# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9d8d6fe2-1610-571c-b1db-a6e290c56c85
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-01-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.01.2012 E-801/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-801-2010_2012-01-20.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­801/2010

U r t e i l   v om   2 0 .   J a nua r   2 0 1 2

Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz),
Richter Daniele Cattaneo,
Richterin Regula Schenker Senn,   
Gerichtsschreiberin Sarah Straub.

Parteien A._____, geboren (…),
Sri Lanka,  
vertreten durch lic. iur. Monique Bremi,
Beratungsstelle für Asyl­ und Ausländerrecht,
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Flüchtlingseigenschaft und Asyl; 
Verfügung des BFM vom 8. Januar 2010 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der Beschwerdeführer, ein aus (…) stammender Tamile, verliess seinen 
Heimatstaat gemäss eigenen Angaben am 27. Juni 2007 über Colombo 
auf  dem  Luftweg  und  reiste  zunächst  in  einen  ihm  unbekannten 
afrikanischen Staat. Von dort  aus  flog er   nach Dubai  und weiter  in  ein 
ihm unbekanntes Land. Schliesslich gelangte er am 28. April 2008 in die 
Schweiz und suchte gleichentags um Asyl nach.

Anlässlich der Kurzbefragung vom 2.  Juni  2008 und der Anhörung vom 
21. Juli 2008 brachte der Beschwerdeführer vor, er habe in Sri Lanka als 
Technical  Supervisor  für  das  Rote  Kreuz  gearbeitet,  als  die  LTTE 
(Liberation Tigers of Tamil Eelam) neue Mitglieder zwangsrekrutiert habe. 
Trotz  der  Zusicherung  an  das  Rote  Kreuz,  dessen  Mitarbeiter  nicht  zu 
zwangsrekrutieren,  sei  im  November  2006  ein  Arbeitskollege 
zwangsrekrutiert worden und später im Kampf gefallen. Aus Angst vor der 
eigenen Zwangsrekrutierung habe er beim Roten Kreuz Ferien beantragt 
und sich während mehreren Monaten im Wald versteckt. Nur in der Nacht 
sei er manchmal nach Hause gegangen. Mit Schreiben vom 5. Mai 2007 
habe ihn die LTTE aufgefordert, sich am 28. Mai bei  ihr zu melden, was 
er jedoch aus Angst nicht getan habe und weiter  im Wald geblieben sei. 
Als  die  LTTE  danach  seinen  Vater  verhaftet  habe,  sei  er  ihrer 
Aufforderung  am  2. Juni  2007  schliesslich  doch  nachgekommen.  Der  
Vater  sei  daraufhin  entlassen  und  er  selbst  in  das  Basislager  B._____ 
gebracht worden, wo er der LTTE hätte beitreten sollen. Als er sich der 
Ausbildung  widersetzt  habe,  sei  er  während  zwei  bis  drei  Tagen 
eingesperrt  und  danach mit  Zwangsarbeit  bestraft  worden.  Am  zweiten 
Tag  der  Zwangsarbeit  habe  es  einen  Luftangriff  gegeben,  welcher  ihm 
und einem weiteren  jungen Mann die Flucht ermöglicht habe. Sie seien 
zuerst in ein Dorf gelangt, danach mit Hilfe eines Fischers nach C._____ 
und  schliesslich  mit  dem  Bus  nach  D._____,  wo  sie  den  Onkel  des 
Beschwerdeführers  hätten  aufsuchen  wollen.  Als  sie  jedoch  nach  dem 
Onkel gefragt hätten, seien sie von einem Polizisten angehalten und nach 
ihrer  Identität  und  der  Herkunft  gefragt  worden.  Die  geschilderte  Flucht 
habe  man  ihnen  nicht  geglaubt  und  sie  der  Zugehörigkeit  zur  LTTE 
verdächtigt.  Sie  seien  deshalb  festgenommen  und  mit  verbundenen 
Augen  und  gefesselten  Händen  an  einen  unbekannten  Ort  gebracht 
worden. Dort sei es zu Befragungen und Misshandlungen gekommen. Er 
(der Beschwerdeführer) sei kurz nach der Verhaftung mit einem Teller auf 
den Kopf geschlagen worden, so dass er bewusstlos geworden sei und 

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habe genäht werden müssen.  In den  folgenden Tagen sei er wiederholt 
mit Zigaretten am Rücken verbrannt worden. Davon und vom Schlag mit 
dem Teller  trage er noch heute sichtbare Narben. Nach sieben bis acht 
Tagen sei er dank einer Lösegeldzahlung seines Onkels, welcher von der 
Verhaftung  gehört  und  eine  Schlüsselperson  der  PLOTE  (People's 
Liberation  Organisation  of  Tamil  Eelam)  kontaktiert  habe,  freigelassen 
worden.  Von  Mitgliedern  der  PLOTE  sei  er  schliesslich  nach  Colombo 
gebracht  und  in  einem  PLOTE­Camp  untergebracht  worden,  bis  sein 
Onkel einen Schlepper für die Ausreise organisiert habe.

B. 
Mit Verfügung vom 8. Januar 2009 (recte: 8. Januar 2010) – eröffnet am 
11.  Januar  2010  –  lehnte  das  BFM  das  Asylgesuch  des 
Beschwerdeführers  ab,  ordnete  seine Wegweisung aus der Schweiz an 
und  schob  den  Vollzug  wegen  Unzumutbarkeit  der  Wegweisung  zu 
Gunsten  einer  vorläufigen  Aufnahme  auf.  Zur  Begründung  seines 
Entscheides  führte  das  Bundesamt  aus,  die  möglichen  staatlichen 
Verfolgungsmassnahmen vermöchten keine begründete Furcht  im Sinne 
des  Asylgesetzes  zu  begründen  und  eine  Verfolgung  seitens  der  LTTE 
sei  im  Zeitpunkt  des  Entscheides  nicht  mehr  zu  befürchten.  Für 
Einzelheiten wird auf die nachstehenden Erwägungen verwiesen.

C. 
Mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom  10.  Februar  2010  liess  der 
Beschwerdeführer  den  vorinstanzlichen  Entscheid  beim 
Bundesverwaltungsgericht  anfechten.  In  materieller  Hinsicht  beantragte 
er  die  Aufhebung  der  Verfügung  des  BFM  und  die  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft  sowie  die  Gewährung  von  Asyl,  eventualiter  die 
Rückweisung  der  Sache  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz.  In 
prozessualer  Hinsicht  beantragte  er  die Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  und  den  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses,  alles  unter  Entschädigungs­  und  Kostenfolge 
zulasten  der  Vorinstanz.  Für  die  Begründung  und Einzelheiten wird  auf 
die nachstehenden Erwägungen verwiesen.

D. 
Mit  Verfügung  vom  15.  Februar  2010  wies  der  Instruktionsrichter  das 
Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  ab  und  erhob 
einen  Kostenvorschuss,  welchen  der  Beschwerdeführer  fristgerecht 
bezahlte.

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E. 
Das  BFM  hielt  in  seiner  Vernehmlassung  vom  17.  März  2010 
vollumfänglich  an  seiner  Verfügung  vom  8.  Januar  2010  fest  und 
beantragte die Abweisung der Beschwerde.

F. 
Mit  Replik  vom  16.  April  2010  hielt  der  Beschwerdeführer  an  den 
gestellten Rechtsbegehren fest und reichte Fotos der Narben, welche ihm 
während  seiner  Haft  zugefügt  worden  seien,  sowie  einen  Brief  des 
District­Organizers  der  PLOTE,  E._____,  zur  Freilassung  des 
Beschwerdeführers  und  zum  Verdacht  der  Unterstützung  der  LTTE 
inklusive Zustellcouvert zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Be­
schwerdeführer  hat  am Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist 
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz­
würdiges  Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er 

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ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 108  Abs. 1 
sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 
VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

Vorliegend  sind  Beschwerdegegenstand  das  Asyl,  die 
Flüchtlingseigenschaft  und  die Wegweisung  als  solche.  Hinsichtlich  der 
angeordneten vorläufigen Aufnahme  ist die vorinstanzliche Verfügung  in 
Rechtskraft erwachsen. 

3.

3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

4. 

4.1.  Zur  Begründung  ihres  angefochtenen  Entscheides  führte  die 
Vorinstanz  aus,  bei  der  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten 
Festnahme  in D._____  durch  die  Armee  habe  es  sich  um  einen  örtlich 
beschränkten  Übergriff  lokal  stationierter  Sicherheitskräfte  gehandelt. 
Zwar  treffe  es  zu,  dass  die  Festnahme  vom  Juni  2007  und  die  damit 

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verbundenen  Massnahmen  Eingriffe  in  die  Bewegungsfreiheit  und  die 
körperliche  Integrität  darstellten.  Den  Schilderungen  des 
Beschwerdeführers  sei  jedoch  zu  entnehmen,  dass  er  ohne 
Anklageerhebung nach  rund einwöchiger Haft seine Freiheit gegen eine 
Lösegeldzahlung wiedererlangt habe. Erfahrungsgemäss würden die sri­
lankischen Behörden aber  bei Personen,  gegen die erhärteter Verdacht 
eines Verstosses gegen den Prevention of Terrorism Act (PTA) bestehe, 
regelmässig  strafrechtliche  Massnahmen  einleiten,  indem  sie  diese  in 
Haft  setze  und  in  ein  Zentralgefängnis  überführen  lasse.  Es  erscheine 
deshalb  aufgrund  des  geltend  gemachten  Sachverhaltes  wenig 
wahrscheinlich, dem Beschwerdeführer drohe im Zusammenhang mit den 
in D._____ erlittenen Nachteilen mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und 
in absehbarer Zukunft eine asylrelevante Verfolgung.

Zu  einer  Verfolgung  des  Beschwerdeführers  seitens  der  LTTE  hielt  die 
Vorinstanz  fest,  massgebend  für  die  Bestimmung  der 
Flüchtlingseigenschaft  sei  der  Zeitpunkt  des  Asylentscheides.  Deshalb 
setze die Asylgewährung voraus, dass ein Gesuchsteller im Zeitpunkt des 
Asylentscheides  von  asylrelevanter  Verfolgung  bedroht  sei  und  somit 
Schutz  brauche.  Da  der  Krieg  der  sri­lankischen  Regierung  und  der 
separatistischen  LTTE  im  Mai  2009  mit  deren  Niederlage  zu  Ende 
gegangen  sei  und  sich  damit  das  gesamte  Land  wieder  unter 
Regierungskontrolle  befinde,  habe  der  Beschwerdeführer  im  Zeitpunkt 
des Asylentscheides keine Nachteile durch die LTTE mehr zu befürchten, 
weshalb dieses Vorbringen nicht mehr asylrechtlich relevant sei.

Die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  würden  den  Anforderungen  an 
die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  AsylG  nicht  standhalten. 
Demzufolge  erfülle  er  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  so  dass  das 
Asylgesuch abzulehnen sei.

4.2.  In  der  Rechtsmitteleingabe  macht  der  Beschwerdeführer,  soweit 
nicht  der  Sachverhalt  wiederholt  wird,  vorab  auf  die  zahlreich 
dokumentierten  massiven  Menschenrechtsverletzungen  der  sri­
lankischen  Behörden  gegenüber  der  tamilischen  Bevölkerung 
aufmerksam,  welche  das  Amt  des  Hohen  Flüchtlingskommissars  der 
Vereinten  Nationen  (UNHCR)  zur  Empfehlung  bewogen  habe,  alle 
tamilischen  Asylsuchenden  aus  dem Norden  Sri  Lankas  als  Flüchtlinge 
anzuerkennen,  es  sei  denn,  es  gebe  eindeutige  entgegengesetzte 
Hinweise.

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Der  Schlussfolgerung  der  Vorinstanz  hält  der  Beschwerdeführer 
entgegen,  er  sei  nur  dank  der  Beziehungen  seines  Onkels  und  gegen 
Bezahlung  eines  Lösegeldes  frei  gekommen  und  somit  eindeutig  nicht 
offiziell  entlassen,  sondern  offenkundig  in  einem  verheimlichten 
Bestechungsvorgang  freigekauft  worden  sei.  Weiter  habe  sein  Onkel 
nach  der  Befreiung  Probleme  mit  den  sri­lankischen  Sicherheitskräften 
gehabt,  welche  nach  dem  Verbleib  des  Beschwerdeführers  geforscht 
hätten.  Aus  der  Freilassung  könne  somit  nicht  gefolgert  werden,  ihm 
drohe  keine  Verfolgung  mehr.  Vielmehr  sprächen  die  Umstände  dafür, 
dass er polizeilich registriert und gesucht sei.

Die  Vorinstanz  verkenne,  dass  der  Beschwerdeführer  aufgrund 
eindeutiger persönlicher Risikofaktoren, welche gemäss Entscheid EGMR 
(Europäischer  Gerichtshof  für  Menschenrechte)  Nr. 25904/07  vom 
17. Juli  2008 bei  der Rückkehr  tamilischer Personen nach Sri  Lanka zu 
prüfen  seien, mit  an Sicherheit  grenzender Wahrscheinlichkeit  bei  einer 
Rückkehr nach Sri Lanka am Flughafen in Haft genommen und gefoltert 
würde. Er sei unter der Anschuldigung der Zusammenarbeit mit der LTTE 
durch  die  sri­lankischen  Sicherheitsbehörden  in  Haft  genommen  und 
polizeilich registriert worden, aus der Haft geflohen, und er habe sichtbare 
Vernarbungen  und  im  Ausland  um  Asyl  nachgesucht.  Aufgrund  dieser 
Risikofaktoren sei die Gefahr der Verfolgung zweifellos asylrelevant, und 
dies  umso  mehr,  als  seine  Inhaftierung,  bei  welcher  er  massiv 
misshandelt  und  mit  dem  Tod  bedroht  worden  sei,  ebenfalls  als 
asylrelevant zu qualifizieren sei.

Bezüglich  der  Verfolgung  durch  die  LTTE  und  des  von  der  Vorinstanz 
geltend  gemachten  Endes  des  Kriegs  zwischen  der  sri­lankischen 
Regierung  und  der  LTTE  sei  darauf  hinzuweisen,  dass  die  Lage  im 
Untergrund nicht als beruhigt gelten könne und die Landbevölkerung  im 
Osten weiterhin in Furcht vor Gewalttätigkeiten der LTTE lebe.

Der  Beschwerdeführer  verfüge  sodann  nicht  über  eine  landesinterne 
Fluchtalternative. Seine gesamte Familie sei vermisst, und überdies leide 
er  an  einer  posttraumatischen  Belastungsstörung.  Die 
Flüchtlingseigenschaft sei daher erfüllt.

5.

5.1.  Vorweg  hält  das  Gericht  fest,  dass  für  die  Anerkennung  der 
Flüchtlingseigenschaft,  um  die  es  vorliegend  geht,  der  Zeitpunkt  des 

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Asylentscheides  massgeblich  ist.  Es  ist  zu  prüfen,  ob  die  Furcht  vor 
Verfolgung  in diesem Zeitpunkt  (noch) besteht und begründet  ist, wobei 
seit der Ausreise eingetretene Veränderungen der objektiven Situation im 
Verfolgerstaat  zu Gunsten und zu Lasten der asylsuchenden Person zu 
berücksichtigen  sind  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2005  Nr. 18).  Dies 
bedeutet, dass die Furcht vor Verfolgung im Zeitpunkt der Flucht aus dem 
Verfolgerstaat  bestanden  und  bis  zum  Zeitpunkt  des  Asylentscheides 
angedauert haben muss oder (bei Nachfluchtgründen) später entstanden 
ist.  Ist  die  Verfolgungsgefahr,  welche  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  noch 
bestanden  hat,  im  Zeitpunkt  des  Entscheides  über  die 
Flüchtlingseigenschaft  weggefallen,  fehlt  es  an  der  erforderlichen 
Aktualität.

5.2.  Der  Bürgerkrieg  in  Sri  Lanka,  ein  bewaffneter  Konflikt  zwischen 
tamilischen Separatisten (vor allem der LTTE) auf der einen und dem sri­
lankischen Militär  (sowie diversen paramilitärischen singhalesischen und 
tamilischen  Anti­LTTE­Einheiten)  auf  der  anderen  Seite  wurde  am 
19. Mai  2009  nach  dem  militärischen  Sieg  der  sri­lankischen  Armee 
offiziell  für beendet erklärt. Seither  ist das Führungskader der LTTE der 
Berichterstattung  zufolge  ausgelöscht  worden  und  es  gibt  keine 
Anzeichen dafür,  dass die  LTTE heute  noch  in  der  Lage wäre, Angriffe 
auf Sicherheitskräfte oder sonstige Attentate auszuführen. Es ist deshalb 
davon  auszugehen,  dass  im  heutigen  Zeitpunkt  von  der  LTTE  keine 
Verfolgungshandlungen  mehr  ausgehen  und  diese  Organisation 
respektive  deren  Führungsverantwortliche  nicht  mehr  als  Verfolger  in 
Erscheinung  treten  können.  Während  sich  die  Sicherheitslage 
weitestgehend stabilisiert hat, hat sich dagegen die Menschenrechtslage, 
namentlich  hinsichtlich  der  Meinungsäusserungs­  und  Pressefreiheit, 
weiter  verschlechtert  (vgl.  das  zur  Publikation  vorgesehene  Urteil  E­
6220/2006  vom  27. Oktober  2011,  welches  eine  detaillierte  und 
aktualisierte Lageanalyse beinhaltet).

5.3.  Bezüglich  der  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten 
Verfolgungsgefahr  aufgrund  der  Zugehörigkeit  zu  gewissen 
Risikogruppen  ist  auf  die  Lageanalyse  im  vorerwähnten  Urteil  zu 
verweisen.  Demnach  besteht  für  Personen,  welche  auch  nach 
Beendigung  des  Bürgerkriegs  verdächtigt  werden,  mit  der  LTTE  in 
Verbindung zu stehen beziehungsweise gestanden zu sein, eine erhöhte 
Verfolgungsgefahr.  Abgewiesene  tamilische  Asylsuchende  aus  der 
Schweiz  können  zwar  bei  einer  Rückkehr  verdächtigt  werden,  während 

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ihres  Auslandaufenthaltes  Kontakte  mit  führenden  LTTE­Kadern 
unterhalten  zu  haben,  aber  von  einem  Generalverdacht  ist  nicht 
auszugehen.  Innerhalb der Risikogruppen muss  im Einzelfall  untersucht 
werden,  ob  die  individuellen  Begebenheiten  eine  asylrelevante 
Verfolgungsgefahr zu begründen vermögen.

5.4.

5.4.1.  Im  Folgenden  ist  zu  prüfen,  inwieweit  der  Beschwerdeführer – 
allenfalls als Angehöriger einer Risikogruppe – im Falle einer Rückkehr in 
sein Heimatland eine begründete Furcht vor asylbeachtlicher Verfolgung 
im Sinne von Art. 3 AsylG hat.

5.4.2.  Soweit  der  Beschwerdeführer  eine  Verfolgung  durch  die  LTTE 
geltend  macht,  kann  eine  solche  heute  ausgeschlossen  werden, 
nachdem die  LTTE  im gesamten Gebiet  von Sri  Lanka  als  zerschlagen 
gilt  (vgl.  dazu  E.  5.2.  vorstehend).  Demzufolge  braucht  der 
Beschwerdeführer vor Behelligungen durch die LTTE keine Furcht mehr 
zu haben.

5.4.3.  Bezüglich  der  geltend  gemachten  Verfolgung  durch  staatliche 
Sicherheitskräfte  kann  aufgrund  der  geschilderten  Vorfälle  festgehalten 
werden,  dass  der  Beschwerdeführer  lediglich  während  einer  knappen 
Woche  von  der  LTTE  festgehalten  wurde  und  anschliessend  fliehen 
konnte.  Danach  wurde  er  gemäss  seinen  Angaben  von  sri­lankischen 
Sicherheitskräften  wegen  des  Verdachts  der  Zugehörigkeit  zur  LTTE 
zwar  festgenommen,  aber  nach  wenigen  Tagen  dank  der 
Lösegeldzahlung seines Onkels  freigelassen. Er weist damit keine enge 
Verbindung  zur  LTTE  auf,  welche  ein  Verfolgungsinteresse  der  sri­
lankischen Behörden zu begründen vermöchte. So erfolgte denn auch die 
Verhaftung  im  Juni  2007  gemäss  Angaben  des  Beschwerdeführers 
aufgrund  des Verdachts,  dass  er  Bomben  habe  legen wollen  (vgl.  S.  7 
und  8  des  Anhörungsprotokolls  A17)  und  nicht  aufgrund  einer 
herausragenden  Stellung  innerhalb  der  LTTE.  Die  Vorinstanz  geht 
sodann  zu  Recht  davon  aus,  dass  beim  erhärteten  Verdacht  eines 
Verstosses  gegen  den  Prevention  of  Terrorism  Act  (PTA)  konkretere 
strafrechtliche  Massnahmen  wie  eine  formelle  Inhaftierung  und  die 
Überweisung  in  ein  Zentralgefängnis  getroffen  worden  wären.  Die 
Umstände der Festnahme und der Befragungen  lassen ebenfalls darauf 
schliessen,  dass  der  Beschwerdeführer  lediglich  als  untergeordnetes 
Mitglied der LTTE eingestuft wurde. 

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Angesichts  des  Umstandes,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht  in 
exponierter Stellung  für die LTTE tätig war,  ist davon auszugehen, dass 
zum  heutigen  Zeitpunkt  kein  gezieltes  Verfolgungsinteresse  der  sri­
lankischen Behörden an ihm besteht. Die geschilderte Festnahme im Juni 
2007 steht mit  dieser Schlussfolgerung entgegen den Vorbringen  in der 
Beschwerdeschrift in keinerlei Widerspruch.

Schliesslich  gehen  aus  den  Verfahrensakten  auch  keine  Anhaltspunkte 
hervor, der Beschwerdeführer könnte während seines Aufenthaltes in der 
Schweiz  nahe  Kontakte  zur  LTTE  unterhalten  haben.  Das 
Bundesverwaltungsgericht geht aufgrund der Aktenlage nicht davon aus, 
dass  der  Beschwerdeführer  von  den  sri­lankischen  Sicherheitskräften 
gesucht  wurde  respektive  in  Zukunft  verfolgt  werden  könnte.  Der 
Umstand allein,  dass er  in  der Schweiz  ein Asylgesuch eingereicht  hat, 
vermag seine Flüchtlingseigenschaft ebenfalls nicht zu begründen.

5.4.4.  Aufgrund  der  vorstehenden Ausführungen  ist  davon  auszugehen, 
dass  im  heutigen  Zeitpunkt  nicht  mit  überwiegender Wahrscheinlichkeit 
angenommen  werden  muss,  dem  Beschwerdeführer  drohten  bei  einer 
Rückkehr  in  seinen  Heimatstaat  ernsthafte  Nachteile  im  Sinne  des 
Asylgesetzes.  Damit  erübrigt  es  sich,  auf  die weiteren  Ausführungen  in 
den  Rechtsmitteleingaben  des  Beschwerdeführers  im  Einzelnen 
einzugehen, da sie am Ergebnis des vorliegenden Verfahrens nichts zu 
ändern vermögen.

6.
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen und auf den Antrag auf 
Rückweisung  der  Sache  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  ist  nicht 
einzugehen.

7.

7.1. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es  in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet  den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der 
Einheit  der  Familie  (Art.  44  Abs.  1  AsylG).  Ist  der  Vollzug  der 
Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich,  so 
regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den 

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gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes 
vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer 
[AuG, SR 142.20]).

7.2.  Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine 
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen Anspruch 
auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht 
angeordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 737). Da er mit Verfügung des 
BFM  vom                      8.  Januar  2010  vorläufig  aufgenommen  wurde, 
erübrigen  sich  weitere  Ausführungen  zur  Frage  der  Durchführbarkeit 
des Vollzuges.

8.
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwer­
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.­ 
festzusetzen (Art. 1 ­ 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 
SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3. 
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und (…).

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Bruno Huber Sarah Straub

Versand: