# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6db98d62-d24d-5202-85ac-8d8b3062948d
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-10-13
**Language:** de
**Title:** Kein rentenbegründender Invaliditätsgrad trotz ausgewiesener 70%iger Arbeitsunfähigkeit, da der Beschwerdeführer in seiner selbständigen Tätigkeit als Musiker vor Eintritt des Gesundheitsschadens während mehreren Jahren ein tiefes Einkommen erzielte, das ihm als Valideneinkommen anzurechnen ist. Früherer Eintritt des Gesundheitsschadens nicht nachgewiesen; Beweislast beim Beschwerdeführer.  (BGE 9C_769/2020)
**Docket/Reference:** IV.2019.00811
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2019.00811.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2019.00811
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Fehr, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiberin Engesser
Urteil
vom
1
3.
Oktober 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Stadt Zürich Soziale Dienste
Y.___
, Sozialversicherungsrecht, Team Recht
Hönggerstrasse
24, 8037 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren
1985
,
war seit
dem Jahr 2010
als selbständiger Musiker
tätig, als er sich am 2
3.
August 2018 u
nter Hinweis auf die Diagnose einer Schizophrenie bei der Invalidenversicherung zum Leis
t
ungsbezug an
mel
dete
(
Urk.
9/4
,
Urk.
9/10
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte
in der Folge
einen
B
ericht des behandelnden Arztes
Dr.
med.
Z.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ein
(
Urk.
9/11
)
und
ver
anlasste
ein
bidisziplinäres
Gutachten bei Prof.
Dr.
med.
A.___
, Facharzt für Psychiatrie
,
und
Dr.
phil.
B.___
, Neuropsychologin, das am 2
5.
Januar 2019 erstattet wurde (
Urk.
9/16). Ferner holte sie einen IK-Auszug ein (
Urk.
9/10) und
führte eine Abklärung für
Selbständigerwerbende
durch (
Urk.
9/21). Mit Vor
bescheid vom 1
5.
Mai 2019 stellte sie dem Versicherten die Abweisung seines
Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
9/27). Nachdem
der durch die Sozialen Dienste
der Stadt Zürich vertretene
Versicherte am 1
1.
Juni 2019 dagegen Ein
w
ä
nd
e
erhoben (
Urk.
9/28,
Urk.
9/29) und diese am 1
6.
Juli 2019 ergänz
t
hatte (
Urk.
9/34)
,
entschied die IV-Stelle mit
Verfügung vom 2
9.
Oktober 2019
im angekündigten Sinne (
Urk.
9/39 =
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob der
weiterhin durch die Sozialen Dienste der Stadt Zürich ver
tretene
Versicherte am 1
2.
November 2019 Beschwerde mit den Anträgen
,
die Verfügung vom 2
9.
Oktober 2019 sei aufzuheben und es sei ihm eine ganze Inva
lidenrente zuzusprechen. In formelle
r Hinsicht stellte er den Antrag
auf
unent
geltliche Prozessführung (
Urk.
1).
Die Beschwerdegegnerin schloss am
7.
Januar 2020 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8).
Mit Verfügung vom 2
1.
Januar wurde dies dem Beschwerdeführer zur Kenntnis gebracht und ihm
die unent
geltliche Prozessführung gewährt (
Urk.
10)
.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung
des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
tu
rierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
li
ditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dür
fen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge
ben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese abstellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass der Beschwerdeführer seit 2017 in seiner angestammten Tätigkeit und in jeder ande
ren Tätigkeit erheblich eingeschränkt sei. Ab Januar 2018 sei für seine bisherige Tätigkeit als Musiker eine Restarbeitsfähigkeit von 30
%
ausgewiesen
. In einer Hilfsarbeitertätigkeit sei ein darüberhinausgehendes Pensum zumutbar.
Der Be
schwerdeführer sei seit 2009 selbständiger Posaunist/Musiker
gewesen
, wo
bei
er
mit dieser Tätigkeit
ein
unterdurchschnittlich
tiefes Einkommen erzielt habe.
Die Gründe für das geringe Einkommen seien invaliditätsfremder Natur.
Für
die Ermittlung des Invalidi
t
ätsgrades sei nicht ein Prozentvergleich vorzunehmen, sondern
das
Invalidene
inkommen
sei
gestützt
auf die Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE)
zu ermitteln
. Der so errechnete Invaliditätsgrad betrage 18
%
, weshalb kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe (
Urk.
2 S.
1
f.
).
In der Beschwerdeantwort ergänzte die Beschwerdegegnerin, der Beschwerde
füh
rer habe selbst angegeben, dass er im Gesundheitsfall als Musiker so weiterge
ar
beitet
und eventuell zusätzlich unterrichtet hätte.
D
ie Ersterkrankung
habe
im
Jahr 2017 begonnen
,
mit entsprechenden Vorläufern seit dem Jahr 201
4.
An
halts
punkte für frühere gesundheitliche
Einschränkungen
lägen nicht vor. D
er
Gut
achter
Prof.
A.___
habe
eine optimal angepasste Tätigkeit
dahingehend
be
schrie
ben,
dass
die
se
unter anderem ausreichend anregend und kreativ sein müsse,
damit der Beschwerdeführer nicht schnell die Motivation verliere. Bei der Moti
vation handle es sich
indessen
um einen invaliditätsfremden Faktor
.
E
s seien neben der Tätigkeit als Musiker
effektiv
auch andere Tätigkeiten möglich. W
e
rde entsprechend auf das Einkommen eines Hilfsarbeiters abgestellt, könnte der Be
schwerdeführer
gar
ein
deutlich
höheres als das ihm angerechnete
Invalidene
in
kommen erzielen
;
der Invaliditätsgrad betrage mithin höchstens 18
%
(
Urk.
8 S.
1
f.).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte dagegen vor,
die von der Beschwerdegegnerin ange
wandte
Praxis
beziehe sich auf Personen, die ihr wirtschaftliches Potential im Gesundheitsfalle nicht voll ausnützten.
Er
habe jedoch nicht freiwillig auf eine
besser
entl
ö
hnte
Erwerbstätigkeit verzichtet, sondern seine Erwerbsfähigkeit immer
im Rahmen seiner Möglichkeiten im ersten Arbeitsmarkt eingesetzt, was auch aus der Stellungnahme von
Dr.
Z.___
vom 1
1.
Juni 2019 hervorgehe.
Das Gutachten äussere sich nicht explizit dazu, ob er (der Beschwerdeführer) in den vergangenen Jahren überhaupt
voll oder
nicht bereits damals nur zu 30
%
arbeitsfähig gewesen
sei. Es sei davon auszugehen, dass er bereits seit etlichen Jahren aus gesundheit
lichen Gründen erheblich in seiner Erwerbsfähigkeit eingeschränkt sei. Er könne lediglich noch im Umfang von 30
%
eine Erwerbstätigkeit ausüben. Der Invalidi
tätsgrad betrage somit mindestens 70
%
, weswegen Anspruch auf eine ganze Rente bestehe
(
Urk.
1 S.
6 f.
).
Ferner sei nicht nachvollziehbar, weshalb die im Einwand angeführten Beanstan
dungen nicht weiter geprüft worden seien, dies verstosse gegen den Untersu
chungsgrundsatz (
Urk.
1 S. 7).
2.3
Im Rahmen des im Streite liegenden Anspruchs auf eine Invalidenrente ist z
u prüfen,
wann der Gesun
d
heitsschaden des Beschwerdeführer
s
eingetreten ist und ab wann er sich in erheblicher Weise auf seine erwerblichen Fähigkeiten aus
gewirkt hat. Zu prüfen ist ferner,
ob die Beschwerdegegnerin für die Berechnung des Invaliditätsgrades zu Recht auf das vor Eintritt der Invalidität tatsächlich erzielte Einkommen des Beschwerdeführers als selbständiger Musiker abgestellt hat.
3.
3.1
Dr.
Z.___
stellte in seinem Bericht vom 1
8.
September 2018 die Diagnosen eines juvenilen und adulten AD(H)S (ICD-10 F90.0, seit 2014), einer Autismus-Spek
trum Störung (ICD-10 F84.5
,
seit
2014
) sowie einer prolongierten pa
ranoiden Psy
chose (ICD-10 F23.2,
seit 2017
;
Differentialdiagnose: paranoide Schizo
phre
nie, ICD-10 F20.0;
Urk.
9/11/6). Er führte aus, aktuell und höchstwahrscheinlich in den nächsten zwei Jahren sei der Beschwerdeführer sicher nicht arbeitsfähig im Sinne des ersten Arbeitsmarktes. Möglich seien stundenweise Einsätze ohne
Belastung
en
, weder in zeitlicher noch in
der
Mengendimension. Geschützte Arbei
ts
plätze
kämen
aus autistischen und psychotischen Gründen ebenfalls in nächster Zeit nicht
in Frage
. Aktuelles Ziel sei die Etablierung einer Tages- und
Wochenstruktur, die vorerst um tägliche Verrichtungen, eine Tag-/Nachtaktivi
tät
s
struktur und um die Alltagsorganisation entwickelt werde
n müsse
(
Urk.
9/11/7).
3.2
Im
bidisziplinären
Gutachten vom 2
1.
Januar
2019 stellten Prof.
A.___
und
Dr.
B.___
die Diagnose eines schizophrenen Residuums (ICD-10 F20.5
;
Urk.
9/
16/12
)
.
Die ebenfalls festgestellte leichte kognitive
Störung mit leichten Minderleistungen einzelner exekutiver und mnestischer Teilfunktionen
sei
sehr wahrscheinlich
hauptsächlich
im Rahmen de
s schizophrenen Residuums zu sehen
(
Urk.
9/16/35
).
Prof.
A.___
führte aus, zum Zeitpunkt der Untersuchung
hätten
nur leichte kognitive Störungen vor
gelegen
. In der klinischen Untersuchung hätten sich diese
vo
r
allem durch subjektiv plausibel berichtete leichte Auffassungsstörungen ge
zeigt. Konzentrationsstörungen seien im ganzen Gespräch nicht festzustellen gewesen und seien auch eher
unwahrscheinlich,
wenn man be
d
enke, dass der Beschwerdeführer
verschiedentlich
musikalische Auftritte in der Öffentlichkeit habe. Im gesamten Denken sei er leicht gehemmt und objektiv verlangsamt.
Eine w
ahnhafte Symptomatik sei aktuell nicht festzustellen
.
In der Begutachtungs
situation sei eine leich
t
misstrauische Haltung zu Beginn spürbar gewesen, mit der Zeit habe er aber Vertrauen entwickelt und relativ offen berichtet. Aktuell sei eine akustische Ha
lluzination plausibel vorhanden. D
a der Beschwerdeführer sich über den Trugcharakter der Stimme bewusst sei, handle es sich um eine Pseu
dohalluzination. Ansonsten fänden sich vor allem Störungen der Affektivität mit im Vordergrund stehender Störung der Vitalgefühle,
Deprimiertheit
, Gereiztheit, innerer Unruhe und Insuffizienzgefühlen. In der Schilderung wirke er im Ge
spräch affektiv vermindert schwingungsfähig, zudem berichte er über leichte An
triebsarmut und Antriebshemmung. Zudem werde eine typische Tagesschwan
kung der Stimmung berichtet mit abendlicher Bess
erung der Affekte. Überdies liege
ein sozialer Rückzug vor. Die Symptomatik deute allenfalls auf ein leicht ausgeprägtes Syndrom kognitiver Störungen hin
.
Deutlicher ausgeprägt sei die Störung der Affektlage. Hierbei könne es sich einerseits um ein depressives Syn
drom handeln, andererseits wegen des grossen Überschneidungsbereichs auch um ein Syndrom der Negativsymptomatik
,
wie es bei schizophrenen Patienten vor
komme (
Urk.
9/16/11).
Im Rahmen der neuropsychologischen Begutachtung
ermittelte
Dr.
B.___
weitest
gehend durchschnittliche Resultate in der testpsychologischen Überprüfung der kognitiven Fähigkeiten. Das allgemeine Intelligenzniveau liege bei einem IQ
-
Wert von 110 ebenfalls im durchschnittlichen Bereich. Isoliert
beeinträchtigt seien die basalen Planungskompetenzen sowie die verbalen Lern- und Abrufleistungen.
Die
kognitive
n
Teilleistungseinbussen entsprächen einer leichten neuropsycho
logi
schen Störung. Die für die
Diagnosestellung einer Autismus-
Spektrum-Störung notwendigen Kriterien seien im aktuellen Zeitpunkt nicht erfüllt. Die vom Be
schwerdeführer ausgefüllten ADHS-spezifischen Selbstbeurteilungsfragebögen seie
n auffällig ausgefallen. Deren Aussagekraft müsse jedoch mit höchster Vor
sicht betrachtet werden, insbesondere da auch Antworttendenzen nicht ausge
schlossen werden könnten
.
Insgesamt
fänden sich aus aktueller neuropsy
cho
lo
gischer Sicht zu wenig Hinweise auf ein krankheitswertiges AD(H)S. Angesichts der beim Beschwerdeführer vorliegenden psychischen Störung hätten sich a priori differentialdiagnostische Schwierigkeiten ergeben, da
auch das schizophrene
Residuum gemäss ICD-10 F20.5
mit Aufmerksamkeitsdefiziten einhergehen könne
.
Die ermittelte neuropsychologische Störung sei ätiologisch-pathogenetisch wahr
scheinlich hauptsächlich im Rahmen der psychopathologischen Symptomatik zu verstehen (
Urk.
9/16/3
4 f.
).
Die Funktionsfähigkeit sollte im Alltag und unter den meisten beruflichen Anforderungen nicht eingeschränkt sein. Bei Aufgaben und Tätigkeiten mit hohen Anforderungen an die Kognition könne die Funktions
fähigkeit aber leicht eingeschränkt sein. Der Grad der Arbeitsunfähigkeit liege aus rein neuropsychologischer Sicht bei 20
%
(
Urk.
9/16/36).
Die
neuropsychologischen Erkenntnisse flossen in die Beantwortung der Gutach
terfragen im Teilgutachten von Prof.
A.___
ein (vgl.
Urk.
9/16/36
Ziff.
7.2).
D
en
dortigen
Darlegungen ist zu entnehmen
, in der bisher ausgeübten Tätigkeit als Musiker sei der Beschwerdeführer
zur Zeit
durch die Residualsymptomatik der schizophrenen Erkrankung wesentlich behindert. Weder könne er das notwendige Pensum an Übe-Zeit aufbringen, noch häufige Engagements oder eine einiger
massen regelmässige Aktivität in diesem Berufsfeld wahrnehmen. Wenn die ent
sprechenden Verpflichtungen ausgedünnt seien, reiche allerdings offensichtlich die Kompetenz und auch die noch vorhandene Restenergie dafür, die Tätigkeit gelegentlich auszuüben. In der aktuellen Situation sei mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit davon auszugehen, dass er etwa 60
%
(bezogen auf ein 100
%
Pensum) anwesend sein könne. In diese
r
Zeit seien entsprechende Übe-Leistun
gen, Neueinstudierung, Pflege des Instruments und die eigentlichen Auftritte eingerechnet. Währen
d
dieser Anwesenheitszeit bestehe eine Einschränkung der Leistung. So sei der Beschwerdeführer durch die Symptomatik weniger kreativ, was sich sowohl bei seinen eigenen Kompositionen als auch als Jazz-Musiker auf die Leistung auswirke. Hier sei ungefähr von einer Einschrän
k
ung der Leistung durch die residuale Symptomatik von 50
%
auszugehen. Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Musiker betrage demgemäss nur etwa 30
%
.
In der Zeit der akuten Episode im Jahr 2017 sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Die aktuell vorhandene Einschränkung der Arbeitsfähigkeit liege mindestens seit Anfang 2018 vor. Zukünftig sei mit einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit zu rechnen, allerdings sei dies von einer angepassten Behand
lungsstrategie abhängig (
Urk.
9/16/17). Eine optimal der Behinderung angepasste Tätigkeit sollte erhöhte kognitive Anforderungen mit komplexen Abläufen ver
meiden. Zudem müsse die Arbeit in einem eher kleineren Team mit wohl
wol
lender Atmosphäre stattfinden. Gleichzeitig allerd
ings müsse
die Tätigkeit ausrei
chend anregend und kreativ sein, damit der Beschwerdeführer nicht schnell die Motivation in der Umsetzung der Tätigkeit verliere. Allenfalls wäre die maximale Präsenz in einer solchen Tätigkeit auf 70-80
%
zu steigern. Dies sei allerding
s
sehr vom heute nicht genau einschätzbaren weiteren Verlauf der Symptomatik
abhängig. Auch bei einer erhöhten Präsenz sei mit einer deutlichen Einschrän
kung der Leistung zu rechnen. Auch hier sei der Umfang wesentlich von der weiteren Entwicklung der Erkrankung mit optimierter Therapie abhängig. Da die bisherige Therapie nicht optimal sei, könne nach entsprechender Adaptation mit einer Besserung des Zustandes gerechnet werden, allerdings könne mit einiger Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die beschriebenen Ein
schränkungen mindestens noch ein Jahr bestünden
(
Urk.
9/16/18)
.
3.3
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
vom Regio
nal
ärztlichen Dienst (RAD) führte in seiner Stellungnahme vom
6.
Februar 2019 aus, es sei aufgrund der Diagnose des schizophrenen Residuums (ICD-10 F20.5) von einem Gesundheitsschaden mit anhaltender Beeinträchtigung der Arbeits
fähigkeit auszugehen. In der bisherigen Tätigkeit als Musiker habe im Jahr 2017 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden, ab Anfang 2018 sei diese auf 70
%
festzulegen. Die Gutachter hätten sich nicht eindeutig zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit geäussert, es sei jedoch mit überwiegender Wahr
schein
lichkeit von einer vergleichbaren Arbeitsunfähigkeit mit vergleichbarem Verlauf auszugehen. Zum Anforderungsprofil sei zu vermerken, dass die bisherige Tätigkeit diesem wohl optimal entspreche (
Urk.
9/26/4).
3.4
Dr.
Z.___
führte in seine
n
im Vorbescheidverfahren eingereichten Darlegungen
vom 1
1.
Juni 2019 aus, er sei hinsichtlich der Diagnosen mit der
Beurteilung
von
Prof
.
A.___
zwar weitgehend einverstanden, ihm scheine aber, dass die
Lebens- und Krankheitsentwicklung
des Beschwerdeführers zu wenig gewürdigt
werde
. Hier zeige sich deutlich, dass er seit der Kindheit immer wieder Schwierigkeiten mit der Integration gehabt habe, die aber durch die Eltern und das Umfeld sehr gut abgefedert worden seien. Er habe mit der Konzentration, dem Verhalten und der Integration grosse Schwierigkeiten gehabt und vor allem sein hohes Talent als Posaunenspieler habe ihm die nötige Kraft und Sicherheit
gegeben
, sich zu profilier
en und aktiv zu bleiben
. Er habe sich damit jedoch nie eine finanzielle Existenzgrundlage sichern können, sondern sei immer auf finanzielle Mithilfe der Eltern angewiesen gewesen. Dass weder ein Nebenerwerb noch eine Tätigkeit an einer Musikschule je möglich gewesen seien, sei aus psychiatrischer Sicht auf seine psychiatrische Störung zurückzuführen, die es
ihm nie erlaubt habe
, sich in einen strukturierten Betrieb zu integrieren (
Urk.
9/29/1 f.)
.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich zur Beurteilung der gesundheitlichen Situa
tion des Beschwerdeführers auf das psychiatrisch-neuropsychologische Gutach
ten
von Prof.
A.___
und
Dr.
B.___
. Es ist daher vorab auf dessen Beweiswert ein
zu
gehen.
Die Expertise beruht auf umfassenden psychiatrischen sowie
neuropsycho
lo
gischen
Abklärungen und wurde in detaillierter Kenntnis der
Vorakten erstellt (
Urk.
9/16/3
ff.). Der Beschwerdeführer konnte gegenüber den einzelnen Gutach
tern seine aktuellen Beschwerden schildern und wurde von diesen jeweils - soweit fachspezifisch erforderlich - eingehend befragt. Er konnte sich insbesondere auch zu verschiedenen Themenbereichen wie dem beruflichen Werdegang und dem gewöhnlichen Tagesablauf äussern (
Urk.
9/16/8
f.,
Urk.
9/16/30
ff
.
). Die geklag
ten Leiden fanden darüber hinaus im Rahmen der Feststellung der Diagnosen Berücksichtigung, wobei sowohl diese als auch die aus medizinischer Sicht resul
tierenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit dargelegt und erläutert wurden (
Urk.
9/16/
11 ff.,
Urk.
9
/16/17 f.,
Urk.
9/16/3
4
f
f
.
). Soweit notwendig erfolgte ausserdem eine Auseinandersetzung mit vorangegangenen
ärztlichen Beurtei
lungen (
Urk.
9/16/11 f.
). Gesamthaft erfüllt das
bidisziplinäre
Gutachten somit die formellen Kriterien für eine beweiswerte medizinische Expertise
(vgl. E. 1.4
).
4.2
Prof.
A.___
und
Dr.
B.___
stellten die Diagnose eines schizophrenen Residuums (ICD-10 F20.5)
.
D
ie vom behandelnden Psychiater
Dr.
Z.___
zunächst
ange
führten
Diagnosen eines juvenilen und adulten AD(H)S (ICD-10 F90.0) und einer
Autismus-Spektrum-Störung (ICD-10 F
84.5)
bestätigten
sie nach eingehender Aus
einandersetzung mit den Diagnosekriterien nicht (
Urk.
9/16/11 ff.,
Urk.
9/16/35
f.
).
Diese Beurteilung der Experten wurde weder vom Beschwerdeführer noch von
Dr.
Z.___
, der sich mit den psychiatrischen Diagnosen
der Sachverständigen
weitgehend einverstanden er
klärte (
Urk.
9/29/1), in Frage gestellt
.
4.3
Gestützt
auf die gestellte Diagnose eines schizophrenen Residuums
kamen die Gutachter zum Schluss, der Beschwerdeführer
könne
in seiner bisherigen Tätig
keit als selbständiger Mus
iker zu 60
%
anwesend sein
, wobei seine Leistungs
fähigkeit
in dieser Zeit
um 50
%
eingeschränkt sei. Die Arbeitsfähigkeit in dieser Tätigkeit betrage mithin 30
%
(
Urk.
9/16/17).
Zur aktuellen Arbeitsfähigkeit in einer den Einschränkungen angepassten Tätigkeit äusserten sich die Gutachter nicht, sondern führten lediglich aus, die maximale Präsenz könne allenfalls auf 70 - 80
%
gesteigert
werden, wobei mit einer deutlichen Einschränkung der Leis
tung zu rechnen sei
. Dies hänge jedoch wesentlich von der weiteren Entwicklung der Erkrankung ab (
Urk.
9/16/18). RAD-Arzt
Dr.
C.___
legte dazu dar, die angestammte Tätigkeit entspreche dem Anforderungsprofil optimal, es sei mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit von einer vergleichbaren Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auszugehen (
Urk.
9/26/4). Die
s
ist nachvollziehbar und wurde vom Beschwerdeführer auch nicht bestritten.
4.4
Die
ärztlich attestierte Arbeitsfähigkeitseinschätzung ist anhand des struktu
rier
ten Beweisverfahrens zu überprüfen.
Dies
ist nach der Rechtsprechung selbst dann
nicht entbehrlich, wenn aus medizinischer Sicht nur eine geringfügige Ein
schrän
kung der Arbeitsfähigkeit attestiert wurde, die von vornherein keinen rentenre
levanten Invaliditätsgrad zu begründen vermag (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_309/2018 vom
2.
August 2018 E. 5.3.2).
Zur Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde ist festzustellen, dass dahin
g
e
hend eine Remission der schizophrenen Erkrankung eingetreten ist, als die Akut
symptomatik mit Verfolgungswahn und dialogisierenden Stimmen nicht mehr vorliegt und auch
b
ezüglich der halluzinierten Stimmen eine vollständige Dis
tan
zierung im Sinne eines Bewusstseins über die Trugwahrnehmung vorliegt (
Urk.
9/16/13). Der Beschwerdeführer nimmt diese Stimmen jedoch weiterhin wahr, ansonsten finden sich vor allem Störungen der Affektivität mit im Vor
dergrund stehender Störung der Vitalgefühle,
Deprimiertheit
, Gereiztheit, innerer Unruhe und
Insuffizienzgefühlen
. Zudem wirkt der Beschwerdeführer im Ge
spräch affek
tiv vermindert schwingungsfähig
und berichtet über leichte Antriebs
armut und Antriebshemmung (
Urk.
9/16/11).
Insgesamt bestehen damit durchaus erhebliche Befunde.
Betreffend Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resistenz ergibt sich aus dem Gutachten, dass
der Beschwerdeführer auf die initiale
neuroleptische
Therapie
gut und rasch angesprochen hat
(
Urk.
9/16/15)
.
Es werden gemäss
Prof.
A.___
entsprechend der geschilderten Symptomatik auch Therapien durchgeführt, diese würden jedoch weder in der Zusammensetzung noch in der Dosierung optimal erscheinen (
Urk.
9/16/16).
Ein vom Sozialamt im Jahr 2017 initiierter Arbeitsversuch scheiterte zwar (
Urk.
9/21/3), d
er Beschwer
de
führer nutzt die ihm verbleibende Kompetenz und Restenergie
jedoch aus,
um seine angestammte Tätigkeit als Musiker gelegentlich auszuüben (
Urk.
9/16/17),
zudem arbeitet er einmal im Monat
i
n einer Imbissbude (
Urk.
9/21/3). Einglie
derungsbemühungen sind mithin ausgewiesen.
Komorbiditäten bestehen keine, die von
Dr.
B.___
diagnostizier
te leichte kognitive Störung ist
im Rahmen des schizophrenen Residuums zu sehen (
Urk.
9/16/35 f.).
Hinsichtlich de
s
Komplex
es
«
Persönlichkeit
»
führte Prof.
A.___
aus, die Persön
l
ichkeit sei wesentlich durch die
durchgemachte akute Erkrankung und die jetzt vorliegende Residualsymptomatik geprägt
(
Urk.
9/16/15)
.
Damit liegt ein struktu
relles Defizit im Sinne einer eigentlichen Persönlichkeitsproblematik vor, welches im Rahmen der Ressourcenprüfung negativ ins Gewicht fällt.
In Bezug auf den Indikator «sozialer Kontext» ist festzuhalten, dass
der Be
schwer
deführer
vor allem Unterstützung von den Eltern erhält.
Er habe
sich jedoch krankheitsbedingt in den letzten Jahren etwas stärker von ihnen zurückgezogen
(
Urk.
9/16/15).
Zurückgezogen habe er sich auch vom Freundeskreis und überhaupt von anderen Menschen (
Urk.
9/16/11).
Was die Kategorie Konsistenz angeht,
hielt
Prof.
A.___
fest,
e
s bestünden gleich
mässige Einschränkungen des Aktivitätsniveaus in vergleichbaren Lebensberei
chen
. Die geklagten Symptome und Funktionseinbussen seien konsistent
, plausi
bel
und entsprechend den
Untersuchungsergebnisse
n
valide und nachvollziehbar. Es bestehe kein Anhalt für eine Aggravation oder Bagatellisierung der Symp
to
matik (
Urk.
9/16/16).
Bezüglich des behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdrucks ist zu bemerken, dass der Beschwerdeführer
sich seit dem Jahr 2014 in ambulanter psychiatrischer Behandlung befindet und die ihm verordnete Medikation einnimmt
(
Urk.
9/16/15). Ein stationärer Aufenthalt war
als Folge der psychischen Stabilisierung
bisher nicht erforderlich (
Urk.
9/11/6). Ein
Leidens
druck ist
indessen gleichwohl
ausgewiesen.
Bei
gesamthafter Betrachtung
der
massgeblichen Indikatoren
ers
cheint es ins
be
sondere aufgrund der konsistenten Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen Lebensbereichen sowie dem sozialen Rückzug
in Kombination mit einer durch die schizophrene Erkrankung massgeblich geprägten Persönlichkeit
als überwiegend wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer sowohl in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätigkeit in seiner Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt ist. Obwohl bezüglich der Therapie der Störung noch Verbesserungsmöglichkeiten bestehen, wird ersichtlich, dass der Beschwerdeführer sich bisher bemüht zeigte, an den ihm verordneten Therapiemassnahmen teilzunehmen, ebenso versuchte er sich im Rahmen seiner Möglichkeiten ins Erwerbsleben einzugliedern. Insgesamt kann daher auf die attestierte Arbeitsfähigkeit von 30
%
abgestellt werden.
5.
5.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
5.2
Für die Ermittlung des Valideneinkommens von selbständig erwerbstätig gewe
senen Personen, das der Bestimmung des Invaliditätsgrades nach Art. 16 ATSG zugrunde zu legen ist, sollten in erster Linie die aus dem Auszug aus dem Indi
viduellen Konto (IK) ersichtlichen Löhne herangezogen werden. Weist das bis Eintritt der Invalidität erzielte Einkommen starke und verhältnismässig kurzfristig in Erscheinung getretene Schwankungen auf, ist dabei auf den während einer längeren Zeitspanne erzielten Durchschnittsverdienst abzustellen (Urteil des Bun
des
gerichts 8C_626/2011 vom 29. März 2012 E. 3, E. 4.1 f.).
Bei selbständig Erwerbenden wird namentlich dann nicht auf das zuletzt erzielte Einkommen abgestellt, wenn aufgrund der Umstände mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit anzunehmen ist, dass der Versicherte im Gesundheitsfall seine nicht einträgliche selbständige Tätigkeit aufgegeben und eine besser
entlöhnte
andere Tätigkeit angenommen hätte, oder dann, wenn die vor der Gesund
heits
beeinträchtigung ausgeübte selbständige Tätigkeit wegen ihrer kurzen Dauer keine genügende Grundlage für die Bestimmung des Valideneinkommens dar
stellt, zumal in den ersten Jahren nach Aufnahme der selbständigen Erwerbs
tätigkeit üblicherweise aus verschiedenen Gründen (hohe Abschreibungsquote auf Neuinvestitionen usw.) die Betriebsgewinne gering sind. Wenn sich hingegen der Versicherte, auch als seine Arbeitsfähigkeit noch nicht beeinträchtigt war, über mehrere Jahre hinweg mit einem bescheidenen Einkommen aus selb
stän
diger Erwerbstätigkeit begnügt hat, ist dieses für die Festlegung des Validen
einkommens massgebend, selbst wenn besser
entlöhnte
Erwerbsmöglichkeiten be
standen hätten. Das Bundesgericht hat denn auch eine Parallelisierung der Ein
kommen bei selbständig Erwerbenden in der Regel abgelehnt (Urteil des Bun
desgerichts 8C_626/2011 vom 2
9.
März 2012 E. 4.4 mit Hinweisen auf
BGE 135 V 58
E. 3.4.6-7).
5.3
Gemäss IK-Auszug vom
3.
September 2018 war der Beschwerdeführer ab dem Jahr 2010
, mithin ab 25-jährig,
bei der Ausgleichskasse als selbständig Erwer
bender gemeldet. Ferner hatte er
daneben
jeweils ein niedriges Pensum bei wechselnden Arbeitgebern. So erzielte er im Jahr 2010 ein Einkommen von
Fr.
12'799.-- (
Fr.
8'991.-- +
Fr.
3'808.--), im Jahr 2011 von
Fr.
16'095.-- (
Fr.
14'000.--+
Fr.
250.-- +
Fr.
1'845.--), im Jahr 2012 von
Fr.
11'107.-- (
Fr.
9'094.-- +
Fr.
2'013.--), im Jahr 2013 von
Fr.
9'333.--, im Jahr 2014 von
Fr.
9'583.-- (
Fr.
250.-- +
Fr.
9'333.--), im Jahr 2015 von
Fr.
14'221.-- (
Fr.
2'979.--
+
Fr.
10'800.-- +
Fr.
442.--), im Jahr 2016 von
Fr.
7'576.--
(
Fr.
3'054.-- +
Fr.
250.-- +
Fr.
1'571.--
+
Fr.
2'701.--) und im Jahr 2017 von
Fr.
4'469.-- (
Fr.
900.-- +
Fr.
3'569.--;
Urk.
9/10).
Das E
inkommen des Beschwerdeführers war mithin über die Jahre gesehen konstant tief, mit einem Höchstwert von
Fr.
16'095.-- im Jahr 201
1.
Trotzdem übte er die Tätigkeit als selbständiger Musiker während mehreren Jahren aus und
es bestehen keinerlei Anzeiche
n dafür, dass er diese
ohne gesundheitliche Beein
trächtigung zugunsten einer besser beza
hlten Tätigkeit aufgegeben
oder zusät
z
lich eine Nebenerwerbstätigkeit aufgenommen hätte
. Zwar gab er
anlässlich der Abklärung für
Selbständigerwerbende
an, er hätte bei guter Gesundheit eventuell zusätzlich unterrichtet (
Urk.
9/21/4)
.
Bemühungen, sein Pensum als Musiklehrer auszudehnen, sind jedoch während der jahrelangen Selbständigkeit nicht ersicht
lich, so dass
es
nicht
nahe liegt
, dass er im Gesundheitsfall einen deutlich höheren Verdienst erzielt hätte.
Ebensowenig
ergeben sich
aufgrund der Eink
ommens
entwicklung während der
Jahre
der Selbständigkeit
Hinweise darauf
, dass er sein Einkommen
aus der Tätigkeit als Musiker
im Gesundheitsfall erheblich
ge
steiger
t
hätte
.
5.4
Der Beschwerdeführer brachte vor, es sei ihm aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich gewesen, seine Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt besser einzu
setzen, als er dies in der Vergangenheit getan habe (
Urk.
1 S. 7).
Diese Ansicht vertritt auch sein
Ps
ychiater
Dr.
Z.___
, der ausführte, dass
dem Beschwerde
führer weder ein
Nebenerwerb, noch eine Tätigkei
t als Musiklehrer je möglich gewesen sei
en
, sei auf seine psychische Störung zurückzuführen, die es ihm nie erlaubt habe, sich in einen strukturierten Betrieb zu integrieren
;
d
ies trotz viel
fältiger Bemühungen
seinerseits und
seiner Eltern
sowie unter Inanspruchnahme
therapeutischer Vorkehren
(
Urk.
9/29/2).
Nach der allgemeinen Beweisregel (
Art.
8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, ZGB) obliegt es bei erstmaliger Rentenprüfung der versicherten Person, die invali
disierenden Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Gelingt dieser Nachweis nicht, verfügt sie über keinen Leistungsanspruch. Mit anderen Worten wird bei Beweislosigkeit vermutet, dass sich der geklagte Gesundheitsschaden nicht inva
lidisierend auswirkt (BGE 139 V 547 E. 8.1). Bleiben die Auswirkungen eines objektivierbaren wie auch eines nicht bildgebend fassbaren Leidens auf die Arbeitsfähigkeit trotz in Nachachtung des Untersuchungsgrundsatzes sorgfältig durchgeführter Abklärungen vage und unbestimmt, ist der Beweis für die An
spruchsgrundlage nicht geleistet und nicht zu erbringen (zum Ganzen: BGE 140 V 290 E. 4.1).
Wie den Akten zu entnehmen ist, begab sich der Beschwerdeführer erstmals im November 2014 in psychiatrische Behandlung
zu
Dr.
Z.___
(
Urk.
9/11/2)
.
D
ass
zu einem früheren Zeitpunkt bereits therapeutische Massnahmen ergriffen worden
wären
, ist nicht ersichtlich und wird auch nicht geltend gemacht.
Zwar attestierte
Dr.
Z.___
dem Beschwerdeführer in seinem Bericht vom 1
8.
September 20
1
8 rückwirkend ab dem Jahr 2010 eine Arbe
itsunfähigkeit von 70
%
(
Urk.
9/11/2)
,
diese Einschätzung basiert jedoch
nicht auf echtzeitliche
n
Beobachtungen, so
n
dern lediglich auf
den Schilderungen des Beschwerdeführers
selber,
woraus
Dr.
Z.___
Schlüsse auf dessen dam
aligen Gesundheitszustand z
og
.
Dies genügt nicht, um mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer bereits im Jahr 2010 bestehenden gesundheitlich bedingten
relevanten
Einschränkung der Arbeits
fähigkeit auszugehen
, zumal es dem Beschwerdeführer
möglich war,
im Jahr 2009
sein Musikstudium mit Erfolg abzuschliessen
,
sich hernach als freier Posaunist zu betätigen und
in mehreren eigenen und Grossbands zu spielen
(vgl.
Urk.
9/11/3)
.
Konkrete Anstren
g
ungen, seine Erwerbstätigkeit als Musiker
in diesen Jahren
auszubauen, sind weder aktenkundig noch wird dies geltend gemacht.
Es ist somit -
zumindest für die Jahre 2010-2014 - nicht
rechtsgenüglich
ausgewiesen, dass der Beschwerdeführer aus gesundheitlichen Gründen
nur
e
in unterdurch
schnitt
liches Einkommen erzielen konnte
.
Da keine echtzeitlichen ärztlichen Einschät
zungen zur Arbeitsfähigkeit existieren und mithin betreffend diese Zeitspanne offensichtlich Beweislosigkeit besteht, verletzte die Beschwerdegegnerin nicht den Untersuchungsgrundsatz, indem sie
den Angaben von
Dr.
Z.___
zur Ent
wicklung der psychiatrischen Erkrankung nicht weiter nachgegangen
ist.
Zumin
dest
zwischen dem Jahr 2010 und dem Jahr 2014
ist daher von einer
nicht beeinträchtigten
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auszugehen. Da es sich bei
Eintritt des Gesundheitsschadens
bereits
um eine mehrere Jahre dauernde
, vorwiegend
selbständige Tätigkeit
als Musiker
handelt
e
,
kann das
damit
erzielte
Einkommen
für die Bestimmung des Valideneinkommens herangezogen werden
.
Für die Anrechnung eines zusätzlichen Einkommens aus einer Nebenerwerbs
tätigkeit
im Sinne der Beschäftigung in einer Imbissbude
(vgl.
Urk.
9/25/1)
be
steht kein Anlass. Die betreffende Tätigkeit nahm der Beschwerdeführer erst nach Eintritt des Gesundheitsschadens auf. Ebenso wenig besteht Anlass, das Validen
einkommen
ges
tützt auf die Tabellenlöhne
zu bemessen
(vgl.
Urk.
9/21/6)
,
5.5
Bei der Bestimmung des
Invalideneinkommen
s
ist zu beachten, dass der Be
schwerdeführer verpflichtet ist, seine Arbeitsfähigkeit voll auszuschöpfen. Dabei
kann auch die Aufnahme einer unselbständigen Erwerbstätigkeit zumutbar ersch
ei
nen, wenn davon eine bessere erwerbliche Verwertung der Arbeitsfähigkeit erwartet werden kann und der berufliche Wechsel unter Berücksichtigung der
gesamten Umstände (Alter, Aktivitätsdauer, Ausbildung, Art der bisherigen Tätig
keit, persönliche Lebensumstände) zumutbar erscheint (Urteil des Bundesgerichts 9C_356/2014 vom 1
4.
November 2014 E. 3.1 mit Hinweisen auf Urteile I 116/03 vom 1
0.
November 2003 E. 3.1 und I 145/01 vom 1
2.
September 2001 E. 2b).
Dies ist vorliegend der Fall, zumal es dem Beschwerdeführer in den Jahren seiner
vorwiegenden
Selbständigkeit nie gelungen ist, ein
für die Lebenshaltung
ge
nü
gendes Einkommen zu erzielen und
er bereits durch die Aufnahme einer Hilfs
arbeitertätigkeit in der Lage wäre, einen höheren Verdienst zu generieren. Für die Berechnung des Invalideneinkommens ist somit von den
zum
Zeitpunkt des
frü
hestmöglichen Rentenbeginn
s
sechs Monate nach der Anmeldung vom 2
4.
August
2018
und
bei abgelaufenem Wartejahr (
Art.
29
Abs.
1 IVG
u.
Urk.
9/38/1; vgl. auch
BGE 143 V 295 E. 4.1.3)
gültigen
Tabellen
löhnen
der LSE 2016 auszugehen. Die Beschwerdegegnerin hat dabei
auf das Kompetenzniveau 1 der Kategorie Kunst,
Unterhaltung und Erholung (Tabelle TA1_tirage_skill_level, m
onatlicher Bruttolohn nach Wirtschaftszweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht, Privater Sektor
,
Ziffer 90-93) abgestellt und angepasst an die betriebsübliche Arbeitszeit und die Nominallohnentwicklung
bis ins Jahr 2018
ein Invalideneinkommen von
Fr.
16'888.80 errechnet (
Urk.
9/25/2). Ob
dies angesichts des
gesundheitsbedingt eingeschränkten
Anforderungsprofils des Beschwerdeführers gerechtfertigt ist oder
stattdessen auf den Totalwert des Kompetenzniveaus 1 abzustellen wäre, kann vorliegend offen bleiben, da bereits mit
dem niedrigeren Invaliden
ein
kom
men
gemäss der Berechnung der Beschwerdegegnerin - sogar bei Anrechnung des höchsten je erzielten
E
inkommens
vor Eintritt des Gesun
d
heitsschadens
von
Fr.
16'095.-- und
selbst bei
einem leidensbedingten Abzug in der maximalen Höhe von 25
%
(vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc)
-
kein rentenbegründender Invaliditätsgrad resultiert
.
5.6
Zusammenfassend ist der angefochtene Entscheid somit im Ergebnis nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das vorliegende Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
I
VG) und ermessensweise auf
Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen
, infolge der ihm gewährten unentgeltlichen Prozessführung (vgl.
Urk.
10) jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Der Beschwerdeführer ist abschliessend auf
§
16
Abs.
4
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer)
hinzuweisen, wonach
er
zur Nachzahlung der Gerichtskosten verpflichtet ist, sobald
er
dazu in der Lage ist.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt
, zufolge Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse
genommen.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer hingewiesen.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Stadt Zürich Soziale Dienste
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
FehrEngesser