# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 31ecf4e6-16c5-537a-a7d0-c5633ceb369d
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-09-04
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 04.09.2017 SB170093
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB170093_2017-09-04.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: SB170093-O/U/cwo 
 

Mitwirkend: Oberrichter Dr. F. Bollinger, Präsident, Oberrichterin lic. iur. 

L. Chitvanni und Ersatzoberrichterin lic. iur. C. Brenn sowie  

Gerichtsschreiberin lic. iur. S. Kümin Grell 

 
Urteil vom 4. September 2017 

 

in Sachen 

 

A._____, 

Beschuldigter und Berufungskläger 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

 

gegen 

 
Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  

vertreten durch Staatsanwältin lic. iur. B. Groth,  

Anklägerin und Berufungsbeklagte sowie Anschlussberufungsklägerin  

 

betreffend  
mehrfache sexuelle Nötigung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung,  
vom 13. Dezember 2016 (DG160195) 

-   2   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 21. Juni 

2016 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 23). 

Urteil der Vorinstanz: 

(Urk. 51 S. 61 ff.) 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig 

- der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB, 

- der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 

Ziff. 1 StGB, 

- der mehrfachen Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 1 StGB, 

- der mehrfachen einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 und 

Ziff. 2 StGB sowie 

- der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a 

StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 4 Jahren und 6 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 

bis und mit heute 305 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Busse von 

Fr. 1'000.–. 

3. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so 

tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen. 

4. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 14. Juni 2016 

beschlagnahmten Gegenstände werden dem Beschuldigten nach Eintritt der 

Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben. Verlangt der Be-

schuldigte diese Gegenstände nicht innert drei Monaten heraus, werden diese von 

der Bezirksgerichtskasse vernichtet. 

5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._____ Fr. 10'000.– zuzüg-

lich 5 % Zins ab 1. Februar 2016 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird 

das Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

-   3   - 

6. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 8'000.00 ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr.         Kosten Kantonspolizei 

Fr. 5'000.00   Gebühr Anklagebehörde 

Fr. 2'398.00   Auslagen Untersuchung 

Fr. 30'978.35   Kosten amtliche Verteidigung 
 

 Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen 

diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt. 

8. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; 

vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO. 

9. Über das Honorar der amtlichen Verteidigung wird mit separatem Beschluss ent-

schieden. 

10. (Mitteilungen) 

11. (Rechtsmittel) 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

 (Urk. 112 S. 1) 

1. In Aufhebung des Urteils des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung, vom 

13. Dezember 2016 (Geschäfts-Nr. DG160195) sei der Berufungskläger von 

Schuld und Strafe freizusprechen.  

2. Der Beschuldigte sei aus der Sicherheitshaft zu entlassen. 

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. 8% MWST zulasten der Be-

schwerdegegnerin. 

 

-   4   - 

b) Der Staatsanwaltschaft: 

(Urk. 114 S. 1) 

1. Es sei das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich vom 13. Dezember 2016 be-

züglich des Schuldpunktes, der Nebenfolgen des Urteils und den Kosten-

folgen zu bestätigen. 

2. Der Beschuldigte sei mit 8 Jahren Freiheitsstrafe und mit einer Busse von 

Fr. 1000.00 zu bestrafen. 

c) Der Privatklägerschaft: 

(Urk. 117) 

1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 13. Dezember 2016 sei bezüglich 

der Zivilansprüche, des Schuldpunktes, der Nebenfolgen des Urteils und 

den Kostenfolgen zu bestätigen. 

2. In Bezug auf die Strafbemessung sei den Anträgen der Staatsanwältin zu 

folgen. 

3. Die Beweisanträge der Verteidigung inklusive dem vorliegenden Privatgut-

achten seien abzuweisen.  

Erwägungen: 

I. Verfahrensgang und Umfang der Berufung 

1. Verfahrensgang 

1.1. Die 10. Abteilung des Bezirksgerichtes Zürich sprach den Beschuldigten 

mit vorgenanntem Urteil vom 13. Dezember 2016 verschiedener Delikte schuldig 

(Dispositiv-Ziffer 1). Sie bestrafte ihn mit einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 

6 Monaten (abzüglich 305 Tage Haft) sowie mit einer Busse von Fr. 1'000.--  

(Dispositiv-Ziffer 2) und setzte die Ersatzfreiheitsstrafe im Falle der Nichtbe-

zahlung der Busse auf 10 Tage fest (Dispositiv-Ziffer 3). Die Vorinstanz ordnete 

weiter die Herausgabe diverser Gegenstände an den Beschuldigten an (Disposi-

-   5   - 

tiv-Ziffer 4), verpflichtete ihn zur Bezahlung einer Genugtuung von Fr. 10'000.-- 

zuzüglich Zins von 5 % ab 1. Februar 2016 an die Privatklägerin B._____ und 

wies deren Genugtuungsbegehren im Mehrbetrag ab (Dispositiv-Ziffer 5). 

Schliesslich regelte sie die Kostenfolgen (Dispositiv-Ziffern 6 - 9), wobei sie über 

das Honorar der amtlichen Verteidigung mit Beschluss vom 27. Dezember 2016 

entschied (vgl. Prot. I S. 43 und Urk. 42). 

1.2. Gegen das obengenannte Urteil liess der Beschuldigte durch seinen amt-

lichen Verteidiger mit Eingabe vom 14. Dezember 2016, mithin rechtzeitig, Beru-

fung anmelden (vgl. Urk. 39). Mit Berufungserklärung vom 3. März 2017 beantrag-

te die amtliche Verteidigung die Aufhebung des vorinstanzlichen Urteils und den 

Freispruch des Beschuldigten (vgl. Urk. 59). 

1.3. Mit Eingabe vom 31. März 2017 erklärte die Staatsanwaltschaft An-

schlussberufung, die auf die Bemessung der Strafe beschränkt wurde (Dispositiv-

Ziffer 2, vgl. Urk. 79). Die Anklagebehörde beantragt die Bestrafung des Beschul-

digten mit einer Freiheitsstrafe von 8 Jahren und mit einer Busse von Fr. 1'000.-- 

(vgl. Urk. 79 S. 2). 

2. Umfang der Berufung 

2.1. Der Beschuldigte liess das Urteil der Vorinstanz vollumfänglich anfechten, 

wobei er klarstellen liess, die Berufung beziehe sich insbesondere auf den 

Schuldspruch, den Straf- und Zivilpunkt sowie auf die zu seinen Gunsten bean-

tragte Entschädigung bzw. Genugtuung (vgl. Urk. 59 S. 3). 

2.2. In Dispositiv-Ziffer 4 ordnete die Vorinstanz die Herausgabe der mit Verfü-

gung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 14. Juni 2016 beschlag-

nahmten Gegenstände an den Beschuldigten an. Diesbezüglich ist der Beschul-

digte somit nicht beschwert. An der Berufungsverhandlung erklärte die Verteidi-

gung entsprechend, diese Dispositiv-Ziffer 4 sei von der Berufung nicht umfasst 

(Prot. II S. 17). Ebenso hat sich an der Berufungsverhandlung ergeben, dass der 

Beschuldigte die Kostenfestsetzung (Dispositiv-Ziffer 6) nicht anficht (Prot. II 

-   6   - 

S. 17). Damit sind die Dispositiv-Ziffern 4 und 6 des vorinstanzlichen Urteils in 

Rechtskraft erwachsen, was vorweg festzustellen ist.  

2.3. Die übrigen Dispositiv-Ziffern stehen im Berufungsverfahren zur Dispositi-

on, wobei darauf hinzuweisen ist, dass über die Entschädigung der amtlichen Ver-

teidigung mit Beschluss vom 27. Dezember 2016 entschieden wurde (Prot. I. 

S. 43) und dass diese Kosten in der begründeten Fassung des vorinstanzlichen 

Urteils in Dispositiv-Ziffer 6 Aufnahme fanden, weswegen Dispositiv-Ziffer 9 keine 

eigenständige Bedeutung hat. 

II.  Prozessuales 

1. Beweisanträge 

1.1. Mit Eingabe vom 2. Juni 2017 stellte die Verteidigung Antrag auf Beizug 

der KESB-Akten über die Privatklägerinnen und auf Einholung weiterer Auskünfte 

bzw. Unterlagen bei der Beratungsstelle C._____ sowie auf Befragung der Bei-

ständin D._____ (Urk. 87 S. 1). Diese Beweisanträge wurden mit Präsidialverfü-

gung vom 5. Juli 2017 abgewiesen (vgl. Urk. 97). Auf die Erwägungen dieses 

Entscheides, die nach wie vor Gültigkeit haben, kann vorliegend verwiesen wer-

den. Im Übrigen wurden diese Beweisanträge an der Berufungsverhandlung nicht  

mehr erneuert, so dass kein Anlass zu diesbezüglichen weiteren Erörterungen 

besteht. 

1.2. Mit Eingabe vom 17. August 2017 reichte die Verteidigung ein von ihr ein-

geholtes "Glaubhaftigkeitsgutachten" ein, das "die Glaubhaftigkeit der Beschuldi-

gung der Privatklägerin B._____" als "tief" einstufen soll (vgl. Urk. 103 und 

Urk. 104/1), und beantragte, den Beschuldigten gestützt darauf vollumfänglich 

freizusprechen. Für den Fall, dass nicht auf die "gutachterliche Einschätzung" ab-

gestellt würde, stellte die Verteidigung die folgenden Beweisanträge (vgl. Urk. 103 

S. 2): 

1. Es sei ein gerichtlich angeordnetes Zweitgutachten betreffend die 
Glaubhaftigkeit der Beschuldigung der Privatklägerin B._____ 
einzuholen. 

-   7   - 

2 Eventualiter sei die Privatklägerin B._____ anlässlich der Beru-
fungsverhandlung als Auskunftsperson zu befragen. 

Die Staatsanwaltschaft und die Vertreterin der Privatklägerinnen nahmen an der 

Berufungsverhandlung Stellung dazu und beantragten Abweisung der gestellten 

Beweisanträge (vgl. Urk. 115, Prot. II S. 23 f.). 

1.2.1. Vorweg ist festzuhalten, dass das von der Verteidigung eingereichte 

"Glaubhaftigkeitsgutachten von Dr. phil. E._____ vom 9. August 2017" (vgl. Urk. 

104/1) kein Beweismittel im Sinne von Art. 139 ff. StPO darstellt. Insbesondere 

handelt es sich um kein in Anwendung von Art. 182 ff. StPO eingeholtes Gutach-

ten, weshalb diesem – samt der darin enthaltenen Schlussfolgerungen – der Be-

weiswert von blossen Parteivorbringen beizumessen ist (vgl. Donatsch in Do-

natsch/Hansjakob/Lieber, StPO Komm., 2. Auflage, Basel - Genf 2014, N 15 zu 

Art. 182 StPO). Auf die konkreten Ausführungen in diesem Papier ist nachfolgend 

im Rahmen der Beweiswürdigung einzugehen. 

1.2.2. Zum Beweisantrag auf Einholung eines Glaubhaftigkeitsgutachtens über 

die Aussagen der Privatklägerin B._____ (vgl. Urk. 103 S. 2) ist Folgendes auszu-

führen:  

1.2.2.1. Das Prüfen der Glaubhaftigkeit von Aussagen ist primär Sache der Ge-

richte (vgl. u.a. Entscheide des Bundesgerichtes 6B_1294/2015 vom 18. Mai 

2016 E. 5.1 und 6B_79/2014 vom 16. Oktober 2014 E. 1.3, vgl. BGE 129 I 49 E. 4 

S. 57 und BGE 128 I 81 E. 2 S. 86 mit weiteren Hinweisen). Nach der Recht-

sprechung drängt sich der Beizug eines Sachverständigen für diese Prüfung nur 

bei besonderen Umständen auf. Dies ist etwa der Fall bei Anzeichen ernsthafter 

geistiger Störungen, welche die Aussageehrlichkeit des Zeugen beeinträchtigen 

könnten, oder wenn Anhaltspunkte für eine Beeinflussung durch Drittpersonen 

bestehen (vgl. u.a. Entscheide des Bundesgerichtes 6B_1294/2015 vom 18. Mai 

2016 E. 5.1, 6B_79/2014 vom 16. Oktober 2014 E. 1.3 und 6B_667/2013 vom 

20. Februar 2014 E. 2.4.5 sowie BGE 129 IV 179 E. 2.4 S. 184 je mit Hinweisen). 

Bei kindlichen Opferzeugen ist ein Gutachten etwa erforderlich, wenn Anzeichen 

für eine sprachliche oder kognitive Entwicklungsstörung bestehen, die es dem 

Gericht erschwert, eine fachgerechte Aussagenanalyse und Beweiswürdigung 

-   8   - 

vorzunehmen. Analoges kann zutreffen, wenn die Opferbefragung nicht professi-

onell erfolgt ist oder wenn bloss rudimentäre oder schwer verständliche Aussagen 

des Kindes vorliegen, die näherer Interpretation bedürfen (vgl. Entscheid des 

Bundesgerichtes 6B_79/2014 vom 16. Oktober 2014 E. 1.3. unter Hinweis auf 

6B_84/2011 vom 28. Juni 2011 E. 2.3.1 mit weiteren Hinweisen). Das Bundes-

gericht hat wiederholt festgehalten, dass eine starre Regel, wonach bei streitigen 

Aussagen des mutmasslichen Opfers in jedem Fall ein Aussagegutachten an-

zuordnen wäre, dem Grundsatz der freien richterlichen Beweiswürdigung wider-

spräche (vgl. Entscheid des Bundesgerichtes 6B_1294/2015 vom 18. Mai 2016 

E. 5.1 unter Hinweis auf die weiteren Entscheide 6B_100/2014 vom 

18. Dezember 2014 E. 3.2., 6B_703/2012 vom 3. Juni 2013 E. 5.3 und 

6B_84/2011 vom 28. Juni 2011 E. 2.3.2 mit Hinweisen). Im Übrigen sei darauf 

hingewiesen, dass dem erkennenden Gericht bei der Frage, ob aufgrund der kon-

kreten Umstände eine Begutachtung notwendig ist oder nicht, ein Ermessenspiel-

raum zusteht (vgl. Entscheid des Bundesgerichtes 6B_1294/2015 vom 18. Mai 

2016 E. 5.1). 

1.2.2.2. Die am tt.mm.2001 geborene Privatklägerin B._____ wurde ein erstes 

Mal am 12. Februar 2016, ein zweites Mal am 5. April 2016 befragt. Die Befra-

gungen des zu jenem Zeitpunkt 15-jährigen Mädchens erfolgten durch eine zu 

diesem Zweck ausgebildete Ermittlungsbeamtin (Frau Fw F._____) im Beisein 

von Spezialistinnen (am 12. Februar 2016 war Frau lic. phil. G._____, Psycholo-

gin, Einzel-, Paar- und Familientherapeutin, am 5. April 2016 Frau H._____, 

Fachpsychologin SBAP in Kinder- und Jugendpsychologie dabei; vgl. Urk. D1/9/2 

und D1/9/6) und wurden auf Video aufgenommen (vgl. DVDs in Urk. D1/9/3 und 

D1/9/7). Den Videoaufnahmen kann entnommen werden, dass B._____ die Tat-

vorwürfe frei und zusammenhängend schilderte, ihre Ausdruckweise ist einwand-

frei verständlich und ihr Aussageverhalten ist nicht auffällig. Anzeichen dafür, 

B._____ sei in ihrer Wahrnehmungs-, Erinnerungs- oder Wiedergabefähigkeit be-

einträchtigt und zu wahrheitsgemässen Aussagen nicht fähig gewesen, bestehen 

keine. Ebenso wenig scheinen Anhaltspunkte auf, welche auf Besonderheiten in 

ihrer Person oder Entwicklung hinwiesen und die eine Begutachtung aufdrängen 

würden. Solche wurden im Übrigen von der Verteidigung auch nicht geltend ge-

-   9   - 

macht. Aber auch weitere besondere Umstände, die für die Prüfung der Glaubhaf-

tigkeit ihrer Aussagen zusätzliches medizinisches oder psychologisches Fachwis-

sen erforderten, sind keine ersichtlich und gehen auch nicht aus den Beobach-

tungen der oben erwähnten Spezialistinnen, die die Befragung begleiteten, hervor 

(vgl. Urk. D1/9/2 und D1/9/6). Im Übrigen wird im Rahmen der Aussagenwürdi-

gung auf die Einwände der Verteidigung einzugehen sein. Zusammenfassend be-

stehen vorliegend keine Gründe für die Einholung eines Glaubhaftigkeitsgutach-

tens, weswegen der diesbezügliche Beweisantrag der Verteidigung abzuweisen 

ist.  

1.2.3. Eventualiter beantragte die Verteidigung, die Privatklägerin B._____ anläss-

lich der Berufungsverhandlung als Auskunftsperson zu befragen. 

1.2.3.1. Die Vorinstanz hat sich in ihrem Entscheid bereits in extenso mit der Fra-

ge nach einer gerichtlichen Befragung von B._____ auseinandergesetzt, auf wel-

che korrekte Erwägungen vorweg verwiesen werden kann (vgl. Urk. 51 S. 7 ff.), 

und hat auf eine solche verzichtet. Sie hat dazu insbesondere die neuere Recht-

sprechung des Bundesgerichtes zu diesem Thema korrekt aufgezeigt, nament-

lich, dass auf Video aufgezeichnete Einvernahmen für die Aussagewürdigung 

nicht per se ein ungenügendes Beweismittel darstellen, sondern unter Umständen 

genügen, um sich ein hinreichendes Bild von der Glaubwürdigkeit der Auskunfts-

person respektive der Glaubhaftigkeit von deren Aussagen zu verschaffen, was 

dann der Fall ist, wenn weitere Sachbeweise oder Indizien vorliegen und die ein-

vernommene Person konstant und in sich logisch und konsistent aussagt (so Vo-

rinstanz unter Hinweis auf die Entscheide des Bundesgerichtes 6B_430/2015 vom 

12. Juni 2015 E. 2.5.2 f. und 6B_70/2015 vom 20. April 2016 E. 1.4.2). Wiederholt 

hielt das Bundesgericht im Übrigen fest, dass von einer erneuten Beweisabnahme 

durch das Gericht unter Umständen aus Gründen des Opferschutzes abgesehen 

werden muss (vgl. Entscheide des Bundesgerichtes 6B_430/2015 vom 15. Juni 

2015 E. 2.3.2 mit Hinweisen und 6B_166/2016 vom 7. Juli 2016 E. 1.2) und ver-

wies in diesem Zusammenhang auf die audiovisuelle Aufzeichnung der in der Un-

tersuchung durchgeführten Befragungen (vgl. Entscheid des Bundesgerichtes 

6B_430/2015 vom 15. Juni 2015 E. 2.3.2). Schliesslich machte auch das Bundes-

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gericht auf die besonderen Bestimmungen zum Schutz von Kindern als Opfer 

aufmerksam, wonach Kinder während des ganzen Verfahrens in der Regel nicht 

mehr als zweimal einvernommen werden dürfen, wenn erkennbar ist, dass dies 

für das Kind zu einer schweren psychischen Belastung führen könnte (vgl. Ent-

scheid des Bundesgerichtes 6B_166/2016 vom 7. Juli 2016 E. 1.3.; vgl. Art. 154 

Abs. 4 lit. b StPO). Im Vordergrund bei der Anwendung von Art. 154 Abs. 4 StPO 

stehen die Delikte gegen die sexuelle Integrität nach Art. 187 ff. StGB, wobei an 

die Voraussetzungen und die Erkennbarkeit möglicher Belastung keine hohen An-

forderungen zu stellen sind und diese im Zweifelsfall als erfüllt zu betrachten sind 

(vgl. Schmid, StPO Praxiskommentar, 2. Auflage, Art. 154 StPO N 4). Von einer 

schweren psychischen Belastung soll insbesondere bei Misshandlungen in der 

Familie und bei Vorsatztaten auszugehen sein (vgl. Wohlers in Donatsch/  

Hansjakob/Lieber, StPO Komm., Art. 154 StPO N 9 mit Hinweisen). Konkret ist 

der Anwendungsbereich von Art. 154 Abs. 4 StPO dann eröffnet, wenn eine 

schwere psychische Belastung nicht ausgeschlossen werden kann (vgl. Entscheid 

des Bundesgerichtes 6B_653/2016 vom 19. Januar 2017 E. 1.3.2 mit diversen 

Hinweisen). 

1.2.3.2. Zutreffend ist, dass vorliegend eine "Aussage gegen Aussage"-

Konstellation vorliegt, bei welcher der persönliche Eindruck der Hauptbelastungs-

person B._____ wichtig ist (so auch Vorinstanz in Urk. 51 S. 7). Die Aussagen 

dieser Hauptbelastungsperson (B._____) in den zwei durch eine besonders ge-

schulte Polizeibeamtin durchgeführten und von speziell ausgebildeten Fachper-

sonen beobachteten ausführlichen Befragungen sind – wie den Videoaufzeich-

nungen zu entnehmen ist – im Kern gleich und weichen bloss in wenigen – zudem 

nicht ausschlaggebenden (dazu nachfolgend) – Punkten voneinander ab. Wie im 

Rahmen der nachfolgenden Aussagenwürdigung vertieft erörtert wird, schilderte 

B._____ – vorab in der ersten Befragung - die Tatvorwürfe von sich aus frei und 

zusammenhängend, so dass eine Einschränkung der Beweiskraft 

der Videoaufzeichnungen – wie diese dem Entscheid des Bundesgerichtes 

6B_70/2015 vom 20. April 2016 zugrunde lag – nicht angenommen werden kann. 

Der Beschuldigte und die Verteidigung konnten ihre Rechte anlässlich der zweiten 

Videobefragung wahrnehmen, so dass beide Videobefragungen (dazu nach-

-   11   - 

folgend) verwertbar sind. B._____, geboren tt.mm.2001, ist heute immer noch ein 

Kind im Sinne von Art. 154 Abs. 4 StPO. Die Gegenstand der Anklage bildenden 

Vorwürfe fanden praktisch ausschliesslich in der jeweiligen Familienwohnung 

statt, bei sämtlichen Vorfällen wird ausschliesslich der Stiefvater von B._____ als 

Täter bezeichnet, so dass eine schwere psychische Belastung für das Opfer 

durch eine erneute Befragung nicht ausgeschlossen werden kann. Bei dieser 

Ausgangslage (bereits erfolgte zweimalige Befragung des kindlichen Opfers, Qua-

lität der vorhandenen Videobefragungen, die unter Einhaltung der Parteirechte er-

folgten, Annahme einer schweren psychischen Belastung des Opfers bei erneuter 

Befragung) ist bei der Beantwortung der Frage, ob eine erneute Befragung der 

immer noch minderjährigen B._____ vor Gericht stattfinden soll, dem Opferschutz 

Vorrang einzuräumen, weshalb die besonderen Schutzmassnahmen von Art. 154 

Abs. 4 StPO greifen müssen und auf eine weitere Befragung des Opfers zu ver-

zichten ist. Der diesbezügliche Beweisantrag der Verteidigung ist daher abzuwei-

sen. 

2. Vorhandene Beweismittel und deren Verwertbarkeit 

2.1. Die Vorinstanz legte korrekt dar, dass als Beweismittel die Aussagen des 

Beschuldigten (Urk. D1/8/1 – 5, D1/16/20, Prot. I S. 6 ff.) sowie diejenigen der Pri-

vatklägerinnen B._____ (vgl. Urk. D1/9/1 und D1/9/5 sowie DVDs in D1/9/3 und 

D1/9/7) und I._____ (Urk. D2/3/1 und DVD D2/3/3) vorliegen. Als neue Beweismit-

tel kommen die Aussagen des Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhand-

lung hinzu (Urk. 111). Weiter stehen als Beweismittel die Aussagen von J._____, 

der Mutter der Privatklägerinnen (vgl. Urk. D1/10/1, D1/10/2 und Prot. I S. 12 ff.), 

von K._____, der Freundin von B._____ (vgl. Urk. D1/10/3 und D1/10/4), und der 

Sozialarbeiterin L._____ (vgl. Urk. D1/10/5) zur Verfügung.  

2.2. Zutreffend hielt die Vorinstanz fest, dass die Aussagen des Beschuldigten 

uneingeschränkt verwertbar sind (vgl. Urk. 51 S. 11). 

2.3. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz (vgl. Urk. 51 S. 11 f.) sind auch 

sämtliche übrigen Befragungen, insbesondere auch die erste Befragung von  

-   12   - 

B._____ (vgl. Urk. D1/9/1 und DVDs D1/9/3) und die polizeiliche Befragung ihrer 

Mutter vom 13. Februar 2016 (Urk. D1/10/1) uneingeschränkt verwertbar.  

2.3.1. Art. 147 StPO regelt die Teilnahmerechte der Parteien bei Beweiserhebun-

gen, welche von der Staatsanwaltschaft oder vom Gericht durchgeführt werden. 

Demgemäss haben Parteien das Recht, bei Beweiserhebungen der genannten 

Strafbehörden anwesend zu sein und einvernommenen Personen Fragen zu stel-

len. Bei Beweiserhebungen, die von der Polizei durchgeführt werden, ist indes zu 

differenzieren: Führt die Polizei nach Eröffnung der Untersuchung Beweiserhe-

bungen gestützt auf einen Auftrag der Staatsanwaltschaft im Sinne von Art. 312 

StPO durch, gelten die gleichen Regelungen wie für die Beweiserhebungen, wel-

che die Staatsanwaltschaft selbst durchführt. Erhebt die Polizei hingegen Beweise 

im polizeilichen Ermittlungsverfahren, haben die Parteien grundsätzlich keine 

Teilnahmerechte. Dies gilt auch für Auskunftspersonen im polizeilichen Ermitt-

lungsverfahren. Sollten die Angaben der Auskunftsperson allerdings im Verfahren 

zum Nachteil der beschuldigten Person verwertet werden, muss das Konfronta-

tionsrecht gemäss Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK entweder schon bei der Einvernahme 

selbst oder aber nachträglich gewährt werden. Nach der Rechtsprechung des 

EGMR und des Bundesgerichtes genügt es den Anforderungen von Art. 6 

Ziff. 3 lit. d EMRK, wenn die beschuldigte Person oder ihre Verteidigung im Laufe 

des gesamten Verfahrens einmal eine angemessene und geeignete Gelegenheit 

erhalten hat, von ihrem Konfrontationsrecht Gebrauch zu machen (Wohlers, in: 

Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessord-

nung, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, N 1 f. und N 13 zu Art. 147, mit Hinweisen 

zur Rechtsprechung, vgl. auch Entscheid des Bundesgerichtes 6B_653/2016 vom 

19. Januar 2017 E. 1.3.). Zu berücksichtigen ist sodann, dass bei Einvernahmen 

von Minderjährigen die besonderen – oben mehrfach erwähnten – Schutzbe-

stimmungen von Art. 154 Abs. 4 lit. d StPO gelten. 

2.3.2. Es trifft zu, dass die erste audiovisuell aufgezeichnete Befragung von  

B._____ (vgl. Urk. D1/9/1 und DVDs D1/9/3) in Abwesenheit des Beschuldigten 

und seines Verteidigers stattfand. Dem Konfrontationsrecht des Beschuldigten 

wurde indessen im Verlaufe des weiteren Untersuchungsverfahrens Genüge ge-

-   13   - 

tan, als dieser mit seinem amtlichen Verteidiger anlässlich der zweiten delegierten 

und audiovisuell aufgezeichneten Einvernahme von B._____ (Urk. D/9/5 und 

DVDs D1/9/7) zugegen war, mithin seine Mitwirkungs- und Teilnahmerechte aus-

üben konnte. Damit ist entgegen der Auffassung der Vorinstanz (vgl. Urk. 51 

S. 11 f) auch die erste Befragung von B._____ verwertbar.  

2.3.3. Dasselbe gilt mit Bezug auf die in Abwesenheit des Beschuldigten und sei-

nes Verteidigers durchgeführte polizeiliche Befragung von J._____ 

(vgl. Urk. D1/10/1), denn diese wurde in der Folge unter Wahrung der Mit-

wirkungs- und Teilnahmerechte des Beschuldigten sowohl durch die Staatsan-

waltschaft (vgl. Urk. D/1/10/2) als auch an der Hauptverhandlung vor Vorinstanz 

(vgl. Prot. I S. 12 ff.) als Zeugin befragt.  

III.Sachverhalt 

1. Zur Anzeigeerstattung 

1.1. Zum besseren Verständnis sind vorweg die Hintergründe darzulegen, wel-

che zur Erstattung der Anzeige gegen den Beschuldigten führten. 

1.2. Am 9. Februar 2016 wandte sich B._____ in der Schule an eine Fachper-

son und ersuchte um ein Gespräch mit der Schulsozialarbeiterin Frau L._____, 

mit welcher sie auch telefonisch in Kontakt treten konnte. Dieser berichtete 

B._____, am Vorabend einen grossen Streit mit ihrem Stiefvater gehabt zu haben, 

bei welchem sie sich gewehrt habe. Weiter teilte sie mit, sie habe Angst nach 

Hause zu gehen, da sie keine Ahnung habe, was der Stiefvater dann machen 

würde. Diese Schilderung veranlasste die Schulsozialvorsteherin L._____ 

B._____ u.a. auf das Mädchenhaus aufmerksam zu machen, wo sie alles in Ruhe 

besprechen könne, worauf B._____ erklärte, dorthin und nicht mehr nach Hause 

gehen zu wollen (vgl. Aussagen Frau L._____ in Urk. D1/10/5 S. 4). Gemäss Po-

lizeirapport vom 12. Februar 2016 (vgl. Urk. D1/1 S. 2) meldete M._____ vom 

Mädchenhaus Zürich am 9. Februar 2016, ca. 17.25 Uhr, telefonisch der Stadtpo-

lizei Zürich, dass B._____ durch die Schulsozialarbeiterin, Frau N._____, des 

Schulhauses O._____ dort platziert worden sei. Ersten Aussagen zufolge erlebe 

-   14   - 

B._____ erhebliche Gewalt zu Hause und wolle nicht mehr nach Hause. Am 

10. Februar 2016 Vormittag rückten zwei Polizeibeamte ins Mädchenhaus aus, 

wo sie ein Gespräch mit B._____ und deren Betreuerin M._____ führten. B._____ 

berichtete dabei über körperliche und sexuelle Übergriffe ihres Stiefvaters und er-

klärte sich bereit, eine Anzeige zu erstatten und ihre Aussagen anlässlich einer 

OHG-Befragung detailliert zu schildern, worauf die Beamten der Stadtpolizei bei 

der KESB der Stadt Zürich einen Antrag auf Ernennung eines Vertretungsbei-

standes stellten (vgl. Urk. D1/1). Am 11. Februar 2016 teilte die in der Zwischen-

zeit bestellte Beiständin der Stadtpolizei mit, dass B._____ umgehend das Mäd-

chenhaus verlassen und nach Hause gehen wolle. Nach einem kurzen Besuch zu 

Hause konnte B._____ indessen von zwei Betreuerinnen dazu überredet werden, 

wieder zurück ins Mädchenhaus zu kehren. Am Tag darauf, mithin am 12. Febru-

ar 2016, fand die (erste) OHG-Befragung von B._____, welche in Begleitung ihrer 

Beiständin erschien, bei der Stadtpolizei (Fachgruppe Kinderschutz) statt (vgl. 

Urk. D1/2 S. 5 f.). Gleichentags erfolgte die Verhaftung des Beschuldigten. 

2. Anklagevorwurf 

2.1. Die Vorinstanz hat in ihrem Entscheid die Anklagevorwürfe zutreffend zu-

sammengefasst (vgl. Urk. 51 S. 9 f.), darauf kann verwiesen werden. Dem Be-

schuldigten werden diverse in der Anklageschrift im Einzelnen umschriebenen 

sexuellen Handlungen mit Kindern bzw. sexuelle Nötigungen sowie einfache Kör-

perverletzungen bzw. Tätlichkeiten zum Nachteil der Stieftochter B._____, be-

gangen im Zeitraum 2008 bis 2016, sowie einfache Körperverletzungen bzw. Tät-

lichkeiten zum Nachteil der Tochter I._____, begangen im Zeitraum Juni 2014 bis 

Ende Oktober 2015 vorgeworfen. Weiter wird dem Beschuldigten zur Last gelegt, 

im Zeitraum Ende Januar bis Ende November 2015 zusammen mit der damals 

14-jährigen Stieftochter B._____ pornografische Filme mit sexuellen Handlungen, 

in welchen Männer und Frauen den Geschlechtsverkehr vollzogen, angeschaut 

zu haben (Vorwurf der mehrfachen Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 1 

StGB).  

-   15   - 

3. Standpunkt des Beschuldigten und allgemeines zu den Beweisregeln 

3.1. Der Beschuldigte bestritt in der Untersuchung und vor Vorinstanz sämtliche 

Anklagevorwürfe. Er machte im Wesentlichen geltend, die Aussagen seiner 

Stieftochter (B._____) entsprächen nicht der Wahrheit (vgl. Urk. D1/8/1 S. 4), sie 

habe ihm mehrmals gesagt, sie würde alles tun, um ihn und seine Ehefrau ausei-

nanderzubringen und ihn aus der Wohnung zu bringen (vgl. Urk. D/8/1 S. 4 und 

S. 13, Urk. D1/8/2 S.7, Urk. D1/8/3 S. 2, Urk. D1/8/4 S. 3, Urk. D1/8/5 S. 3 f., Prot. 

I S. 24 ff.). Auch im Berufungsverfahren stellte er sämtliche Vorwürfe in Abrede 

(vgl. Urk. 111 S. 10 ff.). Der Beschuldigte gab einzig gewisse Züchtigungshand-

lungen zulasten von B._____ und I._____ zu (vgl. Prot. I S. 31 f., Urk. 111 S. 15 

ff.).  

3.2. Damit ist der massgebliche Sachverhalt aufgrund der Untersuchungsakten 

und der vor Gericht vorgebrachten Argumente nach den allgemeinen Beweisre-

geln zu erstellen.  

3.3. Die Vorinstanz hat in ihrem Entscheid in allgemeiner Hinsicht ausgeführt, 

wann eine strafrechtliche Verurteilung erfolgen kann und erläutert, wann der den 

Beschuldigten begünstigende Grundsatz «in dubio pro reo» zur Anwendung 

kommt (vgl. Urk. 51 S. 12 f.). Auch zu den weiteren Grundsätzen der Beweiswür-

digung hat sich die Vorinstanz zutreffend geäussert und in diesem Zusammen-

hang festgehalten, bei der Würdigung von Aussagen dürfe nicht einfach auf die 

Persönlichkeit oder allgemeine Glaubwürdigkeit der Aussagenden abgestellt wer-

den, sondern auf die Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Äus-

serungen, welche einer kritischen Würdigung zu unterziehen seien, wobei auf das 

Vorhandensein von hinreichenden Realitätskriterien und das Fehlen von Lügen-

signalen zu achten sei (vgl. Urk. 51 S. 13 f.). Auf diese Ausführungen kann ver-

wiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). 

4. Aussagen der Prozessbeteiligten 

4.1. Die Vorinstanz hat die wesentlichen Aussagen sowohl des Beschuldigten 

als auch der Privatklägerinnen und der weiteren Personen im angefochtenen Ent-

-   16   - 

scheid zusammengefasst wiedergegeben, weshalb hier darauf verzichtet werden 

kann, die Aussagen erneut darzustellen (vgl. Urk. 51 S. 14 ff.).  

4.2. An der Berufungsverhandlung bestätigte der Beschuldigte seine früheren 

Aussagen (Urk. 111 S. 5 ff.). Er betonte, dass B._____ in den ersten Jahren eifer-

süchtig auf ihn gewesen sei und ihn später abgelehnt habe, weil er ihr nicht die 

gewünschten Kleider und Schminkartikel habe kaufen und ihr nicht mehr Freihei-

ten habe gewähren wollen. Er räumte ein, dass er B._____ auf dem Schulweg, in 

der Freizeit und auch bei ihren Handykontakten kontrolliert habe, was jedoch aus 

seiner Sicht nötig gewesen sei (Urk. 111 S. 6 ff.). Die in der Anklage gegen ihn 

erhobenen Vorwürfe wies der Beschuldigte von sich und erklärte hierzu, B._____ 

habe ihm wiederholt gesagt, dass er verschwinden müsse, sie wolle leben, wie 

sie es sich wünsche (Urk. 111 S. 11). Erneut erhob er den Verdacht, dass seine 

Ex-Frau aus eigenen Interessen mit B._____ geplant haben könnte, ihn auf diese 

Weise zu beseitigen (Urk. 111 S. 12 ff.) resp. dass diese sich von ihm habe tren-

nen wollen und ihr dabei die Geschichte von B._____ gerade recht gekommen 

sei (Urk. 111 S. 19). Bezüglich der Pornofilme machte der Beschuldigte geltend, 

B._____ habe selber gerne Pornofilme auf ihrem Handy angeschaut, was er je-

doch nicht toleriert und er ihr das Handy jeweils für einige Tage weggenommen 

habe (Urk. 111 S. 15). Weiter bestritt der Beschuldigte, B._____ und I._____ mit 

einem Gürtel oder diese auch mit der Hand ins Gesicht geschlagen zu haben 

(Urk. 111 S. 16 f.). B._____ habe ihn manchmal sehr stark provoziert, ihn mit ei-

nem Messer bedroht, eine Blumenvase nach ihm geworfen und ihn mit schlimmen 

Wörtern beleidigt, was ihn dann dazu bewogen habe, "ihr eines zu schlagen, 

dann aber eher so auf die Schenkel" (Urk. 111 S. 16). Den Vorwurf, er habe 

B._____ dreimal monatlich mit der Schnalle eines Gürtels und einem Stock gegen 

Gesicht, Oberkörper und Beine geschlagen, bestritt der Beschuldigte erneut und 

führte an, man hätte bei vorhandenem Interesse leicht eine Expertise machen 

lassen können zur Prüfung, woher die Verletzungen stammten. Seine Frau, die 

jeden Tag zuhause gewesen sei, habe ihn nie zur Rede gestellt (Urk. 111 S. 16). 

I._____ – die ihn diesbezüglich belastete – sei bei ihren Aussagen manipuliert 

worden, was auch aus den Videos ersichtlich sei. Er vermute, dass B._____ ihr 

Anweisungen gegeben habe (Urk. 111 S. 19). Es sei wahr, dass er I._____ ein-

-   17   - 

mal mit einem Stock auf die Hand geschlagen habe, weil sie gelogen habe. Auch 

sei es möglich, dass er I._____ einmal auf die Schenkel gehaut habe, er habe 

sich aber kurz darauf wieder mit ihr versöhnt (Urk. 111 S. 17). Auf Ergänzungs-

fragen zu den Schlägen konzedierte der Beschuldigte schliesslich, B._____ meis-

tens auf die Schenkel geschlagen oder sie gezogen und sie in ihr Zimmer ge-

bracht zu haben (Urk. 111 S. 18). Möglicherweise habe er sie auch auf den Arm-

/Schulterbereich geschlagen oder ihr das Handy abgenommen. Eine Bestrafung 

mit Schlägen habe ein- oder zweimal im Monat oder zwei- bis dreimal alle zwei 

Monate stattgefunden. Dies sei immer spontan mit der Hand, nicht mit dem Stock 

und auch nicht mit einem Gürtel geschehen (Urk. 111 S. 18 f.).  

5. Zur Glaubwürdigkeit der Prozessbeteiligten 

5.1. Zur generellen Glaubwürdigkeit des Beschuldigten erwog die Vorinstanz 

korrekt, dass er im erlaubten Rahmen der Selbstbegünstigung grundsätzlich nicht 

zur wahrheitsgemässen Aussage verpflichtet ist und auch nicht zur eigenen Über-

führung beizutragen hat. Zutreffend ist sodann, dass er aufgrund der bei einer 

Verurteilung drohenden Freiheitsstrafe ein Interesse daran hat, die Geschehnisse 

in einem für ihn günstigen Licht darzustellen, was im Rahmen der Aussagen-

würdigung zu berücksichtigen ist, auch wenn diese Umstände seine generelle 

Glaubwürdigkeit nicht grundsätzlich in Frage stellen. 

5.2. Zur Glaubwürdigkeit der im Zeitpunkt der Befragungen 15-jährigen Privat-

klägerin B._____ als Auskunftsperson ist festzuhalten, dass sie zur Wahrheit er-

mahnt wurde. Sie ist am Verfahren insofern beteiligt, als in ihrem Namen auch fi-

nanzielle Forderungen geltend gemacht wurden. Vorab ist sie aber persönlich in-

volviert, indem sie das Verfahren gegen ihren Stiefvater durch ihre Schilderungen 

gegenüber der ihr von der Schule vermittelten Personen in Gang setzte, was auch 

zur Scheidung ihrer Mutter und dem Beschuldigten führte. Die Vorinstanz erwähn-

te in diesem Zusammenhang, dass B._____ zu Beginn der Beziehung zwischen 

dem Beschuldigten und ihrer Mutter eine gewisse Eifersucht verspürte und sich 

über die permanente Kontrolle des Beschuldigten offenkundig enervierte, und 

schloss daraus, dass ihre Glaubwürdigkeit in der Beweiswürdigung mit einer ge-

wissen Zurückhaltung zu betrachten sei und die Glaubhaftigkeit der von ihr ge-

-   18   - 

machten Aussagen genauer zu prüfen sei (vgl. Urk. 51 S. 23), was zu überneh-

men ist. Es wird im Rahmen der Würdigung ihrer Aussagen auch dem Umstand 

Rechnung zu tragen sein, dass B._____ – was sie selber einräumte (vgl. u.a. 

DVD in Urk. D1/9/3 00:31:30 und DVD in Urk. D1/9/7 ab 02:18) – schon vor der 

Anzeigeerstattung gegenüber Mutter und Stiefvater sagte, sie würde mit allen Mit-

teln versuchen, ihre Eltern auseinanderzubringen (so die Verteidigung in der Be-

rufungserklärung Urk. 59 S. 5 Ziff. 8 und 9). 

5.3. Auch die weiteren befragten Personen stammen aus dem Freundeskreis 

von B._____ (Auskunftsperson K._____) bzw. aus dem familiären Umfeld der 

Hauptbeteiligten (Privatklägerin I._____, Halbschwester von B._____, Tochter des 

Beschuldigten und der Zeugin J._____, die ihrerseits Ex-Ehefrau des Beschuldig-

ten und Mutter beider Privatklägerinnen ist) und können insofern – auch soweit 

die Aussagen unter der Wahrheitspflicht erfolgten – nicht als gänzlich unbefangen 

gelten. Dieser persönliche Hintergrund der Beteiligten ist bei der Würdigung ihrer 

Aussagen im Auge zu behalten. Wenn die Verteidigung im Rahmen der Beru-

fungserklärung rügte, die Vorinstanz habe bei der Beurteilung der Glaubwürdig-

keit der Mutter der Privatklägerin B._____, J._____, ausser Acht gelassen, dass 

diese im Hinblick auf das Wiederaufleben der Witwenrente (nicht Waisenrente) 

eine rasche Scheidung vom Beschuldigten angestrebt habe (vgl. Urk. 59 S. 5 Ziff. 

10), so ist darauf hinzuweisen, dass die Scheidung – nicht zuletzt aufgrund der 

Mitwirkung des Beschuldigten – bereits mit Urteil vom 12. Juli 2016 ausgespro-

chen wurde. Weshalb dieser Umstand zusätzlich die Glaubwürdigkeit von J._____ 

hätte beeinträchtigen sollen, ist daher nicht ersichtlich und auch nicht anzuneh-

men. Ganz abgesehen davon wurde J._____ an der Hauptverhandlung vom 

13. Dezember 2016 erneut als Zeugin einvernommen, mithin Monate nach erfolg-

tem Scheidungsurteil. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die Anzeigeerstat-

tung ohne zutun der Mutter von B._____ erfolgte (vgl. oben zum Zustandekom-

men der Anzeige). 

5.4. Keine Vorbehalte sind mit Bezug auf die allgemeine Glaubwürdigkeit der 

Zeugin L._____ anzubringen, die als Schulsozialarbeiterin B._____ zwar als 

Schülerin kannte, indessen erst unmittelbar vor der Anzeigeerstattung diese auf 

-   19   - 

das Mädchenhaus aufmerksam machte. Irgendwelche Interessen am Ausgang 

des Verfahrens sind bei ihr keine auszumachen. 

6. Zur Glaubhaftigkeit der Aussagen der Prozessbeteiligten 

6.1. Im Zentrum stehen hier die Aussagen der Privatklägerin B._____, die 

zweimal mit Videounterstützung befragt wurde. Vorauszuschicken ist, dass die in 

den Akten vorhandenen Protokolle der Videobefragungen (vgl. Urk. D1/9/1 und 

D1/9/5) nur unvollständig die Aussagen der Privatklägerin B._____ wiedergeben. 

6.1.1. Nach dem Grund für die anberaumte Befragung schilderte B._____ in der 

ersten Einvernahme die Übergriffe des Beschuldigten spontan und zusammen-

hängend von sich aus (vgl. DVD in Urk. D1/9/3, vgl. auch Beobachtung der Psy-

chologin lic. phil. G._____ in D1/9/2 S. 1). Eingangs fasste sie zusammen, sie sei 

wegen ihres (Stief)Vaters da, er habe sie geschlagen, sie berührt, er habe sie und 

sich ausgezogen, wobei sie präzisierte, er habe sie nicht vergewaltigt, sie sei 

noch Jungfrau, aber er habe sich an ihr gerieben, bis er zum Orgasmus gekom-

men sei. Weiter fügte sie bei, er habe sie gestalkt bzw. stark kontrolliert (DVD in 

Urk. D1/9/3 00:06:35). In der Folge schilderte sie die einzelnen Vorfälle chrono-

logisch, wobei die sie befragende Person lediglich vereinzelt für Klärungsfragen in 

ihren Redefluss eingriff. B._____ berichtete detailliert über den Vorfall, der nach 

dem Spitalbesuch anlässlich der Geburt ihrer Schwester stattgefunden habe 

(vgl. Anklageschrift S. 2 Ziff. 1.2) und an welchen sie sich noch gut erinnere, wo-

bei sie dazu bemerkte, es habe schon "a chli" davor damit angefangen (DVD 

D1/9/3 00:07:45). Sie zeigte Scham während der Schilderung des Vorfalls und 

drückte dies auch aus («so peinlich!» DVD D1/9/3 00:07:50). Sie erklärte dazu, 

weshalb sie im Bett mit dem Stiefvater lag («Ich war klein und konnte nicht alleine 

schlafen») und wie sie sich beim Übergriff verhielt («Ich habe so getan, wie wenn 

ich schlafen würde»). Sie berichtete, andere Vorfälle seien immer dann vorge-

kommen, wenn sie mit ihrem Stiefvater alleine gewesen sei, sie habe gewusst, 

dass wenn ihre Mutter aus dem Haus war, er zu ihr kommen würde und es pas-

siere, wobei sie später von sich aus präzisierte, die Übergriffe hätten mitunter 

auch dann stattgefunden, während ihre Mutter und ihre Schwester geschlafen 

hätten, wozu sie die Erklärung abgab, ihr Stiefvater und ihre Mutter hätten schon 

-   20   - 

lange nicht mehr im gleichen Zimmer geschlafen (vgl. DVD D1/9/3 00:15:50). Die 

Vorfälle ordnete sie so gut es ging zeitlich ein, beispielsweise indem sie dazu An-

gaben über ihr Alter machte (z.B. ich war damals ca. 12 Jahre alt [DVD D1/9/3 

00:21:55], ich war 13 oder 14 Jahre alt [DVD D1/9/3 00:11:30], ich war 14 Jahre 

alt [DVD D1/9/3 00:34:05] etc.) oder indem sie diese an andere Begebenheiten 

anknüpfte (z.B. die Geburt von I._____ oder ihr Verbleiben in der Schweiz mit 

dem Stiefvater bei einer Reise ihrer Mutter in den Kosovo [Heirat des Bruders der 

Mutter; 00:11:30] oder den Urlaub mit dem Stiefvater in Montenegro [vgl. DVD 

D1/9/3 00:35:50]). Sie machte Angaben, wo die Vorfälle stattgefunden haben sol-

len (z.B. in der alten bzw. in der neuen Wohnung im Wohnzimmer bzw. Schlaf-

zimmer). Sie führte aus, dass die Übergriffe mit der Zeit immer schlimmer gewor-

den seien ("mit 13 wurde es immer schlimmer mit den Berührungen, bis ich ganz 

nackt war und er auch" vgl. DVD D1/9/3 00:27:00]), dass der Stiefvater sie berührt 

habe, bis er einen Orgasmus hatte [DVD D1/9/3 00:35:50], dass er sie geweckt 

und sie zum Duschen gezwungen habe, was sie widerwillig getan habe, dass er 

sich und sie ausgezogen und seinen "Pimmel" an ihrer Vagina bis zum Orgasmus 

gerieben habe [DVD D1/9/3 00:35:50]. Detailliert schilderte sie den Vorfall anläss-

lich des Urlaubs in Montenegro in Jahre 2014, wo sie (damals 13jährig) auf der 

Reise nach Kosovo bzw. auf der Rückreise in die Schweiz allein mit dem Stief-

vater war, bei welchem der Beschuldigte nicht nur seinen "Pimmel" an ihre Vagina 

gedrückt, sondern sie auf die Seite gelegt und erstmals auch an ihrer Vagina ge-

leckt habe (vgl. DVD D1/9/3 00:35:50). Sie beschrieb dabei ihren damaligen Ge-

mütszustand, namentlich, dass sie dabei vor Angst gezittert und nicht gewusst 

habe, was tun, und fügte hinzu, in jener Nacht habe sie sich um 3 Uhr übergeben 

müssen (DVD D1/9/3 00:39:40). Eindrücklich führte sie aus, wie sie ständig unter 

der Kontrolle ihres Stiefvaters gestanden habe (vgl. DVD D1/9/3 00:40:45], wie 

sie in diesem Zusammenhang immer eine Unterschrift der Lehrerin zu erfragen 

hatte, wenn sie länger in der Schule bleiben musste (vgl. DVD D1/9/3 00:40:45: 

"es war oberpeinlich, auch für 3 Minuten!"], wie er sie, ausser wenn er an der Ar-

beit war, immer von der Schule abholte (wobei sie dazu erläuterte, welche Schich-

ten der Beschuldigte im Reinigungsgeschäft leistete), dass er ihr Handy kontrol-

liert und ihr nachspioniert sowie verlangt habe, dass sie die Gespräche mit ihren 

-   21   - 

Kollegen auf ihrem Handy aufnehme, damit er diese hören konnte, dass er dazu 

den Dienst "Snapchat" installierte, wodurch sie immer unter seiner Kontrolle ge-

standen habe. Von sich aus ergänzte B._____, der Stiefvater habe eine Gegen-

leistung im Sinn von Berührungen verlangt, wenn sie etwas (z.B. Kontakt mit den 

Kolleginnen) gewollt habe. Sie habe immer ja sagen müssen, sonst hätte sie nie 

aus dem Haus gehen können und hätte auch kein Handy gehabt (vgl. DVD 

Urk. D1/9/3 00:50:15). In diesem Zusammenhang konkretisierte B._____, der Be-

schuldigte habe als Gegenleistung für ihren Ausgang auch verlangt, dass sie sei-

nen "Pimmel" in den Mund nehme, was er dann mit Gewalt auch gemacht habe 

(vgl. DVD in Urk. D1/9/3 01:00:50: "Er stopfte ihn in meinen Mund hinein"). Bei 

dieser Schilderung musste B._____ heftig weinen und bemerkte dazu, es sei 

"mega schlimm" gewesen (vgl. DVD in Urk. D1/9/3 01:04:40). Äusserst detailliert 

schilderte sie einen weiteren Übergriff des Beschuldigten, bei welchem er sie und 

sich selber ganz auszog, ihr "seinen Schwanz" in den Mund stopfte, seinen Penis 

an ihrer Vagina rieb und auf sie abspritzte (vgl. DVD in Urk. D1/9/3 00:10:01). In 

zeitlicher Hinsicht gab sie an, "das mit dem Penis in den Mund stopfen» sei erst in 

den letzten drei Monaten passiert (vgl. DVD in Urk. D1/9/3 01:50:25), vorher habe 

er sich einfach an ihr gerieben, wobei er einmal in ihren "Arsch" haben eindringen 

wollen, worauf sie vor Schmerz geschrien habe (vgl. DVD in Urk. D1/9/3 

01:50:25). Sie beschrieb auch sonst das Verhalten des Beschuldigten während 

der sexuellen Übergriffe dahingehend, er habe immer gesagt, sie sei so schön, 

sie hätte schöne Titten, einen schönen Arsch, dabei zeigte B._____ ihre Abscheu 

davor, indem sie dazu ausführte, seine "Wörter" seien "so grusig" gewesen, er 

habe "grusige" Sachen gesagt, die sie nicht habe hören wollen (vgl. DVD in 

Urk. D1/9/3 01:52:25, vgl. auch DVD in Urk. D1/9/3 01:56:10). Schliesslich berich-

tete B._____, vom Beschuldigten auch zu Zungenküssen gezwungen worden zu 

sein (vgl. DVD in Urk. D1/9/3 01:46:30 und 01:52:45), wobei sie sichtlich ent-

täuscht die Reaktion ihrer Mutter schilderte, als sie ihr von den Zungenküssen be-

richtete (vgl. DVD in Urk. D1/9/3 01:46:30: "Die Mutter sagte mir, ich solle Ab-

stand halten, dabei wollte er es so!"). Am Schluss der Befragung fasste B._____ 

die sexuellen Übergriffe des Stiefvaters gleichbleibend nochmals zusammen 

(vgl. DVD in Urk. D1/9/3 02:04:30). 

-   22   - 

6.1.2. In der ersten Befragung schilderte B._____ aber auch, von ihrem Stiefvater 

mehrmals geschlagen worden zu sein, erstmals habe sie von ihm eine Ohrfeige 

("Flättere") erhalten, als sie ihre Schwester, die noch ein Baby war, auf dem Arm 

getragen und diese "ganz wenig" den Kopf am Tisch angestossen habe (vgl. DVD 

D1/9/3 00:26:40). Sie berichtete, später, jedoch auch schon in der alten Wohnung 

("ich war damals 12 oder 13 Jahre alt" DVD D1/9/3 00:30:30), mit dem Gürtel am 

ganzen Körper, am Bauch und an den Beinen geschlagen worden zu sein und 

zwar nach einem Besuch bei einer Kollegin, über welchen sie dem Stiefvater 

wahrheitswidrig erklärt habe, im Park gewesen zu sein. Nach ihrer Darstellung 

schlug der Stiefvater ca. 12 Mal mit dem Gürtel auf sie ein, so dass sie überall 

Streifen und blaue Flecken gehabt habe. Unter Tränen bemerkte sie dazu, wenn 

sie daran denke, finde sie es komisch, dass ihre Mutter nichts gesagt und ihr nicht 

geholfen habe. B._____ berichtete weiter, auch in der neuen Wohnung im Korri-

dor vom Beschuldigten mit dem Gürtel geschlagen worden zu sein (vgl. DVD in 

Urk. D1/9/3 00:54:10). Spontan ergänzte sie, ihre Schwester habe auch gesehen, 

wie der Beschuldigte sie geschlagen habe und sie (die Schwester) habe dabei 

auch geweint (vgl. DVD Urk. D1/9/3 01:03:30). Auf entsprechende Frage kon-

kretisierte sie, sie sei mit Unterbrüchen etwa drei Mal pro Woche geschlagen 

worden, wobei der Beschuldigte sie ca. sieben Mal mit dem Gürtel, ab und zu mit 

dem Metallstück, dann wieder mit dem Leder, schlug. Ihre Schwester habe er  

– wie teilweise sie selbst – mit einem dünnen "Stöckli" (vom McDonald-Ballon) 

oder mit der Hand geschlagen, weinend ergänzte B._____, ihre Schwester habe 

überall blaue Streifen an den Beinen gehabt (vgl. DVD in Urk. D1/9/3 01:43:40 bis 

01:46.30 und 01:56:10). B._____ berichtete auch detailliert über Tätlichkeiten des 

Beschuldigten ihr gegenüber mit der flachen Hand kurz bevor sie ins Mädchen-

haus ging (vgl. DVD in Urk. D1/9/3 01:07:30: Vorfall Foto mit dem dunkelhäutigen 

Kollegen P._____), in welchem Zusammenhang sie dem Beschuldigten vorwarf, 

ein Rassist zu sein. Zusammenfassend erklärte B._____, oft und fest vom Be-

schuldigten geschlagen worden zu sein und zwar öfters in der Zeit, als sie sich 

gewehrt habe. Bevor sie 14jährig gewesen sei, sei sie immer dann geschlagen 

worden, wenn sie dem Stiefvater widersprochen (vgl. DVD D1/9/3 00:21:55), ihn 

angelogen oder sie etwas gemacht habe, was nicht gut gewesen sei. Dazu habe 

-   23   - 

er ihr erklärt, er mache es, damit sie in Zukunft keine Fehler mache (vgl. DVD in 

Urk. D1/9/3 02:10:00). 

6.1.3. B._____ erzählte weiter, der Beschuldigte habe sie gezwungen, mit ihm 

Pornos auf dem PC zu schauen, wobei er dazu erklärt habe, was sie alles ma-

chen müsse (vgl. DVD in Urk. D1/9/3 01:02:35). Dies habe angefangen, als sie 14 

Jahre alt gewesen sei (vgl. DVD in Urk. D1/9/3 01:02:35 und 01:42:30). 

6.1.4. Unumwunden schilderte B._____ in der ersten Befragung, ihren Stiefvater 

eigentlich immer gehasst zu haben, wobei sie relativierte, er habe ihr früher ein-

mal ein Hello Kitty Spielzeug gekauft, worauf sie ihn "a chli" akzeptiert habe. Sie 

konzedierte zudem von sich aus, damals auch eifersüchtig gewesen zu sein, weil 

sie ihre Mutter mit ihm teilen musste (vgl. DVD in Urk. D1/9/3 00:23:45). Weiter 

erklärte sie, sie habe begonnen, ihn zu beleidigen und sich zur Wehr zu setzen; 

sie habe ihm gesagt, dass er ein Arsch und ein Psychopath sei (vgl. DVD in 

Urk. D1/9/3 00:52:00), sie habe ihn beschimpft, ihm auch Vasen nachgeworfen 

und ihm gesagt, dass sie ihn über alles hasse (vgl. DVD in Urk. D1/9/3 01:16:00 

und 01:18:20, vgl. auch 01:27:30). Weinend erklärte sie, der Mutter vorgeworfen 

zu haben, am Ganzen schuld zu sein, weil sie ihn geheiratet hätte (vgl. DVD in 

Urk. D1/9/3 00:55:35). Sodann erklärte sie, sowohl den Beschuldigten als ihre 

Mutter u.a. bezüglich des Ausganges angelogen zu haben (vgl. DVD in 

Urk. D1/9/3 00:30:30, 00:47:10, 00:53:00, 1:00:35). Auch habe sie die Unterschrift 

der Lehrerin und einmal jene der Mutter gefälscht (vgl. DVD in Urk. D1/9/3 

02:11:20). Am Schluss der ersten Befragung erklärte B._____, sie wolle ihren 

Stiefvater nicht mehr sehen, sie wolle, dass man ihr glaube und dass sie "das" 

beweisen könne, wobei sie ergänzte, sie habe zwar in anderen Gelegenheiten ge-

logen, allerdings habe sie dafür immer einen Grund gehabt, es sei nie ohne 

Grund gewesen (vgl. DVD in Urk. D1/9/3 02:28:10). Bemerkenswert ist, dass 

B._____ in dieser Befragung auch angab, es habe auch Zeiten gegeben, in denen 

sie es gut mit dem Beschuldigten gehabt habe, als er ihr auch gesagt habe, er 

würde sie nicht mehr berühren, aber es sei trotzdem immer neu vorgekommen 

(DVD in Urk. D1/9/3 01:39:30). 

-   24   - 

6.1.5. B._____ berichtete bereits in der Anfangsphase der ersten Befragung, ihre 

Mutter, die in der Wohnung gewesen, aber zusammen mit ihrer Schwester bereits 

geschlafen habe, geweckt und sie über den Übergriff des Stiefvaters informiert zu 

haben. Die Mutter habe gefragt, wo er sie berührt habe, und dann habe sie  

– obschon sie ihre Mutter darum gebeten habe, nichts zu sagen – den Stiefvater 

zur Rede gestellt, der den Vorfall bestritten und erklärt habe, seine Hand sei viel-

leicht aus Versehen (im Schlaf) dort gelandet. Aufgrund dieser Reaktion des 

Stiefvaters habe ihre Mutter sie gefragt, ob sie es vielleicht geträumt hätte. Vom 

Umstand enttäuscht, dass ihre Mutter ihr nicht glauben wollte, schilderte B._____, 

wie sie der Mutter erklärt habe, sie gehe wieder zum Stiefvater, werde sich zu ihm 

legen und sie (die Mutter) könne dann durch das Schlüsselloch beobachten, ob 

der Beschuldigte sie (B._____) berühre. Sie sei darauf zum Beschuldigten zu-

rückgekehrt und als er sie wieder habe berühren wollen, habe sie so getan, als ob 

sie von der Matratze gefallen wäre. Darauf sei ihre Mutter ins Zimmer gekommen 

und habe gefragt, was los sei, worauf sie (B._____) zu weinen angefangen habe. 

Der Stiefvater habe dann gesagt, es sei alles aus Versehen passiert, seine Hand 

sei vielleicht zufällig dort gewesen, er habe sie (B._____) umarmt und sie 

(B._____) habe ihm irgendwie geglaubt, sie wisse nicht wieso. Er habe sich auch 

entschuldigt (zum Ganzen vgl. DVD in Urk. D1/9/3 00:18:10 bis 00:21.55). Unter 

Tränen schilderte B._____, dass ihre Mutter ihr gegenüber immer erklärte, sie 

brauche einen Beweis (gemeint für die behaupteten Berührungen), dass die Mut-

ter ihr gar unterstellte, vielleicht einfach wütend auf ihren Stiefvater zu sein (vgl. 

DVD in Urk. D1/9/3 01:15:50). Nach ihren Schilderungen informierte B._____ ihre 

Mutter in Anwesenheit des Beschuldigten ein oder zwei Tage, bevor sie ins Mäd-

chenhaus ging, erneut über die Berührungen. Der Beschuldigte habe daraufhin 

geäussert, sie (B._____) sei psychisch krank und die Mutter habe vorgeschlagen, 

sie (B._____) solle ihn einmal mit dem Handy aufnehmen, wenn er sie berühren 

würde (vgl. DVD in Urk. D1/9/3 01:17:30). Dazu äusserte B._____ lakonisch, der 

Beschuldigte habe ihr immer dann, wenn er sie berührt habe, vorher das Handy 

weggenommen (vgl. DVD in Urk. D1/9/3 01:19:20)! Zu erwähnen ist in diesem 

Zusammenhang auch, dass B._____ in der ersten Befragung erklärte, sie habe, 

damit sie nach draussen habe gehen können, vor ihrer Mutter in Anwesenheit der 

-   25   - 

Beschuldigten erwähnt, dass nie etwas gewesen sei. Dazu erklärte sie, sie habe 

einfach wissen wollen, wie er darauf reagieren würde. Er sei «voll stolz» gewe-

sen, obschon dies eine offensichtliche Lüge gewesen sei. Unübersehbar zeigte 

B._____ bei dieser Schilderung, wie sehr sie die Reaktion des Beschuldigten stör-

te («Ich hätte ihn schlagen können, denn ich war am Lügen…» vgl. DVD in 

Urk. D1/9/3 01:23:00). 

6.2. In der zweiten Befragung, die auf die erste aufbaute, bestätigte B._____ im 

Wesentlichen ihre Belastungen. 

6.2.1. Gleich blieben ihre Schilderungen zu den sexuellen Übergriffen, die sie auf 

Fragen hin zeitlich und örtlich sowie in deren Häufigkeit zusätzlich präzisierte. In 

zeitlicher Hinsicht ortete sie den Anfang dieser Übergriffe – wie sie bereits in der 

ersten Befragung getan hatte (DVD in Urk. D1/9/3 00:07:45) – klar auf die Zeit vor 

der Geburt ihrer Schwester, wobei sie ihre Unsicherheit bezüglich der Anzahl of-

fenlegte und diese unter diesem Vorbehalt auf ca. vier Mal festlegte (vgl. DVD in 

Urk. D1/9/7 ab 00:08). Dazu erklärte sie, wo das passierte (in der früheren Woh-

nung im Schlafzimmer meiner Eltern, als die Mutter nicht dabei war, er holte mich 

von der Schule ab; mit der Zeit im Wohnzimmer, wo er geschlafen habe, vgl. DVD 

in Urk. D1/9/7 00:09) und wie das passierte, wobei sie auch ihre Position im Bett 

angab (ich lag mit dem Gesicht zur Wand, erst rieb er seinen Penis an meiner 

Vagina und dann nahm er noch seine Hand und rieb sich selber bis er kam, 

vgl. DVD in Urk. D1/9/7 ab 00:12). Detailliert, weinend und weitere Emotionen 

ausdrückend schilderte sie den letzten Ende Januar 2016 im Elternschlafzimmer 

der neuen Wohnung stattgefundenen sexuellen Übergriff des Beschuldigten, bei 

welchem Vorfall er trotz Gegenwehr mit Gewalt seinen "Schwanz" in ihren Mund 

gesteckt, sie auch anal zu penetrieren versucht, sich an ihrer Vagina bis zum Or-

gasmus gerieben und auf ihrem Körper ejakuliert habe (DVD in Urk. D1/9/7 ab 

00:19: "Es ist grusig, wenn ich das so erwähnen muss", "ich finde es so grusig, 

wenn ich das sage", "er sagte mir, dass er mich geil finde, dass er mich liebt und 

flüsterte – das ist so grusig – z.B. mach dies oder mach das, beweg dich einmal 

oder so"). Dieser Schilderung fügte sie u.a. bei, dass ihre Schwester, die der Be-

schuldigte zuvor in die Badewanne im Badezimmer getan habe, während des 

-   26   - 

Vorfalls den Beschuldigten immer wieder gerufen habe. Zu ihren Ausführungen 

bemerkte sie abschliessend, der Beschuldigte wisse, dass das alles passiert sei 

(DVD in Urk. D1/9/7 ab 00:25). In derselben Befragung äusserte sich B._____ zur 

Häufigkeit der Übergriffe und erklärte dazu, diese seien "mega oft" erfolgt, wobei 

sie – nicht überraschend – Mühe mit der Schätzung deren Anzahl hatte ("vielleicht 

50 Mal oder mehr", "ab und zu dreimal pro Woche, nicht immer, manchmal auch 

nur ein Mal pro Woche" vgl. DVD in Urk. D1/9/7 ab 00:27). Übereinstimmend zu 

ihren Depositionen in der ersten Befragung (DVD D1/9/301:48:30) bestätigte sie, 

nach der Geburt ihrer Schwester, als die Mutter lange zu Hause geblieben und 

zwar bis I._____ zwei oder drei Jahre alt gewesen sei, habe der Beschuldigte 

nichts gemacht. Zur Intensität der Übergriffe erläuterte sie, richtig schlimm sei es 

gewesen, als sie 14 Jahre alt gewesen sei. In diesem Zusammenhang schilderte 

sie detailliert die Intensitätssteigerung, die – wie sie bereits in der ersten Einver-

nahme dargetan hatte – ihren Anfang in einem Hotel in Montenegro genommen 

habe, als der Beschuldigte erstmals auch an ihrer Vagina geleckt habe (DVD in 

Urk. D1/9/7 ab 00:27 und 00:55, vgl. detaillierte Schilderung auch in DVD in 

Urk. D1/9/7 ab 00:57). Später, in den letzten paar Monaten, habe der Beschuldig-

te verlangt, dass sie seinen Penis in den Mund nehme, was sie auch mit Gewalt 

habe tun müssen, welchen Vorgang sie auch mit Gesten äusserst detailliert schil-

derte (vgl. DVD in Urk. D1/9/7 ab 48:00, der Beschuldigte habe sich auf ihren 

Oberkörper gesetzt, B._____ zeigt die Position der Knie des Beschuldigten auf ih-

rer Schulterhöhe). Auch habe er versucht, in sie anal einzudringen (DVD in 

Urk. D1/9/7 ab 00:37). 

6.2.2. In der zweiten Befragung wiederholte die Privatklägerin B._____ auch ihre 

Aussagen, wonach der Beschuldigte ihr immer Videos und Filme mit pornografi-

schem Inhalt (schon in der alten Wohnung) habe zeigen wollen. Er habe gesagt, 

sie müsste sehen und hören, wie diese Frauen stöhnten. Sie habe nur kurz und 

wider Willen hingeschaut und Männer und Frauen beim Sex gesehen, insbeson-

dere wie der Mann der Frau "den Schwanz" in die Vagina getan habe. Detailliert 

beschrieb sie, wie es das erste Mal dazu gekommen sei, dass sie solche Filme 

habe anschauen müssen, damals sei sie 13 bzw. anfangs 14 Jahre alt gewesen 

(DVD in Urk. D1/9/7 ab 01:02). 

-   27   - 

6.2.3. Gleichbleibend schilderte sie wie es dazu kam, dass sie erstmals eine Ohr-

feige vom Beschuldigten erhalten habe ("Flättere"; Vorfall mit der kleinen Schwes-

ter, DVD in Urk. D1/9/7 ab 01:14). Eindrücklich schilderte sie – den Beschuldigten 

entschuldigend – sie sei früher "mega frech" zu ihm gewesen, weil sie ihn nie ak-

zeptiert habe, dann habe sie ihn mit der Zeit doch gerne gehabt, weil sie gedacht 

habe, dass er es aus Versehen gemacht hätte, als sie klein gewesen sei, doch 

dann sei es schlimmer geworden und er habe sie öfters geschlagen. Früher habe 

sie oft gelogen und da habe er sie sehr oft geschlagen (DVD in Urk. D1/9/7 ab 

01:17). Die letzten zwei Wochen bevor sie ins Mädchenhaus gegangen sei, habe 

er sie fast jeden Tag geschlagen, das sei wirklich schlimm gewesen, wobei sie  

– wiederum relativierend – beifügte, sie habe sich auch gewehrt und habe ange-

fangen zurückzuschlagen. Sie habe sich an die Schläge irgendwie gewöhnt 

(vgl. DVD in Urk. D1/9/7 ab 01:21, vgl. auch ihre Aussage dazu in der ersten Be-

fragung, DVD in Urk. D1/9/3 ab 00:52:00); sie habe ihn provoziert und – obschon 

es weh getan hätte – ihm zu verstehen gegeben, dass die Schläge sie nicht son-

derlich beeindrucken würden (vgl. DVD in Urk. D1/9/7 ab 01:21:15). Er habe sie 

mit der Hand, mit dem Gürtel und mit einem Stöckli (dazu trug sie spontan nach, 

es habe sich um den farbigen Plastikteil eines McDonalds-Ballons gehandelt, 

vgl. DVD in Urk. D1/9/7 ab 01:27:30) geschlagen. Detailliert schilderte sie wie 

(auch mit der Gürtelschnalle), wo (in der Wohnung in der Ecke des Korridors) und 

wohin (an den Beinen und vor allem an den Knien, zwischen Knie und Ober-

körper) die Schläge mit dem Gürtel erfolgten, die regelmässig Schmerzen ver-

ursachten und blaue Flecken sowie teilweise blutende Stellen hinterliessen und 

beschrieb sein Vorgehen bei der Gürtelauswahl ("er nahm den Gürtel, den er zu-

erst fand, auch den Armanigürtel, es war einmal auch der Gürtel meiner Mutter 

[pinkig] oder meiner", DVD in Urk. D1/9/7 ab 01:23; vgl. auch konkrete Schilde-

rung eines Vorfalls in DVD in Urk. D1/9/7 ab 01:30). Ebenso bestätigte sie in der 

zweiten Befragung, dass der Beschuldigte auch ihre Schwester mit dem Gürtel 

und mit dem Stöckli sowie oft mit der Hand geschlagen habe, worauf sie blaue 

Flecken bzw. strichförmige Abzeichen an den Beinen gehabt habe (DVD in 

Urk. D1/9/7 ab 01:32), I._____ habe er geschlagen, wenn sie nicht zugehört oder 

gelogen habe (DVD in Urk. D1/9/7 ab 01:36), wobei er sie anfangs mehr als sie 

-   28   - 

(B._____), in den letzten vier Monaten vor dem Mädchenhaus aber nicht mehr 

geschlagen habe (DVD in Urk. D1/9/7 ab 01:37).  

6.2.4. Auf Ergänzungsfragen der Verteidigung schilderte B._____, vom Beschul-

digten auf Schritt und Tritt kontrolliert worden zu sein (sie sprach von Stalking, 

erwähnte seine Kontrolle via Snapchat, die regelmässige Kontrolle ihres Handys, 

vgl. DVD in Urk. D1/9/7 ab 01:41), was sie bereits in ihrer ersten Befragung detail-

liert ausgeführt hatte. In Zusammenhang mit den von ihr geschilderten Berührun-

gen seitens des Beschuldigten wiederholte sie, bei ihrer Weigerung habe sie zur 

Strafe putzen müssen (DVD in Urk. D1/9/7 ab 01:49). Sie gab erneut unumwun-

den zu, zur Vermeidung von Schlägen ihre schlechten Noten verheimlicht zu ha-

ben, wobei sie auch die Unterschrift der Mutter gefälscht und früher selber Ent-

schuldigungen unterschrieben habe (DVD in Urk. D1/9/7 ab 02:16), auch habe sie 

die erfundene Unterschrift der Lehrerin benützt, um ihre Verspätung zu recht-

fertigen (DVD in Urk. D1/9/7 ab 02:24:30). Ebenso bestätigte sie, ihrer Mutter 

mehrfach gesagt zu haben, sie solle sich vom Beschuldigten trennen (DVD in 

Urk. D1/9/7 ab 02:18). Dazu schilderte sie erneut, den Beschuldigten am Anfang 

nicht akzeptiert zu haben, mit der Zeit aber schon, dies allerdings bevor "die Sa-

chen" passiert seien. Er sei früher nett gewesen und habe ihr auch Sachen ge-

kauft (DVD in Urk. D1/9/7 ab 02:19:30). Offen gestand sie ein, den Beschuldigten 

mit der Zeit beleidigt zu haben (DVD in Urk. D1/9/7 ab 02:20) und ihm hauptsäch-

lich gesagt zu haben, dass sie alles machen werde, um ihn und ihre Mutter zu 

trennen, womit sie gemeint habe, dass er nicht weiter "das" machen könne, was 

er ihr antat (DVD in Urk. D1/9/7 ab 02:21). Sie zeigte sich besonders betroffen 

vom Umstand, dass ihre Mutter ihr nicht geglaubt habe, sie habe deswegen auch 

vor beiden geweint (DVD in Urk. D1/9/7 ab 01:57). Sie stellte ferner nicht in Abre-

de, selber der Mutter – nachdem diese ihr nicht geglaubt habe – auf Geheiss des 

Beschuldigten gesagt zu haben, dass sie gelogen hätte, wobei sie dazu präzisier-

te, sie habe der Mutter vor ihrem Weggang von zu Hause ins Mädchenhaus aber 

auch nie im Detail erklärt, was ihr widerfahren sei, jetzt glaube ihr die Mutter (DVD 

in Urk. D1/9/7 ab 02:09:30). Schliesslich zeigte sich B._____ enttäuscht, ja verär-

gert ("Es regt mich mega auf¨" DVD in Urk. D1/9/7 ab 02:22) darüber, dass der 

Beschuldigte das Vorgefallene immer noch nicht zugebe und richtete quasi einen 

-   29   - 

Appell an den Beschuldigten, er solle es endlich zugeben, er solle doch sagen, 

dass er das alles gemacht habe (DVD in Urk. D1/9/7 ab 02:22). 

6.3. Die oben wiedergegebenen Depositionen der Privatklägerin B._____ in ih-

ren zwei Befragungen über die sexuellen Übergriffe des Beschuldigten erfolgten 

spontan und erscheinen – dies mit der Vorinstanz – anschaulich und authentisch. 

Wenn die Vorinstanz weiter erwog, sie wiesen insgesamt eine qualitative Be-

schaffenheit auf, die für erlebnisbasierte Aussagen typisch ist, so ist dem zuzu-

stimmen. Sie schilderte die sexuellen Übergriffe des Beschuldigten – wie oben 

gezeigt – sprudelnd und lebensnah, was auch aus den von der Vorinstanz in ih-

rem Entscheid aufgeführten Beispielen (vgl. Urk. 51 S. 29) hervorgeht. Das von 

ihr Vorgebrachte wirkt in keiner Weise auswendig gelernt. Wenn die Verteidigung 

solch detaillierte und anschauliche Schilderungen auf den möglichen Konsum von 

pornografischen Filmen zurückzuführen versucht, so ist ihr nicht zu folgen 

(so auch Vorinstanz in Urk. 51 S. 30). Zwar trifft es zu, dass B._____ davon be-

richtete – was der Beschuldigte indessen bestreitet –, auf Geheiss des Beschul-

digten Pornodarstellungen am PC angeschaut zu haben (vgl. dazu Vorbringen der 

Verteidigung in der Berufungsschrift Urk. 59 S. 7). Das von der Verteidigung in-

sinuierte Nacherzählen einer Auswahl von konsumierten Pornodarstellungen 

scheitert indessen insbesondere daran, dass B._____ in ihren Schilderungen 

nicht einfach sexuelle Handlungen aneinander reihte, sondern diese – wie oben 

gezeigt – in einen äusserst detailliert dargestellten örtlichen und zeitlichen Kontext 

stellte, in welchem sie auch konkrete Begebenheiten (z.B. Geburt der Schwester, 

Abwesenheit der Mutter für eine Hochzeit, Aufenthalt in Montenegro allein mit 

dem Beschuldigten) einbettete. Weiter zeigen ihre oben zitierten Aussagen deut-

lich, dass sie Mühe hatte, über die an ihr vorgenommenen sexuellen Handlungen 

zu berichten (z.B. "so gruusig", "so peinlich"), was – zusammen mit der Tatsache, 

dass sie in den Befragungen immer wieder Emotionen zeigte (wie z.B. weinen) 

und solche auch umschrieb (Zittern, Hilflosigkeit, Angst, vgl. auch Vorinstanz Urk. 

51 S. 31 mit DVD-Zitaten) – vollends mit der Theorie der Verteidigung in Wider-

spruch steht und vielmehr auf Erlebtes hindeutet. Schliesslich lässt sich dadurch 

auch nicht die von ihr geschilderte progrediente Intensität der Handlungen erklä-

ren. Vielmehr ist die beschriebene Steigerung der Intensität typisch für einen se-

-   30   - 

xuellen Missbrauch. Das Vorbringen der Verteidigung, B._____ habe darum kei-

nen Geschlechtsverkehr geschildert (sprich dem Beschuldigten angelastet), weil 

auch ein Teenager erahnen könne, dass ein solcher bei einer körperlichen Unter-

suchung widerlegt werden könnte (vgl. Berufungsschrift Urk. 59 S. 7 zu Ziff. 19), 

geht von einem bewussten, hier nicht anzunehmenden Lügenkonstrukt von 

B._____ aus, weshalb es als reine Unterstellung erscheint. Ausserdem hätte die 

Privatklägerin B._____ diesfalls gravierendere Vorfälle schildern können, wie ei-

nen vollendeten Analverkehr oder eine Ejakulation bei Oralverkehr, was sie je-

doch nicht tat.  

6.4. Die Vorinstanz bezeichnete zu Recht als nachvollziehbar und überzeugend 

die Darstellung von B._____, dass der Beschuldigte von ihr Gegenleistungen ver-

langte, damit sie nach draussen habe gehen dürfen oder neue Klamotten be-

kommen habe, bzw. dass sie ohne Gegenleistung (Küssen bis hin zu [erzwunge-

nem] Oralverkehr, vgl. Darstellung oben) mit Putzaufgaben oder mit Handyentzug 

gemassregelt wurde (vgl. Urk. 51 S. 30 unter Hinweise auf die Befragung). Denn 

damit konzedierte sie, dass sie letztlich u.a. zugunsten des ersehnten Kontaktes 

mit Kolleginnen und Kollegen auf die Wünsche des Beschuldigten einging und 

seine Handlungen – wenn auch mit erklärtem Widerwillen – über sich ergehen 

liess. Nachvollziehbar, lebensnah und offen schilderte sie in diesem Zusammen-

hang, dass sie den Beschuldigten, damit er sie in Ruhe lasse, darüber anlog, 

wann sie "ihre Tage" hatte (vgl. Zitat Einvernahme in Urk. 51 S. 30), welche Dar-

stellung im gesamten Kontext überzeugt. In diesem Zusammenhang erwog die 

Vorinstanz zu Recht, dass auch die detaillierten Schilderungen von B._____ dar-

über, mit welchen Worten sich der Beschuldigte über ihren Körper äusserte 

(z.B. sie habe einen schönen Arsch und schöne Titten, vgl. Urk. 51 S. 30 mit Zita-

ten), sie über "ihre Tage" ausfragte und ihr seine sexuellen Erfahrungen erzählte 

(vgl. Vorinstanz in Urk. 51 S. 30 mit Zitaten), Einzelheiten darstellen, die nicht 

zwingend mit einem sexuellen Missbrauch verbunden sein müssen, weswegen 

nicht vorstellbar ist, dass diese von ihr frei erfunden wurden. Aber auch die Tat-

sache, dass die Schilderungen von B._____ – wie oben mehrfach dargetan – Ge-

fühlsbeschreibungen enthalten, lassen den Schluss nicht zu, dass diese ein Pro-

dukt ihrer Fantasie sein sollen wie dies die Verteidigung insinuiert. Sie weisen 

-   31   - 

vielmehr auf Selbsterlebtes hin und stehen offensichtlich mit den konkreten Dar-

stellungen im Einklang (so auch Vorinstanz in Urk. 51 S. 31). 

6.5. Äusserst detailliert schilderte B._____ die strenge und andauernde vom 

Beschuldigten über sie ausgeübte Kontrolle (so auch Vorinstanz in Urk. 59 S. 33), 

die sie – wie aus ihren Äusserungen mehrfach hervorgeht (vgl. Darstellung oben) 

– offensichtlich enervierte und bei ihren Kollegen in Verlegenheit brachte. Sie 

sprach dabei von "Stalking", führte unzählige Beispiele für die (erduldete) Über-

wachung und die vom Beschuldigten pedantisch verlangte Rechenschaftsablage 

an (zitiert auch im vorinstanzlichen Urteil Urk. 51 S.33 f:), erwähnte dabei insbe-

sondere die Einrichtung des Dienstes Snapchat (vgl. DVD in Urk. D1/9/3 ab 

00:43:00), der dem Beschuldigten zusätzliche Kontrollmöglichkeiten einräumte, 

zumal er von ihr verlangte, dass sie ihn bei diesem Dienst als Kollegen zulasse 

(vgl. DVD in Urk. D1/9/3 00:45:10). Eindrücklich schilderte sie, dass er ausgeras-

tet und sie mit Handyentzug massgeregelt habe, wenn sie ihn bei Snapchat blo-

ckierte (vgl. DVD in Urk. D1/9/3 00:45:10). Sie legte auch detailliert dar, dass er 

von ihr verlangt habe, dass sie die Gespräche mit ihren Kolleginnen mit dem Tele-

fon aufnehme und dass sie ihn immer anrufen musste bzw. er während ihrer Tref-

fen mit den Kolleginnen und Kollegen pausenlos angerufen und immer alles de-

tailliert habe wissen wollen (vgl. DVD in Urk. D1/9/3 00:34:05, ab 00:42:00: Ich 

musste ihn anrufen und zum Beispiel vom McDonald aus einen Bild schicken, wo 

und mit wem ich bin; er war immer der Erste, der das sieht.»), in welchem Zu-

sammenhang sie deswegen auch ihre Wut auf ihn zum Ausdruck brachte 

(vgl. DVD in Urk. D1/9/3 00:43:21:»Jetzt noch spüre ich die Wut auf ihn»). Dass 

der Beschuldigte – im Gegensatz zu seinen früheren Aussagen (vgl. Urk. D1/8/5 

S. 2) – an der Berufungsverhandlung weitere diesbezügliche Schilderungen von 

B._____ anerkennen musste (vgl. Urk. 111 S. 7 ff.), spricht für deren Aussagen. 

Die Tatsache, dass B._____ mehrfach eigenes Fehlverhalten konzedierte, näm-

lich den Beschuldigten über ihre Abwesenheit angelogen und zur Rechtfertigung 

bei Verspätungen auch Erklärungen mit gefälschten Unterschriften versehen zu 

haben, spricht überdies ebenfalls gegen die Annahme einer Erfindung ohne Er-

lebnishintergrund.  

-   32   - 

6.6. Korrekt hielt die Vorinstanz fest, dass B._____ eindrücklich schilderte, wie 

die sexuellen Übergriffe immer stärker wurden, was gewiss auffallend ist (vgl. Vor-

instanz in Urk. 51 S. 31). So «beschränkten» sich die Übergriffe zu Beginn auf 

das Ausgreifen ihrer Vagina mit der Hand und mit dem Reiben seines Penis da-

ran, wobei sie ihr T-Shirt noch trug. Später waren nach ihrer Darstellung beide 

nackt, der Beschuldigte fing auch an, ihre Vagina zu lecken, sie zu küssen und 

seinen Orgasmus «auf ihr» zu haben. Weiter sprach sie über immer schlimmere 

Bewegungen, dass der Beschuldigte ihr ins Ohr geflüstert und von ihr verlangt 

habe, auf die Knie zu gehen oder sich zu bücken. Schliesslich habe er verlangt, 

dass sie seinen Penis in den Mund nehme, und zuletzt versucht, anal in sie ein-

zudringen (vgl. Darstellung der Vorinstanz in Urk. 51 S. 31 mit Zitaten). Der Vor-

instanz ist zuzustimmen, dass diese stetig intensiveren sexuellen Handlungen mit 

der ansteigenden Auflehnung von B._____ gegen den Beschuldigten und ihrem 

zunehmenden Hass diesem gegenüber korrespondieren (vgl. Urk. 51 S. 31), was 

sie auch unumwunden zum Ausdruck brachte, indem sie davon berichtete, ihn da-

für gehasst, beleidigt und sich zur Wehr gesetzt zu haben, wegen jeder Kleinigkeit 

ausgerastet zu sein und auch zu ihrer Mutter schlimme «Sachen» gesagt zu ha-

ben. Ebenso unumwunden räumte sie ein, dass sie ihm wiederholt mit einer An-

zeige gedroht habe, was sie denn auch umsetzte (so Vorinstanz in Urk. 51 S. 31 

mit Zitaten). Es ist im Übrigen nicht auszuschliessen und damit nicht einfach un-

glaubhaft, dass der Beschuldigte auf ihre Drohung mit einer Anzeige unterschied-

lich reagierte, nämlich, dass er ihr deswegen einmal das Handy wegnahm und sie 

ein weiteres Mal aufforderte, zur angedrohten Anzeige zu schreiten. Denn beim 

Vorfall, bei welchem er eine Anzeige begrüsst habe, war offensichtlich auch die 

Mutter zugegen, die ihr das Telefon weggenommen habe. Im Übrigen schilderte 

B._____ auch weitere Reaktionen des Beschuldigten nach Ankündigung einer 

Anzeige (vgl. DVD in Urk. D1/9/3 01:06:00: Nachdem B._____ ihm mit einem Kü-

chenmesser eine Anzeige angedroht habe, habe er gesagt, er werde erzählen, 

dass sie ihre Schwester habe umbringen wollen und habe ihr ins Gesicht gelacht; 

vgl. hierzu Urk. 112 S. 2, wo die Verteidigung eine verdrehte Version von 

B._____s Aussagen aufführt). Entgegen der Verteidigung kann damit nicht von 

-   33   - 

einem Widerspruch in den Aussagen von B._____ die Rede sein (vgl. Urk. 34 

S. 20 f.).  

6.7. Der Vorinstanz ist auch zuzustimmen, dass B._____ gleichermassen 

glaubhaft und nachvollziehbar wie die sexuellen Übergriffe auch die Vorfälle mit 

den pornografischen Filmen schilderte, die schon in der alten aber auch in der 

neuen Wohnung geschehen sein sollen (vgl. dazu DVD in Urk. D1/9/5 01:02). Die 

Vorinstanz hielt in ihrem Entscheid die diesbezüglichen Aussagen von B._____ 

fest, worauf zur Vermeidung von unnötigen Wiederholungen verwiesen werden 

kann (vgl. Urk. 51 S. 31 f.). Nachdem sie auch diese Schilderungen mit diversen 

Details versah (z.B. Webseite extreme love, vgl. DVD in Urk. D1/9/3 01:05) und 

zusätzlich ihre Abscheu in diesem Zusammenhang zum Ausdruck brachte, sind 

ihre Depositionen überzeugend. Nur am Rande sei hier im Übrigen erwähnt, dass 

der Beschuldigte, obschon er auf seinem Computer nichts speicherte, offenbar ab 

und zu pornografische Werbefilme erhielt und Gefallen an Pornos hat, was er be-

reits in der ersten Einvernahme wie auch an der Berufungsverhandlung bestätigte 

(Urk. D1/8/1 S. 19 zu Frage 73; Urk. 111 S. 15).  

6.8. Nicht zu beanstanden ist, dass die Vorinstanz die im Entscheid auch er-

wähnten Depositionen von B._____, wie sie vom Beschuldigten mit der flachen 

Hand, mit dem Gürtel und mit einem «Stöckli» geschlagen wurde, ebenfalls als 

plausibel und detailliert wertete (vgl. Urk. 51 S. 32). Dazu kann vorab auf die Er-

wägungen der Vorinstanz und im Übrigen auf die Erwägungen oben unter 

Ziff. 6.1.2 und 6.2.3 verwiesen werden. Eindrücklich ist insbesondere ihre Schilde-

rung des Vorfalls, bei welchem sie vom Beschuldigten nach durchschauter Lüge 

mit dem Gürtel zusammengeschlagen worden sein soll (im Entscheid der Vor-

instanz in Urk. 51 S. 32 mit Zitaten angegeben). Bemerkenswert ist, dass sie bei 

der Schilderung dieser Übergriffe grosse Emotionen zeigte, sich diesbezüglich 

auch auf ihre Schwester berief, die sie als Zeugin solcher Übergriffe bezeichnete 

und die deswegen auch geweint hätte, und dass sie enttäuscht ihr Unverständnis 

für das passive Verhalten ihrer Mutter ausdrückte (vgl. im Einzelnen oben in 

Ziff. 6.1.2 und 6.2.3). Auf die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen deuten in diesem 

Zusammenhang insbesondere ihre Schilderungen, sie habe den Beschuldigten 

-   34   - 

angelogen, provoziert (indem sie ihm zu verstehen gab, dass die Schläge sie 

nicht sonderlich beeindruckten, obschon sie schmerzten, vgl. DVD in Urk. D1/9/7 

ab 01:21), sich gewehrt (und ihn dabei gepackt oder gebissen, vgl. DVD in 

Urk. D1/9/3 01:06:00) und zurückgeschlagen, ihm widersprochen oder jeweils et-

was gemacht, was nicht gut gewesen sei, wodurch sie das Verhalten und die 

Schläge des Beschuldigten (zu seinen Gunsten) zu rechtfertigen und zu relativie-

ren versuchte. Weiter ist festzuhalten, dass ihre Darstellung durch ihre Schwester 

I._____ an der Befragung vom 23. März 2016 (vgl. DVD in Urk. D2/3/3) Bestäti-

gung fand (dazu nachfolgend). Es trifft zu, dass die Mutter von B._____ die Frage, 

ob der Beschuldigte sie geschlagen habe, verneinte (vgl. Urk.D1/10/1 S. 3 zu 

Frage 22 und S. 10 zu Frage 81 sowie D1/10/2 S. 9, vgl. Einwand der Ver-

teidigung in Urk. 34 S. 19 N 93). Zu präzisieren ist aber, dass B._____ – entgegen 

dem nur unvollständig verfassten Protokoll der Befragung, jedoch gestützt auf die 

Videoaufzeichnung – davon sprach, der Beschuldigte habe auch die Mutter ein-

mal gepackt (vgl. DVD in Urk. D1/9/3 00:13:50) bzw. «a chli» geschlagen 

(a.a.O. 00:15:30, vgl. auch 00:54:10), bzw. er habe auch ihre Mutter am Hals ge-

packt (a.a.O. 01:35:20), oder ihr eine «Flättere» gegeben (a.a.O. 01:36:40), was 

mit der Schilderung der Mutter, sie sei vom Beschuldigen gepackt oder gestossen 

bzw. angefasst worden, nicht in Widerspruch, sondern grundsätzlich im Einklang 

steht (Urk. D1/10/1 S.3 zu Frage 22 und S. 10 zu Frage 81 und zu Frage 82 [un-

zutreffender Vorhalt!!], vgl. Urk. D1/9/2 S. 9 zu Frage 64). Im Übrigen ist – entge-

gen der Verteidigung (vgl. Urk. 34 S. 19) – der Vorinstanz zuzustimmen, dass die 

Aussagen von B._____ und deren Mutter keinen Widerspruch zur Frage der er-

folgten Konfrontation des Beschuldigten mit den Vorwürfen bezüglich der Schläge 

enthalten (vgl. Vorinstanz Urk. 51 S. 33). Die Privatklägerin B._____ stellte aus-

führlich dar, wann (kurz bevor sie ins Mädchenaus ging, vgl. DVD in D1/9/7 ab 

01:24) und wo (in der Ecke im Korridor der Wohnung) bzw. wie (sie habe mit dem 

Beschuldigten einen Fight gehabt, er habe sie mit dem Gürtel geschlagen und sei 

dadurch, dass sie sich gebückt habe, vom Gürtel an den Lippen getroffen worden) 

es dazu kam, dass sie an der Lippe verletzt war, wobei sie sich über das Aus-

mass der Verletzung nicht weiter äusserte, so dass letztlich nichts davon abzulei-

ten ist, dass die Mutter diese Verletzung nicht bemerkt haben soll. Immerhin ist 

-   35   - 

diesbezüglich darauf hinzuweisen, dass K._____ davon berichtete, dass B._____ 

am 9. Februar 2016 einen gut sichtbaren blauen Fleck an der Wange 

(vgl. Urk. D1/10/3 S. 2 und D1/10/4 S. 3) und im Übrigen auch sonst blaue Fle-

cken an den Armen gehabt habe, die B._____ erst später ihr gegenüber als von 

den Schlägen ihres Stiefvaters stammend bezeichnete (D1/10/3 S. 5 und D1/10/4 

S. 3). Der Umstand, dass B._____ angab, ihre Mutter sei einmal dazwischen ge-

gangen und habe die Schläge mitbekommen, was ihre Mutter aber verneinte 

(vgl. Urk. D1/10/2 S. 9), vermag mit der Vorinstanz die Glaubhaftigkeit der Aus-

sagen von B._____, die ansonsten in Bezug auf die Schläge konstant und plausi-

bel erscheinen und sich im Übrigen mit den Aussagen von I._____ decken, nicht 

in Frage zu stellen (so Vorinstanz in Urk. 51 S. 33). Beizufügen ist hierzu, dass 

der Beschuldigte vor Vorinstanz in Zusammenhang mit dem Anklagevorwurf 

Ziff. 3 davon sprach, die Schläge seien nicht brutal gewesen, was solche voraus-

setzt, und im Übrigen konzedierte, B._____ möglicherweise gestossen oder mit 

der flachen Hand auf die Schulter geschlagen zu haben (vgl. Prot. I S. 31). An der 

Berufungsverhandlung bestritt er zwar erneut, B._____ mit dem Gurt oder mit der 

Hand ins Gesicht geschlagen zu haben (Urk. 111 S. 16). Er bestätigte jedoch 

wiederum, B._____ bei Auseinandersetzungen, welche ein- oder zweimal im Mo-

nat oder zwei- bis dreimal alle zwei Monate stattgefunden hätten, auf die Schen-

kel, möglicherweise auch einmal auf den Arm-/Schulterbereich geschlagen zu ha-

ben (Urk. 111 S. 16, 18). Dass die Mutter nichts davon mitbekommen haben soll, 

erscheint eher unwahrscheinlich. Zudem kann nicht ausgeschlossen werden, 

dass die Mutter von den Schlägen des Beschuldigten sehr wohl gewusst, aber 

nichts dagegen unternommen hatte, und nun aus Scham die Aussagen ihrer 

Tochter nicht unumwunden bestätigen wollte. 

6.9. Die Vorinstanz wies in ihrem Entscheid sodann darauf hin, dass es 

B._____ sichtlich Überwindung kostete, um überhaupt über die eingeklagten Er-

eignisse zu sprechen, was sie deklarierte (z.B.: «Ich finde es so grusig, wenn ich 

das sage» vgl. D1/9/7 00:22), auch den Beobachtungen der bei der Zweitbefra-

gung anwesenden Psychologin entspricht (vgl. D1/9/6) und gewiss für die Glaub-

haftigkeit ihrer Aussagen spricht. Zu den im vorinstanzlichen Entscheid dazu auf-

geführten Beispielen, die dies dokumentieren, kann an dieser Stelle verwiesen 

-   36   - 

werden (Urk. 51 S. 34). Weiter sei diesbezüglich auch auf die Ausführungen in 

diesem Entscheid unter Ziff. 6.1 und 6.2. verwiesen. Auffällig ist, dass B._____ im 

Laufe beider Befragungen immer wieder authentisch zeigte und auch sagte, dass 

ihr gerade beim Reden weitere Sachen in den Sinn kommen würden (vgl. z.B. 

DVD D1/9/3 01:09:50: «Jetzt ist mir wieder in den Sinn gekommen, jetzt weiss ich 

es», vgl. weitere Beispiele in DVD D1/9/7 00:01:13 und 01:27:30), was ein Reali-

tätskriterium darstellt. Solch spontane Bemerkungen schliessen die Annahme ei-

nes ohne Erlebnishintergrund konstruierten Lügengebäudes geradezu aus. 

6.10. Die Vorinstanz setzte sich im Übrigen mit dem Einwand der Verteidigung, 

wonach die Äusserungen von B._____ am Ende der zweiten Befragung gegen die 

Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen sprechen würden, auseinander (vgl. Urk. 51 S. 34 

f.). Sie erwog zu Recht, dass die Aussagen von B._____ vielmehr ihre Erlösung 

nach der Schilderung der von ihr zur Anzeige gebrachten Übergriffe des Beschul-

digten aufzeigen. Mit der Vorinstanz ist im Übrigen auch nachvollziehbar, dass sie 

sich erleichtert darüber äusserte, nicht mehr unter der ständigen Kontrolle des 

Beschuldigten zu stehen, was der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen keinen Abbruch 

tut. Wenn die Verteidigung in ihrer Berufungsschrift insinuierte, die diesbezüg-

lichen Aussagen von B._____ knüpften nahtlos an ihre bereits früher geäusserte 

Bereitschaft, alles zu tun, um den Beschuldigten loszuwerden (vgl. Urk. 59 S. 8 

Ziff. 21), so blendet sie aus, dass B._____ in derselben Befragung auch zum 

Ausdruck brachte, dass die erlittenen Vorfälle sie stark beschäftigen («Es kommt 

mir hoch, was passiert ist und dann weine ich in der Nacht, das ist mega 

schlimm» vgl. DVD D1/9/7 01:57) und sich auch entsetzt darüber ärgerte, dass 

der Beschuldigte seine Übergriffe immer noch nicht zugebe (a.a.O. 02.22).  

6.11. Es trifft zu, dass B._____ sowohl den Beschuldigten als auch ihre Mutter 

mehrfach anlog, was sie auch selber mehrfach von sich aus erzählte. Auch ist 

korrekt, dass sie die der Mutter rudimentär geschilderten «Berührungen» nach-

träglich zurücknahm und als Lüge bezeichnete, was sie ebenfalls selber spontan 

einräumte (vgl. Einwand der Verteidigung in Urk. 59 S. 8 zur Erwägung der Vor-

instanz in Urk. 51 S. 35 Ziff. 7.3.8). Sie schilderte dazu auch die Gründe, die sie 

zu diesem Schritt bewogen, nämlich die Tatsache, dass ihre Mutter ihr, nachdem 

-   37   - 

der Beschuldigte allfällige Berührungen als im Schlaf erfolgt und somit als Verse-

hen bezeichnet hatte, zu ihrer Enttäuschung nicht glaubte, sowie der Umstand, 

dass der Beschuldigte von ihr eine Rücknahme dieser Belastungen verlangte. In 

diesem Zusammenhang kann auf die von B._____ geschilderte Reaktion des Be-

schuldigten anlässlich der Rücknahme ihrer Belastungen hingewiesen werden, 

die bereits in der ersten Befragung erfolgten und schon oben unter Ziff. 6.1.5 fest-

gehalten wurden (Er sei voll stolz gewesen. «Ich hätte ihn schlagen können, denn 

ich war am Lügen…» vgl. DVD in Urk. D1/9/3 01:23:00). Auch diese Umstände 

lassen also auf die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen schliessen. 

6.12. Bereits die Vorinstanz hielt zutreffend fest, dass die sexuellen Übergriffe 

des Beschuldigten nach den Aussagen von B._____ nicht nur bei Abwesenheit 

der Mutter erfolgten (vgl. Urk. 51 S. 35 unter Hinweis auf die einzelnen Aussa-

gen). Entgegen der Verteidigung (vgl. auch Urk. 59 S. 8 f. Ziff. 23) kann die Aus-

sage von B._____, ihre Mutter dazu aufgefordert zu haben, durch das Schlüssel-

loch das Treiben des Beschuldigten zu beobachten, gerade deshalb, weil sie aus-

sergewöhnlich ist, nicht als Fantasieprodukt bezeichnet werden. Dies gilt umso 

weniger, als B._____ dazu eine konkrete Situation schilderte (vgl. oben unter Ziff. 

6.1.5; zum Ganzen vgl. DVD in Urk. D1/9/3 00:18:10 bis 00:21.55), die zur Inter-

vention der Mutter führte. Der von B._____ geschilderte Vorschlag der Mutter, sie 

solle das Ganze doch einfach filmen, wurde im Übrigen von der Mutter in ihren 

Einvernahmen bestätigt (vgl. Urk. D1/10/1 S. 9 f. zu Frage 78), so dass kein An-

lass besteht, die Glaubhaftigkeit der Aussagen von B._____ deswegen in Frage 

zu stellen.  

6.13. Der Vorinstanz ist auch darin zuzustimmen, dass die Tatsache, dass  

B._____ im Zuge des Strafverfahrens gegen die Brüder ihres verstorbenen Vaters 

die Chance zur Schilderung der sexuellen Übergriffe des Beschuldigten nicht 

«genutzt» habe, entgegen der Verteidigung die Glaubhaftigkeit von B._____ nicht 

zu schmälern vermag. Auf die zutreffende Begründung der Vorinstanz ist hier 

vorweg zu verweisen (vgl. Urk. 51 S. 36). In der Berufungserklärung rügte die 

Verteidigung die Erwägungen der Vorinstanz (vgl. Urk. 59 S. 9 Ziff. 24 und 25). 

Bei ihrer Kritik übersieht die Verteidigung, dass B._____, als sie damals im Zu-

-   38   - 

sammenhang mit dem anderen Verfahren einvernommen wurde, 10 1/2-jährig 

war (vgl. Einvernahme vom 28.10.2011 in den beigezogenen Akten 

Proz.Nr. GG120282, Urk. 6/2). Abgesehen davon, dass bei jenem Verfahren nicht 

ihre Befindlichkeit im Vordergrund stand, zeigen ihre Depositionen in diesem Ver-

fahren, dass zwar schon 2008 und 2009 vereinzelt sexuelle Übergriffe des Be-

schuldigten stattfanden, dass die bedeutend gravierenden Vorfälle indessen da-

nach erfolgten. Auch unter diesem Aspekt ist nicht verwunderlich, dass B._____ 

die Verfehlungen ihres Stiefvaters damals nicht vorbrachte. 

6.14. Mit Bezug auf die von B._____ gemachten Angaben zur genauen Zahl der 

sexuellen Kontakte und der Häufigkeit der Schläge erwog die Vorinstanz zutref-

fend, dass der Umstand, dass B._____ keine exakteren Angaben machen konnte, 

die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen nicht schmälert (vgl. Urk. 51 S. 37). Wie be-

reits die Vorinstanz korrekt erwog, ist die Zahl von sehr häufig erfolgter Übergriffe, 

vorab für ein Kind wie B._____ immer noch eines ist, schwierig zu schätzen. Die 

Übergriffe erfolgten zudem über einen Zeitraum von mehreren Jahren, was die 

Angabe deren Anzahl noch schwieriger macht (vgl. Urk. 51 S. 37 zu Ziff. 7.3.11 2. 

Absatz). Die Aussagen von B._____ dazu, die die Vorinstanz in ihrem Entscheid 

wiedergab und hier nicht zu wiederholen sind (vgl. aber auch oben unter Ziff. 6.1 

und 6.2), zeigen mit aller Deutlichkeit, dass sie ihre Aussagen differenzierte und 

um eine korrekte Angabe bemüht war. Die Annahme, sie habe einfach nur da-

nach getrachtet, den Beschuldigten übermässig zu belasten, rechtfertigt sich 

nicht. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es sich dabei um Schätzungen 

handelt, ist letzten Endes die Grössenordnung (nämlich, dass es sich um eine 

Vielzahl handelte) von Belang und nicht deren genaue Anzahl.  

6.15. Die Vorinstanz ortete in Übereinstimmung mit der Verteidigung einen Wi-

derspruch in den Aussagen von B._____ mit Bezug auf den Beginn der sexuellen 

Übergriffe (vgl. Urk. 51 S. 37 Ziff. 7.3.12 und Urk. 34 S. 24 N 115 ff.), der in Tat 

und Wahrheit gar nicht vorliegt. So erklärte B._____ bereits in der ersten Befra-

gung, die Übergriffe hätten schon vor dem Vorfall, den sie in Zusammenhang mit 

der Geburt ihrer Schwester schilderte, angefangen (vgl. hierzu Darstellung der 

Aussagen oben unter Ziff. 6.1.1 unter Hinweis auf DVD D1/9/3 00:07:45; diesbe-

-   39   - 

züglich ist die Niederschrift der Befragung unvollständig!), was sie in der zweiten 

Befragung auf entsprechende Fragen konkretisierte (vgl. DVD D1/9/7 ab 00:08). 

Entsprechend sind ihre in der zweiten Befragung erfolgten Präzisierungen dazu, 

die im Übrigen eine Schätzung darstellen, nicht weiter verdächtig und vermögen 

an der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen nicht zu rütteln. Wenn die Verteidigung in 

ihren Ausführungen in der Berufungsschrift der Vorinstanz einen grosszügigen 

Umgang mit einem gravierenden Widerspruch vorwarf (vgl. Urk. 59 S. 9 f. zu 

Ziff. 26), so tat sie dies zu Unrecht.  

6.16. Zusammenfassend ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass die lebendi-

gen, vom Ablauf her äusserst realistischen und wiederholt wiedergegebenen de-

tailreichen, weitgehend übereinstimmenden und erlebt erscheinenden Aussagen 

der Privatklägerin als glaubhaft einzustufen sind und dass diese überzeugen. Sie 

verbieten insbesondere die Annahme, das geschilderte Kerngeschehen der mehr-

fachen Übergriffe hätte keinen realen Hintergrund. Nennenswerte Widersprüche 

scheinen dabei keine auf, obwohl die Privatklägerin B._____ sich mehrfach einer 

längeren Befragung aussetzen musste. Schliesslich spricht auch das Zustande-

kommen der Anzeige (B._____ suchte, nachdem die Mutter ihr nicht glaubte, Hilfe 

in der Schule und fand diese letztendlich im Mädchenhaus) gegen die Annahme 

einer erfundenen Geschichte. Denn sowohl das Erfinden wie auch nur schon das 

Nacherzählen derart unterschiedlicher Vorfälle erforderte eine enorme intellektuel-

le Leistung für ein Kind, wie die Privatklägerin eines war und immer noch ist. Vor-

liegend bestätigte die Privatklägerin B._____ ihre detaillierte Schilderung der un-

terschiedlichen Vorfälle ohne nennenswerte Widersprüche anlässlich einer zwei-

ten Befragung, was vollends ausschliesst, sie sei in der Lage gewesen, dies ohne 

realen Hintergrund zu tun. Daran ändert nichts, dass B._____ mehrfach erklärte, 

den Beschuldigten zu hassen und zu wollen, dass er sich von ihrer Mutter trenne, 

zumal sie dies unumwunden von sich aus einräumte.  

6.17. Dazu kommt, dass auch die Würdigung der übrigen Beweismittel zu kei-

nem anderen Ergebnis führt. 

6.17.1. Vorab stützen die Aussagen der Schwester I._____ die Darstellung der 

Privatklägerin B._____. Die Vorinstanz hielt die diesbezüglichen Aussagen von 

-   40   - 

I._____ in ihrem Entscheid fest, worauf verwiesen werden kann (Urk. 51 S. 41). 

Zutreffend hielt die Vorinstanz fest, dass ihre Aussagen angesichts ihres Alters 

zwar knapp ausfielen, dass diese aber grundsätzlich konstant und ehrlich wirkten 

sowie im Kerngehalt, was die körperlichen Übergriffe des Beschuldigten betrifft, 

die Aussagen von B._____ bestätigen. Mehrfach schilderte sie, B._____ sei vom 

Beschuldigten mit dem Gurt (sie zeigte dabei auf ihren Gurt, vgl. DVD D2/3/3 

00:08) geschlagen worden, wobei sie dazu bemerkte, das habe sie ganz viele 

Male gesehen. Sie schilderte auch, wohin der Beschuldigte schlug (auf den Rü-

cken und auf die Hand vgl. DVD D2/3/3 00:09), mit welche Gürtelteil (Metallstück 

vgl. DVD D2/3/3 00:11) und wo (in der Ecke, es ist wie eine Garderobe, vgl. DVD 

D2/3/3 00:11) dies geschah. Weiter sprach sie darüber, dass ihre Schwester da-

bei ganz fest habe schreien müssen, dass sie dabei Blut sah (zeigt auf ihre Hän-

de vgl. DVD D2/3/3 00:09), und gab an, sie habe, als der Beschuldigte B._____ 

geschlagen habe, weinen müssen vgl. DVD D2/3/3 00:13). Sie bestätigte sodann, 

selber vom Beschuldigten auf ihren Händen mit dem Lederteil des Gurtes ge-

schlagen worden zu sein, worauf ihre Hände rot gewesen seien, es habe wie ge-

brannt und sie habe weinen müssen, geblutet habe es nicht (vgl. DVD D2/3/3 

00:18 und 00:43). Die Mutter habe das gesehen und dabei nichts gesagt 

(vgl. DVD D2/3/3 00:18). Sie sei auch – so I._____ weiter – mit einem dünnen 

Stock, wohin wisse sie nicht mehr, und mit den Händen (I._____ zeigt auf ihre 

Rippengegend) geschlagen worden vgl. DVD D2/3/3 00:23). Auffallend ist, dass 

I._____ ganz am Anfang der Befragung sich danach erkundigte, ob sie ihren Va-

ter sehen könne (vgl. DVD D2/3/3 00:03), dass sie erklärte, es mit ihrem Vater 

schon noch gut zu haben (vgl. DVD D2/3/3 00:15), wobei sie hinzufügte, sie hätte 

gerne, dass der Vater nicht schlage (vgl. DVD D2/3/3 00:15), und dass sie ihn se-

hen möchte, weil sie ihn vermisse (vgl. DVD D2/3/3 00:49 und 00:58). Die Tatsa-

che, dass sich I._____ trotz der geschilderten Übergriffe auch positiv über ihren 

Vater äusserte, spricht gewiss – dies mit der Vorinstanz – für die Glaubhaftigkeit 

ihrer Aussagen, wobei auch deutlich wurde, dass sie sich in einem Loyalitätskon-

flikt befand, was auch die die Befragung beobachtende Psychologin bestätigte (so 

auch Vorinstanz in Urk. 51 S. 41). Nachdem I._____ insbesondere den Vorfall im 

Gang («in der Ecke») praktisch deckungsgleich mit B._____ schilderte, sind keine 

-   41   - 

Anzeichen auszumachen, dass sie diesbezüglich instruiert worden sein soll, wie 

dies die Verteidigung unterstellte (vgl. Urk. 34 S. 30). Dass der Beschuldigte somit 

sowohl B._____ als auch I._____ in der geschilderten Art schlug, steht fest. 

6.17.2. Aber auch die Aussagen der Mutter bestätigen vielfach die Aussagen von 

B._____. J._____ (im Folgenden als Mutter bezeichnet) bestätigte in der Untersu-

chung und auch vor Vorinstanz in Übereinstimmung mit den Aussagen von 

B._____ mehrfach, dass die «Berührungen» angesprochen worden seien (vgl. 

Vorinstanz in Urk. 51 S. 25 unter Angabe der entsprechenden Aktenstellen). So-

wohl B._____ als auch deren Mutter führten übereinstimmend aus, dass die Be-

rührungen dabei nicht konkreter geschildert worden seien, sondern dass B._____ 

der Mutter lediglich mitgeteilt habe, der Beschuldigte fasse sie an den Ober-

schenkeln, den Armen und an der Brust an (vgl. auch Vorinstanz Urk. 51 S. 26 

unter Hinweis auf die Aussagen der Mutter in Prot. I S. 13) resp. er berühre sie 

am ganzen Körper, an den intimen Stellen (Urk. D1/10/12 S. 6). Dass B._____ 

aber – wie es die Verteidigung vorbringt – der Mutter konkret gesagt hätte, dass 

der Beschuldigte sie ausziehe und dann Sex von ihr wolle (vgl. Urk. 112 S. 9), ist 

nicht aktenkundig. Überdies erklärte die Mutter am 13. Dezember 2016 vor Vo-

rinstanz, sie habe mit B._____ "noch nicht wirklich" darüber (gemeint: die Vorfälle) 

sprechen können, sie könne mit ihr solche Sachen nicht besprechen (Prot. I S. 19 

f.), was auf eine diesbezüglich dürftige Kommunikation zwischen Mutter und 

Tochter auch vor Anzeigeerstattung hindeutet. Mit Bezug auf den Zeitpunkt des 

ersten Gesprächs und die Häufigkeit solcher Gespräche ortete die Vorinstanz in 

den Aussagen der Mutter zwar gewisse Abweichungen, die sich indessen mit 

dem Zeitablauf mühelos erklären lassen, was die Vorinstanz im Einzelnen darleg-

te und worauf hier verwiesen werden kann (vgl. Urk. 51 S. 26 f.). Die Mutter schil-

derte sodann in sämtlichen (3) Befragungen gleichbleibend, dass sie den Be-

schuldigten zur Rede gestellt habe, worauf er die Berührungen abgestritten, bzw. 

einräumt habe, dass es möglich sei, dass er sie unabsichtlich berührt habe, als er 

neben ihr gelegen sei (vgl. Urk. 51 S. 26 unter konkreter Hinweis auf die Akten, 

vgl. auch Prot. I S. 21), was mit B._____s Darstellung seiner Reaktion überein-

stimmt. Die Vorinstanz erwog daher zu Recht, dass die Aussagen von B._____ 

und deren Mutter, wonach derartige Gespräche mehrmals zwischen ihnen statt-

-   42   - 

gefunden hätten, als glaubhaft erscheinen. Schliesslich steht fest, dass die Mutter 

trotz dieser Gespräche nicht zu einer Anzeige schritt, was indessen entgegen der 

Verteidigung nicht auf nie stattgefundene Vorgespräche schliessen lässt (vgl. Urk. 

59 S. 5 f.), sondern dem Loyalitätskonflikt der Mutter zwischen ihrem Ehemann 

und ihrer Tochter zuzuschreiben und darauf zurückzuführen ist, dass B._____ ihr 

selber erklärt hatte, sie diesbezüglich angelogen zu haben, was bereits die Vo-

rinstanz überzeugend darlegte (vgl. Vorinstanz in Urk. 51 S. 27). Weiter halten die 

Vorbringen der Verteidigung, es sei unglaubhaft, dass die Mutter B._____ nach 

Anzeigeerstattung plötzlich geglaubt habe, obwohl sie dazumal genau gleich viel 

gewusst habe wie vorher, vielmehr habe die Mutter ab jenem Zeitpunkt eine an-

dere Einstellung zu diesen Vorwürfen gehabt, weil ihr diese selber nützlich gewe-

sen sein dürften (Urk. 112 S. 8 f., Prot. II S. 19 f.), nicht stand. Die Mutter legte 

gegenüber der Staatsanwaltschaft dar, dass sie heute B._____ glaube, weil diese 

detaillierte Aussagen gemacht habe und ein Kind solche Dinge sonst nicht im De-

tail umschreiben könnte (Urk. D1/10/2 S. 8). Zumal B._____s frühere Äusserun-

gen betreffend die Übergriffe des Beschuldigten wie erwähnt nur sehr unklar und 

allgemein gehalten ausfielen, vermag die Mutter mit ihrer Argumentation zu über-

zeugen. Zudem dürften B._____s Behauptungen in Form von Aussagen gegen-

über Behörden in der Wahrnehmung der Mutter – entgegen der Ansicht der Ver-

teidigung (vgl. Urk. 112 S. 8) – ein ganz anderes Gewicht erhalten haben, sodass 

im Umstand, dass die Mutter ihrer Tochter nach deren Anzeigeerstattung plötzlich 

glaubte, kein Unrechtsgehalt erkennbar ist. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, 

dass in der Praxis unzählige Fälle bekannt sind, in denen die Mütter von Opfern 

sexueller Übergriffe die Realität zunächst nur sehr schwer akzeptieren können 

respektive wollen. Weiter ist zu berücksichtigen, dass die Mutter durch ihr Einge-

ständnis, von B._____ auf die Berührungen aufmerksam gemacht worden zu 

sein, jedoch nichts unternommen zu haben, sich als nicht fürsorgliche, ja pflicht-

vergessene Erzieherin darstellte (vgl. Urk. D1/10/2 S. 8 und D1/19/2 S. 17), was 

auf den realen Hintergrund ihrer Schilderungen schliessen lässt (so im Ergebnis 

auch Vorinstanz in Urk. 51 S. 27). Dass nämlich eine Mutter sich diesbezüglich 

vorsätzlich wahrheitswidrig in einem derart schlechten Licht zeigen will, ist abwe-

gig und nicht anzunehmen. Nachgeschoben und konstruiert erscheint die vom 

-   43   - 

Beschuldigten anlässlich der Einvernahme vom 19. Mai 2016 (mithin nach über 

drei Monaten Haft) wiedergegebene Geschichte, wonach Q._____, eine Freundin 

seiner Frau, und seine Frau sich dahingehend abgesprochen hätten, ihre Männer 

(mithin auch den Beschuldigten) fertigmachen zu wollen, in welchem Zusammen-

hang der Beschuldigte erstmals den Gedanken äusserte, dass das Ganze von 

seiner Frau geplant und ein Grossteil aller Vorwürfe miteinander abgesprochen 

worden sei (vgl. Urk. D1/8/5 S. 3 f.). Nachdem der Beschuldigte in der Einver-

nahme vom 19. Mai 2016 noch den Wunsch äusserte, seine Frau sei hierzu zu 

befragen (Urk. D1/8/5 S. 4), machten an der vorinstanzlichen Hauptverhandlung 

weder er noch die Verteidigung von der Möglichkeit Gebrauch, die Zeugin 

J._____ hierzu zu Rede zu stellen. Auch gab er in der Berufungsverhandlung an, 

keine Zeit gehabt zu haben, sich bei Q._____ oder deren Ehemann darüber zu 

erkundigen (Urk. 111 S. 13). Daraus ist zu schliessen, dass der Beschuldigte sel-

ber nicht allzu viel auf diese Version gibt oder einsieht, dass er sich – wie es die 

Verteidigung an der Berufungsverhandlung erwog (Prot. II S. 18) – "getäuscht" 

haben könnte. Zusätzlich kann auf die korrekten Erwägungen der Vorinstanz ver-

wiesen werden, die diese Theorie des Beschuldigten als nicht plausibel und un-

geeignet bezeichnet hat, Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussagen der Zeugin 

J._____ zu wecken, zumal sie im ganzen Verfahren den Beschuldigten ja gerade 

nie direkt belastete (so Vorinstanz in Urk. 51 S. 28). Die Vorinstanz setzte sich im 

Vorfeld der Würdigung der Aussagen von J._____ auch mit dem Einwand der 

Verteidigung auseinander, die ausgeführt hatte, diese Belastungsperson sei nicht 

ernst zu nehmen (vgl. Urk. 51 S. 24 f. unter Hinweis auf das Vorbringen der Ver-

teidigung), und verwarf zu Recht diesen Standpunkt. Auf die erstinstanzliche Be-

gründung kann hier verwiesen werden. Wenn die Verteidigung das Wiederaufle-

ben der Witwenrente als möglichen Grund für die Voreingenommenheit der Mutter 

von B._____ ins Feld führt, so blendet sie die Umstände, die zur Anzeigeerstat-

tung durch B._____ ohne Zutun ihrer Mutter führten, komplett aus. Im Übrigen 

hatten weder B._____ noch deren Mutter Einfluss auf die Dauer des Scheidungs-

verfahrens. Dass die Scheidung letztlich so schnell erfolgte, was die Witwenrente 

wiederaufleben liess, hat alleine mit der Kooperation des Beschuldigten zu tun, 

was die Verteidigung sehr wohl weiss. Es ist deshalb unverständlich, dass u.a. mit 

-   44   - 

dieser Argumentation versucht wird, die Zeugin zu diskreditieren. Ebenso unver-

ständlich ist die Rüge der Verteidigung in der Berufungsschrift (vgl. Urk. 5