# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f931055f-70a7-5378-8219-4819159d02dc
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-02-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.02.2022 D-6655/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6655-2018_2022-02-18.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-6655/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 8 .  F e b r u a r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), 

Richterin Gabriela Freihofer,  

Richterin Susanne Bolz,    

Gerichtsschreiberin Sandra Bisig. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch MLaw Eliane Schmid, Rechtsanwältin,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 22. Oktober 2018 / N (…). 

 

 

 

D-6655/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 2. August 2015 in der Schweiz um Asyl 

nach. Am 11. August 2015 fand die Befragung zur Person (BzP) und am 

6. September 2017 die Anhörung zu den Asylgründen statt.  

B.  

B.a Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte er im Wesentlichen vor, 

er sei im Jahr 2009 in den Militärdienst einberufen worden, weil er die 

(…) Klasse nicht bestanden habe und bereits volljährig gewesen sei. Zu-

nächst habe er sich der Rekrutierung entzogen, ihr dann aber Folge ge-

leistet, nachdem die Polizei zu seiner Familie gegangen sei und seinen 

Vater mitgenommen habe. Er habe in B._______ die Ausbildung absolviert 

und sei nach etwa acht Monaten nach C._______ gebracht worden, wo er 

zirka bis Oktober 2009 gewesen sei. Weil er keinen Urlaub erhalten habe, 

sei er ohne Erlaubnis nach Hause gegangen. Seine Eltern seien dann fest-

genommen und der Ausweis seiner Mutter sei weggenommen worden. Er 

habe acht oder neun Monate in der Einöde gelebt, bevor er am 8. Oktober 

2010 versucht habe, in D._______ illegal über die Grenze zu gehen. Dabei 

sei er erwischt und festgenommen worden. Er sei zu drei Jahren Gefängnis 

verurteilt, im April respektive Mai 2011 jedoch wieder freigelassen worden. 

Ihm sei gesagt worden, dass er noch zwei Jahre und drei Monate dazu 

inhaftiert werde, wenn er noch etwas machen würde. Er sei in seine Einheit 

nach E._______ zurückgekehrt. Am 6. Juli 2012 habe er Urlaub erhalten, 

welchen er einen Monat überzogen habe, weil er seinem Vater in der Land-

wirtschaft habe helfen müssen. Er sei dann aufgegriffen und zu seiner Ein-

heit nach F._______ G._______ gebracht worden. Dort sei er zuerst einen 

Monat lang körperlich bestraft worden; er habe mittags Löcher ausgraben 

müssen. Ausserdem habe er keinen Sold erhalten. Am 6. Juli 2013 habe 

er erneut Urlaub beantragt, um seine Familie zu unterstützen, was aber 

verweigert worden sei. Am Abend des gleichen Tages hätten er und sein 

Freund H._______ Wache halten müssen. Bei dieser Gelegenheit seien 

sie über die nahegelegene Grenze nach Äthiopien geflohen. Dort habe er 

sich beim UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) registrieren las-

sen. Etwa einen Monat später sei er in den Sudan gelangt, wo er über ein-

einhalb Jahre geblieben sei, bevor er über Libyen und Italien in die Schweiz 

gereist sei. Weitergehend wird auf die Protokolle in den Akten und die 

nachfolgenden Erwägungen verwiesen.  

D-6655/2018 

Seite 3 

B.b Der Beschwerdeführer reichte seine Taufurkunde und die Kopien der 

Identitätskarten seiner Eltern zu den Akten.  

C.  

Mit Verfügung vom 22. Oktober 2018 – eröffnet am 24. Oktober 2018 – 

stellte das SEM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigen-

schaft nicht erfülle, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung 

aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. 

D.  

Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 

22. November 2018 – handelnd durch seine damalige Rechtsvertreterin 

(Sonja Comte, Caritas Schweiz, I._______) – Beschwerde beim Bundes-

verwaltungsgericht und beantragte dabei in materieller Hinsicht, die ange-

fochtene Verfügung sei aufzuheben, es sei seine Flüchtlingseigenschaft 

festzustellen und ihm Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Unzulässigkeit 

des Wegweisungsvollzugs festzustellen und ihm als Folge davon die vor-

läufige Aufnahme zu gewähren, subeventualiter sei die Sache zur Sach-

verhaltsfeststellung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuwei-

sen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der un-

entgeltlichen Rechtspflege und um Beiordnung seiner Rechtsvertreterin als 

amtliche Rechtsbeiständin. Der Beschwerdeschrift lagen im Wesentlichen 

eine Vollmacht, eine Fürsorgebestätigung und eine Liste der von der 

Rechtsvertreterin getätigten Aufwendungen bei. 

E.  

Mit Schreiben vom 26. November 2018 bestätigte das Bundesverwaltungs-

gericht den Eingang der Beschwerde. 

F.  

F.a Mit Verfügung vom 7. Dezember 2018 hielt die Instruktionsrichterin 

fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der 

Schweiz abwarten. Sie hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses. Zudem setzte sie Sonja Comte als amtliche Rechtsbeistän-

din ein und lud die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein.  

F.b Das SEM nahm mit Vernehmlassung vom 13. Dezember 2018 zu den 

Beschwerdevorbringen Stellung. 

 

D-6655/2018 

Seite 4 

G.  

G.a Mit Verfügung vom 19. Februar 2019 wurde dem Beschwerdeführer 

die Gelegenheit zur Einreichung einer Replik eingeräumt. 

G.b Davon machte der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 29. Februar 

2019 (Datum Poststempel: 1. März 2019) Gebrauch. Der Replik lagen ein 

Schreiben des UNHCR-Büros für die Schweiz und Liechtenstein vom 

21. Dezember 2018 betreffend Registrierung des Beschwerdeführers beim 

UNHCR in Äthiopien (inkl. Datenbankauszug und Informationshinweis zur 

Registrierung von eritreischen Flüchtlingen in Äthiopien) sowie eine aktua-

lisierte Liste der von der Rechtsvertreterin getätigten Aufwendungen bei. 

H.  

Mit Schreiben vom 8. August 2019 beantwortete die Instruktionsrichterin 

eine Anfrage der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers vom 6. August 

2019 betreffend Verfahrensstand respektive Verfahrensbeschleunigung.  

I.  

I.a Mit Eingabe vom 19. November 2019 ersuchte Sonja Comte um Ent-

bindung von ihrem Mandat und – unter Einreichung einer entsprechenden 

vom Beschwerdeführer unterzeichneten Vollmacht – um Einsetzung der 

rubrizierten Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin. Ausserdem 

erkundigte sie sich erneut nach dem Stand des Beschwerdeverfahrens. 

Der Eingabe lag – ausser der erwähnten Vollmacht – eine weitere aktuali-

sierte Liste der von Sonja Comte getätigten Aufwendungen bei.  

I.b Mit Verfügung vom 21. November 2019 entband die Instruktionsrichte-

rin Sonja Comte per 30. November 2019 von ihrem Amt als amtliche 

Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers. Gleichzeitig ordnete sie dem 

Beschwerdeführer per 1. Dezember 2019 die rubrizierte Rechtsvertreterin 

als amtliche Rechtsbeiständin bei. Zudem beantwortete sie die erneute An-

frage nach dem Verfahrensstand. 

J.  

Mit Schreiben vom 15. Februar und 17. August 2021 sowie vom 10. Feb-

ruar 2022 beantwortete die Instruktionsrichterin drei weitere Anfragen der 

Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (vom 10. Februar und 13. Au-

gust 2021 sowie vom 8. Februar 2022) betreffend Verfahrensstand. 

 

 

D-6655/2018 

Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 

(AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und Integ-

rationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Geset-

zesartikel sind unverändert vom AuG ins AIG übernommen worden. 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

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Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

3.3 Wer sich darauf beruft, dass durch seine Ausreise aus dem Heimat- 

oder Herkunftsstaat oder wegen seines Verhaltens nach der Ausreise eine 

Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht sogenannte sub-

jektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend. Subjektive 

Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von 

Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, 

unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich ge-

setzt wurden (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). Stattdessen werden Personen, 

die subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen kön-

nen, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen. 

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer brachte zur Begründung seines Asylgesuchs 

zusammengefasst vor, er sei etwa im Januar 2009 in den Militärdienst ein-

gerückt, nachdem er sich zunächst der Rekrutierung entzogen habe. Etwa 

im Oktober respektive Dezember 2009 (vgl. Beschwerdeschrift Ziff. 2.3) 

habe er den Militärdienst unerlaubt verlassen, weil er keinen Urlaub erhal-

ten habe. Nach mehreren Monaten in der Einöde habe er im Oktober 2010 

versucht, illegal aus Eritrea auszureisen, sei bei seinem Ausreiseversuch 

aber erwischt und dann für mehrere Monate inhaftiert worden. Im Jahr 

2012 – wiederum im Militärdienst – sei er für einen Monat bestraft worden, 

nachdem er den ihm gewährten Urlaub um einen Monat überzogen habe. 

Im Juli 2013 sei er schliesslich desertiert und illegal über die Grenze nach 

Äthiopien gelangt.  

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Seite 7 

4.2  

4.2.1 Dienstverweigerung und Desertion werden in Eritrea unverhältnis-

mässig streng bestraft. Die Furcht vor einer Bestrafung wegen Dienstver-

weigerung oder Desertion ist dann begründet, wenn die betroffene Person 

in einem konkreten Kontakt zu den Militärbehörden stand. Ein solcher Kon-

takt ist regelmässig anzunehmen, wenn die betroffene Person im aktiven 

Dienst stand und desertierte. Darüber hinaus ist jeglicher Kontakt zu den 

Behörden relevant, aus dem erkennbar wird, dass die betroffene Person 

rekrutiert werden sollte (z.B. Erhalt eines Marschbefehls). In diesen Fällen 

droht grundsätzlich nicht allein eine Haftstrafe, sondern eine Inhaftierung 

unter unmenschlichen Bedingungen und Folter, wobei Deserteure regel-

mässig der Willkür ihrer Vorgesetzten ausgesetzt sind. Die Desertion wird 

von den eritreischen Behörden als Ausdruck der Regimefeindlichkeit auf-

gefasst. Demzufolge sind Personen, die begründete Furcht haben, einer 

solchen Bestrafung ausgesetzt zu werden, als Flüchtlinge im Sinne von 

Art. 1A Abs. 2 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung 

der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 3 Abs. 1-3 AsylG anzuerkennen 

(vgl. zum Ganzen Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Asyl-

rekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 3; beispielsweise bestätigt in Urteil 

des BVGer E-1740/2016 vom 9. Februar 2018 E. 5.1). 

4.2.2 Das Bundesverwaltungsgericht ging bis im Januar 2017 davon aus, 

dass eine illegale Ausreise aus Eritrea als subjektiver Nachfluchtgrund an-

zusehen sei, weil illegal Ausgereiste bei einer Rückkehr nach Eritrea mit 

erheblichen Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG rechnen mussten (vgl. 

Urteil des BVGer D-3892/2008 vom 6. April 2010 E. 5.3.3). Diese Recht-

sprechung ist in der Folge jedoch aufgegeben worden. Im Referenzurteil 

D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 kam das Bundesverwaltungsgericht 

nach einer eingehenden quellengestützten Lageanalyse (vgl. a.a.O. E. 4.6-

4.11) zum Schluss, dass die bisherige Praxis, wonach eine illegale Aus-

reise per se zur Flüchtlingseigenschaft geführt habe, nicht mehr aufrecht-

erhalten werden könne (vgl. a.a.O. E. 5.1). Es sei nicht mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass einer Person einzig aufgrund 

ihrer illegalen Ausreise aus Eritrea eine asylrelevante Verfolgung drohe. 

Für die Begründung der Flüchtlingseigenschaft im eritreischen Kontext be-

dürfe es neben der illegalen Ausreise zusätzlicher Anknüpfungspunkte, 

welche zu einer Verschärfung des Profils und dadurch zu einer flüchtlings-

rechtlich relevanten Verfolgungsgefahr führen könnten (vgl. a.a.O. E. 5.2). 

 

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Seite 8 

4.3  

4.3.1 Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung zur Begrün-

dung der Verneinung der Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers 

und zur Ablehnung seines Asylgesuchs an, seine Schilderungen zu seiner 

angeblichen Desertion aus dem Militärdienst im Jahr 2013 sowie der Um-

stände, die dazu geführt haben sollen, seien sehr knapp und undifferenziert 

ausgefallen. Als er in der Anhörung nach den Gründen für sein Asylgesuch 

gefragt worden sei, habe er zunächst nur den Militärdienst allgemein er-

wähnt sowie auf Nachfrage, dass er keine Rechte gehabt habe. Auf die 

Nachfrage, warum er sich gerade nach vier Jahren Militärdienst zur Aus-

reise entschieden habe, habe er angegeben, dass er seine Familie nicht 

habe sehen können sowie die Inhaftierungen und so weiter ihm zu viel ge-

worden seien. Später habe er zum konkreten Anlass für die Ausreise er-

gänzt, er habe keine Wahl gehabt, weil er nach dem Jahr 2012 keinen Ur-

laub mehr gehabt habe; nachdem ihm gesagt worden sei, er dürfe nicht in 

den Urlaub gehen, habe er daran gedacht auszureisen. In seinen Aussa-

gen seien keinerlei individuelle Elemente wie etwa ein Abwägen der Argu-

mente für und wider die Ausreise oder persönliche Gedankengänge zu er-

kennen. Die Angaben zu seiner Motivation würden somit nicht wie selbst 

erlebte und persönlich empfundene Missstände wirken, sondern eher wie 

allgemein verbreitete Ansichten zum Militärdienst. Weiter würden seine 

Schilderungen auch kaum Details und Realkennzeichen zu den Ereignis-

sen des Tages, an dem er seine Ausreise beschlossen und durchgeführt 

habe, enthalten. Bei einem tatsächlich erlebten Ereignis von solcher Be-

deutung wären zumindest einige differenziertere Angaben zum Zeitraum 

zwischen der Ablehnung seiner Bitte um Urlaub und der eigentlichen De-

sertion zu erwarten gewesen. Dann sei auch seine Schilderung vage und 

detailarm geblieben, wie es dazu gekommen sei, dass er mit seinem 

Freund weggegangen sei. Er habe lediglich angegeben, sie hätten schon 

früher darüber geredet, ob sie gehen sollten, weil alles frustrierend sei und 

hätten sich dann darauf verständigt. Insgesamt gelinge es ihm an keiner 

Stelle, den Eindruck zu vermitteln, dass er die geltend gemachten Ge-

schehnisse im Zusammenhang mit seiner Desertion tatsächlich erlebt ha-

be. 

Auch bei der Schilderung der angeblichen illegalen Ausreise falle auf, dass 

seine Aussagen wenig detailliert und differenziert seien. Auf zweimalige 

Nachfrage hin habe er seine Ausreise zwar etwas länger geschildert, auch 

hier würden aber Realkennzeichen fehlen und insbesondere die Schilde-

rung des eigentlichen Wegs von seinem Standort bis Äthiopien bleibe sehr 

knapp. Später habe er angegeben, es hätten sich weitere Einheiten sowie 

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Schützengräben zwischen dem Standort seiner Einheit und der Grenze be-

funden. Er habe aber nicht differenziert schildern können, was er persön-

lich und sein Begleiter gemacht hätten, um diese Hindernisse zu umgehen. 

Er habe sich auf allgemeine Aussagen beschränkt, was "man" machen 

müsse, um die Grenze zu überqueren. Auch hier entstehe nicht der Ein-

druck, dass er diese Ausreise tatsächlich selbst erlebt habe. 

Weiter habe er in der BzP gesagt, er sei in C._______ Soldat gewesen. In 

der Anhörung habe er dagegen diverse Dienstorte angegeben; in 

C._______ sei er 2009 während etwa zwei Monaten gewesen. Es er-

staune, dass er in der BzP nicht zumindest auch seinen angeblich letzten 

Dienstort F._______ G._______ erwähnt habe, von welchem er desertiert 

sei. Was seine Ausreise betreffe, habe er in der BzP angegeben, er sei zu 

Fuss von J._______ bis K._______ gereist. In der Anhörung habe er da-

gegen gesagt, er sei vom Dorf G._______ F._______ an der Grenze aus 

weggegangen. Seine Erklärung in der Anhörung, wonach J._______, 

F._______ und G._______ alles das Gleiche sei, befriedige nicht, auch 

wenn F._______ in der Subzoba J._______ liege. Seine Vorbringen der 

Desertion und der illegalen Ausreise müssten somit mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit als unglaubhaft eingestuft werden.  

Sodann müsse das Vorbringen, wonach ihm bei seiner Freilassung aus der 

Haft (infolge versuchter illegaler Ausreise im Jahr 2010) gesagt worden sei, 

er würde nochmals zwei Jahre und drei Monate dazu inhaftiert, wenn er 

noch etwas machen würde, als nachgeschoben eingestuft werden, zumal 

er dieses Vorbringen erst ganz am Schluss der Anhörung erwähnt habe. 

Er habe zwar mehrfach die Haft von 2010/2011 erwähnt, aber nirgends – 

auch nicht bei den Fragen nach seinen Asylgründen – gesagt, dass ihm 

diesbezüglich nach der Freilassung noch etwas gedroht habe.  

4.3.2 Der Beschwerdeführer rügte in der Beschwerde eine unvollständige 

Feststellung des Sachverhalts und die Unangemessenheit der vorinstanz-

lichen Verfügung sowie die Verletzung von Bundes- und Völkerrecht. Er 

machte im Wesentlichen geltend, das SEM habe zu hohe Anforderungen 

an die Glaubhaftmachung gestellt und asylrechtlich beachtliche Sachver-

halte als unbeachtlich gewertet. Dazu ging er auf die Glaubhaftigkeitsprü-

fung des SEM ein und hielt unter anderem fest, dass es – entgegen der 

Ansicht der Vorinstanz – viele individuelle Elemente in seinen Aussagen 

gebe, welche seine Zermürbung und zunehmende Belastung zeigen wür-

den sowie die Entwicklung, aufgrund derer er sich schlussendlich zur De-

sertion und zur illegalen Ausreise entschieden habe. Diesem Entscheid 

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Seite 10 

seien viele Erfahrungen (namentlich die mit Druckausübung auf seine Fa-

milie erzwungene Rekrutierung, die erneute Druckausübung auf diese 

nach seiner ersten Desertion, sein zehnmonatiges Verstecken in der Wild-

nis, sein erster Ausreiseversuch, seine siebenmonatige Haft und die dabei 

erfahrene schlechte Behandlung, die erstmalige Gewährung von Urlaub 

erst zweieinhalb Jahre nach seiner Rekrutierung, die erzwungene Rück-

kehr ins Militär und erneute Bestrafung wegen verspäteter Rückkehr aus 

dem Urlaub, ein weiteres Jahr Militärdienst und wiederum die Verweige-

rung des Urlaubs) vorausgegangen. Sodann erstaune die Ansicht des 

SEM, wonach es unglaubhaft sei, dass er bei einer Rückkehr aufgrund sei-

ner vorangehenden Inhaftierung festgenommen würde, sehr. So sei auf-

grund der klaren Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts davon 

auszugehen, dass die illegale Ausreise in seinem Falle angesichts der vor-

bestehenden Anknüpfungspunkte (Haft infolge versuchter illegaler Aus-

reise) mit grosser Wahrscheinlichkeit zu einer flüchtlingsrelevanten Verfol-

gung führe. Weiter scheine das SEM nicht zu bezweifeln, dass er in Eritrea 

militärisch ausgebildet worden sei und Militärdienst geleistet habe sowie 

wegen eines Fluchtversuchs bereits sieben Monate in Haft gewesen sei. 

Würden seine Aussagen dazu jedoch den vom SEM als unglaubhaft quali-

fizierten Aussagen (zu seiner Desertion und illegalen Ausreise) im Sinne 

eines aussagenpsychologischen Strukturvergleichs gegenübergestellt, so 

liessen sich der Aussagenqualität keine Unterschiede entnehmen. Bei ei-

ner Gesamtwürdigung aller Elemente sei somit von der Glaubhaftigkeit sei-

ner Aussagen auszugehen. Weitergehend wird auf die Beschwerdeschrift 

verwiesen. 

4.3.3 Das SEM äusserte sich in der Vernehmlassung zum Beschwerdevor-

bringen, wonach die frühere Haft des Beschwerdeführers wegen versuch-

ter illegaler Ausreise zusammen mit der erfolgreichen illegalen Ausreise mit 

grosser Wahrscheinlichkeit zu einer flüchtlingsrelevanten Verfolgung führe. 

Dazu führte es an, es halte an seiner Einschätzung fest, dass die geltend 

gemachte erfolgreiche illegale Ausreise des Beschwerdeführers im Jahr 

2013 als unglaubhaft einzustufen sei. Selbst bei unterstellter Glaubhaf-

tigkeit der illegalen Ausreise würde es sodann die Ansicht in der Beschwer-

deschrift nicht teilen und nicht davon ausgehen, dass die geltend gemachte 

frühere Haft von 2010/2011 ein genügend schwerwiegender Anknüpfungs-

punkt wäre, um in Kombination mit der geltend gemachten erfolgreichen 

illegalen Ausreise mit grosser Wahrscheinlichkeit zu einer flüchtlingsrele-

vanten Verfolgung zu führen. Allenfalls könnte die frühere Haft als solcher 

Anknüpfungspunkt eingestuft werden, wenn dem Beschwerdeführer – wie 

geltend gemacht – für den Fall eines weiteren Vergehens eine zusätzliche 

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Seite 11 

Haft angedroht worden wäre. Diese Drohung sei jedoch – wie in der ange-

fochtenen Verfügung erörtert – als nachgeschoben und damit unglaubhaft 

einzustufen. Im Übrigen verwies das SEM auf die Erwägungen in der an-

gefochtenen Verfügung. 

4.3.4 Der Beschwerdeführer entgegnete in der Replik, dass die Desertion 

und die illegale Ausreise vorliegend zusammenfallen würden, weshalb bei 

Wahrunterstellung der illegalen Ausreise wohl auch seine Desertion als 

glaubhaft zu qualifizieren sei. In diesem Fall ergebe sich der Anknüpfungs-

punkt nicht nur aus der Haft von 2010/2011, sondern aus seiner gesamten 

Dienstzeit. Es sei aber auch nicht erkennbar, aus welchen Gründen das 

SEM die Haft von 2010/2011 als nicht genügend schwerwiegend erachte. 

Tatsächlich sei ihm damals "lediglich" die illegale Ausreise vorgeworfen 

worden; er sei aber während sieben Monaten inhaftiert gewesen und sei 

misshandelt worden. Dies zeige die menschenverachtende Haltung des 

Regimes ihm gegenüber. Es sei daher sehr wahrscheinlich, dass die Re-

gierung ihm eine politische Haltung unterstelle, die ihn im Zusammenhang 

mit dem damaligen Versuch der illegalen Ausreise als Verräter qualifiziere, 

weshalb von einer flüchtlingsrelevanten Verfolgung ausgegangen werden 

müsse. Er reichte mit der Replik ausserdem Dokumente betreffend seine 

Registrierung beim UNHCR in Äthiopien ein, worauf angegeben sei, dass 

er beim Militär gearbeitet habe, und welche auch seine Aussagen zum Aus-

reisezeitpunkt bestätigen würden. Dies sei bei der Glaubhaftigkeitsprüfung 

zu berücksichtigen. Im Übrigen hielt er an den Ausführungen in der Be-

schwerdeschrift fest und ergänzte die Beschwerde hinsichtlich des Antrags 

auf Gewährung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzulässigkeit des Weg-

weisungsvollzugs. 

5.  

5.1 Vorab ist die verfahrensrechtliche Rüge der unvollständigen Sachver-

haltsfeststellung durch das SEM zu prüfen, da sie allenfalls geeignet ist, 

eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. 

5.2  

5.2.1 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-

grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die 

Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des 

rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-

digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-

klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Dabei beschrän-

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Seite 12 

ken sich die behördlichen Ermittlungen nicht nur auf jene Umstände, wel-

che die Betroffenen belasten, sondern haben auch die entlastenden Mo-

mente zu erfassen. Die Behörde hat alle sach- und entscheidwesentlichen 

Tatsachen und Ergebnisse in den Akten festzuhalten. Unrichtig ist die 

Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und ak-

tenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird, etwa weil die Rechtserheb-

lichkeit einer Tatsache zu Unrecht verneint wird und folglich nicht alle ent-

scheidwesentlichen Gesichtspunkte des Sachverhalts geprüft werden,  

oder weil Beweise falsch gewürdigt wurden. Unvollständig ist die Sachver-

haltsfeststellung demgegenüber, wenn nicht alle für den Entscheid rechts-

relevanten Sachumstände berücksichtigt wurden. Dies ist häufig dann der 

Fall, wenn die Vorinstanz gleichzeitig den Anspruch der Parteien auf recht-

liches Gehör verletzt hat (vgl. BVGE 2015/10 E. 3.2 m.w.H.). 

5.2.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör (vgl. auch Art. 29 Abs. 2 BV). Das rechtliche Gehör dient einerseits 

der Sachaufklärung, anderseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mit-

wirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die Rechts-

stellung des Einzelnen eingreift. Dazu gehört insbesondere das Recht des 

Betroffenen, sich vor Erlass eines solchen Entscheides zur Sache zu äus-

sern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, 

mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung 

wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Be-

weisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu be-

einflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungs-

recht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in 

einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. 

BGE 135 II 286 E. 5.1 m.w.H.).  

Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin-

gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidung an-

gemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss so abgefasst sein, 

dass die betroffene Person den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht an-

fechten kann. Die Behörde muss die wesentlichen Überlegungen nennen, 

von denen sie sich hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. 

Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-

ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-

lich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1 m.w.H.). 

 

D-6655/2018 

Seite 13 

5.3  

5.3.1 Das SEM äusserte sich in der angefochtenen Verfügung (explizit) le-

diglich zu der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Desertion sowie 

illegalen Ausreise im Jahr 2013 und der von ihm behaupteten Haftandro-

hung bei seiner vorzeitigen Entlassung aus dem Gefängnis im Jahr 2011 

für den Fall, dass er noch etwas machen würde. Diese Vorbringen qualifi-

zierte es als unglaubhaft.  

5.3.2 Dagegen ist den vorinstanzlichen Erwägungen zum Asylpunkt nicht 

zu entnehmen, ob das SEM die Rekrutierung des Beschwerdeführers so-

wie deren Umstände, seine Militärdienstleistung an sich, die erste Deser-

tion im Jahr 2009, das Überziehen des gewährten Urlaubs im Jahr 2012 

sowie die anschliessende erzwungene Rückkehr in den Militärdienst und 

die Bestrafung in diesem Zusammenhang als glaubhaft (und flüchtlings-

rechtlich nicht relevant) oder als unglaubhaft beurteilte. Zwar verwies es in 

seinen Ausführungen auf die widersprüchlichen Angaben des Beschwer-

deführers zu seinem respektive seinen Dienstort(en). Daraus sowie aus 

den vorinstanzlichen Erwägungen zur geltend gemachten Desertion im 

Jahr 2013 kann aber nicht geschlossen werden, dass das SEM sämtliche 

Vorbringen des Beschwerdeführers im Zusammenhang mit seiner behaup-

teten Militärdienstleistung als unglaubhaft qualifizierte. 

Das Gleiche gilt auch für die vorinstanzlichen Erwägungen zur Zulässigkeit 

des Wegweisungsvollzugs. Darin hielt das SEM hinsichtlich einer allfälligen 

Verletzung von Art. 3 und 4 EMRK zwar fest, dass auf eine solche nicht 

geschlossen werden könne, zumal sich die geltend gemachten Vorflucht-

gründe und die illegale Ausreise als nicht glaubhaft erweisen würden res-

pektive, dass aufgrund der dargelegten Unglaubhaftigkeit des Asylvorbrin-

gens sowie der illegalen Ausreise aus Eritrea auch nicht von einer tatsäch-

lichen und unmittelbaren Gefahr einer Einberufung in den eritreischen Na-

tionaldienst ausgegangen werden könne und vielmehr aufgrund der un-

glaubhaften Angaben viele Möglichkeiten offen seien, welche nicht ab-

schliessend geklärt werden könnten; so könne beispielsweise nicht ausge-

schlossen werden, dass der Beschwerdeführer vom Nationaldienst sus-

pendiert oder daraus entlassen worden sei oder ihn bereits ordentlich ab-

geschlossen habe. Es bleibt aber offen, ob die Vorbringen des Beschwer-

deführers im Zusammenhang mit seiner Militärdienstleistung (ausser der 

geltend gemachten Desertion im Jahr 2013) in diese textbausteinartigen 

Erwägungen miteinbezogen wurden.  

D-6655/2018 

Seite 14 

5.3.3 Diese Vorbringen können indes nicht ohne Weiteres als für die Prü-

fung des vorliegenden Asylgesuchs irrelevant bezeichnet werden. Zum ei-

nen kann deren Beurteilung Auswirkungen auf die Prüfung der Glaubhaf-

tigkeit der Desertion und der illegalen Ausreise haben. Zum andern sind 

sie allenfalls – bei wahrunterstellter illegaler Ausreise – als hinreichende 

Anknüpfungspunkte im Sinne der oben genannten Rechtsprechung (vgl. 

E. 4.2.2 vorstehend) zu qualifizieren. Dabei gilt es zu beachten, dass allein 

aus der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen zur Ausreise angesichts der res-

triktiven Praxis der eritreischen Behörden bei der Ausstellung von Ausrei-

sevisa nicht auf eine legale Ausreise geschlossen werden kann (vgl. Refe-

renzurteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 E. 4.2 m.w.H.). 

5.3.4 Auch die Vorbringen des Beschwerdeführers betreffend seine ver-

suchte illegale Ausreise im Jahr 2010 und die anschliessende Haft können 

aus den erwähnten Gründen für die Prüfung seines Asylgesuchs nicht als 

irrelevant qualifiziert werden. Das SEM nahm diesbezüglich ebenfalls kei-

ne Glaubhaftigkeitsprüfung vor, qualifizierte die entsprechenden Vorbrin-

gen in der Vernehmlassung aber immerhin – bei unterstellter Glaubhaftig-

keit der illegalen Ausreise im Jahr 2013 – als flüchtlingsrechtlich nicht rele-

vant. Diese Einschätzung respektive die nicht weiter begründete Ansicht 

des SEM, dass die geltend gemachte Haft in den Jahren 2010/2011 kein 

genügend schwerwiegender Anknüpfungspunkt sei, um in Kombination mit 

der geltend gemachten erfolgreichen illegalen Ausreise mit grosser Wahr-

scheinlichkeit zu einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung zu führen, 

kann indes vom Gericht – in Übereinstimmung mit der vom Beschwerde-

führer vertretenen Ansicht – nicht ohne Weiteres geteilt werden. Im Übrigen 

ist unklar, von welcher Annahme das SEM bezüglich unterstellter Glaub-

haftigkeit der erfolgreichen illegalen Ausreise ausging beziehungsweise 

weshalb es sich dabei nur zur geltend gemachten Haft äusserte, die gel-

tend gemachte Desertion indes unbeachtet liess, die gemäss Ausführun-

gen des Beschwerdeführers – wie insbesondere auch in der Replik festge-

halten – mit seiner geltend gemachten illegalen Ausreise zusammenfällt. 

5.3.5 Da für das Gericht nach dem Gesagten nicht klar ist, von welchem 

(glaubhaft gemachten) Sachverhalt die Vorinstanz bei ihrer Entscheidung 

über das Asylgesuch des Beschwerdeführers ausging, ist es ihm vorlie-

gend auch nicht möglich, diese richtig zu überprüfen respektive zu bestäti-

gen. Das SEM hat mithin den rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig 

festgestellt und den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Ge-

hör verletzt. Es erweist sich daher als angezeigt, die Sache zwecks umfas-

D-6655/2018 

Seite 15 

sender Prüfung und Würdigung der Asylvorbringen an die Vorinstanz zu-

rückzuweisen, zumal das Gericht auch nicht alleine aufgrund des vom SEM 

explizit beurteilten Sachverhalts von der Glaubhaftigkeit der vom Be-

schwerdeführer geschilderten Desertion ausgehen kann. Das SEM hat klar 

darzulegen, ob und aus welchen Gründen es die vom Beschwerdeführer 

geltend gemachte Rekrutierung und deren Umstände (anfängliche Weige-

rung seinerseits und Druckausübung auf seine Familie), seine Militär-

dienstleistung an sich sowie die erste Desertion im Jahr 2009, sein Versuch 

der illegalen Ausreise im Jahr 2010 und die darauffolgende Inhaftierung, 

sein unerlaubtes Fernbleiben vom Militärdienst im Jahr 2012 (Überziehen 

des gewährten Urlaubs) sowie die anschliessende erzwungene Rückkehr 

in den Militärdienst und die in diesem Zusammenhang erfolgte Bestrafung 

als glaubhaft oder unglaubhaft qualifiziert und allenfalls aufzuzeigen, wes-

halb die entsprechenden Vorbringen flüchtlingsrechtlich nicht relevant sein 

sollen. Dabei werden auch die mit der Replik eingereichten Beweismittel 

zu berücksichtigen sein.  

6.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde insofern gutzuheissen, als die Auf-

hebung der vorinstanzlichen Verfügung beantragt wird. Die Verfügung vom 

22. Oktober 2018 ist aufzuheben und die Sache zur umfassenden Prüfung 

und Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzu-

weisen. 

Angesichts des Verfahrensausgangs erübrigt es sich, auf die weiteren Be-

schwerdevorbringen näher einzugehen. 

7.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 

Abs. 1 und 2 VwVG). 

8.  

8.1 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

im Zusammenhang mit dem Beschwerdeverfahren notwendigerweise er-

wachsenen Parteikosten zuzusprechen.  

8.2 In der Beschwerdeschrift wies die vormalige Rechtsvertreterin einen 

Stundenansatz von Fr. 193.85 (inkl. Mehrwertsteuerzuschlag) aus. Der 

D-6655/2018 

Seite 16 

zeitliche Aufwand von 680 Minuten bis und mit Eingabe vom 19. November 

2019, mit welcher sie letztmals eine Liste zu den getätigten Aufwendungen 

einreichte (vgl. Bst. I.a vorstehend), erscheint insgesamt angemessen. Für 

die nachfolgenden Vertretungshandlungen (weitere Verfahrensstandsan-

fragen) wurde seitens der rubrizierten Rechtsvertreterin keine (aktualisier-

te) Kostennote eingereicht. Auf die Nachforderung einer solchen kann je-

doch verzichtet werden, da sich der entsprechende Aufwand zuverlässig 

abschätzen lässt (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Sodann wird die mit Be-

schwerdeschrift geltend gemachte einmalige Pauschale von Fr. 54.– als 

Auslagenersatz praxisgemäss nicht vergütet, da nur effektiv ausgewiesene 

Kosten entschädigt werden. Basierend auf der letzten Liste der getätigten 

Aufwendungen und den Eingaben an das Bundesverwaltungsgericht geht 

dieses vorliegend von Portokosten von Fr. 47.– (sieben Einschreiben an 

das Gericht und neun A-Post-Briefe an den Beschwerdeführer) aus, wobei 

sich allerdings die Frage stellt, ob die Verfahrensstandsanfragen nicht auch 

per A-Post hätten erfolgen können. Die Parteientschädigung ist somit ge-

stützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 

VGKE) auf insgesamt Fr. 2437.85 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzu-

schlag) festzusetzen. Dieser Betrag ist dem Beschwerdeführer durch das 

SEM zu entrichten.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-6655/2018 

Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Aufhebung der angefochte-

nen Verfügung beantragt wird. 

2.  

Die vorinstanzliche Verfügung vom 22. Oktober 2018 wird aufgehoben und 

die Sache zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an das SEM zu-

rückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 2437.85 auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Daniela Brüschweiler Sandra Bisig 

 

 

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