# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c43c0466-7637-5d82-afe6-07cde1a1d963
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-06-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.06.2008 E-3240/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3240-2006_2008-06-30.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-3240/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 0 .  J u n i  2 0 0 8

Richter Kurt Gysi (Vorsitz), Richter Maurice Brodard, 
Richterin Regula Schenker Senn,  
Gerichtsschreiberin Barbara Balmelli.

A._______,
B._______,
C._______,
unbekannter Herkunft,
vertreten durch Guido Ehrler, Advokat, (...)
und lic. iur. Johan Göttl, (...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM, vormals Bundesamt für 
Flüchtlinge, BFF), Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Vollzug der Wegweisung (Beschwerde gegen Wiederer-
wägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 9. Novem-
ber 2004 / N_______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-3240/2006

Sachverhalt:

A.
Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  die  Beschwerdeführerin  -  ohne 
ihren Sohn C._______ - Angola am 27. Mai 1993 auf dem Luftweg und 
reiste am 31. Mai 1993 in die Schweiz ein, wo sie am 1. Juni 1993 ein 
Asylgesuch  einreichte.  Am  4.  Juni  1993  gebar  sie  die  Tochter 
B._______. Mit Verfügung vom 30. Juni 1994 stellte das BFF fest, die 
Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigeschaft nicht, lehnte das 
Asylgesuch  ab  und  ordnete  gleichzeitig  die  Wegweisung  und  deren 
Vollzug  aus  der  Schweiz  an.  Gegen  diese  Verfügung  reichte  die 
Beschwerdeführerin  am 2. August  1994 Beschwerde bei  der damals 
zuständigen Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) ein.

B.
Am  20.  Februar  1998  reiste  der  Sohn  der  Beschwerdeführerin, 
C._______,  in  die  Schweiz  ein  und  wurde  in  das  hängige 
Asylverfahren der Beschwerdeführerin miteinbezogen.

C.
Mit Urteil vom 26. August 1999 wies die ARK die Beschwerde vom 2. 
August 1994 ab.

D.
Am 12. Oktober 2004 reichte die Beschwerdeführerin durch ihren Ver-
treter beim BFF ein Wiedererwägungsgesuch ein und beantragte, die 
Verfügung vom 30. Juni 1994 sei aufzuheben. Zur Begrünung wurde 
angeführt,  der  Sohn  C._______  leide  an  einer  Anpassungsstörung 
(ICD:  F43)  auf  dem  Hintergrund  einer  posttraumatischen 
Belastungsstörung  (ICD:  F43.1)  und  sei  seit  Dezember  2000  in 
psychotherapeutischer  Behandlung.  Um  die  erzielten  Fortschritte 
sichern  zu  können,  sei  es  notwendig,  dass  C._______  in  seinem 
derzeitigen  Umfeld  bleiben  könne.  Ohne  Weiterführung  der 
Behandlung sei eine defizitäre Entwicklung ohne Zukunftsperspektive 
zu erwarten. 

E.
Am 9. November 2004 wies das BFF das Wiedererwägungsgesuch ab, 
erklärte die Verfügung vom 30. Juni 1994 als rechtskräftig, vollstreck-
bar  und  stellte  fest,  einer  allfälligen  Beschwerde  komme keine  auf-
schiebende Wirkung zu. 

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F.
Gegen  diesen  Entscheid  reichte  die  Beschwerdeführerin  am  7.  De-
zember 2004 Beschwerde bei  der damals zuständigen ARK ein und 
beantragte durch ihren Vertreter, die angefochtene Verfügung sei auf-
zuheben. Es sei festzustellen, dass seit Erlass der ursprünglichen Ver-
fügung  eine  wiedererwägungsrechtlich  massgebliche  Änderung  der 
Sachlage  eingetreten  sei. Es  sei  auf  die  Wegweisung  zu  verzichten 
und das BFF anzuweisen,  die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Die 
entzogene  aufschiebende  Wirkung  sei  wiederherzustellen  und  das 
D._______ anzuweisen, auf Vollzugshandlungen zu verzichten. Ferner 
sei  die  unentgeltliche  Rechtspflege  sowie  Verbeiständung  zu 
gewähren  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu 
verzichten. 

G.
Am 8. Dezember 2004 setzte der damals zuständige Instruktionsrich-
ter der ARK den Vollzug der Wegweisung superprovisiorisch aus.

H.
Mit  Zwischenverfügung  vom 27.  Dezember  2006  setzte  der  Instruk-
tionsrichter  den Vollzug der  Wegweisung aus und hielt  fest,  die  Be-
schwerdeführerin  und ihre  Kinder  könnten den Ausgang des Verfah-
rens in der Schweiz abwarten. Sodann hiess er die Gesuche um Ge-
währung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  (Art.  65  Abs. 1  VwVG) 
und  Verbeiständung  (Art.  65  Abs.  2  VwVG)  gut  und  verzichtete  an-
tragsgemäss auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Weiter setzte 
er Frist zur Nennung eines patentierten Anwalts zum Vollzug der Ver-
beiständung  sowie  zur  Einreichung  eines  aktuellen  und  detaillierten 
ärztlichen Zeugnisses.

I.
Innert  der  angesetzten  Frist  zeigte  Rechtsanwalt  Guido  Ehrler  sein 
Mandatsverhältnis an und ersuchte gleichzeitig um vollständige Akten-
einsicht sowie um Erstreckung der Frist zur Einreichung des ärztlichen 
Berichts.

J.
Mit  Zwischenverfügung vom 17. Januar  2007 hiess  der  Instruktions-
richter  des  inzwischen  neu  zuständigen  Bundesverwaltungsgerichts 
das  Gesuch  um  Akteneinsicht  gut  und  setzte  Frist  zur  Einreichung 
einer ergänzenden Stellungnahme. Sodann hiess er das Gesuch um 
Erstreckung der Frist zur Einreichung des ärztlichen Berichts gut.

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K.
Am 25. Januar 2007 reichte der Rechtsvertreter einen  Beobachtungs-
bericht   der E._______ (Krisenintervention für  Jugendliche)  vom 18. 
September 2006 (betreffend den Zeitraum 7. April  bis 30. Juni 2006) 
sowie einen undatierten Bericht derselben Stelle (betreffend Zeitraum 
30. Juni 2006 bis „heute“) und ein Schreiben der F._______ vom 20. 
Januar 2007 ein. Gleichzeitig ersuchte er um eine weitere Erstreckung 
der Frist zur Einreichung der ergänzenden Stellungnahme sowie des 
ärztlichen Zeugnisses. 

L.
Mit  Zwischenverfügung  vom 6.  Februar  2007  entsprach  der  Instruk-
tionsrichter den Fristerstreckungsgesuchen.

M.
Am 15. Februar 2007 ging beim Bundesverwaltungsgericht ein ärztli-
cher Bericht von Dr. med. G._______, Facharzt Psychiatrie + Psycho-
therapie, vom 14. Februar 2007 ein.

N.
Mit Eingabe vom 27. Februar 2007 reichte der Rechtsvertreter die er-
gänzende  Stellungnahme  sowie  eine  Standortbestimmung  der 
F._______ vom 6. Februar 2007 zu den Akten.

O.
Das BFM beantragte in der Vernehmlassung vom 9. März 2007 die Ab-
weisung der Beschwerde. Mit Zwischenverfügung vom 16. März 2007 
unterbreitete der Instruktionsrichter dem Rechtsvertreter die Vernehm-
lassung zur Stellungnahme.

P.
Innert  der angesetzten Frist  ging die Replik  vom 4. April  2007 beim 
Bundesverwaltungsgericht ein.

Q.
Mit Zwischenverfügung vom 14. April 2008 setzte der Instruktionsrich-
ter  dem Rechtsvertreter  Frist  zur  Einreichung  eines  aktuellen  ärztli-
chen Berichts betreffend die gesundheitliche Situation von C._______ 
sowie  eines  Berichtes  betreffend  den  aktuellen  Stand  von  dessen 
Betreuung  in  der  F._______.  Gleichzeitig  forderte  er  beide 
Rechtsvertreter  auf,  eine  Kostennote  einzureichen.  Innert  der 

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angesetzten  Frist  reichte  Guido  Ehrler  am  21.  April  2008  ein 
Fristerstreckungsgesuch ein. 

R.
Am 24. April  2008 ging beim Bundesverwaltungsgericht  ein  weiterer 
ärztlicher Bericht von Dr. med. G._______ vom 19. April 2008 ein.

S. Am 30. April 2008 reichte Guido Ehrler die gleichentags ausgestell-
te Honorarnote zu den Akten.  

T.
Mit  Schreiben  vom  9.  Mai  2008  reichte  der  Rechtsvertreter  einen 
pädagogischen  Bericht  der  F._______  vom  5.  Mai  2008  und  ein 
handschriftliches Schreiben von C._______ ein.

U.
Am 16. Mai 2008 ging beim Bundesverwaltungsgericht die Honorarno-
te von lic. iur. Johan Göttel vom 14. Mai 2008 ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungs-
gericht  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundes-
gesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 
VGG und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. 
Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG 
liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist  daher zuständig für 
die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  in 
diesem  Bereich  endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom 
26. Juni 1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundes-
gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

Aus  diesen  Bestimmungen  geht  die  Zuständigkeit  des  Bundesver-
waltungsgerichts  für  Beschwerden gegen Verfügungen des BFM be-
treffend Wiedererwägungsgesuche nicht explizit hervor. Sie ergibt sich 
indes  aus  dem in  Lehre  und  Praxis  anerkannten  Umstand,  wonach 

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gegen  negative  Entscheide  der  Vorinstanz  über  Wiedererwägungs-
gesuche grundsätzlich  diejenigen Rechtsmittel  ergriffen  werden kön-
nen, welche gemäss Rechtsmittelordnung gegen die mit dem Wieder-
erwägungsgesuch angefochtene Verfügung offenstehen (vgl. dazu die 
weiterhin zutreffende Praxis der ARK in Entscheidungen und Mitteilun-
gen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 7 
E. 2 a.aa ).

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht übernimmt bei gegebener Zustän-
digkeit am 1. Januar 2007 die bei der ARK hängigen Rechtsmittel. Das 
Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der 
vorliegenden Beschwerde. Die Beurteilung erfolgt nach neuem Verfah-
rensrecht (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG).

1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG).

2.
Die  Beschwerdeführerin  hat  am Verfahren vor  der  Vorinstanz  teilge-
nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat 
ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung  und  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 50 und 52 VwVG). Auf die 
form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten.

3.
Der Begriff der Wiedererwägung wird in dreifachem Sinne verwendet. 
In  der  in  casu  relevanten  Bedeutung  bezeichnet  er  die  Anpassung 
einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an nachträglich eingetretene 
Veränderungen der  Sachlage. Bei  der Geltendmachung des solcher-
massen  umschriebenen  Wiedererwägungsgrundes  kommt  es  nicht 
darauf  an,  ob  vorgängig  von  einem  ordentlichen  Rechtsmittel  Ge-
brauch gemacht wurde oder nicht. Die Wiedererwägung stellt auch in 
diesem Sinne ein ausserordentliches Rechtsmittel dar, auf dessen Be-
handlung,  abgeleitet  aus  Art.  29  Abs.  1  der  Bundesverfassung  der 
Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), 
ein Anspruch besteht (vgl. die weiterhin zutreffende Praxis der ARK in 
EMARK 2003 Nr. 17 und EMARK 1995 Nr. 21 E. 1c S. 204). Sodann ist 
festzuhalten, dass der Sinn der Wiedererwägung wie auch der Revi-
sion nicht die erneute rechtliche Würdigung eines bereits hinlänglich 

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erstellten und endgültig beurteilten Sachverhalts ist (vgl. die weiterhin 
zutreffende Praxis in EMARK 1999 Nr. 4 E. 5a S. 24 f.). Anders ausge-
drückt  ist  es  unzulässig,  ein  letztinstanzlich  und  rechtskräftig  abge-
schlossenes  Verfahren  unter  dem  Titel  eines  Wiedererwägungs-
gesuchs faktisch zu wiederholen, indem die rechtliche Beurteilung der 
verfügenden  Instanz  oder  der  Beschwerdeinstanz  (erneut)  in  Frage 
gestellt wird.

4.
Nachdem  die  Vorinstanz  den  Anspruch  der  Beschwerdeführerin  auf 
Behandlung des Wiedererwägungsgesuchs nicht in Abrede gestellt hat 
und auf das Wiedererwägungsgesuch eingetreten ist, hat das Bundes-
verwaltungsgericht zu prüfen, ob die Vorinstanz den Vollzug der Weg-
weisung zu Recht als durchführbar erachtet und das Gesuch abgewie-
sen hat.

5.
5.1 In der angefochtenen Verfügung wird unter  Bezugnahme auf die 
ärztlichen  Berichte  vom  November  2003  und  den  Bericht  der 
H._______ vom 29. Juni 2004 ausgeführt, das psychische Leiden von 
C._______  sei  im  September  2000,  mithin  vor  rund  vier  Jahren 
diagnostiziert  worden.  Seit  Dezember  2000  werde  C._______ 
psychiatrisch  behandelt.  Seit  November  2003  habe  sich  der  Ge-
sundheitszustand von C._______ nicht verändert. Dieser Sachverhalt 
sei demnach seit November 2003 bekannt. Vorliegend sei daher nicht 
mit der nötigen Sorgfalt gehandelt worden, mithin seien die Argumente 
und Beweismittel  nicht als neu zu bezeichnen.  Zudem würde in der 
Eingabe nicht geltend gemacht, der Wegweisungsvollzug sei undurch-
führbar.

5.2 In  der  Rechtsmitteleingabe  wird  vorgebracht,  das  BFF habe  die 
ihm  obliegende  Begründungspflicht  verletzt.  Offensichtlich  habe  es 
sich  in  der  Auswahl  der  Textbausteine  vergriffen. Die  Krankheit  von 
C._______  habe  sich  erst  nach  dem  rechtskräftigen  Abschluss  des 
ordentlichen  Verfahrens  manifestiert.  Es  würden  weder  neue 
erhebliche  Tatsachen  noch  neue  Beweismittel  im  Sinne  von  Art.  66 
Abs. 2 VwVG vorliegen. Entsprechendes sei auch nie geltend gemacht 
worden.  Das  Wiedererwägungsgesuch  stütze  sich  allein  darauf  ab, 
dass  sich  die  Verhältnisse  seit  der  Rechtskraft  der  angefochtenen 
Verfügung  massgeblich  verändert  hätten.  Dies  habe  die  Vorinstanz 

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nicht  geprüft.  Es  fehle  auch  die  Auseinandersetzung  mit  der 
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. 

6.
6.1 Vorweg ist festzuhalten, dass das BFM in der Vernehmlassung mit 
keinem Wort zu den Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe Stellung 
genommen hat. Auch wenn die  Vorinstanz keine gesetzlich statuierte 
Pflicht hat, sich im Rahmen eines Schriftenwechsels zu äussern, wäre 
dies in Anbetracht der vorliegend unkorrekten Erwägungen angezeigt 
gewesen.

6.2 Die  Beschwerdeführerin  hat  ein  Wiedererwägungsgesuch  einge-
reicht und es mit einer massgeblich veränderten Sachlage seit Erlass 
der ursprünglichen Verfügung begründet. Wie in der Rechtsmittelein-
gabe zu Recht ausgeführt  wird, geht es dabei nicht darum, ob neue 
Tatsachen oder Beweismittel im Sinne von Art. 66 Abs. 2 VwVG vor-
liegen,  sondern  ob  ein  im  Verhältnis  zur  Verfügung  vom 26. August 
1999  wesentlich  veränderter  Sachverhalt  im  Sinne  der  Wiederer-
wägung vorliegt. Nach Lehre und Rechtsprechung unterliegt ein Wie-
dererwägungsgesuch  -  im  Verhältnis  zum  Revisionsgesuch  -  keiner 
bestimmten Frist. Das heisst indes nicht,  dass eine Wiedererwägung 
zu  jedem  beliebigen  Zeitpunkt  nach  der  eingetretenen  Veränderung 
der Verhältnisse verlangt werden kann. Eine zeitliche Schranke ergibt 
sich  nämlich aus dem Grundsatz von Treu und Glauben. In  EMARK 
2000 Nr. 5  hielt  die  ARK als  Vorgängerorganisation  des  Bundesver-
waltungsgerichts fest,  dass die Einreichung eines Wiedererwägungs-
gesuches  elf  Monate  nach  Kenntnis  des  ein  Wiedererwägungsbe-
gehren  möglicherweise  begründenden  Sachverhalts  als  dem Grund-
satz von Treu und Glauben zuwiderlaufend zu erachten sei. Vorliegend 
liegen zwischen der Ausstellung des Berichts des H._______ am 23. 
November  2003  und  der  Einreichung  des  Wiedererwägungsgesuchs 
am 12. Oktober 2004 zehneinhalb Monate. Gründe,  weshalb mit  der 
Einreichung des Wiedererwägungsgesuchs solange zugewartet wurde, 
werden  im  Gesuch  nicht  angeführt.  Ob  das  vorliegende 
Wiedererwägungsgesuch im Sinne der vorstehenden Erwägungen als 
zu  spät  eingereicht  zu  bewerten  ist,  kann  in  Anbetracht  der 
nachfolgenden Ausführungen offen gelassen werden. 

7.  
7.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  BFM  das  Anwesenheitsverhältnis 

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nach den gesetzlichen Bestimmungen über  die vorläufige  Aufnahme 
von Ausländern  (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesge-
setzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Auslän-
der [AuG, SR 142.20]).

7.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete Gefährdung festgestellt, ist - unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 
7  AuG -  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum 
Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 
2002, BBl 2002 3818). Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug 
Kinder betroffen, so bildet im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung das 
Kindeswohl einen Gesichtspunkt von gewichtiger Bedeutung. Dies er-
gibt sich nicht zuletzt aus einer völkerrechtskonformen Auslegung von 
Art. 83 Abs. 4 AuG im Lichte von Art. 3 Abs. 1  des Übereinkommens 
vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107). 
Unter dem Aspekt des Kindeswohls sind demnach sämtliche Umstän-
de  einzubeziehen  und  zu  würdigen,  die  im  Hinblick  auf  eine  Weg-
weisung wesentlich erscheinen (vgl. die noch zu Art. 14a Abs. 4 ANAG 
erfolgte und weiterhin zutreffende Rechtsprechung der ARK in EMARK 
2005 Nr. 6). In Bezug auf das Kindeswohl können namentlich folgende 
Kriterien  im Rahmen einer gesamtheitlichen Beurteilung von Bedeu-
tung sein: Alter, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähig-
keit) seiner Beziehungen, Eigenschaften seiner Bezugspersonen (ins-
besondere Unterstützungsbereitschaft und -fähigkeit), Stand und Prog-
nose bezüglich Entwicklung/Ausbildung, Grad der erfolgten Integration 
bei  einem längeren Aufenthalt  in  der  Schweiz  usw. Gerade letzterer 
Aspekt, die Dauer des Aufenthaltes in der Schweiz, ist im Hinblick auf 
die Prüfung der Chancen und Hindernisse einer Reintegration im Hei-
matland bei einem Kind als gewichtiger Faktor zu werten,  da Kinder 
nicht  ohne guten Grund aus einem einmal  vertrauten Umfeld wieder 
herausgerissen werden sollten. Dabei ist aus entwicklungspsychologi-
scher Sicht nicht nur das unmittelbare persönliche Umfeld des Kindes 
(d.h.  dessen  Kernfamilie)  zu  berücksichtigen,  sondern  auch  dessen 
übrige soziale Einbettung. Die Verwurzelung in der Schweiz kann eine 
reziproke Wirkung auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs haben, indem eine starke Assimilierung in der Schweiz mithin 
eine Entwurzelung im Heimatstaat zur Folge haben kann, welche unter 
Umständen die Rückkehr dorthin als unzumutbar erscheinen lässt (vgl. 

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dazu die weiterhin zutreffende Praxis der ARK in EMARK 1998 Nr. 31 
S. 260 f.).

7.3 Im  Wiedererwägungsgesuch  wird  geltend  gemacht,  der  Sohn 
C._______ leide an einer Anpassungsstörung (ICD-10: F43) auf dem 
Hintergrund  einer  posttraumatischen  Belastungsstörung  (ICD-10: 
F43.1).  Im  Rahmen  des  Beschwerdeverfahrens  stellte  Dr.  med. 
G._______ im ärztlichen Bericht  vom 14. Februar 2007 eine weitere 
Diagnose:  Hyperkinetische  Störung  des  Sozialverhaltens  bei 
fehlenden sozialen Bindungen (ICD-10: F91.1). Zur Behandlung führte 
der  Arzt  aus,  seit  Oktober  2006  bis  auf  weiteres  (lange  Planung) 
werde  C._______  im  F._______  therapiert,  wobei  die  „Therapie 
multipler  Systeme“,  eine  bewährte  Variante  der  Systemtherapie 
angewendet  werde.  Bei  einer  lang  anhaltenden  Therapie  (mehrere 
Jahre) könne eine günstige Prognose gestellt  werden. Weiter wird in 
mehreren Eingaben an das Bundesverwaltungsgericht auf die positive 
Entwicklung  von  C._______  hingewiesen.  Schliesslich  wird  geltend 
gemacht, C._______ habe keinen Kontakt mehr zu seiner Mutter und 
ein Wegweisungsvollzug sei mit dem Kindeswohl nicht vereinbar. 

7.4 Aufgrund der Akten ergibt  sich,  dass die Beschwerdeführerin  im 
Jahre  1993  in  die  Schweiz  einreiste  und  den  damals  einjährigen 
C._______  beim  Vater  im  Heimatland  zurückliess.  Rund  fünf  Jahre 
später  liess  die  Beschwerdeführerin  C._______  in  die  Schweiz 
nachkommen.  Zu  diesem  Zeitpunkt  war  C._______  demanch 
sechsjährig  und  kannte  seine  Mutter  nicht.  Im  Jahre  1999  wurde 
C._______  eingeschult.  Im  September  2000  wurde  er  wegen 
auffälligen  Verhaltens  in  der  Primarschule  beim  H._______ 
angemeldet.  Im  Dezember  2000  erfolge  eine  kinder-  und 
jugendpsychiatrische  Abklärung  und  es  wurde  eine  Psychotherapie 
angeordnet.  Bis  November  2003  konnte  durch  die  therapeutische 
Begleitung  eine  gewisse  Stabilität  erreicht  werden.  Eine 
weitergehende  kind-  und  jugendpsychiatrische  Behandlung  wurde 
damals  dringend  empfohlen.  Nach  einiger  Zeit  zeigte  C._______ 
erneut  ein  auffälliges  Verhalten  (unentschuldigte  Schulabsenzen, 
Unterrichtsstörungen, kleine Diebstähle). Zudem war die Beschwerde-
führerin mit der Erziehung ihres Sohnes überfordert. Als Folge davon 
wurde C._______ zunächst im I._______ und danach aufgrund seiner 
positiven Entwicklung im J._______ platziert. Erneut  stellte  sich  das 
alte  Verhalten  wieder  ein.  Um  einer  Verwahrlosung  vorzubeugen, 
wurde C._______ am 7. April 2006 in die Geschlossene Abteilung des 

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E._______  eingewiesen. Am 30. Juni 2006 erfolgte der Übertritt in die 
offene Abteilung des E._______. Am 24. Oktober 2006 trat C._______ 
in  die  F._______,  Systemisches  Schul-  und  Therapieheim  in 
K._______ ein. Zum Konzept des F._______ gehört als integraler Be-
standteil  eine  Partnerfamilie.  Dabei  handelt  es  sich  um  Bauernhof-
plätze, die den Jugendlichen neben den Lernfeldern von Schule und 
Gruppe  ein  zusätzliches  milieupädagogisches  Angebot  bieten. 
C._______  lebt  einerseits  im  F._______,  andererseits  bei  seiner 
Partnerfamilie. 

7.5 In  der  aktuellen  Standortbestimmung der  F._______ vom 5. Mai 
2008 wird ausgeführt, seit dem Eintritt ins F._______ habe C._______ 
keinen Kontakt  mehr  zu seiner  Mutter. Im F._______ und bei  seiner 
Partnerfamilie  habe  er  eine  neue  Heimat  gefunden.  Bei  der 
Partnerfamilie  arbeite  C._______  motiviert  und  mit  grossem 
Engagement mit  und sei ein Mitglied der Familie geworden. Er habe 
bisher eine „sehr gute Entwicklung“ gemacht, namentlich sei es nie zu 
abweichenden  Verhaltensweisen  gekommen.  Zum  Verhalten  wird 
ausgeführt,  C._______  sei  gegenüber  Erwachsenen  grundsätzlich 
höflich,  respektvoll  und gehe offen auf  sie  zu. Die  Anwesenheit  von 
Erwachsenen gebe ihm im Alltag die nötige Struktur  und Sicherheit, 
die  er  brauche,  um  den  Verführungen  anderer  Jugendlicher 
widerstehen  zu  können.  Eine  positive  Eigenschaft  sei  seine 
Aufmerksamkeit  und  Dankbarkeit  im  Alltag.  Von  der  Jugend-
lichengruppe  in  F._______  sei  er  akzeptiert  und  respektiert.  In  der 
Schule arbeite  er  gegenwärtig  am Stoff  der  8. Klasse auf  Niveau C 
und  werde  ein  weiteres  Schuljahr  benötigen,  um  seine  schulischen 
Lücken zu schliessen. An seinen schulfreien Nachmittagen arbeite er 
in  einem  Malerbetrieb  und  möchte  nach  dem  Schulabschluss  eine 
Malerlehre  beginnen.  In  der  Freizeit  spiele  C._______  in  einem 
Fussballclub in der Nähe des F._______s. Als Fazit wird festgehalten, 
C._______  lasse  sich  im  Rahmen  des  F._______s  gut  führen  und 
arbeite  konstruktiv  mit. Seine fröhliche und offene Art  mache ihn zu 
einem  sympathischen  Jugendlichen,  mit  welchem  gerne 
zusammengearbeitet  werde.  Er  habe  sich  sowohl  im  F._______  als 
auch in der Partnerfamilie gut angepasst und integriert. Er  zeige ein 
grosses Mass an Bereitschaft, fortlaufend an sich zu arbeiten, um ein 
vollwertiges  Mitglied  in  unserer  Gesellschaft  zu  werden.  C._______ 
habe seine Chance gepackt, in seinem Leben etwas zu verändern und 
eine  realistische  Perspektive  zu  entwickeln.  Er  habe  absolut  keinen 
Bezug zu seinem Herkunftsland und fühle sich in der Schweiz daheim.

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7.6 Aufgrund  der  vorstehenden  Ausführungen  ergibt  sich,  dass 
C._______ im Alter von sechs Jahren in die Schweiz kam und heute 
16-jährig  ist. Er  lebt  von seiner Mutter, der Beschwerdeführerin, und 
Schwester  getrennt  im  F._______  und  bei  seiner  Partnerfamilie. 
C._______  hat  demnach  seine  gesamte  bisherige  schulische 
Ausbildung  hier  durchlaufen,  steht  heute  vor  Abschluss  der 
obligatorischen  Schulpflicht  und  damit  vor  massgebenden  weiteren 
beruflichen  Entscheidungen.   Aufgrund  seiner  langjährigen 
Anwesenheit in der Schweiz hat er die deutsche und schweizerische 
Sprache erlernt und sich durch seine Lebensumgebung zusehends an 
die  schweizerische  Lebensweise  assimiliert.  Insbesondere  wurde  er 
durch  das  hiesige  soziale  und  kulturelle  Umfeld  wesentlich  geprägt. 
Sein Lebensweg in der Schweiz war indes während längerer Zeit von 
zahlreichen  Schwierigkeiten  gekennzeichnet.  Dank  den  hier 
bestehenden Sozialstrukturen erhielt C._______ die Möglichkeit, sein 
Leben in den Griff zu bekommen. Wie den ausführlichen und in jeder 
Hinsicht  überzeugenden Ausführungen der F._______ zu entnehmen 
ist,  hat  C._______ die ihm gebotenen Chancen genutzt  und sich zu 
einem  sympathischen,  anständigen  Jugendlichen  entwickelt.  Heute 
lebt er gut integriert  einerseits im F._______, andererseits bei seiner 
Partnerfamilie, bei welcher er zu einem Mitglied der Familie geworden 
ist. Sein persönliches Beziehungsumfeld besteht demnach einzig hier 
in der Schweiz. Demgegenüber hat C._______ keinen einzigen Bezug 
zu seinem Herkunftsland. Er hat auch keinen Kontakt mehr mit seiner 
hier in der Schweiz lebenden Schwester und Mutter, deren Sprache er 
nicht  einmal  spricht.  Er  ist  faktisch  wie  ein  Waisenkind.  Gemäss 
seinem persönlichen Schreiben gefällt es C._______ hier, fühlt er sich 
wohl  und  plant  er  seine  berufliche  Zukunft.  Vor  diesem Hintergrund 
würde ein Vollzug der Wegweisung in  eine völlig  fremde Kultur  eine 
vollkommene Entwurzelung sowie  einen Kulturschock für  C._______ 
bedeuten, ein Umstand, der mit dem Schutzanliegen des Kindeswohls 
in  keiner  Weise  zu  vereinbaren  wäre.  Dieser  Schluss  wird  insoweit 
durch  den  Bericht  von  Dr.  med.  G._______  vom  19.  April  2008 
bestätigt, als ein Herausnehmen des sich in der Pubertät und damit in 
einer besonders sensiblen Lebensphase befindenden C._______ aus 
den heutigen Strukturen für diesen katastrophale Auswirkungen haben 
würde.  In  Würdigung  der  vorstehenden  Ausführungen  gelangt  das 
Bundesverwaltungsgericht  zum  Schluss,  dass  sich  der  Vollzug  der 
Wegweisung von C._______ in sein Heimatland als nicht zumutbar im 
Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG erweist. C._______ ist  in der Schweiz 
vorläufig aufzunehmen. 

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7.7 Gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG ist beim Vollzug der Wegweisung der 
Grundsatz der Einheit der Familie zu berücksichtigen. Dies würde vor-
liegend  bedeuten,  dass  die  Beschwerdeführerin  und  die  Schwester 
von C._______ ebenfalls in  die vorläufige Aufnahme von C._______ 
miteinbezogen würden. 

Im aktuellen Bericht der F._______ wird ausgeführt, C._______ habe 
keinen Kontakt mehr zu seiner Mutter und seiner Schwester. Die Be-
schwerdeführerin habe zunächst kurz versucht, Kontakt aufzunehmen, 
dieses  Vorhaben  jedoch  sehr  schnell  wieder  eingestellt.  C._______ 
selbst habe keinen Kontakt gesucht. Dabei spiele der Umstand, dass 
die  Beschwerdeführerin  nur  Französisch  spreche  eine  Rolle. 
Wesentlich  sei  aber  vielmehr,  dass  C._______  aus  der  Sicht  seiner 
Mutter vom Teufel besessen sei, weil er in einem Erziehungsheim sei 
und früher Diebstähle begangen  habe. 

Vorliegend steht fest, dass C._______ bis ins Alter von sechs Jahren 
keinen Kontakt zu seiner Mutter hatte. Nach seiner damaligen Einreise 
in  die  Schweiz  konnte  C._______  nie  eine  altersentsprechende 
Beziehung zu seiner Mutter aufbauen, dies letztlich auch deshalb, weil 
die  Beschwerdeführerin  mit  der  Erziehung  ihres  Sohnes  überfordert 
war. Seit  mehr  als  eineinhalb  Jahren haben die  Beschwerdeführerin 
und C._______ keinen Kontakt mehr miteinander. Bei dieser Sachlage 
besteht  nach  Ansicht  des  Bundesverwaltungsgerichts  keine 
Veranlassung,  die  Beschwerdeführerin  und  die  Schwester  von 
C._______  gestützt  auf  Art.  44  Abs.  2  AsylG  in  dessen  vorläufige 
Aufnahme mit einzubeziehen.  

8.
8.1 Die  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und Möglichkeit  des  Vollzugs  der 
Wegweisung (Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 AuG) sind grundsätz-
lich von Amtes wegen zu prüfen. Diese  Untersuchungspflicht findet in-
des  nach  Treu und  Glauben  ihre  Grenzen an  der  Mitwirkungspflicht 
des Asylgesuchstellers (Art. 8 AsylG).  

8.2 Das  vorliegende  Wiedererwägungsgesuch  wurde  im  Oktober 
2004, mithin vor über dreieinhalb Jahren eingereicht. Das Gesuch wur-
de damals vorweg mit der gesundheitlichen Situation von C._______ 
begründet. Darüber hinaus wurde auf die speziell schwierige Situation 
von  alleinstehenden  Frauen  mit  Kindern  bei  einer  Rückkehr  nach 
Angola hingewiesen. Namentlich habe die Beschwerdeführerin  keine 
familiären  Bindungen  im  Heimatland  und  würde  daher  in  eine 

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existenzbedrohende Lage gelangen. Zwar steht  vorliegend nach wie 
vor nicht fest, welche Staatsangehörigkeit die Beschwerdeführerin hat, 
indes  ist  darauf  nicht  weiter  einzugehen.  Denn,  sind  von  einem 
allfälligen Wegweisungsvollzug Kinder betroffen, so bildet im Rahmen 
der  Zumutbarkeitsprüfung  das  Kindeswohl  einen  Gesichtspunkt  von 
gewichtiger Bedeutung (vgl. ausführlich  Ziff. 7.2 vorstehend).

8.2.1 Die Beschwerdeführerin ist Ende Mai 1993 in die Schweiz ein-
reiste. Am 4. Juni 1993 gebar sie hier ihre Tochter B._______, welche 
heute  15-jährig  ist.  B._______  hat  demnach  ihr  ganzes  bisheriges 
Leben  in  der  Schweiz  verbracht,  insbesondere  hat  sie  auch  ihre 
gesamte  bisherige  schulische  Ausbildung  hier  durchlaufen.  In 
Anbetracht ihres Alters ist auch davon anzunehmen, dass sie in rund 
einem Jahr vor Abschluss der obligatorischen Schulpflicht und somit 
vor ersten wesentlichen beruflichen Entscheidungen steht. Vor diesem 
Hintergrund  ist  davon  auszugehen,  dass  B._______  mit  der 
Einschulung hier in der Schweiz die schweizerdeutsche und deutsche 
Sprache  erlernt  hat  und  sich  zusehends  an  die  schweizerische 
Lebensweise assimiliert hat beziehungsweise insbesondere durch den 
Besuch der Schule in erheblichem Mass durch das hiesige kulturelle 
und soziale Umfeld geprägt worden ist. Es ist auch davon auszugehen, 
dass  sie  während  dieser  langen  Zeit  ein  eigenes  persönliches 
Beziehungsnetz geschaffen hat. Hinzu kommt, dass B._______ kaum 
Kontakte  zu  anderen  gleichaltrigen  jungen  Menschen  in  ihrem 
Herkunftsland hat und insbesondere mit der dortigen Lebensweise und 
Kultur  in  keiner  Weise  vertraut  ist.  Angesichts  dessen  wäre  eine 
Integration im Herkunftsland ihrer Mutter in höchstem Mass in Frage 
gestellt. Bei dieser Sachlage besteht für B._______ somit die konkrete 
Gefahr,  dass  die  mit  einem  Vollzug  der  Wegweisung  verbundene 
Entwurzelung aus dem gewachsenen sozialen Umfeld in der Schweiz 
einerseits  und  die  sich  gleichzeitig  abzeichnende  Problematik  einer 
Integration  in  die  ihr  grundsätzlich  fremde Kultur  und Umgebung  im 
Herkunftsland  ihrer  Mutter  andererseits,  zu  starken  Belastungen  in 
ihrer weiteren Entwicklung führen würden, die mit dem Schutzanliegen 
des Kindeswohls nicht zu vereinbaren wären.

8.2.2 In Würdigung der vorstehenden Ausführungen gelangt das Bun-
desverwaltungsgericht  zum Schluss,  dass sich der Vollzug der Weg-
weisung von B._______ in den Herkunftsstaat der Mutter als nicht zu-
mutbar  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  4  AuG  erweist.  B._______  ist 
demnach  zufolge  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  in  der 

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Schweiz  vorläufig  aufzunehmen.  Unter  Berücksichtigung  des 
Anspruchs  auf  Einheit  der  Familie  (Art.  44  Abs.  1  AsylG)  ist  die 
Beschwerdeführerin  -  als  ihre  Mutter  -  ebenfalls in  der  Schweiz 
vorläufig aufzunehmen, zumal sich aus den Akten keine Hinweise auf 
das Vorliegen von Ausschlussgründen im Sinne von Art. 83 Abs. 7 AuG 
ergeben. Die Beschwerdeführerin  wurde zwar mit  Strafbefehl vom 5. 
Dezember  2003  wegen  mehrfachen  Widerhandlungen  gegen  das 
Transportgesetz,  begangen vom 26. April  bis  2. Juni  2003,  zu  einer 
Busse  von  Fr.  60.--  verurteilt.  Allein  dieses  Vergehen  stellt 
offensichtlich keinen Ausschlussgrund dar.

8.3 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, die Verfü-
gung des BFF vom 9. November 2004 wiedererwägungsweise aufzu-
heben und das BFM anzuweisen, einerseits C._______ - unabhängig 
vom  Aufenthaltsstatus  seiner  Mutter,  der  Beschwerdeführerin  - 
andererseits  die  Beschwerdeführerin  mit  ihrer  Tochter  B._______  in 
der Schweiz vorläufig aufzunehmen. 

8.4 Die drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Weg-
weisung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit, Unmöglichkeit) sind alterna-
tiver Natur: Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der Weg-
weisung als undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwesen-
heit  in  der  Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die  vorläufige 
Aufnahme zu regeln (vgl. die weiterhin zutreffende Praxis der ARK in 
EMARK 2006 Nr. 6 E 4.2). Gegen eine allfällige Aufhebung der vorläu-
figen Aufnahme durch die Vorinstanz steht den (ab- und weggewiese-
nen)  Asylsuchenden  wiederum  die  Beschwerde  an  das  Bundesver-
waltungsgericht offen (vgl. Art. 105 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 44 Abs. 2 
AsylG),  wobei  in  jenem Verfahren sämtliche vier  Vollzugshindernisse 
von Amtes wegen nach Massgabe der dannzumal herrschenden Ver-
hältnisse  (vgl.  die  weiterhin  zutreffende  Praxis  der  ARK  in  EMARK 
1997 Nr. 27 S. 205 ff.) von neuem zu prüfen sind.

9.
9.1 Mit Zwischenverfügung vom 27. Dezember 2006 hiess der damals 
zuständige  Instruktionsrichter  der  ARK  das  Gesuch  um  Gewährung 
der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gut. 
Demnach sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

9.2 Mit  derselben  Zwischenverfügung  hiess  der  Instruktionsrichter 
auch das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung gemäss Art. 65 
Abs. 2 VwVG gut.

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Der amtliche Anwalt, Rechtsanwalt Guido Ehrler, weist in seiner Kos-
tennote vom 30. April 2008 ein Honorar in der Höhe von Fr. 2'785.40 
aus. Herr lic. iur. Johan Göttel macht in seiner Rechnung vom 14. Mai 
2008 eine Parteientschädigung von Fr. 700.-- geltend. 

In Anwendung von Art. 8, 9 und 11 des Reglements vom 21. Februar 
2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesver-
waltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  VGKE  sind  beide  Honorar-
noten als angemessen zu bezeichnen. 

Dem amtlich eingesetzten Anwalt,  Rechtsanwalt  Guido Ehrler,  ist  im 
Sinne einer Parteientschädigung vom BFM ein amtliches Honorar von 
Fr. 2'785.40 (inkl. Auslagen und MWSt) zu entrichten. Zusätzlich wird 
das BFM angewiesen,  der Beschwerdeführerin  eine Parteientschädi-
gung von Fr. 700.-- (inkl. Spesenpauschale) auszurichten. 

(Dispositiv: nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Das  BFM  wird  angewiesen,  C._______  -  unanhängig  vom  Aufent-
haltsstatus der Beschwerdeführerin -  in der Schweiz vorläufig aufzu-
nehmen.

3.
Das  BFM  wird  angewiesen,  in  teilweiser  Wiedererwägung  der  Ver-
fügung vom 30. Juni  1994,  die Beschwerdeführerin  und ihre Tochter 
B._______ in der Schweiz vorläufig aufzunehmen.

4.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

5.
Dem amtlichen Anwalt,  Rechtsanwalt  Guido Ehrler, ist  vom BFM ein 
amtliches Honorar von Fr. 2'785.40 (inkl. Ausalgen und MWSt) auszu-
richten.

6.
Das BFM wird  angewiesen,  der  Beschwerdeführerin  zusätzlich  eine 
Parteientschädigung von Fr. 700.-- (inkl. Auslagen) auszurichten.

7.
Dieses Urteil geht an: 
- die Vertreter der Beschwerdeführerin (2 Ex., Einschreiben)
- das  BFM,  Abteilung  Aufenthalt  und  Rückkehrförderung,  mit  den 

Akten Ref.-Nr. N_______ (per Kurier; in Kopie)
- die Beiständin von C._______ , L._______ (in Kopie)
- das D._______ (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Kurt Gysi Barbara Balmelli 

Versand:

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