# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0773afa2-c542-5e6a-af7d-b35421ad0b14
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2007-04-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.04.2007 A-1692/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-1692-2006_2007-04-25.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-1692/2006
{T 0/2}

Urteil vom 25. April 2007

Mitwirkung: Richter Daniel Riedo (Vorsitz); Richter Michael Beusch; 
Richterin Salome Zimmermann; 
Gerichtsschreiberin Iris Widmer.

B._______ AG, 
Beschwerdeführerin,

gegen

Oberzolldirektion (OZD), Hauptabteilung Recht und Abgaben, 
Monbijoustrasse 40, 3003 Bern,
Vorinstanz

betreffend
Verzollung von Soft-Tragetaschen, Tarifeinreihung.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

2

Sachverhalt:

A. Die B._______ AG, vertreibt u.a. Kindersportwagen (sog. "3-Rad Jogger") 
der  Marke  M._______,  inklusive  diverser  Kinderwagen-Zusatzartikel, 
worunter  Soft-Tragetaschen  und  feste  Trageschalen  für  Kleinkinder,  die 
sich auf den verschiedenen Jogger Modellen befestigen lassen. 

B. Am 3. Mai 2004 meldete die Firma X._______ AG, im Namen der Firma 
B._______ AG dem Zollinspektorat Kleinbasel eine aus China stammende 
Sendung "Kinderwagen und Teile dazu" zollfrei (Präferenzabfertigung) zur 
Einfuhr an (Tarifnummer 8715.0000, kg brutto 3'241.3). Das Zollamt nahm 
die  Deklaration  antragsgemäss  vor.  Nach  einer  Belegrevision  und 
teilweisen  –  die  Kinderwagen  betreffenden  –  materiellen  Revision 
berichtigte  dieses  am  6. Mai  2004  die  Einfuhrdeklaration  wie  folgt: 
"Kinderwagen und Teile dazu", Tarif-nummer 8715.000, kg brutto 2'988.3, 
Zollansatz: frei (Präferenzabfertigung) und "Tragetaschen aus Spinnstoff", 
Tarifnummer 6307.9099,  kg  brutto  253,  Zollansatz  Fr. 263.-- 
(Präferenzabfertigung  für  China  in  dieser  Tarifnummer  nicht  möglich). 
Gestützt  darauf  wurde  mit  Einfuhrzollausweis  Nr. 3746368  – datiert  vom 
3. Mai 2004/12. Mai 2004 – Fr. 665.40 Zoll erhoben.

C. Mit Schreiben vom 24. Mai 2004 beschwerte sich die B._______ AG beim 
Zollamt  gegen  die  Abgabenfestsetzung.  Sie  brachte  vor,  die  Soft-
Tragetaschen  für  Kleinkinder  seien  als  Ergänzungszubehör  für 
Kinderwagen  zu  betrachten  und  folglich  in  die  Tarifnummer 8715.0000 
einzureihen.  Die  zuständige  Zollkreisdirektion  wies  die  Beschwerde  am 
21. Juli  2004  ab  und  bestätigte  die  Einreihung  in  die  Tarif-
nummer 6307.9099.

D. Dagegen legte die B._______ AG am 2. September 2004 Beschwerde bei 
der  Oberzolldirektion  (OZD)  ein,  welche  diese  mit  Entscheid  vom 
30. Dezember 2004 abwies.

E. Mit  Eingabe  vom  28. Januar  2005  erhebt  die  B._______  AG 
(Beschwerdeführerin)  Beschwerde  bei  der  Eidgenössischen 
Zollrekurskommission  (ZRK)  und  beantragt  die  zollfreie  Abfertigung  der 
Soft-Tragetaschen unter der Tarifnummer 8715.0000. 

In  ihrer  Vernehmlassung  vom  8. April  2005  schliesst  die  OZD  auf  die 
kostenfällige Abweisung der Beschwerde.

F. Per  31. Dezember  2006  hat  die  ZRK  die  Verfahrensakten  an  das 
Bundesverwaltungsgericht (BVGer) zur Beurteilung der Sache übergeben.

3

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Bis zum 31. Dezember 2006 unterlagen erstinstanzliche Verfügungen oder 
Beschwerdeentscheide  der  OZD der  Beschwerde an die  ZRK (aArt. 109 
Abs. 1 Bst. c des Zollgesetzes vom 1. Oktober 1925 [ZG, SR 631.0]). Das 
BVGer übernimmt, sofern es zuständig ist, die am 1. Januar 2007 bei der 
ZRK  hängigen  Rechtsmittel.  Die  Beurteilung  erfolgt  nach  neuem 
Verfahrensrecht  (Art. 53  Abs. 2  des  Bundesgesetzes  vom 17. Juni  2005 
über  das  Bundesverwaltungsgericht  [Verwaltungsgerichtsgesetz,  VGG, 
SR 173.32]).  Soweit  das  VGG  nichts  anderes  bestimmt,  richtet  sich 
gemäss  Art.  37  VGG  das  Verfahren  nach  dem  Bundesgesetz  vom 
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). 
Beschwerden an das BVGer sind zulässig  gegen Verfügungen im Sinne 
von  Art. 5  VwVG  (Art. 31  VGG).  Entscheide  der  OZD  betreffend  die 
Tarifierung  unterliegen  der  Beschwerde  an  das  BVGer  (Art. 109  Abs. 1 
Bst. c  ZG  in  Verbindung  mit  Art. 33  Bst. d  VGG).  Dieses  ist  somit  zur 
Behandlung der Beschwerde sachlich wie funktionell zuständig.

1.2 Vorliegend  unbestritten  ist  die  sachverhalts-,  namentlich  die 
zahlenmässige  Ermittlung  der  nachgeforderten  Zollabgabe  in  der  Höhe 
von Fr. 665.40. Strittig ist  einzig die Frage, ob die Soft-Tragetaschen für 
Kleinkinder  als "Kinderwagen und Teile dazu" zu qualifizieren und in die 
Tarifnummer 8715.0000 einzureihen sind oder aber als "Tragetaschen aus 
Spinnstoff"  in die Tarifnummer 6307.9099. Nach dem insoweit  durch die 
Beschwerdeführerin nicht bestrittenen Entscheid der OZD handelt es sich 
dabei um eine "Soft-Tragetasche" für Kleinkinder, deren Aussenseite aus 
Gewebe  aus  synthetischen  Filamentengarnen  besteht.  Futter  und 
Polsterung  sind  mittels  Steppnähten  verbunden.  Der  Kopfteil  lässt  sich 
mittels  Reissverschlüssen  und  Kordeln  verengen.  Der  Fussteil  ist  mit 
Reissverschlüssen  ausgestattet.  Seiten-  und  Oberteile  weisen  keinerlei 
Verstärkungen  oder  Versteifungen  auf.  Im  Boden  ist  eine  einfache, 
biegsame  Kunststoffplatte  eingelassen;  ein  zusätzlicher  Liegekeil  ist 
vorhanden.  Die  Traghenkel  sind  abnehmbar. Die  Tasche  wird  mit 
einfachen  Riemen  und  Druckknöpfen  am  Kinderwagen  befestigt.  Es 
handelt  sich  dabei  um das  Produkt  Typ  T_______  gemäss  M._______-
Produktekatalog.

2.

2.1

2.1.1 Die  Ein-  und Ausfuhrzölle  werden  gemäss  Art. 21  Abs. 1  ZG durch  den 
Zolltarif  festgesetzt.  Unter  Vorbehalt  abweichender  Bestimmungen, 
namentlich  aus  Staatsverträgen,  sind  alle  Waren,  die  über  die 
schweizerische Zollgrenze ein- oder ausgeführt werden, zum Generaltarif 
gemäss den Anhängen 1 und 2 zum Zolltarifgesetz vom 9. Oktober 1986 
(ZTG, SR 632.10) zu verzollen (Art. 1 Abs. 1 und 2 ZTG). Dem Generaltarif 
kommt  Gesetzesrang  zu;  das  BVGer  ist  demnach  an  diesen  Tarif 
gebunden  (Art. 190  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 

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Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]; vgl. Urteil des BVGer 
A-1675/2006  vom  21. März  2007  E. 2.1;  Entscheide  der  ZRK  vom 
9. August 2005 [ZRK 2004-114] E. 2e/aa, vom 19. April 1996 und 28. März 
1996, veröffentlicht in Verwaltungspraxis der Bundesbehörden [VPB] 61.17 
E. 2a und 61.19 E. 4a/aa).

2.1.2 Für die Tarifeinreihung massgebend ist die Art, Menge und Beschaffenheit 
der Ware zum Zeitpunkt, in dem sie unter Zollkontrolle gestellt worden ist 
(vgl. Art. 23 ZG). Auf den Verwendungszweck ist demgegenüber nur dann 
abzustellen,  wenn  dies  in  den  einzelnen  Tarifpositionen  als 
Einreihungskriterium ausdrücklich festgehalten ist.  Ist  dies nicht der Fall, 
kommt dem Verwendungszweck wie auch dem Preis, der Verpackung, der 
Bezeichnung  durch  Hersteller  oder  Empfänger  der  Ware  lediglich 
hinweisende,  nicht  aber  ausschlaggebende  Bedeutung  zu  (Urteil  des 
BVGer  A-1675/2006,  a.a.O.,  E. 2.2;  Entscheid  der  ZRK  vom  9. August 
2005, a.a.O, E. 2e/bb mit weiteren Hinweisen).

2.1.3 Die  Schweiz  ist  dem  internationalen  Übereinkommen  über  das 
Harmonisierte  System  zur  Bezeichnung  und  Codierung  der  Waren  vom 
14. Juni  1983  beigetreten  (für  die  Schweiz  in  Kraft  seit  1. Januar  1988, 
SR 0.632.11).  Das  "Harmonisierte  System"  (HS)  bedeutet  die 
Nomenklatur,  welche  die  Nummern  und  Unternummern  mit  den 
dazugehörenden  Codenummern,  die  Abschnitt-,  Kapitel-  und 
Unternummern-Anmerkungen sowie die "Allgemeinen Vorschriften für die 
Auslegung  des  HS"  umfasst  (Art. 1  Bst. a  des  Übereinkommens).  Die 
Vertragsstaaten  verpflichten  sich,  ihre  Tarifnomenklatur  mit  dem  HS  in 
Einklang  zu  bringen  (Art. 3  des  Übereinkommens).  Der  Nomenklaturtext 
des HS ist im ZTG enthalten (siehe den Anhang in Verbindung mit Art. 2 
des Übereinkommens);  der schweizerische Tarif  entspricht  dem HS. Der 
von den Vertragsstaaten beabsichtigten  einheitlichen Auslegung des HS 
(vgl.  etwa  Art. 7  Ziff. 1  Bst. c  und  Art. 8  Ziff. 2  des  Übereinkommens) 
dienen  u.a.  die  "Avis  de  classement"  und  die  "Notes  explicatives  du 
Système  Harmonisé".  Sowohl  die  Nomenklatur  des  HS  als  auch  die 
Vorschriften  zu  deren  Auslegung  sind  als  internationales  Recht  für  das 
BVGer  verbindlich.  Die  Vertragsstaaten  haben  einzig  nach  Art. 7  Ziff. 1 
sowie  Art. 8  Ziff. 1  und 2  des  Übereinkommens  die  Möglichkeit,  die 
Überprüfung  oder  Änderung  der  "Notes  explicatives"  und  "Avis  de 
classement" zu veranlassen (vgl. Entscheid der ZRK vom 18. April 2005 in 
Sachen A. AG [ZRK 2003-018] E. 2.a/bb). 

2.1.4 Die von der OZD gestützt auf Art. 22 Abs. 3 ZG erlassenen "Erläuterungen 
zum  schweizerischen  Zolltarif"  (Nachtrag  13,  Bern  2002;  nachfolgend 
zitiert  als  "Erläuterungen")  stimmen  –  mit  Ausnahme  der  so  genannten 
Schweizerischen  Erläuterungen  –  weitgehend  wörtlich  mit  den  "Notes 
explicatives"  (3. Auflage,  Brüssel  2002)  des  HS  überein.  Insbesondere 
entsprechen vorliegend – soweit von Bedeutung – die "Erläuterungen" der 
betreffenden Zolltarifnummern 8715 und 6307 den "Notes explicatives" des 
HS. Sofern eine solche Übereinstimmung besteht, darf das BVGer von den 
Erläuterungen  nicht  abweichen  (vgl.  Entscheide  der  ZRK  vom  18. April 
2005, a.a.O., E. 2.a/cc; vom 19. Januar 2000, veröffentlicht in VPB 64.109 

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E. 2a; vom 27. Oktober 1994, veröffentlicht in VPB 59.34 E. 2).

2.2 Hinsichtlich  der  Auslegung  sehen  die  von  den  schweizerischen 
Zollbehörden angewendeten "Allgemeinen Vorschriften für die Auslegung 
des  Harmonisierten  Systems"  (AV;  enthalten  in  dem  von  der 
Eidgenössischen  Zollverwaltung  herausgegebenen  "Tarifnummern-
verzeichnis"  und  den  "Erläuterungen")  übereinstimmend  mit  den 
"Allgemeinen Vorschriften für die Auslegung des HS" des offiziellen Textes 
des  Übereinkommens  in  Ziffer 1  vor,  dass  für  die  Tarifeinreihung  einer 
Ware  der  Wortlaut  der  Nummern  und  der  Abschnitt-  oder  Kapitel-
Anmerkungen sowie die weiteren Allgemeinen Vorschriften,  soweit  diese 
dem Wortlaut  der  Nummern und der  Anmerkungen nicht  widersprechen, 
massgebend sind. Bei der Bestimmung der zutreffenden Tarifnummer ist 
somit  stufenweise in  der gesetzlich  festgelegten Reihenfolge (Tariftext  – 
Anmerkungen – Allgemeine Vorschriften) vorzugehen. Die nächstfolgende 
Vorschrift  ist  immer  erst  dann  heranzuziehen,  wenn  die  vorangehende 
Bestimmung  nicht  zum  Ziel  geführt,  d.h.  keine  einwandfreie  Tarifierung 
ermöglicht  hat  (vgl.  Urteil  des  BVGer  A-1675/2006,  a.a.O.,  E. 2.4; 
Entscheid der ZRK vom 18. April 2005, a.a.O., E. 2.b).

2.3 Für  die  vorliegend  in  Frage  stehende  Waren  sind  die  Tarifnummern 
8715.000  und  6307.9099  strittig.  Die  systematische  Gliederung  dieser 
Nummern im "Tarifnummernverzeichnis" stellt sich wie folgt dar:

2.3.1 8715.0000 "Kinderkastenwagen, Kindersportwagen und
ähnliche Fahrzeuge zum Befördern von
Kindern, und Teile davon."

Die  Tarifnummer  gehört  zu  Abschnitt  XVII:  "Beförderungsmittel".  Für  die 
vorliegende  Tarifnummer  definiert  die Abschnitt-Anmerkung  3 als  "Teile" 
und "Zubehör"  nur solche,  "die nach ihrer Beschaffenheit  ausschliesslich 
oder hauptsächlich für Fahrzeuge oder andere Waren dieses Abschnittes 
bestimmt sind."

Gemäss den "Erläuterungen", die die Tragweite und den Inhalt bestimmter 
Unternummern  des  HS  präzisieren, sind  dieser Tarifnummer  folgende 
Waren zuzuordnen:

I. Zwei- oder mehrräderige Kinderwagen, auch zusammenklappbar, in
denen Kleinkinder befördert und die mit der Hand geschoben werden 
(z.B. Kindersportwagen und Kinderkastenwagen.)

II. Teile der hiervor genannten Fahrzeuge, sofern diese Teile die beiden
nachstehenden Voraussetzungen erfüllen:

1. sie  müssen  ihrer  Beschaffenheit  nach  erkennbar  ausschliesslich 
oder hauptsächlich für Fahrzeuge dieser Nummer bestimmt sein;

2. sie  dürfen  nicht  durch  die  Anmerkungen  zu  Abschnitt  XVII  von 
diesem  Abschnitt  ausgeschlossen  sein  (siehe  die  entsprechenden 
Erläuterungen zu Abschnitt XVII, Allgemeines).

Als solche Teile können z.B. genannt werden:

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1) Aufbauten zum Befestigen auf dem Fahrgestell sowie abnehmbare,
auch als Wiegen benutzbare Aufbauten von Kinderwagen.

2) Fahrgestelle und Teile davon.

3) Räder, auch mit Luftreifen, und Radteile.

2.3.2 6307. "Andere konfektionierte Waren,
einschliesslich Schnittmustern zum 
Herstellen von Bekleidung."

- andere
9010 -- aus pflanzlichen Spinnstoffen

-- aus anderen Spinnstoffen
9091 --- Röntgenschürzen
9099 --- andere

Die  Tarifnummer  befindet  sich  in  Abschnitt  XI:  "Spinnstoffe  und  Waren 
daraus".  Für  diese  gibt  es  keine  relevanten  Abschnitt-  oder  Kapitel-
Anmerkungen.

Gemäss den "Erläuterungen" umfasst die Nummer "konfektionierte Waren 
aus Spinnstoffen aller Art, die nicht in anderen Nummern des Abschnittes 
XI oder in anderen Kapiteln der Nomenklatur genauer erfasst sind". Soweit 
hier interessierend, werden folgende Waren dieser Nummer zugeordnet: 

17) tragbare Wiegen und ähnliche Vorrichtungen zum Transportieren von
Kindern.

3.

3.1 Zu  prüfen  ist  zunächst,  ob  die  Soft-Tragetasche  unter  die  Tarifnummer 
8715.000 eingereiht werden kann. 

3.1.1 Die  Beschwerdeführerin  argumentiert,  die  fragliche  Soft-Tragetasche  sei 
ein Ergänzungszubehör zu den M._______-3-Rad Joggern und folglich als 
integrierender  Bestandteil  eines  Kinderwagens  zu  betrachten.  Aus 
farblichen und technischen Gründen (Art der Fixierung) könne sie lediglich 
auf  den M._______-3-Rad Modellen verwendet  werden;  die Tragetasche 
passe nicht auf Chassis anderer Marken und werde deshalb auch nicht für 
Kinderwagen anderer  Hersteller  verkauft.  Die Tragetasche könne nur für 
Neugeborene  (0  bis  ca.  9  Monate)  verwendet  werden;  in  dieser  Phase 
diene der Kinderwagen als Liegewagen, ohne die Soft-Tragetasche könne 
und  dürfe  diesfalls  ein  Baby  nicht  ausgefahren  werden.  Nur  Eltern,  die 
einen  M._______-3-Rad  Jogger  erst  verwenden  wollen,  wenn  ihr  Kind 
bereits  sitzen  könne  (für  Kinder  ab  ca.  10  Monaten),  würden  den 
Kindersportwagen  ohne  Tragetasche  kaufen.  Die  Tasche  selber  werde 
aber  nie  bloss  als  einzelne  Tragetasche  verkauft.  Diese  Version  eines 
Kinderwagen-Oberteils  sei  als  leichtere  und  kostengünstigere  Version 
eines  Kinder-Liegewagens  entwickelt  worden.  Im  Gegensatz  zur  festen 
Trageschale mit Verdeck und Schutzdecke, welche direkt auf das Chassis 
montiert  werde,  werde  die  Soft-Tragetasche auf  dem Wagensitz  (mittels 
Schlaufe und Druckknopf-Sicherung) befestigt. Der Vorteil dieses Modells 

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sei,  dass  das  schlafende  Kind  in  der  Liegeposition  mitsamt  dem 
Kinderwagen-Oberteil,  also  der  Soft-Tragetasche,  aus  dem  Wagen 
gehoben werden könne, wobei dennoch der Hauptverwendungszweck als 
Kinderwagen und nicht als Tragetasche gelte. Werde die Soft-Tragetasche 
nicht  mehr  als  Liegeteil  benötigt,  liesse  sich  diese  in  einen  einfachen 
Fusssack  zum  Kinderwagen  umbauen.  Im  Übrigen  würde  die  Tasche 
lediglich  aus  preislichen  und  verpackungstechnischen  Gründen 
(Beschädigung,  Volumen,  Gewicht)  separat  vom  Kinderwagen  verpackt. 
Die  vom Zollamt  angewendete  Tarifnummer 6307.9099 beziehe sich auf 
Tragetaschen im herkömmlichen Sinne;  bei  der Soft-Tragetasche handle 
es  sich  aber  um  eine  Weiterentwicklung  des  Kinderwagenoberteils  und 
könne  auch  als  "Kinderwagen-Kuschel-Liegeeinsatz  mit  Trageriemen" 
bezeichnet  werden.  Die  Zollposition  müsse  den  neuen  Gegebenheiten 
angepasst werden.

3.1.2 Für  die  Vorinstanzen  sind  im  Wesentlichen  zwei  Punkte  relevant,  die 
gegen eine Einreihung in die fragliche Tarifnummer sprechen: Zum Einen 
handle es sich bei der Soft-Tragetasche nicht um einen Aufbau zu einem 
Kinderwagen. Die Tasche lasse sich vielmehr lediglich vorübergehend am 
Kinderwagen,  dessen  Fahrgestell  bereits  einen  Aufbau  aufweise, 
befestigen. Bei der Soft-Tragetasche handle es sich somit nicht um einen 
Aufbau  im  Sinne  der  Erläuterungen,  weshalb  sie  auf  Grund  ihrer 
Konstruktion  und  Beschaffenheit  nicht  integrierender  Bestandteil  eines 
Kinderwagens  sei.  Zum  Anderen  könne  das  Kleinkind  mit  der  Soft-
Tragetasche  vollkommen  unabhängig  vom  Kinderwagen  transportiert 
werden.  Sie  diene  damit  ausschliesslich  oder  hauptsächlich  als 
Tragetasche,  was schon alleine  aus der  Bezeichnung  hervorgehe.  Auch 
wenn  nicht  in  Abrede  zu  stellen  sei,  dass  die  Tragtasche  die  früher 
gebräuchlichen  Kinderwagen-Aufsätze  weitgehend  ersetzen  könne,  sei 
dies  kein  Argument,  Erzeugnisse  –  wie  die  strittige  Soft-Tragtasche  – 
einfach  als  "Teil"  zu  einem  Kinderwagen  im  Sinne  der  fraglichen 
Tarifnummer  zu  qualifizieren.  Aufgrund  ihrer  Beschaffenheit  und 
Verwendung  stelle  diese  in  erster  Linie  einen  allgemein  verwendbaren 
Gegenstand dar.

3.2

3.2.1 Damit  eine Ware als "Teil  eines Kinderwagens"  qualifiziert  werden kann, 
verlangen die Anmerkungen im "Tarifverzeichnis" und die "Erläuterungen" 
übereinstimmend eine Verarbeitung des Produktes dergestalt, dass dieses 
bestimmungsgemäss  ausschliesslich  oder  hauptsächlich  dem 
Kinderwagen dient.  Beispielhaft  nennen die "Erläuterungen" als derartige 
"Teile"  Aufbauten  zum  Kindersportwagen,  die  auf  dem  Fahrgestell 
befestigt werden können, sowie Aufbauten, die als Wiegen dienen können 
(vgl. II.  Ziff. 1).  Die Aufzählung ist  nicht  abschliessend;  weitere  Produkte 
sind  als  "Teil  eines  Kinderwagens"  zu  qualifizieren,  sofern  diese  dem 
Begriff  "Teil"  gemäss "Erläuterungen"  entsprechen.  Den in  den Ziffern  1 
bis 3 der "Erläuterungen" genannten Beispielen ist  gemeinsam, dass ein 
Kinderwagen ohne diesen Teil nicht funktionstüchtig ist bzw. ohne diesen 
Teil nicht als Kinderwagen verwendet werden kann: Ein Fahrgestell  ohne 

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Aufbaute  kann  nicht  als  Kinderwagen  dienen  (und  umgekehrt);  ein 
Kinderwagen ohne Rad erfüllt seinen Zweck nicht. Die Beurteilung, ob ein 
Produkt als "Teil" bzw. "Zubehör" eines Fahrzeuges dieser Tarifnummer zu 
qualifizieren  ist,  hat  sich  demzufolge  danach  zu  orientieren,  ob  der 
Kinderwagen  bzw.  Kindersportwagen  ohne  diesen  Teil  seinen  Zweck 
sinnvollerweise  noch  erfüllen  kann.  Eine  gewisse  Zusammengehörigkeit 
bzw. funktionale Abhängigkeit zwischen dem Fahrzeug und seinem Teil ist 
folglich  notwendig,  damit  der  Teil  "nach  seiner  Beschaffenheit 
ausschliesslich  oder  hauptsächlich  für  Fahrzeuge  oder  andere  Waren 
deses  Abschnittes  bestimmt  sind"  im Sinne der  Tarifnummer  8715.0000 
(E. 2.3.1 hiervor).

3.2.2 Die  M._______-3-Rad  Modelle  sind  in  mehrfacher  Weise  verwendbar, 
nämlich  als  Liegewagen  (für  Kleinkinder  bis  ca.  neun  Monate)  und  als 
Sitzwagen  (ab  ca.  zehn  Monaten).  Falls  der  Wagen  als  Sitzwagen 
verwendet  wird,  wird  die  Soft-Tragetasche   nicht  mehr  benötigt,  es  sei 
denn allenfalls – wie die Beschwerdeführerin ausgeführt hat – umgestaltet 
als Kinderwagen-Fusssack. Insofern ist der M._______-3-Rad Jogger ein 
in sich kompletter Kindersportwagen, der ohne Weiteres einsatzbereit ist. 
Soll  das M._______-3-Rad Modell  jedoch als Kinder-Liegewagen dienen, 
muss  die  Soft-Tragetasche  zwingend  eingesetzt  werden,  ansonsten  ein 
solches Kleinkind (z.B. Säugling) liegend nicht ausgefahren werden kann 
und darf; diese Feststellung wird von der Vorinstanz auch nicht bestritten. 
Damit  der  Kinderwagen als  Liegewagen funktionieren kann,  ist  die  Soft-
Tragetasche hierfür ein notwendiger Teil. Ohne sie können Kinder in den 
ersten  ca.  neun  Monaten  ihres  Lebens,  in  denen  sie  noch  nicht  selber 
sitzen können, nicht im Wagen liegend befördert  werden.  Zwischen dem 
Fahrzeug und seinem Teil besteht somit eine funktionale Abhängigkeit, soll 
der  Wagen in  diesen Fällen  seinen  Zweck  als  Liegewagen  erfüllen.  Die 
Soft-Tragetasche  stellt  somit  einen  integrierenden  Bestandteil  eines 
Kinderliegewagens dar.  Ferner  ist  die Tragetasche unbestrittenermassen 
technisch  so  ausgestattet,  dass  sie  ausschliesslich  in  die  als  Kinder-
Liegewagen  verwendeten  Modelle  der  Marke  M._______  eingesetzt 
werden  kann;  was  wiederum  die  beschriebene  funktionale  Abhängigkeit 
zwischen Wagen und Tragetasche unterstreicht. 

3.2.3 Diesen Zusammenhang verkennt die Verwaltung,  wenn sie sich bei ihrer 
Beurteilung allein am Kriterium der Aufbaute orientiert, die direkt auf dem 
Fahrgestell  montiert  werden muss. Dass sich das Kleinkind mit  der Soft-
Tragetasche zudem unabhängig vom Kinderwagen transportieren lässt, ist 
auch bei den herkömmlichen Aufbauten der Fall,  lassen sich doch damit 
Kleinkinder  ebenfalls  herumtragen.  Deshalb  kann  der  Auffassung  der 
Vorinstanz,  wonach  schon  aus  der  Bezeichnung  "Soft-Tragetasche" 
hervorgehe,  dass  diese  ausschliesslich  oder  hauptsächlich  als 
Tragetasche verwendet werde, nicht gefolgt werden. Sofern überhaupt auf 
diesen  so  verstandenen  Verwendungszweck  des  Teils  bei  der 
Tarifbestimmung  abzustellen  wäre,  könnte  derselbe  Einwand  mitunter 
auch  bei  der  in  den  Erläuterungen  genannten  Wiege  (vgl. II.  Ziff. 1) 
vorgebracht  werden,  liesse  sich  diese  doch  ausschliesslich 

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bezeichnungsgemäss als Wiege verwenden. 

3.2.4 Aus diesen Gründen ist die "Soft-Tragetasche" nach ihrer Beschaffenheit 
wenn  nicht  "ausschliesslich",  so  doch  mindestens  "hauptsächlich"  für 
Kinderwagen bestimmt im Sinn der Tarifnummer 8715.0000 (E. 2.3.1 und 
E. 3.2.1  hiervor)  und  ist  als  Teil  zu  einem  Kindersportwagen  in  diese 
Tarifnummer einzureihen.

4. Folglich  ist  die  Beschwerde  gutzuheissen.  Der  obsiegenden 
Beschwerdeführerin  und  der  OZD  sind  keine  Verfahrenskosten 
aufzuerlegen  (Art. 63  VwVG).  Die  Beschwerdeinstanz  hat  im  Dispositiv 
den Kostenvorschuss mit den Verfahrenskosten zu verrechnen und einen 
allfälligen  Überschuss  zurückzuerstatten.  Die  Beschwerdeführerin  ist 
weder vertreten noch ergeben sich andere notwendige Auslagen aus den 
Akten.  Eine  Parteientschädigung  ist  nicht  zuzusprechen  (Art. 8 ff.  sowie 
Art. 13 f.  des Reglements  vom 11. Dezember  2006 über die Kosten und 
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht, SR 173.320.2).

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde der B._______ AG wird gutgeheissen, und der Entscheid 
der OZD vom 2. September 2004 wird aufgehoben.

2. Es  werden  keine  Verfahrenskosten  erhoben.  Der  geleistete  Kosten-
vorschuss  von  Fr. 400.--  wird  der  Beschwerdeführerin  nach  Rechtskraft 
dieses Urteils zurückerstattet.

3. Dieses Urteil wird eröffnet: 

- der Beschwerdeführerin (mit Gerichtsurkunde)

- der Vorinstanz (Ref-Nr. _______) (mit Gerichtsurkunde)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Daniel Riedo Iris Widmer

Rechtsmittelbelehrung
Urteile des Bundesverwaltungsgerichts können innert dreissig Tagen seit der Eröffnung 
beim Schweizerischen Bundesgericht in Lausanne angefochten werden. Die Beschwerde 
ist  unzulässig gegen Entscheide über die Zollveranlagung,  wenn diese auf  Grund der 
Tarifierung  oder  des  Gewichts  der  Ware  erfolgt,  sowie  gegen  Entscheide  über  die 
Stundung  oder  den  Erlass  von  Abgaben.  Die  Rechtsschrift  ist  in  einer  Amtssprache 
abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und 
die  Unterschrift  zu  enthalten.  Sie  muss  spätestens  am  letzten  Tag  der  Frist  beim 
Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder einer 
schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben werden (Art. 

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42, 48, 54, 83 Bst. l und m und Art. 100 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über 
das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz, BGG, SR 173.110]). 

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