# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 21ccc130-6eb0-59e5-8919-232db45eb7ed
**Source:** Basel-Stadt (BS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-02-03
**Language:** de
**Title:** Basel-Stadt Appellationsgericht 03.02.2022 VD.2021.178 (AG.2022.228)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BS_Omni/BS_APG_001_VD-2021-178_2022-02-03.html

## Full Text

Appellationsgericht

  
  des Kantons Basel-Stadt

  

  als Verwaltungsgericht

  Dreiergericht

  

 

VD.2021.178

 

ZWISCHENENTSCHEID

 

vom 3. Februar 2022

 

 

Mitwirkende

 

lic. iur. Christian Hoenen (Vorsitz),
Dr. Patrizia Schmid, 

Dr. phil. und MLaw Jacqueline
Frossard   

und Gerichtsschreiberin
lic. iur. Mirjam Kündig 

 

 

 

Beteiligte

 

A____                                                                         
Beschwerdeführerin 

[...]

vertreten durch [...], Advokat, 

[...]

 

gegen

 

Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde           
Beschwerdegegnerin

Rheinsprung 16/18, 4001 Basel

 

Kinder- und Jugenddienst (KJD)
                                     Beigeladene 1

Leonhardsstrasse 45, Postfach
1616, 4001 Basel

 

B____                                  
                                               Beigeladener 2

[...] 

 

C____                                                                                               
Kind 1

[...]

vertreten durch [...], Advokatin,

[...]

 

D____                        
                                                                       Kind 2

c/o E____

[...]

vertreten durch [...], Advokatin,

[...]

 

 

Gegenstand

 

Beschwerde gegen einen Beschluss
der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde 

vom 21. Juli 2021

 

betreffend Aufenthaltsbestimmungsrecht
und Platzierung

 

Sachverhalt

 

D____, geboren [...]
2007 und C____, geboren [...] 2010, sind die Kinder der getrennt lebenden
Eltern A____ und B____. Mit Entscheid vom 29. September 2017 hob die Kindes-
und Erwachsenenschutzbehörde (nachfolgend: KESB) das
Aufenthaltsbestimmungsrecht der Eltern über ihre beiden Kinder auf und ordnete
deren Platzierung im E____ (nachfolgend: E____) an. Das Verwaltungsgericht
Basel-Stadt bestätigte den Entscheid mit Urteil vom 30. Oktober 2018. Mit
Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde vom 14. Juli 2020 wurden
beide Kinder unter Beibehaltung der Aufhebung des Aufenthaltsbestimmungsrechts
bei der Mutter rückplatziert und besuchten ab August 2020 die ordentlichen
Schulen in Basel. Mit Entscheid der KESB vom 15. Januar 2021 wurde D____ wieder
im E____ platziert, während für C____ das Aufenthaltsbestimmungsrecht wieder den
Eltern eingeräumt wurde. Mit Entscheid der KESB vom 21. Juli 2021 wurde A____
das Aufenthaltsbestimmungsrecht über C____ wieder entzogen und seine erneute
Platzierung im E____ angeordnet; betreffend D____ blieb das
Aufenthaltsbestimmungsrecht entzogen und es wurde verfügt, er sei im E____ zu
belassen. 

 

Gegen diesen
Entscheid richtet sich die Beschwerde der Kindesvertreterin vom 29. Juli
2021. Sie beantragte die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die
Belassung des Aufenthaltsbestimmungsrechts über C____ bei seiner Mutter und die
Wiedererteilung des Aufenthaltsbestimmungsrechts über D____. Zudem beantragte
sie die vorgängige Anhörung von D____ und C____ sowie der Heilpädagogin, der
Schulpsychologin, der behandelnden Psychologin von C____ und des Schulleiters
des E____ als Auskunftspersonen (Verfahren VD.2021.165). Mit Beschwerde vom 9.
August 2021 beantragte A____ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) ebenfalls die
Aufhebung des Entscheids vom 21. Juli 2021; C____ sei bei ihr zu belassen und
es sei ihr das Aufenthaltsbestimmungsrecht nicht zu entziehen. Betreffend D____
sei das mit rechtskräftigem Entscheid der KESB vom 29. September 2017 entzogene
Aufenthaltsbestimmungsrecht wieder zu erteilen. Eventualiter sei D____ bei weiter
aufgehobenem Aufenthaltsbestimmungsrecht per sofort bei ihr unterzubringen.
Subeventualiter sei D____ bei weiterhin aufgehobenem
Aufenthaltsbestimmungsrecht nicht mehr im E____, sondern in einer anderen
geeigneten Institution unterzubringen und bis dahin vorläufig bei der Beschwerdeführerin
zu platzieren, wobei diese vor einer weiteren Platzierung anzuhören sei. In
verfahrensrechtlicher Hinsicht sei die aufschiebende Wirkung der Beschwerde
unverzüglich wiederherzustellen. Zudem sei der Beschwerdeführerin die
unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen. 

 

Mit begründeter
Verfügung des instruierenden Präsidenten des Appellationsgerichts vom 16.
August 2021 wurden die Verfahren VD.2021.178 und VD. 2021.165 zusammengelegt,
die unentgeltliche Rechtspflege und die unentgeltliche Verbeiständung für die
beiden Kinder sowie für die Beschwerdeführerin bewilligt und die aufschiebende
Wirkung der Beschwerde bezüglich C____ wiederhergestellt. Mit Stellungnahme vom
7. September 2021 beantragte die KESB die Abweisung der Beschwerde sowie die
Aufhebung deren aufschiebenden Wirkung. Am 15. Dezember 2021 bezog die
Kindesvertreterin Stellung; sie beantragte, die aufschiebende Wirkung der
Beschwerde sei nicht aufzuheben und es sei ein Bericht über die erfolgte
Abklärung betreffend C____ bei der Psychologin der UPK, F____, einzuholen.

 

Am 22. Dezember
2021 verfügte der instruierende Präsident die Einholung von Berichten der
Heilpädagogin der [...] Primarstufe, des Schulpsychologischen Dienstes, der
Psychologin der UPK, des Schulleiters des E____ sowie des Klassenlehrers von C____;
zudem wurde die vorgängige persönliche Anhörung von C____ und D____ angeordnet.
Der Bericht des Schulpsychologischen Dienstes zur Abklärung von C____ datiert
vom 5. Januar 2022, am 11. Januar 2022 ging der Austrittsbericht der UPK vom 9.
September 2021 ein. Am 14. Januar 2022 wurde D____ per Videokonferenz in
Anwesenheit der Kindesvertreterin angehört. Am 14. Januar 2022 erstattete der
Schulleiter der Primarstufe [...], G____, Bericht betreffend C____ über die
Periode von Sommer 2021 bis Januar 2022. Die Beschwerdeführerin liess am 16.
Januar 2022 durch ihren Rechtsvertreter eine Replik zur Vernehmlassung der KESB
vom 7. September 2021 einreichen. Mit Eingabe vom 21. Januar 2022 liess der
Leiter des E____, H____, dem Gericht die letzten vier Standortberichte und
Schulberichte von C____ und D____ zukommen (Standortberichte C____ vom 19. Juni
2020, 12. November 2019, 28. Mai 2019 und 18. Dezember 2018, Schulberichte C____
vom 19. Mai 2020, 12. November 2019, 28. Mai 2019 und 18. Dezember 2018;
Standortberichte D____ vom 17. November 2021, 11. Mai 2021, 19. Juni 2020 und
12. November 2019, Schulberichte D____ vom 17. November 2021, 11. Mai
2021, 19. Mai 2020 und 12. November 2019). Am 28. Januar 2022 erfolgte die
persönliche Anhörung von C____ im Beisein der Kindesvertreterin. 

 

Die
Verwaltungsgerichtsverhandlung hat am 3. Februar 2022 in Anwesenheit der
Beschwerdeführerin und ihres Rechtsvertreters, des Vertreters der KESB, des
Beistandes sowie der Kindesvertreterin stattgefunden. Zunächst wurde die
Beschwerdeführerin angehört und befragt, in der Folge gelangten die
Kindesvertreterin, der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin und der Vertreter
der KESB zum Vortrag. Für sämtliche Ausführungen wird auf das
Verhandlungsprotokoll verwiesen. Die entscheidrelevanten Tatsachen und
Parteistandpunkte ergeben sich aus den vorinstanzlichen Entscheiden und den
nachfolgenden Erwägungen.

 

 

Erwägungen

 

1.

1.1      Gegen
Entscheide der KESB kann gemäss Art. 450 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 440 Abs.
3 und Art. 314 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB, SR 210) sowie
§ 17 Abs. 1 des kantonalen Kindes- und Erwachsenenschutzgesetzes (KESG, SG
212.400) Beschwerde an das Verwaltungsgericht geführt werden. Zuständig ist das
Dreiergericht (§ 92 Abs. 1 Ziff. 10 des Gerichtsorganisationsgesetzes [GOG], SG
154.100). C____ und D____ sind vom angefochtenen Entscheid direkt betroffen;
auch die Beschwerdeführerin ist als Inhaberin der elterlichen Sorge über ihre
Kinder betroffen. Sowohl die Mutter als auch die Kinder sind somit nach Art.
450 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 314 Abs. 1 ZGB zur Beschwerde legitimiert. 

 

1.2      Die
Kognition des Verwaltungsgerichts richtet sich nach Art. 450a Abs. 1 ZGB.
Danach kann eine Rechtsverletzung, die unrichtige oder unvollständige
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit des
Entscheids gerügt werden. Für das Verfahren gelten die allgemeinen Bestimmungen
des Verwaltungsrechtspflegegesetzes (VRPG, SG 270.100). Auf das
Beschwerdeverfahren kommen die Verfahrensbestimmungen des ZGB (Art. 314 Abs. 1
in Verbindung mit Art. 450 ff. ZGB) und die kantonalrechtlichen
Verfahrensregeln des KESG zur Anwendung. Gemäss § 19 Abs. 1 KESG richtet sich
das Verfahren nach den Bestimmungen des VRPG, soweit das Bundesrecht oder das
KESG nichts anderes vorsehen. Subsidiär kommen nach Art. 450f ZGB die
Bestimmungen der Zivilprozessordnung (ZPO, SR 272) zur Anwendung. Es gelten
dabei mit Bezug auf die Regelung von Kinderbelangen auch im
verwaltungsgerichtlichen Verfahren die Offizialmaxime und der
Untersuchungsgrundsatz (Art. 296 ZPO). Da in Angelegenheiten des Kindesschutzes
im Interesse des Kindeswohls neue Entwicklungen zu berücksichtigen sind und es
Art. 110 des Bundesgerichtsgesetzes (BGG, SR 173.110) zu beachten gilt, ist
dabei auf die Verhältnisse zum Zeitpunkt des Entscheids des Verwaltungsgerichts
abzustellen (vgl. auch Wullschleger/Schröder,
Praktische Fragen des Verwaltungsprozesses im Kanton Basel-Stadt, BJM 2005
S. 300 f. m.w.H.; VGE VD.2029.200 vom 14. Januar 2021 E. 1.2).

 

1.3      Hinsichtlich
D____ haben sowohl die Kindesvertreterin als auch die Beschwerdeführerin
anlässlich der mündlichen Verhandlung ihre Beschwerden zurückgezogen. Entsprechend
hat die KESB ihre Anträge in Bezug auf D____ für gegenstandslos erklärt
(Verhandlungsprotokoll p. 2). D____ selbst gab anlässlich seiner persönlichen
Anhörung durch den Gerichtspräsidenten am 14. Januar 2022 zu Protokoll, er
beabsichtige, die obligatorische Schulzeit im E____ abzuschliessen und
anschliessend nach Basel zurückzukehren, eventuell bestehe die Möglichkeit, eine
KV-Lehre im E____ oder in [...] zu beginnen (Anhörungsprotokoll p. 2 f.). Damit
wehrt sich D____ nicht mehr gegen eine Platzierung im E____; die Beschwerde in
Bezug auf D____ ist somit gegenstandslos geworden und das diesbezügliche
Verfahren wegen Rückzugs der Beschwerde als erledigt abzuschreiben. Gegenstand
des vorliegenden Zwischenentscheides ist damit ausschliesslich der Entzug des
Aufenthaltsbestimmungsrechts sowie die Platzierung von C____. Diesbezüglich ist
auf die rechtzeitig erhobenen und begründeten Beschwerden einzutreten.

 

2.

Kann einer
Gefährdung eines Kindes nicht anders begegnet werden, hat die
Kindesschutzbehörde nach Art. 307 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 310 Abs. 1 ZGB den
Eltern das Aufenthaltsbestimmungsrecht zu entziehen und das Kind in
angemessener sowie geeigneter Weise unterzubringen. Das Kindeswohl gebietet,
dass nur Massnahmen ergriffen werden, die (soweit prognostiziert) Erfolg
versprechend sind. Gemäss dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit muss die
Platzierung wie alle Kindesschutzmassnahmen erforderlich sein (Subsidiarität).
Des Weiteren ist immer die mildeste, erfolgversprechende Massnahme anzuordnen
(Proportionalität). Die Platzierung eines Kindes kommt damit nur als
letztmögliches Mittel in Frage, wenn das Kind in der elterlichen Obhut nicht so
geschützt und gefördert wird, wie es für seine körperliche, geistige und
sittliche Entfaltung nötig wäre (Häfeli,
Grundriss zum Kindes- und Erwachsenenschutz, 2. Auflage 2016,
Rz. 4035; Hegnauer, Grundriss
des Kindesrechts, 5. Auflage 1999, Rz. 27.08, 27.36; statt vieler BGer
5A_404/2016 E. 3; VGE VD.2019.23 vom 21. Mai 2019 E. 2.4.1). Unerheblich ist,
auf welche Ursachen die Gefährdung zurückzuführen ist. Sie kann in den Anlagen
oder in einem Fehlverhalten des Kindes, der Eltern oder der weiteren Umgebung
liegen. Massgebend sind die Verhältnisse im Zeitpunkt der Anordnung der
Massnahme. An die Würdigung der Umstände ist ein strenger Massstab zu legen (BGer
5A_318/2021 vom 19. Mai 2021 E. 3.1.2, mit Hinweis auf BGer 5A_403/2018 vom 23.
Oktober 2018 E. 5.3; 5A_724/2015 vom 2. Juni 2016 E. 6.3, nicht publ. in: BGE
142 I 188; 5A_875/2013 vom 10. April 2014 E. 3.1; 5A_729/2013 vom 11. Dezember
2013 E. 4.1). 

 

3.

3.1      Die
Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid in Bezug auf C____ erwogen, die
erteilte Auflage von maximal sechs Abwesenheitstagen in einem halben Schuljahr
sei um ein Vielfachs überschritten worden. Aufgrund der hohen Absenzenzahl im
Sommersemester 2021, häufiger Erkrankung sowie hohen Leidensdrucks unter der
aktuellen Situation bestehe eine erhebliche Kindeswohlgefährdung von C____.
Trotz diverser schulischer und ausserschulischer Unterstützungsmassnahmen zeige
er – im Unterschied zum Jahr 2020, in dem er sich zunächst noch im E____
aufgehalten und danach in die Primarschule [...] in Basel besucht habe –
inzwischen auch Angstzustände und benötige psychologische Abklärung und
Unterstützung. Mit Blick auf die lange Verfahrensvorgeschichte erschienen
weitere ambulante Hilfestellung nicht erfolgsversprechend. So hätten die Eltern
die als Weisung angeordnete ambulante Hilfe der Familienberatung nicht in
Anspruch genommen und auch die übrigen Weisungen gemäss Entscheid vom 22. Januar
2021 nicht eingehalten. Die Rückplatzierung ins E____ sei somit die einzige
geeignete Massnahme gegen die Kindeswohlgefährdung von C____. 

 

3.2      Die
Beschwerdeführerin macht geltend, der Entscheid der KESB, wonach C____ ab
Januar 2022 wieder im E____ platziert werden solle, erscheine unter
Berücksichtigung sämtlicher Umstände unhaltbar und sei auf Basis einer
unvollständigen Abklärung des relevanten Sachverhalts getroffen worden
(Beschwerde Ziff. 14). So werde im Bericht des Beistands vom 27. Mai 2021
überzeugend dargelegt, dass aus pädagogischer Sicht, trotz der überschrittenen
maximalen Fehltage, ein erneuter Schulwechsel ins E____ nicht wünschenswert
sei, stelle die Integration in ein neues Lebensumfeld doch eine grosse
Belastung für C____ dar. Er gehe gerne hier zur Schule und die
Beschwerdeführerin arbeite kooperativ mit der Schule zusammen. Ausserdem habe
eine Psychotherapie bei der Psychologin F____ bereits begonnen und werde
fortgeführt (Beschwerde Ziff. 15). Dass die Beschwerdeführerin noch keinen
Therapieplatz für C____ gefunden habe, sei auf die fehlende Unterstützung durch
den Beistand zurückzuführen (Replik ad. Ziff. 5). Ohne die Anhörung der
Heilpädagogin, der behandelnden Psychologin sowie der Schulpsychologin
erscheine der Sachverhalt ungenügend abgeklärt. Es gehe um eine sorgfältige
Abklärung der Zumutbarkeit für C____, erneut im E____ platziert zu werden,
nachdem er gesundheitliche Auffälligkeiten – namentlich Lernschwäche und Ängste
– zeige, welche der besonderen Förderung und therapeutischen Begleitung und
Behandlung bedürften. Die von der Vorinstanz angeführte Lese- und Rechtschreibeschwäche
sei nicht durch die häufigen Schulabsenzen begründet und auch nicht durch eine
Platzierung im E____ zu beseitigen. Es gebe an der öffentlichen Schule in Basel
genügend Hilfsangebote, um den Schwächen von C____ gerecht zu werden (Replik
ad. III.). Damit sei eine Rückplatzierung auch nicht notwendig, könne C____
doch an der [...]-Schule in Basel weiter mit der erforderlichen Förderung
seiner individuellen Bedürfnisse beschult werden, wo er gemäss den Lehrpersonen
und der Heil­pädagogin motiviert und gut integriert sei und schulische
Fortschritte erziele. Einzig die Begründung mit den zusätzlichen Fehltagen –
offensichtlich aus einer Fussverletzung am 18. Juni 2021 –, welche auf dem
Bericht des Beistands vom 8. Juli 2021 gründe, greife offensichtlich zu kurz,
sei doch die Zumutbarkeit für C____ nicht genügend abgeklärt worden (Beschwerde
Ziff. 15 f.). 

 

3.3      Die
KESB stellt sich in ihrer Stellungnahme vom 7. September 2021 in diesem
Zusammenhang auf den Standpunkt, es lägen keinerlei ärztlich bestätigte
Krankheiten oder Verletzungen von C____ nach dem 15. Januar 2021 vor; die
längere Absenz infolge einer angeblich ärztlich behandelten Fussverletzung im
Juni 2021 werde deshalb bestritten. Telefonische Erkundigungen beim
Schulpsychologischen Dienst hätten ergeben, dass die Abklärungen betreffend C____
von Ende 2020 bis Juni 2021 gedauert hätten, weil zahlreiche Termine wegen
Krankheit abgesagt worden seien (vgl. Aktennotiz KESB vom 7. September 2021;
Stellungnahme Ziff. II). Schliesslich bestritt die KESB, dass der Entscheid zur
Rückplatzierung von C____ nur aufgrund vermehrter Absenzen gefällt worden sei.
Vielmehr liege eine Kindeswohlgefährdung bei Aufenthalt im Familienumfeld in
sehr häufigem Schulabsentismus und sehr häufigem angeblichem Kranksein bei wechselnder
und unklarer Ursache vor, wobei eine chronische somatische Problematik über
mehrere Jahre hinweg nie habe nachgewiesen werden können. Die Situation habe
sich insofern verschlechtert, als dass bei C____ inzwischen eine Lese- und
Rechtschreibeschwäche diagnostiziert worden und von psychischen Symptomen
berichtet worden sei (Stellungnahme Ziff. III). Die neuere Entwicklung zeige
klar, dass es der Beschwerdeführerin nicht möglich sei, eine ausreichende psychologische
Abklärung und Behandlung von C____ stattfinden zu lassen. Dass zwischenzeitlich
der Schulbesuch gut funktioniert habe, sei auf eine grosse Anstrengung von C____
zurückzuführen, welche aber kaum längerfristig Bestand haben werde, zumal ein
unterstützendes psychologisches Setting gerade nicht aufgegleist werden könne
und C____ wahrscheinlich weiterhin unter grossem Druck stehe (Stellungnahme Ziff.
III). 

 

3.4

3.4.1   Im
Bericht des Schulpsychologischen Dienstes zur Abklärung von C____ vom 5. Januar
2022 wurde eine Rechtschreibestörung nach ICD-10 F81 diagnostiziert. Es werde
eine intensivierte heilpädagogische Förderung und die Erwirkung eines
Nachteilsausgleichs sowie zwecks emotionaler Entlastung und Stabilisierung die
Einleitung einer psychotherapeutischen Begleitung für C____ empfohlen, womit
sich die Mutter einverstanden gezeigt habe. 

 

3.4.2   Gemäss
dem Austrittsbericht der UPK vom 9. September 2021 sei eine umfassende
Diagnostik aufgrund der vielen versäumten und abgesagten Termine nicht möglich
gewesen. Erst beim dritten Anlauf seien C____ und die Beschwerdeführerin zum
vereinbarten Erstgespräch erschienen, fünf weitere Einladungen zum Gespräch
seien entweder kurzfristig abgesagt oder aus verschiedenen Gründen nicht
wahrgenommen worden. Die aktuelle Situation scheine sehr belastend und
emotional aufgeladen sowohl für C____ als auch für die Mutter zu sein. Er zeige
in vielen Fächern trotz der individuellen Lernziele aufgrund der Lese-Rechtschreib-Störung
und bei häufigen Schulabsenzen deutliche Defizite. Gemäss den Angaben der
Mutter habe C____ immer wieder Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Erkältungen,
zudem leide er unter einem Eisenmangel und unter Müdigkeit. Ausserdem habe er
in den vergangenen drei Jahren ohne ersichtlichen Grund stark zugenommen. C____
gebe an, in der Schule genau beobachtet zu werden, alles werde dokumentiert und
es würden Informationen zwischen verschiedenen Stellen ausgetauscht. Wenn er
höre, dass der Kinder- und Jugenddienst anrufe, bekomme er Angst und Panik. Er
habe das Bedürfnis, mit jemandem ausserhalb der Familie über die «Sache von [...]»
zu sprechen. Die abklärende Psychologin deutete die geschilderten (psycho-)somatischen
Symptome suggestiv als möglichen Ausdruck einer deutlichen psychischen
Belastung. Zudem zeigten sich klare Hinweise auf Loyalitätskonflikte von C____
sowie auf Parentifizierung. Mit Blick auf die jahrelang schwierige
Vorgeschichte erscheine ein verlässliches und strukturgebendes Umfeld wichtig
für C____s weitere Entwicklung. Zusätzlich werde eine psychotherapeutische
Begleitung für C____ zur Unterstützung in der herausfordernden Situation und
zur Verarbeitung der bisherigen Erlebnisse empfohlen (p. 3 f.).

 

3.4.3   Aus
den Mitteilungen und Berichten der Schulleitung der Primarstufe [...] geht
hervor, C____ habe nach einer längeren Absenzenperiode Ende Juni 2021 nach den
Sommerferien bis am 2. September 2021 keine Absenzen aufgewiesen (Mail von G____
vom 2. September 2021). Auf Anfrage der KESB berichtete die Schulleitung der
Primarstufe [...] am 15. November 2021 von einer seit den Herbstferien
deutlichen negativen Veränderung in der Präsenz und in der Lern- und
Leistungsbereitschaft. C____ verzeichne seit den Herbstferien bereits sieben
Absenztage, erscheine in der Schule meist übermüdet und sei während des
Unterrichts auch schon eingeschlafen. Mit Mail vom 9. Dezember 2021 meldete der
Schulleiter, C____ weise pro Woche durchschnittlich zwei Fehltage auf, wobei
ihn die Mutter meist nicht abmelde; zudem zeige er in der Pause und an
unterrichtsfreien Nachmittagen problematisches Konfliktverhalten im Umgang mit
anderen Schülerinnen und Schülern aus der Klasse und der Tagesstruktur
(Drohungen, Schläge); aus diesem Grund werde C____ seitens der Schulleitung
verwarnt. Am 17. Dezember 2021 meldete der Schulleiter, er sei in grosser Sorge
um das Wohl von C____, da dieser zu viele Absenzen aufweise, um die schulische
Förderung vor Ort zu ermöglichen. Auch sei die therapeutische Begleitung von C____
durch die Mutter nicht aufgegleist worden. Aus dem Bericht der Primarstufe [...]
vom 14. Januar 2022 geht zusammenfassend hervor, C____ habe sich im Sommer 2020
relativ schnell in die Klasse integriert und Freundschaften geschlossen. Seit
einiger Zeit zeige er ausserhalb der Schulzeit (nach der Schule, über Mittag
und während der Tagesstruktur) ein aggressives Verhalten gegenüber einzelnen
Schülern (Drohungen, Einschüchterungen und Schläge). Schulisch habe C____ durch
intensive Arbeit besonders in der Leseflüssigkeit Fortschritte erzielen können,
Schreiben sei nach wie vor sehr anstrengend. Besondere Schwierigkeiten weise er
im Bereich des selbständigen Arbeitens auf. So sei nach wie vor nicht möglich,
dass er ohne 1:1-Betreuung eine Aufgabe löse, er könne sich kaum selbst für die
Bearbeitung eines Auftrags motivieren. In einer kleinen Gruppe (z.B. mit der
Heilpädagogin) arbeite er jedoch gut mit und zeige sich dankbar, wenn er Hilfe
bekomme. Seine häufigen Absenzen wirkten sich negativ auf seinen
Lernfortschritt aus, zudem schlafe er gelegentlich im Unterricht ein. In
Kombination mit den geschilderten Lernschwierigkeiten erschwerten die vielen
Absenzen, dass C____ den verpassten Lernstoff aufarbeiten könne. Im Schuljahr
2021/2022 weise C____ bis zum Berichtszeitpunkt total 29 Absenzen und 6
Verspätungen aus (meist nachträglich entschuldigt). Auch die Tagesstruktur
besuche er nur unregelmässig. Zu Beginn sei die Zusammenarbeit der Schule mit
der Mutter telefonisch sowie im direkten Kontakt möglich gewesen. Es sei mit
der Zeit aber für sie immer schwieriger geworden, Termine einzuhalten und
Telefonate zu führen, sehr oft habe sie kurzfristig abgesagt. Die Mutter habe
bezüglich der zahlreichen Absenzen C____s Krankheitssymptome erwähnt. Sie
unterstütze die Haltung der Schulleitung und halte C____ zur Einhaltung der
Schulregeln an. Sie zeige sich im persönlichen Kontakt kooperativ und
verständnisvoll. 

 

3.4.4   Die
Kindesvertreterin brachte mit ihrer Beschwerde vor, C____ habe bereits in der
Anhörung vom 21. Juli 2021 erklärt, seine Angstzustände hätten mit dem enormen
Druck zu tun, eine gewisse Anzahl Fehltage nicht zu überschreiten. Sollte er
ins E____ zurück müssen, würde er abhauen und sich total verweigern (Beschwerde
Kindesvertreterin Ziff. 8). Auch anlässlich der persönlichen Anhörung vom 28.
Januar 2022 machte C____ deutlich, er wolle nicht mehr ins E____ zurück.
Er gehe gerne in Basel zur Schule und habe hier auch Freunde. Das Thema
Internat und das damit zusammenhängende Verfahren belasteten ihn stark. Er
wisse auch nicht, weshalb er so oft krank sei, in er Winterzeit sei er oft
erkältet. Er habe Schmerzen an Armen, Beinen und Fussgelenken, die gemäss Arzt
vom Wachstum herrührten. Wenn er krank sei, gehe er meist trotzdem zur Schule,
um Absenzen zu vermeiden, werde aber häufig wegen des Coronarisikos von den
Lehrpersonen nach Hause geschickt. Er finde es sehr ungerecht, dass er dann
trotzdem eine Absenz bekomme. Er sei in psychotherapeutischer Behandlung, damit
er über seine Probleme reden könne, da er ansonsten Halsschmerzen bekomme. Er
wisse jedoch den Namen der Therapeutin nicht mehr, zum letzten Mal sei er vor
etwa drei Wochen bei ihr gewesen. Als er im Alter von sieben Jahren von
mehreren Polizisten aus dem Bett geholt und ins Internat gebracht worden sei,
habe er das nicht verstanden und in der folgenden Zeit unter starkem Heimweh
gelitten. Er sei der Ansicht, die im E____ verbrachten 3,5 Jahre seien
verpasste Lebenszeit und er wolle nicht mehr dahin zurück. Er wünsche sich, von
diesem Druck befreit zu sein, nicht mehr ständig unter Beobachtung zu stehen
und dass nicht jeder Fehler registriert werde. Die KESB setze seiner Meinung
nach alles daran, ihn von seiner Familie wegzubringen. Dies führe jedoch nicht
dazu, dass er mehr in die Schule gehe, da er aufgrund des Druckes nicht
schlafen könne, deshalb in der Schule einschlafe und dadurch umso mehr Stoff
verpasse. Die Mutter lebe in derselben Panik wie er selbst und ermahne ihn,
immer zur Schule zu gehen; er wolle nicht, dass die Mutter Angst habe oder ihn
vermisse (Anhörung vom 28. Januar 2022 p. 3-7).

 

3.4.5   Die
Beschwerdeführerin berichtete in der Verhandlung vom 3. Februar 2022, es sei
ihr bewusst, wie wichtig es sei, dass C____ regelmässig zur Schule gehe. Sie
bemühe sich sehr, die Auflagen zu erfüllen. Die ständig drohende Platzierung
belaste C____ massiv, er habe das Gefühl beobachtet zu werden und befürchte, jederzeit
wieder abgeholt zu werden; seine körperlichen Beschwerden rührten ihrer Meinung
nach von der mit der Absenzenauflage zusammenhängenden psychischen Belastung.
Sie sei sich absolut sicher, dass es mit dem regelmässigen Schulbesuch klappen
würde, wenn C____ von dem auf ihn lastenden Druck befreit würde (Prot.
Verhandlung p. 4 f.). Für C____ sei die Abklärung in den UPK sehr schwierig
gewesen, da seine ältere Schwester dort schlechte Erfahrungen gemacht habe und
er deshalb nicht habe hingehen wollen. Die Heilpädagogin der Schule, I____,
habe eine gute, vertrauensvolle Beziehung zu C____ aufbauen können und sei
bereit, ihn auch in die Psychotherapie zu begleiten. Ausserdem erhalte er an
der Schule zusätzliche Nachhilfsstunden und Logopädie (Prot. Verhandlung p. 5
f.). 

 

4.

4.1      Die
Vorinstanz hat erwogen, es liege eine Gefährdung des Kindeswohls vor, da C____
trotz diverser Massnahmen, Auflagen und Interventionen auch weiterhin eine hohe
Anzahl Schulabsenzen aufweise und sowohl körperliche als auch vermehrt psychische
Symptome zeige. Dem ist grundsätzlich zu folgen. Den Beteuerungen der
Beschwerdeführerin, wonach C____ immer zur Schule gehe und keinerlei Verspätungen
aufweise, stehen die von der Schulleitung eingereichten Absenzen entgegen. Während
die Absenzsituation von C____ vor den Sommerferien 2020 offenbar infolge einer
angeblichen Fussverletzung eskalierte, stabilisierte sie sich zwischen Sommer-
und Herbstferien weitgehend. Während dieser Zeit besuchte er den
Schulunterricht bis auf vier entschuldigte Absenzen regelmässig. Bereits nach
den Herbstferien fehlte er jedoch gemäss den Angaben des Schulleiters wieder
vermehrt, auch unentschuldigt. Dies steigerte sich bis zu den Weihnachtsferien
in einem Mass, dass der Schulleiter der Ansicht war, die ordentliche Beschulung
könne nicht mehr gewährleistet werden. Der Einwand der Beschwerdeführerin, die
der KESB eingereichten Unterlagen der Kinderarztpraxis seien unvollständig
(Replik ad Ziff. 3 und 4), ist durch nichts substantiiert und damit nicht zu
hören. Eine Erkundigung bei den behandelnden Kinderärzten durch die KESB hat
namentlich die zweiwöchige Absenz C____s vor den Sommerferien 2021 infolge
einer behaupteten ärztlich behandelten Fussverletzung nicht bestätigt (vgl.
Mail vom 31. August 2021). Es steht somit fest, dass C____ nach wie vor eine
grosse Anzahl von (teilweise unentschuldigten) Fehltagen aufweist. Der Grund
für die vielen Absenzen ist auch im vorliegenden Verfahren unklar geblieben. Während
die Beschwerdeführerin sich auf den Standpunkt stellte, C____ fehle nie und
weise auch keine Verspätungen auf (Prot. Verhandlung p. 3), berichtete C____
davon, er sei teilweise von den Lehrpersonen heimgeschickt worden, weil er
während des Unterrichts Symptome gezeigt habe, teilweise habe er verschlafen
oder das Tram verpasst (Anhörungsprotokoll vom 28. Januar 2022 p. 3 f.). Weder
C____ noch die Beschwerdeführerin konnten letztendlich schlüssig erklären, wie die
zahlreichen Absenzen zustande kommen. Zudem wurde bei C____ eine
Lese-Rechtschreibestörung diagnostiziert, welche ihm die schulische Entwicklung
zusätzlich erschwert und konkrete Ausgleichs- und Fördermassnahmen erfordert. Ausserdem
leidet er seit geraumer Zeit unter verschiedenen körperlichen Symptomen (diffuse
Schmerzen in verschiedenen Körperregionen, Müdigkeit, häufige Erkältungen,
Gewichtszunahme). Mit Ausnahme eines diagnostizierten Eisenmangels konnte
keines der körperlichen Symptome objektiviert werden. Hinzu kommen in letzter
Zeit vermehrt psychische Symptome und auffälliges Verhalten (Ängste, Schlafstörungen
sowie Aggressionen gegenüber anderen Kindern). Sowohl C____ als auch die
Beschwerdeführerin stellen sich auf den Standpunkt, seine körperlichen Symptome
seien auf den psychischen Druck zurückzuführen, welcher aufgrund der Auflagen
der KESB entstanden sei, wonach eine gewisse Anzahl von Absenzen während eines
Semesters nicht überschritten werden dürfe (vgl. dazu Entscheid der KESB vom
15. Januar 2021). Mit Blick auf die eingeholten Berichte der UPK, des
Schulpsychologischen Dienstes und der Schulleitung ist davon auszugehen, dass C____
psychisch unter starkem Druck steht, welcher wohl zumindest teilweise auf die
von der KESB auferlegten maximale Anzahl der Fehltage pro Semester
zurückzuführen ist. Offenbar verfügt weder C____ selbst über die notwendigen
Ressourcen, um diesen Druck zu bewältigen, noch ist die Beschwerdeführerin in
der Lage, ihm angemessene psychologische Unterstützung zukommen zu lassen. Auch
der Beistand schilderte mit Bericht vom 30. November 2020, C____ stehe unter
Druck und zeige sich verängstigt bezüglich einer Rückplatzierung. Sowohl die
Beschwerdeführerin als auch C____ selbst berichteten anlässlich der Verhandlung
bzw. der persönlichen Anhörung eindrücklich von seiner Angst, zurück ins
Internat zu müssen und dem Druck, die auferlegten Fehltage nicht zu
überschreiten. C____ äusserte zudem seine Ansicht, die KESB wolle ihn mit der
Platzierung bestrafen, was eine grosse Belastung für ihn darstelle. Gemäss dem
Bericht der UPK liegen bei C____ Hinweise auf Loyalitätskonflikte und Parentifizierung
vor. Dieser Eindruck wird durch seine Aussagen anlässlich seiner Anhörung vom
28. Januar 2022 verstärkt («Ich will nicht, dass die Mutter Angst hat oder
mich vermisst»). Offensichtlich lebt der knapp 12jährige C____ in grosser emotionaler
Abhängigkeit von seiner Mutter. Dies äussert sich auch darin, dass er gewisse
Ansichten bezüglich der KESB offenbar unhinterfragt von ihr übernommen hat (Anhörungsprotokoll
vom 28. Januar 2022 p. 5: «[…] ich spreche von der KESB. Sie wollen alles
machen, damit ich einfach nicht in meiner Familie bin. […] Ich gehe davon aus,
dass sie alles machen wollen, damit ich aufs Internat muss. Weil meiner Meinung
nach sie nichts Besseres zu tun haben, als Kinder oder auch Erwachsene von
ihren Familien wegzuziehen»). 

 

4.2      Aus
den eingeholten Berichten geht hervor, dass für C____ in Basel sowohl schulisch
als auch ausserschulisch durchaus adäquate Fördermöglichkeiten bestehen. Neben
Nachhilfestunden wurde zusätzlich eine heilpädagogische und eine logopädische
Therapie zur Behandlung der diagnostizierten Lese- und Rechtschreibeschwäche
installiert. Auch die psychiatrische Abklärung C____s konnte trotz erheblicher
zeitlicher Verzögerung schliesslich durchgeführt und abgeschlossen werden. Was
die dringend empfohlene psychologische Begleitung C____s anbelangt, ist es der
Beschwerdeführerin offenbar – nicht zuletzt dank der tatkräftigen Unterstützung
durch die engagierten Heilpädagogin I____ – kurz vor der mündlichen Verhandlung
gelungen, eine mögliche Behandlung bei der Psychotherapeutin Dr. med. [...]
in Basel zumindest ansatzweise in die Wege zu leiten (vgl. dazu Auss.
Beschwerdeführerin Verhandlungsprotokoll p. 6). Gemäss den Angaben der
Beschwerdeführerin und C____s hätten Ende 2021 bereits zwei Sitzungen im Sinne
von Kennenlerngesprächen mit C____ stattgefunden (Verhandlungsprotokoll p. 6;
Anhörungsprotokoll vom 28. Januar 2022 p. 4). Eine regelmässige Therapie sei
jedoch noch nicht aufgegleist worden, wobei aus den diesbezüglichen
Ausführungen der Beschwerdeführerin nicht klar wurde, was der Grund dafür ist.
Sämtliche Hilfs- und Unterstützungsmassnahmen können ihren Zweck jedoch nur
dann entfalten, wenn C____ sie tatsächlich regelmässig und über einen längeren
Zeitraum aktiv nutzen kann. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass er in
Basel aufgrund seiner zahlreichen Absenzen sowohl am schulischen als auch am
ausserschulischen Angebot nur sehr eingeschränkt teilgenommen hat, weshalb die
Vorinstanz zu Recht von einer Kindeswohlgefährdung ausgegangen ist. Während die
Hilfsangebote im schulischen Bereich offenbar zumindest teilweise umgesetzt
werden konnten und erste bescheidene Früchte tragen, scheint C____ unter dem
Druck der von der Vorinstanz auferlegten maximalen Absenzenzahl psychisch
zunehmend in einen Teufelskreis zu geraten. Seine Furcht vor einer
Rückplatzierung verstärkt offenbar die bereits vorhandenen Symptome, welche
wiederum zu vermehrten Absenzen und damit bei ihm zu erhöhter Angst vor einer
Platzierung führen. Diesen Teufelskreis gilt es zum Wohl von C____ zu
durchbrechen. Die Beschwerdeführerin gibt sich zwar vordergründig kooperativ
und engagiert. Es gelingt ihr jedoch offensichtlich trotz aller Beteuerungen
nicht, den durch die Auflagen der KESB erzeugten Druck von ihrem Sohn
fernzuhalten und in seinem Interesse für die dringend notwendige psychische
Entlastung zu sorgen. Hinzu kommt, dass C____ (noch) in grosser emotionaler
Abhängigkeit zur Mutter zu stehen und ihre Ansichten und Lebenshaltung zu
übernehmen scheint. Eine Rückplatzierung ins E____ könnte vor diesem
Hintergrund zwar langfristig eine grosse Chance für C____ darstellen; es böte
sich ihm die Möglichkeit, sich nicht nur schulisch, sondern auch persönlich zu
entwickeln, insbesondere sich von gewissen destruktiven Mustern der Mutter zu
distanzieren. Kurzfristig sprechen der in der persönlichen Anhörung zum
Ausdruck gebrachte grosse Widerwille C____s und seine panische Angst vor einer
Rückplatzierung ins E____ sowie die unbestreitbar bestehende starke emotionale
Verbundenheit mit der Mutter aber gegen eine Platzierung. Aufgrund der Aussagen
von C____ ist davon auszugehen, dass sich die im Oktober 2017 stattgefundene
Platzierung und die damit einhergehenden Modalitäten (er war im Alter von
sieben Jahren in den frühen Morgenstunden ohne vorherige Ankündigung von der
Polizei aus dem Bett geholt und gemeinsam mit seinem älteren Bruder direkt ins E____
gebracht worden, wobei er die Mutter während der ersten drei Monate nicht sehen
durfte) äusserst belastend, wenn nicht gar traumatisierend auf ihn ausgewirkt
haben. Bei einer Rückplatzierung stünden eine Retraumatisierung und eine
Eskalation der Situation zu befürchten, wodurch das psychische Leiden von C____
vergrössert würde. 

 

4.3      Es
erscheint vorliegend zentral, dass C____ zum einen vom massiven Druck der
Auflagen bezüglich der Absenzen entlastet wird und zudem endlich die dringend
erforderliche psychotherapeutische Behandlung erhält. Wie sich anlässlich der bisherigen
Verfahrensgeschichte und auch an der Verhandlung gezeigt hat, ist die Beschwerdeführerin
offensichtlich nicht in der Lage, eine solche Therapie selbständig in die Wege
zu leiten und zudem C____ zu motivieren, diese regelmässig in Anspruch zu
nehmen. Die Beschwerdeführerin moniert, der Beistand habe sich nicht
ausreichend für die psychologische Begleitung C____s eingesetzt und sich auch
nicht an den Schulgesprächen beteiligt (Verhandlungsprotokoll p. 6). Der
Beistand hat dazu erklärt, er habe seit Juli 2021 nur noch minimalen Kontakt
zur Beschwerdeführerin und ihren beiden Kindern unterhalten. Er hat jedoch
zugesichert, eine Begleitung von C____ bei der Aufgleisung einer
psychologischen Behandlung zu organisieren (Verhandlungsprotokoll p. 7). Ein
verstärktes Engagement des Beistands sowohl in Bezug auf die Organisation und
Durchführung einer regelmässigen Psychotherapie für C____ als auch im Kontakt
mit der Schule scheint angesichts der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin
dazu nur unzureichend in der Lage ist nicht nur wünschenswert, sondern dringend
erforderlich.

 

4.4      Mit
Blick auf die in Basel bestehenden und teilweise bereits aufgegleisten
Unterstützungsangebote sowie unter Berücksichtigung des Umstandes, dass C____
in Bezug auf eine mögliche Rückkehr ins E____ und die Aussicht auf eine erneute
Trennung von der Mutter grosse Ängste aussteht, erscheint es trotz der
begründeten Zweifel an der Kooperationsfähigkeit und am Kooperationswillen der
Beschwerdeführerin angebracht, im Sinne der Ausschöpfung sämtlicher milderen
Massnahmen der Beschwerdeführerin ein letztes Mal Gelegenheit zu geben, C____
in Basel zur Nutzung der schulischen und ausserschulischen Angebote zu
motivieren. Wesentlich erscheint dabei, den Fokus nicht mehr allein auf die
schulischen Absenzen, sondern vermehrt auf die Etablierung und Einhaltung einer
regelmässigen psychologischen Behandlung zu richten. Der Beistand wird entsprechend
verpflichtet, in Wahrnehmung der ihm übertragenen Aufgabe zu gewährleisten,
dass C____ in erforderlichem Masse psychologisch und logopädisch behandelt wird
und die Einhaltung der Therapien zu kontrollieren. Zudem hat er in stetem
Austausch mit der Schulleitung zu stehen. Angesichts der bestehenden
Kindeswohlgefährdung hat der Beistand zudem der KESB unverzüglich Bericht zu
erstatten, falls die Umsetzung des Auftrages nicht in ausreichendem Masse
möglich ist. Die Beschwerdeführerin wird explizit angewiesen, umfassend mit den
Bemühungen des Beistands in Bezug auf die adäquate logopädische und
psychologische Behandlung von C____ zu kooperieren. Dieser Punkt ist für die
künftige positive Entwicklung von C____ essentiell, stellt die
Beschwerdeführerin doch das Bindeglied zwischen ihrem emotional noch stark von
ihr abhängigen Sohn und der Aussenwelt dar. Die Vorinstanz hat zu Recht darauf
hingewiesen, dass es während der langjährigen Vorgeschichte trotz intensiver
Bemühungen seitens der involvierten Personen und Institutionen nicht gelungen
ist, die Beschwerdeführerin nachhaltig zur Kooperation zu bewegen. Mit Blick
auf diese berechtigten Zweifel wird die KESB parallel zu den Bemühungen des
Beistands ersucht, für den Fall der trotz der angeordneten Massnahmen
andauernden Gefährdung des Kindeswohls alternative Möglichkeiten der
Unterbringung und Beschulung für C____ zu prüfen. Aus den Aussagen von C____ geht
insbesondere hervor, dass er die grosse räumliche Distanz des im [...] gelegenen
E____ als problematisch empfunden hat, so habe er etwa keine Möglichkeit
gehabt, seinen Geburtstag mit der Familie zu feiern, was ihn offensichtlich
stark belastete (Prot. Anhörung vom 28. Januar 2022 p. 5). Mit Blick auf die
Äusserungen von C____ wäre für den Fall einer Platzierung als ultima ratio zumindest
zu prüfen, ob eine Unterbringung und Beschulung in einer näher am Wohnort der
Mutter gelegenen Institution, etwa im [...] oder im [...], in Frage käme.
Wichtig erscheint dabei, dass die Beschwerdeführerin und vor allem auch C____
zu den diversen Möglichkeiten angehört werden und die diesbezüglich von ihnen
geäusserten Wünsche und Überlegungen in die Gesamtbetrachtung und den
Platzierungsentscheid einfliessen. 

 

4.5      Zusammenfassend
besteht die Hoffnung, dass C____ durch eine regelmässige psychologische
Betreuung entlastet wird und sich damit auch die Absenzensituation und die
übrigen Beschwerden und Verhaltensauffälligkeiten normalisieren. Diesem
Vorgehen ist im Sinne einer milderen Massnahme einer Platzierung als ultima
ratio der Vorrang zu geben. Mit Blick auf die angesichts der langen
Verfahrensvorgeschichte und der zahllosen durch die Beschwerdeführerin
torpedierten Bemühungen um Verbesserung der Situation von C____ bestehenden
Zweifel ist das Verfahren auszustellen und die Situation in einem halben Jahr
erneut zu beurteilen. 

 

5.

5.1      Der
Vertreter der im Kostenerlass prozessierenden Beschwerdeführerin sowie die
Rechtsvertreterin der unentgeltlich verbeiständeten Kinder sind für ihre
Bemühungen im vorliegenden Beschwerdeverfahren gemäss ihrer jeweiligen
Honorarnote vom 3. Februar 2022 aus der Gerichtskasse zu entschädigen.

 

5.2      Über
die ordentlichen Kosten des verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahrensmit wird
mit dem Endentscheid entschieden.

 

 

Demgemäss
erkennt das Verwaltungsgericht (Dreiergericht):

 

://:        In Bezug auf D____ wird das
Verfahren wegen Rückzugs der Beschwerde als erledigt abgeschrieben. Es
werden keine Kosten erhoben.

 

In Bezug auf C____ wird das Beschwerdeverfahren
ausgestellt. Es wird zu einer 2. Verhandlung im 2. Semester 2022 geladen.

 

Es ergeht folgender Zwischenentscheid: 

 

://:       Der Beistand erhält gemäss Art.
308 Abs. 2 ZGB den Auftrag, zu gewährleisten, dass die psychologische und
logopädische Behandlung von C____ in erforderlichem Masse stattfindet und dies
zu kontrollieren. Zudem hat er in stetem Austausch mit der Schulleitung zu
stehen. Er hat der KESB unverzüglich Bericht zu erstatten, falls die Umsetzung
des Auftrages nicht in ausreichendem Masse möglich ist. 

 

A____ wird gemäss Art. 307 Abs. 3 ZGB die Weisung
erteilt, mit dem Beistand zu kooperieren und sich seinen Vorgaben betreffend
die vorgenannte Behandlung von C____ zu unterziehen.

 

Die KESB wird ersucht, für den Fall einer trotz der
vorgenannten Massnahmen andauernden Kindeswohlgefährdung alternative
Möglichkeiten der Unterbringung und Beschulung von C____ zu prüfen (z.B. [...],
[...]), unter angemessener Anhörung von C____ und der Beschwerdeführerin. 

 

          Über
die ordentlichen Kosten des verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahrens wird
mit dem Endentscheid entschieden.

 

           Dem
Vertreter der im Kostenerlass prozessierenden Beschwerdeführerin [...], werden
ein Honorar von CHF 3'140.– und ein Auslagenersatz von CHF 87.75 zuzüglich 7,7 %
MWST von CHF 248.55 aus der Gerichtskasse ausgerichtet.

 

           Der
Rechtsvertreterin der unentgeltlich verbeiständeten Kinder, [...], werden ein
Honorar von CHF 3'784.– und ein Auslagenersatz von CHF 68.70, zuzüglich 7,7
% MWST von CHF 296.65 aus der Gerichtskasse ausgerichtet.

 

           Mitteilung
an:

-     Beschwerdeführerin

-     Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB)

-     J____, Beistand der Kinder, Kinder- und
Jugenddienst (KJD)

-     [...], Rechtsvertreterin der Kinder

-     B____ (Beigeladener)

 

APPELLATIONSGERICHT BASEL-STADT

 

Die Gerichtsschreiberin

 

 

lic. iur. Mirjam Kündig

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung

 

Gegen diesen
Entscheid kann unter den Voraussetzungen von Art. 72 ff. des
Bundesgerichtsgesetzes (BGG) innert 30 Tagen seit schriftlicher Eröffnung Beschwerde
in Zivilsachen erhoben werden. Die Beschwerdeschrift ist fristgerecht dem
Bundesgericht (1000 Lausanne 14) einzureichen. Für die Anforderungen an deren
Inhalt wird auf Art. 42 BGG verwiesen. Über die Zulässigkeit des Rechtsmittels
entscheidet das Bundesgericht.

 

Ob an Stelle der
Beschwerde in zivilrechtlichen Angelegenheiten ein anderes Rechtsmittel in
Frage kommt (z.B. die subsidiäre Verfassungsbeschwerde an das Bundesgericht
gemäss Art. 113 BGG), ergibt sich aus den anwendbaren gesetzlichen
Bestimmungen. Wird sowohl Beschwerde in zivilrechtlichen Angelegenheiten als
auch Verfassungsbeschwerde erhoben, sind beide Rechtsmittel in der gleichen
Rechtsschrift einzureichen.