# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8e778311-15d4-5c15-b6c8-c20640a05088
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-06-23
**Language:** de
**Title:** Zürich Kassationsgericht 23.06.2005 AC040111
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_KSG_001_AC040111_2005-06-23.pdf

## Full Text

Kassationsgericht des Kantons Zürich

Kass.-Nr. AC040111/U/cap

Mitwirkende: die Kassationsrichter Moritz Kuhn, Präsident, Bernhard Gehrig,

die Kassationsrichterin Sylvia Frei, die Kassationsrichter Paul

Baumgartner und Rudolf Ottomann sowie der Sekretär Jürg-

Christian Hürlimann

Zirkulationsbeschluss vom 23. Juni 2005

in Sachen

J. J.,
...,

Angeklagter, Appellant und Beschwerdeführer
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt ...

gegen

1. Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis,
Anklägerin, Appellatin und Beschwerdegegnerin
vertreten durch  die Leitende Staatsanwältin lic. iur. Claudia Wiederkehr, Staatsanwaltschaft
Limmattal / Albis, Stauffacherstr. 55, Postfach, 8004 Zürich

2. Z. M., ...,
Geschädigte und Beschwerdegegnerin
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Michael Epstein, Epstein & Reich, Grütlistr. 96, Post-
fach 163, 8027 Zürich

betreffend versuchte Vergewaltigung etc. und Widerruf

Nichtigkeitsbeschwerde gegen ein Urteil der II. Strafkammer des Oberge-
richts des Kantons Zürich vom 04. Mai 2004 (SB040025/U/hp)

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Das Gericht hat in Erwägung gezogen:

 I.

1. Gemäss Anklage soll der Angeklagte am 1. März 2003 an die Zimmertür der im

gleichen Haus Zweierstrasse 164 in Zürich wohnhaften Liselotte M, mit welcher er

früher intim befreundet gewesen sei, geklopft haben. Liselotte M, welche zusam-

men mit der Geschädigten und einem Kollegen zuvor im Ausgang gewesen sei,

habe sich bereits zusammen mit diesem Kollegen im Bett befunden. Die Geschä-

digte, welche lediglich mit einem Nachthemd bekleidet gewesen sei, habe sich

ebenfalls zum Schlafen auf eine zuvor aus dem Zimmer des Angeklagten geholte

Matratze legen wollen, sei noch wach gewesen und habe die Zimmertür geöffnet.

Der Angeklagte, den die Geschädigte als Kollegen ihrer Freundin Liselotte M ge-

kannt habe, habe in spanischer Sprache auf sie eingeredet und zu ihr in deut-

scher Sprache gesagt „komm, komm“. Er habe die Geschädigte, welche gemeint

habe, es sei etwas Schlimmes passiert, am Arm genommen und sie mit Kraft die

Treppe hinauf gezogen. Im Zimmer angekommen habe er die Geschädigte über

dem Nachthemd am Oberkörper berührt und ihr zu verstehen gegeben, dass er

Sex haben möchte. Die Geschädigte habe ihm mehrmals entgegnet, dass sie

dies nicht wolle und dass sie einen Freund habe. Er sei nicht auf ihre Weigerung

eingegangen und habe sie so auf sein Bett geschubst, dass sie zu sitzen gekom-

men sei. Daraufhin habe der Angeklagte sie am Oberkörper nach hinten gedrückt,

so dass sie auf dem Bett auf dem Rücken zu liegen gekommen sei. Als die Ge-

schädigte sich habe aufsetzen wollen, habe der Angeklagte sie so an den Beinen

gezogen, dass sie wieder auf den Rücken zu liegen gekommen sei. Dann habe er

ihr Nachthemd aufgehoben und ihre Beine auseinandergerissen. Er habe der Ge-

schädigten am Geschlechtsteil geleckt. Als die Geschädigte ihm mit der Faust

gegen den Kopf geschlagen habe und ihn mit der anderen Hand von sich wegge-

drückt habe, habe sich der Angeklagte, der den Knopf an seiner Hose und den

Reissverschluss geöffnet habe, erhoben, sich auf die Geschädigte gelegt, in der

Absicht, nun auch gegen ihren Willen den Geschlechtsverkehr an ihr vorzuneh-

men, und sie an ihren Armen festgehalten. Die Geschädigte, welche gemerkt ha-

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be, dass sie keine Chance mehr gehabt habe, sich gegenüber dem ihr körperlich

überlegenen Angeklagten zur Wehr zu setzen, habe mit List „psst, ganz ruhig“

gesagt, worauf der Angeklagte irritiert von seinem Vorhaben abgelassen habe, so

dass die Geschädigte habe aufstehen können. Der Beschwerdeführer habe sie

noch zurückhalten wollen, als die Geschädigte bereits am Verlassen des Zimmers

gewesen sei, und sei ihr gefolgt, als sie ins Zimmer von Liselotte M geflüchtet sei.

Es sei der Geschädigten gelungen, Hilfe von einer weiteren im Haus lebenden

Nachbarin zu holen (Anklageschrift BG act. 20).

In einer Nachtrags-Anklageschrift werden dem Angeklagten zudem verschiedene

Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz vorgeworfen (BG act.

30/14).

Das Bezirksgericht Zürich (1. Abteilung) sprach den Beschwerdeführer mit Urteil

vom 28. Oktober 2003 der versuchten Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs.

1 StGB in Verbindung mit Art. 21 Abs. 1 StGB, der Widerhandlung gegen das

Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 BetmG und der Wider-

handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG

schuldig. Es bestrafte ihn mit 15 Monaten Gefängnis unter Anrechnung der er-

standenen Polizei- und Untersuchungshaft und gewährte ihm den bedingten

Strafvollzug. Von der Aussprechung einer Landesverweisung sah es ab. Weiter

verpflichtete es den Angeklagten, der Geschädigten eine Genugtuung von Fr.

2'000.-- zuzüglich Zins zu bezahlen. Mit Beschluss desselben Tages ordnete es

sodann den Vollzug einer früher ausgefällten Gefängnisstrafe von drei Monaten

an (BG act. 36 = OG act. 40). Gegen dieses Urteil erhob der Angeklagte Beru-

fung.

Das Obergericht (II. Strafkammer) trat auf die Nachtragsanklage in Bezug auf die

vor Mitte August 2002 begangenen Übertretungen des Betäubungsmittelgesetzes

nicht ein. Im übrigen bestätigte es mit Urteil vom 4. Mai 2004 das erstinstanzliche

Urteil sowohl im Schuldpunkt wie im Strafpunkt und auch bezüglich der Zuspre-

chung einer Genugtuungssumme an die Geschädigte in Höhe von Fr. 2'000.--

nebst Zins. Ebenfalls ordnete es den Vollzug der früher ausgefällten Gefängnis-

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strafe an (OG act. 49 = KG act. 2). Gegen dieses Urteil führt der Angeklagte kan-

tonale Nichtigkeitsbeschwerde beim Kassationsgericht (KG act. 1).

2. Der Angeklagte beantragt mit seiner Nichtigkeitsbeschwerde, es sei das ange-

fochtene obergerichtliche Urteil aufzuheben (KG act. 1).

Die Geschädigte ersucht um Abweisung der Nichtigkeitsbeschwerde, verzichtet

aber im weiteren auf eine Stellungnahme zur Beschwerdebegründung (KG act.

11). Die Staatsanwaltschaft und das Obergericht verzichten auf eine Beschwer-

deantwort bzw. Vernehmlassung (KG act. 9 und 10).

II.

1.  Die Beweiswürdigung des vorinstanzlichen Sachrichters kann nach der Praxis

des Kassationsgerichtes aufgrund von § 430 Abs. 1 Ziff. 4 StPO dann mit Erfolg

gerügt werden, wenn sie sich nicht mehr im Rahmen des Gesetzes hält, sondern

willkürlich, d.h. offensichtlich abwegig ist und einer missbräuchlichen Handhabung

des richterlichen Ermessens gleichkommt (ZR 64 Nr. 54). Die Verneinung eines

den Freispruch bedingenden Zweifels wird als Kassationsgrund angesehen, wenn

diese bei ernsthafter Abwägung des "Für" und "Wider" schlechthin unverständlich

ist (Schmid, in Donatsch/Schmid, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kan-

tons Zürich, Zürich 1996, N 21 zu § 430). Es ist zu berücksichtigen, dass mit

menschlichen Erkenntnismitteln keine absolute Sicherheit in der Beweisführung

erreicht werden kann; daher muss genügen, dass das Beweisergebnis über jeden

vernünftigen Zweifel erhaben ist (BGE 124 IV 88 E. 2a mit Hinweisen; ZR 72 Nr.

80, 69 Nr. 50; von Rechenberg, Die Nichtigkeitsbeschwerde in Zivil– und Strafsa-

chen nach zürcherischem Recht, 2. Auflage, Zürich 1986, S. 34). Weiter geht

auch die Unschuldsvermutung im Sinne von Art. 6 Ziff. 2 EMRK und Art. 4 Abs. 1

aBV bzw. Art. 32 Abs. 1 BV nicht, denn diese Bestimmungen schliessen einen

Schuldspruch nur dann aus, wenn bei objektiver Betrachtung erhebliche und un-

überwindliche Zweifel am Tat– oder Schuldbeweis zurückbleiben (BGE 120 Ia 35

ff. mit Hinweisen).

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Der in diesem Zusammenhang regelmässig angerufene Grundsatz "in dubio pro

reo" weist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts und in Übereinstimmung

mit dem Schrifttum zwei Aspekte auf: zum einen bezieht er sich auf die strafpro-

zessuale Beweislast, zum anderen wirkt er sich bei der Feststellung des Sachver-

haltes und der Würdigung der Beweise aus (BGE 120 Ia 31 ff., 127 I 38 E. 2a; vgl.

Corboz, In dubio pro reo, ZBJV 1993, S. 403 ff. mit weiteren Hinweisen). Als Be-

weiswürdigungsregel erschöpft sich der Grundsatz im Verbot der willkürlichen

Beweiswürdigung (vgl. auch Schultz, ZBJV 1995, S. 852), während er als Be-

weislastregel besagt, dass es Sache des Staates ist, die Schuld des Angeklagten

nachzuweisen. Da der Grundsatz unter beiden in Frage kommenden Aspekten

verfassungsrechtlichen Rang hat, kann seine Verletzung vor Bundesgericht allein

mit staatsrechtlicher Beschwerde (und nicht mit eidgenössischer Nichtigkeitsbe-

schwerde) geltend gemacht werden (vgl. schon BGE 102 Ia 203, 101 Ia 67 ff.;

zum Ganzen M. Forster, ZStrR 1997, S. 61 ff.), womit in beiden Fällen auf kanto-

naler Ebene die Nichtigkeitsbeschwerde zulässig ist. Hinsichtlich der Kognition

des Kassationsgerichts ist von Bedeutung, dass die Beachtung der Beweislastre-

gel vom Bundesgericht im Rahmen einer staatsrechtlichen Beschwerde frei ge-

prüft wird (BGE 120 Ia 38, 127 I 38 E. 2a), womit ihr insoweit eine über das Will-

kürverbot hinausgehende Tragweite zukommt; dem Kassationsgericht kommt da-

her als vorgeschalteter Instanz sinnvollerweise ebenfalls freie Kognition zu, soweit

die Verletzung der Beweislastregel gerügt wird. Bei der Frage, ob die Beweiswür-

digungsregel von der Vorinstanz verletzt worden ist, kommt hingegen dem Kas-

sationsgericht nach wie vor nur eine auf Willkür begrenzte Überprüfungsbefugnis

zu (eingehend ZR 102 Nr. 12; vgl. auch BGE 127 I 38 E. 2c und 3a).

2. a) Der Beschwerdeführer setzt sich in Ziffer 4 der Beschwerdeschrift (S. 3 - 6)

mit verschiedenen Aussagen der Geschädigten auseinander und gibt zu diesem

Zweck einen Teil seiner Vorbringen vor Bezirksgericht und vor Obergericht wie-

der. Im wesentlichen betreffen diese Aussagen der Geschädigten und die ent-

sprechenden Vorbringen des Beschwerdeführers den Grad der Bekanntschaft

zwischen der Geschädigten und dem Beschwerdeführer vor dem eingeklagten

Vorfall: ob und in welcher Weise sich die Geschädigte bereits früher im Zimmer

des Beschwerdeführers aufgehalten habe, wie leicht die Geschädigte bei früheren

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Aufenthalten im Zimmer des Beschwerdeführers bekleidet gewesen sei und ob

sie ihm einmal ihren Schambereich gezeigt habe, wie weit die Geschädigte über

die frühere freundschaftliche Beziehung zwischen Lisa M und dem Beschwerde-

führer orientiert gewesen sei, wie weit die Geschädigte gewusst habe, dass der

Beschwerdeführer Gefallen an ihr gefunden habe und sie begehrt habe und in

welcher Weise die Geschädigte die Sprachkenntnisse des fremdsprachigen Be-

schwerdeführers in ihren Aussagen umschrieben habe. Der Beschwerdeführer

macht geltend, dass die Aussagen der Geschädigten zu diesen Nebenpunkten

Widersprüche aufwiesen und teils falsch seien, und hält dafür, wer nachweislich in

Nebenpunkten unzutreffende Aussagen mache, nehme es in der Regel auch in

der Hauptsache mit der Wahrheit nicht sehr ernst.

Soweit enthalten die Vorbringen des Beschwerdeführers keine Auseinanderset-

zung mit den Erwägungen des Obergerichts und damit auch keinen Nachweis ei-

nes Nichtigkeitsgrundes.

b) Der Beschwerdeführer fährt unter Ziffer 5 der Beschwerdeschrift (S. 6) fort, das

Obergericht habe zur Frage des Drogen- und Alkoholkonsums ausgeführt, es

könne offen bleiben, ob die Aussagen der Geschädigten oder diejenigen der Zeu-

gin Lisa (Liselotte) M überzeugender seien, hänge doch hiervon allein die Glaub-

haftigkeit der Aussagen der Geschädigten nicht ab. Gleichzeitig komme das

Obergericht zum Schluss, die Angaben der Geschädigten über ihren Alkoholkon-

sum seien eher zu tief ausgefallen. Die weitere Zusammenfassung der Aussagen

betreffend Kokainkonsum zeigten auf, dass das Obergericht durchaus geneigt sei,

der Darstellung der Zeugin Lisa M zu glauben, wonach in der Nacht effektiv durch

die Geschädigte Kokain konsumiert worden sei. Es müsse deshalb davon ausge-

gangen werden, dass das Obergericht diesbezüglich die Auffassung der Verteidi-

gung teile, wonach die Angaben der Geschädigten betreffend Drogen- und Alko-

holkonsum vor den eigentlichen Tatvorfällen falsch gewesen seien. Es könne

nicht aufrechterhalten werden, dass es unmassgeblich sei, was die Geschädigte

dazu ausgesagt habe. Im Gegenteil sei das Aussageverhalten in diesem Punkt

ein wichtiger Mosaikstein in der Beurteilung der Glaubwürdigkeit der Geschädig-

ten und die Erwägung des Obergericht hierzu willkürlich.

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In der gerügten Erwägung III/3.1.1 (Urteil S. 15 f.) gibt das Obergericht im einzel-

nen die Aussagen der Zeugin Liselotte M bezüglich des Alkohol- und Drogenkon-

sums der beiden Frauen, der Geschädigten und der Zeugin, wieder. Es erkennt,

dass diese Aussagen Widersprüche aufweisen. Lediglich in einem Nebensatz zi-

tiert das Obergericht eine Aussage der Geschädigten, nämlich dass diese einge-

standen habe, einige „Cüpli“ konsumiert zu haben (Urteil S. 15 unterer Drittel).

Das Obergericht hält fest, ob die Geschädigte in der fraglichen Nacht Kokain kon-

sumiert habe, wie dies die Zeugin Liselotte M ausgesagt habe, könne dahinge-

stellt bleiben, vermöge doch dieser Umstand allein die allgemeine Glaubwürdig-

keit der Geschädigten nicht zu erschüttern (Urteil S. 15 unten).  Sodann hält das

Obergericht abschliessend fest - und darauf nimmt der Beschwerdeführer in sei-

ner Rüge Bezug - es könne in diesem Zusammenhang offen bleiben, welche der

beiden Aussagen überzeugender sei, hänge doch hiervon allein die Glaubhaftig-

keit der Aussagen der Geschädigten nicht ab (Urteil S. 16 Mitte).

Beide Feststellungen des Obergerichts in der gerügten Erwägung, wonach hier-

von allein die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Geschädigten nicht abhänge, be-

ziehen sich auf den Alkohol- und Drogenkonsum der Geschädigten bzw. auf die

entsprechenden Aussagen der Zeugin Liselotte M und deren Widersprüchlichkeit.

Eine Feststellung des Obergerichts, es könne offen bleiben, ob die Aussagen der

Geschädigten oder diejenigen der Zeugin Liselotte M überzeugender seien, findet

sich an der gerügten Stelle nicht. Somit geht die in diesem Zusammenhang erho-

bene Rüge der Beschwerdeführerin zum vornherein fehl.

c) Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, das Obergericht komme zum Schluss,

die intime Beziehung zwischen ihm und der Zeugin Liselotte M sei in einen Zeit-

raum gefallen, in welchem die Geschädigten mit der Zeugin M keinen Kontakt

mehr gehabt habe. Es sei deshalb durchaus glaubhaft, dass die Geschädigte

über die Art der Beziehung zwischen dem Beschwerdeführer und der Zeugin M

nicht informiert gewesen sei (Urteil S. 17/18). Die entsprechenden Ausführungen

des Obergerichts änderten nichts am Umstand, so der Beschwerdeführer weiter,

dass die Geschädigte und die Zeugin M über längere Zeit „äusserst intime Bu-

senfreundinnen“ gewesen seien, dass der Geschädigten die Person des Be-

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schwerdeführers durchaus bekannt gewesen sei und sie ihn auch gemeinsam auf

seinem Zimmer besucht hätten. Nun zu glauben, dass die Geschädigte von Lise-

lotte M, mit welcher sie durchaus auch Intimitäten ausgetauscht habe, nicht erfah-

ren haben wolle, welcher Art die frühere Beziehung zwischen der Zeugin M und

dem Beschwerdeführer gewesen sei, sei schlicht und einfach realitätsfremd und

zurückzuweisen. Wenn das Obergericht zum Schluss komme, die entsprechen-

den Angaben könnten aufgrund des Umstandes, dass eine Beziehungspause

zwischen der Geschädigten und der Zeugin M eingetreten sei, zutreffen, so ver-

falle das Obergericht offensichtlich in Willkür. Spätestens nach dieser Bezie-

hungspause habe die Zeugin M genügend Zeit gehabt, ihre Freundin über den

Stand der Dinge zu orientieren (Beschwerdeschrift S. 6 f. Ziff. 6).

Selbst wenn die Freundschaft zwischen der Geschädigten und der Zeugin Lise-

lotte M zeitweise eng gewesen sein soll, lässt sich daraus nicht zwingend schlie-

ssen, dass die Zeugin M die Geschädigte detailliert über die Art ihrer Beziehung

zum Beschwerdeführer orientiert habe. Das Obergericht weist darauf hin, dass im

fraglichen Zeitraum nur ein loser Kontakt zwischen dem Beschwerdeführer und

Liselotte M bestanden habe und dass Liselotte M in der fraglichen Nacht vom 28.

Februar 2003 auf den 1. März 2003 zudem mit einem andern Mann zusammen

gewesen sei, den sie anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 18. März

2003 als ihren besten Kollegen bzw. als ihren Freund bezeichnet habe (BG HD 9

S. 1, Urteil S. 17 unten). Weiter weist das Obergericht darauf hin, dass die Ge-

schädigte und Liselotte M einige Zeit vor dem fraglichen Vorfall keinen Kontakt

mehr miteinander gehabt hätten, und zwar in jener Zeit, in welcher Liselotte M mit

dem Beschwerdeführer liiert gewesen sei (Urteil S. 16 unten). Unter diesen Um-

ständen ist es jedenfalls nicht absolut unwahrscheinlich, dass die Geschädigte

und Liselotte M nicht vertieft über die zwischenmenschlichen Beziehungen zwi-

schen dem Beschwerdeführer und Liselotte M gesprochen haben. Immerhin sagte

die Geschädigte an der vom Verteidiger vor Bezirksgericht zitierten Stelle aus, Li-

selotte M und der Beschwerdeführer hätten auch Sex miteinander gehabt bzw. Li-

selotte M habe dies später einmal der Geschädigten gesagt (Einvernahmeproto-

koll BA vom 21. März 2003, BG HD act. 11 S. 8; Plädoyernotizen BG act. 32 S.

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4). Das Obergericht verfällt nicht in Willkür, wenn es aus den zurückhaltenden

Aussagen der Geschädigten, nicht auf deren Unglaubwürdigkeit schliesst.

d) Das Obergericht hält fest, zutreffend sei, dass die Geschädigte anlässlich der

polizeilichen Einvernahme vom 2. März 2003 ausgesagt habe, dass sie schon

öfter ins Zimmer des Beschwerdeführers hineingeschaut habe, wenn Liselotte M

ihm „hoi“ sagen gegangen sei, aber so ganz in seinem Zimmer sei sie bis jetzt

noch nie gewesen. Auf die anlässlich der bezirksanwaltschaftlichen Einvernahme

vom 21. März 2003 gestellte Frage, ob sie zuvor schon bei anderen Gelegenhei-

ten - gemeint ausser anlässlich des inkriminierten Vorfalls - im Zimmer des Be-

schwerdeführers gewesen sei, habe sie von sich aus eingeräumt, dass sie schon

in dessen Zimmer gewesen sei, wenn zum Beispiel Lisa etwas gebraucht habe,

auch habe sie vom Beschwerdeführer ein Gel für ihre Haare erhalten. Die Aussa-

gen der Geschädigten anlässlich der polizeilichen Einvernahme seien nicht nur

als zurückhaltend, sondern gar als abschwächend zu qualifizieren. Immerhin habe

sie anlässlich der ersten bezirksanwaltschaftlichen Einvernahme bezüglich der

Besuche im Zimmer des Beschwerdeführers auf entsprechende Frage hin ohne

Vorbehalt Auskunft zu den Besuchen im Zimmer des Beschwerdeführers gege-

ben. Insoweit könne aus dem Umstand, dass die Geschädigte hierüber zunächst

nur zurückhaltend Auskunft gegeben habe, nichts zu deren Nachteil geschlossen

werden (Urteil S. 18 f.  Erw. III/3.1.3).

Der Beschwerdeführer rügt diesen Schluss als willkürlich. Die Geschädigte habe

nicht „zurückhaltend“ oder „vorsichtig“ Auskunft gegeben, sondern sie habe ganz

offensichtlich Falschaussagen gemacht und diese dann schrittweise zurückneh-

men müssen. Dass dies keine Auswirkung auf ihre allgemeine Glaubwürdigkeit

haben solle, sei unbegreiflich (Beschwerdeschrift S. 7 f. Ziff. 7).

Mit seiner Feststellung, die Aussagen der Geschädigten anlässlich der polizeili-

chen  Einvernahme seien „nicht nur als zurückhaltend, sondern gar als abschwä-

chend zu qualifizieren“ (Urteil S. 18 unten), zeigt das Obergericht, dass es erkannt

hat, dass die erste Aussage der Geschädigten zu diesem Nebenpunkt klar von

einer objektiven Darstellung abweicht. Nicht zu beanstanden ist, dass das Ober-

gericht im Hinblick auf die Frage der Glaubwürdigkeit der Geschädigten diese er-

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ste Aussage nicht isoliert betrachtet, sondern sein Augenmerk auch darauf richtet,

dass die Geschädigte anlässlich der bezirksanwaltschaftlichen Einvernahme ohne

Vorbehalt über die Besuche im Zimmer des Beschwerdeführers berichtete. Wenn

es hierauf zum Schluss gelangt, aus der ursprünglichen Weise der Auskunftge-

bung bei der Polizei könne letztlich nichts zum Nachteil der Geschädigten abge-

leitet werden, hält es sich jedenfalls im Rahmen des Vertretbaren. Die Willkürrüge

ist unbegründet.

e) Das Obergericht hält fest, die Geschädigte habe den Umstand, dass der Be-

schwerdeführer sie attraktiv gefunden habe, von Anfang an als zutreffend einge-

räumt. Sie habe anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 2. März 2003 aus-

geführt, der Beschwerdeführer habe ab und zu gesagt, sie habe einen schönen

Körper und Ähnliches. Ebenso habe sie anlässlich der bezirksanwaltschaftlichen

Einvernahme vom 21. März 2003 ausgeführt, dass der Beschwerdeführer ihr ge-

sagt habe, sie sei eine schöne Frau. Sie habe jedoch sogleich angeführt, dass er

dies mit allen Frauen mache. Als zutreffend habe sie auch eingeräumt, dass Lisa

M ihr gesagt habe, dass der Beschwerdeführer sie attraktiv und schön finde, nicht

aber, dass er Sex von ihr gewollt habe, wie Lisa M anlässlich der polizeilichen

Einvernahme vom 18. März 2003 ausgeführt habe. Es habe sich offensichtlich um

Komplimente des Beschwerdeführers gehandelt, die sein Interesse - wohl auch

ein sexuelles - an ihr hätten zeigen sollen. Die Geschädigte habe diese Kompli-

mente bzw. Andeutungen aber offensichtlich nicht ernst genommen, habe sie

doch ausgeführt, er mache dies mit allen Frauen (Urteil S. 19 Erw. III/3.1.4).

Der Beschwerdeführer rügt, mit dieser Erwägung gehe das Obergericht am Kern

der Sache vorbei. Einmal könne der Geschädigten sicherlich nicht geglaubt wer-

den, sie habe die immer wieder geäusserten Komplimente und Andeutungen des

Beschwerdeführers nicht ernst genommen, nur weil sie dies in der Untersuchung

so angegeben habe. Ausserdem sei massgeblich, dass sie hätte wissen müssen,

dass sie dem Beschwerdeführer ausserordentlich gut gefallen habe, und dass

unter diesen Umständen ihr jeweiliges Verhalten gegenüber dem Beschwerdefüh-

rer, wie sie es denn auch während den eingeklagten Tathandlungen resp. vor die-

sen manifestiert habe, vom Beschwerdeführer in einer gewissen Richtung ge-

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wertet würde. Wenn also das Obergericht die vom Beschwerdeführer immer wie-

der gemachten Komplimente und Andeutungen gegenüber der Geschädigten

nicht so werte, dass die Geschädigte entsprechend ein Wissen über ihre Attrakti-

vität gegenüber dem Beschwerdeführer habe aufweisen müssen, und sich auch

entsprechend zu verhalten gehabt habe, dann sei dies ein Zeichen von Willkür.

Auch zeige es, dass es mit der allgemeinen Glaubwürdigkeit der Geschädigten

nicht sehr weit her sein könne, sei doch ihre früher gemachte Aussage, wonach

es ihr nicht bewusst gewesen sei, dass der Beschwerdeführer auf sie „stehe“, als

hilflose Schutzbehauptung zu qualifizieren (Beschwerdeschrift S. 8 Ziff. 8).

Der Beschwerdeführer unterlässt es anzugeben, wo in den Akten sich die von ihm

als „hilflose Schutzbehauptung“ bezeichnete Aussage der Geschädigten finden

soll, wonach sie nicht gewusst habe, dass der Beschwerdeführer auf sie „stehe“.

Diesbezüglich genügt sein Vorbringen den Anforderungen an die Begründung ei-

ner Nichtigkeitsbeschwerde nicht. Im übrigen bedeutet der Umstand, dass ein

Mann eine Frau attraktiv und schön findet, nicht ohne weiteres, dass er sie begeh-

re (auf sie „stehe“). Machte der Beschwerdeführer gegenüber „allen Frauen“, also

zumindest gegenüber vielen Frauen, Komplimente und Andeutungen hinsichtlich

deren Schönheit, so ist es zumindest verständlich, dass die Geschädigte diesen

keine grössere Bedeutung zumass. Eine willkürliche Tatsachenfeststellung ist in

diesem Zusammenhang nicht erkennbar.

f) Das Bezirksgericht hält in seinem Urteil fest, was die Verteidigung aus den Aus-

sagen der Geschädigten zu den Verständnisschwierigkeiten mit dem Beschwer-

deführer ableiten wolle, sei nicht nachvollziehbar. Dass der Beschwerdeführer

nach nunmehr fünfjährigem Aufenthalt in der Schweiz „komm, komm“ in deut-

scher Sprache zu sagen vermöge, erstaune nicht weiter und stehe in keinem Wi-

derspruch zu der Ausführung der Geschädigten, wonach er nur Spanisch spre-

che, was sie nicht verstehe bzw. „er spricht nur Spanisch und gebrochen Deutsch

und sagte immer ‚komm, komm’“ (OG act. 40 S. 8 oben). Das Obergericht führt

hierzu aus, unbehelflich sei die Kritik der Verteidigung an den vorinstanzlichen

Ausführungen zu den Verständnisschwierigkeiten zwischen dem Beschwerdefüh-

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rer und der Geschädigten. Diesen zutreffenden Erwägungen des Bezirksgerichts

sei nichts beizufügen (Urteil S. 26 unten, Erw. III/5.7).

Vor Obergericht führte der Verteidiger aus, die Geschädigte habe gegenüber der

Polizei ausgesagt, „er (der Beschwerdeführer) spreche nur Spanisch und da ver-

stehe ich nichts“. Später habe sie ausgesagt, „er spricht schlecht Deutsch und

sagte immer ‚komm, komm’“ Es sei auch darauf hinzuweisen, dass die Geschä-

digte angegeben habe, der Beschwerdeführer habe ihr gesagt, er wolle Sex von

ihr, er habe weiter gesagt, es werde niemand davon erfahren und er wolle nur

einmal. Dies seien nicht die Aussagen eines Menschen, der nur Spanisch spre-

che und den man nicht verstehe (OG act. 46 S. 8 Mitte, so auch in der Beschwer-

deschrift, S. 5 f., wiedergegeben).

Der Beschwerdeführer rügt, indem das Obergericht sich mit diesem Punkt nicht

auseinandersetze und das Bezirksgericht in seinen Erwägungen angebe, es habe

nicht verstanden, was die Verteidigung über die Verständnisschwierigkeiten zwi-

schen dem Beschwerdeführer und der Geschädigten ausgeführt habe, werde der

Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt. Es handle sich

beim erwähnten Vorbringen der Verteidigung um einen durchaus relevanten

Punkt, der direkten Einfluss auf die Beurteilung der Glaubwürdigkeit der Geschä-

digten habe und deshalb vom Gericht hätte zur Kenntnis genommen werden

müssen (Beschwerdeschrift S. 8 f Ziff. 9).

In der polizeilichen Einvernahme vom 2. März 2003, auf welche die Verteidigung

in ihrem Plädoyer vor Bezirksgericht Bezug nimmt (BG act. 32 S. 6), sagte die

Geschädigte aus: „Meistens redete er sowieso nur auf Spanisch, und da verstehe

ich nichts.“ (BG HD act. 3 S. 4 Mitte). Diese Aussage gab der Verteidiger im Plä-

doyer vor Bezirksgericht verfälscht wieder: „Er redete nur Spanisch und da ver-

stehe ich nichts.“ (BG act. 32 S. 6). Wenn die Geschädigte aussagte, der Be-

schwerdeführer habe sie mit den Worten „komm, komm“ veranlasst, in sein Zim-

mer zu kommen, und er habe ihr gesagt, er wolle Sex mit ihr, so steht dies nicht in

Widerspruch zur Aussage der Geschädigten gegenüber der Polizei, der Be-

schwerdeführer spreche meistens Spanisch und das verstehe sie nicht. Damit

mangelt es dem Vorbringen des Verteidigers vor Bezirksgericht bezüglich der

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Verständnisschwierigkeiten und der angeblichen Widersprüche in den diesbezüg-

lichen Aussagen der Geschädigten an der Grundlage, weshalb die Feststellung

des Bezirksgerichts, auf welche das Obergericht verweist, es sei nicht nachvoll-

ziehbar, was die Verteidigung aus den Aussagen der Geschädigten zu den Ver-

ständnisschwierigkeiten ableiten wolle, verständlich ist. Immerhin haben sowohl

das Bezirksgericht wie das Obergericht von den diesbezüglichen Vorbringen der

Verteidigung Kenntnis genommen und darauf geantwortet. Die Rüge der Verwei-

gerung des rechtlichen Gehörs ist unbegründet.

g) Das Bezirksgericht hält fest, was den vom Beschwerdeführer angeführten

Vorfall drei Tage vor der zu beurteilenden Tat betreffe, falle auf, dass die Ge-

schädigte diesen von sich aus nicht erwähne. Erst mit den Aussagen des Be-

schwerdeführers konfrontiert, wonach sie ihm ihren Schambereich gezeigt habe,

gestehe sie ein, ihren Pullover ganz wenig hoch bis über den Bauchnabel gezo-

gen zu haben. Zwar schildere der Beschwerdeführer selbst den Vorfall bloss ru-

dimentär, dennoch sei unter Berücksichtigung der Aussagen der Zeugin Liselotte

M zu seinen Gunsten davon auszugehen, dass die Geschädigte tatsächlich drei

Tage zuvor im Zimmer des Beschwerdeführers ihre Kleidung in neckisch-

provozierender Art etwas verschoben habe, wodurch der Anfang ihres Schambe-

reichs einzusehen gewesen sei. Nachdem die Geschädigte unbestritten im Milieu

gearbeitet habe und dies womöglich auch heute noch teilweise tue, sei angesichts

der sozialen Ächtung dieser Tätigkeit nicht weiter verwunderlich, dass sie sich in

einem besseren Licht darzustellen suche. So leuchte auch ein, dass sie ihre Tä-

tigkeit als Gelegenheitsprostituierte bzw. in einem Massagesalon nicht von An-

fang an zugegeben habe, zumal sie sich selber nicht als solche begreife, gehe sie

doch nach ihren Angaben hauptberuflich einer Ausbildung als Coiffeuse nach (OG

act. 40 S. 7). Das Obergericht verweist, was den vom Beschwerdeführer ange-

führten und von Liselotte M bestätigten Vorfall angeht, wonach die Geschädigte

ihm ihren Schambereich gezeigt habe, auf die Erwägungen des Bezirksgerichts

(Urteil S. 19 Erw. III/3.1.5).

Der Beschwerdeführer hält dafür, das Argument der sozialen Ächtung der Tätig-

keit der Geschädigten im Milieu sei allenfalls für die Zugabe, als Prostituierte zu

-   14   -

arbeiten, noch nachvollziehbar. Mit der Frage, ob die Geschädigte dem Be-

schwerdeführer einen Teil ihres Schambereichs gezeigt habe, habe diese Frage

wahrhaftig nichts zu tun, resp. sei das Zeigen eines oberen Teils des Schambe-

reichs in keinen Zusammenhang mit der Tätigkeit einer Prostituierten zu stellen.

Wenn das Obergericht dadurch implizit ausser Acht lasse, die diesbezüglich lü-

genhaften Aussagen der Geschädigten im Zusammenhang mit einer mangelnden

Glaubwürdigkeit der Geschädigten zu würdigen, so sei auch dies „ein Zeichen

von Willkür“ (Beschwerdeschrift S. 9 f. Ziff. 10).

Das Bezirksgericht hat, wie ausgeführt, zugunsten des Beschwerdeführers ange-

nommen, dass die Geschädigte drei Tage vor der zu beurteilenden Tat im Zimmer

des Beschwerdeführers ihre Kleidung in neckisch-provozierender Art verschoben

habe, so dass der Anfang ihres Schambereichs zu sehen gewesen sei. Weiter hat

das Bezirksgericht realisiert, dass die Geschädigte diese Handlung nicht von sich

aus erwähnt, sondern erst auf Vorhalt der Aussagen des Beschwerdeführers ein-

gestanden habe. Diese Ausführungen des Bezirksgerichts erfolgten im Rahmen

der Erwägung II/4, welche die Frage der Glaubwürdigkeit zum Gegenstand hat

(OG act. 40 S. 6 f.). Das Obergericht verweist in diesem Zusammenhang auf die

Ausführungen des Bezirksgerichts. Diese Verweisung erfolgt in Erwägung III/3.1.5

des angefochtenen Urteils (S. 19), welche wiederum Teil der die Frage der

Glaubwürdigkeit der Geschädigten zum Inhalt habenden Erwägung III/3.1 bildet.

Ob die Verknüpfung des Aussageverhaltens der Geschädigten in diesem Punkt

mit demjenigen bezüglich ihrer Tätigkeit als Gelegenheitsprostituierte und der

damit verbundenen gesellschaftlichen Ächtung überzeugend sei, kann dahinge-

stellt bleiben. Entscheidend ist, dass beide Vorinstanzen zugunsten des Be-

schwerdeführers annehmen, die Geschädigte habe diesen Vorfall zunächst nicht

erwähnt und hernach dazu nicht offen ausgesagt, und dass diese Annahme im

Rahmen der Prüfung der Glaubwürdigkeit der Geschädigten erfolgt. Ein „Zeichen

von Willkür“ zulasten des Beschwerdeführers ist nicht zu erkennen.

h) Das Obergericht stellt abschliessend fest, gesamthaft sei mit dem Bezirksge-

richt festzuhalten, dass gegen die Glaubwürdigkeit (recte: Glaubhaftigkeit) der

Aussagen der Geschädigten keine wesentlichen Umstände vorlägen, welche die-

-   15   -

se zu erschüttern vermöchten, doch sei einzuräumen, dass ihre offensichtliche

Beschönigungstendenz in Nebenpunkten ihre Glaubwürdigkeit durchaus etwas zu

schmälern vermöchte (Urteil S. 20 f. Erw. 3.1.7).

Der Beschwerdeführer zählt unter Ziffer 11 seiner Beschwerdeschrift (S. 10 f.)

nochmals die Nebenpunkte auf, zu denen die Geschädigte „offensichtlich und

nachweisbar die Unwahrheit gesagt“ habe, und hält dafür, dies müsse ihre allge-

meine Glaubwürdigkeit, aber auch die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen in der ei-

gentlichen Hauptsache derart schmälern, dass ihr nicht mehr geglaubt werden

dürfe. Wenn das Obergericht trotz all dieser Mosaiksteine, trotz den nachweislich

in fast allen Punkten nachprüfbar falschen Angaben der Geschädigten, auf deren

Aussagen abstelle, sei dies willkürlich und verstosse dies gegen den Grundsatz

„in dubio pro reo“.

Wie aufgezeigt hat das Obergericht die Beschönigungstendenz in den Aussagen

der Geschädigten durchaus erkannt und auch festgestellt, dass diese geeignet

sei, die Glaubwürdigkeit der Geschädigten etwas zu schmälern. Zum Teil sind die

Vorwürfe des Beschwerdeführers an die Adresse der Geschädigten, was die

Wahrheitswidrigkeit ihrer Aussagen angeht, übertrieben oder gar haltlos (so be-

züglich der Aussagen der Geschädigten zu den Verständnisschwierigkeiten, wo

die Vorwürfe auf einer verfälschenden Zitierung eines Einvernahmeprotokolls

durch den Verteidiger beruhen). Dass das Obergericht aufgrund der genannten

Beschönigungstendenzen in Nebenpunkten nicht generell auf Unglaubwürdigkeit

der Geschädigten und zum vornherein auf Unglaubhaftigkeit ihrer Aussagen in

der Hauptsache schliesst, ist nicht willkürlich und verletzt den Grundsatz „in dubio

pro reo“ nicht.

3. a) Das Obergericht pflichtet der Kritik der Verteidigung am erstinstanzlichen

Urteil in dem Sinne bei, als nicht davon gesprochen werden könne, die Aussagen

des Beschwerdeführers seien „durchtränkt von Lügensignalen“. Doch, so das

Obergericht  weiter, seien seine Aussagen zum Umstand, wie die Geschädigte

aufs Bett gelangt sei, effektiv widersprüchlich. Der Beschwerdeführer habe ange-

geben, sie hätten sich gemeinsam auf das Bett gelegt (BG HD act. 7 S. 4, BG HD

act. 12 S. 2), dann wolle er sie nicht mit Kraft auf das Bett gedrückt, sondern nor-

-   16   -

mal auf das Bett gelegt haben (BG HD act. 12 S. 1 f.), bzw. als sie sich festge-

halten hätten, sei die Geschädigte nach hinten aufs Bett gefallen (BG HD act. 15

S. 3). Ebenso widersprüchlich seien die Aussagen des Beschwerdeführers be-

züglich des Umstandes, ob er die Geschädigte nun am Geschlechtsteil geleckt

habe oder nicht. Zuerst wolle er dies über (BG HD act. 7 S. 4), dann (sinngemäss)

unter dem Nachthemd getan haben (BG HD act. 12 S. 3, BG HD act. 15 S. 3),

anlässlich der Berufungsverhandlung habe er solches gänzlich in Abrede gestellt

(OG act. 48 = OG Prot. S. 8). Seine Aussagen stimmten auch nicht überein hin-

sichtlich der Darstellung, wie er mit der Geschädigten in sein Zimmer gelangt sei.

Zunächst wolle er sie am rechten Unterarm genommen und auf sein Zimmer ge-

führt haben, wobei er sie nicht gezogen habe. Er habe sie leicht am Handgelenk

gefasst und geführt (BG HD act. 7 S. 4). Er habe sie an der Hand genommen, und

als sie etwa in der Mitte der Treppe nach oben gewesen sei, sei sie vor ihm ge-

gangen (OG HD act. 15 S. 5). Er habe sie an der Hand genommen, und sie seien

dann zusammen nach oben gegangen (OG Prot. S. 6) bzw. die Geschädigte sei

vor ihm die Treppe hinaufgegangen (OG Prot. S. 7). Hinsichtlich des Verlassens

seiner Wohnung habe er zunächst zu Protokoll gegeben, die Geschädigte sei aus

dem Zimmer gerannt. Er sei ihr nachgerannt und sei auch in Liselottes Zimmer

eingedrungen (OG HD act. 7 S. 5). Dann wolle er ihr nicht nachgegangen sein,

sondern nur hinunter gegangen sein, um seine Matratze zu holen (OG HD act. 15

S. 2). Die Geschädigte sei nicht aus seinem Zimmer gerannt, sondern einfach

hinausgegangen (OG Prot. S. 10). Die Aussagen des Beschwerdeführers, so das

Obergericht, seien keineswegs einheitlich und erwiesen sich teilweise als wider-

sprüchlich (Urteil S. 22 f. Erw. III/4.2).

b) Der Beschwerdeführer macht bezüglich der uneinheitlichen Darstellung, wie die

Geschädigte auf das Bett gelangt sei, geltend, das sich gemeinsam auf das Bett

legen und das jemanden auf das Bett legen seien nicht wirklich unterschiedliche

Vorgänge. Auch die Wendung, sie hätten sich festgehalten und da sei die Ge-

schädigte nach hinten auf das Bett gefallen, sei gegenüber einem Hinlegen ein

nicht wirklich entscheidend anderer Vorgang. Massgeblich daran sei insbesonde-

re, dass das Hinlegen bei allen diesen Wendungen nicht durch den Beschwerde-

führer erzwungen worden sei (Beschwerdeschrift S. 11 Ziff. 12).

-   17   -

Sollten sich die Geschädigte und der Beschwerdeführer gemeinsam aufs Bett

gelegt haben, so wäre dies beiderseits ein aktiver Vorgang. Sollte der Beschwer-

deführer die Geschädigte aufs Bett gelegt haben, so wäre dies seitens der Ge-

schädigten ein auf direktem Handeln des Beschwerdeführers beruhender passi-

ver Vorgang, allenfalls ein Dulden. Sollte die Geschädigte, als sich die beiden

festhielten, nach hinten aufs Bett gefallen sein, so wäre dies wiederum seitens der

Geschädigten ein passiver Vorgang, jedoch nicht auf direktes Handeln des Be-

schwerdeführers, sondern auf den Gesetzen der Schwerkraft beruhender Vor-

gang. Wenn das Obergericht hier eine Uneinheitlichkeit in den Aussagen des Be-

schwerdeführers erkennt, ist dies nicht zu beanstanden. Das Obergericht stellt im

übrigen an der gerügten Stelle nicht fest, die Geschädigte sei durch körperlichen

Zwang seitens des Beschwerdeführers auf das Bett gelangt.

c) Der Beschwerdeführer hält weiter dafür, seine Aussagen darüber, wie die Ge-

schädigte und er zu seinem Zimmer gelangt seien (dass der Beschwerdeführer

die Geschädigte leicht an der Hand gefasst bzw. an der Hand genommen habe

und dass die beiden zusammen nach oben gegangen seien und die Geschädigte

vor ihm die Treppe hinaufgegangen sei bzw. ab etwa der Mitte der Treppe vor ihm

gegangen sei) seien nicht als widersprüchlich oder uneinheitlich zu betrachten.

Vielmehr habe er mit leicht anderen Worten den Vorgang gleich dargestellt.

Ebenfalls keine Widersprüchlichkeit zeigten seine Schilderungen auf, wie die Ge-

schädigte sein Zimmer verlassen habe (Beschwerdeschrift S. 11 f. Ziff. 13)

Das Obergericht hält nicht fest, sämtliche von ihm zitierten Aussagen des Be-

schwerdeführers seien widersprüchlich, sondern vielmehr bezeichnet es diese als

keineswegs einheitlich und teilweise widersprüchlich. Was die Aussagen des Be-

schwerdeführers darüber, wie die Geschädigte in sein Zimmer gelangte, angeht,

ist ihm recht zu geben, dass diese im wesentlichen einheitlich und ohne bedeu-

tende Widersprüche sind bzw. die leichte Uneinheitlichkeit (ob die Geschädigte

erst ab der Mitte der Treppe vorangegangen sei und ob der Beschwerdeführer am

Unterarm oder an der Hand gefasst habe) nicht ins Gewicht fällt. Immerhin sind

die Schilderungen auch inhaltlich und nicht nur mit Bezug auf die Wortwahl nicht

völlig deckungsgleich.

-   18   -

Ob die Geschädigte aus dem Zimmer gerannt oder nicht gerannt sei und ob der

Beschwerdeführer ihr nachgerannt sei oder ob er ihr nicht nachgegangen sei, sind

merkliche Unterschiede in der Darstellung des Beschwerdeführers. Wenn das

Obergericht von keineswegs einheitlichen und teilweise auch widersprüchlichen

Aussagen des Beschwerdeführers spricht, so trifft dies jedenfalls auf diese Vor-

bringen zu.

d) Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, die Auffassung des Obergerichts, wo-

nach es nicht mehr von Bedeutung sei, ob es möglich sei, dass das Nachthemd

der Geschädigten ohne das Zutun des Beschwerdeführers ein Stück heraufge-

rutscht sei, da er nun eine neue Version vorlege, wonach er der Geschädigten

nicht mehr am Geschlechtsteil geleckt habe (Urteil S. 24), sei unzutreffend. So

habe nämlich das Bezirksgericht genüsslich darauf hingewiesen, dass das Nacht-

hemd nicht ohne sein Zutun hätte hinaufrutschen können, was zeige, dass er ei-

nerseits falsch aussage und andererseits aktiv auf einen gewaltsam herbeige-

führten Geschlechtsverkehr „hingearbeitet" habe, aber auch dass diese Schilde-

rung des Beschwerdeführers „entlarvend“ und realitätsfremd sei (Beschwerde-

schrift S. 12 Ziff. 13 zweite Hälfte).

Das Bezirksgericht hielt fest, entlarvend mute die Schilderung des Beschwerde-

führers an, das lange Nachhemd der Geschädigten sei hinaufgerutscht, als er sie

auf das Bett gelegt habe. Dass ein Kleidungsstück, welches unbestritten beinahe

bis zum Boden reiche, in der Liegeposition ohne Zutun soweit hinaufrutsche, dass

der Intimbereich der Geschädigten freigegeben werde, sei realitätsfremd (OG act.

40 S. 12). Das Obergericht hält an der vom Beschwerdeführer gerügten Stelle

fest, es sei eher ungewöhnlich, aber keineswegs unmöglich, dass ein bodenlan-

ges Nachthemd in einer Liegeposition so weit hinaufrutsche, dass der Intimbe-

reich der Geschädigten ohne weiteres freigegeben werde. Doch auch wenn das

Nachthemd ein Stück heraufgerutscht sein sollte, sei dies nicht mehr von Belang,

da der Beschwerdeführer gemäss neuester Version die Geschädigte gar nicht

mehr (weder über noch unter dem Nachthemd) am Geschlechtsteil geleckt haben

wolle (Urteil S. 24 oder Erw. III/4.4).

-   19   -

Während das Bezirksgericht noch dafür hielt, es sei unmöglich, dass ein beinahe

bodenlanges Nachthemd derart weit heraufrutschen könne, dass der Intimbereich

der Geschädigten freigegeben werde, erachtet das Obergericht dies als zumin-

dest möglich und relativiert damit die Würdigung des Bezirksgerichts, wonach die

entsprechende Schilderung des Beschwerdeführers „entlarvend“ sei. Soweit wird

der Beschwerdeführer durch die obergerichtliche Erwägung nicht beschwert. In-

wiefern der Beschwerdeführer dadurch beschwert sein soll, dass das Obergericht

die Frage, wie weit das Nachthemd heraufrutschen konnte, als nicht mehr von

Belang bezeichnet, ist nicht klar. Die Feststellung des Obergerichts, der Be-

schwerdeführer habe im Berufungsverfahren - entgegen den unterschiedlichen

früheren Darstellungen - neu vorgebracht, er habe die Geschädigte nicht am Ge-

schlechtsteil geleckt, wird vom Beschwerdeführer nicht bestritten.

4. Der Beschwerdeführer zitiert aus dem Plädoyer seines Verteidigers vor Be-

zirksgericht, wo dieser die Schilderung der sexuellen Handlungen durch die Ge-

schädigte zusammenfassend wiedergab und darauf hinwies, dass diese Schilde-

rungen Unterschiede aufwiesen (BG act. 32 S. 8 ff. lit. g). Er macht geltend, diese

verschiedene Darstellung der eigentlichen Vorfälle sei ein weiterer Grund, die

Glaubwürdigkeit der Geschädigte und die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen in

Zweifel zu ziehen. Dazu habe sich das Obergericht nicht geäussert, resp. es sei-

en die Schilderungen der Geschädigten betreffend der sexuellen Handlungen kei-

ner weiteren Prüfung unterzogen, sondern es sei auf die Erwägungen des Be-

zirksgerichts verwiesen worden, in welchen aber keine diese Widersprüche disku-

tierenden Erwägungen zu finden seien, ausser dem Hinweis, dass der Grad des

Eindringens in die physische Intimsphäre im Kern gleichbleibend geschildert wor-

den sei. Durch diese mangelnde Prüfung der die eigentlichen Tathandlungen be-

schreibenden Darstellungen der Geschädigten verletze das Obergericht den An-

spruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör. Es verfalle auch in Willkür,

da auch diese Aussagen zeigten, dass von einer intakten Glaubwürdigkeit und

von einer Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen, gerade was den massgeblichen Tatab-

lauf betreffe, nicht die Rede sein könne (Beschwerdeschrift S. 12 -14 Ziff. 14).

-   20   -

Das Bezirksgericht gibt in seinem Urteil die Aussagen der Geschädigten ebenfalls

in einer ausführlichen Zusammenfassung wieder (OG act. 40 S. 13 - 15 Erw.

III/12). Hierauf nimmt es eine eigene Würdigung derselben vor (S. 15 f. Erw.

III/13) und geht kurz auf die nun im Kassationsverfahren wiederholten Einwen-

dungen der Verteidigung ein. Dabei hält es fest, der Ansicht der Verteidigung

könne nicht beigepflichtet werden. Der Grad des Eindringens in ihre physische In-

timsphäre schildere die Geschädigte in den Grundzügen gleich bleibend. Auch

wenn sie bei der ersten polizeilichen Einvernahme die Abläufe in etwas geraffter

Version wiedergebe, stimmten diese im Kern überein mit den später erfolgten

Schilderungen (S. 16 Erw. III/14). Das Obergericht verweist im angefochtenen

Urteil auf die Erwägungen des Bezirksgerichts und nennt ausdrücklich alle drei

Erwägungen III/12, 13 und 14 des erstinstanzlichen Urteils (angefochtenes Urteil

S. 24 Erw. III/5.1).

Der Beschwerdeführer begnügt sich im Kassationsverfahren im wesentlichen da-

mit, die Vorbringen seines Verteidigers im Plädoyer vor Bezirksgericht wörtlich

wiederzugeben. Er setzt sich jedoch nicht im einzelnen mit den Erwägungen des

Bezirksgerichts zu den Schilderungen der Tathandlungen durch die Geschädigte,

auf welche das Obergericht verweist, auseinander. Diese Erwägungen III/12, 13

und 14 bilden eine Einheit. Der Beschwerdeführer zeigt damit nicht auf, dass die

Erwägungen der Vorinstanzen willkürlich sein sollen. Immerhin gehen das Be-

zirksgericht und mit ihm durch Verweisung das Obergericht auf die Einwendungen

der Verteidigung ein und nehmen diese zur Kenntnis. Damit wahren die Vorin-

stanzen das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers. Die in diesem Zusammen-

hang erhobenen Rügen sind unbegründet.

5. Der Beschwerdeführer bringt vor, die Verteidigung habe verschiedentlich gel-

tend gemacht, wer eine Vornahme sexueller Handlungen oder gar einen Ge-

schlechtsverkehr gegen den Willen der Geschädigten vor habe, bitte in der Regel

nicht vorgängig um Sex, spreche nicht von „nur einmal“ und „es erfährt ja nie-

mand“ und lasse sich nicht durch ein einfaches „psst, ganz ruhig“ dermassen aus

dem Takt bringen, dass sich die Geschädigte problemlos von ihm lösen und das

Zimmer verlassen könne. Ebenso habe die Verteidigung darauf hingewiesen,

-   21   -

dass die Geschädigte das Zimmer offenbar nicht fluchtartig verlassen habe, wie

sie dies gerne glauben mache. Die Geschädigte habe doch selbst angegeben, es

habe noch ein kurzes Gespräch stattgefunden, im Rahmen dessen der Be-

schwerdeführer ihr Geld angeboten habe und sie geantwortet habe, sie sei doch

keine Nutte. Das Obergericht wende dagegen ein, so der Beschwerdeführer wei-

ter, der Umstand, dass der Beschwerdeführer zu Beginn „nur einmal“ gesagt ha-

be, sei kein Widerspruch dazu, dass er, als dies abgelehnt worden sei, sich nun

zu holen versucht habe, was er begehrt habe (vgl. angefochtenes Urteil S. 25).

Diese Ausführung des Obergerichts sei zwar grundsätzlich nicht einfach falsch, im

konkreten Fall aber unbehelflich. So wie die Anklage nämlich das Verhalten des

Beschwerdeführers schildere und sich dabei auf die Angaben der Geschädigten

stütze, wäre der Beschwerdeführer von Anfang an in einer Weise mit der Ge-

schädigten umgesprungen, dass er von Anfang an den Willen und die Absicht ge-

habt hätte, sich an ihr sexuell zu vergehen. Ein vorgängiges Gespräch mit dem

Inhalt „nur einmal“ und weiteres passe nicht in den so geschilderten Tatablauf. In-

sofern sei die diesbezügliche Wendung und das Bitten um „nur einmal“ und „es

erfährt ja doch niemand“ ein klarer Hinweis darauf, dass der Beschwerdeführer

nicht so vorgegangen sein könne, wie dies die Anklage und die Geschädigte

glauben machen wollten. Entsprechend sei die Erwägung des Obergerichts will-

kürlich und verletze den Grundsatz „in dubio pro reo“ (Beschwerdeschrift S. 14 f.

Ziff. 15).

Dass der Beschwerdeführer von Anfang an beabsichtigte, mit der Geschädigten

sexuell zu verkehren, schliesst nicht aus, dass er zunächst versucht habe, das

Gewünschte von der Geschädigten freiwillig zu erlangen, und dass er erst nach-

dem die Geschädigte sich ihm verweigerte, versucht habe, den sexuellen Verkehr

zu erzwingen. In dem Sinne ist die Annahme, dass er versucht habe, mit der Bitte

um „nur einmal“ und der Versicherung „es erfährt ja niemand“ die Geschädigte zu

veranlassen, mit ihm sexuell zu verkehren, durchaus realistisch. Inwiefern diese

Versuche, sexuelle Handlungen von der Geschädigten durch Zureden freiwillig zu

erlangen, in Widerspruch zur Schilderung der Anklage stehen soll, zeigt der Be-

schwerdeführer nicht auf.

-   22   -

6. Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, das Obergericht sei auch der Auffas-

sung, es sei keineswegs lebensfremd, dass auch nach der vorgängigen Gegen-

wehr der Geschädigten sich der Beschwerdeführer durch ein „psst, ganz ruhig“

habe irritieren lassen, so dass sich der Geschädigten die Möglichkeit geboten ha-

be, aufzustehen (vgl. angefochtenes Urteil S. 25). Auch diese Erwägung sei will-

kürlich. Wer sich entschlossen habe, gegen den Willen einer weiblichen Person

zu sexuellen Handlungen und gar zum Geschlechtsverkehr zu kommen und dafür

auch Körperkraft einsetze, der lasse sich nicht mitten in diesem Gerangel durch

ein einfaches „psst, ganz ruhig“ der Geschädigten dermassen ausser Gefecht

setzen, dass auch ein sich herauswinden unter dem Beschwerdeführer hindurch

und ein Verlassen des Zimmers problemlos möglich sei. Insbesondere dann,

wenn - wie die Anklage aufführe - die Geschädigte sich vorgängig lauthals gegen

die Vorgänge gewehrt und sogar dem Beschwerdeführer mit der Faust auf den

Kopf geschlagen habe. Die Tatsache, dass dies eben so leicht möglich gewesen

sei, zeige vielmehr, dass der Beschwerdeführer niemals die Absicht gehabt habe,

gegen den Willen der Geschädigten tätig zu werden und dass er sich sogar durch

ein kurzes und leises „psst, ganz ruhig“ von weiteren Handlungen habe abhalten

lassen. Wenn das Obergericht den Umstand des Ablassens und die problemlose

„Flucht“ aus dem Zimmer nicht als Zeichen dafür nehme, die Anklage als nicht er-

stellt zu sehen, sei dies willkürlich und verletze „in dubio pro reo“ (Beschwerde-

schrift S. 15 f. Ziff. 16).

Nachdem sich die Geschädigte zunächst gegen die sexuellen Übergriffe des Be-

schwerdeführers verbal und brachial zur Wehr setzte, war das beschwichtigende

„psst, ganz ruhig“ der Geschädigten eine eher überraschende Fortsetzung. Dass

dies den Beschwerdeführer zu irritieren vermochte, ist daher durchaus realistisch,

konnte sich dieser doch dadurch allenfalls am Ziel seines Vorhabens wähnen, in-

dem die Geschädigte scheinbar ihren Widerstand gegen den sexuellen Verkehr

mit ihm aufgegeben hatte. Daraus lässt sich jedoch nicht schliessen, der Be-

schwerdeführer habe nie beabsichtigt, nötigenfalls gegen den Willen der Geschä-

digten mit dieser sexuell zu verkehren. Eine willkürliche tatsächliche Annahme

des Obergerichts und  ein Verstoss gegen den Grundsatz „in dubio pro reo“ liegen

nicht vor.

-   23   -

7. Das Obergericht stellt fest, das Angebot des Beschwerdeführers, ihr Geld zu

geben und ihre Ablehnung und Bemerkung, sie sei keine Nutte, lasse sich mit ei-

nem „fluchtartigen“ Verlassen des Zimmers durch die Geschädigte in Einklang

bringen. Das „fluchtartige“ Verlassen decke sich auch mit dem Umstand, dass der

Beschwerdeführer von der Zeugin Liselotte M bei ihr unten mit der Geschädigten

streitend und „ich will ficken“ schreiend wahrgenommen worden sei, was vom Be-

schwerdeführer allerdings bestritten werde (Urteil S. 25 Mitte).

Der Beschwerdeführer rügt, das Obergericht lasse bewusst offen, wie dies in Ein-

klang zu bringen sei. Ein solcher Einklang sei auch nicht herzustellen. Das Ober-

gericht verletze diesbezüglich seine Begründungspflicht und damit den Anspruch

des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör. Die entsprechende Erwägung sei

willkürlich, weil dadurch, ohne dass dies nachvollziehbar wäre, die Angabe der

Geschädigten, sie habe fluchtartig das Zimmer verlassen, als richtig anerkannt

werde und durch diese angebliche Flucht auch der Eindruck verstärkt werde, sie

hätte vor dem Beschwerdeführer flüchten müssen, was ja eben gerade nach Dar-

stellung des Beschwerdeführers nicht der Fall gewesen sei. Dass sich der Be-

schwerdeführer in einem späteren Zeitpunkt von der Geschädigten zuerst ange-

stachelt und dann „verarscht“ vorgekommen sei und deshalb allenfalls im unteren

Stock „ich will ficken“ geschrieen habe, stehe in keinem Widerspruch zu der Un-

möglichkeit, unter den genannten Umständen (insbesondere dem Gespräch über

Geld geben, keine Nutte sein, etc.) das Zimmer fluchtartig zu verlassen. Auch

dies sei willkürlich (Beschwerdeschrift S. 16 Ziff. 17).

Sollte es zum von der Geschädigten geschilderten Wortwechsel, worin der Be-

schwerdeführer ihr Geld angeboten habe und sie geantwortet habe, sie sei keine

„Nutte“, gekommen sein, so konnte dieser sich in einem kurzen Augenblick ab-

spielen. Ein Wortwechsel führt nicht zur Bewegungsunfähigkeit der sprechenden

Personen, so dass ein kurzer Wortwechsel und eine Flucht sich grundsätzlich

miteinander in Einklang bringen lassen, ohne dass dies detailliert ausgeführt wer-

den müsste. Die Rüge der Verletzung der Begründungspflicht ist unbegründet.

Weshalb dieser kurze Wortwechsel die Geschädigte daran hindern sollte, das

Zimmer des Beschwerdeführers fluchtartig zu verlassen, führt der Beschwerde-

-   24   -

führer im übrigen nicht aus. Er weist damit auch nicht nach, dass die gerügte

Feststellung des Obergerichts willkürlich sein soll.

8. Das Obergericht fährt weiter, weit weniger plausibel sei, dass die Geschädigte

nach einvernehmlichem Beginn das zärtliche Zusammensein ohne besonderen

Vorfall plötzlich gestoppt und die Flucht ergriffen haben soll. Bei einvernehmli-

chem Zusammensein hätte für die Geschädigte zudem kein Anlass bestanden,

von sich aus ihrem Freund eine falsche Version zu erzählen und Anzeige zu er-

statten (Urteil S. 25 Mitte).

Der Beschwerdeführer bringt hierzu vor, weder er noch die Verteidigung hätten

jemals ausgeführt, die Geschädigte habe nach einem einvernehmlichen Beginn

plötzlich ohne besonderen Vorfall gestoppt und die Flucht ergriffen. Vielmehr ha-

be der Beschwerdeführer immer dargelegt, es sei der Geschädigten offenbar in

einem gewissen Zeitpunkt plötzlich zu viel geworden, er habe von ihr abgelassen

und sie habe das Zimmer verlassen. Es sei im Übrigen auch gerade bei jungen

Frauen ein nicht völlig unbekannter Vorgang, dass sie sich aus einer allenfalls im

nachhinein unangenehmen oder peinlichen Situation durch ein Wegrennen „be-

freiten“. So möge dies auch bei der Geschädigten gewesen sein. Dass sie

schliesslich ihrem Freund angeblich die gleiche Version erzählt haben solle, wie

sie bei den Untersuchungsbehörden vorgebracht habe, sei einmal eine unbewie-

sene Behauptung der Geschädigten, und es sei ausserdem sehr wohl möglich,

dass dem Freund der Geschädigten eine plausible Erklärung dafür habe gegeben

werden müssen, weshalb sich die Geschädigte mitten in der Nacht zusammen mit

dem Beschwerdeführer auf dessen Zimmer begeben habe, nachher dieses wie-

der verlassen habe und im späteren Verlauf auch Streit zwischen dem Beschwer-

deführer, der Geschädigten und Liselotte M entstanden sei (Beschwerdeschrift S.

16 f. Ziff. 18).

Der Beschwerdeführer versucht zu erklären, was ein möglicher Grund dafür ge-

wesen sein könnte, dass die Geschädigte sein Zimmer verlassen habe, nämlich

es könnte ihr „plötzlich zu viel“ geworden sein. Damit nennt er aber keinen beson-

deren Vorfall, der die Geschädigte dazu veranlasst haben soll, das Zusammen-

sein mit ihm abzubrechen. Die vom Obergericht verwendete Umschreibung des

-   25   -

Standpunktes des Beschwerdeführers, „dass die Geschädigte nach einvernehmli-

chem Beginn das zärtliche Zusammensein ohne besonderen Vorfall plötzlich ge-

stoppt und die Flucht ergriffen haben soll“, steht im inhaltlichen Kern im Einklang

mit der Darstellung des Beschwerdeführers im Kassationsverfahren. Der Be-

schwerdeführer zeigt damit jedenfalls nicht auf, dass das Obergericht seinen

Standpunkt unrichtig wiedergegeben habe.

Es mag zumindest theoretisch denkbar sein, dass die Geschädigte das Zusam-

mensein mit dem Beschwerdeführer abgebrochen habe, weil es ihr „plötzlich zu

viel“ geworden sei, und dass sie ihrem Freund eine Erklärung dieses Zusammen-

seins mit dem Beschwerdeführer und der nachfolgenden Auseinandersetzung

habe liefern müssen. Dies schliesst aber nicht aus, dass diese Möglichkeit als

weit weniger plausibel erscheine als die vom Obergericht wiedergegebene Versi-

on der Geschädigten. Einen Nichtigkeitsgrund zeigt der Beschwerdeführer in die-

sem Zusammenhang jedenfalls nicht auf.

9. Das Obergericht weist hinsichtlich der Lautstärke des verbalen Widerstands

darauf hin, dass sich die Geschädigte im Treppenhaus um Ruhe bemüht habe

und angegeben habe, sich erst im Zimmer des Beschwerdeführers verbal zur

Wehr gesetzt zu haben. Deshalb sei es ohne weiteres möglich, dass die über-

nächtigte, in einem andern Stockwerk schlafende Liselotte M bei geschlossener

Zimmertür einen allfälligen Lärm nicht gehört habe (Urteil S. 25 Erw. III/5.3).

Der Beschwerdeführer rügt diese Erwägung als willkürlich. Hätte sich die Ge-

schädigte selbst erst im Zimmer des Beschwerdeführers verbal gewehrt, so hätte

sie mitten in der Nacht in einem von vielen Menschen bewohnten Haus ganz be-

stimmt jemand gehört. Diesbezüglich gebe es nicht nur Lieselotte M, die einen

Stock weiter unten ihr Zimmer gehabt habe, sondern auch direkte Zimmernach-

barn des Beschwerdeführers. Aus den ganzen Untersuchungsakten sei kein Hin-

weis ersichtlich, dass ein lauter verbaler Widerstand der Geschädigten vernom-

men worden sei (Beschwerdeschrift S. 17 f. Ziff. 19).

Das Obergericht begründet lediglich, weshalb es ohne weiteres möglich sei, dass

Liselotte M vom verbalen Widerstand der Geschädigten nichts mitbekommen ha-

-   26   -

be. Soweit zeigt der Beschwerdeführer nicht auf, dass die entsprechende An-

nahme des Obergericht unzutreffend bzw. willkürlich sei. Wenn aus den Akten

nicht hervorgeht, dass andere Hausbewohner den verbalen Widerstand der Ge-

schädigten nicht wahrgenommen haben, schliesst dies nicht aus, dass es einen

solchen gegeben hat. Zum einen muss ein solcher nicht zwingend lautstark ge-

wesen sein. Daran ändert auch nichts, dass die Geschädigte grundsätzlich in der

Lage sein soll, laut zu werden, wie der Beschwerdeführer durch seinen Verteidi-

ger vor Bezirksgericht ausführen liess (Plädoyernotizen BG act. 32 S. 13; auf die-

se Stelle bezieht sich das Obergericht in der gerügten Erwägung). Zum andern

lässt sich aus der fehlenden Aktenkundigkeit von Wahrnehmungen der Stimme

der Geschädigten durch anderer Bewohner nicht schliessen, dass solche Wahr-

nehmungen nicht bestehen. Im übrigen zeigt der Beschwerdeführer auch nicht

auf, woraus sich ergeben soll, dass sich zur fraglichen Zeit tatsächlich direkte

Zimmernachbarn des Beschwerdeführers in ihren Zimmern aufgehalten haben.

10. Das Obergericht bezeichnet den Einwand der Verteidigung, dass das Öffnen

von Hosenknopf und Reissverschluss im geschilderten Ablauf nicht vorstellbar

sei, als lebensfremd. Es hält dafür, diese Aktion könne gerichtsnotorisch ohne

weiteres in Sekundenschnelle stattfinden. Ebenso wenig stichhaltig sei die Argu-

mentation betreffend das unüberwindbare Hindernis Unterhose. Der Beschwer-

deführer sei angesichts seiner kräftemässigen Überlegenheit problemlos in der

Lage, die Geschädigte kurz nur mit einer Hand zu halten. Angesichts der üblichen

Schlitze in den Herrenunterhosen bestehe für das weitere Vorgehen offensichtlich

kein Problem. Doch selbst bei andern Hosen stelle das Beseitigen dieses Hinder-

nisse eine Sache von einfachen Handgriffen in Sekundenschnelle dar (Urteil S. 25

f. Erw. III/5.4).

Der Beschwerdeführer bezeichnet diese Erwägungen als unzutreffend, sachlich

falsch und willkürlich. Von einem gerichtsnotorischen Vorgehen könne im Weite-

ren nicht die Rede sein. Wer sich, gemäss Darstellung der Geschädigten, so ver-

halte, dass er auf der Geschädigten liegend diese jeweils mit beiden Händen am

Ober- und Unterarm festhalte und sich über sie „hermache“, habe keine Zeit und

Musse, den Hosenknopf und Reissverschluss in dieser liegenden Situation zu öff-

-   27   -

nen, von einem Beseitigen der Unterhose gar nicht zu reden. Dies sei keineswegs

ein einfacher Handgriff, sondern ein praktisch unmöglicher Vorgang, der nur mit

einer gewissen Ruhe und insbesondere mit dem Einsatz von zwei Händen be-

werkstelligt werden könne. Es sei deshalb willkürlich zu behaupten, der Be-

schwerdeführer hätte dafür problemlos Zeit und Gelegenheit gehabt (Beschwer-

deschrift S. 18 f. Ziff. 20).

Selbst wenn der Beschwerdeführer auf der Geschädigten lag und überdies enge

Hosen getragen haben soll (was er in der Beschwerdeschrift als möglich bezeich-

net), schliesst dies nicht aus, dass er durch kurzes Festhalten der Geschädigten

mit der einen Hand (oder mit seinem auf ihr ruhenden Körpergewicht) und leichtes

Abdrehen des Körpers Zugang mit der andern Hand zu Knopf und Reissver-

schluss fand und hernach Hose und Unterhose soweit herunterstreifen konnte,

dass sein Genital nun frei lag. Es ist nicht abwegig, den Umstand, dass solches

rasch erfolgen kann, als gerichtsnotorisch zu bezeichnen. Ebenfalls nicht willkür-

lich ist die Würdigung des entsprechenden Einwandes des Beschwerdeführers als

lebensfremd.

11. Entgegen den Darstellungen des Obergerichts, so der Beschwerdeführer, sei

es nicht so, dass die Geschädigte das Kerngeschehen in der Phase nach dem in-

kriminierten Sachverhalt so dargestellt habe, wie sich dieses eben genau abge-

spielt habe. Die Verteidigung habe im Plädoyer vor dem Bezirksgericht im Detail

dargestellt, wie die Aussagen der Geschädigten über den Handlungsverlauf nach

den sexuellen Handlungen differiert hätten (BG act. 32 S. 10 ff.). Das Obergericht

habe sich mit diesen Vorbringen nicht auseinandergesetzt, was einer Verletzung

des rechtlichen Gehörs gleich komme. Dass sich das Kerngeschehen so abge-

spielt habe, wie die Geschädigte angebe, sei eine willkürliche Würdigung des

Obergerichts (Beschwerdeschrift S. 19 Ziff. 21).

Dem Obergericht sind die Differenzen in den verschiedenen Darstellungen der

Geschädigten nicht entgangen und es zählt sie in der gerügten Erwägung III/5.5

(Urteil S. 16) einzeln auf. Das Obergericht nimmt in der gerügten Erwägung Be-

zug auf die Ausführungen der Verteidigung in der bezirksgerichtlichen Hauptver-

handlung und in der obergerichtlichen Berufungsverhandlung, kommt jedoch zum

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Schluss, relevant sei, dass sich das Kerngeschehen in der Phase nach dem in-

kriminierten Sachverhalt so abgespielt habe, wie von der Geschädigten darge-

stellt. Das Obergericht nimmt somit von den Vorbringen der Verteidigung Kennt-

nis, wenn es diesen auch letztlich nicht folgt. Der Beschwerdeführer begnügt sich

mit einer generellen Verweisung auf die Ausführungen seines Verteidigers vor

Bezirksgericht, zeigt aber nicht im einzelnen auf, inwiefern sich Differenzen be-

züglich des Kerngeschehens, also über Details in Nebenpunkten hinausgehend,

ergeben. Sowohl die Rüge der Gehörsverweigerung wie die Willkürrüge sind un-

begründet.

12. Das Obergericht hält fest, was die technische Seite anbelangt, so weise der

Verteidiger erneut darauf hin, dass es unmöglich sei, sich auf einem Einzelbett

von 90 cm quer hinzulegen, da man keinen Platz habe. Die Geschädigte habe

ausgeführt, sie sei damals auf der Längsseite des Bettes gesessen. Weder der

Beschwerdeführer noch die Geschädigte hätten sich dazu geäussert, in welchem

Winkel zur Längsseite die Geschädigte schliesslich genau zu liegen gekommen

sei. Dies müsse offen bleiben (Urteil S. 26 Erw. 5.6).

Der Beschwerdeführer rügt in diesem Zusammenhang eine Verweigerung des

rechtlichen Gehörs. Die Geschädigte habe angegeben, sie sei auf der Längsseite

des Bettes gesessen, der Beschwerdeführer habe dann den Oberkörper nach

hinten gedrückt, bis sie mit dem Rücken auf dem Bett zu liegen gekommen sei,

sie habe dann versucht, sich aufzusetzen, da habe der Beschwerdeführer ihr die

Beine weggezogen, sie sei so nach hinten gefallen und wieder auf das Bett zu

liegen gekommen. Diese Darstellung zeige, so der Beschwerdeführer, dass sie

aus der sitzenden Position auf der Längsseite nach hinten gedrückt worden sein

soll. Somit müsste sie quer zum Lauf des Bettes gelegen sein, wie die Verteidi-

gung immer vorgebracht habe. Entsprechend seien die Vorbringen zum Techni-

schen sehr wohl zu behandeln, da klar sei, wie die Geschädigte gemäss ihrer

Darstellung gelegen sei (Beschwerdeschrift S. 19 Ziff. 22).

Dem ist nicht zu folgen. Selbst wenn die Geschädigte auf der Längsseite des

Bettes gesessen ist, ergibt sich daraus nicht ohne weiteres, dass sie dies in ei-

nem 90°-Winkel zur Längsseite tat. Denkbar ist auch, dass sie etwas schräg auf

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der Längsseite des Bettes sass und entsprechend, als sie mit dem Rücken auf

das Bett zu liegen kam, letztlich ebenfalls schräg auf dem Bett lag. Ebenfalls ist

nicht ausgeschlossen, dass die Geschädigte, als sie nach hinten gedrückt wurde,

dabei eine leichte Drehung mit dem Körper machte. Die Liegeposition kann ir-

gendwo zwischen quer, wie die Verteidigung geltend macht, bis beinahe parallel

zur Längskante liegen. Das Obergericht weist deshalb zu recht darauf hin, dass

weder der Beschwerdeführer noch die Geschädigte sich dazu geäussert hätten, in

welchem Winkel zur Längsseite die Geschädigte schliesslich genau zu liegen ge-

kommen sei. Dass das Obergericht sich unter diesen Umständen nicht weiter zu

dieser Endposition äussert, ist folgerichtig und stellt keine Gehörsverweigerung

dar.

13. Der Beschwerdeführer bringt hinsichtlich des subjektiven Tatbestands vor, er

habe keineswegs seinen Willen manifestiert, eine Vergewaltigung zu versuchen.

Zwar habe er zweifellos eine sexuelle Handlung begehen wollen und auch be-

gangen. Es sei auch zugegeben, dass er wohl den Geschlechtsverkehr hätte voll-

ziehen wollen, sofern die Geschädigte einverstanden gewesen wäre. Dass er

aber gewollt habe bzw. in Kauf genommen  habe, den Willen der Geschädigten

zu brechen, sei nicht erstellt. Das Obergericht führe dazu aus, die Geschädigte

habe von Anfang an mit entsprechenden Abwehrhandlungen und auch verbal

zum Ausdruck gebracht, dass sie sexuelle Kontakte nicht wünsche, was auch der

Beschwerdeführer zugebe. Das Obergericht verweise dabei auf BG HG act. 12 S.

6 (Urteil Obergericht S. 33 mit Verweisung auf S. 30). Dieser Aktenverweis zeige

aber folgendes: Der Beschwerdeführer habe konkret ausgeführt, die Geschädigte

habe gesagt, dass sie das nicht wolle (das Küssen ihres Geschlechtsteils), worauf

er sofort aufgehört habe. Er habe damit gezeigt, dass er sehr wohl den sexuellen

Willen respektiert habe und es ihm am Vorsatz oder Eventualvorsatz gefehlt ha-

be. Die weiteren vom Obergericht vorgebrachten Vorkehren der Geschädigten

(sich aufsetzen auf dem Bett, Faust auf den Kopf schlagen und wegdrücken ver-

suchen) seien nicht dazu angetan, ein genügend klares Wissen des Beschwer-

deführers über den Widerstand der Geschädigten anzunehmen. Diese Verhal-

tensweisen hätten vielmehr noch gut als „sich zieren“ verstanden werden können,

insbesondere für jemanden, der betrunken und bekifft gewesen sei, sowie auf-

-   30   -

grund des Umstandes, dass eine junge Frau, die einem gefalle, mitten in der

Nacht nur mit einem Nachthemd bekleidet auf sein Zimmer komme. Die Geschä-

digte habe weder geschrieen, noch geschlagen noch gekratzt, gespuckt oder ge-

bissen, was ihr durchaus zuzumuten gewesen wäre (Beschwerdeschrift S. 20 f.

Ziff. 24). Das Obergericht meine weiter, dass einer Person, die sexuelle Handlun-

gen wolle, nicht die Beine auseinandergedrückt werden müssten (Urteil S. 33).

Auch hier sei einzuwenden, dass das Auseinanderdrücken der Beine resp. ein

gewisser Widerstand dagegen noch gut als ein „sich zieren“ verstanden werden

könne. Der Schluss des Obergerichts, welches darin ein Wissen des Beschwer-

deführers um den Widerstand der Geschädigten sehe, sei willkürlich (Beschwer-

deschrift S. 21 Ziff. 25).

Der Beschwerdeführer sagte bei der Bezirksanwaltschaft aus, die Geschädigte

habe gesagt, sie wolle dies (das Lecken des Geschlechtsteils) nicht, und er habe

dann von ihr abgelassen. An der gleichen Stelle sagte der Beschwerdeführer

weiter aus, die Geschädigte habe ihm gesagt, er solle sie in Ruhe lassen, und er

habe dies dann auch gemacht (BG HD act. 12 S. 2). Damit sagte der Beschwer-

deführer eben aus, dass die Geschädigte verbal zum Ausdruck gebracht hatte,

dass sie die sexuellen Handlungen des Beschwerdeführers nicht wolle. Dies eben

hält das Obergericht an der gerügten Stelle fest, wenn auch nicht mit dem Zusatz

des Beschwerdeführers, dass er dann von der Geschädigten abgelassen habe.

Wenn eine Frau sich, nachdem ein Mann sie nach hinten auf das Bett gedrückt

hat, sich wieder aufsetzt, den Mann mit der Faust auf den Kopf schlägt, ihn weg-

zudrücken versucht, ihre Beine zusammenhält, so dass der Mann sie auseinander

drücken muss, um zu seinem Ziel zu gelangen, und die Frau überdies verbal zu

erkennen gibt, dass sie keine sexuellen Handlungen will, so ist offensichtlich,

dass die betreffende Frau nicht „sich ziert“, sondern eben solche Handlungen

nicht wünscht. Ihr vorzuwerfen, sie hätte auch noch schreien, kratzen, spucken

und beissen müssen, um ernsthaft ihrem Widerwillen gegen sexuelle Handlungen

des Beschwerdeführers Ausdruck zu verleihen, und sie habe also nicht alle denk-

baren Möglichkeiten genutzt, mutet reichlich zynisch an.

Die in diesem Zusammenhang erhobene Willkürrüge ist unbegründet.

-   31   -

14. Das Obergericht hält fest, der Beschwerdeführer habe im ganzen Verfahren

keinerlei konkrete verbale oder nonverbale Äusserungen der Geschädigten gel-

tend gemacht - ausser vielleicht des Umstandes, dass sie im Nachthemd vor die

Zimmertür getreten sei -, welche er als Ermunterung für sein Ansinnen hätte wer-

ten können. Auch im Umstand, dass ihm die Geschädigte drei Tage zuvor Ein-

blick in den oberen Teil ihres Schambereichs gewährt habe, wirke sich nicht zu

seinen Gunsten aus, könne er doch allein hieraus keine Einwilligung für spätere

sexuelle Begegnungen ableiten. Insbesondere stünde es der Geschädigten frei,

auch wenn sie zunächst einem sexuellen Kontakt mit dem Beschwerdeführer

nicht abgeneigt gewesen wäre, sich anders zu entscheiden (Urteil S. 33 Erw. V/2

zweite Hälfte).

Dem müsse klar widersprochen werden, meint der Beschwerdeführer. Schon vor

Bezirksgericht sei vorgebracht worden, dass, wie auch die Zeugin Liselotte M zu

recht ausgesagt habe, man aus Sicht einer Latino-Mentalität, die beim Beschwer-

deführer sicherlich bestehe, nicht mitten in der Nacht leicht bekleidet auf das

Zimmer eines Mannes gehe, so wie dies die Geschädigte gemacht habe, wenn

man nicht die Freundin des Betreffenden sei oder etwas von ihm wolle. Ein sol-

ches Verhalten werde automatisch als Einladung interpretiert, und das habe der

Beschwerdeführer auch so gesehen. Er habe denn auch nicht länger insistiert, als

dies zulässig gewesen sei. Ein gewisses Insistieren gehöre ja wohl geradezu zum

normalen Vorgehen in solchen Situationen (wie auch ein gewisses sich zieren auf

weiblicher Seite zum „guten Ton“ gehöre), und dies sei noch lange kein Beginn

eines strafrechtlich relevanten Verhaltens. Selbstverständlich sei das Brechen des

sexuellen Willens einer weiblichen Person unter keinen Umständen zulässig,

auch dann nicht, wenn ein kultureller Unterschied bestehe oder man vorher „an-

gemacht“ worden sei. Und selbstverständlich sei der Umstand, dass die Geschä-

digte kein Kind von Traurigkeit sei und als Gelegenheitsdirne arbeite, dass sie

dem Beschwerdeführer ihre Scham gezeigt habe, und dass sie mitten in der

Nacht mit einem Nachthemd bekleidet zu ihm aufs Zimmer gehe, kein Grund,

dass sie sich einen sexuellen Übergriff gefallen lassen müsse. Dies entspreche

auch der Auffassung des Beschwerdeführers. Was aber die vorliegenden Um-

stände zur Folge haben könnten, sei, dass der Beschwerdeführer davon habe

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ausgehen können, die Geschädigte sei, wenn sie mit ihm auf sein Zimmer kom-

me, zu sexuellen Handlungen bereit und ihre allfällig geäusserten verbalen Ein-

wendungen seien nur Makulatur resp. nicht wirklich ernst zu nehmen. Und das

wiederum müsse zum klaren Schluss führen, dass - wie immer sich die Sache

auch abgespielt habe - er keineswegs beabsichtigt habe, den Willen der Geschä-

digten zu brechen (Beschwerdeschrift S. 21 f. Ziff. 26 unter Zitierung der Plädoy-

ernotizen BG act. 32 S. 15 f.). Dieses Vorbringen habe das Obergericht unbe-

rücksichtigt gelassen, was einer Verweigerung des rechtlichen Gehörs gleich

komme. Auch verfalle das Obergericht in Willkür, wenn es behaupte, es sei nie

geltend gemacht worden, dass eine verbale oder nonverbale Äusserung der Ge-

schädigten im Sinne einer Ermunterung zu sexuellen Handlungen vorgelegen ha-

be. Massgeblich sei im übrigen, wie der Beschwerdeführer das Verhalten der Ge-

schädigten - gerade auch mit Hinblick auf seinen kulturellen Hintergrund - habe

verstehen dürfen (Beschwerdeschrift S. 22 f. Ziff. 27).

Das Obergericht nimmt in der gerügten Erwägung sowohl auf, dass die Geschä-

digte im Nachthemd vor den Beschwerdeführer getreten ist, als auch, dass sie

ihm drei Tage vor dem eingeklagten Vorfall den oberen Teil ihres Schambereichs

gezeigt hat. Es hält jedoch beides nicht für Zeichen der Einwilligung der Geschä-

digten in sexuelle Handlungen. Mit dieser Erwägung geht das Obergericht minde-

stens indirekt auf die Vorbringen des Beschwerdeführers ein, womit es seinen

Anspruch auf rechtliches Gehör wahrt. Ob der Beschwerdeführer auf Grund sei-

ner fremden Herkunft das Verhalten der Geschädigten anfänglich als mögliches

Einverständnis zu sexuellen Handlungen habe deuten dürfen und ob dadurch der

subjektive Tatbestand als nicht erfüllt zu betrachten sei, ist im übrigen eine Frage

der Anwendung materiellen Bundesstrafrechts und damit von Bundesrecht. Ent-

sprechende Rügen können mit eidgenössischer Nichtigkeitsbeschwerde beim

Bundesgericht angebracht werden, weshalb diesbezüglich die kantonale Nichtig-

keitsbeschwerde ausgeschlossen ist (Art. 269 BStP; § 430b StPO).

15. Zusammenfassend erweist sich die Nichtigkeitsbeschwerde als unbegründet

und ist sie abzuweisen, soweit auf sie eingetreten werden kann.

-   33   -

III.

Ausgangsgemäss sind die Kosten des Kassationsverfahrens, inklusive diejenigen

der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung, dem

Beschwerdeführer aufzuerlegen (§ 396a StPO).

Das Gericht beschliesst:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann.

2. Die Gerichtsgebühr für das Kassationsverfahren wird festgesetzt auf:

Fr. 1'800.-- ; die weiteren Kosten betragen:

Fr.  747.--   Schreibgebühren,

Fr. 209.--   Zustellgebühren und Porti.

3. Die Kosten des Kassationsverfahrens, inklusive diejenigen der amtlichen

Verteidigung und der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung, werden dem

Beschwerdeführer auferlegt.

4. Schriftliche Mitteilung an die Parteien, die II. Strafkammer des Obergerichts

des Kantons Zürich, die 1. Abteilung des Bezirksgerichts Zürich (ad DG030299,

d.v. DG030520), das kantonale Migrationsamt sowie die Bundesanwaltschaft,

je gegen Empfangsschein.

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KASSATIONSGERICHT DES KANTONS ZÜRICH
Der juristische Sekretär: