# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 30236e17-672a-54ed-b98b-41d6323526da
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-04-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.04.2008 D-4475/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4475-2006_2008-04-14.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-4475/2006
spn/wer
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 4 .  A p r i l  2 0 0 8

Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz),
Richter Walter Lang, Richter Gérard Scherrer, 
Gerichtsschreiber Patrick Weber.

X._______, geboren _______, Sri Lanka, 
vertreten durch Anni Lanz, _______, 
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 
3003 Bern,
Vorinstanz.

Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und Asyl; Verfü-
gung des BFM vom 29. Juni 2005 / N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-4475/2006

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest:

A.
Eigenen Angaben zufolge verliess die Beschwerdeführerin Sri  Lanka 
am 7. Juni 2004 auf dem Luftweg und gelangte am 9. Juni 2004 von 
Italien her kommend in die Schweiz, wo sie gleichentags ein Asylge-
such stellte. Dazu wurde sie am 11. Juni 2004 im Empfangszentrum 
_______  summarisch  befragt.  Am  8.  Juli  2004  führte  die  kantonale 
Behörde in _______ eine Anhörung durch. 

Anlässlich der  Befragungen machte die Beschwerdeführerin  geltend, 
tamilischer Ethnie zu sein und vor der Ausreise in _______ gelebt zu 
haben. Ursprünglich stamme sie aus _______ (Distrikt _______). Ihre 
Mutter sei gestorben, als sie vier Jahre alt gewesen sei. Ihr Vater und 
ihr älterer Bruder seien 1987 von der indischen Armee festgenommen 
worden  und  seither  unbekannten  Aufenthalts.  Das  Elternhaus  sei 
niedergebrannt  worden. In  der  Folge habe sie  zusammen mit  ihrem 
jüngeren  Bruder  in  einem Waisenhaus-Internat  beziehungsweise  bei 
der Familie eines Onkels in _______ gelebt. Dieser Bruder sei  1990 
bei einem Bombenangriff  ums Leben gekommen. Ihre Schwester sei 
seit  1990  Mitglied  der  LTTE.  Im  Frühjahr  2000  sei  sie  zu  einem 
anderen Onkel nach _______ gebracht worden. Am 1. Juni 2000 sei 
sie in dessen Haus durch die Sicherheitskräfte wegen des Verdachts, 
der LTTE anzugehören, festgenommen worden. Während der Haft sei 
sie auf verschiedene Arten gefoltert  worden. Man habe sie mit  einer 
mit  Benzin  gefüllten  Tasche,  mit  Wasser,  mit  brennenden Zigaretten 
und mit Schlägen malträtiert. Auch sexuelle Misshandlungen habe sie 
über  sich  ergehen  lassen  müssen.  Nach  vier  Monaten  sei  sie  ins 
Gefängnis von _______ verlegt worden. Im Rahmen des eingeleiteten 
Gerichtsverfahrens sei sie am 29. Januar 2002 gegen Kaution freige-
kommen. Am Ende desselben Jahres sei sie durch den High Court von 
_______ freigesprochen worden. Sie habe wieder bei ihrem Onkel in 
_______  gelebt.  Dort  hätten  am  28.  Mai  2004  drei  LTTE-Mitglieder 
während ihrer Abwesenheit vorgesprochen. Besagte Personen hätten 
sich  nach  ihrem  Aufenthaltsort  erkundigt.  Ausserdem  hätten  sie  die 
Vermutung geäussert,  dass sich ihre Schwester  der Karuna-Fraktion 
angeschlossen  habe  und  durch  den  Onkel  beherbergt  werde.  Der 
Onkel  habe der  LTTE eine Foto von ihr  aushändigen müssen. Nach 
ihrer  Rückkehr  sei  sie  durch  ihn  sicherheitshalber  zu  einer 
singhalesischen Familie gebracht worden. Drei Tage später hätten die 

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LTTE wiederum  beim  Onkel  vorgesprochen.  Er  sei  geschlagen  und 
aufgefordert worden, sie und ihre Schwester der LTTE zu übergeben. 
Sollten  sie  sich  nicht  stellen,  werde  man  sie  erschiessen.  In 
Anbetracht dieser Sachlage habe sie Sri Lanka mit Hilfe ihres Onkels 
auf  dem  Luftweg  verlassen.  Im  Falle  ihrer  Rückkehr  befürchte  sie, 
durch die LTTE umgebracht zu werden. 

Als Belege für  ihre Vorbringen gab die Beschwerdeführerin  (gemäss 
Auflistung im angefochtenen Entscheid) eine Anklageschrift  des High 
Court  von _______  vom 6. April  2001,  einen  ärztlichen  Bericht  des 
Gerichtsmediziners in  _______ vom 9. Juli  2001,  ein Schreiben des 
High Court von _______ vom 23. Januar 2002, eine Bestätigung des 
IKRK vom 29. Januar  2002  und  eine  Haftbestätigung  des  _______-
Gefängnisses vom 30. Januar 2002 zu den Akten. 

B.
Mit Verfügung vom 29. Juni 2005 lehnte das Bundesamt das Asylge-
such ab und ordnete die Wegweisung der Beschwerdeführerin aus der 
Schweiz an. Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, die gel-
tend gemachten Vorfälle des Jahres 1987 könnten aufgrund des Zeit-
ablaufs nicht als kausal für die im Jahre 2004 erfolgte Ausreise der Be-
schwerdeführerin angesehen werden. Entsprechend komme ihnen kei-
ne Asylrelevanz zu. Die von ihr erlittene Haft samt Folter stelle zwar ei-
nen  ernsthaften  Nachteil  im  Sinne  des  Asylgesetzes  dar.  Nach  der 
Haftentlassung sei sie indes keinen weiteren Nachteilen mehr ausge-
setzt  gewesen.  Es  bestünden  keine  Anhaltspunkte  für  begründete 
Furcht vor asylrelevanter Verfolgung. Sie sei gerichtlich freigesprochen 
worden.  Entsprechend  hätten  die  Behörden  keine  ernsthaften  Ver-
dachtsmomente,  wonach  sie  in  terroristische  Aktivitäten  verwickelt 
sein könnte. Die Bedrohung durch die LTTE erscheine sodann nicht 
hinreichend konkret. Die Beschwerdeführerin habe nie der LTTE ange-
hört und auch keine Beziehungen zur Karuna-Fraktion gepflegt. Auch 
zu ihrer Schwester, welche sich angeblich dieser Fraktion angeschlos-
sen habe, bestünden gemäss Angaben der Beschwerdeführerin keine 
Kontakte. Zudem sei sie politisch nie aktiv gewesen und habe keine di-
rekten Kontakte zu den srilankischen Behörden oder Streitkräften ge-
habt. Im Weiteren hätten von der LTTE behelligte Personen grundsätz-
lich die Möglichkeit,  bei  den srilankischen Behörden und der mit der 
Überwachung des Waffenstillstandsabkommens betrauten sowie  wei-
teren  Organisationen  um  Schutz  nachzusuchen.  Auch  wenn  dieser 
Schutz nicht immer effektiv gewährt werden könne, sei davon auszu-

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gehen,  dass  sich  die  Beschwerdeführerin  durch  Verlegung  ihres 
Wohnsitzes allfälligen weiteren Behelligungen der LTTE zu entziehen 
vermöchte, zumal diese nicht an ihr, sondern an ihrer Schwester inter-
essiert seien. So habe sie bereits vor der Ausreise unbehelligt bei ei-
ner  singhalesischen  Familie  gewohnt.  Den  Vollzug  der  Wegweisung 
nach Sri Lanka erachtete das BFM für zulässig. Wegen Unzumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs verfügte es indes die vorläufige Aufnah-
me der Beschwerdeführerin in der Schweiz.

C.
Mit Eingabe vom 25. Juli 2005 beantragte die Beschwerdeführerin bei 
der Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) durch ihre Vertre-
tung die Aufhebung des angefochtenen Entscheids in den Dispositiv-
ziffern 1 bis 3. Es sei die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführe-
rin  festzustellen und ihr  Asyl  zu gewähren. Es sei  die unentgeltliche 
Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1  des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]) zu gewäh-
ren. Zur Begründung wurde geltend gemacht, die Beschwerdeführerin 
habe auch die nach der Haftentlassung andauernde Verfolgung glaub-
haft dargelegt. Als weibliche Angehörige der unterdrückten Minderheit 
der Tamilen und als nahe Verwandte einer Widerstandskämpferin - ih-
rer  Schwester  -  sei  sie  nach der  Haftentlassung unter  Beobachtung 
gestanden und habe sich kaum frei bewegen können. Ihre Furcht vor 
einer erneuten Festnahme sei begründet gewesen. Im Weiteren sei ihr 
nicht zuzumuten, die staatlichen Behörden, durch deren Vertreter sie 
Folterungen erlitten habe, um Schutz vor der LTTE zu ersuchen. Die 
Wirksamkeit eines solchen Schutzes für verfolgte Tamilinnen sei ohne-
hin äussert  fraglich. Als Opfer geschlechtsspezifischer Verfolgung sei 
die Beschwerdeführerin aus begründeter Furcht vor weiteren Nachtei-
len ausgereist. 

D.
Mit Zwischenverfügung vom 29. Juli 2005 verzichtete die  Instruktions-
richterin der ARK auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Bezüg-
lich  des  Entscheids  über  das  Gesuch  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1 
VwVG wurde auf einen späteren Zeitpunkt verwiesen. 

E.
Mit Vernehmlassung vom 8. August 2005 beantragte die Vorinstanz die 
Abweisung der Beschwerde. Der speziellen Situation der Beschwerde-
führerin  sei  durch  die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  in  der 

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Schweiz Rechnung getragen worden. Begründete Furcht vor erneuten 
ernsthaften Nachteilen in Sri Lanka bestehe nicht.

F.
Mit Replik vom 29. August 2005 hielt die Beschwerdeführerin an ihren 
bisherigen Vorbringen fest.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni 
2005 (VGG, SR 173.32)  beurteilt  das Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5  VwVG, sofern keine Aus-
nahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 
33 und 34 VGG genannten Behörden. Dazu gehören Verfügungen des 
BFM  gestützt  auf  das  Asylgesetz  vom  26.  Juni  1998  (AsylG,  SR 
142.31); das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in diesem Bereich 
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsge-
setzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das  Bundesverwaltungsgericht  übernimmt,  sofern  es  zuständig 
ist,  seit  dem 1. Januar 2007 die Beurteilung der bei der ehemaligen 
ARK hängigen Rechtsmittel. Das neue Verfahrensrecht ist anwendbar 
(vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG). 

1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art.  106  Abs.  1 
AsylG).

2.
Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht; die Beschwer-
deführerin ist legitimiert  (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und 50 ff. 
VwVG). Auf die Beschwerde ist mithin einzutreten.

3.

3.1 Gemäss Art. 2  Abs. 1 AsylG gewährt  die Schweiz grundsätzlich 
Flüchtlingen Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt,  wenn  sie  in  ihrem Heimatstaat  oder  im  Land,  wo sie  zuletzt 

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wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei-
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Frei-
heit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen  ist  Rechnung  zu 
tragen (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet  oder in sich wider-
sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 
AsylG). Vorbringen sind dann glaubhaft, wenn sie genügend substanzi-
iert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen 
Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüch-
lich sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsa-
chen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus 
muss  die  asylsuchende  Person  persönlich  glaubwürdig  erscheinen, 
was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf 
gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abstützt  (vgl.  Art.  7  Abs. 3 
AsylG), aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder 
bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswech-
selt oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfah-
ren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung be-
deutet ferner - im Gegensatz zum strikten Beweis - ein reduziertes Be-
weismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel 
an den Vorbringen des Beschwerdeführers. Eine Behauptung gilt  be-
reits als glaubhaft gemacht, wenn der Richter von ihrer Wahrheit nicht 
völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht 
alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es demge-
genüber nicht  aus,  wenn der Inhalt  der Vorbringen zwar möglich ist, 
aber  in  Würdigung der  gesamten Aspekte wesentliche und überwie-
gende  Umstände  gegen  die  vorgebrachte  Sachverhaltsdarstellung 
sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die 
Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, 
überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise ab-
zustellen (vgl. Entscheide und Mitteilungen der Schweizerischen Asyl-

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rekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 5 E. 3c S. 43 f.; 1996 Nr. 28  E. 
3a S. 270; 2005 Nr. 21 E. 6.1. S. 190 f.). An den genannten Kriterien ist 
nach wie vor festzuhalten, zumal die Rechtslage diesbezüglich keine 
Änderung erfahren hat. 

3.3 Entsprechend der  Lehre und Praxis  ist  für  die  Anerkennung der 
Flüchtlingseigenschaft  sodann  erforderlich,  dass  die  asylsuchende 
Person ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, be-
ziehungsweise solche im Fall  einer  Rückkehr  in  den Heimatsaat  mit 
beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten 
muss. Die  Nachteile  müssen  der  asylsuchenden  Person  gezielt  und 
aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen oder zugefügt worden 
sein.  Nach  neuerer  Rechtsprechung  kann  eine  Verfolgungshandlung 
im Sinne von Art. 3 AsylG von staatlichen oder nichtstaatlichen Akteu-
ren ausgehen (vgl. den Grundsatzentscheid EMARK 2006 Nr. 18). Die 
Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft setzt zudem voraus, dass die 
betroffene  Person  einer  landesweiten  Verfolgung  ausgesetzt  ist  und 
sich nicht in einem anderen Teil ihres Heimatstaates in Schutz bringen 
kann (EMARK 2006  Nr. 18).  Ausgangspunkt  für  die  Beurteilung  der 
Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausrei-
se vorhandenen Verfolgung oder begründete Furcht vor einer solchen. 
Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Rahmen 
der  Prüfung  nach  der  Aktualität  der  Verfolgungsfurcht  ebenfalls  we-
sentlich.  Veränderungen der  objektiven Situation im Heimatstaat zwi-
schen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulas-
ten  der  ein  Asylgesuch  stellenden  Person  zu  berücksichtigen  (vgl. 
EMARK 2000 Nr. 2 E. 8b, 1994 Nr. 24 E. 8a; WALTER KÄLIN, Grundriss 
des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a. M. 1990, S.135 ff.). 

4.

4.1 Die Vorinstanz ging im angefochtenen Entscheid von der Glaub-
haftigkeit  des geltend gemachten behördlichen Ermittlungsverfahrens 
wegen angeblicher LTTE-Unterstützung aus. Die von der Beschwerde-
führerin diesbezüglich erwähnte Haft samt Folter wurden im angefoch-
tenen Entscheid nicht bezweifelt. Grundsätzlich für glaubhaft erachtete 
die Vorinstanz offenbar auch gewisse Nachstellungen durch die LTTE, 
auch wenn sie dabei anführte, das Persönlichkeitsprofil der Beschwer-
deführerin lasse eine Bedrohung durch die LTTE als nicht hinreichend 
konkret  erscheinen.  Andererseits  legte  das  BFM  aber  dar,  von  der 
LTTE  behelligte  Personen  hätten  grundsätzlich  die  Möglichkeit,  bei 

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den zuständigen Stellen um Schutz nachzusuchen. Auch wenn dieser 
Schutz  nicht  immer  effektiv  gewährt  werden  könne,  sei  davon 
auszugehen, dass sich die Beschwerdeführerin durch Verlegung ihres 
Wohnsitzes allfälligen weiteren Behelligungen der LTTE zu entziehen 
vermöchte,  zumal  diese  nicht  an  ihr,  sondern  an  ihrer  Schwester 
interessiert seien. So habe sie bereits vor der Ausreise unbehelligt bei 
einer singhalesischen Familie gewohnt. 

4.2 Die  Schilderungen  der  Beschwerdeführerin  hinsichtlich  der  (be-
fürchteten)  Behelligungen  durch  die  LTTE  sind  substanziiert 
ausgefallen und weisen gewisse Realkennzeichen auf (vgl. A 10/25, S. 
7). Demnach hat auch das Bundesverwaltungsgericht keinen Anlass, 
die Unterdrucksetzung des Onkels der Beschwerdeführerin durch die 
LTTE wegen der Beschwerdeführerin und ihrer Schwester zu bezwei-
feln.  Hingegen  ist  die  vorinstanzliche  Einschätzung  des  Persönlich-
keitsprofils  der  Beschwerdeführerin  im  Hinblick  auf  eine  Verfolgung 
durch die LTTE bereits für den damaligen (Entscheid)Zeitpunkt zu hin-
terfragen. Es trifft zwar zu, dass sie eigenen Angaben zufolge nie der 
LTTE angehört und auch keine Beziehungen zur Karuna-Fraktion ge-
pflegt hat. Auch zu ihrer Schwester, welche sich offenbar der Karuna- 
Fraktion angeschlossen haben soll, unterhielt sie seit längerer Zeit kei-
ne  Kontakte. Ein  eigenes  politisches  Profil  besteht  bei  ihr  demnach 
nicht, wobei aber anzufügen ist, dass sie gleichwohl unter LTTE-Ver-
dacht durch die Behörden inhaftiert  und gefoltert wurde. Dass bei ihr 
bereits für den Ausreisezeitpunkt ein Verfolgungsinteresse seitens der 
LTTE zu bejahen gewesen wäre, ergibt sich sodann insbesondere aus 
der bekannten und sich aktuell verschärft darstellenden Vorgehenswei-
se  der  LTTE gegen  Abtrünnige  und  deren  Angehörige.  Ob  die  Be-
schwerdeführerin im Sinne der vorinstanzlichen Sichtweise im Ausrei-
sezeitpunkt  (noch) auf effektiven Schutz hätte vertrauen können, er-
scheint mithin als zweifelhaft, und der kurze Aufenthalt im Versteck bei 
einer singhalesischen Familie vor der Flucht kann entgegen der Sicht-
weise des Bundesamtes nicht als zumutbare innerstaatliche Fluchtal-
ternative gewertet werden. Ob ihr demnach bereits für den Ausreise-
zeitpunkt begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen zu attestieren 
gewesen  wäre,  kann  aber  in  Anbetracht  nachfolgender  Erwägungen 
letztlich offen gelassen werden. 

4.3 Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  sich  in  seinem  Urteil 
E-2775/2007 vom 14. Februar 2008 einlässlich mit der aktuellen Lage 
in Sri Lanka befasst. Es kam dabei zum Schluss, dass sich seit Januar 

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2006  die  dortige  Sicherheitslage  kontinuierlich  verschlechtert  habe. 
Viele der wieder vermehrt  vorkommenden Entführungen liessen sich 
auch  innertamilischen  Auseinandersetzungen  zuordnen;  mit  der  Ab-
spaltung der Karuna-Fraktion sei ein neuer Konfliktpunkt entstanden. 
Die LTTE seien dafür bekannt,  dass sie gegen Widersacher und Ab-
trünnige in ihrem Herrschaftsgebiet, aber auch ausserhalb, mit blutiger 
Härte vorgehen würden. Die Entführungen würden seitens der Sicher-
heitskräfte  oft  passiv  geduldet. Auffallend sei  in  diesem Zusammen-
hang vor  allem die Untätigkeit  der  Behörden bei  der  Aufklärung der 
Verbrechen. Einen polizeilichen Schutz vor diesen Entführungen gebe 
es nicht, und die entsprechenden Taten würden so gut wie nie aufge-
klärt. Das UNHCR spreche von einem Unvermögen der staatlichen Be-
hörden,  Personen  Schutz  vor  zielgerichteter  Gewalt  und  Menschen-
rechtsverletzungen  durch  die  LTTE zu  bieten. So sei  die  Regierung 
selbst in Colombo nicht in der Lage und nicht willens, die dort leben-
den Tamilen, welche der Opposition gegen die LTTE verdächtigt wür-
den oder bei diesen gar als Informanten der Regierung gälten, vor der 
Ermordung durch die LTTE zu schützen.

Gemäss Aktenlage wird die Schwester der Beschwerdeführerin durch 
die  LTTE gesucht,  weil  sie  sich  der  Karuna-Fraktion  angeschlossen 
habe. Die bereits damalige Bedrohung des Onkels der beiden Schwes-
tern durch die LTTE, verbunden mit der Nötigung, die beiden der LTTE 
zuzuführen,  erscheint  gemäss  den  Ausführungen  unter  Ziff.  4.2.  als 
realistisch. Der Einbezug der Beschwerdeführerin in die Suche nach 
einer Schwester, welche sich der gegnerischen Fraktion angeschlos-
sen haben soll,  ist  in  Berücksichtigung der üblichen Vorgehensweise 
der LTTE naheliegend. Gemäss dem zitierten Urteil  kann sodann im 
heutigen Zeitpunkt offensichtlich nicht von einer effektiven Schutzge-
währung der Behörden bei Verfolgungen durch die LTTE ausgegangen 
werden. Anzufügen ist ferner, dass die Beschwerdeführerin zwar nicht 
selber politisch aktiv war, aber wegen angeblicher LTTE-Unterstützung 
längere Zeit  inhaftiert  wurde. Die vorinstanzliche Argumentation,  wo-
nach die Beschwerdeführerin "keine direkten Kontakte zu den srilanki-
schen Behörden" gehabt  habe, ist  jedenfalls insofern zu präzisieren, 
als  dieser  ungewollte  und  bei  einem  Verhör  der  LTTE  mit  der  Be-
schwerdeführerin zweifelsohne bekannt werdende behördliche Kontakt 
ihr  Riskikoprofil  aus  Gründen,  die  in  ihrer  Person  liegen,  durchaus 
noch erhöhen könnte,  zumal  dadurch respektive den erfolgten Frei-
spruch der Verdacht  der  LTTE, auch die Beschwerdeführerin  könnte 
nun  der  Karuna-Fraktion  nahestehen,  erhärtet  würde.  In  Anbetracht 

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der  generell  gewaltsamen  Vorgehensweise  der  LTTE  gegen 
Verdächtige  und  deren  Umfeld  und  der  erwähnten  Passivität  der 
srilankischen  Behörden  hätte  die  Beschwerdeführerin  als  Tamilin 
namentlich im jetzigen Zeitpunkt keine Möglichkeit,  effektiven Schutz 
vor den ihr zielgerichtet und konkret drohenden ernsthaften Nachteilen 
zu  erlangen.  Die  begründete  Furcht  im  Sinne  des  Asylgesetzes  vor 
solchen Beeinträchtigungen ist  entsprechend zu bejahen. Die Frage, 
ob  es  ihr  als  Opfer  staatlicherseits  zugefügter  Folter  überhaupt 
zuzumuten  gewesen  wäre,  besagten Staat  um Schutz  zu  ersuchen, 
muss  somit  nicht  beantwortet  werden.  Auch  der  Frage,  ob  die 
Beschwerdeführerin  trotz  des  gerichtlichen  Freispruchs  im 
Ermittlungsverfahren  wegen  LTTE-Verdachts  im  Falle  der  Rückkehr 
auch  staatlicherseits  erneut  in  relevanter  Weise  Verfolgung  wegen 
erneuter  angeblicher  LTTE-Unterstützung  drohen  würde,  muss  nicht 
vertieft nachgegangen werden. Im zitierten Urteil des BVGer vom 14. 
Februar 2008 ist indes von einem diesbezüglichen "Generalverdacht" 
gegen  Tamilen  aus  dem  Norden  und  dem  Osten  des  Landes  in 
Colombo  die  Rede;  das  Risiko  der  Beschwerdeführerin,  trotzt  des 
Ende  2002  erfolgten  gerichtlichen  Freispruchs  im  Jahre  2008  nach 
mehrjähriger  Landesabwesenheit  bei  der  Einreise  oder  einer  der 
häufigen Kontrollen vor Ort  zumindest vorübergehend festgenommen 
und  misshandelt  zu  werden,  erschiene  somit  zumindest  als  nicht 
unbeträchtlich.  Eine  entsprechende  Furcht  der  Beschwerdeführerin 
scheint  demnach  insbesondere  auch  aufgrund  ihrer  bisherigen 
Erfahrungen als ebenfalls objektiv begründet. 

4.4 Zusammenfassend ist  festzustellen, dass die Vorbringen der Be-
schwerdeführerin den Anforderungen von Art. 3 AsylG an die Flücht-
lingseigenschaft  genügen; ferner bestehen aufgrund der Akten keine 
Hinweise auf das Vorliegen allfälliger Asylausschlussgründe im Sinne 
von Art. 53 AsylG. Die Verfügung der Vorinstanz ist  aufzuheben und 
der  Beschwerdeführerin  Asyl  zu  gewähren.  Demzufolge  erübrigt  es 
sich, aus weitere Beschwerdevorbringen einzugehen. 

5.

5.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten 
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Das Gesuch um Erlass der-
selben wird demzufolge gegenstandslos.

5.2 Obsiegende  Parteien  haben  Anspruch  auf  eine  Parteientschädi-
gung für  die  ihnen erwachsenen notwendigen Kosten (Art. 7  Abs. 1 

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des  Reglements  vom 11. Dezember  2006  über  die  Kosten und Ent-
schädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]).  Seitens  der  Rechtsvertretung  wurde  keine  Kostennote 
eingereicht. Auf die Nachforderung einer solchen kann indes verzichtet 
werden, da im vorliegenden Verfahren der Aufwand für den Beschwer-
deführer  zuverlässig  abgeschätzt  werden  kann  und  die  von  der 
Vorinstanz zu entrichtende Parteientschädigung von Amtes wegen und 
in  Berücksichtigung  der  massgeblichen  Bemessungsfaktoren  auf  Fr. 
800.-- (inkl. allfällige Spesen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 11

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Das BFM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin Asyl zu erteilen.

3.
Es werden keine Kosten erhoben. 

4.
Das BFM hat  der Beschwerdeführerin  für  das Verfahren vor der Be-
schwerdeinstanz eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 800.-- 
zu entrichten.

5.
Dieses Urteil geht an:

- die  Beschwerdeführerin  durch  Vermittlung  ihrer  Vertretung (Ein-
schreiben)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den vor-
instanzlichen Akten (Kopie; Ref.-Nr. N _______)

- _______

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber

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