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**Case Identifier:** ca83c1e2-e1f0-518e-8d02-b5288fd41cf4
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-12-01
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 01.12.2022 200 2022 500
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2022-500_2022-12-01.pdf

## Full Text

200 22 500 IV
ACT/SCM/WSI

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 1. Dezember 2022

Verwaltungsrichter Ackermann, Kammerpräsident
Verwaltungsrichterin Mauerhofer, Verwaltungsrichter Knapp
Gerichtsschreiberin Schädeli

A.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 29. Juni 2022

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Dez. 2022, IV/22/500, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1967 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) 
meldete sich im Juli 2013 unter Hinweis auf eine Depression und Ess-
störung erstmals bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum 
Leistungsbezug an (Akten der IV, Antwortbeilage [AB] 1). Am 30. April 
2015 (AB 87) bzw. 6. Mai 2015 (AB 88) verfügte die IV-Stelle Bern (IVB 
bzw. Beschwerdegegnerin) die Abweisung des Leistungsbegehrens. Auf 
zwei Neuanmeldungen zum Leistungsbezug vom September 2015 (AB 93) 
und August 2017 (AB 132) hin verfügte die IVB am 19. Juli 2016 (AB 116) 
den Abschluss der zunächst gewährten (AB 106) beruflichen Massnahmen 
(vgl. auch AB 112) und am 28. März 2017 (AB 127) sowie am 24. Oktober 
2017 (AB 142) die Renten- bzw. Leistungsablehnung mittels Nichteintre-
tens. 

Nach Eingang eines neuen Leistungsbegehrens vom Juni 2018 (AB 146) 
zog die IVB unter anderem das polydisziplinäre Gutachten der MEDAS 
B.________ (B.________ bzw. MEDAS) vom 28. April 2022 (AB 257.1; 
samt Teilgutachten [AB 257.3-257.5]) bei und wies das Leistungsgesuch 
nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens (AB 259) mit Verfügung 
vom 29. Juni 2022 (AB 262) mangels eines Gesundheitsschadens mit inva-
lidisierender Wirkung ab.

B.

Hiergegen erhob die Versicherte am 30. August 2022 Beschwerde. Sie 
beantragt die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die Zuspra-
che von IV-Leistungen, insbesondere einer Invalidenrente. Gleichzeitig 
stellt sie ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege.

Mit Beschwerdeantwort vom 20. September 2022 schliesst die Beschwer-
degegnerin auf Abweisung der Beschwerde. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Dez. 2022, IV/22/500, Seite 3

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversi-
cherungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 29. Juni 2022 
(AB 262). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf IV-Leistungen.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist 
an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen vom 19. Juni 2020 des 
IVG (Weiterentwicklung der IV) und weiterer Erlasse (insbesondere des 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Dez. 2022, IV/22/500, Seite 4

ATSG) in Kraft getreten (AS 2021 705). In zeitlicher Hinsicht sind – vor-
behältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen – grundsätzlich 
diejenigen Rechtssätze massgeblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu 
ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben 
(BGE 146 V 364 E. 7.1 S. 370, 144 V 210 E. 4.3.1 S. 213). Zwar datiert die 
angefochtene Verfügung vom 29. Juni 2022 (AB 262), indessen liegt der 
Zeitpunkt der potentiellen Entstehung des Rentenanspruchs mit Blick auf 
die Neuanmeldung vom Juni 2018 (AB 146) vor dem 1. Januar 2022 (vgl. 
Art. 28 Abs. 1 lit. b und Art. 29 Abs. 1 IVG), weshalb die Bestimmungen des 
IVG und diejenigen der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invali-
denversicherung (IVV, SR 831.201) in der bis 31. Dezember 2021 gültigen 
Fassung (fortan: aArt.) massgebend sind (vgl. auch Rz. 9100 f. des Kreis-
schreibens des Bundesamts für Sozialversicherungen [BSV] über Invalidität 
und Rente in der Invalidenversicherung [KSIR]; zur Bedeutung von Verwal-
tungsweisungen vgl. BGE 147 V 79 E. 7.3.2 S. 82, 146 V 224 E. 4.4.2 
S. 228).

2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar-
beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge-
glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 
teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-
keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).

2.3 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden kön-
nen auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. 
Art. 7 ATSG). 

Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist noch nicht gesagt, dass 
dieser auch invalidisierenden Charakter hat. Ob dies zutrifft, beurteilt sich 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Dez. 2022, IV/22/500, Seite 5

gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach dem Einfluss, den der Gesund-
heitsschaden auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit hat. Entscheidend ist, 
ob der versicherten Person wegen des geklagten Leidens nicht mehr zu-
mutbar ist, ganz oder teilweise zu arbeiten. Deshalb gilt eine objektivierte 
Zumutbarkeitsprüfung unter ausschliesslicher Berücksichtigung von Folgen 
der gesundheitlichen Beeinträchtigung (BGE 142 V 106 E. 4.4 S. 110). Die 
Sachverständigen sollen die Diagnose so begründen, dass die Rechtsan-
wender nachvollziehen können, ob die klassifikatorischen Vorgaben 
tatsächlich eingehalten sind (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 141 V 281 
E. 2.1.1 S. 285). Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung erfolgt die 
Prüfung, ob ein psychischer Gesundheitsschaden eine rentenbegründende 
Invalidität zu bewirken vermag, schliesslich anhand eines strukturierten 
normativen Prüfungsrasters (BGE 143 V 418 E. 7 S. 427, 141 V 281 E. 4.1 
S. 296). Dies gilt für sämtliche psychischen Störungen (BGE 143 V 418 
E. 7.2 S. 429).

2.4

2.4.1 Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades 
bereits einmal verweigert, so wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn 
die versicherte Person glaubhaft macht, dass sich der Grad der Invalidität 
in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 2 
und 3 IVV). Dies gilt analog, wenn die versicherte Person nach vorausge-
gangener rechtskräftiger Ablehnung erneut eine Eingliederungsmassnah-
me beantragt (BGE 113 V 22 E. 3b S. 27; ZAK 1991 S. 262 E. 1a). Erheb-
lich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der 
Anspruch auf eine Invalidenrente (oder deren Erhöhung) sei begründet, 
falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten 
(SVR 2014 IV Nr. 33 S. 121 E. 2).

2.4.2 Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung oder das Revisions-
gesuch ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu verge-
wissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Verände-
rung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist. Stellt sie fest, 
dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung 
keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andern-
falls hat sie zusätzlich noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Dez. 2022, IV/22/500, Seite 6

genügt, um nunmehr eine rentenbegründende (bzw. anspruchsrelevant 
höhere) Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Be-
schwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Ge-
richt (BGE 117 V 198 E. 3a S. 198; SVR 2008 IV Nr. 35 S. 117 E. 2.1).

Liegt eine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist der Rentenan-
spruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter Berück-
sichtigung des gesamten für die Leistungsberechtigung ausschlaggeben-
den Tatsachenspektrums neu und ohne Bindung an frühere Invaliditäts-
schätzungen zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11, 117 V 198 E. 4b S. 200; 
SVR 2021 IV Nr. 36 S. 110 E. 3.1).

2.4.3 Ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den Invali-
ditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt sich im Neuan-
meldungsverfahren – analog zur Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG 
– durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der letzten mate-
riellen Beurteilung und rechtskräftigen Ablehnung bestanden hat, mit 
demjenigen zur Zeit der streitigen neuen Verfügung (BGE 133 V 108 E. 5.3 
S. 112; 130 V 71 E. 3.2.3 S. 77; AHI 1999 S. 84 E. 1b).

2.5 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2021 IV 
Nr. 54 S. 181 E. 2.3).

3.

3.1 Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung vom Juni 
2018 (AB 146) eingetreten, weshalb die Eintretensfrage praxisgemäss nicht 
zu überprüfen ist (BGE 109 V 108 E. 2b S. 114). Indes ist durch einen Ver-

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gleich des Sachverhalts im Zeitpunkt der leistungsabweisenden Verfügung 
vom 6. Mai 2015 (AB 88) mit demjenigen bei Erlass der nunmehr angefoch-
tenen Verfügung vom 29. Juni 2022 (AB 262) zu prüfen, ob in den tatsäch-
lichen Verhältnissen eine wesentliche Änderung eingetreten ist, die geeig-
net ist, den Invaliditätsgrad in anspruchsbegründender Weise zu beeinflus-
sen (vgl. E. 2.4.2 hiervor). Es kann offenbleiben, ob Vergleichszeitpunkt 
allenfalls die Verfügung vom 28. März 2017 (AB 127) bildet, welche eine 
Leistungsverweigerung wegen nicht erfüllter Mitwirkungspflicht beinhaltete 
(mit der Folge, dass die nun erfolgte Mitwirkung Neuanmeldungsgrund wä-
re [vgl. Entscheid des Bundesgerichts {BGer} vom 22. März 2022, 
8C_404/2021, E. 5.2.1]), da dies am Ergebnis nichts ändert (E. 3.6 hier-
nach). Revisionsrechtlich nicht massgebend ist jedenfalls die Verfügung 
vom 24. Oktober 2017 (AB 142), da damals ein Nichteintreten, mithin keine 
materielle Beurteilung, erfolgte (vgl. E. 2.4.3 hiervor).

3.2 Zur Zeit der leistungsabweisenden Verfügung vom 6. Mai 2015 
(AB 88) präsentierte sich der medizinische Sachverhalt hauptsächlich wie 
folgt: Nach einer psychiatrischen Untersuchung durch den Regionalen Ärzt-
lichen Dienst (RAD) vom 16. Januar 2014 (AB 38), einer erfolgten Arbeits-
marktlichen Abklärung (AMA; AB 70) sowie einer weiteren psychiatrischen 
RAD-Stellungnahme vom 23. Juli 2014 (AB 58) hielt die RAD-Ärztin Dr. 
med. C.________, Fachärztin für Arbeitsmedizin und praktische Ärztin, in 
der medizinischen Dokumentation zur AMA vom 6. August 2014 nachste-
hende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (AB 63/3):

• rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert, ICD-10 F33.4
• Status nach Essattacken bei anderen psychischen Störungen ICD-10 

F50.4, Binge-Eating Symptomatik, gegenwärtig remittiert
• Status nach zweimaligem Suizidversuch (02/2012, 04/2013) 
• akzentuierte perfektionistische Persönlichkeitszüge ICD-10 Z73.1

Die angestammte Tätigkeit als ... sei weiterhin zumutbar, wobei die Be-
schwerdeführerin in einem Bereich eingesetzt werden sollte, in dem es 
nicht um ... oder ... gehe, in dem kein hoher Anspruch bestehe, Schönheits-
idealen gerecht zu werden, und aufgrund der durchlaufenen Essstörung 
ohne Einsatz im Bereich von Lebensmitteln. Die Beschwerdeführerin brau-
che ein wertschätzendes Umfeld, es müsse darauf geachtet werden, dass 
sie sich aufgrund ihrer eigenen hohen Ansprüche an sich selbst nicht über-
fordere, da sonst die Gefahr einer erneuten depressiven Dekompensation 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Dez. 2022, IV/22/500, Seite 8

mit suizidalen Krisen und erneutem Auftreten einer Essstörung bestehe. 
Alle Arbeiten mit einer hohen emotionalen Belastung und Stress seien wei-
terhin nicht zumutbar, daher seien auch Tätigkeiten im sozialen Bereich 
nicht geeignet. Die funktionellen Einschränkungen wirkten sich in unter-
schiedlichen Arbeitsbereichen gleichartig aus. Ein Ganztagespensum sei 
weiterhin medizinisch-theoretisch zumutbar (AB 63/5). 

3.3 Der angefochtenen Verfügung vom 29. Juni 2022 (AB 262) lag in 
medizinischer Hinsicht im Wesentlichen das MEDAS-Gutachten vom 
28. April 2022 (AB 257.1) samt Teilgutachten (AB 257.3-257.5) zugrunde. 
Nach Untersuchungen im internistischen, neurologischen und psychiatri-
schen Fachbereich stellten die Expertinnen im Rahmen der interdiszi-
plinären Gesamtbeurteilung die folgenden Diagnosen (AB 257.1/6 Ziff. 4.2):

Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
• Rezidivierende depressive Störung, derzeit remittiert (ICD-10 F33.4)

Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
• Episodische Migräne ohne Aura
• Anamnestisch radikuläre Schmerzen und sensible Reizsymptomatik L5 

links (November 2020) bei degenerativen Veränderungen der LWS
• Binge-Eating-Disorder, derzeit remittiert (ICD-10 F50.9)
• Metabolisch assoziierte Fettlebererkrankung (MASLD)
• Metabolisches Syndrom
• Makrozytose und Hyperchromie
• Folsäuremangel
• Vitamin D-Mangel
• Verdacht auf Food Protein Induced Enterocolitis Syndrom auf Muscheln 

und Crevetten

Die Arbeitsfähigkeit betrage seit dem Jahr 2012 sowohl in der bisherigen 
wie auch in einer angepassten Tätigkeit 50 % (4.25 Stunden ohne Leis-
tungsminderung), wobei während der folgenden Zeiträume jeweils im 
Rahmen der stationären bzw. teilstationären Behandlungen eine 100%ige 
Arbeitsunfähigkeit bestanden habe: vom 22. bis 26. Februar 2012, vom 
22. April bis 27. Mai 2013, vom 29. Mai bis 2. Oktober 2013, vom 7. Okto-
ber 2013 bis 7. Februar 2014 und vom 21. März bis 10. August 2018. Aus-
serdem sei in der bisherigen Tätigkeit von Oktober 2020 bis Januar 2021 
sowie in einer angepassten Tätigkeit von Dezember 2020 bis März 2021 je 
von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (AB 257.1/8 Ziff. 4.7 
und 4.8). Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit leite sich ausschliesslich 
aus dem psychiatrischen Fachgebiet ab (AB 257.1/8 Ziff. 4.9).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Dez. 2022, IV/22/500, Seite 9

3.4 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, 
dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen 
hat, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden 
hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strit-
tigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einan-
der widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledi-
gen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu-
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht 
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi-
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa-
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag-
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei-
nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag 
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen 
Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 
E. 3a S. 352).

3.5 Das MEDAS-Gutachten vom 28. April 2022 (AB 257.1) samt 
Teilgutachten (AB 257.3-257.5) erfüllt hinsichtlich Befunde und Diagnosen 
die Anforderungen an den Beweiswert einer medizinischen Expertise 
(E. 3.4 hiervor). Die darin enthaltenen Ausführungen und Feststellungen 
beruhen auf eingehenden fachärztlichen Abklärungen und sind in Kenntnis 
der Vorakten sowie unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden 
getroffen worden. Basierend darauf haben die Expertinnen die medizini-
schen Befunde und die zu stellenden Diagnosen nachvollziehbar und ein-
leuchtend dargestellt. Der gutachterlichen Beurteilung kommt insoweit volle 
Beweiskraft zu und es kann grundsätzlich darauf abgestellt werden.

3.5.1 Zwischen den Parteien ist zu Recht unbestritten, dass die Be-
schwerdeführerin aus somatischen Gründen nicht in der Arbeits- und Leis-
tungsfähigkeit eingeschränkt ist (AB 257.1/8 Ziff. 4.9). Schlüssig und nach-
vollziehbar hielten die Gutachterinnen fest, dass den internistischen und 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Dez. 2022, IV/22/500, Seite 10

neurologischen Diagnosen kein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beizumes-
sen ist (AB 257.3/7 Ziff. 6, 257.4/7 Ziff. 6).

3.5.2 In psychischer Hinsicht führte die MEDAS-Expertin nach sorgfäl-
tiger Anamnese- und Befunderhebung (AB 257.5/2 ff. Ziff. 3 f.) samt zu-
sätzlich durchgeführter Testverfahren (AB 257.5/8 f.) einleuchtend und 
nachvollziehbar aus, dass im Gutachtenszeitpunkt ein blander psychopa-
thologischer Befund vorlag (AB 257.5/10). Die Beschwerdeführerin berich-
tete von einer positiven Stimmung, davon, Freude zu empfinden und sich 
für unterschiedliche Dinge zu interessieren; der Antrieb sei nicht reduziert 
und sie könne sich (wieder) relativ gut konzentrieren. Ausserdem nannte 
sie keine Besonderheiten bezüglich Appetit, Essen oder Schlaf 
(AB 257.5/4; vgl. hierzu auch DILLING/MOMBOUR/SCHMIDT/SCHULTE-
MARKWORT [Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer Störungen, 
ICD-10 Kapitel V [F], Diagnostische Kriterien für Forschung und Praxis, 
6. Aufl. 2016, S. 117 f.; DILLING/MOMBOUR/SCHMIDT [Hrsg.], Internationale 
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-
diagnostische Leitlinien, 10. Aufl. 2015, S. 169 ff.). Ebenfalls in schlüssiger 
und nachvollziehbarer Weise führte die MEDAS-Expertin aus, dass im Jahr 
2012 erstmalig eine depressive Episode aufgetreten sei, in welchem Zu-
sammenhang es zu einem ersten und nachfolgend ein halbes bis ein Jahr 
später zu einem zweiten Suizidversuch gekommen sei (AB 257.5/9 Ziff. 6, 
vgl. hierzu AB 13/6, 28/3 Ziff. 1.4, 34/2). Gleichsam zu überzeugen vermag 
die gutachterliche Einschätzung, wonach die aktenanamnestisch im weite-
ren Verlauf diagnostizierten depressiven Episoden jeweils nachvollziehbar 
seien (AB 257.5/10), steht dies doch in Einklang mit den jeweiligen Be-
handlungsunterlagen (vgl. AB 18/1, 25/2, 25/6, 28/2 Ziff. 1.1, 105/1, 156/1, 
208/1). Schliesslich ist auch die von der MEDAS-Expertin gestellte Diagno-
se einer rezidivierenden depressiven Störung, derzeit remittiert (ICD-10 
F33.4; AB 257.5/10), schlüssig dargetan. 

3.5.3 Mit der als einzigen Diagnose «mit Einfluss auf die Arbeitsfähig-
keit» gestellten remittierten depressiven Störung (AB 257.1/6 Ziff. 4.2.1) 
und einem blanden psychopathologischen Befund (AB 257.5/10) liegt kein 
Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (vgl. BGE 
148 V 49) und in der Folge keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vor, da 

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die Invalidität gemäss Art. 4 Abs. 1 IVG Folge eines Gesundheitsschadens 
sein muss. Insoweit besteht von vornherein kein Anspruch auf Leistungen 
der Invalidenversicherung.

3.5.4 Die Gutachterin begründet die von ihr trotz des relativ stabilen 
Befundes attestierte 50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit damit, 
dass die bisher nach psychischen Dekompensationen jeweils eingetrete-
nen Remissionen lediglich phasenweise bestanden hätten und hielt fest, für 
eine erneute Dekompensation scheine jeweils eine vermehrte Belastungs-
situation mit schnellem Überforderungserleben und zu hohen eigenen An-
sprüchen im Rahmen von Arbeitsversuchen verantwortlich zu sein 
(AB 257.5/10, 257.5/12 Ziff. 7.4, 257.5/15). Eine schlüssige Begründung für 
eine medizinische Basis einer allfälligen neuerlichen Dekompensation ist 
nicht ersichtlich. Eingliederungsmassnahmen können gemäss Art. 8 Abs. 1 
IVG zwar auch für von einer Invalidität bedrohte Versicherte in Betracht 
fallen, indessen muss der hierfür vorausgesetzte Eintritt einer Erwerbsun-
fähigkeit (E. 2.2 hiervor) überwiegend wahrscheinlich erstellt sein 
(Art. 1novies IVV; vgl. zum Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich-
keit BGE 144 V 427 E. 3.2 S. 429), was hier nicht der Fall ist, denn gemäss 
den Gutachterinnen "scheint" es allein, dass eine vermehrte Belastungssi-
tuation für eine Dekompensation verantwortlich sei (AB 257.1/7 Ziff. 4.3); 
damit ist jedoch der notwendige Beweisgrad für das Bestehen dieses Um-
standes nicht erreicht. Aus dem gleichen Grund ist nicht mit dem notwendi-
gen Beweisgrad erstellt, dass die Beschwerdeführerin die berufliche Tätig-
keit nur unter der Gefahr, ihren Gesundheitszustand zu verschlimmern, 
verrichten könnte und deshalb als arbeitsunfähig zu gelten hätte (vgl. BGE 
130 V 343 E. 3.1 S. 345; SVR 2021 IV Nr. 47 S. 153 E. 6.1). 

3.6 Zusammenfassend ist das Vorliegen eines invalidisierenden Ge-
sundheitsschadens zu verneinen, womit die Beschwerdeführerin keinen 
Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung hat. Dies gilt auch für 
die Zeit der Hospitalisationen, massgeblich für diejenige des Aufenthaltes 
in den psychiatrischen Diensten D.________ vom 13. Oktober 2020 bis 
19. Januar 2021 (AB 208), war doch das sogenannte Wartejahr als eine 
der Voraussetzungen zur Entstehung eines Rentenanspruchs nicht erfüllt, 
weil die Beschwerdeführerin nicht während eines Jahres ohne wesentli-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. Dez. 2022, IV/22/500, Seite 12

chen Unterbruch durchschnittlich zu mindestens 40 % arbeitsunfähig ge-
wesen war (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG), während Eingliederungsmassnahmen 
nicht rückwirkend gewährt werden können. Die Frage, ob vorliegend der 
Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert 
hat (vgl. E. 2.4.1 hiervor), stellt sich deshalb hier gar nicht. Im Übrigen be-
darf es bei dieser Ausgangslage auch keiner abschliessenden Prüfung an-
hand des strukturierten normativen Prüfungsrasters (vgl. E. 2.3 hiervor). 
Immerhin sei diesbezüglich erwähnt, dass sich erhebliche tägliche Akti-
vitäten finden (vgl. AB 257.3/4, 257.4/4, 257.5/6), die Beschwerdeführerin 
regelmässig ... macht (vgl. AB 257.3/5, 257.4/5, 257.5/6) und diverse Res-
sourcen bestehen (vgl. AB 208/2, 257.3/9 Ziff. 7.4). Zudem liesse sich die 
psychiatrische Therapie – namentlich auch vorbeugend mit dem Ziel des 
frühzeitigen Erkennens und Verhinderns bzw. besseren Bewältigens einer 
drohenden bzw. eingetretenen Überforderungssituation – intensivieren und 
optimieren.

4.

Nach dem Dargelegten ist die angefochtene Verfügung vom 29. Juni 2022 
(AB 262) nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde 
abzuweisen.

5.

5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab-
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule-
gen.

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden entspre-
chend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdeführerin – vorbehält-
lich der Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (vgl. E. 5.3 hiernach) 
– zur Bezahlung auferlegt (Art. 108 Abs. 1 VRPG).

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5.2 Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf eine Par-
teientschädigung (Umkehrschluss aus Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g 
ATSG).

5.3 Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von 
den Kosten- und allfälligen Vorschuss- sowie Sicherstellungspflichten, 
wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechts-
begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 111 Abs. 1 VRPG).

Die Prozessarmut ist ausgewiesen (Beschwerdebeilage [BB] 2). Weiter ist 
die Beschwerde nicht als aussichtslos zu qualifizieren, womit die Voraus-
setzungen für die Erteilung des Rechts auf unentgeltliche Rechtspflege 
betreffend die Verfahrenskosten erfüllt sind. Demnach ist das entsprechen-
de Gesuch gutzuheissen und die Beschwerdeführerin – unter Vorbehalt der 
Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123 der Schweizerischen Zivilprozess-
ordnung vom 19. Dezember 2008 (ZPO; SR 272) – von der Zahlungspflicht 
der Verfahrenskosten (vgl. E. 5.1 hiervor) zu befreien (Art. 113 VRPG).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege betreffend die Verfah-
renskosten wird gutgeheissen.

3. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen 
Rechtspflege wird die Beschwerdeführerin – unter Vorbehalt der Nach-
zahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO – jedoch von der Zahlungspflicht 
befreit.

4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

5. Zu eröffnen (R):

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- A.________
- IV-Stelle Bern  
- Bundesamt für Sozialversicherungen
- Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334, 

3001 Bern

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.