# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d975f8ba-2b0c-58b4-8018-27f76f36c2df
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-11-23
**Language:** de
**Title:** Direkte Bundessteuer 2016 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2016
**Docket/Reference:** DB.2018.143
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/1-db.2018.143--1-st.2018.167.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

1 DB.2018.143 
1 ST.2018.167 

Entscheid 

23. November 2018 

Mitwirkend: 

Einzelrichter Walter Balsiger und Gerichtsschreiber Benjamin Briner 

1.  A,    

2.  B ,    

vertreten durch PrimeTax AG,  
Seestrasse 356, 8038 Zürich,  

In Sachen 

gegen 

Beschwerdeführer/ 
Rekurrenten,  

1.  S c h w e i z e r i s c h e   E i d g e n o s s e n s c h a f t ,    

2.  S t a a t   Z ü r i c h ,    

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Bau,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Beschwerdegegnerin,  

Rekursgegner,  

Direkte Bundessteuer 2016 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2016 

betreffend 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A. C, [Jg. 1995], lebt bei seinen Eltern A und B (nachfolgend die Pflichtigen), 

die für seinen Unterhalt aufkommen. Im Juli 2016 erlang C die Matura am Gymnasium 

D, welches er seit Januar 2014 besuchte. Zuvor besuchte er einen Mittelschullehrgang 

der Kantonsschule E. Vor der Matura hatte er weder eine Berufsausbildung noch eine 

andere Ausbildung absolviert oder begonnen. Am 1. September 2016 trat er eine Lehr-

stelle bei der F AG in G an. Es handelt sich um eine Berufsausbildung zum Informati-

ker mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis. Der Lehrgang dauert zwei Jahre im [Aus-

bildungsprogramm]  für  Maturanden  und  bedingt  den  lehrbegleitenden  Besuch  [einer] 

Berufsschule.  Im  ersten  Bildungsjahr  betrug  der  Bruttolohn  gemäss  Lehrvertrag  vom 

1. Juni  2016  mit  der  F  AG  Fr. 3'333.-  pro  Monat.  In  ihrer  am  11. Juni  2017  erstellten 

Steuererklärung  2016  machten  die  Pflichtigen  für  ihre  Söhne  H  (Jg. 1992)  und  C  die 

Kinderabzüge  sowie  Versicherungsabzüge  geltend.  Mit  Schreiben  vom  1. Juni  2018 

verlangte  der  zuständige  Steuerkommissär  zur  Prüfung  des  Kinderabzugs  für  C  den 

Nachweis, dass sich dieser per Stichtag 31.12.2016 noch in der Erstausbildung befand 

und  sein  Lebensunterhalt  zur  Hauptsache  durch  die  Pflichtigen  bestritten  werde.  Mit 

Schreiben vom 9. Juni 2018 reichten die Pflichtigen den bereits erwähnten Lehrvertrag 

von C mit der F ein.  

Am  19.  Juni  2018  erliess  der  Steuerkommissär  die  Veranlagungsverfügung 

und den Einschätzungsentscheid zur Steuerperiode 2016, wobei der Kinderabzug für C 

gestrichen  wurde.  Demgemäss  veranlagte  er  die  Pflichtigen  mit  einem  steuerbaren 

Einkommen von Fr. 99'700.- (direkte Bundessteuer und Staats- und Gemeindesteuern) 

sowie mit einem steuerbaren Vermögen von Fr. 525'000.- (nur Staats- und Gemeinde-

steuern).  

B. Dagegen erhoben die Pflichtigen am 11. Juli 2018 Einsprache, mit sinnge-

mässen Antrag, dass der Kinderabzug für C zu gewähren sei, da er die Lehre erst im 

September  2016  begonnen  habe  und  die  Pflichtigen  über  das  ganze  Jahr  betrachtet 

zur  Hauptsache  für  seinen  Lebensunterhalt  aufgekommen  seien.  Diese  Einsprachen 

wies das kantonale Steueramt am 26. Juli 2018 ab. Es führte aus, dass für die Gewäh-

rung des Kinderabzuges die Verhältnisse per 31. Dezember 2016 massgebend seien. 

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C habe zu diesem Zeitpunkt ein Einkommen von monatlich Fr. 3'333.- (brutto) erzielt, 

was einem Jahreseinkommen von Fr. 39'996.- (brutto) entspreche. Es sei deshalb da-

von auszugehen, dass er seinen Lebensunterhalt zur Hauptsache durch eigene Mittel 

bestreiten könne. Damit könne für ihn kein Kinderabzug gewährt werden. 

C.  Mit  Beschwerde  und  Rekurs  vom  27.  August  2018  stellen  die  Pflichtigen 

den  Antrag,  dass  sie  (ungerundet)  mit  einem  Einkommen  von  Fr. 92'510.-  (direkte 

Bundessteuer) bzw. Fr. 89'410.- (Staats- und Gemeindesteuern) einzuschätzen seien. 

Sie  machten  geltend,  im  Kalenderjahr  2016  den  Lebensunterhalt  von C  grundsätzlich 

vollständig bestritten zu haben. Das gelte auch für den Zeitraum, als er seine Lehrtä-

tigkeit angetreten  und Erwerbseinkommen erzielt habe. An seine Lebenshaltungskos-

ten  von  total  Fr.  31'600.-  habe  er  einzig  per  Ende  2016  eine  Kostenbeteiligung  von 

Fr. 4'000.-  an  die  Pflichtigen  geleistet.  Deshalb  sei  ihnen  der  Kinder-  und  Versiche-

rungsprämienabzug für C zu gewähren. 

In  seiner  Beschwerde-/Rekursantwort  vom  20.  September  2018  schloss  das 

kantonale Steueramt auf Abweisung der Rechtsmittel. Die Eidgenössische Steuerver-

waltung liess sich nicht vernehmen. 

Auf die Begründung des Einspracheentscheids und die Parteivorbringen wird, 

soweit wesentlich, in den nachfolgenden Urteilsgründen zurückgekommen. 

Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 

1.  a)  aa)  Gemäss  Art.  35  Abs.  1  lit.  a  des  Bundesgesetzes  über  die  direkte 

Bundessteuer  vom  14.  Dezember  1990  (DBG)  kann  vom  Einkommen  ein  Abzug  von 

Fr. 6'500.- gemacht werden für jedes minderjährige oder in der beruflichen oder schuli-

schen Ausbildung stehende Kind, für dessen Unterhalt der Steuerpflichtige sorgt. Laut 

Art. 35 Abs. 2 DBG wird dieser Abzug nach den Verhältnissen am Ende der Steuerpe-

riode festgesetzt. Dem Steuerpflichtigen, der einen Kinderabzug geltend machen kann, 

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steht zusätzlich ein Versicherungsprämienabzug bzw. Abzug für Zinsen von Sparkapi-

talien nach Art. 33 Abs. 1bis lit. b DBG von Fr. 700.- zu.  

Gemäss  Kreisschreiben  Nr.  30  der  Eidgenössischen  Steuerverwaltung  vom 

21. Dezember 2010 (Ehepaar- und Familienbesteuerung nach dem Bundesgesetz über 

die direkte Bundessteuer, nachfolgend KS Nr. 30) ist das Erfordernis, dass der Steuer-

pflichtige für den Unterhalt des Kindes sorgt, dann erfüllt, wenn er Beiträge mindestens 

im Umfang des Abzugs leistet. Ebenfalls wird vorausgesetzt, dass das Kind im mass-

gebenden  Zeitpunkt  tatsächlich  auf  den  Unterhaltsbeitrag  angewiesen  war  (Boss-

hard/Bosshard/Lüdin,  Sozialabzüge  und  Steuertarife  im  schweizerischen  Steuerrecht, 

2000, S. 157 f.; Peter Locher, Kommentar zum DBG, I. Teil, 2001, Art. 35 N 31 DBG;  

BGr,  29.  Mai  2002  =  StR  2002,  632).  Erzielt  das  Kind  ein  Einkommen,  das  ihm  den 

selbstständigen Unterhalt ermöglicht, so kann der Kinderabzug nicht mehr beansprucht 

werden. Der Kinderabzug wird beispielsweise dann nicht gewährt, wenn das Kind über 

ein umfangreiches Vermögen verfügt, dessen Erträge einen selbstständigen Unterhalt 

des Kindes erlauben (KS Nr. 30 Ziff. 10.3). 

bb)  Betreffend  Staats-  und  Gemeindesteuern  sieht  §  34  Abs.  1  lit.  a  des  

Steuergesetzes  vom  8.  Juni  1997/17.  September  2012  (StG)  einen  entsprechenden 

Kinderabzug in der Höhe von Fr. 9'000.- vor. Nach § 34 Abs. 2 StG sind ebenfalls die 

Verhältnisse  am  Ende  der  Steuerperiode  massgebend  und  ist  analog  dem  Recht  der 

direkten Bundessteuer mit dem Kinderabzug ein zusätzlicher Abzug von Fr. 1'300.- für 

Versicherungsprämien  verbunden  (§  31  Abs.  1  lit.  g  StG;  Richner/Frei/Kaufmann/ 

Meuter, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. A., 2013, § 31 N 130). 

Gemäss  Weisung  der  Finanzdirektion  über  Sozialabzüge  und  Steuertarife 

vom 18. Dezember 2009 (ZStB I Nr. 20/002, nachfolgend Weisung) gilt als Ausbildung 

jeder Ausbildungsgang, welcher mittelbar (Mittelschule usw.) oder unmittelbar (Berufs-

schule,  Berufslehre,  [Fach-]Hochschule,  usw.)  dazu  dient,  die  Erstausbildung  abzu-

schliessen.  Die  Erstausbildung  ist  dann  als  abgeschlossen  zu  betrachten,  wenn  ein 

Abschluss erlangt wird, der für die Ausübung eines bestimmten Berufes erforderlich ist 

und somit die Aufnahme einer angemessenen beruflichen Tätigkeit erlaubt (z.B. Lehr-

abschluss, eidg. Fachausweis, eidg. Diplom, Hochschulabschluss; Weisung Rz 8). Die 

Voraussetzung  der  Unterstützungsbedürftigkeit  des  Kindes  wird  in  der  Weisung  nicht 

genannt. 

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cc)  Das  erwähnte  KS  Nr.  30  und  die  Weisung  richten  sich  in  erster  Linie  an 

das (kantonale) Steueramt und stellen für die Steuerjustizbehörden eine nicht verbind-

liche  Anweisung  zur  Auslegung  der  Steuergesetze  dar.  Sie  werden  vom  Richter  aber 

immerhin bei seiner Entscheidung mitberücksichtigt, sofern sie im konkreten Einzelfall 

eine  sachgerechte  Auslegung  der  anwendbaren  gesetzlichen  Bestimmung  erlauben 

(BGE 121 II 473 = StE 1996 B 93.1 Nr. 2 = ASA 65, 477 = StR 1996, 542).  

b)  Das  Steuerrekursgericht  lehnt  sich  bei  der  Beurteilung,  ob  ein  volljähriges 

Kind  im  Sinne  des  Steuerrechts  noch  in  Ausbildung  steht,  unter  Einbezug  des  KS 

Nr. 30  und  der  Weisung  an  die  Praxis  zur  zivilrechtlichen  Normierung  der  elterlichen 

Unterstützungspflicht an (StRG, 29. August 2016, 2 DB.2016.118/2 ST.2016.142 E. 1b; 

StRK  II,  26. September  2000,  2 ST.2000.209  =  StE  B  29.3  Nr. 17;  Richner/Frei/Kauf-

mann/Meuter,  Handkommentar  zum  DBG,  3. A.,  2016,  Art. 35  N  31  und  §  34  N  31b 

StG; Bosshard/Bosshard/Lüdin, S. 154 f. und 175 f.). 

Die  gesetzliche  Regelung  der  elterlichen  Unterhaltspflicht  (Art.  277  Abs. 2 

ZGB)  und  ihre  Anwendung  haben  sicherzustellen,  dass  das  Kind  solange  elterlichen 

Unterhalt beanspruchen kann, als es dessen bedarf und billigerweise auf Fremdmittel 

Anspruch erheben darf (Peter Breitschmid, in: Basler Kommentar, 2014, Art. 277 N 8 ff. 

ZGB, auch zum Folgenden). Der Ausbildungs- bzw. berufliche Lebensplan ist von El-

tern  und  Kind  gemeinsam  zu  entwickeln;  er  hat  den  Fähigkeiten  des Kindes  und den 

tatsächlichen  (Ausbildungsmöglichkeiten)  einerseits  und  wirtschaftlichen  (elterliche 

Leistungsfähigkeit,  allfällige  Stipendienleistungen)  Rahmenbedingungen  andererseits 

Rechnung zu tragen. Die elterliche Unterhaltspflicht dauert ohne feste Grenze an, bis 

die angemessene Ausbildung, auf die das Kind Anspruch hat, ordentlicherweise abge-

schlossen  werden  kann.  Angemessen  ist  sie  dann,  wenn  das  geplante  (und  realisti-

sche)  Ausbildungsziel  erreicht  ist  (Cyril  Hegnauer,  in:  Berner  Kommentar,  1997, 

Art. 277 N 61 f. ZGB). Gefordert wird überdies eine gewisse Kohärenz und Kontinuität 

der Ausbildung (Breitschmid, Art. 277 N 10 ZGB). War das Kind bereits ins Erwerbsle-

ben eingetreten, dürfte die Vermutung eher für eine selbst zu finanzierende Weiterbil-

dung  oder  einen  Berufswechsel  sprechen,  ausser  die  Erwerbstätigkeit  habe  vorab 

Praktikumscharakter gehabt. 

In  wirtschaftlicher  Hinsicht  sind  die  relevanten  Rahmenbedingungen  von 

Pflichtigen und Berechtigten, namentlich die beiderseitigen Einkommens- und Vermö-

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gensverhältnisse, einander gegenüberzustellen (vgl. Breitschmid, Art. 277 N 15 ZGB). 

Es  sind  die  Einkommen  und  Vermögen  aller  Beteiligten  mitzuberücksichtigen,  somit 

auch die entsprechenden Werte des Unterhalt beanspruchenden Kindes, sofern solche 

Werte  überhaupt  vorhanden  sind  (BGE  111  II  410  ff.;  BGE  107  II  406).  Gegenüber 

mündigen,  in  Ausbildung  stehenden  Kindern  sind  die  Eltern  nur  insofern  und  in  dem 

Mass  leistungspflichtig,  als  ihre  eigenen  wirtschaftlichen  Verhältnisse  die  geforderte 

Leistung als zumutbar erscheinen lassen. Dabei ist der fortschreitenden Emanzipation 

des Kindes und der Leistungsfähigkeit von Eltern und Kind Rechnung zu tragen. Dort, 

wo  die  wirtschaftlichen  Verhältnisse  und  familiären  Beziehungen  besonders  günstig 

sind,  wird  ein  Student  von  seinen  Eltern  auch  als  Mündiger  gelegentlich  vollständig 

unterhalten und den bereits im Berufsleben stehenden Gleichaltrigen sogar wirtschaft-

lich gleichgestellt. In weniger günstigen Verhältnissen tritt die eigene Erwerbsfähigkeit 

des  Studenten  demgegenüber  weitgehend  in  den  Vordergrund,  gelegentlich  bis  zur 

gänzlichen Selbstfinanzierung der Ausbildung (ZR 1990 Nr. 45 = SJZ 1991, 49). Verfü-

gen die Eltern über ein überdurchschnittliches Einkommen, ist das mündige Kind nicht 

gehalten,  auf  die  Substanz  seines  Vermögens  zu  greifen  und  steht  den  Eltern  daher 

der Kinderabzug zu (BGE 111 II 410). 

2. a) Der in lit. A der Prozessgeschichte skizzierte Sachverhalt ist unbestritten. 

Im Streit liegt die Frage, ob der Sohn der Pflichtigen auf deren Unterstützung tatsäch-

lich  angewiesen  war.  Während  die  Pflichtigen  für  die  Beantwortung  dieser  Frage  auf 

die  gesamte  Steuerperiode  2016  abstellen,  vertritt  das  kantonale  Steueramt  die  Auf-

fassung, dass hierfür die Verhältnisse am Ende der Steuerperiode, mithin am Stichtag 

31. Dezember 2016, massgebend seien.  

Die Pflichtigen gehen davon aus, dass für die Prüfung der Unterstützungsbe-

dürfigkeit auf einen Zeitraum abgestellt werden müsse. Der relevante Betrachtungszeit-

raum sei mit der gesamten Ausbildungszeit innerhalb der Steuerperiode gleichzusetz-

ten.  Dabei  verweisen  sie  im  Wesentlichen  auf  je  ein  Urteil  des  Verwaltungsgerichts 

St. Gallen vom 12. Februar 2008 und des Kantonsgerichts Luzern vom 12. Mai 2014. 

Entgegen der in den vorerwähnten Entscheiden vertretenen Ansicht stellt sich 

das  kantonale  Steueramt  auf  den  Standpunkt,  dass  das  Stichtagsprinzip  nicht  nur  für 

das  Merkmal  der  Erstausbildung,  sondern  auch  für  das  Kriterium  der Unterstützungs-

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bedürftigkeit des Kindes bzw. der hauptsächlichen Unterstützung durch die Eltern gel-

te. Zur Begründung eines dergestalt wirkenden absoluten Stichtagsprinzips verweist es 

im  Wesentlichen  auf  eine  Literaturstelle  bei  Bosshard/Bosshard/Lüdin,  S.  110,  sowie 

einen Entscheid des Steuerrekursgerichts vom 23. September 2003 (2 ST.2003.306). 

Auch  spreche  der  eindeutige  Gesetzeswortlaut  gegen  die  Anwendung  des  relativen 

Stichtagsprinzips. Es könne ausgeschlossen werden, dass der Gesetzgeber die Fest-

legung der Unterstützungsbedürfigkeit nach den Verhältnissen während statt am Ende 

der Steuerperiode beabsichtigt habe. Eine Relativierung von Härten in Einzelfällen sei 

daher ausgeschlossen. 

b)  In  Bezug  auf  die  Unterstützungsbedürftigkeit  sind  sich  Lehre  und  Recht-

sprechung weitestgehend einig: Damit die entsprechenden Abzüge zulässig sind, muss 

das Kind auf die Unterstützung der Eltern angewiesen sein.  

aa)  Der  Kinderabzug  nach  Bundesrecht  ist  nicht  bereits  deswegen  ausge-

schlossen,  weil  ein  mündiges  Kind  in  Ausbildung  ein  eigenes  Einkommen  erzielt  und 

die Eltern für weniger als 50% der Kosten des Unterhalts und der Ausbildung des Kin-

des  aufkommen.  Hingegen  ist  vorausgesetzt,  dass  die  Eltern  mindestens  Beiträge  in 

der Höhe des Sozialabzuges erbringen und das mündige Kind auf den Unterhaltsbei-

trag angewiesen ist. Letzteres ist nicht der Fall, wenn das volljährige Kind trotz seiner 

Ausbildung  in  der  Lage  ist,  seinen  Unterhalt  aus  seinem  Arbeitserwerb  oder  anderen 

Mitteln selber zu bestreiten. Dabei sind auch die Vermögensverhältnisse des Kindes zu 

berücksichtigen, soweit die Verwertung des Vermögens zur Finanzierung des Lebens-

unterhalts  zumutbar  erscheint.  Verfügen  die  Eltern  aber  über  ein  überdurchschnittli-

ches Einkommen, ist das volljährige Kind nicht gehalten, auf die Substanz seines Ver-

mögens  zu  greifen,  und  stehen  den  Eltern  daher  der  Kinder-  und  der  zusätzliche 

Versicherungsabzug  zu  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  § 34  N 31b  StG,;  Baum-

gartner/Eichenberger,  in:  Kommentar  zum  Schweizerischen  Steuerrecht,  3. A.,  2017, 

Art. 35  DBG  N 13  ff.;  VGr,  2. Oktober  2013,  SB.2013.00030,  E. 2;  BGr,  4. Februar 

2014,  2C_516/2013  bzw.  2C_517/2013,  E.  2.1;  BGr,  14. Juni  2011,  2C_357/2010, 

E. 2.1; BGE 94 I 231 E. 1). Als Anhaltspunkt für die Unterstützungsbedürftigkeit stützte 

sich das Bundesgericht in seinem Entscheid vom 4. Februar 2014, 2C_516/2013 bzw. 

2C_517/2013, gemäss E. 2.3 für die Steuerperiode 2010 auf eine Erhebung des Bun-

desamtes  für  Statistik  (BFS,  Studieren  unter  Bologna,  Neuenburg  2010,  S. 62),  wo-

nach die Gesamtausgaben für Studierende, die ausserhalb des Elternhauses wohnen, 

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im  Jahr  2009  zwischen  Fr. 1'470.-  und  Fr. 2'140.-  pro  Monat  lagen;  jährlich  also  zwi-

schen Fr. 17'640.- und Fr. 25'680.-. Für Studierende, die bei den Eltern wohnen, lagen 

die  Gesamtausgaben  im  Jahr  2009,  gemäss  der  vorerwähnten  Studie  des  BFS,  zwi-

schen  Fr. 860.-  und  Fr. 1'470.-  pro  Monat,  jährlich  also  zwischen  Fr. 10'320.-  und 

Fr. 17'640.- (VGr, 4. September 2014, SB.2014.00054 E. 3.1). 

bb)  Das  Zürcher  Steuergesetz  setzt  gemäss  Entscheid  des  kantonalen  Ver-

waltungsgerichts vom 18. Dezember 2012 (StE B 29.3 Nr. 20) für die Gewährung des 

Kinderabzugs  (und  des  daran  anknüpfenden  zusätzlichen  Versicherungsabzugs)  bei 

volljährigen  Kindern  voraus,  dass  diese  in  Ausbildung  stehen  und  ihr  Unterhalt  zur 

Hauptsache  durch  den  Steuerpflichtigen  bestritten  wird.  Ein  solcher  Unterhalt  «zur 

Hauptsache» liegt dann vor, wenn dieser mehr als 50 % der Unterhaltskosten für das 

Kind  ausmacht,  wobei  dies  zwecks  Vereinfachung  des  Einschätzungsverfahrens  und 

im  Sinn  einer  widerlegbaren  Vermutung  dann  als  erfüllt  gelten  kann,  wenn  Unterstüt-

zungsleistungen zumindest in der Höhe des Kinderabzugs (aktuell Fr. 9'000.-) erbracht 

worden sind. 

3.  a)  Nachfolgend  sollen  die  von  den  Parteien  ins  Feld  geführten  Präjudizen 

zur Bedeutung des gesetzlich normierten Stichtagsprinzips jeweils dargelegt und näher 

erörtert werden: 

aa) Im Urteil 2 ST.2003.306 vom 23. September 2003 führte die Steuerrekurs-

kommission folgendes aus:  

a) Für die Frage, ob ein Sozialabzug vorgenommen werden darf oder nicht, ist 

somit  ein  bestimmter  Stichtag  massgeblich.  An  diesem  Stichtag  müssen  die  qualitati-

ven  Voraussetzungen  (Status  [Zivilstand,  Alter,  Kindesverhältnis  etc.]  oder  gewisse 

Lasten  [Unterhaltspflicht,  Unterstützungspflicht])  gegeben  sein  (Ivo  Baumgartner,  in: 

Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/2a, 2000, Art. 35 N 2 DBG; Pe-

ter Locher, Kommentar zum DBG, 1. A., 2001, Art. 35 N 68). Der Nachweis für die üb-

rigen Voraussetzungen eines Sozialabzugs, namentlich die quantitativen Erfordernisse, 

sind  demgegenüber  nicht  stichtagsbezogen;  Kinderunterhalts-  oder  Unterstützungs-

zahlungen können als einmalige Leistung, als regelmässige oder unregelmässige Zah-

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lungen erfolgen und deren Nachweis kann jederzeit erbracht werden (Bosshard/Boss-

hard/Lüdin, S. 110). 

b)  […]  Beansprucht  das  Stichtagsprinzip  absolute  Geltung,  so  kann  es  des-

halb  vorkommen,  dass  eine  unterstützungsbedürftige  Person  oder  ein  Kind  während 

mehr  als  elf  Monaten  unterstützt  wird,  die  Voraussetzungen  der  Gewährung  des  ent-

sprechenden Sozialabzugs aber am Jahresende infolge Verlusts der Bedürftigkeit oder 

Erreichen  der  Volljährigkeit  nicht  mehr  gegeben  sind.  Es  fragt  sich,  ob  solche  Härten 

zufolge  absoluter  Geltung  des  Stichtagsprinzips  hinzunehmen  sind  oder  im  Einzelfall 

die Abzüge von § 34 Abs. 1 StG pro rata temporis gewährt werden könnten. 

aa)  Gegen  eine  relative  Geltung  des  Stichtagsprinzips  spricht  vorab  der  ein-

deutige Wortlaut des Gesetzes. So werden die Sozialabzüge „nach den Verhältnissen 

am  Ende  der  Steuerperiode  oder  Steuerpflicht“  festgelegt.  Massgeblich  ist  somit,  ob 

am Ende von Periode oder Pflicht die Voraussetzungen eines Kinder- oder Unterstüt-

zungsabzugs gegeben sind: In beiden Fällen konzentriert sich die Beurteilung gemäss 

Wortlaut auf den letzten Zeitpunkt in der Periode oder während der Steuerpflicht, d.h. 

den  sog.  Stichtag.  Wortlaut,  Satzaufbau  und  Interpunktion  schliessen  die  Annahme 

aus, der Gesetzgeber habe gemeint, die Festlegung müsse am Ende der Steuerperio-

de oder Steuerpflicht nach den Verhältnissen während der Periode erfolgen. Text und 

Satzbau  von  §  34  Abs.  2  StG  lassen  keinen  Spielraum  für  eine  Auslegung  orten,  die 

durch  anteilige  Zulassung  des  Abzugs  auf  eine  Angleichung  mit  den  Aufwendungen 

hinausliefe.  Drückt  das  Gesetz  den  absoluten  Charakter  des  Stichtagsprinzips  in  der 

erwähnten Eindeutigkeit aus, ist es dem Richter verwehrt, im Einzelfall durch die Rela-

tivierung  eine  Härte  zu  mildern.  Solches  setzte  vielmehr  eine  Gesetzesänderung  vo-

raus (vgl. Bosshard/Bosshard/Lüdin, S. 112).  

Zwar deutet dieses Urteil u.a. an, dass nach 11-monatiger Unterstützung die 

Bedürftigkeit  am  Jahresende  verloren  gehen  könne,  aber  im  konkreten  Fall  beendete 

die Tochter der Steuerpflichtigen im ersten Halbjahr ihre Ausbildung an der Hochschule 

St.  Gallen  und  nahm  am  1.  Juli  2001  eine  (reguläre)  Erwerbstätigkeit  auf.  Per  Ende 

2001 stand sie weder in der beruflichen Ausbildung im Sinn von § 34 Abs. 1 lit. a StG, 

noch bestritten ihre Eltern, die Pflichtigen, ihren Unterhalt zu dieser Zeit zur Hauptsa-

che. M.a.W. mangelte es da am Jahresende bereits am Status der Erstausbildung bei 

der  Tochter,  womit  für  den  Kinderabzug  die  Frage  der  konkreten  Ermittlung  ihrer  Be-

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dürftigkeit auch gar nicht näher erörtert werden musste (im Übrigen dürfte sich ihr Ein-

kommen nach dem Hochschulabschluss für die ganze zweite Jahreshälfte auch deut-

lich über dem Lehrlingslohn des Sohns der Pflichtigen für vier Monate bewegt haben). 

bb) Demgegenüber erwog das Verwaltungsgericht St. Gallen in seinem Urteil 

B 2007/142 vom 12. Februar 2008 in E. 2.3.2 folgendes: Mit dem Tatbestandsmerkmal, 

dass der Steuerpflichtige zur Hauptsache für den Unterhalt des Kindes aufkommt, hat 

der Gesetzgeber ein Kriterium aufgestellt, bei dem die Anwendung des Stichtagsprin-

zips versagt. Ob ein Pflichtiger zur Hauptsache für den Unterhalt aufkommt, kann nicht 

mit Bezug auf einen Stichtag beurteilt werden, sondern erfordert die  Würdigung einer 

gewissen Zeitperiode. Diesbezüglich handelt es sich nicht um eine Statusfrage (fraglich 

ist  auch  die  im  zitierten  Schrifttum  [Anmerkung:  Bosshard/Bosshard/Lüdin,  S.  109  f.]) 

geäusserte  Auffassung,  wonach  die  Unterstützungsbedürftigkeit  eine  Statusfrage  ist). 

[…] Wird geprüft, ob die Eltern für den Unterhalt des Kindes zur Hauptsache aufkom-

men, muss zwangsläufig eine gewisse Zeitspanne berücksichtigt werden. Dabei ist es 

sachgerecht und systematisch konsequent, auf jene Zeitperiode abzustellen, in der die 

am Stichtag geltenden Statusmerkmale vorhanden waren, also auf jene Zeitspanne, in 

der sich das Kind in der Ausbildung befand. Eine Ausdehnung auf das gesamte Steu-

erjahr lässt sich steuersystematisch nicht rechtfertigen. Damit würden auch solche Tat-

sachen  berücksichtigt,  die  sich  in  einem  Zeitraum  ereigneten,  in  dem  die  Status-

Voraussetzungen für den Sozialabzug fehlten. Daher ist es folgerichtig, auch bezüglich 

des  hauptsächlichen  Unterhalts  auf  die  Zeit  der  am  Stichtag  geltenden  Verhältnisse 

abzustellen. 

Die  Regeste  des  Verwaltungsgerichts  St.  Gallen  stellt  gegenüber  dem  etwas 

verwirrenden letzten Satz klar, dass es die Frage, ob ein Steuerpflichtiger für den Un-

terhalt  des  Kindes  zur  Hauptsache  aufkommt,  nicht  nach  dem  Stichtagsprinzip  auf-

grund  der  Verhältnisse  am  Ende  der  Steuerperiode  beurteilt,  sondern  nach  den  Um-

ständen  derjenigen  Zeitperiode,  in der  sich  das  Kind  in  Ausbildung  befand.  Weiter  ist 

es berechtigt, die nicht näher erläuterte Auffassung, wonach die Unterstützungsbedürf-

tigkeit  als  Status  (im  weiteren  Sinn)  gelte,  zu  hinterfragen.  Denn  hier  spielen  im  Ge-

gensatz  zum  i.d.R.  leicht  bestimmbaren  Kindesverhältnis  oder  Alter  auch  quantitative 

Aspekte eine gewichtige Rolle, die mitunter auch gemäss dem zitierten Entscheid der 

Steuerrekurskommission vom 23. September 2003 (vgl. E. 3a) aa)) nicht stichtagsbe-

zogen zu betrachten sind. 

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1 ST.2018.167 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
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cc) Ferner ist auf E. 3.3. des Urteils des Kantonsgericht Luzern vom 12. Mai 

2014 (StE B 29.3 Nr. 48) einzugehen: "Für die Beurteilung, ob die steuerpflichtige Per-

son Kosten für den Unterhalt einer Drittperson getragen hat, erscheint es sachgerecht, 

die Abzugsfähigkeit zu bejahen, wenn die Kosten in der Steuerperiode angefallen sind 

und  die  Voraussetzungen  für  die  Gewährung  am  Stichtag  noch  fortbestehen  (Rich-

ner/Frei/Kaufmann/Meuter, 2. A., Art. 213 DBG N 81). Dabei ist nicht zwingend auf die 

ganze Steuerperiode, sondern auf jene Zeitspanne abzustellen, in der die am Stichtag 

geltenden Statusmerkmale vorhanden waren, also z.B. beim Kinderabzug jene Zeitper-

iode,  in  der  sich  das  Kind  in  der  Ausbildung  befand;  denn  eine  Ausdehnung  auf  das 

ganze Jahr würde dazu führen, dass Tatsachen berücksichtigt würden, die sich in ei-

nem  Zeitraum  ereigneten,  in  dem  die  Status-Voraussetzungen  nicht  gegeben  waren 

(VGer SG, 12.2.2008, B_2007_142, E. 2.3.3 + 2.3.2 jeweils a.E.). 

Das Abstellen auf einen bestimmten Zeitabschnitt muss sodann auch bei der 

Prüfung des Unterhaltsbedarfs oder – in der Begrifflichkeit der Weisungen zum StG – 

für die Unterstützungsbedürftigkeit gelten (a.A. Bosshard/Bosshard/Lüdin, S. 110). So 

wird  denn  auch  im  Kanton  Luzern  bei  der  Beurteilung  des  Unterhaltsbedarfs  auf  das 

betreibungsrechtliche Existenzminimum abgestellt. Dieses berechnet sich regelmässig 

gestützt auf das Gesamtjahreseinkommen (vgl. LGVE 1995 II Nr. 22 E. 2 c). Auch an-

dere Kantone lehnen sich bei der Feststellung der Bedürftigkeit am Jahreseinkommen 

an. Das ist ohne weiteres dann gerechtfertigt, wenn der Status ohne wesentliche Un-

terbrechung  das  ganze  Jahr  über  besteht  und  allfällige  Einkünfte  der  die  Unterhalts-

zahlungen empfangenden Person mehr oder weniger regelmässig zufliessen. Die Be-

rücksichtigung  eines  solchen  Einkommens  ist  angezeigt,  weil  bei  erheblichen  und 

jedenfalls über dem Existenzminimum liegenden Einkünften die Leistungen der steuer-

pflichtigen  Person  nicht  mehr  dem  Unterhalt  des  Kinds  dienen,  da  es  selber  für  sich 

sorgen kann (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, 2. A., Art. 213 DBG N 41). 

Das  Luzerner  Urteil  stützte  sich  also  auf  das  St.  Galler  Präjudiz,  erläutert  in-

des noch näher, warum es sachgemäss ist, die Unterstützungsbedürftigkeit über eine 

ganze  Steuerperiode  gesehen  zu  ermitteln,  zumindest,  wenn  während  dieser  bei  der 

unterstützten Person der Ausbildungsstatus ohne wesentliche Unterbrechung vorlag. 

b)  Vorliegend  hat  C  von  September  bis  Dezember  2016  ein  (Brutto-) 

Erwerbseinkommen  von Fr. 13'332.- erzielt und für das streitbetroffene Jahr 2016 ein 

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1 ST.2018.167 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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steuerbares  Einkommen  von  rund  Fr.  7'600.-  deklariert.  Sein  Vermögen  per  31.  De-

zember 2016 betrug Fr. 24'000.-, wobei das Vermögen gegenüber dem 31. Dezember 

2015  um  Fr.  4'000.-  zunahm.  Beide  Parteien  gehen  zutreffend  davon  aus,  dass  mit 

Bezug  auf  den  Status  einer  Person  als  in  laufender  Erstausbildung  stehend  auf  den 

Stichtag  am  Ende  der  Steuerperiode  abzustellen  ist  (ausführlich  dazu  Kantonsgericht 

Luzern, 12. Mai 2014, StE 2014 B 29.3 Nr. 48). Per 31. Dezember 2016 befand sich C 

unstrittig noch in der Erstausbildung. 

c)  Gleich  wie  das  Verwaltungsgericht  St.  Gallen  und  danach  das  Kantons-

gericht  Luzern  hat  nun  auch  das  hiesige  Steuerrekursgericht  in  einem  jüngeren  Ent-

scheid  vom  29. August 2016 festgehalten, dass die stichtagsbezogene Betrachtungs-

weise nur mit Bezug auf den Status der Erstausbildung, nicht aber hinsichtlich des wei-

teren Erfordernisses der Unterstützungsbedürftigkeit zum Zug kommt (2 DB.2016.118/ 

2 ST.2016.142  E.  3c).  Hierbei  folgte  es  dem  Standpunkt  des  kantonalen  Steueramts, 

welches damals noch genau diametral zum vorliegenden Fall die Meinung vertrat, dass 

die Erwerbslosigkeit der Pflichtigen zum Stichtag des 31. Dezember 2014 keine Rolle 

spiele. Das Stichtagsprinzip gelte nämlich nur für die Würdigung des Statusmerkmals 

der laufenden Erstausbildung, nicht aber für die Beurteilung der Unterstützungsbedürf-

tigkeit (2 DB.2016.118/2 ST.2016.142 E. 2a und 3a). 

d) Selbstredend kann nun aber aus Gründen der Rechtsgleichheit und Recht-

sicherheit nicht nach Gutdünken bzw. je nachdem, ob das sich in Ausbildung befinden-

de Kind per 31.12. gerade zufällig auch noch erwerbstätig ist oder nicht, das Stichtags-

prinzip mal absolut interpretiert werden und mal wieder nicht. Im Bereich der Steuern 

wird das Gebot der rechtsgleichen Behandlung gemäss Art. 8 Abs. 1 BV insbesondere 

durch die Grundsätze der Allgemeinheit und Gleichmässigkeit der Besteuerung sowie 

den Grundsatz der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit konkreti-

siert (Art. 127 Abs. 2 BV). Nach dem Grundsatz der Gleichmässigkeit der Besteuerung 

sind  Personen,  die  sich  in  gleichen  Verhältnissen  befinden,  in  derselben  Weise  mit 

Steuern zu belasten und müssen wesentliche Ungleichheiten in den tatsächlichen Ver-

hältnissen  zu  entsprechend  unterschiedlichen  Steuerbelastungen  führen.  Schliesslich 

besagt das Prinzip der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, dass 

die Steuerpflichtigen entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit an die Steuerlasten beizu-

tragen haben (BGE 137 I 145 E. 2.1).  

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e)  Werden  die  steuergesetzlichen  Wendungen  "nach  den  Verhältnissen  am 

Ende der Steuerperiode oder Steuerpflicht" nun demgemäss verfassungskonform aus-

gelegt  (was  auch  gemäss  Bosshard/Bosshard/Lüdin,  S.  112  f.,  durchaus  angebracht 

sein  kann),  ist  im  Einklang  mit  dem  Entscheid  des  Steuerrekursgericht  vom  29.  Au-

gust 2016 davon auszugehen, dass sich die Beurteilung der Frage, ob ein in Erstaus-

bildung stehendes erwachsenes Kind bedürftig ist (und den unterhaltspflichtigen Eltern 

somit der Kinderabzug sowie der Versicherungsabzug zusteht), grundsätzlich nach den 

Einkommensverhältnissen des Kindes während der gesamten Steuerperiode – bzw. ab 

Ausbildungsbeginn bis Ende Steuerperiode – richtet. Auch aus Gründen der Praktikabi-

lität  und  der  Verwaltungsökonomie  erscheint  es  sachgerecht,  das  Einkommen  von  C 

während  der  gesamten  Steuerperiode  2016  sowie  das  Vermögen  am  Stichtag  des 

31. Dezember  2016  zu  berücksichtigen,  da  er  sich  das  ganze  Jahr  2016  ohne  nen-

nenswerte Unterbrüche in Ausbildung befand. 

f) Der  vorliegende Fall ist  nun insbesondere  dem "Luzerner" Fall gegenüber-

zustellen, wo die betroffene 24jährige Tochter nach Abschluss eines Jus-Studiums mit 

dem  Masterdiplom  einer  Rechtswissenschaftlichen  Fakultät  per  1. November  der  be-

treffenden  Steuerperiode  für  ihr  14monatiges  Anwaltspraktikum  in  eine  Zürcher  An-

waltskanzlei  eintrat,  wo  sie  ein  monatliches  Einkommen  von  Fr.  6'500.-  und  somit 

Fr. 13'000.- (bzw. ein steuerbares Einkommen von Fr. 8'300.-) bis Ende Jahr erzielte, 

dies bei einem steuerbaren Vermögen von Fr. 4'295.- per Ende Jahr. Das Kantonsge-

richt  Luzern  erwog,  dass  bei  solchen  Verhältnissen  ohne  genauere  Prüfung  davon 

ausgegangen  werden  könne,  dass die  während  des  ganzen  Jahres in der  Erstausbil-

dung  (zur  Anwältin)  stehende  Tochter  trotz  des  ab  November  einsetzenden  Prakti-

kumslohns  nicht  fähig  war,  für  ihren  Unterhalt  zu  sorgen,  und  auf  die  Beiträge  ihrer 

Eltern angewiesen war. Zwar sei der Steuerbehörde beizupflichten, dass die Einkom-

mensverhältnisse  in  zeitlicher  Nähe  zum  Stichtag  durchaus  einen  Unterhaltsbedarf 

auszuschliessen vermöchten. Allerdings müssten die nicht stichtagsbezogen zu beur-

teilenden Kriterien – wie namentlich dasjenige der Unterhaltsleistung auf der Zahlersei-

te  und  die Voraussetzung  des  Unterhaltsbedarfs  auf  der  Empfängerseite  –  nach glei-

chen zeitlichen Massstäben beurteilt werden: nämlich für die Dauer, während welcher 

der stichtagsrelevante Status gegeben war (StE 2014 B 29.3 Nr. 48 E. 4.4.2). 

Vorliegend  hatte  der  Sohn  der  Pflichtigen  im  Steuerjahr  nicht  ein  Master-

Studium,  sondern  "erst"  seine  Matura  abgeschlossen  und  er  erzielte  mit  Fr. 7'600.- 

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zwar  ein  ähnliches  hohes  steuerbares  Einkommen  wie  die  angehende  Anwältin  aus 

Luzern, dies aber bloss, da er zwei Monate länger arbeitstätig war, denn sein Monats-

lohn war gerade mal halb so hoch wie das bei der Anwaltspraktikantin. Zwar verfügte C 

über  ein  höheres  steuerbares  Vermögen  von  (Fr.  20'000.-  bis)  Fr.  24'000.-,  dessen 

Verzehr  (durch  Ertragsausschüttung)  zur  Bestreitung  des  Lebensunterhalts  während 

der  Ausbildungsphase  aber  auch  nicht  ausgereicht  hätte  bzw.  nur  im  beschränkten 

Umfang zumutbar gewesen wäre. Hierzu wird auch nichts Gegenteiliges durch kanto-

nale Steueramt vorgebracht, welches rein auf die Einkommenssituation von C per En-

de  2016  abstellte.  Es  geht  nun  aber  nicht  an,  dessen  letzten  Brutto-Monatslohn  vom 

Dezember 2016 von Fr. 3'333.- einfach auf das ganze Jahr hochzurechnen, obwohl er 

bis im Juli als Maturand gar nicht in der Lage war, nebenher  ein solches Einkommen 

zu erarbeiten. Erst der Maturaabschluss ermöglichte es ihm, ab September 2016 den 

genannten Verdienst in der verkürzten Lehre bei der F zu erzielen. 

g)  Die  Tatsache,  dass  C  Ende  2016  noch  (günstig)  zuhause  wohnte,  kann 

entgegen  der  Beschwerde-/Rekursantwort  auch  nicht  als  klares  Indiz  aufgefasst  wer-

den,  dass  er  ab  1.  September  2016  für  seinen  Unterhalt  mehrheitlich  selber  aufkom-

men  konnte.  Es  kann  nämlich  mit  guten  Gründen  auch  gegenteilig  argumentiert  wer-

den, dass er mit seinem beruflichen Ersteinstieg im Rahmen einer Informatikerlehre bis 

Ende 2016 (noch) nicht die nötige finanzielle Selbständigkeit erreicht hatte, um (inner-

halb der Stadt G) einen mit Mehrkosten verbundenen Auszug aus seinem Elternhaus 

bewältigen zu können. 

Unter diesen Umständen darf ohne Weiteres angenommen, dass die Pflichti-

gen den Unterhalt ihres Sohns C in der Steuerperiode 2016 zur Hauptsache bestritten 

haben,  zumal  das  kantonale  Steueramt  deren  Unterhaltskostenberechnung  gemäss 

Beschwerde  und  Rekurs  in  der  Beschwerde-  und  Rekursantwort  nicht  in  Frage  stellt, 

sondern lediglich auf einen anderen Beurteilungszeitraum abstellte. 

4.  Diese  Erwägungen  führen  zur  Gutheissung  von  Beschwerde  und  Rekurs. 

Unter  Berücksichtigung  des  den  Pflichtigen  zustehenden  Kinder-  und  Versicherungs-

abzugs für C ist bei der direkten Bundessteuer 2016 das steuerbare Einkommen  von 

(gerundet) Fr. 99'700.- (um Fr. 6'500.- + Fr. 700.-) auf Fr. 92'500.- und bei den Staats- 

und  Gemeindesteuern  2016  von  (gerundet)  Fr.  99'700.-  (um  Fr.  9'000.-  +  Fr. 1'300.-) 

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auf Fr. 89'400.- zu ermässigen. Den Pflichtigen ist sodann antragsgemäss je eine Par-

teientschädigung für das Beschwerde- und Rekursverfahren zuzusprechen. 

Demgemäss erkennt der Einzelrichter: 

1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. Die Beschwerdeführer werden wie folgt veran-

lagt (Tarif gemäss Art. 214 Abs. 2 DBG; Verheiratetentarif): 

Steuerperiode 

2016 

steuerbar 

satzbestimmend 

Einkommen 

Fr. 

92'500.- 

92'500.-. 

2.  Der  Rekurs  wird  gutgeheissen.  Der  Rekurrenten  werden  wie  folgt  eingeschätzt  

(Tarif gemäss § 35 Abs. 2 bzw. § 47 Abs. 2 StG; Verheiratetentarif): 

Steuerperiode 

Einkommen 

Vermögen 

2016 

steuerbar 

satzbestimmend 

Fr. 

89'400.- 

89'400.-. 

Fr. 

525'000.- 

525'000.-. 

[…] 

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1 ST.2018.167