# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5067af3b-5223-5594-97db-d889d056872b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-11-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.11.2010 E-7687/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-7687-2010_2010-11-04.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-7687/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  4 .  N o v e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Markus König, 
mit Zustimmung von Richter François Badoud;
Gerichtsschreiber Rudolf Bindschedler.

A._______,
Eritrea,
_______,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;
(Dublin-Verfahren);
Verfügung des BFM vom 29. September 2010 /
N_______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-7687/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  der  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  am  29.  Mai 
2010  den  Heimatstaat  verliess  und  mit  einem  auf  der  B._______ 
Botschaft  in  C._______  ausgestellten  Schengen-Visum  auf  dem 
Luftweg in Frankreich einreiste,

dass er nach zweitägigem Aufenthalt in D._______ mit dem Zug nach 
E._______ weitergereist sei, wo er am 31. Mai 2010 eingetroffen sei,

dass er darauf am 1. Juni 2010 im Empfangs- und Verfahrenszentrum 
F._______ (EVZ) ein Asylgesuch stellte,

dass der Beschwerdeführer anlässlich der Kurzbefragung im EVZ vom 
9.  Juni  2010  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im  Wesentlichen 
geltend  machte,  die  eritreischen  Behörden  hätten  von ihm die  Aus-
führung von ihm widerstrebenden Tätigkeiten verlangt, so zum Beispiel 
das  Ausspionieren von gegen  die  Regierung eingestellten  Personen 
und insbesondere von G._______,

dass es ihm dabei nicht wohl gewesen sei und er die Gelegenheit, aus 
beruflichen Gründen aus dem Land zu reisen,  ergriffen habe und er 
dieses definitiv verlassen habe (vgl. EVZ-Protokoll S. 4),

dass  dem  Beschwerdeführer  im  Rahmen  der  Kurzbefragung  vom 
9. Juni  2010  das  rechtliche  Gehör  zu  einer  allfälligen  Wegweisung 
nach Frankreich gewährt wurde (vgl. EVZ-Protokoll S. 6 f.)

dass  er  dabei  festhielt,  er  habe  Frankreich  nicht  als  Zielland  aus-
gewählt, wesentlich für ihn sei, im Frieden zu leben, er habe sein Land 
verlassen, um zu überleben, er sei gekommen, um die Schweizer Be-
hörden um Schutz zu ersuchen und er befürchte – angesichts der Be-
ziehungen  dieses  Landes  zu  seinem  Heimatland  –  von  Frankreich 
nach Eritrea zurückgeschickt zu werden,

dass das BFM mit Verfügung vom 29. September 2010 – eröffnet am 
20. Oktober 2010 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asyl-
gesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31)  auf das Asylgesuch 
nicht eintrat und den Beschwerdeführer nach Frankreich wegwies,

dass es zur Begründung seiner Verfügung ausführte, gestützt auf die 
einschlägigen  staatsvertraglichen  Bestimmungen  (Abkommen  vom 

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26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft 
und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren 
zur  Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in 
einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags [Dub-
lin-Assoziierungsabkommen,  SR  0.142.392.68];  Verordnung  [EG] 
Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der Kri-
terien  und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats,  der  für  die 
Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat 
gestellten  Asylantrags  zuständig  ist  [Dublin-II-VO];  Verordnung  [EG] 
Nr. 1560/2003  der  Kommission  vom  2. September  2003  mit  Durch-
führungsbestimmungen zur Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates 
[DVO Dublin]) sei Frankreich für die Durchführung des Asylverfahrens 
zuständig,

dass aufgrund des entsprechenden Ersuchens des BFM vom 14. Juli 
2010 Frankreich in seiner Antwort vom 8. September 2010 der Über-
nahme  des  Beschwerdeführers  gestützt  auf  Art.  9  Dublin-II-VO zu-
gestimmt habe,

dass  ausserdem der  Beschwerdeführer  über  ein  gültiges  Visum  für 
Frankreich verfüge,

dass die Aussagen des Beschwerdeführers anlässlich der Gewährung 
des rechtlichen Gehörs zur  Wegweisung nach Frankreich keine Hin-
dernisse  für  eine  Wegweisung  nach  Frankreich  beinhalten  würden, 
weil dieses Land ein Rechtsstaat und gemäss Dubliner-Abkommen zur 
Rückübernahme verpflichtet sei,

dass der Vollzug der Wegweisung nach Frankreich zulässig, zumutbar 
und möglich sei,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  –  irrtümlicherweise  an  das  Bundes-
gericht in Lausanne adressierter, jedoch zuständigkeitshalber an das 
Bundesverwaltungsgericht weitergeleiteter – Eingabe vom 25. Oktober 
2010 (Poststempel  26. Oktober  2010)  gegen diesen Entscheid  beim 
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob,

dass er dabei sinngemäss die Aufhebung der Verfügung des BFM vom 
25. August 2010 beantragte,

dass er zur Begründung geltend machte, aufgrund der freundschaft-
lichen Beziehungen zwischen Frankreich und Eritrea befürchte er, von 

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Frankreich  wieder  nach  Eritrea  zurückgeschickt  zu  werden,  und  er 
wolle sein Leben nicht mit einer Rückkehr nach Frankreich riskieren,  
zumal er dort kein Asylgesuch gestellt habe,

dass mit der Beschwerde den Ausdruck eines Internetberichts zu den 
Akten reichte,

dass das Bundesverwaltungsgericht am 1. November 2010 den Vollzug 
der angefochtenen Verfügung mittels vorsorglicher Massnahme provi-
sorisch aussetzte,

dass die vollständigen vorinstanzlichen Akten am 2. November 2010 
beim Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und das Bundesverwaltungsgericht erwägt,

dass  es  im  Asylbereich  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Ver-
fügungen (Art. 5  des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968 über 
das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021] des BFM entscheidet 
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 
17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundes-
gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG 
richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG),

dass aus  prozessökonomischen  Gründen auf  eine  Rückweisung der 
Beschwerde,  deren  Begründung  in  Englisch  verfasst  ist,  zur  Über-
setzung in eine Amtssprache verzichtet wird, da die Begründung ver-
ständlich  ist  und  ohne  Weiteres  über  die  Beschwerde  entschieden 
werden kann,

dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten  ist  (Art. 108  Abs. 2  AsylG  und  Art. 37  VGG  i.V.m.  Art. 52 
VwVG),

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dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. Ent -
scheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurs-
kommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

dass  über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  be-
ziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  wird  (Art.  111 
Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um 
eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur 
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass sich der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge vor seiner 
Einreise in  die Schweiz vom 30. Mai  2010 bis  zum 31. Mai  2010 in 
Frankreich aufgehalten hat, wo er angeblich kein Asylgesuch gestellt  
hat (vgl. EVZ-Protokoll S. 6),

dass  gemäss den einschlägigen Bestimmungen der Dublin-II-VO vor-
liegend  Frankreich  für  die  Behandlung  eines  allfälligen  Asylgesuchs 
des Beschwerdeführers zuständig ist und dieses Land am 8. Septem-
ber 2010 seiner Rückübernahme zugestimmt hat,

dass  Frankreich  unter  anderem Signatarstaat  des  Abkommens  vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR 
0.142.30),  der  Konvention  vom 4. November  1950  zum Schutze  der 
Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  und  des 

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Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter oder andere 
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 
(FoK, SR 0.105) ist und keine konkreten Hinweise dafür bestehen, die-
ses  Land  werde  sich  im  vorliegenden  Fall  nicht  an  die  aus  diesen 
Übereinkommen resultierenden Verpflichtungen halten,

dass namentlich kein konkreter Grund zur Annahme besteht, der Be-
schwerdeführer  würde  von  Frankreich  ohne  korrekte  Prüfung  seiner 
Gesuchsgründe in den Heimatstaat zurückgeführt (vgl. Beschwerde),

dass der Beschwerdeführer anlässlich der Gewährung des rechtlichen 
Gehörs zu einer  allfälligen Wegweisung nach Frankreich keine plau-
siblen und überzeugenden Einwände erhoben hat  (vgl. EVZ-Protokoll 
S. 6 f.),

dass  er  sich  dahingehend geäussert  hat,  er  habe selber  nicht  nach 
Frankreich gewollt, wesentlich für ihn sei, im Frieden zu leben, er habe 
sein  Land  verlassen,  um  zu  überleben,  er  sei  gekommen,  um  die 
Schweizer Behörden um Schutz zu ersuchen und er fürchte nach einer 
Rückkehr nach Frankreich angesichts der Beziehungen dieses Landes 
zu Eritrea dorthin zurückgeschickt zu werden,

dass das BFM in der angefochtenen Verfügung zu Recht festgehalten 
hat, den Aussagen des Beschwerdeführers anlässlich der Gewährung 
des rechtlichen Gehörs zur Wegweisung nach Frankreich seien keine 
Hindernisse für eine Wegweisung in diesen Drittstaat zu entnehmen,

dass sich der Beschwerdeführer bei allfälligen Problemen seitens der 
heimatlichen Behörden oder privater Personen bei den französischen 
Behörden um Schutz bemühen könnte,

dass  an  diesen  Feststellungen  auch  der  mit  der  Beschwerde  ein-
gereichte Internetausdruck nichts zu ändern vermag,

dass den Akten auch sonst keine Gründe zu entnehmen sind, die einer 
Zuständigkeit  Frankreichs  zur  Behandlung  des  vorliegenden  Asyl-
gesuchs entgegenstehen könnten, und das BFM damit zu Recht in An-
wendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers nicht eingetreten ist,

dass  das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  in  der  Regel  die  Weg-
weisung aus der  Schweiz zur  Folge hat  (Art. 44 Abs. 1 AsylG),  vor-

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liegend keine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung erteilt  wurde 
und auch kein Anspruch auf Erteilung einer solchen besteht, weshalb 
die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Be-
stimmungen steht und demnach zu bestätigen ist,

dass  im  Rahmen  des  Dublin-Verfahrens  –  bei  dem es  sich  um ein 
Überstellungsverfahren in  den für  die Prüfung des Asylgesuches zu-
ständigen Staat handelt – systembedingt kein Raum bleibt für Ersatz-
massnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 
des Bundesgesetzes vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerin-
nen und Ausländer [AuG, SR 142.20]),

dass eine entsprechende Beurteilung soweit  notwendig vielmehr be-
reits im Rahmen der Prüfung des Selbsteintritts stattfinden muss,

dass  in  diesem  Sinn  das  BFM  den  Vollzug  der  Wegweisung  nach 
Frankreich zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erklärte,

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletze,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststelle 
oder unangemessen sei (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.-- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 
VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils 
zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kanto-
nale Migrationsbehörde.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Markus König Rudolf Bindschedler

Versand:

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