# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8a1a27bb-5eca-5cf8-88cb-98e79a96ae59
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-03-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.03.2010 D-6857/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6857-2009_2010-03-30.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6857/2009
law/bah/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 0 .  M ä r z  2 0 1 0

Richter Walter Lang (Vorsitz), 
Richterin Regula Schenker Senn, 
Richter Pietro Angeli-Busi; 
Gerichtsschreiber Christoph Basler.

A.___________, geboren (...),
Sri Lanka,
vertreten durch lic. iur. Christian Wyss, Fürsprecher, 
(...)
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 1. Oktober 2009 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-6857/2009

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer, ein ethnischer Tamile mit letztem Wohnsitz in 
B.__________ (Region Jaffna),  verliess Sri  Lanka eigenen Angaben 
gemäss  am  14.  Juli  2007  und  gelangte  am  16.  Juli  2007  in  die 
Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte.

A.a Bei der Erstbefragung vom 17. Juli  2007 im Empfangs- und Ver-
fahrenszentrum Basel sagte er aus, er sei seit Mai 2000 bis zur Aus-
reise bei der "Liberation Tigers of  Tamil  Eelam" (LTTE) gewesen. Im 
Jahr 1997 sei  sein  Schwager von der srilankischen Marine mit  dem 
Boot abgeschleppt worden, als er zum Fischen gegangen sei. Seither 
habe man nichts mehr von ihm gehört. Bei der LTTE habe er eine Aus-
bildung erhalten; er  sei  einer Einheit  zugeteilt  worden, die Leute be-
fragt  habe,  die aus dem vom Staat  kontrollierten Teil  des Landes in 
das von den Tigern kontrollierte Gebiet gekommen seien. 2002 sei er 
zu  einem  Camp  der  Sea  Tiger  bestellt  worden;  als  er  dort  ange-
kommen sei, habe es einen Luftangriff gegeben, bei dem er am Kopf 
verletzt  worden  sei.  Seither  leide  er  an  Schwindelgefühlen.  Beim 
Tsunami vom 26. Dezember 2004 seien viele seiner Angehörigen ums 
Leben gekommen. Die LTTE habe ihm nicht gestattet, an den Begräb-
nissen teilzunehmen. Als sich die Karuna-Gruppe von der LTTE abge-
spaltet habe, sei er eine von fünf Personen gewesen, die im Mai 2007 
nach Colombo geschickt worden seien. Im Spital  von C.__________ 
habe er ein Attest erhalten, wonach seine Augen schlecht seien und er 
Kopfbeschwerden  habe.  Darauf  habe  die  LTTE  ihn  zusammen  mit 
seiner  Mutter  nach  D.__________  geschickt.  In  E._________  sei  er 
während zweier Stunden von der srilankischen Armee und der "Eelam 
People's  Democratic  Party"  (EPDP)  befragt  worden.  Sie  hätten  ihm 
gesagt, er sei bei der LTTE, hätten ihn aber durchgelassen, nachdem 
seine  Mutter  gesagt  habe,  er  sehe schlecht,  weshalb  sie  ihn  in  ein 
Spital bringe. In Colombo sei er mit seiner Mutter in einer Pension ab-
gestiegen. Von dort aus sei er in ein Spital gegangen. Die LTTE habe 
ihm  gesagt,  dass  ein  in  Colombo  wohnender  Geschäftsmann  die 
Karuna  finanziell  unterstütze.  Ein  Moslem  werde  mit  ihm  Kontakt 
aufnehmen und die notwendigen Waffen bringen. Er habe den Befehl 
erhalten, den Geschäftsmann zu erschiessen. Seine Mutter habe dies 
mitbekommen und ihn überzeugen können, die LTTE zu verlassen. Die 
srilankische  Armee  habe  eine  der  fünf  nach  Colombo  entsandten 
Personen  festgenommen;  diese  habe  die  Namen  der  anderen  vier 

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preisgegeben. Sein Bild sei in der Zeitung erschienen und man habe 
nach ihm gesucht. Auf Nachfrage sagte er, nur sein Name sei in der 
Zeitung erschienen. Sein in den Niederlanden wohnender Onkel habe 
seine  Ausreise  organisiert.  Der  Beschwerdeführer  gab  fünf 
Totenscheine und zwei Bestätigungen über Tsunami-Schäden zu den 
Akten (vgl. act. A1, Ziffn. 1 - 7).

A.b Am 18. September 2007 wurde der Beschwerdeführer vom BFM 
zu seinen Asylgründen angehört. Er machte im Wesentlichen geltend, 
die LTTE sei im Mai 2000 an seine Schule gekommen und habe ge-
sagt, mindestens eine Person jeder Familie müsse ihr beitreten; man 
habe  ihn  in  den  Wald  mitgenommen,  wo  er  ein  sechsmonatiges 
Training  absolviert  habe.  Danach  sei  er  von  einem  LTTE-Führer 
namens  Pottu Amman, der sein Vorgesetzter gewesen sei,  zur Spio-
nageabteilung gebracht worden, wo er weiter ausgebildet worden sei. 
Seine Aufgabe sei es gewesen, Personen, die aus dem von der Regie-
rung kontrollierten  Gebiet  gekommen seien,  und Verdächtige  zu  be-
fragen.  Aufgrund  seiner  Fähigkeiten  sei  er  von  der  LTTE  nach 
Colombo geschickt worden. Die LTTE habe ihn mit  dem Befehl nach 
Colombo  geschickt,  einen  Mann  namens  F.__________  zu  er-
schiessen und anschliessend zurückzukehren. Er habe diesen Mann in 
Colombo beobachtet und der LTTE schriftlich Bericht erstattet. Diese 
habe ihm zurückgeschrieben, er solle den Mann gut beobachten und 
dann erschiessen. Er sei von G.___________ kontaktiert worden, der 
ihm ein Bild des Opfers und Waffen übergeben habe. Als seine Mutter 
dies gesehen habe, habe sie ihm gesagt, sie habe ihn im Glauben, er 
habe die LTTE verlassen,  nach Colombo begleitet. Er  habe aus der 
Zeitung erfahren, dass ein LTTE-Mitglied, das ebenfalls nach Colombo 
gesandt  worden  sei,  festgenommen worden sei.  Diese  Person habe 
ausgesagt,  dass  neben  ihr  vier  andere  Personen  nach  Colombo 
geschickt worden seien. Der Verhaftete habe jetzt auch seinen Namen 
angegeben.  Bei  einer  Rückkehr  könnte  er  bereits  am  Flughafen 
festgenommen werden. Seine Mutter habe ihm gesagt, sie werde nach 
H._________  zurückkehren,  als  er  sie  in  Colombo  angerufen  habe. 
Von seinem in  den  Niederlanden lebenden  Onkel  habe  er  erfahren, 
dass  sie  dort  nicht  eingetroffen  sei.  Zur  Stützung  seiner  Vorbringen 
gab  der  Beschwerdeführer  eine  IKRK-Bestätigung,  eine 
Vaterschaftsbestätigung  und  eine  Heiratsurkunde  ab  (vgl.  act.  A1, 
Ziffn. 8 - 10).

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B.
Mit  Verfügung  vom  1.  Oktober  2009  stellte  das  BFM  fest,  der  Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das 
Asylgesuch  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  aus  der 
Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an.

C.
Mit Eingabe vom 2. November 2009 liess der Beschwerdeführer durch 
seinen Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht gegen diesen 
Entscheid  Beschwerde  erheben  und  beantragen,  die  Verfügung  sei 
aufzuheben und es sei ihm Asyl zu erteilen, eventuell seien die Ziffern 
4 und 5 des Dispositivs der Verfügung aufzuheben und vom Vollzug 
der Wegweisung abzusehen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess er 
ferner  beantragen,  es  sei  ihm  eine  Frist  von  30  Tagen  zum  Nach-
reichen von Beweismitteln einzuräumen. Der Eingabe lagen mehrere 
Beweismittel bei (vgl. Beilagenverzeichnis zur Beschwerde).

D.
Mit Zwischenverfügung vom 19. November 2009 wies der Instruktions-
richter das Gesuch um Ansetzung einer Frist zur Einreichung von Be-
weismitteln unter Hinweis auf Art. 32 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021) ab. Gleichzeitig forderte er den Beschwerdeführer auf, bis 
zum 4. Dezember 2009 einen Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zu leis-
ten. Dieser wurde am 2. Dezember 2009 eingezahlt.

E.
Am 1. März 2010 gab der Instruktionsrichter  dem BFM Gelegenheit, 
eine Vernehmlassung einzureichen. Dieses beantragte in  seiner  Ver-
nehmlassung vom 4. März 2010 die Abweisung der Beschwerde. Das 
Bundesverwaltungsgericht  brachte  dem  Beschwerdeführer  die  Ver-
nehmlassung am 10. März 2010 zur Kenntnis.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu 
den Behörden  nach  Art. 33  VGG und ist  daher  eine  Vorinstanz  des 

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Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Aus-
nahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesver-
waltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vor-
liegenden Beschwerde; es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls end-
gültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG, 
SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 

1.2 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht;  der  Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung  und  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 108 Abs. 1 AsylG sowie 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1  und  Art.  52  Abs.  1  VwVG).  Nachdem  der  erhobene  Kosten-
vorschuss fristgerecht  eingezahlt  wurde, ist  auf die Beschwerde ein-
zutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  
3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person an-
erkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zu-
letzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit 
zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Frei-
heit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nach-
weisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  ge-
macht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vor-
bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  mass-

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geblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden 
(Art. 7 AsylG).

4.  
4.1 Das  BFM  führt  zur  Begründung  seines  Entscheid  aus,  der 
Beschwerdeführer habe zu seinem hierarchischen Grad innerhalb der 
LTTE unterschiedliche Angaben gemacht. Zuerst habe er gesagt, Pottu 
Amman,  die  Nummer  zwei  hinter  dem LTTE-Führer,  sei  sein  Vorge-
setzter gewesen, währenddem er kurz danach angegeben habe, er sei 
einen Rang unter den Führern gewesen, die unter den Colonels ge-
standen hätten, die direkt dem LTTE-Führer unterstellt gewesen seien. 
Er  habe  ein  Organigramm  gezeichnet,  das  dieser  Aussage  ent-
sprochen habe. Auf Nachfrage habe er  dann aber erklärt,  dass sich 
zwischen der im Organigramm als Vorgesetzter eingezeichneten Per-
son und ihm noch eine andere Person befunden habe. Da die LTTE 
damals eine Bewegung mit klaren Strukturen gewesen sei, könne von 
einem  langjährigen  Mitglied  erwartet  werden,  dass  es  seine  eigene 
Position eindeutig wiedergeben könne. Nachdem er dazu nicht in der 
Lage  gewesen  sei,  sei  zu  bezweifeln,  ob  er  überhaupt  Mitglied  der 
LTTE gewesen  sei.  Der  Beschwerdeführer  habe  eine  Identitätskarte 
eingereicht,  die  2003  ausgestellt  worden  sei.  Bei  der  Erstbefragung 
habe er  dazu angegeben, er  habe sie selbst  ausstellen lassen. Erst 
bei  der Anhörung habe er gesagt,  die LTTE habe ihm die Identitäts-
karte  beschafft.  Abgesehen  von  diesem  Widerspruch  erscheine  die 
Ausstellung  einer  behördlichen  Identitätskarte  zum Zeitpunkt,  als  er 
bei der LTTE gewesen sei, nicht plausibel. Die eingereichte Identitäts-
karte  spreche  ebenfalls  gegen  die  geltend  gemachte  LTTE-Ver-
gangenheit.  Der  Beschwerdeführer  habe  geltend  gemacht,  er  habe 
nach der Abspaltung Karunas von der LTTE den Auftrag erhalten, in 
Colombo einen Geschäftsmann zu ermorden. Die Frage, wie Karunas 
wirklicher Name laute, habe er nicht beantworten können. Von einem 
langjährigen Mitglied  der  LTTE hätte  die  Beantwortung dieser  Frage 
erwartet  werden  dürfen,  zumal  auch  der  richtige  Name  Karunas 
öffentlich geläufig  sei. Die geltend gemachte LTTE-Mitgliedschaft  sei 
aufgrund der widersprüchlichen und unsubstanziierten Aussagen dazu 
nicht  glaubhaft. Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht,  er sei 
eines  von  fünf  LTTE-Mitgliedern  gewesen,  die  ausgewählt  worden 
seien, um in Colombo Personen umzubringen, die Karuna unterstützt 
hätten. Er habe jedoch nicht schlüssig darlegen können, wie die Wahl 
auf ihn gefallen sei. Im Jahr 2000 habe er nur eine Grundausbildung 
erhalten, seither sei er als Befrager tätig gewesen. Auch habe er sich 

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zuvor nie in Colombo aufgehalten. Angesichts der Art des Auftrags sei 
anzunehmen,  dass  eine  Person  mit  einem besser  geeigneten  Profil 
ausgesucht  worden wäre. Er  habe  zudem den zeitlichen Ablauf  des 
Treffens mit seiner Kontaktperson unterschiedlich geschildert. Bei der 
Erstbefragung habe er gesagt, diese sei am 24. Mai 2007 zu ihm ge-
kommen.  Gemäss  seinen  Aussagen  bei  der  Anhörung  hätte  das 
Treffen jedoch vorher stattfinden müssen, da er am 13. Mai 2007 der 
LTTE schon  über  seine  Observation  der  Zielperson  berichtet  habe, 
wofür er ihre Fotografie bereits benötigt hätte. Er habe weiter erklärt, 
die Kontaktperson sei  zu ihm in die Lodge gekommen; seine Mutter 
habe gesehen, wie ihm die Waffe übergeben worden sei. Angesichts 
dessen, dass die Lodge bis zu fünfmal am Tag von der Polizei oder 
vom „Central Investigation Department“ (CID) durchsucht worden sei, 
scheine  diese  für  ein  solches  Treffen  nicht  besonders  geeignet. 
Ausserdem sei nicht einzusehen, weshalb seine Mutter die Übergabe 
hätte  beobachten  sollen.  Zu  seinem  Auftrag  habe  der  Beschwerde-
führer unterschiedliche Angaben gemacht. Dieser solle gemäss Aus-
sagen bei der Erstbefragung von Anfang an gelautet haben, den Ge-
schäftsmann  zu  töten.  Bei  der  Anhörung  habe  er  gesagt,  er  habe 
diesen zuerst nur beobachtet und der LTTE brieflich darüber berichtet. 
Anschliessend habe er den Auftrag erhalten, ihn weiter zu beobachten 
und dann zu erschiessen. Angesichts der engmaschigen Sicherheits-
kontrollen in Colombo sei nicht nachvollziehbar, wozu die Observation 
gedient  habe,  da  der  Auftrag  zum  Töten  schon  zu  Beginn  stattge-
funden  habe.  Der  geltend  gemachte  Tötungsauftrag  sowie  das  ge-
schilderte Vorgehen weise zu viele Erfahrungswidrigkeiten und Wider-
sprüche auf, um glaubhaft zu sein. Bei der Erstbefragung habe der Be-
schwerdeführer  erklärt,  er  sei  am  2. Mai  2007  in  Colombo  ange-
kommen,  und  am  8.  Mai  2007  sei  ein  anderes  LTTE-Mitglied  fest-
genommen worden. Bei  der  Anhörung habe  er  die  Reihenfolge  um-
gekehrt dargestellt. Am 2.  Mai 2007 sei in der Zeitung über die Fest-
nahme  eines  anderen  LTTE-Mitglieds  berichtet  worden,  am  8.  Mai 
2007  habe  er  den  Checkpoint  in  E._________  passiert  und  sei  in 
D.__________  angekommen; die  Zeitung  vom 2.  Mai  2007  habe  er 
dort gekauft. Hinsichtlich des Inhalts des Artikels habe er bei der Erst-
befragung zuerst gesagt, in diesem seien sein Name und sein Bild er-
schienen. Auf Nachfrage habe er gemeint, in der Zeitung sei die Foto-
grafie der Festgenommenen erschienen, von ihm habe nur der Name 
in der Zeitung gestanden. Bei der Anhörung habe er zuerst gesagt, im 
Artikel sei der Deckname des Festgenommenen gestanden, es habe 
kein Bild dazu gehört und andere Namen seien nicht erwähnt worden. 

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Später  habe er  wiederum gesagt,  sein Name sei  in  der Zeitung ge-
standen. Über seine Reise nach Colombo habe er gesagt, er sei mit 
seiner  Mutter  in  einem  Krankenwagen  nach  D.__________  gereist. 
Seine Verletzung aus dem Jahr 2002 habe als vorgeschobener Grund 
für die Reise gedient. Er habe eine Kriegsverletzung als Grund dafür 
angegeben,  von  der  Armee  durchgelassen  worden  zu  sein.  In 
anderem Zusammenhang habe er gesagt, die LTTE habe ihn für den 
Auftrag  gewählt,  weil  er  jung  ausgesehen  habe.  Erfahrungsgemäss 
gälten bei den srilankischen Behörden Narben von Kriegsverletzungen 
als  mögliches  Indiz  für  eine  LTTE-Mitgliedschaft,  die  zu  weiteren 
Untersuchungsmassnahmen  führen  könnten.  Auch  das  jugendliche 
Aussehen  biete  keinen  Schutz  vor  LTTE-Verdächtigungen.  Der 
Umstand,  dass  er  in  einem  Krankenwagen  gereist  sei,  obwohl  die 
Verletzungen Jahre alt gewesen seien, scheine nicht geeignet, einen 
LTTE-Verdacht  abzuwenden. Aufgrund des Aussageverhaltens werde 
klar, dass der Beschwerdeführer sich nicht an realen Begebenheiten 
orientiere.  Er  habe  sich  zur  zeitlichen  Reihenfolge  des  Erscheinens 
des  Zeitungsartikels  in  Bezug auf  seine Reise  nach Colombo sowie 
zum  Inhalt  des  Artikels  mehrfach  widersprochen.  Es  gebe  keinen 
Grund,  die  geltend  gemachte  Suche  nach  ihm  zu  glauben.  Das 
beschriebene  Täuschungsmanöver  zur  Reise  nach  Colombo  sei  als 
realitätsfremd zu bezeichnen. Der Umstand, dass die Reise dennoch 
gelungen sei, sei dahingehend zu werten, dass der Beschwerdeführer 
keinen  LTTE-Bezug  aufweise.  Die  vom  Beschwerdeführer 
eingereichten  Beweismittel  wiesen  keinen  Zusammenhang  zum  von 
ihm  geltend  gemachten  Sachverhalt  auf.  Sie  seien  nicht  geeignet, 
seine Vorbringen zu belegen.

4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, die Befragung zur Hier-
archiestruktur der LTTE sei heikel und müsse vom Übersetzer unter-
stützt  werden. Massgebend  seien die  angefertigten Skizzen und die 
dazu abgegebenen Erklärungen. Die Hierarchiestrukturen könnten zu-
dem je  nach Auftrag  variieren. Aus den Aussagen des Beschwerde-
führers ergäben sich genügend Anhaltspunkte dafür, dass er die LTTE 
von innen kenne. Die Tatsache, dass die LTTE ihm eine Identitätskarte 
besorgt  habe,  in  der  er  als  Fischer  bezeichnet  werde,  widerspreche 
der  LTTE-Zugehörigkeit  nicht.  Gerade  ein  Soldat  der  Intelligence 
brauche auch zivile Papiere, die es ihm ermöglichten, im zivilen Raum 
zu  agieren. Aus dem Umstand,  dass  er  den  vollen  Namen des  ab-
trünnigen  Offiziers  Karuna  nicht  gekannt  habe,  lasse  sich  nicht 
schliessen, die LTTE-Zugehörigkeit sei erfunden. Der Intelligence zu-

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geteilte Kämpfer hätten wöchentlich Kampftraining erhalten und seien 
auch für spezielle Mordkommandos geschult worden. Einige Daten im 
Mai 2007 seien unterschiedlich angegeben worden, woraus aber nicht 
auf die Unstimmigkeit des Auftrags geschlossen werden könne. Da er 
die  Daten  nicht  aufgeschrieben  habe,  habe  er  sich  nicht  genau  an 
diese erinnern  können. Bei  der  Erstbefragung sei  verkürzt  übersetzt 
worden. Seine Mutter  habe nicht  gesehen,  wie die Waffe übergeben 
worden sei, sie habe ihn einmal bei deren Handling überrascht. Dabei 
sei es zur Diskussion um die Zugehörigkeit zur Bewegung gekommen. 
Der Beschwerdeführer bemühe sich, weitere Beweismittel aus seiner 
Heimat kommen zu lassen. Der LTTE-Kämpfer, der ihm die Waffe nach 
Colombo gebracht habe, befinde sich dem Vernehmen nach in Dubai; 
er versuche, von ihm eine Bestätigung der geschilderten Episode zu 
erhalten. Es stelle sich allenfalls die Frage, ob der ärztlich attestierte 
Angriff auf ihn vom September 2008 mit der LTTE-Vergangenheit zu-
sammenhängen könnte und damit ein Indiz in einer Beweiskette dar-
stelle.  Der  Beschwerdeführer  sei  durch  seine  LTTE-Zugehörigkeit  in 
seiner Heimat in einer Weise exponiert gewesen, welche ihn bei einer 
Rückkehr nach Sri  Lanka an Leben und Freiheit  gefährde. Die LTTE 
gelte als Terrorgruppe, und es bestehe keine Amnestie für deren über-
führte  Intelligence-Agenten.  Die  ihm  drohende  Gefahr  rechtfertige 
bereits eine Asylerteilung. Er habe sich durch seine Weigerung,  den 
Attentatsauftrag  zu  erfüllen,  auch  gegenüber  der  LTTE  in  schwere 
Schuld versetzt. Es sei  anzunehmen, dass er von der LTTE gesucht 
und  verfolgt  werde.  Seine  Anwesenheit  als  Geheimnisträger  könnte 
auch nach dem Bürgerkrieg für einzelne LTTE-Leute gefährlich sein. 
Deshalb müsste er damit rechnen, von der LTTE verschleppt und be-
seitigt zu werden, womit er erst recht als Flüchtling anzuerkennen sei. 
Er stamme aus einer politisch aktiven Familie. Ein Verwandter sei 1997 
von der Armee beseitigt  worden und ein Onkel  habe in den Nieder-
landen Asyl erhalten. Er müsste auch heute noch mit Verfolgung rech-
nen,  was  von  einem  Friedensrichter  aus  I.__________  und  seiner 
Mutter bestätigt werde. 

5.
5.1 Glaubhaft sind die Vorbringen eines Asylsuchenden grundsätzlich 
dann, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel 
sind;  sie  dürfen  sich  nicht  in  vagen  Schilderungen  erschöpfen,  in 
wesentlichen  Punkten  nicht  widersprüchlich  sein  oder  der  inneren 
Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen 
Erfahrung widersprechen. Darüber  hinaus muss die  gesuchstellende 

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Person  persönlich  glaubwürdig  erscheinen,  was  insbesondere  dann 
nicht  der  Fall  ist,  wenn sie  ihre  Vorbringen auf  gefälschte  oder  ver-
fälschte Beweismittel abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tat-
sachen unterdrückt  oder  bewusst  falsch darstellt,  im Laufe des  Ver-
fahrens  Vorbringen  auswechselt,  steigert  oder  unbegründet  nach-
schiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-
wirkung  verweigert.  Glaubhaftmachung  bedeutet  ferner  -  im  Gegen-
satz  zum  strikten  Beweis  -  ein  reduziertes  Beweismass  und  lässt 
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen 
des Gesuchstellers. Entscheidend ist,  ob  im Rahmen einer  Gesamt-
würdigung  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdar-
stellung des Asylsuchenden sprechen,  überwiegen oder nicht. Dabei 
ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise  abzustellen  (vgl.  Art. 7  Abs. 2 
und 3  AsylG; Entscheidungen  und Mitteilungen der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.).

5.2 Das Bundesverwaltungsgericht teilt aufgrund der zahlreichen vom 
BFM  minutiös  aufgezeigten  Ungereimtheiten  und  Widersprüchen  in 
den Aussagen des Beschwerdeführers, die dessen Schlussfolgerung, 
wonach es ihm nicht gelungen sei, die von ihm geltend gemachte Be-
drohungssituation  seitens  der  srilankischen Behörden  und  der  LTTE 
glaubhaft zu machen. Insbesondere seine Darstellung, er sei jahrelang 
Mitarbeiter des LTTE-Geheimdienstes gewesen und habe den Auftrag 
erhalten,  in  Colombo einen  Geschäftsmann,  der  die  Karuna-Gruppe 
unterstützt habe, zu ermorden, ist  als überwiegend unwahrscheinlich 
und somit unglaubhaft zu qualifizieren.

5.2.1 Das BFM hat zunächst die unterschiedlichen Angaben des Be-
schwerdeführers betreffend seine hierarchische Position zutreffend als 
Indiz  gewertet,  das  gegen  seine  Darstellung,  er  habe  für  den  Ge-
heimdienst der LTTE gearbeitet,  spricht. Die in  der Beschwerde ver-
tretene Auffassung, massgebend seien die gezeichnete Skizze und die 
Erklärungen zu dieser, vermag nicht zu überzeugen. Von einem lang-
jährigen Mitglied des LTTE-Geheimdiensts darf ohne weiteres erwartet 
werden,  dass  es  seine  Position  auf  Anhieb  übereinstimmend  be-
zeichnen  kann.  Ob  ein  LTTE-Mitglied  direkt  dem  Geheimdienstchef 
Pottu  Amman  oder  einer  diesem  direkt  unterstellten  Person  oder 
einem dieser Pottu Amman unterstellten Person Untergebenen unter-
steht,  ist  ein  wesentlicher  Unterschied.  Der  Hinweis  in  der  Be-
schwerde, die LTTE-Strukturen könnten je nach Auftrag variieren und 
bei  einem  Kampfeinsatz  gälten  andere  Hierarchien  als  bei  der  Ver-

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waltungsarbeit, vermag die diesbezüglich widersprüchlichen Angaben 
des Beschwerdeführers nicht zu relativieren, da er seine unterschied-
lichen  Angaben  zu  seiner  Unterstellung  nicht  in  diesem Sinn  präzi-
sierte  und  gemäss  eigenen  Angaben  nie  an  Kampfeinsätzen  teilge-
nommen hat (vgl. act. A2/10 S. 6).

5.2.2 In  der  Beschwerde wird  geltend gemacht,  aus  der  Unkenntnis 
des vollen bürgerlichen Namens von Karuna könne nicht auf die Un-
glaubhaftigkeit  der  LTTE-Zugehörigkeit  des  Beschwerdeführers  ge-
schlossen werden. In Anbetracht dessen, dass der Beschwerdeführer 
gemäss eigenen Angaben ein langjähriger  Mitarbeiter  des LTTE-Ge-
heimdienstes gewesen sein soll, ist allerdings erstaunlich, dass er den 
vollen  Namen von  Karuna  nicht  kennt.  Das  BFM hat  deshalb  seine 
diesbezüglich Unkenntnis im Rahmen der Gesamtbeurteilung zu Recht 
als Indiz gewertet hat,  das gegen die Glaubhaftigkeit  der Vorbringen 
des Beschwerdeführers spricht.

5.2.3 In  der  Beschwerde  wird  geltend  gemacht,  die  Mutter  des  Be-
schwerdeführers habe nicht  gesehen,  wie die Waffe übergeben wor-
den sei,  sondern habe ihn beim Handling derselben überrascht,  und 
auf die verkürzte Übersetzung bei der Erstbefragung hingewiesen. Bei 
der Erstbefragung erklärte der Beschwerdeführer, G.___________ sei 
zu  ihm  gekommen  und  habe  ihm  die  Waffe  übergeben,  was  seine 
Mutter  gesehen  habe  (vgl.  act.  A2/10  S.  6).  Die  Richtigkeit  dieser 
Aussage  wurde  vom  Beschwerdeführer  nach  erfolgter 
Rückübersetzung bestätigt (vgl. act. A2/10 S. 8). Zudem sagte er auch 
bei  der  Anhörung  aus,  G.___________  habe  ihm  ein  Bild  von 
F.__________ und Waffen übergeben, was seine Mutter gesehen habe 
beziehungsweise, seine Mutter  habe geweint,  als sie gesehen habe, 
dass er Waffen entgegengenommen habe (vgl. act. A11/23 S. 7). An 
anderer Stelle  bekräftigte er  diese Aussage (vgl. act. A11/23  S. 11). 
Der  Beschwerdeführer  setzt  sich  mit  seiner  Aussage  in  der 
Beschwerde, seine Mutter  habe ihn einmal  beim Handling der Waffe 
überrascht und nicht gesehen, wie ihm diese übergeben worden sei, in 
klaren  Widerspruch  zu  seinen  Aussagen  bei  den  Befragungen.  Das 
BFM wies im Übrigen zu Recht darauf hin, dass ein LTTE-Bote und ein 
Mitglied  des  LTTE-Geheimdienstes,  das  einen  Mordauftrag  erhalten 
hätte,  bei  einer  Waffenübergabe  kaum  derart  dilettantisch  wie  vom 
Beschwerdeführer beschrieben vorgehen würden.

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5.2.4 Der  Beschwerdeführer  hat  zudem  in  mehrfacher  Hinsicht  un-
stimmige  Angaben  zum Zeitungsartikel,  in  dem über  die  Verhaftung 
eines anderen LTTE-Mitgliedes berichtet worden sei, gemacht. Bei der 
Erstbefragung machte er geltend, diese Person habe die Namen der 
anderen LTTE-Mitglieder,  die  nach Colombo entsandt  worden seien, 
angegeben,  als  sie  geschlagen  worden  sei.  Auch  sein  (des  Be-
schwerdeführers) Bild sei in der Zeitung erschienen und man habe ihn 
zu suchen angefangen. Abweichend davon erklärte er in derselben Be-
fragung,  seine  Fotografie  sei  nicht  in  der  Zeitung  gekommen,  man 
habe die Fotografie der Festgenommenen abgedruckt; in der Zeitung 
sei nur sein Name erschienen (vgl. act. A1/10 S. 6). Bei der Anhörung 
wiederum sagte er aus, in der Zeitung habe gestanden, dass ein Ge-
heimdienstmitarbeiter  der  LTTE,  dessen  Deckname genannt  worden 
sei, bei einem Checkpoint festgenommen worden sei. Er habe gesagt, 
dass  vier  weitere  Personen  nach  Colombo  unterwegs  seien.  Die 
Armee  suche  diese  Personen  und  werde  sie  bald  erwischen.  Die 
Frage,  ob im Zeitungsartikel  auch die  Namen der  vier  anderen Per-
sonen veröffentlicht worden seien, verneinte er. Auf Nachfrage gab er 
an,  in  der  Zeitung  sei  gestanden,  dass  ein  LTTE-Mitglied  festge-
nommen worden sei, das zu einer Gruppe von fünf Personen gehöre 
und  nur  seinen  Namen  habe  angeben  können.  Die  Frage,  ob  zum 
Artikel  ein Bild gehört  habe, verneinte er. Die Frage, ob ausser dem 
Namen der festgenommenen Person keine weiteren Namen veröffent-
licht worden seien, bejahte er (vgl. act. A11/23 S. 12 ff.). Angesichts 
dessen, dass der Inhalt des Zeitungsartikels – namentlich die Frage, 
ob der Name beziehungsweise der Deckname des Beschwerdeführers 
oder  gar  dessen  Bild  veröffentlicht  worden  ist  –  für  diesen  von 
eminenter Bedeutung gewesen wäre, hätte von ihm erwartet werden 
dürfen, dass er darüber präzise und übereinstimmende Angaben hätte 
machen können. Wäre der Beschwerdeführer tatsächlich langjähriges 
und gut geschultes Mitglied des LTTE-Geheimdienstes gewesen, wäre 
er  mit  Sicherheit  in  der  Lage  gewesen,  den  Inhalt  eines  wichtigen 
Zeitungsartikels  übereinstimmend  wiederzugeben.  Der  Beschwerde-
führer  hat  es  schliesslich  trotz  entsprechender  Aufforderung  bei  der 
Anhörung  vom  18.  September  2007  unterlassen  (vgl.  act.  A11/23 
S. 17), den fraglichen Zeitungsartikel einzureichen.

5.2.5 Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass der Be-
schwerdeführer trotz angekündigter Bemühungen bisher keine Beweis-
mittel  nachreichte,  die  seine  Vorbringen  belegen  könnten.  Soweit  in 
der Beschwerde die Frage aufgeworfen wird, ob der ärztlich bestätigte 

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Angriff  auf  den  Beschwerdeführer,  der  im  September  2008  in  der 
Schweiz  erfolgte,  mit  seiner  LTTE-Vergangenheit  zusammenhängen 
könnte, ist anzumerken, dass es an ihm gelegen hätte, einen solchen 
Zusammenhang  darzulegen  und  zumindest  glaubhaft  zu  machen. 
Aufgrund  der  Aktenlage  erscheint  ein  solcher  Zusammenhang  aller-
dings nicht plausibel.

5.2.6 Mit  der  Beschwerde  reichte  der  Beschwerdeführer  ein  vom 
7. Oktober  2009  datierendes  Schreiben  (Telefaxkopie)  seiner  Mutter 
ein, in dem sie ausführt, sie befinde sich zurzeit zusammen mit ihrem 
Ehemann  und  einem  Neffen  im  J.___________  Camp  in 
K.__________. Falls er nach Sri Lanka zurückkehre, werde er befragt, 
inhaftiert  und zu Tode gefoltert  werden. Angesichts der festgestellten 
Unglaubhaftigkeit  der  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers,  ist 
dieses Schreiben, zumal ihm keinerlei konkreten Gründe für die dem 
Beschwerdeführer  angeblich  drohenden  Widrigkeiten  zu  entnehmen 
sind  und  Familienmitglieder  verständlicherweise  dazu  neigen, 
zugunsten  von  Angehörigen  vermeintlich  nützliche  Angaben  zu 
machen, als Gefälligkeitsschreiben zu bewerten, 

5.2.7 Der  Beschwerdeführer  reichte  zudem  eine  Bestätigung  vom 
13. Oktober  2009  (Telefaxkopie)  des  Friedensrichters  L.__________ 
aus  I.__________  ein.  Dieser  erklärt  darin,  die  Familie  des 
Beschwerdeführers  seit  mehreren  Jahren  zu  kennen.  Der  Be-
schwerdeführer  sei  zum  Verlassen  seiner  Heimat  gezwungen  ge-
wesen, um sein Leben vor Übergriffen einer unbekannten bewaffneten 
Gruppe zu retten, die junge Leute entführe und grundlos umbringe. Er 
bitte die schweizerischen Asylbehörden darum, den Beschwerdeführer 
vor einem solchen Schicksal zu bewahren. Obwohl der Friedensrichter 
die  Familie  des  Beschwerdeführers  angeblich  längere  Zeit  kennt, 
erwähnt er die angebliche LTTE-Zugehörigkeit des Beschwerdeführers 
mit keinem Wort. Der Beschwerdeführer hat im Rahmen seiner Befra-
gungen  zudem  nicht  geltend  gemacht,  von  einer  unbekannten  be-
waffneten Gruppe bedroht  worden zu sein  oder  sich vor  Übergriffen 
einer  solchen  zu  fürchten.  Aufgrund  dieser  Ungereimtheiten  ist  das 
eingereichte  Dokument  als  Gefälligkeitsschreiben  zu  werten,  dem 
keine Beweiskraft beigemessen werden kann. Die Tatsache, dass der 
Beschwerdeführer  das  Dokument  zum  Beweis  der  Wahrheit  seiner 
Aussagen  verwendet  hat  (vgl.  Beschwerde  S.  5  unten),  erschüttert 
seine persönliche Glaubwürdigkeit in erheblichem Mass und bestätigt 
die überwiegenden Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen.

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5.3 Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  die  vom  Beschwerde-
führer  genannten  Fluchtgründe  aufgrund  zahlreicher  Widersprüche, 
Ungereimtheiten und der Verwendung eines Beweismittels, das offen-
sichtlich  nicht  mit  seinen eigenen  Aussagen  in  Übereinstimmung zu 
bringen  ist,  klarerweise  als  unglaubhaft  zu  werten  sind.  Es  erübrigt 
sich, auf die weiteren Ausführungen in der Eingabe des Beschwerde-
führers  einzugehen,  da  sie  an  dieser  Würdigung  nichts  zu  ändern 
vermögen.

6.
6.1 Die Flüchtlingseigenschaft  gemäss Art. 3 AsylG erfüllt  eine asyl-
suchende  Person  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  dann,  wenn  sie 
Nachteile  von bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise mit 
beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründe-
terweise befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter 
Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nicht-
staatliche Akteure zugefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu 
werden  drohen  (vgl.  Entscheide  des  Schweizerischen  Bundesver-
waltungsgerichts  [BVGE]  2008/4  E. 5.2  S. 37,  EMARK  2006  Nr. 18 
E. 7 und 8 S. 190 ff.,  EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193). Aufgrund der 
Subsidiarität  des  flüchtlingsrechtlichen  Schutzes  setzt  die  Zuer-
kennung der  Flüchtlingseigenschaft  ausserdem voraus,  dass die be-
troffene Person in ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz fin-
den kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2 S. 174 f., BVGE 2008/4 E. 5.2 
S. 37 f.,  EMARK  2006  Nr. 18  E. 10  S. 201  ff.,  EMARK  2005  Nr. 21 
E. 7.3 S. 194 und E. 11.1 S. 201 f.). Ausgangspunkt für die Beurteilung 
der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Aus-
reise vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer sol-
chen.  Die  Situation  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheides  ist  jedoch  im 
Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht eben-
falls  wesentlich.  Veränderungen  der  objektiven  Situation  im  Heimat-
staat  zwischen  Ausreise  und  Asylentscheid  sind  deshalb  zugunsten 
und  zulasten  der  das  Asylgesuch  stellenden  Person  zu  berück-
sichtigen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4 S. 38 f., EMARK 2000 Nr. 2 E. 8a 
S. 20, WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], 
Ausländerrecht, Basel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18).

6.2 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass 
zur Annahme besteht,  eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im 
Zeitpunkt  der  Ausreise  –  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in 
absehbarer Zeit verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus 

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heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zu-
kunft  verwirklichen.  Eine  bloss  entfernte  Möglichkeit  künftiger  Ver-
folgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen,  welche 
den  Eintritt  der  erwarteten  –  und  aus  einem  der  vom  Gesetz  auf-
gezählten  Motive  erfolgenden  –  Benachteiligung  als  wahrscheinlich 
und dementsprechend die  Furcht  davor  als  realistisch  und nachvoll-
ziehbar  erscheinen  lassen  (vgl.  EMARK  2005  Nr. 21  E. 7  S. 193 f., 
EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a S. 9).

6.3 Die  vom  Beschwerdeführer  geäusserte  Furcht  vor  Verfolgung 
durch die srilankischen Sicherheitsbehörden und die LTTE erweist sich 
aufgrund  der  festgestellten  Unglaubhaftigkeit  seiner  Vorbringen  als 
subjektiv und objektiv unbegründet. 

6.4 In der Beschwerde wird geltend gemacht,  der Beschwerdeführer 
entstamme einer  politisch  aktiven Tamilenfamilie. Ein  Verwandter  sei 
1997 von der Armee beseitigt worden, und ein Onkel sei in die Nieder-
lande geflohen, wo er als Flüchtling anerkannt worden sei. Das in der 
Beschwerde gezeichnete Bild der politisch aktiven Familie ist nur be-
dingt zutreffend. Der Beschwerdeführer machte geltend, im Jahr 1997 
sei  sein  Schwager  von  der  Marine  mit  seinem  Boot  abgeschleppt 
worden.  Seither  habe  man  von  ihm  nichts  mehr  gehört  (vgl. 
act. A12/10 S. 5). Abgesehen von der verständlichen emotionellen Be-
lastung der Familienmitglieder hat der Beschwerdeführer nicht geltend 
gemacht,  er  und  seine  Angehörigen  hätten  im  Zusammenhang  mit 
dem Verschwinden seines Schwagers irgendwelche Behelligungen er-
litten.  Über  die  Gründe  der  Ausreise  des  Onkels  des  Beschwerde-
führers wurde er zwar nicht befragt,  er machte anlässlich seiner Be-
fragungen  jedoch  nicht  geltend,  im  Zusammenhang  mit  politischen 
Aktivitäten des Onkels, der schon lange in die Niederlande gereist sei 
(vgl. act. A2/10 S. 8), Schwierigkeiten gehabt zu haben. Gemäss den 
Akten waren weder die Eltern des Beschwerdeführers noch seine Ge-
schwister politisch tätig. Inwiefern der Beschwerdeführer sich aufgrund 
der Verwandtschaft mit dem seit Jahren in den Niederlanden lebenden 
Onkel und seiner Schwägerschaft  zu einem seit  1997 Verschollenen 
bei einer Rückkehr nach Sri Lanka Verfolgung drohen sollte, ist nicht 
ersichtlich und wird auch nicht nachvollziehbar begründet. Es ist auf-
grund  der  Aktenlage  mithin  nicht  davon  auszugehen,  dass  er  sich 
diesbezüglich  in  begründeter  Weise  vor  zukünftiger  Verfolgung 
fürchten müsste.

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6.5 In  Würdigung  der  gesamten  Umstände  ist  somit  festzustellen, 
dass  der  Beschwerdeführer  einen  flüchtlingsrechtlich  bedeutsamen 
Sachverhalt  weder  nachgewiesen  noch  glaubhaft  gemacht  hat.  Das 
BFM hat das Asylgesuch demnach zu Recht abgelehnt.

7.  
7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein-
heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

7.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrecht-
liche Aufenthaltsbewilligung noch über  einen Anspruch auf  Erteilung 
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. EMARK 2001 Nr. 21). 

8.
8.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheits-
verhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige 
Aufnahme von Ausländern  (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer [AuG, SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und seiner 
Vorgängerorganisation  ARK der  gleiche Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der 
strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu 
machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, 
Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.148).

8.2 Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflich-
tungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Aus-
länders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegen-
stehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen  werden,  in  dem ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie 
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 

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28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK, 
SR 0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über-
einkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 
(FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei-
heiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmensch-
licher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  unterworfen 
werden.

9.
9.1 Zum Kriterium der Zulässigkeit ist vorab festzuhalten, dass das in 
Art. 5  AsylG in  Anlehnung an Art.  33  des  Abkommens vom 28. Juli 
1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30) 
statuierte flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot (vgl. auch Art. 25 
Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft 
vom 18. April 1999 [BV, SR 101]) nur Flüchtlingen im Sinne von Art. 3 
AsylG beziehungsweise Art. 1 A FK Schutz bietet. Vorliegend kommt 
daher  die Anwendung dieser  Bestimmungen von vornherein  nicht  in 
Betracht,  nachdem  aus  den  zuvor  dargelegten  Gründen  der  Be-
schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt.

9.2 Gemäss Rechtsprechung sind die Bedingungen für einen Verzicht 
auf den Vollzug der Wegweisung (Unmöglichkeit,  Unzulässigkeit, Un-
zumutbarkeit; vgl. Art. 83 Abs. 2-4 AuG) alternativer Natur. Sobald eine 
der  Bedingungen  erfüllt  ist,  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  un-
durchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit  in  der 
Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu 
regeln (vgl. EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2 S. 54 f.). Gegen eine allfällige 
Aufhebung der  vorläufigen Aufnahme stünde dem Beschwerdeführer 
wiederum  die  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  offen 
(Art. 112 Abs. 1 AuG i.V.m. Art. 31 ff. VGG). In diesem Verfahren wäre 
dann  der  Wegweisungsvollzug  vor  dem  Hintergrund  sämtlicher  Voll-
zugshindernisse von Amtes wegen nach Massgabe der in diesem Zeit-
punkt herrschenden Verhältnisse zu prüfen.

9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 

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Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art.  83 
Abs. 7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 
8. März 2002, BBl 2002 3818).

9.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht  hat  in  BVGE 2008/2  E.  7  eine 
umfassende Beurteilung der Situation in Sri Lanka vorgenommen. Es 
hat  dabei  unter  anderem festgestellt,  dass  die Rückschaffung abge-
wiesener Asylgesuchsteller aus Sri Lanka in die Nordprovinz (Distrikte 
Killinochchi, Mannar, Vavuniya, Mullaitivu und Jaffna) und in die Ost-
provinz (Distrikte Trincomalee, Batticaloa und Ampara) angesichts der 
dort  herrschenden allgemeinen Lage unzumutbar ist. Bei rückkehren-
den Tamilen, die aus der Nord- oder Ostprovinz stammen, kann zudem 
nicht  von  der  generellen  Zumutbarkeit  der  Inanspruchnahme  einer 
innerstaatlichen Aufenthaltsalternative im Süden des Landes, nament-
lich  im  Grossraum  Colombo,  ausgegangen  werden.  Damit  die 
Rückkehr abgewiesener tamilischer Asylsuchender in den Grossraum 
Colombo  als  zumutbar  qualifiziert  werden  kann,  bedarf  es  dem  er-
wähnten  Grundsatzurteil  zufolge  besonders  begünstigender,  das 
heisst positiver individueller Umstände wie namentlich ein tragfähiges 
Familien- oder sonstiges Beziehungsnetz, die konkrete Möglichkeit der 
Sicherung des Existenzminimums und eine gesicherte Wohnsituation.

9.3.2 Seit  Erlass  des  vorstehend  zitierten  Grundsatzurteils  hat  sich 
die  Sicherheitssituation  in  Sri  Lanka  weiter  verschlechtert.  Die  Be-
hörden  haben  namentlich  im  Grossraum  Colombo  die  Sicherheits-
massnahmen  erneut  verschärft.  Das  Risiko,  als  Tamile  willkürlichen 
Verhaftungen  und  Ausweisungen  ausgesetzt  zu  sein,  ist  weiter  ge-
stiegen.  Ausserdem  haben  die  Behörden  in  Bezug  auf  Personen 
tamilischer Ethnie offenbar neue Formen der Registrierung eingeführt, 
da  namentlich  aus  dem  Norden  und  Osten  zugezogene  Tamilen  in 
Colombo  als  ernsthaftes  Sicherheitsrisiko  angesehen  werden  (vgl. 
dazu  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E- 8381/2007  vom 
21. April 2009 E. 9.2.2). Obwohl die srilankische Regierung Ende Mai 
2009 den militärischen Sieg über die tamilischen Rebellen verkündet 
hat, ist im heutigen Zeitpunkt nach wie vor nicht klar, ob der seit rund 
26  Jahren  schwelende  Bürgerkrieg  damit  tatsächlich  zu  Ende  ist. 
Ebenfalls offen ist die Frage, was der militärische Sieg der Regierung 
für die Tamilen konkret bedeutet und wie sich die allgemeine Sicher-

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heits-  und  Menschenrechtslage  in  Sri  Lanka  in  Zukunft  entwickeln 
wird.

9.3.3 Der Beschwerdeführer sagte aus, ethnischer Tamile zu sein und 
aus B.__________ (Jaffna-Distrikt/Nordprovinz) zu stammen; das BFM 
hat diese Angaben nicht in Frage gestellt. In der am 10. Juli 2003 in 
Colombo ausgestellten Identitätskarte, deren Authentizität seitens des 
BFM  ebenfalls  nicht  in  Zweifel  gezogen  wurde,  ist  denn  auch 
M.__________  (Distrikt  Kilinochchi)  als  Geburts-  (diese  Angaben 
stimmen  mit  denjenigen  auf  dem  ebenfalls  eingereichten 
Geburtsschein  überein)  und  B.__________  als  Wohnort  des 
Beschwerdeführers  vermerkt.  Aufgrund  der  Ausführungen  unter  E. 
9.3.1 ist demnach festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung des 
Beschwerdeführers in seine Heimatregion unzumutbar ist. Somit bleibt 
zu prüfen,  ob  für  ihn in  einer  anderen Region seines Heimatlandes, 
namentlich  im  Grossraum  Colombo,  eine  zumutbare 
Aufenthaltsalternative besteht. Seinen Angaben bei der Erstbefragung 
vom  17.  Juli  2007  zufolge  lebte  sein  Vater  zum  Zeitpunkt  seiner 
Ausreise  aus  Sri  Lanka  in  B.__________  und  seine  Mutter 
vorübergehend  in  Colombo.  Seine  Geschwister  lebten  damals 
ebenfalls  im  Norden  Sri  Lankas.  Dem  vom  7.  Oktober  2009 
stammenden Schreiben der Mutter des Beschwerdeführers ist zu ent-
nehmen,  dass  sie  sich  damals  zusammen  mit  ihrem  Ehemann  und 
einem Neffen im J.___________ Camp in K.__________ und somit in 
der  Nordprovinz  aufhielt.  Da  dieses  Camp  in  der  Nähe  von 
I.__________ liegt und der dort  tätige Friedensrichter L.__________ 
am  13.  Oktober  2009  zugunsten  des  Beschwerdeführers  eine 
Bestätigung  ausstellte,  darf  davon  ausgegangen  werden,  dass  die 
Mutter des Beschwerdeführers zutreffende Angaben zu ihrem Aufent-
haltsort  machte. Im Übrigen  ist  auch in  Anbetracht  der  bei  der  Vor-
instanz  eingereichten  Dokumente  (vgl.  act.  A1)  als  glaubhaft  zu  er-
achten,  dass  die  Familie  des  Beschwerdeführers  im  Norden  Sri 
Lankas verwurzelt ist. Den Akten kann nicht entnommen werden, dass 
er im Grossraum Colombo über Verwandte und damit über ihm nahe-
stehende Personen mit einem – allenfalls gefestigten – Anwesenheits-
recht  verfügt.  Er  sagte  zwar  aus,  er  habe  vor  der  Ausreise  aus  Sri 
Lanka rund zweieinhalb Monate lang in einer Lodge in Colombo ge-
wohnt (vgl. act. A2/10 S. 6). Unbesehen der Frage, ob dies glaubhaft 
ist,  könnte allein  aufgrund dieser Anwesenheit  in  Colombo nicht  der 
Schluss gezogen werden, er verfüge heute in Colombo über ein trag-
fähiges  Beziehungsnetz.  Das  Kriterium  des  Vorhandenseins  eines 

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tragfähigen Beziehungsnetzes ausserhalb der Heimatregion ist ange-
sichts der Aktenlage – entgegen der vom BFM vertretenen Auffassung 
(vgl. Verfügung vom 1. Oktober 2009, S. 7) – zu verneinen. Es kann 
nach  dem  Gesagten  nicht  davon  ausgegangen  werden,  der  Be-
schwerdeführer  würde  bei  einer  Rückkehr  nach  Sri  Lanka  in  der 
Region  Colombo  eine  längerfristig  gesicherte  Unterkunft  vorfinden. 
Angesichts der derzeitigen Lage in Sri Lanka ist auch seine Chance, 
sich  in  Colombo  aus  eigener  Kraft  eine  dauerhafte  wirtschaftliche 
Existenz aufzubauen, als gering einzuschätzen. Nebst wirtschaftlichen 
Existenzproblemen  könnte  eine  Rückschaffung  des  Beschwerde-
führers nach Colombo unter Umständen auch eine Gefährdung seiner 
persönlichen Sicherheit zur Folge haben. Personen tamilischer Ethnie 
sind in Sri Lanka generell einem erhöhten Risiko willkürlicher Polizei-
massnahmen  ausgesetzt,  vor  allem,  wenn  sie  –  wie  es  vorliegend 
beim Beschwerdeführer der Fall  wäre – ihren Aufenthalt  in  Colombo 
nicht mit einem triftigen Grund (sogenannte valid reason) rechtfertigen 
können. Insbesondere die obligatorische Registrierung bei den lokalen 
Polizeibehörden sowie die zahlreichen Checkpoints bergen für Tamilen 
ein  hohes  Verhaftungsrisiko.  Mit  Blick  auf  die  vorstehenden  Er-
wägungen  ist  daher  festzustellen,  dass  dem  Beschwerdeführer 
innerhalb seines Heimatlandes keine zumutbare Aufenthaltsalternative 
zur Verfügung steht. Unter diesen Umständen erweist sich der Vollzug 
der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  nach  Sri  Lanka  als  un-
zumutbar  im Sinne von Art. 83  Abs. 4  AuG. Nachdem sich  aus  den 
Akten  keine  Hinweise  auf  das  Vorliegen  von  Ausschlussgründen  im 
Sinne von Art. 83 Abs. 7 AuG ergeben, sind die Voraussetzungen für 
die Anordnung der vorläufigen Aufnahme erfüllt.

10.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist, 
soweit  darin  die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft  und die Ge-
währung von Asyl  beantragt  werden. Sie ist  hingegen gutzuheissen, 
soweit  die Feststellung der Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzug 
beantragt wird. Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der angefochtenen 
Verfügung vom 1. Oktober  2009 sind demnach aufzuheben und das 
BFM ist anzuweisen, die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers 
anzuordnen.

11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die reduzierten Kosten 
– das Bundesverwaltungsgericht geht bei der vorliegenden Konstella-

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tion von einem hälftigen Durchdringen aus – von Fr. 300.-- dem Be-
schwerdeführer  aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Verfahrens-
kosten sind durch den in der Höhe von Fr. 600.-- geleisteten Kosten-
vorschuss gedeckt und mit diesem zu verrechnen. Der Restbetrag von 
Fr. 300.-- ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.

11.2 Dem  Beschwerdeführer  ist  gestützt  auf  Art.  64  Abs.  1  VwVG 
i.V.m. Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 
und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE, 
SR 173.320.2)  eine  (reduzierte)  Entschädigung  für  die  ihm  erwach-
senen notwendigen Kosten zuzusprechen. Es wurde keine Kostennote 
zu den Akten gereicht. Der notwendige Vertretungsaufwand lässt sich 
indes aufgrund der Aktenlage zuverlässig abschätzen, weshalb auf die 
Einholung einer solchen verzichtet werden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine 
VGKE). In  Anwendung der  genannten Bestimmungen und unter  Be-
rücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. 
VGKE)  ist  die  von  der  Vorinstanz  auszurichtende  reduzierte  Partei-
entschädigung demnach von Amtes wegen auf pauschal Fr. 700.- (inkl. 
Auslagen Mehrwertsteuer) festzusetzen und das BFM ist anzuweisen, 
dem  Beschwerdeführer  diesen  Betrag  als  Parteientschädigung  aus-
zurichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. Die  Beschwerde  wird  abgewiesen,  soweit  die  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung beantragt werden.

2. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Feststellung der Un-
zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs beantragt wird.

3. Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs  der angefochtenen Verfügung 
vom 1. Oktober 2009 werden aufgehoben. Das BFM wird angewiesen, 
den Beschwerdeführer in der Schweiz vorläufig aufzunehmen.

4. Die Verfahrenskosten von Fr. 300.-- werden dem Beschwerdeführer 
auferlegt. Sie sind durch den geleisteten Kostenvorschuss gedeckt und 
werden mit diesem verrechnet. Fr. 300.-- sind dem Beschwerdeführer 
zurückzuerstatten.

5. Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Partei-
entschädigung von Fr. 700.-- auszurichten.

6. Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beilage: 
vorinstanzliche Verfügung im Original, Formular Zahladresse)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 
Kurier; in Kopie)

- (zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Walter Lang Christoph Basler

Versand: 

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