# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0c16f251-1b30-5dd7-9616-f30c6b6e34f8
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-06-19
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 19.06.2024 SK.2024.9
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_SK-2024-9_2024-06-19.pdf

## Full Text

Urteil vom 19. Juni 2024 
Strafkammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Martin Stupf, Einzelrichter 

Gerichtsschreiber Hanspeter Lukács  

Parteien  BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch den  

Leitenden Staatsanwalt des Bundes Nils Eckmann 

 

und 

als Privatklägerschaft: 

 

1. POST CH AG, Fachteam Untersuchungen 

2. B., Legal & Compliance 

3. C. AG 

 

 
gegen 

  A., amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin Chantal 

Bugnon 

 

 

 

Gegenstand  
Gewerbsmässiger Diebstahl, teilweise versucht be-

gangen; mehrfache Verletzung des Post- und Fern-

meldegeheimnisses 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t  

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

Geschäftsnummer: SK.2024.9 

- 2 - 

SK.2024.9 

Anträge der Bundesanwaltschaft: 

1. A. sei schuldig zu sprechen: 

-  des gewerbsmässigen Diebstahls (Art. 139 Ziff. 1 i.V.m. Ziff. 2 aStGB); 

-  der mehrfachen Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses (Art. 321ter 

StGB). 

 

2.1 A. sei mit einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten zu bestrafen. Der Vollzug der Frei-

heitsstrafe sei unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren aufzuschieben. Die 

ausgestandene Polizeihaft von 1 Tag sei auf die Strafe anzurechnen. 

 

2.2 A. sei mit einer Verbindungsbusse von Fr. 1'000.-- zu bestrafen, bei schuldhaftem 

Nichtbezahlen der Busse ersatzweise mit einer Freiheitsstrafe von 20 Tagen. 

 

3. Der Kanton Zürich sei als Vollzugskanton zu bestimmen (Art. 74 Abs. 2 StBOG 

i.V.m. Art.31 Abs. 1 StPO). 

 

4.1 Die folgenden beschlagnahmten Gegenstände seien A. nach Rechtskraft des Urteils 

zurückzugeben: 

 

Ass-ID Gegenstand  

31842 1 Briefumschlag mit diversen bezahlten Einzahlungsscheinen, Zah-
lungsbestätigungen, einbezahlt auf der Postfiliale U. von A. persön-
lich  

31843 3 Lohnausweise Oktober, November und Dezember 2020 

31844 Diverse Unterlagen von A. 

 

4.2 Die folgenden beschlagnahmten Gegenstände bzw. Datensicherungen seien nach 

Ermessen des Gerichts einzuziehen und als Beweismittel in den Akten zu belassen 

bzw. zu vernichten: 

 

Ass-ID Gegenstand / Aufzeichnung 

31845 Boutique E. Kaufquittung KB-Nr. 7, datierend vom 27.03.2021, 11:54 
Uhr, lautend auf A. 

31846 1 Kauf-/Leasingvertrag 

31847 Gebrauchtes Reinigungspapier, mutmasslich getränkt in Reini-
gungsmittel/Alkoholhaltiges Reinigungsmittel 

100449 Forensische Datensicherung 

100450 Forensische Datensicherung 

100451 Forensische Datensicherung 

100452 Forensische Datensicherung 

 

4.3 Der folgende beschlagnahmte Gegenstand sei einzuziehen und zu verwerten. Der 

Verwertungserlös sei zur Deckung der Verfahrenskosten, Entschädigung und Zivil-

forderung zu verwenden: 

- 3 - 

SK.2024.9 

 

Ass-ID 31850 Armbanduhr Rolex Submariner, Seriennummer 6 

 

5. Über die Zivilklagen sei von Amtes wegen zu befinden. 

 

6. Die Verfahrenskosten seien gerichtlich zu bestimmen und vollumfänglich A. aufzu-

erlegen. 

 

7. Rechtsanwältin Chantal Bugnon sei für die amtliche Verteidigung von A. in gericht-

lich zu bestimmender Höhe aus der Kasse der Eidgenossenschaft zu entschädigen. 

 

 A. sei zu verpflichten, dem Bund die Entschädigung zurückzuzahlen, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

8. Die weiteren Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen. 

Anträge der Privatklägerschaft POST CH AG: 

(sinngemäss, BA pag. 15-01-0003): 

A. sei zu verpflichten, der Post CH AG Fr. 500.-- als Schadenersatz zu bezahlen. 

Anträge der Privatklägerschaft B.: 

(sinngemäss, BA pag. 15-02-0005, TPF pag. 4.552.001): 

A. sei zu verpflichten, der B. Fr. 21'010.-- als Schadenersatz zu bezahlen. 

Anträge der Privatklägerschaft C. AG: 

(sinngemäss, BA pag. 15-08-0015): 

A. sei zu verpflichten, der C. AG Fr. 20'210.-- als Schadenersatz und Fr. 1'500.-- als Ge-

nugtuung zu bezahlen. 

Anträge der Verteidigung: 

1. Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen. 

2.  Die Zivilforderungen seien abzuweisen. 

3.  Die Beschlagnahme des nachfolgenden Gegenstandes sei aufzuheben und der Ge-

genstand sei auf erstes Verlangen dem Beschuldigten auszuhändigen: 

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SK.2024.9 

- Rolex, A015’186’591 

4.  Die Kosten seien ausgangsgemäss auf die Staatskasse zu nehmen und dem Be-

schuldigten sei für die Aufwände der erbetenen Verteidigung eine angemessene 

Prozessentschädigung in der Höhe von mindestens Fr. 1’390.30 zu bezahlen.  

  

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Prozessgeschichte: 

A. Die Staatsanwaltschaft See/Oberland des Kantons Zürich ersuchte die Bundes-

anwaltschaft mit Schreiben vom 12. Juli 2021 um Übernahme eines Strafverfah-

rens gegen A. (nachfolgend: Beschuldigter) wegen mehrfacher Verletzung des 

Post- und Fernmeldegeheimnisses und mehrfachen Diebstahls. Sie führte aus, 

der Beschuldigte werde dringend verdächtigt, als Mitarbeiter der Poststelle U. im 

März 2021 zweimal je den Betrag von Fr. 15'000.-- und im Mai 2021 einmal den 

Betrag von EUR 10'000.-- aus von ihm geöffneten Briefpostsendungen entnom-

men zu haben. Die Staatsanwaltschaft habe gemäss Art. 27 StPO die ersten 

dringlichen Untersuchungshandlungen (Hausdurchsuchungsbefehl, Vorfüh-

rungsbefehl zwecks Erstbefragung, Entsiegelungsbegehren, forensische Unter-

suchung dermatologischer Spuren) durchgeführt. Vergehen gegen das Post- und 

Fernmeldegeheimnis unterstünden der Bundesgerichtsbarkeit (BA 02-00-0001). 

Mit ergänzendem Ersuchen vom 10. August 2021 legte die Staatsanwaltschaft 

See/Oberland dar, dass dem Beschuldigten mittlerweile zwei weitere Fälle von 

Diebstahl (wovon einmal als Versuch) von Bargeld aus von ihm geöffneten Brief-

postsendungen vorgeworfen würden. Es stehe damit eine mehrfache Verletzung 

des Post- und Fernmeldegeheimnisses im Raum; Bundesgerichtsbarkeit dürfte 

gegeben sein (BA 02-00-0005 f.). 

B. Die Bundesanwaltschaft bestätigte der Staatsanwaltschaft See/Oberland am 

24. August 2021 die Übernahme des Strafverfahrens (BA 02-00-0011 f.), worauf 

letztere das Verfahren am 25. August 2021 formell an die Bundesanwaltschaft 

abtrat (BA 02-00-0014). Mit Vereinigungsverfügung der Bundesanwaltschaft vom 

4. September 2023 wurden die Strafverfolgung und die Beurteilung wegen mehr-

fachen Diebstahls (Art. 139 StGB) und mehrfacher Verletzung des Post- und 

Fernmeldegeheimnisses (Art. 321ter StGB) gestützt auf Art. 26 Abs. 2 StPO in der 

Hand der Bundesbehörden vereinigt (BA 02-00-0019 f.). 

C. Am 8. Februar 2024 erhob die Bundesanwaltschaft beim Bundesstrafgericht An-

klage gegen den Beschuldigten wegen gewerbsmässigen Diebstahls, teilweise 

versucht begangen (Art. 139 Ziff. 1 i.V.m. Ziff. 2 [a]StGB, teilweise i.V.m. Art. 22 

Abs. 1 StGB), und mehrfacher Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnis-

ses (Art. 321ter StGB) (TPF 4.100.001 ff.).  

D. Am 22. Mai 2024 fand die Hauptverhandlung vor der Strafkammer des Bun-

desstrafgerichts in Anwesenheit der Bundesanwaltschaft, des Beschuldigten und 

seiner Verteidigerin statt; die Privatklägerschaften verzichteten auf eine Teil-

nahme. Die Parteien verzichteten auf eine mündliche Urteilseröffnung (TPF 

4.720.009). Das Urteil vom 19. Juni 2024 wurde den Parteien im Dispositiv 

schriftlich eröffnet. Der Beschuldigte meldete innert Frist Berufung an. 

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Der Einzelrichter erwägt: 

1. Prozessuales 

1.1 Zuständigkeit 

1.1.1 Das Gericht prüft seine Zuständigkeit von Amtes wegen. Die Anklage lautet auf 

gewerbsmässigen Diebstahl und mehrfache Verletzung des Post- und Fernmel-

degeheimnisses. Nach Art. 22 StPO obliegt die Verfolgung und Beurteilung straf-

barer Handlungen grundsätzlich den Kantonen, soweit sie nicht der Bundesge-

richtsbarkeit unterstehen. Ist in einer Strafsache sowohl Bundes- als auch kanto-

nale Zuständigkeit gegeben, kann die Bundesanwaltschaft die Vereinigung der 

Verfahren in der Hand der Bundesbehörden oder der kantonalen Behörden an-

ordnen (Art. 26 Abs. 2 StPO). Der Bundesgerichtsbarkeit unterstehen unter an-

derem Straftaten des achtzehnten Titels, sofern sie von einem Behördenmitglied 

oder Angestellten des Bundes oder gegen den Bund verübt wurden (Art. 23 

Abs. 1 lit. j StPO). Der Tatbestand der Verletzung des Post- und Fernmeldege-

heimnisses gemäss Art. 321ter Abs. 1 StGB steht im achtzehnten Titel. 

1.1.2 Gemäss Art. 2 des totalrevidierten Bundesgesetzes über die Organisation der 

Schweizerischen Post vom 17. Dezember 2010, in Kraft seit 1. Oktober 2012, 

(Postorganisationsgesetz, POG; SR 783.1) ist die Post eine spezialgesetzliche 

Aktiengesellschaft. In diese Rechtsform wurde sie deswegen überführt, weil da-

mit die Organisation der Post besser auf die spezifischen Bedürfnisse des Bun-

des und dessen öffentliche Interessen an den Aufgaben der Schweizerischen 

Post ausgerichtet werden konnte (HÄNER, in: Biaggini/Häner/Saxer/Schott 

[Hrsg.], Fachbuch Verwaltungsrecht, Zürich/Basel/Genf 2015, N. 28.49). Das 

entsprechende Fachgesetz sieht in Art. 9 Abs. 1 POG denn auch vor, dass das 

Personal der Post privatrechtlich angestellt ist. Postangestellte erfüllen den insti-

tutionellen Beamtenbegriff daher grundsätzlich nicht. Im Bereich der Briefpost bis 

zu 50 Gramm hat aber die Post nach wie vor einen ausschliesslichen Leistungs-

auftrag des Bundes (sog. „reservierter Dienst“; vgl. Art. 18 Abs. 1 des Postgeset-

zes vom 17. Dezember 2010 [PG; SR 783.0]). Angesichts dieses nach wie vor 

vorhandenen Briefmonopols erscheint es plausibel, dass in diesem Bereich keine 

privatrechtliche Aktiengesellschaft gegründet wurde (HÄNER, a.a.O., N. 28.49). 

Die Post CH AG erfüllt indes als verselbständigte Einheit des Bundes in jedem 

Fall öffentliche Aufgaben (vgl. auch Botschaft zum POG, BBl 2009 5265, 5295 

sowie Corporate-Governance Bericht des Bundesrates, BBl 2006 8233, 8242), 

ist doch die Grundversorgung gemäss Art. 92 der Bundesverfassung der Schwei-

zerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) dem Bund vorbe-

halten. Die im Bereich der Grundversorgung tätigen Angestellten der Post CH 

AG erfüllen im Strafrecht daher zumindest den funktionellen Beamtenbegriff 

(BGE 135 IV 198 E. 3.3).  

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1.1.3 Bezüglich Art. 321ter StGB (Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses) 

gelten nach dem vorstehend Gesagten Angestellte der Post CH AG als Beamte.  

Der Beschuldigte war von 2015 bis 2021 Angestellter der Post CH AG. Er war 

immer am Schalter tätig, in der Funktion als Kundenberater für Postschalterge-

schäfte; stellvertretend leitete er auch die Postfiliale. Aufgrund des zur Anklage 

gebrachten Sachverhalts wurde er freigestellt (TPF 4.731.003). Der Beschuldigte 

hatte demnach im Zeitpunkt des angeklagten Sachverhalts Beamteneigenschaft. 

1.1.4 Die Voraussetzungen der Bundesgerichtsbarkeit gemäss Art. 23 Abs. 1 lit. j StPO 

sind somit erfüllt. 

1.1.5 Die in kantonale Kompetenz fallende Untersuchung wegen (mehrfachen) Dieb-

stahls und die Untersuchung wegen mehrfacher Verletzung des Post- und Fern-

meldegeheimnisses wurden mit Vereinigungsverfügung der Bundesanwaltschaft 

vom 4. September 2023 gestützt auf Art. 26 Abs. 2 StPO in der Hand der Bun-

desbehörden vereinigt (BA 02-00-0019 f.). Die sachliche Zuständigkeit des Bun-

desstrafgerichts ist somit für alle Anklagepunkte gegeben. 

1.2 Ermächtigung zur Strafverfolgung 

1.2.1 Das Vorliegen einer Ermächtigung bei Verfahren gegen Beamte gilt als Prozess-

voraussetzung gemäss Art. 339 Abs. 2 lit. b StPO (HAURI/VENETZ, Basler Kom-

mentar, 2. Aufl., Basel 2014, Art. 339 StPO N. 13).  

1.2.2 Gemäss Art. 15 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 14. März 1958 über die Ver-

antwortlichkeit des Bundes sowie seiner Behördemitglieder und Beamten (Ver-

antwortlichkeitsgesetz, VG; SR 170.32) bedarf die Strafverfolgung von Beamten 

wegen strafbarer Handlungen, die sich auf ihre amtliche Tätigkeit oder Stellung 

beziehen, ausgenommen wegen Widerhandlungen im Strassenverkehr, einer Er-

mächtigung des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD). Kan-

tonale Strafverfolgungsbehörden, bei denen solche Fälle angezeigt werden, ha-

ben unverzüglich um diese Ermächtigung nachzusuchen und dringliche si-

chernde Massnahmen zu treffen (Art. 15 Abs. 2 VG). Die Bestimmung bezweckt 

den Schutz des Beamten vor Belästigung durch ungerechtfertigte Strafanzeigen 

und gleichzeitig einen reibungslosen Gang der Verwaltung (BGE 139 IV 161 

E. 2.3 mit weiteren Hinweisen). Eine Ermächtigung ist selbst nach Beendigung 

der Amtstätigkeit erforderlich (BGE 106 Ib 273 E. 3c). Den Bestimmungen des 

Verantwortlichkeitsgesetzes unterstehen alle Personen, denen die Ausübung ei-

nes öffentlichen Amtes des Bundes übertragen ist (Art. 1 Abs. 1 VG), namentlich 

die Beamten und übrigen Arbeitskräfte des Bundes (Art. 1 Abs. 1 lit. e VG) sowie 

alle anderen Personen, insoweit sie unmittelbar mit öffentlichrechtlichen Aufga-

ben des Bundes betraut sind (Art. 1 Abs. 1 lit. f VG). Für die Anwendbarkeit des 

Verantwortlichkeitsgesetzes ist nicht erforderlich, dass eine mit öffentlichrechtli-

chen Aufgaben des Bundes betraute Person in einem Dienstverhältnis zum 

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Bund, sei es öffentlichrechtlicher oder privatrechtlicher Natur, steht (BGE 94 I 

639; 88 II 444). Es ist nicht einmal notwendig, dass ihr selber durch ein Organ 

des Bundes die Wahrnehmung einer entsprechenden Aufgabe übertragen wor-

den ist. Es genügt, wenn ihr Arbeitgeber oder Vorgesetzter mit einer öffentlich-

rechtlichen Aufgabe des Bundes betraut worden ist und dieser Auftrag den Bei-

zug von entsprechenden Mitarbeitern in sich schliesst (BGE 106 Ib 273 E. 2a). 

Die Verantwortlichkeit der mit öffentlichrechtlichen Aufgaben des Bundes betrau-

ten besonderen Organisationen und ihres Personals richtet sich nach Art. 19 VG. 

Gemäss Art. 19 Abs. 2 Satz 1 VG finden auf die strafrechtliche Verantwortlichkeit 

des Personals solcher Organisationen grundsätzlich die Artikel 13 ff. und damit 

auch Art. 15 VG entsprechend Anwendung. Hiervon ausgenommen sind lediglich 

Angestellte und Beauftragte konzessionierter Transportunternehmen, z.B. der 

SBB AG (Art. 19 Abs. 2 Satz 2 VG; Fassung gemäss Ziff. II 1 des BG über die 

Bahnreform 2 vom 20. März 2009, in Kraft seit 1. Januar 2010 [AS 2009 5597]). 

1.2.3 Vorliegend hat die Bundesanwaltschaft keine Ermächtigung zur Strafverfolgung 

gegen den Beschuldigten eingeholt. Dieses Vorgehen stützt sich auf eine Pra-

xisänderung des EJPD, wonach für Postangestellte keine Ermächtigung mehr 

erforderlich ist. Das EJPD begründete in einer Verfügung vom 27. Januar 2016, 

dass Art. 11 Abs. 2 POG extensiv auszulegen sei und die dort vorgesehene 

Nichtanwendung des Verantwortlichkeitsgesetzes auf die Frage der (zivilrechtli-

chen) Haftung der Post, ihrer Organe und ihres Personals auch die strafrechtliche 

Verantwortlichkeit betreffe und daher keine Ermächtigungsverfügung mehr erteilt 

zu werden brauche (vgl. dazu Urteil der Strafkammer des Bundesstrafgerichts 

SK.2017.36 vom 27. Oktober 2017 E. 1.2, nicht publiziert in TPF 2018 20).  

1.2.4 Das EJPD ist die zuständige Behörde für die Erteilung der Ermächtigung zur 

Strafverfolgung gegen Bundesangestellte nach Art. 15 VG. Nachdem gemäss 

seiner Praxis bei Postangestellten nach neuem Recht keine solche Ermächti-

gung mehr erforderlich, ist die Prozessvoraussetzung zur Strafverfolgung nach 

Art. 19 Abs. 2 i.V.m. Art. 15 Abs. 1 VG gegeben (Art. 329 Abs. 1 lit. b StPO).  

1.3 Verfahrenseröffnung 

1.3.1 Die Verteidigung rügt zunächst eine verspätete Eröffnung der Strafuntersuchung 

durch die Staatsanwaltschaft. Nachdem auf einem sichergestellten Briefum-

schlag eine daktyloskopische Übereinstimmung mit dem Beschuldigten habe 

festgestellt werden können, habe die Kantonspolizei Zürich am 14. April 2021 die 

Staatsanwaltschaft Zürich ersucht, die auf dem Briefumschlag und dem Klebe-

streifen gesicherten DNA-Spuren direkt an das Forensische Institut Zürich (nach-

folgend: FOR) zur Auswertung weiterzuleiten. Die zuständige Staatsanwältin 

habe die Auswertung am 26. April 2021 angeordnet. Der Bericht des FOR vom 

26. Mai 2021 habe jedoch bereits die PCN-Nummer des Beschuldigten enthal-

ten. Indem die Staatsanwaltschaft Zürich die DNA-Spuren des Beschuldigten auf 

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SK.2024.9 

dem Lieferschein gezielt mit der PCN-Nummer bzw. dem DNA-Profil durch das 

FOR habe vergleichen lassen, sei faktisch eine DNA-Analyse und damit eine 

Zwangsmassnahme im Sinne von Art. 255 StPO angeordnet worden. Da Ver-

dachtsmomente gegen den Beschuldigten bereits am 26. April 2021 bestanden 

hätten und sich die Staatsanwaltschaft ab diesem Zeitpunkt erstmals mit der 

Strafsache befasst habe, sei die Strafuntersuchung verspätet eröffnet worden. 

Eine formelle Eröffnung sei erst mit der Übernahme des Strafverfahrens durch 

die Bundesanwaltschaft erfolgt. 

1.3.2 Die in Art. 306-307 StPO geregelte Ermittlungstätigkeit kann als selbständiges 

Ermittlungsverfahren bezeichnet werden. Selbständig sind diese Ermittlungen 

deshalb, weil die Polizei in eigener Kompetenz über die einzelnen Verfahrens-

handlungen entscheidet und weitgehend die faktische Verfahrensherrschaft in-

nehat (GALELLA/RHYNER, Basler Kommentar, 3. Aufl. 2023, Art. 306 StPO N. 11 

f.) Das selbständige, polizeiliche Ermittlungsverfahren gemäss Art. 306 StPO be-

ginnt automatisch und formlos mit der faktischen Aufnahme von Ermittlungen 

(Art. 300 Abs. 1 lit. a StPO), d.h. grundsätzlich mit jeder polizeilichen Handlung, 

die der Feststellung dient, ob eine Straftat begangen wurde und wer der Täter ist 

bzw. mit jeder Massnahme, die darauf abzielt, gegen jemanden strafrechtlich vor-

zugehen. Die Ermittlungen können sich gegen bekannte oder unbekannte Täter-

schaft richten. Der Gesetzgeber hat keine bestimmten formellen Voraussetzun-

gen für den Beginn des Ermittlungsverfahrens festgelegt. Die polizeiliche Hand-

lung kann tatsächlicher Natur sein (z.B. eine Befragung, eine Datenbankabfrage, 

Entgegennahme einer mündlichen Strafanzeige etc.) oder in der Vornahme einer 

strafprozessualen Zwangsmassnahme liegen (z.B. Anhaltung und Personenkon-

trolle, Sicherstellung etc.). Voraussetzung für die Einleitung eines Ermittlungs-

verfahrens ist das Vorliegen eines Tatverdachts (GALELLA/RHYNER, a.a.O., 

Art. 306 StPO N. 22 f.). Aus dem Wortlaut von Art. 306 Abs. 1 StPO wird ersicht-

lich, dass der Zweck des selbständigen Ermittlungsverfahrens über den ersten 

Zugriff bzw. die unaufschiebbaren Massnahmen zur Täter- und Beweissicherung 

hinausgeht. Vielmehr hat die Polizei den strafrechtlich relevanten Sachverhalt 

«festzustellen», also Delikte in tatsächlicher Hinsicht grundsätzlich umfassend zu 

klären. Entsprechend hat die Polizei gestützt auf Art. 306 Abs. 2 StPO Spuren- 

und Sachbeweise nicht nur vorläufig zuhanden der Staatsanwaltschaft zu si-

chern, sondern diese auch selber auszuwerten (GALELLA/RHYNER, a.a.O., 

Art. 306 StPO N. 21). Zu den Fahndungs- und Ermittlungshandlungen mit selb-

ständigen polizeilichen Kompetenzen gehören bspw. die DNA-Probenahme und 

die DNA-Profilerstellung (polizeiliche Anordnungskompetenz in den Fällen von 

Art. 255 Abs. 2 StPO) sowie Abklärungen in polizeilichen Registern und Daten-

banken, darunter Polizeidatenbanken des Bundes (GALELLA/RHYNER, a.a.O., 

Art. 306 StPO N. 34 und 36).  

Eine Information der Staatsanwaltschaft erfolgt im selbständigen Ermittlungsver-

fahren in der Regel nur in den Fällen von Art. 307 Abs. 1 StPO (schwere Strafta-

ten, Pikettfälle), bei vorläufigen Festnahmen und beim Antrag auf 

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SK.2024.9 

staatsanwaltschaftliche Zwangsmassnahmen, etwa der Anordnung einer Blut-

probe. Diese Orientierung führt in der Praxis auch nicht automatisch zu einer 

sofortigen Untersuchungseröffnung und Beendigung des Ermittlungsverfahrens, 

sondern oft erst nach Eingang der Akten bei der Staatsanwaltschaft gemäss Art. 

307 Abs. 3 StPO bzw. nach einer Zuführung des Beschuldigten (GALELLA/RHY-

NER, a.a.O., Art. 306 StPO N. 12).  

1.3.3 Bis zur Anhaltung des Beschuldigten am 6. Juli 2021 ist aus den Akten im We-

sentlichen folgender Ermittlungsablauf ersichtlich: F. erstattete am 12. März 2021 

bei der Kantonspolizei Zürich (nachfolgend: Kantonspolizei) Strafanzeige wegen 

Diebstahls, weil sie die von ihr bei der Poststelle U. abgeholte Briefsendung der 

B., in welcher sich Bargeld im Umfang von Fr. 15'000.-- hätte befinden sollen, 

leer vorfand. Aufgrund dieser Anzeige leitete die Kantonspolizei eigene Ermitt-

lungen gegen «Unbekannt» ein, unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Er-

mittlungsdienst der Schweizerischen Post (nachfolgend: Ermittlungsdienst der 

Post), vertreten durch G., da der Verdacht bestand, dass es sich bei dem Täter 

um einen Angestellten der Post handeln könnte (BA 10-01-0001 ff.). Am 22. März 

2021 nahm F. bei derselben Postfiliale erneut ein leeres Couvert statt der erhoff-

ten Fr. 15'000.-- in Empfang. Wie bereits beim ersten Vorfall wurde der Briefum-

schlag, das Bargeldcouvert sowie der Lieferschein polizeilich sichergestellt, im 

FATS erfasst, an die Asservaten-Triage weitergeleitet und zusätzlich eine Foto-

dokumentation erstellt. Zwecks Eruierung einer möglichen Täterschaft versuchte 

der Ermittlungsdienst der Post den Personenkreis auf die Postverteilung von U. 

einzugrenzen und die internen Postabläufe abzuklären (BA 10-01-0005 ff.). Auf 

dem Bargeldumschlag konnte eine daktyloskopische Spur gesichert werden. 

Diese konnte gemäss Kurzbericht des FOR vom 26. März 2021 (BA 11-01-0002 

f.) nach Rückmeldung der zentralen Datenbank, Abteilung «Biometrische Identi-

fikation», Bern, aufgrund der Anzahl und Qualität anatomischer Merkmale ein-

deutig A. zugeordnet werden («Daktyloskopie-Hit», Asservat-Nr. A014’830'105, 

PCN: 8). Zudem konnten DNA-Spuren auf dem Briefumschlag sowie auf dem 

Klebestreifen festgestellt werden (DNA-Spur-Wattetupfer ab Fingerschmierspu-

ren auf ZKB-Papiercouvert [Asservat-Nr. A014’829'459] und DNA-Spur-Wat-

tetupfer auf Lieferschein [Asservat-Nr. A014’829'460]; vgl. auch Rapport der Kan-

tonspolizei Zürich vom 14. April 2021, BA 10-01-0018 ff.). Die polizeilichen Er-

mittlungen beim Ermittlungsdienst der Post ergaben, dass A. als sog. Kundenbe-

rater bei der Postfiliale U. arbeitet und dort u.a. jeweils die eingeschriebenen 

Postsendungen, welche nicht direkt zugestellt werden können, zurücknimmt und 

einscannt. Der Ermittlungsdienst der Post wurde deshalb ersucht, der Kantons-

polizei Zürich die detaillierten Arbeitsabläufe der Angestellten aufzulisten und zu-

sammen mit den Arbeitsplänen zu übermitteln (BA 10-01-0020). Die bisherigen 

Ermittlungsergebnisse wurden am 15. April 2021 der Staatsanwaltschaft 

See/Oberland rapportiert, u.a. mit dem Hinweis, dass die Untersuchungsbehörde 

(Staatsanwaltschaft) im Falle einer gewünschten Auswertung der DNA-Spuren 

dem FOR einen Auftrag zu erteilen habe (BA 10-01-0022, insbes. BA 10-01-0025 

- 11 - 

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f.). Ein entsprechender Hinweis war bereits im Kurzbericht des FOR vom 26. 

März 2021 enthalten (BA 11-01-0005). Als Folge dieser Rapportierung ordnete 

die zuständige Staatsanwaltschaft See/Oberland am 26. April 2021 die Auswer-

tung der beiden DNA-Spuren (Asservate-Nr. A014’829'459 und A014’829'460) 

an (BA 11-01-0008). Gemäss Kurzbericht (Auswertung) des FOR vom 26. Mai 

2021 konnten die DNA-Spuren analytisch der Geschädigten F. zugordnet werden 

(BA 11-01-0015 bis -0019). Am 14. Mai 2021 rapportierte die Kantonspolizei Zü-

rich den (dritten) Bargeldverlust bei der Postfiliale U. im Umfang von Fr. 11'210.-

- im Zusammenhang mit H. Eine beschuldigte Person wurde im Rapport nicht 

genannt, sondern lediglich der Hinweis, dass nach dem zweiten Vorfall die Tä-

terschaft auf «einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin der Schweizerischen Post 

in U.» fokussiert habe und aufgrund der kurzen Tatzeit beim dritten Vorfall weiter 

eingegrenzt werden könne (BA 10-01-0048). Im Ermittlungsbericht vom 4. Juni 

2021 führte die Polizei unter «mögliche Täterschaft» mehrere Kundenberaterin-

nen und Kundenberater der Postfiliale U. auf und hielt fest, dass  und «der Tat-

verdächtige [Anm.: A.], von welchem ein Dakty-Hit erwirkt werden konnte», bei 

sämtlichen Vorfällen in der Postfiliale anwesend gewesen seien (BA 10-01-

0056). In der Folge konzentrierten sich die polizeilichen Ermittlungen wie auch 

jene des Ermittlungsdienstes der Post auf diese beiden Personen. Nach Zustel-

lung der Arbeitspläne führte die Polizei ab 22. Juni 2021 A. als Beschuldigten, da 

konkrete Anhaltspunkte für seine Täterschaft vorlagen (BA 10-01-0063 f.). Am 6. 

Juli 2021 wurde A. aufgrund einer sog. Täterfalle als möglicher Täter eruiert und 

polizeilich festgenommen. Am 7. Juli 2021 wurde er zur Sache einvernommen 

(BA 10-01-0086 ff.). Über die Festnahme war die zuständige Staatsanwaltschaft 

am 6. Juli 2021 um 15.40 Uhr telefonisch orientiert worden (BA 10-01-0088). 

1.3.4 Der skizzierte Ermittlungsablauf entspricht ohne weiteres den gesetzlichen Vor-

gaben und der gelebten Praxis: Die Post sah sich aufgrund der festgestellten 

Diebstähle veranlasst, den internen Ermittlungsdienst einzuschalten; parallel 

dazu erstattete die betroffene Kundin Anzeige bei der Polizei. Letztere nahm um-

gehend Ermittlungen auf, womit das (selbständige) polizeiliche Ermittlungsver-

fahren (nach Art. 306 f. StPO) eröffnet war. In der Folge erarbeiteten der Ermitt-

lungsdienst der Post und die Polizei eine gemeinsame Ermittlungsstrategie, die 

vorliegend u.a. zum Einsatz einer chemischen Täterfalle führte (Näheres dazu 

nachstehend, E. 1.4). Unter Mitwirkung des FOR gehören dabei Abgleiche von 

sichergestellten daktyloskopischen Spuren in nationalen Datenbanken zu den 

polizeilichen Kompetenzen. Im vorliegenden Fall steht fest, dass der Beschul-

digte bereits in der entsprechenden Datenbank verzeichnet war und der Abgleich 

zu einem daktyloskopischen Treffer führte. Entgegen der Auffassung der Vertei-

digung handelte es sich auch nicht um eine Zwangsmassnahme. Will die ermit-

telnde Polizei sichergestelltes (tatrelevantes) DNA-Material auswerten, muss sie 

die zuständige Staatsanwaltschaft orientieren und um einen Auswertungsantrag 

ersuchen, da nur diese gestützt auf Art. 255 StPO eine solche anordnen darf. 

Dies ist vorliegend nachweislich geschehen. Die Frage, ob mit dem Ersuchen um 

- 12 - 

SK.2024.9 

Auswertung auch das Verfahren auf staatsanwaltschaftlicher Ebene als eröffnet 

zu betrachten ist, ist im vorliegenden Fall nicht relevant. Abgesehen davon, dass 

die Eröffnung eines Strafverfahrens weder begründet noch eröffnet werden muss 

(Art. 309 Abs. 3 StPO), ist die Zusammenarbeit zwischen der Polizei und dem 

Ermittlungsdienst der Post einerseits und der Staatsanwaltschaft andererseits 

aus den Ermittlungsakten lückenlos nachvollziehbar und entspricht den gesetzli-

chen Vorgaben und der Kompetenzordnung. Praxisgemäss wird die Staatsan-

waltschaft nie «ohne Not» in ein solches selbständiges Ermittlungsverfahren der 

Polizei eingreifen und ein eigenes eröffnen; es reicht ihr die Orientierung im Sinne 

von Art. 307 StPO, so dass sie im Bedarfsfalle rechtzeitig reagieren kann (wie in 

casu bei der Anordnung der Auswertung oder der Verhaftung des Beschuldig-

ten). Vorliegend hat die Staatsanwaltschaft daher denn auch erst nach der Ver-

haftung des Beschuldigten das Strafverfahren gewissermassen «an sich gezo-

gen» und damit gestützt auf Art. 309 StPO eröffnet, indem sie in Kenntnis der 

Bundeszuständigkeit gestützt auf Art. 27 StPO die ersten dringlichen Untersu-

chungshandlungen – wie Hausdurchsuchungsbefehl, Vorführungsbefehl zwecks 

Erstbefragung, Entsiegelungsbegehren und forensische Untersuchung dermato-

logischer Spuren (vgl. Gutachterauftrag an das FOR vom 12. Juli 2021, BA 11-

01-0026 f.) – angeordnet bzw. vorgenommen hatte, wie sie ausdrücklich in der 

Gerichtsstandsanfrage an die Bundesanwaltschaft festgehalten hatte (BA 02-00-

0002). Dass die Bundesanwaltschaft in der Folge in einer Aktennotiz den Zeit-

punkt der Eröffnung des Strafverfahrens auf Ebene Staatsanwaltschaft in An-

wendung von Art. 309 Abs. 1 lit. b StPO auf den 6. Juli 2021 festlegte (BA 01-00-

0001), entspricht sowohl den Tatsachen als auch der Chronologie der Ereignisse 

und fügt sich in das Gesamtbild ein. Nach dem Gesagten erweist sich der Ein-

wand der Verteidigung als unbegründet. 

1.4 Täterfalle 

1.4.1 Die Verteidigung rügte, mit dem zweimaligen Einsatz einer chemischen Täterfalle 

sei eine gesetzlich nicht vorgesehene (geheime) Zwangsmassnahme angewen-

det worden. Der gezielte Einsatz von Täterfallen gegen bestimmte Personen im 

privaten Raum würde stärker in deren Freiheitsrechte eingreifen als die mildere, 

aber gesetzliche Observation. Konkret komme der (mehrfache) Einsatz einer Tä-

terfalle am nicht allgemein zugänglichen Arbeitsplatz des Beschuldigten einer 

List bzw. Täuschung gleich. Es handle sich um eine verbotene Beweiserhebung, 

womit auch alle sich darauf abstützenden Folgebeweise unverwertbar seien. 

1.4.2 Die erste Täterfalle vom 23. Juni 2021 ist prozessual nicht weiter von Bedeutung, 

da sie keine den Beschuldigten belastenden Indizien ergab (BA 12-04-0009 f.). 

Zur zweiten (chemischen) Täterfalle ist im Ermittlungsbericht vom 14. Juli 2021 

(BA 10-01-0098 ff.) u.a. festgehalten, dass am 6. Juli 2021 um 13.29 Uhr eine 

präparierte Postsendung mit einem Couvert mit Bargeld in einwandfreiem Zu-

stand in der Postfiliale U. deponiert wurde. Um 13.56 Uhr wurde der eingeschrie-

bene Brief mit weiteren, nicht zustellbaren eingeschriebenen Sendungen durch 

- 13 - 

SK.2024.9 

die Täterschaft behändigt. Um 14.30 Uhr wurden von der Täterschaft alle von ihr 

behandelten Briefe eingescannt – mit Ausnahme des von der Polizei präparierten 

Umschlags. Die Postsendung wurde um 17.14 Uhr von H. abgeholt, wobei diese 

festgestellt habe, dass der Umschlag zwar geöffnet worden war, jedoch kein Bar-

geld entwendet worden sei. Nach der Schliessung der Postfiliale wurden die drei 

anwesenden Mitarbeiter unmittelbar angehalten und kontrolliert. Dabei habe sich 

bei A. der Tatverdacht erhärtet, weil sich sein linker Daumen und Zeigefinger 

schwarz verfärbt hatten (BA 10-01-0100). In der Folge erstellte das FOR bezüg-

lich der Täterfalle einen Spurenbericht (BA 11-01-0034 ff.) sowie ein Gutachten 

gemäss Art. 182 ff. StPO (BA 11-01-0045 ff.). Laut Spurenbericht des FOR vom 

20. Juli 2021 zeigten sich bei der Behandlung der Hände der drei Postmitarbeiter 

mittels Fotoentwicklerflüssigkeit, welche am 6. Juli 2021 ab 18.42 Uhr vorgenom-

men worden war, (einzig) beim Beschuldigten – als positive Reaktion auf das 

Fangmittel – punktuelle schwarze Verfärbungen an Fingerkuppen bzw. -gliedern 

(BA 11-01-0037). Am 7. Juli 2021 wurden Hautproben beim Beschuldigten ent-

nommen (BA  11-01-0038), welche vom FOR im Rahmen des oben erwähnten 

Gutachtens ausgewertet wurden. 

1.4.3 Entgegen der Auffassung der Verteidigung handelt es sich bei der Täterfalle nicht 

um eine Zwangsmassnahme. Zunächst ist die chemische Täterfalle nicht zu den 

technischen Überwachungsmassnahmen zu zählen, deren Einsatz von einem 

Zwangsmassnahmengericht zu genehmigen ist (Art. 269 ff. StPO). Bei techni-

schen Überwachungsgeräten im Sinne von Art. 280 f. StPO fallen grundsätzlich 

Bild- und Tonaufnahmegeräte sowie Teleobjektive oder Peilsender in Betracht 

(EUGSTER/KATZENSTEIN, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, 

2. Aufl. 2014, Art. 280 StPO N. 22; siehe dazu auch Urteil des Bundesgerichts 

6B_178/2017 bzw. 6B_191/2017 vom 25. Oktober 2017, E. 3; Obergericht des 

Kantons Zürich, II. Strafkammer, Urteil vom 6. Dezember 2016, SB160334-

O/U/ag, S. 9, E. 4). Im vorliegenden Fall führte die eingesetzte chemische Täter-

falle weder dazu, dass der Standort der Briefsendungen laufend nachverfolgt, 

noch dass Bild- oder Tonaufnahmen des Beschuldigten erzeugt werden konnten. 

Die Täterfalle wurde lediglich mit einer chemischen Substanz versehen. Sie tan-

gierte auch nicht im besonderen Masse die Freiheitsrechte des Beschuldigten, 

wie die Verteidigung vorbrachte: Der Beschuldigte war Angestellter der Schwei-

zerischen Post. Zu seinen Aufgaben als Kundenberater in der Postfiliale U. ge-

hörte insbesondere die Abwicklung und Bearbeitung der ein- und ausgehenden 

Briefpost. Somit kam er notwendigerweise mit Briefsendungen in physischen 

Kontakt. Hinzu kommt, dass die Täterfalle in seinem angestammten Arbeitsbe-

reich und demnach im Herrschaftsbereich seiner Arbeitgeberin eingesetzt wurde. 

Abgesehen davon, dass der Beschuldigte über die Existenz eines internen Er-

mittlungsdienstes der Post Kenntnis gehabt haben dürfte, musste er damit rech-

nen, dass seine Arbeitgeberin bei Unregelmässigkeiten interne Ermittlungen an-

stellen werde und ihm diese aus taktischen Gründen nicht sofort offengelegt 

- 14 - 

SK.2024.9 

werden mussten. Von einer List oder Täuschung (seitens der Arbeitgeberin, Post 

CH AG bzw. der Ermittlungsbehörden) kann daher keine Rede sein. 

Diebes- oder Täterfallen verursachen gemäss den Autoren WALDER/HANSJAKOB 

bedeutend weniger Ermittlungsaufwand, sind rechtlich meistens unproblema-

tisch und können auch bei eher geringfügiger Delinquenz eingesetzt werden. Ge-

rade wenn – wie vorliegend geschehen – wiederholt gestohlen werde und sich 

die Täterschaft vernünftig eingrenzen lasse, könne man mögliches Deliktsgut 

markieren, indem Gegenstände mit chemischen Stoffen versehen werden, die 

auf den Händen des potentiellen Täters unsichtbare oder nicht entfernbare Spu-

ren verursachen (WALDER/HANSJAKOB, Kriminalistisches Denken, 10. Aufl. 2016, 

S. 294). Der Einsatz der Täterfalle war auch in dieser Hinsicht gerechtfertigt. 

Die Strafbehörden setzen zur Wahrheitsfindung alle nach dem Stand von Wis-

senschaft und Erfahrung geeigneten Beweismittel ein, die rechtlich zulässig sind 

(Art. 139 Abs. 1 StPO). Die Strafprozessordnung verbietet, wie vorstehend aus-

geführt, den Einsatz von chemischen Täterfallen nicht. Auch in Rechtsprechung 

und Lehre finden sich keine Hinweise, wonach solche Täterfallen nicht zulässig 

wären. Der Einwand der Verteidigung erweist sich demnach als unbegründet. 

1.5 Ermittlungsdienst der Post 

1.5.1 Die Verteidigung rügte sodann, es sei vorliegend eine unzulässige Delegation 

von Ermittlungsaufgaben an Private erfolgt, indem das polizeiliche Ermittlungs-

verfahren durch die privaten Ermittlungen des Ermittlungsdienstes der Post er-

setzt worden sei. Dieser private Ermittler habe nicht nur die Ermittlungsstrategie 

vorgegeben (wie etwa der zweifache, gezielte Einsatz einer Täterfalle), sondern 

die entsprechenden Ermittlungen auch persönlich koordiniert und durchgeführt. 

1.5.2 Was den Ablauf und die Zusammenarbeit zwischen dem Ermittlungsdienst der 

Post und der ermittelnden Polizei anbelangt, so kann zunächst auf die Ausfüh-

rungen in E. 1.3.3 verwiesen werden. Von Bedeutung ist dabei, dass sämtliche 

vom Ermittler der Post vorgeschlagenen Massnahmen stets in Absprache mit der 

zuständigen Sachbearbeitung der Kantonspolizei Zürich erfolgten. Zumindest ist 

aus den Akten nicht ersichtlich, dass vorliegend privat und gewissermassen «auf 

eigene Faust» ermittelt worden wäre. Die Polizei war über die laufenden internen 

Ermittlungen der Post stets im Bilde, wie aus den Polizeirapporten klar hervor-

geht. Entgegen der Auffassung der Verteidigung trifft dies insbesondere auch für 

die Anhaltung zur Spurensicherung beim Beschuldigten am 6. Juli 2021 zu: Die 

Spurensicherung wurde im Auftrag und im Beisein der zuständigen Ermittlungs-

beamtin der Kantonspolizei Zürich von einem Fachspezialisten Kriminaltechnik 

des FOR durchgeführt (BA 10-01-0106 sowie Spurenbericht FOR vom 20. Juli 

2021, BA 11-01-0034 ff.). Der private Ermittler hat zudem zu keinem Zeitpunkt 

irgendwelche Zwangsmassnahmen angeordnet oder vorgenommen (zum Ein-

satz Täterfalle siehe vorne E. 1.4.3). Damit ist der Argumentation der 

- 15 - 

SK.2024.9 

Verteidigung, vorliegend seien Ermittlungen an Private delegiert und auf diese 

Weise Beweismittel rechtswidrig beschafft worden, der Boden entzogen. 

1.6 Notwendige Verteidigung 

1.6.1 Die Verteidigung bringt vor, dass der Beschuldigte am 7. Juli 2021 ohne die An-

wesenheit eines Verteidigers zur Sache befragt worden sei. Dabei sei ihm vor-

geworfen worden, in fünf Fällen, in der Zeit vom 8. bis 12. März 2021, 19. bis 

22. März 2021, 5. bis 7. Mai 2021, 1. bis 2. Juli 2021 bzw. (versucht) am 6. Juli 

2021, Bargeld in der Höhe von Fr. 33'010.-- sowie EUR 14'200.-- entwendet zu 

haben, wobei er die Diebstähle gewerbsmässig zur Finanzierung seines teuren 

Lebensunterhalts begangen habe. Weiter sei ihm mehrfache Verletzung des 

Postgeheimnisses sowie Betäubungsmittelkonsum vorgeworfen worden. Allein 

anhand dieser Vorhalte hätte der Beschuldigte zwingend notwendig verteidigt 

sein müssen. Bereits am 26. April 2021 hätte die Untersuchungseröffnung erfol-

gen müssen, und am 6. Juli 2021 habe die kantonale Staatsanwaltschaft weitere 

Zwangsmassnahmen in Form eines Hausdurchsuchungs- und Vorführbefehls er-

lassen. Aufgrund ihrer richterlichen Fürsorgepflicht hätte sie die amtliche Vertei-

digung im Zeitpunkt der polizeilichen Einvernahme am nächsten Tag (d.h. am 

7. Juli 2021) sicherstellen müssen. Zum Zeitpunkt dieser Einvernahme habe im 

Sinne von Art. 130 lit. b StPO ein klar erkennbarer Fall notwendiger Verteidigung 

vorgelegen, da dem Beschuldigten eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr 

gedroht habe. Zudem habe der Beschuldigte Vorstrafen. Gemäss Verhaftsrap-

port sei der Haftgrund der Wiederholungsgefahr gegeben, da der Beschuldigte 

seit 2006 insgesamt 28 einschlägige Vermögensdelikte erwirkt haben soll. Der 

polizeiliche Sachbearbeiter sei bei der ersten Einvernahme von einem Deliktsgut 

von mehr als Fr. 45'000.-- sowie von Gewerbsmässigkeit ausgegangen. Die kan-

tonale Staatsanwaltschaft habe das Verfahren hingegen wegen (mehrfachen) 

Diebstahls geführt. Erst mit der Verfahrensübernahme durch die Bundesanwalt-

schaft sei der Vorwurf korrekterweise auf gewerbsmässigen Diebstahl ausge-

dehnt und eine amtliche Verteidigung bestellt worden. Nachdem der Beschul-

digte auf eine Wiederholung der Beweiserhebungen nicht verzichtet habe 

(Art. 131 Abs. 3 StPO), seien die vor der Bestellung des (amtlichen) Verteidigers 

erfolgten Beweiserhebungen nicht verwertbar (TPF 4.721.052 f.). 

1.6.2 Gemäss Art. 130 lit. b StPO muss die beschuldigte Person verteidigt werden, 

wenn ihr eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr oder eine freiheitsentzie-

hende Massnahme droht. Ausschlaggebend für die Frage der notwendigen Ver-

teidigung ist nicht das abstrakt höchstmögliche, sondern das konkret zu erwar-

tende Strafmass (BGE 143 I 164 E. 2.4.3 S. 170; Urteil des Bundesgerichts 

6B_783/2018 vom 6. März 2019 E. 2.4.2). Mitzuberücksichtigen ist dabei ein dro-

hender Widerruf bedingt ausgefällter Freiheitsstrafen (BGE 129 I 281 E. 4.1 

S. 285 f.; Urteil des Bundesgerichts 1B_444/2013 vom 31. Januar 2014 E. 2.1). 

Eine drohende Geldstrafe bzw. deren Widerruf führen nicht dazu, dass ein Fall 

notwendiger Verteidigung vorliegt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 1B_444/2013 

- 16 - 

SK.2024.9 

vom 31. Januar 2014 E. 2; 6B_783/2018 vom 6. März 2019 E. 2.4.2). Wurden in 

Fällen, in denen die Verteidigung erkennbar notwendig gewesen wäre, Beweise 

erhoben, bevor eine Verteidigerin oder ein Verteidiger bestellt worden ist, so ist 

die Beweiserhebung nur gültig, wenn die beschuldigte Person auf ihre Wieder-

holung verzichtet (Art. 131 Abs. 3 aStPO in der bis 31. Dezember 2023 geltenden 

Fassung [bzw. wenn die beschuldigte Person auf die Wiederholung der Beweis-

erhebung verzichtet; Art. 131 Abs. 3 letzter Satzteil StPO, geltende Fassung]). 

Liegt ein Fall notwendiger Verteidigung vor, so achtet die Verfahrensleitung da-

rauf, dass unverzüglich eine Verteidigung bestellt wird (Art. 131 Abs. 1 StPO). 

Gemäss Art. 132 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 StPO ordnet die Verfahrensleitung eine amt-

liche Verteidigung an, wenn im Falle notwendiger Verteidigung die beschuldigte 

Person trotz Aufforderung der Verfahrensleitung keine Wahlverteidigung be-

stimmt. Gemäss Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO ordnet sie eine solche an, wenn die 

beschuldigte Person nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und die Verteidi-

gung zur Wahrung ihrer Interessen geboten ist. Die amtliche Verteidigung wird 

von der im jeweiligen Verfahrensstadium zuständigen Verfahrensleitung bestellt 

(Art. 133 Abs. 1 StPO). 

Zu Beginn der Einvernahme wird die einzuvernehmende Person in einer ihr ver-

ständliche Sprache: (a) über ihre Personalien befragt; (b) über den Gegenstand 

des Strafverfahrens und die Eigenschaft, in der sie einvernommen wird, infor-

miert; (c) umfassend über ihre Rechte und Pflichten belehrt (Art. 143 Abs. 1 

StPO). Die Strafbehörden können die beschuldigte Person auf allen Stufen des 

Strafverfahrens zu den ihr vorgeworfenen Straftaten einvernehmen (Art. 157 

Abs. 1 StPO). Polizei oder Staatsanwaltschaft weisen die beschuldigte Person 

zu Beginn der ersten Einvernahme in einer ihr verständlichen Sprache darauf 

hin, dass sie berechtigt ist, eine Verteidigung zu bestellen oder gegebenenfalls 

eine amtliche Verteidigung zu beantragen (Art. 158 Abs. 1 lit. c StPO).  

1.6.3 Die Staatsanwaltschaft See/Oberland erliess am 6. Juli 2021 einen Vorführungs-

befehl gegen den Beschuldigten zwecks Einvernahme durch die Kantonspolizei 

Zürich; als Straftatbestand wurde «Diebstahl etc.» angegeben. Zum Grund der 

Vorführung wurde angeführt, dass der Beschuldigte eines Verbrechens oder Ver-

gehens dringend verdächtigt werde, und es sei Verdunkelungsgefahr zu vermu-

ten, da er Beweismittel beseitigen könnte (BA 06-00-0001). Der Beschuldigte 

wurde am 6. Juli 2021 um 18.30 Uhr von der Kantonspolizei Zürich in der Postfi-

liale U. verhaftet. Als Verhaftsgrund wurde im Verhaftsrapport vom 6. Juli 2021 

«Gewerbsmässiger Diebstahl» angegeben. Der Rapport hielt fest, dass Verdun-

kelungs- und Wiederholungsgefahr vorliege (BA 06-00-0002 ff.). Am 7. Juli 2021, 

10.37 Uhr, teilte Rechtsanwalt D. der zuständigen Staatsanwältin mit, er sei mit 

der Verteidigung des Beschuldigten beauftragt worden, und ersuchte, dem Be-

schuldigten eine Vollmacht zur Unterzeichnung zu unterbreiten; die Vollmacht 

wurde gleichentags vom Beschuldigten firmiert (BA 16-00-0001 f.). Am 7. Juli 

2021, 17.30 Uhr, wurde der Beschuldigte gestützt auf eine 

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SK.2024.9 

Haftentlassungsverfügung der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 7. Juli 

2021 aus der Haft entlassen (BA 06-00-0011). Am 8. Juli 2021 ersuchte Rechts-

anwalt D. um Akteneinsicht (BA 16-00-0003). Somit war der Beschuldigte ab dem 

7. Juli 2021, 10.37 Uhr, verteidigt (Art. 129 StPO). 

1.6.4 Der Beschuldigte wurde am 7. Juli 2021, 09.08 Uhr, von der Kantonspolizei Zü-

rich einvernommen (BA 13-00-0002 ff.). Er wurde zu Beginn darauf hingewiesen, 

dass er bei Begehung eines Verbrechens ertappt und unmittelbar danach ange-

troffen worden sei. Es sei daher gegen ihn ein Strafverfahren wegen Diebstahls 

sowie Verletzung des Postgeheimnisses eingeleitet worden und er werde als be-

schuldigte Person einvernommen. Der Beschuldigte wurde darauf hingewiesen, 

dass er berechtigt sei, jederzeit auf eigenes Kostenrisiko eine Verteidigung zu 

bestellen oder gegebenenfalls eine amtliche Verteidigung zu beantragen. Weiter 

wurde er darauf hingewiesen, dass er eine Übersetzung verlangen könne. Der 

Beschuldigte erklärte, dass er dies verstanden habe und er keinen Anwalt benö-

tige (BA 13-00-0002). In der Folge beantwortete der Beschuldigte die ihm gestell-

ten Fragen zu den Geschehnissen vom 6. Juli 2021 (Täterfalle; vgl. E. 1.4). Dabei 

anerkannte er, dass er gegen das Postgeheimnis verstossen habe; hingegen be-

stritt er sinngemäss eine Diebstahlsabsicht (BA 13-00-0008). In der Folge wurde 

dem Beschuldigten vorgehalten, dass bereits vorgängig Postsendungen mit Bar-

geld entwendet worden seien, welche am Postschalter in U. herausgegeben wor-

den seien, und der Beschuldigte wurde gefragt, was er darüber wisse (Frage 55). 

Er antwortete mit «keine Ahnung» (BA 13-00-0007 f.). Dem Beschuldigten wurde 

sodann vorgehalten, dass in der Zeit vom 8. März bis 7. Mai 2021 aus Postsen-

dungen in der Filiale U. Bargeld im Betrag von Fr. 41'210.-- entwendet worden 

sei und er aufgrund des Umstands, dass er am Vortag offensichtlich die Geld-

sendung mit dem präparierten Couvert geöffnet habe, verdächtigt werde, auch 

die vorstehend genannten Geldsendungen geöffnet und entwendet zu haben, 

und er wurde gefragt, was er dazu sage (Frage 56). Der Beschuldigte antwortete 

mit «keine Ahnung» und bestritt sinngemäss diesen Vorwurf (BA 13-00-0007 f.). 

Danach wurde ihm vorgehalten, dass ihm Diebstahl in drei Fällen vorgeworfen 

werde: Entwendung von Bargeld aus Postsendungen (in der Filiale U.) vom 8. 

bis 12. März 2021 in der Höhe von Fr. 15'000.-- (Vorwurf A), vom 19. bis 22. März 

2021 in der Höhe von Fr. 15'000.-- (Vorwurf B) und vom 5. bis 7. Mai 2021 in der 

Höhe von Fr. 11'210.-- (Vorwurf C), wobei ihm vorgeworfen wurde, dass er die 

Diebstähle gewerbsmässig, zur Finanzierung seines teuren Lebensunterhalts, 

begangen habe (Vorwurf D; BA 13-00-0008). Weiter wurde ihm vorgeworfen, 

dass er in diesen drei Fällen sowie im Fall der präparierten Postsendung das 

Postgeheimnis verletzt habe (Vorwurf E). Schliesslich wurde dem Beschuldigten 

vorgeworfen, dass er gemäss den Feststellungen anlässlich der Hausdurchsu-

chung Kokain konsumiert habe (Vorwurf F). Der Beschuldigte erklärte zu den 

Vorwürfen A, B, C, D und F, dass er unschuldig sei. In Bezug auf den Vorwurf 

der Verletzung des Postgeheimnisses (Vorwurf E) anerkannte er, dass er am 

Vortag das Couvert geöffnet habe; diesbezüglich sei er schuldig. Er bestritt, mit 

- 18 - 

SK.2024.9 

den anderen Vorfällen etwas zu tun zu haben (BA 13-00-0009). Die Einvernahme 

endete am 7. Juli 2021, 10.41 Uhr, (BA 13-00-0010). 

1.6.5 Die Bundesanwaltschaft bestätigte der Staatsanwaltschaft See/Oberland am 

24. August 2021 die Übernahme des Strafverfahrens (BA 02-00-0011 f.).  

Mit Verfügung vom 21. Oktober 2021 bestellte die Bundesanwaltschaft dem Be-

schuldigten in der Person von Rechtsanwalt D. rückwirkend per 20. September 

2021 eine amtliche Verteidigung (BA 16-00-0010 f.). Zur Begründung führte sie 

an, dass sie ein Strafverfahren gegen den Beschuldigten wegen Verdachts des 

gewerbsmässigen Diebstahls sowie der mehrfachen Verletzung des Post- und 

Fernmeldegeheimnisses führe. In diesem Verfahren drohe dem Beschuldigten 

eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr, weshalb er gemäss Art. 130 lit. b 

StPO notwendig verteidigt sein müsse. Rechtsanwalt D. habe mit Schreiben vom 

20. September 2021 die Interessenwahrung für den Beschuldigten angezeigt und 

um entsprechende Einsetzung ersucht.  

Mit Verfügung vom 17. August 2023 wurde das Mandat der amtlichen Verteidi-

gung von Rechtsanwalt D. mit Wirkung ab 1. September 2023 auf Rechtsanwältin 

Chantal Bugnon übertragen (BA 16-00-0062 f.). 

1.6.6 Wie dem Einvernahmeprotokoll vom 7. Juli 2021 zu entnehmen ist, wurde der 

Beschuldigte zur Sache einlässlich einzig zum Vorfall vom 6. Juli 2021 (Täter-

falle) befragt. Dieser Vorfall wurde ihm denn auch eingangs der Einvernahme im 

Sinne von Art. 143 Abs. 1 lit. c StPO als Gegenstand der polizeilichen Befragung 

mitgeteilt; danach wurde der Beschuldigte gefragt, ob er einen Verteidiger bei-

ziehen wolle, was er verneinte. Hinsichtlich der weiteren Briefsendungen, deren 

Inhalt entwendet worden war und welche in der Postfiliale U. bearbeitet wurden 

– wobei zu den Einwänden der Verteidigung festzuhalten ist, dass dem Beschul-

digten der Vorfall vom 1. bis 2. Juli 2021 nicht vorgehalten wurde, zumal dieser 

erst später zur Anzeige gelangte –, ist darauf hinzuweisen, dass der Polizeibe-

amte erst am Ende der Befragung diese weiteren Vorfälle in der Postfiliale U. 

erwähnte und den Beschuldigten pauschal fragte, was er zu diesen Vorfällen zu 

sagen habe. Eine Einvernahme zum konkreten Sachverhalt erfolgte diesbezüg-

lich indes nicht; entsprechend musste sich der Beschuldigte hinsichtlich dieser 

Vorwürfe nicht umfassend äussern (vgl. Art. 157 Abs. 2 StPO). Die Einvernahme 

endete damit, dass dem Beschuldigten mitgeteilt wurde, dass eine Rapportierung 

an die Staatsanwaltschaft ausser bezüglich des Vorwurfs E (Täterfalle) auch im 

Zusammenhang mit den weiteren in der Postfiliale U. festgestellten Vorfällen 

(Vorwürfe A, B und C) erfolge. Vorwurf D (Gewerbsmässigkeit) ist nicht ein ei-

genständiger Vorwurf strafrechtlichen Handelns, sondern eine Frage der rechtli-

chen Würdigung bezüglich der Vorwürfe A, B und C. Ein Tatverdacht aufgrund 

konkreter Anhaltspunkte wurde dem Beschuldigten bezüglich der weiteren Vor-

würfe (A, B und C) nicht vorgehalten. Wie sich dem Einvernahmeprotokoll ent-

nehmen lässt, wurde er lediglich «verdächtigt», Bargeld aus den betreffenden 

- 19 - 

SK.2024.9 

Sendungen entwendet zu haben, weil er am Vortag das präparierte Couvert ge-

öffnet hatte. Zudem war die Vermutung, dass es sich bei der Täterschaft (auch) 

um den Postangestellten I. handeln könnte, zu diesem Zeitpunkt noch nicht gänz-

lich ausgeräumt. Dies ergibt sich aus den Aussagen von G., welcher zum Einsatz 

der Täterfalle aussagte: «…und zwar habe ich festgestellt, dass I. und A. die 

einzigen waren, die tatsächlich alle drei Tatzeiten abgedeckt haben und die tat-

sächliche Möglichkeit hatten, auf die Sendungen zuzugreifen. Die Informationen 

habe ich der Kapo weitergeleitet, bei welcher ja ein Strafverfahren hängig war. 

Ich habe dann den Vorschlag gemacht, dass man mit einer Einsatzsendung ar-

beitet, d.h. dass man eine Sendung präpariert, einschleust, überwacht und 

schaut, was geschieht. Wir sind uns eigentlich im Klaren gewesen, dass wir diese 

Einsatzsendung auf eine dieser beiden Personen einschleusen. Man hat sich 

dann in einer ersten Phase entschieden, Herr A. als Zielperson zu nehmen und 

dann in einer zweiten Phase mit Herrn I. Man hat dann das Datum bestimmt, man 

wollte diese Aktion am 23.06.2021 machen» (BA 12-04-0009). Da beim ersten 

Einsatz der Täterfalle am 23. Juni 2021 das Couvert unversehrt die Empfängerin 

erreichte, wurde entschieden, die Aktion am 6. Juli 2021 mit einer zweiten Täter-

falle zu wiederholen (BA 12-04-0010), wobei diese wiederum (zunächst) gegen 

A. gerichtet war. Allerdings hatte auch I. Dienst und hätte das Couvert behändi-

gen können (BA 12-04-0011 f.). Das zeigt auf, dass es sich beim Vorhalt der 

ersten drei Diebstähle (Vorwürfe A, B und C) bloss um eine Mutmassung des 

befragenden Polizeibeamten handelte. Diesbezüglich lagen – ausser der Anwe-

senheit am Arbeitsplatz – denn auch keine konkreten Verdachtsmomente vor, 

die Grund für die polizeiliche Vorführung und Einvernahme des Beschuldigten 

bildeten (s. E. 1.6.3). War der Beschuldigte einzig zur Täterfalle bzw. zum Vorfall 

vom 6. Juli 2021 – mit einem versuchten Deliktsbetrag von Fr. 3'010.-- – zu be-

fragen, lag offensichtlich ein sog. Bagatellfall im Sinne von Art. 132 Abs. 3 StPO 

vor, welcher keine notwendige bzw. amtliche Verteidigung erforderlich machte. 

Auch die weiteren Vorwürfe der Verletzung des Postgeheimnisses (bezüglich 

des Vorfalls vom 6. Juli 2021) und der Widerhandlung gegen das Betäubungs-

mittelgesetz (Konsum von Kokain) machten keine notwendige Verteidigung er-

forderlich (s. sogleich E. 1.6.7). 

1.6.7 Selbst wenn man mit der Verteidigung davon ausgehen würde, dass das Verfah-

ren gegen den Beschuldigten schon vor dem 6. Juli 2021 (vgl. vorne E. 1.3) we-

gen mehrfachen bzw. gewerbsmässigen Diebstahls in Bezug auf die Vorwürfe A, 

B und C und ab 6. Juli 2021 zusätzlich wegen versuchten Diebstahls in Bezug 

auf Vorwurf E – und damit zusammenhängend wegen mehrfacher Verletzung 

des Post- und Fernmeldegeheimnisses – sowie wegen Betäubungsmittelkon-

sums als eröffnet anzusehen wäre, läge kein Fall notwendiger Verteidigung vor.  

Vorab ist darauf hinzuweisen, dass bei mehrfacher Verletzung des Post- und 

Fernmeldegeheimnisses in ähnlich gelagerten Fällen praxisgemäss eine sepa-

rate bzw. eigenständige Geldstrafe ausgesprochen wird (vgl. Urteil der Strafkam-

mer des Bundesstrafgerichts SK.2017.36 vom 27. Oktober 2017 E. 4.4 

- 20 - 

SK.2024.9 

[betreffend 750 vollendete und 58 versuchte Taten], nicht publiziert in TPF 2018 

20; bestätigt mit Urteil des Bundesgerichts 6B_38/2018 vom 28. November 2018 

E. 5). Die Verteidigung legt nicht dar, weshalb vorliegend im Zeitpunkt der Ein-

vernahme oder davor von anderen Annahmen auszugehen gewesen wäre. Der 

Vorwurf der mehrfachen Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses ist 

demnach für die Frage der notwendigen Verteidigung irrelevant. Betäubungsmit-

telkonsum ist nicht mit Freiheitsstrafe bedroht (Art. 19a Ziff. 1 BetmG) und daher 

bei der Frage der Anordnung einer notwendigen Verteidigung irrelevant. Die 

Frage des Widerrufs bedingter Freiheitsstrafen stellt sich sodann nicht. Die drei 

Vorstrafen – eine bedingte Geldstrafe von 30 Tagessätzen und eine Busse von 

Fr. 800.-- gemäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 

25. Februar 2013 und eine unbedingte Geldstrafe von 25 Tagessätzen gemäss 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Höfe/Einsiedeln vom 10. Februar 2017, beide 

ausgefällt wegen einer SVG-Widerhandlung, sowie eine unbedingte Geldstrafe 

von 50 Tagessätzen wegen einfacher Körperverletzung gemäss Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 26. März 2017 (Strafregisterauszug vom 

6. März 2024; TPF 4.231.1.001 ff.) – haben Bagatellcharakter, sind nicht ein-

schlägig und hinsichtlich der Strafdrohung – entgegen der Auffassung der Ver-

teidigung (E. 1.6.1) und der Bundesanwaltschaft – nicht relevant (hinten E. 4.6). 

Im Zeitpunkt der Einvernahme lagen drei Diebstähle und ein Diebstahlsversuch 

(mit einem Deliktsbetrag von total Fr. 44'220.--) vor; der Diebstahl vom 1./2. Juli 

2021 wurde dem Beschuldigten nicht vorgeworfen. Bei einem Deliktsbetrag von 

Fr. 41'210.-- wegen mehrfachen Diebstahls in drei Fällen und einem versuchten 

Diebstahl von Fr. 3'010.-- war nicht von einer drohenden Freiheitsstrafe von mehr 

als einem Jahr auszugehen, zumal die kantonale Staatsanwaltschaft – die als 

Verfahrensleitung für die Anordnung der notwendigen Verteidigung zuständig 

war – nicht von Gewerbsmässigkeit der dem Beschuldigten vorgehaltenen Dieb-

stähle ausging oder ausgehen musste. Dass dem Beschuldigten laut Einvernah-

meprotokoll Gewerbsmässigkeit vorgehalten wurde, ist daher nicht relevant. Die 

Bundesanwaltschaft beantragte in der Hauptverhandlung für gewerbsmässigen 

Diebstahl (für vier vollendete Diebstähle und einen mitumfassten Versuch) mit 

einer Deliktssumme von umgerechnet total Fr. 48'968.90 eine Einsatzstrafe von 

12 Monaten. Die mehrfache Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses 

in fünf Fällen gewichtete sie asperierend mit einer Erhöhung der Einsatzstrafe 

um einen Monat. Das subjektive Tatverschulden und die Vorstrafen gewichtete 

sie ebenfalls mit einem Monat straferhöhend, womit sie zum beantragten Straf-

mass von 14 Monaten Freiheitsstrafe gelangte (TPF 4.721.034 ff.; vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_783/2018 vom 6. März 2019 E. 2.4.3, wo die Staatsanwalt-

schaft eine Freiheitsstrafe von 12 Monaten beantragt hatte und die Vorausset-

zungen der notwendigen Verteidigung verneint wurden). Der Vorwurf der mehr-

fachen Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses war, wie erwähnt (s. 

oben), hinsichtlich der konkret drohenden Freiheitsstrafe irrelevant. Die Vorstra-

fen und das Täterverhalten fallen nicht straferhöhend ins Gewicht (E. 4.6) und 

- 21 - 

SK.2024.9 

waren für die konkrete Strafdrohung irrelevant. In Berücksichtigung dieser Um-

stände musste im Zeitpunkt der Einvernahme vom 7. Juli 2021 nicht von einer 12 

Monate übersteigenden Freiheitsstrafe ausgegangen werden, selbst wenn von 

Gewerbsmässigkeit auszugehen gewesen wäre. Damit lag am 6. Juli 2021 nicht 

ein erkennbarer Fall notwendiger Verteidigung i.S.v. Art. 130 lit. b StPO vor. 

1.6.8 Nach dem Gesagten sind die Einwände der Verteidigung bezüglich der Anord-

nung einer notwendigen Verteidigung unbegründet. Die Einvernahme vom 7. Juli 

2021 wie auch die gestützt darauf erhobenen Beweise sind demnach verwertbar. 

2. Gewerbsmässiger Diebstahl 

2.1 Rechtliches 

2.1.1 Wer jemandem eine fremde bewegliche Sache zur Aneignung wegnimmt, um 

sich oder einen andern damit unrechtmässig zu bereichern, wird mit Freiheits-

strafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 139 Ziff. 1 StGB).  

2.1.2 Tatobjekt ist eine fremde Sache. Eine Sache ist fremd, wenn sie im Eigentum 

einer anderen Person als des Täters steht. Die Tathandlung der Wegnahme liegt 

im Bruch fremden und der Begründung neuen Gewahrsams (BGE 132 IV 108 

E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_1360/2019 vom 20. November 2020 

E. 2.3.1). Der Begriff des Gewahrsams bezeichnet ein tatsächliches Verhältnis, 

nämlich die real bestehende faktische Herrschaftsmöglichkeit eines Menschen 

über eine Sache, die von einem Herrschaftswillen getragen ist. Er umfasst aber 

mit der Beziehung zwischen der Person und der Sache, welche die Sache dem 

Herrschaftsbereich der Person zuordnet, auch eine normative Komponente. Ob 

Gewahrsam besteht, bestimmt sich nach den allgemeinen Anschauungen und 

den Regeln des sozialen Lebens (BGE 132 IV 108 E. 2.1; NIGGLI/RIEDO, Basler 

Kommentar, 4. Aufl. 2019, Art. 139 StGB N. 18). Bruch des Gewahrsams ist die 

Aufhebung des fremden Gewahrsams gegen den Willen des bisherigen Inha-

bers. Ein solcher erfolgt in der Regel dadurch, dass die Sache aus dem Macht-

bereich des Berechtigten entfernt wird (Urteil des Bundesgerichts 6B_1360/2019 

vom 20. November 2020 E. 2.3.1; NIGGLI/RIEDO, a.a.O., Art. 139 StGB N. 24 f.). 

Der subjektive Tatbestand erfordert Vorsatz (Art. 12 Abs. 1 und Abs. 2 StGB) so-

wie eine Aneignungs- und unrechtmässige Bereicherungsabsicht. 

2.1.3 Der Dieb wird mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht unter 

90 Tagessätzen bestraft, wenn er gewerbsmässig stiehlt (Art. 139 Ziff. 2 aStGB, 

in der bis am 30. Juni 2023 geltenden Fassung). Das neue, seit 1. Juli 2023 in 

Kraft stehende Recht sieht für gewerbsmässigen Diebstahl Freiheitsstrafe von 

sechs Monaten bis zu zehn Jahren vor (Art. 139 Ziff. 3 lit. a StGB). Das neue 

Recht ist für den Beschuldigten nicht milder, weshalb auf ihn das zur Tatzeit in 

Kraft gewesene Recht anzuwenden ist (Art. 2 Abs. 2 StGB e contrario). 

- 22 - 

SK.2024.9 

2.1.4 Gewerbsmässigkeit ist bei berufsmässigem Handeln gegeben. Nach bundesge-

richtlicher Rechtsprechung handelt berufsmässig, wenn sich aus der Zeit und den 

Mitteln, die der Täter für die deliktische Tätigkeit aufwendet, aus der Häufigkeit 

der Einzelakte innerhalb eines bestimmten Zeitraums sowie aus den angestreb-

ten und erzielten Einkünften ergibt, dass er die deliktische Tätigkeit nach der Art 

eines Berufs ausübt. Eine quasi «nebenberufliche» deliktische Tätigkeit kann ge-

nügen. Wesentlich ist, dass sich der Täter, wie aus den gesamten Umständen 

geschlossen werden muss, darauf eingerichtet hat, durch deliktische Handlun-

gen Einkünfte zu erzielen, die einen namhaften Beitrag an die Kosten zur Finan-

zierung seiner Lebensgestaltung darstellen; dann ist die (für die Qualifizierung) 

erforderliche soziale Gefährlichkeit gegeben. Der Täter muss dabei die Tat be-

reits mehrfach begangen haben, in der Absicht gehandelt haben, ein Erwerbs-

einkommen zu erlangen, und aufgrund seiner Taten muss darauf geschlossen 

werden, er sei zu einer Vielzahl von unter den entsprechenden Straftatbestand 

fallenden Taten bereit gewesen (BGE 123 IV 113 E. 2c mit Hinweis auf BGE 119 

IV 129 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 6B_311/2009 vom 20. Juli 2009 E. 2.3; 

BGE 116 IV 319 insbesondere E. 4; NIGGLI/RIEDO, a.a.O., Art. 139 StGB N. 89). 

2.1.5 Führt der Täter, nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder Verge-

hens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende oder tritt der zur Vollen-

dung der Tat gehörende Erfolg nicht ein oder kann dieser nicht eintreten, so kann 

das Gericht die Strafe mildern (Art. 22 Abs. 1 StGB). Nach der Rechtsprechung 

gehört zur Ausführung der Tat im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB jede Tätigkeit, 

die nach dem Plan, den sich der Täter gemacht hat, auf dem Weg zur Tatbe-

standsverwirklichung den letzten entscheidenden Schritt darstellt, von dem es in 

der Regel kein Zurück mehr gibt, es sei denn wegen äusserer Umstände, die 

eine Weiterverfolgung der Absicht erschweren oder verunmöglichen (sog. 

Schwellentheorie). Diese Formulierung bringt zum Ausdruck, dass sich der Be-

ginn des Versuchs nur über eine Kombination objektiver und subjektiver Ge-

sichtspunkte bestimmen lässt. Der Einbezug der Vorstellung des Täters von der 

Tat ist daher für die Bestimmung des Versuchs genauso unabdingbar wie die 

Berücksichtigung objektiver Kriterien für die Entscheidung der Frage, mit welcher 

Tätigkeit der Täter nach seinem Tatplan bereits zur Verwirklichung des Tatbe-

stands unmittelbar ansetzt (BGE 131 IV 100 E. 7.2.1 S. 103 f.; 120 IV 113 E. 1b 

S. 115; NIGGLI/MAEDER, Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, Art. 22 StGB N. 7, 10; 

STRATENWERTH, Schweizerisches Strafrecht, Die Straftat, 4. Aufl. 2005, § 12 

N. 30 ff.). Weil es sich beim Diebstahl um ein schlichtes Tätigkeitsdelikt handelt, 

kommt der vollendete (taugliche) Versuch nicht in Frage (NIGGLI/RIEDO, a.a.O., 

Art. 139 StGB N. 81). 

2.1.6 Liegt Gewerbsmässigkeit vor, bleibt das Asperationsprinzip gemäss Art. 49 StGB 

aus dem Spiel. Art. 139 Ziff. 2 aStGB (nunmehr: Art. 139 Ziff. 3 lit. a StGB) fasst 

die verschiedenen begangenen Delikte zu einer rechtlichen Einheit zusammen; 

die Deliktsmehrheit ist damit abgegolten. Das gilt sowohl für vollendete wie ver-

suchte Straftaten, ferner auch für solche, die noch ohne Erwerbsabsicht verübt 

- 23 - 

SK.2024.9 

wurden (NIGGLI/RIEDO, a.a.O., Art. 139 StGB N. 113; BGE 123 IV 113 E. 2d, mit 

Hinweis auf BGE 105 IV 157 E. 2 und 107 IV 172 E. 4; Urteil der Strafkammer 

des Bundesstrafgerichts SK.2017.36 vom 27. Oktober 2017 E. 2.3.5.2, nicht pu-

bliziert in TPF 2018 20). 

2.2 Anklagevorwurf 

Dem Beschuldigten wird gemäss Anklagepunkt 1.1.1 zusammengefasst vorge-

worfen, er habe in der Zeit vom 8. März 2021 bis am 2. Juli 2021 als Angestellter 

der Post CH AG und in seiner Funktion als Kundenberater auf der Postbetriebs-

stelle in U. (nachfolgend: Poststelle bzw. Postfiliale U.) während seiner Arbeits-

zeit den Bargeldinhalt von vier avisierten (eingeschriebenen) Briefpostsendun-

gen im Betrag von total Fr. 30'000.-- sowie EUR 14'200.-- (bzw. umgerechnet 

total Fr. 45'958.90) entwendet (nachfolgende Tabelle, Fälle 1-4). Weiter habe der 

Beschuldigte gemäss Anklagepunkt 1.1.2 versucht, am 6. Juli 2021 auf der Post-

stelle U. den Bargeldinhalt einer avisierten Briefpostsendung im Betrag von Fr. 

3'010.-- zu entwenden (nachfolgende Tabelle, Fall 5). 

Die Anklage stellt diese fünf Fälle tabellarisch wie folgt dar (Anklageschrift S. 3 

und 5; TPF 4.100.003, 4.100.005):  

 

Fall Sendung Deliktssumme Absender Empfänger Tatzeit 

1 Postsen-
dung / Nr. 1 

Fr. 15'000.00 
(14x1’000er 
Note, 10x100er 
Note) 

B. in X. F. in U. 8.-12. 
März 
2021 

2 Postsen-
dung / Nr. 2 

Fr. 15'000.00 
(12x1’000er 
Note, 10x200er 
Note, 10x100er 
Note) 

B. in X. F. in U. 19.-22. 
März 
2021 

3 Postsen-
dung / Nr. 3 

EUR 10'000.00 
(2x500er Note, 
50x100er Note, 
80x50er Note) 

B. in X. H. in U. 5.-7. 
Mai 
2021 

4 Postsen-
dung / Nr. 4 

EUR 4'200.00 
(10x10er Note, 
20x20er Note, 
20x50er Note, 
15x100er Note, 
6x200er Note) 

J. AG in W. K. in V. 1.-2. 
Juli 
2021 

5 Postsen-
dung / Nr. 5 

Fr. 3'010.00 
(20x50er Note, 
100x20er Note, 
1x10er Note) 

B. in X. H. in U. 6. Juli 
2021 

- 24 - 

SK.2024.9 

Die Anklage führt aus, der Beschuldigte habe in den Fällen 1 bis 4 wissentlich 

und willentlich den Gewahrsam der Post CH AG an den Briefpostsendungen mit-

samt den Sendungsinhalten gebrochen und die jeweiligen Eigentümer, d.h. die 

B. sowie die J. AG, dauernd enteignet, indem er während seiner Arbeit die vier 

Briefpostsendungen in der Poststelle behändigt, geöffnet und deren Bargeldin-

halt an sich genommen habe. Der Beschuldigte habe wissentlich und willentlich 

neuen, eigenen Gewahrsam an den Bargeldinhalten der Briefpostsendungen be-

gründet und sich diese zugeeignet. Im Moment der Wegnahme der Bargeldin-

halte aus den Briefpostsendungen habe er jeweils mit Aneignungsabsicht, d.h. 

mit der Absicht, über das Bargeld wie ein Eigentümer zu verfügen, sowie mit 

Bereicherungsabsicht gehandelt.  

Bei Fall 5 habe der Beschuldigte auf gleiche Art und Weise gehandelt, d.h. die 

Briefpostsendung in Aneignungs- und Bereicherungsabsicht geöffnet, jedoch 

den Gewahrsam der Post CH AG nicht gebrochen und das Bargeld in der Brief-

postsendung belassen. Zum Tatvorgang führt die Anklage aus, der Beschuldigte 

habe die für avisierte Briefpostsendungen vorgesehene Fristkiste (eine Kiste mit 

der Aufschrift «8700», «Frist U.») im ersten Obergeschoss der Poststelle U. ge-

holt und in den Schalterraum im Erdgeschoss und dort zum Kundenschalter Nr. 

15 verbracht, wo er die avisierten Briefpostsendungen aus der Fristkiste genom-

men, neben dem Kundenschalter Nr. 15 ausgebreitet und die Briefpostsendung 

mit dem Bargeldinhalt gemäss Fall 5 ausgewählt, sich daran den alleinigen Zu-

griff verschafft, diese geöffnet und hineingeschaut habe. Bloss aufgrund des Um-

stands, dass die Banknoten in der Briefpostsendung präpariert gewesen seien 

und der Beschuldigte die chemische Täterfalle beim Öffnen der Briefpostsen-

dung bemerkt habe, sei es nicht zum Diebstahl gekommen. 

2.3 Beweisergebnis 

2.3.1  

2.3.1.1 Mit Ausnahme der polizeilichen Einvernahme vom 7. Juli 2021 machte der Be-

schuldigte weder im Vorverfahren noch vor Gericht – abgesehen von ergänzen-

den Angaben zu seinen Einkünften und Ausgaben – Aussagen zur Sache und 

den ihm vorgehaltenen Tatvorwürfen (BA 13-00-0014 ff.; TPF 4.731.001 ff.). Der 

Beschuldigte bestritt vor Gericht die ihm vorgeworfenen Sachverhalte und Ankla-

gevorwürfe vollumfänglich und erklärte, dass er unschuldig sei (TPF 4.731.010). 

2.3.1.2 Gemäss Art. 10 Abs. 3 StPO geht das Gericht von der für die beschuldigte Per-

son günstigeren Sachlage aus, wenn unüberwindliche Zweifel daran bestehen, 

dass die tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat erfüllt sind. Diese 

Bestimmung operationalisiert den verfassungsmässigen Grundsatz der Un-

schuldsvermutung («in dubio pro reo»; Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK). 

Sie verbietet es, bei der rechtlichen Würdigung eines Straftatbestands von einem 

belastenden Sachverhalt auszugehen, wenn nach objektiver Würdigung der ge-

samten Beweise ernsthafte Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt tatsächlich 

- 25 - 

SK.2024.9 

so verwirklicht hat, oder wenn eine für die beschuldigte Person günstigere Tat-

version vernünftigerweise nicht ausgeschlossen werden kann (dazu eingehend 

BGE 144 IV 345 E. 2.2; siehe auch BGE 148 IV 409 E. 2.2; 145 IV 154 E. 1.1; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_916/2023 vom 1. Oktober 2024 E. 2.3).  

Liegen keine direkten Beweise vor, ist nach der Rechtsprechung auch ein indi-

rekter Beweis zulässig. Beim Indizienbeweis wird aus bestimmten Tatsachen, die 

nicht unmittelbar rechtserheblich, aber bewiesen sind (Indizien), auf die zu be-

weisende, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache geschlossen. Eine Mehrzahl 

von Indizien, welche für sich allein betrachtet nur mit einer gewissen Wahrschein-

lichkeit auf eine bestimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und insofern 

Zweifel offenlassen, kann in der Gesamtheit ein Bild erzeugen, das den Schluss 

auf den vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat oder Täter erlaubt (Urteile des 

Bundesgerichts 6B_916/2023 vom 1. Oktober 2024 E. 2.2; 6B_546/2023 vom 

13. November 2023 E. 1.3.2; 6B_1149/2020 vom 17. April 2023 E. 2.3.2.2; 

6B_926/2020 vom 20. Dezember 2022 E. 1.4.3; 6B_691/2022 vom 17. Oktober 

2022 E. 3.2.2). Auf das einzelne Indiz ist der Grundsatz «in dubio pro reo» nicht 

anwendbar (Urteile des Bundesgerichts 6B_699/2018 vom 7. Februar 2019 

E. 2.3.2; 6B_1077/2013 vom 22. Oktober 2014 E. 1.1.2). 

Auf die Frage, welche Beweismittel zu berücksichtigen und wie sie gegebenen-

falls zu würdigen sind, findet der In-dubio-Grundsatz keine Anwendung. Er 

kommt erst zum Tragen, nachdem alle aus Sicht des urteilenden Gerichts not-

wendigen Beweise erhoben und ausgewertet worden sind, das heisst, bei der 

Beurteilung des Resultats der Beweisauswertung. Angesprochen ist damit der 

auf die freie Würdigung der Beweismittel folgende Schritt vom Beweisergebnis 

zur Feststellung derjenigen Tatsachen, aus denen sich das Tatsachenfundament 

eines Schuldspruchs zusammensetzt (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.1 f.; Urteile des 

Bundesgerichts 6B_916/2023 vom 1. Oktober 2024 E. 2.3; 6B_1310/2023 vom 

19. August 2024 E. 2.2.2; 6B_1255/2021 vom 4. Dezember 2023 E. 1.2.3; 

6B_57/2023 vom 15. Mai 2023 E. 1.2.2; 6B_596/2021 vom 30. Januar 2023 

E. 3.3.2). Als Beweislastregel bedeutet der Grundsatz «in dubio pro reo», dass 

es Sache der Anklagebehörde ist, die Schuld des Beschuldigten zu beweisen. 

Der Grundsatz ist verletzt, wenn ein Beschuldigter (einzig) mit der Begründung 

verurteilt wird, er habe seine Unschuld nicht nachgewiesen (vgl. BGE 144 IV 345 

E. 2.2.3.3; Urteile des Bundesgerichts 6B_916/2023 vom 1. Oktober 2024 E. 2.4; 

6B_1310/2023 vom 19. August 2024 E. 2.2.2; 6B_157/2024 vom 3. Juni 2024 

E. 3.2; 6B_74/2023 vom 29. November 2023 E. 1.3.2). 

2.3.2 Fall 5 (Täterfalle vom 6. Juli 2021) 

2.3.2.1 Unbestritten und erstellt ist, dass der Beschuldigte am 6. Juli 2021 Dienst als 

Kundenberater hatte und in der Postfiliale U. anwesend war (vgl. Zeuge L., BA 

12-05-0008; Zeugin M., BA 12-06-0005).  

- 26 - 

SK.2024.9 

2.3.2.2 Erstellt ist weiter, dass sich Spuren der präparierten Briefpostsendung (Täter-

falle) an den Fingern des Beschuldigten fanden (E. 1.4.2). Gemäss Gutachten 

des FOR i.S.v. Art. 182 ff. StPO vom 29. September 2021 (BA 11-01-0045 ff.) 

stimmen diese Spuren, welche ab der rechten Hand (Hautproben ab Zeigefinger-

kuppe und Ringfingerkuppe Hand rechts) sichergestellt wurden, mit den Spuren 

überein, welche das chemische Material (Silbernitrat) am präparierten Couvert 

beim Kontakt mit Haut verursacht, nämlich den Einbau von Silber in die Haut. 

Das FOR hielt fest, dass die Verfärbungen auch durch einen indirekten Kontakt 

oder eine Kontamination mit Silbernitrat in der Morphologie analog der Täterfalle 

entstanden sein könnten (BA 11-01-0050). Für letztere Hypothese liegen indes 

keine konkreten Anhaltspunkte vor, weshalb sie ausgeschlossen werden kann. 

Das FOR bemerkte weiter, der Befund, dass die Menge und Verteilung der Ver-

färbungen stärker einem indirekten Kontakt entsprechen würden, stelle keinen 

Widerspruch zur Vorgehensweise des geständigen Täters dar. Es sei vorstellbar, 

dass das präparierte Couvert nicht direkt mit den Händen, sondern mittels Werk-

zeug und/oder Handschuhen geöffnet worden sei, wofür die Häufung von Parti-

keln an der Innenseite des rechten Handgelenks sprächen (BA 11-01-0050). Auf-

grund der gutachterlichen Feststellungen bestehen keine vernünftigen Zweifel 

daran, dass der Beschuldigte das präparierte Couvert am 6. Juli 2021 öffnete 

und sich dadurch Spuren von Silbernitrat an seinen Händen niederschlugen. 

2.3.2.3 Zur Vorgehensweise in der Postfiliale U. bei nicht zugestellten eingeschriebenen 

Briefpostsendungen (sog. avisierte Sendungen) erklärte der Zeuge G., als Er-

mittler bei der Post CH AG zuständig für Ermittlungen in Vermögensdelikten ge-

gen postinterne Täterschaften, dass die Briefträger nach Beendigung der Zustell-

tour die nicht zustellbaren Briefpostsendungen in einen Behälter im ersten Stock 

legen. Nach dem Mittag gehe ein Mitarbeiter der Poststelle in den ersten Stock 

zu Postmail, entnehme die avisierten Sendungen aus dem Behälter und bringe 

sie ins Erdgeschoss in die Postfiliale. Dort würden die Sendungen elektronisch 

erfasst und dann in einem Behältnis deponiert, bis der Kunde die Sendung – 

aufgrund der vom Briefträger im Briefkasten hinterlegten Abholungseinladung – 

am Schalter abhole. Es seien jeweils verschiedene Postmitarbeiter, welche die 

avisierten Sendungen im ersten Stock holen gehen, sie ins Erdgeschoss verbrin-

gen und dort elektronisch erfassen (BA 12-04-0010). Diese Vorgehensweise be-

stätigte der Zeuge L., welcher in der Postfiliale U. als Teamleiter der Briefträger 

tätig war. Der Zeuge erklärte, dass er nur für die Briefträger, aber nicht für die 

Schaltermitarbeiter zuständig gewesen sei; die Briefträger hätten keinen Zugang 

zur Schalterhalle (BA 12-05-0008 ff.). 

2.3.2.4 Zum Ablauf der Geschehnisse vom 6. Juli 2021 erklärte der Zeuge L., dass G. 

ihm ausserhalb der Poststelle einen eingeschriebenen Brief übergeben und die 

Anweisung erteilt habe, was er damit zu tun habe. Er habe den Brief an seinem 

Arbeitsplatz im ersten Stock der Poststelle U. in eine Schublade gelegt, nachdem 

er ihn mit dem Avis (Abholungseinladung) verknüpft und einen Streifen auf dem 

Umschlag angebracht habe. Um ca. 13.00 Uhr habe er den Brief mit 

- 27 - 

SK.2024.9 

Weiterleitung gescannt, d.h. den Barcode gescannt, und um 13.30 Uhr in die 

Fristkiste (Behältnis mit den avisierten Sendungen) bei seinem Arbeitsplatz ge-

legt. Um ca. 14.00 Uhr habe A. die Kiste mit den eingeschriebenen Sendungen 

mit einem Rollwagen geholt und sei mit dem Lift hinuntergefahren; vom ersten 

Stock könne er mit dem Lift nur ins Erdgeschoss oder ins Untergeschoss 1 oder 

2 gefahren sein. Er habe weitergearbeitet und wisse nicht, was nachher gesche-

hen sei. Den Avis – die Abholungseinladung für den Kunden – habe er um ca. 

15.00 Uhr G. übergeben, damit die Briefpostsendung am gleichen Tag abgeholt 

werden könne (BA 12-05-0008 f.). 

2.3.2.5 G. erklärte diesbezüglich, dass er am 6. Juli 2021 beim FOR die chemisch prä-

parierte Briefsendung, welche einen von der Polizei bereitgestellten Originalum-

schlag der B. mit Bargeld enthalten habe, zur Postfiliale U. gebracht und mit An-

weisungen an L. übergeben habe. Am späteren Nachmittag habe die Kundin, 

welche informiert gewesen sei, die Sendung auf der Poststelle abgeholt. Sie 

habe danach auf die Polizeistelle U. angerufen und gesagt, dass irgendetwas 

nicht stimme. Die Kundin sei von der Polizei abgeholt worden. Er (G.) habe sich 

bereits auf dem Polizeiposten befunden; er habe den Brief angeschaut und sofort 

gesagt, dass der Brief geöffnet und wieder verschlossen worden sei. Das sei für 

ihn klar sichtbar gewesen aufgrund der hinteren Lasche (Schliessteil mit Klebe-

verschluss); diese habe Spuren aufgewiesen, dass die Sendung geöffnet worden 

war (BA 12-04-0009 f.). Es sei klar gewesen, dass jemand von der Postfiliale die 

Sendung geöffnet haben müsse. An diesem Tag seien drei Mitarbeiter anwesend 

gewesen. L. könne er dabei ausschliessen, weil dieser seine Vertrauensperson 

gewesen sei. Sie hätten dann entschieden, zur Poststelle zu gehen, das FOR 

aufzubieten und die drei Mitarbeiter, welche die Möglichkeit gehabt hätten, die 

Sendung zu öffnen, kriminaltechnisch zu untersuchen (BA 12-04-0010 f.). Dabei 

hätten sich bei A. leichte Kontaminierungsspuren gezeigt; die beiden anderen 

Mitarbeiter seien negativ gewesen (BA 12-04-0011, -0014). 

2.3.2.6 Von Relevanz ist weiter, dass die als chemische Täterfalle präparierte Briefpost-

sendung nicht – wie sonst üblich – per Lastwagen vom Briefzentrum Zürich-Mül-

ligen zur Postfiliale U. zur Triage und nach erfolglosem Zustellungsversuch durch 

den Briefträger zurück in die Postfiliale befördert wurde, sondern direkt intern 

zwecks Weiterbearbeitung durch die Postfilialmitarbeiter in die Fristkiste «einge-

schleust» wurde, nachdem sie vom eingeweihten Zeugen L. wie eine nicht zuge-

stellte eingeschriebene Sendung erfasst worden war. Dadurch konnte der mög-

liche Täterkreis erheblich eingeschränkt werden; insbesondere konnten die Mit-

arbeiter des Briefzentrums, Lastwagenchauffeure sowie die Briefträger der Post-

filiale U. ausgeschlossen werden. Auch kann mit an Sicherheit grenzender Wahr-

scheinlichkeit eine allfällige Täterschaft von L. – als vom Ermittlungsdienst der 

Post bzw. von G. in die Vorgänge eingeweihte Person – ausgeschlossen werden. 

2.3.2.7 Von Bedeutung ist weiter, dass die präparierte Briefpostsendung an H. adressiert 

war – an dieselbe Person, wie im Falle des Diebstahls von EUR 10'000.-- aus 

- 28 - 

SK.2024.9 

der Sendung vom 5.-7. Mai 2021 (Fall 3). Damit besteht ein sachlicher Zusam-

menhang zwischen diesen Fällen; beide Briefe enthielten Bargeld. 

2.3.2.8 Der eingeweihte Zeuge L. sass, wie vorstehend erwähnt, am 6. Juli 2021 auf-

tragsgemäss an seinem Arbeitsplatz und beobachtete den Beschuldigten. Den 

Aussagen des Zeugen zufolge konnte somit niemand anderes als der Beschul-

digte die präparierte Briefpostsendung aus der Fristkiste genommen haben. Was 

mit dieser Sendung anschliessend geschah, bevor sie von H. am gleichen Tag 

am Schalter abgeholt wurde, hatte niemand beobachtet. Da aber nur beim Be-

schuldigten Spuren dieser Briefpostsendung kriminaltechnisch festgestellt wer-

den konnten, ist auszuschliessen, dass einer der beiden anderen Postmitarbeiter 

– die grundsätzlich auch einen Zugriff auf diese Sendung hatten (vgl. BA 12-06-

0005) – die präparierte Briefpostsendung geöffnet hatte. 

2.3.2.9 Eine besondere Auffälligkeit hatte der Zeuge L. bereits anlässlich der ersten Tä-

terfalle am 23. Juni 2021 beobachtet: Der Zeuge stellte fest, dass der Beschul-

digte sämtliche Briefpostsendungen aus der Fristkiste im ersten Stock nahm und 

hinunter in die Postfiliale brachte, danach aber die präparierte Sendung wieder 

hochbrachte und unter die Fristkiste legte. Dieser Vorgang sei «sowas von ko-

misch» gewesen und entspreche nicht dem üblichen Vorgehen. Später habe eine 

andere Mitarbeiterin diese Sendung geholt (BA 12-05-0009 f.). 

2.3.2.10 Eine Merkwürdigkeit beim Vorfall vom 6. Juli 2021 ist im Umstand zu erblicken, 

dass der Beschuldigte in der Einvernahme vom 7. Juli 2021 erklärte, er habe die 

nicht zugestellten eingeschriebenen Couverts bei Postmail geholt und diese an 

seinem Schalter Nr. 15 auf Fehlleitungen untersucht (BA 13-00-0002 f.). Das 

Prüfen der Sendungen auf Fehlleitungen gehört offensichtlich nicht zu den übli-

chen Aufgaben eines Schalterangestellten (Zeuge L., BA 12-05-0011). 

2.3.2.11 Aufgrund der überzeugenden und übereinstimmenden Aussagen der Zeugen G. 

und L. war die Täterfalle einwandfrei präpariert und der fragliche Briefumschlag 

in einem guten Zustand und korrekt verschlossen. Ein zufälliges Öffnen kann 

ausgeschlossen werden (BA 12-04-0012 f., 12-05-0012). Die Aussage des Be-

schuldigten, dass er das fragliche Couvert beim Prüfen der Briefsendungen auf 

Fehlleitungen hin «schon halb offen» bzw. «leicht offen» vorgefunden habe, ist 

daher als Schutzbehauptung zu werten (BA 13-00-0002 f.). 

2.3.2.12 Damit steht fest, dass der Beschuldigte – namentlich aufgrund der Kontaminie-

rung seiner Hand – als einzige Person in Frage kommt, welche die fragliche Brief-

postsendung geöffnet und dabei offensichtlich nach deren Inhalt geforscht hatte; 

ein anderer Grund für das Öffnen ist nicht ersichtlich und ebenso wenig plausibel. 

2.3.2.13 Vor diesem Hintergrund ist wenig überraschend, dass der Beschuldigte bei sei-

ner Anhaltung zunächst erklärte, dass er das «schon halb offen» gewesene Cou-

vert aufgemacht und wieder zugemacht habe; er habe aber nichts entwendet 

- 29 - 

SK.2024.9 

oder sonst etwas gemacht (BA 13-00-0002). Auf Nachfrage, ob er das präzisie-

ren könne, erklärte er, das sei bei der Post üblich. Wenn ein Paket offen an-

komme, dann schaue jeder Mensch nach, was drin sei, und mache es wieder zu. 

Er habe das «leicht offen» gewesene Couvert ganz aufgemacht, reingeschaut 

und es wieder zugemacht. Er habe das «aus purer Neugierde» gemacht; er habe 

«keine Ahnung». Er habe das Couvert «einfach aus Neugierde» noch ganz ge-

öffnet; es habe ihn «einfach Wunder genommen» (BA 13-00-0002 f.). Er habe 

gesehen, dass noch ein (anderes) Couvert darin gewesen sei (BA 13-00-0003). 

Auch dieses Verhalten des Beschuldigten ist als Schutzbehauptung zu werten: 

Sämtliche befragten Mitarbeiter der Post CH AG dementierten die Erklärung des 

Beschuldigten und gaben an, dass eine ganz oder teilweise offene Sendung auf 

keinen Fall geöffnet und nicht in diese hineingeschaut werden dürfe, sondern 

dem zuständigen Dienst zuzuleiten sei (BA 12-04-00013, 12-05-0012, 12-06-

0007). Als ausgebildeter Postmitarbeiter (TPF 4.731.003) hatte der Beschuldigte 

Kenntnis vom strafrechtlich geschützten Postgeheimnis bzw. musste ihm dieses 

bekannt gewesen sein. Er anerkannte denn auch ohne weiteres, mit dem Öffnen 

des Briefes gegen das Postgeheimnis verstossen zu haben (BA 13-00-0008). 

Daher ist nicht plausibel, weshalb er das angeblich halb offene Couvert ganz 

öffnete, statt beispielsweise seine Arbeitskollegin M., welche gemäss Darstellung 

des Beschuldigten (BA 13-00-0003) – wie auch gemäss Aussage von M. selber 

als Auskunftsperson (BA 12-06-0005 f.) – die Kiste mit den avisierten Briefpost-

sendungen zum Scannen an sich nahm, zu informieren, dass sich darunter ein 

beschädigter Brief befand. Als einziger nachvollziehbarer Grund kommt nur das 

Nachforschen nach dessen Inhalt in Frage. 

2.3.2.14 Ein nicht unerhebliches Indiz, das für eine mögliche Täterschaft des Beschuldig-

ten spricht, sind seine finanziellen Verhältnisse im Zeitraum um den 6. Juli 2021 

sowie einige Monate davor. Darauf wird hinten näher eingegangen (E. 2.3.4.6).  

2.3.2.15 Eine ebenfalls mögliche Täterschaft des Postmitarbeiters I. – welcher, ausser 

dem Beschuldigten, als einziger Kundenberater bzw. Schaltermitarbeiter in allen 

Zeitperioden, in welchen ein Entwenden des Bargeldes aus den Briefpostsen-

dungen in den Fällen 1-4 sowie bei der Täterfalle (Fall 5) in der Postfiliale U. 

möglich war (d.h. in der Zeit zwischen der Ablage der avisierten Briefsendung in 

der Fristkiste durch den Briefträger und der Herausgabe an den Kunden am 

Schalter), Dienst hatte und in der Postfiliale U. anwesend war (BA 12-04-0011, 

12-04-0023 und 10-01-0126 [Anwesenheitsliste]) – kann mit objektivierbaren 

Gründen ausgeschlossen werden. Insbesondere zeigten sich keinerlei Auffällig-

keiten in seinen finanziellen Verhältnissen. Für den vom Beschuldigten als Indiz 

für eine mögliche Täterschaft I.s vorgebrachten Besitz einer Armbanduhr im an-

geblichen Wert von Fr. 10'000.-- (BA 13-00-0007) liegt eine Quittung für den Er-

werb einer Rolex-Uhr am 6. April 2019 zum Preis von Fr. 8'900.-- vor (BA 12-07-

0008, 15-06-0014). Ein sachlicher Zusammenhang mit den angeklagten Dieb-

stählen kann somit ausgeschlossen werden. Der weitere Erwerb einer Tudor-Uhr 

durch I. zum Preis von ca. Fr. 3'500.-- im Jahr 2020 oder 2021 ist mit dessen 

- 30 - 

SK.2024.9 

damaligem Einkommen bei der Post CH AG und seinen Wohnverhältnissen – er 

wohnte bei seinen Eltern und hatte in U. eine Studiowohnung – erklärbar (BA 12-

07-0008 f.). Im Übrigen zeigten die von I. eingereichten Steuerunterlagen 2020 

und 2021 keine Auffälligkeiten (BA 15-06-0003 ff.). 

2.3.2.16 Zusammenfassend ist erstellt, dass der Beschuldigte am 6. Juli 2021 in der Post-

filiale U. die von der Polizei präparierte Briefsendung, die sich in einem korrekt 

verschlossenen Briefumschlag befand und ein Couvert mit Bargeld in der Höhe 

von Fr. 3'010.-- enthielt, behändigte, öffnete, nach deren Inhalt forschte und den 

Briefumschlag wieder verschloss, ohne deren Inhalt zu entnehmen. Eine allfällige 

andere, theoretisch mögliche Täterschaft kann ausgeschlossen werden. 

2.3.3 Nachdem andere Handlungsmotive nicht nachvollziehbar sind und ausgeschlos-

sen werden können, kann als erstellt gelten, dass das Handeln des Beschuldig-

ten ausschliesslich auf das Behändigen des Bargeldinhaltes gerichtet war. Auf-

grund der Beschaffenheit der Briefsendung, die wegen des Inhalts von 121 Bank-

noten (20 Stück à Fr. 50.--, 100 Stück à Fr. 20.--, 1 Stück à Fr. 10.--) eine gewisse 

Dicke aufwies, und der Aufschrift «B.» auf dem inneren Umschlag musste der 

Beschuldigte annehmen, dass sich Geld darin befand (BA 11-01-0084, USB-

Stick FOR, Rubrik 80616508, Aufnahmen FOR, Aufnahmen Atelier). Von «purer 

Neugierde», was sich im Briefumschlag befunden haben könnte, kann daher 

keine Rede sein. Die diesbezüglichen Aussagen des Beschuldigten erweisen 

sich vielmehr als reine Schutzbehauptungen. 

2.3.4 Fälle 1-4 

2.3.4.1 Im Weiteren ist zu prüfen, ob der Beschuldigte auch für die anderen, zuvor er-

folgten Diebstähle – die Fälle 1-4 gemäss Anklage – als Täter in Betracht kommt. 

2.3.4.2 In Bezug auf die Briefpostsendungen an F. vom 8. März 2021 und 19. März 2021 

(Fälle 1 und 2, je eine Sendung von Bargeld von Fr. 15'000.--), an H. vom 5. Mai 

2021 (Fall 3, Sendung von Bargeld von EUR 10'000.--) und an K. vom 1. Juli 

2021 (Fall 4, Sendung von Bargeld von EUR 4’200.--) steht fest, dass die jewei-

ligen Adressaten von der Post eine Abholungseinladung erhielten und nach dem 

Abholen der Sendung am Postschalter feststellten, dass in der Briefpostsendung 

das jeweils bei der B. (Fälle 1-3) bzw. bei der J. AG (Fall 4) bestellte Bargeld 

fehlte, obwohl im Lieferschein der bestellte Geldbetrag und die jeweilige Stücke-

lung aufgeführt waren (Fall 1: BA 10-01-0001 ff./-0018 ff. /-0058 ff.; Fotodoku-

mentation «Datenträger», «Inhalt USB-Stick von FOR, pag. 11-01-0084», Datei 

«79849437» / Aufnahmen FOR; Fall 2: BA 10-01-0005 ff./-0023 ff.; Fotodoku-

mentation «Datenträger», «Inhalt USB-Stick von FOR, pag. 11-01-0084», Datei 

«79908057»; Fall 3: BA 10-01-0045 ff.; Fotodokumentation «Datenträger», «In-

halt USB-Stick von FOR, pag. 11-01-0084», Datei «80220071»; BA 12-04-0023; 

Fall 4: BA 10-01-0116 ff. inkl. Fotodokumentation; BA 12-04-0025). Damit kann 

als erstellt gelten, dass der Inhalt dieser Briefpostsendungen jeweils in der Zeit 

- 31 - 

SK.2024.9 

zwischen der Aufgabe durch den Absender bei der Post und dem Abholen durch 

den Empfänger am Postschalter durch jemanden entwendet worden war. 

2.3.4.3 In Bezug auf die Briefpostsendungen an F. vom 8. März 2021 und 19. März 2021 

(Fälle 1 und 2) und an H. vom 5. Mai 2021 (Fall 3) ist als gemeinsames Merkmal 

festzustellen, dass diese Sendungen professionell geöffnet und nach Entnahme 

des Inhalts mit Klebestreifen verschlossen wurden. Aufgrund der Anzahl der in 

diesen Sendungen enthaltenen Banknoten (Fall 1: 24 Banknoten; Fall 2: 32 

Banknoten; Fall 3: 132 Banknoten) waren die Dicke und Beschaffenheit aller be-

troffenen Couverts für eine postinterne Täterschaft auffällig. Der Täterschaft 

musste bei blosser Behändigung dieser Briefpostsendungen bewusst gewesen 

sein, dass diese Briefpostsendungen Geld enthalten konnten. 

2.3.4.4 In Bezug auf die an H. adressierte Sendung vom 5. Mai 2021 (Fall 3) steht fest, 

dass H. am 5. Mai 2021 bei der B. Bargeld im Betrag von EUR 10'000.-- bestellte 

(BA 10-01-0059). Gemäss Angaben von H. erhielt sie am 7. Mai 2021 um ca. 

11.00 Uhr eine Abholungseinladung, und sie holte noch am selben Tag, um ca. 

16.15/16.30 Uhr, das Couvert bei der Postfiliale in U. ab (BA 10-01-0059). Auf 

der Postfiliale U. wurde die Abholung dieser Sendung am 7. Juli 2021 um 16.32 

Uhr registriert, wobei die Herausgabe durch den Beschuldigten erfolgte (BA 12-

04-0016, -0023).  

Dabei fällt auf, dass diese Briefpostsendung gerade nicht, wie es dem vorgese-

henen Prozedere entsprechen würde, von einem der Schaltermitarbeiter elektro-

nisch als «Ankunft» (d.h. als im Bereich Postschalter im Erdgeschoss eingetrof-

fen und zur Herausgabe an die Kundschaft bereitstehend; BA 12-04-0012, 12-

05-0010, 12-06-0004, 12-07-0004 f.) registriert worden war (BA 12-04-0016, -

0023). Für das Abholen der avisierten Sendungen im ersten Stock gibt es keine 

fixe Arbeitszuteilung; dies erfolgte durch einen der Schaltermitarbeiter, welcher 

gerade Zeit hat. Auch das Registrieren bzw. Scannen der avisierten Sendungen 

als «Ankunft» am Postschalter erfolgt durch einen der Schaltermitarbeiter, der 

gerade Zeit für diese Aufgabe hat, und nicht notwendigerweise durch diejenige 

Person, welche die avisierten Sendungen im ersten Stock abholt und ins Erdge-

schoss bringt. Dabei kommt es vor, dass an einem Arbeitstag verschiedene Mit-

arbeiter die avisierten Sendungen als «Ankunft» registrieren (BA 12-04-0010, 12-

04-0012, 12-06-0004 ff., 12-07-0004 f.). Laut dem Zeugen G. ist diese Registrie-

rung eine Pflicht der Schalterbeamten. Er hielt fest, dass diese Pflicht bei der 

Sendung gemäss Fall 3 nicht befolgt wurde (BA 12-04-0016). Der Zeuge L. er-

klärte, aufgrund der Registrierung der Briefpostsendungen als «Ankunft» könne 

genau festgestellt werden, wo eine eingeschriebene Sendung verloren gegangen 

sei bzw. wo sie sich gerade befinde (BA 12-05-0010).  

Es steht fest, dass der Beschuldigte am 7. Mai 2021 in der Postfiliale U. anwe-

send war und von 07.20 bis 10.45 Uhr und von 13.40 bis 18.15 Uhr Dienst hatte 

(BA 12-04-0023); auch an den beiden Vortagen vom 5. und 6. Mai 2021 hatte er 

- 32 - 

SK.2024.9 

zu diesen Zeiten Dienst (BA 10-01-0069). Erstellt ist, wie bereits erwähnt, dass 

die Aushändigung der Briefpostsendung an H. am Schalter am 7. Mai 2021 um 

16.32 Uhr durch den Beschuldigten erfolgte (BA 12-04-0016, -0023, -0024). Spä-

testens im Moment der physischen Aushändigung der Briefpostsendung an H. 

hätte der Beschuldigte demnach erkennen müssen, dass diese noch nicht als 

«Ankunft» registriert worden war – ein Vorgang, welcher vor der Herausgabe der 

Briefpostsendung ohne weiteres noch hätte nachgeholt werden können und auch 

müssen. Diese Unterlassung erscheint umso mehr als sonderbar und unerklär-

lich, als der Beschuldigte anschliessend, d.h. ab 17.23 Uhr, noch alle restlichen 

avisierten Sendungen dieses Tages registrierte (BA 12-04-0016 und 12-04-0024 

[Auszug Kassenjournal vom 7. Mai 2021]).  

2.3.4.5 Bezüglich der an F. adressierten Briefpostsendungen vom 8. März 2021 und 19. 

März 2021 (Fälle 1 und 2) steht – wie bereits erwähnt – fest, dass der Beschul-

digte im Zeitraum, in welchem sich die beiden Briefpostsendungen im Schalter-

bereich in der Postfiliale U. befanden (d.h. in der Zeit zwischen der Registrierung 

der Sendung als «Ankunft» und der Herausgabe an F.), Dienst hatte, nämlich am 

11. und 12. März 2021 (Fall 1) sowie am 19. und 22. März 2022 (Fall 2; BA 12-

04-0015 f., -0023). Am 19. März 2021, als die zweite Sendung als «Ankunft» 

registriert wurde (Fall 2), war der Beschuldigte anwesend. In beiden Fällen war 

er zudem am Tag der Abholung der Sendung anwesend. Der Beschuldigte nahm 

zwar weder die Registrierung der Sendungen als «Ankunft» vor, noch war er es, 

der sie an F. herausgab (BA 12-04-0015 f., -0023). Auf dem ersten an F. adres-

sierten Couvert konnten jedoch seine Fingerabdrücke festgestellt werden (E. 

1.3.3; BA 10-01-0018 ff., 11-01-0001 ff.). Da der Beschuldigte in Bezug auf diese 

Sendung weder die Registrierung als «Ankunft» machte noch die Sendung an 

die Kundin herausgab (BA 12-04-0023), ist dies als gewichtiges Indiz für seine 

Täterschaft zu werten. Dies umso mehr, weil er am 10. März 2021 (Datum der 

Registrierung als «Ankunft») nicht Dienst hatte und seine daktyloskopischen 

Spuren nicht etwa anlässlich des Holens der Fristkiste mit den avisierten Sen-

dungen im ersten Stock – was durch einen anderen Postmitarbeiter erfolgt sein 

musste – oder beim anschliessenden «Scannen» dieser Briefpostsendungen auf 

das Couvert gelangt sein konnten. 

2.3.4.6 Zu seiner Vermögenssituation im fraglichen Zeitraum, welche aufgrund seines 

deklarierten Einkommens als Postmitarbeiter nicht nachvollziehbar ist, konnte 

der Beschuldigte keine plausiblen Erklärungen machen (vgl. vorne E. 2.3.2.14). 

Es wäre ihm ohne weiteres möglich gewesen, entlastende, das heisst seine Ver-

mögenszuflüsse und angebliche Nebeneinkünfte erklärende Belege vorzulegen. 

Die zum Teil erheblichen Vermögenszuflüsse in Form von Bareinzahlungen auf 

das Konto des Beschuldigten bei der N. AG – am 17. April 2021 in der Höhe von 

Fr. 5'000.-- und am 2. Mai 2021 in der Höhe von Fr. 8'000.-- – sind nicht mit 

dessen damaligen Arbeitseinkommen von monatlich ca. Fr. 4'200.-- netto (BA 

13-00-0004) erklärbar, und es ist nicht ersichtlich, wie er seinen im fraglichen 

- 33 - 

SK.2024.9 

Zeitraum teilweise aufwändigen Lebensstil anders hätte finanzieren können. Der 

Beschuldigte erklärte zwar vor Gericht, dass er seit Jahren monatlich einen Be-

trag von Fr. 1'600.-- von seinem Konto abhebe und seinem Vater übergebe, der 

es für ihn aufbewahre. Wenn er Geld benötige, hole er es beim Vater ab und 

bezahle seine Ausgaben bzw. zahle das Geld auf sein Konto ein (TPF 4.731.011 

ff., 4.731.016 f.). Für diese Behauptung fehlen jegliche Belege, weshalb sie als 

Schutzbehauptung zu werten ist. Auch die Aussage des Beschuldigten, dass er 

aus Handel mit Markenschuhen und -kleidern – damals wie heute – einen Ne-

benerwerb von monatlich Fr. 2'500.-- erziele (TPF 4.731.004), ist durch keinerlei 

Anhaltspunkte belegt und ebenfalls als Schutzbehauptung zu werten. Des Wei-

teren sind auch angebliche regelmässige Gewinne aus Pokerspiel und Online-

Casino – mit Ausnahme eines Online-Casino-Gewinns von Fr. 5'152.-- im Feb-

ruar 2021 (BA 10-02-0033 f.) – nicht erstellt (TPF 4.731.004 f., 4.731.017). Er-

stellt ist hingegen, dass der Beschuldigte gelegentlich Online-Casino spielte (BA 

10-02-00034) und gemäss eigener Aussage regelmässig an Pokerturnieren teil-

nahm, wobei jeder Teilnehmer einen Einsatz von Fr. 500.-- leistete. Solche 

Glücksspiele sind offensichtlich mit erheblichen Auslagen verbunden. Zu simpel 

erscheint daher die Erklärung des Beschuldigten, «manchmal gewinnt man, 

manchmal nicht» (TPF 4.731.005). Der Beschuldigte will zudem bei Online-Casi-

nos in den letzten Jahren Gewinne von bis zu ca. Fr. 10'000.-- bis Fr. 15'000.-- 

jährlich erzielt und dabei nur geringe Verluste erlitten haben (TPF 4.731.005). 

Gemäss den allgemein bekannten Wahrscheinlichkeitsstatistiken sind indes bei 

Casino-Spielen die Verlustchancen erheblich grösser als die Gewinnchancen. 

Sodann greift die Erklärung des Beschuldigten zu kurz, dass er den Kleiderhan-

del nur als Hobby und keine Firma betreibe und deshalb die Einkünfte von mo-

natlich Fr. 2'500.-- nicht in der Steuererklärung deklariert habe (TPF 4.731.004). 

Belege oder Indizien, die seine Behauptungen untermauern, liegen nicht vor. 

Zu den Ausgaben des Beschuldigten sind verschiedene Auffälligkeiten festzu-

stellen. Anlässlich der Hausdurchsuchung am Wohnort des Beschuldigten wurde 

eine Armbanduhr Rolex Submariner, Seriennummer 6, zum Kaufpreis von Fr. 

13'600.--, inkl. auf den Namen des Beschuldigten lautender Kaufquittung, datie-

rend vom 27. März 2021, sichergestellt (BA 10-02-0033, 10-02-0023). Auf Vor-

halt erklärte der Beschuldigte am 7. Juli 2021, das Geld für diese Uhr stamme 

von ihm; zusätzlich habe er im Online-Casino ca. Fr. 6'000.-- gewonnen, und am 

1. März 2021 habe er zum Geburtstag Geld erhalten (BA 13-00-0006 f.). Vor Ge-

richt erklärte der Beschuldigte auf Vorhalt, dass dieser Kauf weniger als eine Wo-

che nach dem zweiten Diebstahl erfolgte und der Kontostand seines N.-Kontos 

im Zeitpunkt des Uhrenkaufs bzw. während des ganzen Monats März 2021 im 

Bereich von +/- Fr. 1'000.-- lag: «Ich will dazu nur sagen: Wenn man die edierten 

Kontoauszüge genau anschaut, sieht man auch, dass ich jeden Monat Fr. 1'600.-

- in bar bezogen habe, und das seit 2013, und das jeden Monat. Das ist sicher 

auf den Kontoauszügen ersichtlich» (TPF 4.731.011). Die Bundeskriminalpolizei 

(BKP) wertete die edierten Kontoauszüge des Privatkontos des Beschuldigten 

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mit IBAN […] und des Sparkontos mit IBAN […] bei der N. aus. Andere Konto-

verbindungen des Beschuldigten bei der N. bestanden nicht (BA 10-02-0036 ff., 

07-01-0001 ff.). Der Kontoauszug für das Sparkonto betraf die Zeitspanne vom 

1. Juli 2020 bis 31. Dezember 2022 (BA 07-01-0042). Es konnte lediglich ein 

Kontoübertrag vom Privatkonto auf das Sparkonto in der Höhe von Fr. 250.-- mit 

Valuta 30. Juli 2021 festgestellt werden. Abgesehen von diesem Übertrag befand 

sich kein Vermögen auf dem Sparkonto (BA 10-02-0035 f.). Bezüglich des Pri-

vatkontos wurde zunächst von der Staatsanwaltschaft See/Oberland am 12. Juli 

2021 die Edition der Kontoauszüge für die Periode 1. März 2021 bis 31. Mai 2021 

verfügt (BA 07-01-0001 ff.). Folgende Bargeldbezüge sind ersichtlich (Valutada-

tum): 1. März 2021 Fr. 1'000.--, 25. März 2021 Fr. 3'204.50, 2. April 2021 

Fr. 1'000.--, 17. April 2021 Fr. 50.--, 22. April 2021 Fr. 400.--, 24. April 2021 

Fr. 100.--, 25. April 2021 Fr. 700.--, 28. April 2021 Fr. 100.--, 12. Mai 2021 Fr. 80.-

-, 14. Mai 2021 Fr. 20.--, 15. Mai 2021 Fr. 200.--, 28. Mai 2021 Fr. 100.--, 29. Mai 

2021 Fr. 100.--. Ausserdem erfolgten Belastungen als «Gemischte Transaktio-

nen»: 23. April 2021 Fr. 3'644.25, 27. Mai 2021 Fr. 3'432.25 (BA 07-01-0010 ff.). 

Ausser den bereits erwähnten Bareinzahlungen am 17. April 2021 von Fr. 5'000.-

- und am 2. Mai 2021 von Fr. 8'000.-- erfolgte am 24. März 2021 eine Bareinzah-

lung im Betrag von Fr. 600.-- (BA 07-01-0010). Am 6. Januar 2022 verfügte die 

Bundesanwaltschaft sodann die Edition der Kontoauszüge betreffend das Privat-

konto für die Periode 1. Juli 2020 bis 31. Dezember 2021 (BA 07-01-0025 ff.). 

Die BKP ermittelte, dass der Bargeldbezug vom 25. März 2021 von Fr. 3'204.50 

in einem Umfang von Fr. 1'604.50 im Zusammenhang mit Posteinzahlungen vom 

gleichen Tag für diverse Rechnungen stand (BA 10-02-0038, -0041, -0111, TPF 

4.721.031). Dieser Bargeldbezug konnte somit höchstens z