# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3e507759-7e1a-5516-90fe-dee00c3df0b7
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2009-11-10
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 10.11.2009 S 2009 65
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2009-65_2009-11-10.pdf

## Full Text

S 09 65

2. Kammer als Versicherungsgericht

URTEIL
vom 10. November 2009

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Versicherungsleistungen nach UVG

1. a) Der heute 30-jährige … (geb. 05.02.1979) war bei der … AG in … angestellt 

und durch diese Arbeitgeberin obligatorisch gegen Berufs- und 

Nichtberufsunfälle bei der Schweizerischen Unfallversicherung (SUVA) 

versichert. Am 20.01.2008, morgens ca. 03.30 Uhr, wurde er nach einem 

Gastwirtschaftsbesuch bei einer tätlichen Auseinandersetzung von einem 

Arbeitskollegen in … mit einem Messer auf der linken Körperhälfte an 

mehreren Stellen verletzt. Von einem Bekannten wurde er anschliessend ins 

Kantonsspital Chur, Notfall, gebracht, wo er gleichentags operiert wurde. Laut 

Operationsbericht vom 21.01.2008 erlitt der Versicherte multiple Schnitt- und 

Stichverletzungen, so namentlich eine tiefe Stichwunde subcostal (rund 8 cm) 

lateral links mit Arrosion eines arteriellen Gefässes, eine Schnittverletzung 

submanillär links bis subkutan, eine tiefe Schnittverletzung am distalen 

Oberarm dorsal links mit partieller Durchtrennung des M. triceps, eine 

oberflächliche zirka 20 cm lange quere Schnittverletzung am Rücken und eine 

oberflächliche zirka 4 cm lange quere Schnittverletzung nuchal. Am 

24.01.2008 konnte der Versicherte wieder aus dem Spital entlassen werden. 

- Der Täter der Messerattacke wurde vom Kreispräsidenten … mit 

Strafmandat vom 10.10.2008 der schweren Körperverletzung und der 

Sachbeschädigung für schuldig gesprochen.

b) Im Abklärungsbericht vom 17.10.2008 des Hausarztes Dr. … wurde 

festgehalten, dass der Versicherte ab dem 17.03.2008 wieder voll arbeitsfähig 

gewesen sei, die Arbeit seit dem 17.09.2008 aber wieder ausgesetzt habe. In 

den letzten Wochen seien belastungsabhängige Schmerzen am linken 

Oberarm aufgetreten. Der Patient habe Angst vor der Arbeitsaufnahme und 

der Zukunft. Er empfehle daher eine kreisärztliche Untersuchung. 

c) Mit Untersuchungsbericht vom 04.11.2008 stellte der Kreisarzt Dr. … fest, 

dass keine erheblichen Unfallfolgen objektivierbar seien. Er erachte den 

Patienten als wieder voll arbeitsfähig, und zwar im gleichen Umfang wie vor 

dem Messerangriff bzw. Ereignis anfangs Jahr. Nach seiner Meinung liege 

vielmehr ein psychisches Problem vor, da er tagsüber weine, regelmässig 

über Schlafstörungen klage und nach einem Selbstunfall mit einem 

Lieferwagen auf Schnee vor 3 Jahren eine längere Psychotherapie benötigt 

habe. Er schlage vor, dass der Versicherte seine Arbeit sofort zu 100% wieder 

aufnehme. Sollte dies nicht möglich sein, müsse der Unfallversicherer (SUVA) 

noch die Frage von psychischen Unfallfolgen klären.

d) Aus dem Zweitbericht vom 23.11.2008 des Hausarztes Dr. … geht hervor, 

dass der Patient seine Arbeit für eine Woche (10.-17.11.2008) wieder 

aufgenommen habe, ab dem 18.11.2008 wegen vorübergehender 

Verschlechterung des Gesundheitszustands aber wieder zu 100% 

arbeitsunfähig sei. Die SUVA werde deshalb ersucht, wie vom Kreisarzt Dr. 

… vorgeschlagen, noch der Frage einer allfälligen psychischen 

Fehlentwicklung genauer nachzugehen, zumal dem Versicherten die 

Arbeitsstelle am 11.11.2008 auf Ende Dez. 2008 (bzw. 31.01.2009) gekündigt 

worden sei.

e) Mit Verfügung vom 28.01.2009 erwog die SUVA (Vorinstanz), ihre 

Versicherungsleistungen ab 17.09.2008 (Datum der ersten 

Arbeitsaussetzung) wegen Fehlens von Unfallfolgen und Verneinung der 

Adäquanz noch bestehender Beschwerden einzustellen. Eine dagegen 

erhobene Einsprache wies die Vorinstanz mit Entscheid vom 16.03.2009 

vollumfänglich ab. 

2. Hiergegen liess der Einsprecher am 15.04.2009 frist- und formgerecht 

Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden erheben, mit 

den Anträgen um kostenfällige Aufhebung des angefochtenen Entscheids 

vom März 2009 und Feststellung, dass die Einstellung der 

Versicherungsleistungen per 17.09.2008 zu Unrecht erfolgt sei und ihm die 

entsprechenden Leistungen aus UVG über das erwähnte Einstelldatum 

hinaus weiterhin auszurichten seien; evtl. um Rückweisung der ganzen Sache 

an die Vorinstanz zur Ergänzung des Sachverhalts. Zur Begründung wurde 

im Wesentlichen vorgebracht, dass der Beschwerdeführer durch die Tat in 

zweifacher Hinsicht in seinem körperlichen Wohlbefinden eingeschränkt 

worden sei. Einerseits bestünden nach wie vor physische Restbeschwerden, 

in Form von Verkrampfungen am Oberarm links, die ihn in der Arbeitsfähigkeit 

massiv behinderten, sowie wegen Narbenreizungen als Folge der 

Stichverletzungen. Nach den Attesten des Kreisarztes Dr. … und des 

Hausarztes Dr. … sei er zudem auch in seinem psychischen Wohlbefinden 

stark beeinträchtigt worden. Die Vorinstanz habe die entsprechenden 

Empfehlungen auf diesbezüglich noch zu treffende Abklärungen einfach 

übergangen. Es könne deshalb auch nicht davon ausgegangen werden, dass 

es an einem adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den 

psychogenen Beschwerden gefehlt habe. Eine derartige Schlussfolgerung sei 

aktenwidrig, da es für eine seriöse Beurteilung der Adäquanz schon an den 

erforderlichen Grundlagen gefehlt habe. Das Unfallereignis sei auch als 

schwer und nicht bloss als mittelschwer zu bewerten, da der 

Beschwerdeführer ohne Grund mit Messerstichen traktiert und derart verletzt 

worden sei, dass er ohne operativen Eingriff verblutet wäre. Es sei 

nachvollziehbar, dass sich daraus eine schwere psychische Beeinträchtigung 

entwickelt habe. Er habe sich zudem nicht direkt auf das Geschehen 

eingelassen, vielmehr sei die Messerattacke völlig unerwartet erfolgt. Der 

Vorfall sei daher besonders eindrücklich und geeignet gewesen, bei ihm eine 

psychische Fehlentwicklung auszulösen. Entsprechende Anzeichen seien 

medizinisch (Dres. … und …) bestätigt worden. Nebst den körperlichen seien 

damit auch die seelischen Schäden unfallkausal. Sollte dies bezweifelt 

werden, müsse der Sachverhalt noch genauer abgeklärt werden. Jede 

gegenteilige Ansicht würde gegen den Anspruch auf Teilnahme am 

Beweisverfahren und Abklärung des Gesundheitszustands verstossen. Eine 

umfassende Abklärung wäre demnach unerlässlich.

3. In ihrer Vernehmlassung (Beschwerdeantwort) vom 11.05.2009 beantragte 

die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde und somit die Bestätigung des 

angefochtenen Einspracheentscheids vom März 2009 samt der ihm zugrunde 

liegenden Einstellungsverfügung vom Januar 2009. Entgegen der 

Behauptung des Beschwerdeführers seien keine körperlichen Unfallfolgen 

vorhanden, die eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit rechtfertigen könnten. 

Die laut Kantonsspital und Kreisarzt festgestellten Narben seien weich, nicht 

adhärent und nicht hypertroph, weshalb sie die geklagten Beschwerden nicht 

erklären könnten. Laut Kreisarzt Dr. … liege eine volle Arbeitsfähigkeit vor. 

Die angebliche Muskelverkrampfung an linken Oberarm sei keine organische 

Unfallfolge. Die vom Beschwerdeführer geltend gemachten 

Körperbeschwerden seien aufgrund der klinischen Befunde nicht erklärbar. 

Es sei damit einzig noch zu prüfen, ob es für die behauptete Arbeitsunfähigkeit 

(100% AUF) allenfalls psychische Ursachen gebe, die von der Messerattacke 

vom Januar 2008 stammen könnten. Die Adäquanz könne hier – ohne die 

Einholung eines psychiatrischen Gutachtens – eindeutig verneint werden, 

weshalb auch offen gelassen werden könne, ob der natürliche 

Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den über 6 Monaten später 

(erst) auftretenden psychischen Beschwerden zu bejahen gewesen wäre. Das 

Ereignis vom 20.01.2008 sei noch als mittelschwerer Unfall zu taxieren, denn 

es sei weder mit dem Gerichtsfall U 146/01 (Angriff von zwei grossen Hunden; 

Rasse „Dobermann“) noch mit der Kasuistik zur Schwere von 

Verkehrsunfällen (8C_609/2007) vergleichbar. Eine besondere 

Eindrücklichkeit sei sowohl angesichts der Schilderungen des 

Beschwerdeführers als auch der polizeilich einvernommenen Zeugen zu 

verneinen. Die übrigen Voraussetzung seien laut einschlägiger 

Rechtsprechung (BGE 115 V 133) ebenso nicht erfüllt, weshalb die Adäquanz 

der psychischen Beschwerden zu Recht verneint worden sei.

4. In der Replik wies der Beschwerdeführer daraufhin, dass er sich in der 

Zwischenzeit in psychotherapeutischer Behandlung bei Dr. … befinde, welche 

ihm erhebliche psychische Unfallfolgen (posttraumatische Belastungsstörung 

ICD 10F43.1) attestiert habe. Jene Symptome seien eindeutig der 

Messerstecherei zuzuordnen, welche der Versicherte als lebensbedrohend 

erlebt habe. Die Annahme eines (nur) mittelschweren Unfalls sei falsch. Er 

wäre vielmehr ohne sofortige Operation im Spital nach der grundlosen 

Messerattacke verblutet. Er sei deshalb nur um Haaresbreite dem Tod 

entgangen. Der Vergleich mit dem Vorfall mit zwei Hunden, bei welchem das 

Opfer klaffende Fleischwunden, Hämatome und Schürfungen erlitten habe, 

sei unpassend. Die Vorinstanz verharmlose die von ihm erlittene Gewalttat. 

Er leide heute noch sowohl an körperlichen als auch seelischen Schmerzen 

seit jenem Ereignis im Januar 2008. Auch Versicherte mit einer psychischen 

Fehlentwicklung hätten Anspruch auf Versicherungsleistungen, so besonders 

auf Pflegeleistungen, Kostenvergütungen, Heilbehandlungen, Taggelder, 

Rente u. Integritätsentschädigung. Ob und in welchem Ausmass jene 

Leistungen beansprucht werden müssten, stehe heute noch nicht 

abschliessend fest. Eine generelle Leistungsverweigerung – wie von der 

Vorinstanz verfügt – verbiete sich jedoch. Ohne  zuverlässige und 

beweistaugliche Ermittlung der psychischen Beeinträchtigung durch 

Spezialisten sei eine seriöse Beurteilung der Ansprüche aus UVG gar nicht 

möglich. Die Schlussfolgerung der Vorinstanz, wonach sich weitere 

Abklärungen bzw. die Einholung eines Gutachtens aufgrund der Annahme 

eines (bloss) mittelschweren Unfalls zum voraus erübrigten, sei unzutreffend. 

Die Beurteilungen des Kreisarztes Dr. … als auch des Hausarztes Dr. … - 

welche beide psychische Unfallfolgen nicht ausgeschlossen hätten - seien 

von der Vorinstanz schlichtweg nicht beachtet worden. Die Rechtswidrigkeit 

des angefochtenen Entscheids samt Verfügung werde noch durch den Bericht 

von Dr. … (Juni 2009) untermauert.

5. Mit Schreiben vom 24.08.2009 verzichtete die Vorinstanz – unter Hinweis auf 

ihre frühere Vernehmlassung und den bereits darin gestellten Antrag auf 

Abweisung der Beschwerde – auf die Einreichung einer Duplik.

6. Im Nachgang des doppelten Schriftenwechsels wurden von der zuständigen 

Instruktionsrichterin bei der Staatsanwaltschaft Graubünden noch die 

Strafakten bezüglich der Messerattacke vom 20.01.2008 eingeholt und den 

Parteien die Gelegenheit eingeräumt, sich zum rechtsmedizinischen 

Gutachten samt Fotodokumentation des Kantonsspitals Chur vom 

07.02.2008, erstellt durch Dr. …, sowie zum Konfront-Einvernahmeprotokoll 

der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 17.04.2008 zu äussern, wovon der 

Beschwerdeführer mit Stellungnahme vom 25.08.2009 sowie die Vorinstanz 

mit Brief vom 02.09.2009 Gebrauch machten, wobei beidseits nichts 

wesentlich Neues vorgebracht wurde. 

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. a) Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers setzt nach den Bundesgesetzen 

über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) sowie der 

Spezialgesetzung im Unfallversicherungsrecht (UVG) zunächst voraus, dass 

zwischen dem Unfallereignis und dem geklagten Gesundheitsschaden ein 

natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne 

des natürlichen Kausalzusammenhanges sind alle Umstände, ohne deren 

Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als verwirklicht gedacht werden 

kann. Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen 

Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, 

worüber die Verwaltung und im Beschwerdefall der Richter nach dem im 

Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines 

Sachzusammenhanges genügt für die Begründung eines 

Leistungsanspruches noch nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1, 123 V 138 E. 3a, 119 

V 138 E. 1, 118 V 289 E. 1b; Pra 3/2004 Nr. 45 E. 2.2.2 S. 235; SVR-

Rechtsprechung [SVR] 8-9/2003 UV Nr. 11 E. 3.1 S. 32, Nr. 12 UV E. 3.1.1 

S. 35; PVG 2000 Nr. 26, 1994 Nr. 65).

b) Als adäquate oder rechtserhebliche Ursache eines Erfolges hat ein Ereignis 

dann zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach 

der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg  von der 

Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch 

das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2, 125 

V 461 E. 5a, 123 V 141 E. 3d, 122 V 416 E. 2a, 121 V 49 E. 3a; SVR 8-9/2003 

UV Nr. 11 E. 3.2 S. 32). Der Voraussetzung des adäquaten 

Kausalzusammenhanges kommt die Funktion einer Haftungs-begrenzung zu 

(BGE 125 V 462 E. 5c, 123 V 102 E. 3b). Sie hat bei allen 

Gesundheitsschädigungen, die aus ärztlicher Sicht mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit als natürliche Unfallfolgen gelten, Platz zu greifen. Die 

Frage der Adäquanz ist eine Rechtsfrage, sie ist nicht von medizinischen 

Sachverständigen, sondern vom Richter zu beurteilen (SVR 8-9/2003 UV Nr. 

12 E. 3.2.1 S. 36, 9/2002 UV Nr. 11 E. 2b S. 31).

2. a) Laut Abklärungsbericht vom 30.09.2008 des Kantonsspitals Chur (Dres. …) 

sind die vom Beschwerdeführer ab September 2008 geklagten Beschwerden 

im linken Oberarm klinisch nicht zu erklären. Es  handle sich bei der Narbe 

am Oberarm um eine völlig normale Verwachsung, die insgesamt sehr weich, 

nicht adhärent und nicht hypertroph sei. Dementsprechend sei auch kein 

plastischer Korrektureingriff indiziert. Im Bericht vom 04.11.2008 beurteilte der 

Kreisarzt Dr. … die Armnarbe ebenfalls als nicht hypertroph, nicht adhärent 

und ohne Induration unter der Narbe. Er stellte ferner keine Gewebelücke 

oder Fascienlücke fest. Es seien organisch keine erheblichen Unfallfolgen 

objektivierbar, weshalb er dem Beschwerdeführer eine volle Arbeitsfähigkeit 

attestiere. Diese medizinischen Beurteilungen sind aufgrund des 

Verletzungsbildes nachvollziehbar und nicht zu beanstanden, zumal sie auch 

mit dem Bericht vom 17.10.2008 des Hausarztes Dr. … übereinstimmen, 

welcher den Beschwerdeführer zunächst sogar ab dem 17.03.2008 – also nur 

2 Monate nach der Messerattacke vom 20.01.2008 – wieder für voll 

arbeitsfähig taxierte. Aktenkundig arbeitete der Beschwerdeführer seit Mitte 

März 2008 tatsächlich auch während 6 Monaten ununterbrochen und ohne 

ärztliche Behandlung wieder zu 100%, bevor er am 17.09.2008 erneut seine 

Arbeit niederlegte. Der Vorinstanz ist aufgrund der Akten auch beizupflichten, 

dass die geltend gemachte Muskelverkrampfung keine organische Unfallfolge 

darstellt. Daran ändern die Zeugnisse des Hausarztes Dr. … vom 13.01.2009 

und 02.04.2009 ebenfalls nichts, worin die Diagnose „Status nach multiplen 

Schnitt- und Stichverletzungen durch Messerstecherei am 20.01.2008“ 

bestätigt wurde, ohne aber auf die festgestellte (vorübergehende) 

Verschlechterung ab 18.11.2008 näher einzugehen. Vielmehr bekräftigte Dr. 

… im letzten Zeugnis (April 2009) noch, dass der Versicherte leichte Arbeiten 

mit Heben von Lasten bis 15 kg, Autofahren (z.B. Kurierdienst; Lieferant) 

sowie einfachere Büroarbeiten (nach Absolvierung der RAV-Kurse) wieder 

ausführen könnte. Bis heute habe der Versicherte aber eine 

psychotherapeutische Hilfe abgelehnt. Daraus lässt sich nun aber ohne 

weiteres folgern, dass der Beschwerdeführer keine nennenswerten 

körperlichen Unfallfolgen davon getragen hat, die eine Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit über das Einstelldatum vom 17.09.2008 hinaus (erste 

Arbeitsniederlegung nach 6 Monaten voller Arbeitstätigkeit ab März 2008) aus 

physischen Gründen rechtfertigen könnten. Diesbezüglich sind daher keine 

weiteren medizinischen Abklärungen mehr erforderlich. Wie aber sowohl aus 

dem Attest des Kreisarztes Dr. … vom 04.11.2008 als auch aus dem mit der 

Replik eingereichten Bericht der Psychotherapeutin Dr. phil. … vom 

15.06.2009 hervorgeht, leidet der Beschwerdeführer an psychischen 

Problemen. Es wird daher nun noch zu prüfen sein, ob diese psychischen 

Probleme unfallkausal auf die Messerattacke vom 20.01.2008 zurückgeführt 

werden können oder ob für die seelische Fehlentwicklung im Wesentlichen 

andere Ursachen verantwortlich sind, für die nicht die Vorinstanz aus UVG 

finanziell aufzukommen hat. Richtigerweise hat somit noch die 

Adäquanzprüfung laut den Kriterien in BGE 115 V 140 (sog. Psycho-Praxis) 

zu erfolgen.  

b) Lehre und Rechtsprechung unterscheiden dabei grundsätzlich zwischen 

banalen, mittelschweren und schweren Unfällen. Bei erstgenannter Gruppe 

wird die Adäquanz stets verneint, während sie umgekehrt bei letztgenannter 

Gruppe regelmässig bejaht wird. Bei mittelschweren Unfällen hat jeweils eine 

differenzierte Betrachtungsweise zu erfolgen. Hier lässt sich die Kernfrage, ob 

zwischen Unfall und psychisch bedingter Erwerbsunfähigkeit ein adäquater 

Kausalzusammenhang besteht, nicht allein aufgrund des Unfalles schlüssig 

beantworten. Es sind deshalb weitere, objektiv erfassbare Umstände, die 

unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte bzw. 

indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. 

Solche – unfallbezogenen – Umstände können als Beurteilungskriterien 

dienen, weil sie ihrerseits nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der 

allgemeinen Lebenserfahrung geeignet sind, in Verbindung mit dem Unfall zu 

einer psychisch bedingten Erwerbsunfähigkeit zu führen oder diese zu 

verstärken. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen: Besonders dramatische 

Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; die Schwere 

und besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre 

erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen; 

ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; körperliche 

Dauerschmerzen; ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen 

erheblich verschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche 

Komplikationen; Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit. 

Bei den mittelschweren Unfällen kann aber schon ein einziges Kriterium 

genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist. Kommt keinem 

Einzelkriterium besonders bzw. ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen 

mehrere unfallbezogene Kriterien herangezogen werden. Die weiteren zu 

berücksichtigenden Kriterien müssen dann in gehäufter oder auffallender 

Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann (Murer/Stauffer, 

Rechtsprechung zum UVG, 2. Aufl., Zürich 1995, zu Art. 6 S. 44-49; Omlin, 

Die Invalidität in der obligatorischen Unfallversicherung, Freiburg 1995, § 10 

S. 111 ff.; BGE 115 V 140 f.; vgl. Neufassung der Kriterien in BGE 134 V 130 

Ziff. 10.3 nach HWS-Schleudertrauma).

c) Die Parteien sind sich bereits bezüglich der Qualifikation des Ereignisses vom 

20.01.2008 bis zuletzt uneinig geblieben. Während sich der 

Beschwerdeführer auf den Standpunkt stellt, dass die Stich- und 

Schnittwunden aus dieser Messerstecherei in die Gruppe der schweren 

Unfälle gehöre, ist die Vorinstanz der Meinung, es sei von einem 

mittelschweren Unfall auszugehen. Aus den Akten (Konfront-Einvernahme v. 

17.04.2008) ergibt sich folgender Tathergang: Der Beschwerdeführer und der 

Angreifer kannten sich von der Arbeit her und waren am besagten Abend 

zusammen mit anderen Kollegen in einer Bar in ... Nachdem sie die Bar 

verlassen hatten, entfernte sich der Angreifer. Der Beschwerdeführer 

bemerkte dann einen Streit und Handgreiflichkeiten zwischen dem Angreifer 

und anderen Personen. Der Beschwerdeführer eilte dazu und versuchte, die 

Streitenden zu trennen, wobei er den Angreifer am Arm packte und ihn 

wegzog. Plötzlich hielt der Angreifer ein Taschenmesser – mit einer ca. 8.5 

cm langen Klinge – in der Hand und er ging damit auf den Beschwerdeführer 

los. Der Beschwerdeführer bemerkte einen Stich und Blut am Hals und wollte 

darauf seinerseits mit einer inzwischen behändigten Zaunlatte auf den 

Angreifer einschlagen; der Angreifer ging weiter mit dem Messer auf den 

Beschwerdeführer los. Den Arbeitskollegen gelang es schliesslich, die beiden 

zu trennen. Von einem der Kollegen wurde der Beschwerdeführer 

anschliessend nach Chur ins Kantonsspital gefahren. Im rechtsmedizinischen 

Gutachten vom 07.02.2008 wird ausgeführt, dass die Verletzungen am 

Nacken, an der Aussenseite der Brust links, an der linken Flanke und am 

linken Oberarm durch eine scharfe Gewalteinwirkung verursacht worden 

seien. Die Verletzung am Rücken zeige Charakteristika von stumpfer und 

halbscharfer Gewalt. Der Gutachter (Dr. …) führte darin weiter aus, dass das 

nach dem Spitaleintritt dokumentierte Absinken des Blutdrucks, die Abnahme 

der Hämoglobinkonzentration und des Hämatokritwertes infolge des 

Messerstichs an der linken Flanke eröffnete Schlagader zu einem relevanten 

Blutverlust geführt habe. Ohne ärztliche Behandlung wäre der 

Beschwerdeführer verblutet. Es habe somit eine unmittelbare Lebensgefahr 

vorgelegen (vgl. dazu Fotos Chirurgie KSGR vom 20.01.2008).

d) Aufgrund des soeben geschilderten Geschehensablaufs und der bildlich gut 

dokumentierten Körperverletzungen ist das Gericht zur Überzeugung gelangt, 

dass vorliegend von einem „Unfall im mittleren Bereich“ und nicht von einem 

schweren Unfall auszugehen ist (vgl. Kasuistik zur Unfallschwere: EVG U 

458/04 E. 3.4.1; RKUV 1999 U 330, S. 122; RKUV 1995 U 215, S. 90). Die 

Adäquanz kann demnach nach dem vorne unter Erw. 2b) Gesagten nur bejaht 

werden, wenn ein einziges Kriterium in besonders ausgeprägter Weise erfüllt 

ist oder aber mehrere in gehäufter und auffallender Weise gegeben sind. Das 

hier zur Beurteilung stehende Ereignis erreicht mit Sicherheit noch nicht die 

Schwere des von der Vorinstanz vergleichsweise zitierten EVG-Urteils U 

146/01, worin der plötzliche Angriff von zwei scharfen Wach- und 

Schutzhunden (der Rasse „Dobermann“ mit Widerristhöhe bis 72 cm und 

Körpergewicht bis 45 kg) auf einen Menschen als schwerer Unfall im mittleren 

Bereich qualifiziert wurde, wobei das Opfer der Hundeattacke eine 

Rissquetschwunde, mehrere klaffende Fleischwunden, ausgedehnte 

Hämatome und eine Schürfwunde erlitt. Das EVG hielt dazu fest, es handle 

sich um einen Unfall, der erfahrungsgemäss geeignet sei, zu schweren 

Verletzungen zu führen und bei der betroffenen Person massive Ängste 

auszulösen; es erachtete das Kriterium der besonderen Eindrücklichkeit als 

erfüllt und bejahte die Adäquanz der psychischen Beschwerden. Der 

vorliegende Unfall ist ebenfalls nicht mit jenem in U 9/00 (RKUV 2001 Nr. U 

440, S. 350) vergleichbar, wo eine Versicherte vom Sohn ihres Partners 

angegriffen, zu Boden geworfen, gewürgt und mit mehreren Schlägen auf den 

Kopf sowie mit Kniestössen in den Rücken und in die Nieren traktiert wurde. 

Das EVG qualifizierte dieses Ereignis als schweren Unfall im mittleren Bereich 

und bejahte die Adäquanz aufgrund des als beeindruckend einzuordnenden 

Kriteriums der Aggression, da diesem Kriterium eine besondere Intensität 

zukomme. Die nachmitternächtliche Messerattacke ist auch nicht mit der 

Kasuistik zur Schwere von Verkehrs- oder Berufsunfällen vergleichbar 

(8C_609/2007 Erw. 4.1.3).

e) Dem Ereignis vom 20.01.2008, morgens 03.30 Uhr, nach ausgedehntem Bar-

Lokalbesuch und handgreiflicher Auseinandersetzung im Freien unter Einsatz 

eines Taschenmessers kann ohne Zweifel eine gewisse Dramatik und 

Eindrücklichkeit nicht abgesprochen werden; jedoch kann der Vorfall nicht 

schon als besonders eindrücklich oder gar ungewöhnlich bezeichnet werden. 

Sowohl den eigenen Schilderungen des Opfers (Beschwerdeführer) als auch 

den Zeugenaussagen seiner Kollegen kann keine absonderliche Intensität 

oder besondere Brutalität im Tathergang entnommen werden. Im Gegensatz 

zu den oben unter Ziff. 2d) erwähnten Beispielen hat sich der 

Beschwerdeführer hier bewusst auf eine Auseinandersetzung eingelassen, 

indem er versuchte, die Streitenden (Angreifer/Drittpersonen) von einander zu 

trennen. Es kann daher hier nicht von einer unerwarteten Attacke gegen Leib 

und Leben gesprochen werden. Vielmehr versuchte der Beschwerdeführer 

seinerseits noch, mit einer behändigten Zaunlatte auf den Angreifer 

loszugehen. Bezüglich der erlittenen Verletzungen wurde die Stichverletzung 

an der linken Körperflanke wegen des massiven Blutverlustes als 

lebensbedrohlich bezeichnet. Gemäss Operationsbericht des Kantonsspitals 

vom 21.01.2008 (Dr. …/Dipl. med. …) wurden indessen keine 

lebenswichtigen Organe verletzt (keine innere Blutungen). Ausserdem konnte 

der Beschwerdeführer sofort nach dem Unfall ärztlich versorgt werden, da ihn 

ein Kollege unverzüglich vom Tatort in … ins Kantonsspital Chur verbrachte. 

Weiter fällt ins Gewicht, dass der Spitalaufenthalt nur 4 Tage dauerte (20.01.-

24.01.2008) und der Beschwerdeführer darauf in stabilem 

Gesundheitszustand wieder nach Hause entlassen werden konnte. Bereits 

nach einem 2-monatigen Heilungsprozess (20.01.-17.03.2008), während dem 

der Versicherte zu 100% arbeitsunfähig geschrieben wurde, war es dem 

Beschwerdeführer danach für 6 Monate (18.03.-17.09.2008) immerhin 

möglich, wieder voll auf seinem früheren Beruf einsatz- und arbeitsfähig zu 

sein. Diese doch lange und graduell hohe Arbeitsfähigkeit (100% AF ohne 

Unterbruch und ohne medikamentöse Behandlung)  belegt zumindest, dass 

nicht von einem komplizierten Genesungsprozess oder anderweitig 

besonders belastenden Begleitumständen die Rede sein kann, die direkt auf 

den Unfall zurückzuführen wären. Ohne die diversen Stich- und 

Schnittwunden am Oberkörper bzw. am linken Arm des Versicherten 

bagatellisieren zu wollen, gilt es aber trotzdem nicht zu übersehen, dass jene 

Fleischwunden grösstenteils nur oberflächlicher Natur waren und das 

Hauptproblem der Blutstillung innert nützlicher Frist dank der raschen 

Hospitalisation effizient gelöst werden konnte. Unter Berücksichtigung der 

gesamten Umstände ist das Gericht darum zur Auffassung gelangt, dass das 

fragliche Ereignis vom 20.01.2008 nicht als geeignet bezeichnet werden kann, 

um tatsächlich bereits eine psychische Fehlentwicklung auslösen zu können. 

Daran ändern auch die vom Hausarzt Dr. … im Herbst 2008 festgestellten 

Existenzängste bzw. der Verlust seiner bisherigen Arbeitsstelle auf anfangs 

2009 nichts.

f) Zusammengefasst ergibt sich, dass die Adäquanz (nach BGE 115 V 140) 

durch die Vorinstanz zu Recht verneint wurde. Auf weitere Abklärungen über 

die Herkunft und das Ausmass der psychischen Beschwerden konnte damit 

verzichtet werden, da eindeutig feststeht, dass diese Problematik nicht auf 

das Ereignis vom 20.01.2008 zurückgeführt werden kann.

3. a) Der angefochtene Entscheid vom 16.03.2009 ist demnach rechtens, was zu 

seiner Bestätigung (samt Einstellungsverfügung vom 28.01.2009) und zur 

Abweisung der Beschwerde vom 15.04.2009 führt.

b) Gerichtskosten werden nicht erhoben, da das kantonale 

Beschwerdeverfahren nach Art. 61 lit. a ATSG grundsätzlich kostenlos ist. 

Eine aussergerichtliche Entschädigung steht der Vorinstanz nicht zu 

(Umkehrschluss aus Art. 61 lit. g ATSG).

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Es werden keine Kosten erhoben.