# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ab7c8c02-0aa0-548c-a3a1-67e06463ae50
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-11-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.11.2023 E-5194/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5194-2023_2023-11-08.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-5194/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  8 .  N o v e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richter Lorenz Noli (Vorsitz), 

Richterin Daniela Brüschweiler,  

Richterin Deborah D'Aveni,    

Gerichtsschreiber Kevin Schori. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei,   

vertreten durch MLaw Simone Heutschi,  

Rechtsschutz für Asylsuchende - Bundesasylzentrum Region 

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (beschleunigtes Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 28. August 2023 / N (…). 

 

 

 

E-5194/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 16. Mai 2023 in der Schweiz um Asyl 

nach und wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region B._______ zu-

gewiesen.  

B.  

B.a Am 22. Mai 2023 wurde der Beschwerdeführer zu seinen Personalien 

befragt (Personalienaufnahme, PA). Anlässlich der Erstbefragung vom 

27. Juli 2023 (vgl. vorinstanzliche Akten […]-14/14 [nachfolgend: act. 14]) 

und der Anhörung vom 16. August 2023 (vgl. act. 17) machte er im We-

sentlichen Folgendes geltend: 

Er sei kurdischer Ethnie und stamme aus C._______ (…). Dort habe er bis 

zu seiner Ausreise am (…) 2023 zunächst mit seinen Eltern und Geschwis-

tern und danach bei seiner (…) und deren Familie gewohnt. Im Jahr (…) 

habe er das Gymnasium abgeschlossen. Nebenbei sei er im (…) tätig ge-

wesen. Zuletzt habe er im (…)- sowie im (…)bereich gearbeitet. Als Ju-

gendlicher sei er aufgrund der Teilnahme an einem Protest am (…) unter 

Strafminderung zu (…) Haft verurteilt worden. Das Verfahren sei abge-

schlossen und es seien keine weiteren Verfahren hängig.  

Er habe die Türkei verlassen, da er wegen seiner Mutter – welche in der 

Schweiz Asyl erhalten habe (N […]) – verfolgt worden sei. Sie sei im Jahr 

(…) Funktionärin der D._______ gewesen, weshalb es zuhause immer 

wieder Razzien gegeben habe. Eines Tages hätten die Behörden die Türe 

aufgebrochen, ihn zu Boden gestossen und ihm die Pistole an den Kopf 

gehalten. Seine Mutter sei gewaltsam mitgenommen worden. Tags darauf 

sei sie wieder freigelassen worden, allerdings fortwährend von den Behör-

den bedroht worden. Im Jahr (…) hätten die Behörden versucht, seine Mut-

ter in einem Geschäftsviertel mitzunehmen. Die umstehenden Geschäfts-

leute hätten dies jedoch verhindern können. Seine Mutter habe dann bei 

der Staatsanwaltschaft und beim IHD (İnsan Hakları Derneği; dt: Men-

schenrechtsverein) eine Beschwerde eingereicht. Am (…) sei sie schliess-

lich legal auf dem Luftweg über E._______ ausgereist. Er sei damals nicht 

mitgegangen, da er für den Familiennachzug zu alt gewesen sei und das 

Geld nicht gereicht habe. Zwischenzeitlich sei seine Mutter zu über (…) 

Haft verurteilt worden. Das Verfahren der Mutter sei derzeit (…).  

Nach der Ausreise seiner Mutter habe er fortlaufend Drohanrufe der Be-

hörden erhalten. Diese hätten gesagt, dass er seine Mutter ausliefern solle. 

E-5194/2023 

Seite 3 

Die Behörden hätten ihn ständig zuhause und an seinem Arbeitsplatz auf-

gesucht, so dass er im Jahr 2022 ebenfalls eine Anzeige beim IHD erstattet 

habe. Am (…) 2023 sei er spätabends, als er von der Arbeit nach Hause 

habe gehen wollen, von zwei Polizisten angehalten worden. Diese hätten 

einen Sack über seinen Kopf gestülpt und ihn in ihr Fahrzeug gebracht. Die 

Polizisten hätten ihn zur Spitzeltätigkeit zwingen wollen und ihn heftig ge-

schlagen. Sie hätten ihm auch gesagt, dass seine Mutter entkommen sei, 

was ihm aber nicht gelingen werde. Sie hätten gewollt, dass er ihnen Infor-

mationen über den Jugendflügel der HDP beschaffe, ansonsten es ihm wie 

seinem (…) ergehe. Dieser sei im Jahr 19(…) aufgrund seiner Tätigkeit für 

die HDP von den Sicherheitsbehörden mitgenommen worden und seither 

verschollen. Danach hätten sie ihn bei der Fakultät der Universität respek-

tive in einem Waldstück aus dem Auto gestossen. Dort habe er seinen Va-

ter telefonisch kontaktiert und ihm seinen Standort geschickt, woraufhin 

sein Vater ihn abgeholt habe. Aus Angst, seine Familie in Gefahr zu brin-

gen, habe er sich weder in medizinische Behandlung begeben noch eine 

Anzeige erstattet. In der Folge habe er sich zunächst bei seinem Vater und 

anschliessend bei weiteren Verwandten aufgehalten. Am (…) 2023 sei er 

zu seinem Onkel nach Istanbul gegangen, währenddem sein Vater für ihn 

die Ausreise organisiert habe.  

Am (…) 2023 habe er in Istanbul einen Lastwagen bestiegen, sei illegal 

aus der Türkei ausgereist und innert drei Tagen über ihm unbekannte Län-

der am (…) 2023 in die Schweiz gelangt. Auf dem Weg habe er nichts ge-

sehen und den Lastwagen nie verlassen. Weil er am Ende schnell habe 

aussteigen müssen, habe er seine Tasche mit seinen Identitätsdokumen-

ten vergessen.  

Nebst seiner Mutter und dem verschollenen (…) seien auch weitere Ver-

wandte politisch aktiv gewesen. Ein (…) habe Verbindungen zur PKK (Par-

tiya Karkerên Kurdistanê; dt: Arbeiterpartei Kurdistans) gehabt und sei vor 

einiger Zeit gefallen. Sein (…) sei ebenfalls wegen seines politischen En-

gagements für die HDP derzeit in Haft. Weiter habe er eine Grossmutter 

sowie Onkel und Tanten in der Schweiz.   

B.b Der Beschwerdeführer reichte folgende Dokumente und Beweismittel 

ein: 

– Zivilregisterauszug, 

– Abiturzeugnis und Bewerbung für das Universitätsstudium, 

– E-Devlet Auszug über seine Parteizugehörigkeit bei der HDP, 

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Seite 4 

– Anklageschrift des Jugendstrafgerichts für schwere Straftaten 

C._______ vom (…), 

– Begründetes Urteil desselben Gerichts vom (…), 

– Referenzschreiben der HDP vom (…) 2023, 

– Referenzschreiben des IHD vom (…) 2023, 

– Internetartikel des IHD vom (…) betreffend den (…) des Beschwerde-

führers, 

– Kopien der Aufenthaltsbewilligungen der Verwandten des Beschwerde-

führers in der Schweiz. 

B.c Weiter liegen folgende Beweismittel zum Verfahren seiner in der 

Schweiz lebenden Mutter vor: 

– Begründetes Urteil des Gerichts für schwere Straftaten C._______ vom 

(…), 

– Auszug aus dem nationalen Justiznetzwerkprogramm UYAP (Ulusal 

Yargi Ağı Bilişim Sistemi) betreffend das (…) Verfahren am (…), 

– undatiertes Referenzschreiben der Anwältin der Mutter. 

C.  

Der Entscheidentwurf wurde dem Beschwerdeführer am 24. August 2023 

zur Stellungnahme zugestellt, welche tags darauf beim SEM einging. 

D.  

Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 28. August 2023 verneinte das 

SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers (Dispositivziffer 1) 

und lehnte sein Asylgesuch ab (Dispositivziffer 2). Gleichzeitig verfügte es 

seine Wegweisung aus der Schweiz (Dispositivziffer 3) und ordnete den 

Vollzug an (Dispositivziffern 4 und 5). 

E.  

Mit Beschwerde vom 26. September 2023 an das Bundesverwaltungsge-

richt beantragte der Beschwerdeführer die Aufhebung der Verfügung vom 

28. August 2023, die Anerkennung als Flüchtling und die Gewährung von 

Asyl sowie eventualiter die Rückweisung der Verfügung an die Vorinstanz 

zur Neubeurteilung. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung 

der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Kostenvorschussverzicht. 

F.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

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Seite 5 

27. September 2023 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 

AsylG). 

G.  

Im vorliegenden Verfahren zog das Bundesverwaltungsgericht die vor-

instanzlichen Akten der Mutter des Beschwerdeführers (N […]) bei.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-

tig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 

2014/26 E. 5). 

2.2 Gestützt auf Art. 111a AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung ei-

nes Schriftenwechsels verzichtet. 

 

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Seite 6 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-

richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen von Asylvorbringen 

in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis; 

darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2013/11 

E. 5.1 und 2010/57 E. 2.3, je m.w.H.). 

4.  

4.1 Die Vorinstanz kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, 

dass die Vorbringen des Beschwerdeführers weder den Anforderungen an 

das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flücht-

lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG standhielten.  

4.1.1 Trotz mehrfacher Gelegenheit, sich ausführlich zu äussern, sei er 

nicht in der Lage gewesen, seine Vorbringen detailliert und erlebnisbasiert 

zu schildern. Seine Aussagen zur Entführung durch die Polizei wiesen nicht 

die Qualität auf, welche zu erwarten gewesen wäre, wenn er die geltend 

gemachten Ereignisse selbst erlebt hätte. Obwohl er über beide Befragun-

gen hinweg den eigentlichen Vorfall stimmig habe wiedergeben können, 

mangle es seiner Schilderung an innerem Gehalt wie beispielsweise per-

sönlich gefärbten Elementen und Erlebnisnähe. Dabei werde der klare 

Mangel an innerer Substanz durch die blosse Menge an Beschreibungen 

nicht aufgewogen. Nebenschauplätze dieses ganzen Vorfalls seien zudem 

unsubstanziiert geblieben – beispielsweise der Moment, als sein Vater ihn 

abgeholt habe. Gleiches gelte für die Zeit, die er nach dem Vorfall bei 

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Seite 7 

verschiedenen Verwandten sowie bei seinem Onkel in Istanbul verbracht 

habe. Seine Antworten seien kurz und allgemeingültig verblieben. Nicht 

nachvollziehbar sei weiter, dass er nach dem Vorfall keine medizinische 

Versorgung in Anspruch genommen habe. Seine Angst, mit einem Spital-

besuch seine Familie in Gefahr zu bringen, weil die Sache dann den Be-

hörden gemeldet würde, sei als Schutzbehauptung zu werten. So habe er 

es damit einerseits unterlassen, das einzige Beweismaterial zum vermeint-

lichen Vorfall – beispielsweise einen Arztbericht – zu beschaffen. Anderer-

seits seien Ärzte bekanntlich an ihre Schweigepflicht gebunden. Nach Vor-

halt zu letzterem habe er sein Verhalten nicht stimmig zu begründen ver-

mocht. Er habe sich weiter grundlegend widersprochen, indem er bei der 

Erstbefragung ausgesagt habe, die Polizisten hätten ihn bei der Universität 

ausgesetzt, während er gemäss Anhörung in einem Waldstück aus dem 

Fahrzeug geworfen worden sei, wo sich normalerweise keine Leute auf-

halten würden. Nach Vorhalt habe sein Erklärungsversuch nicht überzeugt. 

Auch mit dem mit der Stellungnahme zum Entscheidentwurf eingereichten 

Google-Maps-Auszug vermöge er die vagen und widersprüchlichen Anga-

ben nicht aufzuheben. Die (…) Fakultäten der Universität seien zwar von 

einem Park und Grünflächen umgeben, es bleibe jedoch unklar, weshalb 

er nicht gleich die exakte Lokalität angegeben habe. Da er seinem Vater 

den exakten Standort geschickt habe, wäre zu erwarten, dass er diesen 

noch wisse. Ebenfalls wäre zu erwarten, dass er den Austausch mit seinem 

Vater auf seinem Mobiltelefon dokumentiert habe und entsprechende Be-

weismittel einreichen könnte. Seine Aussagen zur Frage, ob es sich beim 

Vorfall vom (…) 2023 um dieselben Polizisten gehandelt habe, welche ihn 

bereits vorher belästigt hätten, seien ungereimt und ausweichend gewe-

sen. Da er auch nicht über ein herausragendes Profil und damit offensicht-

lich auch nicht über Informationen verfüge, die für die Behörden interessant 

sein könnten, erhärteten sich auch deswegen die Zweifel an der Glaubhaf-

tigkeit dieses Vorbringens. Auch die eingereichten Beweismittel änderten 

nichts an dieser Einschätzung. So handle es sich beim Schreiben des IHD 

um ein Gefälligkeitsschreiben, welches auf seinen Aussagen beruhe und 

somit kaum Beweiswert habe.  

4.1.2 Seine übrigen Vorbringen – wie insbesondere seine Verurteilung im 

Jahr (…) – seien flüchtlingsrechtlich nicht relevant. Er sei zwar zu einer 

geringen Haftstrafe verurteilt worden, habe diese jedoch nicht verbüssen 

müssen und die (…) Bewährungsfrist sei vorliegend abgelaufen. Gemäss 

Aktenlage sei er auch sonst strafrechtlich nicht vorbelastet und weise kein 

politisches Profil auf. Im Falle einer Rückkehr in die Türkei habe er deswe-

gen nicht mit erheblicher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich 

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Seite 8 

relevante Verfolgung zu befürchten. Sodann sei die Tatsache, dass seiner 

Mutter in der Schweiz Asyl gewährt worden sei, für sich alleine kein ausrei-

chender Hinweis dafür, dass ihm eine Reflexverfolgung drohen könnte. 

Auch wegen der weiteren Verwandten ([…], […], […], […]) habe er nie 

Probleme gehabt. Die angeblichen Ereignisse betreffend seinen (…) und 

den gefallenen (…) lägen lange zurück und wiesen keinen engen zeitlichen 

und sachlichen Kausalzusammenhang zu seiner Ausreise auf.   

4.1.3 Auch aus den geltend gemachten Behördenkontakten lasse sich 

keine objektiv begründete Furcht vor flüchtlingsrechtlich relevanten Nach-

teilen ableiten. Den Akten seien keine Hinweise zu entnehmen, dass ihm 

irgendwelche schwerwiegenden Nachteile erwachsen oder Sanktionen 

auferlegt worden wären. Zudem habe er es unterlassen, Schutz bei den 

Behörden zu suchen oder den Rechtsweg einzuschlagen. Die Behelligun-

gen hätten sich lokal auf C._______ beschränkt, womit es ihm unbenom-

men sei, sich an einem anderen Ort, beispielsweise in einer Stadt im Wes-

ten, niederzulassen und damit den Schikanen aus dem Weg zu gehen. So 

sei während seines Aufenthalts bei seinem Onkel (…) in Istanbul nichts 

mehr passiert. Er habe auch nicht dargetan, dass seiner (…), bei der er 

zuletzt gewohnt habe, oder seinem Vater nach seiner Ausreise etwas zu-

gestossen sei. Den Vorbringen mangle es an der flüchtlingsrechtlich rele-

vanten Intensität, da nicht davon auszugehen sei, dass ihm deswegen ein 

menschenwürdiges Leben in der Türkei verunmöglicht worden sei.  

Sodann sei nicht plausibel, dass die Behörden ihn fortdauernd im Visier 

gehabt und nach seiner Mutter gefragt hätten, zumal sie über die legale 

Ausreise im Bild gewesen sein dürften. Die Umstände der Behördenkon-

takte seien vage geblieben und wirkten aufgebauscht – er habe diese we-

der zeitlich einordnen noch substanziieren können. Es erscheine realitäts-

fremd, dass er – lediglich weil er keinen Anspruch auf Familiennachzug 

gehabt habe und das Geld nicht gereicht habe – angesichts der geltend 

gemachten Bedrohung durch die Behörden nicht viel früher und zusammen 

mit seiner Mutter ausgereist sei. Er habe auch nicht schlüssig begründen 

können, weshalb er sich nicht beispielsweise an einem anderen Ort in der 

Türkei niedergelassen habe. Schliesslich bestünden auch Zweifel an der 

geltend gemachten illegalen Ausreise, da seine diesbezüglichen Aussagen 

ausweichend und realitätsfremd wirkten.  

4.1.4 Ferner sei sein politisches Engagement als niederschwellig einzustu-

fen und nicht mit demjenigen der Mutter gleichzustellen. Er sei nicht aus 

der Masse der Personen, die sich für die kurdische Sache einsetzten, 

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herausgetreten und es erschliesse sich aus der Aktenlage nicht, inwiefern 

die Behörden ein derartiges Interesse an ihm hätten haben sollen.  

4.2 In seiner Beschwerde bekräftigte der Beschwerdeführer die Glaubhaf-

tigkeit seiner Vorbringen. Er sei ein ruhiger und eher wortkarger Mann. Zu-

dem sei zu berücksichtigen, dass er aufgrund des Erlebten psychisch stark 

angeschlagen sei, was auch aus dem Protokoll hervorgehe. Seinen Schil-

derungen seien viele Realkennzeichen (raum-zeitliche Verknüpfungen, 

Nebensächlichkeiten, sprunghafte Schilderung, Schilderung innerer Vor-

gänge und Reaktionen) zu entnehmen. Seine Aussagen seien überdies 

plausibel, nachvollziehbar und entgegen der Behauptung des SEM ohne 

Widersprüche ausgefallen. Das SEM habe diese Aspekte ausser Acht ge-

lassen und hinsichtlich des Vorfalls vom (…) 2023 daher keine Gesamt-

würdigung vorgenommen. Aufgrund der erlebten Schikanen und der dar-

aus resultierenden Skepsis gegenüber öffentlichen Institutionen sei es so-

dann durchaus nachvollziehbar, dass er sich nach dem Vorfall nicht in me-

dizinische Behandlung begeben und keinen Schutz bei der Polizei gesucht 

habe. Den vom SEM angeführten Widerspruch hinsichtlich des Orts, wo 

ihn die Polizei ausgesetzt habe, habe er bereits mit seiner Stellungnahme 

zum Entscheidentwurf entkräften können. Mit einer Google-Maps-Karte 

habe er belegen können, dass die Universität von einem Wald umgeben 

und seine Erklärung somit durchaus stichhaltig und nachvollziehbar aus-

gefallen sei. Auch der zweite vom SEM angeführte Widerspruch hinsicht-

lich der Frage, ob es sich beim Vorfall vom (…) 2023 um die gleichen Poli-

zisten gehandelt habe wie bei den bisherigen Behelligungen, wirke kon-

struiert. Er habe die entsprechende Frage zunächst falsch verstanden und 

diese anschliessend nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet. 

Seine Antworten seien keineswegs ausweichend oder widersprüchlich ge-

wesen. Der angebliche Widerspruch sei vielmehr der suggestiven Befra-

gungsart des SEM geschuldet. Weiter verkenne das SEM, dass es sich bei 

ihm um einen Angehörigen einer äusserst politischen Familie handle. Er 

habe im Zusammenhang mit seiner politischen Tätigkeit engen Kontakt zu 

Geschäftsleuten gehabt und sei als Vermittler auch in Konfliktsituationen 

ins Spiel gekommen. Dabei sei er regelmässig auch an Informationen ge-

langt, die für die türkischen Behörden durchaus interessant sein könnten. 

In einer Gesamtbetrachtung überwiegten daher die Aspekte, die für die 

Glaubhaftigkeit seiner Aussagen sprächen. 

Aufgrund des Vorfalles vom (…) 2023 – wobei er an Leib und Leben be-

droht worden sei, was zweifelsohne als ernsthafter Nachteil zu qualifizieren 

sei – sei vorliegend von einer asylrelevanten Verfolgung auszugehen. 

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Seite 10 

Damit gelte auch die Regelvermutung, wonach eine Furcht vor zukünftiger 

Verfolgung bestehe. Auch der zeitliche und sachliche Kausalzusammen-

hang mit der Ausreise sei gegeben. Er sei deshalb als Flüchtling anzuer-

kennen und ihm sei Asyl zu gewähren.  

4.2.1 Das Kassationsbegehren begründete der Beschwerdeführer damit, 

dass das SEM es unterlassen habe, den Vorfall vom (…) 2023 auf seine 

Asylrelevanz hin zu prüfen. Mit diesem Vorgehen beziehungsweise der 

pauschalen Beurteilung des Vorfalls als unglaubhaft habe das SEM seine 

Begründungspflicht verletzt.  

5.  

5.1 Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum 

Schluss, dass die angefochtene Verfügung zu stützen ist. Die Vorinstanz 

ist darin mit überzeugender sowie ausführlich auf die Akten und die Recht-

sprechung abgestützter Begründung zum Schluss gelangt, dass die Vor-

bringen des Beschwerdeführers weder den Anforderungen an das Glaub-

haftmachen im Sinne von Art. 7 AsylG noch denjenigen von Art. 3 AsylG an 

die Flüchtlingseigenschaft zu genügen vermochten. Mit seiner Beschwerde 

vermag der Beschwerdeführer den vorinstanzlichen Argumenten nichts 

Stichhaltiges entgegenzuhalten. Zur Vermeidung von Wiederholungen 

kann daher mit den nachfolgenden Erwägungen auf die zutreffenden Aus-

führungen der Vorinstanz verwiesen werden. 

5.2 Eingangs ist festzustellen, dass sich das Gericht den vorinstanzlichen 

Ausführungen zur fehlenden Asylrelevanz der vom Beschwerdeführer vor-

gebrachten Behelligungen Zuhause und am Arbeitsplatz anschliesst. Die-

ser Ansicht wird in der Beschwerde nicht widersprochen, so dass sich wei-

tere Ausführungen hierzu erübrigen und auf die zutreffenden Erwägungen 

in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann (vgl. a.a.O. S. 8-

11). Dasselbe gilt hinsichtlich der Verurteilung des damals noch minderjäh-

rigen Beschwerdeführers im Jahr (…) (vgl. a.a.O. S. 7 f.).  

5.3 Zentral ist daher vorliegend die Frage nach der Glaubhaftigkeit des an-

geblichen Vorfalls vom (…) 2023, zumal dieser allenfalls geeignet sein 

könnte, die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu begründen.  

5.3.1 Diesbezüglich gelingt es dem Beschwerdeführer auf Beschwerde-

ebene nicht, die von der Vorinstanz erkannten Widersprüche und Unstim-

migkeiten zu entkräften. Der mit der Stellungnahme zum Entscheidentwurf 

eingereichte Google-Maps-Ausdruck, auf welchen sich der 

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Seite 11 

Beschwerdeführer beruft, ist hierzu nicht geeignet. Zwar ist auf diesem Kar-

tenausdruck sowie auf Google-Street-View ersichtlich, dass das Unige-

lände teilweise von Bäumen und kleineren Parks umgeben ist, aber ein 

Waldgebiet, wo sich «normale Menschen» nicht hinbegeben würden (vgl. 

act. 17 F34), lässt sich nicht erkennen. Wie die Vorinstanz weiter zu Recht 

anführte, ist in keiner Weise nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdefüh-

rer einen Kartenausschnitt des Unigeländes eingereicht hat, ohne dabei 

jedoch den genauen Ort überhaupt zu bezeichnen. Umso verwunderlicher 

ist es, dass auch in der Beschwerde eine genaue Bezeichnung dieses Orts 

sowie eine Auseinandersetzung mit den vorinstanzlichen Argumenten un-

terblieb und stattdessen lediglich nochmals auf den eingereichten Karten-

ausschnitt verwiesen wurde. Auch die Beschwerdeausführungen hinsicht-

lich der Frage, ob es sich bei den Polizisten am (…) 2023 um dieselben 

Polizisten wie bei den vorherigen Behelligungen gehandelt habe, überzeu-

gen nicht vollumfänglich. Der Beschwerdeführer bezog sich in seiner Er-

klärung auf seine Antwort auf die Frage 31, welche er falsch verstanden 

habe. Dabei lässt er jedoch seine Antwort auf die Frage 29 aussen vor, in 

welcher er klargestellt hatte, dass es sich bei den Polizisten vom (…) 2023 

um andere Polizisten gehandelt habe (vgl. act. 17 F29). Eine ausschlagge-

bende Bedeutung kommt diesem Widerspruch allerdings nicht zu. Eine 

suggestive Fragestellung durch das SEM ist ebenfalls nicht erkennbar. 

5.3.2 Darüber hinaus enthielten seine Schilderungen zwar einzelne Details 

und Realkennzeichen (vgl. Beschwerde S. 6 f.), gingen aber in ihrer Qua-

lität insgesamt nicht über die reine Beschreibung einer Abfolge von Hand-

lungen hinaus. Insbesondere das zentrale Verfolgungsvorbringen – die 

rund 40 Minuten dauernde Entführung und Misshandlung durch Polizisten 

– sticht durch einen Mangel an zu erwartenden Schilderungen von Emoti-

onen, Gedanken oder Sinneseindrücken hervor. Abgesehen davon, dass 

man ihn bedroht und geschlagen sowie als Spitzel habe gewinnen wollen, 

konnte der Beschwerdeführer nichts weiter berichten (vgl. act. 14 F60: 

«Diese Situation dauerte 30 bis 40 Minuten. Sie haben diese Sachen im-

mer wieder wiederholt»). Auch die Schilderung der Abholung durch den 

Vater fiel substanzarm und eindimensional aus (vgl. act. 17 F34). Die Zeit 

bis zur Ausreise, welche er im Versteck bei verschiedenen Verwandten und 

in Istanbul verbracht habe, vermochte er ebenso wenig anschaulich und 

nachvollziehbar darzulegen, obschon ihn das SEM mehrmals explizit auf-

gefordert hat, ganz ausführlich zu erzählen und kein Detail auszulassen 

(vgl. act. 17 F15, F35 ff.).  

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Seite 12 

5.3.3 Gesamthaft betrachtet vermögen die vereinzelt vorhandenen Real-

kennzeichen die Aspekte, welche gegen die Glaubhaftigkeit des Vorfalles 

vom (…) 2023 sprechen, nicht aufzuwiegen. Auch ist nicht ersichtlich, dass 

allfällige psychische Probleme den Beschwerdeführer an einer glaubhaften 

Schilderung der Vorfälle gehindert hätten. Im Übrigen kann auf die zutref-

fenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. a.a.O. S. 4-6), 

denen sich das Gericht anschliesst. 

5.4 Nach dem Ausgeführten ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, 

eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung in der Türkei glaubhaft dar-

zutun. Das SEM hat daher zu Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint 

und das Asylgesuch abgelehnt. 

5.5 Hinsichtlich des eventualiter gestellten Kassationsbegehrens ist ergän-

zend anzufügen, dass die Vorinstanz den – wie vorstehend dargelegt zu 

Recht – für unglaubhaft befundenen Vorfall vom (…) 2023 folgerichtig nicht 

auf seine Asylrelevanz hin prüfte. Angesichts der ausführlichen Begrün-

dung in der angefochtenen Verfügung kann auch nicht von einer «pauscha-

len Beurteilung» respektive einer Verletzung der sich aus dem rechtlichen 

Gehör ergebenden Begründungspflicht durch die Vorinstanz gesprochen 

werden. Eine Rückweisung der Sache an das SEM zur Neubeurteilung ist 

daher nicht angezeigt.  

6.  

6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

6.2 Das SEM befand den Vollzug der Wegweisung in der angefochtenen 

Verfügung mit zutreffenden Argumenten für zulässig, zumutbar und mög-

lich (vgl. a.a.O. Ziff. III). Der Beschwerdeführer hielt dem in seiner Be-

schwerde nichts entgegen und unterzog sich damit stillschweigend der 

Würdigung des SEM. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann in dieser 

Hinsicht daher vollumfänglich auf die Erwägungen des SEM verwiesen 

werden, denen sich das Gericht anschliesst.  

6.3 Der Vollzug der Wegweisung ist somit als zulässig, zumutbar und mög-

lich zu bezeichnen. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt ausser 

Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

E-5194/2023 

Seite 13 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

8.  

Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wären die Kosten dem mit 

seinen Begehren unterlegenen Beschwerdeführer zu überbinden. (Art. 63 

Abs. 1 und 5 VwVG). Da jedoch aufgrund der Akten von seiner Bedürftig-

keit auszugehen ist und sich die Beschwerde zum Zeitpunkt der Einrei-

chung nicht als aussichtslos präsentierte, ist das Gesuch um Gewährung 

der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzu-

heissen und auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-5194/2023 

Seite 14 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Lorenz Noli Kevin Schori 

 

 

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