# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c4ffbdef-b05b-5adb-af9d-52b0e3aeeeec
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-04-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.04.2021 E-1202/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1202-2021_2021-04-29.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-1202/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 9 .  A p r i l  2 0 2 1  

Besetzung 
 Einzelrichter David R. Wenger, 

mit Zustimmung von Richter Walter Lang,  

Gerichtsschreiberin Eliane Hochreutener. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

B._______, geboren am (…), 

C._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

alle vertreten durch MLaw Nora Maria Riss,  

Freiplatzaktion Zürich, Rechtsarbeit Asyl und Migration,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 12. Februar 2021 / N (…). 

 

 

 

E-1202/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin ersuchte mit ihrem Ehemann und den Kindern am 

11. November 2015 in der Schweiz um Asyl. Anlässlich der Befragung zur 

Person vom 19. November 2015 führte sie im Wesentlichen aus, sie sei 

ethnische Hazara und Schiitin. Sie sei in D._______, Bezirk E._______, 

aufgewachsen. Mit 13 Jahren habe sie ihren Ehemann kennengelernt. Er 

sei ethnischer Tadschike und Sunnit. Hätte sie als Schiitin in Afghanistan 

einen Sunniten geheiratet, wäre sie gesteinigt worden. Sie seien deshalb 

in den Iran geflohen und hätten dort geheiratet. Ihr Ehemann sei auf ihren 

Wunsch zum Schiitentum übergetreten. Sie hätten zehn Jahre illegal im 

Iran gelebt und seien circa im September 2015 nach Europa geflüchtet. 

Der Ehemann der Beschwerdeführerin bestätigte anlässlich seiner Befra-

gung zur Person vom 19. November 2015 ihre Angaben. 

B.  

Mit Urteil des Bezirksgerichts F._______ vom 14. Juni 2016 wurde die Ehe 

zwischen der Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann getrennt. Die Kin-

der wurden unter die Obhut der Beschwerdeführerin gestellt. 

C.  

Der Ehemann der Beschwerdeführerin erklärte an der morgens durchge-

führten Anhörung vom 27. November 2017, er habe an der Befragung nicht 

die Wahrheit gesagt. Er sei ethnischer Hazara und Schiite. Die Altersanga-

ben seiner Ehefrau und der Kinder würden vermutlich nicht stimmen. Seine 

Ehefrau und ihrer Eltern hätten im Iran gelebt. Er habe sie dort kennenge-

lernt und sie hätten sich verlobt. Nach der Verlobung sei seine Ehefrau mit 

ihren Eltern nach Afghanistan zurückgekehrt. Er sei ihr nachgereist und 

habe sie in Afghanistan geheiratet. Da seine Ehefrau im Iran aufgewach-

sen sei, habe sie sich in Afghanistan nicht in seine Familie integrieren kön-

nen. Zudem habe er keine Arbeit gefunden. Deshalb sei er nach sieben 

Monaten wieder in den Iran zurückgekehrt. Zwei Monate später sei ihm die 

Ehefrau mit ihren Eltern in den Iran gefolgt.  

Die Beschwerdeführerin gab an der nachmittags durchgeführten Anhörung 

vom 27. November 2017 ergänzend an, sie habe im Iran zehn Jahre lang 

unter falschem Namen gelebt, da sie Angst vor ihrer Familie gehabt habe. 

Anlässlich der Befragung habe sie die falsche Identität angegeben. Nun 

wolle sie ihren richtigen Namen offenlegen. Ansonsten würden die Anga-

ben aus der Befragung der Wahrheit entsprechen. Ihr Vater habe sie gegen 

ihren Willen einem Cousin zur Ehefrau versprochen. Der Cousin habe in 

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Pakistan gelebt und sei Witwer mit zwei Kindern gewesen. Dann habe sie 

ihren Ehemann kennengelernt und sei mit ihm in den Iran geflüchtet. Dort 

hätten sie geheiratet. Sie habe die Familienehre beschmutzt, indem sie als 

Schiitin mit einem Sunniten geflüchtet sei und ihn geheiratet habe. Bei ei-

ner Rückkehr würde ihr Vater oder Bruder sie töten, um die Familienehre 

wiederherzustellen. Zudem würde ihr Ehemann sie umbringen, weil sie in 

der Schweiz einen Freund habe und er auf Rache sinne. Konfrontiert mit 

den Angaben ihres Ehemannes bei seiner Anhörung, meinte die Beschwer-

deführerin, ihr Ehemann habe sie geschlagen und mit dem Tod bedroht, 

weil sie einen Freund habe. Er habe sie und die Kinder verloren. Die neue 

Geschichte habe er erfunden, um ihr zu schaden. 

Die Beschwerdeführerin reichte einen Arztbericht vom 22. November 2017 

und den Jahresbericht 2016 "Frauen auf der Flucht", in welchem ihre Ge-

schichte geschildert werde (S. 7–9), ein. 

D.  

Mit Verfügung vom 23. August 2018 (eröffnet am 28. August 2018) stellte 

die Vorinstanz fest, die Beschwerdeführerin und ihre Kinder erfüllten die 

Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte die Asylgesuche ab und verfügte die 

Wegweisung aus der Schweiz, welche aber wegen Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme aufgescho-

ben wurde. 

E.  

Mit Schreiben vom 5. September 2018 stellte die Vorinstanz der Beschwer-

deführerin auf ihr Gesuch hin eine Kopie des Aktenverzeichnisses sowie 

Kopien der gewünschten Akten zu. 

F.  

Mit Eingabe vom 26. September 2018 erhob die Beschwerdeführerin beim 

Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragt, die angefochtene 

Verfügung sei in den Ziffern 1 bis 3 aufzuheben. Das Verfahren sei zwecks 

erneuter materieller Prüfung (inkl. erneuter Anhörung der Beschwerdefüh-

rerin) an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die Flüchtlingsei-

genschaft der Beschwerdeführerin anzuerkennen und ihr Asyl zu gewäh-

ren. Es sei der Beschwerdeführerin die Bezahlung der Verfahrenskosten 

sowie eines Kostenvorschusses infolge Mittellosigkeit zu erlassen. 

Die Beschwerdeführerin reichte eine Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung, 

das Urteil des Bezirksgerichts F._______ vom 14. Juni 2016 betreffend 

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Eheschutz, die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft (…) des Kantons 

G._______ vom 17. November 2016 gegen ihren Ehemann betreffend Dro-

hung et cetera und das Strafurteil des Bezirksgerichts F._______ vom 

8. Juni 2017 betreffend Drohung et cetera, in welchem der Ehemann der 

Tätlichkeit gegenüber der Beschwerdeführerin und den Kindern sowie der 

Sachbeschädigung für schuldig befunden wurde, ein.  

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 16. Oktober 2018 hiess der Instruktionsrichter 

das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gut, verzichtete auf die Er-

hebung eines Kostenvorschusses und gab der Vorinstanz Gelegenheit zur 

Einreichung einer Vernehmlassung. 

H.  

Mit Schreiben vom 19. Oktober 2018 verzichtete die Vorinstanz auf eine 

Vernehmlassung. Am 23. Oktober 2018 wurde das Schreiben der Be-

schwerdeführerin zur Kenntnisnahme zugestellt. 

I.  

Mit Schreiben vom 13. März 2019 reichte die Beschwerdeführerin das Ur-

teil des Bezirksgerichts F._______ vom 21. November 2018 betreffend 

Ehescheidung ein. 

J.  

Das Bundesverwaltungsgericht hiess mit Urteil E-5501/2018 vom 17. Sep-

tember 2020 die Beschwerde der Beschwerdeführerin vom 26. September 

2018 gut, da aus dem Anhörungsprotokoll eine Voreingenommenheit der 

Fachspezialistin hervorgehe, indem sie die Aussagen des Ehemannes der 

Beschwerdeführerin von Beginn an als glaubhaft eingestuft habe. Zudem 

habe die Vorinstanz offensichtlich ihre Pflicht zur Abklärung des rechtser-

heblichen Sachverhalts verletzt. Sie wäre gehalten gewesen, weitere Fra-

gen zu Asylvorbringen der Beschwerdeführerin zu stellen und herauszufin-

den, ob die Angaben der Beschwerdeführerin oder jene ihres Ehemannes 

glaubhaft sind. Eine genauere Abklärung des Sachverhalts dränge sich ins-

besondere auch deshalb auf, weil es entgegen der Ansicht der Vorinstanz 

auch Gründe für die Unglaubhaftigkeit der Angaben des Ehemannes gäbe. 

K.  

Am 29. Oktober 2020 fand die Zweitanhörung der Beschwerdeführerin 

statt. 

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Seite 5 

Die Beschwerdeführerin reichte einen Arztbericht vom 27. Oktober 2020 

sowie den bereits anlässlich der Anhörung vom 27. November 2017 einge-

reichten Arztbericht vom 22. November 2017 zu den Akten.  

L.  

Mit Verfügung vom 12. Februar 2021 (eröffnet am 12. Februar 2021) stellte 

die Vorinstanz fest, die Beschwerdeführerin und ihre Kinder erfüllten die 

Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte die Asylgesuche ab und verfügte die 

Wegweisung aus der Schweiz, welche aber wegen Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme aufgescho-

ben wurde.  

M.  

Mit Eingabe vom 17. März 2021 erhob die Beschwerdeführerin beim Bun-

desverwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragt, die angefochtene Ver-

fügung sei aufzuheben. Die Beschwerdeführerin und ihre Kinder seien als 

Flüchtlinge anzuerkennen und es sei ihnen Asyl zu gewähren. Eventualiter 

seien sie als Flüchtlinge anzuerkennen und als solche vorläufig aufzuneh-

men. Subeventualiter sei die angefochtene Verfügung zu kassieren und zur 

erneuten Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Es seien der 

Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin die von ihr eingereichten Arzt-

berichte zuzustellen und es sei gegebenenfalls eine Nachfrist zu gewähren 

um die Beschwerde nach Einsicht der Berichte zu ergänzen. Es sei auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses sei zu verzichten und die unentgeltli-

che Prozessführung zu gewähren. Der Beschwerdeführerin sei eine unent-

geltliche Rechtsbeiständin in der Person der unterzeichnenden Rechtsver-

treterin zu bestellen.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes vom 

26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende 

Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmun-

gen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 

2.  

Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – 

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endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerdefüh-

rerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert 

(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist 

unter Vorbehalt nachfolgender Erwägung einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 

AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

3.  

3.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht 

(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die 

unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-

halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich begründet und ist im 

Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten 

Richters oder einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weite-

rungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a AsylG). 

4.  

Die Vorinstanz ist entsprechend des Antrags der Beschwerdeführerin an-

zuweisen, die bei der Vorinstanz eingereichten Arztberichte vom 22. No-

vember 2017 und vom 27. Oktober 2020 ihrer Rechtsvertreterin zuzustel-

len. Angesichts dessen, dass die Sache im Sinne der nachfolgenden Er-

wägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen sein wird, ist die Frage der 

Gewährung einer Nachfrist zur Beschwerdeergänzung gegenstandslos ge-

worden. 

5.  

5.1 In der Beschwerde wird eine Verletzung des rechtlichen Gehörs und 

eine unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts ge-

rügt. Dabei handelt es sich um formelle Rügen, welche vorab zu beurteilen 

sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen 

Verfügung zu bewirken. 

5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer 

Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt 

wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 

2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-

hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer 

Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, 

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dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-

nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt 

(vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). 

Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen 

Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet 

einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die 

Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-

ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-

den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-

sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-

SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 

3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 

5.3  

5.3.1 Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. 

Die Beschwerdeführerin habe keine Einsicht in die Verfahrensakten ihres 

Exmannes gehabt. Die Vorinstanz wäre gehalten gewesen, der Beschwer-

deführerin mehr Informationen über den genauen Inhalt der Aussagen ih-

res Exmannes zukommen zu lassen, damit sie sich dazu hätte äussern 

können. 

Anlässlich der Anhörungen hat die Vorinstanz die Beschwerdeführerin mit 

den wichtigsten Aussagen ihres Exmannes konfrontiert. Hinzu kommt, 

dass die durch die Vorinstanz festgestellten Widersprüche bei der Glaub-

haftigkeitsprüfung in der angefochtenen Verfügung nicht auf Aussagen des 

Exmannes der Beschwerdeführerin aufbauen. 

5.3.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Vorinstanz habe sie nicht 

mit den angeblichen zahlreichen Widersprüchen zwischen ihren Aussagen 

zu wesentlichen Elementen ihrer Schilderungen konfrontiert und ihr keine 

Gelegenheit gegeben, sich zu den Widersprüchen zu äussern, weshalb 

eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vorliege. 

Die Vorinstanz beurteilte in ihrer Verfügung die Ausführungen der Be-

schwerdeführerin zu ihrer Verletzung am Kopf durch ihren Vater sowie zur 

Ausreise aus Afghanistan als unglaubhaft. Entgegen der Ansicht der Be-

schwerdeführerin verpflichtet das rechtliche Gehör eine Behörde nicht, ei-

ner Partei die Gelegenheit einzuräumen, sich zu jedem möglichen Ergeb-

nis, das von ihr ins Auge gefasst wird, zu äussern (vgl. PATRICK SUTTER, 

Art. 29 N 15, in: Auer/Müller/Schindler (Hrsg.), Kommentar zum VwVG, 

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2. Aufl. 2019). Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hatte im Rah-

men der Beschwerde zudem Gelegenheit, detailliert und ausführlich zur 

angefochtenen Verfügung Stellung zu nehmen. Dabei hätte es ihr offen ge-

standen, auf allfällige Widersprüche nach Rücksprache mit der Beschwer-

deführerin zurückzukommen. 

5.4  

5.4.1 Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung der vollständigen und 

richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts, indem die  

Vorinstanz sich nicht damit auseinandergesetzt habe, welcher schiitischen 

Glaubensgemeinschaft die Familie der Beschwerdeführerin oder welcher 

sunnitischen Gemeinschaft die Lehrerin der Beschwerdeführerin angehört 

habe. 

Die Vorinstanz beurteilte die Aussagen der Beschwerdeführerin hinsichtlich 

des Koranunterrichts, welchen sie als Schiitin bei einer sunnitischen Leh-

rerin genossen habe, als unglaubhaft, was nicht zu beanstanden ist. Eine 

weitergehende Abklärung hat die Vorinstanz somit als nicht notwendig er-

achtet. Diesbezüglich liegt keine Verletzung der Pflicht zur vollständigen 

Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts vor. 

5.4.2 Auf Beschwerdeebene wird weiter moniert, die Vorinstanz habe den 

Sachverhalt unvollständig festgestellt, indem sie sich in der angefochtenen 

Verfügung nicht zur geschilderten Abkehr der Beschwerdeführerin vom Is-

lam geäussert habe.  

In der angefochtenen Verfügung erwähnt die Vorinstanz an keiner Stelle 

die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Apostasie vom Islam, 

obschon sie im Rahmen der Anhörung hierzu befragt wurde (vgl. A61/21, 

F 130 f.). Diese Vorgehensweise wird in der Beschwerde zu Recht als un-

vollständige Feststellung des Sachverhalts gerügt. Die Frage, ob und in-

wiefern die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Abkehr vom Islam in Afgha-

nistan begründete Furcht vor künftiger Verfolgung hat bedarf einer näheren 

Prüfung und Bewertung im Rahmen einer Gesamtbeurteilung. Die  

Vorinstanz hat es unterlassen, dieses wesentliche Sachverhaltselement 

unter dem Aspekt eines möglichen subjektiven Nachfluchtgrundes in die 

Entscheidfindung einzubeziehen. Falls die Vorinstanz vorliegend zum 

Schluss kommt, dass die Beschwerdeführerin ihre geltend gemachte 

Apostasie glaubhaft dargelegt hat, könnte dies – wie in der Beschwerde 

zutreffend ausgeführt – allenfalls zu einer Bejahung der Flüchtlingseigen-

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Seite 9 

schaft im Sinne von Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG und Art. 1A Ziff. 2 des Ab-

kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30) führen (vgl. Referenzurteil des BVGer D-4952/2014 vom 

23. August 2017). 

6.  

Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz das rechtliche Ge-

hör nicht verletzt hat. In Bezug auf eine Auseinandersetzung der Vorinstanz 

mit der schiitischen und der sunnitischen Glaubensgemeinschaft liegt 

keine Verletzung einer vollständigen Feststellung des rechtserheblichen 

Sachverhalts vor. Hingegen hat die Vorinstanz den rechtserheblichen 

Sachverhalt hinsichtlich der Apostasie der Beschwerdeführerin vom Islam 

ungenügend erfasst. Eine Heilung ist aufgrund der Schwere der Verletzung 

ausgeschlossen. Die Beschwerde ist daher gutzuheissen. Die Verfügung 

vom 12. Februar 2021 ist aufzuheben und die Sache im Sinne der Erwä-

gungen zur vollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts 

und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

7.  

7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).  

7.2 Der vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsiegens in 

Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Es wurde 

keine Honorarnote eingereicht, weshalb die notwendigen Parteikosten auf-

grund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt 

auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) ist 

der Beschwerdeführerin zu Lasten der Vorinstanz eine Parteientschädi-

gung von insgesamt Fr. 1'750.– (inkl. Auslagen) zuzusprechen. Das Ge-

such um Beiordnung ihrer Rechtsvertreterin als unentgeltliche Rechtsbei-

ständin ist damit gegenstandslos geworden. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung der Vorinstanz vom 12. Februar 2021 wird aufgehoben und 

die Sache wird im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vor- 

instanz zurückgewiesen. 

3.  

Die Vorinstanz wird angewiesen, der Rechtsvertreterin der Beschwerde-

führerin die eingereichten Arztberichte zuzustellen. 

4.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

5.  

Der Beschwerdeführerin wird eine Parteientschädigung von Fr. 1'750.– zu-

gesprochen, die ihr durch die Vorinstanz zu entrichten ist. 

6.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän-

dige kantonale Behörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

David R. Wenger Eliane Hochreutener