# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 191441be-5763-5fb2-9f86-e63a46987a90
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-05-05
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 05.05.2010 SK1 2010 11
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SK1-2010-11_2010-05-05.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 05. Mai 2010 Schriftlich mitgeteilt am:
SK1 10 11 [nicht mündlich eröffnet]

Urteil
I. Strafkammer

Vorsitz Vizepräsident Schlenker
RichterInnen Präsident Brunner und Kantonsrichterin Michael Dürst
Redaktion Aktuarin ad hoc Gadient Stecher

In der Strafsache

des X., Angeklagter und Berufungskläger, vertreten durch Amtsvormundschaft A.,

 

gegen

das Urteil des Bezirksgerichtsausschusses B. vom 15. Januar 2010, mitgeteilt am 
4. Februar 2010, in Sachen der S t a a t s a n w a l t s c h a f t  G r a u b ü n d e n , 
Sennhofstrasse 17, 7001 Chur, Anklägerin und Berufungsbeklagte, gegen den 
Angeklagten und Berufungskläger,

betreffend Widerruf des bedingten Strafvollzugs,

hat sich ergeben:

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I. Sachverhalt

A. Im Rahmen des gegen X. geführten Strafverfahrens war über diesen am 
27. Oktober 2008 von Dr. med. G., Oberarzt, sowie Dr. med. H., Leitender Arzt 
Forensischer Dienst, Psychiatrische Dienste Graubünden, ein forensisch-
psychiatrisches Gutachten erstellt worden, welches sich insbesondere zur 
Rückfallgefahr und der Indikation einer Massnahme äusserte.

X. wurde zudem während des gegen ihn laufenden Strafverfahrens von der 
Vormundschaftsbehörde A. am 23. Juli 2009 unter Vormundschaft gestellt. Zum 
Vormund wurde Amtsvormund Y. ernannt. Im Besonderen habe dieser sein 
Mündel bezüglich der persönlichen wie auch der wirtschaftlichen Situation 
umfassend zu betreuen. Die Bevormundung wurde mit Schreiben vom 4. August 
2009 der Staatsanwaltschaft Graubünden zur Kenntnis gebracht.

B. Mit Urteil vom 18. August 2009 wurde X. vom Bezirksgerichtsausschuss B. 
des mehrfachen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage 
gemäss Art. 147 Abs. 1 StGB, des mehrfachen Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 1 
StGB, des Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB, des mehrfachen 
Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB, der mehrfachen Urkundenfälschung 
gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB sowie der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 
19a Ziff. 1 BetmG schuldig gesprochen. Dafür wurde er mit einer Freiheitsstrafe 
von zehn Monaten und einer Busse von Fr. 100.--, ersatzweise zu einer 
Freiheitsstrafe von einem Tag, bestraft. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde 
unter Ansetzung einer Probezeit von drei Jahren aufgeschoben, wobei X. sich 
während der Dauer der Probezeit einer ambulanten Suchtbehandlung gemäss Art. 
63 StGB zu unterziehen habe. Ausserdem wurde ihm die Weisung erteilt, während 
der Dauer der Probezeit eine ärztlich kontrollierte Drogenabstinenz einzuhalten. 
Für die Dauer der Probezeit wurde eine Bewährungshilfe angeordnet. Das Urteil 
wurde dem damaligen Rechtsvertreter von X. im Doppel, nicht jedoch seinem 
Vormund, zugestellt und erwuchs am 31. August 2009 unangefochten in 
Rechtskraft. 

C. Mit Schreiben vom 24. August 2009 des Amtes für Justizvollzug 
Graubünden, welches nur X. zugestellt wurde, wurde dieser zu einem 
Erstgespräch aufgefordert. Es wurde ihm eine Frist bis zum 7. September 2009 
gesetzt, um sich beim Fallverantwortlichen zu melden. Dieser Aufforderung kam 
X. nicht nach. Das Amt für Justizvollzug forderte ihn deshalb mit Einschreiben vom 
21. Oktober 2009 noch einmal zur Kontaktaufnahme auf. Das Einschreiben wurde 

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nicht innert Frist abgeholt und in der Folge an den Absender retourniert. Mit einem 
weiteren Einschreiben vom 9. November 2009, welches wie die Schreiben vorher 
nur X. zugestellt wurde, ermahnte das Amt für Justizvollzug diesen deshalb 
förmlich. Auch dieses Schreiben wurde nicht innert Frist abgeholt und retourniert. 
Eine Kopie des Ermahnungsschreibens wurde X. zudem mit B-Post zugestellt. In 
der Folge erstattete das Amt für Justizvollzug am 9. Dezember 2009 Bericht 
betreffend Nichteinhaltung von Bewährungsauflagen an den 
Bezirksgerichtsausschuss B., X. und die Staatsanwaltschaft Graubünden mit der 
Empfehlung, die bedingte Freiheitsstrafe zu widerrufen. Aufgrund der deliktischen 
Vorgeschichte müsse ernsthaft erwartet werden, dass X. ohne entsprechende 
Suchtbehandlung und Betreuung durch die Bewährungshilfe erneut straffällig 
werde.

D. Mit Einschreiben des Bezirksgerichtsausschusses B. vom 16. Dezember 
2009 wurden X. sowie dem Amt für Justizvollzug die Vorladung zur 
Hauptverhandlung vom 15. Januar 2010 zugestellt. Die Anwesenheit von X. an 
der Verhandlung sei zwingend erforderlich. Die Vorladung wurde von X. nicht 
innert Frist abgeholt. Mit Urteil vom 15. Januar 2010, mitgeteilt am 4. Februar 
2010, welches in Abwesenheit von X. gefällt wurde, erkannte der 
Bezirksgerichtsausschuss B. was folgt:

1. „Der mit Urteil des Bezirksgerichtsausschusses B. vom 18. August 
2009, mitgeteilt am 20. August 2009, angeordnete bedingte Vollzug 
der Freiheitsstrafe wird widerrufen. Die Freiheitsstrafe von zehn 
Monaten ist somit zu vollziehen.

2. Für die Dauer des Vollzugs wird eine ambulante Massnahme 
gemäss Art. 63 StGB angeordnet, während die erteilte Weisung und 
die angeordnete Bewährungshilfe dahinfallen.

3. a) Die Kosten des Verfahrens von CHF 500.00 gehen zu Lasten von 
X. und sind innert 30 Tagen auf das PC-Konto 70-3596-3 des 
Bezirksgerichtes B. zu überweisen.

b) Die Kosten des Strafvollzuges trägt der Kanton Graubünden. Die 
Kosten des Massnahmevollzuges gehen zu Lasten der Wohnsitzge-
meinde von X.. X. hat sich an beiden Kostenarten nach Massgabe 

von Art. 380 Abs. 2 StGB zu beteiligen.

4. (Rechtsmittelbelehrung).

5. (Mitteilung).“

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Die Mitteilung des Urteils erfolgte wiederum nur an X. persönlich, nicht jedoch an 
dessen Vormund.

E. Gegen dieses Urteil erhob Amtsvormund Y. mit Schreiben vom 19. Februar 
2010 bzw. nach Gewährung einer Nachfrist zur Mangelbehebung mit 
ergänzendem Schreiben vom 10. März 2010 Berufung beim Kantonsgericht von 
Graubünden. Er stellte sinngemäss den Antrag, das angefochtene Urteil 
aufzuheben und von einem Widerruf des bedingten Strafvollzugs abzusehen.

F. Der Bezirkgerichtsausschuss B. verzichtete mit Schreiben vom 17. März 
2010 auf die Einreichung einer Stellungnahme. Das Amt für Justizvollzug 
Graubünden teilte mit Schreiben vom 17. März 2010 mit, der Fallverantwortliche 
bestätige, dass er keine Kenntnis von der Bevormundung von X. gehabt habe. Auf 
eine weitergehende Vernehmlassung werde verzichtet. Die Staatsanwaltschaft 
Graubünden verzichtete mit Schreiben vom 22. März 2010 ebenfalls auf die 
Einreichung einer Stellungnahme.

G. Am 5. Mai 2010 findet um 9.30 Uhr die Hauptverhandlung vor der I. 
Strafkammer des Kantonsgerichts statt. Anwesend sind X. als Berufungskläger 
sowie sein Vormund Y.. Es werden keine Einwände gegen Zuständigkeit und 
Zusammensetzung des Gerichtes erhoben, weshalb sich dieses als in der Sache 
legitimiert erklärt. Der Vorsitzende stellt die Personalien fest, deren Richtigkeit 
vom Berufungskläger bestätigt wird, er ergänzt lediglich, dass er mittlerweile an 
der C. wohnhaft sei. X. äussert zur Sache auf Befragen, er habe das Urteil vom 
18. August 2009 gelesen und von den verhängten Massnahmen Kenntnis 
genommen. Er habe in der Folge auf Post gewartet und mit dem Vormund 
entsprechend Rücksprache genommen. Unternommen habe er jedoch nichts. 
Sein damaliger Mitbewohner in D. habe die Post einfach auf einen Haufen gelegt 
und so seien die Abholscheine wohl mit den Zeitungen im Altpapier gelandet. Von 
der Vorladung zur Hauptverhandlung vom 15. Januar 2010 habe er deshalb keine 
Kenntnis. Er habe dann das entsprechende Urteil an seinem neuen Wohnort in C. 
erhalten und unverzüglich mit dem Vormund Kontakt aufgenommen. Er sei in 
einer ambulanten psychiatrischen Therapie bei Dr. med. Z. und seit dem 21. 
Januar 2009 in einem Methadonprogramm mit entsprechenden, alle zwei Wochen 
stattfindenden Kontrollen. Er wisse lediglich, dass er verpflichtet sei, eine 
ambulante Therapie zu machen. Er konsumiere keinerlei Betäubungsmittel und 
nie Alkohol. Im Februar 2010 habe er einen Rückfall gehabt und sei verhaftet 
worden. Seither sei er jedoch sauber. Er sei bereit, eine Behandlung zu machen. 
Er sei derzeit arbeitslos und habe Sozialhilfe beantragt. Momentan würden ihm als 

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Nothilfe Fr. 200.-- für zwei Wochen zuzüglich Mietkosten und 
Krankenkassenprämien von der Gemeinde C. ausgerichtet. Da er mit seiner 
Freundin zusammenwohne, könne er davon leben. In zwei Wochen trete er eine 
Aushilfsstelle im Kino E. in F. an. Er habe beinahe ohne Unterbruch gearbeitet, 
seit er aus der Untersuchungshaft gekommen sei. Er bewerbe sich regelmässig. 
Eine Stelle im erlernten Beruf als Lackierer zu finden, sei jedoch sehr schwierig. Er 
wolle seine Schulden abbauen. Zu seiner Familie pflege er sporadischen Kontakt. 
Das Verhältnis zum Vormund sei gut. Er nehme seine Post nun stets entgegen.

Der Vormund legt auf Befragen dar, er sei anlässlich der ersten 
Hauptverhandlung vor Bezirksgerichtsausschuss B. anwesend gewesen, habe 
sich dem Gericht vorgestellt und die Ernennungsurkunde zu den Akten gegeben. 
Ihm sei das Urteil in der Folge jedoch nicht mitgeteilt worden. Er sei nicht selber 
aktiv geworden, da er davon ausgegangen sei, dass sich die Bewährungshilfe mit 
seiner Betreuung begnüge. Er habe bezüglich anderer Klienten schon mehrfach 
die entsprechende Erfahrung gemacht. X. habe es in der Vergangenheit 
regelmässig versäumt, seine Post ordentlich entgegen zu nehmen. Er könne die 
ambulante Therapie und die bereits längere Abstinenz bestätigen. Die Therapie 
werde fortgesetzt, allerdings erweise sich ein Arztwechsel gemäss Auskunft des 
Amtes für Justizvollzug als notwendig, da es sich beim behandelnden Arzt nicht 
um einen Vertrauensarzt handle. Die aufgetretenen Kommunikationsprobleme 
dürften nicht zu Lasten von X. gehen. Sie versuchten gemeinsam intensiv, eine 
Arbeitsstelle zu finden und es werde die Reduktion der Methadondosis angestrebt. 
Die Zusammenarbeit gestalte sich zufrieden stellend und er sei zuversichtlich.

In seinem Schlusswort äussert X., es tue ihm leid, dass er mit seiner Post 
nachlässig gewesen sei, er sei sich der möglichen Konsequenzen, nämlich dass 
seine Freiheit davon abhängen könne, nicht bewusst gewesen. In der Folge wird 
die Hauptverhandlung zur geheimen Urteilsberatung um 10.00 Uhr geschlossen.

Auf die Begründung der Anträge sowie die weiteren Ausführungen im 
angefochtenen Urteil wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen 
eingegangen.

II. Erwägungen

1. a) Gemäss Art. 141 Abs. 1 des Gesetzes über die Strafrechtspflege (StPO; 
BR 350.00) können Verurteilte und der Staatsanwalt gegen Urteile und 
Beschlüsse der Bezirksgerichte und ihrer Ausschüsse beim Kantonsgericht 

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Berufung einlegen. Die Berufung ist innert zwanzig Tagen seit der schriftlichen 
Eröffnung des Entscheids und unter Beilage des angefochtenen Entscheids 
einzureichen. Sie ist zu begründen und hat darzutun, welche Mängel des 
erstinstanzlichen Entscheids gerügt werden und ob das ganze Urteil oder lediglich 
Teile davon angefochten werden (Art. 142 Abs. 1 StPO).

b) Die vorliegende Berufung wurde nicht von X. persönlich als Verurteiltem, 
sondern von dessen Vormund Y. erhoben. Die Vormundschaftsbehörde A. hatte 
X. am 23. Juli 2009 unter Vormundschaft gestellt und Amtsvormund Y. zu dessen 
Vormund ernannt (Akten Staatsanwaltschaft act. 1.25). Gemäss 
Ernennungsurkunde hat dieser die Interessen des Schutzbefohlenen nach bestem 
Wissen und Gewissen zu wahren. Insbesondere hat er sein Mündel bezüglich der 
persönlichen wie auch der wirtschaftlichen Situation umfassend zu betreuen. Y. 
war als Vormund von X. ohne weiteres befugt, für diesen die Berufung zu 
verfassen (vgl. hierzu Padrutt, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons 
Graubünden, 2. Auflage, F. 1996, S. 355 zur Beschwerde, analog; 
Hauser/Schweri/Hart-mann, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Auflage, Basel 
2005, § 96 N 8). Damit erfüllt die vorliegende Berufung die genannten 
Anforderungen, weshalb auf diese einzutreten ist.

2. Die I. Strafkammer des Kantonsgerichts überprüft das erstinstanzliche Urteil 
in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht im Rahmen der gestellten Anträge frei 
(Art. 146 Abs. 1 StPO). Sie besitzt eine umfassende, uneingeschränkte 
Kognitionsbefugnis. Wenn die Aktenlage die Beurteilung zulässt und keine 
Verletzung des rechtlichen Gehörs vorliegt oder der Mangel geheilt ist, entscheidet 
die I. Strafkammer in der Sache selber (Art. 146 Abs. 2 StPO e contrario; Padrutt, 
a.a.O., S. 376). Da die I. Strafkammer im vorliegenden Fall eine mündliche 
Verhandlung in Anwesenheit des Berufungsklägers und seines Vormundes 
durchgeführt hat und die genannten Voraussetzungen damit erfüllt sind, 
entscheidet diese ohne Rückweisung in der Sache selbst.

3. Der Vorsitzende kann eine mündliche Verhandlung von sich aus oder auf 
Antrag der Parteien anordnen, wenn die persönliche Befragung des Angeklagten 
für die Beurteilung der Streitsache wesentlich ist (Art. 144 Abs. 1 StPO). Im 
vorliegenden Fall wurde wie dargelegt eine mündliche Verhandlung in 
Anwesenheit des Berufungsklägers durchgeführt, welcher anlässlich der 
Hauptverhandlung vor der Vorinstanz nicht anwesend gewesen war und sich 
damit bis anhin nicht zur Sache geäussert hatte. Ein persönliches Vortreten des 

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Berufungsklägers erwies sich unter den genannten Umständen als notwendig und 
sachgerecht.

4. a) Gemäss dem forensisch-psychiatrisches Gutachten vom 27. Oktober 2008 
von Dr. med. G., Oberarzt, sowie Dr. med. H., Leitender Arzt Forensischer Dienst, 
Psychiatrische Dienste Graubünden (Akten Staatsanwaltschaft act. 2.10), bestand 
beim Berufungskläger im Zeitpunkt der von ihm verübten Straftaten im Zeitraum 
Frühling/Sommer 2008 eine mittelschwere Abhängigkeit sowohl von Opioiden als 
auch von Kokain. Gemäss Einschätzung der Gutachter ist die Rückfallgefahr 
aufgrund der Art der Abhängigkeit und ohne entsprechende Therapie als sehr 
hoch einzustufen. Damit verbunden sei auch die Gefahr erneuter Delikte im Sinne 
der Beschaffungskriminalität deutlich erhöht. Es werde deshalb die Anordnung 
einer ambulanten Suchtbehandlung gemäss Art. 63 StGB empfohlen. Die 
suchtbezogende Behandlung sei von einer Suchtfachstelle oder einem Facharzt 
für Psychiatrie und Psychotherapie durchzuführen. Es erweise sich als notwendig, 
dass sich der Explorand mit den Hintergründen seiner Suchtproblematik 
auseinandersetze. Zur Kontrolle der Abstinenz würden behandlungsbegleitende, 
regelmässige Urinproben mindestens zwei Mal monatlich in unregelmässigen 
Abständen und nach kurzfristigem Aufgebot für die Dauer von mindestens 12 
Monate empfohlen. Zu testen sei auf Opioide, Kokain, Amphetamine, THC und 
Benzodiazepine. Der Explorand habe sich durchwegs bereit gezeigt, an einer 
ambulanten Behandlung mit Abstinenznachweis teilzunehmen. Bei Scheitern der 
ambulanten Massnahme und erneuter Delinquenz wäre eine stationäre 
Massnahme noch einmal zu prüfen.

b) Die von der Vormundschaftsbehörde A. am 23. Juli 2009 verfügte 
Bevormundung des Berufungsklägers und die Einsetzung von Amtsvormund Y. 
als dessen Vormund wurde mit Schreiben vom 4. August 2009 der 
Staatsanwaltschaft Graubünden zur Kenntnis gebracht (Akten Staatsanwaltschaft 
act. 1.25).

c) Entsprechend den gutachterlichen Empfehlungen verurteilte der 
Bezirksgerichtsausschuss B. den Berufungskläger mit Urteil vom 18. August 2009 
neben einer bedingt aufgeschobenen Freiheitsstrafe von zehn Monaten und einer 
Busse für die Dauer der Probezeit von drei Jahren zu einer ambulanten 
Suchtbehandlung gemäss Art. 63 StGB. Ausserdem wurde ihm die Weisung 
erteilt, während der Dauer der Probezeit eine ärztlich kontrollierte 
Drogenabstinenz einzuhalten. Für die Dauer der Probezeit wurde eine 
Bewährungshilfe angeordnet. Der Berufungskläger, welcher zu diesem Zeitpunkt 

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anwaltlich vertreten war, war anlässlich der Hauptverhandlung persönlich 
anwesend gewesen. Ebenfalls persönlich anwesend war gemäss eigenen 
Darlegungen sein Vormund Y.. Dieser führte sowohl in der Berufung als auch bei 
der persönlichen Befragung vor der I. Strafkammer aus, er habe sich dem 
Bezirksgerichtsausschuss B. anlässlich der Hauptverhandlung vom 18. August 
2009 persönlich als Vormund des Berufungsklägers vorgestellt und die 
Ernennungsurkunde vom 23. Juli 2009 zu den Akten gegeben. Aus dem 
betreffenden Urteil, welches ohne Entscheidgründe erging, ergibt sich die 
Anwesenheit des Vormundes jedoch ebenso wenig wie die Tatsache der 
Bevormundung des Verurteilten an sich. Sodann erfolgte die Mitteilung lediglich an 
den Rechtsvertreter des Verurteilten im Doppel. Der Vormund legte dar, er habe 
das Urteil in der Folge von diesem zugestellt erhalten.

d) Das Amt für Justizvollzug forderte den Berufungskläger in der Folge 
mehrfach schriftlich zu einem Erstgespräch auf (Schreiben vom 24. August 2009 
sowie Einschreiben vom 21. Oktober 2009; Akten Amt für Justizvollzug act. 3.1, 
3.2) bzw. ermahnte diesen nach erfolgloser Aufforderung ebenfalls schriftlich 
(Einschreiben bzw. Schreiben vom 9. November 2009; Akten Amt für Justizvollzug 
act. 3.3). Der Berufungskläger kam den entsprechenden Aufforderungen nicht 
nach. Die Einschreiben wurden jeweils nicht innert Frist abgeholt und in der Folge 
an den Absender retourniert. Das Amt für Justizvollzug erstattete aufgrund dieser 
Sachlage am 9. Dezember 2009 Bericht betreffend Nichteinhaltung von 
Bewährungsauflagen mit der Empfehlung, die bedingte Freiheitsstrafe zu 
widerrufen (Akten Amt für Justizvollzug act. 3.4). Aus dem Bericht ergibt sich, dass 
das Amt davon ausging, dass sich der Berufungskläger den ausgesprochenen 
Bewährungsauflagen entziehe. Aufgrund der deliktischen Vorgeschichte müsse 
ernsthaft erwartet werden, dass dieser ohne entsprechende Suchtbehandlung und 
Betreuung durch die Bewährungshilfe erneut straffällig werde, weshalb das Amt 
mit dem Widerruf des bedingten Vollzuges der Freiheitsstrafe die schärfste 
mögliche Sanktion gemäss Art. 95 Abs. 4 und 5 StGB beantragte. Es erfolgte 
keine Zustellung der jeweiligen Schreiben an den Vormund des Berufungsklägers. 
Das Amt für Justizvollzug bestätigte in seiner Stellungnahme vom 17. März 2010 
zum vorliegenden Verfahren, von der Bevormundung keine Kenntnis gehabt zu 
haben.

e) Mit Einschreiben vom 16. Dezember 2009 erfolgte die Vorladung des 
Berufungsklägers zur Hauptverhandlung vom 15. Januar 2010 vor 
Bezirksgerichtsausschuss B. (Akten Bezirksgericht B. act. 2). Es wurde 
ausdrücklich festgehalten, dass sich seine Anwesenheit als zwingend erforderlich 

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erweise. Die Vorladung wurde von diesem nicht innert Frist abgeholt. In der Folge 
urteilte der Bezirksgerichtsaussuss B. in seiner Abwesenheit und widerrief 
entsprechend dem Antrag des Amtes für Justizvollzug den bedingten Strafvollzug.

5. a) aa) Entzieht sich der Verurteilte der Bewährungshilfe oder missachtet er die 
Weisungen, so erstattet die zuständige Behörde gemäss Art. 95 Abs. 3 StGB dem 
Gericht oder den Strafvollzugsbehörden Bericht. Das Gericht oder die 
Strafvollzugsbehörde kann in den Fällen nach Absatz 3 die Probezeit um die 
Hälfte verlängern; die Bewährungshilfe aufheben oder neu anordnen; die 
Weisungen ändern, aufheben oder neue Weisungen erteilen (Abs. 4 lit. a-c). Das 
Gericht kann in den Fällen nach Absatz 3 die bedingte Strafe widerrufen, wenn 
ernsthaft zu erwarten ist, dass der Verurteilte neue Straftaten begeht (Abs. 5). Ist 
eine Unterstellung unter Bewährungshilfe oder die Anordnung einer Weisung 
konsequent nach spezialpräventiven Gesichtspunkten erfolgt (wie dies gesetzlich 
vorgesehen ist), dann ist regelmässig ein erhöhtes Rückfallrisiko zu erwarten, falls 
sich der Betroffene der Bewährungshilfe entzieht oder eine Weisung missachtet. 
Denn eine günstige Prognose konnte dem Betroffenen nur in Verbindung mit einer 
solchen Anordnung gestellt werden (Baechtold, in: Niggli/Wiprächtiger (Hrsg.), 
Basler Kommentar, Strafrecht I, 2. Auflage, Basel 2007, N 5 zu Art. 95). Werden 
Termine mit der Bewährungshilfe nicht eingehalten, darf dies jedoch nicht bereits 
als „Entziehen“ bewertet werden, solange die begründete Aussicht besteht, dass 
sich künftig eine kontinuierliche Zusammenarbeit etablieren lässt. Ein Entziehen 
ist etwa dann gegeben, wenn sich der Betroffene nicht meldet und nicht 
aufzufinden ist, Einladungen zu Gesprächen keine Folge leistet und Anweisungen 
in den Wind schlägt. Massgeblich ist, ob solches Fehlverhalten als Indiz dafür zu 
werten ist, dass der Zweck der Anordnung (die Verminderung des Rückfallrisikos) 
gefährdet erscheint (Baechtold, BSK, a.a.O., N 5 zu Art. 95; Trechsel, in: Trechsel 
et al. (Hrsg.), Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Zürich/St. 
Gallen 2008, N 5 zu Art. 95). Sofern mit Anordnungen gemäss Abs. 4 das Ziel der 
Rückfallverhütung gewährleistet werden kann, gehen diese der eingriffsstärksten 
Anordnung gemäss Abs. 5 vor (Baechtold, BSK, a.a.O., N 7 zu Art. 95). Ist jedoch 
ernsthaft zu erwarten, dass Anordnungen nach Abs. 4 neue Straftaten nicht zu 
verhindern vermöchten, dann kann das Gericht die Vollziehung der 
Freiheitsentziehung anordnen, also die bedingt ausgesprochene Strafe 
widerrufen. Massgeblich für einen solchen Entscheid ist somit ausschliesslich die 
für den Betroffenen zu erstellende Kriminalprognose (Baechtold, BSK, a.a.O., N 8 
zu Art. 95; Trechsel, a.a.O., N 10 zu Art. 95). Das rein pönale Interesse, 
Fehlverhalten während der Probezeit zu sanktionieren, vermag einen Widerruf 

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dagegen nicht zu legitimieren. Widerruf und Rückversetzung dürfen daher nicht 
nur deshalb ausgesprochen werden, weil der Betroffene eine Weisung missachtet. 
Wenn sich der Verurteilte ohne Inanspruchnahme der Hilfsangebote bewährt, so 
muss dies zu seinen Gunsten ebenfalls Berücksichtigung finden (vgl. hierzu BGE 
118 IV 336; Baechtold, BSK, a.a.O., N 8 zu Art. 95; Trechsel, a.a.O., N 7 zu 
Art. 95 m.w.H.). Art. 95 Abs. 5 StGB verlangt im Gegensatz zur früheren 
gesetzlichen Regelung keine förmliche Mahnung mehr, diese dürfte sich in der 
Praxis jedoch häufig als zweckmässig erweisen (Trechsel, a.a.O., N 10 zu Art. 
95).

ab) Im Weiteren besteht grundsätzlich die Möglichkeit, eine Freiheitsstrafe vor 
oder während deren Vollzug gestützt auf Art. 65 Abs. 1 StGB nachträglich in eine 
stationäre therapeutische Massnahme gemäss Art. 60 StGB abzuändern. Diese 
Regelung soll erlauben, der Entwicklung des Verurteilten nach der Urteilsfällung 
Rechnung zu tragen (Trechsel/Pauen Borer, in: Trechsel et al. (Hrsg.), 
Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2008, N 2 
f. zu Art. 65).

b) Im vorliegenden Fall unterliess es der Berufungskläger wiederholt und aus 
nicht gänzlich nachvollziehbaren Gründen, die an ihn erfolgten Einschreiben bzw. 
Schreiben zur Kenntnis zu nehmen. Die Einschreiben wurden jeweils aufgrund der 
verstrichenen Abholzeit mit dem entsprechenden Vermerk an die Absender 
retourniert. Der Berufungskläger hat sich folglich auch nicht mit der 
Bewährungshilfe in Verbindung gesetzt, wozu er in mehreren Schreiben 
aufgefordert worden war. Dieses Verhalten ist zwar zu beanstanden, zumal der 
Berufungskläger nach Ergehen des Urteils gegen ihn mit der Kontaktaufnahme 
durch den Bewährungsdienst hätte rechnen müssen. Allerdings kann 
diesbezüglich nicht ausser Acht gelassen werden, dass der Berufungskläger unter 
Vormundschaft gestellt worden war. Gemäss Ernennungsurkunde wurde dem 
Vormund denn auch im Besonderen die Aufgabe erteilt, sein Mündel bezüglich der 
persönlichen wie auch der wirtschaftlichen Situation umfassend zu betreuen. Die 
Bevormundung war der Staatsanwaltschaft Graubünden am 4. August 2009 zur 
Kenntnis gebracht worden, das entsprechende Schreiben befindet sich bei den 
Akten. Sodann hat sich der Vormund anlässlich der Hauptverhandlung vor 
Bezirksgerichtsausschuss B. nach eigenen Angaben persönlich vorgestellt und 
noch einmal eine Kopie der Ernennungsurkunde zu den Akten gereicht. Die 
Vorinstanz hat von dieser Tatsache jedoch offenbar keine Kenntnis genommen. 
Der Hinweis der Bevormundung fehlt sowohl im Urteil vom 18. August 2009 als 
auch in jenem vom 15. Januar 2010. Auch die Anwesenheit des Vormundes ist 

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nicht protokolliert. Entsprechend erfolgten auch sämtliche Mitteilungen und die 
Vorladung zur Hauptverhandlung vom 15. Januar 2010 trotz Bevormundung, 
welche – was noch einmal ausdrücklich festzustellen ist – bereits aus den Akten 
ohne weiteres zu ersehen war, fälschlicherweise nur an den Berufungskläger 
persönlich. Ebenfalls zu beanstanden ist, dass die Vorinstanz in der Folge die 
Hauptverhandlung in Abwesenheit des Berufungsklägers durchführte, obwohl sie 
selbst dessen Anwesenheit in der Vorladung als zwingend erforderlich bezeichnet 
hatte. Die Vorinstanz erwog in analoger Anwendung von Art. 192 Abs. 1 StPO, 
welcher allerdings die Umwandlung von Bussen regelt, das Gericht könne den 
Bussenschuldner zur Gerichtsverhandlung vorladen. Soweit dies nicht geschehe, 
finde die Verhandlung ohne diesen statt. Unabhängig von der Fragestellung, ob 
sich die analoge Anwendung dieser Bestimmung zur Bussenumwandlung auf 
Fälle des Widerrufes eines bedingten Strafvollzuges überhaupt rechtfertigt, gilt es 
festzustellen, dass sich aus dieser Bestimmung auch die Pflicht der Behörden 
ergibt, den Betroffenen anzuhören und abzuklären, ob der Verurteilte schuldlos die 
Busse nicht bezahlt hat (Art. 192 Abs. 1 StPO; vgl. Padrutt, a.a.O., S. 465 Ziff. 4). 
Wäre diese Bestimmung vorliegend tatsächlich analog anzuwenden, was letztlich 
unbeantwortet bleiben kann, so ergäbe sich daraus ebenfalls die Pflicht der 
Vorinstanz, den Verurteilten zwingend persönlich anzuhören und entsprechende 
Abklärungen zu treffen. Auch angesichts der verhängten Strafdauer von zehn 
Monaten Freiheitsstrafe – der Berufungskläger hätte folglich nicht entsprechend 
Art. 122 Abs. 2 StPO vom persönlichen Erscheinen zur Hauptverhandlung vom 
18. August 2009 dispensiert werden können, sondern es wäre Art. 123 StPO zur 
Anwendung gelangt – ergibt sich, dass die Vorinstanz auch im Rahmen des 
Widerrufsverfahrens eine Vorführung des Berufungsklägers hätte veranlassen 
müssen, zumal seine Anwesenheit auch angesichts der Voraussetzungen eines 
Widerrufes gemäss Art. 95 Abs. 5 StGB jedenfalls geboten gewesen wäre (vgl. 
hierzu die nachfolgenden Erwägungen) und sein Aufenthalt ebenfalls bekannt war 
(vgl. zur Vorführbarkeit Padrutt, a.a.O., S. 301).

Der Fallverantwortliche des Amtes für Justizvollzug hatte von der 
Bevormundung des Berufungsklägers keine Kenntnis. Damit erscheint dessen 
Vorgehen grundsätzlich als nachvollziehbar. Allerdings gilt es auch diesbezüglich 
darauf hinzuweisen, dass das Nicht-Abholen einer Briefsendung nicht ohne 
weiteres mit einer Annahmeverweigerung gleichgesetzt werden kann. Auch vom 
Amt für Justizvollzug hätte daher zumindest erwartet werden können, dass 
gewisse minimale Nachforschungen angestellt würden, bevor die schärfste der 
möglichen Sanktionen beantragt wurde. So ist ein Entziehen wie dargelegt etwa 

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erst dann gegeben, wenn sich der Betroffene nicht meldet und nicht aufzufinden 
ist und auch keine begründete Aussicht auf eine zukünftige kontinuierliche 
Zusammenarbeit besteht. Jedenfalls konnten aufgrund der mangelnden 
Informationen über den Berufungskläger weder das Amt für Justizvollzug noch der 
Bezirksgerichtsausschuss B. eine sachgerechte Beurteilung über dessen 
Kriminalprognose und die vorliegend angemessene Massnahme vornehmen. 
Insbesondere konnte nicht beurteilt werden, ob sich der Berufungskläger auch 
ohne Inanspruchnahme der behördlichen Hilfe bewährt hatte und nicht schon eine 
Massnahme gemäss Art. 95 Abs. 4 StGB ausreichend gewesen wäre. Das rein 
pönale Interesse, Fehlverhalten während der Probezeit zu sanktionieren, vermag 
einen Widerruf wie ausgeführt jedenfalls nicht zu legitimieren. Zwar wäre auch 
vom Vormund selbst, welcher vom Urteil des Bezirksgerichtsauschusses B. vom 
18. August 2009 Kenntnis erhalten hatte, zu erwarten gewesen, dass er nach 
Verstreichen einer gewissen Zeitspanne von sich aus aktiv geworden wäre. 
Allerdings erscheint zumindest nachvollziehbar, dass er aufgrund der Sachlage 
zunächst darauf vertraute, seitens der Behörden miteinbezogen zu werden und 
sich folglich auf die angemessene Betreuung des Berufungsklägers konzentrierte.

Unter den genannten Umständen kann somit nicht gefolgert werden, der 
Berufungskläger habe sich der Bewährungshilfe entziehen wollen. Es wäre 
unabdingbar gewesen, den Vormund von Beginn an und umfassend in die 
Angelegenheit miteinzubeziehen und dessen Kontrolle und Mitarbeit 
sicherzustellen, zumal der Berufungskläger gemäss Ernennungsurkunde eben 
gerade nicht in der Lage war bzw. ist, seine Angelegenheiten selbständig zu 
bewältigen. Sein Verhalten kann ihm daher auch nur teilweise zum Vorwurf 
gemacht werden. Ebenfalls zu seinen Gunsten zu berücksichtigen gilt es zudem, 
dass er sich seit Januar 2009 in einer ambulanten psychiatrischen Therapie mit 
Methadonprogramm und entsprechenden, alle zwei Wochen stattfindenden 
Kontrollen befindet. Nach eigenen Angaben konsumiert er – abgesehen von 
einem Rückfall im Februar 2010 – seit längerem keine Betäubungsmittel mehr. 
Auch anlässlich der Hauptverhandlung vor der I. Strafkammer konnte er glaubhaft 
darlegen, dass er nach wie vor sehr motiviert ist, die ambulante Therapie mit 
Abstinenzkontrolle fortzusetzen und mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Er 
ging bis anfangs Februar 2010 einer Vollzeitbeschäftigung nach und bemüht sich 
seit der Auflösung dieses Arbeitsverhältnisses aktiv um eine neue Stelle. 
Demnächst kann er eine Aushilfstätigkeit antreten. Der Vormund bestätigte die 
funktionierende Zusammenarbeit mit dem Berufungskläger, den regelmässigen 
Besuch der ambulanten Therapie mit Methadonprogramm und Abstinenzkontrolle 

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– welche stets negative Resultate gezeigt habe – sowie die insgesamt positiven 
Entwicklungen. Der ausgesprochene Widerruf des bedingten Strafvollzuges 
erweist sich aufgrund der geschilderten Sachlage im jetzigen Zeitpunkt daher als 
nicht gerechtfertigt. Es besteht vielmehr die durchaus begründete Aussicht, dass 
sich künftig eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem Berufungskläger 
etablieren lässt.

c) Damit ergibt sich, dass die Berufung gutzuheissen, das angefochtene Urteil 
aufzuheben und damit auch der Antrag des Amtes für Justizvollzug abzuweisen 
ist. Der Berufungskläger ist jedoch mit Nachdruck darauf hinzuweisen, dass er 
sich der ambulanten Massnahme – welche entsprechend den gutachterlichen 
Schlussfolgerungen auszugestalten ist (vgl. E. 4a) – zu unterziehen und die 
erteilte Weisung zu befolgen hat. Er hat hierzu kooperativ mit den Behörden – 
insbesondere mit dem Amt für Justizvollzug – zusammenzuarbeiten. Der 
Berufungskläger wird folglich förmlich richterlich ermahnt, sich der im Urteil des 
Bezirksgerichtsauschusses B. vom 18. August 2009 angeordneten ambulanten 
Massnahme zu unterziehen und die ausgesprochene Weisung zu befolgen (vgl. 
Ziff. 4 des Dispositivs des Urteils des Bezirksgerichtsauschusses B. vom 
18. August 2009). Sollte sich der Berufungskläger zukünftig der Bewährungshilfe 
entziehen oder die ausgesprochenen Weisungen nicht befolgen und damit die 
Voraussetzungen gemäss Art. 95 Abs. 3 StGB erfüllen, wäre das entsprechende 
Prozedere einzuleiten. Welche einschneidenden Konsequenzen dies haben kann 
(vgl. Art. 95 Abs. 4 und 5 StGB bzw. eventuell Art. 65 Abs. 1 StGB in Verbindung 
mit Art. 60 StGB), dürfte dem Berufungskläger nunmehr klar geworden sein.

6. Da die Berufung vollumfänglich gutgeheissen wird, gehen die 
vorinstanzlichen Kosten zu Lasten des Bezirkes B.. Die Kosten des 
Berufungsverfahrens gehen bei diesem Ausgang des Verfahrens zu Lasten des 
Kantons Graubünden (Art. 160 Abs. 3 StPO).

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III. Demnach wird erkannt

1. Die Berufung wird gutgeheissen. Das angefochtene Urteil wird aufgehoben 
und der Antrag des Amtes für Justizvollzug Graubünden wird abgewiesen.

2. X. wird richterlich ermahnt, sich der im Urteil des 
Bezirksgerichtsauschusses B. vom 18. August 2009 angeordneten 
ambulanten Massnahme zu unterziehen und die ausgesprochene Weisung 
zu befolgen (vgl. Ziff. 4 des Urteils des Bezirksgerichtsausschusses B. vom 
18. August 2009).

3. Die Kosten des Bezirksgerichtsausschusses B. von Fr. 500.-- gehen zu 
Lasten des Bezirkes B..

4. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 1'500.-- gehen zu Lasten des 
Kantons Graubünden.

5. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 des 
Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Beschwerde in Strafsachen an das 
Schweizerische Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, geführt werden. Die 
Beschwerde ist dem Bundesgericht schriftlich, innert 30 Tagen seit 
Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in der gemäss 
Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Zulässigkeit, 
die Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen und das 
Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. BGG.

6. Mitteilung an: