# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f81c7dcd-a9de-548c-9a0a-b1a90782ec07
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-04-18
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 18.04.2012 SK1 2011 40
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SK1-2011-40_2012-04-18.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

__________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 18. April 2012 Schriftlich mitgeteilt am:
SK1 11 40 [mündlich eröffnet] 17. August 2012

Urteil 
I. Strafkammer

Vorsitz Schlenker
RichterInnen Brunner und Michael Dürst
Aktuarin ad hoc Riesen-Ryser

In der strafrechtlichen Berufung

des A., amtlich verteidigt durch MLaw Andri Hotz, c/o Quinter Portmann & Partner, 
Quaderstrasse 18, Postfach 551, 7002 Chur,

gegen

das Urteil des Bezirksgerichts Plessur, Erstinstanzliches Strafgericht, vom 6. Ok-
tober 2011, mitgeteilt am 28. Oktober 2011, in Sachen der S t a a t s a n w a l t -
s c h a f t  G r a u b ü n d e n , Sennhofstrasse 17, 7001 Chur, Anklägerin und Beru-
fungsbeklagte, gegen den Angeklagten und Berufungskläger,

betreffend einfache Körperverletzung,

hat sich ergeben:

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I. Sachverhalt

A. A. wurde am 28. April 1990 in O. geboren und wuchs als Einzelkind bei sei-
nen Eltern in P. auf. Dort besuchte er auch sechs Jahre die Primar- und ansch-
liessend die Realschule. Im August 2006 begann er eine dreijährige Dachdecker-
lehre bei der G. GmbH in Q., brach diese im September 2007 aber wieder ab und 
arbeitete danach temporär für die Firma H.. Am 4. August 2008 begann er bei der 
Firma I. AG eine Lehre als Detailhandelsfachmann. Im Juli 2011 schloss A. diese 
Lehre erfolgreich ab. Anschliessend war er bei der Firma J. AG in P. als Trans-
portmitarbeiter/Möbelmonteur/Betriebsallrounder angestellt. Da er aufgrund einer 
Verletzung an der Hand, die er sich bei der Arbeit zugezogen hatte, längere Zeit 
nicht mehr einsatzfähig war, kündigte ihm die J. AG die Stelle. Am 1. Januar 2012 
trat A. eine auf den 31. März 2012 befristete Anstellung als Mitarbeiter in der Pro-
duktion bei der K. AG in R. an. Am 2. April 2012 konnte er seine derzeitige, auf 
den 31. August 2012 befristete Arbeitsstelle bei der L. AG als Produktionsmitarbei-
ter antreten. Gemäss seinen Aussagen anlässlich der Berufungsverhandlung be-
steht die Aussicht, dass er eine Festanstellung bei der L. AG erhält. Er bezieht 
nach seinen Angaben ein monatliches Einkommen von ca. Fr. 3'600.--.

B. a) Bereits als Jugendlicher kam A. mit dem Gesetz in Konflikt: Am 22. Mai 
2006 verurteilte ihn der Jugendanwalt wegen einfacher Körperverletzung gemäss 
Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zu einer Arbeitsleistung von acht Halbtagen. Am 10. 
Juli 2006 erteilte ihm der Jugendanwalt einen Verweis wegen mehrfacher Wider-
handlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG. Mit Entscheid vom 14. August 2007 wurde 
A. vom Jugendanwalt wegen einfacher Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 
StGB zu einer persönlichen Arbeitsleistung von sechs Halbtagen verurteilt. Am 16. 
Mai 2008 verurteilte ihn der Jugendanwalt wegen Tätlichkeiten gemäss Art. 126 
Abs. 1 StGB und bestrafte ihn mit einer Busse in Höhe von Fr. 200.--. Gleichzeitig 
verpflichtete er ihn gestützt auf Art. 23 JStG, an einem Gewaltpräventionskurs 
(Konfliktbewältigungstraining) beim Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst des 
Kantons Graubünden (KJPD) teilzunehmen.

b) Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist A. zudem mit zwei Einträgen ver-
zeichnet: Am 30. Juni 2009 verurteilte ihn das Bezirksgericht Plessur wegen einfa-
cher Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zu einer bedingten 
Freiheitsstrafe von acht Monaten bei einer Probezeit von zwei Jahren. Diese Pro-
bezeit wurde durch den Kreispräsidenten P. am 27. August 2010 um ein Jahr ver-
längert. Am 27. August 2010 verurteilte der Kreispräsident P. A. wegen einfacher 

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Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, versuchter einfacher Kör-
perverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 
StGB und mehrfacher Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG und bestrafte 
ihn mit einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je Fr. 20.-- sowie mit einer Busse 
von Fr. 300.--. 

c) Schliesslich erfolgte am 21. Dezember 2009 eine Verurteilung wegen Tätlichkeit 
gemäss Art. 126 StGB. Als Strafe wurde eine Busse in Höhe von Fr. 300.-- bei 
einer Ersatzfreiheitsstrafe von drei Tagen ausgesprochen.

C. Die Staatsanwaltschaft Graubünden eröffnete am 22. Februar 2011 ein 
Strafverfahren gegen A. wegen einfacher Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 
StGB. Mit Parteimitteilung vom 24. März 2011 teilte sie den Abschluss der Strafun-
tersuchung mit und stellte die Anklageerhebung beim Gericht in Aussicht. Am 15. 
April 2011 wurde MLaw Andri Hotz als amtlicher Verteidiger von A. eingesetzt. 
Ebenfalls am 15. April 2011 stellte die Staatsanwaltschaft Graubünden mittels Par-
teimitteilung im Weiteren die Einstellung des Verfahrens betreffend einfacher Kör-
perverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB zum Nachteil von C. in Aussicht. Die 
entsprechende Teil-Einstellungsverfügung erging am 2. Mai 2011. Am 4. Juli 2011 
erhob die Staatsanwaltschaft Graubünden Anklage gegen A.. Dieser Anklage liegt 
gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 4. Juli 2011 fol-
gender Sachverhalt zugrunde:

„Am Samstag, 8. Januar 2011, versetzte der Beschuldigte B. in P., _-
Strasse, auf dem Trottoir Höhe Bar ‚N.’, bewusst eine Ohrfeige und 
drei Faustschläge ins Gesicht. B. erlitt dadurch eine Gesichtskontu-
sion und war während zwei bis drei Tagen arbeitsunfähig.“

D. Am 10. Januar 2011 reichte B. Zivilklage gegen A. ein. Er verzichtete auf 
die Bezifferung der Klage.

E. An der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Plessur am 6. Oktober 
2011 nahmen A. und sein amtlicher Verteidiger, MLaw Andri Hotz, teil. Die Staats-
anwaltschaft Graubünden war nicht vertreten.

Bereits in der Anklageschrift vom 4. Juli 2011 hatte die Staatsanwaltschaft 
Graubünden die folgenden Anträge gestellt:

„1. Der Beschuldigte sei schuldig zu sprechen der einfachen Kör-
perverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.

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2. Dafür sei er zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu CHF 
30.-- zu verurteilen, entsprechend CHF 3'600.--.

3. Die mit Urteil des Bezirksgerichtsausschusses Plessur vom 30. 
Juni 2009 bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe von 8 Mona-
ten sei zu widerrufen.

4. Die Verfahrenskosten seien dem Beschuldigten zu überbinden.“

Im Rahmen seines Vortrages stellte und begründete der Verteidiger die folgenden 
Anträge:

„1. Die beschuldigte Person sei der Verübung einer Tat in selbstver-
schuldeter Unzurechnungsfähigkeit gemäss Art. 263 Abs. 1 
StGB schuldig zu sprechen.

2. Hierfür sei er mit einer Geldstrafe von maximal 40 Tagessätzen à 
Fr. 30.00 zu bestrafen.

3. Die in Ziff. 2 beantragte Geldstrafe sei gemäss Art. 37 StGB in 
gemeinnützige Arbeit umzuwandeln.

4. Vom Widerruf des bedingten Vollzugs der Vorstrafe sei abzuse-
hen.

5. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge.“

F. Mit Urteil vom 6. Oktober 2011, mündlich eröffnet am 6. Oktober 2011, 
schriftlich begründet mitgeteilt am 28. Oktober 2011, erkannte das Bezirksgericht 
Plessur wie folgt:

„1. A. ist schuldig der einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 
Ziff. 1 Abs. 1 StGB.

2. Dafür wird A. mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 
CHF 30.00 verurteilt.

3. Die mit Urteil des Bezirksgerichts Plessur vom 30. Juni 2009 be-
dingt ausgesprochene Freiheitsstrafe von 8 Monaten wird hiermit 
widerrufen und ist zu vollziehen.

4. Der Zivilkläger B., verzichtete auf die Bezifferung der Klage.

5. a) Die Kosten des Verfahrens von CHF 4'890.00 (Untersu-
chungsgebühren und Auslagen der Staatsanwaltschaft 

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Graubünden CHF 1'290.00, Gerichtsgebühren CHF 
3'600.00) gehen zu Lasten von A..

b) Die Höhe der Entschädigung der amtlichen Verteidigung wird 
am Ende des Verfahrens in einem separaten Entscheid fest-
gelegt. Sie geht – unter dem Vorbehalt der Rückerstattungs-
pflicht der beschuldigten Person gemäss Art. 135 Abs. 4 
StPO – zu Lasten des Kantons Graubünden und wird aus 
der Gerichtskasse bezahlt.

c) A. schuldet dem Bezirksgericht Plessur folglich:

unbedingte Geldstrafe CHF 3'600.00
Verfahrenskosten CHF 4'890.00
Total CHF 8'490.00

In Rechtskraft erwachsene Bussen und Verfahrenskosten 
sind innert 30 Tagen nach der Zustellung des Entscheids mit 
beiliegendem Einzahlungsschein zu bezahlen. 

6. (Rechtsmittelbelehrung).

7. (Mitteilung).“

In der Begründung kam das Bezirksgericht in Würdigung der Aussagen von A. und 
B. zum Schluss, dass der eingestandene und unstrittige Sachverhalt gemäss An-
klageschrift erstellt sei. Im Weiteren sei aufgrund der vorhandenen Beweismittel 
eine Zurechnungsunfähigkeit oder verminderte Zurechnungsfähigkeit nicht erwie-
sen. Aufgrund der ärztlich festgestellten Verletzungen, die B. durch die Faust-
schläge von A. erlitten habe, sei von einer einfachen Körperlverletzung auszuge-
hen, die nicht mehr leicht sei. Der festgestellte Sachverhalt zeige, dass A. zumin-
dest eventualvorsätzlich gehandelt habe. Der Tatbestand von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 
1 StGB sei mithin erfüllt. Das Verschulden wiege schwer. Da der bedingte Vollzug 
nicht gewährt werden könne, sei eine Geldstrafe auszusprechen. Das Gericht er-
achte 40 Tagessätze [recte gemäss Dispositiv: 120 Tagessätze] zu je Fr. 30.-- als 
angemessen. Der bedingte Vollzug sei zu verweigern, weil A. im Jahre 2009 zu 
einer Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt worden sei und keine besonders 
günstigen Umstände im Sinne von Art. 42 Abs. 2 StGB vorlägen. Der bedingte 
Strafvollzug der am 30. Juni 2009 ausgesprochenen Freiheitsstrafe von acht Mo-
naten sei zu widerrufen, da A. zum einen bereits mehrfach einschlägig vorbestraft 
sei und er zum anderen sowohl während der Probezeit der genannten achtmona-
tigen Freiheitsstrafe, als auch in der Verlängerung der Probezeit wieder straffällig 

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geworden sei. Ein weiteres Verfahren wegen einfacher Körperverletzung sei in 
diesem Zeitraum zudem eingestellt worden, während ein Verfahren wegen Tät-
lichkeit zu einer Verurteilung geführt habe. A. habe die ihm bisher zahlreich gebo-
tenen Chancen, sich zu bewähren, nicht genutzt. Es sei nicht zu erwarten, dass er 
dieses Verhalten ändern werde. Der Besuch der Gewaltberatung beim Sozialpäd-
agogischen Dienst Graubünden genüge für einen deutlich positiven Lebenswandel 
nicht, weshalb der bedingte Vollzug widerrufen werde. Im Weiteren werde auf die 
Möglichkeit einer Gesamtstrafenbildung gemäss Art. 49 StGB verzichtet. Die am 
30. Juni 2009 vom Bezirksgericht Plessur ausgesprochene Freiheitsstrafe von 
acht Monaten sei zu vollziehen. Bezüglich der Zivilklage hielt das Bezirksgericht 
schliesslich fest, B. habe die Bezifferung der Klage unterlassen, weshalb sie auf 
den Zivilweg zu verweisen sei.

G. a) Gegen dieses Urteil meldete A. mit Eingabe vom 14. Oktober 2011 beim 
Bezirksgericht Plessur Berufung an, worauf das Bezirksgericht am 28. Oktober 
2011 den Parteien ein begründetes Urteil zustellte. Am 21. November 2011 reichte 
A. die schriftliche Berufungserklärung beim Kantonsgericht Graubünden ein. Darin 
stellte er folgende Anträge:

„1. Ziffer 2 des Urteils des Bezirksgerichts Plessur vom 6. Oktober 
2011 sei aufzuheben und der Berufungskläger sei mit einer 
Geldstrafe von maximal 40 Tagessätzen à Fr. 30.00 zu bestra-
fen.

2. Die in Ziffer 1 beantragte Geldstrafe sei gemäss Art. 37 StGB in 
gemeinnützige Arbeit umzuwandeln.

3. Ziffer 3 des Urteils des Bezirksgerichts Plessur vom 6. Oktober 
2011 sei aufzuheben und es sei vom Widerruf des bedingten 
Vollzugs der Vorstrafe abzusehen.

4. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge.“

In der angefügten schriftlichen Begründung stellte er zudem die weiteren Anträge, 
dass die amtliche Verteidigung weiterhin zu gewähren sei, dass D., als Zeuge zu 
seiner, A.s, Alkoholisierung und zu den Geschehnissen an vorliegend interessie-
rendem Abend einzuvernehmen sei und dass E. als Sachverständiger im Zusam-
menhang mit der von A. besuchten Gewaltberatung zu befragen sei. In der Be-
gründung äusserte er sich im Weiteren zusammengefasst dahingehend, dass sich 
aus seinen Aussagen ergebe, dass er nicht grundlos zugeschlagen habe. Ebenso 
habe er immer darauf hingewiesen, dass er am fraglichen Abend massiv alkoholi-

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siert gewesen sei. Trotzdem sei dies nicht weiter überprüft worden und die Vorin-
stanz gehe offensichtlich sogar davon aus, dass er an jenem Abend komplett 
nüchtern gewesen sei. Dies sei unverständlich. Das Nichtabklären seiner Alkoholi-
sierung dürfe nicht zu seinem Nachteil gereichen. Die Aussagen von B. seien völ-
lig unklar, aufgrund der Lebenserfahrung nicht glaubwürdig und gäben keine Aus-
kunft über dessen Rolle bei der Auseinandersetzung. Diese vagen Aussagen zu-
sammen mit der Lebenserfahrung führten zu der Annahme, dass B. aktiv an der 
Auseinandersetzung mitgewirkt habe, was nach Art. 48 lit. b (allenfalls lit. c) StGB 
eine Strafmilderung zur Folge habe. Aufgrund der Alkoholisierung sei Art. 19 StGB 
anwendbar, so dass das Verschulden von A. nicht mehr schwer wiege und eine 
Geldstrafe von 40 Tagessätzen angemessen sei. Die Tagessatzhöhe werde nicht 
angefochten. Da A. finanziell schlecht dastehe, werde eine Umwandlung der 
Geldstrafe in gemeinnützige Arbeit beantragt. Bezüglich des Widerrufs des be-
dingten Strafvollzugs der Vorstrafe habe die Vorinstanz vorwiegend auf die Vor-
strafen abgestellt. Sie habe nicht beachtet, dass er in einem stabilen familiären 
Umfeld lebe, die Lehre erfolgreich abgeschlossen und anschliessend eine Arbeits-
stelle gefunden habe, freiwillig mit einer Gewaltberatung begonnen habe, in der er 
Fortschritte erziele, ein Entzug der Freiheit für seine Entwicklung fatal wäre und 
seine Zukunft zerstören würde, der Gewaltpräventionskurs im Sinne von Art. 46 
Abs. 2 StGB als Bewährungshilfe angeordnet werden könne und er seine Schul-
den abtrage und dafür erhebliche Einschränkungen in Kauf nehme, was auf einen 
starken Charakter hinweise. Aus diesen Gründen könne ihm keine negative Le-
galprognose gestellt werden. 

b) Mit Schreiben vom 29. November 2011 verzichtete das Bezirksgericht Plessur 
auf die Einreichung einer Vernehmlassung zur Berufungserklärung. Am 13. De-
zember 2011 verzichtete die Staatsanwaltschaft Graubünden auf eine Stellung-
nahme gemäss Art. 400 Abs. 3 StPO.

H. a) Mit Verfügung vom 9. Januar 2012 bestätigte der Vorsitzende der I. 
Strafkammer des Kantonsgerichts MLaw Andri Hotz, dass dieser gestützt auf Art. 
133 StPO in Verbindung mit Art. 130 lit. d StPO und Art. 132 Abs. 2 StPO als amt-
licher Verteidiger bestellt werde.

b) Am 29. Februar 2012 teilte der Vorsitzende der I. Strafkammer des Kantonsge-
richts den Parteien schriftlich mit, dass er bei E. als Sachverständigem einen Be-
richt einholen und ihm einige Fragen zur Beantwortung unterbreiten werde. Ge-
stützt auf Art. 184 Abs. 3 StPO erhielten die Parteien Gelegenheit, sich zum Ent-
wurf des Schreibens an E. zu äussern und allfällige Ergänzungsfragen zu stellen. 

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Mit Schreiben vom 5. März 2012 erklärte die Staatsanwaltschaft Graubünden, 
dass sie keine Bemerkungen habe. A. stellte mit Eingabe vom 12. März 2012 den 
Antrag auf Anpassung einer der vorgesehenen Fragen sowie auf Ergänzung des 
Fragenkatalogs um eine weitere, von ihm bereits ausformulierte Frage. Mit 
Schreiben vom 13. März 2012 forderte der Vorsitzende der I. Strafkammer E. auf, 
dem Kantonsgericht einen aktuellen Bericht über den Verlauf der Gewaltberatung 
mit A. zukommen zu lassen und den Fragenkatalog zu beantworten. Der Fragen-
katalog enthielt die von A. vorgeschlagene Anpassung, jedoch nicht die von ihm 
beantragte Frage. Im Bericht vom 7. April 2012, Poststempel vom 10. April 2012, 
beantwortete E. die an ihn gestellten Fragen. Den Parteien wurde mit Schreiben 
vom 12. April 2012 eine Kopie des Berichts zugestellt und sie erhielten die Gele-
genheit, sich bis und mit der Berufungsverhandlung zum Bericht zu äussern.

I. An der Berufungsverhandlung vor der I. Strafkammer des Kantonsgerichts 
von Graubünden am 18. April 2012 waren A. und sein amtlicher Verteidiger, MLaw 
Andri Hotz, sowie als Vertreter der Anklage der Erste Staatsanwalt, lic. iur. Renato 
Fontana, anwesend. Gegen die Zuständigkeit und die Zusammensetzung des Ge-
richts wurden keine Einwände erhoben. In der Befragung gab A. Auskunft zu sei-
nen persönlichen Verhältnissen. Zur Sache erklärte er, dass er zu dem Vorfall kei-
ne genauen Angaben machen könne, weil er sich nicht mehr daran erinnern kön-
ne, er habe nachher erfahren, was passiert sei. Er nehme aber an, dass er von B. 
provoziert worden sei. Auf Frage erklärte er, er wisse, was gemeinnützige Arbeit 
bedeute, und in Kenntnis dessen entscheide er sich dafür. 

a) Der amtliche Verteidiger änderte in seinem Plädoyer das Rechtsbegehren im 
Vergleich zur Berufungserklärung dahingehend ab, als er zum einen darauf ver-
zichtete, einen Antrag auf Umwandlung der Geldstrafe in gemeinnützige Arbeit zu 
stellen, und er zum andern eine Geldstrafe von maximal 40 Tagessätzen zu je Fr. 
90.-- beantragte. In der Begründung führte er zusammengefasst aus, er gehe da-
von aus, dass der Antrag auf Umwandlung der Geldstrafe in gemeinnützige Arbeit 
wegfalle, da der Berufungskläger in der Zwischenzeit über eine Arbeitsstelle ver-
füge. Sein Mandant habe den in der Anklageschrift enthaltenen Sachverhalt nicht 
anerkannt. Er habe zwar am fraglichen Abend eine Auseinandersetzung mit B. 
gehabt, jedoch habe er nicht bewusst im Sinne von vorsätzlich gehandelt, da er 
stark alkoholisiert gewesen sei. Weshalb die Vorinstanz den Ausführungen zum 
Alkoholkonsum keinen Glauben geschenkt habe, sei nicht nachvollziehbar. Weiter 
sei die Form der Beteiligung von B. an der Auseinandersetzung völlig unklar. Dass 
jemand mehrere Minuten zu schlichten versuche und Schläge einstecke, ohne 
selbst auszuteilen oder die Situation provoziert zu haben, sei schlicht lebensfremd, 

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weshalb die Aussagen von B. unglaubwürdig seien. Weitere Abklärungen seien 
unterblieben, so dass „in dubio pro reo“ davon auszugehen sei, B. habe an der 
Auseinandersetzung aktiv mitgewirkt. Sein Mandant habe an jenem Abend völlig 
überraschend auf einer Geburtstagsfeier mehrere Wodkas spendiert erhalten, so 
dass er sich schliesslich in selbstverschuldeter Zurechnungsunfähigkeit befunden 
habe. Dass er an diesem Abend eine körperliche Auseinandersetzung haben wer-
de, sei nicht vorhersehbar gewesen, weshalb Art. 263 Abs. 1 StGB erfüllt sei, der 
somit auch Grundlage der Strafzumessung bilde. Da sein Mandant von B. provo-
ziert worden sein müsse, sei das Verschulden nicht so schwer, wie von der Vorin-
stanz angenommen. Straferhöhend wirkten die Vorstrafen, jedoch komme ihnen 
keine vorrangige Bedeutung zu. Strafmildernd sei die Provokation durch B. zu 
berücksichtigen. Strafmindernd wirke, dass sein Mandant gestanden habe, B. ge-
schlagen zu haben, dass er in der Untersuchung kooperiert habe und sein Verhal-
ten bereue. Falls nicht von einer selbstverschuldeten Zurechnungsunfähigkeit 
ausgegangen werde, sei die erhebliche Alkoholisierung strafmindernd zu berück-
sichtigen. Es werde daher eine Geldstrafe von maximal 40 Tagessätzen à Fr. 90.-- 
beantragt. Bezüglich des Widerrufs des bedingten Strafvollzugs sei eine Prognose 
zum künftigen Legalverhalten zu stellen. Die Vorinstanz äussere sich dazu auf 
einer halben Seite und sie stütze sich dabei fast ausschliesslich und wörtlich auf 
die Ausführungen der Staatsanwaltschaft in deren Schlussbericht. Es sei daher zu 
bezweifeln, dass eine angemessene Gesamtwürdigung stattgefunden habe. Die 
Vorinstanz habe den Vorstrafen eine vorrangige Bedeutung zugemessen, was 
nicht zulässig sei. Die vom Berufungskläger in Anspruch genommene Gewaltbera-
tung zeige gemäss Bericht von E. gute Fortschritte. Die Vorinstanz habe daneben 
folgende Punkte ausser Acht gelassen: Der Berufungskläger könne auf ein stabi-
les familiäres Netz zurückgreifen. Er habe im Sommer 2011 seine Lehre als De-
tailhandelsfachmann erfolgreich abgeschlossen; seine Lehrfirma stelle ihm ein 
sehr gutes Zeugnis aus. Auch die K. AG habe sich in ihrem Zeugnis sehr positiv 
geäussert. Ohne Unterbruch habe er eine weitere Arbeitsstelle gefunden, wo er 
jetzt beschäftigt sei. Er könne sich also mit Erfolg in der Arbeitswelt durchsetzen. 
Der Berufungskläger habe einen inneren Wandel vollzogen, indem er mit Hilfe von 
E. die Ursachen seiner Probleme erkannt habe und nun motiviert an seinen Defizi-
ten arbeite. Es könne ihm keine Schlechtprognose gestellt werden. Für eine güns-
tige Legalprognose spreche seine freiwillige Teilnahme am Gewaltpräventionskurs 
bei E.. Positiv wirke sich aus, dass er daran sei, seine Schulden abzubezahlen, 
wofür er sich finanziell sehr einschränken müsse, was seinen starken Charakter 
zeige. A. die Freiheit zu nehmen, sei fatal für seine weitere Entwicklung und würde 
seine Zukunft zerstören. Der vorliegend zu beurteilende Vorfall wiege nicht so 

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schwer, dass er eine solch einschneidende Folge rechtfertigen könne. Falls noch 
Zweifel bestünden, könne eine psychotherapeutische Behandlung zur Vertiefung 
der Gewaltberatung angeordnet werden, wie es E. empfehle. Bezüglich der Be-
weisanträge werde sowohl jener auf Zeugeneinvernahme von D., als auch jener 
auf Befragung von E. fallen gelassen. Der Antrag auf Befragung von E. sei durch 
die Einholung eines Berichts zudem erfüllt worden.

b) Der Vertreter der Staatsanwaltschaft machte zusammengefasst geltend, mit der 
Berufung werde gemäss Rechtsbegehren der Schuldspruch nicht angefochten, 
auch wenn Ausführungen zu Art. 263 StGB gemacht worden seien. Angefochten 
sei die Anzahl der Tagessätze der durch die Vorinstanz ausgesprochenen Gelds-
trafe. Zur Begründung einer Reduktion verweise A. auf eine verminderte Schuld-
fähigkeit aufgrund seines Alkoholkonsums sowie auf eine Provokation durch B.. 
Die Möglichkeit einer Alkoholisierung habe man damals gar nicht mehr mittels 
Blutalkoholbestimmung abklären können und aus Aussagen eines Zeugen zum 
Alkoholkonsum des Berufungsklägers an jenem Abend könne noch kein Schluss 
über den Alkoholisierungsgrad gezogen werden. Das Argument der Alkoholisie-
rung sei nicht stichhaltig und daher nicht zu berücksichtigen. Es ergäben sich aus 
den Akten weiter keine Anhaltspunkte für eine Provokation durch B.. Vielmehr ha-
be der Berufungskläger die Frage des Staatsanwaltes, ob er das Opfer grundlos 
geschlagen habe, bejaht. Die von der Vorinstanz verhängte Strafe sei zu bestäti-
gen. Falls der Berufungskläger die Strafe nicht bezahlen könne, könne die Frage 
einer allfälligen Umwandlung in gemeinnützige Arbeit im Vollstreckungsverfahren 
geprüft werden. Bezüglich des Widerrufs des bedingten Strafvollzugs sei zu 
berücksichtigen, dass der Berufungskläger in seinem jungen Leben bereits acht 
Mal und damit mit erschreckender Regelmässigkeit Menschen mit Wissen und 
Willen verletzt habe oder habe verletzen wollen. Eine Fortsetzung der Serie könne 
trotz gegenteiliger Beteuerungen nicht ausgeschlossen werden. Es müsse ihm 
daher eine eigentliche Schlechtprognose gestellt werden, weshalb der Widerruf 
des bedingten Strafvollzugs zu Recht erfolgt sei. Weiter sei nicht zu vergessen, 
dass sich der Berufungskläger bereits früher einer Gewaltberatung unterzogen 
habe, ohne dass dies etwas gefruchtet habe. Der Verweis auf eine Alkoholisierung 
und auf eine angebliche Provokation durch B. zeige im Weiteren, dass der Beru-
fungskläger sein Verschulden marginalisiere. Auch E. schliesse in seinem 
grundsätzlich positiven Bericht im Übrigen einen Rückfall nicht aus. Die von ihm 
angeregte Psychotherapie werde zudem durch die Psychiatrischen Dienste 
Graubünden auch in den Strafanstalten Sennhof und Realta angeboten. 

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c) Nach dem Plädoyer des Ersten Staatsanwalts gab der Vorsitzende A. und sei-
nem amtlichen Verteidiger die Gelegenheit, sich darüber zu beraten, ob am Antrag 
auf Umwandlung der Geldstrafe in gemeinnützige Arbeit festgehalten werde. In 
seiner Replik erklärte der Verteidiger, der Antrag werde zurückgezogen, da A. jetzt 
über eine Arbeitsstelle verfüge. Auch wenn der Schuldspruch unangefochten sei, 
seien Ausführungen zum Sachverhalt notwendig gewesen, weil der Zustand, in 
welchem A. bei der Tat gewesen sei, Rückschlüsse auf sein Verschulden zulasse. 
Im Weiteren hätte die Staatsanwaltschaft B. von Amtes wegen einvernehmen 
müssen, nachdem sich A. an den Vorfall nicht erinnern könne. Die Staatsanwalt-
schaft berücksichtige die stabile Situation, die Arbeit etc., die der Berufungskläger 
habe, zu wenig. Es gehe schliesslich darum, wie das Leben von A., der gerade 
dabei sei, alles in den Griff zu bekommen, weiter verlaufen werde. E. therapiere 
den Berufungskläger seit einem Jahr, weshalb er Empfehlungen aussprechen 
könne, und er empfehle eine weitere Betreuung. Der Erste Staatsanwalt wies in 
seiner Duplik nochmals darauf hin, dass in den Strafanstalten Sennhof und Realta 
auch eine psychiatrische Therapie angeboten werden könne. A. hielt in seinem 
Schlusswort fest, dass er sich bewusst sei, was er gemacht habe, und dass er es 
bereue. Er habe aber einen Wandel durchgemacht und arbeite weiter daran mit 
Hilfe von E.. Er könne versprechen, dass er nicht mehr gewalttätig werde. Mit dem 
Hinweis auf seine erhebliche Alkoholisierung in der Tatnacht wolle er keineswegs 
seine Schuld verneinen oder bagatellisieren. Er habe damit nur erklären wollen, 
weshalb er sich an das Ereignis nicht mehr erinnern könne. Die Therapie bei E. 
sei für ihn ein sehr wichtiger Teil seines Lebens geworden und er sei sehr dank-
bar, dass er diese Hilfe habe. Er könne versichern, dass er nie mehr gewalttätig 
werde.

J. Auf die weiteren Ausführungen im angefochtenen Urteil, in den Rechts-
schriften, im Sachvortrag an der mündlichen Berufungsverhandlung sowie in der 
persönlichen Befragung von A. wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden 
Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen

1. Gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz 
oder teilweise abgeschlossen worden ist, ist die Berufung ans Kantonsgericht von 
Graubünden zulässig (Art. 398 Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 22 EGzStPO). 
Gemäss Art. 399 Abs. 1 StPO ist die Berufung dem erstinstanzlichen Gericht in-

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nert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils (Art. 84 StPO) schriftlich oder mündlich zu 
Protokoll anzumelden. Die Partei, die Berufung angemeldet hat, hat sodann innert 
20 Tagen seit Zustellung des begründeten Urteils dem Berufungsgericht eine 
schriftliche Berufungserklärung einzureichen (Art. 399 Abs. 3 StPO). Vorliegend 
wurde das Urteil ohne schriftliche Begründung, welches auch ein Dispositiv 
enthält, am 10. Oktober 2011 schriftlich mitgeteilt (vorinstanzliche Akten, act. 18; 
entgegen dem Vermerk auf dem Urteil ohne schriftliche Begründung sowie auf 
dem schriftlich begründeten Urteil wurde aber offenbar kein Dispositiv mitgeteilt, 
vgl. Protokoll der Hauptverhandlung, vorinstanzliche Akten, act. 17, S. 4, Ziff. X) 
und damit die Rechtsmittelfrist ausgelöst (Art. 384 lit. a StPO in Verbindung mit 
Art. 84 Abs. 2 StPO), woraufhin A. am 14. Oktober 2011 und somit innert Frist die 
Berufung beim Bezirksgericht angemeldet hat (act. A.01). Die Mitteilung des 
schriftlich begründeten Urteils erfolgte alsdann am 28. Oktober 2011 (act. B.01). In 
der Folge reichte A. mit Eingabe vom 21. November 2011 die Berufungserklärung 
beim Kantonsgericht von Graubünden ein (act. A.02). Die Berufung ist somit frist- 
und formgerecht erhoben worden, weshalb darauf einzutreten ist.

2. Gemäss Art. 398 Abs. 3 StPO können mit der Berufung Rechtsverletzun-
gen, einschliesslich Überschreiten und Missbrauch des Ermessens, Rechtsver-
weigerung und Rechtsverzögerung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Fest-
stellung des Sachverhalts (lit. b) sowie Unangemessenheit (lit. c) gerügt werden. 
Das Kantonsgericht als Berufungsinstanz überprüft das vorinstanzliche Urteil 
grundsätzlich nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Tritt es 
auf die Berufung ein, so fällt es ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Ur-
teil ersetzt (Art. 408 StPO).

3. a) In der Begründung der Berufungserklärung hat A. beantragt, die amtliche 
Verteidigung durch MLaw Andri Hotz weiterhin zu gewähren. Mit Verfügung vom 
9. Januar 2012 ist diesem Antrag stattgegeben worden (act. D.03).

b) Der amtliche Verteidiger hat in der Begründung der Berufungserklärung weiter 
beantragt, es sei zum einen D. als Zeuge einzuvernehmen und zum andern E. als 
Sachverständiger zu befragen. Im Rahmen seines Plädoyers anlässlich der Beru-
fungsverhandlung hat er beide Anträge explizit fallen gelassen, weshalb die I. 
Strafkammer des Kantonsgerichts sich mit diesen Anträgen nicht mehr weiter zu 
beschäftigen hat. 

4. Nicht angefochten hat A. den vorinstanzlichen Entscheid, soweit dieser sich 
mit der von B. geltend gemachten Zivilforderung befasst. Nachdem B. keine Beru-

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fung erhoben hat, hat es daher bezüglich der Zivilforderung mit dem Urteil der Vor-
instanz sein Bewenden. 

5. Gemäss Rechtsbegehren in der Berufungserklärung (act. A.02, S. 2) und im 
Plädoyer (act. A.08, S. 1) ist Ziffer 1 des Dispositivs des vorinstanzlichen Urteils 
nicht angefochten. Dies bedeutet, dass der Schuldspruch nicht angefochten wor-
den und daher in Rechtskraft erwachsen ist (Art. 402 StPO; Botschaft vom 21. 
Dezember 2005 zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, S. 1315, zu Art. 
409). Der Verteidiger hat mithin die Berufung im Sinne von Art. 399 Abs. 4 StPO 
auf die Bemessung der Strafe beschränkt. Diese Beschränkung ist verbindlich 
(Art. 399 Abs. 4 StPO). Die I. Strafkammer des Kantonsgerichts ist folglich an den 
Schuldspruch, wie ihn die Vorinstanz gefällt hat, grundsätzlich gebunden und hat 
diesen nicht weiter zu überprüfen. Das wiederum heisst, dass vorliegend davon 
auszugehen ist, dass sich A. der einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 
1 Abs. 1 StGB schuldig gemacht hat. Obwohl der Schuldspruch gemäss Rechts-
begehren nicht angefochten ist, hat der amtliche Verteidiger im Plädoyer Aus-
führungen zum Schuldpunkt gemacht. Er hat geltend gemacht, sein Mandant habe 
an besagtem Abend nur gemütlich etwas trinken gehen wollen, sei dann aber zu 
einer Geburtstagsfeier gestossen, wo ihm mehrere Wodkas spendiert worden sei-
en. In nüchternem Zustand sei er davon ausgegangen, dass er lediglich kurz im 
Ausgang verweilen werde. Dass er an diesem Abend eine körperliche Auseinan-
dersetzung haben werde, sei für ihn nicht voraussehbar gewesen, weshalb er den 
Tatbestand der Verübung einer Tat in selbstverschuldeter Unzurechnungsfähigkeit 
gemäss Art. 263 Abs. 1 StGB erfüllt habe. Würde dieser Argumentation gefolgt, 
hätte dies eine Änderung des Schuldspruchs zur Folge, der dann nicht mehr auf 
einfache Körperverletzung, sondern eben auf Verübung einer Tat in selbstver-
schuldeter Unzurechnungsfähigkeit lauten müsste. Nachdem jedoch der Schuld-
spruch nicht angefochten worden ist, steht eine solche Änderung grundsätzlich 
nicht zur Diskussion. Der Verteidiger hat in der Replik ausgeführt, in welchem Zu-
stand sich A. bei Begehung der Tat befunden habe, habe Auswirkungen auf das 
Verschulden, weshalb Ausführungen zu Art. 263 Abs. 1 StGB gemacht worden 
seien. Es trifft zwar zu, dass der Zustand des Täters bei Begehung einer Straftat 
Einfluss auf das Verschulden haben kann. Jedoch handelt es sich bei Art. 263 
Abs. 1 StGB um einen eigenständigen Straftatbestand. Es geht bei der Frage 
nach der Anwendung von Art. 263 Abs. 1 StGB somit nicht um die Grösse des 
Verschuldens, sondern um die Subsumtion der Tat. Nachdem der Schulspruch 
vorliegend nicht angefochten ist, die Subsumtion der Tat somit nicht in Frage 
steht, ist die vom Verteidiger geltend gemachte Verminderung der Schuldfähigkeit 

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beziehungsweise Schuldunfähigkeit infolge Alkoholkonsums nicht unter dem Art. 
263 Abs. 1 StGB zu prüfen, sondern unter dem Aspekt von Art. 19 StGB zu beur-
teilen. 

Es sei noch erwähnt, dass auch Art. 404 Abs. 2 StPO in diesem Zusammenhang 
nicht weiterhelfen würde. Gemäss Art. 404 Abs. 2 StPO kann das Berufungsge-
richt zugunsten der beschuldigten Person auch nicht angefochtene Punkte über-
prüfen, um gesetzwidrige oder unbillige Entscheidungen zu verhindern. Da jedoch 
vorliegend die Voraussetzungen von Art. 263 Abs. 1 StGB nicht erfüllt sind, wie 
sich den nachfolgenden Ausführungen entnehmen lässt, erweist sich dessen 
Nichtanwendung weder als gesetzwidrig noch als unbillig, weshalb Art. 404 Abs. 2 
StPO nicht herangezogen werden kann. Art. 263 Abs. 1 StGB stellt denjenigen 
unter Strafe, der infolge selbstverschuldeter Trunkenheit oder Betäubung zurech-
nungsunfähig (schuldunfähig) ist und in diesem Zustand eine als Verbrechen oder 
Vergehen bedrohte Tat verübt. Unter Miteinbezug von Art. 19 StGB ergibt sich, 
dass Art. 263 Abs. 1 StGB somit nur zum Zuge kommt, wenn dem Täter einerseits 
die selbstverschuldete Schuldunfähigkeit vorgeworfen werden kann (vgl. Urteil des 
Bundesgerichts vom 3. November 2006, 6S.49/2006, E 2.1), und er andererseits 
die Tat, die er im Zustand der selbstverschuldeten Schuldunfähigkeit begeht, we-
der geplant, noch vorausgesehen hat und auch nicht voraussehen konnte, als er 
noch schuldfähig war. Vorliegend ergibt sich aus den Vorstrafen, dass A. in der 
Vergangenheit schon mehrfach einfache Körperverletzungen verursacht hat, 
nachdem er im Ausgang reichlich Alkohol getrunken hatte. Aus den Vorakten ist 
ersichtlich, dass er jeweils aus nichtigem Anlass beziehungsweise völlig grundlos 
Personen angegriffen und verletzt hat. Aufgrund seiner Erfahrungen in der Ver-
gangenheit konnte A. nicht verborgen geblieben sein, dass er unter Alkoholein-
fluss zu grundlosen Auseinandersetzungen neigte, die zu einfachen Körperverlet-
zungen führen konnten. Dass er auch an vorliegend interessierendem Abend in 
betrunkenem Zustand eine Person verletzen könnte, muss unter diesen Umstän-
den als vorhersehbar beurteilt werden. Als A. an jenem Abend Vodka Red Bull zu 
trinken begann, war für ihn daher vorhersehbar, dass er, wenn er dem Alkohol 
weiter zusprach, erneut in eine Auseinandersetzung geraten konnte, die mit einer 
einfachen Körperverletzung enden könnte. Art. 263 StGB kann daher keine An-
wendung finden. Im Übrigen würde es auch an der Voraussetzung der Zurech-
nungsunfähigkeit (Schuldunfähigkeit) fehlen, wie sich aus Erwägung 6a ergibt. 
Auch unter dem Gesichtspunkt von Art. 404 Abs. 2 StPO ist eine Anwendung von 
Art. 263 Abs. 1 StGB vorliegend daher nicht möglich.

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6. A. wendet sich mit seiner Berufung zunächst gegen die von der Vorinstanz 
ausgesprochene Geldstrafe. Er macht geltend, es seien höchstens 40 Tagessätze 
angemessen und nicht 120 Tagessätze, wie von der Vorinstanz ausgesprochen. 
Zur Begründung verweist er einerseits darauf, dass er an jenem Abend erheblich 
alkoholisiert und damit nur noch vermindert oder gar nicht mehr schuldfähig gewe-
sen sei, und andererseits macht er geltend, er müsse von B. provoziert oder ver-
ärgert worden sein.

a) Bereits in der Einvernahme durch die Polizei hat A. mehrfach betont, er sei an 
jenem Abend stark betrunken gewesen (polizeiliche Einvernahme vom 1. Februar 
2011, Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.7, S. 1, Frage 3, und S. 2, Frage 6 und 
Frage 9). Gegenüber dem Untersuchungsrichter hat er erklärt, er sei an jenem 
Abend so betrunken gewesen, dass er nicht mehr gewusst habe, was er mache 
(untersuchungsrichterliche Einvernahme vom 22. März 2011, Akten der Staatsan-
waltschaft, act. 3.8, S. 2, Ziff. 2). Zum Konsum von Alkohol hat er ausgeführt, er 
habe Wodka mit Red Bull getrunken, er könne aber nicht mehr genau sagen, wie 
viel; er habe sich ab etwa 22.00 Uhr im M. in P. aufgehalten, wo er Vodka Red 
Bull konsumiert habe, vielleicht bis etwa eine Viertelstunde vor dem Vorfall; je-
mand habe Geburtstag gehabt, es seien Flaschen bestellt worden und er habe 
einfach getrunken (untersuchungsrichterliche Einvernahme vom 22. März 2011, 
Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.8, S. 2 f., Ziff. 4 f.). Aus diesen Aussagen von 
A. geht klar hervor, dass er am vorliegend interessierenden Abend Alkohol getrun-
ken hatte. Wie viel konnte er allerdings nicht mehr sagen. Jedoch hat er betont, 
dass er stark betrunken gewesen sei. B. wurde zum Zustand von A. nicht befragt. 
Weitere Beweise, die über A.s Verfassung Auskunft geben würden, wurden nicht 
erhoben. Unter diesen Umständen wird vorliegend zugunsten von A. davon aus-
gegangen, dass er an jenem Abend zur Tatzeit stark betrunken war. Es stellt sich 
die Frage, wie sich diese Trunkenheit auf seine Schuldfähigkeit ausgewirkt hat. A. 
macht geltend, seine Schuldfähigkeit sei durch den Alkoholkonsum erheblich ver-
mindert oder gar gänzlich aufgehoben gewesen. Es kann jedoch von vornherein 
ausgeschlossen werden, dass seine Trunkenheit ein Mass erreicht hatte, das ihn 
schuldunfähig werden liess. Dies ergibt sich schon aus dem Vorfall selbst. Auch 
wenn der Blutalkoholkonzentration bei der Beurteilung der Schuldfähigkeit keine 
alleinige Bedeutung zukommt, weil Gewöhnung, Persönlichkeit und Tatsituation 
ebenso Einfluss darauf haben, ist sie doch eine grobe Orientierungshilfe (BGE 119 
IV 120 E 2b). Die Rechtsprechung hat denn auch eine grobe Faustregel heraus-
gearbeitet, wie die Blutalkoholkonzentration im Zusammenhang mit der Schuld-
fähigkeit zu bewerten ist. Gemäss dieser Faustregel besteht bei einer Blutalkohol-

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konzentration von 2 ‰ bis 3 ‰ die Vermutung einer verminderten Schuldfähigkeit, 
welche durch Gegenindizien jedoch umgestossen werden kann. Ab 3 ‰ kann 
meist Schuldunfähigkeit angenommen werden, sofern nicht die Umstände dage-
gen sprechen (vgl. BGE 122 IV 49 E 1b; Urteil des Bundesgerichts vom 7. Mai 
2002, 6S.17/2002, E 1c). Eine Person, die keine Alkoholgewöhnung aufweist, be-
findet sich bei einer Alkoholkonzentration von 3 ‰ und mehr in einem schweren 
Rauschzustand. Es ist ausgeschlossen, dass sie in diesem schweren Rauschzu-
stand gezielte, kräftige Schläge verteilen könnte, denn schon erheblich tiefere 
Blutalkoholkonzentrationen führen bei Menschen ohne Alkoholgewöhnung zu 
Störungen der Bewegungsabläufe und zu Erschlaffung der Muskeln. A. hat an je-
nem Abend eine schallende Ohrfeige sowie mehrere starke Faustschläge ausge-
teilt. Auch wenn A.s Blutalkoholkonzentration in jenem Zeitpunkt nicht abgeklärt 
werden konnte, so spricht sein Verhalten doch klarerweise dafür, dass er sich 
nicht in einem so schweren Rauschzustand befunden hat, wie es für die gänzliche 
Aufhebung der Schuldfähigkeit notwendig wäre. Daran ändert auch nichts, dass A. 
sich gemäss seinen Aussagen an der Berufungsverhandlung am nächsten Mor-
gen an die Auseinandersetzung nicht mehr erinnern konnte. Wer sich nach mehre-
ren Stunden nicht mehr an ein Ereignis erinnern kann, war nicht zwangsläufig 
während des Ereignisses selbst überhaupt nicht in der Lage, sein Handeln zu er-
kennen und zu steuern. Kommt hinzu, dass A. weder gegenüber der Polizei, noch 
beim Untersuchungsrichter erklärt hat, dass er am Tag nach der Auseinanderset-
zung keine Erinnerung mehr daran gehabt habe (Akten der Staatsanwaltschaft, 
act. 3.7 und 3.8). Wenn A. schon am Morgen nach dem Ereignis überhaupt keine 
Erinnerung mehr daran gehabt haben und von einem Kollegen darüber aufgeklärt 
worden sein sollte, so überrascht es doch sehr, dass er in den Einvernahmen nicht 
darauf hingewiesen hat. Erst sein Verteidiger hat geltend gemacht, dass sein 
Mandant sich schon am nächsten Morgen nicht mehr an die Tat habe erinnern 
können. Aber unbesehen der Frage, ob sich A. tatsächlich schon mehrere Stun-
den nach der Auseinandersetzung nicht mehr daran erinnern konnte, ist eine 
Schuldunfähigkeit aufgrund des Alkoholkonsums gemäss dem Dargelegten klare-
rweise zu verneinen. Bezüglich einer verminderten Schuldfähigkeit ist zu sagen, 
dass diese nur zu einer Milderung der Strafe führt, wenn der Täter sie nicht hätte 
vermeiden und die in diesem Zustand begangene Tat nicht hätte vorhersehen 
können (vgl. Art. 19 Abs. 2 und 4 StGB). Dass A. aufgrund seiner Erfahrungen 
schon vor dem Genuss des Alkohols und damit bei voller Schuldfähigkeit vorher-
sehen konnte, dass er in alkoholisiertem Zustand in eine Auseinandersetzung ge-
raten konnte, die wiederum zu einer einfachen Körperverletzung führen konnte, 
wurde bereits aufgezeigt. Im Weiteren musste A. aufgrund seiner früheren Straf-

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verfahren bekannt sein, dass die Schuldfähigkeit durch den Alkohol vermindert 
werden kann. Auch wenn es nicht sein vornehmliches Ziel gewesen sein muss, 
seine Schuldfähigkeit zu verringern, so nahm er doch in Kauf, dass dies geschah, 
als er begann, erheblich Alkohol zu konsumieren. Aufgrund seiner Erfahrungen 
nahm er ebenso in Kauf, dass er in angetrunkenem Zustand in eine Auseinander-
setzung geraten und dabei eine einfache Körperverletzung verursachen konnte. 
Aus dem Umstand, dass A. erheblich Alkohol konsumierte, obwohl ihm bekannt 
sein musste, dass dadurch seine Schuldfähigkeit herabgesetzt werden konnte, 
und obwohl er aus seinen Erfahrungen wusste, dass er in angetrunkenem Zustand 
zu Auseinandersetzungen mit Verletzungsfolge neigte, muss somit auf Eventual-
vorsatz geschlossen werden und zwar sowohl bezüglich der Herbeiführung der 
verminderten Schuldfähigkeit als auch mit Bezug auf die einfache Körperverlet-
zung. Damit erfüllt A. alle Voraussetzungen einer vorsätzlichen actio libera in cau-
sa, welche gemäss Art. 19 Abs. 4 StGB eine Strafmilderung ausschliesst, auch 
wenn die Schuldfähigkeit vermindert ist oder gar gänzlich fehlt. Der Umstand, dass 
A. zur Zeit der Auseinandersetzung mit B. stark alkoholisiert war, hat damit keinen 
Einfluss auf die Strafzumessung. Die Vorinstanz hat im angefochtenen Urteil eine 
starke Alkoholisierung als nicht nachgewiesen erachtet. Wie die vorangehenden 
Ausführungen zeigen, lässt sich diese Würdigung der Beweise nicht aufrechterhal-
ten. Die Vorinstanz hat es in der Folge abgelehnt, eine Strafmilderung wegen Al-
koholisierung vorzunehmen. Auch wenn entgegen den Ausführungen der Vorin-
stanz von einer starken Alkoholisierung von A. ausgegangen werden muss, so ist 
die Vorinstanz im Ergebnis doch zu Recht davon ausgegangen, dass keine Straf-
milderung wegen Alkoholkonsums erfolgen kann. Im Ergebnis erweist sich das 
vorinstanzliche Urteil diesbezüglich mithin als rechtens, weshalb die Berufung in 
diesem Punkt abgewiesen werden muss.

b) Das weitere Argument von A., dass B. ihn provoziert oder geärgert haben müs-
se, findet in den Akten keine Stütze. A. will einerseits aus den Aussagen von B. 
und andererseits aus der Lebenserfahrung ableiten, dass B. an der Auseinander-
setzung nicht unbeteiligt gewesen sei. B. hat ausgesagt, er sei im Ausgang gewe-
sen. Auf Höhe der Bar „N.“ habe er seinen Kollegen F. getroffen. Sie hätten sich 
unterhalten. Plötzlich habe er von hinten einen Stoss erhalten. Wer ihn gestossen 
habe, könne er nicht sagen. Nach dem Stoss habe er sich umgedreht. Vor ihm 
seien drei unbekannte jüngere Männer gestanden. Er habe versucht, die Situation 
zu beruhigen. In diesem Moment habe ihm einer der drei eine schallende Ohrfeige 
ins Gesicht versetzt. Er habe weiterhin versucht, die Situation zu entschärfen, als 
der Mann ihm die Faust ins Gesicht geschlagen habe. Der Mann habe ihn auf der 

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rechten Gesichtshälfte getroffen. F. habe den Mann darauf zurückgehalten. In die-
sem Moment seien alle drei auf F. losgegangen. Er habe dann versucht, F. zu hel-
fen, indem er versucht habe, den Mann, der ihn geschlagen gehabt habe, wegzu-
reissen. Daraufhin sei der Mann wieder auf ihn losgegangen und habe ihm zwei 
heftige Faustschläge versetzt. Einer der Schläge habe ihn auf das linke Auge ge-
troffen, der andere seitlich rechts am Kopf (polizeiliche Einvernahme von B. vom 
10. Januar 2011, Akten der Staatsanwaltschaft, act. 3.5, S. 1 f., Frage 2). Der Ver-
teidiger hat geltend gemacht, es widerspreche der allgemeinen Lebenserfahrung, 
dass eine körperliche Auseinandersetzung einfach so und ohne Grund entstehe. 
Dem ist nicht zuzustimmen. Gerade die allgemeine Lebenserfahrung lehrt, dass 
Menschen, die stark betrunken und daher stark enthemmt sind, sich durchaus 
aufgrund von Nichtigkeiten oder überhaupt grundlos aggressiv verhalten können. 
Aus den früheren Verurteilungen von A. geht zudem hervor, dass er schon vorher 
grundlos Menschen verletzt hat. Dass die Auseinandersetzung gemäss Schilde-
rung von B. ohne Vorwarnung begann und völlig grundlos erfolgte, ist daher kei-
neswegs unglaubwürdig. Entgegen den Ausführungen im Plädoyer des Verteidi-
gers erscheint es im Weiteren leicht nachvollziehbar, dass sich B. umgedreht hat, 
als er von hinten einen Stoss erhielt. Offensichtlich wollte er sehen, wer ihn ge-
stossen hatte und aus welchem Grund. Ein solches Vorgehen entspricht ohne 
Weiteres normalem Verhalten. Nachdem der Stoss aus Sicht von B. zudem völlig 
überraschend erfolgte und unmotiviert war, bestand für ihn auch keine Notwendig-
keit, sich eilig zu entfernen. Dass B. nicht weggelaufen ist, worüber sich der Ver-
teidiger in seinem Plädoyer daher zu Unrecht gewundert hat, ist unter diesen Um-
ständen keinesfalls als Hinweis dafür zu werten, dass B. sich aktiv an der Ausein-
andersetzung beteiligt hätte. B. sah sich drei ihm unbekannten jüngeren Männern 
gegenüber. Nachdem er einen Stoss erhalten hatte, ist es nicht abwegig, dass er 
die Situation offenbar als aufgeladen einschätzte und zu beruhigen suchte. Wer 
aber eine Situation beruhigen will, der spricht beschwichtigend und verwendet ei-
ne beschwichtigende Gestik. Jedenfalls versucht er zweifellos, jede Provokation 
zu vermeiden. Aus der Aussage von B., er habe versucht, die Situation zu beruhi-
gen, lässt sich daher offensichtlich kein wie auch immer gearteter Hinweis auf eine 
mögliche Provokation seinerseits ableiten. Dasselbe ist bezüglich der Aussage 
von B. zu sagen, er habe weiterhin versucht, die Situation zu entschärfen, nach-
dem einer der Männer ihm eine schallende Ohrfeige versetzt habe. Wer versucht, 
eine Situation zu entschärfen, bewahrt Ruhe und verhält sich in keiner Weise pro-
vokativ. Auch hier finden sich keine Anzeichen dafür, dass B. die Auseinanderset-
zung herbeigeführt hätte. Offensichtlich wollte er vielmehr eine weitere Eskalation 
verhindern. Entgegen den Ausführungen in der Berufung und im Plädoyer des 

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Verteidigers sprechen die Aussagen von B. also keineswegs für eine Provokation 
von dieser Seite. Weiter moniert der Verteidiger als lebensfremd, dass B. mehrere 
Minuten lang versucht habe, die Situation zu beruhigen und zu entschärfen, und 
dabei Schläge eingesteckt habe, ohne selbst Schläge auszuteilen oder durch eine 
Provokation den Vorfall verursacht zu haben. Dem ist entgegen zu halten, dass 
aus den Aussagen von B. nicht geschlossen werden kann, er habe mehrere Minu-
ten lang versucht, die Situation zu beruhigen und zu entschärfen. Seine Aussagen 
sprechen sogar vielmehr dafür, dass zwischen den einzelnen Schlägen jeweils nur 
wenig Zeit verstrichen ist und der ganze Vorfall insgesamt nicht lange gedauert 
hat. Es kann zudem entgegen der Meinung des Verteidigers klarerweise nicht als 
lebensfremd bezeichnet werden, dass sich eine Person nicht provozieren und in 
eine Auseinandersetzung hineinziehen lassen will. Dies ist vielmehr eine der mög-
lichen Reaktionen auf eine Provokation. Dass B. weder auf den Stoss, noch auf 
die Ohrfeige mit Schlägen reagiert hat, sondern die Situation beruhigen wollte, ist 
daher nicht unglaubwürdig. Nach dem ersten Faustschlag ins Gesicht von B. hat 
sich sogleich F. eingemischt, woraufhin die drei jüngeren Männer ihn angegriffen 
haben. B. hat versucht, A. von F. wegzureissen, worauf A. B. zwei heftige Faust-
schläge ins Gesicht versetzt hat. Da sich aus den Vorakten ergibt, dass A. als Ju-
gendlicher ins Boxtraining gegangen ist (Vorakten, Proz. Nr. _, act. 2.4, S. 2 un-
ten), kann ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass die Faustschläge hef-
tig gewesen sind und B. gar nicht sofort darauf reagieren konnte. Dann aber war 
die Situation schon vorbei und Sicherheitsleute einer nahegelegenen Tanzbar wa-
ren dort. Schliesslich erschien die Polizei. Schon der Ablauf des Vorfalls zeigt auf, 
dass B. kaum Zeit und Gelegenheit gehabt hätte, selbst Schläge auszuteilen. Ent-
gegen den Ausführungen des Verteidigers erscheint es daher durchaus nicht le-
bensfremd, dass B. während der ganzen Zeit nicht zugeschlagen hat. Zusammen-
fassend ergibt sich, dass weder die Aussagen von B. noch die Lebenserfahrung 
dafür sprechen, dass B. die Auseinandersetzung provoziert oder sich daran betei-
ligt hätte. Unter diesen Umständen aber sind die Voraussetzungen von Art. 48 lit. 
b StGB offensichtlich nicht erfüllt und eine Strafmilderung kann unter diesem Ge-
sichtspunkt nicht Platz greifen. Art. 48 lit. c StGB, den der Verteidiger in seinem 
Plädoyer auch erwähnt hat, kann von vornherein ausgeschlossen werden, sind in 
den Akten doch zum einen keine Hinweise auf eine heftige Gemütsbewegung vor-
handen. Ebenso würde es an der Entschuldbarkeit der heftigen Gemütsbewegung 
fehlen, kann doch nicht davon ausgegangen werden, dass ein anderer, an sich 
anständig gesinnter Mensch in derselben Situation gleich reagiert hätte. Zum an-
dern hat offensichtlich auch keine grosse seelische Belastung vorgelegen, handelt 
es sich dabei doch um einen psychischen Druck, der über einen langen Zeitraum 

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hinweg anwächst, bis der Täter völlig verzweifelt ist und keinen anderen Ausweg 
mehr sieht als das Verüben der Straftat (vgl. zu den Voraussetzungen der An-
nahme einer heftigen Gemütsbewegung beziehungsweise einer grossen seeli-
schen Belastung im Übrigen die Rechtsprechung zu Art. 113 StGB). 

c) Zusammenfassend ergibt sich somit, dass zwar davon auszugehen ist, dass A. 
im Zeitpunkt der Straftat stark betrunken war, dass dieser Umstand jedoch keinen 
Einfluss auf sein Verschulden hat, da A. sich eine vorsätzliche actio libera in causa 
vorwerfen lassen muss. Eine Provokation durch B. wiederum ist nicht dargetan. 
Die vom Verteidiger angeführten Gründe für eine Reduktion der vorinstanzlich 
ausgesprochenen Anzahl Tagessätze der Geldstrafe sind damit nicht gegeben. 
Weitere Reduktionsgründe hat der Verteidiger nicht angeführt und es sind auch 
keine ersichtlich. Wie die Vorinstanz völlig zu Recht festgestellt hat, ist das Ver-
schulden von A. als schwer zu qualifizieren. Er hat einen ihm völlig unbekannten 
Menschen ganz ohne Grund mehrfach geschlagen und dabei eine einfache Kör-
perverletzung verursacht. Zudem hat er die körperliche Integrität eines anderen 
Menschen offensichtlich ohne die geringsten Bedenken verletzt. Das ganze Vor-
gehen zeugt von einer erheblichen kriminellen Energie. Straferhöhend wirken sich 
die Vorstrafen aus, die weitgehend auf demselben Gebiet liegen wie die nun zu 
beurteilende Straftat. Trotz der mehrfachen und überaus deutlichen Warnungen, 
die die früheren Strafverfahren und die Verurteilungen sowie der Vollzug der un-
bedingt ausgesprochenen Strafen darstellten, hat sich A. erneut und offensichtlich 
ohne jedwelche Skrupel über die Rechtsordnung hinweggesetzt. Besonders nega-
tiv wirkt dabei der Umstand, dass A. einerseits in der Probzeit der vom Bezirksge-
richt Plessur am 30. Juni 2009 ausgesprochenen achtmonatigen bedingten Frei-
heitsstrafe und andererseits nur etwas mehr als vier Monate nach einer weiteren 
Verurteilung, diesmal zu einer unbedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen à Fr. 
20.-- und einer Busse von Fr. 300.--, erneut in bedeutender Weise straffällig ge-
worden ist. Erheblich strafmindernd wirkt hingegen das vollumfängliche Geständ-
nis, das A. gleich zu Beginn abgelegt hat. Strafschärfungs- und Strafmilderungs-
gründe sind keine ersichtlich. Unter Berücksichtigung sämtlicher Strafzumes-
sungsgründe und der gesamten Umstände erweisen sich die von der Vorinstanz 
ausgesprochenen 120 Tagessätze als dem Verschulden von A. angemessen. In 
diesem Zusammenhang ist noch festzustellen, dass es sich zum einen bei den auf 
Seite 12 des angefochtenen Urteils erwähnten 40 Tagessätzen offensichtlich um 
ein Versehen handelt (vgl. S. 14 oben sowie das Dispositiv des vorinstanzlichen 
Urteils) und dass zum andern einzig das Dispositiv in Rechtskraft erwächst, so 
dass die darin aufgeführten 120 Tagessätze entscheidend sind. Es muss aber 

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festgestellt werden, dass ein solches Versehen, wie es der Vorinstanz augen-
scheinlich unterlaufen ist, als äusserst unglücklich anzusehen ist und nicht ge-
schehen sollte. Auf die Redaktion eines Urteils ist denn auch grösstmögliche Sorg-
falt zu verwenden.

d) Bezüglich der Tagessatzhöhe, die von der Vorinstanz auf Fr. 30.-- festgesetzt 
worden ist, ist zu sagen, dass in der Berufungsklärung ausdrücklich festgehalten 
wird, sie sei nicht angefochten (act. A.02, S. 6, lit. e in fine). Im mündlichen Plä-
doyer hat der Verteidiger dann jedoch eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 
Fr. 90.-- beantragt (act. A.08, S. 1: „Anträge“). Dies kommt wohl daher, dass zum 
einen die Tagessatzhöhe nach den Verhältnissen im Zeitpunkt des Urteils zu be-
stimmen ist (Art. 34 Abs. 2 StGB) und zum andern A. in der Zwischenzeit über 
eine Arbeitsstelle verfügt und daher ein höherer Tagessatz, als ihn die Vorinstanz 
festgesetzt hat, seiner derzeitigen Leistungsfähigkeit entsprechen würde. Nach-
dem es vorliegend jedoch bei den von der Vorinstanz ausgesprochenen 120 Ta-
gessätzen sein Bewenden hat, ist eine Anhebung der Tagessatzhöhe von vorn-
herein ausgeschlossen, da nur zugunsten von A. Berufung erhoben worden ist 
(Verbot der reformatio in peius; Art. 391 Abs. 2 Satz 1 StPO). Eine Herabsetzung 
der Tagessatzhöhe ist jedoch offensichtlich ebenso wenig angebracht, nachdem 
A. nach seinen eigenen Angaben anlässlich der Berufungsverhandlung rund Fr. 
3'600.-- im Monat verdient. Die von der Vorinstanz festgesetzte Tagessatzhöhe 
von Fr. 30.-- ist damit zu belassen.

e) Die Vorinstanz hat den bedingten Strafvollzug für die Geldstrafe verweigert, weil 
bereits die formellen Voraussetzungen nicht gegeben seien. Der Verteidiger hat 
sich dazu nicht geäussert, hat aber gleichzeitig selbst den Vollzug der Geldstrafe 
beantragt (Berufungserklärung, act. A.02, S. 2, Titel „Anträge“, Ziff. 1, und S. 6, 
Ziff. 2). Es muss folglich davon ausgegangen werden, dass die Verweigerung des 
bedingten Strafvollzuges für die ausgesprochene Geldstrafe nicht angefochten ist, 
weshalb sich die I. Strafkammer des Kantonsgerichts nicht weiter damit zu be-
schäftigen hat. Im Übrigen treffen die vorinstanzlichen Erwägungen zu diesem 
Punkt auch zu, weshalb darauf verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO).

f) Schliesslich ist noch darauf hinzuweisen, dass der Verteidiger anlässlich der 
Berufungsverhandlung den Antrag, die Geldstrafe in gemeinnützige Arbeit umzu-
wandeln, zurückgezogen hat, weshalb das Kantonsgericht nicht mehr darüber zu 
befinden hat. Zu Handen der Vorinstanz sei jedoch der folgende Hinweis ange-
bracht: Bereits im erstinstanzlichen Verfahren hat A. die Umwandlung der Gelds-
trafe in gemeinnützige Arbeit beantragt. Im schriftlich begründeten Urteil äussert 

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sich die Vorinstanz zu diesem Antrag jedoch nicht. Es ergibt sich einzig aus dem 
Dispositiv, dass der Antrag offenbar abgelehnt wird, denn es wird keine ge-
meinnützige Arbeit angeordnet. Aus dem Protokoll der Hauptverhandlung geht 
hervor, dass die Frage der gemeinnützigen Arbeit wohl anlässlich der mündlichen 
Urteilsbegründung kurz angesprochen worden ist (vorinstanzliche Akten, act. 17, 
S. 4). Dies kann jedoch nicht genügen. Ergreift eine Partei ein Rechtsmittel, so hat 
das Gericht sein Urteil schriftlich zu begründen (vgl. Art. 82 Abs. 2 lit. b StPO). 
Sinn dieser Bestimmung ist es, die Parteien in die Lage zu versetzen, das Urteil 
sorgfältig prüfen, sich über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und 
ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen zu können. 
Die Begründung muss daher die wesentlichen Überlegungen nennen, von denen 
sich das Gericht hat leiten lassen und auf die sich sein Entscheid stützt (BGE 134 
I 83 E 4.1, mit Hinweisen). Indem nun die Vorinstanz sich in der Begründung des 
Urteils überhaupt nicht zur Frage der Anordnung von gemeinnütziger Arbeit 
geäussert hat, hat sie das A. zustehende rechtliche Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) ver-
letzt. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs kann jedoch in einem nachfolgenden 
Rechtsmittelverfahren ausnahmsweise geheilt werden, wenn Schwere und Trag-
weite der Gehörsverletzung nicht dagegen stehen und die Rechtsmittelinstanz den 
angefochtenen Entscheid in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht frei überprüfen 
kann (BGE 126 I 68 E 2, mit Hinweisen). Dies ist im Berufungsverfahren vor dem 
Kantonsgericht der Fall (Art. 398 Abs. 2 StPO). Auch liegt keine besonders schwe-
re Verletzung des rechtlichen Gehörs vor, nachdem A. den Antrag anlässlich der 
Berufungsverhandlung selbst zurückgezogen und damit zu erkennen gegeben hat, 
dass er die Umwandlung der Geldstrafe in gemeinnützige Arbeit nicht mehr befür-
wortet und die Verweigerung der gemeinnützigen Arbeit durch die Vorinstanz ak-
zeptiert. Der Mangel wird daher durch das vorliegende Verfahren geheilt. 

g) Aus dem Dargelegten erhellt, dass die von der Vorinstanz ausgesprochene 
Strafe vollumfänglich zu bestätigen ist. Die Berufung ist in diesem Punkt folglich 
abzuweisen.

7. A. wendet sich mit seiner Berufung auch gegen den Widerruf des bedingten 
Strafvollzugs, den das Bezirksgericht Plessur am 30. Juni 2009 für die damals 
ausgesprochene acht monatige Freiheitsstrafe gewährt hat. Er führt aus, dass das 
Begehen eines Verbrechens oder eines Vergehens während der Probezeit nicht 
zwingend zum Widerruf des bedingten Strafvollzugs der Vorstrafe führen müsse. 
Im Rahmen einer Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände sei gemäss Art. 
46 Abs. 2 StGB vielmehr zu prüfen, ob keine ungünstige Prognose gestellt werden 
müsse. Die Vorinstanz stütze sich bei der Prognosestellung auf falsche Sachver-

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haltsvorstellungen, gewichte die Vorstrafen zu stark und übersehe, dass er in sta-
bilen familiären Verhältnissen lebe, eine Zukunft mit seiner Freundin aufbauen 
wolle, in E. eine ernsthafte Stütze gefunden habe, seine Lehre gemeistert und er-
folgreich den Weg ins Arbeitsleben gefunden habe, sich darum bemühe, seine 
Schulden abzuzahlen, freiwillig beim Sozialpädagogischen Dienst um Hilfe ersucht 
habe sowie den Gewaltpräventionskurs aus eigenem Antrieb und erfolgreich ab-
solviere. Er habe mit Hilfe von E. die Ursachen seiner Probleme erkannt und moti-
viert an seinen Defiziten gearbeitet; er habe einen inneren Wandel durchgemacht. 
Seine momentane Entwicklung verspreche viel Gutes und ein Vollzug der Vorstra-
fe wäre für seine weitere Entwicklung fatal, würde dadurch doch seine Zukunft 
zerstört und er für sein Leben gebrandmarkt. Der Zwischenfall sei nicht derart 
schwer gewesen, dass eine solch einschneidende Folge gerechtfertigt wäre. Zu-
dem könne als unterstützende Massnahme eine psychotherapeutische Massnah-
me angeordnet werden, wie sie E. anrege und befürworte. A. könne daher keine 
negative Legalprognose gestellt werden; er habe sich bereits seit seiner letzten 
Verfehlung im Januar 2011 bewährt und werde dies auch in Zukunft tun. 

a) Art. 46 StGB regelt die Nichtbewährung. Begeht der Verurteilte während der 
Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er 
weitere Straftaten verüben wird, so widerruft das Gericht die bedingte Strafe oder 
den bedingten Teil der Strafe (Art. 46 Abs. 1 StGB). Ist nicht zu erwarten, dass der 
Verurteilte weitere Straftaten begehen wird, so verzichtet das Gericht auf einen 
Widerruf. Es kann den Verurteilten verwarnen oder die Probezeit um höchstens 
die Hälfte der im Urteil festgesetzten Dauer verlängern. Für die Dauer der verlän-
gerten Probezeit kann das Gericht Bewährungshilfe anordnen und Weisungen 
erteilen (Art. 46 Abs. 2 StGB). Ein während der Probezeit begangenes Verbrechen 
oder Vergehen führt nicht zwingend zum Widerruf des bedingten Strafaufschubs. 
Dieser erfolgt nur, wenn aufgrund der Begehung des neuen Delikts von einer ne-
gativen Einschätzung der Bewährungsaussichten auszugehen ist. Die Prüfung der 
Bewährungsaussichten ist anhand einer Gesamtwürdigung aller wesentlichen 
Umstände vorzunehmen. In die Beurteilung miteinzubeziehen sind neben den Ta-
tumständen auch das Vorleben und der Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, 
die gültige Schlüsse auf den Charakter des Täters und die Aussichten seiner Be-
währung zulassen. Es ist unzulässig, einzelnen Umständen eine vorrangige Be-
deutung beizumessen und andere zu vernachlässigen oder überhaupt ausser Acht 
zu lassen. In die Beurteilung der Bewährungsaussichten im Falle des Widerrufs 
des bedingten Strafvollzugs einer Freiheitsstrafe ist im Rahmen der Gesamtwürdi-

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gung auch miteinzubeziehen, ob die neue Strafe bedingt oder unbedingt ausge-
sprochen wird (vgl. zum Ganzen BGE 134 IV 140 E 4.2 ff.). 

b) Zunächst ist festzustellen, dass die Vorinstanz entgegen den Ausführungen in 
der Berufungserklärung und im Plädoyer des amtlichen Verteidigers an der Beru-
fungsverhandlung durchaus von zutreffenden Sachverhaltsvorstellungen ausge-
gangen ist, da die von A. geltend gemachte Provokation durch und/oder aktive 
Teilnahme von B. an der Auseinandersetzung in den Akten keine Stütze findet. 
Wie die Vorinstanz im Weiteren zu Recht festgestellt hat, ist die strafrechtliche 
Vorbelastung von A. erheblich. Nicht weniger als vier Mal hatte sich der Jugend-
anwalt mit ihm zu befassen und mit dem vorliegenden Verfahren steht er auch 
bereits zum vierten Mal vor dem Strafrichter. Ein weiteres Verfahren wegen einfa-
cher Körperverletzung, die A. eingestanden hatte, wurde aufgrund des Rückzugs 
des Strafantrages eingestellt (Akten der Staatsanwaltschaft, act. 1.17). Die letzte 
Straftat von A. datiert aus dem Januar 2011, liegt mithin erst etwas mehr als ein 
Jahr zurück. Diese Zeit ist zu kurz, um bereits von einer Bewährung ausgehen zu 
können. Die Rückfälle nach der Verurteilung vom 30. Juni 2009 sind im Weiteren 
gewichtig. So liess sich A. eine Tätlichkeit (am 15. August 2009), eine einfache 
Körperverletzung, eine versuchte Köperverletzung, mehrfache Widerhandlungen 
gegen das Betäubungsmittelgesetz (am 15. Mai 2010 und vom 13. August 2008 
bis zum 12. Mai 2010), eine einfache Körperverletzung (am 8. Januar 2011, vor-
liegendes Verfahren) sowie eine weitere einfache Körperverletzung (am 15. Janu-
ar 2011), die zwar zugestanden, jedoch aufgrund des zurückgezogenen Strafan-
trages nicht zur Anklage gebracht worden ist, zu schulden kommen. Diese Rück-
fälle offenbaren fehlende Einsicht und ein nicht zu unterschätzendes Gewaltpo-
tenzial gegenüber Leib und Leben anderer Menschen. Sie wiegen schwer, wes-
halb sie die Prognose stark negativ beeinflussen. Wie der Verteidiger zu Recht 
festgestellt hat, wirken dahingegen das soziale Netz beziehungsweise die fami-
liären Bindungen, die A. offenbar pflegt, grundsätzlich positiv. Nach seinen Aussa-
gen pflegt er sowohl zu seinen Eltern, als auch zu seiner Freundin und deren Fa-
milie sowie zu seiner Grossmutter mütterlicherseits enge Beziehungen. Vorliegend 
wird jedoch die positive Wirkung dieses sozialen Netzes ganz erheblich durch den 
Umstand relativiert, dass diese familiären Bindungen bereits vor und auch im Tat-
zeitpunkt bestanden und sie offensichtlich A. nicht davon abgehalten haben, er-
neut in beträchtlichem Masse straffällig zu werden. Dass sie A. in Zukunft von 
Straftaten abhalten können, erscheint daher zweifelhaft. Dasselbe ist mit Bezug 
auf seine Arbeitssituation zu sagen. Es ist zwar als positiv zu vermerken, dass A. 
seine Lehre erfolgreich abgeschlossen und sich anschliessend immer wieder mit 

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Erfolg um Arbeitsstellen bemüht hat. Trotzdem ist auch festzustellen, dass er be-
reits im Tatzeitpunkt über eine Arbeitsstelle beziehungsweise eine Lehrstelle ver-
fügte, mithin im Arbeitsprozess integriert war, was ihn aber nicht davon abhielt, 
einer anderen Person eine einfache Körperverletzung zuzufügen. Die Tatsache, 
dass A. zurzeit eine Arbeitsstelle hat, beeinflusst die Legalprognose daher kaum. 
Mit Bezug auf das weitere Argument, dass A. sich unter grossen finanziellen Op-
fern bemühe, seine Schulden abzutragen, ist dem Berufungskläger entgegen zu 
halten, dass er dies in keiner Weise belegt hat. Selbst wenn aber davon ausge-
gangen wird, dass A. sich bemüht, seine Schulden abzuzahlen, so wirkt dies nur 
ganz am Rande zu seinen Gunsten. Es ist nämlich lediglich einer der notwendigen 
Schritte in Richtung Übernahme der Verantwortung für sein Handeln. Für die Le-
galprognose von grosser Bedeutung ist hingegen die Frage, ob A. inskünftig in der 
Lage sein wird, auf Gewalt zu verzichten. Sein Verteidiger macht in diesem Zu-
sammenhang geltend, A. besuche aus eigener Initiative und sehr erfolgreich einen 
Gewaltpräventionskurs des Sozialpädagogischen Dienstes Graubünden. E., der 
diesen Kurs leitet, hat sich am 7. April 2012 zu verschiedenen Fragen des Kan-
tonsgerichts bezüglich A. geäussert (vgl. act. F.01). Aus dem Schreiben geht her-
vor, dass A. zu Beginn des Kurses sein aggressives Verhalten als durchaus situa-
tionsadäquat eingeschätzt hat, er gegen Ende des Verhaltenstrainings jedoch eine 
kritische Haltung gegenüber seinem Verhalten gezeigt hat und er in der Lage war, 
alternative Verhaltensweisen aktiv zu zeigen. Der Sachverständige hat weiter 
ausgeführt, es sei A. nicht immer leicht gefallen, sein Verhalten zu reflektieren und 
Handlungsalternativen zu überlegen und zu planen. Durch die von A. zusätzlich 
eingeforderten Beratungsgespräche sei es ihm aber gelungen, sein Verhalten mit 
Bezug auf die Deeskalationsstrategie mehr und mehr in den Griff zu bekommen. 
Soweit möglich habe er lernen können, in Konfliktsituationen, die er im Gewaltbe-
ratungstraining kennen gelernt habe, neue Verhaltensweisen umzusetzen. Der 
Gewaltberater könne erkennen, dass A. im Training positive Fortschritte bezüglich 
seines Verhaltens besonders in konfliktbeladenen Situationen erlernt habe und 
nun auch ressourcenbezogen Deeskalationsstrategien anwenden könne, um sich 
in seinem Leben gewaltfrei bewegen zu können. Inwieweit er dies jedoch im Alltag 
auch konstruktiv für sich und seine Umwelt einsetzen könne, könne aus Sicht von 
Trainingseinheiten nicht beantwortet werden. E. hat damit zu erkennen gegeben, 
dass A. durch den Kurs an und für sich gelernt hat, aggressives Verhalten zu hin-
terfragen, und dass er sich grundsätzlich auch das theoretische Rüstzeug erarbei-
tet hat, um in Konfliktsituationen eigentlich gewaltfrei agieren zu können. Ob er 
jedoch das theoretische Wissen auch in der Praxis anwenden kann und anwenden 
wird, konnte der Sachverständige nicht beurteilen. Es ist somit festzustellen, dass 

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A. nach dem Gewaltpräventionskurs zwar Strategien zur gewaltfreien Konfliktbe-
wältigung kennt, dass jedoch offen ist, ob er diese Strategien auch in der Praxis 
auf völlig unterschiedliche Konfliktsituationen mit all ihren möglichen Stress- und 
Druckfaktoren anwenden kann und anwenden wird. Insofern ist die positive Ent-
wicklung, die A. gemäss E. im Verlauf des Gewaltpräventionskurses durchge-
macht hat, erheblich zu relativieren. Des Weiteren macht E. in seinem Schreiben 
sehr deutlich, dass er eine Weiterführung der Therapie durch eine spezialisierte 
Fachkraft, vorzugsweise einen Psychiater, als dringend angezeigt erachtet. Dies 
auch und gerade im Hinblick auf eine eventuelle Rückfallgefahr. Daraus ist der 
Schluss zu ziehen, dass die Gewaltberatung noch nicht den gewünschten Erfolg 
gebracht hat. Insgesamt ist daher zwar positiv anzumerken, dass A. aus eigener 
Initiative einen Gewaltpräventionskurs besucht – wobei der Entscheid zur Teil-
nahme offensichtlich erst unter dem Eindruck des vorliegenden Strafverfahrens 
gefallen ist (vgl. Akten der Staatsanwaltschaft, act. 2.10, S. 2 Mitte) und nachdem 
der Untersuchungsrichter A. ins Gewissen geredet und die Möglichkeit des Wider-
rufs des bedingten Strafvollzugs der Vorstrafe eröffnet hat (Akten der Staatsan-
waltschaft, act. 3.8, S. 3 f.). Ebenso ist aber festzustellen, dass die Gewaltbera-
tung trotz offenbar erzielter Fortschritte noch nicht dazu geführt hat, dass die 
Rückfallgefahr als gering eingestuft werden könnte, da nicht beurteilt werden 
kann, ob A. sein theoretisches Wissen auch in der Praxis anwenden kann und 
anwenden wird. Ebenso war anlässlich der Berufungsverhandlung noch nicht be-
kannt, wo A. eine weiterführende Therapie allenfalls machen könnte. A. hat in die-
sem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass E. ihm einen Therapeuten emp-
fohlen habe, jedoch war zum einen noch nicht klar, ob dieser Therapeut bereit ist, 
mit A. zu arbeiten, und befindet sich zum anderen die Praxis des Therapeuten in 
einem anderen Kanton, so dass A. jeweils einen langen Anfahrtsweg in Kauf 
nehmen müsste. Da A. vollzeitlich arbeitstätig ist, könnte sich unter diesen Um-
ständen eine regelmässige Therapie bei diesem Therapeuten als sehr schwierig 
oder gar unmöglich erweisen. Ob es tatsächlich zu einer weiterführenden Therapie 
kommt, ist folglich noch völlig offen, auch wenn sich A. an der Berufungsverhand-
lung sehr klar für die Therapie ausgesprochen hat. Zusammenfassend ist somit 
festzustellen, dass der von A. besuchte Gewaltpräventionskurs zwar unbestreitbar 
positiv wirkt, aufgrund des unsicheren Ergebnisses und der fraglichen Weiter-
führung der Therapie jedoch die ausserordentlich negative Wirkung der Vorstrafen 
und der Rückfälle während der Probezeit bei weitem nicht aufzuwiegen vermag. In 
diesem Zusammenhang ist im Übrigen auch darauf hinzuweisen, dass A. bereits 
im Jahr 2008 einen Gewaltpräventionskurs besucht hat, wobei die Beurteilung 
nach dem Kurs sehr positiv ausgefallen ist. So wird in dieser Beurteilung festge-

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halten, dass A. bewusst geworden sei, dass er mit Gewalt seine Zukunft zerstöre, 
und er habe gelernt, eigene Bedürfnisse und Grenzen zu erkennen und auf sie zu 
achten sowie die Grenzen anderer zu respektieren (vgl. Schreiben der Beratungs-
stelle für Gewalt ausübende Personen vom 15. Dezember 2008, Akten der 
Staatsanwaltschaft, act. 2.7). Augenscheinlich war schon der damalige Gewaltbe-
rater der Meinung, A. würde nun über das notwendige Rüstzeug verfügen, um 
gewaltfrei durchs Leben zu gehen. In der Folge war A. aber offensichtlich nicht in 
der Lage, das Gelernte umzusetzen. Auch wenn A. vorliegend geltend macht, er 
sei im Jahre 2008 nicht bereit gewesen, den Gewaltpräventionskurs ernst zu 
nehmen und sein Verhalten zu ändern, während er jetzt hoch motiviert sei, seinen 
Umgang mit Gewalt in den Griff zu bekommen, so zeigt das Verhalten von A. nach 
dem im Jahre 2008 besuchten, vom Gewaltberater als positiv bewerteten Gewalt-
präventionskurs doch sehr deutlich, dass die Beurteilung des bei E. besuchten 
Gewaltberatungskurses mit grosser Vorsicht vorzunehmen ist. Die von E. aufge-
zeigten Unsicherheiten bezüglich des Umsetzens des Erlernten in der Praxis und 
der Weiterführung der Therapie sind daher sehr ernst zu nehmen und zeigen deut-
lich auf, dass A. den Umgang mit seinem erheblichen Gewaltpotenzial klarerweise 
noch nicht sicher beherrscht. Dies macht deutlich, dass der absolvierte Gewalt-
präventionskurs bei E. zwar positiv zu werten ist, jedoch bei weitem noch nicht 
dazu führt, dass davon ausgegangen werden kann, A. werde von nun an gewalt-
frei durchs Leben gehen. In die Betrachtungen ist weiter miteinzubeziehen, dass 
die vorliegend ausgesprochene Geldstrafe vollzogen werden muss. Dazu ist je-
doch zu sagen, dass bereits die am 27. August 2010 vom Kreispräsidenten P. 
ausgefällte Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je Fr. 20.-- vollzogen worden ist. 
Trotzdem hat sich A. am 8. Januar 2011 zu der vorliegend zu beurteilenden Straf-
tat hinreissen lassen. Am 15. Januar 2011 hat er zudem eingestandenermassen 
eine weitere Person verletzt (Akten der Staatsanwaltschaft, act. 4.4). Der Vollzug 
der Geldstrafe hat ihn daher nicht von weiteren Straftaten und Gewalttätigkeiten 
abgehalten. Es scheint zudem, dass die Mutter von A. ihn bei der Bewältigung der 
finanziellen Folgen seiner strafbaren Handlungen unterstützt, so dass diese Fol-
gen abgefedert werden (vgl. die Aussage von A. gegenüber dem Untersuchungs-
richter vom 22. März 2011, act. 2.10, S. 4, Ziff. 2). Eine vollzogene Geldstrafe 
vermag unter diesen Umständen die notwendige Warnwirkung kaum zu entfalten, 
so dass der Vollzug der vorliegend ausgesprochenen Geldstrafe von 120 Tages-
sätzen zu je Fr. 30.-- die negative Prognose nicht zu verhindern mag. Schliesslich 
sind noch die Auswirkungen des Vollzugs auf das Leben des Täters zu prüfen. A. 
macht geltend, er wäre durch den Vollzug einer Freiheitsstrafe für den Rest seines 
Lebens gekennzeichnet und würde nie mehr eine Arbeitsstelle finden. Dies trifft 

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selbstredend nicht zu. Insbesondere besteht vorliegend die Möglichkeit des Voll-
zugs der Freiheitsstrafe in Halbgefangenschaft (Art. 77b StGB), der die Regel ist. 
A. müsste bei dieser Vollzugsart „nur“ die Frei- und Ruhezeit in der Strafanstalt 
verbringen, während er ansonsten ganz normal seiner Arbeit nachgehen könnte. 
Es ist unter diesen Umständen gar nicht gesagt, dass er durch den Vollzug der 
Vorstrafe zwangsläufig seine Arbeitsstelle verlieren würde. Ebenso wenig aber 
muss davon ausgegangen werden, dass jeder zukünftig mögliche Arbeitgeber A. 
allein aufgrund der Tatsache, dass er eine Freiheitsstrafe zu verbüssen hatte, 
nicht einstellen wird. Lässt sich A. nichts mehr zu schulden kommen und erweist 
er sich als guter, zuverlässiger Arbeiter, wird dies seine Freiheitsstrafe aufwiegen. 
Und schliesslich liegt es in der Hand von A., die Zeit, die er im Strafvollzug ver-
bringen muss, zu verkürzen, kann er doch bei guter Führung nach zwei Dritteln 
der Strafe bedingt entlassen werden (Art. 86 Abs. 1 StGB). Im Weiteren stellt der 
Vollzug einer Freiheitsstrafe immer eine gewisse Härte dar; der Verurteilte wird 
aus seinem familiären Umfeld und seinem gewohnten Leben herausgerissen. Je-
doch ist nicht zu vergessen, dass er dies selbst verschuldet hat, indem er eine 
Straftat von einer gewissen Schwere begangen hat. Die Härte ist damit Folge des 
strafbaren Verhaltens, und sofern sie sich nicht als erheblich schwerer erweist, als 
es zwangsläufig zum Vollzug einer Freiheitsstrafe dazu gehört, ist sie vom Verur-
teilten in Kauf zu nehmen und spricht nicht gegen den Vollzug einer Freiheitsstra-
fe. Vorliegend nun sind keine Umstände erkennbar, die eine erheblich grössere 
Härte belegen würden. Der Verteidiger hat im Weiteren geltend gemacht, durch 
einen Vollzug werde A. aus einer sehr positiven Entwicklung herausgerissen. 
Auch dem ist entgegen zu halten, dass der Vollzug der Freiheitsstrafe in Halbge-
fangenschaft möglich ist, so dass A. nicht zwangsläufig seine Arbeitsstelle verliert. 
Wie der Erste Staatsanwalt in seinem Plädoyer vor Kantonsgericht zu Recht be-
tont hat, kann A. während des Vollzugs auch therapeutische Betreuung in An-
spruch nehmen und so weiter an der Bewältigung seiner Gewaltproblematik arbei-
ten. Wenn es A. daran gelegen ist, kann er seine positive Entwicklung trotz des 
Vollzugs der Vorstrafe fortsetzen. Entgegen der Meinung des Verteidigers wiegt 
der vorliegend zu beurteilende Fall bei weitem auch schwer genug, um die Konse-
quenz des Widerrufs des bedingten Vollzug und des Vollzugs der Vorstrafe zu 
rechtfertigen. Und schliesslich würde vorliegend auch eine Bewährungshilfe oder 
eine Weisung nicht weiterhelfen, denn beides kann nur für die Zeit der verlänger-
ten Probezeit angeordnet werden (Art. 46 Abs. 2 StGB). Die Probezeit für die vom 
Bezirksgericht Plessur am 30. Juni 2009 ausgesprochene achtmonatige Freiheits-
strafe wurde bereits am 27. August 2010 vom Kreispräsidenten P. um ein Jahr 
und damit um die Hälfe verlängert. Eine weitere Verlängerung ist daher nicht mehr 

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möglich (vgl. Art. 46 Abs. 2 StGB). Die Probezeit lief folglich auf jeden Fall am 30. 
Juni 2012 aus. Eine Bewährungshilfe oder Weisungen hätten damit auch nur bis 
zu diesem Datum und damit viel zu kurz Wirkung entfaltet, empfiehlt E. die weiter-
führende Therapie doch ausdrücklich für mindesten ein Jahr (act. F.01, S. 3 oben). 

c) Zusammenfassend ergibt sich somit, dass die Vorstrafen und die Rückfälle 
während der Probezeit der vom Bezirksgericht Plessur am 30. Juni 2009 ausge-
sprochenen Strafe erheblich negativ wirken, dass das soziale Netzwerk und die 
Arbeitssituation von A. bereits im Tatzeitpunkt intakt waren, ihn aber nicht von er-
neuter Delinquenz abzuhalten vermochten, weshalb nicht davon ausgegangen 
werden kann, dass sie es in Zukunft tun werden, dass A.s (unbelegtes) Bestreben, 
seine Schulden abzutragen, nur gering zu seinen Gunsten spricht, dass der Erfolg 
der absolvierten Gewalttherapie noch ungewiss ist, ebenso die notwendige weiter-
führende Therapie, dass die Warnwirkung der vorliegend ausgesprochenen unbe-
dingten Geldstrafe nicht genügt, um die Legalprognose erheblich positiv zu beein-
flussen, und dass die Auswirkungen eines Vollzugs auf das Leben von A. nicht 
schwerer wiegen, als dies mit dem Vollzug einer Freiheitsstrafe zwangsläufig zu-
sammenhängt. Unter Berücksichtigung all der genannten Überlegungen und Um-
stände gelangt die I. Strafkammer des Kantonsgerichts zum Schluss, dass die 
negativen Faktoren überwiegen und A. daher eine eigentliche Schlechtprognose 
gestellt werden muss. Der bedingte Strafvollzug der am 30. Juni 2009 durch das 
Bezirksgericht Plessur ausgesprochenen achtmonatigen Freiheitsstrafe ist daher 
zu widerrufen und die Strafe ist zu vollziehen. Das vorinstanzliche Urteil erweist 
sich in diesem Punkt folglich als rechtens, die Berufung ist abzuweisen. 

d) Die Vorinstanz hat darauf verzichtet, die Art der widerrufenen Strafe zu ändern, 
um mit der neuen Strafe eine Gesamtstrafe zu bilden. Der Verteidiger hat sich da-
zu weder in der Berufungserklärung, noch im Plädoyer geäussert, weshalb es 
grundsätzlich an einer Begründung fehlt. Da es sich bei Art. 46 Abs. 1 StGB um 
eine „kann“-Vorschrift handelt, hat der Richter nach pflichtgemässem Ermessen zu 
entscheiden. Mit Blick auf BGE 134 IV 241 ist festzustellen, dass eine Änderung 
der widerrufenen Strafe vorliegend problematisch wäre, weshalb die Vorinstanz zu 
Recht darauf verzichtet hat.

8. Gemäss Rechtsbegehren in der Berufungserklärung ist der vorinstanzliche 
Kostenspruch nicht angefochten. Nachdem das vorinstanzliche Urteil vorliegend 
bestätigt wird, die Verurteilung von A. mithin zu Recht erfolgte und auch die Strafe 
und der Widerruf des bedingten Strafvollzugs der Vorstrafe sich als rechtens er-

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wiesen haben, wäre die vorinstanzliche Kostenverteilung im Übrigen auch zu 
schützen (vgl. Art. 426 Abs. 1 StPO, Art. 135 Abs. 2 und 4 StPO).

9. Aus dem Dargelegten erhellt, dass das vorinstanzliche Urteil in allen ange-
fochtenen Punkten zu bestätigen ist. Die Berufung ist daher vollumfänglich abzu-
weisen. Unter diesen Umständen gehen die Kosten des Berufungsverfahrens zu 
Lasten von A. (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Höhe der Entschädigung der amtlichen 
Verteidigung wird am Ende des Verfahrens in einem separaten Entscheid festge-
legt. Die Entschädigung der amtlichen Verteidigung ist grundsätzlich von A. zu 
tragen, geht aber vorerst zu Lasten des Kantons Graubünden. Sobald es die wirt-
schaftlichen Verhältnisse von A. erlauben, können diese Kosten gemäss Art. 135 
Abs. 4 StPO von ihm zurückgefordert werden.

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III. Demnach wird erkannt

1. Die Berufung wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 2'500.-- gehen zu Lasten von 
A.. 

3. a) A. wird zur Bezahlung der Kosten der amtlichen Verteidigung verurteilt.

b) Die Kosten der amtlichen Verteidigung gehen vorerst zu Lasten des 
Kantons Graubünden und werden aus der Gerichtskasse bezahlt. So-
bald es die wirtschaftlichen Verhältnisse von A. erlauben, bleibt die 
Rückforderung dieser Kosten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehal-
ten.

c) Die Entschädigung der amtlichen Verteidigung wird am Ende des Ver-
fahrens in einem separaten Entschädigungsentscheid festgesetzt.

4. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 des Bundesgerichtsgeset-
zes (BGG) Beschwerde in Strafsachen an das Schweizerische Bundesge-
richt geführt werden. Diese ist dem Bundesgericht schriftlich, innert 30 Ta-
gen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in der 
gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die 
Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Vorausserzungen 
und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. 
BGG.

5. Mitteilung an: