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**Case Identifier:** b79a7b93-2b4b-54b9-80eb-a47a117dcb68
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-03-20
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 20.03.2025 SST.2024.72
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2024-72_2025-03-20.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2024.72 
(ST.2023.31; StA.2021.4161) 

 

 

Urteil vom 20. März 2025 
 
 

Besetzung  Oberrichter Fedier, Vizepräsident 

Oberrichterin Vasvary 

Oberrichterin Hausherr 

Gerichtsschreiberin Gilgen  

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Baden, 

Mellingerstrasse 207, 5405 Baden  

 

    
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.1992, von Wohlen AG, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B._____,  

[…]   

  

 
 

Gegenstand  Gefährdung des Lebens, Widerhandlungen gegen das 

Strassenverkehrsgesetz usw. 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Am 18. Oktober 2022 erliess die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten 

gegen den Beschuldigten einen Strafbefehl wegen Ungehorsams des 

Schuldners im Betreibungs- und Konkursverfahren gemäss Art. 323 Ziff. 1 

StGB (GA act. 969 f.). 

 

2. 

Am 6. März 2023 erhob die Staatsanwaltschaft Baden gegen den 

Beschuldigten Anklage wegen versuchter Erpressung (Art. 156 Ziff. 1 und 

3 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), evtl. versuchter Nötigung (Art. 181 

StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB) (Anklageziffer 1); Gefährdung des Lebens 

(Art. 129 StGB, Anklageziffer 2); Entwendung eines Motorfahrzeugs zum 

Gebrauch (Art. 94 Abs. 1 lit. a SVG, Anklageziffer 3); mehrfachen Fahrens 

ohne Berechtigung (Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG, Anklageziffer 4); Vereitelung 

von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit (Art. 91a Abs. 1 

SVG, Anklageziffer 5); mehrfachen Führens eines Motorfahrzeuges ohne 

Fahrzeugausweis und ohne Haftpflichtversicherung (Art. 96 Abs. 1 lit. a 

SVG und Art. 96 Abs. 2 Satz 1 SVG, Anklageziffer 6); mehrfacher Wider-

handlung gegen das Waffengesetz (Art. 33 Abs. 1 lit. a WG, Anklageziffer 

7); mehrfacher Widerhandlung und Übertretung gegen das Betäubungs-

mittelgesetz (Art. 19 Abs. 1 lit. c und d BetmG, Art. 19a Ziff. 1 BetmG, 

Anklageziffer 8); Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 StGB, Anklageziffer 

9); mehrfachen Führens eines nicht betriebssicheren Fahrzeuges (Art. 93 

Abs. 2 lit. a SVG, Anklageziffer 10); Verkehrsregelverletzung (Art. 90 Abs. 

1 SVG, Anklageziffer 3) und Übertretung des Nationalstrassenabgabe-

gesetzes gemäss Art. 14 Abs. 1 NSAG, Anklageziffer 11) (GA act. 978 ff.). 

 

3. 

Mit Verfügung vom 14. März 2023 wurden die Verfahren ST.2021.1 

(Strafbefehl vom 18. Oktober 2022) und ST.2023.31 (Anklageschrift vom 6. 

März 2023) vereinigt und unter der Nummer ST.2023.31 weitergeführt (GA 

act. 991 ff.). Die Rolle der Anklägerin wurde der Staatsanwaltschaft Baden 

zugewiesen. 

 

4. 

Das Bezirksgericht Bremgarten fällte am 18. Januar 2024 folgendes Urteil:  

 

1. 
Der Beschuldigte wird schuldig gesprochen:  
- der Gefährdung des Lebens gemäss Art. 129 StGB 
- der versuchten Nötigung gemäss Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB  
- der Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch gemäss Art. 94 Abs. 1 lit. a 

SVG  
- des mehrfachen Führens eines Motorfahrzeuges trotz Entzug des Ausweises 

gemäss Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG 

 - 3 - 

 

 

- der Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit gemäss Art. 
91a Abs. 1 SVG  

- des mehrfachen Führens eines Motorfahrzeuges ohne Fahrzeugausweis gemäss 
Art. 96 Abs. 1 lit. a SVG   

- des mehrfachen Führens eines Motorfahrzeuges ohne Haftpflichtversicherung 
gemäss Art. 96 Abs. 2 Satz 1 SVG   

- der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. 
a WG  

- der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz i.S.v. Art. 19 
Abs. 1 lit. c, d und g BetmG  

- der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes gemäss Art. 19a Ziff. 1 
BetmG  

- der Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB 
- des mehrfachen Führens eines nicht betriebssicheren Fahrzeuges gemäss Art. 93 

Abs. 2 lit. a SVG  
- der einfachen Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG  
- der Übertretung des Nationalstrassenabgabegesetzes gemäss Art. 14 Abs. 1 NSAG   
- des Ungehorsams des Schuldners im Betreibungsverfahren gemäss Art. 323 Ziff. 1 

StGB  
 
2. 
2.1. 
Der Beschuldigte wird gestützt auf Art. 40, 47 und 49 Abs. 1 StGB zu  
4 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. 
 
2.2. 
Die bereits ausgestandene Haft von 5 Tagen (16.06.2021; 02.08.2021 bis 03.08.2021 
[weniger als 24 Stunden]; 08.09.2021 bis 09.09.2021 [weniger als 24 Stunden]; 
12.09.2021; 18.11.2021 bis 19.11.2021 [weniger als 24 Stunden]) wird gestützt auf Art. 51 
StGB auf die Freiheitsstrafe angerechnet. 
 
3. 
3.1. 
Der mit Urteil der Staatsanwaltschaft Baden vom 29.04.2019 für 120 Tagessätze 
Geldstrafe zu einem Tagessatz von je Fr. 90.00 gewährte bedingte Vollzug wird gestützt 
auf Art. 46 Abs. 1 Satz 1 StGB widerrufen.  
 
Die widerrufene Geldstrafe bildet zusammen mit der vorliegend auszufällenden Geldstrafe 
eine Gesamtstrafe gemäss nachfolgender Dispositiv-Ziffer 3.2. 
 
3.2. 
Der Beschuldigte wird als Gesamtstrafe i.S.v. Art. 46 Abs. 1 Satz 2 StGB gestützt auf 
Art. 34, 47 und 49 Abs. 1 StGB zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je Fr. 30.00 
verurteilt. Die Geldstrafe beläuft sich folglich auf Fr. 5'400.00. 
 
3.3. 
Wird die Geldstrafe nicht bezahlt, so wird gestützt auf Art. 36 StGB eine 
Ersatzfreiheitsstrafe von 180 Tagen vollzogen. 
 
4. 
4.1. 
Der Beschuldigte wird gestützt auf Art. 106 und 49 Abs. 1 StGB zu einer Busse von 
Fr. 2'000.00 verurteilt. 

  

 - 4 - 

 

 

4.2. 
Wird die Busse schuldhaft nicht bezahlt, so wird eine Ersatzfreiheitsstrafe von 67 Tagen 
vollzogen. 
 
5. 
Gestützt auf Art. 60 StGB wird eine stationäre Suchtbehandlung angeordnet.  
 
6. 
6.1. 
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1 und 2 StGB werden folgende Gegenstände eingezogen und 
das Polizeikommando, Gruppe Betäubungsmittel, mit der Vernichtung beauftragt: 
 
- Div. Betäubungsmittel (Kokain, Streckmittel, Marihuana, Haschisch und Hanfblüten) 
 
6.2. 
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1 und 2 StGB werden folgende Gegenstände eingezogen und 
das Polizeikommando, Fachstelle SIWAS, mit der Vernichtung beauftragt: 
 
- 2 Faustfeuerwaffen samt Munition 
 
7. 
7.1. 
Gestützt auf Art. 267 Abs. 3 StPO wird folgender Vermögenswert zur Kostendeckung 
herangezogen: 
 
- Fr. 2'711.75 (beschlagnahmtes Bargeld; einbezahlt z.Hd. Finanzverwaltung Aargau) 
 
7.2. 
Der vorgenannte Vermögenswert wird in absteigender Priorität zur Deckung der 
entsprechenden Positionen verwendet: 
 
- Busse gemäss Ziffer 4. 
- Geldstrafe gemäss Ziffer 3. 
 
8. 
8.1. 
Die Forderung der Zivil- und Strafklägerin 2 [C._____ AG] wird auf den Zivilweg verwiesen. 
 
8.2. 
Den Zivil- und Strafklägern 1 [D._____] und 2 [C._____ AG] werden keine 
Parteientschädigungen zugesprochen (weder im Zivil- noch im Strafpunkt).  
 
9. 
9.1. 
Die Verfahrenskosten bestehen aus: 
 

Anklagegebühr  Fr.  2'350.00 
Gerichtsgebühr Fr.  3'500.00 
Kosten für die amtliche Verteidigung Fr. 14'955.05 
Kosten für Gutachten Fr. 3'290.00 
Kosten für die Mitwirkung anderer Behörden Fr. 15'024.00 
Andere Auslagen Fr.  78.00 
Total  Fr.  39'197.05 

 
Dem Beschuldigten werden die Verfahrenskosten – ausgenommen die amtliche 
Verteidigung – auferlegt, somit insgesamt Fr. 24'242.00. 
 

 - 5 - 

 

 

9.2. 
Dem Verteidiger des Beschuldigten wird eine Entschädigung von Fr. 14'955.05 (inkl. 
Auslagen und MwSt.) zu Lasten der Staatskasse zugesprochen. 
 
Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die amtliche 
Verteidigung zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 
(Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 
 
10. 
Der Beschuldigte trägt seine Kosten selber. 
 

 

4.1. 

Mit Berufungserklärung vom 19. April 2024 beantragte der Beschuldigte 

einen Freispruch von den Vorwürfen der versuchten Erpressung, 

eventualiter der Nötigung, und der Gefährdung des Lebens (Anklageziffern 

1 und 2), der Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch (Anklage-

ziffer 3), des Fahrens ohne Berechtigung (Anklageziffer 4 b)), der 

Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit 

(Anklageziffer 5), des Führens eines Motorfahrzeuges ohne Fahrzeug-

ausweis und ohne Haftpflichtversicherung (Anklageziffer 6 b)), der Wider-

handlung gegen das Waffengesetz (Anklageziffer 7 a)), der mehrfachen 

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 

Abs. 1 lit. c und d (Anklageziffer 8 a) bis f)), des mehrfachen Führens eines 

nicht betriebssicheren Fahrzeuges (Anklageziffer 10 a) und b)); der Über-

tretung des Nationalstrassenabgabegesetzes (Anklageziffer 11) und des 

Ungehorsams des Schuldners im Betreibungs- und Konkursverfahren 

(Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten vom 18. Oktober 2022). Hingegen 

sei er schuldig zu sprechen, des Fahrens ohne Berechtigung (Anklageziffer 

4 a)), des Führens eines Motorfahrzeuges ohne Fahrzeugausweis und 

ohne Haftpflichtversicherung (Anklageziffer 6 a)), der Widerhandlung 

gegen das Waffengesetz (Anklageziffer 7 b)), der mehrfachen Übertretung 

gegen das Betäubungsmittelgesetz (Art. 19 Abs. 1 lit. c und d BetmG, Art. 

19a Ziff. 1 BetmG, Anklageziffer 8 a) bis f)), und der Sachbeschädigung 

(Anklageziffer 9). Er sei hierfür mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 

Monaten zu bestrafen, Probezeit 3 Jahre, unter Anordnung der Ver-

pflichtung, sich einer ambulanten Massnahme zu unterziehen. Der mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Baden vom 29. April 2019 gewährte 

Vollzug der Geldstrafe von 120 Tagessätzen à Fr. 90.00 sei nicht zu wider-

rufen und der Beschuldigte sei zu verwarnen. 

 

4.2. 

Mit Anschlussberufungserklärung vom 16. Mai 2024 beantragte die Staats-

anwaltschaft, der Beschuldigte sei in Abänderung von Ziff. 1 des Urteils des 

Bezirksgerichts Bremgarten vom 18. Januar 2024 hinsichtlich der Anklage-

ziffer 1 und 2 nicht der Gefährdung des Lebens (Art. 129 StGB) und der 

versuchten Nötigung (Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), sondern 

der versuchten qualifizierten Erpressung (Art. 156 Ziff. 1 und 3 StGB i.V.m. 

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Art. 22 Abs. 1 StGB) schuldig zu sprechen. Er sei in Abänderung von Ziff. 

2.1 mit einer Freiheitsstrafe von 6 ½ Jahren zu bestrafen, welche alle 

Verbrechens- und Vergehenstatbestände umfasse; auf eine Geldstrafe sei 

dagegen zu verzichten. 

 

4.3. 

Der Beschuldigte reichte am 28. Mai 2024 vorgängig zur Berufungs-

verhandlung eine schriftliche Berufungsbegründung ein. Er präzisierte 

seine Anträge dahingehend, dass die Verurteilungen des Fahrens ohne 

Berechtigung (Anklageziffer 4 a)), des Führens eines nicht betriebssicheren 

Fahrzeuges (Anklageziffer 10 a)) sowie der Verkehrsregelverletzung 

(Anklageziffer 3) nicht mehr angefochten würden (Berufungsbegründung S. 

3 ff.). 

 

4.4. 

Die Staatsanwaltschaft reichte am 5. Juni 2024 vorgängig zur Berufungs-

verhandlung eine schriftliche Anschlussberufungsbegründung ein. 

 

4.5. 

Die Staatsanwaltschaft reichte am 24. Juni 2024 eine schriftliche 

Berufungsantwort ein. 

 

4.6. 

Der Beschuldigte reichte am 28. Juni 2024 eine Anschlussberufungs-

antwort sowie eine Stellungnahme zur Berufungsantwort ein. 

 

4.7. 

Die Berufungsverhandlung mit Einvernahme des Beschuldigten sowie der 

Zeugen E._____, F._____, G._____ und der Auskunftsperson H._____ 

fand am 20. März 2025 statt. Unentschuldigt nicht erschienen sind die 

Zeugen I._____, J._____, K._____ und L._____. Der Zeuge D._____ 

konnte nicht gültig vorgeladen werden und ist ebenfalls nicht erschienen. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Der Beschuldigte wendet sich mit Berufung gegen die Schuldsprüche der 

Gefährdung des Lebens gemäss Art. 129 StGB (Anklageziffer 2; Vorfall 

vom 26. Juli 2021); der versuchten Nötigung gemäss Art. 181 StGB i.V.m. 

Art. 22 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 1; Vorfall vom 26. Juli 2021); der 

Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch gemäss Art. 94 Abs. 1 

lit. a SVG (Anklageziffer 3; Vorfall vom 16. Juni 2021); des mehrfachen 

Fahrens ohne Berechtigung gemäss Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG (Anklageziffer 

4b); Vorfälle vom 11. November 2021); der Vereitelung von Massnahmen 

zur Feststellung der Fahrunfähigkeit gemäss Art. 91a Abs. 1 SVG 

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(Anklageziffer 5; Vorfall vom 16. Juni 2021); des mehrfachen Führens eines 

Motorfahrzeuges ohne Fahrzeugausweis gemäss Art. 96 Abs. 1 lit. a SVG 

(Anklageziffer 6 b) [Korrektur Anklageziffer 6 b) ist nicht existent, deshalb 

die «gesamte» Anklageziffer angefochten]; Vorfälle vom 11. November 

2021); und des mehrfachen Führens eines Motorfahrzeuges ohne Haft-

pflichtversicherung gemäss Art. 96 Abs. 2 Satz 1 SVG (Anklageziffer 6; 

Vorfälle vom 11. November 2021), der Widerhandlung gegen das Waffen-

gesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a WG (Anklageziffer 7 a); Vorfall vom 26. 

Juli 2021); der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungs-

mittelgesetz i.S.v. Art. 19 Abs. 1 lit. c, d und g BetmG (Verkauf, Besitz, 

Anstaltentreffen) (Anklageziffern 8 a)- d); Vorfälle vom 8. September 2021 

und 18. November 2021), des mehrfachen Führens eines nicht betriebs-

sicheren Fahrzeuges gemäss Art. 93 Abs. 2 lit. a SVG (Anklageziffer 10b); 

Vorfälle vom 11. November 2021), der Übertretung des Nationalstrassen-

abgabegesetzes gemäss Art. 14 Abs. 1 NSAG (Anklageziffer 11; Vorfall 

vom 16. Juni 2021) und des Ungehorsams des Schuldners im Betreibungs-

verfahren gemäss Art. 323 Ziff. 1 StGB (Strafbefehl vom 18. Oktober 2022) 

(Dispositivziffer 1). Die Staatsanwaltschaft moniert mit ihrer Anschluss-

berufung im Schuldpunkt (Dispositivziffer 1) einzig die Schuldsprüche der 

Gefährdung des Lebens gemäss Art. 129 StGB und der versuchten 

Nötigung gemäss Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 

1 und 2; Vorfall vom 26. Juli 2021) und beantragt hierfür eine abweichende 

rechtliche Würdigung als versuchte qualifizierte Erpressung im Sinne von 

Art. 156 Ziff. 1 und 3 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB. Aufgrund der 

Berufungsanträge des Beschuldigten und der Anschlussberufungsanträge 

der Staatsanwaltschaft ist das vorinstanzliche Urteil sodann hinsichtlich der 

Strafzumessung inkl. Widerruf des bedingten Vollzugs einer Geldstrafe und 

inkl. Heranziehung der beschlagnahmten Vermögenswerte zur Kosten-

deckung und die Verwendung für die Busse bzw. Geldstrafe (Dispositiv-

ziffern 2-4 und 7, mit Ausnahme der Anrechnung der ausgestandenen 

Haft), der Anordnung einer stationären Massnahme zur Suchtbehandlung 

(Dispositivziffer 5), der Verlegung der vorinstanzlichen Verfahrenskosten 

und der Rückzahlungspflicht der Entschädigung des amtlichen Verteidigers 

(Dispositivziffer 9) zu überprüfen. 

 

Der Beschuldigte anerkennt diverse Schuldsprüche. Mit Berufungs-

begründung hat er den Schuldspruch des Führens eines nicht betriebs-

sicheren Fahrzeuges gemäss Art. 93 Abs. 2 lit. a SVG (Anklageziffer 10 a)) 

– der zunächst in der Berufungserklärung noch angefochten war – 

anerkannt. Sofern er anlässlich der Berufungsverhandlung erneut die-

selben Anträge wie in der Berufungserklärung hat einreichen lassen, ist 

dies nicht bindend. Einerseits dürfte es sich um ein Versehen handeln, 

zumal im Parteivortrag zum betroffenen Vorwurf keine Ausführungen 

gemacht wurden. Im Übrigen wurde die Berufung ohnehin verbindlich ein-

geschränkt, worauf nicht zurückgekommen werden kann. Weiter wird in der 

Berufungsbegründung ausgeführt, dass die Schuldsprüche der Verkehrs-

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regelverletzung (Anklageziffer 3) sowie der Widerhandlung gegen das 

Waffengesetz (Anklageziffer 7 c)) anerkannt werden. Diese beiden Vor-

würfe sind sowohl in den Anträgen in der Berufungserklärung und in den 

Anträgen, welche anlässlich der Berufungsverhandlung von der 

Verteidigung eingereicht worden sind, vergessen worden, wobei es sich 

offenbar um ein Versehen gehandelt hat. Anerkannt sind damit hinsichtlich 

Dispositivziffer 1 die Schuldsprüche der Verkehrsregelverletzung gemäss 

Art. 90 Abs 1 SVG (Anklageziffer 3, Vorfall vom 16. Juni 2021) des Fahrens 

ohne Berechtigung gemäss Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG (Anklageziffer 4 a); 

Vorfall vom 16. Juni 2021); der mehrfachen Widerhandlung gegen das 

Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a WG (Anklageziffern 7 b) und 7 

c); Vorfälle vom 8. September 2021 und 12. September 2021); der mehr-

fachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes gemäss Art. 19a Ziff. 1 

BetmG (Anklageziffer 8 c), e), f), g), h); Vorfälle zwischen dem 8. 

September 2021 und dem 18. November 2021); der Sachbeschädigung 

gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 9; Vorfall vom 12. September 

2021); und des Führens eines nicht betriebssicheren Fahrzeuges gemäss 

Art. 93 Abs. 2 lit. a SVG (Anklageziffer 10 a); Vorfall vom 16. Juni 2021); 

diese sind nicht zu überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO). Nicht angefochten 

und somit nicht zu prüfen sind weiter die Anrechnung der bisher aus-

gestandenen Haft an die Strafe (Dispositivziffer 2.2), die Einziehungen 

(Dispositivziffer 6), und der Umgang mit den Zivilforderungen (Dispositiv-

ziffer 8). 

 

2. Vorwürfe vom 16. Juni 2021 

2.1. Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch (Anklageziffer 

3) 

2.1.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten hinsichtlich des angeklagten 

Vorwurfs der Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch gemäss 

Art. 94 Abs. 1 lit. a SVG schuldig gesprochen. 

 

In tatsächlicher Hinsicht ist sie gestützt auf die Aussagen von I._____ 

davon ausgegangen, dass derselbe am 16. Juni 2021 vor 01.00 Uhr als 

Lenker des PW «Citroën», AG aaa, von Zürich auf der Autobahn A1 in 

allgemeine Richtung Bern gefahren ist. Der Beschuldigte sei auf dem 

Beifahrersitz gesessen und habe während der Fahrt aus unbekannten 

Gründen angefangen herumzuschreien und sich das T-Shirt zu zerreissen. 

Zudem habe er mit der Faust heftig gegen die Windschutzscheibe 

geschlagen, welche beschädigt worden sei und habe so eine unein-

geschränkte Sicht des Fahrzeuglenkers verunmöglicht. I._____ sei deshalb 

beim Rastplatz Würenlos von der Autobahn abgefahren und habe 

angehalten. Dort sei er ausgestiegen und habe sich zur Toilette begeben. 

Als er zurückgekommen sei, habe er gesehen, wie der Beschuldigte und 

E._____ – der sich ebenfalls im Fahrzeug befunden habe – miteinander 

diskutiert hätten. E._____ habe versucht, den Beschuldigten zu beruhigen, 

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was jedoch nicht gelungen sei. Anschliessend sei der Beschuldigte ohne 

Vorwarnung um das Fahrzeug herumgelaufen und auf der Fahrerseite ein-

gestiegen. I._____ habe ihn aufgefordert, auszusteigen und ihm den Zünd-

schlüssen zu übergeben, worauf der Beschuldigte noch mehr in Rage 

geraten sei. I._____ sei schliesslich hinten eingestiegen, E._____ auf der 

Beifahrerseite. Anschliessend sei der Beschuldigte auf die Autobahn A1 in 

allgemeine Richtung Bern aufgefahren. I._____ und E._____ hätten den 

Beschuldigten mehrfach aufgefordert, das Fahrzeug sofort anzuhalten und 

ihn darauf aufmerksam gemacht, dass eine Polizeikontrolle kommen 

würde. Diese Aufforderungen habe der Beschuldigte ignoriert und sei 

weitergefahren. 

 

2.1.2. 

Der Beschuldigte wendet sich mit seiner Berufung einerseits gegen die 

Feststellung des angeklagten Sachverhalts. Er hat in tatsächlicher Hinsicht 

einzig anerkannt, dass er am fraglichen Abend mit I._____ und E._____ 

von Zürich herkommend auf der Autobahn A1 unterwegs gewesen sei und 

er ab der Raststätte Würenlos gefahren sei, den restlichen Sachverhalt 

bestreitet er. Er macht geltend, dass I._____ ihn aufgefordert habe, das 

Fahrzeug nach dem Halt an der Raststätte Würenlos zu lenken, da er selbst 

nicht mehr fahrfähig gewesen sei. Andererseits bestreitet er, dass der 

angeklagte Sachverhalt überhaupt den Tatbestand der Entwendung eines 

Motorfahrzeugs zum Gebrauch erfüllen würde. Er wendet ein, dass I._____ 

den Gewahrsam über das Fahrzeug – zumindest nach einem Teil der Lehre 

– durch das Steckenlassen des Autoschlüssels im Zündschloss auf-

gegeben habe, weshalb gar kein für die Tatbestandsmässigkeit erforder-

licher Gewahrsamsbruch durch ihn habe stattfinden können. Weiter habe 

I._____ den Gewahrsam am Fahrzeug nicht aufgegeben, da er auf dem 

Rücksitz des Fahrzeugs mitgefahren sei und damit nach wie vor Kontrolle 

über das Auto gehabt habe. Ein Gewahrsamsbruch habe somit nicht 

stattgefunden (Berufungsbegründung S. 3 ff., Plädoyer Berufungs-

verhandlung S. 2 f.).  

 

2.1.3. 

2.1.3.1. 

Gemäss Art. 94 Abs. 1 lit. a SVG wird bestraft, wer ein Motorfahrzeug zum 

Gebrauch entwendet. In objektiver Hinsicht erfüllt den Tatbestand, wer 

gegen den Willen des Halters oder eines anderweitig Berechtigten ein 

Motorfahrzeug in Besitz nimmt, was Bruch fremden Gewahrsams und 

Begründung eigenen Gewahrsams voraussetzt (Urteil des Bundesgerichts 

6B_694/2010 vom 16. Dezember 2010 E. 7.3.4; vgl. BGE 101 IV 33 E. 2a). 

Der Gewahrsam besteht in der tatsächlichen Sachherrschaft, verbunden 

mit dem Willen, sie auszuüben (BGE 115 IV 104 E. 1c/aa mit Hinweis).  

 

 - 10 - 

 

 

2.1.3.2. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

unüberwindbare Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, d.h. solche, die sich nach einer objektiven 

Sachlage aufdrängen, so geht das Gericht von der für den Beschuldigten 

günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Bloss abstrakte und 

theoretische Zweifel sind nicht massgebend, weil solche immer möglich 

sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Der Grundsatz 

«in dubio pro reo» ist erst anwendbar, nachdem alle aus Sicht des 

urteilenden Gerichts notwendigen Beweise erhoben und ausgewertet 

worden sind und nach erfolgter Beweiswürdigung als Ganzem relevante 

Zweifel bestehen, wobei nur das Übergehen offensichtlich erheblicher 

Zweifel eine Verletzung des Grundsatzes «in dubio pro reo» zu begründen 

vermag (BGE 148 IV 409 E. 2.2; BGE 144 IV 345 E. 2.2.3). 

 

2.1.4. 

Vorliegend ist der Beschuldigte in dubio pro reo vom Vorwurf der 

Entwendung eines Motorfahrzeugs zum Gebrauch freizusprechen: 

 

2.1.4.1. 

Der angeklagte Sachverhalt, von dem die Vorinstanz ausgegangen ist, 

stützt sich einzig auf die Zeugenaussagen von I._____. Dieser hat den 

Sachverhalt in seiner Einvernahme vom 16. Juni 2021, also am Tag des 

nächtlichen Vorfalls, entsprechend zu Protokoll gegeben (UA act. 857 ff.). 

Seine Aussagen zu den Geschehnissen – namentlich dazu, dass der 

Beschuldigte sich gegen den Willen von I._____ ans Steuer gesetzt habe 

und losgefahren sei – sind in sich schlüssig, nachvollziehbar und glaubhaft. 

So hat er das Verhalten und die Gefühlslage des Beschuldigten relativ 

detailliert geschildert, namentlich dass dieser getobt habe, den Innenraum 

des Fahrzeugs beschädigt und sich das T-Shirt zerrissen habe. Die 

Schäden im Innern des Fahrzeugs, nämlich die zersprungene Frontscheibe 

auf der Beifahrerseite und der weggebrochene Innenspiegel, sowie die 

Tatsache, dass der Beschuldigte bei der Anhaltung durch die Polizei kein 

T-Shirt getragen hat, passen zu diesen Ausführungen (UA act. 490 und 495 

ff.) 

 

2.1.4.2. 

Jedoch vermögen die Aussagen des Beschuldigten ernsthafte Zweifel an 

den Aussagen von I._____ zu erwecken. So führte er anlässlich der 

Berufungsverhandlung aus, dass I._____ Kokain konsumiert habe, 

weshalb er bei der Raststätte Würenlos habe erbrechen müssen. Wegen 

seines Kokainkonsums habe dieser zudem Paranoia gehabt. I._____ habe 

den Beschuldigten deshalb gebeten, ab der Raststätte Würenlos nach 

Hause zu fahren. Da der Beschuldigte auf Drängen seiner Partnerin heim 

gewollt habe, habe er sodann den Entschluss gefasst zu fahren, obwohl er 

 - 11 - 

 

 

über keinen gültigen Führerausweis verfügt habe. I._____ habe den 

Spiegel sowie die Frontscheibe kaputtgemacht, zudem habe er mit einem 

Messer irgendwohin im Fahrzeuginnern gestochen. Die Anschuldigungen 

durch I._____ hat der Beschuldigte so erklärt, dass dieser ihn beschuldige, 

damit er eine Erklärung für die Beschädigungen am Fahrzeug habe und 

wegen des Konsums von Kokain straffrei davonkomme (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 15 ff.). Diese Ausführungen erscheinen für sich 

genommen nachvollziehbar und würden ein plausibles Motiv für die 

Belastungen durch I._____ aufzeigen. 

 

Mit der Vorinstanz waren die diesbezüglichen Aussagen des Beschuldigten 

nicht konstant. Bei seiner ersten Einvernahme vom 16. Juni 2021, rund 

12 Stunden nach den angeklagten Delikten, hatte er noch ausgeführt, dass 

er sich nicht mehr daran erinnern könne, unter welchen Umständen er die 

Fahrt ab dem Rastplatz Würenlos angetreten habe. Er habe Erinnerungs-

lücken, er trinke normal nicht so viel. Es müsse wohl so gewesen sein, wie 

seine beiden Kollegen es geschildert hätten (UA act. 670 ff.). Dies stellt 

einen offensichtlichen Widerspruch in seinen Aussagen dar. Immerhin hat 

der Beschuldigte schon in dieser Einvernahme abgestritten, die 

Beschädigungen am Fahrzeug verursacht zu haben. Vielmehr sei die 

Windschutzscheibe schon vor dem Halt auf der Raststätte in Würenlos 

kaputt gewesen (UA act. 673 f.). Seit seiner Schlusseinvernahme vom 

11. August 2022 ist der Beschuldigte jedoch von seiner ersten Angabe 

abgewichen und hat fortan konstant ausgeführt, I._____ habe ihm das 

Fahrzeug aus freien Stücken überlassen, da er Alkohol und Kokain 

konsumiert habe und besser habe dastehen wollen (UA act. 837). Dies hat 

er auch anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung bestätigt. So sei 

I._____ nicht mehr fahrfähig gewesen und man sei daher übereinge-

kommen, dass er (der Beschuldigte) die Fahrt fortsetzen solle. Er gab 

weiter an, I._____ wolle sich mit seinen Aussagen schützen, zudem habe 

er (der Beschuldigte) die Schäden am Fahrzeug nicht verursacht (GA act. 

1003 ff.). Die Aussagen des Beschuldigten sind somit bis auf die Erst-

aussagen weitestgehend konstant. 

 

Die abweichende Erstaussage vermag die weiteren Aussagen des 

Beschuldigten nach Ansicht des Obergerichts nicht zu entkräften, obwohl 

Erstaussagen üblicherweise ein erhöhter Beweiswert zugemessen wird. 

Der Beschuldigte gab zu seiner damaligen Aussage nachträglich an, dass 

er bei der Ersteinvernahme verwirrt gewesen sei und zuvor kaum 

geschlafen habe, er habe keinen klaren Kopf für die Einvernahme gehabt; 

danach habe er sich jedoch mit dem Thema auseinandergesetzt und sich 

wieder an den Vorfall erinnert (UA act. 838 f.). Der Beschuldigte hatte zur 

Tatzeit Alkohol und Kokain intus, zumindest wurden diese Substanzen mit 

einem Atemalkoholtestgerät und einem Betäubungsmittelvortest nach-

gewiesen (0.90 mg/l Atemalkohol, UA act. 474 und 475). Diese Substanzen 

könnten sich auch bei der Einvernahme rund 12 Stunden später noch 

 - 12 - 

 

 

bemerkbar gemacht haben. Ebenfalls war der Zustand des Beschuldigten 

bei der Anhaltung durch die Polizei nicht normal, sondern «unruhig, 

angetrieben, unbeherrscht, aggressiv und überschiessend», er hatte 

Schweissausbrüche, seine Augen waren wässerig/glänzend und sein 

Gang schwankend (UA act. 474). Es besteht daher die Möglichkeit, dass 

dieser Zustand auch am nächsten Tag noch Auswirkungen auf den 

Beschuldigten gehabt hat. Der Beschuldigte leidet zudem gemäss eigenen 

Angaben an gewissen kognitiven Problemen sowie Problemen mit dem 

Kurzzeitgedächtnis, was auch durch ärztliche Unterlagen glaubhaft 

gemacht wird («Vergesslichkeit» siehe Arztbericht vom 12. März 2024 der 

M._____ Klinik für Neurologie; «Deutlich herabgesetzte Konzentrations-

fähigkeit nach 60 Minuten» siehe Bericht Zentrum für Neuropsychologie 

vom 16. April 2024, Beilagen zum Protokoll der Berufungsverhandlung). 

Schliesslich hat es sich bei I._____ um seinen besten Freund gehandelt 

(vgl. Protokoll Berufungsverhandlung S. 16), weshalb er dessen Aussagen 

vertraut haben dürfte.  

 

Für die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten sprechen 

insbesondere der Detailreichtum sowie die Beschreibung von Handlungs-

abläufen und Interaktionen in seinen Aussagen anlässlich der Berufungs-

verhandlung. So gab er an, dass I._____ an der Raststätte Würenlos sofort 

habe erbrechen müssen, E._____ habe noch im letzten Moment die Hand-

bremse ziehen können, sonst wären sie in eine Wand gefahren. Das 

Erbrochene von I._____ konnte der Beschuldigte ebenfalls bildhaft 

beschreiben. Weiter führte er aus, dass er für sich und E._____ etwas zu 

essen geholt habe, und um welches Essen es sich gehandelt habe. I._____ 

habe dann erneut eine Line Kokain konsumiert und gefragt, ob noch 

jemand wolle, was sie verneint hätten. I._____ habe sodann gewollt, dass 

jemand anderes fahre, E._____ habe jedoch nicht fahren können, da er auf 

Bewährung gewesen sei. Während der Fahrt sei I._____, der auf der Rück-

bank gesessen sei, nach vorne gekommen und habe die Scheibe mit zwei 

Schlägen kaputt gemacht, wobei E._____ ihn geschubst und gefragt habe, 

was er für einen Scheiss mache (Protokoll Berufungsverhandlung S. 15 ff.). 

Solche speziellen Schilderungen sind schwer zu erfinden und sprechen 

deshalb für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. 

 

Die diesbezüglichen Aussagen des Beschuldigten stimmen sodann mit der 

Tatsache überein, dass I._____ gemäss Betäubungsmittelvortest 

entsprechend den Aussagen des Beschuldigten Kokain konsumiert hatte 

(vgl. UA act. 860). Die Schilderungen des Beschuldigten decken sich im 

Übrigen – wie auch bei I._____ – mit den Schäden im Innern des Fahr-

zeugs, d.h. der zersprungenen Frontscheibe auf der Beifahrerseite und 

dem weggebrochenen Innenspiegel (UA act. 495 ff.). Aufgrund der 

ergebnislosen Auswertung der von der Frontscheibe beifahrerseitig innen 

gesicherten DNA-Wischspur (UA act. 500 f.), kann allerdings letztlich nicht 

geklärt werden, wer die Scheibe tatsächlich beschädigt hat. Auch das bei 

 - 13 - 

 

 

der Anhaltung nicht mehr getragene T-Shirt und der aufgebrachte Gemüts-

zustand (vgl. UA act. 490) lassen die Aussagen des Beschuldigten nicht 

als unglaubhaft erscheinen, gibt es für beides doch verschiedene plausible 

Erklärungen. So gab der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhand-

lung an, es sei an diesem Tag sehr heiss gewesen, weshalb er das T-Shirt 

an der Raststätte ausgezogen habe (Protokoll Berufungsverhandlung S. 15 

f.). Der aufgebrachte Gemütszustand während der Anhaltung durch die 

Polizei kann beispielsweise durch den Ärger über die Anhaltung an sich 

oder darüber, beim Fahren ohne Berechtigung erwischt worden zu sein, 

oder durch die vorgängigen Ereignisse im Auto und an der Raststätte 

entstanden sein. Aus all diesen Umständen lässt sich somit nicht auf die 

Unglaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten schliessen.  

 

2.1.4.3. 

Anlässlich der Berufungsverhandlung konnte zudem der Zeuge E._____ 

erstmals zum Vorfall vom 16. Juni 2021 befragt werden (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 6 ff.). Seine wenigen Aussagen stützen den 

angeklagten Sachverhalt nicht, bzw. widersprechen den Aussagen von 

I._____. Es ist jedoch anzufügen, dass E._____ weitgehend angegeben 

hatte, sich an die Geschehnisse nicht erinnern zu können. So hat er aus-

geführt, dass er nicht mehr wisse, wie der Zustand des Beschuldigten zur 

Tatzeit gewesen sei, er gehe jedoch davon aus, dass dieser normal 

gewesen sei. Er wisse auch nicht mehr, wie die Beschädigungen am Fahr-

zeug entstanden seien, da er damals ein paar Bier getrunken habe. Er 

wisse jedoch noch, wie der Beschuldigte sein T-Shirt an der Raststätte 

ausgezogen habe, womit er die Version des Beschuldigten und nicht von 

I._____ stützt, der ausgeführt hat, dass der Beschuldigte das T-Shirt 

während der Fahrt ausgezogen habe. Zudem erinnere er sich nicht, dass 

I._____ an der Raststätte auf die Toilette gegangen sei. Er wisse auch nicht 

mehr, weshalb an der Raststätte ein Fahrerwechsel stattgefunden habe 

und ob I._____ damit einverstanden gewesen sei. 

 

Es kann zwar nicht ausgeschlossen werden, dass E._____ sich trotz seines 

allfälligen Alkoholkonsums und des Zeitablaufs von über 3 ½ Jahren an 

mehr Details erinnern kann, als er anlässlich der Berufungsverhandlung 

angab, da es zu einer Fluchtfahrt vor einer Polizeikontrolle gekommen war, 

worauf der Beschuldigte und die Beifahrer polizeilich angehalten worden 

waren und sich auch E._____ gemäss Polizeirapport äusserst aggressiv 

und unkooperativ verhalten hatte (UA act. 490), womit es sich auch für ihn 

um ein bleibendes Ereignis gehandelt haben dürfte. Es ist daher denkbar, 

dass E._____ den Beschuldigten mit seinen ausweichenden Aussagen 

schützen wollte, zumal sie im Tatzeitpunkt befreundet waren, auch wenn 

gegenwärtig kein Kontakt mehr bestehe (Protokoll Berufungsverhandlung 

S. 6). Jedoch ist oder war E._____ auch mit I._____ befreundet und es 

kann ebenfalls nicht ausgeschlossen werden, dass er mit seinen Aussagen 

 - 14 - 

 

 

diesen hat schützen wollen. Insgesamt lässt sich aus seinen Aussagen 

somit jedenfalls nichts zum Nachteil des Beschuldigten ableiten. 

 

2.1.5. 

Zusammengefasst sind sowohl die Aussagen des Beschuldigten als auch 

von I._____ zur Entwendung eines Fahrzeugs zum Gebrauch für sich 

genommen nachvollziehbar. Es lässt sich jedoch nicht klären, welche 

Aussagen zutreffen, dies insbesondere, da der vorgeladene Zeuge I._____ 

zur Berufungsverhandlung unentschuldigt nicht erschienen ist und offene 

Fragen nicht geklärt werden konnten. Zudem wurde er nur einmal ein-

vernommen, womit seine Aussagen keiner detaillierten Aussagewürdigung 

zugänglich sind. Es besteht auch ein potenzielles Motiv – nämlich 

Selbstschutz – für eine falsche Belastung des Beschuldigten durch I._____. 

Es verbleiben für das Gericht damit nicht nur theoretische Zweifel daran, 

dass der Beschuldigte das Fahrzeug zum Gebrauch entwendet hat und 

gegen den Willen von I._____ losgefahren ist. 

 

Nach dem Dargelegten erweist sich die Berufung des Beschuldigten in 

diesem Punkt als begründet und ist gutzuheissen. Er ist folglich vom 

Vorwurf der Entwendung eines Motofahrzeuges zum Gebrauch freizu-

sprechen. 

 

2.2. Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähig-

keit (Anklageziffer 5) 

2.2.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten hinsichtlich des angeklagten 

Vorwurfs der Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahr-

unfähigkeit gemäss Art. 91a Abs. 1 SVG schuldig gesprochen. 

 

In tatsächlicher Hinsicht ist sie von folgendem Sachverhalt ausgegangen. 

Der Beschuldigte sei auf seiner zuvor geschilderten Fahrt ab der Raststätte 

Würenlos an einer Kontrolle der Kantonspolizei Aargau, die mit polizei-

lichem Haltezeichen angezeigt worden sei und kurz vor der Überdachung 

Neuenhof hätte durchgeführt worden sollen, vorbeigefahren. Er habe 

sodann nach einer Verfolgung von der Kantonspolizei Aargau auf der alten 

Zürcherstrasse, direkt neben dem AC._____ Hotel, gestoppt werden 

können. Dabei hätten die Polizeifunktionäre Anzeichen von Alkohol in der 

Atemluft des Beschuldigten festgestellt, weshalb die Staatsanwaltschaft 

Baden um 01.42 Uhr eine Blut- und Urinprobe beim Beschuldigten 

angeordnet habe. Die Anordnung sei auch gestützt auf den zuvor durch-

geführten Atemalkoholtest, welcher eine Blutalkoholkonzentration von 0.9 

mg/l ergeben habe, erfolgt. Der Beschuldigte habe jedoch die Proben-

entnahmen verweigert, weshalb seine Fahrfähigkeit nicht rechtsgenüglich 

habe abgeklärt werden können. 

 

 - 15 - 

 

 

2.2.2. 

Unbestritten ist, dass sich der Beschuldigte in Kenntnis seiner Verpflichtung 

zur Abgabe einer Blut- und Urinprobe zumindest zeitweise geweigert hat, 

diese Proben abzugeben. Die Anordnung der Blut- und Urinprobe basierte 

auf äusseren Auffälligkeiten und erfolgte rechtmässig, was im Berufungs-

verfahren auch nicht bestritten worden ist. Indes bringt er als Recht-

fertigung vor, es habe für ihn durch die Abgabe der Proben eine Gesund-

heitsgefährdung bestanden. Wie sich aus dem Polizeirapport ergebe, habe 

er angegeben, Schmerzen zu haben und keinen Anruf tätigen zu dürfen. 

Später habe er die Probe abgeben wollen, was aber nicht mehr zugelassen 

worden sei. Es sei somit nicht erstellt, dass seine Intention einzig darin 

bestanden habe, ein für ihn belastendes Testergebnis abzuwenden 

(Berufungsbegründung S. 5, Plädoyer Berufungsverhandlung S. 3).  

 

2.2.3. 

Der Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit 

gemäss Art. 91a Abs. 1 SVG macht sich schuldig, wer sich als Motor-

fahrzeugführer vorsätzlich einer Blutprobe, einer Atemalkoholprobe oder 

einer anderen vom Bundesrat geregelten Voruntersuchung, die angeordnet 

wurde oder mit deren Anordnung gerechnet werden musste, oder einer 

zusätzlichen ärztlichen Untersuchung widersetzt oder entzogen hat oder 

den Zweck dieser Massnahmen vereitelt hat. 

 

Der Tatbestand von Art. 91a Abs. 1 SVG unterscheidet drei strafbare 

Verhaltensweisen des Fahrzeugführers: Das Ausweichen bzw. Sich-

Entziehen (z.B. durch Flucht), das Vereiteln (z.B. durch Nachtrunk) und der 

aktive oder passive Widerstand bzw. das Widersetzen. Die Vereitelung von 

Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit durch die Tathandlung 

des Widersetzens ist ein Erfolgsdelikt. Demnach ist der Tatbestand erfüllt, 

wenn die zuverlässige Ermittlung der Fahrunfähigkeit mittels der im Gesetz 

vorgesehenen spezifischen Untersuchungsmethoden im massgebenden 

Zeitpunkt durch aktiven oder passiven Widerstand des Täters verun-

möglicht wird. Kann jedoch die Fahrunfähigkeit trotz der Weigerung später 

noch schlüssig festgestellt werden, liegt lediglich ein vollendeter Versuch 

der Tatbegehung vor (BGE 146 IV 88 E. 1.6.1). Der Tatbestand von Art. 

91a SVG kann auch bei anfänglicher Weigerung des Betroffenen nicht als 

erfüllt betrachtet werden, wenn dieser später noch in eine andere 

Massnahme, z.B. die Blutprobe, einwilligt. Mithin ist die Vereitelung von 

Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit im Sinne von Art. 91a 

SVG erst erfüllt, wenn der Zustand des Betroffenen definitiv nicht mehr 

zuverlässig festgestellt werden kann (vgl. BGE 146 IV 88 E. 1.6.3). In 

subjektiver Hinsicht erfordert der Tatbestand Vorsatz, wobei Eventual-

vorsatz genügt (BGE 146 IV 88 E. 1.4.1). 

 

Gemäss Lehre und Rechtsprechung ist die Verweigerung einer Blut- und 

Urinprobe einzig dann gerechtfertigt und daher nicht strafbar, wenn die 

 - 16 - 

 

 

Blutentnahme die Gesundheit des Verdächtigen gefährden könnte (z.B. bei 

Bluterkrankheit). Gefühle wie Angst oder Schmerz werden hingegen nicht 

berücksichtigt (vgl. BGE 92 IV 169; GIGER, in: OF-Kommentar SVG, 

9. Auflage, Zürich 2022, N. 12 zu Art. 91a SVG). 

 

2.2.4. 

Von der Kantonspolizei Aargau wurde im Formular zur Abnahme der Blut- 

und Urinproben «FinZ-Set», wobei es sich um eine Kombination aus 

polizeilichem Rapport und polizeilicher Einvernahme handelt (UA act. 472 

ff.), schriftlich dokumentiert, dass der Beschuldigte die Abnahme derselben 

verweigert hat. Im Protokoll wurde vermerkt: «Ich verweigere die ange-

ordnete Blutprobe (resp. Urinprobe) weil ich Schmerzen hatte und ich nicht 

anrufen konnte». Dieses Vorbringen von Schmerzen hat der Beschuldigte 

jedoch nicht mehr wiederholt. Gemäss seiner ersten Aussage vom 16. Juni 

2021 habe er zum Zeitpunkt der geplanten Abnahme der Proben nicht mehr 

richtig denken können, er wisse nicht mehr, warum er die Abnahmen zuerst 

verweigert habe (UA act. 675). Auch anlässlich der vorinstanzlichen Haupt-

verhandlung hat er abweichende Aussagen gemacht. So hat er ausgeführt, 

er habe sich damals in einem Schockzustand befunden, zudem habe er 

Angst vor Blutentnahmen. Die Polizisten hätten ihn kräftig gepackt. Später, 

als er wieder «bei Verstand» gewesen sei, habe er eine Blutprobe abgeben 

wollen, was durch die Polizei jedoch abgelehnt worden sei (GA act. 1004). 

Anlässlich der Berufungsverhandlung konnte sich der Beschuldigte über-

haupt nicht mehr an seine Weigerung zur Abgabe der Proben erinnern, 

führte jedoch aus, er sei möglicherweise wütend gewesen, zudem habe er 

eine Nadelphobie. Schmerzen habe er aber nicht gehabt (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 17). Auch der anlässlich der Berufungsverhand-

lung befragte Zeuge E._____ konnte nicht bestätigen, dass der 

Beschuldigte zum damaligen Zeitpunkt Schmerzen gehabt habe (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 9). 

 

Es ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte, sofern er die Proben 

tatsächlich aufgrund nennenswerter Schmerzen verweigert hätte, dies 

auch nachträglich selber geschildert sowie genauer definiert hätte. Seine 

anders lautenden Aussagen deuten darauf hin, dass Schmerzen im 

Moment der Verweigerung zumindest nicht im Vordergrund gestanden sind 

und die Verweigerung nicht aus diesem Grund erfolgt ist. Es ist sodann der 

Vollständigkeit halber festzustellen, dass eine weitergehende Gesundheits-

gefährdung des Beschuldigten zu keinem Zeitpunkt geltend gemacht 

worden ist und auch nicht aktenkundig ist.  

 

Dass der Beschuldigte nach eigenen Angaben zu einem späteren Zeitpunkt 

der Abgabe der Proben zugestimmt hätte, vermag nichts an der Erfüllung 

des Tatbestandes zu ändern. Einerseits ist unklar und wird von ihm nicht 

weiter präzisiert, ab wann er der Abnahme zugestimmt hätte. Jedoch ist der 

Tatbestand bereits erfüllt, wenn die zuverlässige Ermittlung der Fahr-

 - 17 - 

 

 

unfähigkeit im massgebenden Zeitpunkt durch aktiven oder passiven 

Widerstand des Täters verunmöglicht wird. Es wäre eine zeitnahe 

Abnahme der Blut- und Urinprobe erforderlich gewesen. Der Beschuldigte 

verhinderte mit seinem Verhalten die beweissichere Ermittlung einer all-

fälligen Fahrunfähigkeit endgültig. Kpl. N._____ bestätigte mit seiner 

Unterschrift, dass der Beschuldigte über die angeordnete Blut- und Urin-

probe informiert worden sei, dass ihm die Folgen der Verweigerung eröffnet 

worden seien und dass sich der Beschuldigte dennoch geweigert habe, 

sich der Blut- und Urinprobe zu unterziehen (UA act. 475). Dass eine Blut- 

und Urinprobe zeitnah und nicht erst am nächsten Tag bzw. mehrere Tage 

nach der Fahrt abzunehmen ist, um ein aussagekräftiges Ergebnis zu 

erhalten, ist angesichts des fortlaufenden Abbaus von Substanzen offen-

sichtlich und musste auch dem Beschuldigten bekannt sein. Dass er sich 

dennoch geweigert hat, sich der angeordneten Blut- und Urinprobe zu 

unterziehen, lässt darauf schliessen, dass er zumindest in Kauf genommen 

hat, mit seinem Verhalten die Feststellung der Fahrfähigkeit bzw. Fahr-

unfähigkeit im Zeitpunkt der Fahrt zu verhindern. 

 

Damit hat er den Tatbestand gemäss Art. 91a Abs. 1 SVG in objektiver und 

subjektiver Hinsicht erfüllt. Eine Rechtfertigung hierfür bestand nicht. 

Schliesslich bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass er aufgrund seines 

Erregungszustandes bei der Anhaltung durch die Polizei nach der Flucht-

fahrt schuldunfähig gewesen wäre. Über sämtliche – im gesamten Urteil 

genannten – Delikte gesehen, ist nicht von einer fehlenden Schuldfähigkeit 

des Beschuldigten auszugehen. Zwar wurde im forensisch-psychiatrischen 

Gutachten von Dr. med. O._____ (UA act. 104 ff.) eine maximal leichtgradig 

verminderte Schuldfähigkeit des Beschuldigten festgestellt. Diese ist im 

Gegensatz zu einer fehlenden Schuldfähigkeit jedoch jeweils erst im 

Rahmen der Strafzumessung zu berücksichtigen (Art. 19 Abs. 2 StGB). 

 

Nach dem Gesagten erweist sich die Berufung des Beschuldigten in 

diesem Punkt als unbegründet. Er ist der Vereitelung von Massnahmen zur 

Feststellung der Fahrunfähigkeit gemäss Art. 91a Abs. 1 SVG schuldig zu 

sprechen. 

 

2.3. Übertretung des Nationalstrassenabgabegesetzes (Anklageziffer 

11) 

2.3.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten hinsichtlich des angeklagten 

Vorwurfs der Übertretung des Nationalstrassenabgabegesetzes gemäss 

Art. 14 Abs. 1 NSAG schuldig gesprochen. 

 

In tatsächlicher Hinsicht ist sie davon ausgegangen, dass der Beschuldigte 

vor Antritt der Fahrt in Würenlos pflichtwidrig unvorsichtig zu wenig genau 

kontrolliert habe, ob an dem von ihm nachfolgend geführten Motorfahrzeug 

 - 18 - 

 

 

eine Autobahnvignette angebracht war, was nicht der Fall gewesen sei. 

Dadurch habe er eine Autobahn ohne gültige Vignette befahren.  

 

2.3.2. 

Gemäss Art. 14 Abs. 1 NSAG macht sich strafbar, wer ohne Entrichtung 

der Abgabe vorsätzlich oder fahrlässig mit einem Fahrzeug, für das die 

Abgabe entrichtet werden muss, eine Nationalstrasse I oder II benützt.  

 

2.3.3. 

Unbestritten und erstellt ist, dass das vom Beschuldigten geführte 

Fahrzeug PW «Citroën», AG aaa, zum Zeitpunkt der Fahrt auf der Auto-

bahn, einer Nationalstrasse im Sinne des Gesetzes, über keine gültige 

Vignette verfügt hat und er dies vor Antritt der Fahrt auch nicht überprüft 

hatte.  

 

Strittig ist einzig die Frage, ob der Beschuldigte durch die fehlende Über-

prüfung des Vorhandenseins einer Vignette vor Antritt der Fahrt seine 

Sorgfaltspflicht missachtet und damit den Tatbestand zumindest fahrlässig 

erfüllt hat. Der Beschuldigte erachtet eine Verpflichtung der Überprüfung 

der Vignette unter den vorliegenden Umständen als lebensfremd. Da 

I._____ das Fahrzeug bis zur Autobahnraststätte Würenlos gelenkt habe, 

habe er (der Beschuldigte) davon ausgehen dürfen, dass das Fahrzeug 

über eine gültige Vignette verfüge (Berufungsbegründung S. 6, Plädoyer-

notizen Berufungsverhandlung S. 3). 

 

2.3.4. 

Wer das Fahrzeug einer anderen Person fährt, nimmt ein erhöhtes Risiko 

in Kauf, dass diese andere Person (Eigentümerin/Halterin) das Fahrzeug 

nicht den gesetzlichen Vorschriften entsprechend gewartet oder eben mit 

der erforderlichen Vignette versehen hat. Diesem erhöhten Risiko ent-

spricht eine erhöhte Sorgfaltspflicht bei der Prüfung des Fahrzeugs durch 

Betrachtung oder Erfragung. Ob eine solche Prüfung im Alltag üblich ist 

oder nicht, hat keinen Einfluss auf das Bestehen der entsprechenden 

Verpflichtung. Durch eine kurze visuelle Überprüfung hätte der 

Beschuldigte die fehlende Vignette an der Frontscheibe ohne Weiteres 

bemerken können und müssen. Daran ändert auch der Umstand nichts, 

dass I._____ selbst vorgängig ohne Vignette auf die Autobahn gefahren ist. 

Ab Antritt der Fahrt war der Beschuldigte für das Vorhandensein der 

Vignette verantwortlich. Indem er die Überprüfung unterlassen hat und die 

Autobahn ohne Vignette befahren hat, hat er den Tatbestand von Art. 14 

Abs. 1 NSAG zumindest fahrlässig erfüllt.  

 

2.3.5. 

Nach dem Gesagten erweist sich die Berufung des Beschuldigten in 

diesem Punkt als unbegründet. Er ist der Übertretung des National-

 - 19 - 

 

 

strassenabgabegesetzes gemäss Art. 14 Abs. 1 NSAG schuldig zu 

sprechen. 

 

3. Vorwürfe vom 26. Juli 2021 

3.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten hinsichtlich der Anklageziffern 1 und 

2 der Gefährdung des Lebens gemäss Art. 129 StGB und der versuchten 

Nötigung gemäss Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig 

gesprochen. 

 

In tatsächlicher Hinsicht ist sie davon ausgegangen, dass der Beschuldigte 

sich am 26. Juli 2021 um ca. 19.30 Uhr gemeinsam mit J._____ und 

K._____ an die Q-Strasse in R._____ begeben habe, wo er an der 

Wohnungstüre von D._____, geklingelt habe. Es habe der ebenfalls dort 

wohnhafte H._____ die Tür geöffnet. Daraufhin habe der Beschuldigte 

diesem eine Pistole präsentiert, die er im Hosenbund getragen habe und 

habe Einlass in die Wohnung verlangt. In der Wohnung habe der 

Beschuldigte in aggressiver Art und Weise mehrfach nach D._____ gefragt, 

der zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht zu Hause gewesen sei. Der 

Beschuldigte habe H._____ sodann mitgeteilt, dass D._____ umgehend Fr. 

2'000.00 zur Tilgung einer Schuld bezahlen müsse. Um seiner Forderung 

Nachdruck zu verleihen, habe der Beschuldigte die mitgeführte Pistole aus 

dem Hosenbund gezogen, habe eine Ladebewegung durchgeführt und mit 

der durchgeladenen Waffe aus einer Distanz von ca. einem Meter auf den 

Oberkörper / Kopfbereich von H._____ gezielt. Nach mehreren Sekunden 

habe er die Waffe gesenkt, habe erneut eine Ladebewegung durchgeführt, 

habe der Pistole eine Patrone entnommen und habe diese H._____ 

gezeigt. Danach habe er die Pistole erneut durchgeladen und habe damit 

abermals auf den Oberkörper von H._____ gezielt. Bei dieser Gelegenheit 

habe entweder der Beschuldigte oder einer seiner Begleiter H._____ 

erneut mitgeteilt, dass D._____ ihm Fr. 2'000.00 schulde und dass sie 

später nochmals kommen würden, um das Geld abzuholen, H._____ solle 

D._____ Bescheid geben. Alsdann hätten der Beschuldigte und seine 

Begleiter den Ort des Geschehens verlassen. H._____ habe D._____ 

umgehend über das Vorgefallene informiert, worauf sich letzterer zur 

Anzeigeerstattung auf den Posten der Kantonspolizei Aargau in X._____ 

begeben habe und der Forderung des Beschuldigten nicht nachgekommen 

sei. 

 

3.2. Gefährdung des Lebens gemäss Art. 129 StGB (Anklageziffer 2) 

3.2.1. 

Unbestritten und erstellt ist, dass sich der Beschuldigte zusammen mit 

J._____ und K._____ zur Wohnung von D._____ begeben hat, um von 

diesem Fr. 2'000.00 einzutreiben. Letzterer war zu diesem Zeitpunkt nicht 

zuhause, weshalb dessen Mitbewohner H._____ die Tür geöffnet hat und 

der Beschuldigte mit ihm gesprochen hat (Berufungsbegründung S. 6 ff). 

 - 20 - 

 

 

Umstritten ist dagegen, ob der Beschuldigte eine Waffe dabeigehabt hat, 

was von ihm mit Berufung bestritten wird, und falls ja, wie er diese in der 

Folge eingesetzt hat. Der Beschuldigte beruft sich insbesondere auf den 

Zeugen J._____, welcher angegeben hat, dass der Beschuldigte keine 

Waffe dabeigehabt habe. Zudem macht er geltend, dass die Aussagen von 

H._____ nicht glaubhaft seien, da sie einer Standartbeschreibung eines 

entsprechenden Vorfalls entsprechen würden. Zudem habe er unklar 

geschildert, wohin vom Beschuldigten mit der Pistole gezielt worden sei. 

H._____ müsse sich mit D._____ abgesprochen haben. Weiter bringt der 

Beschuldigte vor, dass die Anklage für einen Schuldspruch der Gefährdung 

des Lebens nicht ausreiche, da hierfür erforderlich sei, dass man einen 

Menschen auf skrupellose Weise in unmittelbare Lebensgefahr bringe. Es 

sei vorliegend nicht erstellt, dass die Waffe entsichert gewesen sei und dies 

fehle auch in der Anklage, womit keine unmittelbare Lebensgefahr 

vorgelegen habe (Berufungsbegründung S. 6 ff., Plädoyernotizen 

Berufungsverhandlung S. 5, Protokoll Berufungsverhandlung S. 31).  

 

3.2.2. 

Wer einen Menschen in skrupelloser Weise in unmittelbare Lebensgefahr 

bringt, wird nach Art. 129 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder 

Geldstrafe bestraft. 

 

In objektiver Hinsicht ist eine konkrete, unmittelbare Lebensgefahr erforder-

lich. Eine solche liegt vor, wenn sich aus dem Verhalten des Täters nach 

dem gewöhnlichen Lauf der Dinge direkt die Wahrscheinlichkeit oder nahe 

Möglichkeit der Todesfolge ergibt. Im Zusammenhang mit Schusswaffen 

bejaht die Rechtsprechung eine unmittelbare Lebensgefahr etwa bei der 

Bedrohung eines Menschen mit einer geladenen und entsicherten Pistole 

aus kürzester Distanz. Richtet der Täter eine schussbereite Waffe auf einen 

Menschen, kann sich auch ohne weitere zielgerichtete Handlungen 

desselben – etwa zufolge Aufregung, unvorhergesehener Reaktion des 

Opfers, Intervention Dritter oder Defekts der Waffe – jederzeit ungewollt ein 

Schuss lösen. Es hängt demnach nur vom Zufall ab, ob das Opfer durch 

einen Schuss getötet werden kann, sodass eine unmittelbare Lebens-

gefahr für den Bedrohten beim Einsatz von schussbereiten Waffen stets 

gegeben ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_637/2023 vom 18. Oktober 

2023 E. 1.1.2 mit Hinweisen). Wer eine geladene Pistole auf eine nahe-

stehende Person richtet, erfüllt das Merkmal der unmittelbaren Lebens-

gefahr, selbst wenn er dabei einen relativ grossen Widerstand – konkret 

5,5 kg – überwinden muss, um abzudrücken (BGE 121 IV 67, E. 2d).  

 

Des Weiteren ist in subjektiver Hinsicht direkter Vorsatz mit Bezug auf die 

unmittelbare Lebensgefahr verlangt; Eventualvorsatz genügt nicht. Bei 

sicherem Wissen um den Eintritt der tödlichen Verletzung liegt Tötungs-

vorsatz vor, sodass die Art. 111 ff. StGB greifen. Eine Verurteilung wegen 

Art. 129 StGB kommt nur in Betracht, wenn der Täter trotz der erkannten 

 - 21 - 

 

 

Lebensgefahr handelt, aber darauf vertraut, die Gefahr (der Todeseintritt) 

werde sich (im Gegensatz zu jener der Lebensgefahr) nicht realisieren. 

Weiter erfordert der Tatbestand skrupelloses Handeln. Skrupellos ist ein in 

schwerem Grad vorwerfbares, rücksichtsloses oder hemmungsloses 

Verhalten. Je grösser die vom Täter geschaffene Gefahr ist und je weniger 

seine Beweggründe zu billigen sind, desto eher ist die Skrupellosigkeit zu 

bejahen. Diese liegt stets vor, wenn die Lebensgefahr aus nichtigem Grund 

geschaffen wird oder deutlich unverhältnismässig erscheint, sodass sie von 

einer tiefen Geringschätzung des Lebens zeugt (Urteile des Bundes-

gerichts 7B_859/2024 vom 17. September 2024 E. 3.3.1 ff. und 

6B_637/2023 vom 18. Oktober 2023 E. 1.1.2 mit Hinweisen). 

 

3.2.3.  

Hauptbeweismittel für den angeklagten Sachverhalt sind vorliegend die 

Aussagen von H._____, der am 27. Juli 2021 (UA act. 691 ff./863 ff.), am 

10. August 2022 (UA act. 873 ff.) und anlässlich der Berufungsverhandlung 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 3 ff.) befragt worden ist. In sämtlichen 

Einvernahmen hat H._____ die Geschehnisse im Wesentlichen konstant 

geschildert. Seine Sachverhaltsbeschreibungen waren dabei schlüssig, 

nachvollziehbar und detailreich, sie enthielten insbesondere auch spezielle 

Schilderungen. Dies gilt in erster Linie für die Art und Weise, wie der 

Beschuldigte ihn mit der Waffe bedroht haben soll, also das Vorzeigen der 

Waffe im Hosenbund, das anschliessende Entnehmen und Durchladen der 

Waffe und das Zielen auf H._____, die darauffolgende Entnahme einer 

Patrone zur Demonstration und das abermalige Einsetzen der Patrone in 

die Waffe sowie das erneute Durchladen und Zielen auf H._____. 

Insbesondere der Teil mit der vorgezeigten Patrone wurde von H._____ in 

derart anschaulicher Weise geschildert, dass es unwahrscheinlich 

erscheint, dass dieser sich den Vorgang bloss ausgedacht haben könnte. 

So gab er namentlich auch an, es sei beim Zeigen der Patrone fast so 

gewesen, als hätte der Beschuldigte ihm diese geben wollen (UA act. 877). 

Die Erfindung eines solch ungewöhnlichen und gleichsam einprägsamen 

Details würde ein erhebliches Mass an kreativer Leistung abverlangen. Es 

trifft somit gerade nicht zu, dass, wie der Beschuldigte in seiner Berufungs-

begründung ausführen lässt (Berufungsbegründung S. 7), der von H._____ 

geschilderte Sachverhalt einer gewöhnlichen Geschichte entspreche, die 

jedermann erzählen würde, der mit einer Waffe bedroht worden sein wolle. 

Von einer entsprechenden Standardgeschichte weichen auch die 

Ausführungen von H._____ ab, wonach der Beschuldigte zunächst auf 

Deutsch auf ihn eingeredet habe und einer der zwei Begleiter ihm später 

auf Italienisch den Inhalt der Forderung erklärt habe. Weiter hat H._____ 

geschildert, dass der Beschuldigte beim Vorfall recht aufgeregt gewesen 

sei und dass er vermute, dieser habe Drogen genommen (UA act. 698). 

Sodann fällt auf, dass H._____ die Rolle der beiden Begleitpersonen 

J._____ und K._____ durchaus positiv dargestellt hat, indem diese gemäss 

seinen Aussagen versucht hätten, beruhigend auf den Beschuldigten 

 - 22 - 

 

 

einzuwirken. Es ist nicht ersichtlich, weshalb H._____ die Begleiter in ein 

gutes Licht hätte rücken sollen, wenn es seine Absicht gewesen wäre, die 

Tat möglichst eindringlich darzustellen. Weiter hat H._____ auch das 

Verhalten des Beschuldigten nicht übermässig belastend geschildert, so 

hat er namentlich nicht angegeben, dass der Beschuldigte den Finger am 

Abzug gehabt hätte oder die Waffe ungesichert gewesen sei (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 4 f., UA act. 878). Das Vorbringen von 

entlastenden, positiven Verhaltensmerkmalen der Tatbeteiligten bzw. 

Zuständen sind starke Indizien für die Glaubhaftigkeit einer Aussage.  

 

Entgegen der Argumentation des Beschuldigten bestehen in den Aussagen 

von H._____ auch keine gravierenden Widersprüche, welche seine 

Aussagen unglaubhaft erscheinen lassen würden. Die von der 

Verteidigung monierte Ungenauigkeit in der Angabe der Körpergegend, auf 

die vom Beschuldigten mit der Pistole gezielt worden sei (Berufungs-

begründung S. 7), stellt jedenfalls keinen Widerspruch dar. Zu berück-

sichtigen ist diesbezüglich zunächst, dass der Beschuldigte gemäss 

Anklage aus etwa einem Meter Entfernung auf H._____ gezielt habe, womit 

es letzterem nur möglich sein konnte, ein ungefähres Zielgebiet und nicht 

– wie etwa bei einer angesetzten Waffe – den genauen Zielort zu nennen. 

Sodann hat der Beschuldigte gemäss Anklage zweimal und jeweils über 

einen gewissen Zeitraum auf H._____ gezielt. Es ist davon auszugehen, 

dass der Zielort dabei nicht stets exakt gleich war. H._____ hat hierzu in 

seinen Einvernahmen ausgeführt, der Beschuldigte habe ihm auf die obere 

Brust gezielt (UA act. 867 ff.) bzw. die Waffe auf den Kopf gerichtet, ihm 

die Patrone gezeigt und sodann von der Brust aufwärts bzw. beide Male 

auf die obere Brusthälfte und die ganze Fläche des Gesichts gezielt (UA 

act. 875 ff.) bzw. auf die Gegend zwischen Brust und Kopf gezielt (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 3 ff.). Die Angabe, wonach der Beschuldigte auf 

die Gegend der oberen Brust/des Kopfes gezielt habe, erscheint vor 

diesem Hintergrund als ausreichend genau und widerspruchsfrei. 

 

Weiter hat H._____ die vom Beschuldigten mitgeführte Waffe sowie die 

Patrone, die er ihm vorgezeigt habe, in seinen Einvernahmen detailliert 

beschreiben können; dies bereits in der ersten, tatnahen Einvernahme vom 

27. Juli 2021. Er gab dazu an, es sei eine Pistole gewesen, diese sei recht 

klein gewesen, ca. 10-15 cm gross, sie habe alt gewirkt und sei silberfarben 

gewesen, der Griff der Waffe sei wahrscheinlich bräunlich gewesen. Der 

Schuss sei rund und nicht zugespitzt und goldig gewesen (UA act. 867). 

Auch in den weiteren Einvernahmen schilderte er dies konstant. Die Waffe 

sei klein gewesen, ca. eine Hand gross, sie sei aus Metall gewesen und 

habe alt gewirkt und sei gräulich gewesen. Der Schuss sei ca. 2-3 cm 

gross, goldig und alt gewesen und habe eine runde Form gehabt (UA act. 

878). Es handelt sich dabei um eine detaillierte Beschreibung. Besonders 

hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang, dass am 8. September 2021, 

also ca. eineinhalb Monate nach der Tat, beim Beschuldigten eine dieser 

 - 23 - 

 

 

Beschreibung exakt entsprechende Waffe gefundenen worden ist (UA act. 

579 ff.). Die sichergestellte Waffe ist ca. 15 cm lang, hat einen braunen Griff 

und ist ansonsten silberfarben bis gräulich. Die dazugehörigen Patronen 

sind goldfarben mit abgerundeter Spitze (vgl. Fotoaufnahmen in UA act. 

557 und 558). Hätte H._____ die Waffe erfunden, wie es der Beschuldigte 

geltend macht, wäre nicht zu erklären, dass die beschriebene Waffe 

derjenigen entspricht, die kurze Zeit nach der Tat beim Beschuldigten 

gefunden worden ist, zumal es sich um eine spezielle Waffe handelt. In 

dieser exakten Übereinstimmung liegt ein starkes Indiz dafür, dass der 

Beschuldigte die von H._____ beschriebene und später bei ihm gefundene 

Waffe, am 26. Juli 2021 dabeihatte und sie gemäss der Beschreibung von 

H._____ verwendet hat. Anlässlich der Berufungsverhandlung hat die 

Staatsanwaltschaft zwar ausgeführt, sie habe nicht behauptet, es habe sich 

bei der vom Beschuldigten mitgeführten Waffe um die Manurhin, Modell 

PPK, Kal. 7.65 mm Browning gehandelt. Es habe sich nur um eine 

Vermutung gehandelt, dass diese verwendet worden sei (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 30). Dem ist jedoch nicht zu folgen. Aufgrund der 

detaillierten Beschreibung durch H._____ bestehen keine relevanten 

Zweifel daran, dass es sich bei der am 26. Juli 2021 verwendeten Waffe 

um die Pistole Manurhin, Modell PPK, Kal. 7.65 mm Browning gehandelt 

hat. 

 

Schliesslich sind keine Gründe ersichtlich, weshalb H._____ den 

Beschuldigten zu Unrecht belasten sollte. Dies zeigt sich bereits daran, 

dass sich die beiden bis zum 26. Juli 2021 unbestrittenermassen nicht 

gekannt haben (UA act. 867 [H._____] und UA act. 683 [Beschuldigter]). 

Da H._____ den Strafantrag gegen den Beschuldigten zurückzogen hat 

und sein Desinteresse an der Strafverfolgung erklärt hat, sind auch keine 

Eigen- oder Drittinteressen erkennbar. Dafür, dass er in Absprache mit 

D._____ den Beschuldigten falsch belastet hat, wie der Beschuldigte es 

anlässlich der vorinstanzlichen Verhandlung und der Berufungs-

verhandlung ausgeführt hat, bestehen keinerlei Anhaltspunkte. Im 

Gegenteil steht diese Annahme im direkten Widerspruch zu seinem Rück-

zug des Strafantrags (UA act. 515) sowie seiner Desinteresseerklärung. 

Ihm war es offenkundig wichtig, die Angelegenheit für sich baldmöglichst 

abzuschliessen, was er auch anlässlich der Berufungsverhandlung 

geäussert hat (Protokoll Berufungsverhandlung S. 5 f.). Dass er für einen 

anderen seine Involvierung in ein umfangreiches Strafverfahren in Kauf 

genommen hätte, ist vor diesem Hintergrund nicht anzunehmen. Zudem 

hätte D._____ bei der Polizei selber eine Falschaussage machen können 

und den gewaltsamen Inkassoversuch schildern können, er hätte sich 

hierfür nicht einer Drittperson bedienen müssen.  

 

Insgesamt stellt das Obergericht nach dem Ausgeführten auf die 

glaubhaften Aussagen von H._____ ab. 

 

 - 24 - 

 

 

3.2.4.  

Weiter wurde auch D._____ am 27. Juli 2021, d.h. kurz nach dem Vorfall, 

einvernommen (UA act. 701 ff./884 ff.). Bei ihm handelt es sich um 

diejenige Person, der der Besuch des Beschuldigten an der Q-Strasse in 

R._____ grundsätzlich hätte gelten sollen. Er war zwar anlässlich des 

Besuchs nicht anwesend, jedoch hat sein damaliger Mitbewohner H._____ 

ihn unmittelbar nach dem Vorfall angerufen und über das Vorgefallene 

informiert und beide sind dann gemeinsam zur Polizei gegangen. Hierzu 

führte D._____ aus, H._____ habe es ihm so geschildert, dass er mit einer 

Waffe bedroht worden sei, die Person habe eine Ladebewegung gemacht, 

auf ihn gezielt und ihm anschliessend die Patronen gezeigt (UA act. 705 

ff.). Diese tatnahe Beschreibung des Vorfalls mit einer Waffe durch 

H._____ auch gegenüber D._____ spricht für die Glaubhaftigkeit der 

Aussage von H._____. Dies umso mehr der Vorfall nicht aus dem nichts 

geschildert worden ist, sondern auf einem tatsächlichen Besuch des 

Beschuldigten mit zwei Begleitern beruht hat. Wäre bei diesem Besuch 

keine Drohung ausgesprochen bzw. keine Waffe eingesetzt worden, hätte 

H._____ D._____ mutmasslich auch nicht sofort angerufen und davon 

Bericht erstattet. Nachvollziehbar und lebensecht ist auch die Schilderung 

von D._____, dass er sich gegenüber H._____ sehr schlecht fühle und 

wütend sei, dass dieser den ihm geltenden Vorfall habe erleben müssen 

(UA act. 709).  

 

Es ist darauf hinzuweisen, dass sich D._____ am 15. September 2021 nach 

unbekannt abgemeldet hat (UA act. 895) und sich seither mutmasslich in 

seinem Heimatland Spanien befindet. Die Vorladung zur Berufungs-

verhandlung konnte ihm nicht gültig zugestellt werden und er ist nicht zur 

Berufungsverhandlung, an der er als Zeuge hätte einvernommen werden 

sollen, erschienen. Hinsichtlich der Gefährdung des Lebens kann jedoch 

auch ohne seine Aussage ein zweifelsfreies Beweisergebnis ermittelt 

werden und seine Erstaussagen bestätigen zumindest die Schilderungen 

von H._____. 

 

3.2.5. 

Weiter wurde der Zeuge E._____ anlässlich der Berufungsverhandlung ein-

vernommen. Er sei während des Vorfalls mit D._____ unterwegs und dabei 

gewesen, als H._____ D._____ angerufen habe. Man sei dann zu H._____ 

gegangen und dieser habe vom Vorfall mit zwei Begleitern und der Waffe 

erzählt. Er (E._____) habe dann mit H._____ und D._____ die Polizei infor-

miert, da die anderen beiden nicht gut Deutsch gesprochen hätten 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 9 f.). Auch diese Aussage bestätigt 

eine tatnahe Schilderung des Vorfalls mit einer Waffe durch H._____ und 

spricht damit für die Glaubhaftigkeit von dessen Aussagen. 

 

 - 25 - 

 

 

3.2.6.  

Die Aussagen des Beschuldigten vermögen an den Aussagen von H._____ 

dagegen keine ernsthaften Zweifel zu erwecken. 

 

Der Beschuldigte hat insbesondere bestritten, eine Waffe dabeigehabt zu 

haben, als er und seine Begleiter zu H._____ gegangen seien. In seinen 

Aussagen bestehen jedoch Widersprüche. Er hatte bereits anlässlich der 

ersten Einvernahme vom 3. August 2021 zu Protokoll gegeben, sie hätten 

nur D._____ gesucht, da er selbst diesem rund ein bis zwei Monate zuvor 

Fr. 2'000.00 geliehen habe und er nach diesem Geld habe fragen wollen. 

Als D._____ nicht zuhause gewesen sei, habe er nichts gemacht, ausser 

zu H._____ zu sagen, er solle D._____ anrufen (UA act. 682 f.). Zudem 

hatte er angegeben, keine Waffe zu besitzen (UA act. 684). Anlässlich der 

zweiten Einvernahme vom 11. August 2022 – sprich nach dem Fund seiner 

Waffe vom 8. September 2021 durch die Kantonspolizei Aargau – hat er 

die Aussage zur Waffe verweigert und ist pauschal bei seiner Version der 

Geschehnisse geblieben (UA act. 841 f.). Anlässlich der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung hat er angegeben, keine Waffe dabei gehabt zu haben 

und damals überhaupt keine Waffe besessen zu haben (GA act. 1007). 

Angesprochen auf den Fund einer Waffe bei ihm am 8. September 2021 

gab er lediglich an, am 26. Juli 2021 keine Waffe dabeigehabt zu haben, 

konnte jedoch keine Erklärung liefern, wann und woher er die Waffe 

erworben hat (GA act. 1007). Erst anlässlich der Berufungsverhandlung hat 

er sodann ausgeführt, er habe lediglich die Waffe bzw. die Walther 

Manurhin PPK besessen, welche D._____ ihm gegeben habe, bevor dieser 

das Land verlassen habe. D._____ habe ihm, als er nach dem Vorfall vom 

27. Juli 2021 nochmal mit ihm Kontakt gehabt habe, für die Schulden von 

Fr. 2'000.00 Haschisch oder eine Pistole angeboten, da er kein Geld gehabt 

habe. Der Beschuldigte habe dann die Pistole genommen und habe diese 

verkaufen wollen (Protokoll Berufungsverhandlung S. 19). Diese neue 

Schilderung des Beschuldigten ist als reine Schutzbehauptung zu 

betrachten. Würde diese ihn entlastende Version der Wahrheit ent-

sprechen, ergäbe es keinen Sinn, dass er sie erstmals anlässlich der 

Berufungsverhandlung vorgebracht hat, während er in den Einvernahmen 

vom 11. August 2022 und an der vorinstanzlichen Hauptverhandlung noch 

nichts davon erwähnt hat. Überdies wurde der Beschuldigte bereits am 3. 

August 2021 zum Sachverhalt einvernommen, wobei ihm vorgehalten 

worden ist, H._____ mit einer Waffe bedroht zu haben. Es wäre unter 

diesen Umständen nicht nachvollziehbar, dass er dennoch eine Waffe von 

D._____ annehmen würde, was die Vorwürfe noch bekräftigen würde. 

Insgesamt erscheint es höchst unwahrscheinlich, dass er sich die Waffe 

ausgerechnet in der Zeitspanne nach dem Vorfall vom 26. Juli 2021 bis zu 

seiner erneuten Anhaltung vom 8. September 2021 besorgt haben könnte. 

 

 - 26 - 

 

 

3.2.7.  

Weiter wurde J._____, eine der zwei Begleitpersonen des Beschuldigten, 

am 21. August 2021 einvernommen (UA act. 897 ff.). Seine Aussagen 

vermögen die Ausführungen des Beschuldigten nicht zu stützen und sind 

als nicht glaubhaft zu bewerten. J._____ hätte anlässlich der Berufungs-

verhandlung erneut als Zeuge einvernommen werden sollen, ist jedoch zur 

entsprechenden Einvernahme unentschuldigt nicht erschienen (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 2).  

 

J._____ hat in seiner Einvernahme bestätigt, gemeinsam mit dem 

Beschuldigten und K._____ bei der Wohnung von D._____ vorbei-

gegangen zu sein. Die Initiative hierfür sei vom Beschuldigten aus-

gegangen, über den Grund sei er jedoch nicht informiert worden. Der 

Beschuldigte habe ihm nur gesagt, dass er dort noch etwas klären müsse. 

Er wisse nicht, ob es um eine Geldschuld gegangen sei. Während des 

Gesprächs zwischen dem Beschuldigten und H._____ seien er und 

K._____ einfach nur danebengestanden (UA act. 899 f.). Diese Aussagen 

sind bereits für sich genommen nicht nachvollziehbar. Es leuchtet nicht ein, 

weshalb J._____ den Beschuldigten zur Wohnung von D._____ begleitet 

haben sollte, ohne sich über den Grund zu erkundigen. Sodann will er nicht 

einmal während des Gesprächs zwischen H._____ und dem Beschuldigten 

mitbekommen haben, dass es um die Eintreibung offener Geldschulden 

gegangen sei. Dies passt auch nicht zu seiner eigenen Aussage, er habe 

versucht, mit H._____ auf italienisch zu sprechen, als sich dieser und der 

Beschuldigte nicht verstanden hätten. Es ist unklar, was er anstelle der 

thematisierten Geldschuld gegenüber H._____ hätte ansprechen sollen. 

H._____ hatte ebenfalls angegeben, dass einer der Begleiter versucht 

habe ihm auf italienisch zu sagen, dass es um Schulden von D._____ gehe 

(UA act. 697). Ebenfalls steht die Angabe, er habe nicht gewusst, um was 

es gehe, im Widerspruch zu der Aussage des Beschuldigten selbst, der 

ausgeführt hat, dass er seine beiden Begleiter über den Grund des 

Besuches informiert hatte und diese mitgekommen seien, damit nichts 

passiere (UA act. 682). Die Aussagen von J._____ sind damit als wider-

sprüchlich und ausweichend zu bezeichnen. 

 

Auf Vorhalt der Aussagen von H._____ hat J._____ verneint, dass der 

Beschuldigte eine Waffe mit sich geführt oder H._____ damit bedroht habe 

(UA act. 899 ff.). Es ist hierbei darauf hinzuweisen, dass es sich bei J._____ 

um einen Kollegen des Beschuldigten handelt. Es kann somit grundsätzlich 

nicht ausgeschlossen werden, dass er gezielt einen unvollständigen bzw. 

unwahren Sachverhalt zu Protokoll gegeben hat, um den Beschuldigten 

nicht zu belasten. In Anbetracht der detaillierten Beschreibung der Waffe 

von H._____ und die eineinhalb Monate später beim Beschuldigten 

aufgefundene Waffe mit den entsprechenden Merkmalen kann auf die 

detailarme Aussage von J._____ nicht abgestellt werden. Es handelt sich 

um offensichtliche Schutzbehauptungen zugunsten des Beschuldigten. 

 - 27 - 

 

 

Eine weitere Vorladung zur Zeugeneinvernahme kann unterbleiben, da 

hierbei keine wahrheitsgetreuen Aussagen zu erwarten sind. 

 

3.2.8. 

Neben J._____ war K._____ beim Vorfall vom 26. Juli 2021 als 

Begleitperson des Beschuldigten anwesend. Er wurde mehrfach zur 

polizeilichen Einvernahme vorgeladen, ist jedoch mehrfach unentschuldigt 

ferngeblieben. Zwischenzeitlich konnte er einmal telefonisch erreicht 

werden und hat angegeben, dass er den Termin vergessen habe. Da er 

jedoch auch auf die erneute Vorladung nicht erschienen ist (UA act. 507), 

ist davon auszugehen, dass er schlicht keine Aussagen hat machen wollen. 

Auch anlässlich der Berufungsverhandlung wurde K._____ zur Zeugen-

einvernahme vorgeladen, ist jedoch unentschuldigt nicht erschienen. Es ist 

auch hier von einem mangelnden Willen zur Aussage auszugehen. Da es 

sich bei K._____ ebenfalls um einen Kollegen des Beschuldigten handelt, 

liegt die Vermutung nahe, dass er den Beschuldigten nicht hat belasten 

wollen. Somit kann eine erneute Vorladung zur Zeugeneinvernahme unter-

bleiben. 

 

3.2.9. 

Nach einer Würdigung sämtlicher Beweismittel bestehen für das 

Obergericht keine relevanten Zweifel daran, dass sich der Sachverhalt in 

Bezug auf die Verwendung der Waffe wie von H._____ geschildert 

zugetragen hat und der Beschuldigte die von diesem beschriebene und 

später bei ihm gefundene Waffe, nämlich eine Manurhin, Modell PPK, Kal. 

7.65 mm Browning, bei der Tat verwendet hat.  

 

Es stellt sich deshalb die Frage, ob der Beschuldigte durch sein Verhalten 

H._____ in eine unmittelbare Lebensgefahr i.S.v. Art. 129 StGB gebracht 

hat. Zur Klärung dieser Fragestellung ist eine Feststellung der Funktions-

weise der konkret verwendeten Waffe erforderlich. Die nachfolgende 

Beschreibung beruht auf einer durch das Obergericht vorgenommenen 

Überprüfung der Tatwaffe.  

 

Die Manurhin, Modell PPK, Kal. 7.65 mm Browning (vgl. Fotoaufnahme UA 

act. 557), verfügt über eine manuelle Sicherung, welche sich am hinteren 

Schlitten der Waffe über dem Griff auf der linken Seite (von hinten 

betrachtet) befindet. Der ca. 2 cm lange Sicherungshebel zeigt im 

gesicherten Zustand vertikal zum Griff hinunter und im entsicherten 

Zustand horizontal zum Lauf der Waffe, wobei im ungesicherten Zustand 

dort, wo der Hebel durch die Entsicherung weggeschoben wird, ein gut 

sichtbarer roter Punkt von ca. 3 mm Durchmesser angebracht ist, was wohl 

der optischen Warnung vor der entsicherten Waffe dient. Der Sicherungs-

hebel hebt sich ca. 1 mm vom Schlitten ab und liegt im gesicherten Zustand 

an seinem äusseren Ende in einer Einkerbung des Griffs, sodass Griff und 

Sicherungshebel von der Seite betrachtet in einer Linie liegen, d.h. der 

 - 28 - 

 

 

Sicherungshebel nicht weiter aussen liegt als der Griff, wodurch die Gefahr 

einer versehentlichen Verschiebung reduziert wird. Der Sicherungshebel 

liegt stabil in seiner Position, d.h. er wackelt nicht. Zwischen den beiden 

Positionen gesichert und ungesichert kann der Hebel mit etwas Widerstand 

bewegt werden, um ihn vom gesicherten oder ungesicherten Zustand 

wegzubewegen, muss ein nicht unerheblicher Widerstand überwunden 

werden, damit der Hebel in Bewegung gelangt, d.h. es besteht in den 

Positionen gesichert und ungesichert ein geringfügiges zusätzliches 

Einrasten des Hebels. Die Bewegung des Hebels von vollständig gesichert 

zu vollständig ungesichert und in umgekehrte Richtung erfordert ein 

bewusstes, zielgerichtetes Handeln, indem einerseits der Finger direkt 

neben den 1 mm abstehenden Hebel gelegt und dieser bedient und 

andererseits ein höherer Widerstand der zusätzlichen Einrastung über-

wunden werden muss, ein Darüberstreichen mit einzelnen Fingern oder der 

ganzen Hand reicht auch mit hohem Druck nicht aus, um den Hebel zu 

bewegen. Die Waffe kann sowohl in ungesichertem als auch in gesichertem 

Zustand durchgeladen werden, indem der Schlitten mit einigem Druck nach 

hinten gezogen wird. Die Ladebewegung führt dazu, dass eine Patrone in 

den Lauf verschoben und die Waffe (bzw. der Hahn) gespannt wird. In 

ungesichertem Zustand bewirkt dies, dass nur noch wenig Druck auf den 

Abzug erforderlich ist, damit sich ein Schuss löst (single action). In 

gesichertem Zustand dagegen kann sich kein Schuss lösen. Wird die 

geladene Waffe in der Folge entsichert, wird sie dabei automatisch 

entspannt, d.h. das Durchdrücken des Abzugs erfordert nach der Ent-

sicherung immer die Überwindung eines starken Widerstandes (double 

action). Das Einfügen der Munition erfolgt durch das Einsetzen des 

Munitionslagers in den Griff. Durch das Drücken eines Knopfs zwischen 

Griff und Abzug wird das Munitionslager wieder aus dem Griff entfernt. 

Beide Vorgänge sind sowohl bei gesicherter als auch bei ungesicherter 

Waffe möglich.  

 

3.2.10. 

In Bezug auf den Tatablauf und die Tatumstände der Bedrohungssituation 

ist gestützt auf die Aussagen von H._____ erstellt, dass der Beschuldigte 

die beschriebene Waffe zunächst im Gürtel unter dem Oberteil verborgen 

getragen hat. Er hat das Oberteil hochgehoben und hat H._____ die Waffe 

gezeigt, wobei er recht aufgewühlt gewesen ist. Sodann hat er, nachdem 

er seine Forderung vorgetragen hatte, die Waffe hervorgeholt, hat sie 

durchgeladen und hat auf H._____ Brustbereich/Kopfbereich gezielt. Seine 

beiden Begleiter haben dabei versucht ihn zu beruhigen. Danach ist einer 

der Begleiter zu H._____ gegangen und hat ihm gesagt, der Beschuldigte 

wolle nur mit D._____ sprechen und seine Fr. 2'000.00 haben. H._____ 

solle ihn anrufen und ihm dies mitteilen. Der Beschuldigte hat erneut eine 

Ladebewegung durchgeführt und hat dem Lauf eine Patrone entnommen 

(aus dem Lauf oder dem Magazin), um H._____ zu zeigen, dass die Waffe 

geladen ist. Dann hat er die Patrone in die Kammer des Laufs zurückgetan 

 - 29 - 

 

 

und hat die Waffe erneut geladen und gegen H._____ gerichtet. Einer der 

Begleiter habe in der Folge zu H._____ gesagt, sie würden jetzt gehen und 

später nochmals kommen. Er solle D._____ erzählen, dass sie hier 

gewesen seien und was sie gewollt hätten (UA act. 866 ff.). Unbekannt ist, 

ob der Beschuldigte einen Finger am Abzug der Waffe gehabt hat oder 

nicht. Es ist daher zu seinen Gunsten davon auszugehen, dass er den 

Finger nicht am Abzug der Waffe gehabt hat. Unbekannt ist auch, ob der 

Beschuldigte die Waffe in gesichertem oder ungesichertem Zustand 

mitgebracht und gegen H._____ gerichtet hat. Der Umstand, dass er die 

Waffe im Gürtel seiner Hose mit sich getragen hat, lässt vermuten, dass er 

die Waffe in gesichertem Zustand mit sich getragen hat, hätte er sich doch 

andernfalls selber erheblich gefährdet. H._____ hat sodann nicht aus-

gesagt, dass der Beschuldigte den Sicherungshebel betätigt habe. Für 

gegenteiligen Annahmen bestehen keine Anhaltspunkte. Es ist somit von 

dem für den Beschuldigten günstigeren Sachverhalt auszugehen, wonach 

er die Waffe in gesichertem Zustand zur Wohnung gebracht und sie ihm 

Rahmen des nachfolgenden Geschehens auch nicht entsichert hat. Nach-

dem über die Waffenkenntnisse des Beschuldigten nichts bekannt ist, ist 

zu seinen Gunsten auch davon auszugehen, dass er sich der Sicherung 

der Waffe bewusst gewesen ist. Er hatte zwar angegeben, im Umgang mit 

Waffen ungeübt zu sein (UA act. 686), dies allerdings noch bevor seine 

Waffen bei ihm gefunden und beschlagnahmt worden sind. Der Umstand, 

dass er über zwei Pistolen verfügt hat, legt zumindest den Schluss nahe, 

dass er über die grundlegenden Kenntnisse zu deren Handhabung verfügt 

hat, was insbesondere die Sicherungsfunktion der Waffe einschliesst.  

 

Somit hat der Beschuldigte eine mit zumindest einer Patrone geladene, 

aber gesicherte Waffe im Gürtel seiner Hose zur Wohnung von H._____ 

getragen. Als er die Pistole hervorgenommen und durchgeladen hat, hat er 

die Patrone in den Lauf der Waffe verschoben, wobei diese nach wie vor 

gesichert gewesen ist. Als er der Waffe eine Patrone entnommen und diese 

wieder in den Lauf getan hat und die Waffe sodann erneut durchgeladen 

hat, ist die Waffe weiterhin stets gesichert gewesen, weshalb sich kein 

Schuss hat lösen können. Entgegen der vorinstanzlichen Feststellung hat 

der Beschuldigte somit zwar mit einer durchgeladenen, aber nicht schuss-

bereiten Waffe auf H._____ gezielt. Damit sich ein Schuss hätte lösen 

können, hätte der Beschuldigte zunächst den Sicherungshebel von der 

Position «gesichert» zu «ungesichert» verschieben müssen. Zudem wäre 

die Waffe nach dem Gesagten durch die Entsicherung entspannt worden, 

weshalb in der Folge zusätzlich die Überwindung eines hohen Widerstands 

für das Durchdrücken des Abzugs erforderlich gewesen wäre.  

 

Zusätzliche Umstände, welche gemäss bundesgerichtlicher Recht-

sprechung allenfalls trotz Sicherung der Waffe zur Bejahung der unmittel-

baren Lebensgefahr führen könnten, sind vorliegend nicht ersichtlich. Zu 

berücksichtigen ist dabei, dass eine versehentliche Verschiebung des 

 - 30 - 

 

 

Sicherungshebels von «gesichert» zu «ungesichert» nach dem zuvor zur 

konkreten Waffe Ausgeführten kaum denkbar ist, da ein Darüberstreichen 

auch mit hohem Druck für eine Verschiebung nicht ausreicht. Auch im 

Rahmen des Durchladens sowie des Entnehmens und Einfügens einer 

Patrone im gesicherten Zustand ist eine versehentliche Lösung der 

Sicherung absolut unwahrscheinlich. Dass darüber hinaus nach der kaum 

denkbaren versehentlichen Entsicherung der Waffe auch noch ein hoher 

Widerstand hätte überwunden werden müssen, um den Abzug abzu-

drücken (double action modus) und der Beschuldigte den Finger gar nicht 

am Abzug hatte, lässt die Gefahr einer versehentlichen Schussabgabe als 

noch geringer erscheinen. Daran vermögen auch die Umstände nichts zu 

ändern, dass der Beschuldigte aufgeregt gewesen und von seinen 

Begleitern zurückgezogen worden ist. Ebenfalls nichts zu ändern vermag 

die Tatsache, dass es sich um eine relativ alte Pistole gehandelt hat. Das 

Obergericht hat keine altersbedingten Defekte feststellen können, aufgrund 

derer sich die Sicherung hätte lösen können. Somit war die Waffe nicht 

schussbereit, womit eine versehentliche Schussabgabe höchst unwahr-

scheinlich gewesen ist. Es bestand damit entgegen der Vorinstanz, die sich 

mit der konkreten Funktionsweise der vorliegend verwendeten Waffe nicht 

auseinandergesetzt hat, keine unmittelbare Lebensgefahr im Sinne des 

objektiven Tatbestandes gemäss Art. 129 StGB. Es hätte weitaus mehr als 

einer kleinen, unkontrollierten, Bewegung gegen den Abzug der Waffe 

gebraucht, damit sich ein Schuss in Richtung von H._____ gelöst hätte. 

 

Nach dem Gesagten erweist sich die Berufung des Beschuldigten in 

diesem Punkt als begründet. Er ist vom Vorwurf der Gefährdung des 

Lebens gemäss Art. 129 StGB freizusprechen. 

 

3.3. Versuchte qualifizierte Erpressung, eventualiter versuchte 

Nötigung (Anklageziffer 1) 

3.3.1. 

Als Vorbemerkung zum Vorwurf der versuchten räuberischen Erpressung 

eventualiter der versuchten Nötigung ist zunächst festzuhalten, dass die 

Anklage zwar grundsätzlich auch den erforderlichen Sachverhalt zur 

Beurteilung einer (von Amtes wegen zu verfolgenden) räuberischen 

Erpressung oder Nötigung zulasten von H._____ enthielte, der mit 

vorgehaltener Waffe dazu angehalten worden ist, dem Beschuldigten und 

seinen Begleitern Einlass in die Wohnung zu gewähren, ihm dort Folge zu 

leisten und schliesslich D._____ eine Nachricht betreffend eine Geld-

forderung zukommen zu lassen. Indes wird in der Anklage als von der 

räuberischen Erpressung bzw. Nötigung betroffene Person einzig D._____ 

genannt. Auch die Vorinstanz prüfte den Tatbestand einzig in Bezug auf 

die Handlung zulasten von D._____. Von einer abweichenden rechtlichen 

Würdigung des Anklagesachverhalts gemäss Art. 333 StPO ist abzusehen, 

da die Verteidigungsrechte des Beschuldigten infolge des Instanzen-

verlusts verletzt würden und sich eine allfällige Rückweisung an die 

 - 31 - 

 

 

Vorinstanz in Anbetracht der eher geringen selbstständigen Bedeutung der 

räuberischen Erpressung bzw. Nötigung zu Lasten von H._____ im 

Vergleich zur derjenigen zu Lasten von D._____ sowie in Anbetracht der 

Desinteresseerklärung von H._____ an jeglicher Strafverfolgung (UA act. 

515, vgl. auch Protokoll Berufungsverhandlung S. 5) und des 

Beschleunigungsgebots nicht rechtfertigen würde. 

 

3.3.2. 

3.3.2.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten der versuchten Nötigung gemäss 

Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen. 

 

3.3.2.2. 

Die Staatsanwaltschaft beantragt mit Anschlussberufung eine ab-

weichende rechtliche Würdigung des Sachverhalts als versuchte 

räuberische Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 und 3 StGB i.V.m. Art. 

22 Abs. 1 StGB und macht diesbezüglich in sachverhaltsmässiger Hinsicht 

geltend, dass die Vorinstanz zu Unrecht «in dubio pro reo» davon aus-

gegangen sei, dass es sich um eine legale Forderung des Beschuldigten 

gegenüber D._____ von Fr. 2'000.00 gehandelt habe. Es sei unklar, woher 

der Beschuldigte das Geld gehabt haben solle, da er am Limit lebe. Zudem 

habe er keinen Grund für das Darlehen an D._____ nennen können, was 

unlogisch erscheine. Da die versuchte qualifizierte Erpressung im Sinne 

von Art. 156 Ziff. 1 und 3 StGB i.V.m. Art. 22 StGB die vollendete 

Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB konsumiere, sei der 

Beschuldigte einzig wegen versuchter qualifizierter Erpressung schuldig zu 

sprechen (Anschlussberufungsbegründung S. 1 ff., Protokoll Berufungs-

verhandlung S. 30). 

 

3.3.2.3. 

Der Beschuldigte hat mit Berufung gestützt auf den angefochtenen 

Sachverhalt, insbesondere die Behauptung, dass er keine Waffe mitgeführt 

habe und tatenlos von dannen gezogen sei, als er gemerkt habe, dass der 

Schuldner D._____ nicht zuhause sei, einen Freispruch beantragt. Weiter 

hat er ausgeführt, es habe sich bei den Fr. 2'000.00 um die Forderung aus 

einem Darlehen an D._____ gehandelt, womit die Forderung legal 

gewesen sei, etwas anderes sei nicht erstellt. Eine Verurteilung wegen 

räuberischer Erpressung falle deshalb ausser Betracht. Dass der 

Beschuldigte später mittels einer Schusswaffe bei D._____ direkt seine 

angebliche Drohung wahr machen würde, sei aus dem Untersuchungs- und 

Ermittlungsverfahren durch nichts belegt. Da sich die Drohung nur gegen 

H._____ gerichtet habe, könne sie nicht als Nötigungsversuch gegenüber 

D._____ gewertet werden. Eine Verurteilung wegen versuchter Nötigung 

sei daher nicht möglich (Berufungserklärung S. 9, Anschluss-

berufungsantwort 2 f.). 

 

 - 32 - 

 

 

3.3.3. 

3.3.3.1. 

Gemäss Art. 156 Ziff. 1 StGB wird für Erpressung mit Freiheitsstrafe bis zu 

fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer in der Absicht, sich oder einen 

andern unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch Gewalt oder 

Androhung ernstlicher Nachteile zu einem Verhalten bestimmt, wodurch 

dieser sich selber oder einen andern am Vermögen schädigt. Wendet der 

Täter gegen eine Person Gewalt an oder bedroht er sie mit einer gegen-

wärtigen Gefahr für Leib und Leben, so richtet sich die Strafe nach der 

Bestimmung über den Raub (sog. räuberische Erpressung, 

Art. 156 Ziff. 3 StGB i.V.m. Art. 140 StGB). 

 

Der Nötigung nach Art. 181 StGB macht sich schuldig, wer jemanden durch 

Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere 

Beschränkung seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen 

oder zu dulden. Die Nötigung wird mit Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren 

oder Geldstrafe bestraft.  

 

Den Tatbeständen der (versuchten) räuberischen Erpressung gemäss 

Art. 156 Ziff. 1 und 3 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB sowie der 

(versuchten) Nötigung gemäss Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB ist 

somit gemein, dass der Täter das Opfer durch Gewalt oder Drohung zu 

einem bestimmten Verhalten zwingen will (z.B. zur Zahlung einer Geld-

summe). Im Sinne einer lex specialis ist die Erpressung auf den Fall abge-

stimmt, dass der Täter die Absicht verfolgt, sich in unrechtmässiger Weise 

zu bereichern. Für die Abgrenzung zwischen dem Tatbestand der 

Erpressung und der Nötigung ist deshalb massgebend, ob die vom Täter 

eingetriebene Forderung unrechtmässig oder rechtmässig ist, d.h. ob der 

Täter theoretisch auch über einen zivilrechtlichen Erfüllungsanspruch 

verfügt hätte (vgl. TRECHSEL/CRAMERI, in: Praxiskommentar zum 

Schweizerischen Strafgesetzbuch, 4. Auflage 2021, N. 10 zu Art. 156 

StGB). 

 

Wie nachfolgend gezeigt wird, ist vorliegend nicht nachgewiesen, dass es 

sich bei der Forderung des Beschuldigten von Fr. 2'000.00 um eine illegale 

Forderung gehandelt hat. Es ist deshalb «in dubio pro reo» davon 

auszugehen, dass diese legal war, womit vorliegend lediglich der 

Nötigungstatbestand in Betracht kommt und der Tatbestand der 

räuberischen Erpressung ausser Betracht fällt und sich weitere rechtliche 

Ausführungen dazu erübrigen. 

 

3.3.3.2. 

Bei der Androhung ernstlicher Nachteile gemäss Art. 181 StGB stellt der 

Täter dem Opfer ein Übel in Aussicht, dessen Eintritt er als von seinem 

Willen abhängig erscheinen lässt. Ernstlich sind Nachteile, wenn ihre 

Androhung nach einem objektiven Massstab geeignet ist, auch eine 

 - 33 - 

 

 

besonnene Person in der Lage des Betroffenen gefügig zu machen und so 

seine Freiheit der Willensbildung oder -betätigung zu beschränken (BGE 

122 IV 322 E. 1a). Eine Nötigung ist unrechtmässig, wenn das Mittel oder 

der Zweck unerlaubt ist oder wenn das Mittel zum angestrebten Zweck 

nicht im richtigen Verhältnis steht oder wenn die Verknüpfung zwischen 

einem an sich zulässigen Mittel und einem erlaubten Zweck rechtsmiss-

bräuchlich oder sittenwidrig ist (BGE 141 IV 437 E. 3.2.1). Die Drohung 

muss eine gewisse Intensität aufweisen, die sich nach objektiven Kriterien 

und den Umständen des Einzelfalls bestimmt. Misslingt die Bestimmung 

von Willensbildung oder -betätigung, bleibt es beim Versuch (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_415/2021 vom 11. Oktober 2021 E. 5.3.1 mit 

Hinweisen). In subjektiver Hinsicht verlangt Art. 181 StGB, dass der Täter 

mit Vorsatz handelt, das heisst, dass er, im Bewusstsein um die Unrecht-

mässigkeit seines eigenen Verhaltens, sein Opfer zu einem bestimmten 

Verhalten zwingen will; Eventualvorsatz genügt (Urteil des Bundesgerichts 

6B_979/2018 vom 21. März 2019 E. 1.2.4, BGE 120 IV 17 E. 2c). Ein Wille, 

die der Nötigung zugrundeliegende Drohung in die Tat umzusetzen, ist 

nicht erforderlich (vgl. BGE 137 IV 258 E. 2.6; Urteil des Bundesgerichts 

6B_196/2018 vom 19. September 2018 E. 1.1.2). 

 

Anerkanntermassen kann die Nötigung dadurch erfolgen, dass dem Opfer 

Gewalt oder Nachteile für eine nahestehende Drittperson angedroht 

werden, welche die Willensfreiheit des Opfers gleichermassen beein-

trächtigen, wie wenn ihm eigene Nachteile angedroht worden wären (vgl. 

DELNON/RÜDY, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Aufl. 2019, N. 33 zu 

Art. 181 StGB). In der Lehre wird sodann darauf hingewiesen, dass Gewalt-

verübung gegen Drittpersonen oder Sachen als Androhung ernstlicher 

Nachteile aufgefasst werden könne, wenn sie zum Ausdruck bringe, dass 

der Täter auch zu Gewalt gegen das Opfer selbst bereit wäre (vgl. 

(HEIZMANN /LÜÖND, in: Annotierter Kommentar StGB, Bern 2020, N. 7 zu 

Art. 181 StGB mit Hinweisen). Nichts anderes kann für die Androhung 

ernstlicher Nachteile gelten. Bringt der Täter durch das Androhen 

ernstlicher Nachteile gegen eine unbeteiligte Person gegenüber dem 

eigentlichen Opfer zum Ausdruck, dass er auch ihm gegenüber die 

gleichen Nachteile androhe, so vermag er dadurch den Tatbestand der 

Nötigung zum Nachteil des eigentlichen Opfers zu erfüllen.  

 

3.3.4. 

Wie bereits vorweggenommen worden ist, ist in «dubio pro reo» davon 

auszugehen, dass es sich bei den vom Beschuldigten geforderten 

Fr. 2'000.00 um eine legale Forderung gehandelt hat. Dies aus folgenden 

Gründen: 

 

3.3.4.1.  

Der Beschuldigte hat konstant ausgesagt, dass es sich bei den Fr. 2'000.00 

um ein Darlehen an D._____ gehandelt habe, welches er diesem im Mai 

 - 34 - 

 

 

2021 gewährt habe. Zum Verwendungszweck könne er keine Angaben 

machen, da D._____ ihn hierüber nicht aufgeklärt habe (GA act. 1005 ff., 

UA act. 685). Er habe zuvor selbst einmal Fr. 2'000.00 von D._____ aus-

geliehen, da er das Geld dringend gebraucht habe. Sie seien Kollegen 

gewesen und hätten zusammen trainiert (UA act. 685 ff.). Auch anlässlich 

der Berufungsverhandlung hat er angegeben, er habe einmal Geld 

gebraucht, um Rechnungen zu bezahlen, D._____ habe ihm damals Fr. 

2'000.00 ausgeliehen und er habe ihm das Geld drei Tage später zurück-

bezahlt. Etwa drei bis vier Jahre später habe D._____ den Beschuldigten 

nach Fr. 2'000.00 gefragt, weil er etwas habe kaufen müssen. D._____ 

habe ihm bei der Rückzahlung zudem Fr. 200.00 mehr versprochen, habe 

jedoch nicht gesagt, wofür das Geld sei. Erst im Nachhinein habe der 

Beschuldigte erfahren, dass D._____ mit dem Geld 18 kg Haschisch 

gekauft habe. Der Beschuldigte hat angegeben, zum Zeitpunkt der 

Darlehenserteilung nur Fr. 2'200.00 gehabt zu haben, es sei sein letztes 

Geld gewesen. D._____ habe ihm das Geld während dreier Monaten nicht 

zurückgegeben (Protokoll Berufungsverhandlung S. 18 f.). Schliesslich gab 

der Beschuldigte an, L._____ habe mit der Forderung nichts zu tun 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 19 f.). Die Anklage war davon ausge-

gangen, dass das Geld, welches der Beschuldigte habe eintreiben wollen, 

einem L._____ zugestanden sei, die Vorinstanz hat dies jedoch offen-

gelassen. 

 

Mit der Vorinstanz und der Staatsanwaltschaft stellt sich anhand der 

Aussagen des Beschuldigten zwar die Frage, woher er, da er im Tatzeit-

punkt offensichtlich überschuldet und drogenabhängig gewesen ist, die 

Mittel genommen haben könnte, um ein Darlehen in genannter Höhe zu 

gewähren. Dies muss offenbleiben. Ansonsten sind seine Aussagen grund-

sätzlich schlüssig und aus folgenden Gründen glaubhaft. 

 

3.3.4.2. 

Die Aussagen von H._____ belegen, dass beim Besuch des Beschuldigten 

und seinen Begleitern mehrfach die Rede von Schulden von D._____ in 

der Höhe von Fr. 2'000.00 oder Fr. 2'500.00 gewesen sei (UA act. 867, 875 

ff. und Protokoll Berufungsverhandlung S. 3 ff.). Diese Beschreibungen 

legen zumindest nahe, dass der Beschuldigte eine tatsächlich bestehende 

Schuld eintreiben wollte. Dass gar kein Forderungsgrund bestanden habe, 

wie es D._____ behauptet und wie es die Vorinstanz und die Anklägerin für 

denkbar halten, steht im Widerspruch zu den glaubhaften Aussagen von 

H._____.  

 

3.3.4.3.  

Ebenfalls ist der Zeuge E._____ zur entsprechenden Forderung befragt 

worden. Er hat hierzu angegeben, dass der Beschuldigte beim Vorfall sein 

Geld von D._____ habe zurückhaben wollen. Er wisse, dass der 

Beschuldigte D._____ Geld geliehen habe. D._____ habe jedoch auf Zeit 

 - 35 - 

 

 

gespielt. Er sei wenig später aus der Schweiz verschwunden und habe 

alles, sprich seine Schulden, hier zurückgelassen und sei damit fein raus 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 9 f.). Auch die Aussagen von E._____, 

insbesondere die Beteuerung, er wisse, dass der Beschuldigte D._____ 

Geld ausgeliehen habe, spricht für die Glaubhaftigkeit der entsprechenden 

Ausführungen des Beschuldigten. Dies umso mehr als es sich bei D._____ 

um einen Kollegen von E._____ gehandelt hat. 

 

3.3.4.4.  

Hingegen sind die Aussagen von D._____ nicht schlüssig. Er hat in 

grundsätzlicher Weise bestritten, dem Beschuldigten Geld zu schulden. 

Stattdessen sei es so, dass dieser und eine weitere Person, nämlich 

L._____, versucht hätten, Geld von ihm zu erpressen. Sie hätten ihm damit 

gedroht, ihn bei der Polizei wegen Drogenhandels anzuzeigen, wenn er 

ihnen das Geld nicht gebe (UA act. 888). Mit der Vorinstanz kann diese 

Darstellung nicht genauer überprüft werden, dies insbesondere auch, da 

D._____ zur Berufungsverhandlung nicht vorgeladen werden konnte. 

Unentschuldigt nicht erschienen ist im Übrigen auch der vorgeladene 

Zeuge L._____. 

 

Insgesamt wirkt jedoch die Aussage von D._____, der Beschuldigte und 

L._____ hätten ihn lediglich unter Androhung einer polizeilichen Anzeige 

dazu gedrängt, ihnen einen Betrag von Fr. 2'000.00 zu bezahlen, nicht 

nachvollziehbar. Vielmehr entsteht der Eindruck, als versuche auch 

D._____, den wahren Forderungsgrund zu verheimlichen.  

 

3.3.5. 

Im Ergebnis ist festzustellen, dass der Ursprung der vom Beschuldigten 

geltend gemachten Forderung in Höhe von Fr. 2'000.00 nicht ab-

schliessend geklärt werden kann. Unklar bleibt, woher der Beschuldigte 

das Geld zum Verleihen gehabt hat und ob L._____ damit etwas zu tun 

gehabt hat, beispielsweise als Darlehensgeber. Dies würde dem Inhalt der 

Sprachnachrichten entsprechen, auf denen mutmasslich L._____ erklärt, 

dass D._____ ihm Fr. 2'000.00 bezahlen müsse (UA act. 510). Allenfalls 

hat er dieses Geld durch den Beschuldigten eintreiben lassen. Es muss 

auch offenbleiben, ob und in welcher Weise illegale Vorgänge im Spiel 

waren. Sämtliche Überlegungen dazu bleiben rein spekulativ. Auch wenn 

der Verdacht im Raum steht, es könnte sich um eine illegale Forderung 

(z.B. aus einem Betäubungsmittelgeschäft) handeln, darf solches ohne 

eindeutigen Nachweis nicht vermutet werden. In Anbetracht der unklaren 

Verhältnisse ist festzuhalten, dass nicht mit ausreichender Sicherheit 

davon ausgegangen werden kann, dass keine oder eine illegale Forderung 

bestanden hat. Es ist angesichts der genannten Aussagen durchaus 

denkbar, dass tatsächlich Geld verliehen worden war und der Beschuldigte 

dieses Geld zurückholen/eintreiben wollte. Im Zweifel ist deshalb 

zugunsten des Beschuldigten davon auszugehen, dass es sich beim 

 - 36 - 

 

 

Betrag vom Fr. 2'000.00 um eine tatsächlich bestehende und im Grundsatz 

legale Forderung gehandelt hat, welche der Beschuldigte hat eintreiben 

wollen. 

 

3.3.6. 

Weiter konnte die vom Beschuldigten an H._____ zuhanden von D._____ 

vermittelte Botschaft, von deren Kenntnisnahme er ausgehen musste, nur 

dahingehend verstanden werden, dass er nicht zögern würde, im Falle 

einer verweigerten Zahlung seine Waffe gegen ihn oder H._____ 

einzusetzen. 

 

Gemäss dem hiervor festgestellten Sachverhalt hat der Beschuldigte 

H._____ mitgeteilt, dass er D._____ anrufen und ihm mitteilen müsse, dass 

er ihm die Fr. 2'000.00 bezahlen müsse. Hierbei hat er H._____ mit einer 

durchgeladenen – aber gesicherten – Waffe bedroht, indem er ihm diese 

aus nächster Nähe zweimal auf seinen Oberkörper/Kopf gerichtet und ihm 

gar die Munition gezeigt hat, welche sich in der Waffe befunden hat. Er hat 

H._____ damit seine Tötung oder zumindest eine schwere Körper-

verletzung angedroht. Dem Beschuldigten hat dabei klar sein müssen, dass 

H._____ aufgrund seiner Überrumpelung nicht erkennen würde, dass die 

Waffe gesichert gewesen ist. Er wusste und wollte, dass H._____ sich an 

Leib und Leben unmittelbar bedroht fühlen würde. Er hat dabei offenkundig 

beabsichtigt, dass H._____ D._____ nicht nur von der Forderung, sondern 

insbesondere von seiner Bedrohung mit einer Waffe erzählen würde und 

dass sowohl H._____ als auch D._____ dies so auffassen mussten und 

sollten, dass der Beschuldigte die Bezahlung der Forderung auch in 

Zukunft durch Anwendung von Waffengewalt gegen H._____ und/oder 

D._____ durchsetzen würde.  

 

Als Mitbewohner und Bruder der damaligen Partnerin war H._____ für 

D._____ eine ihm nahestehende Person, und die Androhung von (Waffen)-

Gewalt gegen ihn musste D._____ in ähnlicher Weise in seiner Willens-

freiheit einschränken, als wenn sich die Drohung gegen ihn selber gerichtet 

hätte. Die Androhung von Gewalt gegenüber H._____ musste D._____ 

überdies so verstehen, dass der Beschuldigte auch ihm gegenüber Gewalt 

androhen oder anwenden würde, allenfalls auch unter Einsatz einer Waffe. 

Aus diesem Grund musste er sich selber vom Beschuldigten in Leib und 

Leben bedroht fühlen, sodass er in seiner Willensfreiheit in Bezug auf die 

Zahlung der Forderung, eingeschränkt worden ist. Da es sich um eine 

gewichtige Androhung von Gewalt unter Verwendung einer Waffe 

gehandelt hat, wäre diese auch geeignet gewesen, eine besonnene Dritt-

person gefügig zu machen. Dass D._____ durch die Nötigung in Angst 

versetzt worden ist, zeigt auch die Tatsache, dass er und H._____ 

unmittelbar nach dem Vorfall zur Polizei gegangen sind. Da die Drohung 

mit einer Waffe zur Durchsetzung einer Geldforderung unerlaubt ist, ist die 

Nötigung auch unrechtmässig.  

 - 37 - 

 

 

Schliesslich musste der Beschuldigte damit rechnen und es war der Zweck 

seines Vorgehens, dass H._____ D._____ erzählen würde, dass er die 

Forderung bezahlen müsse, andernfalls einem von ihnen oder beiden 

Waffengewalt bzw. eine Gefahr für Leib und Leben drohe. Die gegenüber 

H._____ gezeigte Androhung ernstliche