# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bb788360-144d-572b-9ddf-9b2917cc7c3a
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-08-13
**Language:** de
**Title:** Rückweisung, da medizinischer Sachverhalt ungenügend abgeklärt; auch bei gleichgebliebender Diagnosestellung kann eine Zustandsverschlechterung nicht ausgeschlossen werden; beantragte Vornahme ergänzender medizinischer Abklärungen erscheint angebracht.
**Docket/Reference:** IV.2013.00247
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2013.00247.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2013.00247
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Fehr
Gerichtsschreiberin Minder
Urteil
vom
13. August 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Stadt Zürich, Sozialzentrum
Hönggerstrasse
lic
.
iur
.
Y.___
, Sozialversicherungsrecht
Hönggerstrasse
24, 8037 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
,
geboren 1984, leidet an einem angebore
nen
K
l
umpfuss
,
weswegen
die
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle,
verschiedene Leistungen
erbrachte
.
Im Juni 2005 stellte die damalige Lehrmeisterin, die
Z.___
,
X.___
bis zum Ende
seiner
Lehrzeit (3
1.
Juli 2005) frei, weil
er
in alkoholisiertem Zustand zur Arbeit erschienen war
. Das Fähigkeitszeugnis als Automonteur
erlangte er
in der Folge
nicht
(vgl.
Urk.
9/44/9,
Urk.
9/49/6
).
Am 1
7.
September 2005 stürzte
der
Versicherte
auf einer Treppe und zog sich
ein
Schädel-Hirn-Trauma zu
(Urk. 9/35/151 und 9/35/142)
.
Mit Verfügung vom 1
1.
August 2010 sprach ihm die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA)
eine
Integritätsentschädi
gung
von 54.5
%
zu (
Urk.
9/115/2-3)
.
Am
6.
August 20
06 meldete sich
der Versicherte
unter Hinweis
auf den erlitte
nen
Unfall
sowie
leichte bis mittelschwere neuropsychologische Störungen bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/32
Ziff.
7.2). Nach
dem
Beizug
der Akten des Unfallversicherers (Urk. 9/35) sowie
getätigten
medi
zinischen und be
ruflichen Abklärungen
(
Urk.
9/39,
Urk.
9/42
-44
,
Urk.
9/46,
Urk.
9/49)
wies die
IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 2
0.
Juni 2007 (
Urk.
9/55) ab.
1.2
Am 1
2.
Juni 2008 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf epileptische An
fälle
erneut
bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/67
Ziff.
6.2)
.
Die IV-Stelle
holte daraufhin
einen Auszug
aus dem individuellen Konto (
Urk.
9/
72
) sowie Arztberichte (
Urk.
9/81-82)
und weitere Berufsunterlagen (Urk. 9/75-76)
ein
und zog weitere Akten des
Unfallversi
che
rers
(
Urk.
9/113,
Urk.
9/115) bei
.
Zudem liess sie den Versicherten psychiat
risch begutachten (Expertise vom
6.
Juli 2009,
Urk.
9/88). Mit Vorbescheid vom 1
3.
Oktober 2009 (
Urk.
9/96) stellte sie
erneut
die Abweisung des
Leistungs
begehren
s
in Aussicht.
Dagegen erhob der Versicherte Einwände (
Urk.
9/97,
Urk.
9/105,
Urk.
9/108) und reichte einen aktuellen
medizinischen B
ericht ein (Be
richt der
A.___
vom 2
0.
November 2009,
Urk.
9/109).
Am
1
0.
Januar 2011 gewährte die IV-Stelle d
em seit August 2009
als Fachmann Betriebsunterhalt im Altersheim
B.___
in Ausbil
dung
befindlichen
Versicherten Beratung und Unterstützung im Erhalt
seines
Arbeitsplatzes (
Urk.
9/12
7
)
.
Mit Verfügung vom 1
1.
April 2011 (
Urk.
9/142)
sprach sie ihm be
ruf
liche Massnahmen
zu (Kostenübernahme
für
berufliche
Ab
klärungen
betreffend
S
tand der praktischen Fertigkeiten
in der Institution
C.___
;
Urk.
9/143
-144
)
und
teilte
– nachdem sich ergeben hatte, dass er auf einen ge
schützten
Ausbildungsrahmen ang
e
wiesen ist (Urk. 9/151/2) -
am 1
1.
Mai 2011 (
Urk.
9/152) zudem mit, die Kosten zur
Absolvierung
der
berufliche
n
Erstausbil
dung
als
Fachmann Betriebsunterhalt
in der
vorgenannten Einrichtung zu über
nehmen.
Am 2
4.
Juli 2012 (
Urk.
9/172)
orientierte
sie
de
n
Versicherten
– nach be
standener Lehrabschlussprüfung (Urk. 9/171) -
über den
Abbruch der beruf
li
chen Massnahmen
und verfügte – n
ach Eingang eines weiteren medizinischen Be
richts (
Urk.
9/185) und durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(
Urk.
9/189
)
–
am
3
0.
Januar 2013 (
Urk.
2) die Abweisung
des
Rentenbegehrens
.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 2
8.
Februar 2013 Beschwerde bei der IV-Stelle
(von dieser weitergeleitet und hierorts eingegangen am 1
1.
März 2013;
Urk.
4) und beantragte, die Verfügung vom 3
0.
Januar 2013 sei aufzuheben und es sei
nach ergänzenden medizinischen Abklärungen
neu
über seinen Anspruch auf eine
Rente zu verfügen (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte am 2
3.
April 2013
die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8), was dem Beschwerdeführer am 2
5.
April
2013 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10). Mit Zuschrift vom 2
9.
Mai 2013
(
Urk.
11) reichte der Beschwerdeführer einen ergo-/arbeitstherapeutischen Bericht
vom 1
2.
April 2013
(
Urk.
12) ein. Die
Beschwer
degegnerin
verzichtete auf eine Stellungnahme dazu (
Urk.
15).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desge
setzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be
e
inträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zu
dem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG)
sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf
eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine
halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Drei
viertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung vom 3
0.
Januar 2013 dafür, dass dem Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht
seit Juni 2006
Tätigkeiten
mit
einem leichten bis mittleren
kognitiven Anforderung
sprofil gan
z
tags zumutbar seien
. Es könne daher kein Rentenanspruch entstehen
(
Urk.
2).
Dabei
stützte
sie
sich
auf die Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom
1.
November 2012
(Urk. 9/187/5),
welche
s
seinerseits
auf das psy
chia
trische Gutach
ten vom
6.
Juli 2009 (
Urk.
9/88)
sowie
auf
das
polydiszi
plinäre
Gutachten der
A.___
vom 2
0.
November 20
0
9
zuhanden der SUVA
(
Urk.
9/109
)
ver
wies
.
2.2
Dagegen
wandte
der Beschwerdeführer
hauptsächlich
ein
, dass die
Beschwerde
gegnerin
ohne Kenntnis des aktuellen medizinischen Sachverhalts verfügt habe. Es stelle sich
vorliegend
die Frage, inwieweit erhebliche psychiatrische und neu
ro
logische Beeinträchtigungen aufgrund der wiederholten Epilepsieanfälle und der
Alkoholsucht bestünden, die seine Leistungsfähigkeit dauerhaft
beein
träch
tig
en
würden
(
Urk.
1 S. 3)
.
Er sei zwar in der Lage gewesen, die Ausbil
dung als Fachmann Betriebsunterhalt zu absolvieren, doch
hätten
bei ihm laut Aussagen der Betreuer der Institution
C.___
eine stark eingeschränkte Leistungs
fähig
keit, ein hoher und wiederholter Instruktionsaufwand, ein weit unterdurch
schnitt
li
ches Arbeitstempo sowie eine eingeschränkte Durchhalte- und Konzen
tra
tions
fähigkeit bestanden.
Seit der Begutachtung im Jahr 2009 seien
von der
Be
schwerdegegnerin
keine
weiteren
Verlaufsberichte
mehr
einge
holt worden, ob
schon
damals
auf ein bestehendes labiles Gleichgewicht und eine
jederzeit mögliche
Zustandsverschlechterung hingewiesen worden sei
.
Entgegen der Auf
fassung des
RAD
habe sich
seine gesundheitliche Situation
verändert
(S. 4)
.
3.
3.1
Im psychiatrischen Gutachten vom
6.
Juli 2009 (
Urk.
9/88)
zuhanden der
Be
schwerdegegnerin
nannte
Dr.
med.
D.___
,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, folgende Diagnosen (S. 11):
-
Alkoholabhängigkeitssyndrom mit zurzeit episodischem
Substanzge
brauch
(F10.26)
-
Störung durch
Cannabinoide
, schädlicher Gebrauch (F12.1)
-
Status nach mittelschwerem Schädel-Hirn-Trauma im September 2005 mit klinisch noch leichten kognitiven Störungen, insbesondere
im
Ge
dächtnis
-
Neurologisch komplex-parti
ale
und generalisierte Anfälle, unter
An
tiepileptika
weitgehend kompensiert
Der Gutachter führte aus, dass der Beschwerdeführer in der Auffassungs- und Konzentrationsfähigkeit etwas verlangsamt und wenig flexibel sei. Zudem be
stünden Hinweise für Probleme im Kurzzeitgedächtnis (S.
8).
Die festgestellten psy
chopathologischen Auffälligkeit
en
würden
derzeit zwar kein die Arbeitsfä
higkeit des Beschwerdeführers einschränkendes Ausmass
erreichen
, doch wür
den
sie zumindest die Möglichkeit auftretender Probleme im Rahmen der ange
streb
ten Lehre ab August 2009 beinhalten. Eine Zustandsverschlechterung sei mög
lich und eine Neubewertung der Situation gegebenenfalls erforderlich.
Aus gut
achterlich-
psychiatrischer Sicht werde
unbedingt
die Evaluation des
Lehr
ver
lauf
s
ab August 2009
und das Einholen eines Verlaufsberichts betreffend die gesundheitliche und berufliche Situation empfo
h
len
. Eine abschliessende Prog
nose könne „nur sehr zurückhaltend“
gestellt werden (S. 12).
3.2
Die Ärzte der
A.___
nannten im neurologischen Bericht
(samt
int
erdisziplinäre Z
usammenfassung)
vom 2
0.
November 2009 (
Urk.
9/109) zuhan
den der SUVA als Hauptdiagnose ein
en
Zustand nach Treppensturz mit/bei schwe
rer traumatischer
Hirnverletzung mit Kontusionsblutung,
initialer
Glas
gow-
Koma-Skala 11 mit psychotischem
Zu
stand
s
bild
und
brachiofazialer
Hemiparese recht
s
mit Sprach- und Sprechstö
rung
, leichten bis mittelschweren neuro
psychologischen Defiziten von
bitem
poralem
Muster sowie mit
symptomatischer Epilepsie mit komplex-fokalen An
fällen mit selten sekundärer Generalisierung (S. 25).
Zudem sahen
sie
die Krite
rien für eine gemischte Persönlichkeitsstörung
mit
anankastischen
, ängstlichen, vermeiden
den und abhängigen
Persönlich
keits
zügen
als erfüllt (S. 26).
Weiter
führten
sie
aus, dass
aufgrund der psychischen Störung die normaler
weise zu erwartenden Ressourcen, Ausweichstrategien und
Coping
-Mechanis
men
sehr beschränkt seien. Aufgrund der psychiatrischen Auffälligkeit – und in Wechselwirkung mit den neuropsychologischen Defiziten, welche einen erhöh
ten
Effort
zum Bestehen der Ausbildung notwendig machen würden – sei eine eng
maschige psychiatrische Begleitung sinnvoll. Die Situation erscheine aber sowohl
aus
neuropsychologischer Sicht (Gedächtnisdefizite) wie auch aus psy
chiatrischer Sicht als fragil
(S. 26)
.
3.3
Dr.
med.
E.___
,
Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie
,
Oberarzt
,
F.___
,
führte im Bericht vom 2
4.
Februar 2010 (
Urk.
9/111) zuhanden der Beschwerdegegnerin aus, dass der Beschwer
deführer de facto seit August 2009 voll arbeitsfähig sei, doch weiterhin
unfall
bedingte
Ein
schränkungen der Leistungsfähigkeit (leichte bis mittelschwere Ge
dächtnis
störungen, eine gewisse gedankliche
Unflexibilität
und
residuelle
neu
rologische Symptome
) bestünden
. Es lasse sich nicht sicher prognostizieren, ob er die Aus
bildung
zum Hauswart/Betriebstechniker
erfolgreich abschliessen könne und auf diesem oder ei
nem
ähnlichen Beruf wirklich
werde
arbeiten können, da die wei
terhin gegebe
nen Einschränkungen und Belastungen auch zu merklicher Ver
schlech
terung seiner Leistungsfähigkeit führen könnten (
Ziff.
1.6-1.
9
)
.
3.4
Am 1
0.
September 2010 nahm med.
pract
.
G.___
,
Fachärztin für Innere Medizin FMH, vom
RAD
Stellung zur medizinischen Aktenlage. Zudem empfahl sie die Vor
nahme einer medizinischen Verlaufskontrolle in spätestens einem Jahr (vgl.
Urk.
9/187/3
-4
).
3.5
Der Beschwerdeführer wurde vom 2
6.
Juli bis
7.
August 2012
zum
Alkohol
ent
zug
stationär in der
F.___
behandelt
(Urk. 9/185/9)
.
Dr.
med.
H.___
und
Dr.
med.
I.___
,
Facharzt Psychiatrie und Psy
chotherapie,
nannten
im
entsprechenden
Bericht vom
1.
Oktober 2012 (
Urk.
9/185
/1-7
)
zuhanden der Beschwerdegegnerin
folgende Diagnosen nach ICD-10 mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
f.
):
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: Abhängigkeits-
syn
drom
(F10.2; seit dem 1
6.
Altersjahr)
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch
Cannabinoide
: Schädlicher Ge
brauch (F12.1; seit dem 1
4.
Altersjahr)
-
Symptomatische Epilepsie bei Status nach Schädel-Hirn-Trauma mit
Kon
tusionsblutungen
und
Kalottenfraktur
temporal links wegen Sturz in alkoholisiertem Zustand
am 1
7.
September 2005
Sie führten aus, dass im neuropsychologischen Profil des Beschwerdeführers ver
einzelt Defizite in den exekutiven Funktionen fassbar gewesen seien. Auch liessen sich klinisch relevante Beeinträchtigungen in den Bereichen des verbalen und visuellen Gedächtnisses finden, weshalb eine damit in Verbindung stehende diffuse Hirnschädigung nicht ausgeschlossen werden könne. Zur weiteren Über
prüfung werde eine Verlaufsuntersuchung empfohlen.
Eine solche sei ihrem Wisse
n nach noch nicht erfolgt. Die Einschränkung durch die Epilepsie bei
Status nach Schädel-Hirn-Tr
a
um
a
sei durch sie nicht beurteilbar (S. 4).
Es müss
e von
einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit ausgegangen werden, doch sollte zur Beantwortung der möglichen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine weitere arbeitsmedizinische Diagnostik erfolgen (S. 5).
3.6
Am
1.
November 2012 nahm
Dr.
med. univ.
J.___
,
Facharzt Neurologie, vom RAD
Stellung zur medizinischen Aktenlage
. Er führte aus, dass der
Gesund
heitszu
stand des Beschwerdeführers
bereit
s
extensiv abgeklärt worden sei.
So seien ein polydisziplinäres Gutachten vom 2
0.
November 2009 und ein psychi
atrisches Gutachten vom
6.
Juli 2009 erstellt worden. Letzte
re
s nenne alle aktu
ell vorge
brachten Diagnosen und begründe bei primärem Suchtgeschehen eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Eine
namhafte Veränderung des Gesundheitszustan
des des Be
schwerdeführers
sei
nicht ausgewiesen
(vgl.
Urk.
9/187/5
).
3.7
Im nachgereichten Bericht vom 1
2.
April 2013 zuhanden des Rechtsdienstes der
Sozialen Dienste der Stadt Zürich (
Urk.
12) teilte der behandelnde Ergo-/
Ar
beits
therapeut
der
F.___
K.___
mit, dass
beim Be
schwerdeführer
eine deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustandes
sowie
der Arbeitsfähigkeit ab August 2007 zu verzeichnen sei. So sei dieser in seinem
Auffassungs- und Konzentrationsvermögen, seiner Merkfähigkeit, bei der
Ar
beits
planung
und der Entwicklung von Problemlösungsstrategien sowie im
Vor
stellungs
- und Umstellungsvermögen eingeschränkt. Die kognitiven Einschrän
kungen würden sich in
der
reduzierten Ausdauer, unzureichender kri
tischer Kon
trolle, geringerer Sorgfalt,
im
erschwerte
n
Entscheidfindung
sprozess
sowie
in der Verantwortungsübernahme zeigen.
Zudem erscheine die
Feinmo
torik
durc
h einen leichten Tremor beider Hände eingeschränkt
;
das
Gangbild
sei teilweise
ataktisch. Ausserdem zeige der Beschwerdeführer eine merkliche Ver
langsa
mung
im Antriebsverhalten.
4.
4.1
Dr.
J.___
vom RAD
stellte
am
1.
November 2012
fest, dass die Ärzte der
F.___
,
im
Bericht vom
1.
Oktober 2012 (vgl. E. 3.5
hievor
) die bereits bekannten Diagnosen nannten. Daraus folgerte er, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit dessen Begut
achtungen im
Jahr 2009 nicht namhaft verändert
habe
(vgl. E.
3.6
hievor
)
. Ver
gleicht man vor
liegend lediglich die
seit dem Jahr 2009 gestellten
Diagnosen, so ist dem RAD-
Arzt darin
zuzustimmen, dass sich in Bezug auf die Diagnosen ein nahezu unverändertes Bild
im Vergleich mit
den Erhebungen von
Dr.
D.___
im
Juli
2009 (vgl. E.
3.1) zeigt.
N
ach
wie vor
liegen beim Beschwerdeführer
ein Status
nach Schädel-Hirn-Trauma mit kognitiven Störungen und symptomatischer Epi
lepsie, ein Alkoholabhängigkeitssyndrom sowie eine Störung durch
Cannabi
no
ide
vor.
4.2
Allerdings
ging
Dr.
D.___
wie auch die Gutachter der
A.___
von einem labilen Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers
aus:
In diesem Sinne
wies
Dr.
D.___
im Juli 2009
darauf hin, dass es
aufgrund der psy
cho
pathologischen Auffälligkeiten
im Rahmen der angestrebten Lehre
zu Pro
ble
men, mithin
zu einer Zustandsverschlechterung kommen könne
,
und betonte, dass eine abschliessende Prognose „nur sehr zu
rückhaltend“
möglich sei
(vgl. E
.
3.1
hievor
).
Ähnlich führten die
Ärzte der
A.___
aus, dass
die
Situation sowohl
aus
neuropsychologischer
als auch
aus psychiatrischer Sicht als fragil erscheine (vgl. E. 3.2
hievor
).
Gestützt auf diese
Einschätzungen
emp
fahl med.
pract
.
G.___
vom RAD am 1
0.
September 2010
denn auch
die Vor
nahme einer medizinischen
Verlaufs
kontrolle
im Jahr 2011
(vgl. E. 3.4
hievor
), welche indes nicht durchgeführt wurde.
Dem Bericht der
F.___
vom
1.
Oktober 2012
ist
hinsichtlich des
Gesundheitszustand
s
zu entnehmen, dass im neuro
psycho
logischen Profil vereinzelt Defizite in den exekutiven Funktionen fassbar gewe
sen
waren
und zudem klinisch relevante Beeinträchtigungen in den Bereichen
des verbalen und visuellen Gedächtnisses
vorlagen
. Einen Zusam
menhang
dieser
die Leistungsfähigkeit einschränkenden
Beeinträchtigungen mit dem erlittenen Schäden-Hirn-Trauma
im Jahr 2005
schlossen die Ärzte nicht aus und empfah
len
eine weitere Abklärung
(vgl. E. 3.5)
.
Auch der behan
delnde Ergo-/
Arbeits
therapeut
K.___
äusserte sich zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers (vgl.
E.
3.7). Wenngleich sein Bericht vom
1
2.
April 2013 nach
Verfügungs
er
lass
(vom 3
0.
Januar 2013) verfasst wurde, ergeben sich auf
grund seiner Aus
sagen, es sei beim Beschwerdeführer eine deutliche Ver
schlechterung des
Allge
meinzustandes
sowie Beeinträchtigungen, welche die Arbeitsfähigkeit einschrän
ken würden
,
festzustellen
, ebenfalls
Hinweise
betref
fend den
Verlauf
.
Die genannten Berichte bestätigen die Einschätzungen der Gutachter
aus dem
Jahr 2009,
dass
beim Beschwerdeführer ein labiler Gesundheitszustand vorliegt
und seine gesundheitliche Situation
damit
als fragil zu bezeichnen ist
. Obschon keine wesentliche Änderung in den gestellten Diagnosen fest
zu
stell
en
ist,
er
ge
ben sich erhebliche Zweifel
, ob
beim Beschwerdeführer tatsachlich davon aus
ge
gangen werden kann,
dass sich seine Leistungsfähigkeit aufgrund der ge
ge
benen Einschränkungen im Zusammenhang mit der Mehrbelastung (Ausbil
dung
) nicht verschlechtert hat
, wie dies
die Beschwerdegegnerin
vor
bringt
.
Von Bedeutung
sind
in diesem Zusammenhang auch
die
Beurtei
lungsprotokoll
e
der Institution
C.___
,
bei welcher der Beschwerdeführer
zunächst
in der Zei
t vom
4.
bis 1
5.
April 2011 in Abklärung war
und an
schliessend seine Ausbil
dung beendigte (
Urk.
9/149-150,
Urk.
9/170)
. Demge
mäss
befanden
die Betreuer
den Beschwerdeführer als zwischen 50 bis 70
%
leistungsfähig (
Urk.
9/149/2), wobei seine tatsächlich erbrachte Leistung um die 50
%
betragen
habe (vgl.
Urk.
9/150 S.
3). Seine psychische Belastbarkeit
stuf
ten
sie als genügend bis schwach
ein
und stellten
zudem
fest, dass er jeweils nur einen Auftrag auf ein
mal habe erledigen könne
n
. Seine Merkfähigkeit sei ebenfalls schwach.
Überdies
vermerkten sie, dass der Beschwerdeführer seit
Be
ginn
der Ausbildung
drei epi
leptische Anfälle erlitten habe. Zuhanden der
Be
schwerdegegnerin
bestätigten
sie am 1
8.
Juli 2012
(
Urk.
9/170)
, der Beschwer
deführer
habe
im Rahmen seiner
Ausbildung einen durchschnittlichen
Leis
tungsgrad
von 50
%
erreicht
. Es sei
ein
hoher sowie wiederholter
Instruktions
aufwand
notwendig gewesen (
Urk.
9/170/7).
Sein Arbeitstempo sei unterdurch
schnittlich und das Durchhalte- sowie
Konzen
trationsvermögen
eingeschränkt
gewesen
. Es hätten „viele
krank
heitsbedingte
Absenzen“ bestanden.
4.3
Bei dieser Sachlage kann nicht ohne weiteres auf eine vollumfängliche Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers und eine Verursachung der Einschränkungen einzig durch das Suchtgeschehen geschlossen werden. Die massgeblichen Gut
achten waren im Zeitpunkt des Verfügungserlasses gut drei und dreieinhalb Jahre
alt und die seither aufgelegten Berichten enthalten massgebliche Anhaltspunkte, dass die ehemals nur leichten kognitiven Störungen nunmehr ausgeprägter vor
handen sind und zu einer erheblicheren Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
füh
ren, wie dies die Ärzte der
F.___
im Oktober 2012
(E. 3.5) explizit festhielten und was auch in der Praxis festgestellt wurde.
Weiter ist nicht dargetan, dass die Beeinträchtigungen einzig im
Suchtge
scheh
en
begründet liegen und dieses ohne invalidenversicherungsrechtliche Relevanz ist (hierzu BGE 102 V 167).
4.4
D
emnach
drängt sich
eine ergänzende medizinische Abklärung auf, da der Ge
sundheitszustand und die
Leistung
sfähigkeit de
s
Beschwerdeführer
s
aufgrund der vorliegenden medizinischen Aktenlage nicht mit dem erforderlichen
Be
weis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
erstellt sind
.
Ein Gutachten, das sich
umfassend zum Gesundheitszustand äussert
,
sich insbeson
dere mit
den
Diag
nosen und
den
daraus abgeleiteten Arbeitsunfähigkeiten aus
einan
dersetzt und sich
ebenfalls
zur Wechselwirkung zwischen
der
hirnorgani
schen
Schädigung
sowie
der Suchtproblematik auf die Persönlichkeitsstörung und die neuropsy
cho
logisch
bedingten Einschränkungen ausspricht, erweist sich als unabdingbar.
In Gutheissung der Beschwerde ist daher die
angefochtene Verfügung
vom
3
0.
Januar 2013 aufzuheben und die Angelegenheit zur Vornahme von ergän
zen
den Abklärungen und erneuter
V
erfügung an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen
.
5.
Die Gerichtskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr.
600.-- festzusetze
n
und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
Das Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom 3
0.
Januar 2013
aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, zurückgewiesen, damit diese, nach erfolgter
Abklärung im Sinne der Erwä
gun
g
en, neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt. Rech
nung
und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Stadt Zürich, Sozialzentrum
Hönggerstrasse
, unter Beilage einer Kopie von Urk. 15
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubMinder