# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 63a98608-c0bb-5989-b05b-6a064a94b82e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2016-03-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.03.2016 E-3014/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3014-2014_2016-03-01.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-3014/2014 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 .  M ä r z  2 0 1 6  

Besetzung 
 Richterin Esther Marti (Vorsitz),  

Richterin Christa Luterbacher, Richter Markus König,    

Gerichtsschreiberin Tu-Binh Tschan. 

   

Parteien 

 
1. A._______, geboren (…), dessen Ehefrau 

2. B._______, geboren (…), der Sohn der Ehefrau 

3. C._______, geboren (…), und die Nichte der Ehefrau 

4. D._______, geboren (…), 

alle Äthiopien, 

p.A. Schweizerische Botschaft in Khartum (Sudan) 

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  

Verfügung des BFM vom 6. November 2013 / N (…). 

E-3014/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer 1 ersuchte mit an die Schweizer Vertretung in 

Khartum (Sudan) gerichtetem, handschriftlich in englischer Sprache 

abgefasstem, Schreiben vom 28. März 2011 sinngemäss um Bewilligung 

der Einreise in die Schweiz und Gewährung von Asyl für sich, seine 

Ehefrau (Beschwerdeführerin 2), seinen Stiefsohn (Beschwerdeführer 3) 

und die Nichte der Ehefrau (Beschwerdeführerin 4). Dem Schreiben 

beigelegt war eine an den "Commissioner for Refugees Office (CRO)" ge-

richtete Bestätigung des UNHCR Khartum ("United Nations High 

Commissioner for Refugees") vom 14. Dezember 2008, wonach der 

Beschwerdeführer als Flüchtling anerkannt sei und die derzeitige 

Familienkonstellation die oben genannten Personen umfasse.  

B.  

Dem Beschwerdeführer 1 wurde vom damaligen BFM mittels Zwischenver-

fügung vom 9. Juli 2013 mitgeteilt, die Schweizer Botschaft in Khartum 

habe mit Schreiben vom 23. März 2010 darüber informiert, dass ab 

Sommer 2009 das Arbeitsvolumen namentlich im konsularischen Bereich 

stark zugenommen habe. Die grosse eritreische und äthiopische Diaspora 

im Sudan und die Anzahl der täglich neu eingereichten Asylgesuche lasse 

dieses Volumen zusätzlich ansteigen. Deshalb sei die Schweizer Botschaft 

aufgrund des begrenzten Personalbestandes sowie fehlender 

Voraussetzungen im sicherheitstechnischen und räumlichen Bereich nicht 

mehr in der Lage, Befragungen von Asylsuchenden durchzuführen. Dem 

BFM erscheine die Begründung der Schweizer Botschaft zum Verzicht auf 

eine Befragung überzeugend; das vom Beschwerdeführer 1 eingereichte 

schriftliche Asylgesuch lasse indes noch einige Fragen offen, die im 

Rahmen der Sachverhaltsabklärung schriftlich zu beantworten seien. Er 

wurde deshalb darum ersucht, einen detaillierten Fragenkatalog zu 

beantworten und erhielt gleichzeitig die Gelegenheit, sich zu einer 

allfälligen Ablehnung des Asylgesuches und der Verweigerung der Einreise 

in die Schweiz zu äussern.  

Gleichzeitg wurde festgestellt, dass die Ehefrau (Beschwerdeführerin 2) 

bisher noch keine ihr zurechenbare Willensäusserung kundgetan habe, mit 

der sie zu erkennen gegeben hätte, dass sie die Schweiz wegen einer 

asylrelvanten Verfolgung um Schutz durch Asyl ersuche. Somit habe sie 

kein im Sinne der Rechtsprechung zulässiges Asylgesuch gestellt (mit 

Hinweis auf BVGE 2011/39). Dieser Mangel könne geheilt werden, indem 

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Seite 3 

sie eine unterzeichnete Willensäusserung sowie eine umfassende Begrün-

dung ihres Asylgesuches mittels Beantwortung des detaillierten 

Fragenkataloges einreiche. 

C.  

Das Ehepaar beantwortete und unterzeichnete den Fragekatalog mit 

Schreiben vom 28. August 2013 – Eingang bei der Schweizer Vertretung 

am 2. September 2013 – je einzeln, vollständig und präzis.  

Zur Begründung des Asylgesuchs brachte der Beschwerdeführer 1 vor, 

dass er in Äthiopien geboren sei. Dort habe er elf Jahre Schule absolviert. 

Er habe danach in Eritrea gelebt, wo er als Zivilarbeiter für eine (…) 

gearbeitet habe. Nach Ausbruch des äthiopisch-eritreischen Krieges im 

Jahr (…) sei er von eritreischen Behörden aufgrund seiner äthiopischen 

Nationalität verhaftet worden. Er sei von Juni bis Dezember (…) in Haft 

gewesen. Sofort nach seiner Haftentlassung sei er am (…) nach Äthiopien 

deportiert worden. Die äthiopischen Behörden hätten ihn verdächtigt, dass 

er Mitglied des Derg-Regimes (von 1974 bis 1991 in Äthiopien herrschende 

Militärjunta) gewesen sei. Er sei überwacht und befragt worden und habe 

keine Arbeitserlaubnis erhalten. Vom 3. April (…) bis am 30. Mai (…) und 

vom Juni (…) bwz. (…) bis im September (…) bzw. (…) sei er im Gefängnis 

seines Heimatsortes inhaftiert gewesen. Im Juli (…) habe er aufgrund der 

Verdächtigungen und Inhaftierungen beschlossen, Äthiopien zu verlassen, 

und sei auf dem Landweg in den Sudan gereist. Dort habe er sich nicht in 

ein UNHCR-Flüchtlingslager begeben, weil er sich vor einer Deportation 

beziehungsweise Entführung gefürchtet habe, sonderen sei direkt nach 

Khartum gegangen. In Khartum habe er sich beim UNHCR gemeldet und 

den Flüchtlingsstatus erhalten.  

Auch die Beschwerdefüherin 2 sei in Äthiopien geboren. Ihre Mutter sei 

eritreischstämmig, ihr Vater äthiopischer Herkunft. Im Jahr 1987 habe sie 

Äthiopien verlassen und sei aus ökonomischen Gründen nach Asmara 

(Eritrea) gegangen. Sie habe dort während fünf Jahren bei verschiedenen 

Familien als Hausangestellte gearbeitet. Die politischen Umwälzungen im 

Jahr 1991 (unter anderem der Sturz des Derg-Regimes und die Bildung 

des Staates Erirtrea) hätten dazu geführt, dass sie aufgrund ihrer Herkunft 

väterlicherseits von den neu etablierten eritreischen Behörden diskriminiert 

beziehungsweise für zwei Monate inhaftiert worden sei. Danach hätten die 

ertreischen Behörden angekündigt, sie werde nach Äthiopien deportiert. 

Sie habe befürchtet, dort wegen ihrer Herkunft mütterlicherseits verfolgt zu 

werden, weshalb sie im Mai 1992 bzw. 1994 in den Sudan geflüchtet sei. 

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Seite 4 

Sie sei direkt nach Khartum gefahren und habe sich dort als Flüchtling 

registrieren lassen. Im Jahr 2007 habe sie den Beschwerdeführer 

geheiratet.  

Das Ehepaar lebe zusammen mit dem Sohn des Ehemannes (E._______, 

geboren am […]) und dem Sohn (Beschwerdeführer 3) sowie der Nichte 

(Beschwerdeführerin 4) der Ehefrau in Khartum.  

Gemäss den übereinstimmenden Ausführungen des Ehepaares sei das 

Leben in Khartum schwierig. Sie würden dort über keinen legalen 

Aufenthaltsstatus verfügen, der es ihnen erlauben würde, zu reisen, zu 

studieren oder zu arbeiten. Die sudanesische Polizei habe sie bereits 

mehrmals verhaftet, Geld von ihnen verlangt und ihnen mit der Deportation 

nach Äthiopien gedroht. Gelegentlich arbeite der Ehemann als Tagelöhner. 

Die Ehefrau machte zudem geltend, es sei ihnen nur erlaubt, in einem 

Flüchtlingslager zu leben, wo häufig Entführungen durch Mitglieder der 

Rashaida geschehen würden. Sie versuche, Tee herzustellen und auf der 

Strasse zu verkaufen, laufe aber dabei immer Gefahr, von der Polizei 

aufgegriffen zu werden.  

In der Schweiz lebe eine Bekannte von ihnen. Deren Tochter sei das 

Patenkind der Ehefrau.  

D.  

Das damalige BFM verweigerte den Beschwerdeführenden mit Verfügung 

vom 6. November 2013 die Einreise in die Schweiz und lehnte ihr 

Asylgesuch ab. Diese Verfügung wurde ihnen am 14. April 2014 durch die 

Schweizer Vertretung in Khartum eröffnet.  

E.  

Mit in englischer Sprache abgefasster Eingabe vom 14. Mai 2014 wurde 

dagegen Beschwerde erhoben. Das Rechtsmittel ging gleichentags bei der 

Schweizer Vertretung in Khartum ein, welche sie an das Bundesverwal-

tungsgericht weiterleitete. Darin beantragte der Beschwerdeführer 1 

sinngemäss, dass die angefochtene Verfügung aufzuheben, ihm und 

seiner Familie die Einreise in die Schweiz zu bewilligen und ihr Asylgesuch 

gutzuheissen sei.  

F.  

Am 28. Mai 2015 liess sich die Vorinstanz vernehmen. Dazu nahm der Be-

schwerdeführer 1 in der am 30. Juni 2015 bei der Schweizer Vertretung 

eingegangenen Replik Stellung. 

E-3014/2014 

Seite 5 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.1 Die Beschwerde wurde in englischer Sprache und somit nicht in einer 

Amtssprache des Bundes abgefasst. Auf die Ansetzung einer Frist zur Be-

schwerdeverbesserung oder auf die Einholung einer Übersetzung kann in-

dessen aus prozessökonomischen Gründen praxisgemäss verzichtet wer-

den, zumal der Eingabe der Beschwerdeführenden genügend klare, sinn-

gemässe Rechtsbegehren sowie deren Begründung zu entnehmen sind 

und ohne Weiteres darüber befunden werden kann.  

1.2 Die Beschwerde ist fristgerecht und in der Form akzeptiert eingereicht. 

Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-

nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und 

haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise 

Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert 

(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 

VwVG). Auf die Beschwerde ist nach dem Gesagten einzutreten. 

2.  

Gestützt auf Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG ergeht der vorlie-

gende Entscheid in deutscher Sprache. 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (Zur Kognition im 

Auslandverfahren vgl. BVGE 2015/2).  

 

 

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Seite 6 

4.  

4.1 Die Möglichkeit, im Ausland ein Asylgesuch bei einer Schweizer Ver-

tretung zu stellen, ist mit Wirkung ab 29. September 2012 aufgehoben wor-

den, wobei für Asylgesuche, die vor dem Inkrafttreten gestellt worden sind 

– was vorliegend der Fall ist –, die Art. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 in 

der bisherigen Fassung des Gesetzes (alt AsylG) gelten (Übergangsbestim-

mung zur Änderung vom 28. September 2012; AS 2012 5359).  

 

4.2 Gemäss aArt. 19 Abs. 1 AsylG konnte ein Asylgesuch im Ausland bei 

einer Schweizer Vertretung gestellt werden, welche es mit einem Bericht 

an das BFM zu überweisen hatte (aArt. 20 Abs. 1 AsylG). Die Schweizer 

Vertretung hatte mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befra-

gung durchzuführen (aArt. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 über Verfahrens-

fragen [AsylV 1, SR 142.311]) und, wenn dies nicht möglich war, wurde die 

asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ihre Asylgründe 

schriftlich festzuhalten (aArt. 10 Abs. 2 AsylV 1). Eine persönliche Befra-

gung oder schriftliche Sachverhaltsabklärung konnte sich indes erübrigen, 

wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten Asylgesuchs er-

stellt war, wobei jedoch bei einem sich abzeichnenden negativen Entscheid 

der asylsuchenden Person diesbezüglich das rechtliche Gehör zu gewäh-

ren war und das BFM den Verzicht auf eine Befragung zu begründen hatte 

(vgl. BVGE 2007/30 E. 5).  

4.3 Das damalige BFM begründete in seiner Zwischenverfügung vom 

9. Juli 2013 den Verzicht auf eine Befragung und forderte das Ehepaar im 

Hinblick auf die vollständige Erfassung des Sachverhaltes zur Beantwor-

tung eines detaillierten Fragenkataloges – welcher Hinweise auf die Ent-

scheidgrundlage der Vorinstanz lieferte – auf. Gleichzeitig erteilte es ihnen 

im Hinblick auf die allfällige negative Beurteilung des Asylgesuchs und der 

Einreisebewilligung die Gelegenheit zur Stellungnahme. Die Vorinstanz hat 

damit den verfahrensrechtlichen Anforderungen Genüge getan.  

5.  

Das BFM kann ein vor dem 1. Oktober 2012 im Ausland gestelltes Asylge-

such ablehnen, wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft 

machen oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann 

(Art. 3 und Art. 7 AsylG, aArt. 52 Abs. 2 AsylG). Es kann den Asylsuchen-

den gemäss aArt. 20 Abs. 2 AsylG die Einreise zur Abklärung des Sach-

verhalts bewilligen, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im Wohn-

sitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszurei-

http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/30

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Seite 7 

sen. Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Voraus-

setzungen. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinn von Art. 3 AsylG 

sind mit Blick auf den Ausschlussgrund von aArt. 52 Abs. 2 AsylG nament-

lich die Beziehungsnähe zur Schweiz und zu anderen Staaten, die Mög-

lichkeit und objektive Zumutbarkeit einer anderweitigen Schutzsuche sowie 

die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in 

Betracht zu ziehen. Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilli-

gung ist die Schutzbedürftigkeit der betreffenden Person, mithin die Prü-

fung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinn von Art. 3 AsylG glaubhaft 

gemacht wird und ob ihr der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der 

Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann (vgl. BGVE 2011/10 E. 3.3 

S. 126). 

6.  

6.1 Einleitend wurde in der angefochtenen Verfügung vom SEM 

ausgeführt, der Sohn des Beschwerdeführers 1 sei im Asylgesuch vom 

28. März 2011 nicht erwähnt worden, weshalb für diesen kein Asylgesuch 

vorliege. 

Zur Begründung in Bezug auf die von den Beschwerdeführenden geltend 

gemachten Bedrohungen seitens der eritreischen beziehungsweise äthio-

pischen Behörden – die jeweiligen Inhaftierungen des Ehepaares und die 

drohende (Ehefrau) beziehungsweise die erfolgte Deportation des Ehe-

mannes von Eritrea nach Äthiopien – führte das damalige BFM aus, diese 

würden auf ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den Behörden schlies-

sen lassen. 

Einer allfälligen Asylgewährung durch die Schweiz stehe indes der Asyl-

ausschlussgrund von aArt. 52 Abs. 2 AsylG entgegen, da es den Be-

schwerdeführenden nicht gelungen sei, in ihren Stellungnahmen konkrete 

Anhaltspunkte für die Annahme, dass ihnen ein weiterer Verbleib im Sudan 

nicht zumutbar oder möglich wäre, zu liefern. Diesbezüglich sei festzustel-

len, dass Flüchtlinge im Sudan, welche – wie die Beschwerdeführenden – 

vom UNHCR registriert worden seien, einem Flüchtlingslager zugeteilt wor-

den seien, wo sie sich aufzuhalten hätten und die nötige Versorgung erhal-

ten würden. Sie würden im Sudan nicht über ein freies Aufenthaltsrecht 

verfügen. Es sei den Beschwerdeführenden deshalb zuzumuten, sich beim 

UNHCR zu melden, sollte die Situation tatsächlich kritisch sein. Zudem 

wurde ihre Befürchtung, vom Sudan nach Äthiopien zurückgeschafft zu 

werden, als unbegründet bezeichnet, da gemäss gesicherten Erkenntnis-

sen das Risiko einer Deportation oder Verschleppung für Äthiopier, die im 

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Sudan vom UNHCR als Flüchtling anerkannt seien, allgemein gering sei 

und ein erhöhtes Risiko auch nicht durch das vorgetragene Profil der Be-

schwerdeführenden objektiv begründet werden könne. Ferner sei Khartum 

– der derzeitige Aufenthaltsort der Beschwerdeführenden im Sudan – für 

eritreische und äthiopische Flüchtlinge gewiss nicht einfach. Aus ihren An-

gaben gehe indes hervor, dass die Beschwerdeführerin 2 seit 1992 und der 

Beschwerdeführer 1 seit 2002 in Khartum leben würden. Angesichts dieser 

längeren Aufenthalte, während deren den Beschwerdeführenden keine 

einreiserelevanten Nachteile widerfahren seien, seien die Hürden für eine 

zumutbare Existenz dort für sie nicht unüberwindbar, auch wenn sie sich 

nicht frei bewegen könnten und es somit schwierig sei, eine Arbeit zu fin-

den. Eine schwierige Lebenssituation und insoweit humanitäre Überlegun-

gen würden keine Gründe für die Bewilligung der Einreise in die Schweiz 

darstellen. Überdies lebe im Sudan eine grosse eritreische und äthiopische 

Diaspora, die in Not geratenen Landsleuten beistehe und weitgehend Un-

terstützung biete.  

Schliesslich lebe gemäss den Akten lediglich eine Bekannte der Ehefrau in 

der Schweiz. Obwohl die Beschwerdeführenden damit über einen Anknüp-

fungspunkt zur Schweiz verfügen würden, sei dieser nicht derart gewichtig, 

als dass eine Abwägung der Gesamtumstände im Sinne von aArt. 52 

Abs. 2 AsylG dazu führen müsste, dass es gerade die Schweiz sei, die den 

erforderlichen Schutz gewähren soll. Alleine die Anwesenheit einer Be-

kannten bedeute noch keine enge Bindung an die Schweiz in dem Sinne, 

dass aArt. 52 Abs. 2 AsylG nicht zur Anwendung kommen würde. Aufgrund 

dessen sei im Fall der Beschwerdeführenden keine besondere Bezie-

hungsnähe zur Schweiz gegeben, welche die vorangegangenen Feststel-

lungen umzustossen vermöchten.  

Nach dem Gesagten sei sowohl das Asylgesuch als auch der Einreisean-

trag abzulehnen.  

6.2 Dem hielten die Beschwerdeführenden in ihrer Beschwerde vorab ent-

gegen, dass Flüchtlingslager keine geeigneten Orte zum Leben seien, da 

es dort kein sauberes Trinkwasser und keine sichere Unterbringung gebe, 

so dass die Flüchtlinge nicht geschützt seien vor Krankheiten oder dem 

rauen Klima. Der monatlich vom UNDP ("United Nations Development Pro-

gramm") verteilte Weizen und das Öl würden nicht genügen, um das Über-

leben zu sichern. Zudem seien die Flüchtlinge in den Lagern der Gefahr 

von Entführungen durch sowohl eritreische als auch äthiopische Geheim-

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agenten und die Rashaida ausgesetzt. Im letzteren Fall würden sie gefol-

tert und vergewaltigt und, falls das geforderte Lösegeld nicht gezahlt 

werde, getötet; den Opfern würden anschliessend Organe entnommen. 

Aufgrund dieser Umstände hätten viele Flüchtlinge die Lager verlassen. 

Die Beschwerdeführenden hätten sich zudem beim UNHCR in Khartum 

registriert, weshalb sie keinem Flüchtlingslager zugeteilt worden seien, und 

hätten deshalb auch keine Unterbringung oder Unterstützung vom UNHCR 

erhalten. Weiter wiederholten die Beschwerdeführenden in ihrer Rechts-

mitteleingabe die bereits geschilderten Ausreisegründe (vgl. Prozessge-

schichte Bst. C oben). Neu wurde zudem geltend gemacht, dass der Be-

schwerdeführer 1 am (…) um zwei Uhr Nachts unterwegs gewesen sei, als 

er einen Telefonanruf von seiner Frau erhalten habe, wonach drei unbe-

kannte ("unknown") Personen bei ihnen zu Hause eingedrungen seien, die 

Ehefrau geschlagen und nach dem Beschwerdeführer 1 gefragt hätten. Er 

habe diesen Vorfall am nächsten Morgen der örtlichen Polizei gemeldet, 

welche ihn indes an den UNHCR verwiesen habe. Daraufhin sei er mit 

Schreiben vom 7. Oktober 2010 an den UNHCR gelangt, allerdings habe 

auch dieser nie reagiert. Als Beleg dieses Vorbringens wurde die Kopie des 

an den UNHCR gerichteten Schreibens eingereicht. 

6.3 In der Vernehmlassung vom 28. Mai 2015 führte die Vorinstanz aus, 

die Beschwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder 

Beweismittel, welche eine Änderung ihres Standpunktes rechtfertigten. Be-

züglich dem neu auf Beschwerdeebene vorgebrachten Vorfall wies das 

SEM darauf hin, dass der Beschwerdeführer 1 diesen weder im Asylgesuch 

vom 10. April 2011 noch im Antwortschreiben vom 28. August 2013 

erwähnt habe. Es gehe deshalb davon aus, dass die Bedrohung durch 

diese unbekannten Personen mangels hinreichender Intensität nicht als 

ernsthafter Nachteil im Sinne von Art. 3 AsylG qualifiziert werden könne. 

Betreffend die Vorbringen zur Sicherheitslage in den UNHCR-

Flüchtlingslagern hielt das SEM fest, dass gemäss dem UNHCR die 

Sicherheitsvorkehrungen seit geraumer Zeit verstärkt worden seien (vgl. 

dazu insbesondere die UNHCR-Mitteilung vom 25. Januar 2013: "UNHCR 

concern at refugee kidnappings, disappearances in eastern Sudan"). 

Zudem sei der Zugang zu den Lagern für nicht dort residierende Personen 

stark beschränkt worden, was verhindere, dass unbefugte Personen dort 

"ihr Ungemach treiben" könnten. Auch verfügten die Lager über 

Polizeiposten, welche sich um die Sicherheit bemühen würden. Es sei den 

Beschwerdeführenden daher zuzumuten, beim UNHCR um Schutz zu 

ersuchen und sich gegebenenfalls in ein Flüchtlingslager zu begeben, 

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Seite 10 

sollte ihre Situation in Khartum kritisch sein. Die Lager würden zudem über 

medizinische Versorgung und ein Schulangebot für Kinder verfügen.  

6.4 Darauf replizierten die Beschwerdeführenden dahingegehend, dass sie 

Äthiopier seien und sich zurzeit in Khartum aufhalten würden, wo ihr Leben 

und ihre Freiheit in ständiger Bedrohung seien. Da die Situation in den 

Flüchtlingslagern betreffend sowohl die Versorgung der Grundbedürfnisse 

als auch die Gewährung von Sicherheit derart prekär sei, seien die meisten 

Flüchtlinge – so auch die Beschwerdeführenden – gezwungen, für eine 

relative Verbesserung ihrer Lebensumstände nach Khartum zu ziehen. So 

hätte auch der Beschwerdeführer 1 dem Flüchtlingslager Shegerab 

zugeteilt werden sollen, aus Angst vor Entführung sei er indes direkt nach 

Khartum gegangen und habe sich dort als Flüchtling registrieren lassen. 

Schliesslich folgten diesselben Ausführungen, wie sie bereits im 

erstinstanzlichen Asylverfahren wie auch auf Beschwerdeebene 

vorgebracht worden sind, namentlich zur schwierigen Lebenssituation für 

eritreische und äthiopische Flüchtlinge im Sudan im Allgemeinen (vgl. 

Prozessgeschichte Bst. C und Erwägung 6.2).  

7.  

7.1 Vorab stellt das Bundesverwaltungsgericht fest, dass die Vorinstanz in 

ihrer abweisenden Verfügung im Ergebnis zu Recht den Sohn des Be-

schwerdeführers 1 nicht in das vorliegend zu beurteilende Asylverfahren 

miteinbezog. Dieser war nämlich sowohl im Zeitpunkt der Asylgesuchstel-

lung (28. März 2011) als auch der ersten Erwähnung (vgl. Stellungnahme 

des Ehepaars vom 28. August 2013) bereits volljährig, weshalb der 

Beschwerdeführer 1 für seinen Sohn zu keinem Zeitpunkt ein Asylgesuch 

in Stellvertretung einreichen konnte (vgl. BVGE 2011/39). 

7.2 Das Bundesverwaltungsgericht sieht sich des Weiteren nach Würdi-

gung der gesamten Aktenlage nicht dazu veranlasst, die Frage einer 

akuten Gefährdung der Beschwerdeführenden anders zu beurteilen als die 

Vorinstanz.  

Es ist festzustellen, dass gemäss ständiger Rechtsprechung bei Asylgesu-

chen aus einem Drittstaat in jedem Einzelfall stets eine Abwägung zwi-

schen der Zumutbarkeit der Zufluchtnahme in diesem oder einem allfälli-

gen anderen Land (z.B. der Schweiz) vorzunehmen ist, wobei die Bezie-

hungsnähe zur Schweiz ein gewichtiges Kriterium bildet.  

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Seite 11 

Weder die Vorinstanz noch das Gericht verkennen die äusserst schwierige 

Lebenssituation, in welcher sich die Beschwerdeführenden im Sudan be-

finden. Indes halten diese den Erwägungen der Vorinstanz zur Zumutbar-

keit des Verbleibs im Sudan und des vorliegend als gering eingeschätzten 

Risikos einer Deportation oder Verschleppung nach Äthiopien oder durch 

die Rashaida in ihrer Beschwerdeschrift lediglich dieselben Argumente wie 

in ihrem Asylgesuch entgegen, namentlich dass insbesondere die Gefahr 

von Entführungen aus den Flüchtlingslagern bekanntermassen gross sei. 

Den vorinstanzlichen Ausführungen in der Vernehmlassung betreffend die 

vom UNHCR vorgenommenen Verbesserungen der Sicherheitslage wird 

sodann entgegnet, dass die Situation in Khartum, so "prekär" sie auch sei, 

immer noch "relativ besser" als in den Flüchtlingslagern sei. Dazu wird in-

des ausschliesslich auf Berichte zur allgemein schlechten Lage für eritrei-

sche und äthiopische Flüchtlinge im Sudan verwiesen, ohne Bezugnahme 

auf ihre eigene Situation. Somit sind diese Vorbringen offensichtlich weder 

genügend substantiiert vorgetragen noch in genügender Art und Weise be-

legt. Ein Vorbringen, welches allenfalls als konkrete Gefährdung der Be-

schwerdeführenden betrachtet werden könnte, stellt der auf Beschwerde-

ebene vorgetragene Vorfall vom (…) dar, welchen der Beschwerdeführer 1 

sowohl bei der Polizei als auch beim UNHCR gemeldet haben will, ohne 

dass diese Anzeigen Folgen gezeitigt hätten. Dazu führt die Vorinstanz in 

ihrer Vernehmlassung zwar unpräzis aus, der Beschwerdeführer 1 habe 

diesen Vorfall im vorinstanzlichen Verfahren nicht erwähnt, folglich sei 

mangels Intensität der "Bedrohung" kein einreiserelevanter Nachteil im 

Sinne von Art. 3 AsylG festzustellen. Wenn schon, hätte die Vorinstanz in 

konsequenter Weiterführung ihres Argumentariums das Vorbringen als 

nachgeschoben und deshalb unglaubhaft qualifizieren können. Im Ergeb-

nis gelangt indes auch das Gericht zum Schluss, dass der geschilderte 

Vorfall, auch unter der Annahme, er sei so geschehen, die Anforderungen 

an eine Gefährdung gemäss Art. 3 AsylG nicht erfüllt. So können weder 

den Ausführungen in der Beschwerdeschrift noch dem in Kopie eingereich-

ten Schreiben ans UNHCR Informationen zur Täterschaft und zu den Mo-

tiven der Personen, welche ihn gesucht hätten, entnommen werden.  

Des Weiteren ist festzustellen, dass die Beschwerdeführenden den vor-

instanzlichen Erwägungen zur Zumutbarkeit der Inanspruchnahme von Hil-

feleistungen des UNHCR beziehungsweise zur Möglichkeit der Registrie-

rung in einem Flüchtlingslager lediglich entgegnen, die Lage in den Flücht-

lingslagern sei noch prekärer als ihre derzeitige Lebenssituation in Khar-

tum. Somit genügen diese Vorbringen nicht, um die vorinstanzliche Fest-

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Seite 12 

stellung der Zumutbarkeit des Verbleibs im Sudan zu widerlegen, insbe-

sondere da den Beschwerdeführenden – wie oben festgestellt – die Mög-

lichkeit offensteht, sich beim UNHCR zu melden, um sich dort Unterstüt-

zung zu holen beziehungsweise sich in ein Flüchtlingslager zuteilen zu las-

sen und sich dann dorthin zu begeben. Die Beschwerdeführenden ver-

mochten somit den zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zur Zumut-

barkeit ihres Verbleibs im Sudan keine substantiierten Begründungen ent-

gegenzuhalten, das heisst es ist ihnen nicht gelungen darzulegen, weshalb 

ihnen der Verbleib im Sudan nicht zuzumuten ist.  

Überdies verfügen die Beschwerdeführenden – wie vom damaligen BFM 

zu Recht erkannt – offensichtlich über keine besonders nahe Beziehung zur 

Schweiz. Im vorinstanzlichen Verfahren wird eine nahe Bekannte ("friend") er-

wähnt, deren Tochter das Patenkind der Ehefrau sei, deren Anwesenheit in 

der Schweiz gemäss der Vorinstanz indes nicht genüge, damit ein gewichtiger 

Anknüpfungspunkt zur Schweiz geschaffen würde. Diesem Argument wird auf 

Beschwerdeebene nichts entgegengehalten. Somit führt auch eine Abwä-

gung der Gesamtumstände im Sinne von aArt. 52 Abs. 2 AsylG nicht zur 

Feststellung, es müsse gerade die Schweiz sein, die den erforderlichen 

Schutz gewährt.  

7.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden 

über keine genügende Beziehungsnähe zur Schweiz, jedoch über die fak-

tische und zumutbare Möglichkeit eines anderweitigen Schutzersuchens 

verfügen. Nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichts ist es ihnen zuzu-

muten, im Sudan, einem Eritrea geographisch und kulturell näher liegen-

den afrikanischen Land, um Schutz nachzusuchen beziehungsweise dort 

zu verbleiben (vgl. dazu aArt. 52 Abs. 2 AsylG).  

8.  

8.1 Unter diesen Umständen hat das damalige BFM den Beschwerdefüh-

renden zu Recht die Erteilung der Einreisebewilligung verweigert und ihr 

Asylgesuch abgelehnt. 

8.2 Den Beschwerdeführenden ist es somit nicht gelungen darzutun, inwie-

fern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt oder den rechtserheb-

lichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 

AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist. 

 

E-3014/2014 

Seite 13 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde-

führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1-3 des Regle-

ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]), aus verwaltungs-

ökonomischen Gründen ist indessen von einer Kostenauflage abzusehen 

(vgl. Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 6 Bst. b VGKE). 

  

E-3014/2014 

Seite 14 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die Schwei-

zer Vertretung in Khartum. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Esther Marti Tu-Binh Tschan