# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0274c647-cab2-5c2a-9991-bb00c3c35de7
**Source:** Appenzell Ausserrhoden (AR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-01-01
**Language:** de
**Title:** Appenzell Ausserrhoden Obergericht 1. Abteilung O1Z-14-5
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AR_Gerichte/AR_OG_001_O1Z-14-5_nodate.pdf

## Full Text

Rechtsmittel-Klägerin 
Klägerin 

A___ 
 
vertreten durch: RA AA___  

 
 
 
Rechtsmittel-Beklagter 
Beklagter  

Kanton Appenzell Ausserrhoden , Regierungsgebäude, 
9100 Herisau  
 
vertreten durch: RA BB___ 

 
 
 

 
  

Obergericht Appenzell Ausserrhoden  
1. Abteilung  
 

Entscheid vom 27. Oktober 2015  
 

Mitwirkende Obergerichtsvizepräsident W. Kobler 
Oberrichterin S. Rohner 
Oberrichter B. Oberholzer, H. P. Blaser, H. Zingg 
Obergerichtsschreiberin B. Widmer 
 
 

Verfahren Nr. O1Z 14 5 
 
 

Sitzungsort Trogen 

Gegenstand Staatshaftung  

 

Seite 2 

Rechtsbegehren  
 
 
a) Klägerin und Rechtsmittel-Klägerin: 

 
aa) im erstinstanzlichen Verfahren: 
 

  Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin CHF 671'368.10 zu bezahlen, nebst 
Zins zu 5%  

 
  auf CHF  50'000.00 ab   4. März 2000 
  auf CHF  68'458.10 ab 15. Februar 2002 
  auf CHF  512'020.55  ab   1. Januar 2004 
  auf CHF  17'268.60 ab   1. Februar 2003 
 
  alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Beklagten.  
 

 
 bb) im zweitinstanzlichen Verfahren: 

 
1. Das Urteil des Obergerichts vom 27. Februar 2013 (Verfahren Nr. II 03 19) sei 

aufzuheben und die Klage gutzuheissen.  
 

2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Beklagten.  
 
 
b) Beklagter und Rechtsmittel-Beklagter: 

 
 aa) im erstinstanzlichen Verfahren: 
 

1. Die Klage sei vollumfänglich abzuweisen. 
 
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.  

 
 

 bb) im zweitinstanzlichen Verfahren: 
 
 in der Rechtsmittelantwort vom 2. Dezember 2014: 

1. Auf die Klage sei nicht einzutreten.  
 
2. Die Klage sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist, und das Urteil des 

Obergerichtes vom 27. Februar 2013 sei zu bestätigen. 
 

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Beklagten (recte: der 
Klägerin). 

 
  in der Eingabe vom 26. Januar 2015: 

1. Die Klage sei abzuweisen und das Urteil des Obergerichtes vom 27. Februar 
2013 sei zu bestätigen. 

  
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Klägerin. 
 

 

 

Seite 3 

Sachverhalt 

 

A. Übersicht 

A___ wurde am XX.XX.1953 in Südkorea geboren und lebt seit 1965 in der Schweiz. Sie 

war bis zu ihrem Spitaleintritt als Lehrerin für Handarbeit und Turnen in C___ tätig. Sie ist 

mit D___ verheiratet und Mutter dreier Kinder. Die Klägerin und Rechtsmittel-Klägerin 

(nachfolgend Klägerin genannt) wurde am 21. Januar 2000 auf Veranlassung des 

Nephrologen Dr. E___, Chefarzt am Kantonalen Spital Herisau, wegen progredienter 

Ödeme in das Kantonale Spital Herisau eingewiesen; die Diagnose lautete auf Minimal 

Change Glomerulonephritis (nephritisches Syndrom, entzündliche Nierenerkrankung). Die 

Klägerin wurde am 25. Januar 2000 wieder aus dem Spital entlassen (vorinstanzliche 

Akten, nachfolgend „v“ genannt, act. v1.1/4.1-31). Sie wurde jedoch in der Zeit vom 30. 

Januar bis 8. Februar 2000 erneut hospitalisiert (act. v1.1/5.1-22). Der Zustand der 

Klägerin besserte sich, die Ödeme gingen zurück. Es erfolgte eine Weiterbetreuung durch 

den Hausarzt (act. v1.1/5.2). Die Klägerin musste aber schon am 23. Februar 2000 

aufgrund eines akuten Nierenversagens wieder zur stationären Behandlung 

aufgenommen werden (act. v1.1/6). Am 24. Februar 2000 musste eine Notfall-

Hämodialyse durchgeführt werden und die Patientin wurde wegen Hyperkalämie in die 

Intensivpflegestation (IPS) verlegt, wo sie medikamentös behandelt und engmaschig 

überwacht wurde (act. v1.1/6.8). Wegen des Verdachts einer Nierenvenenthrombose, 

welche bei nephritischen Syndromen gehäuft auftritt und als Ursache des akuten 

Nierenversagens in Betracht gezogen wurde, wurde das Blut der Patientin fortan 

verdünnt. Die Blutverdünnung erfolgte durch subkutane Injektionen des Medikaments 

Lovenox. Die Dosierung wurde reduziert, nachdem eine Nierenvenenthrombose als 

Ursache des Nierenversagens ausgeschlossen werden konnte, aber als 

Thromboseprophylaxe mit tieferen Dosen fortgesetzt. Während den Hämodialysen (HD) 

musste zusätzlich die Blutgerinnung gehemmt werden, damit dieses nicht im Dialysegerät 

verklebt. Dazu wurde Liquemin als Standart-Heparin eingesetzt, wobei dieses 

Medikament vom Dialysegerät automatisch beigemischt wird (vgl. act. v1.1/6.15). In der 

Zeit bis am 5. März 2000 wurde die Patientin stationär mehreren HD unterzogen (act. 

v1.1/6.1-75). Am Donnerstag, 2. März 2000, klagte die Patientin über Übelkeit und 

Druckgefühl im Bauch (act. v1.1/6.74). Am Freitag, 3. März 2000, musste erstmals eine 

HD infolge Unwohlseins abgebrochen werden, die Patientin wurde zur Überwachung auf 

die Intensivpflegestation verlegt. Die HD konnte aber am nächsten Tag noch zu Ende 

geführt werden (act. v1.1/6.14; v1.1/6.69). Am Sonntagmorgen, 5. März 2000, 10.00 Uhr, 

musste die Patientin erbrechen; im Verlaufe des Tages wurde sie auch zunehmend als 

schläfrig und später als soporös beurteilt, ohne dass abnorme neurologische Befunde 

erhoben wurden (act. v1.1/6.74; v1.1/6.67). Auch bei der für 14.00 Uhr dokumentierten 

 

Seite 4 

Arztvisite wurde die Patientin als schläfrig, aber weckbar beschrieben und sie hat auch 

erneut erbrochen (act. v1.1/6/74). Der diensthabende Oberarzt Dr. med. F___ sprach um 

14.15 Uhr mit dem Ehemann der Patientin und verordnete, dass „die Patientin jetzt 

einfach schlafen dürfe“ (act. v1.1/6.74). Weil nicht dokumentiert, ist seit jeher umstritten, 

ob die nächste Arztvisite tatsächlich um 17.00 Uhr stattfand, oder ob erst wieder um 20.00 

Uhr, wie dokumentiert, eine solche durchgeführt wurde. Nicht mehr bestritten ist, dass der 

Auftrag zu einer Blutentnahme erst anlässlich der Arztvisite um 20.00 Uhr erteilt wurde, 

und dass die für morgens, mittags und abends verzeichnete Blutdruckmessung keine 

weitere Arztvisite zu belegen vermag, da der Blutdruck in aller Regel auch abends (ca. um 

17.00 Uhr) durch die Stationsschwester gemessen wird (Blutdruck am 5. März 2000: 

Morgens 130/80, mittags 140/90, abends: 130/80, act. v1.1/6.72). Der weitere Verlauf an 

jenem Sonntagabend ist wie folgt dokumentiert: Anlässlich der Arztvisite um 20.00 Uhr 

wurde festgestellt, dass die Bewusstseinstrübung zugenommen hatte und dass die 

Patientin nur noch knapp weckbar war, ohne dass jedoch periphere Ausfälle erhebbar 

waren. Es wurde die erwähnte Blutuntersuchung veranlasst, deren Ergebnis um ca. 21.30 

Uhr vorlag. Daraus ergab sich, dass eine dialyse-assozierte Störung ausgeschlossen 

werden konnte. Um 20.45 Uhr wurde die Patientin auf die IPS verlegt, wo sie offenbar 

nicht mehr reagierte. Daraufhin wurde die Verlegung ins Kantonsspital St. Gallen (KSSG) 

zur Schädelcomputertomographie (CT) veranlasst. Für 22.00 Uhr ist eine weitere 

Blutdruckmessung (143/80) durch den Rettungsdienst dokumentiert (act. v1.1/8.83), 

welcher die Patientin anschliessend nach St. Gallen überführte. Auf der Notfallaufnahme 

im KSSG ist für 23.00 Uhr ein Blutdruck von 144/98 dokumentiert (act. v1.1/8.73). Das CT 

ergab eine cerebrale Einblutung frontal links, die sich über den Balken nach rechts 

erstreckte und in die Ventrikel eingebrochen war. Noch in derselben Nacht (02.00 Uhr) 

wurde durch Frau Dr. G___, Klinik für Neurochirurgie am KSSG, notfallmässig eine 

externe Ventrikeldrainage rechts frontal angelegt; die Patientin wurde intubiert und auf die 

Intensivpflegestation verlegt. Vor der Operation ist ein Blutdruck von 180/80 dokumentiert 

(act. 1.1/8.58). Nach dieser Operation konnte die Patientin zwar alle Extremitäten spontan 

bewegen, konnte aber längere Zeit noch nicht sprechen. In der Folge konnte die Patientin 

anlässlich ihrer Rehabilitation in Walzenhausen (Klinik Rheinburg) weitere Fortschritte 

erzielen, leidet aber an einem Frontalhirn-Syndrom mit Antriebs- und 

Aufmerksamkeitsstörung. Mit Verfügung vom 2. Juli 2001 wurde Frau A___ eine ganze 

Invalidenrente der IV sowie Zusatzrenten für den Ehemann und drei Kinderrenten ab 

20. Januar 2001 zugesprochen (act. v1.1/10). Im selben Umfang sprach ihr auch die 

Pensionskasse (Kantonale Lehrerversicherungskasse St. Gallen) eine Invalidenrente zu 

(act. v1.1/16). Beide Renten wurden per 1. Januar 2003 bestätigt (act. v1.1/15+16). Der 

weitere Rentenverlauf ist nicht aktenkundig. Ab 1. Februar 2001 konnte die Patientin an 

der ursprünglichen Arbeitsstelle mit einem wöchentlichen Pensum von 5 und ab 1. Juli 

 

Seite 5 

2001 von 7 Wochenstunden eine Teilerwerbstätigkeit aufnehmen. Diese wurde später an 

der oberen Grenze der gegenwärtigen Leistungsmöglichkeit beschrieben (Gutachten Prof. 

Dr. H___, Luzern, act. v1.1/9). 

 

 

B. Prozessgeschichte 

 Mit Eingabe vom 12. März 2003 liess A___ beim Verwaltungsgericht (heute: Obergericht) 

gegen den Kanton Appenzell Ausserrhoden (Beklagter und Rechtsmittel-Beklagter, 

nachfolgend Beklagter genannt) Klage mit den eingangs erwähnten Begehren stellen (act. 

v1). Die Klageantwort mit den ebenfalls voraufgeführten Begehren datiert vom 30. Mai 

2003 (act. v6). Die Replik ging am 6. Oktober 2003 (act. v10), die Duplik am 27. Januar 

2004 (act. v15) ein. RA I___ reichte am 20. Februar 2004 eine Stellungnahme ein (act. 

v17). Mit Beschluss vom 25. August 2004 hiess das Verwaltungsgericht die 

Beweisbegehren des Beklagten insoweit gut, als die beiden Ärzte Dr. E___, Herisau, und 

Dr. F___, Goldach, als Auskunftspersonen zu befragen seien. Überdies wurde 

beschlossen, die am 5. März 2000 diensthabende Laborantin als Auskunftsperson zu 

befragen (act. v21). Die Einvernahmen von Dr. E___ (act. v24), von Dr. F___ (act. v25) 

sowie von J___ (act. v26) erfolgten alle am 14. April 2005. In der Folge nahm die 

Gerichtsleitung mit Schreiben vom 14. Oktober 2005 eine vorläufige Beweiswürdigung vor 

und beschloss, bei Prof. Dr. med. H___ ein Ergänzungsgutachten einzuholen (act. v29). 

Die Parteien nahmen mit Eingaben von RA BB___ vom 25. Oktober 2005 (act. v30) und 

von RA I___ vom 11. November 2005 (act. v32) Stellung. Prof. Dr. med. H___ schlug mit 

Schreiben vom 8. August 2006 für Fragen der Antikoagulation den Beizug von Prof. Dr. 

K___, Abteilung Hämatologie am Kantonsspital Luzern, vor (act. v35.1+2). Die Parteien 

erhielten mit Verfügung der Gerichtsleitung vom 21. Dezember 2006 Gelegenheit, zum 

Beizug dieses zusätzlichen Experten und zum ergänzten Fragenkatalog Stellung zu 

nehmen (act. v36 und 36.1). Soweit die Klägerin mit ihrer Eingabe vom 11. November 

2005 geltend machen liess, die Aussagen der als Auskunftspersonen einvernommenen 

Dres. E___ und F___ seien infolge Befangenheit nicht verwertbar, wurde ihr 

Ausstandsbegehren in der präsidialen Verfügung als treuwidrig verspätet abgewiesen 

(act. v36.1, S. 1 ff.). Dieser Zwischenentscheid ist in der Folge unangefochten in 

Rechtskraft erwachsen. Da die beiden Parteien gegen den Beizug von Prof. Dr. K___ 

grundsätzlich keine Einwände erhoben (vgl. Eingaben vom 4. bzw. 12. Januar 2007, act. 

v37 und v38), ging der bereinigte Fragenkatalog mit Schreiben vom 15. Januar 2007 

mitsamt allen Vorakten an die beiden Gutachter H___ und K___ (act. v39). Mit 

Begleitschreiben vom 9. März 2007 (act. v41) überwiesen die beiden Gutachter das 

zweiteilige Gutachten, wobei für den ersten Teil Prof. Dr. K___ und für den zweiten Teil 

Prof. Dr. H___ verantwortlich zeichnete (Teil von Prof. Dr. K___ in act. v41.1; Teil von 

 

Seite 6 

Prof. Dr. H___ in act. v41.2). Zu diesem Ergänzungsgutachten haben die Parteien je eine 

Stellungnahme vom 4. April 2007 eingereicht (act. v45 und v46). Mit Beschluss vom 16. 

April und 30. Mai 2007 nahm das Gericht eine Beweiswürdigung vor und beschloss, die 

Fragestellung zu modifizieren (Erw. 3.1 und 3.2, Fragen 1-4). Weil die modifizierte 

Fragestellung die Erkennbarkeit der frontalen ICH (intracerebrale Hämorrhagie) einerseits 

und zum andern den Kausalzusammenhang zwischen der um 17.00 Uhr unterbliebenen 

Arztvisite und der durch die ICH bedingten Gesundheitsschädigung zum Gegenstand 

hatte, kam das Gericht zum Schluss, dass diese Fragestellung einem Neurologen zur 

Beantwortung vorzulegen sei. Den Parteien wurde der Beizug eines Neurologen am 

KSSG (PD Dr. med. L___) vorgeschlagen (act. v48). In der Folge lehnten beide Parteien 

den Beizug dieses Neurologen ab (act. v49 und v50). Die Klägerin liess als Alternative 

zwei leitende Ärzte am Kantonsspital Aarau vorschlagen (Prof. Dr. M___, Chefarzt 

Neurochirurgie; Prof. Dr. N___, Chefarzt Klinische Neurophysiologie, act. v50). Beide 

Parteien beantragten ferner, die modifizierte Fragestellung sei um Zusatzfragen zu 

ergänzen (act. v49 und v50). In einem weiteren Schriftenwechsel wandte sich der 

Beklagte gegen den Beizug eines Neurochirurgen und ersuchte um erneuten Beizug von 

Prof. H___ und schlug als Alternative Prof. Dr. med. O___, Chefarzt der medizinischen 

Klinik am Kantonspital Aarau vor (act. v54). Mit Beschluss vom 19. Dezember 2007 kam 

das Gericht zum Schluss, dass die Professoren Dr. med. N___ und O___, beide 

Chefärzte in Aarau, mit einer gemeinsamen interdisziplinären Expertise zu beauftragen 

seien. Ferner wurde auf Antrag der Parteien der Fragenkatalog um zwei Fragen (5 und 6) 

erweitert (act. v64). In der Folge ging am 11. März 2009 das Gutachten von Prof. Dr. 

O___ (act. v66 und v67) und nach Weiterleitung der Akten am 23. Oktober 2009 auch das 

Gutachten von Prof. Dr. N___ ein (act. v71). In der Folge wurde den Parteien 

Akteneinsicht und Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt (act. v72). RA I___ reichte 

am 13. November 2009 (act. v74) und RA BB___ am 12. Januar 2010 (act. v76) eine 

Stellungnahme ein. Das Gericht beschloss am 30. Juni 2010, bei beiden Gutachtern eine 

Erläuterung und Präzisierung einzelner Antworten einzuverlangen (vgl. act. v81). Mit 

Schreiben vom 1. November 2011 (act. v83) wurde den Parteien Einsicht in die vom 

Gericht direkt in die beiden Gutachten eingefügten Erläuterungsfragen gewährt (act. v83.1 

und v83.2). Die Stellungnahme von RA I___ datiert vom 3. November 2011 (act. v84), 

diejenige von RA BB___ vom 17 November 2011 (act. v85). Eine weitere Eingabe von RA 

I___ ging am 20. Januar 2012 ein (act. v86). Mit Beschluss vom 29. Februar 2012 (act. 

v87) beauftragte das Gericht Prof Dr. med. O___ und Prof. Dr. med. N___ mit der 

Beantwortung der Erläuterungsfragen gemäss Beilage 1 und 2 (act. v87.1+2). In der 

Folge gingen mit Begleitschreiben vom 29. Mai 2012 (act. v89) bzw. 8. Juli 2012 (act. v93) 

die je handschriftlich von Prof. Dr. N___ (act. v90) und Prof. Dr. O___ (act. v94) ergänzten 

Gutachten ein. Beide Parteien erhielten Einsicht in die ergänzten Gutachten und die 

 

Seite 7 

zusätzlich aufgelaufenen Akten (act. v96). RA BB___ nahm am 20. August 2012 (act. 

v97) und RA I___ am 13. September 2012 (act. v98) Stellung. Von der den Parteien mit 

Schreiben vom 21. September 2012 (act. v99) je eingeräumten Möglichkeit zu 

Gegenbemerkungen machten diese keinen Gebrauch. Am 27. Februar 2013 fand die 

Beratung der 4. Abteilung des Obergerichts statt, das Urteil erging am gleichen Tag (act. 

v100). Beide Parteien haben innert Frist ausdrücklich auf einer Begründung des Urteils 

bestanden (act. v101 und vorinstanzliches Urteil lit. H.).  

 

 

C. Erstinstanzliches Urteil 

 Mit Urteil des Obergerichtes, 4. Abteilung, vom 27. Februar 2013 wurde die Klage von 

A___ abgewiesen. Der Klägerin wurde eine Entscheidgebühr von CHF 10‘000.00 

auferlegt. Ferner wurde sie verpflichtet, der Gerichtskasse die Auslagen für die bei den 

Prof. H___, K___, O___ und N___ eingeholten Gutachten von insgesamt CHF 8‘050.00 

zu erstatten. Der Kostenvorschuss von CHF 300.00 wurde angerechnet. Das Begehren 

der Klägerin um Ausrichtung einer Parteientschädigung wurde abgewiesen. Dem 

Beklagten wurde zulasten der Klägerin eine Parteientschädigung von CHF 32‘460.00 

zugesprochen (Barauslagen und 8 % Mehrwertsteuer inbegriffen).   

 

 Zusammenfassend wurde das Urteil damit begründet, dass die Haftung des Beklagten 

einerseits zu verneinen sei, weil bei der Abgabe und Dosierung der Medikamente keine 

Sorgfaltswidrigkeit habe festgestellt werden können. Bei der pflichtwidrig unterlassenen 

einen Arztvisite entfalle die Haftung des Beklagten, weil ein hypothetischer 

Kausalzusammenhang zwischen dieser Teilursache und dem geltend gemachten 

Schaden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sei (act. v103 E. 7).   

 

 

D. Urteil des Bundesgerichts vom 13. März 2014 

 Gegen dieses Urteil gelangte die Klägerin mit Beschwerde in Zivilsachen an das 

Bundesgericht mit dem Begehren, die Sache sei an die Vorinstanz im Sinne der 

Erwägungen (Einräumung einer kantonalen Rechtsmittelinstanz gegen den Entscheid des 

Obergerichts vom 27. Februar 2013) zurückzuweisen (act. v107). Demgegenüber liess 

der Beschwerdegegner beantragen, es sei nicht auf die Beschwerde einzutreten bzw. 

diese abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Das Bundesgericht hiess mit Urteil vom 

13. März 2014 (4A_546/2013) die Beschwerde teilweise gut und wies die Sache an das 

Obergericht Appenzell Ausserrhoden zurück. 

 

 

Seite 8 

 Das Bundesgericht stellte in seinen Erwägungen im Wesentlichen fest, es werde Sache 

des Kantons Appenzell Ausserrhoden sein, seine Gerichtsorganisation so auszugestalten, 

dass das Erfordernis der doppelten Instanz eingehalten sei (BGE 139 III 252 E. 1.6 S. 255 

ff.). Eine Beschränkung durch die Kantonsverfassung bestehe dabei nicht, denn der 

Vorrang des Bundesrechts (Art. 49 Abs. 1 BV) gelte auch gegenüber kantonalem 

Verfassungsrecht (act. v109 E. 4).  

 

 

E. Schriftenwechsel nach Ergehen des Bundesgerichts urteils 

 a) Im Nachgang zum Urteil des Bundesgerichts vom 13. März 2014 (act. 1) ersuchte 

Obergerichtsvizepräsident W. Kobler RA AA___, neuer Rechtsvertreter der Klägerin 

(act. 2), um Mitteilung, ob er mit der Zuteilung des Falles an eine andere Abteilung 

des Obergerichts einverstanden sei oder den Erlass einer Übergangsbestimmung in 

einem Gesetz abwarten wolle (act. 3). Mit Schreiben vom 4. September 2014 

erklärte sich RA AA___ mit der Zuteilung an eine andere Abteilung des Obergerichts 

einverstanden (act. 4).  

 

 b) Obergerichtsvizepräsident W. Kobler teilte RA AA___ am 2. Oktober 2014 mit, dass 

die 2. Abteilung des Obergerichts als Rechtsmittelinstanz betreffend des Urteils der 

4. Abteilung vom 27. Februar 2013 fungieren werde. RA AA___ wurde aufgefordert, 

innert nicht erstreckbarer Frist seine Rechtsmittelschrift einzureichen (act. 5). Diese 

ging am 4. November 2016 rechtzeitig ein (act. 6).   

 

 c) Am 3. Dezember 2014 ging die Rechtsmittelantwort von RA BB___ innert gesetzter 

Frist ein (act. 8 und 9).  

 

 d) Mit Verfügung des Obergerichtsvizepräsidenten vom 3. Dezember 2014 wurde den 

Parteien mitgeteilt, dass kein zweiter Schriftenwechsel und keine mündliche 

Verhandlung angeordnet werde (act. 10).  

 

 e) Die Klägerin liess am 15. Dezember 2015 eine Stellungnahme einreichen (act. 11), 

der Beklagte am 26. Januar 2015 (act. 13). 

 

 f) Den Parteien wurde am 5. Juni 2015 mitgeteilt, dass das Verfahren O2Z 14 2 aus 

organisatorischen Gründen der 1. Abteilung des Obergerichts zugewiesen und neu 

unter der Verfahrens Nr. O1Z 14 5 weitergeführt werde. Gleichzeitig wurde die 

Zusammensetzung des Gerichts bekanntgegeben (act. 15 und 16).  

 

 

Seite 9 

 g) Am 27. Oktober 2015 wurde die Streitsache ohne mündliche Verhandlung beraten.  

 

 Auf die Ausführungen in den Schriftstücken gemäss den vorerwähnten lit. a bis g wird, 

soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

 

 

 

Erwägungen 
 

1.  Prozessuales 

 1.1 Eine andere Abteilung des Obergerichts als Rech tsmittel-Instanz/ 
   Verzicht des Beklagten auf den Nichteintretensan trag 

 Die Klägerin lässt vorbringen, das angerufene Gericht sei örtlich und sachlich 

zuständig, nachdem sich die Parteien nach Vorliegen des Urteils des 

Bundesgerichts vom 13. März 2014 darüber verständigt hätten, dass eine andere 

Abteilung des Obergerichts das eingelegte Rechtsmittel beurteile. Diese 

Vorgehensweise sei mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung vereinbar.  

 Der Beklagte lässt ausführen, aufgrund einer Neubeurteilung werde der 

Nichteintretensantrag in der Rechtsmittelantwort fallengelassen und die 

Rechtsbegehren neu formuliert.   

 

 Das Bundesgericht hat in der vorliegenden Angelegenheit mit Urteil 4A_546/2013 

vom 13. März 2014 entschieden, dass Schadenersatz- und Genugtuungsansprüche 

wegen fehlerhafter Behandlung in einem öffentlichen Spital nach dem kantonalen 

öffentlichen Verantwortlichkeitsrecht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem 

Zivilrecht stehen und deshalb dagegen nach Art. 72 Abs. 2 lit. b BGG die 

Beschwerde in Zivilsachen in Betracht kommt (E. 2.1). Seit dem 1. Januar 2011 ist 

die Beschwerde in Zivilsachen nur noch gegen Urteile letzter kantonaler Instanzen 

zulässig, die obere Gerichte sind und auf Rechtsmittel hin entschieden haben (Art. 

75 Abs. 1 und 2, Art. 130 Abs. 2 BGG; E. 2.2). Die Kantone müssen demnach für 

Angelegenheiten, die am 1. Januar 2011 hängig waren, aber erst nach diesem 

Datum beurteilt wurden, ein Rechtsmittel an ein oberes kantonales Gericht vorsehen 

(E. 2.3). Die doppelte Instanz kann nicht nur durch Rückweisung an eine untere 

Instanz gewahrt werden, sondern - wie in BGE 139 III 252 E. 1.6 aufgezeigt wurde – 

auch durch Eröffnung einer Weiterzugsmöglichkeit an ein anderes oberes 

kantonales Gericht oder eine andere Abteilung des gleichen oberen kantonalen 

Gerichts (E. 3.4.2). Das Bundesgericht rügte eine Verletzung des in Art. 75 Abs. 2 

BGG vorgeschriebenen Grundsatzes der „double instance“ – in beiden Fällen ging 

 

Seite 10 

es ebenfalls um die Haftung des Staates für die Tätigkeit von Spitalärzten - 

gegenüber dem Kanton Freiburg (BGE 139 III 252 = Pra 102 (2013) Nr. 95 E. 1.6) 

sowie dem Kanton Obwalden (Urteil des Bundesgerichts 4A_185/2013 vom 17. Juni 

2013 E. 1.3 ff.). Wie das Bundesgericht in seinem Urteil 4A_546/2013 vom 13. März 

2014 weiter ausführt, wird es Sache des Kantons Appenzell Ausserrhoden sein, 

seine Gerichtsorganisation so auszugestalten, dass das Erfordernis der doppelten 

Instanz eingehalten ist (E. 4). Eine bundesrechtskonforme Gesetzesanpassung ist 

im Kanton Appenzell Ausserrhoden bis zum heutigen Zeitpunkt nicht in Kraft.   

 

 Gestützt auf die aufgeführte bundesgerichtliche Rechtsprechung, insbesondere auf 

das in der vorliegenden Streitsache ergangene Rückweisungsurteil und deren 

E. 3.4.2, erweist sich die Behandlung der vorliegenden Streitsache durch eine 

andere Abteilung des Obergerichts in der Funktion einer Rechtsmittelinstanz als 

zulässig. Hinzuzufügen ist, dass es sich beim Obergericht um ein oberes Gericht im 

Sinne von Art. 75 Abs. 2 BGG handelt (vgl. Art. 21 Justizgesetz, JG, bGS 145.31) 

und dieses das einzige obere Gericht im Kanton Appenzell Ausserrhoden ist.  

 

 

 1.2 Anwendbares Verfahrensrecht 

 Die Klägerin lässt geltend machen, auf das vorliegende Verfahren würden die 

Bestimmungen des VRPG Anwendung finden. Art. 111 Abs. 3 BGG verlange, dass 

die unmittelbare Vorinstanz des Bundesgerichts mindestens die gleiche Kognition 

haben müsse, wie das Bundesgericht selbst. Vorliegend habe eine volle 

Sachverhalts- und Rechtsprüfung stattzufinden, da eine Beschränkung der 

Kognition einer entsprechenden kantonalen Regelung bedürfe. Im 

Rechtsmittelverfahren sei der Sachverhalt gestützt auf Art. 58 Abs. 2 erster Satz 

VRPG durch das Gericht festzustellen, angebotene Beweise seien abzunehmen 

und der festgestellte Sachverhalt sei ohne Einschränkung der Kognition zu 

würdigen. Die Bestimmungen des BGG könnten weder direkt noch indirekt 

angewendet werden.  

 Der Beklagte lässt entgegnen, von der Kognition gemäss Art. 111 Abs. 3 BGG gehe 

auch die Klägerin aus. Nach Art. 95 BGG könne lediglich die Verletzung von 

Bundesrecht unter Einschluss des Bundesverfassungsrechts gerügt werden. Die 

Verletzung von kantonalem Recht bilde keine zulässige Rüge. Eine direkte 

Anwendung des VRPG sei ausgeschlossen. Massgebend seien einzig die Vorgaben 

des BGG. Die Feststellung des Sachverhalts könne daher nur gerügt werden, wenn 

sie offensichtlich unrichtig sei oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 

BGG beruhe.  

 

Seite 11 

 

 Die 4. Abteilung des Obergerichts hat sich bei ihrer Beurteilung auf das Gesetz über 

die Verwaltungsrechtspflege (VRPG, bGS 143.1) abgestützt und ist von einer 

vermögensrechtlichen Streitigkeit öffentlich-rechtlicher Natur ausgegangen (E. 1 

vorinstanzliches Urteil). Das Bundesgericht hat dieses Vorgehen in seinem Urteil 

4A_546/2013 vom 13. März 2014 E. 3 und 3.1.2, bestätigt. Weiter hat das 

Bundesgericht im genannten Urteil E. 3.1.2 ausdrücklich ausgeführt, dass die 

vorliegende Streitigkeit nicht in den Anwendungsbereich der ZPO falle. Demzufolge 

fällt sie unter den Geltungsbereich des VRPG, weil der kantonale Gesetzgeber 

diese Fälle dem Verwaltungsrecht zugewiesen hat (Art. 57 Abs. 1 lit. a VRPG).  

 

 Ein Rechtsmittel gegen Entscheide des Obergerichts an eine weitere kantonale 

Instanz ist im VRPG nicht vorgesehen. Das Obergericht wird daher die 

Bestimmungen über die Verwaltungsgerichtsbeschwerde gemäss Art. 54 ff. VRPG 

analog anwenden; dies im Rahmen einer Lückenfüllung nach Art. 1 Abs. 2 ZGB. 

Hingegen gibt es keinen plausiblen Grund, auf das vorliegende Verfahren die 

Bestimmungen des BGG anzuwenden. Die Beschwerdegründe sowie die Kognition 

richten sich folglich sinngemäss nach Art. 56 Abs. 1 und 2 VRPG. Diese 

Bestimmungen genügen zweifellos den Anforderungen von Art. 111 Abs. 3 i.V.m. 

Art. 95-97 BGG. Zur Frage, ob auch eine Überprüfung von kantonalem Recht oder 

einzig eine Überprüfung von qualifizierten Rechtsverletzungen zulässig ist, ist darauf 

hinzuweisen, dass Art. 111 Abs. 3 BGG lediglich eine Mindest-, nicht aber eine 

Maximalkognition vorschreibt. Es ist also dem Obergericht nicht verwehrt, die 

richtige Anwendung kantonalen Rechts zu überprüfen. Es würde dies auch tun, 

wenn die Vorinstanz etwa das erstinstanzliche Kantonsgericht oder eine kantonale 

Amtsstelle wäre. In analoger Anwendung von Art. 56 Abs. 1 VRPG findet vorliegend 

jedoch keine Prüfung der Unangemessenheit statt. Bei einer 

Verwaltungsgerichtsbeschwerde gibt es kein eigentliches Rügeprinzip, es findet 

jedoch in sinngemässer Anwendung von Art. 59 i.V.m. Art. 35 Abs. 2 VRPG 

grundsätzlich nur eine Prüfung im Rahmen der vorgebrachten Rügen statt.  

 

 Indessen ist darauf hinzuweisen, dass sich aus der nachfolgenden E. 2 ohne 

weiteres ergibt, dass eine abschliessende Beurteilung darüber, welches 

Verfahrensrecht zur Anwendung kommt, unterbleiben kann. Dies aus dem Grund, 

weil auch bei einer Prüfung mit voller Kognition nach Ansicht des Obergerichts im 

vorliegenden Fall die Haftungsvoraussetzungen nicht erfüllt sind. 

 

  

 

Seite 12 

 

 1.3 Noven / Streitwert / Rechtsmittel gegen den vor liegenden Entscheid 

 Im vorliegenden Verfahren sind in sinngemässer Anwendung von Art 59 i.Vm. Art. 

33 Abs. 2 VRPG Noven zulässig.  

 

 Der Streitwert beträgt gemäss bezifferter Klage unverändert CHF 671‘368.10.  

 

 Gegen den vorliegenden Entscheid ist gestützt auf das Urteil des Bundesgerichts 

4A_546/2013 vom 13. März 2014 E. 2.1, die Beschwerde in Zivilsachen nach Art. 72 

Abs. 2 lit. b BGG zulässig.  

  

 

2. Materielles 

 2.1 Allgemeines  

  Die Vorinstanz hat in E. 1 ihres Urteils vom 27. Februar 2013 folgendes ausgeführt: 
 

  Obschon sich die Klage noch auf das Gesetz über die öffentliche Krankenpflege vom 12. März 
2000 stützt (öKPG), aber seit dem 1.1.2012 an dessen Stelle das Gesetz über den 

Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden getreten ist (Spitalverbundgesetz; SVARG, bGS 

812.11), haftet der Kanton nach Art. 28 in Verbindung mit Art. 32 SVARG unverändert für den 

Schaden, den das Spitalpersonal einer Patientin oder einem Patienten im Rahmen seiner 

dienstlichen Tätigkeit widerrechtlich zufügt, und zwar nach wie vor nach den Bestimmungen in 

Art. 262 ff. des Gesetzes über die Einführung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (EG zum 

ZGB, bGS 211.1). Dass es sich bei der strittigen Haftung nach Art. 70 KV und Art. 262 ff. EG 

zum ZGB nach kantonalem Recht um eine Streitigkeit öffentlich-rechtlicher Natur handelt, ist 

unbestritten und selbst insofern zu bejahen, als vorliegend privatärztliche Tätigkeiten eines 

Chefarztes in Frage stehen, da diese unbestritten und aktenkundig unter Beteiligung des 

weiteren Spitalpersonals vorgenommen worden sind (vgl. zur Abgrenzung u.a. BGE 122 III 101, 

E. 2a/aa, Prinzip der Einheit der Haftungsgrundlage). 

 

  Diese Ausführungen sind zutreffend und im Übrigen vom Bundesgericht in seinem 

Urteil 4A_546/2013 vom 13. März 2014 auch nicht beanstandet worden. Daher kann 

vollumfänglich darauf verwiesen werden. 

 

  Die einschlägigen Gesetzesbestimmungen lauten wie folgt: 

 Art. 70 KV (bGS 111.1) 
 Verantwortlichkeit 

1 Der Kanton und die anderen Körperschaften, die öffentliche Aufgaben wahrnehmen, haften 

für den Schaden, den ihre Organe bei der Ausübung ihrer hoheitlichen Tätigkeit widerrechtlich 

verursachen. 

 

Seite 13 

2 Sie haften auch für Schäden, die ihre Organe rechtmässig verursacht haben, wenn Einzelne 

davon schwer betroffen sind und ihnen nicht zugemutet werden kann, den Schaden selber zu 

tragen. 

3 Das Gesetz regelt die Haftung der Behördenmitglieder und Angestellten gegenüber dem 

Kanton und den anderen Körperschaften, die öffentliche Aufgaben wahrnehmen. 

 

 

Art. 28 SVARG (bGS 812.11) 

1 Für Schaden, den der SVAR, dessen Organe, Angestellte und Beauftragte verursachen, 

haftet der SVAR nach den Grundsätzen des Staatshaftungsrechts von Appenzell 

Ausserrhoden. 

2 Der SVAR hat sich für seine Risiken angemessen zu versichern. 

 

 

Art. 262 EG zum ZGB (bGS 211.1) 

1. Haftung des Gemeinwesens 

Für Schaden, der Dritten durch Beamte, Angestellte oder Behördemitglieder des Kantons, der 

Gemeinden und anderer juristischer Personen des öffentlichen Rechtes in Ausübung ihrer 

amtlichen Tätigkeit widerrechtlich verursacht wird, haftet das Gemeinwesen. 
 

 

 Die ebenfalls zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz zur Haftung des 

Gemeinwesens nach Art. 262 EG zum ZGB sind in E. 2 ihrer Urteilsbegründung 

aufgeführt. Hervorzuheben ist, dass die erwähnte Haftungsnorm auch 

Unterlassungen umfasst (siehe Art. 265 Abs. 1 EG zum ZGB). Speziell zu erwähnen 

sind die in der genannten Erwägung wiedergegebenen materiellen 

Voraussetzungen der Staatshaftung: 1.) ein widerrechtliches Verhalten eines 

kantonalen Beamten oder Angestellten, das 2.) seiner hoheitlichen oder nicht-

hoheitlichen amtlichen Tätigkeit zuzurechnen ist. 3.) ein dem Kläger zugefügter 

Schaden, und 4.) ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen widerrechtlichem 

Verhalten und Schaden. Die einzelnen Voraussetzungen, welche einen 

Schadenersatz begründen, müssen kumulativ erfüllt sein, wobei die geschädigte 

Person deren Vorhandensein zu beweisen hat. Den Ausführungen der Vorinstanz 

beizufügen ist, dass sich die Haftung nach Privatrecht oder nach öffentlichem Recht 

bezüglich der Sorgfaltspflichtverletzung nicht unterscheidet (Eichenberger, in: 

Arztrecht in der Praxis, Kuhn/Poledna [Hrsg.], 2. Aufl. 2007, S. 358). Im Übrigen 

kann auf die E. 2 des Urteils der Vorinstanz verwiesen werden.   

 

 

 2.2 Abnahme weiterer Beweise 

  Die Klägerin lässt ausführen, obwohl ihr Ehemann seine Feststellungen, dass mit ihr 

etwas nicht stimme, sofort weitergeleitet und auch Details seiner Beobachtungen 

dem Arzt sowohl um 12.00 Uhr als auch um 14.00 Uhr des 5. März 2000 bekannt 

 

Seite 14 

gegeben habe, sei den von ihm namhaft gemachten Veränderungen keine 

Beachtung geschenkt worden. Ebenso wenig seien seine Feststellungen in der 

Kranken-geschichte, insbesondere im Pflegebericht festgehalten worden. Der 

Gesundheitszustand der Klägerin habe sich am Sonntagmorgen, 5. März 2000, für 

die Medizinalpersonen sichtbar verändert. Ab dem Eintreffen des Ehemannes der 

Klägerin habe sich deren Zustand zusehends und kontinuierlich verschlechtert. Als 

Beweis würden drei Zeugen angeboten, nämlich der Ehemann der Klägerin, D___, 

P1___ und P2___. Die Nichteinvernahme der angebotenen Zeugen stelle eine 

Verletzung des rechtlichen Gehörs dar. Es obliege dem Richter, die abgenommenen 

Beweise zu würdigen. Nicht abgenommene Beweise seien jedoch einer Würdigung 

nicht zugänglich. Die Klägerin gehe davon aus, dass die angebotenen Zeugen auch 

heute noch, nach mehr als 14 Jahren, in der Lage seien, ihre Wahrnehmungen zu 

Protokoll zu geben, zumal es sich beim Vorfall (für einen unbeteiligten Laien) um ein 

einschneidendes, nicht alltägliches Erlebnis handle. Für ihre Annahme, am 5. März 

2000 um die Mittagszeit und auch um 14.00 Uhr habe der Zustand der Klägerin 

noch nicht zu besonderen Massnahmen Anlass gegeben, stütze sich die Vorinstanz 

einzig auf die spärlichen Angaben in der Krankengeschichte (act. v1.1/6.74). Um die 

Mittagszeit sei die Klägerin nicht von einem Arzt untersucht worden, weil Dr. F___ 

zu Hause gewesen sei (act. v25, S. 2, Frage 4). Die angebotenen Zeugen hätten 

aus ihrer Sicht die Veränderung des festgestellten Gesundheitszustandes der 

Klägerin im Zeitverlauf schildern können. Diese Schilderung hätte mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit zu einer anderen Einschätzung geführt. Eine 

antizipierte Beweiswürdigung sei nicht möglich, da den Verfahrensparteien und 

auch dem Richter nicht bekannt sei, was die angebotenen Zeugen aussagen 

würden.  

  Der Beklagte lässt erklären, der Ehemann der Klägerin und die weiteren Zeugen 

seien zu Recht nicht befragt worden. Die Verschlechterung der Symptomatik sei 

vom Beklagten im erstinstanzlichen Verfahren nicht bestritten worden und auch das 

Gericht sei von einer Verschlechterung ausgegangen. Die Klägerin bringe nicht vor, 

welche Tatsachen die Zeugen zusätzlich hätten vorbringen können, die nicht bereits 

im Sinne einer Parteibehauptung der „vorinstanzlichen“ Urteilsfindung zugrunde 

gelegen hätten. Zudem hätten die Parteiaussagen zwingend auf den 

Wahrnehmungen des Ehemannes der Klägerin basiert, da sie selbst nicht in der 

Lage gewesen sei, ihren behaupteten schlechten Gesundheitszustand 

wahrzunehmen. Da der Sachverhalt in Bezug auf die beantragten Beweise weiterhin 

unstrittig oder aufgrund der Urkunden erstellt gewesen sei, habe das Gericht auf die 

Abnahme weiterer Beweise verzichten können (antizipierte Beweiswürdigung, BGE 

134 I 140 E. 5.3). Im Übrigen habe die Klägerin nicht ausreichend dargetan, was die 

 

Seite 15 

beantragten Zeugen hätten aussagen können und wie sich diese hypothetischen 

Aussagen auf den „vorinstanzlichen“ Entscheid ausgewirkt hätten.  

 

  Zu prüfen ist also, ob die drei angebotenen Zeugen zu Unrecht von der Vorinstanz 

nicht einvernommen worden sind. Der in der Rechtsmitteleingabe gestellte 

Beweisantrag ist sehr vage umschrieben (act. 6, S. 6 ff.). Insbesondere enthält 

dieser keine Angaben zeitlicher Art, also konkret von wann bis wann das Ehepaar 

P___ am 5. März 2000 die Klägerin im Spital besucht hat. Immerhin kann sowohl 

aus dem von RA I___ vor Vorinstanz in der Eingabe vom 13. September 2012 

gestellten Beweisantrag (act. v98, S. 1) als auch aus demjenigen vor der 

Rechtsmittelinstanz geschlossen werden, dass es sich um den Sonntagmorgen 

gehandelt haben muss. Ferner wird nicht näher dargelegt, was genau das Ehepaar 

P___ bei ihrem Besuch an der Patientin bemerkt haben soll. So wird einzig von 

einer „für das Medizinalpersonal sichtbaren Manifestation der Verschlechterung des 

Gesundheitszustandes der Klägerin ab 10.00 Uhr“ sowie einer „dauernden und 

kontinuierlichen Verschlechterung des Gesundheitszustandes“ gesprochen (act. 6, 

S. 6 ff.; siehe auch v1, S. 8 ff.). In der Eingabe von RA I___ vom 11. November 

2005 wird zudem ausgeführt, „die zwei Zeugen, die die Klägerin besucht hätten, 

hätten ihren verwirrten Zustand festgestellt“ (act. v32, S. 2).  

 

  Zu fragen ist also danach, ob dieser behauptete Zustand von den Ärzten bzw. den 

Gutachtern übersehen worden ist. Dies ist klar zu verneinen, was durch 

verschiedene Textstellen in den im Recht liegenden Expertisen belegt ist. Zu den 

nachfolgend mehrfach zitierten Gutachten ist vorab festzuhalten, dass die in BGE 

122 IV 160 aufgelisteten Kriterien zur Schlüssigkeit eines medizinischen Gutachtens 

(vgl. Siegel, in: Arztrecht in der Praxis, Kuhn/Poledna [Hrsg.], 2. Aufl. 2007, S. 783) 

bei sämtlichen vorliegend im Recht liegenden Gutachten erfüllt sind. Zu nennen 

sind:  

  - Gutachten für streitige Belange umfassend 
  - Gutachten beruht auf allseitige Untersuchungen 
  - Auch die geklagten Beschwerden werden berücksichtigt 
  - Gutachten wurde in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben 

  - Gutachten leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in 
der medizinischen Situation ein 

  - Die Schlussfolgerungen des Experten sind begründet. 

  Die Parteien haben denn auch an der Qualität der Gutachten keine Kritik geäussert.  

 

  Prof. Dr. O___, Chefarzt der medizinischen Klinik am Kantonsspital Aarau, hat in 

seinem Gutachten vom 20. Februar 2009 (act. v67) offensichtlich auch auf die 

Darlegungen der Klägerin abgestellt. Auf S. 2 des Gutachtens (aufgeführt auf S. 31 

 

Seite 16 

unten des vorinstanzlichen Urteils) führt Prof. Dr. O___ aus: „Unter 

Berücksichtigung all dieser Überlegungen verlangte ein neuropsychologisch 

unklares Krankheitsbild (Aufmerksamkeitsverminderung, vermehrtes 

Schlafbedürfnis) verbunden mit zweimaligem, ursächlich nicht klarem Erbrechen, im 

Minimum nach einer engmaschigeren Überwachung, die bei einer weiteren 

Verschlechterung zum früheren Handeln hätten zwingen können.“ Weiter erwähnt 

Prof. Dr. O___ auf S. 2 im gleichen Gutachten (aufgeführt auf S. 32 oben des 

vorinstanzlichen Urteils): „Ausserdem hätte dann noch der Eindruck des 

Ehemannes, eine leichte Wesensveränderung seiner Ehefrau zu beobachten, 

berücksichtigt werden können und eine weiterführende Diagnostik wäre wohl 

veranlasst worden.“ Auch im Gutachten von Prof. Dr. N___, Chefarzt der Klinischen 

Neurophysiologie am Kantonsspital Aarau, vom 7. Oktober 2009 (act. v71), wird auf 

S. 2 (aufgeführt auf S. 35 Mitte des vorinstanzlichen Urteils) festgehalten: „Um 10.00 

Uhr erstmaliges Erbrechen, um 12.30 Uhr ein zweites Mal Erbrechen sowie 

Müdigkeit.“ Im gleichen Gutachten auf S. 2 (wiedergegeben auf S. 36 oben des 

vorinstanzlichen Urteils) steht zudem: „Dies deutet darauf hin, dass sich die 

Hirnblutung über längere Zeit entwickelt hat, wobei die Anzeichen seit 10 Uhr 

morgens mit zunehmender Bewusstseinsstörung auf eine allmählich fortschreitende 

Einblutung hinweisen.“ Auf S. 4 seines Gutachtens (aufgeführt auf S. 37 ff. oben des 

vorinstanzlichen Urteils) weist Prof. Dr. N___ zudem darauf hin, dass die 

Erkennbarkeit einer intrazerebralen Hämorrhagie (ICH) in der Praxis schwierig ist 

und davon ausgegangen werden muss, dass die progressive neurologische 

Symptomatik (Erbrechen, zunehmende Bewusstseinsstörungen) über eine gewisse 

Zeit missdeutet werden kann. Im genannten Gutachten auf S. 7 (aufgeführt auf S. 

41 ff. unten des vorinstanzlichen Urteils) hält Prof. Dr. N___ ausserdem fest: „Die 

Frage spitzt sich auch darauf zu, warum die zunehmende Schläfrigkeit zusammen 

mit dem wiederholten Erbrechen nicht schon als bedrohliches Zeichen einer 

Hirnfunktionsstörung wenigstens differentialdiagnostisch in Erwägung gezogen 

wurde.“ Anzufügen bleibt, dass Prof. Dr. H___, Facharzt für Nephrologie, ebenfalls 

berücksichtigte, dass „die Patientin sich nicht normal verhielt, nach der Schwester 

rief, die im Zimmer war und Speisen verschlang bei vollem Mund“ (act. v41.2, S. 1). 

Aus den wiedergegebenen Passagen aus den Gutachten O___ und N___ sowie 

H___ ergibt sich klar, dass alle Gutachter bezüglich des Zustandes der Klägerin auf 

deren Darlegungen bzw. denjenigen des Ehemannes abgestellt haben. Das 

Obergericht geht daher mit der Beurteilung der Vorinstanz auf S. 45 ff. ihres Urteils 

einig, wonach auf die Einvernahme der angebotenen Zeugen verzichtet werden 

kann, da diese vor Gericht nichts aussagen könnten, was nicht schon berücksichtigt 

worden ist. Die Zeugen könnten höchstens bestätigen, dass es der Klägerin an 

 

Seite 17 

jenem Tag schlecht ging, was aber, wie dargelegt, die Experten bereits 

berücksichtigt haben.   

 

 

 

 2.3 Sorgfaltspflichtverletzung: ungenügende Überwac hung am 5. März 2000 

  Die Klägerin lässt vorbringen, das Medizinalpersonal hätte an die Möglichkeit einer 

Hirnblutung denken müssen. Die Feststellungen des Ehemannes der Klägerin seien 

ignoriert worden. Die Klägerin habe als Asiatin einer Personengruppe mit erhöhtem 

Risiko für eine Hirnblutung angehört. Der Gesundheitszustand der Klägerin habe 

sich im Verlaufe des Vormittags für das Medizinalpersonal sichtbar verschlechtert. 

Im Spital sei kein CT vorhanden gewesen, d.h. die bildgebende Diagnose einer 

Hirnblutung sei nicht möglich gewesen. Eine Verlegung auf die IPS wäre möglich 

gewesen. Auch Gutachter N___ sei zum Schluss gekommen, dass eine 

engmaschige Überwachung angezeigt und notwendig gewesen wäre (Hinweis auf 

act. v71 bzw. v90, Antwort zu Frage 2b). Eine engmaschige Überwachung, d.h. die 

Verlegung in die IPS des Spitals Herisau bzw. die Verlegung ins KSSG, wäre 

bereits am Mittag des 5. März 2000 notwendig gewesen. Die Unterlassung stelle 

eine Pflichtwidrigkeit und somit eine Widerrechtlichkeit nach Art. 262 EG zum ZGB 

dar. Für ihre Annahme, am 5. März 2000 um die Mittagszeit und auch um 14.00 Uhr 

habe der Zustand der Klägerin noch nicht zu besonderen Massnahmen Anlass 

gegeben, stütze sich die Vorinstanz einzig auf die spärlichen Angaben in der 

Krankengeschichte (act. v1.1/6.74) ab. Um die Mittagszeit sei die Klägerin nicht von 

einem Arzt untersucht worden, weil Dr. F___ zu Hause gewesen sei (act. v25, S. 2, 

Frage 4). Dies obwohl die festgestellten Symptome (mehrmaliges Erbrechen, 

Verwirrtheit) eine ärztliche Kontrolle bedingt hätten. Die Ärzte hätten die bei der 

Klägerin festgestellten Symptome im Sinne einer Differentialdiagnose pflichtwidrig 

falsch gedeutet bzw. nicht bedacht.  

  Zum Beweismass sei zu sagen, dass der vorliegende Fall mit demjenigen 

vergleichbar sei, welcher dem Urteil des Bundesgerichts 4A_48/2010 vom 9. Juli 

2010 zugrunde gelegen habe. Im erwähnten Urteil habe das Bundesgericht im Falle 

einer mangelhaften Dokumentation des Behandlungsgeschehens eine das 

Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit reduzierende 

Beweiserleichterung gewährt und die Haftung bejaht. Im vorliegenden Fall sei gleich 

zu verfahren, zumal unbestrittenermassen eine Dokumentationspflichtverletzung 

gegeben sei und die Gutachter die Kernaussage „time is brain“ gemacht hätten. 

  Der Beklagte lässt einwenden, aus der Krankengeschichte gehe genügend klar 

hervor, dass nach Rücksprache mit dem Ehemann bei der Arztvisite am 5. März 

 

Seite 18 

2000 um 14.15 Uhr beschlossen worden sei, die Klägerin schlafen zu lassen.  

Dieser Entscheid sei gemäss Gutachten mit den Regeln der medizinischen 

Wissenschaft und Praxis vereinbar gewesen. Die Symptome der Klägerin, welche 

vor 17.00 Uhr bestanden hätten, seien gemäss Gutachten unspezifisch gewesen 

und ein weiteres Zuwarten habe den Regeln der medizinischen Wissenschaft und 

Praxis entsprochen. Es habe weder am Mittag noch um 14.00 Uhr ein 

reaktionspflichtiger Befund vorgelegen. Das Obergericht habe für den Beweis der 

Kausalität lediglich „überwiegende Wahrscheinlichkeit“ verlangt und damit die 

Forderungen der Klägerin erfüllt. Eine zusätzliche Reduktion des Beweismasses 

käme einer Umkehr der Beweislast gleich, was von der Klägerin weder verlangt 

noch begründet worden sei.  

 

  2.3.1 Rechtliches 

  Vorab festzuhalten ist, dass vor zweiter Instanz die Frage einer widerrechtlichen 

Medikamentenabgabe (vgl. vorinstanzliche E. 3) nicht mehr strittig und daher nicht 

mehr zu prüfen ist.  

 

  Es stellt sich die Frage, ob dem Spitalpersonal eine Sorgfaltspflichtverletzung durch 

ein zu spätes Erkennen der bei der Klägerin am 5. März 2000 eingetretenen 

Hirnblutung vorzuwerfen ist. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Symptome, 

welche bei der Klägerin im Verlaufe dieses Tages auftraten, zunächst auf eine 

dialyse-assozierte Störung hinwiesen. Ab wann mussten diese Symptome 

differentialdiagnostisch auch als Zeichen einer Hirnblutung betrachtet werden?  

 

  Eine Pflichtverletzung ist nur dort gegeben, wo eine Diagnose, eine Therapie oder 

ein sonstiges ärztliches Vorgehen nach dem allgemeinen fachlichen Wissensstand 

nicht mehr als vertretbar erscheint. Die Prüfung, ob dem Arzt eine 

Ermessensüberschreitung zur Last gelegt werden kann, beurteilt sich somit nicht 

nach dem Sachverhalt, wie er sich nachträglich dem Experten oder dem Richter 

darstellt; massgebend ist vielmehr, was der Arzt im Zeitpunkt, in dem er sich für eine 

Massnahme entschied oder eine solche unterliess, von der Sachlage halten musste. 

Soweit die Möglichkeit negativer Auswirkungen der Behandlung erkennbar ist, muss 

der Arzt alle Vorkehren treffen, um deren Eintritt zu verhindern (BGE 130 I 337 E. 

5.3 S. 344). Für die Umschreibung der geschuldeten Sorgfalt ist die Situation 

massgebend, wie sie sich vor dem tragischen Ereignis präsentierte (Urteil des 

Bundesgerichts 4C.53/2000 vom 13. Juni 2000 E. 1c; Jäger/Schweiter, Der 

Hindsight Bias (Rückschaufehler) – ein grundsätzliches Problem bei der Beurteilung 

ärztlichen Handelns in Arzthaftpflicht- und Arztstrafprozessen, in: Schweizerische 

 

Seite 19 

Ärztezeitung 2005;86 Nr. 32/33 S. 1940 ff.). Der Arzt hat Kranke stets fachgerecht 

zu behandeln, zum Schutze ihres Lebens oder ihrer Gesundheit insbesondere die 

nach den Umständen gebotene und zumutbare Sorgfalt zu beachten, grundsätzlich 

folglich für jede Pflichtverletzung einzustehen (Jäger/Schweiter, Rechtsprechung 

des Bundesgerichts zum Arzthaftpflicht- und Arztstrafrecht, 3. Aufl. 2012, S. 29). 

Widerrechtlichkeit ist dann gegeben, wenn der Arzt die Regeln der ärztlichen Kunst 

verletzt (Urteil des Bundesgerichts 4C.378/1999 vom 23. November 2004 E. 3.1). 

Bei den Regeln der ärztlichen Kunst handelt es sich um die allgemein anerkannten 

und gültigen Grundsätze der medizinischen Wissenschaft, die gemeinhin auch von 

den Praktikern befolgt und angewendet werden (Jäger/Schweiter, Rechtsprechung 

des Bundesgerichts zum Arzthaftpflicht- und Arztstrafrecht, S. 34). 

 

  Die Beweislast für das Vorliegen eines Behandlungsfehlers und der damit ursächlich 

zusammenhängenden Schädigung obliegt dem Geschädigten, der 

Haftungsansprüche geltend macht (Urteil des Bundesgerichts 4A_679/2010 vom 11. 

April 2011 E. 6.5.1.3; BGE 133 III 121 = Pra 96 (2007) Nr. 105 E. 3.1 S. 124 ff.; 

Urteil des Bundesgerichts 4C.378/1999 vom 23. November 2004 E. 3.2; 4C.53/2000 

vom 13. Juni 2000 E. 2a). Soweit ein Unterlassen in Frage steht, ist nach 

bundesgerichtlicher Rechtsprechung und mit dem Obergericht der Beweisnot des 

Klägers dadurch Rechnung zu tragen, dass ein strikter Beweis nicht gefordert wird 

und die Beklagte eine Mitwirkungspflicht beim Nachweis negativer Tatsachen trifft 

(Urteil des Bundesgerichts 4C.53/2000 vom 13. Juni 2000 E. 2 c).  

 

  2.3.2 Situation am Sonntagmittag des 5. März 2000 

  Die Klägerin ist der Ansicht, dass sich aufgrund ihres damaligen 

Gesundheitszustandes schon am Mittag Massnahmen aufgedrängt hätten, was der 

Beklagte bestreitet.  

 

  Es ist also danach zu fragen, ob der diensthabende Arzt nach den allgemein 

anerkannten und gültigen Grundsätzen der medizinischen Wissenschaft bereits um 

die Mittagszeit herum hätte Verdacht auf den Beginn einer Hirnblutung schöpfen 

müssen. Mit dem Pflegebericht ist dokumentiert, dass die Patientin um 10.00 Uhr 

erbrochen und sich danach besser gefühlt hat. Ferner, dass sie um 12.30 Uhr 

erneut erbrochen hat (unverdaute Nahrung), sehr müde schien, klar sprach und 

weckbar war, aber schnell wieder einschlief (act. v1.1/6.74). Am Mittag wurde laut 

Formular „Fieberkurve“ ein Blutdruck von 140/90 gemessen (act. v1.1/6.72). Prof. 

Dr. O___ berücksichtigt in seinem Gutachten vom 20. Februar 2009 als relevante 

Ereignisse das Erbrechen der Patientin um 10.00 Uhr, welche sich danach besser 

 

Seite 20 

fühlte, sowie nochmaliges Erbrechen um 12.30 Uhr und deren Müdigkeit (act. v67, 

S. 2). Dieses Gutachten stützt jedoch die Folgerung der Klägerin nicht, dass 

aufgrund der geschilderten Geschehnisse sowie des Zustandes der Patientin bereits 

am Mittag seitens des behandelnden Arztes eine „Erweiterung des 

differentialdiagnostischen Spektrums“ hätte erfolgen und ein „intracerebrales 

Geschehen, z. B. ein Schlaganfall, in Erwägung gezogen werden sollen“ (act. v67, 

S. 2). Auch Prof. Dr. N___ hat das erstmalige Erbrechen um 10.00 Uhr, das zweite 

Mal um 12.30 Uhr sowie die Müdigkeit der Patientin in seinem Gutachten 

berücksichtigt und dazu bemerkt, dass „retrospektiv das Erbrechen um 10.00 Uhr 

das erste Symptom sei, das auf eine stattgehabte oder im Fortschreiten begriffene 

Hirnblutung hinweise. Die Computertomographie deute darauf hin, das sich die 

Hirnblutung über längere Zeit entwickelt habe, wobei die Anzeichen seit 10 Uhr 

morgens mit zunehmender Bewusstseinsstörung auf eine allmählich fortschreitende 

Einblutung hinweisen würden“ (act. v71, S. 2). Auch dieser Gutachter stützt das 

Vorbringen der Klägerin nicht, bereits um die Mittagszeit hätte aufgrund der damals 

konkret vorgelegenen Situation eine engmaschigere Überwachung angeordnet 

werden müssen. Dr. med. F___, am fraglichen Tag diensthabender Oberarzt, sagte 

vor der ersten Instanz als Auskunftsperson aus, er sei sicher am Sonntagmorgen im 

Spital gewesen, eventuell aber um ca. 12.00 bis 13.00 Uhr zu Hause in Goldach, 

aber sicher sei er nicht (act. v25, S. 2). Selbst wenn Dr. F___ an jenem Sonntag 

über die Mittagszeit zuhause war, könnte aufgrund des Gesagten daraus nichts 

zugunsten der Klägerin abgeleitet werden.  

 

  2.3.3 Situation um 14.00-14.15 Uhr des 5. März 2000  

  Aus dem Pflegebericht (act. v1.1/6.74) geht folgendes hervor: „14.15 Uhr: Arzt 

spricht mit Ehemann (Dr. F___). Verordnet, dass Patientin jetzt einfach schlafen 

darf.“ Dr. F___ gab vor erster Instanz zu Protokoll, er habe die Patientin an diesem 

Sonntag zweimal, ev. dreimal gesehen und dann auf die Intensivstation geleitet, und 

später von dort aus ins Kantonsspital SG. Aber dies sei zur Abklärung gewesen, der 

Aspekt Hirnblutung sei zu dieser Zeit noch nicht bekannt gewesen (act. v25, S. 2). 

Er könne sich daran erinnern, dass er am Sonntag ein längeres Gespräch mit dem 

Ehemann der Patientin geführt habe. Es habe im Gang stattgefunden, sie seien dort 

gestanden, daran vermöge er sich zu erinnern. Es müsse um ca. 14.00 Uhr 

gewesen sein (act. v25, S. 2). In diesem Gespräch habe Herr D___ gesagt, dass 

seine Frau in einem anderen Zustand sei als sonst. Was er Herrn D___ gesagt 

habe, stehe in seinen Notizen (act. v25, S. 4; v1.1/6.8). Er habe Herrn D___ um 

14.00 Uhr auch gesagt, wenn er dies wünsche, könne er jederzeit Dr. E___ 

 

Seite 21 

kommen lassen, was Herr D___ aber nicht gewünscht habe (act. v1.1/6.8; v25, S. 

5).  

 

  Gutachter Prof. Dr. O___ führt aus, gegen 14.00 Uhr habe eine Arztvisite mit einem 

anschliessendem Angehörigengespräch stattgefunden und eine anschliessende 

Verordnung: die Patientin dürfe ausschlafen (act. v67, S. 2). Prof. Dr. H___ geht von 

folgender Situation aus: „Um 14.00 Uhr erneuter Anruf der Schwester: Der 

Ehemann ist sehr beunruhigt: die Patientin verhält sich nicht normal; sie ruft nach 

der Schwester, die im Zimmer ist …, verschlingt Speisen bei vollem Mund…“, „ist 

unnatürlich und fremd für mich“ … Herr Dr. F___ spricht mit dem Mann. „Patientin 

darf nun schlafen“ (act. v41.2, S. 1). Gutachter N___ führt aus, wenn das zweite 

Erbrechen gegen 12.30 Uhr spätestens bei der stattgehabten Visite um 14.00 Uhr 

zu einer strikten Überwachung geführt hätte, wäre das Krankheitsbild von Frau 

A___ als bedrohliche Komplikation erkannt worden und eine frühzeitige 

Überweisung in das Zentrumspital wäre erfolgt (act. v71, S. 2). Eine zusätzliche 

stündliche Arztvisite nach 14.00 Uhr hätte am Timing des CT und auch am Timing 

der Notoperation mit überwiegender Wahrscheinlichkeit etwas ändern können (act. 

v71, S. 3). Die entscheidenden Faktoren, die eine intrazerebrale Hämorrhagie in die 

Differentialdiagnose eines klinischen Zustandsbildes würde einbeziehen lassen, 

seien Erbrechen und Bewusstseinsstörungen. Falls dann, wie im vorliegenden Fall, 

die Laboruntersuchungen nicht weiterführen würden, insbesondere nicht auf einen 

Infekt hinweisen würden, sollte an eine interzerebrale Hämorrhagie gedacht werden. 

In der Praxis sei es jedoch häufig schwer, eine derartig klare Position zu beziehen. 

Insbesondere müsse davon ausgegangen werden, dass eine progressive 

neurologische Symptomatik über eine gewisse Zeit missdeutet werden könne. Ein 

engmaschiges Monitoring von Seiten der Pflege und von ärztlicher Seite wäre in 

einer derartigen Situation jedoch hilfreich gewesen (act. v71, S. 4). Gutachter N___ 

weist zudem darauf hin, dass es sich bei der beschriebenen Hirnblutung um eine 

progressive Erkrankung handle, deren Beginn – soweit den Akten zu entnehmen sei 

-, auf den Vormittag des 5. März 2000 datiert werden müsse. Verschiedene 

Ereignisse an den Tagen zuvor ausser acht lassend, sei es im Verlaufe des 5. März 

2000 zu einer sich sicherlich entwickelnden Blutung gekommen (act. v71, S. 4 ff.). 

Prof. Dr. N___ weist sodann daraufhin, er könne nur wiederholen, dass es auf einer 

allgemeinen Abteilung auch heutzutage in der Regel kaum möglich sei, eine 

stündliche Überwachung eines Patienten, dessen/deren gravierender Zustand als 

solcher nicht erkannt worden sei, durchzuführen (act. v71, S. 6). Dies bedeute nicht, 

dass es nicht möglich gewesen wäre, die Ernsthaftigkeit der Erkrankung von Frau 

 

Seite 22 

A___ durch die Pflege oder die Ärzte zu einem früheren Zeitpunkt zu erkennen (act. 

v71, S. 7).  

 

  Das Obergericht kommt, wie bereits die erste Instanz (vorinstanzliches Urteil S. 25 

ff.), in Würdigung der dargelegten Aktenlage zum Schluss, dass dem betreffenden 

Spitalpersonal, insbesondere dem diensthabenden Oberarzt Dr. F___ und dem 

diensthabenden Assistenzarzt, kein Vorwurf einer Sorgfaltspflichtverletzung 

gemacht werden kann, weil sie um 14.00 Uhr die eingesetzte Hirnblutung nicht 

erkannt haben. Wie Gutachter N___ einräumt, ist es bei einer progressiven 

Erkrankung, wie die ICH es ist, schwer, eine klare Diagnose zu stellen und eine 

Missdeutung dieser Erkrankung kann über Stunden erfolgen. Er kritisiert zwar zum 

einen, dass nach der Untersuchung der Klägerin durch Dr. F___ um 14.00 Uhr nicht 

eine engere Überwachung stattgefunden hat, räumt aber zum anderen ein, dass 

dies in einem Spital auch heutzutage kaum möglich sei. Aufgrund der gesamten 

Umstände sowie der Einschätzungen der Gutachter ist das Gericht der Meinung, 

dass Dr. F___ in diesem Zeitpunkt trotz des zweimaligen Erbrechens und des 

verwirrten Zustandes jedenfalls noch keine besonderen Massnahmen treffen 

musste. Nicht zu vergessen ist auch, dass sich die Patientin aufgrund ihrer 

schweren Nierenerkrankung in einem schlechten Zustand befand und zudem Mühe 

mit der HD und den Medikamenten (Magenbrennen) hatte. So klagte die Patientin 

bereits zwei Tage vorher im Rahmen einer HD über Übelkeit und Druckgefühle im 

Bauch (act. v1.1/6.74). Zu betonen ist weiter, dass die Klägerin zwar gemäss 

Pflegebericht um 12.30 Uhr sehr müde schien, aber klar sprach und weckbar war 

(act. v1.1/6.74). Wie auch Dr. F___ in der Einvernahme sagte, habe Frau A___ am 

Nachmittag keine neurologischen Ausfälle gehabt, sie sei weckbar und vigilant 

gewesen (act. v25, S. 4). In den Notizen von Dr. F___ (act. v1.1/6.8) steht bezüglich 

des von ihm um 14.00 Uhr durchgeführten Untersuchs an der Patientin: „Prompt 

weckbar, normale Pupillenreaktion. Kein Meningismus, keine Hinweise für peripher-

motorische Ausfälle (Armvorhaltetest). Am Mittag wurde ein Blutdruck von 140/90 

gemessen (act. v1.1/6.72). Sodann fand um 14.15 Uhr ein Gespräch zwischen dem 

Ehemann der Patientin sowie Dr. F___ statt, anlässlich welchem das weitere 

Vorgehen nach Ansprache und im Einverständnis mit dem Ehemann festgelegt 

wurde. Dem Dienst-Oberarzt waren die bei der Patientin aufgetretenen Symptome 

somit bekannt, es bestand jedoch zu diesem Zeitpunkt aus seiner Sicht noch kein 

Anlass dafür, die Klägerin auf die IPS oder ins Kantonsspital St. Gallen zu verlegen. 

Diese Lagebeurteilung kann ihm aufgrund des vorstehend Gesagten nicht 

vorgeworfen werden. Die Überwachung und Betreuung war aufgrund der 

 

Seite 23 

dargelegten, konkreten Situation in diesem Zeitpunkt fachgerecht und durch die 

Regeln der ärztlichen Kunst abgedeckt.  

 

  Zusammenfassend ist festzuhalten, dass ausgehend von der damaligen Situation, 

welche sich dem diensthabenden Oberarzt um 14.00 Uhr präsentierte und im 

Wissen darum, dass eine Hirnblutung oftmals, wie dies vorliegend exemplarisch der 

Fall war, nicht plötzlich eintritt, sondern einen progressiven Verlauf aufweist, eine 

Verletzung der ärztlichen Sorgfaltspflicht verneint werden kann.  

 

  2.3.4 Situation um 17.00 Uhr des 5. März 2000 

  Die 1. Abteilung des Obergerichts geht mit der ersten Instanz einig, dass aufgrund 

der Aktenlage am 5. März 2000 zwischen 17.00 und 17.30 Uhr einzig ein 

Telefongespräch zwischen Dr. med. E___ und Dr. med. F___ über die weitere 

Behandlung der Klägerin stattfand (act. v24, S. 2; v25, S. 3 ff. und 5). Die beiden 

Ärzte entschieden sich anlässlich dieses Gesprächs nach übereinstimmenden 

Aussagen für eine Blutentnahme mit Blutuntersuchung (act. v24, S. 3; v25, S. 3). 

Durch die Akten nicht belegt ist dagegen, dass um 17.00 Uhr tatsächlich eine 

Arztvisite stattgefunden hat. Insbesondere fehlt ein entsprechender Eintrag im 

Pflegebericht (act v1.1/6.74), aber auch ein solcher in den Notizen von Dr. F___ 

(act. v1.1/6.8). Wie die Vorinstanz richtig bemerkt (Urteil S. 24), steht damit fest, 

dass um ca. 17.00 Uhr lediglich eine Blutdruckmessung durch die Schwester 

durchgeführt wurde (act. 1.1/6.72 und v24, S. 4). Die Messung ergab mit 130/80 

denselben Wert wie am Morgen (act. 1.1/6.72). Dazu ist beizufügen, dass laut den 

plausibel erscheinenden Aussagen von Dr. E___ zum Blutdruckmessen die 

Patientin normalerweise geweckt wird und wenn sie nicht weckbar wäre, dies von 

der Schwester rapportiert werden müsste (act. v24, S. 4). Ebenfalls zutreffend sind 

die Ausführungen der Vorinstanz (Urteil S. 24), dass die Einvernahme der damals 

diensthabenden Laborantin ergab, dass die Blutprobe ca. um 20.00 Uhr bei ihr im 

Labor eintraf und sie um 20.46 Uhr mit der Blutuntersuchung begann, worauf diese 

40 bis 50 Minuten dauerte (act. v26, S. 3; v1.1/6.25). Das zu untersuchende Blut 

wurde also erst rund drei Stunden nach dem fraglichen Telefonat, 

höchstwahrscheinlich nach der Arztvisite um 20.00 Uhr, ins Labor geliefert, so dass 

die Aussage von Dr. F___, „er habe die Blutentnahme um 17.00 Uhr angeordnet“ 

(act. v25, S. 3), mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht zutrifft  

 

  Wie dies die Vorinstanz ebenfalls getan hat (Urteil S. 24 ff.), ist aufgrund der 

Umstände danach zu fragen, ob die offenkundig nicht durchgeführte Arztvisite um 

17.00 Uhr, deren Durchführung zunächst vom diensthabenden Oberarzt behauptet 

 

Seite 24 

wurde (act. v25, S. 3), eine Pflichtwidrigkeit darstellt. Aus der erwähnten 

Behauptung von Dr. F___ kann geschlossen werden, dass offenbar auch er diese 

Visite für erforderlich hielt. Experte H___ weist darauf hin, dass eine ungelöste, 

potentiell bedeutsame Situation vorgelegen habe, die eine genaue, eher stündliche 

als zweistündliche Kontrolle und Überwachung erfordert hätte, und nicht erst nach 6 

Stunden (act. v41.2, S. 1 ff.). Hätte diese Visite um 17.00 Uhr stattgefunden und 

wäre dabei der Zustand der Patientin festgehalten worden, so hätte sich die Zeit von 

14.00 bis 20.00 Uhr verkürzt und die Patientin wäre einigermassen „lege artis“ 

verarztet worden (act. v41.2, S. 2). Experte O___ führt aus, bei gleich gebliebenem 

oder sich verschlechterndem Bewusstseinszustand hätte um 17.00 Uhr das 

differentialdiagnostische Spektrum erweitert werden müssen und ein intracerebrales 

Geschehen, z. B. ein Schlaganfall, in Erwägung gezogen werden müssen (act. v67, 

S. 2). Für eine Neubeurteilung der Lage mit der Möglichkeit einer rechtzeitigen 

Erkennung der Läge, wäre eine Visite um 17.00 Uhr angemessen gewesen (act. 

v67, S. 2). Die in die diagnostischen Überlegungen eingeführte Vermutung, dass ein 

verzögert abgebautes Medikament für die Schläfrigkeit der Patientin verantwortlich 

gewesen sei, hätte mit einer zusätzlichen Visite um 17.00 Uhr wohl falsifiziert 

werden können. Ausserdem hätte dann noch der Eindruck des Ehemannes, eine 

leichte Wesensveränderung seiner Ehefrau zu beobachten, berücksichtigt werden 

können und eine weiterführende Diagnostik wäre wohl veranlasst worden (act. v67, 

S. 2). Experte N___ spricht sich zwar für eine strikte Überwachung spätestens bei 

der stattgehabten Visite um 14.00 Uhr aus, bezeichnet jedoch im Widerspruch dazu 

ein ärztliches Monotoring im Stundenrythmus auf vergleichbaren Abteilungen (auch 

Fachabteilungen) als ungewöhnlich (act. v71, S. 2 und 4). Gestützt auf diese 

Expertenmeinungen sowie auch auf die detaillierten und zutreffenden Ausführungen 

der Vorinstanz in ihren E. 4.2 und 4.3, auf welche im Übrigen vollumfänglich 

verwiesen werden kann, steht für die 1. Abteilung des Obergerichts fest, dass eine 

Arztvisite um 17.00 Uhr angesichts des damaligen Zustandes der Patientin geboten 

und angezeigt gewesen wäre und demzufolge deren Unterlassung eine 

Pflichtverletzung seitens des Beklagten darstellt. Hingegen liegt, wie in den 

vorstehenden E. 2.3.1 und 2.3.2 dargelegt, keine ärztliche Unsorgfalt im Umstand, 

dass die Möglichkeit einer Hirnblutung von den behandelnden Ärzten nicht schon 

vor 17.00 Uhr thematisiert worden war bzw. vor 17.00 Uhr andere Massnahmen 

unterblieben sind.  

 

  Abschliessend ist darauf einzugehen, dass die Klägerin, unter Hinweis auf das Urteil 

des Bundesgerichts 4A_48/2010 vom 9. Juli 2010, rügt, es liege im vorliegenden 

Fall eine Dokumentationspflichtverletzung vor, was zu einer 

 

Seite 25 

Beweismasserleichterung führen müsse. In jenem Fall, dem ein Geburtsvorgang 

zugrunde lag, kam das Bundesgericht zum Schluss, es sei von der Vorinstanz nicht 

willkürlich gewesen, die schwerwiegenden Dokumentationslücken, welche das 

fragliche Spital zu vertreten hatte, bei der Beweiswürdigung zu berücksichtigen und 

das erforderliche Beweismass zu reduzieren (E. 7.5.2). In einem neuen Urteil des 

Bundesgerichts 4A_137/2015 vom 19. August 2015 wurden Inhalt und Umfang der 

ärztlichen Dokumentationspflicht konkretisiert und ausgeführt, dass Ärzte die 

Behandlung von Patienten nur so weit dokumentieren müssten, wie dies aus 

medizinischer Sicht notwendig und üblich sei. Bestehe aus medizinischen Gründen 

keine Pflicht zur Dokumentation, dürfe ihr Fehlen im Haftpflichtprozess gegen den 

Arzt nicht als Nachweis dafür gelten, dass er die fragliche Behandlung unterlassen 

habe (Jurius, Umfang der ärztlichen Dokumentationspflicht, in: Jusletter 14. 

September 2015). Die Klägerin übersieht, dass im vorliegenden Fall vom Gericht 

nicht die Prüfung des Vorwurfs einer Dokumentationspflichtverletzung durch die 

diensthabenden Ärzte zu beurteilen war, sondern derjenige der ungenügenden 

Überwachung der Klägerin. Im Rahmen dieser Prüfung kam dann, wie vorstehend 

dargelegt, das Gericht zum Schluss, dass den am Sonntagnachmittag des 5. März 

2000 diensttuenden Ärzten eine Pflichtverletzung anzulasten ist, indem deren 

Behauptung, dass um 17.00 Uhr eine Visite stattfand, in den Akten keine Stütze 

findet. Indem nun das Gericht in Würdigung der Aktenlage sowie der vom Gericht 

erhobenen Beweise zum Schluss kommt, dass die fragliche Visite tatsächlich nicht 

durchgeführt wurde und darin eine Pflichtverletzung erblickt, bleibt kein Raum für die 

Prüfung einer allfälligen Verletzung der ärztlichen Dokumentationspflicht. Denn: Wo 

nachweislich keine Visite stattfand, gibt es auch nichts zu dokumentieren. Folglich 

muss auch nicht darüber entschieden werden, ob allenfalls gestützt auf die 

vorerwähnte Rechtsprechung eine Beweismassreduktion erfolgen muss.  

 

 

 2.4 Kausalzusammenhang zwischen der unterlassenen V isite und dem eingetre- 
  tenen Schaden 
  Die Klägerin lässt geltend machen, es liege keine Wahrscheinlichkeitsbeurteilung 

vor für die Frage, wie das „Outcome“ gewesen wäre, wenn sie bereits um 14.00 Uhr 

auf die IPS im Spital Herisau bzw. ins KSSG verlegt worden wäre. Diese 

Einschätzung wäre jedoch unabdingbar gewesen, da die Überwachung nicht 

engmaschig genug gewesen sei, obwohl dies (mindestens) durch eine Verlegung 

auf die IPS möglich gewesen wäre. Prof. Dr. O___ komme nur in der 

Wahrscheinlichkeitsbeurteilung von Frage 3a zu einem Wert von > 50 % - 74 %. 

Alle übrigen Fragen beurteile er mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 75 %. In 

Bezug auf die von Prof. Dr. N___ vorgenommene Wahrscheinlichkeitsbeurteilung 

 

Seite 26 

könne auf act. v90 verwiesen werden. Aus beiden Gutachten gehe hervor, dass bei 

einer frühzeitigen Erkennung der gefährlichen Situation das „Outcome“ besser 

gewesen wäre bzw. die Schädigung nicht eingetreten wäre. Insbesondere würden 

die Gutachter davon ausgehen, dass bei einer Verlegung ins KSSG bereits um die 

Mittagszeit bzw. um 14.00 Uhr das Risiko einer Hirnblutung hätte vermieden werden 

können bzw. das „Outcome“ besser gewesen wäre. Indem die Vorinstanz nicht 

erhoben habe, welches das „Outcome“ gewesen wäre, wenn die Klägerin bereits 

am Mittag in die IPS bzw. ins KSSG verlegt worden wäre, habe sie den Sachverhalt 

nicht genügend abgeklärt bzw. abklären lassen und damit Art. 58 Abs. 2 VRPG 

verletzt. Zum Beweismass sei zu sagen, dass der vorliegende Fall mit demjenigen 

vergleichbar sei, welcher dem Urteil des Bundesgerichts 4A_48/2010 vom 9. Juli 

2010 zugrunde gelegen habe. Im erwähnten Urteil habe das Bundesgericht im Falle 

einer mangelhaften Dokumentation des Behandlungsgeschehens eine das 

Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit reduzierende 

Beweiserleichterung gewährt und die Haftung bejaht. Im vorliegenden Fall sei gleich 

zu verfahren, zumal unbestrittenermassen eine Dokumentationspflichtverletzung 

gegeben sei und die Gutachter die Kernaussage „time is brain“ gemacht hätten. Es 

liege auf der Hand, dass mangels einer klaren Dokumentation die Gutachter keine 

klaren Aussagen zur Frage der „Schädigung“/„Nichtschädigung“ machen könnten. 

Zudem seien die „Abweichungen“ der Gutachter von der 75 % Marke äusserst 

gering, weshalb es sich auch aus diesem Grund rechtfertige, eine 

Beweismasserleichterung zu gewähren.  

  Der Beklagte lässt entgegnen, die Behauptung der Klägerin, aus den beiden 

Gutachten gehe hervor, dass bei einer frühzeitigen Erkennung der gefährlichen 

Situation „die Schädigung“ nicht eingetreten wäre, finde in den Akten keine Stütze. 

Überdies übersehe sie, dass der Kausalzusammenhang zwischen der 

Sorgfaltspflichtverletzung und dem Schaden bzw. der primären Schädigung 

bestehen müsse. Die Symptome der Klägerin, welche vor 17.00 Uhr bestanden 

hätten, seien gemäss gutachterlicher Einschätzung unspezifisch gewesen und ein 

weiteres Zuwarten habe den Regeln der medizinischen Wissenschaft und Praxis 

entsprochen. Da weder am Mittag noch um 14.00 Uhr ein reaktionspflichtiger 

Befund vorgelegen habe, habe die Vorinstanz nicht abklären lassen müssen, 

welches der „Outcome“ bei einer früheren Reaktion gewesen wäre. Das Obergericht 

habe für den Beweis der Kausalität lediglich „überwiegende Wahrscheinlichkeit“ 

verlangt und damit die Forderungen der Klägerin erfüllt. Eine zusätzliche Reduktion 

des Beweismasses käme einer Umkehr der Beweislast gleich, was von der Klägerin 

weder verlangt noch begründet worden sei.  

 

 

Seite 27 

  2.4.1 Rechtliches 

  Wie in vorstehender E. 2.1 festgehalten, ist gemäss der Haftungsnorm von Art. 262 

EG zum ZGB ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem widerrechtlichen 

Verhalten und dem Schaden erforderlich, in casu also zwischen der pflichtwidrig von 

den Ärzten unterlassenen Visite um 17.00 Uhr und der von Klägerin erlittenen 

Hirnblutung mit bleibenden Folgen.  

 

  Die Haftung setzt allgemein voraus, dass zwischen der pflichtwidrigen Handlung 

und dem eingetretenen Schaden ein natürlicher und adäquater 

Kausalzusammenhang gegeben ist. Ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht 

dann, wenn das pflichtwidrige Verhalten für den eingetretenen Schaden eine 

notwendige Bedingung (conditio sine qua non) bildet, d. h. nicht hinweggedacht 

werden könnte, ohne dass auch der eingetretene Erfolg entfiele. Ob ein natürlicher 

Kausalzusammenhang gegeben ist, beschlägt die tatsächlichen Verhältnisse. Für 

den natürlichen Kausalzusammenhang gilt nach ständiger Rechtsprechung das 

Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit. Danach gilt ein Beweis als 

erbracht, wenn für die Richtigkeit der Sachbehauptung nach objektiven 

Gesichtspunkten derart gewichtige Gründe sprechen, dass andere denkbare 

Möglichkeiten vernünftigerweise nicht massgeblich in Betracht fallen. Die Frage 

nach der Adäquanz des Kausalzusammenhangs ist rechtlicher Natur. Ein Ereignis 

gilt als adäquate Ursache eines Erfolgs, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der 

Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von 

der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt des Erfolgs also durch das 

Ereignis als allgemein begünstigt erscheint (Urteil des Bundesgerichts 4A_48/2010 

vom 9. Juli 2010 E. 7.1). 

 

  Wo eine Pflicht zum Handeln besteht, macht sich schadenersatzpflichtig, wer nichts 

tut (Fellmann/Kottmann, Schweizerisches Haftpflichtrecht, Bd. I, 2012, Rz. 409). Die 

Kausalität der Unterlassung wird in einem zweiten Schritt geprüft, wenn feststeht, 

dass eine Pflicht zum Handeln bestand. Dann ist zu untersuchen, ob 

pflichtgemässes Handeln den Schaden verhindert hätte. Kommt man aufgrund einer 

Hypothese zum Schluss, dass die rechtlich gebotene, aber unterlassene Handlung 

den Schaden verhindert hätte, besteht aus Sicht des Juristen zwischen der 

Unterlassung und dem Schaden ein Kausalzusammenhang. Man spricht von einem 

„hypothetischen Kausalzusammenhang“ (Fellmann/Kottmann, a.a.O., Rz. 410).  

 

  Geht es um eine Unterlassung, hat der Geschädigte zu beweisen, dass eine Pflicht 

zum Handeln bestand und pflichtgemässes Verhalten den Schaden verhindert hätte. 

 

Seite 28 

Er hat den Nachweis zu erbringen, dass nach der allgemeinen Erfahrung und dem 

gewöhnlichen Lauf der Dinge die überwiegende Wahrscheinlichkeit für diesen 

hypothetischen Kausalverlauf spricht (Fellmann/Kottmann, a.a.O., Rz. 414; Rey, 

Ausservertragliches Haftpflichtrecht, 3. Aufl. 2003, Rz. 594; siehe auch vorstehende 

E. 2.3.1 am Schluss). Während bei Handlungen die wertenden Gesichtspunkte erst 

bei der Beurteilung der Adäquanz zum Tragen kommen, spielen diese 

Gesichtspunkte bei Unterlassungen in der Regel schon bei der Feststellung des 

hypothetischen Kausalverlaufs eine Rolle. Es ist daher bei Unterlassungen in der 

Regel nicht sinnvoll, den festgestellten oder angenommenen hypothetischen 

Geschehensablauf auch noch auf seine Adäquanz zu prüfen (Urteil des 

Bundesgerichts 4A_48/2010 vom 9. Juli 2010 E. 7.2).   

 

  Vom Regelbeweismass rückt das Bundesgericht ab, wenn ein strikter Beweis nicht 

nur im Einzelfall, sondern der Natur der Sache nach nicht möglich oder nicht 

zumutbar ist. Diese Voraussetzungen sind beim Nachweis des natürlichen bzw. 

hypothetischen Kausalzusammenhangs erfüllt. In diesem Fall betrachtet das 

Bundesgericht den „Nachweis einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit“ als 

ausreichend. Nach dem Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit „gilt 

ein Beweis als erbracht, wenn für die Richtigkeit der Sachbehauptung nach 

objektiven Gesichtspunkten derart gewichtige Gründe sprechen, dass andere 

denkbare Möglichkeiten vernünftigerweise nicht massgeblich in Betracht fallen“ 

(Fellmann/Kottmann, a.a.O., N. 412 und 413; BGE 133 III 81 = Pra 96 (2007) Nr. 93 

E. 4.2.2; Bühler, Beweismass und Beweiswürdigung – unter Berücksichtigung der 

jüngsten Lehre und Rechtsprechung, in: Jusletter 21. Juni 2010 S. 4). Der 

Schwellenwert des Beweisgrades der hohen Wahrscheinlichkeit – bzw. in der 

Terminologie des Bundesgerichts der überwiegenden Wahrscheinlichkeit – ist nach 

der hier vertretenen Auffassung bei 75 % anzusiedeln (Berger-Steiner, Der 

Kausalitätsbeweis, in: HAVE Personen-Schaden-Forum 2009, S. 26). Während 

beim Beweisgrad der hohen Wahrscheinlichkeit ein qualifiziertes Übergewicht 

notwendig ist, reicht für das Erreichen einfacher Wahrscheinlichkeit das blosse, 

einfache Überwiegen aus. Diese Begriffsumschreibung entspricht einem 

Schwellenwert von 51 % (Berger-Steiner, a.a.O., S. 38). Der Beweisgrad der 

einfachen Wahrscheinlichkeit oder Glaubhaftigkeit (Glaubhaftmachung) setzt 

voraus, dass mehr für als gegen die streitige Tatsachenbehauptung spricht, die 

Waagschale sich, wenn auch nur zögernd, aber immerhin, auf die Seite der 

beweisbelasteten Partei senkt (Walter, Beweis und Beweislast im 

Haftpflichtprozess, in: HAVE Haftpflichtprozess 2009, S. 54). Das Bundesgericht 

erachtete in seinem Entscheid 4A_48/2010 vom 9. Juli 2010 E. 7.5.1 und 7.5.2 eine 

 

Seite 29 

Reduktion des Beweismasses der überwiegenden Wahrscheinlichkeit wegen der 

vom betreffenden Kantonsspital zu vertretenden Unvollständigkeit der 

Dokumentation als nicht willkürlich. 

 

  2.4.2 Beweismass, Fragestellung und Vorgehen 

  Wie das Obergericht in vorstehender E. 2.3 am Schluss ausgeführt hat, muss sich 

der Beklagte, handelnd durch dessen Personal, einzig die pflichtwidrige 

Nichtdurchführung einer Arztvisite bei der Klägerin um 17.00 Uhr vorwerfen lassen; 

die von der Klägerin behauptete Dokumentationspflichtverletzung ist bei dieser 

Sachlage folglich nicht (mehr) zu beurteilen. Der vorliegende Fall weicht somit vom 

Sachverhalt ab, welcher dem Urteil des Bundesgerichts 4A_48/2010 vom 9. Juli 

2010 zugrunde lag, weshalb jene Erwägungen nicht unbesehen auf den 

vorliegenden Fall übertragen werden können. Das Obergericht ist der Ansicht, dass 

daher die im genannten Bundesgerichtsurteil für den Nachweis des hypothetischen 

Kausalzusammenhangs als zulässig eingestufte Reduktion des Beweismasses der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit, zufolge schwerwiegender, vom betreffenden 

Spital verschuldeter Dokumentationslücken keine Geltung für den vorliegenden Fall 

haben kann. Es bleibt in casu somit beim Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit.  

 

  Somit ist danach zu fragen, ob bei einer pflichtgemäss um 17.00 Uhr durchgeführten 

Arztvisite die Anzeichen für die bei der Klägerin eingetretenen Hirnblutung von den 

diensthabenden Ärzten hätte erkannt werden müssen und ob in der Folge eine 

Blutentnahme mit -analyse und/oder eine Überweisung in das KSSG für ein CT 

früher erfolgt wäre. Würde man dies bejahen, wäre weiter darüber zu entscheiden, 

ob diesfalls eine Notoperation im KSSG früher hätte durchgeführt werden können 

oder gar nicht erforderlich gewesen wäre und ob dadurch die verbliebenen 

gesundheitlichen Beeinträchtigungen hätten verhindert werden können oder das 

„Outcome“ der Klägerin zumindest bedeutend günstiger ausgefallen wäre. Diese 

Fragen müssen für den erforderlichen Nachweis des hypothetischen 

Kausalzusammenhangs mit dem Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit (bei 75 %) vom Gericht bejaht werden können, erforderlich ist 

also ein qualifiziertes Übergewicht der Gründe, die für die Richtigkeit der 

Tatsachenbehauptungen der Klägerin sprechen. 

 

  Aus den Ausführungen der Vorinstanz in E. 5.3 geht hervor, dass die Gutachter 

Prof. Dr. N___ und Dr. O___ vom Gericht ersucht wurden (act. v87), die von ihnen 

auf die Fragen 1-6 (nachfolgend dargestellt in fetter Schrift ) erhaltenen Antworten 

 

Seite 30 

(nachfolgend dargestellt in kursiver Schrift) zu präzisieren (ohne Frage 1). Dazu 

wurden in ihren Gutachten bzw. in ihren Antworten direkt Erläuterungsfragen 

(nachfolgend dargestellt in roter Schrift) eingefügt, welche die beiden Gutachter 

dann je anhand eines Antwortschemas zu beantworten hatten (nachfolgend 

dargestellt in roter und kursiver Schrift) Dabei sollten sie ihre zuvor in Worte 

gefasste Einschätzung namentlich des hypothetischen Kausalzusammenhanges in 

einer abgestuften Wahrscheinlichkeitstabelle durch je ein Kreuz präzisieren. 

Anzufügen ist, dass die Fragen 1 – 3 durch Prof. Dr. O___ und die Fragen 4 – 6 

sowie subsidiär auch die Fragen 2b und 3 durch Prof. Dr. N___ zu beantworten 

waren (act. v64 E. 4. Die Präzisierungen befinden sich als act. v90 und 94 bei den 

Akten. In Abweichung zum Vorgehen der Vorinstanz werden in Beschränkung auf 

die vom Beklagten zu verantwortende Pflichtverletzung der Unterlassung einer 

Arztvisite um 17.00 Uhr und deren Folgen nachfolgend einzig die Antworten der 

beiden Gutachter, welche Bezug auf diese Unterlassung nehmen, wiedergegeben 

und in die Beurteilung einbezogen. Einzig die Fragen 5 und 6 an Gutachter N___ 

enthalten aus Praktikabilitätsgründen auch die Option „b nach 14.00 Uhr je stündlich 

eine zusätzliche Arztvisite“, was bei der Beweiswürdigung entsprechend zu 

berücksichtigen sein wird. Für eine andere Vorgehensweise besteht kein Anlass, da 

die Ereignisse vor diesem Zeitpunkt für die Kausalitätsfrage nicht von Belang sind. 

 

  2.4.3 Gutachten 

  2.4.3.1 Gutachten Prof. Dr. O___ (act. v94) 

  Frage 2a:  
Hätte die um 17.00 Uhr unterbliebene Arztvisite zu einer früheren 
Untersuchung mittels CT im KSSG führen können oder sogar müssen? Wenn 
ja, hätte die um 22.30 Uhr mittels CT im KSSG festg estellte und um 02.00 Uhr 
von Dr. G___ notfallmässig operierte Gehirnblutung dann auch entsprechend 
früher diagnostiziert und operiert werden können od er gar müssen? (Falls die 
Frage sich weder klar bejahen noch verneinen lässt,  so sollte der 
medizinische Experte die Frage mit "überwiegend wah rscheinlich", "möglich" 
oder "eher unwahrscheinlich" beantworten). 

 
Die in die diagnostischen Überlegungen eingeführte Vermutung, dass ein verzögert 
abgebautes Medikament für die Schläfrigkeit der Patientin verantwortlich war, hätte 
mit einer zusätzlichen Visite wohl falsifiziert werden können. Ausserdem hätte dann 
noch der Eindruck des Ehemannes, eine leichte Wesensveränderung seiner 
Ehefrau zu beobachten berücksichtigt werden können und eine weiterführende 
Diagnostik wäre wohl veranlasst worden, weil die Ursache dieser akuten 
neurologischen Verschlechterung nur mittels eines bildgebenden Verfahrens zu 
ermitteln ist, da eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems bei 
fehlendem Fieber und unauffälligen Entzündungsparametern wohl nicht in 
Erwägung zu ziehen war. In letzterem Fall wäre noch eine Untersuchung des 
Liquors als weiterführende diagnostische Massnahme in Herisau möglich gewesen. 
Aber da diese Möglichkeit nicht wahrscheinlich war, blieb im Wesentlichen die 
Unterscheidung zwischen einer Blutung (intrazerebrales Hämatom) oder einer 

 

Seite 31 

Durchblutungsstörung (Ischämie), die ist nur mittels CT möglich, so dass die 
Blutung entsprechend früher hätte festgestellt werden können. 
Man hätte auch das Ausmass und die Lokalisation der Blutung diagnostizieren 
können: Nämlich den Durchmesser des Hämatoms, seine Lokalisation: 
Oberflächennahe, in der Tiefe liegend? Einbruch ins Ventrikelsystem? 
Hirndruckzeichen? 
Neben der klinischen Dynamik hätte es von diesen Parametern abgehangen, ob 
auch die Operation selbst früher hätte durchgeführt werden müssen. Das 
Management des intrazerebralen Hämatoms verlangt ein rasches Erkennen, die 
Feststellung seiner Lokalisation, die Abschätzung seiner Grösse und die Beurteilung 
der Liquorräume: Blutung oder Aufweitung als Zeichen des erhöhten Hirndrucks. 
Die wesentliche Dynamik erfährt das Hämatom innerhalb der ersten Stunden, in 
denen eine Vergrösserung durch Nachblutung entsteht und man den Entscheid zum 
operativen Eingreifen nicht zuletzt von der klinischen und oder radiologischen 
Entwicklung abhängig macht.  
Für einen ischämischen Schlaganfall oder eine Subarachnoidalblutung ist eine 
Verschlechterung über mehrere Stunden ungewöhnlich, diese Entwicklung sieht 
man eher beim intrazerebralen Hämatom. Auch das Erbrechen ist häufiger beim 
intracerebralen Hämatom als bei ischämisch bedingten Schlaganfällen oder bei 
Subarachnoidalblutungen. 
Die Identifikation prognostischer Indikatoren während der ersten Stunden ist wichtig 
für die Planung des weiteren Vorgehens: nämlich das Volumen des intrazerebralen 
Hämatoms, der Bewusstseinszustand gemessen z.B. an der Glasgow Coma Scale, 
das Entstehen eines Hydrocephalus. Darum sind rasche Diagnose und 
entsprechende Überwachung und möglicherweise repetitive 
computertomographische Untersuchungen essentiell. Diese Möglichkeiten wären in 
St. Gallen vorhanden gewesen, so dass ich die Frage folgendermassen 
beantworten kann: 
Die Diagnostik wäre früher möglich gewesen. Ob zum Zeitpunkt der Verlegung 
bereits eine Operationsindikation wegen ventrikulärer Blutung und sich 
anbahnendem Hydrocephalus bestanden hätte, lässt sich aufgrund der 
vorhandenen Indizien nicht sagen. Damit bleibt auch die Frage nach einem früheren 
Operationszeitpunkt hypothetisch. Es wäre allerdings möglich, dass die Entwicklung 
früher erkannt worden wäre, diagnostische Massnahmen ergriffen worden wären 
und der Eingriff früher und nicht erst bei bewusstloser Patientin hätte durchgeführt 
werden können. 

 
Bei der vorliegend strittigen Haftung durch Unterlassung (unterlassene Arztvisite um 
17.00 Uhr) ist die Frage nach dem Kausalzusammenhang auch nach Lehre und 
Rechtsprechung eine hypothetische Frage, die wir Sie aufgrund Ihrer medizinischen 
Sachkunde und Erfahrung im Sinne einer möglichst präzisen Einschätzung zu 
beantworten ersuchen. Erläuterungsfrage: Was heisst für Sie vorstehend "...es wäre 
allerdings möglich..."? - Bitte verdeutlichen Sie Ihre Antwort mit einem Kreuz in der 
nachfolgenden Wahrscheinlichkeitstabelle:  

 
ganz sicher 
nicht 

< 50 % > 50% - 74% > 75% - 89% > 90 % ganz sicher 

Antwort 
Prof.O___: 

    
X 

 

 
 

  Frage 3a:  
Hätte eine zusätzliche Arztvisite um 17.00 Uhr am T iming des CT (22.30 Uhr) 
oder am Timing der Notoperation (02.00 Uhr) etwas ä ndern können? Wenn ja 
was? Wenn nein weshalb? 

 

 

Seite 32 

Die Bemerkungen zur Arztvisite um 17.00 Uhr bezüglich der Erweiterung des 
differentialdiagnostischen Spektrums unter Einbezug eines primären zerebralen 
Ereignisses, wie sie in den Punkten 1-2 gemacht wurden, gelten auch hier, so dass 
ich es als überwiegend wahrscheinlich ansehe, dass mit einer Arztvisite um 17.00 
Uhr das Timing des CT früher hätte erfolgen können. 

 
Bitte verdeutlichen Sie ihre vorstehende Einschätzung ("...überwiegend 
wahrscheinlich ...") mit einem Kreuz in der nachfolgenden 
Wahrscheinlichkeitstabelle: 

 
ganz sicher 
nicht 

< 50 % > 50% - 74% > 75% - 89% > 90 % ganz sicher 

Antwort 
Prof.O___: 

    
X 

 

 
Das Timing der Notoperation hängt, wie bereits vorher ausgeführt, vom dannzumal 
im CT vorhandenen Befund ab. Wenn man die Entwicklung einer intracerebralen 
Blutung mit einer möglichen Grössenzunahme und einer konsekutiven klinischen 
Verschlechterung über Stunden als die weitaus häufigste Verlaufsform annimmt, 
könnte man vermuten, dass zum Zeitpunkt einer früher durchgeführten 
bildgebenden Diagnostik das Hämatom noch nicht so ausgedehnt war, wie es um 
22.30 Uhr im CT beschrieben wurde. Ob dann bereits die Indikation zur 
Druckentlastung gegeben war, weil sich bereits ein Hydrocephalus und oder eine 
intraventrikuläre Blutung ausgebildet hatten, ist möglich. 

 
Bitte verdeutlichen Sie Ihre vorstehende Einschätzung ("...ist möglich.") mit einem 
Kreuz in der nachfolgenden Wahrscheinlichkeitstabelle: 

 
ganz sicher 
nicht 

< 50 % > 50% - 74% > 75% - 89% > 90 % ganz sicher 

Antwort 
Prof.O___: 

  
X 

   

 
Überwiegend wahrscheinlich ist allerdings, dass bei einer deutlich früheren 
Diagnostik die Überwachung engmaschiger erfolgt wäre, so dass man allenfalls 
durch die klinische Verschlechterung und eventuellen repetitiven CT-
Untersuchungen die Entwicklung früher anders beurteilt hätte und deshalb auch 
früher hätte operiert werden können. 

 
Bitte verdeutlichen Sie Ihre vorstehende Einschätzung ("Überwiegend 
wahrscheinlich ...") mit einem Kreuz in der nachfolgenden 
Wahrscheinlichkeitstabelle: 

 
ganz sicher 
nicht 

< 50 % > 50% - 74% > 75% - 89% > 90 % ganz sicher 

Antwort 
Prof.O___: 

    
X 

 

 
 

  2.4.3.2 Gutachten Prof. Dr. N___ (act. v90)  
 
  Frage 3a:  

Hätte eine zusätzliche Arztvisite um 17.00 Uhr am T iming des CT (22.30 Uhr) 
oder am Timing der Notoperation (02.00 Uhr) etwas ä ndern können? Wenn ja 
was? Wenn nein weshalb? 

 

 

Seite 33 

Eine zusätzliche Arztvisite um 17.00 Uhr hätte überwiegend wahrscheinlich sowohl 
am Timing des CT (frühere CT-Untersuchung) und dem Timing der Notoperation 
(mehrere Stunden früher) etwas ändern können. 

 
Bitte verdeutlichen Sie Ihre vorstehende Einschätzung ("...überwiegend 
wahrscheinlich...") mit einem Kreuz in der nachfolgenden 
Wahrscheinlichkeitstabelle: 

 
ganz sicher 
nicht 

< 50 % > 50% - 74% > 75% - 89% > 90 % ganz sicher 

Antwort  
Prof. N___: 

    
X 

 

 
Inwieweit eine Vorverlegung der Diagnostik und der Intervention jedoch am 
Outcome der Patientin etwas geändert hätte, bleibt ungewiss. 

 
Bitte verdeutlichen Sie Ihre vorstehende Einschätzung {"...bleibt ungewiss.") mit 
einem Kreuz in der nachfolgenden Wahrscheinlichkeitstabelle: 

 
ganz sicher 
nicht 

< 50 % > 50% - 74% > 75% - 89% > 90 % ganz sicher 

Antwort  
Prof. N___: 

 X  
(„Grad der 
Ungewissheit“) 

   

  
 
 
 
 

  Frage 3c:   
  Ist die vorliegend frontal aufgetretene ICH im Verg leich zu anderen ICHs für 

den diensttuenden Oberarzt leicht, mittel oder schw er zu erkennen gewesen 
(hätten eine oder allenfalls stündlich zusätzlich d urchgeführte Arztvisiten die 
Erkennbarkeit der frontalen ICH entscheidend verbes sert und deshalb zu 
einem früheren Timing des CT und entsprechend auch zu einer früheren 
Notoperation führen können? Wenn ja bzw. wenn nein,  weshalb? 

 
Eine intrazerebrale Hämorrhagie (ICH) wie Im vorliegenden Fall bedingt eine 
schwerwiegende neurologische Symptomatik, die ganz überwiegend zu einer 
schweren Antriebs- und Bewusstseinsstörung führt. Die entscheidenden Faktoren, 
die eine intrazerebrale Hämorrhagie in die Differentialdiagnose eines klinischen 
Zustandsbildes einbeziehen lassen, sind Erbrechen und Bewusstseinsstörungen. 
Falls dann, wie im vorliegenden Fall, die Laboruntersuchungen nicht weiterführen, 
insbesondere nicht auf einen Infarkt hinweisen, sollte an eine intrazerebrale 
Hämorrhagie gedacht werden. In der Praxis ist es jedoch häufig schwer eine 
derartig klare Position zu beziehen Insbesondere muss davon ausgegangen 
werden, dass eine progressive neurologische Symptomatik über Stunden über eine 
gewisse Zeit missdeutet werden kann. Ein engmaschiges Monitoring von Seiten der 
Pflege und von ärztlicher Seite, wäre in einer derartigen Situation jedoch hilfreich. 
Es muss hinzugefügt werden, dass es auf vergleichbaren Abteilungen (auch 
Fachabteilungen) ungewöhnlich ist, dass ein ärztliches Monitoring im 
Stundenrythmus erfolgt. Dies ist in Ausnahmesituationen allenfalls auf 
Intensivstationen und Intermediate-Care-Einheiten möglich und praktiziert. Deshalb 
ist es unrealistisch davon auszugehen, dass stündliche Arztvisiten auf einer 
Allgemeinabteilung realisierbar sind.  

 

 

Seite 34 

Wenn vorliegend nicht stündlich, aber eine zusätzliche Arztvisite um 17.00 Uhr 
durchgeführt worden wäre - wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass 
der damalige Oberarzt die progressive neurologische Symptomatik um 17.00 Uhr 
hätte erkennen können? Bitte geben Sie ihre Einschätzung mit einem Kreuz in der 
nachfolgenden Wahrscheinlichkeitstabelle an (ev. ist es angezeigt, dass sie diese 
Antwort kurz begründen): 

 
ganz sicher 
nicht 

< 50 % > 50% - 74% > 75% - 89% > 90 % ganz sicher 

Antwort  
Prof. N___: 

   
X 

  

 
(„Ein Oberarzt sollte ausreichende Kenntnis und Erfahrung besitzen, um eine 
progressive Symptomatik als „red flag“ zu erkennen!“) 

 

 Frage 4a:  
 Sind die nach den Akten nach der Spitalentlassung noch festgestellten 

gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei Frau A___ a uf die um 17.00 Uhr 
unterlassene Arztvisite als alleinige oder Teilursa che zurückzuführen (?), 
beziehungsweise wären diese gesundheitlichen Beeint rächtigungen bei 
Vornahme einer zusätzlichen Arztvisite um 17.00 Uhr  nicht eingetreten? 

 
 Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die zunächst im Verlauf des 5.3.2000 in 

Herisau beschrieben wurden, bestanden vorwiegend in einer zunehmenden 
Schläfrigkeit, dann Somnolenz, einem soporösen und schliesslich komatösen 
Zustand der Patientin. Als Ursache konnte schliesslich die beschriebene 
intrazerebrale Hämorrhagie festgestellt werden. Die klinische Symptomatik bestand 
eindeutig in einer halbseitigen Lähmung und schweren neuropsychischen Störung, 
die auch in der Folgezeit wiederholt nachgewiesen wurden und im Verlauf sich nur 
zögerlich verbesserten.  
Bei der beschriebenen Hirnblutung handelte es sich um eine progressive 
Erkrankung, deren Beginn - soweit den Akten zu entnehmen ist - auf den Vormittag 
des 5.3.2000 datiert werden muss. Verschiedene Ereignisse an den Tagen zuvor 
ausser acht lassend, ist es im Verlaufe des 5.3.2000 zu einer sich sicherlich 
entwickelnden Blutung gekommen, die schliesslich in die Balkenregion, in das linke 
frontale Marklager und die Ventrikel eingebrochen ist. Das klinische Ergebnis dieser 
Blutung zeigt sich in den Berichten aus der Klinik St. Gallen, Walzenhausen und aus 
dem Bericht von Prof. Q___ aus Zürich. 
Es kann im Einzelnen nicht nachgewiesen werden, dass die auf 17.00 Uhr 
terminierte unterlassene Arztvisite als alleinige Ursache des Zustandsbildes 
angesehen werden kann. Da jedoch der Zeitfaktor eine wesentliche Rolle bei der 
Entwicklung einer Hirnblutung und der daraus entstehenden Folgen bedeutet, wäre 
ein früheres Erkennen dieser Hirnblutung mit grosser Wahrscheinlichkeit mit einer 
früheren Intervention, und mit einer begrenzteren Symptomatik verbunden 
gewesen.“ 

 
Bitte verdeutlichen Sie ihre vorstehende Einschätzung („…mit grosser 
Wahrscheinlichkeit…“) mit einem Kreuz in der nachfolgenden 
Wahrscheinlichkeitstabelle:  

 
ganz sicher 
nicht 

< 50 % > 50% - 74% > 75% - 89% > 90 % ganz sicher 

Antwort  
Prof. N___: 

  X   

 
In diesem Sinne muss die unterlassene Arztvisite um 17.00 Uhr als Teilursache 
angesehen werden. 

 

Seite 35 

 
 Bitte verdeutlichen Sie Ihre vorstehende Einschätzung mit einem Kreuz in der 

nachfolgenden Wahrscheinlichkeitstabelle (mit welcher Wahrscheinlichkeit ist die 
unterlassene Visite um 17.00 Uhr Teilursache des oben beschriebenen 
Zustandsbildes?): 

 
ganz sicher 
nicht 

< 50 % > 50% - 74% > 75% - 89% > 90 % ganz sicher 

Antwort  
Prof. N___: 

   
X 

  

 

 Frage 5:   
Wäre der Heilverlauf nach der Notoperation der ICH anders verlaufen (längere 
Behandlungsdauer/Spitalaufenthalt/Rehabilitation) w enn a) eine zusätzliche 
Arztvisite um 17.00 Uhr oder b) nach 14.00 Uhr je s tündlich eine zusätzliche 
Arztvisite zu einem früheren CT und damit möglicher weise zu einer früheren 
Notoperation geführt hätte? 

 
Diese Frage kann nur mit überwiegender Wahrscheinlichkeit beantwortet werden in 
dem Sinne, dass eine Erkennung der intrazerebralen Blutung um 17.00 Uhr, oder 
auch nach 14.00 Uhr, bei stündlicher zusätzlicher Arztvisite zu rascherer Erkennung 
und früherer Operation sowie besserem Heilverlauf geführt hätte. 

 
Bitte verdeutlichen Sie Ihre vorstehende Einschätzung {"...mit überwiegender 
Wahrscheinlichkeit...") mit einem Kreuz in der nachfolgenden 
Wahrscheinlichkeitstabelle: 

 
ganz sicher 
nicht 

< 50 % > 50% - 74% > 75% - 89% > 90 % ganz sicher 

Antwort  
Prof. N___: 

  
X 

   

 
Es ist hierbei zu bemerken, dass sich in der Beurteilung einer intrazerebralen 
Hämorrhagie die Erkenntnis durchsetzt, dass in vielen Fällen die Hämorrhagie kein 
einseitiges Ereignis mit dann stationärem Bild darstellt, sondern eine Dynamik 
besitzt mit Progression der Blutung, bei weiter bestehender Blutungsquelle mit den 
entsprechenden Folgen, zum Beispiel wie im vorliegenden Fall einer multifokalen 
Blutung mit Ventrikeleinbruch, was sekundär zu einer Liquorzirkulationsstörung mit 
neurologischen Folgen führt. 

 
 
 Frage 6:   

Wären die nach den medizinischen Akten nach der Spi talentlassung noch 
festgestellten gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei Frau A___ geringer, 
gleich oder gravierender ausgefallen, wenn a) eine zusätzliche Arztvisite um 
17.00 Uhr oder b) nach 14.00 Uhr je stündlich eine zusätzliche Arztvisite 
durchgeführt worden wären und eine intrazerebrale B lutung allenfalls 
entsprechend früher hätte diagnostiziert und operie rt werden können oder 
müssen ?  

 
Die wesentlichen Folgen der intrazerebralen Blutung bei Frau A___ auf 
neurologischem Fachgebiet bestanden in schweren neuropsychischen Störungen 
nach initialem Koma, und einer Halbseitenlähmung der linken Körperseite. Über die 
langwierige Erholungsphase insbesondere der neuropsychologischen Störungen 
finden sich ausreichende Belege in den Aktenunterlagen. Es bleibt spekulativ, 
inwieweit zusätzliche Arztvisiten, speziell wie in Frage a um 17.00 Uhr oder in Frage 

 

Seite 36 

b nach 14.00 Uhr mit stündlich zusätzlicher Arztvisite eine Veränderung der 
festgestellten gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei Frau A___ bewirkt hätten. 
Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass diese bei früherer Erkennung 
durch zusätzliche Visiten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sicher nicht 
gravierender ausgefallen wären. Dagegen kann angenommen werden, dass diese 
gesundheitlichen Beeinträchtigungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 
geringer ausgefallen wären. 

 
Bei der vorliegend strittigen Haftung durch Unterlassung (unterlassene Arztvisite um 
17.00 Uhr) ist die Frage nach dem Kausalzusammenhang auch nach Lehre und 
Rechtsprechung eine hypothetische Frage, die zu beantworten wir Sie aufgrund 
Ihrer medizinischen Sachkunde und Erfahrung im Sinne einer möglichst präzisen 
Einschätzung ersuchen. Frage: Was heisst für Sie vorstehend im letzten Satz 
„…dass diese gesundheitlichen Beeinträchtigungen mit überwiegender 
Wahrscheinlichkeit geringer ausgefallen wären“ – wenn lediglich, aber immerhin 
eine zusätzliche Arztvisite um 17.00 Uhr durchgeführt worden wäre? Bitte 
verdeutlichen Sie ihre Antwort dazu mit einem Kreuz in der nachfolgenden 
Wahrscheinlichkeitstabelle:  

 
ganz sicher 
nicht 

< 50 % > 50% - 74% > 75% - 89% > 90 % ganz sicher 

Antwort  
Prof. N___: 

  
X 

   

 
Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass aufgrund einer zusätzlichen 
Arztvisite um 17.00 Uhr, und einer entsprechend um rund drei Stunden früher als 
notwendig erkannten Blutuntersuchung und Operation diese gesundheitlichen 
Beeinträchtigung ganz ausgeblieben wäre? 
Bitte verdeutlichen Sie Ihre Antwort dazu mit einem Kreuz in der nachfolgenden 
Wahrscheinlichkeitstabelle: 

 
 
 
 

ganz sicher 
nicht 

< 50 % > 50% - 74% > 75% - 89% > 90 % ganz sicher 

Antwort  
Prof.N___: 

           X 

     

 
Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass unter den gleichen 
Voraussetzungen ein Teil dieser gesundheitlichen Beeinträchtigungen ausgeblieben 
wäre? 

 Bitte verdeutlichen Sie Ihre Antwort dazu mit einem Kreuz in der nachfolgenden 
Wahrscheinlichkeitstabelle: 

 
ganz sicher 
nicht 

< 50 % > 50% - 74% > 75% - 89% > 90 % ganz sicher 

Antwort  
Prof. N___: 

  
X 

   

 
 Bemerkungen des Gutachters Prof. N___: 

1. Die kritischen Fragen, die dem aktuellen Gutachter vorgelegt werden, betreffen 
die Überwachung der Patientin am 5.3.2000. Ich kann nur wiederholen, dass es auf 
einer allgemeinen Abteilung auch heutzutage in der Regel kaum möglich ist, eine 
stündliche Überwachung eines Patienten, dessen/deren gravierender Zustand als 
solcher nicht erkannt worden ist, durchzuführen. Dies gilt sowohl für ein 

 

Seite 37 

Überwachungskonzept das an Pflegefachleute delegiert wird, als auch für ein 
Überwachungskonzept durch ärztliche Visiten. Letzteres ist im Übrigen erst recht 
ungewöhnlich und auch in anderen grossen Spitälern nicht üblich. 

 Dies bedeutet nicht, dass es nicht möglich gewesen wäre, die Ernsthaftigkeit der 
Erkrankung von Frau A___ durch die Pflege oder die Ärzte zu einem früheren 
Zeitpunkt zu erkennen. Die Frage spitzt sich auch darauf zu, warum die 
zunehmende Schläfrigkeit zusammen mit dem wiederholten Erbrechen nicht schon 
als bedrohliches Zeichen einer Hirnfunktionsstörung wenigstens 
differentialdiagnostisch in Erwägung gezogen wurde. 
2. Eine intrazerebrale Blutung kann, muss aber nicht, ein einseitiges Ereignis 
darstellen. Zahlreiche intrazerebrale Blutungen (dies lässt sich heutzutage auch 
durch Kontrastuntersuchungen in der Computertomographie und in der 
Magnetresonanztomographie, zum Beispiel durch das sogenannte „Spot-Sign" 
nachweisen), stellen einen Blutungsprozess dar, der über längere Zeit fortschreiten 
kann. Insofern ist der eingangs schon bemerkte Vergleich zum ischämischen 
Schlaganfall durchaus angebracht, auch beim hämorrhagischen Schlaganfall dem 
Zeitfaktor grössere Bedeutung beizumessen. 

 

  2.4.4 Beurteilung 

  Im Sinne einer Zusammenfassung der vorstehenden E. 2.4.3.1 ist festzuhalten, 

dass Gutachter O___ es mit einer Wahrscheinlichkeit von > 90 % für möglich hält, 

dass mit einer Arztvisite um 17.00 Uhr die Entwicklung früher erkannt worden wäre, 

diagnostische Massnahmen ergriffen worden wären und der Eingriff früher und nicht 

erst bei Bewusstlosigkeit der Patientin durchgeführt worden wäre (act. v94, S. 3). 

Mit derselben Wahrscheinlichkeit beziffert er die Möglichkeit, dass mit einer 

Arztvisite um 17.00 Uhr das Timing des CT früher hätte erfolgen können (act. v94, 

S. 3). Gutachter O___ führt weiter aus, dass man vermuten könnte, dass zum 

Zeitpunkt einer früher durchgeführten bildgebenden Diagnostik das Hämatom noch 

nicht so ausgedehnt gewesen wäre, wie es um 22.30 Uhr im CT beschrieben 

worden sei. Ob dann bereits die Indikation zur Druckentlastung gegeben gewesen 

wäre, weil sich bereits ein Hydrocephalus oder eine Intraventrikuläre Blutung 

ausgebildet hätten, sei mit einer Wahrscheinlichkeit von > 50 % – 74 % möglich 

(act. v94, S. 4). Wiederum mit einer Wahrscheinlichkeit von > 90 % ist laut 

Gutachter O___ davon auszugehen, dass bei einer deutlich früheren Diagnostik die 

Überwachung engmaschiger erfolgt wäre, so dass man allenfalls durch die klinische 

Verschlechterung und eventuellen repetitiven CT-Untersuchungen die Entwick