# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5f172aee-970d-5477-902e-69f9a7e7cff1
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-01-24
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 24.01.2018 WBE.2017.393
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_WBE-2017-393_2018-01-24.pdf

## Full Text

2018 Anwalts- und Notariatsrecht 293 

X. Anwalts- und Notariatsrecht 

 

31 Anwaltsregister 

- Das Erfordernis der ständigen Berufsausübung für den Registerein-

trag (Art. 27 f. BGFA) verbietet EU/EFTA-Anwälten nicht, eine 

Zweitkanzlei oder Geschäftsniederlassung in der Schweiz zu eröff-

nen. 

- Der Registereintrag von EU/EFTA-Anwälten für eine Zweitkanzlei 

oder Geschäftsniederlassung in der Schweiz erfordert keine Aufent-

haltsbewilligung der Migrationsbehörden. 

Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 24. Januar 

2018, in Sachen A. gegen Anwaltskommission (WBE.2017.393). 

Aus den Erwägungen 

2. 
2.1. 
Der Beschwerdeführer ist Rechtsanwalt in Wien und führt dort 

eine eigene Anwaltskanzlei. Er gibt an, sowohl in Österreich als auch 
der Schweiz tätig sein und eine Zweitkanzlei bzw. Geschäfts-
niederlassung im Kanton Aargau eröffnen zu wollen. Diese Aus-
gangslage rechtfertigt, vorweg eingehender auf die massgeblichen 
Rechtsgrundlagen einzugehen. 

2.2. 
Gemäss Art. 5 Abs. 1 FZA wird einem Dienstleistungserbringer 

einschliesslich Gesellschaften gemäss Anhang I das Recht einge-
räumt, Dienstleistungen im Hoheitsgebiet der anderen Vertragspartei 
zu erbringen, deren tatsächliche Dauer 90 Arbeitstage pro Kalender-
jahr nicht überschreitet. Die Beschränkung entsprechender grenz-
überschreitender Dienstleistungen im Hoheitsgebiet einer Vertrags-
partei ist untersagt (vgl. Art. 17 lit. a Anhang I FZA). 

294 Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht 2018 

Der freie Dienstleistungsverkehr umfasst die vorübergehend in 
einem andern Mitgliedstaat ausgeübte selbständige Erwerbstätigkeit, 
während die Niederlassungsfreiheit die auf Dauer in einem andern 
Mitgliedstaat ausgeübte selbständige Erwerbstätigkeit regelt (vgl. 
STEPHAN BREITENMOSER/ANDRÉ HUSHEER, Europarecht, Band II, 
2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2002, Rz. 987). Das FZA sieht keine 
vollständige Umsetzung des freien Dienstleistungsverkehrs, sondern 
eine zeitlich begrenzte Liberalisierung der individuellen grenzüber-
schreitenden Dienstleistungen vor. Diese Liberalisierung umfasst die 
befristete Ausübung einer selbständigen Erwerbstätigkeit jedenfalls 
grundsätzlich ohne Niederlassung im Aufnahmestaat (vgl. DIETER W. 
GROSSEN/CLAIRE DE PALÉZIEUX, Abkommen über die Freizügigkeit, 
in: DANIEL THÜRER/ROLF H. WEBER/ROGER ZÄCH [Hrsg.], Bilate-
rale Verträge Schweiz – EG, Ein Handbuch, Zürich 2002, S. 123). Im 
Anhang III FZA sind Rechtsakte und Mitteilungen von Gemein-
schaftsorganen aufgeführt, die im Bereich der gegenseitigen 
Anerkennung von Berufsqualifikationen anzuwenden sind. Im Be-
reich der Ausübung des Rechtsanwaltsberufs sind dies die RL 
77/249/EWG des Rates der europäischen Gemeinschaften vom 
22. März 1977 zur Erleichterung der tatsächlichen Ausübung des 
freien Dienstleistungsverkehrs der Rechtsanwälte (ABl. L 78 vom 
26.3.77) sowie die RL 98/5/EG des Europäischen Parlaments und des 
Rates vom 16. Februar 1998 zur Erleichterung der ständigen Aus-
übung des Rechtsanwaltsberufs in einem andern Mitgliedstaat als 
dem, in dem die Qualifikation erworben wurde (ABl. L 77 vom 
14.3.98). 

2.3. 
Die Schweiz ist staatsvertraglich verpflichtet, die Anwälte der 

EU und EFTA zur Parteivertretung vor ihren Gerichten zuzulassen. 
Diese Verpflichtung ist im BGFA umgesetzt (KASPAR SCHILLER, 
Schweizerisches Anwaltsrecht, Grundlagen und Kernbereich, 
Zürich/Basel/Genf 2009, Rz. 307). Danach können Angehörige von 
Mitgliedstaaten der EU oder EFTA, die berechtigt sind, den Anwalts-
beruf in ihrem Herkunftsstaat unter einer der im Anhang aufgeführ-
ten Berufsbezeichnungen auszuüben, im freien Dienstleistungs-
verkehr in der Schweiz Parteien vor Gerichtsbehörden vertreten 

2018 Anwalts- und Notariatsrecht 295 

(Art. 21 Abs. 1 BGFA). Angehörige von Mitgliedstaaten der EU oder 
EFTA, die berechtigt sind, den Anwaltsberuf in ihrem Herkunftsstaat 
unter einer der im Anhang aufgeführten Berufsbezeichnungen auszu-
üben, können in der Schweiz auch ständig Parteien vor Gerichts-
behörden vertreten, wenn sie bei einer kantonalen Aufsichtsbehörde 
über die Anwältinnen und Anwälte eingetragen sind (Art. 27 Abs. 1 
BGFA). 

3. 
Die Systematik des BGFA folgt der dem FZA zu Grunde liegen-

den Assoziierung an die Dienstleistungsfreiheit und dem Recht auf 
Niederlassung, welches die ständige Ausübung der Anwaltstätigkeit 
betrifft (vgl. Art. 5 FZA und Art. 12 ff., 17 ff. Anhang I FZA; zum 
BGFA: 4. Abschnitt: "Ausübung des Anwaltsberufs im freien Dienst-
leistungsverkehr durch Anwältinnen und Anwälte der Mitgliedstaaten 
der EU oder der EFTA"; 5. Abschnitt: "Ständige Ausübung des An-
waltsberufs durch Anwältinnen und Anwälte aus Mitgliedstaaten der 
EU oder der EFTA unter ihrer ursprünglichen Berufsbezeichnung"). 
Die grenzüberschreitende Ausübung des Anwaltsberufs im freien 
Dienstleistungsverkehr (Art. 21 Abs. 1 BGFA) zeichnet sich dadurch 
aus, dass sie punktuell und vorübergehend erfolgt (vgl. DOMINIQUE 
DREYER, in: WALTER FELLMANN/GAUDENZ G. ZINDEL [Hrsg.], 
Kommentar zum Anwaltsgesetz, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 
2011, Art. 21 N 5; Urteil des Bundesgerichts vom 9. August 2004 
[2A.536/2003], Erw. 3.2.1; vgl. auch Botschaft zur Genehmigung des 
Abkommens vom 21. Juni 2001 zur Änderung des Übereinkommens 
vom 4. Januar 1960 zur Errichtung der EFTA vom 12. September 
2001, 01.058, in: BBl 2001 4994). Sie darf gemäss Art. 5 Abs. 1 FZA 
und Art. 17 Anhang I FZA i.V.m. Art. 21 Abs. 1 BGFA während 
höchstens 90 Tagen pro Jahr (bewilligungsfrei) erfolgen. Ein Eintrag 
im kantonalen Anwaltsregister erfolgt nicht (vgl. Art. 21 Abs. 2 
BGFA). Demgegenüber betreffen Art. 27 ff. BGFA die ständige Be-
rufsausübung im Rahmen der Niederlassung (vgl. ANDREAS 
KELLERHALS/TOBIAS BAUMGARTNER, IN: FELLMANN/ZINDEL 
[Hrsg.], a.a.O., Art. 27 N 2 f.). Die Aufsichtsbehörde führt eine 
öffentliche Liste der Angehörigen von Mitgliedstaaten der EU oder 
EFTA, die in der Schweiz unter ihrer ursprünglichen Berufsbezeich-

296 Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht 2018 

nung ständig Parteien vor Gericht vertreten dürfen (Art. 28 Abs. 1 
BGFA). Entsprechend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist 
Sinn und Zweck der Eintragung in die öffentliche Liste, dass sich die 
zuständige Stelle vergewissern kann, ob die Anwälte die Berufs- und 
Standesregeln des Aufnahmestaates beachten (Urteil des Bundesge-
richts vom 9. August 2004 [2A.536/2003], Erw. 4.2 mit Verweis auf 
RL 98/5/EG). 

4. 
4.1. 
Der Beschwerdeführer bringt vor, bereits sein Vater habe als 

Anwalt in den Jahren 2007 bis 2015 über eine Kanzlei in Zürich ver-
fügt. Dabei sei eine Vielzahl von Mandaten mit grenzüberschreiten-
den Sachverhalten bearbeitet worden, insbesondere mit Italien. 
Darunter seien italienische Staatsangehörige, welche ihren Lebens-
mittelpunkt in der Schweiz hätten. Auch im Ruhestand des Vaters 
würden bei diesem und dem Beschwerdeführer noch zahlreiche 
Anfragen von Klienten in der Schweiz eingehen, welche die In-
teressenwahrung verlangten. Beabsichtigt werde auch "die Auswei-
tung des Klientels", wobei insbesondere österreichische Mandanten 
mit Bezug zur Schweiz angesprochen würden. Es sei "nicht nur die 
Begleitung, Beratung und rechtliche Vertretung von in der Schweiz 
lebenden Klienten geplant, sondern auch die Expansion der Kanzlei 
durch ständige Anwesenheit auf dem schweizerischen Gebiet". Der 
Entscheid der Anwaltskommission sei rechtswidrig. Im BGFA sei die 
"Niederlassungsrichtlinie" (RL 98/5/EG) umgesetzt. Diese ermög-
liche einem EU-Anwalt die ständige Ausübung der Anwaltstätigkeit 
in einem andern Land "ohne Beschränkungen, die vom Gesetzgeber 
nicht vorgeschrieben worden sind". Weiter liege eine diskrimi-
nierende Behandlung vor. In diesem Sinne äussere sich auch die 
Literatur. Einem EU-Anwalt dürften im Inland keine Beschränkun-
gen auferlegt werden, welche über den Regelungszweck der Richtli-
nie hinausgingen. Für die von der Anwaltskommission verlangte 
"eingehende Begründungspflicht" bestehe keine Grundlage im Ge-
setz oder in der Richtlinie. Die Vorinstanz habe ihm zu Unrecht vor-
geworfen, "er habe niemals behauptet, eine ständige Anwaltstätigkeit 

2018 Anwalts- und Notariatsrecht 297 

in der Schweiz ausüben zu wollen". Auch nach der Rechtsprechung 
sei eine entsprechende Begründungspflicht nicht vorgesehen. 

4.2. 
Die Anwaltskommission erwog mit Verweis auf die bundesge-

richtliche Rechtsprechung, für die Eintragung in die öffentliche Liste 
gemäss Art. 28 Abs. 2 BGFA werde eine ständige (Hervorhebung im 
angefochtenen Entscheid) Tätigkeit in der Schweiz im Sinne von 
Art. 27 Abs. 1 BGFA vorausgesetzt. Der Gesuchsteller habe nicht 
glaubhaft dargelegt, dass er in der Schweiz eine ständige Anwalts-
tätigkeit ausübe oder dies zumindest beabsichtige. Aus den einge-
reichten Unterlagen ergebe sich insbesondere nicht, weshalb die 
anwaltliche Tätigkeit nicht im freien Dienstleistungsverkehr erfolgen 
könne. 

5. 
5.1. 
Im Gesetzgebungsverfahren zum Erlass des Anwaltsgesetzes 

wurde unter anderem die RL 98/5/EG thematisiert und ausdrücklich 
festgehalten, dass diese die ständige Ausübung des Rechtsanwalts-
berufs in einem andern Mitgliedstaat erleichtere. Dabei wurde wört-
lich ausgeführt: "Sie soll die Niederlassungsmöglichkeiten erwei-
tern" (Botschaft zum BGFA vom 28. April 1999, 99.027, in: BBl 
1999 6024). 

RL 98/5/EG ist bei der Anwendung von Art. 27 Abs. 1 BGFA 
als Auslegungselement beizuziehen. Sie regelt namentlich das Recht 
auf Berufsausübung unter der ursprünglichen Berufsbezeichnung 
(Art. 2) und die Beachtung der Berufs- und Standesregeln (Art. 6); 
weiter enthält sie Bestimmungen zur Gleichstellung mit den 
Rechtsanwälten des Aufnahmestaats (Art. 10) und für Anwalts-
sozietäten (Art. 11). Für letztere ist die Ausübung der beruflichen 
Tätigkeiten im Rahmen einer Zweigstelle oder Niederlassung im 
Aufnahmestaat vorgesehen (Ziffer 1). 

5.2. 
Die bundesgerichtliche Rechtsprechung hat sich zur Abgren-

zung der Berufsausübung im freien Dienstleistungsverkehr 
(Art. 21 ff. BGFA) von der ständigen Tätigkeit im Sinne von 
Art. 27 ff. BGFA in einem Urteil vom 19. Dezember 2011 

298 Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht 2018 

(2C_694/2011) geäussert. Dabei wurde erwogen, Art. 27 ff. BGFA 
erfassten die "zuwandernden" ausländischen Anwälte, die in stabiler 
und kontinuierlicher Weise ihre Berufstätigkeit in der Schweiz 
ausübten, indem sie sich von einem Berufsdomizil aus u.a. an die 
einheimische Bevölkerung wendeten. Dazu wurde zunächst ein-
schränkend festgehalten, dass eine auf Dauer ausgerichtete Tätigkeit 
als Anwalt das Schwergewicht bzw. den Mittelpunkt der anwalt-
lichen Tätigkeit bilde, was über die blosse Einrichtung eines zweiten 
Berufsdomizils hinausreiche. Andererseits wurde erwogen, dass eine 
dauernde Berufsausübung jedenfalls dann anzunehmen sei, wenn 
sich das Schwergewicht nicht ohne weiteres feststellen lasse und die 
anwaltliche Tätigkeit im Aufnahmestaat während mehr als 90 Tagen 
ausgeübt werde (Erw. 4.4 mit Hinweisen auf die Literatur). Letzterer 
Auffassung folgt, soweit ersichtlich, die Kommentierung von 
KELLERHALS/BAUMGARTNER, wonach eine Tätigkeit in den Bereich 
der Niederlassung bzw. der ständigen Berufsausübung falle, wenn 
die grenzüberschreitende Ausübung des Anwaltsberufs an mehr als 
90 Tagen erfolge (vgl. KELLERHALS/BAUMGARTNER, in: 
FELLMANN/ZINDEL [Hrsg.], a.a.O., Art. 27 N 3 und Art. 28 N 1). 
ROLF H. WEBER führte im Jahre 1998 aus, dass von einer Niederlas-
sung nur gesprochen werden könne, wenn sich ein Anwalt in die 
Wirtschaft des Aufnahmestaates integriere. Zur Eröffnung von 
Zweitkanzleien vertrat er mit Bezug auf die Rechtsprechung des 
Europäischen Gerichtshofs, der Verzicht auf die enge wirtschaftliche 
und soziale Bindung an den Aufnahmestaat (im Bereich der 
Niederlassungsfreiheit) rechtfertige keine extensive Anwendung des 
Niederlassungsrechts (vgl. ROLF H. WEBER, Niederlassung oder 
Dienstleistung – europarechtliche Beurteilung grenzüberschreitender 
anwaltlicher Tätigkeiten, in: WALTER FELLMANN/CLAIRE HUGUENIN 
JACOBS/THOMAS POLEDNA/JÖRG SCHWARZ [Hrsg.], Schweizeri-
sches Anwaltsrecht, Bern 1998, S. 581 f.). 

Gemäss dem erwähnten Urteil des Bundesgerichts vom 
19. Dezember 2011 (2C_694/2011) ist eine dauernde Berufsaus-
übung anzunehmen, wenn sich deren Schwerpunkt nicht ohne weite-
res feststellen lässt und sie während mehr als 90 Arbeitstagen im 
Aufnahmestaat ausgeübt wird (vgl. Erw. 4.4). Im Urteil des Bundes-

2018 Anwalts- und Notariatsrecht 299 

gerichts vom 9. August 2004 (2A.536/2003) wird vorausgesetzt, dass 
der Rechtsanwaltstätigkeit kein vorübergehender Charakter zukommt 
und zumindest deren ständige Ausübung beabsichtigt wird (vgl. 
Erw. 4). Beide Entscheide lassen mithin die Annahme einer ständi-
gen Berufstätigkeit zu, wenn deren Ausübung an mehr als 90 Tagen 
grenzüberschreitend erfolgt. Hinweise für eine generelle Unzulässig-
keit von Zweitkanzleien bzw. Geschäftsniederlassungen lassen sich 
diesen Urteilen nicht entnehmen. 

6. 
6.1. 
Die vorinstanzliche Abweisung des Eintragungsgesuchs mit der 

Begründung, der Beschwerdeführer habe nicht glaubhaft dargelegt, 
eine ständige Berufsausübung im Sinne von Art. 27 Abs. 1 BGFA zu 
beabsichtigen, überzeugt nicht. Das Gesuchsformular der Anwalts-
kommission enthält keinen Hinweis auf eine entsprechende Begrün-
dungspflicht. Insoweit war die Abweisung des Gesuchs mangels Be-
gründung nicht statthaft. Dies gilt umso mehr, als das Verwaltungs-
verfahren von der Untersuchungsmaxime beherrscht wird. Danach 
ermitteln die Behörden den Sachverhalt, unter Beachtung der 
Vorbringen der Parteien, von Amtes wegen und stellen die dazu not-
wendigen Untersuchungen an (§ 17 Abs. 1 VRPG). Anhaltspunkte 
dafür, dass die Eintragung lediglich zur Erzielung eines Werbeeffekts 
erfolgen soll, was mit der Gefahr der Irreführung des Publikums 
einherginge, bestehen nicht (vgl. hierzu: Urteil des Bundesgerichts 
vom 9. August 2004 [2A.536/2003], Erw. 4.2). Fragen des Be-
weismasses stellten sich, soweit ersichtlich, im vorinstanzlichen Ver-
fahren ebenfalls nicht. 

6.2. 
Gemäss den Ausführungen der Vorinstanz ergibt sich aus den 

eingereichten Unterlagen nicht, weshalb die anwaltliche Tätigkeit 
des Beschwerdeführers nicht auch im Rahmen des freien Dienst-
leistungsverkehrs erfolgen könne. In diesem Zusammenhang ist Fol-
gendes wesentlich: Zwar ist einer Berufstätigkeit nach der bundes-
gerichtlichen Rechtsprechung nicht bereits deshalb der Charakter der 
(vorübergehenden) Dienstleistung abzusprechen, weil der Dienst-
leistungserbringer ein Büro in der Schweiz eingerichtet hat (vgl. 

300 Obergericht, Abteilung Verwaltungsgericht 2018 

Urteil des Bundesgerichts vom 9. August 2004 [2A.536/2003], 
Erw. 3.2.2 und 4). Entsprechend seinen Vorbringen beabsichtigt der 
Beschwerdeführer indessen, neben seiner Anwaltstätigkeit in Wien 
eine Zweitkanzlei bzw. Geschäftsniederlassung im Kanton zu eröff-
nen (vgl. vorne Erw. 4.1). Es ist mithin von der Absicht auszugehen, 
eine Kanzlei mit vollständiger Infrastruktur einzurichten und nicht 
bloss eine "Kontaktstelle" zu schaffen (vgl. WEBER, a.a.O., S. 581). 
Hierbei handelt es sich um mehr als eine grenzüberschreitende 
Berufsausübung im freien Dienstleistungsverkehr (vgl. vorne 
Erw. 3). Daher liegt mithin eine Form der ständigen Ausübung des 
Anwaltsberufs vor, deren Zulässigkeit im Rahmen der Bestimmun-
gen von Art. 27 ff. BGFA zu beurteilen ist. 

Im Hinblick darauf kann zunächst nicht unbesehen bleiben, dass 
RL 98/5/EG mit Bezug auf Anwaltssozietäten erlaubt, die berufli-
chen Tätigkeiten im Rahmen einer Zweigstelle oder Niederlassung 
im Aufnahmestaat auszuüben (vgl. Art. 11 Ziffer 1). Diese Vorschrif-
ten legen nahe, jedenfalls für Rechtsanwälte, welche in 
Personengesellschaften organisiert sind, die zwischenstaatliche Er-
bringung anwaltlicher Dienstleistungen im Rahmen von Zweitkanz-
leien zuzulassen. Unter dieser Prämisse ist nicht ersichtlich, wieso 
für den Beschwerdeführer die Eröffnung einer hiesigen Kanzlei eine 
schwerpunktmässige Verlagerung seiner Geschäftstätigkeit in die 
Schweiz voraussetzen bzw. eine Zweitkanzlei ausgeschlossen sein 
soll. Es würde Sinn und Zweck der Freizügigkeit widersprechen, 
wenn zwischen der (zulässigen) grenzüberschreitenden Anwaltstätig-
keit von maximal 90 Arbeitstagen pro Jahr und der (ebenfalls zuläs-
sigen) ständigen Berufsausübung im Aufnahmestaat eine Zwischen-
kategorie geschaffen würde, in der die grenzüberschreitende An-
waltstätigkeit nicht gestattet wäre. Nachdem das BGFA in Art. 27 ff. 
im Wesentlichen die Eintragung in die öffentliche Liste und deren 
(berufsrechtlichen) Konsequenzen regelt, kann insbesondere aus 
Art. 12 Anhang I FZA betreffend den Aufenthaltsstatus von 
selbständig Erwerbenden nichts anderes abgeleitet werden. Insoweit 
kann für die Zulässigkeit von Zweitkanzleien für Anwaltssozietäten 
der Kommentierung von KELLERHALS/BAUMGARTNER gefolgt wer-
den: Danach ist eine anwaltliche Tätigkeit der Niederlassung bzw. 

2018 Anwalts- und Notariatsrecht 301 

der ständigen Berufsausübung zuzuordnen, wenn die zwischenstaat-
liche Ausübung des Anwaltsberufs in der Schweiz an mehr als 
90 Tagen pro Jahr erfolgt (vgl. KELLERHALS/BAUMGARTNER, a.a.O., 
Art. 27 N 3). Es wäre nicht schlüssig, die Eintragung vom Vorliegen 
einer Aufenthaltsbewilligung abhängig zu machen, welche vorgängig 
von den Migrationsbehörden zu erteilen wäre und ihrerseits eine 
(aufenthaltsrechtliche) Niederlassung voraussetzen würde. Das 
Erfordernis einer Aufenthaltsbewilligung würde die Möglichkeit 
einer Zweitkanzlei oder Geschäftsniederlassung faktisch ausschlies-
sen. Diese Rechtsfolge wäre im Bereich der anwaltlichen Dienst-
leistungen, wo eine Erweiterung der Niederlassungsmöglichkeiten 
beabsichtigt ist, nicht gerechtfertigt. Die Urteile des Bundesgerichts 
vom 9. August 2004 (2A.536/2003), Erw. 3.2.2 und 4.1, und vom 
19. Dezember 2011 (2C_694/2011), Erw. 4.4, dürfen daher nicht so 
verstanden werden, dass in Konstellationen wie der vorliegenden der 
Eintrag in die öffentliche Liste für Angehörige von EU-Mitgliedstaa-
ten eine Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz voraussetzen würde. 

Nach dem Gesagten hat der Beschwerdeführer Anspruch, in die 
öffentliche Liste der Angehörigen von Mitgliedstaaten der EU oder 
der EFTA eingetragen zu werden. 

 

32 Anwaltsprüfung 

Instrumente wie Lösungsskizzen und Punkteschemen gewährleisten 

Transparenz und konkretisieren den Bewertungsmassstab bei der schrift-

lichen Prüfung. 

Aus dem Entscheid des Verwaltungsgerichts, 3. Kammer, vom 23. April 

2018, in Sachen A. gegen Anwaltskommission (WBE.2017.521).