# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9818e772-0580-5d65-b8aa-9745c4cb1c62
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-03-31
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Kantonsgericht Zivilkammern (inkl. Einzelrichter) 31.03.2021 KES.2020.13-K2 und KES.2020.14-K2
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_KG_002_KES-2020-13-K2-und-K_2021-03-31.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/3

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: KES.2020.13-K2 und KES.2020.14-K2

Stelle: Kantonsgericht

Rubrik: Zivilkammern (inkl. Einzelrichter)

Publikationsdatum: 01.07.2021

Entscheiddatum: 31.03.2021

Entscheid Kantonsgericht, 31.03.2021
Art. 310 Abs. 3 ZGB: Ausschlaggebend für die Frage der Rückgabe eines 
fremdplatzierten Kindes in die Obhut der Eltern bzw. hier eines Elternteils 
ist, ob die seelische Verbindung zwischen diesem und dem Kind intakt ist 
und ob Erziehungsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein eine 
Übertragung der faktischen Obhut (gegebenenfalls mit fachlicher 
Begleitung) unter Beachtung des Kindeswohls rechtfertigen 
(Kantonsgericht, II. Zivilkammer, 31. März 2021, KES.2020.13-K2 und KES.
2020.14-K2).

Zusammenfassung des Sachverhalts:

 

Der heute knapp zehnjährige A. ist seit seiner Geburt bei Pflegeeltern fremdplatziert. 

Die Mutter beantragt, der Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts sei aufzuheben 

und A. sei in ihre Obhut zu geben. Sowohl die KESB X. als auch die Vorinstanz 

schützten ihr Begehren. Die Pflegeeltern und das Kind (durch die Kindesvertreterin) 

erhoben Beschwerde.

 

Aus den Erwägungen:

 

III.

1.      […]

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a)      Gemäss Art. 310 Abs. 3 ZGB kann den Eltern bzw. einem Elternteil eines 

fremdplatzierten Kindes die Rücknahme untersagt werden, wenn diese dessen 

Entwicklung ernstlich zu gefährden droht. Je nach Lehrmeinung regelt diese 

Bestimmung zwar (nur) die Frage der Rücknahme für den Fall eines durch die Eltern 

selbst bzw. freiwillig bei Dritten untergebrachten Kindes (vgl. BSK ZGB I-Breitschmid, 

6. Aufl., Art. 310 N 24; anders z.B. KUKO ZGB-Cottier, 2. Aufl., Art. 310 N 9); von den 

gleichen Grundsätzen muss sich aber so oder anders auch das Gericht leiten lassen, 

wenn es über die Rückplatzierung eines behördlich fremdplatzierten Kindes zu den 

Eltern zu entscheiden hat. Ausschlaggebend für die Frage der Rückgabe eines 

fremdplatzierten Kindes in die Obhut der Eltern bzw. hier eines Elternteils ist, ob die 

seelische Verbindung zwischen diesem und dem Kind intakt ist und ob 

Erziehungsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein eine Übertragung der faktischen 

Obhut (gegebenenfalls mit fachlicher Begleitung) unter Beachtung des Kindeswohls 

rechtfertigen. Es gilt, den Anspruch des Elternteils auf persönliche Betreuung gegen 

das Interesse des Kindes an einer kontinuierlichen stabilen Beziehung abzuwägen 

(BGE 144 III 442 E. 4.3; 111 II 119 E. 5 f.; BGer 5A_736/2014 E. 3.3; 5A_473/2013 E. 6; 

5C.28/2007 E. 2.2; 5A_88/2015 E. 4.3.1; BSK ZGB I-Breitschmid, Art. 310 N 24, 

m.w.H.). Dabei sind die gesamten Umstände wie das Alter des Kindes und die Dauer 

des Pflegeverhältnisses einzubeziehen, insbesondere aber auch der Kontaktverlauf mit 

den leiblichen Eltern während der Pflegedauer, die Frage nach einer sozialpsychischen 

Elternstellung der Pflegeeltern und deren Bereitschaft und Eignung zu weiterer 

Betreuung. Wo die Voraussetzungen zur Erteilung der 

Aufenthaltsbestimmungsbefugnis (wieder) vorliegen und die Eltern bzw. der Elternteil 

sich während der Fremdplatzierung um Aufbau bzw. Fortführung der persönlichen 

Beziehung zum Kind bemüht haben, kann der Umstand allein, dass das Kind auch zu 

den Pflegeeltern eine gute Beziehung aufgebaut hat, nicht i.S.v. Abs. 3 von Art. 310 

ZGB angerufen werden, um die Rücknahme durch die Eltern auszuschliessen (BSK 

ZGB I-Breitschmid, Art. 310 N 24, m.w.H.).

 

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b)      Wie das Bundesgericht zudem festhält, ist massgebend, ob der betreffende 

Elternteil für das Kind angemessen sorgen und ihm einen stabilen Rahmen bieten kann, 

so dass das Kindeswohl bei einer (Rück-)Übertragung nicht gefährdet erscheint, 

während schulische oder berufliche Perspektiven bei der Frage, ob ein Kind bei den 

leiblichen Eltern oder Dritten unterzubringen ist – anders als bei derjenigen, welchem 

der beiden Elternteile ein Kind bei ansonsten ähnlichen erzieherischen Fähigkeiten 

anzuvertrauen ist – nicht entscheidend sein können; ansonsten wären Kinder aus 

bildungsfernen Haushalten letztlich systematisch bei Dritten zu platzieren, um ihnen 

bessere berufliche Perspektiven zu bieten. Bei der Obhutsfrage könne es aber nicht um 

die Optimierung der ökonomischen Zukunftsperspektiven gehen, sondern um die 

altersadäquate Betreuung des Kindes bzw. um die Abwägung zwischen dem Anspruch 

der leiblichen Mutter auf persönliche Erziehung und einer allfälligen Gefährdung des 

Kindeswohls durch diese Eigenbetreuung (BGer 5A_473/2013 E. 6). Ganz allgemein ist 

bei der Frage der Rückplatzierung zu beachten, dass nicht in gleicher Weise eine 

Gegenüberstellung der Bedingungen der Herkunftsfamilie mit denjenigen der 

Pflegefamilie vorzunehmen ist, wie wenn über die Zuteilung der Obhut über ein Kind an 

den einen oder anderen Elternteil zu entscheiden ist. Wo die Rückplatzierung ohne 

Kindeswohlgefährdung – allenfalls mit den erforderlichen fachlichen 

Unterstützungsmassnahmen – möglich ist, hat diese zu erfolgen, auch wenn die 

Bedingungen für das Kind bei der Pflegefamilie ebenso gut wären.

 

c)      Eine Rückplatzierung kann schliesslich nur dann erfolgen, wenn Herkunftsfamilie 

und Pflegefamilie einen kindeswohlförderlichen Übergang von der Pflegefamilie in die 

Herkunftsfamilie möglich machen. Dies bedarf der Kommunikationsfähigkeit und der 

Einsicht, dass es nicht um Macht- und Besitzansprüche, sondern um die Situation des 

Kindes geht (Rosch, Verbleib oder Rückkehr des Pflegekindes? – Rechtliche und 

sozialarbeiterische Würdigung von Rückplatzierungsbegehren, S. 26, S. 42). In die 

Abwägung einzubeziehen ist sodann auch der Wunsch des betroffenen Kindes (BGE 

144 III 442 E. 4.3, BGer 5A_88/2015 E. 4.3.2 [FamPra.ch 2015, S. 992]).

 

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		2025-07-19T02:55:53+0200
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