# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b3d3568e-50dd-522f-901e-1eb69191dc37
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-05-04
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 04.05.2022 SK 2021 278
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2021-278_2022-05-04.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 21 278+279

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 4. Mai 2022

Besetzung Oberrichter Zbinden (Präsident i.V.), Oberrichterin Schwendener, 
Oberrichter Vicari
Gerichtsschreiberin Susedka

Verfahrensbeteiligte A.________
verteidigt durch Rechtsanwältin B.________

Beschuldigte/Berufungsführerin 1

C.________
verteidigt durch Rechtsanwalt D.________

Beschuldigte/Berufungsführerin 2

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

und

E.________

Straf- und Zivilklägerin

Gegenstand Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-
Seeland (Einzelgericht) vom 21. Mai 2021 (PEN 20 371/372)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland (Einzelgericht; nachfolgend Vorinstanz) 
sprach A.________ (nachfolgend Beschuldigte 1) und C.________ (nachfolgend 
Beschuldigte 2) mit Urteil vom 21. Mai 2021 (pag. 332 ff.) frei von der Anschuldi-
gung der Widerhandlung gegen das Hundegesetz (BSG 916.31), angeblich began-
gen am 24. Juli 2019, ca. 20:30 Uhr, in F.________, G.________, ohne Ausrich-
tung einer Entschädigung und unter Auferlegung der anteilsmässigen Verfahrens-
kosten von jeweils CHF 150.00 (Ziff. A.I. [Beschuldigte 2, pag. 333] und Ziff. B. 
[Beschuldigte 1, pag. 334] des erstinstanzlichen Urteils). Die anteilsmässigen Ver-
fahrenskosten von CHF 2'117.50 (betreffend die Beschuldigte 2, pag. 333) und 
CHF 2'167.50 (betreffend die Beschuldigte 1, pag. 334) wurden dem Kanton Bern 
auferlegt. 

Die Zivilforderung von E.________ (nachfolgend Straf- und Zivilklägerin) wurde auf 
den Zivilweg verwiesen, für die Behandlung der Zivilklage wurden keine Kosten 
ausgeschieden und die durch die Anträge im Zivilpunkt verursachten Aufwendun-
gen wurden wettgeschlagen (Ziff. II. des erstinstanzlichen Urteils, pag. 333 f.). 

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldeten die Beschuldigte 1, vertreten durch Rechtsanwältin 
B.________, und die Beschuldigte 2, vertreten durch Rechtsanwalt D.________, 
mit Schreiben vom 1. Juni 2021 (pag. 341) bzw. 2. Juni 2021 (pag. 344) form- und 
fristgerecht die Berufung an. Nach Zustellung der schriftlichen Urteilsbegründung 
mit Verfügung vom 29. Juni 2021 (pag. 377 f.) erklärten die Beschuldigten mit Ein-
gabe vom 19. Juli 2021 (pag. 389 ff. [Beschuldigte 1]; pag. 393 ff. [Beschuldigte 2]) 
form- und fristgerecht die Berufung. Sie beschränkten ihre Berufung jeweils auf die 
Kostenauflage (Verurteilung zu den Verfahrenskosten von CHF 150.00) und die 
Verweigerung der Ausrichtung einer Entschädigung. Des Weiteren beantragte die 
Beschuldigte 2 die Durchführung eines schriftlichen Verfahrens (pag. 394). Die Ge-
neralstaatsanwaltschaft teilte mit Schreiben vom 2. August 2021 mit, dass sie auf 
die Teilnahme am oberinstanzlichen Verfahren verzichte (pag. 403 f.). Mit Verfü-
gung vom 20. August 2021 (pag. 405 ff.) wurde – nach Feststellung, dass sich die 
übrigen Parteien zu dieser Frage nicht hatten vernehmen lassen – die Durch-
führung eines schriftlichen Verfahrens angeordnet (pag. 406). Mit Eingaben vom 
4. Oktober 2021 (pag. 416 ff. [Beschuldigte 1]; pag. 434 ff. [Beschuldigte 2]) be-
gründeten die Beschuldigten ihre Berufung. E.________ (nachfolgend Straf- und 
Zivilklägerin) liess sich innert Frist nicht vernehmen. 

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Mit Blick auf den Verfahrensgegenstand konnte oberinstanzlich auf Beweisergän-
zungen verzichtet werden. 

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4. Anträge der Parteien

Rechtsanwältin B.________ stellte und begründete in ihrer Berufungsbegründung 
vom 4. Oktober 2021 (pag. 416 ff.) namens der Beschuldigten 1 folgende Anträge 
(pag. 417):

1. Die erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten seien dem Staat vollumfänglich zur Bezahlung 
aufzuerlegen.

2. Der Berufungsführerin sei für das erst- und oberinstanzliche Verfahren eine Parteientschädigung 
gemäss Honorarnoten zuzusprechen.

Rechtsanwalt D.________ stellte und begründete in seiner Berufungsbegründung 
vom 4. Oktober 2021 (pag. 434 ff.) namens der Beschuldigten 2 folgende Anträge 
(pag. 435):

1. Als Folge des Freispruchs seien die Verfahrenskosten der ersten Instanz vollständig dem Kan-
ton Bern aufzuerlegen und C.________ sei eine Entschädigung in der Höhe der einreichten Ho-
norarnote von Rechtsanwalt D.________ (CHF 8'265.65) für die angemessene Ausübung ihrer 
Verfahrensrechte auszurichten;

2. Soweit weitergehend sei die Rechtskraft des erstinstanzlichen Urteils festzustellen;

unter Kosten und Entschädigungsfolgen inkl. 7.7% MWST im erst- und 
oberinstanzlichen Verfahren.

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Die Beschuldigten wurden von der Anschuldigung der Widerhandlung gegen das 
Hundegesetz, angeblich begangen am 24. Juli 2019, ca. 20:30 Uhr, in F.________, 
G.________, freigesprochen. Zufolge der auf die Kostenauflage und Entschädi-
gungsfrage beschränkten Berufung ist dieser Freispruch – sowie der Zivilpunkt – in 
Rechtskraft erwachsen. Von der Kammer zu beurteilen ist einzig die Frage, ob den 
Beschuldigten gestützt auf Art. 426 Abs. 2 der Schweizerischen Strafprozessord-
nung (StPO; SR 312.0) die Verfahrenskosten auferlegt werden können sowie ge-
stützt auf Art. 430 Abs. 1 Bst. a StPO eine Entschädigung verweigert werden kann. 

Im Rahmen einer Berufung wird der vorinstanzliche Entscheid grundsätzlich bezüg-
lich sämtlicher Tat-, Rechts- und Ermessensfragen frei überprüft (Art. 398 Abs. 3 
StPO). Bildeten jedoch – wie vorliegend – von vornherein ausschliesslich Übertre-
tungen Gegenstand des erstinstanzlichen Hauptverfahrens, so schränkt Art. 398 
Abs. 4 StPO die Kognition der Berufungsinstanz ein. In solchen Fällen können mit 
der Berufung nur Rechtsfehler oder die offensichtlich unrichtige bzw. auf Rechts-
verletzung beruhende Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden. 
Neue Behauptungen und Beweise können gemäss Art. 398 Abs. 4 StPO nicht vor-
gebracht werden. Rechtsfragen überprüft das Berufungsgericht hingegen auch bei 
Übertretungen mit freier Kognition. Die inhaltliche Begrenzung des Berufungsthe-
mas in Art. 398 Abs. 4 StPO schränkt die Überprüfungsbefugnis diesbezüglich 
nicht ein. Ebenso überprüft das Berufungsgericht den Kostenspruch mit voller Ko-
gnition (Art. 398 Abs. 2 StPO; EUGSTER, Basler Kommentar StPO/JStPO, 2. Aufl. 
2014, N. 3a zu Art. 398 StPO). Dementsprechend verfügt die Kammer bei der 

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Überprüfung der angefochtenen Punkte (Kostenauflage und Entschädigungsfrage) 
über volle Kognition (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 6B_322/2017 E. 2.3.).

Aufgrund der alleinigen Berufung der Beschuldigten darf das Urteil nicht zu ihrem 
Nachteil abgeändert werden; es ist das Verschlechterungsverbot (Verbot der «re-
formatio in peius») zu beachten (Art. 391 Abs. 2 StPO). 

II. Sachverhalt / Materielles

6. Sachverhalt / Ausgangslage

Mit Strafbefehlen vom 11. September 2019 (pag. 50 [Beschuldigte 1]; pag. 133 
[Beschuldigte 2]) wurde den Beschuldigten vorgeworfen, dass sie am 24. Juli 2019 
um ca. 20:30 Uhr während eines Spaziergangs am Ufer des H.________ ihre nicht 
angeleinten Hunde nicht hätten abrufen können und deshalb nicht hätten verhin-
dern können, dass es zu einem Gerangel zwischen ihren Hunden sowie dem Hund 
der Straf- und Zivilklägerin gekommen sei. Der Hund der Straf- und Zivilklägerin 
habe sich dabei Bissverletzungen an der rechten Flanke zugezogen und operativ 
behandelt werden müssen. 

Die Vorinstanz führte im Rahmen der Beweiswürdigung aus, dass bestritten wor-
den sei, dass die beiden Beschuldigten hätten verhindern können, dass es zu die-
sem Gerangel gekommen sei. Dabei handle es sich um die zentrale Beweisfrage, 
welche bei der Beweiswürdigung einzig zu beurteilen gewesen sei. Welcher der 
beiden Hunde den Labrador (Hund der Straf- und Zivilklägerin) letztlich gebissen 
und verletzt habe, könne hingegen offen bleiben, weil dies in den Strafbefehlen 
vom 11. September 2019 weder angeklagt noch im Hinblick auf die Ausgestaltung 
von Art. 5 i.V.m. Art. 15 Hundegesetz von Bedeutung sei. Des Weiteren werde den 
beiden Beschuldigten in den Strafbefehlen auch kein vorsätzliches oder fahrlässi-
ges Fehlverhalten bzw. Unterlassen zur Last gelegt. Insbesondere werde auch 
nicht umschrieben, inwiefern die Beschuldigten überhaupt hätten verhindern kön-
nen bzw. vorgehen müssen, damit es nicht zu einer Gefahrensituation (Gerangel 
bzw. Hundebiss) gekommen wäre. Es werde ihnen einzig vorgeworfen, dass sie 
die nicht angeleinten Hunde nicht hätten abrufen können und deshalb nicht hätten 
verhindern können, dass es zu einem Gerangel zwischen den drei Hunden ge-
kommen sei. Die Vorinstanz gelangte zum Schluss, dass die Hunde abrufbar ge-
wesen seien und den Beschuldigten einzig vorgeworfen werden könne, dass sie zu 
spät auf den sich nähernden fremden Hund reagiert hätten und sie ihre beiden 
Hunde früher hätten rufen müssen. Weil dies allerdings nicht Teil des vorgeworfe-
nen Sachverhalts sei, wurden die beiden Beschuldigten vom Vorwurf der Wider-
handlung gegen das Hundegesetz freigesprochen (pag. 359 ff.; S. 9 ff. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung). 

Der Vollständigkeit halber fügte die Vorinstanz zudem an, dass sich die beiden Be-
schuldigten wohl selbst bei einer allfällig konkreten Anwendbarkeit von Art. 5 Abs. 1 
und 2 i.V.m. Art. 15 Hundegesetz keiner Sorgfaltspflichtverletzung schuldig ge-
macht hätten, weil es nicht Absicht des Gesetzgebers gewesen sein könne, dass 
ein permanentes und ununterbrochenes Beobachten des Hundes, ohne Möglich-

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keit, sich kurz abwenden zu dürfen, Massstab der objektiv geforderten Sorgfalt sei. 
Auch könne den Beschuldigten kein pflichtwidriges Verhalten, wonach sie ihre 
Hunde nicht an der Leine geführt hätten, vorgeworfen werden, weil an besagter 
Stelle keine allgemeine Leinenpflicht gelte (pag. 364 f.; S. 14 f. der erstinstanzli-
chen Urteilsbegründung). 

7. Zur Kostenauflage

7.1 Erwägungen der Vorinstanz

Die Vorinstanz erwog, dass sich die beiden Beschuldigten nach dem Vorfall, ohne 
Angabe ihrer Personalien bzw. ohne jegliche Hilfeleistung ihrerseits, vom Ort des 
Geschehens entfernt hätten, dies, obwohl der Labrador der Straf- und Zivilklägerin 
erhebliche Verletzungen davongetragen habe. Die Straf- und Zivilklägerin habe den 
Vorfall «erzwungenermassen» zur Anzeige bringen müssen, damit die Personalien 
der beiden Beschuldigten überhaupt in Erfahrung hätten gebracht werden können 
und die Verantwortung habe abgeklärt werden können. Die beiden Rechtsvertreter 
der Beschuldigten hätten selbst verlauten lassen, dass es wohl nicht zu einem der-
art weiten Fortschreiten des Strafverfahrens gekommen wäre, hätten die beiden 
Beschuldigten nach dem Vorfall eine andere Verhaltensweise an den Tag gelegt. 
Indem sie sich aber nach dem Vorfall einfach vom Ort des Geschehens entfernt 
hätten, hätten sie nach Auffassung des Gerichts durch ihre Verhaltensweise den 
dringenden Verdacht einer strafbaren Handlung erweckt bzw. dadurch letztlich die 
Anhebung des Strafverfahrens durch die Straf- und Zivilklägerin bzw. Strafbehörde 
veranlasst. Unter Verweis auf Art. 56 Abs. 1 des Bundesgesetzes betreffend die 
Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Obligationenrecht [OR]; SR 
220) sowie Art. 11 Abs. 1 Hundegesetz führte die Vorinstanz aus, dass im Falle ei-
nes durch den eigenen Hund verursachten Schadens der jeweilige Hundehalter 
seine Personalien anzugeben und den Vorfall seiner obligatorischen Haftpflichtver-
sicherung zu melden habe. Er müsse bei der Sachverhaltsabklärung mitwirken, 
wobei er in einem ersten Schritt dem Geschädigten zumindest die Personalien be-
kannt zu geben habe. Zur Verdeutlichung, weshalb ein prozessuales Verschulden 
vorliege, verwies die Vorinstanz zudem auf die Bestimmungen des Strassenver-
kehrsgesetzes (SVG; SR 741.0), konkret auf Art. 51 Abs. 1 und 3 SVG, sowie auf 
Art. 26 des Tierschutzgesetzes (TSchG; SR 455), Art. 641a des Schweizerischen 
Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210) sowie Art. 42 Abs. 3 OR und hielt fest, dass ein 
Halter bzw. Eigentümer eines Heim- oder Nutztieres gemeinhin – also auch abseits 
von Verkehrsunfällen – ein Interesse daran habe, bei einer Verletzung seines Tie-
res die Personalien des dafür möglicherweise Verantwortlichen zu erfahren bzw. 
dessen kurzzeitige Hilfeleistung in Anspruch nehmen zu dürfen. Entsprechend sei 
es nachvollziehbar, dass die Straf- und Zivilklägerin zu eruieren versucht habe, wer 
für eine allfällige Tierarztrechnung aufzukommen habe und daher letztlich Anzeige 
bei der Polizei erstattet habe. Die beiden Beschuldigten würden zudem seit mehre-
ren Jahren intensiv Hundesport betreiben (Obedience), weshalb bei ihnen von ei-
ner allgemeinen Affinität für diese Tiere auszugehen sei. Unter den gegebenen 
Verhältnissen seien die beiden Beschuldigten vom angebrachten und gebotenen 
Durchschnittsverhalten abgewichen. Insoweit hätten sie die Einleitung des Prozes-
ses verschuldet bzw. sei diesen ein prozessuales Verschulden i.S.v. Art. 426 

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Abs. 2 StPO anzulasten. Zusammengefasst sei die Initiierung des Strafverfahrens 
den Verhaltensweisen der beiden Beschuldigten zuzurechnen, weshalb ihnen die 
anteilsmässigen Verfahrenskosten von je CHF 150.00 aufzuerlegen seien. Infolge 
des Freispruchs habe der Kanton Bern die weiteren Kosten (ab Erstellung der 
Strafbefehle) zu tragen (pag. 367 ff.; S. 17 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung). 

7.2 Vorbringen der Beschuldigten 1 und 2

Die Beschuldigten 1 und 2 reichten – obwohl von unterschiedlichen Rechtsvertre-
tern stammend – praktisch identische Berufungsbegründungen ein (vgl. pag. 416 ff. 
[Beschuldigte 1]; pag. 436 ff. [Beschuldigte 2]), weshalb das nachfolgend Ausge-
führte für beide gleichermassen gilt.

Die Beschuldigten machen zunächst geltend, dass die Ausführungen der Vorin-
stanz, wonach die Straf- und Zivilklägerin gezwungen gewesen sei, Anzeige zu er-
statten, um überhaupt die Personalien der Beschuldigten in Erfahrung zu bringen, 
nur teilweise den aktenkundigen Fakten entsprechen würden. Denn die Straf- und 
Zivilklägerin habe bereits vor dem Vorfall feststellen können, aus welchen Fahr-
zeugen die Beschuldigten ausgestiegen seien. Nach dem Vorfall seien die Fahr-
zeuge noch vor Ort gewesen, so dass ohne Weiteres die Kennzeichen notiert und 
darüber die Personalien der Beschuldigten hätten ausfindig gemacht werden kön-
nen. So sei die Straf- und Zivilklägerin denn auch vorgegangen. Zudem habe sie 
über die Zeugin I.________ herausgefunden, dass es sich bei der einen Halterin 
um die Beschuldigte 2 handle. Entsprechend habe die Straf- und Zivilklägerin im 
Zeitpunkt der Anzeige zumindest Kenntnis der Personalien der Beschuldigten 2 
gehabt und über die nötigen Informationen verfügt, um auch die Beschuldigte 1 
problemlos zu identifizieren. Grund der Anzeige sei damit nicht die Klärung der 
Personalien gewesen. Der Straf- und Zivilklägerin sei es nach eigenen Angaben in 
erster Linie um die Übernahme von Tierarztkosten gegangen. 

Der erstellte Sachverhalt deute zudem auf ein Mitverschulden der Privatklägerin 
hin, weshalb nicht ohne Weiteres zu erwarten gewesen wäre, dass die Haftpflicht-
versicherung der Beschuldigten den vollen Schaden getragen hätte. Entsprechend 
könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Straf- und Zivilklägerin zu einem 
späteren Zeitpunkt Anzeige erstattet hätte, wenn die Schadensregulierung nicht zu 
ihrer Zufriedenheit hätte erledigt werden können. Somit wäre auch eine sofortige 
Hilfeleistung und Angabe von Personalien kein Garant für ein Absehen von einer 
Anzeige gewesen. Weiter führe die Vorinstanz aus, dass die Beschuldigten durch 
ihre Verhaltensweise durchaus den dringenden Verdacht einer strafbaren Hand-
lung erweckt und dadurch letztlich die Anhebung des Strafverfahrens veranlasst 
hätten. Allerdings gehe aus den Aussagen der Straf- und Zivilklägerin an keiner 
Stelle hervor, dass sie aufgrund der «Flucht» der Beschuldigten angenommen ha-
be, diese hätten sich strafbar gemacht. 

Die Vorinstanz leite das für eine Kostenauferlegung vorausgesetzte prozessuale 
Verschulden von der Tierhalterhaftung gemäss Art. 56 Abs. 1 OR ab. Zudem ver-
weise sie auf Art. 11 Abs. 1 Hundegesetz und schliesse aus diesem Versiche-
rungsobligatorium, dass der Hundehalter verpflichtet sei, seine Personalien anzu-

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geben. Eine solche Verpflichtung lasse sich aber aus keiner der vorgenannten 
Normen herleiten, auch bestehe sie weder in straf- noch in zivilrechtlicher Hinsicht. 
Zudem gehe der Vergleich mit Art. 51 und 53 SVG fehl, weil in Konstellationen wie 
der vorliegenden analoge Vorschriften fehlen würden. Auch der Verweis auf Art. 26 
TschG gehe fehl, weil die vorliegende Konstellation gänzlich anders sei als der 
Sachverhalt eines angefahrenen Tiers, weil das Sich-Entfernen, ohne die Kontakt-
angaben zu hinterlassen, keinen Einfluss auf den Gesundheitszustand des verletz-
ten Hundes gehabt habe, zumal sich dessen Halter um die medizinische Versor-
gung bemüht habe.

Der Vorinstanz könne insofern zugestimmt werden, dass für die Straf- und Zivilklä-
gerin der Eindruck habe entstehen können, dass sich die Beschuldigten einer allfäl-
ligen zivilrechtlichen Verantwortung hätten entziehen wollen. Das sei aber nicht die 
Absicht gewesen, zumal die Beschuldigte 2 den Vorfall am Morgen des 26. Juli 
2019 telefonisch der Polizei gemeldet habe, dies in Unkenntnis der bereits einge-
reichten Anzeige.

Vorliegend fehle es bereits an einem zivilrechtlich vorwerfbaren Verhalten. Auch 
ein adäquater Kausalzusammenhang sei nicht gegeben. Denn aufgrund des Sich-
Entfernens ohne Angabe von Kontaktangaben könne nicht gesagt werden, dass 
durch dieses Verhalten der Eindruck erweckt worden sei, die Beschuldigten hätten 
sich der Widerhandlung gegen das Hundegesetz strafbar gemacht. Im Übrigen gel-
te als Einleitung des Strafverfahrens nicht die Anzeige der Straf- und Zivilklägerin, 
sondern die Anhandnahme durch die Staatsanwaltschaft. Diese dürfte durch das 
«Nachtatverhalten» der Beschuldigten in ihrem Entscheid, ein Verfahren einzulei-
ten, nicht beeinflusst worden sein. 

Indem die Vorinstanz in Anwendung von Art. 426 Abs. 2 StPO, obwohl die Voraus-
setzungen dafür nicht gegeben seien, den Beschuldigten die Verfahrenskosten 
teilweise auferlegt habe, verletzte sie Bundesrecht. Entgegen der Vorinstanz seien 
die Verfahrenskosten vollständig dem Kanton Bern aufzuerlegen. 

7.3 Theoretische Ausführungen

Gemäss Art. 426 Abs. 1 Satz 1 StPO trägt die beschuldigte Person die Verfahrens-
kosten, wenn sie verurteilt wird. Wird das Verfahren eingestellt oder die beschuldig-
te Person freigesprochen, so können ihr die Verfahrenskosten ganz oder teilweise 
auferlegt werden, wenn sie rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des Verfah-
rens bewirkt oder dessen Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO). 

Nach der Rechtsprechung verstösst eine Kostenauflage bei Freispruch oder Ein-
stellung des Verfahrens gegen die Unschuldsvermutung (Art. 10 Abs. 1 StPO, 
Art. 32 Abs. 1 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV; SR 
101] und Art. 6 Ziff. 2 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und 
Grundfreiheiten [EMRK; SR 0.101]), wenn der beschuldigten Person in der Be-
gründung des Kostenentscheids direkt oder indirekt vorgeworfen wird, es treffe sie 
ein strafrechtliches Verschulden. Damit käme die Kostenauflage einer Verdachts-
strafe gleich. Dagegen ist es mit Verfassung und Konvention vereinbar, einer nicht 
verurteilten beschuldigten Person die Kosten zu überbinden, wenn sie in zivilrecht-
lich vorwerfbarer Weise, d.h. im Sinne einer analogen Anwendung der sich aus 

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Art. 41 OR ergebenden Grundsätze, eine geschriebene oder ungeschriebene Ver-
haltensnorm, die sich aus der Gesamtheit der schweizerischen Rechtsordnung er-
geben kann, klar verletzt und dadurch das Strafverfahren veranlasst oder dessen 
Durchführung erschwert hat. In tatsächlicher Hinsicht darf sich die Kostenauflage 
nur auf unbestrittene oder bereits klar nachgewiesene Umstände stützen. Das Ver-
halten einer angeschuldigten Person ist widerrechtlich, wenn es klar gegen Normen 
der Rechtsordnung verstösst, die sie direkt oder indirekt zu einem bestimmten Tun 
oder Unterlassen verpflichten (vgl. Art. 41 Abs. 1 OR). Vorausgesetzt sind regel-
mässig qualifiziert rechtswidrige, rechtsgenüglich nachgewiesene Verstösse. Die 
Verfahrenskosten müssen mit dem zivilrechtlich vorwerfbaren Verhalten in einem 
adäquat-kausalen Zusammenhang stehen (BGE 144 IV 202 E. 2.2; Urteil 
6B_1094/2019 vom 25. Juni 2020 E. 2.2; je mit Hinweisen).

7.4 Erwägungen der Kammer

Die gerade gemachten theoretischen Ausführungen besagen nichts anderes, als 
dass die Kostenauflage an eine beschuldigte Person im Falle eines Freispruchs 
bzw. einer Einstellung die Ausnahme darstellt (so explizit RIKLIN, OFK StPO, 
2. Aufl. 2014, N. 3 zu Art. 426 StPO). Dementsprechend bedingt die Kostenauflage 
mehr als ein sittenwidriges oder rechtsmissbräuchliches Verhalten, auch mehr als 
eine blosse Verletzung von vertraglichen Pflichten. Sie ist nur zulässig bei qualifi-
ziert rechtswidrigen und rechtsgenügend nachgewiesenen Sachverhalten, vorab 
der Verletzung besonderer gesetzlicher Vorschriften (GRIESSER, SK StPO, 3. Aufl. 
2020, N. 10 zu Art. 426 StPO). 

Eine Kostenauflage scheitert vorliegend bereits am Nachweis eines rechtswidrigen 
Verhaltens der Beschuldigten. Die Vorinstanz zitiert zwar verschiedene gesetzliche 
Regelungen, insbesondere das Versicherungsobligatorium im Hundegesetz. Dar-
aus ergibt sich indessen nicht ausdrücklich und auch nicht aus dem Zusammen-
hang mit der nötigen Klarheit, dass der Hundehalter seine Personalien anzugeben 
und einen Schadenfall seiner obligatorischen Haftpflichtversicherung zu melden 
hat. Die Vorinstanz räumt zudem selber ein, das Gesetz sehe keine allgemeine Hil-
feleistungspflicht bei einem verletzten Tier vor. Der vorinstanzliche Verweis auf ein 
allenfalls angebrachtes und gebotenes Durchschnittsverhalten in einer derartigen 
Situation ist nach den Vorgaben von Gesetz und Praxis unbehelflich. 

Auch ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem Verhalten der Beschul-
digten und der Einleitung des Strafverfahrens ist nicht hinreichend belegt. Gemäss 
Vorinstanz habe die Straf- und Zivilklägerin den Vorfall «erzwungenermassen» zur 
Anzeige bringen müssen, damit die Personalien der beiden Beschuldigten über-
haupt in Erfahrung hätten gebracht werden können. In den Aussagen der Straf- 
und Zivilklägerin ist indessen kein derartiges Motiv für die Anzeigeerstattung er-
kennbar, zumal sie die Personalien der Beschuldigten 2 anderweitig ausfindig ma-
chen konnte und selber die Kennzeichen der Autos der Beschuldigten fotografierte 
(bspw. pag. 10). Die Beschuldigte 2 meldete den Vorfall auch selber gegenüber der 
Polizei, wenn auch erst 2 Tage nach dem Ereignis (pag. 5).  

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von insgesamt CHF 4'585.00 sind somit in 
Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO vom Kanton Bern zu tragen. 

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8. Zur Entschädigungsfrage

8.1 Erwägungen der Vorinstanz

Die Vorinstanz erwog, dass gegen die beiden Beschuldigten im Strafbefehl jeweils 
eine Busse von CHF 500.00 ausgefällt worden sei, wobei ein Eintrag im Strafregis-
ter grundsätzlich ausgeschlossen sei (Art. 3 Ziff. 1 Bst. c Abs. 1 der Verordnung 
über das Strafregister [VOSTRA-Verordnung; BSG 331]). Des Weiteren habe sich 
der Veterinärdienst des Kantons Bern als Partei vorzeitig aus dem Strafverfahren 
zurückgezogen und auf weitergehende Massnahmen betreffend die beiden Hunde 
verzichtet. Zudem seien derlei Massnahmen im Falle eines allfälligen Schuld-
spruchs nie in Aussicht gestellt worden und die Beschuldigten hätten denn auch zu 
keinem Zeitpunkt über eine Busse hinausgehende, negative Auswirkungen für sich 
oder ihre Hunde zu befürchten gehabt. Insbesondere habe ihnen keine aus einem 
Schuldspruch abgeleitete Konsequenzen, welche das zukünftige, berufliche Fort-
kommen in irgendeiner Weise zu erschweren im Stande gewesen wären, gedroht. 
Betreffend die Zivilforderung sei es um Tierarztkosten von CHF 599.60 sowie um 
eine Genugtuung von CHF 1'000.00 gegangen. Im Falle einer Schadenstragung 
wäre diesbezüglich die obligatorische Haftpflichtversicherung zur Anwendung ge-
langt. Zudem seien die beiden Beschuldigten sehr wohl imstande, sich selbst zu 
verteidigen. So habe die Beschuldigte 1 selbst eine mehrseitige Einsprachebe-
gründung verfasst und die Beschuldigte 2 eine Fotodokumentation sowie Pläne zu 
den Akten gereicht, welche die Angaben zum besagten Vorfall detailliert untermau-
ern sollten. Des Weiteren habe es auch die Straf- und Zivilklägerin nicht für not-
wendig erachtet, eine anwaltliche Vertretung zu bestellen. Auch habe die Staats-
anwaltschaft die Anklage nicht persönlich vor Gericht vertreten. Insofern sei es mit 
Blick auf die Waffengleichheit fraglich, wieso es die Beschuldigten als notwendig 
erachtet hätten, beidseits eine Rechtsvertretung zu bestellen. Überhaupt sei bei 
Übertretungen nur zurückhaltend eine Entschädigung zu sprechen. Eine Komple-
xität des Strafverfahrens, welcher nur durch einen Rechtsvertreter begegnet wer-
den könne, habe sich in keinem Zeitpunkt des Strafverfahrens ergeben, weshalb 
keine Entschädigung auszurichten sei (pag. 371 f.; S. 21 f. der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung).

8.2 Vorbringen der Beschuldigten 1 und 2

Die beiden Beschuldigten bringen im Wesentlichen vor (pag. 427 [Beschuldigte 1]; 
pag. 440 ff. [Beschuldigte 2]), dass aus dem Schreiben des Veterinärdienstes des 
Kantons Bern nicht hervorgehe, dass dieser auf weitere Massnahmen verzichtet 
habe, vielmehr spreche die Bitte um Mitteilung des Urteils dafür, dass sie sich wei-
tergehende Massnahmen vorbehalten würden. Zudem hätten die Beschuldigten zu 
keinem Zeitpunkt sicher sein können, dass ihnen keine negativen Auswirkungen – 
über die Busse hinausgehend – drohen würden (Art. 12 Abs. 2 Hundegesetz). Es 
sei auch nicht erstellt, dass die Haftpflichtversicherung sämtliche Tierarztkosten 
und eine Genugtuung vollumfänglich übernommen hätte. Des Weiteren habe sich 
die Beschuldigte 1 vor Einreichung der Einsprachebegründung mit einer befreunde-
ten Juristin beraten, welche auch bei der Formulierung behilflich gewesen sei. Al-
lein der Umstand, dass die Beschuldigte 2 Unterlagen eingereicht habe, der deut-
schen Sprache mächtig sei und ohne Weiteres in der Lage gewesen sei, genaue 

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Schilderungen zum Vorfall zu Protokoll zu geben, könne nicht zur Konstatierung 
führen, dass sie ohne Weiteres auch in der Lage gewesen sei, sich selbst zu ver-
teidigen, zumal das Bundesgericht das materielle Strafrecht und das Strafprozess-
recht unabhängig von den Sprachkenntnissen als komplex erachte und insbeson-
dere für Personen, die das Prozessieren nicht gewohnt seien, eine Belastung und 
grosse Herausforderung darstelle. 

In Bezug auf die Waffengleichheit führte die Beschuldigte 2 aus, dass diese insbe-
sondere auch gegenüber den Strafverfolgungsbehörden gelte, wobei sie im Zeit-
punkt der Mandatierung des Rechtsanwaltes noch nicht habe wissen können, dass 
die Staatsanwaltschaft Anklage erheben, diese aber nicht persönlich vor Gericht 
vertreten werde. Weil zu Beginn eines Verfahrens nur schwer abgeschätzt werden 
könne, ob Komplikationen entstehen würden, sei es für eine wirksame Verteidigung 
absolut wesentlich, möglichst frühzeitig im Verfahren mit ihr zu beginnen 
(pag. 442). Die Beschuldigte 1 führte hingegen aus, dass die Waffengleichheit auch 
zwischen den Beschuldigten zur Anwendung kommen könne. Vorliegend habe für 
die Beschuldigte 1 die ernsthafte Gefahr bestanden, dass die anwaltliche vertrete-
ne Beschuldigte 2 versuchen würde, der Beschuldigten 1 die Schuld in die Schuhe 
zu schieben (pag. 429). 

Schliesslich führten beide Beschuldigten aus, dass der betriebene Aufwand insbe-
sondere und grösstenteils auch dem höchst aufwendig geführten Beweisverfahren 
der Vorinstanz geschuldet sei, was schliesslich eine tatsächliche Komplexität mit 
sich gebracht habe, welcher die sich das Prozessieren nicht gewohnten Beschul-
digten alleine nicht hätten stellen können. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz sei 
der Beizug einer Verteidigung angemessen gewesen und ihr sei entsprechend der 
anlässlich der Hauptverhandlung vor der Vorinstanz eingereichten Kostennote ge-
stützt auf Art. 429 Abs. 1 Bst. a StPO eine Entschädigung zuzusprechen. 

8.3 Theoretische Ausführungen

Die beschuldigte Person hat Anspruch auf Entschädigung ihrer Aufwendungen für 
die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte, wenn sie ganz oder teilweise 
freigesprochen oder das Verfahren gegen sie eingestellt wird (Art. 429 Abs. 1 
Bst. a StPO). Erfasst sind primär die Kosten der frei gewählten Verteidigung. Diese 
sind zu vergüten, wenn der Anwaltsbeizug angesichts der beweismässigen oder 
rechtlichen Komplexität des Falles sowie der persönlichen Umstände geboten war, 
auch wenn kein Fall notwendiger oder amtlicher Verteidigung gegeben ist 
(SCHMID/JOSITSCH, Praxiskommentar Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 
2018, N. 7 zu Art. 429 StPO). Der Beizug eines Wahlverteidigers kann sich mit an-
deren Worten als angemessene Ausübung des Verfahrensrechts erweisen, auch 
wenn er nicht als geradezu geboten erscheint (BGE 138 IV 197 E. 2.3.3). Eine Ent-
schädigung ist grundsätzlich unabhängig der Schwere der Vorwürfe, welche dem 
Freigesprochenen gegenüber erhoben wurden, geschuldet (MOREILLON/PAREIN-
REYMOND, Code de procédure pénale, 2. Aufl. 2016, N. 4 zu Art. 429 StPO). 

Auch bei Übertretungen darf nicht generell davon ausgegangen werden, dass die 
beschuldigte Person ihre Verteidigerkosten als Ausfluss einer Art von sozialer 
Pflicht selbst zu tragen hat (BGE 138 IV 197 E. 2.3.5). Beim Entscheid über die 

11

Angemessenheit des Beizugs eines Anwalts sind neben der Schwere des Tatvor-
wurfs und der tatsächlichen und rechtlichen Komplexität des Falles insbesondere 
auch die Dauer des Verfahrens und dessen Auswirkungen auf die persönlichen 
und beruflichen Verhältnisse der beschuldigten Person zu berücksichtigen (MO-
REILLON/PAREIN-REYMOND, Code de procédure pénale, N. 11a zu Art. 429 StPO; 
BGE 138 IV 197 E. 2.3.5). Insbesondere bei blossen Übertretungen hängt die Ant-
wort auf die Frage, ob der Beizug eines Anwalts angemessen war, daher von den 
konkreten Umständen des einzelnen Falles ab, wobei an die Angemessenheit kei-
ne hohen Anforderungen zu stellen sind (Urteil des Bundesgerichts 6B_701/2018 
vom 5. November 2018 E. 2. mit weiteren Hinweisen). 

Der vom Verteidiger betriebene Aufwand hat sich in aus juristischer Sicht einfachen 
Fällen auf ein Minimum zu beschränken; allenfalls muss es bei einer einfachen 
Konsultation sein Bewenden haben (BGE 138 IV 197 E. 2.3.5). Als Massstab bei 
der Beantwortung der Frage, welcher Aufwand für eine angemessen Verteidigung 
im Strafverfahren nötig ist, hat der erfahrene Anwalt zu gelten, der im Bereich des 
materiellen Strafrechts und des Strafprozessrechts über fundierte Kenntnisse ver-
fügt und deshalb seine Leistungen von Anfang an zielgerichtet und effizient erbrin-
gen kann (Urteil des Bundesgerichts 6B_129/2016 vom 2. Mai 2016 E. 2.2 mit 
Hinweisen). 

8.4 Erwägungen der Kammer

In einem zweiten Schritt ist demnach zu überprüfen, ob der Beizug eines Anwal-
tes/einer Anwältin gerechtfertigt war, da den Beschuldigten jeweils nur eine Über-
tretung vorgeworfen wurde. 

Nachdem der Beizug eines Rechtsvertreters keinen hohen Anforderungen zu 
genügen hat, ist er aufgrund der konkreten Umstände als gerechtfertigt zu be-
zeichnen. 

Ausschlaggebend ist dabei nach Ansicht der Kammer weniger die im konkreten 
Fall theoretisch erscheinende Möglichkeit von Massnahmen seitens der Veterinär-
behörden (naheliegender allenfalls bei der Beschuldigten 2 wegen der Vorakten 
des Veterinärdienstes, vergleiche pag. 186 ff.) oder die konkret ebenfalls eher theo-
retisch (vergleiche hier beispielsweise die den Honorarnoten zu entnehmenden 
Kontakte zwischen den Verteidigungen während des Verfahrens oder die inhaltlich 
teilweise übereinstimmenden Schriftsätze im Berufungsverfahren) anmutende Mög-
lichkeit unterschiedlicher Interessen der Beschuldigten. Ferner musste vorliegend 
von Anfang an klar sein, dass sich die Staatsanwaltschaft beim weiteren Verfahren 
nach Strafbefehl, Einspracheverfahren und Überweisung ans urteilende Gericht 
nicht in Form persönlichen Auftretens beteiligen würde. Hingegen handelte es sich 
hier in tatsächlicher Hinsicht um einen etwas spezielleren Fall einer Anklage wegen 
Widerhandlung gegen das Hundegesetz, da insgesamt 3 Hunde bzw. deren Halte-
rinnen involviert waren und das Verfahren schon allein dadurch an Umfang zunahm 
(vergleiche auch den Zeitaufwand für die erstinstanzliche Hauptverhandlung). Die 
Beschuldigten zogen ihre Verteidigung dabei nicht verfrüht, sondern erst nach Er-
halt des Strafbefehls bzw. nach Vorladung zur erstinstanzlichen Hauptverhandlung 

12

bei und damit erst, nachdem gegen sie eine Strafuntersuchung eröffnet worden 
war. 

Angefügt sei, dass ansonsten nicht in jedem Fall mit einer Auseinandersetzung 
zwischen Hunden der Beizug einer Verteidigung angemessen sein dürfte, geht es 
doch dabei meist um tatsächliche und beschränkt auch fachlich-rechtliche Fragen, 
die normalerweise von Hunde haltenden Laien ohne anwaltlichen Beistand bewäl-
tigt werden dürften. 

In einem weiteren Schritt ist zu überprüfen, ob der konkrete Aufwand der Verteidi-
ger angemessen war. 

Die Entschädigung richtet sich nach dem Kantonalen Anwaltsgesetz (KAG; BSG 
168.11) und der Parteikostenverordnung (PKV; BSG 168.811) (SCHMID/JOSITSCH, 
Praxiskommentar Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2018, N. 7 zu 
Art. 429 StPO; WEHRENBERG/FRANK, Basler Kommentar StPO/JStPO, 2. Aufl. 
2014, N. 15 f. zu Art. 429 StPO mit weiteren Hinweisen). Der Tarifrahmen in Straf-
sachen in Verfahren vor dem Einzelgericht des Regionalgerichts beträgt 
CHF 500.00 bis 25‘000.00 (Art. 17 Bst. b PKV), wobei das Honorar in diesem Fall 
auch die Abgeltung für den Aufwand für das Vorverfahren umfasst (Art. 17 Abs. 2 
PKV). Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in 
der Sache gebotenen Zeitaufwand und der Bedeutung der Streitsache und der 
Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG). Die Bemühungen des Anwaltes 
müssen sachbezogen und angemessen sein. Unnötige und übersetzte Kosten sind 
nicht zu entschädigen (WEHRENBERG/FRANK, Basler Kommentar StPO/JStPO, 
2. Auflage 2014, N. 15 zu Art. 429 StPO). 

8.4.1 Entschädigungsanträge für die erste Instanz

Rechtsanwalt D.________ machte im erstinstanzlichen Verfahren mit Honorarnote 
vom 21. Mai 2021 (pag. 327 ff.) eine Entschädigung von insgesamt CHF 8'265.65 
geltend (29.68 Stunden à 250.00, Auslagen von CHF 299.40, 7.7% MWST 
CHF 546.25). 

Rechtsanwältin B.________ machte im erstinstanzlichen Verfahren mit Kostennote 
vom 21. Mai 2021 (pag. 329 f.) eine Entschädigung von insgesamt CHF 5'635.85 
geltend (19.85 Stunden à CHF 250.00, Auslagen CHF 270.40, 7.7% MWST 
CHF 402.95).

8.4.2 Beurteilung der Entschädigungen für die erste Instanz

Die Honorarnoten der Verteidigung werden nach Stunden abgerechnet, was auch 
auf Grund der Ausführungen des bisherigen Kreisschreibens Nr. 15 des Oberge-
richts zur Entschädigung der amtlich bestellten Anwältinnen und Anwälte und dem 
Nachforderungsrecht nicht unzulässig erscheint. Bei der aktuellen Fassung des 
Kreisschreibens Nr. 15 vom 21. Januar 2022 wird bei der Festsetzung des Nach-
forderungsbetrags nach Art. 42a KAG (also des «Vollhonorars») jedoch zur konkre-
ten Vorgehensweise unter Ziff. 4.3 festgehalten: «Der Parteikostenersatz ist unter 
Angabe des Tarifrahmens, des Ausschöpfungsgrades und allfälliger Zuschläge zu 
berechnen». Hintergrund für die Änderung war, dass das System der PKV letztlich 
nicht mit den in der Praxis anzutreffenden Stundenabrechnungen übereinstimmt. 

13

Von daher erscheint es für die Prüfung der erstinstanzlichen Honoraransprüche der 
Beschuldigten angemessen, das gebotene Honorar nach dem System PKV festzu-
legen, wobei die Stundenabrechnungen lediglich einer groben Gegenprüfung die-
nen. Der Tarifrahmen beträgt vorliegend (Verfahren vor Einzelgericht Regionalge-
richt, Art. 17 Abs. 1 Bst. b PKV) CHF 500.00 bis 25'000.00. Der Aufwand ist vorlie-
gend als knapp durchschnittlich (3 von 24 Punkten) zu bezeichnen, während dem 
die Bedeutung der Streitsache und die Schwierigkeit des Prozesses bei objektiver 
Betrachtung klar unterdurchschnittlich (je 1 von 24 Punkten) erscheinen. Von daher 
erscheint die Ausschöpfung des Tarifrahmens von CHF 24'500.00 (Sockelbetrag 
von CHF 500.00 abgezogen) bis maximal 20% noch zulässig, ausmachend 
CHF 4'900.00 plus Sockelbetrag, wobei die Umrechnung auf Stunden 
(CHF 5'400.00 / CHF 250.00 = 21.6 Stunden) dieses Resultat auch im Lichte der 
eingereichten Stundenabrechnungen nicht unbillig erscheinen lässt. Konkret ist in-
dessen noch zu berücksichtigen, dass die Verteidigung der Beschuldigten 1 erst 
anfangs 2021 ins Spiel kam, hingegen die Verteidigung der Beschuldigten 2 bereits 
im Herbst 2019 (siehe pag. 327 und 329). Bei einem für die Verteidigung der Be-
schuldigten 1 immer noch angemessen erscheinenden Ausschöpfungsgrad von 15 
% resultiert ein Honorar von gerundet CHF 3’700.00 plus Sockelbetrag (in Stunden: 
CHF 4’200.00 / CHF 250.00 = 16.8 h). Zusätzlich zu den solcherart bestimmten 
Honoraren sind die geltend gemachten Auslagen und die Mehrwertsteuer zu ent-
schädigen, womit für die Verteidigung der Beschuldigten 1 eine gesamthafte Ent-
schädigung von CHF 4'814.60 und für die Verteidigung der Beschuldigten 2 eine 
totale Entschädigung von CHF 6'138.25 zu sprechen ist. 

III. Kosten und Entschädigung im oberinstanzlichen Verfahren

9. Verfahrenskosten

Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres 
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Beschuldigten gelten mit 
Blick auf die gestellten Anträge als zur Hauptsache obsiegend, weshalb die oberin-
stanzlichen Verfahrenskosten, bestimmt auf CHF 2'000.00 (CHF 1'000.00 pro Be-
schuldigte; Art. 24 Abs. 1 Bst. a des Verfahrenskostendekrets [VKD, BSG 161.12]), 
der Kanton Bern trägt. 

10. Entschädigungen

Die Ansprüche auf Entschädigung im Rechtsmittelverfahren richten sich nach den 
Art. 429-434 StPO (Art. 436 Abs. 1 StPO). Das Honorar im Rechtsmittelverfahren 
beträgt 10 bis 50 Prozent des Honorars gemäss Art. 17 Abs. 1 Bst. b PKV (Art. 17 
Abs. 1 Bst. f PKV). 

10.1 Entschädigungsanträge für die obere Instanz

Rechtsanwalt D.________ macht im oberinstanzlichen Verfahren mit Honorarnote 
vom 2. November 2021 (pag. 450 ff.) eine Entschädigung von CHF 3'628.50 gel-
tend (13.08 Stunden à CHF 250.00, Auslagen CHF 99.10, 7.7% MWST 
CHF 259.40). 

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Rechtsanwältin B.________ macht im oberinstanzlichen Verfahren mit Honorarnote 
vom 4. Oktober 2021 (pag. 431 f.) eine Entschädigung von CHF 4'151.75 geltend 
(15 Stunden à CHF 250.00, Auslagen CHF 104.90, 7.7% MWST CHF 296.85). 

10.2 Beurteilung der Entschädigungen für die obere Instanz

Analog den Überlegungen zum erstinstanzlichen Anwaltshonorar ist auch die obe-
rinstanzliche Entschädigung primär nach dem System PKV zu prüfen. Im Rechts-
mittelverfahren sind wie gesagt nach Art. 17 Abs. 1 Bst. f PKV 10 bis 50 Prozent 
des Honorars für die erste Instanz zu sprechen, wobei sich der konkrete Prozent-
satz wieder an den Kriterien von Art. 41 Abs. 3 KAG bemisst. Der Aufwand für das 
(beschränkte und schriftliche) Berufungsverfahren erscheint vorliegend wieder 
höchstens knapp durchschnittlich, Bedeutung und Schwierigkeit der Sache als klar 
unterdurchschnittlich. Unter Berücksichtigung der eingereichten Stundenabrech-
nungen setzt die Kammer den Prozentsatz für beide Verteidigungen auf 25% von 
CHF 5'400.00 (höhere Gebühr für die erste Instanz, siehe oben) fest, ausmachend 
je CHF 1'350.00 Honorar oder umgerechnet in Stunden 5.4 h. Mit Auslagen und 
Mehrwertesteuer ergibt sich damit eine Entschädigung von CHF 1'566.95 für die 
Beschuldigte 1 und eine Entschädigung von CHF 1'560.70 für die Beschuldigte 2.

15

IV. Dispositiv

Die 1. Strafkammer erkennt:

A.

I.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 
21. Mai 2021 (PEN 20 371 / 372) insoweit in Rechtskraft erwachsen ist, als 

1. C.________ freigesprochen wurde von der Anschuldigung der Widerhandlung ge-
gen das Hundegesetz, angeblich begangen am 24. Juli 2019, ca. 20:30 Uhr, in 
F.________, G.________. 

2. Im Zivilpunkt weiter verfügt wurde:

2.1 In Anbetracht der Tatsache, dass der Sachverhalt bezüglich der Zivilforderungen 
nicht spruchreif ist und die beschuldigte Person freigesprochen wurde, wird die 
Zivilklage der Straf- und Zivilklägerin E.________ auf den Zivilweg verwiesen 
(Art. 126 Abs. 2 Bst. d StPO).

2.2 Für den Zivilpunkt werden keine Kosten ausgeschieden.

2.3 Die durch die Anträge im Zivilpunkt verursachten Aufwendungen werden wettge-
schlagen. 

II.

1. Die anteilsmässigen erstinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 2'267.50 wer-
den vom Kanton Bern getragen. 

2. Die anteilsmässigen oberinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 1’000.00 wer-
den vom Kanton Bern getragen. 

3. Für ihre Aufwendungen im erstinstanzlichen Verfahren wird C.________ für ihre priva-
te Verteidigung durch Rechtsanwalt D.________ eine Entschädigung von 
CHF 6'138.25 ausgerichtet (inkl. Auslagen und MWST).

4. Für ihre Aufwendungen im oberinstanzlichen Verfahren wird C.________ für ihre pri-
vate Verteidigung durch Rechtsanwalt D.________ eine Entschädigung von 
CHF 1'560.70 ausgerichtet (inkl. Auslagen und MWST).

16

B.

I.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 
21. Mai 2021 (PEN 20 371 / 372) insoweit in Rechtskraft erwachsen ist, als 

A.________ freigesprochen wurde von der Anschuldigung der Widerhandlung gegen 
das Hundegesetz, angeblich begangen am 24. Juli 2019, ca. 20:30 Uhr, in F.________, 
G.________.

II.

1. Die anteilsmässigen erstinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 2'317.50 wer-
den vom Kanton Bern getragen. 

2. Die anteilsmässigen oberinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 1’000.00 wer-
den vom Kanton Bern getragen. 

3. Für ihre Aufwendungen im erstinstanzlichen Verfahren wird A.________ für ihre priva-
te Verteidigung durch Rechtsanwältin B.________ eine Entschädigung von 
CHF 4'814.60 ausgerichtet (inkl. Auslagen und MWST).

4. Für ihre Aufwendungen im oberinstanzlichen Verfahren wird A.________ für ihre pri-
vate Verteidigung durch Rechtsanwältin B.________ eine Entschädigung von 
CHF 1'566.95 ausgerichtet (inkl. Auslagen und MWST).

C.

Zu eröffnen:
- der Beschuldigten/Berufungsführerin 1, v.d. Rechtsanwältin B.________
- der Beschuldigten/Berufungsführerin 2, v.d. Rechtsanwalt D.________
- der Straf- und Zivilklägerin
- der Generalstaatsanwaltschaft

Mitzuteilen:
- der Vorinstanz
- dem Veterinärdienst des Kantons Bern

17

Bern, 4. Mai 2022 Im Namen der 1. Strafkammer

Der Präsident i.V.:

Oberrichter Zbinden

Die Gerichtsschreiberin:

Susedka

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begründung beim Bundesge-
richt, Av. du Tribunal fédéral 29, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 
90 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforde-
rungen von Art. 42 BGG entsprechen.