# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0bab5999-566f-5138-ab2a-2618515a0c5a
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-01-15
**Language:** de
**Title:** Natur- und Heimatschutz. Unterschutzstellung ortsgebundener Gegenstände im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. d PBG.
**Docket/Reference:** BRGE I Nr. 0005/2016
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRGE_I_0005_2016_2.pdf

## Full Text

BRGE I Nr. 0005/2016 vom 15. Januar 2016 in BEZ 2016 Nr. 2 

2.  Anlass 

für  die  Unterschutzstellung  bildet  ein  Umbauprojekt  der 
Rekurrentin.  Unter  anderem  ist  vorgesehen,  die  bestehenden,  das  Hinterhaus 
bildenden  beiden  Ladengeschosse  (Erdgeschoss  in  der  Verlängerung  des 
strassenseitigen  Ladenlokals  und  Untergeschoss)  zu  beseitigen  und  neu  auf 
tieferem  Niveau  wieder  herzurichten.  Damit  würde  auf  einer  Fläche  von  rund 
170 m2  der  Boden  um  2,15  m  bzw.  im  Bereich  der  Liftunterfahrt  um  rund  3 m 
abgesenkt.  

3. Die angefochtene Schutzanordnung lautet wie folgt: «Die umfangreiche 
Schichtabfolge mit  Siedlungsresten  aus  der Spätlatènezeit,  der Römerzeit  und 
dem  Mittelalter  sowie  Einrichtungen  der  neuzeitlichen  Giesserei  der  Familie 
Füssli (Gussgruben, Öfen) im Hinterhofbereich des Grundstückes Kat.-Nr. 1 ist 
ein  Schutzobjekt  im  Sinne  von  §  203  Abs.  1  lit.  d  des  Planungs-  und  Bauge-
setzes (PBG) und wird gemäss § 205 lit. c PBG unter Schutz gestellt. Ohne vor-
gängige  Zustimmung  der  Baudirektion  darf  die  bestehende  Bodenplatte  nicht 
entfernt  und  es  dürfen  keine  Bodeneingriffe  vorgenommen  werden.  Eine  Sa-
nierung oder Erneuerung der Bodenplatte muss in Absprache mit der Kantons-
archäologie geplant und von dieser begleitet werden. Die Bauherrschaft hat in 
diesem  Fall  zudem  den  Nachweis  zu  erbringen,  dass  das  Schutzobjekt  nicht 
beeinträchtigt wird.» 

4. Bislang ist das streitbetroffene Grundstück einzig inventarmässig erfasst 

(§ 203 Abs. 2 PBG); dies wie folgt:  

Im  Inventar  der  kunst-  und  kulturhistorischen  Schutzobjekte  und  der 
archäologischen  Denkmäler  der  Stadt  Zürich  von  regionaler  und  kantonaler 
Bedeutung  (RRB  Nr.  3048/1981  vom  12.  August  1981)  ist  unter  den  archäo-
logischen  Objekten  (allesamt  von  kantonaler  Bedeutung)  u.a.  die  «Altstadt  mit 
zahlreichen  Objekten  von  archäologischem  Interesse  inkl.  neolithische  See-
ufersiedlung Bauschanze» aufgeführt.  

Ferner  ist  im  Schweizerischen  Inventar  der  Kulturgüter  von  nationaler 
Bedeutung  (S.  456)  in  der  Kategorie  «Archäologie»  die  Zürcher  «Altstadt, 
keltische/römische Siedlung/mittelalterliche Stadt, Pfalz» aufgeführt.  

Zur  «Altstadt»  im  Sinne  dieser  beiden  Inventareinträge  gehören  auch  die 

Grundstücke am Rennweg einschliesslich des vorliegend streitbetroffenen.   

5.1  Die  Rekurrentin  macht  geltend,  die  Vorinstanz  nenne  nicht  aus-
drücklich, um was für ein Schutzobjekt im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. d PBG es 
sich handeln solle. Eine vorgeschichtliche oder geschichtliche Stätte liege aber 
auf  jeden  Fall  nicht  vor.  Die  Absicht  der  Vorinstanz  könne  es  einzig  gewesen 
sein, ortsgebundene Gegenstände oder ein Gebiet von archäologischer Bedeu-
tung unter Schutz zu stellen.  

Hierfür  hätte  sie  weitergehende  Abklärungen  vornehmen  und  die  ihrer 
Ansicht  nach  zu  schützenden  Gegenstände  näher  umschreiben  müssen.  Die 
vorgenommenen  Probebohrungen  erlaubten  es  der  Vorinstanz  nicht,  das 

 
 
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Vorhandensein  bedeutender  Gegenstände  nachzuweisen  und  diese  näher  zu 
umschreiben. In ihrer Beschreibung erwähne sie denn auch einzig Gussgruben 
und  Öfen  der  Giesserei  der  Familie  Füssli.  Den  Erwägungen  könne  aber  ent-
nommen  werden,  dass  es  sich  um  reine  Vermutungen  handle.  So  führe  die 
Vorinstanz  aus,  Fragmente  von  gerundeten  Tonformen  aus  einem  Bohrkern 
würden nahe legen, dass im Boden noch Überreste der Werkstatt (Gussgruben, 
Öfen) erhalten seien. Eine derartige Vermutung genüge aber offenkundig nicht, 
um  gestützt  auf  §  203  Abs.  1  lit.  d  PBG  ortsgebundene  Gegenstände  von 
archäologischer  Bedeutung  unter  Schutz  zu  stellen.  Dies  wäre  nur  dann  mö-
glich, wenn das Vorhandensein solcher Gegenstände nachgewiesen wäre.  

Es  stelle  sich  somit  die  Frage,  ob  ein  Gebiet  von  archäologischer  Be-
deutung  vorliege.  Das  Gesetz  umschreibe  nicht  näher,  was  darunter  zu 
verstehen  sei.  Die  kantonale  Rechtsprechung  äussere  sich  hierzu  ebenfalls 
nicht.  Auch  den  Ausführungen  der  Vorinstanz  lasse  sich  hierzu  nichts  ent-
nehmen. 

Im Gutachten der Archäologie-Kommission des Kantons Zürich vom 1. De-
zember  2014  werde  geltend  gemacht,  es  handle  sich  um  eine  schutzwürdige 
Zone  gemäss  §  203  Abs.  1  lit.  d  PBG.  Gemäss  Information  im  GIS  handle  es 
sich  bei  solchen  archäologischen  Zonenplänen  um  einen  Verdachtsflächen-
Kataster. Die gesamte Zone könne demnach nicht als Schutzobjekt gelten. Erst 
anhand  weiterer  Abklärungen  könne  in  solchen  Zonen  festgestellt  werden,  ob 
es  sich  bei  einem  konkreten  Gebiet  um  ein  Schutzobjekt  im  Sinne  von  §  203 
Abs. 1 lit. d PBG handle.  

Die entsprechenden Abklärungen seien indes sehr dürftig. Gestützt auf die 
Auswertung  von  vier  Bohrungen  auf  dem  streitbetroffenen  Grundstück  komme 
die  Kommission  zum  Schluss,  dass  archäologisch  relevante  Schichten  vor-
handen  seien.  In  ihren  weiteren  Ausführungen  beziehe  sich  die  Kommission 
dann  aber  hauptsächlich  auf  Erkenntnisse  über  die  Geschichte  von  Zürich, 
welche  aus  Ausgrabungen  und  baubegleitenden  Untersuchungen  gewonnen 
worden  seien.  Die  Kommission  führe  aus,  jene  Erkenntnisse  erlaubten  –  oft-
mals nur punktuelle – Einblicke in den Boden und damit in die Lokalgeschichte. 
Gleich  einem  Mosaik  würden  sich  diese  Einblicke  aber  immer  mehr  zu  einem 
Gesamtbild  zusammenfügen,  das  allerdings  noch  viele  Lücken  aufweise  und 
damit Fragen offen lasse.  

Es  werde  bestritten,  dass  diese  Erkenntnisse  genügten,  um  Teile  des 
Grundstücks  der  Rekurrentin  als  Gebiet  von  archäologischer  Bedeutung  und 
damit  als  Schutzobjekt  zu  bezeichnen.  Bei  Bohrungen  im  ganzen  Gebiet  der 
Hügelkuppe  des  Lindenhofs  und  dessen  Westhangs  dürften  vergleichbare 
Ergebnisse  resultieren.  Selbst  wenn  die  bisherigen  Kenntnisse  genügten,  um 
von  einem  Schutzobjekt  im  Sinne  von  §  203  Abs.  1  lit.  d  PBG  auszugehen, 
bedeute  dies  noch  keineswegs,  dass  die  angeordnete  integrale  Unterschutz-
stellung zulässig wäre.    

Eine  integrale  Unterschutzstellung  des  Untergrunds  im  Hinterhofbereich 
des 
rekurrentischen  Grundstücks  stelle  eine  gewichtige  Eigentums-
beschränkung dar. Solche Eigentumsbeschränkungen seien nur zulässig, wenn 

 
 
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sie  sich  auf  eine  gesetzliche  Grundlage  stützen  könnten,  ein  öffentliches 
Interesse bestehe und die Beschränkung verhältnismässig sei.  

Sofern wider Erwarten davon auszugehen sei, dass es sich beim Hinterhof 
des  Grundstücks  um  ein  Schutzobjekt  im  Sinne  von  §  203  Abs.  1  lit. d  PBG 
handle, bestehe eine gesetzliche Grundlage für Schutzmassnahmen. Die Frage 
sei jedoch, welches öffentliche Interesse an der integralen Unterschutzstellung 
bestehen solle. Die Vorinstanz erwähne eine grosse geschichtliche Bedeutung 
der archäologischen Schichten im Hinterhofbereich des Grundstücks. Allerdings 
wisse  sie  ja  nicht,  was  sich  in  diesen  Schichten  finden  lasse  und  ob  den 
Fundstücken tatsächlich eine grosse geschichtliche Bedeutung zukomme. Den 
Ausführungen im Gutachten der Archäologie-Kommission lasse sich denn auch 
entnehmen, dass die bisherigen Erkenntnisse über die Entwicklung von Zürich 
aus  Ausgrabungen  und  baubegleitenden  Untersuchungen  gewonnen  werden 
konnten.  Die  strittige  integrale  Unterschutzstellung  würde  aber  derartige 
Ausgrabungen  und  baubegleitende  Massnahmen  gerade  ausschliessen.  Ein 
öffentliches Interesse daran sei nicht ersichtlich.  

Selbst wenn irgendwie ein öffentliches Interesse begründet werden könnte, 
bedeutete  dies  noch  keineswegs,  dass  die  integrale  Unterschutzstellung  auch 
verhältnismässig  wäre.  Bereits  die  Eignung  der  Massnahme  sei  nicht 
ersichtlich.  Sollten  weitere  Erkenntnisse  über  die  Entwicklung  von  Zürich  aus 
allfälligen  archäologischen  Überresten  im  Grundstück  der  Rekurrentin  ge-
wonnen  werden,  müssten  Ausgrabungen  vorgenommen  werden.  Solange  die 
vorhandene Bodenplatte im Hinterhofbereich bestehen bleibe, sei völlig unklar, 
was für archäologische Überreste sich unter dieser Bodenplatte befänden. Die 
integrale  Unterschutzstellung  sei  aber  auch  nicht  erforderlich.  Würde  der 
Rekurrentin  gestattet,  die  geplante  Absenkung  im  Hinterhofbereich  vorzu-
nehmen, könnte mit baubegleitenden Untersuchungen geprüft werden, was für 
archäologische  Überreste  sich  in  diesen  Schichten  befänden.  Allfällige  Funde 
könnten ausgewertet und dokumentiert werden, wie dies bei zahlreichen andern 
Bauvorhaben auch gemacht worden sei. Aus solchen Untersuchungen könnten 
allenfalls  weitere  Erkenntnisse  über  die  Entwicklung  von  Zürich  gewonnen 
werden.  Auf  diese  Weise  könnten  auch  die  Interessen  der  Rekurrentin  ge-
bührend  berücksichtigt  werden.  Sie  könnte  ihr  Vorhaben,  das  ihr  sehr  wichtig 
sei,  voraussichtlich  verwirklichen.  Nur  wenn  aussergewöhnliche  Funde  ange-
troffen  würden,  welche  als  ortsgebundene  Gegenstände  von  archäologischer 
Bedeutung  zu  würdigen  wären,  müsste  allenfalls  geprüft  werden,  ob  dies-
bezüglich weitergehende Schutzmassnahmen erforderlich wären.  

5.2  Das  Amt  für  Raumentwicklung  hält  in  seinem  Mitbericht  fest,  die 
angeordnete  Unterschutzstellung  sei angesichts  der Bedeutung  der Fundstelle 
gerechtfertigt und im vorgesehenen Umfang verhältnismässig.   

6.1  Gesetzliche  Grundlage  der  angefochtenen  Unterschutzstellung  bildet 
die  Bestimmung  von  §  203  Abs.  1  lit.  d  PBG.  Danach  sind  vorgeschichtliche 
und geschichtliche Stätten und ortsgebundene Gegenstände sowie Gebiete von 
archäologischer Bedeutung Schutzobjekte. 

 
 
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Ortsgebundene  Gegenstände  im  Sinne  von  §  203  Abs.  1  lit.  d  PBG  sind 
Zeugnisse  menschlicher  Tätigkeiten  aus  früheren  Zeiten  wie  Siedlungs-  und 
Baureste,  Gräber,  Brandschichten,  Werkgruben,  Befestigungen,  Keramik, 
Schmuck,  Werkzeuge,  Textilien  und  andere  archäologische  Fundstücke  (§  24 
Abs. 4 der Kantonalen Natur- und Heimatschutzverordnung [NHV]). 

6.2 Bei sich auf § 203 PBG stützenden Anordnungen kommt der Behörde, 
von der die Anordnung ausgeht, eine gewisse Entscheidungsfreiheit zu. Solche 
Anordnungen  sind  insoweit  mit  Zurückhaltung  zu  überprüfen,  als  die  Be-
urteilung mit einem spezifischen Fachwissen verbunden ist. Das Bundesgericht 
räumt  den  Verwaltungsbehörden  bei  der  Beurteilung  technischer  Probleme 
bzw. ausgesprochener Fachfragen einen eigenständigen Beurteilungsspielraum 
ein,  der  als  «technisches  Ermessen»  bezeichnet  wird  (Marco  Donatsch,  in: 
Kommentar  VRG,  3.  A.,  2014,  § 20  Rz. 80  f.).  Solche  «ausgesprochenen 
Fachfragen» können sich namentlich im Kontext mit der Bestimmung von § 203 
Abs. 1  lit.  d PBG  stellen,  knüpfen  doch  die dort umschriebenen  Schutzobjekte 
zumindest teilweise an archäologische Sachverhalte an, deren Auswertung eine 
ausgeprägt  fachtechnische  Komponente  innewohnt.  Diese  spielt  alsdann  auch 
bei  der  Wahl  der  Schutzmassnahmen  eine  erhebliche  Rolle.  Allerdings  ist 
zwischen  der  Entscheidungsfreiheit  der  Fachbehörde  einerseits  und  dem 
Anspruch  auf  wirksamen  Rechtsschutz  andererseits  (Art.  77  der  Kantons-
verfassung  [KV]  und  Art.  29a  der  Bundesverfassung  [BV])  stets  praktische 
Konkordanz herzustellen (Donatsch, § 20 Rz. 64 ff.).  

Frei  beantworten  kann  das  Baurekursgericht  die  Frage,  was  unter  einem 
Schutzobjekt im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. d PBG zu verstehen ist (Donatsch, 
§ 20 Rz. 85 f.). 

7.1 Die Bestimmungen von § 203 Abs. 1 lit. d PBG und § 24 Abs. 4 NHV 

erscheinen auslegungsbedürftig.  

Von  den  im  Gesetz  genannten  Schutzobjekten  –  vorgeschichtliche  und 
geschichtliche  Stätten,  ortsgebundene  Gegenstände,  Gebiete  von  archäo-
logischer  Bedeutung  –  sind  auf  Verordnungsstufe  einzig  die  ortsgebundenen 
Gegenstände  näher  umschrieben.  Als  solche  gelten  «Zeugnisse  menschlicher 
Tätigkeiten  aus  früheren  Zeiten  wie  Siedlungs-  und  Baureste,  Gräber,  Brand-
schichten,  Werkgruben,  Befestigungen,  Keramik,  Schmuck,  Werkzeuge,  Tex-
tilien und andere archäologische Fundstücke».    

Aus  dieser  Umschreibung  ergibt  sich,  dass  es  sich  bei  den  ortsge-
bundenen Gegenständen erstens um Zeugnisse menschlicher Tätigkeiten, also 
nicht  um  Hervorbringungen  der  Natur  handelt,  und  dass  diese  Gegenstände 
zweitens  aus  –  vom  Verordnungsgeber  sehr  weit  umschrieben  –  «früheren 
Zeiten»  stammen  müssen.  Die  «Gegenstände»  müssen  zwar  regelmässig 
«ortsgebunden» sein. Dies heisst aber nicht, dass sie zwingend von Anfang an 
dauerhaft  mit dem Boden verbunden gewesen sein müssen, fallen doch auch 
Keramik, Schmuck, Werkzeuge und Textilien, also bewegliche Sachen unter die 
ortsgebundenen  Gegenstände.  «Ortsgebunden»  heisst  demnach  nicht  mehr 
und  weniger,  als  dass  die  Gegenstände  Teil  archäologischer  Schicht  bilden 
müssen.  Damit  entfiele  es,  Keramik,  Schmuck,  Werkzeuge,  Textilien  oder 

 
 
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andere  bewegliche  Objekte  aus  früheren  Zeiten,  die  ausserhalb  solcher 
Schichten anfielen, gestützt auf § 203 Abs. 1 lit. d PBG unter Schutz zu stellen, 
selbst  wenn  es  sich  hierbei  um  Objekte  handelte,  die  als  Teil  archäologischer 
Schichten ohne weiteres schutzwürdig wären. Hingegen kann entgegen der von 
der  Rekurrentin  in  der  Duplik  erfolgten  Äusserung  nicht  gesagt  werden,  die 
Gegenstände müssten eine «besonders enge Beziehung» zu einem Ort haben, 
wie  dies  beispielsweise  bei  Grabbeigaben  der  Fall  sei.  Auch  zufällig  den 
Schichten inhärente Gegenstände können ortsgebunden sein.    

7.2 Zwar bezieht sich das Gesetz auf die ortsgebundenen «Gegenstände», 
und  in  der Verordnung  werden  diese  (nicht  abschliessend) einzeln  aufgezählt. 
Dessen  ungeachtet  ist  nicht  zu  übersehen,  dass  die  Erhaltung  archäologisch 
relevanter Gegenstände zu einem ganz erheblichen Teil auf ihrer Belassung im 
Boden 
(«Bodenarchiv»)  beruht.  Schutzobjekt  können  somit  auch  die 
archäologischen  Schichten  selber  mit  den  ihnen  inhärenten,  archäologisch 
erheblichen Gegenständen sein. Der Begriff der ortsgebundenen Gegenstände 
darf  mit  andern  Worten  nicht  allzu  eng  verstanden  werden.  Nicht  erst  der  – 
geborgene  –  Gegenstand  selber  ist  Schutzobjekt.  Bei  anderem  Verständnis 
schüfen Gesetz und Verordnung den Zwang, die Gegenstände entweder unter 
Zerstörung  der  Schichten  zu  bergen  oder  aber  auf  Schutzmassnahmen  zu 
verzichten.  Solches  wäre  zur  Gänze  sachfremd,  ja  unsinnig  und  kann  daher 
weder als gesetzgeberische Absicht noch als Normzweck unterstellt werden.  

Mithin  kann  es  einer  Unterschutzstellung  auch  nicht  entgegen  stehen, 
wenn  zwar  auf  Grund  von  Bodenuntersuchungen  die  archäologischen 
Schichten  erstellt,  zufolge  Verzichts  auf  Bergung  die  Gegenstände  in  den 
Schichten aber nur ansatzweise bekannt sind. Die Belassung der Gegenstände 
in  den  Schichten  ist  in  aller  Regel  unvermeidbar mit  eingeschränkter  Kenntnis 
über diese verbunden. 

7.3 Mit Bezug auf den Begriff der Gebiete von archäologischer Bedeutung 
ist  zunächst  festzustellen,  dass  dieser  einen  räumlich  grösseren  Bereich 
impliziert.  Alsdann  erscheint  es  naheliegend,  auch  schon  blosse,  wenn  auch 
stets  hinreichend  erhärtete  «Verdachtsgebiete»,  Gebiete  also,  in  denen 
archäologische  Schichten  begründet  zu  vermuten  sind,  als  Gebiete  von 
archäologischer Bedeutung einzustufen. Auch solchen Verdachtsgebieten muss 
der erforderliche Schutz zukommen. Sie sind damit zumindest inventarfähig (§ 
203  Abs.  2  PBG).  Ob  und  inwieweit  für  die  Anordnung  grundeigentümer-
verbindlicher Schutzmassnahmen  weitere  Abklärungen  erforderlich  sind,  ist  im 
Einzelfall  zu  entscheiden  und  kann  hier offenbleiben.  Vorliegend  geht  es  nicht 
um die Unterschutzstellung eines archäologischen Gebietes, sondern um lokal 
begrenzte archäologische Schichten mit ihren Fundstücken.  

8.1 Von der Kantonsarchäologie wurden in Zusammenarbeit mit der Stadt-
archäologie 
im  Juni  2014  auf  den  streitbetroffenen  Grundstück  Bohr-
sondierungen durchgeführt. Es handelt sich um die vier Bohrungen KB 14/01 - 
KB 14/04.  Die  Resultate  sind  einlässlich  dokumentiert  im  Bericht  über  die 
archäologischen  Bohrsondierungen  des  Amtes  für  Städtebau  der  Stadt  Zürich 
vom  22.  Juli  2014,  auf  den  sich  wiederum  der  Bericht  der  Archäologie-Kom-

 
 
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mission  vom  1.  Dezember  2014  abstützt,  mit  dem  die  Kommission  die  vor-
liegend strittige Unterschutzstellung beantragt hat.  

Als Resultate der Bodenuntersuchung sind zu erwähnen:  

–  Vermutungsweise  kleine  hellrote  Ziegel-  oder  Amphorenfragmente; 
kleine  Ziegelfragmente  und  ein  Ziegelsplithorizont,  wobei  die  kleinen  hellroten 
Ziegelfragmente  eher  von  römischen  oder  hochmittelalterlichen  als  von  neu-
zeitlichen  Ziegeln  stammen  dürften  (Kernbohrung  14/2  und  Korrelation  Kern-
bohrungen 14/1 und 14/2);  

–  Zahlreiche  Hüttenlehmfragmente,  dazu  Holzkohle,  wohl  eine 
frühgeschichtliche  Abfallschicht;  eine  Lehmschicht,  bei  der  es  sich  um  einen 
alten  Oberboden  handeln  kann;  schliesslich  eine  55  cm  mächtige  humos-
lehmige Schicht mit zahlreichen Fragmenten aus schwach gebranntem Ton, die 
als zu Metallgussformen gehörig und als starken Hinweis auf die Giesserei der 
Familie Füssli interpretiert werden (Kernbohrung 14/3);  

– 

Lehmschichten,  die  als  Funde  römische  Keramik,  darunter  Terra 
Sigillata  und  ein  rund  geschlagenes  Ziegelfragment,  eventuell  ein  Spielstein, 
enthalten;  ein  dünner,  phosphatreicher  Horizont,  der  auf  Tierdung  in  einem 
Stallbereich und damit auf Tierhaltung hinweisen könnte; Glanzton- und Ziegel-
fragmente aus römischer Zeit (Kernbohrung 14/4). 

8.2  Diese  Ergebnisse sind  in  den  Kontext  des  Berichtes  der Archäologie-
Kommission des Kantons Zürich zu stellen. Dem Bericht ist u.a. zu entnehmen: 
Nicht  nur  die  Hügelkuppe  des  Lindenhofs,  sondern  auch  dessen  Westabhang 
stellt  mit  seiner  kontinuierlichen  Besiedlung  seit  über  2000  Jahren  ein 
ausserordentliches  und  einzigartiges  Bodenarchiv  dar.  Das  aktuelle  Renn-
wegquartier  ist  die  Kernzone  der  Stadtgeschichte,  in  welcher  die  gesamte 
Entwicklung  Zürichs  vom  Zentralort  der  Kelten  (Oppidum)  über  die  römische 
Kleinstadt  und  Zollstation  (Vicus  Turicum)  zur  Stadt  des  Mittelalters  und  der 
Neuzeit archiviert ist. Das Quartier erhält somit wertvolles kulturelles Erbe, das 
nicht  nur  von  regionaler  Bedeutung  ist,  sondern  auch  im  Brennpunkt  des 
nationalen  und  internationalen  wissenschaftlichen  Diskurses  steht.  Der  Boden 
des gesamten unteren Zürichseebeckens steckt voller archäologischer Quellen, 
die  mit  den  verschiedenen  Pfahlbaudörfern  bis  in  die  Steinzeit  zurückreichen. 
Ab der keltischen Zeit verlagerten sich die Siedlungszentren von den Seeufern 
auf  und  in  den  Umkreis  des  Lindenhofhügels.  In  leicht  zu  verteidigender  und 
verkehrsgünstiger Lage am Übergang vom See zum Fluss bot sich der Hügel in 
der ereignisvollen keltischen und römischen Zeit als Siedlungsort geradezu an. 
An  der  auch  militärisch-strategisch  wichtigen  Nord-Südroute,  die  über  die 
Bündnerpässe  Richtung  Süden  führte,  kam  diesem  Ort  vor  allem  in  römischer 
Zeit auch eine wichtige Bedeutung als Warenumschlagsplatz und Zollstation zu. 
Nahtlos  hat  sich  ab  der  Herrschaft  des  Kaisers  Augustus  um  etwa  30  v.  Chr. 
aus  dem  befestigten  keltischen  Oppidum  die  römische  Kleinstadt  Turicum 
entwickelt,  die  sich  nunmehr  auf  beiden  Seiten  der  Limmat  ausdehnte.  Die 
Wasserroute  –  der  Seeweg  –  war  die  Ader  des  römischen  Zürich.  Der  Vicus 
erlebte seine Blütezeit im 2. Jahrhundert, bevor auch hier im 3. Jahrhundert wie 
in  vielen  Teil  des  Imperiums  eine  schwierige  und  unruhige  Zeit  anbrach. 

 
 
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Turicum  blieb  aber  weiterhin  bewohnt,  und  der  Lindenhof  wurde  im  4.  Jahr-
hundert mit einem Kastell befestigt.  

8.3  Die  Baudirektion  gelangt  in  der  Begründung  des  angefochtenen 
Beschlusses  zum  Schluss,  im  Hinterhofbereich  des  streitbetroffenen  Grund-
stückes sei eine durchgehende Schichtabfolge von der Spätlatène-Zeit über die 
Römerzeit  und  das  Mittelalter  bis  zur  Neuzeit  erhalten.  Sie  umfasse  damit  die 
wesentlichen  Etappen  der  frühen  Stadtentwicklung  von  Zürich  seit  der 
Gründung  des  keltischen  Oppidum  im  1.  Jahrhundert  v.  Chr.  Aus  diesen 
Epochen hätten sich im Areal Siedlungsreste erhalten, wie die Profile der Kern-
bohrsondierungen  dokumentierten.  In  der  Neuzeit  lasse  sich  auf  Grund  von 
schriftlichen  Quellen die  Giessereiwerkstatt der Familie  Füssli  auf der Parzelle 
lokalisieren. Fragmente von gerundeten Tonformen aus einem Bohrkern legten 
nahe,  dass  im  Boden  noch  Überreste  der  Werkstatt  (Gussgruben,  Öfen)  er-
halten seien.     

Gründe,  diese  Schlussfolgerungen  in  Zweifel  zu  ziehen,  sind  nicht  zu  er-
kennen.  Die  vorgenommenen  Probebohrungen  wurden  fachmännisch  durch-
geführt  und  erweisen  sich  als  ausreichend.  Weitere  Abklärungen  waren  nicht 
erforderlich.  Dies  schon  für  sich  betrachtet  und  alsdann  namentlich  auch  mit 
Blick auf den grösseren geschichtlichen und archäologischen Kontext, welcher 
selbstredend  in  die  Betrachtung  mit  einzubeziehen  ist.  Dem  vorstehend 
Gesagten  zufolge  war  entgegen  der  Auffassung  der  Rekurrentin  nicht  das 
Vorhandensein «bedeutender Gegenstände», sondern archäologisch relevanter 
Schichten  nachzuweisen.  Die  rekurrentischen  Vorbringen  vermögen  den 
geglückten  Nachweis nicht  in  Frage  zu  stellen.  Der Wert  der  nachgewiesenen  
archäologischen  Schichten  kann  auch  nicht  mit  der  Feststellung  bezweifelt 
werden,  dass  sich  entsprechende  Schichten  über  den  ganzen  Lindenhofhügel 
erstreckten,  würde  doch  diesfalls  die  Unterschutzstellung  nachgewiesener 
archäologischer  Schichten  innerhalb  eines  archäologisch  gleichwertigen  Ge-
bietes regelmässig entfallen, was offenkundig unhaltbar wäre.       

9.1  Schutzmassnahmen müssen  verhältnismässig  sein  (Art.  5  Abs.  2  und 
Art. 36  Abs.  3  BV).  Damit  wird  zunächst  verlangt,  dass  sie  zwecktauglich  und 
notwendig  sind  (Verhältnismässigkeit  im  weiteren  Sinne).  Die  Notwendigkeit 
bedeutet, dass eine Massnahme in ihrer konkreten Ausgestaltung über das zur 
Erreichung ihres Ziels Notwendige nicht hinausgehen darf. 

Alsdann  muss  auch  die  Verhältnismässigkeit  im  engeren  Sinne  gewahrt 
sein.  Das  heisst, dass  ein  vernünftiges  Verhältnis zwischen  dem  angestrebten 
Ziel  und  dem  mit  der  Massnahme  verbundenen  Eingriff  in  die  Rechtsstellung 
der betroffenen Person bestehen muss. Staatliche Massnahmen müssen durch 
ein  öffentliches  Interesse,  welches  das  private  überwiegt,  gerechtfertigt  sein, 
andernfalls  sie  für  den  Betroffenen  unzumutbar  sind  (vgl.  zum  Ganzen  Ulrich 
Häfelin/Georg  Müller/Felix  Uhlmann,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  6. A., 
2010, Rz. 581 ff.).    

9.2  Mit  Blick  auf  die  Verhältnismässigkeit  im  weiteren  Sinne  ist  erneut 
darauf  hinzuweisen,  dass  es  ein  anerkanntes  Vorgehen  darstellt, 
archäologische  Schichten  als  Bodenarchiv  auf  absehbare  Zeit  zu  belassen, 

 
 
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statt die Gegenstände zu bergen, was stets mit der Zerstörung der Fundschicht 
verbunden  ist.  Die  Eignung  eines  solchen  Vorgehens  kann  nicht  ernstlich  in 
Frage  gestellt  werden.  So  vorzugehen  hält  sich  vorliegend  innerhalb  des 
Ermessens  der  Behörde.  Eine  Notgrabung  wäre  mit  erheblichen  Kosten  für 
Feldarbeit,  Auswertung  und  Publikation  der  Ergebnisse  verbunden,  die  aufzu-
bringen im Licht der Schwere der Eigentumseinschränkung (dazu nachfolgend) 
nicht verlangt werden kann. Dass im Bereich des archäologisch inventarisierten 
Stadtgebietes teilweise auch anders vorgegangen wird, ändert an alldem nichts. 
Bekanntes Beispiel sind die Bergung der Pfahlbauschichten im Zusammenhang 
mit der Erstellung des Parkhauses Opéra unter dem Sechseläutenplatz. An der 
Erstellung  dieses  Parkhauses  bestand  indes  ein  klar  überwiegendes  öffent-
liches Interesse, wie es hier nicht vorliegen kann. Auch das von der Rekurrentin 
in der Duplik genannte Beispiel der Grabungen bei der Realisierung des Hotels 
Widder am  Rennweg  kann  nicht  dazu führen,  vorliegend  in  das  Ermessen  der 
Vorinstanz einzugreifen und Notgrabungen zu verlangen. Anders als beim Hotel 
Widder  geht  es  hier  nicht  um  den  Umbau  und  die  Neunutzung  eines  ganzen 
Gebäudekomplexes.  Die  Rekurrentin  verfügt  bereits  heute  über  zwei  Laden-
geschosse  im  Hinterhofbereich.  Die  Nutzung  dieses  Bereiches  ist  damit 
gewährleistet,  was  die  Schutzmassnahme  als  zumutbar  ausweist.  Im  Übrigen 
ist  die  Massnahme  immerhin  insoweit  flexibel  formuliert,  als  die  Entfernung, 
Sanierung oder Erneuerung der bestehenden Bodenplatte nicht vor vornherein 
untersagt  ist,  sondern  lediglich  in  Absprache  mit  der  Kantonsarchäologie  ge-
plant  und  von  dieser  begleitet  werden  muss.  Diese  Begleitung  dürfte  es  der 
Bauherrschaft erleichtern, gegebenenfalls den geforderten Nachweis zu erbrin-
gen, dass das Schutzobjekt mit solchen Massnahmen nicht beeinträchtigt wird. 

Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist.