# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** db615747-6200-5c4c-9fb9-6df6ec1d20c3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-08-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.08.2021 F-6645/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-6645-2019_2021-08-30.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-6645/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 0 .  A u g u s t  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), 

Richterin Regula Schenker Senn,  

Richterin Jenny de Coulon Scuntaro,    

Gerichtsschreiber Thomas Bischof. 
 

 
 

Parteien 
 A._______    

vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt, 

Beschwerdeführerin,  

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM, Quellenweg 6, 

3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Familiennachzug. 

 

 

 

F-6645/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A._______ (Beschwerdeführerin) geboren (…) 1957, ist kosovarische 

Staatsangehörige mit Wohnsitz im Kosovo. Mit Gesuch vom 12. Septem-

ber 2017 beantragten ihr Sohn, B._______, und dessen Gattin, C._______ 

(beide schweizerische Staatsangehörige), beim Amt für Migration und In-

tegration des Kantons Aargau (fortan: Migrationsamt) zu ihren Gunsten 

eine Einreisebewilligung zur erwerbslosen Wohnsitznahme im Kanton Aar-

gau. Ein weiterer Sohn der Beschwerdeführerin, D._______, stellte sich 

zusätzlich als Garant zur Verfügung (Akten des Migrationsamtes, S. 3 f. = 

Akten der Vorinstanz [vi-act.] 3/3 ff., S. 215-265). 

Sie begründeten, die Beschwerdeführerin lebe seit der Verwitwung 2003 

alleine im Kosovo. Vier ihrer Kinder hielten sich in der Schweiz auf, seien 

sozial und wirtschaftlich gut integriert. Einzig eine Tochter lebe noch im Ko-

sovo und habe eigene familiäre Pflichten – sie könne die Mutter weder be-

herbergen noch pflegen. Im Verlauf des Verfahrens wurde mitgeteilt, dass 

diese Tochter im April 2018 nach Deutschland auswanderte (vi-act. 4/153, 

S. 116; 4/186 S. 83). Die Mutter werde von den Kindern in der Schweiz 

finanziell unterstützt und besuche sie oft. Im Kosovo bestehe für sie kein 

tragfähiges soziales Netz. Sie beriefen sich auf Art. 8 EMRK. 

B.  

Das Migrationsamt holte in der Folge bei den Antragsstellenden und bei 

D._______ weitere Auskünfte und Unterlagen ein (vi-act. 3/55 ff., S. 182-

214). Das Migrationsamt teilte den Antragsstellern am 7. November 2017 

mit, dass es aufgrund der zu geringen Leistungsfähigkeit der Garanten und 

fehlender Bindungen der Beschwerdeführerin zur Schweiz erwäge, das 

Gesuch abzulehnen. Den Antragstellenden wurde eine Frist zur Stellung-

nahme eingeräumt (vi-act. 3/88 f., S. 180 f.). Sie kamen dem – nun anwalt-

lich vertreten – am 5. Februar 2018 nach (vi-act. 3/98 ff., S. 160-171). Wei-

tere Nachfragen des Migrationsamtes vom 13. Februar 2018, namentlich 

zu den finanziellen Verhältnissen eines weiteren Garanten und die Situa-

tion im Umfeld zweier familiärer Unternehmungen (vi-act. 3/110 f., S. 158 

f.) beantwortete der Rechtsvertreter am 7. März 2018 (vi-act. 3/116 ff., 

S. 132-153). Seit der Mandatsanzeige von Rechtsanwalt Ebnöther vom 15. 

Januar 2018 (vi-act. 3/93, S. 176) wird die Beschwerdeführerin im Verfah-

ren als Gesuchstellerin geführt.  

C.  

Mit Verfügung vom 6. April 2018 lehnte das Migrationsamt das Gesuch ab 

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und auferlegte der Beschwerdeführerin die Verfahrenskosten (vi-act. 3/144 

ff., S. 120-125). Die hiergegen erhobene Einsprache vom 11. Mai 2018 (vi-

act. 3/151 ff., S. 111-118) wies der Rechtsdienst des Migrationsamts mit 

Einspracheentscheid vom 18. Juni 2018 ab (vi-act. 3/167 ff., S. 91-102, 

Einspracheentscheid). 

Der Rechtsdienst prüfte das Gesuch vorab anhand der Kriterien des Art. 28 

des damaligen Ausländergesetzes (AuG), der dem heutigen Art. 28 des 

Ausländer- und Integrationsgesetzes (AIG, SR 142. 20) entspricht. Die Kri-

terien des Mindestalters erachtete er als erfüllt, ebenfalls verfügten die in 

der Schweiz wohnhaften Söhne über genügende finanzielle Mittel, um für 

ihren Lebensunterhalt aufzukommen. Als nicht erstellt erachtete der 

Rechtsdienst dagegen das Vorliegen einer persönlichen Beziehung zur 

Schweiz (Art. 28 Bst. b AuG). Kontakte pflege sie vor allem im Rahmen der 

Familie, eine Vertrautheit mit den schweizerischen Verhältnissen oder eine 

soziale Integration seien zu verneinen. Der Rechtsprechung des Aargauer 

Verwaltungsgerichts, welche enge Beziehungen zu nahen in der Schweiz 

domizilierten Verwandten genügen lasse, folgte der Rechtsdienst mit Ver-

weis auf die Praxis des Bundesverwaltungsgerichts nicht. Das Vorliegen 

eines persönlichen Härtefalles im Sinne von Art. 30 Abs. 1 Bst. b AuG in 

Verbindung mit Art. 31 VZAE verneinte der Rechtsdienst, da gemäss sei-

ner Würdigung keine Situation vorliege, in der ein Umzug in die Schweiz 

als dringend erforderlich erscheine. Vor Art. 8 EMRK halte die Verweige-

rung der Aufenthaltsbewilligung stand; als Mutter aufenthaltsberechtigter 

Personen befinde sie sich ausserhalb des familiären Kernbereichs als pri-

märem Schutzbereich von Art. 8 EMRK und eine Notwendigkeit dauernder 

Betreuung oder eine ähnliche Abhängigkeit sei nicht erkennbar.  

D.  

Die Beschwerdeführerin erhob gegen diesen Einspracheentscheid am 

19. Juli 2018 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Aargau 

(Vi-act. 3/184 ff., S. 6-85). Dieses hiess am 12. Dezember 2018 die Be-

schwerde – soweit darauf einzutreten war – gut und hob den Einsprache-

entscheid auf. Das Migrationsamt wurde angewiesen, nach Erhalt allenfalls 

noch zu definierender Garantieerklärungen das Gesuch um Zulassung zur 

erwerbslosen Wohnsitznahme dem SEM zur Zustimmung zu unterbreiten 

und der Beschwerdeführerin nach dessen Zustimmung eine Aufenthalts-

bewilligung zu erteilen (vi-act. 3/207 ff., S. 41-62; auch vi-act. 1, S. 1-22). 

Das Verwaltungsgericht ging in der Auslegung von Art. 28 Bst. b AuG da-

von aus, weder aus diesem noch dem diese Bestimmung präzisierenden 

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Art. 25 VZAE lasse sich die zusätzliche Voraussetzung der eigenständi-

gen, von Angehörigen unabhängigen Beziehungen sozio-kultureller oder 

persönlicher Art für die Zulassung von Rentnerinnen und Rentnern ablei-

ten. Im Rahmen der Ermessensprüfung erwog es sodann, eine restriktive 

Auslegung dieser Normen sei zur Durchsetzung einer restriktiven Migrati-

onspolitik als gewichtiges öffentliches Interesse zu werten. Auch sei die 

demographische Entwicklung im Auge zu behalten und zu verhindern, dass 

ein faktischer Familiennachzug in aufsteigender Linie etabliert werde. An-

gesichts der in der Schweiz niedergelassenen, teils eingebürgerten Kinder 

und Enkelkinder und der in der Schweiz wohnhaften Geschwister und 

Cousins und Cousinen sowie weiterer, von den nächsten Familienangehö-

rigen unabhängiger Kontakte erachtete das Verwaltungsgericht die ge-

mäss Art. 28 Bst. b AuG geforderte besondere persönliche Beziehung zur 

Schweiz als erfüllt. Als zweifellos und unbestrittenermassen erfüllt erach-

tete das Verwaltungsgericht die finanzielle Leistungsfähigkeit der in der 

Schweiz lebenden Söhne und das erfüllte Mindestalter (Art. 28 Bst. a und 

c AuG).  

E.  

Nach Rechtskraft dieses Urteils (vi-act. 3/238, S. 31) und Beibringen ein-

geforderter Bankgarantien seitens der Garanten (vi-act. 3/239 ff., S. 27-30) 

unterbreitete das Migrationsamt das Gesuch dem SEM am 6. Juni 2019 

zur Genehmigung (vi-act. 2, S. 23). 

F.  

Das SEM teilte der Rechtsvertretung am 26. August 2019 mit, es ziehe in 

Betracht, die Zustimmung zu verweigern und eröffnete eine Frist zur Stel-

lungnahme (vi-act. 5, S. 273 f.); diese erfolgte am 26. September 2019 (vi-

act. 6, S. 275-277). 

G.  

Mit Verfügung vom 12. November 2019 verweigerte das SEM (fortan: Vor-

instanz) die Zustimmung zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung (vi-act. 

7, S. 278-284; auch: Beschwerdebeilage [BB] 2; angefochtener Entscheid).  

Das SEM erachtete die Kriterien des Mindestalters und der notwendigen 

finanziellen Mittel aufgrund der kantonalen Akten als erfüllt (Ziff. 3 f.). In-

dessen liess die Vorinstanz beim Erfordernis der besonderen persönlichen 

Beziehungen zur Schweiz die geltend gemachte enge Beziehung zu den 

in der Schweiz lebenden nahen Verwandten nicht genügen. Eigenständige 

Beziehungen zur Schweiz, die nicht in familiärem Kontext stünden, seien 

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nicht ersichtlich. Da die gesetzlichen Voraussetzungen des Art. 28 AuG ku-

mulativ seien, sei die beantragte Aufenthaltsregelung als Rentnerin ausge-

schlossen. 

Sodann prüfte die Vorinstanz die Möglichkeit, in Anwendung von Art. 30 

AuG von den allgemeinen Zulassungsvoraussetzungen abzuweichen. 

Dies, so die Vorinstanz, setzte eine eigentliche persönliche Notlage voraus, 

in dem Sinne, dass die Lebens- und Daseinsbedingungen im Vergleich zur 

durchschnittlichen, nicht in der Schweiz aufenthaltsberechtigten Population 

in gesteigertem Masse in Frage gestellt wären; insbesondere sei ein ei-

gentliches Abhängigkeitsverhältnis aus Gründen der Gesundheit oder Pfle-

geerforderlichkeit durch aufenthaltsberechtigte Angehörige erforderlich. 

Ein solcher Härtefall sei aufgrund der dokumentierten Sachlage nicht er-

sichtlich; die gesundheitlichen Einschränkungen seien im Kosovo behan-

delbar und bedingten keine Übersiedelung zu den Angehörigen in die 

Schweiz. Ihre Situation hebe sich nicht von derjenigen anderer Personen 

in vergleichbarer Lage ab. Familiäre Kontakte könnten auch mittels zeitge-

nössischer Kommunikationsformen und Besuchsaufenthalten gepflegt 

werden. Aus Art. 8 EMRK vermöchte die Beschwerdeführerin sodann – da 

nicht zum Kern des Schutzbereichs gehörig – nur dann einen Aufenthalts-

anspruch für sich abzuleiten, wenn verwandtschaftlicher Betreuungsbedarf 

ein eigentliches Abhängigkeitsverhältnis begründen würde. Dies sei aus 

denselben Überlegungen wie in der Anwendung von Art. 30 AuG zu ver-

neinen. Zur Frage einer eigentlichen «Inländerdiskriminierung» verwies die 

Vorinstanz auf die Rechtsprechung. 

H.  

Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 

13. Dezember 2019 Beschwerde. Sie beantragte, der angefochtene Ent-

scheid sei aufzuheben und es sei die Vorinstanz anzuweisen, ihre Zustim-

mung zur Erteilung der beantragten Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. Als 

vorsorgliche Massnahme im Verfahren beantragte sie, es sei ihr der wei-

tere Verbleib in der Schweiz bis zum Abschluss des Verfahrens zu bewilli-

gen.  

Die Beschwerdeführerin skizzierte ihre verwandtschaftliche Situation: von 

der engeren Verwandtschaft lebten nur noch zwei Brüder, zu denen sie gar 

keinen respektive seltenen telefonischen Kontakt pflege, im Kosovo. An-

sonsten wohnten Brüder, mehrere Cousins und bis auf eines alle Kinder in 

der Schweiz, mehrheitlich mit Schweizer Bürgerrecht. Die zuletzt noch im 

Kosovo wohnhafte Tochter sei 2018 mit ihren Kindern zum Ehemann nach 

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Deutschland gezogen. Die in der Schweiz wohnhaften Kinder seien wirt-

schaftlich gut situiert, vermöchten für den Unterhalt der Mutter aufzukom-

men und verfügten über Wohneigentum, das sich zu ihrer Beherbergung 

eigne. Folglich reise die Beschwerdeführerin seit 2003 regelmässig – und 

jeweils für mehrere Monate – zu Besuchsaufenthalten in die Schweiz zu 

ihren Angehörigen. Sie leide unter einem behandlungsbedürftigen Diabe-

tes mellitus; nunmehr auf sich allein gestellt, sei sie mit der Krankheit und 

deren Management zunehmend überfordert. Zudem seien aufgrund der 

zunehmenden Isolation und der langen Verfahrensdauer auch zunehmend 

psychische Beschwerden, die sich auch somatisch auswirkten, bemerkbar 

und diagnostiziert. Gleichermassen sei einer der Söhne aufgrund der Situ-

ation psychisch erkrankt; aufgrund der Berichtslage sei die Immigration der 

Mutter psychiatrisch indiziert.  

Die Beschwerdeführerin resümierte sodann das bisherige Verfahren und 

insbesondere das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Aargau. 

Dessen – ausführlich wiedergegebener – Argumentation sei zu folgen; das 

Bundesverwaltungsgericht sei gehalten, seine bisherige Rechtsprechung 

zu überdenken, insbesondere keine über die familiären Beziehungen hin-

ausgehende Bezugsnähe zur Schweiz zu fordern. Die bei dieser Ausle-

gung sich ergebenden Voraussetzungen des Art. 28 AuG seien klar erfüllt 

– für die Buchstaben a und c sei dies unbestritten, hinsichtlich Buchstabe 

b ergebe sich dies aus dem Urteil des Aargauer Verwaltungsgerichts. Dies 

gälte indessen selbst dann, wenn das Bundesverwaltungsgericht an seiner 

bisherigen Auslegung festhalten wollte, habe die Beschwerdeführerin wäh-

rend ihrer zahlreichen Besuche doch Kontakte mit der einheimischen Be-

völkerung und dem Gewerbe geknüpft, die für die Erfüllung dieses (wenn 

auch als unrechtmässig angesehenen) Zusatzerfordernisses geeignet wä-

ren. Gegenüber üblichen Kontakten, die sich in jedem Ferienaufenthalt 

ergäben, sprächen diese für eine vertiefte Auseinandersetzung mit den lo-

kalen Gegebenheiten. Sie halte sich seit 16 Jahren regelmässig für längere 

Zeiträume in der Schweiz auf, das hiesige Leben sei ihr vertraut und sie 

verstehe zumindest passiv gut Deutsch. Sollten die Hürden für den Erhalt 

einer Rentnerbewilligung im Sinne von Art. 28 AuG nicht geradezu unüber-

windbar sein, so sei der persönliche Bezug zu bejahen. Dieser lange Zeit-

raum könne durchaus auch im Sinne der Rechtsprechung zu Art. 8 EMRK 

gesehen werden, die eine Anwesenheit von zehn Jahren Dauer als genü-

genden Nachweis der gelungenen Integration akzeptiere (z.B. BGE 144 I 

266). Soweit das Erfordernis der persönlichen Beziehungen in der Schweiz 

die drohende Isolation im Ankunftsland vermeiden solle, sei in diesem Falle 

zu beachten, dass eine Isolation im Falle der Beschwerdeführerin gerade 

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nicht in der Schweiz – wo ihre nahen Familienangehörigen lebten – son-

dern im Kosovo drohe. Dort fehlten der Witwe wegen der fehlenden famili-

ären Bezugspunkte – die Familie sei kulturell und gesellschaftlich zentral – 

persönliche Kontakte, was sich auf die gesundheitliche Situation auswirke. 

Die Kinder, die die Lage einzuschätzen vermöchten, erachteten die Situa-

tion als zunehmend prekär, deshalb auch der Klinikaufenthalt des einen 

Sohnes.  

Auch der Einschätzung der Vorinstanz in Bezug auf das Vorliegen eines 

Härtefalles im Sinne von Art. 30 Abs. 1 Bst. b AuG könne nicht gefolgt wer-

den. Aufgrund der eingereichten (und nachzureichender) Arztberichte be-

züglich der Beschwerdeführerin und des einen Sohnes sei ein Härtefall 

ausgewiesen. Die prekäre Situation der Beschwerdeführerin im Kosovo 

durch die Verweigerung der Übersiedlung strapaziere die Familiengemein-

schaft und die Gesundheit der Familienmitglieder über das Mass und drohe 

diese zu zerreissen. Gefährdet sei damit auch die erfolgreiche und beispiel-

hafte Integrationsgeschichte der Familie.  

Unter dem Blickwinkel des Art. 8 EMRK seien familiäre Beziehungen, ge-

sundheitliche Situation und Abhängigkeiten ganzheitlich und bezogen auf 

die konkreten Umstände des Einzelfalles zu würdigen. Stünden elemen-

tare familiäre und persönliche Interessen auf dem Spiel, so stütze sich der 

Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) bei der Feststellung 

eines Anspruchs aus Art. 8 EMRK regelmässig auf den kombinierten 

Schutzbereich von Privat- und Familienleben. Soweit familiäre Beziehun-

gen ausserhalb der Kernfamilie nicht unter dem Aspekt des Familienlebens 

Rechte aus Art. 8 EMRK begründeten, könnten sie sehr wohl unter dem 

Aspekt des Rechts auf Privatleben anspruchsbegründend wirken; so seien 

gemäss der neueren bundesgerichtlichen Praxis beidseitige Abhängigkei-

ten zwischen aufenthaltsberechtigten und -nachsuchenden Personen zu 

berücksichtigen. In der vorliegenden konkreten Situation falle die Familie 

als zentrales soziales Beziehungsnetz aufgrund der soziokulturell und wirt-

schaftlich wichtigen familiären Bindungen in den Anwendungsbereich von 

Art. 8 EMRK. Es handle sich um eine Ausnahmekonstellation und es sei 

nachgerade konventionswidrig, der Beschwerdeführerin die effektive Teil-

habe am Familienleben faktisch bis zum Lebensende zu verweigern. Dar-

über hinaus bestünden innerhalb der Familie gesundheitlich bedingte Ab-

hängigkeiten, welche neben den anderen aussergewöhnlichen Umständen 

den vorliegenden Fall in den Schutzbereich des Art. 8 EMRK rückten: Dies 

sei zum einen der Diabetes mellitus der Beschwerdeführerin, dessen Um-

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gang diese überfordere, zum andern die aufgrund der belastenden Situa-

tion eingetretenen psychischen Erkrankung des einen Sohnes. Insgesamt 

würden die privaten Interessen der Beschwerdeführerin die öffentlichen In-

teressen an der Aufenthaltsverweigerung überwiegen. 

Schliesslich sei festzuhalten, dass die Kinder der Beschwerdeführenden, 

soweit sie das Schweizer Bürgerrecht hätten, gegenüber vergleichbaren 

Personen, die sich beim Nachzug ihrer Angehörigen auf das Freizügig-

keitsabkommen berufen können, diskriminiert würden; das Bundesgericht 

habe dies in anderen Fällen bejaht, indessen aus Gründen der Gewalten-

trennung respektive unter Verweis auf Art. 190 BV darauf verzichtet, einzu-

greifen.  

Der Beschwerde waren ein Arztzeugnis des die Familie betreuenden Inter-

nisten betreffend die Beschwerdeführerin und ein Austrittsbericht des Sa-

natoriums (…), Privatklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, bezüglich 

eines stationären Aufenthaltes einer der Söhne vom 13. August bis 8. Ok-

tober 2019 beigefügt.   

I.  

Mit Zwischenverfügung vom 18. Dezember 2019 wies der Instruktionsrich-

ter das Gesuch um vorsorgliche Massnahme ab; weiter setzte er Frist zur 

Bezahlung eines Gerichtskostenvorschusses, der fristgerecht bezahlt 

wurde.  

J.  

Am 30. Dezember 2019 reichte die Beschwerdeführerin einen sie selbst 

betreffenden fachärztlichen Bericht vom 23. Dezember 2019 über ein Vor-

gespräch mit einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie zu den 

Akten 

K.  

In ihrer Vernehmlassung vom 4. Februar 2020 beantragte die Vorinstanz 

die Abweisung der Beschwerde.  

Die Vorinstanz stellt sich unter Verweis auf die Rechtsprechung des Bun-

desverwaltungsgerichts auf den Standpunkt, das Kriterium der engen Be-

ziehungen zu nahen Verwandten in der Schweiz gemäss Art. 25 Abs. 2 

Bst. b könne nicht dem Erfordernis der besonderen persönlichen Bezie-

hungen zur Schweiz gemäss Art. 28 Bst. b AuG gleichgesetzt werden. Der 

andernfalls resultierende vereinfachte Familiennachzug in aufsteigender 

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Linie sei vom Gesetzgeber gerade nicht gewollt. Die darüber hinaus zu for-

dernde persönliche Beziehung zur Schweiz sei vorliegend nicht erfüllt; die 

Aufenthalte in der Schweiz seien nicht in einem von der Familie unabhän-

gigen Kontext erfolgt. Dass sie sich mit dem zuletzt konsultierten Psychia-

ter (vorne, Bst. J) mittels eines Dolmetschers unterhalten habe, lasse da-

rauf schliessen, dass die Kontakte mit der einheimischen Bevölkerung oder 

dem Gemeinwesen oder die Teilhabe an kulturellen Veranstaltungen nicht 

eigenständig erfolgen könnten. Eine «besondere persönliche und eigen-

ständige Beziehung in soziokultureller oder persönlicher Art zur Schweiz 

[sei] nicht dargetan». Demgegenüber falle die soziodemographische Ent-

wicklung in der Schweiz als öffentliches Interesse ins Gewicht. Eine unbe-

schränkte Aufnahme älterer Personen würde die Überalterung mit den ent-

sprechenden Folgeproblemen fördern.  

Mit Blick auf Art. 30 Abs. 1 Bst. b AuG respektive Art. 8 EMRK rechtfertige 

die blosse Verwitwung die Übersiedelung nicht. Sie befinde sich nicht in 

einer Lage, die sich von derjenigen zahlreicher anderer Landsleute erheb-

lich unterscheide. Zudem lebe noch eine Tochter mit Familie im Kosovo. 

Die gesundheitlichen Probleme – die auch im Rahmen eines inzwischen 

nachgereichten Härtefallgesuchs vorgetragen worden seien (sogleich, 

Bst. L) – könnten im Kosovo behandelt werden, ein besonderes Abhängig-

keitsverhältnis zum Sohn bestehe nicht.  

L.  

Das kantonale Migrationsamt liess dem Gericht am 14. Februar 2020 eine 

an dieses gerichtete Eingabe des Rechtsvertreters und seine Antwort zu-

kommen. 

Gemäss der als «Gesuch um Fristerstreckung/Härtefallgesuch» bezeich-

neten Eingabe des Rechtsvertreters vom 30. Dezember 2019 befinde sich 

die Beschwerdeführerin derzeit in der Schweiz und wäre per 7. Januar 

2020 zur Ausreise verpflichtet, wozu sie indessen aus gesundheitlichen 

Gründen nicht in der Lage sei. Gegenüber dem ursprünglichen Gesuchs-

verfahren, in dem die gesundheitliche Situation nur am Rande thematisiert 

worden sei, habe sich diese nun in den Vordergrund gedrängt. Eine Bewil-

ligungserteilung (und vorsorglich eine Verlängerung der Aufenthaltsfrist 

über den 7. Januar 2020 hinaus) sei aufgrund der psychiatrischen Befund-

lage sowohl der Beschwerdeführerin wie auch ihres Sohnes indiziert. Im 

Übrigen argumentierte der Rechtsvertreter analog der Beschwerdeschrift 

(siehe Bst. H). 

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Seite 10 

Mit E-mail vom 6. Januar 2020 teilte das Migrationsamt dem Rechtsvertre-

ter mit, die vorsorgliche Massnahme werde abgelehnt und das Härtefallge-

such mit Blick auf das hängige Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht 

sistiert.  

M.  

Die Beschwerdeführerin replizierte am 12. März 2020; sie hielt an den Be-

schwerdeanträgen fest.  

Einleitend liess sie darauf hinweisen, dass die Situation und der Entscheid 

des Gerichts nicht nur sie, sondern auch die in der Schweiz und in Deutsch-

land ansässigen Familienmitglieder betreffe. Nach wie vor sei die Altersbe-

treuung schwergewichtig eine Aufgabe der Familie. Während sechs Mona-

ten lebe die Beschwerdeführerin im Kosovo; die übrige Zeit müssten die 

Angehörigen faktisch in ihren Ferien wahrnehmen, was eine grosse Belas-

tung für das familiäre System sei. Unter Verweis auf zentrale Punkte der 

Beschwerdeschrift – die drohende Isolation eben nicht in der Schweiz, son-

dern im Kosovo, Angewiesenheit auf Betreuung durch die Kinder, Inländer-

diskriminierung – legte sie einen aktuellen Arztbericht vor, der die Abhän-

gigkeit von der Betreuung durch die Nachkommen belege. Nicht bestritten 

werde, dass eine so enge und ausserfamiliäre Beziehung zur Schweiz 

nicht gegeben sei. Indes sei das Gesetz im Sinne des kantonalen Verwal-

tungsgerichtsurteils auszulegen. Zudem sollte eine Einzelfallbeurteilung 

erfolgen. Der Dolmetscher sei beim Arztbesuch zur Sicherstellung einer ef-

fizienten, klaren und unabhängigen Kommunikation beigezogen worden. 

Aus soziodemographischer Sicht sei zu bemerken, dass die Beschwerde-

führerin mutmasslich einzig eine Minimalrente der AHV beziehen könnte. 

Prognosen über die Belastung des Gesundheitssystems – zu dessen Kos-

ten sie mit Krankenkassenprämien beitragen werde – seien spekulativ. Die 

Vorinstanz gehe fehl in der Annahme, dass eine Tochter mit Familie noch 

im Kosovo lebe. Zudem sei von einer gegenseitigen Abhängigkeit auszu-

gehen. Die gesundheitliche Versorgung im Kosovo sei zudem als schlecht 

zu bezeichnen und Verbesserung sei nicht in Sicht. Ein menschenwürdiges 

Leben sei einzig in der Schweiz im Bunde der Familie möglich.   

N.  

Die Vorinstanz – der die Replik zugstellt wurde – verzichtete stillschwei-

gend auf eine Duplik.  

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Seite 11 

O.  

Eine Sachstandsanfrage des beschwerdeführerischen Rechtsvertreters 

vom 3. Mai 2021 beantwortete der Instruktionsrichter am 6. Mai 2021. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter 

Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen 

Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer der in Art. 33 VGG auf-

geführten Behörden erlassen wurden. Das SEM gehört als Behörde nach 

Art. 33 VGG zu den Vorinstanzen des Bundesverwaltungsgerichts. Eine 

das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt 

nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich zuständig für die Be-

urteilung der vorliegenden Beschwerde. Es entscheidet in der vorliegenden 

Sache endgültig (Art. 1 Abs. 2 VGG i.V.m. Art. 83 Bst. c Ziff. 1 und 2 BGG). 

1.2 Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom-

men. Sie ist als Verfügungsadressatin und unterliegende Gesuchstellerin 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie 

ist zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Üb-

rigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 

und 52 VwVG). 

1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das Asylgesetz nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).  

1.4 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 

von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-

messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-

lichen Sachverhalts und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Be-

schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden 

(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde-

verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 

Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann 

die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen 

gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage 

zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.w.H.).  

F-6645/2019 

Seite 12 

2.  

Am 1. Januar 2019 ist die Teilrevision des Ausländergesetzes vom 16. De-

zember 2005 (AuG) abschliessend in Kraft getreten (AS 2018 3171). Dabei 

wurde der Titel des Gesetzes in „Ausländer- und Integrationsgesetz“ (AIG; 

SR 142.200) umbenannt. Das Gericht wendet ab diesem Zeitpunkt die 

neue Bezeichnung an, mit dem Hinweis, dass die in diesem Urteil behan-

delten wesentlichen Bestimmungen nicht geändert wurden. Gleiches gilt 

für die Bestimmungen der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulas-

sung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE, SR 142.201). 

3.  

3.1 Das SEM trägt bei der Zulassung von Ausländerinnen und Ausländern 

der demografischen, der sozialen und der gesellschaftlichen Entwicklung 

in der Schweiz Rechnung (Art. 3 Abs. 3 AIG). Die zuständigen Behörden 

berücksichtigen bei der Ermessensausübung die öffentlichen Interessen 

und die persönlichen Verhältnisse sowie die Integration der Ausländerin-

nen und Ausländer (Art. 96 Abs. 1 AIG) respektive deren Grad (Art. 96 

Abs. 1 AIG). 

3.2 Ausländerinnen und Ausländer benötigen für einen Aufenthalt ohne Er-

werbstätigkeit bis zu drei Monaten keine Bewilligung; enthält das Visum 

eine kürzere Aufenthaltsdauer, so gilt diese (Art. 10 Abs. 1 AIG). Wird ein 

längerer Aufenthalt ohne Erwerbstätigkeit beabsichtigt, so ist dafür eine 

Bewilligung erforderlich (Art. 10 Abs. 2 erster Satz AIG). 

3.3 Es besteht grundsätzlich kein Anspruch auf Erteilung einer Aufenthalts-

bewilligung, es sei denn, die Ausländerin bzw. der Ausländer oder seine in 

der Schweiz lebenden Angehörigen könnten sich auf eine Sondernorm des 

Bundesrechts (einschliesslich Bundesverfassungsrecht) oder eines 

Staatsvertrages berufen (vgl. BGE 135 II 1 E. 1.1 m.H.). 

3.4 Gemäss Art. 40 AIG sind die Kantone für die Erteilung und Verlänge-

rung von Bewilligungen nach den Art. 32–35 und 37–39 AIG zuständig. 

Vorbehalten bleibt die Zuständigkeit des Bundes für das Zustimmungsver-

fahren, zu dessen Ausgestaltung Art. 99 AIG den Bundesrat ermächtigt. 

Aus dieser Ermächtigung resultiert Art. 85 der Verordnung vom 24. Oktober 

2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE; SR 

142.201), der die Zuständigkeit für zustimmungspflichtige Bewilligungen 

und Vorentscheide dem SEM überträgt. Dessen Zuständigkeit ergibt sich 

sowohl aus dem ursprünglichen Wortlaut von Art. 85 VZAE (AS 2007 5497, 

F-6645/2019 

Seite 13 

S. 5526) als auch der am 1. September 2015 in Kraft getretenen abgeän-

derten Fassung. Die neue Fassung von Art. 85 Abs. 2 VZAE – Folge der 

bis dahin teilweise nicht eingehaltenen Delegationsgrundsätze (vgl. im Ein-

zelnen BGE 141 II 169 E. 4.3 und E. 4.4) – verweist auf die ebenfalls am 

1. September 2015 in Kraft getretene Verordnung des EJPD vom 13. Au-

gust 2015 über die dem Zustimmungsverfahren unterliegenden ausländer-

rechtlichen Bewilligungen und Vorentscheide (SR 142.201.1). Die Grund-

lage für das vorliegende Zustimmungsverfahren bildet Art. 2 Bst. c der eben 

erwähnten Verordnung, soweit sich die Beschwerdeführerin auf Art. 28 AIG 

beruft, respektive Art. 3 Bst. f, soweit sie Art. 8 EMRK anruft. Gemäss Art. 

86 Abs. 1 VZAE kann das SEM die Zustimmung ohne Bindung an die Be-

urteilung durch den Kanton verweigern oder mit Bedingungen verbinden 

(vgl. Urteil des BVGer F-4127/2015 vom 20. März 2017 E. 3 m.w.H.). 

4.  

Es gilt zuerst zu prüfen, ob der Beschwerdeführerin eine Aufenthaltsbewil-

ligung nach Art. 28 AIG erteilt werden kann. 

4.1 Die Art. 27–29 AIG regeln die Voraussetzungen zur Zulassung von 

Ausländerinnen und Ausländern ohne Erwerbstätigkeit. Es wird zwischen 

drei Kategorien unterschieden: Zulassung zwecks Aus- und Weiterbildung 

(Art. 27 AIG), Zulassung für Rentnerinnen und Rentner (Art. 28 AIG) sowie 

Zulassung zur medizinischen Behandlung (Art. 29 AIG). Bei den genannten 

Bestimmungen handelt es sich um Kann-Bestimmungen („können zuge-

lassen werden“). Folglich entscheidet die zuständige Behörde im Rahmen 

der gesetzlichen Zulassungsvoraussetzungen nach Ermessen, ob die ent-

sprechende Bewilligung erteilt werden kann. 

4.2 Gemäss Art. 28 AIG können Ausländerinnen und Ausländer, die nicht 

mehr erwerbstätig sind, zugelassen werden, wenn sie ein vom Bundesrat 

festgelegtes Mindestalter erreicht haben (Bst. a), besondere persönliche 

Beziehungen zur Schweiz besitzen (Bst. b.) und über die notwendigen fi-

nanziellen Mittel verfügen (Bst. c). 

Diese Erfordernisse sind mit Art. 25 VZAE konkretisiert. Das Mindestalter 

ist dabei auf 55 Jahre festgesetzt (Abs. 1) und die Feststellung der notwen-

digen finanziellen Mittel einer Berechnung unterstellt, die sich an die Fest-

stellung der Anspruchsberechtigung zum Bezug von Ergänzungsleistun-

gen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung anlehnt 

(Abs. 3). Die von der kantonalen Migrationsbehörde festgestellte Erfüllung 

dieser Erfordernisse steht vorliegend nicht in Frage.  

F-6645/2019 

Seite 14 

4.3 Das in Art. 28 Bst. b AIG statuierte Erfordernis der besonderen persön-

lichen Beziehung zur Schweiz wird in Art. 25 Abs. 2 VZAE konkretisiert. 

Gemäss Bst. a des genannten Artikels liegen derartige Beziehungen dann 

vor, wenn längere frühere Aufenthalte in der Schweiz, namentlich Ferien, 

Ausbildung oder Erwerbstätigkeit nachgewiesen werden oder laut Bst. b 

enge Beziehungen zu nahen Verwandten in der Schweiz bestehen (Eltern, 

Kinder, Enkelkinder oder Geschwister). Die in Art. 25 Abs. 2 VZAE genann-

ten Kriterien sind dabei beispielhaft und nicht abschliessend zu verstehen. 

Auch wird dadurch das freie Ermessen der Behörden nicht eingeschränkt 

(vgl. Urteil des BVGer F-3240/2016 E. 9.2 m.H.). 

4.4 Die enge Beziehung zu nahen Verwandten in der Schweiz, wie es 

Art. 25 Abs. 2 Bst. b VZAE vorsieht, ist dabei nicht dem Erfordernis der 

besonderen persönlichen Beziehung zur Schweiz gemäss Art. 28 Bst. b 

AIG gleichzusetzen, kann diese jedoch mitbegründen. Selbst eine enge 

Beziehung zu Verwandten in der Schweiz führt nicht bereits zur Annahme, 

dass eine besondere persönliche Beziehung zur Schweiz vorliegt. Mit der 

abweichenden Auffassung des Verwaltungsgerichts des Kantons Aargau 

hat sich das Bundesverwaltungsgericht in jüngerer Vergangenheit einläss-

lich auseinandergesetzt und diese verworfen. Zumal der Gesetzgeber an-

lässlich der letzten Teilrevision des AuG respektive AIG (vorne, E. 2) den 

Wortlaut des Art. 28 AIG unverändert beliess, besteht keine Veranlassung, 

auf die damaligen Erwägungen zurückzukommen. Es kann auf diese ver-

wiesen werden (vgl. Urteil des BVGer C-4356/2014 vom 21. Dezember 

2015 E. 4.4, insb. e. 4.4.9; bestätigt mit Urteil F-5102/2016 vom 26. Januar 

2018 E. 9.3).  

4.5 Unabhängig von dieser Auslegungsfrage gilt es zu beachten, dass 

Art. 28 AIG als „Kann-Bestimmung“ formuliert ist. Dies bedeutet, dass Aus-

länderinnen und Ausländer selbst dann keinen Rechtsanspruch auf die Er-

teilung einer Aufenthaltsbewilligung geltend machen können, wenn sie die 

in Art. 28 AIG und Art. 25 VZAE genannten Voraussetzungen erfüllen. Ein 

Rechtsanspruch auf Bewilligungserteilung besteht somit nicht. Vielmehr 

haben die zuständigen Behörden einen Ermessensspielraum, bei dem es 

nach Art. 96 AIG gilt, die öffentlichen Interessen, die persönlichen Verhält-

nisse und den Grad der Integration der Ausländerinnen und Ausländer zu 

berücksichtigen (vgl. MARTINA CARONI/LISA OTT, in: Caroni/Gächter/Thurn-

herr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die Aus-

länderinnen und Ausländer, 2010, Art. 28 N 6). Eine Konkretisierung des 

Begriffs „öffentliche Interessen“ findet sich dabei in Art. 3 Abs. 1 und 3 AIG, 

F-6645/2019 

Seite 15 

wonach als „öffentliche Interessen“ die „demografische, soziale und gesell-

schaftliche Entwicklung der Schweiz“ aufgeführt wird (vgl. Art. 3 Abs. 3 

AIG). Damit ist Art. 28 AIG nicht als lex specialis zu Art. 3 Abs. 3 AIG kon-

zipiert. Letztgenannte Gesetzesbestimmung soll vielmehr den Begriff „öf-

fentliche Interessen“ konkretisieren (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, in: Ca-

roni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], a.a.O. Art. 96 N 6, 7 und N 12) und ist von 

Gesetzes wegen bei der Ermessensausübung zu berücksichtigen (vgl. Ur-

teil des BVGer F-3240/2016 vom 31. August 2017 E. 8.1).  

4.6 Der Anwendungsbereich von Art. 28 AIG umfasst ausschliesslich Rent-

nerinnen und Rentner, d.h. nicht mehr erwerbstätige Personen, die beson-

dere persönliche Beziehungen zur Schweiz besitzen. Würde Rentnern 

schon deshalb eine Aufenthaltsbewilligung erteilt, weil sie eine enge Bezie-

hung zu nahen Verwandten in der Schweiz pflegen, würde dies zu einem 

vereinfachten Familiennachzug in aufsteigender Linie führen. Das hat der 

Gesetzgeber nicht gewollt. Verlangt wird daher zusätzlich und in Überein-

stimmung mit dem Wortlaut von Art. 28 Bst. b AIG, dass besondere per-

sönliche Beziehungen zur Schweiz bestehen müssen, die unabhängig von 

den familiären Banden sind. Diese insofern selbständigen Beziehungen 

können soziokultureller oder persönlicher Art sein, wie beispielsweise Ver-

bindungen zum örtlichen Gemeinwesen, Teilnahme an kulturellen Veran-

staltungen oder direkte Kontakte mit der einheimischen Bevölkerung. 

Diese Anforderung will die Gefahr der Abhängigkeit oder der sozialen Iso-

lierung verhindern und eine Integration sicherstellen (vgl. Urteil des BVGer 

F-3240/2016 E. 10.2 m.H.). 

4.7 Die Beschwerdeführerin begründet ihre persönliche Beziehung zur 

Schweiz schwergewichtig mit den Kontakten zu den in der Schweiz (und 

Deutschland) ansässigen und grossen Teils auch eingebürgerten Ver-

wandten, vorab Nachkommen, aber auch Geschwistern, also mit der – 

durchaus glaubwürdigen – «Verschiebung des Mittelpunktes des familiären 

Lebens» (Beschwerde, S. 4 Mitte). Auch ihre – ebenfalls nicht in Zweifel zu 

ziehenden – zahlreichen und teilweise auch längeren Aufenthalte in der 

Schweiz (siehe bspw. vi-act. 3/65 f., S. 203 f.; vgl. Art. 25 Abs. 2 Bst. b 

VZAE) standen vorab in familiärem Kontext und erfolgten nicht aus Grün-

den der Verbundenheit mit der Schweiz. Das hat in der gegebenen Kons-

tellation seine Berechtigung, begründet aber trotz der Häufigkeit keine über 

die familiären Bande hinausgehende Beziehung zur Schweiz im vorste-

hend umschriebenen Sinn. Die Bestätigungen von Familienmitgliedern (vi-

act. 3/100 ff., S. 166-169) zeigen gewisse touristische Aktivitäten und auch 

Interessen, die im erlernten Beruf der Beschwerdeführerin gründen, doch 

F-6645/2019 

Seite 16 

fanden die geschilderten Besuche auch stets in familiärer Begleitung statt; 

wäre die Familie nicht weitgehend in der Schweiz ansässig, würden diese 

Besuche wohl auch nicht hier stattfinden. Soziale Kontakte schmiedet die 

Beschwerdeführerin vorab im Gastwirtschaftsbetrieb des einen Sohnes. 

Ausserhalb des familiären Kontextes ist der Kontakt zu einem Ehepaar 

nachgewiesen, das sie im Restaurant kennen gelernt habe und mit dem 

die Beschwerdeführerin freundschaftlich verbunden scheint (vi-act. 3/104, 

S. 165). Ein solch einzelner Kontakt alleine vermag die geforderte Bezie-

hung nicht zu begründen. Dem von der Familie geschilderten offenen We-

sen steht mutmasslich die Sprachbarriere im Wege, müssen doch selbst 

die Familienmitglieder einräumen, dass die Kenntnisse des Deutschen 

weitgehend passiver Natur sind, mag sie sich auch gut anderweitig ver-

ständigen können (vi-act. 3/101 f., S. 167 f.). Ausserhalb des familiären 

Kontextes und ausserhalb des Gastwirtschaftsbetriebes des einen Sohnes 

kann nicht von einer fortgeschrittenen Integration gesprochen werden. Zu-

zugestehen ist der Beschwerdeführerin zwar, dass das gesetzgeberische 

(Teil-)Ziel, eine soziale Isolation in der Schweiz zu verhindern, angesichts 

der starken familiären Bande weniger gewichtig erscheinen mag und eine 

soziale Isolation eher im Kosovo drohen mag. Ersteres für sich genügt 

nach dem Gesagten nicht, die erforderliche Beziehung zu begründen – und 

aus der drohenden Desintegration im Kosovo lässt sich nicht auf eine Be-

ziehung zur Schweiz gründen.  

4.8 Eine rechtsgenügliche Beziehung zur Schweiz lässt sich auch nicht aus 

der Rechtsprechung zu Art. 8 EMRK, und dort insbesondere den in der Be-

schwerde zitierten Entscheid BGE 144 I 266 (Beschwerde, S. 17) fingieren. 

Die Besuchsaufenhalte der Beschwerdeführerin lassen sich mit dem in je-

nem Entscheid beurteilten langjährigen, mit Aufenthaltsbewilligung gesi-

cherten, Aufenthalt so wenig vergleichen wie der jeweilige Stand der In-

tegration (vgl. BGE 144 I 266 E. 4.1).  

4.9 Insgesamt ist zu verneinen, dass die Beschwerdeführerin besondere 

persönliche Beziehungen zur Schweiz im Sinne von Art. 28 Bst. b AIG be-

sitzt. Damit scheitert die Zulassung der Beschwerdeführerin zu einem Auf-

enthalt als Rentnerin bereits am Fehlen einer der kumulativ erforderlichen 

Voraussetzungen.  

4.10 Eine Prüfung der Ermessensausübung (die, wie gesagt, auch dann 

ihren Raum hätte, wenn das Bundesverwaltungsgericht im Sinne der Aar-

gauer Praxis auf seine Rechtsprechung zurückkäme, vorne E. 4.5) erübrigt 

sich damit an sich. Nur am Rande sei deshalb erwähnt, dass angesichts 

F-6645/2019 

Seite 17 

der prekären ausserfamiliären Integration die persönlichen Interessen (die 

in der gegebenen Konstellation zwar gewichtig sein mögen) die öffentli-

chen Interessen vor allem an der Berücksichtigung der demographischen 

Entwicklung nicht überwiegen dürften (vgl. Urteile des BVGer 5102/2016 

E. 8.2, C-1156/2012 vom 17. Februar 2014 E. 7.7 je m.w.H.).  

5.  

Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Beziehung zu den in der 

Schweiz ansässigen Verwandten stelle ein Abhängigkeitsverhältnis dar, 

welches ihr gestützt auf die Härtefallregelung des Art. 30 Abs. 1 Bst. b AIG 

respektive den Anspruch auf Schutz des Familien- und Privatlebens ge-

mäss Art. 8 EMRK und Art. 13 BV Anspruch auf eine Aufenthaltsbewilli-

gung verleihe.   

5.1  

5.1.1 Nach dem Wortlaut von Art. 30 Abs.1 Bst. b AIG kann von den Zulas-

sungsvoraussetzungen abgewichen werden, um schwerwiegenden per-

sönlichen Härtefällen Rechnung zu tragen. Gemäss Art. 31 Abs. 1 VZAE 

sind bei der Beurteilung eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalles 

insbesondere zu berücksichtigen: (Bst. a) die Integration der Gesuchstel-

lerin oder des Gesuchstellers anhand der Integrationskriterien nach Artikel 

58a Absatz 1 AIG (Bst. a: die Beachtung der öffentlichen Sicherheit und 

Ordnung; Bst. b: die Respektierung der Werte der Bundesverfassung; Bst. 

c: die Sprachkompetenzen; Bst. d: die Teilnahme am Wirtschaftsleben oder 

am Erwerb von Bildung – gemäss Abs. 2 ist der Situation von Personen, 

welche die Integrationskriterien von Absatz 1 Buchstaben c und d aufgrund 

einer Behinderung oder Krankheit oder anderen gewichtigen persönlichen 

Umständen nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen erfüllen kön-

nen, angemessen Rechnung zu tragen), (Bst. c) die Familienverhältnisse, 

insbesondere der Zeitpunkt der Einschulung und die Dauer des Schulbe-

suchs der Kinder, (Bst. d) die finanziellen Verhältnisse, (Bst. e) die Dauer 

der Anwesenheit in der Schweiz, (Bst. f) der Gesundheitszustand und 

(Bst. g) die Möglichkeiten für eine Wiedereingliederung im Herkunftsstaat.  

5.1.2 Es handelt sich um eine Ausnahmebestimmung. Dies ergibt sich aus 

der systematischen Stellung des Art. 30 AIG im Gesetz (3. Abschnitt: Ab-

weichungen von den Zulassungsvoraussetzungen), seiner Formulierung – 

auch als Ermessensnorm – und den in Art. 31 Abs. 1 VZAE aufgeführten, 

weder abschliessenden noch kumulativ erforderlichen, Kriterien. Ein 

schwerwiegender Härtefall kann nicht leichthin angenommen werden. Er-

forderlich ist, dass sich die gesuchstellende Person in einer persönlichen 

F-6645/2019 

Seite 18 

Notlage befindet. Das bedeutet, dass ihre Lebens- und Existenzbedingun-

gen, gemessen am durchschnittlichen Schicksal von ausländischen Perso-

nen, in gesteigertem Masse in Frage gestellt sein müssen beziehungs-

weise die Verweigerung, von den Zulassungsvoraussetzungen abzuwei-

chen, wäre für sie mit schweren Nachteilen verbunden. Es müssen sämtli-

che Umstände des Einzelfalls berücksichtigt werden. Die Anerkennung als 

Härtefall setzt nicht voraus, dass die Anwesenheit in der Schweiz das ein-

zige Mittel zur Verhinderung einer persönlichen Notlage darstellt. Auf der 

anderen Seite reichen eine lang dauernde Anwesenheit und eine fortge-

schrittene soziale und berufliche Integration sowie klagloses Verhalten für 

sich alleine nicht aus, um einen schwerwiegenden persönlichen Härtefall 

zu begründen. Vielmehr wird vorausgesetzt, dass die ausländische Person 

so enge Beziehungen zur Schweiz unterhält, dass von ihr nicht verlangt 

werden kann, in einem anderen Land, insbesondere in ihrem Heimatstaat 

zu leben. Berufliche, freundschaftliche und nachbarschaftliche Beziehun-

gen, welche die betroffene Person während ihres Aufenthaltes in der 

Schweiz knüpfen konnte, genügen normalerweise nicht für eine Abwei-

chung von den Zulassungsvoraussetzungen (vgl. Urteile des BVGer C-

5042/2014 vom 7. März 2016 E. 4, 5.1 f. und C-188/2014 vom 15. März 

2016 E. 5.2; BGE 130 II 39 E. 3 S. 41 f. und BVGE 2007/45 E. 4.2, je m.H.). 

5.1.3 Anders als rechtswidrige Aufenthalte werden bei der Härtefallprüfung 

beispielsweise Aufenthalte im Rahmen eines Verfahrens um Erteilung ei-

ner Aufenthaltsbewilligung berücksichtigt (vgl. dazu Urteil des BVGer 

C-4551/2008 vom 23. Dezember 2009 E. 5.2 m.H.). Auch in diesen Fällen 

hat die Behörde jedoch zu prüfen, ob sich die betreffende Person aus an-

deren Gründen in einer schwerwiegenden persönlichen Notlage befindet. 

Dazu ist auf ihre familiären Beziehungen in der Schweiz und in ihrem Hei-

matland sowie auf ihre gesundheitliche und berufliche Situation, ihre sozi-

ale Integration sowie die weiteren Umstände des Einzelfalles abzustellen 

(vgl. Urteile C-5042/2014 5.3und C-188/2014 E. 5.3). 

5.1.4 Zu beachten gilt es, dass im Zusammenhang mit dem schwerwiegen-

den persönlichen Härtefall ausschliesslich humanitäre Gesichtspunkte 

ausschlaggebend sind, wobei der Schwerpunkt auf der Verankerung in der 

Schweiz liegt. Im Rahmen einer Gesamtschau sind jedoch seit jeher auch 

der Gesundheitszustand einer Person sowie die Möglichkeiten einer Wie-

dereingliederung im Herkunftsland mitzuberücksichtigen. Diese Prüfung 

kann nicht losgelöst von den persönlichen, familiären und ökonomischen 

F-6645/2019 

Seite 19 

Schwierigkeiten erfolgen, denen eine ausländische Person in ihrem Hei-

matland ausgesetzt wäre (vgl. Urteil C-188/2014 E. 5.4; BGE 123 II 125 E. 

3 S. 128).  

5.2  

5.2.1 Art. 8 Ziff. 1 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung der 

Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101; zum 

Verhältnis der beiden Normen zueinander vgl. BGE 126 II 377 E. 7) garan-

tiert den Schutz des Familienlebens. Zwar vermittelt die EMRK nicht un-

mittelbar ein Recht auf Einreise und Aufenthalt. Hat ein Ausländer jedoch 

nahe Verwandte mit gefestigtem Anwesenheitsrecht in der Schweiz (d.h. 

Schweizer Bürgerrecht, Niederlassungsbewilligung oder eine Aufenthalts-

bewilligung, auf die ein Rechtsanspruch besteht; vgl. dazu BGE 130 II 281 

E. 3.1 S. 285 f.), ist die familiäre Beziehung intakt und wird sie tatsächlich 

gelebt, kann es gleichwohl Art. 8 EMRK verletzen, wenn ihm selbst der 

Aufenthalt in der Schweiz verweigert wird. Unter den Schutz von Art. 8 

EMRK fällt im vorliegenden ausländerrechtlichen Bewilligungskontext in 

erster Linie die Kernfamilie, d.h. die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren 

minderjährigen Kindern (BGE 144 I 266 E. 3.3; 135 I 143 E. 1.3.2; BGE 

127 II 60 E. 1d/aa).  

5.2.2 Bei Personen, die nicht der eigentlichen Kernfamilie zuzurechnen 

sind, setzt eine schützenswerte familiäre Beziehung voraus, dass die um 

eine ausländerrechtliche Bewilligung ersuchende ausländische Person 

vom hier Anwesenheitsberechtigten abhängig ist. Die Abhängigkeit eines 

Menschen von einem andern kann sich unabhängig vom Alter ergeben, 

namentlich aus besonderen Betreuungs- oder Pflegebedürfnissen wie bei 

körperlichen oder geistigen Behinderungen und schwerwiegenden Krank-

heiten (BGE 120 Ib 257 E. 1/d-e S. 260 ff. oder BVGE 2007/45 E. 5.3, je 

mit Hinweisen). In der Regel setzt dies voraus, dass die verwandte, aus-

ländische Person von der in der Schweiz fest anwesenheitsberechtigten 

Person abhängig beziehungsweise pflegebedürftig ist und nicht umge-

kehrt; im Verhältnis zwischen Eltern und volljährigen Kindern sind umge-

kehrte Konstellationen denkbar (Urteil des BGer 2C_269/2018 vom 23. Ap-

ril 2019 E. 4.3). 

5.3  

5.3.1 Die Beschwerdeführerin machte in den kantonalen Verfahren noch 

subsidiär geltend, es liege noch kein persönlicher Härtefall und noch kein 

Abhängigkeitsverhältnis vor; indessen dürfte sich dies mit fortschreitendem 

Alter und folglich fortschreitender Isolation ändern. Aufgrund des Diabetes 

F-6645/2019 

Seite 20 

und des Wegzugs der letzten Tochter aus dem Kosovo sei sie bereits auf 

niederschwellige Unterstützung durch die Familie in der Schweiz angewie-

sen. Dereinst dürfte die mangels Familiennetzwerkes im Kosovo auf sich 

alleine gestellte Beschwerdeführerin in einem Abhängigkeitsverhältnis zur 

Familie in der Schweiz stehen (vgl. Einsprache, vi-act. 3/156, S. 113; Be-

schwerde, vi-act. 3/192, S. 77).  

5.3.2 Die Vorinstanz stellt sich im angefochtenen Entscheid (Ziff. 7) auf den 

Standpunkt, wer in ein anderes Land übersiedle, habe die Konsequenzen 

hinsichtlich der Pflege familiärer Beziehungen selber zu tragen. Die Be-

schwerdeführerin weise keine schwerwiegende gesundheitliche Beein-

trächtigung auf, die einen dauernden Aufenthalt und eine Betreuung durch 

die hier ansässigen Familienangehörigen geböte. Die geltend gemachten 

Beschwerden (konkret der Diabetes mellitus Typ 2) seien ohne weiteres im 

Kosovo behandelbar, möge auch die dortige Gesundheitsversorgung nicht 

dem Standard jener in der Schweiz entsprechen. Die Lebensumstände un-

terschieden sich nicht von jenen zahlreicher älterer Personen, deren Nach-

kommen emigriert seien. Die Verwitwung und die altersentsprechenden 

Gebrechen rechtfertigten die Übersiedlung in die Schweiz jedenfalls nicht. 

Die als nahezu vollständig geschilderte soziale Isolation im Heimatland wi-

derspreche der allgemeinen Lebenserfahrung. Ein Abhängigkeitsverhältnis 

bestehe nicht, familiäre Kontakte könnten auch mit Besuchen, Telefon und 

Skype wahrgenommen werden. Nötigenfalls stehe den Verwandten offen, 

ihre Mutter im Heimatland finanziell oder durch Beauftragung von Fachper-

sonen zu unterstützen. 

5.3.3 In der Beschwerdeschrift führt die Beschwerdeführerin zu Art. 30 

Abs. 1 Bst. b (Ziff. 3.2) aus, einer ihrer Söhne habe – namentlich infolge 

der das ganze Familiensystem belastenden Situation und Unsicherheit be-

treffend die Betreuung der kranken Mutter – für zwei Monate psychiatrisch 

hospitalisiert werden müssen. Ausweislich des Austrittsberichts sei die Im-

migration der Mutter zur Rezidivprophylaxe geboten. Die Härtefallbewilli-

gung sei nicht nur der eigenen prekären gesundheitlichen Situation wegen 

zu erteilen. Zu berücksichtigen sei auch, dass ein abschlägiger Entscheid 

die sehr erfolgreiche Integrationsgeschichte der Familie in Frage stelle. Mit 

Blick auf die Anwendung von Art. 8 EMRK und Art. 13 BV führt die Be-

schwerdeführerin (Ziff. 3.3) aus, der Europäische Gerichtshof für Men-

schenrechte (EGMR) würdige in seiner Rechtsprechung die familiären Be-

ziehungen, die gesundheitliche Situation und die Abhängigkeiten ganzheit-

lich. Familiäre Beziehungen ausserhalb der Kernfamilie könnten je nach 

Konstellation des Einzelfalles unter dem Aspekt des Rechts auf Privatleben 

F-6645/2019 

Seite 21 

anspruchsbegründend wirken. Bei der vorliegenden Konstellation – die 

62jährige Witwe lebe alleine im Kosovo, wo sie kaum mehr Kontakte habe. 

Die Familie in absteigender Linie – Kinder und Enkelkinder – lebe gross-

mehrheitlich mit gefestigtem Aufenthaltstitel respektive Bürgerrecht in der 

Schweiz und sei hervorragend integriert, gleichermassen zwei eingebür-

gerte Brüder samt deren Kindern und fünf weitere Cousins und Cousinen. 

Zumal die Familie im Kosovo in soziokultureller und wirtschaftlicher Hin-

sicht das zentrale soziale Beziehungsnetz darstelle, fielen die Beziehun-

gen im vorliegenden Fall unter den Schutzbereich des Art. 8 EMRK. Als 

eigentliche Ausnahmekonstellation sei festzustellen, dass sich das ge-

samte Familienleben in der Schweiz abspiele und der Beschwerdeführerin 

bei abschlägigem Bescheid die Teilnahme daran verwehrt werde. Darüber 

hinaus liege eine beidseitige medizinische Abhängigkeit vor: Auf Seiten der 

Beschwerdeführerin der Diabetes mellitus, mit dessen Management sie 

ohne Hilfe der Familie überfordert sei, auf Seiten des einen Sohnes die 

psychiatrische Reflexerkrankung.  

Der Beschwerde liegt (wie schon bei den kantonalen Behörden) ein Arzt-

bericht des behandelnden Arztes einer der in der Schweiz ansässigen 

Nachkommen-Familien vor, in dem der Diabetes mellitus, seine Behand-

lungsbedürftigkeit und die mangelnde Kompetenz der Beschwerdeführerin 

in dessen Management bestätigt wird. Zudem wird ein Austrittsbericht des 

Sanatoriums (…) betreffend den stationären Aufenthalt eines der Söhne 

aufgrund einer mittelgradigen depressiven Episode vorgelegt. Bei gutem 

Therapieerfolg wird für das weitere Prozedere neben der Weiterführung der 

Medikation und psychotherapeutischen Behandlung eine Migration der Be-

schwerdeführerin in die Schweiz zur Beseitigung des zentralen Belas-

tungsfaktors empfohlen. Nachgereicht wurde am 30. Dezember 2019 ein 

Bericht eines Facharztes für Psychiatrie und Psychotherapie über eine 

Konsultation der Beschwerdeführerin; diagnostiziert wird hier eine schwere 

depressive Episode und Verdacht auf PTBS; mit eingeordnet werden die 

somatischen Befunde einer Migräne und des Diabetes mellitus. Empfohlen 

wird eine psychiatrisch-psychotherapeutische und vor allem traumaspezi-

fische Behandlung, ferner die Nähe zur Familie.  

5.3.4 Die Ausführungen und Belege der Beschwerdeführerin im Härtefall-

gesuch vom 23. Dezember 2019 (Sachverhalt Bst. L)  entsprechen jenen 

der Beschwerde und zum nachgereichten Bericht. 

F-6645/2019 

Seite 22 

5.3.5 Die Vorinstanz argumentiert in ihrer Vernehmlassung vom 4. Februar 

2020 – die sich auch auf das erwähnte Härtefallgesuch beziehe – im We-

sentlichen analog der angefochtenen Verfügung. Sie betont, der Be-

schwerdeführerin stehe im Kosovo Zugang zu adäquater medizinischer 

Versorgung offen. Ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis zwischen ihr 

und ihrem Sohn bestehe nicht. In «persönlicher Hinsicht» bestehe «keine 

Notwendigkeit einer Übersiedlung in die Schweiz». 

5.3.6 In ihrer Replik vom 12. März 2020 ergänzt die Beschwerdeführerin, 

die medizinische Versorgung im Kosovo sei entgegen der Annahme der 

Vorinstanz gestützt auf die aktuelle Berichtslage mangelhaft. Die Altenbe-

treuung werde im Kosovo massgeblich durch die Familie wahrgenommen. 

Währens sechs Monaten im Jahr lebe die Beschwerdeführerin im Kosovo, 

was zur Folge habe, dass die Angehörigen ihre Ferien massgeblich dort 

verbringen, um die Unterstützung der Mutter wahrzunehmen. Das Famili-

ensystem sei damit stark belastet. Der Replik liegt ein neuerer Arztbericht 

des Hausarztes einer der ansässigen Familien bei, der die bereits geschil-

derten Beschwerden zusammenfasst.  

5.4  

Die Vorinstanz fokussiert in der angefochtenen Verfügung stark auf die 

Frage, ob die nicht bestrittenen gesundheitlichen Beschwerden – nament-

lich der Diabetes mellitus – eine Wohnsitznahme in der Schweiz geradezu 

geböten, verneint dies und stellt sich auf den Standpunkt, diesen könne im 

Heimatland durch Inanspruchnahme der bestehenden Gesundheitsversor-

gung hinreichend begegnet werden. Der in der Schweiz ansässigen Fami-

lie stehe die Möglichkeit offen, das Familienleben durch Besuche und Te-

lekommunikation zu pflegen und die innerfamiliär erbrachte pflegerische 

Leistung vor Ort durch Fachkräfte erbringen zu lassen.  

5.4.1 Sie greift damit insofern zu kurz, als sie die gemäss vorstehender 

Erwägung 5.1 notwendige Gesamtschau zur Bestimmung der persönlichen 

Notlage unterlässt. Diese definiert sich auch nicht ausschliesslich so, dass 

– bei Würdigung sämtlicher Umstände des Einzelfalles – die Lebens- und 

Existenzbedingungen im Vergleich zu Personen in ähnlicher Situation ge-

steigert in Frage gestellt sein müssen, sondern alternativ auch in der Mög-

lichkeit schwerer Nachteile bei Verweigerung der ausnahmsweisen Zulas-

sung (E. 5.1.2). Es geht letztlich um humanitäre Aspekte, zentrale Punkte 

sind die Verankerung in der Schweiz, die familiären und gesundheitlichen 

Umstände und die Möglichkeit der Wiedereingliederung in der Heimat (E. 

5.1.1, 5.1.3, 5.1.4). 

F-6645/2019 

Seite 23 

5.4.2 Zu den formalen – weder abschliessenden, noch kumulativ erforder-

lichen – Kriterien kann festgehalten werden, dass bei der zeitlebens im Ko-

sovo wohnhaften, als Familienfrau und Schneiderin tätigen und somatisch 

und psychisch beeinträchtigten Seniorin Abstriche bei den Anforderungen 

an Sprachkompetenzen und der Teilnahme am (hiesigen) Wirtschaftsleben 

oder Erwerb von Bildung zu machen sind (Art. 58a Abs. 2 i.V.m. Abs. 1 

Bst. c und d AIG i.V.m. Art. 31 Abs. 1 Bst. a VZAE). Die Beachtung der 

öffentlichen Sicherheit und Ordnung und der Werte der Bundesverfassung 

in Zweifel zu ziehen, besteht vor dem Hintergrund der Integrationsleistung 

der hier ansässigen Familienmitglieder kein Anlass (Art. 58 Abst. 1 Bst. a 

und b AIG i.V.m. Art. 31 Abs. 1 Bst. a VZAE).  

Es verbleiben somit die Familien- und finanziellen Verhältnisse, die Dauer 

der Anwesenheit in der Schweiz, Gesundheitszustand und die Möglichkeit 

der Wiedereingliederung in der Heimat zu beurteilen (Art. 31 Abs. 1 Bst. c 

ff. VZAE). Soweit auf die (für diese Prüfung subsidiären) Garantien von 

Art. 8 EMRK respektive Art. 13 BV zurückzugreifen ist, ist – zumal die Be-

schwerdeführerin unbestritten nicht zur Kernfamilie im Sinne der Bestim-

mung des Schutzbereichs dieser Garantien gehört – das Mass der Abhän-

gigkeit zu den in der Schweiz gefestigt aufenthaltsberechtigten Angehöri-

gen zu bestimmen.  

5.4.3 Die finanziellen Verhältnisse können insofern als gesichert angese-

hen werden, als die Vorinstanz Im Rahmen der Anspruchsprüfung gemäss 

Art. 28 AIG entsprechende Garantien der hier ansässigen Kinder einholte 

und für genügend befand (vgl. angefochtener Entscheid E. 4). 

5.4.4 Die Darstellung der Beschwerdeführerin, dass ihre Familienangehö-

rigen grossmehrheitlich in der Schweiz, teils in Deutschland, wohnen, wird 

von der Vorinstanz weitgehend nicht in Frage gestellt, jedoch übersieht sie 

die bereits vom Verwaltungsgericht des Kantons Aargau erstellte Ausreise 

der zweiten Tochter nach Deutschland (vi-act. 1, S. 4 E. 7.2). Die Darstel-

lung, dass nach dem Wegzug der zweiten Tochter und dem Tod des Vaters 

(beides im Jahre 2018) nurmehr zwei Brüder als Familienangehörige im 

Lande lebten, wobei zum einen der Kontakt nur sporadisch und zum an-

dern infolge eines familieninternen Zwistes inexistent sei, wird im Verlauf 

des Verfahrens – auch im psychiatrischen Erstgespräch – konsistent vor-

getragen. Es besteht gerichtsseits kein Grund, diese Schilderung in Zweifel 

zu ziehen. Auch besteht kein Anlass, die seit langen Jahren wahrgenom-

menen Besuchsaufenthalte der Beschwerdeführerin in der Schweiz in 

Frage zu stellen: Bereits das kantonale Migrationsamt nahm ab 2003 (dem 

F-6645/2019 

Seite 24 

Jahr der Verwitwung) aufgenommene Besuche als erstellt an (vi-act. 3/146, 

S. 123); eine Lücke zumindest in der Nachweisbarkeit mittels Unterlagen 

besteht für die Jahre von 2008 bis 2015 (vgl. vi-act. 3/66, S. 203). Inwieweit 

respektive seit wann sich als Praxis etabliert hätte, dass sie jeweils sechs 

Monate des Jahres im Kosovo und in der Schweiz verbringe, kann dahin-

stehen, zumindest im Beschwerdezeitpunkt erstellt ist der Bestand eines 

«bis 2021 gültigen Dauervisums, welches sie berechtigt, sich für 2 x 3 Mt. 

innerhalb eines Jahres besuchshalber in der CH aufzuhalten» (E-Mail Mig-

rationsamt/Rechtsvertreter 6. Januar 2020, bei den durch das Migrations-

amt am 14. Februar 2020 zugestellten Akten; vgl. Beschwerde, S. 23 oben: 

Gültigkeit bis 29. September 2021). Es handelt sich bei diesen Besuchen 

zwar nicht um Aufenthalte im Rahmen des Verfahrens um Erteilung einer 

Aufenthaltsbewilligung (vorne, E. 5.1.3) oder dergleichen, aber doch um 

legale, wiederholte, soweit bekannt klaglos verlaufende und teils längere 

Aufenthalte zur Pflege des Familienlebens. Es besteht nach alledem eine 

erhebliche familiäre Verankerung in Bezug auf die in der Schweiz mit gesi-

chertem Aufenthaltstitel respektive Bürgerrecht ansässigen Kinder und En-

kelkinder. Das Familienleben wird im Rahmen zahlreicher und längerer Be-

suchsaufenthalte gepflegt.  

5.4.5 Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin ist – unabhängig 

von der Frage der Qualität der kosovarischen Gesundheitsversorgung – 

als fragil zu bezeichnen. Der schon seit längerem vorgetragene Diabetes 

mellitus Typ 2 ist durch ein Zeugnis eines Hausarztes einer der hier ansäs-

sigen Nachkommenfamilien belegt. Erst auf Beschwerdeebene (Eingabe 

vom 30. Dezember 2019) wird die Diagnose einer schweren depressiven 

Episode und des Verdachts auf eine PTBS infolge traumatischer Erleb-

nisse im Krieg in den Jahren 1998/99 mittels eines fachärztlichen Berichts 

vorgetragen. Die Vorinstanz zitiert diesen Bericht (dessen Ersteller sie 

fälschlich als Ärztin bezeichnet) in ihrer Vernehmlassung im Zusammen-

hang mit den Sprachkenntnissen der Beschwerdeführerin, und hält im Üb-

rigen dazu einzig – in sehr losem Zusammenhang – fest, auch dieser Be-

richt ändere nichts daran, dass sich ihre soziale Isolation von jener anderer 

älterer Leute, deren Kinder emigriert seien (wobei die Vorinstanz – wie ge-

sagt: fälschlich – davon ausgeht, eine Tochter mit Familie lebe noch im 

Land) nicht massgeblich unterscheide. Es ist jedenfalls festzustellen, dass 

der ausführliche, nicht ersichtlich fachlich mangelhafte Arztbericht, auch 

wenn er vorerst über eine Erstkonsultation berichtet, das Vorhandensein 

einer psychiatrischen Befundlage erheblicher Bedeutung nahelegt.   

F-6645/2019 

Seite 25 

5.4.6 Zumal die Beschwerdeführerin nicht aus dem Kosovo emigriert ist, 

stellt sich die Frage nach der möglichen Wiedereingliederung nur, aber im-

merhin, sinngemäss. Ob die allgemeine Lebenserfahrung – wie die Vor-

instanz meint – zu belegen vermag, dass die Beschwerdeführerin sicher-

lich nicht gänzlich isoliert lebe, kann neben der offensichtlich zentralen 

Rolle, den der Kontakt zur engeren Familie in der vorliegenden Konstella-

tion hat, als Mutmassung von schwacher Überzeugungskraft dahinstehen. 

Nicht einsehbar ist auch, weshalb die Vorinstanz der Beschwerdeführerin 

vorhält, wer in ein fremdes Land übersiedle, habe die Konsequenzen für 

die Pflege der familiären Kontakte zu tragen, zumal die Beschwerdeführe-

rin gar nicht übersiedelt ist. Es ist hier festzustellen, dass der Austausch 

mit der Familie – jedenfalls den Nachkommen – in der vorliegenden Kons-

tellation von zentraler Bedeutung ist und dass sich das gelebte Familienle-

ben der Beschwerdeführerin in die Schweiz verlagert hat. Angesichts der 

psychiatrischen Erkrankung des einen in der Schweiz ansässigen Sohnes, 

die gemäss der Berichtslage zumindest zu einem guten Teil auf die unklare 

Aufenthalts- und Betreuungssituation zurückgeht, kann bereits unabhängig 

von der Frage, ob diese unter Art. 8 EMRK von Bedeutung ist, von einem 

Familiengeflecht überdurchschnittlicher Enge ausgegangen werden.  

5.4.7 In einer Gesamtschau erscheint als zu kurz gegriffen, die Beschwer-

deführerin auf die moderne Telekommunikation und die medizinische Ver-

sorgung im Kosovo zu verweisen, die notfalls mit der zusätzlich durch die 

Verwandten in der Schweiz finanzierten Beauftragung von Fachkräften er-

gänzt werden könne. Ein solches Modell mag zwar theoretisch möglich 

sein, die Vorinstanz ist aber daran zu erinnern, dass nicht notwendig ist, 

dass die Übersiedlung in die Schweiz das einzige Mittel zur Verhinderung 

einer (mit dem rein Medizinischen und unter Ausblenden der psychiatri-

schen Komponente ohnehin zu eng gefassten) Notlage ist. In der vorlie-

genden Konstellation hat ein Weiterführen des bisherigen Modus unter hu-

manitären Gesichtspunkten erhebliche Nachteile für die Beschwerdeführe-

rin zur Folge. Am Rande sei bemerkt: Es hätte das auch für die ansässigen, 

weitgehend naturalisierten Angehörigen. Sie ist nicht im Sinne von Art. 28 

AIG, aber familiär stark in der Schweiz verankert. Die Familie sieht sich 

nicht nur aufgrund der Voraussetzungen im Kosovo, sondern auch mora-

lisch und soziokulturell verpflichtet, die Altenbetreuung selbst wahrzuneh-

men. Auch wenn das empfohlene Vorgehen der behandelnden Psychiater 

des einen Sohnes und des untersuchenden Psychiaters der Beschwerde-

führerin durch die Gespräche mitgeformt sein mag, ist erkennbar, dass es 

der Beschwerdeführerin zu erheblichem Nachteil gereicht, auf die instituti-

onalisierte Gesundheitsversorgung im Kosovo verwiesen zu werden.  

F-6645/2019 

Seite 26 

5.5 Die Beschwerde ist gutzuheissen, die Vorinstanz wird angewiesen, den 

Aufenthalt gestützt auf Art. 30 Abs. 1 Bst. b AIG unter Abweichung von den 

Zulassungsvoraussetzungen zuzulassen und zu regeln.  

5.6 Bei diesem Ausgang kann offen gelassen werden, ob die psychische 

Erkrankung eines der Söhne ein Abhängigkeitsverhältnis begründet, das 

einen Aufenthaltsanspruch seiner Mutter gestützt auf Art. 8 EMRK oder 

Art. 13 BV entstehen liesse. Ebenfalls offen gelassen werden kann die 

Frage nach der Inländerdiskriminierung; hierzu kann auf die durch die Vor-

instanz in der angefochtenen Verfügung (E. 7.6) zitierte Rechtsprechung 

verwiesen werden (namentlich Urteil des BGer 2C_303/2014 vom 20. Feb-

ruar 2015 E. 2.3, aber auch 2C_323/2018 vom 21. September 2018 E.  5, 

je m.w.H.).  

6.  

6.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt die Verfahrenskosten in der 

Regel der unterliegenden Partei (Art. 63 Abs. 1 Satz 1 VwVG). Vorinstan-

zen werden keine Verfahrenskosten auferlegt (Art. 62 Abs. 2 VwVG). Beim 

gegebenen Verfahrensausgang sind somit keine Kosten zu erheben. Der 

geleistete Gerichtskostenvorschuss ist der Beschwerdeführerin zurückzu-

erstatten. 

6.2 Der vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsiegens in 

Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 und 8 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die 

ihr notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.  

Die der Replik beiliegende Kostennote vom 12. März 2020 weist einen an-

waltlichen Aufwand von 13 Stunden zu einem Stundensatz von Fr. 300.–, 

total – unter Weglassen des Aufwandes für das Härtefallgesuch – 

Fr. 3'600.– aus, weiter Auslagen von Fr. 37.90 und Mehrwertsteuer zu 

Fr. 280.10, insgesamt Fr. 3'918.–. Dies erscheint als gerade noch ange-

messen. Die Vorinstanz hat die Beschwerdeführerin für ihre Parteikosten 

mit Fr. 3'918.– zu entschädigen.  

  

F-6645/2019 

Seite 27 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen.  

2.  

Das SEM wird angewiesen, den Aufenthalt der Beschwerdeführerin zu be-

willigen und zu regeln.  

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Der geleistete Gerichtskostenvorschuss von Fr. 1'000.– wird der Be-

schwerdeführerin zurückerstattet.  

5.  

Das SEM hat der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor Bundesver-

waltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 3'918.– auszurichten. 

6.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, die Vorinstanz und das kan-

tonale Migrationsamt. 

 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Fulvio Haefeli Thomas Bischof 

 

Versand: 

  

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Seite 28 

Zustellung erfolgt an:  

– die Beschwerdeführerin (Einschreiben; Beilage: Formular Zahl-

adresse) 

– die Vorinstanz (Ref-Nr. …) 

– Amt für Migration und Integration des Kantons Aargau, Postfach, 

5001 Aarau (in Kopie; A-Post)