# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 495f9eb6-b307-5215-ba31-3709e45d20f3
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2002-08-09
**Language:** de
**Title:** Lärmschutz. Schallschutz. Anwendbarkeit von Art. 32 Abs. 1 und 2 LSV bei der Schaffung neuer lärmempfindlicher Räume innerhalb eines bestehenden Gebäudes. Lineare Erhöhung der Standardschallpegeldifferenz (Praxis der Baudirektion). Erleichterungen von den Anforderungen an die Schalldämmung.
**Docket/Reference:** BRKE I Nr. 0162/2002
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRKE_I_162_2002_483.pdf

## Full Text

BRKE I Nr. 162/2002 vom 9. August 2002 in BEZ 2002 Nr. 70

2. Das mit einem Einfamilienhaus überstellte Rekursgrundstück liegt nach der gel-
in  der  Wohnzone 
tenden  Bau- und  Zonenordnung  der  Flughafengemeinde  X 
W2A/Empfindlichkeitsstufe  ES  II.  Das  Bauvorhaben  der  Rekurrenten  sieht  vor,  auf  der 
Südseite des bestehenden Gebäudes einen länglichen, vom Erdgeschoss her zugängli-
chen  Anbau  zu  erstellen.  Die  eingeschossige,  mit  einem  Flachdach  versehene  Leicht-
baukonstruktion weist zwei unterschiedlich grosse Räume auf, welche als Essraum und 
Malatelier  genutzt  werden  sollen.  Ferner  ist  auf  der  Ostseite  des  neuen  Gebäudekör-
pers ein Geräteraum vorgesehen. 

3. a) Der Immissionsgrenzwert für den Lärm von zivilen Flugplätzen (60 dB(A)) im 
Sinne  von  Ziff.  222  des  Anhangs  5  zur  Lärmschutzverordnung  (LSV)  ist  während  der 
Tageszeit  (06.00  bis  22.00  Uhr)  beim  geplanten  Anbau  um  3  dB  überschritten.  Es  ist 
nicht möglich, die Lärmbelastung durch Massnahmen im Sinne von Art. 31 Abs. 1 LSV 
auf  einen  Wert  unterhalb  des  Immissionsgrenzwertes  zu  reduzieren.  Gemäss  Art.  31 
Abs.  2  LSV  darf  die  Baubewilligung  in  einem  solchen  Fall  nur  erteilt  werden,  wenn  an 
der  Errichtung  des  Gebäudes  ein  überwiegendes  Interesse  besteht  und  die  kantonale 
Behörde  zustimmt.  Mit  dieser  Zustimmung  sind  gleichzeitig  Nebenbestimmungen  im 
Sinne von Art. 32 Abs. 2 LSV bezüglich der verschärften Anforderungen an die Schall-
dämmung der Aussenbauteile zu erlassen. Die Baudirektion Kanton Zürich hat den Ge-
suchstellern für das nachgesuchte Bauvorhaben in Bejahung eines überwiegenden Inte-
resses im Sinne von Art. 31 Abs. 2 LSV die Zustimmung unter der Auflage erteilt, dass 
die Aussenhülle (Fenster, Aussenwände, Dachkonstruktion) der Baute zum Schutz der 
lärmempfindlichen  Räume  gegen  den  Fluglärm  auf  eine  Standardschallpegeldifferenz 
DnT,W ³ 43 dB zu dimensionieren sei. 

b) Die  Rekurrenten  erachten  diese  Auflage  als  unverhältnismässig.  Sie  halten  im
Wesentlichen dafür, beim strittigen Bauvorhaben handle es sich nicht um einen Neubau, 

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sondern  um  die  Erweiterung  eines  bestehenden  Gebäudes,  welchen  Umstand  es  bei 
der  Festlegung  des  Schalldämmwertes  angemessen  zu  berücksichtigen  gelte.  Sodann 
sei  zu  beachten,  dass  die  vorgeschriebene  Standardschallpegeldifferenz  beim  beste-
henden Einfamilienhaus nicht eingehalten sei. Durch die Forderung nach der Einhaltung 
erhöhter Anforderungen an die Schalldämmung beim geplanten Anbau würden somit in-
nerhalb  des  nämlichen  Gebäudes  unterschiedliche  Verhältnisse  geschaffen,  was  nicht 
zweckmässig sei. Damit der in der angefochtenen Verfügung verlangte Schalldämmwert 
eingehalten werden könnte, müssten die Wand- und Deckenkonstruktionen in massiver 
Bauweise  ausgeführt  und  die  vorgesehenen  Fensterflächen  reduziert  werden,  was  in 
gestalterischer  Hinsicht  und  unter  dem  Aspekt  der  Wohnqualität  nicht  zu  befriedigen 
vermöchte. Den Rekurrenten sei daher in Gutheissung des Rekurses zu bewilligen, die 
Aussenhülle der geplanten Anbaute auf eine Standardschallpegeldifferenz DnT,W ³ 38 dB 
zu dimensionieren. 

4. a) Art. 21 USG bestimmt, dass derjenige, welcher ein Gebäude erstellen will, das 
dem längeren Aufenthalt von Personen dienen soll, einen angemessenen Schutz gegen 
Aussen- und  Innenlärm  sowie  gegen  Erschütterungen  vorsehen  muss  (Abs.  1).  Der 
Bundesrat bestimmt durch Verordnung den Mindestschutz (Abs. 2). 

Hinsichtlich  des  Aussen- und  Innenlärms  ist  der  Bundesrat  dem  gesetzlichen  Auf-
trag mit dem Erlass von Art. 32 bis 35 LSV nachgekommen. Art. 32 LSV sieht vor, dass 
der  Ersteller  eines  neuen  Gebäudes  dafür  zu  sorgen  hat,  dass  der  Schallschutz  bei 
Aussenbauteilen  und  Trennbauteilen  lärmempfindlicher  Räume  sowie  bei  Treppen  und 
haustechnischen Anlagen den anerkannten Regeln der Baukunde entspricht. Als solche 
gelten beim Lärm der zivilen Flugplätze mit Verkehr von Grossflugzeugen insbesondere 
die erhöhten Anforderungen und beim Lärm der übrigen ortsfesten Anlagen insbesonde-
re  die  Mindestanforderungen  nach  der  SIA-Norm  181  des  Schweizerischen  Ingenieur-
und Architekten-Vereins (Abs. 1). Sind zwar die Immissionsgrenzwerte überschritten, je-
doch die Voraussetzungen von Art. 31 Abs. 2 LSV für die Erteilung der Baubewilligung 
erfüllt, so verschärft die Vollzugsbehörde die Anforderungen an die Schalldämmung der 
Aussenbauteile angemessen (Abs. 2).

b) Art. 21 USG bzw. Art. 32 LSV regeln in erster Linie den Schallschutz an neuen 
Gebäuden.  Nach  der  Verordnung  müssen  die  Anforderungen  bei  der  Änderung  beste-
hender Gebäude nur eingehalten werden, wenn die für den Schallschutz massgeblichen 
Gebäudeteile  (Aussenbauteile,  Trennbauteile,  Treppen  und  haustechnische  Anlagen 
[vgl. dazu Art. 33 LSV]) umgebaut, ersetzt oder neu eingebaut werden. Die Anforderun-
gen gelten für die betroffenen Gebäudeteile; wo der Aufwand unverhältnismässig wäre, 
können Erleichterungen gewährt werden (Art. 32 Abs. 3 LSV). Die Vorschrift von Art. 32 
Abs.  3  LSV  findet  beispielsweise  dort  Anwendung,  wo  die  Fenster  einer  bestehenden 
Baute ersetzt oder Heizungs- und Lüftungsanlagen neu eingebaut werden. Demgegen-
über  fallen  bauliche  Erweiterungen  bestehender  Gebäude,  wie  sie  vorliegend  geplant 
sind, unstrittigermassen nicht unter Art. 32 Abs. 3 LSV. Es stellt sich jedoch die Frage, 
ob  das  rekurrentische  Bauvorhaben  den  Anforderungen  an  den  Schallschutz  im  Sinne 
von Art. 32 Abs. 1 und 2 LSV zu entsprechen habe. Dies ist nach Massgabe der nach-
stehenden Erwägungen zu bejahen. Es ist unter dem Aspekt des Schallschutzes uner-
findlich, weshalb den gesetzlichen Anforderungen bei (zumeist untergeordneten) bauli-
chen  Vorkehren  im  Sinne  von  Art.  32  Abs.  3  LSV  in  aller  Regel  entsprochen  werden 
muss,  bauliche  Erweiterungen  bestehender  Gebäude  um  lärmempfindliche  Räume  da-
gegen von besagter Vorschrift nicht erfasst werden sollten. In der Lehre wird denn auch 
die Auffassung vertreten, die Voraussetzungen von Art. 21 USG bzw. Art. 32 LSV seien 

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auch  dort  einzuhalten,  wo  innerhalb  eines  bestehenden  Gebäudes,  etwa  durch  den 
Ausbau eines Dachstockes, zusätzliche lärmempfindliche Räume geschaffen werden (R. 
Wolf,  Kommentar  zum  Umweltschutzgesetz,  2.  A.,  2001,  Art.  21  N.  15).  Nicht  anders 
verhalten  kann  es  sich  unter  lärmschutzrechtlichen  Gesichtspunkten,  wenn  wie  vorlie-
gend aus einer Gebäudeerweiterung die Schaffung neuer lärmemfpindlicher Räume re-
sultiert. Die Verpflichtung zur Einhaltung der Anforderungen an den Schallschutz ergibt 
sich (auch) in diesem Fall ohne weiteres aus dem Zweck von Art. 21 USG bzw. Art. 32 
LSV. Die Vorinstanz hat daher das rekurrentische Bauvorhaben, mit welchem zwei neue 
lärmempfindliche Räume im Sinne von Art. 2 Abs. 6 LSV geschaffen werden, zu Recht 
den (erhöhten) Anforderungen an den Schallschutz gemäss Art. 32 LSV unterstellt. 

5.a) Gemäss Art. 32 Abs. 1 LSV hat die geplante Anbaute den erhöhten Anforde-
rungen  der  SIA-Norm  181  (Lärmempfindlichkeit:  mittel;  Grad  der  Störung:  mässig)  zu 
entsprechen.  Danach  ist die  Aussenhülle  des  neuen  Gebäudeteils  auf  eine  Standard-
schallpegeldifferenz von DnT,W = 40dB zu dimensionieren (Ziff. 3.13 i.V.m. Ziff. 3.14). Da 
die  Immissionsgrenzwerte  in  casu  überschritten  werden,  die  Voraussetzungen  gemäss 
Art. 31 Abs. 2 LSV für die Erteilung der Baubewilligung jedoch erfüllt sind, hat die Voll-
zugsbehörde  die  Anforderungen  an  die  Schalldämmung  der  Aussenbauteile  angemes-
sen zu verschärfen (Art. 32 Abs. 2 LSV). Die Praxis der Baudirektion Kanton Zürich, wo-
nach die massgebliche Standardschallpegeldifferenz in solchen Fällen linear zur Über-
schreitung  des  Immissionsgrenzwerts  (in  casu  3  dB)  erhöht  wird,  ist  sachgerecht  und 
wird von den Rekurrenten zu Recht nicht beanstandet. Damit resultiert für das Bauvor-
haben die mit der angefochtenen Verfügung verlangte Standardschallpegeldifferenz von 
DnT,W  ³ 43 dB. Die Möglichkeit einer Befreiung von der Einhaltung der verschärften An-
forderungen an die Schalldämmung der Aussenbauteile des geplanten Baukörpers se-
hen  weder  das  Umweltschutzgesetz  noch  die Lärmschutzverordnung  vor.  Erleichterun-
gen  können  einzig  bei  baulichen  Vorkehren  im  Sinne  von  Art.  32  Abs.  3  LSV  gewährt 
werden.  Solche  Massnahmen  sind  vorliegend  indessen  – wie  erwähnt  – nicht  geplant. 
Die  angefochtene  Auflage  der  Baudirektion  Kanton  Zürich  ist  damit  nicht  zu  beanstan-
den. 

b) An diesem Ergebnis vermögen die Vorbringen der Rekurrenten nichts zu ändern. 
Es mag zutreffen, dass die Wand- und Deckenkonstruktionen der Anbaute in massiver 
Bauweise  ausgeführt  und  die  vorgesehenen  Fensterflächen  reduziert  werden  müssen, 
damit der geforderte Schalldämmwert eingehalten werden kann. Diese Einschränkungen 
der Baufreiheit hat der Bundesgesetzgeber indessen mit dem Erlass von Art. 32 LSV im 
Interesse eines angemessenen baulichen Mindestschutzes gegen Aussenlärm bewusst 
in  Kauf  genommen.  Dass  es  nicht  möglich  sei,  den  Anbau  lärmschutzrechtskonform 
auszugestalten und zugleich den ästhetischen Anforderungen von § 238 Abs. 1 PBG zu 
genügen,  wird  von  den  Rekurrenten  zu  Recht  nicht  geltend  gemacht.  Sodann  trifft es 
zwar zu, dass die bestehende Wohnbaute und der neue Gebäudeteil mit Bezug auf den 
Schallschutz unterschiedlichen Anforderungen unterstehen. Dieser Umstand spricht in-
dessen nicht gegen die angefochtene Auflage. Die differenzierte rechtliche Behandlung 
ist vielmehr die Folge davon, dass der Gesetzgeber im Anwendungsbereich von Art. 21 
USG bzw. Art. 32 LSV zugunsten der Grundeigentümer auf eine Sanierung, d.h. auf die 
Statuierung  einer  Pflicht  zur  Anpassung  bestehender  Bauten  und  Anlagen  an  die  ge-
setzlichen Erfordernisse verzichtet hat.

6. Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist. Demgemäss ist 
die angefochtene Verfügung der Baudirektion Kanton Zürich im überprüften Umfange zu 
bestätigen.