# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 41e0d782-3d97-5579-b5da-8a33b0c9a6c1
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-09-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.09.2010 D-6250/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6250-2010_2010-09-22.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6250/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 2 .  S e p t e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Robert Galliker, 
mit Zustimmung von Richterin Christa Luterbacher;
Gerichtsschreiber Matthias Jaggi.

A._______, geboren (...),
Sri Lanka,
vertreten durch lic. iur. Philipp Schenker, Freiplatz-
aktion Basel Asyl und Integration, Beratungsstelle für 
Menschen aus Sri Lanka, (...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 
(Dublin-Verfahren); Verfügung des BFM vom 
25. August 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-6250/2010

Sachverhalt:

A.
A.a Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer seinen 
Heimatstaat  am  17.  August  2009.  Nach  Aufenthalten  in  Belgien, 
Litauen und Italien gelangte er am 5. Juli 2010 in die Schweiz, wo er  
am  gleichen  Tag  im  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum  (EVZ) 
B._______  ein  Asylgesuch  einreichte.  Anlässlich  der  Befragung  zur 
Person  vom  14.  Juli  2010  im  EVZ  B._______  machte  der 
Beschwerdeführer  insbesondere  geltend,  er  habe  in  Belgien  ein 
Asylgesuch gestellt,  das  abgelehnt  worden sei. Da sich  in  dem von 
ihm benutzten Pass ein litauisches Schengen-Visum befunden habe, 
hätten ihn die belgischen Behörden 35 Tage nach seiner Einreise nach 
Litauen weggewiesen, wo er ebenfalls  ein Asylgesuch gestellt  habe, 
das noch immer hängig sei. Weil in Litauen immer wieder Soldaten in 
die Asylunterkunft gekommen seien, die ihn und andere dunkelhäutige 
Personen geschlagen und ihnen befohlen hätten, das Land sofort  zu 
verlassen, sei er im Mai 2010 nach Italien gereist, wo er sich für einige 
Zeit in einem Hotel aufgehalten habe. 

Der Beschwerdeführer machte im Weiteren geltend, er habe ausser in 
Belgien und Litauen in keinem anderen Land um Asyl nachgesucht. 

A.b Das BFM gewährte dem Beschwerdeführer am 14. Juli 2010 das 
rechtliche  Gehör  zum  bevorstehenden  Nichteintretensentscheid,  zur 
Zuständigkeit Belgiens oder Litauens für  die Durchführung des Asyl-
verfahrens  beziehungsweise  zu  einer  allfälligen  Wegweisung  dorthin 
und gab ihm Gelegenheit,  dazu Stellung zu nehmen. In diesem Zu-
sammenhang  erklärte  der  Beschwerdeführer,  er  wolle  nicht  nach 
Litauen gehen, da er dort von der Armee geschlagen worden sei und 
nicht genug zu Essen bekommen habe. 

B.
Gestützt  auf  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  und  den 
EURODAC-Treffer vom 18. Dezember 2009 stellte das BFM am 30. Juli 
2010 an Litauen ein Ersuchen um Übernahme des Beschwerdeführers 
im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Bst. c der Verordnung [EG] Nr. 343/2003 
des  Rates  vom  18.  Februar  2003  [Dublin-II-Verordnung]  zur  Fest-
legung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, 
der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem 
Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig  ist  (vgl.  Akten  BFM A 

Seite 2

D-6250/2010

13). Mit  Schreiben vom 5. August 2010 stimmten die litauischen Be-
hörden einer Übernahme zu (vgl. Akte BFM A 17).

C.
Mit Verfügung vom 25. August 2010 - eröffnet am folgenden Tag - trat 
das BFM in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes 
vom 26. Juni  1998 (AsylG, SR 142.31)  auf  das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers  vom  5.  Juli  2010  nicht  ein  und  ordnete  die  Weg-
weisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Wegweisungsvollzug  nach 
Litauen an. Gleichzeitig  wurde festgestellt,  dass  einer  allfälligen Be-
schwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme.

D.
Mit  Rechtsmitteleingabe vom 2. September  2010 (Poststempel)  liess 
der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  beantragen,  die 
Verfügung des BFM vom 25. August 2010 sei aufzuheben und die Vor-
instanz sei  anzuweisen,  ihr  Recht  zum Selbsteintritt  auszuüben und 
sich  für  das  vorliegende  Asylgesuch  für  zuständig  zu  erachten. 
Eventualiter sei die Verfügung des BFM vom 25. August 2010 aufzu-
heben und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In 
prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen 
Prozessführung und um Verzicht  auf  die  Erhebung eines Kostenvor-
schusses. Zudem sei der vorliegenden Beschwerde die aufschiebende 
Wirkung zu erteilen und seien die zuständigen Vollzugsbehörden von 
Amtes  wegen anzuweisen,  von einer  Überstellung nach Litauen ab-
zusehen,  damit  er  den Verfahrensausgang in  der  Schweiz  abwarten 
könne.  Eventualiter  seien  andere  vorsorgliche  Massnahmen  anzu-
ordnen und die zuständigen Vollzugsbehörden von Amtes wegen an-
zuweisen,  von einer  Überstellung nach Litauen abzusehen,  damit  er 
den Verfahrensausgang in der Schweiz abwarten könne. Schliesslich 
liess  der  Beschwerdeführer  beantragen,  ihm  sei  zu  allfälligen 
Stellungnahmen der Vorinstanz ein Replikrecht zu gewähren. Auf die 
Beschwerdebegründung  wird,  soweit  entscheidrelevant,  in  den  Er-
wägungen eingegangen. 

E.
Mit  Verfügung  vom  2.  September  2010  setzte  das  Bundesver-
waltungsgericht den Vollzug der Wegweisung per sofort aus.

Seite 3

D-6250/2010

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungs-
gericht  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundes-
gesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 
VGG und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. 
Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG 
liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist  daher zuständig für 
die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf 
dem Gebiet des Asyls endgültig (Art. 105 AsylG;  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 6 AsylG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht  (Art.  108 
Abs. 2 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). 
Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt  und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Auf-
hebung beziehungsweise Änderung; er ist  daher zur Einreichung der 
Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden  wird  in  einzelrichter-
licher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  be-
ziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art.  111  Bst. e 
AsylG). Wie  nachstehend aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um 
eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch-
führung  des  Schriftenwechsels  verzichtet,  womit  der  in  der  Be-

Seite 4

D-6250/2010

schwerde gestellte Antrag, es sei dem Beschwerdeführer zu allfälligen 
Stellungnahmen des BFM das Replikrecht zu gewähren, gegenstands-
los geworden ist.

4.  
Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 
BFM ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  über-
prüfen  (Art.  32  -  35  AsylG),  ist  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt,  ob die Vor-
instanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. die vom 
Bundesverwaltungsgericht  fortgeführte  Rechtsprechung  der  Schwei-
zerischen Asylrekurskommission [ARK] in Entscheidungen und Mittei-
lungen der ARK [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f. sowie Urteil des 
Bundesverwaltungsgerichts  E-7878/2008  vom  31.  Dezember  2008). 
Die  Beschwerdeinstanz  enthält  sich  daher  einer  selbständigen  ma-
teriellen  Prüfung  und  weist  die  Sache  -  sofern  sie  den  Nichtein-
tretensentscheid als unrechtmässig erachtet - zu neuer Entscheidung 
an die Vorinstanz zurück.

5.  
5.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asyl-
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG).

5.2 Das BFM hielt  zur Begründung seines Nichteintretensentscheids 
im Wesentlichen fest,  Litauen sei  gestützt  auf  das  "Abkommen vom 
26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft 
und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren 
zur  Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in 
einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags 
(Dublin-Assoziierungsabkommen [DAA, SR 0.142.392.68])" sowie das 
"Übereinkommen  vom  17.  Dezember  2004  zwischen  der  Schwei-
zerischen Eidgenossenschaft, der Republik Island und dem Königreich 
Norwegen  über  die  Umsetzung,  Anwendung  und  Entwicklung  des 
Schengen-Besitzstands  und  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur 
Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  der 
Schweiz, in Island oder in Norwegen gestellten Asylantrags (Überein-
kommen vom 17. Dezember 2004, SR 0.362.32)" für die Durchführung 
des  Asylverfahrens  zuständig  und  habe  am  5.  August  2010  einer 
Übernahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c 

Seite 5

D-6250/2010

der  Dublin-II-Verordnung  zugestimmt.  Die  Rückführung  habe  - 
vorbehältlich  einer  allfälligen  Unterbrechung  oder  Verlängerung 
(Art. 19 f. Dublin-II-Verordnung) - bis spätestens am 4. Februar 2011 
zu erfolgen. Anlässlich des dem Beschwerdeführer am 14. Juli  2010 
gewährten  rechtlichen  Gehörs  habe  dieser  ausgesagt,  er  sei  in 
Litauen  geschlagen  worden  und  habe  dort  nicht  genug  zu  Essen 
bekommen. Diese Einwände vermöchten jedoch nichts an der Zustän-
digkeit  Litauens  zu  ändern,  weshalb  auf  das  Asylgesuch  nicht 
einzutreten sei. 

Die Folge eines Nichteintretensentscheids sei gemäss Art. 44 Abs. 1 
AsylG  in  der  Regel  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz.  Da  der  Be-
schwerdeführer in einen Drittstaat reisen könne, in dem er Schutz vor 
Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG finde, sei das Non-
Refoulement-Gebot bezüglich des Heimat- oder Herkunftsstaates nicht 
zu prüfen. Ferner bestünden keine Hinweise auf eine Verletzung von 
Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der 
Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) im Falle einer 
Rückkehr des Beschwerdeführers nach Litauen. Weder die in Litauen 
herrschende Situation  noch andere Gründe sprächen gegen die Zu-
mutbarkeit der Wegweisung in diesen Staat. Ausserdem sei der Voll-
zug  der  Wegweisung  technisch  möglich  und  praktisch  durchführbar. 
Eine  entsprechende  Zustimmung  Litauens  liege  vor.  Schliesslich 
hätten Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide gemäss Art.  34 
Abs. 2 Bst. d AsylG gestützt auf Art. 107a AsylG keine aufschiebende 
Wirkung.

5.3 In der Rechtsmitteleingabe machte der Beschwerdeführer als Be-
gründung insbesondere geltend, es sei ernsthaft zu befürchten, dass 
er im Falle einer Wegweisung nach Litauen unter Androhung und Zu-
fügung von Nachteilen von litauischen Sicherheitskräften aufgefordert 
werde,  das  Land  zu  verlassen.  Unter  diesen  Umständen  sei  die 
Wahrnehmung  beziehungsweise  die  Wahrung  der  rechtsstaatlichen 
und  verfahrensrechtlichen  Garantien  völlig  ausgeschlossen,  weshalb 
die Wegweisung nach Litauen nicht gerechtfertigt  sei. Bei einer Aus-
schaffung dorthin bestehe daher das ernsthafte Risiko, dass er ohne 
Zugang zu einem fairen Asylverfahren und ohne Überprüfung seiner 
Asylgründe nach Sri Lanka zurückgeschafft werde. 

Seite 6

D-6250/2010

5.4
5.4.1 Aus den Akten ergibt sich, dass sich der Beschwerdeführer im 
Dezember 2009 mit einem litauischen Schengen-Visum nach Litauen 
begab, wo er ein Asylgesuch einreichte und er sich bis zirka im Mai 
2010  aufhielt.  Ausserdem  stimmten  die  litauischen  Behörden  mit 
Schreiben  vom 5.  August  2010  einer  Übernahme des  Beschwerde-
führers  zu. Der  Beschwerdeführer  kann somit  ohne Weiteres  in  den 
Dublin-Staat Litauen ausreisen, welcher für die Prüfung seines Asyl -
antrags staatsvertraglich zuständig ist.

5.4.2 Dem Vorbringen des Beschwerdeführers, es sei ernsthaft zu be-
fürchten, dass er im Falle einer Wegweisung nach Litauen unter An-
drohung  und  Zufügung  von  Nachteilen  von  litauischen  Sicherheits-
kräften  aufgefordert  werde,  das  Land  zu  verlassen,  ist  entgegenzu-
halten, dass Litauen unter anderem Signatarstaat der EMRK, des Ab-
kommens vom 28. Juli  1951 über  die  Rechtsstellung der  Flüchtlinge 
(FK, SR 0.142.30) und des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 
gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  ernie-
drigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  ist.  Es  bestehen 
vorliegend keine glaubhaften Hinweise darauf, dass Litauen sich nicht 
an  die  daraus  resultierenden  massgebenden  völkerrechtlichen  Be-
stimmungen,  insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot  oder  die 
einschlägigen Normen der EMRK, halten würde. Demzufolge ist - ent-
gegen den Vorbringen in der Rechtsmitteleingabe - nicht davon aus-
zugehen, dass die litauischen Behörden den Beschwerdeführer nach 
dessen Überstellung nach Litauen direkt  nach Sri  Lanka überstellen 
würden, ohne zuvor sein Asylgesuch zu prüfen.

Schliesslich vermag er auch aus dem Einwand, wonach er in Litauen 
nicht genug zu Essen bekommen habe, nichts zu seinen Gunsten ab-
zuleisten, zumal diese Behauptung nicht belegt und daher unglaubhaft 
ist. 

Angesichts  der  gesamten  Umstände  erweist  sich  der  Vollzug  der 
Wegweisung nach Litauen in Berücksichtigung der entscheidrelevan-
ten Aspekte - insbesondere unter dem Blickwinkel von Art. 3 EMRK - 
als  zulässig  und  zumutbar,  weshalb  vorliegend  kein  Anlass  zum 
Selbsteintritt besteht.

6.  
Das BFM ist in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG demnach 
zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  ein-

Seite 7

D-6250/2010

getreten. Das Rechtsbegehren,  die  angefochtene Verfügung sei  auf-
zuheben und das BFM sei anzuweisen, sein Recht zum Selbsteintritt 
auszuüben und sich für das vorliegende Asylgesuch für zuständig zu 
erachten,  sowie der Eventualantrag,  die angefochtene Verfügung sei 
aufzuheben  und  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzu-
weisen, sind somit abzuweisen.

7.
7.1 Das Nichteintreten auf ein Asylgesuch hat in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz zur Folge (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Vorliegend 
ist  keine  Ausnahme von  diesem Grundsatz  ersichtlich  (vgl.  EMARK 
2001  Nr. 21).  In  Verfahren nach Art.  34  Abs. 2  Bst.  d  AsylG ist  die 
Frage nach der Zulässigkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs 
regelmässig  bereits  Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des 
Nichteintretensentscheides. Auf die Frage einer drohenden Verletzung 
des Non-Refoulement-Gebots muss daher an dieser Stelle nicht weiter 
eingegangen werden.

7.2 Weiter  stellt  sich  die  Frage  nach  der  Zumutbarkeit  des  Weg-
weisungsvollzugs in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht 
unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 1 und 4 des Bundesgesetzes vom 
16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG, 
SR 142.20), sondern ebenfalls vor der Prüfung des Nichteintretens im 
Rahmen  des  Selbsteintrittsrechts  oder  gegebenenfalls  -  sofern  sich 
Familienmitglieder  in  verschiedenen  Dublin-Staaten  befinden  und 
allenfalls  zusammengeführt  werden  sollten  -  bei  der  Ausübung  der 
sogenannten Humanitären Klausel (Art. 15 Dublin-II-Verordnung).

7.3 Nach dem Gesagten sind die vom BFM verfügte Wegweisung und 
deren Vollzug nach Litauen zu bestätigen.

8.
Dem Beschwerdeführer ist  es nicht  gelungen darzutun, inwiefern die 
angefochtene Verfügung Bundesrecht  verletzt,  den rechtserheblichen 
Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangemessen 
ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.

9.
Mit dem Urteil in der Hauptsache sind die Gesuche um Verzicht auf die 
Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  um Erteilung  der  aufschie-
benden Wirkung der Beschwerde gegenstandslos geworden.

Seite 8

D-6250/2010

10.
10.1 Nach dem Gesagten erweist sich die Beschwerde als aussichts-
los.  Mangels  Erfüllen  der  kumulativen  Voraussetzungen  von  Art.  65 
VwVG (bedürftig/nicht  aussichtslos)  ist  das  Gesuch  um Gewährung 
der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG abzu-
weisen.

10.2 Bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem Be-
schwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  und  5  VwVG)  und  auf 
insgesamt  Fr.  600.--  festzusetzen  (Art. 1-3  des  Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 9

D-6250/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
abgewiesen. 

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  (Einschreiben;  Bei-
lagen: Einzahlungsschein, BFM-Verfügung im Original)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 
Kurier; in Kopie)

- das BFM,  Abteilung  Aufenthalt,  Dublin-Office,  Ref.-Nr. N (...)  (per 
Telefax) 

- (...)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Robert Galliker Matthias Jaggi

Versand:

Seite 10