# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b624a7d4-39bc-5578-9b44-7eeb50072c97
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-12-14
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 14.12.2018 OG.2018.00063 (OGS.2020.65)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2018-00063_2018-12-14.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Beschluss
  vom 14. Dezember 2018

  
	
   

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2018.00063

  
	
   

  
	
   

  
	
  A.______

  
	
  Beschwerdeführer

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  1. B.______

  
	
                                                                                              Beschwerdegegnerinnen

  
	
    

  
	
   

  
	
   

  
	
  2. Staats- und Jugendanwaltschaft des
  Kantons Glarus

  
	
    

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Nichtanhandnahme
  einer Strafuntersuchung

  
	
   

  
	
  Anträge
  des Beschwerdeführers (gemäss Eingabe vom 31. Oktober 2018,
  act. 2):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft Glarus vom
    16. Oktober 2018 sei vollumfänglich aufzuheben.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Falls
    auf die Beschwerde eingegangen wird, sei die Sache zur weiteren Abklä­rung
    an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Unter
    Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Es
    sei dem Beschwerdeführer für das Beschwerdeverfahren die unentgeltliche
    Rechtspflege zu gewähren.

    

  

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
   

  
	
  Das
  Gericht zieht in Betracht:

  
	
   

  
	
  I.

  
	
  1. 

  
	
  Am 2. Januar 2014 besuchte
  A.______ (Jg. 1990) in Dübendorf die Geschäftsräumlichkeiten von B.______
  (Jg. 1991) und kaufte dort auf Kredit eine Box Kosmetikartikel ("Forever
  Schörli-Touch") im Wert von CHF 364.70, wobei im Falle der
  Bezahlung der Ware innert sieben Tagen ein "Spezialpreis" von
  CHF 255.25 vereinbart war (U‑act. 9.1.02 S. 7 Fragen 4 ff.
  sowie S. 14).

  
	
   

  
	
  Ebenfalls am 2. Januar 2014
  meldete sich A.______ bei B.______ für einen Infoanlass/Schulungstag an. Weil
  A.______ jedoch kein Geld bei sich hatte und daher das für die
  Platzreservation verlangte Depot von CHF 20.‑ nicht bezahlen konnte,
  überliess er B.______ als Pfand sei­ne Armband­uhr, deren Wert er mit
  CHF 650.‑ beziffert. Es war vorgesehen, dass ihm bei Besuch der
  Schulung das Depot bzw. die Uhr wieder ausgehändigt würde. In der Folge blieb
  dann allerdings A.______ der Schulung fern, sodass das Depot zugunsten von
  B.______ verfiel, d.h. in der vorliegenden Konstellation von A.______
  nachzubezahlen war (U‑act. 9.1.02 S. 7 f.
  Fragen 9-11, S. 11 f. Fragen 8+9 sowie S. 19).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 In der Folge hat
  A.______ trotz wiederholter Zahlungsaufforderungen weder die bezogenen
  Kosmetikprodukte noch das Depot für die Schulung bezahlt. Aus Polizeiakten
  von 2014 ist ersichtlich, dass im Verlaufe 2014 zwischen den Par­teien
  wiederholt die Rede davon war, dass A.______ bei Bezahlung der offenen
  Rechnung (Kosmetikartikel CHF 364.70 und Depot CHF 20.‑,
  insgesamt CHF 384.70) die hinterlegte Uhr zurückerhalten werde. Um die
  Uhr ohne Bezahlung dennoch zurückzuerlangen, fälschte A.______ gar einmal
  eine Einzah­lungsquittung, was aber bei B.______ nicht verfing (siehe zum
  Ganzen U-act. 9.1.02 S. 8 f. Fragen 12-23,
  S. 11 f. Fragen 6-9 und 15, S. 16-18; U‑act. 3.1.01
  S. 3).

  
	
   

  
	
  2.2 Am 12. März 2018 teilte A.______ B.______ brieflich mit, sie habe
  mittlerweile vier Jahre Zeit gehabt, ihm seine Uhr zurückzugeben. Sie habe
  nun zwei Möglichkeiten: entweder gebe sie die Uhr auf dem Polizeiposten in
  Vol­ketswil ab oder sie bringe ihm die Uhr in die Justizvollzugsanstalt
  Pöschwies. Sobald er seine Uhr, welcher er ihr damals als Depot (so
  hervorgehoben im Origi­nal) abgegeben habe, wieder zurückhabe, werde er ihr
  die offenen Beträge bezah­len. Wenn sie dieser Aufforderung nicht bis zum 29.
  März 2018 nachkomme, werde sie ein Schreiben seines Anwalts erhalten und
  erfolge eine Diebstahlsanzeige bei der Polizei (U‑act. 3.1.01
  S. 5).

  
	
   

  
	
  B.______ antwortete
  mit Schreiben vom 23. März 2018, sie habe ihm Ware "(2 x 255.-)"
  gegeben und dafür als Depot seine Uhr entgegengenommen, weil er kein Bargeld
  auf sich gehabt habe. Wenn er ihr für die bezogene Ware ("2 Schörli
  Boxen") das Geld überweise, insgesamt CHF 690.‑ inkl. Zinsen
  und Aus­lagen für eingeschriebene Briefe und Betreibung, werde sie ihm die
  Uhr zurückge­ben (U‑act. 3.1.01 S. 6).

  
	
   

  
	
  Hierauf entgegneten
  A.______ mit Brief vom 1. April 2018, er wisse nicht wie sie auf den nun
  geforderten Betrag von CHF 690.- komme. Er habe von ihr nur zwei
  Einzahlungsscheine über je CHF 192.35 [Total CHF 384.70];
  auch könne er sich die zusätzlich verlangten Unkosten nicht erklären, habe er
  doch von ihr weder einge­schriebene Briefe noch eine Betreibung erhalten.
  Sobald dies geklärt sei, bekomme sie das Geld; er wisse, dass er "das no
  zahlä sött" (U‑act. 3.1.01 S. 7).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Mit Schreiben vom 14. Mai 2018 erhob A.______ bei der Staatsanwalt­schaft
  des Kantons Glarus gegen B.______ Anzeige wegen Nötigung (U‑act. 3.1.01
  S. 1). Unter Verweis auf die zuvor dargelegte Korrespondenz sowie die
  Polizeiakten von 2014 führte A.______ in seiner Anzeige aus, er habe seit
  2014 mehrmals erfolglos versucht, seine Konfirmationsuhr zurückzuerhalten.
  Mittlerweile seien vier Jahre vergangen und sei inzwischen belegt, dass
  B.______ ihn zur Bezahlung einer in dieser Höhe nicht ausgewiesenen Forderung
  von CHF 690.‑ nötige.

  
	
   

  
	
  3.2 Im Zuge der anschliessenden Ermittlungen liess B.______ die Uhr der
  Polizei zukommen ("um weitere Umtriebe mit A.______ zu
  verhindern"), wo­rauf die Uhr am 17. Juli 2018 A.______ in der JVA
  Pöschwies ausgehändigt wurde. B.______ erwähnte gegenüber der Polizei, die
  Uhr habe sie bis dahin als Pfand behalten; sie sei im Glauben gewesen, A.______
  werde die offene Rechnung bezahlen können, indessen aber habe sie vom
  Betreibungsamt "eine düstere Auskunft erhalten" (zum Ganzen U‑act. 8.1.01-03).

  
	
   

  
	
  Die
  Staatsanwaltschaft bezog sich in ihrem Schreiben vom 17. August 2018 an
  A.______ auf die inzwischen erfolgte Aushändigung der Uhr und vermerkte, dass
  damit die Angelegenheit für ihn erledigt sein dürfte. In der Sache selber sei
  unbestritten, dass es sich bei der seinerzeitigen Überlassung der Uhr um ein
  Faust­pfand gehandelt habe; weil er [A.______] sodann bis anhin den offenen
  Betrag nicht an B.______ überwiesen habe, handle es sich um eine zivil­rechtliche
  Streitigkeit. Es sei damit kein Straftatbestand erfüllt, weshalb vorgesehen
  sei, eine Nichtanhandnahmeverfügung zu erlassen (zum Ganzen U‑act. 9.1.05).

  
	
   

  
	
  3.3 A.______ führte hierauf in seiner Eingabe vom 19. August 2018 an die
  Staatsanwaltschaft aus, für ihn sei nach wie vor unklar, wie B.______ auf den
  von ihr zuletzt verlangten Rechnungsbetrag von CHF 690.‑ komme. Bis
  jetzt habe er denn auch noch kein Geld überwiesen, da er den effektiven
  Betrag nicht kenne. Weil er aber die Bezahlung versprochen habe, sobald er
  wieder im Besitze der Uhr sei, gebe es für ihn die Option, "sofern Sie
  damit einverstanden wären" [mit 'Sie' meint A.______ hier ganz
  offensichtlich den zuständigen Staatsanwalt], dass er [A.______] die von
  B.______ anfänglich verlangten beiden Raten à je CHF 192.30 [recte:
  192.35] bezahle; damit hätte sich die Sache für ihn [A.______] erledigt. Auf
  keinen Fall möchte er, dass B.______ dann nach­träglich noch komme und mehr
  verlange (zum Ganzen U‑act. 9.1.06).

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Am 26. Oktober 2018
  erliess die Staatsanwaltschaft gestützt auf Art. 310 StPO eine
  Nichtanhandnahme­verfügung (act. 1).

  
	
   

  
	
  4.2 Mit Eingabe vom
  31. Oktober 2018 erhob A.______ gegen die Nichtan­hand­nahmeverfügung
  der Staatsanwaltschaft beim Obergericht Beschwerde und stellte dabei die
  eingangs wiedergegebenen Anträge (act. 2).

  
	
   

  
	
  4.3 In der Sache sind
  keine Stellungnahmen eingeholt, indes die Akten der Staats­anwaltschaft
  beigezogen worden.

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  1.1 Das Obergericht ist
  Rechtsmittelinstanz in Strafsachen für die Behand­lung von Beschwerden
  (Art. 16 Abs. 1 lit. a GOG).

  
	
   

  
	
  1.2 Gegen Verfügungen und
  Verfahrenshandlungen der Staatsanwalt­schaft kann Beschwerde geführt werden
  (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO). Der Be­schwerde zugäng­lich ist
  damit ebenfalls eine von der Staatsanwaltschaft gestützt auf Art. 310
  StPO verfügte Nichtanhandnahme einer Strafuntersuchung (Art. 310
  Abs. 2 in Verbindung mit Art. 322 Abs. 2 StPO; BSK-Omlin, N 26 ff. zu
  Art. 310 StPO sowie Guidon,
  Die Beschwerde gemäss Schweizerischer Strafprozessordnung,
  Zürich/St. Gallen 2011, S. 49 f. N 110).

  
	
   

  
	
  1.3 Die vorliegende
  Beschwerde ist innert der dafür vorgegebenen Frist von 10 Tagen
  eingereicht worden (Art. 310 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 322
  Abs. 2 StPO; Art. 396 Abs. 1 StPO).

  
	
   

  
	
  1.4 A.______ ist
  durch die der Beschuldigten B.______ vorgewor­fene Nötigungshandlung
  unmittelbar betroffen, dient nämlich die Strafbestimmung von Art. 181
  StGB (Nötigung) dem Schutz der freien Willensbildung und Willensbe­tätigung
  (BGE 134 IV 216 E. 4.4.3 S. 221). A.______ ist daher als
  Geschä­digter zu qualifizieren (Art. 115 Abs. 1 StPO), womit er zur
  Beschwerde gegen die ergangene Einstellungsverfügung legitimiert ist (Art. 382
  Abs. 1 StPO).

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Die Staatsanwaltschaft eröffnet
  eine Untersuchung, wenn sich aus den Informatio­nen und Berichten der
  Polizei, aus der Strafanzeige oder aus ihren eige­nen Fest­stellungen ein
  hinreichender Tatverdacht ergibt (Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO). Die
  Staatsanwaltschaft verzichtet auf die Eröffnung, wenn sie sofort eine Nichtan­handnahmeverfügung
  oder einen Strafbefehl erlässt (Art. 309 Abs. 4 StPO). Die Nichtanhandnahme
  wird verfügt, sobald aufgrund der Strafanzeige oder des Polizei­rapports
  feststeht, dass der konkret in Frage stehende Straftatbestand eindeutig nicht
  erfüllt ist (Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Die Staatsanwaltschaft
  hat in der angefochtenen Verfügung in tatsächlicher Hin­sicht festgehalten,
  A.______ habe am 2. Januar 2014 von B.______ einen Korb mit
  17 Kosmetikprodukten übernommen. Der Preis für diesen Korb habe
  CHF 364.70 bzw. bei Bezahlung innert 7 Tagen CHF 255.25
  betragen. Zudem habe sich A.______ bei B.______ für einen Schulungstag ange­meldet,
  woraus ein Betrag von CHF 20.- resultiere. A.______ habe B.______ am
  2. Januar 2014 seine Certina-Armbanduhr als Faustpfand überge­ben, wobei
  aufgrund der Aussagen der Parteien aber nicht geklärt sei, ob die Arm­banduhr
  als Faustpfand für den Betrag von CHF 20.‑ oder als Faustpfand für
  den Gesamtbetrag von CHF 384.70 (CHF 364.70 + CHF 20.‑)
  übergeben worden sei (act. 1 S. 2).

  
	
   

  
	
  3.2 In Hinsicht auf die
  eben dargelegten Sachverhaltsfeststellungen erhebt A.______ in seiner
  Beschwerde keine Einwendungen im Sinne von Art. 393 Abs. 2
  lit. b StPO, wonach diese unvollständig oder unrichtig sein sollen.
  Tatsächlich trifft die Sachverhaltswürdigung der Staatsanwaltschaft im
  Wesentlichen zu und stimmt mit der Aktenlage, wie sie vorne eingehend
  dargelegt worden ist (oben E. I.1. und I.2.), überein. Was allerdings die mit
  der als Pfand überlassenen Uhr konkret abge­sicherte Forderung anbetrifft, so
  war das Pfand nach übereinstimmender Meinung der Parteien offensichtlich nur
  zur Sicherung des für den Schulungstag geforderten Depots von CHF 20.‑
  bestimmt (siehe dazu oben E. I.1.).

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 In rechtlicher
  Hinsicht erwog die Staatsanwaltschaft, A.______ habe die Uhr seinerzeit als
  Faustpfand an B.______ übergeben. Nachdem A.______ in der Folge nie einen
  Geldbetrag an B.______ überwiesen habe, "nicht einmal die CHF 20.‑
  Schulungskosten", habe B.______ die Uhr nicht zu Unrecht zurückbehalten;
  es sei nie eine Tilgung der offenen Forderung erfolgt, unabhängig davon, ob
  das unbestrittene Faustpfand für einen Betrag von CHF 20.‑,
  CHF 364.70 oder CHF 384.70 begründet worden sei. Eine strafbare
  Handlung, insbesondere eine Nötigung, sei daher nicht ersichtlich
  (act. 1 S. 2).

  
	
   

  
	
  Hiergegen wendet A.______ in
  seiner Beschwerde ein, es sei nicht nach­vollziehbar, weshalb es rechtens
  gewesen sei, dass B.______ die Uhr als Faustpfand zurückbehalten habe. Sie
  habe nämlich um seine [schlechte] finanzielle Situation gewusst und sich
  mehrmals geweigert, die Uhr auszuhändigen. Sie sei nicht bereit gewesen, ihm
  die Uhr vorgängig zurückzuschicken, sondern habe da­rauf beharrt, dass er
  zunächst die Rechnung begleiche (act. 2 S. 3 Ziff. 4 und
  Ziff. 5). A.______ beruft sich damit im Ergebnis auf eine unrichtige
  Rechts­anwendung im Sinne von Art. 393 Abs. 2 lit. a StPO.
  Sinngemäss ist jedenfalls aus sei­ner Beschwerde der Vorwurf zu entnehmen,
  wonach die Staatsanwaltschaft den Gehalt des strafrechtlichen
  Nötigungstatbestandes von Art. 181 StGB verkannt haben soll; als Folge
  davon sei sie fälschlicherweise davon ausgegangen, der betreffende Tatbestand
  sei eindeutig nicht erfüllt (siehe dazu Art. 310 Abs. 1 lit. a
  StPO) und habe demgemäss auf unzutreffender Grundlage die angefochtene Nicht­anhandnahmeverfügung
  erlassen.

  
	
   

  
	
  4.2

  
	
  4.2.1 Eine Nötigung im
  Sinne von Art. 181 StGB begeht und wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei
  Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer jemanden durch Gewalt oder An­drohung
  ernstlicher Nachteile oder durch andere Beschränkung seiner Handlungs­freiheit
  nötigt, etwa zu tun, zu unterlassen oder zu dulden. 

  
	
   

  
	
  4.2.2 Vorliegend liess
  B.______ A.______ wissen, sie werde die Rückgabe der Uhr so lange
  unterlassen, bis die offene Rechnung bezahlt sei. Im Lichte von Art. 181
  StGB besteht daher das von B.______ "angedrohte" Verhalten in einer
  Unterlassung (ich tue nicht, solange Du nicht tust).

  
	
   

  
	
  4.2.3 Als sich A.______ am
  2. Januar 2014 bei B.______ für eine Schulung angemeldet hatte, war ein
  "Depot" von CHF 20.‑ für die Platzreservation zu leisten.
  Weil jedoch A.______ bei der Anmeldung keine CHF 20.‑ aufbrin­gen
  konnte, hinterliess er als Depot seine Armbanduhr. In der Folge hat A.______
  die Schulung nicht besucht.

  
	
   

  
	
  Unter "Depot" wird in
  seiner umgangssprachlichen Bedeutung eine Kaution verstan­den. Mit der
  Kaution wird bezweckt, eine geschuldete Leistung abzusichern. Die geschuldete
  Leistung hat vorliegend darin bestanden, dass A.______ an der Schulung, zu
  welcher er sich angemeldet hat, auch tatsächlich teilnimmt (und er diesfalls
  das Depot bzw. die Kaution wieder zurückerhalten hätte). Indem A.______
  jedoch seine Verpflichtung (Teilnahme an der Schulung) nicht erfüllt hat, ist
  das Depot von CHF 20.‑ zugunsten von B.______ verfallen. Infolgedes­sen
  schuldet A.______ ihr die Bezahlung von CHF 20.‑; und just für den
  Fall, dass er die betreffenden CHF 20.‑ sollte bezahlen müssen
  (falls er nicht an der Schulung teilnehmen würde), hat er B.______ seine Uhr
  als Pfand über­lassen.

  
	
   

  
	
  4.2.4 Der Gläubiger einer
  Forderung ist berechtigt, eine bewegliche Sache, die ihm der Schuldner als
  Faustpfand überlassen hat (Art. 884 Abs. 1 ZGB), bis zur Befrie­digung
  für seine Forderung zurückzubehalten (Art. 895 Abs. 1 ZGB). Daraus
  ergibt sich, dass B.______ vorliegend die Uhr rechtmässig einbehalten hat,
  steht doch fest, dass A.______ die fällige Forderung von CHF 20.- nie
  beglichen hat.

  
	
   

  
	
  4.2.5 Bei der Androhung
  ernstlicher Nachteile im Sinne des Nötigungstatbestandes von Art. 181
  StGB stellt der Täter dem Opfer die Zufügung eines Übels in Aussicht, dessen
  Eintritt er als von seinem Willen abhängig erscheinen lässt. Es kommt dabei
  nicht darauf an, ob er die Drohung wirklich wahr machen will, sofern sie nur
  als ernst gemeint erscheinen soll. Ernstlich sind die Nachteile, wenn ihre
  Androhung nach einem objektiven Massstab geeignet ist, auch eine besonnene
  Person in der Lage des Betroffenen gefügig zu machen und so seine freie
  Willensbildung und ‑betätigung zu beschränken. Besteht wie im hier zu
  beurteilenden Fall das "ange­drohte" Verhalten in einer
  Unterlassung [Nichtrückgabe des Pfandes], welche indes rechtmässig ist
  [Forderung nicht befriedigt], so setzt ein tatbestandsmässiger Nach­teil im
  Sinne von Art. 181 StGB voraus, dass sich dadurch die Lage des
  "Bedrohten" verschlechtern würde, gemessen an den rechtlichen
  Ansprüchen oder tatsächlichen Aussichten, die er im Zeitpunkt der Drohung hat
  (BGer, Urteil vom 12. Juni 2017, 6B_1257/2016,
  E. 3.2.).

  
	
   

  
	
  Wie bereits dargelegt, hatte
  B.______ an der ihr als Faustpfand überlas­senen Uhr ein Retentionsrecht
  (Art. 895 Abs. 1 ZGB). Das Retentionsrecht bewirkt, dass der berechtigte
  Gläubiger die Rückgabe der Pfandsache lediglich anzubieten hat, während der
  Eigentümer und Schuldner die Forderung gegen ihn zu erfüllen oder hinreichend
  Sicherheit hierfür zu leisten hat (Art. 898 Abs. 1 ZGB). Das
  Retentionsrecht besteht ungeachtet der finanziellen und persönlichen
  Situation, in welcher sich der Pfandeigentümer im Zeitpunkt der
  Rechtsausübung befindet (zum Ganzen: BGer, Urteil vom
  12. Juni 2017, 6B_1257/2016, E. 5.2. und 5.3). Es ist demzufolge
  unerheblich, wenn B.______ die Uhr trotz A.______s angespannter finanzieller
  Situation zurückbehalten hat. Allein entscheidend ist, dass sie zum
  Einbehalten der Uhr befugt war, so lange A.______ seinerseits die mit dem
  Pfand konkret zusammenhängende offene Forderung von CHF 20.‑ nicht
  beglich. Durch das Zurückbehalten der Uhr hat sich denn auch die Rechtslage
  von A.______ keineswegs verschlechtert; dieser war nach wie vor lediglich
  gehalten, den Betrag von CHF 20.‑ zu bezahlen, um das Pfand
  auszulösen.

  
	
   

  
	
  Insoweit B.______
  die Rückgabe der Uhr davon abhängig gemacht haben sollte, dass A.______ nicht
  bloss das Depot von CHF 20.‑ nachbezahlen, son­dern eine weitergehende
  Forderung für bezogene Kosmetikarti­kel begleichen
  würde, liesse sich auch darin keine "Androhung ernstlicher
  Nachtei­le" im Sinne von Art. 181 StGB erkennen. Allein dies konnte
  den Schuldner A.______ nicht in seiner Handlungsfreiheit beschränken,
  wenigstens die Depotzahlung von CHF 20.‑ zu leisten, um dadurch
  einen Herausgabeanspruch in Bezug auf die Uhr zu begrün­den.

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  Aus alldem ergibt sich, dass die
  Staatsanwaltschaft die angefochtene Nichtanhand­nahmeverfügung (act. 1)
  aus den darin konzis dargelegten Überlegungen zu Recht eingestellt hat. Auf
  Grund der Anzeige und der verfügbaren Akten steht fest, dass der
  inkriminierte Tatbestand der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB
  eindeutig nicht erfüllt ist (Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO). Der
  in der Beschwerde geltend gemach­te Rügegrund einer Rechtsverletzung
  (Art. 393 Abs. 2 lit. a StPO) ist nicht gegeben. Dies führt
  zur Abweisung der Beschwer­de und Bestätigung der Nichtanhandnahme­verfügung
  der Staatsanwaltschaft vom 26. Oktober 2018.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  Bei diesem Ausgang wären die
  Kosten des Beschwerdeverfahrens an sich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen
  (Art. 428 Abs. 1 StPO), wovon vorliegend aber um­ständehalber
  abzusehen ist; infolgedessen wird das Gesuch des Beschwerdefüh­rers um
  Gewährung unentgeltlicher Rechtspflege für das Beschwerdeverfahren
  gegenstandslos. Den Beschwerdegegnern ist im Beschwerdeverfahren kein Auf­wand
  entstanden, weshalb ihnen keine Entschädigungen zuzusprechen sind, wobei die
  Staatsanwaltschaft so oder anders keine Entschädigung beanspruchen könnte
  (Art. 423 Abs. 1 StPO; siehe dazu auch Christen, Entschädi­gungsfolgen im kanto­nalen
  Beschwerdeverfahren in Straf­sachen, ZStrR 132/2014, S. 200 f.).

  
	
   

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
  Das
  Gericht erkennt:

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Die Beschwerde wird abgewiesen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Die Gerichtskosten für das
    Beschwerdeverfahren werden auf die Staatskasse genommen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Für das Beschwerdeverfahren
    wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Schriftliche Mitteilung an:

    
	
     

    	
    [...]