# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fed232fe-b1df-54ed-a611-44be6711eee8
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-04
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 04.08.2023 200 2023 213
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2023-213_2023-08-04.pdf

## Full Text

200 23 213 IV
LOU/BOC/STA

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 4. August 2023

Verwaltungsrichter Loosli, Kammerpräsident
Verwaltungsrichterin Wiedmer, Verwaltungsrichter Knapp
Gerichtsschreiberin Bossert

A.________
gesetzlich vertreten durch B.________
vertreten durch Rechtsanwalt C.________
Beschwerdeführer

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 24. Februar 2023

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Aug. 2023, IV/23/213, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Der 2011 geborene A.________ (nachfolgend: Versicherter bzw. Be-
schwerdeführer) meldete sich, gesetzlich vertreten durch seine Eltern, im 
Januar 2022 unter Hinweis auf einen seit Juli 2019 bestehenden Diabetes 
mellitus Typ 1 bei der Invalidenversicherung zum Bezug einer Hilflosenent-
schädigung für Minderjährige an (Akten der IV-Stelle Bern [nachfolgend: 
IVB bzw. Beschwerdegegnerin; act. II] 1). Nachdem die IVB medizinische 
Unterlagen eingeholt hatte (act. II 12, 14), stellte sie mit Vorbescheid vom 
3. Mai 2022 (act. II 15) die Verneinung des Anspruchs auf eine Hilflosen-
entschädigung in Aussicht, wogegen der Versicherte, vertreten durch seine 
Eltern, am 24. Mai 2022 Einwände erhob (act. II 18). Nachdem die IVB ei-
nen Abklärungsbericht Hilflosenentschädigung/Intensivpflegezu-schlag für 
Minderjährige (nachfolgend: Abklärungsbericht vom 22. Februar 2023 [act. 
II 22]) hatte erstellen lassen, verfügte sie am 24. Februar 2023 (act. II 23) 
wie vorbescheidweise angekündigt. 

B.

Dagegen erhob der Versicherte, gesetzlich vertreten durch seine Mutter, 
diese vertreten durch Rechtsanwalt C.________, am 27. März 2023 Be-
schwerde. Er beantragt, unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung sei 
die Sache durch die Beschwerdegegnerin erneut zu beurteilen. Die Be-
schwerdegegnerin sei zu verpflichten, dem Beschwerdeführer die gesetz-
lich geschuldeten Leistungen auszurichten, unter Kosten- und 
Entschädigungsfolge. 

Mit Beschwerdeantwort vom 4. Mai 2023 beantragt die Beschwerdegegne-
rin unter Hinweis auf eine Stellungnahme des Abklärungsdienstes vom 
19. April 2023 die Abweisung der Beschwerde.

Nach aufforderungsgemässem Eingang der Kostennote am 22. Mai 2023 
ersuchte der Instruktionsrichter den Rechtsvertreter mit prozessleitender 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Aug, 2023, IV/23/213, Seite 3

Verfügung vom 24. Mai 2023 um Nachreichung der in der Kostennote auf-
geführten "Rechnung von Experte Versicherungsmedizin vom 26. März 
2023", welche dem Verwaltungsgericht mit Eingabe vom 1. Juni 2023 ein-
gereicht wurde. Diese Eingabe samt Beilage wurde der Beschwerdegegne-
rin mit prozessleitender Verfügung vom 2. Juni 2023 zur Kenntnisnahme 
zugestellt.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten. 

1.2 Angefochten ist die Verfügung vom 24. Februar 2023 (act. II 23). 
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Aug. 2023, IV/23/213, Seite 4

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 
80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen vom 19. Juni 2020 des IVG 
(Weiterentwicklung der IV) und weiterer Erlasse (insbesondere des ATSG) 
in Kraft getreten (AS 2021 705). Vorbehältlich besonderer übergangsrecht-
licher Regelungen sind in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen 
Rechtssätze massgeblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden 
oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 148 V 
162 E. 3.2.1 S. 166, 144 V 210 E. 4.3.1 S. 213). Diese auf einmalige und 
abgeschlossene Ereignisse zugeschnittene intertemporalrechtliche Grund-
regel wird ergänzt durch den Grundsatz der zulässigen unechten Rückwir-
kung des neuen Rechts auf zeitlich offene Dauersachverhalte (BGE 146 V 
364 E. 7.1 S. 371). Insoweit ist grundsätzlich bis zum Inkrafttreten einer 
Rechtsänderung das alte Recht, nachher das neue Recht anwendbar (BGE 
147 V 308 E. 5.1 S. 311). Die angefochtene Verfügung datiert vom 24. Fe-
bruar 2023 (act. II 23), womit das neue Recht anwendbar ist. Allerdings 
brachte die Weiterentwicklung der IV in Bezug auf die Hilflosenentschädi-
gung keine substanziellen Änderungen gegenüber der bis zum 31. Dezem-
ber 2021 gültig gewesenen Rechtslage.

2.2 Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (Art. 13 
ATSG) in der Schweiz, die hilflos (Art. 9 ATSG) sind, haben Anspruch auf 
eine Hilflosenentschädigung (Art. 42 Abs. 1 IVG). Als hilflos gilt eine Per-
son, die wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Le-
bensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen 
Überwachung bedarf (Art. 9 ATSG). Zu unterscheiden ist zwischen schwe-
rer, mittelschwerer und leichter Hilflosigkeit (Art. 42 Abs. 2 IVG). Massge-
bend für die Höhe der Hilflosenentschädigung ist das Ausmass der 
persönlichen Hilflosigkeit (Art. 42ter Abs. 1 Satz 1 IVG).

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2.3 Die Hilflosigkeit gilt als leicht, wenn die versicherte Person trotz der 
Abgabe von Hilfsmitteln

a. in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in 
erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;

b. einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
c. einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders auf-

wendigen Pflege bedarf;
d. wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren kör-

perlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher 
Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder

e. dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 der 
Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung 
(IVV; SR 831.201) angewiesen ist (Art. 37 Abs. 3 IVV).

2.4 Nach der herrschenden Praxis (BGE 133 V 450 E. 7.2 S. 463) sind 
die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrichtungen relevant:

 Ankleiden, Auskleiden;
 Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
 Essen;
 Körperpflege;
 Verrichtung der Notdurft;
 Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.

Bei Lebensverrichtungen, welche mehrere Teilfunktionen umfassen, ist 
nach der Rechtsprechung nicht verlangt, dass die versicherte Person bei 
der Mehrzahl dieser Teilfunktionen fremder Hilfe bedarf; vielmehr ist bloss 
erforderlich, dass sie bei einer dieser Teilfunktionen regelmässig in erhebli-
cher Weise auf direkte oder indirekte Dritthilfe angewiesen ist (BGE 121 V 
88 E. 3c S. 91).

2.5

2.5.1 Die in Art. 37 IVV verwendeten Begriffe "Pflege" und "Überwa-
chung" beziehen sich nicht auf die alltäglichen Lebensverrichtungen. Es 
handelt sich vielmehr um eine Art medizinischer oder pflegerischer Hilfe-
leistung, welche infolge des physischen oder psychischen Zustandes der 

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versicherten Person notwendig ist. "Dauernd" hat dabei nicht die Bedeu-
tung von "rund um die Uhr", sondern ist als Gegensatz zu "vorübergehend" 
zu verstehen (BGE 107 V 136 E. 1b S. 139; SVR 2022 IV Nr. 18 S. 57 E. 
3.2.2.2; vgl. auch Rz. 2058, 2061, 2075 f., 2078 des Kreisschreibens des 
Bundesamtes für Sozialversicherungen [BSV] über Hilflosigkeit [KSH]).

2.5.2 Unter dem Begriff der "Pflege" ist zum Beispiel die Notwendigkeit zu 
verstehen, täglich Medikamente zu verabreichen oder eine Bandage anzu-
legen. Die Pflege kann aus verschiedenen Gründen aufwendig sein: Sie ist 
es nach einem quantitativen Kriterium, wenn sie einen grossen Zeitauf-
wand erfordert oder besonders hohe Kosten verursacht. In qualitativer Hin-
sicht kann sie es sein, wenn die pflegerischen Verrichtungen unter 
erschwerenden Umständen zu erfolgen haben, so etwa, weil sich die Pfle-
ge besonders mühsam gestaltet oder die Hilfeleistung zu aussergewöhnli-
cher Zeit (z.B. jeweils gegen Mitternacht) zu erbringen ist (BGE 107 V 136 
E. 1b S. 139; SVR 2017 IV Nr. 43 S. 129 E. 2.2.2; ZAK 1990 S. 46 E. 2c; 
vgl. auch Rz. 2058, 2063 f. KSH). Ein täglicher Pflegeaufwand von mehr 
als zwei Stunden ist dann als besonders aufwendige Pflege zu qualifizie-
ren, wenn erschwerende qualitative Kriterien mit zu berücksichtigen sind. 
Bei einem täglichen Pflegeaufwand von mehr als drei Stunden kann eine 
Pflege als aufwendig qualifiziert werden, wenn mindestens ein qualitatives 
Kriterium (z.B. pflegerische Hilfeleistung in der Nacht) hinzukommt. Ein 
täglicher Pflegeaufwand von vier Stunden und mehr gilt per se als aufwen-
dig (auch ohne weitere qualitative Kriterien [Rz. 2065 - 2067 KSH; Ent-
scheid des Bundesgerichts [BGer] 8C_663/2016 vom 17. Januar 2017, 
E. 2.2.3]).

2.5.3 Die Notwendigkeit der persönlichen Überwachung ist beispielsweise 
dann gegeben, wenn eine versicherte Person wegen geistiger Absenzen 
nicht während des ganzen Tages allein gelassen werden kann. Es ist nur 
eine dauernde persönliche Überwachung von einer gewissen Intensität 
anspruchsbegründend. Aus einer bloss allgemeinen und kollektiven Auf-
sicht (etwa im Rahmen einer Schule, eines Heims, einer Klinik oder einer 
Behindertenwerkstätte) kann keine rechtlich relevante Hilflosigkeit abgelei-
tet werden (BGE 107 V 136 E. 1b S. 139; SVR 2019 IV Nr. 4 S. 11 E. 3.3.2; 
ZAK 1990 S. 46 E. 2c; Entscheid des BGer vom 24. August 2009, 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Aug, 2023, IV/23/213, Seite 7

8C_310/2009, E. 8; vgl. auch Rz. 2076, 2080 KSH). Eine dauernde persön-
liche Überwachungsbedürftigkeit darf angenommen werden, wenn die ver-
sicherte Person infolge ihres physischen und/oder psychischen Gesund-
heitszustands ohne Überwachung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 
sich selbst oder andere Personen gefährden würde (Entscheid des BGer 
vom 1. Juni 2023, 8C_535/2022, E. 4.3.5.2; Rz. 2077 KSH).

2.5.4 Die dauernde persönliche Überwachung nach Art. 37 IVV muss 
nicht durch Medizinalfachpersonen ausgeübt werden, sie kann auch durch 
die Eltern der versicherten Person erbracht werden (SVR 2016 IV Nr. 6 S. 
19 E. 4.2).

2.6 Verwaltungsweisungen richten sich an die Durchführungsstellen 
und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll 
sie bei seiner Entscheidung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Ein-
zelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren 
gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne 
triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeu-
gende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird 
dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsglei-
che Gesetzesanwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 147 
V 79 E. 7.3.2 S. 82, 146 V 224 E. 4.4.2 S. 228). Das Gericht weicht jedoch 
insoweit von Weisungen ab, als sie nicht gesetzmässig sind bzw. in Er-
mangelung gesetzlicher Vorschriften mit den allgemeinen Grundsätzen des 
Bundesrechts nicht im Einklang stehen (BGE 132 V 121 E. 4.4 S. 125).

3.

Den Akten ist in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen das Folgende zu 
entnehmen:

3.1 Im Bericht des Spitals D.________ vom 18. Januar 2022 (act. II 
12/4 f.) wurde die folgende Diagnose aufgeführt: 

Diabetes mellitus Typ 1, ICD-10: E10.9, ED 24. Juli 2019 mit/bei:
 initial ohne Ketoazidose
 Sero positiv (Anti-Pank. Inselzellen, Anti-IA2)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Aug. 2023, IV/23/213, Seite 8

 unter funktioneller Insulintherapie
 aktuelles HbA1c 7.7 %
 Jahreskontrolle 2022: keine Diabetes-assoziierten Folge- oder Begleiterkran-

kungen

Der Beschwerdeführer komme gemeinsam mit seiner Mutter zur geplanten 
Jahreskontrolle. Sie berichteten über zwei bis drei Episoden von Hypogly-
kämien pro Tag und über eine ansonsten unauffällige Systemanamnese, 
keine Medikamenteneinnahme. Der Beschwerdeführer besuche die fünfte 
Klasse. Die Diabetesverrichtungen würden vom Beschwerdeführer gut mit-
gemacht, Anpassungen würden durch die Eltern durchgeführt. Beim Be-
schwerdeführer zeige sich aktuell ein verbesserungswürdig eingestellter 
Diabetes mit einem HbA1c von 7.7 % im Vergleich zur letzten Kontrolle von 
vor drei Monaten (damals 6.8 %). Laut der Mutter sei dies den verlängerten 
Schulferien und der Quarantäne der ganzen Familie geschuldet. Die Sen-
sor-gemessene Glucose Variabilität sei entsprechend hoch, mit häufigen 
kurzen Episoden einer Hypoglykämie, gefolgt von einer langandauernden 
Hyperglykämie. Diese habe sich seit zwei Wochen mit dem Beginn der 
Schule wieder gebessert. Unter diesen Umständen werde empfohlen, die 
lnsulintherapie wie folgt zu modifizieren: Änderung des Korrekturfaktors von 
fünf auf sechs sowie Reduktion des morgendlichen Basisinsulins von acht 
auf sieben Einheiten. In der heutigen Jahreskontrolle zeigten sich keine 
Diabetes-assoziierten Folge- oder Begleiterkrankungen.

3.2 Dr. med. E.________, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, 
führte im Bericht vom 19. April 2022 (act. II 12/1 - 3) die folgende Diagnose 
auf: 

 Diabetes mellitus Typ I, ED 24. Juli 2019

Der Gesundheitszustand wirke sich auf den Schulbesuch oder die berufli-
che Ausbildung aus, dies seit Diagnosestellung. Der Gesundheitszustand 
sei besserungsfähig. Durch medizinische Massnahmen könne die Möglich-
keit einer späteren Eingliederung ins Erwerbsleben wesentlich verbessert 
werden. Es bestehe ein behinderungsbedingter Mehraufwand an Hilfeleis-
tung oder persönlicher Überwachung im Vergleich zu einem Nichtbehinder-
ten gleichen Alters, dies seit der Diagnosestellung. Unter Therapie und 
Betreuung sei die Prognose gut. Betreffend Betreuung bezüglich Diabetes 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Aug, 2023, IV/23/213, Seite 9

mellitus sei der Beschwerdeführer primär im Spital D.________ in Behand-
lung, spezifische Fragen seien dorthin zu richten. 

Die Zusatzfragen zur Hilflosenentschädigung beantwortete Dr. med. 
E.________ am 26. April 2022 (act. II 14/2) wie folgt: Der Beschwerdefüh-
rer sei in den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen (An-/Auskleiden; Auf-
stehen, Absitzen, Abliegen; Essen; Körperpflege; Verrichten der Notdurft 
[nur Körperreinigung]; Fortbewegung) nicht regelmässig in erheblicher 
Weise auf Dritthilfe angewiesen. Gleiches gelte für die Pflege gesellschaft-
licher Kontakte und er sei auch nicht auf dauernde Pflege angewiesen. 
Hingegen benötige er persönliche Überwachung (Blutzucker-Monitoring 
und Insulingabe) sowohl tagsüber als auch nachts, dies seit Juli 2019. 

4.

4.1 Die Diagnose eines Diabetes mellitus Typ 1 und das Fehlen von 
Dritthilfe in den alltäglichen Lebensverrichtungen (vgl. E. 2.4 hiervor) sind 
unbestritten und anhand der Akten erstellt (act. II 12, 14, 22). Fraglich ist 
einzig, ob der Beschwerdeführer einer dauernden persönlichen Überwa-
chung und/oder einer ständigen und besonders aufwendigen Pflege im 
Sinne von Art. 37 Abs. 3 lit. b und/oder c IVV bedarf (vgl. E. 2.3 hiervor).

4.2

4.2.1 Im Abklärungsbericht vom 22. Februar 2023 wurde zur Behand-
lungspflege das Folgende festgehalten (act. II 22/4 Ziff. 2.2): 

Der Sensor werde alle zehn Tage gewechselt. Der Beschwerdeführer 
brauche dazu immer Hilfestellung, da er den Wechsel nicht alleine durch-
führen könne. Bevor man den Dexcom-G6-Sensor am Oberarm anbringen 
könne, müsse auf die neue Stelle für eine halbe Stunde ein Emlerpflaster 
aufgelegt werden. Nachdem der "alte" Sensor entfernt worden sei, müsse 
von diesem noch der Transmitter abgenommen werden. Dieser werde mit 
dem neuen Sensor wiederverwendet. Mit Wundbenzin werde die "alte" 
Punktionsstelle gereinigt und Pflasterrückstände entfernt. Ebenso werde 
die neue Punktionsstelle gereinigt und anschliessend desinfiziert. Während 

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die neue Punktionsstelle trockne, würden die Empfangsgeräte mit dem 
neuen Sensor gekoppelt. Danach werde der neue Sensor an der Haut be-
festigt und der Transmitter daran angebracht. In der anschliessenden Auf-
wärmphase von zwei Stunden könnten vom Sensor keine Werte 
empfangen werden. Falls notwendig müsste man in dieser Zeit manuell 
messen. Bei jedem Wechsel führe die Mutter eine Wundkontrolle durch und 
trage nach Bedarf Wund- oder Narbensalbe an den entsprechenden Stel-
len auf. Mit der Vorbereitung würde die Mutter des Beschwerdeführers 
durchschnittlich zirka 20 Minuten für den Sensorwechsel benötigen (20 : 10 
=  2.00 Minuten pro Tag).

Der Katheter müsse alle drei Tage gewechselt werden. Der Beschwerde-
führer könne diesen Wechsel nicht selbstständig vornehmen. An der neuen 
Punktionsstelle werde für eine halbe Stunde ein Emlerpflaster aufgelegt. 
Das Infusionsset müsse "geladen" werden. Beim "Inserter" werde der Me-
chanismus von Hand ausgelöst, der die Nadel durch die Haut führe. Die 
Nadel werde wieder rausgezogen. Es verbleibe eine Kanüle in der Haut. 
Die Vor- und Nachbereitung werde durch die Mutter des Beschwerdefüh-
rers übernommen. Der Beschwerdeführer sei in der Lage, den Inserter-
Mechanismus selbst auszulösen. Bei jedem Wechsel führe sie eine 
Wundkontrolle durch und trage nach Bedarf Wund- oder Narbensalbe an 
den entsprechenden Stellen auf. Mit Vor- und Nachbereitung würde sie 
zirka 15 Minuten benötigen (15 : 3 =  5 Minuten pro Tag).

Der Schlauch müsse jeden sechsten Tag gewechselt werden. Der neue 
Schlauch müsse montiert und das Volumen mit Insulin gefüllt werden. Ins-
gesamt würde das zirka vier Minuten benötigen (4 : 6 =  0.67 Minuten pro 
Tag). 

Wenn der Verdacht bestehe, dass der Sensor nicht den richtigen Wert an-
zeige, müsse eine manuelle Blutzuckermessung durchgeführt werden. Wie 
in Punkt 2.1 erwähnt, sei der Beschwerdeführer selbst in der Lage, den 
Blutzucker manuell zu messen.

Die Blutzuckerwerte würden vor jedem Essen, etwa zwei Stunden nach der 
Insulingabe zum Essen und wenn es Alarm gebe abgelesen. Ebenso bevor 
der Beschwerdeführer rausgehe und das Gerät nicht mitnehmen werde. 

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Das wäre der Fall, wenn er mit seinen Kollegen im Quartier spiele. Da wäre 
er ohne Natel oder Empfangsgerät unterwegs und komme nach Hause, 
wenn er sich komisch fühle. Wie in Punkt 2.1 erwähnt, sei der Beschwerde-
führer selbst in der Lage, den Blutzuckerwert am Gerät abzulesen.

Das Abwiegen/Ausrechnen der Kohlenhydrate benötige zirka fünf Minuten 
pro Mahlzeit – Frühstück/Znüni/Mittagessen/Zvieri/Abendessen (5 x 5 = 
25 Minuten pro Tag). Das Abwiegen/Ausrechnen der Kohlenhydrate könne 
im Rahmen der Behandlungspflege nicht berücksichtigt werden.

Als Mehraufwand pro Tag wurde bei der Behandlungspflege ein Wert von 
total acht Minuten festgehalten (act. II 22/5 Ziff. 2.2). 

Weiter wurde zur aufwendigen Pflege ausgeführt (act. II 22/5 Ziff. 2.3.2), 
der Bedarf an Behandlungspflege betrage durchschnittlich acht Minuten pro 
Tag. Dies liege zeitlich unter einem täglichen Pflegeaufwand von zwei 
Stunden. Ebenso lägen keine erschwerenden qualitativen Momente vor. 
Somit sei der Bereich der "aufwendigen Pflege" nicht erfüllt.

4.2.2 Zur persönlichen Überwachung wurde im Abklärungsbericht vom 
22. Februar 2023 festgehalten (act. II 22/6 f. Ziff. 2.3.3), der Beschwerde-
führer schlafe nachts gut und höre den Alarm nicht, den der Sensor abge-
be. Die Mutter sei die einzige, die den Alarm nachts höre. Seit der 
Erstdiagnose schlafe sie im Zimmer bei der Tochter, einen Stock tiefer. So 
könne ihr Natel via Bluetooth die Werte des Sensors des Beschwerdefüh-
rers empfangen. Das wäre im Elternschlafzimmer nicht möglich. Wenn sie 
zum Beschwerdeführer ins Zimmer gehe, würde er nicht wach werden. 
Durchschnittlich bestehe sicherlich einmal pro Nacht Interventionsbedarf. 
Wenn der Glukosewert zu tief sei, gebe sie ihm ein Päckchen Apfelsaft 
oder einen Traubenzucker. Würde der Zuckerwert zu niedrig bleiben, müs-
se sie dem Beschwerdeführer erneut Traubenzucker abgeben. Bei einem 
zu hohen Glukosewert könne man diesen auf der App der Insulinpumpe 
eingeben. Die Insulinpumpe würde dann entsprechend Insulin abgeben. 
Sie wäre anschliessend sicher noch eine halbe Stunde wach, um den Glu-
kosewert zu beobachten. Bei einem zu hohen Glukosewert habe der Be-
schwerdeführer Bauchschmerzen und müsse im schlimmsten Fall 
erbrechen. Dann würde er auch zur Mutter ins Zimmer kommen. So könne 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Aug. 2023, IV/23/213, Seite 12

sie entsprechend reagieren. Es sei auch schon vorgekommen, dass sich 
der Beschwerdeführer nachts versehentlich den Katheter bei der Insulin-
pumpe gezogen habe. In diesem Fall müsse der Katheter neu gesetzt wer-
den. Es komme vor, dass der Beschwerdeführer den Alarm tagsüber 
ignoriere. Sie würde das erst verzögert auf ihrem Natel sehen und müsse 
dann zu Hause anrufen und ihn fragen, ob er den Alarm nicht gehört habe. 
Sie müssten darauf achten, dass der Beschwerdeführer nach dem Baden 
im Schwimmbad die Insulinpumpe wieder anschliesse. Vor dem Baden 
gehen würden sie den Glukosewert noch kontrollieren, um auszuschlies-
sen, dass er zu tief sei. Wenn der Beschwerdeführer etwas mit Freunden 
unternehme, müssten sie die entsprechende Mutter informieren. Sie müss-
ten danach fragen, wie das Programm aussehe (Bsp: Trampolinhalle, 
Fussballspielen, ...) und erklären, wie sie reagieren müssten, wenn der 
Beschwerdeführer komisch sei. Sie, als Eltern, wären in diesen Situationen 
immer via Telefon auf Abruf. So könnten sie am Telefon Bescheid geben, 
welche Menge gespritzt werden müsse. Im Falle einer Klassenfahrt müsse 
zuvor alles abgewogen und mit den entsprechenden Kohlenhydratwerten 
angeschrieben werden. Das Lehrpersonal müsse instruiert werden. Diese 
nähmen dann auch das Notfallböxli mit Darvida und Traubenzucker mit. Sie 
müssten als Eltern jederzeit erreichbar sein. Zum …training gehe der Be-
schwerdeführer alleine. Die Insulinpumpe könne er beim Umkleiden ab-
nehmen und lasse sie dann in der Sporttasche. Nach dem Training könne 
er die Insulinpumpe selbstständig wieder anklicken. Zum Training werde er 
von den Eltern gebracht und auch wieder abgeholt. Beim Training selbst 
seien sie nicht anwesend. Jeder neue Trainer müsse instruiert und infor-
miert werden. Beim …match seien die Eltern anwesend und sässen auf der 
Tribüne im Empfangsbereich des Sensors. Sollten sie bemerken, dass der 
Glukosewert zu tief werde während des Spiels, würden sie ihm Traubenzu-
cker nach unten werfen. Das Essen zwischen den Spielen müsse organi-
siert werden. Es sei schwierig zu sagen, wie sich der Sport auf den 
Glukosespiegel auswirke. 

Als Anmerkung hielt die Abklärungsperson fest (act. II 22/7 Ziff. 2.3.3), der 
Beschwerdeführer sei mittlerweile elfjährig, besuche die Regelschule und 
habe keine kognitive Einschränkung. Ebenso lägen keine weiteren Diagno-
sen vor, aufgrund derer der Beschwerdeführer die Tragweite der Diabetes-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Aug, 2023, IV/23/213, Seite 13

erkrankung und seines Handelns nicht verstehen könnte. Er sei in der La-
ge, selbstständig am …training teilzunehmen und gehe ohne das Emp-
fangsgerät hinaus, wenn er mit seinen Kollegen im Quartier spiele. Er er-
kenne, sobald er sich unwohl fühle und gehe dann von sich aus nach 
Hause. Ab dem zehnten Altersjahr sollte ein Kind in der Lage sein, die nöti-
gen Verrichtungen im Zusammenhang mit der Diabeteserkrankung selbst-
ständig auszuführen. In der Schule reiche eine Notfallbox mit Darvida und 
Traubenzucker aus. Ein Notfallpen und Notfallnasenspray seien einzig zu 
Hause vorhanden. Es sei unbestritten, dass der Beschwerdeführer auf-
grund der Diabeteserkrankung erhöhte Aufmerksamkeit brauche. Diese sei 
aber nicht einer dauernden persönlichen Überwachung im Sinne des Ge-
setzes gleichzustellen.

4.2.3 In der im vorliegenden Verfahren eingereichten Stellungnahme des 
Abklärungsdienstes vom 19. April 2023 (im Gerichtsdossier) wurde im We-
sentlichen ausgeführt, im Rahmen des Abklärungsgespräches vor Ort sei 
der zeitliche Mehrbedarf an pflegerischen Massnahmen im Zusammenhang 
mit der Diabeteserkrankung des Beschwerdeführers erhoben und berück-
sichtigt worden. Dies anhand der Richtwerte, welche mit PD Dr. med. 
F.________, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, verifiziert worden 
seien. Handlungen, welche der Beschwerdeführer selbst in der Lage sei 
durchzuführen, könnten nicht berücksichtigt werden. Gemäss Angaben der 
Mutter könne er beispielsweise in der Schule selbstständig seinen Blutzu-
cker manuell messen. Dies wäre notwendig, wenn der Sensor am Oberarm 
nicht mehr gut kleben würde. Ebenso sei er in der Lage, je nach Situation 
selbst einen Traubenzucker einzunehmen oder einzuschätzen, wieviel In-
sulin er über die Insulinpumpe abgebe. Gemäss Einsprache gegen den 
Vorbescheid könne der Beschwerdeführer seinen Blutzucker selbstständig 
messen und das erforderliche Insulin spritzen. Bis anhin sei nie erwähnt 
worden, dass es relativ häufig vorkomme, dass die Insulinpumpe in der 
Nacht verstopft sei. Dies werde als pflegerische Massnahme nachts zur 
Kenntnis genommen, begründe aber keine Ausrichtung einer Hilflosenent-
schädigung. Die Dritthilfe der Eltern bei den pflegerischen Massnahmen sei 
unter Punkt 2.2 des Abklärungsberichtes berücksichtigt worden. Der zeitli-
che tägliche Pflegeaufwand im Fall des Beschwerdeführers liege unter zwei 
Stunden. Ebenso lägen keine zwei erschwerenden qualitativen Momente 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Aug. 2023, IV/23/213, Seite 14

vor. Der Bereich der "aufwendigen Pflege" sei somit gemäss Rz. 2063 ff. 
KSH nicht erfüllt. Es handle sich um einen IV-fremden Faktor, wenn die 
Überwachungsapplikation auf dem Mobiltelefon nicht mehr genutzt werden 
könne, da dieses technisch nicht kompatibel mit der Insulinpumpe sei. 
Dass aufgrund dessen ein Elternteil im Zimmer des Beschwerdeführers 
schlafe, könne nicht berücksichtigt werden. Aufgrund der Schadenminde-
rungspflicht sei es zumutbar, ein kompatibles Mobiltelefon anzuschaffen. 
Der Beschwerdeführer sei es gewohnt, dass er morgens geweckt werde 
bzw. nachts jemand komme, wenn das Gerät einen Alarm abgebe. Es sei 
anzunehmen, dass er selbst erwachen würde, wenn das Dexcom-Gerät die 
Alarmintensität erhöhe und in verkürzten Intervallen abgebe. Dies sollte je 
nach getätigter Einstellung am Gerät möglich sein. Der Beschwerdeführer 
erwache bei heftigen Bauchschmerzen oder starker Übelkeit und sei in der 
Lage, sich hilfesuchend an die Eltern zu wenden. Es sei schwer nachvoll-
ziehbar, dass der Beschwerdeführer nicht erwache, wenn er nachts Apfel-
saft oder Traubenzucker verabreicht bekomme. Überwiegend 
wahrscheinlich werde angenommen, dass das Schlucken von Apfelsaft 
bzw. das Lutschen des Traubenzuckers während des Schlafes schwer 
möglich sei. Des Weiteren sei die Verabreichung von Apfelsaft oder Trau-
benzucker nicht einer dauernden und persönlichen Überwachung gleichzu-
setzen. Die Begleitung zu Schullagern oder Ausflügen finde nicht 
regelmässig statt. Dies erfolge punktuell und könne nicht als dauernde und 
persönliche Überwachung berücksichtigt werden. Ebenso wirke sich das 
Abwiegen und Ausrechnen der Kohlenhydrate (25 Minuten täglich) nicht 
leistungsrelevant aus und könne im Rahmen der Behandlungspflege nicht 
berücksichtigt werden.

Es lägen keine weiteren Diagnosen vor. Es bestehe keine Intelligenzminde-
rung und auch kognitiv sei der Beschwerdeführer nicht eingeschränkt. Er 
besuche die Regelschule und lege den Schulweg überwiegend alleine mit 
dem ÖV oder mit dem Fahrrad zurück. Er gehe hinaus, um mit seinen Kol-
legen im Quartier zu spielen. In dieser Zeit sei er ohne Natel oder Emp-
fangsgerät unterwegs und komme nach Hause, sollte er sich komisch 
fühlen. Ein Junge im Alter des Beschwerdeführers ohne weitere Diagnosen 
betreffend Intelligenz sollte in der Lage sein, die Notwendigkeit einer zuver-
lässigen Compliance im Zusammenhang mit seiner Diabeteserkrankung zu 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Aug, 2023, IV/23/213, Seite 15

erkennen und die Konsequenzen für sein Handeln einzuschätzen. Er sei in 
der Lage, Warnzeichen wahrzunehmen und entsprechend zu handeln. Der 
Beschwerdeführer sei in der Lage, selbstständig am …training teilzuneh-
men und nehme dazu seine lnsulinpumpe ab. Die Eltern seien während 
des Trainings nicht anwesend. Ebenso nehme er an …matches teil. Bei 
diesen sässen die Eltern auf der Tribüne, um bei Bedarf Traubenzucker 
nach unten werfen zu können. 

4.3

4.3.1 Für den Beweiswert eines Abklärungsberichts sind verschiedene 
Faktoren zu berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer 
qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis der örtlichen und räumli-
chen Verhältnisse sowie der aus den medizinischen Diagnosen sich erge-
benden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die 
Angaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende 
Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext 
schliesslich muss plausibel begründet und bezüglich der einzelnen Ein-
schränkungen angemessen detailliert sein und in Übereinstimmung mit den 
an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft all dies zu, ist der Ab-
klärungsbericht voll beweiskräftig. Das Gericht greift in das Ermessen der 
die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehlein-
schätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die 
fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt ist 
als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (BGE 140 V 543 E. 3.2.1 S. 
547, 130 V 61 E. 6.2 S. 63; SVR 2018 IV Nr. 69 S. 224 E. 3.2). Diese 
Rechtsprechung ist auf Abklärungsberichte für Ansprüche auf Hilflosenent-
schädigung, Intensivpflegezuschlag, Hilfsmittel oder Assistenzbeitrag ana-
log anwendbar. Bei der Erarbeitung der Grundlagen für die Bemessung der 
Leistung ist eine enge, sich ergänzende Zusammenarbeit zwischen Arzt 
und Verwaltung erforderlich (BGE 140 V 543 E. 3.2.1 S. 547, 130 V 61 E. 
6.2 S. 63).

4.3.2 Zwar macht der Beschwerdeführer (erstmals im Beschwerdeverfah-
ren [Beschwerde S. 8 f. III./Ziff. 10 ff.]) geltend, der Sachverhalt sei nicht 
rechtsgenüglich geklärt. Indessen trifft dies nicht zu, indem der Ab-
klärungsbericht vom 22. Februar 2023 (act. II 22) im Wesentlichen auf die 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Aug. 2023, IV/23/213, Seite 16

Angaben der anwesenden Mutter des Beschwerdeführers abstellt und um-
fassend Stellung bezieht zur Behandlungspflege (act. II 22/4 f. Ziff. 2.2) 
sowie zur persönlichen Überwachung (act. II 22/6 f. Ziff. 2.3.3) und von 
einer qualifizierten Person in Kenntnis der sich aus den medizinischen Dia-
gnosen ergebenden Beeinträchtigungen und Behinderungen verfasst wur-
de. Dieser ist beweistauglich (vgl. E. 4.3.1 hiervor) und demnach ist darauf 
abzustellen, zumal in der Beschwerde zwar behauptet, aber nicht dargetan 
wird, inwiefern nicht ausreichend auf die medizinischen Unterlagen abge-
stellt worden sei (Beschwerde S. 8 III./Ziff. 10). 

4.4

4.4.1 Vorweg ist festzuhalten, dass Diabetes bzw. Diätnahrung allein bei 
der alltäglichen Lebensverrichtung "Essen" keine Hilflosigkeit begründet 
(Rz. 2038 KSH). Die Lebensverrichtung umfasst die Teilbereiche "Nahrung 
ans Bett bringen", "Nahrung zerkleinern", "Nahrung zum Mund führen", 
"Nahrung pürieren" und "Sondenernährung" (Rz. 2020 KSH). Das mit dem 
Diabetes verbundene systematische Abwägen der Nahrung und Berechnen 
der Kohlenhydrate fällt unter keine der erwähnten Teilfunktionen. Denn die 
Auswahl der Lebensmittel und die Zubereitung einer Mahlzeit sind keine 
Teilfunktionen der Lebensverrichtung "Essen", sondern gehören zur allge-
meinen Haushaltführung (Entscheid des BGer vom 7. Juni 2004, H 299/03, 
E. 3.4). Da diese Beeinträchtigung schon bei der Dritthilfe bei der alltägli-
chen Lebensverrichtung "Essen" geprüft (und als grundsätzlich nicht rele-
vant eingestuft) wird (act. II 22/3 Ziff. 2.1.3), kann sie bei der Beurteilung 
der Behandlungspflege nicht nochmals in Gewicht fallen (vgl. E. 2.5.1 hier-
vor, Rz. 2075 KSH; Urteil des Verwaltungsgerichts vom 4. September 
2022, IV/2021/840, E. 5.3.1 und 5.3.6; act. II 22/4 Ziff. 2.2). 

4.4.2 Vorliegend hat die Abklärungsperson die einzelnen Massnahmen 
zugeordnet und anhand der Angaben der Mutter des Beschwerdeführers 
die Behandlungspflege zeitlich gewichtet und insbesondere die aufwendige 
Pflege (mehr als zwei Stunden pro Tag; vgl. E. 2.5.2 hiervor) bei einem 
Bedarf von acht Minuten Behandlungspflege pro Tag und fehlenden er-
schwerenden qualitativen Kriterien ausgeschlossen (act. II 22/4 f. Ziff. 2.2 
und 2.3.2), was nachvollziehbar ist. Dies kann auch durch die vom Be-
schwerdeführer eingereichten Aufstellungen ("Wiederkehrende Aufwände", 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Aug, 2023, IV/23/213, Seite 17

"Zeitübersicht Betreuungsaufwand Diabetes von A.________" für die Zeit 
vom 11. bis 19. Mai 2022 und "Bereits geplante Termine im Zusammen-
hang mit Diabetes" vom 17. August bis 24. Oktober 2022 [act. 18/3 - 12; 
Akten des Beschwerdeführers {act. I} 5]) nicht widerlegt werden. Denn ver-
schiedene darin aufgeführte Posten können praxisgemäss nicht als rele-
vant betrachtet werden, da es sich bei Pflege um medizinische oder 
pflegerische Hilfeleistungen handelt, die infolge des physischen oder psy-
chischen Zustandes der versicherten Person notwendig sind und die ärzt-
lich verordnet wurden (Rz. 2058 KSH). Zudem ist zu berücksichtigen, dass 
z.B. im Zusammenhang mit Medikamenten das Vorbereiten von Medika-
menten (z.B. Medikamentenbox) allein nicht ausreicht, um den Hilfebedarf 
im Bereich der dauernden Pflege anzuerkennen; dieser ist erst zu bejahen, 
wenn die versicherte Person bei der Einnahme von Medikamenten direkte 
oder indirekte Hilfe benötigt (1 : 1 überwachen bzw. dazu anleiten [Rz. 
2060 KSH]). Folglich sind z.B. die in der Zeitübersicht aufgeführten Verrich-
tungen wie "Insulin, Messgerät und Traubenzucker für die Schule bereit-
stellen / 4 Min.", "Vorbereiten Rücksendung defektes Messgerät Dexcom, 
Austausch durch Firma / 20 Min.", "Fahrt zur Post, Versand Rücksendung 
Dexcom / 30 Min." und "Auspacken und Einsortieren der Dexcom-Lieferung 
/ 15 Min." (act. II 18/5) bei der Bestimmung des Pflegeaufwandes un-
berücksichtigt zu lassen. Auch die Begleitung zum Arzt oder zur Therapie 
kann nicht zur Pflege gezählt werden (Rz. 2058 KSH), so dass die für die 
Diabetessprechstunde, die Pumpenschulung und den Fastentag zu Hause 
für die Einstellung der Insulinpumpe für die Zeit vom 17. August bis 24. 
Oktober 2022 veranschlagten 42 Stunden (act. II 18/3) im Zusammenhang 
mit der Bestimmung des Pflegeaufwandes ausser Acht zu lassen sind. Wie 
in der Stellungnahme des Abklärungsdienstes vom 19. April 2023 (im Ge-
richtsdossier) zutreffend festgehalten wird, kann der Umstand, dass die 
Insulinpumpe teilweise nachts verstopft ist und eine entsprechende Behe-
bung des Problems erfordert, als pflegerische Massnahme anerkannt wer-
den. Dies führt jedoch nicht dazu, dass der Pflegeaufwand bei einem 
Zeitbedarf pro Tag von acht Minuten auf über zwei Stunden pro Tag an-
steigen würde. Dass auch nachts immer wieder Interventionen notwendig 
sind (vgl. act. II 3), was grundsätzlich als erschwerendes qualitatives Krite-
rium gilt (vgl. E. 2.5.2 hiervor; vgl. jedoch auch E. 4.3 hiernach), begründet 
mit Blick auf den weit unter zwei Stunden liegenden Pflegeaufwand pro Tag 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Aug. 2023, IV/23/213, Seite 18

und das Fehlen weiterer erschwerender qualitativer Kriterien keinen An-
spruch auf Hilflosenentschädigung (vgl. E. 2.5.2 hiervor). 

Dass das systematische Abwägen der Nahrung und Berechnen der Koh-
lenhydrate bei der Behandlungspflege keine Berücksichtigung findet, wurde 
bereits in E. 4.4.1 hiervor ausgeführt.

4.4.3 Was die dauernde persönliche Überwachung betrifft, ist zu berück-
sichtigen, dass der Beschwerdeführer seit zirka 2021 einen Sensor am 
Oberarm zur Messung des Glukosespiegels trägt (act. II 22/2 Ziff. 2.1), was 
eine Vereinfachung der Überwachung bedeutet. Zudem ist der Beschwer-
deführer in der Lage, seinen Blutzucker selbstständig (von Hand) zu mes-
sen (und das erforderliche Insulin zu spritzen [act. II 18/1, 22/2 Ziff. 2.1]). 
Weiter ist der am 20. Mai 2011 geborene Beschwerdeführer (act. II 1/1 Ziff. 
1.1) auch infolge seines Alters (im Zeitpunkt der Verfügung vom 24. Febru-
ar 2023 [act. II 23] elf Jahre und neun Monate) relativ autonom unterwegs 
und besucht zwei Mal pro Woche das …training, geht alleine zur Schule 
(circa 5 km zwei bis vier Mal pro Tag, im Sommer mit dem Fahrrad, sonst 
mit dem Postauto [act. II 22/2 Ziff. 2.1]). Insofern ist ihm auch hinsichtlich 
der Überwachung der Blutwerte altersentsprechend eine gewisse Verant-
wortung zuzumuten, die er auch wahrnimmt, sei es durch die elektroni-
schen Kontrollen mittels Sensor und Handy (act. II 22/2 Ziff. 2.1) wie aber 
auch durch körperlich-sensorische Wahrnehmungen (er spürt, wenn es ihm 
zufolge der Blutzuckerwerte nicht gut geht [act. II 22/7 Ziff. 2.3.3]), während 
Zeiten, in denen er nicht durch die Eltern betreut wird. Dies ergibt sich aus 
den Akten und wurde durch die Abklärungsperson korrekt erfasst und be-
wertet und ist nicht zu beanstanden (act. II 22/6 f. Ziff. 2.3.3). Im Unter-
schied zum Fall VGE IV/2021/840, in dem für den unter sechs Jahre alten 
Beschwerdeführer im Wesentlichen infolge seines Alters eine dauernde 
persönliche Überwachung bejaht wurde (E. 5.3.5 ff.), ist der Beschwerde-
führer im Zeitpunkt der Abklärung Ende November 2022 (act. II 22/2 Ziff. 1) 
elf Jahre und sechs Monate und bei Erlass der Verfügung vom 24. Februar 
2023 (act. II 23) – wie bereits erwähnt – elf Jahre und neun Monate alt (das 
im Abklärungsbericht vom 22. Februar 2023 angegebene Alter von neun 
Jahren und acht Monaten ist offensichtlich falsch [vgl. act. II 22/2 Ziff. 1]). 
Was die nächtliche Überwachung (mit entsprechenden Interventionen) be-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Aug, 2023, IV/23/213, Seite 19

trifft, ist – unabhängig davon, ob die Mutter jeweils im Zimmer der Tochter 
(vgl. E. 4.2.2 hiervor) oder des Beschwerdeführers (vgl. E. 4.2.3 hiervor) 
schläft – mit der Beschwerdegegnerin festzuhalten (Stellungnahme des 
Abklärungsdienstes vom 19. April 2023 [im Gerichtsdossier]), das Dexcom-
Gerät lasse sich überwiegend wahrscheinlich (vgl. zum Beweisgrad der 
überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 144 V 427 E. 3.2 S. 429) so ein-
stellen, dass der Beschwerdeführer selbst durch den Alarm des Gerätes 
geweckt wird. Demzufolge ist eine dauernde persönliche Überwachung im 
rechtlichen Sinne und damit auch der Anspruch auf eine Hilflosenentschä-
digung zu verneinen. 

4.5 Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen.

5.

5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab-
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule-
gen.

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, sind entspre-
chend dem Ausgang des Verfahrens dem Beschwerdeführer zur Bezah-
lung aufzuerlegen und dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe 
zu entnehmen.

5.2 Es besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Umkehr-
schluss aus Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Aug. 2023, IV/23/213, Seite 20

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer 
zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe entnommen.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwalt C.________ z.H. des Beschwerdeführers
- IV-Stelle Bern  
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des 
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) 
geführt werden.