# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c077c76a-0d33-5a62-8d6e-5b198c47530d
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-01-11
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 11.01.2011 S 2010 126
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2010-126_2011-01-11.pdf

## Full Text

S 10 126

3. Kammer als Versicherungsgericht

URTEIL
vom 11. Januar 2011

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend IV-Rente

1. …, geboren am 2. April 1959, lebt seit 1985 in der Schweiz. Sie leidet an einer 

postrheumatischen Herzkrankheit mit schwerem, stenosedominantem, 

kombiniertem Mitralvitium, weshalb nach einer erfolglosen 

Mitralklappenvalvuloplastie im Januar 2007 eine Herzklappenoperation am 

18. Oktober 2007 durchgeführt wurde. Seit dem 1. September 2006 wurde der 

Versicherten von ihrem Hausarzt Dr. med. … eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit 

attestiert. Sie arbeitete bis dahin bei der … GmbH, … als Küchen- und 

Servicekraft. Am 25. April 2008 meldete sich die Versicherte zum Bezug von 

IV-Leistungen an.

2. Weil sich eine medizinische Abklärung aufdrängte, wurde die Versicherte im 

Juli 2009 vom Ärztlichen Begutachtungsinstitut (ABI) Basel untersucht. Das 

ABI kam in seinem Gutachten vom 1. September 2009 zum Schluss, dass aus 

polydisziplinärer Sicht eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für schwere und 

mittelschwere Tätigkeiten bestehe. Für körperlich leichte, überwiegend 

sitzende Tätigkeiten liege noch eine 50%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit 

vor. Die Versicherte könne für körperlich nicht belastende Tätigkeiten ca. 4 

Stunden pro Tag eingesetzt werden.

3. Dr. med. … vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) Ostschweiz hält in 

seiner Abschlussbeurteilung vom 15. September 2009 fest, dass auf die 

Einschätzung des ABI abgestellt werden könne. Eine volle Arbeitsunfähigkeit 

für jegliche Tätigkeit gelte vom 1. September 2006 bis zur ambulanten 

postoperativen Herzkontrolle vom 28. April 2008. Zwischenzeitlich habe die 

Versicherte Mitte Februar 2008 eine Streifung mit vorübergehender 

Armlähmung rechts erlitten. Wahrscheinlich sei die Streifung auf eine Hirn-

Embolie ausgehend von Herzkammergerinnseln zurückzuführen. Es könne 

jedoch zwischen dem April 2008 und dem Datum der ABI-Begutachtung von 

einem stationären Verlauf ausgegangen werden, so dass die attestierte 

Restarbeitsfähigkeit von 50% in angepasster Tätigkeit ab dem 1. Mai 2008 

gelten könne.

4. Die IV-Stelle des Kantons Graubünden erliess am 21. September 2009 einen 

Vorbescheid, in welchem sie festhielt, dass ab dem 1. September 2007 

Anspruch auf eine ganze Invalidenrente und ab dem 1. August 2008 auf eine 

Viertelsrente bestehe. Seit dem 1. September 2006 (Beginn der einjährigen 

Wartezeit) sei die Versicherte in ihrer Arbeitsfähigkeit erheblich 

eingeschränkt. Bis Ende April 2008 sei ihr weder die Ausübung der bisherigen 

Tätigkeit noch eine andere Erwerbstätigkeit zumutbar gewesen. Im Frühling 

2008 habe sich der Gesundheitszustand der Versicherten verbessert. Seit Mai 

2008 könne sie in einer adaptierten Tätigkeit eine 50%ige Leistung erbringen, 

weshalb ihr ab dem 1. August 2008 nur noch eine Viertelsrente zugesprochen 

werden könne.

5. Mit dem Vorbescheid war die Versicherte insoweit nicht einverstanden, als die 

ganze Invalidenrente per 1. August 2008 auf eine Viertelsrente reduziert 

werden sollte, weshalb sie dagegen Einwand erhob. Sie machte geltend, dass 

eine Arbeitsfähigkeit von ca. 4 Stunden pro Tag nicht einer 50%igen 

Arbeitsfähigkeit entspreche, weil von einer wöchentlichen Arbeitszeit von 41.6 

Stunden auszugehen sei. Zudem sei für die Berechnung des Verdienstes mit 

Behinderung (Invalideneinkommen) ihre erlernte Tätigkeit als Schneiderin zu 

berücksichtigen. Somit ergebe der Einkommensvergleich einen IV-Grad von 

62.02%, weshalb sie Anspruch auf eine Dreiviertelsrente besitze.

6. Mit Verfügung vom 30. Juli 2010 bestätigte die IV-Stelle ihren Vorbescheid 

vollumfänglich. Der Vergleich des ermittelten Invalideneinkommens des 

Jahres 2008 von Fr. 23'115.46 mit dem unbestrittenen Valideneinkommen 

von Fr. 44'068.30 führe ab dem 1. Mai 2008 zu einem IV-Grad von 47.55%, 

aufgerundet 48%. Deshalb bestehe für die Versicherte ab dem 1. August 2008 

„nur“ noch ein Anspruch auf eine Viertelsrente. 

7. Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte am 9. September 2010 

Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Sie 

beantragte die Aufhebung der Verfügung sowie die Rückweisung der 

Angelegenheit zur weiteren Sachverhaltsabklärung an die IV-Stelle, an die 

Ausgleichskasse des Kantons Graubünden und an das ABI. Die 

Beschwerdeführerin forderte, dass mindestens eine Dreiviertelsrente 

zuzusprechen sei. In Bezug auf die Restarbeitsfähigkeit im ABI-Gutachten 

vermöge es nicht zu überzeugen, dass der Ärzteschaft nicht bewusst sei, dass 

die übliche durchschnittliche Arbeitszeit nicht 8, sondern 8.32 Stunden resp. 

8 Stunden und 20 Minuten pro Tag betrage. Weiter seien die Tabellenlöhne 

der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) falsch angewendet 

worden. Vorweg sei zu erwähnen, dass sie keine Parallelisierung der 

Vergleichseinkommen fordere und ihre Restarbeitsfähigkeit sehr wohl anders 

sehe als im ABI-Gutachten dokumentiert. Für die Bestimmung des 

Invalideneinkommens sei auf ihre erlernte Tätigkeit als Schneiderin 

abzustellen. Unter Berücksichtigung der Tabellenlöhne der LSE 2008 liege 

der monatliche Bruttolohn (Zentralwert bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 

40 Stunden) für die Herstellung von Bekleidung und Pelzwaren bei Fr. 3'886.--

. Auf der Basis der üblichen durchschnittlichen Arbeitszeit von 41.6 

Wochenstunden ergebe dies ein Jahresgehalt von Fr. 48'497.30. Bei einer 

Arbeitsfähigkeit von 40% und einem Leidensabzug von 10% ergebe dies ein 

hypothetisches Invalideneinkommen von Fr. 17'459.--. Beim 

Einkommensvergleich resultiere daraus ein Invaliditätsgrad von 60.38%, was 

einem Anspruch auf eine Dreiviertelsrente entspreche.

8. In ihrer Vernehmlassung vom 29. September 2010 beantragte die IV-Stelle 

die Abweisung der Beschwerde. Begründend führte sie aus, dass den Ärzten 

nicht bewusst sei, dass die übliche durchschnittliche Arbeitszeit nicht 8, 

sondern 8.32 Stunden (41.6 Stunden : 5) resp. 8 Stunden und 20 Minuten pro 

Tag betrage. Wenn der Kardiologe des ABI die von ihm festgestellte 

Restarbeitsfähigkeit von 50% in Stunden festlege, sei klar, dass er dies mit 

ca. 4 Stunden und nicht mit 4.16 Stunden pro Tag tue. Andererseits sei zu 

beachten, dass die übliche durchschnittliche Arbeitszeit auch Pausen 

enthalte, in der Regel zweimal je 15 Minuten. Die durchschnittliche effektive 

Arbeitszeit würde also nur 7 Stunden und 50 Minuten pro Tag betragen. Daher 

würde die der Versicherten pro Tag zumutbare Arbeitszeit (ca. 4 Stunden) 

mindestens 50% der durchschnittlichen effektiven Arbeitszeit entsprechen. 

Bei der Ermittlung des Invalideneinkommens sei auf den durchschnittlichen 

Lohn in allen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors abzustellen. Eine 

Ausnahme bestehe nur, wenn der Verwertbarkeit der verbliebenen 

Arbeitsfähigkeit derart enge Grenzen gesetzt seien, dass praktisch alle 

Tätigkeiten eines bestimmten Wirtschaftszweiges ausser Betracht fallen 

würden. Davon könne vorliegend keine Rede sein. Der Beschwerdeführerin 

seien sämtliche körperlich leichten, überwiegend sitzenden Tätigkeiten 

zumutbar. Zudem lasse die Beschwerdeführerin ausser Acht, dass sie in 

ihrem erlernten Beruf als Schneiderin über Berufs- und Fachkenntnisse 

verfüge, was ein Abstellen auf das Anforderungsniveau 3 rechtfertigen würde. 

Es wirke sich also zugunsten der Beschwerdeführerin aus, wenn das 

Invalideneinkommen mit dem Zentralwert aller Wirtschaftszweige 

(Anforderungsniveau 4) berechnet werde. Der IV-Grad von 48% sei somit 

nicht zu bemängeln.

9. In Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels wies die Beschwerdeführerin in 

ihrer Replik vom 12. Oktober 2010 darauf hin, dass in Bezug auf die 

Arbeitsfähigkeit die Einschätzung ihres Hausarztes vom ABI negiert worden 

sei, obwohl mehrere medizinische Berichte ein anderes Ergebnis festhalten 

würden. Weiter würden ihr aufgrund der Beurteilung des ABI mehrere 

Wirtschaftszweige verwehrt bleiben, weshalb die Berücksichtigung ihres 

erlernten Berufs als Schneiderin folgerichtig sei. Schliesslich sei der durch die 

IV-Stelle vorgenommene Leidensabzug von 10% zu tief.

10. Die IV-Stelle nahm zu diesen Vorbringen in ihrer Duplik vom 25. Oktober 2010 

Stellung. Einerseits habe das ABI die Einschätzung von Dr. med. … 

berücksichtigt und andererseits orientiere sich seine Beurteilung der 

Arbeitsfähigkeit an den tatsächlichen Gegebenheiten einschliesslich der 

Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin. Demgegenüber sei das ABI 

darauf spezialisiert, den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und die 

IV-rechtliche Arbeitsfähigkeit objektiv zu beurteilen. In Bezug auf den 

Leidensabzug sei schliesslich festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin 

nichts Stichhaltiges gegen den Abzug von 10% vorbringe.

Auf die weiteren Ausführungen in der angefochtenen Verfügung sowie in den 

Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen 

eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Anfechtungsobjekt im vorliegenden Beschwerdeverfahren bildet die 

Verfügung der IV-Stelle vom 30. Juli 2010. Zu Recht unbestritten ist die 

Zusprechung der ganzen Invalidenrente ab dem 1. September 2007. Streitig 

ist die Frage, ob die Beschwerdeführerin ab dem 1. August 2008 nur noch 

Anspruch auf eine Viertelsrente besitzt, wobei das ab dem 1. Mai 2008 

relevante Invalideneinkommen zu prüfen ist. Demgegenüber ist das 

Erwerbseinkommen ohne Behinderung (Valideneinkommen) im Umfang von 

Fr. 44'068.30 nicht beanstandet worden.

2. a) Als Invalidität gilt die durch einen körperlichen oder geistigen 

Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall 

verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde 

Erwerbsunfähigkeit (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die 

Invalidenversicherung [IVG] in Verbindung mit Art. 8 des Bundesgesetzes 

über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Der 

Versicherte hat bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% Anspruch auf 

eine Viertelsrente, ab 50% auf eine halbe Rente, ab 60% auf eine 

Dreiviertelsrente und ab 70% auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Bei 

erwerbstätigen Personen erfolgt die Bemessung der Invalidität aufgrund eines 

Einkommensvergleichs (Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG). 

Bei dieser Methode wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person 

nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen 

Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr 

zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitslage erzielen könnte (sog. 

Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie 

erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. 

Valideneinkommen). In der Regel erfolgt der Einkommensvergleich in der 

Weise, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig 

möglichst genau bestimmt und einander gegenübergestellt werden, worauf 

sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad ermitteln lässt (BGE 

130 V 343 E. 3.4.2 S. 349, 128 V 29 E. 1 S. 30). Für die Festsetzung des 

Invaliditätsgrades kommt es primär auf die wirtschaftliche Erwerbsunfähigkeit 

und nicht auf die medizinische Arbeitsunfähigkeit an (PVG 2005 Nr. 11 E. 1a 

S. 48 f., 1982 Nr. 80 S. 170). Ohne verlässliche medizinische 

Entscheidungsgrundlagen ist es jedoch nicht möglich, die Erwerbsunfähigkeit 

(Invaliditätsgrad) zu bestimmen.

b) Bei der Ermittlung des Invaliditätsgrades nach Art. 16 ATSG ist die Verwaltung 

und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ihnen 

Ärzte oder allenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. 

Aufgabe der Ärztin oder des Arztes ist es, den Gesundheitszustand zu 

beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich 

welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen 

Auskünfte und Befunde sind im Weiteren eine wichtige Grundlage für die 

Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person 

noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 S. 261, 115 V 133 E. 2 

S. 134, 114 V 310 E. 3c S. 314 f., 105 V 156 E. 1 S. 158 f.; EVG-Urteil I 640/02 

vom 6. Mai 2003, E. 2.1). Es ist hinsichtlich des Beweiswertes eines 

Arztberichtes entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange 

umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten 

Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) 

abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen 

Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation 

einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. 

Somit ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die 

Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahmen 

als Bericht oder Gutachten ausschlaggebend für den Beweiswert (BGE 125 V 

351 E. 3a S. 352). In Bezug auf Berichte von Hausärzten darf und soll das 

Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im 

Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher 

zugunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 124 I 170 E. 4 S. 175 mit 

Hinweisen).

3. a) Betreffend die Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsgeeigneten Tätigkeit 

stellt sich die Frage, ob die IV-Stelle zu Recht davon ausgeht, dass bei der 

Beschwerdeführerin seit dem 1. Mai 2008 eine 50%ige Arbeits- und 

Leistungsfähigkeit besteht. Die Beschwerdeführerin macht nämlich geltend, 

dass eine Arbeitsfähigkeit von ca. 4 Stunden pro Tag nicht mit einer 50%igen 

Arbeitsfähigkeit gleichgesetzt werden dürfe. Dem kann nicht gefolgt werden. 

Im ABI-Gutachten wird in Ziff. 4.2.5 S. 13 aus kardiologischer Sicht die 

Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin für eine körperlich leichte, 

überwiegend sitzende Tätigkeit auf ca. 4 Stunden pro Tag beziffert. In Ziff. 6.2 

S. 15 und in Ziff. 6.9 S. 16 des Gutachtens wird von einer Arbeits- und 

Leistungsfähigkeit von 50% in adaptierter Tätigkeit ausgegangen. Im Hinblick 

auf die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.6 Stunden würde 

eine Arbeitsfähigkeit von ca. 4 Stunden pro Tag lediglich einer Arbeitsfähigkeit 

von ca. 48% (20 von 41.6 Stunden) entsprechen. Die IV-Stelle legt indessen 

nachvollziehbar dar, dass den Ärzten bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit 

die übliche durchschnittliche Arbeitszeit nicht bewusst ist und sie 

normalerweise von 8 Stunden pro Tag ausgehen, weshalb eben die 4 

Stunden pro Tag einer Arbeitsfähigkeit von 50% entsprechen. Nur am Rande 

sei dazu erwähnt, dass Pausen grundsätzlich nicht als Arbeitszeit gelten (vgl. 

Art. 15 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und 

Handel [Arbeitsgesetz, ArG]). Deshalb versteht sich die übliche 

durchschnittliche Arbeitszeit in der Regel ohne Arbeitspausen. Die Einwände 

der Beschwerdeführerin zur Einschätzung der Restarbeitsfähigkeit durch das 

ABI sind damit unbegründet. Es ist nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle 

in Anlehnung an das ABI-Gutachten von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit 

ausgeht. 

b) Entgegen der Darstellung der Beschwerdeführerin hat das ABI in Bezug auf 

die Arbeitsfähigkeit die Einschätzung von Dr. med. … berücksichtigt und sich 

dazu geäussert. Zu bemängeln ist in dieser Hinsicht jedoch, dass dessen 

Aussagen zur Arbeitsfähigkeit im ABI-Gutachten nicht vollständig bzw. nicht 

korrekt zitiert worden sind. In Ziff. 6.6 des Gutachtens wird festgehalten, dass 

übereinstimmend zum Hausarzt Dr. med. … die Arbeitsunfähigkeit in der 

angestammten Tätigkeit bestätigt werden könne. Zu Verweistätigkeiten habe 

sich Dr. med. … nicht geäussert. Dies trifft so nicht zu. Dr. med. … hat in 

seinem Arztbericht vom 25. bzw. 28. Mai 2008 festgestellt, dass der 

versicherten Person weder die bisherige Tätigkeit noch eine andere Tätigkeit 

zumutbar sei. Die Patientin sei wohl längerfristig nie mehr arbeitsfähig. In 

seinem Bericht vom 15. Januar 2009 hat Dr. med. … diese Beurteilung der 

Arbeitsfähigkeit bestätigt. Zur Frage einer behinderungsangepassten 

Tätigkeit hat er in diesem Bericht angegeben, dass der Patientin vorerst keine 

Arbeit mehr zumutbar sei. Dr. med. … hat aber gleichzeitig auch darauf 

hingewiesen, dass die Patientin kardial kompensiert sei und die 

Mitralklappenprothese ausgezeichnet funktioniere. In der im April 2008 

durchgeführten EKG-Untersuchung hätten keine Rhythmusstörungen mehr 

nachgewiesen werden können. Objektiv sei die Prognose bezüglich dem Herz 

nach der erfolgreichen Operation günstig. Unter Berücksichtigung dieser 

Beurteilung erscheint dem Gericht die vom ABI attestierte Arbeitsfähigkeit von 

50% nachvollziehbar. Dies gilt umso mehr, als das Gericht in Bezug auf 

Berichte von Hausärzten der Erfahrungstatsache Rechnung tragen darf und 

soll, dass diese im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in 

Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. vorstehende 

Erwägung Ziff. 2b).

c) Dr. med. …, RAD Ostschweiz, hält in seiner Stellungnahme vom 15. 

September 2009 fest, dass die attestierte Restarbeitsfähigkeit von 50% in 

adaptierter Tätigkeit ab dem 1. Mai 2008 gelte. Begründend führt er aus, dass 

zwischen der ambulanten postoperativen Herzkontrolle vom 28. April 2008 

und dem Datum der ABI-Begutachtung von einem stationären Verlauf 

ausgegangen werden könne. Diese Beurteilung überzeugt das Gericht nicht. 

Zum einen äussert sich das ABI-Gutachten, welches sich auf Untersuchungen 

der Beschwerdeführerin im Juli 2009 stützt, nicht zum Beginn der 

Restarbeitsfähigkeit und zum anderen hält Dr. med. … noch im Januar 2009 

fest, dass auch in behinderungsangepasster Tätigkeit eine vollständige 

Arbeitsunfähigkeit besteht. Deshalb ist es für das Gericht naheliegender, erst 

ab dem Datum der Untersuchungen der Beschwerdeführerin im ABI am 6. 

bzw. 28. Juli 2009 von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit 

auszugehen. Unter Berücksichtigung der dreimonatigen Anpassungsfrist 

nach Verbesserung des Gesundheitszustandes ist der Beginn des Anspruchs 

auf eine Viertelsrente auf den 1. November 2009 festzulegen (vgl. Art. 88a 

Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV]). Bis Ende 

Oktober 2009 steht der Beschwerdeführerin damit unverändert eine ganze 

Invalidenrente zu.

4. a) Das Invalideneinkommen wurde hingegen korrekt berechnet. Wie die IV-

Stelle zu Recht erwähnt, sind für die Festsetzung des Invalideneinkommens 

aufgrund von Tabellenlöhnen gemäss LSE in der Regel die Lohnverhältnisse 

im gesamten privaten Sektor massgebend. Eine Ausnahme besteht nur dann, 

wenn der Verwertbarkeit der verbliebenen Arbeitsfähigkeit derart enge 

Grenzen gesetzt sind, dass praktisch alle Tätigkeiten eines bestimmten 

Sektors ausser Betracht fallen (vgl. BGE 129 V 472 E. 4.3.2 S. 483 f.; RKUV 

2001 Nr. U 439 E. 3c/cc S. 348 f.; Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts 

zum IVG, 2. Aufl., 2010, S. 313 f.). Im vorliegenden Fall sind keine 

Anhaltspunkte ersichtlich, welche eine solche Ausnahme begründen und ein 

Abstellen auf den Wirtschaftszweig „Herstellung von Bekleidung und 

Pelzwaren“ – wie dies die Beschwerdeführerin verlangt – rechtfertigen 

würden. Gemäss ärztlicher Einschätzung sind der Beschwerdeführerin 

sämtliche körperlich leichten, überwiegend sitzenden Tätigkeiten zumutbar. 

Ausserdem lässt die Beschwerdeführerin ausser Acht, dass sie in ihrem 

erlernten Beruf als Schneiderin über Berufs- und Fachkenntnisse verfügt. Zu 

Recht weist die IV-Stelle darauf hin, dass auf das Anforderungsniveau 3 

abgestellt werden müsste, wenn für die Ermittlung des Invalideneinkommens 

vom erlernten Beruf der Beschwerdeführerin auszugehen wäre. Gemäss LSE 

2008 würde diesfalls der monatliche Bruttolohn (Zentralwert) im 

Wirtschaftszweig „Herstellung von Bekleidung und Pelzwaren“ bei Fr. 4'235.-

- und im Wirtschaftszweig „Textilgewerbe“ bei Fr. 4'436.-- und damit höher 

liegen. Das Vorgehen der IV-Stelle, beim Invalideneinkommen auf den 

Zentralwert aller Wirtschaftszweige (Anforderungsniveau 4) abzustellen, wirkt 

sich damit zum Vorteil der Beschwerdeführerin aus.

b) Die IV-Stelle hat einen Leidensabzug von 10% gewährt, da der 

Beschwerdeführerin nur noch leichte Tätigkeiten zumutbar sind. Das ist nicht 

zu beanstanden. Die Beschwerdeführerin bringt nichts Stichhaltiges vor, was 

zu einer anderen Beurteilung führen müsste. Bei einer versicherten Person, 

die leichte Hilfsarbeiten ohne weitere Einschränkungen noch halbtags 

verrichten kann, gilt ein Leidensabzug von 10% als angemessen (Meyer, 

a.a.O., S. 315). Dies gilt umso mehr, als sich Teilzeitbeschäftigungen bei 

Frauen, insbesondere bei einem Pensum von 50%, im Vergleich zu einer 

Vollzeitbeschäftigung eher lohnerhöhend auswirken (EVG-Urteil I 575/00 vom 

9. Mai 2001, E. 3b).

c) Gemäss den vorstehenden Ausführungen berechnet sich das 

Invalideneinkommen demnach wie folgt: Der monatliche Bruttolohn 

(Zentralwert bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden) für einfache 

und repetitive Tätigkeiten (Anforderungsniveau 4) im privaten Sektor bei 

Frauen belief sich im Jahr 2008 gemäss Tabelle TA1 der LSE 2008 

durchschnittlich auf Fr. 4'116.--. Dies ergibt auf der Basis der üblichen 

durchschnittlichen Arbeitszeit von 41.6 Wochenstunden ein Jahresgehalt von 

Fr. 51'367.68 (Fr. 4'116.-- : 40 x 41.6 x 12). Für das Jahr 2008 resultiert damit 

bei einer Arbeitsfähigkeit von 50% und einem Leidensabzug von 10% ein 

hypothetisches Invalideneinkommen von Fr. 23'115.46 (Fr. 51'367.68 x 0.5 x 

0.9). Wenn der Beginn der 50%igen Arbeitsfähigkeit auf den 1. August 2009 

festgesetzt wird, ändert dies am IV-Grad nichts. Das unbestrittene 

Valideneinkommen von Fr. 44'068.30 und das Invalideneinkommen von 

Fr. 23'115.46, welche beide für das Jahr 2008 ermittelt worden sind, müssen 

der Nominallohnentwicklung angepasst werden. Für das Jahr 2009 betrug die 

Teuerung 2.1% (Bundesamt für Statistik, Lohnentwicklung 2009, Tabelle 

T1.93, S. 22), womit sich ein Valideneinkommen von Fr. 44’993.75 und ein 

Invalideneinkommen von Fr. 23'600.90 ergibt. Aus dem 

Einkommensvergleich resultiert damit ein IV-Grad von 47.55%, aufgerundet 

48%. Dieses Ergebnis stimmt mit dem IV-Grad gemäss der angefochtenen 

Verfügung vom 30. Juli 2010 (ohne Berücksichtigung der Teuerung 2009) 

überein.

5. Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beginn der Viertelsrente anstatt auf 

den 1. August 2008 auf den 1. November 2009 (gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV 

dreimonatige Anpassungsfrist nach Verbesserung des 

Gesundheitszustandes) festzusetzen ist. Bis Ende Oktober 2009 steht der 

Beschwerdeführerin eine ganze Invalidenrente zu. Im Übrigen erweist sich die 

angefochtene Verfügung als rechtmässig. Die Beschwerde wird damit 

teilweise gutgeheissen. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das 

Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die 

Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Gerichtskosten werden 

nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen 

von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Vorliegend setzt das Gericht die 

Kosten auf Fr. 700.-- fest. Entsprechend dem Ausgang dieses Verfahrens 

werden die Gerichtskosten je zur Hälfte der Beschwerdeführerin und der IV-

Stelle auferlegt. Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde 

führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Im vorliegenden Fall 

steht der Beschwerdeführerin eine aussergerichtliche Entschädigung nicht zu, 

weil sie nicht anwaltlich vertreten ist. Die IV-Stelle hat ebenfalls keinen 

Anspruch auf eine aussergerichtliche Entschädigung (Art. 61 lit. g ATSG e 

contrario).

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen teilweise gutgeheissen und 

der Beginn der Viertelsrente auf den 1. November 2009 anstatt auf den 1. 

August 2008 festgesetzt. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen.

2. Die Kosten von Fr. 700.-- gehen je zur Hälfte zulasten von … und der 

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden, IV-Stelle, und sind innert 

30 Tagen seit Zustellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des 

Kantons Graubünden, Chur, zu bezahlen.