# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 91e89e84-fcb2-5c71-9b20-1c9e9688edda
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-07-05
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Sonstiges 05.07.2021 IV 2020/95
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Publikationen/SG_KGN_999_IV-2020-95_2021-07-05.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 1/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2020/95

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 19.01.2022

Entscheiddatum: 05.07.2021

Entscheid Versicherungsgericht, 05.07.2021
Art. 28 IVG: Gestützt auf die medizinische Aktenlage ist mit überwiegender 
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in einer 
leidensangepassten Tätigkeit bis zum 31. Juli 2017 zu 100 % arbeitsunfähig 
gewesen ist und ab dem 1. August 2017 weiterhin zumindest 30 % 
arbeitsunfähig ist. Ob nach dem 31. Juli 2017 bis zur Begutachtung durch die 
ZIMB anfangs 2019 allenfalls sogar eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 30 
% vorgelegen hat, bleibt beweislos. Die Folgen der Beweislosigkeit hat die 
Beschwerdeführerin zu tragen. Anspruch auf eine befristete ganze Rente 
bejaht (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 5. 
Juli 2021, IV 2020/95).

Entscheid vom 5. Juli 2021

Besetzung

Präsidentin Miriam Lendfers, Versicherungsrichterin Christiane Gallati Schneider und 

Versicherungsrichter Joachim Huber; Gerichtsschreiberin Sabrina Bleile

Geschäftsnr.

IV 2020/95

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 2/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. Barbara Wyler, Wyler Koch Partner AG, 

Zürcherstrasse 310, Postfach 340, 8501 Frauenfeld,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.  

A.___ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 3. Juni 2016 bei der IV-Stelle 

des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) für berufliche Massnahmen und 

Rentenleistungen an (IV-act. 1). Sie war damals noch als Unterhaltsreinigerin bei der 

B.___ AG angestellt gewesen (IV-act. 1-4 und 7-1 ff.), jedoch seit dem 25. Januar 2016 

von Dr. med. C.___, Allgemeine Medizin FMH, zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben 

worden (IV-act. 11-1; vgl. ferner IV-act. 7-3). In einem Arztbericht an die IV-Stelle vom 

20. Juni 2016 gab Dr. C.___ an, dass die Versicherte an einer hartnäckigen 

Cervicobrachialgie links bei Status nach ventraler Diskektomie C5/6 im Januar 2016, 

einem chronifizierten Schmerzsyndrom (bestehend seit ca. 2009), einer chronifizierten 

Migräne (bestehend seit ca. 2005), einem chronischen lumbospondylogenen Syndrom 

(bestehend seit ca. 2012) sowie einem depressiven Zustandsbild (bestehend seit 

Herbst 2015) leide. Die Versicherte sei aufgrund ihrer depressiven Verstimmung und 

ihrer anhaltenden cervicobrachialgieformen Schmerzen links nicht mehr in der Lage, 

die bisherige Arbeit als Reinigungsfachfrau durchzuführen. Aktuell seien auch keine 

anderen Tätigkeiten möglich (IV-act. 11-1). Dr. C.___ legte seinem Bericht sämtliche 

ihm vorliegenden, die Versicherte betreffenden, fachärztlichen Berichte der sechs 

vorangegangenen Jahre bei (IV-act. 11-2 ff.). Auf Empfehlung des regionalen ärztlichen 

Dienstes (RAD) holte die IV-Stelle im Verlauf noch weitere medizinische Unterlagen ein 

A.a. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 3/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

(vgl. IV-act. 19 ff.). Aus diesen ging unter anderem hervor, dass sich die Versicherte seit 

anfangs Mai 2016 bei Dr. med. D.___, Psychiatrie, Psychotherapie FMH, in ambulanter 

psychiatrischer Behandlung befand (IV-act. 26).

In einer Beurteilung vom 14. Februar 2017 hielt der RAD fest, dass gemäss 

Aktenlage wiederholte bildgebende Untersuchungen durchgeführt worden seien ohne 

Nachweis einer schlüssigen Ursache für die von der Versicherten geklagten Rücken-, 

Arm- und Beinbeschwerden. Gemäss dem Austrittsbericht der Kliniken Valens 

(Aufenthalt der Versicherten vom ___ 2016 bis ___ 2016, IV-act. 37-8 ff.) bestünden 

Anzeichen einer massiven Selbstlimitierung und erheblichen Symptomausweitung. 

Aufgrund der vorliegenden Unterlagen könne die Arbeitsfähigkeit nicht beurteilt 

werden, weshalb die Durchführung einer polydisziplinären Begutachtung empfohlen 

werde (IV-act. 50).

A.b. 

Vom 6. Februar 2017 bis 3. Mai 2017 war die Versicherte in der Psychiatrischen 

Tagesklinik E.___ behandelt worden. Im Austrittsbericht vom 3. Mai 2017 nannte Dr. 

med. F.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, als Diagnosen eine 

rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, ohne 

somatisches Syndrom, sowie eine Somatisierungsstörung. Weiter hielt er fest, die 

Versicherte sei von ihrem Hausarzt Dr. C.___ und in Rücksprache mit Dr. D.___ 

zugewiesen worden. Die Exploration habe sich aufgrund der sprachlichen Barriere 

schwierig gestaltet. Anamnestisch und auch fremdanamnestisch durch die Familie 

seien depressive Episoden und die Somatisierungsstörung bereits seit mehreren 

Jahren bestehend. Die Versicherte sei in ein teilstationäres multimodales 

Therapieprogramm eingebunden worden, wobei die medikamentöse Einstellung in 

Zusammenarbeit mit Dr. C.___ erfolgt sei. Aufgrund der psychischen und körperlichen 

Einschränkungen sei es der Versicherten von Beginn an nicht möglich gewesen, 

selbständig in die Tagesklinik zu kommen. Sie sei täglich von Familienangehörigen 

gebracht worden. Die Versicherte habe in den drei Monaten Behandlung nur sehr 

eingeschränkt am Therapieprogramm teilgenommen und habe sich vermehrt wegen 

des Gefühls von Überforderung, Schwindel oder anderer körperlicher Symptome in den 

Ruheraum zurückgezogen. Auch in den Einzelgesprächen seien eine rasche 

Ermüdbarkeit und das Gefühl der Überforderung vorhanden gewesen. Die Versicherte 

habe wenig Introspektionsfähigkeit gezeigt, was neben den sprachlichen 

A.c. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 4/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Schwierigkeiten das Vertiefen von Themen erschwert habe. Anfängliche Therapieziele, 

wie z.B. vermehrte Alltagsaktivitäten, hätten nicht erreicht werden können. In den 

Gesprächen mit den Angehörigen habe sich gezeigt, dass auch im häuslichen Umfeld 

wenig Veränderungen und sogar eher noch eine Verschlechterung eingetreten seien. 

Deshalb sei eine stationäre Therapie empfohlen worden, worauf sich die Versicherte 

habe einlassen können (IV-act. 68). Vom 5. Mai 2017 bis 12. Juli 2017 wurde die 

Versicherte in der Klinik G.___ stationär behandelt. Im Austrittsbericht vom 11. August 

2017 nannten die behandelnden Ärzte folgende Diagnosen: Rezidivierende depressive 

Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome, 

Somatisierungsstörung, chronische Hüftschmerzen links und Migräne. Weiter hielten 

die behandelnden Ärzte in ihrer Beurteilung fest, dass die Versicherte nach einer 

Verschlechterung der psychischen und körperlichen Verfassung mit einer schweren 

depressiven Episode im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Symptomatik, 

chronischen Schmerzen und einer psychosozialen Belastungssituation freiwillig zur 

stationären Erstaufnahme gekommen sei. Unter einer medikamentösen 

Kombinationsbehandlung und der Teilnahme an einem auf allgemeine Aktivierung und 

Abbau von Schon- und Vermeidungsverhalten zielenden Behandlungsprogramm habe 

sich die Versicherte allmählich stabilisieren können. Nach mehreren Beurlaubungen, die 

komplikationslos verlaufen seien, habe sie in einem weiterhin leicht depressiven, doch 

insgesamt gebesserten Allgemeinzustand wieder in die gewohnte Umgebung entlassen 

werden können. Die depressive Symptomatik sei bei Austritt teilremittiert gewesen. Die 

Schmerzsymptomatik sei in den Hintergrund getreten und die ihrerseits vermehrt 

schmerzauslösende Schonhaltung ein wenig reduziert gewesen. Prognostisch sei eine 

weitere aktivierende Behandlung wichtig, um einem Rückfall in die vorbestehenden 

Verhaltensmuster entgegen zu wirken (IV-act. 66).

Am 28. Juli 2017, 31. Juli 2017 und 3. August 2017 wurde die Versicherte im 

Auftrag der IV-Stelle von der Begutachtungsstelle medaffairs polydisziplinär 

(orthopädisch, neurologisch, psychiatrisch und allgemeinmedizinisch) abgeklärt (IV-act. 

61). In der Konsensbeurteilung des am 23. November 2017 erstatteten Gutachtens 

nannten die Sachverständigen der medaffairs folgende Diagnosen mit Auswirkung auf 

die Arbeitsfähigkeit: eine beginnende Coxarthrose, eine chronische Lumbalgie, eine 

chronische Zervikalgie, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung sowie eine 

A.d. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 5/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

leichte depressive Episode (IV-act. 61-20). Sodann kamen die Gutachter zum Schluss, 

dass aus orthopädischer Sicht für die schwere und mittelschwere körperliche Tätigkeit 

im Reinigungsdienst aufgrund der vorliegenden Akten und Befunde ab dem 25. Januar 

2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe. In optimal leidensangepassten 

Tätigkeiten (leichte körperliche Tätigkeiten ohne Zwangspositionen, ohne Arbeiten in 

Reklination, ohne dauerhaftes Arbeiten in vorgebeugter Haltung, ohne Arbeiten mit 

vorgehaltenem Arm, ohne Gewichtsbelastung über 5 kg, ohne die Notwendigkeit, eine 

Gehstrecke von insgesamt 1 bis 1.5 km pro Tag zurücklegen zu müssen, ohne die 

Notwendigkeit auf Treppen und Leitern zu steigen und auf unebenem Gelände laufen 

zu müssen und hauptsächlich sitzend oder stehend) sei seit Mai 2016 (drei Monate 

nach der Operation vom 28. Januar 2016) eine 80%ige Arbeitsfähigkeit gegeben. Aus 

psychiatrischer Sicht entspreche die zuletzt ausgeübte Tätigkeit einer 

leidensangepassten Tätigkeit. Ab Beginn der stationären/teilstationären Behandlung 

vom 5. Mai 2017 sei für 12 Monate von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. 

Möglicherweise habe bereits vor der stationären Aufnahme vom 5. Mai 2017 eine 

(Teil-)Arbeitsunfähigkeit bestanden. Auch aktuell bestehe aus psychiatrischer Sicht 

noch eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Nach Ablauf der 12 Monate sollte sich die 

Arbeitsfähigkeit allerdings durch gezielte Massnahmen steigern lassen. Nach 

Abschluss der geplanten teilstationären Behandlung sollte eine 

Wiedereingliederungsmassnahme durchgeführt werden (IV-act. 61-29 f.). Im 

psychiatrischen Teilgutachten hatte der psychiatrische Sachverständige ergänzend 

ausgeführt, dass bis zum Abschluss der geplanten tagesklinischen Behandlung eine 

Arbeitsunfähigkeit von 100 % anzunehmen sei. Anschliessend sei davon auszugehen, 

dass die depressive Symptomatik in den Hintergrund treten werde und dass die nach 

der tagesklinischen Behandlung zu erwartende 50%ige Arbeitsunfähigkeit noch weiter 

sinken werde, sodass nach der Sistierung der depressiven Symptomatik aufgrund der 

somatoformen Schmerzstörung in Zukunft lediglich noch eine 30%ige 

Arbeitsunfähigkeit zu erwarten sei (IV-act. 61-114). Im interdisziplinären Konsens 

hielten die Sachverständigen sodann fest, dass aus gesamtmedizinischer Sicht in der 

angestammten Tätigkeit ab dem 25. Januar 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit 

bestehe. In einer Verweistätigkeit bestehe seit Mai 2016 eine 80%ige Arbeitsfähigkeit 

und ab dem 5. Mai 2017 bis maximal Mai 2018 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-

act. 61-29 f.).

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 6/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Vom 5. Juni 2018 bis 8. Juni 2018 wurde die Versicherte im Spital H.___ 

hospitalisiert. Die Einweisung war auf hausärztliche Zuweisung bei unklarem 

neurologischem Zustandsbild mit Spontannystagmus, Schwindel und Hypertonie 

erfolgt. Ein im Rahmen der Hospitalisation angefertigtes Schädel-CT zeigte kein 

pathologisches Korrelat. Die behandelnden Ärzte vermuteten, insbesondere auch 

wegen einer kürzlich erfolgten zusätzlichen Medikamentenversorgung, ein 

serotonerges Syndrom. In Rücksprache mit Dr. D.___ empfahlen sie eine Zuweisung an 

eine psychiatrische Klinik bzw. an ein Schmerzzentrum zur Einstellung der 

Medikamente, was jedoch - trotz Aufklärung über die Risiken der bestehenden 

Medikation - sowohl von der Versicherten als auch deren Ehemann ausdrücklich 

abgelehnt wurde (IV-act. 100, 102 f. und 128 f.).

A.e. 

Nachdem die IV-Stelle auf Anweisung des RAD weitere medizinische Unterlagen 

eingeholt hatte (IV-act. 62 ff.), stellte sie am 22. August 2018 Rückfragen an die 

Gutachter der medaffairs (IV-act. 107; zur Formulierung der gestellten Fragen durch 

RAD-Ärztin Dr. med. I.___, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vgl. IV-

act. 106; vgl. ferner IV-act. 113 f.).

A.f. 

In einer MRT Arthrographie des linken Schultergelenks vom 18. September 2018 

zeigte sich eine Partialläsion der Supra- und Infraspinatussehne (IV-act. 119 und 136; 

vgl. ferner IV-act. 116). Am 17. Oktober 2018 erfolgte eine diagnostisch-therapeutische 

Infiltration glenohumeral und subacromial links. Ausserdem wurde bei chronischen 

Hüftschmerzen links und MR-tomographisch nachgewiesener Partialruptur der 

glutaeus medius Sehne, femoro-actebulärem Knorpeldefekt und beginnender 

Coxarthrose eine therapeutische Infiltration der Bursa trochanterica links durchgeführt. 

Nach den Infiltrationen verspürte die Versicherte eine diskrete Besserung der 

Beschwerden (IV-act. 156-9 f.).

A.g. 

Am 22. Oktober 2018 bzw. 29. Oktober 2018 reichten der psychiatrische und 

allgemeinmedizinische Gutachter der medaffairs ihr Antwortschreiben zu den seitens 

der IV-Stelle gestellten Rückfragen ein. Sie hielten namentlich fest, dass der 

Versicherten nicht wegen der leichten depressiven Episode, sondern wegen einer 

Erkrankung aus dem somatoformen Diagnosespektrum eine 100%ige 

Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei. Die depressive Störung sei im Gutachten 

A.h. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 7/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

zusätzlich genannt worden, weil die Situation aufgrund der Komorbidität in gewissem 

Sinne verschlimmert werde. Im Übrigen müsse sich eine somatoforme Schmerzstörung 

nicht ausgeprägt im Psychostatus niederschlagen. Da sich die bisher durchgeführten 

Massnahmen günstig ausgewirkt hätten, sollte die von der Versicherten angeführte 

teilstationäre Behandlung in Bälde durchgeführt werden. Es sei anzunehmen, dass sich 

durch diese eine Besserung erzielen lassen würde. Aus dieser Überlegung sei auch 

eine vorübergehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden, die aus 

psychiatrischer Sicht nicht auf Dauer, sondern nur für den Zeitraum bis zur Beendigung 

der tagesklinischen Behandlung bestehen sollte. Vor dem Hintergrund der im Rahmen 

der Begutachtung durchgeführten Labordiagnostik sollte auch die bestehende 

psychopharmakologische Medikation reflektiert und unter Laborkontrolle fortgesetzt 

werden, da eine Medikation, die nicht eingenommen werde, nicht wirken könne (IV-act. 

115 und 117).

In einem Bericht der Klinik für Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) 

vom __ November 2018 wurde festgehalten, dass am __ November 2018 eine MRT-

Untersuchung der HWS durchgeführt worden sei, die eine Protrusion auf der Höhe 

C5/6 eher linksseitig gezeigt habe. Die Beschwerden der Versicherten seien 

allumfassend und sehr diffus, weshalb sie schwer auf den Punkt zu bringen seien. Es 

werde auf keinen Fall eine Operation empfohlen. Aus neurochirurgischer Sicht gäbe es 

nichts zu tun (IV-act. 121; zum Befund einer bereits im Juni 2018 durchgeführten MRT-

Untersuchung der HWS vgl. IV-act. 130).

A.i. 

Am 22. November 2018 äusserte sich RAD-Ärztin Dr. I.___ zur eingegangen 

Stellungnahme der medaffairs dahingehend, dass die Gutachter nicht nachvollziehbar 

begründet hätten, weshalb die leichte Depression die somatoforme Schmerzstörung 

derart negativ beeinflussen sollte, dass insgesamt eine volle Arbeitsunfähigkeit 

resultiere. Ausserdem sei vor dem Hintergrund des bisherigen Verlaufs mit bereits 

gescheiterter tagesklinischer Behandlung und einer Krankheitsüberzeugung der 

Versicherten mit eingeschränkter persönlicher Ressourcenlage nicht anzunehmen, 

dass ein erneuter tagesklinischer Aufenthalt zu einer relevanten Verbesserung des 

Gesundheitszustandes führen würde (IV-act. 120). In einer weiteren Beurteilung vom 3. 

Dezember 2018 hielt RAD-Ärztin Dr. I.___ fest, dass die Attestierung einer vollen 

Arbeitsunfähigkeit durch die Gutachter der medaffairs nicht ausreichend 

A.j. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 8/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

nachvollziehbar begründet worden sei. Ausserdem würden im Gutachten 

hypothetische Aussagen zur zukünftigen bzw. erreichbaren Arbeitsfähigkeit nach 

erfolgter Therapie gemacht. Zudem finde im Gutachten keine ausführliche 

Auseinandersetzung mit der Ressourcenlage der Versicherten und deren Einfluss auf 

die Arbeitsfähigkeit statt. Schliesslich könnten die gutachterlichen Überlegungen 

bezüglich der Auswirkungen der vorgeschlagenen Therapieoptionen vor dem 

Hintergrund der gestellten und sich gegenseitig negativ beeinflussenden Diagnosen, 

der Persönlichkeitsstruktur der Versicherten sowie deren persönlichen 

Krankheitsüberzeugung nicht ausreichend nachvollzogen werden. RAD-Ärztin Dr. I.___ 

empfahl sodann die erneute Durchführung einer polydisziplinären Begutachtung bei 

einer anderen Gutachterstelle sowie die Aktualisierung der medizinischen Aktenlage 

(IV-act. 145).

Mit Mitteilung vom 4. Dezember 2018 informierte die IV-Stelle die anwaltlich 

vertretene Versicherte über die geplante polydisziplinäre Begutachtung (IV-act. 124; zur 

weiteren Mitteilung vgl. IV-act. 150). Gleichentags leitete die IV-Stelle die Aufdatierung 

der medizinischen Unterlagen seit Mai 2018 in die Wege (vgl. IV-act. 126 ff.). Unter 

anderem gingen Sprechstundenberichte der Klinik für Pneumologie und Schlafmedizin 

des KSSG ein (vgl. IV-act. 132 f., 138 f. und 143; zu schon früher eingereichten 

Berichten der Klinik für Pneumologie und Schlafmedizin vgl. IV-act. 105 und 108). In 

einem Bericht vom __. Dezember 2018 hielten die behandelnden Ärzte fest, dass nach 

einer Bronchoskopie und Schleimhautbiopsien, die nur eine leichte chronisch aktive 

Entzündung gezeigt hätten, der geklagte Husten am ehesten als postinfektiös bedingt, 

unterhalten durch den persistierenden Tabakrauchkonsum, interpretiert werde. Die 

Versicherte habe sich zu einer Anmeldung für einen Rauchstopp entscheiden können 

(IV-act. 143). Anlässlich einer Sprechstunde in der Klinik für Orthopädische Chirurgie 

und Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG vom __ Dezember 2018 

berichtete die Versicherte über eine kurze Beschwerdebesserung nach der 

glenohumeralen und subacromialen Infiltration bei aktuell wieder deutlich ausgeprägten 

Beschwerden. Es wurde ein weiterer Termin für eine Infiltration vereinbart und bei 

Beschwerdepersistenz ein operatives Vorgehen in Erwägung gezogen (IV-act. 156-17 

f.). Im Bericht zur am folgenden Tag in derselben Klinik des KSSG erfolgten 

Sprechstunde betreffend Hüfte wurde festgehalten, dass die Versicherte ein 

A.k. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 9/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

undifferenziertes massives Beschwerdebild an der linken Hüfte zeige, welches mit den 

erfassten bildgebenden Pathologien nicht im Einklang stehe. Daher gebe es keine 

Indikation für eine operative Therapie. Auf Wunsch der Versicherten werde die 

intraartikuläre Hüftgelenksinfiltration, die früher zu einer leichtgradigen 

Beschwerdebesserung geführt habe, wiederholt. Bei bereits geplantem 

Infiltrationstermin für die Schulter wurde das Schulterteam um die Durchführung 

gebeten (IV-act. 148). Am __ Dezember 2018 erfolgten die Infiltrationen (IV-act. 

156-19).

Mit Schreiben vom 17. Januar 2019 erklärte sich die Versicherte mit den 

vorgeschlagenen Gutachtern einverstanden (IV-act. 153). Am 13. Februar 2019 wurde 

die Versicherte im Auftrag der IV-Stelle von der Zentrum für Interdisziplinäre 

Medizinische Begutachtungen AG (ZIMB) allgemeinmedizinisch, psychiatrisch, 

rheumatologisch und neurologisch untersucht (IV-act. 160-5). Nachdem anlässlich 

einer Sprechstunde vom 12. März 2019 eine Entscheidung gegen eine 

Rotatorenmanschetten-Rekonstruktion gefällt worden war, wurde am 27. März 2019 

eine erneute Infiltration der linken Schulter subacromial durchgeführt (IV-act. 156-26). 

Am 25. April 2019 erläuterte Dr. C.___ im Auftrag der Versicherten deren 

Krankheitsverlauf aus seiner Sicht (vgl. IV-act. 156).

A.l. 

Am 29. April 2019 erstattete die ZIMB ihr polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 

160). In ihrer interdisziplinären Gesamtbeurteilung nannten die Sachverständigen 

folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: chronisches 

zervikospondylogenes Schmerzsyndrom linksbetont, Funktions- und Belastungsdefizit 

linke Schulter, chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom linksbetont, 

Belastungsdefizit linke Hüfte, Hypermobilität, chronische Schmerzstörung mit 

somatischen und psychischen Faktoren und rezidivierende depressive Störung, 

gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode (IV-act. 160-10). Sodann kamen sie zum 

Schluss, dass in der angestammten Tätigkeit seit der Diskushernienoperation im 

Januar 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit anzunehmen sei. In einer leichten, 

wechselbelastenden Tätigkeit ohne regelmässige Arbeiten mit dem linken Arm über der 

Horizontalen und ohne ausschliessliche Geh- und Stehbelastung bestehe hingegen 

eine 70%ige Arbeitsfähigkeit. Die 30%ige Arbeitsunfähigkeit ergebe sich aufgrund der 

Schmerzstörung und der Depression, die zu einer Einschränkung der 

A.m. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 10/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Leistungsfähigkeit mit erhöhtem Pausenbedarf und reduziertem Rendement führten. 

Über die Zeit gemittelt könne eine 70%ige Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten 

Tätigkeiten ab Juli 2016 angenommen werden. Aufgrund der ausgeprägten subjektiven 

Krankheits- und Behinderungsüberzeugung seien berufliche Massnahmen nicht 

erfolgsversprechend. Auch durch medizinische Massnahmen könne die 

Arbeitsfähigkeit nicht verbessert werden. Die passiven und regressiven 

Verhaltensweisen der Versicherten hätten keinen Krankheitswert und würden sich 

durch eine psychiatrische Behandlung kaum beeinflussen lassen (IV-act. 160-12 f.).

In einer Beurteilung vom 9. Juli 2019 hielt RAD-Ärztin Dr. I.___ fest, dass die 

Gutachter auf erhebliche Inkonsistenzen hingewiesen hätten. Das Ausmass der von der 

Versicherten geschilderten und demonstrierten Beschwerden bzw. die geltend 

gemachten Einschränkungen könnten vor diesem Hintergrund aus medizinischer Sicht 

nicht hinreichend nachvollzogen werden (IV-act. 161-2).

A.n. 

Anlässlich eines Telefonats mit der Versicherten bzw. deren Tochter vom 5. 

August 2019 erklärte die zuständige Sachbearbeiterin der IV-Stelle gemäss einer von 

ihr verfassten Telefonnotiz, dass gemäss dem Gutachten berufliche Massnahmen 

möglich wären. Seitens der Versicherten bzw. deren aufgrund sprachlicher 

Verständigungsschwierigkeiten beigezogenen Tochter wurde zum Ausdruck gebracht, 

dass die Versicherte zwar wirklich gerne arbeiten würde, dies aufgrund der Schmerzen 

jedoch einfach nicht gehe. Berufliche Massnahmen seien nicht realistisch (IV-act. 164). 

Mit gleichentags erlassener Mitteilung wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren um 

berufliche Massnahmen ab (IV-act. 166).

A.o. 

Mit Vorbescheid vom 24. Oktober 2019 stellte die IV-Stelle der Versicherten die 

Abweisung des Rentenbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von 15 % in Aussicht (IV-

act. 171).

A.p. 

Gegen diesen Vorbescheid liess die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin 

Dr. iur. B. Wyler, Frauenfeld, am 25. November 2019 Einwand erheben (IV-act. 178) 

unter Beilage eines Berichtes von Dr. D.___ vom 4. September 2019, worin dieser 

ausgeführt hatte, sich bei der Versicherten eine Erwerbstätigkeit als Raumpflegerin mit 

Leistungsniveau von 70 % in keiner Weise vorstellen zu können (IV-act. 178-13).

A.q. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 11/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

B.  

Nach der Einholung einer erneuten RAD-Beurteilung (vgl. IV-act. 184) verfügte die 

IV-Stelle am 23. März 2020 die Abweisung des Rentengesuchs bei einem 

Invaliditätsgrad von 15 % (IV-act. 185).

A.r. 

Gegen diese Verfügung erhob die weiterhin durch Rechtsanwältin Wyler vertretene 

Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 14. Mai 2020 Beschwerde. Sie 

beantragte, die Verfügung der IV-Stelle vom 23. März 2020 betreffend Invalidenrente 

sei aufzuheben und ihr sei ab November 2016 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. 

Eventualiter seien weitere medizinische Abklärungen zu treffen. Insbesondere sei sie 

durch das Gericht durch eine nicht vorbefasste Gutachterstelle erneut interdisziplinär 

im Sinne eines Obergutachtens begutachten zu lassen. Alles unter Kosten- und 

Entschädigungsfolgen zu Lasten der IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin). In 

formeller Hinsicht beantragte die Beschwerdeführerin die Durchführung eines zweiten 

Schriftenwechsels sowie die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und 

Verbeiständung (act. G 1; zum Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege vgl. auch act. G 

4 und 4.1).

B.a. 

In ihrer Beschwerdeantwort vom 1. Juli 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin 

die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).

B.b. 

Am 6. Juli 2020 teilte die verfahrensleitende Richterin der Beschwerdeführerin mit, 

dass das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (inkl. Rechtsverbeiständung) 

mangels ausgewiesener Bedürftigkeit nicht bewilligt werden könne. Ohne gegenteilige 

Rückmeldung bis zum 14. Juli 2020 werde angenommen, dass am Gesuch um 

unentgeltliche Rechtspflege nicht festgehalten werde (act. G 6). Nach Erhalt einer 

Stellungnahme der Beschwerdeführerin (vgl. act. G 7 f.) erklärte die verfahrensleitende 

Richterin am 21. August 2020, dass es bei der Abweisung des Gesuchs um 

unentgeltliche Rechtspflege bleibe (act. G 9).

B.c. 

In ihrer Replik vom 12. Oktober 2020 hielt die Beschwerdeführerin an den in der 

Beschwerde vom 14. Mai 2020 gestellten Rechtsbegehren fest. Am Gesuch um 

unentgeltliche Rechtspflege hielt sie hingegen nicht mehr fest (act. G 12).

B.d. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 12/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Erwägungen

1.

Vorliegend strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine 

Invalidenrente.

2.

Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung (IV) haben Versicherte, die 

ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht 

durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder 

verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch 

durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses 

Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die 

Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des 

Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 

830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise 

Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit wird in Art. 7 Abs. 1 ATSG als der durch eine 

Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte 

und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise 

Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen 

Arbeitsmarkt definiert. Die Invalidität ist grundsätzlich durch einen 

Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die 

versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der 

medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr 

zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen kann, in Beziehung 

gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 

(Art. 16 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze 

Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine 

Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad 

von mindestens 50 % besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem 

Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.

Mit Schreiben vom 5. November 2020 hielt die Beschwerdegegnerin am in der 

Beschwerdeantwort gestellten Antrag fest und verzichtete auf die Erstattung einer 

ausführlichen Duplik (act. G 15).

B.e. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 13/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3.

Die IV-Anmeldung der Beschwerdeführerin ist bei der Beschwerdegegnerin am 3. Juni 

2016 eingegangen (IV-act. 1-1). Der früheste Beginn eines allfälligen Rentenanspruchs 

im Sinne von Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG fällt somit auf den 1. Dezember 2016. Das 

Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG ist zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht 

verstrichen gewesen, da die länger andauernde Arbeitsunfähigkeit im angestammten 

Beruf erst am 25. Januar 2016 eingetreten ist (vgl. IV-act. 1-3, 7-3, 11-1, 61-29 und 

160-12). Erste Beschwerden mögen zwar bereits vor dem 25. Januar 2016 aufgetreten 

sein, doch haben diese gemäss den Akten - entgegen den Ausführungen in der 

Beschwerde (vgl. act. G 1 S. 3 f.) - nicht zu einer langanhaltenden Arbeitsunfähigkeit 

geführt (vgl. das Arztattest in IV-act. 11-1 sowie die Angaben der Arbeitgeberin in IV-

act. 7-3 und 7-11). Unter Berücksichtigung des Wartejahres fällt der frühestmögliche 

Rentenbeginn somit auf den 1. Januar 2017 (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. b i.V.m. 29 Abs. 3 

IVG).

4.  

Zunächst zu prüfen ist demnach, ob der Grad der Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin für leidensangepasste Tätigkeiten gestützt auf die vorliegende 

medizinische Aktenlage für den Zeitraum ab dem 1. Januar 2017 mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit festgestellt werden kann (zum Beweismass siehe BGE 138 V 221 E. 

6 und Urteil des Bundesgerichts vom 2. August 2017, 8C_128/2017, E. 2; vgl. ferner E. 

4.3).

4.1. 

Um den Arbeitsfähigkeitsgrad bestimmen zu können, ist die Verwaltung - und im 

Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des 

Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu 

Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die 

versicherte Person arbeitsfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4).

4.2. 

In beweisrechtlicher Hinsicht gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. 

Danach haben die urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an 

förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen (BGE 125 V 

352 E. 3a). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der 

Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, 

auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der 

Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen 

4.3. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 14/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und 

ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit 

Hinweis). Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens formgerecht eingeholten 

Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen 

und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der 

Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der 

Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien 

gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4).

Der im Sozialversicherungsrecht geltende Untersuchungsgrundsatz schliesst eine 

Beweislast im Sinne einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im 

Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur 

insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei 

ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. 

Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im 

Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Beweiswürdigung einen 

Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der 

Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen und 138 V 221 f. E. 6 

mit Hinweisen).

4.4. 

Vom 6. Februar 2017 bis 3. Mai 2017 ist die Beschwerdeführerin in der 

Psychiatrischen Tagesklinik E.___ behandelt worden (IV-act. 68). Vom 5. Mai 2017 bis 

12. Juli 2017 hat sie sich stationär in der Klinik G.___ aufgehalten (IV-act. 66). Während 

dieser stationären und tagesklinischen Aufenthalte ist grundsätzlich naturgemäss von 

einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Anhaltspunkte dafür, dass die 

tagesklinische oder stationäre Behandlung nicht indiziert gewesen wären, liegen 

nämlich nicht vor. Vielmehr scheint sich die Beschwerdeführerin während des 

stationären Aufenthaltes psychisch stabilisiert zu haben. Die depressive Symptomatik 

ist gemäss den Angaben der behandelnden Ärzteschaft der Klinik G.___ bei Austritt 

teilremittiert gewesen und die Schmerzsymptomatik in den Hintergrund getreten (IV-

act. 66-4). Die Beschwerdeführerin sei mit einer schweren depressiven Symptomatik in 

die Klinik eingetreten (vgl. IV-act. 66-1), während sie am Ende der Behandlung lediglich 

noch in einem leicht depressiven Zustand in die gewohnte Umgebung entlassen 

worden sei (vgl. IV-act. 66-3). Namentlich vom stationären Aufenthalt scheint die 

Beschwerdeführerin also profitiert zu haben. In den entsprechenden Austrittsberichten 

ist der Beschwerdeführerin trotzdem eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden 

(IV-act. 66 und 68), in demjenigen der Klinik G.___ zumindest bis zum 31. Juli 2017 (vgl. 

IV-act. 66-2). Vor diesem Hintergrund ist es gut nachvollziehbar, dass der 

4.5. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 15/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

psychiatrische Sachverständige der medaffairs davon ausgegangen ist, bei der 

Beschwerdeführerin habe spätestens seit dem Beginn der stationären Behandlung, 

also spätestens seit dem 5. Mai 2017, allenfalls bereits einige Monate zuvor, für 

sämtliche beruflichen Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden (IV-act. 

61-114 f.). Ebenso folgerichtig erscheint seine Einschätzung, wonach im 

Untersuchungszeitpunkt vom 31. Juli 2017 (zum Datum der Untersuchung vgl. IV-act. 

61-92) noch immer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit anzunehmen sei (vgl. IV-

act. 61-114). Angesichts des dokumentierten Behandlungserfolgs der stationären 

Therapie ist auch seine Empfehlung zur Durchführung einer tagesklinischen 

Behandlung und die Annahme, dass bis zum Abschluss einer solchen weiterhin eine 

100%ige Arbeitsunfähigkeit zu attestieren sei, plausibel, wenngleich die prognostische, 

nicht näher begründete Dauer bis längstens Mai 2018 etwas zufällig anmutet (vgl. IV-

act. 61-114 f. und 61-30). Weshalb der RAD diese vorübergehende Attestierung einer 

100%igen Arbeitsunfähigkeit als nicht nachvollziehbar bezeichnet hat bzw. das 

psychiatrische Gutachten der medaffairs als nicht schlüssig befunden hat (vgl. IV-

act. 62, 98, 104, 106 f., 120 und 145), erschliesst sich dem Gericht nicht. Wie der 

psychiatrische Sachverständige zusammen mit dem fallführenden Gutachter der 

medaffairs in der Stellungnahme vom 22. bzw. 29. Oktober 2018 nochmals explizit 

festgehalten hat, ist die vorübergehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit nicht in erster 

Linie aufgrund des in der Untersuchung vom 31. Juli 2017 festgestellten Psychostatus 

mit einer lediglich leichten depressiven Symptomatik und einer Schmerzproblematik 

attestiert worden, sondern namentlich vor dem Hintergrund, dass eine tagesklinische 

Behandlung als indiziert erachtet worden ist (vgl. IV-act. 115 und 117). Daraus ist zu 

schliessen, dass die Gutachter der medaffairs der Beschwerdeführerin Zeit zur 

Regeneration und psychischen Stabilisierung durch indizierte 

Behandlungsmassnahmen haben geben wollen, in der Annahme, sie sei dadurch 

später mittels ebenfalls empfohlener beruflicher Massnahmen (vgl. IV-act. 61-31 und 

61-115) wieder in den Arbeitsprozess integrierbar (vgl. IV-act. 115-3, 61-114 und 61-30 

f.). Da, soweit ersichtlich, nach der Begutachtung durch die medaffairs allerdings 

entgegen der Annahme der Gutachter keine tagesklinische Behandlung und auch sonst 

keine (teil-)stationären Therapien, die auf die Behandlung der psychischen Leiden 

ausgerichtet gewesen wären, mehr stattgefunden haben (vgl. dazu auch die RAD-

Beurteilung vom 26. Juni 2018; IV-act. 98-2), kann auf die von den Gutachtern über 

den 31. Juli 2017 hinaus aus psychischen Gründen attestierte 100%ige 

Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten nicht abgestellt werden (vgl. IV-act. 61-30). 

Dies ändert aber nichts an der grundsätzlichen Plausibilität des Gutachtens der 

medaffairs. Das Gutachten der medaffairs beruht auf eigenständigen Abklärungen, hat 

die Aktenlage berücksichtigt, ist auf die von der Beschwerdeführerin geschilderten 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 16/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Leiden eingegangen und hat das strukturierte Beweisverfahren beachtet (vgl. IV-

act. 61). Unter Berücksichtigung des Gutachtens der medaffairs (vgl. IV-act. 61) sowie 

der Austrittsberichte zur tagesklinischen und stationären psychiatrischen Behandlung 

der Beschwerdeführerin im Jahr 2017 (vgl. IV-act. 66 und 68) ist mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass vom 6. Februar 2017 bis 31. Juli 2017 eine 

100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden hat. Angesichts dessen, dass im 

Austrittsbericht der Psychiatrischen Tagesklinik E.___ vom 3. Mai 2017 eine Zuweisung 

durch den Hausarzt dokumentiert ist, mithin anzunehmen ist, die psychische 

Destabilisierung sei bereits vor dem Beginn der tagesklinischen Behandlung 

eingetreten (vgl. IV-act. 68), rechtfertigt es sich, die 100%ige Arbeitsunfähigkeit bereits 

ab Januar 2017 anzunehmen. Die retrospektive Einschätzung der Gutachter des ZIMB, 

wonach in leidensangepassten Tätigkeiten gemittelt bereits seit Juli 2016 eine 70%ige 

Arbeitsfähigkeit bestanden habe (vgl. IV-act. 160-12), ist angesichts der 

tagesklinischen bzw. stationären Behandlungen vom 6. Februar 2017 bis 12. Juli 2017 

nicht schlüssig (vgl. dazu auch den Einwand der Beschwerdeführerin in act. G 1 S. 7 

und 4 f.). Weiter gilt es zu beachten, dass retrospektive Einschätzungen in der Regel 

ungenauer als echtzeitliche Beurteilungen ausfallen dürften. Folglich lässt die 

retrospektive Einschätzung der ZIMB-Gutachter keine beachtlichen Zweifel an der bis 

31. Juli 2017 echtzeitlich dokumentierten 100%igen Arbeitsunfähigkeit der 

Beschwerdeführerin aufkommen. Zusammenfassend ist zwischen Januar 2017 und Juli 

2017 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten auszugehen.

Es ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin im Dezember 2018 

eine Begutachtung der Beschwerdeführerin bei der ZIMB in die Wege geleitet hat (vgl. 

IV-act. 144 f. und 147). Entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin hat es sich 

dabei nicht um eine unzulässige Zweitbegutachtung gehandelt (vgl. act. G 1 S. 5). 

Vielmehr ist die Beschwerdegegnerin im Rahmen der sie treffenden 

Untersuchungspflicht (Art. 43 ATSG) durchaus gehalten gewesen, eine erneute 

Begutachtung durchführen zu lassen. Dies einerseits, weil sich die Annahme der 

Gutachter der medaffairs, wonach die Beschwerdeführerin nach der Begutachtung eine 

tagesklinische Behandlung antreten werde, nicht bewahrheitet hatte, sodass der über 

den 31. Juli 2017 hinaus attestierten 100%igen Arbeitsunfähigkeit die Grundlage 

entzogen worden ist (vgl. dazu E. 4.4). Andererseits, weil die medaffairs-Gutachter für 

die Zeit nach der Begutachtung keine beweisrechtlich brauchbare Einschätzung der 

Arbeitsfähigkeit abgegeben haben, sondern diese vom Erfolg der empfohlenen 

Behandlungsmassnahmen bzw. Eingliederungsmassnahmen abhängig gesehen haben 

(vgl. IV-act. 61-29 f.). Der psychiatrische Sachverständige hat lediglich prognostisch 

eingeschätzt, dass in Zukunft bei Besserung der psychischen Symptomatik aufgrund 

4.6. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 17/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

der Schmerzsymptomatik längerfristig eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit in 

leidensangepassten Tätigkeiten zu erwarten sei (IV-act. 61-114). Diese Prognose hat 

aber offenkundig nicht als Basis für den Rentenentscheid dienen können. Folglich hat 

die Beschwerdegegnerin zu Recht eine weitere Begutachtung in Auftrag gegeben. Im 

Übrigen hat die Beschwerdeführerin gegen die ihr gehörig angekündigte Begutachtung 

bei der ZIMB (vgl. IV-act. 124 und 150) damals explizit keine Einwände erhoben, 

sondern sich sinngemäss damit einverstanden erklärt (vgl. IV-act. 153), sodass ihr 

nachträglicher Protest missbräuchlich anmutet.

Das polydisziplinäre Gutachten der ZIMB beruht auf eigenständigen Abklärungen 

und es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass die Sachverständigen bei ihren 

Untersuchungen nicht lege artis vorgegangen sind. Die Herleitung der von ihnen 

gestellten Diagnosen haben sie nachvollziehbar begründet (vgl. IV-act. 160). Entgegen 

der in der Beschwerde geäusserten Ansicht (vgl. act. G 1 S. 7) ist auch kein gewichtiger 

Widerspruch zwischen den im ZIMB-Gutachten und den im medaffairs-Gutachten 

gestellten Diagnosen zu erkennen. Vielmehr sind - mit Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit - in beiden Gutachten aus somatischer Sicht im Wesentlichen 

verschiedene Schmerzsyndrome und Belastungsdefizite, teilweise ergänzt durch 

bildgebend dokumentierte Veränderungen, genannt worden, während aus 

psychiatrischer Sicht jeweils eine Schmerzstörung festgestellt und eine Diagnose aus 

dem depressiven Formenkreis gestellt worden sind (vgl. IV-act. 61-20 und 160-10). 

Auch leuchtet die von den ZIMB-Gutachtern bescheinigte 100%ige Arbeitsunfähigkeit 

für die angestammte Tätigkeit sowie 30%ige Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste 

Tätigkeiten unter Berücksichtigung der übrigen Aktenlage ein (vgl. IV-act. 160-12). 

Namentlich stimmt sie mit der prognostischen Einschätzung des psychiatrischen 

Sachverständigen der medaffairs überein, wonach längerfristig aus psychischen 

Gründen von einer 30%igen Arbeitsunfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten 

auszugehen sei (vgl. IV-act. 61-114). Dass die Gutachter der ZIMB bei der Beurteilung 

des Funktionsniveaus und der Arbeitsfähigkeit auch motivationale Faktoren 

berücksichtigt haben (vgl. z.B. IV-act. 160-45), ist nicht zu beanstanden (vgl. act. G 1 S. 

7 f.). Es ist gerade die Aufgabe von Sachverständigen, vorgetragene Leiden nicht 

unkritisch zu übernehmen, sondern soweit möglich zu objektivieren und eine 

Zumutbarkeitsbeurteilung vorzunehmen. Anhaltspunkte für eine von der 

Beschwerdeführerin behauptete Persönlichkeitsverletzung liegen jedenfalls keine vor 

(vgl. act. G 1 S. 7 f.). Auch hinsichtlich der Adaptationsprofile ist entgegen der Ansicht 

der Beschwerdeführerin (vgl. act. G 1 S. 7) kein unauflösbarer Widerspruch zwischen 

den beiden Gutachten auszumachen (vgl. IV-act. 61-29 f. und 160-12 f.), wobei 

diesbezüglich auch zu berücksichtigen ist, dass zwischen den beiden Begutachtungen 

4.7. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 18/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

in somatischer Hinsicht weitere Abklärungen und Behandlungen stattgefunden haben 

(vgl. namentlich IV-act. 62 ff.).

Zu bemängeln ist allerdings, dass das Gutachten der medaffairs den 

Sachverständigen der ZIMB anscheinend nicht vorgelegen hat (vgl. IV-act. 160-8 und 

160-16 ff.). Grundsätzlich sollten den Gutachtern von der Beschwerdegegnerin 

sämtliche im Zeitpunkt einer Begutachtung vorhandenen Akten zur Verfügung gestellt 

werden. Dieser potentielle Mangel spricht dem ZIMB-Gutachten vorliegend aber 

gleichwohl nicht die Beweiskraft ab. Denn immerhin haben sich die Gutachter aufgrund 

der übrigen umfassenden Aktenlage ein zuverlässiges Bild über die medizinische 

Vorgeschichte der Beschwerdeführerin inklusive der Ergebnisse der bereits 

durchgeführten Begutachtung machen können (vgl. dazu IV-act. 160-16 ff.). Den ZIMB-

Gutachtern haben namentlich auch die Stellungnahme der medaffairs-Gutachter vom 

22. bzw. 29. Oktober 2018 sowie die RAD-Zusammenfassungen der Ergebnisse der 

medaffairs-Begutachtung vorgelegen (vgl. IV-act. 160-8 f. und 160-16 ff.). Es ist somit 

nicht anzunehmen, dass die Sachverständigen der ZIMB in Kenntnis des gesamten 

Gutachtens der medaffairs zu einer anderen Beurteilung gelangt wären. 

Zusammenfassend kann somit auf die echtzeitliche Einschätzung der ZIMB-Gutachter 

abgestellt werden, wonach im Zeitpunkt der Untersuchung vom 13. Februar 2019 (zum 

Datum der Untersuchung vgl. IV-act. 160-5) in der angestammten Tätigkeit als 

Reinigungskraft eine 100%ige und in leidensangepassten Tätigkeiten eine 30%ige 

Arbeitsunfähigkeit anzunehmen sei (vgl. IV-act. 160-12 f.).

4.8. 

Die retrospektive Einschätzung, wonach für leidensangepasste Tätigkeiten die 

30%ige Arbeitsunfähigkeit gemittelt bereits im Juli 2016 bestanden habe (vgl. IV-

act. 160-12), ist jedoch, wie bereits erläutert (vgl. E. 4.4), nicht schlüssig (vgl. dazu auch 

die Einwände der Beschwerdeführerin in act. G 1 S. 7 und 4 f.). Vielmehr ist bis Ende 

Juli 2017 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten auszugehen 

(vgl. E. 4.4).

4.9. 

Ob zwischen dem 1. August 2017 und dem 13. Februar 2019 (Tag der 

Begutachtung durch die ZIMB; vgl. IV-act. 160-5) eine höhere als die von der ZIMB 

auch rückwirkend attestierte 30%ige Arbeitsunfähigkeit in leidensangepassten 

Tätigkeiten bestanden hat (vgl. IV-act. 160-12), lässt sich gestützt auf die Aktenlage 

nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststellen. Der Beschwerdeführerin kann 

nicht gefolgt werden, soweit sie eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit aus den Berichten der 

behandelnden Ärzte ableiten will (vgl. act. G 1 S. 8). So kann beispielsweise aus dem 

Umstand, dass die Beschwerdeführerin vom 5. Juni 2018 bis 8. Juni 2018 kurzzeitig 

hospitalisiert worden ist, nicht auf eine andauernde höhere Arbeitsunfähigkeit 

4.10. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 19/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

geschlossen werden, zumal sie die seitens der Ärzte empfohlene Zuweisung an eine 

psychiatrische Klinik bzw. ein Schmerzzentrum zur Etablierung einer neuen 

medikamentösen Therapie explizit abgelehnt hat (vgl. IV-act. 100, 102 f. und 128 f.; vgl. 

dazu ferner act. G 1 S. 4). Auch aus dem von der Beschwerdeführerin angeführten (vgl. 

act. G 1 S. 4) Operationsbericht vom 20. November 2017 betreffend eine Infiltration der 

Bursa trochanterica links ergibt sich keine höhergradige andauernde Arbeitsunfähigkeit 

(vgl. IV-act. 80). Gleiches gilt für den Bericht des Schmerzzentrums des KSSG vom 30. 

November 2017, in welchem die Beschwerdeführerin zur stationären Schmerzmittel-

Umstellung einem Palliativzentrum zugewiesen worden ist (IV-act. 81). In der zur 

Schmerzmittelanpassung erfolgten Hospitalisation vom 22. Januar 2018 bis 2. Februar 

2018 kann ebenfalls kein Beweis für eine länger anhaltende Arbeitsunfähigkeit erblickt 

werden (vgl. IV-act. 82-1). Schliesslich kann die Beschwerdeführerin auch aus dem von 

ihr angeführten (vgl. act. G 1 S. 5, oben) Bericht von Dr. D.___ vom 4. September 2019, 

wonach eine Erwerbstätigkeit als Raumpflegerin mit Leistungsniveau 70 % nicht 

vorstellbar sei (vgl. IV-act. 177-13), nichts zu ihren Gunsten ableiten. Dass in der 

angestammten Tätigkeit als Raumpflegerin keine Arbeitsfähigkeit mehr gegeben ist, 

wird von der Beschwerdegegnerin nicht bestritten (vgl. IV-act. 185). Zur Arbeitsfähigkeit 

in leidensangepassten Tätigkeiten hat sich Dr. D.___ im Bericht vom 4. September 

2019 nicht geäussert (vgl. IV-act. 177-13). Auch von weiteren Abklärungen sind keine 

besseren Erkenntnisse mehr zu erwarten, zumal die Aktenlage die seitens der 

Beschwerdeführerin in Anspruch genommenen Behandlungen bereits ausführlich 

dokumentiert, ohne dass sich daraus jedoch die Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten 

Tätigkeiten für die Zeit zwischen August 2017 und Februar 2019 ableiten lässt. Die 

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erscheint auch aufgrund der von den Gutachtern der 

ZIMB angesprochenen subjektiven Krankheitsüberzeugung der Beschwerdeführerin 

erschwert (vgl. IV-act.160-45, 160-11, unten, und 160-13; zu der im medaffairs-

Gutachten beschriebenen negativen Antwortverzerrung bzgl. Medikamenteneinnahme 

vgl. ferner IV-act. 61-31 f.). Weitere medizinische Abklärungen sind somit aktuell nicht 

angezeigt (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 136 I 236 ff. E. 5.3 und 5.5 mit 

weiteren Hinweisen). Folglich bleibt beweislos, ob im Zeitraum nach Juli 2017 eine 

höhere als die seitens der ZIMB-Gutachter attestierte und vom psychiatrischen 

medaffairs-Gutachter ebenfalls prognostisch in Aussicht gestellte 30%ige 

Arbeitsunfähigkeit vorgelegen hat (vgl. IV-act. 61-114 und 160-12). Die Folgen der 

Beweislosigkeit hat die Beschwerdeführerin zu tragen (vgl. E. 4.3).

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass vom 1. Januar 2017 bis 31. Juli 2017 

von einer 100%igen und ab dem 1. August 2017 von einer 30%igen Arbeitsunfähigkeit 

in optimal leidensangepassten Tätigkeiten auszugehen ist.

4.11. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 20/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

5.  

Ausgehend von der gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung sind in einem 

nächsten Schritt die erwerblichen Auswirkungen der Leistungsbeeinträchtigung zu 

prüfen. Für den Einkommensvergleich sind grundsätzlich die Verhältnisse im Zeitpunkt 

des Beginns des Rentenanspruchs entscheidend (vgl. BGE 129 V 222). Massgebend ist 

somit das Jahr 2017 (vgl. E. 3).

5.1. 

Für das Valideneinkommen ist entscheidend, was die versicherte Person aufgrund 

ihrer beruflichen und persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit im massgebenden Zeitpunkt des allfälligen 

Rentenbeginns verdient hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG; 

BGE 135 V 59 E. 3.1 und 139 V 30 E. 3.3.2, je mit Hinweisen). Gemäss dem Auszug 

aus dem individuellen Konto bei der Sozialversicherungsanstalt (SVA) des Kantons St. 

Gallen hat die Beschwerdeführerin im Jahr 2015 (ab dem 25. Januar 2016 hat die 

Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit bestanden; vgl. IV-act. 1-3, 7-3, 11-1, 

61-29 und 160-12) ein Jahreseinkommen von Fr. 42'518.-- erzielt (IV-act. 9-1), wobei 

ihre wöchentliche Arbeitszeit lediglich ca. 38 Stunden betragen hat (vgl. IV-act. 7-2). 

Angepasst an eine betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden (vgl. 

Anhang 2 der IVG-Gesetzesausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2019) 

ergibt sich ein Jahreseinkommen von gerundet Fr. 46'658.-- (Fr. 42'518.-- / 38 x 41.7). 

Dieses Einkommen gilt es auf das Jahr 2017 zu indexieren (vgl. E. 5.1). Folglich 

resultiert ein Valideneinkommen von gerundet Fr. 47'231.-- (Fr. 46'658.-- / 2686 x 

2719; vgl. Tabelle T 39, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und 

der Reallöhne, 2010-2018, des schweizerischen Bundesamtes für Statistik). Zur 

Ermittlung des Invalideneinkommens kann grundsätzlich auf die Tabelle TA 1 der 

Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik 2016 

abgestellt werden, wobei auch hier eine Indexierung auf das Jahr 2017 vorzunehmen 

ist. Für die im Kompetenzniveau 1 beschäftigten Frauen ergibt sich unter 

Berücksichtigung einer durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden 

in einem Arbeitspensum von 100 % für das Jahr 2017 ein Jahreseinkommen von Fr. 

54'783.-- (vgl. Anhang 2 der IVG-Gesetzesausgabe der Informationsstelle AHV/IV, 

Ausgabe 2019). Bei den LSE-Daten handelt es sich allerdings lediglich um statistische 

Durchschnittswerte, was sich daran zeigt, dass die Beschwerdeführerin im 

vorliegenden Fall als Gesunde in einem Pensum von 100 % ein unter dem LSE-Wert 

liegendes Einkommen erzielt hat. Da die Akten keinerlei Anhaltspunkte dafür liefern, 

dass die Beschwerdeführerin freiwillig auf ein höheres Einkommen verzichtet hat, ist 

anzunehmen, dass die Unterdurchschnittlichkeit ihres Validenlohns auf die für die 

5.2. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 21/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

6.  

Invaliditätsbemessung nicht zu berücksichtigenden Zwänge des realen Arbeitsmarktes 

zurückzuführen ist. Aus diesem Grund ist das Valideneinkommen auf den LSE-Lohn 

anzuheben. Da demnach im vorliegenden Fall sowohl hinsichtlich des hypothetischen 

Valideneinkommens als auch bezüglich des Invalideneinkommens derselbe Lohn für 

ein Pensum von 100 % zugrunde zu legen ist, kann der Einkommensvergleich anhand 

eines sogenannten Prozentvergleichs vorgenommen werden. Dabei entspricht der 

Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit, allenfalls unter Berücksichtigung 

eines Abzugs vom Tabellenlohn (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 10. April 2017, 

9C_804/2016, E. 2.2 mit Hinweis; zum Tabellenlohnabzug vgl. BGE 126 V 75). Gründe, 

die einen Abzug vom Tabellenlohn erforderlich machen würden, sind vorliegend nicht 

ersichtlich. Den psychischen Einschränkungen ist bereits mit der gutachterlichen 

Attestierung einer 30%igen Arbeitsunfähigkeit Rechnung getragen worden (vgl. IV-

act. 160-12). Den von der Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde angeführten 

invaliditätsfremden Faktoren, die vermutungsweise zur Unterdurchschnittlichkeit des 

Valideneinkommens geführt haben (vgl. act. G 1 S. 9 f.), wird bereits mit der Anhebung 

des Validenlohns im Rahmen des Einkommensvergleichs ausreichend Rechnung 

getragen.

Bei einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 100 %, wie er im Zeitraum vom 1. Januar 

2017 bis 31. Juli 2017 vorgelegen hat, resultiert nach dem Gesagten ein 

Invaliditätsgrad von 100 % und somit ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. Bei 

einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 30 %, wie er ab dem 1. August 2017 anzunehmen 

ist, ergibt sich ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 30 %. Selbst bei 

Anerkennung eines Tabellenlohnabzugs von 10 % würde die rentenbegründende 

Schwelle von 40 % nicht erreicht (30 % + [0.1 x 70 %]). Die Beschwerdeführerin hat 

folglich ab dem 1. August 2017 grundsätzlich keinen Anspruch mehr auf eine 

Invalidenrente. Allerdings ist die ganze Rente unter Berücksichtigung der 

Übergangsfrist von Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; 

SR 831.201) während dreier Monate weiterhin auszurichten. Folglich besteht ein 

Anspruch auf eine ganze Invalidenrente für den Zeitraum vom 1. Januar 2017 bis 31. 

Oktober 2017.

5.3. 

Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde teilweise gutzuheissen ist 

und die Beschwerdeführerin für die Dauer vom 1. Januar 2017 bis 31. Oktober 2017 

einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat. Die Sache ist zur Festsetzung und 

Ausrichtung der geschuldeten Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

6.1. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 22/22

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung insofern 

abgeändert, als der Beschwerdeführerin eine ganze Invalidenrente für die Zeit vom 1. 

Januar 2017 bis 31. Oktober 2017 zugesprochen wird. Die Sache wird zur Festsetzung 

und Ausrichtung der geschuldeten Leistungen an die Beschwerdegegnerin 

zurückgewiesen. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen.

2.

Die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- hat die Beschwerdegegnerin im Umfang von Fr. 

200.-- und die Beschwerdeführerin im Umfang von Fr. 400.-- zu bezahlen. Der 

geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin im Umfang von 

Fr. 400.-- daran angerechnet und im Umfang von Fr. 200.-- zurückerstattet.

3.

Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von Fr. 

1'350.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 

1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint 

als angemessen. Die Beschwerdeführerin hat gemessen am Antrag um Zusprache 

einer unbefristeten ganzen Rente (vgl. act. G 1 S. 2 und 12 S. 2) nur in 

untergeordnetem Ausmass obsiegt. Ihr sind daher ermessensweise 2/3 der Kosten, 

d.h. Fr. 400.--, aufzuerlegen. Den Restbetrag von Fr. 200.-- hat die 

Beschwerdegegnerin zu bezahlen, und der Beschwerdeführerin ist der geleistete 

Kostenvorschuss in diesem Umfang zurückzuerstatten.

6.2. 

bis

Da die Beschwerdeführerin teilweise obsiegt, hat sie einen reduzierten Anspruch 

auf eine Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, 

wobei insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu 

tragen ist (vgl. Art. 61 lit. g ATSG). Unter Berücksichtigung vergleichbarer Fälle und 

entsprechend dem Ausmass des Obsiegens rechtfertigt sich vorliegend eine 

Parteientschädigung von pauschal Fr. 1'350.--. Die Beschwerdegegnerin hat die 

Beschwerdeführerin somit mit Fr. 1‘350.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) 

zu entschädigen.

6.3. 

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 05.07.2021
	Art. 28 IVG: Gestützt auf die medizinische Aktenlage ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in einer leidensangepassten Tätigkeit bis zum 31. Juli 2017 zu 100 % arbeitsunfähig gewesen ist und ab dem 1. August 2017 weiterhin zumindest 30 % arbeitsunfähig ist. Ob nach dem 31. Juli 2017 bis zur Begutachtung durch die ZIMB anfangs 2019 allenfalls sogar eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 30 % vorgelegen hat, bleibt beweislos. Die Folgen der Beweislosigkeit hat die Beschwerdeführerin zu tragen. Anspruch auf eine befristete ganze Rente bejaht (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 5. Juli 2021, IV 2020/95).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2024-05-27T01:35:31+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen