# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ecb3a77e-7c85-5885-8e2f-c88771bea9fe
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-10
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 10.01.2023 SST.2022.102
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-102_2023-01-10.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 2. Kammer 

 

SST.2022.102 
(ST.2021.45; StA.2021.1393) 

 

 

Urteil vom 10. Januar 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Plüss, Präsidentin  

Oberrichter Cotti  

Oberrichter Holliger    

Gerichtsschreiberin L. Stierli 

 

 
   

Anklägerin   Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau, 

Frey-Herosé-Strasse 20, 5001 Aarau  

 

    
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.1966, von Steinhausen, 

[…] 

verteidigt durch Rechtsanwalt Samuel Egli,  

[…]   

 

 
 

Gegenstand  Einfache Körperverletzung 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten erliess am 7. Oktober 2021 

folgenden Strafbefehl gegen den Beschuldigten: 

 

"Sachverhalt: 
 
1.  
Einfache Körperverletzung mit einer Waffe, bzw. einem gefährlichen 
Gegenstand 
(Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB) 
 
Der Beschuldigte hat vorsätzlich, d.h. mit Wissen und Willen, mit einer 
Waffe bzw. einem gefährlichen Gegenstand einen Menschen in anderer 
Weise an Körper oder Gesundheit geschädigt.  
 
2. 
Drohung 
(Art. 180 Abs. 1 StGB) 
 
Der Beschuldigte hat vorsätzlich, d.h. mit Wissen und Willen, jemanden 
durch schwere Drohung in Schrecken oder Angst versetzt. 
 
Begangen: 
Ort: Q. 
Zeit: Montag, 12. April 2021, 14.30 Uhr 
 
Vorgehen: Zur obgenannten Zeit kam es an der beschriebenen Örtlichkeit 
zwischen dem Beschuldigten und dem Zivil- und Strafkläger zur 
handfesten Auseinandersetzung, wobei der Beschuldigte ein Messer offen 
in der rechten Hand mitführte. Dazu kam es nach unmittelbar 
vorangegangenen gegenseitigen averbalen Provokationen, als sich beide 
mit ihren Fahrzeugen kreuzten.  
 
Nachdem beide ihre Fahrzeuge gestoppt hatten, stiegen beide aus den 
Fahrzeugen aus, wobei der Beschuldigte bereits in diesem Moment das 
besagte Messer offen in der rechten Hand mitführte und drohend gegen 
den Zivil- und Strafkläger richtete. Kurz darauf entbrannte zwischen dem 
Beschuldigten und dem Zivil- und Strafkläger eine gegenseitige 
Schubserei/Rangelei, wobei der Beschuldigte den Zivil- und Strafkläger 
u.a. mit dem Messer verletzte. Der Beschuldigte hat dem Zivil- und 
Strafkläger während der Dauer der tätlichen Auseinandersetzungen 
folgende Verletzungen zugefügt: 
 

 Eine schwalbenschwanzförmige Stichverletzung an der linken 
Oberarmseite 

 Oberflächliche Schnittverletzungen am rechten Handrücken und an der 
rechten Handgelenkdaumenseite 

 Feinstreifige Hautrötungen am rechten Unterarm und am Halsansatz 
rechts 

 Kratzartige Hautabschürfungen am linken Handrücken 

 Gering geschwollene Unterlippe linksseitige mit einer feinstreifigen 
Oberhautläsion 

 - 3 - 

 

 

 
Der Beschuldigte hat vorsätzlich, zumindest aber eventualvorsätzlich 
gehandelt. Denn wer bei einer tätlichen Auseinandersetzung ein Messer 
offen in der Hand mitführt, der muss aufgrund der allgemeinen 
Lebenserfahrung davon ausgehen, dass er sein Gegenüber damit 
verletzen kann. 
 
Der Beschuldigte hat zudem den Zivil- und Strafkläger mit seiner 
drohenden Messerhaltung zu Beginn der Auseinandersetzung in 
Schrecken und Angst versetzt.  
 
Zivil- und Strafkläger: D., in R. 

v.d. lic.iur. Huser Daniel, […] 
 

Strafantrag wurde am 6. Mai 2021 gestellt." 

 

Die Staatsanwaltschaft verurteilte den Beschuldigten dafür mit einer 

bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 110.00, Probezeit 2 Jahre, 

und einer Busse von Fr. 2'500.00. 

 

1.2. 

Gegen diesen Strafbefehl erhob der Beschuldigte am 25. Oktober 2021 

Einsprache.  

 

1.3. 

Am 22. November 2021 überwies die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten 

den Strafbefehl samt Akten dem Bezirksgericht Muri zur Durchführung des 

Hauptverfahrens und erhob den Strafbefehl zur Anklageschrift.  

 

2. 

2.1. 

Am 15. März 2022 fand die Hauptverhandlung vor dem Gerichtspräsidium 

Muri statt mit Befragung des Zivil- und Strafklägers sowie des 

Beschuldigten. Unter gleichem Datum sprach der Gerichtspräsident den 

Beschuldigten vom Vorwurf der Drohung nach Art. 180 Abs. 1 StGB frei 

und verurteilte ihn wegen einfacher Körperverletzung mit einer Waffe bzw. 

einem gefährlichen Gegenstand i.S.v. Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB mit einer 

bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu Fr. 100.00 und einer Busse 

von Fr. 1'000.00 bei einer Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen. Ferner wurde 

der Beschuldigte verpflichtet, dem Zivil- und Strafkläger Fr. 154.65 

Schadenersatz und eine Genugtuung von Fr. 500.00 zu bezahlen, je 

zuzüglich Zins seit dem 12. April 2021.  

 

2.2. 

Gegen dieses vorab im Dispositiv zugestellte Urteil meldete der 

Beschuldigte am 20. März 2022 Berufung an. Das begründete Urteil wurde 

ihm am 4. Mai 2022 zugestellt.  

 

 - 4 - 

 

 

2.3. 

Mit Berufungserklärung vom 24. Mai 2022 beantragte der Beschuldigte 

einen zusätzlichen Freispruch vom Vorwurf der einfachen Körper-

verletzung mit einer Waffe bzw. einem gefährlichen Gegenstand. Die 

Zivilforderung sei abzuweisen, eventuell auf den Zivilweg zu verweisen. 

Ferner beantragte er eine Entschädigung für die erstinstanzlichen 

Anwaltskosten im Betrag von Fr. 4'343.40 sowie eine Genugtuung von 

Fr. 400.00. Die Kosten des erst- und zweitinstanzlichen Verfahrens seien 

auf die Staatskasse zu nehmen. Gleichzeitig begehrte er die Befragung von 

B. und der Gutachterin C.. 

 

2.4. 

Mit Verfügung vom 21. Juni 2022 stellte der Verfahrensleiter fest, dass der 

Zivil- und Strafkläger am Berufungsverfahren nicht mehr als Partei 

teilnimmt und ordnete im Einvernehmen mit den Parteien das schriftliche 

Berufungsverfahren an. 

 

2.5. 

Am 14. Juli 2022 begründete der Beschuldigte seine Berufung. Mit 

Berufungsantwort vom 28. Juli 2022 beantragte die Staatsanwaltschaft die 

kostenfällige Abweisung der Berufung. Der Beschuldigte replizierte mit 

Eingabe vom 18. August 2022. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Berufung richtet sich gegen den vorinstanzlichen Schuldspruch wegen 

einfacher Körperverletzung mit einer Waffe bzw. einem gefährlichen 

Gegenstand und entsprechend auch gegen den Zivil- und Kostenpunkt. 

Unangefochten geblieben und deshalb nicht mehr zu überprüfen ist der 

vorinstanzliche Freispruch vom Vorwurf der Drohung (Art. 404 Abs. 1 

StPO).  

 

2. 

2.1. 

Die Vorinstanz ging in Würdigung der Personal- und Sachbeweise davon 

aus, dass der Beschuldigte D. im Rahmen einer tätlichen 

Auseinandersetzung vom 12. April 2021 eventualvorsätzlich mit einem 

Messer verletzt und ihm die weiteren in der Anklageschrift erwähnten 

Verletzungen zugefügt hat. Damit habe sich der Beschuldigte der einfachen 

Körperverletzung mit einer Waffe bzw. einem gefährlichen Gegenstand 

schuldig gemacht hat. Eine Notwehrlage verneinte die Vorinstanz 

(vorinstanzliches Urteil, E. 2.3 bis 2.5).  

 

 - 5 - 

 

 

2.2. 

Der Beschuldigte lässt in seiner Berufung im Wesentlichen ausführen, die 

Vorinstanz habe ausser Acht gelassen, dass D. im Strafverfahren und bei 

der rechtsmedizinischen Untersuchung widersprüchliche Aussagen zum 

Vorfall gemacht habe, während der Beschuldigte in allen drei 

Einvernahmen übereinstimmende, detailreiche Angaben gemacht habe, 

die sich auch mit den aktenkundigen Fotos in Übereinstimmung bringen 

liessen. Die Vorinstanz habe es versäumt, die Aussagen der Beteiligten im 

Detail auf ihre Glaubhaftigkeit hin zu überprüfen. Stattdessen habe sie das 

Messer als Sachbeweis in den Fokus ihrer Beurteilung gerückt. Nachdem 

der Vorfall durch einen nahen Verwandten von D. gemeldet worden sei, sei 

nicht auszuschliessen, dass sich D. mit diesem abgesprochen habe, um 

den Beschuldigten von Beginn weg zu belasten. Tatsache sei, dass der 

Beschuldigte weder ein Messer auf sich getragen habe, noch habe ein 

solches in seinem Fahrzeug, bei seinem Spind oder Arbeitsplatz gefunden 

werden können. Zudem habe D. durchaus einen Grund gehabt, den 

Beschuldigten unnötig zu belasten, habe der Beschuldigte diesen doch 

zuvor bei den Vorgesetzten wegen Provokationen angezeigt. Es sei auch 

nicht erwiesen, dass D. die neben dem Auto vorgefundene Jacke bei der 

Auseinandersetzung effektiv getragen habe. Das Gutachten sei insofern in 

Zweifel zu ziehen, als sich dieses auf die Aussagen von D. stütze, wonach 

der Beschuldigte ein Schweizer Taschenmesser verwendet habe. Da die 

Wunde bei der Begutachtung bereits vernäht gewesen sei, sei es zu 

gewagt, wenn die Verletzungen ohne weiteres der Auseinandersetzung 

zwischen dem Beschuldigten und D. zugeordnet würden.  

 

2.3. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den 

Beschuldigten günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO; "in dubio 

pro reo"). Bloss abstrakte und theoretische Zweifel sind nicht massgebend, 

weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt 

werden kann (Urteil des Bundesgerichts 6B_212/2019 vom 15. Mai 2019 

E. 1.3.2). Der Grundsatz "in dubio pro reo" ist erst anwendbar, nachdem 

alle aus Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen Beweise erhoben und 

ausgewertet worden sind. Nur das Übergehen offensichtlich erheblicher 

Zweifel vermag eine Verletzung des Grundsatzes "in dubio pro reo" zu 

begründen (BGE 144 IV 345, Regeste). 

 

Für die Würdigung von Aussagen besteht ein anerkanntes wissen-

schaftlich-methodisches Konzept, die sogenannte Aussageanalyse. Mit ihr 

wird geprüft, ob die jeweilige Aussageperson ihre spezifische Aussage 

unter Berücksichtigung der Umstände, der intellektuellen Leistungs-

fähigkeit und der Motivlage in gleicher Qualität auch ohne realen 

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Erlebnishintergrund hätte machen können. Wenn dies ausgeschlossen 

werden kann, ist anzunehmen, dass die Aussage wahr ist (zur 

Aussageanalyse z.B. BGE 133 I 33 E. 4.3; 129 I 49 E. 5). Diese 

Aussageanalyse, bei der die Aussagen aufgrund verschiedener inhaltlicher 

Kriterien (sog. Realkennzeichen) auf der Zeitachse untersucht werden, ist 

jedoch nicht in allen Fällen geeignet, den Prozess der Wahrheitsfindung zu 

unterstützen. Ein Grund liegt zunächst darin, dass Aussagen häufig nicht 

das reine Produkt einer Erfindung oder das reine Produkt eines realen 

Erlebnisses sind, sondern in einer Schilderung sowohl wahre als auch 

erfundene Elemente auftauchen können. Kann sich eine Person bei ihrer 

Aussage an einem realen Rahmengeschehen orientieren, fällt es ihr 

vergleichsweise leicht, erfundene Elemente in die Schilderung einzubauen, 

ohne dass sich eine derartige Anreicherung ihrer Aussage zwingend in der 

Aussagequalität niederschlagen muss. Ferner verspricht die Aussage-

analyse nur bei komplexeren Sachverhalten einen Erkenntnisgewinn. Bei 

der Schilderung von einfachen Lebensvorgängen oder blossen 

Bestreitungen von Sachverhalten unterscheiden sich Aussagen mit und 

ohne Erlebnisbezug in ihrer inhaltlichen Qualität nicht signifikant 

voneinander, weil die Darstellung so oder anders keine besondere 

intellektuelle Leistung erfordert. Sodann fehlt es im Strafverfahren teilweise 

an genügendem, sich über einen bestimmten Zeitraum erstreckendem 

"Aussagematerial", um eine Aussageanalyse im Sinne der wissenschaftlich 

anerkannten Methodik durchführen zu können. Sie stösst ausserdem an 

ihre Grenzen, wenn sich aufgrund fremd- oder autosuggestiver Prozesse 

falsche Erinnerungen bei der Aussageperson etabliert haben. In solchen 

Fällen können die Schilderungen nämlich eine gleich hohe Qualität 

erreichen wie erlebnisbasierte Darstellungen (vgl. etwa KARIN 

SCHILLING/VALERIE HAUCH, Wahrheit oder Lüge – Unterscheidbar?, in: 

Wahrheit, Täuschung und Lüge, Bern 2016, S. 33). Verspricht die 

Aussageanalyse (im Sinne des anerkannten wissenschaftlich-

methodischen Konzepts) keinen Erkenntnisgewinn, hat das Gericht 

Personalbeweise in anderer Weise zu würdigen, was nicht ausschliesst, 

neben der Motivlage auch inhaltliche Auffälligkeiten der Aussagen 

Rechnung zu tragen. Dabei ist auch zu prüfen, ob sich die Angaben der 

Aussageperson anhand von Sachbeweisen validieren lassen oder nicht.  

 

2.4. 

2.4.1. 

D. gab im Rahmen der ersten Befragung vom 13. April 2021 (act. 82 ff.) zu 

Protokoll, er sei am 12. April 2021 nach der Arbeit auf der Heimfahrt mit 

dem Auto gewesen, als ihm der Beschuldigte beim Bahnhof mit dem Auto 

begegnet sei. Als er (D.) mit dem Auto auf der engen Strasse gewartet 

habe, damit der Beschuldigte habe passieren können, habe dieser das 

Fenster heruntergelassen und ihm etwas angeworfen, was an die Vorder- 

oder Hintertüre seines Autos geprallt sei. Um nachzufragen, weshalb der 

Beschuldigte dies getan habe, habe er (D.) sein Auto gewendet und sei 

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dem Beschuldigten nachgefahren, ohne jedoch besondere Zeichen in der 

Form von Lichthupe oder dergleichen zu geben. Nachdem beide 

Fahrzeuge angehalten hätten, seien mutmasslich zuerst der Beschuldigte 

und dann er ausgestiegen. Er habe den Beschuldigten gefragt, weshalb er 

ihm etwas angeworfen habe, worauf dieser gleich nach dem Aussteigen 

aus dem Fahrzeug auf ihn zugekommen sei und ein Messer, das wie ein 

aufklappbares Militärmesser ausgesehen habe, gezogen, aufgeklappt und 

ihm gezeigt habe. Dabei habe der Beschuldigte auf serbokroatisch gesagt, 

"ich habe ein Messer in meiner Hand". Er (D.) habe dann mit dem Fuss an 

die Stossstange des Fahrzeugs des Beschuldigten getreten. Daraufhin 

habe zuerst der Beschuldigte ihn mit der Hand und dem Fuss geschlagen, 

worauf er den Beschuldigten mit der offenen Hand im Hals-/Schulterbereich 

ebenfalls geschlagen habe. Im Rahmen dieser Auseinandersetzung habe 

der Beschuldigte ihn – mit dem Messer in der Hand – zu Boden gerissen, 

wobei sein T-Shirt zerrissen worden sei. Als er (D.) wieder aufgestanden 

sei, habe er die Stichverletzung am Arm gesehen und festgestellt, dass Blut 

den Arm hinunterlaufe. Den Stich selber habe er weder gesehen, noch 

könne er sich daran erinnern. Danach habe er den Motor seines Fahrzeugs 

ausgeschaltet, das zerrissene T-Shirt ausgezogen, um die Wunde 

einzubinden, und dann Hilfe geholt.   

 

Zur Vorgeschichte der Auseinandersetzung gab D. an, er habe seit rund 

zwei Monaten einen Konflikt mit dem Beschuldigten gehabt. Auslöser sei 

gewesen, dass er ihm am Arbeitsplatz etwas habe beibringen müssen, was 

dieser aber nicht habe annehmen können. Sie hätten täglich Probleme 

miteinander gehabt. Jedesmal, wenn sie in der Folge zusammengearbeitet 

hätten, habe der Beschuldigte mit einer Geste gezeigt, dass er ihn 

aufschlitzen werde. Einmal habe ihm der Beschuldigte auch eine Kopfnuss 

verpasst. Der Beschuldigte hab ihm auch mit dem Hammer oder Rohren in 

der Hand gedroht und gesagt, dass er ihn draussen fertigmachen würde. 

Der Beschuldigte habe ihn auch am Wegfahren gehindert, diverse Gesten 

gemacht und ihn auch schon nach Hause verfolgt. Er habe diese Vorfälle 

den Vorgesetzten gemeldet; es sei aber bis zum Vorfall vom 12. April 2021 

nichts unternommen worden. Auf die Frage, was es mit den Zeichen am 

Arbeitstisch auf sich habe, gab D. an, der Beschuldigte habe ihm auch 

schon geschrieben, dass er seine Familie umbringen würde. Sie hätten sich 

gegenseitig Zeichnungen hinterlassen. Der Beschuldigte habe Penisse 

gezeichnet, er die serbische Fahne und Gotteskreuze; sie hätten sich so 

gegenseitig provoziert. Nachdem der Beschuldigte ihm eine Nachricht 

hinterlassen habe, dass er seine Frau vögeln werde, habe dieser ihm 

zurückgeschrieben, dass er seine Mutter vögeln werde (act. 91 f.).  

 

An dieser Sachdarstellung hielt D. auch im Laufe der nachfolgenden 

Befragungen grundsätzlich fest.  

 

 - 8 - 

 

 

2.4.2. 

Es steht fest, dass D. und der Beschuldigte schon geraume Zeit vor dem 

Vorfall vom 12. April 2021 miteinander im Streit lagen. Welcher Kontrahent 

dabei primär Opfer und welcher primär Täter war, liess sich im 

Strafverfahren nicht zweifelsfrei klären. D. erhebt zwar insofern 

ernstzunehmende Vorwürfe gegen den Beschuldigten, diese lassen sich 

jedoch anhand der Akten nicht objektivieren, während D. selber 

zugestehen musste, dass er den Beschuldigten mehrfach durch 

Zeichnungen bzw. Botschaften am Arbeitsplatz provoziert hat. Dabei 

schreckte er auch nicht vor einer konkludenten Todesdrohung zurück (vgl. 

act. 295). Aufgrund des vorstehenden Konflikts mit gegenseitigen 

Provokationen, an denen D. massgeblich beteiligt war, würde dieser 

durchaus über ein Motiv verfügen, den Beschuldigten falsch bzw. 

übermässig zu belasten.  

 

Die Aussagen von D. sind logisch stimmig und weitgehend frei von 

Widersprüchen. Die Angaben haben sich im Laufe des Verfahrens nicht 

besonders auffällig entwickelt. Nur in einem Punkt weicht die 

Sachdarstellung von D. im Rahmen der erstinstanzlichen Hauptver-

handlung von seinen früheren Depositionen ab, erklärte er doch vor 

Vorinstanz neu, er habe erst dann mit dem Fuss gegen das Auto des 

Beschuldigten getreten, nachdem ihm dieser das Messer gezeigt habe 

(act. 291). Diese Sachdarstellung überzeugt nicht restlos, weil D. 

gleichzeitig behauptete, er habe Angst gehabt und sei nervös sowie 

aufgeregt gewesen, als der Beschuldigte ihm das Messer gezeigt habe 

(act. 292). Wer Angst davor hat, ein Kontrahent könnte ein Messer 

einsetzen, wird sich eher nicht zu provozierenden Handlungen hinreissen 

lassen, die einen Messereinsatz begünstigen könnten. Dieser Widerspruch 

im Kernsachverhalt ist zwar auffällig, kann jedoch grundsätzlich auch den 

Gesetzmässigkeiten des menschlichen Gedächtnisses bzw. den zeitlichen 

Verhältnissen geschuldet sein. Mithin schliesst diese Unstimmigkeit nicht 

aus, dass die übrigen Sachverhaltselemente wahr sind. Für die 

Glaubhaftigkeit der Behauptungen von D. zum Kernsachverhalt spricht 

zudem tendenziell, dass dieser zumindest teilweise auf naheliegende 

Mehrbelastungen verzichtete. So hat er insbesondere nie behauptet, der 

Beschuldigte habe das Messer gezielt als Stichwaffe eingesetzt. Er liess 

sich insofern auch nicht zu Mutmassungen verleiten. Vielmehr sagte er für 

den Beschuldigten tendenziell entlastend aus, er habe im Rahmen der 

Rangelei überhaupt keinen Schmerz gespürt (act. 292). Erst als er das Blut 

gesehen habe, sei ihm die Verletzung bewusst geworden (act. 292). Damit 

lässt er die Möglichkeit offen, dass ihn der Beschuldigte mit dem Messer, 

das dieser in der Hand gehalten haben soll, im Rahmen der Rangelei 

unabsichtlich verletzt haben könnte. Ein (schwaches) Wahrheitsindiz bildet 

auch die Tatsache, dass D. bei gewissen Aussagen zu erkennen gibt, wenn 

diese mit Unsicherheiten behaftet sind (z.B. auf die Frage, wer stieg zuerst 

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aus dem Auto aus? "Ich denke er, weil er auch als erster angehalten hat". 

[act. 90]).  

 

Insgesamt weisen die belastenden Aussagen von D. keine besondere 

Qualität auf, die nur den Schluss zuliesse, sie müssten vollumfänglich der 

Wahrheit entsprechen. Insbesondere ist eine Anreicherung auf der Basis 

eines realen Kerngeschehens denkbar, zumal es sich um eine einfache 

Sachdarstellung handelt, bei deren Reproduktion selbst dann nicht 

zwingend mit Qualitätseinbussen zu rechnen wäre, wenn die 

Schilderungen keinen vollständigen Erlebnisbezug hätten.  

 

2.4.3. 

Anzufügen bleibt, was folgt: Aussagen im Rahmen eines medizinischen 

Explorationsgesprächs dürfen der begutachteten Person nicht wie 

Beweisaussagen zum inkriminierten Sachverhalt entgegengehalten 

werden. Das liegt nicht nur am unterschiedlichen Zweck solcher 

Erhebungen, sondern auch daran, dass beim Explorationsgespräch die 

gesetzlichen Anforderungen an eine justizförmige Einvernahme 

regelmässig nicht erfüllt sind (vgl. zum Ganzen BGE 144 I 23 E. 3.7). 

Allfälligen Widersprüchen zwischen den im Gutachten erwähnten Angaben 

von D. und seinen formell korrekt erhobenen Aussagen gegenüber den 

Strafverfolgungsbehörden bleiben damit ohne Relevanz.  

 

2.5. 

2.5.1. 

Der Beschuldigte gab im Rahmen der ersten polizeilichen Befragung vom 

12. April 2021 (act. 121 ff.) im Wesentlichen zu Protokoll, er sei am 12. April 

2021 mit seinem Auto auf dem Weg zur Arbeit gewesen, als D. mit seinem 

Fahrzeug auf ihn zugefahren sei. Dabei habe dieser die Hupe, Lichthupe 

sowie den Warnblinker betätigt und sei in zu schnellem Tempo direkt auf 

ihn zugefahren. Er (der Beschuldigte) sei deshalb nach rechts ausgewichen 

und habe D. den Vogel gezeigt. D. habe dann schnell abgebremst, sein 

Auto wie im Film gedreht und weiterhin die Hupe und den Warnblinker 

betätigt. In der Folge hätten sie dann beide angehalten. D. habe mit seinem 

rechten Fuss in die hintere Stossstange des Autos (des Beschuldigten) 

getreten. Als er (der Beschuldigte) selber aus dem Fahrzeug habe 

aussteigen wollen, habe D. ihn mit der Faust auf den Kopf im Bereich des 

linken Ohres geschlagen, so dass auch die Brille weggeflogen sei. In der 

Folge habe er (der Beschuldigte) D. mit der Fahrertüre weggeschubst, ihn 

dann mit beiden Händen genommen und auf dessen Auto gestossen, so 

dass dieser mit dem Rücken auf sein eigenes Auto geflogen sei. D. sei 

dann wieder aufgestanden und habe sein eigenes T-Shirt zerrissen und 

dieses auf den Boden geworfen. Danach habe dieser mit seiner rechten 

Hand den linken Oberarm festgehalten. Ihm (dem Beschuldigten) sei dann 

"schwarz vor Augen" geworden und er sei verängstigt gewesen. Er habe 

ferner gesehen, dass D. weggerannt sei. Er selber habe dann seinen 

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Schichtleiter angerufen und ihm den Vorfall geschildert. In dieser Situation 

habe er Angst um sein Leben gehabt. Die Verletzungen von D. könne er 

sich nicht erklären; er selber habe mit Sicherheit keine Waffe bzw. kein 

Messer eingesetzt.  

 

Zur Vorgeschichte der tätlichen Auseinandersetzung gab der Beschuldigte 

an, D. habe vor rund einem Monat auf dem Tisch, den sie gemeinsam am 

Arbeitsplatz nutzen würden, serbische Zeichen gemacht. D. habe ihn mit 

solchen Zeichen immer wieder provoziert. Vor einer Woche habe D. in der 

Schublade ein Zeichen gemalt, das bedeute, ich werde dich umbringen. Er 

(der Beschuldigte) habe deswegen die direkte Vorgesetzte sowie den ihr 

übergeordneten Chef informiert (act. 123). Vor rund einem Monat habe D. 

ihn bei den Vorgesetzten gemeldet und habe (zu Unrecht) behauptet, er 

(der Beschuldigte) habe ihn geschlagen (act. 127).  

 

Im Rahmen der nachfolgenden Befragungen (act. 132 ff.; 297 ff.) hielt der 

Beschuldigte an dieser Sachdarstellung im Wesentlichen fest.  

 

2.5.2. 

Der Beschuldigte, der sich mit strafrechtlichen Vorwürfen konfrontiert sieht, 

hat ein naheliegendes Interesse daran, sein eigenes Handeln in einem 

günstigen Licht erscheinen zu lassen. Das allein spricht jedoch nicht gegen 

die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen.  

 

Diese erscheinen grundsätzlich ebenfalls logisch stimmig und kohärent. 

Die Aussagen haben sich auf der Zeitachse insgesamt nicht besonders 

auffällig entwickelt. Erwähnenswert sind immerhin drei Dinge: Erstens hat 

der Beschuldigte im Rahmen seiner ersten Schilderung noch nicht geltend 

gemacht, D. habe ihm bei der Begegnung auf der Strasse den Mittelfinger 

gezeigt. Dieses Sachverhaltselement trug er erstmals im Rahmen der 

zweiten Befragung vor (act. 132; vgl. vor Vorinstanz auch act. 298). Hätte 

D. den Beschuldigten nicht nur mit seiner Fahrweise und dem Betätigen 

von Lichthupe, Hupe und Warnlichtern und dergleichen, sondern auch mit 

einer derartigen Geste provoziert, wäre eher damit zu rechnen gewesen, 

dass der Beschuldigte dies schon in der zeitnahen Befragung erwähnt 

hätte. Zweitens erklärte der Beschuldigte erst bei der zweiten Einvernahme 

und auf gezielte Nachfrage hin, D. habe ihn auch verbal mit dem Tod 

bedroht und ihn beleidigt, als er die Fahrertüre geöffnet habe (act. 135). 

Drittens erwähnte der Beschuldigte erst vor Vorinstanz, D. habe nicht nur 

mit dem Fuss gegen das Heck getreten, sondern auch mit der Faust auf 

das Autodach geschlagen (wodurch sogar eine Beule entstanden sein soll; 

act. 298). Diesen Unstimmigkeiten kommt jedoch keine allzu hohe 

Bedeutung zu; es ist denkbar, dass der Beschuldigte diese Elemente 

zeitweise nicht erwähnte, weil er ihnen keine allzu grosse Bedeutung 

zumass oder er schlicht und einfach vergass, sie zu erwähnen.  

 

 - 11 - 

 

 

Inhaltlich weisen auch die Aussagen des Beschuldigten zum 

Kernsachverhalt keine besondere Qualität auf, die nur den Schluss 

zuliesse, diese müssten vollumfänglich der Wahrheit entsprechen. Auch 

bei der Würdigung seiner Aussagen ist der Möglichkeit Rechnung zu 

tragen, dass er die Schilderung eines realen Vorgangs mit erfundenen 

Elementen angereichert haben könnte, ohne dass sich dies signifikant in 

der Aussagequalität niederschlug.  

 

2.6. 

Als weiterer Personalbeweis liegt die Aussage von E., dem Vorgesetzten 

des Beschuldigten, vor. Dieser gab zu Protokoll, er habe D. zu einem 

unbestimmten Zeitpunkt vor dem Ereignis vom 12. April 2021 mündlich 

verwarnt, weil er den Beschuldigten mit einer Zeichnung provoziert gehabt 

habe. Der Beschuldigte sei dagegen die ganze Zeit ruhig gewesen (act. 

107). Daraus lässt sich ableiten, dass D. den Konflikt mit dem 

Beschuldigten aktiv befeuert hat.  

 

2.7. 

Es bleibt auf die einzelnen Sachbeweise einzugehen. 

 

2.7.1. 

Aufgrund des Untersuchungsprotokolls und des Gutachtens des Instituts 

für Rechtsmedizin (IRM) vom 30. April 2021 steht zunächst fest, dass D. 

am 12. April 2021 über zahlreiche Verletzungen verfügt hat, nämlich über 

eine Stichverletzung am linken Oberarm, eine Weichteilschwellung an der 

linken Unterlippe mit oberflächiger Hautläsion, eine oberflächliche 

Schnittverletzung am rechten Handrücken sowie an der rechten 

Handgelenkdaumenseite, eine Hautabschürfung am linken Handrücken 

und über Hautrötungen am rechten Unterarm und am Halsansatz rechts 

(act. 145 ff.). Die Stichverletzung am linken Oberarm und die beiden 

Schnittverletzungen am rechten Handrücken und an der rechten 

Handgelenkdaumenseite werden im Gutachten als Folgen scharfer Gewalt 

interpretiert; die Hautabschürfungen und die einzelnen Hautrötungen am 

Hals und an den Armen als Folgen stumpfer Gewalt, die sich zeitlich dem 

Vorfall vom 12. April 2021 zuordnen lassen.  

 

Gemäss Gutachten korrespondiere die Morphologie der Stichverletzung 

mit der Einwirkung eines handelsüblichen Schweizer Taschenmessers; die 

schwalbenschwanzartige Form (vgl. act. 150) belege eine Drehung des 

Messers im Arm während der Stichausführung. Zusammen mit dem quer 

zur Armlängsachse verlaufenden Textildefekt an der Kleidung könne 

rekonstruiert werden, dass das Klingenwerkzeug primär quer zur 

Armlängsachse eingestochen und dann unter Hautniveau handwärts 

gedreht sowie herausgezogen worden sei. Die Schnittverletzungen an der 

rechten Hand liessen sich aufgrund ihrer Lokalisation als passive 

Abwehrverletzungen (durch schützendes Vorhalten des Armes vor den 

 - 12 - 

 

 

Körper) erklären, die Verletzungen im Gesicht durch einen Schlag mit der 

Hand. Die Hautrötungen am Unterarm und am Halsansatz sowie die 

Hautabschürfung am linken Handrücken liessen sich zwangslos auf ein 

Kratzen mit Fingernägeln im Rahmen einer Rangelei zurückführen 

(act. 154). Die Wundmorphologie, die Verletzungsschwere und die 

Verletzungslokalisationen erfüllten zudem nicht die typischen Kriterien 

einer Selbstverletzung (act. 154 f.). Diese Ausführungen im Gutachten des 

IRM erscheinen schlüssig und nachvollziehbar, weshalb darauf abzustellen 

ist.  

 

2.7.2. 

Bildaufnahmen, die von der Kriminaltechnik der Kantonspolizei nach dem 

Vorfall erstellt wurden, zeigen sodann eine Blutspur am Fahrzeug von D., 

auf dem Weg zur Werkstatt und in dieser (act. 196 ff.) sowie an der 

Kleidung von D. (act. 209). Im Innern des Fahrzeugs von D. fanden sich 

nur wenige Blutspuren (act. 197 f.). Dokumentiert wurde weiter ein 

scharfkantiger Textildefekt am Ärmel der linken Jacke von D. (act. 209). 

Ferner ist belegt, dass der Beschuldigte nach der Auseinandersetzung vom 

12. April 2021 eine kleine oberflächliche Hautabschürfung am Nasenflügel 

aufwies (act. 208). Die Kleidung des Beschuldigten wies keine Blutspuren 

auf (act. 201). Am 5. Mai 2021 konnte zwar beim Spind des Beschuldigten 

ein Messer aufgefunden werden, dies wies jedoch weder Blutspuren auf 

noch liess es sich auf andere Weise der tätlichen Auseinandersetzung vom 

12. April 2021 zuordnen (act. 192, 211).  

 

Im vorinstanzlichen Verfahren reichte der Beschuldigte ausserdem Fotos 

ein, welche die Endlage der beiden Fahrzeuge aufzeigen und Zeichnungen 

und Schriftzeichen dokumentieren, mit denen D. ihn am Arbeitsplatz 

provoziert haben soll (act. 240 ff.).  

 

3. 

Aufgrund der Personal- und Sachbeweise kann als gesichert geltend, dass 

D. den Beschuldigten im Vorfeld der Auseinandersetzung vom 12. April 

2021 am Arbeitsplatz mehrfach provoziert hat. Ob und inwieweit der 

Beschuldigte diese Provokationen erwidert hat, steht nicht fest.   

 

Aufgrund der insofern übereinstimmenden Aussagen der Kontrahenten ist 

sodann erstellt, dass sich D. und der Beschuldigte am 12. April 2021 mit 

ihren Fahrzeugen auf der X-Strasse in Q. kreuzten. Wer dabei wen in 

welcher Form provoziert hat, lässt sich angesichts der divergierenden und 

sich in ihrer Qualität nicht signifikant unterscheidbaren Aussagen der 

Beteiligten nicht mehr zweifelsfrei feststellen. Aufgrund ihrer Aussagen und 

der dokumentierten Endlage der beiden Fahrzeuge ist nur (aber immerhin) 

belegt, dass D. sein Fahrzeug nach der Begegnung mit dem Beschuldigten 

auf der X-Strasse gewendet hat und er dem Beschuldigten nachgefahren 

ist, bis schliesslich beide Fahrzeuge anhielten.  

 - 13 - 

 

 

 

Der weitere Verlauf der Auseinandersetzung lässt sich ebenfalls nur noch 

teilweise rekonstruieren. Aufgrund der insofern kongruenten Aussagen der 

Beteiligten kann als erstellt gelten, dass D. gegen das Fahrzeugheck des 

Beschuldigten getreten hat. Es steht hingegen nicht fest, dass er den ihm 

Fahrzeug sitzenden Beschuldigten zuerst ins Gesicht geschlagen hat. Die 

Verletzung des Beschuldigten vermag seine umstrittene Behauptung zum 

Erstschlag nicht zu untermauern, weil diese Verletzung auch im Rahmen 

eines Gerangels entstanden sein kann. Hingegen steht zweifelsfrei fest, 

dass D. im Zuge der Rangelei mit dem Beschuldigten insbesondere eine 

Stichverletzung erlitten hat, die von einem (mit einem Schweizer 

Taschenmesser vergleichbaren) Messer stammt. Hätte diese Verletzung 

vorbestanden (z.B. infolge einer Auseinandersetzung von D. mit einer 

Drittperson nach Arbeitsschluss) wären grössere Blutspuren im Fahrzeug 

von D. zu erwarten gewesen. Die wenigen Blutspritzer im bzw. am 

Fahrzeug von D. lassen sich dagegen zwanglos mit dessen 

Sachdarstellung vereinbaren, wonach er im verletzten Zustand noch den 

Motor seines Fahrzeugs abgestellt habe. Nachdem eine Selbstverletzung 

aufgrund der Wundmorphologie, der Verletzungsschwere und der 

Verletzungslokalisationen ebenfalls ausscheidet, muss der Beschuldigte D. 

diese Stichverletzung im Rahmen der tätlichen Auseinandersetzung vom 

12. April 2021 zugefügt haben. Hierfür spricht nicht nur die Aussage von D. 

selber, sondern auch diejenige des Beschuldigten, wonach sich D. im Zuge 

der Rangelei plötzlich an den linken Oberarm gehalten habe. Andere 

Erklärungsursachen dieser Stichverletzung sind bloss theoretisch denkbar 

und liegen ausserhalb einer vernünftigen Betrachtungsweise. Aufgrund der 

Aussagen von D., der keine gezielten Stichbewegungen des Beschuldigten 

beschreibt, ist davon auszugehen, dass diese Stichverletzung entstanden 

ist, weil der Beschuldigte während der Rangelei mit D. ein offenes Messer 

in der Hand hielt bzw. er sich mit einem offenen Messer in der Hand in 

diese Rangelei begeben hat. Im Rahmen dieser tätlichen 

Auseinandersetzung sind zudem zweifellos auch die anderen, weniger 

schwerwiegenden Verletzungen von D. entstanden, zumal sie sich zeitlich 

diesem Ereignis zuordnen lassen.   

 

4.  

4.1. 

Wer vorsätzlich einen Menschen in anderer Weise an Körper oder 

Gesundheit schädigt, wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren 

oder Geldstrafe bestraft. In leichten Fällen kann der Richter die Strafe 

mildern. Die Strafe ist hingegen Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder 

Geldstrafe, und der Täter wird von Amtes wegen verfolgt, wenn er eine 

Waffe oder einen gefährlichen Gegenstand gebraucht (vgl. Art. 123 Ziff. 1 

und 2 StGB). 

 

 - 14 - 

 

 

Der Beschuldigte hat D. im Rahmen der Auseinandersetzung vom 12. April 

2021 eine Stichverletzung, zwei oberflächliche Schnittwunden, 

Hautrötungen am Unterarm und Halsansatz, Hautabschürfungen am 

Handrücken sowie eine Schwellung an der Unterlippe mit Oberhautläsion 

zugefügt. Diese Verletzungen übersteigen das Mass klar, was noch als 

Folge einer Tätlichkeit anzusehen ist, zumal die Stichwunde genäht werden 

musste und D. nach eigenen Angaben zwei Monate lang arbeitsunfähig war 

(act. 295). Sie erreichen aber auch noch nicht das Ausmass einer schweren 

Körperverletzung i.S.v. Art. 122 StGB. Insbesondere waren die 

Verletzungen im konkreten Fall nicht lebensgefährlich. Das vom 

Beschuldigten verwendete Messer, das von seiner Beschaffenheit mit 

einem Schweizer Taschenmesser vergleichbar sein muss, kann entgegen 

der Vorinstanz nicht als Waffe i.S.v. Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB qualifiziert 

werden, weil es seiner Bestimmung nach nicht zum Angriff oder zur 

Verteidigung bestimmt ist, sondern einen Gegenstand des täglichen 

Gebrauchs darstellt. Ein Taschenmesser fällt gewöhnlich auch nicht unter 

das Waffengesetz. Aufgrund der Art und Weise, wie das Messer eingesetzt 

wurde, ist jedoch von einem gefährlichen Gegenstand im Sinne von Art. 

123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB auszugehen, zumal dessen Einsatz gemäss 

Gutachten des IRM (act. 155) ohne weiteres geeignet war, 

lebensbedrohliche Verletzungen herbeizuführen (vgl. auch Urteil des 

Bundesgerichts 6B_756/2010 vom 6. Dezember 2010 E. 3.2; BGE 117 IV 

135 E. 1c; BGE 101 IV 285 m.H.). Damit ist der objektive Tatbestand 

gemäss Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB erfüllt. 

 

4.2.   

In subjektiver Hinsicht ist dem Beschuldigten vorzuwerfen, dass er sich mit 

einem offenen Messer in der Hand in eine tätliche Auseinandersetzung 

begeben hat. Auf diese Weise hat er ein hohes Risiko geschaffen, dass er 

seinen Widersacher im Rahmen einer dynamischen Auseinandersetzung, 

deren Verlauf er nur beschränkt steuern konnte, mittels Stich- oder 

Schnittwunden ernsthaft verletzen könnte. Ein solches Risiko ist notorisch 

und musste auch dem Beschuldigten bewusst gewesen sein. Unter diesen 

Umständen ist dem Beschuldigten vorzuwerfen, dass er es im Sinne des 

Eventualvorsatzes billigend in Kauf genommen hat, D. mit dem Messer zu 

verletzen. Bezüglich der übrigen Verletzungen von D. ist dem 

Beschuldigten sogar wissentliches und willentliches bzw. vorsätzliches 

Handeln vorzuwerfen.  

 

4.3. 

Es liegen keine konkreten Anzeichen dafür vor, dass der Beschuldigte in 

Notwehr gehandelt haben könnte. Nachdem D. weder eine Waffe noch 

einen gefährlichen Gegenstand auf sich hatte, bestand von vornherein kein 

Anlass für den Beschuldigten, ein Messer einzusetzen. Selbst wenn es 

zuträfe, dass D. den noch im Fahrzeug sitzenden Beschuldigten durch die 

Fahrertüre hindurch in das Gesicht schlug, was nicht erstellt ist, hätte der 

 - 15 - 

 

 

Beschuldigte darauf mit einer körperlichen Abwehrbewegung, mit dem 

Schliessen der Türe oder dem Wegfahren Rechnung tragen können. 

Soweit er jedoch als Folge des von ihm behaupteten Erstschlags aus dem 

Auto ausgestiegen sein, ein Messer hervorgenommen haben und damit 

zum Gegenangriff übergangen sein sollte, könnte nicht mehr von einer 

unmittelbaren Abwehr eines andauernden Angriffs gesprochen werden. 

Mithin ist eine Notwehrlage durch nichts belegt. Der Einwand des 

Beschuldigten, er habe sich gegenüber dem aggressiven D. lediglich 

abwehrend verhalten, erscheint als blosse Schutzbehauptung. Gegen eine 

Notwehrhandlung spricht tendenziell auch der Umstand, dass der 

Beschuldigte selber (im Gegensatz zu D.) keine ernstzunehmenden 

Verletzungen davontrug.  

 

4.4. 

Auf die Abnahme von weiteren, vom Beschuldigten offerierten Beweisen ist 

in antizipierter Beweiswürdigung abzusehen. Der Onkel von D., B., kann 

keine sachdienlichen Angaben zum Sachverhalt machen, war doch dieser 

unbestrittenermassen nicht zugegen als die tätliche Auseinandersetzung 

stattfand. Es ist nicht ersichtlich, welche relevanten Aussagen dieser Zeuge 

machen könnte. Von einer Befragung der Sachverständigen Dr. C. ist 

ebenfalls kein Erkenntnisgewinn zu erwarten. Unbestrittenermassen 

konnte sich die Expertin bei ihrer Beurteilung auf ein Bild der unvernähten 

Wunde (act. 150) stützen und anhand dieser Aufnahme die 

Wundmorphologie beurteilen. Die Gutachterin verfügte zudem über einen 

ambulanten Notfallbericht vom 12. April 2021, in dem die 

Messerstichverletzung beschrieben wurde (vgl. act. 153). Die Angabe, 

wonach die Wundmorphologie, die Verletzungsschwere und die 

Verletzungslokalisation untypisch seien für eine Selbstverletzung erscheint 

schlüssig und nachvollziehbar und bedarf keiner zusätzlichen mündlichen 

Erläuterung. Hinzu kommt, dass es überhaupt keinen Grund zur Annahme 

gibt, D. habe ein offenes Messer auf sich getragen, mit dem er sich im 

Rahmen des Gerangels selbst verletzt haben könnte.  

 

4.5. 

Zusammenfassend hat sich der Beschuldigten der einfachen 

Körperverletzung nach Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB mit einem gefährlichen 

Gegenstand schuldig gemacht.  

 

5. 

5.1. 

Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer (bedingten) 

Geldstrafe von 50 Tagessätzen, nebst einer Verbindungsbusse von 

Fr. 1'000.00. Der Beschuldigte äussert sich für den Fall eines 

Schuldspruchs nicht zur Strafzumessung.  

 

 - 16 - 

 

 

5.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; 144 IV 217; 141 IV 61 E. 6.1.1; 

136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen). Darauf kann verwiesen werden. 

 

5.3. 

Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB sieht als Sanktionsform wahlweise Geldstrafe 

oder Freiheitsstrafe vor. Nachdem es vorliegend keinen Grund zur 

Annahme gibt, eine Geldstrafe würde ihren spezialpräventiven Zweck nicht 

erfüllen, ist mit der Vorinstanz auf eine Geldstrafe zu erkennen, zumal diese 

Sanktion im Bereich von unter 180 Strafeinheiten als milderes Mittel den 

Vorzug gegenüber der Freiheitsstrafe verdient. Sodann hat vorliegend 

ohnehin nur der Beschuldigte die Berufung erhoben, weshalb das 

Verschlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 StPO) greift und eine 

Freiheitsstrafe auch aus diesem Grund nicht in Frage kommt. 

 

5.4. 

Die vom Beschuldigten verübte Tat ist mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren 

oder Geldstrafe bedroht (Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB). Das Gericht misst 

die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das 

Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe 

auf das Leben des Täters. Das Verschulden wird nach der Schwere der 

Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der 

Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters 

sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren 

Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden 

(Art. 47 StGB).  

 

Das von Art. 123 StGB geschützte Rechtsgut ist die körperliche Integrität. 

Der Beschuldigte hat seinem Gegner neben zahlreichen, oberflächlichen 

und weniger schwerwiegenden Verletzungen eine Stichverletzung 

zugefügt. Diese reichte bis zum Oberarmknochen, wobei bezüglich der 

Tiefe der Verletzung relativierend anzufügen ist, dass ein Messer, nachdem 

es den Hautwiderstand überwunden hat, keinen relevanten Widerstand 

mehr erfährt (Gutachten IRM, act. 155). Im konkreten Fall wurden keine 

grosse Blutleiter tangiert und das Opfer war während der Behandlung auf 

dem Notfall kreislaufstabil. Es bestand keine Lebensgefahr, was jedoch im 

Anwendungsbereich von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB auch nicht erforderlich 

ist und gegebenenfalls schulderhöhend berücksichtigt werden müsste. 

Eine geringfügig andere Stichrichtung oder Eindringtiefe hätte ohne 

weiteres zu kreislaufrelevanten bzw. tödlichen Blutverlusten führen 

können. Die objektive Tatschwere rückt daher in die Nähe einer schweren 

Körperverletzung, auch wenn laut Gutachten anzunehmen ist, dass die 

Stich- und Schnittverletzungen unter Ausbildung von Narben und die 

übrigen Läsionen voraussichtlich folgenlos abheilen (Gutachten IRM; 

act. 155). D. war nach eigenen Angaben rund zwei Monate lang 

 - 17 - 

 

 

arbeitsunfähig und musste Nachbehandlungen in der Form von 

Physiotherapie über sich ergehen lassen. Psychisch habe er den Vorfall 

noch nicht zu 100% überstanden (act. 295).  

 

In subjektiver Hinsicht ist zu Gunsten des Beschuldigten in die Waagschale 

zu werfen, dass ihm lediglich ein eventualvorsätzliches Verhalten 

vorzuwerfen ist. Es hat D. die Stich- und Schnittverletzungen nicht 

absichtlich zugefügt, sondern deren Verursachung billigend in Kauf 

genommen, indem er sich mit einem offenen Messer in der Hand in eine 

tätliche Auseinandersetzung begeben hat. Der Eventualvorsatz wiegt 

verschuldensmässig weniger schwer als der direkte Vorsatz. Ausserdem 

hat ihn D. im Vorfeld der körperlichen Auseinandersetzung vom 12. April 

2021 über eine längere Zeit hinweg provoziert, was jedoch nichts daran 

ändert, dass die Freiheit des Beschuldigten, sich in der Tatsituation 

rechtskonform zu verhalten, nicht massgeblich eingeschränkt war.  

Insbesondere fehlt es an einem Nachweis, dass der Beschuldigte auch 

unmittelbar vor der Verwendung des Messers durch D. – abgesehen vom 

unbestrittenen Tritt an das Fahrzeug des Beschuldigten –(schwerwiegend) 

provoziert wurde. Dem Beschuldigten hätten zudem mit einer Strafanzeige 

oder einer abermaligen Meldung bei den Vorgesetzten ohne weiteres 

legale Mittel zur Verfügung gestanden, um sich gegen allfällige 

Provokationen zu wehren. Je leichter es für den Beschuldigten aber 

gewesen wäre, sich in der Tatsituation an die Rechtsordnung zu halten, 

desto schwerer wiegt der Normverstoss. Die Verwendung eines Messers 

erscheint auch unter Berücksichtigung allfälliger Provokationen des Opfers 

als massiv unverhältnismässig. Ausserdem ist es dem blossen Zufall zu 

verdanken, dass die Stichverletzungen zu keiner lebensbedrohlichen 

Situation geführt haben.  

 

Innerhalb der ganzen Bandbreite von Tathandlungen und 

Vorgehensweisen, die von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB erfasst sind, ist 

insgesamt von einem nicht mehr leichten bis knapp mittelschweren 

Verschulden auszugehen. Unter diesen Umständen wäre die 

schuldangemessene Strafe für die einfache Körperverletzung bei über 

100 Tagessätzen anzusiedeln.  

 

5.5. 

Mit der Vorinstanz (vorinstanzliches Urteil, E. 3.1.3.) liegen hinsichtlich der 

Täterkomponente weder Straferhöhungs- noch Strafminderungsgründe 

vor. Der Beschuldigte ist im Strafregister lediglich mit einem Auslandurteil 

aus dem Jahr 2015 verzeichnet, mit dem er zu einer Geldstrafe von 

20 Tagessätzen verurteilt worden ist. Nachdem diese Vorstrafe nicht 

schwer wiegt und weit zurückliegt, bleibt sie ohne Auswirkungen auf die 

Strafzumessung. Neutral zu gewichten sind auch das anscheinend 

klaglose Verhalten in der (ohnehin kurzen) Untersuchungshaft und im 

Strafverfahren. Beides kann vorausgesetzt werden. Eine massgebliche, 

 - 18 - 

 

 

eine Strafminderung rechtfertigende Einsicht und Reue liegt ebenfalls nicht 

vor. Es ist ausserdem von einer durchschnittlichen Strafempfindlichkeit 

auszugehen.  

 

5.6. 

Weil im vorliegenden Verfahren das Verschlechterungsverbot gilt, bleibt es 

bei einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen. Die ausgestandene 

Untersuchungshaft ist auf die Geldstrafe anzurechnen.  

 

5.7. 

Die Tagessatzhöhe bestimmt sich nach den persönlichen und 

wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils (Art. 34 

Abs. 2 StGB). Die Vorinstanz hat den Tagessatz, ausgehend von einem 

monatlichen Nettoeinkommen von Fr. 3'870.00 und unter Berücksichtigung 

eines Pauschalabzugs von 20% mit zutreffender Begründung auf 

Fr. 100.00 festgesetzt. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass sich die 

finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten seither massgeblich verändert 

haben, weshalb es bei dieser Tagessatzhöhe bleibt. 

 

5.8. 

Da der Beschuldigte lediglich eine geringfügige Vorstrafe aufweist, die 

zudem weit zurückliegt, fehlt es an einer ungünstigen Legalprognose. Es 

ist ihm deshalb mit der Vorinstanz der bedingte Vollzug bei einer minimalen 

Probezeit von 2 Jahren zu gewähren (Art. 42 Abs. 1 und Art. 44 

Abs. 1StGB).  

 

5.9. 

Vorliegend ist die Verbindung der bedingt ausgesprochenen Geldstrafe mit 

einer Busse im Sinne von Art. 42 Abs. 4 StGB angezeigt, um dem 

Beschuldigten die Ernsthaftigkeit der Sanktion und die Konsequenzen 

seines Handelns deutlich vor Augen zu führen. Das Hauptgewicht hat auf 

der bedingten Geldstrafe zu liegen, während der Busse nur untergeordnete 

Bedeutung im Sinne eines spürbaren Denkzettels zukommen kann (BGE 

134 IV 1 E. 4.5).  

 

Unter Berücksichtigung der Denkzettelfunktion, der untergeordneten 

Bedeutung der Verbindungsbusse, der wirtschaftlichen Verhältnisse und 

des Verschuldens des Beschuldigten sowie des Umstands, dass das 

Bundesgericht die Obergrenze der Verbindungsstrafe auf 20 % der 

schuldangemessenen Gesamtstrafe festgelegt hat (BGE 135 IV 188 

E. 3.4.4; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 6B_1232/2013 vom 

31. Januar 2014 E. 5), was einem Viertel der auszufällenden Geldstrafe 

entspricht, ist die Verbindungsbusse mit der Vorinstanz auf Fr. 1'000.00 

festzusetzen. Die Ersatzfreiheitsstrafe beträgt 10 Tage.  

 

 - 19 - 

 

 

6. 

Der Beschuldigte ersucht als Folge des von ihm beantragten Freispruchs 

um Abweisung der Zivilforderung, eventuell um deren Verweis auf den 

Zivilweg. Für den Fall einer Bestätigung des vorinstanzlichen 

Schuldspruchs macht er nicht geltend, die Vorinstanz habe dem Zivilkläger 

zu hohen Schadenersatz oder eine zu hohe Genugtuung zugesprochen. 

Diesbezüglich kann auf die zutreffend erscheinenden Erwägungen der 

Vorinstanz verwiesen werden (vorinstanzlicher Entscheid, E. 6). 

Entsprechend ist der Beschuldigte zu verpflichten, dem Zivilkläger 

Schadenersatz von Fr. 154.65 und Genugtuung von Fr. 500.00 zu 

bezahlen, beides nebst 5% Zins seit dem 12. April 2021.  

 

7. 

7.1. 

Die Berufung des Beschuldigten ist vollumfänglich abzuweisen. Bei diesem 

Ausgang des Verfahrens sind die obergerichtlichen Verfahrenskosten 

vollumfänglich dem Beschuldigten aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO) und 

es ist ihm für das Berufungsverfahren keine Entschädigung auszurichten 

(Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 429 Abs. 1 StPO e contrario).  

 

7.2. 

Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten trotz teilweisem Freispruch die 

gesamten Verfahrenskosten auferlegt.  

 

Praxisgemäss sind dem Beschuldigten, der bei mehreren angeklagten 

Straftaten nur teilweise schuldig gesprochen, im Übrigen aber 

freigesprochen wird, die Verfahrenskosten nur anteilsmässig aufzuerlegen. 

Vollumfänglich kostenpflichtig werden kann der Beschuldigte bei einem 

teilweisen Schuldspruch nur, wenn die ihm zur Last gelegten Handlungen 

in einem engen und direkten Zusammenhang stehen, und alle 

Untersuchungshandlungen hinsichtlich jedes Anklagepunkts notwendig 

waren (Urteil des Bundesgerichts 6B_904/2015 vom 27. Mai 2016 E. 7.4). 

Das trifft auf den vorliegenden Fall zu. Die dem Beschuldigten 

vorgeworfene Drohung stand in einem engen und direkten Zusammenhang 

zur Körperverletzung und sämtliche Untersuchungshandlungen wären 

auch erforderlich gewesen, wenn sich die Strafuntersuchung von Anfang 

an auf die Körperverletzung beschränkt hätte. Die vorinstanzliche 

Kostenverlegung entspricht daher Art. 426 StPO und ist nicht zu 

beanstanden. 

 

8. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). Das ist auch der Fall, wenn eine Berufung vollumfänglich 

abgewiesen wird (Urteil des Bundesgerichts 6B_761/2017 vom 17. Januar 

2018 E. 4 mit Hinweisen). 

 - 20 - 

 

 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. (in Rechtskraft erwachsen) 

Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf der Drohung nach 

Art. 180 Abs. 1 StGB. 

 

2. 

Der Beschuldigte ist schuldig der einfachen Körperverletzung mit einem 

gefährlichen Gegenstand nach Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB.  

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziffer 2 erwähnten Bestim-

mung und gestützt auf Art. 34 und 47 StGB zu 50 Tagessätzen Geldstrafe 

verurteilt. Der Tagessatz wird auf Fr. 100.00 festgesetzt. Die Geldstrafe 

beläuft sich somit auf Fr. 5'000.00.  

 

3.2. 

Die Untersuchungshaft von 2 Tagen (12. April 2021 bis 13. April 2021) wird 

gestützt auf Art. 51 StGB an die Geldstrafe angerechnet. Der nicht 

verbüsste Teil der Geldstrafe beträgt 48 Tagessätze und beläuft sich auf 

Fr. 4'800.00.  

 

3.3. 

Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 StGB für die Geldstrafe der 

bedingte Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf Art. 44 

Abs. 1 StGB auf 2 Jahre festgesetzt.  

 

4. 

4.1. 

Der Beschuldigte wird gestützt auf Art. 42 Abs. 4 und Art. 106 StGB zu 

einer Verbindungsbusse von Fr. 1'000.00 verurteilt. 

 

4.2. 

Wird die Verbindungsbusse schuldhaft nicht bezahlt, wird gemäss Art. 106 

Abs. 2 StGB eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen vollzogen.  

 

5. 

5.1. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Zivilkläger Schadenersatz von 

Fr. 154.65 nebst Zins zu 5 % seit dem 12. April 2021 zu bezahlen. 

 

 - 21 - 

 

 

5.2. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Zivilkläger eine Genugtuung 

von Fr. 500.00 nebst Zins zu 5 % seit dem 12. April 2021 zu bezahlen.  

 

6. 

6.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten, bestehend aus einer 

Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.00 und den Auslagen von Fr. 111.00, d.h. 

insgesamt Fr. 2'111.00, werden vollumfänglich dem Beschuldigten 

auferlegt.  

 

6.2. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten (ohne Übersetzungskosten) von 

Fr. 7'635.00 werden dem Beschuldigten auferlegt.  

 

6.3. 

Der Beschuldigte trägt seine Parteikosten für das erst- und 

zweitinstanzliche Verfahren selbst. 

 

6.4. (in Rechtskraft erwachsen) 

Der Zivil- und Strafkläger hat seine Parteikosten vor Vorinstanz selbst zu 

tragen. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 
   

Hinweis zur Bedeutung der bedingt ausgesprochenen Strafe  

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer ausgefällten bedingten Geld- oder Freiheitsstrafe wird der Vollzug aufgeschoben. 

Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren angesetzt. Hat 

sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird die aufgeschobene Strafe 

nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass die Geldstrafe dann nicht zu 

bezahlen bzw. die Freiheitsstrafe nicht anzutreten ist. Begeht der Verurteilte während der 

Probezeit aber ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere 

Straftaten verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 

Abs. 1 StGB).  

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 - 22 - 

 

 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 10. Januar 2023 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 2. Kammer 

Die Präsidentin:    Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Plüss     L. Stierli