# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 71e955c5-ad02-518c-aa14-7efe3c148d2f
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-02-26
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 26.02.2014 VG.2013.00100 (VG.2014.9)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2013-00100_2014-02-26.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 26. Februar 2014

  
	
   

  
	
   

  
	
  I. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2013.00100

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführer

    
	
     

    	
     

    
	
    vertreten durch Rechtsanwalt
    B.______

    	
     

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    Sicherheit und Justiz
    Staats- und 

    	
    Beschwerdegegnerin

    
	
    Jugendanwaltschaft des
    Kantons Glarus

    	
     

    
			

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Führerausweisentzug

  
	
   

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung: 

  
	
  I. 

  
	
  1.

  
	
  1.1 A.______, geboren 1994, verursachte am
  13. Dezember 2008 als Lenker eines Motorfahrrades einen Verkehrsunfall
  in Niederurnen, als er von der Bernhard-Simon-Strasse her kommend auf die
  Schiltstrasse einbiegen wollte. Dabei geriet er auf die Gegenfahrbahn, wo er
  mit einem korrekt entgegenkommenden Personenwagen frontal kollidierte und
  sich leicht verletzte. Zudem wurde bei der Kontrolle des Motorfahrrades
  festgestellt, dass dieses nicht in vorschriftsgemässem Zustand war, weshalb
  der Rahmen inklusive Federgabel, Lenkstange, der Vergaser inklusive
  Hauptdüse, die Auspuffanlage sowie das Keilriemenpoulie beschlagnahmt wurden.
  Am 12. Februar 2009 bestrafte die Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus
  A.______ wegen ungenügender Aufmerksamkeit, Nichtanpassens der
  Geschwindigkeit an die gegebenen Sichtverhältnisse sowie ungenügenden Rechtsfahrens
  und Lenkens und Inverkehrbringens eines Motorfahrrades in nicht
  vorschriftsgemässem und nicht betriebssicherem Zustand mit einem Verweis. Mit
  Verfügung vom 31. August 2010 wurde A.______ zudem in Anwendung von
  Art. 16b Abs. 1 lit. a und Abs. 2 lit. a des Strassenverkehrsgesetzes
  vom 19. Dezember 1958 (SVG) der Führerausweis der Spezialkategorie M
  (Motorfahrrad) für einen Monat entzogen.

  
	
   

  
	
  1.2 Am 23. August 2011 wurde A.______ als Lenker
  eines Motorfahrrades auf der Landstrasse, Höhe Einmündung Sandstrasse, von
  der Polizei angehalten. Bei der anschliessenden Kontrolle wurde festgestellt,
  dass er erneut unerlaubte Änderungen an seinem Motorfahrrad vorgenommen hatte
  und sich das Fahrzeug in nicht vorschriftsgemässem Zustand befand. Die
  zuständige Jugendanwaltschaft bestrafte A.______ mit Strafbefehl vom
  23. November 2011 wegen mehrfacher Widerhandlungen gegen das Strafgesetz
  und mehrfacher Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz mit einer
  Busse von Fr. 180.-. Da ihm mit Verfügung vom 31. August 2010 der
  Führerausweis für Motorfahrräder bereits für einen Monat entzogen worden war,
  wurde ihm mit Verfügung vom 21. Juni 2012 in Anwendung von Art. 16b Abs. 2 lit. b
  SVG der Führerausweis für Motorfahrräder für vier Monate entzogen, wobei der
  Entzug gemäss Art. 33 Abs. 4 lit. b der Verordnung über die Zulassung
  von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr vom 27. Oktober 1976
  (Verkehrszulassungsverordnung, VZV) auf alle Kategorien und Unterkategorien
  ausgedehnt wurde.

  
	
   

  
	
  2. 

  
	
  2.1 Am 28. März 2013, ca. 22.20 Uhr, lenkte
  A.______ seinen Personenwagen innerorts vom Parkplatz unmittelbar neben der
  A3-Bar in Pfäffikon SZ auf die sechs Meter breite, keine
  Mittelleitlinien-Markierung aufweisende Talstrasse, wo er seinen Personenwagen
  in Fahrtrichtung Seedamm-Center beschleunigte. Auf der Höhe des Eingangs der
  A3-Bar erfasste er infolge mangelnder Aufmerksamkeit und trotz eingeleiteter
  Vollbremsung den die Strasse überquerenden C.______, welcher durch den Aufprall
  seitlich zu Boden geschleudert und verletzt wurde. A.______ erkundigte sich
  bei C.______ nach dessen Befinden und begleitete ihn in die A3-Bar. Daraufhin
  hinterliess er seine Telefonnummer und verliess kurz darauf die Unfallstelle,
  ohne jedoch die Polizei benachrichtigt zu haben.

  
	
   

  
	
  2.2 Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Höfe
  Einsiedeln vom 14. Juni 2013 wurde A.______ der fahrlässigen einfachen
  Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 des Schweizerischen
  Strafgesetzbuches vom 21. Dezember 1937 (StGB), der fahrlässigen groben
  Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG, der
  versuchten Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit im
  Sinne von Art. 91a Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, des
  vorsätzlichen pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall im Sinne von Art. 92
  Abs. 2 SVG sowie der mehrfachen vorsätzlichen einfachen Verletzung der
  Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG schuldig gesprochen und
  mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 30.-, total
  Fr. 3'600.-, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren,
  sowie einer Busse von Fr. 1'100.- bestraft. 

  
	
   

  
	
  2.3 Die Staats- und Jugendanwaltschaft des Kantons
  Glarus, Abteilung Administrativmassnahmen, wies A.______ bereits am
  30. April 2013 darauf hin, dass gegen ihn eine administrative Untersuchung
  geführt werde, die insbesondere den Entzug des Führerausweises oder eine
  Verwarnung zur Folge haben könnte. Gleichzeitig teilte sie ihm die Sistierung
  des Verfahrens bis zum Vorliegen des rechtskräftigen Strafentscheids mit. Am
  26. Juli 2013 wurde A.______ von der Abteilung Administrativmassnahmen
  das rechtliche Gehör gewährt, wobei sich dieser nicht vernehmen liess. 

  
	
   

  
	
  2.4 Mit Verfügung vom 2. Oktober 2013 entzog ihm
  die Abteilung Administrativmassnahmen aufgrund einer schweren Widerhandlung gegen
  die Strassenverkehrsvorschriften gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a und Abs.
  2 lit. c SVG den Führerausweis für zwölf Monate. Da A.______ der
  Führerausweis lediglich auf Probe erteilt worden war (Art. 15a Abs. 1
  SVG), verlängerte die Abteilung Administrativmassnahmen gleichzeitig die
  Probezeit um ein weiteres Jahr bis zum 25. Oktober 2016 (Art. 15a
  Abs. 3 SVG und Art. 35 VZV). 

  
	
   

  
	
  3. 

  
	
  Am 16. Oktober 2013
  erhob A.______ Beschwerde beim Verwaltungsgericht und beantragte sinngemäss
  die Aufhebung der Verfügung vom 2. Oktober 2013 sowie die Reduktion des
  Führerausweisentzugs von zwölf auf drei Monate. Eventualiter sei die Sache
  zur Neubeurteilung zurückzuweisen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
  zu Lasten der Abteilung Administrativmassnahmen. Die Verlängerung der Probezeit
  wurde vom Beschwerdeführer nicht angefochten.

  
	
   

  
	
  Die Abteilung
  Administrativmassnahmen beantragte mit Beschwerdeantwort vom
  13. Dezember 2013 die Abweisung der Beschwerde.

  
	
   

  
	
  II. 

  
	
  1.

  
	
  1.1 Verfügungen über Administrativmassnahmen im
  Strassenverkehr unterliegen gemäss Art. 5 Abs. 3 des Einführungsgesetzes zum
  Bundesgesetz über den Strassenverkehr vom 5. Mai 1985 (EG SVG) unmittelbar
  der Beschwerde an das Verwaltungsgericht. Das Verwaltungsgericht ist daher
  zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Da auch die übrigen
  Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

  
	
   

  
	
  1.2 Gemäss Art. 107 Abs. 2 lit. e des Gesetzes über die
  Verwaltungsrechtspflege vom 4. Mai 1986 (VRG) i.V.m. Art. 5 Abs. 3 EG
  SVG überprüft das Verwaltungsgericht Administrativmassnahmen im
  Strassenverkehr vollumfänglich, d.h. auch bezüglich der Angemessenheit.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Nach Widerhandlungen gegen die
  Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das Verfahren nach dem
  Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 (OBG) ausgeschlossen ist, wird gemäss
  Art. 16 Abs. 2 SVG der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine
  Verwarnung ausgesprochen. Das Gesetz unterscheidet zwischen leichter,
  mittelschwerer und schwerer Widerhandlung (Art. 16a-16c SVG). Nach einer
  leichten Widerhandlung wird die fehlbare Person verwarnt, wenn in den
  vergangenen zwei Jahren der Ausweis nicht entzogen und keine andere
  Administrativmassnahme verfügt worden war, ansonsten wird der Ausweis für
  mindestens einen Monat entzogen; in besonders leichten Fällen wird auf
  jegliche Massnahmen verzichtet (Art. 16a Abs. 2-4 SVG). Nach einer
  mittelschweren Widerhandlung ist der Ausweis für mindestens einen Monat zu
  entziehen (Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG), nach einer schweren Widerhandlung
  für mindestens drei Monate (Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG).

  
	
   

  
	
  2.2 Die Bestimmungen zu den
  Administrativmassnahmen wurden auf den 1. Januar 2005 hin
  verschärft, wobei das revidierte SVG neu bei schweren Widerhandlungen gegen
  das Strassenverkehrsgesetz abgestufte Mindestdauern der Ausweisentzüge
  vorsieht (Art. 16c Abs. 2 SVG). Die
  gesetzliche Abstufung trägt dabei dem Umstand Rechnung, ob bereits frühere
  (mittelschwere oder schwere) Widerhandlungen erfolgt sind und wie weit diese
  zeitlich zurückliegen (sogenanntes Kaskadensystem der Mindestentzugsdauer).
  Erfolgte in den fünf Jahren vor der neu zu beurteilenden schweren
  Widerhandlung kein Ausweisentzug (wegen einer zumindest mittelschweren
  Widerhandlung), beträgt die Mindestentzugsdauer drei Monate
  (Art. 16c Abs. 2 lit. a i.V.m. lit. b-c SVG). Der
  Gesetzgeber wollte damit insbesondere Ersttäter sowie Personen privilegieren,
  welche zeitlich weit zurückliegende Widerhandlungen begangen haben (Philippe
  Weissenberger, Kommentar zum Strassenverkehrsgesetz, Zürich/St. Gallen 2011,
  Art. 16c N. 32). 

  
	
   

  
	
  Wurde hingegen in den
  vorangegangenen fünf Jahren der Führerausweis bereits einmal wegen einer
  mittelschweren Widerhandlung entzogen, so wird er nach einer schweren
  Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften für mindestens sechs
  Monate entzogen (Art. 16c Abs. 2 lit. b SVG). Für mindestens zwölf
  Monate wird der Führerausweis nach einer schweren Widerhandlung entzogen,
  wenn in den vorangegangenen fünf Jahren der Ausweis bereits einmal wegen
  einer schweren Widerhandlung oder zweimal wegen mittelschweren
  Widerhandlungen entzogen wurde (Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Die Verwaltungsbehörde, die über einen
  Führerausweisentzug zu befinden hat, ist grundsätzlich an die Feststellung
  des Sachverhalts durch den Strafrichter gebunden. Eine Abweichung ist nur
  dann zulässig, wenn die Behörde ihrem
  Entscheid Tatsachen zugrunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren, sich
  die Erhebung zusätzlicher Beweise aufdrängt, die Beweiswürdigung des
  Strafrichters eindeutig im Widerspruch zur Tatsachenlage stand oder wenn der
  Strafrichter nicht alle sich mit dem Sachverhalt stellenden Rechtsfragen
  abklärte (BGE 124 II 103 E. 1c/aa, 123 II 97 E. 3c/aa; 121 II 127
  E. 5, 119 Ib 158 E. 3c/bb). 

  
	
   

  
	
  Die Verwaltungsbehörde ist unter bestimmten Umständen
  auch an einen Strafentscheid gebunden, der in einem summarischen Verfahren
  ergangen ist, selbst wenn er ausschliesslich auf einem Polizeirapport beruht.
  Dies gilt namentlich dann, wenn der Beschuldigte wusste oder davon ausgehen
  musste, dass neben dem Strafverfahren ein Administrativverfahren eröffnet
  wird. Derjenige, der weiss oder annehmen muss, dass gegen ihn ein
  Führerausweisentzugsverfahren durchgeführt wird, muss seine
  Verteidigungsrechte somit schon im (summarischen) Strafverfahren geltend
  machen (BGE 123 II 97 E. 3c/aa; BGer-Urteil 6A.86/2006 vom 28. März 2007
  E. 2).

  
	
   

  
	
  4. 

  
	
  4.1 Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, am
  28. März 2013 eine schwere Widerhandlung gegen die
  Strassenverkehrsvorschriften im Sinne von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG begangen
  zu haben. Er macht jedoch geltend, dass gemäss bundesgerichtlicher
  Rechtsprechung ein Führerausweisentzug der Spezialkategorie M, welcher nicht
  auf einen ordentlichen Führerausweis ausgedehnt worden sei, nicht zu einem
  Rückfall führen könne. Da er bei seinen früheren Führerausweisentzügen der
  Spezialkategorie M in den Jahren 2010 und 2012 aufgrund seines Alters noch
  nicht über einen ordentlichen Führerausweis verfügt habe und sich deshalb die
  Frage einer Ausdehnung des Führerausweisentzugs gar nicht stelle, sei die
  Rückfallregelung von Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG nicht anwendbar
  (BGE 128 II 187, zum alten Recht). Die Beschwerdegegnerin habe seine
  Sanktionsempfindlichkeit erkannt, weshalb für seine schwere Widerhandlung
  gegen die Strassenverkehrsvorschriften lediglich die Mindestentzugsdauer von
  drei Monaten anzuordnen sei (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). 

  
	
   

  
	
  4.2 Die Beschwerdegegnerin führt aus, dass die beiden
  bereits erfolgten Führerausweisentzüge der Spezialkategorie M entgegen der
  Meinung des Beschwerdeführers kaskadenrelevant seien und folglich von einem
  Rückfall im Sinne von Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG auszugehen sei. Da die neuen
  Rückfallbestimmungen nicht danach differenzieren würden, auf welche Kategorie
  sich der frühere Ausweisentzug zu beziehen habe, könne der vom
  Beschwerdeführer zitierte Bundesgerichtsentscheid zum alten Recht für die
  heutige Rechtsprechung keine Geltung mehr beanspruchen. Eventualiter sei auch
  noch auf die Mindermeinung einzugehen, wonach ein Entzug des Führerausweises
  der Spezialkategorie M nur dann kaskadenrelevant sei, wenn er gemäss
  Art. 33 Abs. 4 lit. b VZV auf jene Kategorie ausgedehnt wurde, mit
  welcher die zweite Widerhandlung begangen worden sei. Sei die Person jedoch –
  wie im vorliegenden Fall – noch nicht im Besitz eines ordentlichen
  Führerausweises, so sei hypothetisch danach zu fragen, ob der Entzug der
  Spezialkategorie M auch auf die übrigen Kategorien ausgedehnt worden wäre,
  wenn der Betroffene zum damaligen Zeitpunkt einen Führerausweis für die
  übrigen Kategorien und Unterkategorien besessen hätte (Art. 3 Abs. 1 und 2
  VZV). In Anbetracht der erheblichen Gefährdung, welche der Beschwerdeführer
  bei seinen früheren beiden Führerausweisentzügen geschaffen habe, und
  aufgrund seines schweren Verschuldens wären die Führerausweisentzüge der Spezialkategorie
  M auch auf die übrigen Kategorien und Unterkategorien ausgedehnt worden, wenn
  er einen solchen Führerausweis besessen hätte. Folglich seien auch gemäss der
  Mindermeinung die früheren beiden Ausweisentzüge der Spezialkategorie M
  kaskadenrelevant und daher die Rückfallbestimmung von Art. 16c Abs. 2
  lit. c SVG anzuwenden, welche eine Mindestentzugsdauer von zwölf Monaten
  vorsehe.

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  Strittig und vorliegend zu
  prüfen ist, ob die früheren Führerausweisentzüge der Spezialkategorie M
  kaskadenrelevant sind und folglich die Rückfallbestimmung von
  Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG anzuwenden ist, welche einen
  Führerausweisentzug von mindestens zwölf Monaten vorsieht. 

  
	
   

  
	
  5.1 Das Bundesgericht hatte am 25. Februar 2002
  einen Fall zu beurteilen, in welchem einem minderjährigen Lenker der
  Führerausweis für Motorfahrräder für die Dauer von zwei Monaten entzogen
  worden war, weil er an zwei Motorfahrrädern unzulässige Änderungen
  vorgenommen hatte. Es hielt dazu fest, es müsse bei Führerausweisentzügen der
  Spezialkategorie M immer zuerst unterschieden werden zwischen Motorfahrradlenkern,
  welche zusätzlich einen (ordentlichen) Führerausweis der in
  Art. 3 Abs. 1 VZV aufgezählten Kategorien besitzen würden und
  solchen, welche lediglich über einen Führerausweis für Motorfahrräder
  verfügten. Bei der ersten Gruppe habe die Entzugsbehörde gleichzeitig mit dem
  Anordnen des Fahrverbots für Motorfahrräder zu entscheiden, ob diese
  Massnahme auch einen Führerausweisentzug der in Art. 3 Abs. 1 VZV
  genannten Kategorien zur Folge habe (aArt. 37 Abs. 1 VZV). Werde das
  Fahrverbot für Motorfahrräder nicht auf den ordentlichen Führerausweis
  ausgedehnt und führe die begangene Widerhandlung zu einem obligatorischen Entzug
  des ordentlichen Führerausweises, so komme die in aArt. 17 Abs. 1
  lit. c SVG vorgesehene Rückfallregelung nicht zur Anwendung (BGE 114 Ib
  41 E. 3, mit Hinweisen). Besitze ein Lenker lediglich einen Führerausweis für
  Motorfahrräder – sei es aus Altersgründen oder aus freiem Entschluss –
  und werde ihm dieser entzogen, so stelle sich die Frage einer Ausdehnung auf
  den ordentlichen Führerausweis nicht (BGE 128 II 187 E. 1).

  
	
   

  
	
  5.2 Der per 1. April 2003 in Kraft getretene aArt. 34
  Abs. 4 VZV änderte nichts an der bundesgerichtlichen Praxis zur Rückfallregelung
  von aArt. 17 Abs. 1 lit. c SVG und hielt lediglich fest, dass die
  Entzugsbehörde bei einer Widerhandlung mit einem Motorfahrzeug einer
  Spezialkategorie auch den Entzug des Führerausweises für Motorfahrzeuge der
  Kategorien oder Unterkategorien verfügen könne (vgl. Art. 3
  Abs. 1 und 2 VZV), was aber bereits zuvor möglich gewesen war. Auch der
  per 1. Januar 2005 in Kraft getretene Art. 33 Abs. 4 lit. b VZV
  enthält keine materielle Änderung, sondern statuiert lediglich erneut die
  Möglichkeit der Entzugsbehörde, gleichzeitig mit dem Lernfahr- oder dem
  Führerausweis einer Spezialkategorie auch den Lernfahr- oder den
  Führerausweis der Kategorien und Unterkategorien gemäss Art. 3
  Abs. 1 und 2 SVG entziehen zu können. 

  
	
   

  
	
  5.3 Hat sich die Verkehrszulassungsverordnung aber in
  materieller Hinsicht nicht geändert, gilt die Praxis des Bundesgerichts
  weiterhin. Die Argumente des Bundesgerichts, wonach einerseits der
  Gesetzgeber Motorfahrradführer wegen der geringeren Gefährdung anderer
  Verkehrsteilnehmer weniger streng behandeln wolle als Motorfahrzeugführer,
  und anderseits zu beachten sei, dass zur Erlangung des Führerausweises für
  Motorfahrräder lediglich eine vereinfachte theoretische Prüfung abgelegt
  werden muss, gelten weiterhin. So ist es auch unter der Herrschaft des neuen
  Rechts nicht gerechtfertigt, den Motorfahrradführer, der eine weniger
  umfassende Ausbildung genossen hat, die gleichen Konsequenzen tragen zu
  lassen wie den Motorfahrzeugführer, der hinsichtlich der Gefahren im
  Strassenverkehr besonders sensibilisiert worden ist. Daher ist weiterhin
  davon auszugehen, dass bei einer früheren Anordnung eines
  Führerausweisentzugs der Spezialkategorie M bzw. eines Fahrverbots für Motorfahrräder
  ohne Ausdehnung auf den ordentlichen Führerausweis die Rückfallregelungen
  gemäss Art. 16a-c SVG keine Anwendung finden. Auch ist eine Ausdehnung
  des Führerausweisentzugs auf den ordentlichen Führerausweis weiterhin nur möglich,
  wenn der Lenker des Fahrzeugs bereits über einen solchen verfügt (vgl. dazu
  Weissenberger, Vor Art. 16 ff. N. 13). Daraus folgt, dass die mit der
  Revision des Massnahmenrechts erfolgte Verschärfung der Sanktionen im Bereich
  der Kaskadenrelevanz früherer Ausweisentzüge für Motorfahrräder keinen
  Niederschlag gefunden hat (vgl. Botschaft des Bundesrats zur Änderung des
  Strassenverkehrsgesetzes [SVG] vom 31. März 1999, BBl 1999 IV
  4462).

  
	
   

  
	
  Daran mag auch der Einwand
  der Beschwerdegegnerin, die neuen Rückfallbestimmungen von Art. 16c Abs. 2
  SVG würden nicht danach unterscheiden, auf welche Kategorie sich der frühere
  Ausweisentzug zu beziehen habe, nichts zu ändern, denn auch aArt. 17 Abs. 1
  lit. c SVG sah keine Differenzierung zwischen den Ausweiskategorien vor.

  
	
   

  
	
  5.4 Aus dem Dargelegten ergibt sich, dass der erste
  Entzug des Führerausweises für Motorfahrräder nicht kaskadenrelevant ist. Der
  zweite Entzug wurde zwar auf sämtliche Kategorien und Unterkategorien
  ausgedehnt. Dies war aber nicht zulässig, da der Beschwerdeführer nur Inhaber
  eines Führerausweises für Motorfahrräder war und sich die Frage einer Ausdehnung
  des Entzugs gar nicht stellen konnte. Damit ist auch der zweite Entzug des
  Führerausweises nicht kaskadenrelevant.

  
	
   

  
	
  6.

  
	
  6.1 Obschon die früheren Ausweisentzüge des
  Beschwerdeführers nicht kaskadenrelevant sind und folglich die Rückfallregel
  gemäss Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG keine Anwendung findet, hat dies nicht
  zwingend zur Folge, dass der Führerausweis lediglich für die Mindestdauer von
  drei Monaten gemäss Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG zu entziehen ist.

  
	
   

  
	
  Bei der Festsetzung der
  Dauer des Führerausweisentzugs sind nämlich die Umstände des Einzelfalls zu
  berücksichtigen, namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das
  Verschulden, der Leumund als Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit,
  ein Motorfahrzeug zu führen. Die in Art. 16 Abs. 3 SVG beispielhaft genannten
  Zumessungsfaktoren sind gesamthaft zur würdigen und die Entzugsdauer im
  Einzelfall so festzusetzen, dass die mit der Massnahme beabsichtigte erzieherische
  und präventive Wirkung am besten erreicht wird (BGE 128 II 173 E. 4b;
  124 II 44 E. 1). 

  
	
   

  
	
  6.2 Vorliegend kam es am 28. März 2013 zu einem
  Unfall, als der Beschwerdeführer beim Beschleunigen seines Autos den die
  Strasse überquerenden C.______ übersehen hatte und zu spät bremste. Es
  entspricht einem erheblichen Verschulden, dass er seine Geschwindigkeit den
  schlechten Sichtverhältnissen nicht anpasste und nicht vorsichtiger fuhr. Als
  Besucher der A3-Bar wusste er um die gefährliche Verkehrs- und
  Parkplatzsituation und hat mit seinem Verhalten nicht nur eine erhöhte abstrakte
  Gefährdung der Fussgänger geschaffen, sondern konkret durch sein Verhalten
  einen Menschen verletzt. Weiter zu berücksichtigen ist, dass der Beschwerdeführer
  bereits über einen getrübten Leumund verfügt, da er mit seinem Motorfahrrad
  im Dezember 2008 und im August 2011 jeweils mittelschwere Widerhandlungen
  gegen die Strassenverkehrsvorschriften beging. Seit dem letzten
  Führerausweisentzug vom 21. Juni 2012 und dem für den vorliegenden
  Führerausweisentzug massgebenden Unfall ist zudem nur ein gutes halbes Jahr
  vergangen. Damit zeigte sich der Beschwerdeführer uneinsichtig, obwohl er in
  der Verfügung vom 21. Juni 2012 darauf hingewiesen worden war, dass künftige
  Verfehlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften deutlich schärfere
  Massnahmen zur Folge hätten. Nicht abzusprechen ist ihm hingegen eine gewisse
  Angewiesenheit auf den Führerausweis in seinem Beruf als Automobilfachmann,
  wobei er immerhin seinen Arbeitsweg aber ohne Weiteres mit den öffentlichen
  Verkehrsmitteln bewältigen kann. Zudem ist ihm gemäss der strittigen Verfügung
  das Führen von Motorfahrrädern nach wie vor gestattet. 

  
	
   

  
	
  Nach Würdigung all dieser
  Umstände ist dem Beschwerdeführer der Führerausweis für deutlich länger als
  der in Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG vorgesehenen dreimonatigen Mindestentzugsdauer
  zu entziehen. Als notwendig und gerechtfertigt erweist sich ein Führerausweisentzug
  von sechs Monaten.

  
	
   

  
	
  Demnach ist die Beschwerde
  teilweise gutzuheissen. Disp.-Ziff. 1 der Verfügung der Beschwerdegegnerin
  vom 2. Oktober 2013 ist in dem Sinne abzuändern, dass dem
  Beschwerdeführer der Führerausweis für die Dauer von sechs Monaten zu
  entziehen ist. 

  
	
   

  
	
  III. 

  
	
  1. 

  
	
  Nach Art. 134 Abs. 1 lit.
  c VRG hat die Partei, welche im Beschwerdeverfahren unterliegt, die amtlichen
  Kosten zu tragen. Unterliegt sie nur teilweise, werden die amtlichen Kosten
  angemessen reduziert (Art. 136 Abs. 2 VRG). Ausgangsgemäss ist dem Beschwerdeführer
  eine reduzierte Gerichtsgebühr von Fr. 300.- aufzuerlegen und mit dem
  bereits geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 800.- zu verrechnen. Der
  Restbetrag von Fr. 500.- ist ihm zurückzuerstatten. Die
  Beschwerdegegnerin ist nicht kostenpflichtig (Art. 135 Abs. 1 VRG).

  
	
   

  
	
  2. 

  
	
  Der teilweise obsiegende
  und berufsmässig vertretene Beschwerdeführer hat gemäss Art. 138 Abs. 1
  und 3 lit. a VRG Anspruch auf eine reduzierte Parteientschädigung zu Lasten
  der Beschwerdegegnerin. Diese ist auf Fr. 1'000.- (inkl. Mehrwertsteuer)
  festzusetzen.

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Disp.-Ziff. 1 der Verfügung der Beschwerdegegnerin
    vom 2. Oktober 2013 wird in dem Sinne abgeändert, dass dem
    Beschwerdeführer der Führerausweis für die Dauer von sechs Monaten entzogen
    wird.

    
	
    2.

    	
    Dem
    Beschwerdeführer wird eine reduzierte Gerichtsgebühr von Fr. 300.-
    auferlegt und mit dem bereits geleisteten Kostenvorschuss von
    Fr. 800.- verrechnet. Der Restbetrag von Fr. 500.- wird ihm zurückerstattet.

    
	
    3.

    	
    Die
    Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer innert 30 Tagen
    nach Rechtskraft dieses Entscheids eine Parteientschädigung in der Höhe von
    Fr. 1'000.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]