# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a3b27318-b940-5ceb-ab6a-cae5313c24e0
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-10-15
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 15.10.2018 SK 2018 51
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2018-51_2018-10-15.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil 
SK 18 51
SK 18 58

Hochschulstrasse 17
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 15. Oktober 2018 

Besetzung Oberrichter Aebi (Präsident i.V.), Oberrichter Schmid, 
Oberrichter Kiener
Gerichtsschreiber Neuenschwander

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________

Beschuldigte/Berufungsführerin 1

C.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt D.________

Beschuldigter/Berufungsführer 2

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstras-
se 10, Postfach 6250, 3001 Bern

und

E.________

Straf- und Zivilkläger

Gegenstand qualifizierte Entführung, Erschleichen einer falschen Beurkun-
dung, unwahre Angaben über ein kaufmännisches Gewerbe

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau (Einzelgericht) vom 21. Juni 2017 (PEN 16 266+267)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 21. Juni 2017 (pag. 959 ff.), berichtigt am 7. Februar 2018 (pag. 978 
ff.) erkannte das Regionalgericht Emmental-Oberaargau (Einzelgericht) was folgt 
(Hervorhebungen im Original):

A. A.________

I.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der qualifizierten Entführung, mehrfach begangen (in Mittäterschaft mit C.________) in der 
Zeit vom 11.07.2015 bis 02.12.2015 in F.______ (Ortschaft) und in G.________ (Ortschaft in 
Spanien) z.N. H.________, und I.________;

2. der Erschleichung einer falschen Beurkundung, mehrfach begangen am 19.09.2014 in Bern 
und am 22./23.09.2014 in Bern und L._____ (Ortschaft);

3. der Unwahren Angaben über ein kaufmännisches Gewerbe, begangen am 22.09.2014 in 
Bern (Anmeldung der Eintragung) bzw. am 23.09.2014 in L._____ (Ortschaft) (Eintrag im Tage-
buch des Handelsregisters L._____ (Ortschaft));

und in Anwendung der Art. 34, 40, 42 Abs. 1, 43, 44, 47, 49 Abs. 1, 51, 152, 183 Ziff. 2, 184 und 253 
StGB, Art. 426 ff. StPO

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten.

Die Untersuchungshaft von 9 Tagen wird auf die Freiheitsstrafe angerechnet.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt.

2. Zu einer Geldstrafe von 110 Tagessätzen zu CHF 60.00, ausmachend total CHF 6‘600.00.

Davon sind 50 Tagessätze zu bezahlen. Bei 60 Tagessätzen wird der Vollzug aufgeschoben und 
die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt.

3. Zu den auf den Schuldspruch entfallenden anteilsmässigen Verfahrenskosten, sich zusam-
mensetzend aus Gebühren von CHF 5‘400.00 und Auslagen (jeweils die Hälfte der Kosten für 
die amtliche Verteidigung von Rechtsanwältin J.________, Fürsprecher K.________ sowie 
Rechtsanwalt B.________, sowie Auslagen der Untersuchung und Kosten der Staatsanwalt-
schaft) ausmachend CHF 11‘072.20, insgesamt bestimmt auf CHF 16‘472.20 (ohne Kosten für 
die amtliche Verteidigung auf CHF 6‘353.25).

Die Gebühren setzen sich zusammen aus:

CHF 4000.00
Kosten des Gerichts (inkl. schriftl. Begründung) CHF 1400.00
Total CHF 5400.00

Kosten der Staatsanwaltschaft

3

Die Auslagen setzen sich zusammen aus:

Kosten amtliche Verteidigung RA J.______ CHF 4072.70
Kosten amtliche Verteidigung FS K._______ CHF 1220.25
Kosten amtliche Verteidigung RA B.______ CHF 4826.00
Auslagen der Untersuchung CHF 203.25
Kosten der Staatsanwaltschaft CHF 750.00
Total CHF 11072.20

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 600.00. Die re-
duzierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 15‘872.20 (ohne Kosten für die amtliche Ver-
teidigung CHF 5‘753.25).

II.

Im mit Verfügung des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 07.06.2017 eingestellten Verfah-
ren betreffend Entziehen von Unmündigen, mehrfach begangen (in Mittäterschaft mit C.________) 
werden A.________ die anteilsmässigen Verfahrenskosten auferlegt, sich zusammensetzend aus 
Gebühren von CHF 3‘500.00 und Auslagen (Hälfte der Kosten für die amtliche Verteidigung für 
Rechtsanwältin J.________ ausmachend CHF 4‘072.70, Hälfte der Kosten für die amtliche Verteidi-
gung für Fürsprecher K.________ ausmachend CHF 1‘220.25, Hälfte der Kosten für die amtliche Ver-
teidigung für Rechtsanwalt B.________ ausmachend CHF 4‘826.00 sowie CHF 203.25 [anteilsmässi-
ge Auslagen Voruntersuchung]) von CHF 10‘322.20 , insgesamt bestimmt auf CHF 13‘822.20 (ohne 
Kosten für die amtliche Verteidigung auf CHF 3‘703.25).

Eine Entschädigung wird nicht ausgerichtet.

III.

1. Es wird festgestellt, dass der Kanton Bern Fürsprecher K.________ für die amtliche Verteidi-
gung von A.________ mit CHF 2‘440.50 entschädigt hat.

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen 
und Fürsprecher K.________ die Differenz von CHF 540.00 zwischen der amtlichen Entschädi-
gung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 
(Art. 135 Abs. 4 StPO).

2. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung von 
A.________ durch Rechtsanwalt B.________ werden wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 40.00 200.00 CHF 8'000.00

CHF 937.00
Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 8'937.00 CHF 714.95

CHF
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 9'651.95

volles Honorar CHF 9'000.00
CHF 937.00

Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 9'937.00 CHF 794.95
CHF 0.00

Total CHF 10'731.95

nachforderbarer Betrag CHF 1'080.00

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

4

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt B.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 9‘651.95. 

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen 
und Rechtsanwalt B.________ die Differenz von CHF 1‘080.00 zwischen der amtlichen Ent-
schädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse er-
lauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

3. Vom amtlichen Honorar entfallen ½ auf die Verfahrenskosten für das eingestellte Strafverfahren 
gemäss Verfügung des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 07.06.2017 (vgl. oben Ziff. 
A II) und ½ auf den Schuldspruch.

B. C.________

I.

C.________ wird schuldig erklärt:

der qualifizierten Entführung, mehrfach begangen (in Mittäterschaft mit A.________) in der Zeit vom 
11.07.2015 bis 02.12.2015 in F.______ (Ortschaft) und in G.________ (Ortschaft in Spanien) z.N. 
H.________, und I.________

und in Anwendung der Art. 40, 42 Abs. 1, 44, 47, 49 Abs. 1, 51, 183 Ziff. 2, 184 StGB, 
Art. 426 ff. StPO

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten.

Die Untersuchungshaft von 9 Tagen wird auf die Freiheitsstrafe angerechnet.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt.

2. Zu den auf den Schuldspruch entfallenden anteilsmässigen Verfahrenskosten, sich zusam-
mensetzend aus Gebühren von CHF 3‘900.00 und Auslagen (inkl. die Hälfte der Kosten für die 
amtliche Verteidigung) von CHF 5‘367.65, insgesamt bestimmt auf CHF 9‘267.65 (ohne Kosten 
für die amtliche Verteidigung auf CHF 4‘853.25).

Die Gebühren setzen sich zusammen aus:

CHF 3000.00
Kosten des Gerichts (inkl. schriftl. Begründung) CHF 900.00
Total CHF 3900.00

Kosten der Staatsanwaltschaft

Die Auslagen setzen sich zusammen aus:

Kosten für die amtliche Verteidigung CHF 4414.40
Auslagen der Untersuchung CHF 203.25
Kosten der Staatsanwaltschaft CHF 750.00
Total CHF 5367.65

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 400.00. Die re-
duzierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 8‘867.65 (ohne Kosten für die amtliche Ver-
teidigung CHF 4‘453.25).

5

II.

Im mit Verfügung des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 07.06.2017 eingestellten Verfah-
ren betreffend Entziehen von Unmündigen, mehrfach begangen (in Mittäterschaft mit A.________) 
werden C.________ die anteilsmässigen Verfahrenskosten auferlegt, sich zusammensetzend aus 
Gebühren von CHF 3‘500.00 und Auslagen (Hälfte der Kosten für die amtliche Verteidigung von 
CHF 4‘414.40 sowie CHF 203.25 [anteilsmässige Auslagen Voruntersuchung]), insgesamt bestimmt 
auf CHF 8‘117.65 (ohne Kosten für die amtliche Verteidigung auf CHF 3‘703.25).

Eine Entschädigung wird nicht ausgerichtet.

III.

1. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung von 
C.________ durch Rechtsanwalt D.________ werden wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 39.77 200.00 CHF 7'954.00

CHF 220.80
Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 8'174.80 CHF 654.00

CHF
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 8'828.80

volles Honorar CHF 9'621.00
CHF 220.80

Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 9'841.80 CHF 787.35
CHF 0.00

Total CHF 10'629.15

nachforderbarer Betrag CHF 1'800.35

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt D.________ für die amtliche Verteidigung von 
C.________ mit CHF 8‘828.80. 

C.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen 
und Rechtsanwalt D.________ die Differenz von CHF 1‘800.35 zwischen der amtlichen Ent-
schädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse 
erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

2. Vom amtlichen Honorar entfallen ½ auf die Verfahrenskosten für das eingestellte Strafverfahren 
gemäss Verfügung des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 07.06.2017 (vgl. oben Ziff. 
B II) und ½ auf den Schuldspruch.

C. Zivilpunkt

Betreffend Zivilpunkt wird in Anwendung von Art. 41 sowie Art. 126 und 432 ff. StPO erkannt:

1. A.________ und C.________ werden unter solidarischer Haftbarkeit zur Bezahlung von Scha-
denersatz im Betrag von CHF 7‘930.00 an den Straf- und Zivilkläger E.________ verurteilt.

2. Soweit weitergehend, wird die Zivilklage des Straf- und Zivilklägers E.________ in Anbetracht 
der unzureichenden Begründung auf den Zivilweg verwiesen (Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO).

3. Für den Zivilpunkt werden keine Kosten ausgeschieden.

[…]

6

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldeten sowohl A.________ (nachfolgend Beschuldigte 1) 
als auch C.________ (nachfolgend Beschuldigter 2) mit Eingaben vom 21. Juni 
2017 vertreten durch ihre Verteidiger fristgerecht Berufung an.

Die erstinstanzliche Urteilsbegründung datiert vom 7. Februar 2018 (pag. 983 ff.).

Mit Eingaben ihrer Verteidiger vom 26. Februar 2018 (Beschuldigter 2, pag. 1066 
ff.) bzw. 5. März 2018 (Beschuldigte 1, pag. 1070) reichten beide berufungsführen-
den Parteien form- und fristgerecht ihre Berufungserklärung ein.

Die Beschuldigte 1 reichte zudem am 5. März 2018 bei der Schweizerischen Bot-
schaft in Spanien persönlich eine «Berufungserklärung» ein (pag. 1084 ff.). Die 
Eingabe wurde als Antrag auf Einstellung des Verfahrens entgegengenommen 
(pag. 1094). 

Die Beschuldigten 1 und 2 verzichteten auf die Beantragung eines Nichteintretens 
auf die Berufung der jeweils anderen berufungsführenden Partei und die Erklärung 
einer Anschlussberufung (Eingaben vom 8. März 2018, pag. 1080, und vom 
16. März 2018, pag. 1100), ebenso die Generalstaatsanwaltschaft (Eingabe vom 
8. März 208, pag. 1082 f.). Der Straf- und Zivilkläger E.________ (nachfolgend Pri-
vatkläger) liess sich innert Frist nicht vernehmen.

Die Berufungsverhandlung fand am 12. Oktober 2018 statt, wobei die Beschuldig-
te 1 auf ihr Gesuch hin vom persönlichen Erscheinen dispensiert wurde. In der Dis-
pensationsverfügung vom 3. September 2018 wurde die Beschuldigte darauf hin-
gewiesen, dass sie damit auf eine oberinstanzliche Befragung verzichte (pag. 1151 
f.). Der Privatkläger wurde nicht zum persönlichen Erscheinen an der Berufungs-
verhandlung verpflichtet, er hat auf eine Teilnahme verzichtet (pag. 1102 f.). 

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Von Amtes wegen wurden in oberer Instanz aktuelle Strafregisterauszüge, datie-
rend vom 27. September 2018 (pag. 1160 und 1181 f.), sowie Leumundsberichte, 
datierend vom 20. bzw. 21. September 2018 (pag. 1157 f. bzw. pag. 1164 f.), über 
die Beschuldigten eingeholt. Ebenfalls bei den Akten befindet sich die vom Be-
schuldigten 2 am 4. Oktober 2017 bei der Gemeinde M.________ eingereichte 
Steuererklärung pro 2016 samt Veranlagung (pag. 1166 ff.).

Mit Eingabe vom 9. Oktober 2018 (pag. 1188 ff.) reichte Rechtsanwalt B.________ 
den Auszug einer WhatsApp-Konversation zwischen der Beschuldigten 1 und dem 
Privatkläger sowie ein Foto, welches den Sohn I.________ im Schiessstand zeigt, 
ein, verbunden mit dem Antrag, die entsprechenden Unterlagen zu den Akten zu 
erkennen. Die Beilagen wurden den übrigen Parteien am Folgetag zugestellt und 
anlässlich der Berufungsverhandlung – nach einer Stellungnahme der anwesenden 
Parteien – zu den Akten erkannt (pag. 1197). Den weiter an der Berufungsverhand-
lung vom Beschuldigten 2 gestellten Antrag, ihm seien die Videoaufnahmen der 
Einvernahmen von I.________ und H.________ vorzuspielen und ihm sei die Mög-
lichkeit einzuräumen, sich mündlich dazu zu äussern, wurde von der Kammer ab-
gewiesen, da sie sich aus der Beweismassnahme keinen Erkenntniszuwachs ver-

7

sprach und das zeitintensive sowie technische Vorbereitung bedingende Ersuchen 
erst im Laufe der Berufungsverhandlung und damit zur Unzeit gestellt wurde 
(pag. 1198). Zur Begründung dieses abweisenden Entscheids wird weiter auf die 
nachfolgenden Ausführungen zur Beweiswürdigung verwiesen (E. 10.4.1 unten). 
Die Kammer führte in der Berufungsverhandlung indessen eine Einvernahme mit 
dem Beschuldigten 2 durch (pag. 1199 ff.). 

4. Anträge der Parteien

4.1 Rechtsanwalt B.________ beantragte in der Berufungsverhandlung namens der 
Beschuldigten 1 was folgt (pag. 1218):

I. A.________ sei in Abänderung des Urteils des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau 
vom 21. Juni 2017 freizusprechen: 

von den Beschuldigungen 

1. der qualifizierten Entführung, angeblich mehrfach begangen (in Mittäterschaft mit C.________) 
in der Zeit vom 11. Juli 2015 bis 2. Dezember 2015 in F.______ (Ortschaft) und in G._____ 
(Ortschaft in Spanien), zum Nachteil von H.________ und I.________ 

2. des Erschleichens einer Falschbeurkundung, angeblich mehrfach begangen am 19. September 
2014 in Bern und am 22./23. September 2014 in Bern und L._____ (Ortschaft) 

3. der Unwahren Angaben über ein kaufmännisches Gewerbe, angeblich begangen am 22. Sep-
tember 2014 in Bern bzw. am 23. September 2014 in L._____ (Ortschaft) 

II. Im Weiteren sei zu verfügen: 

1. die Verfahrenskosten der ersten und zweiten Instanz seien dem Kanton zur Bezahlung aufzuer-
legen 

2. A.________ sei eine gerichtlich zu bestimmende Entschädigung ihrer Aufwendungen für die an-
gemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte und für die entstandenen wirtschaftlichen Einbus-
sen auszurichten (Art. 429 Abs. 1 lit. a und b StPO) 

3. A.________ sei weiter eine gerichtlich zu bestimmende Genugtuung für den erlittenen Freiheits-
entzug zuzusprechen (Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO) 

4. die Privatklage von E.________ sei abzuweisen 

5. das Honorar der amtlichen Verteidigung sei gerichtlich festzusetzen

Die Beschuldigte 1 persönlich hatte zudem mit der als «Berufungserklärung» beti-
telten Eingabe vom 2. März 2018 (pag. 1086) die Einstellung des Strafverfahrens 
zufolge Verletzung von Art. 6 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte 
und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) in seiner Ausprägung als ein auf Gesetz 
beruhendes Gericht beantragt. 

4.2 Rechtsanwalt D.________ stellte namens des Beschuldigten 2 folgende Anträge 
(pag. 1219 f.): 

1) Es sei unter Aufhebung des Urteils PEN 16 266/267 des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau, Gerichtspräsidentin N.________, vom 21. Juni 2017, Dispositiv [B] I Ziffer 1. und 2. 
und Ill Ziff. 1. dahingehend abzuändern, dass „Das Strafverfahren PEN 16 266/267 gegen 
C.________ wird wegen eines Verstosses gegen Artikel 6 Abs. 1 Satz 1 EMRK eingestellt, unter 

8

Ausrichtung einer Entschädigung an C.________ von CHF 8'828.80 (Honorar, Auslagen und 
MwSt) für die angemessene Ausübung seiner Verfahrensrechte, unter Auferlegung der anteili-
gen Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 3'900.00 und Auslagen 
von CHF 5'367.65, insgesamt bestimmt auf CHF 9'267.65 an den Kanton Bern." C.________ sei 
von der Rückerstattungspflicht des amtlichen Honorars zu befreien.

2) [Eventualiter] Es sei unter Aufhebung des Urteils PEN 16 266/267 des Regionalgerichts Emmen-
tal-Oberaargau, Gerichtspräsidentin  N.________, vom 21. Juni 2017, Dispositiv B. I Ziffer 1. 
und 2. und Ill Ziff. 1. dahingehend abzuändern, dass „C.________ wird vom Vorwurf der qualifi-
zierten Entführung, angeblich mehrfach begangen (in Mittäterschaft mit A.________), in der Zeit 
vom 11.07.2015 bis 02.12.2015 in F.______ (Ortschaft) und in G.________ (Ortschaft in Spani-
en) z.N. H.________, und I.________, unter Ausrichtung einer Entschädigung an C.________ 
von CHF 8'828.80 (Honorar, Auslagen und MwSt) für die angemessene Ausübung seiner Ver-
fahrensrechte, und unter Auferlegung der anteiligen Verfahrenskosten, sich zusammensetzend 
aus Gebühren von CHF 3'900.00 und Auslagen von CHF 5'367.65, insgesamt bestimmt auf 
CHF 9'267.65 an den Kanton Bern, von Schuld und Strafe freigesprochen." C.________ sei von 
der Rückerstattungspflicht des amtlichen Honorars zu befreien.

3) Es sei unter Aufhebung des Urteils PEN 16 266/267 des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau, Gerichtspräsidentin  N.________, vom 21. Juni 2017, Dispositiv [B] II. dahingehend 
abzuändern, dass „Die Kosten des mit Verfügung des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau 
vom 07.06.2017 eingestellten Verfahren betreffend Entziehen von Unmündigen, sich zusam-
mensetzend aus Gebühren von CHF 3'500.00 und Auslagen von CHF 8'117.65, insgesamt be-
stimmt auf CHF 11'617.65, werden dem Kanton Bern auferlegt." C.________ sei von der Rück-
erstattungspflicht des amtlichen Honorars zu befreien.

4) Es sei unter Aufhebung des Urteils PEN 16 266/267 des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau, Gerichtspräsidentin  N.________, vom 21. Juni 2017, Dispositiv […] C. Zivilpunkt 
dahingehend abzuändern, dass „Die Zivilklage wird abgewiesen." Eventualiter sei die Zivilklage 
auf den Zivilweg zu verweisen.

5) C.________ sei eine [angemessene] Genugtuung für die erlittene Untersuchungshaft [auszurich-
ten].

- unter Kosten- und Entschädigungsfolge -

4.3 Für die Generalstaatsanwaltschaft stellte Staatsanwältin O.________ folgende 
Rechtsbegehren (pag. 1221 ff.):

A. A.________ 

I.

A.________ sei schuldig zu erklären: 

1. der qualifizierten Entführung, mehrfach begangen (in Mittäterschaft mit C.________) in der 
Zeit vom 11.07.2015 bis 02.12.2015 in F.______ (Ortschaft) und in G.________ (Ortschaft in 
Spanien) z.N. H.________, und I.________;

2. der Erschleichung einer falschen Beurkundung, mehrfach begangen am 19.09.2014 in Bern 
und am 22./23.09.2014 in Bern und L._____ (Ortschaft); 

9

3. der Unwahren Angaben über ein kaufmännisches Gewerbe, begangen am 22.09.2014 in 
Bern (Anmeldung der Eintragung) bzw. am 23.09.2014 in L._____ (Ortschaft) (Eintrag im Tage-
buch des Handelsregisters L._____ (Ortschaft)). 

II.

A.________ sei in Anwendung von Art. 34, 40, 42 Abs. 1, 43, 44, 47, 49 Abs. 1, 51, 152, 183 Ziff. 2, 
184 und 253 StGB; Art. 426 ff. StPO

zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten, unter Gewährung des bedingten Vollzugs bei einer 
Probezeit von 3 Jahren sowie unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft von 9 
Tagen; 

2. zu einer Geldstrafe von 110 Tagessätzen zu CHF 60.00, ausmachend total CHF 6'600.00, da-
von seien 50 Tagessätze unbedingt und 60 Tagessätze bedingt mit einer Probezeit von 3 Jahren 
auszusprechen; 

3. zur Bezahlung der anteilsmässigen erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine 
angemessene Gebühr gemäss Art. 21 VKD). 

III.

Im mit Verfügung des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 07.06.2017 eingestellten Verfah-
ren betreffend Entziehung von Unmündigen seien A.________ die anteilsmässigen Verfahrenskosten, 
ausmachend CHF 13'822.20, aufzuerlegen. 

B. C.________ 

I.

C.________ sei schuldig zu erklären der qualifizierten Entführung, mehrfach begangen (in Mit-
täterschaft mit A.________) in der Zeit vom 11.07.2015 bis 02.12.2015 in F.______ (Ortschaft) und in 
G.________ (Ortschaft in Spanien) z.N. H.________, und I.________.

II.

C.________ sei in Anwendung von Art. 40, 42 Abs. 1, 44, 47, 49 Abs. 1, 51, 183 Ziff. 2, 184 StGB; 
Art. 426 ff. StPO

zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten, unter Gewährung des bedingten Vollzugs bei einer 
Probezeit von 3 Jahren sowie unter Anrechnung der ausgestandenen Unter-suchungshaft von 9 
Tagen; 

2. zur Bezahlung der anteilsmässigen erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine 
angemessene Gebühr gemäss Art. 21 VKD).

III.

Im mit Verfügung des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 07.06.2017 eingestellten Verfah-
ren betreffend Entziehung von Unmündigen seien C.________ die anteilsmässigen Verfahrenskos-
ten, ausmachend CHF 8'320.90, aufzuerlegen. 

10

C. Verfügungen

Im Weiteren seien die Honorare der amtlichen Verteidiger gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO).

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Die Berufungen der Beschuldigten richten sich gegen die Schuldsprüche und die 
ausgesprochenen Sanktionen sowie gegen die sich aus den Schuldsprüchen erge-
benden Kostenfolgen. Darüber hinaus sind auch die Verlegung der auf den einge-
stellten Verfahrensteil entfallenden Verfahrenskosten sowie das Urteil im Zivilpunkt 
angefochten. Die Berufungen der Beschuldigten sind mithin in ihrem Umfang nicht 
beschränkt.

Das Urteil ist von der Kammer umfassend, mit voller Kognition zu überprüfen (Art. 
398 Abs. 2 und 3 der Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO; SR 312.0]). 
Nachdem einzig die beiden Beschuldigten, nicht aber die Generalstaatsanwalt-
schaft oder der Privatkläger ein Rechtsmittel ergriffen haben, darf die Kammer das 
erstinstanzliche Urteil allerdings nicht zu ihren Ungunsten abändern. Es gilt das 
sog. Verschlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 StPO). Ausgeschlossen sind na-
mentlich strengere Strafen und eine weitergehende Gutheissung der Zivilklage.

6. Zum Einstellungsantrag

6.1 Der Beschuldigte 2 rügte in seiner Berufungserklärung eine Verletzung von Art. 6 
EMRK in seiner Ausprägung als Anspruch auf ein auf Gesetz beruhendes Gericht. 
Er stellte sich auf den Standpunkt, die Spruchkörperbildung in den Strafkammern 
des Obergerichts nach der gesetzlichen Regelung von Art. 44 und 45 des Geset-
zes über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft 
(GSOG; BSG 161.11) genüge den Anforderungen von Art. 6 EMRK an den «ge-
setzlichen Richter» nicht. Als Folge des Verstosses sei das Verfahren gegen ihn 
einzustellen. Diesen Einstellungsantrag wiederholte der Beschuldigte 2 auch an-
lässlich der Berufungsverhandlung vorfrageweise und bestätigte ihn schliesslich in 
seinem Plädoyer (pag. 1196, 1210 und 1219). Er führte präzisierend aus, während 
das Bundesgericht das Vorgehen des Obergerichts zunächst als mit der EMRK 
vereinbar erklärt habe, seien kürzlich zwei Entscheide der strafrechtlichen Abtei-
lung des Bundesgerichts ergangen, welche diese Betrachtungsweise relativiert und 
die bernische Spruchkörperbildung als problematisch bezeichnet hätten. Das Or-
ganisationsreglement des Obergerichts (OrR OG; BSG 162.11) sei mit Wirkung auf 
den 1. September 2018 um einen neuen Art. 27a erweitert worden. Dies zeige, 
dass berechtigte Bedenken an der bisherigen Regelung bestanden hätten. Der vor-
liegende Spruchkörper sei noch nach der alten Regelung gebildet worden; Überg-
angsbestimmungen liessen sich dem Organisationsreglement nicht entnehmen.

6.2 Auch die Beschuldigte 1 brachte in ihrer persönlichen Eingabe vom 5. März 2018 
(pag. 1084 ff.) eine entsprechende Rüge vor. Rechtsanwalt B.________ verwies 
anlässlich der Berufungsverhandlung auf das Schreiben seiner Mandantin, enthielt 
sich aber weitergehender Ausführungen diesbezüglich (pag. 1196).

11

6.3 Wenngleich die Beschuldigten das Vorgehen des Obergerichts bei der Spruchkör-
perbildung und die diesbezüglich bestehenden Grundlagen beanstandeten, stellten 
sie aber gleichzeitig kein formelles Ausstandsgesuch gegen einzelne Mitglieder der 
Kammer, deren Zusammensetzung ihnen bereits mit den Vorladungen vom 16. Mai 
2018 (pag. 1104 ff. resp. 1107 ff.) zur Kenntnis gebracht wurde. 

Hinsichtlich der kritisierten Spruchkörperbildung hat – wie der Beschuldigte 2 zu-
treffend ausführte – die I. öffentlich-rechtliche Abteilung des Bundesgerichts jüngst 
in mehreren Entscheiden festgehalten, dass nicht nur die Besetzung der Richter-
bank in der Beschwerdekammer des Obergerichts des Kantons Bern (vgl. dazu Ur-
teil des Bundesgerichts 1B_517/2017 vom 13. März 2018 E. 6), sondern explizit 
auch jene in den Strafkammern den verfassungs- und konventionsrechtlichen Vor-
gaben genügt (Urteile des Bundesgerichts 1B_182/2018 vom 8. Mai 2018 E. 4, 
1B_547/2017 vom 11. Mai 2018 E. 4 und 1B_137/2018 vom 4. Juni 2018 E. 5). 

Den von der strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts geäusserten Bedenken 
an der gesetzlichen Regelung im Kanton Bern (vgl. 6B_63/2018 vom 21. Juni 2018 
E. 3.2.3 und 6B_1458/2017 vom 21. Juni 2018 E. 3.2.3) wurde – wie vom Beschul-
digten 2 ebenfalls erörtert – inzwischen mit dem Erlass eines neuen Art. 27a des 
Organisationsreglements des Obergerichts Rechnung getragen. Da die neue Be-
stimmung im Wesentlichen die schon bisher geltende Praxis kodifiziert, erübrigen 
sich eingehende Ausführungen zum geltenden Übergangsrecht. Eine Delegation 
der Besetzung der Richterbank an die Gerichtskanzlei unter gleichzeitiger Einräu-
mung eines erheblichen Ermessens, wie sie die strafrechtliche Abteilung des Bun-
desgerichts in seinem Urteil 1C_187/2017 und 1C_327/2017 vom 20. März 2018 E. 
7 in Bezug auf den Kanton Basel-Stadt kritisiert hatte, sah und sieht das bernische 
Recht nicht vor.

Im vorliegenden Verfahren wurde der Spruchkörper zwar noch nicht nach dem nun 
revidierten Organisationsreglement, aber entsprechend der erwähnten Praxis 
schematisch anhand der vom Sekretariat bewirtschafteten Listen gebildet. Die for-
melle Rüge erweist sich als unbegründet. 

II. Zur qualifizierten Entführung 

7. Sachverhalt und Beweiswürdigung

7.1 Vorbemerkung

Bezüglich der allgemeinen Grundlagen zu Sachverhalt und Beweiswürdigung kann 
auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (S. 6 ff. der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 938 ff.). 

Ausgehend von der Anklageschrift wird den Beschuldigten vorgeworfen, die beiden 
minderjährigen Kinder der Beschuldigten 1 und des Privatklägers in Mittäterschaft 
entführt zu haben (Ziff. I.A.1. und 2. bzw. Ziff. I.B.1. und 2. der Anklageschrift). Wie 
bereits die Vorinstanz geht auch die Kammer zunächst auf die diesbezüglich ver-
fügbaren Beweise ein und ordnet den daraus abgeleiteten Sachverhalt rechtlich 
ein. In einem zweiten Schritt wird auf die lediglich die Beschuldigte 1 als Gründerin 
der P._____ (Gesellschaft) betreffenden Anschuldigungen des Erschleichens einer 

12

Falschbeurkundung und der unwahren Angaben über ein kaufmännisches Gewer-
be (Ziff. I.A.3. und 4. der Anklageschrift) eingegangen. 

8. Vorwurf gemäss Anklageschrift

Für die Umschreibung des Vorwurfs wird vorab auf die Anklageschrift (pag. 633 ff.) 
bzw. die entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz (S. 9 ff. der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung, pag. 99f ff.) verwiesen. Den Beschuldigten wird zusammenge-
fasst vorgeworfen, mit einer dauerhaften Verbringung der beiden minderjährigen 
Kinder der Beschuldigten 1 und des Privatklägers (H.________; I.________) von 
F.______ (Ortschaft) nach Spanien (G._____ (Ortschaft in Spanien)) deren Kinds-
wohl erheblich gefährdet zu haben. Indem sie die Kinder ohne Wissen der Behör-
den und gegen den mutmasslichen Willen des Kindsvaters sowie entgegen der 
Empfehlung des Instituts für Forensik und Rechtspsychologie dauerhaft nach Spa-
nien verbracht, dabei den neuen Wohnort absichtlich vor dem Vater und den 
Behörden geheim gehalten und dafür gesorgt hätten, dass kein Kontakt zwischen 
dem Vater und den Kindern aufgenommen werden konnte, sollen sie diese Ge-
fährdung billigend in Kauf genommen haben. 

9. Unbestrittener und bestrittener Sachverhalt

Aufgrund der Aussagen der beiden Beschuldigten (pag. 249 ff., pag. 237 ff.) ist 
nicht bestritten, dass sie sich im Juli 2015 mit H.________ und I.________ von ih-
rem Wohnort in F.______ (Ortschaft) nach Spanien begaben, über das Ende der 
Schulferien in der Schweiz dort verblieben und sich in der Absicht, ein neues Re-
staurant zu eröffnen, in G._____ (Ortschaft in Spanien) niederliessen; weiter mel-
deten sie die Kinder dort in einer deutschen Schule an und begründeten so in 
G._____ (Ortschaft in Spanien) schliesslich ein neues «Zuhause». 

Bestritten sind dagegen die näheren Begleitumstände des Umzugs, insbesondere 
die Frage, ob dieser heimlich und auf eine Art und Weise erfolgte, die dem Kinds-
wohl abträglich war, bzw. dieses erheblich gefährdete.

10. Beweiswürdigung

10.1 Allgemeines

Die Vorinstanz ist im Rahmen ihrer umfassenden und zutreffenden Beweiswürdi-
gung vorerst auf die zahlreichen einschlägigen Schriftstücke aus dem Verfahren 
um Abänderung von Eheschutzmassnahmen (CIV 14 3331) einerseits (Trennungs-
vereinbarung, Abänderungsgesuch, Stellungnahmen, Verfügungen, Fachbericht, 
Aktennotizen, E-Mails, WhatsApp-Nachrichten etc.) und den Parallel- bzw. Folge-
verfahren (bei der Kindes und Erwachsenenschutzbehörde des Kantons Bern 
[nachfolgend KESB], beim Bundesamt für Justiz betreffend Kindesrückführung so-
wie bei den bernischen Gerichten betreffend Scheidungs- und Strafverfahren) an-
dererseits (u.a. Strafantrag, Aufenthaltsnachforschungen, Ausschreibungen, Fahn-
dungsaufträge etc.) eingegangen und hat diese chronologisch eingeordnet, kom-
mentiert und gewürdigt. In einem zweiten Schritt hat sie die Aussagen der involvier-
ten Personen (Privatkläger, Beschuldigte 1, Beschuldigter 2, H.________, 
I.________) zusammengestellt und gewürdigt.

13

Der gleiche Aufbau wird auch von der Kammer übernommen. Die zutreffenden 
Ausführungen der Vorinstanz – auf welche ergänzend zu verweisen ist (S. 12 ff. 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 944 ff.) – werden nachfolgend (teil-
weise zusammengefasst) wiedergeben und gewürdigt. 

10.2 Chronologie der Geschehnisse

10.2.1 Trennungsvereinbarung und Gesuch um Neuordnung der elterlichen Sorge

Aus der vom Regionalgericht Bern-Mittelland genehmigten Trennungsvereinbarung 
vom 28. Februar 2014 (pag. 123 ff.) geht hervor, dass die Beschuldigte 1 und der 
Privatkläger seit dem 1. August 2013 getrennt lebten (Ziff. 1). Die gemeinsamen 
Kinder (H.________ und I.________) wurden unter die Obhut der Beschuldigten 1 
gestellt, wobei dem Privatkläger ein Besuchsrecht eingeräumt und zusätzlich eine 
Beistandschaft mit der Kompetenz, das Besuchsrecht zu koordinieren und zu orga-
nisieren, errichtet wurde (Ziff. 2). 

Mit Gesuch vom 21. Dezember 2014 (pag. 637.3 ff.) bzw. 15. Januar 2015 
(pag. 637.10 ff.) beantragte der Privatkläger beim Regionalgericht Emmental-
Oberaargau, die beiden Kinder seien unter seine elterliche Obhut zu stellen. Mit 
Stellungnahme vom 27. Februar 2015 liess die Beschuldigte 1 über ihre damalige 
Verteidigerin, Rechtsanwältin Q.________, ihrerseits beantragen, die Minimalrege-
lung des Besuchs- und Ferienrechts für H.________ sei aufzuheben und der Pri-
vatkläger sei rückwirkend zur Bezahlung eines Unterhaltsbeitrags zu verpflichten 
(pag. 637.45 ff.). Im Zusammenhang mit dem Wohnort der Kinder führte sie aus, es 
seien «keinerlei Bestrebungen im Gang, von F.______ (Ortschaft) wegzuziehen». 
Die Kinder würden sich in der neuen Umgebung wohl fühlen und hätten sich in der 
Schule gut eingelebt (pag. 637.50). 

Mit Eingabe vom 8. Mai 2015 beantragte der Privatkläger sinngemäss, ihm seien 
Reisepässe, Aufenthaltserlaubnis und Krankenversicherungskarten der Kinder her-
auszugeben (pag. 637.73). Die Beschuldigte 1 schloss in ihrer Stellungnahme vom 
28. Mai 2015 auf Abweisung des Antrags und führte unter anderem aus, sie habe 
grosse Angst davor, dass sich der Privatkläger mit den Kindern ins Ausland abset-
zen könnte (pag. 637.79). Ferner scheine es auch unter dem Gesichtspunkt des 
Kindswohls nicht opportun, lange Reisen in fremde Länder zu unternehmen, deren 
Sprache I.________ nicht spreche, wo das Kind doch gerade erst diverse Umzüge 
seiner Eltern habe verkraften müssen (pag. 637.81). Nicht zuletzt gelte es zu 
berücksichtigen, dass derzeit ein Gutachten erstellt werde, welches sich u.a. zur 
Regelung des Besuchs- und Ferienrechts und zur allfälligen Anordnung von Kin-
desschutzmassnahmen zu äussern habe. Es gebe keinen Grund dafür, dem Gut-
achten eine solch möglicherweise folgenschwere Entscheidung vorweg zu nehmen 
(pag. 637.81 f.). 

Würdigung durch die Kammer

Wie bereits die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, finden sich in den Akten bis 
zu diesem Zeitpunkt keinerlei Hinweise darauf, dass die Beschuldigten einen Um-
zug in Betracht gezogen hätten. Die Beschuldigte 1 zeigte sich vielmehr besorgt, 
dass der Privatkläger einen solchen in Erwägung ziehen und sich mit den Kindern 
ins Ausland absetzen könnte. Sie konkretisierte, dass ein solches Vorgehen – ge-

14

rade auch mit Blick auf die verschiedenen Umzüge in jüngster Vergangenheit – 
aber nicht dem Kindswohl entspräche und darum verhindert werden müsse. Bereits 
zu diesem Zeitpunkt nahm sie sodann Bezug auf den sich in Ausarbeitung befindli-
chen Fachbericht, der sich zu diesen Fragen zu äussern habe (dazu gleich nach-
folgend). 

10.2.2 Fachbericht vom 23. Juni 2015

Den soeben erwähnten Fachbericht liess das Regionalgericht Emmental-
Oberaargau im Rahmen des Eheschutzverfahrens durch das Institut für Forensik 
und Rechtspsychologie, Fachstelle für Kindes- und Erwachsenenschutz (nachfol-
gend IFB) ausarbeiten (Fachbericht vom 23. Juni 2015, pag. 637.90 ff.). Nebst der 
Frage der Obhutszuteilung werden darin insbesondere der Bedarf allfälliger Kin-
desschutzmassnahmen und die Regelung des Besuchs- und Ferienrechts themati-
siert. 

Zusammengefasst wird festgehalten, dass die Trennung des Privatklägers und der 
Beschuldigten 1 konflikthaft und wiederholt eskalierend gewesen sei 
(pag. 637.119). Anstelle von Ruhe, Klarheit, Grenzen und Strukturen, die Kinder in 
solchen Situationen bräuchten, um mit der Problematik umgehen zu können, wür-
den H.________ und I.________ in den Konflikt ihrer Eltern einbezogen, dadurch 
auf die Erwachsenenebene gedrängt und in einen massiven Loyalitätskonflikt ge-
bracht (pag. 637.120). Aufgrund des Verhaltens der Eltern sei von einer einge-
schränkten bis fehlenden Bindungstoleranz auszugehen, die für sich ein Zeichen 
für eine eingeschränkte Erziehungsfähigkeit darstelle und in schweren Fällen eine 
Gefährdung des Kindswohls impliziere (pag. 637.120). Beide Kinder würden auf 
das hohe elterliche Konfliktniveau mit individuellen Belastungsreaktionen reagieren. 
I.________ scheine der Kontakt zu seinem Vater wichtig zu sein, so dass er die 
Belastung, welche der Loyalitätskonflikt mit sich bringe, auf sich nehme. Bei 
H.________ sei ein Umgang mit dem Loyalitätskonflikt in der Allianzbildung mit der 
Mutter bei gleichzeitiger Ablehnung des Vaters erkennbar. Soweit die beiden Kin-
der weiterhin derart in die elterlichen Konflikte einbezogen würden, wirke sich dies 
prognostisch mit grösster Wahrscheinlichkeit negativ auf ihre psychische Entwick-
lung aus. 

H.________ und I.________ seien in der Vergangenheit aufgrund instabiler Umge-
bungs- und Beziehungssituation viele Anpassungsleistungen abverlangt worden. 
So hätten seit dem Zuzug in die Schweiz nebst der elterlichen Trennung vier Um-
züge stattgefunden, welche für die Kinder jeweils mit einem Schulwechsel verbun-
den gewesen seien. Es sei angezeigt, dass H.________ und I.________ Ruhe er-
halten würden, um sich ihren eigenen Entwicklungsschritten widmen zu können. 
Beide seien an für sie wichtigen Entwicklungspunkten. Eine negative Beeinflussung 
derselben durch die Konflikte der Eltern werde als abträglich für das Wohl der Kin-
der erachtet (pag. 637.121). Aufgrund der vorgefundenen Situation und der damit 
verbundenen Belastung der Kinder schlugen die Gutachter als unmittelbare Kin-
desschutzmassnahmen eine Ausweitung der bestehenden Beistandschaft, eine 
sozialpädagogische Familienbegleitung, die Weiterführung der Mediation zwischen 
den Eltern sowie die Einleitung eines psychotherapeutischen Settings für die Kin-
der vor (pag. 637.123 f.). 

15

Bezüglich der künftig empfohlenen Betreuungssituation führte die Vorinstanz zu-
treffend aus (S. 14 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 996 f.):

Im Rechtspsychologischen Fachbericht wurde weiter festgestellt, dass grundsätzlich sowohl die Be-
schuldigte A.________ wie auch der Straf- und Zivilkläger als Vater der Kinder in der Lage seien, die 
Betreuungs- und Versorgungsmöglichkeiten für die beiden Kinder wahrzunehmen. Aufgrund der Kon-
taktverweigerung von H.________ zu ihrem Vater wurde empfohlen, sie unter der Obhut der Beschul-
digten A.________ zu belassen. In Bezug auf die Obhut über I.________ wurde festgehalten, dass zu 
berücksichtigen sei, dass I.________ nach mehreren Umzügen in Vergangenheit auf ein ruhiges Um-
feld angewiesen sei, um sich seinen Entwicklungsaufgaben widmen zu können. Eine Zuteilung der 
Obhut an den Kindesvater an seinem jetzigen Wohnort würde einen erneuten Bruch in der Bezie-
hungs- und Umgebungskonstanz von I.________ darstellen, was als abträglich für seine weitere Ent-
wicklung erachtet werde. Diesbezüglich sei auch zu berücksichtigen, dass eine Zuteilung der Obhut 
an den Vater mit einer Geschwistertrennung verbunden wäre, was in der vorliegenden Situation eine 
Resilienzeinschränkung darstellen würde. Aus entwicklungspsychologischer Sicht werde deshalb die 
Zukunftsprognose bei einer geteilten Obhutszuteilung an beide Elternteile über I.________ als am 
ehesten geeignet erachtet, die Beziehung von I.________ zu beiden Elternteilen zu schützen und 
damit seine Entwicklung zu fördern. Die Umsetzbarkeit dieser Obhutsregelung sei jedoch weitgehend 
vom zukünftigen Wohnort des Kindesvaters abhängig und werde nur dann realisierbar, wenn die 
wohnliche Distanz der Eltern angemessen sei. Sollte der Vater nicht gewillt sein, sich räumlich an-
zunähern, sei die Obhut über I.________ bei der Kindsmutter zu belassen. Gelinge es den Eltern 
nicht, I.________ in seiner zukünftigen Entwicklung zu schützen so müsse eine Fremdplatzierung in 
Betracht gezogen werden (pag. 637.122). Im Rechtspsychologischen Fachbericht wurde betreffend 
Besuchsrecht weiter empfohlen, dass für beide Kinder mit Hilfe der Beiständin eine individuelle Lö-
sung zu finden und die bestehende Beistandschaft gemäss Art. 308 auf Abs. 1-2 ZGB auszuweiten 
sei. Aufgrund des Alters und der Kontaktverweigerung von H.________ zum Vater sei ein „nieder-
schwelliger Kontakt“ zu befürworten. Es sei weder eine Durchsetzung gegen den Willen von 
H.________ noch ein kompletter Kontaktabbruch angemessen, weshalb halbjährliche Treffen in ei-
nem professionellen Setting empfohlen würden. Der Kontakt von I.________ zum Vater sei zu inten-
sivieren, was aufgrund der Distanz der beiden Wohnorte jedoch schwer umsetzbar sei (pag. 637.123). 
Es werde deshalb ein Umzug des Kindsvaters in die Nähe der Kinder empfohlen [bzw. wurde ein sol-
cher als für die Kinderbelange förderlich erachtet], was dieser in den Gesprächen mit der Fachstelle in 
Betracht gezogen habe. Ein allfälliger Wegzug von der Beschuldigten A.________ aus dem aktuellen 
Umfeld würde dieser Intervention entgegenwirken und wäre in verschiedener Hinsicht als abträglich 
für das Wohl von I.________ und H.________ zu erachten (Distanzherstellung zum Kindsvater, er-
neuter Schulwechsel etc.). Sollte die Beschuldigte A.________ bei einem Zuzug vom Kindsvater 
wegziehen, sei fraglich, inwiefern sie das Wohl ihrer Kinder anzuerkennen und zu schützen vermöge, 
so dass weiterführendere und einschneidendere Kindesschutzmassnahmen abzuwägen seien 
(pag. 637.124). 

Würdigung durch die Kammer
Aus dem Fachbericht ergibt sich nach Ansicht der Kammer klar, dass die positive 
psychische Entwicklung und das Wohl der Kinder einerseits von einer Beruhigung 
des Konfliktes zwischen den Eltern und andererseits von einer Stabilisierung der 
Wohn-, Beziehungs- und Betreuungssituation abhängig gemacht wurde. 

16

10.2.3 Nichtantritt der Ferien von I.________ beim Vater
Mit Verfügung vom 24. Juli 2015 wurde die Verhandlung betreffend Abänderung 
von Eheschutzmassnahmen auf den 10. September 2015 angesetzt (pag. 
637.138 f.). 

Mit Schreiben vom 28. Juli 2015 (pag. 637.144 f.) teilte der Privatkläger dem Regi-
onalgericht Emmental-Oberaargau mit, dass zwischen dem 24. Juli 2015 und dem 
8. August 2015 ein Urlaub von I.________ bei ihm vereinbart worden sei, der dann 
aber nicht wie vereinbart stattgefunden habe bzw. angetreten worden sei. Im Ein-
zelnen führte er aus (S. 16 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 998):

Auf Anfrage der Beschuldigten A.________ sei der Termin für die Übergabe von I.________ auf den 
26.07.2015 nachmittags (nach Telefonat bei Rückkehr), spätestens aber auf den 27.07.2015 um 
07.30 Uhr in R._____ (Ortschaft) am Bahnhof verschoben worden. Seit dem 24.07. habe der [Privat-
kläger] versucht eine Bestätigung für den vereinbarten Termin von der Beschuldigten A.________ zu 
erhalten. Die Beschuldigte A.________ habe die ihm letztbekannte Mobiltelefonnummer inzwischen 
abgemeldet und weigere sich ihre neue Nummer zu nennen. Er habe keine andere Möglichkeit als 
über Whatsapp mit ihr in Kontakt zu treten. Seit dem 27.07 abends sei nun auch ihr Whatsapp-
Zugang gelöscht. Am 27.07.2015 sei er nach zwei Stunden Fahrt mit Frau S.________ um 07.30 Uhr 
in R._____ (Ortschaft) angekommen. Da I.________ bis um 07.50 Uhr nicht gekommen sei, habe er 
sich anschliessend davon überzeugt, dass sich die Kinder und die Beschuldigte A.________ nicht zu 
Hause in F.______ (Ortschaft) aufhalten würden. In der Folge habe er mit Frau T.________ vom So-
zialdienst F.______ (Ortschaft) gesprochen und habe sie über die Vorgänge informiert. Der Straf- und 
Zivilkläger äusserte die Vermutung, dass sich die Beschuldigte A.________ nach Spanien oder 
Deutschland abgesetzt haben könnte. Dies insbesondere weil sie eine „Pleite“ mit dem Restaurant in 
U._____ (Ortschaft) hinter sich habe, vermutlich ohne Arbeit sei, einen auf fünf Jahre terminierten 
Mietvertrag eines Hauses „bedienen“ müsse und über das Sorgerecht für die Kinder verhandelt wer-
de.

Dazu reichte der Privatkläger einen undatierten WhatsApp-Verlauf (pag. 637.144 f.) 
ein, in welchem die Beschuldigte 1 schrieb (vgl. dazu S. 15 f. der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung, pag. 997 f.):

[…] sie glaube es werde nicht gehen, sie würden erst am Sonntag zurückkommen. Weiter führte sie 
aus, sie versuche mittags zurückzukommen, dann sei er [I.________] am Abend bei ihm, aber es 
werde stressig werden für sie alle. Woraufhin der [Privatkläger] antwortete, Montagvormittag sei halt 
seine erste Schwimmstunde, zur Not Montag früh, ab 07.30 Uhr. Die Beschuldigte A.________ ant-
wortete darauf, dies werde „sehr wohl gehen“ und bedankte sich. Worauf der [Privatkläger] schrieb: 
„Also dann am Sonntag, Nachmittag/Abend 26.07 nach Telefon, sonst zur Not am Montag 7.30 in 
R._____ (Ortschaft). Ok?“. Die Beschuldigte A.________ bestätigte, dass es in Ordnung sei 
(pag. 637.147).

Die Beschuldigte 1 selber richtete am 28. Juli 2015 eine E-Mail an Rechtsanwältin 
Q.________ und die Beiständin Frau T.________, Regionale Sozialdienste 
F.______ (Ortschaft) (nachfolgend Beiständin; pag. 637.142 f.). Darin informierte 
die Beschuldigte 1, sie befänden sich derzeit in Italien auf Verwandtschaftsbesuch 
und würden erst am 3. August 2015 wieder in die Schweiz zurückkehren. Die 
Übergabe von I.________ könne erst eine Woche später stattfinden, da sie organi-
satorisch eingeschränkt seien und sie erst am 3. August 2015 wieder zuhause sein 

17

könnten. Sie gehe davon aus, dass der Privatkläger ohne Verständnis reagiere und 
alle Hebel in Bewegung setzen werde, um diesen Umstand auszunutzen und die 
KESB, den Sozialdienst und sogar die Polizei «aufhetzen» werde. Es handle sich 
klar nur um eine begründete Verschiebung, nicht um einen Entzug des Besuchs-
rechts. Telefonisch sei sie ab dem 3. August 2015 in der Schweiz wieder erreich-
bar. 

Diese E-Mail leitete die Beiständin gleichentags an die Präsidentin der KESB 
Oberaargau, V.________ und den im Eheschutzverfahren zuständigen Gerichts-
präsident W.________ (Regionalgericht Emmental-Oberaargau) weiter. In ihrer 
Nachricht ergänzte sie, der Privatkläger und seine Lebenspartnerin seien bei ihr im 
Büro vorbeigekommen und hätten ihr mitgeteilt, dass die für Sonntag vereinbarte 
Übergabe nicht stattgefunden habe, er keinen Kontakt mehr zu der Beschuldigten 1 
aufnehmen könne und befürchte, dass die Familie nach Spanien ausgewandert sei 
(pag. 637.141 f.).

Würdigung durch die Kammer
Wie sich nachträglich herausstellte, waren die Beschuldigten mit den Kindern nie in 
Italien auf Verwandtschaftsbesuch. Sie machten damit sowohl gegenüber den Kin-
desschutzbehörden, als auch gegenüber ihrer Rechtsanwältin absichtlich falsche 
Angaben zu ihrem damaligen Aufenthaltsort. Dies deutet – wie die Vorinstanz zu-
treffend ausführte – darauf hin, dass sie den Aufenthaltsort geheim halten wollten. 
Vor diesem Hintergrund erscheint wenig wahrscheinlich, dass sie im Gegenzug 
den Privatkläger über ihren Aufenthaltsort und die verspätete Rückkehr informier-
ten, wie sie in der besagten E-Mail gegenüber der Beiständin und Rechtsanwältin 
Q.________ vorgaben. Passend zu dem vom Privatkläger eingereichten Whats-
App-Verlauf führte dieser denn auch aus, weder vom damaligen Aufenthaltsort, 
noch dem verschobenen Übergabetermin Kenntnis gehabt zu haben. Die Kammer 
erblickt im Verhalten der Beschuldigten darüber hinaus auch Indizien dafür, dass 
sie Ende Juli 2015 zumindest in Erwägung zogen, wenn nicht schon beschlossen 
hatten, nicht mehr in die Schweiz zurückzukehren. Jedenfalls aber wollten sie sich 
bezüglich ihrem weiteren Vorgehen alle Optionen offen halten.

10.2.4 Benachrichtigung der Beschuldigten an die Schule F.______ (Ortschaft) und Ab-
klärungen der Behörden
Mit E-Mail vom 5. August 2015 (pag. 637.151) teilte die Beiständin dem Privatklä-
ger mit, sie gehe davon aus, dass die Ferien mit I.________ nicht zustande kom-
men würden. Weder die Beschuldigte 1, noch Rechtsanwältin Q.________ hätten 
auf ihre Anfrage vom 3. August 2015 reagiert. Als sie am Morgen mit X.________ 
beim Domizil der Beschuldigten vorbeigegangen sei, habe die Liegenschaft den 
Anschein erweckt, dass die Beschuldigten noch nicht aus den Ferien zurückge-
kehrt seien. 

Am 10. August 2015 erreichte die Schule F.______ (Ortschaft) eine von der E-Mail-
Adresse der Beschuldigten 1 versandte und mit «A.________ und C.________ mit 
Kindern» unterzeichnete E-Mail mit dem Betreff «Abmeldung Kinder Fam. 
A.________ aus Schule F.______ (Ortschaft)» Darin steht zu lesen (pag. 637.156):

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Mit diesem Mail informieren wir Sie ordendlich und zeitnah (infolge Sommerferien) zum Schulbeginn 
unserer Kinder H.________ und I.________ von unserem Wegzug aus F.______ (Ortschaft). Wir 
melden hiermit die Kinder von der Schule F.______ (Ortschaft) ab. Wir haben unseren Lebensmittel-
punkt nach Südeuropa verlegt, wo die Kinder eine Privatschule besuchen werden und Familien mit 
Kindern geschätzt werden. Sollten wir Dokumente der Schulen benötigen, werden wir proaktiv auf Sie 
zukommen. Die Postanschrift für Briefe Ihrerseits bleibt bis auf Weiteres F.______ (Ortschaft) an be-
kannter Adresse. Schulmaterial der Kinder wird Ihnen bis Ende August via Sekretariat zugestellt. 
Natürlich erreichen Sie uns ebenfalls via dieser Mailadresse.

Gestützt auf diese E-Mail der Beschuldigten traf Gerichtssekretärin Y.________ 
vom Regionalgericht Emmental-Oberaargau telefonische Abklärungen bei der Bei-
ständin, dem Anwalt des Privatklägers und Rechtsanwältin Q.________ 
(pag. 637.162 f.). Die Beiständin gab an, es gebe nichts Neues und bestätigte, 
dass die ursprünglich für den 26. Juli 2015 vorgesehenen Ferien zunächst auf den 
3. August verschoben worden seien. Auch dieser Termin sei von der Beschuldig-
ten 1 aber nicht eingehalten worden; eine Nachschau an deren Domizil habe so-
dann ergeben, dass niemand zuhause sei. Rechtsanwältin Q.________ äusserte 
gegenüber Gerichtssekretärin Y.________, sie wisse nicht, wo sich ihre Klientin mit 
den Kindern aufhalte. Sie habe im Zusammenhang mit der Aufforderung zur Stel-
lungnahme bezüglich des Schreibens des Privatklägers vom 28. Juli 2015 ein Fris-
terstreckungsgesuch stellen müssen, da sie die Beschuldigte 1 nicht mehr erreicht 
habe. 

Am 12. August 2015 sandte das Regionalgericht Emmental-Oberaargau am Domi-
zil der Beschuldigten in F.______ (Ortschaft) eine Patrouille der Kantonspolizei 
Bern vorbei (pag. 637.165). Diese teilte per Telefon mit, den Pflanzen nach zu ur-
teilen sei bereits längere Zeit niemand mehr am Domizil gewesen; es seien auch 
alle Jalousien geschlossen. Die Nachbarn hätten die Beschuldigten mit den Kin-
dern seit Beginn der Sommerferien nicht mehr gesehen. Eine Nachbarin habe gar 
mitgeteilt, die Beschuldigte 1 habe ihr mit dem Hinweis, sie würden in den Norden 
reisen, zwei Palmen geschenkt (pag. 637.170). 

Gerichtssekretärin Y.________ holte am 12. August 2015 weitere Erkundigungen 
beim zuständigen Liegenschaftsverwalter und bei der Einwohnerkontrolle F.______ 
(Ortschaft) ein. Herr Z.________ von der Liegenschaftsverwaltung teilte mit, er sei 
alle zwei Tage bei der verwaisten Liegenschaft gewesen und sei besorgt, dass die-
se Schaden nehmen könnte; es sei sodann weder die Juli- noch die Augustmiete 
bezahlt worden. Gemäss Angaben von Frau AA.________ von der Einwohnerkon-
trolle F.______ (Ortschaft) hatte sich die Beschuldigte 1 auf ihre Anfrage hin nicht 
gemeldet. Ihre Rechtsvertreterin habe aber nachgefragt, ob sie (die Beschuldigte 1) 
sich abgemeldet habe (pag. 637.170 f.).

Würdigung durch die Kammer
Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, liefern die vorhandenen Telefonnotizen, 
die E-Mails und die Feststellung der Kantonspolizei, des Liegenschaftsverwalters 
und der Einwohnerkontrolle weitere deutliche Hinweise dafür, dass der Wegzug der 
Beschuldigten mit den Kindern heimlich und ohne vorgängige Mitteilung an die 
Behörden, die Nachbarn oder den Privatkläger erfolgte. Bis zur definitiven Abmel-
dung bei der Schulleitung erweckten die Beschuldigten denn auch an verschiede-

19

nen Orten den Eindruck, bloss vorübergehend zu verreisen. Dass dabei bewusst 
falsche Angaben (Verwandtschaftsbesuch in Italien, Ferien im «Norden») gemacht 
wurden deutet darauf hin, dass die Beschuldigten bereits vor der Abreise in die 
«Ferien» in Erwägung gezogen haben mussten, für längere Zeit nicht mehr in die 
Schweiz zurückzukehren oder im Ausland zumindest nicht gefunden werden woll-
ten. 

10.2.5 Rückführung der Kinder in die Schweiz und Neuordnung der elterlichen Sorge
Aus dem weiteren Verlauf (vgl. dazu die Zusammenstellung der Vorinstanz auf 
S. 19 unten bis S. 21 der Urteilsbegründung, pag. 1000-1003) ergibt sich zusam-
mengefasst, dass der Aufenthaltsort der Beschuldigten trotz relativ intensiven 
Nachforschungen aus der Schweiz über längere Zeit nicht in Erfahrung gebracht 
werden konnte. Erst am 26. November 2015 – und damit vier Monate nach dem 
ursprünglich vereinbarten Beginn der Ferien von I.________ beim Vater – konnte 
letzterer die aktuelle Adresse der Beschuldigten in Spanien mitteilen. Dies führte 
am 2. Dezember 2015 zur vorübergehenden Verhaftung der Beschuldigten sowie 
zur Rückführung der Kinder in die Schweiz. 

Nachdem die Kinder zunächst vorsorglich unter die Obhut ihres Vaters gestellt 
worden waren, stellte das Regionalgericht Emmental-Oberaargau mit Entscheid 
vom 13. Januar 2016 (pag. 385 ff.) fest, dass die KESB Oberaargau mit Präsidia-
lentscheiden vom 6. und 8. Januar 2016 den Parteien ihr jeweiliges Aufenthaltsbe-
stimmungsrecht bezüglich H.________ entzogen und für sie eine Fremdplatzierung 
angeordnet hatte (Ziff. 1 des Entscheids vom 13. Januar 2016). Gleichzeitig 
bestätigte es die zuvor superprovisorisch angeordnete Obhutszuteilung bezüglich 
I.________ und beliess diesen vorsorglich unter der Obhut seines Vaters (Ziff. 2 
des Entscheids vom 13. Januar 2016).

Mit Schreiben vom 17. März 2016 (pag. 399 ff.) teilte Rechtsanwältin 
AB.________, die Prozessbeiständin der Kinder, mit, die Kinder würden sich einen 
möglichst raschen Abschluss des Verfahrens wünschen. Sie habe festgestellt, 
dass vor allem H.________ durch die gegenwärtige Situation sehr belastet sei. 
Während H.________ den Kontakt zum Vater entschieden ablehne, stelle sich 
I.________ dezidiert gegen Kontakte mit seiner Mutter.

Mit gerichtlich genehmigter Trennungsvereinbarung vom 27. Juli 2016 vereinbarten 
die Beschuldigte 1 und der Privatkläger, I.________ unter die Obhut und die allei-
nige elterliche Sorge des Privatklägers und H.________ unter die Obhut und die al-
leinige elterliche Sorge der Beschuldigten 1 zu stellen, dies unter Ausweitung der 
bereits bestehenden Beistandschaft (pag. 425.3 ff.). 

10.3 Aussagen des Privatklägers
Der Privatkläger wurde zunächst am 13. April 2016 durch die Staatsanwaltschaft 
(pag. 222 ff.) und später am 20. Juni 2017 anlässlich der erstinstanzlichen Haupt-
verhandlung (pag. 862 ff.) zu den Vorwürfen befragt. Seine Aussagen wurden von 
der Vorinstanz zutreffend zusammengefasst und gewürdigt (S. 21 f. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung, pag. 1006 f.). Darauf ist zu verweisen. Kurz zu-
sammengefasst schilderte der Privatkläger detailliert, durchwegs nüchtern, nicht 
unnötig verletzend oder übertreibend, wie die ursprünglich mit der Beschuldigten 1 

20

vereinbarten Ferien von I.________ zunächst per WhatsApp verschoben und 
I.________ schliesslich zum vereinbarten Zeitpunkt einfach nicht erschienen sei. 
Da er die Beschuldigte 1 in der Folge nicht habe erreichen können und auch an ih-
rem Domizil niemand anzutreffen gewesen sei, habe er anschliessend die Behör-
den informiert. Bis im November 2015 sei er im Ungewissen darüber gewesen, wo 
sich seine Kinder aufgehalten hätten. Mit nachvollziehbaren Gefühlsregungen 
schilderte er sodann, wie er nervös geworden sei, als er sie endlich geortet habe 
und mit I.________ habe telefonieren können. Gleichzeitig habe er aber auch be-
fürchtet, dass die Beschuldigten daraufhin einfach weiterziehen könnten und er so 
den bestehenden Kontakt wieder verlieren würde. Die Ausführungen des Privatklä-
gers sind nicht nur nachvollziehbar, sie lassen sich auch ohne Weiteres mit den Ak-
ten des Zivilverfahrens bzw. dem chronologischen Ablauf der Geschehnisse ver-
einbaren. 

10.4 Aussagen der Kinder
10.4.1 Vorbemerkung: Zum Konfrontationsrecht und zur Verwertbarkeit 

Anlässlich der Berufungsverhandlung stellte der Beschuldigte 2 den Antrag, die Vi-
deoaufnahmen der Befragungen mit H.________ und I.________ seien ihm vor der 
Kammer abzuspielen und ihm sei die Möglichkeit einzuräumen, sich dazu zu äus-
sern. Diesen Antrag wies die Kammer ab. In seinem Plädoyer brachte Rechtsan-
walt D.________ für den Beschuldigten 2 in der Folge vor, die Aussagen der Kin-
der seien nicht verwertbar und die entsprechenden Aufzeichnungen seien samt 
Protokollen aus den Akten zu weisen. Zur Begründung führte er aus, der Beschul-
digte 2 sei trotz entsprechendem Antrag nie mit den Belastungszeugen konfrontiert 
worden. Er habe auch die Videoaufnahmen nicht gesehen. Es wäre Sache des Ge-
richts gewesen, für eine Konfrontation zu sorgen. Beim Konfrontationsrecht handle 
es sich gemäss dem Bundesgericht um ein absolutes Recht. Noch weiter gehe der 
Schutz nach der EMRK, die einer beschuldigten Person das Recht einräume, in 
Anwesenheit des Richters, der den Fall entscheide mit dem Belastungszeugen 
konfrontiert zu werden (Verweis auf Cutean v. Romania vom 2. Dezember 2014 
[Application no. 53150/12]). 

Die Parteien haben das Recht, bei Beweiserhebungen durch die Staatsanwalt-
schaft und die Gerichte anwesend zu sein und einvernommenen Personen Fragen 
zu stellen. Die Anwesenheit der Verteidigung richtet sich nach Art. 159 StPO 
(Art. 147 Abs. 1 StPO). Das Teilnahmerecht steht den Parteien selbst und kumula-
tiv auch deren Rechtsbeiständen zu (SCHMID/JOSITSCH, Handbuch des schweizeri-
schen Strafprozessrechts, 3. Aufl. 2017, N 823 mit Verweis auf das Urteil des Bun-
desgerichts 6B_324/2011 vom 26. Oktober 2011). Dieses Recht führt nicht dazu, 
dass die Behörden nur in Anwesenheit der Parteien Beweismassnahmen treffen 
dürfen; es verpflichtet sie aber, die Parteien in geeigneter Form und rechtzeitig 
über die angesetzten Beweisabnahmen zu informieren. Ob die Parteien daran teil-
nehmen, ist alsdann ihre Sache. Es ist ihnen unbenommen, ausdrücklich oder still-
schweigend darauf zu verzichten (SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., N 824). Damit eine be-
lastende Zeugenaussage verwertbar ist, muss der Beschuldigte grundsätzlich min-
destens einmal während des Verfahrens angemessene und hinreichende Gele-
genheit gehabt haben, das belastende Zeugnis in Zweifel zu ziehen und Fragen an 

21

den Belastungszeugen zu stellen. Er muss mithin in die Lage versetzt werden, die 
Glaubhaftigkeit einer Aussage zu prüfen und deren Beweiswert in kontradiktori-
scher Weise auf Probe und infrage zu stellen (Urteil des Bundesgerichts 
6B_886/2017 vom 26. März 2018 E. 2.3.3. mit Hinweisen). Soweit ein Kind als Op-
fer betroffen ist und erkennbar ist, dass die Einvernahme oder Gegenüberstellung 
für das Kind zu einer schweren psychischen Belastung führen könnte, darf das 
Kind in der Regel während des ganzen Verfahrens nicht mehr als zweimal befragt 
werden (Art. 154 Abs. 4 lit. b StPO). Eine zweite Einvernahme findet nur statt, 
wenn die Parteien bei der ersten Einvernahme ihre Rechte nicht ausüben konnten 
oder dies im Interesse der Ermittlungen oder des Kindes unumgänglich ist (Art. 154 
Abs. 4 lit. c StPO). Eine Gegenüberstellung mit der beschuldigten Person darf nur 
angeordnet werden, wenn das Kind die Gegenüberstellung ausdrücklich verlangt 
oder der Anspruch der beschuldigten Person auf rechtliches Gehör auf andere 
Weise nicht gewährleistet werden kann.

Sowohl H.________ als auch I.________ wurden vor der Staatsanwaltschaft am 
17. Februar 2016 per Videobefragung zu den Vorfällen befragt (transkribiert auf 
pag. 199 ff. [H.________] und pag. 211 ff. [I.________]). Im Nebenraum verfolgten 
Rechtsanwältin J.________ für die Beschuldigte 1, Rechtsanwalt D.________ für 
den Beschuldigten 2 und Herr AC.________ von der Regionalfahndung Burgdorf, 
der über die kindsgerechte Durchführung der Einvernahme wachte, per Videoüber-
tragung die Befragung. Im Befragungsraum anwesend war neben der einverneh-
menden Staatsanwältin AD.________ auch Rechtsanwältin AB.________ als Pro-
zessbeiständin der Kinder. Den anwesenden Parteien wurde jeweils die Möglich-
keit geboten, über Staatsanwältin AD.________ Ergänzungsfragen zu stellen 
(H.________ pag. 208 Z. 313 ff.; I.________ pag. 233 Z. 379 ff.). 

Aus dem Umstand, dass sowohl die damalige Verteidigerin der Beschuldigten 1 
und der Verteidiger des Beschuldigten 2 an der Befragung teilnahmen, schliesst die 
Kammer, dass auch die Parteien von der geplanten Einvernahme Kenntnis hatten 
und rechtzeitig über deren Durchführung informiert wurden. Etwas anderes brach-
ten denn auch weder die Beschuldigten selber, noch deren Rechtsvertreter vor. Die 
Kammer geht somit davon aus, dass den Beschuldigten die angemessene und hin-
reichende Gelegenheit eingeräumt wurde, den Einvernahmen von H.________ und 
I.________ beizuwohnen und das potentiell belastende Zeugnis zumindest einmal 
in Zweifel zu ziehen. Dass der Beschuldigte 2 in der Folge auf eine persönliche 
Teilnahme verzichtete bzw. sein Teilnahme- und Fragerecht lediglich über seinen 
amtlichen Verteidiger ausübte, ist sein gutes Recht. Er kann nun aber in einer sol-
chen Konstellation aus dem freiwilligen Fernbleiben nicht nachträglich auf eine Ver-
letzung des Konfrontationsrechts schliessen. Soweit er am 27. Juli resp. 2. August 
2016 (pag. 623 f. und pag. 626 f) eine erneute Befragung/Gegenüberstellung der 
beiden Kinder beantragte, begründete er seinen Antrag nicht näher und machte 
insbesondere auch zu diesem Zeitpunkt keine Gründe geltend, die ihm ein Teil-
nahme an der ersten Befragung verunmöglicht hätten. Es ist vor diesem Hinter-
grund nicht zu beanstanden, dass die Staatsanwaltschaft seinen entsprechenden 
Antrag mit einem Hinweis auf Art. 154 StPO abwies (vgl. dazu Verfügung vom 
3. August 2016, pag. 628 ff.). Der Beschuldigte 2 beantragte in der Folge weder vor 
erster Instanz, noch im Berufungsverfahren eine erneute Befragung der Kinder. 

22

Soweit der Beschuldigte 2 eine Beschränkung der Verwertbarkeit aus der Abwei-
sung des Antrags auf Visionierung des Befragungsvideos in Anwesenheit der 
Kammer abzuleiten scheint, kann ihm nicht gefolgt werden. Es wäre dem amtlich 
verteidigten Beschuldigten 2 freigestanden, die Videos im Vorfeld der Verhandlung 
über seinen Verteidiger oder direkt über das Gericht anzusehen und sich ansch-
liessend im Rahmen seiner Befragung vor der Kammer dazu zu äussern. Welcher 
Erkenntnisgewinn sich aus dem Umstand ergeben könnte, dass das Video im 
Rahmen der oberinstanzlichen Verhandlung abgespielt worden wäre, ist für die 
Kammer nicht ersichtlich, zumal eine vorgängige Visionierung regelmässig zu ihrer 
Verhandlungsvorbereitung gehört. 

Nach dem Gesagten erachtet die Kammer das Konfrontationsrecht des Beschuldig-
ten nicht als verletzt. Für die Verwertbarkeit der Aussagen der Kinder spricht ferner, 
dass ihnen bei der Beurteilung des Falls nicht alleinige oder ausschlaggebende 
Bedeutung zukommt. Nebst den Aussagen von H.________ und I.________ liegen 
nämlich zahlreiche objektive Beweismittel vor, welche die näheren Umstände des 
Umzugs der Beschuldigten bereits anschaulich dokumentieren.

10.4.2 Allgemeines zu den Aussagen der Kinder

Wie bereits erwähnt, wurden H.________ und I.________ am 17. Februar 2016 
von der Staatsanwaltschaft zu den Vorfällen befragt, wobei die Befragung auf Vi-
deo aufgezeichnet wurde. Die Aussagen der Kinder sind sorgfältig transkribiert 
(H.________ pag. 199 ff.; I.________ pag. 211 ff.) und wurden von der Vorinstanz 
zutreffend zusammengefasst und gewürdigt. Darauf ist vorab zu verweisen (S. 23 
ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 1005 ff.). Die Kammer beschränkt 
sich darauf, die wichtigsten Aussagen zusammenzufassen und anschliessend ge-
meinsam zu würdigen. 

10.4.3 H.________ 

Zu den Vorfällen führte H.________ zusammengefasst aus, man sei wegen dem 
Vater (also dem Privatkläger) nach Spanien gegangen, da dieser verschiedentlich 
ungebeten aufgetaucht sei und «Terror» gemacht habe (pag. 201 Z. 66 ff.). Wirt-
schaftliche Probleme seien dagegen nie Thema gewesen (pag. 208 Z. 339-342). 
Die Idee nach Spanien zu gehen hätten ihre Mutter und der Beschuldigte 2 zu-
sammen gehabt. Wer von beiden könne sie nicht sagen (pag. 201 Z. 83 f.). Es sei 
eine kurzfristige Entscheidung gewesen, auch wenn ihre Mutter ihr schon vorher 
gesagt habe, dass man irgendwann «da» wegmüsse wegen dem Vater (pag. 202 
Z. 109-112). Sie habe vorher gewusst, dass man nach Spanien gehe und habe 
dann gemerkt, dass sie wahrscheinlich in Spanien bleiben würden – dies hätte sie 
aber erst in Spanien erfahren (pag. 202 Z. 88-91). In Spanien habe sie gesagt, 
dass es für sie in Ordnung sei, dort zu bleiben (pag. 202 Z. 98 f.). Sie denke, dass 
auch I.________ gefragt worden sei; dabei sei sie aber nicht gewesen. Die Ent-
scheidung sei wohl auch für ihn «okey» gewesen. Vielleicht sei er einfach traurig 
gewesen, dass er keinen Kontakt zum Vater habe haben können. Ansonsten habe 
er für sie glücklich ausgesehen (pag. 202 Z. 100 ff.). I.________ habe ab und zu 
nach seinem Vater gefragt und auch, ob er mit ihm telefonieren dürfe. Ihm sei aber 
gesagt worden – glaublich von beiden Beschuldigten – dass er nicht telefonieren 

23

dürfe (pag. 203 Z. 142-145). H.________ führte weiter aus, dass sie eigentlich 
nicht hätten nach Spanien gehen dürfen, ohne Bescheid zu geben. Es sei in der 
Familie (auch mit I.________) besprochen worden, dass man nicht sage, wohin 
man gehe (pag. 202 f. Z. 123 ff.). Sie habe weiter Kontakt zu ihren Freunden haben 
können, habe diesen aber erzählt, dass sie in Deutschland seien (pag. 202 Z. 120-
123 i.V.m. pag. 203 Z. 131-133). Es sei Thema gewesen, dass I.________ mit 
nach Spanien komme, anstatt die Ferien beim Vater zu verbringen. Sie glaube, 
dass auch I.________ damit einverstanden gewesen sei; das Gespräch, wo dies 
mit I.________ besprochen worden sei, habe sie aber nicht mitbekommen 
(pag. 204 Z.  163-168). Ihr Verhältnis zu den Beschuldigten sei gut und sie glaube, 
dass dies auch bei I.________ so sei (pag. 204 Z. 171 f.). In Zukunft möchte sie 
gerne mit ihrer Mutter, dem Beschuldigten 2 und I.________ in Spanien leben 
(pag. 207 Z. 304). Die Rückführung in die Schweiz sei schrecklich gewesen. So 
hätten sie zunächst drei Tage in ein komisches Heim gehen, bevor sie dann beim 
Vater hätten bleiben müssen (pag. 206 Z. 243-247). Sie fände es schrecklich, sich 
vorstellen zu müssen, nicht mehr mit I.________ am selben Ort zu wohnen. Für sie 
sei es wichtig, dass sie beide zusammen seien. Sie hätten eine gute Beziehung 
(pag. 208 Z. 308-311). 

10.4.4 I.________

Gleich zu Beginn der Befragung führte I.________ aus, dass er «das» nicht in Ord-
nung gefunden habe (pag. 214 Z. 29). Kurz darauf präzisierte er, er habe gewollt, 
dass sie in Spanien nur Ferien gemacht hätten und anschliessend wieder zurück 
nach F.______ (Ortschaft) gegangen wären. Wenn er hätte auswählen können, 
hätte man Ferien in einem Hotel in Deutschland gemacht und wäre dann wieder 
zurück nach F.______ (Ortschaft), wo alle seine Freunde – ausser einem – leben 
würden (pag. 217 Z. 142-146). Nach den genaueren Umständen gefragt, die dazu 
führten, dass man nach Spanien ging, führte er weiter aus, dass er dies nicht mehr 
genau wisse. Anfänglich habe man einfach nach Spanien in die Ferien gehen wol-
len, was für ihn gerade noch «okay» gewesen wäre. Danach sei man aber einfach 
gleich dorthin gezogen. Aus welchem Grund wisse er nicht; er sei auch nicht vor-
gängig gefragt worden (pag. 216 Z. 105-110). Wahrscheinlich habe er von sich aus 
nicht gesagt, dass er gerne wieder zurückgehen möchte; er wisse nicht, ob seine 
Mutter dies gewusst habe (pag. 220 Z. 259-263). H.________ dagegen sei mit dem 
Entschluss in Spanien zu leben einverstanden gewesen. Dies habe sie ihm in 
AE.________ gesagt und er habe auch in Spanien selber den entsprechenden 
Eindruck gehabt (pag. 217 Z. 150-155). Auf den Kontakt zu seiner Mutter ange-
sprochen gab I.________ an, dass er im Moment überhaupt keinen Kontakt wolle. 
Sie habe vieles getan, was er überhaupt nicht gemocht habe. So habe er bei-
spielsweise in Spanien einmal versucht Papi anzurufen ohne zu fragen. Er habe 
gewusst, dass wenn er fragen würde, er zu 100% nicht anrufen dürfe. Danach ha-
be sie einfach fast alle seine Spielsachen aus dem Fenster geworfen (pag. 216 
Z. 91-97). Zuvor habe er auch schon gefragt, ob er den Vater anrufen dürfe, was 
ihm aber ohne Grund verweigert worden sei (pag. 216 Z. 101 f.). Es sei für ihn ei-
gentlich toll gewesen, aus Spanien abgeholt zu werden, er sei sehr froh gewesen. 
H.________ dagegen sei überhaupt nicht froh gewesen, deshalb sei sie jetzt weg 
(pag. 220 Z. 243-245). Schliesslich gab I.________ auch an, er wisse zwar nicht 

24

mehr wieso er dies wisse, aber er wisse, dass der Vater nicht habe wissen dürfen, 
wo sie wohnen würden (pag. 221 Z. 277-280). 

10.4.5 Würdigung der Aussagen der Kinder
Wie bereits die Vorinstanz erachtet auch die Kammer die Aussagen der Kinder als 
nachvollziehbar, detailliert, in den Kernpunkten übereinstimmend und damit rea-
litätsbasiert. Beide unterschieden jeweils sehr genau zwischen dem, was sie sicher 
wussten, was sie bloss zu wissen glaubten und was sie von anderen gehört hatten. 
Sie unterliessen es weiter, den Beschuldigten Unterstellungen zu machen oder sie 
übermässig zu belasten. Die belastenden Aussagen von H.________ sind umso 
glaubhafter, als sie ihrer Mutter und dem Beschuldigten 2 grundsätzlich sehr wohl 
gesinnt ist und angab, auch in Zukunft bei ihnen leben zu wollen. Sie stellte die 
Entscheidung nach Spanien zu gehen denn auch nicht in Frage, sondern versuchte 
sie mit dem angeblich «terrorisierenden» Verhalten ihres Vaters zu rechtfertigen. 
Sowohl H.________ als auch I.________ verbanden ihre Erzählungen jeweils mit 
passenden Gedankengängen und Gefühlsregungen, was weiter für ihre Glaubhaf-
tigkeit spricht. So schilderte I.________ beispielsweise, wie er zwar mitbekommen 
habe, dass man nach Spanien gezogen sei, sich aber nicht habe erklären können, 
weshalb man dies getan habe. Die Aussagen der Kinder lassen sich ferner 
zwangslos mit den Akten des Zivilverfahrens in Einklang bringen und verstärken 
den bereits gewonnen Eindruck, dass der Umzug möglichst geheim und am Vater 
vorbei geschehen sollte. Die Aussagen der Kinder sind glaubhaft und es kann auf 
sie abgestellt werden. 

Die von den Kindern geäusserten Ansichten spiegeln auch deutlich die bereits aus 
der Begutachtung gewonnenen Erkenntnisse wieder: Während H.________, die 
den bestehenden Loyalitätskonflikt gemäss Gutachten mit einer Allianzbildung zur 
Mutter gelöst hatte, angab, mit dem Umzug einverstanden gewesen zu sein und 
vor allem das Verhalten des Vaters beanstandete, fühlte sich I.________, der den 
Kontakt zu seinem Vater trotz den Spannungen aufrechterhielt, durch das Vorge-
hen der Beschuldigten überrumpelt und hintergangen. Passend dazu gab 
I.________ denn auch an, das Verhalten seiner Mutter nicht gemocht und sich ge-
freut zu haben, als sie in Spanien abgeholt worden seien. H.________ gab dage-
gen an, das Leben in Spanien als angenehm, die Rückführung und das Leben 
beim Vater dagegen als «schrecklich» empfunden zu haben. Gleichzeitig räumte 
sie aber ein, dass auch die Vorstellung, in Zukunft getrennt von I.________ zu le-
ben, schrecklich sei.

10.5 Aussagen der Beschuldigten
Die Beschuldigte 1 wurde am 11. Februar 2016 (pag. 248 ff.) und am 13. April 2016 
(pag. 261 ff.) vor der Staatsanwaltschaft zu den Vorwürfen befragt. Anlässlich der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung verweigerte sie weitere Aussagen und verwies 
im Wesentlichen auf ihre bisherigen Ausführungen (pag. 866). Nachdem sich der 
Beschuldigte 2 am 11. Februar 2016 vor der Staatsanwaltschaft noch zur Sache 
geäussert hatte (pag. 236 ff.), verweigerte er bei einen weiteren staatsanwaltschaft-
lichen Einvernahme am 12. April 2016 (pag. 246 f.) und am 20. Juni 2017 vor der 
Vorinstanz (pag. 867) weitere Aussagen bzw. wollte keine ergänzenden Angaben 

25

machen. Anlässlich der Berufungsverhandlung äusserte er sich schliesslich erneut 
zu den Vorwürfen (pag. 1199 ff.). 

Die Beschuldigten gaben zusammengefasst an, die Schweiz im Juli 2015 ferien-
halber verlassen zu haben (Beschuldigte 1 pag. 249 Z. 28; Beschuldigter 2 
pag. 237 Z. 24). Im Zuge einer beruflichen Neuorientierung habe man sich in Spa-
nien nach neuen Möglichkeiten umgesehen und dies auch vorgängig mit 
H.________ besprochen (Beschuldigte 1 pag. 249 Z. 38-44; Beschuldigter 2 
pag. 237 Z. 32-38). Kurz vor dem Ende des Urlaubs habe man sich dann mit den 
Kindern zusammengesetzt und sie gefragt, ob sie damit einverstanden wären bzw. 
es sich vorstellen könnten, künftig in Spanien zu leben. Dies hätten beide bejaht 
(Beschuldigte 1 pag. 249 Z. 45-48; Beschuldigter 2 pag. 237 Z. 38-40). Danach ha-
be man begonnen eine Wohnung zu suchen, die künftige deutsche Schule der Kin-
der zu besichtigen und sich bei einer spanischen Anwältin über die Möglichkeiten 
einer Auswanderung informiert (Beschuldigte 1 pag. 249 Z. 48-51 i.V.m. pag. 252 
Z. 141 f.; Beschuldigter 2 pag. 237 Z. 40-44). Anschliessend sei man ein zweites 
Mal mit den Kindern zusammengesessen; diese hätten sich dahingehend geäus-
sert, dass sie mit ihnen (den Beschuldigten) in Spanien bleiben möchten (Beschul-
digte 1 pag. 249 Z. 52-54; Beschuldigter 2 pag. 237 Z. 45-50). Anlässlich der Beru-
fungsverhandlung führte der Beschuldigte 2 sogar aus, den Kindern sei es freige-
stellt worden, ob sie lieber in Spanien oder der Schweiz leben wollten und dass 
man sie zurück zum Vater in die Schweiz gebracht hätte, sofern ihnen dies lieber 
gewesen wäre (pag. 1204 Z. 20-24). 

Die Beschuldigten führten weiter aus, sie seien rein aus finanziellen Gründen (Be-
schuldigte 1 pag. 252 Z. 149 f.) bzw. aufgrund existenzieller Probleme (Beschuldig-
ter 2 pag. 240 Z. 134-136) und nicht wegen dem Privatkläger nach Spanien gegan-
gen. Der Wegzug sei auch nicht geheim erfolgt. Die Beschuldigte 1 führte in die-
sem Zusammenhang aus, es sei ihr nicht bewusst gewesen, dass sie derart viele 
Institutionen über ihren Umzug hätte informieren müssen (pag. 250 Z. 68). Ferner 
seien ihr auch die Regeln der elterlichen Sorge in der Schweiz nie erläutert worden. 
Unter elterlicher Obhut verstehe sie, dass die Kinder jeweils dort seien, wo auch sie 
selber sei (pag. 257 Z. 312 ff.). Der Privatkläger habe stets von den Umzugsplänen 
nach Spanien gewusst. Er habe ferner gewusst, wo sie sich in Spanien aufgehalten 
hätten und sie seien in Kontakt gestanden (pag. 250 Z. 69-71). Auch ihre damalige 
amtliche Verteidigerin habe gewusst, wo sie sich aufgehalten hätten (pag. 252 
Z. 139 f.). Sie sei es auch gewesen, die ihr versichert habe, dass sie an der Ver-
handlung am Regionalgericht Emmental-Oberaargau nicht teilnehmen müsse 
(pag. 250 Z. 86 f.). Ergänzend führte der Beschuldigte 2 aus, es sei eine Meldung 
an die Gemeinde raus, wonach sich die Beschuldigte 1 und die Kinder abgemeldet 
hätten; auch die Schule sei informiert gewesen (pag. 238 Z. 60 f.). Er gab weiter 
an, bei ihrem Entscheid (also jenem der Beschuldigten) sei von Bedeutung gewe-
sen, dass die Beschuldigte 1 das alleinige Obhutsrecht innegehabt habe (pag. 239 
Z. 115 f.). Er bestätigte sodann, dass die damalige amtliche Verteidigerin der Be-
schuldigten 1, Rechtsanwältin Q.________, über ihren Aufenthaltsort informiert 
gewesen sei und gar telefonischer Kontakt bestanden habe (pag. 238 Z. 63-67). 
Kontakt habe auch zum Privatkläger bestanden; dieser habe zudem ihre E-Mail-
Adressen und Telefonnummern gehabt, sich aber jeweils nur nach der Regelung 

26

des Besuchsrechts mit I.________ erkundigt (pag. 238 Z. 69 f.). Indem der Privat-
kläger sich nur nach der Regelung des Besuchsrecht bzw. der Ferien erkundigt, 
nicht aber nach I.________ gefragt habe, habe er signalisiert, dass er den Aufent-
haltsort Spanien akzeptiere (pag. 241 f. Z. 197-200). Weiter seien ihre Mobiltelefo-
ne nicht ausgeschaltet gewesen und er (der Beschuldigte 2) wisse nicht, wieso die 
Polizei – anders als alle anderen – sie nicht habe erreichen können (pag. 242 
Z. 202-205). Auch die Beschuldigte 1 gab diesbezüglich an, es sei I.________ nie 
verboten worden, mit dem Vater zu telefonieren. I.________ habe auch nie nach 
seinem Vater gefragt. Nur einmal hätten die beiden telefoniert und I.________ ha-
be Fotos der Wohnung verschickt; da habe der Privatkläger I.________ gefragt, ob 
er kommen solle, was I.________ verneint habe (pag. 254 Z. 213-223). 

Auf den psychologischen Fachbericht angesprochen gab die Beschuldigte 1 an, 
dieser habe sie zwar interessiert, sie habe ihn aber nicht ganz gelesen und auf-
grund der Fachbegriffe sowieso nicht alles verstanden (pag. 251 Z. 102-104). Es 
stehe darin, dass die Kinder nicht getrennt werden und nicht umziehen sollten. Sie 
habe sich die Wohnung aber nicht mehr leisten können und habe mit den Kindern 
auch nicht auf der Strasse sitzen wollen (pag. 251 Z. 107-109). Der Beschuldigte 2 
gab in diesem Zusammenhang zu Protokoll, er wisse von der Existenz dieses Be-
richtes und habe ihn sicher einmal quer gelesen (pag. 240 Z. 140). Er sei aber 
ziemlich lange gewesen und habe viele Vermutungen bis zu Unwahrheiten enthal-
ten. Die repressive Haltung, welche die Befrager eingenommen hätten, habe er 
nicht als richtig empfunden (pag. 240 Z. 140 ff.). 

10.6 Würdigung der Aussagen der Beschuldigten
Die Beschuldigten schildern einen gänzlich andern Ablauf der Geschehnisse. Wie 
bereits die Vorinstanz – auf deren zutreffende Erwägungen ergänzend zu verwei-
sen ist (S. 30 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 1002 ff.) – ausführte, 
stehen ihre Schilderungen vielerorts in Widerspruch zu den übrigen Beweismitteln 
und wirken im Ergebnis wenig überzeugend. Bereits aus der Chronologie ergibt 
sich nach Ansicht der Kammer klar, dass weder die involvierten Behörden, noch 
die amtliche Verteidigerin der Beschuldigten 1 oder der Privatkläger wussten, wo 
genau sich die Beschuldigten mit den Kindern aufhielten, nachdem sie die Schweiz 
im Juli 2015 verlassen hatten. Soweit die Beschuldigten in diesem Zusammenhang 
vorbrachten, durchwegs telefonisch und per E-Mail erreichbar gewesen zu sein und 
auch auf den sozialen Netzwerken über ihren Aufenthaltsort informiert zu haben, 
erscheint dies vor dem Hintergrund der vom Privatkläger und den Behörden unter-
nommenen Kontaktversuche und dem schliesslich eingeleiteten Rückführungsver-
fahren wenig wahrscheinlich. Die falsche Information der Beiständin und der dama-
ligen Rechtsanwältin der Beschuldigten 1 über einen angeblichen Verwandt-
schaftsbesuch in Italien sowie die bewusst vage gehaltene Abmeldung bei der 
Schule nach «Südeuropa» legen vielmehr den Schluss nahe, dass die Beschuldig-
ten ihren Aufenthaltsort bewusst nicht preisgeben wollten. Auch das Verhalten von 
H.________, welche ihrer Freundin von einem Urlaub in Deutschland berichtete 
und der Umstand, dass die Nachbarn gegenüber der Polizei angaben, die Be-
schuldigten seien mit den Kindern in «den Norden» verreist, deuten in diese Rich-
tung. Passend dazu gab H.________ an, sie (die ganze Familie) hätten eigentlich 

27

nicht nach Spanien gehen dürfen ohne Bescheid zu sagen und es sei besprochen 
worden, dass man gegen aussen nicht sage, wohin man gehe. Auch wenn 
I.________ nicht mehr sagen konnte, wieso er dies wusste, gab auch er an, es sei 
wichtig gewesen, dass der Privatkläger nicht gewusst habe, wo sie gewohnt hätten. 
Eindrücklich schilderte er weiter, wie aufbrausend seine Mutter reagierte, als er 
sich Zugang zu ihrem Mobiltelefon verschafft und ohne Erlaubnis den Vater ange-
rufen hatte. 

Wenn man berücksichtigt, dass der Privatkläger im Dezember 2014 bzw. Januar 
2015 ein Verfahren um Neuordnung des Sorgerechts eingeleitet hatte, diesbezüg-
lich eine Gerichtsverhandlung angesetzt war und den Parteien per Ende Juni 2015 
als Ergebnis der gerichtlich angeordneten Begutachtung der Kinder ein Fachbericht 
zugestellt worden war, der sich für eine Intensivierung des Kontaktes zwischen Va-
ter und Kindern aussprach und die Beschuldigte 1 den Einfluss des Vaters auf die 
Kinder verschiedentlich als schädlich darstellte (vgl. dazu beispielsweise zuletzt die 
Einreichung der Fotos von I.________ am Schiesstand im Berufungsverfahren, 
pag. 1192), erscheint der Zeitpunkt des Umzuges alles andere als zufällig. Er war 
in erster Linie darauf ausgerichtet, eine andere Betreuungssituation der Kinder fak-
tisch zu verunmöglichen. Nicht erklärbar wäre die Geheimhaltung des neuen 
Wohnortes nach Ansicht der Kammer, wenn dieser – wie von den Beschuldigten 
vorgeben – lediglich aus finanziellen Motiven verlegt worden wäre. In diesem Fall 
hätte der Wohnsitzwechsel auch nicht derart plötzlich erfolgen müssen. Zudem gab 
die Beschuldigte 1 in diesem Zusammenhang bereits am 16. Juni 2015 gegenüber 
der Gutachter an, sie habe ihr Restaurant aus finanziellen Gründen schliessen 
müssen und sei arbeitslos (pag. 637.115). Damals veranlassten sie die finanziellen 
Probleme aber jedenfalls nicht dazu, einen Umzug ins Ausland überhaupt in Erwä-
gung zu ziehen. Sie betonte vielmehr, sie biete ihren Kindern ein stabiles Umfeld 
und bestätigte auf entsprechende Frage, an ihrem Wohnsitz zu bleiben und keinen 
Umzug zu planen (pag. 637.116). Dass sich die finanzielle Situation seit diesem 
Gespräch plötzlich und unvorhersehbar weiter verschlechtert hätte, wird von den 
Beschuldigten nicht geltend gemacht und ist auch nicht ersichtlich. Gegen die 
Schilderungen der Beschuldigten spricht schliesslich auch der Bericht von 
AF.________ (Psychologische Psychotherapeutin, Supervisorin BDP), welche von 
der Beschuldigten 1 privat beauftragt wurde und die in ihrem Gutachten 
(pag. 637.252) schreibt: 

Ohne Kenntnis und Einverständnis des Vaters zogen die Mutter mit ihrem Lebenspartner und den 
beiden Kindern im Sommer 2015 nach Spanien. Die Ursache dafür sei, gab die Mutter an, dass sie 
sich in der Schweiz von der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde KESB nicht angemessen vertre-
ten gefühlt habe, die Tochter vor dem Vater nicht geschützt sondern gezwungen worden sei, gegen 
ihren Willen mit dem Vater zu kommunizieren. 

Die Beschuldigten bringen vor, sie hätten den Fachbericht nicht genau gelesen 
bzw. ihn aufgrund der komplizierten Sprache nicht verstanden. Sie hätten darum 
keine Kenntnis von den darin enthaltenen Empfehlungen gehabt. Es sei ferner Zu-
fall gewesen, dass ihre Ausreise aus der Schweiz kurz nach der Fertigstellung des 
Berichts erfolgt sei (z. B. Beschuldigter 2, pag. 241 Z. 164 f.). 

28

Unter Berücksichtigung der konkreten Umstände erscheint dieses Vorbringen der 
Beschuldigten, wie bereits von der Vorinstanz zutreffend ausgeführt, in erster Linie 
darauf ausgerichtet, das eigene Verhalten zu verharmlosen und stellt auch nach 
Ansicht der Kammer eine reine Schutzbehauptung dar: Zu beachten ist zunächst, 
dass die Beschuldigte 1 über ihre Kinder stark in den Beurteilungsprozess involviert 
war und in diesem Zusammenhang teilweise auch persönlich Fragen der Gutachter 
beantworten musste (vgl. z. B. Zusammenfassung des Gesprächs vom 16. Juni 
2016, pag. 637.115 f.). Aus der Eingabe von Rechtsanwältin Q.________ vom 
28. Mai 2015 geht sodann hervor, dass sich die Beschuldigte 1 über die Bedeutung 
der Empfehlungen für die künftige Betreuungssituation der Kinder durchaus im Kla-
ren war (pag. 637.81 f.). Sie gab denn auch unumwunden zu, der Bericht sei für sie 
von grossem Interesse gewesen (pag. 251 Z. 103 f.). Auf die Empfehlungen des 
Berichts angesprochen gab die Beschuldigte 1 weiter an, darin stehe, dass die 
Kinder nicht getrennt werden dürften und dass sie nicht umziehen sollten (pag. 251 
Z. 107 f.). Sie benannte also zwei zentrale Erkenntnisse des Berichts. Noch am 
16. Juni 2015 – und damit wenige Wochen vor der heimlichen Abreise – beteuerte 
die Beschuldigte 1 auf entsprechende Frage der Gutachter, sie biete ihren Kindern 
ein stabiles Umfeld, Freunde und einen Tagesablauf und plane in der nächsten Zeit 
keinen Umzug, sondern bleibe an ihrem Wohnort (pag. 637.116). Dass auch der 
Beschuldigte 2 um die Empfehlungen des Berichts wusste, liegt zunächst aufgrund 
seiner Beziehung zur Beschuldigten 1 nahe. Wenig überzeugend erscheint es aber 
auch, wenn er seine Kenntnis nachträglich auf ein Niveau beschränken will, das 
sich aus «einmal quer lesen» ergibt. Zu detailliert äusserte er sich andernorts zu 
den Empfehlungen. Er setzte sich ferner genügend mit ihnen auseinander, um die 
darin gemachten Aussagen als Vermutungen bis hin zu Unwahrheiten zu bewerten 
und anzugeben, dass der Privatkläger mit seinem Umzug nach Graubünden genau 
das Gegenteil der Empfehlungen realisiert habe (pag. 240 Z. 138 ff.).

Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, wurde der Fachbericht den Beschuldigten 
zugestellt (pag. 637.130). Er ist in gut verständlicher Sprache geschrieben und in 
seinen Empfehlungen klar. Das Schreiben von Rechtsanwältin Q.________ vom 
9. Juli 2015 deutet ferner darauf hin, dass die Beschuldigte 1 den Fachbericht mit 
ihrer damaligen Rechtsbeiständin besprochen bzw. diese ihr die wichtigsten Punkte 
erläutert hatte, bevor sie auf das Stellen von Ergänzungsfragen verzichtete 
(pag. 637.137). Unter Berücksichtigung all der erwähnten Umstände lässt sich das 
Verhalten der Beschuldigten nach Ansicht der Kammer nicht anders deuten, als 
dass sie sich der Kernaussagen des Berichts und der damit zu erwartenden An-
passungen der Betreuungsregelung für die Zukunft (insbesondere der absehbaren 
Intensivierung des Kontaktes zwischen I.________ und dem Vater und dem ge-
planten Aufbau einer längerfristigen Annäherung zwischen diesem und 
H.________) bewusst waren, sie den Empfehlungen der Gutachter aber schlicht-
weg nicht folgen wollten und sich darum faktisch über sie hinwegsetzten. 

10.7 Erstellter Sachverhalt
Zusammenfassend ist für die Kammer erstellt, dass die Beschuldigten Ende Juni 
2015 vom Fachbericht des IFB, der sich für eine Intensivierung des Kontakts zwi-
schen dem Privatkläger und I.________ aussprach, für H.________ eine langsa-

29

mere und längerfristige Annäherung zum Vater vorsah und zudem diverse Kindes-
schutzmassnahmen empfahl (Ausweitung der bestehenden Beistandschaft, sozial-
pädagogische Familienbegleitung, Mediation zwischen den Kindseltern und psy-
chotherapeutische Settings für die Kinder), Kenntnis nahmen. Gestützt auf die Aus-
führungen im Bericht war ihnen weiter bewusst, dass die Kinder unter der ver-
schiedentlich konflikthaften Trennung ihrer Eltern zu leiden hatten und es künftig 
geboten war, sie aus den elterlichen Konflikten herauszuhalten und ihnen ein ruhi-
ges und stabiles Umfeld zu bieten; ein weiterer Umzug wurde angesichts der den 
Kindern bereits verschiedentlich abverlangten Anpassungsleistungen als dem 
Kindswohl abträglich erachtet. Trotzdem setzten sich die Beschuldigten kurz vor 
der Verhandlung im Verfahren um Abänderung von Eheschutzmassnahmen ohne 
Wissen und Zustimmung des Kindsvaters, der Beiständin oder der Behörden nach 
Spanien ab, um so einer Neuregelung der Kinderbelange zu entgehen und eine 
neue Existenz aufzubauen. Die Kinder informierten sie erst in Spanien über ihre 
Absicht, den Wohnsitz dauernd zu verlegen. Schliesslich hielten die Beschuldigten 
ihren Aufenthaltsort über mehrere Wochen vor dem Privatkläger und den Behörden 
geheim und untersagten oder verunmöglichten es den Kindern auch, mit dem Pri-
vatkläger Kontakt aufzunehmen oder Aussenstehende über ihren Aufenthaltsort zu 
informieren. 

11. Rechtliche Würdigung 

11.1 Erwägungen der Vorinstanz

Die Vorinstanz erachtete die Voraussetzungen für die Annahme einer Kindesent-
führung als gegeben. Sie erwog, die Beschuldigten hätten im Wissen darum, dass 
ihnen eine entsprechende Zustimmung weder vom Kindsvater noch von den 
Behörden erteilt worden war bzw. wäre, eigenmächtig den Wohnsitz der Kinder aus 
der Schweiz nach Spanien verlegt. Indem sie sich über die klaren Empfehlungen 
des rechtspsychologischen Fachberichts hinweggesetzt hätten, hätten sie das 
Wohl der Kinder erheblich gefährdet bzw. eine erhebliche Gefährdung billigend in 
Kauf genommen. Ferner hätten die Beschuldigten mit ihrem plötzlichen Wegzug 
den Aufbau eines Besuchsrechts und damit die Wiederannäherung zum Vater un-
tergraben bzw. faktisch verunmöglicht und diesem so die Kinder entzogen (S. 35 f. 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 1007 f.). Die Vorinstanz ging weiter 
davon aus, die Beschuldigten hätten den Wohnsitzwechsel sowie die Geheimhal-
tung desselben zusammen geplant und ausgeführt und so in Mittäterschaft gehan-
delt. 

11.2 Argumente der Verteidigung

Die Beschuldigte 1 liess anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung aus-
führen, sie werde in der Trennungsvereinbarung vom 28. Februar 2014 bei einer 
gemeinschaftlichen elterlichen Sorge als alleinige Inhaberin der Obhut über beide 
Kinder aufgeführt. In dieser Eigenschaft sei ihr bis zum 30. Juni 2014 das alleinige 
Aufenthaltsbestimmungsrecht über die beiden Kinder zugekommen. Mit der Revisi-
on sei dieses Aufenthaltsbestimmungsrecht neu Teil der elterlichen Sorge gewor-
den. Bis dahin seien die Ausführungen der Vorinstanz korrekt. Anders als die Vor-
instanz ausgeführt habe, sei die zivilrechtliche Ausgangslage aber alles andere als 

30

klar. So seien sich die Autoren auch unter dem neuen Recht nicht einig, welcher 
Gehalt dem Begriff der Obhut beizumessen sei. Die Vorinstanz habe sodann ohne 
nähere Begründung die neuen Bestimmungen zur Anwendung gebracht, ohne sich 
zum Übergangsrecht zu äussern und zu erörtern, welche Bedeutung der Revision 
des Zivilgesetzbuches im vorliegenden Fall zukomme. Aus einem Verstoss gegen 
zivilrechtliche Bestimmungen könne im Übrigen nicht ohne weiteres auf eine straf-
rechtliche Relevanz des Verhaltens geschlossen werden. Zwar habe das Bundes-
gericht in BGE 141 IV 10 ausgeführt, dass die Verbringung eines Kindes an einen 
anderen Ort nach Art. 183 Ziff. 2 des Schweizerischen Strafgesetzbuches vom 
21. Dezember 1937 (StGB; SR 311.0) strafbar sein könne, wenn sie mit dem 
Kindswohl absolut nicht zu vereinbaren sei. Es habe dies im «Nigeria-Fall» ange-
nommen, wo ein Vater seine drei- und fünfjährigen Söhne zu fremden Personen 
nach Nigeria gebracht und sie dort alleine gelassen habe. Dieser Sachverhalt sei 
mit der vorliegend zu beurteilenden Situation nicht zu vergleichen: H.________ und 
I.________ seien dauernd mit ihrer Mutter (der Hauptbetreuungsperson) zusam-
men gewesen. Spanien sei für sie auch nicht ein fremdes Land, sondern die zweite 
Heimat ihrer Mutter, wo sie auch bereits verschiedentlich ihre Ferien verbracht hät-
ten. Verstösse gegen den von der Vorinstanz zitierten Art. 301a des Zivilgesetzbu-
ches vom 10. Dezember 1907 (ZGB; SR 210) würden in der Lehre nicht mit der 
Entführung nach Art. 183 Ziff. 2 StGB, sondern der Entziehung von Minderjährigen 
nach Art. 220 StGB in Verbindung gebracht. 

Man müsse sich sodann fragen, so Rechtsanwalt B.________ für die Beschuldigte 
1 weiter, ob sich die Beschuldigte 1 der Auswirkungen der Revision habe bewusst 
sein müssen. Angesichts der nach wie vor bestehenden Uneinigkeit über den ge-
nauen Gehalt der Bestimmung könne dies nicht angenommen werden; die Be-
schuldigte 1 habe sich darum gegebenenfalls in einem Verbotsirrtum befunden. 
Anders als von der Vorinstanz angenommen, könne ihr das Wissen, nicht über das 
alleinige Aufenthaltsrecht verfügt zu haben, nicht unterstellt werden. 

Rechtsanwalt D.________ schloss sich für den Beschuldigten 2 weitgehend den 
Ausführungen von Rechtsanwalt B.________ an und führte aus, es sei alles ande-
re als klar, ob mit dem Umzug nach Spanien eine Entführung im Sinne von Art. 183 
Ziff. 2 StGB begangen worden sei. Nach der aktuellen bundesgerichtlichen Recht-
sprechung rechtfertige nur ein massiver Eingriff in das Kindswohl die Annahme ei-
ner Entführung. Die bis dahin entschiedenen Fälle seien aber mit dem vorliegend 
zu beurteilenden Sachverhalt nicht vergleichbar. So seien die beiden Kinder bei 
den ihnen vertrauten Bezugspersonen verblieben und hätten jederzeit die Möglich-
keit gehabt, in die Schweiz zurückzukehren. Die Beschuldigten hätten zudem nie-
manden getäuscht, sondern stets mit offenen Karten gespielt. Auch wenn der Um-
zug nicht förderlich gewesen sein möge, liege doch kein einschneidender Eingriff 
ins Kindswohl vor. Dies umso mehr, als der zu beurteilende Vorfall auch nicht mit 
dem Sachverhalt vergleichbar sei, welcher dem Entscheid 6B_1235/2016 vom 
16. Oktober 2017 (E. 2.4) zugrunde liege. 

Schliesslich wies auch Rechtsanwalt D.________ darauf hin, dass ein Verstoss 
gegen Art. 301a ZGB gemäss der Lehre unter Umständen die Strafbarkeit wegen 
220 StGB, nicht aber jene nach Art. 183 Ziff. 2 StGB nach sich ziehen könne. Es 

31

sei ferner kein Motiv des Beschuldigen 2 ersichtlich, die Kinder zu verschleppen; 
die Kinder selber hätten sich auch niemals dahingehend geäussert, dass sie nicht 
umziehen möchten. 

11.3 Erwägungen der Kammer

11.3.1 Rechtliche Grundlagen zu Art. 183 Ziff. 2 StGB
Nach Art. 183 Ziff. 2 StGB macht sich strafbar, wer jemanden entführt, der urteils-
unfähig, widerstandsunfähig oder noch nicht 16 Jahre alt ist. Geschütztes Rechts-
gut ist die körperliche Bewegungsfreiheit des Opfers (BGE 141 IV 10 E. 4.5.2 und 
4.5.4). Entführen bedeutet das widerrechtliche Sichbemächtigen einer Person 
durch Wegbringen von ihrem bisherigen Aufenthaltsort (DELNON/RÜDY, in: Basler 
Kommentar Strafrecht, 4. Aufl. 2018, N 23 zu Art. 183 StGB). Der Tatbestand der 
Entführung setzt voraus, dass sich als Folge des Verbringens an einen anderen Ort 
eine Machtposition des Täters über sein Opfer ergibt. Erforderlich ist zudem, dass 
die Ortsveränderung für eine gewisse Dauer vorgesehen und das Opfer in seiner 
persönlichen Freiheit tatsächlich beschränkt ist, es insbesondere nicht die Möglich-
keit hat, unabhängig vom Willen des Täters an seinen gewöhnlichen Aufenthaltsort 
zurückzukehren (Urteil des Bundesgerichts 6B_248/2017 vom 17. Mai 2017 E. 4). 
Bei Personen, die noch nicht 16 Jahre alt sind, sind keine besonderen Tatmittel er-
forderlich. Die im Sinne von Art. 183 Ziff. 2 StGB besonders schutzbedürftigen Op-
fer können in eine unzulässige Freiheitsbeschränkung nicht in relevanter Weise 
einwilligen (DELNON/RÜDY, a.a.O., N 52 zu Art. 183 StGB). Auf ihren Willen kommt 
es nicht an. Das Gesetz schützt sie unabhängig davon, ob sie Widerstand leisten 
oder ob sie in die Entführung einwilligen (Urteils des Bundesgerichts 6B_248/2017 
vom 17. Mai 2017 E. 4.2 mit Verweis auf BGE 141 IV 10 E. 4.5.4). 

Grundsätzlich keine Entführung im Sinne von Art. 183 Ziff. 2 StGB liegt vor, wenn 
ein Elternteil, der das Recht hat, über den Aufenthaltsort eines Kindes zu bestim-
men, diesen verändert. Gemäss der nunmehr gefestigten Rechtsprechung des 
Bundesgerichts sind aber Konstellationen denkbar, in denen die Verbringung eines 
Kindes an einen anderen Aufenthaltsort derart massiv in dessen Interessen und 
letztlich auch in sein Freiheitsrecht eingreift, dass sie strafrechtlich relevant wird. In 
diesen Ausnahmefällen lässt sich die Ortsveränderung nicht mehr mit dem Aufent-
haltsbestimmungsrecht der Eltern rechtfertigen. Voraussetzung hierfür ist, dass die 
konkreten Umstände eindeutig ausserhalb des Kindeswohls liegen. Geringfügige 
Beeinträchtigungen der Interessen des Kindes, die mit einer Veränderung des Auf-
enthaltsortes zwangsläufig einhergehen, genügen nicht (BGE 141 IV 10 E. 4.5.5; 
auch Urteile des Bundesgerichts 6B_82/2018 vom 25. September 2018 E. 2.2 ff.; 
6B_1235/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 2.3 ff.; 6B_248/2017 vom 17. Mai 2017 
E. 4; 6B_1279/2015 vom 14. April 2016 E. 2 je mit Hinweisen). 

In subjektiver Hinsicht setzt der Tatbestand der Entführung die vorsätzliche Bege-
hung voraus, wobei Eventualvorsatz genügt (DELNON/RÜDY, a.a.O., N 57 zu 
Art. 183 StGB; Urteil des Bundesgerichts 6B_1279/2016 vom 14. April 2016 
E. 2.3.1). Nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist Eventualvorsatz 
gegeben, wenn der Täter den Eintritt des Erfolgs bzw. die Verwirklichung des Tat-
bestands für möglich hält, aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall 
seines Eintritts in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB), sich mit ihm abfindet, mag er 

32

ihm auch unerwünscht sein (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3 mit Hinweis). Vorliegend ist da-
her zu prüfen, ob die Beschuldigten es zumindest für möglich hielten und in Kauf 
nahmen, dass die Verbringung der beiden Kinder nach Spanien massiv in deren In-
teressen sowie Wohl eingriff (So auch Urteil des Bundesgerichts 6B_1279/2015 
vom 14. April 2016 E. 2.3.1). 

Eine qualifizierte Entführung im Sinne von Art. 184 Abs. 4 StGB liegt vor, wenn der 
Entzug der Freiheit objektiv mehr als 10 Tage dauert und der Täter diese Dauer 
auch subjektiv zumindest in Kauf genommen hat (DELNON/RÜDY, a.a.O., N 21 zu 
Art. 184 StGB).

11.3.2 Zur Relevanz des Aufenthaltsbestimmungsrechts

Nach dem am 1. Juli 2014 in Kraft gesetzten Art. 301a Abs. 2 ZGB müssen Eltern, 
welche das Sorgerecht gemeinsam ausüben, beim anderen Elternteil, dem Gericht 
oder der Kindesschutzbehörde die Zustimmung einholen, wenn sie den 
Aufenthaltsort des Kindes wechseln wollen und der neue Aufenthaltsort im Ausland 
liegt (lit. a) oder der Wechsel des Aufenthaltsortes erhebliche Auswirkungen auf die 
Ausübung der elterlichen Sorge und den persönlichen Verkehr durch den andern 
Elternteil hat (lit. b). 

Der Entziehung von Minderjährigen nach Art. 220 StGB macht sich strafbar, wer 
eine minderjährige Person dem Inhaber des Rechts zur Bestimmung des 
Aufenthaltsortes entzieht oder sich weigert, sie ihm zurückzugeben.

Wenn ein Elternteil ein Kind, das unter gemeinsamer elterlicher Sorge steht, ohne 
die Zustimmung des andern Elternteils oder der zuständigen Behörden ins Ausland 
verbringt, beschneidet er damit grundsätzlich das Recht des anderen Elternteils, 
den Aufenthaltsort des Kindes zu bestimmen und hat sich, wie von den 
Beschuldigten zutreffend ausgeführt, unter Umständen wegen einer Entziehung 
von Minderjährigen im Sinne von Art. 220 StGB zu verantworten (vgl. dazu 
beispielsweise das Urteil des Bundesgerichts 5A_293/2016 vom 8. August 2016 
E. 4.3). Geschütztes Rechtsgut von Art. 220 StGB ist das 
Aufenthaltsbestimmungsrecht der Eltern als Teilgehalt der elterlichen Sorge (BGE 
141 IV 205 E. 5.3.1). Hat ein Elternteil die alleinige elterliche Sorge inne oder 
verfügt er über das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht, fällt eine Strafbarkeit 
ausser Betracht. 

Anders als Art. 220 StGB schützt Art. 183 Ziff. 2 StGB nicht den Elternteil, dem der 
Kontakt zum gemeinsamen Kind verunmöglicht wurde, sondern das Kind, welches 
durch die Verbringung an einen anderen Aufenthaltsort massiv in seinen 
geschützten Interessen und damit letztlich in seinem Freiheitsrecht beschnitten 
wird. Aufgrund der Verschiedenheit der betroffenen Rechtsgüter besteht zwischen 
den beiden Bestimmungen echte Konkurrenz (ULRICH WEDER, in: Andreas 
Donatsch [Hrsg.], Kommentar StGB / JStGB, 20. Aufl. 2018, N 9 f. zu Art. 220 
StGB; ANDREAS ECKERT, in: Basler Kommentar Strafrecht, 4. Aufl. 2018, N 37 zu 
Art. 220 StGB). Entscheidend für die Erfüllung des Tatbestandes der Kindsent-
führung ist damit nicht, ob die Ortsverschiebung vom Inhaber des Aufenthaltsbe-
stimmungsrechts vorgenommen wurde, sondern ob mit der Ortsveränderung eine 

33

Situation geschaffen wurde, die dem Wohl des betroffenen Kindes klar entgegen-
steht.

Da das Verfahren wegen Entziehung von Minderjährigen gegen die Beschuldigten 
eingestellt wurde (Einstellungsverfügung vom 7. Juni 2017, pag. 851 ff.), die 
Eigenschaft als Inhaber des Aufenthaltsbestimmungsrechts aber umgekehrt für die 
Beurteilung des verbleibenden Vorwurfs der Kindsentführung nicht von 
entscheidender Bedeutung ist, braucht nach Ansicht der Kammer nicht näher 
darauf eingegangen zu werden, wie dieses zwischen der Beschuldigten 1 und dem 
Privatkläger verteilt war und welchen Einfluss die Revision des Zivilgesetzbuches 
auf diese Verteilung hatte. Immerhin sei angemerkt, dass den Beschuldigten 
aufgrund des vom Privatkläger eingereichten Gesuchs auf Neuregelung der 
elterlichen Sorge, des bevorstehenden Gerichtstermins und der Empfehlungen im 
psychologischen Fachbericht des IFB bewusst sein musste, dass es ihnen künftig 
verwehrt sein würde, alleine über den Aufenthaltsort der Kinder bestimmen zu 
dürfen bzw. sie so kurz vor einem Entscheid in dieser Sache nicht ohne vorgängige 
Genehmigung der Behörden oder Mitteilung an den Privatkläger eigenmächt