# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1211ecb9-5c6f-5b8d-9979-d9841ec61abf
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-08-30
**Language:** de
**Title:** Gestützt auf Gutachten und unter Berücksichtigung der neuen Rechtsprechung zu den somatoformen Schmerzstörungen angepasst vollumfänglich arbeitsfähig. Rentenausschliessender Invaliditätsgrad gestützt auf Einkommensvergleich.
**Docket/Reference:** IV.2015.00213
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2015.00213.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2015.00213
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Gerichtsschreiberin Schwegler
Urteil
vom
30. August 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Bernhard
Zollinger
Rämistrasse
5, Postfach 462, 8024 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1961, meldete sich am
1
2.
Juni 2013
(Eingangsda
tum) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
unter Hinweis auf einen Unfall am 1
8.
Dezember 2010
zu
r
Früherfassung
(
Urk.
11/3
).
Am
2.
Juli
2013
(Eingangsdatum) meldete sie sich zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/10).
Die IV-Stelle tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und
holte
ein
bidisziplinäre
s
Gutachten (Rheumatologie und Psychiatr
ie)
ein (Gutachten
vom 1
2.
September 2014
,
Urk.
11/45; vgl
.
Urk.
11/42 und
Urk.
11/44)
. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 1
2.
November 2014,
Urk.
11/5
2
; Einwand vom 1
8.
November 2014,
Urk.
11/53;
Rückzug Einwand vom
9.
Januar 2015,
Urk.
11/59) wies die IV-Stelle das
Leis
tungsbegehren
mit Verfügung vom 1
5.
Januar 2015 ab (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 1
6.
Februar 2015 Beschwerde (
Urk.
1; ergän
zende Beschwerdebegründung vom 2
3.
Februar 2015,
Urk.
4) und bean
tragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei ihr eine ganze Rente auszurichten. Eventualiter seien weitere Sachverhaltsabklärungen vom Gericht durchzuführen,
subeventualiter
sei die Sache zur weiteren Abklärung zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um unentgeltliche
Pro
zessführung
und Bestellung von Rechtsanwalt Bernhard
Zollinger
als unent
geltliche
n
Rechtsbeistand. Mit Beschwerdeantwort vom
7.
April 2015 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
11/1-69), was der Beschwerdeführerin am
8.
April 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
12).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hielt dafür, dass die Beschwerdeführerin gestützt auf das
bidisziplinäre
Gutachten in einer angepassten Tätigkeit nie langdauernd arbeitsunfähig gewesen sei und die angestammte Tätigkeit als
Coiffeuse
sowie die Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin ein
er angepassten Tätigkeit entspre
che und zu 100
%
zumutbar sei. Entsprechend erleide die Beschwerdegegnerin keine Einkommenseinbusse und der Invaliditätsgrad betrage 0
%
(
Urk.
2;
Urk.
10).
Die Beschwerdeführerin brachte demgegenüber vor,
das
Valideneinkommen
sei konkret zu berechnen und
sei mit
Fr.
44‘054.75 zu tief veranschlagt (
Urk.
1). Des Weiteren sei beim psychosomatischen Konsilium im
Universitätsspital Y.___
eine chronische Schmerzstörung diagnostiziert worden, woraus eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit
resultiere. De
n
Gutachter
n
der
Beschwerde
gegnerin
sei die
Krankengeschichte
nicht zur Verfügung gestanden
- e
ntspre
chend könne
auf das Gutachten
nicht abgestellt werden. Die angefochtene Verfügung sei ungenügend begründet, da die Beschwerdegegnerin darin davon ausgehe, dass auch die bisherige Tätigkeit noch vollumfänglich ausgeübt wer
den könne, ohne dass diese Feststellung auf die Akten gestützt werden könne (
Urk.
4).
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.
2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
2.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
3
.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stellte in der angefochtenen Verfügung
vom 1
5.
Januar 2015 (
Urk.
2)
im Wesentlichen auf das
bidisziplinäre
Gutachten von
Dr.
med. Z.___
, Innere Medizin FMH spez. Rheumaerkrankungen, und Prof.
Dr.
med. A.___
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH und Neurologie FMH,
ab. Darin werden die bis zur Begutachtung der Beschwerdeführerin aktenkundigen medizinischen Berichte zusammengefasst (Urk.
11/42/5 ff.; vgl.
Urk.
7/44/4),
weshalb sie an dieser Stelle nicht noch ein
mal wiedergegeben werden. Soweit erforderlich, wird in den nachfolgenden Erwägungen aber darauf Bezug genommen.
3.2
3.2.1
Dr.
Z.___
und Prof.
A.___
hielten in ihrer
b
idisziplinäre
n
Zusammenfas
sung fest, dass keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vorliege. Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zeitige folgende Diagnose (
Urk.
11/45):
-
Verminderte Belastb
arkeit und Beschwerden der Lendenwirbelsäule (LWS)
bei
-
hyperostostischer
Spondylosis
deformans
L1 bis L5 mit geringen bilate
ralen
Diskusprotrusionen
L3/L4 und L4/
L5 ohne Kompression neur
aler Strukturen (MRI 12/2011)
-
ohne
radikuläre
Zeichen
Die Beschwerdeführerin kö
nn
e
eine angepasste LWS-schonende Tätigkeit zu 100
%
ausüben bezogen auf ein Pensum von 100
%
. Dabei kö
nn
e
sie Lasten bis zu 12.5 kg
hantieren. Im Haushalt bestünden
keine Einschränkungen
(
Urk.
11/45)
.
In einer angepassten Tätigkeit
habe
nie eine lang andauernde Arbeitsunfähig
keit
bestanden
.
Aus den Unterlagen gehe
nicht hervor, ab
wann sie
eine nicht angepasste Tätigkeit nicht mehr
habe
ausüben k
önnen (
Urk.
11/45)
.
3.2.2
Dr.
Z.___
notierte
im rheumatologischen Teilgutachten
folgende Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
11/42/45)
:
-
Nikotin-Abusus
-
Ausgedehnte chronische Schmerzen
-
Vit
amin D-Mangel (Erstdiagnose 03/2014)
-
damals Vitamin 26
nmol
/l
-
aktuell Vi
tami
n D 43
nmol
/
l
• trotz Absetzen der Vitamin-Subst
i
tution
-
Hyperchol
esterinämie (5.7 mmol/l)
-
Stat
us nach
Malleolar
-Fraktur links am 1
8.
Dezember
2010 mit
-
Osteosynthese am 1
8.
Dezember
2010 und
• Entfernung des O
steosynthese-Materials am 1
6.
Juli
2012 mit
-
bildgebend unauffäll
igem Sprunggelenk mit intakter
Syndesmose
und
intaktem Bandapparat (MRI 01/
2013)
Die Beschwerdeführerin sei
eine kräftige 53-jährige Frau. Sie
habe am 1
8.
Dezember
2010 eine
Mal
leolar
-Fraktur links
erlitten
, wie oben detailliert beschrieben
sei
. Die Fraktur
sei osteo
synthetisch vers
orgt worden. Das Osteo
synthese-Material sei am 1
6.
Juli
201
2 operativ ent
fernt
worden. Sie klage nun ü
ber Schmerzen in der ganzen Wirbelsäule, vor allem lumbal
mit Ausstrahlung in das ganze linke Bein. Deshal
b könne sie nicht mehr arbeiten
(
Urk.
11/42/46)
.
In der klinischen Untersuchung
seien
Diskrepanzen auf
gefallen
. Der intermittie
rend hink
ende Gang normalisiere sich bei Ablenkung. Die Beweglichkeit der LWS sei in der Lateral
flexion beidseits leicht eingeschränkt.
Bei der Prüfung der Beweglichkeit der
Brustwirbelsäule (
BWS
)
und der
Halswirbelsäule (
HWS
)
zeige
die Beschwerdeführerin
eine sehr stark eingeschränkte Beweglichkeit. Unter Ablenkung ve
rbessere
sich die Beweglichkeit der BWS und der HWS d
eutlich.
Radikuläre
Zeichen seien nicht vorhanden. Der
Lasè
gue
sei
beidseits normal. Das Becken sei
gerade. Alle
grossen peripheren Gelenke seien normal bewegl
ic
h, insbesondere auch die Sprung
gelenke beid
seits. Nirgends seien
Gelenksergüsse,
Synovitiden
oder überwärmte Gelenke vorhanden. Die Muskulatur
an den Bei
nen sei symmetrisch. Eine lang an
dauernde Schonung des linken Beines gegen
über dem rechten Bein k
ö
nn
e
daraus nicht abgeleitet werden. Die Bioimpeda
nz-Analyse zeige eine erfreulich kräftige Muskel
masse von 52
%
, welche den Normwert von 40
%
weit übertreffe
. Eine lang andauernde körperliche Scho
nung k
ö
nn
e
daraus nicht abgeleitet
werden. In der
Dolorimetrie
seien
alle 18 Tender Points pathologisch sowie alle acht Kontrol
lpunkte. Dies entspreche
einem pathologischen
Dolorimetrie
-Befund i
m Sinne einer Schmerzausweitung
(
Urk.
11/42/46)
.
Die MRI
-
Untersuchung des oberen Sprunggel
enks links (01/2013) zeig
e einen unauf
fälligen Befund
mit intakter
Syndesmose
und
intaktem
Ban
dapparat. Auch die MRI-Untersuchung des Beckens und der
ISGs
(12
/2011) zeige
altersentspre
chende
Befunde.
In
der MR
I-Untersuchung der LWS (12/2011) sei
eine
hyper
ostotische
Spondy
losis
deformans
mit geringen bilateralen
Diskusprotrusionen
L3/L4 und L4/
L5 sichtbar ohne
Kompression neuraler Strukturen.
Diese
b
ildge
benden
Befunde der LWS seien
keinesfalls gravierend. Um der
Beschwerdefüh
rerin
jedoc
h nicht Unrecht zu tun,
seien
diese Befunde dennoch unter den Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt, obwohl di
es durch
aus diskutiert werden kö
nn
e (
Urk.
11/42/46).
Die au
sgedehnte Blutuntersuchung zeige
eine leichte Hyper
cholesterinämie. Der bereits 03/2014 festgestellte Vitamin D-Mangel habe
sich deutlich gebessert, obwohl die
Beschwerdeführerin die 03/
2014 begonnene Vitamin D-Substitution vor einem Monat ab
gesetzt habe
. Die Entzündungszeichen (Blutsenku
ng und
C-reaktives Protein) seien
normal, wie auch der Rheumafaktor, die
Anticitrullin
-Antikörper und der ENA-Suchtest. Ein Schmerzmittel
oder ein anderes Medika
ment habe
sie in den Tagen vor dieser Untersuchung nicht gebraucht
(
Urk.
11/42/46)
.
Bei
der Beschwerdeführerin bestünden
strukturelle Veränderungen im Bereich der LWS, die ihre Leistungsfähigkeit einschränk
ten. Die
Malleolar
-Fraktur links vom 1
8.
Dezember 2010 sei
geheilt
.
Die vorhandenen Befunde erklär
t
en das Ausmass
ihrer Beschwerden nicht. Sie kö
nn
e
eine angepasste Tätigkeit zu 100
% ausüben bezogen auf ein Pensum von 100
%
(
Urk.
11/42/47).
Sie klage
nicht über Hands
chmerzen. Ihr Handeinsatz sei bei der Untersuchung beidseits normal. Sie kö
nn
e
ihr Auto mit Gangschaltung auf kurzen S
trecken selbst lenken. Dafür sei
sowohl eine zuverlässige Funktion der
Hände wie auch beider Füsse notwendig. Sie kö
nn
e
ihren Kompressions
strumpf ohne Hilfsmittel selbst an- und aus
ziehen, w
as eine gute Handkraft erfordere. Sie komme
mit einer grossen
Handtasche sowie einem Sack voll
medizinischer Unterlagen zur Untersuchung, d
ie sie beide problemlos handhabe
. Sie verabschiede sich nach der Untersuchung mit einem kräftigen Handschlag rechts. Die Fingerkuppen beider Daumen und Zeigefinger w
iesen
Gebrauchsspuren auf, die
sie auf das Putzen zurückführe. Das sei plausibel. Die Ge
brauchsspuren zeig
t
en, dass
d
ie
Beschwerdeführerin
aktuell lang andauernd kraftvoll b
eide Hände
einsetze
. Dis
krepant dazu sei
die gezeigte maximale Handkraft
rechts
von
54
%
der Norm und links 39
%
. Aus rheumatologischer Sicht gebe
es kein
e Ursache für eine deutlich ver
minderte H
andkraft beidseits. Hier bestehe
sicher eine
Selbstlimi
tierung
bei der Unter-
suchung (
Urk.
11/42/47).
Die Beschwerdeführerin sei
durch die eingeschränkte Funktion der LWS limi
tiert. Gemäss den Empfehlungen der Swiss Insurance
Medicine
(SIM) ha
be
eine eingeschränkte Funktio
n der LWS folgende Auswirkungen
:
„
Rückenfunktions
einschränkungen
können sich je nach Art und
Ausma
ss unter
schiedlich auf die Fähigkeit auswirken, häufig Lasten ohne H
il
fsmittel zu heben und zu tragen. Das längere Verharren in vornüber gene
igter Haltung - ob stehend oder si
tzend
- ist
zu vermeiden. Ebenso sind unerwartete, asymmetrische Lasteinwirkungen
auszu
schliessen. Eher günstig sin
d wechselbel
astende Tätigkeiten“ (
Urk.
11/42/48).
Die Beschwerdeführerin
k
ö
nn
e Lasten bis zu 12.
5 kg heben oder tragen (leich
tes bis knapp mittelschweres Bel
astungsniveau
). Leichte Reinigungsarbeiten kö
nn
e
sie zu 100
%
ausüben bezogen auf ein Pensum von 100
%
. Die anges
tammte Tätigkeit bei der
B.___
kö
nn
e sie unein
geschränkt ausüben, da es sich um le
ichte Reinigungsarbeiten handle. Es sei
denkbar, dass bei de
r Tätigkeit als Raumpfle
gerin im
Haushalt, ei
n Teilbereich nicht zumutbar sei
, da sie dabei Lasten über 12
.5 kg hantieren mü
ss
e
. Als
Coiffeuse
mit Fähigkeitsausweis k
ö
nn
e
sie unein
geschränkt arbeiten mit einem Pensum von 100
%
. In ihrem Haushalt bestehe
keine Einschränkung. Bei besonders LWS-belastenden Tätigkeit h
elfe ihr Sohn (
Urk.
11/42/48).
3.2.3
Prof
.
A.___
hielt als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit 1) eine Schmerzverarbeitungsstörung (Psychologische Faktoren und
Verhal
tensfaktoren
bei andernorts klassifizierten Krankheiten) mit maladaptivem
Copingstil
(Durchhaltestrategien), therapierbar (ICD-10 F54) und 2)
eine
histrio
nische
Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73.1) fest (
Urk.
11/44/20).
Prof
.
A.___
konstatierte, dass i
m Vordergrund des ps
ychopathologischen Bildes
Schmerzen
stünden
, wobei die
Beschwerdeführerin
eine
Durchhaltestra
tegie
mit vordergründig ausgeglichener Stimmung, Gegenwartsorientierung und positiver Lebenssicht und ein psychisches Belastun
gserleben negierend demonstriere. Die Befunddarstellung wirke dabei
histrionieform
. Differentialdi
agnostisch sei
zunächst an eine chronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren (ICD-10 F 45.41) zu denken. Für die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Fak
toren gemäss ICD-10 F
45.41 sprä
chen die Symptomausweitung (
Schmerzhemisymp
tomatik
links), ein Dauerschmerz und die Fixierung auf ein somatisches
Krank
heitskonzept
. Andererseits nehme die Beschwerdeführerin
Schmerzmittel nur bei sehr starken Schmerzen ein, womit die bestehende Schmerzsymptom
atik unzu
reichend therapiert sei. Gegen eine Störung nach F45.41 sprä
chen das Fehlen eines Ganzkörperschmerzes, das Vorhandensein einer noch deutlichen Variation der Schmerzintensität, sowie das relativ gute Ansprechen einer
Sch
merzmedi
kation
. Letztendlich sei das Fehlen einer psychodynam
ischen Komponente im Zusammenhang mit dem Auftreten der Beschwerden und di
e fehlende subjek
tive Beeinfl
ussbarkeit der Schmerzen durch psycho
soziale und/oder emotionale Faktoren/
Stress das Hauptargument gegen eine chronische
Schmerzstörung gemäss ICD-10 F
45.4
1.
Somit liege
(noch) kein
syndromales
Krankheitsbild (PÄUSBONOG-Rechtsprechung) vor. D
ie diagnostischen Kriterien seien
nicht vollumfänglich erfüllt
(
Urk.
11/44/17)
.
Diagnostisch sei
von einer Schmerzverarbeitungsstörung gemäss IC
D-10 F
54 auszugeh
en: Psychologische Faktoren
und Verhaltensfaktoren bei andern
orts klassifizierten Krankheiten. Diese Kategorie soll
e
gemäss ICD-10 Anleitung ver
wendet werden, um psychische und Verhaltensfaktoren zu erfassen, die wahr
scheinlich eine wesentliche Rolle in der Manifestation körperlicher Krankheiten spiel
t
en, was
bei
der Beschwerdeführerin der Fall sei (
Urk.
11/44/18)
.
Prognostisch halte
er
die Psychopathologie der
Beschwerdeführerin
für ein „psy
chisches Pulverfass". Unter Hinzutreten weitere
r
Belastung
sfaktoren sei
unter Kontroll-/Autonomieverlust ein rascher Wechsel in eine Depression und/oder eine somatoforme Schmerzstörung möglich. Eine psychiatrische Behandlung und psy
chotherapeutische Therapie soll
e unbedingt alsbald erfol
gen. Eine adäquate medikamentöse Schmerztherapie unter Einsatz einer schmerzdistanzierenden anti
depressiven Medikation erscheine
aus gutachterli
cher Sicht sinnvoll. Zudem sollten
der Beschwerdeführerin
alternative
Schmerz
bewältigungsstrategien
und Entspannungstechniken beigebracht werden
(
Urk.
11/44/18)
.
B
eurteile
man die vorliegende
Schmerzverarbeitungsstörung als sogenanntes
„
syndromales
Stö
rungsbild", dann sei
en
nach den bundesgerichtlichen Vorga
ben
die Förster-Kriterien zu prüfen
, welche in
casu
überwiegend nicht erfüllt seien, so dass aus rein versicherungsmedizinisch-psychiatrischer Sicht derzeit keine Einschränkung der Überwindbarkeit vorliege (
Urk.
11/44/18 f.).
Prof
.
A.___
wies darauf hin, dass er in seiner
Beurteilung der beruflichen Leistungsfähigke
it im IV-relevanten Sinne soziokulturelle und psychosoziale Faktoren (wie z
.B. Alter und Geschlecht, sprachliche Verständigungsschwierig
keiten) ausgeschlossen
habe
. Unter Beachtung der obigen Vorgaben
lägen
bei der
Beschwerdeführerin zwar psychosoziale Faktoren (z.
B. Sprachschwierigkei
ten) vor, diese dominier
t
en das psychopathologische Bild jedoch nicht. Aus psy
chiatrisch-versicherun
gsmedizinischer Sicht lägen
keine psychiatrische(n) Erkrankung(en) mit nachfolgenden
handicapierenden
Fähigkeitsstörungen vor, die geeignet
wäre(n),
die
Arbeitsfähigkeit seit Antragstel
lung und mittel- und langfristig über 20
%
zu mindern
(
Urk.
11/44/21)
.
Es könn
t
en keine Therapieempfehlungen zur Verbesserung der Arbeitsfähigkeit gemacht werden, da aus rein psychiatrischer Sicht gegenwärtig k
eine Arbeits
unfähigkeit vorliege. Allerdings sei
zur Vermeidung einer Verschlechterung des psyc
hopathologischen Bildes eine mul
tidisziplinäre Schmerzthe
rapie unter Ein
satz
medikamentöser und
nonmedikamentöser
Methoden dringend indiziert. Ohne adäquate t
herapeutische Interventionen hal
te
er
die Prognose für proble
matisch
(
Urk.
11/44/21)
.
4.
4.1
Das
bidisziplinäre
G
utachten von
Dr.
Z.___
und Prof
.
A.___
(
Urk.
11/45;
Urk.
11/42;
Urk.
11/44) beruht
auf für die streitigen Belange umfassenden fach
ärzt
lichen Untersuchungen und wurde
insbesondere
in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) verfasst
(vgl.
Urk.
11/42/5 ff.;
Urk
11/44/4)
. Die Gutachter haben detaillierte Befunde und hieraus begründete Diagnosen erhoben, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten
der Beschwerdeführerin
auseinandergesetzt. Zudem haben sie die medi
zinischen Zustände und Zusammen
hänge einleuchtend dargelegt und ihre Schlussfolge
rungen
nachvollziehbar begründet. Das
bidisziplinäre
Gutachten
erfüllt
daher die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an beweistaugliche ärztliche
Ent
s
cheidungsgrundlagen
(vgl. E. 2.4
). Namentlich
erlaubt es
auch eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren gemäss dem Urteil des Bundesgerichtes BGE 141 V 281 (vgl. dazu
E. 4.3
).
4.2
Die Beschwerdeführerin brachte vor, es sei gestützt auf das psychosomatische Konsilium eine chronische Schmerzstörung diagnostiziert worden, woraus eine vollständige Arbeitsunf
ähigkeit resultiere (
Urk.
4). Prof
.
A.___
setzte sich eingehend mit den
Vorakten
auseinander und stellte überzeugend dar, warum er eine
andere
Diagnose stellte (
Urk.
11/44/16).
4.3
4.3.1
Der psychiatrische Gutachter prüfte die Überwindbarkeit
der
Schmerzverarbei
tungsstörung
anhand der sogenannten Förster-Kriterien und kam zu dem Ergebnis, dass die entsprechenden Prognosekriterien nicht erfüllt seien (Urk.
7/44/18 f.
).
Bei einer chronischen Schmerzstörung wäre gleich vorzuge
hen, womit
- wie folgend gezeigt wird -
im Resultat ohnehin offengelassen werden könnte
,
ob eine chronische Schmerzstörung oder eine
Schmerzverar
beitungsstörung
vorliegt.
4.3.2
Mit
BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursa
che und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 u
nd anschliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die
Invaliditätsbemes
sung
stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berück
sichtigen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen nieder
schlagen muss. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit bezweckte die durch BGE
130 V 352 begründete Rechtspre
chung die Sicherstellung eines gesetzmässigen Versicherungsvollzuges mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise
(seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der
Überwindbarkeitsver
mutung
. Deren Rechtsnatur kann offen bleiben. Denn an dieser Rechtsprechung ist nicht festzuh
alten. Das bishe
rige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein st
rukturiertes Beweisverfahren er
setzt. An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – ausschliessliche Berücksichtigung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung und objektivierte Zumutbarkeitsprüfung bei materieller Beweisl
ast der rentenansprechenden Per
son (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändert sich dadurch
nichts. An die Stelle des bishe
rigen Kriterienkatalogs (bei anhaltender somatoformer Schmerzstörung und vergleichbaren psychosomatischen Leiden) trete
n im Regelfall beachtliche Stan
dardindikatoren. Diese lassen sich in die Ka
tegorien Schweregrad und Konsis
tenz der funktionellen Auswirkungen ein
teilen. Auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und die
Präponderanz
der psychiatrischen Komorbidität ist zu verzichten. Der Prüfungsraster ist recht
lich
er Natur. Recht und Medizin wir
ken sowohl bei der Formulierung der
Stan
dardindikatoren
wie auch bei deren – rechtlich gebotener – Anwendung im Ein
zel
fall zusammen. Im Grunde konkre
tisieren die in E. 4 und 5 formulierten Beweisthemen und Vorgehensweisen für die Invaliditätsbemessung bei psycho
somatischen Leiden die gesetzgeberischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die
Anerkennung eines rentenbegrün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, w
enn die funktionellen Auswirkun
gen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der
Standardindi
katoren
schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahr
scheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt e
s da
ran, hat die Folgen der
Beweislo
sigkeit
nach wi
e vor die materiell beweisbelas
tete versicherte Person zu tragen (E. 6).
Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren, welche nach gemeinsamen Eigenschaften systematisiert werden können, umschreibt das Bundesgericht i
n
BGE 141 V 281
wie folgt:
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
-
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
(E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen; E. 4.3.2)
-
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens; E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Lei
dens
druck
(E. 4.4.2)
Die Antworten, welche die medizinischen Sachverständigen anhand der (im Einzelfall relevanten) Indikatoren geben, verschaffen den Rechtsanwendern In
dizien, wie sie erforderlich sind, um den Beweisnotstand im Zusammenhang mit der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit bei psychosomatischen Störungen zu überbrücken (E. 4.1.3).
4.3.3
Prof
.
A.___
notierte einen weitgehend unauffälligen
Psychostatus (in Anl
eh
nung an die AMDP-Richtlinien)
. S
o bestand insbesondere auch kein Hinweis darauf, dass das subjektive Schmerzerleben im Mittelpunkt des Denkens stehe oder gar das Denken beherrsche. Eine beginnende Symptomausweitung (
Halb
seitenschmerz
) liege vor. Klinisch fänden sich Hinweise auf eine
histrionische
Persönlichkeitsakzentuierung und die Versicherte sei wegen ihrer Schmerzen bei somatischem Krankheitskonzept nur mässig motiviert, ihre Putztätigkeit fort
zusetzen (
Urk.
11/44/13 f.).
Eine psychiatrische Behandlung erfolge derzeit nicht und sie erhalte keine psychi
atrische Medikation (
Urk.
11/44/12).
In somatischer Hinsicht ha
b
e die Beschwerdeführerin zum Begutachtungszeitpunkt eine Physiotherapiepause (
Urk.
11/42/36)
gehabt und ausgeführt
, dass sie Schmerzmittel nur bei Bedarf einnehme. Das Schmerzmittel
Mefenacid
500 mg habe sie zuletzt vor zehn Tagen gebraucht. Manchmal reibe sie schmerzhafte Stellen mit
Fastum
Gel ein. Das Johanniskrau
t
Präparat
Rebalance
habe
sie
zuletzt im Mai 2014 geschluckt. Mit den ViDe3 Trop
f
en habe sie einen Monat vor der Begutachtung aufgehört (
Urk.
11/42/37
; vgl. auch
Urk.
11/44/10
).
Behandlungsanamnestisch ist damit
von einem eher geringen Leidensdruck auszugehen.
Die Beschwerdeführerin habe
regelhaft zu zwei guten Freundinnen und der Fami
lie Kontakt, diese Kontakte seien ihr sehr wichtig. Sie fühle sich sozial nicht isoliert (
Urk.
11/44/8). Des Weiteren leb
e
sie zusammen mit ihrem 26-jäh
rigen Sohn und ha
be
einen um 12 Jahre älteren Lebensgefä
hrten (
Urk.
11/44/7). Die Beschwerdeführerin verfügt damit über ein gutes soziales Umfeld
.
Zum Tagesablauf führte die Beschwerdeführerin in der psychiatrischen Begutach
tung aus, s
ie stehe jeden Morgen gegen 06.30 Uhr auf. Nach der Mor
gentoilette (ca. 20 Minuten) trinke
sie einen Kaffee und frühstücke.
Sie
gehe
ca. 2
0 Minuten spazieren. Dabei mache
sie eine Pause. Wenn sie
in die Häuslichkeit zurückkehre, sitze
sie ab, je nachdem wie stark die Schmerzen
seien. Dann mache
sie noch eine Kaff
eepause. Danach lese
sie die Zeitung.
Sie
bereite sich etwas Kleines zum Mittagess
en, welches sie alleine einnehme. Danach liege
sie für ca. eine Stunde ab.
Sie absolviere
für ca. 20 Minuten ein
krankengymnast
i
sches
Hausprogramm und
gehe
wieder sp
azieren. Nach der Rückkehr mache
sie eine Stunde Pause
. Dann erledige
sie leichte Hausarbeiten. Alle s
chweren Haus
arbeiten übernähmen
der
Sohn und der Freund.
Sie
liege
erneut ab. Bevor der Sohn zwischen 17.30 Uh
r und 18.00 Uhr nach Hause komme
, h
abe
sie das Na
chtessen gekocht. Am Abend sitze
sie mit d
em Sohn zusammen oder man schaue
gem
einsam Fernsehen. Manchmal mache
sie auch
etwas Handarbeiten. Zu Bett gehe
sie zwischen 22.00 Uhr und 22.30 Uhr
(
Urk.
11/44/11)
.
4.3.4
Gesamthaft ist
aufgrund dieser Feststellungen nicht von einem hohen
Schwere
grad
der funktionellen Auswirkungen der Schmerzverarbeitungsstörung auszu
gehen und der Leidensdruck ist - insbesondere behandlungsanamnestisch - als gering zu beurteilen. Daneben verfügt
d
ie
Beschwerdeführerin
über gute Res
sourcen - sie pflegt regelmässige Kontakte und betätigt sich mehrfach täglich körperlich. Damit ist auch unter Berücksichtigung der neuen
bundesgerichtli
chen
Rechtsprechung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Schmerzverarbeitungsstörung keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zeitigt.
5.
Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen der in qualitativer Hinsicht eingeschränkten Arbeitsfähigkeit.
5.1
Gestützt
auf das Gutachten
ist die Beschwerdeführerin
in einer LWS-schonen
den Tätigkeit vollumfänglich
arbeitsfähig und kann Lasten bis 12.5 kg hantie
ren. Im Haushalt ist
sie
nicht eingeschränkt (
Urk.
11/45).
Dr.
Z.___
führte des Weiteren aus, dass die Beschwerdeführerin i
n der angestammten
Tätigkeit bei der
B.___
nicht eingeschränkt
sei
, da es sich um leichte Reinigungsarbeiten handle. Es sei denkbar, dass bei der Tätigkeit als Raumpflegerin im Haushalt ein Teilbereich nicht zumutbar sei, da sie dabei Lasten über 12.5 kg hantieren müsse. Als
Coiffeuse
könnte sie uneingeschränkt arbeiten (
Urk.
11/42/48).
5.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz
der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkom
mensvergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5.3
5.3
.1
Die Beschwerdeführerin arbeitete gemäss eigenen Angaben anlässlich des
Erstge
sprächs
für die Eingliederungsberatung vom
2.
Oktober 2013 seit 20 Jah
ren in einem Teilzeit-Pensum bei der
B.___
. Zudem habe sie 10 Haushalte betreut. Bis zu ihrem Unfall habe sie 80-90
%
gear
b
eitet, seit dem
1.
Juni 2011 arbeite sie nur noc
h 11
%
bei der
B.___
in
C.___
(
Urk.
11/24/2; vgl. auch Aus
zug aus dem individuellen Konto vom 2
4.
Juli 2013,
Urk.
11/13)
.
Für das
Valideneinkommen
ist das in den Jahren vor dem Unfall erzielte Einkom
men heranzuziehen.
In den Jahren 2007 bis 2010
erzielte die Beschwer
deführerin Einkommen in Höhe von
jeweils ca.
Fr.
50‘000.--
(
2007 =
Fr.
48‘372.--; 2008 =
Fr.
51‘361.--; 2009 =
Fr.
48‘367.--; 2010 =
Fr.
50‘984.--; vgl.
Urk.
11/13)
bei einem Pensum von 80-90
%
.
5.3
.2
Der Beschwerdeführerin ist gestützt auf die gutachterlichen Ausführungen eine
angepasste LWS-schonende Tätigkeit
mit Lastenheben bis zu 12.5 kg vollum
fänglich zumutbar
.
Aufgrund
der im Sozialversicherungsrecht geltenden Schadenminderungspflicht und
unter Berücksichtigung, dass die Beschwerdeführerin
keinerle
i
Betreuungs
pflichten
mehr hat
,
ist es ihr
zumutbar, eine angepasste Tätigkeit in vollem Pensum auszuüben -
dies wurde auch
seitens der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung angenommen und
blieb
von der Beschwerdeführerin unbestritten (vgl.
Urk.
1 und
Urk.
4,
Urk.
2).
Da ihr Reinigungsarbeiten im Haushalt entsprechend den gutachterlichen Aus
führungen allenfalls zum Teil aufgrund des schweren Hebens nicht mehr zumutbar
sind
, ist nicht der Tabellenlohn für Reinigungsarbeiten nach der Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (BFS) sondern derje
nige für allgemeine Hilfsarbeiten heranzuziehen. Gestützt auf die LSE 2012 beträgt der Lohn für einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Natur für Frauen monatlich
Fr.
4‘112.-- (LSE 2012, TA1 Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Wirtschaftszweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht, Pri
vater Sektor, Kompetenzniveau 1, Frauen, Total), womit für das Jahr 2012 unter Berücksichtigung der betriebsüblichen Wochenarbeitszeit von 41.7 Stunden
(BFS,
T 03.02.03.01.04.01
, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilung in Stunden pro Woche, Total)
ein Invalideneinkommen in Höhe von
Fr.
51‘441.10
resultiert (
Fr.
4‘112 : 40 x 41.7 x 12).
Vollständigkeitshalber ist
festzuhalten, dass die geringen qualitativen Einschränkungen der Arbeitsfähig
keit keinen Leidensabzug zu rechtfertigen vermögen.
5.
3
.3
Bei der Gegenüberstellung des
Durchschnittsvalideneinkommens
der Jahre 2007 - 2010 in Höhe von
ca.
Fr.
50‘000.--
und dem anrechenbaren
Invalidenein
kommen
für das Jahr 2012 in Höhe von
Fr.
5
1‘441.10 wird ersichtlich, dass
kein annähe
r
nd rentenrelevanter Invaliditätsgrad resultiert.
Damit erweist sich die angefochtene Verfügung im Resultat als richtig und die Beschwerde ist vollumfänglich abzuweisen.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
6
.2
Der vorliegende Prozess kann nicht als von vornherein aussichtslos bezeichnet werden. Des Weiteren ist die Beschwerdeführerin bedürftig (
Urk.
9/11). Antrags
gemäss (
Urk.
1) ist ihr deshalb die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. Die der Beschwerdeführerin aufe
rlegten Gerichtskosten sind dem
nach einst
weilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Da zudem die anwaltliche Vertretung der Beschwerdeführerin geboten war, ist ihr Rechtsanwalt Bernhard
Zollinger
als unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bestellen. Rechtsanwalt Bernhard
Zollinger
machte mit seiner Honorarnote vom
2
4.
August 2016 (
Urk.
13) einen Aufwand von 7
Stunden und Barauslagen von
Fr.
40.30
geltend, was
angesichts der sehr knapp gehaltenen Eingaben als klar überhöht erscheint,
weshalb Rechtsanwalt Bernhard
Zollinger
ermessensweise mit Fr. 1‘3
00.--
(inklusive Mehrwertsteuer von 8
%
)
aus der Gerichtskasse zu entschädigen ist.
Kommt die Beschwerdeführerin künftig in günstige wirtschaftliche Verhältnisse, so kann sie das Gericht zur Nachzahlung der Auslagen für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichten (
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das
Sozialversiche-rungsgericht
,
GSVGer
).
Das Gericht beschliesst,
In Bewilligung des Gesuchs vom
1
6.
Februar 2015 wird der Beschwerdeführerin
die unent
geltliche Prozessführung
gewährt und Rechtsanwalt Bernhard
Zollinger
, Zürich,
als unent
geltliche
r Rechtsvertreter
für das vorliegende Verfahren bestellt,
und erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der
Beschwerdeführerin
auferlegt
, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse genommen.
Die Beschwerdeführerin
wird
auf
die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Der unentgeltliche Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt Bernhard
Zollinger
,
Zürich
,
wird
mit
Fr.
1‘
3
00.--
(inkl. Barauslagen
und
MWSt
) aus der Gerichts
kasse entschädigt.
Die Beschwerdeführerin wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Bernhard
Zollinger
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstSchwegler