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**Case Identifier:** f65be7e1-e770-5adc-ad43-4410ade0be83
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-06-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.06.2017 BVGE 2017 I/4
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2017-I-4_2017-06-19.pdf

## Full Text

2017 I/4 Verfahrenskosten. Radio- und Fernsehempfangsgebühren 

 

 

24 I BVGE / ATAF / DTAF  

 

2017 I/4 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung I 
i.S. A. gegen Bundesamt für Kommunikation 

A‒6700/2016 vom 19. Juni 2017 

Verfahrenskosten im Verwaltungsbeschwerdeverfahren im Kontext 

einer ungenügend begründeten erstinstanzlichen Verfügung. 

Art. 63 Abs. 1 VwVG. Art. 4a Bst. b der Verordnung vom 10. Septem-

ber 1969 über Kosten und Entschädigungen im Verwaltungsver-

fahren.  

1. Erhebung von Verfahrenskosten. Gründe für einen Verzicht aus 
Billigkeit (E. 3). 

2. Ungenügende Begründung der erstinstanzlichen Verfügung. Hei-
lung der Gehörsverletzung durch die Vorinstanz (E. 4). 

3. Ermessensspielraum der Vorinstanz im Kostenpunkt. Wegen der 
Gehörsverletzung sind keine Verfahrenskosten durch die Vorin-

stanz zu erheben (E. 5). 

Frais de procédure dans la procédure de recours administratif dans le 

cadre d'une décision de première instance insuffisamment motivée.  

Art. 63 al. 1 PA. Art. 4a let. b de l'ordonnance du 10 septembre 1969 

sur les frais et indemités en procédure administrative. 

1. Perception des frais de procédure. Motifs pour une renonciation 
par équité (consid. 3). 

2. Motivation insuffisante de la décision de première instance. Gué-
rison de la violation du droit d'être entendu par l'autorité infé-

rieure (consid. 4). 

3. Marge d'appréciation de l'autorité inférieure sur la question des 
frais. Compte tenu de la violation du droit d'être entendu, l'auto-

rité inférieure doit renoncer à percevoir des frais de procédure 

(consid. 5). 

Spese processuali nella procedura di ricorso amministrativo in pre-

senza di una decisione di prima istanza insufficientemente motivata.  

Verfahrenskosten. Radio- und Fernsehempfangsgebühren 2017 I/4 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF I 25 

 

Art. 63 cpv. 1 PA. Art. 4a lett. b dell'ordinanza del 10 settembre 1969 

sulle tasse e spese nella procedura amministrativa.  

1. Riscossione di spese processuali. Motivi di una rinuncia per equità 
(consid. 3). 

2. Insufficiente motivazione della decisione di prima istanza. 
Sanatoria della violazione del diritto di essere sentito da parte 

dell'autorità inferiore (consid. 4). 

3. Margine d'apprezzamento dell'autorità inferiore in merito alle 
spese. Vista la violazione del diritto di essere sentito, l'autorità 

inferiore deve rinunciare alla riscossione di spese processuali 

(consid. 5). 

 

A. ist seit 1998 bei der Billag AG für den privaten Radio- und Fernseh-

empfang angemeldet. 

Am 25. Mai 2016 ersuchten B. und A. die Billag AG um eine Unterbre-

chung der Gebührenpflicht für die Zeitspanne vom 8. Juni 2016 bis 

28. Oktober 2016, da sie wie jedes Jahr die Sommer- und Herbstmonate 

im Ausland verbrächten.  

Im Antwortschreiben vom 21. Juni 2016 erklärte die Billag AG, eine Ab-

meldung des Radio- und Fernsehempfangs sei nicht möglich. Gemäss den 

vorliegenden Informationen bleibe der Haushalt während des Auslandauf-

enthalts bestehen und es seien Geräte vorhanden. A. werde daher weiterhin 

eine Rechnung erhalten.  

Am 22. Juni 2016 verfügte die Billag AG (nachfolgend: Erstinstanz), A. 

sei seit dem 1. Dezember 2015 ununterbrochen für den privaten Radio- 

und Fernsehempfang gebührenpflichtig.  

Gegen diese Verfügung führte A. mit Eingabe vom 12. Juli 2016 Be-

schwerde beim Bundesamt für Kommunikation (BAKOM). 

Das BAKOM (nachfolgend: Vorinstanz) wies mit Verfügung vom 29. Sep-

tember 2016 die Beschwerde von A. ab und legte ihm die Verfahrenskosten 

von Fr. 200.‒ auf, zahlbar innert 30 Tagen.  

Am 24. Oktober 2016 reichte A. (nachfolgend: Beschwerdeführer) beim 

Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die Verfügung der Vorin-

2017 I/4 Verfahrenskosten. Radio- und Fernsehempfangsgebühren 

 

 

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stanz vom 29. September 2016 ein. Er beantragt, es seien ihm keine Ver-

fahrenskosten aufzuerlegen und die Fr. 200.‒, die er schon bezahlt habe, 

seien ihm zurückzuerstatten.  

Das Bundesverwaltungsgericht heisst die Beschwerde im Sinne der Erwä-

gungen gut.  

Aus den Erwägungen: 

3. Nach Art. 63 Abs. 1 VwVG auferlegt die Beschwerdeinstanz die 
Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei. Ausnahmsweise 

können sie erlassen werden. Ein Erlass der Verfahrenskosten ist nament-

lich aus Billigkeitsgründen möglich (vgl. MARCEL MAILLARD, in: Praxis-

kommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, Art. 63 N. 18 f., nachfolgend: Praxis-

kommentar).  

Gemäss Art. 4a Bst. b der Verordnung vom 10. September 1969 über Kos-

ten und Entschädigungen im Verwaltungsverfahren (SR 172.041.0, nach-

folgend: VKEV) können Verfahrenskosten ganz oder teilweise erlassen 

werden, wenn Gründe in der Sache oder in der Person der Partei es als 

unverhältnismässig erscheinen lassen, sie ihr aufzuerlegen. Ein solcher 

Grund kann insbesondere darin liegen, dass eine Verletzung des Anspruchs 

auf rechtliches Gehör im Rechtsmittelverfahren geheilt beziehungsweise 

behoben wird, selbst wenn die Beschwerde in materieller Hinsicht ab-

zuweisen ist (vgl. zum wortgleichen Art. 6 Bst. b des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2] BVGE 2008/47 E. 5.1; Urteile 

des BVGer A‒6313/2015 vom 27. April 2016 E. 7.1, A‒3593/2014 vom 

13. April 2015 E. 6.1, A‒6377/2013 vom 12. Januar 2015 E. 5 und  

A‒821/2013 vom 2. September 2013 E. 6.2; WEISSENBERGER/HIRZEL, in: 

Praxiskommentar, a.a.O., Art. 6 VGKE N. 14; vgl. ferner BGE 131 II 200 

E. 4.3 und 7.3; LORENZ KNEUBÜHLER, Die Kostenverlegung im Be-

schwerdeverfahren des Bundes, ZBl 106/2005 S. 466). 

4.  
4.1 Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, die Vor-
instanz hätte ihm keine Verfahrenskosten auferlegen dürfen, da die Erstin-

stanz das Beschwerdeverfahren verursacht habe. Diese habe die Verfü-

gung vom 22. Juni 2016 nicht rechtsgenüglich begründet und ihn dadurch 

veranlasst, bei der Vorinstanz Beschwerde zu erheben.  

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In der Vernehmlassung stellt sich die Vorinstanz auf den Standpunkt, dass 

in casu keine Billigkeitsgründe vorlägen, welche einen Erlass der Verfah-

renskosten rechtfertigen würden. Insbesondere sei die erstinstanzliche 

Verfügung vom 22. Juni 2016 ‒ unter Berücksichtigung, dass es sich beim 

Inkasso der Empfangsgebühren um ein Massengeschäft handle ‒ genü-

gend begründet.  

Während der Beschwerdeführer somit von einer Verletzung der Begrün-

dungspflicht ausgeht, erachtet die Vorinstanz anlässlich der Vernehmlas-

sung die erstinstanzliche Verfügung als hinreichend begründet. Da sich 

diese Frage auf die hier zur Hauptsache strittige Kostenregelung nieder-

schlägt, ist dieser Punkt rechtserheblich und vorab zu klären. 

4.2 Die Parteien haben im Verwaltungs- und im verwaltungsgericht-
lichen Verfahren Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV und 

Art. 29 ff. VwVG). Dazu gehört, dass die Behörde ihren Entscheid in einer 

nachvollziehbaren Weise begründet, sodass er sachgerecht angefochten 

werden kann (Art. 35 Abs. 1 VwVG). In diesem Sinn müssen wenigstens 

kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sie sich hat leiten 

lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, 

dass sie sich ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und je-

dem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss. Vielmehr kann sie sich 

auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (vgl. zum 

Ganzen BGE 141 III 28 E. 3.2.4, 138 I 232 E. 5.1, 136 I 229 E. 5.2; Urteil 

des BGer 1C_311/2016 vom 14. März 2017 E. 3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1; 

UHLMANN/SCHILLING-SCHWANK, in: Praxiskommentar, a.a.O., Art. 35 

N. 17 ff.; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwal-

tungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 629 f.). 

Welchen Anforderungen eine Begründung zu genügen hat, ist im Einzel-

fall anhand der konkreten Umstände und der Interessen der Betroffenen 

festzulegen. Die Begründungsdichte ist dabei insbesondere abhängig von 

der Entscheidungsfreiheit der Behörde, der Eingriffsintensität des Ent-

scheids sowie der Komplexität des Sachverhalts und der sich stellenden 

Rechtsfragen (vgl. BGE 129 I 232 E. 3.3; Urteil des BGer 1B_696/2012 

vom 11. Dezember 2012 E. 3.1; Urteile des BVGer A‒3593/2014 E. 3.2, 

A‒3671/2014 vom 4. März 2015 E. 4.1 und A‒6377/2013 E. 3.3; 

UHLMANN/SCHILLING-SCHWANK, in: Praxiskommentar, a.a.O., Art. 35 

N. 18 f.; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 631). Eine minimale Be-

gründung vermag dann zu genügen, wenn der Entscheid die Interessen des 

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Betroffenen nur am Rande tangiert oder wenn die Gründe für den Ent-

scheid offensichtlich sind. Auch in diesem Fall muss sich der Betroffene 

jedoch über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn 

sachgerecht anfechten können. Die Behörde darf sich daher in der Regel 

nicht damit begnügen, die anwendbare Rechtsnorm wiederzugeben, son-

dern hat in erkennbarer Weise aufzuzeigen, aus welchen Gründen sie den 

Sachverhalt der anwendbaren Norm unterstellt. Einzig bei klarer Sachlage 

und bestimmten Normen kann der Hinweis auf die Rechtsgrundlage(n) 

genügen (vgl. zum Ganzen Urteile des BVGer A‒6377/2013 E. 3.3 und 

A‒1239/2012 vom 18. Dezember 2013 E. 4.2; GEROLD STEINMANN, in: 

St. Galler Kommentar BV, 3. Aufl. 2014, Art. 29 Rz. 49; KÖLZ/HÄNER/ 

BERTSCHI, a.a.O., Rz. 632; RENÉ WIEDERKEHR, Die Begründungspflicht 

nach Art. 29 Abs. 2 BV und die Heilung bei Verletzung, ZBl 111/2010 

S. 489; je m.H.). 

Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur, weshalb seine 

Verletzung ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache 

grundsätzlich zur Aufhebung der mit dem Verfahrensmangel behafteten 

Verfügung führt. Eine Gehörsverletzung kann indes ausnahmsweise als 

geheilt gelten, wenn die Gewährung des rechtlichen Gehörs in einem 

Rechtsmittelverfahren nachgeholt wird, in dem die Rechtsmittelinstanz 

mit der gleichen Kognition prüft wie die Vorinstanz, die Gehörsverletzung 

nicht besonders schwer wiegt und der betroffenen Partei durch die Heilung 

kein Nachteil entsteht (vgl. zum Ganzen BGE 137 I 195 E. 2.3.2; Urteil 

des BGer 4A_453/2016 vom 16. Februar 2017 E. 2.4; BVGE 2013/46 

E. 6.3.7, 2012/24 E. 3.4; Urteil des BVGer A‒3423/2016 vom 26. April 

2017 E. 5.1; WALDMANN/BICKEL, in: Praxiskommentar, a.a.O., Art. 29 

N. 114 ff.; je m.H.). 

4.3 Entgegen der von der Vorinstanz in der Vernehmlassung vertre-
tenen Auffassung wird die erstinstanzliche Verfügung diesen rechtlichen 

Vorgaben zur Begründungspflicht nicht gerecht. Zu beachten ist, dass B. 

in der E-Mail vom 22. Juni 2016 substantiiert geltend machte, die Erstin-

stanz habe noch im Vorjahr ihrem gleich lautenden Gesuch um eine zeit-

weilige Unterbrechung der Gebührenpflicht stattgegeben. Das besagte 

Schreiben der Erstinstanz vom 24. August 2015 fügte sie als Anhang bei. 

Dennoch ging die Erstinstanz in der in der Folge erlassenen Verfügung mit 

keinem Wort darauf ein. Auch wenn es sich beim Inkasso der Empfangs-

gebühren fraglos um eine Massenverwaltung handelt und der Beschwerde-

führer nicht schwerwiegend in seinen Rechten betroffen ist, hätte die Erst-

instanz bei dieser Sachlage zumindest kurz ausführen müssen, weshalb die 

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erlassene Verfügung von ihrem Schreiben des Vorjahrs diametral ab-

weicht. Die Erstinstanz hätte mithin erklären müssen, wie es sich mit ihrer 

vom Beschwerdeführer als willkürlich bezeichneten Praxis verhält. Abge-

sehen davon ist die erstinstanzliche Begründung insgesamt äusserst knapp 

und allgemein gehalten. Die Erstinstanz hat es versäumt, dem Beschwer-

deführer auf eine nachvollziehbare Weise aufzuzeigen, aus welchen Grün-

den er sich nicht vorübergehend für die Dauer seines Auslandsaufenthalts 

abmelden kann.  

4.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Erstinstanz in der Ver-
fügung die ihr obliegende Begründungspflicht und damit das rechtliche 

Gehör des Beschwerdeführers verletzt hat. Erst mit der ausführlichen Be-

gründung der Vorinstanz im Beschwerdeentscheid wurde dieser Mangel 

geheilt.  

5.  
5.1 Im Beschwerdeentscheid hat die Vorinstanz eine Verletzung der 
Begründungspflicht nicht eigens geprüft mit der Folge, dass dieser formel-

le Mangel bei der Verlegung der Verfahrenskosten unberücksichtigt ge-

blieben ist. Zu prüfen bleibt daher, ob die Vorinstanz infolge Verletzung 

des rechtlichen Gehörs im erstinstanzlichen Verfahren ausnahmsweise von 

einer Auferlegung der Verfahrenskosten an den unterliegenden Beschwer-

deführer hätte absehen müssen.  

5.2 Wie eingangs ausgeführt, können die Verfahrenskosten nach 
Art. 63 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 4a Bst. b VKEV aus-

nahmsweise erlassen werden (vgl. E. 3). Beim Kostenentscheid kommt 

der Behörde ein grosses Ermessen zu (vgl. MAILLARD, in: Praxiskom-

mentar, a.a.O., Art. 63 N. 26). Das Ermessen ist pflichtgemäss auszuüben, 

das heisst, der Entscheid hat rechtmässig und angemessen zu sein (vgl. 

HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 

2016, Rz. 409 ff. m.H.).  

5.3 Die ungenügende Begründung der erstinstanzlichen Verfügung 
ist vorliegend als erheblich zu erachten. Zugunsten eines Erlasses der Ver-

fahrenskosten sprechen auch die Gesamtumstände. Zu beachten ist insbe-

sondere, dass die Erstinstanz mit ihrem Schreiben vom 24. August 2015, 

in welchem sie die zeitweilige Unterbrechung der Gebührenpflicht noch 

akzeptiert hatte, einen wesentlichen Anlass für das spätere Beschwerde-

verfahren setzte. Es ist daher gerechtfertigt, dem Beschwerdeführer die 

Verfahrenskosten für das vorinstanzliche Beschwerdeverfahren trotz 

seines Unterliegens vollständig zu erlassen.