# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0847c2b3-db20-5338-b2b2-5ed8953cfd65
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-02-16
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 16.02.2015 IV 2014/157
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2014-157_2015-02-16.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2014/157

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 12.05.2020

Entscheiddatum: 16.02.2015

Entscheid Versicherungsgericht, 16.02.2015
Art. 28 IVG. Art. 28a IVG. Art. 26 IVV. Beeinträchtigung der beruflichen 
Ausbildung durch eine seit Kindheit bestehende Invalidität. Festlegung des 
Valideneinkommens bei begonnener und invaliditätsbedingt abgebrochener 
Ausbildung (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen 
vom 16. Februar 2015, IV 2014/157).

Vizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und

Lisbeth Mattle Frei; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Entscheid vom 16. Februar 2015

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Advokat lic. iur. Martin Boltshauser, c/o Procap Schweiz, Frohburg­

strasse 4, Postfach, 4601 Olten,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

Rente

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Sachverhalt:

A.

A.a  A.___ bezog ab ihrem Geburtsjahr Leistungen der Invalidenversicherung aufgrund 

der Folgen einer Frühgeburt (IV-act. 6) und einer spastischen Cerebralparese (IV-

act. 11). Am 28. Mai 2004 ersuchte sie die IV-Stelle um die Vergütung der Kosten einer 

psychotherapeutischen Behandlung (IV-act. 31). Die seit dem Jahr 2002 behandelnde 

Psychiaterin B.___ berichtete am 30. Oktober 2004 (IV-act. 39), die Versicherte leide an 

einer reaktiven Bindungsstörung des Kindesalters. In Anbetracht der schweren 

familiären Belastung mit Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis und 

Suiziden sowie der Schwere der Störung der Versicherten sei voraussichtlich eine 

lange psychotherapeutisch-psychiatrische Behandlung zur Bewältigung der in der 

adoleszenteren Entwicklung anstehenden Aufgaben und den mit diesen verbundenen 

Problemen erforderlich. Ohne eine Psychotherapie mindestens bis zum Erreichen der 

Volljährigkeit erschienen die psychische Entwicklung mit der Bewältigung der 

altersentsprechenden Lebensaufgaben, besonders die anstehende psychosexuelle und 

psychosoziale Identitätsbildung in der Adoleszenz, sowie die spätere berufliche 

Eingliederung gefährdet. Mit einer Verfügung vom 8. Februar 2005 wies die IV-Stelle 

das Begehren um die Vergütung der Kosten der psychotherapeutischen Behandlung 

aufgrund der unsicheren Prognose ab (IV-act. 42). Eine dagegen erhobene Einsprache 

(IV-act. 45) wurde ebenfalls abgewiesen (IV-act. 49).

A.b  Am 21. Januar 2008 meldete sich die Versicherte für berufliche Massnahmen bei 

der IV-Stelle an (IV-act. 52). Da B.___ darauf hingewiesen hatte, dass die Versicherte 

bereits eine Lehrstelle als Buchhändlerin gefunden habe (IV-act. 64), wies die IV-Stelle 

das Gesuch mit einer Verfügung vom 17. Juni 2008 ab (IV-act. 70). Am 29. Juli 2009 

meldete sich die Versicherte erneut für berufliche Massnahmen an (IV-act. 75). Am 

3. August 2009 gab der Pflegevater der Versicherten telefonisch an (IV-act. 81), die 

Versicherte habe die Berufslehre abbrechen müssen, da ihre schulischen Leistungen 

ungenügend gewesen seien und sie am Arbeitsplatz überfordert gewesen sei. Aktuell 

stelle sich die Frage einer Anlehre zur Buchbinderin in einem geschützten Rahmen. Der 

IV-Stelle ging in der Folge unter anderem eine Beurteilung des früheren Lehrbetriebs 

der Versicherten vom 9. August 2009 zu, welchem sich entnehmen liess (IV-act. 88–

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3 f.), dass die Versicherte psychisch sehr labil gewesen war und in fast allen 

praktischen Arbeiten weit hinter den Bildungszielen hinterher gehinkt hatte. Die 

Versicherte hatte selbst einfachste Aufgaben nur mit Hilfestellung erledigen können. 

Die Lehrverantwortlichen hatten eine Ausbildung der Versicherten in einem 

wirtschaftlich geführten Betrieb als unmöglich erachtet. Am 22. Januar 2010 erteilte die 

IV-Stelle eine Kostengutsprache für eine zweijährige Anlehre zur Buchbinderin (IV-

act. 104). Am 9. November 2010 berichtete der neue Ausbildungsbetrieb (IV-act. 118), 

die Versicherte habe mit der Suche nach einer Ausbildungsstelle im Bereich 

Hauswirtschaft im Anschluss an die Anlehre begonnen. Die damit verbundene 

Zusatzbelastung habe sie derart überfordert, dass die Arbeitsanforderungen auf ein 

Minimum hätten reduziert werden müssen. Beim Ausbildungsprogramm habe ein Stop 

eingelegt werden müssen. Die Versicherte konnte die Anlehre trotzdem im Juli 2011 

abschliessen (IV-act. 123). Bereits vor dem Abschluss ihrer Ausbildung hatte sie eine 

Lehrstelle für die Ausbildung zur Fachfrau Hauswirtschaft erhalten (IV-act. 121). Diese 

Stelle konnte sie allerdings nicht antreten, da sie schwanger geworden war (vgl. IV-

act. 124). Am 29. September 2011 teilte ihr die IV-Stelle mit (IV-act. 129), dass weitere 

berufliche Massnahmen nach dem Abschluss der ersten Ausbildung und angesichts 

der Schwangerschaft nicht angezeigt seien.

A.c  Am 15. Dezember 2011 berichtete B.___ (IV-act. 137), dass die Versicherte am 

14. Oktober 2011 von einem gesunden Mädchen entbunden worden sei. Im gesamten 

Verlauf habe sich gezeigt, dass die Versicherte zwar im Allgemeinen motiviert, aber 

noch nicht eigenständig genug sei, um beim Auftreten sachlicher oder 

zwischenmenschlicher Probleme alleine zurecht zu kommen. Sie sei vielmehr auf 

intensive Begleitung und Unterstützung angewiesen, zumal sie auch rasch überfordert 

sei, wenn mehrere Probleme oder Aufgaben zu lösen seien. Dies verunmögliche die 

Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nach dem Ablauf des Mutterschaftsurlaubes. Wann 

die Versicherte eine Erwerbstätigkeit oder Ausbildung aufnehmen könne, sei nicht 

absehbar. Auf eine entsprechende Frage der IV-Stelle hin teilte die Versicherte am 

18. Januar 2012 mit, dass sie ohne Gesundheitsbeeinträchtigung einer Erwerbstätigkeit 

in einem Pensum von 80 Prozent nachgehen würde (IV-act. 140). Ihr Vormund führte 

am 11. April 2012 aus (IV-act. 145), dass die Versicherte gerne zu 80–100 Prozent 

arbeiten würde. Der von der IV-Stelle zugesandte Fragebogen betreffend 

Erwerbstätigkeit und Haushalt könne nicht beantwortet werden, da die Versicherte 

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noch nie einen eigenen Haushalt geführt habe. Am 23. April 2012 fragte die IV-Stelle 

nach, ob die Versicherte eher zu 80 Prozent oder eher zu 100 Prozent arbeiten würde, 

und erkundigte sich nach bestimmten Details einer allfälligen Kinderfremdbetreuung 

(IV-act. 147). Der Vormund antwortete am 30. Mai 2012, dass es für die Versicherte vor 

der Geburt ihrer Tochter klar gewesen sei, dass sie voll erwerbstätig sein wolle, sie nun 

aber je nach Möglichkeit zu 80–100 Prozent arbeiten würde (IV-act. 149). B.___ 

berichtete am 4. Februar 2013 (IV-act. 154), dass eine Störung des emotionalen und 

sozialen Verhaltens mit Beginn in der Kindheit und Jugend vorliege, die 

Selbstwertprobleme und starke Ängste mit sich bringe. Der Versicherten könne 

sicherlich keine Erwerbstätigkeit in einem Pensum von 50 Prozent oder mehr 

zugemutet werden. Eine Wiedereingliederung sei in einem nahe gelegenen Arbeitsplatz 

ohne Zeitdruck und mit wohlwollenden Vorgesetzten denkbar. Es müsse mit einem 

kleinen Pensum von zum Beispiel einem halben Tag pro Woche begonnen werden. 

Dieses könne dann langsam entsprechend der Belastbarkeit der Versicherten 

gesteigert werden.

A.d  Im Auftrag der IV-Stelle erstattete der Psychiater Dr. med. C.___ am 16. Mai 2013 

ein psychiatrisches Gutachten (IV-act. 160). Er führte aus, die Versicherte leide an einer 

protrahierten Verhaltens- und emotionalen Störung mit Beginn in der Kindheit und 

gegenwärtig vordergründig Ängstlichkeit und Selbstwertproblematik. Ihr könne in der 

freien Wirtschaft ein Pensum von 50 Prozent zugemutet werden. Es bestehe kein 

Bedarf nach einem geschützten Arbeitsplatz. Am 9. Juli 2013 nahm die Psychiaterin 

Dr. med. D.___ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) Stellung zum 

Gutachten (IV-act. 162). Sie führte aus, das Gutachten überzeuge. Der Versicherten 

könne die Ausübung einer Erwerbstätigkeit in einem Pensum von mehr als 50 Prozent 

nicht zugemutet werden. Mit einem Vorbescheid vom 29. Juli 2013 teilte die IV-Stelle 

der Versicherten mit (IV-act. 167), dass sie ihr ab dem 1. August 2011 eine Viertelsrente 

zusprechen werde. Der Rentenanspruch beginne mit dem Ende des 

Taggeldanspruchs. Für die Berechnung des Invaliditätsgrades werde von einer 

hypothetischen Erwerbstätigkeit im Umfang von 90 Prozent ausgegangen. Angesichts 

der attestierten Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent im angestammten Beruf als angelernte 

Buchbinderin ergebe sich für den Anteil der Erwerbstätigkeit eine Einschränkung von 

44 Prozent, was einem anteiligen Invaliditätsgrad von 40 Prozent entspreche. Die 

Einschränkung in Bezug auf die Führung des Haushaltes von ebenfalls 50 Prozent 

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entspreche einem anteiligen Invaliditätsgrad von fünf Prozent. Der Invaliditätsgrad 

betrage insgesamt also 45 Prozent. Die Versicherte liess am 23. September 2013 

einwenden (IV-act. 171), die Invaliditätsgradberechnung müsse unter Berücksichtigung 

eines Valideneinkommens einer Frühbehinderten erfolgen. Zudem sei gemäss dem 

Gutachten von Dr. C.___ von einer Arbeitsfähigkeit von lediglich 30 Prozent bis zur 

Geburt des Kindes der Versicherten und erst anschliessend von einer solchen von 50 

Prozent auszugehen. Mit einem weiteren Vorbescheid vom 14. November 2013 teilte 

die IV-Stelle der Versicherten mit (IV-act. 177), dass sie die Zusprache einer ganzen 

Rente ab dem 1. August 2011 und einer Viertelsrente ab dem 1. Februar 2012 vorsehe. 

Dagegen liess die Versicherte am 6. Dezember 2013 einwenden, dass das 

Valideneinkommen nach wie vor falsch festgelegt worden sei (IV-act. 179). Am 

10. Februar 2014 (IV-act. 184 f.) verfügte die IV-Stelle gemäss dem Vorbescheid vom 

14. November 2013.

B.

B.a  Am 13. März 2014 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) eine 

Beschwerde erheben und die Aufhebung der Verfügung vom 10. Februar 2014 sowie 

die Zusprache einer ganzen Rente ab dem 1. August 2011 und mindestens einer 

halben Rente ab dem 1. Februar 2012 beantragen (act. G 1). Zur Begründung liess sie 

ausführen, sie habe aufgrund ihrer Gesundheitsbeeinträchtigung keine zureichenden 

beruflichen Kenntnisse erwerben und daher nicht dieselben Verdienstmöglichkeiten wie 

eine gesunde Person realisieren können. Sie müsse daher als Frühbehinderte 

qualifiziert werden. Alternativ müsse ein Abzug vom Tabellenlohn von mindestens 15–

20 Prozent gewährt werden, da die Anforderungen an eine leidensadaptierte Tätigkeit 

unüblich hoch seien.

B.b  Am 12. Mai 2014 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der 

Beschwerde (act. G 7). Zur Begründung führte sie aus, die Beschwerdeführerin sei 

nicht als Frühinvalide zu qualifizieren, da sie eine berufliche Ausbildung abgeschlossen 

habe. Weil ausschliesslich psychische Beschwerden die Arbeitsfähigkeit 

beeinträchtigten, falle ein Abzug vom Tabellenlohn nicht in Betracht.

B.c  Die Beschwerdeführerin liess am 16. Juni 2014 an ihren Anträgen festhalten 

(act. G 10). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 12).

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Erwägungen:

1. 

1.1 Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich 

zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, 

erhalten oder verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch 

durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf 

dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind, haben einen Anspruch auf eine 

Rente der Invalidenversicherung (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist der voraussichtlich 

bleibende oder längere Zeit dauernde, durch eine Gesundheitsbeeinträchtigung 

verursachte und nach der zumutbaren Behandlung und Eingliederung verbleibende 

ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt (Art. 8 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des 

Invaliditätsgrades von erwerbstätigen Versicherten wird das Erwerbseinkommen, das 

diese nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen 

Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihnen zumutbare 

Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnten, in Beziehung zum 

Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnten, wenn sie nicht invalid geworden wären, 

gesetzt (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG). Bei nicht erwerbstätigen 

Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer 

Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität 

darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu 

betätigen (Art. 28a Abs. 2 IVG). Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, 

wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Sind sie daneben auch 

im Aufgabenbereich tätig gewesen, wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a 

Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil 

der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden 

Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG). Konnte eine versicherte Person wegen 

der Invalidität keine zureichenden beruflichen Kenntnisse erwerben, entspricht das 

Erwerbseinkommen, das sie als Nichtinvalide erzielen könnte, einem nach dem Alter 

abgestuften Prozentsatz des jährlich aktualisierten Medianwertes gemäss der 

Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (Art. 26 Abs. 1 IVV). Konnte die 

versicherte Person wegen der Invalidität eine begonnene berufliche Ausbildung nicht 

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abschliessen, so entspricht das Erwerbseinkommen, das sie als Nichtinvalide erzielen 

könnte, dem durchschnittlichen Einkommen eines Erwerbstätigen im Beruf, für den die 

Ausbildung begonnen wurde (Art. 26 Abs. 2 IVV).

1.2 Die Beschwerdeführerin ist erwiesenermassen seit frühester Kindheit in ihrer 

Gesundheit beeinträchtigt. Dies wirft die Frage auf, ob es der Beschwerdeführerin 

trotzdem möglich gewesen ist, eine berufliche Ausbildung zu absolvieren, die es ihr 

erlaubt hätte, das Erwerbspotential, das sie als Gesunde gehabt hätte, voll 

auszuschöpfen. Diesfalls entspräche das Valideneinkommen dem Einkommen einer 

gesunden Arbeitnehmerin im entsprechend erlernten Beruf, weil eine entsprechende 

Berufskarriere am plausibelsten wäre. Andernfalls könnte das Valideneinkommen nicht 

so einfach bestimmt werden, weil nicht bekannt wäre, welche Ausbildung die 

Beschwerdeführerin hätte absolvieren können, wenn sie gesund gewesen wäre. Für 

diesen Fall sieht Art. 26 Abs. 1 IVV die Anwendung statistischer Werte für die 

Ermittlung des Valideneinkommens vor. Der Beschwerdeführerin ist es zwar gemäss 

den Akten gelungen, trotz gesundheitsbedingter Probleme ihre schulische Ausbildung 

ordentlich abzuschliessen. Im Anschluss hat sie mithilfe persönlicher Beziehungen 

ihres Pflegevaters eine Berufslehre als Buchhändlerin beginnen können, was 

angesichts des schulischen Abschlusses als eine im üblichen Rahmen liegende 

Ausbildung qualifiziert werden kann. Die Gesundheitsbeeinträchtigung der 

Beschwerdeführerin hat sich allerdings in dieser beruflichen Ausbildung deutlich 

stärker als noch in der schulischen Ausbildung bemerkbar gemacht und schliesslich 

zum Abbruch der Berufslehre geführt. Die Ausbildner haben angesichts der 

Erfahrungen während der Berufslehre eine Ausbildung in der freien Wirtschaft als 

unmöglich erachtet und dies nachvollziehbar begründet. Der Ausbildungsabbruch ist 

also invaliditätsbedingt erfolgt. Die Beschwerdeführerin hat zwar anschliessend eine 

Anlehre im geschützten Rahmen absolvieren können, doch liegt auf der Hand, dass 

diese nicht als eine im üblichen Bereich der Möglichkeiten einer gesunden jungen Frau 

liegende berufliche Ausbildung qualifiziert werden kann. Daran ändert die Tatsache 

nichts, dass die Beschwerdeführerin mit ihrem Abschluss gemäss der Aussage des 

Berufsberaters der Beschwerdegegnerin eine Stelle in der freien Wirtschaft finden 

könnte, denn die damit verbundenen Verdienstmöglichkeiten liegen dessen ungeachtet 

weit unter den Möglichkeiten, welche die Beschwerdeführerin hätte, wenn sie ihre 

Ausbildung als Buchhändlerin ordentlich hätte abschliessen können. Folglich kann das 

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als angelernte Buchbinderin erzielbare Einkommen nicht als Valideneinkommen 

herangezogen werden. Eine Karriere als angelernte Buchbinderin entspricht angesichts 

des invaliditätsbedingten Abbruchs der Ausbildung zur gelernten Buchhändlerin einer 

Invalidenkarriere und nicht etwa der Validenkarriere, wie die Beschwerdegegnerin 

fälschlicherweise angenommen hat. Obwohl die Beschwerdeführerin in der Lage 

gewesen ist, ihre schulische Ausbildung ordentlich abzuschliessen, hat sie bloss durch 

Vermittlung ihres Pflegevaters eine Berufslehre beginnen können, deren Erfolg von 

Beginn weg fraglich gewesen ist. Jedenfalls hat sich rasch gezeigt, dass die 

Beschwerdeführerin zum Vorneherein invaliditätsbedingt nicht in der Lage gewesen ist, 

eine solche Berufslehre abzuschliessen. Folglich liegt ein Anwendungsfall von Art. 26 

Abs. 1 IVV vor. Das Valideneinkommen entspricht damit 80 Prozent des Medianwertes 

gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik, denn die 

Beschwerdeführerin hat im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns (1. August 

2011) ihr 21. Altersjahr vollendet gehabt. Das Valideneinkommen beträgt also für das 

Jahr 2011 60’800 Franken (76’000 Franken [Medianwert 2011; vgl. IV-Rundschreiben 

Nr. 294] × 80 Prozent; für ein Vollpensum).

1.3 Bis zur Geburt ihrer Tochter hat sich die Beschwerdeführerin vollzeitig in Aus­

bildung befunden. Wäre sie nicht schwanger geworden, hätte sie eine weitere 

vollzeitige Ausbildung absolviert. Gemäss den Angaben ihres Vormundes wäre sie 

anschliessend auch vollzeitig erwerbstätig gewesen. Die Invalidenkarriere der 

Beschwerdeführerin wäre damit jene einer angelernten, vollzeitig erwerbstätigen 

Buchbinderin oder allenfalls jene einer vollzeitig erwerbstätigen Fachfrau 

Hauswirtschaft gewesen. Die Geburt der Tochter hat zumindest vorerst die zweite 

Möglichkeit unwahrscheinlich werden lassen. Die Beschwerdeführerin hat ausführen 

lassen, dass sie ohne Gesundheitsbeeinträchtigung eine Fremdbetreuung ihrer Tochter 

organisieren und in einem Pensum von 80–100 Prozent arbeiten würde. Angesichts der 

Kosten für eine Fremdbetreuung hätte die Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung 

ihrer Erwerbsmöglichkeiten einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit nachgehen müssen. Das 

Einkommen aus einem Teilpensum von 80 Prozent hätte nämlich zu einem massiven 

finanziellen Engpass geführt. Folglich ist der Invaliditätsgrad anhand eines 

Einkommensvergleichs ausgehend von einer hypothetischen vollzeitigen 

Erwerbstätigkeit zu berechnen.

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1.4 Als Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens ist der 

vom letzten Ausbildungsbetrieb unter Hinweis auf den massgebenden 

Gesamtarbeitsvertrag angegebene Jahreslohn von 41’100 Franken heranzuziehen. 

Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin rechtfertigt sich ein Abzug von diesem 

Lohn im Sinne von BGE 126 V 75, da die Beschwerdeführerin die ihr zumutbare 

Arbeitsleistung nicht zuverlässig wird erbringen können. Ein wirtschaftlich denkender 

Arbeitgeber wird den zu erwartenden Überforderungssituationen, 

Leistungsschwankungen und unvorhergesehenen Absenzen vom Arbeitsplatz bei der 

Festsetzung des Lohnes Rechnung tragen müssen, weshalb die Beschwerdeführerin 

nicht in der Lage sein wird, denselben Lohn zu erzielen wie eine gesunde, im selben 

Pensum tätige Arbeitnehmerin im gleichen Beruf. Die entsprechenden Nachteile wären 

überdurchschnittlich hoch, weil der Gesundheitszustand und die Leistungsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin ausserordentlich labil sind und ausserordentlichen Schwankungen 

unterliegen. Deshalb erscheint ein Abzug von 15 Prozent als angemessen. Gemäss 

dem überzeugenden Gutachten von Dr. C.___ hat die Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin bis 14 Wochen nach der Geburt der Tochter 30 Prozent und ab 

diesem Zeitpunkt 50 Prozent betragen. Entsprechend hat sich das zumutbarerweise 

erzielbare Invalideneinkommen auf 10’481 Franken bzw. 17’468 Franken belaufen. 

Daraus resultiert unter Berücksichtigung des Valideneinkommens von 60’800 Franken 

ein Invaliditätsgrad von 83 bzw. 71 Prozent.

1.5 Die Beschwerdeführerin hat ab dem Ende ihres Taggeldanspruchs, das heisst ab 

dem 1. August 2011 einen Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung. 

Die angefochtene Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 10. Februar 2014 ist also 

aufzuheben und durch die Zusprache einer ganzen Rente ab dem 1. August 2011 zu 

ersetzen.

2.  Damit obsiegt die Beschwerdeführerin vollständig. Das hat zur Folge, dass die 

gemäss Art. 69 Abs. 1  IVG zu erhebenden und angesichts des durchschnittlichen 

Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten vollumfänglich 

der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind. Die Beschwerdegegnerin ist weiter zu 

verpflichten, der Beschwerdeführerin eine angemessene Parteientschädigung 

auszurichten, die angesichts des durchschnittlichen Aufwandes praxisgemäss auf 

3’500 Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt wird.

bis

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Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

entschieden:

1.  Der Beschwerdeführerin wird ab dem 1. August 2011 eine ganze Rente der Inva­

lidenversicherung zugesprochen und die Sache wird zur Festsetzung der 

Rentenbeträge an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2.  Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen.

3.  Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung 

von Fr. 3’500.-- auszurichten.

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		2025-07-19T09:19:09+0200
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