigung nach
Art.
9
Abs.
2 UVV herausstellt, kann sich nicht auf das Vorliegen einer
un
fallähnlichen
Körperschädigung berufen.
Erfüllt ist demgegenüber das Erfordernis des
äusseren
schädigenden Faktors bei Änderungen der Körperlage, die nach unfallmedizinischer Erfahrung häufig zu körpereigenen Traumen führen können, so etwa beim plötzlichen Aufstehen aus
der Hocke, bei heftigen und/oder belastenden Bewegungen und bei durch
äussere
Einflüsse unkontrollierbaren Änderungen der Körperlage (BGE 129 V 466 E. 2.2 und 4.2; Urteil des Bundesgerich
ts U 94/03 vom 31. Oktober 2003
E. 2.1). Dabei kommt es beim Begriffsmerkmal der Plötzlichkeit im Rahmen der
unfallähn
lichen
Körperschädigungen nicht so sehr auf die Dauer einer schädi
genden Ein
wirkung an, als vielmehr auf ihre Einmaligkeit. Keine unfallähnliche
Körper
schä
digung
liegt
demgemäss
vor, wenn eine Verletzung im Sinne von
Art.
9
Abs.
2
lit
. a-h UVV
ausschliesslich
auf wiederholte, im täglichen Leben laufend auftretende Mikrotraumata zurückzuführen ist, welche eine allmähliche Abnüt
zung bewirken und
schliesslich
zu einem
behandlungsbedürftigen
Ge
sund
heits
schaden
führen (BGE 116 V 148 E. 2c mit Hinweisen; Alfred Bühler, Die
unfall
ähnliche
Körperverletzung, in: SZS 1996 S. 88).
1.5
Die schädigende
äussere
Einwirkung kann in einer körpereigenen Bewegung be
stehen, wie dem plötzlichen Aufstehen aus der Hocke (BGE 116 V 148 E. 2c) oder einem Fehlschlag beim
Fussballspiel
(RKUV 1990 Nr. U 112 S. 375 E. 3), im Verschieben eines schweren Wäschekorbes mit dem linken
Fuss
, Ausführung einer ruckartigen Bewegung und Verdrehung des rechten Knies (RKUV 2000
Nr.
U 385 S.
267), in einem Sprung von einer Verpackungskiste (RKUV 2001 Nr.
U 435 S.
332), im Bemühen, balgende Hunde zu trennen, worauf die ver
sicherte Person auf unebenem Gelände ausrutschte und sich das Knie verdrehte (Urteil des Bundesgerichts U 127/00 vom 27. Juni 2001), im Stolpern, einer un
koordi
nierten Ausweichbewegung des Beines und daraufhin erfolgtem Anschla
gen des linken Knies an einem Anhängerwagen (Urteil des Bundesgerichts U 158/00
vom 27. Juni 2001), im
Misstritt
beim Volleyballspiel mit
ein
schiessen
dem
Zwick im linken Knie (Urteil des Bundesgerichts U 92/00 vom 27. Juni 2001),
in einem Sprung aus einer Höhe von 60 cm aus einem Bahngepäckwagen (Urteil des Bundesgerichts U 266/00 vom 21. September 2001), in einem brüs
ken Um
drehen beim Kochen in Richtung Küchenschrank mit
einschiessenden
Schmer
zen im Knie (Urteil des Bundesgerichts U 5/02 vom 21. Oktober 2002), in einem
einschiessenden
Schmerz im Knie beim
Carvingskifahren
als einer erhöht
risi
kogeneigten
Sportart (Urteil des Bundesgerichts U 223/05 vom 27. Oktober 2005).
Verneint wurde das Vorliegen eines
äusseren
schädigenden Faktors bei ver
mehr
ter Arbeitsbelastung, welche zu kontinuierlicher Zunahme und Ver
schlech
terung der Kniebeschwerden führte (Urteil des Bundesgerichts U 198/00 vom 30.
August 2001), beim Auftreten von Schmerzen „nachts bei Drehbewe
gungen
und nach längerem Gehen" (Urteil des Bundesgerichts U 458/00 vom 24. Okto
ber
2001), bei einer Knieblockade beim Tennisspiel ohne
Programm
widrigkeit
(Urteil
des Bundesgerichts U 374/01 vom 7. Juni 2002) sowie beim Knieverdrehen beim morgendlichen Aufstehen aus dem Bett (BGE 129 V 466).
1.6
Die Verwaltung als verfügende Instanz und
im
Be
schwe
r
defall
das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Be
stehen über
zeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Ent
scheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abwei
chendes vorsieht, nach dem
Be
weis
grad
der über
wiegenden Wahr
scheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglich
keit eines
bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanfor
derungen nicht. Das Ge
richt folgt vielmehr jener
Sachver
halts
darstel
lung
, die es von allen möglichen
Ge
schehensabläu
fen
als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b S.
360
mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3 S. 324 f.).
1.7
Praxisgemäss stellen die Gerichte im Bereich des Sozialversicherungsrechts in
der Regel auf die „Aussagen der ersten Stunde“ ab, denen in beweismässiger Hin
sicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder an
de
rer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hin
weis).
1.8
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen be
ruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a
, 122 V 157 E. 1c).
1.9
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be
gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zu
verlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die be
fragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht,
lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es
bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpar
tei
lichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf
die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im
Sozialversiche
rungs
recht
zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gut
achterin allerdings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572; BGE 122 V 157 E. 1c; vgl. auch 123 V 331 E. 1c).
2.
2.1
Streiti
g und zu prüfen ist die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin und in die
sem Zusammenhang das Vorliegen einer unfallähnlichen Körperverlet
zung.
2.2
Die Beschwerdegegnerin wies im angefochtenen Entscheid darauf hin, dass die Beschwerdeführerin selbst von einem unfallähnlichen Ereignis und nicht von
einem Unfall im Rechtssinn ausgehe. Gemäss medizinischer Akten
lage liege kein
Meniskusriss vor. Ausserdem habe kein sinnfälliges Ereignis stattgefunden. Das geschilderte Einknicken sei angesichts der bereits bestehen
den Instabilität im rech
ten Knie als innere Ursache zu werten. Zudem sei Trep
pensteigen recht
sprechungsgemäss eine gewöhnliche Handlung, bei welcher das Vorliegen des schädigenden äusseren Faktors ausgeschlossen werden könne. Es habe nichts Programmwidriges stattgefunden (
Urk.
3 S. 3 ff.). Vertrauensärztlich werde die
Meniskusläsion als weitere degenerative Veränderung im laufenden
Abnüt
zungs
prozess
gewertet; es handle sich nicht um eine Diagnose gemäss
Art. 9 Abs. 2 UVV
(
Urk.
7 S. 3 f.).
2.3
Dem hielt die Beschwerdeführerin entgegen, es sei am 7. September 2011
bild
gebend
ein Riss im Vorderhorn des Aussenmeniskus und eine Partialruptur des
vorderen Kreuzbandes festgestellt worden. Dazu sei vertrauensärztlich zunächst festgestellt worden, dass ein Vorzustand vorliege, dass aber hinsichtlich der
nicht näher beschriebenen Rissbildung im Vorderhorn des lateralen Meniskus eine Arthroskopie Klärung bezüglich einer traumatischen Ursache bringen würde.
Damit sei vertrauensärztlich bestätigt worden, dass ein Meniskusriss vorliege. Zwi
schenzeitlich sei eine Arthroskopie durchgeführt und
eine
an
terolaterale
Me
nis
kusläsion
festgestellt worden
(
Urk.
1 S. 7).
Somit sei eine Di
agnose gemäss
Art. 9 Abs. 2 UVV
gegeben. Sie habe einen Treppenabsatz übersehen und sei in der Folge eingeknickt. Dies sei als unfallähnliches Ereignis zu würdigen, komme doch zur alltäglichen Lebensverrichtung, nämlich dem
Treppabgehen
, ein zur Unkontrollierbarkeit der Verrichtung führendes äusseres Moment in Form eines Fehl
trittes hinzu (
Urk.
1 S. 8). Auf die vertrauensärztli
che Beurteilung durch
Dr.
A.___
könne nicht abgestellt werden (
Urk.
13 S. 3).
3.
3.1
Eine bildgebende Untersuchung vom 7. September 2011 ergab folgende Beurtei
lung (
Urk.
8/6 S. 1):
-
Pangonarthrose
mit
oste
o
phytären
Randanbauten lateral betont.
Retro
pa
telläre
Knorpelglatze im
Femoropatellargelenk
,
Chondropathie
Grad 2 im medialen
femorotibialen
Gelenkskompartiment und
Chondropathie
Grad 3 im lateralen
femorotibialen
Gelenkskompartiment
-
mässiger Gelenkserguss betont im
Recessus
suprapatellaris
-
peripherer Riss im Vorderhorn des Aussenmeniskus
-
Partialruptur des vorderen Kreuzbandes
-
Gelenkserguss, kleine Baker-Zyste
3.2
Dr.
med.
B.___
, Allgemeine Medizin FMH, führte mit Bericht vom 20. Ok
tober 2011 (
Urk.
8/4) hinsichtlich des Befundes aus, er habe am rechten Knie
der Beschwerdeführerin einen kleinen Erguss sowie eine Druckempfindlichkeit des lateralen und medialen Gelenkspaltes bei klinischer Stabilität festgestellt. Der
Röntgenbefund habe eine laterale Kompartiment-Arthrose des rechten Knies mit Gelenkspaltverschmälerung und
Osteophyten
ergeben. Die Erstbehandlung habe
am 5. September 2011 stattgefunden.
Dr.
B.___
diagnostizierte eine trau
mati
sier
te
Gonarthrose
rechts. Es
lägen
ausschliesslich Unfallfolgen vor; das Knie sei vor
her asymptomatisch gewesen.
3.3
Dr.
med.
C.___
, Leitender Arzt am Departement Chirurgie des
D.___
,
diagnostizierte mit Bericht vom 4. November 2011 (
Urk.
8/17/1
a
)
eine traumatisierte Pan-
Gonarthrose
rechts mit
anterolateraler
Meniskusläsion sowie
einem Status nach offener
Sequesterentfernung
Knie rechts etwa 1990. Hinsichtlich der Anamnese hielt
Dr.
C.___
fest, die Beschwer
deführerin sei am 1. September 2011 beim raschen
Treppabgehen
vornüber ein
geknickt und habe einen stichartigen Schmerz im Kniegelenk rechts verspürt. Seither persistierten unbestimmte Schmerzen, vor allem
anterolateral
. Die dege
nerativen Veränderungen seien in Anbetracht des noch jungen Alters der Be
schwerdeführerin eindrücklich. Möglicherweise hätten sie einen Zusammenhang mit dem Knieeingriff von 1990. Sie habe aber bislang problemlos sämtliche Tä
tigkeiten durchführen können. Am 1. September 2011 sei es wahrscheinlich zu e
iner Meniskusläsion
latereal
gekommen, die jetzt
noch Beschwerden verursa
che
(S. 1).
3.4
Am 29. November 2011 wurde eine Arthroskopie durchgeführt. Im
Operations
bericht
vom 30. November 2011 (
Urk.
8/17/2) wurden folgende Diagnosen ge
stellt (S. 1):
-
traumatisierte Pan-
Gonarthrose
rechts
-
anterolaterale
Meniskusläsion
-
Status nach offener
Sequesterentfernung
Knie rechts ca. 1990, aktuell Knorpelglatze am lateralen
Femurkondylus
und lateraler
Patellarück
fläche
-
degenerative Veränderungen medialer Meniskus
-
Osteophytenbildung
Patellaspitze
und lateraler
Femurkondylus
kra
nial
-
prominentes Ligamentum
mucosum
und
Plica
mediopatellaris
Am 1. September 2011 sei die Beschwerdeführerin beim raschen
Treppabgehen
vornüber eingeknickt und habe einen stichartigen Schmerz
anterolateral
im rechten Kniegelenk verspürt. Das vordere und hintere Kreuzband seien suffi
zient. Der mediale Meniskus zeige im
Hinterhornbereich
degenerative Verände
rungen. Im lateralen
Kompartement
bestehe eine
anterolaterale
Meniskusläsion. Der übrige laterale Meniskus sei altersentsprechend
. Der
Femur
zeige korres
pon
die
rend zur lateralen Meniskusläsion eine Aufrauhung im Sinn
einer
Chon
dro
pathie
Grad II.
Die Pan-
Gonarthrose
habe sich intraoperativ als eher moderat erwiesen. Die laterale Knorpelläsion zwischen
Femurkondylus
und
Pa
tella
rück
fläche
sei jedoch sehr fortgeschritten (S. 2).
3.5
Im Auftrag der Beschwerdegegnerin nahm
Dr.
med.
E.___
, Orthopädische Chirurgie FMH, eine Aktenbeurteilung vor. Mit Bericht vom 30. November 2011 (
Urk.
8/8) führte
Dr.
E.___
aus, es sei bei der Unfallmeldung nicht klar gewor
den, was passiert sei. Ein Unfall sei nicht geschehen. Die bildgebend beschrie
benen Veränderungen
entsprächen nicht einer frischen Verletzung, sondern seien als Vorzustand zu betrachten. Es handle sich um eine
Pangonarthrose
, die am ehesten mit der 1991 operierten Läsion in Zusammenhang stehe. Ohne die
sen Vorzustand wäre das Knie bei den beschriebenen Mechanismen kaum schmerz
haft geworden. Die angenommene Traumatisierung sei aufgrund der Akten wenig wahrscheinlich. Eine Unsicherheit bestehe in Bezug auf die nicht näher beschriebene Rissbildung im Vorderhorn des lateralen M
eniskus; dort sei eine frische Läsion nicht absolut auszuschliessen. Dass eine Partialruptur des vorderen Kreuzbandes frisch entstanden wäre, sei aufgrund der vagen Darstel
lung der Entstehung der Beschwerden eher unwahrscheinlich. Sollte es zu einer Arthroskopie kommen, solle der Operateur explizit danach gefragt werden, ob er diese Ruptur als frisch traumatisch beurteile (S. 1-2).
3.
6
Dr.
C.___
führte mit Bericht vom 6. Januar 2012 (
Urk.
8/1
7/3) aus, das Resultat der Operation sei in Anbetracht der Gesamtsituation sehr erfreulich und bereits überraschend gut. Hauptproblem seien
zur Zeit
versicherungstechnische Fragen. Aus
seiner
Sicht handle es sich beim akuten Ereignis um einen Unfall im Rah
men eines längeren degenerativen Leidens nach Voroperation 1990, wel
ches von
der Unfallversicherung übernommen werden sollte (S. 1-2).
3.7
PD
Dr.
med.
A.___
, Chirurgie FMH und Vertrauensarzt der
Be
schwer
degegnerin
, führte mit Bericht vom 25. Juni 2012 (
Urk.
8/25) aus, die Kon
gruenz und vermutlich die Stabilität im
femurotibialen
Gelenk sei bei diesen erheblichen
arthrotischen
Veränderungen im lateralen Gelenkkompartiment er
heblich gestört, vor allem für Flexions- und Rotationsbewegungen. Dies habe auch ohne eigentliches Unfallereignis zur Läsion des schwächsten verbleibenden Anteils im lateralen Gelenkkompartiment, nämlich des lateralen Meniskus, ge
führt. Der Knorpelüberzug als anderer schwächerer Anteil im
Gelenkkomparti
ment
habe ja bereits grossflächig gefehlt. Demzufolge sei die
anterolaterale
Me
niskusläsion
nicht als traumatisch anzusehen, sondern als weitere degenerative Veränderung im laufenden Abnützungsprozess der weicheren schwächeren Ge
lenkanteile (Knorpel, Meniskus) und der härteren resistenten Anteile (Knochen
femoral
,
tibial
und
patellär
). Die bildgebend und auch im Operationsbefund be
schriebenen Veränderungen seien demnach kausal dem
1990
operierten Knie
leiden
zuzuschreiben
und nicht dem
- nicht unfallähnlichen - Ereignis vom 1. September 2011.
4.
4.1
Den medizinischen Akten ist
übereinstimmend
zu entnehmen, dass
die Be
schwer
deführerin eine der in
Art.
9
Abs.
2
lit
. a-h UVV
abschliessend
aufge
zähl
ten körperlichen Schädigungen erlitt
:
Die bildgebende Untersuchung vom
7.
September 2011 (
Urk.
8/6) ergab einen
peripheren
Riss im Vorderhorn des
Aus
senmeniskus
und eine
Partialruptur des vorderen Kreuzbandes
.
Dr.
C.___
di
ag
nostizierte unter anderem eine
anterolaterale
Meniskusläsion
(
Urk.
8/17/1).
Auch
Dr.
E._
__
stellte eine Läsion im Meniskusvorderhorn fest (
Urk.
8/8). Diese
wurde auch anlässlich der Arthroskopie beschrieben und behandelt (
Urk.
8/17/2).
Vertrauensarzt
Dr.
A.___
beschrieb diese Läsion ebenfalls (
Urk.
8/25).
4.2
Es stellt sich die Frage, ob diese Beeinträchtigung auf das Ereignis vom
1.
Sep
tember 2011 zurückzuführen ist. Diesbezüglich
ist der von
einer Mitarbeiterin
verfassten Bagatellunfall-Meldung vom 1
3.
Oktober 2011 (
Urk.
8/1) zu entneh
men,
dass die Beschwerdeführerin schon länger Schmerzen im Kniebereich habe.
W
ann genau und wo das passiert sei
,
könne
die Beschwerdeführerin
nich
t sagen
. Sie vermute, es sei beim Sport passiert, und wenn nicht, dass es eine Ab
nutzung sei. Der Arzt bestehe jedoch auf einer Unfallmeldung (
Ziff.
6).
A
uf An
frage der Beschwerdegegnerin führte die Beschwerdeführerin a
m 2
0.
Oktober 2011
(
Urk.
8/3) aus, sie sei „beim Treppenlaufen eingeknickt (Treppenabsatz über
sehen)“ (
Ziff.
1).
Bezüglich den „Angaben des Patienten“ führte
Dr.
B.___
am 2
0.
Oktober 2011
(
Urk.
8/4) aus, die Beschwerdeführerin sei am
1.
September 2011 eine Treppe hin
unter gesprungen, wobei rechts ein plötzlicher Knieschmerz aufgetreten sei (
Ziff.
2). Gegenüber
Dr.
C.___
hielt die Beschwerdeführerin nach Lage der Akten fest, sie sei am
1.
September 2011 beim raschen
Treppabgehen
vornüber einge
knickt
und ha
be einen stichartigen Schmerz
im
rechten
Kniegelenk verspürt (
Urk.
8/17/1 S. 1).
4.3
Bei dem möglicherweise - die Beschwerdeführerin war sich offenbar anlässlich
der Bagatellunfallmeldung der Arbeitgeberin gegenüber nicht mehr sicher, wann
was geschehen ist - stattgehabten Ereignis vom
1.
September 2011 han
delte es sich grundsätzlich um eine alltägliche Lebensverrichtung, welche eine
physio
lo
gi
sche Beanspruchung des Körpers ohne erhöhtes Gefährdungspotential da
r
stellt
. Das Treppensteigen
als solches genügt den Anforderungen der Recht
sprechung an den
äusseren
schädigenden Faktor nicht (
BGE 129 V 466
E. 4.2.2 S. 470 und
ins
besondere die Urteile des Bundesgerichts U 233/05 vom
3.
Januar 2006 E. 5.2
und U 159/03 vom 1
1.
Dezember 2003 E. 3.2). Dass die Beschwer
deführerin einen
Treppenabsatz übersehen hat und beim Treppenlaufen einge
knickt
sein soll
, reicht
zur Bejahung eines sinnfälligen Ereignisses ebenfalls nicht aus
, ist damit doch
keine mehr als physiologisch normale und psycholo
gisch beherrschte Bean
spruch
ung des Körpers verbunden. Das Ereignis ist zu
dem nicht klar und eindeuti
g genug beschrieben, dass daraus mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit
(vgl. vorstehend E. 1.6)
eine Sinnfälligkeit angenommen werden könnte.
4.4
Dass die Beschwerdeführerin die Treppe hinunter gesprungen oder rasch
die Treppe
hinabgegangen
ist - das Verpassen eines Treppenabsatzes fand
in
spä
te
r
en Darstellungen
keine Erwähnung mehr -
, entspricht
zudem
nicht ihren „Aus
sagen der ersten Stunde“, denen in
beweismässiger
Hinsicht
grösseres
Ge
wicht zukommt als späteren Darstellungen (vgl. vorstehend E.
1.7
)
.
Dies gilt auch für
die
ebenfalls erst
später geltend gemachten
,
plötzlich und stichartig anlässlich des
Ereignisses vom
1.
September 2011 verspürten Knieschmerzen; deren Auftreten
erscheint nicht als glaubhaft. Selbst wenn dies tatsächlich der Fall gewesen wäre,
ist damit
das Erfordernis des
äusseren
schäd
igenden Faktor
s
ebenfalls nicht er
füllt
,
da
das erstmalige Auftreten der Schmerzen mit einer
bloss
en
Lebens
ver
richtung
einherging
,
welche die versicherte Person zu be
schreiben in der Lage ist (Urteil 8C_772/2009 vom
7.
Mai 2010 E. 3.2).
F
ür die Bejahung eines
äusse
ren
, auf den menschlichen Körper schädigend einwirken
den Faktors ist stets ein
Geschehen verlangt, dem ein gewisses gesteigertes
Ge
fährdungspotential
inne
wohnt
(vgl. vorstehend E. 1.4)
.
Dies ist vorliegend zu verneinen.
4.5
Nach dem Gesagten
fehlt es sowohl an einer allgemein gesteigerten
Gefahren
lage
als auch an der Unkontrollierbarkeit der fraglichen Bewegung, sodass im Lichte der zitierten Kasuistik ein gesteigertes Schädigungspotential und damit ein
un
fallähnliches
äusseres
Ereignis im oben umschriebenen Sinne zu vernei
nen ist
.
Damit liegt eine rein
krankheits- oder degenerativ bedingte
Gesund
heitsschä
di
gung
vor.
Dies wurde in nachvollziehbarer Weise von
Dr.
A.___
bestätigt (vgl. vorstehend E. 3.7).
Die Beschwerdegegnerin hat somit ihre Leistungspflicht zu Recht verneint. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5
.
Die Beschwerdegegnerin stellte Antrag auf
Zusprache
ei
ner
Prozessentschädi
gung
(
Urk.
7 S. 2
oben).
Stellt die obsiegende Partei einen entsprechenden Antrag oder ist dies von an
dern
Gesetzen so vorgesehen, verpflichtet das Gericht
gemäss
§
34
Abs.
1
des
Geset
z
es
über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
die unterliegende Partei zum Er
satz der Parteikosten. Nach
§
34
Abs.
2
GSVGer
steht den Versiche
rungs
trä
gern und den Gemeinwesen der Anspruch auf eine Parteientschädigung nur zu, soweit er von anderen Gesetzen nicht ausgeschlossen ist. Nach der höchst
rich
ter
lichen Rechtsprechung hat der Versicherungsträger Anspruch auf eine
Pro
zessentschädigung
unter der Voraussetzung, dass er durch einen exter
nen An
walt vertreten ist (Urteil des Schweizerischen Bundesgerichts 5C.244/2000 vom
9.
Januar 2001 E. 5 mit Hinweisen).
Da die Beschwerdegegnerin
im vorliegenden Verfahren nicht durch einen exter
nen
Anwalt vertreten war, ist ihr für ihr Obsiegen keine Prozessentschädigung zu
zusprechen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Der Beschwerdegegnerin
wird keine Prozessentschädigung zugesprochen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Susanne
Friedauer
-
SWICA Versicherungen AG
-
Bundesamt für Gesundheit
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannLienhard
BB/SL/ESversandt