# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b1b42b2e-055a-57b7-86f3-c85c14605238
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-01-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.01.2014 D-6805/2013
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6805-2013_2014-01-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-6805/2013 

 

 

  U r t e i l  v o m  2 1 .  J a n u a r  2 0 1 4  

Besetzung 

 
Einzelrichter Fulvio Haefeli, 

mit Zustimmung von Richter Thomas Wespi;   

Gerichtsschreiberin Karin Schnidrig. 

   Parteien 
 

A._______, geboren (…), 

Äthiopien, 

alias B._______, geboren (…), Äthiopien, 

alias C._______, geboren (…), Eritrea, 

alias D._______, geboren (…), Äthiopien, 

alias E._______, geboren (…), Eritrea, 

vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, 

(…), 

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz. 

 

Gegenstand 

 
Wegweisung und Vollzug; 

Verfügung des BFM vom 4. November 2013 / N _______. 

 

 

D-6805/2013 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Eigenen Angaben zufolge verliess die Beschwerdeführerin – eine äthiopi-

sche Staatsangehörige – ihren Heimatstaat am 24. Mai 2010 und gelang-

te nach einem Aufenthalt im F._______ am 26. Juli 2010 illegal in die 

Schweiz, wo sie gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum 

G._______ um Asyl nachsuchte. Am 2. August 2010 fand die Befragung 

zur Person statt und am 16. August 2010 wurde die Beschwerdeführerin 

gestützt auf Art. 29 Abs. 1 und Art. 41 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 

26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) zu ihren Asylgründen angehört.  

 

Zur Begründung des Asylgesuchs machte sie im Wesentlichen geltend, 

sie sei eritreische Staatsangehörige und habe seit der Geburt zusammen 

mit ihren Eltern in H._______, Äthiopien, gelebt. Ihre Eltern seien nach 

Eritrea deportiert worden. Sie sei alleine in Äthiopien zurückgeblieben 

und habe dort Schwierigkeiten gehabt. Nach der Kontaktnahme mit ihrer 

Tante habe sie das Land verlassen können.  

 

Die Beschwerdeführerin gab dem BFM keine eigenen Identitätspapiere 

zu den Akten. Als Beweismittel reichte sie eine Kopie der eritreischen 

Identitätskarte ihrer Mutter ein. 

B.  

B.a Mit Verfügung vom 4. November 2013 – eröffnet am 5. November 

2013 – stellte das BFM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flücht-

lingseigenschaft nicht, lehnte deren Asylgesuch vom 26. Juli 2010 ab und 

ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvoll-

zug an. 

B.b Mit Eingabe vom 3. Dezember 2013 liess die Beschwerdeführerin 

gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde er-

heben und beantragen, die vorinstanzliche Verfügung sei, soweit die 

Dispositiv-Ziffern 3-5 betreffend, aufzuheben. Es sei der Fall an die Vorin-

stanz zurückzuweisen, um den Sachverhalt und die Zumutbarkeit der 

Wegweisung abzuklären. Eventualiter sei die Unzumutbarkeit des Weg-

weisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. 

Es sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen, auf die Erhebung 

eines Kostenvorschusses zu verzichten und der Beschwerdeführerin in 

der Person des Unterzeichnenden ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu 

stellen. 

D-6805/2013 

Seite 3 

Zur Untermauerung der Vorbringen liess die Beschwerdeführerin Kopien 

ihrer Geburtsurkunde (Beilage 3) und ihrer Identitätskarte (Beilage 4), ei-

ne Ausreise- und Identitätsbestätigung der Kebele vom 26. November 

2013 (Beilage 5), diverse Fotos zur angeblichen Wohnsituation ihrer Fa-

milie in H._______ (Beilage 6), eine angeblich ihre Mutter betreffende 

ärztliche Bestätigung vom 27. November 2013 (Beilage 7) und eine Für-

sorgebestätigung vom 27. November 2013 (Beilage 8) ins Recht legen.

  

Auf die Beschwerdebegründung wird – soweit entscheidrelevant – in den 

Erwägungen eingegangen. 

C.  

Mit Eingabe vom 8. Januar 2014 liess die Beschwerdeführerin weitere 

Beweismittel nachreichen. Es handelt sich dabei um Originale ihrer be-

reits eingereichten Geburtsurkunde, ihrer Identitätskarte und der angeb-

lich ihre Mutter betreffenden ärztlichen Bestätigung (Beilagen 1-3), zwei 

Rechnungen der (…) vom 12. September 2011 und 2. Juli 2012 (Beilage 

5), eine Rechnung der (…) vom 3. Oktober 2012 (Beilage 4) sowie einen 

Briefumschlag des DHL-Express-Dienstes. 

 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 

(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 

gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 

20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Be-

hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Aus-

lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende 

Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-

richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus-

nahme liegt in casu nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht 

endgültig entscheidet. 

D-6805/2013 

Seite 4 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 

BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 

AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Be-

schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 

Abs. 1 und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und 

Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 

oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 

die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise 

einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der 

Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 

AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh-

rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

Gemäss den Rechtsbegehren richtet sich die Beschwerde ausschliesslich 

gegen die Wegweisung und deren Vollzug (Ziffern 3-5 des Dispositivs der 

angefochtenen Verfügung), weshalb die Verfügung, soweit sie die Frage 

der Flüchtlingseigenschaft und des Asyls betrifft (Ziffern 1-2 des Disposi-

tivs), in Rechtskraft erwachsen ist. Gegenstand des vorliegenden Be-

schwerdeverfahrens bildet damit einzig die Frage, ob das BFM die Weg-

weisung und den Wegweisungsvollzug zu Recht angeordnet hat oder ob 

die Beschwerdeführerin vorläufig aufzunehmen ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG 

i.V.m. Art. 83 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Aus-

länderinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]).  

 

 

D-6805/2013 

Seite 5 

5.  

5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, 

so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der 

Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 

5.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 m.w.H.). 

6.  

6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 

den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 

Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie 

bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu bewei-

sen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in 

den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 

Abs. 3 AuG). 

6.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei-

nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr 

läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 

Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 

1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid-

genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überein-

kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, 

unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, 

SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 

1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, 

D-6805/2013 

Seite 6 

SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri-

gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

6.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend 

darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement 

nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da die im 

erstinstanzlichen Verfahren zur eritreischen Staatsangehörigkeit geäus-

serten Vorbringen als unglaubhaft zu qualifizieren sind, fällt eine Wegwei-

sung der Beschwerdeführerin nach Eritrea von vornherein ausser Be-

tracht. Gestützt auf die vorinstanzlichen Ausführungen und aufgrund der 

in der Beschwerde neu geltend gemachten äthiopischen Staatsangehö-

rigkeit ist davon auszugehen, die Beschwerdeführerin sei Äthiopierin. Da 

sich aus der Beschwerdeschrift keinerlei Hinweise auf eine Verfolgungssi-

tuation in Äthiopien ergeben, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grund-

satz der Nichtrückschiebung vorliegend keine Anwendung finden. Eine 

Rückkehr der Beschwerdeführerin nach Äthiopien ist demnach unter dem 

Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

6.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerde-

führerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall ei-

ner Ausschaffung nach Äthiopien dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 

einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-

lung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtsho-

fes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-

Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr 

("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer 

Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde 

(vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 

28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124–127, m.w.H.). Auch 

die allgemeine Menschenrechtssituation in Äthiopien lässt den Wegwei-

sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 

Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der 

asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

6.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat 

aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und 

medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Ge-

fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die 

vorläufige Aufnahme zu gewähren. 

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Seite 7 

6.3.1 Die schweizerischen Asylbehörden gehen in konstanter Praxis von 

einer grundsätzlichen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges nach 

Äthiopien aus (BVGE 2011/25 E. 8.3; vgl. bereits Entscheidungen und 

Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1998 

Nr. 22). Der zweieinhalb Jahre dauernde Grenzkrieg zwischen Äthiopien 

und Eritrea wurde im Juni 2000 mit einem von der Organisation für die 

Einheit Afrikas (OAU) vermittelten Waffenstillstand und einem von beiden 

Staaten am 12. Dezember 2000 unterzeichneten Friedensabkommen be-

endet. Trotz des Abzugs der UN-Friedenstruppen aus Eritrea im März 

2008 und aus Äthiopien im August 2008 ist im heutigen Zeitpunkt nicht 

von einem offenen Konflikt im Grenzgebiet zwischen diesen beiden Staa-

ten auszugehen, wenn auch gleichzeitig zu bemerken ist, dass eine Lö-

sung der Grenzproblematik und eine Normalisierung zwischen den bei-

den Staaten nach wie vor nicht in Sicht ist (vgl. BVGE 2011/25 E. 8.3 mit 

Hinweisen). 

6.3.2 Zur sozioökonomischen Situation, namentlich zur Lage von allein-

stehenden Frauen in Äthiopien hat sich das Bundesverwaltungsgericht 

ebenfalls im Entscheid BVGE 2011/25 geäussert. Das Gericht hielt unter 

anderem fest, es sei für alleinstehende und zurückkehrende Frauen nicht 

leicht, sozialen Anschluss zu finden; die kulturelle Norm sehe für unver-

heiratete Frauen ein Leben in der Familie vor. Eine Wohnung zu finden 

sei in der Regel nur über Bekannte möglich. Die Arbeitslosigkeit von 

Frauen in Addis Abeba werde auf 40 bis 55% geschätzt. Begünstigende 

Faktoren für eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau in Äthiopien 

einer eigenständigen Erwerbstätigkeit nachgehen könne, seien in einer 

höheren Schulbildung, im Leben in der Stadt, im Verfügen über finanzielle 

Mittel, in der Unterstützung durch ein soziales Netzwerk sowie im Zugang 

zu Informationen zu erblicken. Ohne diese Voraussetzungen würden 

Frauen oft nur Arbeiten bleiben, welche gesundheitliche Risiken bergen, 

so beispielsweise in der Prostitution oder in Haushalten, wo sie regel-

mässig verschiedenen Formen der Gewalt, auch sexueller, ausgesetzt 

seien (vgl. BVGE 2011/25 E. 8.5 mit Hinweisen). 

6.3.3 Vor diesem Hintergrund ist vorliegend zu prüfen, ob sich der Weg-

weisungsvollzug nach Äthiopien auch in individueller Hinsicht als zumut-

bar erweist. 

6.3.3.1 Diesbezüglich wird in der Beschwerde im Wesentlichen geltend 

gemacht, es müsse davon ausgegangen werden, dass die Beschwerde-

führerin in Äthiopien wegen Hunger, Arbeitslosigkeit und Krankheit unmit-

D-6805/2013 

Seite 8 

telbar an Leib und Leben bedroht wäre. Da von ihrer Familie keine Unter-

stützung erwartet werden könne, wäre sie ausserdem alleinstehend und 

damit insbesondere auch sexueller Gewalt ausgesetzt. Eine Rückkehr 

nach Äthiopien sei ihr deshalb nicht zumutbar. 

6.3.3.2 Aufgrund der persönlichen Voraussetzungen der Beschwerdefüh-

rerin kann entgegen anderslautender Einschätzung vom Vorhandensein 

solcher in BVGE 2011/25 genannten begünstigenden Umstände ausge-

gangen werden. Es handelt sich zunächst um eine gemäss den Akten 

gesunde junge Frau, die während sechs Jahren die Grundschule besuch-

te (vgl. Beschwerde, S. 6) und über Arbeitserfahrung als Haushaltshilfe 

und als Kindermädchen verfügt (vgl. Befragungsprotokoll vom 2. August 

2010, A1 S. 2; Anhörungsprotokoll vom 16. August 2010, A6 S. 4 

F30/F34, S. 7 F68), Voraussetzungen, welche ihr beim Aufbau einer neu-

en Existenz von Nutzen sein werden. Sodann lebte sie eigenen Angaben 

zufolge seit der Geburt bis zur Ausreise in H._______ (vgl. A1 S. 1), wes-

halb sie mit diesem Umfeld bestens vertraut sein dürfte. Gemäss den 

Ausführungen auf Beschwerdeebene hat sie in H._______ ausserdem 

mehrere Familienangehörige (Mutter, vier Geschwister, Neffe, Nichte), die 

ihr bei der Wiedereingliederung eine Stütze sein können, so dass sie 

nicht mit den spezifischen Problemen einer alleinstehenden Frau konfron-

tiert sein wird. Im Weiteren steht es der Beschwerdeführerin bei Bedarf 

offen, sich an ihre Tante zu wenden, von welcher sie bereits bei der Aus-

reise finanzielle Unterstützung erhalten hat (vgl. A6 S. 10 F102/103). Nö-

tigenfalls kann ihr auch die Rückkehrhilfe der Schweiz den Wiederein-

stieg im Heimatland erleichtern (Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG i.V.m. Art. 74 

der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]). 

Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als 

zumutbar. Es erübrigt sich somit, die Akten zwecks Abklärung des Sach-

verhalts und der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs an die Vorin-

stanz zurückzuweisen, weshalb der entsprechende Antrag abzuweisen 

ist. Im Übrigen kann darauf verzichtet werden, auf die weiteren Ausfüh-

rungen in der Beschwerde näher einzugehen, zumal dies zu keiner ande-

ren Betrachtungsweise führen würde.  

 

Auch die eingereichten Beweismittel ermöglichen keine andere Einschät-

zung. Namentlich fällt auf, dass die beim BFM gemachten Angaben der 

Beschwerdeführerin zum Vor- und Nachnamen ihrer Mutter (I._______ 

[A1 S. 1] und J._______ [Personalienblatt, A2]) mit den in den eingereich-

ten Dokumenten genannten Namen (K._______ [Geburtsurkunde, ärztli-

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Seite 9 

che Bestätigung vom 27. November 2013], L._______ [Bestätigung der 

Kebele vom 26. November 2013]) nicht übereinstimmen. Die Frage der 

Echtheit dieser Dokumente kann jedoch offen gelassen werden, da die 

Beschwerdeführerin daraus ohnehin nichts zu ihren Gunsten ableiten 

könnte. Sollte ihre Mutter tatsächlich medizinische Probleme haben, wür-

de dies einem Wegweisungsvollzug ins Heimatland nicht entgegenste-

hen. Auch die Ausführungen in der Bestätigung der Kebele, wonach die 

Mutter nie unterstützt worden sei, ihre Kinder ohne Vater grossgezogen 

und nie Einkommen erzielt habe, wären nicht geeignet, zu einem Verbleib 

der Beschwerdeführerin in der Schweiz zu führen. Es darf vielmehr davon 

ausgegangen werden, dass es der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer 

Voraussetzungen (gesunde junge Frau, Grundschulbesuch, Arbeitserfah-

rung als Haushaltshilfe und Kindermädchen) möglich sein wird, zum Le-

bensunterhalt ihrer Familie beizutragen. Was die eingereichten Fotos an-

belangt, so lassen diese nicht eindeutig den Schluss zu, dass es sich bei 

den abgebildeten Personen um Familienangehörige der Beschwerdefüh-

rerin handelt. Ebenso wenig steht fest, dass diese Bilder tatsächlich im in 

der Beschwerde erwähnten Armutsquartier aufgenommen wurden. Auch 

die nachgereichten Rechnungen stehen einem Wegweisungsvollzug nicht 

entgegen.  

 

Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass der Rechtsvertre-

ter in seiner Eingabe vom 8. Januar 2014 fälschlicherweise davon aus-

ging, es handle sich bei der Beilage 3 um eine Arztbescheinigung, welche 

die Schwester der Beschwerdeführerin betrifft. Diesbezüglich gilt es fest-

zuhalten, dass auch allfällige gesundheitliche Probleme der Schwester 

einen Wegweisungsvollzug der Beschwerdeführerin nicht verhindern 

könnten. Es ist ihr – wie bereits ausgeführt wurde – zumutbar, zum Un-

terhalt der Familie beizutragen. 

6.4 Schliesslich hat die Beschwerdeführerin dem Gericht eine mutmass-

lich echte Identitätskarte zu den Akten gereicht, weshalb der Vollzug der 

Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

6.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt demnach ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 

AuG). 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

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Seite 10 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 

vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be-

schwerde ist somit abzuweisen. 

8.  

8.1 Eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, wird auf 

Antrag hin von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, sofern ihr 

Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Dabei ver-

fügt eine Person dann nicht über die erforderlichen Mittel, wenn sie ohne 

Beeinträchtigung des notwendigen Lebensunterhaltes die Prozesskosten 

nicht zu bestreiten vermag. Angesichts des Umstands, wonach sich die 

Rechtsbegehren als aussichtslos erwiesen haben, ist das Gesuch um 

Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 

VwVG unbesehen der durch die Fürsorgebestätigung vom 27. November 

2013 ausgewiesenen Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin abzuweisen. 

Mangels Erfüllung der Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist das 

Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 

Abs. 2 VwVG ebenfalls abzuweisen.  

  

Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wird 

mit dem vorliegenden Urteil gegenstandslos. 

8.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der 

Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-

samt Fr. 600.- festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 

2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-

tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-6805/2013 

Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne 

von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG werden abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden der Beschwerdeführerin auf-

erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns-

ten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die kantona-

le Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Fulvio Haefeli Karin Schnidrig 

 

 

Versand: