# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2d537a55-3b74-5bd5-b223-169ca9453d0d
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-10-17
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 17.10.2022 VBE.2022.25
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2022-25_2022-10-17.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

1. Kammer 

 

 

VBE.2022.25 / NB / fi  
Art. 107 

 

 

Urteil vom 17. Oktober 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichter Kathriner, Präsident  

Oberrichterin Schircks Denzler  

Oberrichterin Fischer  

Gerichtsschreiberin Boss 

 

 
   

Beschwerde-

führerin  

 A._____,  

vertreten durch Dr. iur. Markus Krapf, Rechtsanwalt, 

Stampfenbachstrasse 42, Postfach, 8021 Zürich 1 

 

 
   

Beschwerde-

gegnerin  

 SWICA Versicherungen AG, Rechtsdienst, Römerstrasse 37,  

8401 Winterthur 

 
 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend UVG 

(Einspracheentscheid vom 22. Dezember 2021) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1.  

Die 1981 geborene Beschwerdeführerin war als Erntehelferin bei der B. AG 

angestellt und in dieser Eigenschaft bei der Beschwerdegegnerin obligato-

risch gegen die Folgen von Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs-

krankheiten versichert. Am 23. Dezember 2015 zog sie sich bei einem in 

Slowenien erlittenen Verkehrsunfall unter anderem eine Verletzung an der 

rechten Schulter zu. Die Beschwerdegegnerin anerkannte in der Folge ihre 

Leistungspflicht im Zusammenhang mit dem fraglichen Unfall und er-

brachte die gesetzlichen Leistungen. Im Rahmen der weiteren Abklärungen 

holte sie bei der Swiss Medical Assessment- and Business-Center AG, 

St. Gallen (SMAB), ein polydisziplinäres Gutachten (erstattet am 12. Feb-

ruar 2018) und in der Folge noch zwei Verlaufsgutachten (erstattet am 

10. April 2019 bzw. am 28. Januar 2021) ein. Gestützt auf die Ergebnisse 

der Begutachtungen stellte die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 

26. Mai 2021 die Taggeld- und Heilbehandlungsleistungen per 29. März 

2021 ein, verneinte einen Rentenanspruch und sprach der Beschwerdefüh-

rerin eine Integritätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse 

von 10 % zu. Die dagegen erhobene Einsprache wies sie mit Einsprache-

entscheid vom 22. Dezember 2021 ab. 

 

2. 

2.1. 

Am 21. Januar 2022 (Postaufgabe: 24. Januar 2022) erhob die Beschwer-

deführerin Beschwerde gegen diesen Entscheid und stellte folgende 

Rechtsbegehren: 

 

" 1. Der Einspracheentscheid vom 22. Dezember 2021 sei aufzuheben, 
und es sei der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab dem 30. März 2021 
eine Invalidenrente aufgrund eines Invaliditätsgrades von 100 % zuzu-
sprechen. 

   Eventualiter sei der Einsprecherin mit Wirkung ab dem 30. März 2021 
eine Invalidenrente aufgrund eines Invaliditätsgrades von 16 % zuzu-
sprechen. 

 

 2. Es sei der Einsprecherin eine Integritätsentschädigung aufgrund einer 
Integritätseinbusse von 85 % zuzusprechen. 

  3. Unter Entschädigungsfolgen (zzgl. MWSt.) zu Lasten der Beschwerde-
gegnerin." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 17. Februar 2022 beantragte die Beschwerde-

gegnerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

 

 - 3 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Beschwerdegegnerin bestätigte in ihrem Einspracheentscheid vom 

22. Dezember 2021 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 457) die per 29. März 

2021 verfügte Einstellung der vorübergehenden Leistungen (vgl. Verfü-

gung der Beschwerdegegnerin vom 26. Mai 2021 [VB 422]) im Wesentli-

chen mit der Begründung, dass von der weiteren Behandlung der somati-

schen Beschwerden über diesen Zeitpunkt hinaus keine namhafte Besse-

rung mehr zu erwarten gewesen sei. Die persistierenden psychischen Be-

schwerden stünden in keinem adäquaten Kausalzusammenhang zum Un-

fall vom 23. Dezember 2015, weshalb diesbezüglich keine weitere Leis-

tungspflicht bestehe. Da die Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht in 

einer angepassten Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig und damit in der Lage sei, 

ein das Valideneinkommen übersteigendes Salär zu erzielen, sei ein Ren-

tenanspruch zu verneinen. Aufgrund der verbleibenden Folgen der Schul-

terverletzung bestehe Anspruch auf eine Entschädigung basierend auf ei-

ner Integritätseinbusse von 10 %.  

 

Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber zusammengefasst geltend, 

"die adäquate Kausalität zwischen dem Unfall [vom 23. Dezember 2015] 

und den psychischen Beschwerden" sei zu Unrecht verneint worden. Fer-

ner sei die Beschwerdegegnerin im Rahmen der Ermittlung des Invalidi-

tätsgrads bei der Einkommensparallelisierung bzw. der Festsetzung der 

Vergleichseinkommen methodisch falsch vorgegangen. Würden nur die so-

matischen Beschwerden berücksichtigt, habe sie bei richtiger Berechnung 

des Invaliditätsgrads Anspruch auf eine Invalidenrente von 16 %. Zudem 

bedeute die verbleibende unfallbedingte Beeinträchtigung im Bereich der 

rechten Schulter eine Integritätseinbusse von 25 %, weshalb sie Anspruch 

auf eine Entschädigung in entsprechender Höhe habe.  

 

Streitig und zu prüfen ist somit, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht den 

Anspruch auf eine Rente verneint und der Beschwerdeführerin eine Inte-

gritätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse von (nur) 

10 % zugesprochen hat.  

 

2. 

2.1. 

Am 1. Januar 2017 sind die Änderungen vom 25. September 2015 des 

UVG bzw. der UVV betreffend Unfallversicherung und Unfallverhütung in 

Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung 

vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die 

sich vor dem Inkrafttreten der besagten Änderungen ereignet haben, nach 

bisherigem Recht gewährt. Der vorliegend streitige Unfall ereignete sich 

am 23. Dezember 2015, weshalb das bis 31. Dezember 2016 in Kraft ge-

wesene Unfallversicherungsrecht zur Anwendung gelangt. 

 - 4 - 

 

 

 

 

2.2. 

Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG werden die Versicherungsleistungen, soweit 

das Gesetz nichts anderes bestimmt, bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfäl-

len sowie Berufskrankheiten gewährt. Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die ver-

sicherte Person Anspruch auf eine zweckmässige Behandlung der Unfall-

folgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat 

sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Wird sie infolge 

des Unfalles zu mindestens 10 % invalid, so hat sie nach Art. 18 Abs. 1 

UVG Anspruch auf eine Invalidenrente. Erleidet sie durch den Unfall eine 

dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychi-

schen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsent-

schädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG). 

 

3. 

3.1. 

Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen Einspracheent-

scheid vom 22. Dezember 2021 (VB 457) in medizinischer Hinsicht im We-

sentlichen auf die von ihr bei der SMAB eingeholten (Verlaufs-)Gutachten 

vom 12. Februar 2018 (VB 185), vom 10. April 2019 (VB 289) und vom 

28. Januar 2021 (VB 399). Darin wurden folgende unfallrelevante Diagno-

sen gestellt (VB 399 S. 4): 

 

" 1. Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) 

  2. Mittelgradige bis schwere depressive Episode (ICD-10: F32.1/F32.2) 

 3. Einschränkung der Schultergelenksfunktion rechts nach zweimaliger 
Schulteroperation (10.03.2016, 13.03.2017) einer SLAP-Läsion Typ 2 
vom 23.12.2015" 

 

Nicht unfallrelevant seien folgende Diagnosen: 

 

" 1. Senk-/Spreizfuss beidseits 

 2. Leichte AC-Gelenksarthrose rechts 

 3. Z. n. Adipositas Grad III […]" 

 

Von einer weiteren Behandlung des Schultergelenks sei keine namhafte 

Besserung mehr zu erwarten (VB 399 S. 8). Infolge der funktionellen Aus-

wirkungen der psychischen Befunde "entsprechend Mini-ICF-APP" be-

stehe eine "voll ausgeprägte Beeinträchtigung der Widerstands- Durchhal-

tefähigkeit hinsichtlich jeglicher beruflicher Tätigkeit" (VB 399 S. 5). Die als 

mittelschwer bis schwer zu wertende psychische Störung bedeute einen 

Integritätsschaden von 60 % (VB 399 S. 10). Aus orthopädischer Sicht lies-

sen sich die Funktionseinschränkung der rechten Schulter "nicht rein orga-

nisch bedingt erklären". Aus allgemeininternistischer Sicht bestehe kein 

Leiden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (VB 399 S. 5 f.). Aufgrund der 

 - 5 - 

 

 

 

unfallbedingten psychischen Beschwerden sei die Arbeitsfähigkeit in jegli-

cher Tätigkeit aufgehoben (VB 399 S. 8 ff., S. 35 f.). Aufgrund der objekti-

vierbaren somatischen Unfallfolgen bestehe sowohl in der zuletzt ausge-

übten Tätigkeit in der Pilzverarbeitung als auch in einer leidensadaptierten 

Tätigkeit eine 80%ige Arbeitsfähigkeit im Rahmen eines zumutbaren Pen-

sums von 100 %; die Integritätseinbusse betrage 10 % (VB 399 S. 44 f.).  

 

3.2. 

Nach Lage der Akten ist zu Recht unumstritten ist, dass der Beurteilung der 

SMAB-Gutachter Beweiswert zukommt (zum Beweiswert verwaltungsex-

terner Gutachten vgl. BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470 und 125 V 351 E. 3b/bb 

S. 353). Demnach ist davon auszugehen, dass (spätestens) im Zeitpunkt 

der letzten Begutachtung im Herbst 2020 von der weiteren Heilbehandlung 

kein nennenswerter Erfolg mehr zu erwarten war und die Beschwerdefüh-

rerin aus somatischer Sicht in einer angepassten Tätigkeit zu 80 % arbeits-

fähig, aufgrund der psychischen Beschwerden indes gänzlich arbeitsunfä-

hig ist. Der per 29. März 2021 verfügte Fallabschluss (vgl. Art. 19 Abs. 1 

UVG) wurde folglich zu Recht nicht beanstandet. 

 

4. 

4.1. 

Im Rahmen der Beurteilung des Anspruchs der Beschwerdeführerin auf 

eine Rente bzw. eine Integritätsentschädigung liess die Beschwerdegeg-

nerin die psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit und eine allfällige Schädi-

gung der psychischen Integrität infolge des Unfalls ausser Acht. Die Be-

schwerdeführerin bemängelt dies und macht geltend, die Beschwerdegeg-

nerin habe einen adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem fragli-

chen Unfall und der psychischen Symptomatik zu Unrecht verneint (Be-

schwerde S. 4 ff.). 

 

4.2. 

4.2.1. 

Ob zwischen Unfall und Gesundheitsstörung ein für eine Leistungspflicht 

des Unfallversicherers neben dem natürlichen Kausalzusammenhang er-

forderlicher adäquater Kausalzusammenhang besteht, ist bei psychischen 

bzw. organisch nicht ausgewiesenen Beschwerden speziell zu prüfen. Ge-

mäss Rechtsprechung des Bundesgerichts setzt die Bejahung des adäqua-

ten Kausalzusammenhangs bei psychischen Fehlentwicklungen nach 

einem Unfall grundsätzlich voraus, dass dem Unfallereignis für die Entste-

hung einer psychisch bedingten Erwerbsunfähigkeit eine massgebende 

Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn es objektiv eine gewisse 

Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Für 

die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei 

eine Katalogisierung des Unfalls als banal bzw. leicht, im mittleren Bereich 

liegend oder schwer vorzunehmen ist (vgl. BGE 115 V 133 E. 6 S. 138 f., 

S. 141). 

 - 6 - 

 

 

 

 

4.2.2. 

Die Beschwerdegegnerin hat den Unfall vom 23. Dezember 2015 unter 

Verweis auf die entsprechende Rechtsprechung als höchstens mittel-

schwer im engeren Sinn eingestuft (VB 457 S. 12). Die Beschwerdeführe-

rin bringt dagegen vor, die von der Beschwerdegegnerin herangezogenen 

Beispiele seien verglichen mit ihrem Unfall als weniger schwer einzustufen. 

Es liege ein schwerer Unfall vor (Beschwerde S. 4 f.). 

 

4.2.3. 

Hinsichtlich der Unfallschwere ist nach geltender Rechtsprechung vom au-

genfälligen Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften 

auszugehen. Irrelevant sind die Unfallfolgen oder Begleitumstände, die 

nicht direkt dem Unfallgeschehen zugeordnet werden können. Solchen 

Faktoren ist gegebenenfalls bei den Adäquanzkriterien Rechnung zu tra-

gen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_620/2019 vom 5. Februar 2020 

E. 6.3.2 und 8C_812/2021 vom 17. Februar 2022 E. 8.1, je mit Hinweisen). 

 

4.2.4. 

Zum Unfallhergang ist dem ins Deutsche übersetzten Unfallrapport der slo-

wenischen Polizei vom 24. Dezember 2015 zu entnehmen, dass die Be-

schwerdeführerin mit ihrer Familie nachts im von ihrem Ehemann gelenkten 

Personenwagen unterwegs war, als ihr Ehemann zur Vermeidung einer 

Kollision mit einer grösseren Anzahl heranrennender Wildtiere zum rechten 

Fahrbahnrand auf das "Bankett" gefahren sei und dabei die Kontrolle über 

das ins Schleudern geratene Fahrzeug verloren habe. Der Wagen sei von 

der Fahrbahn abgekommen, habe sich "im Tal unter der Ebene der Fahr-

bahn" überschlagen und sei auf dem Dach gelandet. Der Unfall habe sich 

nach einer unübersichtlichen Linkskurve auf einem geraden Abschnitt der 

Hauptstrasse "1. Ordnung Nr. 7" mit einer geltenden Höchstgeschwindig-

keit von 90 km/h ereignet (VB 62 S. 2). Gemäss Angaben der Beschwer-

deführerin im "Unfallfragebogen UVG" vom 14. Januar 2016 fuhr das Auto 

zum Zeitpunkt des Unfalls mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h (VB 10 

S. 1). 

 

4.2.5. 

Autounfälle, die mit vergleichbaren oder jedenfalls nicht mit geringeren 

Krafteinwirkungen verbunden sind, werden in der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung regelmässig dem mittleren Bereich zugeordnet. Zu erwäh-

nen sind beispielsweise ein Unfall, bei dem die versicherte Person mit ih-

rem Fahrzeug bei 90 km/h ins Schleudern geriet, worauf sich ihr Fahrzeug 

mehrfach überschlug (Urteil des Bundesgerichts 8C_568/2015 vom 15. Ja-

nuar 2016 E. 3.2), ein Unfall, bei dem der Fahrer eines Personenwagens 

bei einer Fahrgeschwindigkeit von 110 km/h die Kontrolle über das Fahr-

zeug verloren hatte, auf den Fahrstreifen für den Gegenverkehr, dann auf 

das linksseitige Strassenbankett und schliesslich in den Strassengraben 

 - 7 - 

 

 

 

abgekommen war und sich dabei mehrere Male überschlagen hatte (Urteil 

8C_595/2009 vom 17. November 2009 E. 7.2), ein Selbstunfall mit rund 

115 km/h, wobei das Fahrzeug vom Normalstreifen abkam, den Überhol-

streifen überquerte und auf den linksseitig verlaufenden Grünstreifen ge-

riet, bei der anschliessenden Lenkkorrektur nach rechts zu schleudern be-

gann, den Überhol- und Normalstreifen überquerte, sich nach links über-

schlug und gegen die ansteigende Böschung prallte, dabei mit dem Heck 

gegen die Betonumrandung eines Kontrollschachtdeckels stiess und abge-

hoben sowie auf die Fahrbahn zurückgeworfen wurde, sich auf dem Nor-

malstreifen, wieder auf den Rädern stehend, einmal um die Hochachse 

drehte und schliesslich zum Stillstand kam (Urteil des Bundesgerichts 

8C_363/2012 vom 27. Juni 2012 E. 4.3), ein Unfall, bei dem die versicherte 

Person ihr Fahrzeug nach einem Überholmanöver mit rund 100 km/h ab-

rupt abbremste, wobei dieses ins Schleudern geriet, gegen einen Strassen-

wall prallte, sich überschlug und auf der Fahrerseite zu liegen kam (Urteil 

des Bundesgerichts 8C_169/2007 vom 5. Februar 2008 E. 4.2), und ein 

Unfall, bei dem das Fahrzeug der versicherten Person mit einer Geschwin-

digkeit von etwa 70 bis 75 km/h frontal/seitlich versetzt mit einem anderen, 

mit einer Geschwindigkeit von 70 km/h fahrenden Personenwagen zusam-

menstiess, von der Fahrbahn abgetrieben wurde, den Strassenrand über-

fuhr, abhob und 25 m weiter auf einem bereits am Boden liegenden Tele-

fonmast zum Stillstand kam (Urteil des Bundesgerichts 8C_996/2010 vom 

14. März 2011 E. 7.1 und E. 7.3).  

 

Die dargelegte Kasuistik macht deutlich, dass die Beschwerdegegnerin 

vorliegend zu Recht von einem mittelschweren Unfall im engeren Sinn aus-

gegangen ist.  

 

4.3. 

4.3.1. 

Bei mittelschweren Unfällen im engeren Sinn beantwortet sich die Frage, 

ob zwischen Unfall und psychisch bedingter Arbeitsunfähigkeit ein adäqua-

ter Kausalzusammenhang besteht, nach den in BGE 115 V 133 E. 6c dar-

gelegten Kriterien. Die Adäquanz kann nur bejaht werden, wenn mindes-

tens drei der sieben Adäquanzkriterien erfüllt sind oder eines besonders 

ausgeprägt vorliegt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_803/2017 vom 

14. Juni 2018 E. 3.2 mit Hinweisen). Als wichtigste Kriterien sind zu nennen 

(vgl. BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140): 

 

- besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklich-
keit des Unfalls 

- die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbeson-
dere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen 
auszulösen 

- ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung 
- körperliche Dauerschmerzen 
- ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlim-

mert 

 - 8 - 

 

 

 

- schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen 
- Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit 

 

Die Beschwerdegegnerin ging davon aus, dass keines der Adäquanzkrite-

rien erfüllt sei (vgl. VB 457 S. 12 f.). Die Beschwerdeführerin macht dem-

gegenüber geltend, es seien die Kriterien "der dramatischen Begleitum-

stände, fortgesetzte ärztliche Behandlung, erhebliche Beschwerden, 

schwieriger Heilverlauf und erhebliche Arbeitsunfähigkeit" in ausgeprägter 

Weise erfüllt (Beschwerde S. 5 f.). Dass die weiteren Adäquanzkriterien 

(die Unfallfolgen erheblich verschlimmernde ärztliche Fehlbehandlung so-

wie Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen) als nichter-

füllt qualifiziert wurden, stellte die Beschwerdeführerin – nach Lage der Ak-

ten zu Recht – nicht in Frage. 

 

4.3.2. 

Betreffend das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände 

oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalles bringt die Beschwerdefüh-

rerin im Wesentlichen vor, dadurch, dass der Unfall sich in der Nacht ereig-

net habe, habe er sehr bedrohlich gewirkt. Der Wagen habe sich mehrmals 

überschlagen. Sie habe sich nicht selber aus dem Auto befreien können 

und sei eingeklemmt kopfüber im Auto gehangen, bis die Feuerwehr ange-

rückt sei. Sie habe daher ihren drei Kindern im Alter zwischen sechs und 

14 Jahren nicht helfen können und habe nicht gewusst, wie diese den Un-

fall überstanden hätten (Beschwerde S. 5).  

 

Ob besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Ein-

drücklichkeit des Unfalls vorliegen, ist objektiv und nicht aufgrund des sub-

jektiven Empfindens bzw. Angstgefühls der versicherten Person zu beur-

teilen. Zudem ist jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse 

Eindrücklichkeit eigen, welche somit noch nicht für die Bejahung dieses 

Kriteriums ausreichen kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_720/2017 vom 

12. März 2018 E. 4.4 mit Hinweisen). Dem vorliegenden Unfallhergang ist 

eine gewisse Eindrücklichkeit zweifelsohne nicht abzusprechen. Das Fahr-

zeug kam nachts von der Strasse ab, überschlug sich mehrmals und die 

Beschwerdeführerin konnte es nicht selbstständig verlassen. Das Kriterium 

kann damit als erfüllt betrachtet werden, indes nicht in besonders ausge-

prägter Weise. 

 

4.3.3. 

Hinsichtlich des Kriteriums der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen 

Behandlung bringt die Beschwerdeführerin vor, die Annahme der Be-

schwerdegegnerin, der Endzustand sei im Jahr 2017 erreicht gewesen, 

stehe im Widerspruch zum SMAB-Gutachten vom 12. Februar 2018 

(VB 185), in welchem eine wesentliche Verbesserung des Zustands der 

rechten Schulter noch für möglich gehalten worden sei. Erst im SMAB-Gut-

achten vom 28. Januar 2021 (VB 399) sei festgestellt worden, dass der 

 - 9 - 

 

 

 

Endzustand erreicht sei. Die Behandlung der somatischen Unfallfolgen 

habe damit fünf Jahre gedauert, was ausserordentlich lang sei (Be-

schwerde S. 5 f.).  

 

Ob das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behand-

lung somatischer Beschwerden erfüllt ist oder nicht, beurteilt sich nicht al-

lein nach einem zeitlichen Massstab. Von Bedeutung sind vielmehr auch 

Art und Intensität der Behandlung sowie der Umstand, inwieweit noch eine 

Besserung des Gesundheitszustandes zu erwarten ist. Es muss, gesamt-

haft betrachtet, eine kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf 

die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behand-

lung von ungewöhnlich langer Dauer gegeben sein (Urteil des Bundesge-

richts 8C_860/2015 vom 30. Juni 2016 E. 4.4). Die am 23. Dezember 2015 

erlittene Schulterverletzung wurde am 10. März 2016 und am 13. März 

2017 operativ behandelt (vgl. VB 23 und 132). Die therapeutischen Mass-

nahmen im weiteren Verlauf beschränkten sich im Wesentlichen auf medi-

zinische Abklärungen, ärztliche Verlaufskontrollen sowie physiotherapeuti-

sche und medikamentöse Behandlungen (vgl. etwa VB 151 S. 2; 223 S. 2; 

257 S. 3; 312 S. 2 f.), welche entgegen der Auffassung der Beschwerde-

führerin keine ärztliche Behandlung im Sinne des fraglichen Kriteriums dar-

stellen (Urteil des Bundesgerichts 8C_542/2020 vom 13. November 2020 

E. 6.3). Daran ändert auch nichts, dass im SMAB-Gutachten vom 12. Feb-

ruar 2018 festgehalten worden war, aus somatischer Sicht könne noch kein 

Endzustand "attestiert und formuliert" werden (VB 185 S. 25), da der ortho-

pädische Gutachter nicht etwa weitere ärztliche Behandlungen, sondern le-

diglich die Durchführung einer stationären Rehabilitationsbehandlung vor-

geschlagen hatte (VB 185 S. 25 f.). Diese Einschätzung und Empfehlun-

gen wurden im SMAB-Gutachten vom 10. April 2019 vollumfänglich bestä-

tigt (vgl. VB 289 S. 9 und S. 15). Insgesamt ist damit dieses Kriterium nicht 

erfüllt. 

 

4.3.4. 

Bezüglich des Kriteriums der körperlichen Dauerschmerzen ist massge-

bend, ob über den gesamten Zeitraum andauernde Beschwerden vorlagen. 

Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, die geklagten Schmerzen seien 

somatisch bedingt, mag es zwar zutreffen, dass sie unter gewissen körper-

lichen Restbeschwerden leidet. Allerdings kann das Ausmass der geklag-

ten Schmerzen, wie sich schon anlässlich der ersten Begutachtung gezeigt 

hatte und in den folgenden beiden Explorationen bestätigte, mit den fest-

gestellten pathologischen Befunden nicht hinreichend erklärt werden 

(vgl. VB 185 S. 25, VB 289 S. 23, VB 399 S. 42), womit das Kriterium der 

körperlichen Dauerschmerzen nicht erfüllt ist (vgl. Urteil des Bundesge-

richts 8C_620/2021 vom 14. Januar 2022 E. 4.6 mit Hinweisen). 

 

 - 10 - 

 

 

 

4.3.5. 

Zur Bejahung des geltend gemachten Kriteriums des schwierigen Heilungs-

verlaufs und der erheblichen Komplikationen bedarf es besonderer Gründe, 

welche die Genesung bis zum Fallabschluss beeinträchtigt oder verzögert 

haben (Urteil des Bundesgerichts 8C_123/2018 vom 18. September 2018 

E. 5.2.2.2). Vorliegend sind keine Umstände ersichtlich, die die Genesung 

beeinträchtigt hätten. Insbesondere berichtete der behandelnde Arzt über 

einen unkomplizierten postoperativen Verlauf (VB 151 S. 2, VB 156 S. 1). 

Der Umstand, dass trotz verschiedener Therapien keine Beschwerdefrei-

heit erreicht werden konnte, genügt allein nicht (Urteil des Bundesge-

richts 8C_627/2020 vom 10. Dezember 2020 E. 4.1.4). 

 

4.3.6. 

Die Beschwerdeführerin bringt vor, aufgrund des schwierigen Heilungsver-

laufs habe während fünf Jahren eine somatisch bedingte 100%ige Arbeits-

unfähigkeit bestanden (Beschwerde Rz. 27). Das Kriterium des Grades und 

der langen Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit wäre gemäss 

Rechtsprechung bei einer vollen Arbeitsunfähigkeit während fast drei Jah-

ren erfüllt (Urteil des Bundesgerichts 8C_627/2019 vom 10. März 2020 

E. 5.4.5 mit Hinweis). Gemäss Einschätzung der SMAB-Gutachter hat bei 

der Beschwerdeführerin indessen sowohl in der zuletzt ausgeübten, als 

auch in einer leidensangepassten Tätigkeit bereits drei Monate nach dem 

letzten operativen Eingriff vom 13. März 2017 ‒ mithin rund eineinhalb 

Jahre nach dem Unfallereignis – eine 80%ige Arbeitsfähigkeit vorgelegen 

(vgl. VB 185 S. 26, VB 289 S. 25). Folglich ist das Kriterium des Grades 

und der Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit ebenfalls nicht 

erfüllt. 

 

4.4. 

Zusammenfassend ist nur ein Adäquanzkriterium erfüllt, und dies nicht in 

besonders ausgeprägter Weise. Die Beschwerdegegnerin hat einen adä-

quaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 23. De-

zember 2015 und den psychischen bzw. den mit einem organisch objekti-

vierbaren Korrelat nicht hinreichend erklärbaren sich somatisch manifestie-

renden Beschwerden somit zu Recht verneint. Ob der fraglichen Sympto-

matik im Lichte der gemäss BGE 141 V 281 massgeblichen Indikatoren in-

validisierende Wirkung zuzumessen wäre (vgl. dazu BGE 141 V 574), 

braucht damit nicht geprüft zu werden (Urteil des Bundesgerichts 

8C_493/2021 vom 4. März 2022 E. 3.3.5). Somit entfällt diesbezüglich eine 

weitergehende Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin.  

 

5. 

5.1. 

Hinsichtlich der erwerblichen Auswirkungen der Folgen der unfallbedingten 

Schulterverletzung stellte die Beschwerdegegnerin auf das von der Be-

schwerdeführerin zuletzt im Jahr 2015 erzielte und auf ein Pensum von 

 - 11 - 

 

 

 

100 % hochgerechnete Einkommen von Fr. 39'420.00 ab und setzte unter 

Einbezug der Nominallohnentwicklung der Jahre 2016 bis 2021 das Vali-

deneinkommen auf Fr. 41'882.20 fest. Das Invalideneinkommen setzte sie 

ausgehend von den Tabellenlöhnen der schweizerischen Lohnstrukturer-

hebung (LSE) des Jahres 2018 des Bundesamtes für Statistik (BFS), Ta-

belle TA1, Total, Kompetenzniveau 1, Frauen, unter Berücksichtigung der 

betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden sowie der 

Nominallohnentwicklung der Jahre 2018 bis 2021 und der attestierten Ar-

beitsfähigkeit von 80 % auf Fr. 45'070.48 fest. Einen leidensbedingten Ab-

zug gewährte sie nicht (VB 422 S. 6). Ausgehend von diesen Vergleichs-

einkommen verneinte die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Ein-

spracheentscheid eine unfallbedingte Erwerbseinbusse (VB 457 S. 15; zur 

Bestimmung des Invaliditätsgrades vgl. Art. 16 ATSG; BGE 130 V 343 

E. 3.4 S. 348 f.; 128 V 29 E. 1 S. 30; 104 V 135 E. 2a und b S. 136 f.). 

 

5.2. 

Die Beschwerdeführerin bringt vor, das von ihr vor Eintritt des Gesundheits-

schadens erzielte Einkommen sei deutlich unterdurchschnittlich gewesen. 

Entgegen der Annahme der Beschwerdegegnerin habe sie keine landwirt-

schaftliche Tätigkeit ausgeübt. Der Betrieb, in welchem sie zuletzt ange-

stellt gewesen sei, müsse in den "Sektor 10-11" der LSE (Herstellung von 

Nahrungsmitteln; Getränkeherstellung) eingeteilt werden (Beschwerde 

S. 7 ff.).  

 

5.3. 

5.3.1. 

Bezog eine versicherte Person aus invaliditätsfremden Gründen (z.B. ge-

ringe Schulbildung, fehlende berufliche Ausbildung, mangelnde Deutsch-

kenntnisse) ein deutlich unterdurchschnittliches Einkommen, ist diesem 

Umstand bei der Invaliditätsbemessung nach Art. 16 ATSG Rechnung zu 

tragen, sofern keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie sich aus freien 

Stücken mit einem bescheideneren Einkommensniveau begnügen wollte. 

Nur dadurch ist der Grundsatz gewahrt, dass die auf invaliditätsfremde Ge-

sichtspunkte zurückzuführenden Lohneinbussen entweder überhaupt nicht 

oder aber bei beiden Vergleichseinkommen gleichmässig zu berücksichti-

gen sind. Diese Parallelisierung der Einkommen kann praxisgemäss ent-

weder auf Seiten des Valideneinkommens durch eine Heraufsetzung des 

effektiv erzielten Einkommens oder aber auf Seiten des Invalideneinkom-

mens durch eine Herabsetzung des statistischen Wertes erfolgen 

(BGE 135 V 297 E. 5.1 S. 300 f.; 135 V 58 E. 3.1 S. 59; 134 V 322 E. 4.1 

S. 326.). Der tatsächlich erzielte Verdienst gilt dann im Sinne der Recht-

sprechung als deutlich unterdurchschnittlich, wenn er mindestens 5 % vom 

branchenüblichen Tabellenlohn abweicht; eine Parallelisierung der Ver-

gleichseinkommen hat jedoch ‒ bei Erfüllung der übrigen Voraussetzun-

 - 12 - 

 

 

 

gen – nur in dem Umfang zu erfolgen, in welchem die prozentuale Abwei-

chung den Erheblichkeitsgrenzwert von 5 % übersteigt (BGE 135 V 297 

E. 6.1.2 und 6.1.3 S. 302 ff.). 

 

5.3.2. 

Hinsichtlich des vorliegend einschlägigen Wirtschaftssektors ist darauf hin-

zuweisen, dass gemäss der allgemeinen Systematik der Wirtschaftszweige 

(NOGA) der Anbau von Gemüse und Melonen sowie Wurzeln und Knollen, 

welcher der Abteilung "Landwirtschaft, Jagd und damit verbundene Tätig-

keiten" zugeordnet ist, explizit auch den Anbau von Pilzen umfasst 

(vgl. NOGA Code 011300, abrufbar unter https://www.kubb-tool.bfs.ad-

min.ch). Damit handelt es sich bei der letzten Arbeitgeberin um einen in der 

Landwirtschaft tätigen Betrieb. Entgegen den Ausführungen der Beschwer-

deführerin besteht kein Grund zur Annahme, dass die vor Eintritt der Ar-

beitsunfähigkeit konkret ausgeübte Arbeit einem anderen Wirtschaftszweig 

zuzuordnen wäre. Insbesondere kann den Akten nicht entnommen werden, 

dass sie "hauptsächlich in der Abteilung Verpackung/Versand" tätig gewe-

sen wäre. Vielmehr wurden in der Arbeitsplatzbeschreibung als ihre Haupt-

tätigkeit "Pilze ernten" aufgeführt und ihre Funktion mit "Ernterin" bezeich-

net (VB 26 S. 1). Entsprechend den diesbezüglich korrekten Ausführungen 

der Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid (VB 457 

S. 14 f.) ist das branchenübliche Einkommen damit gestützt auf die zwi-

schen dem Schweizer Bauernverband (SBV), dem schweizerischen Bäue-

rinnen- und Landfrauenverband (SBLV) und der Arbeitsgemeinschaft der 

Berufsverbände landw. Angestellter (ABLA) vereinbarte "Lohnrichtlinie für 

familienfremde Arbeitnehmende in der Schweizer Landwirtschaft inklusive 

landw. Hauswirtschaft" (nachfolgend: Lohnrichtlinie) zu ermitteln (vgl. zum 

Ganzen Urteil des Bundesgerichts 8C_549/2016 vom 19. Januar 2017 

E. 5.1 f. mit Hinweisen).  

 

5.3.3. 

Dass die Beschwerdeführerin ohne den Unfall im Jahr 2015, hoch-

gerechnet auf ein 100%-Pensum, ein Einkommen von Fr. 39'420.00 er- 

zielt hätte, ist unbestritten (vgl. Beschwerde S. 9) und gibt nach Lage 

der Akten zu keinen Weiterungen Anlass. Der von der Beschwerde-

gegnerin zur Ermittlung des branchenüblichen Einkommens heran-

gezogene Richtlohn für Hilfskräfte ohne entsprechende Ausbildung (Lohn-

klasse 4) von Fr. 3'200.00 pro Monat (vgl. Lohnrichtlinie 2015 S. 3, ab-

rufbar unter: https://www.agrimpuls.ch/de/service/downloaden-und-bestel-

len/richtloehne-schweizer-landwirtschaft) bzw. von Fr. 38'400.00 pro Jahr, 

ist angesichts der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin ausweislich der 

Akten über keine landwirtschaftliche Ausbildung verfügt, ebenfalls nicht zu 

beanstanden. Das zuletzt erzielte Einkommen von Fr. 39'420.00 ist somit 

als branchenüblich einzustufen. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre-

chung kann es damit ‒ anders als die Beschwerdeführerin anzunehmen 

 - 13 - 

 

 

 

scheint (vgl. Beschwerde S. 7 ff.) – nicht als unterdurchschnittlich bezeich-

net werden, selbst wenn es erheblich unter dem LSE-Lohnniveau liegt 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_677/2021, 8C_687/2021 vom 31. Ja-

nuar 2022 E. 4.2.2 und E. 6.3; vgl. zudem Urteil des Bundesgerichts 

8C_607/2018 vom 20. Februar 2019 E. 2.3 mit Hinweisen [betreffend GAV-

LMV Bauhauptgewerbe]). Demzufolge besteht vorliegend kein Anlass für 

eine Parallelisierung. 

 

5.4. 

Die dem Einspracheentscheid zu Grunde liegende Invaliditätsgradberech-

nung als solche wurde von der anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin 

nicht gerügt und gibt grundsätzlich auch zu keinen Weiterungen Anlass. 

Anzumerken ist indessen, dass der von der Beschwerdegegnerin bei der 

Festsetzung des Valideneinkommens herangezogene Nominallohnindex 

des BfS (Tabelle T1.2.10, Nominallohnindex Frauen 2011-2020, Position 

C 10-33, Verarbeitendes Gewerbe/Herstellung von Waren; vgl. Verfügung 

der Beschwerdegegnerin vom 26. Mai 2021 in VB 422 S. 6) nicht einschlä-

gig ist. Ferner hätte das Invalideneinkommen unter Berücksichtigung der 

definitiven statistischen Daten zur Nominallohnentwicklung, welche zum 

Zeitpunkt des Erlasses des Einspracheentscheids vom 22. Dezember 2021 

nur bis zum Jahr 2020 vorlagen, berechnet werden müssen. Die Berech-

nung des Invaliditätsgrads hätte vor diesem Hintergrund per 2020 vorge-

nommen werden müssen. Da im vorliegenden Fall das Invalideneinkom-

men (deutlich) höher ist als das massgebliche Valideneinkommen, ver-

möchte die korrekte Ermittlung am Ergebnis eines Invaliditätsgrades von 

0 % nichts zu ändern, weshalb auf eine entsprechende Korrektur verzichtet 

werden kann. Bei diesem Ergebnis kann offen bleiben, ob der Beschwer-

deführerin (insbesondere wegen des Aufenthaltsstatus') ein Abzug vom Ta-

bellenlohn auf das Invalideneinkommen (vgl. zum Ganzen BGE 146 V 16 

E. 4.1 S. 19 f. mit Hinweisen) zu gewähren wäre, da selbst ein (vorliegend 

nicht gerechtfertigter) Abzug von 10 % nicht zu einem rentenbegründenden 

Invaliditätsgrad von mindestens 10 % führen würde. 

 

6. 

Schliesslich beantragt die Beschwerdeführerin eine Erhöhung der Integri-

tätsentschädigung für den verbleiben Schaden an der Schulter von 10 % 

auf 25 %, weil die rechte Schulter gemäss gutachterlichem Messblatt "ma-

ximal 45 º" und damit nicht einmal bis zur Horizontalen habe bewegt wer-

den können (Beschwerde S. 9 f.). Die Höhe des Integritätsschadens ist in-

des aufgrund – ausschliesslich – der mit objektivierbaren Befunden erklär-

baren funktionellen Störungen medizinisch-theoretisch festzulegen. Dies-

bezüglich wurde im SMAB-Gutachten vom 28. Januar 2021 festgehalten, 

aus orthopädischer Sicht lasse sich wegen mangelnder Mitwirkungsbereit-

schaft der Beschwerdeführerin bei der Untersuchung der Integritätsscha-

den an der rechten Schulter nicht einschätzen. Die Einschätzung leite sich 

 - 14 - 

 

 

 

vielmehr aus der Beobachtung ab, dass die Beschwerdeführerin beim An-

ziehen der Oberbekleidung eine aktive Anteversion von über 100 º de-

monstriere. Gemäss Tabelle 1, Integritätsschaden bei Funktionsstörungen 

an den oberen Extremitäten, werde bei einer bis 30 º über die Horizontale 

beweglichen Schulter der Integritätsschaden auf 10 % eingeschätzt 

(VB 399 S. 10). Diese Beurteilung ist unter Berücksichtigung der einschlä-

gigen SUVA-Tabelle nachvollziehbar sowie einleuchtend begründet und 

stimmt mit der weiteren medizinischen Aktenlage überein. 

 

7. 

7.1. 

Nach dem Dargelegten ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin mit Ein-

spracheentscheid vom 22. Dezember 2021 im Zusammenhang mit dem Er-

eignis vom 23. Dezember 2015 zu Recht einen Rentenanspruch der Be-

schwerdeführerin verneint und die Integritätsentschädigung auf 10 % fest-

gesetzt hat. Die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen. 

 

7.2. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG). 

 

7.3. 

Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-

alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf 

Parteientschädigung zu. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

 
   

Zustellung an: 

die Beschwerdeführerin (Vertreter; 2-fach) 

die Beschwerdegegnerin 

das Bundesamt für Gesundheit 

 

 

 - 15 - 

 

 

 

   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 17. Oktober 2022 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

1. Kammer 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Kathriner Boss