# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 63c0a43a-90f7-57f4-acd3-fefc174a32a3
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-08-17
**Language:** de
**Title:** Aargau Spezialverwaltungsgericht Kausalabgaben und Enteignungen 17.08.2011 4-BE.2010.36
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_SVWG_001_4-BE-2010-36_2011-08-17.pdf

## Full Text

Schätzungskommission nach Baugesetz 

 

 

4-BE.2010.36 

 
 

 
 
 

Urteil vom 17. August 2011 
 

 

 
 

Besetzung  Präsident E. Hauller  

Richter A. Baumgartner  

Richter P. Hohn 

Richter P. Kühne  

Richter W. Schib  

Gerichtsschreiberin G. Bruder-Wismann            

 

 

 
 

   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____ AG 

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 Einwohnergemeinde Q._____ 

handelnd durch den Gemeinderat  

 

 
 
 

Gegenstand  Anschlussgebühren (Abwasser) 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Gericht entnimmt den Akten: 

 

A. 

Am 25. Juni 2007 erteilte der Gemeinderat Q. (nachfolgend: Gemeinderat) 

der A. AG (kurz: A.) die Baubewilligung für den Abbruch der Gebäude Nrn. 

B, D und E und für den Neubau von drei Mehrfamilienhäusern mit Tiefga-

rage auf den Parzellen Nrn. aaa und bbb (X-Gasse). 

 

B. 

Gleichzeitig verfügte der Gemeinderat die provisorische Kanalisationsan-

schlussgebühr in der Höhe von 1.8 % der veranschlagten Baukosten von 

Fr. 4'500'000.00, zuzüglich MWSt, d.h. Fr. 87'156.00, und einen provisori-

schen Klärbeitrag von 0.8 % der veranschlagten Baukosten, zuzüglich 

MWSt, d.h. Fr. 38'736.00. 

 

Diese Abwasseranschlussgebühren von gesamthaft Fr. 125'892.00 stellte 

der Gemeinderat der A. am 14. November 2007 in Rechnung. 

 

C. 

Die Aargauische Gebäudeversicherung (kurz: AGV) schätzte die drei Mehr-

familienhäuser und die Tiefgarage am 25. August 2009 auf insgesamt 

Fr. 6'886'000.00. 

 

D. 

Mit Schreiben vom 23. März 2010 teilte die Bauverwaltung Q. (nachfolgend: 

Bauverwaltung) der A. mit, dass die Baugebühren aufgrund des Brandver-

sicherungswerts erhoben werden. Die Berechnungsgrundlage 

(Fr. 2'386'000) für die definitiven Abwasseranschlussgebühren ergab sich 

aus der Schätzung der AGV (Fr. 6'886'000) abzüglich der provisorischen 

Bausumme (Fr. 4'500'000). 

 

Dementsprechend stellte die Bauverwaltung der A. am 24. März 2010 noch 

Kanalisationsanschlussgebühren in der Höhe von Fr. 46'212.05 (inkl. 

MWSt) und einen Klärbeitrag in der Höhe von Fr. 20'538.70 (inkl. MWSt), 

d.h. zusammen Fr. 66'750.75, in Rechnung. 

 

E. 

Gegen die Verfügung vom 23. März 2010 erhob die A. am 6. April 2010 

Einsprache. Der Gemeinderat hiess die Einsprache mit Beschluss vom 

26. April 2010 teilweise gut. Er brachte den Wert der Abbruchgebäude zum 

Teil in Abzug, was zu einem (gegenüber der Verfügung vom 23. März 2010 

reduzierten) bereinigten Bauwert von Fr. 6'219'000.00 als Basis für die Be-

rechnung der Abwasseranschlussgebühren führte. 

 

 - 3 - 

 

 

Der Gemeinderat stellte die Anschlussgebühren am 27. April 2010 wie folgt 

in Rechnung (die provisorische Bausumme von Fr. 4'500'000.00 ist vom 

Ausgangswert von Fr. 6'219'000.00 bereits abgezogen): 

 

Kanalisationsanschlussgebühr: 
1.8 % von Fr. 1'719'000.00 (inkl. MWSt) = Fr. 33'293.60 
 
Klärbeitrag: 
0.8 % von Fr. 1'719'000.00 (inkl. MWSt) = Fr. 14'797.15 
 
Total: Fr. 48'090.75 

 

F. 

Gegen den Einspracheentscheid vom 26. April 2010 erhob die A. (nachfol-

gend: Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom 21. Mai 2010 Beschwerde 

beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt (kurz: BVU). Sie stellt sinn-

gemäss die Anträge, 

 

dass die Verfügung vom 26. April 2010 und die Rechnung vom 27. April 
2010 aufzuheben seien, und 
die Abwasseranschlussgebühr neu zu berechnen sei. 

 

G. 

Das BVU überwies die Beschwerde mit Schreiben vom 26. Mai 2010 in 

Bezug auf die Abwasseranschlussgebühren zuständigkeitshalber an die 

Schätzungskommission nach Baugesetz (kurz: Schätzungskommission). 

 

H. 

Mit Schreiben vom 1. Juni 2010 hielt die Schätzungskommission fest, dass 

ein allfälliges Rechtsmittel gegen die Baubewilligungsgebühr nicht in die 

Zuständigkeit der Schätzungskommission falle. Zudem bestätigte die 

Schätzungskommission die Übernahme des Verfahrens gegenüber BVU 

und Beschwerdeführerin. Sie hielt fest, dass in der Beschwerde vom 

21. Mai 2010 sinngemäss einzig verlangt werde, dass der Versicherungs-

wert eines vorbestehenden und mittlerweile abgebrochenen Landwirt-

schaftsbetriebs (Gebäude Nr. E, Wohnhaus mit Scheune, X-Gasse) vom 

ausgewiesenen Differenzwert zusätzlich in Abzug zu bringen sei. Aus dem 

angefochtenen Protokollauszug vom 26. April 2010 gehe hervor, dass da-

bei ein Wert von Fr. 208'000.00 in Frage stehe. Die Beschwerdeführerin 

erklärte sich damit stillschweigend einverstanden, indem sie den Kosten-

vorschuss am 11. Juni 2010 kommentarlos bezahlte. 

 

I. 

Die Schätzungskommission liess die Beschwerde vom 21. Mai 2010 der 

Gemeinde Q. (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) mit Schreiben vom 

25. Juni 2010 zukommen und forderte sie zu einer Vernehmlassung bis am 

2. September 2010 auf. 

 

 - 4 - 

 

 

Gleichzeitig überwies sie die Beschwerde in Bezug auf die Baubewilli-

gungsgebühr an das BVU zurück, welches das Verfahren bis zur Erledi-

gung des Verfahrens gegen die Abwasseranschlussgebühren vor der 

Schätzungskommission sistierte (Schreiben BVU vom 5. Juli 2010). 

 

J. 

Die Beschwerdegegnerin erstattete ihre Vernehmlassung am 1. September 

2010 und verlangte die Abweisung der Beschwerde. Die Vernehmlassung 

wurde der Beschwerdeführerin am 2. September 2010 zur Kenntnis ge-

bracht. Damit war der Schriftenwechsel abgeschlossen. 

 

Auf die Begründungen der erwähnten Eingaben und Entscheide wird, so-

weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. 

 

K. 

Am 4. Mai 2011 führte die Schätzungskommission in Q. eine Augenschein-

verhandlung durch (Präsenz vgl. Protokoll, S. 2). Dabei kamen die Parteien 

zum Schluss, dass sie einen aussergerichtlichen Einigungsversuch bis 

Ende Juni 2011 unternehmen wollten. 

 

L. 

Eine Einigung gelang nicht, was die Schätzungskommission aufgrund tele-

fonischer Nachfrage bei der Beschwerdegegnerin erfuhr. Die Schätzungs-

kommission informierte die Parteien daher mit Schreiben vom 7. Juli 2011 

über das weitere Vorgehen, nämlich dass die Sache nun zu entscheiden 

sei. Gleichzeitig verlangte sie von der Beschwerdegegnerin die Einreichung 

des entsprechenden Ausschnitts des Generellen Entwässerungsprojekts 

(kurz: GEP). Die Beschwerdegegnerin reichte diesen am 12. Juli 2011 ein. 

 

M. 

Die Schätzungskommission hat den Fall am 17. August 2011 beraten und 

das nachfolgende Urteil gefällt. 

 

  

 - 5 - 

 

 

 
   

Das Gericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Gegen Abgabeverfügungen kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim ver-

fügenden Organ Einsprache erhoben werden (§ 35 Abs. 2 des Gesetzes 

über Raumentwicklung und Bauwesen [Baugesetz, BauG; SAR 713.100] 

vom 19. Januar 1993). Einspracheentscheide können innert 30 Tagen mit 

Beschwerde bei der Schätzungskommission angefochten werden (§ 35 

Abs. 2 BauG i.V.m. § 44 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechts-

pflege [VRPG; SAR 271.100] vom 4. Dezember 2007). 

 

1.2. 

Der Beschluss des Gemeinderats Q. vom 26. April 2010 (E.) ist ein Ein-

spracheentscheid im Sinne von § 35 Abs. 2 BauG. Damit ist die Schät-

zungskommission für die Behandlung der Beschwerde zuständig. 

 

1.3. 

Zur Einreichung einer Beschwerde ist legitimiert, wer ein schutzwürdiges 

und aktuelles Interesse geltend macht (§ 42 lit. a VRPG). Ein solches 

schutzwürdiges und aktuelles Interesse liegt bei der Adressatin des Ein-

spracheentscheides vom 26. April 2010 zweifellos vor. 

 

1.4. 

Auf die auch im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist 

somit einzutreten.  

 

2. 

2.1. 

Gemäss § 34 Abs. 2 BauG können die Gemeinden von den Grundeigentü-

mern Beiträge an die Kosten der Erstellung, Änderung und Erneuerung von 

Anlagen der Versorgung mit Wasser und elektrischer Energie sowie der 

Abwasserbeseitigung erheben. Soweit die Kosten dadurch nicht gedeckt 

werden, sowie für den Betrieb, sind sie verpflichtet, Gebühren zu erheben. 

Die Erhebung der Beiträge und Gebühren wird von den Gemeinden und 

Gemeindeverbänden geregelt, soweit keine kantonalen Vorschriften beste-

hen (§ 34 Abs. 3 BauG). 

 

2.2. 

Die Durchführung von Massnahmen zum Schutz der Gewässer im Rahmen 

der eidgenössischen und kantonalen Gesetzgebung sowie die Beteiligung 

der Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer an deren Kosten sind in 

der Einwohnergemeinde Q. im Abwasserreglement (kurz: AR) geregelt. 

Das AR und der dazugehörige Gebührentarif wurden entsprechend der 

 - 6 - 

 

 

Kompetenzordnung in § 20 Abs. 2 lit. i des Gesetzes über die Einwohner-

gemeinden (Gemeindegesetz, GG; SAR 171.00) vom 19. Dezember 1978 

von der Gemeindeversammlung am 30. Mai 2008 beschlossen. 

 

2.3. 

Auch das frühere Reglement betreffend Gebühren und Beiträge trat in Be-

zug auf die Kanalisationsanschlussgebühren mit Genehmigung der Ge-

meindeversammlung auf den 1. Januar 1972 in Kraft. Die Erhöhung der 

Tarife um die MWSt wurde am 9. Dezember 1994 von der Gemeindever-

sammlung beschlossen. 

 

2.4. 

Es kann somit festgehalten werden, dass sowohl mit dem AR als auch mit 

dem alten Reglement eine genügende gesetzliche Grundlage für die Erhe-

bung von Anschlussgebühren vorlag und -liegt. Dies wird von der Be-

schwerdeführerin im Grundsatz auch nicht bestritten (Protokoll, S. 4). 

 

3. 

3.1. 

Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass der Versicherungswert des 

vorbestehenden und mittlerweile abgebrochenen Gebäudes Nr. E (vgl. H.) 

in der Höhe von Fr. 208'000.00 vom ausgewiesenen Differenzwert von 

Fr. 1'719'000.00 zusätzlich in Abzug zu bringen sei. Auch die häuslichen 

Abwässer aus einem landwirtschaftlichen Betrieb müssten der Kanalisation 

zugeführt werden, was in Bezug auf das Gebäude Nr. E so gewesen sei. 

 

3.2. 

Die Beschwerdegegnerin führt aus, dass das Gebäude Nr. E nie an der 

Kanalisation angeschlossen gewesen sei, weshalb der Betrag von 

Fr. 208'000.00 nicht abgezogen werden könne. Gemäss "2. Kanalisations-

anschlussgebühren Art. 1 Abs. 3" und "3. Klärbeiträge Art. 1 Abs. 4" des 

auf den vorliegenden Sachverhalt eigentlich anwendbaren früheren Regle-

ments, wäre für Neubauten auf alten Gebäudeplätzen die volle Anschluss-

gebühr zu entrichten. Der Gemeinderat habe jedoch das neue, im vorlie-

genden Fall mildere AR zur Anwendung gebracht und die Berechnung der 

Anschlussgebühr auf § 47 Abs. 1 und 2 AR gestützt. Dieses Vorgehen sei 

aus Gründen der Gleichbehandlung mit einem anderen Grundeigentümer 

gewählt worden, bei welchem in einem ähnlichen Sachverhalt ebenfalls das 

AR angewendet worden war. Der Abzug der Gebäudeversicherungswerte 

der abgebrochenen Liegenschaften sei nur aus Kulanz gewährt worden. 

Aufgrund der eindeutigen Rechtslage wäre für Neubauten auf alten Gebäu-

deplätzen die volle Anschlussgebühr zu entrichten. Weitere Zugeständ-

nisse könnten nicht gemacht werden. 

 

 - 7 - 

 

 

4. 

4.1. 

Vorliegend ist einzig strittig, ob der Versicherungswert des Gebäudes Nr. E 

in Abzug gebracht werden kann oder nicht (vgl. Protokoll, S. 3 und 4). 

 

4.2. 

Ersatzbauten sind von Bundesrechts wegen abgabetechnisch grundsätz-

lich gleich zu behandeln wie Um-, An-, Aus- und Erweiterungsbauten (vgl. 

dazu Entscheid des Bundesgerichts 2C_153/2007 vom 10. Oktober 2007; 

Entscheid des Bundesgerichts 2P.78/2003 vom 1. September 2003; Aar-

gauische Gerichts- und Verwaltungsentscheide [AGVE] 2002 S. 163). Dies 

bedeutet, dass das Vorbestehende anzurechnen ist und zwar nach Mass-

gabe des im Zeitpunkt der Abgabeerhebung geltenden Kriteriums, was vor-

liegend sowohl alt- als auch neurechtlich der Gebäudeversicherungswert 

ist. Die Frage, ob das alte oder neue Reglement auf den vorliegenden 

Sachverhalt anwendbar ist, braucht daher vorliegend nicht beantwortet zu 

werden, und die Anrechnung des Vorbestehenden bedeutet demnach auch 

kein Entgegenkommen der Gemeinde. 

 

4.3. 

Von einer Ersatzbaute kann man in abgaberechtlicher Hinsicht jedoch nur 

sprechen, wenn das Gebäude Nr. E bereits an die Kanalisation ange-

schlossen war. Die alles entscheidende Frage lautet also, ob das nicht an-

gerechnete Gebäude Nr. E im Zeitpunkt des Abbruchs an das kommunale 

Entwässerungsnetz angeschlossen war oder nicht. Wenn dem so war, 

wäre die Beschwerde gutzuheissen, wenn nicht, handelt es sich eben nicht 

um eine Ersatz-, sondern um eine Neubaute, die mit Abwasseranschluss-

gebühren zu belasten ist. Da deren Berechnung ansonsten nicht bestritten 

ist (Protokoll, S. 3), wäre die Beschwerde abzuweisen. 

 

4.4. 

An der Augenscheinverhandlung vom 4. Mai 2011 ergaben sich folgende 

Erkenntnisse (Protokoll, S. 4 - 6): 

 

 Die Beschwerdegegnerin hat bereits am 15. April 1975 verfügt, dass 

das Gebäude Nr. E an die Kanalisation von Q. anzuschliessen sei. 

 Im Sommer 1975 wurde im Zuge des Kanalisationsbaus in der X-Gasse 

auch ein "Hausanschluss" gebaut (vgl. die entsprechende Rechnung 

der C. AG Q. an die damalige Eigentümerin der Parzelle aaa vom 

30. September 1975 sowie den zugehörigen Ausführungsplan). Da-

nach fehlt vom erstellten Anschlussschacht eine Verbindung zur Lie-

genschaft (Gebäude Nr. E). Für diese ist darin vielmehr ein Entwässe-

rungskonzept in drei Jauchegruben enthalten. Mit den vorliegend be-

legten Bauarbeiten wird kein Anschluss an das kommunale Abwasser-

netz nachgewiesen. 

 - 8 - 

 

 

 Offen blieb, warum die Verfügung vom 15. April 1975 damals nicht um-

gesetzt wurde. Nach Angaben des Vizeammanns wurde bei landwirt-

schaftlichen Gebäuden die Entwässerung in Jauchegruben manchmal 

einfach weiter geduldet. 

 Unter Berufung auf die Voreigentümerin machte die Beschwerdeführe-

rin geltend, dass der Anschluss im Zuge eines Kücheneinbaus 1987 

erfolgt sei. Die Angabe wird indessen nicht weiter belegt; insbesondere 

hat die Beschwerdeführerin es auch versäumt, einen Beleg für den An-

schluss seitens der Voreigentümerin zu beschaffen, wie es an der Ver-

handlung noch in Aussicht gestellt wurde (Protokoll, S. 7). Zudem hat 

auch die Bauverwaltung keine Akten (Baubewilligung, Anschlussge-

bührenrechnung oder ähnliches) zum Vorgang gefunden. 

 Im Zuge des Abbruchs von Gebäude Nr. E und der Erstellung der heute 

auf den Grundstücken stehenden drei Mehrfamilienhäuser gab es nach 

Angaben der Beschwerdeführerin keine Beweissicherung über einen 

vorbestehenden Abwasseranschluss. Die neuen Liegenschaften wur-

den neu an der Leitung in der X-Gasse angeschlossen. Die aktuelle 

Abwassererschliessung basiert also nicht auf einer schon vorhandenen 

Leitung. 

 Aus dem GEP ist nichts ersichtlich, was einen vorbestehenden Abwas-

seranschluss von Gebäude Nr. E beweisen würde. 

 Auch den mittelbaren Nachweis eines Anschlusses durch die Leistung 

von Abwasseranschlussgebühren vermochte die Beschwerdeführerin 

nicht zu erbringen. Seitens der Gemeinde wird der Umstand sogar als 

Beleg für das Fehlen eines Anschlusses angeführt. 

 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass nicht nachgewiesen ist, dass das 

Streitobjekt (Gebäude Nr. E) je an das Abwassernetz der Gemeinde Q. an-

geschlossen war. Die Neubauten auf den Parzellen aaa und bbb ersetzen 

das Gebäude Nr. E somit nicht. Eine Anrechnung dessen Versicherungs-

werts bei der Bestimmung der Abwasseranschlussgebühren fällt daher 

ausser Betracht. Die Beschwerdeführerin als Beweispflichtige für die abga-

bemindernde Tatsache hat die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen. Die 

Beschwerde ist somit abzuweisen. 

 

5. 

5.1. 

An der Verhandlung vom 4. Mai 2011 brachte die Beschwerdeführerin zu-

dem vor, dass die Stockwerkeigentümer ihrerseits vor der Schätzung der 

AGV auch noch Mehrwert geschaffen hätten. In diesem Zeitpunkt sei sie 

aber schon nicht mehr Eigentümerin gewesen. Es könne doch nicht sein, 

dass sie für diesen Mehrwert auch noch Anschlussgebühren bezahlen 

müsse (Protokoll, S. 6). 

 

 - 9 - 

 

 

5.2. 

Diese Frage war für die Schätzungskommission in diesem Zeitpunkt neu. 

Nach Durchsicht sämtlicher Unterlagen wurde klar, dass die Beschwerde-

führerin der Beschwerdegegnerin eine andere Einspracheversion einge-

reicht hat, als sie der Schätzungskommission zu den Akten gegeben hat. 

In der Version der Beschwerdegegnerin ist dieser Streitpunkt nicht enthal-

ten, weshalb er auch im Einspracheentscheid nicht behandelt wurde. Die 

Version der Einsprache, welche der Schätzungskommission von der Be-

schwerdeführerin zu den Akten gegeben wurde, enthält diesen Streitpunkt. 

Bei der Vorbereitung der Verhandlung stellte die Schätzungskommission 

auf die von der Beschwerdegegnerin eingereichten Vorakten ab. Die von 

der Beschwerdeführerin eingereichte Version der Einsprache war somit 

nicht Gegenstand der Bemühungen, zumal unterschiedliche Fassungen 

von Rechtsschriften nicht vorkommen sollten und daher auch nicht zu ver-

muten sind. 

 

In der Beschwerde vom 21. Mai 2010 war von diesem Streitpunkt auch 

nicht die Rede (Protokoll, S. 6). Zudem blieb das Schreiben der Schät-

zungskommission vom 1. Juni 2010, worin sie explizit nachfragte, ob der 

einzige strittige Punkt die Anrechnung des Gebäudeversicherungswerts 

des Gebäudes Nr. E sei (H.), von der Beschwerdeführerin unwiderspro-

chen. Dasselbe gilt auch für die ausdrücklichen Rückfragen an der Ver-

handlung (Protokoll, S. 3 und 4). Erst danach wurde das Thema von der 

Beschwerdeführerin angesprochen. 

 

5.3. 

Der Streitgegenstand im Rechtsmittelverfahren wird durch die angefoch-

tene Verfügung begrenzt. Nur was Gegenstand des ursprünglichen Verwal-

tungsverfahrens war, oder was allenfalls im verwaltungsinternen Rechts-

mittel- und Einspracheverfahren zusätzlich verbindlich geregelt wurde, mit-

hin das noch streitige Rechtsverhältnis kann im verwaltungsgerichtlichen 

Beschwerdeverfahren und somit auch im Verfahren vor der Schätzungs-

kommission (§ 149 Abs. 1 BauG) Streitgegenstand sein (vgl. Entscheid des 

Bundesgerichts [BGE] 133 II 35; BGE 131 V 164; AGVE 1999 S. 367, mit 

weiteren Hinweisen; René Rhinow/Heinrich Koller/Christina Kiss, Öffentli-

ches Prozessrecht und Justizverfassungsrecht des Bundes, Basel 1996,  

N 901 mit weiteren Hinweisen). 

 

Das neue Argument würde also den Beschwerdegegenstand über den im 

Einspracheverfahren bestimmten Rahmen (vgl. Erw. 4.) ausweiten, was zu-

mindest im Verwaltungsjustizverfahren unzulässig ist. 

 

5.4. 

Der Beschwerdeführerin wurde bereits an der Verhandlung erklärt, dass 

diese Rüge im jetzigen Zeitpunkt nicht mehr vorgebracht werden kann (Pro-

tokoll, S. 6). Es ist nicht darauf einzutreten. 

 - 10 - 

 

 

 

6. 

Für die Aufteilung der Verfahrenskosten und die Verlegung der Parteikos-

ten gelten die allgemeinen Regeln; massgebend ist somit der Prozessaus-

gang (§§ 31 Abs. 2 und 32 Abs. 2 VRPG). Die Beschwerdeführerin unter-

liegt, weshalb sie die Verfahrenskosten zu tragen hat. 

 

Mangels Vertretung werden auch der obsiegenden Gemeinde keine Par-

teikosten ersetzt (vgl. § 29 VRPG). 

 

7. 

Von Gesetzes wegen wäre gegen den vorliegenden Entscheid als Rechts-

mittel die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das 

Bundesgericht gegeben. In seinem Entscheid 2C_390/2009, 2C_391/2009 

vom 14. Januar 2010 hat das Bundesgericht indessen festgehalten, dass 

hier vorderhand Beschwerde an das kantonale Verwaltungsgericht zu füh-

ren ist. 

 

 
   

Das Gericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann. 

 

2. 

2.1. 

Die Verfahrenskosten, bestehend aus einer Staatsgebühr von Fr. 500.00, 

den Kanzleigebühren von Fr. 132.00 und den Auslagen von Fr. 271.00, ins-

gesamt Fr. 903.00, sind von der Beschwerdeführerin zu bezahlen. 

 

Der geleistete Kostenvorschuss wird mit den Verfahrenskosten verrechnet.  

 

2.2. 

Es wird kein Parteikostenersatz zugesprochen. 

 

 

   

Zustellung 

- A. AG, S. 

- Gemeinderat Q. 

 

Mitteilung 

- Departement Bau, Verkehr und Umwelt, Rechtsabteilung, Entfelder-

strasse 22, 5001 Aarau 

- Mitwirkende Kommissionsmitglieder 

- Gerichtskasse (intern) 

 - 11 - 

 

 

 
 

   

Rechtsmittelbelehrung Verwaltungsgerichtsbeschwerde 

 

Dieser Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Beschwerde 

beim Verwaltungsgericht des Kantons Aargau, obere Vorstadt 40, 5001 

Aarau, angefochten werden. Die Frist steht still vom 7. Tag vor bis und mit 

dem 7. Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August und vom 

18. Dezember bis und mit dem 2. Januar. Die unterzeichnete Beschwerde-

schrift muss einen Antrag, wie der Entscheid zu ändern sei, sowie eine Be-

gründung enthalten. Beweismittel sind anzugeben. Der angefochtene Ent-

scheid und als Beweismittel angerufene Urkunden sind beizulegen (§§ 28 

und 43 f. des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; 

SAR 271.200] vom 4. Dezember 2007] in Verbindung mit Art. 145 Abs. 1 

der Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] vom 19. Dezem-

ber 2008). 

 

 
   

Aarau, 17. August 2011 

 

Schätzungskommission nach Baugesetz 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

E. Hauller G. Bruder-Wismann