# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 10176c43-e5d5-5893-a023-33217e29ac2f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-05-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.05.2024 F-2765/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-2765-2024_2024-05-08.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-2765/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  8 .  M a i  2 0 2 4  

Besetzung 
 Einzelrichterin Regula Schenker Senn, 

mit Zustimmung von Richterin Susanne Genner;   

Gerichtsschreiberin Evelyn Heiniger. 
 

 
 

Parteien 
 A._______, geboren (…), Sri Lanka, 

Beschwerdeführer,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 24. April 2024 / N (…). 

 

 

 

F-2765/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer ersuchte am (…) in der Schweiz um Asyl. Zu sei-

nem Reiseweg befragt gab er an, am (…) mit seinem Reisepass und einem 

Schengen-Visum nach Deutschland eingereist zu sein. Für die Einreise in 

die Schweiz habe ihm jemand geholfen, der ihm aber seinen Reisepass 

und sein Mobiltelefon abgenommen habe. Ein Abgleich mit dem zentralen 

Visa-Informationssystem (CS-VIS) ergab, dass dem Beschwerdeführer am 

(…) in Colombo, Sri Lanka, ein vom (…) 2024 gültiges, deutsches Schen-

gen-Visum ausgestellt worden war. 

B.  

Am 8. April 2024 fand das persönliche Gespräch statt gemäss Art. 5 der 

Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra-

tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-

stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-

staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-

trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). 

Im Rahmen dieses Gesprächs gewährte die Vorinstanz dem Beschwerde-

führer das rechtliche Gehör zur grundsätzlichen Zuständigkeit Deutsch-

lands für die Behandlung seines Asylgesuchs. Er machte dabei geltend, er 

habe nebst politischen Problemen auch Schwierigkeiten mit der in Sri 

Lanka aktiven Drogenmafia gehabt. Diese sei auch in Italien, Frankreich 

und Deutschland aktiv, weshalb er in die Schweiz habe kommen müssen, 

um in Sicherheit zu sein. Da er Investigativjournalist sei, sei ihm in Deutsch-

land mit dem Tod gedroht worden, wenn er gewisse Videos veröffentliche. 

Er und seine Familie hätten Drohanrufe erhalten, dass seine Frau umge-

bracht würde, sollte er gewisse Informationen oder Videos verbreiten. 

Seine Ehefrau erhalte nun Anrufe von unbekannten Nummern. Politiker 

aus seinem Heimatland würden überall hinreisen und sie hätten herausge-

funden, dass und wo er sich in Deutschland aufhalte.  

Zu seinem Gesundheitszustand befragt, gab der Beschwerdeführer an, 

keine gesundheitlichen Probleme zu haben. 

C.  

Die deutschen Behörden hiessen das Gesuch der Vorinstanz vom 8. April 

2024 um Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 12 Abs. 4 Dub-

lin-III-VO am 22. April 2024 gut.  

F-2765/2024 

Seite 3 

D.  

Mit Verfügung vom 24. April 2024 – eröffnet am 29. April 2024 – trat die  

Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf 

das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und verfügte die Über-

stellung nach Deutschland, welches gemäss Dublin-III-VO für die Behand-

lung seines Asylgesuchs zuständig sei. Gleichzeitig verfügte die Vorinstanz 

den Vollzug der Wegweisung dorthin und stellte fest, einer allfälligen Be-

schwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu. 

E.  

Die zugewiesene Rechtsvertretung zeigte mit Schreiben vom 29. April 

2024 die Beendigung des Mandatsverhältnisses an. 

F.  

Mit Beschwerde vom 30. April 2024, Eingang beim Bundesverwaltungsge-

richt am 6. Mai 2024 (Eingang identischer Eingabe nochmals am 8. Mai 

2024), beantragte der Beschwerdeführer sinngemäss, die vorinstanzliche 

Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf sein 

Asylgesuch einzutreten. Gestützt auf Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 

vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) sei die Zuständigkeit der Vo-

rinstanz zur Behandlung seines Asylgesuchs festzustellen.  

G.  

Mit Verfügung vom 6. Mai 2024 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug 

der Wegweisung per sofort einstweilen aus. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG 

[SR 142.31]). 

 

1.2 Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die übri-

gen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs. 1 VwVG], Frist 

[Art. 108 Abs. 3 AsylG] und Form [Art. 52 Abs. 1 VwVG] sind erfüllt. Auf die 

Beschwerde ist einzutreten.  

  

F-2765/2024 

Seite 4 

2.  

2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb 

sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines 

zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e 

AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-

scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

3.  

Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsuchende 

in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- 

und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

4.  

4.1 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-

gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals 

ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).  

4.2 Besitzt eine antragstellende Person ein gültiges Visum, so ist grund-

sätzlich der Mitgliedstaat, der das Visum erteilt hat, für die Prüfung des 

Antrags auf internationalen Schutz zuständig (Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-VO). 

Dem Beschwerdeführer wurde am 2. Februar 2024 von Deutschland ein 

bis zum 7. April 2024 gültiges Visum ausgestellt. Nachdem die deutschen 

Behörden innert der in Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO festgelegten Frist dem 

Aufnahmegesuch der Vorinstanz zugestimmt haben, ist die Zuständigkeit 

Deutschlands grundsätzlich gegeben. 

In grundlegender Hinsicht ist festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den 

Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat 

selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3).  

F-2765/2024 

Seite 5 

5.  

5.1 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht ist zwingend auszuüben, wenn die Überstellung 

der betroffenen Person in den an sich zuständigen Mitgliedstaat zu einer 

Verletzung völkerrechtlicher Verpflichtungen der Schweiz führen würde 

(BVGE 2015/9 E. 8.2.1). Gemäss Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 

vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) kann zudem das SEM das 

Asylgesuch «aus humanitären Gründen» auch dann behandeln, wenn da-

für gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Bei dieser Ent-

scheidung kommt dem SEM Ermessen zu; das Bundesverwaltungsgericht 

darf sein eigenes Ermessen nicht an dessen Stelle setzen (BVGE 2015/9 

E. 7.6 und E. 8.1 in fine).  

5.2 Der Beschwerdeführer ruft Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 an und macht gel-

tend, er habe als politischer Aktivist und Investigativjournalist sehr viele 

Fälle aufgedeckt, in denen er die Verwicklungen der Drogenmafia mit der 

politischen Klasse, sowie der Polizei aufgezeigt habe. Er sei deshalb in Sri 

Lanka an Leib und Leben bedroht worden. Einige Persönlichkeiten, die ihn 

bedroht hätten, lebten nun in Deutschland und drohten, auch dort Zugriff 

auf ihn zu haben. Sie würden ihre Operationen in Sri Lanka von Deutsch-

land aus leiten und scheuten nicht davor zurück, Leute wie ihn im Ausland 

zu liquidieren. Die Gefahr, dass er in Deutschland umgebracht werde, sei 

deshalb sehr real. Weiter führte er an, durch die Überfälle von Bandenmit-

gliedern in Sri Lanka sei er traumatisiert und leide seit einiger Zeit an De-

pressionen. Bereits in seinem Heimatland habe er deswegen, leider erfolg-

los, diverse Ärzte aufgesucht. Anlässlich seines Dublin-Gesprächs sei 

diese Information falsch übernommen worden. Bei einer Überstellung wür-

den sich seine Symptome verstärken, weshalb er darum ersuche, dass 

seine Asylgründe in der Schweiz geprüft würden. 

5.2.1 Damit hat der Beschwerdeführer kein konkretes Risiko dargetan, die 

deutschen Behörden würden in seinem Fall ihren völkerrechtlichen Ver-

pflichtungen nicht nachkommen. Deutschland ist ein funktionierender 

Rechtsstaat und die Behörden sind gewillt und fähig, staatlichen Schutz zu 

gewähren. Sollte er sich in irgendeiner Weise (seitens Dritter oder kriminel-

ler Organisationen) bedroht fühlen, ist er gehalten, sich an die dortige Po-

lizei zu wenden. 

F-2765/2024 

Seite 6 

5.3 Im Übrigen liegen keine konkreten Anhaltspunkte vor, wonach die Ge-

sundheit des Beschwerdeführers bei einer Überstellung nach Deutschland 

ernsthaft gefährdet würde. Eine zwangsweise Rückweisung von Personen 

mit gesundheitlichen Problemen kann nur ganz ausnahmsweise einen 

Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Ein solcher würde voraussetzen, 

dass eine bereits schwer kranke Person durch die Abschiebung mit dem 

realen Risiko konfrontiert würde, einer ernsten, raschen und unwieder-

bringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes ausgesetzt zu 

werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der 

Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen 

Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 

m.w.H.). Eine solche Situation liegt hier offenkundig nicht vor. 

Deutschland verfügt über eine ausreichende medizinische Infrastruktur, 

weshalb die geltend gemachte psychische Erkrankung des Beschwerde-

führers einer Behandlung dort zugänglich sein dürfte. Es liegen ferner 

keine Hinweise vor, wonach Deutschland ihm eine adäquate medizinische 

Behandlung verweigern würde. Eine Verletzung von Art. 3 EMRK ist nicht 

zu befürchten. 

Ferner sind weder aus der Beschwerdeschrift noch aus den vorinstanzli-

chen Akten Gründe ersichtlich, welche einen Selbsteintritt der Schweiz ge-

bieten würden.  

5.4 Die Vorinstanz hat somit das Selbsteintrittsrecht von Art. 29a Abs. 3 

AsylV 1 (sowie Art. 17 Dublin-III-VO) zu Recht nicht ausgeübt. Weder ist 

die Schweiz völkerrechtlich verpflichtet, auf das Asylgesuch einzutreten, 

noch liegen humanitäre Gründe vor, welche einen Selbsteintritt nahelegen 

würden. 

6.  

In Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist die Vorinstanz zu Recht 

auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten und hat die 

Wegweisung nach Deutschland angeordnet. 

7.  

Die Beschwerde ist abzuweisen und die Verfügung des SEM zu bestätigen. 

Der am 6. Mai 2024 angeordnete Vollzugsstopp fällt mit vorliegendem Ur-

teil dahin. 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-

rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– 

F-2765/2024 

Seite 7 

festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). 

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

F-2765/2024 

Seite 8 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Versand des vorliegenden 

Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Regula Schenker Senn Evelyn Heiniger 

 

  

F-2765/2024 

Seite 9 

Zustellung erfolgt an: 

– den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Rechnung) 

– die Vorinstanz, zu den Akten N 845 568  

– das Migrationsamt des Kantons Thurgau (in Kopie)