# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 72e60b55-d432-55b9-89b4-6eb9e6e29769
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-03-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.03.2021 E-1026/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1026-2021_2021-03-26.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-1026/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 6 .  M ä r z  2 0 2 1  

Besetzung 
 Einzelrichter David R. Wenger, 

mit Zustimmung von Richter Gérard Scherrer;   

Gerichtsschreiberin Eliane Hochreutener. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Irak,  

(…),   

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 4. Februar 2021 / N (…). 

 

 

 

E-1026/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer ersuchte am 7. Februar 2019 um Asyl in der 

Schweiz. Anlässlich der Befragung zur Person vom 12. Februar 2019 und 

der Anhörung vom 15. November 2019 führte er im Wesentlichen aus, er 

sei ethnischer Kurde und habe von der Geburt bis zu seiner Ausreise in 

B._______ gelebt. Die Schule habe er nicht besucht. Seit seiner Kindheit 

habe er, wie auch sein (…) Bruder, in der Autowerkstatt seines Vaters ge-

arbeitet. Im Dezember 2018 hätten vier Personen insgesamt drei Mal ein 

Auto zur Reparatur in die Werkstatt gebracht. Beim zweiten Mal seien die 

Personen vermummt gewesen. Da die Personen die Rechnungen nicht be-

glichen hätten, habe sein Vater die dritte Reparatur verweigert. Daraufhin 

hätten die Unbekannten seinen Bruder entführt und Lösegeld gefordert, 

ansonsten sie diesen töten würden. Sein Vater habe das Lösegeld nicht 

bezahlen können, weshalb sein Bruder getötet worden sei. Sie hätten da-

raufhin gedroht, den Beschwerdeführer mitzunehmen, falls das Lösegeld 

nicht bezahlt werde. Sein Vater habe bei der Polizei eine Anzeige erstattet 

und diese habe Ermittlungen aufgenommen. Aus Angst, ebenfalls entführt 

zu werden, sei er am 1. Januar 2018 illegal aus dem Irak ausgereist. Nach 

seiner Ausreise sei sein Vater drei bis vier Monate telefonisch bedroht wor-

den. 

Der Beschwerdeführer reichte Kopien der irakischen Identitätskarte von 

ihm (inklusive Übersetzung) und derjenigen von seinen Eltern (nicht über-

setzt) ein. 

B.  

Am 30. Juni 2020 führte die Fachstelle LINGUA im Auftrag der Vorinstanz 

ein Telefongespräch mit dem Beschwerdeführer durch. Im Bericht vom 

20. Oktober 2020 (Lingua-Bericht) gelangte der Experte zum Schluss, ins-

gesamt sei aufgrund der landeskundlich-kulturellen und der linguistischen 

Analyse festzuhalten, dass seine Angaben zwar teilweise zutreffen wür-

den, diese aber auch grösstenteils öffentlich zugänglich beziehungsweise 

auch bei einem kürzeren Aufenthalt in B._______ hätten erworben werden 

können. Die Erwartungen an seine Sprache seien insgesamt nicht erfüllt 

worden. Er sei sehr wahrscheinlich nicht wie angegeben in B._______ 

hauptsozialisiert worden, sondern sehr wahrscheinlich in C._______, Au-

tonome Region Kurdistan (ARK) im Irak. 

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Seite 3 

C.  

Am 11. Januar 2021 gewährte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer das 

rechtliche Gehör zu den Ergebnissen des Lingua-Berichts.  

D.  

Der Beschwerdeführer hielt in der Stellungnahme vom 19. Januar 2021 

fest, die Frage zur geographischen Lage von B._______ habe er missver-

standen. Er habe einiges über B._______ vergessen, weil er dort immer in 

Angst gelebt habe. Den Hauptbahnhof der Stadtbusse kenne er nicht, da 

er diese nie benutzt habe. Er kenne die Gruppen, welche in B._______ 

leben würden. Die Unterscheidung sei für ihn jedoch nicht wichtig, weshalb 

er sie nicht aufgezählt habe. Seine Sprache sei von seinem Vater beein-

flusst. 

E.  

Mit Verfügung vom 4. Februar 2021 (eröffnet am 9. Februar 2021) stellte 

die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus 

der Schweiz sowie den Vollzug der Wegweisung an. 

F.  

Mit Eingabe vom 8. März 2021 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes-

verwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die Verfügung der  

Vorinstanz vom 4. Februar 2021 sei aufzuheben. Seine Flüchtlingseigen-

schaft sei anzuerkennen und es sei ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei 

festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig, unzumutbar 

und unmöglich sei und die vorläufige Aufnahme sei anzuordnen. Ihm sei 

die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses sei zu verzichten und ein amtlicher Rechtsbeistand sei 

beizuordnen.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes vom 

26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende 

Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmun-

gen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 

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Seite 4 

2. Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 

– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG, Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-

führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert 

(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist 

einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

3.  

3.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).  

3.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im 

Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten 

Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weiterungen und mit summarischer 

Begründung zu behandeln. Auf die Durchführung eines Schriftenwechsels 

wurde verzichtet (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-

bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-

chischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 

4.2  Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid zusammenfassend damit, 

ein Bericht über das Alltagswissen und linguistische Aspekte der Sprache 

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Seite 5 

des Beschwerdeführers habe ergeben, dass trotz etlicher korrekter Antwor-

ten entscheidende Details, etwa zu einer wichtigen ethnischen Gruppe in 

B._______, bekannten dortigen Moscheen, oder bestimmten Kleidungssit-

ten der Kurden ausgeblieben seien. In linguistischer Hinsicht sei festzustel-

len, dass sein kurdischer Dialekt der Varietät der Region C._______ und 

nicht derjenigen der Region B._______ entspreche. Diese Umstände sprä-

chen dafür, dass der Beschwerdeführer sehr wahrscheinlich nicht wie an-

gegeben in B._______, sondern in C._______, ARK, hauptsozialisiert wor-

den sei. Hinsichtlich der Asylrelevanz sei festzuhalten, dass die Polizei 

durch ihre Ermittlungen anlässlich der Entführung seines Bruders ihren 

Schutzwillen dargelegt habe, weshalb ihm und seiner Familie auch in Zu-

kunft die Inanspruchnahme der funktionierenden Schutzinfrastruktur zuzu-

muten sei. Die Vorbringen würden somit den Anforderungen an die Flücht-

lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten.  

5.2 Was der Beschwerdeführer gegen die Verfügung der Vorinstanz vor-

bringt, ist nicht geeignet ihre Ausführungen umzustossen. So zweifelt er in 

pauschaler Weise die Tauglichkeit der Lingua-Analyse an, ohne jedoch ei-

nen begründeten wissenschaftlichen Einwand zu formulieren und ohne in 

seinem Fall auch nur eine der verschiedenen sprachlichen Feststellungen 

der Vorinstanz konkret zu bemängeln. Auch setzt er sich nicht ansatzweise 

mit den seitens der Vorinstanz dargelegten Lücken und Unstimmigkeiten 

in seinen Antworten zu den landeskundlich-kulturellen Fragen der  

Vorinstanz auseinander, sondern besteht darauf, dass gegenüber diesen 

Wissenslücken seine Asylgründe viel stärker zu gewichten wären.  

Er macht von Dritten ausgehende Verfolgungsmassnahmen geltend. Geht 

eine Verfolgung von nicht-staatlichen Akteuren aus, ist zu prüfen, ob der 

Beschwerdeführer staatlichen Schutz beanspruchen kann (vgl. BVGE 

2013/11 E. 5.1, 2010/57 E. 2 und 2008/12 E. 5). Dabei kann nicht eine 

faktische Garantie des Schutzgewährers für langfristigen individuellen 

Schutz des von nicht-staatlicher Verfolgung Bedrohten verlangt werden, da 

es keinem Staat gelingt, die absolute Sicherheit aller seiner Bürger jeder-

zeit und überall zu garantieren (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der 

vormaligen Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 18 

E. 10.3.1 f.). Der Schutz vor nicht-staatlicher Verfolgung im Heimatstaat ist 

als ausreichend zu qualifizieren, wenn die betroffene Person effektiv Zu-

gang zu einer funktionierenden und effizienten Schutzinfrastruktur hat und 

ihr die Inanspruchnahme eines solchen innerstaatlichen Schutzsystems in-

dividuell zumutbar ist (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/51 E. 7 m.w.H.). Ge-

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mäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist die Schutzfähig-

keit und Schutzwilligkeit der nordirakischen Behörden grundsätzlich gege-

ben (vgl. BVGE 2008/4 E. 6.1-6.7 sowie aktuell etwa Urteil des BVGer E-

2064/2020 vom 16. November 2020 E. 5.3). Der Vater des Beschwerde-

führers konnte die Vorfälle bei den irakischen Behörden zur Anzeige brin-

gen und es wurden Ermittlungen aufgenommen. Alleine der Umstand, dass 

strafrechtlich gesuchte Personen noch nicht gefasst werden konnten, stellt 

keinen Hinweis für die Schutzunfähigkeit der Behörden dar. Es ist ferner 

davon auszugehen, dass sich die irakischen Ordnungs- und Sicherheits-

dienste auch künftig, nach seiner Rückkehr in den Heimatstaat, ihren Mög-

lichkeiten entsprechend für den Schutz des Beschwerdeführers einsetzen 

werden. 

5.3 Angesichts dieser Sachlage hat die Vorinstanz die Glaubhaftigkeit der 

behaupteten Herkunft sowie die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerde-

führers zu Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.  

6.  

Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus 

der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt. 

Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-

haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. 

BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet. 

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Beim Geltendmachen von Wegwei-

sungsvollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsge-

richts der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingsei-

genschaft; das heisst, sie sind wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 

BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).  

7.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völkerrecht-

liche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder 

des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen-

stehen. Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, 

ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des 

Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge 

(FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des 

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Vollzuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und 

völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Überein-

kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, 

unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, 

SR 0.105]; Art. 3 EMRK). 

Weder aus den Akten noch aus der Beschwerde ergeben sich konkrete 

Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer für den Fall einer Aus-

schaffung in den Irak dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach 

Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-

setzt wäre. Der Vollzug der Wegweisung ist zulässig. 

7.3  

7.3.1 Der Vollzug der Wegweisung kann nach Art. 83 Abs. 4 AIG unzumut-

bar sein, wenn der Ausländer oder die Ausländerin im Heimat- oder Her-

kunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner 

Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet ist. 

7.3.2 Die Vorinstanz führt zusammengefasst im Wesentlichen aus, dass 

trotz der Volatilität und Dynamik der Konfliktlage im Irak in der ARK insge-

samt keine Situation allgemeiner Gewalt herrsche. Die Zahl der (Todes-) 

Opfer unter der Zivilbevölkerung sei trotz partiell aufflammender bewaffne-

ter Auseinandersetzungen als sehr gering einzustufen. Der Wegweisungs-

vollzug sei deshalb grundsätzlich zumutbar, was im Einklang mit der aktu-

ellen Wegweisungspraxis des Bundesverwaltungsgerichts stehe. Zudem 

würden im vorliegenden Fall auch keine individuellen Gründe gegen die 

Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sprechen.  

7.3.3 Die Ausführungen der Vorinstanz sind nicht zu beanstanden. So hat 

sich das Bundesverwaltungsgericht im Urteil BVGE 2008/5 einlässlich mit 

der Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in die drei damali-

gen kurdischen Provinzen des Nordiraks (Dohuk, Erbil und Suleimania) 

auseinandergesetzt. Es hielt diesbezüglich fest, dass sich sowohl die Si-

cherheits- als auch die Menschenrechtslage in dieser Region im Verhältnis 

zum restlichen Irak relativ gut darstelle. Gestützt auf die vorgenommene 

Lageanalyse kam das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass ein 

Wegweisungsvollzug in die kurdischen Provinzen dann zumutbar ist, wenn 

die betreffende Person ursprünglich aus der Region stammt, oder eine län-

gere Zeit dort gelebt hat und über ein soziales Netz (Familie, Verwandt-

schaft oder Bekanntenkreis) oder aber über Beziehungen zu den herr-

schenden Parteien verfügt, wobei bei alleinstehenden Frauen, Familien mit 

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Kindern, Kranken sowie Betagten grosse Zurückhaltung angebracht sei 

(vgl. BVGE 2008/5 E. 7.5, insbesondere E. 7.5.1 und 7.5.8).   

Diese Praxis wurde in den folgenden Jahren durch das Bundesverwal-

tungsgericht bekräftigt. Im Referenzurteil E-3737/2015 vom 14. Dezember 

2015 wurde die Lage im Nordirak und die Zumutbarkeitspraxis neuerlich 

überprüft. Festgestellt wurde, dass in den Provinzen der ARK aktuell nach 

wie vor nicht von einer Situation allgemeiner Gewalt im Sinne von Art. 83 

Abs. 4 AIG auszugehen ist. An dieser Einschätzung, welche jeweils auf die 

aktuell herrschende Lage fokussiert, ändert auch das am 25. Septem-

ber 2017 in der ARK durchgeführte Referendum nichts, in dem offenbar 

eine Mehrheit der Kurden für die Unabhängigkeit vom Irak votierte. Den 

begünstigenden individuellen Faktoren – insbesondere denjenigen eines 

tragfähigen familiären Beziehungsnetzes – ist angesichts der Belastung 

der behördlichen Infrastrukturen durch im Irak intern Vertriebene (Internally 

Displaced Persons [IDPs]) gleichwohl ein besonderes Gewicht beizumes-

sen (vgl. Urteil des BVGer E-1524/2020 vom 28. Mai 2020 E.6.4.2). 

Der Beschwerdeführer ist ein junger, gesunder Mann, der bereits zehn 

Jahre in der familiären Autowerkstatt gearbeitet hat und gemäss eigenen 

Angaben damit auch seinen Lebensunterhalt gut finanzieren konnte. Wei-

ter hat er in seiner Heimat zusammen mit seinen Eltern – mit denen er 

weiterhin in Kontakt steht – in einem Haus gewohnt, das seinem Vater ge-

hört. Die Vorinstanz hat zu Recht festgestellt, dass aufgrund der falsch an-

gegebenen Herkunft die individuelle Situation des Beschwerdeführers in 

C._______ nicht abschliessend überprüft werden kann, aufgrund seiner 

Angaben aber ohne Weiteres davon auszugehen ist, dass er wieder am 

angestammten Ort bei seinen Eltern wird wohnen können und deshalb 

nicht ersichtlich ist, weshalb er bei seiner Rückkehr in der Heimat in eine 

existenzbedrohende Situation geraten sollte. Seiner Behauptung auf Be-

schwerdeebene, er könne nicht in die ARK zurückkehren, weil er nicht von 

dort stamme, ist infolge Unglaubhaftigkeit seiner Herkunftsangabe kein 

Gehör zu schenken. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich nach dem 

Gesagten sowohl in genereller als auch individueller Hinsicht als zumutbar. 

7.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen, 

weil es dem Beschwerdeführer obliegt, sich die für eine Rückkehr notwen-

digen Reisedokumente bei der zuständigen Vertretung seines Heimat-

staats zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu BVGE 2008/34 E. 12). 

Der Vollzug der Wegweisung ist möglich. 

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Seite 9 

7.5 Die Vorinstanz hat den Vollzug demnach zu Recht als zulässig, zumut-

bar und möglich erachtet. Damit fällt die Anordnung einer vorläufigen Auf-

nahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). Die entsprechenden Be-

schwerdebegehren sind abzuweisen. 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist 

(Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

9.1 Die gestellten Rechtsbegehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb 

die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Bei-

ordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes ungeachtet einer allfälligen 

prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen sind (Art. 65 Abs. 1 VwVG; 

aArt. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG).  

9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.– 

(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch 

um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit vorliegendem 

Urteil gegenstandslos geworden. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen 

2.  

Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Bei-

ordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes werden abgewiesen 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

David R. Wenger Eliane Hochreutener 

 

 

Versand: