# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 28914049-c0e2-56d6-ac8c-1e93286ab348
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-11-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.11.2009 D-6223/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6223-2009_2009-11-05.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6223/2009
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  5 .  N o v e m b e r  2 0 0 9

Einzelrichter Daniel Schmid, 
mit Zustimmung von Richter Bruno Huber;
Gerichtsschreiberin Milva Franceschi.

A._______, geboren (...),
Eritrea,
vertreten durch Rechtsberatungsstelle für 
Asyl Suchende Aargau, (...), 
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 17. September 2009 N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-6223/2009

Sachverhalt:

A.
A.a Der Beschwerdeführer hat eigenen Angaben zufolge sein Heimat-
land Eritrea am 22. Februar 2008 in Richtung Libyen verlassen und ist 
einige Tage später nach Sizilien gelangt, wo ihm seine Fingerabdrücke 
genommen  worden  sind.  Er  hat  anschliessend  bis  zum  20. Janu-
ar 2009 illegal in der Olivenbewirtschaftung in Sizilien gearbeitet und 
ist dann mit dem Zug über Rom und Mailand in die Schweiz gereist. 

A.b Gemäss der Datenbank EURODAC hat der Beschwerdeführer am 
24. August 2008 in B._______, Italien, und am 25. September 2008 in 
C._______, Italien, ein Asylgesuch gestellt.

A.c Am 4. Februar 2009 wurde der Beschwerdeführer im Empfangs- 
und Verfahrenszentrum (EVZ)  D._______ summarisch zum Reiseweg 
und zu den Asylgründen befragt. Dort teilte der zuständige Sachbear-
beiter  des BFM dem Beschwerdeführer  mit,  dass er  in  Italien regis-
triert  und daktyloskopisch erfasst  worden sei. Aus diesem Grund sei 
grundsätzlich Italien für die Durchführung des Asylgesuchs zuständig. 
Das BFM werde Italien anfragen, ob es der Rückübernahme des Be-
schwerdeführers zustimme. Gleichzeitig wurde ihm die Möglichkeit ge-
geben, sich zur Wegweisung nach Italien zu äussern. Er erklärte, dass 
er  wegen seines  Bruders  E._______,  der  sich  als  Asylsuchender  in 
der Schweiz aufhalte (N ...), hierher gekommen sei. Sein Ziel sei im-
mer die Schweiz gewesen.

B.
Am 1. Juli 2009 teilte das BFM den zuständigen italienischen Behör-
den  mit,  dass  der  Beschwerdeführer  am  24.  August  2008  in 
B._______ illegal in den Dublin Raum gelangt sei und am 25. Septem-
ber 2008 in  C._______ ein Asylgesuch gestellt habe, weshalb grund-
sätzlich Art. 16 Abs. 1 Bst. c der  Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des 
Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfah-
ren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von 
einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylan-
trags zuständig ist [VO Dublin] erfüllt sei und die italienischen Behör-
den  daher  darum ersucht  würden,  den  Beschwerdeführer  zurückzu-
nehmen.

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C.
Am 16. Juli  2009 richtete das BFM an die zuständigen italienischen 
Behörden die Mitteilung, dass sie bis heute keine Nachricht erhalten 
habe, weshalb gestützt auf Art. 20 Abs. 1 Bst. c VO Dublin Italien als 
zur Durchführung des Asylverfahrens zuständig erachtet werde.

D.     
Mit  Verfügung  vom  17.  September  2009  trat  das  BFM  gestützt  auf 
Art. 34  Abs. 2  Bst. d  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG, 
SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und 
ordnete dessen Wegweisung aus der Schweiz nach Italien sowie den 
Vollzug an. Des Weiteren wies das Bundesamt den Beschwerdeführer 
an, die Schweiz sofort  zu verlassen. Zudem hielt die Vorinstanz fest, 
dass  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide  gestützt  auf 
Art. 107a AsylG keine aufschiebende Wirkung haben.

Zur  Begründung dieses Entscheides führte das Bundesamt aus,  der 
Beschwerdeführer sei am 24. August 2008 in  B._______, Italien, ille-
gal eingereist und habe am 25. September 2008 in C._______, Italien, 
ein Asylgesuch eingereicht; er sei an beiden Orten daktyloskopisch er-
fasst worden. Aus diesem Grund sei gestützt auf das Abkommen vom 
26.  Oktober 2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft 
und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren 
zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in ei-
nem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags 
(SR 0.142.392.68,  nachfolgend  Abkommen  vom  26.  Oktober  2004) 
und  dem  Übereinkommen  vom  17. Dezember  2004  zwischen  der 
Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Republik Island und dem Kö-
nigreich Norwegen über die Umsetzung, Anwendung und Entwicklung 
des Schengen-Besitzstands und über die Kriterien und Verfahren zur 
Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  der 
Schweiz,  in  Island  oder  in  Norwegen  gestellten  Asylantrags 
(SR 0.362.32, nachfolgend Übereinkommen vom 17. Dezember 2004) 
Italien für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig. Italien habe 
bis zum 16. Juli  2009 auf das Rückübernahmeersuchen nicht geant-
wortet, weshalb von der Zustimmung zur Rückübernahme ausgegan-
gen werde. Die Rückführung habe – vorbehältlich einer allfälligen Un-
terbrechung gemäss Art. 19 Abs. 3 Dublin VO oder Verlängerung ge-
mäss Art. 19 Abs. 4 Dublin VO – bis spätestens am 17. Januar 2010 zu 
erfolgen. Die Vorinstanz führte weiter aus, dem Beschwerdeführer sei 
im  Hinblick  auf  ein  Dublin-Verfahren  das  rechtliche  Gehör  gewährt 

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worden. Seine Aussage, er  habe nicht  in Italien bleiben wollen,  sein 
Ziel  sei  die Schweiz gewesen, wo sich sein Bruder aufhalte, ändere 
nichts an der Zuständigkeit Italiens für das Asyl- und Wegweisungsver-
fahren.

Wunschgemäss eröffnete das Migrationsamt des Kantons Aargau dem 
Beschwerdeführer  diese  vorinstanzliche  Verfügung  mit  separatem 
Schreiben vom 28. September 2009.

E.
Mit  Verfügung vom 23. September  2009 teilte  das  BFM den italieni-
schen Behörden mit,  dass der Beschwerdeführer mit einem Flug am 
14. Oktober von Zürich nach Rom überstellt werde.

F.     
Mit  vorab  per  Telefax  übermittelter  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin 
vom 1. Oktober 2009 focht  der Beschwerdeführer  die Verfügung des 
BFM  vom  17.  September  2009  beim  Bundesverwaltungsgericht  an. 
Dabei beantragte er, die Verfügung sei aufzuheben und das Bundes-
amt  anzuweisen,  auf  das  Asylgesuch  einzutreten.  Eventuell  sei  die 
Vorinstanz anzuweisen,  das Recht  zum Selbsteintritt  auszuüben und 
sich für das vorliegende Asylgesuch als zuständig zu erachten.

In  prozessualer  Hinsicht  ersuchte  der  Beschwerdeführer  darum,  der 
Beschwerde sei im Sinne vorsorglicher Massnahmen die aufschieben-
de Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehörden seien anzuweisen, 
von einer Überstellung nach Italien abzusehen bis das Bundesverwal-
tungsgericht über den Suspensiveffekt der eingereichten Beschwerde 
entschieden habe. Zudem sei  ihm  die unentgeltliche Prozessführung 
gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zu gewähren und 
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten.

Auf  die Begründung der  Beschwerde wird,  soweit  für  den Entscheid 
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

G.
Mit  Zwischenverfügung vom 1. Oktober 2009 setzte der Instruktions-
richter  des  Bundesverwaltungsgerichts  den  Vollzug  der  Wegweisung 
im Sinne einer vorsorglichen Massnahme vorläufig aus.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Verfü-
gungen, die gestützt auf das AsylG durch das BFM erlassen worden 
sind,  entscheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  endgültig  (Art. 105 
AsylG i.V.m. Art. 31-33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichts-
gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  können  die 
Verletzung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Missbrauch  und  Über-
schreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststel-
lung des rechtserheblichen Sachverhalts  und die Unangemessenheit 
gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

2.
2.1 Der Beschwerdeführer ist  durch die angefochtene Verfügung be-
sonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhe-
bung. Er ist damit zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 48 
Abs. 1 VwVG). 

2.2 Die Verfügung des BFM vom 17. September 2009 wurde dem Be-
schwerdeführer  mit  separatem  Schreiben  des  Migrationsamtes  des 
Kantons  Aargau  vom  28.  September  2009  gemäss  Rückschein  am 
30. September 2009 eröffnet. Mit Beschwerdeeingabe vom 1. Oktober 
2009 wurde somit die gesetzliche Beschwerdefrist von fünf Arbeitsta-
gen gemäss Art. 108 Abs. 2 AsylG gewahrt. Auf die im Übrigen form-
gerecht  eingereichte  Beschwerde ist  somit  einzutreten (Art.  6  AsylG 
i.V.m. Art. 48 Abs. 1, Art. 52 VwVG).

3.
Vorab ist auf die Rüge einzugehen, dass der Beschwerdeführer keine 
tatsächliche Möglichkeit zur Erhebung einer Beschwerde und zur Ein-
reichung eines Gesuchs um Gewährung der aufschiebenden Wirkung 
der  Beschwerde  gehabt  habe  und  daher  das  Gebot  des  effektiven 
Rechtsschutzes im Sinne von Art. 6 Abs. 1 der Konvention vom 4. No-
vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK, SR 0.101)  und Art. 13 EMRK beziehungsweise Art. 29a  der 
Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 
18. April 1999 (BV, SR 101) verletzt worden sei. Wie bereits oben fest-

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gestellt,  wurde die  vorinstanzliche Verfügung dem Beschwerdeführer 
am  30. September  2009  eröffnet,  weshalb  die  Beschwerdefrist  am 
7. Oktober 2009 endete. Während dieser fünf Arbeitstage unterstand 
der  Beschwerdeführer  keiner  Freiheitsbeschränkung  in  der  Schweiz. 
Der in der Zwischenzeit  annullierte  Flug nach Rom war ursprünglich 
für den 14. Oktober 2009 gebucht. Damit ergibt es sich, dass die vorin-
stanzliche Verfügung vom 17. September 2009 nicht erst im Zeitpunkt 
des Vollzugs der Transferentscheidung respektive kurz vorher eröffnet 
wurde. Auch hatte der Beschwerdeführer entgegen seiner Meinung of-
fensichtlich  die  tatsächliche  Möglichkeit,  mit  seiner  Eingabe  vom 
1. Oktober  2009  ein  Rechtsmittel  zu  ergreifen  und  Anträge  auf  vor-
sorgliche Massnahmen zu stellen. Die Rüge, Art. 6 Abs. 1 EMRK und 
Art. 13 EMRK respektive Art. 29a BV seien verletzt, ist daher zurück-
zuweisen.

4.
4.1 Über  offensichtlich  begründete  Beschwerden  wird  in 
einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung eines zweiten Rich-
ters oder einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). 
Wie nachfolgend aufgezeigt wird, handelt es sich im vorliegenden Fall 
um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).

4.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wird auf einen Schriftenwech-
sel verzichtet.

5.
5.1 Das  Bundesamt  führte  in  seiner  Verfügung  vom 17.  September 
2009 unter  anderem aus, der Beschwerdeführer habe anlässlich der 
Gewährung des rechtlichen Gehörs angegeben, er habe nicht in Italien 
bleiben wollen; sein Ziel sei die Schweiz gewesen, wo sich sein Bruder 
aufhalte. Das Amt kommt in Anbetracht  dessen ohne weitergehende 
Ausführungen  zum Schluss,  diese  Erklärungen  des  Beschwerdefüh-
rers  änderten nichts  an der  Zuständigkeit  Italiens  für  das  Asyl-  und 
Wegweisungsverfahren.

5.2 In der Beschwerde wird in diesem Zusammenhang unter anderem 
vorgebracht,  der  minderjährige  Bruder  des  Beschwerdeführers, 
E._______, sei  im November 2008 in die Schweiz gereist, wo er ein 
Asylgesuch gestellt habe. Die beiden Brüder lebten heute zusammen 
in der gleichen Asylunterkunft und der Beschwerdeführer betreue sei-
nen jüngeren Bruder; er sei für ihn de facto sein Vormund. E._______ 

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sei vor Inkrafttreten der Dublin-Verordnung in die Schweiz gereist und 
über sein Asylgesuch sei noch nicht entschieden worden.

6. Bei dieser Ausgangslage stellt sich die zentrale Frage, ob die Vorin-
stanz  im  Rahmen  des  Erlasses  der  angefochtenen  Verfügung  ihren 
Pflichten im Zusammenhang mit  dem Anspruch des Beschwerdefüh-
rers auf rechtliches Gehör hinreichend nachgekommen ist. Dieser mit 
Grundrechtsqualität  ausgestattete  Grundsatz  des  rechtlichen Gehörs 
im Sinne von Art.  29  Abs. 2  BV umfasst  eine  Anzahl  verschiedener 
Verfahrensgarantien (vgl.  etwa  JÖRG PAUL MÜLLER/MARKUS SCHEFER, 
Grundrechte  in  der  Schweiz,  4. Aufl.,  Bern  2008,  S. 846  f.,  ULRICH 
HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht, 
5. Aufl., Zürich/Basel/Genf/St. Gallen 2006, S. 360 ff.). 

Der  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  wird  durch  die  Art.  29  bis  35 
VwVG konkretisiert  und umfasst  zunächst  das Recht  auf  vorgängige 
Äusserung und Anhörung, welches den Betroffenen einen Einfluss auf 
die Ermittlung des wesentlichen Sachverhaltes sichert. Unerlässliches 
Gegenstück der Mitwirkungsrechte der Parteien bildet ausserdem als 
weiterer wichtiger Teilgehalt des rechtlichen Gehörs die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen der Betroffenen sorgfältig und ernsthaft zu prü-
fen  und  in  der  Entscheidfindung  zu  berücksichtigen;  daraus  folgt 
schliesslich auch die grundsätzliche Pflicht  der Behörden, ihren Ent-
scheid  zu  begründen  (BGE  123 I 31  E. 2c,  BGE  112  Ia  109  E.  2b, 
BERNHARD WALDMANN/JÜRG BICKEL, in: Bernhard Waldmann/Philippe Weis-
senberger  [Hrsg.],  Praxiskommentar  VwVG,  Zürich/Basel/Genf  2009, 
Art. 30,  N 5;  vgl.  ausserdem  BERNHARD WALDMANN/JÜRG BICKEL,  ebd., 
Art. 32).

Die Begründung eines Entscheides muss sodann so abgefasst  sein, 
dass der Betroffene ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. 
Somit  müssen  wenigstens  kurz  die  Überlegungen  genannt  werden, 
von denen sich die Behörde leiten liess und auf welche sich ihr Ent-
scheid stützt. Das bedeutet indessen nicht, dass sich diese ausdrück-
lich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Ein-
wand auseinandersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den 
Entscheid wesentlichen Gesichtspunkt  beschränken (Entscheidungen 
und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
[EMARK] 2006 Nr. 24 E.5.1 S. 256; BGE 112 Ia 110 E. 2b).

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7.
Das Bundesverwaltungsgericht  stellt  fest,  dass  das  BFM namentlich 
seiner Begründungspflicht offensichtlich nicht hinreichend nachgekom-
men ist.

7.1 Die Dublin-Verordnung wurde im Bestreben erlassen, die Einheit 
der Familie zu wahren, soweit dies mit den sonstigen Zielen vereinbar 
sei  (vgl. Ziff. 6 der Erwägungsgründe zur Dublin VO). Gemäss Art. 8 
Dublin VO obliegt die Prüfung des Asylantrags einer Person demjeni-
gen Mitgliedstaat,  in  welchem diese Person einen Familienangehöri-
gen hat,  über  dessen  Asylantrag der  betreffende Mitgliedstaat  noch 
keine  erste  Sachentscheidung  getroffen  hat,  sofern  die  betroffenen 
Personen dies wünschen. In Art. 2 Bst. i Dublin VO wird definiert, wel-
che Personen unter den Begriff "Familienangehörige" fallen. Nach der 
Rechtsprechung der Strassburger Organe zu Art. 8 EMRK fallen zu-
dem über die Kernfamilie  hinausgehende verwandtschaftliche Bande 
– namentlich auch diejenigen zwischen Grosseltern und ihren Enkeln 
beziehungsweise  Enkelinnen,  zwischen  Onkeln/Tanten  sowie  ihren 
Nichten und Neffen sowie zwischen Geschwistern – unter den Schutz 
der Einheit der Familie, sofern eine nahe, echte und tatsächlich geleb-
te  Beziehung  zwischen  den  Angehörigen  besteht  (BVGE  2008/47 
E. 4.1.1; CARONI MARTINA, Schriften zum Europäischen Recht, Band 58, 
Privat-  und  Familienleben  zwischen  Menschenrecht  und  Migration, 
S. 25 und S. 35 mit Hinweisen auf Urteile des Europäischen Gerichts-
hofs  für  Menschenrechte,  Strassburg). In  diesem Zusammenhang ist 
schliesslich auf Art. 15 Dublin VO (Humanitäre Klausel) hinzuweisen, 
welche  es  ermöglichen  würde,  aus  humanitären  Gründen  die  Fami-
lieneinheit herzustellen respektive zu bewahren, wenn kein Anspruch 
auf Familienzusammenführung besteht. Schliesslich enthält die Dublin 
VO Bestimmungen, welche zur Anwendung kommen, wenn – wie vor-
liegend – minderjährige Asylsuchende betroffen sind (vgl. Art. 2 Bst. h, 
Art. 4 Abs. 3, Art. 6 sowie Art. 14 Bst. b Dublin VO).

7.2 Indem das Bundesamt zur Begründung seines Entscheides gleich-
sam in der  Form einer  die  Behauptung anführt,  das Vorbringen des 
Beschwerdeführers, er habe in die Schweiz zu seinem minderjährigen 
Bruder kommen wollen, ändere nichts an der Zuständigkeit Italiens für 
das Asyl- und Wegweisungsverfahren, verletzt es offensichtlich seine 
Begründungspflicht.

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8.

8.1 Es stellt  sich nunmehr die Frage, ob die festgestellte Verletzung 
des  Anspruchs  auf  rechtliches  Gehör  geheilt  werden  kann  oder  zur 
Kassation der angefochtenen Verfügung führen muss. Aus prozessöko-
nomischen Gründen hat der Gesetzgeber die Verwaltungsbeschwerde 
grundsätzlich  reformatorisch  ausgestaltet.  Gemäss  Art.  61  Abs.  1 
VwVG darf  eine  Kassation  und  Rückweisung  an  die  Vorinstanz  nur 
ausnahmsweise erfolgen, so etwa, wenn weitere Tatsachen festgestellt 
werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzuführen 
ist. Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann zwar grund-
sätzlich durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn 
dies im Einzelfall  aus prozessökonomischen Gründen angebracht er-
scheint. Allerdings  muss eine Grenze gezogen werden,  deren Über-
schreitung  nicht  mehr  ohne  weiteres  durch  die  Beschwerdeinstanz 
rückgängig gemacht werden kann. Eine sachgerechte Lösung im Sin-
ne einer Heilung oder Kassation hat sich entscheidend an der Schwe-
re der Verletzung einer Verfahrensvorschrift, aber auch daran zu orien-
tieren, ob die Verletzung auf einem Versehen beruht oder das Resultat 
einer gehäuften unsorgfältigen Verfahrensführung ist. Ob indessen die 
Missachtung von Verfahrensvorschriften durch die Vorinstanz Einfluss 
auf das Ergebnis hatte, kann bei einer Verletzung des Anspruchs auf 
rechtliches  Gehör  angesichts  seiner  formellen  Natur  von vornherein 
keine Rolle spielen (EMARK 2004 Nr. 38 E. 7.1).

8.2 Im vorliegenden Fall ist die Verletzung der Begründungspflicht als 
schwerwiegender Mangel zu erachten, weil das BFM über das Asylge-
such entschieden hat, ohne sich in seinen Erwägungen auch nur an-
satzweise mit  der  Frage der  Familieneinheit  auseinander  zu  setzen, 
und dieses Unterlassen nicht auf einem Versehen beruht, sondern das 
Ergebnis einer unsorgfältigen Verfahrensführung ist.

8.3 Es ergibt sich damit, dass die Beschwerde insofern gutzuheissen 
ist, als damit die Aufhebung der Verfügung vom 17. September 2009 
beantragt wurde. Die Sache ist zu neuem Entscheid im Sinne der Er-
wägungen an das BFM zurückzuweisen. Bei dieser Sachlage erübrigt 
es sich, auf die übrigen Ausführungen in der Beschwerdeschrift näher 
einzugehen.

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9.
Mit dem vorliegenden Entscheid in der Hauptsache wird das Gesuch 
um Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde 
gegenstandslos.

10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erhe-
ben (Art. 63 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG). Das mit der Beschwer-
deschrift gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird somit gegenstandslos.

10.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG kann der obsie-
genden Partei  von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädi-
gung für  die ihr erwachsenen notwendigen und verhältnismässig ho-
hen Kosten zugesprochen werden (vgl. Art. 7 ff. des Reglements über 
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 
vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Seitens der Rechtsver-
treterin  des Beschwerdeführers wurde keine Kostennote eingereicht. 
Auf  die  Nachforderung  einer  solchen  wird  indessen  verzichtet  (vgl. 
Art. 14 Abs. 2 VGKE), weil im vorliegenden Verfahren der Aufwand zu-
verlässig  abgeschätzt  werden  kann.  Gestützt  auf  die  in  Betracht  zu 
ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) sind dem Beschwer-
deführer Fr. 600.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) als Parteient-
schädigung  zuzusprechen.  Dieser  Betrag  ist  dem  Beschwerdeführer 
durch das BFM zu entrichten. 

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 10

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen und die 
Verfügung des BFM vom 17. September 2009 wird aufgehoben.

2.
Die Akten werden dem BFM zur erneuten Beurteilung der Sache über-
wiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Dem Beschwerdeführer  wird eine Parteientschädigung von Fr. 600.– 
zugesprochen, die ihm durch das BFM zu entrichten ist.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das  BFM,  Abteilung  Aufenthalt,  mit  den  Akten  Ref.-Nr.  N  (...) 

(per Kurier; in Kopie)
- (zuständige kantonale Amt) ad (...) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Daniel Schmid Milva Franceschi

Versand: 

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