# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 66677f67-5031-5562-aae6-ff8a3b21e9e2
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-04-05
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Strafrecht 05.04.2022 460 20 260 (460 2020 260)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_004_460-20-260_2022-04-05.pdf

## Full Text

Seite 1  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 
 
 
Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 
5. April 2022 (460 20 260)  
____________________________________________________________________ 
 
 
Strafrecht 
 
 
Fahrlässige Körperverletzung etc. 
 
 
 
Besetzung Präsident Enrico Rosa, Richterin Susanne Afheldt (Ref.),  

Richter Stephan Gass; Gerichtsschreiber Bryan Smith 
 

Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft,  
Hauptabteilung Allgemeine Delikte,   
Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz,  
Anklagebehörde 
 
A.____,  
vertreten durch Rechtsanwalt Jan Herrmann,  
Lange Gasse 90, 4052 Basel,  
Privatkläger 

  
gegen 
 

 B.____,  
vertreten durch Advokat Alexander Sami,  
Borer Bertossa Sami Advokaten,  
Blumenrain 20, Postfach 1228, 4001 Basel,  
Beschuldigter und Berufungskläger 
 

Gegenstand Fahrlässige einfache Körperverletzung etc. 
Berufung gegen das Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-
Landschaft vom 8. September 2020 
 

  

 
 
 

 
 
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(…) 
 
M. Zur Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht vom 5. April 2022 erscheinen der Beru-
fungskläger und sein Verteidiger, Advokat Alexander Sami, der Privatkläger und sein Vertreter, 
Rechtsanwalt Jan Hermann, sowie Pascal Pilet als Vertreter der Anklage. Vor den Schranken 
des Kantonsgerichts werden der Berufungskläger, der Privatkläger sowie die Auskunftsperso-
nen D.____ und G.____ befragt. In ihren Parteivorträgen halten der Berufungskläger und der 
Privatkläger an den bislang gestellten Rechtsbegehren fest. Die Staatsanwaltschaft beantragt 
ihrerseits die Gutheissung der Berufung und einen vollumfänglichen Freispruch. Das Dispositiv 
des vorliegenden Urteils des Kantonsgerichts wird den Parteien mit ihrer Zustimmung im An-
schluss an die Urteilberatung schriftlich eröffnet.  
 
Erwägungen 
I. Formelles 

(…) 
 
II. Materielles 

1. Allgemeines 

(…) 
 

2. Ausgangslage und Standpunkte der Parteien 

(…) 

 

3. Sachverhalt und Beweiswürdigung 

3.1. Beweisanträge des Beschuldigten  

3.1.1. Das Rechtsmittelverfahren beruht auf den Beweisen, die im Vorverfahren und im erst-
instanzlichen Hauptverfahren erhoben worden sind (Art. 389 Abs. 1 StPO). Somit dient das Be-
rufungsverfahren vor dem Kantonsgericht grundsätzlich nicht der Wiederholung des Beweisver-
fahrens, mithin erhebt die Berufungsinstanz zusätzliche Beweise nur mit Zurückhaltung (LIEBER, 
Zürcher Kommentar StPO, 3. A. 2020, Art. 389 N 1). Beweisabnahmen des erstinstanzlichen 
Gerichts werden gemäss Art. 389 Abs. 2 StPO nur wiederholt, wenn Beweisvorschiften verletzt 
worden sind (lit. a), die Beweiserhebungen unvollständig waren (lit. b) oder die Akten über die 
Beweiserhebungen unzuverlässig erscheinen (lit. c). Die Rechtsmittelinstanz erhebt von Amtes 
wegen oder auf Antrag einer Partei bloss die "erforderlichen" zusätzlichen Beweise (Art. 389 
Abs. 3 StPO). Die Parteien besitzen daher keinen uneingeschränkten Anspruch auf Gutheis-
sung ihrer Beweisbegehren. Gemäss Art. 6 EMRK besteht nur ein Recht auf Berücksichtigung 
solcher Beweise, welche nach dem pflichtgemässen richterlichen Ermessen entscheidungser-
heblich bzw. für die Wahrheitsfindung beachtlich sein könnten. Dementsprechend können ge-
mäss Art. 139 Abs. 2 StPO Beweisanträge abgelehnt werden, wenn damit die Beweiserhebung 
über Tatsachen verlangt wird, die unerheblich, offenkundig, der Strafbehörde bekannt oder be-

 
 
 

 
 
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reits rechtsgenügend erwiesen sind. Auf eine bereits beschlossene Beweisabnahme kann das 
Gericht schliesslich verzichten, wenn sich während der Hauptverhandlung ergibt, dass diese 
nicht mehr erforderlich ist, beispielsweise weil eine Tatsache inzwischen zweifelsfrei geklärt 
wurde (HAURI/VENETZ, Basler Kommentar StPO, 2. A. 2014, Art. 343 N 33 ff.).  
 
3.1.2. Im Strafverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz. Nur wenn das Gericht seiner 
Amtsermittlungspflicht genügt, darf es einen Sachverhalt als erwiesen oder nicht erwiesen an-
sehen und in freier Beweiswürdigung darauf eine Rechtsentscheidung gründen. Gemäss stän-
diger Rechtsprechung können die Strafbehörden ohne Verletzung des rechtlichen Gehörs und 
des Untersuchungsgrundsatzes auf die Abnahme weiterer Beweise verzichten, wenn sie in 
Würdigung der bereits abgenommenen Beweise zur Überzeugung gelangen, der rechtlich er-
hebliche Sachverhalt sei genügend abgeklärt, und sie überdies in antizipierter Würdigung zum 
Schluss kommen, ein an sich taugliches Beweismittel vermöge ihre aufgrund der bereits abge-
nommenen Beweismittel gewonnene Überzeugung von der Wahrheit oder Unwahrheit einer 
strittigen Tatsache nicht zu ändern. Zu diesem Zweck muss die Behörde das vorläufige Be-
weisergebnis hypothetisch um die Fakten des Beweisantrages ergänzen und unter diesem Ge-
sichtspunkt würdigen. Lehnt sie einen Beweisantrag ab, hat sie nicht nur darzulegen, weshalb 
sie aufgrund der bereits abgenommenen Beweise eine bestimmte Überzeugung gewonnen hat, 
sondern auch, weshalb die beantragte Beweismassnahme aus ihrer Sicht nichts an ihrer Über-
zeugung zu ändern vermag (BGer Urteil 6B_574/ 2021 vom 22. November 2021, E. 1.2; 
m.w.H.).  
 
3.1.3. Zur Begründung seiner Beweisanträge bringt der Berufungskläger mit Berufungserklä-
rung vom 24. November 2021 vor, dass das physikalische Gutachten vom 20. Juli 2017 
(act. 395 ff.) nicht auf die tatsächlichen Masse des Privatklägers abgestellt habe, womit es un-
vollständig sei und nicht als Beweismittel tauge. Es sei daher ein Obergutachten durch eine 
qualifizierte und unabhängige Fachstelle zu erstatten, welches auf den konkreten Daten des 
Sachverhalts basiere. Weiter seien sämtliche Belastungszeugen mit dem Berufungskläger zu 
konfrontieren, soweit auf deren Aussagen zu Lasten des Berufungsklägers abgestellt werden 
sollte. In Bezug auf den Unfallhergang könnten die aktuellen Suva-Akten weitere Aufschlüsse 
geben, weshalb diese beizuziehen seien.  
 
3.1.4. Mit prozessleitender Verfügung vom 18. August 2021 wurde der Beweisantrag des 
Berufungsklägers, es sei ein unabhängiges physikalisches Obergutachten zur konkreten Mög-
lichkeit eines Sturzes des Privatklägers in Auftrag zu geben, unter Vorbehalt eines anderslau-
tenden Entscheides des Berufungsgerichts anlässlich der Urteilsberatung abgewiesen. Der Be-
rufungskläger hält vor den Schranken des Kantonsgerichts an diesem Rechtsbegehren fest. 
Das Kantonsgericht weist den Antrag erneut ab, wobei zunächst auf die Begründung der vorge-
nannten Verfügung verwiesen werden kann. Für eine strafrechtliche Verantwortlichkeit des Be-
rufungsklägers ist nicht ausschlaggebend, ob es konkret möglich war, dass der Privatkläger 
durch das Loch in der Deckenschalung hindurchfällt, zumal auch ein Fehltritt in eine ungesi-
cherte Bodenöffnung zur Gefährdung und Verletzung von Personen führen kann, ohne dass 
zwingend einen Sturz in das untere Stockwerk vorausgesetzt wäre. In rechtlicher Hinsicht setzt 

 
 
 

 
 
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die Strafbarkeit sodann voraus, dass dem Berufungskläger bezüglich der Verhinderung ent-
sprechender Gefährdungen oder Verletzungen die Missachtung einer Sorgfaltspflicht vorgewor-
fen werden kann. Soweit dies zu verneinen ist, erscheinen weitere Sachverhaltsabklärungen in 
Bezug auf den konkreten Unfallhergang entbehrlich, zumal sie am gerichtlichen Urteil nichts zu 
ändern vermögen.  
 
3.2. Allgemeine Erwägungen zur Beweiswürdigung 

(…) 

 

3.3. Aussagen der Beteiligten 

3.3.1. Weil keine objektiven Beweismittel für den Unfallhergang, die getroffenen Absprachen 
sowie konkrete Weisungen oder Warnungen vorliegen, ist der angeklagte Sachverhalt vorlie-
gend gestützt auf die Aussagen der beteiligten Personen zu beurteilen. Wenn sich die Beweis-
würdigung wesentlich auf die Depositionen der zum Tatzeitpunkt anwesenden Personen stüt-
zen muss, gebieten die strafprozessualen Regeln zur Beweiserhebung (Art. 6 StPO) und Be-
weiswürdigung (Art. 10 StPO), dass diese Aussagen zwecks Bewertung ihrer Glaubhaftigkeit 
(Realkennzeichen, inhaltliche Konsistenz) möglichst in gleicher Anzahl und mit vergleichbaren 
zeitlichen Abständen entgegen zu nehmen sind, soweit dem keine prozessualen Rechte der 
Opfer entgegenstehen (Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, 
vom 16. März 2021 [460 2020 92], publizierte Regeste und E. 3.2.1). Indem die Vorinstanz an-
lässlich ihrer Verhandlung vom 8. September 2020 einzig den Berufungskläger erneut zur Sa-
che befragte (vgl. act. S 107 ff.), hat sie diesem Umstand nur unzureichend Rechnung getra-
gen. Vor den Schranken des Kantonsgerichts wurden daher nebst dem Berufungskläger auch 
der Privatkläger sowie die Auskunftspersonen D.____ und G.____ befragt.  
 
3.3.2. Der Berufungskläger wurde zunächst am 12. Februar 2016 als Auskunftsperson poli-
zeilich einvernommen (act. 481 ff.). Dort sagte er zusammengefasst aus, dass die Schalung 
zum Zeitpunkt des Unfalls Löcher aufgewiesen habe, weil sie noch in Ausführung gewesen sei. 
Sie hätte im betreffenden Bereich noch "aufgedoppelt" werden müssen. Die Schalungsfirma sei 
die "X.____", welche im Auftrag der Firma "Y.____" nach den Schalungsplänen arbeite. Ge-
mäss diesen Plänen sei kein entsprechendes Loch in der Schalung vorgesehen. Der Beru-
fungskläger sei rund 5 Minuten vor dem Unfall noch selber auf dem 11. Stock gewesen. Er ha-
be die Arbeiter sowohl heute als auch gestern darauf hingewiesen, dass sie Raum für Raum 
fertig zu stellen hätten. Am Vortag sei der Vorarbeiter der Firma "Z.____" auf der Baustelle ge-
wesen und habe alles begutachtet.  
 
Anlässlich seiner Einvernahme als beschuldigte Person durch die Staatsanwaltschaft vom 
18. Oktober 2017 (act. 493 ff.) führte der Berufungskläger im Wesentlichen aus, dass die Decke 
sich am Tag des Unfalls in Ausführung befunden habe. Er habe lediglich einen Teil der Decke 
auf der linken Flanke im Bereich von zwei Wohnungen freigegeben. Dort habe man das Mate-
rial für das Gerüst deponieren können und der Gerüstbauer habe "über Gerüst" aufstocken 

 
 
 

 
 
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können. Dies sei am Vormittag des Unfalltags mit D.____, dem Chefmonteur der Firma 
"Z.____" vor Ort auf dem 11. Stock besprochen worden. Das mit dem Chefmonteur besproche-
ne Vorgehen sei "das tägliche Brot" der Gerüstbauer gewesen. Die gesamte Decke werde erst 
freigegeben, wenn die "Aufdoppelungen der Balkone", das "Bewährungszubehör" und die 
"Stahlstützen" fertig gestellt seien. Der Berufungskläger erteile seine Anweisungen ausschliess-
lich den Chefmonteuren und den Vorarbeitern der Subunternehmer. Diese müssten dann "für 
ihre Leute schauen". Er sei kurz vor dem Unfall mit einem Mitarbeiter der Firma "Y.____" auf 
dem 11. Stock gewesen, um die Balkone auszumessen. Keiner der beiden Personen sei ein 
Loch auf der Deckenschalung aufgefallen. Zu diesem Zeitpunkt hätten die Gerüstbauer "über 
Gerüst" gearbeitet, so wie es sich gehöre. Man könne mit den Gerüstelementen auch nicht ein-
fach über die Deckenschalung laufen, weil sich dazwischen Eisen befinden würden. So lange 
die Decke in Ausführung sei, könne man nicht jede Öffnung in der Schalung absperren. Dies 
funktioniere in der Praxis nicht. Es habe sich hier nicht um eine betonierte Bodenöffnung im 
Inneren des Gebäudes gehandelt, welche dauerhaft bestehe. Es habe sich beim Zugang zur 
Deckenschalung auf dem 11. Stock kein Warnhinweis befunden, weil für alle Personen klar ge-
wesen sei, dass man nicht über diesen Bereich laufen dürfe. Der Gerüstbauer habe sich aus-
schliesslich beim "Sammelplatz" aufhalten dürfen. Die Weisungen seien für jeden Stock diesel-
ben gewesen. H.____ sei dabeigestanden, als der Berufungskläger D.____ entsprechend in-
struiert habe. Der Berufungskläger habe auch die Deckenschaler wiederholt angewiesen, dass 
sie bei der Schalung "Raum für Raum" fertig zu stellen hätten. Generell habe der Berufungsklä-
ger auf der Baustelle regelmässige Kontrollgänge gemacht und die Arbeiter darauf hingewie-
sen, wenn die Abläufe und das Verhalten nicht seinen Weisungen entsprochen hätten.  
 
An der Hauptverhandlung vor dem Strafgericht vom 8. September 2020 machte der Berufungs-
kläger im Rahmen seiner Befragung zur Sache (vgl. act. S 113 ff.) überdies geltend, dass die 
Abläufe stets dieselben gewesen seien und er diese mit D.____ besprochen habe. Am Tag des 
Unfalls sei eine neue Gruppe gekommen, worüber der Berufungskläger nicht informiert worden 
sei. Er habe folglich gar keine Chance gehabt, diese Personen zu instruieren. Er selber habe 
während seinen Arbeiten auf der Deckenschalung nie ein Loch festgestellt. Der nicht freigege-
bene Bereich sei mit den mündlichen Abmachungen sowie den Armierungseisen, welche 1 Me-
ter über den Boden hinausragen würden, hinreichend abgesperrt gewesen. Es sei ausschliess-
lich derjenige Teil des 11. Stockes freigegeben worden, wo die Gerüstbauer ihr Material hätten 
abstellen dürfen. Von dort aus habe es dann auf das Gerüst gebracht werden können. Am Un-
falltag habe der Berufungskläger D.____ um etwa 7 Uhr die entsprechenden Anweisungen ge-
geben. Letzterer habe meistens auch aktiv mitgearbeitet. Niemand habe den Berufungskläger 
darauf hingewiesen, dass neue Leute kommen würden, welche noch instruiert werden müssten. 
Es habe eine Eingangskontrolle zur Baustelle gegeben und es sei nie jemand zum Berufungs-
kläger gekommen.  
 
Vor den Schranken des Kantonsgerichts bestätigte der Berufungskläger im Wesentlichen seine 
bislang getätigten Depositionen (vgl. Protokoll der Hauptverhandlung vom 5. April 2022 [nach-
folgend: Verhandlungsprotokoll], S. 4 ff., S. 25 f.). Er führte ergänzend aus, dass man auf der 
zweiten Fotografie von act. 383 die Armierungseisen am unteren Bildrand sehe. Vor diesen 

 
 
 

 
 
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Eisen befinde die noch nicht freigegebene Deckenschalung. Im Bereich dahinter, der auf dem 
Foto nicht abgebildet sei, hätten die Gerüstbauer ihr Material abstellen dürfen. Dies sei jene 
Fläche der Deckenschalung, welche der Berufungskläger im Rahmen seiner Instruktionen frei-
gegeben habe. Dort seien vom Kranführer mehrere Paletten mit Material abgestellt worden. Die 
Armierungseisen würden eine natürliche Abgrenzung bilden. Es handle sich hier um die An-
schlusseisen, welche über das gesamte Gebäude hinweg von der Bodenplatte bis zur Decke 
verbaut würden. Gemäss der fotografisch dokumentierten Situation (vgl. act. 383) sei für jeden 
Arbeiter ersichtlich, dass die Deckenschalung auf dem anderen Teil der Decke noch in Arbeit 
sei. Wenn man zwischen den Armierungseisen hindurchgehen wollte, müsse man diese mut-
willig spreizen und dann über das Mäuerchen steigen. Es sei auf der Baustelle nie die Usanz 
gewesen, dass die Gerüstbauer über die Deckenschalung laufen, um das Material zu verteilen. 
Vielmehr sei es üblich, dass "über Gerüst" aufgebaut werde. Der Handlanger hole das Material, 
laufe über das Gerüst und bringe dieses dem Monteur. Am Abend vor dem Unfalltag habe der 
Berufungskläger D.____ darüber instruiert, dass der betreffende Teil der Decke freigegeben ist. 
Auch der Kranführer habe gewusst, wo das Material abgestellt werden müsse, zumal das Vor-
gehen auf allen Stockwerken dasselbe gewesen sei. Es sei verboten gewesen, über die De-
ckenschalung zu laufen, so lange sie sich noch im Bau befunden habe. Jeder Arbeiter unter-
schreibe die SUVA-Sicherheitskarta mit den 8 lebenswichtigen Regeln. Demnach seien auch 
alle verpflichtet, sofort den Verantwortlichen eine Meldung zu erstatten, wenn etwas nicht stim-
me. "Z.____" mache entsprechende Sicherheitsschulungen und auch die Deckenschaler und ihr 
Vorarbeiter würden diese Regeln kennen.  
 
3.3.3. Anlässlich seiner Einvernahme als Auskunftsperson vor der Staatsanwaltschaft vom 
29. Juni 2016 (act. 411 ff.) sagte der Privatkläger im Wesentlichen aus, dass der Vorarbeiter am 
12. Februar 2016 die Arbeiten eingeteilt habe. Das Material für das Gerüst sei mit dem Kran 
nach oben gebracht und auf beide Seiten verteilt worden. Anschliessend habe es verteilt wer-
den müssen. Der Privatkläger habe schauen müssen, wo Material fehlt und die entsprechenden 
Bauteile beim Gerüst abgestellt. Auf dem Weg sei ein Loch gewesen und er sei dann "plötzlich 
in dieses Loch hineingestürzt". Er habe sich zunächst festhalten und den Sturz abbremsen 
können. Als seine Kräfte nachgelassen hätten, sei er 2.8 Meter auf den Betonboden hinunterge-
fallen. Sein Gruppenführer an diesem Morgen sei E.____ gewesen. Das Gerüst sei im Auftrag 
der Firma "Z.____" erstellt worden. Sie habe wiederum für die Arbeiten an diesem Stockwerk 
die "W.____" beigezogen, für welche der Privatkläger über eine Personalvermittlungsfirma tätig 
gewesen sei. Er habe schon an anderen Tagen auf dieser Baustelle gearbeitet, wobei er Netze 
montiert und Gerüste aufgebaut habe. Er habe am Unfalltag das Gerüst gemäss der Fotodo-
kumentation (act. 71, Bild 1 und 4) aufgebaut. Dieses würde zum Schutz der dort tätigen Arbei-
ter früher montiert als die "Schaltafeln". Der Gruppenführer der Schalungsarbeiter kommunizie-
re mit dem Gruppenführer der Gerüstbauer. Der Privatkläger selbst habe damit nichts zu tun. 
Der Privatkläger habe von der Suva gelernt, dass es keine ungesicherten Löcher geben dürfe. 
Es habe keine Warnungen gegeben, dass man die Deckenschalung im 11. Stock nicht betreten 
dürfe oder dass sich auf dieser Decke ein Loch befinde. Die Arbeiten seien jeweils so abgelau-
fen, dass zuerst die Gerüste montiert und anschliessend die Schalungen gemacht worden sei-
en. Der Privatkläger wisse nicht mehr genau, ob er am selben Gebäude bereits auf einer ande-

 
 
 

 
 
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ren Etage mitgearbeitet habe. Die Anweisungen zur Ausführung der einzelnen Arbeiten seien 
vom Polier oder der hauptverantwortlichen Person erfolgt. Das Gerüst sei immer zuerst an der 
einen und anschliessend an der anderen Seite des Stockes aufgebaut worden.  
 
Der Privatkläger wurde im Berufungsverfahren vor dem Kantongericht erneut als Auskunftsper-
son einvernommen (vgl. Verhandlungsprotokoll, S. 8 ff.). Anlässlich dieser Befragung bestritt er, 
dass sich das auf den Fotografien gemäss act. 383 ersichtliche Material zum Unfallzeitpunkt auf 
dem Dach befunden habe. Es sein vier Paletten mit Material für das Gerüst "in der Mitte" des 
Bereichs hinter den Armierungseisen (vgl. act. 383, unteres Bild) gestanden. Es sei seine Auf-
gabe gewesen, das Material zum Gerüst zu bringen. Dabei sei er über die Decke gelaufen. Es 
habe zwischen den Armierungseisen "einen Meter Platz" gehabt. Sie seien nicht durchgehend 
gewesen. Auf dem Dach seien einzig ein paar Schaltafeln gelegen. Die Dachschalung sei 
gemäss seiner Wahrnehmung bereits fertig gestellt gewesen, ansonsten hätte man auch die 
Paletten nicht dort abstellen dürfen. Mit Erteilung des Auftrags, das Gerüst zu erstellen, sei der 
Privatkläger davon ausgegangen, dass die Deckenschalung begehbar sei. Es habe auch kein 
Verbot gegeben, welches dies ausgeschlossen hätte. Der Privatkläger sei am Morgen auf die 
Baustelle gekommen und E.____ sei der Gruppenführer gewesen. Mit D.____ habe der Privat-
käger nie etwas zu tun gehabt. E.____ habe den Kranführer angewiesen, das Material beim 
Gerüst zu platzieren. Letzterer habe dann per Funk mit dem Polier [d.h. dem Beschwerdeführer] 
Kontakt aufgenommen. Die Arbeiten seien so abgelaufen, dass der Privatkläger für jeden Ge-
rüstabschnitt das Material geholt und rings um das Gebäude verteilt habe. Dabei sei er nicht 
über das Gerüst, sondern über die Deckenschalung gelaufen. Er habe das Loch nicht gesehen 
und könne sich auch nicht daran erinnern, dass es zwischen den Schaltafeln abstände gehabt 
habe, wie dies auf den Fotografien von act. 565 ersichtlich sei. Aus seiner Erfahrung müsse 
jeweils immer zuerst das Gerüst aufgestellt werden und anschliessend werde die Schalung ge-
macht. Der Ablauf habe sich "aus der Arbeit" ergeben und der Privatkläger habe keine beson-
deren Anweisungen von seinem Gruppenchef erhalten. Es habe ihm niemand gesagt, wie er 
bei der Arbeit vorgehen müsse. Soweit sich der Privatkläger erinnern könne, sei der Berufungs-
kläger am Morgen ebenfalls auf dem 11. Stock gewesen. Es seien auch Mitarbeiter der Scha-
lungsfirma dort gewesen. Mit ihnen habe der Privatkläger nur "wegen dem Material" geredet.  
 
3.3.4. D.____ wurde am 15. Mai 2018 von der Staatsanwaltschaft als Auskunftsperson be-
fragt (act. 423 ff.). Dort sagte er im Wesentlichen aus, dass er auf der betreffenden Baustelle in 
U.____ als Vorarbeiter gearbeitet habe. Die Gruppe, zu welcher der verunfallte Privatkläger 
gehört habe, sei auf dem Gebäude "D1" tätig gewesen. Gruppenführer sei E.____ gewesen. 
D.____ habe an diesem Tag mit seinen Leuten auf dem Gebäude "D2" gearbeitet. Seiner An-
sicht nach sei E.____ vorbereitet zur Arbeit gekommen, weil er "vom Chef" eine Skizze erhalten 
habe. Dieser "Chefbauführer" sei C.____. Er leite eine Abteilung von rund 10 Gruppen. D.____ 
habe diesen am Vortag angerufen und gesagt, dass er weitere Leute brauche. C.____ habe 
bestätigt, dass am nächsten Tag eine weitere Gruppe kommen werde. Dieser habe dann auch 
direkt mit E.____ kommuniziert, der wiederum vor Ort seine Leute instruiert habe. Der Privat-
kläger sei in der Gruppe als Hilfsmonteur tätig gewesen. Bevor die Schaler mit der Arbeit auf 
der Decke beginnen könnten, brauche es ein Geländer. Bei der Aufstockung würde der Monteur 

 
 
 

 
 
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im Gerüst laufen und zwei Personen würden ihm das Material bringen. Wenn ein Teil der De-
ckenschalung fertig gewesen sei, hätten sie mit dem Schaler und dem Polier geredet. Dann sei 
das Material deponiert worden und die Gerüstbauer hätten weiterarbeiten können. Im vorlie-
genden Fall sei fast der gesamte Stock abgedeckt gewesen. Bei fertiger Deckenschalung habe 
das Gerüst etwa um 3 Meter aufgestockt werden müssen. Im Gerüstbau würden verschiedene 
Kurse zur Sicherheit auf der Baustelle absolviert. Der Vorarbeiter müsse jeweils kontrollieren, 
ob alles in Ordnung sei. D.____ sei der Auffassung, dass der Privatkläger nur hätte über die 
Deckenschalung laufen dürfen, wenn er dies vorgängig mit seinem Vorarbeiter so abgespro-
chen hätte und der Platz abgesichert gewesen wäre. Dies werde jeweils in Rücksprache mit 
den Schalern entschieden. Der Vorarbeiter der Deckenschaler sei G.____ gewesen. Mit ihm 
habe man üblicherweise kommuniziert. Der Ablauf betreffend die Freigabe der Decken sei auf 
dieser Baustelle immer der gleiche gewesen. D.____ könne sich nicht erinnern, ob er noch am 
Unfalltag mit dem Berufungskläger persönlich geredet habe. Es könne sein, dass sie vorgängig 
besprochen hätten, dass das Material auf der linken Seite deponiert werden könne und die Ge-
rüstbauer dann "über Gerüst" aufstocken könnten. So lange der Berufungskläger gesagt habe, 
dass die Decke nicht bereit zum Arbeiten ist, hätten die anderen Gruppen unten bleiben müs-
sen. In der Praxis hätten die Gerüstbauer die Schaler jeweils direkt gefragt, wo sie darüber lau-
fen dürften. Wenn diese nicht bestätigt hätten, dass die Decke sicher sei, habe sie nicht betre-
ten werden dürfen. Diese Kommunikation mit den Schalern sei die Aufgabe des "Chefmon-
teurs". Normalerweise hätten die Schaler die Decke erst freigegeben, wenn sie mit ihren Arbei-
ten ganz fertig gewesen seien. Es sei aber auch vorgekommen, dass ein Teil der Fläche habe 
betreten werden dürfen. Aus der Fotodokumentation sei ersichtlich, dass die Arbeiten an der 
Deckenschalung noch nicht abgeschlossen seien.    
 
Vor den Schranken des Kantonsgerichts wurde D.____ als Auskunftsperson ein zweites Mal 
befragt (vgl. Verhandlungsprotokoll, S. 15 ff.). Dort gab er ergänzend zu den vorstehenden 
Aussagen zu Protokoll, dass der Erste Schritt bei der Erstellung des Gerüsts die Sicherung des 
Arbeitsplatzes sei. Folglich hätte das auf den Fotos (act. 383) ersichtliche Loch zugenagelt wer-
den müssen, was D.____ als Vorarbeiter selber veranlasst hätte. Anschliessend werde das Ma-
terial dem Monteur gebracht, wobei dies üblicherweise über das Gerüst selbst erfolge. Bei der 
betreffenden Baustelle in U.____ sei in "Tagesschritten" gebaut worden und der Ablauf sei im-
mer derselbe gewesen. Es sei immer mit dem Polier abgemacht worden, wo das Material für 
das Gerüst abgestellt werden dürfe. Ob D.____ am Vorabend des Unfalls diesbezüglich mit 
dem Berufungskläger gesprochen und ob dieser konkrete Weisungen erteilt habe, könne er 
nicht mehr bestätigen. Es treffe aber zu, dass ein Teil der Decke noch nicht fertig gewesen sei. 
Es sei die Regel gewesen, dass das Material für den Gerüstbau entweder über den freigegebe-
nen Teil der Decke oder über das Gerüst verteilt worden sei. D.____ habe am Unfalltag mit 
E.____ vor Ort geschaut, dass dieser mit der Arbeit beginnen könne. Inwiefern letzterer über 
die Weisungen des Berufungsklägers informiert worden sei, wisse D.____ nicht. Er selbst hätte 
als Vorarbeiter in der konkreten Situation seinen Leuten die Weisung erteilt, dass sie nicht über 
die Decke laufen dürfen. Sie hätten über das Gerüst laufen müssen. Es sei die Routine gewe-
sen, dass die Gerüstbauer mit der Arbeit beginnen, wenn ein Teil der Deckenschalung fertig ist. 
Um sicherzustellen, welcher Teil der Decke begehbar sei, habe man direkt mit den Schalern 

 
 
 

 
 
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kommuniziert und deswegen nicht alle 10 Minuten den Polier angerufen. Zum Zeitpunkt als sich 
D.____ zuletzt zusammen mit E.____ auf dem 11. Stock des betreffenden Gebäudes aufgehal-
ten habe, sei noch eine Bandsäge auf der Decke gestanden. Die Schalung habe sich daher 
noch in Arbeit befunden, was ein erfahrener Gerüstbauer habe erkennen können. Welcher Teil 
der Decke zunächst freigegeben war, habe sich auch aus dem bisherigen Arbeitsablauf erge-
ben. Der nicht freigegebene Teil sei vorliegend mit den Armierungseisen hinreichend klar abge-
grenzt gewesen. Es habe eine Zeit lang eine Zutrittskontrolle gegeben und es sei nicht möglich 
gewesen, dass eine beliebige Person ohne Gruppenführer auf die Baustelle gelange. Es habe 
sich aus der Routine und der Organisation ergeben, dass das Gerüst in drei Schritten aufgebaut 
worden sei. Das Vorgehen sei bei allen vorangehenden 10 Decken das gleiche gewesen.  
 
3.3.5. G.____ wurde am 12. Februar 2016 von der Polizei als Auskunftsperson befragt 
(act. 527 ff.). Dort gab er zusammengefasst zu Protokoll, er sei am Tag des Unfalls nicht auf 
dem Baugelände gewesen. Grundsätzlich hätten keine Firmen Zugang zum 11. Stock gehabt, 
so lange die Schalung noch nicht abgeschlossen sei. Die Freigabe erfolge nicht explizit, die 
Übergänge seien "fliessend". Zum Zeitpunkt des Unfalls seien noch Arbeiten an der Decken-
schalung erfolgt. Die Mitarbeiter seien dabei gewesen, die noch vorhandenen Öffnungen zu 
schliessen.  
 
Die Staatsanwaltschaft befragte G.____ am 14. November 2017 als beschuldigte Person 
(act. 537 ff.). Anlässlich dieser Einvernahme führte er im Wesentlichen aus, dass die Baustelle 
von niemandem betreten werden dürfe, so lange die Schalungen gemacht würden. Auf der 
Baustelle seien zwei Poliere zuständig gewesen. Diese hätten den Schalern immer gesagt, was 
sie machen müssten. Laut Ansicht von G.____ hätte zum Zeitpunkt des Unfalls auf der betref-
fenden Deckenschalung "niemand etwas zu suchen" gehabt. Bei der Erstellung der Schalung 
würden zunächst die Schaltafeln nebeneinandergelegt. Wenn es nicht aufgehe, würden die 
Bretter zugeschnitten, um die Löcher zu verdecken. Dies sei "je nach Plan" notwendig gewe-
sen. In Bezug auf die fotografisch festgehaltene Situation am Unfalltag sagte G.____ aus, dass 
die Decke vermutlich noch nicht fertig gewesen sei, weil dort noch Material liege. So lange die 
Schalung noch im Bau gewesen sei, sei es die Aufgabe der Schaler gewesen, die Löcher zu 
schliessen. Wenn die Öffnungen nach fertiggestellter Decke weiterbestanden hätten, sei die 
"Y.____" dafür verantwortlich gewesen, die Löcher abzudecken. Es sei bei der Erstellung der 
Deckenschalung üblich, dass zwischen den Schaltafeln provisorisch Abstände entstehen wür-
den. Sofern sich an der Unfallstelle ein Loch befunden habe, seien die Schaler noch dabei ge-
wesen, die Decke fertig zu stellen und auch die entsprechende Öffnung zu schliessen. Der Po-
lier habe jeweils festgestellt, wenn eine Deckenschalung fertig war, und anschliessend habe er 
Weisungen an die anderen Gruppen erteilt. Die Schaler hätten ihrerseits dem Berufungskläger 
mitgeteilt, wenn sie mit ihrer Aufgabe fertig gewesen seien. So lange die Decke vom Polier nicht 
freigegeben worden sei, sei sie noch in Arbeit gewesen. Aus der Fotodokumentation sehe man, 
dass sich noch Material der Schaler auf der Decke befunden habe. Wenn die Schalung voll-
ständig fertig gewesen sei, hätten sie alles wegräumen müssen, bevor die anderen Arbeiter 
gekommen seien.  
 

 
 
 

 
 
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Anlässlich seiner Befragung als Auskunftsperson vor dem Kantonsgericht (vgl. Verhandlungs-
protokoll, S. 21 ff.) führte G.____ in Ergänzung zu seinen bisherigen Depositionen aus, dass die 
Arbeitsabläufe auf beiden Gebäuden der betreffenden Baustelle immer die gleichen gewesen 
seien. Die Gerüstbauer hätten ihr Material in der Nähe des Gerüsts abgestellt. In diesem Be-
reich hätten sie auch über die Decke laufen dürfen. Auf der Fotografie (act. 383) sei ersichtlich, 
dass die Decke noch nicht fertig gestellt sei. Es fehle noch die "Abschalung". Wo die Gerüst-
bauer konkret durchgelaufen seien und weshalb sie zu diesem Zeitpunkt bereits das Gerüst 
erstellt hätten, könne G.____ nicht sagen. Der übliche Arbeitsablauf der Schaler sei so gewe-
sen, dass von beiden Seiten der Wand her die Schaltafeln längs verlegt worden seien. Weil es 
aufgrund der Masse der Bretter in der Mitte nicht aufgegangen sei, sei dort eine Lücke entstan-
den, welche mittels individuell zugeschnittener Bretter habe geschlossen werden müssen. Es 
sei für G.____ nicht vorstellbar, wie die Schaler ihre Arbeiten hätten ausführen können, wenn 
sie diese Lücken jeweils separat hätten absperren müssen.   
 
3.3.6. Am 19. Juni 2018 befragte die Staatsanwaltschaft E.____ als Auskunftsperson 
(act. 459 ff.). Anlässlich dieser Einvernahme sagte er zusammengefasst aus, er sei am Tag des 
Unfalls als Vorarbeiter der Gruppe tätig gewesen, welcher auch der Privatkläger angehört habe. 
Er sei damals über das Temporärbüro "V.____" für die Firma "Z.____" tätig gewesen. Die An-
sprechperson der "Z.____" habe C.____ geheissen. E.____ habe den Privatkläger instruiert. Es 
sei in erster Linie dessen Aufgabe gewesen, das Material zu bringen. D.____ sei auf der Bau-
stelle direkt für die "Z.____" tätig gewesen. Dieser sei als Chefmonteur für alles auf dieser Bau-
stelle verantwortlich gewesen und habe die Aufträge an die Gruppen erteilt. Nach Ansicht von 
E.____ habe man als Gerüstbauer "normalerweise" über die Deckenschalung laufen dürfen und 
es habe nie jemand gesagt, dass dies nicht erlaubt sei. Es habe ihm auch niemand mitgeteilt, 
ob die Decke fertig sei oder nicht. Sie hätten einzig den Auftrag gehabt, das Gerüst so schnell 
wie möglich aufzustocken. Während den Arbeiten habe E.____ keinen Kontakt mit den De-
ckenschalern gehabt. Vor dem Unfall habe er auch mit dem Berufungskläger nicht über die 
Freigabe der Decken gesprochen. E.____ habe das Loch in der Deckenschalung selber nicht 
gesehen, weil er auf dem Gerüst gearbeitet habe. Andernfalls hätte er veranlasst, dass es mit 
Schaltafeln zugemacht werde.  
 
3.3.7. Am 9. Oktober 2019 wurde H.____ durch die Staatsanwaltschaft als Zeuge einver-
nommen (act. 891 ff.). Anlässlich seiner Befragung gab er im Wesentlichen zu Protokoll, dass 
der Berufungskläger am Donnerstagnachmittag vor dem Unfall mit einem Gruppenleiter der 
Firma "Z.____" ein Gespräch wegen der Gerüstaufstockung geführt habe. Dabei hätten sie be-
sprochen, dass das Material auf dem fertigen Teil des Stockwerks deponiert werden könne. Es 
seien zum Unfallzeitpunkt noch Schalungsarbeiten gemacht worden, die noch nicht fertig gewe-
sen seien. Ob konkrete Hinweisschilder oder Absperrungen angebracht worden seien, wisse 
H.____ nicht. Die Arbeiter hätten jedoch "mündlich" gewusst, dass sie sich nicht auf jene Seite 
des 11. Stockes hätten begeben dürfen, wo der Privatkläger abgestürzt sei. Der Ablauf in Be-
zug auf die Erstellung der Gerüste sei auf allen Stockwerken der gleiche gewesen. Die fragliche 
Decke sei zum Unfallzeitpunkt nicht freigegeben gewesen. Man sehe auf der Fotodokumentati-
on, dass das gesamte Material des Deckenschalers noch dort liege. Dies sei ein eindeutiges 

 
 
 

 
 
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Zeichen dafür, dass die Schalung noch nicht fertig gestellt sei. Erst wenn der Schaler das Mate-
rial weggeräumt habe, werde die Decke für weitere Arbeiten freigegeben. Hierfür sei letztlich 
der Polier zuständig. Es sei vor dem Unfall nie die Rede davon gewesen, dass man auf der be-
treffenden Seite hätte arbeiten können. H.____ sei dabeigestanden, als der Berufungskläger 
vor dem Unfall mit einem Gruppenführer der Gerüstbauer gesprochen habe. Dabei habe es sich 
möglicherweise um eine Person namens "G.____" gehandelt. Bei diesem Gespräch sei es um 
die Gerüstaufstockung und den Arbeitsablauf gegangen. Die Personen, welche auf dem 
11. Stock ihre Arbeiten verrichtet hätten, seien nach Ansicht von H.____ darüber instruiert ge-
wesen, wo sie sich aufhalten dürften. Bezüglich des Gerüstbaus sei klar gesagt worden, dass 
die fertige Seite der Decke betreten werden dürfe und die Arbeiten "über Gerüst" zu erfolgen 
hätten. Die Arbeiter auf der Baustelle hätten ein Dokument unterschreiben müssen, wonach die 
Suva-Regeln einzuhalten sind. Es sei eine Wand quer durch das Gebäude gegangen. Die "An-
schlussbewährung" dieser Wand sei rund 1 Meter hoch gewesen. Anhand dieser visuellen 
Grenze sei bestimmt worden, wo man sich auf der Decke aufhalten dürfe. Dies habe der Polier 
den Gruppenführern so mitgeteilt und diese hätten es an ihre Arbeiter weitergeleitet. Somit ha-
be auch das Verbot bestanden, wonach ein Teil der Decke nicht betreten werden dürfe.   
 
3.4 Beweisergebnis 

3.4.1. Gestützt auf die vorstehend zusammengefassten Depositionen sowie die Akten ist für 
das Kantonsgericht erstellt, dass der Privatkläger am 12. Februar 2016, ca. 11 Uhr, bei der Aus-
führung von Hilfsarbeiten im Zusammenhang mit der Erstellung eines Gerüstes auf dem 
11. Stock einer sich im Bau befindlichen Liegenschaft am T.____weg 137, U.____, in ein Loch 
in der Deckenschalung (vgl. act. 383, 565) hineingetreten ist. Gemäss der Darstellung des Pri-
vatklägers ist dieser in der Folge auf den Boden des darunterliegenden Stockwerks gefallen, 
wobei er sich zunächst mit den Armen am Rand der Öffnung hat festhalten können. Weiter ist 
erstellt, dass das betreffende Loch im Vorfeld dieses Ereignisses weder vom Privatkläger noch 
vom zuständigen Gruppenführer der Gerüstbauer gesehen wurde. Auch kann vorliegend nicht 
davon ausgegangen werden, dass diese Öffnung in der Deckenschalung schon rund 5 Minuten 
vor dem Unfallereignis bestand, während sich der Berufungskläger – in seiner Funktion für die-
se Baustelle zuständiger Polier – zuletzt auf dem 11. Stockwerk aufgehalten hat. Es hat sich 
folglich um eine Lücke in der Deckenschalung gehandelt, die im Verlauf der Verlegung der 
Schaltafeln vorübergehend entstanden ist. Diese Lücke wäre später zwecks Fertigstellung der 
Schalung mit einem separat hierfür zugeschnittenen Brett geschlossen worden. Entgegen der 
Darstellung des Privatklägers ist vorliegend zu Gunsten des Berufungsklägers davon auszuge-
hen, dass sich zum Zeitpunkt des Unfalls das fotografisch dokumentierte Material (vgl. act. 383, 
565) auf der Deckenschalung befand. Die Schalungsarbeiten auf dem betreffenden Teil des 
11. Stockwerks (bzw. der Schalung, worauf der Boden dieses Stockwerks später zu erstellen 
war) waren entgegen der Wahrnehmung des Privatklägers noch im Gang. Der Privatkläger hat 
ohne ausdrückliche Anweisung oder Erlaubnis von seinem Gruppenführer, E.____, und ohne 
Rücksprache mit den Deckenschalern autonom entschieden, dass er zum Verteilen des Materi-
als für den Gerüstbau über die Deckenschalung (vgl. act. 383, 565) läuft. Dabei ist es schliess-
lich zum Sturz in das betreffende Loch gekommen.  

 
 
 

 
 
Seite 12  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 
3.4.2. Mit Blick auf den Ablauf der Gerüstbau- und Schalungsarbeiten ist erwiesen, dass die-
ser für alle Stockwerke des Gebäudes gleichbleibend war. Demnach hat der Berufungskläger 
einen Teil der Deckenschalung, der mittels durchgehender Armierungseisen optisch abgegrenzt 
war, nach dessen Fertigstellung freigegeben, damit der Kranführer die Paletten mit dem Mate-
rial für den Gerüstbau dort abstellen konnte. Während die Deckenschaler ihre Arbeiten auf den 
übrigen Teilen des Stockwerks weiterführten, begannen die Gerüstbauer mit der Aufstockung 
des Gerüstes, welches das gesamte Gebäude umgab. Dabei kann vorliegend gestützt auf die 
vorstehend zitierten Aussagen zu Gunsten des Berufungsklägers davon ausgegangen werden, 
dass die Gerüstbauer üblicherweise das Material bei den Paletten auf dem freigegebenen Teil 
der Decke holten und dieses anschliessend über das Gerüst zu seinem Bestimmungsort trugen. 
Dieses Vorgehen entspricht auch dem gewohnten Arbeitsablauf, zumal ein Baugerüst regel-
mässig dort erstellt wird, wo es nicht an eine begehbare Fläche angrenzt. Indessen kann vorlie-
gend nicht ausgeschlossen werden, dass die Gerüstbauer im Verlauf ihrer Arbeit in direkter 
Rücksprache mit den Deckenschalern abklärten, inwiefern die Deckenschalung auch in Berei-
chen jenseits der Armierungsarbeiten fertiggestellt war und diese begehbaren Flächen dann zur 
Verteilung des Gerüstmaterials nutzten. Hinsichtlich des Verhaltens des Berufungsklägers ist 
aber zu konstatieren, dass im Vorfeld seines Sturzes in das Loch keine entsprechenden Rück-
sprachen erfolgten und die weiteren Teile der Deckenschalung folglich weder gestützt auf eine 
Weisung des Berufungsklägers noch gestützt auf eine Information der Schalungsarbeiter als 
freigegeben betrachtet werden konnten.  
 
3.4.3. Bezüglich der vom Berufungskläger konkret für den 11. Stock getätigten Weisungen ist 
davon auszugehen, dass er vor Beginn der Gerüstbautätigkeiten den Chefmonteur der Gerüst-
baufirma, D.____, darüber informierte, dass ein Teilbereich der Deckenschalung für das Abla-
den des Gerüstbaumaterials freigegeben sei und die Gerüstbauer mit ihrer Arbeit beginnen 
könnten. Aufgrund dieser Weisung und der optischen Abgrenzung mittels der herausragenden 
Armierungseisen war D.____ bekannt, welche Teile der Deckenschalung von den Gerüstbauern 
betreten werden durften. Der Berufungskläger wurde nicht darüber orientiert, dass die 
Z.____AG am 12. Februar 2016 eine Gruppe unter der Leitung von E.____ mit den Gerüstbau-
arbeiten am 11. Stock beauftragt hatte. Weiter ist erstellt, dass eine Zutrittskontrolle zur Bau-
stelle bestand und die grundsätzliche Regelung, wonach die Deckenschalungen nur betreten 
werden dürfen, wenn sie explizit freigegeben sind, allen Vorarbeitern mündlich kommuniziert 
war. Sodann ist nicht nachgewiesen, dass bei der Erstellung der Gerüste die Usanz bestanden 
hätte, entgegen diesen mündlichen Anweisungen vorzugehen.   
 
4. Rechtliche Würdigung 

4.1.  
4.1.1. Der fahrlässigen Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 2 StGB in Verbindung mit 
Art. 12 Abs. 3 StGB macht sich strafbar, wer einen Menschen aus pflichtwidriger Unvorsichtig-
keit am Körper oder an der Gesundheit schwer schädigt. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, 
wenn der Täter die Vorsicht nicht beachtet, zu der er nach den Umständen und nach seinen 

 
 
 

 
 
Seite 13  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist. Ein Verhalten ist sorgfaltswidrig und damit fahrlässig, 
wenn der Täter im Zeitpunkt der Tat aufgrund der Umstände sowie seiner Kenntnisse und Fä-
higkeiten die damit bewirkte Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte erkennen können 
und müssen, und wenn er zugleich die Grenzen des erlaubten Risikos überschritten hat. Wo 
besondere Normen ein bestimmtes Verhalten gebieten, bestimmt sich das Mass der dabei zu 
beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach diesen Vorschriften. Bei der Bestimmung des im Ein-
zelfall anzuwendenden Massstabes sorgfaltsgemässen Verhaltens kann auf Normen zurückge-
griffen werden, die der Unfallverhütung und der Sicherheit dienen. Wurde die nach den Um-
ständen geforderte Sorgfalt nicht aufgewendet, ist anhand der persönlichen Verhältnisse zu 
überprüfen, ob neben der objektiven auch die subjektive Sorgfaltspflicht verletzt wurde. Es wird 
danach gefragt, was ein gewissenhafter und besonnener Mensch mit der Ausbildung und den 
individuellen Fähigkeiten der beschuldigten Person in der fraglichen Situation getan oder unter-
lassen hätte. Es kommt mithin auf die individuelle Voraussehbarkeit des Erfolgs an. Vorausset-
zung der Strafbarkeit ist ferner die Vermeidbarkeit des Erfolgs. Beherrschbar ist ein Gesche-
hensablauf nur, wenn der Täter die Fähigkeit hat, das mit seinem Verhalten verbundene Risiko 
auszuschalten, sei es durch entsprechende Vorsichtsmassnahmen oder durch Unterlassen der 
riskanten Handlung. Auch hier kommt es auf die individuellen Fähigkeiten des Täters an (BGer 
Urteil 6B_516/2009 vom 3. November 2009, Erw. 3.3.1). 
 
4.1.2. Soweit die Verletzung einer Sorgfaltsnorm nachgewiesen ist, kann die strafrechtliche 
Verantwortlichkeit wegen fehlender Erfolgsrelevanz des Sorgfaltsverstosses entfallen. Der Täter 
haftet nur für solche Erfolge, in deren Eintritt sich das von ihm geschaffene, unerlaubte Risiko 
verwirklicht hat. Ein sorgfaltswidriges Verhalten ist nicht strafbar, wenn auch ein sorgfaltsge-
mässes Vorgehen die Verletzung des Rechtsguts nicht hätte verhindern können. Kontrovers ist 
hingegen, welche Anforderungen zu gelten haben, wenn die Missachtung der gebotenen Sorg-
falt die Wahrscheinlichkeit des Erfolgseintritts nicht alleine begründet, diese jedoch erhöht hat. 
Die Rechtsprechung und ein Teil der Lehre machen die Zurechnung des Erfolgs in solchen Fäl-
len davon abhängig, mit welcher Wahrscheinlichkeit er bei sorgfaltsgemässem Verhalten aus-
geblieben wäre. Stellt man dabei an den Grad der Wahrscheinlichkeit zu geringe Anforde-
rungen, ist dies mit Blick auf den Grundsatz "in dubio pro reo" problematisch. Die strafrechtliche 
Haftung für fahrlässiges Verhalten unterliegt ausserdem normativen Beschränkungen. Dabei 
geht es um die Frage, ob der Erfolg, so wie er sich verwirklicht hat, dem spezifischen Schutz-
zweck der Norm widerspricht. Die Verletzung oder Gefährdung des Rechtsguts muss auf den 
Grund zurückzuführen sein, dessentwegen die Sorgfaltspflicht besteht. Damit soll eine Haftung 
für solche Erfolge entfallen, die mit dem unsorgfältigen Verhalten nicht in typischer Weise ein-
hergehen (vgl. NIGGLI/MAEDER, Basler Kommentar StGB, 4. A. 2019, Art. 12, N 117 ff., m.w.H).  
 
4.1.3. Die im Rahmen von Art. 125 StGB zu prüfende Verletzung von Sorgfaltspflichten kann 
sich aus einer Missachtung von Regeln der Baukunde ergeben, wobei die Strafbarkeit für das 
Gefährdungsdelikt nach Art. 229 StGB unter Umständen Rückschlüsse auf das fahrlässige Ver-
letzungsdelikt zulässt (vgl. BGer Urteil 6B_516/2009 vom 3. November 2009, Erw. 3.3.1). Ge-
mäss Art. 3 Abs. 1 der Bauarbeitenverordnung (aBauAV, SR 832.311.141, in der zum Tatzeit-
punkt geltenden Fassung vom 1. November 2011) müssen Bauarbeiten so geplant werden, 

 
 
 

 
 
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dass das Risiko von Berufsunfällen möglichst klein ist und die notwendigen Sicherheitsmass-
nahmen eingehalten werden können. Art. 3 Abs. 1 der Verordnung über die Unfallverhütung 
(VUV, SR 832.30, in der zum Tatzeitpunkt geltenden Fassung vom 1. Januar 2016) schreibt in 
allgemeiner Weise vor, dass der Arbeitgeber zur Wahrung und Verbesserung der Arbeitssi-
cherheit alle Anordnungen erteilen und alle Schutzmassnahmen treffen muss, die den Vor-
schriften dieser Verordnung und den für seinen Betrieb zusätzlich geltenden Bestimmungen 
über die Arbeitssicherheit sowie den anerkannten sicherheitstechnischen und arbeitsmedizini-
schen Regeln entsprechen. Demgegenüber sieht Art. 11 VUV vor, dass der Arbeitnehmer die 
Weisungen des Arbeitgebers in Bezug auf die Arbeitssicherheit befolgen und die allgemein an-
erkannten Sicherheitsregeln berücksichtigen muss. Stellt ein Arbeitnehmer Mängel fest, welche 
die Arbeitssicherheit beeinträchtigen, muss er sie beseitigen. Ist er dazu nicht befugt oder nicht 
in der Lage, ist der Mangel unverzüglich dem Arbeitgeber zu melden. Gemäss Art 17 Abs. 2 
aBauAV sind Bodenöffnungen, in die man hineintreten kann, mit einem Seitenschutz abzu-
schranken oder mit einer durchbruchsicheren und unverrückbaren Abdeckung zu versehen. 
Art. 22 VUV sieht vor, dass tiefliegende Fenster, Wand- und Bodenöffnungen, nicht umwandete 
Treppen und Podeste, Galerien, Brücken, Laufstege, Plattformen, hochliegende Arbeitsplätze, 
offene Kanäle, Behälter und dergleichen gegen den Absturz von Personen, Gegenständen, 
Fahrzeugen und Material durch Abschrankungen oder Geländer zu sichern sind.  
 
4.2. 
4.2.1. Vorliegend ist ein fahrlässiges Unterlassungsdelikt (Art. 11 StGB) zu prüfen, wobei die 
Garantenstellung des Berufungsklägers unbestritten ist. Der Verletzungserfolg ist beim Privat-
kläger eingetreten und es erscheint nach dem Massstab der Adäquanz auch vorhersehbar, 
dass eine Person, welche eine noch nicht fertig geschalte Dachfläche betritt, durch eine Boden-
öffnung in den unteren Stock des Gebäudes fällt. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung muss mit einem allfälligen Fehlverhalten von Arbeitnehmern gerechnet werden. Ein sol-
ches vermag den adäquaten Kausalzusammenhang nur dann zu unterbrechen, wenn es derart 
unsinnig erscheint, dass es ausserhalb jedes zu erwartenden Geschehens liegt (vgl. BGer Urteil 
6B_280/2018 vom 24. Oktober 2018, E. 3.7). Für das Verhalten des Privatklägers trifft dies vor-
liegend nicht zu. Es fragt sich jedoch, ob dem Berufungskläger in casu eine Sorgfaltspflichtver-
letzung vorgeworfen werden kann, welche die strafbare Unterlassung (Missachtung einer Hand-
lungspflicht) begründet.  
 
4.2.2. Zunächst kann festgehalten werden, dass mittels einer Zutrittskontrolle hinreichend 
gewährleistet war, dass sich keine unbefugten Personen auf der Baustelle aufhalten. Weiter 
kann es als erstellt angesehen werden, dass der Berufungskläger die Anweisungen in Bezug 
auf den Ablauf und die Ausführung der Arbeiten vorab mündlich an die zuständigen Vorarbeiter 
erteilte. Er durfte folglich darauf vertrauen, dass sich immer nur autorisierte Gruppen auf der 
Baustelle bewegen, die nach den Weisungen eines instruierten Vorarbeiters handeln. Vorlie-
gend kann dem Berufungskläger auch nicht der Vorwurf gemacht werden, er habe es unterlas-
sen, E.____ als Vorarbeiter des Privatklägers persönlich zu instruieren, zumal er gar keine 
Kenntnis davon hatte, dass die Z.____AG am 12. Februar 2016 die betreffende Gruppe für die 
Arbeiten am 11. Stock beiziehen würde. Weiter ist gestützt auf die vorstehend (E. 3) zusam-

 
 
 

 
 
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mengefassten Beweiserhebungen davon auszugehen, dass der Berufungskläger vor Beginn 
der Gerüstbauarbeiten auf dem 11. Stock D.____, mithin den objektiv zuständigen Vorabeiter 
der Gerüstbauer, mündlich ausreichend darüber instruiert hat, welche Teile der Deckenscha-
lung freigegeben sind und welche nicht. Zumal keine Anhaltspunkte dafür bestanden, dass die 
mündlichen Weisungen des Berufungsklägers praxisgemäss missachtet wurden, durfte dieser 
davon ausgehen, dass die Gerüstbauarbeiten auf Basis dieser Instruktion erfolgen würden. Es 
ist für einen Polier, welcher die Gesamtverantwortung für die Arbeiten auf einer Baustelle trägt, 
weder möglich noch zumutbar, die Tätigkeit jedes einzelnen Bau- und Hilfsarbeiters persönlich 
zu überwachen. Er darf grundsätzlich darauf vertrauen, dass die von ihm hinreichend instruier-
ten Vorarbeiter seinen mündlichen Anweisungen Folge leisten und die relevanten Informationen 
korrekt an die ihnen unterstellten Personen weitergeben.  
 
4.2.3. Weiter fragt sich mit Blick auf die vorstehend (E. 4.1.3) zitierten Bauvorschriften, ob der 
Berufungskläger verpflichtet gewesen wäre, dafür zu sorgen, dass der 11. Stock, der nicht frei-
gegebene Teil der Deckenschalung oder die fragliche Lücke mittels einer Signalisation oder 
Abschrankung gesichert sind. Vorliegend ist erstellt, dass bei den verantwortlichen Personen 
allgemein bekannt war, dass die Baustelle nur soweit betreten werden darf, als dies zur Aus-
führung der eigenen Arbeiten erforderlich ist. Mit den entsprechenden Anweisungen des Beru-
fungsklägers war mithin auch eine mündliche Freigabe des betreffenden Bereichs verbunden. 
Vor diesem Hintergrund durfte der Berufungskläger darauf vertrauen, dass sich zum Zeitpunkt 
des Unfalls nur die Deckenschaler, die Gerüstbauer und die ihm selbst unterstellten Arbeiter auf 
dem 11. Stock des Gebäudes aufhalten. Es war folglich auch nicht erforderlich, bei den Zu-
gängen zum betreffenden Stock einen schriftlichen Hinweis anzubringen, wonach das betreten 
für Unbefugte verboten sei. Die Anforderungen an die Sorgfaltspflichten eines Poliers würden 
klarerweise überdehnt, wenn man von ihm verlangen würde, seine mündlichen Anweisungen, 
die er fortlaufend an die Arbeitsabläufe und die sich ändernden Gegebenheiten anpassen 
muss, in einer für alle Arbeiter verständlichen Sprache jeweils schriftlich in Form von Warn-
schildern zu untermauern. Eine entsprechende Sicherungspflicht könnte nur dort angenommen 
werden, wo es sich um eine Gefahrenquelle handelt, die nicht situativ im Rahmen der Arbeits-
abläufe entsteht, sondern während längerer Zeit bestand hat. In diesem Sinne sind auch die 
vorstehend zitierten Bauvorschriften auszulegen. Die Pflicht zur Kennzeichnung, Absperrung 
oder Abdeckung einer Bodenöffnung gilt dort, wo die entsprechende Gefahr in einem Arbeitsbe-
reich über einen längeren Zeitraum hinweg existiert. Soweit es sich – wie vorliegend – um eine 
provisorische Bodenöffnung handelt, wie sie im Rahmen der Schalungsarbeiten notwendiger-
weise entsteht, wäre es mit Blick auf die Arbeitsabläufe der Deckenschaler schlicht realitäts-
fremd, wenn man verlangen würde, dass jede provisorische Lücke besonders zu kennzeichnen 
oder zu sichern ist. Der Berufungskläger durfte vorliegend darauf vertrauen, dass der 11. Stock 
nur von hinreichend ausgebildeten und instruierten Personen betreten wird, die als Decken-
schaler oder Gerüstbauer wissen, wie man sich in einem ungesicherten Bereich auf einer Bau-
stelle korrekterweise verhält. Es liegt in der Natur der Sache, dass die entsprechenden Tätigkei-
ten mit einer Absturzgefahr verbunden sind. Die Schaler und Gerüstbauer hatten ihre Arbeiten 
in Beachtung der einschlägigen Sicherheitsvorschriften zu verrichten, wobei die Verantwortung 
für die Einhaltung dieser Regeln vor Ort bei den Vorarbeitern der jeweiligen Gruppen lag. Dem 

 
 
 

 
 
Seite 16  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Berufungskläger kann mithin auch nicht vorgeworfen werden, er habe eine gefährliche Arbeits-
weise stillschweigend geduldet.  
 
4.2.4. Es bleibt schliesslich zu prüfen, ob der Berufungskläger verpflichtet gewesen wäre, den 
nicht freigegebenen Teil der Deckenschalung physisch oder mindestens visuell besonders ab-
zugrenzen, so wie dies die Vorinstanz angenommen hat. Wie bereits ausgeführt, musste der 
Berufungskläger nicht damit rechnen, dass der Arbeitsbereich im 11. Stock des Gebäudes von 
Personen betreten wird, welche nicht über die erforderlichen Befugnisse und Fachkenntnisse 
verfügen. Es oblag ihm somit einzig, die Gerüstbauer hinreichend darüber zu Instruieren, wel-
che Bereiche der Deckenschalung freigegeben sind. Dieser Pflicht ist der Berufungskläger mit 
der Instruktion von D.____ hinreichend nachgekommen. Ersterer durfte darauf vertrauen, dass 
letzterer seine Anweisungen an die ausführende Gruppe korrekt weiterleitet. Der freigegebene 
Bereich der Deckenschalung war sodann mittels der hervorstehenden Armierungseisen visuell 
vom nicht freigegebenen Teil hinreichend klar abgegrenzt, so dass jeder instruierte Arbeitneh-
mer wissen konnte, wo er sich bewegen darf. Weiter ist es üblich, dass das Material für die Auf-
stockung über das Gerüst zu seinem Bestimmungsort getragen wird. In Verbindung mit den 
örtlichen Gegebenheiten und den gewohnten Arbeitsabläufen ist der Berufungskläger mit der 
mündlichen Instruktion von D.____ seinen Sorgfaltspflichten als Polier hinreichend nachge-
kommen.  
 
4.6. Aus den vorstehenden Erwägungen erhellt, dass dem Berufungskläger keine Sorg-
faltspflichtverletzung vorgeworfen werden kann. Damit fällt eine Bestrafung für die angeklagten 
Fahrlässigkeitsdelikte ausser Betracht, weshalb der Berufungskläger in Gutheissung der Beru-
fung von Schuld und Strafe vollumfänglich freizusprechen ist.  
 
5. Zivilforderungen 
(…) 

 

6. Kostenfolgen 

(…) 

 
III. Kosten  

(…) 
 
  

 
 
 

 
 
Seite 17  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Demnach wird erkannt: 
 
://:  I. Das Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Landschaft vom 

8. September 2020, auszugsweise lautend:  
 
"1. B.____ wird der fahrlässigen einfachen Körperverletzung und 

der fahrlässigen Gefährdung durch Verletzung der Regeln der 
Baukunde schuldig erklärt und verurteilt   

 
 zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 20 Tagessätzen 

zu je CHF 120.--, 
 bei einer Probezeit von 2 Jahren, 
 
 in Anwendung von Art. 125 Abs. 1 StGB und Art. 229 Abs. 1 

und 2 StGB sowie Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 44 
Abs. 1 StGB, Art. 47 StGB und Art. 49 Abs. 1 StGB. 

 
2. Die Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen von A.____ 

werden in Anwendung von Art. 126 Abs. 2 StPO auf den Zivil-
weg verwiesen. 

 
3. Die Verfahrenskosten bestehen aus den Kosten des Vor- 
 verfahrens CHF 3'252.68 und der Gerichtsgebühr von CHF 
 2'000.--. 
 
 B.____ trägt die Verfahrenskosten in Anwendung von Art. 426 
 Abs. 1 StPO.  
 Wird kein Rechtsmittel ergriffen und kein begründetes Urteil 
 verlangt (Art. 82 Abs. 2 StPO), wird die strafgerichtliche 
 Gebühr auf CHF 1’000.-- ermässigt (§ 4 Abs. 1 GebT). 
 
4. B.____ wird dazu verurteilt, A.____ gemäss Art. 433 Abs. 1 
 StPO eine Entschädigung für die Vertretung durch Rechtsan-
 walt Jan Herrmann in Höhe von CHF 13'239.95 zu bezahlen. 
 (…)" 
 
wird in Gutheissung der Berufung des Beschuldigten in den 
Ziffern 1 - 4 aufgehoben und wie folgt neu gefasst: 

 
 
 

 
 
Seite 18  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

"1. B.____ wird vom Vorwurf der fahrlässigen einfachen Körper-
verletzung und der fahrlässigen Gefährdung durch Verletzung 
der Regeln der Baukunde freigesprochen.    

  
2. Die Schadenersatz- und die Genugtuungsforderung von 

A.____ werden abgewiesen.  
 

3. Die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vor- 
 verfahrens von CHF 3'252.70 und der Gerichtsgebühr von 
 CHF 2'000.--, gehen zu Lasten des Staates.  
 
4. B.____ wird eine Parteientschädigung in der Höhe von 
 CHF 13'974.30 (inkl. Auslagen) zuzüglich MWST 
 (= CHF 1'084.35), somit total CHF 15'058.65, aus der Staats-
 kasse ausgerichtet. 
  
(…)" 

 II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von 
CHF 12'200.--, beinhaltend eine Urteilsgebühr von CHF 12'000.--
sowie Auslagen von CHF 200.--, gehen zu Lasten des Staates. 

 III. Dem Beschuldigten wird für das Berufungsverfahren eine Partei-
entschädigung in der Höhe von CHF 8'941.30 (inkl. Auslagen) zu-
züglich MWST (= CHF 688.50), somit total CHF 9'629.80, aus der 
Staatskasse ausgerichtet.  

 IV. (Mitteilungen) 
 

 

Präsident 
 
 
 
 
Enrico Rosa 

Gerichtsschreiber 
 
 
 
 
Bryan Smith 

 
 
Gegen diesen Entscheid wurde Beschwerde beim Bundesgericht erhoben (6B_1201/2022).