# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5f488c78-e8cb-5df7-a89d-9a2a28fe66a5
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-05-26
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 26.05.2020 S 2019 45
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2019-45_2020-05-26.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 19 45

2. Kammer als Versicherungsgericht

Einzelrichterin von Salis und Paganini als Aktuar

URTEIL

vom 26. Mai 2020

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____,

Beschwerdeführerin

gegen 

Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit Graubünden,

Beschwerdegegner

betreffend Einstellung in der Anspruchsberechtigung

- 2 -

1. A._____ war zuletzt als Pflegefachfrau tätig. Am 1. Oktober 2018 meldete 

sie einen Anspruch auf Arbeitslosenversicherungstaggeld im Umfang von 

100 % ab selbigem Datum an.

2. Nachdem A._____ trotz entsprechender Aufforderungen die vollständigen 

aktuellen Bewerbungsunterlagen nicht eingereicht hatte, wurde sie mit Ver-

fügung vom 7. Februar 2019 wegen Missachtung einer Weisung für drei 

Tage in der Anspruchsberechtigung eingestellt.

3. Die dagegen erhobene Einsprache wies das Amt für Industrie, Gewerbe 

und Arbeit Graubünden (KIGA) mit Einspracheentscheid vom 19. März 

2019 ab mit der Begründung, A._____ sei der Nachweis nicht gelungen, 

der Weisung ihres Personalberaters betreffend Bewerbungsschreiben 

rechtzeitig nachgekommen zu sein.

4. Gegen diesen Entscheid erhob A._____ (nachfolgend: Beschwerdeführe-

rin) am 15. April 2019 Einsprache (recte: Beschwerde) an das Verwaltungs-

gericht des Kantons Graubünden mit dem Antrag auf dessen Aufhebung.

5. In seiner Vernehmlassung vom 8. Mai 2020 schloss das KIGA (nachfol-

gend: Beschwerdegegner) auf Abweisung der Beschwerde. 

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften, den 

angefochtenen Entscheid sowie die weiteren Akten, wird, sofern erforder-

lich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:

- 3 -

1.1. Angefochten ist der Einspracheentscheid des Beschwerdegegners vom 19. 

März 2019, womit dieser die Einsprache der Beschwerdeführerin gegen die 

Verfügung vom 7. Februar 2019, wonach die Beschwerdeführerin für drei 

Tage in der Anspruchsberechtigung eingestellt wird, abwies. 

1.2. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeits-

losenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) 

i.V.m. Art. 2 sowie Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den 

Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann 

gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslosenversiche-

rung Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. 

Gemäss Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 2 der Verordnung über 

die obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung 

(AVIV; SR 837.02) ist für die Beurteilung von Beschwerden gegen Verfü-

gungen (Einspracheentscheide) einer kantonalen Amtsstelle das Verwal-

tungsgericht desselben Kantons örtlich zuständig. Der angefochtene Ein-

sprachenentscheid wurde vom Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit 

Graubünden (KIGA) als kantonale Amtsstelle im Sinne von Art. 85 AVIG 

erlassen, sodass die örtliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts ge-

geben ist. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kan-

tons Graubünden ergibt sich aus Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a 

des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 

370.100). Als Adressatin des angefochtenen Entscheids ist die Beschwer-

deführerin berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an dessen Auf-

hebung oder Änderung auf (vgl. Art. 59 ATSG). Ihre Beschwerdelegitima-

tion ist daher gegeben. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht einge-

reichte Beschwerde (vgl. Art. 60 und Art. 61 lit. a ATSG) ist demnach ein-

zutreten.

1.3. Nach Art. 43 Abs. 3 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege 

(VRG; BR 370.100) entscheidet das Verwaltungsgericht in einzelrichterli-

- 4 -

cher Kompetenz, wenn der Streitwert Fr. 5'000.-- nicht überschreitet und 

keine Fünferbesetzung (Art. 43 Abs. 2 VRG) vorgeschrieben ist. Ausgangs-

punkt für die Bemessung des Streitwerts ist der versicherte Verdienst der 

Beschwerdeführerin von Fr. 3'528.-- (vgl. dazu Akten des Beschwerdegeg-

ners [Bg-act.] 1). Dieser Verdienst wird zum Taggeldsatz von 80 % ent-

schädigt. Die Beschwerdeführerin hat demzufolge Anspruch auf ein Tag-

geld von Fr. 130.05 (Fr. 3'528.-- x 0.8 : 21.7 Tage [vgl. Art. 40a AVIV]). Aus 

der vom Beschwerdegegner verfügten und von der Beschwerdeführerin an-

gefochtenen Einstellungsdauer von drei Tagen in der Anspruchsberechti-

gung ergibt sich ein Streitwert von Fr. 390.15 (3 x Fr. 130.05). Da der Streit-

wert somit unter Fr. 5'000.-- liegt und die Streitsache nicht in Fünferbeset-

zung entschieden werden muss, ist die Zuständigkeit der Einzelrichterin ge-

geben.

2. Die Beschwerdeführerin wurde wegen Missachtung einer Weisung in der 

Anspruchsberechtigung eingestellt. 

2.1. Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG ist die Versicherte in der Anspruchsbe-

rechtigung einzustellen, wenn sie die Kontrollvorschriften oder die Weisun-

gen der zuständigen Amtsstelle nicht befolgt, namentlich eine zumutbare 

Arbeit nicht annimmt oder eine arbeitsmarktliche Massnahme ohne ent-

schuldbaren Grund nicht antritt, abbricht oder deren Durchführung 

oder Zweck durch sein Verhalten beeinträchtigt oder verunmöglicht.

2.2. Der Beschwerdegegner macht geltend, die Beschwerdeführerin sei erst-

mals am 3. Oktober 2018 angewiesen worden, ihre Bewerbungsunterlagen 

einzureichen, wobei auch das Bewerbungsschreiben ausdrücklich erwähnt 

worden sei. Trotz wiederholter Mahnung sei das Bewerbungsschreiben 

erstmals am 3. Februar 2019, mithin lange Zeit nach Ablauf sämtlicher Fris-

ten eingegangen. Die Behauptung der Beschwerdeführerin, sie sei der 

Weisung nachgekommen, sei unbewiesen geblieben. Zwar habe sie (eben-

- 5 -

falls verspätet) ihre übrigen Bewerbungsunterlagen um den 19. Dezember 

2018 eingereicht, das Bewerbungsschreiben habe sie indes nie zugestellt. 

2.3. Die Beschwerdeführerin wendet zunächst ein, das Gesetz enthalte die Auf-

forderung zum Einreichen von Bewerbungsunterlagen nicht. Darauf erwi-

dert der Beschwerdegegner, der zuständige Personalberater sei gegenü-

ber einer versicherten Person weisungsbefugt. Damit der Personalberater 

überprüfen könne, ob sich die versicherte Person sachgerecht um Arbeit 

bemühe, müsse er mindestens einmal ein Bewerbungsschreiben der ver-

sicherten Person sehen können. Dem kann zugestimmt werden. Art. 17 

Abs. 3 lit. c AVIG sieht denn auch vor, dass die Versicherte auf Weisung 

der zuständigen Amtsstelle die Unterlagen für die Beurteilung seiner Ver-

mittlungsfähigkeit oder der Zumutbarkeit einer Arbeit zu liefern hat. Dieser 

Einwand der Beschwerdeführerin ist demnach unbegründet. 

2.4. Weiter rügt die Beschwerdeführerin, die verlangten Unterlagen habe sie 

bereits am 19. Dezember 2018 per E-Mail an den Personalberater gesen-

det. Auf Verlangen hin habe sie ihm am 10. Januar 2019 die Unterlagen 

nochmals per Post zugestellt. Diese Sachverhaltsdarstellung kann die Be-

schwerdeführerin jedoch nicht nachweisen, weshalb die Beweislosigkeit zu 

ihren Ungunsten ausfällt (vgl. BGE 138 V 218 E.6). Es ist demnach davon 

auszugehen, dass das Bewerbungsschreiben dem Beschwerdegegner erst 

am 3. Februar 2019 zuging, d.h. erst nachdem der Beschwerdegegner mit 

Schreiben vom 24. Januar 2019 (Bg-act. 10) die Beschwerdeführerin auf 

die unterlassene Einreichung des Bewerbungsschreibens aufmerksam ge-

macht und zur Stellungnahme hierzu aufgefordert hatte. Die Beschwerde-

führerin wurde bereits am 3. Oktober 2018 zur Einreichung der Bewer-

bungsunterlagen, darunter auch des Bewerbungsschreibens (vgl. Bg-act. 

5), aufgefordert. Sodann hat sie anlässlich des Gesprächs vom 22. Oktober 

2018 behauptet, die Bewerbungsunterlagen per E-Mail zugeschickt zu ha-

ben, was das RAV jedoch nicht bestätigen konnte (vgl. Protokoll vom 22. 

- 6 -

Oktober 2018 [Bg-act. 6]). Während des weiteren Gesprächs vom 5. De-

zember 2018 stellte das RAV abermals fest, dass die Bewerbungsunterla-

gen noch nicht eingereicht worden waren (vgl. Protokoll vom 5. Dezember 

2018 [Bg-act. 7]). Die weiterhin fehlenden Unterlagen wurden auch anläss-

lich des Gesprächs vom 19. Dezember 2018 thematisiert, wobei der Be-

schwerdeführerin eine Frist bis zum 21. Dezember 2018 zur Zustellung der 

betreffenden Unterlagen angesetzt wurde (vgl. Protokoll vom 19. Dezem-

ber 2018 [Bg-act. 8]). Nachdem die Beschwerdeführerin dem Personalbe-

rater entsprechende Dokumente zugestellt hatte, bat sie der Personalbera-

ter mit E-Mail vom 20. Dezember 2018 noch darum, ihm das Bewerbungs-

schreiben zur Vervollständigung ihres Bewerbungsdossiers zuzustellen 

(vgl. Bg-act. 9). Diese Aufforderung wiederholte der Personalberater in der 

E-Mail vom 8. Januar 2019, wobei er der Beschwerdeführerin eine Frist bis 

zum 10. Januar 2019 zur Einreichung eines aktuellen Bewerbungsschrei-

bens ansetzte (vgl. Bg-act. 9). Dieser Aufforderung kam die Beschwerde-

führerin wiederum nicht nach. Die Einstellung in der Anspruchsberechti-

gung erfolgte somit zu Recht. 

3. Der Beschwerdegegner hat auf eine Einstellung von drei Tagen erkannt. 

Die Einstellungsdauer liegt im Rahmen des leichten Verschuldens (vgl. Art. 

45 Abs. 3 AVIV). Hierin kann das Gericht keine Verletzung des der Verfü-

gungsinstanz zukommenden, grossen Ermessenspielraums (vgl. BGE 126 

V 353 E.5d; Urteil des Bundesgerichts 8C_22/2008 vom 5. März 2008 E.3) 

erkennen. 

4. Nach dem Gesagten erweist sich der angefochtene Entscheid sowohl 

bezüglich der Einstellung in der Anspruchsberechtigung an sich als auch 

bezüglich der Höhe der verfügten Einstelldauer als gerechtfertigt, weshalb 

die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist. 

5. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG ist das kantonale Beschwerdeverfahren in 

Sozialversicherungssachen  ausser bei leichtsinniger oder mutwilliger 

- 7 -

Prozessführung  kostenlos, weshalb vorliegend keine Kosten erhoben 

werden. Dem obsiegenden Beschwerdegegner steht kein Anspruch auf 

Ersatz der Parteikosten zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).

Demnach erkennt die Einzelrichterin:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Es werden keine Kosten erhoben.

3. [Rechtsmittelbelehrung]
 

4. [Mitteilungen]