# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e868b523-ca85-59a6-ac56-c4e206307f5f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-08-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.08.2008 D-1736/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1736-2008_2008-08-20.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-1736/2008
sch/bah
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 0 .  A u g u s t  2 0 0 8

Richter Hans Schürch (Vorsitz), 
Richter Gérald Bovier, Richter Bendicht Tellenbach, 
Gerichtsschreiber Christoph Basler.

A._______, geboren _______,
Bhutan,
vertreten durch lic. iur. Dominik Heinzer, 
Advokatur Kanonengasse, _______,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 5. März 2008 / N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Gegenstand

Parteien

D-1736/2008

Sachverhalt:

I

A.
Der Beschwerdeführer verliess sein Heimatland (Bhutan) eigenen An-
gaben gemäss am 13. August 1988 und lebte bis zum 4. Juli 2001 in 
Nepal. Anschliessend begab er sich nach Indien, von wo er am 2. Au-
gust  2001  nach  Italien  flog.  Am  9.  August  2001  gelangte  er  in  die 
Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte.

A.a Bei  der  Empfangsstellenbefragung,  die  am  10.  August  2001  in 
A._______ stattfand,  sagte er  aus,  er  sei  ein  ethnischer  Nepali  und 
habe Bhutan verlassen, weil man sie habe zwingen wollen, sich zu as-
similieren. Der Präsident der „Bhutan Peoples Party“ sei  nach Nepal 
geflohen und habe Flugblätter an seine Adresse zugestellt. Die Polizei 
habe ihn auf den Posten mitgenommen und ihn befragt. Er sei als Re-
gierungsgegner bezeichnet und zwei Wochen lang inhaftiert und wäh-
rend der Haft  misshandelt  worden. Nach der Haftentlassung habe er 
sich eine Woche in Spitalpflege begeben; 20 Tage später sei er geflo-
hen. Nepal habe er verlassen, weil er im Flüchtlingslager nicht genug 
zu essen erhalten habe; er brauche Schulgeld für die Kinder. 

A.b Am 9. Januar 2002 wurde der Beschwerdeführer von der zustän-
digen kantonalen Behörde zu seinen Asylgründen angehört. Er machte 
geltend, seine Frau habe nach seiner Ausreise zusammen mit den Kin-
dern  das  Flüchtlingscamp  verlassen  und  lebe  nun  in  einer  kleinen 
Stadt bei Kathmandu. Er habe von 1988 bis im August 2001 in einem 
Flüchtlingscamp in Nepal gelebt und sei ehrenamtlich als Sozialarbei-
ter tätig gewesen. Von einer Hilfsorganisation habe er Schulgeld für die 
Kinder und Geld für Lebensmittel erhalten. Er leide nach wie vor unter 
den Misshandlungen, denen er während der Haft in Bhutan ausgesetzt 
worden sei,  und sei  auch in der Schweiz beim Arzt gewesen. Nepal 
habe er verlassen, weil er von den Maoisten bedroht worden sei. Seine 
Familie habe in Nepal keine Zukunft. Aufgrund seiner Tätigkeit als So-
zialarbeiter sei er respektiert  gewesen. Die Maoisten hätten gedacht, 
wenn sie ihn für sich gewinnen könnten, würden sich ihnen auch ande-
re Leute anschliessen. Sie seien mehrere Male zu ihm ins Lager ge-
kommen und hätten gesagt,  er müsse für ihre Partei  arbeiten. Da er 
von der nepalesischen Regierung unterstützt worden sei, habe er nicht 
gegen  diese  arbeiten  wollen. Ab  März/April  habe  man ihm gedroht, 

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dass  man  ihm  Schaden  zufügen  könnte,  falls  er  nicht  mitmache. 
Seiner Frau habe man gesagt, sie solle ihn zur Partei bringen, sonst 
werde man seine Kinder umbringen. 

A.c Der Beschwerdeführer reichte bei der Vorinstanz mehrere Doku-
mente ein (vgl. Ziffn. 1. bis 10. Beweismittelumschlag, act. A11/1).

A.d Am 21. Januar 2002 erkundigte sich das UNHCR beim Bundes-
amt nach dem Status des Beschwerdeführers in der Schweiz, da seine 
Ehefrau eine Familienzusammenführung beantragt habe. Das Bundes-
amt übermittelte dem UNHCR am 11. März 2002 die gewünschte Aus-
kunft.

A.e Im Auftrag des Bundesamtes führte ein von diesem beauftragter 
Experte am 17. November 2003 ein Gespräch mit  dem Beschwerde-
führer, aufgrund dessen er eine Herkunftsanalyse (LINGUA) erstellte. 
In seinem Bericht vom 1. Dezember 2003 gelangte der Experte zum 
Schluss,  der  Beschwerdeführer  sei  mit  Sicherheit  hauptsächlich  in 
Bhutan sozialisiert worden.

B.
Mit Verfügung vom 1. Juni 2004 lehnte das Bundesamt das Asylgesuch 
des  Beschwerdeführers  gestützt  auf  Art.  52  des  Asylgesetzes  vom 
26. Juni 1998 (aAsylG, AS 2006 4745)  ab und verfügte dessen Weg-
weisung aus der Schweiz sowie den Vollzug. Das Bundesamt begrün-
dete seinen Entscheid damit, dass der Beschwerdeführer in Nepal kei-
ne asylrelevanten Benachteiligungen erlitten habe und dorthin zurück-
kehren könne. Eine Wegweisung nach Bhutan wurde ausgeschlossen.

C.
Mit  Eingabe vom 1. Juli  2004 an die damals zuständige Schweizeri-
sche  Asylrekurskommission  (ARK)  liess  der  Beschwerdeführer  die 
Aufhebung der Verfügung vom 1. Juni 2004 beantragen.

D.
Nachdem das Bundesverwaltungsgericht die am 31. Dezember 2006 
bei der ARK hängigen Verfahren am 1. Januar 2007 übernommen hat-
te, überwies der damals zuständige Instruktionsrichter des Bundesver-
waltungsgerichts die Akten mit Verfügung vom 16. Januar 2008 zu ei-
nem ergänzenden Schriftenwechsel an das Bundesamt.

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II

E.
Mit  Verfügung  vom  5.  März  2008  (mit  welcher  die  Verfügung  vom 
1. Juni  2004 ersetzt  wurde) trat  das Bundesamt auf  das Asylgesuch 
des Beschwerdeführers nicht ein, und verfügte seine Wegweisung aus 
der Schweiz sowie den Vollzug. Eine Wegweisung nach Bhutan wurde 
ausgeschlossen.

F.
Das  Bundesverwaltungsgericht  schrieb  das  mit  der  Eingabe  vom 
1. Juli  2004 eingeleitete Beschwerdeverfahren mit  Abschreibungsent-
scheid vom 10. März 2008 als  gegenstandslos ab. Es wurden keine 
Verfahrenskosten erhoben und dem Beschwerdeführer eine Parteient-
schädigung von Fr. 400.-- zugesprochen.

G.
Mit  Eingabe  an  das  Bundesverwaltungsgericht  vom  14.  März  2008 
liess der Beschwerdeführer die Aufhebung der Verfügung vom 15. Feb-
ruar 2008 (recte: 5. März 2008) beantragen. Die Vorinstanz sei anzu-
weisen, auf sein Asylgesuch einzutreten und dieses materiell zu prü-
fen. Eventualiter sei die Sache zu hinreichender Abklärung des rechts-
erheblichen  Sachverhalts  und  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz 
zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Unzulässigkeit bzw. die Unzu-
mutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und die vorläufi-
ge Aufnahme anzuordnen. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 
sei zu verzichten. Der Eingabe lag eine Kostennote vom 14. März 2008 
bei.

H.
H.a Der  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  wies  das 
Gesuch  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  ab 
und  forderte  den  Beschwerdeführer  zur  Leistung  eines  Kostenvor-
schusses von Fr. 600.-- auf (Frist: 10. April 2008). 

H.b Der Kostenvorschuss wurde am 28. März 2008 eingezahlt.

I.
I.a Das Bundesamt beantragte in seiner Vernehmlassung vom 23. Ap-
ril 2008 die Abweisung der Beschwerde.

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I.b Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer vom Bundes-
verwaltungsgericht am 25. April 2008 zur Kenntnis gebracht.

J.
Am 4. Juli 2008 liess der Beschwerdeführer dem Bundesverwaltungs-
gericht ein Schreiben des UNHCR vom 3. Juli 2008 übermitteln.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgeset-
zes vom 20. Dezember 1968 über  das Verwaltungsverfahren (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem 
Bereich  endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998 
[AsylG, SR 142.31];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art.  106  Abs.  1 
AsylG).

2.
2.1 Die  vorliegend  zu  beurteilende  Beschwerde  richtet  sich  gegen 
eine  Verfügung,  mit  welcher  das  BFM  auf  das  Asylgesuch  des  Be-
schwerdeführers nicht eingetreten ist. Werden solche Nichteintretens-
entscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine 
Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 32 bis 35 AsylG), mit Beschwer-
de angefochten, so ist nur zu beurteilen, ob die Vorinstanz zu Recht 
auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist. Kommt die Beschwerdeins-
tanz zum Schluss, dass das Nichteintreten auf das Asylgesuch zu Un-
recht erfolgt ist,  so hat sie sich konsequenterweise einer materiellen 
Prüfung zu enthalten, die angefochtene Nichteintretensverfügung auf-
zuheben und die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der  Schweizeri-

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schen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.). 
Nicht beschränkt ist die Beurteilungszuständigkeit des Bundesverwal-
tungsgerichts  hingegen  hinsichtlich  der  Frage  der  Wegweisung  und 
deren Vollzugs,  weil  das  BFM sich  diesbezüglich  auch materiell  zur 
Sache zu äussern hatte.

2.2 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat 
ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 108 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und 52 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten, zumal der Kostenvorschuss fristgerecht ge-
leistet wurde.

3.
3.1 Das BFM begründete seine Verfügung damit, dass als Folge des 
zwischenzeitlich revidierten  Asylgesetzes Art. 52 Abs. 1 aAsylG und 
damit  die  Rechtsgrundlage  zur  Beurteilung  der  Beschwerde  vom 
1. Juli 2004 weggefallen sei. Deshalb werde die erstinstanzliche Verfü-
gung vom 1. Juni 2004 durch den vorliegenden Entscheid ersetzt. Der 
Beschwerdeführer  habe  nach  seiner  Ausreise  aus  Bhutan  rund  13 
Jahre in Nepal gelebt. Dies werde durch eine Bestätigung der zustän-
digen Behörden und mit einem Schreiben des UNHCR belegt. Er habe 
gesagt, die Regierung Nepals habe ihnen als Flüchtlinge viel geholfen, 
und habe zusammen mit seiner Ehefrau, seinen drei Kindern, seinen 
Eltern und Geschwistern ohne asylrelevante Benachteiligungen zu er-
leiden in Nepal gelebt. Seine Angehörigen seien zwischenzeitlich nach 
Kathmandu  umgezogen,  wo  sie  gemäss  Aktenlage  ebenfalls  ohne 
asylrelevante Benachteiligungen lebten. Der Beschwerdeführer sei so-
mit nicht auf den Schutz der Schweiz angewiesen. Er könne nach Ne-
pal  zurückkehren,  wo  er  gemäss  seiner  Darstellung  13  Jahre  ohne 
asylrelevante Benachteiligungen gelebt habe. Auf das Asylgesuch sei 
somit gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bstn. b und e AsylG nicht einzutreten. 

3.2
3.2.1 In der Beschwerde wird geltend gemacht, das Bundesamt hätte 
keinen Nichteintretensentscheid fällen dürfen. Es habe das Asylgesuch 
des Beschwerdeführers mit Entscheid vom 1. Juni 2004 materiell über-
prüft  und abgelehnt. Folglich sei  es nachträglich nicht mehr möglich, 
einen Nichteintretensentscheid zu fällen und auf die materielle Prüfung 
des Gesuchs zu verzichten. Eine solche Vorgehensweise sei nicht nur 

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aus  rechtssystematischen  und  logischen  Überlegungen  abzulehnen, 
sondern  leide an einem inneren,  nicht  auflösbaren Widerspruch und 
verstosse daher gegen das Willkürverbot. Hinzu komme, dass der Ent-
scheid vom 1. Juni 2004 im „Eintretenspunkt“ in formelle Rechtskraft 
erwachsen sei. Anzumerken sei, dass das Eintreten auf das Gesuch 
damals  gesetzeskonform  gewesen  sei,  da  keiner  der  altrechtlichen 
Nichteintretenstatbestände anwendbar gewesen sei. In der Folge sei 
der negative materielle Entscheid im Flüchtlings- und Asylpunkt, nicht 
jedoch  im  Eintretenspunkt  angefochten  worden.  Mit  der  Abweisung 
des Asylgesuchs sei die Eintretensfrage mithin abschliessend behan-
delt worden. Namentlich sei im Eintretenspunkt kein im gegenwärtigen 
Zeitpunkt noch offener Dauersachverhalt begründet worden. Der Nicht-
eintretensentscheid vom 5. März 2008 stelle folglich einen Fall echter 
Rückwirkung  dar,  welcher  den  Grundsatz  der  Rechtssicherheit  und 
das Prinzip von Treu und Glauben verletze. Eine solche echte Rückwir-
kung hätte  in  den Übergangsbestimmungen zum revidierten  Asylge-
setz  ausdrücklich  vorgesehen  werden  müssen.  So  fielen  unter  dem 
Gesichtspunkt  von  Treu  und  Glauben  die  über  sechseinhalbjährige 
Dauer des Asylverfahrens sowie der Umstand, dass seit dem Eintreten 
auf das Gesuch beinahe vier Jahre vergangen seien, besonders stark 
ins Gewicht.

3.2.2 Gemäss Handbuch des Bundesamtes zum Asylverfahren setzte 
die  Formulierung  „zurückkehren  können“  von  Art.  34  Abs.  2  Bst.  b 
AsylG voraus, dass die asylsuchende Person im fraglichen Drittstaat 
nach wie vor ein Aufenthaltsrecht besitze und der betreffende Staat sie 
tatsächlich wieder einreisen lasse. Die Zustimmung des Drittstaats sei 
auf jeden Fall einzuholen. Gemäss Botschaft vom 4. September 2002 
zur  Änderung  des  Asylgesetzes  beinhalte  die  Möglichkeit,  in  einen 
vom Bundesrat bezeichneten Drittstaat zurückkehren zu können, „dass 
der Drittstaat gegenüber den Schweizer Asylbehörden die Rücküber-
nahme der asylsuchenden Person zugesichert  hat. Ohne diese Zusi-
cherung kann nämlich die Wegweisung in den Drittstaat nicht vollzo-
gen werden und ist  damit  nutzlos“  (Bbl  2002 6884). Aus dem ange-
fochtenen Entscheid gehe nicht hervor, ob Nepal den Schweizer Asyl-
behörden  die  Rückübernahme  des  Beschwerdeführers  zugesichert 
habe. Die Anwendbarkeit von Art. 34 Abs. 2 Bst. b AsylG dürfte bereits 
daran  scheitern,  dass  die  Zusicherung  der  Rückübernahme  seitens 
der  nepalesischen  Behörden  fehle  und  der  Beschwerdeführer  dort 
über kein Aufenthaltsrecht verfüge. Die Begründung der Vorinstanz im 
angefochtenen Entscheid sowie das Aktenverzeichnis liessen den Ver-

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dacht aufkommen, der Sachverhalt sei in dieser Hinsicht nicht hinrei-
chend abgeklärt worden.

3.2.3 Aus den Akten gehe hervor, dass der Beschwerdeführer in Bhu-
tan in asylrelevanter Weise verfolgt worden sei. Das UNHCR bezeich-
ne ihn in seinem Schreiben vom 6. November 2007 als „person of con-
cern“. Da er die Flüchtlingseigenschaft offensichtlich erfülle, hätte das 
Bundesamt das Selbsteintrittsrecht gemäss Art. 34 Abs. 3 Bst. b AsylG 
wahrnehmen, ihn als Flüchtling anerkennen und das Asylgesuch ma-
teriell  prüfen  müssen.  In  diesem  Zusammenhang  sei  anzumerken, 
dass mehrere Staaten ihre Bereitschaft zur Aufnahme von 70'000 bhu-
tanischen Flüchtlingen mit derzeitigem Aufenthalt in Nepal erklärt hät-
ten. Vor kurzem hätten erste Umsiedlungen stattgefunden. Es wäre so-
mit  bedauerlich,  wenn der Beschwerdeführer nach Nepal  zurückkeh-
ren müsste, da er sich hier über sechseinhalb Jahre als Asylbewerber 
aufgehalten habe.

3.2.4 Auf ein Asylgesuch sei gemäss Art. 34 Abs. 3 Bst. c AsylG trotz 
vorangegangenem Aufenthalts  in  einem  Drittstaat  einzutreten,  wenn 
Hinweise bestünden, dass der Betroffene vor Rückschiebung gemäss 
Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht effektiv geschützt sei. In diesem Zusammen-
hang sei auf das Schreiben des UNHCR vom 1. September 2004 zu 
verweisen.  Im  Schreiben  vom  6.  November  2007  bestätige  das 
UNHCR, dass der Beschwerdeführer in Nepal keinen effektiven Schutz 
vor Rückschiebung habe.

3.2.5 In  der  Eingabe  vom  4.  Juli  2008  wird  unter  Hinweis  auf  das 
Schreiben des UNHCR vom 3. Juli 2008 darauf hingewiesen, dass der 
Beschwerdeführer  in  Nepal  bestenfalls  als  Asylsuchender  behandelt 
werde. Möglicherweise werde sein Antrag auf Schutz gar nicht in Be-
tracht  gezogen. Darüber  hinaus unterstreiche das UNHCR, dass bei 
einer  Wegweisung nach Nepal  kein effektiver  Schutz vor Rückschie-
bung bestehe. Er könne bei einer Rückkehr nach Nepal auch nicht von 
einer Neuansiedlung in einem Drittstaat profitieren, da er wegen sei-
nes langjährigen Aufenthalts in der Schweiz während der Zählungen 
im Flüchtlingslager nicht anwesend gewesen sei. 

4.  
4.1 Gemäss Art. 34 Abs. 2 AsylG wird auf Asylgesuche in der Regel 
nicht eingetreten, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat zurückkehren 
können, in welchem sie sich vorher aufgehalten haben und im Einzel-
fall effektiver Schutz vor Rückschiebung nach Art. 5 Abs. 1 AsylG be-

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steht (Bst. b), oder in einen Drittstaat ausreisen können, in dem Perso-
nen, zu denen sie enge Beziehungen haben,  oder nahe Angehörige 
leben (Bst. e).

4.2 Nach Art. 34 Abs. 3 AsylG findet die Bestimmung von Abs. 2 die-
ses Artikels keine Anwendung, wenn Personen, zu denen die asylsu-
chende Person enge Beziehungen hat,  oder nahe Angehörige in der 
Schweiz  leben  (Bst.  a),  die  asylsuchende  Person  offensichtlich  die 
Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG erfüllt (Bst. b) oder Hinweise 
darauf  bestehen,  dass im Drittstaat  kein effektiver  Schutz vor Rück-
schiebung nach Art. 5 Abs. 1 AsylG besteht (Bst. c).

5.  
5.1 Die  in  der  Beschwerde  erhobene  Rüge,  aus  der  angefochtenen 
Verfügung gehe nicht hervor, ob das BFM von den nepalesischen Be-
hörden eine Rückübernahmezusicherung erhalten habe, ist berechtigt. 
Den Akten kann nicht entnommen werden, dass das BFM bei den ne-
palesischen Behörden ein Gesuch um Rückübernahme des Beschwer-
deführers stellte. In der Beschwerde wird diesbezüglich zu Recht auf 
die Botschaft zur Änderung des Asylgesetzes vom 4. September 2002 
verwiesen. Dort wird ausdrücklich festgehalten, die Möglichkeit, in ei-
nen  Drittstaat  zurückkehren  zu  können,  beinhalte,  dass  dieser  den 
Schweizer Asylbehörden gegenüber die Rückübernahme der asylsu-
chenden Person zugesichert habe. Auch das UNHCR hielt in einem im 
Rahmen des Beschwerdeverfahrens gegen die Verfügung vom 1. Juni 
2004 eingereichten Schreiben vom 1. September 2004 fest, es sei un-
klar, ob es dem Beschwerdeführer möglich sei,  nach Nepal einzurei-
sen;  es  empfehle  den  Behörden  des  Gesuchsstaats  vorgängig  die 
Möglichkeit  der  Wiedereinreise  abzuklären. Da  seitens  der  nepalesi-
schen  Behörden  keine Zusicherung abgegeben werden  konnte,  weil 
diese vom BFM nicht  um die Rückübernahme ersucht  wurden,  steht 
nicht fest, dass der Beschwerdeführer (legal) nach Nepal zurückkeh-
ren kann, womit vorliegend eine der Voraussetzungen für die Fällung 
eines  Nichteintretensentscheides  nach Art.  34  Abs. 2  Bstn. b  und e 
AsylG nicht gegeben ist.

5.2 In Art. 34 Abs. 3 Bst. b AsylG wird festgelegt, dass Absatz 2 die-
ses Artikels keine Anwendung findet, wenn die asylsuchende Person 
offensichtlich die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG erfüllt. Aus 
der angefochtenen Verfügung geht nicht hervor, dass das BFM diese 
Frage geprüft hat. Voraussetzung für die Fällung eines Nichteintretens-

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entscheids nach Art. 34 Abs. 2 AsylG ist aber die Prüfung, ob eine der 
Einschränkungen gemäss Abs. 3 vorliegt oder nicht. Das BFM ist nicht 
gehalten  darzulegen,  dass  die  asylsuchende  Person  die 
Flüchtlingseigenschaft offensichtlich nicht erfüllt, es genügt bereits die 
Feststellung,  dass  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  offensichtlich 
zutage tritt. 

5.3 Des Weiteren findet Art. 34 Abs. 2 AsylG keine Anwendung, wenn 
Hinweise darauf bestehen, dass im Drittstaat kein effektiver Schutz vor 
Rückschiebung nach Art. 5 Abs. 1 AsylG besteht. Das UNHCR hat in 
seinem  bereits  oben  erwähnten  Schreiben  vom 1.  September  2004 
Bedenken daran geäussert, dass der Beschwerdeführer in Nepal vor 
einer Rückschiebung nach Bhutan sicher sei. In seinem ebenfalls im 
Beschwerdeverfahren gegen die Verfügung vom 1. Juni 2004 an das 
Bundesverwaltungsgericht  gerichteten  Schreiben  vom  6.  November 
2007 wird festgehalten, das UNHCR könne eine Wegweisung des Be-
schwerdeführers nach Nepal nicht gutheissen. Das BFM hätte sich bei 
dieser  Ausgangslage  zumindest  eingehend  mit  der  Position  des 
UNHCR  auseinandersetzen  und  überzeugend  begründen  müssen, 
weshalb trotz der konkreten Bedenken des UNHCR vorliegend keine 
Hinweise auf eine mögliche Verletzung von Art. 5 Abs. 1 AsylG beste-
hen bzw. auf die Fällung eines Nichteintretensentscheides verzichten 
müssen. Eine Auseinandersetzung mit den Ausführungen des UNHCR 
findet sich in der angefochtenen jedoch nicht einmal ansatzweise. 

5.4 Zusammenfassend ergibt  sich,  dass  das  BFM zu Unrecht  einen 
Nichteintretensentscheid  gestützt  auf  Art.  34  Abs.  2  Bstn.  b  und  e 
AsylG  erlassen  und  damit  Bundesrecht  verletzt  hat  (vgl.  Art.  106 
AsylG). Die Beschwerde ist somit gutzuheissen, die angefochtene Ver-
fügung des BFM vom 5. März  2008 aufzuheben und die  Sache zur 
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Angesichts dieses 
Ergebnisses  erübrigt  es  sich,  auf  die  unter  3.2.1  erhobenen  Rügen 
einzugehen, da dies am Ergebnis nichts zu ändern vermöchte.

6.
6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerle-
gen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).

6.2 Dem  Beschwerdeführer  ist  angesichts  des  Obsiegens  im  Be-
schwerdeverfahren in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 
37 VGG für die Kosten der Vertretung und allfälligen weiteren notwen-
digen Auslagen eine Parteientschädigung zuzusprechen (vgl. auch Art. 

Seite 10

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7  des  Reglements  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  vom  21.  Februar  2008  [VGKE, 
SR 173.320.2]).  In  der  Kostennote  vom  14.  März  2008  werden  ein 
Aufwand  von  10,2  Stunden  à  Fr.  200.--  und  Fr.  6.--  Auslagen 
veranschlagt.  Das  Bundesverwaltungsgericht  erachtet  aufgrund  der 
Akten einen Aufwand von 8,5 Stunden als angemessen. Demnach ist 
dem  Beschwerdeführer  eine  auf  Fr.  1'835.65  (Arbeitsaufwand 
Fr. 1'700.--, Auslagen Fr. 6.--, MWST Fr. 129.65) festzusetzende, von 
der  Vorinstanz  zu  entrichtende  Parteientschädigung  zuzusprechen 
(vgl. Art. 10 und Art. 14 Abs. 2 VGKE).

6.3 Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist dem Beschwer-
deführer bei diesem Verfahrensausgang zurückzuerstatten.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 11

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die Verfügung des BFM vom 5. März 2008 wird aufgehoben und die 
Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.
Der Kostenvorschuss von Fr. 600.--  wird  dem Beschwerdeführer  zu-
rückerstattet.

5.
Das  BFM hat  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung  von 
Fr. 1'835.65 auszurichten.

6.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-

ten Ref.-Nr. N _______ (per Kurier; in Kopie)
- (kantonale Behörde)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Hans Schürch Christoph Basler

Versand: 

Seite 12