# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a097abba-521f-515b-9027-eda5370a6c86
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-11-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.11.2022 D-4936/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4936-2022_2022-11-09.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4936/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  9 .  N o v e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Einzelrichterin Jeannine Scherrer-Bänziger, 

mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer;   

Gerichtsschreiber Stefan Weber. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (...), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Claudia Peter, 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 29. September 2022 / N (...). 

 

 

 

D-4936/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer – ein ethnischer B._______ aus C._______ – 

suchte am (...) um Asyl in der Schweiz nach. In der Folge wurde er dem 

Bundesasylzentrum (BAZ) der Region D._______ zugewiesen. 

A.b Das SEM führte am 8. August 2022 mit dem Beschwerdeführer eine 

Erstbefragung für unbegleitete Minderjährige (EB UMA) durch und hörte 

ihn am 15. September 2022 vertieft zu seinen Asylgründen an. 

Dabei brachte der Beschwerdeführer vor, er habe bis zu seiner Ausreise in 

C._______ gelebt und bis zur (...) Klasse die Schule besucht. Nach dem 

Tod seines (Nennung Verwandter) sei er in einer (Nennung Geschäft) tätig 

gewesen, um die Familie zu ernähren. Sein (Nennung Verwandter) sei vor 

vielen Jahren Mitglied der E._______ gewesen und habe deswegen seine 

Waffe zuhause aufbewahrt. Sein (Nennung Verwandter) habe in F._______ 

mit (Nennung Tätigkeit) und mit den dortigen M._______ Beziehungen ge-

pflegt. Wegen dieser Beziehungen hätten die Taliban seinem (Nennung 

Verwandter) vorgeworfen, ein Spion zu sein, und ihn vor (Nennung Zeit-

punkt) umgebracht. Dabei sei auch sein (Nennung Verwandter) von den 

Taliban getötet worden. Ungefähr (Nennung Zeitpunkt) hätten die Taliban 

begonnen, die Häuser in ihrer Wohngegend zu durchsuchen. Um die Um-

gebung zu kontrollieren, hätten sie Wachen aufgestellt. Sein Nachbar 

G._______ habe sich vor den Taliban verstecken müssen. Seine Mutter 

habe G._______ bei ihnen zuhause Zuflucht gewährt, worauf sich 

G._______ in (Nennung Örtlichkeit) versteckt habe. Am nächsten Tag sei 

ihr Haus von den Taliban durchsucht und dabei G._______ und die Waffe 

seines (Nennung Verwandter) gefunden worden. Die Taliban hätten 

G._______ und die Waffe mitgenommen und seiner Mutter gesagt, dass 

sie das männliche Familienoberhaupt ausfindig machen würden. Seine 

Mutter habe ihn am Arbeitsplatz angerufen und gewarnt, er solle nicht mehr 

nach Hause kommen. Als männliches Oberhaupt der Familie "gehöre" ihm 

die gefundene Waffe seines (Nennung Verwandter), weshalb die Taliban 

ihn verdächtigten würden, ein Spion zu sein oder für die Regierung gear-

beitet zu haben. Ausserdem hätten sie Probleme mit den B._______ und 

würden einen Vorwand suchen. Nach dem Telefonat mit seiner Mutter habe 

er seine Kleider bei der Arbeit gewechselt und sei direkt von der nächsten 

Busstation über H._______ aus Afghanistan ausgereist. Während seines 

Aufenthalts in I._______ habe ihm seine Mutter mitgeteilt, dass er von den 

Taliban erneut zuhause gesucht worden sei. Seine Mutter habe einen 

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Drohbrief mit dem Befehl seiner Festnahme erhalten. Sein (Nennung Ver-

wandter) habe ihm ein Foto dieses Drohbriefes auf sein Handy geschickt. 

In J._______ hätten ihm Polizisten aber sein Handy weggenommen. Seine 

Mutter und sein etwa (...)-jähriger (Nennung Verwandter) würden sich nun 

in K._______ bei seiner (Nennung Verwandte) aufhalten. 

A.c Am 27. September 2022 unterbreitete das SEM dem Beschwerdefüh-

rer einen ablehnenden Entscheidentwurf zur Stellungnahme. Der Be-

schwerdeführer äusserte sich dazu am 28. September 2022. 

B.  

Mit Verfügung vom 29. September 2022 – gleichentags eröffnet – stellte 

das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

nicht, lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung an, nahm 

den Beschwerdeführer jedoch wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungs-

vollzugs in der Schweiz vorläufig auf. Ferner wies es den Beschwerdefüh-

rer dem Kanton L._______ zu, beauftragte diesen mit der Umsetzung der 

vorläufigen Aufnahme und hielt fest, einer allfälligen Beschwerde gegen die 

Kantonszuweisung komme keine aufschiebende Wirkung zu. 

C.  

Der Beschwerdeführer focht diese Verfügung mit Beschwerde vom 28. Ok-

tober 2022 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragt, es seien die 

Dispositivziffern 1 bis 3 der angefochtenen Verfügung aufzuheben und das 

SEM sei anzuweisen, ihn als Flüchtling anzuerkennen und ihm in der 

Schweiz Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersucht er um unent-

geltliche Prozessführung samt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses. 

D.  

Am 31. Oktober 2022 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht dem Be-

schwerdeführer den Eingang der Beschwerde. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – 

endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). 

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1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-

rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-

reichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 Verordnung über 

Massnahmen im Asylbereich im Zusammenhang mit dem Coronavirus [Co-

vid-19-Verordnung Asyl, SR 142.318] und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzu-

treten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur 

summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf 

Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwech-

sels verzichtet. 

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer rügt, dass sich das SEM bei der Prüfung der 

Glaubhaftigkeit damit begnügt habe, den Fokus auf die Geschehnisse 

nach seiner Ausreise zu legen. Es habe weder die fluchtrelevanten Vor-

fälle, bei denen er selbst anwesend gewesen sei (mithin seine Vorflucht-

gründe) einer Glaubhaftigkeitsprüfung unterzogen noch seine persönliche 

Glaubwürdigkeit gewürdigt.  

 

Nachdem die Vorinstanz die Vorfluchtgründe des Beschwerdeführers res-

pektive die Geschehnisse vor seiner Ausreise nicht in Frage gestellt, diese 

mithin als glaubhaft erachtet hat, erübrigte sich in diesem Zusammenhang 

eine (weitergehende) Prüfung unter dem Aspekt der Glaubhaftigkeit oder 

ein Eingehen auf die Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers. Soweit der 

Beschwerdeführer Argumente für seine Glaubwürdigkeit im Zusammen-

hang mit seinem Verhalten im Allgemeinen (Befolgen der Mitwirkungs-

pflicht) und seinen Aussagen betreffend die Ereignisse nach seiner Aus-

reise anführt (vgl. Beschwerdeschrift S. 6, 3. Abschnitt), ist anzumerken, 

dass das SEM nicht gehalten ist, sich in denjenigen Fällen, in welchen wie 

vorliegend die Mitwirkungspflichten eingehalten werden – was die überwie-

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gende Mehrheit aller Fälle betrifft –, standardmässig jeweils zur persönli-

chen Glaubwürdigkeit zu äussern. Sodann hat das SEM die Aussagen des 

Beschwerdeführers zu Geschehnissen nach seiner Ausreise – entgegen 

der in der Beschwerde vertretenen Ansicht – teilweise als widersprüchlich 

erachtet (vgl. SEM act. 1182779-22/13 [nachfolgend: act. 13], S. 6, letzter 

Abschnitt). Der Beschwerdeführer vermag demnach aus dieser Rüge 

nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. 

4.2 Im Weiteren rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung der Begrün-

dungspflicht, mithin des rechtlichen Gehörs. Er macht geltend, dass die 

Vorinstanz seine Ausführungen in der Stellungnahme vom 28. September 

2022 zur Glaubhaftigkeit in ihrer Begründung nicht mitberücksichtigt habe. 

So habe er beispielsweise in seiner Stellungnahme erklärt, dass sein (Nen-

nung Verwandter) das Foto des Drohbriefes aus Sicherheitsgründen ge-

löscht habe. Trotzdem habe das SEM diesbezüglich festgehalten, es wäre 

ihm möglich gewesen, dieses Foto noch einmal von seinem (Nennung Ver-

wandter) erhältlich zu machen und so den Drohbrief als Beweismittel ab-

zugeben. 

Der Vorwurf einer Verletzung der Begründungspflicht erweist sich als un-

begründet. In der angefochtenen Verfügung hat das SEM nachvollziehbar 

und im Einzelnen hinreichend differenziert aufgezeigt, von welchen Über-

legungen es sich leiten liess, so auch gerade mit Blick auf die Möglichkeit 

der Beibringung eines Beweismittels im Zusammenhang mit dem besagten 

Drohbrief. Es hat sich auch mit sämtlichen wesentlichen Vorbringen des 

Beschwerdeführers auseinandergesetzt (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 

2009/35 E. 6.4.1; BGE 143 III 65 E. 5.2). Der blosse Umstand, dass der 

Beschwerdeführer die Auffassung des SEM nicht teilt, ist keine Verletzung 

der Begründungspflicht, sondern eine materielle Frage. Zudem war es dem 

Beschwerdeführer möglich, sich ein Bild über die Tragweite des vorinstanz-

lichen Entscheides zu machen und diesen – wie die vorliegende Be-

schwerde zeigt – sachgerecht anzufechten (vgl. BGE 129 I 232 E. 3.2; 126 

I 97 E. 2b). 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

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Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die 

Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen 

Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier 

verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; BVGE 2012/5 E. 2.2). 

6.  

6.1 Das SEM führt zur Begründung seiner Verfügung an, es sei nicht aus-

zuschliessen, dass es kurz nach der Machtübernahme der Taliban zu 

Hausdurchsuchungen gekommen sei, um regierungsnahe Personen auf-

zuspüren. Der Beschwerdeführer habe jedoch bis zum Moment der Haus-

durchsuchung weder direkten Kontakt zu den Taliban noch Schwierigkeiten 

mit denselben gehabt. Laut seinen Angaben hätten die Taliban alle Häuser 

in der Umgebung durchsucht, was nicht einer gezielten sondern einer will-

kürlichen Kontrolle gleiche. Sein Vorbringen, er sei ins Visier der Taliban 

geraten, weil seine Familie einen benachbarten (Nennung Person) bei sich 

versteckt habe, stelle eine blosse Vermutung dar. Er habe nicht überzeu-

gend darlegen können, dass die Taliban deswegen an ihm überaus inte-

ressiert gewesen wären. Zur Befürchtung, wegen des Funds der Waffe sei-

nes (Nennung Verwandter) und dessen ehemaligen Tätigkeiten verfolgt zu 

werden, sei festzuhalten, dass Familienangehörige von missliebigen Per-

sonen von Übergriffen betroffen sein könnten. Ein systematisches Vorge-

hen der Taliban in diesem Zusammenhang sei jedoch nicht erkennbar. Das 

Bestehen einer begründeten Furcht vor einer flüchtlingsrechtlich relevan-

ten Reflexverfolgung sei deshalb nur bei Vorliegen von besonderen Um-

ständen gegeben. Dies sei hier nicht der Fall. Der Beschwerdeführer habe 

selber bestätigt, dass weder er noch seine Familie aufgrund der früheren 

Zugehörigkeit seines (Nennung Verwandter) zur E._______ und dessen 

Beziehungen zu den M._______ in all den Jahren jemals Probleme mit den 

Taliban gehabt habe. Aus der Tötung seines (Nennung Verwandter) und 

(Nennung Verwandter) lasse sich keine gezielte, flüchtlingsrechtlich rele-

vante Verfolgung seiner Person ableiten, zumal nicht ersichtlich sei, dass 

die Taliban ein ausgeprägtes und ungebrochenes Interesse an seiner Fest-

nahme hätten. Vielmehr sei er lediglich kurzerhand in den Fokus der Tali-

ban geraten, weil seine Familie G._______ versteckt gehalten und die Ta-

liban dabei die Waffen seines (Nennung Verwandter) vorgefunden hätten. 

Ferner sei nicht von einer Kollektivverfolgung der Volksgruppe der 

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B._______ durch Dritte oder den Taliban auszugehen. Die Befürchtung ei-

nes allfälligen Spionagevorwurfs seitens der Taliban erweise sich als 

blosse Mutmassung, da eine direkte Verbindung zu einer möglichen Tätig-

keit als Spion oder für die Regierung objektiv nicht ersichtlich sei. Aus sei-

nen Ausführungen könne davon ausgegangen werden, dass die Taliban bis 

vor dem Ereignis der Hausdurchsuchung nichts von seiner Person gewusst 

hätten. Insgesamt sei ein konkretes Verfolgungsinteresse der Taliban am 

Beschwerdeführers zu verneinen.  

 

Sodann vermöchten die Aussagen, wonach er nach seiner Ausreise von 

den Taliban gezielt gesucht und ein Drohbrief nach Hause zugestellt wor-

den sei, infolge vager und unsubstanziierter Angaben nicht zu überzeugen. 

Die Ausführungen in der Stellungnahme zum Entscheidentwurf liessen 

keine andere Einschätzung zu. Bezüglich der gerügten Einschätzung der 

Glaubhaftigkeit sei festzuhalten, dass dem Beschwerdeführer die Gelegen-

heit eingeräumt worden sei, Stellung zum später vorgebrachten Drohbrief 

zu nehmen. Ausserdem würden seine Angaben über seine Bedrohungssi-

tuation praktisch ausschliesslich auf einem Telefongespräch mit seiner 

Mutter beruhen. Praxisgemäss vermöchten Auskünfte von Drittpersonen 

für sich alleine keine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung zu be-

gründen (mit Verweis auf das Urteil des BVGer E-801/2015 vom 6. Oktober 

2017 E. 3.7). 

6.2 Der Beschwerdeführer entgegnet in seiner Rechtsmitteleingabe, seine 

Aussagen zu den fluchtrelevanten Vorfällen seien substanziiert, schlüssig 

und plausibel ausgefallen. Bei den Aussagen zum Zeitpunkt, wann seine 

Familie C._______ verlassen habe, handle es sich nicht um einen Wider-

spruch. Wohl sei einzuräumen, dass er es nicht genau wisse. Gründe dafür 

seien der Umstand, dass er sich nach seiner Flucht nur telefonisch mit sei-

nen Angehörigen habe unterhalten können und ihm das Wissen um das 

Wohlbefinden und die Sicherheit seiner Familie viel wichtiger gewesen sei. 

Zudem könne unter Beachtung der schwierigen interkulturellen Kommuni-

kation "eine Weile" durchaus (Nennung Dauer) bedeuten. Sodann habe die 

Vorinstanz die einzelnen Anhaltspunkte, die ihm ein Gefährdungsprofil ver-

leihen würden, isoliert beurteilt. Da seine Familie wegen seines (Nennung 

Verwandter) bereits einmal ins Visier der Taliban geraten sei, müsse dies 

vor dem Hintergrund der weiteren Geschehnisse (Verstecken des flüchti-

gen Nachbars G._______; Auffinden der Waffe[n] seines (Nennung Ver-

wandter)) als risikoschärfend erachtet werden. Daher sei auch irrelevant, 

dass er vor der Hausdurchsuchung der Taliban seit dem Tod seines (Nen-

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Seite 8 

nung Verwandter) und seines älteren (Nennung Verwandter) keine Prob-

leme gehabt habe. Seine subjektive Furcht (Angst vor dem Vorwurf der 

Spionage) sei auch objektiv begründet, da ihn die Taliban als männliches 

Familienoberhaupt hätten ausfindig machen wollen und er aus deren Sicht 

für das Verstecken eines Oppositionellen sowie das Halten von Waffen ver-

antwortlich gewesen sei. Zudem sei ein Drohbrief ausgehändigt worden 

und seine Mutter und sein (Nennung Verwandter) hätten C._______ da-

raufhin verlassen. Vor dem Hintergrund des entsprechenden Länderkon-

textes hätte das SEM zum Schluss kommen müssen, dass hinreichende 

Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung seiner Person vorhanden 

seien. Weiter sei seine Zugehörigkeit zur Ethnie der B._______ ein weite-

res Indiz, dass er aus Sicht der Taliban für einen Oppositionellen gehalten 

werde. 

7.  

7.1 Entsprechend der Lehre und Praxis ist für die Anerkennung der Flücht-

lingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person ernsthafte 

Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche 

im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrschein-

lichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nachteile müssen 

der asylsuchenden Person gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungs-

motive drohen oder zugefügt worden sein. Weiter ist massgeblich, ob die 

geltend gemachte Gefährdungslage noch aktuell ist (vgl. BVGE 2007/31 

E. 5.2 f.; 2008/4 E. 5.2, jeweils m.w.H.). Ob eine begründete Furcht vor 

künftiger Verfolgung vorliegt, ist aufgrund einer objektivierten Betrach-

tungsweise zu beurteilen. Es müssen hinreichende Anhaltspunkte für eine 

konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in der glei-

chen Lage Furcht vor Verfolgung hervorrufen würden. Die objektive Be-

trachtungsweise ist durch das vom Betroffenen bereits Erlebte und das 

Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer be-

reits (staatlichen) Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat objektive 

Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2011/50 

E. 3.1.1; 2011/51 E. 6; 2008/4 E. 5.2, je m.w.H). 

7.2 Nicht jede Drohung durch die Taliban ist – mit Blick auf das allfällige 

Vorliegen einer begründeten Furcht vor künftiger Verfolgung – als asylrele-

vant im Sinne des Art. 3 AsylG zu erachten. Die Drohungen müssen gezielt 

gegen den Beschwerdeführer gerichtet sein und eine asylrelevante Inten-

sität aufweisen, was das SEM in der angefochtenen Verfügung im Resultat 

zu Recht verneint hat. Die geltend gemachten Bedrohungen durch die Ta-

liban sind angesichts des – auch bei Wahrunterstellung der Vorbringen – 

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doch sehr geringen Profils des Beschwerdeführers nicht hinreichend inten-

siv und konkret, als hieraus eine begründete Furcht vor künftiger Verfol-

gung abgeleitet werden könnte. Es erscheint unwahrscheinlich, dass die 

Taliban, nachdem sie den Angaben zufolge im Haus der Familie eine Waffe 

respektive die Waffen des (Nennung Verwandter) gefunden haben, darauf 

geschlossen hätten, der im damaligen Zeitpunkt erst rund (...)-jährige Be-

schwerdeführer habe sich an einem Kampf gegen sie in seiner Herkunfts-

region beteiligt oder sei als Spion oder für die Regierung tätig gewesen, 

weshalb sie nun versuchen würden, seiner habhaft zu werden. Das Glei-

che gilt auch für den Umstand, dass die Mutter im Haus einen flüchtigen 

(Nennung Person) versteckt haben soll. Soweit der Beschwerdeführer in 

diesem Zusammenhang wiederholt auf den seiner Ansicht nach risiko-

schärfenden Umstand verweist, dass seine Familie wegen seines (Nen-

nung Verwandter) bereits einmal im Visier der Taliban gestanden sei, ver-

mag er daraus nichts zu seinen Gunsten herzuleiten. So wäre – diesem 

Argument folgend – vielmehr anzunehmen, dass die Taliban über die Ge-

schichte seiner Familie im Bilde gewesen wären und die beschlagnahmte 

Waffe – nachdem G._______ verneint habe, deren Besitzer zu sein (vgl. 

SEM act. 1182779-18/15 [nachfolgend: act. 18], F28) – seinem (Nennung 

Verwandter) und nicht ihm selber zugeordnet hätten. Ohnehin ist, wie die 

Vorinstanz zutreffend erörterte, davon auszugehen, dass der Beschwerde-

führer den Taliban bis zur erwähnten Hausdurchsuchung nicht bekannt 

war, nachdem er bis dahin weder jemals direkten Kontakt mit ihnen hatte 

noch in seiner Nachbarschaft irgendwelche Schwierigkeiten aufgetreten 

waren (vgl. act. 18, F59; F78). Aus den Akten ist denn auch nicht ersicht-

lich, dass die Taliban als Folge der Hausdurchsuchung Anstalten getroffen 

hätten, den Beschwerdeführer an seinem Ausbildungs- und Arbeitsplatz 

aufzusuchen oder auch nur seine Mutter zu fragen, wo er sich aktuell auf-

halte, was für sie ohne grossen Aufwand zu bewerkstelligen gewesen wäre 

und auch nahegelegen hätte, wäre der Beschwerdeführer tatsächlich im 

Visier der Taliban gestanden. Indem sie seiner Mutter lediglich gesagt ha-

ben sollen, sie wollten das männliche Familienoberhaupt ausfindig machen 

(vgl. act. 18, F29) respektive sie müsse ihren Sohn den Taliban aushändi-

gen (vgl. act. 18, F53), räumten sie aber seiner Familie faktisch die Mög-

lichkeit ein, ihn zu warnen und sich rechtzeitig vor einer allfälligen Ergrei-

fung in Sicherheit zu bringen. Der Beschwerdeführer brachte auf konkrete 

Nachfrage nach der Motivation der Taliban, ihn zu ergreifen, bloss in pau-

schaler Weise vor, weil er das männliche Familienoberhaupt gewesen sei 

(vgl. act. 18, F54). Sodann will der Beschwerdeführer von der Hausdurch-

suchung der Taliban und deren Nachfrage nach seiner Person (vor seiner 

Ausreise) sowie deren Suche nach ihm und der Abgabe eines Drohbriefes 

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Seite 10 

(nach seiner Ausreise) ausschliesslich über das Telefon von seiner Mutter 

erfahren haben. Jedoch reicht der Umstand, dass eine Person von Dritt-

personen erfährt, dass sie gesucht wird, für sich alleine nicht aus, eine be-

gründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung zu belegen (vgl. Urteil des 

BVGer E-801/2015 vom 6. Oktober 2017 E. 3.7 m.w.H.). Im Weiteren blie-

ben die Ausführungen des Beschwerdeführers zur angeblichen Suche 

nach ihm nach seiner Ausreise und der Abgabe eines Drohbriefs vage und 

unsubstanziiert. Die vorinstanzlichen Schlussfolgerungen in diesem Punkt 

sind zu bestätigen, weshalb zur Vermeidung von Wiederholungen auf die 

Ausführungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden kann (vgl. 

act. 22, S. 6). Der Beschwerdeführer vermag auf Beschwerdeebene die 

widersprüchlichen Angaben zum Zeitpunkt, wann seine Familie C._______ 

verlassen habe, nicht überzeugend zu erklären, zumal er auch bei einem 

bloss telefonischen Kontakt die entsprechenden Informationen von seiner 

Familie hätte erhältlich machen können. Wenig überzeugend bleibt auch 

der Hinweis, dass ihm das Wissen um das Wohlbefinden seiner Familie 

viel wichtiger gewesen sei, als Informationen über eine mögliche Verfol-

gung seiner Person zu erhalten. Sodann vermochte er die tatsächliche Zu-

stellung des besagten Drohbriefs weder zu belegen noch hat er Bemühun-

gen offengelegt, diesen (wieder) erhältlich zu machen. 

7.3 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, auch seine Zugehörigkeit 

zur Ethnie der B._______ lasse ihn aus der Sicht der Taliban als Oppositi-

onellen erscheinen, ist zwar nicht in Abrede zu stellen, dass sich die Situ-

ation der B._______ in Afghanistan nach der Machtübernahme der Taliban 

schwierig präsentieren kann. Gemäss der Rechtsprechung des Bundes-

verwaltungsgerichts ist indessen nach wie vor nicht von einer Kollektivver-

folgung von B._______ in Afghanistan auszugehen (vgl. Urteil des BVGer 

E-1060/2022 vom 22. März 2022 E. 6.2.1). Die blosse Zugehörigkeit zur 

Ethnie der B._______ ist daher auch unter Berücksichtigung der aktuellen 

Machtverhältnisse in Afghanistan nicht ausreichend, um zur Anerkennung 

der Flüchtlingseigenschaft zu führen. Aus dem allgemein gehaltenen Hin-

weis des Beschwerdeführers, es bestehe seitens der Taliban eine lange 

Feindseligkeit gegen die B._______ und die (...) Konfessionen, weshalb 

sie Probleme mit den B._______ hätten und einen Vorwand suchen wür-

den (vgl. act. 18, F76), lässt sich auch kein konkretes Verfolgungsinteresse 

der Taliban an seiner Person herleiten. Ebenso lassen die Ausführungen 

auf Beschwerdeebene nicht auf eine Verfolgungsfurcht aufgrund der Eth-

nie schliessen. 

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Seite 11 

7.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorbringen des Be-

schwerdeführers nicht geeignet sind, eine asyl- respektive flüchtlingsrecht-

lich relevante Verfolgung respektive eine entsprechende Verfolgungsfurcht 

zu begründen. Die Vorinstanz hat deshalb zur Recht die Flüchtlingseigen-

schaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt.  

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländer-

rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung 

einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht ange-

ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.2 Nachdem das SEM den Beschwerdeführer mit der angefochtenen Ver-

fügung wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz 

vorläufig aufgenommen hat, stellt sich die Frage nach dem Vorliegen der 

weiteren Voraussetzungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegwei-

sung – Unzulässigkeit und Unmöglichkeit – nicht, da diese Vollzugshinder-

nisse alternativer Natur sind; ist eines erfüllt, gilt der Vollzug der Wegwei-

sung als undurchführbar (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu 

beanstanden ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

10.1 Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Erlass des 

Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. 

10.2 Die Beschwerde ist in Anbetracht der vorstehenden Erwägungen als 

aussichtslos zu erachten. Das in der Beschwerde gestellte Gesuch um Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 

VwVG ist daher ungeachtet der geltend gemachten prozessualen Bedürf-

tigkeit des Beschwerdeführers abzuweisen. Bei diesem Ausgang des Ver-

fahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 

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Seite 12 

1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1-3 des Regle-

ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-4936/2022 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Jeannine Scherrer-Bänziger Stefan Weber 

 

 

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