# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2b6c1d1a-eae7-5f4d-a50d-fac454a7de15
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-10-17
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 17.10.2022 SK1 2021 83
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SK1-2021-83_2022-10-17.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

Urteil vom 17. Oktober 2022

Referenz SK1 21 83

Instanz I. Strafkammer 

Besetzung Moses, Vorsitzender
Cavegn und Michael Dürst
Bernhard, Aktuarin

Parteien A._____
Beschuldigter
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Remo Dolf
Kunz Schmid, Gäuggelistrasse 1, Postfach 341, 7001 Chur 

gegen

Staatsanwaltschaft Graubünden
Rohanstrasse 5, 7001 Chur

Gegenstand Verletzung von Verkehrsregeln

Anfechtungsobj. Urteil Regionalgericht Surselva vom 08.09.2021, mitgeteilt am 
08.11.2021 (Proz. Nr. 515-2021-3)

Mitteilung 26. Oktober 2022

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Sachverhalt

A. Mit Strafbefehl vom 24. November 2020 (mitgeteilt am 1. Dezember 2020) 
erklärte die Staatsanwaltschaft Graubünden (im Folgenden: Staatsanwaltschaft) 
A._____ der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 36 Abs. 4 SVG und 
Art. 17 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG schuldig. Dagegen erhob 
A._____, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Remo Dolf, am 8. Dezember 2020 
fristgerecht Einsprache.

B. Das Regionalgericht Surselva sprach A._____ mit Urteil vom 8. September 
2021, schriftlich begründet mitgeteilt am 8. November 2021, der Verletzung von 
Verkehrsregeln gemäss Art. 36 Abs. 4 SVG und Art. 17 Abs. 1 VRV in Verbindung 
mit Art. 90 Abs. 1 SVG schuldig. Es bestrafte ihn mit einer Busse von CHF 400.00, 
legte die Ersatzfreiheitsstrafe für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung auf 
4 Tage fest und auferlegte A._____ die Verfahrenskosten.

C. Gegen dieses Urteil erhob A._____ (fortan: Beschuldigter) innert Frist am 
22. November 2021 Berufung. Er beantragt die vollumfängliche Aufhebung des 
angefochtenen Urteils und den Freispruch vom Vorwurf der Verletzung von Ver-
kehrsregeln gemäss Art. 36 Abs. 4 SVG und Art. 17 Abs. 1 VRV in Verbindung mit 
Art. 90 Abs. 1 SVG, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Kantons 
Graubünden.

D. Am 3. Juni 2022 ordnete der Vorsitzende der I. Strafkammer des Kantons-
gerichts von Graubünden das schriftliche Verfahren an und forderte den Beschul-
digten zur Berufungsbegründung auf. Die Berufungsbegründung erfolgte nach 
zweimalig erstreckter Frist am 25. August 2022. Das Regionalgericht Surselva 
verzichtete auf eine Stellungnahme. Mit Stellungnahme vom 14. September 2022 
beantragte die Staatsanwaltschaft die Abweisung der Berufung.

Erwägungen

1. Gegen das angefochtene Urteil des Regionalgerichts Surselva ist die Beru-
fung zulässig (Art. 398 Abs. 1 StPO). Die I. Strafkammer des Kantonsgerichts von 
Graubünden ist zur Behandlung der vorliegenden Berufung zuständig (vgl. Art. 22 
des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung [EGzStPO; 
BR 350.100;] i.V.m. Art. 9 Abs. 1 der Verordnung über die Organisation des Kan-
tonsgerichts [KGV; BR 173.100]). Gegenstand des erstinstanzlichen Hauptverfah-
rens bildete eine einfache Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 1 
SVG, mithin eine Übertretung. Die formellen Anforderungen an die Berufung sind 
vorliegend eingehalten (s. Art. 399 StPO). Auf die Berufung ist einzutreten. Das 

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Berufungsverfahren kann gestützt auf Art. 406 Abs. 1 lit. c StPO schriftlich durch-
geführt werden.

2.1. Bildete – wie vorliegend – ausschliesslich eine Übertretung Gegenstand 
des erstinstanzlichen Hauptverfahrens, schränkt Art. 398 Abs. 4 StPO die Kogniti-
on der Berufungsinstanz ein. In diesen Fällen kann mit der Berufung nur geltend 
gemacht werden, das Urteil sei rechtsfehlerhaft oder die Feststellung des Sach-
verhalts sei offensichtlich unrichtig oder beruhe auf einer Rechtsverletzung.

2.2. Die Berufungsinstanz ist – wie das Bundesgericht – an den erstinstanzlich 
festgestellten Sachverhalt gebunden, soweit sie diesen nicht als willkürlich beur-
teilt (BGer 6B_152/2017 v. 20.4.2017 E. 1.1 m.w.H.; vgl. auch Luzius Eugster, in: 
Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Strafpro-
zessordnung, 2. Aufl., Basel 2014, N 3a zu Art. 398 StPO; Art. 97 Abs. 1 BGG). 
Willkür liegt nach ständiger Rechtsprechung nur vor, wenn die vorinstanzliche Be-
weiswürdigung schlechterdings unhaltbar ist, das heisst, wenn die Behörde in ih-
rem Entscheid von Tatsachen ausgeht, die mit der tatsächlichen Situation in kla-
rem Widerspruch stehen oder auf einem offenkundigen Fehler beruhen. Dass eine 
andere Lösung ebenfalls möglich erscheint, genügt nicht (statt vieler BGer 
6B_772/2022 v. 7.9.2022 E. 3.3 m.w.H.; vgl. auch KGer GR SK1 19 41 v. 6.4.2022 
E. 2 m.w.H.). Erforderlich ist ausserdem, dass der Entscheid nicht nur in der Be-
gründung, sondern auch im Ergebnis willkürlich ist. Dem Grundsatz "in dubio pro 
reo" kommt in seiner Funktion als Beweiswürdigungsregel keine über das Willkür-
verbot von Art. 9 BV hinausgehende Bedeutung zu (BGer 6B_236/2022 
v. 5.9.2022 E. 1.2 m.w.H.; vgl. auch KGer GR SK1 18 42 v. 2.12.2019 E. 3.2).

2.3. Im Gegensatz zum Sachverhalt prüft das Berufungsgericht sämtliche 
Rechtsfragen ohne Einschränkung, das heisst mit freier Kognition, und zwar nicht 
nur materiell-rechtliche, sondern auch prozessuale.

3.1.1. Die Vorinstanz stellte fest, der Beschuldigte sei als Lenker des Personen-
wagens B._____ am 21. August 2020 gegen 21:15 Uhr im Bereich des Bahnhofs 
C._____ rückwärts in eine Fussgängerin gefahren, woraufhin diese zu Fall ge-
kommen sei und sich verletzt habe. Zum Kollisionszeitpunkt habe sich das Heck 
des Fahrzeugs – zumindest in geringem Masse – hinter einer eingezeichneten 
Fahrverbotslinie befunden. Als die Kollision stattgefunden habe, habe sich die 
Fussgängerin zumindest noch in geringer Bewegung befunden. Aufgrund der Kol-
lision sei die Fussgängerin gestürzt und habe sich leicht verletzt (act. B.1 E. 3).

3.1.2. Der Beschuldigte rügt die vorinstanzliche Feststellung, die Kollision habe 
sich im Bereich des Fahrverbots ereignet, als falsch und aktenwidrig (act. A.4 

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Rz. 7). Er verweist auf das Fotoblatt der Polizei und führt aus, es sei darauf klar 
erkennbar, dass sich die Kollision nicht innerhalb des Bereichs "Verbot für Motor-
wagen" ereignet habe, sondern auf der Höhe der Verbotstafel (act. A.4 Rz. 9). Der 
Beschuldigte rügt, die Vorinstanz hätte zu seinen Gunsten von der Sachverhalts-
variante ausgehen müssen, dass sich sein Manöver vollumfänglich auf der Fahr-
bahn abgespielt habe (act. A.4 Rz. 12).

3.1.3. Dass die Feststellung der Vorinstanz betreffend Ort der Kollision aktenwid-
rig und falsch sei, lässt sich nicht bestätigen. Auf den Fotos hatte die Polizei an-
hand der Angaben des Beschuldigten mittels Dreiecks die ungefähre Position der 
Fussgängerin zum Zeitpunkt der Kollision markiert (StA act. 3). Den Fotos lässt 
sich keine eindeutige Kollisionsstelle auf der einen oder anderen Seite der Linie 
entnehmen. Die Vorinstanz setzte sich mit den vorhandenen Zeugenaussagen, 
den Aussagen des Beschuldigten und der Fotodokumentation der Polizei ausein-
ander und kam nach Würdigung der Beweise zum Schluss, dass die Kollisions-
stelle sich zumindest knapp hinter der Linie "Verbot für Motorfahrzeuge" befand 
(act. B.1 E. 3.1). Der Beschuldigte rügt lediglich die Verletzung der Beweiswürdi-
gungsregel "in dubio pro reo". Damit ist aber noch keine Willkür begründet. Dass 
ein anderes Beweisergebnis ebenfalls möglich gewesen wäre, reicht nicht. Für die 
Annahme von Willkür müsste hinzukommen, dass der von der Vorinstanz erstellte 
Sachverhalt geradezu unhaltbar ist und auf offensichtlichen Fehler beruhte. Sol-
ches ist vorliegend nicht ersichtlich (vgl. auch die Stellungnahme der Staatsan-
waltschaft, act. A.6 Ziff. 1).

3.1.4. Aus dem Ausgeführten folgt, dass der von der Vorinstanz festgestellte 
Sachverhalt für das Berufungsgericht bindend ist. Demnach ist der Beschuldigte 
rückwärts aus seiner Parkposition gefahren und hat anschliessend sein Fahrzeug 
abgedreht. Nach Vollendung der Drehung ist der Beschuldigte nach einer kurzen 
Pause erneut retour gefahren. Dabei ereignete sich die Kollision. Der Ort der Kolli-
sion befand sich in der Zone, in der ein Fahrverbot für Motorfahrzeuge gilt 
(act. B.1 E. 3.1). Die Vorinstanz ging davon aus, dass sich die Fussgängerin im 
Zeitpunkt der Kollision noch in geringer Bewegung befand (act. B.1 E. 3.2). 

3.2. Die Ausführungen des Beschuldigten zur natürlichen Kausalität zielen weit-
gehend an der Sache vorbei (act. A.4 Rz. 14 bis 29). Es geht vorliegend nicht dar-
um, den Erfolg (Kollision, Sturz und Verletzungen der Fussgängerin) der man-
gelnden Aufmerksamkeit des Beschuldigten beim Rückwärtsfahren zuzurechnen. 
Die Frage, die es zu beurteilen gilt, ist, ob der Beschuldigte mit seinem Verhalten 
Verkehrsregeln verletzt hat und deshalb gestützt auf Art. 90 Abs. 1 SVG zu bestra-
fen ist. Es handelt sich dabei um ein abstraktes Gefährdungsdelikt (vgl. BGE 138 

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IV 258 E. 3.1.2). Ob zusätzlich noch ein Erfolg eingetreten ist, ist für das vorlie-
gende Verfahren unerheblich.

4.1. Art. 36 Abs. 4 SVG bestimmt, dass der Führer, der sein Fahrzeug in den 
Verkehr einfügen, wenden oder rückwärtsfahren will, andere Strassenbenützer 
nicht behindern darf; diese haben den Vortritt (Art. 36 Abs. 4 SVG). Vor dem Weg-
fahren hat sich der Fahrzeugführer zu vergewissern, dass er keine Kinder oder 
andere Strassenbenützer gefährdet. Bei Fahrzeugen mit beschränkter Sicht nach 
hinten ist zum Rückwärtsfahren eine Hilfsperson beizuziehen, wenn nicht jede Ge-
fahr ausgeschlossen ist (Art. 17 Abs. 1 VRV).

4.2. Unbestritten ist, dass der Beschuldigte sein Fahrzeug rückwärts lenkte, als 
es zwischen seinem Fahrzeug und der Fussgängerin zu einer leichten Kollision 
kam (act. A.4 Rz. 6). Die mit dem Rückwärtsfahren verbundenen Gefahren erach-
tet der Gesetzgeber als besonders gross, weshalb der rückwärtsfahrende Lenker 
zu erhöhter und besonderer Sorgfalt verpflichtet ist, um jede Gefahr für Dritte aus-
schliessen zu können (vgl. BGer 1B_1/2011 v. 20.4.2011 E. 5.3; 6P.104/2005 
v. 27.10.2005 E. 1; 6S.691/2001 v. 9.9.2002 E. 3.2). Der Lenker hat seine Auf-
merksamkeit nach hinten zu richten (vgl. BGer 6P.104/2005 v. 27.10.2005 E. 3).

4.3. Der Beschuldigte sagte anlässlich der polizeilichen und staatsanwaltschaft-
lichen Einvernahmen und auch im Rahmen der Hauptverhandlung vor Regional-
gericht aus, er habe die Fussgängerin nicht gesehen (StA act. 6; StA act. 28 S. 3 
Fragen 3 und 4; RG act. IV Protokoll Einvernahme beschuldigte Person). Er habe 
in den Innenspiegel sowie in die Seitenspiegel und mit einem schnellen Seiten-
blick geschaut, ob sich niemand hinter seinem Fahrzeug befunden habe (StA 
act. 6 Frage 1). Er habe darauf achten müssen, dass er beim Ablenken nicht noch 
das Auto, welches links von ihm parkiert gewesen sei, erwischte (StA act. 6 Frage 
4). Er habe während dem Rückwärtsfahren nur die Spiegel beachtet. Im Rück-
spiegel sehe er die ganze Heckscheibe (StA act. 28 S. 3). Es sei seine Schuld, 
dass er die Frau nicht gesehen habe (RG act. IV Protokoll Einvernahme beschul-
digte Person).

4.4. Der einzige Schluss, den die Aussagen des Beschuldigten zulassen, ist, 
dass er den Heckbereich beim erneuten Zurücksetzen seines Fahrzeugs nicht 
vorschriftsgemäss überwacht hatte, weil er sonst die hinter seinem Fahrzeug in 
leichter Bewegung befindliche Fussgängerin hätte sehen müssen, selbst wenn sie 
über ihre Handtasche gebückt und nicht voll aufgerichtet gewesen wäre (dazu 
act. A.4 Rz. 27). Die Tatsache, dass der Beschuldigte die Fussgängerin überhaupt 
nicht wahrnahm, zeigt, dass er seiner Sorgfaltspflicht beim Rückwärtsfahren nicht 

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genügend nachgekommen ist, was eine Verletzung von Art. 36 Abs. 4 SVG und 
Art. 17 Abs. 1 VRV darstellt.

5.1. Der Beschuldigte möchte der Fussgängerin ein Selbstverschulden anlasten. 
Sie habe sich verkehrsregelwidrig und grobfahrlässig verhalten, indem sie sich auf 
der Verkehrsfläche bewegt habe, ohne das Fahrzeug des Beschuldigten zu be-
achten. Sie sei dann unmittelbar hinter das rückwärtsfahrende Auto gelaufen 
(act. A.4 Rz. 5, 20 ff. [insb. Rz. 26 ff.], 40, 50, 52).

5.2. Zunächst ist festzuhalten, dass derjenige Lenker, der rückwärtsfährt, immer 
vortrittsbelastet ist (BGE 117 IV 498 E. 6). Dass Fussgänger sich grundsätzlich 
nicht auf der Verkehrsfläche aufhalten dürfen und dort in jedem Fall gegenüber 
Fahrzeugen vortrittsbelastet sind, ist korrekt (vgl. act. A.4 Rz. 24 ff, 34 ff.). Die 
Frage, wer gegenüber wem im Zeitpunkt der Kollision vortrittsbelastet war, ist je-
doch vorliegend unerheblich. Wie bereits ausgeführt, wird der Beschuldigte nicht 
wegen Nichtgewährens des Vortritts belangt, sondern wegen ungenügender 
Überwachung seines Heckbereichs beim Rückwärtsfahren (vgl. vorstehende Er-
wägung 4.4). Die Frage des Vortritts ist insofern von Belang, als der Beschuldigte 
geltend macht, die Fussgängerin habe sich ihrerseits verkehrsregelwidrig verhal-
ten (dazu nachfolgende Erwägung 5.5).

5.3. Der Beschuldigte ruft den Vertrauensgrundsatz an (act. A.4 Rz. 41 ff.). 
Gemäss dem aus Art. 26 Abs. 1 SVG abgeleiteten Vertrauensprinzip darf jeder 
Strassenbenützer darauf vertrauen, dass sich die anderen Verkehrsteilnehmer 
ebenfalls ordnungsgemäss verhalten, ihn also nicht behindern oder gefährden, 
sofern nicht besondere Umstände dagegensprechen. Allerdings darf sich darauf 
nur stützen, wer sich selbst verkehrsregelkonform verhält. Wer gegen die Ver-
kehrsregeln verstösst und dadurch eine unklare oder gefährliche Verkehrslage 
schafft, kann nicht erwarten, dass andere diese Gefahr durch erhöhte Vorsicht 
ausgleichen (statt vieler BGer 6B_761/2019 v. 9.3.2020 E. 2.3.2. m.w.H. insbe-
sondere auf BGE 143 IV 500 E. 1.2.4).

5.4. Wie vorstehend ausgeführt, hat der Beschuldigte seine Sorgfaltspflicht beim 
Rückwärtsfahren missachtet. Zudem befand er sich im Zeitpunkt der Kollision mit 
dem Heck seines Fahrzeugs in einer Fahrverbotszone. Er hat sich selbst also 
nicht verkehrsregelkonform verhalten und dadurch eine Gefahr für andere Ver-
kehrsteilnehmer geschaffen. Für die Anwendung des Vertrauensgrundsatzes 
bleibt deshalb kein Platz. Offenbleiben kann, ob die Frage anders zu beurteilen 
wäre, wenn der Beschuldigte geltend gemacht hätte, er habe den Heckbereich 
seines Fahrzeugs genügend überwacht und die Fussgängerin wahrgenommen, 
diese sei jedoch derart unvermittelt hinter sein Fahrzeug getreten, dass er die Kol-

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lision trotz sofortiger Reaktion nicht hätte verhindern können (vgl. dazu Tommaso 
Caprara, Der Vertrauensgrundsatz im Strassenverkehr – offene Fragen, in: forum-
poenale 3/2019, S. 215 ff.).

5.5. Dass die Fussgängerin sich ihrerseits verkehrsregelwidrig verhalten haben 
dürfte, indem sie die Fahrbahn abseits des Fussgängerstreifens überquert und 
sich unvorsichtigerweise hinter ein Fahrzeug mit leuchtenden Rückfahrlichtern 
gestellt hatte, ändert nichts am Schuldspruch des Beschuldigten. Das Strafrecht 
kennt keine Verschuldenskompensation (z.B. BGer 6B_776/2018 v. 14.12.2018 
E. 1.4; 6B_917/2016 v. 9.12.2016 E. 2.5.4; 6B_335/2015 v. 27.8.2015 E. 1.5; 
BGer 6S.431/2006 v. 12.12.2006 E. 5.3).

6. Im Ergebnis kann festgehalten werden, dass der Beschuldigte die Ver-
kehrsregeln von Art. 36 Abs. 4 SVG und Art. 17 Abs. 1 VRV verletzt hat, indem er 
beim Rückwärtsfahren den Heckbereich seines Fahrzeugs pflichtwidrig ungenü-
gend überwacht hat, dadurch die sich hinter ihm befindende Fussgängerin nicht 
bemerkt hat und in der Folge in sie hineingefahren ist.

7. Wer Regeln des Strassenverkehrsgesetzes oder zugehöriger Vollziehungs-
vorschriften verletzt, wird gestützt auf Art. 90 Abs. 1 SVG mit Busse bestraft. Der 
Beschuldigte brachte keine Einwände gegen die Strafzumessung bzw. die Höhe 
der ausgefällten Busse vor (vgl. act. A.4). Die diesbezüglichen Erwägungen der 
Vorinstanz treffen denn auch zu und die ausgesprochene Busse von CHF 400.00 
(sowie die Ersatzfreiheitsstrafe von 4 Tagen bei schuldhafter Nichtbezahlung der-
selben) erscheint dem Verschulden sowie den persönlichen Verhältnissen des 
Beschuldigten angemessen. Die entsprechenden Ausführungen der Vorinstanz 
brauchen nicht wiederholt zu werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; act. B.1 E. 5).

8. Im Ergebnis ist die Berufung vollumfänglich abzuweisen.

9.1. Ausgangsgemäss ist das erstinstanzliche Kostendispositiv (act. B.1 Dispo-
sitivziffer 3) zu bestätigen (vgl. act. B.1 E. 6; Art. 426 Abs. 1 StPO).

9.2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist unter Berücksichtigung 
der Bedeutung und Schwierigkeit des Falles sowie des Zeitaufwands der erken-
nenden Kammer auf CHF 3'000.00 festzusetzen (Art. 424 Abs. 1 StPO i.V.m. 
Art. 7 VGS [BR 350.210]). Der Beschuldigte unterliegt im Berufungsverfahren 
vollständig, weshalb ihm die Kosten des Rechtsmittelverfahrens aufzuerlegen sind 
(Art. 428 Abs. 1 StPO). Prozessentschädigungen sind keine zuzusprechen.

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Demnach wird erkannt:

1. A._____ ist schuldig der Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 36 
Abs. 1 SVG und Art. 17 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG.

2. Dafür wird A._____ mit einer Busse von CHF 400.00 bezahlt.

3. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt A._____ die Busse schuldhaft nicht, so 
tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 4 Tagen.

4. Die Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft in Höhe von 
CHF 2'302.80 gehen zulasten von A._____.

5. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens von CHF 3'600.00 gehen zu-
lasten von A._____.

6. Die Kosten des Berufungsverfahrens von CHF 3'000.00 gehen zulasten von 
A._____.

7. Es werden keine Prozessentschädigung zugesprochen.

8. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 ff. BGG Beschwerde in 
Strafsachen an das Bundesgericht geführt werden. Die Beschwerde ist dem 
Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, schriftlich innert 30 
Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in 
der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die 
Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen 
und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. 
BGG.

9. Mitteilung an: