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**Case Identifier:** e1a36a33-05e6-5b42-b0d4-6eb25e24080c
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-09-10
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 10.09.2020 200 2020 539
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2020-539_2020-09-10.pdf

## Full Text

200 20 539 IV
FUE/TOZ/SEE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 10. September 2020

Verwaltungsrichter Furrer, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Knapp
Gerichtsschreiberin Tomic

Visana AG
Weltpoststrasse 19, 3000 Bern 15
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

in Sachen
A.________
gesetzlich vertreten durch seine Eltern B.________

betreffend Verfügung vom 11. Juni 2020

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Sept. 2020, IV/20/539, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Der 2017 geborene A.________ (Versicherter) leidet seit der Geburt an 
einer Epilepsie und an cerebralen Lähmungen. Nach Anmeldung bei der 
Invalidenversicherung (Antwortbeilagen der Invalidenversicherung [AB] 1) 
anerkannte die IV-Stelle Bern (IVB resp. Beschwerdegegnerin) den 
Anspruch auf medizinische Massnahmen zur Behandlung der Geburtsge-
brechen Ziff. 387 (angeborene Epilepsie) und 390 (angeborene cerebrale 
Lähmungen) gemäss Anhang zur Verordnung vom 9. Dezember 1985 über 
Geburtsgebrechen (GgV; SR 831.232.21; Mitteilungen vom 14. August 
2017 und 17. September 2018 [AB 7, 51]). Zudem gewährte sie 
Hilflosenentschädigung wegen Hilflosigkeit zunächst leichten, später 
mittleren Grades (Verfügungen vom 4. und 12. Juni 2019 [AB 67 f.]).

Am 2. Dezember 2019 ersuchte der behandelnde Dr. med. C.________, 
Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, die IVB um Prüfung des An-
spruchs des Versicherten auf Inkontinenzmaterial (Windeln) im Zusam-
menhang mit dem Geburtsgebrechen Ziff. 387 Anhang GgV (AB 77, vgl. 
auch AB 79, 92 S. 17). Nach Abklärungen und durchgeführtem 
Vorbescheidverfahren (AB 89) lehnte die IVB mit Verfügung vom 11. Juni 
2020 (AB 90) das Leistungsbegehren ab. Sie erwog hauptsächlich, 
Inkontinenzmaterial werde gewährt, sofern das Urogenitalsystem oder der 
Magen-Darmtrakt durch das von der Invalidenversicherung anerkannte 
Geburtsgebrechen direkt eingeschränkt sei. Laut den Abklärungen sei dies 
beim Versicherten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht der Fall (AB 
90 S. 1). 

B.

Hiergegen erhob die Visana AG (Beschwerdeführerin) als Trägerin der ob-
ligatorischen Krankenpflegeversicherung am 10. Juli 2020 Beschwerde. Sie 
beantragt sinngemäss, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und 

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die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Versicherten Inkontinenzma-
terial zu gewähren. 

Mit Beschwerdeantwort vom 3. August 2020 beantragt die Beschwerde-
gegnerin unter Hinweis auf die Ausführungen in der angefochtenen Verfü-
gung die Abweisung der Beschwerde.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist als Trägerin der obligatorischen Krankenpflege-
versicherung, deren Leistungspflicht durch die angefochtene Verfügung 
berührt ist, zur Beschwerde legitimiert (Art. 49 Abs. 4 ATSG; vgl. BGE 134 
V 153 E. 5.4 S. 159 f.). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 
1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversiche-
rung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 
ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des 
kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege 
[VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 11. Juni 2020 (AB 90). 
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf medizinische Massnahmen in 
Form von Inkontinenzmaterial (Windeln) zur Behandlung des Geburtsge-
brechens Ziff. 387 Anhang GgV.

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1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). Sie beurteilen 
offensichtlich begründete oder offensichtlich unbegründete Fälle in Zweier-
besetzung (Art. 56 Abs. 3 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Nach Art. 13 Abs. 1 IVG haben Versicherte bis zum vollendeten 
20. Altersjahr Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen 
(Art. 3 Abs. 2 ATSG) notwendigen medizinischen Massnahmen. Der Bun-
desrat bezeichnet die Gebrechen, für welche diese Massnahmen gewährt 
werden; er kann die Leistung ausschliessen, wenn das Gebrechen von 
geringfügiger Bedeutung ist (Art. 13 Abs. 2 IVG).

2.2 Als Geburtsgebrechen gelten diejenigen Krankheiten, die bei voll-
endeter Geburt bestehen (Art. 3 Abs. 2 ATSG); die Geburtsgebrechen sind 
in der Liste im Anhang zur GgV aufgeführt (Art. 1 Abs. 2 GgV). 

Ziff. 387 Anhang GgV nennt das Geburtsgebrechen "Angeborene Epilepsie 
(ausgenommen Formen, bei denen eine antikonvulsive Therapie nicht oder 
nur während eines Anfalls notwendig ist)". Als Geburtsgebrechen gemäss 
Ziff. 390 Anhang GgV gelten die angeborenen cerebralen Lähmungen 
(spastisch, dyskinetisch [dyston, choreo-athetoid], ataktisch).

2.3 Als medizinische Massnahmen, die für die Behandlung eines Ge-
burtsgebrechens notwendig sind, gelten sämtliche Vorkehren, die nach 
bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sind und 
den therapeutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstre-
ben (Art. 2 Abs. 3 GgV; BGE 142 V 58 E. 2.2 S. 60). Eingliederungszweck 
ist die Behebung oder Milderung der als Folge eines Geburtsgebrechens 
eingetretenen Beeinträchtigung (BGE 115 V 202 E. 4e cc S. 205; SVR 
2019 IV Nr. 59 S. 188 E. 4.2.2; MEYER/REICHMUTH, Bundesgesetz über die 

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Invalidenversicherung [IVG], 3. Aufl. 2014, S. 162 Rz. 10). Zur Behandlung 
des Geburtsgebrechens zählen alle Begleiterscheinungen, die medizinisch 
gesehen zum Symptomenkreis des infrage stehenden Geburtsgebrechens 
gehören (MEYER/REICHMUTH, a.a.O., S. 165 Rz. 20).

2.4 Nach der Rechtsprechung erstreckt sich der Anspruch auf medizini-
sche Massnahmen ausnahmsweise auch auf die Behandlung sekundärer 
Gesundheitsschäden, die zwar nicht mehr zum Symptomenkreis des Ge-
burtsgebrechens gehören, aber nach medizinischer Erfahrung häufig die 
Folge dieses Gebrechens sind. Zwischen dem Geburtsgebrechen und dem 
sekundären Leiden muss demnach ein qualifizierter adäquater Kausalzu-
sammenhang bestehen. Nur wenn im Einzelfall dieser qualifizierte 
ursächliche Zusammenhang zwischen sekundärem Gesundheitsschaden 
und Geburtsgebrechen gegeben ist und sich die Behandlung überdies als 
notwendig erweist, hat die Invalidenversicherung im Rahmen des Art. 13 
IVG für die medizinischen Massnahmen aufzukommen (BGE 129 V 207 
E. 3.3 S. 209, 100 V 41 E. 1a S. 41; Entscheid des Bundesgerichts [BGer] 
vom 27. April 2017, 9C_842/2016, E. 6.1). An die Erfüllung der Vorausset-
zungen des rechtserheblichen Kausalzusammenhangs sind strenge Anfor-
derungen zu stellen (Entscheid des BGer vom 25. November 2010, 
8C_494/2010, E. 3.1; vgl. auch Rz. 11 des Kreisschreibens des Bundesam-
tes für Sozialversicherung über die medizinischen Eingliederungsmass-
nahmen der Invalidenversicherung [KSME] in der ab dem 1. Januar 2020 
gültig gewesenen Fassung). 

2.5 Nach ständiger Rechtsprechung kann die Invalidenversicherung die 
Kosten für ein Behandlungsgerät (wie bspw. Abgabe von Windeln bei stuhl- 
oder harninkontinenten Versicherten) übernehmen, wenn es einen 
notwendigen Bestandteil einer medizinischen Eingliederungsmassnahme 
nach Art. 12 oder 13 IVG bildet. Dafür ist entscheidend, ob es in engem, 
unmittelbarem Zusammenhang mit der von der Invalidenversicherung 
übernommenen medizinischen Vorkehr steht (Entscheid des Eidgenössi-
schen Versicherungsgerichts [EVG; heute: BGer], vom 22. September 
2005, I 835/04, E. 2.2; MEYER/REICHMUTH, a.a.O., S. 164 Rz. 16).

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3.

3.1 Es ist unbestritten und aufgrund der Akten erstellt, dass der Versi-
cherte an den Geburtsgebrechen Ziff. 387 (angeborene Epilepsie) und 390 
(angeborene cerebrale Lähmungen) Anhang GgV leidet (AB 7, 51). Streitig 
ist dagegen die Frage, ob die Inkontinenz zum Symptomenkreis des von 
der Beschwerdegegnerin anerkannten Geburtsgebrechens Ziff. 387 An-
hang GgV gehört oder zumindest ein sekundäres Leiden bildet, das damit 
in einem qualifizierten adäquaten Kausalzusammenhang steht (vgl. E. 2.3 f. 
hiervor). Dazu ist den medizinischen Akten im Wesentlichen Folgendes zu 
entnehmen:

3.1.1 Der behandelnde Kinderarzt Dr. med. C.________ führte am 
12. November 2019 aus, dass beim Versicherten eine genetische Epilepsie 
vorliege, infolge derer eine totale Urin- und Stuhlinkontinenz bestehe. Die 
Inkontinenz sei komplett im Sinne eines Urinverlusts von mehr als 250 ml 
innerhalb von vier Stunden. Die Stuhlinkontinenz sei ebenfalls komplett, 
weshalb der Versicherte unverändert tags und nachts auf Windeln ange-
wiesen sei (AB 92 S. 17). 

Im Arztzeugnis Inkontinenz vom 2. Dezember 2019 (AB 77) bestätigte Dr. 
med. C.________ die Diagnose einer genetischen Epilepsie und die 
schwere Inkontinenz mit einem Urinverlust von mehr als 250 ml innerhalb 
von vier Stunden.

Am 24. Januar 2020 hielt Dr. med. C.________ fest, beim Versicherten 
liege keine funktionelle Störung des Magen-Darmtraktes oder des Urogeni-
talsystems vor. Das Geburtsgebrechen Ziff. 387 Anhang GgV (konnatale 
genetische Epilepsie) sei ursächlich für die Harn- und Stuhlinkontinenz im 
Sinne einer unzureichenden Hirnreifung, aufgrund derer keine Blasen- und 
Mastdarmkontrolle bestehe (AB 79 S. 1). 

3.1.2 Am 5. März 2020 verneinte Dr. med. D.________, Fachärztin für 
Kinder- und Jugendmedizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), den An-

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spruch auf Inkontinenzmaterial im Zusammenhang mit dem Geburtsge-
brechen Ziff. 387 Anhang GgV. Sie empfahl jedoch eine Anfrage beim Spi-
tal H.________ (AB 81 S. 2). 

3.1.3 Dr. med. E.________, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, 
Spital F.________, legte am 15. April 2020 dar, der Versicherte leide an 
einer therapierefraktären bzw. schwierigen genetischen Epilepsie bei be-
kannter pathogener SCN8A-Variante. Er habe häufige, auch autonome 
Anfälle tagsüber, so dass ein direkter Zusammenhang oder Ausschluss mit 
der Epilepsie nicht möglich sei. Es könne sehr gut sein, dass die Inkonti-
nenz neurologisch begründet sei und im direkten Zusammenhang mit den 
Anfällen stehe. Deswegen profitiere der Versicherte auch bei fortgeschrit-
tenem Alter von entsprechenden Windeln (Inkontinenzmaterialien). Parallel 
dazu erfolge, soweit möglich und es die Anfallssituation zulasse, ein ent-
sprechendes Blasentraining (AB 86 S. 2).

3.1.4 Am 28. April 2020 verneinte die RAD-Ärztin Dr. med. D.________ 
erneut einen Anspruch auf Inkontinenzmaterial im Zusammenhang mit dem 
Geburtsgebrechen Ziff. 387 Anhang GgV mit der Begründung, es bestehe 
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit kein direkter Zusammenhang mit der 
Epilepsie (AB 88 S. 2)

3.1.5 Der Vertrauensarzt der Beschwerdeführerin, Dr. med. G.________, 
Facharzt für Chirurgie, rapportierte in der Stellungnahme vom 7. Juli 2020 
(AB 92 S. 38) - die zwar nach Verfügungserlass datiert, indes dennoch in 
die Beurteilung miteinzubeziehen ist, da sie Rückschlüsse auf die im Zeit-
punkt des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens bestehende Situation 
erlaubt (vgl. SVR 2008 IV Nr. 8 S. 25 E. 3.4) -, beim Versicherten lägen die 
von der Invalidenversicherung angerkannten Geburtsgebrechen Ziff. 387 
und 390 Anhang GgV vor. Die medizinische und klinische Auswirkung be-
stehe darin, dass der Versicherte in der Anfallssituation vollständig inkonti-
nent sei. Dies bedeute, dass sich der Versicherte im Rahmen eines 
Krampfanfalles unkontrolliert vollständig entleere. Diese Situation trete 
mehrfach am Tag auf und sei genetisch bedingt. Die Inkontinenz sei neuro-
logisch aufgrund der Geburtsgebrechen bedingt. Sie sei durch eine gene-
tische Analyse bestätigt worden. Der Vertrauensarzt hielt zusammenfas-
send fest, dass die Erkrankungen im Anfall eine totale Urin- und Stuhlin-

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kontinenz auslösten. Es bestehe ein direkter Kausalzusammenhang 
zwischen den Geburtsgebrechen, dem Anfallsleiden und der totalen Urin- 
und Stuhlinkontinenz. Dies erfordere eine ausreichende Versorgung mit 
Inkontinenzmaterial.

3.2 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht 
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi-
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa-
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag-
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei-
nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag 
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen 
Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 
E. 3a S. 352). 

Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt Beweis-
wert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet 
sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverläs-
sigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee S. 353 f.). Soll ein Versiche-
rungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, 
sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen 
auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ver-
sicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Ab-
klärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E. 5.2 S. 229; 135 V 465 E. 4 S. 
467 ff., je mit Hinweisen).

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3.3 Die Beschwerdegegnerin hat sich in der hier angefochtenen Verfü-
gung vom 11. Juni 2020 (AB 90) massgeblich auf die Aktenbeurteilung der 
RAD-Ärztin Dr. med. D.________ vom 28. April 2020 (AB 88 S. 2) gestützt, 
wonach mit überwiegender Wahrscheinlichkeit kein Kausalzusammenhang 
zwischen der Inkontinenz und der angeborenen Epilepsie bestehe. Diese 
versicherungsinterne Einschätzung vermag indes aus nachfolgenden 
Gründen nicht zu überzeugen:

Der Beurteilung des RAD stehen zum einen die Einschätzungen von Dr. 
med. C.________ vom 12. November 2019, 2. Dezember 2019 und 24. Ja-
nuar 2020 (AB 92 S. 17, AB 77, AB 79 S. 1) entgegen. Der behandelnde 
Arzt ging von einer unzureichenden Hirnreifung als Folge der angeborenen 
Epilepsie aus, weshalb eine totale Urin- und Stuhlinkontinenz bestehe (AB 
79 S. 1). Zum anderen beurteilte der Vertrauensarzt Dr. med. G.________ 
die Inkontinenz als Folge der häufigen Anfälle (und nicht als Folge einer 
unzureichenden Hirnreifung bedingt durch die Epilepsie), im Rahmen derer 
sich der Versicherte vollständig entleere (AB 92 S. 38). Mithin bejahten 
sowohl Dr. med. C.________ als auch Dr. med. G.________ einen Kausal-
zusammenhang zwischen der Inkontinenz und der angeborenen Epilepsie, 
sei es in Form einer direkten Anfallsfolge oder in Form einer unzureichen-
den Hirnreifung. Dr. med. E.________ schliesslich hielt es für sehr gut 
möglich, dass die Inkontinenz neurologisch begründet sei. Da - so die Ärz-
tin sinngemäss - der Versicherte aber häufige, auch autonome Anfälle ha-
be, d.h. solche mit damit einhergehendem Urin- und Kotabgang (vgl. dazu 
MUMENTHALER/MATTLE, Neurologie, 10. Aufl. 1997, S. 494, Tabelle 7.3; 
ROSSI/GUGLER/VASSELLA, Pädiatrie, 3. Aufl. 1997, S. 627), könne eine neu-
rologische Ursache der Inkontinenz weder bestätigt noch ausgeschlossen 
werden. Die Ärzte des Spitals H.________, wo der Versicherte ebenfalls in 
Behandlung stand (vgl. AB 50), wurden entgegen der Empfehlung der 
RAD-Ärztin (AB 81 S. 2) zur Ursache der Inkontinenz nicht befragt. 

Wie vorstehend gezeigt, bestehen mehrere divergierende Einschätzungen 
hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen der Inkontinenz und der 
angeborenen Epilepsie. Diese diametralen Widersprüche können anhand 
der vorliegenden medizinischen Akten nicht aufgelöst werden. Was die 

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Stellungnahme der RAD-Ärztin Dr. med. D.________ vom 28. April 2020 
(AB 88 S. 2) betrifft, ist festzuhalten, dass sie sich im Wesentlichen in 
einem einzigen Satz erschöpft, wobei gänzlich unbegründet bleibt, weshalb 
der Einschätzung von Dr. med. C.________ vom 24. Januar 2020 (AB 79 
S. 1) nicht gefolgt werden kann. Ebenso wenig hat sie begründet, sollte die 
Inkontinenz mit Dr. med. G.________ (lediglich) Folge der jeweiligen Anfäl-
le und nicht der Hirnreifung sein, weshalb die Inkontinenz nicht zum Sym-
ptomenkreis der Epilepsie bzw. der autonomen Anfälle gehören sollte. 
Darüber hinaus fehlt es an einer fachärztlichen, neurologischen Beurteilung 
der hier zur Diskussion stehenden neurologischen Problematik, weshalb 
auch aus diesem Grund weitere Abklärungen unabdingbar sind (vgl. E. 3.2 
hiervor).

3.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Aktenlage in Bezug 
auf die Ursache der Inkontinenz offenkundig nicht liquid ist und es einer 
externen neurologischen Beurteilung bedarf. Dabei wird sich der Experte 
- in Kenntnis der divergierenden Beurteilungen - namentlich dazu zu äus-
sern haben, ob die Inkontinenz zum Symptomenkreis der angeborenen 
Epilepsie gehört (vgl. E. 2.3 hiervor) bzw. ob die Inkontinenz einen sekun-
dären Gesundheitsschaden darstellt, der zwar nicht mehr zum Sympto-
menkreis des Geburtsgebrechens Ziff. 387 Anhang GgV gehört, aber nach 
medizinischer Erfahrung häufig die Folge dieses Gebrechens ist (vgl. E. 2.4 
hiervor). Vorgängig wird die Beschwerdegegnerin jedoch die Akten derge-
stalt zu komplettieren haben, dass sie die von der RAD-Ärztin Dr. med. 
D.________ empfohlene Anfrage beim Spital H.________ (AB 81 S. 2) 
nachholt. 

4.

Nach dem Dargelegten ist die angefochtene Verfügung vom 11. Juni 2020 
(AB 90) in Gutheissung der offensichtlich begründeten Beschwerde aufzu-
heben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit 
diese in Nachachtung der Untersuchungsmaxime (Art. 43 Abs. 1 ATSG) 
- nach Vervollständigung der medizinischen Akten - eine verwaltungsexter-

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ne neurologische Expertise einhole und anschliessend über den Leistungs-
anspruch des Versicherten neu verfüge.

5.

5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem 
kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder 
Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem 
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 
Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen. 

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, hat bei diesem 
Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG; BVR 2009 S. 186 E. 4). Der geleistete Kostenvor-
schuss von Fr. 800.-- ist der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechts-
kraft des Urteils zurückzuerstatten.

5.2 Die obsiegende Beschwerdeführerin hat als Sozialversicherungs-
trägerin gemäss allgemeinem sozialversicherungsrechtlichem Prozess-
grundsatz keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (vgl. BGE 128 V 
124 E. 5b S. 133).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der 
IV-Stelle Bern vom 11. Juni 2020 aufgehoben und die Sache an die 
Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie - nach Vornahme der 
Abklärungen im Sinne der Erwägungen - neu verfüge.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdegegnerin 
zur Bezahlung auferlegt. Der von der Beschwerdeführerin geleistete 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Sept. 2020, IV/20/539, Seite 12

Kostenvorschuss von Fr. 800.-- wird ihr nach Rechtskraft des Urteils 
zurückerstattet.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

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4. Zu eröffnen (R):
- Visana AG 
- IV-Stelle Bern 
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Zur Kenntnisnahme (R): 
- B.________ z.H. des Versicherten

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.