# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0b2e67fc-4f84-52a0-8a8f-4574bbc36328
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-03-17
**Language:** de
**Title:** Abstellen auf die im polydisziplinären Gutachten der Unfallversicherung festgestellte volle Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten nach Belastungsprofil, an HV berichtete Verschlechterung des Gesundheitszustandes erfolgte nach Verfügungserlass, kein Rentenanspruch.
**Docket/Reference:** IV.2022.00067
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2022.00067.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2022.00067
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichterin Fankhauser
Gerichtsschreiberin Wantz
Urteil
vom
17. März 2023
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Massimo
Aliotta
Anwaltskanzlei
Aliotta
Obergasse 20, Postfach 1508, 8401 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Die 1968 geborene
X.___
, Mutter eines Sohnes (Jahrgang 1995), ohne Berufsausbildung,
arbeitete seit dem 1. November 2003 als Haushälterin für die
Y.___
(Urk. 9/9
und Urk.
9/22
)
. Am 3.
November 2018 erlitt die Versicherte als Beifahrerin eines Per
sonenwagens einen Auffahrunfall auf der Autobahn
.
Die
Visana
Services AG (nachfolgend: Visana)
als zuständige
r
Unfallversicher
er
erbrachte in der Folge die
gesetzlichen Leistungen (Urk.
9/11/5 und
Urk. 9/11/13)
.
Nach einer Früherfas
sung
(Urk. 9/2)
meldete
sich die Versicherte am 31. Juli 2019 (Eingangsdatum)
unter Hinweis
auf den Verkehrsunfall sowie eine dadurch resultierende Ver
schlechterung ihres Gesundheitszustandes
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk.
9/9
).
Zur Abklärung der medizinischen und erwerblichen Verhältnisse zog die IV-Stelle die
Unfallversi
cherungsakten
(Urk.
9/11) sowie Auszü
g
e
aus dem individuellen Konto bei (Urk.
9/18-19
) und holte einen Arbeitgeberbericht ein (Urk.
9/22
).
Mit E
ingabe vom 28.
Oktober 2019 reichte die Versicherte den Bericht vom 7. August 2019 des Zentrums für Rheuma- und Knochenerkra
n
kungen
an
der
Klinik Z.___
zu den Akten
(U
r
k. 9/23-24).
Im Weitern
holte die IV-Stelle die neuen
Unfallversi
che
rungsa
kten (U
r
k.
9
/32) sowie Berichte der behandelnden
Ärzte
ein
(U
rk.
9/33 Urk. 9/36). Mit
Mitteilung
vom 31.
Januar 2020 informierte die IV-Stelle die Ver
si
cherte, dass zurzeit keine E
ingl
i
e
derungsmassnahmen möglich seien (Urk.
9/34).
Mit Vorbescheid vom
27.
Februar 2020
stellte die IV-Stelle
ihr
die Ablehnung des Leistungsgesuchs in Aussicht (Urk.
9
/
42
).
Dagegen erhob
die Versicherte
am
24
.
März 2020
Einwand (Urk.
9/45
).
Daraufhin
zog
die IV-Stelle die
neusten
Unfallversicherungsakten
bei
(Urk.
9/62
und
Urk.
9/66)
, darunter eine Kopie des von der Visana
als
zuständige
m
Unfallversicherer
veranlassten polydisziplinären Gutachtens vom 10.
Februar 2021 der
A.___
GmbH (Urk. 9/78) sowie
eine Kopie
der
von ihr al
s
zuständige
m
Krankentaggeldversicherer veranlassten
orthopädi
schen und psychiatrischen Second O
pinion vom 11. Mai 2021 der
B.___
AG
(Urk. 9/79). Ferner verlangte
die IV-Stelle
weitere Berichte d
er
behandelnden Ärzte ein (Urk. 9/67, Urk. 9/74
,
Urk.
9/76
und Urk. 9/81
)
.
Mit Vorbescheid vom 21. Juni 2021 ersetzte die IV-Stelle denjenigen vom 27. Februar 2020 und hielt an der Leistungsablehnung fest (Urk. 9/83). Dageg
en erhob die Versicherte am 23.
August
(Urk. 9/88)
und am
21.
September 2021 unter Beilage
weiterer
Unterlagen
(Urk. 9/91-96)
erneut E
inwand.
Mit Verfügung vom 27.
Dezember 2021 verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch (Urk. 9/99
=
Urk. 2
).
2.
Dagegen erhob
die Versicherte
am 1. Februar 2022
(Urk. 1)
Beschwerde und beantragte, dass ihr unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung eine Rente der Invalidenversicherung gestützt auf einen Invaliditätsgrad von mindestens 50
% zuzusprechen sei, eventualiter sei ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben,
subeventualiter
sei die Sache verbunden mit der Auflage, ein neues medi
zinisches polydisziplinäres Administrativgutachten i.S.v. Art. 44 ATSG einzuho
len
, an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
.
In prozessualer Hinsicht ersuchte
die Beschwerdeführerin
um eine öffentliche Verhand
lung nach Art. 6
der Europäischen Menschenrechtskonvention (
EMRK).
Mit Beschwerdeergänzung
vom 2. Februar 2022
reichte die Beschwerdeführerin die
von der Visana als zuständige
m
Krankentaggeldversicherer in Auftrag
gegebene
interne versiche
rungsmedizinische Beurteilung vom 19. Oktober 2021 von Dr.
C.___
zu den Akten
(Urk. 5
und Urk.
6/7-8).
Mit Beschwerdeantwort vom
9. März 2022
beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde
(Urk.
8
unter Beilage der IV-Akten [Urk. 9/1-101
),
was
der Beschwerdeführerin
am
15. März 2022
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
10
).
Am
11. Januar 2023
wurde eine Hauptver
handlung durchgeführt (vgl. Protokoll S.
3
-
7
), anlässlich welcher
die Beschwer
deführerin
weitere Unterlagen (Urk.
15
/1-
9
) zu den Akten reichte. Die Beschwer
degegnerin, welcher das Erscheinen freigestellt worden war (Urk.
11
S. 2), blieb dem Verhandlungstermin wie von ihr
angezeigt fern
(Urk.
14
)
.
3.
Auf die Vorbringen
der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da die angefochtene Verfügung vor dem 1. Januar 2022 erging, sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden (BGE 148 V 174 E. 4.1).
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestat
ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizi
nische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen ver
fügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 10. Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen
, ergänzend zu den Unterlagen des involvierten Unfallversicherers seien Bericht
e
bei
de
n
behandelnden Ärzten ein
geholt worden.
Der Beurteilung des
regionalen
ärztlichen Dienstes
(RAD)
nach
sei der
Beschwerdeführerin
die aktuelle
Tätigkeit
als Haushälterin
weiterhin
zu 50 %
zumutbar
. In einer ihren Einschränkungen optimal angepassten
Tätigkeit
bestehe
eine
uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit
.
Aus dem entsprechenden Einkommens
vergleich resul
tiere ein Invaliditätsgrad von 29
%.
Somit
liege der Invaliditätsgrad unter 40 %, weshalb kein Anspruch auf eine IV-Rente bestehe
.
Im weiteren Ver
lauf sei vom Unfallversicherer eine interdisziplinäre Begutachtung bei der
A.___
GmbH
durchgeführt worden. I
n
diesem Gutachten
sei
der Beschwerdeführe
rin
ebenfalls
eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in ihrer bisherigen Tätigkeit
als Haus
hälterin
sowie
eine 100%ige in einer
körperlich
leichten
Tätigkeit
attestiert
wor
den
, weshalb am Entscheid festgehalten werde.
Am Entscheid könne auch nach der Erstattung
des
bidisziplinäre
n
Gutachten
s
(
orthopädisch
-psychiatrisch) vom 11. M
ai 2021,
welche
s
den
Gesundheitszustand
umfassend abgeklärt habe
, wei
terhin festgehalten werden
(Urk. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt,
der
behandelnde
Rheumatologe Prof. D
r. me
d
.
D.___
habe
ihr
eine Ver
schlechterung
des
Gesundheitszustandes in rheumatologischer Hinsicht
attestiert
.
Es sei bei ihr
neu eine ausge
de
hnte
artikularseitige
Partialruptur der Supraspi
natussehne
festgestellt worden
. Auf die Tatsache der
nachweisbaren
Verschlech
terung
des
Gesundheits
zustandes aus
rheumatologischer
Sicht
g
ehe der von der Beschwerdegegnerin beigezogene RAD-Arzt Dr.
E.___
in seiner
Stellung
nahme
vom 22. Oktober 2021
jedoch
nicht ein.
Der Hinweis,
dass der
von
Prof.
Dr. med.
D.___
verfasste Bericht
vom
31. August 2021 ein Bericht eines
behandelnden
Arztes sei, weshalb ihm kein B
e
weiswert zukommen
könne
, genüge nicht
.
Diesbezüglich
sei
darauf
hinzuweisen, dass die schlüssigen und nachvollziehbaren
Ausführungen
von
Prof. Dr.
D.___
vom
Vertrau
ensarzt
der Visan
a in
ihrer Funktion als K
rankentaggeldversi
cherung übernom
men worden sei
en
. Der Vertrauensarzt habe
nämlich
festgehalten, dass die Beschwerdeführerin in einer angepassten
Tätigkeit
zu etwa 40 %
arbeitsfähig
sei. Es sei ganz evident,
dass
der Bericht von Prof. Dr.
D.___
vom 31.
A
ugust 2021 de
n
Vertra
uen
sarzt der Visana
dazu
gebracht
habe
,
das
von
ihr
eingeholt
e
bidi
s
ziplinäre
Gutachten nich
t
mehr als b
e
weistau
g
lich
anzusehen
.
Im Ergebnis könnten
die
Ausführungen
v
om RAD-Arzt
Dr
.
E.___
vom 22.
Oktober 2021
demnach
in
keinster
Weise
zur Beurteilung ihrer Restarbeitsfä
higkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit
als beweistauglich
angesehen
wer
den
.
Die
Beschwerdegegnerin hätte
somit
bei der
Beurteilung
der
Restarbeitsfä
higkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit
weder auf das Gutachten de
r
A.___
G
m
b
H
für die
Unfallversicherung
noch
auf das
bidisziplinäre
Gutachten
für die
kollektive
Krankentaggeldversicherung
abstützen dürfen
(Urk
.
2)
.
3.
3.1
Im Bericht vom 7. August 2019 hielt
Prof. Dr.
D.___
, Facharzt für Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin FMH,
Zentrum für Rheuma- und K
nochenerkr
a
n
kungen
an
der
Klinik Z.___
,
folgende Diagnosen
fest
(Urk.
9/
24/1
):
-
Oligoarthritis bei
Spondyloarthr
ose
undifferenziert mit sek
undärer
Arth
rose Mittelfuss
bds
., DD am ehesten
Psoriasis-Arthritis
bei Hautpsoriasis
-
Tendinitis
calcarea
im Schulterbereich links
-
St.
n. Magenbypass Operation 2012 wegen morbider Adipositas
-
Schmerzen im Bereich
der
linken
I
nguina
und lumbal
bds
. bei bekannter
Osteochondrose
L4/5/S1 und Skoliose mit V
er
d
acht
auf klin
ische
Instabi
lität
-
s
tationäre
Osteopenie der
Lendenwirbelsäule (
LWS
)
und Hüftregion unter
C
alzium
-
und Vit
amin
D Substitution gegenüber 2018
-
Chronische, progredi
ente und therapieresistente Nack
enschmerzen bei
:
-
Dezelerations
t
rauma
der
Halswirbelsäule (
HWS
)
am 3.11.2018 nach Autofahrunfall bei
vorbestehenden
deg
. Veränderungen der HWS C4-7 im ko
n
v
entionellen
HWS R
öntgen
sowie
wiederholten
HWS MRI seit 2010
-
Depressive Verstimmung
3.2
Im Bericht vom
8.
Januar
2020
diagnostizierte
Dr.
F.___
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie,
bei welchem die Beschwerdeführerin seit 2016 in Behandlung war, mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung sowie ein chronisches Schmerzsyndrom bei rheumatischer Erkrankung. Die Arbeitsunfähigkeit werde von der Hausärz
t
in attestiert. Bis zum Autounfall am 3. November 2018 sei die Beschwerdeführerin
als Haushälterin
voll arbeitsfähig gewesen, danach
voll arbeits
un
fähig und aktuell
wieder knapp
50 % arbeitsfähig mit erheblichen Einschränkungen
. Diese Tätigkeit sei körperlich streng für eine chronisch entzündliche rheumatische Erkrankung mit degenerati
ven Gelenkveränderungen und chronischem Schmerzsyndrom
(U
r
k. 9/33/2-
3).
Im
gleichentags datierten
Schreiben zuhanden des Rechtsvertreters der Beschwer
deführerin führte Dr.
F.___
weiter
aus
, für die rheumatologische Behandlung und damit die Schmerzbehandlung sei Prof. Dr.
D.___
zuständig, allenfalls die Hausärztin. Die Beschwerdeführerin habe aber auch bei ihm immer wieder über Gelenkschmerzen geklagt, vor allem im Nackenbereich, was sie bei ihrer Arbeit als Haushälterin nebst ihrem eigenen Haushalt zunehmend eingeschränkt habe. Diese hätten auch immer wieder zu Erschöpfungszustände
n
und vermehrt depres
siver Verstimmung geführt. Die Beschwerdeführerin leide an einer rezidivieren
den depressiven Störung und sei eine asthenische, rasch zu Übermüdung und Erschöpfung neigende Person
.
W
ie weit dies auch mit der
j
ahrelangen sehr schmerzhaften rheumatischen Erkrankung und den damit einhergehenden Behin
derungen zusammenhänge, müsse offenbleiben. Aus psychiatrischer Sich
werde
die Arbeitseinschränkung
von ihm
summarisch wegen des chronischen Schmerzsyndroms, der depressiven Erkrankung und der asthenischen Persönlich
keit auf ca. 50 %
veranschlagt
, wobei sicher ca. 20-25% psychiatrisch erklärt werden könn
ten
. Es bestehe jetzt noch die optimale Lösung, dass die
A.___
sich bereit erklärt habe, die Beschwerdeführerin weiter zu 50 % als Haushälterin zu beschäftigen. Wenn sie diese Stelle verlieren würde, wäre sie mit grösster Wahrscheinlichkeit wegen sehr schlechten Deutschkenntnissen und minimaler Schulbildung nicht mehr auf dem freien Arbeitsmarkt platzierbar (Urk.
9/33/7-8).
3.
3
Im Bericht vom
18. Februar 2020 führte Prof. Dr.
D.___
aus, er denke, dass die Beschwerdeführerin weiterhin
in der Pfarrei arbeitsfähig bleiben könne. Die aktuelle Tätigkeit sei für die Beschwerdeführerin körperlich mässig stark belas
tend und abwechselnd. Diese Tätigkeit im 50%-Pensum sei nahezu ideal und solle nicht modifiziert werden. Eine Eingliederung sei nicht nötig. Eine
50%ige Rente
sei sinnvoll. In zwei bis drei Jahren soll
t
e eine
Re
e
val
u
ation
durchgeführt werden. Die bisherige Tätigkeit sei
ihr vier
Stunden pro Tag zumutbar. Eine leidensange
passte Tätigkeit sei
ihr
ebenfalls
vier
Stunden zumutbar. Die Tätigkeit als Haus
hälterin
sei
nahezu optimal a
ngepasst in einem Pensum von 50
% (Urk. 9/36/2
4).
3.
4
Dr. med.
G.___
, Facharzt für Chirurgie des RAD
, übernahm in seiner Stellungnahme vom
25. Februar 2020
folgende
Diagnosen mit
Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 9/41/5
f.
)
:
-
Oligoarthritis bei
Spondylarthr
ose
undifferenziert mit sek
undärer
Arthrose Mittelfuss
bds
., DD am ehesten
Psoriasis-Arthritis
bei Hautpsoriasis
-
Tendinitis
calcarea
im Schulterbereich links
-
Schmerzen im Bereich der li
nken Leiste
und lumbal
bds
. bei bekannter
Osteochondrose
L4/5/S1 und Skoliose
-
Stationäre
Osteopenie der LWS und Hüftregion unter
C
alzium
- und
Vit
. D Substitution gegenüber 2018
Als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit notierte er:
-
ein
Zustand nach Magenbypass Operation (2012) wegen morbider Adipo
sitas
-
chronische, progrediente und therapieresist
e
n
t
e N
ack
enschmerzen bei
Dezelerationstrauma
der HWS (03.11.2018) bei vorbestehenden degenera
tiven Veränderungen der HWS C4-7
-
depressive V
erstimmung
Schweres Heben, Tragen und Transportieren von Lasten sowie das Verharren in Zwangshaltungen seien zu vermeiden. In der bisherigen Tätigkeit
sei
die Beschwerdeführerin vom 5. November bis am 3. Dezember 2018 voll arbeitsun
fähig
gewesen
und
ab dem
4. Dezember bis auf weiteres
zu
50 %. Bei einer Arbeitsfähigkeit von 50 % in bisheriger Tätigkeit könne theoretisch versiche
rungsmedizinisch mit höchster Wahrscheinlichkeit von einer 100%igen Arbeits
fähigkeit in leicht
en
angepassten Tätigkeiten in W
e
chselbelastung
,
ohne Heben, Tragen und
Transportieren
von Lasten
grösser als
5 kg
und
ohne Verharren in Z
wangshaltungen
,
ausgegangen werden
(Urk. 9/41/6).
3.
5
Im Verlaufsbericht vom
27. Januar 2021
(Eingangsdatum)
f
ührte
Dr.
med.
H.___
des Zentrums für Rheuma- und Knochenerkrankungen
an
der
Klinik Z.___
die Nackenschmerzen
neu
unter der Diagnose
c
ervicovertebrales
bis –
spondylogenes
Schmerzsyndrom bei
Osteochondrosen
HWK C
4-7
und
Dezelerationstrauma
der HWS 11/201
8
auf
. Ferner
erhob er
neu zusätzlich eine leicht
symptomatische
Gonarthrose links. Anamnestisch arbeite die
Beschwerde
führerin
an sechs Tagen je
dreieinhalb
Stunden als
Haushaltshilfe
in
einer
Pfarrei, wo sie
vor allem
Essen rüsten und
kochen
müsse. Dies
er
scheine, zumindest auf
grund der heutigen Anamnese/Untersuchung
,
weiter möglich. Aus rein
rheuma
tologischer
Sicht (
entzündlich
degenerativ)
bestehe eine
um
30
%
bis
50
%
redu
zierte
Leistungsfähigkeit.
Während
degenerativen
und entzündlichen
Krankheits
schüben
könne
ein
e
höhere
Arbeitsunfähigkeit
bis 50 % gerechtfertigt sein. Bezüglich entzündlicher Systemerkr
a
nkung sei bekannterweise bei Psoriasis-Arthritiden mit
einem
chronisch
rezidivierende
n
Verlauf zu rechnen, welche
r
zumindest
unter der Therapie
aktuell
nicht schle
cht kontrolliert erscheine
.
Den
noch
könnten aber ondulierende
Krankheitsschübe bei
degenerativen
Verände
rungen
in der
Wirbelsäule
auftreten
,
während welcher die
Beschwerdeführerin
jeweils
akut stärker beeinträchtigt
wäre
(Urk. 9/67)
.
3.
6
3.
6
.1
Am
10. Februar 2021 erstattete die
A.___
GmbH das vom Unfallversicherer
Visana
in Auftrag gegebene
polydisziplinäre
Gutachten
(
Urk. 9/78).
3.
6
.2
Dr. phil.
I.___
, Neuropsychologe FSP,
Dr.
J.___
,
Facharzt Neurologie,
Dr.
E.___
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
K.___
,
Facharzt Innere Medizin und Rheumatologie,
Dr.
L.___
,
Facharzt orthopädische Chirurgie und Traumatologie,
stellten
im polydisziplinä
ren Gutachten
vom 10. Februar 2021
mit
Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit
die Diagnosen
(Urk. 9/78/32-33)
:
-
Verdacht auf ein chronisches, organisch-strukturell nicht begründbares Schmerzsyndrom speziell mit hochgradiger S
ch
m
e
rzangabe in der Wir
belsäule,
im
Schulter
-
und
Nackenbereich
bei
:
-
e
xzessivem
ärztlich v
e
r
ordn
e
tem
Medikamentenkonsum
, unter ande
rem auch mit abhän
gig
keit
s
erzeugender Medikation (Tramadol, Dia
zepam),
Möglichkeit
einer Substanzabhän
g
igkeit
und
o
pioid
indu
zierte
r
Hy
p
eralgesie (OIH)
-
h
ochgradig
chronifiziertem
Z
ervikal
synd
ro
m
mit schmerzhafter Bewe
gung
s
einschränkung mit kli
ni
sch-
neurologisch
asymptomati
schen
radiologischen Veränderungen
-
Tendinitis
calcare
a
linke
Schulter
mit
schmerzhaft
eingeschränkter
Beweglichkeit
-
V
.
a.
Spondylar
t
h
r
opathi
e
, DD
Psoriasis-Arthropathie
Als Diagnosen ohne Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit verblieben:
-
St. n. möglichem HWS-Beschleunigungstrauma ohne nachweisbare orga
nisch-strukturelle Läsionen, ohne psychische Traumafolgestörung und ohne plausible neuropsychologische Defizite, folgenlos ausgeheilt
-
Anamnestisch St. n. depressiven
Episoden
im Zusammenhang mit einer Adiposit
as, psychiatrisch
behandelt,
aktuell
mit fortgesetzter medikamen
töser antidepressiver B
ehandlung,
aktuell
ohne Zeichen einer depressiven Störung
-
Inkonsistenzen in den
Befunden un
d in
d
er
Beschwerdepräsent
at
ion mit Zeichen von Aggravation un
d
nachgewiesenem
«
malingering
»
in der neu
rop
s
y
ch
ologischen
Untersuchung
Im Wesentlichen führten die Gutachter aus,
aus orthopädischer Sicht
sei
festzu
stellen,
dass
d
er Unfall vom 3. November 2018
auf eine vorgeschädigte
Halswir
belsäule
getroffen
sei
. Bereits wenige Wochen vor dem Unfall und auch im Jahre 2010 habe eine Indikation zu einer
Kernspintomographie
der Halswirbelsäule bestanden, di
e
V
erschl
e
i
ssveränderungen
aufgezeigt
habe. Die Vergleichsauf
nahme nach dem Unfall ergebe keine
traumatische V
eränderung an der Halswir
belsäule
oder
Hinweise auf eine Verschlechterung der Vorbefunde, speziell auch keine Hinweise auf frische
Verletzungen
an Bändern, B
andsch
e
i
ben oder K
n
o
chen. Die
aktuelle
Sc
h
merzsymptomatik an der Halswirbelsäule trage den Cha
rakter
einer
hochgradigen
Schmerzchro
nifizierung
m
it Sympt
o
mausweitung, die organisch-strukturell nicht begründe
t
werden könne. Hier spielten mit Wahr
scheinlichkeit unfallfremde Faktoren die
entscheidende
Rolle, psychiatrische Fak
toren, möglicherweise aber auch
medikamenteninduzierte
Einflüsse
, wie eine
opi
oid
induzierte
Hyperal
ges
i
e
oder eine Abhän
gigkeitsproblematik.
Auch die
Mög
lichkeit
eines
medikamenteninduzierte
n
Kopfschmerzes sei zu
diskutieren
(Urk.
9/78/28)
. Auf
neurologischem
Fachgebiet sei
von
einem chronifizierten Schmerz nach Trauma auszugehen, wobei zahlreich
e
Inkonsistenzen
vorlägen
. E
s sei von einer erheblichen
Beschwerdeausweitung
und
Symptom
verdeutlichung
auszuge
hen
(Urk. 9/78/29).
In der aktuellen neuropsychologischen Untersuchung hätten keine verwertbaren Befunde erhoben werden können. Die Beschwer
deführerin
sei
in zwei der drei
durchgeführten
Beschwerden- bzw.
Performanz
validierungs
tests
durch
gefallen
. Dies habe zur Folge, dass die Testresultate der
neuropsychologi
schen
Untersuchung
nicht verwertbar
seien
,
da
sie nicht
glaub
würdig
und nicht plausibel seien. Sie seien
gekennzeichnet
durch
erhebliche S
e
lbstlimitierungen und Inkonsistenzen, wie sie auch in den anderen Unter
suchungen aufgefallen seien. Somit könne aus neuropsychologischer Sicht
keine Aussage zum kogniti
ven Funktionsniveau der Beschwerdeführer
i
n gemacht werden. Es könne ledig
lich
darauf
hingewiesen
werden, dass klinisch keine Hinweise auf
relevante kog
nitive Störungen
und von medizinischer Seite keine
objektiven
gesundheitlichen
Beeinträchtigungen
bestünden, mit denen eine
neuropsychologische
Beeinträch
tigung
begründet
werden
könnte (Urk. 9/78/29).
Aus psychiatrischer
Sicht
könne eine psychiatrische Symptomatik mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit
aktuell nicht
objektiviert
werden. Die auch in den anderen Untersuchungen aufgefalle
nen Inkonsistenzen in den Befunden, den Beschwerdeangaben und dem Spon
tanverhalten der
Beschwerdeführerin
stellten keine psychiatrische E
r
kr
ankung
dar und liessen sich nicht durch die
psychiatrische
Vorgeschi
ch
te mit medika
mentös behandelter
depressiver
Phase erklären. Eine
psychiatrisch
begründete
Arbeitsunfähigkeit
liege nicht vor
(Urk.
9/78/30)
. Aus internistisch-rheumatischer Sicht habe
der
aktuelle
Untersuchungs
s
tatus leichte
Hinweise
auf einen
vermut
lich
arthritischen
Befall an mehreren
Gelenken
ergeben
, welch
e
v
on der Beschwerdeführerin
im Gespräch gar nicht explizit erwähnt worden seien (Ha
u
pt
beschwerde sei ein Nackensch
m
erz mit
Ausstrahlung
in Rücken und Arme)
. Ferner müsse d
ie mässige Behinderung der Schultermobilität links
n
icht zwin
gend als
synovitische
Arthritis
betrachtet werden
, sondern
könne
auch auf
mechanischer
I
rritation beruhen
. Zu
berück
sichtigen
sei
zudem, dass die Beschwerdeführer
in
seit längerem unter
einer sehr intensiven antiphlogistischen Behandlung mit TNF Alpha-Hemmer in Kombi
nation mit M
eth
otrexat stehe und somit nicht ein unbehandeltes,
sondern
ein
maximal
behandelte
s Zustandsbild biete
.
Unter Berücksichtigung der vor
liegenden objektiven Befunde erscheine die von der Beschwerdeführerin angeführte Teilbehinderung in ihrer Arbeitstätigkeit plausibel. Sie führe an, dass sie ihre Aufgaben für das Kochen der Mittags- und Abendmahlzeiten an ihrer Arbeitsstelle erfüllen könne, während manuell stärker belastende Tätigkeiten wie Staubsaugen, weit
e
re Reinigungsarbeiten oder Klei
derbügeln für sie nicht ausführbar seien.
In diesem Sinne könne der
gegenwärti
gen
Arbeitsun
fähigkeitsdeklaration
von 50 %
zugestimmt
werden.
Für
die Sc
h
merzintensität ergäben sich aus der
Beobachtung
der
Beschwerdeführerin
während
des Gesprächs
so
wie anlässlich der Untersuchung nicht genügend Anhaltspunkte
;
bei ihrer Angabe (bereits im Ruhezustand anhaltend
VAS
8 bis 9) dürfte
es
sich um eine massive
Überschätzung
dieser
Skalierung
,
jedoch
nicht
um
eine be
wuss
t
e
Aggravation
handeln (Urk.
9/
78/31)
.
3.
6
.3
Zur Arbeitsfähigkeit merkten die Gutachter an, dass die aktuell von den behan
delnden Ärzten noch attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50 % aufgrund der unfallfremden gesundheitlichen Problematik ausgew
i
esen sei. Diese Arbeitsunfä
higkeit betreffe alle körperlich mittelschweren
bis schweren Tätigkeiten
. Für kör
perlich leichte Tätigkeiten
bestehe
eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 100
%.
Eine
angepasste Tätigkeit
sei
der Beschwerdeführerin spätestens ein
Jahr nach dem Unfall wieder zumutbar gewesen. Aus Sicht der unfallfremden
gesund
heit
lichen
Beeinträchtigungen
benötige die
Beschwerdeführerin
eine weitere
Behand
lung
. Diese solle entsprechend der
Richtlinien
in der
Behandlung
chronischer Schmerzerkr
a
nkungen
ausgestaltet werden
.
Bei
adäquater
Therapie
entsprechend der Richtlinien sei eine
namhafte
Besserung
innerhalb von ein paar Monaten zu
erwarten
(Urk. 9/78/36)
.
3.
7
Im Bericht vom 24. Februar 2021 führt Dr. med.
M.___
,
Fachärztin
Allgemeine Medizin, unter Verweis auf die von Prof. Dr.
D.___
und Dr.
F.___
gestellten
Diagnosen aus, 50 % der
angestammten
Tätigkeit
entspreche
der angepassten Tätigkeit. Mehr als 50 % sei nicht möglich. Die Beschwerdefüh
rerin sei sehr motiviert zu arbeiten und habe in
vielen
J
ahren
der
Krankheit
diese 50 % immer geleistet. Gegenw
ä
rtig erledige die Beschwerdeführerin den Haushalt in der Pfarrei: Einkäufe (mit Hilfe b
eim
Lastentragen), Kochen, Reinigung (ohne
Ü
berkopfarbeiten).
Es sei alles unternommen worden, dass die Beschwerdeführe
rin bei den langjährigen Arbeitgebern weiterarbeiten könne. Mit 50 % sei die Beschwerdeführerin ausgelastet. Die körperlich strengen Arbeiten im Haushalt würden von anderen übernommen. Repetitive Aufgaben wie Bügeln, Wäsche auf
hängen, Betten beziehen
sowie
Überkopfarbeiten, Tragen von schweren Lasten
grösser als
8 kg und repetitive Arbeiten seien nicht möglich. Die Beschwerdefüh
rerin habe ein gutes familiäres Umfeld. Sonst bestünden wenig
Recourcen
. Die ganze Kraft werde zum Erhalt der aktuellen Arbeitsstelle benötigt. Die bisherige Tätigkeit sei 3.5 Stunden pro Tag
während sechs Tagen
(inkl. Samstag)
zumutbar
. Eine l
eidensangepasste
Tätigkeit sei 3.5 Stunden pro Tag während
sechs
Tagen oder 4
Stunden pro Tag
während fünf Tagen zumutbar. Eine bessere
Eingliede
rung
als
die
bereits erfolgt
e
sei nicht möglich (Urk.
9
/74/3-5).
3.
8
Im Verlaufsbericht vom 20. März 2021 führte Dr.
F.___
aus, die bisherige Tätig
keit sei der Beschwerdeführerin max. 4 Stunden pro Tag zumutbar, wobei diverse Arbeiten nicht möglich seien. Eine angepasste Tätigkeit sei nicht
realisierbar
. Die Beschwerdeführerin sei einfach strukturiert, habe keine Ausbildung sowie eine asthenische
sowie
zu depressiven Einbrüchen neigende
Persönlichkeit
und sei in der Schweiz schlecht integriert. Ein
Arbeitsversuch
von
60
% bis
70 % sei rasch
gescheitert
. Jetzt bestehe eine Anstellung durch die
A.___
in einem 50%-Pensum
, was nur mit einer 50%igen IV-Rente
haltbar
sein werde. Die Prog
nose s
ei ungünstig
(Urk. 9/7
6/1
-3)
.
3.
9
3.
9
.1
Am
11. Mai 2021 erstattete die
B.___
d
as
vom
Krankentaggeldversicherer
Visana in A
uftrag gegebene orthopädische und psychiatrische
Gutachten im Sinne einer
Second O
pinion (Urk. 9/79)
.
3.
9
.2
Dr.
N.___
, Facharzt orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, führte in der orthopädischen Second Opinion aus, d
er
kli
nische
Untersuchungsbefund
zeige keine namhafte Funktionseinschränkung. Aktenkundig
liege
ein MR der gesamten
Wirbelsäule
vor,
bei
dem bis auf
a
lters
entsprechende geringe degenerative Veränderungen insbesondere keine Hinweise auf entzündliche Veränderungen des Achsenorgans besch
rieben
würden
. Eine auf eine
rheumatologische
Erkr
ankung
hinweisende
Labordiagnostik liege den A
ktenunterla
gen nicht
bei
. Aufgrund des
Fehlens
sämtlicher
klinische
r
Anzeichen (Gelenkschwellungen, Funktionseinschränkungen, nachweisbare intraartikuläre Ergüsse), des fehlenden bildmorphologischen Nachweises für eine
Spondylarthri
tis
und des Fehlens der Wirksamkeit der bisher durchgeführten
rheumatologi
schen
Therapie ersch
e
i
ne eine spezifische
rheumatologische Erkrankung
eher nicht
wahrscheinlich. Daher sei bei Fehlen eines namhaften Störungsbefundes auf orthopädischem Fachgebiet eine namhafte Reduktion der Belastbarkeit in der angestammten und
oder jeder
vergleichbaren Arbeit nicht ausreichen
d
zu begründen. Es liege kein
ausreichender Anhalt für eine die
Arbeitsfähigkeit
ein
schränkende
Diagnose auf orthopädischem Fachgebiet
vor (
Urk.
9/
79/16
).
3.
9
.3
Dr.
O.___
,
Facharzt
Psychiatrie und
Psychotherapie
, hielt in seiner
Beurtei
lung
fest, ausweislich des hiesigen AMDP-konform erhobenen
psychiatrischen
Befund
s
seien
keine
erheblichen
B
eei
n
t
rächtigungen zu objektivieren. Ebenfalls diskrepant zum Beschwerdevortrag (dort
würden
starke
Schmerzen mit einer Intensität von VAS 7 bis 8 berichtet) entstehe in d
e
r
hiesigen
Untersuchung kein
erheblich
schmerzgeplagter
Eindruck
. Insbesondere fände
n
sich kein Schonsitz, keine Schonhaltung, keine erhebliche
n
Schmerzentäusserung
en
, keine vegetati
ven schmerzassoziierten Beeinträchtigungen.
Stimmung
, Antrieb und affektive
Schwingungsfähigkeit imponierten
weitgehend
ungestört
. Eine
affektive
Störung s
ei somit
bei
Fehlen der Achsenkriterien nicht ICD-10 konform zu diagnostizie
ren.
Auch eine andere psychiatrische
Erkrankung
liege
nicht
vor
. Im Übrigen liege auch keine somatoforme Schmerzstörung vor, einen den
berichteten
Schmerzen zugrundeliegender erheblicher und
unbewältigter
seelisch
grosser
psychosozialer
Konflikt
sei
anamnestisch
nicht
herauszuarbeiten
, auch hier
fehle
somit das defi
nierend
e
Diagnos
e
kriteri
u
m nach ICD-10. Aus
psychiatrischer
Sicht bestehe
eine volle
Arbeitsfähigkeit
i
m
angestammten
Ber
ei
ch
sowie
für
den
gesamten allge
meinen
Arbeitsmarkt
geltend.
Die
Beschwerdeführerin
stehe in
ambulanter
psy
chiatri
s
ch-
psychotherapeutischer
Behandlung, nehme
zwei
ausreichend
dosiert
e
Antidepressiva ein.
Allerdings
fände
n
derzeit nur
niederfrequente telefonische
T
ermine statt.
Hier wäre
zuletzt
also eine
Therapieintensivierung
auch neben einer
vielschichtigen
A
rbeitstätigkeit
möglich
. Dabei
könnte
therapeutisch
auf Insuffizienzerleben und V
ermeidu
n
gsve
r
halten fokussiert
werden und ein gestuf
ter
Belastungsaufbau angestrebt werden. Aktenkundig werde durch die Behandler das Vorliegen einer mittelgradigen depressiven Episode referiert, was bei Fehlen von Befunddaten nicht hinreichend nachvollzogen werden könne. Zumindest sei jedoch anhand des hiesigen klinischen Eindruckes von einem ausreichenden The
rapieerfolg der installierten medikamentösen Behandlung auszugehen, sodass die Einschätzung einer vollschichtigen Arbeitsfähigkeit spätestens ab dem Untersu
chungszeitpunkt gelten könne (Urk. 9/79/29-30).
3.
1
0
Prof. Dr.
D.___
fügte den von ihm
bisher gestellten
Diagnosen in
seine
r
Stellungnahme
vom 31. August 2021
die Diagnose einer ganz
kleinen
transmura
len
Supraspinatussehnenruptur
links hinzu. Die Sehne sei etwas aufgetrieben, nicht signifikant retrahiert,
keine
ossäre Unregelmässigkeiten an Sehnenansätzen, insb
esondere
d
ie
Supraspinatus
- und lange Bizeps
sehne
seien
intakt. Es bestehe eine leicht
aktivierte AC-Gelenksarthrose.
Prof. Dr.
D.___
führte insbeson
dere au
s
,
die gutachterliche Beurteilung von
Dr.
N.___
sei sehr
oberflächlich
gehalten. Er habe kein
Verständnis
vom Prinzip der
SpA
bzw. wenig entzündli
chen
Psoriasisarthritis
oder von
reaktiven
Oligoarthritiden
, die
bei
der Beschwer
deführerin
wiederholt
festgestellt
bzw. objektiviert hätten werden können.
Er
kenne
Enthesitiden
, die komplizierend
bei
diese
r
Form
der entzündlichen
rheu
matologischen
Erkrankung
auftr
e
ten könn
t
en
,
nicht
und schon gar nicht
die
unspezifischen Symptome des Bewegungsapparates bei
Hyp
e
rlaxizität
. Von daher sei diese
s
Gutachten
rheumatologisch
wenig
aussagekräftig
und werde dem kom
plexen
rheumatologischen
Leiden nicht gerecht
. Aufgrund des langjährigen Ver
laufes und der anamnestisch und
aktuell
nachweisbaren
pathologischen Befunde
sei
die Beschwerdeführerin in ihrer
jetzigen
Arbeit
als
Haushaltshilfe
bei A.___
maximal 60 %
arbeitsfähig
. In einer leidensangepassten
Tätigkeit
sei sie
ebenfalls
maximal
60
%
arbeitsfähig
, da ihre
jetzige
Tätigkeit
auf
Grund
der selbständigen
Einteilung der
Arbeit
, der
wechselhaft
möglichen sitzen
den und stehenden Position und
bei
Fehlen von Tragen von Gewichten über 10
kg in
Kombination
mit
dem
jetzigen Pensum von 50 % als optimal leidensange
passte
Arbeit
eingestuft
werden könne
(Urk. 9/95).
3.1
1
KD Dr.
E.___
, Facharzt
Rheumatologie
, Physikalische Medizin &
Rehabi
litation
und
Innere
Medizin, des RAD führte in seiner Stellungnahme vom 22.
Oktober 2021 aus, zusammenfassend könne auf das
bidisziplinäre
Gutachten (orthopädisch-psychiatrisch) vom 11. Mai 2021 abgestellt werden.
Unbestritten
sei
, dass sich die Befunde
seit
vielen Jahren nicht geändert hätten
(bestätigt durch mehrere MR-Untersuchungen
), so dass
abgesehen
vom
Autounfall
, von dem keine bleibenden Schäden
bestünden
, keine Hinweise und insbesondere keine Befunde vorlägen, welche ein
e
Änderung des
Arbeitseinsatzes begründeten
. Der
Rheuma
tologe
nenne als Ha
uptdiagnose
«
eine
Oligoarthritis
bei
undifferenzierter
S
p
on
d
ylarthritis
», ohne dass die Diagnosekriterien der Fachgesellschaften für eine Spondyl
arthritis
oder sp
e
ziell für eine differenzialdiagnostisch erwogene
Pso
riasis
arthritis
erfüllt seien.
Leider fehle der Laborwert HLA B27, doch könne davon
ausgegangen
werde, dass HLA B
27
negativ sei
(ein positiver Befund wäre in der Diagnose aufgeführt worden);
negativ
seien
andere
Parameter
wie RF, ACPA, ANAK und Anti-
dsDNS
-AK. Eine Arthritis sei 2007 an den
Hüften
und
Knien
nachg
ew
i
e
sen worden, do
ch
seither wohl nicht mehr, so dass von einem Sta
tus
nach
Oligo
arthritis
gesprochen
werden
sollte. Insbesondere
habe
eine ent
zündliche
Aktivität
in
den
letzten
Jahren i
m
MR
T
vom 19.11
.
2018, 11.02.2020, 29.7.2021 und 29.07.2021
(richtig wohl: 04.08.2021)
sowie humoral ausgeschlos
sen werden
können
(die
Beschwerdeführerin
injiziere
Adalimumab
)
.
E
r empfehle, auf das
bid
i
sziplinäre
(orthopädisch
e,
psychiatrisch
e
)
Gutachten
vom 11.
Mai
2021,
in welchem der
Gesundheitszustand
umfassen
d
abgeklärt
worden sei
, abzustellen (Urk. 9/98).
4.
4.1
Vorliegend zu prüfen ist,
in welchem Umfang die Beschwerdeführerin in
ihrer bisherigen oder
einer angepassten Tätigkeit arbeits- bezie
hungsweise leistungs
fähig ist.
4.2
Das
vom Unfallversicherer Visana
eingeholte polydisziplinäre Gutachten
vom 10.
Februar 2021
beruht auf für die streitigen Belange umfassenden fachärzt
lichen Untersuchungen
(Urk.
9/78/13-25)
und wurde in Kenntnis der
Vorakten
(Anam
nese) verfasst (
Urk.
9/78/4-7). Die vorhandenen Arztberichte wurden sorgfältig gewürdigt. Die Gutachter haben detaillierte Befunde
erhoben
und hieraus begrün
dete Diagnosen
gestellt
, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der Beschwerdeführerin ausführlich auseinanderge
setzt. Zudem haben sie die medizinischen Zustände und Zusam
menhänge ein
leuchtend dargelegt und ihre Schlussfolgerungen nachvollziehbar begründet
(Urk.
9/26-31)
. Das Gutachten erfüllt daher die rechtsprechungs
gemässen Anfor
derungen an beweiskräftige ärztliche Entscheidungsgrundlagen (E. 1.
5
).
4.3
Aus somatischer Sicht sahen die
Gutachter
als wesentlich an
, dass es sich bei den subjektiv im Vordergrund stehenden Schmerzen im Rücken- und Schulterbereich überwiegend wahrscheinlich um eine somatische Erkrankung mit degenerativen Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule,
Tendinosis
calcarea
an der linken Schulter und Oligoarthritis
handelt,
welche zu schmerzhaften Funktionsein
schränkungen führen
können
. Diese objektivierbaren Befunde
erklären
das Aus
mass und die Intensität der subjektiv geltend gemachten Schmerzen und Funkti
onseinschränkungen aber nicht
(Urk. 9/78/34
;
vgl. auch Urk. 9/78/26-31
)
.
So konnten die
Gutachter
während den Explorationen
bei der Beschwerdeführerin
unbeobachtet ein unauffälliges Bewegungsverhalten, ein flüssiges An- und Aus
kleiden sowie ein Sitzen ohne auffällige Positionsänderungen feststellen (Urk.
9/78/13
,
Urk. 9/78/
1
6
,
Urk. 9/78/1
9
und Urk. 9/78/21
)
.
In der neuropsycho
logischen Untersuchung waren aufgrund der Beschwerde- und
Performanzvali
dierung
sogar
die objektiven Kriterien für «
malingering
» erfüllt, d.h.
gemäss den Gutachtern
lag
eine willentliche Vortäuschung oder Übertreibung von kognitiven Beschwerden
vor
(
Urk. 9/78/33
vgl. auch
Urk. 9/78/23
).
Infolgedessen kann
der
Einschätzung, es liege aufgrund der schmerzhaften Funktionseinschränkungen an der Wirbelsäule sowie der linken Schulter eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 50 % für körperlich mittelschwere bis schwere Tätigkeiten sowie eine volle Arbeits- und Leistungsfähigkeit für körperlich leichte Tätigkeiten
vor,
gefolgt werden (E.
3.6.3), zumal dies auch im Einklang mit dem von der Beschwerdefüh
rerin geschilderten Tagesablauf steht (Urk. 9/78/12).
In Anbetracht der von den Gutachtern erhobenen und bei der Einschätzung der Arbeits- bzw. Leistungsfä
higkeit berücksichtigten
Einschränkungen der
Schultermobilität links wie auch
der
Haltungsinsuffizienz der Lendenwirbelsäule (Urk. 9/78/13-14
und
Urk.
9/78/21-22
)
ändern die
später zu den Akten gereichten
Befunde der
MRT
der linken Schulter
vom 29. Juli 2021 (Urk. 9/93)
als auch der
MR
T
vom 4. August 2021 der rechten und linken Hüfte sowie des Beckens (Urk.
9/94)
-
welche
im Übrigen weiterhin keine entzündlichen Veränderungen oder
Enthesitiden
im Becken
und
in der Hüftregion
zeigt
e
-
nichts.
4.4
Der
psychiatrische Teilgutachter
führte schlüssig aus, dass
sich in der Folge der
langwierigen
schmerzhaften systemischen Erkrankung eine Fokussierung auf die Schmerzwahrnehmung mit Entwicklung einer gewissen
Verarbeitungsstörung
ergeben habe
, jedoch kaum
Hinweise auf eine somatoforme Ausprägung bestün
den
.
Ferner konnte er auch
keine depressive Begleiterkrankung
beobachten
,
wies allerdings auf die
schon
seit Jahren
bestehende
ausgebaute
antidepressive Medi
kation
hin
. Somit hielt
der psychiatrische Teilgutachter überzeugend und konklu
dent
fest, dass keine psychiatrische Symptomatik mit Einfluss auf die Arbeitsfä
higkeit objektivi
ert werden
könne,
zumal die Beschwerdeführerin auch als inte
griert und mit einem weitgehend intakten Sozialniveau
erschein
e
.
Die auch in den anderen Untersuchungen aufgefallenen Inkonsistenzen in
den
Befunden, den Beschwerdeangaben und dem
Spontanverhalten
der Beschwerdeführer
i
n stell
t
en ebenfalls
keine
psychiatrische
Erkrankung
dar
und
liessen
sich
nicht durch die
psychiatrische
Vorgeschichte mit
medikamentös behandelter
depressiver
Phase erklären
(Urk. 9/78/30
;
vgl. auch Urk. 9/78/18-19).
An dieser Stelle ist anzumer
ken,
dass sich
die
Beurteilungen im Bericht
vom 8. Januar 2020 (E 3.2) und im Bericht vom 20.
März 2021 (E. 3.8) des behandelnden Psychiaters
stark auf die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin stützen.
E
ine
umfassende klinische Befunderhebung sowie eine entsprechende
Beurteilung des Schweregrades der
depressiven Störung fehlen. Entsprechend kann auch die von ihm veranschlagte psychiatrisch erklärte Arbeitsunfähigkeit von ca. 20-25 % nicht nachvollzogen werden. Darüber hinaus begründete er die Arbeitsunfähigkeit in angepassten Tätigkeiten mit fachfremden rheumatologischen sowie invaliditätsfremden Fak
toren wie schlechte Integration und Ausbildung. Demnach
ist die gutachterlich
festgestellte fehlende psychiatrisch begründete Arbeitsunfähigkeit
auch
vor dem Hintergrund der von der IV-Stelle eingeholten
Berichte des behandelnden Psy
chiaters
schlüssig und überzeugend.
Im Übrigen konnte auch Dr.
O.___
, welchem der Bericht des behandelnden Psychiaters vom 21. November 2020 (Urk. 9/79/26) vorlag,
in seiner Beurteilung vom 11. Mai 2021
gestützt auf die klinische Befun
derhebung
keine psychiatrische Erkrankung diagnostizieren (E. 3.9.3).
4.5
Soweit die Beschwerdeführerin geltend machte, es sei auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im Bericht
von Prof. Dr.
D.___
vom 31. August 2021
(E.
3.
10
)
sowie der
versicherungsinterne
n
Stellungnahme von Dr.
C.___
für den Krankentaggeldversicherer
vom 19.
Oktober 2021
(Urk. 6/8)
abzustellen, ist darauf hinzuweisen, dass sich
die
diesbezüglichen
Einschätzungen der beiden Ärzte im Gegensatz zu den gutachterlichen Feststellungen der
A.___
GmbH nicht auf objektiv erhobene Befunde, sondern auf das von der Beschwerdeführe
rin angegebene aktuelle 50%-Pensum in ihrer Tätigkeit als Haushälterin für die
A.___
, welches vor dem Hintergrund der von sämt
lichen Gutachtern in der polydisziplinären Begutachtung als auch der psychiat
rischen Second Opinion festgestellten erheblichen Selbstlimitierung und Inkon
sistenzen bezüglich der Schmerzangaben wenig plausibel erscheint
,
stützt
(E.
3.6.2 und E. 3.9.3).
W
eder den
Ausführungen
von Prof. Dr.
D.___
, der von ubiquitären unspezifischen und schon seit Jahren bestehenden Schmerzen ohne Entzündungszeichen bzw.
Enthesitiden
spricht (vgl. Urk. 9/95/3),
noch den
Aus
führungen
von Dr.
C.___
kann entnommen werden,
weshalb
der
Beschwer
deführerin unter den erhobenen Befunden
eine
leidensangepasste leichte Tätig
keit nicht voll zumutbar sein soll.
Indes widersprechen sie
dieser gutachterlich festgestellten
Arbeits- bzw. Leistungsfähigkeit
mit ihren Ausfüh
rungen
ohnehin nicht, da sie
in ihrer Einschätzung
nicht vom
vollen
Rendement der bisherigen Tätigkeit der Beschwerdeführerin
als Haushälterin
ausgehen
,
sondern
von eine
r
um 50
%
reduzierten
und effektiv erfüllten
Arbeitsbelastung
(
Kochen der Mittags- und Abendmahlzeiten,
Wegfall
manuell stärker belastende
r
Tätigkeiten
,
wie Staubsaugen, Reinigungsarbeiten
über Kopf
oder Kleiderbügeln
)
,
was
eine
r
50%
igen
Arbeitsfähigkeit in ihrer bisherigen Tätigkeit
entspricht
.
4.
6
Zusammenfassend
bestehen daher keine Indizien, die gegen
die gutachterliche
Beurteilung sprechen würden
, weshalb auf die
im Gutachten von der
A.___
GmbH vom 10. Februar 2021
attestierte Leistungsfähigkeit von 100 % in einer angepassten leichten Tätigkeit
(E. 3.6.3)
abzustellen
ist
.
Von weiteren Abklärun
gen, wie von der Beschwerdeführerin gefordert, sind keine zusätzlichen Erkennt
nisse zu erwarten, weshalb darauf in antizipierter Beweiswürdigung (
BGE 144 V 361 E. 6.5,
BGE
136 I 229 E. 5.3
, je mit Hinweisen
) zu verzichten ist.
5.
Hinsichtlich
der
anlässlich der Hauptverhandlung
berichteten
Verschlechterung der Beschwerden an der linken Schulter
nach Schulterarthroskopie links am 26.
September 2022
sowie
neuen Beschwerden am linken Knie
und
des beklagten
Hallux
(
vgl. Protokoll S.
4-
5 und
Urk.
15
/1
-9
)
ist anzumerken, dass f
ür die rich
terliche Beurteilung im konkreten Fall allein die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens
massgebend
(BGE
130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis
)
sind
.
Die als
neu beklagten Beschwerden
bzw. die Verschlech
terung
des Gesundheitszustandes bzw. der Arbeitsfähigkeit
sollen jedoch im Februar/September 2022 und damit
nach Erlass der angefochtenen Verfügung
vom 27. Dezember 2021
(Urk.
2)
eingetreten
sein
(vgl. Protokoll S. 5).
6.
Die von der IV-Stelle für die Invaliditätsbemessung verwendeten Bemessungsfak
toren werden weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht beanstandet.
Angesichts
der vollen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
besteht
auch kein Anlass für eine nähere Prüfung von Amtes wegen. Demnach sind die Voraussetzungen für eine Invalidenrente nicht erfüllt
(E. 1.
3
).
Bei diesem Aus
gang des Verfahrens
kann offengelassen werden, ob
der Beschwerdeführerin,
wie
von Dr.
N.___
in der orthopädischen Second Opinion vom 11. Mai 2021 (E.
3.
9
.2)
und
dem RAD-Arzt KA Dr.
E.___
in seiner Stellungnahme vom 2
2
.
Oktober 2021
(E. 3.1
1
) begründet
,
allenfalls
ihre bisher
ige Tätigkeit
als Haushälterin
voll zumutbar ist
.
7
.
Nach dem Gesagten erweist sich die angefochtene Verfügung
im Ergebnis
als rechtens. Die Beschwerde ist abzuweisen.
8
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
1’000
.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
1’0
00
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Dr. Massimo
Aliotta
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
unter Beilage einer Kopie von
Urk.
15
/1-
9
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstWantz