# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8f5875a1-ce8e-53a2-8cdf-ca072c362ed0
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-03-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.03.2024 D-2963/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2963-2020_2024-03-13.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2963/2020  

law/gnb 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 3 .  M ä r z  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richter Grégory Sauder, 

Richter Thomas Segessenmann, 

Gerichtsschreiberin Barbara Gysel Nüesch. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Marokko, 

vertreten durch MLaw Géraldine Kronig,  

Rechtsschutz für Asylsuchende, 

Bundesasylzentrum Region (…), 

Beschwerdeführerin, 

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Vollzug der Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 8. Mai 2020 / N (…). 

 

 

 

D-2963/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die Beschwerdeführerin suchte am 24. Juni 2019 in der Schweiz um 

Asyl nach. Am 28. Juni 2019 nahm das SEM ihre Personalien auf und am 

26. August 2019 hörte es sie einlässlich zu ihren Gesuchsgründen an. 

A.b Dabei machte sie im Wesentlichen geltend, sie stamme aus 

B._______, sei dort zur Schule gegangen und habe diese im Jahre (…) mit 

dem Baccalauréat abgeschlossen. Danach habe ein Freund ihres (…) um 

ihre Hand angehalten. Zwar habe sie nicht heiraten wollen, aber doch ein-

gewilligt unter der Bedingung, dass sie weiter zur Schule gehen dürfe. Im 

(…) sei der Ehevertrag abgeschlossen worden. Es sei aber nicht zu einem 

Fest gekommen, da ihr Ehemann kein Geld gehabt habe. Ihr Ehemann 

habe danach seine ehelichen Rechte erzwingen wollen, und habe sie – als 

sie sich geweigert habe – geschlagen und beschimpft. Ihr (…) habe von 

diesen Problemen gehört und ihr helfen wollen, die Ehe annullieren zu las-

sen. Ihr (…) habe davon erfahren und dies seinem Freund erzählt. Um 

seine Ehre zu verteidigen, habe dieser selber einen Scheidungsantrag 

beim Gericht gestellt. Die Ehe sei im (…) gerichtlich geschieden worden, 

wobei ihr Mann aber die Möglichkeit habe, die Scheidung rückgängig zu 

machen, da er das Wort Scheidung nur einmal ausgesprochen habe. Nach 

der Scheidung sei sie bei ihren Eltern zu Hause während (…) Monaten 

eingesperrt und von ihrer Familie wie ein Dienstmädchen behandelt wor-

den. Das Studium der (…) habe sie auch nicht weiterführen dürfen. Darauf-

hin habe ihr (…) sie zu sich genommen, wo sie bis zu dessen Tod im Jahre 

(…) habe leben können. Er habe ihr ermöglicht, eine (…) zu machen. Im 

Jahre (…) habe sie eine Arbeitsstelle als (…) angetreten, wobei ihr Lohn 

an ihren (…) gegangen sei. Nach dem Tod ihres (…) im Jahre (…) sei sie 

zu den Eltern zurückgekehrt, jedoch habe ein (…) sie beschützt. Ein Ar-

beitskollege habe ihr im Jahre (…) einen Heiratsantrag gemacht. Als ihr 

Ex-Mann davon erfahren habe, habe er den Kollegen zusammengeschla-

gen. Im Jahr (…) sei der (…) ins Ausland gezogen, worauf sich ihre Situa-

tion verschlimmert habe. Ihr (…) habe gewollt, dass sie zu ihrem Mann 

zurückkehre und habe sie täglich beschimpft und erniedrigt. Auch sei sie 

vom (…) und vom (…) mit der Hand oder mit Gegenständen geschlagen 

worden. Einmal habe der (…) sie die (…), weswegen sie einen (…) erlitten 

habe. Sie sei deswegen im Jahre (…) nach C._______ gezogen, wo sie 

eine neue Arbeitsstelle angenommen habe. Im Jahre (…) sei sie mit einem 

Touristenvisum nach D._______ gereist und habe dort bei einer (…) und 

deren Mann gelebt. Als die Familie ihren Aufenthaltsort erfahren habe, 

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Seite 3 

habe der Mann der (…) die Familie beruhigen wollen und eine Heirat mit 

seinem (…) vorgeschlagen. Ihr (…) und ihr (…) seien schliesslich damit 

einverstanden gewesen. Weil sie sich jedoch gegen diese Heirat gestellt 

habe, sei sie vom (…) und (…) über die sozialen Medien beschimpft und 

bedroht worden. Ihr (…) habe sie auch mit dem Tod bedroht. Sie habe sich 

deshalb (…) ein eigenes Zimmer gemietet und sei mit (…) für ihren Le-

bensunterhalt aufgekommen. Am (…) habe sie erfahren, dass ihr (…) we-

gen ihr nach D._______ gereist sei, und sei deshalb aus Furcht sofort in 

die Schweiz gereist. 

A.c Mit Verfügung vom 4. September 2019 stellte das SEM fest, die Be-

schwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht (Dispositivzif-

fer 1), lehnte ihr Asylgesuch ab (Dispositivziffer 2), verfügte die Wegwei-

sung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an (Dispositivziffern 3-5), 

wobei einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzogen 

wurde (Dispositivziffer 6). Schliesslich wurden der Beschwerdeführerin die 

editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis ausgehändigt (Disposi-

tivziffer 7). 

A.d Die gegen die Dispositivziffern 3 bis 5 dieses Entscheides erhobene 

Beschwerde hiess das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-4640/2019 

vom 25. September 2019 gut. Die angefochtene Verfügung wurde in den 

Dispositivziffern 3 bis 5 aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägun-

gen zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

B.  

Mit Verfügung vom 8. Mai 2020 – gleichentags eröffnet – ordnete das SEM 

die Wegweisung der Beschwerdeführerin aus der Schweiz sowie den Voll-

zug derselben an. 

C.  

Im Verlaufe des vorinstanzlichen Verfahrens und Beschwerdeverfahrens 

D-4640/2019 wurden die folgenden medizinischen Unterlagen zu den Ak-

ten gereicht: 

- Einsatzprotokoll (…) vom 1. Juli 2019; 

- Formular F2 (Rückmeldung an Medic-Help im BAZ) vom 5. Juli 2019; 

- Bericht der (…) vom 23. Juli 2019 zum Psychiatrischen Konsilium vom 17. Juli 2019; 

- Formular F2 vom 24. Juli 2019; 

- Formular F2 vom 26. Juli 2019; 

- Formular F2 vom 30. Juli 2019; 

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Seite 4 

- Bericht der (…) vom 6. August 2019 zum Psychiatrischen Konsilium vom gleichen Da-
tum; 

- Formular F2 vom 21. August 2019; 

- Schreiben des (…) vom 5. September 2019; 

- E-Mail von E._______ vom 10. September 2019; 

- Schreiben von Dr. med. F._______ vom 11. September 2019; 

- Formular F2 vom 23. Oktober 2019; 

- Formular F2 vom 17. Dezember 2019; 

- Bericht von med. pract. G._______ vom 26. Februar 2020 inkl. psychologischer Bericht 
von lic. phil. H._______ vom 12. Februar 2020. 

D.  

Die Beschwerdeführerin liess gegen diesen Entscheid mit Eingabe ihrer 

Rechtsvertreterin vom 8. Juni 2020 beim Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerde erheben und beantragen, die angefochtene Verfügung sei auf-

zuheben, die Sache sei zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts 

und zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen, eventualiter sei die 

Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und das SEM an-

zuweisen, sie vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht 

wurde um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Ver-

zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. 

E.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte mit Schreiben vom 9. Juni 2020 

den Eingang der Beschwerde. 

F.  

Mit Eingabe vom 17. Juni 2020 liess die Beschwerdeführerin einen defini-

tiven Kurzaustrittsbericht der (…) vom 8. Juni 2020 nachreichen. 

G.  

Der Instruktionsrichter stellte mit Verfügung vom 2. Juli 2020 fest, die Be-

schwerdeführerin könne den Ausgang des Asylverfahrens in der Schweiz 

abwarten, bewilligte das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung unter Vorbehalt der Veränderung der finanziellen Lage der Be-

schwerdeführerin, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

und lud das SEM ein, eine Vernehmlassung zur Beschwerde einzureichen. 

H.  

Die Rechtsvertreterin liess dem Gericht mit Eingabe vom 22. Juli 2020 ei-

nen ärztlichen Kurzbericht der (…) vom 14. Juli 2020 zukommen. 

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Seite 5 

I.  

Das SEM liess sich innert erstreckter Frist am 24. Juli 2020 zur Be-

schwerde vernehmen. 

J.  

Der Instruktionsrichter gab der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 

29. Juli 2020 Gelegenheit, eine Replik einzureichen. 

K.  

Die Beschwerdeführerin liess innert erstreckter Frist mit Eingabe ihrer 

Rechtsvertreterin vom 31. August 2020 replizieren. 

L.  

Mit Zwischenverfügung vom 5. April 2023 forderte der Instruktionsrichter 

die Beschwerdeführerin auf, einen aktuellen psychiatrischen Arztbericht 

einzureichen. 

M.  

Am 19. April 2023 wurde ein Abschlussbericht der (…) vom 7. Juli 2022 

und innert erstreckter Frist mit Eingabe vom 31. Mai 2023 ein ärztliches 

Zeugnis von med. pract. I._______ vom 23. Mai 2023 eingereicht. 

N.  

Die Beschwerdeführerin heiratete gemäss dem bei den vorinstanzlichen 

Akten liegenden Auszug aus dem Eheregister am (…) den in J._______ 

(K._______) wohnhaften und in B._______, Marokko, geborenen (…) 

Staatsangehörigen L._______ (vgl. SEM-act. […]-63/6). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

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Seite 6 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 2 

AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde 

ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 

2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 In der Beschwerde wird geltend gemacht, der medizinische Sachver-

halt sei nach wie vor nicht vollständig abgeklärt. Aus der angefochtenen 

Verfügung gehe zumindest implizit hervor, dass das SEM den von lic. phil. 

H._______ und med. pract. G._______ verfassten Bericht vom 

12./26. Februar 2020 als qualitativ ungenügend einschätze. Es sei wider-

sprüchlich, dass es den medizinischen Sachverhalt dennoch als erstellt er-

achte. Dem SEM sei bei der Entscheidfällung bekannt gewesen, dass auf-

grund der unprofessionellen Handhabung von med. pract. G._______ 

noch keine Überweisung an eine (weibliche) Psychiaterin stattgefunden 

habe. Die im Bericht der (…) vom 6. August 2019 zum psychiatrischen 

Konsilium vom gleichen Datum festgehaltene Differentialdiagnose einer 

über die Kriterien von F43.1 (posttraumatische Belastungsstörung [PTBS]) 

hinausgehenden komplexen Traumatisierung mit Persönlichkeitsänderung 

sei nach wie vor weder veri- noch falsifizierbar. Dazu äussere sich das SEM 

mit keinem Wort. Es wäre angezeigt gewesen, von Amtes wegen ein um-

fassendes psychiatrisches Gutachten in Auftrag zu geben beziehungs-

weise zumindest das rechtliche Gehör zum ungenügenden Bericht zu ge-

währen. 

Diese Rüge erweist sich als unbegründet. Zwar ist richtig, dass das Bun-

desverwaltungsgericht die Sache mit Urteil D-4640/2019 vom 25. Septem-

ber 2019 an das SEM zurückwies, weil weder eine definitive Diagnose hin-

sichtlich der psychiatrischen Erkrankung der Beschwerdeführerin noch 

Aussagen zur Behandlung und Prognose für den Fall, dass sich die Diag-

nose der komplexen Traumatisierung mit Persönlichkeitsänderung bestäti-

gen sollte, vorlagen (vgl. a.a.O. E. 5.4; vgl. Sachverhalt Bst. A.d). In der 

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Seite 7 

Folge forderte das SEM die Beschwerdeführerin auf, bis zum 10. Januar 

2020 einen ergänzenden ärztlichen Bericht einzureichen, und bewilligte auf 

Ersuchen der Rechtsvertretung eine Erstreckung dieser Frist bis 20. April 

2020. Obwohl sich der Bericht von lic. phil. H._______ und med. pract. 

G._______ vom 12./26. Februar 2020 offensichtlich nicht zur im Raum ste-

henden möglichen Differentialdiagnose einer komplexen Traumatisierung 

mit Persönlichkeitsänderung äusserte und erkennbar kurz ausfiel, infor-

mierte die Rechtsvertreterin das SEM weder in ihrem Begleitschreiben vom 

3. März 2020 noch bis zum Erlass der Verfügung vom 8. Mai 2020 über 

allfällige geplante Termine bei einer Psychiaterin oder ausstehende Be-

richte, wozu die Beschwerdeführerin im Rahmen der Mitwirkungspflicht ge-

mäss Art. 8 AsylG verpflichtet gewesen wäre. Vor diesem Hintergrund be-

stand für das SEM keine Veranlassung, von Amtes wegen ein psychiatri-

sches Gutachten in Auftrag zu geben oder der Beschwerdeführerin vor der 

Entscheidfällung das rechtliche Gehör zu gewähren. Das SEM hat sodann 

in der angefochtenen Verfügung festgehalten, dass der medizinische Be-

richt vom 12./26. Februar 2020 weder inhaltlich noch förmlich geeignet sei, 

überzeugend einen bei der Beschwerdeführerin vorhandene gravierenden 

gesundheitlichen Zustand zu dokumentieren (vgl. a.a.O. S. 2). Es ist dem-

nach weder eine unvollständige Sachverhaltsabklärung noch eine Verlet-

zung der Begründungspflicht festzustellen. Schliesslich sind im Rahmen 

des Beschwerdeverfahrens vier weitere psychiatrische Berichte, wobei der 

jüngste vom 31. Mai 2023 datiert, eingereicht worden, womit der Sachver-

halt auch aktuell erstellt ist. 

3.2 Hingegen wird zu Recht kritisiert, das SEM habe sich in seiner Verfü-

gung nicht mit der Frage einer möglichen Unzulässigkeit des Wegwei-

sungsvollzugs auseinandergesetzt. Dies hat es trotz entsprechender Rüge 

in der Beschwerde auch in der Vernehmlassung nicht nachgeholt. Insoweit 

hat die Vorinstanz die Begründungspflicht als Teilgehalt des Anspruchs auf 

rechtliches Gehörs verletzt, was grundsätzlich zur Aufhebung der ange-

fochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz führt. 

Gleichzeitig geht aus dem Umstand, dass das SEM in seiner Verfügung die 

Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs bejaht, – a maiore ad minus – her-

vor, dass es auch die Zulässigkeit als gegeben erachtet. Die vor diesem 

Hintergrund nicht als schwerwiegend zu qualifizierende Gehörsverletzung 

kann angesichts der Tatsache, dass sich die Beschwerdeführerin sowohl 

in der Beschwerde als auch in der Replik ausführlich zum Thema der Frage 

der (Un-)Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs äusserte, als geheilt gel-

ten, da eine Kassation vorliegend einem formalistischen Leerlauf 

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Seite 8 

gleichkäme. Die erfolgte Heilung auf Beschwerdeebene ist allerdings im 

Kostenpunkt zu berücksichtigen. 

4.  

4.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

4.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 

(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

5.  

5.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungenüber die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

5.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-

mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard 

wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-

weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

6.  

6.1 Das SEM führt zur Begründung seiner Verfügung aus, aus dem ärztli-

chen Bericht von med. pract. G._______ vom 26. Februar 2020 gehe her-

vor, dass die Beschwerdeführerin unter einer mittelgradigen Depression 

(ICD-10 F32.1), Angstattacken (ICD-10 F41) und einer PTBS (ICD-10 F43) 

leide und eine medizinische und psychologische Behandlung benötige. 

Seit dem (…) 2020 konsultiere sie eine Psychologin, lic. phil. H._______, 

welche am 12. Februar 2020 einen Bericht verfasst habe (vgl. Sachverhalt 

Bst. C, Anmerkung des Gerichts). In diesem Bericht werde abgesehen von 

den erwähnten Diagnosen mittels weniger Zeilen ausgeführt, dass die Be-

schwerdeführerin depressiv sei, viel weine und grosse Angst habe. Weiter 

werde festgehalten, es sei, solange es keine Klärung bezüglich des Asyls 

gebe, nicht mit einer Verbesserung ihres Zustandes zu rechnen und die 

Rückkehr nach Marokko hätte katastrophale Auswirkungen, namentlich 

eine völlige Dekompensation. Auch Suizidalität sei nicht ausgeschlossen. 

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Seite 9 

Weitere stichhaltige und fachmännische Auskünfte seien nicht vorhanden. 

Es sei nicht nachvollziehbar, dass die angebliche Gefahr einer Dekompen-

sation und Suizidalität nicht umfassend abgeklärt worden sei. Der psycho-

logische Bericht vermöge weder inhaltlich noch formal über einen angeb-

lich gravierenden gesundheitlichen Zustand zu überzeugen. Die psychi-

schen Beschwerden seien gemäss SEM-Consulting vom 29. August 2019 

im Heimatland behandelbar. In Fes und Rabat gebe es die Möglichkeit für 

ambulante und stationäre psychiatrische Behandlungen. In B._______, 

dem Herkunftsort der Beschwerdeführerin, würden mehrere Psychiater 

und Psychiaterinnen praktizieren. Das Medikament Quetiapin sei in Ma-

rokko erhältlich. Trittico sei zwar nicht verfügbar, jedoch seien alternative 

Medikamente wie Mirtazapin, Duloxetin und Escitalopram verfügbar. Wei-

ter sei die Beschwerdeführerin eine intelligente, gut ausgebildete Person 

mit langjährigen Arbeitserfahrungen in Marokko, was ihr eine zukünftige 

Anstellung in ihrem Arbeitsgebiet erleichtern sollte. Sie verfüge mit ihrer 

Schwester und deren Familie über Bezugspersonen in Marokko. Zudem 

lebe ein Onkel in M._______ und eine Tante in D._______, welche sie bei 

einer Rückkehr unterstützen könnten. Den erwähnten Berichten seien 

keine neuen Informationen zu entnehmen, welche eine Änderung des 

Standpunktes des SEM rechtfertigen würden. Der Wegweisungsvollzug sei 

daher zumutbar. 

6.2 In der Beschwerde wird vorgebracht, die Beschwerdeführerin leide ge-

mäss Bericht der (…) vom 6. August 2019 zum psychiatrischen Konsilium 

vom gleichen Datum an einer PTBS (ICD-10 F43.1) und Panikattacken. 

Zudem weise sie ein deutlich depressives Zustandsbild auf. Differentialdi-

agnostisch sei an eine über die Kriterien der F43.1 hinausgehende kom-

plexe Traumatisierung mit Persönlichkeitsänderung zu denken. Dem 

Schreiben des (…) vom 5. September 2019 sei zu entnehmen, dass die 

Beschwerdeführerin an einer komplexen PTBS leide und differentialdiag-

nostisch eine Persönlichkeitsänderung nach schwerer Traumatisierung in 

Frage komme. Laut den diversen eingereichten medizinischen Dokumen-

ten habe der psychische Zustand auch Auswirkungen auf die körperliche 

Verfassung. So verliere die Beschwerdeführerin oft das Bewusstsein, kol-

labiere und leide unter Schmerzen. Ihre psychische Widerstandskraft sei 

im Rahmen der Diagnosen aufgrund der langjährigen Dauer der Bedro-

hung deutlich herabgesetzt. Eine Rückführung nach Marokko würde 

höchstwahrscheinlich zu einer psychischen Dekompensation und einem 

Suizidversuch führen. Die Beschwerdeführerin rechne bei einer Rückkehr 

nach Marokko mit einer massiven Lebensbedrohung (u.a. Tötung durch 

Familienangehörige), sodass für sie in dieser Situation als einziger Ausweg 

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Seite 10 

ein Suizid in Frage komme. Anlässlich der Eröffnung der angefochtenen 

Verfügung, welche im Beisein der Psychologin erfolgt sei, sei die Be-

schwerdeführerin zusammengebrochen, habe suizidale Gedanken geäus-

sert und deshalb hospitalisiert werden müssen. Jegliche Ereignisse, wel-

che sie als Anzeichen dafür interpretiere, demnächst aus der Schweiz aus-

geschafft zu werden, würden bei ihr unkontrollierbare Impulse auslösen, 

welche zur Äusserung von Suizidgedanken führen würden. Bereits zwei 

Mal habe sie versucht, sich das Leben zu nehmen, was auch dem SEM 

bekannt sei. Daneben berge ein Wegweisungsvollzug auch die Gefahr ei-

ner massiven Verschlimmerung des Gesundheitszustands, womit sich das 

SEM nicht auseinandergesetzt habe. Da die Bedrohungssituation aus dem 

direkten familiären Umfeld komme, könne die Beschwerdeführerin nicht 

auf ein umfassendes Beziehungsnetz zurückgreifen. Insgesamt würden 

konkrete Hinweise vorliegen, dass bei einer Wegweisung nach Marokko 

eine ernsthafte Gefahr einer Verletzung von Art. 3 EMRK drohe. Bereits die 

Überstellung an sich hätte eine wesentliche und unwiderrufliche Ver-

schlechterung des Gesundheitszustands zur Folge. 

6.3 In seiner Vernehmlassung hält das SEM fest, es sei nachvollziehbar, 

dass ein unausweichlich bevorstehender Wegweisungsvollzug zu einer 

nicht unerheblichen psychischen Belastung führe. Dieser Belastung 

komme aber im asyl- und ausländerrechtlichen Kontext grundsätzlich keine 

Bedeutung zu, weil eine geltend gemachte Gefährdung konkrete Formen 

aufweisen müsse, um zur Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs füh-

ren zu können. Vorliegend könnte für die Zeit vor und während der Rück-

reise in den Heimatsstaat einer allfälligen – und gemäss den in den Akten 

liegenden medizinischen Unterlagen wohl zu erwartenden – zeitweiligen 

Verschlechterung des psychischen Zustandes der Beschwerdeführerin 

medikamentös und mit einer persönlichen Betreuung begegnet werden. 

Bei den vorliegenden gesundheitlichen Beschwerden sei insgesamt nicht 

auf eine konkrete Gefährdung in Form einer medizinischen Notlage zu 

schliessen. Die nötige Behandlung der mittelgradigen Depression und der 

PTBS sei in Marokko erhältlich. 

6.4 In der Replik wird der Vorinstanz vorgehalten, sie verkenne, dass die 

Beschwerdeführerin nicht nur wegen des negativen Asylentscheides an ei-

ner mittelgradigen Depression und einer PTBS leide. Das Krankheitsbild 

beziehungsweise die gesundheitlichen Beeinträchtigungen würden kom-

plexer in Erscheinung treten. Das SEM lasse ausser Acht, dass die depres-

sive Störung als rezidivierend qualifiziert werde und dass die Beschwerde-

führerin in ihrem Heimatland bereits zwei Suizidversuche unternommen 

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Seite 11 

habe. Zudem seien – mit Verweis auf diverse ärztliche Unterlagen – eine 

Angst- und Panikstörung, eine (…) sowie (…) diagnostiziert worden. Aus-

serdem bestehe ein Verdacht auf Dissoziationen, (…) und (…). Die Diag-

nose der andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung 

stehe nach wie vor nicht abschliessend fest. Bei der Beschwerdeführerin 

handle es sich um eine höchstgradig suizidgefährdete Person, die wegen 

Gewalterlebnissen im Heimatland unter anderem an einer PTBS erkrankt 

sei und bereits zwei Mal versucht habe, sich das Leben zu nehmen. Ein 

Wegweisungsvollzug hätte höchstwahrscheinlich eine längerfristige, ra-

sante und massive Verschlechterung der physischen und psychischen Ge-

sundheit, eine Retraumatisierung und den Suizid der Beschwerdeführerin 

zur Folge. Aufgrund der besonderen Umstände sei eine Selbstgefährdung 

tatsächlich wahrscheinlich, was nicht lediglich dem Zweck diene, Druck auf 

die Behörden auszuüben, um den Vollzug der Wegweisung auszusetzen. 

Ausserdem befinde sich die Beschwerdeführerin nun endlich in einer re-

gelmässigen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung. Es sei 

nicht auszuschliessen, dass bereits ein Therapieabbruch für sich alleine 

genommen zu einer Retraumatisierung führen würde. Dem sehr ernst zu 

nehmenden Selbstgefährdungsrisiko könne mit dem Entrichten von Rück-

kehrhilfe nicht angemessen entgegengewirkt werden. Sodann handle es 

sich bei der Beschwerdeführerin um eine geschiedene, alleinstehende und 

psychisch sehr kranke Frau ohne familiäres Beziehungsnetz. Damit gehöre 

sie einer vulnerablen Bevölkerungsgruppe an und werde in Marokko nach 

wie vor benachteiligt. Sie verfüge in Marokko über keine stabilisierenden 

und unterstützenden Faktoren, was wiederum zur Folge habe, dass eine 

erfolgreiche Therapie in einem geschützten Umfeld sehr wahrscheinlich 

unmöglich sei. Des Weiteren werde angesichts des Mangels an Personal 

und Infrastruktur stark angezweifelt, dass eine adäquate Behandlungs- und 

Betreuungsmöglichkeit beziehungsweise ein effektiver und zumutbarer Zu-

gang in Marokko gegeben sei. Auch das medizinische Consulting des SEM 

beantworte diese Fragen nicht. Die Beschwerdeführerin fürchte sich im 

Falle einer Rückkehr nach Marokko vor weiteren, allenfalls noch schlimme-

ren Übergriffen seitens ihres (…). Vor diesem Hintergrund sei davon aus-

zugehen, dass sich ihre gesundheitliche Situation weiterhin verschlechtern 

könnte. 

  

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Seite 12 

7.  

7.1  

7.1.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

7.1.2 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die 

Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 

BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und 

andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder 

Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der 

Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung 

unterworfen werden. 

7.1.3 Vorliegend ist rechtskräftig festgestellt, dass die Beschwerdeführerin 

die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, weshalb das flüchtlingsrechtliche 

Rückschiebungsverbot von Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht anwendbar ist. Eine 

Rückkehr nach Marokko ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG 

rechtmässig. 

7.1.4 Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens wird ausgeführt, die Be-

schwerdeführerin befürchte im Falle ihrer Rückkehr nach Marokko noch 

schlimmere Übergriffe beziehungsweise eine massive Lebensbedrohung 

seitens ihrer Familienangehörigen, insbesondere ihres (…) (vgl. E. 6.2 und 

6.4). Damit macht sie (sinngemäss) geltend, im Fall einer Rückkehr in den 

Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 

EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt zu 

sein. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte 

(EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste die Be-

schwerdeführerin eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen oder 

glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-

menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-

gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 

m.w.H.). Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die marokkanischen Behör-

den grundsätzlich schutzwillig und schutzfähig sind und die Beschwerde-

führerin gegen allfällige zukünftige Übergriffe seitens ihrer 

D-2963/2020 

Seite 13 

Familienangehörigen den Schutz der heimatlichen Behörden in Anspruch 

nehmen kann (vgl. etwa Urteile des BVGer D-4725/2022 vom 28. Novem-

ber 2022 S. 6; E-1324/2021 vom 16. April 2021 E. 8.4.2; E-3778/2016 vom 

30. April 2018 E. 5.2.5). Überdies hat sie zwischenzeitlich geheiratet und 

wird somit nicht als alleinstehende Frau nach Marokko zurückkehren (vgl. 

Sachverhalt Bst. N). Sie und ihr Ehemann haben zudem die Möglichkeit, 

sich in einem anderen Landesteil niederzulassen, um das familiäre Umfeld 

der Beschwerdeführerin zu meiden. 

7.1.5  

7.1.5.1 Eine zwangsweise Wegweisung von Personen mit gesundheitli-

chen Problemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen 

Art. 3 EMRK darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die be-

troffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheits-

stadium und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit 

dem sicheren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstüt-

zung erwarten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die dama-

lige Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]). 

Eine weitere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die 

durch die Abschiebung – mangels angemessener medizinischer Behand-

lung im Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer erns-

ten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesund-

heitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer 

erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des 

EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 

41738/10, §§ 180–193 m.w.H., und zum Ganzen auch BVGE 2017 VI/7 

E. 6). 

7.1.5.2 Nachfolgend wird zur Beurteilung des aktuellen Gesundheitszu-

standes der Beschwerdeführerin auf die vier jüngsten psychiatrischen Be-

richte eingegangen: 

7.1.5.2.1 Dem definitiven Kurzaustrittsbericht der (…) vom 8. Juni 2020 

sind folgende Diagnosen zu entnehmen: 

- Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 
F33.1); 

- PTBS; 

- (…); 

- (…); 

- (…); 

- (…); 

D-2963/2020 

Seite 14 

- (…); 

- (…). 

Die Einweisung sei nach einem emotionalen Zusammenbruch nach nega-

tivem Asylentscheid erfolgt. Die Beschwerdeführerin habe Angst um ihr Le-

ben, da sie aufgrund der verweigerten Zwangsheirat von ihrem (…) und 

(…) gesucht und getötet werde. Im Verlauf habe sich eine deutliche Ver-

besserung der Stimmung, des Antriebes und Schlafsymptomatik gezeigt. 

Bei der Thematisierung der bevorstehenden Ausschaffung nach Marokko 

sei die Beschwerdeführerin immer wieder in Tränen ausgebrochen und 

habe von Todesängsten und Suizidwünschen berichtet. Gegen Ende des 

Aufenthaltes seien ihr Zustand besser und die Weinerlichkeit rarer gewor-

den. Nach 13-tägigem Aufenthalt sei die Beschwerdeführerin am 1. Juni 

2020 in stabilisiertem Zustand ausgetreten. Der anfängliche Verdacht auf 

(…) habe sich nicht bestätigt. Es werde die Weiterführung der ambulanten 

Psychotherapie mit Überprüfung der Wirksamkeit der neuen Medikation 

empfohlen. 

7.1.5.2.2 Aus dem ärztlichen Kurzbericht der (…) vom 14. Juli 2020 gehen 

folgende Diagnosen hervor: 

- PTBS (ICD-10 F43.1, Erstdiagnose 2019) mit Verdacht auf andauernde Persönlich-
keitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0); 

- Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelschwere Episode  
(ICD-10 F33.1); 

- Status nach zwei Suizidversuchen (in Marokko); 

- (…). 

Die Beschwerdeführerin sei niedergestimmt und zeige sich sehr besorgt 

über eine mögliche Ausschaffung nach Marokko. Es seien ernsthafte To-

desängste festzustellen. Insgesamt habe die drohende Wegweisung ins 

Herkunftsland ihre psychischen Beschwerden verschlechtert. Sie sei auf 

eine psychiatrische Behandlung dringend angewiesen. Bisher habe sie 

sich von einer festen Suizidabsicht distanzieren können. Sie habe jedoch 

wiederholt berichtet, dass sie sich im Falle eines negativen Asylentscheids 

suizidieren würde. Insgesamt werde die Gefahr einer schweren suizidalen 

Krise im Fall einer Ausweisung als relevant erhöht eingeschätzt. 

7.1.5.2.3 Dem Abschlussbericht der (…) vom 7. Juli 2022 sind folgende Di-

agnosen zu entnehmen: 

- PTBS (ICD-10 F43.1, Erstdiagnose 2019) mit Verdacht auf andauernde Persönlich-
keitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0); 

D-2963/2020 

Seite 15 

- Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelschwere Episode  
(ICD-10 F33.1); 

- Status nach zwei Suizidversuchen (in Marokko); 

- (…). 

Die Beschwerdeführerin habe eine misstrauische Haltung der Welt gegen-

über und lebe weiterhin teilweise zurückgezogen. Sie fühle sich ständig 

bedroht, sei innerlich unruhig und habe weiterhin grosse Angst vor einer 

eventuellen Ausweisung nach Marokko. Subjektiv bestünden Konzentrati-

ons- und Merkfähigkeitsstörungen, das formale Denken sei kohärent. Hin-

weise auf Halluzinationen, Wahn oder Ich-Störungen, inhaltliche Denkstö-

rungen oder Zwänge bestünden keine. Sie leide unter Todesangst vor ih-

rem (…) und (…). Psychomotorisch sei sie leicht verlangsamt. Sie distan-

ziere sich klar von akuter Suizidalität. Durch supportive Gesprächstherapie 

mit anfangs viel Psychoedukation und Arbeit an Krankheits- und Erklä-

rungsmodellen sowie durch kognitiv-verhaltenstherapeutische Mittel könne 

sie ihre Situation, Gefühle und Gedanken besser erkennen, besser steuern 

und damit auch besser umgehen. Durch die medikamentöse Unterstützung 

mit Sertralin hätten sich das Grübeln und die inneren Anspannungen ver-

bessert. Das Einschlafproblem habe sich mit Trittico deutlich verbessert. 

Die Symptomatik habe sich chronifiziert und werde im Rahmen einer an-

dauernden Persönlichkeitsänderung als Folge einer extremen Belastung 

erachtet. Eine PTBS, welche 2019 erstmals diagnostiziert worden sei, 

könne dieser Form der Persönlichkeitsänderung vorangehen. Die Be-

schwerdeführerin sei auf eine psychiatrische Behandlung angewiesen. 

7.1.5.2.4 Schliesslich werden im jüngsten ärztlichen Zeugnis von med. 

pract. I._______ vom 23. Mai 2023 folgende Diagnosen angeführt: 

- PTBS; 

- Panikstörung; 

- Schwere rezidivierende depressive Störung. 

Damit würden plötzlich auftretende Bewusstseinsstörungen, Kreislaufprob-

leme wie Herzrasen und Schwindel sowie dissoziative Zustände einherge-

hen, insbesondere wenn die Beschwerdeführerin durch Trigger an ihre 

Traumata erinnert werde. Durch die psychiatrischen und psychotherapeu-

tischen Gespräche und die psychopharmakologische Behandlung (Sertra-

lin 100mg, Trittico retard 150mg, Quetiapin 100mg und Trittico 50mg) habe 

sich ihr Zustand allmählich gebessert. Die Prognose sei gut, wenn die bis-

herige Behandlung weitergeführt werde. Initial sei es für sie sehr schwierig 

gewesen, über ihre Traumata zu sprechen, dies gelinge ihr aber 

D-2963/2020 

Seite 16 

zunehmend besser. Es sei davon auszugehen, dass sie eine weitere län-

gerfristige Behandlung nötig sei. Aufgrund der kulturellen Besonderheiten 

sei es ihr nicht möglich, sich in ihrem Heimatland weiter behandeln zu las-

sen, da sie dort weiterhin von ihrem (…) und (…) gesucht werde. Ausser-

dem würde ein Unterbruch der Behandlung zu einer Chronifizierung der 

Erkrankung und wahrscheinlich zu akuter Suizidalität führen. Ferner be-

wirke die ständige Unsicherheit durch die drohende Ausschaffung eine 

Chronifizierung der PTBS, der schweren depressiven Symptomatik und 

der Panikstörung und wirke sich negativ auf ihren Genesungsverlauf aus, 

was zur erheblichen Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit, Lebensqua-

lität und Integration führe. 

7.1.5.3 Aus den vorstehenden Berichten ergibt sich, wenngleich die Diag-

nosen teilweise divergieren (vgl. insbesondere E. 7.1.5.2.3 und 7.1.5.2.4), 

dass die Beschwerdeführerin an erheblichen psychischen Erkrankung lei-

det. Es steht ausser Frage, dass sie auf regelmässige psychiatrisch-psy-

chotherapeutische Gespräche und eine medikamentöse Behandlung an-

gewiesen ist. Gleichwohl kann in ihrem Fall nicht von einer derart gravie-

renden psychischen Erkrankung ausgegangen werden, welche einem 

Wegweisungsvollzug nach Marokko unter dem Gesichtspunkt von Art. 3 

EMRK entgegenstehen würde (vgl. zur diesbezüglichen Rechtsprechung 

E. 7.1.5.1). Insbesondere ist nicht davon auszugehen, die Beschwerdefüh-

rerin wäre auf eine Behandlung angewiesen, die zwingend nur in der 

Schweiz gewährleistet werden könnte. Auch wenn nicht in Abrede gestellt 

wird, dass die Behandlungsmöglichkeiten in Marokko schwerer zugänglich 

sind als in der Schweiz, ist festzuhalten, dass Marokko generell über ein 

gut entwickeltes Gesundheitssystem und vor allem in städtischen Zentren 

über eine genügende Anzahl von Einrichtungen verfügt, die psychiatrische 

oder psychologische Therapien anbieten (vgl. etwa das Urteil des BVGer 

D-4062/2020 vom 10. Februar 2021 E. 7.3.2). Auch der Zugang zu ambu-

lanten psychologischen und psychiatrischen Behandlungen ist gewährleis-

tet (vgl. das Urteil des BVGer D-5524/2021 vom 21. November 2022 

E. 5.3.4). Mit den Leistungen der staatlichen Gesundheitsversorgung für 

Bedürftige (RAMED; Régime d'Assistance Médicale) besteht ein System 

zur Sicherung der medizinischen Grundversorgung, mit dem auch wirt-

schaftlich bedürftige Personen Zugang zum Gesundheitssystem haben 

(vgl. Urteil des BVGer E-5116/2023 vom 11. Dezember 2023 E. 6.3.3 

m.w.H.). Das Medikament Quetiapin ist in Marokko erhältlich. Trittico ist 

zwar nicht verfügbar, jedoch existieren Alternativen mit dem Wirkstoff Tra-

zodon (vgl. Medizinisches Consulting des SEM: «Marokko: Medikamen-

töse und psychotherapeutische Behandlung von PTSD» vom 29. August 

D-2963/2020 

Seite 17 

2019 [SEM-act. […]-36/3]). Sodann sind in Marokko diverse Medikamente 

mit dem Wirkstoff Sertralin erhältlich (vgl. https://medica-

ment.ma/?choice=generique&s=9161, abgerufen am 06.03.2024). Im Wei-

teren ist darauf hinzuweisen, dass in Marokko derzeit im Rahmen einer 

Zusammenarbeit zwischen der WHO und Marokko ein Ausbau der psychi-

atrischen Infrastruktur im Gange ist (vgl. The Borgen Project, Improving 

Treatment for Mental Health in Marocco, 26. Februar 2021, https://borgen-

project.org/mental-health-in-morocco/, abgerufen am 06.03.2024). Zur 

Überbrückung möglicher finanzieller Schwierigkeiten in Zusammenhang 

mit einer notwendigen Behandlung ist auf die Möglichkeit der individuellen 

medizinischen Rückkehrhilfe zu verweisen (Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG 

i.V.m. Art. 75 der Asylverordnung 2 über Finanzierungsfragen vom 11. Au-

gust 1999 [AsylV 2, SR 142.312]). Zwar ist eine auf Dauer ausgerichtete 

Hilfe ausgeschlossen (Art. 75 Abs. 1 AsylV 2), eine zeitlich limitierte Unter-

stützung dürfte der Beschwerdeführerin aber in hinreichendem Masse er-

möglichen, jedenfalls die Aufnahme der benötigten medizinischen Betreu-

ung zu gewährleisten. Zur ersten Absicherung des Medikamentenbedarfs 

bestünde im Rahmen der medizinischen Rückkehrhilfe insbesondere die 

Möglichkeit, sich die benötigten Medikamente für die erste Zeit nach der 

Rückkehr mitgeben zu lassen. Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin 

auf die materielle und soziale Unterstützung ihres Ehemannes zählen 

könnte (vgl. Sachverhalt Bst. N). Schliesslich erschliesst sich nicht, wes-

halb eine Weiterbehandlung in Marokko aufgrund des Umstandes, dass 

der (…) und (…), vor welchen sich die Beschwerdeführerin ängstigt, sich 

im selben Land aufhalten, nicht möglich sein sollte. Die Beschwerdeführe-

rin hat – wie bereits erwähnt (vgl. E. 7.1.4) – die Möglichkeit, etwa durch 

die Wahl des Aufenthaltsortes, den Kontakt zu ihren Familienmitgliedern zu 

vermeiden. Es darf somit insgesamt davon ausgegangen werden, dass 

eine adäquate medizinische Weiterbehandlung der gesundheitlichen Prob-

leme der Beschwerdeführerin in Marokko gewährleistet ist, wodurch sie 

nicht der Gefahr einer menschenunwürdigen Existenz oder intensivem Lei-

den ausgesetzt ist. Die hohe Schwelle von Art. 3 EMRK ist somit nicht über-

schritten. 

7.1.5.4 Auch unter Berücksichtigung der Anamnese der Beschwerdeführe-

rin ist hinsichtlich der bestehenden Suizidgefahr festzuhalten, dass vom 

Vollzug der Wegweisung gemäss konstanter Rechtsprechung nicht Ab-

stand zu nehmen ist, solange Massnahmen zur Verhütung der Umsetzung 

einer Suiziddrohung getroffen werden können (vgl. etwa die Urteile des 

BVGer E-6921/2023 vom 12. Januar 2024 E. 7.5; D-172/2021 vom 5. Ja-

nuar 2023 E. 9.3.3; vgl. auch Urteil des BGer 2C_856/2015 vom 

D-2963/2020 

Seite 18 

10. Oktober 2015 E. 3.2.1). Sollten sich die suizidalen Tendenzen der Be-

schwerdeführerin (erneut) verschärfen, wäre dem mit entsprechenden 

Massnahmen bei der Vollzugsorganisation, beispielsweise durch deren 

fachärztliche sowie medikamentöse Vorbereitung und Begleitung, Rech-

nung zu tragen. Auch im Übrigen wird der Gesundheitszustand der Be-

schwerdeführerin bei der Ausgestaltung der konkreten Vollzugsmodalitä-

ten angemessen zu berücksichtigen sein. Die Beschwerdeführerin ist ins-

besondere bei der Organisation einer nahtlosen psychiatrisch-psychothe-

rapeutischen Weiterbetreuung in ihrer Heimat zu unterstützen. Es liegt in 

der Verantwortung der Beschwerdeführerin, sich zusammen mit den sie in 

der Schweiz behandelnden Fachpersonen und den Vollzugsbehörden auf 

eine Rückkehr in ihre Heimat vorzubereiten. 

7.1.6 Ebenso wenig lässt die allgemeine Menschenrechtssituation im Hei-

matstaat den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt als unzulässig 

erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl 

im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.  

7.2  

7.2.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren.  

7.2.2 In Marokko herrscht kein Krieg, Bürgerkrieg oder eine Situation all-

gemeiner Gewalt, aufgrund derer die Zivilbevölkerung als konkret gefähr-

det bezeichnet werden müsste. Der Wegweisungsvollzug dorthin ist daher 

grundsätzlich zumutbar (vgl. Urteil des BVGer D-1337/2023 vom 31. März 

2023 E. 6.1 m.w.H.). 

7.2.3 Aus gesundheitlichen Gründen kann nur dann auf Unzumutbarkeit 

des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG geschlossen 

werden, wenn eine notwendige Behandlung im Heimatland schlicht nicht 

zur Verfügung steht und die fehlende Möglichkeit der (Weiter-)Behandlung 

bei einer Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträch-

tigung des Gesundheitszustands, zur Invalidität oder gar zum Tod der be-

troffenen Person führt. Dabei wird als wesentlich die allgemeine und drin-

gende medizinische Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung ei-

ner menschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit 

D-2963/2020 

Seite 19 

liegt jedenfalls dann noch nicht vor, wenn im Heimat- oder Herkunftsstaat 

eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende medizinische 

Behandlung grundsätzlich möglich ist (vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3; 2009/52 

E. 10.1; 2009/51 E. 5.5; 2009/28 E. 9.3.1; 2009/2 E. 9.3.2). 

Diesbezüglich kann zur Vermeidung von Wiederholungen weitgehend auf 

die vorstehenden Erwägungen 7.1.5.3 und 7.1.5.4 zur Zulässigkeit des 

Wegweisungsvollzugs verwiesen werden. Wie bereits ausgeführt, ist hin-

sichtlich der gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin von einer 

adäquaten medizinischen Weiterversorgung in Marokko auszugehen, wo-

mit eine menschenwürdige Existenz gewährleistet ist. 

7.2.4 Es sind auch sonst keine individuellen Gründe ersichtlich, welche ge-

gen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sprechen würden. Das 

SEM hat diesbezüglich zu Recht darauf hingewiesen, dass die Beschwer-

deführerin eine intelligente, gutausgebildete Person mit langjährigen Ar-

beitserfahrungen in Marokko ist. Zwar ist derzeit fraglich, ob sie angesichts 

ihrer Erkrankung in der Lage sein wird, für ihren eigenen Lebensunterhalt 

aufzukommen. Auch kann sie angesichts der innerfämiliären Schwierigkei-

ten möglicherweise nicht mit der Unterstützung ihrer in Marokko ansässi-

gen Angehörigen rechnen. Hingegen hat sie am (…) einen in B._______ 

geborenen (…) Staatsangehörigen geheiratet. Sie ist somit nicht mehr al-

leinstehend und könnte auf die materielle und soziale Unterstützung ihres 

Ehemannes zählen. 

7.2.5 Es ist demnach nicht davon auszugehen, der Beschwerdeführerin 

drohe bei einer Rückkehr nach Marokko aus individuellen Gründen in wirt-

schaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Hinsicht eine existenzielle Not-

lage, die als konkrete Gefährdung im Sinne des Art. 83 Abs. 4 AIG zu wer-

ten wäre. Dem Gesundheitszustand der Beschwerdeführenden ist jedoch 

bei der Vollzugsorganisation mit einer angemessenen Vorbereitung Rech-

nung zu tragen. 

7.2.6 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung nicht 

als unzumutbar. 

7.3 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. BVGE 2008/34 

E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeich-

nen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

D-2963/2020 

Seite 20 

7.4 In Anbetracht der Heirat mit einem (…) Staatsangehörigen steht es der 

Beschwerdeführerin offen, sich allenfalls um Nachzug in K._______ zu ih-

rem dort wohnhaften Ehemann zu bemühen. 

7.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz den Wegwei-

sungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat. 

Die Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht 

(Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer-

deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihr mit Verfügung vom 

2. Juli 2020 die unentgeltliche Prozessführung gewährt wurde, sind keine 

Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

9.2 Praxisgemäss ist eine anteilsmässige Parteientschädigung zuzuspre-

chen, wenn, wie vorliegend (vgl. E. 3.2), eine Verfahrensverletzung auf Be-

schwerdeebene geheilt wird. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Be-

messungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) ist die von der Vorinstanz auszurich-

tende Parteientschädigung auf Fr. 300.– festzusetzen. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-2963/2020 

Seite 21 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 300.– 

auszurichten. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

Walter Lang Barbara Gysel Nüesch 

 

 

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