# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b07d64b6-f860-57de-b83b-29cd13b48ce7
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-11-10
**Language:** de
**Title:** Rückweisung zur psychiatrischen Begutachtung.
**Docket/Reference:** IV.2015.00794
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2015.00794.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2015.00794
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Ersatzrichterin Lienhard
Gerichtsschreiberin Kudelski
Urteil
vom
10. November 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Stadt Zürich Soziale Dienste
Rechtsanwältin
Pascale
Hartmann, Sozialversicherungsrecht Recht
Hönggerstrasse
24, 8037 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1990,
meldete sich unter Hinweis auf psychi
sche
Beschwerden
am 1
4.
Februar
respektive
7.
März 2012
bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/3-4).
Nachdem die
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle,
die medizinische und erwerbliche Situation
(
Urk.
7/9,
Urk.
7/11,
Urk.
7/16
,
Urk.
7/20
) ab
geklärt hatte, erteilte sie dem Versicherten am 1
5.
Februar 2013 Kostengutsprache für die Mehrkosten der Vorbereitung auf die erstmalige berufliche Ausbildung zum
Gärtnereiprakti
ker
beim Ausbildungsbetrieb
Y.___
in
Z.___
für die Zeit vom 1
1.
Februar bis 3
1.
Juli 2013 (
Urk.
7/21).
1.2
Mit Schreiben vom 1
0.
Mai 2013 (
Urk.
7/25) informierte d
er Ausbildungsbetrieb die IV-Stelle darüber
, dass der Versicherte sein Vorbereitungssemester
am 31.
Juli 2013
beenden werde
,
und stellte gleichzeitig das
Gesuch um Finan
zierung einer
einjährigen Ausbildung
des Versicherten
zum Polygärtner
PrA
.
Am 1
3.
Juni 2013 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass sie die Mehr
kosten der
beantragten
erstmaligen beruflichen Ausbildung
für die Zeit
vom
1.
August 2013 bis v
orerst 3
1.
Juli 2014 übernehme
(
Urk.
7/29).
Zudem ent
sprach sie a
m
9.
Oktober 2013 d
em
am 1
3.
September 2013 gestellte
n
Antrag
auf
Ü
bernahme
der Mehrkosten
für betreutes Wohnen beim Verein
A.___
in
Z.___
(
Urk.
7/36-37)
für die Zeit
vom
7.
Oktober
2013 bis vorerst 3
1.
Juli 2014
(
Urk.
7/42)
.
Am 1
4.
Juli 2014 verlängerte d
ie IV-Stelle sowohl die erteilte Kostengutsprache für die
Mehrkosten der erstmaligen beruflichen Ausbildung zum
Gärtnereiprak
tiker
PrA
als auch
für
d
ie
Mehrkosten für betreutes Wohnen für die Zeit vom
1.
August 2014 bis 1
0.
Februar 2015
(
Urk.
7/58).
1.3
Mit Mitteilung vom
2
6.
November 2014
(
Urk.
7/68)
hob die IV-Stelle die erteilte Kostengutsprache vom 1
4.
Juli 2014 per sofort auf,
da der Versich
erte die Aus
bildung nach eigenen
A
ngaben
nic
ht fortführen wolle
. Daraufhin
tätigte sie weitere Abklärungen der
medizinische
n
und erwerbliche
n
Situation
(
Urk.
7/70,
Urk.
7/73,
Urk.
7/75,
Urk.
7/78).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/84,
Urk.
7/88) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
4.
Juni 2015 (
Urk.
7/92 =
Urk.
2) einen Renten
anspruch
des Versicherten
.
2.
Der Versicherte erhob am 1
1.
August 2015 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
4.
Juni 2015 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle bean
tragte mit Beschwerdeantwort vom 2
7.
August 2015 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 3
1.
August 2015 zur Kenntnis gebracht
, wobei
gleichzeitig antragsgemäss (
Urk.
1 S. 2) die unentgeltliche
Pro
zessführung
bewilligt wurde (
Urk.
8).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von
Geburts
gebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.2
Invalide oder von einer Invalidität (
Art.
8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss
Art.
8
IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähig
keit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (
Abs.
1).
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (
Abs.
1
bis
). Nach Massgabe der Artikel 13 und 21 besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (
Abs.
2). Nach Massgabe von Artikel 16 Absatz 2 Buchstabe c besteht der Anspruch auf Leistungen unabhän
gig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (
Abs.
2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen in (
Abs.
3):
-
medizinischen Massnahmen (
lit
. a);
-
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliede
rung (
lit
.
a
bis
);
-
Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbil
dung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe,
lit
. b);
-
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.
3
In der Regel besteht nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen
Eingliederungs
zweck
angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren (BGE 110 V 99). Denn das Gesetz will die Eingliederung lediglich so weit sicherstellen, als diese im Ein
zelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE 124 V 108 E. 2a mit Hinweisen; AHI 2003 S. 213 E. 2.3, 2002 S. 106 E. 2a). Eine Eingliederungsmassnahme hat neben den in
Art.
8
Abs.
1 IVG ausdrücklich genannten Erfordernissen der Geeignetheit und Notwendigkeit auch demjenigen der Angemessenheit (Ver
hältnismässigkeit im engeren Sinne) als drittem Teilgehalt des
Verhältnis
mässigkeitsgrundsatzes
zu genügen. Sie muss demnach unter Berücksichtigung der gesamten tatsächlichen und rechtlichen Umstände des Einzelfalles in einem angemessenen Verhältnis zum angestrebten Eingliederungsziel stehen.
1.
4
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätig
keit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem
medizini
schen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigne
ten Prüfmethoden
können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundes
gerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben
den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bun
desgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD
Berichte gehö
ren – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stä
n
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der
Rückweisung – da diese das
Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu
treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Beschwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein
, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine
Administrativ
expertise
in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der
–
anschliessend
reformatorisch entscheidenden
–
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. E
ine Rückweisung an den Versicherungsträger
bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten
Frage begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
hielt
in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2)
fest
,
dass
die beruflichen Massnahmen mit Mitteilung vom 2
6.
November 2014 abgebrochen worden
seien
, da der Beschwerdeführer die Ausbildung zum
Gärt
nereipraktiker
nicht habe fortführen wollen. Daraufhin
habe
sie die medizini
sche Situation geprüft. Demnach lägen gewisse Einschränkungen vor, welche die Arbeitsfähigkeit in subjektiver Weise einschränken würden. Als Begründung für
die Arbeitsunfähigkeit würden
eine
nicht
abgeschlossene Ausbildung und Ungeschicklichkeit sowie eine fehlende Motivation des Beschwerdeführers erwähnt.
Bei diesen Gründen handle es sich um invaliditätsfremde Faktoren.
Eine Invalidität oder drohende Invalidität sei
daher
nicht ausgewiesen, so dass kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung bestehe (S. 1 f.).
2.2
Demgegenüber vertrat der Beschwerdeführer den Standpunkt (
Urk.
1),
er sei gegen Ende der Ausbildung zunehmend überfordert gewesen und habe unter grossem Leistungsdruck gestanden, weshalb er die Ausbildung im November
2014 abgebrochen habe (S. 3).
Er
leide nach wie vor an einem
invaliditäts
rele
vanten
psychischen Gesundheitsschaden. Die gesundheitliche Situation habe sich seit der Anmeldung nicht verändert beziehungsweise nicht verbessert (S. 4). Die psychische Erkrankung wirke sich auf
seine
Bildungs- und Arbeitsfähigkeit aus. Die konkreten Auswirkungen seien von allen involvierten Fachpersonen und dem behandelnden Psychiater übereinstimmend wahrgenommen worden (S.
8). Oberstes Ziel sei nach wie vor der Abschluss einer erstmaligen beruf
lichen Ausbildung. Daher gehe es in erster Linie darum, berufliche Massnahmen zuzusprechen. Dies werde möglich sein, sobald er sich gesundheitlich wieder genug stabilisiert habe (S. 9).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung hat.
3.
3.1
Die Ärzte der
B.___
führten mit Bericht vom 2
5.
April 2012 (
Urk.
7/9) eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit haltlosen, ängstlichen und impulsiven Zügen (ICD-10 F61) sowie eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21) als Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf
. Die Diagnosen
bestünden
seit der Jugend
(S. 2
Ziff.
1.1).
Körperliche und geistige Einschränkungen lägen nicht vor (S. 4
Ziff.
1.7).
Der Beschwerdeführer sei höchstens zu 50
%
arbeitsfä
hig
und aufgrund seiner Grunderkrankung nicht fähig, im freien Arbeitsmarkt zu arbeiten
(S. 1
Ziff.
1 ff., S. 3 unten
).
Die Tätigkeit im geschützten Rahmen sei zumutbar (S. 4
Ziff.
1.7). Die Einschränkungen würden sich durch eine weitere ambulante sozialpsychiatrische Behandlung mit eventuell geeigneter Medika
tion verbessern lassen. Der Beschwerdeführer zeige
hierzu
jedoch keine Motiva
tion (S. 5
Ziff.
1.8).
Es habe sich um eine ambulante sozialpsychiatrische Kurzbehandlung gehan
delt. Aufgrund der Unzuverlässigkeit, der Verschlossenheit und des Misstrauens des Beschwerdeführers habe keine wirkliche Behandlung etabliert werden kön
nen. Diese werde auf Wunsch des Beschwerdeführers auch nicht weitergeführt (S. 4
Ziff.
1.5).
3.2
Dr.
med.
C.___
, praktischer Arzt, gab mit Bericht vom 1
0.
Juni 2012 (
Urk.
7/11) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an (S.
1
Ziff.
1.1):
-
Gonalgie
rechts
-
Verdacht auf
Insertionstendopathie
med
izinische
Kapsel rechtes Knie
-
Funktionsstörung rechtes Knie
-
Torsionsskoliose
-
Knie-Senk-Spreizfüsse beidseits
-
Haltungsinsuffizienz
-
Überempfindlichkeit gegen Chemikalien
Die Untersuchung sei erfolgt, da der Beschwerdeführer zunehmend Probleme (Augen, Kopfschmerzen,
Konzentrationsstörungen) mit den
bei der Arbeit ver
wendeten Chemikalien
in
der Siebdruckerei
gehabt
habe
.
Dr.
C.___
nannte altersentsprechend unauffällige Kniegelenke. Die Haltungsinsuffizienzen seien durch körperliches Training ausgleichbar, so dass insgesamt von einer guten Prognose auszugehen sei (S. 2
Ziff.
1.4). Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit sei der Beschwerdeführer vom 2
3.
bis 2
6.
August 2011 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen (S. 3
Ziff.
1.6). Siebdruckarbeiten seien
aufgrund der allergischen Reaktion
nicht mehr möglich. Alle anderen Tätigkeiten seien zumutbar (S. 3
Ziff.
1.7).
3.3
Mit Bericht vom 1
6.
Januar 2015 (
Urk.
7/78) bestätigten die Ärzte der
B.___
die bisher genannten Diagnosen (S. 1
Ziff.
1.2). Der Gesundheitszustand sei sta
tionär (S. 1
Ziff.
1.1). Der Beschwerdeführer sei aufgrund der Arbeitsbiographie
(keine abgeschlossene Ausbildung) sowie verschiedener Defizite (Ungeschick
lichkeit, Intelligenz?)
im freien Arbeitsm
ark
t
nicht arbeitsfähig
. Er sei sehr leicht
kränkbar
und könne aggressiv-impulsiv darauf reagieren. Erschwerend komme eine Diskrepanz bezüglich Selbs
t- und Fremdeinschätzung hinzu. D
er Beschwer
deführer
überschätze
seine Fähigkeiten. Ebenfalls sei das Durchhalte
vermögen eingeschränkt (S. 2
Ziff.
2.2). Im Unterschied zu einer früheren Behandlung sei der Beschwerdeführer gesprächiger und wirke auch etwas reifer (S. 2
Ziff.
3.1).
Er
sei motiviert, im geschützten Rahmen zu arbeiten (S. 3
Ziff.
3.3). Eine weitere ambulante sozialpsychiatrische Behandlung wäre sinn
voll. Die Einflussnahme auf eine Verbesserung des psychischen Gesundheitszu
standes sei aber stark
eingeschränkt (S. 4
Ziff.
4.1).
3.4
Med.
pract
.
D.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
RAD,
gab mit Stellungnahme vom
4.
März 2015 an, dass der Bericht der
B.___
vom 1
6.
Januar 2015 nicht nachvollziehbar sei. Einerseits würden ängstliche
Persön
lichkeitsanteile
diagnostiziert, andererseits gebe der Befund „keine Ängste“ an. Der für die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung erforderliche biographische Nachweis fehle. Die für die Arbeitsunfähigkeit angegebenen Gründe würden nicht zu einem anhaltenden
invaliditätsrelevanten
Gesundheitsschaden führen. Schliesslich sei
die im Bericht von
Dr.
C.___
auf
geführte Allergie nicht belegt. Es liege somit keine Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit vor. Als Diagnose ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei
eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.21) zu erwähnen.
Somit
seien keine Fak
toren erkennbar,
welche
eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit
herleiten liessen
(
Urk.
7/83
S. 6 f.).
4.
4.1
Zum
umstrittenen
psychischen
Gesundheitsz
ustand des Beschwerdeführers geben
aus ärztlicher Sicht
lediglich die Berichte der
B.___
Auskunft (vorstehend E. 3.1, E. 3.3).
Darin sind als psychiatrische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit haltlosen, ängstli
chen und impulsiven Zügen (ICD-10 F61) sowie eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21)
aufgeführt. Wie
RAD-Arzt med.
pract
.
D.___
allerdings bereits nachvol
lziehbar
dargelegte
(vgl. vorstehend E.
3.4)
, lässt sich gestützt auf die undifferenzierten und widersprüchlichen Berichte der
B.___
kein invaliditätsrelevante
r
Gesundheitsschaden bejahen.
So
fehlt
ins
besondere
der
biographische Nachweis für die
diagnostizierte
Persön
lich
keits
störung
seit der Jugend
(
vgl. hierzu Klinisch-diagnostische Leitlinien der Inter
nationalen Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesundheits
organisation, ICD-10 Kapital V (F),
Dilling
/
Mombour
/Schmidt (Herausgeber),
9.
Auflage, Bern 2014, S. 274).
Zudem diagnostizierten die Ärzte der
B.___
eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlichen Ant
eilen, führten dem
gegen
über bei der
Befund
erhebung
aber
auf, dass keine Ängste
eruierbar
gewesen seien.
Den Umstand, dass der Beschwerdeführer im freien Arbeitsmarkt
nicht arbeitsfähig sei, begründeten sie damit, dass er keine abge
schlossene Aus
bildung habe und
verschiedene
Defizite (Ungeschicklichkeit, Intelligenz?)
vorlägen
.
Diesen
Faktoren
kommt
allerdings kein Krankheitswert zu, zumal eine
pathologische
Minderintelligenz
(IQ unter 69, vgl. Klinisch-diag
nostische Leit
linien, a.a.O., S. 308 ff.)
nicht
nachgewiesen wurde.
Die
vom Beschwerdeführer im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichte
Stellungnahme der
B.___
vom 1
5.
Juli 2015 (
Urk.
3/4) vermag daran nichts zu ändern, bleiben doch weiterhin Zweifel an der korrekten Diagnosestellung einer kombinierten Persönlichkeitsstörung
bestehen
.
4.2
Entgegen der Einschätzung
und reinen Aktenbeurteilung
von
RAD-Arzt
med.
pract
.
D.___
kann
demgegenüber
allerdings
nicht
abschliessend beurteilt
wer
den,
ob
überhaupt
kein invaliditätsbegründend
er Gesundheitsschaden vorliegt
.
D
en Berichten der
B.___
sowie
den Ausbildungsunterlagen – auch wenn es sich dabei nicht um ärztliche Berichte handelt -
sind
Anzeichen
des Vorliegens
einer
psychische
n
Erkrankung
zu entnehmen
:
D
er Beschwerdeführer
habe
während der Arbeit depressive Verhaltenszüge und extreme Gefühlsschwankungen
gezeigt
.
Ferner
habe er Mühe
gehabt,
eine konstante Belastbarkeit an den Tag zu legen
.
Der Beschwerdeführer sei oftmals überfordert gewesen und dies an
einem geschützten Arbeitsplatz.
Die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers im ersten Arbeitsmarkt sei 20-30
%
bei einer Präsenz von 90
%. Der Beschwer
deführer sei lediglich arbeitsfähig, wenn er keine Druck
oder Belastungssi
tuationen erlebe. Mit dem Druck im ersten Arbeitsmarkt könne er nicht umge
hen
(
Urk.
7/46 S. 2,
Urk.
7/47 S. 1,
Urk.
7/51 S. 2,
Urk.
7/75 S. 4 f.).
Selbst der RAD erkannte,
dass Hinweise
für
eine psychische Erkrankung vorliegen,
hatte er doch
bei der ursprünglichen Kostenübernahme für berufliche Massnahmen gestützt auf
dieselben
von der
B.___
gestellten Diagnosen einen
Gesundheits
schaden
noch bejaht (
Urk.
7/23 S.
3).
Nach dem Gesagten
lässt sich
demnach
eine abschliessende
medizinische
Beurtei
lung aufgrund der vorliegenden Akten
nicht vornehmen
.
Die
Beschwer
degegnerin
hätte aufgrund des Untersuchungsgrundsatzes insbesondere
eine psychiatrische B
egutachtung veranlassen müssen.
Zu prüfen sein wird
dabei auch
, ob der Beschwerdeführer die zwei
begonnenen
Ausbildunge
n
gesund
heits
bedingt
abbrechen musste
und
ob eine
allfällige
erneute berufliche Ausbil
dung über
haupt erfolgsversprechend wäre.
4.
3
Zusammenfassend erweist sich
die vorliegende Aktenlage für eine
abschlies
sende Beurteilung des Leistungsanspruchs in Bezug auf den medizinischen Sachverhalt als unzulänglich, weshalb die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese nach ergänzender psychiatrischer Abklärung eine neue Beurteilung vornehme und über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
Damit erweist sich die gewährte unentgeltliche Prozessführung (
Urk.
8) als gegenstandslos.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügu
ng vom 2
4.
Juni 2015 aufgehoben
und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Stadt Zürich Soziale Dienste
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu ent
hal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannKudelski