# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 638d114d-671c-5cbd-a461-63ebea39adcc
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-06-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.06.2008 E-2394/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2394-2008_2008-06-11.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-2394/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 1 .  J u n i  2 0 0 8

Einzelrichterin Regula Schenker Senn, 
mit Zustimmung von Richter Fulvio Haefeli, 
Gerichtsschreiber Rudolf Raemy.

A._______, geboren (...),
Ehefrau B._______, geboren (...)
und deren Kind C._______, geboren (...),
Sri Lanka,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 
3003 Bern,
Vorinstanz.

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 4. März 2008 / N_______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-2394/2008

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass die Beschwerdeführer mit  Eingabe vom 24. Oktober 2006 unter 
Beilage zahlreicher Beweismittel bei der schweizerischen Vertretung in 
Colombo - dort eingegangen am 13. November 2006 - ein schriftliches 
Asyl- und sinngemäss Einreisegesuch in die Schweiz stellten,

dass  den Beschwerdeführern  von der  schweizerischen  Vertretung in 
Colombo mit Schreiben vom 8. Dezember 2006 mitgeteilt  wurde, ihre 
Eingabe werde als Asylgesuch entgegengenommen und sie gleichzei-
tig  aufgefordert  wurden,  alle  ihre  Vorbringen unter  Beilage allfälliger 
Beweismittel bis zum 8. Januar 2007 als letzte und bindende Eingabe 
einzureichen, sofern sie am Gesuch festhalten wollten,

dass die Beschwerdeführer mit Eingabe vom 24. Dezember 2006 unter 
Beilage weiterer Beweismittel am Asylgesuch festhielten,

dass die schweizerische Vertretung das Asylgesuch der Beschwerde-
führer  mit  Schreiben  vom 13. Juli  2007  zuständigkeitshalber  an  die 
Vorinstanz überwies,

dass die schweizerische Vertretung das BFM in einem Begleitschrei-
ben darauf hinwies, dass mit den Beschwerdeführern keine Anhörung 
durchgeführt worden sei,

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  4. März  2008  das  Einreise-  und 
Asylgesuch der Beschwerdeführer abwies,

dass  zur  Begründung  im  Wesentlichen  ausgeführt  wurde,  der  Be-
schwerdeführer  mache  geltend,  während  über  einem  Jahr  von  der 
LTTE festgehalten worden zu sein, nun seine frühere Tätigkeit als (...) 
nicht mehr ausüben zu können und Übergriffe zu befürchten,

dass der Beschwerdeführer seitens der heimatlichen Behörden keine 
ernsthaften Benachteiligungen erlitten habe und dass ihm keine  sol-
chen drohen würden,

dass die Beschwerdeführer  zudem seit  August  2006 keine nennens-
werten Schwierigkeiten gehabt oder ihnen solche gedroht hätten,

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dass sich aus den Akten auch nicht ergebe, dass sie sich vergeblich 
bei  den zuständigen Behörden um Schutz bemüht hätten respektive 
dass adäquate Massnahmen nicht erfolgt seien,

dass  ein  Ende  der  gewalttätigen  Auseinandersetzungen  und  eine 
substanzielle  Verbesserung der Menschenrechts-  und Sicherheislage 
derzeit im Norden und Osten des Landes nicht in Sicht seien und des-
halb  nachvollziehbar sei, dass sich die Beschwerdeführer Sorgen um 
ihre Sicherheit machen würden,

dass ihnen die Einreise in die Schweiz trotzdem nicht bewilligt werden 
könne,  zumal  das konkrete Gefährdungsrisiko der  Beschwerdeführer 
als gering eingestuft werde und im Süden und Westen Sri Lankas kei-
ne Situation allgemeiner Gewalt herrsche, weshalb nicht von einer ge-
nerellen Unzumutbarkeit einer Wohnsitznahme in diesen Gebieten  ge-
sprochen werden könne,

dass unter Berücksichtigung der von den Beschwerdeführern geschil-
derten Vorfällen zwar verständlich erscheinen möge, dass sie sich vor 
Übergriffen fürchteten, diese subjektive Furcht  aber nicht für  die An-
nahme einer  einreiserelevanten Verfolgungsgefahr  genüge, zumal  es 
an konkreten Indizien fehle, dass die Verfolger ihre Drohungen mit er-
heblicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft in die Tat um-
zusetzen gedenkten,

dass die Beschwerdeführer mit Eingabe vom 15. April 2008 gegen die 
vorinstanzliche Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht  Beschwer-
de erhoben und dabei beantragten, es sei die angefochtene Verfügung 
aufzuheben und ihnen in der Schweiz Asyl zu gewähren,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  ent-
scheidet  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG, 
SR 142.31]  i.V.m.  Art. 31-34  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass die Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung berührt 
sind,  ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs-
weise Änderung haben und daher zur Einreichung der Beschwerde le-
gitimiert sind (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

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dass somit auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 50 ff. VwVG),

dass  Amtssprachen  des  Bundes  das  Deutsche,  Französische  und 
Italienische sind (Art. 70 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizeri-
schen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  [BV,  SR  101]),  die  in 
englischer Sprache abgefasste Beschwerde aufgrund ihrer  Verständ-
lichkeit und im Interesse aller am Verfahren Beteiligten - ohne präjudi-
zielle Wirkung – trotzdem entgegen zu nehmen ist,

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungswei-
se  einer  zweiten  Richterin  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG) 
und es sich vorliegend,  wie  nachfolgend aufgezeigt,  um eine solche 
handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  be-
gründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass gemäss Art. 19 Abs. 1 AsylG ein Asylgesuch im Ausland bei ei-
ner schweizerischen Vertretung gestellt werden kann, welche es mit ei-
nem Bericht an das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG),

dass die schweizerische Vertretung mit der asylsuchenden Person in 
der  Regel  eine  Befragung durchführt  (Art. 10  Abs. 1 der  Asylverord-
nung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV 1,  SR 
142.311]),

dass, ist dies nicht möglich, die asylsuchende Person von der Vertre-
tung aufgefordert wird, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 
Abs. 2 AsylV 1),

dass die schweizerische Vertretung dem Bundesamt das Befragungs-
protokoll  oder das schriftliche Asylgesuch sowie weitere zweckdienli-
che Unterlagen und einen ergänzenden Bericht,  der ihre Beurteilung 
des Asylgesuchs enthält, überweist (Art. 10 Abs. 3 AsylV 1),

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dass das Bundesamt ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen 
kann,  wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft 
machen können oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemu-
tet werden kann (Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG),

dass das Bundesamt Asylsuchenden die Einreise zur Abklärung des 
Sachverhaltes bewilligt, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im 
Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land 
auszureisen (Art. 20 Abs. 2 AsylG),

dass  das  Eidgenössische  Justiz-  und  Polizeidepartement  (EJPD) 
schweizerische  Vertretungen  ermächtigen  kann,  Asylsuchenden,  die 
glaubhaft machen, dass eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben 
oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG beste-
he, die Einreise zu bewilligen (Art. 20 Abs. 3 AsylG),

dass die asylsuchende Person im Ausland in der Regel zu befragen ist 
und nur  davon abgewichen werden kann,  wenn eine Befragung fak-
tisch  aus  organisatorischen  oder  kapazitätsmässigen  Gründen  nicht 
möglich ist,

dass, wenn eine Befragung nicht durchgeführt  werden kann, die ge-
suchstellende Person mittels eines individualisierten und konkretisier-
ten Schreibens aufgefordert werden muss, ihre Gründe für das Asylge-
such schriftlich einzureichen,  falls  dies aufgrund der schon erfolgten 
schriftlichen Eingabe möglich und notwendig erscheint,

dass  sie  dabei  auf  die  allfällige  Konsequenz  eines  negativen  Ent-
scheids infolge Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht aufmerksam zu ma-
chen ist,

dass  sich  eine  persönliche  Befragung  auch  dann  erübrigen  kann, 
wenn der Sachverhalt schon aufgrund des eingereichten Asylgesuchs 
entscheidreif erstellt ist,

dass der asylsuchenden Person das rechtliche Gehör zu gewähren ist, 
wenn sich ein negativer Entscheid abzeichnet,

dass ein allfälliger Verzicht auf eine Befragung im Ausland in der Verfü-
gung  zu  begründen  ist  (vgl.  BVGE E-6148/2006  vom 27. November 
2007 E. 5 S. 7 ff.),

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dass das BFM in der angefochtenen Verfügung vom 4. März 2008 fest-
hält, die Gefährdungssituation der Beschwerdeführer könne aufgrund 
der Aktenlage abschliessend beurteilt werden,

dass sich aus den Akten ergibt,  dass die Beschwerdeführer von der 
schweizerischen Vertretung nicht zu ihren Asylgründen angehört wur-
den und ihnen auch nicht das rechtliche Gehör in Bezug auf einen sich 
abzeichnenden negativen Entscheid gewärt wurde,

dass der Verzicht  auf eine Befragung der Beschwerdeführer im Aus-
land in der angefochtenen Verfügung nicht begründet wird,

dass  die  Vorinstanz  mit  dieser  Vorgehensweise  die  oben  erwähnte 
Rechtsprechung nicht beachtet hat, welche verlangt, dass gestützt auf 
Art. 30 Abs. 1 sowie Abs. 2 Bst. c VwVG e contrario einem  Beschwer-
deführer vorgängig zu einem negativen Entscheid zumindest schriftlich 
das rechtliche Gehör zu gewähren ist,

dass aufgrund der formellen Natur des Anspruchs auf rechtliches Ge-
hör  die  Möglichkeit  zur  vorgängigen  Stellungnahme  auch  bei  Ent-
scheidreife zwingend einzuräumen ist,

dass eine Unterlassung daher ohne weiteres zur Kassation der ange-
fochtenen Verfügung führt,

dass  deshalb  die  Vorinstanz  den  Beschwerdeführern  das  rechtliche 
Gehör verweigerte und die Frage nach einer Anhörung der Beschwer-
deführer nicht angemessen prüfte,

dass dieser Mangel auf Beschwerdeebene nicht zu heilen ist, zumal es 
nicht Sinn und Zweck des Beschwerdeverfahrens vor dem Bundesver-
waltungsgericht ist,  von der Vorinstanz unterlassene Verfahrenshand-
lungen nachzuholen,

dass die Feststellung, wonach das BFM den Beschwerdeführern das 
rechtliche Gehör nicht gewährte, indessen nicht dazu führt, dass ihnen 
die Einreise  in  die Schweiz  bereits  aus  diesem Grund zu bewilligen 
wäre,

dass aus dem Umstand, dass sie bisher nicht befragt respektive ihnen 
das rechtliche Gehör nicht gewährt wurde, nicht geschlossen werden 

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kann, es müsse ihnen zur persönlichen Anhörung oder der Gewährung 
des rechtlichen Gehörs die Einreise in die Schweiz bewilligt werden,

dass sich aus den Akten nicht genügend konkrete Anhaltspunkte für 
die  Annahme ergeben,  ihnen wäre  ein  Verbleib  in  Sri  Lanka für  die 
Dauer  der  weiteren,  noch erforderlichen Verfahrenshandlungen nicht 
zumutbar im Sinne von Art. 20 Abs. 2 AsylG,

dass der angefochtene Entscheid aufzuheben und zur Neubeurteilung 
im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen ist,

dass dabei in Beachtung der erwähnten Rechtsprechung des Bundes-
verwaltungsgerichts insbesondere zu beurteilen sein wird, ob sich eine 
Befragung der Beschwerdeführer als notwendig erweist oder nicht, wo-
bei ein allfälliger Verzicht auf eine Befragung zu begründen wäre,

dass die Beschwerde gutzuheissen, die vorinstanzliche Verfügung vom 
4. März 2008 aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen ist, den Be-
schwerdeführern das rechtliche Gehör zu gewähren, den rechtserheb-
lichen Sachverhalt gegebenenfalls ergänzend vollständig festzustellen 
und in der Sache neu zu entscheiden,

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Kosten aufzuerlegen 
sind (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG),

dass davon auszugehen ist, dass den nicht anwaltlich vertretenen Be-
schwerdeführern durch die Beschwerdeführung keine verhältnismässig 
hohen Kosten erwachsen sind, weshalb ihnen keine Parteientschädi-
gung zuzusprechen ist (Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 7 ff. des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die Verfügung vom 4. März 2008 wird aufgehoben. Das BFM wird an-
gewiesen, den Beschwerdeführern das rechtliche Gehör zu gewähren, 
gegebenenfalls den rechtserheblichen Sachverhalt ergänzend vollstän-
dig festzustellen und in der Sache neu zu entscheiden.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Es wird keine Parteientschädigung entrichtet.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführer (durch Vermittlung der Schweizerischen Bot-
schaft in Colombo)

- die  Schweizerische  Botschaft  in  Colombo (mit  der  Bitte,  den  Be-
schwerdeführern  das  beiliegende  Urteil  durch  Aushändigung  des 
Originals [gegen Empfangsbestätigung] oder Zustellung desselben 
per Post [Einschreiben mit Rückschein] zu eröffnen, unter Rücksen-
dung  der  Empfangsbestätigung  beziehungsweise  des  Rückschei-
nes)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-
ten Ref.-Nr. N_______ (per Kurier; in Kopie)

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber:

Regula Schenker Senn Rudolf Raemy

Versand: 

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